PRIMS Full-text transcription (HTML)
[I]
Theorie der Gartenkunſt.
[figure]
Zweyter Band.
Leipzig,bey M. G. Weidmanns Erben und Reich.1780.
[II][III]

Vorbericht.

Bey der Ausgabe dieſes zweyten Bandes beziehe ich mich auf das, was in dem Vorbericht des erſten ſowohl uͤber die Einrichtung, als auch uͤber die Beduͤrfniſſe dieſes Unternehmens geſagt iſt.

Nur eine Bemerkung, die zu dem Abſchnitt vom Baumwerk ge - hoͤrt, muß ich hier nachholen.

Ueber die Cultur der Baͤume und Straͤucher in Deutſchland, die außer dem Plan dieſer Theorie liegt, haben wir, wie bekannt, die vor - trefflichſten Anweiſungen, die ſich auf eigene Beobachtungen und Verſu - che gruͤnden, von dem ſeligen Landdroſt von Muͤnchhauſen in ſeinem Hausvater, und vom Herrn du Roy in der Beſchreibung der Harbkeſchen wilden Baumzucht: Anweiſungen, die fuͤr uns brauch - barer ſind, als die Millerſchen, weil ſie zugleich beſtimmen, was un - ter unſerm[Himmelsſtrich] fortkommt. Bey der neuen Charakteriſtik der Baͤume und Straͤucher, die ich nach dem Beduͤrfniſſe der ſchoͤnen Gar - tenkunſt entwerfen mußte, habe ich jedoch auf die Bemerkungen dieſer beyden Beobachter am meiſten Ruͤckſicht genommen. Auch fehlt es jetzt unter uns nicht an guten Baumſchulen, ſelbſt in Abſicht auf nordamericaniſche und andre auslaͤndiſche Gewaͤchſe, woraus Liebhaber Saamen und junge Zoͤglinge kaͤuflich erhalten koͤnnen. Eine vorzuͤg - liche Aufmerkſamkeit aber verdient die Plantage des Herrn Johann Ni - colaus Buek, Handelsgaͤrtners in Hamburg, die eine der vollſtaͤndigſten iſt, die man finden kann, und eine Menge der ſeltenſten und ſchoͤnſten aus - laͤndiſchen Baͤume und Straͤucher enthaͤlt. Er hat davon 1779 ein ſowohl mit botaniſcher Genauigkeit, als auch mit der aͤußerſten Kuͤrze verfaß -a 2tesIVVorbericht. tes Verzeichniß auf 13 Bogen in 8. herausgegeben, worin gleichwohl noch einige hundert Pflanzen fehlen, die ſich in ſeinem Garten befin - den. Dieſes Verzeichniß, worin die Benennungen und Charaktere groͤßtentheils nach dem Linné, zuweilen nach andern beruͤhmten Bota - nikern angegeben ſind, ordnet die Baͤume und Straͤucher nach ihrem Wachsthum, ihrer Wartung und der Waͤrme, die ſie erfordern, in verſchiedene Claſſen; und der Liebhaber kann aus den Abtheilungen und gebrauchten Zeichen auf einmal uͤberſehen, was bey uns in freyer Luft fortkommt oder nicht, was nur bedeckt oder im Gewaͤchshaus ver - wahrt werden muß, was einen geraden Schaft oder mehrere aͤſtige Schuͤſſe aus der Wurzel treibt, was ſich durch ſchoͤne Blumen oder an - dre Eigenſchaften fuͤr die Luſtgaͤrten auszeichnet, u. ſ. w. Ein Mann, der ohne oͤffentliche Aufmunterung eine ſo reiche Sammlung aus eignen Kraͤften anlegt, und mit ſo viel Eifer und botaniſcher Kenntniß un - terhaͤlt, verdient nicht blos die Achtung, ſondern auch die Unterſtuͤ - tzung des Publikums. Wenn die benachbarten Provinzen, beſonders Holſtein, wo der Adel ſo weite und fruchtbare Laͤndereyen mit den herrlichſten Naturanlagen beſitzt, eine ſolche Pflanzung benutzen woll - ten: ſo koͤnnten hier bald unter maͤßigen Koſten die ſchoͤnſten Gaͤrten aufbluͤhen. Das angefuͤhrte Verzeichniß iſt weit zuverlaͤßiger und voll - ſtaͤndiger, als die von Meader in eben dem Jahr zu London uͤber dieſe Materie herausgegebene Schrift: The Planter’s Guide: or Pleaſure Gardener’s companion &c.

Theorie
[1]

Theorie der Gartenkunſt.

II Band. A[2]
  • Zweyter Theil.
  • Erſter Abſchnitt.
  • Vom Gartenplatz.
  • Zweyter Abſchnitt.
  • Vom Baumwerk.
  • Dritter Abſchnitt.
  • Von Blumen.
  • Vierter Abſchnitt.
  • Von Raſen.
  • Fuͤnfter Abſchnitt.
  • Vom Waſſer.
  • Sechſter Abſchnitt.
  • Von Wegen.
  • Anhang.
  • Beſchreibungen von Gaͤrten.
[3]

Die Natur liefert dem Gartenkuͤnſtler den Platz, auf welchem er bauet; ſie giebt ihm ferner Baumwerk, Blumen, Raſen und Waſſer als Materialien; zwiſchen den bepflanzten und offenen Theilen muͤſſen Wege ſeyn, die nach allen Sce - nen des Gartenplatzes zufuͤhren. Es iſt demnach zuvoͤrderſt zu unterſuchen, was der Gartenkuͤnſtler in Anſehung der Anlage, Ausbildung, Verbindung und vielfaͤlti - gen Anwendungen dieſer natuͤrlichen Gegenſtaͤnde zu beobachten hat, da demnaͤchſt den kuͤnſtlichen Gegenſtaͤnden noch eine eigene Betrachtung vorbehalten wird, ehe wir auf die mannichfaltigen Arten von Gaͤrten ſelbſt kommen. Man ſieht leicht, daß man bey dieſen Dingen vor allen anfangen muß, um auf die Entwickelung der eigenthuͤm - lichen Regeln der Gartenkunſt zu kommen, indem ſich hier Schritt vor Schritt er - oͤffnet, was fuͤr einzelne Beobachtungen und Verrichtungen der Kuͤnſtler unter be - ſtaͤndiger Ruͤckſicht auf die Natur und auf die Beſtimmung der Gaͤrten anzu - ſtellen hat.

Betrachtungen dieſer Art, die ſich in das weite Gebiete der Natur ausbreiten muͤſſen, enthalten nicht blos die erſte Quelle des Unterrichts fuͤr den Gartenkuͤnſtler. Sie dienen auch dem Freunde der Natur (und welcher vernuͤnftige Menſch wird dies zu ſeyn nicht Adel genug haben?) nicht blos zur angenehmen Unterhaltung und Beſchaͤf -A 2tigung4tigung der Einbildungskraft, ſondern auch zur Anleitung, der Vernunft von ſeinen Gefuͤhlen Rechenſchaft abzulegen. Sie koͤnnen außerdem die junge Phantaſie auf - bluͤhender Dichter beleben, und beſonders dem Landſchaftmaler Winke und Ausſichten geben, die fuͤr ſein Studium nuͤtzlich ſind. Dies iſt nicht ſowohl ein Verdienſt des Schriftſtellers, als vielmehr ſeiner Materie ſelbſt.

[figure]
Erſter5

Erſter Abſchnitt. Vom Gartenplatz.

1.

Der Gartenplatz iſt gleichſam die Leinewand, die der Gartenkuͤnſtler bemalt; die erſte Unterſuchung betrifft alſo die Beſchaffenheit deſſelben.

Daß man zum Garten keine Gegend waͤhlen muͤſſe, die eine ungeſunde Luft hat; die von benachbarten faulenden Suͤmpfen und Moraͤſten vergiftet iſt; die ganz in der Tiefe liegt, oder aus lauter duͤrrer Sanderde beſteht; die nur erſt durch Huͤlfe vieler Bearbeitung und Koſten zu einiger Verſchoͤnerung zu erheben iſt; die entweder gar keine freyen Ausſichten gewinnen kann, oder mit nichts als elenden Haiden und ſterbenden Geſtraͤuchen rings umher umſchloſſen iſt das darf hier nicht erſt erin - nert werden. Die Erforderniſſe der Geſundheit, der Bequemlichkeit und der gemei - nen Ergoͤtzung ſind ſo auffallend, daß man nur aus Mangel des Menſchengefuͤhls gegen ſie verſtoßen kann.

Bey der Wahl des Platzes kommt es auf wenig Vorſchriften an, wenn man alles das vorausſetzt, was ſchon nach der gemeinen Gartenoͤkonomie bekannt iſt, z. B. daß man zu Pflanzungen einen fruchtbaren Boden, Waſſer in der Naͤhe u. ſ. w. haben muß.

2.

Aus mehr als einer Urſache iſt uͤberhaupt fuͤr den Garten eine Gegend zu ſu - chen, die ſchon natuͤrliche Schoͤnheit hat. Sie begeiſtert das Genie des Gartenkuͤnſt - lers, der gleichſam unter den Augen der reizenden Natur arbeitet, die ihm Vorbild iſt, mit der er wetteifern ſoll. Sie erleichtert die Muͤhe und Koſten der Anlage, in - dem ſie durch den Boden, durch Baͤume, Gebuͤſche und Waſſer die Materialien reichlicher verſchafft. Sie erhoͤhet die Wirkung der innern Einrichtung durch die Eindruͤcke, welche die Ausſichten umher machen, die nirgends reizender ſind, als wenn ſie von einem Platz, der ſchon an ſich angenehm iſt, betrachtet werden koͤnnen. Demnach ſo viel als geſchehen kann und als andere Geſetze verſtatten, freye, heitre und abwechſelnde Ausſichten in der Nachbarſchaft des Gartens umher.

Allein ſie muͤſſen nicht uͤberall ganz vor Augen liegen, nicht aus allen Theilen des Gartens nach ihrer voͤlligen Groͤße wahrgenommen werden, weil ſie ſonſt die Wirkung der verſchiedenen Gartenſcenen, wo dieſe ſich ganz beweiſen ſoll, unterbre - chen wuͤrden. Die Ausſichten in die Ferne ſind alſo bald zu verſchließen, bald wie - der zu eroͤffnen, bald nach dieſem, bald nach jenem Geſichtspunkte abzuaͤndern, ſo daß dadurch nicht allein ihre eigene Einwirkung gehoben und vervielfaͤltigt, ſondern daß dieſe auch in eine Uebereinſtimmung mit den mannichfaltigen Auftritten im Gar -A 3ten6Erſter Abſchnitt. ten ſelbſt gebracht werde. Dies iſt eine weſentliche Regel, die der Gartenkuͤnſtler nie uͤberſchreiten ſoll. Wo ſanfte Melancholie, wo Nachdenken und Ruhe herrſchen, wo das Auge mit der Betrachtung einer vorliegenden Scene allein unterhalten werden ſoll: da wuͤrde die Eroͤffnung einer heitern Ausſicht nicht an ihrem Orte ſeyn.

Aber auch bey der Anlegung der Gartenſcenen ſelbſt muß man auf den Cha - rakter der benachbarten Gegend, wohin der Proſpect gerichtet iſt, Ruͤckſicht nehmen; zumal da es leichter iſt, daß ſich der Garten nach der Landſchaft, als daß ſich die Landſchaft nach dem Garten bequeme, wenn man nicht mit den umherliegenden Ge - genſtaͤnden ſolche gewaltſame Veraͤnderungen, die man zuweilen in den brittiſchen Parks ſieht, vornehmen will. Alles kommt uͤberhaupt darauf an, daß die innern Proſpecte des Gartens mit den aͤußern Proſpecten der Landſchaft in eine ſolche Ver - bindung geſetzt werden, daß kein Widerſpruch entſtehe, ſondern vielmehr eine ſo ſehr als moͤglich vereinte und verſtaͤrkte Wirkung erzeugt werde.

3.

Die Groͤße des Gartenplatzes hilft die ganze innere Anlage und Einrichtung aller Scenen beſtimmen. Je weiter der Umkreis iſt, deſto mehr wird, ihn zu nu - tzen, von dem Genie und der Einſicht des Gartenkuͤnſtlers erwartet. Ausgedehnt aber muß jedes zu einem guten Garten beſtimmtes Revier ſeyn, damit die verſchie - denen Auftritte nicht uͤber einander gehaͤuft werden, ſondern ſich allmaͤhlig folgen, und die Bewegungen nicht verwirren, ſondern ſie nach und nach in einer harmoniſch fort - ſchreitenden Reihe hervorbringen.

Ein Platz, der gar zu ſchmal iſt, auch wenn er eine weite Strecke gerade fort - laͤuft, hat, um einen ſchoͤnen Garten aufzunehmen, mancherley Unbequemlichkeit. Er muß, ſo viel als moͤglich, Ausdehnung von allen Seiten haben.

[figure]
4. Ein7Vom Gartenplatz.

4.

Ein Platz, der nur aus einer Ebene*)S. Theorie der Gartenkunſt, 1. B. beſteht, iſt nicht ſehr zu einem guten Garten geſchickt, weil er an ſich zu viel Einfoͤrmigkeit hat, und die kuͤnſtlichen Abaͤn - derungen zu viel Koſten erfordern. Man waͤhle eine Gegend, die zwar nicht ganz ohne Ebenen ſeyn darf, weil dieſe immer brauchbar ſind, die aber doch auch natuͤrli - che Erhoͤhungen, Vertiefungen und mancherley Abaͤnderungen hat. Eine ſolche Grundlage enthaͤlt nicht allein ſchon an ſich Abwechſelung; ſie iſt auch uͤberaus be - huͤlflich, den Gartenſcenen, die darauf angelegt werden ſollen, mehr Abaͤnderung und mehr Eindruck mitzutheilen. Es iſt Klugheit, von der Natur alle Vortheile anzunehmen, die ſie zur vollkommenern Anlage eines Gartens anbietet.

Will man die Einfoͤrmigkeit einer nackten Ebene heben, ſo ſind Blumen, Ge - ſtraͤuche, Baͤume, Waſſer und Heerden ſchickliche Mittel, dieſe Abſicht zu erreichen. Allein eine bergigte oder huͤgeligte Landſchaft**)Ebendaſ. S. 190. 191. 193. 194. u. ſ. w. S. 189. 190. iſt ſchon von der Natur mehr der Abaͤnderung und des Lebens faͤhig gemacht. Sie bietet in den beſtaͤndigen Ungleich - heiten, Kruͤmmungen und Senkungen des Bodens mehr Abwechſelung, in den Ausſichten mehr Groͤße und Mannichfaltigkeit, in den Stellungen der Baͤu - me mehr Freyes, Kuͤhnes und Auffallendes, in den Baͤchen und Waſſerfaͤllen, die nicht ruhen, mehr Belebung an.

Ein Park oder ſehr ausgedehnter Garten erfordert vornehmlich eine Land - ſchaft von mannichfaltig veraͤnderten Gegenden, Thaͤler, Huͤgel, Tiefen, Ber - ge, ſanfte Abhaͤnge und ploͤtzliche Senkungen, alles in reicher Abwechſelung. Auf einem Boden von einer ſolchen Abaͤnderung vervielfaͤltigen ſich die Ausſich - ten von ſelbſt; anders iſt es auf der Hoͤhe, anders in der Tiefe; jeder Schritt fuͤhrt auf eine neue Lage, auf ein neues Gemaͤlde, bey aller Unbeweglichkeit der Gegenſtaͤnde. Die Scenen verſchwinden und kommen wieder hervor; neue ver - huͤllen die alten; die Situationen aͤndern unaufhoͤrlich ab. Man ſteigt, und der Horizont erweitert ſich von allen Seiten; man ſieht, je hoͤher man kommt, die Gegenden ſinken und ſich verlieren; die blaue Decke des Himmels dehnt ſich in die Unermeßlichkeit aus, und an ihrem Saum verbleicht das Licht des Tages in den Dunſt der Ferne; Erſtaunen und Bewunderung fuͤllen die Seele. An ihre Stelle treten bald ſanftere Bewegungen, indem man in die Tiefe wieder hinabſteigt. Der Himmel ſelbſt ſcheint zuruͤckzuweichen, wenigſtens ver -birgt8Erſter Abſchnitt. birgt ſich ein Theil ſeines ſchoͤnen Anblicks hinter den Anhoͤhen; die Abhaͤnge leiten auf Wieſen, auf Waldungen, auf Seen. Alle dieſe Veraͤnderungen giebt allein die natuͤrliche Beſchaffenheit des Bodens, wodurch die Mannichfaltigkeit der Gegenſtaͤnde und der Ausſichten ſelbſt noch vermehrt wird. Von den Un - gleichheiten des Bodens haͤngt ein großer Theil des Lebens in der Natur ab: ohne ſie wuͤrde das Waſſer nur in Seen und Teichen ruhen; wir wuͤrden nicht die muthwilligen Spiele des Bachs ſehen, nicht den ſchnellen Waſſerfall rau - ſchen hoͤren.

Unendlich abwechſelnd iſt die Natur in der Manier, die verſchiedenen Beſchaffenheiten des Bodens zu verbinden; in dieſer immer neuen Zuſammenſe - tzung liegt eine unerkannte Quelle ihres unerſchoͤpflichen Reizes. Der Garten - kuͤnſtler ſehe immer auf dieſe Lehrerinn; und wo er den Boden zu theilen, zu erhoͤhen, zu vertiefen, wo er neue Verbindungen der Theile zu machen hat, da wa - ge er nie einen Schritt, ohne vorher die Natur genau beobachtet zu haben.

[figure]

5.

Man unterſuche vornehmlich den natuͤrlichen Charakter einer Gegend, die man zu einem Garten bearbeiten will, um ſich nach dieſem Charakter zu bequemen und von ihm allen Gebrauch zu machen, der nur verſtattet wird. Dieſe Regel iſt nur ſelten beobachtet. So viele gemeine Gaͤrtner ſind gleich mit Planen und Riſſen fer - tig, ehe ſie noch wiſſen, wo ein Garten angelegt werden ſoll. So viele Architektur - lehrer zeichnen Gaͤrten vor, ohne die geringſte Ruͤckſicht auf die Verſchiedenheiten des Bodens, die man geſehen, die man beurtheilt haben muß, ehe die Hand ſich an eineZeichnung9Vom Gartenplatz. Zeichnung wagen darf. Daher immer nur aufs Papier und nie auf das Land geſehen; daher die ewige Einfoͤrmigkeit, die uͤberall ihr trauriges Anſe - hen uͤber die europaͤiſchen Gaͤrten verbreitete, weil man es nie ſich einfallen ließ, den zu Rathe zu ziehen, der am beſten unterrichten konnte, den Genius des Erd - bodens.

Nicht genug kann es eingeſchaͤrft werden, daß man der Natur folgen, nicht aber ſie mit gemisbrauchter Arbeit und Koſten verderben, nicht, in der Abſicht zu verſchoͤnern, ſeltſame Verunſtaltungen erzwingen ſoll; daß man den Plan zur Anle - gung eines Gartens nicht nach einem einzelnen Modell, das gefallen hat, ent - werfen, ſondern allemal Ruͤckſicht auf die beſondere Beſchaffenheit der Gegend nehmen ſoll, worin man bauet. Bey dieſem Verfahren wird man mehr der Natur getreu bleiben; mehrere Gaͤrten werden ſchoͤn ſeyn, ohne genaue Copien zu werden.

Man kann Plaͤtze bereichern, die arm ſind; man kann Theile trennen und ſie wieder verbinden; man kann oͤffnen und verſchließen, Licht oder Dunkel - heit, Freude oder Trauer in eine Gegend bringen; man kann den Charakter verſtaͤrken oder ſchwaͤchen, die Wirkungen beſtimmter, feiner, intereſſanter und eindringender machen. Allein bey dieſen Kraͤften ſoll die Kunſt nie zu ver - wegenen Verſuchen ſich verirren, die Natur ganz umzukehren; ſie ſoll mehr zur Ausbildung, als zur gaͤnzlichen Umſchaffung ſie anzuwenden ſuchen. Der Zwang verdraͤngt oft die eigenthuͤmlichen Vorzuͤge eines Orts; er arbeitet wi - der den Charakter der Gegend Schoͤnheiten hinein, die es hier nicht mehr ſind, und zerſtoͤrt das Original durch die Bemuͤhung, eine Nachahmung daraus zu machen. Die Natur hat einige Gegenden, die ſich eben ſo wenig durch die Kunſt umbilden, als durch ſie hervorbringen laſſen, wie die romantiſche und die feyerliche Gegend. *)S. Theorie der Gartenkunſt, 1. B. S. 214 u. f. 220 u. ſ. w.Wie will die Kunſt alle dieſe ſeltſamen, dieſe großen Gegenſtaͤnde und ihre Verbindungen, dieſe Gebuͤrge, dieſe Felſen, dieſe Ge - waͤſſer, dieſe Ausſichten ſchaffen? Auch in unbedeutenden Gegenden, die keinen Charakter haben, in Gegenden von einer Beſchaffenheit, die der Beſtim - mung der Gaͤrten gerade entgegen geſetzt iſt, darf die Kunſt ihre Kraͤfte nicht verſchwenden; ſie wird nachhelfen, ſie wird veraͤndern koͤnnen; aber ſie wird nur ſel -ten,II Band. B10Erſter Abſchnitt. ten, und mit einem Aufwand, den der Erfolg nicht rechtfertigt, umſchaffen, ohne der Natur Eintrag zu thun, ohne Spuren ihrer Gewaltthaͤtigkeit zuruͤckzulaſſen. Man vermeide Gegenden von einem widerſtrebenden und unbezwingbaren Charakter; oder indem man in ihrer Nachbarſchaft umher folgſamere Plaͤtze bearbeitet, laſſe man ſie, wie den Schatten im Gemaͤlde, liegen.

Verſteht man ſich auf den Charakter einer Landſchaft oder einer einzelnen Gegend, ſo wird die erſte Aufmerkſamkeit auf die Bearbeitung und Verſtaͤr - kung dieſes Charakters zu richten ſeyn. Alle Anpflanzungen, Anlagen und Ver - aͤnderungen, alle einzelne Scenen der Natur ſowohl als der Kunſt ſind von die - ſer Aufmerkſamkeit abhaͤngig. Man baue einen feyer’ichen, einen romantiſchen, einen melancholiſchen, einen angenehmen, einen heitern Garten; man baue ei - nen Garten zum Genuß der Ergoͤtzungen der verſchiedenen Jahrszeiten; man baue Gaͤrten, fuͤr welche Beduͤrfniſſe, fuͤr welche Beſtimmung man wolle, ſo wird man doch immer auf den jedesmaligen Charakter der Gegend, wovon man ausgegangen iſt, wieder zuruͤckkommen muͤſſen, nie ſeine lebhafte Vorſtellung aus dem Geſichte verlieren duͤrfen.

Der natuͤrliche Charakter einer Landſchaft kann einfach oder zuſammengeſetzt ſeyn. Sie kann entweder ganz einſam, ernſthaft, melancholiſch, feyerlich, lebhaft, lachend, romantiſch, wild, traurig, fruchtbar, oͤde, frey, verſperrt u. ſ. w. ſeyn, oder aus einer Vermiſchung von dieſen Eigenſchaften beſtehen. Fuͤr Gaͤrten von einer weiten Ausdehnung, wo eine laͤngere und mannichfaltige Unterhaltung geſucht wird, hat ein zuſammengeſetzter Charakter der Landſchaft einen ſichtbaren Vorzug vor ei - nem einfachen. Man merke ſodann auf die natuͤrlichen Abtheilungen dieſes Charakters, um darnach die noͤthigen Ausbildungen und die Anlegung der Sce - nen an ihrem Orte ſo zu treffen, daß eine jede mit dem Charakter des Platzes, wo ſie ſich befindet, vollkommen uͤbereinſtimme. Denn eben aus der Beobach - tung dieſer Regel kann erſt die ſchickliche Verbindung der verſchiedenen einzelnen Charaktere eines Gartenplatzes, und daher die Vollkommenheit des Ganzen ent - ſpringen.

Gaͤrten von einem einfachen Charakter verlangen auch nur eine einzelne Gegend dieſer Art, oder wenn die Ausdehnung weiter gehen ſoll, eine Folge von mehrern ſich aͤhnlichen Gegenden, ohne eine merkliche Abweichung. Durch ihre natuͤrliche Beſchaffen - heit iſt eine Gegend ſchon zu einer beſtimmten Art von Garten vorbereitet. Schon die bloße Geſtalt des Bodens kuͤndigt, außer ſeiner mindern oder mehrern Fruchtbarkeit, auſ -ſer11Vom Gartenplatz. ſer ſeiner natuͤrlichen Bepflanzung, außer der Beſchaffenheit ſeiner benachbarten Ge - genſtaͤnde, den Garten an, der hier zu bilden iſt. *)Man vergleiche den 1. B. dieſer Theorie S. 210. 211. 214. 220.

[figure]

6.

Es iſt Pflicht des Gartenkuͤnſtlers, natuͤrliche Fehler ſeines Platzes, welche die Natur bey ihren groͤßern Beſtrebungen immer liegen laſſen konnte, zu verbeſſern oder zu verſtecken, doch ohne eine zu weit getriebene aͤngſtliche Sorgfaͤltigkeit. Alles auf - putzen und ſaͤubern wollen, beweiſet, daß man Kleinigkeiten ſchaͤtzt, wie man nur das Wichtige ſchaͤtzen ſollte; beweiſet, daß man ſich nicht erinnert, wie ſehr oft ge - ringe Nachlaͤſſigkeiten nicht blos mit der Wirkung der Schoͤnheit beſtehen koͤnnen, ſon - dern auch von ihr abgeſondert einen gewiſſen Theil des Natuͤrlichen, das immer ge - faͤllt, fehlen laſſen wuͤrden.

7.

Nicht genug kann es erinnert werden, daß man ſich vor unnoͤthigen Verwuͤſtun - gen der natuͤrlichen Gegenſtaͤnde, die man auf ſeinem Gartenplatz vorfindet, zu huͤ - ten hat. Viele glauben, daß ſie erſt alles wegraͤumen muͤſſen, was die Natur wach - ſen ließ, ehe ſie ihre Anpflanzungen anfangen koͤnnen; und die Erfahrung zeigt, daß ſie weit fruͤher und gluͤcklicher ihre Abſicht erreicht haͤtten, wenn ſie der Natur mitB 2maͤßi -12Erſter Abſchnitt. maͤßigern Abaͤnderungen und Zuſaͤtzen zu Huͤlfe gekommen waͤren. Unterdeſſen daß die neuen Anpflanzungen nicht gedeihen, oder nur langſam zu einer gewiſſen Vollkom - menheit gelangen, wird man uͤber den Entwurf muͤde, oder aͤndert von Zeit zu Zeit, bis ſo viel geaͤndert iſt, daß dem Werke nicht mehr geholfen werden kann.

Vieles, das bey dem erſten Anſchein Ueberfluß oder ſelbſt Hinderniß ſcheint, laͤßt ſich bey naͤherer Betrachtung geſchickt in den Plan einflechten. Ein Baum, der ein halbes Jahrhundert zu ſeinem ſchoͤnen Wuchs brauchte, wird oft, nicht ohne eine Art von Verbrechen, einer Kleinigkeit wegen weggehauen. Ich wuͤrde ſelbſt der hun - dertjaͤhrigen Eiche mit ihrem halbverfaulten Stamme, mit ihren unfoͤrmlichen und zum Theil verdorreten Aeſten, noch ſchonen, und, wenn der Ort nicht widerſpraͤche, unter ihrem duͤrftigen Schatten eine Einſiedeley anlegen, wo Betrachtungen der Ver - gaͤnglichkeit einladen, unterdeſſen daß oben aus einer Hoͤhle eine ſympathiſirende Eule ihre Klage erhebt.

Man misdeute dieſe Bemerkung nicht. Was eine angenehme Ausſicht merk - lich ſtoͤrt, oder gar Widerſpruch erregt, das haue man weg; ſo wie uͤberhaupt der Gartenkuͤnſtler, der pflanzt, auch den Beruf hat, alles fortzuſchaffen, was zu ſtoͤr - riſch iſt, um ſich auf irgend eine Weiſe mit dem Plan ſeiner hoͤhern Verſchoͤnerung vereinigen zu laſſen. Nur ohne eine ſolche Nothwendigkeit verderbe man nichts. Daß der Herzog von Antin ein ganzes ſchoͤnes Gehoͤlz auf einmal umfaͤllen ließ, um blos einem augenblicklichen Einfall Ludewigs XIV. aufzuwarten, iſt eine bekannte Anekdote, die zur Beſchaͤmung aͤhnlicher Hofſchmeichler laͤnger bekannt zu bleiben verdient.

8.

Ueber die Graͤnzen des Gartenplatzes laſſen ſich keine beſtimmte Vorſchriften mittheilen, da ſie, theils nach der Beſchaffenheit der Gegend, theils nach der Ein - richtung und Beſtimmung des Gartens ſelbſt, einer großen Abaͤnderung unterworfen ſind; Verhaͤltniſſe, die nicht aus der Acht gelaſſen werden ſollten. So viel laͤßt ſich indeſſen allgemein behaupten, daß ſie nicht unter eine gewiſſe abgemeſſene Form, z. B. von Viereck und dergleichen, zu zwingen ſind, daß ſie nicht zu merklich abgeſtochen und genau ins Auge leuchten muͤſſen, daß ſie angenehmer ausfallen, wenn ſie ſich all - maͤhlig in die mehr nachlaͤſſige Landſchaft verlieren, ohne daß durch Mauer oder Gra - ben ein gar zu deutliches Graͤnzzeichen vorgelegt wird. Dadurch gewinnt ein Garten nicht nur ein mehr natuͤrliches Anſehen, ſondern auch mehr Schein von Groͤße. Der Anblick des Endes eines uns angenehmen Orts iſt verdrießlich, ſo wie die Vorſtel - lung, daß man da wieder umkehren muß. Aber die Ausdehnung der Ausſicht unddie13Vom Gartenplatz. die Entdeckung neuer Gegenſtaͤnde in der Ferne befriedigt auf eine fuͤhlbare Art ein Beduͤrfniß unſrer Vorſtellungskraft. Gehoͤlze, die ſich mit einer zu dreiſten Ver - ſperrung vorlagern, und beſonders durch ihre Finſterniß ein unveraͤnderliches Gefuͤhl des Traurigen und Melancholiſchen erwecken, koͤnnen nach verſchiedenen Gegenden hin durchgehauen werden; die Oeffnungen, die Zwiſchenraͤume, die geſunder durchſtrei - chende Luft, das Hervorſchimmern des Himmels oder eines andern Gegenſtandes, alles dieſes ſind Vortheile, die man ſich dadurch leicht verſchaffen kann. Je mehr uͤberhaupt durch Verhauungen, durch Erhoͤhungen oder Vertiefungen, die Ge - genſtaͤnde in der Ausſicht vervielfaͤltigt und abgeaͤndert erſcheinen, je mehr dadurch der ſchon an ſich erfriſchende und die Seele gleichſam ausdehnende Blick in die Ferne unterhalten wird, deſto mehr ſchaͤtzen wir den Gartenkuͤnſtler, der uns dies Vergnuͤ - gen zu ſchenken weiß, das wir von der Freygebigkeit der Natur zu erhalten verwoͤhnt ſind.

Ein Wald, eine Wieſe und vorzuͤglich ein See bleiben immer die angenehm - ſten Graͤnzen eines Gartens; denn dieſe Gegenſtaͤnde gefallen nicht allein ihrer Natur nach beſtaͤndig, ſondern das Auge verweilt auch gerne auf ihnen, weil es Beſchaͤfti - gung und Unterhaltung findet. Man flieht im Gegentheil von dem Ende eines Gar - tens zuruͤck, der von einem dunkeln Teich, von einem Torfmoor oder einer duͤrren Hai - de begraͤnzt wird.

Zuweilen kann der beſondere Charakter und die Beſtimmung eines Gartens er - fordern, daß ſeine Graͤnze verſperrt und aller Ausſicht in die Ferne beraubt ſey. Ein melancholiſcher Garten, ein Kloſtergarten z. B. verſenke ſich in ſein ruhiges Thal, um - ſchloſſen von einem hohen Berge oder von einem dunkeln Gehoͤlz.

[figure]
B 3Zweyter14Zweyter Abſchnitt.

Zweyter Abſchnitt. Vom Baumwerk.

1. Charakteriſtik des Baumwerks.

Die Gartenkunſt weicht in der Eintheilung der Baͤume und Straͤucher von den in der Botanik angenommenen Charakteren und Kennzeichen ab. Indem ſie die Geſchlechter und Arten des Baumwerks nach den aͤußerlichen mehr ins Auge fal - lenden Abaͤnderungen und nach dem verſchiedenen Gebrauche, der ſich davon in den Revieren der Gaͤrten machen laͤßt, beurtheilt, ſo bringt ſie dieſelben in eine neue Rang - ordnung, die von dem innern Verdienſte und von den weſentlichen Unterſchieden un - abhaͤngig iſt.

Die Baͤume und Straͤucher, wovon wir hier eine neue gartenmaͤßige Eintheilung verſuchen, ſind zum Theil bey uns in Deutſchland einheimiſch, zum Theil aus andern Laͤndern, beſonders aus Nordamerica, unter uns verpflanzt. Dieſe letztern haben nicht allein durch die Dauer unter unſerm Himmelsſtrich, ſondern auch durch den ſchnellen Wachsthum und durch die Mannichfaltigkeit, die ſie unſern Pflanzungen geben, ſeit ver - ſchiedenen Jahren eine wohlgegruͤndete Empfehlung erhalten. Sie vor unſern einheimi - ſchen uͤberſchaͤtzen, oder ſie ganz verachten, wuͤrde ein gleich ſeltſames Vorurtheil ſeyn. Viel - leicht iſt die Ueberſchreitung bisher mehr auf jene, als auf dieſe Seite hingefallen. Wie arm wuͤrden wir indeſſen nicht ſeyn, wenn wir keine Baͤume und Gewaͤchſe mehr haͤt - ten, als das rauhe Germanien in den Tagen des Tacitus beſaß, wenn alle Schaͤ - tze des Pflanzenreichs von uns zuruͤckgefordert wuͤrden, womit ſeit jener Zeit der Orient, Griechenland, Italien und Frankreich unſre Gaͤrten allmaͤhlig berei - chert haben!

Demnaͤchſt ſchraͤnken wir uns hier auf ſolche Geſchlechter und Arten ein, die nicht die Waͤrme und Pflege der Gewaͤchshaͤuſer fordern, die ihre Unterhaltung koſt - bar, weniger allgemein, und ſelbſt weniger ergoͤtzend macht, ſondern unſere Winter in freyer Luft vertragen, zuweilen nur eines beſchuͤtzenden Standes beduͤrftig.

1. Baͤume.

Bey der Eintheilung der Baͤume, welche die Gartenkunſt macht, nimmt ſie auf die Form der Staͤmme, auf die Beſchaffenheit der Zweige ſowohl als des Laub -werks,15Vom Baumwerk. werks, auf die Bluͤhten und auf die Fruͤchte Ruͤckſicht. Bey einigen Baͤumen iſt mehr als eine Art des Vorzugs oder des Unterſchiedes vereinigt, und ſie gehoͤren daher ſowohl zu dieſer als zu jener Klaſſe.

a.

Die Schoͤnheit der Staͤmme beruhet auf dem geraden, hohen und ſchlanken Wuchs, wozu bey einigen noch die ebene glatte Rinde kommt. Durch dieſe Geſtalt gewinnen uns Baͤume, ſchon einzeln da ſtehend, unſere Aufmerkſamkeit ab, und ma - chen mancherley angenehme Eindruͤcke. In dieſe Klaſſe gehoͤrt eine ziemliche Anzahl, wovon ein Theil ſich noch durch eine vorzuͤgliche Schnelligkeit ſeines Wachsthums empfiehlt.

  • Die Buche (Fagus ſylvatica. Linnaei.)
  • die Linde (Tilia europaea. L.)
  • die Fichte oder Rothtanne (Pinus abies. L.)
  • die Weißtanne, Edeltanne, Silbertanne (Pinus picea. L.)
  • die Balſamtanne (Pinus balſamea. L.)
  • die Ulme, Ruͤſter, Iper (Ulmus campeſtris. L.)
  • die Eſche (Fraxinus excelſior. L.)
  • die Lenne (Acer Platanoides. L.)
  • der gemeine weiße Ahorn (Acer Pſeudo-Platanus. L.)
  • der nordamericaniſche rothbluͤhende Ahorn (Acer rubrum. L.)
  • der virginiſche eſchenblaͤttrige Ahorn (Acer Negundo. L.)
  • die ſchwarze Pappel (Populus nigra. L.)
  • die weiße Pappel (Populus alba. L.)
  • die italieniſche Pappel (Populus nigra italica. Du Roi.)
  • der Kaſtanienbaum (Fagus Caſtanea. L.)
  • die nordamericaniſche rothe Eiche (Quercus rubra. L.)
  • die kaſtanienblaͤttrige Eiche (Quercus Prinus. L.)
  • die canadiſche weiße Fichte (Pinus Canadenſis. L.)
  • die Weymouthskiefer (Pinus Strobus. L.)
  • der americaniſche Platanus (Platanus Occidentalis. L.)

und einige andere, die zum Theil hier ausgelaſſen werden, weil ſie zu einer der andern Klaſſen im vorzuͤglichen Verſtande gehoͤren.

Baͤume dieſer Klaſſe ſind fuͤr Plaͤtze, wo Schoͤnheit der Form, Regelmaͤßig - keit und Wuͤrde ihre Einfluͤſſe beweiſen ſollen. Sie ſchicken ſich beſonders fuͤr Zugaͤn - ge, fuͤr Alleen, fuͤr Luſtwaͤlder, zur Bekleidung der Anhoͤhen, in der Nachbarſchaft edler Wohngebaͤude und Tempel, bey feyerlichen Scenen. Schon der Anblick ge -rader16Zweyter Abſchnitt. rader und ſchlanker Staͤmme bringt ein ergoͤtzendes Wohlgefallen, indem er den Be - griff von jugendlichem Wohlſeyn, von Staͤrke und Muth mit ſich fuͤhrt. Die Schnel - ligkeit und Groͤße des Wachsthums erfreuet und erweitert die Seele, und mit der Hoͤ - he, die das Auge in den Wolken mißt, erhebt der Geiſt auch ſeine Ausſichten. Bey Erſtaunen und Verwunderung, bey jedem Gedanken, der die Seele ſtark ruͤhrt, bey den freudigen Gefuͤhlen der Andacht, ſind wir gewohnt, die Blicke zu erheben. Man empfindet es, daß der Geiſt an der koͤrperlichen Erhebung gern vertraulichen Antheil nimmt, ſich dadurch mit verſtaͤrkt und leichter emporſchwebt.

b.

In Anſehung der Beſchaffenheit der Zweige laſſen einige Baͤume ſie in die Hoͤhe ſchießen, als:

  • der Mandelbaum (Amygdalus communis. L.)
  • viele Weiden, als
  • die Lorbeerweide (Salix pentandra. L.)
  • die Buſchweide (Salix triandra. L.)
  • die Bachweide (Salix Helix. L.)

Andre ſperren die Zweige von einander, als

  • der Lebensbaum (Thuja occidentalis. L.)
  • die ſchoͤne Ceder vom Libanon (Pinus Cedrus. L.)

Noch andre laſſen ſie herabhaͤngen, als

  • die babyloniſche Weide (Salix babylonica. L.)
  • die Birke (Betula alba. L.)
  • der Lerchenbaum (Pinus Larix. L.)

Bey dieſer verſchiedenen Beſchaffenheit der Zweige ſind die letztern beſonders merk - wuͤrdig, indem ſie in einſamen, zur Melancholie beſtimmten Gegenden einen ſehr gu - ten Eindruck machen. Das traurige Herabhaͤngen der Zweige von dieſen Baͤumen ſcheint eine Bezeichnung ihres ſympathetiſchen Gefuͤhls zu ſeyn, und die Wirkung verſtaͤrkt ſich, wenn ſie bey Urnen, bey Grabmaͤlern mit andern Baͤumen von einem ſehr dunkeln Laubwerk vermiſcht werden.

c.

In Ruͤckſicht auf die Beſchaffenheit des Laubwerks der Baͤume bemerken wir zuvoͤrderſt den Reichthum und die Groͤße deſſelben:

  • in unſerer Buche (Fagus ſylvatica. L.)
  • in der Linde (Tilia europaea. L.), die ihres ſchnellen Wuchſes, ihrer ſuͤßduftigen Bluͤhte und herrlichen Belaubung wegen einer unſerer ſchoͤnſten einheimiſchen Baͤume iſt;
beſonders17Vom Baumwerk.
  • beſonders in der americaniſchen ſchwarzen Linde (Tilia Americana. Miller.)
  • in der americaniſchen rothen Eiche (Quercus rubra. L.), die wegen ihres uͤberaus großen hellgruͤnen Laubes vor allen Arten vorzuͤglich unter uns angezogen zu werden verdient;
  • in der Magnolia (Magnolia grandiflora. L.), die in der Folge noch eine beſon - dere Stelle erhalten wird;
  • in dem Tulpenbaum (Liriodendron Tulipifera. L.), einem der ſchoͤnſten nord - americaniſchen Baͤume, den die Geſchwindigkeit ſeines Wachsthums em - pfiehlt, die Hoͤhe, die er erreicht, das große herrliche Laub, das ihm ein praͤchtiges Anſehen giebt, und ſeine gruͤngelbliche mit Orange ſchattirte Blu - men, die, der Groͤße und Bildung nach den Tulpen aͤhnlich, ihn einige Wochen hindurch bedecken;
  • in dem americaniſchen Platanus (Platanus occidentalis. L.), der ſchnell in die Hoͤ - he ſchießt, und ſein Haupt mit dem reichen und ungemein großen Laube um - woͤlbt;
  • in der Roßkaſtanie (Aeſculus Hippocaſtanum. L.)
  • dem Ulmbaum (Ulmus campeſtris. L.)
  • und dem virginiſchen Ahorn (Acer Negundo. L.).

Die Natur hat dieſe Baͤume zur Beſchattung, alſo fuͤr Sommerſcenen, kuͤhle Ruhe - plaͤtze, einſame Sitze, Speiſeſaͤle u. ſ. w. beſtimmt.

d.

Andere Baͤume unterſcheiden ſich durch die Duͤnnigkeit, Leichtigkeit und Luͤftigkeit des Laubwerks, als

  • die Birke (Betula alba. L.)
  • die Weißtanne (Pinus picea. L.)
  • die Fichte oder Rothtanne (Pinus abies. L.)
  • die Eſpe (Populus tremula. L.)
  • der Lerchenbaum (Pinus Larix. L.)
  • die Balſamtanne (Pinus balſamea. L.)
  • die weiße Pappel (Populus alba. L.)
  • der americaniſche Schotendorn (Robinia pſeudoacacia. L.)
  • und der ſtrauchartige Tamariskenbaum (Tamarix germanica. L.).

Wo keine Bedeckung noch Beſchattung erfordert wird, wo offene und luftige Durch - ſichten, unverhinderte Einfaͤlle des Sonnenlichts, Heiterkeit und Freyheit herrſchen ſollen, da giebt die Natur auf die angezeigten Baͤume einen Wink.

II Band. Ce. Dun -18Zweyter Abſcnitt.

e.

Dunkelheit des Laubes macht eine neue Abaͤnderung in

  • der gemeinen Eller (Betula alnus. L.)
  • dem Taxbaum (Taxus baccata. L.)
  • der ſchwarzen Eiche (Quercus nigra. L.)
  • der Balſampappel (Populus balſamea. L.)
  • der Blutbuche (Fagus ſylvatica, foliis atro · rubentibus. Du Roi.)
  • der ſchwarzen Maulbeere (Morus nigra. L.)
  • und dem Sumachbaum (Rhus coriaria. L.).

Melancholiſche Scenen, Gaͤnge und Plaͤtze, dem Nachdenken und der Wehmuth ge - widmet, Einſiedeleyen, Urnen und andere Denkmaͤler des Schmerzes und der Trau - rigkeit rufen Baͤume der angefuͤhrten Art, deren ſchwarzgruͤne Farbe der Phan - taſie zu Huͤlfe eilt, zur Verzierung, Beſchattung und Verſtaͤrkung ihrer Eindruͤcke herbey.

f.

Durch das Heitere und Glaͤnzende ihres Laubes empfehlen ſich einige Baͤu - me vorzuͤglich zu mancherley Scenen des Vergnuͤgens; denn Licht und Glanz iſt das Ei - genthum der Freude. Dahin gehoͤren

  • unſre Sommerlinde (Tilia europaea. L.)
  • die junge Buche (Fagus ſylvatica. L.)
  • die Hainbuche (Carpinus Betulus oder vulgaris. L.)
  • die Birke (Betula alba. L.)
  • die Lenne oder Ruͤſter (Acer Platanoides. L.)
  • der geſtreifte Ahorn (Acer ſtriatum. Du Roi.)
  • der virginiſche eſchenblaͤttrige Ahorn (Acer Negundo. L.)
  • die ſchwarze Pappel (Populus nigra. L.)
  • die Lorbeerweide (Salix pentandra. L.)
  • die virginiſche Cypreſſe mit Acacienblaͤttern (Cupreſſus diſticha. L.)
  • die weiße Eiche (Quercus alba. L.)
  • die burgundiſche Eiche (Quercus cerris. L.)
  • und die rothe Eiche (Quercus rubra. L.).

Verſchiedene Baͤume haben zwar glaͤnzende Blaͤtter, aber dabey eine dunkle Farbe, die dieſem Glanze eher etwas Melancholiſches, als Heiteres giebt. Dies iſt der Fall bey

  • der aͤltern Birke, vorzuͤglich der mit der braunen Rinde,
  • der Eller (Betula alnus. L.)
der19Vom Baumwerk.
  • der Zwergbirke (Betula nana. L.),[welche] in den Gaͤrten zu einer anſehnlichen Hoͤ - he erwaͤchſt,
  • und dem Lobeerbaum (Laurus nobilis. L.).

g.

Die maleriſche Abaͤnderung der Farben in dem Laubwerk einiger Baͤume giebt einen neuen Unterſchied. Hieher gehoͤren, außer einer Menge von Baͤumen, die man mit ſchattirten oder ſogenannten vergoldeten Blaͤttern findet,

  • einige Arten von Ahorn, die ein abwechſelndes ſchoͤn geſchecktes Laubwerk haben, mit hellen, dunkelgruͤnen, gelblichen und blaͤulichen Schattirungen;
  • beſonders der rothbluͤhende virginiſche Ahorn (Acer rubrum. L.), dunkelgruͤn und glaͤnzend auf der obern Flaͤche, auf der untern meergruͤn-weißlich, woher er ein ſilberfarbenes Anſehen gewinnt;
  • die ſcheckige Eiche (Quercus vulgaris foliis ex albo variegatis. L.), bey welcher nicht allein die Blaͤtter ganz ſcheckig und mit vielen weißen Flecken beſetzt, ſondern auch die jungen Zweige mit gelblichen und roͤthlichen Streifen ge - ziert ſind;
  • der Kaſtanienbaum mit vergoldeten Blaͤttern (Caſtanea foliis ex aureo elegan - ter variegatis. L.);
  • die americaniſche weiße Eller (Alnus incana. L.) hat weiße gleichſam mit Mehl beſtreute Blaͤtter;
  • die Caneelkirſche (Cornus mas. L.), eine Varietaͤt mit ſchoͤn vergoldetem Laube.

Bey andern Baͤumen aͤußert ſich blos im Herbſt eine angenehme Veraͤnderlichkeit des Laubwerks, da ſich alsdann gemeiniglich das Gruͤn in ein ſchoͤnes Roth verwandelt, als bey

  • der americaniſchen Scharlacheiche (Quercus rubra. L.)
  • dem virginiſchen Ahorn (Acer rubrum. L.)
  • dem Storarbaum (Liquidambar ſtyracifol. L.)
  • dem Hartriegel (Cornus ſanguinea. L.), einem hohen baumartigen Strauch, deſ - ſen Blaͤtter der Herbſt mit Blut zu traͤnken ſcheint;
  • dem Gerberbaum (Rhus coriaria. L.), deſſen rothe Fruchtkolben die Farbe der Blaͤtter noch mehr erhoͤhen;
  • der Stechpalme (Ilex aquifolium. L.), die im Herbſt vergoldete Blaͤtter bekoͤmmt.

Man hat auch Abaͤnderungen, die beſtaͤndig vergoldete Blaͤtter haben.

Zu einer ganz veraͤnderten Scene giebt auch

  • die weiße Pappel Anlaß, deren Blaͤtter ſich gegen den Herbſt umkehren und ihre weiße Unterflaͤche zeigen, ſo daß der ganze Baum beſchneit zu ſeyn ſcheint.
C 2Alle20Zweyter Abſchnitt.

Alle dieſe Arten nehmen ſich beſonders in herbſtlichen Scenen aus, und geben ei - ne ergoͤtzende Ausſicht, zumal wenn ſie mit andern Baͤumen, die alsdann noch ihr gruͤnes Laub haben, geſchickt verbunden werden.

Uebrigens empfehlen ſich Baͤume mit abaͤnderndem Laubwerk zu Pflanzungen, worin man eine ſich auszeichnende Verſchiedenheit ſucht, zu romantiſchen Revieren, die ein ſeltſames und wunderbares Anſehen fordern, wo man uͤberraſchen oder durch den Contraſt einen auffallenden Eindruck machen will.

h.

Die Beſtaͤndigkeit des Laubes, wodurch ſich viele Baͤume auszeichnen, macht ſie fuͤr Wintergaͤrten ſehr geſchickt, und die Natur hat durch dieſe Klaſſe wohl - thaͤtig fuͤr eine Jahreszeit geſorgt, wo in dem ganzen Pflanzenreich alles welket, da - hinfaͤllt und nicht mehr iſt. Als immergruͤnende Baͤume behalten ihr Laubwerk:

  • die Fichte, Rothtanne, Pechtanne (Pinus abies. L.)
  • die Weißtanne oder Silbertanne (Pinus picea. L.)
  • die gemeine Fuhre, Fichte, oder Kiefer (Pinus ſylveſtris. L.)
  • die Hemlockstanne (Pinus Canadenſis. L.)
  • die dreyblaͤttrige Frankincenſe-Fuhre oder Weihrauchbaum (Pinus taeda. L.)
  • die Zirbelnuß (Pinus cembra. L.)
  • die Weymouthtsfuhre (Pinus Strobus. L.)
  • die Balſamtanne (Pinus balſamea. L.)
  • der gemeine Lebensbaum (Thuja occidentalis. L.)
  • der chineſiſche Lebensbaum (Thuja orientalis. L.)
  • der wilde Lorbeerbaum (Laurus ſylveſtris. L.), etwas zaͤrtlich, aber von einem ſchoͤnen Anſehen mit glaͤnzenden Blaͤttern;
  • die Ceder von Libanon (Pinus Cedrus. L.)
  • die virginiſche rothe Ceder (Juniperus Virginiana. L.), deren dunkelgruͤne Blaͤtter bey eintretender Kaͤlte purpurfarbig, beynahe violett werden, welche Veraͤnde - rung bis zum Fruͤhjahr dauert;
  • die weiße Ceder (Cupreſſus Thyoides. L.)
  • die barbadiſche Ceder (Juniperus Barbadenſis. L.)
  • die bermudiſche Ceder (Juniperus Bermudiana. L.)
  • der große Wacholderbaum mit braͤunlichen Beeren (Juniperus oxycedrus. L.)
  • die phoͤniciſche Ceder (Juniperus Phoenicia. L.)
  • der Sadebaum, oder Sevenbaum (Juniperus Sabina. S.)
  • die lyciſche großbeerichte Ceder (Juniperus Lycia. L.)
  • der hochſtaͤmmige Buxbaum (Buxus ſempervirens. L.)
die21Vom Baumwerk.
  • die Stechpalme (Ilex aquifolium. L.), die leicht zu einem Baum waͤchſet, mit glattem und ſchlankem Stamm, mit ſteifem, rauſchenden, glaͤnzenden, aber dunkeln Laubwerk, mit ſcharlachrothen leuchtenden, oder ſchoͤnen gelben, auch weißen Beeren;
  • der Kirſchlorbeerbaum (Prunus Lauroceraſus. L.) mit breiten, dicken, dunkel - gruͤnen, glaͤnzenden Blaͤttern und Wohlgeruch;
  • der Erdbeerbaum (Arbutus Unedo. L.), der buſchweiſe waͤchſt, und laͤngliche oben glaͤnzende, umher ausgezackte Blaͤtter hat; er bluͤhet im Herbſt, und zu - gleich wird die im vorigen Jahr angeſetzte Frucht reif; die ſcharlachrothen Beeren leuchten unter den weißen in großen Trauben haͤngenden Bluͤhten, und bilden einen ſehr ſchoͤnen Anblick;
  • der Taxbaum, Eibenbaum (Taxus. L.), mit mattem, todten, ins Braune fallenden Gruͤn.

i.

In Abſicht auf die Bluͤhte der Baͤume kommt es hier theils auf die Schoͤn - heit der Farbe, die in dem Hellen, Lebhaften und Mannichfaltigen beſteht, theils auf die Anmuthigkeit des Geruchs an; vermoͤge dieſer Eigenſchaften ſchicken ſie ſich uͤberhaupt fuͤr angenehme und heitre Scenen.

Die Zeit der Bluͤhte beſtimmt, ob eine Baumart fuͤr eine Scene des Fruͤh - lings oder des Sommers gehoͤrt. Doch prangt die Jugend des Jahrs vorzuͤglich mit dieſen Schoͤnheiten.

Die meiſten Obſtbaͤume reizen durch die Schoͤnheit und die Suͤſſigkeit ihrer Bluͤhte mehr, als die wilden Staͤmme. Die ſchoͤnbluͤhenden Pfirſichbaͤume, die Apricoſenbaͤume, die Mandelbaͤume, eilen voraus; ihnen folgen die mit ihren weißen Bluͤhten uͤberſchneiten Kirſchbaͤume, die Aepfelbaͤume, und die uͤbrigen Geſchlechter in der einem jeden abgemeſſenen Zeit und Ordnung. Der Anblick ihrer Bluͤhte, de - ren Schoͤnheit bey den Pfirſichbaͤumen und Aepfelbaͤumen ſchon allein ihre Anpflan - zung empfehlen koͤnnte, erfreut deſto mehr, da er die Erwartung ſo vieler ſchmackhaf - ten Fruͤchte unterhaͤlt.

Außerdem ergoͤtzen verſchiedene wilde Baͤume durch ihre Bluͤhten, ohne zugleich mit der Hoffnung angenehmer Fruͤchte zu ſchmeicheln. Mit unſern bekannten Linden und Roßkaſtanien ſind hierbey zu merken:

  • die große Magnolia (Magnolia grandiflora. L.). Dieſer Baum gehoͤrt mit dem Tulpenbaum und der Plumeria, nach meiner Einſicht, zu den herrlichſten ame - ricaniſchen Baͤumen, die eine Anpflanzung bey uns verdienen. Alle Arten von Magnolia ſind ſchoͤne Baͤume mit großen weißen Blumen. Die caro -C 3liniſche22Zweyter Abſchnitt. liniſche große Magnolia (Magnolia grandiflora foliis lanceolatis. L. Bie - berbaum, Tulpenlorbeerbaum,) hat die groͤßten Blumen von einem Schuh im Durchſchnitt. Die praͤchtigen Blumen duſten den ſuͤßeſten, eine ganze Gegend fuͤllenden Geruch aus, der ſich in America auf eine deutſche Vier - telmeile weit verbreitet, und erhalten ſich einige Wochen. Die obere Flaͤ - che der Blaͤtter iſt grasgruͤn, die untere blauweißlich. Der Baum hat ge - meiniglich eine ſchoͤne Krone, und ſo viel Blaͤtter, daß weder Sonnenſtral noch Regen durchdringen. Zu beklagen iſt es, daß dieſe Art der Ma - gnolia ſich bey uns ſo ſchwer ziehen laͤßt. Beſſer koͤmmt die virginiſche ſchmalblaͤttrige Magnolia (Magnolia glauca. L.) bey uns fort, die kleinſte, deren Blaͤtter ins Weißblaͤuliche fallen.
  • Die rothe Plumeria (Plumeria rubra. L. Trew Decur. Ehret. Tab. 41.), ein noch wenig bekannter americaniſcher Baum, deſſen praͤchtige, große, ro - ſenfarbige Blumen mit dem ſtaͤrkſten jasminartigen Geruch ſeine Anpflan - zung empfehlen;
  • die Pavia (Aeſculus Pavia. L.), oder die caroliniſche rothbluͤhende Roßkaſtanie, mit angenehmen, rothen oder gelblichen ſtraußweiſe ſtehenden Blumen;
  • der breitblaͤttrige Bohnenbaum (Cytiſus Laburnum. L.) mit ſchoͤnen hellgelben Blumen in langen herunterhangenden Straͤußen;
  • der ſpaniſche Genſter (Geniſta Hiſpanica. L.), der, faſt ganz von Blaͤttern ent - bloͤßt, gelbe ſchotenfoͤrmige, wohlriechende Blumen hat;
  • der Schuſſerbaum (Guilandina dioica. L.), ein canadiſcher ſchoͤn belaubter Baum mit vortrefflichen blauen Blumen;
  • der Loͤffelbaum (Kalmia latifolia et anguſtifolia. L.), der breitblaͤttrige und ſchmalblaͤttrige, mit ſchoͤnen Blumen, die den groͤßten Theil des Sommers hindurch bluͤhen;
  • der roͤthlich bluͤhende Schotendorn (Robinia hiſpida. L.) erhaͤlt von ſeinen pur - purfarbenen Blumen ein herrliches Anſehen, und ſeine Zweige ſind uͤberall mit roͤthlichen weichen Stacheln beſetzt;
  • der ſibiriſche Erbſenbaum (Robinia Caraganna. L.), ein kleiner Baum mit licht - gruͤnen Blaͤttern und gelben Blumen, die ſich ſchon zu Ende des Aprils zeigen;
  • der americaniſche Schotendorn (Robinia pſeudoacacia. L.), ein ziemlich hoher, ſchlanker und geſchwind wachſender Baum, deſſen große Trauben von Blu - men mit jasminartigem Geruch, und leichtes gefiedertes Laub von einem ange - nehmen Gruͤn, nebſt den rothen aufgeblaſenen Schoten, welche die Scene auf eine angenehme Art veraͤndern, ihm ein ſehr ſchoͤnes Anſehen geben;
der23Vom Baumwerk.
  • der Mehlbeerbaum (Crataegus Aria. L.), ein hoher Baum, deſſen Blaͤtter gleich - ſam mit Mehl beſtreut ſind, und deſſen kleine weiße Blumen in großen Buͤ - ſchlen haͤngend einen ſuͤßen Geruch aushauchen;
  • der wilde Oelbaum, oder Paradiesbaum, (Elaeagnus anguſtifolia et latifolia. L.) hat weiße, ſilberfarbene, glaͤnzende Blaͤtter, und wird uͤberall mit kleinen gelben Blumen bedeckt, die mit ihrem ſtarken ſuͤßen Geruch eine ganze Ge - gend einnehmen;
  • der Elsbeerbaum (Crataegus torminalis. L.), der eine Menge weißer Blumen in großen aͤſtigen Buͤſcheln traͤgt;
  • der Quitſchenbaum, oder Vogelbeerenbaum, (Sorbus aucuparia. L.) empfiehlt ſich durch große Buͤſchel von weißen wohlriechenden Blumen;
  • die Vogelkirſche (Prunus Padus. L.) mit langen Trauben von weißen Blumen;
  • der Schneeballenbaum (Viburnum Opulus roſeum. L.), der eine Menge kugel - foͤrmig zuſammengedraͤngter Bluͤhten traͤgt.

Alle dieſe Baͤume ſind Zierden in Fruͤhlingspflanzungen. Durch die Schoͤnheit ih - rer Farben gefallen ſie an Plaͤtzen, wo eine vorzuͤgliche Heiterkeit herrſchen ſoll, die beſonders der Ergoͤtzung gewidmet ſind. Ihr Wohlgeruch macht ſie geliebt bey Scenen der Ruhe, bey Luſthaͤuſern, wo man oft verweilt, bey Speiſeſaͤlen, bey Studierkabinetten, bey Baͤdern.

k.

Die aͤußerliche Schoͤnheit der Fruͤchte, wodurch ſie angenehm ins Auge fallen, wird theils durch die Geſtalt oder Form, theils durch die Farbe beſtimmt, vornehmlich durch dieſe letzte.

Fruͤchte von einer grasgruͤnen Farbe, wie einige Pflaumarten, von einer dunkeln, braunen oder grauen Farbe, wie einige Arten von Aepfeln und Bir - nen, nehmen ſich nicht ſonderlich an den Baͤumen aus. Im Gegentheil reizen die hellen, reinen und lebhaften Farben, das Fleiſchfarbige, Gelbe, Rothe, Roͤth - liche mit ihren mannichfaltigen Schattirungen und Miſchungen, z. B. die Apriko - ſen, Pfirſiche, Kirſchen und verſchiedene Arten von Aepfeln und Birnen, die zwi - ſchen den gruͤnen Blaͤttern glaͤnzen, auf eine anziehende Art das Auge.

In Anſehung der Fruͤchte beſtimmt es die Zeit der Reife, in welches Re - vier der Jahrszeiten die Baͤume zu verpflanzen ſind; die meiſten gehoͤren in Sce - nen des Sommers und des Herbſtes.

Uebrigens24Zweyter Abſchnitt.

Uebrigens hat die Natur ſelbſt durch eine verſchwendriſche Mannichfaltigkeit von geſunden und koͤſtlichen Baumfruͤchten fuͤr das Vergnuͤgen des Menſchen ge - ſorgt. *)In dem Verzeichniſſe von den ver - kaͤuflichen Obſtarten der Carthaͤuſer zu Pa - ris (Catalogue des plus excellens fruits, qui ſe cultivent dans les Pépinieres des Chartreux. Paris. 8. 1767. ) finden ſich al -lein 39 Aepfelarten, eben ſo viele Pflaum - arten, 40 Pfirſicharten und 100 Birnar - ten; und doch iſt dieſes reiche Verzeichniß noch ſehr unvollſtaͤndig.

[figure]

2. Straͤucher.

Straͤucher ſind von Baͤumen vornehmlich dadurch unterſchieden, daß ſie mehr als einen Stamm aus der Erde und uͤberall Zweige treiben; demnaͤchſt iſt ihr Wuchs niedriger. Die Natur liefert von ihnen in allen Weltgegenden einen großen Reich - thum, und es laͤßt ſich davon in Gaͤrten ein mannichfaltiger Gebrauch machen. Sie empfehlen ſich bald durch ihre Blaͤtter, bald durch ihre Bluͤhten, bald durch ihren Wohlgeruch, und andere Eigenſchaften mehr.

Die Straͤucher dienen zuvoͤrderſt, der Abwechſelung wegen, zu kleinen Buſch - werken und niedrigen Pflanzungen; zur Bekleidung der Gemaͤuer, der Gartenhaͤuſerund25Vom Baumwerk. und kleinen Cabinette; zur Woͤlbung der Lauben; zur Umſchattung und Umduftung der Ruheplaͤtze; zur Ausſchmuͤckung der Luſtwaͤlder; zur Beſetzung der Spaziergaͤn - ge und Einfaſſung; endlich zur charakteriſtiſchen Bezeichnung und Verzierung der ver - ſchiedenen Scenen des Fruͤhlings, des Sommers und des Herbſtes. Einige tragen eßbare Fruͤchte; andere verdienen ihren Platz durch Bluͤhte und Wohlgeruch. Die wilden laſſen ſich mit den fruchttragenden auf mannichfaltige Weiſe verbinden; und wenn ſie oft an ſich ſelbſt keine erhebliche Gegenſtaͤnde ſind, ſo ſind ſie doch treffliche Mittel zur Verſchoͤnerung des Ganzen.

Hier folgt ein kleines Verzeichniß, das nach ſeiner Abſicht keine Vollſtaͤndigkeit verlangt, und nur dem noch unerfahrnen Liebhaber ſowohl die Mannichfaltigkeit als auch den Gebrauch der Staͤucher zeigen ſoll.

Zuerſt verſchiedene Arten von Straͤuchern:

  • die Weinroſe (Roſa eglanteria. L.) mit gelben Blumen, die ſowohl als die Blaͤt - ter einen ſuͤßen angenehmen Geruch weit umher verbreiten;
  • die wohlriechende Roſe (Roſa rubiginoſa. L.) mit fleiſchfarbenen Blumen und ei - nem angenehmen, wohlriechenden, glaͤnzenden Laube;
  • die Feldroſe (Roſa ſpinoſiſſima. L.), ein niedriger Strauch mit weißen, unten gelblichen, bisweilen aber rothen Blumen von angenehmem Geruch;
  • die gemeine wilde Roſe (Roſa canina. L.) hat gemeiniglich weiße, zuweilen hell - fleiſchfarbene oder roͤthliche Blumen ohne Geruch;
  • die große Hagebuttenroſe (Roſa villoſa. L.) mit hellrothen Blumen und wolligten Blaͤttern;
  • die niederſaͤchſiſche ſtark wuchernde gefuͤllte Roſe (Roſa foecundiſſima. Munchh. ): der Strauch waͤchſet bis zu vierzehn Fuß hoch; die Blume, die dieſer Ro - ſenſtrauch in vorzuͤglich großer Menge traͤgt, erſcheint fruͤh, iſt hellroth, ge - fuͤllt, und von einem ſuͤßlichen, nicht ſtarken Geruche;
  • die zweyblumige Roſe ohne Stacheln (Roſa inermis. L.) traͤgt einzelne hellrothe Blumen zweymal, naͤmlich im Fruͤhjahr und im Auguſt;
  • die immergruͤne Roſe (Roſa ſempervirens. L.) mit hellgruͤnen Blaͤttern, die im Winter bleiben, und einfachen, weißen, ſtarkduftenden Blumen, die in Buͤ - ſcheln vom Auguſt bis zum October bluͤhen;
  • die gelbe gefuͤllte Roſe (Roſa lutea multiplex. Bauh.), eine Abaͤnderung mit klei - nern ſchoͤn gefuͤllten Blumen, aber ohne Geruch;
  • die tuͤrkiſche Roſe (Roſa punicea. Mill.): die Blumenblaͤtter ſind auswaͤrts gelb, inwendig feuerroth und fallen lebhaft in die Augen;
II Band. Ddie26Zweyter Abſchnitt.
  • die Zimmtroſe (Roſa cinnamomea. L.), ſowohl mit einfachen, als auch mit ge - fuͤllten Blumen, die pupurroͤthlich und nicht ſehr groß ſind, aber einen zim - metartigen Geruch haben;
  • die Provinzroſe (Roſa provincialis. Mill.) mit einfachen hochrothen und großen Blumen von einem ſtarken und angenehmen Geruch;
  • die Sammetroſe (Roſa holoſericea. Du Roi. ), ſowohl einfach als gefuͤllt, mit ei - ner dunkeln Purpurfarbe, die dem Sammet gleicht, und einem angenehmen Geruch;
  • die virginiſche Roſe (Roſa Virginiana. Mill.) mit einfachen blaßrothen Blumen ohne Geruch;
  • die caroliniſche Roſe (Roſa Carolina. L.) mit hellrothen, ſchoͤn gefuͤllten, wohlrie - chenden Blumen, die ſpaͤt im Auguſt erſt erſcheinen;
  • die niedrige pimpinellblaͤttrige Roſe (Roſa pimpinellifolia. L.): der Strauch er - hebt ſich nicht viel uͤber einen Fuß; er bringt einfache und bleichrothe Blu - men in Menge, und hat dichtes Laub;
  • die weiße Roſe (Roſa alba. L.), einfach und gefuͤllt; und uͤberall bekannt.
  • die blaſſe niederlaͤndiſche Roſe (Roſa Belgica. Mill.): die Blumenblaͤtter ſind aus - waͤrts weißlich, auf der andern Seite fleiſchfarbig; ſie bedecken den ganzen Strauch, ſind mittelmaͤßig gefuͤllt, und ſtreuen einen ſuͤßlichen Geruch umher;
  • die Biſamroſe (Roſa moſchata. Mill.) hat eine blaßrothe Farbe, iſt ſchoͤn ge - fuͤllt und von einem angenehmen Geruch;
  • die Centifolienroſe (Roſa centifolia. L.) fuͤhrt dieſen Namen wegen ihrer haͤufigen hellrothen Blumen;
  • die Damaſcenerroſe (Roſa Damaſcena. Mill.) hat gefuͤllte Blumen von einem beſon - ders ſtarken angenehmen Geruche;
  • die italieniſche kletternde Roſe (Roſa ſcandens. L.) hat weiße einfache, ſtark rie - chende Blumen, die einen großen Theil des Sommers hindurch dauern, und hellgruͤne, im Winter nicht abfallende Blaͤtter;
  • die Zuckerroſe oder Eſſigroſe (Roſa Gallica. L.) mit Blumen von dunkler erhabe - ner Farbe und vorzuͤglich kraͤftigem Geruch;
  • der weiße Jasmin (Jasminum officinale. L.) mit der weißen ſuͤßduftigen Blume;
  • der indiſche Jasmin (Jasminum Azoricum. L.) mit großen roͤthlichen Blumen;
  • der gelbe italieniſche Jasmin (Jasminum humile. L.), ein niedriger, immergruͤ - ner Strauch;
  • der gelbe wohlriechende Jasmin (Jasminum odoratiſſimum. L.) waͤchſt zu einem kleinen Baum und hat Blumen von einem angenehmen Geruch;
der27Vom Baumwerk.
  • der beerentragende gelbe Jasmin (Jasminum fruticans. L.) mit kleinen gelben Blumen ohne merklichen Geruch, und mit Blaͤttern von einem ſchoͤnen glaͤn - zenden dunkeln Gruͤn; der Strauch gehoͤrt zu den immergruͤnenden;
  • der gemeine blaue ſpaniſche Hollunder (Syringa vulgaris. L.) mit ſeinen blauen Blumen in großen Straͤußen und von einem angenehmen Geruch.
  • der weiße ſpaniſche Hollunder (Syringa flore albo. Tournef. ) mit weißen wohl - riechenden Blumenbuͤſcheln;
  • der rothe ſpaniſche Hollunder (Syringa flore ſalutari purpureo. Tournef. ) hat Blumen von rother Farbe;
  • der ſpaniſche rainweidenblaͤttrige Hollunder (Syringa Perſica. Tournef. ) hat Blumen von einem angenehmen, aber nicht ſtarken Geruch, und rother oder weißer Farbe;
  • der wohlriechende Himbeerenſtrauch (Rubus odoratus. L.) hat ſehr große roſenrothe Blumen buͤſchelweiſe neben einander, die vom Junius bis zum September bluͤhen, und einen angenehmen Geruch verbreiten;
  • der wilde Jasmin (Philadelphus coronarius. L.) mit großen weißen Blumen, de - ren Wohlgeruch ſich verbreitet;
  • der Trompetenbaum, oder die Catalpa (Bignonia Catalpa. L.), ein americani - ſcher baumartiger Strauch, der zu einer Hoͤhe von zwanzig Schuhen waͤch - ſet, mit praͤchtigem hellgruͤnen Laubwerk und weißgelblichen inwendig gefleck - ten Blumen;
  • die americaniſche erlenblaͤttrige Clethra (Clethra alnifolia. L.) hat ſchoͤne hellgruͤ - ne glaͤnzende Blaͤtter und weiße Blumenbuͤſchel von einem ſehr angenehmen Geruch, die im Sommer bluͤhen;
  • der Judasbaum (Cercis ſiliquaſtrum. L.), einer der erſten bluͤhenden Straͤucher, den im Anfange des Fruͤhlings, ehe noch ſein hellgruͤnes Laub ausbricht, ſei - ne ſchoͤne purpurfarbige Bluͤhre in Menge lange bedeckt;
  • der canadiſche Judasbaum (Cercis Canadenſis. L.), hellgruͤn glaͤnzend auf der obern Flaͤche, blaßgruͤn auf der untern;
  • der Kellerhals (Daphne mezereum. L.) treibt ſehr fruͤh mit Ausgang des Win - ters, und[oft] noch unter dem Schnee, ſeine purpurfarbigen, ſtarkriechenden Blumen;
  • der immergruͤne Kellerhals (Daphne laureola. L.), deſſen ſehr fruͤhe gruͤngelbe Bluͤhte zwiſchen den dunkelgruͤnen glaͤnzenden Blaͤttern erſcheint;
  • die weidenblaͤttrige Spierſtaude (Spiraea ſalicifolia. L.) hat laͤngliche dicke Buͤſchel mit fleiſchfarbigen Blumen, die vom Junius bis in den Herbſt hinaus bluͤhen;
D 2die28Zweyter Abſchnitt.
  • die philadelphiſche Spierſtaude (Spiraea tomentoſa. L.) hat dicke, lange Aehren von fleiſchfarbigen Blumen;
  • die canadiſche Spierſtaude (Spiraea hypericifolia. L.), einer der ſchoͤnſten niedri - gen Straͤucher, der im Fruͤhling mit kleinen weißen Roſen mit ſchwefelgel - ben Puncten ganz bedeckt iſt;
  • die virginiſche Spierſtaude (Spiraea opulifolia. L.) mit anſehnlichen Blaͤttern und einer Menge weißlicher Blumen, die im Fruͤhlinge erſcheinen;
  • der gemeine Spindelbaum (Evonymus Europaeus. L.) iſt im Herbſt ganz mit praͤchtig rothen Fruchtkapſeln bedeckt;
  • der breitblaͤttrige Spindelbaum (Evonymus latifolius. L.) mit rothen und gruͤnen Blumen und großen purpurfarbigen Fruͤchten;
  • der americaniſche Spindelbaum (Evonymus Americanus. L.) iſt immergruͤnend mit dicken, hellgruͤnen, glaͤnzenden Blaͤttern;
  • der Faͤrberbaum, oder Peruͤckenbaum, (Rhus Cotinus. L.) hat federartige weiße Fruͤchte, die ihm im Herbſt ein eignes Anſehen geben;
  • der ſtachlichte Genſter (Ulex Europaeus. L.) zeichnet ſich durch ſeine gelben Blu - men aus, die faſt das ganze Jahr hindurch aufſchießen;
  • der ſyriſche Pappelbaum, oder Ketmia, (Hibiſcus Syriacus. L.) bringt im Herbſte anſehnliche weiße Blumen mit Purpurgrund, auch hellrothe Blumen;
  • der Schlingbaum (Viburnum Lantana. L.): die in großen Dolden wachſenden weiſ - ſen Blumen zeigen ſich im Herbſte, bleiben im Winter ohne Wachsthum, und entwickeln ſich darauf im Fruͤhlinge;
  • der virginiſche immergruͤnende Hagedorn, auch der feurige Buſch genannt, (Meſpilus Pyracantha. L.) der mit ſeinen glatten glaͤnzenden Blaͤttern von dunkelgruͤner Farbe, und ſeinen vielen Beeren, die im Winter reifen, eine vortreffliche Bekleidung giebt;
  • die Zwergkaſtanie (Fagus caſtanea pumila. L.) mit ſchoͤnen den Kaſtanien voͤllig aͤhnlichen Blaͤttern;
  • der Blaſenbaum (Colutea arboreſcens. L.) hat duͤnnes lichtgruͤnes Laub, gelbe traubenfoͤrmige Blumen, und aufgeblaſene roͤthliche Schoten;
  • der morgenlaͤndiſche Blaſenbaum (Colutea orientalis. L.) mit meergruͤnen Blaͤt - tern und braunroͤthlichen Blumen, die ins Gelbe ſpielen;
  • die aſiatiſche Zwergmandel (Amygdalus nana. L.) giebt mit vielen tauſend roſen - farbigen Blumen eine ſchoͤne Zierde;
  • die Berberitzenſtaude (Berberis vulgaris. L.) verdient wegen ihrer fruͤhen gelben Blumen und rothen Beeren eine Anpflanzung;
die29Vom Baumwerk.
  • die marylandiſche Caſſia (Caſſia Marylandica. L.) ziert mit ihren ſchoͤnen gelben Blumen, die ſpaͤt erſcheinen und lange dauern, eine herbſtliche Pflanzung;
  • der nordamericaniſche Ceanothus (Ceanothus Americanus. L.), ein baumartiger Strauch mit ſehr ſchoͤnen hellgruͤnen Blaͤttern, mit weißen Blumen in ſtar - ken Buͤſcheln, die vom Julius bis zum September bluͤhen;
  • die tartariſche Heckenkirſche (Lonicera Tartarica. L.), ein hochwachſender Strauch, mit glatten hellgruͤnen Blaͤttern, fleiſchfarbigen Blumen und ſchoͤnen rothen Beeren;
  • die blaubeerichte Heckenkirſche (Lonicera caerulea. L.) hat im Fruͤhjahr eine Men - ge ſchoͤner weißer Blumen, und hernach blaue Beeren;
  • das nordamericaniſche Johanniskraut (Hypericum Kalmianum. L.) mit ſchoͤnen gelben Blumen;
  • die americaniſche dreyblaͤttrige Klappernuß (Staphylea trifolia. L.) mit weißen Blumen;
  • der gemeine Pimpernußſtrauch (Staphylea pinnata. L.) mit hellgruͤnen Blaͤttern und weißen im Fruͤhling bluͤhenden Blumen;
  • der Schneeflockenbaum (Chionanthus Virginica. L.) mit hellgruͤnen Blaͤttern und haͤufigen weißen Bluͤhten, die den Schneeflocken gleichen;
  • der Knopfbaum (Cephalanthus occidentalis. L.) mit lebhaftem Gruͤn und wohl - riechenden Bluͤhten;
  • die dreyblaͤttrige Ptelea (Ptelea trifoliata. L.), ein nordamericaniſcher anſehnlicher Strauch mit glatten hellgruͤnen Blaͤttern und gelbgruͤnlichen Blumenbuͤſcheln von einem vortrefflichen, den Nachtviolen aͤhnlichen Geruch;
  • die Steinweichſel (Prunus Mahaleb. L.) mit glaͤnzenden Blaͤttern und weißen Blumen;
  • die niedrige Traubenkirſche (Prunus nana. Du Roi. ) mit ſchoͤnen Trauben von weißen wohlriechenden Blumen;
  • die Zwergmeſpel (Meſpilus cotoneaſter. L.) mit wolligten Blaͤttern, vielen roͤth - lichen Blumen und rothen Beeren;
  • die immergruͤne Rainweide (Liguſtrum Italicum. L.)
  • das ſtrauchartige Fuͤnffingerkraut (Potentilla fruticoſa. L.) mit ſchoͤnen gelben Blumen;
  • das Pfriemenkraut (Spartium ſcoporium. L.) mit langen gruͤnen Zweigen und ſchoͤnen gelben Blumen;
  • der caroliniſche Gewuͤrzſtrauch (Calycanthus floridus. L.) hat einen ſtarken Wohl - geruch;
D 3verſchie -30Zweyter Abſchnitt.
  • verſchiedene Arten von Ciſten oder Ciſtenroͤslein (Ciſtus) mit rothen, purpurfar - benen, weißen, gelblichen Blumen, die mehrentheils durch den ganzen Som - mer bluͤhen.

Zur Bekleidung der Gemaͤuer und Felſen dienen beſonders noch der Weinſtock, der gemeine Epheu (Hedera helix. L.), der Jungfernwein (Hedera quinquefolia. L.), das Geisblatt (Lonicera caprifolium und periclymenum. L.), verſchiedene Arten von Waldreben (Clematis. L.) mit ihren wohlriechenden Blumen, die Rainweide (Liguſtrum. L.), und andere mehr. Zu eben dieſer Abſicht ſind, außer den Straͤuchern, auch mancherley kletternde und windende Pflanzen brauchbar.

[figure]

II. Anordnung des Baumwerks.

Man hat in der bisher vorgelegten Charakteriſtik der Baͤume und Straͤucher nicht allein die verſchwenderiſche Mannichfaltigkeit, welche auch hier die Natur zur Verwunderung verbreitet, ſondern auch ſchon zum Theil die verſchiedenen Anwen - dungen bemerket, die ſich davon machen laſſen.

Die Natur geht uns noch weiter mit ihren Vorbildungen vor. Sie zeigt uns ihre Baͤume und Straͤucher bald einzeln, bald in mannichfaltigen, hier kleinern, dortgroͤßern31Vom Baumwerk. groͤßern Zuſammenfetzungen. Sie bildet von den Baͤumen Gruppe, Hain, Wald, Waldung (Holzung, Gehoͤlz); von den Straͤuchern Gebuͤſch und Wildniß. Und außer dieſen Zuſammenſetzungen verſtattet ſie der Kunſt noch mannichfaltige Verbindungen und Anlagen mit Baͤumen und Straͤuchern, wozu ſie zum Theil ſelbſt das Muſter enthaͤlt.

1. Einzelner Baum und Strauch.

Ein einzeln daſtehender Baum kann ſchon als ein Gegenſtand fuͤr ſich, und durch ſeinen eigenen Charakter, wichtig ſeyn; er kann bald durch vorzuͤgliche Hoͤ - he und ſchlanken Wuchs, bald durch die Beſchaffenheit ſeiner Zweige und ſeines Laubwerks, bald durch ſeine Bluͤhten Aufmerkſamkeit erregen. Je mehr er iſolirt iſt, deſto weniger wird das Auge zerſtreut; es ruhet auf ihm, und findet Muße, in ſeiner Beſchauung zu verweilen. Jede ſeltene Eigenſchaft wird genauer be - merkt. Der verſtaͤndige Gartenkuͤnſtler wird daher nicht leicht einen Baum ein - zeln zeigen, als der durch irgend einen hervorſtechenden Charakter den aufmerkſamern Blick verdient. Und hier wird auf Form des Stamms und der Zweige, und auf die Beſchaffenheit der Belaubung mehr Ruͤckſicht zu nehmen ſeyn, als auf die weniger dauernde Schoͤnheit der Bluͤhte.

Durch ſeinen Stand kann ein einzelner Baum nicht weniger wichtig werden, als durch ſeinen eigenthuͤmlichen Charakter. Eine hohe Linde, die mit ihrem Schatten ei - ne Huͤtte bedeckt, eine alte, hohle, den Umſturz drohende Eiche, die ihre ſterbenden Aeſte uͤber das Dach einer Einſiedeley hinſtreckt, eine Zittereſpe auf einer ſpitzigen An - hoͤhe, ein jeder ſchlanker dickbelaubter Baum, der in einer Stellung gegen einen Huͤ - gel von einem andern Gruͤn, gegen ein helles Waſſer, gegen die blaue Luft, gegen eine lichtvolle Wolke, gegen die brennende Abendroͤthe, oder in einem andern zufaͤlligen Contraſt geſehen wird beweiſen die Wahrheit jener Bemerkung.

Allein auch als ein Mittel zu den verſchiedenen Abſichten des Gartenkuͤnſtlers kann ein einzelner Baum dienen, indem er bald zur Verbindung und zur Zuſammen - ziehung der getrennten Theile, bald zur Unterbrechung der geraden Linie, bald zur Schattirung, bald zur gaͤnzlichen Verdeckung eines Proſpects behuͤlflich iſt. Zuwei - len kann er zur Bezeichnung nuͤtzlich ſeyn, und das Auge auf einen Punkt hinleiten,wo32Zweyter Abſchnitt. wo es irgend eine erhebliche Beſchaͤftigung finden ſoll. Zuweilen dient er zwiſchen Hai - nen und Gruppen zur angenehmen Abwechſelung, wobey ſodann, außer ſeinem Stan - de, auch die Verſchiedenheit ſeiner Figur und ſeines Gruͤns in Betrachtung koͤmmt. Auch auf einer Wieſe, auf einem freyen Raſen, iſt er ein einfaches und oft mehr gluͤckliches Mittel der Verſchoͤnerung, als eine Gruppe. Eben ſo geben einzelne Baͤume runden Plaͤtzen, Wildbahnen und Waſſerſtuͤcken eine reizende Umgraͤn - zung; und hier koͤnnen ſie außer ihrer Geſtalt noch eine neue Wirkung von dem ſichtbaren Verhaͤltniſſe gewinnen, worin ſie unter einander ſtehen, und wodurch ſie auf gewiſſe Weiſe ein Ganzes ausmachen.

Mehrere einzelne Baͤume koͤnnen in verſchiedenen Ordnungen und Richtun - gen gepflanzt immer natuͤrlich erſcheinen, wenn nur die genaue Regelmaͤßigkeit vermieden wird. Die Natur lehrt uns, daß in einem Walde die Baͤume mehr regulaͤr zu wachſen ſcheinen, als wo ſie einzeln auf freyem Felde ſtehen. Indeſſen iſt die gerade Linie an ſich ſelbſt auch bey einzelnen Baͤumen nicht ganz verwerflich. Laͤuft ſie aber zu weit fort, ſo giebt ſie der Pflanzung ein Anſehen der Kunſt, das ſelbſt dadurch noch nicht gehoben wird, daß die Baumlinie mit offenen Plaͤtzen abwechſelt. Laͤnger moͤgen einzelne Baͤume in einer ſchwankenden Linie ſich hinziehen; die Natur weigert ſich nicht, hier ihr Werk zu erkennen. Immer aber, wo ſie die gerade Linie halten, werden doch die Geſichtspunkte ſo anzuordnen ſeyn, daß ſie, in verſchiedenen Richtungen betrachtet, den Begriff von Abwechſelung geben. Und dieſe Wirkung wird beſonders durch die Verſchiedenheit ihrer Abſtaͤnde erreicht.

Alle die erwaͤhnten Vortheile, die von einzelnen Baͤumen zu gewinnen ſind, laſſen ſich nicht bey einem einzelnen Strauch antreffen. Ihm fehlt die Empfeh - lung der Hoͤhe, des ſchlanken Wuchſes und der Figur; ſeine Schoͤnheit iſt faſt allein auf die Beſchaffenheit ſeiner Blaͤtter, ſeines Gruͤns und ſeiner Bluͤthen eingeſchraͤnkt. Seine Wirkung in der Ferne iſt ſchwach; ſie geht nicht weit uͤber den Standpunkt des Beobachters. Allein in der Naͤhe betrachtet, kann er durch den Reiz ſeiner Blumen, und durch das Anziehende in der Beſchaffen - heit ſeines Gruͤns und ſeiner Blaͤtter, oft ein angenehmer Gegenſtand ſeyn; er kann ſelbſt in Bezirken von kleinem Umfange, an einem Bach, auf einem kurzen Raſen, zur Verſchoͤnerung etwas beytragen. Allein wichtige Wirkungen ſind von einem einzelnen Strauch nicht zu erwarten. Sie werden nur erſt von einiger Bedeutung, wo mehrere Straͤucher ſich ſammlen und zu einer Gruppevereinigen,33Vom Baumwerk. vereinigen, die entweder durch die Eigenſchaften ihrer Art oder durch ihre Verbin - dung das Auge des Beobachters an ſich lockt.

[figure]

2. Baumgruppe.

Mit der Gruppe faͤngt die Natur die Verbindung der Baͤume an. Sie kann bald mehr, bald weniger zuſammengeſetzt ſeyn, von zwey bis etlichen dreyßig Baͤu - men; uͤber dieſe Anzahl ſcheint die Gruppe nicht hinaus ſteigen zu duͤrfen, ohne in den Charakter des Hains uͤberzugehen.

Eine Gruppe macht, fuͤr ſich betrachtet, einen kleinen Wald oder kleinen Hain; ſie iſt nur von beyden durch die geringere Anzahl der Staͤmme unterſchieden. Sie laͤßt eben die Verſchiedenheit und Abwechſelung der Baͤume zu, als ein Hain und ein Wald. Doch mit der Einſchraͤnkung, daß, nach den Regeln der Schicklichkeit und Schoͤnheit, denen eine ſolche Pflanzung folgen muß, keine Arten mit einander verbunden werden, deren Zweige, Laub oder Wuchs einander entgegenſtreiten, wie z. B. die Tanne und die babyloniſche Weide, der Taxus und die weiße Pappel, der Platanus und der Sumach. Auch in der Anordnung der Abſtaͤnde iſt der Gruppe eben die Freyheit eigen, die Hain und Wald haben.

Ueber die Bildung der Gruppen, die ſchon lange einen wichtigen Theil der Schoͤnheit der brittiſchen Parks ausmachen, hat Whately*)Betrachtungen uͤber das heutige Gartenweſen ꝛc. S. 64 u. f. verſchiedene Bemer -II Band. Ekungen34Zweyter Abſchnitt. kungen und Regeln gegeben, die hier eine Anfuͤhrung verdienen, weil ſie ſchon alles Wahre enthalten, was uͤber dieſe Sache geſagt werden kann.

Gruppen ſind entweder von dem Ganzen unabhaͤngig, oder haben damit ein gewiſſes Verhaͤltniß. Sind ſie unabhaͤngig, ſo muß man ſie als einzelne Gegenſtaͤnde betrachten, und blos auf ihre Schoͤnheit fehen; ſind ſie es aber nicht, ſo muß die Schoͤnheit einzelner Stuͤcke der Schoͤnheit des Ganzen auf - geopfert werden, die von weit groͤßerer Wirkung iſt. Der kleinſte Klump beſteht aus zween Baͤumen; und die beſte Wirkung, die ſie haben koͤnnen, iſt dieſe, wenn ſie ihre Gipfel vereinigen, ſo daß ſie nur ein großer Baum zu ſeyn ſcheinen. Daher koͤnnen zween Baͤume von verſchie - dener Gattung, oder ſieben bis acht andere von ſolchen Figuren, die ſich nicht leicht verbinden laſſen, ſehr ſchwer eine ſchoͤne Gruppe ausmachen. Solche Klumpen von Tannen ſind, obgleich ſehr gewoͤhnlich, dennoch ſelten einneh - mend; ſie machen kein Ganzes aus, und ſind nur eine unordentliche Menge von Spitzen. Unterdeſſen wird die Unordnung vermieden, wenn man ſie nach der Reihe und nicht in Haufen ſetzt; folglich iſt ein Klump von dieſen Baͤu - men weit angenehmer, wenn er ſich in die Laͤnge, als wenn er ſich in die Breite ausdehnt. Drey Baͤume muͤſſen zuſammen entweder eine gerade Linie, oder ein Drey - eck ausmachen. Um das Regelmaͤßige zu verbergen, muͤſſen die Abſtaͤnde ſehr verſchieden ſeyn. Der Unterſchied ihrer Figuren traͤgt auch etwas zu eben demſelben Endzweck bey, und noch weit mehr die Verſchiedenheit ihres Wuch - ſes. Wenn eine gerade Linie aus zween, beynahe gleich großen Baͤumen, und aus einem dritten beſteht, der noch viel niedriger iſt, als jene: ſo iſt das Regelmaͤßige der Richtung, in welcher ſie ſtehen, kaum zu bemerken. Wenn niedrigſtaͤmmige Baͤume an den aͤußerſten Enden die genaueſte Re - gelmaͤßigkeit mindern koͤnnen, ſo empfiehlt ſich eben dadurch ihr Gebrauch. Und hierin beſteht auch vorzuͤglich die den Klumpen eigene Abwechſelung. Ein jeder Anſchein der Kunſt; der ſich an den Gegenſtaͤnden der Natur aͤußert, er - weckt Ekel. Baumklumpen aber ſind ſolche in die Augen fallende Gegenſtaͤn - de, die dem Verdachte, als ob ſie mit Fleiß ſo eingerichtet oder gepflanzt waͤ - ren, damit ſie ſich auf dieſe Weiſe unterſcheiden moͤchten, ſo ſehr unterworfen ſind, daß ſie, um die Aufmerkſamkeit von dieſen Merkmalen der Kunſt ab - zuziehen, eine unregelmaͤßige Zuſammenſetzung weit noͤthiger haben, als ein Wald und ein Hain. Da ſie einen weit kleinern Umfang haben, ſo kann auchnicht35Vom Baumwerk. nicht ſo viel Abwechſelung im Umzuge angebracht werden. Allein die Ver - ſchiedenheit des Wuchſes faͤllt in einem engen Bezirk am meiſten in die Au - gen; und die verſchiedenen Grade deſſelben geben oft die ſchoͤnſten Figuren an die Hand. Die Ausdehnung und der Umzug eines Waldes oder eines Hains ziehen die Aufmerkſamkeit mehr auf ſich, als ihre aͤußerſten Graͤnzen; allein bey Grup - pen ſind dieſe letztern von der groͤßten Wichtigkeit. Sie beſtimmen die Figur des Ganzen; und ſie fallen insgemein beyde zu gleicher Zeit in die Augen. Man muß ſich alſo ſehr ſorgfaͤltig bemuͤhen, ſie angenehm und verſchieden zu machen. Die Bequemlichkeit, womit ſie unter einander verglichen werden koͤnnen, verbietet alle Aehnlichkeit zwiſchen ihnen. Denn ein jeder Anſchein von Gleichheit erweckt den Begriff von Kunſt; daher ſcheint ein Klump, der eben ſo breit als lang iſt, weniger ein Werk der Natur zu ſeyn, als ein an - drer, der ſich nur in die Laͤnge ausdehnt. Die Gelegenheiten, bey welchen unabhaͤngige Gruppen gebraucht werden koͤnnen, ſind mancherley. Oft ſind ſie angenehm als ſchoͤne Gegenſtaͤnde an ſich ſelbſt. Bisweilen ſind ſie auch noͤthig, die Ausdehnung einer Wild - bahn, oder die fortlaufende Linie ſowohl des Bodens, als auch einer Pflan - zung, zu unterbrechen. Ob ſie ſich gleich auf Anhoͤhen ſehr vortheilhaft zei - gen, ſo iſt doch ein Huͤgel, dem man es ſogleich anſieht, daß er in der Ab - ſicht aufgeworfen iſt, um mit einer Gruppe gekroͤnt zu werden, ſo kuͤnſtlich, daß er Ekel erweckt. Es muͤſſen alſo einige Baͤume auf den Seiten herum - gepflanzt werden, um dieſen Anſchein zu bedecken. Eben dieſes Mittels kann man ſich auch bey Klumpen bedienen, die auf die Hoͤhe eines Berges geſetzt ſind, um ihr die Einfachheit zu benehmen; ſie werden die geſuchte Ab - ſicht weniger verrathen, wenn ſie zum Theil an den abhaͤngigen Seiten herun - ter gefuͤhrt werden. Ungeachtet aller Vorzuͤge, welche dieſe Art von Pflanzung begleiten, muß ſie doch oft verworfen werden, wenn man ſie von einer benachbarten Hoͤ - he uͤberſehen kann. Klumpe verlieren ſehr viel von ihren vorzuͤglichſten Schoͤn - heiten, wenn ſie unter dem Auge ſtehen; und ſind ſie zahlreich, ſo verrathen ſie die Kunſt, machen keine Oberflaͤche eines Gehoͤlzes aus, und alle Wir - kungen, die aus ihrer gegenſeitigen Verbindung entſtehen, ſind gaͤnzlich verlo - loren.

So weit Whately.

E 2Wenn36Zweyter Abſchnitt.

Wenn mehrere Gruppen auf einem Platz angelegt werden, ſo muͤſſen ſie gegen - ſeitige Beziehungen haben, wodurch ſie ein gewiſſes Ganzes ausmachen. Sie koͤn - nen durch Groͤße und Umfang ſowohl, als auch durch die Auſſenſeiten, ſich unter - ſcheiden; in dem Wuchs der Baͤume und in den Abſtaͤnden kann Abwechſelung herr - ſchen; ſelbſt die Beſchaffenheit des Laubes kann ein Mittel der Abaͤnderung abgeben; und aller dieſer Unterſchiede ungeachtet muß doch die ganze Anordnung ein harmoni - ſches Verhaͤltniß wirken.

Eine Sammlung von Gruppen hat faſt nie ein ſchoͤneres Anſehen, als wenn offene gruͤne Plaͤtze, wogegen ihr Laub contraſtirt, zwiſchen ihnen erſcheinen. Doch die heiterſte Scene geben ſie in Verbindung mit Waſſerſtuͤcken, die von ihnen die Be - lebung der Widerſcheine borgen. Auch koͤnnen ſie an den Abhaͤngen der Huͤgel man - che maleriſche Lage gewinnen. Weil Gruppen ſich aus verſchiedenen Geſichtspun - cten und in ihren Beziehungen gegen einander betrachten laſſen, ſo enthalten ſie eine groͤßere Abwechſelung der Anſichten, als ein Hain oder Wald. Sogar ihre Durch - ſichtigkeit dient zur Vervielfaͤltigung der Proſpecte. Welches reizende Schauſpiel, wenn zwiſchen Baͤumen von einem herrlichen Wuchs und einem lebhaften Gruͤn das Silber eines Flußes durchſcheint, wenn jeder ſchlanke Stamm ſich gegen das be - wegliche Licht des Waſſers in ſeiner Schoͤnheit hebt, und in den Zwiſchenraͤumen die Widerſcheine ſpielen! Selbſt der Spaziergang zwiſchen Gruppen eroͤffnet hier eine groͤßere Ergoͤtzung. Jeder kleine Trupp der Spazierenden macht ſich gegenſeitig ein Schauſpiel; anſtatt wie in den langen breiten Alleen einer aufmarſchirenden Wache zu gleichen, ſcheinen ſie ſich wie Liebende zu zerſtreuen; die umher ſich ſchlaͤngelnden Wege laſſen ſie bald von dieſer, bald von jener Seite ſehen; verbirgt ſie hier das Buſchwerk auf einen Augenblick, ſo macht ſie dort eine unerwartete Oeffnung wieder in einer andern Stellung ſichtbar.

Nach der verſchiedenen Beſchaffenheit der Staͤmme, der Zweige, und vor - nehmlich des Laubwerks, iſt eine Gruppe auch eines verſchiedenen Charakters faͤ - hig. Sie kann den Charakter des Edlen, des Erhabenen, des Freyen, des Lu - ſtigen, des Heitern, des Melancholiſchen, des Romantiſchen annehmen. Doch mit der Einſchraͤnkung, daß in einer Gruppe immer nur ein einfacher Charakter herr - ſchen kann, da hingegen ein Hain, noch mehr ein Wald, eines zuſammengeſetzten Charakters faͤhig iſt. Wo demnach ſich der Charakter des Froͤhlichen oder des Trau - rigen, des Freyen oder des Verſchloſſenen, des Zierlichen oder des Wilden ankuͤn - digt, da muß ſich auch eben dieſer Charakter durch die ganze Anlage unvermiſcht und ununterbrochen erhalten. Der kleine Umfang des Platzes und die geringe Anzahl derBaͤume,37Vom Baumwerk. Baͤume, die eine Gruppe bezeichnen, wuͤrde jeder eiteln Unternehmung, hier eine Mehrheit von Charakteren und Wirkungen einzufuͤhren, widerſprechen.

[figure]

3. Hain.

Zwiſchen Gruppe und Wald ſteht der Hain in der Mitte. Wenn mehrere Gruppen an einander gefuͤgt werden, ſo entſteht ein Hain. Der Wald unterſchei - det ſich durch Groͤße, der Hain durch Schoͤnheit.

Die erſte Regel bey dieſer Pflanzung geht dahin, daß die Baͤume ſich nicht zu weit von einander verlieren, wodurch ſie nur eine Sammlung von einzelnen Baͤumen, nicht aber, wie ſie ſollen, eine ganze Pflanzung ausmachen wuͤrden. In ihrer Stel - lung iſt, zur Gewinnung angenehmer Wirkungen fuͤr das Auge, Abwechſelung bey einer gewiſſen Ordnung, jedoch ohne Regelmaͤßigkeit, ohne eine augenſcheinliche Gleichheit der Abſtaͤnde, die gegen die Natur iſt, zu beobachten. Die Baͤume muͤſſen ſich bald enger zuſammenziehen, bald ſich wieder von einander zerſtreuen; durch ihren Stand und Wuchs bald dieſe, bald eine andre Figur unter einander bilden; und unter ſich Plaͤtze von mancherley Geſtalten bezeichnen; auch in der Form der aͤußern Seiten muß Freyheit und Abwechſelung herrſchen.

Die Verbindung der Baͤume muß der Abſicht folgen, bald einen dicken Schat - ten, bald freye Stralen des Lichts, bald einen gebrochenen Sonnenblick, der mit der Daͤmmerung ſtreitet und auf dem Boden ſpielt, zu verſchaffen.

Weil der Spaziergang in Hainen ſehr angenehm iſt, ſo muß auch dem Boden die dazu erforderliche Bequemlichkeit nicht fehlen. Es muß Freyheit, uͤberall durch - zugehen, vorhanden ſeyn. Ein gruͤner Weg iſt hier ſchicklicher, als ein mit Sand ge - fuͤllter und ſorgfaͤltig geſchmuͤckter Gang. Der Raſen erhaͤlt ſich hier gerne in ſeinerE 3Schoͤn -38Zweyter Abſchnitt. Schoͤnheit. Man kann durch die Wendungen der Gaͤnge bald zu heitern Oeffnungen und Ausſichten auf entfernte Gegenſtaͤnde leiten, bald zu einem ſchattenvollen Bezirk; man kann den Umherwandelnden bald Ruhe und ſanfte Ergoͤtzung athmen laſſen, bald ihn mit einer lebhaften Ueberraſchung ermuntern. Die Baͤume mit ihren verſchiede - nen Figuren, die durchkreuzenden Geſtalten und Farben des Laubwerks, die Abwech - ſelungen des Lichts und des Schattens, die lieblichen Einfaͤlle des Mondſchimmers, die ſanften Widerſcheine, die Geſellſchaft gluͤcklicher Geſchoͤpfe, die mannichfaltigen Geſaͤnge der Voͤgel, die Duͤſte der Pflanzen, und andre Zufaͤlligkeiten, bieten auch dem einſamen Freund der Natur eine Ergoͤtzung an, die ihn ganz an dieſe Einoͤde feſſelt.

Die Ungleichheit des Bodens vermehrt die Schoͤnheit des Hains nicht allein fuͤr das Auge des Anſchauers, ſondern auch fuͤr den Spazierenden. Ein Hain, der an dem runden Fuß eines ſteilen Berges hinlaͤuft, oder von einem ſanften Abhange ſich an einen Fluß oder See hinabzieht, oder ſich uͤber eine Reihe kleiner wellenfoͤrmi - ger Huͤgel hinſchmiegt, iſt durch dieſe Lage, die einen groͤßern Reichthum von Pr[o]ſpecten enthaͤlt, weit angenehmer, als wenn er auf einer Ebene ſich verbreitete. In - deſſen kann zuweilen die Ebene, und noch mehr eine gaͤnzliche Vertiefung des Bodens, zur naͤhern Beſtimmung des Charakters eines Hains ſehr gluͤcklich beytragen. Ein Hain, Scenen der Melancholie gewidmet, verſchließe ſich im Thal; ein anderer, zur Freude beſtimmt, erhebe ſeine Krone uͤber den Gipfel eines anſehnlichen Huͤgels.

Allein das vornehmſte Mittel, den Charakter eines Hains zu beſtimmen, liegt in der natuͤrlichen Verſchiedenheit des Baumwerks. Man kann durch die Wahl der Baͤume ihnen den Charakter des Ernſtes, der Melancholie, und ſelbſt der Trauer ge - ben; man kann ihnen Zierlichkeit, Leichtigkeit, Froͤhlichkeit, Heiterkeit, Wuͤrde, und ein romantiſches Anſehen mittheilen. Man erinnere ſich nur an das, was oben von der Charakteriſtik des Baumwerks geſagt iſt.

Ein Hain, der Wuͤrde und Majeſtaͤt ankuͤndigt, bildet ſich durch Baͤume von dem hoͤchſten Wuchs, von ſtarken Staͤmmen und breiten Zweigen, von dicken Woͤl - bungen des Laubwerks. Ein zierlicher und edler Hain zeichnet ſich durch feine ſchlan - ke und wohlgezogene Baͤume von mittelmaͤßiger Hoͤhe und ſchoͤnem Laube aus. Die Vielheit der Aeſte, das Herabhaͤngende der Zweige, das Dunkle und Dichte des Laubwerks, bildet den melancholiſchen Hain, wo die Liebe weinend an der Urne ſitzt. Muthig aufſchießende Baͤume, in die Hoͤhe ſich verbreitende Zweige, leichtes, lufti - ges, oder heiteres und glaͤnzendes Laub, offene Durchſichten, unverwehrte Blicke des Sonnenlichts, ein reiner, von kriechendem Geſtraͤuch befreyter Boden, machen den Charakter des Luſthains. Der romantiſche Hain entſteht ſowohl durch das Seltene und Abweichende in den Figuren der Baͤume, und in den Farben der Blaͤtter und der Bluͤhten, als auch durch die Vermiſchungen der Arten unter einander. Dieſe Be -merkun -39Vom Baumwerk. merkungen werden hinreichen, dem Gartenfreund auf die Verſchiedenheit der Charakte - re, deren Haine faͤhig ſind, und auf ihre Entſtehung einen Wink zu geben, und ihn zu Anlagen zu veranlaſſen, woran bisher noch wenig gedacht iſt.

Ob gleichwohl ein Hain ſo ausgedehnt ſeyn kann, daß er einen zuſammengeſetzten Charakter zuließe: ſo ſcheint es doch zur Vermeidung aller Verwirrung beſſer, ihm bles einen einfachen Charakter zu geben, um dadurch ſeine Wirkung mehr beſtimmt und zutreffend zu erhalten. Will man entweder eine laͤngere Folge von Wirkungen einer Art, oder, welches mehr der Bemuͤhung werth iſt, einen Contraſt von Wirkun - gen gewinnen: ſo wird man dieſe Abſicht in einem Walde, der nach ſeiner groͤßern Ausdehnung eine Verſchiedenheit der Anlagen zulaͤßt, zu erreichen ſuchen.

Die Verzierung eines Hains kann nicht willkuͤhrlich ſeyn, wenn man auf ſeine Faͤhigkeit, einen beſtimmten Charakter anzunehmen, achtet. Sie muß aus der Be - ſchaffenheit dieſes Charakters beurtheilt werden, und auf ſeine Verſtaͤrkung hinwirken. Bluͤhende Straͤucher, hie und da unter den Baͤumen hingepflanzt, hohe glaͤnzende Blu - menarten, feine Gebaͤude, die einen Luſthain zieren, wuͤrden ſich ſchlecht zu einem me - lancholiſchen Hain ſchicken, dem Einſiedeleyen, einzelne bemooſte Huͤtten, Trauerdenk - maͤler, Ruinen und Graͤber zukommen.

[figure]
4. Wald. 40Zweyter Abſchnitt.

4. Wald.

Außer der Groͤße, wodurch ſich, wie ſchon bemerkt iſt, der Wald vom Hain unterſcheidet, erfordert er auch nicht nothwendig ſchoͤne, edle und gewaͤhlte Baͤume, die dieſer als ſein Eigenthum anſieht. In den Baͤumen des Waldes kann mehr Nach - laͤſſigkeit, mehr Verwilderung herrſchen; er kann mit Unterholz verwachſen ſeyn, wo - von der Hain, der mehr Cultur ſucht, befreyet iſt. Auch begnuͤgt ſich der Wald mit gemeinen Baumarten. Der Hain aber, der mehr eine Pflanzung von der Hand des Menſchen iſt, verlangt Baͤume, die ſich durch irgend einen Theil von vorzuͤglicher Schoͤnheit auszeichnen.

Allein außer der Groͤße kann auch der Wald einen Charakter von ſehr fuͤhlba - ter Anmuthigkeit haben. Die Hoͤhe und Groͤße ſeiner Baͤume, die Verſchiedenheit ihrer Figuren und Abſtaͤnde, die Abwechſelung der Duͤnnigkeit und Dichtigkeit der Zweige, die Abaͤnderung des Laubes, die Verzierung der Straͤucher, Pflanzen und Blumen, die den Boden ſchmuͤcken, die offenen und die verſchloſſenen Plaͤtze, die Durchſichten, die Schauſpiele des Lichts und des Schattens, ſind die gewoͤhnlichen Puncte, wodurch die Mannichfaltigkeit des Innern eines Waldes bewirkt wird.

Außerdem tragen auch die verſchiedenen Lagen eines Waldes nicht wenig zur Vermehrung dieſer Mannichfaltigkeit bey. Dahin gehoͤren, außer den Ungleichheiten und Kruͤmmungen des Bodens, die anmuthigen, edlen, kuͤhnen, romantiſchen, feyer - lichen Lagen, die ein Wald haben kann. Anmuthig, wenn er auf ſanften, wellen - foͤrmigen Huͤgeln, an Wieſen, an Fluͤſſen ſich verbreitet; edel, wenn er ſich auf Bergen erhebt, deren Ausſicht uͤber die Landſchaft herrſcht; kuͤhn, wenn er von ſteilen unwegſamen Felsſpitzen drohend haͤngt; romantiſch, wenn er mitten aus einem See emporzuſteigen ſcheint, oder ſich uͤber Felſenwaͤnde herabſenkt, unter welchen ein wil - der Strom dahin tobt; feyerlich, wenn er auf Gebirgen thront und Wolken um ſeinen Fuß ſich waͤlzen ſieht. Und wie viele verſchwenderiſche Abaͤnderungen und Verbin - dungen dieſer Lagen, zumal mit Waſſer und auf Anhoͤhen! Man kann hier zwar einen Wink auf die unendliche Mannichfaltigkeit der Natur geben; aber vergebens waͤre jeder Verſuch, ſie beſchreiben zu wollen.

Feyerliche Ruhe und hohe Wonne verbreitet ſich, wenn eine weite Land - ſchaft umher auf allen Seiten mit Waͤldern umſchloſſen iſt. Allein auch in dem en - gern Bezirk eines einzelnen Waldes fehlt es nicht an reizenden Wirkungen. Ein Ge - fuͤhl von laͤndlichem Frieden und von dem Gluͤck einer ſtillen Eingezogenheit bemaͤchtigt ſich unſerer, wenn wir in der Einoͤde des Waldes eine Huͤtte antreffen, daneben einigeRinder41Vom Baumwerk. Rinder auf einem freyen Platze graſen, die Hirten im Schatten mit kleiner Haͤndearbeit ſitzen, und nicht weit von ihr die Henne gluckend ihre junge Brut ausfuͤhren ſehen. Allein auch ſchon die bloßen Naturſcenen haben hier einen maͤchtigen Eindruck. Wie - ſen ſind faſt niemals angenehmer, als an der Seite und noch mehr in der Mitte eines Waldes; freye ausgedehnte Grasplaͤtze gefallen hier, wenn ſie von hohen Baͤumen um - graͤnzt und mit kurzen Gruppen von Gebuͤſch verziert ſind. Nicht weniger anmuthig ſind kleine Kornfluren, die glaͤnzend zwiſchen dem Schatten hervorbrechen. Die ſanft aufſchwellenden Erhoͤhungen des Bodens, wovon man in niedrige Dickigte herabblickt, und die perſpectiviſchen Durchſichten durch eine weite Reihe von Baͤumen, bis ſie ſich endlich in die Daͤmmerung des entfernten Laubwerks verlieren, die Amphitheater von buſchigten Anhoͤhen, die hinter einander aufſteigenden Huͤgel, bald mit reifendem Ge - treide, bald mit kleinen Baumgruppen, bald wieder mit grasreichen Weiden abwech - ſelnd, hinter welchen eine hohe dunkle Waldung die Ausſicht begraͤnzt dies alles ſind uͤberaus angenehme Erſcheinungen in einem Walde. Die Ausſichten aus der Ver - ſchloſſenheit in das freye Land, aus der Ruhe des Waldes auf entfernte Scenen voll Bewegung und Geſchaͤftigkeit, auf das Meer, auf Staͤdte hin, ſcheinen hier noch in - tereſſanter zu ſeyn.

Ein Wald laͤßt, vermoͤge ſeiner Groͤße und ſeines Umfanges, eine Mehrheit von Scenen zu, die dem Hain nicht verſtattet iſt; er beſteht ſehr oft, ſchon durch die Anlage der Natur, aus einer Miſchung von verſchiedenen Gegenden, wovon jede ſich durch ihren Charakter auszeichnet. Bey der genauen Aufmerkſamkeit auf dieſe natuͤrliche Verſchiedenheiten wird der Gartenkuͤnſtler Veranlaſſung zur Bildung der intereſſanteſten Scenen finden, die ſich durch Mannichfaltigkeit und Contraſt gegen einander heben. Er wird uͤberraſchende Uebergaͤnge vom Verſchloſſenen zum Freyen, vom Dunkeln zum Hellen, vom Einſamen zum Lebhaften, vom Melancholiſchen zum Heitern treffen, und dadurch eine Folge von Bewegungen hervorbringen koͤnnen, die das Herz mit einem maͤchtigen Reiz beleben. Nichts ſcheint zu dieſen Wirkungen von der Natur mehr zubereitet zu ſeyn, als ein Wald, der in einem ausgedehnten Park doch immer als ein faſt unentbehrlicher Theil anzuſehen iſt.

Allein auch das Aeußere des Waldes kann vielfaͤltig ein Gegenſtand zur Ergoͤ - tzung des Auges ſeyn. *)1. B. S. 198.Geht ſeine Ausdehnung zu weit, ſo iſt ihr Eindruck ver - loren, und die fortlaufende Einfoͤrmigkeit ermuͤdet das Auge. Sein Umzug muß in der Figur, in den Einziehungen und Vorruͤckungen Abwechſelung zeigen. Er mußII Band. Fdie42Zweyter Abſchnitt. die Freyheit und angenehme Nachlaͤſſigkeit haben, wodurch die Natur ſo ſehr gefaͤllt; er muß mannichfaltig ohne Verwirrung, groß ohne Verſchwendung, edel ohne Ver - letzung der Simplicitaͤt ſeyn.

Ein Wald, der eine Anhoͤhe hinaufſteigt, und oben den blauen Horizont zur Graͤnze hat, faͤllt in dieſer Lage groͤßer ins Auge. Allein er verliert viel von ſeiner Wirkung, wenn die nackte Spitze des Berges uͤber ihn emporragt; er muß ſie ganz einnehmen. Er kann ihr ſelbſt eine edle Erhoͤhung mittheilen, wenn ſie gerade mit ſolchen Baͤumen, die am meiſten aufſchießen, bepflanzt wird.

Noch mehr hebt ſich die Pracht des Waldes, wenn ſich zu ſeinen Fuͤßen ein heller See verbreitet. Und dieſe Scene wird ungemein durch das aufſteigende Mor - genlicht und die ſinkende Abendroͤthe verſchoͤnert, indem die Dunkelheit des Waldes zwiſchen dem geroͤtheten Himmel und dem Waſſer, auf deſſen Fluth ſich der gebroche - ne Abglanz ſtreut, einen herrlichen Contraſt bildet, den die milden Widerſcheine mit einem neuen Reiz umgeben.

Auch zeichnet ſich bey einem aufſteigenden Walde die Schoͤnheit ſeiner Oberflaͤ - che beſſer aus. Dieſe kann nicht ohne Mannichfaltigkeit gedacht werden; die Un - gleichheiten des Bodens, und die Verſchiedenheiten des Wuchſes und der Belaubung der Baͤume, erzeugen ſie in der Natur. Eine Sammlung von Baͤumen, die alle oben auf ihren Haͤuptern eine glatte Flaͤche vorſtellen, giebt einen unnatuͤrlichen und unan - genehmen Anblick; daher nichts mehr Ekel erweckt, als die Ueberſicht von einer An - hoͤhe uͤber einen altfranzoͤſiſchen Garten mit lauter geſchornen Hecken. Indem hie und da Baͤume uͤber die andern emporragen, ſo wird dadurch fuͤr das Auge eine anmuthi - ge Schattirung hervorgebracht, wozu ſelbſt die Abwechſelungen des Gruͤns nicht we - nig beytragen. Die Schoͤnheit einer wellenfoͤrmigen Oberflaͤche eines Waldes wird am gluͤcklichſten durch Baͤume von ſtarken Zweigen und einer reichen Belaubung, wie unſere Eichen und Buchen ſind, erreicht, indem Baͤume, die duͤnnes Laub und Aeſte oder ſpitzige Gipfel haben, ſich weniger dazu ſchicken. Sie wird nirgends mehr, als in einer gewiſſen Entfernung, beſonders von einer kleinen gegenuͤberliegenden Anhoͤhe, empfunden.

Weil der Wald ein Ganzes ausmachen muß, ſo muͤſſen alle ſeine Theile, die verſchiedenen Klumpen, die ihn bilden, zuſammenhaͤngen, und ihre Verbindung auch in der Anſicht deutlich wahrgenommen werden; denn ohne dieſen Zuſammenhang wuͤr - de er nicht mehr ein Wald, ſondern ein unordentlicher Haufe von Gruppen und Pflan - zungen ſeyn. Auch muß er in der Ausſicht ſich als ein einfacher Gegenſtand auszeich - nen; er muß alſo abgeſondert von den uͤbrigen Theilen der Landſchaft vor dem Auge daliegen.

Wo43Vom Baumwerk.

Wo in einer ausgedehnten Landſchaft mehrere Waͤlder an einander haͤngen und eine Fortſetzung von Waldung bilden, die in einer langen Strecke umher den Horizont begraͤnzet; da wird die Ausſicht vor dem Ueberdruß der Einfoͤrmigkeit durch hellere Zwiſchenraͤume von Bergen und Saatfeldern geſichert.

Vor dem Zugange zu einem Walde, der auf einer Anhoͤhe liegt, geben kleine mit lichterm Gruͤn fanſt aufſchwellende Huͤgel eine liebliche Verzierung. Eine aͤhnli - che angenehme Wirkung wird durch kleine duͤnne Gruppen oder einzelne Baͤume er - reicht, die, in einem beſtimmten Abſtande, mit hellern Farben das Dunkle des Wal - des unterbrechen, und, indem der hinter ihnen befindliche leere Raum zwiſchen ihren Staͤmmen hervorſcheint, zugleich eine reizende Perſpectiv bilden.

Ein Wald verſtattet alle Arten von Gebaͤuden, von der verfallenen Einſiedeley bis zu dem praͤchtigſten Tempel, weil er eine Verſchiedenheit von Gegenden zulaͤßt. Sie koͤnnen die Charaktere dieſer Gegenden mehr beſtimmen und verſtaͤrken, wenn ſie nur mit dem Revier, dem ſie jedesmal zukommen, geſchickt verbunden werden. Selbſt ein reinliches helles Wohnhaus vor dem Eingange eines Waldes unterbricht ſein dunkles Anſehen, und kuͤndigt ſchon aus der Ferne die ſanfte Ruhe dieſer gluͤcklichen Lage an.

[figure]
F 25. Wal -44Zweyter Abſchnitt.

5. Waldung.

Unter dem Namen von Waldung (Holzung, Gehoͤlz,) begreifen wir eine un - ordentliche Sammlung von Wald, Klumpen, einzelnen Baͤumen und Gebuͤſch. Weil ſie mehr aus Baͤumen als aus Straͤuchern und Gebuͤſchen beſteht, ſo iſt ſie noch von der Wildniß unterſchieden, der ſie ſonſt am naͤchſten tritt. Sie weicht da - durch vom Walde ab, daß dieſer mehr aus ordentlichen Gruppen, aus Baͤumen von einem hohen Wuchs und ſchoͤnen Anſehen zuſammengeſetzt iſt. Bey einer Waldung hingegen ſind krumme und verzogene Staͤmme, dicke Gebuͤſche, labyrinthiſches Ge - ſtraͤuch, mit Baͤumen von einem guten Wuchs und Anſehen vermiſcht; wenig ange - nehme Gruppen, deſto mehr Verwilderung der hoͤhern Staͤmme unter niedrigem Buſchwerk, deſto weniger freye und offene Plaͤtze. Auch jaͤhe Tiefen und ſteile Ab - ſaͤtze des Bodens ſcheinen zum Charakter der Waldung zu gehoͤren.

Sie iſt fuͤr Wild und Voͤgel, welche die Einoͤde lieben, ein ſehr geſuchter Auf - enthalt. Und dieſe mindern den melancholiſchen Schauer, den die tiefen Senkungen des Laubwerks, die verſchloſſenen Ausſichten und die umherſchwebenden Verfinſterun - gen verbreiten. Die mannichfaltigen Miſchungen des Laubes ſind ſelbſt dem Auge des Umherwandernden Ergoͤtzung. Seine geſchaͤftige Phantaſie belebt ſich bey dem Anblick der einander durchkreuzenden Verwickelung der Baͤume und Gebuͤſche, und der niederhaͤngenden Verdunkelung; ſie ſchafft ſich aus den vorſchwebenden Geſtalten neue abentheuerliche Erſcheinungen, die entſtehen und beunruhigen, erfreuen und ver - ſchwinden.

Eine Waldung iſt, nach dem angezeigten Charakter, an wilden und romanti - ſchen Revieren fruchtbar, zumal wenn ſie jaͤhe Niedrigungen des Bodens, ſteile, ſich uͤber einander aufthuͤrmende und uͤberwachſene Anhoͤhen hat. Durch dieſe Lage ge - winnt ſie auch leicht Waldſtroͤme, die jenen Scenen zur Verſtaͤrkung dienen.

Weil ſelbſt in einer Waldung, die in der Ebene liegt, der Spaziergang nur ſelten bequem iſt, ſo iſt man ſchon lange auf die Aushauung der Gehoͤlze zur Oeffnung der Wege und Ausſichten gefallen. Allein man hat auch bisher bey dieſer Gewohn - heit wenig auf die Regeln der Schoͤnheit geachtet. Man legt gemeiniglich die Gaͤnge alle in einer geraden Linie an, in welcher ſie auf einen gemeinſchaftlichen Mittelpunkt laufen, von welchem das Auge in die uͤbrigen Gaͤnge nach allen Seiten blickt. Man bemuͤhet ſich bey dieſem ſogenannten Stern, daß die Gaͤnge an Breite, Laͤnge und Ausſicht eine vollkommene Gleichheit unter einander haben. So allgemein man den Gebrauch dieſer Art von Anlage wahrnimmt, ſo ſteif und gezwungen iſt ſie doch. Esiſt45Vom Baumwerk. iſt ſchon widerſinnig, Regelmaͤßigkeit und Einfoͤrmigkeit in ein Werk der freyen Na - tur hineinzutragen, das dieſen Zwang am wenigſten verſtattet. Die Symmetrie, die wir in einem Gehoͤlze finden, kann zwar auf einen Augenblick uͤberraſchen, weil man ſie da nicht erwartete; ſie wird aber bald ihre gewoͤhnliche Wirkung bey Gegen - ſtaͤnden dieſer Art, Ermuͤdung und Ekel, beweiſen. Kennt man einmal die Anlage, ſo ſchleicht man nachher gerne in den Gebuͤſchen auf den Seiten vorbey; man fliehet eine Anordnung, die auf einmal ſaͤttigt, und ſucht auf den Pfaden der Natur ein Vergnuͤgen, das in der langſamern Fortſchreitung ſich laͤnger erhaͤlt, und durch im - mer neue Abaͤnderungen ſchmackhaft bleibt. Ein gerader Weg in einem Gehoͤlz iſt zwar an ſich nicht verwerflich: allein unnatuͤrlich wird er, ſobald er ſich in einer ſehr weiten Strecke fortzieht; und eine Haͤufung ſolcher Wege iſt der verwegenſte Eingriff in die Rechte der Natur. Wo auch dem geraden Gange weder der Boden noch die Abſtaͤnde der Baͤume entgegen ſind, da muß doch ſeine Wahl durch irgend eine erheb - liche Abſicht gerechtfertiget werden, z. B. das Auge auf ein anſehnliches Gebaͤude, oder auf einen wichtigen Proſpect in der Ferne zu leiten, oder es durch eine ſchoͤne innere Perſpective von waldigten Scenen oder kleinen Gehoͤlzen zu ergoͤtzen, die hinter einan - der liegen, mit Oeffnungen in einem jeden, wodurch der Blick zwiſchen mancherley Schattirungen und Abwechſelungen von Tag und Daͤmmerung gelockt wird, bis er in der letzten Dunkelheit ruht. Demnaͤchſt muß ſeine Breite keine voͤllige Gleichheit ha - ben; die Baͤume und Gebuͤſche zu den Seiten muͤſſen ſich ſowohl in einer Verſchieden - heit der Hoͤhe, als auch in einer natuͤrlichen Verbreitung ihres Laubwerks zeigen, ſo weit dieſe nicht durch die Nothwendigkeit der freyen Ausſicht eingeſchraͤnkt wird. Gaͤn - ge, die ſich bald erheben, bald ſich ſenken, bald dieſe, bald eine andre Kruͤmmung nehmen, ſind nicht allein ſchon an ſich abwechſelnd; ſie ſind auch in einer Waldung durch die Ungleichheiten des Bodens und die Stellungen der Baͤume gleichſam von der Hand der Natur ſelbſt vorgezeichnet. Sie ſind auch dadurch wichtiger, daß ſie die Wirkung ploͤtzlicher Oeffnungen und Erſcheinungen von Gebaͤuden, den Eindruck von je - der einnehmenden Seltenheit, von jedem aufſallenden Contraſt lebhafter empfinden laſſen. Ueberall aber, wo freye Ausſichten gegeben werden, muß auf die Beſchaffenheit um - her Ruͤckſicht genommen werden. Zuweilen kann ſchon die Schoͤnheit des blauen oder mit Wolken bemalten Himmels eine Oeffnung verlangen. Allein Doͤrfer, Staͤdte, Schloͤſſer, Seen, große Fluͤſſe, ein Kranz von Bergen, Gebirge von einem kuͤhnen und erhabenen Charakter, Waͤlder, die ſich in die blaͤuliche Ferne verlieren: alle dieſe mit ihren mannichfaltigen Geſtalten und Lagen liefern doch vorzuͤglich Ausſichten, de - ren Genuß die Seele hebt. Der Gartenkuͤnſtler ſoll dieſe und aͤhnliche Proſpecte nicht auf einmal, noch ſchon erwartet, erſcheinen laſſen. Er ſoll ſie nach und nach, in einerF 3allmaͤh -46Zweyter Abſchnitt. allmaͤhligen Fortſchreitung, nach dunkeln Zwiſchenraͤumen, in welchen die Seele ſich mit dem Nachgenuß erfreut, und noch keine neue Scene wieder erwartet, hervorbre - chen laſſen, hier in freyer, dort in verſchleyerter Schoͤnheit, mit allem Reiz der Ab - wechſelung und mit der vollen Staͤrke der Ueberraſchung. Er ſoll dadurch in der Seele eine Folge von Ruhe und Bewegung, von angenehmen, bald ſanftern, bald lebhaf - tern Empfindungen, von Behagung, von Freude, von Entzuͤckung, von Bewunderung, von Erſtaunen, hervorbringen. Nach dieſen Bemerkungen wird man einſehen, daß das Aushauen der Gehoͤlze nicht blos eine Haͤndearbeit gemeiner Gartenknechte iſt; und daß ſelbſt ein Mann von Geſchmack, der die Anordnung macht, lange uͤberlegt, und ſich in die Charaktere der Landſchaft und ihre Wirkungen auf die menſchliche Seele hineingedacht haben muß.

[figure]

6. Gebuͤſch.

Gebuͤſch iſt nach unſrer Eintheilung die erſte Art von Zuſammenſetzung von Straͤuchern, die einzeln von geringer Wirkung ſind, wie ſchon oben bemerkt worden. Allein durch Verbindung werden ſie wichtiger. Sie koͤnnen zwar zur Verzierung ein - zelne Baͤume, die zerſtreut unter ihnen erſcheinen, zulaſſen, ohne daß dadurch ihr Charakter merklich veraͤndert wird. Indeſſen macht doch die Zuſammenſetzung der Straͤucher den weſentlichen Theil bey Gebuͤſchen aus.

Bey47Vom Baumwerk.

Bey Gebuͤſchen kommt es vornehmlich auf die Beſchaffenheit der Figuren und Farben der Blaͤtter ſowohl, als auch der Bluͤhten an. Und dieſe Beſchaffenheit lei - tet auf den Gebrauch, der von ihnen zu machen iſt, und auf die Reviere, wo ſie an - zupflanzen ſind.

Gebuͤſche geben fuͤr kleine Huͤgel eine uͤberaus angenehme Bekleidung. Sie koͤn - nen ſowohl hier als auch auf ebenen Flaͤchen, wo ſie zur Unterbrechung der geraden Linie dienen, zuweilen ſehr maleriſche Gruppen bilden, wenn man ſie naͤmlich nicht ohne Unterſchied durch einander hinwirft, ſondern ſie nach der Verſchiedenheit ihrer aufſtei - genden Hoͤhe und nach den mannichfaltigen Schattirungen ihrer Blaͤtter und Bluͤhten ordnet. Sie locken durch ihren dichten Schatten und durch ihre Fruͤchte, mehr als Gruppen von lauter geraden Baͤumen, ganze Familien von Voͤgeln herbey, und wer - den dadurch ein Mittel der Belebung und des heiterſten Vergnuͤgens. Auf Wie - ſen, auf Raſenplaͤtzen, in Waͤldern, ſieht man ſie gern als anmuthige Verzierungen, wenn ſie ſparſam und mit Geſchmack hingeſtreut ſind. Der Wohlgeruch der Blumen empfiehlt einige Arten zur Bekleidung der Luſthaͤuſer, zur Umkraͤnzung der Ruheplaͤtze, und zur Bildung der Lauben.

[figure]

7. Wildniß.

Von Gebuͤſchen unterſcheiden ſich noch Wildniſſe, ob dieſe gleich wie jene aus Straͤuchern zuſammengeſetzt ſind. Jene ſtellen zerſtreute Gruppen ver, ſind mit ei - ner gewiſſen Auswahl angelegt und geordnet; dieſe machen unordentliche Haufen von mancherley Gebuͤſch und niedrigem Strauchwerk aus, zuweilen mit einigen Baͤumenunter -48Zweyter Abſchnitt. untermiſcht, alles ohne Cultur, der natuͤrlichen Verwilderung und der freyen Unord - nung ganz uͤberlaſſen. Keine Uebereinſtimmung der Straͤucher; ſelbſt Widerſpruͤche in der Zuſammenhaͤufung finden hier Platz. Wenn gleich Wege durchgebrochen ſeyn moͤgen, ſo ſind Wildniſſe doch eben nicht fuͤr den Spaziergang beſtimmt. Sie die - nen vornehmlich als Mittel zur Unterbrechung und zum Contraſt. Nach einer Reihe von anmuthigen Auftritten voll Cultur, Geſchmack und Feinheit beweiſen ſie ihre gute Wirkung. Sie muͤſſen aber von ſelbſt aus der natuͤrlichen Beſchaffenheit der Gegend entſpringen, oder doch mehr freywillig entſprungen, als mit irgend einer bedaͤchtigen Wahl angepflanzt zu ſeyn ſcheinen. Nicht alſo an fruchtbaren, ſondern an unwirth - baren und abgelegenen Orten, an einem langſam fließenden Waſſer, das hin und wie - der durch den verſteckten Fall ein dumpfes Gemurmel erregt. Die Wildniſſe gehoͤren uͤbrigens zu dem Romantiſchen.

Man muß ſie nicht mit der Wuͤſte verwechſeln. Wo duͤrre unfruchtbare Sand - felder brennen, wo nackte Felſen und Steinhaufen ſich uͤber einander draͤngen, wo fau - lendes ſtinkendes Waſſer, der Aufenthalt der Schlangen und Eidexen, ſchleicht, wo der Wolf in verſteckten Hoͤhlen auf den Raub lauert und ſelbſt von dem naͤchtlichen Gebruͤll maͤchtigerer Ungeheuer geſchreckt wird, wo ringsumher die oͤde verlaſſene Na - tur trauert, und keine Stimme des Menſchen die ewige Stille unterbricht da iſt die Wuͤſte.

[figure]

Aus den bisher angeſtellten Unterſuchungen erkennt man ſchon eine Menge von mannichfaltigen Verbindungen und Anlagen, welche nach der Anleitung der Natur mit Baͤumen und Straͤuchern gemacht werden koͤnnen. Allein dieſe weiſe Lehrerinngeht49Vom Baumwerk. geht noch weiter. Sie zeigt nicht blos die angenehmſten Gemaͤlde, die der Garten - kuͤnſtler dem Auge durch die Miſchung des Laubwerks ſchaffen kann; ſie winkt auch auf mancherley Scenen zur Beluſtigung und feinern Beſchaͤftigung der Seele in Gruppen, Hainen und Waͤldern hin.

a. Malerey des Laubwerks.

Ich darf es nicht wiederholen, welche Mannichfaltigkeit und wunderbare Mi - ſchung des Gruͤns die Natur in ihren Baͤumen und Straͤuchern ausgebreitet hat. Die Geſtalt, die Groͤße, die Dichtigkeit und Duͤnnigkeit der Zweige, die Staͤrke und Leichtigkeit, die Steifigkeit und Beweglichkeit der Blaͤtter tragen auf verſchiedene Weiſe dazu bey, die Schattirungen des Gruͤns zu vermehren.

Außer unſern gewoͤhnlichen Waldbaͤumen bieten auch die Obſtbaͤume, die man zuweilen aus den Pflanzungen nicht ohne Beleidigung ihrer Vorrechte ganz verbannt, oder doch an abgeſonderten Plaͤtzen zu verbergen pflegt, die Abwechſelung ihrer Far - ben an. Warum ſoll ſich ein Kirſchbaum nicht eben ſo frey zeigen duͤrfen, als eine Hagebuche? Außer der Schoͤnheit der Bluͤhte und Fruͤchte gefallen viele Fruchtbaͤu - me auch noch durch ihr Laub, das wenigſtens zu Abaͤnderungen Anlaß giebt. Welche ſchoͤne Mannichfaltigkeit finden wir nicht ſchon in den gewoͤhnlichen Arten, die in den deutſchen Gaͤrten gezogen werden! Und welche Malerey, und welcher liebliche Con - traſt, wenn ſie mit Ueberlegung und Geſchmack unter die wilden Baͤume gemiſcht wuͤrden! Aber, ohne genaue Ruͤckſicht auf die Zeit und Dauer des ausſchlagenden und fortbluͤhenden Laubes der wilden Baͤume, und auf die Zeit und Dauer der Bluͤhte und Fruͤchte der darunter gemiſchten Obſtbaͤume, wuͤrde nur eine ſeltſame und ekelhaf - te Verwirrung an die Stelle einer harmoniſchen Verbindung treten. Außerdem liefern uns die nordamericaniſchen Baͤume, die ſeit verſchiedenen Jahren und an verſchiedenen Orten ſchon unſere Pflanzungen erweitern, einen neuen Reichthum des Gruͤns im Baumwerk.

Man hat lange Zeit hindurch die Baͤume als bloße Mittel der Beſchat - tung angeſehen, und man begnuͤgte ſich, wenn dieſes Beduͤrfniß befriedigt war. Auch der kleinſte Garten enthaͤlt, ohne Schatten, in ſich einen Widerſpruch. Allein Be - ſchattung iſt nicht alles, was der Geſchmack verlangt. Auch iſt der Schatten nicht immer da ſchicklich, wo ſeine Kuͤhlung erfreut; die Beſchaffenheit des Platzes und der Scene muß die Entſcheidung geben. Er wuͤrde z. B. uͤber eine Blumenflur hinge - worfen ſehr uͤbel paſſen. An Grotten aber, an Einſiedeleyen und Baͤdern wird er geſucht. Zu viel und zu wenig Schattenwerk kann ſowohl in einzelnen Theilen, alsII Band. Gim50Zweyter Abſchnitt. im Ganzen, ein Fehler ſeyn. Das Uebermaaß des Schattens giebt ein zu einfoͤrmi - ges und trauriges Anſehen. Allein maͤßige Beſchattung befoͤrdert Ergoͤtzung, nicht blos fuͤr das Auge, ſondern auch fuͤr das Ohr, indem ſie einen geliebten Aufenthalt den Voͤgeln anbietet, deren Geſellſchaft und Lieder ſo viel Aufheiterndes haben, daß es nicht zu begreifen iſt, wie manche Eigenthuͤmer der Gaͤrten ſich dieſes Vortheils durch die Entfernung alles Schattigten berauben koͤnnen. Die Grade der Beſchat - tung aber, das Mehr und Mindre, laſſen ſich nur aus dem Charakter eines jeden Gartens und ſeiner verſchiedenen Reviere beſtimmen. Und demnaͤchſt muß das Auge nicht blos bey dem Gegenwaͤrtigen der Anlage ruhen, ſondern auch auf den kuͤnftigen Anwachs hinaus ſchauen, und die Wirkungen berechnen, die in der Folge entſtehen.

Allein die Malerey des Laubwerks iſt ein hoͤheres Erforderniß der Gartenkunſt, als bloße Anlage der Schattenwerke; ſie iſt ein Erforderniß der Schoͤnheit, da jene mehr ein Beduͤrfniß der Bequemlichkeit iſt.

Schon durch die bloße Aufſtellung mehrerer Arten von Baͤumen kann der Gar - tenkuͤnſtler ohne Muͤhe Mannichfaltigkeit hervorbringen. Allein durch eine Verbin - dung mit Geſchmack entſpringt erſt eine Mannichfaltigkeit, die mehr ſein Werk iſt. Wenn demnach verſchiedene Arten von Baͤumen und Straͤuchern auf eine ſolche Weiſe vereinigt werden, daß dadurch fuͤr das Auge eine erhoͤhete Ergoͤtzung uͤber die Ver - haͤltniſſe der Geſtalten und Farben bewirkt wird: ſo thut der Kuͤnſtler einen Schritt weiter, als die bloße rohe Natur; ſo handelt er als ein Mann von Geſchmack.

Nach dieſem Beruf ſoll der Gartenkuͤnſtler uͤberall, wo er Baumwerk anpflanzt, oder wo er es ausbildet, mit dem Landſchaftmaler die mancherley Vortheile des Lichts und des Schattens der Natur ablauſchen; nicht blos auf einzelne Gegenſtaͤnde und auf einzelne Proſpecte, ſondern auf die Zuſammenſtimmung aller Theile, auf den Aus - ſchlag des Ganzen achten; ſowohl die Wirkungen der Farben und Schattirungen in der Naͤhe bey einzelnen Scenen berechnen, als auch in Geſichtspuncten, wo aus der Ferne ganze Maſſen auf einmal wahrgenommen werden.

Wir ſehen, daß die Natur weder die Flaͤchen des Bodens, noch den Umfang der Waͤlder mit einerley Gruͤn, ohne Abaͤnderung und ohne Brechung, bekleidet. Wie ſchwach wuͤrde nicht durch das Gegentheil ihr Eindruck auf das Auge des Men - ſchen ſeyn! Nun aber ergoͤtzt ſie, und hoͤrt nicht auf zu ergoͤtzen, ſowohl durch har - moniſche Verbindungen als auch durch den Contraſt des Gruͤns.

In Anſehung einer maleriſchen Verbindung muß das mit Weiß und Gelb ver - miſchte Gruͤn ſich zunaͤchſt dem Auge zeigen. Sodann das Lichtgruͤn, hierauf das Braungruͤn, und endlich das Dunkelgruͤn und Schwaͤrzliche folgen. Das Dunkel - gruͤn muß alſo in der Ferne ſich verbreiten, und das Hellgruͤn ſich am meiſten in derNaͤhe51Vom Baumwerk. Naͤhe zeigen; und zwiſchen ihnen koͤnnen alle mittlere Arten des Gruͤns nach ihren verſchiedenen Graden liegen, ſich bald mehr nach jener, bald mehr nach dieſer Seite naͤhern. Zwiſchen einem Gelbgruͤn und Braungruͤn vertraͤgt ſich ſehr wohl das Lichtgruͤn in der Mitte; und das Braͤunliche ſcheint ſchon eine Vorbereitung zu dem Dunkelgruͤn und Finſtern zu enthalten. Whately*)Betrachtungen uͤber das heutige Gartenweſen ꝛc. S. 39. hat ſchon bemerkt: daß ſich das gelbe und weiße Gruͤn leicht mit einander verbinde; daß ſich aber große Stuͤcke vom lichten, gel - ben, oder weißen Gruͤn nicht wohl mit einem andern großen Stuͤcke von Dunkelgruͤn vermiſchen laſſen; und daß, um in dieſem Fall einen reizenden Auftritt zu bilden, ent - weder das Dunkelgruͤn eine bloße Einfaſſung ausmachen, oder ein Braun, oder eine mittlere Art von Gruͤn dazwiſchen geſetzt werden muß