Denen Hochloͤblichen / beeder Ertzhertzogthume Oeſterreich Unter - und Ob - der Ennß / geſamten Herren Herren Staͤnden.
JCH bringe hiemit den Andern und letzten Theil / meines Adelichen Land - und Feld-Lebens / darinnen hoffentlich das vornehmſte und nothwendigſte / was noch darzu er - fordert wird / zu finden iſt. Euer Gunſt und Freund - ſchafft laſſen ſich belieben / ſolchen nach Jhrer bekannten und weltberuͤhmten Freundlichkeit auf - und anzunehmen / und mehr den geneigten unterdienſtlichen Willen / als das Werck ſelbſt anzuſe - hen; Jch will mich nicht viel entſchuldigen / viel weniger / die etwan ſich darinnen ereignenden Fehler vertheidigen / ſondern frey alles Jh - rem vernuͤnfftigen und beliebigem Urtheil heimgeben / und mich und meine Arbeit derſelben Ausſpruch unterwerffen; wird etwan die - ſes nicht von eignen Kraͤfften und Verdienſt die Ehr und das Leben erwerben / wird es ſolches wenigſtens durch Eur Gunſt und Freund - ſchafft / Tugend und Freundlichkeit ihme zueignen und zu hoffen ha - ben. Es moͤchte vielleicht fuͤr eine Vermeſſenheit ausgeſchryen wer - den / daß ich bey Euer Gunſt und Freundſchafft mit einer ſo wenigen Gab zu erſcheinen mich erkuͤhnen doͤrffen / dieſes Unterſtehen aber wuͤrde noch ſtraffmaͤſſiger ſeyn / wann ich die Einbildung truͤge / ich ſolte Jhnen / ein Jhrer hohen Wuͤrdigkeit gleichmaͤſſiges Präſent rei - chen koͤnnen / oder wann ich zweifeln wolte / ob Jhre Guͤtigkeit und guͤnſtiges Anſehen / dieſes zwar ſchlechte Werck nicht dennoch ſolte groß und beruͤhmt machen koͤnnen; und indem ich mit dieſer Uber - gab Jhnen zugleich auch mein Dienſt-gieriges Hertz und geneigtes Gemuͤthe zueigne / werden Sie hoffentlich den / der alles giebt / was er hat / deſto bereitwilliger und gnaͤdiger aufnehmen; und wie ein ſtarcker und kraͤfftiger Eichbaum / den ſchwachen an ſeinem Stam -❁ a ijmenmen und Aeſten aufkriechenden Epheu eine ſolche Beyhuͤlffe thut / daß er von der unterſten Wurtzen Grunde biß an die hoͤchſten Spi - tzen der Aeſte aufklimmet: Alſo wird hoffentlich dieſe geringe Arbeit / die mehr aus Verlangen und gutem Willen / es zu verſuchen / als aus Einbildung oder Vertroͤſtung einiger Vollkommenheit / angefangen worden / durch Eur Gunſt und Freundſchafft Befoͤrderung und Gut - heiſſen / in der Welt einigen Platz und Stelle vielleicht finden und er - halten koͤnnen. Das hohe Alter / indem ich nunmehr mein ſieben - zigſtes Jahr erreicht und zuruck gelegt habe / wird auch zum Theil fuͤr mich advociren / und wann ich / nach dem Exempel M. Varronis, der im achtzigſten / und Auguſtini Galli, der gleichmaͤſſig mit mir / im ſieben - zigſten Jahr / die Hauswirthſchaffts-Anſtellungen beſchrieben / auch den Muͤſſiggang zu meiden / dergleichen Ubungen fuͤrgenommen / werde ich (wo ein Fehler mit untergeſchlichen wäre) fuͤr mehr ent - ſchuldigt / oder fuͤr weniger ſtraffbar gehalten werden koͤnnen / daß man nicht / nach des Poetens Ausſpruch / von mir moͤchte ſagen:
Jſt dennoch beſſer unter der Arbeit / als gantz im Muͤſſiggang erfau - lend ſein Leben beſchlieſſen / ſonderlich wann ein Fleiß dem gemeinen Vatterland zu dienen / angelegt wird. Si mors me occupet malo labo - rantem, quàm otiosè torpentem inveniat. Alſo will ich mit des alten Propertii folgenden Worten:
beſchlieſſen / Eur Gunſt und Freundſchafft dem getreuen Schutz des Goͤttlichen Beyſtandes / mich aber zu Derſelben Huld und Gewo - genheit jederzeit ergebend / und verbleibe
zu Dero Befehl ein Treu-ſchuldiger und Pflicht - willigſter Diener Wolff Helmhard Herr von Hohberg Freyherr.
WEil ich nunmehr in dem erſten Theil das meiſte / was bey einem wol - beſtelltem Landgut zu verlangen und zu beobachten / ſowol / wie Hausvaͤtter und Hausmuͤtter / bey ihrem Beruff / in einem und an - dern ſich zu verhalten / nicht weniger die anmuthige Weinberg - und Garten-Luſt weitlaͤuffig vor Augen geſtellt habe; als iſt nun - mehr Zeit / den Feldbau und die Viehzucht (ohne welche zwey das gantze Hausweſen vielfaͤltigem Mangel unterworffen waͤre) wie auch Bienen und Seidenwuͤrm-Haltung / auch Fiſchereyen / Gehültz und Jagten / nach Moͤg - lichkeit zu beſehen und zu beſchreiben; und iſt ſonderlich der Feldbau unter allen Kuͤnſten die nothwendigſte / wie ſie der heilige Chryſoſtomus nennet / dann wo kan man einige Handthierung finden / die redlichern Gewinn / unſchuldigern und er - barern Vortheil und gewiſſern Wucher und Uberfluß / ohne Betrug / Uberſatz und Beleidigung einiges Menſchen geben oder leiſten koͤnnte / als eben der Ackerbau / und die Viehzucht / worbey die alten heiligen Patriarchen / und andere groſſe Weltberühmte Leute / ja viel Koͤnige / hohe Potentaten und tapffere Helden ihre Freude und Luſt geſucht / auch dardurch Reichthum und Wolſtand / Ruhm und guten Nahmen erlanget haben. Ja ſelbſt unſer Heyland und treuer Erloͤſer JEſus CHriſtus hat ein ſonderbares hohes Belieben getragen / ſeine Gleich - nuͤſſen und Lehren aus der Oeconomia zu nehmen / und ſich bald wie einen Haus - vatter / bald wie einen Saͤemann / wie einen Hirten / wie einen Weingaͤrtner / und in dergleichen / ſeinen Zuhoͤrern fuͤrzuſtellen.
Solte man auch alle die Lobſpruͤche / Gezeugnüſſe / und Beſchreibungen / welche nicht allein die alten Lehrer der Chriſtlichen Kirchen / ſondern auch die Profan-Authores, die Philoſophi, Oratores und Poeten von dem Land-Leben ge - ſprochen / und ihme zugetheilt haben / wuͤrde man nicht ein kleines Volumen davon aufſetzen und verfertigen koͤnnen.
Wir wollen aber allhier / einen Lob-Redner und Encomiaſten abzugeben / gaͤntzlich beyſeits ſetzen / und allein den geneigten Leſer mit wenigem berichten / daß wir in beeden Theilen einerley Diſpoſition gebrauchen wollen / nemlich daß wir das allernothwendigſte und unentbehrlichſte voraus / und das wenigere / ſo zwar an der Nutzung etwas geringer / aber an Ergetzung und Luſt dennoch fuͤrtrefflich iſt / zuletzt ordnen. Und alſo haben wir in dem Erſten Theil / im Erſten Buch billich das Landgut in genere & ſpecie mit allen darzu gehoͤrigen Stuͤcken / Guͤl -❁ a iijtenten und Regalien in den Vorzug geſtellet / auch was bey Erkauffung und Ver - kauffung / Beſtandnahm oder Beſtand-Verlaß zu bedencken / item vom Wild - bahn / Reißgejayd / Lehenſtucken / Uberlaͤnd-Dienſten / Zehenden / Grundbuͤ - chern / Vogteyen / Robbathen oder Frondienſten / Urbarien oder Protocollen / nicht weniger von den Schenck-Tabernen / Wirthshaͤuſern / Mauten / Jahr - und Wochen-Maͤrckten / von Ziegel - und Kalch-Oefen / Glashuͤtten / Doͤrrſtu - ben / Eysgruben und Thiergaͤrten / von allerhand Muͤhlen und Haͤmmern / und was von der Oeſterreichiſchen und Steyreriſchen Eyſen-Ertz-Gewerckſchafft zu wiſſen noͤthig / entworffen; item wie ein Grundſtuck in ſeine Joch einzutheilen / und ein Gut durch kluge Anſtellung zu verbeſſern ſey / gewieſen.
Jn dem Andern Buch / weil ein Landgut ohne Aufſicht und Direction eines Hausvatters gleichſam ein todter Leib ohne Haubt iſt / alſo haben wir den Her - ren des Hauſes eingefuͤhrt / wie er ſich gegen ſeine Ehwirthin / Kinder / Ge - ſinde / Pfleger und Unterthanen / auch ins gemein in der Wirthſchafft zu verhal - ten / was er durch das gantze Jahr von Monat zu Monat / ſowol im Hauſe und Garten / als auch im Feld / in Hoͤltzern / Feldern / Wieſen / Weingebuͤrgen an - zuſtellen und zu verrichten hat / wie er ſich gegen ſeiner Nachbarſchafft in Zuſam - menkunfften / Vergleichen und Abhandlungen zu erzeigen; nicht weniger gegen ſeinen Pfleger / wie ſolcher zu inſtruiren / und wie die Aufnahm der Rechnungen weislich und geſchicklich zu beginnen und zu fuͤhren / wie mit Kaſtnern / Kell - nern / Amtleuten und Richtern umzugehen / auch wie jeder vernuͤnfftiger Haus - vatter (weil ohne gute Leibes-Diſpoſition nichts taugliches zu verrichten iſt) ſo - wol auf ſein eigene / als auch der Seinigen Geſundheit ein wachendes Auge zu haben / wie und was Geſtalt er ſolches leiſten koͤnne; letzlich ſind etliche Dis - curs von des Menſchlichen Leibes-Conſtitution und Beſtellung / auch gewiſſe unmaßgebige Regeln / die Geſundheit zu erhalten; auch eine Feuer-Ord - nung und etliche Handwercks-Sachen / die einem Hausvatter nuͤtzlich zu wiſſen / beygefuͤgt worden.
Jm Dritten Buch haben wir dem Hausvatter auch ſeine Ehwirthin / als ſeine treue Gehuͤlffin / beygeſellet / wie ſie nemlich / fuͤr allen Dingen / Goͤttesfurcht und Erbarkeit / auch die Gebühr gegen ihren Ehemann / die Zucht auf die Kin - der / und die Obſicht gegen dem Geſinde beobachten / die Bezeugung und Ver - traͤglichkeit gegen der Nachbarſchafft und in der gantzen Wirthſchafft anſtellen; Speißgewoͤlbe und Kuchen verſehen / allerley nuͤtzlichen eingeſchafften Vorrath verwahren und austheilen / ihren Confect-Kaſten beſtellen / die Haus-Apothe - ken mit deſtillirten Waſſern / mit allerhand Antidoten, Balſamen / Oelen / Spi - ritibus, Eſſenzen, Krafftwaſſern / Syrupen / Salſen / Saͤfften / Juleppen / Pil - lulen / Salibus, Pulvern / Pflaſtern / Rauchen / und dergleichen Droguerien / was ſie im Hauſe ſelbſt machen / oder zu gelegner Zeit am beſten bekommen kan / anfuͤl - len / in allen gaͤhen fuͤrfallenden Zuſtaͤnden (weil man auf dem Lande / von den groſſen Staͤdten und wolbeſtellten Apotheken entfernet / nicht allzeit einen Medi - cum, oder Artzneyen / ſo geſchwind haben kan) gewiſſe / durch Erfahrenheit pro - birte / und wolanſtaͤndige Mittel / zu ihrer und der Jhrigen Erhaltung und Ge -neſungneſung in Bereitſchafft haben / und gebrauchen ſolle / und alſo ſind die drey noth - wendigſten Stuͤcke der Haushaltung voran gleichſam in die Avantgarde geordini - ret. Die uͤbrigen drey Buͤcher des Erſten Theils / wiewol ſie auch nuͤtzlich und anmuthig / ſind doch auf die letzte / als wie in dem Nachzug / geordnet und geſtellet worden. Als:
Jm Vierdten Buch / welches in zwey Theil abgeſondert worden / iſt erſtlich beſchrieben von den Weingebuͤrgen / und warum der Weinbau itzund nicht ſo gut / als bey den Alten / wie ſolcher recht anzuſtellen / zu pflantzen / zu warten / neu an - zulegen / mit gehoͤriger Betreuung und gebührenden Arbeiten zu verſehen / wie das Leeſen einzubringen / was dabey fuͤr Vorbereitungen zu machen / wie mit dem Moſt und Wein umzugehen / auch ſeinen Zufaͤllen und Maͤngeln zu begegnen / und ſolche mit allerley nuͤtzlichen Kuͤnſten zu beſſern.
Jm Andern Theil aber iſt gehandelt worden vom Obſt - und Baumgarten / auch deſſen Gelegenheit / Grund / Zaun / Gehaͤge und Verwahrung / von der Kern - und Peltz-Schul / wie man in die Rinden peltzen / aͤugeln / roͤhrlen / ablacti - ren / auch auf andere Peltz-Arten und Weiſen die Baͤume und Garten-Gewaͤch - ſe vermehren / wie man ihnen warten / ſie verſetzen / in allen Zufaͤllen und Schaͤden helffen / auch alles Ungeziefer abtreiben und vertilgen ſolle; dann ſind alle Frucht - bringende Baͤume in ſpecie, welcherley Art und Natur ſie haben / und was für Verpflegungen ſie bedoͤrffen und benoͤtigt ſind / eingefuͤhrt / wie das Obſt abzulee - ſen / zu behalten / zu doͤrren / Moſt / Brandwein und Eſſig aus dem Obſt zu machen / iſt auch endlich mit allerhand Baumkuͤnſten beſchloſſen worden.
Das Fuͤnffte Buch begreifft in ſich den Kuchen - und Artzney-Garten / von ihrem Grunde / Vorbereitung der Erden / Eintheilung / Miſtbettern / Unterſcheid der Garten-Gewaͤchſe / Formirung der Bettlein / wie man den Garten beſchuͤt - ten / dungen / umgraben und beſaamen / um-ein - und ausſetzen / begieſſen / jetten ſtutzen / beſchneiden / den Saamen abnehmen / und alles wol beſtellen ſolle / wie der Gaͤrtner / das Gartenhaus und das Gezeuge ſollen beſchaffen ſeyn / wie aller - hand Ungeziefer und ſchaͤdliche Thiere zu vertreiben; dann werden alle Garten - Gewaͤchſe / was unter oder ober der Erden genoſſen wird / abſonderlich aber wer - den ihre Eigenſchafften / mit ſamt der Wartung vorgewieſen / wie auch allerley Ge - ſtraͤuche und Stauden / damit die groſſen Gartenſtuͤcke zu vertheilen; Jtem wie der Artzney-Garten geſchicklich anzurichten / welche Kraͤuter und Gewaͤchſe der Sonnen Aufgang / Mittag / Weſten oder Norden / ſowol auch erhobene Ort und Gebuͤrge / als auch feuchten Stand und Waſſer erfordern und haben wollen; ſchließlich wird das Buch mit den gradibus der Kraͤuter / wie ſolche zu ſammlen und zu verwahren / auch von den artlichen Signaturen / ſo ihnen die Natur eingepraͤget / geendet.
Das Sechſte Buch fuͤhret uns in den Zierd - und Blumengarten / dabey wird der Gaͤrtner mit ſeinem Zeuge / des Gartens Gelegenheit und Austheilung mit den Bettlein / Gaͤngen und Garten-Zierden / als Fontainen / Waſſerwercken / Caſcaten / Luſt-Teichen / Grotten / Luſthaͤuſern / Sale terrene, Galerien / Pyrami - den / Obelisken / Seulen / Statuen / Portalen / Bogen-Gaͤngen / Gelaͤndern / Lau -a iiijberhuͤt -berhuͤtten / Graſebetten / Labyrinthen / Drathaͤuſern fuͤr die Sangvoͤgel / Pha - ſangaͤrten / Luſtwaͤldern und dergleichen beſchrieben; darauf folget das Winter - hauſe / auch was fuͤr auslaͤndiſche fremde Baͤume / Geſtraͤuche / Gewaͤchſe und Stoͤcke hineinzubringen / und wie ihnen zu warten / alsdann kommen die Gewaͤch - ſe / die im Winter herauſſen im Lande bleiben / und die Kaͤlte ausdauren koͤnnen; Jtem die wolriechende Kraͤuter / ſo bißweilen zum Umſetzen und Bezierungen der Bettlein gebraucht werden / auch von allerhand Blumen - und Garten-Geſchir - ren / und wie darein zu bauen / wie die Blumen ferner anzuſaͤen / zu warten / zu erhalten / zu vermehren / und von allerhand Kielwerck ins gemein und ſonders / auch welche Blumen und Garten-Gewaͤchſe / ſo im Winter muͤſſen eingetragen / oder heraus gelaſſen / und entweder ſich ſelbſt von ihrer Wurtzen und Saamen wieder verneuen / und viel Jahr uͤber alſo fortwachſen / oder die nothwendig alle Jahr im Garten angeſaͤet werden. Wie die Blumen artig fuͤrzuſtellen / wie man ſie uͤber Land ſchicket / oder ſonſt langwuͤhrig erhaͤlt und aufdoͤrret; ferner kommen auch andere Geheimnuͤſſen ihrer Cultur, und andere Phœnomena der Blumen / auch ſie fruͤher zu zeitigen / den Geruch zu aͤndern und zu verbeſſern / ſie dicker / gefuͤll - ter und groͤſſer wachſen zu machen / auch Buchſtaben darauf zu bringen / mit we - nigen entdecket.
Hieraus nun kan der geneigte Leſer leichtlich erkennen / daß allezeit das aller - noͤhtigſte dem noͤthigen / und das nuͤtzliche dem angenehmen vorgezogen worden / Præſtaret ut utile Dulci: Wiewol auch mit dem allerunentbehrlichſten eine nicht geringe Anmuth / und bey dem allerlieblichſten nicht wenige Nutzbarkeit vermi - ſchet iſt; und wie dieſes in dem Erſten Theil puntualmente in Beobachtung ge - nommen / alſo iſt es auch in dieſem Andern Theil gleichmaͤſſig ins Werck geſtellet worden. Daher werden dem guͤnſtigen Leſer itzund fuͤr Augen geſetzt die noth - wendigſten und aͤltiſten Handthierungen und Beruff / als Feldbau / und Vieh - zucht / die noch vor dem erſten betrauerbaren Suͤnden-Fall ſind von dem Men - ſchen getrieben / und von GOtt ſelbſt eingeſetzt worden / Geneſis am 1. Replete Terram, & ſubjicite eam, & dominamini piſcibus Maris, & volatilibus Cœli, & Univerſis Animantibus, quæ moventur ſuper Terram. Daher wird
Jm Siebenden Buch beſchrieben und gehandelt vom Ackerbau / der Aecker und Felder Unterſcheid / und wie ſie nuͤtzlich und ergaͤbig zu verbeſſern / vom Feld - zeuge und Viehe / was darzu nothwendig / von der Dungung und Feiſtmachung / und derſelben vielerley Arten / wie das Feld zu bauen / und zur Winter - und Som - mer-Saat zu ackern / ſamt mehrern ſonderlichen artlichen Bau-Arten / wie der Saame und der Grund auf mancherley Weiſen zu verbeſſern und fruchtbar zu ma - chen / was bey einem und andern Saamen zu bedencken / allerhand / ſowol Win - ter-als Sommer-Getraydes Eigenſchafft / Beſchaffenheit / und wie damit recht umzugehen / auch vom Schnitt und Einerndnen / Auszehenden und Einfuͤhren / von den Staͤdlen oder Scheuren / von Treſchung und Bewahrung des Strohes / wie das Korn in den Kaͤſten und Treyd-Gruben zu erhalten / Kornwuͤrmer und Wippeln davon abzutreiben / zu verwahren und zu verkauffen; ferner wird ge - handelt von andern Feldgewaͤchſen / als Cabuskraut / Kohl / allerley SortenRuben /Ruben / Saffran / Hopffen / ſuͤſſem Holtz / Taback / Weide / Ferberroͤthe / We - berkarten und Rohr / wie der Brandwein aus Getrayd und dem Bierlager zu de - ſtilliren und zu rectificiren / auch vom Bierbraͤuen / Maltzen / Doͤrren / wie ferner mit dem Bier / deſſen Hoͤpffung / Kuͤhlung / Jieren und Einfaſſen / auch allenthal - ben damit umzugehen / alle deſſen Maͤngel und Gebrechen zu remediren / ſowol vom Bier-Eſſig / vom Mahlen / auch von der Muͤller - und Becken-Ordnung / al - lerley Oele aus Getrayd zu machen / auch ſchließlich vom Krafftmehl / und des Ge - traydes Chymiſcher Concentrirung.
Das Achte Buch tractirt von der Pferdzucht / und bin zwar anfangs ange - ſtanden / ob ich / ſo viel die Nutzbarkeit betrifft / die Geſtuͤtterey / oder das Mayr - viehe vorſetzen / und welchem ich von dieſen beeden den Vortritt und oberſte Stelle einraumen ſolte / welches / wann ich von allgemeinen Hauswirthſchafften geſchrie - ben haͤtte / vielleicht noch mehr Zweifel haͤtte machen ſollen; ſo habe ich mich doch bald der erſten Inſcription und Titul dieſes Wercks erinnert / daß ich nicht von ge - meinem / ſondern Adelichem Land-Leben zu handeln verſprochen / dahero ich dem Pferd / als einem Adelichen Thier / billich den Vorgang gegoͤnnet / welches viel aus den alten und neuen Rei ruſticæ Scriptoribus nicht gethan haben; dann obwol etwan das Rindvieh mit Milch / Butter / Schmaltz / Kaͤſe und Fleiſch mehr ins Hauſe eintraͤgt / und nicht ſo viel zu unterhalten koſtet / ſo findet man dennoch auch bey groſſen Geſtuͤttereyen / daß man daſelbſt von der Pferd-Milch edle und beruͤhmte Kaͤſe macht / die mit den Kuͤh - und Schaf-Kaͤſen wol wettſtreiten moͤch - ten; und ob zwar ein Pferd mit Futter / Gezeuge und Wartung mehr zu ernaͤh - ren geſtehet / wird doch manches auch ſo theuer und um ſo hohen Wehrt verkaufft / daß man wol zehen oder zwanzig Kuͤhe / auch wvl ein oder zweyhundert Schaafe ſo hoch nicht verkauffen kan; gute und wolbeſtellte Wirthſchafften aber koͤnnen weder eines noch des andern entrahten / wird alſo in dieſem Achten Buch vom Nutz und Adel / auch Nothwendigkeit der Pferde und Geſtüttereyen / und wie der Ort und die Gelegenheit darzu ſoll beſchaffen ſeyn / gehandelt / auch von ihrer Na - tur / Eigenſchafft und Alter; hernach werden unterſchiedlicher Lands-Arten Pfer - de vorgeführt / ihre Wartung / Caſtrirung / Farben und Gliedmaſſen beobachtet / ſonderlich der Beſcheller / Stutten und Fuͤllen / ihre Stallung und Fuͤtterung / Be - zaͤumung und Weiſe / ſie abzurichten / beſchrieben; was man ferner zu betrach - ten / wann man ein Pferd kauffen / oder einen Schießgaul abrichten will / von E - ſeln und Maul Eſeln / wann man ein Pferd will in die Wette lauffen laſſen / was Geſtalt ſie geſund und muthig zu erhalten / allerley Roßpulver / Salben / Waͤſſer / Einguͤſſe / Einſchlaͤge / Anſtrich und Hornſalben / wie auch wird daſelbſt weitlaͤuf - fig angezeigt / wie ein Pferd in allerley Seuchen / Kranckheiten und Zufaͤllen / ſo wol am gantzen Leib / als an jeglichem Gliede beſonders mit auserleſenen bewaͤhr - ten Mitteln zu curiren / und ihm in einem und andern zu helffen ſey.
Jm Neundten Buch wird von der Viehezucht ins gemein angezeiget / ſon - derlich vom Mayerhof / und deſſen Gelegenheit / vom Mayer / ſeinem Weib und Geſinde / von den Almen oder Alpen und Viehtrifften / wie die Wieſen anzurich - ten / zu dungen / zu waͤſſern / zu warten / und zu verwahren / vom Mies und ſchaͤd -lichenlichen Thieren / vom Heu und Gruͤnmath / auch wie damit umzugehen / und ſolches aufzubehalten / vom Futter des Viehes / Mayrgezeuge / vom Rindviehe / Zug - und Maſt-Ochſen / Stier und Kuͤhen / wie die Kaͤlber abzuſpaͤhnen / aufzuziehen und die jungen Stierlein zu ſchneiden / auch das galte Viehe zu warten / von der Milch und deren Behaltnus / Butter / Schmaltz und Kaͤſemachen / wie das Rindviehe geſund zu erhalten / von ihrem Umfall und Kranckheiten; Jngleichen wird gehan - delt von den Schaͤfereyen / der Schaͤfer Gebuͤhr / Beſtallung / von Schaͤferhun - den / und der Schaftrifft / Zulaſſungs-Zeit / Laͤmmern / Galten und Haͤmmeln / vom Schafſcheren / ihrer Woll und Lecken / auch von ihren Gebrechen und Huͤlffs - Mitteln; folget vom Bock und Ziegen / ihrer Milch / Kaͤſen und Zufaͤllen / auch von den Baͤren - und Mutterſchweinen / Zulaſſung / Ferckeln / Saͤuſtaͤllen und Ca - ſtrirung / vom Saͤuhirten / der Schweine Weide / Maſt / Schlachtung / Pfinnen und Umfall / auch vom gemeinen Viehekauff. Endlich vom Federviehe / vom Haus - han und Hünern / ihrem Hauſe und Kobel / wie ihnen zu warten / von ihrem An - ſetzen / Ausbruͤten / und wie die Jungen zu erziehen / von den Copaunen / wie ſie zu ſchoppen / von den Eyren / und wie der Hüner Feinde und Kranckheiten abzuwen - den; ſodann kommen die Jndianiſchen Hüner / wie ſie anzuſetzen / auszubruͤten und zu warten / item von den Gaͤnſen / ihrem Stall / Pflegung / Brut / Auferzie - hung / Maſt / Pflaumen und Zufaͤllen / auch von den gemeinen und Jndianiſchen Endten / von den Pfauen und ihrem Unterſcheid / auch von dem Schwanen / ſeinem Futter / langem Leben / Danckbarkeit / und was von ihm zur Artzney und ſonſten gebraucht wird; letzlich wird von den Tauben berichtet / was ihre Speiſe und Wartung ſey / wie mit den Flugtauben und Stubentauben umzugehen / von ihren Feinden / Kranckheiten und Mitteln / und wird mit dem Taubenhauſe oder Kobel diß Buch geendet.
Das Zehende Buch dieſes Andern Theils wird gleichfalls (wie das Vierte im Erſten Theil) in zwey Stuͤcke abgeſondert; das Erſte handelt von Bienen / ihrer Art / Natur / Unterſcheid und Koͤnigen / oder Waiſeln / auch vom Bienengarten / Huͤtten und Stoͤcken / von den Threnen und Raubbienen / ihrem Alter / ihren Fein - den / und was ihnen ſonſt ſchaͤdlich iſt / ihrem Krieg / Beguͤtigung / Arbeit / Eintra - gen / Unterhalt und Schwaͤrmen / auch was dabey in acht zu nehmen / wie ſolches zu befoͤrdern und zu verwehren / wie ſie aus hohen Baͤumen ohne Leiter / auch aus Loͤchern zu faſſen / und in die Stoͤcke zu bringen; vom Bienenwarter und ſeinem Werckzeuge / wie man ſie ſpeiſen und wieder erquicken / auch von ihren Kranck - heiten curiren ſolle; vom Hoͤnig / deſſen Natur / vom Methſieden / Vorſtoß / Wachs / wie es zu bleichen / und was das Bienen-Recht mit ſich bringet.
Der Andere Theil tractirt von den Seidenwuͤrmen / wann ſie in Europam kommen / wie die Landſchafft / darinnen man ſie halten will / der Witterung hal - ber / muͤſſe beſchaffen ſeyn / von den weiſſen Maulbeerbaͤumen / wie ſie zu pflantzen / zu warten / zu ſencken und zu gruben / ferner von der Seidenwuͤrme Natur / Hauſe / Stand und Stellungen / Warter und Aufſeher / wie und wann die Blaͤtter zu ſammlen / von ihren Eyren / wie ſie auszubruͤten / von einem Ort zum andern zu bringen / und aufzuziehen / wie ſie eſſen / ſchlaffen / haͤuteln / ſpinnen / ihre Haͤus -leinlein formiren / von den Farben und Glantz der Seiden / vom Ofenkeſſel und Haſpel / wie ferner mit der Seiden zu verfahren / von der Floretſeiden / auch wie aus den Maulbeerbaum-Aeſten Flachs zu machen / wie damit umzugehen / auch endlich vom Nutzen der Seiden.
Jm Eilfften Buch ſtellet ſich vor Augen die Waſſerluſt / als des Waſſers Nutz und Anmuthigkeit / Unterſcheid und Guͤte / von den Ciſternen / wie das Waſſer zu ſuchen und zu fangen / von den Bronnenſtuben und Roͤhren / von den Schoͤpf - und Quellbrunnen / von den warmen / auch Wild - und Geſund-Baͤdern / von Sauer - und andern Wunderbrunnen / Waſſerleitungen und Canalen / Waſſerſtroͤmen und Fluͤſſen / Wald-auch Muͤhl-Baͤchen und Seen; von der Fiſch-Ordnung und Anrichtung der Teiche / Daͤmme / Ablaß / Tarras und Rechen / von der Brut und Saͤtzlingen / auch Streich-Teichen; Jtem von den Teichen fuͤr Karpfen / Hechten / Saͤlmling und Forellen / auch vom Fiſchmeiſter und ſeinem Amt und Verrichtung / wie die Fiſche uͤber Land zu fuͤhren / folgen die Fiſchereyen in den Seen / flieſſenden Waſſern / mit Netzen / Fiſchbehren und Tauppeln / unter dem Eyſe / mit Angeln und Reuſſen / auch wie die Graͤben und Duͤmpfel auszuſchoͤpffen / Maraß auszu - trocknen / und in Bau-Felder zu verwandeln / ferner kommt in ſpecie von Karpfen / Hechten / Schleyen / Alten / Noͤrflingen / Persling / Praͤchſen / Garuͤſſen / Kop - pen / Grundeln / Saͤnglen / Haͤslein und Naͤßlingen / Zuͤngeln / Rutten / Barben / Schied / Schielln / Neunaugen / Scheiden / Aalen / Lachſen / Saͤlmling / Forellen / Huchen / Aeſchen / Edlen Perlfiſchen / Rheinancken / Murenen / Stoͤhren; Jtem vom Hauſen / Duͤck und Sternhauſen / von den Schildkroten / Krebſen / Muſcheln / Auſtern / und anderm mehr; Jtem folget von der Waſſerpuͤrſche / von den Schwa - nen / Kraͤnchen / Trappen / Wild Endten / wie ſie mit dem Leim / Zug - und Hochnetze / auch in der Maus zu fangen; wie die wilden Gaͤnſe mit dem Schießkarren zu hin - terliſten; item von Raigern / Tauchern / Rohrhuͤnern / Eysvoͤgeln / Waſſer-Amſeln / Waſſerſchnepfen / Gibitzen und Pluvier; vom Biber / Otter / Seehunden oder Meerkaͤlbern / darauf kom̃t das Waſſer - und Au-Holtz / als Weiden / Felber / Band - weiden / Albern / Aſpen / Erlen / und wird diß Buch endlich mit denen im Waſſer er - trinckenden Menſchen beſchloſſen.
Das Zwoͤlffte Buch ſtellet uns fuͤr von Gehoͤltzen und Weidwerck / der Waͤlder Nothwendigkeit / wie ſie anzurichten / aufzubringen / zu haiden und abzugeben / von den Forſtmeiſtern / Forſtern / Forſtknechten und Jaͤgern / vom Viehtrieb in die Waͤl - der / vom Kohl-Aſchen - und Kuͤnrußbreñen / vom Pechhauen / Wid - und Paſtſchnei - den und dergleichen; Verbott und Beobachtungen bey den Waͤldern / auch Ausreut - tung derſelben / von Windfaͤllen / Wipfelduͤrren / vom Floßholtz / auch Bau - und Brennholtz / von Latten / Zaun - und Weinſtecken / Schindelmachen / Spaͤnholtz / Ge - haͤgen und Zaͤunen bey den Waͤldern / auch von wilden Holtzobſtbaͤumen; hierauf werden die meiſten Waldbaͤume und Geſtraͤuche ſamt ihrer Eigenſchafft angezeigt / item wird vom Forſtknecht / auch von der Jaͤgerey Brauch und Mißbrauch gehand - let / die Jaͤger-Hetz - und Baiß-Ordnung angefuͤhrt / deßgleichen von unterſchiedli - chen Jagt-Spuͤhr - und Laithunden / Schweinruͤden / Dachſen-Otter-Biberhund / Windſpielen und andern Sorten / auch von ihrer Artzney; ſodann wird der Hirſch /ſeineſeine Natur / Spuhr / Stand und Jagt beſchrieben / wie er mit den Chiens Courants zu hetzen / wie er ſonſt abzuſchleichen / und mit Sultzen anzulocken; Jtem von der Schweins-Jagt / von Dannhirſchen / Reenthieren / Elend / Rehen / Gemſen und ih - rer Kugel / auch vom Steinbock / Haſen / Fuchſen / Dachſen und ihrem Hetzen / von wilden Katzen / Mardern und dergleichen / auch von den Baͤren / Woͤlffen / Wolffs - gruben / Gaͤrten und Fallen / und vom Luchſen; deme folget nach die Falcknerey / vom Habicht / Falcken / Blaufuß / Haſenvogel / Lerchenfaͤlcklein / Sperbern / Sprintzen / wie ſie abzutragen / zu baiſſen / zu warten / in die Mauß zu bringen und zu curiren; von Phaſanen und ihrem Garten / von Rebhuͤnern / Haſel-Schnee - und Grießhuͤ - nern / vom Auer - und Birckhan / Bramhuͤnern / Schnepfen / Wachteln / Lerchen / wilden und Turteltauben / von Kranwetvoͤgeln / Miſtlern / Droſcheln / Amſeln / Sei - denſchwaͤntzlein / Kernbeiß / Staaren / Fincken und kleinem Gefluͤgel / von den Sang - und Lockvoͤgeln / auch von den Hehern und Keutzlein; auch wird Bericht gegeben von dem Netze Panthera, Stangada und Fincken Roccoli, wie die Teſa forulana anzurich - ten / von den Wald - und Feld-Tennen / vom Treibgezeuge / Tirace, vom Hochnetz / Schnee-Steck-Nacht - und Klebgarnen / Schlagwaͤnden und Winterfang / von den Traͤnck-Tennen / Leim - und Plattbaum / Kloben / Maͤſchen und Sprencklein; wie der Leim anzumachen und einzubrennen / vom Puͤrſchen und Lufftſchieſſen / und kommen auch andere Arten die Voͤgel zu fangen; Jtem vom Papagey und Sittich / wie die Raubvoͤgel zu fangen / wie die Voͤgel zu doͤrren und auf dem Tenn zu brauchen; letzlich wird mit den Chineſiſchen Voͤgelneſtern / die man zu eſſen pflegt / der Schluß dieſes Wercks beygefuͤget / und alſo geendet.
Hieraus kan der geneigte Leſer / als in einem Spiegel / den kurtzen / doch gantzen / Jnbegriff meiner vollbrachten Oeconomia ſehen / und alle die darinnen enthaltenen Materien gleichſam vor Augen haben / und daraus erkeñen / daß allzeit das Haubt - werck / das iſt / was nuͤtzlich und nothwendig iſt / vorgehet / und das angenehme und luſtige hernach folget / und alſo miteinander vermiſcht iſt / daß es deſto anmuthiger aufgenommen und gebraucht; auch das menſchliche Gemuͤth zu der ſchweren Laſt / und unter der harten und verdrießlichen Feldbau-Arbeit / durch holdſelige Unter - mengung des Feld-Luſtes / deſto williger moͤchte angefriſcht und aufgemuntert wer - den. Der guͤnſtige Leſer wolle das / was ihm etwan nicht gefaͤllig und unangenehm / mit guͤtigem Hertzen zu gut halten; und weil der Feldbau von den alten Weiſen Vi - ta Libertatis & Innocentiæ iſt gehalten worden: alſo wolle ihm belieben / mich dieſe Freyheit und Unſchuld / als eines Aſyli, auch genieſſen zu laſſen / und die etwan ohn - gefaͤhrde / durch meine / oder des Druckers Uberſehung / eingeſchlichene Fehler / ſelbſt verbeſſern / und mit dem Mantel der Liebe und der Gedult zu verhuͤllen / auch meinen ihm zu dienen tragenden guten Willen nicht mit dem Gifft des Neides oder der Laͤ - ſterung feindſelig zu beſchwaͤrtzen; indem er weit weniger Bemuͤhung uͤber ſich neh - men darff / mir / wo etwan geirret worden / zu verzeihen / als ich dieſe Zeit uͤber ge - habt habe / diß Werck zu verfertigen. Zum Beſchluß den guthertzigen Leſer der Goͤttlichen Allgewaltigen Obhut / und mich zu ſeinen beharrlichen Gunſten empfehlende.
ES hat ſchon zu ſeiner Zeit / und bald nach unſers HErꝛn Chriſti Geburt / der beruͤhmte und in den Wirthſchaffts-Geſchaͤfften hoch - erfahrne Gaditaner / L. Junius Columella in der Vorrede uͤber ſeine Buͤcher vom Ackerbau ver - meldet / Er hoͤre offt und vielmal / die fuͤrnehmſten in der Stadt Rom / bald uͤber des Himmels und der Lufft Witterung / bald uͤber die Un - fruchtbarkeit des Erdbodens ſich beklagen; gleichſam als ob die Erden / wie ein altes und kaltes Weiblein die Gebaͤhrkraͤfften verlohren / nunmehr faſt ausgetragen / und alſo muͤde und abgemattet / die Wirckung der erſt - lich eingepflantzten Traͤchtigkeit nicht mehr haͤtte. Wel - chem doch / wie billich / der weiſe Heyd einigen Glauben nicht zuſtellet / ja es mehr unbillich erachtet / des Erd - bodens Eigenſchafft alſo zu verlaͤſtern / als waͤre ſolcher aus einer Kranckheit / oder hohen Alter unfruchtbar worden / welchen doch GOtt der Weltſchoͤpffer mit un - aufhoͤrlicher Traͤchtigkeit / als eine Zeug-Mutter aller Gewaͤchſe und Geſchoͤpffe / begabt und begnadet hat. Glaubet auch / daß alle Mißwaͤchſe / weder durch des himmliſchen Gewitters Ungunſt / noch aus der Erden Unbequemlichkeit / ſondern mehr aus unſerer eigenen Schuld uns widerfahren und ihren Urſprung nehmen; weil / da vor dieſem die allergeſchickteſten zum Feldbau ſich brauchen laſſen / wir itzo die allergeringſten und un - tauglichſten Knechte darzu anſpannen / die Eigenthu - mer der Aecker ſelten ſelbſt Hand anlegen / ſondern nur andere unberichtete und ungeſchickte darinnen umwuͤh - len und arbeiten laſſen / welche weder des Gewitters Beſchaffenheit / noch die Eigenſchafft der Felder / noch die Art der Saamen / noch die gelegene Zeit / wann und wie jedes anzugreiffen / verſtehen / nur plumpweiſe und ohn gefaͤhrde / es gerathe wie es mag / ihren Feldbau hinſtuͤmmlen; Daher auch die Hoffnung des warten - den Hausvatters billich / aus ſeiner / und der ſeinigen ei - genen Schuld und muthwilligen Uberſehen / ſo offt und vielmalen auf das Eyſe gefuͤhret / und ſchaͤndlich betro - gen wird.
Es vermeynet auch erſternannter Columella, es komme daher / weil in allen Kuͤnſten und Wiſſenſchafften / als in der Wolredenheit / Muſica / Dantzen / Haͤuſer - bauen / Schiffer-Kunſt / Kriegen / Haͤndeln und Studi - ren / taugliche Lehrmeiſter darzu erfordert werden / die uns wol und recht unterrichten. Jn dem Ackerwerck aber / welches ungezweifelt der Weißheit am naͤchſten verwandt iſt / finden ſich weder Schuͤler / noch Lehrmei - ſter / da doch der gemeine Nutzen keiner Handthierung / als dieſer mehr vonnoͤthen hat / und weniger entrathen kan / auch nichts dem Leben ſo bequem iſt / und der beſte und unſchuldigſte Staffel zu rechtmaͤſſigem Reichthum zu gelangen / da ſonſt die meiſten andern Haͤndel mit et - was Unbilligkeit / Wucher und Vortheilhafftigkeit ver - miſchet ſich befinden. Waͤr alſo zu wuͤnſchen / daß die Herren / ſo groſſe Guͤter und Felder beſitzen / ihnen den Ackerbau ſelbſt beſſer lieſſen anbefohlen ſeyn / und aller - ley theils durch die Alten aufgezeichneter / theils durch taͤgliche Erfahrung bekannter Vortheilen ſich nuͤtzlich ge - brauchen / und alſo ihren Dienſtboten deſto beſſer und fuͤglicher / was zu thun oder zu laſſen / vorſchreiben und andeuten; auch daß alles und jedes zu gelegenſamer Zeit ausgerichtet wuͤrde / recht anordnen moͤchten.
Noch hoͤher aber wuͤrde es einem gantzen Land zum beſten gedeyen / wann die Landsfuͤrſtliche Obrigkeit ſelbſt in dieſem Stuck / durch verſtaͤndige gewiſſe darzu verordnete Bediente / jaͤhrlich ihr gantzes Land bereiten / der fleiſſigen oder nachlaͤſſigen Haushalter Gebiet / Gruͤnde / Felder und Anbau beſichtigen / und ſo wol ge - gen dem erſten ihre Gnade / als dem letztern ihr Miß - fallen nachdruͤcklich vermercken lieſſen. So wuͤrde auch jede privat-Herrſchafft dieſem loͤblichen und nuͤtzlichen Beyſpiel folgen; und auch bey ihren unterhabenden Haͤuſern / in einem und andern beſſere Obſicht halten / damit dem gantzen Lande deſto beſſer gewartet / ſein Auf - nehmen gebeſſert / und dardurch eines jedwedern Haus - wirths Wolſtand mercklich befoͤrdert wuͤrde / und ob - wol dieſes verdrießlich und uͤbel practicirlich ſcheinet / weil dergleichen Haͤndel in unſerm freyen Willen ſtehen; und der / ſo ihm ſelbſt uͤbel hauſet / einen andern kein Un - recht zu thun ſcheinet; So iſt es doch / wann manseigent -9Siebendes Buch / Ackerbau. eigentlich abwiget / nicht allein eines nachlaͤſſigen Haus - vatters / ſondern auch der Landsfuͤrſtl. Obrigkeit / des Grundherrns / des Eigenthumers ſelbſt und ſeiner Er - ben und Creditoren Nachtheil und Schaden. Dem allen vorzukommen / mit gebuͤhrlicher Anthung und Beſ - ſerungs-Mitteln / ſo wol Chriſtlich als loͤblich iſt. Da - her nicht unbillig der dapffere Koͤnig Maſiniſſa bey Valerio Maximo ein ſonderliches Lob erworben / und ihm Zeugnis gegeben wird / weil er das Koͤnigreich Numidien ſchlecht und arm empfangen / und ſolches traͤchtig / fruchtbar und an allerhand Fruͤchten geſegnet verlaſſen hat. Und der weiſe Geſetzgeber Lycurgus hat ſeinen Burgern alle Gruͤnde gleich ausgetheilt / da - mit dieſe Gleichheit der Guͤter / auch zu einer fleiſſigen Gleichheit des Ackerbaues ſie bewegen ſolte. Und da - fern einer aus Halsſtarrigkeit und Faulheit ſeinen Gruͤn - den nicht wol fuͤrſtehen / und ſolche im Abbau kommen laſſen wuͤrde / ſolten nicht allein dieſe Gruͤnde einem andern / ſondern auch der vorige faule Beſitzer vor allen Dingen dem Fremden / der ſie kauffen wuͤrde / zum Scla - ven und leibeignen Knecht mit ſamt den Guͤtern uͤber - antwortet werden. Welche Schaͤrffe manchen gezwun - gen hat zu arbeiten / der es ohne diß ſonſt wol haͤtte bleiben laſſen.
Die Urſachen aber dieſer Kranckheit ſind nunmehr ſo tieff eingewurtzelt / daß es faſt unmoͤglich duncket / ſolche auszureuten; will jetzo nichts melden / daß der alte Varro dieſem die Schuld gegeben / daß die Haus - vaͤtter ſich in die Staͤdte begeben / Pflug und Sicheln darauſſen laſſen / mehr bey den Weinſchencken und auf dem Dantzboden / als in Korn-Feldern und Weinber - gen arbeiten / durch allerley Fuͤrwitz / Baͤder / koͤſtliche theure Speiſen / ſpielen oder ſchlaffen den Tag und die Nacht mit Geilheit / Trunckenheit und Unordnung zubringen / ſondern allein dieſes andeuten / daß ich glaube / die Verachtung des Bauren-Lebens / und die daraus entſprieſſende Nachlaͤſſigkeit und Unverſtand / ſeyen ein groſſer Vorſchub zur Verringerung und Abneh - men des Feldbaues; Denn wer iſt / der ſich um ein Ding hoch bemuͤhen mag / welches er von den meiſten veraͤchtlich ſihet angeſehen werden: und worinn man ſich nicht viel bemuͤhet / und durch Fleiß / Sorg / Erſah - rung hoͤher zu kommen nicht ſuchet noch verlanget / daraus entſtehet die verderbliche Nachlaͤſſigkeit und Faulheit; und aus dieſer wird der Menſchliche Verſtand / gleich wie ein ungebautes Feld / mit Dorn und Diſteln der Thorheit und Unwiſſenheit alſo verwachſen / daß man alles ge - hen laͤſſet / wie es gehet / der Alten weiſen Meynung Regel und Ordnungen auſſer acht laͤſſet; Zeit / Gewit - ter / Gelegenheit verſaumet; und alſo von ſeinen Fel - dern den rechten billichen Wucher / wie man wol koͤnnte / nicht aufhebet / ſondern alle Jahr zubuͤſſen / entlehnen / und nicht wieder abrichten kan / daher man auch end - lich Haus und Hof mit dem Rucken anſehen / und den Bettelſtab mit Spott und Schaden in die Hand neh - men muß.
Wie hoch und werth aber der Feldbau bey den Alten geachtet worden / geben ſowol die H. Schrifft / als auch andere weltliche Geſchichten genugſamen Unterricht; daß von dem Pflug / Burgermeiſter und Obriſte Feldhaubtleute ſind abgefordert; Daß Kaͤi - ſer / Koͤnige und Fuͤrſten ſich des Feldbaues beflieſſen / dardurch billich dieſe Handthierung in Hoch - und Wehrt -haltung gebracht / den gemeinen Mann zur Nachah - mung angereitzt / und damit des gemeinen Weſens be - ſtes auf das Hoͤchſte gebracht haben; viel Exempla an - zufuͤhren / habe ich / Weitlaͤufftigkeit zu vermeiden / gerne unterlaſſen / und allein dieſes ſagen wollen / daß zu wuͤnſchen waͤre / wann die hohe Fuͤrſtliche Lands-Obrig - keiten / ſo wol ihren eigenen als den gemeinen Nutzen be - dencken / die fleiſſige und getreue Bauren - und Ackerleu - te / (quos Veteres ſanctos & inviolabiles dixerunt, plurimaquè Privilegia Impp. iisdem, Teſte Cic. con - ceſſerunt) und ſonſt alle die jenigen / die wegen guter Wirthſchafft beruͤhmt ſeynd / deſto wehrter hielten / mit Freyheiten und Privilegien begnadeten / die Nachlaͤſ - ſigen aber und Verthulichen deſto ſchaͤrffer anſahen / und dardurch Jederman zum Fleiß und Arbeit aufmun - terten und anſporneten. Allermaſſen die Roͤmer ihre eigne Cenſores gehabt / die dergleichen unwirthliche Hausvaͤtter vor Gericht citirt / uñ da man den Unfleiß auf ſie darthun / ſie aber ſolchen mit Warheit nicht ableinen oder entſchuldigen koͤnnen / mit ſtrenger Obſicht und Straffe belegt / und dardurch viel zur Beſſerung ange - bracht haben. Romæ cenſorium probrum judica - batur, agrum malè colere aut arare, ſagt Plinius lib. 18. cap. 3.
Und im Land zu Wuͤrtenberg werden eigne Leute von der Obrigkeit beſtellt / die ſie Feldſtuͤtzler nennen / die werden mit Pflicht und Eyd beladen / zu allen Or - ten und Arbeiten / des Acker - und Weingart-Baues / zu gehen / ob ſie zu rechter Zeit recht gebauet / oder uͤbel verſorgt worden / dieſelben bey ſonderlich-geſetzter Straffe anzuzeigen / und hierinnen niemanden zu ver - ſchonen.
Ehe wir aber zu dem Feld - und Ackerbau ſchreiten / wollen wir mit wenigen der Doͤrffer und derſelben ge - dencken / die faſt allein damit bemuͤhet / und darzu ge - braucht werden / als nemlich der Bauren / die ihren Namen vom Anbau der Gruͤnde ſchoͤpffen / und mei - ſtens in Doͤrffern oder einſchichtigen Feldgebaͤuen woh - nen. Unſere alten Teutſchen haben / nach Taciti Zeug - niß / nicht ſolche Doͤrffer / wie jetzund / da viel Haͤuſer benachbart ſtehen / gehabt / ſondern iſt eines jeden Wohnung und Grunde von dem andern abgeſondert geweſen / wie es noch an etlichen Orten / ſonder - lich im Viertel ob Wienerwald in Unter-Oeſterreich / und im Land ob der Ennß die Gewonheit iſt. Germa - ni (ſagt Tacitus) colunt diſcreti ac diverſi, ut ſons, ut Campus, ut Nemus placuit. Vicos locant, non in noſtrum Morem, connexis & cohærentibus ædi - ficiis, ſuam quisquè domum ſpacio circumdat. Weil auch unſere Vorfahren meiſtens den Jagten / der Vieh - zucht / und den Feldern obgelegen / haben ſie wenig Staͤdte / und nur Feldwohnungen gehabt / biß hernach die Roͤmer ihre Colonias und Veſtungen am Rhein / an der Donau und andern Fluͤſſen aufgerichtet / denen hernach die andern Fraͤnckiſchen Koͤnige / ſonderlich Carl der Groſſe / und die andern Teutſchen Kaͤiſer nach - gefolget / und wegen der Hunnen und anderer rauberi - ſchen Voͤlcker Uberfall / mehr gelegenſame Ort / Doͤrf - fer und Flecken mit Mauren eingefangen / darinnen die Unterthanen vom Lande eine Zuflucht und Schutz - wehr haͤtten / ſich und ihre Guͤter zu erretten / und da - mals ſind die Buͤrger und Bauren unterſchieden / wiewol der Doͤrffer Urſprung aͤlter / und die Staͤdte /❁ BMaͤrckte10Des Adelichen Land - und Feld-LebensMaͤrckte und Flecken / erſt aus dieſen erbauet wor - den.
Ein Dorff aber heiſſt eine Gemein - und Nach - barſchafft etlicher Haͤuſer / ohne Mauren / darinnen Feld - bau verſtaͤndige Leute wohnen / und dieſe ſind groß / mit - telmaͤſſig und klein / theils der Landsfuͤrſtlichen / und theils andern Adelichen Obrigkeiten unterworffen. Die Jnwohner der Doͤrffer ſind etliche Freybauren / etliche Leibeigene / und etliche mittelmaͤſſiger Eigenſchafft / nachdem an einem und andern Ort die Gewonheit und das alte Herkommen mit ſich bringet. Jhre Guͤter und Haͤuſer werden in gantze / halbe / und Viertelhoͤfe / oder in Mayerbauren / Zwiroͤßler / Hofſtaͤtter / und Klein - haͤusler eingetheilt / deren etliche ſechs und acht / et - liche zwey und vier / etliche aber gar keine Pferde haben / und nur die Handarbeit verrichten: Andere haben Freyseigene / andere Lehen-Uberlaͤnd - und Zinsguͤter; Eine Hube wird an etlichen Orten ſo viel Feld genannt / als einem Bauren zu ernehren genugſam iſt / bey dreyſ - ſig Aecker oder Bifaͤnge / wie mans im Oeſterreich heiſſet. Und dieſe Baugruͤnde werden / nach Befehl einer ver - nuͤnfftigen und aufſichtigen Obrigkeit / zu theilen oder zu veralieniren verbotten / damit Steuer und Dienſt nicht ungewiß gemacht und geſchwaͤcht / auch die Zinſe mit deſto weniger Verwirrung entrichtet werden / und wird an theils Orten dem Land-Adel nicht erlaubt / Baurenguͤter / ohne Vorwiſſen und Einwilligung Lands - fuͤrſtlicher Oberkeit / an ſich zu erkauffen / oder ſelbſt zu beſitzen / weil ſie ſolche leichtlich als Ritterguͤter ausgeben / und dardurch Zerruͤttung der Anlagen verurſachen koͤn - nen; wo es aber zugelaſſen wird / da heiſſt es / Res tranſit cum onere, und muͤſſen ſie / ſo wol Steuer und Lands-Anlagen / und ſo wol als die Bauren / ihre Rob - bathen verrichten laſſen / wofern es nicht um gewiſſes Geld angeſchlagen / oder gar aus gutem Willen / und keinem Recht nachgeſehen wird.
Jn Oeſterreich ſind in den meiſten Doͤrffern ange - ſetzte Richter / und etliche Geſchworne / von den aͤltiſten / vernuͤnfftigſten und vermoͤglichſten Unterthanen / die dem Richter mit Raht und That zur Hande gehen. An andern Orten werden dieſe Richter Schultheiſſen / Scholtzen und Voͤgte / und im Land ob der Enß Amt - leute genannt; die werden von der Obrigkeit / bißwei - len auch von den Elteſten und Geſchwornen erwehlt / die muͤſſen der Herrſchafft Geſchaͤffte bey den Untertha - nen / und dieſer Nothdurfften bey der Herrſchafft anbrin - gen / die geringern Haͤndel richten und ſchlichten / bey allen Arbeiten / Frondienſten und Robbathen anſagen / und zugegen ſeyn / daß alles wol und zu rechter Zeit ge - ſchehe. Wo es mehr Oberkeiten in einem Dorff hat / da ſetzt meiſtentheils die jenige den Richter ein / die dieDorff-Oberkeit hat / oder werden die Richter alterna - tim verwechſelt / oder wann die Doͤrffer groß ſind / hat jede Oberkeit einen beſondern Richter.
Dieſe Richter nun / muͤſſen vorhero ihren Vorgeſetzten angeloͤben / treu und fleiſſig zu ſeyn. Die Feuerſtaͤtte jaͤhr - lich zu beſichtigen / allen Muthwillen zu ſtraffen / auf Zucht und Erbarkeit acht zu haben / die Dorffgerechtig - keit und das Feldbau bey gutem Stande zu erhalten / und die Unterthanen darzu anzutreiben; denen Waiſen Vormunder zu beſtellen. Diß Amt waͤhret bey etlichen auf Lebenslang / bey etlichen aber nur auf gewiſſe Zeit / werden auch gewiſſe Dorffs-Ordnungen vorgeſtellt / von ihren Zuſammenkunfften / Feld - und Wieſengraͤn - tzen / wie Friede und Ruhe unter der Nachbarſchafft zu erhalten / und die Widerſpenſtigen dieſer Satzungen zu bezaͤumen und abzuſtraffen / wie die Gemein-Waͤlder / Wieſen / Teiche / Weiden und Viehtrifften zu verſehen und zu genieſſen.
So muͤſſen auch ferner die Richter und Amtleute acht haben auf die gemeinen Bronnen oder Schwem - men / Waſſerleitungen / Wege und Stege / ſonderlich die Landſtraſſen / Jtem ob die Nachtwachen fleiſſig ge - halten / und die Stunden zu rechter Zeit ausgeruffen werden / ob jemand wider die Feuer-Ordnung gebauet / oder ſonſt gehandlet; ſie muͤſſen drob ſeyn / daß Vor - rath zum Einreiſſen und Loͤſchen geſchafft werde / auch daß die Becker und Wirthshaͤuſer wol beſtellt ſeyen / damit das Brod ſein rechtes Gewicht und Guͤte / und das Getraͤncke ſeine juſte Maß ohne Verfaͤlſchung ha - be; daß die Muͤller gebuͤhrliches Malter liefern; daß niemand Landſtreicher / Bettler / und verdaͤchtige Perſo - nen / ohne Vorwiſſen / ſonderlich in Sterbenslaͤufften / be - herberge / auch wann es von der Oberkeit befohlen wird / niemand paſſiren laſſe. Er ſoll Fleiß anwenden / die oͤden und wuͤſten Haͤuſer oder Brandſtaͤtte wieder aufzubrin - gen oder zu verſtifften; unter waͤhrender Predigt und Gottesdienſt / ſoll er weder Wein noch Brod verkauf - fen laſſen; alle Feldſchaͤden / ſo durch Viehe oder boͤſe Leute geſchehen / ſoll er ſchaͤtzen und abſtraffen / das Dorff reinlich halten / allen Miſt / Wuſt und Unflat zu rechter Zeit wegbringen laſſen / auch nicht geſtatten / daß die Unterthanen um halb bauen / oder die Koͤrner auf dem Feld noch im Stroh ſtehende verkauffen und der - gleichen Sachen und Haͤndel mehr / die nicht an ei - nem Ort wie an dem andern ſind / da denn die alten guten Gewohnheiten billich zu erhalten. Es hat Re - natus Chopinus ein Franzoͤſiſcher Rechtsgelehrter de Ruſticorum Privilegiis einen ſonderbaren Tractat ge - ſchrieben. Wir wollen aber fortfahren / und die Gruͤn - de und Felder / ſamt deren gedeylichen Wartung / ferner beſehen.
WEr die Felder und Grundſtuͤcke erblich / oder durch zulaͤſſige Mittel erlangt hat / der hat der Wahl halber wenig zu thun / weil ers behalten muß / wie ſie ſind; was man aber durch Tauſch oder Kauff an ſich zu bringen gedencket / da iſt es erlaubt / ſich vor wol zu bedencken / was es fuͤr eine Beſchaffenheit damit habe / wie es gelegen / obs eben / abhaͤngicht / tieffoder bergicht / obs warm oder kalt / fruchtbar oder uͤbel - traͤchtig / ſteinicht / leimicht oder ſandicht / feucht oder tro - cken / ſchwartz / roth oder graulicht ſey; dann wiewol die Erde / ihrer Eigenſchafft nach / trocken und kalt iſt / wird ſie doch offtermals von aͤuſſerlichen Zufaͤllen mercklich geaͤndert.
Des Grundes Beſchaffenheit recht zu erkennen /iſt das11Siebendes Buch / Ackerbau. iſt das allerbeſte und gewiſſeſte Mittel die Erfahrenheit / denn in zwey oder dreyen Jahren wird ein Feld / wann es mit gebuͤhrlicher und nothwendiger Wartung gepflo - gen wird / leichtlich anzeigen / ob es gut / mittelmaͤſſig o - der ſchlecht ſey / laͤſſet alſo die Erden ſich viel aufrichtiger erkennen / als ein Menſch / deſſen Art oder Unart durch lange Zeit / oder Practizirung nicht ſo eigentlich zu er - forſchen / daß man ein gewiſſes und unfehlbares Urtheil davon faͤllen moͤchte.
Der ſchwartze klebrichte Grund wird wegen inha - bender Fettigkeit bey den meiſten verlangt; der weiſſe und Aſchengraue aber / wegen der geſaltzenen und nitro - ſiſchen Art gehaſſet / doch thut dieſes offtermals fehlen. Gleichwol iſt dieſes das gewiſſeſte Zeichen eines fruͤchti - gen Bodens / wann die Feld-Wald - und Garten - baͤume / hoch und Aeſt-reich / ſonderlich wo wilde Birn - Aepfel-Krichen - und andere Obſtbaͤume von ſich ſelbſten wachſen und ſich ausbreiten; wann die Saaten ſchoͤn / dick / großaͤhricht / und viel-koͤrnig / die Wieſen Gras - und Blumreich; wann die Felder nicht ſo trocken und hoch / daß ſie allzeit duͤrr / nicht ſo feucht und tieff / daß ſie allzeit naß / nicht ſo zaͤhe und dick / daß kein Regen oder Son - nenſchein hinein / nicht ſo luͤck und muͤrb / daß die Wur - tzen von Hitz oder Kaͤlte alſobald durchgegriffen und be - leidiget werden. Jn kalten Laͤndern ſind die Aecker beſſer gegen Mittag und Morgen; Jn warmen aber / beſſer gegen Abend und Mitternacht. Jnſonderheit iſt diß ein Zeichen eines erwuͤnſchten guten Bodens / wann die hohen Berge / von Graſe / Kraͤutern und Baͤu - men dick bewachſen / und mit Bronnenquellen verſehen ſind.
Weil nun die Erkanntnis des Erdreichs der Grund iſt / daraus / wie unſere Arbeit gedeyen werde / zu wiſſen / daher ſich deſto hoͤher zu befleiſſen / ſolches wol zu erler - nen / damit die Arbeit deſto reichlicher belohnet / der Er - den / mit Miſchung und Dungen deſto emſiger gepflo - gen / und die Hoffnung deſto weniger betrogen werde.
Die Alten haben dieſes Zeichen gegeben eines gu - ten Grundes / wann man eine Gruben im Feld aus - graͤbt / und die Erden wieder einfuͤllt; wann ſolche nun die Gruben gleich eben wieder ausgefuͤllt / iſt es ein mit - telmaͤſſiger; wann der Erden nicht genug iſt / ein ſchlech - ter; wann ihrer aber zu viel iſt / daß von Ausfuͤllung der Gruben noch etwas uͤberbleibt / ſo iſt es ein guter Grun - de / weil ſie durch ihr eingepflantztes kraͤfftiges Fermen - tum von der angezogenen Lufft (wie ein Taig von ei - nem Sauertaig) gleichſam angeſchwellet und geſchwaͤn - gert wird. Ferner wird dieſer Grund auch geprieſen / wann er angefeuchtet an den Fingern klebt / oder wann in Bronnenwaſſer ein wenig Erde gethan / umgeruͤhrt / und biß ſie ſich wieder ſetzt / gelaſſen / hernach durch ein ſauber Tuch geſihen / gekoſtet / und ſuͤß und lieblich am Geſchmack erfunden wird / hingegen wann ſie wider - waͤrtig / geſaltzen / ſtinckend / kreidicht / murentzend oder ſalitriſch iſt / gibt ſie geringe Hoffnung. Man glaubt auch / daß diß ein Zeichen eines guten Grundes ſey / wann ein Acker / nach lang erlittener duͤrrer Zeit bereg - net / einen guten Geruch (ſo von den Sonnenſtrahlen verurſacht wird) von ſich gibet. Jtem Columella ſagt / es ſey ein gutes Korn Land zu hoffen / wo Attich / Ried / Pimſen / Klee / Brombeer / und Schlehen wachſen. Das gewiſſeſte iſt / wann man (wie oben gedacht) ohne diß eine Gruben im Feld machet / daß man ſehe / ob dieerſte Schwarten / oder Lege der Erden (die obenauf all - zeit fuͤr das beſte / weil ſie der Sonnen und des Regens und aller himmliſchen Einfluͤſſe am meiſten genieſet / und davon am fuͤglichſten imprægnirt wird) tieff und weit hinab einerley Grund und Farbe hat; weil es aber ſelten geſchihet / iſts genug / wanns ein wenig mehr als einem Werckſchuch gleichmaͤſſig ſcheinet / denn da wird man an theils Orten unterſchiedliche Lager der Erden / als wie die Faͤcher uñ Falten an einer Zwibel ſehen / ſo wol an der Art als an der Farb unterſchiedlich / bald Laim / bald Sand / bald Stein / bald Kreiden / bald ſchwartz / roth / weiß / geel und graulicht / weil das untere Theil der Erden / wegen der rohen und bittern Eigenſchafft / faſt unfruchtbar iſt; deßwegen auch / nachdem der erſte Grund oder Super - ficies Terræ, tieff oder ſchmal iſt / hat man ſich auch darnach zu richten / tieffer oder ſeichter zu ackern. Ein Grund / der innen her ſandicht iſt / muß deſto oͤffter ge - dunget werden / weil der trockene und duͤrre Sand alle Feuchtigkeit und Fette an ſich ziehet; das man in let - tichten und ſtarcken Aeckern nicht zu beſorgen; die viel - mehr die feiſten Gruͤnde bey ihrem Gedeyen deſto beſſer erhalten. Und iſt auch in den ſandichten Feldern ſelbſt dieſes zu beobachten / daß ein groͤblichter Sand / wann er recht gedunget wird / zu Rocken und Habern beſſer iſt / als wann der Sand gar klein und mehlicht iſt / denn ſo iſt wenig zu gewarten.
Was die Gelegenheit der Felder betrifft / ſind die ein wenig und ſittſam abhaͤngichten / wo das Waſſer leicht abzuleiten / die bequemeſten; auf den gantz flach ebenen / kan das Schnee - und Regenwaſſer nicht be - quemlich ausgefuͤhrt werden; was aber hoch iſt / wird die Dung ſamt der guten Erden durch Ungewitter hin - weg gefloͤſet. Die Thaͤler ſind ſo wol wegen des Schat - tens / als der Guͤſſen beſchwerlich. Jn Summa / ein ſittig abhangendes Erdreich iſt beſſer als ein flaches; das flache beſſer als das bergichte; das ſchwere traͤgt mehr als das leichte; das harte mehr als das weiche; das ſtarcke mehr als das ſchwache; das feuchte mehr als das trockene; das ſandichte mehr als das ſteinichte; das lettichte mehr als das ſandichte; ſonderlich wo Ge - legenheit iſt mit geſunden Quellwaſſer / zu warmen Zei - ten / dem Grundſtuck beyzuſpringen.
So ſind auch die Aecker von unterſchiedlichen For - men / lang / kurtz / ſchmal und breit / und ob wol Colu - mella will / ein Acker ſoll uͤber 120 Schuch / darum weil das Vieh durch laͤngere Furchen abgemattet werde / nicht lang ſeyn / glaube ich doch / daß es Mann und Thier leichter ankommt / in einer geraden Linien fort zu ackern / als ſo offt beſchwerlich umkehren muͤſſen / ſo auch theils die Arbeit verzoͤgert und erlaͤngert. Darum ſiht man auch in Ungern an etlichen Orten Aecker / die zu fuͤnf / ſechs und mehr hundert Schritten lang ſind / und dennoch mit leichter Muͤhe und guten Nutzen angebauet werden; wie auch in den Juͤlichiſchen Landen zu ſehen. Fuͤr allen ſollen ſelbige nicht groͤſſer ſeyn / als der Haus - vatter ſie recht und wol zu bauen und zu verpflegen / mit Zug und Leuten vermag / alſo das Feld allzeit ſchwaͤ - cher ſeyn / als der Ackersmann / obwoln die weiten Gruͤn - de darum beſſer als die engen / weil man das beſte zum Ackerbau und Wieſen ausſondern / und den Uberreſt zu Waͤldern / Teichen / und Weingebuͤrgen / nach Be - ſchaffenheit des Ortes / fuͤglich gebrauchen und genieſſen kan.
WAnn unſere Laͤnder ſo fruchtbar waͤren / als Neu Hiſpaniola, ſo wuͤrde es zur Verbeſſerung keine Muͤhe bedoͤrffen; Daſelbſt / wie P. Honorius Philoponus in ſeiner Schiffahrt in die Neue Welt be - ſchreibet / habe der Waitz / als er dahin gebracht und an - geſaͤet worden / Arm-dicke Halm / und die Aehren zwo - ſpannig / mehr als 2000 Koͤrner getragen. Die nun - mehr dort gepflantzte Weinberge geben Trauben drey Schuch lang / und die Beer ſind ſo groß als eine Wel - ſche Nuß. Rettich / Ruben / Paſtinac / Peterſil / und dergleichen Kuchen-Gewaͤchſe ſeyen eines groſſen Fuſ - ſes dick; Spenat und Salat zeitigen den ſechzehenden Tag nach ihrer Saat / und die ſuͤſſeſten Melonen finde man das gantze Jahr durch / ſo groß als ein Eimeriges Weinfaß / die allezeit innerhalb eines Monats vollkom - men werden; Zwibel und Artiſchocken werden andert - halb Schuch groß / und dergleichen; ſo bey den Uner - fahrnen mehr fuͤr eine Fabel / als Warheit gehalten werden.
Und Don Luis de Congora ſchreibt in ſeinem Po - lyphemo von Sicilien:
De cuyas ſiempre fertiles Eſpigas,
Las Provincias de Europa ſon Hormigas.
Von deſſen Frucht und allzeit reichen Aehren
(als Aemſen) ſich die Europæer nehren.
Jn unſern Laͤndern muß man den Feldern Jaͤhr - lich zu Huͤlff kommen / und ihre Fruchtbarkeit / mit Hin - raumung deſſen / was ihnen ſchaͤdlich iſt / befoͤrdern.
Es ſind aber viererley Dinge / die den Feldern an der Fruchtbarkeit verhinderlich ſind: Das Erſte iſt / des Ackers Eigenſchafft an ſich ſelbſten / wann es zu viel Sand oder zu viel Laimen hat / wann es zu kalt oder zu heiß / dieſem kan durch Vermiſchung und Dungung zur Beſſerung fortgeholffen werden.
Das Andere ſind Baͤume und Straͤucher / die mit ihrem Schatten und Wurtzeln verhindern ſowol des Himmels Einfluß / als auch des Bodens Wirckung / welche ſie meiſtentheils in ſich ſaugen / und denen uͤbrigen Fruͤchten raͤuberiſcher Weiſe entziehen / daher das Hin - dernus-bringende Holtz abzuhauen / Geſtraͤuche und Wurtzen auszureuten / oder wann es weder Bau-noch Brennholtz / bey ſtillem Wetter / zu verbrennen / ſonder - lich / wann man einen ehiſten Regen verhofft / alſo wird der Erden oberſter Theil durch das Feuer erwaͤrmet / und der Aſchen durch den Regen / zu mercklicher Befoͤrde - rung der Traͤchtigkeit / eingefloͤſſet; weil darinnen die meiſte Fettigkeit ſtecket. Allein bedarff dieſes ein uͤber - aus emſiges Nachſehen und Obhut / damit kein Schade daraus (wie offt geſchehen) entſtehen moͤge; geſchiehet auch dieſes allein an denen Orten / wo man ohne das uͤberfluͤſſig Holtz hat / und kan man vielmals auch der fruchtbaren Baͤume / ſonderlich der Nußbaͤume nicht verſchonen / weil ihr Schatten und Nachbarſchafft den Feldfruͤchten / ſonderlich Oſten - und Suͤdenwaͤrts / ver - derblich iſt; was gegen Weſten / und fuͤrnemlich gegen Norden ſtehet / kan man noch eher gedulden / wann man nur untenher die Wurtzen / und obenher die Aeſte / wo ſie an das Baufeld angrentzen / zu Zeiten verſtuͤmmlet.
Der dritte Acker-Feind ſind die Steine / die kan man ausklauben / und damit niedere ſchlammichte Ort oder Gruben / oder die Fahrtwege / wo es Suͤmpf und Ma - raß hat / damit ausfuͤllen / uñ tieffe Graben im Felde ſelbſt machen / und ſolche mit Steinen biß auf ein paar Schuch anfaſſen / und hernach wieder mit Erden bedecken / wird nichts deſto minder Korn tragen / wann es dem andern gleich geebnet / geackert und angebauet wird. Etliche fuͤhren und legen die ausgeklaubten Steine nur auf ei - nen oder mehr Hauffen / iſt aber beſſer / ſie werden einge - graben / ſo bleibet der gantze Acker traͤchtig / es waͤre dann der Grund ſo ſteinicht / daß man Graͤben zu ma - chen nicht in dem Grunde arbeiten koͤnnte; ſo mag man wol ſolche an ein unfruchtbares / ohne diß nicht viel wehr - tes Ort zuſammen ſchoͤbern / und alſo den Acker dieſer ungelegenſamen Buͤrde entladen.
Doch iſt zu mercken / daß man nicht in allen Feldern die Steine wegbringen ſolle / weil ſie an etlichen Orten wol dienen / ſonderlich in die zaͤhen laimichten Felder / die werden durch kleine Steine und Schuͤtte muͤrber / und bequemlicher zum Anbauen / weil ſie die Erden nicht gar feſt laſſen zuſammen kleben / wie dann an theils Or - ten in Oeſterreich und Land ob der Enß die ſtarcken Fel - der gern mit Schuͤtt und kleinen Steinen bedeckt wer - den.
Der vierte und aͤrgeſte Baufeind iſt das Waſſer / ſo man / wann der Acker etwas Thalhaͤngicht iſt / durch Waſſerfurchen kan ausleiten / die allzutieffen Ort aus - fuͤllen und erhoͤhen / die Waſſerfurchen fleiſſig ausrau - men / oder einen tieffen Graben um das Feld herum ma - chen / mit der ausgegrabenen Erden das Feld erhoͤhen / oder wol gar (wie Tanara raͤhtet) am niedrigſten Ort des Ackers einen Teich zurichten / darein ſich die uͤbrige Naͤſſen ziehen kan; und alſo mag man durch fleiſſige Obſicht dieſem Unraht vorbauen. Wann aber der Grund inwendig Feuchtigkeit / Maraß / oder Bronn - adern hat; muß man dieſes folgende Mittel gebrauchen / dardurch man ſie zu traͤchtigen und guten Aeckern ma - chen kan. Wann der Ort nur etwas abhaͤngicht liget / es ſey viel oder wenig / da muß man mitten im Acker / nach der Laͤnge / eine Grube / vier oder mehr Schuch tief und fuͤnf Schuch breit mehr oder weniger / nachdem des Waſſers viel oder wenig iſt / machen / und allzeit an dem nidrigſten Ort anfangen / und gegen der Hoͤhe zu arbei - ten / ſonderlich an dem Ort / wo die Feuchtigkeiten am meiſten zu ſpuͤren / in dieſem Graben muͤſſen nach der Breite des Ackers noch etliche andere Graͤben / aber we - der ſo tief / noch ſo breit gemacht ſeyn / die alle in den mittern groſſen Graben ſich auslaͤhren / und von beeden Seiten des Ackers hinein gehen; dieſe Graͤben muͤſſen alle biß auf die Helffte mit kleinen Steinen ausgefuͤllt / und das uͤbrige mit der ausgehohlten Erden wieder geeb - net / und dem andern Feld gleich gemacht werden / alſo daß man das Feld deſto leichter bauen / und nie mercken kan / daß einige Graͤben darunter verborgen ligen / und dennoch kan das Waſſer untenher durch die Steine un - verhindert aus dem Felde lauffen / und bleibet das obere Theil von der ſchaͤdlichen Feuchtigkeit entuͤbrigt / ja wirddarum13Siebendes Buch / Ackerbau. darum deſto traͤchtiger / weil die Nachbarſchafft des darunter fortflieſſenden Waſſers darzu groſſe Befoͤrde - rung giebet.
Durch diß Mittel koͤnnen auch maraſtige Ort / wann ſie nur Laimen im Grund haben / und Waſſerbaͤume tragen / zu fruchtbaren Aeckern und Wieſen angebracht werden. Und haben die Hollaͤnder und Frießlaͤnder / auch die zu Dantzig in demſelben Werder / aus Maraſ - ſen / durch Graͤben und Waſſer-Ableitungen / frucht - bare Acker gemacht / wie die Lieflaͤndiſche Oeconomia Salomonis Guberti fol. 122. bezeuget.
Dieſes (wie gehoͤrt) laͤſſet ſich nicht allein in den Baufeldern / ſondern auch in andern Grundſtuͤcken / als Wieſen / Weinbergen und Gaͤrten practiciren. Hat man keine kleine Steine / muß man die groſſen zerſchla - gen / und alſo einlegen / daß ſie nicht gar zu platt auf einander kaͤmen / dann ſonſt wuͤrde des Waſſers Lauff dardurch verhindert / der an einem gelegenſamen nidri - gen Ort / ohne Schaden (wohin man etwa kan) muß fortgebracht werden. Wann man die Graͤben macht / muß die herausgehebte Erden an einem Ort allein neben dem Graben aufgeworffen ſeyn / das andere muß man frey laſſen / die Steine deſto fuͤglicher hinein / und ſie auch durch dieſes Mittel aus dem Acker zu bringen; wann man nun am niedrigſten Ort angefangen zu ar - beiten / muß man / ſo bald der Graben ſeine rechte Tief - fen hat / denſelbigen alſobald mit Steinen ausfuͤllen; da - mit der Graben nicht zuſammen falle / man muß auch den Ausgang des Waſſers daſelbſt entweder in eine Wieſen / oder Fahrtwege / oder einen Bach / Fluß oder Teich / nach Gelegenheit des Orts / ableiten.
Zwar iſt auch der Schnee im Fruͤling / wann er haͤuffig faͤllt und zuſammen gewehet wird / ein groſſer Feind der angebaueten Felder / ſonſten aber / wann es im Winter vorher recht ausgefroren / gibt er dem Saamen eine treffliche Befoͤrderung / haͤlt die ſpiritus terræ zu - ſammen / daß ſie nicht ausduͤnſten / erwaͤrmet den Sa - her / erfriſchet die Wurtzen / und wann ſich im Auswaͤrts der Erden Schoß eroͤffnet / ſauget die Kornwurtzen von dem Schnee / wie ein Kind von ſeiner Mutter / wird ſitt - ſam getraͤnckt / und nicht uͤberſchwaͤmmet / dardurch die Wurtzen entbloͤſſet / und alles Fette weggefloͤſſet wird / mit groſſem Schaden des Feldes; von dem ſachte zer - gehenden Schnee aber fermentirt ſich die Erden / und wird geſchicklich dem Saamen Krafft und Gedeyen mit - zutheilen. Daher auch die Gaͤrtner vermeynen / wann die Baͤume im December und Januario mit Eis undSchnee gleichſam candirt ſind / daß ſie wol Frucht tra - gen / vielleicht darum / weil die Aeſte von dieſem Eis umfangen / hernach deſto ſpaͤter ausſchlagen / und die Bluͤhe deſto weniger von den Reiffen (wie offt geſchie - het) kan beleidigt / verbrennt und verderbt werden / wie Tanara bezeuget / und ſetzt darzu: per un Meſe la neve è madre della terra; ma da un Meſe Inanzi, è ma - drigna. Das iſt: ein Monat lang iſt der Schnee als ei - ne Mutter der Felder; wann es aber laͤnger waͤhret / iſt er eine Stiefmutter / die mehr ſchadhafft als nuͤtz - lich iſt.
Wo man uͤberfluͤſſige / mehr als man vonnoͤthen / und theils duͤrre Wieſen hat / iſts eine gute Wirth - ſchafft / wann man eine oder die andere zu Baufeldern macht / nicht allein weil alle Vervacta und Neureuten (wie mans nennet) die erſten zwey / drey und mehr Jahr uͤberaus wol fruͤchtig ſind / ſondern auch / weil ein ſolches Feld in einem Jahr mehr Frucht bringet und groͤſſern Nutzen ſchaffet / als die Wieſen in drey oder vier Jah - ren haͤtte thun koͤnnen.
Sie muͤſſen aber im Herbſt umgeackert / und das duͤrre Gras vorher ausgebrannt / hernach auch die Schrollen alſo mit dem Pflug umgekehrt und umgeleget werden / daß die Waſen einwaͤrts und die Wurtzen aus - waͤrts kommen / daß ſie von der hernachfolgenden Kaͤl - te deſto eher faulen moͤgen; im erſten Fruͤling zu An - fang des Mertzens muß man ſie zum andernmal umſtuͤr - tzen / hernach muß man ſie oͤffter nach der Laͤng und Queer umreiſſen / ohne Anſehen der Kaͤlte oder der Hitz / wann man nur / anderer Arbeit halber / Mues und Weile hat / nur daß der Boden nicht zu naß ſey; die harten und fe - ſten Schrollen / wann ſie Pflug und Egen nicht moͤgen brechen / muͤſſen zwey oder drey Perſonen dem Pfluge nachgehen / mit Hauen und Karſten / und ſie voneinander klopffen und ſchlagen / oder man kans mit einer ſcharffen mit eiſernen Zacken beſchlagenen Waltzen / ſo ein Menſch mit einem oder zweyen Pferden regiren kan / noch ge - ſchwinder zermalmen / ſolche muß / nachdem die Schrol - len hart ſind / mehr oder weniger geſchweret werden / da - mit ſie deſto beſſer und kraͤfftiger durchdringen moͤge. Es iſt beſſer / wann mans das erſtemal mit Sommertrayd / Habern oder Gerſten bauet; weil die Winter-Saat das erſtemal darum nicht ſowol gedeyet / indem das Erd - reich noch zimlich rohe und unzeitig iſt / daher beſſer / wann es noch denſelben Winter uͤber ligen bleibt / und erſtesmals im Fruͤling mit der Sommer-Saat ver - ſucht wird.
HErr de Serres in ſeinem andern Theil ſeines Schauplatzes vom Feldbau / haͤlt nicht unbillich dafuͤr / daß die beſte Weiſe ſey / aus Wieſen Aecker zu machen / wann man die Waſen ausſticht / und verbrennet / und dieſe koͤnne man zu allerley Getrayd / auch in die Wieſen / Gaͤrten / Weinberge und zu den Baͤumen brauchen / und ſagt ferner / dieſe Wirthſchafft ſey eine Quinteſſenz von dem Feldbau / weil ein Menſch die Erden innerhalb zehen Tagen koͤnne geſchickter ma - chen / als die Sonne in vielen Jahren. Diß kan manthun zum Ende des Maymonats / damit das Gras und die Wurtzen den Raſen fein zuſammen halten / wann die Wieſen gemaͤhet oder vorher von dem Vieh abgefreſſen worden / und alſo kan man diß verrichten biß zu Ende des Auguſti, man muß durch etliche ſtarcke Leute mit der Schauffel die Raſen / ſo groß und breit / als es ſeyn kan / heraus graben / die Dicken mag ſeyn zween oder drey Finger hoch / und muͤſſen alle / wo moͤglich / gantz ausgehoben ſeyn / darzu muß man ſcharffe vier Finger oder Hand breite wolſchneidende Schauffeln haben;B iijMan14Des Adelichen Land - und Feld-LebensMan muß ſie nicht laſſen lang im Regen oder Thau li - gen / damit ſie deſto eher doͤrren / darum werden ſie wie die platten Ziegel gleich aufeinander gelegt / allezeit Gras auf Gras / damit die Wurtzen leichter von der Sonnen ſchwelcken / ſo werden ſie innerhalb neun oder zehen Tagen wol abtrocknen; ſo bald ſie trocken ſind / muß man ſie brennen / und das geſchiehet auf ſolche Weiſe:
Man legt die Raſen in die Runden herum / daß ſie in der Mitten hohl ſind / wie einen kleinen Backofen / daß ſie vier oder fuͤnf Schuch im Diameter, und auch gleiche Hoͤhe haben / und dieſe Hauffen macht man vier oder fuͤnf Schuhe weit einen von dem andern / wie man die Baͤum in Quincuncem ſetzt / oder wie man die Dunghauffen auf den Feldern austheilet; An dieſer Hauffen rechtem Aufſatz iſt am meiſten gelegen / inwen - dig ſollen ſie beylaͤuffig auf ein paar Schuhe hoch ſeyn / und die Waͤnde ſind ſo dick / als des Raſens Weite ge - ben kan / und das wird immerdar enger zuſammen ge - fuͤgt / daß ſie letzlich von dem Waſen gleichſam gewoͤlbt ſcheinen; auf einer Seiten muß eine Pforten eroͤffnet bleiben eines guten Schuchs weit / auf dieſelbige Sei - ten / woher der Wind wehet / damit das Feuer deſto eher Lufft habe zu brennen / dort hinein legt man allerley klei - nes Holtz / Buͤrtel und dergleichen / zuͤndet es an / ehe der Hauffen oben mit Waſen gar beſchloſſen iſt; ſo bald das Feuer anfaͤngt zu brennen / verdeckt mans gar mit Waſen / damit das Feuer eingehalten deſto mehr ver - brenne / und wechſelt dieſe verbrennte Waſen immer - dar mit friſchen ab / und wann dieſe von Waſen gemach - te Backoͤfen ihre verbrennte Waſen nach und nach ein - ſencken / muͤſſen Leute vorhanden ſeyn / die immerdar friſche Waſen nachlegen / ſo wol auch dem erloͤſchenden Feuer wieder neue Nahrung geben / alſo muͤſſen dieſe Oefen weder Tag noch Nacht verlaſſen werden / biß man gantz fertig iſt / das geſchiehet in 24 oder 30 Stun - den / wann das Feuer ſtets erhalten wird.
Zu einem Ofen / ſagt M. Tarello, ſey genug ein halbes Buͤrtlein Holtz / weil der Waſen nicht gar ver - brennen darff / ſondern nur kochen muß; und wann die - ſe Waſen einmal recht gluͤhend werden / ſo ſcheinen ſie / als waͤren ſie ein zerſchmeltztes Metall mit ihrer Feuer - farb / loͤſchen auch nicht leichtlich ab / wenns gleich reg - net / ja ſie brennen durch dieſen Gegenſtand nur heffti - ger / und brennet ſo lang / als es Materi findet; die Wa - ſen aber / die obenauf ligen / verbrennen nicht ſo leicht / als die von dem Feuer auf der Seiten erhitzt und angeflam - met werden.
Wann nun das Feuer geloͤſcht iſt / wird die Erden von ſich ſelbſt bald abkuͤhlen / und da bleibt ſie alſo aufge - haͤufft / biß man merckt / daß bald ein ſtarcker Regen zu gewarten / alsdann werden dieſe Hauffen gleichmaͤſſig ausgebreitet auf das gantze Feld / ohne auf die Ort nicht / worauf dieſe Waſen gebronnen / weil ſie ohne diß genug Krafft bekommen / welches man am kuͤnfftigen Anbau ſehen wird / daß allzeit daſelbſt das Getrayd fetter / groͤſ - ſer und friſcher iſt / als anderwaͤrts / daher mag man von dem Hauffen daſelbſt allen Aſchen und verbrennte Erden abſcheren / und hingegen kan man die Waſen darauf breiten / und zerſchlagen / die noch nicht gnugſam verbrannt worden.
Wann dieſes geſchehen / muß man denſelbigen Platz gar ſeucht / nicht mehr als zwey oder drey Fingertieff / umackern / damit die rohe und gebrannte Erden einander einverleibet und vermiſchet werden; wann das Feld hernach gepfluͤget wird / mag man wol etwas tief - fer / und endlich auf die rechte Maß kommen / wie man zu ackern pfleget; und wann dieſer Brand im Junio kan geendet werden / und ein guter Regen darauf kom - met / kan man wol Hirs / Ruben oder Steckruben ab - geſondert oder vermiſcht darauf bauen / und darauf im October Korn oder Waitz / und mag man darnach diß Feld drey oder vier Jahr nacheinander mit Winterſaat beſaͤen.
Vorernennter Tarello will / man ſolle dieſe Haͤuf - lein 10 oder 14 Tage vor dem Herbſtbau ausbreiten / und das Saͤen ſoll etwas ſpaͤter als ſonſten verrichtet ſeyn / und wenig Saamen / will man aber erſtlich Hir - ſen bauen / darff man nicht tieff ackern / und iſt beſſer / daß der Hirs mit ſeinen Wurtzen eingreiffe und die Vertieffung mache.
Wann trocken oder windig Wetter iſt / ſoll man die gebrannte Erden immer auf einem Hauffen ligen laſſen / biß zu rechter Zeit ein Regenwetter kommen will / iſt al - ſo nicht damit zu eilen; etliche laſſen dieſe Haͤuflein un - ausgebreitet alſo bleiben / biß zur Zeit der Winterſaat / und wann dieſe Hauffen oder Waſenoͤfen fein gleich ausgetheilt ligen / ſo kommt alles deſto leichter an; etli - che bauen das erſte Jahr keinen Waitzen in dieſe Felder / weil die Erden gar zu hitzig / ſondern nur Korn / biß auf das folgende Jahr / da die hitzige Eigenſchafft des Grun - des ſchon etwas kuͤhler worden / darnach etwan von Na - tur der Grund von ſich ſelbſt fett oder mittelmaͤſſig iſt / dann wo ſchlechte kalte Gruͤnde ſind / da thut der Weitz ſchon das erſte Jahr gut; und alſo mag man dieſen Platz jaͤhrlich bauen / biß man wieder ein Abnehmen ſeiner Guͤte an der Frucht-Ertragung verſpuͤhret; hernach wann man will / wag man den Ort wieder zu einer Wie - ſen machen / ehe denn er gar erſchoͤpfft werde; will man ihn aber zu einem Baufeld behalten / muß man ihm ſo - dann / wie den andern Aeckern / mit Brach und Dungen warten laſſen.
Von dieſer gebrannten Erden kan man alle Baͤu - me erfriſchen / wann ihnen ein wenig zugeſchuͤttet wird / werden auch in Kuchengaͤrten die Artiſchocken / Spargel und dergleichen / ſehr dadurch / wie auch alle andere Fel - der gebeſſert.
Diß hab ich dem guͤnſtigen Leſer / mit kurtzen Wor - ten / aus des Herrn de Serres Theatre d’ Agriculture extrahiren wollen; welches alles aus des vorgedachten Meſſer Camillo Tarello Ricordo d’ Agricoltura, der dieſes Wercks / neben andern nuͤtzlichen zum Ackerbau gehoͤrigen Sachen Erfinder iſt / genommen wor - den.
Hieher muß ich auch die vier und fuͤnfzigſte Aufgab aus dem dreyzehenden Theil M. Schwenters Erquick - ſtunden anfuͤhren / daß man ſandichte Aecker / die man mit Korn beſaͤen will / nicht dungen darff: Schuͤtte (ſagt er) das Korn in einen Bachtrog / gieß daruͤber Miſtpfuͤlen-Waſſer / laß es 12 Stunde daruͤber / gieß alsdann das Waſſer davon / das Korn aber ſchuͤtt auf die trockene Erde / laß es vier Wochen ligen / ruͤhrs un - terdeſſen offt; nach vier Wochen gieß wieder ſolches Waſſer daruͤber / laß es ſechs Stunden ſtehen / auch wieder / wie zuvor / abtrocknen / und nach 14 Tagen ſaͤe es aus.
Loys15Siebendes Buch / Ackerbau.Loys Guyon Sieur de la Nauche, Koͤnigl. Fran - zoͤſiſcher Finanz-Raht in Lymoſin, in ſeinen Diverſes Leçons lib. 4. chap. 7. ſagt / daß auch / durch folgende Weiſe / die Felder ohne Dung koͤnnen gebeſſert werden: Man nimmt allerhand aͤſtige Geſtraͤuche / Doͤrner und Holtz / und bedeckt einen gantzen Acker damit / den man ſaͤen will / zu trockner Zeit / und laͤſſet ſie alſo 12 oder mehr Tage ligen und abdoͤrren; hernach zuͤndet mans an / und laͤſſet alles zu Aſchen verbrennen / ackerts gleich darauf ein / und beſaͤet es / ſo waͤchſt ein ſchoͤnes großkoͤrniges Getrayd darauf / das nicht ſo leicht / als das von gedungten Feldern kommet / wurmicht / oder wipplecht wird / auch in groͤſſerer Anzahl erſprieſſet.
Glauberus in continuatione miraculi mundi leh - ret den Holtz-Safft von gruͤnem Holtz / welcherley Gattung es ſey / (ja gar von Torf aus maraſſigen Or - ten) durch einen gewiſſen Ofen / deſſen Figur er daſelbſt vorſtellet / heraus zu bringen / das ſoll eine Traͤchtigma - chung und Dunge ſeyn fuͤr alle magere Felder / Wie - ſen / Baum - und Weingaͤrten / davon man mit einer Tonnen voll ſo weit dungen moͤge / als ſonſt mit zehen Waͤgen voll Miſt; welches dann auf die weitentlegene hohe Gruͤnde und Gebuͤrge leichter und bequemer fort - zubringen.
Jtem zeiget er daſelbſt / wie man auf einem bloſſen Felſen / mit einem ſpitzigen Maurhammer ein Loch / ohngefaͤhr einer Fauſt groß / machen / den Holtz-Safft nach und nach eingieſſen / erweichen und muͤrb machen / und alsdann Weinſtoͤcke und andere gern auf Steinen wachſende Baͤume / als Kerſchen / Pflaumen / Pferſi - chen / Kuͤtten / Neſpeln / und anders Kern-Obſt ein - pflantzen; der Felſen aber muß Kalchſtein und nicht Sandſtein haben. Weiter ſetzt er auch / wie er das Kochſaltz innerhalb wenig Stunden zurichten koͤnne / daß es dem Salpeter / (im Gebrauch / die magern Felder damit zu dungen) in allem gantz gleich ſey. An vielen Orten aber ruͤhmet er darzu das Nitrum fixum.
Wie aber ſolches zu machen / beſihe dieſen Autho - rem am obangezogenem Ort fol. 238. uñ iſt anders nichts als die Schlacken / ſo von der augmentation des Gol - des / ſo mit Gold / Kupffer / Regulo Martis und Sal - peter verrichtet wird / und nachdem die Metallen und Mineralien ſeparirt und gefaͤllet worden / bleibt der Sal - peter mit etwas wenigem vom Regulo Martis incorpo - rirt / und das heiſſet Nitrum fixum; und ſoll zu Frucht - barmachung des Feld baues ein herrliches und nuͤtzliches Secret ſeyn. Diß hab ich einem curioſen Hausvatter zu mehrerm Nachdenken hier andeuten wollen.
ES ſcheinet unnothwendig von dergleichen Zeuge etwas anzuregen / nicht allein / weil ſie vorhin je - dermaͤnniglich bekannt; ſondern auch / weil der Unterſcheid / Staͤrcke oder Schwachheit / ſo wol der Fel - der / als des Zug-Viehes / auch gleich taugliche Inſtru - menta, groͤſſer oder kleiner erfordern; und iſt allenthal - ben im Feldbau an unterſchiedlichen Orten auch eine andere Art / die Aecker zu beſchicken. Hier ackert man mit Ochſen / dort mit Pferden; hier ſind ein Paar ge -nugſam / dort muß man vier / bißweilen gar ſechs ein - ſpannen; die Pfluͤge / ſollen mehr lang als kurtz / und die Pflugeiſen mehr ſchmal als breit ſeyn / ſonſt nehmen ſie auf einmal gar zu viel Erden mit / dardurch wird der Feldbau wenig gebeſſert / und das Zug-Vieh deſto haͤr - ter beſchweret; die Pflugeiſen ſollen aus Stahl ſeyn / man darff ſie nicht ſo offt ſchaͤrffen / ſchneiden lieber / und legt ſich das Koth nicht ſo gern an / weil ſie Spiegel-glatt bleiben. Die Egen / die Waltzen / die Pflugeiſen ſindaller -16Des Adelichen Land - und Feld-Lebensallerley Sorten und Geſtalt; an theils Orten tragen die Ochſen das Joch an den Hoͤrnern / an theils aber am Halſe; da werden die Aecker breit und kurtz / dort lang und ſchmal gemacht; da werden die Ochſen beſchlagen / ſonderlich wo hohe Gebuͤrge ſind / in den ebnen Laͤndern weiß man nichts davon.
Vor allen Dingen iſt einem guten Hausvatter wol - anſtaͤndig / daß er an allem Baugezeug keinen Mangel habe / weil es verdrießlich und ſpoͤttlich / im Fall der Noth von den Nachbarn erſt entlehnen wollen / auch ſelten oh - ne Widerwillen und Verdruß / weil man ſie meiſtens aͤrger zuruck gibt / geliehen werden; daher ſoll man ihm in der Zeit ſchaffen / was in der Noth vonnoͤthen iſt / ſonderlich kan man zur Winters-Zeit allen Zeug ſaͤu - bern / ausbeſſern / oder neu machen laſſen / wann ſonſt kei - ne Arbeit im Feld / oder etwan ſonſt uͤbel und ſtuͤrmichtes Wetter die Lufft verunruhiget / und die Leute in den Stuben zu bleiben genoͤhtiget ſind.
Nothwendig darff man allerley Waͤgen / mit Lei - tern und Weinbaͤumen / und Laden zum Dung fuͤhren / item Sand - und Kalchtruhen / Wannen / Preſſen / item was etwan an einem oder dem andern mangelt / oder kuͤnfftig mangeln moͤchte / als Sperr / Nab / Jochriem / Speiche / Felge / Wagen-Raͤder / Teichſel / Axen /Heubaͤume / Schiebtruhen / Schlitten / Pfluͤge / Wal - tzen / Miſt-Heu-Korn - und Streugabeln / Schauffeln / Rechen / Triſchel / Schleiffſtein / allerley groſſe und klei - ne Sieb und Reutern / Wurffſchauffeln / Windwaͤcher / Staͤmpffel / Holtzſchlegel / Troͤg / Heber / Tremmel / Beylen / Karſt / Hauen / Grabſcheid / Schnittmeſſer / Naͤbinger oder Bohrer / Laiter / Schnitzbaͤncke / Strenge / Paſſt / Ketten / Seiler / Pflugeyſen / Saͤe - koͤrbe / Saͤcke / und allerhand zur Wirthſchafft gehoͤri - ges Eyſenwerck / Hufeyſen / Schin-Naͤgel / Mundſtuck / Verſchlag-Latten - und Schindel-Naͤgel / Wagenring / Radbande / Radſchiene / Sicheln / Saͤgen / Rebmeſſer / Schnitzer / Stemmeyſen / Haͤmmer / Stoßſtecken / Be - ſchlagzeug / Schlittenkufen / und alle dergleichen Sa - chen aufs wenigſt doppelt im Vorrath zu ſchaffen / daß man nicht allererſt in der Arbeitzeit / wann etwas bricht / oder ſonſt mangelt / an fremden Orten es herholen / und dardurch die Zeit verſaumen / mit den nothwendigen Arbeiten Stillſtand halten / und das Geſind feyren laſ - ſen muß. Jſt auch noch nicht genug / wann man viel Zeuges und groſſen Vorrath hat / wann es nicht in gu - ter Ordnung gehalten wird / weil ein geringer Unter - ſcheid im Fall der Noth / etwas gar nicht haben / oder haben / und nicht zu finden wiſſen.
DEr gemeine Mann glaubt / die Dung verrichte die jenige traͤchtige Fruchtbarkeit / ſo daraus in den Feldern geſpuͤhret wird; Die Philoſophi aber ſchreiben ſolches nicht der Dung / ſondern dem darinn verborgenen Saltz zu / welches eine nitroſiſche Krafft hat / und alle Gewaͤchſe leben / wachſen und gruͤnen macht. Und weil gemeiniglich zu dem Miſt auch derUrin / der ein Sal acidum hat / ſolches den Fruͤchten und Feldern / wann er nicht vor wol im Wetter abgelegen / und der Regen und Thau das ſcharffe Saltz abgewa - ſchen worden / mehr ſchadhafft als nuͤtzlich iſt / welches auch die Bauren wiſſen.
Nicht wenig finden ſich / die vom Feldbau Schrifften hinterlaſſen haben / die der Meynung ſeyen /daß17Siebendes Buch / Ackerbau. daß die mit der Dung bemiſtete Felder / nicht ſo geſunde und dem menſchlichen Leben bequemliche und dienliche Koͤrner tragen ſollen / weil das Saamkoͤrnlein die fau - le Art der Dunge an ſich ziehend / ihrer gantzen Tracht gleiche Eigenſchafft einpflantze / und alſo zu vielen Kranckheiten Urſach gebe; haben auch etliche andere Arten angedeutet / als daß man durch eine Jahrs-Ruhe die Felder in der Brach / ihrer abgematteten Kraͤfften ſich zu erquicken / ligen laſſen / die Stoppeln einackern / oder mit Bohnen und Zugemuͤß beſaͤen / und wann ſie halb erwachſen / wieder umſtuͤrtzen ſolle. Nun hat zwar ein jedes ſein gewiſſes Abſehen.
Jedoch bedunckt mich dergleichen ſcrupuliren be - ſchwerlich und unvonnoͤthen / ja zum Theil ſo wol wider die Warheit / als auch die Erfahrung ſeyn. Dann was wolte man doch mit der Dung / die das gantze Jahr uͤ - ber aus den Viehſtaͤllen zuſamm getragen wird / endlich anfangen; oder wo wolte man / mit groſſem Unko - ſten genug Bohnen nehmen / die groſſen Felder und Braiten alle zu uͤberſaͤen / und ſie alſo dardurch zu befettigen. Mich bedunckt der natuͤrliche Grundſatz / ex quibus conſtamus, ab iisdem nutrimur, ſolle hier nicht unbillich Platz finden; wann wir bedencken / daß wir erſtlich nichts als Miſt und Unflat ſind / und uns taͤglich davon zu entladen bezwungen werden. 2. Daß die Erden die Dung nicht allein in ihre Eigenſchafft und Natur verwandele / ſondern ſie auch davon / als durch ein Fermentum, zu lebhaffter Fruchtbarkeit angefriſchet und aufgemuntert werde / indem ihre angeborne Trocke - ne und Kaͤlte / durch der eingebrachten Dunge Feuch - tigkeit und Waͤrme temperirt / und zu einer zum Wachs - thum wolgedeylichen Mittelmaß gebracht / erfriſcht / er - waͤrmet / faiſt gemacht / gelindert / und bezaͤumet wird / dardurch alle Erdgewaͤchſe (wann dieſe Arbeit zu ge - buͤhrlicher Zeit und rechter Maß vollzogen wird) Baͤu - me / Weinſtoͤcke und Getrayder zu beſſerer Erquickung der menſchlichen Hoffnung vorbereitet werden.
Man hat ſich auch nicht zu befoͤrchten / daß die Erden der Dunge boͤſen Geruch oder Geſtanck dergeſtalt an ſich ziehe / daß ſie davon dem Saamen etwas mit - theilen ſolle / indem ſie gleich wie ein Menſch alle genoſ - ſene Speiſen in ſeine Natur verwechſelt / alſo auch die Erden alles / was hineingebracht wird / in ihre Art re - ducirt / ſo gar / daß Columella lib. 2. cap. 15. verſichert / daß / wo man menſchlichen Harn / der ein halbes Jahr geſtanden / zu den Reben und Obſtbaͤumen ſchuͤtte / ſo geben ſie nicht allein uͤberfluͤſſige Fruͤchte / ſondern es mache auch des Weins und der Aepffel Geſchmack de - ſto beſſer.
Wahr iſt es wol / wo ſich ein ſo traͤchtiger fetter Erdboden befindet / der des Dungens nicht bedarf / man viel Arbeit und Unkoſten ſpahren kan / weilen aber gar an wenig Orten dergleichen Gruͤnde anzutreffen / muß man ſich billich / des Feldes Eigenſchafft / dem uͤblichen Gebrauch / und der offtgehabten Erfahrung nach beque - men / mit dieſem Unterſcheid / daß man die trockenen hi - tzigen Aecker weniger / die kalten und naßlaͤndigen aber ſtaͤrcker bemiſten ſolle.
Sonderlich wo gar kalte / laimichte Gruͤnde ſind / ſoll man ihnen mit Sand und friſchen nicht viel abgele - genem oder verfaultem Roßmiſt zu Huͤlffe kommen. Die Urſach / warum der Miſt die Felder fruchtbar macht / iſt / weil er ſaltzig iſt / und die Feuchtigkeit und Kaͤlte der Erden bemittelmaͤſſiget / und alſo ihre Schoß (weil das Leben im Warmen und Feuchten beſtehet) traͤchtig ma - chet. Doch ſagt Plinius wol: Der Acker / wann er nicht gedungt wird / erkaltet / wird er zu viel gedungt / verbrennt er; daher die hitzigen Felder / ſonderlich wo duͤrrer Grund iſt / mit der Dung nicht zu belaͤſtigen / und wird ſolche von den verſtaͤndigen Ackersleuten dar - um im Fruͤling und Herbſt meiſtens verrichtet / weil der damals gewoͤhnliche Regen / die geſaltzenen Theil des Miſtes diſſolviret / und mit der andern Erden vermi - ſchet / ſo bey trocknem Wetter nicht geſchehen kan.
DJe Miſtſtatt / ſoll hinder dem Mayerhof / von der Wohnung etwas entfernet und tief gelegen / doch alſo bequemet ſeyn / daß ſie uͤber die Helffte biß an die Gruben / mit Baͤumen gebruͤcknet ſey / damit der Miſt durch die Ochſen oder Pferd deſto leichter her - aus gezogen werden moͤge / denn bißweilen der Miſt das Erdreich alſo durchweichet / daß es tief und moraſtig / und alſo der Weg ſehr verderbt / auch daruͤber das Zug - Vieh zu ſchanden gefuͤhrt wird / indem die Feuchtigkeit zur Faͤulung des Miſtes / wie auch der Sonnenſchein zu beſſerer Fermentation vonnoͤthen. Wiewolen etliche ihre Miſtſtaͤtten lieber wollen an einen ſchattichten Ort ſetzen; iſts doch auch darum unbequemer / daß Schwein und alles Vieh / im Winter / der Sonnen hart entbehren koͤnnen; Andere decken ihre Miſtſtat mit Hurten / da - mit ſie weder die Soñ ausbrennen / noch die Winde aus - ſaͤugen moͤgen; der Grund unten ſoll wol gepflaſtert ſeyn / damit die Feuchten ſich in das Erdreich nicht vergeblich einſencke. Wann der Miſt drey - oder vier-jaͤhrig iſt / ſoll er den Blumen am beſten dienen. Wo gantz trockene Gruben ſind / muß man bißweilen durch Rinnen / oderauf andere Weiſe Waſſer hinein lauffen laſſen / je kuͤr - tzer das Stroh geſchnitten wird / je beſſer und eher faults zuſammen.
Zu dem kurtzen / als Tauben-Huͤner-Pfauen - und Jndianiſchen Huͤner-Miſt / kan man ein beſonders Ort auswehlen / und ſolchen dahin bringen. Was von Endten / Gaͤnſen / und anderm Waſſergefluͤgel kommt / iſt nichts nutz / verzehrt alles / und bringt mehr Schaden als Frommen.
Wann das Stroh bald faulen ſoll / muß es in dem Miſt wol eingeſchloſſen werden / daß es auf Miſt zu ligen komme / und wieder damit bedeckt ſeye.
Was die Art und Eigenſchafft der Dunge betrifft / wird der Tauben-Miſt / wegen ſeiner Hitze / damit er die andern uͤberwaͤgt / zu allen Dungen fuͤr den kraͤfftigſten gehalten / daß auch deſſen ein wenig / nicht wenigen Vor - theil bringt / doch mit dieſem Abſatz / daß es bald darauf regne / oder mit Waſſer befeuchtet werde / ſeine Hitzig - keit zu mildern / ſonſt wuͤrde er mit ſeiner heiſſen Natur alles / was er beruͤhret / ausdorren; derentwegen auch die bequemlichſte Zeit iſt / ſolchen zu brauchen / der Herbſt und❁ Cder18Des Adelichen Land - und Feld-Lebensder Winter. Aus dem Huͤnerkobel kommt der naͤchſte an Guͤte. Und dieſe kan man / wie oben gedacht / beſon - der an einen Ort bringen / wie auch der Schafmiſt (ſon - derlich wo groſſe Schaͤfereyen ſind) abſonderlich geſchla - gen wird. Die uͤbrige Miſtung / was aus den Kuͤh - und Ochſen-Ziegen-Schwein - und Roßſtaͤllen ausge - bracht wird / iſt am beſten zuſammen zu bringen / weil da - mit einen mit dem andern vermengt / und des einen Un - vermoͤgen / durch des andern Krafft verbeſſert und ver - ſtaͤrcket wird.
Der kuͤrtzeſte beſt-gefaulte Miſt kan auf die al - ten Wieſen und Gaͤrten / der mittelmaͤſſige auf die Korn - felder und Weinberge / und der lange (nach des Herrn de la Serre Meynung) auf die neuangerichteten Wie - ſen gebracht werden / weil ſeine rohe Unzeitigkeit / wann ſie mit der Erden einverleibt wird / viel Gras zu brin - gen pfleget; was in die Baufelder kommt / iſt auch an allen Orten ein mercklicher Unterſchied / nach Gewon - heit des Ortes / Eigenſchafft der Felder / auch nachdem man etwan noͤthigere Arbeit hat / oder mit Zuͤgen uͤbel oder wol verſehen iſt.
Am vortraͤglichſten iſt / wann es im Herbſt / Fruͤling oder Winter geſchehen kan / und / ehe der Miſt durch die Hitz kan ausgetrocknet werden / eingeackert wird / ſon - derlich auf den Brachaͤckern / die erſt im kuͤnfftigen Herbſt mit Winter-Getrayd anzubauen ſind. Der Tauben - und Huͤner-Miſt muß auf die Felder / Wieſen und Weingaͤrten nicht zu dick / ſondern nur gleich dem Korn ausgeſaͤet werden / zur Zeit wann ein Regen zu hoffen / ſo bringt er ſchoͤnes Getraydicht / daß man ihn bald darauf in die Erden ackert. Man haͤlt dafuͤr / wann die Dung im abnehmenden Monden in die Er - den gefuͤhrt und eingeruͤhrt wird / ſoll weniger Unkraut wachſen / als wann mans gegen dem Vollmonden thut. Hingegen was man in die Wieſen bringet / geſchihet ge - deylicher im Vollmonden / weil es deſto beſſer Graſe wachſen machet. Man muß den Miſt nicht zu haͤuffig auf den Aeckern abziehen / ſondern gleich vorher / wann man ihn einackern will / fein gleich ausbreiten. Doch niemehr / als man denſelben Tag einruͤhren kan / bleibt auf dem Hauffen kraͤfftiger.
Wo man groſſe Schaͤfereyen hat / da werden die weitentlegneſten Felder / wann es Wetters halber ſeyn kan / gepfirchet / und durch die Schaf / die Tag und Nacht darauf bleiben / trefflich und ohne ſonderbare Muͤhe gedunget. Die Schafe werden in Hurten ein - geſchloſſen / und dieſe werden / der Laͤnge nach / in die Fel - der / taͤglich weiter fortgeruckt / biß ein gantzes Feld uͤber - dungt wird; ſobald ein Theil des Ackers nach der Laͤn - ge ausgepfircht worden / wird es ſtracks eingeackert / damit es die Sonne nicht ausdoͤrre / noch der Regen verſchwemme.
Die Schaͤfer muͤſſen Tag und Nacht neben ihren Hunden dabey bleiben / haben ihre Huͤtten auf Raͤ - dern / die ſie von einem Ort zum andern / nach Belieben / fortziehen moͤgen / ſo zwar bey uns nicht uͤblich / ſondern mehr in Meiſſen und Sachſen im Gebrauch iſt.
Columella macht unter dem Miſt dieſen Unterſcheid lib. 2. c. 15. quod melius omnium ſit ex columbis & cœteris cortilibus avibus, exceptis aquaticis. 2. Fi - mum humanum, quod tamen mixtum ſit cum aliis rebus. 3. Ex cœteris quadrupedibus, die er alſo gra - darim aufſetzet; der beſte ſey der Eſels-Miſt / weil diß Thier langſam iſſet / und am beſten verdauet / alſo ma - che es auch guten Miſt / den man alſobald auf dem A - cker fuͤhren koͤnne; der naͤchſte ſey der Schaf - und Zi - gen-Miſt; hernach der vom Rindvieh; der ſchlechteſte ſey von den Schweinen. Die Felder / die im Herbſt mit Winterſaat gebauet werden / ſollen im Anfang des Septembris; die aber Sommerſaat tragen ſollen / muͤſſen im Winter / bey littiger Zeit / gedunget werden. Es halten auch Columeila und Palladius dafuͤr / daß ein jeder Miſt / ſo zu rechter Zeit zuſamm gebracht iſt / und ein Jahr ligt / dem Saamen am dienlichſten ſey / je aͤlter er aber werde / je weniger ſey er nutzlich. Der friſche iſt am beſten auf die Wieſen / weil er das Gras haͤuf - fig wachſend macht / muß aber zu Ende des Hornungs / oder zu Anfang des Mertzens geſchehen im wachſen - den Monden.
WAnn man den friſchen Kalch mit Erden und an - derer Dung vermiſcht / und im Februario auf die Felder bringt / gibt er mehr Krafft / als alle andere Miſt / macht das Feld traͤchtig / und toͤdtet die ſchaͤdlichen Wuͤrmer und Kefer / vertilgt auch das Un - kraut; ob es wol theuer / ſoll er doch / nach Auguſtini Galli und Olivier de Serres Meynung / die Muͤhe wol bezahlen / gleichwol finden ſich welche / ſo dieſem wider - ſprechen / und darum fuͤr verdaͤchtig halten / weil der Acker dardurch zur Fruchtbarkeit gleichſam gezwungen / und dardurch endlich gantz und gar erſchoͤpfft wird / daß er nicht mehr anzubringen.
Wann man die ſchlammichte und moraſſige Teiche / Lachen und Pfuͤtzen ausraumet / den Koth uͤbereinander ſchlaͤgt; item wann man Waſen auf den Aengern auf - heben laͤſſt / biß ſie faulen / und hernach in die Felder bringt / beſſert man auch die Felder mercklich / ohne daß /wo es zu bald in den Acker kommt / gerne allerley Un - kraut davon geziegelt wird.
Nicht weniger iſt dienlich / wann man in fetten gu - ten Aeckern / nach vollbrachtem Schnitt / die Haͤlm ab - brennet / wie Virgilius im erſten Buch Georg. andeu - tet:
Sæpe etiam ſteriles incendere profuit agros,Atque levem ſtipulam crepitantibus urere flammisSive inde occultas vires & pabula terræPinguia concipiunt ſive illis omne per ignemExcoquitur vitium, atque exudat inutilis humor,Seu plures calor ille vias & cœca relaxatSpiramenta, novas veniat quà ſuccus in herbas,Seu durat magis, & venas adſtringit hiantes,Ne tenues pluviæ, rapidiquè potentia SolisAcrior, aut Boreæ penetrabile frigus adurat.
Jn welchen Worten der Poet zwar zweifelhafftig / doch ſehr ſchoͤn philoſophirt / daß entweder der Erdbodenvon19Siebendes Buch / Ackerbau. von dem Feuer verborgene Kraͤfften und fette Nahrung empfangen / oder daß durch die Flammen alles Untaug - liche verkocht / und die unnuͤtze Feuchtigkeit ausſchwitze / oder daß die Waͤrme neue Wege / und die verſtopfften Roͤhren der Erden vorbereitet / dardurch ein friſcher Safft zu den Fruͤchten dringen moͤge / oder ob vielleicht das Feuer die offnen Adern der Erden erharte und ver - ſtopffe / daß weder zu viel Naͤſſe / noch Hitze der Son - nen / noch Schaͤrffe der Nordwinde durchdringen moͤ - ge. Diß iſt aber gewiß / wann man die Haͤlm verbren - net / zur Zeit / wanns regnen will / dardurch der Aſchen in die Erden gefloͤſſet wird / daß es mercklichen Nutzen gibt / auch alle Unkrautwurtzeln / und ſchaͤdliches Unge - zifer verderbe; doch wann Baͤume / Weinreben oder andere Gebaͤue in der Naͤhen ſind / muß man die Stop - peln daſelbſt abmaͤhen / und etwas beyſeits bringen / ſon - derlich muß alles bey ſtillem trockenem Wetter verrich - tet ſeyn / daß von dem Winde kein Schaden geſchehe. Sehr gut iſt auch / wann man die Haͤlm in der Erndte etwas laͤnger ſtehen laͤſſet / vor Winters etwan ein paar Finger tief fein ſeicht einackert / ſo faulen ſie uͤber Win - ter / und dungen deſto ergaͤbiger.
Herr Auguſtino Gallo ſagt / daß die Salitriche Er - den / aus welcher der Saliter bereits ausgeſotten iſt / in die Aecker geſtreuet / auch zur Fruchtbarkeit gut und vor - traͤglich ſey.
Jtem / das Gaſſenkoth zu Hauffen geſchlagen / und gepuͤlvert in die Felder geſaͤet.
Andere ſaͤen Bohnen im Fruͤling / laſſen ſie wachſen biß ſie bluͤhen / hernach im Majen ackern ſie alles ein / und vermiſchen die Erden mit dem Kraut / damit es faule / ſoll weit beſſer dungen als der Miſt. Diß Abmaͤhen der Bohnen / muß / nach Tarello Meynung / im abneh - men des Mondes geſchehen / und wann es am Tag des Neumondens gethan wird / ſoll das Trayd / das davon waͤchſt / vor den Wippeln und Kornwuͤrmen ſicher ſeyn. Etliche laſſen die Bohnen gar zeitig werden / nehmen die Bohnen weg / und ruͤhren hernach das Stroh in die Felder / iſt aber nicht ſo gut / hat auch ein em - ſiger Hausvatter mehr auf des Feldes Nutzen zu ſehen / wann ers gruͤn einackern laͤſſet / weil es den Unkoſten wieder reichlich erſtattet; diß thun auch andere Zuge - muͤß / auſſer der Kichern / die das Feld mercklich aboͤden ſollen.
Die Lupini oder Feigbohnen ſind dißfalls auch nutzbarlich zu gebrauchen / weil ſie nicht allein die Gruͤn - de fett machen / ſondern auch mit ihrer Bitterkeit alles ſchaͤdliches Ungezifer verjagen / auch alles Unkraut aus - reuten / ſie werden im Junio / oder anfangs des Julii in die zur Winterſaat gehoͤrigen Felder geſaͤet / und im Anfang des Septembers wie der eingeackeꝛt / ob ſie ſchon noch nicht bluͤhen; ſie verweſen und vermodern gar bald / wann ſie vom Pflug beruͤhret worden / und dieſe ſind am nuͤtzlichſten in den duͤrren und magern Aeckern; damit man aber den Saamen der Lupinen erhaltẽ moͤge / kan man neben an - dern Leguminen etwas jaͤhrlich ſaͤen und zeitigen laſſen / daß man davon das Feld bedungen / und doch Saamen zur ferneren Continuirung behalten moͤge.
Herr Abraham von Thumbshirn erzehlt in ſeinem Oeconomiſchen Unterricht / welchen Caſpar Jugelius heraus gegeben / daß man um Quedlinburg pflege auf die weit-entlegene Felder Erbſen zu ſaͤen / und wann die anfangen zu bluͤhen / ſo ackere man ſie unter / davon werdeder Grund fett und mild. Anderwaͤrts / als um Merſe - burg / ſoͤmmern oder oͤden die Erbſen das Feld alſo aus / daß mans hernach bald und ſtarck dungen muͤſſe; etliche geben dem Feld / etliche der beſondern Art der Erbſen die Schuld.
Laugaſchen / item Aſchen aus den Ziegel-Kalch - Oefen und Kohlhuͤtten / Staub von der Straſſen / alter Moͤrtel von zerbrochenen Gebaͤuen / wann ſie nicht allzu viel und groſſe Steine haben / Saͤgſpaͤne von geſaͤgtem Holtz oder Saͤgmuͤhlen / (wiewol die Saͤgſpaͤn etliche nicht fuͤr gut halten / ſollen das Feld erſaͤuren) Walckhaar von den Walckmuͤhlen der Gaͤrber und Tuchmacher; die Unreinigkeit der heimlichen Gemaͤcher / Ausguß und Pfuͤtzen; das Auskehricht aus den Zimmern und Hof; allerley Gaͤrtelwerck / Krautſtengel / Kraͤuticht von Me - lonen / Unmurcken und Kuͤrbiſen / Bohnenſtroh / item Weintrebern / wann voͤllig der Wein und die Lauren ausgepreſſt worden / item die geſtuͤmmleten Buchs - baum-Wipffel / und was von andern Baͤumen abge - ſtuͤmmelt worden; Heu / das auf dem Boden verfaulet / ſo das Vieh nimmer genieſſen kan; dieſe letzern drey Stuck ſind ſonderlich gut in die Weingebuͤrge / diß kan man entweder allein gebrauchen / oder (welches beſſer und ergaͤbiger) in der Miſtſtatt mit der andern Dung einmiſchen; item zuſamm-gebrachtes oder gerechetes Tannen-Gras und Eychen-Laub / da iſt gut / daß man bey / vor / oder in den Hoͤltzern tieffe Gruben machen laͤſſt / und dergleichen Materi hinein fuͤhret / damit es faule / und zu ſeiner Zeit in die Felder gebraucht wer - den koͤnne.
Mit dem Mieß oder Holtzmiſt hat es dieſe Beſchaf - fenheit / daß / wo er gar zu dick liget / man ihn wol mit hoͤltzernen / ſtumpffen / weiten Rechen zuſammen faſſen / und in beſagte Gruben einlegen kan; wo er aber nicht zu dick / viel Laub hat (welches das Holtz dunget) auch ſchoͤnes junges Brut von den Baͤumlein zu ſehen iſt / muß man es mit groſſer Beſcheidenheit thun / daß die Baumbrut nicht mit ausgeriſſen werde; ſcharffe und eiſerne Rechen ſoll man nicht brauchen.
Nicht das geringſte Stuck / einen Acker gut zu ma - chen / iſt der Mergel / Schlicht oder Schlier / wie er in Oeſterreich genannt wird; welcher vom Plinio Terræ adeps, ibi denſante ſe pinguitudinis nucleo l. 17. c. 6. genennet wird / iſt von vielerley Farben / weiß / grau / blaulicht / roͤthlicht / leimicht / ſandicht / bißweilen hart und bimſicht / bißweilen fett / theils iſt beſſer in die Felder / theils in die Wieſen / was weiß und bimſenfaͤrbich iſt / ſo an bronnenreichen Orten gefunden wird / iſt biß in 50 Jahr / nach Plinii Meynung / fruͤchtig; was hart iſt / wann man das Feld zu viel mit vermenget / verbrennt es den Boden.
D. Joh. Joach. Becker ſagt in ſeiner Phyſicâ ſub - terraneâ fol. 87. es ſey eine allgemeine Erfahrung / daß / wo Bronnenquellen ſind / ob ſie ſchon bisweilen aus har - ten Bergen und Felſen entſpringen / allzeit daſelbſt ein blaulichter Letten oder Koth ſich befinde / etwan ſeichter / etwan tieffer; wann man dieſen Letten in einem Kolben diſtillire / auch mit dem gelindeſten Feuer / ſo werde bald ein ſubtileſt-uͤbergehender Geiſt den Alembicum alſo erhitzen / daß man ihn mit der bloſſen Hand nicht anruͤh - ren kan / wird auch bisweilen Striemlein oder Strahlen machen / wie der Brandwein / da doch in dem Recipien - ten nichts als ein unſchmackhafftes Waſſer ſich befinde /❁ C ijſo20Des Adelichen Land - und Feld-Lebensſo von den Galeniſten fuͤr ein unnuͤtzes Phlegma moͤchte angeſehen werden / ſey aber ſo wol in metalliſchen / als auch Artzney-Sachen von groſſen Kraͤfften / ſonderlich werde zur vegetation und Mehrung der Gewaͤchſe nichts in der Welt beſſers und fuͤrtrefflichers gefunden / weil ein Troͤpflein davon beſſer dunge / als ein Fuder Miſt / ja es ſey der Vegetabilien Mercurius, oder des Helmon - tii Gas, das an dem Wein augenſcheinlich zu erkennen / mit dem dieſer Safft eine ſolche Freundſchafft habe / daß ein Faß Wein durch deſſen Vermiſchung wol erhalten und geſtaͤrcket werde.
Der Mergel iſt an laimichten zaͤhen Orten nuͤtzli - cher als die Dung. Man findet ihn faſt allzeit / wo Ma - raß und Suͤmpfe ausgetrocknet / und mit Erden ſind uͤ - berdeckt worden; die Ort / ſchreibt der von Thumbshirn / geben gar einen ſchwefelichten ſtinckenden Geruch / wann der Tau einfaͤllet / oder wann es nach der Duͤrre zu reg - nen pflegt; es wachſen meiſtentheils Bimſen / auch die Weiden oder Felber auf ſolchen Orten hoͤher und fetter als gewoͤhnlich; man kennet den Mergel auch / wann in den Wieſen die Maulwurffs-Erden voller kleiner Schneckenhaͤuslein iſt / und das Gras gar duͤnn waͤch - ſet / ob ſchon die Erde ſchwartz und gut ſcheinet / dann der Mergel verderbet das Gras / daß es wenig und ſauer waͤchſet / ligt auch meiſtens der Mergel in den ſauren Wieſen.
Er ſchreibt auch / daß man zu Zeitz Mergelbohrer (Zweifels ohne Hohlbohrer) habe / damit man erkun - diget / ob Mergel vorhanden oder nicht / wie tieff er ver - ſchuͤttet / und wie dick er lige / und was fuͤr Art oder Farb er ſey / damit kan man ohne ſonderliche Muͤhe leicht er - kundigen / ob Sand / Laim oder Stein in der Tieffen zu finden; wo man Mergel findet / wird er auf Hauffen zu - ſammen gelegt / daß er / wo er naß / austruͤckne / ablige / kraͤfftiger werde / und leichter zu fuͤhren ſey; etlicher iſt ſchlecht / damit muß man dicker dungen / etlicher aber ſo gut / daß man ihn kaum Saamensdick auf die Felder ausbreiten darff. Die Franzoſen nennen es Marne, und ſagt Herr Olivier de Serres, daß es von etlichen nicht unbillich Manne, als ein Himmels-Thau und Ge - ſchenck genennet werde.
Es iſt aber der Mergel ein mineraliſches Stuck der Erden / wird zu Zeiten hart wie ein Stein / wird offttieff ausgegraben / und auf die Felder Haͤuffelweiſe / wie die Dung / ausgetheilet / daß er von der Sonnen / Thau und Regen / Hitz und Kaͤlte / geſchwaͤngert und gemildert werde; hernach wird er ausgebreitet und eingeackert / erwaͤrmet die Erden zimlicher maſſen / daher das Trayd das erſte Jahr hernach nicht ſo wol pflegt zu gerahten / als die nachfolgende 10 / oder 12 Jahr / nach dem der Mer - gel gut iſt / mehr oder weniger / gibt dem Grund eine wunderſame Traͤchtigkeit.
Man muß aber den Mergel nicht alſobald einackern / ſo bald er ausgegraben und auf die Felder gefuͤhret wor - den / ſondern muß eine gute Zeitlang ligen bleiben / biß er vom Nacht-Thau und Regen / ſonderlich von der Kaͤlte des Winters / gemuͤrbet und zerfloͤſſet / und her - nach erſt mit dem Acker vermiſchet werde / da er an ſtatt der beſten Dung wol paſſiren kan.
Es waͤchſet auch koͤſtliches Getrayd hernach / rein am Geſtroͤhe / vertilget alles Unkraut / wird großkoͤr - nicht / liecht und Mehlreich / baͤcket und braͤuet ſich wol; in die Hopfengaͤrten und Weinberge aber tauget er nicht / und verderbet alle Stoͤcke; in ſandichten Aeckern iſt er auch nicht dienlich.
An etlichen Orten / wo es die Gelegenheit des Lan - des leidet / und wo gar duͤrre hitzige Felder ſind / laͤſt man im Hornung das Waſſer ein 14 Tage uͤber die Saat - Aecker lauffen / ſoll ihnen an ſtatt einer Dunge ſeyn. Was im Martio oder in die Haͤlm gedunget wird / ur - ſachet viel Unkraut / ſonderlich wofern es im wachſenden Monden geſchihet.
De la Serre erzehlet eine ſonderbare Art / wie man das Baufeld beſſern moͤge / auf ſolche Weiſe: Daß man ſein Feld in 10 oder 12 Stuck austheile / und jaͤhr - lich eines / wanns in der Brach ligt / allzeit in 10 oder 12 Jahren von Tagwerckern tieff umgegraben / und al - les Wurtzenwerck / Stein und Unkraut auf das beſte heraus geklaubt werde / doch muß es tieffer nicht ſeyn / als der gute Grund tieff oder ſeicht iſt / und alſo kan man jaͤhrlich einen Theil ausbeſſern / und das Feld nach und nach bey guter Fruchtbarkeit erhalten; und alſo wird der gantze Erdboden / der etwa durch nachlaͤſſiges ackern iſt uͤberſehen worden / aufgerigelt und ange - bracht.
DJe Felder werden nicht auf einerley Weiſe ge - pflogen / nachdem es die Gewonheit / die Art des Bodens / und die jaͤhrliche Erfahrung haben wollen. Und iſt nicht leichtlich zu rahten / daß man von der alten Weiſe / wann ſie nur ein wenig zu erdulden / ſoll abweichen / auſſer wann ſie ſchaͤdlich / und die Neuerung merckliche Beſſerung zeiget / und durch anderer Leute Beyſpiel ſich beglaubigen machet.
Das Vieh betreffend / ſo man nothwendig darzu gebrauchen muß / iſt in dem zu unterſcheiden / nachdem des Hausvatters Mittel eines und das andere zulaſſen oder verbieten; nachdem der Grund ſtarck oder ſchwach; nachdem die Felder nahe oder weit entlegen; nachdem es ſicher / oder Kriegs - und Einfall-halber gefaͤhrlich;nachdem man gehoͤriges Futter auf eines oder das an - dere haben kan.
Die Pferde machen mit Futter / Beſchlaͤg / Zeu - ge und Knechten viel groͤſſern Unkoſten / wird ihnen zu unſichern Laͤufften eher und oͤffter nachgeſtanden / die Knechte doͤrffen groͤſſern Lohn; koſten mehr Geld und Aufſicht / daß ſie nicht kranck / krumm / gedruckt / oder durch andere Zufaͤlle und Alter unbraͤuchig werden.
Doch erſetzen ſie dieſes mit ihrer Arbeit und Ge - ſchwindigkeit / ſonderlich wo Felder und Wieſen weit - ſchichtig / weil man mit einem Paar / auf einem Tag / mehr richten kan / als mit den Ochſen in dreyen Tagen; alle weite Fuhren ſind damit fuͤglicher zu verrichten / ſo ſind ſie auch zur Noth und Ehren / im reiſen / reiten und fahren zu gebrauchen; daher auch alle Arbeit mit Pfer -den21Siebendes Buch / Ackerbau.
den beſſer und ſchneller von ſtatten gehet / ſo in einer wol - beſtellten Wirthſchafft nicht geringen Nutzen und Be - foͤrderung verurſachet / zudem daß in Oeſterreich und dem angrentzenden Maͤhren / Boͤhaim und Ungerland Pferde genug zu bekommen / kan man ſich auch deſto beſ - ſer damit verſehen.
Die Ochſen koſten weniger / ſo wol zu kauffen / als zu unterhalten / ziehen ſtaͤt im Pflug / koͤnnen auch in har - ten und laimichten Gruͤnden wol dauren / weil ſie groſſe Staͤrcke haben; Der Ochs darff nicht ſo viel Gezeu - ge / wird nicht ſo leicht aufſtoͤſſig / als ein Pferd / iſt auch eher zu recht zu bringen / gibt beſſere Dung in die Felder / wann er alt / krumm / oder ſonſt untauglich wird / kan man ihn maͤſten und verkauffen; daher hat man auch nicht allein nichts zu verlieren / ſondern offt einen guten Gewinn dabey / allein daß es langſamer hergehet / als mit Pferden; daher alles zu des Hausvatters election frey geſtellet iſt.
Wer ihm nun Zug-Vieh kauffen will / es ſeyen Pferde oder Ochſen / der ſehe um / was gutes und taug - liches zu finden; das allzugroſſe Vieh iſt nicht allzeit das daurhafftigſte zur Arbeit / offt faul und traͤg; die mittel - maͤſſigen geſetzten meiſtentheils hurtiger und arbeitſa - mer; was gar zu klein iſt / iſt auch zu ſtrenger Arbeit zu ſchwach / ſo wol auch ſoll es im Alter / weder zu jung / noch zu alt ſeyn; jenes wird leicht uͤbertrieben / und die - ſes dauret nicht lang; vor vier oder fuͤnf Jahren ſoll mans zu ſchweren Frondienſten nicht anſpannen / eher als noch im dritten Jahr muß man ſie wol zum ziehen gewehnen; aber nur leichte und leidliche Arbeit mit ih - nen verrichten / damit ſie nicht / wo man ſie aͤlter ange - wehnet / halsſtarrig / ſtettig und boshafft / und dennoch durch allzuſchwere Laſt erſchoͤpfft und zu Grun - de gerichtet werden.
Wer ſelber Fuͤllen und Rindvieh ziehen kan / weiß ihm am beſten zu helffen / indem auch das Vieh / ſo man ſelbſt ziehet / der Lufft / Weide / Waſſers und Wartung von Jugend auf gewohnen / da hingegen die / ſo von ferne herkommen / vielmals aus Enderung eines und des an - dern / mancherley Zufaͤlle / mit Schaden und Verſaum - nis des Hausvatters erdulden und leiden muͤſſen.
Alles Zug-Vieh nun muß nach ſeiner Art in guter und ſauberer Stallung gehalten / wol gefuͤttert / getraͤn - cket / gewartet / geſtrigelt / gewiſchet / und alles zu rech - ter ordentlicher Zeit verſehen / nicht mit unnoͤhtigen Bol - dern / Schlaͤgen / Stoſſen / ſondern mit Sanfftmuth und Gelindigkeit unterhalten werden.
Waͤgen / Pfluͤge und Eggen ſollen mit Eiſen und aller Nothdurfft tauglich zugerichtet / geſchaͤrfft / und nach der Staͤrcke oder Schwachheit des Viehes beſchaffen / auch deſſen allzeit ein Uberfluß im Vorrath ſeyn / damit wann eines oder das andere bricht / man nicht bey ſchoͤner Zeit und gutem Wetter feyren und die Arbeit anſtehen laſſen muͤſſe.
Jm Regen und Schneewetter / bey groſſer Kaͤlte und Hitze / Sturmwinden und Ungewitter / ſoll man ſo wol der Leute / als auch des Viehes (ſo viel moͤglich) verſchonen / niemal / wann die Erden zu hart oder zu weich iſt / ins Feld fahren / ſie in die Hitze nicht trincken laſ - ſen / davon ſie leichtlich verfangen und raͤhe werden; wo an Eiſen / Naͤgeln / an Geſundheit und Kraͤfften was abgehet / wann ſie der Sattel / Kummet / oder Joch drucket / bey Zeiten Sorge tragen / und ſelbe mit Reh - haaren / oder Tuch wol ausfuͤttern / ſolches zu verhuͤten / offt / ſo wol Pferden als Ochſen / zu den Fuͤſſen ſchauen / wann ſpitzige Steinlein / Doͤrner und dergleichen / zwi - ſchen die Eiſen und Klauen kommen / es abnehmen / offt Saltz unter dem Futter geben / wenigſt wochentlich einmal / und die Zunge damit reiben / bißweilen auchC iijmit22Des Adelichen Land - und Feld-Lebensmit Wein und Eſſig / ihnen die Eſſigkeit zu erhalten und zu erwecken.
Ob das Joch den Ochſen beſſer an die Haͤlſe / als an die Hoͤrner angelegt werde / (wie Columella will) iſt dieſer Unterſcheid zu halten / daß man an ebenen Orten dieſes kan paſſiren laſſen / wo es aber Bergauf und Thal - ab gehet / hat der Wagen (wann das Joch am Hals ligt) zu Thal keine Haltung / daher beſſer iſt / das Joch an die Hoͤrner anzubinden / weil ſie auch daſelbſt ihre groͤſte Staͤrcke haben.
Die Savoyarden / wie Herr de Serre ſchreibt / brauchen ein gedoppelt Joch / und binden das eine an die Hoͤrner / das andere an den Hals / vermeynet / es kom - me die Ochſen / der Weg ſey hoch oder nieder / dergeſtalt am allerleichteſten an; dißfalls iſt ſich nun nach der Lan - des-Art / und gemeinen Gebrauch zu richten / wann mannur mit dem Viehe ſittſam / gelind und gebuͤhrlich um - gehet / und ſolches nicht uͤbertreibt.
Ein Knecht kan auch wol (wo ſtarcke zaͤhe Felder ſind) ſein Tagwerck mit zwey paar Ochſen dergeſtalt verrichten / daß er Morgens ein Paar / und Nachmit - tag das andere Paar einſpannet; in der groſſen Hitze aber muß die Arbeit allein fruͤhe und Abends geſchehen; an theils Orten werden auch gar die Kuͤhe eingeſpannet / man muß aber nur die galten / die nicht tragen / darzu ge - wehnen / und ſie des Tages nur auf etliche Stundẽ brau - chen / ſo wird man an der Milch keinen ſonderlichen Ab - gang ſpuͤhren.
Alle Arbeit muß fruͤhe angefangen / und nicht allzu - ſpat geendet / nichts zur Unzeit fuͤrgenommen / noch durch Verſaumnis verwarloſet / weder bey ſchoͤnem Wetter und guter Zeit aufgeſchoben / noch bey allzudoͤrrer oder zu naſſer Witterung fuͤr die Hand genommen werden.
BEy trockenem Gewitter und hartem Acker zu pfluͤ - gen / iſt nicht allein / well es Menſchen und Vieh ſauer ankommt / unbequem und faſt unthunlich / ſondern auch / wann das Feld mit Gewalt gepfluͤget wird / zu beſorgen / daß die hitzige Lufft / die noch wenige uͤberbliebene Feuchtigkeit aus dem Eingeweid der Erden vollends gantz ausſauge / und die Krafft / ſo ſie dem Saamen geben ſolle / voͤllig benehme; zu dem man auch nicht tieff und gerade genug pfluͤgen kan / ja offt mancher Ort ſo hart wie Stein / von dem Pflugeiſen gantz unbe - ruͤhrt / daher der Saamen ohne Grund / von dem Gefluͤ - gel aufgefreſſen / und damit dem Unkraut Platz gemacht wird. Das Vieh wird durch ſchweres ziehen abgemer - gelt / die Pflugſchaaren ſtumpff / offt das Geſchirr zer - brochen / und doch wenig verrichtet; und werden ſonder - lich die ſandichten Felder (die ſonſt leichter in der Duͤr - ren zu bauen) zu ſolcher Zeit / wann man ſie umreiſſet / am meiſten verderbt / weil ſie von ſolcher unzeitiger Er - oͤffnung / alles ihres inhabenden Safftes und Krafftes beraubet werden.
So wenig iſt auch thunlich / in der Naͤſſe / bey ko - ticht und ſchlammichtem Wetter / bevorab in ſtarcken und laimichten Feldern / einige Bau-Arbeit mit dem Pflug vorzunehmen / denn die Erde / ſonderlich der zaͤhe Letten / legt ſich gantz unzerbrochen um / oder macht doch aufs wenigſte groſſe und ungeheure Schrollen / die durch nachfolgende Duͤrren / wie ein Stein erharten / den ein - geworffenen Saamen in ſich erſticken / oder doch mit doppelter Muͤhe zu brechen und voneinander zu ſchlagen ſind; ſo greifft auch der Pflug (an Orten / wo es ſeichte Aecker hat) allzutieff ein / ſchiebt den guten Grund un - terſich / und den ſchlechten herauf / dardurch ein Feld ver - derbt / und uͤbel wieder zu verbeſſern iſt.
Gleichfalls / wann das Wetter gar zu kalt / und die Erden etwas gefroren iſt / ſoll man ſich huͤten zu ackern / weiln die Kaͤlte gar zu tieff in die Aecker dringet / und die natuͤrliche Waͤrme / welche der Erden fermentation und Befruͤchtigung muß befoͤrdern / aus dem Grund her - aus treibet / und ihre unfruchtbare kalte Qualitet derſel - bigen eingieſſet / und dardurch auf viel Jahr Schaden bringt.
Sowol iſt auch die allzugroſſe Hitze ſchaͤdlich zu die - ſer Handthierung / weil die aͤuſerliche Hitze calorem agri nativum intrinſecum, qui ſuâ naturâ ſurſum tendit per aperta Terræ Viſcera, deſto leichter an ſich ziehet / und ſolche zur Traͤchtigkeit hoͤchſtnoͤthige qualitet gaͤntzlich entziehet / die innere Feuchtigkeit ausrauchen / und alſo das Feld untauglich machet.
Daher dieſe Feld-Arbeit anzuſtellen bey tempe - rirtem Wetter / wann Himmel / Lufft und Erden in gu - ter Vereinigung und Accord ſtehen / welches nicht allein die Arbeit befoͤrdert und erleichtert / ſondern auch zu Beſ - ſerung des Feldes / Empfangung des Saamens / und Befriedigung der geitzigen Hoffnung des Hausvatters / auch zu ſonderbarem Lob und Nutzen ſeiner wolbeſtell - ten Wirthſchafft dienet; da im Gegentheil von unrechtem Beginnen der Feld-Arbeit / man von der gantzen Nach - barſchafft Spott / und ſeinen eigenen unwiederbringli - chen Schaden zu gewarten hat.
Die Aſtronomi wollen im zunehmenden Monden / ſonderlich in Krebſen und Fiſchen / ſolle man die magern / trocknen und hochgelegnen Aecker bauen und beſaͤen / auch allerley harte Getrayd anbauen / Hanfkoͤrner und Lein aber ſoll man ſaͤen / wann der Mond in der Wage laufft. Die feiſten und tief-gelegenen Aecker ſoll man bauen und beſaamen / wie auch Sommerkorn / Erbſen / Boh - nen / Linſen / Hirs und Halden im abnehmenden Mon - den / ſonderlich / wann er im Stier / Jungfrau / Wag / und Steinbock laufft / da ſoll es / ihrer Meynung nach / am bequemſten und gluͤckſeligſten ſeyn.
Jedoch iſt dieſes auch wol zu beobachten / daß man feuchte und laimichte Felder lieber in der Duͤrren; hin - gegen ſandichte und trockene lieber bey feuchtem Wetter (nur daß keines uͤbermaͤſſig ſey) arbeiten ſolle; Jtem je fetter / ſtaͤrcker und traͤchtiger ein Grund / deſto eher / beſſer / oͤffter / fleiſſiger und anhaͤbiger will er gepflogen / und zu allen Zeiten beſchicket werden / damit man das Unkraut (welches hierinnen gewoͤhnlich am meiſten waͤchſet) deſto fuͤglicher kan heraus verbannen; ein leich - tes und mageres Feld darff nicht ſo viel / muß allein im Herbſt und Fruͤling / und wenig im Sommer geackert werden / damit es von der zu ſelben Jahrs Zeiten herr -ſchenden23Siebendes Buch / Ackerbau. ſchenden Feuchtigkeiten ſeine Verbeſſerung hernehmen und ſich zueignen moͤge.
Wann heiſſe Zeiten ſind / kan man vor Tages biß um 8 Uhr / Nachmittage von 5 biß um 9 Uhr / oder wol gar (wann der Mond ſcheinet) bey der Nacht ackern / weil nicht allein die angenehme kuͤhle und geſunde Nacht - lufft / Menſchen und Vieh im Sommer erquicket; ſon - dern auch von den Braͤmen / Gelſen und Fliegen keine Beſchwerung leiden doͤrffen / ziehet auch die ſtrahlende Sonne des Ackers Feuchtigkeit nicht gleich wieder her - aus / ſonderlich wann es bald darauf umgeegt wird.
Jn Summa / (wie Herr de Serres redet) alle Gruͤnde feiſt oder mager / duͤrr oder feucht / erfordern emſige Wartung / nach ihren unterſchiedlichen Eigen - ſchafften / ſonderlich denen / ſo ſie von dem Gewitter der Jahrs-Zeiten an ſich ziehen / daher ein einige zu rechter Zeit gethane Arbeit / wann man der Erden rechte Pfle - ge thut / mehr Nutzen ſchafft / als viel andere / ſonder - lich wann die Erden recht darzu diſponirt iſt / des Bau - manns Fleiß und Sorge / mit gutem Willen und mil - derm Erkanntnus aufzunehmen / und alle Muͤhe mit rei - cher Ergetzlichkeit zur Erndte-Zeit wieder zu belohnen.
DJe Halm-Brach zur Sommer-Saat iſt nur an etlichen / nicht an allen Orten gebraͤuchig / wie - wol es nutzlich / weil das Feld durch ſolches eroͤff - net / und die himmliſchen Einfluͤſſe deſto bequemlicher zu empfangen / vorbereitet wird / geſchihet meiſtentheils bald nach dem Schnitt; etliche laſſen die Haͤlme vorher (wie oben vermeldet) wann ein feuchtes Wetter zu hoffen / abbrennen / ſo nicht geringen Vortheil bringet.
Der Grund ſoll dißmal nicht uͤber vier Finger tieff geackert / nahe aneinander geriſſen / und gleich gerade gefuͤhrt ſeyn / damit der obere gantze Theil von dem Pflug aufgehebt werde / je weniger die Pflugſchaar auf einmal Erden nimmt / je beſſer gibt es aus / kommet das Zug-Vieh deſto leichter an (obs zwar ein wenig laͤn - gere Zeit bedarff) werden auch die Wurtzen vom Un - kraut deſto beſſer getroffen und vertilget / die ſonſt / wann man viel Erd auf einmal nimmt / in der Mitten ungehin - dert ſtecken bleiben.
Wo man Unterthanen hat / welche robbathen / oder Leute / die um Lohn das Feld bauen muͤſſen / iſt ſonderlichacht darauf zu geben / daß ſie gute ſtarcke Pfluͤge / rechte Pflugeiſen und Zuͤge haben / denn ein ſchlechter Pflug ſchadet auf dreyerley Weiſe / das Pferd ſey ſo gut als es wolle / Erſtlich darff mans nicht nach Gebuͤhr antrei - ben / aus Beyſorg / der Pflug moͤchte brechen; zum an - dern / moͤgen ſie nicht recht den Grund erreichen und auf - rigeln; drittens / geben ſie den andern Mitarbeitern ein uͤbles Beyſpiel / und verderbt ein Schalck den andern. Haben ſie denn gute Pfluͤge / und einen boͤſen Zug / iſt es abermal verlohren / weil ſie / was ſie nicht aufheben moͤgen / uͤberſpringen / daher wol acht darauf zu geben und nach zu ſchauen. So iſt es auch / wann die Unter - thanen robbathen muͤſſen mit den Eggen / in allweg beſſer / daß ſie bey Hof / mit guten eingreiffenden Eggen (die man im Winter bey boͤſen Wetter verfertigen kan) verſehen werden / als wann ſies ſelbſt mitbringen / ſind ſie offt wenig nutzlich / ſchickt man ſie fort / verſaumt man die Zeit / ſtrafft man die Nachlaͤſſigen / iſt doch dem Feld wenig damit geholffen / weil an dieſen nicht weni - ger als am Ackern ſelbſt gelegen iſt.
Der24Des Adelichen Land - und Feld-LebensDer Ackersmann muß gerad in der Furch bleiben / und beede Fuͤſſe darinn halten / damit er die umgelegten Erdenſchrollen nicht zertrette / und alſo gerade Reyen machen / muß allzeit ein Haͤcklein an der Guͤrtel haben / wann etwan ſtarcke Wurtzen von Baͤumen entzwiſchen kommen / ſolche entzwey zu hauen / dardurch dem Vieh die Muͤhe erſpahret / und der Pflug / vor dem Bruch kan verwahret bleiben; auch muß er an dem Pflug eine mit Eiſen beſchlagene Reute (wie es in Oeſterreich / und von den Lateinern Rulla genannt wird) haben / damit er das an das Pflugeiſen ſich anlegende zaͤhe Koth / wie in den fetten guten Aeckern geſchihet / abſtoſſen / und alſo ſei - ne Arbeit unverhindert verrichten kan / ſo auch bey allen andern Feld-Arbeiten in acht zu nehmen iſt.
Die Furchen ſollen / wo es die Ungelegenheit des Orts nicht verhindert / gegen Mittage gerichtet ſeyn / damit ſeine darauf ſtehende Fruͤchte kuͤnfftig von der Sonnen Strahlen gleiche Waͤrme / zu ihrer deſto mehr gedeylicher Zeitigung / empfangen moͤgen.
Die Halmbrach iſt nur an denen Orten uͤblich / wo man genug Weide hat / dann wo das nicht iſt / wirds mehr Nutzen bringen / man laſſe die Haͤlme / ſonderlich wann das Feld graſicht iſt / fuͤr den Schaftrieb bleiben / ſo ihnen wol bekommt / und bald anfangen leibiger und beſſer zu werden / zu dem auch die heran ruckende Anbau - Zeit viel Muͤhe bedarf / wird durch die Halmbrach die Arbeit gedoppelt; aber gewiß iſt / wo man an Zuͤgen und Leuten keinen Mangel / daß die Umſtuͤrtzung der Haͤlme / weil ſie den Winter durch fein faulen und das Feld da - mit bedungen / nicht wenigen Nutzen in den Feldern ſchafft / auch die ſtarcke und laimichte Gruͤnde / durch des nachgehenden Winters Kaͤlte / muͤrbe und fruchtbar ge - macht werden / weil jeder guter Hauswirth ohne diß mit Weide ſoll verſehen ſeyn / hat er weniger Schade / an der Weide / die mit den Halmen umgeriſſen wird / als groſſen Nutzen / den ihn die kuͤnfftige Fruchtbarkeit ſeiner Felder verheiſſen.
Die Winterbrach geſchiehet in denjenigen Aeckern / die biß kuͤnfftigen Herbſt in der Brach ligen bleiben / lei - dens zwar nicht alle Felder / daher ſich nach ſeines Lan - des Gewonheit zu richten / geſchihet meiſtens um Marti - ni und eher / als die Erde gefrieret / alſo wann die Kaͤlte zu bald kommt / muß man ſolche gar unterlaſſen. Wo aber das Feld und der Gebrauch ſolches zulaͤſſet / und zu rechter Zeit geſchiehet / iſts gewiß / daß die Kaͤlte die Ae - cker wol durchkochet / daß ſie zu allen kuͤnfftigen Arbeiten tauglicher ſcheinen.
Die Aecker (ſagt Joh. Caſp. Suter in ſeiner Mo - natlichen Pflantzungs-Luſt im Februario) ſind dreyer - ley Art / eben / gebuͤrgig oder niedrig / moͤgen alle in 6 unterſchiedene Eigenſchafften abgetheilet werden; ſind mager oder feiſt / dick oder duͤnn / feucht oder trocken; Duͤrre Aecker / die wenig Gras oder Unkraut tragen / muß man im Jahr zwey - oder dreymal / und nicht oͤffter / bey gutem Wetter / wanns Windſtill / im Hornung oder Mertzen / wann die groͤſte Kaͤlt fuͤruͤber / oder in fine Auguſti & initio Septembris umackern / aber nie / wann Hitz oder Froſt groß iſt; beſſer iſts / man umacke -re ſie vom Aufgang nach Nidergang / als von Mitter - nacht gegen Mittag / mit wenig Furchen / damit das Feuchte laͤnger bleibe; gar ſandichte Aecker ſoll man im Jahr nur einmal / zu Ende des Auguſtmonats oder An - fang des Herbſtmonats umackern.
Ebene / ſaͤfftige und fette Felder ſoll man erſtlich im April fein tieff / damit das Unkraut / ehe es noch Saa - men traͤgt / ausgewurtzelt werde / tempore nec madi - do, nec nimis ſicco; Man kan das Erdreich in ſechs Gaͤnge oder Furchen aufwerffen / vom Mitternacht ge - gen Mittag / vier - oder fuͤnfmal im Jahr / niedere Bet - te und tieffe Furchen; Alle dergleichen feiſte / ſaͤfftige / ſtarcke und graſichte Felder erſtlich im April auf das ſub - tileſte / wenig Erd auf einmal mit dem Pflug nehmend / einmal nach der Laͤnge / das anderemal nach der Queer. Hochgelegene Felder / ſo gegen Aufgang / Mittag oder Nidergang ligen / bevorab wann ſie feiſt und kraͤfftig ſind / ſollen zwey - oder dreymal im Jahr / wann es Windſtill / umgeackert werden; ſind ſie aber ſchwach und mager / iſts einmal genug; fine Auguſti & Se - ptembris ſeminentur, partem verſus Septentrionem, arboribus potius caſtaneis, juglandibus & ceraſis con - ſere. Hactenus ille.
Bey allen Aeckern iſt gut / wann ein Bub den A - ckersleuten mit einem Geſchirr nachfolget / die Engern oder Wuͤrmer aufzuklauben; die Huͤner werden fett da - von / und legen viel Eyer / wie Herr Agoſtino Gallo in ſeiner giornata prima fol. 31. ſchreibet.
Die uͤbrige Anzahl vom Ackern kan nicht gewiß fuͤrgeſchrieben ſeyn / weil die zaͤhen fetten Felder / und die eben ligen / mehr Arbeit bedoͤrffen / und oͤffter muͤſſen um - geackert ſeyn / als die mittelmaͤſſigen / und die mittel - maͤſſigen oͤffter / als die magern; ſonderlich wann ſie Berg-an / und abhaͤngig ligen / werden ſie ſo offt nicht ge - arbeitet / muͤſſen auch nach der Queer / wie ſich die Ebe - ne ſchwaͤncket / geackert; und koͤnnen durch die Ruhr Creutzweiſe nicht umgeriſſen / ſondern muͤſſen einmal wie das andere geruͤhret werden.
Daher (wie geſagt) fuͤr allem des Feldes Beſchaf - fenheit zu bedencken / ob es hoch oder nieder / feucht oder duͤrre / gegen Morgen und Mittag / oder gegen Abend und Mitternacht gelegen / ob der Grund fett / oder ma - ger / Sand / Laim / oder Stein fuͤhre / ob es hart oder leicht zu ackern.
Nach dieſem / muß man durchs gantze Jahr alle Ar - beiten anſchicken / die Dunge / nach Erforderung des Grundes / viel oder geſparſam geben / die Furchen we - der zu tieff noch zu ſeicht / und die Bette weder zu breit noch zu ſchmal machen / und in allem zu rechter Maſſe / nach Befindung des Bodens / (wie Herr von Thumbs - hirn in ſeiner Oeconomiſchen Anleitung weißlich ſaget) fleiſſige Anſtellung thun / daß ſonderlich das naſſe / flache / tieffer in Auen gelegene Feld zu der Zeit / wann es duͤr - re / ausgeackert / die Bette klein / kaulicht und wol erha - ben ſeyn muͤſſen; hingegen die hohen und fetten Felder bey feuchtem Wetter am nuͤtzlichſten zu ackern / und auch am allerbeſten mit dem Pflug zu gewinnen.
DJe erſte Brach zur Winter-Saat iſt die be - ſchwerlichſte / weil der Grund dardurch erſtlich geriſſen / und gleichſam gewonnen / von der Win - terfeuchten hart aufeinander geſchweret / und von der vom Majo an / biß Joͤhanni gewoͤhnlichen heiſſen Zeit erhartet und ausgetrocknet wird / geſchihet meiſtentheils vor Johanni im Brachmonat (der auch von dieſer Ar - beit den Namen empfangen) wann die Winterfeuchten dem Grund nunmehr wol einverleibt iſt / wiewol dieſe in gebuͤhrlicher Tieffe (als es der Acker leiden kan) ge - ſchehen ſolle / ſo hat doch ein Hausvatter vornemlich auf die Natur ſeines Grundes zu ſehen / ob deſſelbigen erſte Superficies, die von den obern Einfluͤſſen / von Hitz und Kaͤlte / Regen und Thau gemildert und beſchwaͤngert bleibt / von gleicher Guͤte tieff ſich einſencket / ſolcher Ge - ſtalt mag auch das Pflugeiſen tieffer einſchneiden; wann aber die oberſte Erden-Decke ſeicht / uñ unten her ſchlech - terer Grund folget / ſo muß man auch den Pflug nicht tieff gehen laſſen / je weniger er Erden auf einmal nimmt / je beſſer iſt es / doch daß es recht / und nicht nur oben hin ge - ſchunden / und ſchlecht gethan werde / welches den Acker an ſeiner kuͤnfftigen Fruchtbarkeit ſehr hinderlich faͤllet / daher ſo wol den Knechten / als auch denen Un - terthanen / ſo die Robbath thun / emſig nachzuſehen / ob ſie nicht den harten Boden nur mit breiten Furchen uͤ - berdecken / und untenher den Grund unberuͤhrt laſſen / ſo mit einem ſpitzigen Stecken zu erkennen; wenn er zwiſchen den Geackerten uͤberall in gleicher Tieffen ein - geht / ſo iſt die Arbeit juſt / will er aber an theils Orten nicht hinein / ſo gibt es einen ungeackerten Fleck / ſo dem Feld ein groſſer Schade iſt / welche die Lateiniſchen rei ruſticæ ſcriptores ſcamna nennen.
An theils Orten / wo man groſſe Hof-Breiten durch die Unterthanen ackern laͤſſet; werden jeglichem Unter - thanen gewiſſe Aecker und Bifaͤnge ausgeſteckt / damit wann hernach ein Mangel / man den Nachlaͤſſigen wiſſen / und / der Gebuͤhr nach / vornehmen kan / weil viel / aus lauter Bosheit / eilen / wie ſie koͤnnen / und wenig ach - ten / ſie arbeiten gut oder ſchlimm / es ſey des Herrn Schad oder Nutzen / derhalben auf dieſe Nachlaͤſſigkeit wol auf - und nachzuſehen.
Geſchicht das Ackern nach der Dung / im alten Monden / ſo faulets gerne; theils dungen erſt in die Ruhr / wann man zum andernmal ackert / muß aber allzeit / ſo offt man ackert / wol eingeeget / vergleicht / und die Schrollen zerbrochen werden. Wann die erſte Brach wol und gut geſchicht / iſts ſo viel / als halbe Dung; ſind duͤrre Jahr / muß die Brach deſto zeitlicher / bey naſſen aber deſto ſpaͤter geſchehen; dieſe Brach im letzten Viertel verrichtet / ſoll das Gras nicht ſo bald wachſen laſſen.
Die andere Brach zur Winter-Saat geſchicht um Jacobi vor oder hernach / nachdem die Aecker wenig oder viel mit Unkraut und Gras bewachſen werden; theils heiſſen es Ruͤhren oder Wenden; und wird / wann die Dungung vor der erſten Brach geſchehen / von vielen Creutzweis und nach der Quer geackert / die Schrollen ſamt dem Unkraut deſto beſſer zu bezaͤumen; wiewolvon vielen die Dung erſt vor der andern Brach / und wol von etlichen im Winter vorhero / oder im Fruͤling / wann vor anderer Arbeit die muͤſſigſte Zeit iſt / vorgenom̃en wird.
Die Dung aber muß nicht allzutieff eingeackert werden / daß ſie ſich nicht verſencke / muß auch / wann der Acker graſicht / mit ſcharffen wol-geſchwerten Egen / die fein tieff eingreiffen / umgeriſſen / und das Unkraut da - mit ausgewurtzelt / auch die Dunge zerriſſen / und gleich voneinander eingetheilet werden.
Herꝛ von Thumshirn ſagt / wann ein Acker naß ge - wendet oder geruͤhret wird / es geſchehe gleich zur Winter - oder Sommer-Saat / ſo ligt der halbe Nagel ſchon ſol - chem Getrayd halb auf dem Halſe / oder es iſt bald verdorben. Daher gutes Wetter ſo wol / als rechte Be - ſchaffenheit des Feldes / zu beobachten / wann man mit dem Pflug in den Acker fahren will.
Die dritte Arbeit mit dem Pflug geſchihet zur Winter-Saat; was kalte / uͤbelgedungte / naſſe / geringe Felder ſind / werden zeitlicher umgeackert / uͤber 14 Tage darauf (wann gutes Wetter) beſaͤet / und mit der E - gen wol und recht uͤberzogen und ausgeebnet; wann man den Saamen gleich hinein wirfft / ſo verfaͤllt er ſich gern / und die Egen zieht die Kloſſen gar zu hart uͤberein - ander / hingegen wann die Erden ein wenig ausgetrock - net / werden die Schrollen dichter zermalmet / und bleibt das Feld beſſer gewartet. Dieſe Brach muß ſo tieff / als es der Grund leidet / geackert werden / ſo kommt die Dung auch tieffer in die Erden / fault und fermentirt ſich deſto beſſer. Jn warmen und fetten Feldern aber / was gegen Mittag und Morgen ligt / kan man etwas ſpaͤter anfangen / doch ſoll man ſolche auch ein acht Tag vorher / ehe man ſie beſaͤet / gebuͤhrlich aufackern / denn es ſetzt ſich bald / und trocknet fein aus / hernach kan mans ſaͤen / einegen / und GOttes des groſſen Hausvatters treuer Obhut befehlen; wofern aber Regenwetter zu foͤrchten / muß man mit dem Saͤen auch nicht lang ver - ziehen / ſondern bald dahin trachten / daß der Saamen der Erden vertrauet / und eingeeget werde.
Die Zeit zur Winter-Saat iſt im September / in der Egidi - oder Frauen - oder Creutz-Wochen / oder wol erſt um Matthœi / oder gar Michaeli / nach dem die Jahrs - Witterung ſich anlaͤſſet / im abnehmenden Monden / im letzten Viertel / wiewol etliche das Widerſpiel halten.
Andere wollen / die beſte Zeit zur Winter-Saat ſey / wann die Blaͤtter anfangen von den Baͤumen her - ab zu fallen / und wann die Erden von Spinnenweben uͤberzogen iſt / welches man bey ſcheinender Sonnen leichtlich wahrnimmt / und das ſoll in allen Orten kal - ten und warmen / die rechte Zeit andeuten / daß man an - bauen ſolle.
Ein fleiſſiger Hausvatter hat jederzeit mehr auf des Feldes Eigenſchafft / als des Monds Wechſel zu ſe - hen; viel weniger ihm uͤber eines oder das ander viel Bedencken zu machen / ſondern ſich nach Gelegenheit ſei - nes Landes / oder ſeiner Nachbarn / die fleiſſige und gute Wirth ſind / und aus Erfahrung und dem Augenſchein nach / ihre Bauwirthſchafft wol beſtellen / in einem und dem andern zu richten wiſſen.
ES hat vor ohngefehr hundert Jahren M. Ca - millo Tarello di Lonato, der Venediſchen Re - publica etliche Anmerckungen und Erinnerungen / die er nennet Ricordi d’ Agricoltura, dedicirt / darinnen er beweiſet / daß man das Einkommen des Feldbaues doppelt koͤnne verbeſſern / ein Drittel von dem gewoͤhn - lichen Saamen erſpahren / auch viel weniger Muͤhe und Arbeit amwenden doͤrffe / und ſoll dieſes gewiß unge - zweiflet und allzeit bewaͤhrt ſeyn erfunden worden / dar - uͤber ihm und ſeinẽ Erben bemeldte Republica An. 1566 auch diß Privilegium ertheilet / daß alle die jenigen / ſo ſich dieſer Erinnerungẽ in ihrem Feldbau gebrauchẽ / ſol - len ſchuldig ſeyn / ihme und ſeinen Erben von jedem Winterfeld 4 Marchetti, und von dem Sommerbau 2 Marchetti zu geben; Und wer ſolches unterlaſſen zu haben uͤberzeugt oder verkundſchafftet ſeyn wuͤrde / der ſoll alle darauf erbauete Fruͤchte verlohren haben; da - von ein Drittel dem Anzeiger / der unverrathen bleiben ſolle; ein Drittel dem Arſenal; und ein Drittel der Obrigkeit oder Herrſchafft / die ſolche Execution leiſten wuͤrde / zufallen ſolle.
Erſtlich will er / weil ſie in Jtalia ihre Felder nur in zwey Theil abzutheilen pflegen / (und nicht / wie bey uns das gantze Baufeld drifach abſondern) daß man aus ſolchen vier Theil machen ſolle / alſo / daß man ein jedes Feld oder Breiten / gleich halbiren / und nur einen Theil davon anbauen / das andere halbe Theil aber in der Brach ligen laſſen; und wie man ſonſt das gantze Feld viermal im Jahr / alſo dieſer halbe Theil achtmal (mit dem / was zur Saat kommt) geackert werden ſol - le; dieſer Geſtalt / wer ſonſt 10 Joch haͤtte beſaͤet / wuͤr - de auf dieſe Weiſe nur 5 ſaͤen und bauen doͤrffen; alſo ſoll man nun den Anfang vom Ackern / im Herbſt / Octo - ber / November / oder noch eher / wenigſt 10 Monat vor der Korn-Saat machen / allzeit wann die Erden trocken iſt / ſolche ſo wol / als vorhin / das gantze Feld bedungen / mit Getrayde / das in ſelbiger Gegend gewachſen iſt / im wachſenden Monden beſaͤen / und ſoll um ein Drittel weniger Saamen nehmen / als er vorhin auf denſelbi - gen Platz bedoͤrfft haͤtte. Es ſey auch leichter / ein halbes Feld achtmal / als ein gantzes viermal jaͤhrlich ackern / denn nach dem erſten / andern und drittenmal / werde die Erden gantz muͤrb / daß die folgende fuͤnf Arbeiten leicht - lich verrichtet ſeyn; biß auf des May Ende kan man das Feld viermal umſtuͤrtzen / und die uͤbrigen vier nach und nach bey trockenem Wetter / durch ſo offt widerholtes Ackern / wird alles Unkraut ausgereutet / welches dem Korn die Nahrung ſonſt entziehet / und wird ein ſolches halbes Feld mehr tragen / als ſonſt ein gantzes / ſo wol an Korn als an Stroh; ſo wird nicht allein die Helffte des Saamens / den man ſonſt auf das gantze Feld gebrau - chen muͤſſen / ſondern auch an der Helffte des bedoͤrff - tigen Saamens noch ein Drittel / oder doch wenigſt ein Viertel erſpahret / welches ſchon ein groſſer Vor - theil iſt.
Zum Uberfluß mag man einen Theil des Brachfel - des mit Kleeſaamen oder Heublumen beſaͤen / und dar - durch ſeinen Mayerhof mit mehr und beſſerm Futterverſehen / und das ſchadet nicht allein dem Feld nicht / ſondern die Wurtzẽ / wann man ſie bald nach dem Maͤhen umſtuͤrtzet / geben auch dem Feld eine gute Dunge. Daher die Breſcianer ihren ſchoͤneſten Flachs auf ſol - chen Aeckern bauen / darauf vorher Kleeſaamen ge - ſtanden.
Auf dieſe Weiſe / wann man drey Breiten bey uns in Oeſterreich nur in vier Felder abtheilet / bleiben die Felder zwey Jahr lang nacheinander in der Brach / dardurch ihre Krafft und Fruchtbarkeit trefflich befoͤr - dert wird / davon man nichts deſto weniger jaͤhrlich ei - nes mit Kleeſaamen bauen und genieſſen kan. Da man aber ſolche doch / nach Tarello Meynung / in ſechs Theil abſondern / und alſo beſſer genieſſen / und weniger Muͤhe brauchen wolte; konnte es noch beſſern Nutzen und Aufnehmen bringen / weil die Felder vier Jahr in der Brach ligen / und alſo durch die Ruhe ſich trefflich er - hohlen und verbeſſern wuͤrden.
Wann man viel Wieſen hat / die trocken ſind / kan man ſie auch in vier gleiche Plaͤtze austheilen / drey Theil zum Gras-tragen behalten / und den vierdten Theil um - ackern / vorher aber die Waſen aufheben und verbren - nen; wie im 4 Capitel dieſes Buchs weitlaͤuffig aus Herrn de Serre, der es aus dieſem Authore genommen / iſt beſchrieben worden; den Theil / den man bauen will / muͤſſte man mit dieſen gebrennten Waſen uͤberſtreuen / und alſo ackern; das erſte Jahr ſoll man Hirſen im Fruͤling; und im Herbſt Korn; und die vier folgenden Jahr Waltzen darauf bauen; nach Verflieſſung der fuͤnff Jahr / kan mans wieder zur Wieſen machen / und ein anders Viertel der Wieſen gleicher Geſtalt zum Anbau bereiten / und alſo nach der Ordnung einen Theil nach dem andern alſo zurichten.
Wann die Wieſen gantz gebraucht worden / wel - ches in 20 Jahren geſchihet / darf man in folgenden Jahren den Waſen nicht mehr aufheben und verbren - nen / ſondern nur die Stoppeln anzuͤnden und ackern / und alſo kan man jaͤhrlich fortfahren / das wird beydes dem Hausvatter / als auch der Wieſen nutzen / weil der Hausvatter mehr Fruͤchte kriegt / und die Wieſen nach und nach erneuret werden. Zudem geben die drey Theil der Wieſen gleich ſo viel Gras / als vorher die gantze Wieſen / wann ſie ſo viel Dung bekommen / als ſonſt alle vier Theil bekommen haͤtten / weil man auf dieſe Weiſe auch mehr Stroh bekommt / daß man dem Vieh beſſer unterſtreuen / und alſo mehr Dung machen kan.
Und weil das Brachfeld auch das Kleefutter zu Huͤlff gibt / kan man alſo mehr Viehe halten / und mit der Dunge (weil die Felder nicht ſo groß) deſto beſſer auslangen und erklecken; auf dieſe Weiſe werden die ſchlechten Aecker gebeſſert / die fruchtbaren aber noch traͤchtiger gemacht werden.
Will man den Kleeſaamen bauen / muß man das Feld im September / oder Anfang des Octobers / wol tieff / gut / und ohne Furchen ackern / hernach im Mertzen wieder umruͤhren / den Kleeſaamen oder Heublumen anbauen / und mit einer eiſernen Egen wol bedecken. Der Acker muß viel geackert / und mit wenigen Saamenange -27Siebendes Buch / Ackerbau. angebauet ſeyn / nihil aliud eſt colere, quàm reſolve - re & fermentare terram, ideoquè maximos quæſtus ager præbet, ſagt Columella lib. 2. cap. 2. und ſchadet nichts / wann gleich kalt Wetter iſt / weil die Erde von der Kaͤlte gleich ſo wol gekocht wird / als von der Hitze; daher auch der weiſeſte Salomo in ſeinen Sprichwoͤr - tern im 20. Cap. alſo ſchreibet: Propter frigus piger arare noluit, mendicabit ergò æſtate, & non dabitur illi. Das iſt: Wegen der Kaͤlte wolte der Faule nicht ackern / darum muß er im Sommer bettlen und dar - ben.
Einen feiſten guten Grund muß man tief ackern / damit die Wurtzen von den nahenden Baͤumen und Weinſtoͤcken zerriſſen werden / die dem Feld ſonſt die Nahrung entziehen; man mag ſolche lieber mit einer Axt umhauen / als mit dem Pflug zerreiſſen. Und ob wol die erſten Jahr / die alſo zugerichteten Felder / weil ſie nicht fett genug / nicht allzutief zu ackern ſind / ſoll es doch im folgenden geſchehen / wann ſich das Feld verbeſſert hat / und diß bald nach der Zwerch / und bald nach der Laͤnge; doch wenn man zum Saamen ackert / ſoll mans gegen Mittag thun.
Eine leichte und magere Erden muß man ſeichter / und zwiſchen dem Auguſto und September / vom Auf - gang biß nach Occident ackern / und nicht ſo viel Fur - chen machen; die trockenen Gruͤnde ſoll man gegen Orient oder Mitternacht bauen.
Jn guten Gruͤnden / je weniger Erden man mit dem Pflugeiſen anfaſſet / je beſſer es iſt / werden die Pferd o - der Ochſen deſto minder muͤde / und fermentirt ſich die gekochte Erde deſto beſſer / daraus die Fruchtbarkeit entſpringet / gibt auch nicht ſo groſſe und harte Schrol - len.
Und das ſihet man augenſcheinlich an den ſteinichten Feldern / daß die groſſen Steine das Wachſen verhin - dern / hingegen aber / wann ſie zu Kalch verbrennt und in die Aecker gebracht werden / die Fruchtbarkeit be - foͤrdern; alſo auch / wann die ſcharffe laimichte Erden klein und ſubtil geackert wird / kommt es dem Saamen wol zu ſtatten; da hingegen die groſſen und harten Schrollen den Saamen nicht annehmen / erſticken und verhindern / weil weder Feuchtigkeit noch Sonne ein - dringen kan / wenigſt muͤſſen ſie mit Hauen und an - dern Jnſtrumenten klein zerſchlagen werden / ſo aber durch offt wiederholtes Ackern alles verhuͤtet wird.
Wann der Acker Huͤgel und Erhoͤhungen hat / muß man ihn zu Anfang des Septembers / und nicht im Sommer / ackern / ſonſt verliert er allen Safft.
Wann man den Saamen / den man anſaͤen will / in Waſſer weichet / darinnen Ofenruß gelegt iſt / ſo wird er von dem Gewuͤrme nit angegriffen; oder wañ er in Wein gelegt wird / oder in alten Harn / darinnen Hundskoth vermengt iſt / und diß einen Tag vorher / ehe er geſaͤet wird; oder in einer Decoction von Hopffen / darinnen Rindergall vermiſcht iſt; oder mit Andorn - und Wer - muthſafft / der etwas laulicht iſt; oder in einem Miſtbrot / ſo wird er eher aufgehen; ſo kan man auch Roßmiſt / der in 6 oder 8 Tagen uͤbereinander erhitzt iſt / nehmen / ſelben ein paar Tag in ein Waſſer legen / hernach aus - drucken / und den Saamen auf 24 Stunden lang darin - nen weichen / ſo wird der gleichſam dardurch gedungte Saame deſto eher aufgehen / und reichlicher zuſetzen.
Wolte der Saher allzufett ſich anlaſſen / mag manim Februario und Martio / wanns gefroren oder ſonſt trocken Wetter iſt / das Vieh darinnen weiden / oder ſol - ches durch die Maͤgde ſahern / abſchneiden / und dem Vieh fuͤrgeben laſſen.
Man mag auch wol / weil alle die fruchtbaren Aecker viel und fettes Getrayd bringen / ſolche im Martio oder Februario mit einer Egen mit eiſernen Zaͤhnen uͤberfahrẽ / ſo werden ſie nicht ſo gail / aber dicker und ſtaͤrcker wach - ſen. Dergleichen gute und gaile Felder ſoll man auch etwas ſpaͤter beſaͤen; ſo bey dieſer Art zu bauen wol in acht zu nehmen / weil das meiſte Getrayd von dem wol-gearbeiteten Grund ſonſten gail und ligerhafftig / durch dieſes Egen aber ſolches verhuͤtet wird / voraus / wann man auch im kalten Februario die Schaf darauf treibet.
Die Felder zur Huͤlſenfrucht muͤſſen im Herbſt vor - her umgeackert und gedunget ſeyn / und ſolches wird doppelt ſo viel tragen / als wann dieſe Arbeit im Fruͤ - ling vorgenommen worden. Die Dungung ſoll im æquinoctio Verno & brumali, je naͤher / je beſſer / vor der Saat geſchehen / flante Favonio, davon er ſonder - bar wol ausgibt und fruchtbar macht.
Jn die Felder ſoll der Miſt alt / und in die Wieſen jung ſeyn / dieſe wollen es im Vollmond / und jene im Neumonden gethan haben. Man muß auf einmal nicht dungen und ausbreiten / als was man denſelben Tag wieder einackern kan / weil es auf dieſe Weiſe am al - lerbeſten ausgibet. Fuͤr die Baͤume und Weinſtoͤcke iſt die beſte Dung alter Menſchenharn / der etliche Monat geſtanden / und hernach / mit ſo viel Waſſer vermiſcht / zu den Wurtzen gegoſſen wird / doch muß es ſeyn / ehe der Fruͤling anlanget. Gleiche Wirckung haben auch die Trebern mit Miſt vermengt / und den Weinſtoͤcken beygeleget. Das Koth / das auf der Gaſſen und Straſ - ſen zuſamm geſchlagen worden / gibt auch eine herrliche Dung / allenthalben / wohin man will / zu gebrauchen.
Und indem auf dieſe Weiſe die Aecker auch zwey Jahr Brach und in der Ruhe ligen / dienet es ſehr viel zu ihrer Fruchtbarkeit; wie in Romagna, Toſcana, Puglia und Sicilia zu ſpuͤhren iſt / da ſie gar keine Dung brauchen / ſondern die erſten ihre Dung alle in die Tiber werffen / und ihre Felder vier oder fuͤnf Jahr Brach ligen laſſen / davon ſie ſich ſo wol erquicken / daß ſie von einem Metzen 60 / 70 / 80 / 90 / 100 / und auch bißweilen mehr Gewinn und Verzinſung haben. Dann durch ſolche Ruhe wird der Erden Schoß uͤberaus wieder erfriſchet und traͤchtig gemacht / daß ſie ihr Kraͤfften erquicket / verneuet / und des Men - ſchens Arbeit reichlich zu belohnen / deſto geſchickter wird.
Das Saͤen iſt am beſten / wann das Æquinoctium vorbey / und die Blaͤtter anfangen von den Baͤumen zu fallen / dann bauet man gute traͤchtige Felder zu fruͤhe / ſo uͤberwaͤchſet ſich das Korn / und wird gar zu geil.
Die Saat ſoll geſchehen im wachſenden Monden / einen feuchten Grund ſoll man im andern Viertel / das iſt / vom 7 biß auf den 14 Tag des Vollmonden / beſaͤen / und Mittagwaͤrts; die trockenen und duͤrren Felder aber gegen Aufgang der Sonnen / allzeit bey trockenem Wetter.
Der Saamen ſoll (wie obgedacht) eingeweicht wer - den / weil die Wuͤrmer / Schnecken und Ameiſſen ſol - chen nicht beſchaͤdigen / und auch ſein Wachsthum dar -❁ D ijdurch28Des Adelichen Land - und Feld-Lebensdurch befoͤrdert wird; ſo iſt auch gut / wo es viel Engern und Regenwuͤrmer gibt / daß man im Auguſto in einen ſolchen Acker Lupinen baut / und / wann ſie wollen anfan - gen zu bluͤhen / ſolche einackert / das bedunget den Grund / und toͤdtet mit ihrer Bitterkeit das in der Erden verbor - gene Ungezifer.
Je beſſer der Grund iſt / je weniger Saamen be - darff er; weil er deſto haͤuffiger und reicher zuſetzet / deſto weniger ſich legt / und ſtaͤrckere Halmen machet; daher allgenugſam iſt / wann man zwey Drittel auf ein der - gleichen zugerichtetes Feld anbauet / als zum Exempel: Wohin man vor 9 Metzen angeſaͤet hat / iſt genug / wann man 6 Metzen brauchet / und ſie deſto duͤnner ſaͤet; alſo koͤnte man in Oeſterreich an einem jeden Muth zum Saamen das dritte Theil / nemlich zehen Metzen / er - ſparen.
Nicht weniger iſt ſehr befoͤrderlich zum Wachſen / wann das Trayd / ſonderlich im Anfang / ehe die Aecker recht angebracht worden / im erſten Fruͤling fleiſſig gejet - ten / die Diſteln und anders Unkraut ausgehauen und vertilget werden / muß nicht bey gar zu naſſem noch zu trockenem Wetter geſchehen / daß man ſolches mit ſamt der Wurtzen / die am meiſten ſchadet / ausziehen kan; der Saher muß aber ſchon etwas erſtarcket / und wol ein - gewurtzelt ſeyn / ſonſt wann er gar zu jung / thut man ſol - chem mit der Bewegung und Aufrieglung nur Schaden zufuͤgen / ſo iſt auch das Jettgras ſamt den Wurtzen ein gutes Futter fuͤr die Schwein.
Wann das Feld das man aus dem vierdten Theil der Wieſen / wie oben vermeldet worden / gemacht hat / ſeine fuͤnf Jahre getragen / wird es den naͤchſtfolgenden Mertzen darauf (imfall es nicht ſchon vorher im Se - ptember des vorigen Jahrs geſchehen) klein und wol / oh - ne Furchen umgeackert / und hernach mit Kleeſaamen oder Heublumen beſaͤet / mit einer Egen von eifernen Zaͤhnen wol eingeegnet / und hernach mit der Waltzen niedergedruckt und fein gleich geebnet; wann man Saa - men haben will / muß er einen Theil zeitig laſſen werden / und beſonders legen / hernach ausklopffen / nachdem er wol abgedorrt / und den Saamen zu fernern Gebrauch aufheben / damit er aber deſto eher abtrockne / mag man den Klee auf Tuͤchern drey oder vier Tage an der Son - nen ligen laſſen / ſo faͤllt der Saame / den man hernach reutern muß / deſto lieber und beſſer aus; auf einem Feld / wann es wol gearbeitet und gedungt iſt / waͤchſt ſo viel Saamen / daß man zwantzig Felder damit anbauen mag.
Das Heu davon / ſoll dem Vieh nicht gefuͤttert ſeyn / biß es vorher einen Monatlang abgelegen / und verduͤn - ſtet / ſonſt wuͤrde es mehr Schaden als Nutzen geben / wo man das Feld waͤſſern kan / waͤchſt es lieber und haͤuf - figer; geſunder und zaͤrter aber iſt dasjenige / was auf trockenen Feldern erbauet wird / wiewol es nicht ſo wol ausgiebt.
Wann die Felder einmal angebracht ſind / kan man im Schneiden oder Maͤhen die Stoppeln etwas laͤnger laſſen / ſolche ſoll man hernach entweder vor abmaͤhen / oder auf der Wurtzen / bey ſchoͤnem Windſtillem Wet - ter anzuͤnden und verbrennen / das giebt dem Feld eine ſonderbare kraͤfftige Erquickung.
Und obwol in dem erſten / andern und dritten Jahr der verſprochene Effect ſich nicht ereignen doͤrffte / indem die zweyjaͤhrige Ruhe ermangelt / auch die Erden durchdas achtmal wiederholte Ackern noch nicht genugſam zur Fruchtbarkeit vorbereitet iſt / welches erſt im vierdten Jahr recht geſchehen kan / ſo wird man doch hernach / wann dieſe Regeln alle fleiſſig in Obacht genommen werden / gewiß ſehen den uͤberaus trefflichen Nutzen / den ein Hausvatter daher ohnfehlbar zu gewarten hat / und werden ſeine Gruͤnde von Jahr zu Jahr beſſer / muͤr - ber und fruchtreicher ſich einſtellen; dann weil er aus die - ſer Bau-Art mehr gutes Heu zu erwarten / kan er auch mehr Vieh halten / ſolchem beſſer warten / nicht allein mehr Milch / Butter / Kaͤſe / ſondern auch mehr Dung davon bekommen / und weil ſein Baufeld noch einmal ſo enge / als es vorher geweſen / kan er mit deſto reicherm Dungen daſſelbige fort und fort nicht allein bey guter Traͤchtigkeit erhalten / ſondern auch immerdar zur Beſ - ſerung und Aufnahm bringen / wird weniger Muͤhe / und mehr Nutzen haben.
Und weil dieſe Erinnerungen ſowol in der Erfah - rung / als auch in der Natur einen zimlichen Grund wei - ſen / hab ich ſolche mit ſo kurtzen Worten / als moͤglich geweſen / extrahiren / und dem fleiſſigen Hausvatter zu ſeinem vernuͤnfftigen Bedencken hiebey ſetzen wol - len.
Vincenzo Tanara zwar vermeynt / dieſe des Ta - rello alſo genannte Ricordi haͤtten mehr ſubtilitet als ſubſtanz, und haͤlt dafuͤr / es laſſe ſich nicht thun / daß ein Feld achtmal vor der Saat gepfluͤget werde / er vergiſſet aber / daß ſolche Felder nicht ein / ſondern mehr Jahr in der Brach ligen; ja ſo gar auch im Winter (wann es Froſtes und der Feuchten halber ſeyn kan / welches viel fuͤr ſchaͤdlich gehalten) koͤnne geackert werden. Doch kan er ſeine Gruͤnde nicht umſtoſſen / ſondern ſetzet nur / daß ſein von der Republica Venetiana ausgewircktes Privilegium ihn habe feindſelig und verhaſſt gemacht / daß man ſeinem guten Rath ſo wenig / als der Trojani - ſchen Caſſandra Glauben zugeſtellt.
Was mich betrifft / halte ich ſeine zwey fundamen - ta, was die fleiſſige Wartung / und die mehr erforderte Ruhe ſo wol der Natur / als der Erfahrung / ſo gemaͤſſe / daß mich bedunckt / es ſey mehr zu folgen als zu ver - achten / und wenigſt mehr lobens als ſcheltens wuͤrdig. Daß aber aus einem halben / ja wol gar einem Drittel Feldes gleich ſo gute Nutzung kan erfolgen / als aus ei - nem groſſen / haben auch die alten Roͤmer gewuſt / und des Paridii Weingarten bey Columella lib. 4. cap. 3. davon ich droben im erſten Theil des Vierdten Buchs im 2 Capitel gedacht habe / bezeuget / dahin auch der guͤnſtige Leſer / Weitlaͤufftigkeit zu verhuͤten / gewieſen wird.
Zum Beſchluß dieſes Capitels / will ich noch beyfuͤ - gen / was der gelehrte P. Franceſco Lana in ſeinem Prodromo fol. 96. &c. ſchreibet / wie und was Geſtalt zu ſaͤen ſeye. Weil die meiſte Urſach iſt / warum viel ge - ſaͤet / und wenig geerndtet wird / daß der Saamen ent - weder nicht aller / wie es ſeyn ſolle / unter die Erden kommt / ſondern obenauf ligen bleibend / nicht einwurtzen kan / oder ein Theil gar zu tieff in die Erden verſchuͤttet / erſticken muß / oder daß offt viel Koͤrnlein zuſammen fal - len / eines das andere nicht gedeyen laͤſſet; daher / auf - daß der Saamen in gleicher Weiten und gleicher Tief - fen komme / alſo giebt er im Abriß beygeſetzte zwey Jn - ſtrument:
Es29Siebendes Buch / Ackerbau.Es werden vier Hoͤltzer G. H. K. I. im rechten Quadrat, ſo breit ein Bifanck oder Ackerbette ſeyn mag / zuſammen gefuͤgt / die Laͤnge iſt G. H. und die Breite G. K. nach der Queer werden andere Hoͤltzer / jedes mit 12 oder 15 eiſernen oder holtzernen Spitzen ſo weit voneinander / als das Korn voneinander kommen ſoll / ein - gefuͤgt / an den aͤuſſerſten Ecken G. H. K. I. ſind vier laͤngere eiſerne uñ ſtaͤrckere Zapffen / mit dieſen wird die - ſes Jnſtrument in das zum Saͤen vor zugerichtete Feld eingedruckt / und die mittern (gleich als wie in einer E - gen) machen die Loͤcher in das Feld in der Tieffen / wie der Saamen ligen ſoll.
Hernach hat man ein anders Jnſtrument wie ein Sieb / das iſt eben in der Groͤſſe / Breiten und Laͤnge / wie das vorige / und hat ſeine Leiſten auf dreyen Seiten A B. B C. und C D. hat auch gleichmaͤſſig an den aͤuſſerſten Ecken vier ſtarcke Spitzen / in gleicher diſtanz wie das vorige / die Loͤchlein dieſes Siebes muͤſſen nur ſo groß ſeyn / daß ein Koͤrnlein / und nicht mehr darein fallen moͤge / muͤſſen auch gantz gleich mit denen Spitzen an der Egen des erſten Jnſtruments eintreffen und uͤber - einſtimmen / unter dieſer geloͤcherten Tafel muß noch ei - ne andere Tafel / die gantz iſt / gelegt ſeyn / die man bey E F. heraus und hinein ſchieben moͤge; wann nun die - ſe zwey Tafeln aufeinander gelegt ſind / muß man in ein jedes Loͤchlein ein Saamkoͤrnlein legen; oder das Korn darauf legen / und weil ein Loͤchlein nur eines Koͤrnleins faͤhig iſt / hernach das uͤbrige herab thun / und nur den Saamen in dem Loͤchlein bleiben laſſen; hernach thut man diß Jnſtrument juſt an das Ort / wo das andere mit den Egenſpitzen gelegen / daß die Eckſpitzen A. B. C. D. in die Loͤcher kommen / die von den Eckſpitzen der Egen G. H. I. K. ſind gemacht worden / ſodann wird das unterlegte gantze Bret geſchwind heraus gezogen bey E. F. ſo wird der Saamen juſt in die Loͤchlein fallen / die von der Egen zu dieſem Ende ſind gemacht worden / da muͤſſen nun die Egenſpitzen / nach des Ackers Eigen - ſchafft / die rechte Maß und Tieffe haben / und alſo kan nach und nach immer ein Menſch das erſte Jnſtrumentin dem Acker fortrucken / dem der andere mit dem an - dern (wie geſagt iſt) folgen kan / und ſo koͤnnen derge - ſtalt zween Menſchen in einem Tag ein groſſes Feld be - ſaͤen / wird kein Koͤrnlein vergeblich fallen / und alles in die rechte Tieffe und Weiten einkommen; Alſo wird nicht allein viel Saamen erſpart werden / ſondern auch das Trayd ohne Gleichheit beſſer gerahten. Ja wann der Saame / wie im 14 Capitel folget / mit Thau zube - reitet iſt / ſo wird ein Koͤrnlein viel Aehren bringen; man kan den Saamen weiter voneinander richten / ſo wird er mit reichem Wucher dieſen kleinen Fleiß erſtatten. Wer mehr wiſſen will / beſehe obgedachten P. Lana fol. 98. & 99.
Jn Engelland werden in der Provinz Cornwallia die unfruchtbaren Felder (wie Mr. Childrey in hiſtoriâ naturali Angliæ ſchreibet) alſo angebracht / ſie maͤhen alles darauf wachſende Gras und Kraͤuter ab / laſſen es aufgehaͤufft an der Sonnen und Lufft doͤrren / brennens hernach zu Aſchen / miſchens mit Meerſand / und ſtreuen es ein wenig vor der Saat in die Aecker / das ſoll den Saamen erwaͤrmen und fruchtbar machen; wann ſie aber ein ſolches Feld zweymal / auf dieſe Weiſe / mit Herbſt - und Fruͤlings-Saat genoſſen haben / laſſen ſie diß Feld wieder ſieben Jahr brach ligen / und bauen wie - der ein neues; Und ſoll der Meerſand / der aus der Tieffe genommen wird / weit beſſer ſeyn / als der am Ufer liget.
Zu mercken iſt auch / was Herꝛ Harſtoͤrffer in ſeinen Deliciis Mathematicis Tom. 3. parte 6. quæſt. 4. meldet / daß Herꝛ Samuel Hartlieb in Engliſcher Sprach ein Buch vom Haushalten geſchrieben / und darinnen gelehret / wie man das Getrayd / welches den Winter uͤber im Felde geſtanden / im Fruͤling verpflan - tzen ſolle / ſo werde man zum allerwenigſten eine doppelte Erndte davon einſammlen und ſehr viel am Saamen er - ſparen; iſt aber muͤhſam und zu wagen / ob der Nutzen die Arbeit bezahle / waͤre alſo mit wenigen zu probiren / ſo ich allein anzeigen / und in des Hausvatters Belieben und Gutduncken ſtellen wollen.
DEr gelehrte Jeſuit P. Franceſco Lana nel Pro - dromo overo Saggio di alcune inventioni nuove, premeſſe all’ arte Maeſtra, gedruckt in Folio zu Breſcia 1670 / am 95 Blat / giebt folgenden Rath / den Saamen anzumachen / daß er ſich reichlich vermehre.
Erſtlich im Mayen / wann die Thau am meiſten pflegen zu fallen / ſoll man ſaubere Tuͤcher oder Leilacher nehmen / ſie in den Wieſen / oder Weitzen-Aeckern mit dem Thau wol benetzen; hernach in ein Geſchirꝛ aus - drucken / und wieder an einen andern Ort wol benetzen / und allzeit wieder auswinden / und das ſo lang / biß man Thau genug hat / den kan man in ſaubere Glaͤſer thun / und wol verwahren.
Wann nun die Saͤezeit ankommet / mag man ſol - chen Thau in einen groſſen Zuber gieſſen / einen Sack Korn hinein ſchuͤtten / und wann er nach etlichen Stun - den etwas aufſchwellet / ihn heraus nehmen / und ſo fort und fort neuen Saamen hinein ſchuͤtten / und ob es wol Arbeit koſtet / bezahlet ſolche doch die reiche Erndte dop - pelt wieder / man kan auch / in Mangel des Thaues / wol Regenwaſſer gebrauchen.
Wann nun der Saame alſo geſaͤet wird / giebt er weit mehr Frucht / als ſonſt ſeine Gewonheit iſt; noch beſſer aber giebt es aus / wann man erſtlich in dem Thau - waſſer ein wenig Saliter zergehen laͤſſet / muß aber nicht zu viel ſeyn / ſonſt wuͤrde es mehr Schaden als Nutzen bringen.
Noch uͤberfluͤſſiger aber wird der Genuß ſeyn / wann man von dem Stroh oder Krauticht des Saamens / den man bauen will / als zum Exempel / Waitzen - oder Rockenſtroh / eine zimliche quantitet zu Aſchen brennt / das Saltz davon extrahirt / und mit dem Thauwaſſer vermiſchet / worein man denſelbigen Saamen legen will / daß ſolches Saltz per vehiculum roris ſich in den Saa - men einquelle / ſoll ein ſtattliches Mittel ſeyn / eine reiche Erndte zu uͤberkommen; Man mag auch eine zimliche quantitet Waitz oder Korn in dem Thauwaſſer verfau - len laſſen / hernach den Safft davon ausdrucken / und das Trayd darinnen einweichen / ehe man es ſaͤen will.
D. Joh. Joachim Becher in Phyſicâ ſubterraneâ fol. 122. ſchreibt / daß ein Engellaͤndiſcher Autor in ſei - nem Tractat von der Fruchtbarkeit des Meerſaltzes er - zehle / daß in Schottland / an dem Meergeſtad / als das Waſſer abgelauffen / ein Bauersmann einen Sack voll Saam-Korn auf ſeinem Pferde gefuͤhret habe / willens es auszuſaͤen / als aber die wiederanlauffende Meer - Flut ihm zu gaͤhe hat wollen auf den Halſe kommen / ſey er gezwungen worden / den Sack Korn abzuwerffen / und Spornſtreichs auszureiſſen; als aber folgenden Tages das Waſſer wieder gewichen / habe er zwar ſei - nen Sack / aber gantz durchſchwellt / benetzt / und ſeiner Meynung nach / verdorben / gefunden; weil er aber arm / und kein ander Saam-Trayd gehabt / habe ers aus Noth ausgeſaͤet. Dieſes aber habe dermaſſen ſich ver -mehret / daß ſich der Bauer mit ſeiner gantzen Nachbar - ſchafft daruͤber verwundert habe.
Glauberus ſagt alſo: Man ſoll das ſchwereſte Ge - trayd / das im Winden am allerweiteſten faͤllt / tan - quam ſemen maſculum, zuſammen ſammlen / in ein Waſſer / das von Roßdung fett und ſtinckend iſt / und in welchem ſo viel Pfund Saltz aufgeloͤſt ſind / ſo viel Joch Feldes man zu beſaͤen hat / auf 24 Stund lang einweichen / wieder trocknen / und bey hellem ſchoͤnen Gewitter anſaͤen; Man darff des Saamens nur die Helffte nehmen / als man ſonſt / das Feld zu beſaͤen / haͤt - te vonnoͤhten gehabt; das Feld darff nur einmal gepfluͤ - get / und weiter nicht gedungt werden / ſo wird es reiche Frucht / und 4 Wochen zeitlicher / als die gewoͤhnliche Erndte iſt / herfuͤrbringen; die Koͤrnlein / ſo in der Mitten des Aehers ſtehen / ſind viel beſſer / als die oberhalb und unten ſtehen.
Eine andere Kunſt / das Getrayd zu vermehren / hab ich von Herꝛn Joh. Ehrnreich Geyman / Freyherꝛn bekom̃en / die ich dem guͤnſtigen Leſer nicht verhalten wollen: Man nimmt eine Art vom Getrayd / was man will / ſchuͤttet es nach Belieben in einen gleich-weiten hoͤltzernen Zuber / merckt in ſelbem mit einem Meſſer / wie weit das einge - ſchuͤttete Trayd gehet / oder wie viel Raum es in dem Geſchirꝛ eingenommen / alsdann thut mans wieder her - aus / ſchuͤttet mit einer Maßkannen ſo viel Waſſer in daſſelbe Geſchirr / biß es an das Gemerck reiche / wohin das Getrayd im Geſchirꝛ gangen iſt / zehlet fleiſſig die hinein geſchuͤtteten Kannen Waſſers / auf deren zwan - zig nimmt man folgende Species, ſind es vierzig Maß / nimmt mans gedoppelt / und alſo fort nach proportion, auf zwanzig Maß allzeit mittelmaͤſſig gelaͤuterten Sal - peter 8 Pfund / Tauben - oder Huͤnerkoth eine Hand voll / gefeilt Ochſen - oder Widderhorn 6 Pfund / Pferd - miſt eine Hand voll / des fetten und glaͤntzigen Ruſſes aus dem Schornſtein 12 Pfund / einen gantzen Fladen von einem Ochſen / dieſe Stuͤcke laͤſſet man eine gantze Stund in einem Keſſel / mit den 20 Maß Waſſers wol ſieden / thuts hernach vom Feuer; wann es kalt worden / ſchuͤttet man das abgemeſſene Getrayd hinein / deckt es wol zu / und wann es 24 Stunden darinnen geweichet / nimmt man das Getrayd heraus / trocknet es / ſo lang / biß es zum Saͤen bequem wird / alsdann ſaͤet mans in ein geackert und zugerichtetes Erdreich.
Der Nutz von dieſem Getrayd iſt erſtlich / daß wann es gleich regnet / der Saame doch nicht verdirbt / auch von Schnecken und Kornwuͤrmern nicht angegriffen wird. 2. Darff man die Felder nicht dungen / noch weniger in der Brach ruhen und ligen laſſen / ſondern man kan ſie jaͤhrlich zum Anbau brauchen. 3. Soll man von dem / was ſonſt gewoͤhnlich auf das Feld gebaut wird / nur die Helffte auf ſolche Weiſe anſaͤen. 4. Soll man von dieſer Helffte allezeit zwey - oder dreymal ſo viel einerndten / als man von dem doppelten Saamen (wenn er auf gemeine Weiſe waͤre gebauet worden) haͤtte er - obern koͤnnen.
DJe folgenden wunderſamen Vermehrungen der Fruͤchte ſind theils durch Herrn Grafen Digby ſelbſt / theils aber durch anderer curioſer Perſo - nen Erfahrungen probirt und bewaͤhret worden. Man ſoll Waſſer nehmen / daſſelbe zu den Feuer ſetzen / biß es ſiede / darein ſoll man Schafskot / nach Belieben / auf die Proportion des Waſſers thun / je mehr / je beſſer / und miteinander kochen laſſen / darnach das Waſſer durchſeihen / und Sal nitrum darein / auch / ſo man will / vom gemeinen Saltz darzu thun; alsdann ſoll man die Koͤrner / von was fuͤr einer Frucht man will / darein wei - chen / und nachgehends im Schatten wieder trocknen. Man kan auch / ſo man will / von Tauben-Miſt zu dieſer Compoſition thun / und einweichen / und die Koͤrner / wie geſagt / wieder trocknen / und ſolches zwey oder drey - mal wiederholen / alsdann kan man mit ſolcher præpa - rirten Frucht einen Acker beſaͤen / daß / wann man ſonſt zehen Metzen ſaͤen muͤſte / man von dieſen uͤber ei - nen Metzen nicht / und aufs duͤnneſte / als man kan / ſaͤen ſolle.
Andere laſſen dieſen Saamen 24 Stund in dieſem Waſſer weichen / und wann das Erdreich / darein man ſaͤen will / etwan feucht waͤre / kan man die Koͤrner et - was trocknen / ehe man ſie einſaͤet; Jſt aber das Erd - reich duͤrr / kan man ſie alſobald gantz feucht einſaͤen / und ſo man ſie eher will zeitig haben / kan man nur Kalch / der von ſich ſelbſten ausgeleſcht iſt / auf den Acker / darauf man den Saamen gebauet hat / hinſtreuen.
Noch ein anders / ſo von einem andern curioſen Liebhaber herkommt: Jm Monat Martio fang Regen - waſſer auf / da es am ſtaͤrckeſten regnet / unter dem freyen Himmel / oder von einem neuen hoͤltzernen Dach / ſo viel du bekommen kanſt / thue ſolches Waſſer in ein groſſes Faß oder Zuber / und ſetze darein einen groſſen Schmeltz - tigel / in welchen du 5 Pfund Salis nitri thun ſollſt / ſol - cher Geſtalt / daß das Waſſer nicht oben uͤber den Tigel lauffen koͤnne / ſondern der Tigel zween Finger hoch dar - uͤber gehe / und muß derſelbe alſo ſtets ſtehen bleiben / in das Regenwaſſer aber wirff 12 Pfund Meerſaltz / ſo gantz hart iſt / und ruͤhr es wol durcheinander. Hernach in dem October / wann der Mond im Zunehmen iſt / laß dieſe nachfolgende Kraͤuter ſamlen / nemlich Floͤhekraut / Boh - nenſtroh und Rohrhalmen / ſo in der See / oder in den Tei - chen wachſen / jedes eine gute Buͤrd / dieſelben brenn in einem Back-Ofen zu Aſchen / an einem Tag / wann der Mond im Zeichen der Zwilling iſt / und wann du ſolchen Aſchen haſt / ſo nim̃ ein gutes Schaͤfflein voll Kalch / dar - unter thue dieſe gebrannte Species zuſammen in einen Zuber von zwey oder drey Eymern / und gieß daruͤber das obgemeldte / mit dem Sale nitro, und Meerſaltz be - reitete Mertzen-Waſſer / etwas mehr / als die Helffte des Zubers voll / ruͤhr es wol durcheinander 6 Tage lang / jeden Tag eine Stunde / als zwiſchen 11 und 12 Uhren; Nach dieſem laß die Materiam ſtehen 14 Tage lang / daß es ſich zu Grunde ſetze / nimm alsdann einen ſubti - len Bohrer / mach ein Loch am Eck in den Boden des Zu - bers / laß das Waſſer daraus durch einen Trichter in ein Glas tropffen / und alsdann wol vermacht / daßkeine Lufft darzu komme / oder das Waſſer nicht eva - poriren moͤge.
Alſo iſt das Waſſer zum beitzen bereitet / darein legt man das Korn 24 Stunden lang / und laͤſſet es dar - nach wieder trocknen. Es wird dardurch die wachſen - de Krafft in allerhand Saamen und Fruͤchten mit hoͤch - ſter Verwunderung vermehret / wann dieſelbe zu rech - ter Zeit / in gewiſſen Stunden darinnen geweichet / darnach in einen wolgeackerten / aber doch nur unge - dungten Acker ausgeſaͤet worden / ſo traͤgt ein Korn das erſte Jahr von 30 biß auf 60 und mehr Haͤlmen und Aehren.
Wird es aber des andern Jahrs wieder / wie vor / alſo eingeweicht / ſo wird ein Korn von 60 biß auf 100 Halmen und Aehren bringen. Der Acker muß auch / nach jeder Lands-Art / wie ſonſt gebraͤuchig / zu rechter Zeit geackert und gearbeitet / darff aber nicht gedunget werden.
Was ſonſten / ſpricht Herr Digby, dieſes Waſſer bey den Garten-Saamen / wie auch jungen Baͤumen / Wein - und Roſenſtoͤcken / und dergleichen andern in der Erde ſitzenden Gewaͤchſen / als Saffran / Zwibel / und Tulipanen ꝛc. fuͤr Frucht ſchaffen und bringen kan / ſtehet bey einem jeden Liebhaber ſolcher Curioſiteten zu erfahren / dem es die Zeit offenbaren wird.
Es behaͤlt auch ſolcher gebauete Saamen / auf 20 oder 30 Jahr ſeine Krafft und Wirckung / und wird demſelben / wann er ausgeſaͤet wird / nicht leichtlich ein Zuſtand von Kaͤlt oder Froſt / wie andern gemeinen Saamen / ſchaden / dardurch ſich vielmal mißwachſen - de Jahr begeben. Welches hier gantz nicht zu befoͤrch - ten / wo nicht GOtt abſonderlich durch allerhand Unge - zifer / oder mit einer Waſſerflut ſtraffen wolte.
Jn Miſcellaneis Curioſorum Anno ſecundo, ob - ſerv. 112. finden ſich folgende Wort: Etliche nehmen das Roßzirck oder Koth / ohne Stroh / thuns in einen Graben / begieſſen es offt mit Waſſer / deckens aber / daß ſie von dem zu viel ſich ereignenden Regenwaſſer nicht allzuſehr uͤberſchwemmet werde; wann es nun etliche Wochen lang gefault iſt / reutern ſie dieſen Miſt durch ein Sieb / laſſens in einem Keſſel einen einigen Sud thun / legen das Korn / ſo ſie ſaͤen wollen / auf drey Tag lang hinein / daß es geſchwelle / nehmens hernach wieder her - aus / und laſſens ein wenig abtrocknen / miſchen geſchnit - ten Stroh darunter / damit ſie es deſto duͤnner ſaͤen moͤ - gen / denn je weiter die Koͤrnlein voneinander fallen / je beſſer ſetzen ſie zu.
D. Joh. Ferdin. Hertodt ſetzt in ſeiner Crocologiâ folgenden liquorem, in welchem / wann die Saamen geweichet und angebauet werden / ſollen ſie vor dem Un - gezifer ſicher ſeyn; der Acker ſoll weiter keine Dung be - doͤrffen / auch alſo jaͤhrlich koͤnnen beſaͤet werden; man ſoll an der Helfft des Saamens genug haben / der Acker ſoll dennoch doppelt ſo viel Frucht geben / als ſonſt; und wann man ein Hoͤltzlein eines kleinen Fingers dick in die - ſen Safft eintauchet / und zu eines Gewaͤchſes Wurtzen beyſtecket / ſoll ſolches kein Ungezifer angreiffen / und nennet ſolchen liquorem multiplicativum, der wird alſozuberei -32Des Adelichen Land - und Feld-Lebenszubereitet: Nimm Bronnenwaſſer 13 Maͤhriſche Maß / darein thue nicht auf den hoͤchſten Grad gereinigten Sal - nitri ℥ iij, abgefeiltes Ochſen - oder Bockshorn gleich ſo viel / Ofen-Ruß aus dem Camin ℥ vj, Ochſenfladen / was auf einmal von ihm kommt / Huͤner - oder Tauben - Koth eine Hand voll / Roßzirck eine Hand voll / und ein Haͤubtlein Knoblauch / diß alles vermenge / und thue es in das obbemeldte Waſſer / laß es miteinander eine Stund ſieden / und wann es kalt worden / ſeihe es durch ein dickes leinenes Tuch / und hebs auf. Wiltu es brau - chen / ſo nimm ein weites Geſchirꝛ / den Saamen thue hinein / und richte ihn fein gleich / darnach mercke das Geſchirꝛ einer Hand breit hoͤher mit einer Kohlen / und biß dahin ſchuͤtte das Waſſer daruͤber / verhuͤlle es mit einem leinenen Tuch 24 Stund / oder wanns legumina ſind 36 Stunde; darnach nimm den geweichten Saa - men heraus / laß ihn im Schatten trocken werden / und ſaͤe ihn an / iſt ſchier auf die Art / wie das obige / ſo ich von Herꝛn Geyman / Freyherꝛn / bekommen.
Mehr eine treffliche Dung / die ſandichten Aecker zu guter Fruchtbarkeit zu bringen: Nimm einen Sack gemeines Saltz / und drey Saͤcke ungeloͤſchten Kalch / thue es zuſammen in einen Zuber / feuchte es an mit Re - gen - oder anderm Waſſer / ruͤhr es wol um / biß es wie ein Brey wird / nimm darnach Zigelſtein / lege ſie in zwey Reyhen / und auf dieſelben lege Scheitter / oder andere Hoͤltzer / daß es unten hohl ſey / auf die Hoͤltzer lege Stroh / und auf das Stroh thue die obgeſagte gemachte Mate - ri mit einer Schaufel / kleck - und kugelweis; auf dieſe Materi lege wieder Holtz und Stroh / wie geſagt / und ſolches Legen continuire / biß deine Materi gantz ver - braucht iſt; darnach ſtecke es unten mit Feuer an / und laß es ſo lang glimmen und brennen / als es will / ſtoß es immittels zuſammen auf einen Hauffen / und gib Acht / daß du das Feuer allzeit beyſammen / und aufeinander behalteſt / wann es verbronnen / ſo laß es von ſich ſelbſt erkalten / und wanns kalt worden / ſo brauche es / nem - lich zu einem Weinſtock ſoll man eine gute Hand voll da - von auf die Wurtzen thun / alſo viel auch auf der Baͤu - me Wurtzen / auf einen Morgen Acker vier Saͤcke voll / und auf einen Morgen Weingarten / worauf man ſonſt 70 Karren gemeinen Miſt bedarff / acht Saͤcke voll von dieſer Dunge / davon wird man einen reichen Nutzen empfangen.
Etliche wann ſie dieſe erſt-erzehlte verbrannte Ma - teri abgekuͤhlet haben / feuchten dieſen Aſchen mit Harn von Pferden und Rindvieh an / die man zu dieſem En - de im Stall / in einem ſteinernen Trog / muß zum Vor - rath einſammlen / laſſen es wieder im Schatten trocknen / und das wiederhohlen ſie 2 oder 3 mal.
Wann du einen Acker oder Weinberg gearbeitet haſt / ſo ſtreue gleichſam / als wolteſtu ſaͤen / dieſe Materi allenthalben darauf / darnach ege oder hacke ſie wol un - ter / ſo wird dein Acker oder Weinberg dardurch eine ſol - che Krafft bekommen / daß er vielfaͤltige Fruͤchte brin - gen / und gar keiner andern Dung weiter bedoͤrffen wird / dieſe Dung kan ſonderlich in ſandichten Orten ſehr dienen.
Jn einem alten geſchriebenen Buͤchlein habe ich fol - gendes Secretum gefunden / den Saamen ſehr frucht - bar zu machen: Nimm den Schaum von der eingeſeiff - ten Waͤſche / heb ihn in einer groſſen Boding auf / zuvor muſt du auch in einem groſſen Schaff oder Geſchirꝛ altenetliche Wochen lang geſtandenen Manns - und Knaben - Urin haben / oben abſchoͤpffen / und wegthun / den Seif - fen-Jeſt aber unter die feces urinæ miſchen / und den Saamen / Korn oder Weitzen / biß er geſchwellet / Tag und Nacht / mehr oder weniger / hinein weichen / doch muß dieſer Saamen gar duͤnn geſaͤet / und darff das Feld nicht gedunget werden.
Wo man Sommer-Weitz und Sommer-Korn hinbauen will / ſoll der Saamen nur vor der Saatzeit im Miſtbrod eingeweicht / und das Feld im October / den Herbſt vorher / Winterbracht werden / von vielen wird fuͤr das beſte gehalten / den Saamen im Fruͤling ſaͤen / einackern und wol einegen.
Doch alle dergleichen Sachen laſſen ſich eher bey kleinem Anbau / oder in Gaͤrten und Weinbergen / als bey groſſen weiten Feldern practiciren. Darum die be - ſten Wirth die alte Weiſe fuͤr die beſte halten / waͤre auch nicht zu wiſſen / wohinaus man mit der Vieh-Dung wolte / wann man ſie nicht in die Gaͤrten / Felder / Wie - ſen und Weinberge fuͤhren ſollte. La curioſità, trava - glia per guſto.
Noch dieſe Stuck will ich den guͤnſtigen Leſer / aus Herꝛn Georg Andreæ Boͤcklers Haus - und Feld-Schul / anzeigen / wie man ſchoͤne vollkommene Frucht auf dem Felde zeugen / und die Aecker ohne Miſt dungen koͤnne: Man ſammlet / ſagt er / in einem alten Faß Regenwaſ - ſer / deckts mit dem ausgehobnen Boden-Deckel wie - der zu; wann das Faß einen Vierling haͤlt / ſo thut man 2 Pfund geſchmeltzten Salpeter darein / der gar rein ge - ſtoſſen ſeyn ſolle / ruͤhrts mit einem Holtz herum / alſo daß ſolcher im Waſſer zergehe / und laͤſſet es ſtehen / biß mans brauchet. Je aͤlter es iſt / je beſſer es wird / wann es 2 Jahr ſtuͤnde / waͤre es beſſer. Zur Zeit der Som - mer - und Winter-Saat laͤſſt man die Saamenfruͤchte ausmeſſen / und beſprengt ſie durch einen Spruͤtzkrug mit dieſem angemachten Regenwaſſer / ruͤhrt es ſtets mit einem Rechen oder hoͤltzernen Schaufel / beſprengt und netzt es wol / doch nicht mehr / als was die Frucht mag annehmen / und das Waſſer davon ablauffe / laͤſſets al - ſo ausgebreitet denſelben Tage ligen / den andern Tag beſprengt mans noch einmal / ruͤhrt und laͤſſet es ligen / biß es ein wenig austrocknet / ſo in einem halben Tage ge - ſchehen kan / ſaͤet es hernach aus / wie gebraͤuchig.
Das Ackerfeld muß man vor alſo bereiten: Man nimmt geſchmeltzten Salpeter / auf ein Juchart-Feld 15 Pfund / den Salpeter zerſchlaͤgt man in Brocken / ſo groß / als Haſelnuͤß / ſaͤet darnach ſelbige auf ein Acker - Feld im Fruͤling oder Herbſt / daß ſolche Brocken weit - laͤufftig voneinander fallen / eget und uͤberfaͤhrts mit ei - nem Pflug / und ſaͤet die obige Frucht darein; auf dieſe Weiſe wird die Frucht viel eher zeitig / wird an Stroh und Frucht groͤſſer / und gibt alſo mehr Garben; es iſt auch (ſagt Herꝛ Boͤckler) dieſe Frucht geſuͤnder / als ſon - ſten / waͤchſt kein Unkraut noch Ungezifer / das ſonſten den Fruͤchten ſchaͤdlich iſt / auf dieſem Feld. Gleicher - weiſe kan man andere Saamen und Gartengewaͤchſe / wie auch Weinberge damit dungen / und ſchoͤne Frucht zeugen / und wann man will / kan man ſolches jaͤhrlich thun / und darff das Feld nicht Brach ligen laſſen.
Alſo auch (ſagt er ferner) ſchoͤne Gras-Wieſen zu zeugen: Nimmt man des obigen geſtoſſenen Salpeters kleine Stuͤcklein einer Erbſen groß / zu einem Juchartnimmt33Siebendes Buch / Ackerbau. nimmt man 10 Pfund des Salpeters / vermengt ſolches unter ein andere Erden / ſo nicht ſteinicht iſt / und ſaͤet ſie mit der Hand / wie man ſonſten pflegt die Fruͤchte aus - zuſaͤen hin und her / und gleich darauf Heublumen oderKleeſaamen / und laͤſſets alſo ſtehen / es bedarff weiter keines Dungens noch Waͤſſerung / ſo bekommt man das ſchoͤneſte Kleegras / und vertreibt alles Mos und ſaures Gras vom Grund hinweg.
WEr wol ernden will / muß auch guten Saamen anbauen / denn ohne dieſen / iſt das andere nicht zu hoffen / daher ein Hausvatter vornemlich ſei - ner Felder Beſchaffenheit und Eigenſchafft erlernen ſol - le / welcher Saamen wol mittelmaͤſſig / oder gar nicht ge - rathe / damit er ſich darnach richten / und ſeine Muͤhe nicht vergeblich anlegen moͤge / ob es lieber Waitz oder Korn / Haber oder Gerſten / Erbſen oder Wicken trage; ob man ihm viel oder wenig Saamen geben / fruͤh oder ſpat / nachdem er gegen Mittag oder Mitternacht gelegen / an - ſaͤen muͤſſe; item daß er Fleiß ankehre / den Saamen allzeit in drey oder vier Jahren ſonderlich in feuchten Gruͤnden zu verwechſeln / und einen andern / doch reinen guten / und von einem ſchlechtern / doch eine oder zwo Tag - reiſe davon entlegenen Ort hergebrachten Saamen zu beſprengen; dann was aus einem guten Feld in ein ſchlechters kommt / gedeyet nicht ſo wol / als was aus ei - nen ſchlechten in ein beſſers Land; aus einen kal - ten Ort gegen Mitternacht gewachſen in ein Sommeri - ſchen; aus einen uͤbelgedungten Acker in einen traͤchti - gen / geſaͤet wird.
In Miſcell. Curioſ. anno 2. obſerv. wird aus des Herrn von Monconnys Reiſen gedacht / daß man in Engelland das Trayd nie wieder dahin ſaͤet / wo es ge - wachſen iſt / ſondern daß man nothwendig ein auf an - dern Gruͤnden gewachſenes Korn zum Saamen ge - brauche.
Jtem kan man die Aecker / die zwey oder drey Jahr Waitz getragen / wieder mit Korn / die Kornaͤcker aber mit Waitzen / und alſo auch die Haberaͤcker mit Erbſen oder Gerſten / und dieſe mit jenen Wechſelweiſe beſaͤen.
Alſo auch im Auswaͤrts / kan man die Waltzaͤcker mit Gerſten oder Linstrayd / die Kornfelder aber mit Habern bauen / doch zu Zeiten umwechſeln / und dieſes haben die Aecker / ſo von Sand und Laimen wol gemiſcht und temperiret ſind / am liebſten; der erwehlte Saame ſoll recht zeitig ſeyn / ſchwer / wolgefaͤrbt (nicht klein / runtzlicht oder verſocht) die ordinari Saat / ſoll man allzeit von den Fruͤchten erwehlen / die auf ſchlechten Aeckern geſtanden / und ſie zum Saamen behalten / die ſoll man aber wol zeitigen / und / ſobald man ſie einge - fuͤhrt / auf der Tennen gleich paſſen laſſen.
Man brauchet / was von ihm ſelbſt gern ausfaͤllt / welches meiſtentheils die ſchoͤnſten und zeitigſten Koͤrner ſind. Das in Aehren bleibt / kan man hernach zur Speiſe ausdreſchen laſſen.
Man kan vor der Ernde / wann Waitz und Korn recht zeitig iſt / im Feld hin und wieder zuſammen ſuchen laſſen die Stoͤcke / ſo viel Aehren auf einer Wurtzeln haben / weil ſie vermutlich / nach Aug. Galli Rath / beſſer als anders gerathen.
Zu dem Ende man das Saam-Trayd beſonders aufſchoͤbern ſolle; vor allen ſoll man ſehen / daß es ſchoͤn❁ Ean34Des Adelichen Land - und Feld-Lebensan Koͤrnern ſey / weil viel der Meynung ſind / daß aus den gruͤnen / unzeitigen / leichten und runtzlichten Korn / Unkraut wachſe / ſonderlich wann es an feuchte Ort ge - bauet iſt / oder wann der Winter uͤbermaͤſſig naß iſt; und ſagt Herr de Serre, er habe ſelbſt in einem Korn - Aehr etliche Koͤrner Durt gefunden. Und Fioravanti ne’ Secreti rationali lib. 5. cap. 1. ſchreibt / wann ein naſſer Fruͤling iſt / ſo verwandle ſich das Korn in Durt / und wann ein trockener Fruͤling iſt / ſo werde der Durt in Korn verwandlet. Der Saame muß ſauber aus - geputzt / duͤnne / an ein kuͤhles luͤfftiges Ort aufgeſchuͤttet / und anfangs in eine groſſe Boding voll Waſſer ge - ſchuͤttet werden; was am Boden faͤllt / iſt nutzlich / was aber oben auf ſchwimmt / mag man nur / als unnuͤtz / ab - ſchoͤpffen mit einem Schoͤpff-Loͤffel / und dem Gefluͤgel vorwerffen / oder mit dem andern Korn miſchen und mahlen laſſen.
Was an Boden geſuncken / kan man ein wenig trocknen / nur daß es nicht an den Haͤnden bekleibe / und kans alſo feucht ſaͤen / ſo wird es deſto eher aufkeimen / und von dem Gewuͤrm und Ungezifer nicht ſo leicht an - gegriffen werden / als wann es lang in der Erden ligt / eh es aus Mangel der Feuchten aufgehet / und das iſt eine geringe Muͤhe.
Jſt des Saamens ſo viel / kan man wol zwey oder mehr Bodingen darzu nehmen / die unten einen Zapffen haben; wann nun das undienliche abgeſchoͤpfft worden / kan man das Waſſer ablaſſen / das Trayd heraus auf Tuͤcher ſchuͤtten und ausduͤnſten laſſen / hernach auf das Feld bringen. Der Saame ſoll einjaͤhrig ſeyn.
Man kan ihn auch 24 Stunden in ein Miſtwaſſer einweichen / es ſey was es wolle fuͤr Frucht; Man nimmt eine groſſe Boding / fuͤllts zwey Drittel mit dem beſten klein gefaulten Miſt / und den Uberreſt mit flieſſendem Waſſer / laͤſſts alſo zween Tage ſtehen / darnach nehmt den Miſt heraus / der ſeine beſte Krafft und Fettigkeit darinnen gelaſſen / ſolche den eingeweichten Saamen mit zutheilen; der herausgenommene Saamen aber muß an einem ſchattichten Ort getrocknet / uñ ſo bald er ein we - nig trocken iſt (ehe als er gar eindorret / und die einge - ſogene Tugend wieder ausduͤnſtet) geſaͤet werden; die - ſe Krafft aber erſtreckt ſich laͤnger nicht / als auf ein Jahr / ſo muß dieſes wieder gethan werden / multiplicirt oder verintereſſirt offt 18 oder 20 fuͤr eines / welches ein groſſer / doch unſuͤndlicher / Wucher iſt.
Die fruͤhe oder ſpate Beſaͤung / muß nach der Jahrs-Witterung eingerichtet ſeyn / die Lieflaͤndiſchen Bauren / wie Sal. Gubertus in ſeiner Lieflaͤndiſchen Oeconomie ſchreibt / beſehen im Vor-Jahr die Roß - keffer / die ſie Szudebomble nennen. Wann ſie viel Eyer im Vordertheil unter dem Bauch haben / ſo hal - ten ſie es mit der Fruͤhſaat / wo aber die meiſten Eyer in der Mitten / das deutet auf die Mittelſaat / und wann ſie im Hindertheil ſeynd / auf die ſpate Saat. Solches / ſagt er weiter / fehlet auch wol / aber ſelten. Darum mit demlieben Gebet die Saat auszuwerffen / und GOtt dem HErrn zu befehlen / daß er ſie ſegnen wolle.
Die kalten und geringen feuchten Felder muͤſſen mehr / reichlicher und fruͤher beſaͤet ſeyn / weil ſie viel aus - zuſtehen / die fetten / ſtarcken / warmen und wolgedung - ten aber duͤnner und ſpaͤter / damit der Saher zuſetzen / und ſich nicht uͤberwachſen moͤge. Keiner Saat iſt nuͤtzlich / wann gleich ſtarcke Platzregen darauf fallen /ehe ſie herfuͤr keimt / denn der Regen ſchlaͤgt und waͤſcht die Saat aus / daß ſie bloß auf dem Acker ligt / und nicht einwurtzeln kan / ſondern vom Gefluͤgel gefreſſen wird / wird auch der Boden davon zaͤh und feſt. Darum am beſten / wanns gleich nach der Saat geſchihet / daß man das Feld alſobald mit einer Egen bey Sonnenſchein uͤberziehe / dann die Sonne / die auf den Platzregen zu ſcheinen pflegt / macht / daß der Acker gleichſam eine zaͤhe Haut uͤberkommet / die man mit der Egen wieder oͤffnen und luͤfft[en]kan / muß aber ſeyn / ehe der Saamen zu keimen anfange.
Man ſoll in acht nehmen / wann in - oder bald nach der Saat-Zeit Finſterniſſen an Sonn oder Monden im Calender ſtehen / welche meiſtentheils groſſe Veraͤn - derungen des Gewitters nach ſich ziehen / da ſoll man ſich dann befoͤrdern / den Saamen noch vorher in das Felde zu bringen. Wann es das aufgeackerte Bau - Feld ſtarck beregnet hat / daß es oben eine Haut be - kommt / ſoll man ſolches / ehe man es beſaͤet / ein wenig nach der Quer aufegen laſſen / ſonſt faͤllt der Saame zuſammen / und ſpringt in die Furchen / geht auch un - gleich auf.
Die Winter-Saat muß nicht zu duͤnne / die Som - mer-Saat aber nicht zu dick geſaͤet / und alſo die Hand nicht voll mit Saamen genommen werden; Jm Saͤen muß die auswerffende Hand mit dem fortſchreitenden Fuß gleiche Zeit halten / und nicht einmal viel / das an - dermal wenig nehmen / ſondern fein gleich aus - ſtreuen.
An theils Orten wird 14 Tag vor Michaelis / und 14 Tag hernach / fuͤr die beſte Saam-Zeit gehalten / doch iſt allzeit rahtſamer fruͤher als ſpaͤter / weil jenes ſelten mißrathet / diß aber ſelten gerathet.
Wo ſandichte Aecker ſind / wird von theils das Korn erſtlich geſaͤet / hernach erſt eingeackert und geegt; unter den Saamen ſind etliche warm und trocken / nach Herrn Coleri Meynung / als Rocken / Haber / Wicken / Hanff / Rettich / Saffran / Hopffen / Wachholderbeer / Knoblochſaamen / Meerrettich / Kapusſaamen / Linſen und weiſſer Senff.
Etliche ſind warm und feucht / als Waitzen / Duͤn - ckel / Ruͤbſaamen / Heidekorn / gelbe Moͤhren / Steck - ruben und Zwibel. Etliche ſind kalt und trocken / als Gerſten / Hirs / Erbſen / ſchwartzer Mahn. Etliche ſind kalt und feucht / als weiſſer Mahn / Bohnen.
Daher ein Ackermann / der ſeinen Feldern wol und gebuͤhrlich warten will / auf viererley zu ſehen hat / Erſt - lich auf die Art und Eigenſchafft ſeiner Felder / und wie er moͤge dieſelbigen gebuͤhrlich mit Ackern und Bauen pflegen und warten. Zum andern / auf die Eigenſchafft und Natur des Saamens / daß er ihm ein taugliches Feld / und einem jeden Acker ſeinen tauglichen Saamen gebe. Drittens / auf die Jahrszeiten / welche theils kuͤhl und feucht / warm und feucht / warm und trocken / warm und kuͤhl / temperirt / oder unſtet ſind. Vierdtens / auf das monatliche und taͤgliche Gewitter / welches der Mond fuͤrnemlich mit ſeinem Lauff durch die zwoͤlff himmliſche Zeichen regieret / und als der naͤchſte dem Erdboden groſſe Wirckungen einfloͤſſet. Doch ſoll ein weiſer Hausvatter ſich nicht zu viel darauf verlaſ - ſen.
Wer fremdes Getraydig / ſey von was Art es wol - le / zum Saamen kauffen muß / ſoll nichts ausſaͤen / erhabe35Siebendes Buch / Ackerbau. habe denn vorher etliche Koͤrnlein / ob ſie wol auskei - men / probiren; bleibt nichts aus / iſt es deſto tauglicher / bleibt viel aus / oder geht gar nicht auf / kan mans in dieMuͤhle geben. Zu Befoͤrderung ſeiner Vorſorg / kan er das Korn etwas weichen laſſen / ſo kommt er deſto ſchnel - ler zur verlangten Wiſſenſchafft.
DEs Waitzens ſind vielerley Sorten / weiß / roͤth - lich / barticht und glatt; der roͤthliche mit dem Bart an der Aehren wird von den Alten Far adoreum genennet / weil ſie davon ihren Goͤttern Ku - chen geopffert haben / wird auch nicht ſo leichtlich als der Kolbete / von dem Wildpret angegriffen / nimmt mit ei - nem ſchlechtern Erdreich vorlieb / und kan Kaͤlte und Ungewitter beſſer ausdauren; Man hat auch an etli - chen Orten den Reichwaitzen / da ein Aehren von vielen kleinen Aehrlein gleichſam umgeben iſt / weil er aber zart vom Stengel und leichtlich abbricht / wird er mehr in die Gaͤrten / als in das Feld gebauet / weil ihm die Spatzen ſonderlich gefaͤhrlich ſind / und ſo bald ſich (wie ſie pflegen) eine anhenckt; bricht das Aehr ab / und faͤllt unnutz zur Erden / welches der andere Waltzen / der einen ſtaͤrckern Stengel hat / nicht ſo leichtlich thut.
Bruyerinus ſchreibt / des Galeni Vatter / ein guter Hauswirth / habe ſo wol den Waitzen / als andere Fruͤch - te / in Waſſer geweicht / was wol ſich aufgeſchwellt / habe er fuͤr gut / und was wenig / fuͤr gering gehalten. Von dem Koͤrnlein des Getrayds haben die Alten ihre Ab - meſſungen genom̃en / 4 Gran machen einen Finger breit / zween Finger machen anderthalb Untzen / vier Untzen machen einer Hand breit / oder Palma / aus vier Palmen wird ein Schuhe / aus fuͤnf Palmen wird ein Paſſus Geometricus, deren tauſend eine Welſche Meil ma - chen / alſo auch das Gewicht / 24 Gran machen einen Scrupel / drey Scrupel ein Quintlein / acht Drachmæ machen ein Untzen / 12 Untzen machen ein Pfund.
Die Hauer glauben / wie der Waitz fruͤh oder ſpat reiff wird / alſo reiffen auch die Trauben; und meynen / wann der Waitz Schaden leide / ſo ſey es auch am Wein zu beſorgen. Man glaubt / der Waitzen werde nicht leicht brandicht / wann er in der Creutzwochen im letzten Viertel des Monds geſaͤet wird.
Fuͤr den Brand aber im Waitzen iſt diß folgende das beſte Mittel: Nimm eine Aechtring oder Maß Aſchen / ſo zwiſchen zweyen Frauen Tagen / das iſt / zwi - ſchen den 15 Auguſti und 8 December gebrennt worden / ein Aechtring oder ein wenig mehr warme Kuͤh-Milch / und bey drey halbe Maß ungeloͤſchten Kalch allzeit unter vier Metzen Waitz gethan / den Waitz auf den Tenn oder in einem Zimmer duͤnn umgeſchlagen / wann man mit etlich Schauffeln Waitz den Boden bedeckt hat / ſpruͤtzt man aus der Milch mit einem Strohwedel von Aehren auf den Waitzen / ſaͤet darnach Aſchen und Kalch darauf / darnach wieder Waitz darauf geſchlagen / und dergleichen gethan / ſolches einen oder zwey Tag al - ſo ligen laſſen; diß ſoll ein Mann anmachen und ſaͤen. Jm Vollmonden ſoll man ihn Nachmittag / im Neu - mond aber Vormittag ſaͤen.
Wo man auf einen Acker fuͤnf Metzen Korn be - darff / daſelbſt hat man genug an vier Metzen Waitzen. Etliche waſchen / den Brand zu verhuͤten / den Waitzen einen Tag vorher / ehe ſie ihn ſaͤen / aufs reineſte mit flieſ -ſendem Waſſer; Etliche ſieben Aſchen unter dem Saam-Waitzen ein paar Tag zuvor / werffen hernach Aſchen und Waitzen miteinander in den Acker; Etliche waſchen die Saͤcke / in welche der Saam-Waitz ge - faſt wird / ſauber aus / und glauben / daß der in Melbich - te Saͤcke geſchuͤttete Waitz gern brandicht werde. Waitzen ſoll man anbauen um Michaeli / ſo bald es die Erden zulaͤſſet / zur Zeit / wann Tag und Nacht gleich ſind; theils thun es vor oder nach der Frauen Wochen im alten Monden; man ſolle nicht allein den Waitzen / ſondern der gantzen Winter-Saat reichlichern Saa - men geben / ſonderlich wann die Aecker ſchlecht ſind / denn uͤber Winter wirds nicht mehr / weil es viel Unge - witter leiden und ausſtehen muß / ſondern nur weniger; doch muß man auch in dieſen gewiſſe gebuͤhrende Maſſe halten / damit die Ubermaß nicht dem Acker die Krafft entziehe / der Waitz gail / ligerhafft und unkoͤrnig wer - de / die Sparſamkeit aber nicht mehr Unkraut als Waitzen wachſen mache; Der Waitz liebt ebene / tro - ckene und gegen der Sonnen leinende Aecker / feuchte / ſchatticht - und huͤgelichte fliehet er. Wann er ſich zu viel uͤberwaͤchſet / muß er im Fruͤhling geſahert werden / doch mit ſolcher Beſcheidenheit / nicht bey trockenem Wetter / und daß es bey Zeiten / ehe dann er einkielet / geſchehe.
Columella glaubt / wann er zum vierdtenmal auf einen Acker geſaͤet ſey / daß er zu Rocken werde / welches zwar zu unſerer Zeit viel glauben; daher dieſer Saa - men deſto oͤffter zu veraͤndern.
Waitzenſtroh ſoll den Pferden nicht ſo wol dienen als den Kuͤhen; es iſt beſſer / der Waitz werde ein paar Tag zu fruͤh / als drey Tag zu langſam abgeſchnitten; wann er in der Gilbe / und ſo man die kleinen rothen Wuͤrmlein drinn merckt / abgemaͤhet oder geſchnitten wird / bleibt er viel ſcheiniger / und gibt weiſſer Mehl.
Der Duͤnckel gibt ein ſchoͤnes / weiſſes / geſundes und kraͤfftiges Mehl / Geſunden und Krancken dienlich / iſt zweyerley Geſchlecht / das eine ſihet dem Waitzen / das andere der Gerſten aͤhnlich / muͤſſen beede auf der Muͤhl zum Gebrauch gerollt und geſtampfft werden / ſonſt kan man die Huͤlſen nicht wegbringen; die Felder / darauf er im Herbſt geſaͤet wird / muͤſſen wie zum Korn und Waitzen ein Jahr lang in der Brach gelegen / und vor - hin Habern darauf geſtanden ſeyn / wird im Fruͤling gebrachet / um Pfingſten wiederbrachet / und vor der Saat-Zeit geriſſen / und allerdings mit Dung und A - ckern verſehen / wie ein Waitz-Acker; der Saame muß nicht alt / ſondern von dem naͤchſten Jahr ſeyn; theils ſaͤen den Duͤnckel auf das geriſſene Feld / ackern und egen ihn erſt hernach ein; von S. Egidi / biß S. Michae - lis iſt die rechte Bauzeit. Wer mehr davon wiſſen will / der leſe Tabernæmontanum und andere Botanicos.
Tanara ſchreibt / in Jtalia werde der Duͤnckel auf duͤrre ſpere Aecker angebauet / nicht darum / daß er nicht lieber guten Grund haͤtte / ſondern darum / daß man die❁ E ijguten36Des Adelichen Land - und Feld-Lebensguten Gruͤnde fuͤr den Waitzen behaltet / und den Duͤn - ckel nur dahin bauet / wo kein Waitz nicht wachſen wuͤr - de / welche der Duͤnckel doch nicht verſchmaͤhet; Ja wann man 8 oder 10 Jahr lang allzeit Duͤnckel auf ei - nen Acker ſaͤen / und nur jaͤhrlich die Stoppeln und Haͤlm auf ſelbigen ſchlechten Acker verbrennen wuͤrde / ſolle der Acker davon fruchtbar und gut werden / daß man auch Waitzen darauf bauen koͤnnte.
Theophraſtus will / daß er ſich (wann er vorher ein wenig ſittſam geſtampfft / und von den groben Huͤl -ſen erledigt / und alſo geſaͤet wird) im dritten Jahr ſelbſt in einem Waitzen verkehre. Er iſt mittelmaͤſſiger Na - tur zwiſchen dem Waitzen und der Gerſten / nehret mehr als dieſe / und weniger als jener. Damit der Waitz und anders Saam-Getrayd nicht brandicht oder Mehl - tauicht werde / ſagt D. Phil. Jacob. Sachs von Lewen - heim in Miſcell. Curioſor. Anno 2. obſerv. 112 daß man in der Provintz Cheſter in Engelland den Wai - tzen / ehe er geſaͤet wird / vorher 24 Stund in geſaltzenen Waſſer oder Sur / mit Bolus einweiche / und gleich dar - auf ſaͤe.
DAs Korn wird meiſtentheils vor / in / oder nach der Creutzwochen / und im letzten Viertel (wie alle Winter-Saat) geſaͤet. Der Saame ſoll / wie der Waitz / zeitlich ausgepaſſt / duͤnn aufgeſchuͤttet / und in allen andern / wie vom Waitzen gedacht / gehalten werden; wanns gar zu frech aufgehet / kan man in der Faſten / wanns gefroren / oder ſonſt trocken Wetter iſt / wol die Schaaf auf das Korn gehen laſſen / doch nur im Gang uͤberhin huͤten / und nicht zu tieff hinein freſſen laſ - ſen / iſt ſolchem frechen Getrayd mehr nuͤtzlich als ſchaͤd - lich / und dem Schaaf-Vieh im Fruͤling gut und ge - ſund.
Das Korn hat lieber eine Erden / das mehr Sand als Laim / mehr Trockene als Naͤſſen hat / und lieber ei - ne kalte als warme Lufft; hingegen der Waitzen hat lie - ber mehr Laim als Sand / mehr Feucht als Trocken / und lieber warme als kalte Lufft.
Ehe der Korn-Saame aufgehet / und noch in der Milch iſt / thut ihm der Froſt / und hernach / wans in der Bluͤhe iſt / thut ihm Regen und Winde den groͤſten Scha - den / ſonderlich wanns Platzregen und Sturmwinde gibt. Das erſte kan man verhuͤten / wann das Korn nicht zu ſpat gebauet wird / ehe die Nachtfroͤſte kommen / daß es ſchon im Saher ſtehe; das andere aber muß man GOttes gnaͤdiger Vorſorge heimgeben; je kleinkoͤrniger ein Korn iſt / wann es nur vollkommen iſt / je beſſer und tauglicher iſts zum Saamen.
Wann das Korn erſt aus dem Felde in den Stadel gefuͤhret worden / ſoll man denſelben etliche Tage (ſon - derlich bey Nachts) offen laſſen / daß es fein abkuͤhle / und ſich nicht uͤbereinander erhitze; Man mag zu Nachts eine Wacht dabey beſtellen / es muß aber auf dem Feld wol abdorren / ſonſten wirds zaͤhe / und iſt boͤß zu dre - ſchen.
Der Tag / daran man ſowol Korn als Waitzen ſaͤet / ſoll ſchoͤn und haiter ſeyn / theils meynen / am beſten ſey es im abnehmenden Monden / wann der Mondſchein im Stier / Krebſen / Jungfrau / Wag / Steinbock oder Fiſchen iſt; theils bauen es in der Quatember-Wochen um den Vollmonden / einen Tag oder zween zuvor. A -ber an einem ſchoͤnen ſtillen Wetter iſt am meiſten ge - legen.
Jn Unter-Oeſterreich / im Viertel Unter-Main - hartsberg und Unter-Wienerwald / wird an vielen Or - ten Korn und Waitz untereinander gebauet / das heiſſen ſie Halb-Trayd / ſchlaͤgt bißweilen der Waitz / bißwei - len das Korn fuͤr; giebt ein ſchoͤn wolgeſchmack es und weiſſes Brod / das auch wol auf des Herꝛn Tafel kan aufgetragen werden. Hat wegen des Anbaues und an - derer Umſtaͤnde gleiche Wartung mit dem andern Win - ter-Getrayd.
D. Elßholtz erzehlet in ſeiner Horticulturâ lib. 6. cap. 5. daß vom Korn noch eine beſondere Art ſey / die man wegen vieler Haͤlmen / die aus einem Korn wach - ſen / Stauden-Rocken nennet / ſeine Aehren ſind acht Zoll lang / und ſtecken voller Koͤrner / es erfordert einen ſtarcken tragbaren Acker / und eine ſehr duͤnne Ausſaat / wann es reiffet / muß es geſchwinde eingebracht werden / ſonſt faͤllts in drey Taͤgen gantz aus. Man ſaͤet ihn e - benmaͤſſig vor Winters wie den gemeinen Winter-Ro - cken / wann er ſonſten im Fruͤling zugleich mit der Ger - ſten auf ein Stuck geſaͤet wird / ſo wird die Gerſten im Sommer reiff / und kan eingeerndtet werden. Der Stauden-Rocken aber bleibt noch den Winter durch / wird aber im folgenden Sommer gar zeitig reiff; und kan man alſo den Acker zwiefach nutzen. Jn Norwegen iſt er gantz gemein / von dannen er in Pommern gebracht / auch in der Marck bekannt worden.
Wann das Korn in naßlaͤndige Gruͤnde geſaͤet wird / waͤchſt das Unkraut / Dort und Raden haͤuffig; der Waitz kans etwas beſſer ertragen / ſo doch keines Theils rahtſam iſt. Das Korn nimmt ſonſt mit mittel - maͤſſiger Wartung und Grund vorlieb; giebt ein gut kraͤfftiges geſundes Brod / fuͤr arbeitſame Leute.
Wer von einem Trayd Brod gegeſſen / darunter viel Ratten und Dort geweſen / ſoll ein wenig gerieben und in ſcharffem Eſſig eingeweichtes Brod darauf eſſen / oder ein Quintlein Theriac darauf einnehmen / wie Tanara meldet / ſo wirds ihm nicht ſchaden.
DEr Wintergerſten wird weniger als der Som - mergerſten gebauet / weil ſie zum Bierbraͤuen nicht ſo wol tauglich / nur meiſtes in die Kuchen dienet / wird ſchier mit dem Waitzen gebauet / und zim - lich dick geſaͤet / weil im Winter viel ausſtehet und ver - dirbt / muß in einen guten wol zugerichteten Acker / dem Waitzen gleich / geſaͤet ſeyn / ſo bald die Gerſten / ſo wol als Waitz und Korn gebauet iſt / muß man alſobald mit einem Pflug und einem Pferd / das nur in den Furchen gehet / die Bette ſeicht ausſtreichen / und / wo es vonnoͤh - ten / Waſſerfurchen machen / damit das Schnee - und Regenwaſſer im Acker nicht ſtille ſtehen / und die Saat austrencken / ſondern wol ablauffen moͤge. Die Gerſten zeitiget eher / als das andere Korn / ſie trocknet aber die Erden mercklich aus / welches man an dem / was man hernach in denſelben Acker ſaͤet / leichtlich ſpuͤhren wird / daß es ſelten recht gewaͤchſig kommet.
Mit ihrer groſſen Austroͤckerung / dardurch ſie eine widerwaͤrtige Lufft von ſich duͤnſtet / iſt ſie den Baͤumen / ſonderlich den jungen Peltzern und Gewaͤchſen / beſchwer - lich / wie der Herr de Serres glaubet / drum haben die Alten vermeynt / man ſoll die Gerſten entweder in ein ſo fett Erdreich / daß ſie ihr nicht ſo viel entziehen koͤnne / oder in ein ſo magers Erdreich bauen / daß ſie nicht viel daran verderben koͤnne.
Doch iſt die Gerſten fuͤr Menſchen und Vieh ein nutzbares Gewaͤchs / ſonderlich den Pferden mit Ge - haͤcke oder geſchnittenem Stroh gefuͤttert / ſoll es wol be - kommen / daher diß Jtaliaͤniſche Sprichwort lautet: Orzo e paglia, fanno il Cavallo da battaglia.
Anno 1637 iſt in der Grafſchafft Glotz / bey dem Dorff Mittelwaldau / eine Gerſtenaͤher gefunden wor - den / der aus 15 groſſen auf einem Halm ſtehenden und 9 kleinen Aehren beſtanden / und Jhr Mayeſtaͤt dem Kaͤyſer / unſerm Allergnaͤdigſten Herrn / Wunders hal - ber nach Wien iſt uͤberſchickt worden; deſſen Abriß fin - det man in Miſcellaneis Curioſorum Anno ſecundo, Obſerv. 112.
Unter das doͤrtige Korn gemiſcht / iſt es Mehlreich / und macht / daß der Dort den Kopf (wie er ſonſt thut) nicht ſchaden kan / ſaͤttigt auch wol / wann es alſo ge - mengt fuͤr das Hausgeſind gebacken wird / ſo iſt ſie auch gut und geſund zur Speiſe / wann ſie gerollt und ſauber geputzt wird / nicht weniger auch in der Medicin zu vielen Sachen dienlich.
Wird meiſtentheils um Ægidii geſaͤet / 8 Tag vor / oder 8 Tag hernach / damit es ſich vor der Kaͤlten An - kunfft anſahern / und die Wurtzen ſich ſtaͤrcken kan; von den meiſten aber wird ſie gleich mit dem Waitzen ge - bauet / vor den Wippeln iſt ſie wol zu verwahren / ſie kommen gemeiniglich am erſten hinein.
DJe Sommer-Saat wird allezeit auf die Felder / die den vorigen Sommer Waitz / Korn und Wintergerſten getragen haben / gebauet / das dritte Jahr feyren ſie / und ligen in der Brach. Wann in dieſelben Felder gleich nach der Korn-Ernde die Haͤl - me gut umgeſtuͤrtzt worden.
Der Haber wird gemeiniglich auf die Kornfelder / die Gerſten / Linſen und Erbſen aber auf die Waitzen - Aecker gebauet; die Halm-Brach muß ſeichte ſeyn / nur daß die Stoppeln umgelegt unter die Erden kom - men und faulen moͤgen. Zum andernmal werden dieſe Felder / ſonderlich wann ſie zaͤhe ſind (ſo es nothwendig) in der Faſten / wanns nicht mehr gefrieret / kurtz vor der Saatzeit / geruͤhret / damit ſie ſich den Winter erligẽ / vom Froſt ermildert werden / kan man auch ſodann im Fruͤling deſto zeitlicher ſaͤen. Wo aber gute und muͤrbe Felder ſind / iſt das Ruͤhren nicht noͤhtig / ſonderlich wann mannicht ſchoͤn oder trocken Wetter darzu hat; dann alle naſſe Ruͤhren / ſo im Sommer geſchehen / ſind ſchaͤdlich / im Winter aber iſts gar verlohren / darum mag man ſie deſto beſſer mit der Egen uͤberfahren / Unkraut und Wurtzen ausreiſſen / und die Felder gleich ebenen. Zum drittenmal wird nach Beſchaffenheit des Gewit - ters und Erdbodens geackert / Habern zuerſt / darnach Sommerkorn und Waitzen / alsdann Gerſten und an - dere Zugemuͤſe.
Den Sommer-Trayden iſt nicht boͤſe / wann das Feld bald nach dem Saͤen mit Waltzen geebnet / und das Ungleiche hinein gedruckt wird / ſo iſt es hernach deſto beſſer zu maͤhen; dieſe Arbeit geſchicht am beſten gleich nach dem Einegen / aller Saame des Sommerbaues muß weniger als des Winter-Trayds gegeben werden / weil es nicht ſo viel auszuſtehen / und deſto beſſer zu - ſetzet.
ES giebt zweyerley / ſchwartzen und weiſſen / ſpi - tzigen und glatten Habern / der erſte waͤchſet gern in den Gebuͤrgen / und der weiſſe lieber in der E - bene / veraͤndert ſich / nach Beſchaffenheit des Feldes unddes Gewitters / daß er groͤſſer oder kleiner / ſchoͤner oder ſchlechter wird; Man ſaͤet ihn gleich in die friſch-aufge - ruͤhrte Erden / und egt ihn wol unter / hernach wann er anfaͤngt aufzugehen / wird er mit einer Waltzen verglei -E iijchet /38Des Adelichen Land - und Feld-Lebens
chet / je fruͤher man den Habern (wann es nur der Kaͤl - ten halber ſeyn kan) anbauet / je ſchoͤner wird er an Koͤr - nern / darum der alte Mond im Martio am beſten darzu iſt. Was im Aprill erſt in den Acker kommt / giebt zwar mehr Geſtroͤhe / aber ringere Koͤrner.
Die Bauren haben dieſe Regel / daß ſie ihren Ha - bern die dreyzehende Wochen nach dem Chriſttag aus - ſaͤen / theils bauen ihn / wann das Bircken-Laub aus - ſchlaͤgt / ehe es uͤber einen Pfenning groß wird; im alten Monden ſoll er kraͤfftiger werden; theils ſaͤen ihn vor / und ackern ihn ein; theils ackern vor / und ſaͤen ihn hernach / daher ſich nach der Erfahrung zu reguli - ren.
Etliche aber glauben / wann er im alten Monden ge - ſaͤet werde / ſo riſelt er gern ab / wann er reiff wird. Er muß dicker als die Gerſten zum Saͤen in das Feld kom - men.
Der Haber achtets nicht / wann er ſchon an magere / trockene und luͤfftige Ort geſaͤet iſt / wann er nur mit dem Fruͤlings-Regen erquicket / und davon ſchoͤn / dick und wolgewaͤchſig wird; man doͤrrt den Habern und ſtampf - fet ihn / davon man Haberkern und Habergries zur Speiſe macht / ſoll trefflich wol naͤhren / auch zu vielen Zuſtaͤnden der Nieren / und zu dem uͤbel-harnen bequem - lich ſeyn; man kan aus Habern / wie aus allen Fruͤch - ten / Brandwein brennen / wird auch wol zu Zeiten / in Mangel der Gerſten / Bier daraus gebraͤuet. Und wann er ſonſt keinen Nutzen haͤtte / ſo iſt er doch fuͤr die Pferde das allerbeſte und nuͤtzlichſte Futter / davon ſie ſich am allerwenigſten verfangen / und was man nicht bedarff zur Haus-Nothdurfft / iſt in den Staͤdten / bey Hof / und allen denen / die Pferde halten / leichtlich zu verſil - bern / iſt auch nicht ſo zart im Bauen / wann er gleichetwas ausgewachſen waͤre / geht er dennoch auf / man kan ihn darum deſto beſſer abzeitigen laſſen / weil er nicht / wie anders Getrayd / ausfaͤllt / und hernach deſto beſſer zu dreſchen iſt; Haberſtroh iſt den Kuͤhen beſſer / als den Pferden / es ſollen ihnen die Baͤuche davon wehe thun / und die Zaͤhne ſchlaͤhe werden.
Colerus giebt den Raht / weil dem Habern und Gerſten im Fruͤling die marchirende und umſtreiffende Soldaten in Kriegslaͤufften ſehr gefaͤhr / die Bauren ſol - len / wann es unſicher / ſolchen nur bald / auch in dem ungeackerten Felde / ausſaͤen / ſo kan man ihnen den Saamen nicht entfremden; es ſchade dem Saamen nicht / wann er gleich acht Tage / oder laͤnger auf den Ae - ckern lige / ja es ſey ihm zutraͤglicher / weil er fein auf - quelle / biß er hernach eingeackert und geeget werden kan.
Canari-Saamen / phalaris, iſt erſtlich aus den Canariſchen Jnſeln in Hiſpanien / von dannen nach Pro - vence und Languedock in Franckreich / und endlich zu uns in Teutſchland kommen / wird allein in die Gaͤrten gebauet; ſtoͤſſt knodichte Stengel und Haͤlm herfuͤr / wie die Spelzen / ein jeder hat oben ein rund-laͤnglichtes Knoͤpflein / darin der Saamen ligt / hat anfaͤnglich weiß - lichte Bluͤhe / daraus ein laͤnglichter Saamen wird / der von innen und auſſen gantz weiß iſt / der wird von den Ca - nari-Voͤgeln gern gefreſſen. Aus dieſem Saamen ge - ſtoſſen / und mit Rocken-Mehl vermiſcht zum Brod gebacken / und denen / die Blaſen-Schmertzen / Grieß / Stein - und Nierenwehe haben / zu eſſen gegeben / die - net ihnen wol; das thut auch der ausgepreſſte Safft von ſeinem gruͤnen Saher / im Wein oder Waſſer ge - truncken; oder der Saame gepulvert / und davon einge - nommen / fuͤr die Schmertzen der Blaſen.
Cap. 39Siebendes Buch / Ackerbau.DJe Gerſten wird etwas ſpaͤter denn der Haber geſaͤet / weil ſie den Froſt weniger gedulden kan / theils richten ſich dißfalls nach dem Fruͤh-Ha - bern; wann ſelbiger wol und gewaͤchſig aufgehet / eilen ſie auch die Gerſten ins Feld zu bringen; bleibt der Ha - ber aber ſtecken / und will nicht fort / ſo verziehen ſie auch laͤnger damit; wann guter Grund und gedeylich Wet - ter iſt / ſo gerahtet ſie wol / hat lieber leichte / als harte / trockene als feuchte Erden; will einen guten fetten wol - gedungten Grund / und wo nicht die fruchtbare Fruͤlings - Feuchte dem Wachsthum beyhuͤlfflich iſt / hat man ſich keines groſſen Vortheils zu getroͤſten. Jm uͤbrigen hat ſie die Art der Winter-Gerſten / auſſer daß ſie beſſer zum Brauen iſt; an theils Orten wird ſie in die bedung - te und gepfirchte Aecker geſaͤet / die noch vor Winters darzu gedungt oder gepfircht worden / wird alſo feucht untergeackert / aber was im Pfirch waͤchſet / maltzet uͤbel / wie auch das alſo gebaute Korn blaues Brod giebt.
Es wird aber der Acker im Fruͤling bemiſtet / und muß ſolcher den vorigen Herbſt umgeſtuͤrtzet / hernach vor der Saatzeit zweymal geackert / geſaͤet / eingeegt / auch eben ſowol / als der Haber / gewaltzet werden / die klein - koͤrnichte Gerſten iſt ſchon gut zum Saamen.
Theils halten dafuͤr / wann die Sommer - und na - ckende Gerſten ſechs Tage nach dem Neumonden ge - ſaͤet ſey / ſo werde ſie ſechs-Zeilich; das beſte iſt / wann dieſer Bau bey trockenem Wetter geſchehen kan; wann ſie feucht geſaͤet wird / waͤchſet gern Unkraut darunter / ſonderlich wann die Felder niedrig ligen / dardurch die Gerſten nicht allein ſich nicht mehren kan / ſondern auch am Wachsthum verhindert und gehemmet wird; dar -um es / ehe die Gerſten anfaͤngt zu kielen / fleiſſig aus - zujetten.
Die Gerſten muß man gar bald ausdreſchen laſ - ſen / damit ſie nicht im Geſtroͤhe erwaͤrme / dann pflegt ſie roth zu werden / und iſt wenig zum Brauen dien - lich.
Colerus meldet / er habe von einem guten Haus - wirth vernommen / man ſolle die Gerſten abmaͤhen / wann ſie gelbreiffe wird / und nunmehr voͤlligen Kern hat / ſo taugt ſie wol zum Bierbraͤuen / meldet auch / daß ſol - ches die Braͤuer bezeugen.
Wann ſie graſicht iſt / muß ſie auf dem Feld bey ſchoͤnem Wetter etwas laͤnger ligen / damit das Gras doͤrr werden moͤge / welches ſonſt / wann mans gruͤn in die Scheuren bringt / leichtlich zu ſchimmlen anfaͤngt; davon das Stroh dem Vieh hernach ſo ſchaͤdlich faͤllet / daß es auch einen Unfall verurſachen kan; man muß ſie / wann ſie recht abgetrocknet hat / fruͤh Morgens oder A - bends einfuͤhren / ſo bricht ſie nicht ſo bald ab / das Ger - ſtenſtroh wird in der Scheuren obenher auf Stangen gelegt / weil es auf der Erden bald anlaufft / und giebt fuͤr die Pferde das beſte Gehaͤcke.
Theils ſind der Meynung / daß die bloͤd-aufgehen - de Gerſten (wann nur das Wetter gut) offt beſſer ge - rahte / denn die / ſo Anfangs frech und reich ausſiehet / weil man glaubt / ſie muͤſſe entweder zu erſt oder zuletzt etwas ausſtehen; man kan die Saam-Gerſten eben ſo wol / als Korn und Waitzen / in einem Zuber voll Waſ - ſers probiren / und das Untuͤchtige / ſo obenauf ſchwim - met / oben abſchoͤpffen / und fuͤr das Gefluͤgel und Schweine gebrauchen / weil nur diß allein aufgehet / was zu Boden ſinckt / ſie gehet auch alſo deſto eher und reich -licher40Des Adelichen Land - und Feld-Lebenslicher auf. Wiewol die Winter-Gerſten voͤlliger und groͤſſer iſt / als dieſe / hat ſie doch ſtaͤrckere / die Sommer - Gerſten aber ſubtilere Huͤlſen / daher dieſe fuͤr Mehl - reicher und zum Bierbraͤuen bequemlicher von allen ge - halten wird.
Colerus meldet / daß man die Werren / die gemei -niglich in der Gerſten groſſen Schaden thun / kan vertrei - ben / wann man erlene oder eichene Zweige in den Acker ſteckt / ſo ſollen ſie fliehen; oder wann man Waſſer / ſo auf ungeloͤſchten Kalch gegoſſen worden / nimmt / und den Miſt / der auf das Gerſten-Land gefuͤhrt wird / damit be - geuſſet / ſo laſſen ſie die Gerſten wol zufrieden.
SOmmer-Korn wird etwas eher angebauet / als der Waitzen / muͤſſen beede einen guten wolzuge - richteten Acker haben / wie die Gerſten / und iſt am beſten / daß der Acker gleich nach dem Schnitt Halm - bracht / im October wieder umgeriſſen und geegt / im Winter etwas gedunget / oder der Saamen in Dung - Waſſer eingeweicht / und alſo in dem zum drittenmal geackerten Feld angebauet und eingeegt werde / ergiebt zimlich wol / aber die Koͤrner ſind etwas geringer / als des Winter-Korns.
Es bedarff einen ſtarcken / guten und traͤchtigen Grund / ſonſt werden die Aecker mit doppelter Tracht des ſchweren Getraydes leichtlich verderbt; wo aber Dung genug / und der Boden ohne diß fett und gut iſt / giebt dieſes der Wirhſchafft keinen geringen Vorſchub / weil es faſt dem Wintergetrayde gleich / oder doch nicht lang hernach zeitig / und alſo zur Haushaltung bequem - lich angewendet wird.
Jndem auch der Winter-Waitz dem Brand ſon - derlich unterworffen / iſt vor Saͤung deſſen / nicht ſchaͤd - lich / das oben bey dem Waitzen im 17 Capitel aufge - zeichnete Mittel zu brauchen / ob es wol nicht fuͤr den Staub-Brand helffen mag / ſo hilfft es doch fuͤr den Spitz-Brand / denn dieſer iſt dem Waitzen der aller - ſchaͤdlichſte / und der Staub-Brand wird vom Wind und Regen alſo hingefuͤhrt / daß er den Koͤrnern bey dem Dreſchen nicht das geringſte ſchaden kan / oder daß man an dem Waitzen das geringſte Zeichen einiges Brands ſpuͤren ſolte.
Es geraͤth aber das Sommer-Korn und Waitzen beſſer in den niedrigen feuchten Orten / als das Winter - Getrayd; weil es daſelbſt der anbrechenden Hitze deſto beſſer widerſteht / muß auch etwas duͤnner geſaͤet werden. Doch wird dieſes Sommer-Trayd an wenigen Orten gebauet / weil die meiſten Bauleute mit der ordinari Winter - und Sommer-Saat ſich genuͤgen laſſen / ihrer Felder ſowol als der Dung zu verſchonen.
ERbſen haben gern guten Grund / man haͤlt aber darfuͤr / daß die in magern und ſandichten Aeckern wachſen / ſich beſſer ſieden laſſen / als die in den fetten; ob ſie wol geringer und weniger (ſowol als die Linſen) ausgeben / werden ſie im Vollmonden gebauet / ſo bluͤhen ſie viel / und kommen weniger zur Zeitigung; im abnehmenden aber bluͤhen und zeitigen ſie fein gleich ab; die beſte Saam-Zeit iſt im letzten Viertel / drey Tag vor dem Neumonden; man ackert im Fruͤling / nur einmal darzu im Mertzen oder Anfang des Aprils / und ſaͤet gleich darauf; theils ſaͤen ſie vorher auf das ungeackerte Feld / und ackern ſie erſt hernach ein; ſie achten einen geringen Froſt / wann es ſchon darauf ſchneyet / nicht abſonderlich.
Das Feld muß mit der Waltzen bald nach der Egen uͤbergleicht werden / und muß man nicht warten biß ſie aufgehen / ſie muͤſſen nicht dick geſaͤet ſeyn; wann ſie im Miſt-Waſſer 24 Stunden eingequellt werden / thun die Tauben (die ihnen ſonſten gefaͤhrlich ſind) nicht ſo leichtlich Schaden.
Wann Regenwetter nach der Erbſen-Saat ein - faͤllt / ſo werden die neugeſaͤeten Erbſen entbloͤſt; dieſes zu verbeſſern / ſchicken die Lieflaͤndiſchen Bauren / nach Sal. Guberti Zeugnis / ihre Kinder mit bloſſen Fuͤſſen / geben ihnen lange Stecken / zwo Elen lang / laſſen ſie ſo weit voneinander gehen / daß ſie mit den Stecken zu - ſammen reichen koͤnnen / die bohren Loͤcher in die Erden / waltzen die bloſen Erbſen hinein / und verſcharren ſie.
Wann die Meelthaue in die Bluͤhe fallen / verder - ben ſie dieſes Gewaͤchſe. Jn Summa / ſie gerathen nicht alle Jahr / haben ſie aber bequemlichen Grund und gut Wetter / ſo bezahlen ſie ihre Stelle reichlich.
Der Saamen ſoll gleichfalls wie alle andere Sommer - und Winter-Getrayder (welches ein durch - gehend allgemeiner Lehrſatz bleibt) in drey oder vier Jahren abgewechſelt / und von einem magern Ort her - geholt / in einen beſſern Grund (wann nur der Saame lauter und rein iſt) geſaͤet werden. Wann man die Erbſen im Neumonden abſchneidet / laſſen ſie ſich nicht gerne kochen / und bleiben hart.
Es ſind vielerley Arten; theils ſind groß / die wol ausge - ben; theils aber klein; theils ſind weiß; theils ſchwartz / die unter den ſchlechteſten; theils aber gruͤn oder blaulicht / die einen guten Geſchmack haben / und unter die beſten zu zehlen ſind / ſie muͤſſen aber an ein beſonders Ort ge - bauet / und im Stadel an einem beſondern Platz geſchoͤ - bert ſeyn / damit die weiſſen oder ſchwartzen ſich nicht darunter vermiſchen.
Erbſenſtroh iſt beſſer fuͤr die Kuͤhe und Schaf im Winter / als fuͤr die Pferde / weil ſie davon Bauchfluͤſ - ſig werden; wann es fuͤr die Kuͤhe klein geſchnitten / und unter das andere Geſott gemengt wird / ſo freſſen ſie es gerne; Theils ziehen ſie mit der Saͤgen ab; theils rauffen ſie nur aus wie den Flachs / und meynen / ſie ſchlagen ſich nicht ſo ſehr aus / als mit der Saͤgen.
Saſerna,41Siebendes Buch / Ackerbau.Saſerna, ein alter Autor bey L. Columella lib. 2. cap. 11. vermeynet / die Aecker werden von Feigbohnen und andern Bohnen / Wicken / Linſen / Kichern / und gemeinen Erbſen feiſt; aber Columella ſagt / er laſſe es zwar von Feigbohnen und Wicken gelten / daß ſie dem Acker helffen / wann man ſie gruͤn abſchneide und ein - ackere / ehe dann ſie duͤrr werden / und ſey an ſtatt der Dung; wann aber die abgeſchnittene Wurtzeln dar - innen ausdorren / nehmen ſie dem Grund die Feuchtig - keit und verzehren die Krafft des Erdreichs.
Wenn dem alſo / ſind die nicht unrecht daran / die die Erbſen (wie oben vermeldet) nicht ſchneiden / ſon - dern mit ſamt der Wurtzel ausziehen.
Etliche ſchreiben von den Erbſen / daß die / ſo von den Wuͤrmern und Wippeln ausgehoͤhlt und zerfreſſen ſind / ſeyen zum bauen und zum ſetzen ſo gut / und noch beſſer dann die gantzen. Jch halte aber mehr von einem fri - ſchen und gantzen Saamen. Die abgebaͤlgten Erbſen ſind geſuͤnder / und machen nicht ſo viel Winde / als wann ſie ſamt den Baͤlgen gegeſſen werden.
DJe Linſen ſind in der Haushaltung eine nuͤtzliche Huͤlſenfrucht / uñ fuͤr das Geſinde zur Speiſe nicht undienlich / werden wie die Erbſen im Mertzen und April geſaͤet; die weiſſen ſind beſſer und ſchmack - hafftiger / die rothen aber fruchtbarer / wiewol etliche ge - funden werden / welche die rothen Linſen lieber eſſen. Bedoͤrffen einen trockenen / guten traͤchtigen Grunde / kan nicht ſchaden / wann der Saame vorher im Miſt - waſſer geweicht geſaͤet wird / ſo waͤchſt er deſto ſchneller / bluͤhet deſto geſchwinder.
Theils meynen / ſie wachſen groͤſſer / wann der Saa - me vorher in laulicht mit Nitro gemengtem Waſſer ge - legen.
Und Herꝛ Heresbachius ſchreibt / wann der Saame mit Meiſterwurtz-Eſſig beſprengt werde / daß er nicht leichtlich verderben moͤge; anfaͤnglich muß man ſie jet - ten / damit ſie ſich deſto beſſer ausbreiten koͤnnen.
Jſt ſonſt eine hart verdauliche / dem Magen und Geſichte ſchaͤdliche Speiſe / ſie machet ſchwere Traͤume / blaͤhet das Jngeweid / ſchadet aber / nach Dioſcoridis Meynung / weniger / wann ſie mit Eſſig gekocht wird / ſonderlich ſoll / nach Galeni opinion, das erſte Waſ - ſer / darinn man ſie kocht / weggegoſſen werden / ſo ſey ſie denen / die in den Gliedern eine waͤſſerige boͤſe Miß - kochung haben / nicht uͤbelanſtaͤndig / den duͤrren und ma - gern Leibern aber ſey ſie ſchadhafftig.
Doch iſt ihr Decoctum in den Kindsblattern / aus alter Erfahrung nicht uͤbel zu brauchen / habet enim vim aperiendi, laxandi & penetrandi.
Das Linstrayd aber / wie es im Land ob der Enns und in Unter-Oeſterreich / zwiſchen beeden Fluͤſſen der Yppß und der Enns an vielen Orten gebauet wird / iſt eine Vermengung des Saamens / da unter die Gerſten / weiſſe / rothe Linſen oder Wicken / in Auswaͤrts gebauet / und vor das Geſind und arbeitſame Leute / die Helfft oder das Drittel unter ſo viel Korn gemengt / gemahlen und genoſſen / fuͤr ein ergaͤbiges und wolnaͤhrendes Brod gehalten wird; es muͤſſen aber gute ſtarcke und wolge - arbeitete Felder ſeyn / darauf ſie wachſen und fortkom - men ſolle / allermaſſen wie die Gerſten / und wird gern auf die Felder / wo das vorige Jahr Waitzen geſtan - den / oder doch auf die traͤchtigſte und beſte Kornfelder / gebauet.
Die Wicken aber / allein gebauet / ſind / wo man wenig Wieſen hat / ein nuͤtzliches Futter fuͤr allerhand Viehe / ſtaͤrckt und naͤhret die arbeitſamen Ochſen und Pferde trefflich / wird darzu gruͤner abgemaͤht / ehe er einkoͤrnet / noch beſſer aber gedeyet es / wanns mit derHelfft Haber angebauet wird / weil ſich die Wicken daran anlehnen und aufziehen koͤnnen / werden im Fruͤ - ling geſaͤet.
Die Wicken aber allein / koͤnnen auch im Herbſt (nach Herrn de Serres Ausſpruch) geſaͤet ſeyn / und den Winter gar wol erleiden; man kan ſie in mittel - maͤſſiges Erdreich bauen / oder auch wol in ein gutes / wann die Weitſchafft der Felder ſolches einem Hauswirth zu - gibt / nur daß der Grund / wegen des Abmaͤhens Be - ſchwerlichkeit / nicht ſteinicht ſey. Wo wenig Gras und Heu iſt / gibt diß Gewaͤchs eine treffliche Beyhuͤlffe / und iſt ſonderlich darum hoͤher zu halten / daß die Wi - cken dem Grund mehr nutzen als ſchaden / daß man auch auf die Felder / wo Wicken und Habern gemiſcht ge - ſtanden / die im Anfang des Sommers zum Futter ſind abgemaͤht worden / nuͤtzlich / im folgenden Herbſt Wai - tzen / Korn oder anders Wintergetraydich (wann nur der Acker gebuͤhrlich und fleiſſig gearbeitet worden) an - bauen / und deßwegen hin und wieder im Brach-Feld / ſo zum Winterbau gehoͤret / ausgeſonderte Fleck mit die - ſem Futter anbauen / und damit ſeinen Nutzen befoͤrdern mag.
Diß iſt allein zu beobachten / daß mans im Feld wol austrocknen laſſe / ehe mans einfuͤhrt / dann kommt es feucht in den Stadel / ſo verdirbts leichtlich.
Es muͤſſen aber die Aecker alſobald / nachdem man die Wicken wieder weggebracht / wieder umgeackert werden / ſonſt werden die Felder davon geringer.
Tanara will / man ſoll die Wicken nicht ſaͤen / wann der Thau noch im Feld iſt / auch nicht mehr / als man ſel - biges Tages einegen kan / denn wann der Saamen von der Nacht-Feuchten beruͤhret wird / faule er / er will ein trockenes Erdreich. Nahend an die Baͤume ſoll man die Wicken nicht ſaͤen; denn / wie Charles Eſtienne will / ſie ſchaden den Wurtzen / daher ſind ſie auch aus den Weingebuͤrgen verwieſen. Jſt im Auswaͤrts fuͤr Tauben und Huͤner ein gutes Futter / ſie legen gern da - von und werden feiſt.
Die Wicken geben ſonderlich ein gutes Pferd - Futter / werden von etlichen nur auf das Brach-Feld geſaͤet / und darnach eingeackert und geegt / nur muß man ſehen / daß der Saame nicht radicht ſey / wann man den Acker gleich / wann die Wicken gemaͤht worden / um - ackert / ſo geben die Wurtzen eine gute Dunge.
Ein Decoctum davon / ſoll auch denen / die mit dem Stein / Wehtagen in der Nieren und Waſſerſucht ge - plagt ſeynd / wol bekommen.
DJe Kichern oder Ziſern lieben einen guten fetten Grund / dieſe werden meiſtens und am nuͤtzlich - ſten im wachſenden Monden angebauet / ſo wird die Frucht groͤſſer; wann der Miſt / damit ſie gedunget werden / mit Nitro beſprengt wird / (wie auch alle andere Huͤlſenfruͤchte) ſo ſollen ſie ſich beſſer ſieden laſſen / wann ſie im Miſtwaſſer uͤber Nachts geweicht ſind / ge - hen ſie geſchwinder auf / und ſetzen lieber zu / ſchaden dem Grund nicht ſo viel / werden auch groͤſſer und ſchoͤner / und von den Ungezifer weniger beleidigt und angegriffen.
Alle dieſe Huͤlſenfruͤchte muß man nicht uͤberzeiti - gen / ſondern bey ſchoͤnem Wetter abmaͤhen / und trocken einfuͤhren laſſen / wofern ſie einmal beregnet / und her - nach vom Sonnenſchein wieder beſtahlt werden / gehen die Huͤlſen gern voneinander / mit nicht geringem Ver - luſt ihres Hausvatters.
Sie werden darum von wenigen gebauet / weil ſie den Grund ſehr ausſaugen und aboͤden / werden ſonſt in der Speiſe genutzt / ſtaͤrcken die Natur / zermalmen und fuͤhren aus den Stein / mehren den ſaͤugenden Weibern die Milch / machen eine klare Stimme / und dienen den Lungen ſuͤchtigen; Doch iſt die Bruͤhe davon beſſer / denn die Frucht ſelbſt. Man muß ſie duͤnn ſaͤen / weil ſie gern zuſetzen.
Tanara ſchreibt / wann ſie in Faͤſſern behalten wer - den / darinnen Oel geweſen / bleiben ſie laͤnger / laſſen ſich beſſer kochen / ſind aber zur Saat undienlich / muͤſſen aber wol duͤrr hineingethan werden.
Haidenkorn wird gemeiniglich um oder noch vor Urbani gebauet / im letzten Viertel des Monden / muͤſ - ſen fleiſſig in den zwier vorher umgeriſſenen Feld einge - egnet werden; auf neu umgeſtuͤrtztem Acker geraͤth es wol / ſteht gern auf trockenen hohen Feldern / und haſſet die feuchten Ort / verbeſſert die Felder / ſein Meel in die Schweintranck gegeben / macht ſie fett / iſt auch dem Ge - fluͤgel gut / wann ſie ihn einmal kennen lernen. Dieſe Frucht kan auch wol die ſteinichten magern Gruͤnde vertragen.
Theils bauen ihn um Pfingſten / wann der Mond im Stier / Krebſen / Jungfrau / Wag / Steinbock oder Fiſchen iſt; theils gar um Philippi Jacobi / nachdem der Grund oder das Wetter beſchaffen iſt / denn die Kaͤlte muß alle fuͤruͤber ſeyn; das Stroh davon iſt zu nichts nutz / als daß man es in den Miſt ſtreuet; man backt auch an etlichen Orten Brod heraus / wird aber ſchwartzblaulicht / mit Korn aber gemengt iſts beſſer / ſaͤttigt wol / und iſt nicht ungeſund; das Haidenkorn wird auch gedoͤrrt / geſtampfft / und enthuͤlſet / gibt ſo dann mit Butter geroͤſtet eine gute nahrhaffte Speiſe.
WO es groſſe Teiche gibt / die man trocken ab - laſſen / umackern und bauen kan / daſelbſt waͤchſt der Hirs ſchoͤn und reichlich / wird nach Wal - burgis / von theils aber um Urbani gebauet bey ſchoͤnem haitern Wetter / im letzten Viertel / in den Neubruͤchen und Neureutten waͤchſt er am ſchoͤnſten. Es hat mir Herr Hanns Sigm. Fuͤnffkircher Freyherꝛ ſeel. erzehlt / daß / als Anno 1645 nach der Jankauer in Boͤhmen Schlacht / die Schwediſchen Voͤlcker in Oeſterreich ge - fallen / Krembs und Cornneuburg beſetzt / und das Land herum verderbt und in Contribution geſetzt / ſeyen auf ſeiner Herrſchafft Matzen im Marchfeld gelegen / theils Felder und Aecker / Unſicherheit halber / wuͤſte ligen blie - ben; als man aber im folgenden Jahr darauf die inge - habten feſten Oꝛt von den Schweden wieder befreyet / habe ſein Pfleger zu Matzen ein ſolche lange Zeit Brach ge - legenes und verwachſenes Feld umreiſſen / zurichten / und mit einem Metzen Hirs anſaͤen laſſen / der ſey ſo wol und fruchtbar gewachſen / daß er 70 und mehr Metzen aus - gedroſchen / gegeben hat; diß iſt nun ein von einem klei - nen Capital ein groſſes faſt unglaubliches Intereſſe.
Wahr iſt es / daß er nicht dick darff geſaͤet wer - den / ſo bringt er ſchoͤne groſſe Kolben oder Zotten / denn er iſt von zweyerley Art / der zottichte Hirs hat die groͤ - ſten Koͤrner / und iſt gut zu ſtoſſen; der kolbichte aber hat kleinere Koͤrner / ſoll aber von dem Gefluͤgel nicht ſo bald / als der andere / Schaden nehmen / auch zur Spei - ſe beſſer ſchmecken; Man kan ihn in der Muͤhl auf demStampff / oder daheim / wann er vor im Ofen gedoͤrrt iſt / ausſtoſſen / doch muß man nicht zu wenig in den Stampff thun / ſonſt zerſtoͤſt er ſich.
Der Hirs gibt nicht allein fuͤr die Menſchen / ſon - dern auch fuͤr das Vieh eine gute Nahrung / hat gern ei - nen guten Acker / ſonderlich wann er von des Himmels - regen offt benetzet wird; wann nach dem geſaͤeten Hirſe ein gaͤher Schlagregen faͤllt / muß er noch einmal geegnet werden.
Die Spatzen / und andere Voͤgel / ſind ihm gefaͤhr. Wann man aber nur ein paar Voͤgel ſchieſſt und in dem Hirs-Acker aufhengt; oder ein Netz an ein Ort auf Stangen daruͤber breitet / ſo trauen ſie nicht. Er ſoll auch / vor der Saat / in Miſtwaſſer eingeweicht werden / geht er deſto ſchoͤner auf / ſollen ihm auch die Voͤgel nicht alſo nachſtehen / fleiſſig aber muß er gejetten ſeyn.
Er wird auf einmal ſelten miteinander zeitig / daher werden nach und nach die zeitigen Kolben oder Zapffen ausgeſchnitten.
Das Hirsſtroh / wiewols das Vieh gern iſſet / iſts doch nicht gut / ihnen vorzulegen / weil ſie gern davon aufſtoͤſſig werden.
Der geſtampffte Hirs bleibt nicht ſo gern oder ſo lang / als wann man ihn in ſeinen Huͤlſen laͤſſet / darum (ſagt Tanara) ſoll ihn ein Hausvatter auf einmal nicht mehr ſtampffen laſſen / als er ohngefehr auf ein halbes Jahr / fuͤr ſein Haus / genug hat / denn wird er laͤnger be - halten / verliert er ſeine Guͤte.
Jn43Siebendes Buch / Ackerbau.Jn Tartaria wird faſt kein anders Getrayd an - gebauet / als Hirſen.
Tabernæmontanus haͤlt ihn fuͤr die Kinder eine gute und geſunde Speiſe / ſonderlich denen / die deſſen ge - wohnet ſind / dann ſie werden ſtarck und wolgefaͤrbt da - von / und waͤren (ſpricht er) dergleichen Speiſen denen Kindern viel geſuͤnder / als daß man ſie mit vielen Fleiſchbrocken uͤberfuͤllet / daher ihnen Wuͤrmer / faule Fieber / und andere Kranckheiten zuſtehen. Jſt auch dieſe Speiſe / arbeitſamen Leuten ſehr dienlich und gut.
Himmelthau iſt faſt einer Art mit dem Hirs / al - lein ſubtiler iſt er / wird im Mayen gebauet / und gejet - ten / wann er ſoll fortkommen; hat Zapffen wie die Aeh - ren / kleinen weiſſen runden Saamen / faſt dem Reis am Geſchmack gleich.
Deßgleichen Art hat auch der Pfennich / hat einen ſtarcken abhangenden Kolben / offt einer gantzen / ja wol anderthalb Spannen lang / waͤchſt gern in leichten und ſandichten Gruͤnden / liebt trockene und warme Lufft / dient mehr dem Gefluͤgel als den Menſchen zur Spei - ſe / weil er geringe Nahrung gibt.
SOrgſaamen kommt von ſeiner erſten Ankunfft her aus Jndien / iſt aber in Jtalien gar gemein / ſeritur vergiliarum ortu, iſt von zweyerley Sorten / rother und weiſſer / hat vier oder fuͤnff breite Blaͤtter und einen dicken Stengel wie ein Rohr / inwen - dig mit einem Marck gefuͤllt / waͤchſt bißweilen Manns - hoch / bluͤhet erſtlich gelblich an einen groſſen oben aus - ſteigenden Kolben / die werden darnach in laͤnglicht-run - de / als der Hirs zweymal ſo groſſe Koͤrner verwan - delt.
Die Jtaliaͤner laſſen ihn mahlen / und backen Brod daraus / oder geben ihn dem Gefluͤgel zu freſſen.
Aus dem Stroh / wann die Koͤrner heraus / leeſen ſie die ſtaͤrckeſten Reislein aus / und machen Gewand - beſem / die Kleider auszukehren.
Dergleichen Art iſt auch faſt der Tuͤrckiſche Waitz oder Korn / von den Jndianern Mayz genannt / iſt aus den Occidental-Jndien erſtlich in Tuͤrckey / und von dannen zu uns kommen / iſt geel / weiß / roth / und Veyel - farb / auch geſprengt. Plinius nennet ihn Jndianiſchen Hirſen / allein daß er an der Groͤſſe und Staͤrcke weit druͤber iſt / hat ein Kraut faſt wie das Sorgum, alleindaß er nicht ſo hoch aufwaͤchſet / die Koͤrner wie die zim - lichen Erbſen / ſtehen dick und hart an ihren Kolben / der erſtlich zwiſchen den Blaͤttern wie in einer Schei - den ſteckt / biß er ſich nach und nach heraus gibt; wann er in gutes Erdreich duͤnn geſaͤet oder geſteckt wird / traͤgt er haͤuffig / wird mehr Luſts wegen in die Gaͤrten / als in die Felder gebauet.
Die Hauer in Oeſterreich bauen ſie auch gern in die Weinberge / wo ein wenig ein laͤhrer Fleck iſt / und hangen darnach die vielfaͤrbigen Kolben in ihren Wohn - zimmern zur Zierd auf / ſie ſtoſſen die Bluͤhe / die gleich mit den Kolben an der Farb iſt / oben heraus / und geben doch keine Kolbe; denn dieſe / wie geſagt / treiben zwiſchen der Blaͤtter Aeſten herfuͤr.
Der Saamen wird vorher ein paar Tage in Waſ - ſer geweicht / im April oder Majo geſaͤet / oder vielmehr wie die Erbſen geſteckt / im September / und offt noch eher / zeitigt er / nachdem der Grund und das Gewitter iſt / offt fruͤher / offt ſpaͤter; der Saam iſt Mehlreich / gibt ein ſtarckes Brod / das wol ſaͤttigt / dem Magen aber iſt es nicht angenehm / wegen ſeiner trockenen / und unſafftigen Nahrung / derhalben unſerm Korn weit nachzuſetzen.
VOn dieſen zweyen Huͤlſenfruͤchten wird itziger Zeit nicht viel angebauet / ob ſie wol bey den Alten / ſonderlich wegen Bedungung der Felder / in groſ - ſem Anſehen geweſen; und das letzte wird meiſtentheils jetzund nur in die Gaͤrten gepflantzt; ſie wollen einen mittelmaͤſſigen / doch feuchten Grund / dann iſt er gar zu frech und zu fett / ſo ſchieſſen ſie nur in die Hoͤhe / und ha - ben mehr Kraut als Frucht.
Es iſt ihrer vielerley Art / von Groͤſſe und Farb un - terſchieden / ſie werden / ehe man ſie anſaͤet / in ein Waſ - ſer / darinn Nitrum iſt / eingeweicht / und im Martio oder April / bißweilen auch gar im Majo / im abnehmenden Mond / einer queren Hand breit voneinander mit Setz - ſtecken in die Erden geſteckt; die Bluͤhe gibt einen lieb - lichen / anmuthigen / doch dem ſchwachen Haubt undien - lichen Geruch / haben ihre Bluͤhe / weiß und ſchwartz - blau-aͤuglicht / zwiſchen den Aeſtlein um und um / von unten an biß oben auf / und einen ſtarcken Stengel.
Die groſſen Bohnen haͤlt man zur Speiſe geſuͤn - der / als die kleinen / und leichtdauiger / darum gehoͤren ſie nur fuͤr ſtarcke arbeitſame Leute. Theils laſſens unters Brod mahlen; theils maͤſten die Schweine damit / item Ochſen und Gaͤnſe / wie Colerus bezeugt; ſind auch den tragenden Stutten geſund / weil ſie davon nicht leicht - lich hinwerffen. Will man ſie auf die Muͤhl ſchicken / muͤſſen ſie vor im Back-Ofen wol getrocknet werden. Wann ſie geerndet werden / macht man kleine Gebaͤn - de wie am Hanff / ſetzts im Feld auf / die Spitzen uͤber - ſich / muͤſſen 8 oder 14 Tag im Feld bleiben / ehe ſie recht aus trocknen / ſonſt verſchimmlen ſie / und kan man weder Frucht noch Stroh gebrauchen als in den Miſt; etliche laſſen die Bohnen in einem Back-Ofen (was nicht zum Saamen gehoͤrt) abtrocknen / ſo kan mans hernach wol uͤber einen Hauffen ſchuͤtten / ſonſt muͤſſen ſie duͤnn auf - geſchuͤttet werden; zur Schweinmaſt werden ſie ge - ſchrotten / oder gantz in ein kalt Waſſer eingeweicht / und alſo den Schweinen vorgegeben.
❁ F ijVon44Des Adelichen Land - und Feld-LebensVon etlichen / wie Herꝛ de Serres berichtet / werden ſie im Herbſt angebauet / die bringen ihre Frucht zeit - lich im Fruͤling / ſie muͤſſen wol befeuchtet und gedun - get ſeyn; wann ſie gar zu hoch aufſchieſſen / und mehr bluͤhen / als tragen wollen / wird ihnen oben der Gipffel abgeſtutzt / ſo zeitigen ſich die uͤbrigen deſto beſſer / dann je beſſern Grund ſie empfinden / je frecher und Aſt-rei - cher ſchieſſen ſie uͤberſich / und wenden mehr Safft auf Blaͤtter und Bluͤhe / als auf die Frucht / wann man ſie noch ein wenig gruͤnlicht abnimmt / und nicht wartet / biß ſie gar hart und uͤberzeitig ſind / laſſen ſie ſich beſſer kochen (welches auch von denen Erbſen / und andern Huͤlſenfruͤchten zu verſtehen iſt) ſonderlich wann ſie im Neumonden abgenommen ſind.
Herꝛ Harsdoͤrffer ſchreibt in ſeinen Delitiis ma - them. & phyſ. Tom. 2. parte 16. in der 6 Aufgab / alſo: Nimm Bohnen / und andere Saamen / leg ſie in war - mes Oel / laß ſie 9 Tage darinnen / ſtecke ſie hernach in das Erdreich um Mittagzeit / ſo werden ſie in wenig Stunden hoch gewachſen ſeyn; ſo kan man auch die Kuͤrbis in vier Stunden bluͤhen machen / wann man den Saamen in Menſchenblut legt / das von einem jungen und geſunden Menſchen iſt gelaſſen wordẽ / uñ es 14 Tag an einem wol verwahrten Ort ſtehen laͤſſet / an der Son - nen trocknet / das Erdreich mit warmen Waſſer be - ſprenget / ſo werden ſie in vier Stunden Laub und Blu - men haben; ſolches kan auch an den Melonen geſche - hen / doch (ſpricht er) muß es im Sommer / und bey ſtarcker Sonnenhitz ſeyn / de quo non parum dubito.
Das Bohnenſtroh iſt dem Vieh gar angenehm; die Bohnen ſollen beſſer wachſen / wann Geiß-Lorbeern in die Gruben voran geworffen / und ſie darauf geſteckt werden; zu nahend ſoll man ſie nicht an die Baͤume ſaͤen / denn theils der Meynung ſind / die Baͤume ver - derben davon / ſie kommen auch wol in einen nidrigen feuchten Grund / wider die Art anderer Huͤlſenfruͤchte.
Mit den Bluͤhen geht es nicht auf einmal von ſtatt / ſondern waͤhret (wie Heresbachius will) 40 Tag / ſie fangen von unten an zu bluͤhen und zu zeitigen / und fah - ren alſo gemach fort / von Glied zu Gliede / ſie ſollen zu Zeiten hundertfaͤltige Frucht geben.
Man ſoll ſie abſchneiden / und nicht ausziehen / weil ihre Wurtzen dem Acker eine gute Dung geben; wann ſie bald umgeſtuͤrtzt werden / will man die Erden ſonſt damit dungen / ſaͤet man ſie im Auguſto / laͤſſt ſie wach - ſen biß ſie anfangen zu bluͤhen / hernach ackert man das Feld mit ſamt den Bohnen um; wann die Huͤner da - von freſſen / hoͤren ſie entweder auf zu legen / oder die Eyer bekommen eine weiche Schalen / wie Tanara ſchreibet.
Denckwuͤrdig iſt / was Thomas Lupton Cent. X. 16. ſchreibt / wann man die Bohnen / von dem Kraut /weil es noch gruͤn iſt / abnimmt / und den Stengel ein wenig oberhalb der Erden abſchneidet / ſo werden neue Schoͤßling von der Wurtzen austreiben / und mehr auch vollkommenere Bohnen bringen als vorher / die Sten - gel aber muͤſſen / ehe man ſie abſchneidet / noch gruͤn und ſaͤfftig ſeyn. Diß ſoll auch mit den Erbſen angehen; die erſten kan man roher kochen / und die folgenden kan man laſſen zeitig werden / ſo hat man doppelten Genuß.
Sie geben grobe Nahrung / ſind den Aſthmaticis, und die Kopff - und Magenweh haben / undienlich / ma - chen ſchaͤdliche Aufduͤnſtungen und ſchwermuͤtige Traͤu - me. Das Mehl wird zum Durchlauff inwendig / und aͤuſſerlich zu den Sonnenflecken oder Guckuckſprecklen / zu aller Unſauberkeit der Haut / und das unterlauffene Blut zu zerthellen / wie auch das aus der Bluͤhe diſtil - lirte Waſſer / zu Erhaltung der Geſtalt; und das aus den Stroh præparirte Saltz zur Waſſerſucht / Stein und verhaltenen Urin nuͤtzlich gebraucht.
Die Feigbohnen werden jetziger Zeit meiſtens in die Gaͤrten gebauet / wiewol ſie auch den Feldern nuͤtzlich ſind / und an ſtatt einer Dung dienen / auch in die Wein - berge / wie allbereit unterſchiedlich gedacht worden / ge - rathen gerne / und nehmen im ſchlechten magern Boden vorlieb / nehmen jedweden Grund an / und doͤrffen kei - ner ſonderlichen Wartung oder viel Jettens.
Sie leiden kein Unkraut neben ſich / ſondern reuten vielmehr daſſelbe aus; man muß ſie nicht uͤberzeitigen laſ - ſen / ſonſt reiſen ſie ſehr aus / ſie ſind gut zur Rindermaſt / im Winter / wann ſie mit geſaltzenem oder flieſſendem Waſſer befeuchtet und alsdann gekocht werden.
Sie haben des Solſequii Art an ſich / und wenden ſich nach der Sonnen; wann ſie zerſtoſſen auf der Kin - der Nabel gelegt werden / toͤdten ſie die Spuͤhlwuͤrme; die gemeinen Feigbohnen bluͤhen weiß (die blauen und geelen riechenden gehoͤren in die Gaͤrten) die Blaͤtter haben fuͤnf Zincken / wie eine Hand / die ſich ausſpreitzet; in der Theurung wirds gemahlen / und unter das andere Korn / nach Belieben / gemengt. Wird auch im Herbſt / nach dem Æquinoctio autumnali geſaͤet / wann nur ein warmer Herbſt kommt / daß ſie erſtarcken / und des Winters Froſt deſto beſſer ausdauren koͤnnen.
Man legt die Koͤrner gern an einen Ort / darzu der Rauch kommen mag / weil ſie dardurch ausgetrocknet / und vor denen / ihnen ſchadhafften / Wuͤrmern verhuͤtet werden.
Sie geben eine gute Dung / ſonderlich wann ſie zu der Baͤume Wurtzen gelegt werden / macht ſie friſch / und vertreibt von ihrer Wurtzen alles Unkraut und Un - geziefer. Das Mehl von den Lupinen macht eine zar - te Haut; ſein Decoctum vertreibt und heilet die Kraͤ - tzen.
OB zwar der Reis in unſerm Land nicht braͤu - chig / nur aus Jtalien / Jndien und Tuͤrckey her - gebracht wird / ſo halte ich doch / er moͤchte in warmen guten Gruͤnden / deren es in Oeſterreich viel gibt / ſonderlich wo guter Wein und Saffran waͤchſt / auch (wann er recht gewartet wuͤrde) bekleiben / daherhab ich ſeiner auch / dem Hausvatter zu gut / mit wenigen gedencken wollen.
Der Reis / von zweyerley Art / roth und weiß / iſt traͤchtig und in der Speiß von den wolgeſchmackeſten Fruͤchten eine / hat roͤhtlichte Bluͤhe und Koͤrner faſt wieder45Siebendes Buch / Ackerbau. der Duͤnckel / potius jubam ſicut milium, quàm Spi - cam habens.
Herꝛ de Serres ſetzt / daß in Piemont ein Joch Acker bey gemeinen Jahren 20 oder 30 Futter bringt. Das Feld / wohin man ihn bauen will / muß eben und von mittemaͤſſiger Guͤte ſeyn / nahe an einem Bach oder Waſſer gelegen / daraus mans zu gelegener Zeit waͤſſern kan / wie und wann man will.
Das Feld muß wol zugerichtet und gedunget / in gewiſſe viereckichte Bettlein / wie in einen Garten ab - getheilt / und dieſe Bettlein / ringsherum mit aufgeworff - nen kleinen / anderthalb Schuch hohen / und 2 Schuch dicken Damm / (das Waſſer zu halten) verwahret ſeyn / auf daß ein Menſch darauf gehen moͤge / wann ers waͤſſern ſolle / damit das Waſſer nicht ausbrechen und von denẽ Bettlein abflieſſen moͤge / ſondern ſtets dar - auf / als in einem kleinen See ſtehe / drum muß der Bo - den gantz Haar-eben / und an keinem Ort abhangicht ſeyn; das Waſſer ſoll von einem Bettlein auf das an - dere flieſſen durch kleine eroͤffnete Gaͤnge / die mit einem tauglichen Bret moͤgen verſetzt / und nach Belieben auf - gethan werden.
Wann nun das Feld dergeſtalt vorbereitet worden / wird der Reis im Fruͤling / nach vermuthlich geendeter Kaͤlte / in ſolcher Dicke / wie das Korn / geſaͤet; der Saame muß vorher einen Tag oder zwey ins Waſſer geweicht / und alſo feuchter / ob ſchon theils zu keimen anfing / alſo in die Erden geworffen / und mit der Egen bedeckt / auch ohne Verzug Waſſer / ein paar Finger hoch daruͤber geleitet / und alſo muß er anhaͤbig untern Waſſer / auch bißweilen noch hoͤher / nachdems die Noth erfordert / gelaſſen werden.
Jn kurtzer Zeit wird der Reis unter dem Waſſer herfuͤr frech aufſchieſſen / und offt gar zu viel / daß man ihn / wann man das Uberwachſen beſorget / zu Zeiten das Waſſer entziehen muß / auf etliche Taͤge / biß man ſiht / daß er aus Mangel der Feuchtigkeit ſich wiederum zu gebuͤhrlicher Maͤſſigung ergibt; das ſpuͤhrt man / ſobald er von dem Sonnenſchein anfaͤngt matt und welcklichtzu werden; denn wie das Waſſer des Reiſes Aufneh - men und Leben iſt / alſo iſt deſſen Abweſenheit ſeine Kranckheit und Tod; darum muß man ihm das Waſ - ſer ſodann gleich wieder geben / und mehr als vorhin / das iſt / auf vier Finger hoch / biß auf fuͤnf / damit man den Reis / nachdem er hochgewaͤchſig / bluͤhend oder einkoͤr - nend iſt / welches zugleich geſchihet (und das muß ihm nicht biß auf annahende Zeitigung entzogen werden) ſtetigs mit dem Waſſer in gleicher Hoͤhe begleiten / da - mit man das Waſſer / ſo von der Erden in ſich geſchluckt iſt / mit neuem wieder erſetzen / und ihn ſtets unterm Waſ - ſer erhalten moͤge.
Wann mans ſchneiden will / muß das Waſſer et - liche Taͤge vorher zum letztenmal gantz abgezogen wer - den / daß die Frucht gantz abtrockne / die wird hernach / wie alle andere / wol duͤrr / in die Scheuren oder Staͤ - del gebracht.
Der Reiß macht die Felder / worauf er ſtehet (zwei - fels ohne aus Uberfluß des Waſſers) fett und traͤchtig; wenn er zwey oder drey Jahr nachemander an einem Ort geſtanden / wird der Grund taͤuglich und kraͤfftig / allerley Winter - und Sommer-Fruͤchte zu bewirthen / weil durch das Waſſer nicht allein der Grund fett ge - macht / ſondern auch alle ſchadhaffte Thierlein / Kefer und Schnecken getoͤdtet / auch alle Unkraͤuter vertrieben werden / und iſt die Erde faſt gleich den abgelaſſenen trockenen Teichen; wie ſie in Boͤhmen pflegen mit al - lerley Fruͤchten nicht unnuͤtzlich angeſaͤet zu werden.
Sonſt ſoll wol die anhaͤbige uͤber dem Reis unter - haltene Feuchtigkeit / die faſt in die fuͤnf Monat darauf bleiben muß / nicht allein wegen der neblichen Aufduͤn - ſtungen / ſondern auch wegen des Reiſes ſelbſten / nicht gar eine geſunde und bequeme Lufft von ſich geben / da - her am beſten / wann dieſer Feldbau von den Wohn - haͤuſern etwas entlegen kan angeſtellet werden / je beſſer und fetter die Aecker ſind / je weniger; je ſchlechter a - ber / je mehr Waſſer bedoͤrffen ſie. Der Reis naͤhret wol / vermehret das Gebluͤt und Saamen / ſtopffet et - was / und ziehet zuſammen / darum er den Bauchfluͤſſigen nicht undienlich.
DEr duͤnne einfache Mahen / ſonderlich der weiſſe / wird mit groſſem Nutzen in einer Wirthſchafft angebauet; der dicke und vielfaͤrbige gehoͤrt in die Gaͤrten / wird im May an trockene und warme Ort geſaͤet / hat eine kalte Natur / befoͤrdert den Schlaff; des ſchwartzen Saamens Decoctum, im Wein / iſt gut fuͤr den Bauchfluß; das Opium, ſo daraus verfertigt und zu vielen Sachen in der Artzney gebraucht wird / ſoll weiß / glatt / ſchwer / und im Waſſer bald zergaͤngig ſeyn; wird mit vielen andern Stucken verfaͤlſcht / daher ſich wol vorzuſehen. Aus dem weiſſen Mahen wird auch ein Oel ausgepreſſt / dem Mandel-Oel nicht ungleich / auſ - ſer / daß es weiſſer iſt / und den Doͤrrſuͤchtigen bequem - licher. Der weiſſe Mahn-Saamen / daͤmpfft die un - natuͤrliche groſſe Hitz in hitzigen Fiebern / er ſoll an den Orten / wo man Holtz gebrannt hat / am liebſten auf - gehen.
Der Hanff / wie auch der Flachs (davon hernach) dienen den Menſchen zu kleiden / und mit allerhand grob / mittlern und kleinerm Leingewand zu verſehen. Der Hanff will eine fette wolgearbeitete gute Erden haben / muß im Herbſt gedungt / geackert / und ſoll die Erden mit einer Hauen / haͤuffelweiſe / angeſchuͤttet ſeyn / damit ſie durch des Winters Feuchten und Kaͤlte muͤrbe gemacht werde / nach vorbeygangener Winter-Kaͤlte wird er meiſtens vor S. Urbani, und um Pfingſten / im abneh - menden Monden geſaͤet / dann muß die Erden zuvor wie - der abgezogen / vergleicht und gearbeitet ſeyn; wann man gedoͤrrten Taubenmiſt auf die Saat ſtreuet / hilfft es nicht wenig / muß aber geſchehen zur Zeit / wann am Him - mel ein balder Regen zu hoffen / hat man aber Mittel zu waͤſſern / ſo iſt es deſto beſſer; wiewol es nicht gar zu ſehr vonnoͤhten.
Der Saamen muß heurig / neu und friſch ſeyn / der Werth des Hanffes beſteht in ſeinen ſubtilen Stengeln / die man darzu von den groͤſſern und dickern / beſondersF iijaus -46Des Adelichen Land - und Feld-Lebensausleſen laſſen muß / und diß deſto mehr zu erlangen / muß er dick geſaͤet werden / daß ein Stengel den andern preſſt / und keiner den andern zu dick aufwachſen laͤſſet / ſo blei - bet er duͤnnhaͤrig / und kriegt ſubtile Stengel; Jm Ge - gentheil ſaͤet man ihn duͤnn / ſo werden die Stengel dick / und gibt nur groben Gezeuge / zu Seilen / Stricken und Plahen / drum kan man ihn dicker oder duͤnner ſaͤen / nach - dem man Willens iſt / ihn zu zarten oder groben Sa - chen zu gebrauchen.
Es iſt zweyerley Art allzeit beyſammen; der Saa - men kommt allein von dem Maͤnnlein her / wie es de Serres und Heresbachius nennet; das Weiblein aber / welches man in Oeſterreich den Paͤſtling heiſſt / giebt den ſubtileſten Haar / und wird allzeit um etliche Taͤge eher ausgefangen; ſeine Zeitigung erkennt man daher / wann er anfaͤngt (ſo man ihn ein wenig ruͤttelt) zu ſtau - ben / traͤgt gantz kein Koͤrnlein; man muß ſodann laͤn - ger nicht warten; den Saam-Hanff kan man noch laͤnger ſtehen laſſen / daß er beſſer zeitigen koͤnne / man muß aber / wegen der Voͤgel / Scheuchen und gehenckte Spatzen dabey aufhaͤngen / ſonſt ſind ihm die Voͤgel ſehr nachſtellig.
Ein guter Freund hat mich verſichert / wann man ein Gans-Eyſchalen / die gantz iſt / und obenauf nur ein Loͤchlein hat / mit Hanffkoͤrnern fuͤllet / und ſolches zu rechter Zeit in die Erden alſo graͤbt / daß das Loͤchlein obenauf gekehret ſey / ſo ſoll ein ſehr groſſer dicker Hanff - Stengel daraus wachſen / daß man auch Loͤffel aus den Stengeln machen koͤnne. Poſſet idem probari etiam cum aliis ſeminum generibus.
Es werden in die Hanffaͤcker / weil ſie wol zugerich - tet / und das Ungezifer und Unkraut zu vertreiben / gern Ruben angebauet / man darff den Rubſaamen nur in den Acker werffen / weil der Saam-Hanff noch drauf ſtehet / dann wann er hernach (wie man pflegt) mit der Wurtzen heraus geriſſen wird / ſo kommt der Saamen ſchon etwas in die Erden / kan mans doch hernach noch einmal uͤberſprengen / ſo hat man Ruben von unterſchied - lichem Alter / die man hernach mit einem hoͤltzernen Re - chen einhacken kan.
Man mag auch wol Anfangs / wann man den Hanff ſaͤet / etliche Bifaͤnge oder Aecker mit Rubenſaamen duͤnn unterſprengen / ſo hat man / wann man den Hanff faͤngt / ſchon Ruben in die Kuchen. Sobald der Hanffausgenommen / muß er zuſamm gebunden und zur Roͤtze ins Waſſer gebracht / eingelegt und mit Steinen ge - ſchwert werden / iſt gut / daß es an einem Ort ſeye / wo die Sonne den gantzen Tag meiſtens darauf ſcheinen kan / und das Waſſer nicht ſtarck oder gar nicht flieſſe; alſo bleibt er acht Tage mehr oder weniger ligen / nach - dem das Waſſer weich oder hart iſt / biß ſich ein wenig von dem Hanff die Rinden abzuſchehlen anfaͤngt.
Wo er aber zu ſpat zeitiget / daß der Sommer mei - ſtens vergangen / und der unbeſtaͤndige Herbſt ſich ſchon ſpuͤhren laͤſſet / ſo bringt man ihn daſſelbe Jahr nicht ins Waſſer / ſondern laͤſſt ihn biß auf folgenden Sommer und warmes Wetter / an einem luͤfftigen und trockenen Ort ligen. Wann er aus der Roͤtze genommen iſt / laͤſſt man ihn an der Sonnen abtrocknen / hernach wird er geprechelt / gehaͤchelt / geſchwungen / und zu unterſchiede - nen ſubtilen und groben Sachen angewendet.
Man kan ein Land wol etliche Jahr nacheinander zum Hanff nehmen / wann es nur wol gedungt / und mit der gehoͤrigen Arbeit verſorget wird. An etlichen Orten wird er zu zwey unterſchiedlichen mahlen in einen Acker geſaͤet / nur damit er deſto dicker und alſo ſubtiler auf - gehe.
Theils / ſonderlich in Italiâ, wie Herꝛ Aug. Gallo bezeuget / ſaͤen Bohnen auf das Hanff-Feld im Herbſt zeitlich / und zu Ende des Martii ackern ſie alles unter / und dungen alſo gar trefflich; wann der Trag-Hanff gezoden wird / legt man ihn auf Plahen an die Sonne / paſſt hernach oder reibt den Saamen in eine Botting / und putzt und ſchwingt ihn hernach gebuͤhrlich / daß er von aller Unſauberkeit gereiniget werde.
Der Hanff-Saamen iſt dem Menſchen gut fuͤr die Winde / und den Huͤnern nuͤtzt er / daß ſie im Win - ter gern davon legen. Wann die Seiden / oder das Hanffkraut in die Flachs-Aecker kommt / mag man folgendes Jahr Hanff hinein ſaͤen / da wird dieſer un - hoͤfliche Gaſt wol weichen muͤſſen; wanns in einem Gar - ten viel Regenwuͤrmer giebt / kan mans / wann man Waſſer / darinnen Hanff geſotten / darauf gieſſet / bald heraus bringen / das iſt den Fiſchern dienlich / die mit dem Angel umgehen; auch wann ein Ungezifer ins Ohr kriecht / kan mans / infuſo cannabis decocto, bald heraus treiben.
UM ſo viel der Flachs ſubtiler iſt / als der Hanff / um ſo viel mehr Arbeit und Sorg bedarff er auch; wann man zum Flachs ackern will / ſagt Tanara, ſoll man das erſtemal wol tieff / das anderemal weniger / und zum dritten gar ſeicht ackern / damit / wann er ſich mit der Wurtzen nicht einſencken kan / er den Stengel deſto hoͤher auftreibe.
Er fordert das beſte Erdreich / das man haben kan / und iſt gut / wann es des Orts Gelegenheit leidet / daß man ihn / bey duͤrrer Zeit / waͤſſern kan / denn dieſer wird den andern / der bey heiſſer Zeit verſchmachtet / weit uͤ - bertreffen; in duͤrren Jahren iſt der Gaſſenkoth die be - ſte Dung darzu / der Miſt brennet das Feld aus; der fruͤhe Lein wird um Walburgis, der mittere um Urba -ni, und der ſpate um S. Veits Tag geſaͤet / im letzten Viertel / ſo bluͤhet und zeitigt er zugleich / und wird beſſer an den Haaren.
Herꝛ von Thumbshirn ſagt / je mehr Jahr der Lein auf dem Boden ruhe / ehe er geſaͤet wird / je laͤnger und kleinhaͤriger er werde / doͤrffe auch nicht ſo viel Jettens / welches ſonſt bey andern Saamen nicht angehet; er muß aber in keinem Faß / darinn er unbrauchſam und thum erſticket / ſondern auf einem Boden erhalten werden / ſo kan man ihn uͤber zwey und mehr Jahr nuͤtzlich brauchen / man ſoll ihn / wo muͤglich / nach einem Regen ſaͤen / wann es wieder ausheitern will / ſo geht er fein gleich auf / ſonſt kan ihm der Platzregen groſſen Schaden thun / daß er in die Erden zuſamm geſchlagen nicht aufgehen kan;ehe47Siebendes Buch / Ackerbau.
ehe der Lein geſaͤet wird / ſoll der Acker vorhero klein und gut geegt / und muͤſſen alle Raſen / Wurtzen und Schrol - len heraus ſeyn / man ſoll / wo moͤglich / jaͤhrlich / oder doch uͤbers ander Jahr / das Flachsfeld aͤndern.
Jn neuen Aeckern geraͤth er am beſten / wann man ſie nur gebuͤhrlich zubereitet; Es muß der Saamen in einem ſaubern Sack auf das Feld gebracht / und aus einem reinen Tuch geſaͤet werden / wann eines oder das andere melbicht iſt / ſo ſoll gern Flachs-Seiden wach - ſen / bey duͤrrem Wetter ſoll man nicht drinnen jetten; wann das Unkraut nicht ſamt der Wurtzen heraus geht / wucherts nur haͤuffiger; was die Lufft anlangt / wo er gerne waͤchſt / liebt er mittelmaͤſſige / doch die mehr zur Kuͤhle als Hitz geneigt ſey. Die Erden wird von ihm ſehr ausgeſogen und erſchoͤpfft; Urit enim lini cam - pum ſeges, urit avenæ, urunt lethæo perfuſa papa - vera ſomno. Daher ihrer mit Dung und Wartung wieder deſto beſſer zu pflegen / um ſie wieder zu erquicken / und ihrer Ohnmaͤchtigkeit zu Huͤlffe zu kommen.
Hiebey iſt zu mercken / was M. Camillo Tarello in ſeinem Ricordo d’ Agricolturâ meldet fol. 64. daß die Breſcianer auf den Feldern / worauf vorher Klee ge - ſtanden / den ſchoͤnſten Flachs bauen / wann die Wur - tzen deſſelben mit eingeackert worden / und nichts deſto weniger hernach thut der Hirſen gleichwol reichlich und ſchoͤn wachſen / wann die Aecker nur mit Dung und Waͤſ - ſerung wieder erquicket worden / und nach den Hirſen auch den ſchoͤnſten Weitzen; das wuͤrde aber in unſern Laͤndern ſchwerlich erfolgen.
Er waͤchſet (wie geſagt) gern auf Neubruͤchen und Wieſen / die man neulich zu Aeckern gemacht hat / iſt nuͤtzlich / wann der Grund mit der Schaufel umgegra - ben / und (wie bey dem Hanff gedacht) im Herbſt auf Hauffen geſchlagen wird.
Herꝛ Aug. Gallo und de Serres gedencken einer Haar-Linſen Art / die im Herbſt im September oderOctober geſaͤet wird / auch im alten Monden / obwol et - liche verſichern / man koͤnne jeden Lein-Saamen ſowol im Herbſt / als im Fruͤling / nach Belieben ſaͤen; der Winter-Haar muß in ein Sommerland geſaͤet ſeyn / wohin der kalte Nordwind nicht anfaͤllt / muß auch im Herbſt zeitlich gebauet ſeyn / daß er vor Winters etwas erſtarcke / uñ deſto leichter widerſtehen koͤnnen / ſo muͤſſe er auch / wann die Kaͤlte ſich ergroͤſſert / etwas bedeckt wer - den; man kan Latten erhoͤht daruͤber legen / und ſolche mit Stroh / Farrenkraut oder Tannengras verwahren / und ſoll das Farrenkraut auch hernach an ſtatt einer Dung dienen / uñ das Ungezifer ausbannen / ſo werde der Flachs den Winter tapffer uͤberſtehen koͤnnen; Es muß aber dieſe Decke gegen der Mittags-Sonne koͤnnen et - was eroͤffnet ſeyn / damit er deſto beſſer wachſen moͤge. Glaube aber nicht / daß dieſe Bau-Art in unſern kalten Borealiſchen Laͤndern vorzunehmen rahtſam / ſteht alſo frey / an Orten / wo es Sommerlaͤndig / mit wenigen zu verſuchen / und auf Befindung / von deren Werth oder Unwerth zu urtheilen / das ſicherſte iſt / ſeinem Lands - Brauch / und der lang habenden Erfahrung / nachzufol - gen.
Er hat ſeine abſonderlichen Feinde / ein Ungezifer / ſo ihn / wann er zwey Finger hoch aufwaͤchſet / benagen / die werden durch klein-uͤberſaͤeten Aſchen vertrieben / diß aber muß man thun / wann man bald einen Regen hofft / dardurch wird der Aſchen der Erden eingefloͤſt / und ſie gleichſam damit bedunget; wo man auch Flachsſeiden ſpuͤhret / muͤſſen ſie zeitig ausgejetten werden / ehe ſie ſich um den Flachs ſchwinget. Die meiſten Flachsſtengel tragen Koͤrner / was aber ohne Saamen iſt / wird beſon - ders geleſen / und gibt den ſchoͤnſten und beſten Haar / ſo bald der Saame ſchwartzbraun wird / iſt der Flachs zu rauffen / wird in Buͤndlein gebunden / getrocknet / die Bollen abgeriffelt / hernach in einem ſtehenden / doch kla - rem Waſſer geroͤtzt und geſchwert / weil es noch warmWetter48Des Adelichen Land - und Feld-LebensWetter giebt / darinn bleibt er 4 oder 5 Taͤge / mehr und weniger / hernach wird er an die Sonn ausgebreitet und getrocknet.
Etliche / weil ſie glauben / der Flachs werde auf die - ſe Weiſe ſchwaͤrtzer / roͤtzen ihn in einem flieſſenden Waſ - ſer 7 oder 8 Tage.
Andere bringen ihn gar in kein Waſſer / legen ihn 10 oder 12 Naͤchte in eine Wieſen oder Anger / damit er den Thau und die Nachtfeuchten in ſich trincken moͤge / ehe die Sonne aufgehet / wird er taͤglich an ein verdeck - tes Ort alſo feucht aufgehaͤufft / biß Abends / da er nach Untergang der Sonnen wieder ausgelegt / und alſo dar - mit / biß er tauglich iſt / fortgefahren / dadurch er viel beſ - ſer und edler iſt / doch daß er Nachts an ein ſolches Ort gebracht ſey / wo / wegen der gaͤhlingen Guͤſſen / und Waſ - ſer-Auslaͤuffe / keine Gefahr zu beſorgen.
Wann der Flachs in einem heiſſen Wetter gewach - ſen iſt / wird er hart und ſpiſſig / den muß man nicht gleich brecheln / ſondern den Winter uͤber ligen laſſen / ſo wird er zaͤher und linder / und ſchlaͤgt ſich durch das brecheln nicht ſo viel weg.
Der Flachs waͤchſet gern auf niedrigen / doch ebenen / Aeckern / worauf Waitz oder Gerſten geſtanden / muß noch vor dem Winter mit kurtzen guten Miſt gedungt / umgeriſſen und geegnet ſeyn / daß die Wurtzen und das Unkraut heraus komme; man ſaͤet ihn gern vormittag bey hellem trockenem ſtillen Wetter; die Schrollen auf dem Acker muß man klein zerſchlagen / je dicker man ihn ſaͤet (wie den Hanff) je ſubtiler und kleinkoͤrniger wird er / giebt auch deſto ſchoͤnere Leinwath / man ſaͤet auch gern darauf Huͤner - und Tauben-Miſt / ſo bald er ge - ſaͤet worden / zur Zeit / wann man bald einen Regen ver -hoffet / vor aber muͤſſen alle Stein heraus geklaubt / und das Feld fein vergleicht und zertrieben werden; der fruͤhe Haar geraͤth meiſtentheils (doch nachdem die Jahrs - Witterung iſt) beſſer als der ſpate / ſoll auch ſubtiler werden; im Neumond geſaͤet / giebt er viel Saamen / im alten Mond aber giebt er beſſern Flachs.
Theils ſaͤen den Flachs an ein Ort / wo vor dem Jahr Kraut oder Ruben geſtanden ſind; noch beſſer iſt es / in ein Feld ſaͤen / wo vor einem Jahr Hanff geſtan - den / der haͤlt das Feld muͤrb / und vertreibt alles Un - kraut und Ungezifer / wie droben gedacht worden; wann er im neuen Monden geſaͤet wird / waͤchſt er ungleich und dicker / und bluͤhet immer zu; den Flachs in den Oefen doͤrren / darff einer groſſen Aufſicht / weil er bald ſich ent - zuͤndet / ſie muͤſſen wol verſtopfft und vermacht ſeyn / da - mit aus Mangel der Lufft ſich kein Feuer anflamme / und muß man offt darzu ſehen laſſen; man ſoll auch allzeit ei - ne Boding Waſſer in Bereitſchafft halten; am ſicher - ſten iſt / wann er an der warmen Sonnen kan gedoͤrret und abgetrocknet ſeyn.
Die Einroͤtzung ſoll (wo moͤglich) im Julio oder Auguſto geſchehen / weil die Waſſer noch von der Sonnenſtrahl erwaͤrmet ſeynd / im Herbſt iſts zu ſpat; der Haarpollen ſind zweyerley / theils ſpringen von ſich ſelbſt auf leinene Tuͤcher duͤnn ausgebreitet an der Son - nen auf / theils aber muß man dreſchen.
Aus Lein-Saamen wird auch Oel gemacht / ſo zur Artzney und andern Sachen nuͤtzlich zu gebrauchen. Der Saame hat / wie Dioſcorides will / mit dem ſœnum græcum einerley Vermoͤgen / zertreibt und erweichet die innere und aͤuſſere Hitz / zeitigt und lindert; Lein-Oel ge - truncken iſt gut fuͤr den Stein und Seitenſtechen.
BJßher haben wir die meiſten Saamen von Win - ter und Sommer-Getrayd / die beederſeits in die Aecker geſaͤet werden / erzehlt; Nun wollen wir fortfahren und beſehen / wie mit der Saat / biß zu ihrer Zeitigung / zu verfahren. Vor allen dienet / daß die Saat vor dem Vieh / daß ſie nicht / wann weiches Wet - ter iſt / mit ihrem Einlauffen / ſonderlich die Schweine / mit Umwuͤhlen / Schaden thun moͤgen / verwahret werde. Jm Viertel ob Wienerwald / wie auch im Land ob der Ennß / werden die meiſten Felder mit Zaͤunen / Gehaͤ - gen und Frieden (wie ſie es daſelbſt nennen) eingefan - gen / welches ſie auch ſonderlich wegen des Wildes thun muͤſſen; Jn den meiſten Orten aber / wo groſſer Feld - bau iſt / kan ſolches nicht ſeyn / muͤſſen aber die Heerden des Viehes durch eigene Halter / Hirten und Schaͤfer davon weggetrieben / und um die Zeit / wann das Trayd im Feld ſtehet / auf andere Weiden / Aenger / Waͤl - der und Brachfelder getrieben ſeyn.
Darnach weil ſich das Unkraut gleich von Jugend auf mit einmiſchet / muß ſelbiges durch fleiſſiges Jetten / ehe dann die Wurtzen erſtarcket / bey mittelmaͤſſigem feuchtem Wetter aufgeſucht / ausgeſtochen / ausgezogen / und alſo die Saat davon erledigt / und dardurch ihr Wachsthum befoͤrdert werden / ſonderlich was Diſtel und Doͤrner ſind / die groſſen Platz einnehmen / und das Trayd koͤrnlein dardurch verdringen / indem ſie unter undober der Erden ſich weit ausbreiten / und groſſen Platz einnehmen. Da hingegen wann die Saat dieſes uͤber - laͤſtigen groben Gaſtes entlediget wird / das Koͤrnlein gedeylich und wolgewaͤchſig zuſetzen kan.
Wanns feuchte Fruͤling abgiebt / ſo waͤchſet das Unkraut deſto lieber / daher ihm auch deſto emſiger nach - zuſtellen / doch muß mans erſtlich thun im abnehmenden Monden / darnach zur Zeit / wann es ſchon etwas aufge - wachſen und wolkaͤnntlich / auch nicht weiches Wetter iſt; ſonderlich ſoll man darinn deſto beſſer fortſetzen / wann bald ein Regen zu hoffen; denn dardurch wird die durch das Jetten und Ausſtechen aufgerigelte Saat wieder erquickt / zufrieden geſtellt / und zu neuem Wachs - thum und Vermehrung befoͤrdert / muß auch eher ge - ſchehen / ehe das Korn einſpindelt.
Wann es etwan drey oder vier Finger lang iſt / ſo kan mans ohne Schaden uͤbergehen; vor allem muß man das Unkraut gemach / behutſam und mit der voͤlligen gantzen Wurtzen ausziehen. Das Winter-Getrayd auszujeten / iſt beſſer / man erwarte den Fruͤling; dann wofern im Herbſt die Wurtzel des Getrayds bewogen und erſchuͤttert iſt / kan ſelbige leicht durch die einfallende Kaͤlte zu Schaden kommen; zu dieſer Arbeit kan man wol Weiber und Kinder brauchen / und muß mans ſol - cher Geſtalt wol zweymal uͤbergehen / von Acker zu A - cker / damit nichts dahinden bleibe. Vor allen andernwill49Siebendes Buch / Ackerbau. will der Hirsbrey durch oͤffter wiederhohltes Jetten be - treuet ſeyn.
Wann die Saat allzu frech und dick aufſchieſſet / daß man beſorgt / ſie moͤchte ſich legen / iſt das Sahern ein ſicher und gutes Mittel ſolches innzuhalten und zu verwehren; das muß aber nie bey feuchtem / ſondern al - lein bey trockenem Wetter geſchehen. Jm Winter / wann es gefroren / kan man wol auch die Schaf daruͤber treiben / und ſie / ſonderlich wo es ſo dick ſtehet / uͤberfreſſen laſſen; doch muͤſſen ſie nicht zu lang darauf bleiben; Schwein aber oder groſſes Vieh muß man nie darzu brauchen.
Woferne die Felder ſo gail / daß ſich das Trayd dar - auf faſt meiſte Jahr niderlegt / kan man Halb-Trayd / das iſt / Korn und Waitz unterelnander gemengt / anſaͤen / dann weil ſolches nicht gleich waͤchſet / gibt der kuͤrtzere Waitz gleichſam eine Stuͤtzen / dem fruͤher aufſchoſſenden Korn / daß es ſich ſo leicht nicht legen kan.
Alſo mag ein embſiger Hauswirth ſeine Trayder im Herbſt / Winter und Auswaͤrts offt beſichtigen / und was dort und da zu thun / betrachten und anſtellen.
Wann Reiffe oder kalte Tau auf das Getrayd im Auswaͤrts fallen / daß es / wann es von der heiſſen darauf ſcheinenden Sonne erhitzt / ſchwartz und brandicht wird / ſonderlich / wann es ſchon geſchoſſt hat; iſt das beſte Mittel daß zwey Knechte / mit einem langen Strick oder Seil / das Feld zu beeden Seiten uͤbergehen / die Spitzen von den Aehren damit beruͤhren / und den anhangenden Reiff / ehe er von der heiſſen Sonnen beſchienen und ent - zuͤndet wird / vorhero abſchuͤtten / allermaſſen auch an denbluͤhenden Baͤumen / die fleiſſigen Gaͤrtner zu thun pfle - gen / daß ſie / wann vor Tags ein Reiff gefallen / die Baͤume alsbald noch vor Aufgang der Sonnen abſchuͤt - ten; wann zween Knechte / wie geſagt / mit hart ange - zogenen Seile / alſo ein paar mal auf und abgehen / wird der meiſte Reiff dardurch von den Aehren herabgeſchla - gen / oder wann das Feld groß / mag man wol das Seil zu Pferd fuͤhren / welches / wann keine Baͤume zwiſchen den Feldern ſind / gantz leicht zu thun.
Wo es die Gelegenheit des Orts leidet / daß man / bey einfallendem duͤrrem Wetter / im Mayen / ehe das Getrayd einkoͤrnet / die Felder waͤſſern kan / kan man ihrer damals gewoͤhnlichen Mattigkeit mit gutem Nutzen abhelffen / ſo man aber an wenig Orten haben kan / oder brauchen will / wiewol es dem gantzen Feld uͤberaus nutz - bar / und die damals habende Saat wunderſam er - freuet und mehret. Dazu muͤſſen die Felder (wie die gewaͤſſerten Wieſen) mit kleinen Graͤblein und Waſ - ſerfurchen vorbereitet / und dardurch das Werck befoͤr - dert werden; es muß aber alles maͤſſig / gemach und be - ſcheidenlich / nicht uͤberfluͤſſig noch haͤuffig uͤbergoſſen ſeyn; wo flieſſende Waſſer / Baͤche / Teiche und Seen in der Naͤhen / iſt dergleichen wol zu thun / muß aber / wann man waͤſſern will / ein eigner Knecht darauf Ach - tung geben / damit das Waſſer nicht zu lang ſtehe / ſondern bald ſeinen gebuͤhrlichen Durchgang und Aus - lauff / und an die Ort habe / die es am meiſten bedoͤrf - fen / dahin auch vorhero die Waſſerlaͤuffe einzurich - ten.
ES iſt an denen Orten / wo flache / weite / ſchoͤne Felder / und viel Herꝛſchafften und Edelſitz herum ſind / ein alter Gebrauch / daß der Adel mit Wind - hunden / im Winter / Fruͤling und Herbſt mit Haſen hetzen ſich uͤben / und damit ihre Freude und Kurtzweil haben / da ihrer 3 / 5 oder mehr / die Saaten und Brach - felder durchſuchen / die Haſen aufſtoͤbern / und die auf - geſtandene mit ihren Winden verfolgen / und ihnen nacheilen; welches von vielen Bauren / denen die Fel - der angehoͤrig / offtmals mit vielen Seufftzen beklagt / und denen / ſo muthwilligen Schaden verurſachen / ge - flucht / und alles Ubels auf den Halſe gewuͤnſchet wird. Nun iſts an dem / daß wir dieſes etwas beſſer in Be - trachtung ziehen / wie weit es zulaͤſſig oder ſuͤndlich / er - laͤutern / und alſo von dem Brauch und Mißbrauch des Hetzens handeln wollen. Zu wuͤnſchen waͤre es / daß dieſes im Fruͤling vorzunehmen / allerdings unterlaſſen / oder doch mit gebuͤhrlicher und beſſerer Diſcretion von dem Adel fortgetrieben und angeſtellt wuͤrde / nicht al - lein weil die Haſen damals traͤchtig / ob ſchon trocken Wetter / nicht lauffen koͤnnen / dardurch groſſer Schad am Wildpret geſchihet / ſondern auch weil damals / nach zergangenem Schnee / gewoͤhnlich weiches Wetter / die Pferde die Erden eintretten / und mit den Hufeiſen viel Saher herausziehende / nicht geringen Schaden thun / und ein durch hetzen gefangener Has koſtet mehr als ſonſt ihrer zwey oder drey. So ſind auch doch bißwei - len die gemeinen Leute und Bauren allzu grippleriſch /neidiſch und boshafftig / daß ſie aus geringem etwas groſſes und wichtiges machen / offt ohne Urſach klagen / und dem Adel ſeine gebuͤhrliche Erluſtigung mißgoͤnnen. Daher wanns im trockenen Fruͤling / zur Zeit / wann die Haſen allbereit geſetzt / oder das Korn erſt 3 oder 4 Fin - ger lang / noch nicht einſpindelt / oder wanns im Herbſt auf den Brachfeldern / oder auch auf trockener Saat fuͤrgenommen wird / dergleichen Ubung nicht ſonderlich zu tadeln / ſondern vielmehr zu loben iſt. Wann die Saat dick und frech ſtehet / iſt es offt mehr nuͤtz - als ver - derblich / weil es von denen dardurch lauffenden Wind - hunden / Pferden und Leuten etwas nider gedruckt / und alſo zur Mittelmaß gebracht / und daß es ſich endlich nicht gar aus Gailheit zur Erden lege / verhuͤtet wird.
Es erzehlt Herr de Serres in ſeinem 2 Theil am 5 Capitel dieſe nachdenckliche und merckwuͤrdige Hiſto - ria: Daß in Piemont die Jnwohner in Valle Auguſtâ (Val d’ Oſt) mit denen von Verceilles und ihren Nachbarn im Krieg geſtanden / jene einsmals einen Streiff / zur Zeit / als das Korn faſt halb gewachſen / und einſpindlen wollen / in ihrer Feinde Lande gethan; und als ſie ihnen die Feldfruͤchte / weil ſie gantz gruͤn wa - ren / mit Feuer nicht anſtecken koͤnnen / haben ſie viel Pfluͤge mit Ochſen genommen / das Korn damit umge - riſſen und geackert / der Meynung / ihren Feinden das Proviant zu entziehen und dardurch mit Aushungern zu ſchaden / aber es ſey / wider ihre Meynung / gantz ein❁ Gwider -50Des Adelichen Land - und Feld-Lebenswiderwaͤrtiger Ausgang erfolgt; daß das Getrayd ha - be durch dieſe Umſtuͤrtzung / an ſtatt / daß es verderben ſollen / neuen Safft und Krafft von der Erden genom - men / ſchoͤner und fruchtbarer worden als vorhin; indem die Aehren (wie die eingelegten Reben) mehr Staͤm - me und Zuſatz bekommen / auch durch die Aufriglung des Bodens deſto mehr Aehren getragen; Und ſetzt / daß dieſe ohngefaͤhr erhaltene Erfahrung / mit Nutzen der Jnwohner / hernach lange Zeit ſie die Saatẽ mit Pfluͤgen / wann ſie ſchieſſen wollen / ſeicht umgeruͤhrt / und dardurch ihrer Aecker Fruchtbarkeit / mercklich und augenſchein - lich befoͤrdert und gebeſſert haben. Und wann wir den Jaͤgern und Forſtknechten glauben wollen / ſo ſoll der Hirſchen und rothen Wildpret Aeſen in den Saatenuñ Feldern nicht ſonderlich ſchaͤdlich fallẽ. Das waͤre wol nachzugeben / wann das Wildpret allzeit nur bey trocke - nem Wetter in die Saaten gienge. Weil es aber auch geſchicht / wenn die Felder weich / und ſie manchesmal Schaarweiſe kommen; wuͤſte ich nicht / wie ſie es be - ſchoͤnen / und die Bauren uͤberreden ſolten / daß ſie es unſchaͤdlich zu ſeyn glauben ſolten. Zu wuͤnſchen waͤ - re / man haͤtte mehr Obſicht auf der armen Unterthanen Auſnehmen / und verderbete / um einer ſchnoͤden Freude willen / ſeine eigne Unterſaſſen nicht / wie vielmals ge - ſchihet / aufs wenigſte / daß mans nicht ſo uͤberhaͤufft ſich vermehren / ſondern durch oͤffters Schieſſen und Jagen ſie / und dardurch der armen Leute Schaden und Her - tzenleid vermindern lieſſe.
DEr Zweck und die Urſach / warum alle beſchwer - liche Muͤhe und Arbeit vorgenommen / und erdul - det wird / iſt die Ernde / die reichen Lohn gibet de - nen / die ſich recht und gebuͤhrlich darum bemuͤhen / wo die Robbath / und viel Unterthanen vorhanden / da kan man in kurtzer Zeit ein groſſes Feld abſchneiden / wann bequemliches Wetter darzu kommt; An vielen Orten fuͤhrt man die Schnitter mit Trommeln und Pfeiffen / oder mit einer Schalmey und Sackpfeiffen ins Felde / daß ſie dardurch angefriſcht / und die junge Burſch / aus Hoffnung eines Abendtantzens (darinn ſie ihre / den gantzen Tage zur Erden gebogenen Rucken gleichſam wieder erſtrecken und einrichten) zur Beſchleinigung ih - rer Arbeit ermuntert werden.
Wenn ein kuͤhler Aſchen farber Tag (Dia de Ce -nizas von den Spaniern genannt) und keine ſo uͤber - maͤſſige Hitze iſt / gehets deſto beſſer von ſtatten. Denn dieſe Arbeit / biß das Getrayd trocken in die Staͤdel ge - bracht worden / hat das meiſte auf ſich; an theils Or - ten werden die Garbenbaͤnder nur von Korn gleich im Feld gemacht / es reiben ſich aber viel Koͤrnlein aus / und iſt beſſer / wann man ſchon gemachte Strohbaͤnder im Vorrath hat / die man kurtz vorher / ehe ſie gebraucht ſind / in ein Waſſer duncken / und ſie erzaͤhen laͤſſet / ſo werden die Garben feſter / und beſſer damit zuſammen ge - bunden. Ein Hausvatter muß ſich ſowol mit dieſen / als Speiſe / Unkoſten / und wo keine eigne oder nicht ge - nugſame Unterthanen ſind / auch mit Schnittern verſe - hen / damit / wann ſchoͤn Gewitter / er aus ſeiner eigenen Verlaͤſſigung nicht geſaumet / oder durch gaͤhe Sturm -winde /51Siebendes Buch / Ackerbau. winde / Schauer / Ungewitter und Naͤſſe / auch durch das Gefluͤgel und Wildpret groſſer und unwiderbringlicher Schaden geſchehe. Beſſer iſt es (ſonderlich mit dem Waitz) ein wenig zu fruͤh / als ein wenig zu ſpat ange - fangen / weil / wann es uͤberzeitigt / viel ausreiſet / und man der Beſtaͤndigkeit des kuͤnfftigen Gewitters nie - mal verſichert lebet / weil dieſe Hoffnung manche betro - gen und in Schaden gebracht hat. Da auch (auſſer des Saam-Trayds / ſo wol auszeitigen muß) gleich ein Theil noch etwas weichlicht waͤre / wenns nur eine Zeitlang in den Aehren zu bleiben und zu ligen hat / ſo kommt ihm ſchon die vollkommne Zeitigung / kriegt auch ſeine rechte Farb und Vollkommenheit.
Colerus raͤthet / wann das Trayd zur Ernde ſehr reiſet / oder es der Hagel ausſchlaͤgt / daß es ſo dick auf dem Feld ligt / als waͤr es geſaͤet / ſo ſoll man keine Schwein oder Gaͤnſe darauf kommen / ſondern bald wieder unterackern und nach der Quer einegnen laſſen; das vom Schauer nidergeworffene Trayd aber muß vor abgeſchnitten und weggebracht werden; ſagt auch / er hab es ſelbſt probirt und richtig befunden / daß man aufs kuͤnfftige Jahr wieder eine gute Ernde hat / weiß aber nicht / ob der Acker / wann er zwey Jahr nachein - ander ſchweres tragen muß / dardurch gebeſſert wird / aufs wenigſt wird die Ordnung und Austheilung der drey Baufelder damit verwirret / aber die Noth hat kein Geſetz. Wiewol der Schnitt im alten Monden am beſten / kan man doch deſſen nicht allzeit erwarten / iſt auch nicht ſo hoch vonnoͤthen. Andere glauben / wann der Schnitt weder im neuen noch alten Monden / ſon - dern in denen Viertheilen verrichtet wird / ſollen die Wippeln das Korn deſto weniger beſchaͤdigen. Erſt - lich wird auf die Baͤnder geſchnitten / und etliche Stun - den an der Sonnen gelaſſen / daß es wol aus - trockne; hernach bindet man die Garben zuſammen / und macht Mandeln zu 15 Garben / theils legen 10 / theils zu 12 Garben auf ein Manbel / und hat nichts zu bedeuten / weil doch 60 Garben ein Schock oder Scho - ber machen / es erfuͤllen gleich 4 / 5 oder 6 Mandel dieſe Anzahl. Sie werden auf unterſchiedene Weiſe / dem Landsbrauch nach / aufgerichtet; im Viertel ob Wiener Wald / nachdem die Garben groß oder klein ſind / ſetzt man 8 oder 10 Garben / die Stoppeln unterſich / und die Aehren uͤberſich zuſamm; werden hernach mit zwey zuſamm gebundenen mit den Aehren abwaͤrts hangen - den Garben wol bedeckt / daß ſie vom Thau oder Re - gen nicht ſo leicht befeuchtet werden / und da es auch ge - ſchihet / laufft doch die Naͤſſen bald wieder abwaͤrts / daß ſie ihnen nicht ſonderlichen Mangel bringt; im fall ſie auch durch einen Regen ſolten benetzt werden / kan man ſie bey ſchoͤnem Wetter wieder abdachen; das iſt / die obern zwo Garben oder den Hut herab auf die Er - den aufgerichtet ſtellen / damit die Sonne unverhindert die aufgeſetzten Aehren frey beruͤhren / und deſto eher abtrucknen moͤge. Man muß mit den Garben / wann man ſie bindet / zuſammen traͤgt und aufſchoͤbert / nicht grob und ungeſchicklich umgehen / nicht wider die Er - den ſtoſſen und fallen laſſen / ſondern ſie fein ſanfft und gelinde / der Koͤrner / die ſonſt bald ausfallen / zu verſcho - nen.
Wo man nicht Unterthanen oder Schnitter genug hat / muß man ſich beyzeiten darum bewerben; An et - lichen Orten iſt der Gebrauch / daß man mit einen oderzween Vertrauten und Bekannten um ein gewiſſes Geld / den gantzen Schnitt abzubringen / dinget / die ſchauen ihnẽ dann um eine genugſame Anzahl Schnitter um / din - gen mit ihnen / und lohnen ihnen nach dem Tagwerck / ſo gehts auch ſchleunig zu / und darff der Hausvatter nicht ſo anhaͤbig nachſehen / weil die Schnittmeiſter zu eignen ihren Nutzen darob ſeyn muͤſſen / daß nichts verſaumt ſey / hat ſich auch der Herr um das Eſſen nicht ſo viel zu bekuͤmmern. So iſts auch darum leichter / weil in Oe - ſterreich / ſonderlich in den zweyen Vierteln Unter-Wie - ner Wald und Unter-Mainhartsberg / das Korn um viel eher zeitig wird als in Steyermarck / daß aus den gebuͤr - gigen kalten Orten Leute (die ohne diß daſelbſt keine Arbeit haben) genug herein kommen / die man zu dieſer nothwendigen Arbeit brauchen mag. Und dieſe gute Leute verdienen Geld am heraus und hinein Reiſen / und kommen dennoch noch recht zu ihrem Schnitt. Alſo kan GOtt weislich dieſem armen Volck ſeinen Unterhalt / und den benoͤthigten Leuten Arbeiter / mit beederſeits Nutzen / zuordnen und ſchencken.
Was die Huͤlſenfruͤchte / Erbſen / Linſen und der - gleichen ſind / muß man wol acht haben / daß ſie an ei - nem Tag geſchnitten ſind / daran es nicht regnet / denn wo ſie naſſer hernach von der Sonnen beſchienen wer - den / ſpringen die Huͤlſen / mit groſſem Verluſt / leichtlich auf.
Den Haber betreffend / hat es nicht allein wenig zu bedeuten / wann er ſchon benetzt wird / ſondern die Bau - ren halten auch davor / es ſey ihm beſſer / er ſey hernach leichter zu dreſchen / und gehe lieber aus dem Stroh / darum hat man mit dem Einbringen nicht beſonders zu eilen.
Bey dem Korn - und Waitzen-Schnitt iſt zu beob - achten / daß man / nachdem der Wind das Korn gebo - gen / ihme nach / und nicht entgegen ſchneidet; wann das Korn ſehr graſicht iſt / giebts zwar dem Stroh in der Vieh-Krippen groͤſſere Kafft / es muß aber deſto laͤn - ger in der Lufft und an der Sonnen bleiben / damit es recht ausgedoͤrrt werde / ſonſt wuͤrde es ſchimmlen / und muͤſte das Stroh verderben. Die beſte Zeit zu erndten iſt bey warmer Zeit vor Tages / ſo bald es anfaͤngt liecht zu werden; oder wann der Mond ſcheinet / nach Nider - gang der Sonnen / biß etliche Stunden in die Nacht / inſonderheit wann groſſe Schwuͤllhitze vorhanden / daß man des Tages mit der Arbeit nicht fortkommen kan.
Viel ſind der Meynung / wann das Trayd zu rechter und bequemer Zeit geſchnitten und eingefuͤhrt ſey / daß es / weil es im Stroh ligt / in dem Stadel wachſe / zuneh - me und vollkommener werde. An etlichen Orten / wo nicht viel Heu-Futter / wird die Frucht ziemlich hoch ab - geſchnitten / daß die Haͤlme hernach fuͤr das Vieh deſto beſſer ausgeben; in Oeſterreich aber werden die Haͤlm auf eine Spann hoch / bißweilen auch noch wol nidriger gelaſſen / und nachdem man zuſamm gerechet / oder den armen Leuten aufzuklauben gelaſſen wird / bald das Vieh darein getrieben / da ſonderlich Schaaf und Schweine wol davon zunehmen.
Was das Aehrenklauben antrifft / iſt es / nach Goͤtt - lichem Befehl / billich / es den Armen zu uͤberlaſſen / weil aber diß offt auch durch Leute / die wol arbeiten koͤnnten / mißbraucht / und denen recht Armen entzogen wird / hat die Wuͤrtenbergiſche Erndt-Ordnung Cap. 5. diß be -❁ G ijfohlen /52Des Adelichen Land - und Feld-Lebensfohlen / daß vor angehender Ernde / alle Perſonen / die ſich Achrenklaubens wollen theilhafftig machen / auf einen gewiſſen Tage / auf vorher-gehende offentliche Verkuͤn - digung / ſich auf dem Rahthauſe jedes Orts vor der Obrigkeit anmelden / und um Verguͤnſtig - und Zulaſſung des Aehrenleeſens anſuchen / daruͤber auch ſie / als denen die Gelegenheit am beſten bewuſt / unparteyiſch erken -nen ſollen / welchen es zu erlauben ſeyn moͤchte / ſonſt ſoll es den andern bey Straff des Narrenhaͤusleins ab - geſtrickt ſeyn; und ſollen die jenigen / denen es erlaubt wird / vor der gantzen Gemein offentlich ausgeruffen wer - den. Soll auch nicht zwiſchen den Garben / ſondern al - lererſt zugelaſſen ſeyn / wann das Getrayd ſamt dem Ze - henden alles aus den Feldern iſt.
WO man auf ſeinen Feldern den Zehenden ſelbſt hat / iſts wol eine gelegene Sach / oder wo man den Zehenden nicht hat / er doch an fern-entle - genes oder doch gutes und nachbarliches Ort gehoͤrig ſey / daß man ihn um ein billiches Geld / oder gewiſſe Koͤrner / oder auf Treu und Glauben beſtehen mag; weil man am Einfuͤhren nicht gehindert oder geſaͤumet wird / wie bißweilen wol aus unnachbarlichen Bege - benheiten ſich zutragen kan. Wann der Zehend von dem Herꝛn deſſelbigen gehebt wird / iſt am rahtſamſten und beſten / daß man fein redlich und aufrichtig handele / vervortheiliſche Raͤncke und argliſtige Stuͤcke niemal begehe oder geſtatte / ſondern den Zehenden treu und aufrichtig / wie die Jahrszeit und Gottes Segen gibt / abrichte. Jndem das alte teutſche Sprichwort gewiß wahr iſt: Redlich waͤhrt lang. Und obſchon durch Neid und Bosheit dieſe Tugend angefochten wird / ſo behaͤlt man doch ein gutes Gewiſſen / und den Troſt / daß durch die Zeit / welche der Warheit Mutter iſt / endlich alle Luͤgen / wie der Schnee von der Sonnen / vernichtiget und gleichſam zerſchmeltzt werden / und Recht dennoch recht bleiben muß.
Was ſonſt die in Oeſterreich gebraͤuchige Zehend - Ordnung mit ſich bringt / will ich hier nicht unnothwen - dig wiederholen; ſondern den guͤnſtigen Leſer / in das erſte Buch zu dem 38 Capitel angewieſen haben / da wird er nothduͤrfftigen Bericht finden koͤnnen.
Das Einfuͤhren des Getraydes iſt eine von den ſorgfaͤltigſten Arbeiten; wo die nicht mit Obſicht und Vernunfft verrichtet wird / faͤllt alle durch das gantze Jahr gehabte Muͤhe / gleichſam (wie man ſagt) in den Bronnen; nicht anders / als wann ein Kauffmanns - Schiff uͤber Meer / alle gefaͤhrliche Ort / Klippen / Sandbaͤncke und Ungewitter uͤberſtanden / nunmehr das Vatterland vor Augen ſihet / und erſt in dem Port Schiffbruch leidet / daher ein Hausvatter deſto mehr Fleiß anzulegen / damit es bey gutem Wetter / trocken und recht an ſeinen Ort kommen moͤge; ſonderlich wann es ein wenig zu viel zeitig / kan nicht ſchaden / daß unten in die Waͤgen haͤnffene oder rupffene Tuͤcher und Plahen eingebunden ſeyen / darinn ſich die abfallende und ausge - ruͤttelte Koͤrnlein verhalten koͤnnen; man wird offt ein Viertel / oder wenigſt ein Achtel / oder doch einen guten Hut voll Koͤrner in einem Tuch finden / daher es bey vie - len Fuhren deſto mehr austraͤgt.
Wann man einfuͤhren will / muß vorher der Stadel allenthalben auf das ſaͤuberſte ausgeputzt / alle Mausloͤ - cher vermacht und verſchlagen / die Panſen mit neuem Stroh bedeckt / und der Tenne / woruͤber die Fuhrwaͤ - gen gehen muͤſſen / mit alten ſtarcken Brettern dick uͤber - legt werden / damit die Tenne / von der Waͤgen Schwe -re / und der Raͤder Stoß nicht aufgefuͤhrt und verderbt ſeyen.
Zu dem Einfuͤhren / nachdem es groß und das Wet - ter beſchaffen / muͤſſen genugſame Zuͤge / auch zum Gar - ben aufheben und aufladen / wie auch in den Staͤdeln die Garben zu empfangen uñ aufzuſchoͤbeꝛn / gehoͤrige Leu - te vorhanden ſeyn. Das Saam-Trayd / welches ein Hausvatter noch auf dem Feld / damit es rein ohne Dort und Raden / an einem magern Ort ſtehend ausleſen ſoll / muß ſonderbar gethan / das uͤbrige aber ſauber / trocken und feſt aufeinander geſchoͤbert werden / ſo koͤnnen die Maͤuſe und das Ungezifer nicht ſo leicht durchſchlieffen. Vorher uͤberlegt man den Panſen-Boden duͤnn mit rei - nem Stroh / theils nehmen auch etwas Nuß-Laub oder Erlen-Laub darzu / und richten alſo die Trayd-Garben in der gantzen Panſen fein zugleich in die Hoͤhe.
Wann bißweilen das naſſe Wetter anhaͤbig iſt / und man das Trayd nicht laͤnger / entweder wegen Kriegs - Gefahr und Furcht der ſtreiffenden Partheyen / oder ſonſt daß es gar uͤberzeitiget / darff im Felde ſtehen laſſen / ſon - dern nothwendig benetzt muß einbringen / ſo ſoll man ein groſſes Bier - oder Weinfaß nehmen / das beederſeits Bodenlos / mitten in die Panſen ſetzen / und es mit Gar - ben um und um gleich erhoͤhen / hernach das Faß wieder hoͤher ziehen / und diß biß aufwaͤrts continuiren / biß an das Ende des Trayds / da laͤſſt man das Faß daſelbſt ſtecken; ſo hat das Getrayd / wie einen Rauchfang / dar - durch die Naͤſſe nach und nach verduͤnſten und austrock - nen kan; damit das Korn nicht erhitze und auswachſe; wo der Stadel groß / moͤchte man 2 oder 3 ſolche Faß ſetzen / ſo trocknets deſto eher aus; es muͤſſen auch in ſol - chem Fall die Garben an den andern Waͤnden des Sta - dels nicht dicht und hart daran gelegt / ſondern ein Raum darzwiſchen gelaſſen ſeyn / aufdaß der Dampf deſto leich - ter uͤberſich verrauchen koͤnne; diß aber muß allein aus unvermeidlicher hoͤchſter Noth geſchehen / ſollen auch die Garben nicht alſo feſt (wie ſonſt gebraͤuchig) aufeinan - der gedruckt werden.
Wann das Korn alles in der Scheuren / werden die gelegten Bretter von der Tenn abgenommen / und die zer - riſſenen Garben / ſamt dem Tenngeroͤhricht / uͤberdroſchẽ / ausgeputzt und aufgehoben. Der Stadel muß recht ab - getheilt und groß genug ſeyn / alle die Jahrs-Fruͤchte ein jedes ſonderlich anzunehmen; Flachs uñ Hanff kommen nicht hinein / werden / ſo bald ſie ausgefangen und abge - rifelt / in das Waſſer / und auf die Wieſen und Doͤrr - ſtuben gebracht / Erbſen / Linſen / Haiden aber und die uͤbrigen Fruͤchte / kan man oben in der Hoͤhe uͤber den Tenn ein Geruͤſt machen / und daſelbſt jedes verwahren / Korn und Waitz haben ihren Platz auf der einen / Ha - bern und Gerſten aber auf der andern Panſen.
WO groſſes oder kleines Anbau verhanden / da iſt auch ein Stadel / darunter man alles vor Re - gen / Dieben und Gefluͤgel ſicher erhalten kan / hoͤchlich vonnoͤhten / ſo durch gantz Oeſterreich gebraͤuch - lich; in Ungern zwar / und in den Croatiſchen Doͤrf - fern / haben ſie wenig Scheuren; das Trayd wird ein jedes abſonderlich an einer langen ſtarcken Stangen / die man in die Mitten ſteckt / und untenher mit 3 oder 4 zimlichen ſtarcken Stuͤtzen verſichert / daß ſie nicht um - falle; untenher muͤſſen erſtlich trockene Blaͤtter und Reiſicht von Erlen / Bircken oder Weiden unterlegt ſeyn; um und um mit gehoͤriger circumferenz, nach - dem der Stock hoch oder nieder / des Korns viel oder wenig iſt / wird es angelegt / daß die Aehren einwaͤrts / das Stroh aber heraus komme; diß verliert ſich allge - mach / biß es endlich oben nur rings umher einer Garben breit / und hernach vollends mit Stroh oder Rohr be - legt und zugedeckt wird / und diß ſetzt ſich ſo feſt aufein - ander / daß ihnen kein Wind oder Regen leichtlich ſcha - den kan; unten herum wird ein Zaun herum gemacht / daß kein Vieh darzu moͤge; auf ſolche Weiſe / wird auch ihr Heu hoch aufgeſchoͤbert / und zu ihrem Gebrauch den Winter uͤber erhalten; was man dreſchen will / wird nach und nach / bey ſchoͤnem Wetter / durch Huͤlffe der Leitern / oben abgenommen / und wieder allzeit mit Stroh vermacht; Jhre Tennen haben ſie gleichermaſ - ſen unter freyem Himmel. Diß alles aber geſchicht theils aus Holtz-Mangel / theils aus Furcht / wegen des ſtreiffenden Erbfeindes des Tuͤrckens / theils auch wol aus Faulheit / daß ſie mit dem Gebaͤu nicht koͤnnen oder wol - len alſo umgehen / wie die Teutſchen.
Wer ihm aber einen Stadel zurichten will / der muß ihn nicht zu enge oder zu klein machen / ſondern nach pro - portion ſeines Anbaues / lieber ein wenig zu groß als zu klein; der Situs muß ſeyn / daß die 2 Thoͤr an beederſeits Ende des Tennens alſo gegen denen im Land waͤhenden gewoͤnlichẽ Winden gerichtet ſeyen / damit zum Abwindẽ oder Worffeln allzeit / oder doch meiſtentheils Wind ver - handen. Man kan ſodann die Thoͤre / nachdem der Wind ſtarck oder ſchwach / ein wenig / nur die Helffte / oder gar aufmachen / biß man des bedoͤrffenden Windes ge - nug habe; ſo ſind ſie auch darum nothwendig / daß man das Getrayd einfuͤhren / und bey dem andern Thor den Wagen wieder ausfuͤhren moͤge.
Wo groſſe Mayerhoͤfe und weitſchichtiges Feldbau iſt / werden die Staͤdel mit zwey oder gar mit drey Ten - nen / ſamt ihren doppel-Thoͤren verfertigt / da man dann Winters Zeit auch auf ſo viel Tennen dreſchen kan. Theils untermauren ihn nur einer Elen oder mehr hoch / ſetzen hernach das Zimmerholtz darauf / und verſchlagen den Uberreſt mit Brettern / ſoll beſſer fuͤr die Maͤuſe ſeyn; theils (die es nicht anders vermoͤgen) machen die Waͤnde gantz von Holtz; was aber vermoͤglich iſt / fuͤhrt den Stock biß auf den Dachſtul gantz von Mauren auf / wiewol etliche meynen / die erſte Weiſe ſey darum die beſte; daß ſie gleich ſo wol vor den Maͤuſen verwahrt; oben her nicht ſo ſtarck duͤnſten als die von gantzem Ge -maͤuer von unten an biß oben aufgefuͤhrt ſind. Neben den Thoͤren beederſeits inwendig werden abſonderliche Ort verſchlagen / darinnen theils das Dreſch - und Windgezeug; theils auch die Agen von Waitz und Korn hingethan werden.
Die Thoͤre muͤſſen ſtets verſchloſſen bleiben / es ſey Getrayd darinnen oder nicht / denn das Vieh ſoll nie hinein kommen / die Huͤner kratzen / und die Schweine wuͤhlen und verderben die Tenne / ſonderlich wann es feuchtes Wetter gibt.
Die Tenne zu machen / wird einen halben Schuch hoch die Erden ausgeſtochen / und an deren ſtatt / ein fe - ſter zaͤher Laim mit der andern Erden feſt einverleibt / und gantz geebnet / allgemach benetzt / uñ mit groſſen brei - ten Stoͤſſeln niedergeſtoſſen; unter das Waſſer / damit man die Tennen netzet / ſoll ein wenig Kuͤhekoth ver - mengt ſeyn / theils nehmen auch Agen und Ochſenblut darzu / ſtoſſens immerzu / hackens wieder auf und ſtem - peln die Tenne alſo drey - oder viermal allzeit eingefeuch - tet / biß alles endlich gantz glatt und feſte wird. Auf ſol - che Weiſe macht man auch die Tenne unterm freyem Himmel.
Das Dachwerck auf den Staͤdeln / wird meiſten - theils hoch aufgefuͤhrt / und vor dem Regen und Unge - witter wol verwahrt / theils machen es von Schinteln / theils nur von Stroh / weil es weniger koſtet / und man ſelbiges / wann es veraltet / und vom Wind verwuͤſtet wird / mit Nutzen auf den Miſt brauchen kan; der obere Foͤrſt am Guͤbel aber muß mit Schaͤben / die in Laim - waſſer getunckt ſind / feſt ineinander gebunden ſeyn / ſo kans den Sturmwinden beſſer widerſtehen; ein Schin - del-Dach aber / obs ſchon mehr koſtet / waͤhrets doch 3 oder 4 mal ſo lang.
Die Baͤume / worauf der Dachſtul ligt / (wie auch die Thoͤr / unten und oben) muͤſſen gehaͤbe und dicht ver - ſchlagen werden / damit Spatzen / Tauben und derglei - chen ungebetene Gaͤſte nicht hinein moͤgen / weil ſie einen Winter durch groſſen Schaden thun / und iſt leicht ein Loͤchlein / wordurch ſie einſchliefen; merckt mans / kan man ein rundes kleines Loch am Guͤbel auf der Seiten oͤffnen / und wann man ſiht / daß viel hinein fliegen / muß man ein Netz oder Fiſchraͤuſen darvor thun / ſo kan man ſie hinein jagen und ihrer loß werden; Oder man kan ſie von auſſenher mit Netzen und Hurten nach und nach abfangen.
Der Stadel muß an einem ebenen wol-gelegenen Ort ſtehen / und die Thoͤr hoch und weit ſeyn / damit man die Fuhren / bey gutem Wege gelegenſam aus - und ein - bringen / auch nicht enge Reyhen mit den ſchweren Fuh - ren (darbey man leichtlich mit Schaden umwerffen kan) machen doͤrffe.
Der Stadel muß an keinem niedrigen oder feuchten Ort geſetzt ſeyn / weil die Naͤſſen allem Geſtroͤhe verderb - lich. Heresbachius will / die Thoͤre ſollen nicht gegen Ni - dergang der Sonnen / ſondern gegen Mitternacht und Orient gewendet ſeyn; ſo muß man aber die Art der Land - winde bedencken / und darnach das Gebaͤu einrichten.
G iijCap. 54Des Adelichen Land - und Feld-LebensJCh will von mancherley Art des Dreſchens / ſo bey den Alten vor dieſem / auch noch itzt bey aus - laͤndiſchen Provinzen in Ubung ſind / hier / alle Weitlaͤufftigkeit zu meiden / nichts melden; weil in un - ſerm Land allein der Gebrauch / daß 3 oder 4 auf einem Tennen dreſchen / und haben dieſe einen ſonderlichen Vortheil / die in denen Scheuren oder Staͤdeln auf ver - deckten Tennen ihre Arbeit thun / fuͤr den jenigen / die unter freyem Himmel / und nicht als nur bey ſchoͤnem Wetter dreſchen koͤnnen; da hingegen jene unter dem Dach / von keinem Ungewitter verhindert / ihr Werck im - merdar beſchleunigen koͤnnen / damit ein Hausvatter ſeine gantze Vexung bald wiſſen / und wie viel er zur Haus-Nothdurfft behalten / oder zu verkauffen habe / entſcheiden mag.
Ein Hausvatter muß auf jeden Tenn einen Tenn - Meiſter unter den Dreſchern haben / der alles zu verant - worten / und von welchen er (da etwas vernachlaͤſſigt / oder veruntreuet) Rechenſchafft zu fordern habe. Da - mit ſie nicht zu viel oder zu wenig auf einmal anlegen / rein ausdreſchen / ſo offt ein Schober abgedroſchen / das Stroh ſauber abgetragen / das lange von dem kurtzen geſondert / Strohſchaͤbe zu Traidbaͤndern / und Dach - ſchaͤbe zum Decken gemacht / deßwegen ihnen emſig nach - zuſpuͤhren / ob die Koͤrner ſauber ausgedroſchen / in der Spreu keine Aehren oder Koͤrner bleiben / die Suͤde fleiſſig abgetragen und aufgehebt werde.
Jtem / ob alles Getrayd / das man von dannen auf die Kaͤſten zu bringen / ſauber ausgeputzt / nicht ſtaubich und unrein ſeye / ſie ſollen bey Tage zu dreſchen anfan - gen und aufhoͤren.
Jn Oeſterreich wirds unterſchiedlich des Lohns hal - ber mit ihnen gehalten / bißweilen gibt man ihnen von dem ſchweren / den zehenden / oder zwoͤlfften Metzen; von dem Som̃ertrayd aber von jedem Metzen einen Silber - groſchen / oder wol auch den 10 oder 12 Metzen; nach - dem an einem oder dem andern Ort das Herkommen iſt. Der Winter-Saamen muß alſo bald ausgepaſſt / rein geſaͤubert / und duͤnn auf einen Boden biß zur Saatzeit aufgeſchuͤttet werden; Jmfall etwan ſelbiges Jahr das Getrayd viel Raden / Dort oder Unkraut haͤtte / muß man bey Zeiten darnach trachten / ein beſſers und ſaͤube - rers anderwaͤrts her zu verſchaffen.
Bißweilen / wann man keinen Saamen / der tauget und rein waͤre / bekommen kan / mag man wol einjaͤhri - ges Korn / wann es lauter iſt / zum Saamen nehmen; man kan vorhin ein wenig im Garten in ein Bettlein anbauen / und ſehen / obs aufgehe / oder nicht; Es geht zwar ſpaͤter auf / kan aber des Winters Haͤrtigkeit beſ - ſer austauren / und ſetzt im Auswaͤrts mercklich zu. Aus dem Stadel ſoll man nie zugeben / daß einige Garben oder Getrayd fuͤr das Vieh abgetragen werde / denn damit wird viel Untreu beſchoͤnet. Man muß den Dre - ſchern / ob ſie treu oder untreu / fleiſſig nachkundſchafften laſſen.
Herꝛ Joh. Sigmund Fuͤnffkircher / Freyherꝛ ſeel. hat offt geſagt: Er habe am meiſten die Zeit beobach - tet / wanns geregnet oder geſchnyen / daß er aufſchauen laſſen / ob die Dreſcher nicht was nach Hauſe ver - ſchleppen / wann ſie Mittags oder Abends vom Dre - ſchen aufgehoͤrt / weil ſie / bey ungeſtuͤmmer Zeit / ſich am wenigſten des Aufpaſſens vermuthen.
Wo55Siebendes Buch / Ackerbau.Wo man ihnen nach dem Schober zu dreſchen loh - net / muß man ihnen anfangs ſagen / wie viel Schoͤber von jeder Sorten ſeyen in die Scheuren kommen / da - mit ſie hernach nicht mehr daraus machen koͤnnen.
Das Getrayd / erſt eingefuͤhrt / iſt zaͤhe / daher auch hart aus dem Stroh voͤllig zu bringen / iſt alſo ſonſt nichts / als nur das Saamtrayd zu uͤberpaſſen / was gern heraus fallen will.
Herꝛ Agoſtino Gallo ſagt / wie das Saamgetrayd am beſten ſey / wann es zeitlich ausgepaſſt werde / ſo ſey das Getrayd / das man mahlen und backen will / am be - ſten / wann es kurtz vorhero / ehe mans gebraucht / aus - gedroſchen werde / welcher Meynung auch Herꝛ de Ser - res beypflichtet.
Die Schaͤppes (wie ſie in Oeſterreich das halb ausgedroſchne Stroh nennen) legt man beyſeits unddreſchts uͤber eine Zeitlang; kan man dann fremdes Saamtrayd haben / iſts ſo wol fuͤr den Acker / als den Hausvatter deſto beſſer; Jm Winter / bey groſſer Kaͤlte / iſt die beſte Dreſch-Zeit; die Dreſcher ſollen wochent - lich Rechenſchafft geben / wie viel Maͤndel ſie angelegt / damit ein Hausvatter wiſſen koͤnne / was ausgedro - ſchen / und was noch im Stadel ligt. So offt man aus - meſſt und abtraͤgt / muß eine vertraute Perſon dabey ſeyn / die alles ſo wol ins Dreſcher-als Kaſten-Regiſter auf - ſchreibe und einzeichne; das Amm oder Spreuer muͤſ - ſen vor das Vieh fleiſſig aufgehebt / und auf den Win - ter geſpahret werden. Vor jedem Thor ſollen zwo Naͤrben / und zwey ungleiche Schloͤſſer gelegt werden / davon der Verwalter den einen / der beſte und vertrau - teſte Dreſcher aber den andern Schluͤſſel haben ſolle / daß keiner ohne den andern hinein kan / beede Theil vom Verdacht zu befreyen.
DJe Dreſcher ſollen das lange Stroh / alſobald es aufgehebt wird / von dem Rittſtroh fleiſſig ab - ſondern / das laͤngſte zu Schaͤben und Stroh - baͤndern / und das mittlere zu Dachſchaͤben beyſeits an ein beſonders Ort legen / deßwegen rahtſam iſt / daß der Stadel ſo groß ſey / daß man ein beſonders Ort darin - nen habe / dahin man die Strohſchaͤbe zum Gebrauch ausſchoͤbern moͤge; das Ruͤttſtroh wird ſonſt auf einen Boden / oder ausgeſonderten Ort / im Winter dem Vieh zu ſtreuen aufbehalten; wo aber der Stadel ſo enge / oder ſonſt ein anderer Gebrauch iſt / werden ſie auf groſſe Triſten / allermaſſen wie das Korn und Heu an einer Stangen aufgeſchobert / und alſo zum Dienſt des Viehes und der Streu verwahret / muß aber an einem luͤfftigen / nicht feuchten Ort ſeyn / ſonſt verdirbts leicht - lich. Viel ſind der Meynung / das Stroh alſo aufgeſcho - bert und unter freyen Himmel erhalten / ſey milder und dem Vieh zur Speiſe nuͤtzlicher und annemlicher / als das / was in Scheuren und Boͤden erhalten wird / in - dem es die Lufft muͤrber und ſchmackhaffter mache / wird nicht ſo daͤmicht / und von den Maͤuſen nicht ſo leicht an - gegriffen / kriegt keinen boͤſen Geſchmack / wie offt in den Staͤdeln und Boͤden / wo die Lufft nicht durchdringen mag / leichtlich geſchihet. Von auſſenher werden die Stoppeln zwar von Regen / Wind und Wetter etwas ſchwaͤrtzlicht und entfaͤrbt / inwendig aber ſind ſie ſo ſchoͤn und geſchlacht / als eines / das unterm Dach gele - gen. Wann man das Uberdach deſto groͤſſer und ab - haͤngiger macht / kan auch der Regen ſo viel nicht ſcha - den / ſonderlich / wann oben auf der Gipffel des Dachs / mit Leim / und Kuͤhbrod-Waſſer incruſtirt und ver - wahrt wird / ſo kans nicht leicht voneinander reiſſen / und widerſteht dem Regen beſter maſſen. Daher ſoll kein guter Wirth Stroh von ſeiner Hauswirthſchafft ver - kauffen / angeſehen / ers auf obvermeldte Art auch auſſer der Staͤdel aufbehalten kan.
Weil das Stroh nicht alle Jahr gleich gerathet /und je mehr er ſeinem Viehe unterſtreuen kan / je mehr Miſt bekommt er; je mehr Miſt er hat / je beſſer kan er auch ſeine Felder anbringen. Rockenſtroh iſt zu vielen Sachen in der Hauswirthſchafft dienlich / ſonderlich die Haͤuſer zu decken / Schaͤbe und Bandſeile zum Korn anbinden zu machen; man brauchts auch in die Better / und in die Gaͤrten flochtet man Decken / die Miſtbette im Auswaͤrts / des Froſts halber / zu bedecken; Jtem die Peltzer einzubinden / weil ſie eine ſonderliche Art ha - ben / die Gewaͤchſe vor dem Froſt zu bewahren. Sonder - lich befoͤrdert das Stroh die Maſtung / wann den Maſt - ſchweinen offtmals friſches Stroh untergebreitet wird. Jm Winter werden fuͤr die kalten Gewoͤlb-Thuͤren ſtroͤherne Daͤcken gemacht / die laſſen die Kaͤlte nicht ein. Allerley Kauffmanns-Wahren / Glaſer - und Hafner - werck wird in Stroh eingewunden wol fortgebracht; allerley Strohbaͤnder braucht man im Garten / die zar - ten Baͤumlein anzubinden. Es werden auch fuͤr die Weiber Sommerhuͤte daraus / und in den Nonnen - Kloͤſtern allerley ſchoͤne / ausgeſchnittene / kuͤnſtliche Sa - chen davon verfertigt.
Waitzenſtroh iſt ein gutes Futter fuͤr die Kuͤhe / zur Winters-Zeit / den Pferden aber (halten etliche dafuͤr) ſolls ungeſund ſeyn.
Wann man allerley Stroh / ein jedes abſonderlich / zu Aſchen brennt / und ein Saltz daraus extrahirt / die - ſes Saltz aber in ein Regenwaſſer infundirt / und die Frucht / ſo in dem Stroh gewachſen iſt darinnen wei - chen laͤſſet / ſoll es verwunderlich zur Vermehrung und Zuſatz des Saamens / wie auch oben gedacht worden / helffen.
Das Stroh kan ſo wol vor Kaͤlt / als vor Hitz be - wahren / wie dann das Obſt davon ſo wol fuͤr den Froſt / als das Eys vor dem Schmeltzen verſi - chert iſt.
Gerſten-Haber - und Wickenſtroh iſt nicht weni - ger ein gutes Futter fuͤr das Vieh aufzuheben.
WJe die Kaͤſten / und wohin ſie zu bauen / ſind un - terſchiedliche Meynungen; ſind die Kornkaͤſten niedrig / bleibt das Korn in ſeiner natuͤrlichen Feuchte / und wird ſchwerer und vollkommener; ſind ſie in der Hoͤhe / ſo trocknet die Hitz das Koͤrnlein aus / daß es gering und leichter wird. Hingegen iſt die Gefahr da - bey / daß niedere Kaͤſten feucht / die Feuchtigkeit aber bald dem Korn ſchaͤdlich ſey; hingegen in der Hoͤhe / ob - ſchon die Lufft trockener / ſey ſie doch geſuͤnder / daher das beſte iſt / einen mittelmaͤſſigen Ort / weder zu hoch noch zu nieder / darzu zu erwehlẽ / doch mehr hoͤher als tief - fer anzuſtellen / damit die friſche Lufft durchwehen moͤge. Die Fenſter ſollen gegen Mitternacht und Orient eroͤff - net ſeyn / woher keine feuchte / faule Duͤnſt entſtehen / weiln kuͤhle und trockene Behaltungen am nuͤtzlichſten; Jn - dem man aber in ſchon vor Alters her erbauten Haͤu - ſern annehmen muß / wie es des Orts Beſchaffenheit mit ſich bringt / und ſich nicht alles aͤndern laͤſſet / kan man doch dieſen Fleiß und Obſicht brauchen / daß wann die Kaͤſten niedrig ſind / der untere Korn-Boden aufs we - nigſt zwey Schuch hoch uͤber der Erden ſey / nicht von Eſtrich oder Ziegeln gepflaſtert / welches ſehr ſtaubt / ſondern von guten ſtarcken wol ausgedoͤrꝛten / recht in - einander gepfaltzten Boden-Laͤden getaͤfelt / und die Hoͤhlung zwiſchen der Erden und dem inwendigen Bo - den / mit Kohlen - oder Eiſen-Schaum von der Schmid - ten / etwas / doch nicht zu klein / zertruͤmmert / ausgefuͤllt; wann man Haar-Agen oder duͤrre Kranaweth-Reis - lein darzwiſchen mengt / wird es nicht allein alle ſchaͤdli - che Feuchtigkeiten / ſondern auch Maͤus und Ratzen vertreiben / daß ſie darunter keinen Auffenthalt oder Ne - ſter / zu Schaden des Getrayds und des Hausvatters / machen koͤnnen.
Theils / wie auch Herr de Serres will / ſagen / die Fenſter ſollen von Mitternacht gegen Mittag / und vom Aufgang gegen Niedergang / gerad gegen einander uͤber / ſtehen / damit man eines oder das andere / nach Bege - benheit der Zeiten / ſchlieſſen oder oͤffnen koͤnne; doch hal - te ich davor / daß die Fenſter / die gegen Mittag ſonderlich / auch die gegen Abend (weil in Oeſterreich die meiſten Wetter von den Abend-Winden hergefuͤhret werden) um ein gutes Theil kleiner / als die andern / auch mei - ſtentheils geſchloſſen ſeynd / um Faͤulung und dorther ruͤh - rende naſſe Duͤnſtungen zu verhuͤten.
Sind die Traydkaͤſten aber in der Hoͤhe / iſts nicht boͤſe / wann der Boden ein gutes ſtarckes Eſtrich hat / die Waͤrme des Holtzes mit ſeiner Kuͤhle zu mittelmaͤſ - ſigen; die Fenſter ſollen etwas enger und meiſtentheils beſchloſſen ſeyn / damit die Winde dem Getrayd ſeine Krafft nicht gar zu viel ausduͤnſten und verrauchen ma - chen.
Vor allen hat ein Hausvatter zu ſehen / daß alles Getrayd wol trocken in den Kaſten gebracht ſey / dieſes aber zu erkennen / nehme man davon ein Haͤndlein voll / geht es raͤſch von den Haͤnden / wann mans reibt / ſo iſts genug / klebt es aber in der Fauſt / ſo iſts das Wider - ſpiel; oder wann man ein Koͤrnlein zerbeiſſet / daß es reſch abbricht / ſo iſts duͤrꝛ; zerknirſchet es aber vor / ehees durchgebiſſen wird / ſo iſts noch etwas feucht / und da - her mehr abzutrocknen.
Wegen der Groͤſſe / hat ſich jeder Hausvatter nach ſeinem Einkommen zu reguliren / doch iſt beſſer groß / damit man Platz habe / das Trayd hin und wieder zu ſchlagen / auch ſonſt allerley Fruͤchte und andere Sa - chen hinauf / imfall der Noth / bringen und halten moͤ - ge. Die meiſten Kaͤſten werden mit 2 / ja offt mit 3 / oder 4 unterſchiedlich-erhoͤheten und uͤber einander ob - ſtehenden Boͤden verfertigt / da die untern mit Eſtrich gepflaſtert / die obern aber mit Laͤden getaͤfelt / und das ſchwere herunten / das leichtere Getrayd aber droben auf - geſchuͤttet wird.
Vor allen Dingen muͤſſen die Fenſter mit engen eiſernen Gittern und geſtrickten Netzen wol verwahret ſeyn / damit die Tauben / Spatzen und Emmerling nicht einkommen und Schaden thun moͤgen / auch die Thuͤ - ren wol verwahrt / gehaͤb zugethan / und die unterſte Bretter / ſowol an der Thuͤr / als an der Pfoſten / mit heiſſem Waſſer / darinnen Wermuth / Enzian und Floͤ - hekraut geſotten iſt / offtmals angeſtrichen ſeyn / den Maͤuſen / die offtmals durchzubeiſſen ſich unterſtehen / den Luſt zu benehmen; Es ſollen auch gute ſtarcke Schloͤſ - ſer den Kaſten verwahren / die allein in des Hausvatters / oder desjenigen Gewalt ſeyen / der darum Rechenſchafft geben muß / daß nicht mit Unordnung jeder hinein gehen kan / und es niemand verantworten / oder doch einer dem andern die Schuld geben darff.
Man kan auch das Getrayd in groſſen Faͤſſern / (wann man in Staͤdten wohnet / und keinen rechten Ka - ſten hat) erhalten / daß es etliche Jahr bleibt; Es muß erſtlich ein Jahr abgelegen und ausgetrocknet; zum an - dern in groſſe Faͤſſer / aber nicht gantz voll angefuͤllt / und wol verſchlagen; zum dritten / alle vier Wochen wenigſt einmal hin und wieder gewaltzen / und von einem Boden auf den andern geſetzt werden. Das Mehl aber muß wol trocken und abgekuͤhlt / hernach feſt in die Faß ein - geſtoſſen / verſchlagen und an einen kuͤhlen luͤfftigen Ort geſetzt ſeyn / wohin keine Sonne ſcheinet.
An etlichen Orten hat man auf den Kaͤſten zweyer - ley Metzen / einen etwas groͤſſern / das Trayd damit zu empfangen / und den andern ein wenig kleiner / das Trayd darinn auszumeſſen / aus Urſach / wie die Kaſtner fuͤr - geben / daß das Getrayd ſchwinde / auch von Maͤuſen und Gefluͤgel verzettelt / ihre Rechnung anders nicht an - ſtellen laſſe. Aber es iſt unbillich und ſuͤndlich / und wann ja ihr Vorgeben wahr waͤre / iſts beſſer / der Haus - vatter laſſe ihnen eine kleine Schwindung in der Rech - nung paſſiren / als andere gute Leute zu betriegen / ihm ſelbſt einen boͤſen Nachklang zu verurſachen / und ſein Getrayd bey guten und wol-auszahlenden Kaͤuffern ver - daͤchtig zu machen.
Vornemlich dienet zu Erhaltung des Korns / daß man nichts auf die Kaͤſten ſchuͤtte / es ſey dann ſauber und rein ausgeputzt / und von allem Staub und Unrath entladen.
Wann die Kornkaͤſten frey ſtehen / daß allenthal - ben der Lufft durchſtreichen und einfallen mag / dienetsauch57Siebendes Buch / Ackerbau. auch viel das Korn langwuͤhrig zu erhalten; aufs wenig - ſte ſollen ſie weit von den Staͤllen und ſtinckenden Orten (wie ſie auch Namen haben moͤgen) entfernet ſeyn / theils vermeynen / das Eſtrich ſoll auf den Form / wie die Tennen im Stadel gemacht und geſchlagen werden. Andere wollen / man ſoll dieſes Eſtrich mit Wein-Eſſig begieſſen / darnach von den wilden Cucumern Kraut und Wurtzel nehmen / in Waſſer beitzen oder ſieden / und mit dieſem Waſſer den Moͤrtel anmachen / und da - mit den Kaſten inwendig glatt uͤbertuͤnchen / oder man ſoll mit Schaf-Urin den Kalch anmachen und damit ausweiſſen / da gehoͤrt nun ein fleiſſiger eigner Kaſtner darzu / wo viel Trayd vorhanden / der in allen Dingen offt nachſehe / und ſobald er den geringſten Schaden und Aenderung merckt / es anzeige / und mit gehoͤrigen Mitteln begegne.
D. Chriſtoph. Merret in actis Philoſoph. Soc. Reg. Angl. ſagt alſo: Fuit in Granariis Londinenſi -bus frumentum aſſervatum 32 annos, quoquè diutius aſſervatur, eò plus floris reddit, ſecundum propor - tionem quantitatis frumenti, eoquè puriorem & al - biorem reddit panem, evaporantibus tantum ſuper - fluis humoribus.
D. Pell narrabat in congregatione Regiæ Socie - tatis, ſervari frumentum Tiguri in Helvetiâ 80 an - nos. Loys Guyon en ſes diverſes Leçon ſagt / daß auch in Egypten das Trayd ſehr lang gut verbleibe / und ſey die Urſach / daß / was nahend drey oder vier Meil am Fluß Nilus ligt / werde von dem uͤberlauffenden Strom genugſam gedunget; was aber in den hoͤhern und ber - gichten Orten waͤchſet / werde nicht mit Dung / wie bey uns / ſondern mit Bohnen und andern Huͤlſenfruͤchten / die man anbauet / halb zeitigen laͤſſet / abmaͤhet und ein - ackert / zur Fruchtbarkeit befoͤrdert / davon das Getrayd laͤnger und lieber bleibt / als das aus gedungten Aeckern gebracht wird.
WJe alles Ungeziefer aus einer faͤulenden Materi und darzu ſchlagenden feuchten und warmen Fermentation erzeugt wird; alſo geſchicht es auch hier; wann erſtlich das Getrayd voller unreiner Feuchtigkeit im Vollmond geſchnitten / (wie auch das gehackte Holtz im Vollmond viel eher wurmſtichich wird) nicht gnugſam ausgetrocknet in die Staͤdel / und von dannen auf die Kaͤſten gebracht / zu dick geſchlagen / uͤbereinander erhitzet; ſonderlich was eine ſuͤſſe Feuch - ten in ſich natuͤrlich hat / dann was ſcharff und bitter iſt / als Feigbohnen und Kichern / ſind dieſem Unrath nicht unterworffen.
Zu dieſer Verderbung hilfft auch viel / wann das Getrayd unlauter und ſtaubicht auf die Kaͤſten kommt / alſo wann innerlich-verderbte Feuchtigkeit / vom unſau - bern Staube und aͤuſſerlich-zufaͤlliger Hitz entzuͤndet wird / ſo wachſen / wann das Korn ein wenig zu hoch auf - geſchuͤttet worden / gar leicht Wippeln und Kornwuͤr - mer / ſonderlich wann das Korn / von Regen und Thau be - feuchtet / eingebracht / von der Mittags-Winde Lufft an - gehauchet und zur Faͤulung erhitzet wird.
Die Kornwuͤrme / wie ſie in Regenſpurg / ſo wol im Korn / als auch in dem Mehl wachſen / ſind einer andern Gattung / thun doch gleichen Schaden / und ſteht im Zweifel / ob die kleinen Aſchenfaͤrbichten grauen Bin - faltern von denen aus dem Korn wachſenden Wuͤrmen herkommen; oder ob dieſe Wuͤrmlein von gemeldten Binfaltern erzeugt und generirt werden. Glaublich iſt / daß dieſe Binenfaltern die Eyerlein legen / daraus die Wuͤrmlein ſich ausbruͤten / welche folgends wieder zu Binfaltern werden / und nachdem ſie ihre Brut angelegt haben / zu ſterben pflegen / alſo / daß die Brut folgenden Sommer wieder lebendig / und alſo diß Ungezifer fort - gepflantzet wird. Wie dann die Metamorphoſis der Wuͤrmer in die Binfaltern und dieſer Eyerlein in die Wuͤrmer gantz bekannt und offenbar iſt. Dieſe kleine Nachtfalter werden vom Aldrovando Papiliones Tri - ticiarii genennet. Jn Oeſterreich aber ſind die Wip - peln / kleine ſchwartze geſchnaͤbelte Keferlein / die doch nicht fliegen koͤnnen / viel gemeiner / die das Trayd aus -hoͤhlen und groſſen Schaden thun / und hat Korn / Waitz / Gerſten / Bohnen / Erbſen / jedes eine abſonderliche Art dieſes verderblichen Unzifers in ſich / auſſer / daß die Bohnen rechte Wuͤrme haben.
Viel ſind zwar der Meynung / dieſem Ubel koͤnne mit oͤfftern Umſchlagen des Korns / etlicher maſſen ge - holffen ſeyn; viel aber halten das Gegentheil / geben fuͤr / die Wippeln und Wuͤrmer ſeyen nur im aͤuſſriſten Theil des Getraydes / und kommen nicht gar weit hin - ein / wann mans aber umſchlaͤgt / werde diß Ungezifer beſſer hinein vermiſcht / und dardurch der gantze Hauffen angeſteckt / rathen aber / man ſoll eines Schuhes hoch das Korn auswendig herum / gemach und ſittſam mit einer Schauffel abnehmen / ſolches auf einem Tuch all - zeit von 7 Uhr an biß um 5 Uhr / wann die Sonne warm und heiß im Sommer ſcheinet / an die Sonne bringen / zwey oder drey Tag hernach wieder ſchwingen und reu - tern / biß man merckt / ſie ſeyen tod oder entwichen / her - nach mag mans wieder auf dem Kaſten / auf einem be - ſondern Hauffen (alſo von der Sonne warm) hoch auf - ſchuͤtten / ſo werde diß Unzifer alles in weniger Zeit er - ſticken / und das Trayd werde nach und nach wieder ab - kuͤhlen / davon befreyet / und hernach langwuͤhrig von ſolchen boͤſen Gaͤſten erledigt werden.
Etliche ſind in den Gedancken / daß ein Getrayd / ſo auf einem gedungten Acker gewachſen / eher wipplicht werde / als welches ſonſt ohne Dung waͤchſet / daher je truͤckner ein Korn / je weniger es dieſem Ubel unterworf - fen.
Es bezeuget M. Conr. Tiburtius Rango in ſeinem Tractaͤtlein de Curculionibus, zu Berlin Anno 1665. gedruckt / daß das Korn / ſo aus Archangel und Moſco - vien gefuͤhret wird / nicht wipplicht werde / wanns gleich noch ſo lang in den Schiffen ligt / und ſo hoch / wie ſonſt Maltz / geſchuͤttet wird; Darum / weil ihm alle Feuch - tigkeit durch die Darre genommen iſt / und weil mans auf die Maltzboͤden vorhero / oder auf die Doͤrre ſchuͤttet und wol abtrocknen laͤſſet.
Nun / ſo die Wippeln ſchon ins Getrayd kommen / kan mans nur mit Lack - oder Saltzwaſſer vom Fleiſch /❁ Hdar -58Des Adelichen Land - und Feld-Lebensdarinnen Knobloch geſotten iſt / beſprengen / ſie koͤnnen diß nicht vertragen / ſondern fliehen.
Wann man Pulicariam, das Floͤhkraut / in Waſ - ſer ſiedet / und die Kornboͤden (ehe noch Trayd aufge - ſchuͤttet wird) alſo heiß / wie auch die Waͤnde wol be - ſpruͤtzet / von ſich ſelbſt auftrocknen laͤſſet / und ſolches 3 oder-4 mal wiederholet / ſo wachſen die Wippeln nicht leichtlich; wo ſie aber ſchon im Korn ſind / kan mans auch mit dieſem Waſſer wol beſprengen / ſie werden ſter - ben / oder entlauffen.
Herꝛ Auguſtino Gallo und andere wollen / man ſolle unter 10 Theil Korn 4 Theil / etliche ſagen nur einen Theil ſauber ausgemachten Hirs mengen / der werde / mit ſeiner kuͤhlen Natur / das Korn erfriſchen und wol verwahren / und wann man das Korn brauchen will / kan man den Hirs leicht mit einem kleinen Sieb aus - reutern.
Theils ſtecken Bircken-Laub und Straͤuchlein in die Kaͤſten unter das Getrayd / oder beſprengen das Fletz und die Waͤnde mit Brandwein / darinnen Knob - loch-Safft vermiſcht iſt; Jtem nimmt man Hollerbluͤh und Laub / oder von Welſchen Nuͤſſen Laub oder Aeſt - lein / legts in die Kaͤſten / und hengts auch an die Waͤnde.
Loys Guyon en ſes diverſes Leçons ſagt / man ſoll das Fletz des Kaſtens vorher mit Eſſig oder Waſſer beſprengen / darinnen bittere Sachen geſotten ſind.
Jtem / diß ſoll probirt ſeyn / auf 6 Muth Korn nimm allzeit 1 Pfund Tabac / und ſo viel Nußhepeln / 10 Loth Knobloch / und 5 Loth Meiſterwurtz / 1 Quintlein Bibergail / 3 Loth Wermuth / und 3 Loth Liebſtoͤckel - wurtzen / alles zuſamm gerieben und geſtoſſen / diß muß man in einem halben Eimer Waſſer laſſen ſieden / und ſtracks nach dem Sud die Kornboͤden und Waͤnde da - mit waſchen / ſo heiß / als mans erleiden kan.
Andere halten auch folgendes fuͤr gewiß: Nimm / wann der Boden 50 oder 60 Schuch lang iſt / Segen - baum / Schellkraut / Wermuth / Mettram / jedes eine Hand voll / Enzian 3 Pfund / ein wenig zerſtoſſen oder zerſchnitten / Kupfferwaſſer 8 Pfund / Alaun 6 Pfund / zu dieſen Stucken allen 12 Eimer voll Bronnenwaſſer gethan / und mit der Materi zwo Stund im Keſſel wol geſotten / auch wanns einſiedet / wieder hernach gegoſſen / und damit die Boͤden (darauf noch kein Getrayd iſt) wie auch die Waͤnde und Balcken heiß beſprengt / diß ſoll alle Wippeln vertreiben.
Oder / nimm wilden Hopffen 3 oder 4 gute Hand voll / laß es in einem Keſſel ſieden / beſpreng damit den gantzen Kaſten; doch muſtu auch offt mit wilden Hopf - fen einen Rauch machen.
Jtem nimm guten gepflantzten Hopffen im abneh - menden Monden / drey Wochen nacheinander / laß jede Wochen / an einem gewiſſen Tag / raͤuchern im Kaſten vor Aufgang der Sonnen / ſchlag das Trayd in waͤh - rendem Rauch um.
Jtem raͤuchere den Kaſten mit Maul-Eſel oder Eſelshorn; diß ſoll auch / wanns offt geſchihet / Ratzen und Maͤuſe vertreiben.
Jtem iſt gut fuͤr die Wippel: Nimm ein Pfund Vitriol / Wermuth von dem groben Stengel abge - ſtreifft / ſo viel man zwiſchen zweyen Haͤnden faſſen mag / auch ſo viel Saltz / thus in einen Keſſel / geuß daruͤber 4Aechtring Blut / von einem Schaf / Ochſen oder anderm Thier / gieß 8 Aechtring Waſſer darzu / laß es miteinan - der ſieden / eine halbe oder nur eine viertel Stund / ſeihe es hernach durch ein grob leinen Tuch / mit dieſem be - ſpreng den Kornboden uͤber und uͤber / wie auch die Waͤnde / ſo hoch das Korn ligen ſoll / 3 oder 4 Tag nacheinander / taͤglich zwey oder dreymal. Sind aber die Wippel ſchon im Korn / ſo mach mit der Schauffel Furchen durch das Korn / ſpreng Waſſer darzwiſchen / und wann es trocken worden iſt / ſo wirff Korn daruͤber / und mach wieder darneben eine Furch um die andere / biß der Boden gar uͤberſprengt iſt / ſo haſt du dieſe Kunſt gerecht.
Jtem nimm Nußlaub / Wermuth jedes vier gute Hand voll / eine gute Hand voll Saltz / diß im Waſſer wol untereinander geſotten / und den Boden wol damit beſprenget / ehe man das Korn aufſchuͤttet.
Jtem Scordium in Waſſer geſotten / und das Trayd / ſo ſchon wipplicht iſt / Furchweiſe (wie oben ge - dacht) damit beſprenget.
Die beſte Kunſt / das Getrayd lang zu behalten / nach Joh. Baptiſtæ Portæ Lehr fol. 577. part. 1. ſoll ſeyn / daß man wol aus gekuͤhlten Doon oder Tegel-Erde darunter miſchet / und mag mans glauben (ſagt er) daß ſolches Getrayd 30 auch 40 Jahr unverſehret bleibt; wann man ſolche jetztgemeldte Erde auf den Boden drunter leget / und darf man ſolch Getrayd nicht um - ſchlagen / oder ſonſt etwas darzu brauchen; wann man es aber hernach brauchen will / kan man es durch ein enges Sieb daraus abſondern / und die Erden allzeit brauchen.
Herꝛ de Serres gibt den Rath / wann Jemand ſein Getrayd voll ſolches Ungezifers ſihet / er ſolle junge Huͤn - lein in den Kaſten laſſen / die werden Wuͤrm und Wip - peln alle auffreſſen / und kein Korn anruͤhren / ſo lang ſie Wuͤrme finden. Sagt auch / etliche nehmen ein Tuch - Ende vier Finger oder eines halben Schuchs breit / be - ſtreichens mit Saltzwaſſer / darinnen Schweinen-Fleiſch gebaiſſt worden / ſo kriechen ſie alle darauf / alſo kan mans nach und nach wegbringen. Man glaubt / daß ein Korn / nach zweyen Jahren / von dieſem Geſchmeiß nicht mehr angefochten wird / weil die Feuchtigkeit nun - mehr gantz verzehret iſt / aus welcher / von der aͤuſſer - lichen Hitz entzuͤndet / diß Ungezifer zu wachſen pfleget.
Theils graben einen ledigen Keſſel in den Rocken / ſo tieff / daß das Korn drey Finger hoch druͤber gehe / ſo fallen ſie hinein / und kan mans zwey oder dreymal des Tags austragen / fuͤr die Huͤner ſchuͤtten / oder ins Waſſer werffen; Oder man ſteckt etliche neue friſche Bretter ins Korn / daß ſie oben her etliche Spann hoch heraus ragen / ſo kriechen ſie haͤuffig darauf / kan man ſie dann gemach ausheben / und die Kefer in einen Keſ - ſel mit einem Flederwiſch abkehren / wegtragen / und die Bretter wieder hinein thun / und dieſes ſo lang con - tinuiren / biß ſie wegkommen.
Daß etliche Kalch und andere ſcharffe hitzige Din - ge darvor gebrauchen / iſt meines erachtens gefaͤhrlich / weil ſie das Getrayd mehr entzuͤnden / und dardurch zu dieſem Unzifer Urſach geben / zu dem auch hart wieder heraus zu bringen / und dem Menſchen ungeſund und ſchaͤdlich ſind / kan ein Hausvatter allein dieſe Mittel er - wehlen / die nicht ſchadhafftig ſind. Sonſt brauchen auch andere / unterſchiedene darzu dienliche Mittel / ge -ſamt59Siebendes Buch / Ackerbau. ſamt und ſonders / als Folia Conyzæ, unter das Korn gemiſcht / Hauswurtzen / Haͤrings-Lack / die gruͤnen aͤuſ - ſern Schalen von den Nuͤſſen / Lauge von Weid-Aſchen /Zwibel / Epheu / Wein-Eſſig / Segenbaum / item Sa - gapenum, Schwefel / Hirſchhorn / Galbanum, und andere ſtarck-riechende Sachen / und raͤuchern damit.
JN Hungarn / wo ſtarcker laimichter und trockener Grund iſt / werden Gruben fuͤr das Getrayd / die obenher etwas enger / unten aber etwas weiter / mit gehoͤriger Tieffen / nachdem man viel oder wenig Getrayd hat / mit ſondern Fleiß ausgegraben und zuge - richtet / und mit Stroh - oder Rohrdecken ſauber aus - gefuͤllt; darein ſchuͤtten ſie ihr Korn / wann es ſauber und wol geputzt worden / und was ſie nicht zu taͤglichen Gebrauch vonnoͤthen haben / biß es eine halbe Elen hoch von der Erden erreichet / dann legen ſie Holtzdraͤme und Laͤden druͤber / und auf dieſelbigen Erden / und auſſenher friſchen Waſen / daß es der andern Erden allerdings gleich ſihet / auch von derſelbigen nicht kan unterſchie - den / oder von Dieben und boͤſen Leuten leichtlich ge - funden werden.
Sie machen aber dergleichen Gruben unferne von ihren Haͤuſern / daß ſie leicht darauf ſehen koͤnnen. Deñ ob ſie wol am beſten ſcheinẽ alſo verwahret zu ſeyn / hat doch die Menſchliche Argliſtigkeit ein Mittel erſun - den / ſolche auszukundſchafften; wann man Morgens fruͤhe im Sommer / wann ein Thau gefallen / acht hat / ſo wird der Ort / wo die Gruben iſt / ohne Zweifel von des Traydes Dunſt verzehret / ohne Thau und Trocken / hin - gegen das ander Erdreich herum alles graulicht und naß ſeyn; dadurch der Ort ſich unwiſſend ſelbſt verrathet / und von denen nachſpuͤhrenden Soldaten leichtlich ge - funden / und das Trayd gehebt wird. Das Trayd kan man mit Laitern aus - und einbringen / muß aber oben auf wol und gehaͤbe vermacht ſeyn / daß keine Lufft hin - ein moͤge.
Plinius meynet / dieſe Gruben ſeyen das ſicherſte und bewaͤhrteſte Mittel / das Trayd zu erhalten; wie zu ſeiner Zeit in Thracien / Cappadocien / Barbaria und Hiſpanien in Ubung geweſen.
Varro iſt auch dieſer Meynung / und verſichert / daß das alſo verwahrte Getrayd auf 50 / der Hirs aber auf 100 Jahr gantz und gut verbleibe. Und dieſes zu be - ſtaͤttigen / ſetzt er / daß zur Zeit / als Pompejus den See - krieg wider die Meerraͤuber gefuͤhrt habe / ſey zu Am - bracia, einer Stadt in Epiro, da Pyrrhi Hofſtadt gewe - ſen / in einer ſolchen Gruben ein groſſer Vorrath mit gu - ten unverdorbenen Bohnen gefunden worden / die vor 120 Jahren / als beſagter Pyrrhus Jtalien mit Krieg angefochten / hinein gebracht worden / und bezeugts auch die Erfahrung / daß in Ungarn / und an den Orten / wo ſie in der Erden dergeſtalt verwahrt werden / die Tray - der ſchoͤn und unmangelhafft lange Zeit verbleiben; doch wann ſie einmal geoͤffnet ſind / und die Lufft darzu kan / iſts rathſamer / daß ſie bald / durch Verkauff - oder andere Handlungen ausgelehrt ſeyen.
Es ſey ihm aber / wie ihm wolle / ſo erhellet doch aus der Erfahrung / daß alles in Gruben erhaltene Trayd / leichtlich einen mercklichen und irrdiſchen Geſchmack an ſich ziehet / ſonderlich wo der Grund nicht erhoͤhet / tro - cken / und von aller unter-irrdiſchen Feuchtigkeit / wel - ches ſelten geſchihet / befreyet iſt.
An theils Orten werden auch die weiſſen und geelen Ruben auf dieſe Weiſe in den Gruben verwahret.
WO groſſe Trayd-Einkunfften ſind / und das meiſte aus dem Korn und Fruͤchten zu erheben / muß man Erſtlich mit deſto groͤſſern Fleiß ſolche gerecht und ſchoͤn erhalten; Zum andern / die rechte Zeit darzu erwehlen / wann es am meiſten gilt / und am ge - legneſten / zu verfuͤhren. Wer nahend an einer groſſen Stadt / wo Trayd-Maͤrckte gehalten werden / wohn - hafftig iſt / der thut vernuͤnfftig (wann er nicht ſelbſt ein Haus darinnen hat / welches am nuͤtzlichſten) daß er aufs wenigſt einen gewiſſen guten Kornkaſten im Be - ſtand habe / dahin die Unterthanen / bey muͤſſiger Zeit und guten Wege / ſonderlich im Winter / oder auch ſeine Zuͤge / das Getrayd bringen und aufſchuͤtten / und auf begebende gute Gelegenheit zur Hand / und an den Kauffer / um bahre Bezahlung liefern moͤchten.
Es iſt auch dieſes einem guten Hauswirth zu beob - achten / daß er ſeinen Unterthanen / wegen ausſtaͤndiger Herren-Forderungen und Gebuͤhr / auch zu ihrem Trayd - Verkauff die billige Zeit laſſe / ſie nicht treibe und dren -ge / gleich nach der Vexung (da das Korn am wolfei - leſten) das Trayd mit Schaden und Verluſt / nur aus Noth ihn zu befriedigen / wegzugeben / ſondern trage die Chriſtliche Gedult / wenigſt biß nach Martini / oder / welches beſſer / nach Weyhnachten biß Liechtmeſſen zu warten; ſo haben ſie ihr Anbau verrichtet / und das Korn / wann ſchon die meiſten das ihrige angebracht / gilt auch um etwas mehr / daß alſo die Unterthanen / durch dieſe Gedult / einen mercklichen Vortheil er - langen / und der Herrſchafft / einen wege als den andern / alle ihre Anforderungen richtig bezahlet werden. Jm uͤbrigen muß ein Hausvatter ihm angelegen ſeyn laſſen / ſeine Einkommen recht anzuſtellen / daher das Sprich - wort wahr iſt: Wer recht arbeitet und wol ſpahrt; gen Marck allzeit mit Wucher fahret. Was nahend um Wien wohnet / die haben ihre gewiſſe Becken und Muͤller / die das gantze Jahr hindurch das Korn von ih - nen nehmen / alſo auch im Viertel ob Wienerwald / zu Bayriſchen Waidhoven / und im Land ob der Ennß zu❁ H ijSteyer /60Des Adelichen Land - und Feld-LebensSteyer / machen viel mit der Gewerckſchafft von der Eyſen-Compagnie ihre gewiſſen Accord und bedin - gen einen Preiß / in dem bemeldte Eyſen-Geſellſchafft das Korn jaͤhrlich annimmt / man kan dadurch bißweilen einen Vortheil / bißweilen auch wol einen Schaden haben.
Wer ſonſt mit ſeinem Getrayd ſauber und recht um - gehet / findet allzeit Anwehrt; ſonderlich gibt GOtt mehr Segen / wann man der Haus-Armen und Noth - duͤrfftigen nicht vergiſſet / ſo geraͤth alles und gehet wol von ſtatten; vor Weyhnachten aber ſoll man nie anfan - gen ſein Korn feil zu bieten / und doch nur einen dritten Theil deſſelbigen weggeben / das andere mag er nach und nach fortbringen / biß zur Erndte / und nachdem er ſihet / daß es in den Feldern ſtehet im Auswaͤrts / kan er viel oder wenig behalten / nachdem es viel oder wenig gibt; Allzeit ſoll er / wie die Alten geſagt haben / eine Vexung im Stadel / die andere auf dem Kaſten / die dritte im Beutel haben; wer gleich nach der Ernde ſein Trayd gen Marckt bringt / thut ihm keinen geringen Schaden / und kan den Nahmen eines guten Hauswirths ſchwer - lich behaubten / weil zu dieſer Zeit von den Nothleiden - den und Geldbedoͤrfftigen alles uͤberfuͤhrt wird.
Auf groſſe Theurung (wie die Korn-Juden thun) ſoll er nie warten / und wanns auch geſchicht / daß gaͤhe eine Theurung einfaͤllt / ſoll ers nie aufs hoͤchſte ſteigern / ſonderlich aber den Armen und Nothduͤrfftigen etwas nachſehen. Wann er gute Behaltnuͤſſen hat / thut er wol am beſten / etwas nahmhafftes miteinander wegzu - geben / wann der Preiß genuͤglich / und im Felde kein Mißwachs vor Augen ſtehet / gibt ers kleiner Weiſe hin / ſo wird das Geld vertragen / daß man nicht weiß / wo es hinkommt; gibt er aber viel miteinander / ſo kan er ein gutes Capital machen / wann er ſchuldig / abzuzahlen / und damit die ſchuldigen Intereſſe zu verringern / oder / da er nichts ſchuldig / es auf Verzinſungen anzulegen /ſeinen Nutzen zu ſchaffen / und alſo ſein Gut zu vermeh - ren.
Am beſten thut er / wann ers darzu bringen kan / daß man ſein Getrayd bey ihm im Hauſe abhohlet; die Marcktfuhren ſind koſtbar und verdrieslich / und iſt eine treffliche Wirthſchafft / wann ein Hausvatter der rech - ten gelegenen Zeit harren / und nichts aus dringender Noth / auch zur Unzeit / weggeben muß / wann er nicht ſelbſt uͤbriges Getrayd hat / wie viel Guͤter ſind / die mehr im trockenen Einkommen / als in Wirthſchafften beſte - hen / thut er nicht uͤbel / wann er genugſame Kaͤſten hat / daß er bey wolfeilen Jahren / bald nach dem Schnitt ei - ne gute Summa allerley Getraydes zuſammen kauffe / und auf begebenden Nothfall ſpahret / weil es ſein Inter - eſſe treulich bezahlt / oder aber von denen Unterthanen (die ihm ſchuldig) Trayd / an ſtatt Geldes / annimmt / wie ſie es auf dem Marck verkauffen koͤnnen / ſo doͤrffen ſie es ſo weit nicht fuͤhren / Mauten / Bruck - oder Marck - geld erſpahren / und er macht / daß ihre Reſtanten weni - ger werden / ſo keine uͤble Wirthſchafft iſt / nur daß es ſauber ausgeputzt / und jaͤhrlich wenigſtens zweymal um - geſchlagen / und die Rechnung von dem Kaſtner aufge - nommen werde.
Da muß man zugleich alle Ritzen und Maͤusloͤcher wol bewerffen und zuſtopffen / nutzet auch wol / wann man viel Trayd weggeben will / daß man zuvor alles um - ſchlagen und meſſen laͤſſet / weil de Serres meynet / man verliere 2 / oder 3 per Cento, wann man das Korn gleich / wie es am Hauffen uͤbereinander ligt / ausmeſſet / da hingegen / wanns umgeſchlagen wird / das Koͤrnlein / wanns die Lufft empfindet / ſich aufſchwellet / ſonderlich im wachſenden Monden / daher es hernach mehr Platz ausfuͤllet / dardurch thut er weder ihm ſelbſt / noch ſeinem Naͤchſten / einiges Unrecht; weil alles ſeine Zeit hat / und der nicht zu verdencken / wer der Zeit recht zu brau - chen weiß.
ES ſind noch etliche nothwendige Stuck in der Wirthſchafft / die einem Hausvatter / das gantze Jahr durch / ſein Geſinde / Robbather und Ar - beiter deſto beſſer zu unterhalten / und die zum Feld - und Ackerbau auch nothwendig gehoͤren; darunter nicht das geringſte das Cabuskraut und Kohl iſt.
Der Cabus-Saamen wird gar fruͤh / offt im Fe - bruario und Martio, von vielen gar auf den Schnee / (wann das Pflantzbettlein den Herbſt zuvor gedungt / und nach Nothdurfft iſt zugerichtet / auch mit Huͤnermiſt beſtreuet worden) angebaut. Das Cabuskraut wird im wachſenden Monden / der Kohl aber im letzten Vier - tel geſaͤet / doch ſaͤen ihn etliche auch im Vollmonden; die fruͤhe Pflantzen haben dieſen Vortheil / daß ſie von denen Erdfloͤhen nicht ſo leicht angefochten ſind / als was ſpat in die Erden kommt / man muß ſie fleiſſig jetten / und von allem Unkraut entledigen / ſo wachſen ſie deſto fre - cher und geſchwinder / muͤſſen auch bey heiſſem trockenem Wetter offt begoſſen werdẽ; je langſtaͤnglichter ſie ſind / je weniger ſind ſie gut; und diß geſchiehet / wann man ſie gar zu dick ſaͤet / daß ſie ſubtil / langfuͤſſig und ungeſtalt wach - ſen; hingegen wann ſie die rechte Maß haben / gerahtenſie viel bequemlicher / werden kurtz vom Stengel / und kriegen vollkommene Breite / freche Blaͤtlein / daraus die ſchoͤneſten Haͤubtlein werden.
Theils ſaͤen den Cabus-Saamen am Faſching Tag / theils um S. Petri Stulfeyer / kan aber wol eher ſeyn / wann nur die Erde trocken / und das Wetter ſchoͤn iſt. Wann man die Bettlein nur mit birckenem oder buchenem Reiſicht bedeckt / und rings herum mit Holtz - buͤrdeln oder Stroh umlegt / ſo ſchadet ihnen keine Kaͤlte. Saͤet man aber den Saamen in naſſes Erdreich / und fallen Froͤſte darauf / ſo ſpringen die Pflantzen ab.
Wunderſam iſt / was Salomon Gubertus in ſeinem Stratagemate Oeconomico, oder Acker-Studenten / die er auch ſonſt Lieflaͤndiſche Oeconomia nennet / die zu Riga Anno 1649 gedruckt worden / ſchreibet mit dieſen Worten: Man ſagt / daß man auf Catharinen Tag aus den Kohlgarten die uͤbrigen verwelckten Blaͤtter ab - leſen / in ein Tuch einwickeln / Knie-tieff an einen Ort / der nicht zu naß / in die Erden vergraben / und auf Gre - gorii wieder aufgraben ſoll / ſo werde man Saat finden. Jch habe es (ſpricht er) verſucht / und alſo befun - den.
Etliche61Siebendes Buch / Ackerbau.Etliche gute Wirth ſaͤen ihren Cabus-Saamen nicht auf einmal allein / ſondern auch theils um Mat - thiæ, theils erſt um Gregori, in feuchten Aeckern thun ſie kein gut / in hohen und trockenen / ſonderlich neuen Ae - ckern / gerahten ſie am beſten.
Die Erdfloͤhe ſind ihre groͤſte Feinde / theils ver - meynen wol / es ſey dieſen leicht zu wehren / wann man nur aus dem Walde ſchwartze Roßaͤmſen in einen Sack faſſet / und ſie auf die Pflantzbetter ſtreuet / und wann man diß zwey oder drey Tag nacheinander thut / ſollen ſie die Erdfloͤhe alle auffreſſen; iſt aber zu beſorgen / ne medicina ſit periculoſior, ipſo morbo.
Die Ameiſſen ſind uͤble Gaͤſte in denen Gaͤrten / und weil die Pflantzbetter mehrentheils nahe bey den Haͤuſern und Gaͤrten ſtehen / doͤrfften ſie wol an die Baͤume uñ in die Gaͤrten gerahten / uñ an ſtatt eines Nu - tzens zehen Schaͤden thun; drum haltens etliche fuͤr ſi - cherer / daß man im Thau Ofenruß oder Aſchen / oder Gerberlohe / oder Kalchſtaub darauf ſtreuet / oder wanns geregnet hat / ſo ſoll man auch die Bettlein / die mit Huͤ - nermiſt beſaͤet worden / mit der Schaufel wol nieder - ſchlagen und ebnen / oder waltzen und nidertretten / ſo koͤnnen ſich die Floͤhe nicht wol aufhalten.
Etliche glauben / wann man den Cabus-Saamen durch einen Natterbalg lauffen laſſe / ſo kommen weder Wuͤrme noch Erdfloͤhe daran; Andere ſaͤen auch klei - nen Saͤumiſt gepulvert darauf / oder thun drey Krebſen in ein Schaff Waſſer / laſſens 9 Tag drinnen ligen / und begieſſen hernach die Pflantzbetter damit; weil aber diß etwas aberglaubiſch ſcheinet / nehmen etliche nur das Waſſer / darinnen man geriſſene und aufgethane Fiſche ausgewaſchen hat / und gieſſen es uͤber die Pflantzen. Theils doͤrren Pfifferling / machens zu Pulver / und ruͤh - rens unter den Cabus-Saamen / oder miſchen weiſſen Senf-Saamen darunter; Etliche reiben den Saamen mit Kalch / und bauen ihn alſo an.
Um S. Urbani, oder S. Veit / oder um Trinitatis, werden ſie meiſtentheils zwey oder drey Tage vor dem Vollſchein geſetzt / muͤſſen nicht enge beyſammen ſtehen / ſonſt ſind ſie boͤß zu hauen / koͤnnen auch nicht zuſetzen / bleiben klein / und wird nichts draus; da im Gegentheil / wann man guten Saamen hat / offt ein Haubt 10 und mehr Pfund ſchwer wird / ſonderlich iſt die niedertraͤchti - ge Art / die kurtze Stengel hat / fuͤr die beſte zu halten; ſie wollen weder zu viel Laim / noch zu viel Sand in ihrem Felde / ſondern einen guten temperirten und wolgearbei - teten Acker haben / ſonſt achten ſie der Lufft nicht ſonders viel / thun mehr gut an kalten als warmen Orten / ſon - derlich / wann ſie erſt geſetzt worden / haben ſie lieber kuͤhles als heiſſes Wetter / doch iſts nuͤtzlicher / ſie bey ſchoͤnem als feuchtem Wetter zu ſetzen / ob ſie ſchon ihre Haͤubter Anfangs zur Erden hangen / ſo bald ſie aber an - fangen zu wachſen / muͤſſen ſie fein ſittſam umgehauen / und die Erde / um das Kraut herum / aufgerigelt und an - gezogen ſeyn / ſie ſollen wenigſt mehr als ein Schuch o - der anderthalb Schuch weit voneinander ſtehen. Man kans auch wol zum andernmal umhauen / oder wol biß - weilen zum drittenmal; Jn den erſten 14 Tagen luͤfftet man nur die Erden / daß ſie rogel werde; uͤber 14 Tag hernach thut mans abermal / zum letztenmal / wann es den Acker faſt decket / hauet mans erſt recht / zieht die Erden auf Haͤuflein und laͤſſt es alſo fortwachſen; diß dient ſehr viel zur Zunehmung.
Unter andern ſchaͤdlichen Feinden ſind die Rauppen und Krautwuͤrmer die gefaͤhrlichſten und unſauberſten; dieſelben hinwegzubringen / iſt das gewiſſeſte Mittel / alle Morgen / oder wann feucht Wetter iſt / ſie abzuklauben / und ins Waſſer zu werffen / oder mit ſamt denen Bien - faltern (davon ſie entſpringen) ſo viel man erwiſchen kan / im Krautacker zu verbrennen; etliche ſchmieren den Stoͤſſel / damit ſie pflantzen / ſetzen mit einer Speck - ſchwarten / und ſo offt das Fette abgeht / brauchen ſie die Speckſchwarten wieder ſo offt / als man es bedarff. Etliche nehmen ein Schaff voll Bronnenwaſſer / thun Kuͤhekoth drein / und einen Balg von einem Aalfiſch / und ehe ſie geſetzt ſind / tuncken ſie die Pflantzen mit der Wur - tzel darein; theils nehmen viel zuſammgeklaubte Raup - pen / ſieden ſie im Waſſer / und ſprengen im Garten da - mit / man muß aber das Kraut damit nicht beruͤhren / ſo ſollen ſie ſich verlieren.
Palladius will / man ſoll den Cabus-Saamen in Hauswurtzen-Safft einweichen / oder den Saamen mit Camin-Ruß miſchen; theils ſtecken ein Haubtbein von einer Stutten oder Eſelin in den Garten / oder be - ſprengen die Pflantzen mit Laug von Rebaſchen.
Die faule / loͤcherichte / abdorrende und bleichfaͤrbi - ge Blaͤtter / ſoll man nach und nach fuͤr das Viehe ab - klauben. Etliche ſchreiben / man ſoll das Kraut nicht nahe an Reben / Cyclamen / Rauten oder Wolmuth ſetzen / weil ſie nicht gedeyen ſollen; halte aber mehr / es ſey eine aberglaubiſche Meynung / weil ich ſonderlich / was die Reben betrifft / offt das Widerſpiel geſehen.
Das Kraut wird im Herbſt / im October / bey trocke - nem ſchoͤnem Wetter / im alten Monden ausgeſtochen; wo man nicht den Wechſel und mehr Krautaͤcker hat / muß man den Acker mit gutem Miſt bedungen / und vor Martini umſtuͤrtzen / im Auswaͤrts um Oſtern muß man ihn zum andernmal ackern.
Um Galli, oder bald hernach / wird das Kraut einge - ſtettigt / die Blaͤtter fuͤr das Vieh auf einem Boden auf - gehoben / die Krauthaͤubter werden zerſpalten / der Sten - gel kurtz abgeſchnitten / die inwendigen Kerne / oder das Harte wird nach der Laͤnge geſchroͤpfft und klein zer - ſchnitten / doch daß das halbe Haubt gantz bleibe; her - nach hat man in Oeſterreich gewiſſe Truhen mit einem Schnittmeſſer / allerdings wie man das Stroh ſchnei - det / werden 10 oder 12 halbe geſchroͤpffte Krauthaͤubter hineingelegt / mit der lincken Hand gemaͤchlich nachge - ſchoben / und mit der rechten / durch das Krautmeſſer auf das ſubtileſte und kleineſte (wie man das Kraut zum Salat ſchneidet) eingeſchnitten. Vorhero ſind ſchon eines oder mehr (nachdem man viel bedarff) 12 oder 15 Eimerige Faß abgebunden und zubereitet / die werden in ein kuͤhles Gewoͤlbe / oder in einen Keller / worinn kein Wein oder anders Getraͤncke ligt / aufge - ſtellt; da iſt dann einer oder zween Knechte / die ihre Fuͤſſe auf das ſaͤuberſte waſchen muͤſſen / die ſteigen in das Faß / wird ein Schaff voll Kraut nach dem andern hinein getragen / untenher etwas von Nußlaub geſtreuet / hernach eine duͤnne Lege Kraut / dieſe geſaltzen / und ein wenig Kuͤm̃ darunter geſprengt; wieder eine Lege Kraut / und wieder geſaltzen / und das muß man alſo tretten und gegen der Sarch mit den Fuͤſſen einſtampffen / biß es feucht wird / und dieſer Abwechſel mit Saltz und Kraut waͤhret / biß das Faß voll wird / bißweilen thut man auch Kuͤttenſpalten / ein wenig Wacholder und LorberbeerH iijdarun -62Des Adelichen Land - und Feld-Lebensdarunter / wird wolgeſchmacker; hernach wirds mit ei - nem Tuch / Brettern und groſſen Steinen wol ge - ſchwert / und alle Monat im alten Monden ſauber abge - raumt / und allzeit das Tuch / die Bretter und der Stein ſauber gewaſchen; wird ſo ſauer / als ob der beſte Eſſig darauf waͤre gegoſſen worden / und bleibt (wanns rein gehalten wird) laͤnger als ein Jahr / daß man das gan -tze Jahr / fuͤr das Geſinde und ſich ſelbſt eine gute und annehmliche Speiſe hat.
Das Koͤhlkraut hat mit dieſem Cabuskraut einerley Wartung / allein kan mans / ſonderlich den braunẽ Kohl / laͤnger in dem Acker laſſen / und davon zehren; die Ge - frier machts gut und muͤrb / auſſer den ſubtilen kan mans in trockene Keller in den Sand einmachen.
VOn den Ruben giebt es vielerley unterſchiedli - che Arten / weiſſe / rothe / gruͤne / lange / runde / fruͤhe und ſpate / auch ſonderlich werden gelobt die Stoͤckruͤblein / weil ſie einen angenehmen anziehenden raͤſſen Geſchmack haben / und den gantzen Winter durch an einem anſtaͤndigen guten trockenen Ort ausdauren. Die andern Ruben aber ſind nicht allein fuͤr die Men - ſchen / ſondern auch das Kraut und die Schelffen fuͤr das Vieh nuͤtzlich aufzuheben / und den Winter uͤber / zu gebrauchen / ſie wollen ein gutes / muͤrbes / wol und tieff geackert und gedungtes / wie zur Leinſaat zugerichte - tes Feld / und bey ſchoͤnem Wetter gebauet ſeyn / um Ulrici / Kilian und Margarethen / das iſt / zu Anfang oder Mittel des Julii / nach dem Vollmonden oder im letzten Viertel werden ſie geſaͤet; der Saamen ſoll eine Nacht vorher in Milch / darinnen Zucker oder Hoͤnig zertrie - ben / oder ſonſt in Zuckerwaſſer / geweicht werden / ſo ſol - len ſie ſuͤß und mild werden; wann der Saame in Hauswurtzen-Safft geweicht wird / ſoll er / nach Colu - mellæ Meynung / vor den Erdfloͤhen ſicher ſeyn; man kan auch wol Ruß darauf ſtreuen / oder den Ruß unter den Saamen miſchen / wann man ſelben anſaͤet.
Die fruͤh-Ruben werden eher unter Gerſten und Habern / oder aber allein gebauet / ſind aber gemeiniglich bitterer und ungeſchmacker / die in die Haͤlm Gerſten - oder in das Hanfffeld gebauet werden / gerathen mei - ſtentheils beſſer. Wenn man ſich beſorgt / ſie wollen auswachſen / ſchneidet man nur oben das Kraut zimlich nieder hinweg. Ein halbes Pfund Rubſaamen iſt auf ein gantzes Tagwerck genug / muͤſſen / will man ſie an - ders ſchoͤn und groß haben / nicht dick geſprengt ſeyn / ſo bald das Korn geſchnitten / laſſen etliche die Garben von dem Ort wegtragen / ackerns alſobald um / und bauen ihren Rubſaamen / wanns ſchoͤn Wetter iſt / und das Feld von dem vorhergangenen Regen etwas befeuchtet / nicht gar zu duͤrr und trocken iſt / ſie werden gleich einge - egt / doch nicht zu tieff / ſonſt gehen ſie langſam auf; das Unkraut muß man fleiſſig ausjetten / weil ſie dardurch verhindert ſind / und nicht zunehmen koͤnnen / wann ſie gar zu duͤnn / wies offt geſchicht / aufgehen / kan man wieder nachſaͤen / und den Saamen (ohne Schaden der andern) mit eiſernen Rechen ſubtil und gemach einpe - khen / zu lang aber muß man nicht verziehen / ſonder - lich wann man bald einen Regen verhofft.
Das Rubenland muß vor allem Vieh / vornehm - lich aber vor den Schweinen / verſchloſſen ſeyn. Etliche berichten / wann man wolle groſſe und dicke Ruben ha - ben / ſoll man die jungen Ruͤblein / wann ſie Fingers - dicke ſeynd / weit voneinander verſetzen / darnach mit Er - den beſchuͤtten / und die mit Fuͤſſen wol betretten / ſo werde die Nahrungs-Krafft / welche ſonſt uͤberſich in das Krautund in den Stengel ſchlaͤgt / alſo zuruck getrieben / und der Wurtzel zum beſten angewendet werden.
Wann man etliche Rubenſaamen-Koͤrnlein / in einem hoͤltzernen Geſchirr / mit einem hoͤltzernen Stoͤſſel ein wenig zerſtoͤſſet / und in ein Taiglein (wie eine Kugel formirt) einſchlieſſet / die aber in eine gute Erden alſo / daß die eingeſetzte Kugel uͤberſich ein Lufftloͤchlein habe / Fingers-tieff einſetzet / ſo ſollen wunderſam-groſſe Ru - ben daraus wachſen.
Andere wollen / man ſoll die Ruben ausziehen / und alle Blaͤtter dergeſtalt davon thun / daß man ſie biß auf einen kleinen Finger-dick am Stengel beſchneide / her - nach ſoll man ſie in ein wolgeackertes Feld 8 Zoll vonein - ander ſtecken / und mit Erden beſchuͤtten / und wol ein - tretten / ſo ſollen ſie auch ſehr groß wachſen.
Um Burckhardi / das iſt / faſt zu Helffte des Octobr. nachdems einen warmen oder kalten Herbſt hat / eher oder laͤngſamer / werden die Ruben aus der Erden ge - bracht / vorhin das Kraut ſauber abgeſchnitten / das man fuͤr das Viehe auf einem trockenen Boden biß in den Winter erhaͤlt.
Man glaubt / ſo tieff die Ruben in die Erden wur - tzeln / ſo tieff gefrieret es den nachfolgenden Winter; aus dieſem iſt abzunehmen / ob ein linder oder ſtarcker Winter zu gewarten ſey.
Hernach werden die Ruben / die man einma - chen will / gewaſchen / und entweder mit darzu gehoͤrigen Haͤchel-Eyſen / laͤnglicht und ſubtil gehaͤchelt / oder auf groſſen Hackbrettern / mit ſtarcken Schnitt-Meſſern / klein gehackt / in Faͤſſer mit Saltz eingemacht / und wie das Kraut / den gantzen Winter und Sommer durch / biß wieder andere Ruben wachſen / in dem Hau - ſe nuͤtzlich verſpeiſet.
Was man den Winter durch / zur Speiſe friſch aufhalten will / wird abgehaͤubtet / in trocknen Kellern oder Gewoͤlbern im Sand eingemacht / und alſo taͤglich zum Gebrauch davon genommen. Von etlichen wer - den die Rubenſchelffen / neben den Krautblaͤttern in ein Faß / mit Saltz vermengt / eingetretten / gibt dem Vieh / den Winter durch / eine koͤſtliche Speiſe / und macht ſie luſtig zum Eſſen.
Zum Saamen muß man etliche der groͤſten / unab - gehaͤubt / in trocknen Kellern im Sand erhalten / und im Auswaͤrts in dem Garten ausſetzen / aber anfangs ein Gelaͤnder von Stangen umher machen / und ſo lang die Reiffe waͤhren / mit Stroh oder Tannengras bedecken / ſo bald der Saamen anfaͤngt zu reiffen / und die Saa - menſchoͤtlein aufſpringen / ziehet mans ſamt der Wur - tzen aus / hengt ſie auf / ſo zeitiget und trocknet der Saa - me aus / daß man ihn hernach leicht mit der Hand aus - reiben / und an einem trocknen luͤfftigen Ort verwahrenkan.63Siebendes Buch / Ackerbau. kan. Man laͤſſt den Saamen auf einem Tuch einen Tag an der Sonnen ligen / daß ſich alle Feuchtigkeit aus - trockne / ehe als man ſie gar aufhebt.
Die Stoͤckruͤblein wollen keinen feſten / zaͤhen / lai - michten / ſondern einen muͤrben guten Grund haben / damit ſie deſto beſſer einwurtzeln / und alſo ſich ergroͤſſern koͤnnen; daher es auch kommt / daß ſie nicht aller Or - ten gut thun / der Urſachen halber auch nicht uͤberall ge - bauet werden; theils ſaͤen ſie auch unter den Hirſen und Pfennich / man muß aber den Saamen mit kleinen und ſaubern Erden-Pulver vermiſchen / damit man ihn nicht zu dick ſaͤe. Stehen ſie aber zu dicke / kan man ſie / wann der Boden lind iſt / wol uͤberziehen / und anderwaͤrts verſetzen; ſie haſſen den Schatten und lieben die Som - merlaͤnder / die wol gegen der Sonnen ligen; es giebt auch vielerley Arten derſelbigen und groſſen Unterſchied / ſo wol an der Groͤſſe / als an der Farb / ſo wol an der Mildigkeit / als an der Suͤſſe / kommt theils von des Saamens / theils aber von des Grundes Art her / ſie werden wie die andern Ruben / mit gleicher Achthabung gebauet / und koͤnnen den Froſt beſſer ausdauren.
Nach Palladii Meynung / ſollen zu Zeiten aus Stoͤckruben / gemeine weiſſe Ruben / und aus den weiſ - ſen Ruben / Stoͤckruben werden / ſo wir dahin laſſen ge - ſtellet ſeyn / doch nicht unglaublich ſcheinet / weil derglei - chen Metamorphoſes wol mehr ſich begeben. Sie werden ſpaͤter als die andern aus der Erden genommen / und im Sand an kuͤhlen trockenen Orten aufbehalten / bleiben faſt den gantzen Winter durch.
Jm Fruͤling werden die geradeſten und ſchoͤneſten zum Saamen ausgeſetzt / wie an den andern Ruben / man muß ſie ausziehen / ſobald die erſten Schoͤtlein ſich anfangen zu eroͤffnen / und machts mit ihnen / wie mit den andern Rubenſaamen. Wann ſie / bey duͤrrem Wetter / nicht aufgehen (wie leichtlich geſchihet) muß man den Platz wieder umackern / und von neuem ſaͤen; bey zu vielem Regenwetter / boͤrſtet der Saamen auf und ſchoſſet nicht; bey gar zu trockener Erden verdorrt er auch / werden offt die zarten Blaͤtlein von den Erd - floͤhen aufgefreſſen / in ſolchem Fall muß wieder angeſaͤet werden. Wann ſie ſollen gut ſeyn / muͤſſen ſie (wie Herꝛ Elßholtz will) nicht uͤber 6 Wochen in der Erden bleiben / ſonſt werden ſie wurmſtichich / hart / und voller Faſern / ſie haſſen die Pferd-Dung.
An etlichen Orten in Sachſen / und anderwaͤrts / in Flandern und Engelland / wird ein ſonderlicher Rub - ſaamen angebauet / deſſen Wurtzel zur Speiſe undien - lich / der Saame / aber zum Oel / in die Lampen zu brau - chen / auch wol von den Armen zur Speiſe gebraucht wird / wiewol es keinen allzuguten Geſchmack von ſich gibt; dieſer wird beſſer im wachſenden Monden ge - bauet / weil an der Wurtzel nichts gelegen; der Saamen wird von etlichen im Herbſt mit dem Korn / von etlichen aber im erſten Fruͤling / ſo aber ſelten ſo wol gedeyet / geſaͤet / in dem wachſenden Monden / ſo ſchieſſt es hernach im Sommer deſto eher in den Saamen; wann man im Fruͤling die Blaͤtter nach und nach abnimmt / ſo wird der Saame eher und beſſer / die ſind / (will mans nicht ſelber kochen) aufs wenigſte dem Vieh gut.
Wo Oel genug iſt / wird dieſe Rubſaat nicht ge - bauet / ohne / daß man die Voͤgel damit ſpeiſet. Will ei -nen guten fetten Grund / muß gar duͤnne / nur mit dreyen Fingern / nicht mit voller Hand wie das Korn / oder doch mit kleiner Erden wol vermiſcht geſaͤet ſeyn / im Martio / oder bald hernach / bluͤhen ſie / welches den Bie - nen eine vor allen andern annemliche Nahrung iſt / dar - um ſie auch haͤuffig dieſe Bluͤhe beſuchen. Dieſer Saa - me wuchert reichlich / daß / wie D. Heresbachius bezeu - get / manchesmal ein Scheffel biß in hundert wieder bringt. Unter den Huͤlſenfruͤchten wird ſie faſt am er - ſten zeitig / das mercket man / ſo bald die Schalen / ſo den Saamen in ſich traͤgt / anfaͤnget gelblicht zu wer - den.
Weil der Saamen leichtlich ausfaͤllt / ſchlaͤgt mans an theils Orten auf einem Tuch im Felde aus / wirds a - ber eingefuͤhrt / muß eine Plahen oder Tuch im Wagen untergebreitet ſeyn / daß der Saame nicht umſonſt ver - falle / ſonderlich muß man damit aus dem Felde eilen / wie mit allen Huͤlſenfruͤchten / wann ein Regen / davon ſieaufſpringen / zu beſorgen / von etlichen wird gleich / ſo bald das Korn aus dem Feld kommt / ſelbiges umgea - ckert / und der Saame wieder geſaͤet / alſo daß man auf einem Boden zweymal erndten kan. Das Oel wird / wie vom Mahenſaamen / gemacht / zur Haus-Noth - durfft gebraucht / auch wol theuer verkaufft.
Die Moͤhren / oder gelben Ruben / ſind zur Maſt weit beſſer und ergaͤbiger / als die andern Ruben / wer - den ein wenig vor Pfingſten / an etlichen Orten aber zu Ende des Aprils / oder Anfang des May im abnehmen - den Monden / in einen tieffgeackerten guten Grund ge - bauet / der ſoll von Sand und Laimen fein gleich tempe - rirt ſeyn.
Den Saamen zu bekommen / laͤſſet man den Win - ter durch / etliche im Garten ſtehen / die dann auf folgen - den Fruͤling bald in den Saamen anfangen zu ſchieſſen; noch gewiſſer iſts / man verwahre etliche der ſchoͤneſten (wie droben von den weiſſen Ruben gedacht) in dem Keller / oder in ſeiner gewoͤhnlichen Einſetze / und bringe ſie im Fruͤling in den Garten; die Erde / worein man ſie bauet / muß das Jahr vorher wol ſeyn gedungt worden; wo groſſe weitſchichtige Felder ſind / gibt es eigne Ru - ben - und Moͤhren-Laͤnder / die koͤnnen nach Belieben zu rechter Zeit gearbeitet / und durch die Winter-Ruhe zu anhaͤbiger Fruchtbarkeit gebracht werden; friſchge - dungtes Erdreich verbrennet den Saamen; theils ſaͤen ſie auch im Auguſto, ſo bleiben ſie uͤber Winter / und kan man in dem Mayen des kuͤnfftigen Fruͤlings ſchon zeitige Moͤhren haben.
Man muß ihn zimlich dick ſaͤen / weil viel ausſtehet / und wann er zu dick aufgehet / kan man ihn allzeit uͤber - ziehen / die groͤſten davon / kan man in ein wolzugerich - tetes Ort ſetzen / und begieſſen / ſo bekleiben ſie offtermals / ſonſt ſoll man ſie / auſſer Noth / oder zur Prob / niemals verſetzen / ſondern an ihrem erſten Ort ruhen laſſen; theils ſaͤen ein wenig Rettich oder weiſſe Ruben darunter / die man nach und nach ausziehet / und dardurch den Moͤh - ren Platz und Lufft laͤſſet / ſich zu ergroͤſſern; ſie wollen auch / ſonderlich Anfangs / wol gejetten und von allem Unkraut entuͤbrigt ſeyn / ſie werden wie die andern weiſſe Steckruben in Kellern und Gewoͤlbern im Sand / den Winter durch / erhalten.
JN Oeſterreich / ſonderlich in den beeden Vierteln Unter-Wienerwald und Unter-Mainharts - berg / wird der Saffran in die freyen ebenen Fel - der / wo er die Sonne den gantzen Tag uͤber haben kan / meiſtentheils / bißweilen auch wol in die Gaͤrten ange - baut / im Feld muß er mit einem Zaun von ſtarcken Zaun - ſtecken eingefaſſt / und allem Vieh der Eingang verweh - ret werden.
Der Saffran will eine mittelmaͤſſige / fruchtbare / doch ſtarcke lieber / als eine ſchwartze und leichte Erden / wie das meiſte Kielwerck / hat gerne ſonnichtes Laͤger / und temperirte Lufft / iſt eine ſpate / doch edle und nutz - bare Frucht / die erſt zu Ende des Septembers und noch ſpaͤter zu kommen pfleget / erſtlich kommt die bloſſe pur - purblaue Bluͤhe herausgeſchoſſen / diß waͤhret einen Mo - natlang ungefaͤhrlich; alle Tage muß man auf die Blu - men Acht haben / damit ſie nicht verderben / jede Blum hat ſechs Blaͤtter / wie die Zeitloſen / bißweilen / doch ſel - ten / mehr oder weniger / in der Mitten der Blumen fin - det man den Minium-rothen Saffran / alsdann kom - men die langen ſchmalen und graſichten Blaͤtter hernach gezogen / die bleiben uͤber Winter / biß in den Mayen / gruͤn und unverſehret / darnach werden ſie geel und ver - welcken / treiben doch bald wieder / daher muͤſſen ſie das Jahr uͤber dreymal / als erſtlich 14 Tage vor Johanni / zum andern / um Jacobi / und drittens / um Bartholo - mœi abgeſchnitten / und das Kraut davon kan aufgedorꝛt und dem Vieh gegeben werden / wiewol andere der Mey - nung ſind / der Saffran / wann ſein Gras unabgeſchnit - ten bleibe / ſey traͤchtiger.
Diß Gewaͤchſe bedarff ein ſonderbares Aufſehen / dann im Herbſt kommen die Blumen / mit dem edlen wolriechenden Saffran / den Winter durch waͤchſet das Gras / im Sommer erſcheinen die runden und gekleid - ten Zwibel / und nach dem Haubtkiel noch 4 / 5 / und mehr Zuſaͤtze und Jungen.
Jm dritten Jahr / nachdem ſie in die Erden geſetzt worden / graͤbt man ſie wieder aus um S. Johannis Tag / werden in der Lufft an einem ſchattichten Ort ge - deckt / vor den Maͤuſen verwahret / ſauber abgeputzt / und alſo biß zum Einlegen aufbehalten / nicht zu dick uͤberein - ander geſchuͤttet / wann die rechte ihnen von der Natur beſtimmte Zeit vorhanden / ſo werden die Kiel auch auf dem Boden anfangen zu keimen; ja offt (wann ſie nicht in die Erden kaͤmen) gar Blumen zu treiben / aber ſie verderben meiſtentheils hernach; daher / ſo bald man mercket / daß ſie zu gruͤnen beginnen / muß man ſie bald in die Erden bringen.
Sie werden ohngefaͤhr 8 oder 14 Tage vor Bar - tholomœi geſetzt / man ſoll ſie nacheinander in die Reyhen 3 Tage vor dem Vollmond 3 Finger breit voneinander / und 4 Finger tief / (andere wollen / einer mittern Span - nen tief) nachdem der Grund iſt / in die Erden ſetzen / die muß alſo zugerichtet ſeyn / als ob man Gerſten oder Waitzen darein bauen wolte; die Steine muͤſſen aus - geklaubt / und die Erde wol vorbereitet werden.
Die Bluͤhe kommen mehrentheils um Michaelis / nicht zugleich / ſondern nacheinander / muß ſie alſo vonTag zu Tage ausbrechen; wann man den Saffran voll - kommen ſihet uͤber die Blumen heraus leuchten / iſt keine Zeit zu verſaumen / ſondern man muß ſie Morgens und Abends ausnehmen / weil ſie / wann ſie ein wenig zu lang ſtehen / leichtlich verderben / und alſo in keine Nu - tzung zu bringen ſeyn / die Bluͤhe muß alſobald aus der Blumen gezogen / und auf ein ſauber Papier gelegt / bey einer linden Waͤrme gedoͤrꝛt / oder vielmehr getrocknet werden; hernach wann ſie wol abgetrocknet / werden ein klein wenig die Finger mit Oel befeuchtet / der Saffran damit ſacht beruͤhrt / in eine Schachtel oder hoͤltzerne Buͤchſen gethan / und an einem temperirten Ort aufge - hebt; wird von dem wenigen Oel an der Farb ſchoͤner und hoͤher.
Jm andern Jahr / nachdem die Zwibeln gepflantzt worden / laͤſſet man ſie ſtille ligen / alsdann bluͤhen ſie gleicher Weiſe / wie vor / um Michaeli / mit denen aller - dings / wie oben angezeiget worden / zu handeln iſt; waͤre aber der Winter ſo grimmig kalt / daß zu befoͤrchten / der Saffran moͤchte verderben / ſonderlich wo die rauhen Nordwinde freyen Anfall haben / ſo ſoll man ſie mit Pferdmiſt oder Schnee / etwan eine gute Spanne dick / zudecken.
Wann nun die Zwibeln zwey Jahr lang Frucht ge - bracht / ſo muͤſſen ſie im dritten Jahr zwiſchen Johanni und Jacobi bey trockenem Wetter / nachdem das Jahr iſt / ausgegraben / auf einer Buͤhne acht Tage lang duͤnn aufgeſchuͤttet und getrocknet / der Koth und Unflat / ſo daran haͤnget / wie auch die erſte grobe Schelffen / ſittlich abgenommen / und um Bartholomœi wieder in das Erd - reich auf vorige Weiſe / wie ſchon vermeldet / gepflantzet werden.
Allhier iſt zu mercken / daß bey Ausgrabung der groſ - ſen Zwibeln / im dritten Jahr / allzeit kleine Brut mit anwaͤchſet / die muß man / ſo bald ſie trocken worden / ab - nehmen / und damit / wie mit denen groſſen / handeln / auſſer / daß ſie abſonderlich (nicht unter die alten) in ſonderliche Bettlein und gleiche Reyhen (wie die uͤbrigen alle) allein zuſammen / und nicht untereinander vermen - get werden.
Mit Abſchnitten vom Buchsbaum oder andern Straͤucheln wird er gedeckt / ſo bald er geſetzt worden / die Hitze der Sonnen zu lindern / die er Anfangs ſehr fuͤrchtet / das laͤſſet man ihm / biß er anfaͤngt auszu - ſchlagen.
Er wird weiter nicht begoſſen / und muß ſich von des Himmels Feuchtigkeit genuͤgen laſſen / es waͤre denn die Gelegenheit darzu ſo gut vorhanden / ſo koͤndte man ihm bey duͤrrem Wetter damit auch wol zu Willen ſeyn.
Zu Ende des Auguſti muß der Saffran-Garten / gleich wie eine Tenne / gleich geebnet / und von allem Gras geſaͤubert ſeyn; Man kan (daß die Hitze nicht ſchade) ihn wieder mit leichten Aeſtlein und Zweiglein zudecken / noch beſſer iſts / mit ſolchen Sachen / durch deren Fettig - keit das Feld gleichſam mit gedunget wird; als Boh - nen-Huͤlſen / gruͤne Nuß - und Mandelſchelffen / Korn - ſpreuer / und dergleichen. Der Saffran leidet wol / daß man mit Fuͤſſen auf ihn umtrette / ſonderlich mit bloſſen;wanns65Siebendes Buch / Ackerbau. wanns nur nicht weich Wetter / das Kraut ſoll bald ab - geſtoſſen ſeyn / oder wann er im Bluͤhen iſt. Einen Mo - nat lang mag man den Saffran / wie erſt gedacht / be - decken / hernach muß man das groͤbſte mit einem Rechen abziehen / den Blumen Platz zu geben. Wann man die Kiel ausnimmt / muß der Garten tieff umgegraben oder aufgehauen ſeyn / daß man die Zwibel alle daraus klau - ben kan.
Beſſer iſts / wann man mehr als zwey oder drey Saffran-Gaͤrten hat / daß jaͤhrlich einer in der Brach bleiben / und die uͤbrigen beſetzt ſeyn koͤnnen. Das Blu - men-abklauben koͤnnen Kinder und Buben verrichten / bey ſchoͤn und boͤſem Wetter / in und auſſer dem Hauſe / nach und nach / welches ſonſt bey keiner Erndte zu hof - fen. Dieſes Leeſen waͤhret etliche Wochen / da man taͤglich Morgens und Abends nachſehen / und die Blu - men / die eroͤffnet ſind / abklauben / gleich nach Hauſe bringen / und die Bluͤhe ſo bald heraus nehmen muß / darum dieſes Einkommen / keinen vernuͤnfftigen Haus - vatter zu verachten.
Wann man den Saffran probiren will / ſoll manihn zwiſchen die Finger nehmen / und zuſamm gemaͤch - lich drucken / rauſcht er / als ob er brechen wolte / item wann er die Haͤnde faͤrbt und einen ſcharffen Geruch von ſich gibt / ſo iſt er gerecht; laͤſſt er aber nach / oder ſtaubt / ſo iſt er verfaͤlſcht. Wann er getrocknet wird / muß er anfangs duͤnn voneinander geſpreitet / und alle Tag zwey oder dreymal umgekehrt ſeyn. Den Maͤu - ſen und Maulwuͤrffen / muß man fleiſſig nachſtellen / weil ſie gern hineinkommen / und den Saffran nicht aufkom - men laſſen / er iſt zwar eine Hertzſtaͤrckung / doch zu viel gebraucht / ſoll er Haubtwehe und ein bloͤdes Geſicht ver - urſachen.
Der Saffran iſt ſonſt eine rechte Cordial-Artzney / auch den Schwindſuͤchtigen ſehr heilſam / reinigt das Gebluͤt / widerſtehet dem Gifft / macht eine gute Farbe / zeitigt / erweicht / nimmt weg die Gelbſucht und alle Obſtructionen / hilfft und lindert die Melancholey / ſtaͤrckt die Gedaͤchtnis / und iſt zu andern vielen Kranck - heiten nutzlich / wie D. Joh. Ferd. Hertodt in ſeiner Cro - cologia bezeuget / und daſelbſt mit mehrern zu finden / ſo ich hier / kuͤrtze halben / anzuziehen unterlaſſe.
DJe leichte Art / den Hopffen zu zieglen / und die Nutzbarkeit deſſen / befoͤrdert ſeine Wartung / ſeine zarte Schoͤßlein ſind im Fruͤling ein geſun - der und guter Salat / gleich dem Spargel / mit Eſſig und Oel zugerichtet / und ſeiner Bluͤhe kan man im Bier - braͤuen faſt nicht entrathen; weil er gern hoch aufklettert / kan man ihn auch in den Gaͤrten / die Gelaͤnder / Portal und Luſthuͤtten zu bekleiden / gebrauchen / ſonſten waͤchſt er gern an nicht allzu gaͤhen abhangenden Oertern / liebt einen muͤrben und feuchten Grund. Jſt der Grundgut / darff man keine Dung darzu legen / wo nicht / ſoll man die Gruben um ſo viel tieffer graben / und am Boden mit guten Koth auch Miſt anfuͤllen / damit in eine jede Grube aufs meiſte ſechs gute ſtarcke Boͤhmiſche Wurtzen / ſind ſie aber klein / mehr / und wol noch einmal ſo viel / damit der Stock deſto dicker werde / und wann eine oder die andere nicht geriethe oder faulete / daß man nicht darff zulegen / dieſelben ſoll man fein Creutzweiß gegeneinander ſe - tzen / und mitten zwiſchen die Wurtzen ein gutes Koth❁ Jlegen /66Des Adelichen Land - und Feld-Lebenslegen / daß die Wurtzen einander nicht anruͤhren / davon ſie ſonſt faulen.
Daß er an etlichen Orten nicht wol gerathet / iſt die Ur - ſach / wann der Grund zu ſehr ſandicht / ſteinicht / zu feucht / oder zu nahe beym Waſſer ſtehet. Jn den naſſen Gruͤndẽ / wann dieſelben gefrieren / erfreurt er gern / und was zu nahe am Waſſer ſtehet / ziehet das Meelthau aus / oder wann man zum dritten im Hauen nicht acht hat / daß man des Stocks verſchone / ſondern die Wurtzen durch - hauet / die faulen darnach / oder wann man dem Stock zu viel entziehet / welches den Stock ſehr ſchwaͤchet und Schaden bringet / daher man treue und erfahrne Hopf - fenhauer darzu nehmen muß.
Der wilde Hopffen waͤchſt von ſich ſelbſt / flechtet ſich ſelbſt uͤberall in die Gehaͤge und Straͤucher / wird nichts deſtoweniger ſeine Bluͤhe unter den andern Hopf - fen genommen / und ſeine fruͤhen Schoͤßlinge im Aus - waͤrts zur Speiſe genoſſen.
Wann man keinen Hopffen zum Legen bekommen kan / hat es wenig zu bedeuten / daß man des wildẽ Hopf - fen Wurtzen nimmt / ſo wird er heimiſch und geſchlacht; am beſten aber iſt es / wann man Boͤhmiſche gute Hopf - fen-Wurtzen haben kan.
Des zahmen Hopffens aber iſt zweyerley / ein fruͤ - her / welcher der beſte und zur Anwehrung der bequem - ſte iſt / wird um 14 Tag eher / als der andere zeitig.
Es iſt ein Gewaͤchs / das trefflich gern zuſetzt / die muß man ihm jaͤhrlich benehmen / und ſie weiter fortpflantzen. Man macht eine halbe Klaffter ohngefaͤhr / oder ein we - nig weiter voneinander / Gruben / die werden mit guter Erden und Dung beſchuͤttet / und werden allzeit 4 / 5 oder mehr ſolche Hopffen-Keimen in eine Gruben auf - recht eingelegt / darnach werdẽ ſie mit dem aus der Gru - ben gefaſſeten Grund wieder ſacht bedeckt / daß die Kei - men gantz unter der Erden ſtehen und von derſelben ver - huͤllt ſeynd / ſonderlich wann mans im Herbſt einlegt / doch ſteckt man zu jeder Gruben einen Stecken / daß man wiſſe / wo der Hopffen lige. Das erſte Jahr waͤchſt er etwan ein anderthalb Ellen / oder eines Manns hoch / traͤgt auch bißweilen / doch nicht allzeit und wenig / biß er recht in dem Grund eingewurtzelt iſt.
Etliche ſtecken gleich im erſten Jahr ein Staͤblein darzu / daß er daran gemaͤhlich aufwachſe / welches aber etliche nicht loben / darum daß der Stock zu weich wird / und vor der Zeit verſchiebt; wann mans aber fuͤr ſich ſelbſt wachſen und ligen laͤſſt / ſo wird der Stock deſto kraͤftiger / und verſchieſſen die Wurtzen deſto weniger / und tragen deſto groͤſſere und vollkommenere Blumen.
Das folgende naͤchſte Jahr / fruͤh im erſten Leutzen / ehe der Hopffen noch anfaͤnget auszutreiben / muß man zur Haubtwurtzel raumen / und die andern Nebenſaͤtze alle wegnehmen / damit er nicht unterſich / ſondern auf - waͤrts / in den Stamm und in die Frucht treiben moͤ - ge; will man nun / daß ſie groß und hoch auſwachſen / muß man um die Wurtzẽ deſto weiter die Erden aufhauẽ / und ſie wieder mit guter Erden und Dung beſchuͤtten / darauf werden mit eiſernen Stoͤſſeln die Loͤcher zu den Stangen geſtoſſen / weil man dasmal am beſten aus - nehmen kan / daß man der Hopffenwurtzen nicht etwa ſchaden moͤge / und ſtoͤſſet und befeſtet die Stangen / die untenher geſpitzt ſind / mit Gewalt hinein / wann der Stock viel Keimen treibt / muͤſſen auch deſto mehr Stangen darzu gebracht und gebraucht / und jedesKeimlein / wanns anfaͤngt uͤberſich zu dringen / an ſeine gewiſſe Stangen geleitet werdẽ / ſonſt ſie ſich untereinan - der verwirren / und ohne Schaden nicht voneinander zu bringen / damit auch der Sonnenſchein deſto beſſer durch - ſcheinen moͤge / kan man allzeit die naͤchſten Reben zwey oder drey an eine Stange weiſen / das uͤbrige aber / was auſſenher austreibt / mag man abreiſſen und dem Vieh abgebrennt und gekocht zu eſſen geben.
Wann man drey Reben an eine Stangen leitet / iſts am beſten / die Stangen ſollen oben auf fein vonein - ander ſtehen / damit der Hopffen deſto beſſer anſetzen / und ſich deſto weniger verwirren moͤge / dardurch er zwar viel Laub / aber wenig Bluͤhe / und alſo ſchlechten Nutzen bringet. Es ſollen aber die Hopffenſtangen zimlich dick und ſtarck ſeyn / und ligt nichts daran / wann man der Stangen gleich nit ſo viel hat / uñ ſie weit muß voneinan - der ſtecken / des Hopffens wird darum nicht weniger / auch nicht deſto mehr / wann der Stangen gleich viel ſind / und nahend beyſammen ſtehen / ſondern die Trol - len werden deſto groͤſſer / auch des Hopffens deſto mehr / wann der Stangen wenig ſind / dann er hat beſſer Raum zu wachſen. Je gailer der Hopffen antreibt / je hoͤher und ſtaͤrcker ſollen die Stangen ſeyn / damit er recht aus - wachſen kan / ſonſt kan er nicht ſo gut bluͤhen / daran doch am meiſten gelegen iſt. Mit den beſten Reben / die man aufziehen will / muß man ſanfft umgehen / damit ſie nicht brechen / weil ſie ſonſt daſſelbe Jahr unfruchtbar ſeyn wuͤrden / muͤſſen alſo mit eingenetztem Stroh oder gro - ben Garn ſubtil angehefftet ſeyn / ſo ſteigen ſie her - nach ſchon von ſich ſelbſt fort / und offt noch hoͤher / als die Stangen ſind.
Das erſte Jahr muß man den Hopffengarten fleiſ - ſig jetten / biß er ſich ausbreitet / wenn er die halbe Stangen erreicht hat / muß ihm abermal mit An - hefftung geholffen ſeyn. Der Meelthau iſt des Hopf - fens groͤſter Feind / wo er ihn zur Zeit der Bluͤhe und der zarten Haͤubter erreichet / macht er ihn gantz unbrauch - ſam. Zu Anfang des Septembris faͤngt er an zu reif - fen / ſo an ſeinem ſtarcken Geruch zu erkennen / wann er in der Gilb begriffen / und einen Tage 3 oder 4 in der Gilbe geſtanden / ſoll man ihn / doch trocken / und bey ſchoͤnem Wetter / abnehmen / muß aber / ehe ſich die Blaͤtter an den Haͤubtern oͤffnen / und den beſten Saa - men verſtreuen / geſchehen. Man ſchneidet nur die Re - ben etwan eine halbe Elen hoch von dem Stock ab / ziehet darnach die Stangen ſamt dem daran hangenden Hopffen heraus / windet den Hopffen / ſo weit er Haͤub - ter traͤgt / herab von den Stangen / und legt denſelben zu hauffe / biß ein Fuder daraus wird. Wann aber / wie offt geſchihet / die Wipffel oben zuſammen gewach - ſen / und ſich miteinander verwirren / muͤſſen dieſelben Stangen zugleich ausgehoben / und das verwickelte o - ben mit einer Sichel abgeſchnitten werden.
Sobald man den Hopffen hat eingefuͤhrt / muß man ihn nicht viel durcheinander werffen / ſondern bald abpflocken / das geſchicht deſto fuͤglicher / wann die Re - ben auf ein paar Elen lang abgeſchnitten / allzeit einem jedem Abpflocker Hauffenweiſe fuͤrgelegt / und von ihm ſitzend koͤnnen abgeklaubt / die unnuͤtzen Rancken aber beyſeits gethan werden; ſo bald er abgepflockt iſt / wird er auf einen luͤfftigen Boden nicht zu dick aufgeſtrent / daß er austrockene und nicht daͤmpffig oder ſchimmlicht werde. Man muß ihn am Austrocknen nicht laſſen garduͤrr67Siebendes Buch / Ackerbau. duͤrr werden / damit der Saame nicht herausfalle / dar - nach / wann er gleich noch etwas feucht iſt / und klebt / wañ man ihn zuſammen druckt / ligt nichts daran / denn es viel beſſer / den Hopffen ein wenig feucht / als zu duͤrr in ein Faß wol getretten / zugedeckt und geſchweret / ſo bleibt er lang kraͤfftig und gut / und hoͤpfft alsdann ein Pfund ſo viel / als ſonſt anderthalbs. Von andern wird er / ſo bald er trocken worden / aufgehaͤufft / mit Plahen oder Tuͤchern / damit er nicht verrauche / zugedeckt / inſonder - heit iſt fleiſſig acht zu haben / daß der Saame / in wel - chem die groͤſte Krafft ſtecket / nicht ausfalle / ſo leicht ge - ſchicht / wann er uͤberzeitig iſt.
Die Stoͤcke werden im Herbſt umgehauet / und mit Erden bedeckt / und biß in die Faſten alſo gelaſſen.
Jn Boͤhaim und an andern Orten mehr / laͤſſt man den Stock (wann man den Hopffen im Herbſt abge - nommen) alſo unangeruͤhrt und ungeraumt verbleiben / damit die Kaͤlte der Wurtzen deſto weniger ſchade / und legt man den Miſt oben auf den Waſen / und decket die Stoͤcke damit zu / ſo ſetzt der Miſt von oben hinein / und wird der Stock wol gedungt / ligt warm drunter / und erfreuret deſtoweniger / und laͤſſet man die Stoͤcke / alſo / auch wol im Fruͤling ungehauet und ungeraumet wach - ſen / biß ſie gar zu viel zugeſetzt haben / alsdann man ſolche erſt ruͤhret im Fruͤling wann der Stock herfuͤr geſcho - ben / ſo decket man denſelben auf / raumet das Koth von der Wurtzen hindan / und hauet ſie / verſchonet aber des Stocks oder der Stammwurtzen durchaus; wannaber uͤbrige Seitenſchuͤbe am Stock heraus gewachſen ſind / wie dann geſchihet / die ſchneidet oder reiſſt man ab / ſo bleibt die Stammwurtz deſto kraͤfftiger und fruchtbarer / und ſetzt die abgeſchnittenen Wurtzen an - derwaͤrts ein.
Die Gaͤrten ſollen aber allzeit im andern oder drit - ten Jahr mit Schwein-Miſt / den man fein um die Gru - ben herum / und oben drauf legt / gedunget ſeyn. Jm Herbſt / wann der Hopffen abgenommen / und die Stoͤ - cke wieder bedeckt ſind / kan man jaͤhrlich nur einen Theil davon uͤberdungen / daß nicht zu viel Unkraut dar - durch gezigelt werde / alsdann kan man auch (wo die Stoͤcke duͤnne ſind) Gruben ein halb Knie tieff graben / in jegliche einen kleinen Stecken ſetzen / damit man auf kommende Faſten ſolche wieder finden / und mit dem jungen Hopffen belegen kan. Jn der Faſten wird der alte Hopffen gehauet und beſchnitten / da nimmt man dann feiſte Reben / die am meiſten keimen / ſetzt ſie gerad in die Erde / in die gedungte Gruben / der Keim aber muß oben heraus ſehen / und ſteckt Klaffterlange Stecken dabey / und laͤſſet ihn alſo diß Jahr ligen / alſo auch / wann etliche Gruben von den alten Hopffen abgeoͤdet ſind / muß man wieder neue Reben legen. Nachdem der Garten dem Wind entgegen ligt / nachdem muß er auch mit ſtarcken Stangen verſehen werden. Des Hopf - fens / wann er gut iſt / proba iſt / wann er zerrieben wird / daß er die Hand einfettigt / und einen ſtarcken Geruch von ſich giebt.
JCh muß bekennen / daß unter allen / die von der Hauswirthſchafft Schrifften hinterlaſſen / keiner von dem Hopffen ſo eigentlich und weitlaͤufftig geſchrieben / als Herꝛ Colerus, daher ich auch / was den Hopffen anlangt / meiſtentheils aus ihm angezogen. Die alten Rei ruſticæ Scriptores dencken / ſo viel mir wiſ - ſend / des Hopffens nicht / bey unſern Septentrionali - ſchen Voͤlckern aber / weil nicht uͤberall Wein waͤchſet / und das Bier ſehr im Gebrauch iſt / iſt der Hopffen auch in deſto groͤſſerm Anſehen. Und beſchreibt erſtgedachter Herꝛ Colerus auch eine andere Art / wie man einen Hopffengarten folgender maſſen zurichten ſolle.
Man ſolle erſtlich ein Raſenfeld im Julio mit Hauen und Pflugen zu einen muͤrben Acker machen und wol dungen / und darnach man viel Reyhen Hopffen legen will / nachdem muß der Acker auch weitern oder engern Jnbegriff halten; darnach ſoll man ihn alſo einrichten / daß allzeit zwiſchen zweyen Reyhen Hopfen / etliche Bette / fuͤnf oder ſechs zu Kraut / Ruben / Moͤhren / Zwibeln / oder andern Kuchenſpeiſen / ligen verbleiben / die Reyh aber / darein man den Hopffen einlegen will / ſoll uͤber andert - halb Elen nicht breit ſeyn.
Weil aber zweyerley / ein harter und weicher Hopffen iſt / ſo kan man den weichen im Fruͤling / den harten aber im Herbſt einlegen / muß aber nicht gar zu nahend zu - ſammen kommen; diß thut man drey Tage fuͤr dem Neumonden / oder drey Tage hernach / im guten Zeichen /als im Stier / Waſſermann / Steinbock / Jungfrau o - der Fiſchen. Die zwiſchen den Hopffen-Reyen innligen - de Bette / kan man jaͤhrlich mit zimlicher Dungung ver - ſehen; die Reyen aber / worinn der Hopffen ſtehet / darff man weder hauen noch graben; gegen dem Winter kan man nur kleinen Miſt darauf ſtreuen / und im Fruͤ - ling kan man das Grobe und Strohichte vom Miſt wie - der ſauber abrechnen / ſo waͤchſet darneben und darauf gutes Gras / welches man zum oͤfftern mag abgraſen / und die Hopffenſtoͤcke nehmen nichts deſto weniger von den nahe-anligenden geackerten und gedungten Betten ihre genugſame Nahrung; daher darff er weniger Muͤ - he / und geraͤthet offt beſſer als der andere / iſt traͤchtiger / und traͤgt groͤſſere Haͤubter. Wann die Hopffenkei - men das erſte Jahr herfuͤr ſproſſen / und etwan einer Elen hoch ausſchieſſen / werden ſie an kurtze Staͤnglein angehefftet / ſo hernach mit den laͤngern Stangen muß in folgenden Jahren verbeſſert werden.
Denckwuͤrdig iſt / was Salomon Gubertus in ſeiner Lieflaͤndiſchen Oeconomia ſchreibt / daß der Hopffen kein Birckenholtz leide / daher ſoll man keine Bircken weder zu den Stangen noch zu Einaͤderung oder Einflech - tung der Zaͤune gebrauchen. Wann der Hopffen ab - genommen wird / ſo ſoll man die Stengel und grobe Blaͤtter abſondern / das Bier wird ſauer davon / die Hopffenkoͤrner muß man nicht wegſchuͤtten / ſie haben groſſe Krafft im Bier.
SUſſes Holtz bluͤhet im Julio braunrot oder purpur - farb / und hanget Traubenweiſe beyſammen / aus demſelben kommen kleine gelblichte rauhe kurtze Schoͤtlein herfuͤr / in welchen zwey oder drey Koͤrn - lein / den Linſen nicht ungleich / ligen / waͤchſt offt zwey oder drey Elen hoch / die Blaͤtter ſind ſchwartzgruͤn / dick / fett / laͤnglicht und klebricht / ſtehen je zwey und zwey ge - geneinander / die Wurtzen ſchlieft in der Erden hin und her / und treibt dort und da aus; die Stengel verderben im Winter / im Fruͤling aber ſproſſen friſche herfuͤr / alle drey und vier Jahr wird nach dem ſuͤſſen Holtz gegra - ben / da werden Gruben gemacht zween Schuch weit / und drey oder vier Schuch tieff / durch den gantzen Acker hindurch / die ſtarcken und langen Wurtzen werden aus - genommen / die kleinen aber laͤſſet man im Grunde blei - ben / daß ſie hernach wieder ausſchlagen; dieſe Grabung geſchihet im Anfang des Novembers / wann das Sie - bengeſtirn pfleget unterzugehen / auch wann man im Fruͤling nur eine Wurtzel nimmt / daran ein Trieb iſt / legt ſolches in einen leichten Grund / und laͤſt es (ohne ſon - ders Begieſſen) wachſen.
Jn Oeſterreich ward dieſe Wurtzen bißhero nie in die Felder / ſondern nur in die Gaͤrten gebauet; in Francken abeꝛ / um Bamberg uñ an dem Maynſtrom / werden gantze Aecker des Suͤſſenholtzes gefunden / auch daſelbſt Cent - nerweiſe / mit ihrem groſſen Nutzen / verkaufft / und gantz Teutſchland damit verſehen. Der Grund darzu muß nicht hart und laimicht / ſondern leicht / wolgemengt / und tieff geackert ſeyn / wird von Schoͤßlingen und Bey - ſaͤtzen fortgepflantzet / iſt aber ſo leicht aufzubringen / daß wann er einmal eines Feldes gewohnet / er leichtlich dar - aus nicht zu vertreiben / ſucht tieffen Grund / und wann er gleich eine halbe Elen und tieffer in der Erden abge - riſſen oder abgeſchnitten wird / ſucht doch die darinnen gebliebene Wurtzen (wie der Kreen) wiederum die Lufft / waͤchſet und keimet von neuem wieder / alſo daß man hernach geringe Muͤhe mit ihm / und doch davon nicht geringen Nutzen hat.
Vor dem Vieh und ſonderlich den Schweinen muß man es wol verwahren / weil ſie mit Wuͤhlen groſſen Schaden thun / und nach ihnen die Wurtzen nicht ſo gern waͤchſet / als wanns die Menſchen abſchneiden / Zwei -fels ohne / weil ſie von der Schweine Zaͤhnen zerknir - ſchet und zerkaͤuet / nicht ſo gerne wieder ausfaſeln / als wann ſie von einem ſcharffen Meſſer abgeſchnitten ſind. Wird aus Hiſpanien / nach Lobelii und Petri Penæ Zeugnus / in Engelland / Holland und Franckreich ge - bracht / waͤchſet auch unweit Montpellier in Franckreich / von ſich ſelbſt auf denen Feldern / bluͤhet im Julio, und wird im September ausgenommen / wann der Saame zeitig worden.
Die Wurtzen iſt / ſo viel ihre Wirckung betrifft / des Menſchen Eigenſchafft gleich temperirt / daher auch ge - ſund / und wird zu Bamberg und andern Orten ein Safft in der Apotheken / Liquiritia genannt / daraus gemacht / der aber / wie Gualterus Ryfius ſchrelbet / nicht allein unlieblich am Geſchmack / ſondern auch in ſeiner Tugend und Krafft / von allzuhefftigem vielen Sieden verbrannt und verderbt / nicht wenig geaͤndert wird; lehret es der - halben auf ſolche Weiſe zubereiten: Man muß das ſuͤſſe Holtz / ſo friſch mans haben kan / nehmen / es ſchaben / beſchneiden und von aller Uberfluͤſſigkeit wol reinigen / her - nach uͤberzwerch in kleine runde duͤnne Scheiblein zer - ſchneiden / ſie wol ſtoſſen und zerquetſchen / friſches Bron - nenwaſſer daruͤber ſchuͤtten / und es alſo / damit das Waſſer den Safft und Suͤſſigkeit gaͤntzlich an ſich zie - het / eine Zeitlang baiſſen; hernach das Waſſer und den Safft vom Holtz mit einem kleinen Preßlein wol ausdrucken / in einem ſaubern Geſchirr / auf einem ſanff - ten Kohlfeuer ſtetiglich ſieden / mit einem hoͤltzernen oder ſilbernen Spaten ſtets umruͤhren / daß es ſich nicht zu Grunde ſetze und anbrenne; wann es anfaͤngt dick zu wer - den / und das Waſſer verſotten und evaporirt hat / mag man / um mehrerer Lieblichkeit willen / Hoͤnig oder Zu - cker darzu thun / und dann alſo ſieden laſſen / ſo lang / biß es zu einer rechten dicken Latwergen wird. Dienet fuͤr die Huſten / Seitenſtechen / Mund - und Hals-Gebrechen / zum ſchweren Athem und Keuchen / fuͤr die Lungen - und Schwindſucht / zum erharteten Miltz / das Auswerffen zu befoͤrdern; in Cathaͤrren / zum Blutſpeyen / fuͤhrt die Artzney zur Bruſt / und ſtaͤrckt Lungen und Bruſt / im Hertzzittern / in der Geelſucht / Harnwinden / Blaſen - und Nierenwehe / und andern mehr Sachen / wie aus den Kraͤuterbuͤchern zu erlernen.
ES iſt ſehr zweifelhafftig / ob der jetziger Zeit in Teutſchland an vielen Orten gewoͤhnliche Tabac - Anbau / mehr Schaden als Nutzen bringe; denn einmal gewiß / daß es meiſtes darum geſchihet / weil das gemeine Bauren-Geſind / bey langwuͤhrig-gehabten Kriegs-Laͤufften von den Soldaten das Tabac-ſauffen dermaſſen in eine hartnaͤckige Gewonheit gebracht ha - ben / daß es faſt unmoͤglich ſcheinet / ſie mehr davon ab - zuhalten; wiewol das Tabactrincken erſt neulich Anno 1653 von Jhr Durchlaͤucht dem Churfuͤrſten von Sach - ſen verbotten worden / weil die gemeinen Leute dardurch /ſonderlich wann ſie beynebens Wein / Bier / oder Brand - wein Sauffen / ihrer Geſundheit mercklichen Abbruch thun / durch Unvorſichtigkeit in der truncknen Weiſe / mit den Kohlen und angezuͤndten Lunten / offt ihre eigne Haͤu - ſer / ja gantze Doͤrffer / Flecken und Staͤdte anzuͤnden / und in die Aſchen legen. Zudem die Felder durch dieſes Kraut ſehr abgeoͤdet / und daher zum Korn - und Waitz - Bau deſto undienlicher ſind; und waͤre zu wuͤnſchen / eine Landsfuͤrſtliche Obrigkeit / moͤchte dieſem uͤbermaͤſ - ſigen Mißbrauch des Tabac-Baues / wo nicht gar ver - bieten / dennoch in gewiſſe Maß einſchrencken / damitdie69Siebendes Buch / Ackerbau.
die Ubertretter geſtrafft / dieſe Unnothwendigkeit verhuͤ - tet / und der Feldlbau befoͤrdert und gebeſſert ſeyn moͤchte.
Es iſt zwar ein heilſam und fuͤrtreffliches Kraut / ſo in der Artzney fuͤr gifftige Geſchwer / Wunden / alte Schaͤden / Kroͤpff / und dergleichen nuͤtzlich zu gebrau - chen; allein daß man gantze Aecker damit / mehr zum muthwilligen ſchnupffen und ſauffen / als zur Geſundheit verderbet / iſt nicht zu loben. Nichts deſto weniger aber / denen / die deſſen rechten heilſamen Gebrauch wiſſen / zu Dienſt / will ich kuͤrtzlich anzeigen / wie damit umzu - gehen.
Diß Kraut iſt vor 100 und etlichen Jahren aus der Jndianiſchen Jnſul Florida in Hiſpanien und Portu - gal / nachmals in Franckreich Anno 1560 durch Herꝛn Joh. Nicot, Koͤniglichen Franzoͤſiſchen Abgeſandten am Portugeſiſchen Hof / gebracht / alſo daß es auch folgends in Teutſchland kommen / und nunmehr allenthalben ge - nugſam bekannt iſt.
Es erfordert ein fettes / wolgearbeitetes / reichlich - gedungtes / feuchtes Land / das doch die Sonnenſtrah - len habe / und vor den Sturmwinden moͤge verſichert ſeyn. Erſtlich ſaͤet man ihn zu Anfang des Mertzens auf ein wolzugerichtetes Miſt - oder Hochbette des Gartens / im wachſenden Monden / das gegen Mittag lige / und vor den Nordwinden einen Schirm habe / der Saame muß mit Kreyden-Pulver vermiſchet ſeyn / damit man deſto beſſer / ob er zu dick oder zu duͤnn geſaͤet / erkennen moͤge.
Wann nun der Saame recht geſaͤet iſt / ſchuͤttet man alsdann zween Zoll hoch Erden daruͤber / und belegt das gantze Miſtbette dicht und wol mit Brettern / oder mit dick-zuſamm geflochtenen Strohuͤrten / damit keine Kaͤl - te eingreiffe / ſondern inwendig ſich alles wol erwaͤrme / ſo gehet der Saame in 9 oder 10 Tagen auf / die muͤſſen nun bey kaltem Wetter / ſonderlich bey Nacht / allzeitwol gedeckt / und von allem Unkraut geſaͤubert und aus - gejetten werden.
Ob auch ſchon vom Maͤnnlein gerechter Saamen angeſaͤet wird / (welcher auch / nach Herꝛn Vieſchers Bericht / kleiner als der vom Weiblein) ſo kommen doch mehr Weiblein herfuͤr / die man nicht verſetzen ſolle. Sind auch die Blaͤtlein im Aufgehen leicht voneinander zu unterſcheiden / denn das Weiblein hat Saatgruͤne / dicke / mollichte Blaͤtlein / das Maͤnnlein aber liechte / zimlich breite / forn geſpitzte duͤnne Blaͤtlein / ſo auf der Erden aufligen / und ſind ſehr viel zaͤrter / als die Weib - lein; die Zeitigung des Saamens iſt an den Huͤlſen zu erkennen / wann ſie anfangen ſchwartzbraun zu wer - den.
Wann ſie nun das vierdte oder fuͤnffte Blat aus - keimen / werden ſie nach einem Regen drey Fuß weit voneinander / auf wolgedungte lange Aecker / die uͤber vier Fuß nicht breit ſeyn muͤſſen / eingepflantzt / und bey duͤrrer trockener Sommerszeit wol begoſſen. Den Sommer durch / werden die Pflantzen zum wenigſten dreymal gehaut / und die Erde herum gemach aufgeri - gelt / damit das Unkraut deſto beſſer vertrieben ſey. Jm Fortwachſen bricht man die unterſten zwey Saamblaͤt - ter / als unnuͤtz / hinweg / und haͤuffelt die Pflantzen mit Erden an / wie man den Kraut-Pflantzen zu thun pflegt.
Jm Majo oder Junio thut man die erſte Abladung im abnehmenden Monden / und bricht von unten die un - terſten drey ſtaͤrckeſten Blaͤtter / kurtz am Haubtſtengel / naͤchſt der Wurtzen ab / welches wegen der angezogenen Erden Daͤmpffe nicht ſo gut iſt. Die uͤbrigen 10 oder 12 Blaͤtter laͤſſt man alſo fortwachſen / bricht auch den obriſten Gipffel ab / ſamt allen Nebenſchoſſen / auf der Seiten zwiſchen den Blaͤttern / damit den Blaͤttern al - lein die gantze Nahrung zugewendet ſeye.
J iijHernach70Des Adelichen Land - und Feld-LebensHernach im Julio und Auguſto blatet man immer gerade nach und nach die groͤſten Blaͤtter ab / und ſolches je eher je beſſer / daß mit Ausgang des Auguſti die gantze Abbladung verrichtet ſey. Der Stengel / als untuͤchtig / bleibt ſtehen / und erfreuret den Winter uͤber.
Zum Saamen werden 12 oder mehr der ſtaͤrckſten Pflantzen ausgeſondert / man blattet ſie auch wie die an - dern / und bricht die Neben ſchoß weg / und bleibt allein der mittelſte Haubtſchoß / der den kraͤfftigſten Saamen bringt.
Denen abgebrochenen Blaͤttern ſchneidet man die groſſe Ribben biß auf die Helfft aus / lehnet ſie hernach aufgerichtet an eine Wand / viel Reyen aufeinander / laͤſſet ſie alſo etliche Tage ſtehen / ſo erhitzen ſie / und fan - gen an zu ſchwitzen / innerhalb 6 / 7 / oder 8 Tagen / nach - dem das Wetter warm oder kuͤhl iſt / haben ſie genug geſchwitzet / und muß man oͤffters zufuͤhlen und Acht ge - ben / daß ſie nicht zu viel ſchwitzen / und gar zu ſchwartz werden und verderben. Nachmal ſteckt man ſie an Ha - ſelſtoͤcken / oder reyhet ſie an Faͤden / und haͤngt ſie auf den Boden im Schatten / zur Abtrocknung. Wann ſie trocken worden / ſo feuchtet man ſie mit einem Schwam - men / in rein Waſſer getunckt / auf beeden Seiten an / und ſpinnet ſie zu Stricken / ſo hat man den rechten gu - ten Tabac. Soll er wol riechen / kan man die Blaͤtter mit Anis / Roſen / oder andern wolriechenden Waſſern befeuchten.
Der Tabac dienet allein den feuchten Phlegmati - ſchen / keineswegs aber den trockenen und Choleriſchen; weiln es die Spiritus vielmehr anflammet / als daß es die Feuchtigkeit contemperiren ſolle.
Herꝛ D. Elßholtz lehret in ſeiner Horticulturâ lib. 6. cap. 11. wie man den gewuͤrtzten oder gebeitzten Tabac zurichten ſolle / alſo: Man muß die abgetrocknete Blaͤt - ter nicht mit ſchlechtem Waſſer / ſondern mit einer Con - diturâ, oder Einbaitzung / folgender Geſtalt fermenti - ren: Nehmt die vom Tabac abgebrochene kleine Blaͤt - ter und Knoͤpflein / wie auch die Stengel und ausge - ſchnittene Ribben / preſſet daraus einen Safft / ver - miſchet ihn mit ein wenig Malvaſier / Spaniſchen oder dergleichen ſtarcken Wein / thut hinzu ein gut Theil Saltz / Anis und Jngwer / laſſet es uͤber einem gelinden Feuer etwas einkochen und verſchaumen / nachmals ſtillſtehen / damit es ſich ſetze / alsdann gieſſet das Klare ab / und verwahrts in einem bequemen Geſchirꝛ / ſo iſt der Syrup zum Einbaitzen fertig; in dieſen Syrup tuncket den Schwamm / beſtreicht damit die abgetrockneten Blaͤtter auf beeden Seiten / legt etliche Schichten uͤber - einander / drucket ſie zuſammen / auch wofern das Ge - mach an ſich nicht warm / ſo bedeckt ſie mit wollenen De - cken / und laſſet ſie alſo ligen / biß ſie mit dem Syrup wol durchjehren / und ſchoͤn braunroth werden / ſodann allererſt ſpinnet ſie zu Stricken. Wann die Blaͤtter braune Tuͤpflein bekommen / merckt man / daß ſie zeitig ſind zum Abbrechen.
Alle Artzneyen vom Tabac ſind von dem groſſen Tabac / dem Maͤnnlein / das weißroͤthlichte Blaͤtter hat / und nicht von dem Weiblein / das bleichgruͤne Blaͤtlein hat / und ein gut Theil kleiner iſt / zu verſtehen. Doch im Mangel des erſten / kan man dieſes wol nehmen; diß iſt aber gewiß / wann der Tabac-Saame / der von dem Maͤnnlein herkommt / in ein duͤrr / ungedungt und ſandicht Ort gebauet wird / daß er meiſtentheils in das Weiblein degenerirt. Diß aber ſoll des Weibleins eigne und ſon - derbare Wirckung ſeyen / daß wann man ſeine Blaͤt - ter ſiedet / und wie ein Clyſtier einnimmt / ſoll es eine be - waͤhrte Artzney ſeyn fuͤr die rothe Ruhr. Von andern ſei - nen des Maͤnnleins mehrerern Tugenden / wie ſein Waſſer / Salben und Balſam zu bereiten und zu ge - brauchen / kan der guͤnſtige Leſer finden / im dritten Buch vom Feldbau Herꝛn Johan Libaut und Caroli Stephani in 75 und 76 Capiteln.
Dieſes hab ich ſchließlich anzuziehen nicht unterlaſ - ſen wollen / was J. Heurnius, vornehmer Medicus zu Leiden in Holland lib. 1. de methodo medendi ſchrei - bet / wie folget: Als ich vorm Jahr einen unausſprech - lichen Zahnſchmertzen hatte / habe ich Tabackkraut mit Camillenbluͤhe im Waſſer ſieden laſſen / und davon ein Loͤffel voll warm in den Mund genommen / wieder aus - geſpuͤrtzt / und auf zwey Stunden alſo wiederhohlt / da - von die Schmertzen nachgelaſſen; des andern Tages / als ich in mein in der Vorſtadt gelegenes Gaͤrtlein / meiner Gewonheit nach / ſpatzirt / und mich etwan nach einem Kraͤutlein zur Erden gebuckt / ſihe da ergieſſet ſich aus meiner Naßloͤcher einem ein gelb / wie Saffran gefaͤrb - tes / und nach Tabac riechendes Waͤſſerlein / und ver - lohr ſich alſo gantz und gar aller Zahnwehe.
1. WJrd ein Hochbette gemacht / gleich andern / groß oder klein / nachdem man viel oder we - nig bauen will. Zum Exempel: Eines von 12 Schuhe lang und 4 breit / darauf iſt genug / wann man 2 Fingerhuͤt voll Saamen nimmt / dieſer muß un - ter einen Hut voll Aſchen wol vermiſcht / und ein drey - oder mehrmal das Hochbette / daß der Saame wol aus - einander kommt / uͤberſaͤet / hernach Fingersdick darauf / eine kleine Erd darauf durch eine Reuter geſiebet / und mit einem Bret etwas wenig zuſammen und niedergeſchla - gen werden / und das um Matthiœ Tag.
2. Den dritten Tag hernach muß das Hochbette mit laulichtem Waſſer / welches mit Schaaf-Dung ab - getrieben / angefangen gegoſſen zu werden / biß der Saa -me aufgeht / welches Anfangs etwas langſam hergehet; hernach kan man kaltes gemeines Waſſer brauchen / doch wanns gar kalt iſt / oder gefrieret / muß man das Gieſſen gar unterlaſſen / ſondern Abends biß Morgends fleiſſig decken / weil ihnen Kaͤlte und Reiff ſehr ſchaͤd - lich.
3. Wann die Pflantzen in dem vierdten Blat / nimmt mans aus den Hochbettern / ſetzt ſie in einen gu - ten Grund zwey Schuch voneinander / damit / wann ſie groß werden / am Gewaͤchſe einander nicht verhindern / auch wegen des Ausjettens / daß man dadurch kommen kan / ohne Verletzung der Blaͤtter.
4. Wann die Pflantzen etwan eines halben Schu - hes / oder was hoͤher / gewachſen / pflegen zwiſchen demSten -71Siebendes Buch / Ackerbau. Stengel / und der groſſen Blaͤtter / kleine Blaͤtlein / woraus mit der Zeit auch Blumen und Saamen wer - den / heraus zu kommen / die ſehr ſchaͤdlich ſind / weil ſie die guten Blaͤtter an der Laͤnge und Dicke ſehr hindern / daher ſelbe fleiſſig alle drey Tage muͤſſen aus - gebrochen werden / damit ſie nicht uͤberhand nehmen; Jngleichem auch die Wipffeln / welche Saamen tra - gen / auſſer etliche / die man zum Saamen behalten will / die uͤbrigen alle abgenommen. Zuforderſt muß man bey Fortwachſung der Pflantzen dem Unkraut mit Jetten fleiſſig zu Huͤlffe kommen / damit ſolche das Gras nicht uͤberwachſe / und die Krafft benehme / biß ſie zimlich uͤber - ſich kommen / alsdann man ſie / gleichwie das Kohlkraut / hauen kan.
5. Wann nun die Stauden ihre Groͤſſe erreicht / ſo nach Guͤte des Grundes unterſchiedlich / und die Blaͤtter anfangen zu zeitigen / welches an dem zu erken - nen / wann ſie anfangen blaͤttericht zu werden / ſo bricht man dieſelbigen blaͤtterichten Blaͤtter (weil ſie ſonſt nichts nuͤtz wuͤrden) ab / und legts Scheibenweiſe / wie eine rund-Tafel / doch Blat auf Blat / bey einer Span - nen hoch aufeinander / und macht dergleichen Scheiben ſo viel / als die Menge der Blaͤtter erfordert / und laͤſſet ſie ſchwitzen / daß ſie aufeinander gantz naß werden; welches die Subſtanz und beſte Obſervation des Ta - bacs iſt / welches aber die wenigſten wiſſen / oder die we - nigſten practiciren; daher auch der Tabac ſo ſchlecht gemacht wird. Dieſe Wartung muß mit allem Fleiß geſchehen / und wol beobachtet werden / dann wann die Blaͤtter gelbe Flecklein bekommen / muß man ſelbe alſo - bald an eine Schnur aufhencken / ſonſt erfaulen ſie auf - einander durch und durch / und werden zum Gebrauch untuͤchtig; Alſo daß an dieſem das meiſte gelegen / und der beſte Fleiß zu gebrauchen / in Durchſehung gedachter zuſam̃gelegten Tabacblaͤtter.
6. Nachdem nun ſelbe alſo / auf einem Boden oder bedeckten Ort / daß ſie nicht naß werden / aufgehangen ſind / koͤnnen ſie Jahr und Tag / oder wol laͤnger / alſo be - wahret bleiben / biß man ſich deren zum Spinnen ge - brauchen will; weiln aber die Blaͤtter gantz duͤrr wor - den / und am Anruͤhren zerfallen / iſt noͤhtig / was man verſpinnen will / daß mans vorher in einen Keller oder an ein feuchtes Ort trage / ſodann die Blaͤtter anziehen / gantz feucht / und folgends zur vorhabenden Bearbeitung gantz tauglich werden; ſo ſpinnet man ſie.
7. Viel ſind der Meynung / wann der Tabac geſpon - nen / und in Rollen zuſammen gemacht worden / daß ſel - biger ſchwartz gemacht / und mit unterſchiedlichen Sa - chen gebaitzt werde / ſo aber nur von den Unverſtaͤndigengeſchiehet; weil 1 der Tabac / wann er alt wird / von ihm ſelbſt die Schwaͤrtzen bekommt; 2 an den Orten / wo der Tabac in Teutſchland den Urſprung genommen / als zu Hanau / Wetzlar / und der Orten / der braune Tabac in ſeiner eignen Farbe / hoͤher / als der ſchwartze / gehalten und lieber gebraucht wird; 3 dieſe Schwaͤr - tzung von Theilen darum geſchiehet / weilen ſie die Blaͤt - ter nicht genug zeitigen / auch nicht recht verſchwitzen laſ - ſen / welches dem Tabac allein die Farbe gibt / und alſo die unzeitigen gruͤnen Blaͤtter darunter vertuſchen wol - len; 4 wann auch der Tabac alſo gebaitzt iſt / er ſich / der Feuchte halber / wann er nicht wol ausgetrocknet / oder an gar trockenen Orten bewahret wird / nicht lang behalten laͤſſet / ſondern gleich ſchimmlich und faul wird; 5 beſchiehet auch dieſe Baitz zum Vortheil der Schwaͤ - ren / damit am Gewicht was herzu komme. Simpliciter aber von der Guͤte des Tabacs / mit Hindanſetzung al - les andern Vortheils / zu ſchreiben / iſt das beſte / die Baitz bleiben zu laſſen / und trocken / doch was feucht / ſonſt er ſich nicht handthieren laͤſſet / aus dem Keller her / ſchoͤn ſauber preſſen zu laſſen / da er ſich gut und lang conſer - virt.
Wann ja einer oder der andere eine Baitz verlangt / iſt die beſte / die kleinen Tabacblaͤtter in ungehopfftem Bier wol geſotten / und alſo ſeines eignen natuͤrlichen Geſchmacks ſich zu gebrauchen.
Zu mercken iſt / daß die Tabacſtengel den beſten A - ſchen zu Machung der Seiffen geben / daher ſelbi - ge / ſonderlich wo die Menge iſt / nicht alſo zu verwerf - fen.
Dieſen Bericht hat mir Herꝛ Hanß Ehrnreich Gey - man Freyherꝛ / aus Communication Herꝛn Ferdinands Graven von Zinzendorff / zuwegen gebracht; den ich auch hiemit dem guͤnſtigen Leſer mitzutheilen nicht unter - laſſen wollen.
Wer mehr vom Tabac zu wiſſen begehret / der be - ſehe D. Bernh. Verzaſchæ Kraͤuterbuch lib. 4. cap. 153. daſelbſt iſt auch zu finden / wie man die Blaͤtter des Ta - bacs / die in der Artzney den meiſten und nuͤtzlichſten Ge - brauch haben / das gantze Jahr uͤber friſch und gruͤn erhal - ten kan; Man thut ſie in ein Gefaͤs voll Oel / und wann man ſie gebrauchen will / ſchuͤttet man das Oel herab / und trocknet die Blaͤtter zwiſchen einem leinenen Tuch ab / dann ſollen ſie ſo gut zu nutzen ſeyn / als wann ſie erſt friſch vom Stock herkaͤmen. Der Tabac - Safft oder das gepulverte Kraut dienet auch zu allen vergiffteten Schaͤden / und fuͤr den Biß der wuͤtigen Hunde; das Pulver davon / hat alle des Krauts Wit - ckungen.
WEide wird von den Lateinern Iſatis oder Gla - ſtum, von den Franzoſen Guesde oder Paſtel, und von den Jtaliaͤnern Guado genennet / wird zur Tuchfarbe gebraucht / iſt zwar in Oeſterreich nicht im Gebrauch / weil es die Aecker zimlich ausſauget und mager macht / bedarff ſonſt einen Acker wie das Korn / doch muß er wol gearbeitet / und beſſer mit der Schauf - fel oder Hauen / als mit dem Pflug vorbereitet werden / wird im April angeſaͤet / und wol mit der Egen be -deckt / thut gerne gut in den Feldern / die mit Maͤrgel ſind beſchuͤttet worden / muß wol gejetten ſeyn. Jn den neuen aus Wieſen in Aecker verwandelten Gruͤnden / ſoll er ſehr gerne gedeyen. Jn Welſchland / in Calabria, und vornemlich in Marca d’ Ancona, in Teutſchland a - ber um Juͤlich und denen benachbarten Orten / wie auch um Erfurt / waͤchſt er gerne; wo aber Lufft und Grund ihm nicht angenehm ſind / wird faſt alle Bemuͤhung ver - geblich angewandt / daher es auch nur mit wenigen zuverſu -72Des Adelichen Land - und Feld-Lebensverſuchen / und wo er nicht fortkommen und aufwu - chern will / iſt rathſamer / damit unverworren zu verblei - ben.
Jn dem Kraut beſtehet das meiſte Einkommen / das laͤſſet man zur Bluͤhe nicht kommen (ohne was man zum Saamen bedarff) ſo balds einer Spannen oder ein wenig laͤnger wird / ſchneidet mans bey der Erden ab / waͤſchets aus / trocknets wieder im Schatten / biß es welck iſt / das kan man in einem Sommer vier - oder fuͤnfmal thun / ſo offt er wieder aufkeimet. Jedoch ſoll bey jegli - chem Abblaten der Grund bey der Wurtzel umgehaut und aufgerigelt ſeyn; muͤſſen hernach dieſe Blaͤtter in einer Stampff-Muͤhl wol geſtoſſen / in Kugeln von 20 oder 24 Untzen ſchwer formirt / in einem Back-Ofen ge - trocknet / und hernach an einem kuͤhlen luͤfftigen Ort / biß zum Verkauff verwahret werden; theils wollen / man ſoll ſie bißweilen mit ein wenig Waſſer durchfeuch - ten / (doch nie zu viel / ſonſt verderben ſie) damit ſie nicht verbrennen / daher er anfangs wol in acht zu nehmen / weil die aufeinander geſchuͤttete Kugeln / ſich leicht erhi - tzen / indem ſie voll Feuchtigkeit ſtecken; dieſes zu ver - wehren muͤſſen ſie offtermal von einem Ort zum andern gebracht ſeyn / damit die eingeſchloſſene Aufduͤnſtung nach und nach ausluͤffte / alſo bleibt er gerne. Viel machen dieſe Kugeln wieder zu Pulver / ſie deſto beſſer zu erhalten / je laͤnger er ligt / je beſſer und tuͤchtiger er wird / und iſt dienlich Tuͤcher oder Wolle zu faͤrben / von ſich ſelbſt allein faͤrbt er blau / mit andern darzu dien - lichen Sachen / ſchwartz / Tanne-Veyelfarb / graulicht / gruͤn / und alle andere dunckele Farben / daher ſie auch bey allen Faͤrbern gutes Kauffrecht haben. Wann der Weide zum Faͤrben gebraucht wird / wirfft er einen blaulichten Schaum auf / der / wo er aus Nachlaͤſſigkeit uͤberſehen / und nicht abgeſchaumet wird / beflecket er Woll und Tuch / daher wird er von den Faͤrbern fleiſſig abgeſchoͤpfft / wieder abgedoͤrrt / zu Pulver geſtoſſen / und zu gewiſſen Seidenfarben genommen / ſonderlich zur Veyelfarb / alſo / was er an einem Ort ſchadet / ſolches an dem andern wieder mit gutem Nutzen einbringen kan / wan er nur mit darzu erforderten Fleiß beobachtet wird / dieſes iſt aber allein von dem guten Weid zu verſtehen; der wilde waͤchſt ungebauet hin und wieder / nach Leon - hardi Fuchſii Zeugnis / im Wuͤrtenberger Land / um Tuͤbingen / allwo alle um die Weingaͤrten gebaueteMauren von dieſem Kraut auſſenher bewachſen und um - ringt geſehen werden.
Die alten heidniſchen Britannier haben / nach Julii Cæſaris Erzehlung / mit dieſem Kraut ſich gefaͤrbt / ihren Feinden deſto erſchrecklicher fuͤrzukommen; die Bal - len von den Weiden / werden von den Kauffleuten auf ein Papier geſtrichen / und je naͤher er der dunckelblauen Farbe ſich naͤhert / je lieber man ihn kaufft / je weniger er gleichet / je ringer er gehalten wird. Jn Teutſch - land wird das Kraut meiſtentheils dreymal im wach - ſenden Monden mit einem ſcharffen Eiſen abgeſtochen / Erſtlich / nach Pfingſten oder Trinitatis. Zum andern / um Jacobi. Drittens / zwiſchen Bartholomœi und Michaelis / jederzeit ſechs oder ſieben Wochen voneinan - der / nachdem ein gutes oder boͤſes Wetter ſich ereignet. Colerus ſchreibet / wann die Weid-Kugeln erhitzt wer - den und anfangen zu rauchen / werden ſie von eignen darzu beſtellten ſtarcken Leuten / mit Hammern zerſchla - gen / mit Waſſer begoſſen / dardurch ſie aufs neue erhitzt und entzuͤndet werden. Und das geſchihet zu dreyen - malen / und wird allzeit die Weid in kleinere Stuͤcklein zertheilet / biß endlich dieſe Erhitzung gantz nachlaͤſſt / und der Weid alſo zum Gebrauch dienlich iſt / ſagt auch Co - lerus, daß die Thuͤringer jaͤhrlich von Weiden mehr Geld loͤſen / als um die uͤbrige Fruͤchte alle miteinan - der.
Wann man den Acker wieder zu andern Fruͤchten gebrauchen will / muß man die Wurtzen nach Michaeli mit einer ſcharffen Hauen / oder einem ſtarcken Pflug - eiſen aus dem Acker bringen / wo dieſes nicht geſchicht / ſo waͤchſt es auf kuͤnfftigen Sommer wieder herfuͤr / ſo dick / als es vorher geſtanden.
Was man zum Saamen behalten will / laͤſſt man uͤber Winter auf dem Acker ſtehen / daraus waͤchſt im Sommer hernach ein Saame / faſt wie eine Gerſten / doch etwas unvollkommener / einer ſchwartz-blaulichten Farbe / wird mit einem Driſchel ausgedroſchen / und wie Korn aufgeſchuͤttet / bleibt ein und mehr Jahr gut / wann er einen trockenen Boden hat / darzu kein Rauch kom - men mag / denn ſonſt verdirbt er bald. Was ſeine Krafft und Wirckung iſt / Artzney-Sachen betreffend / kan aus allen bewaͤhrten Kraͤuter-Buͤchern erſehen und erlernet werden.
FAerber-Roͤthe / wird von den Lateinern Rubia tinctorum, von den Jtaliaͤnern Roza und Per - golino, von den Franzoſen Garance geheiſſen / iſt in dieſem Fall von der Weide unterſchieden / daß der Grund davon gebeſſert / und von ſeinem Kraut / welches ſonſt zu nirgends tauglich iſt / gleichſam gedunget wird / die beſte ſoll / nach de Serres Meynung / in Flandern wach - ſen / und von dortaus zu bekommen ſeyn; doch waͤchſet ſie auch um Speyer und Straßburg / und wird / wegen ihres vielfaͤltigen Nutzens willen / gerne angebauet / wird allein der Wurtzen halber gepflantzet / laͤſſet ſich mit allerhand Art Gruͤnde befriedigen / wann ſie nur recht und wol mit Dungen und Ackern verſehen wor - den.
Am beſten iſt / wann man den Grund durch Hand - Arbeit umgraͤbet / und fein tieff aufhauet / im Anfang des Winters / gleich darauf dunget / damit der Miſt eher verweſe / ehe der Saamen hinein komme. Jm Fruͤling / im Mertzen / oder Anfang des Aprils wird er im alten Monden auf dieſe Weis wie der Hanff angeſaͤet / zimlich dick / und wol hernach eingeegt / eingefriedet und vor dem Viehe / welches ihm ſehr ſchaͤdlich iſt / verwah - ret / ſo bald er anfaͤngt aufzugehen / muß er vor allen Unkraͤutern fleiſſig gejetten ſeyn / und das zu unterſchied - lichen malen / ſo offt es die Nohtdurfft erfordert / doch nur mit der Hand / und keinem Eyſen / weil die zarten Pflaͤntzlein leichtlich verletzt ſind / bey bequemen / weder allzu duͤrrem noch allzuweichem Wetter / und diß iſt alledie73Siebendes Buch / Ackerbau. die Muͤhe / die man mit der Faͤrber-Roͤthe zu haben pfle - get. Die Wurtzen muß man zwey Jahr lang / biß ſie ihre voͤllige Groͤſſe erreichet / in der Erden laſſen.
Nach dieſem werden ſie von Jahr zu Jahr ausge - graben / im September / wann die Wurtzen ihre Voll - kommenheit erreicht hat / man trocknet die Wurtzen her - nach an der Sonnen / und werden ſolche / nachdem ſie in Back-Oefen gedoͤrrt worden / auf den Stampff - Muͤhlen zu Pulver gemahlen. Sie dient die Tuͤcher Pomerantzenfarb und roth zu faͤrben / und wanns der Weide beygeſellt iſt / macht ſie auch die ſchoͤneſten uñ be - ſtaͤndigſten ſchwartzen Tuͤcher / ins gemein werden nur allzeit die groͤſten Wurtzen ausgenommen / was kleiner iſt / laͤſſt man im Acker ſtehen / deren Unterſcheid leicht an den Blaͤttern zu erkennen / wiewol man um ſelbige Zeit alles Kraut miteinander bey der Wurtzel abſchneidet / wann nur der Saamen zuvor abgezeitigt hat / der wird abgetrocknet / und ausgeklopfft. Die im Acker verblie - bene Wurtzen werden mit Erden zween oder drey Fin - ger hoch beſchuͤttet / die man von den Orten hernehmen kan / wo die Wurtzen ausgegraben worden / ſo moͤgen ſie die herben Winterfroͤſte deſto bequemlicher ausdau - ren / und treiben deſto frecher wieder an / und weil man dieſes Baufeld alſo bey ſtaͤter Traͤchtigkeit erhalten / kan man jaͤhrlich den achten oder zehenden Theil der Faͤrber-Roͤthe ausgraben / und wieder mit neuen Saa - men beſaͤen / und alſo von Jahr zu Jahr continuiren. So bleibt das Feld bey Bau / und ihr habt davon jaͤhr - lich euren Nutzen. Von den Beyſaͤtzen / ſo man von den groſſen Wurtzen abnimmt / und ſolche wieder im abneh -menden Monden weiter verſetzt / kan man ihn auch wol forthelffen / wann nur das Feld fleiſſig gejetten / und kei - nem fremden Kraut einiger Zutritt geſtattet wird.
Man darff ſie nicht begieſſen / wann der Grund nur ſonſt gut iſt / weil ihn die Feuchten leichtlich faulen macht; nimmt man aber die Wurtzen alle auf einmal aus dem Felde / ſo wird der Grund nicht / wie von den meiſten uͤbrigen Gewaͤchſen verderbt oder abgeoͤdet / ſondern viel mehr verbeſſert / daß man alles Getrayd / was man will / mit guten Fortgang darein ſaͤen kan / weil es ſeine Art iſt / daß er die Erden / darinnen er ſtehet / fett und frucht - bar machet. Je laͤnger die Wurtzen in der Erden ſtehet / je beſſer wird hernach das davon gemahlte Pulver / welches geſieben / uñ von dem Groͤbern abgeſondert / das Groͤbere aber noch einmal gemahlen wird. Doch muͤſſen ſich die jenigen vor dem Staube huͤten / die bey dem Mahlen ſind / weil er einer durchdringenden und gleichſam giff - tigen Krafft iſt / daß er bald in die Naſen kommt / und an Geſundheit / ja gar am Leben / Schaden bringt / da - her er auch / um dieſer Urſachen willen / an gar wenigen Orten angebauet und gepflantzet / weil die Geſundheit billich hoͤher / als ein kleiner Gewinn von Jederman ge - achtet und gehalten wird. Jhre durchdringende Krafft iſt daher noch augenſcheinlicher / daß denen jenigen / welche die Roͤthe unter Haͤnden halten und damit umgehen / der Urin gleich roth gefaͤrbt / und dem Vieh / welches eine Zeitlang damit geſpeiſt worden / Fleiſch und Ge - beine roͤthlich werden. Sie faͤrbt auch die Eyer / ſo man darinnen ſiedet. Von ſeinen uͤbrigen Wirckungen mag man in den Kraͤuter-Buͤchern nachforſchen.
DJeſe haben lieber / nach Herrn de Serres Mey - nung / eine trockene als feuchte Erden / weil ſie im naſſen Grund weich und lind / und zum Gebrauch undienlich werden / darzu man ſie hart uñ rauch erwehlet. Nichts deſtoweniger wachſen ſie gern an Ufern der Waſſer / ſie bringen offt an einem Stengel viel Karten zu 10 / 12 / oder bißweilen wol mehr. Wanns regnet / muß man mit einem Stecken an die Stengel klopffen / damit das Waſſer heraus falle / ſonſt lauffts zu den Wurtzeln / und macht ſie faulen. Dann wann ſie in all - zuduͤrrem Grunde ſtehen / damit ſie nicht ſtecken bleiben / mag man ſie wol bey duͤrrem heiſſem Wetter ein wenig / doch maͤſſiglich / beſprengen. Sie werden im Anfang des Fruͤlings geſaͤet / in eine umgegrabene und gedungte Erden / die den vergangenen Herbſt darzu vorbereitet worden / der beſte Saame iſt / der oben am Guͤbel der Diſtel waͤchſet / weil er die beſte Nahrung an ſich zieht / alſo auch deſto beſſer gedeyen kan. Man muß ſie auch ſorgfaͤltig ausjetten / und weder Gras noch Unkraut Platz laſſen / ſo muß man auch die unnoͤthigen Beyſchoͤſ - ſe abnehmen / den Haubtſtammen / am wachſen nicht zu verhindern. Das erſte Jahr tragen ſie wenig und nichts-wehrte Puͤrſten. Das andere Jahr aber / wann ſie in einen andern tief-gearbeiteten Grund umgeſetzt ſind / thun ſie beſſer gut / diß geſchicht im Martio 2 oder 3 Schuch weit eins von dem andern / weil man ihn ſo dann beſſer warten kan. Die guten Weber-Karten werden alſobald uͤberſich wachſen / ſobald man merckt /daß ſie zu bluͤhen beginnen wollen / muß man ſie nicht zu lang ſtehen laſſen / ſonſt faulen ſie. Man muß ſie ab - nehmen im Julio oder Auguſto / nachdem die Lufft be - ſchaffen iſt; der Stiel muß ihnen / wegen beſſern Ge - brauchs lang gelaſſen / und muͤſſen ſo dann auf Hauffen zuſammen geſchobert werden / biß ſie die gruͤne Farb in geel verkehren / hernach werden ſie Buſchweiſe zuſam - men gebunden / und an ein trocken und luͤfftiges Ort zum Verkauff aufgehangen / und der Saame wird / wann ſie trocken worden / heraus geſchuͤttlet. Die Tuchma - cher / Struͤmpffſtricker und Huter haben derſelbigen zu ihrem Handwerck zum Cartaͤtſchen und Ausbutzen von - noͤhten. Wann etwan neben dem tragbaren andere un - traͤchtige ſich befinden / die kan man ſtehen laſſen / weil ſie im folgenden Jahr deſto mehr Diſtelkoͤpffe brin - gen.
Die Wurtzen bleiben uͤber zwey Jahr nicht in ihrer Traͤchtigkeit / muͤſſen wie die Weinſtoͤcke geſchnitten ſeyn; daher ſaͤet und verſetzt man ſie jaͤhrlich / wann man davon Nutzen zu ſuchen hoffet. Theils wollen / man ſoll die Weber-Karten nicht abſchneiden / biß die Bluͤhe fuͤruͤber iſt. Es ſind aber zweyerley Sorten / zahme / von denen wir hier reden / und wilde / dieſe haben rothe / jene aber weiſſe Blumen; an den zahmen ſtehen auch die Stachel und Doͤrner abwaͤrts / und ſind viel haͤrter / als die wilden in den holen Blaͤttern / ſo neben dem Stamm beyderſeits gleich auswachſen / findet ſich meiſtentheils einige Feuchtigkeit / ſo ſich etwan vom Re -❁ Kgen74Des Adelichen Land - und Feld-Lebensgen und Thau ſam̃let / daß auch bey trockenem Wetter die duͤrſtigen Feld-Voͤgel dahin kommen / und ihren Durſt zu loͤſchen ſuchen. Die kleinen weiſſen Wuͤrm - lein / ſo man in denen voneinander geſpaltenen Koͤpffen findet / ſollen (auf die Puls gebunden / oder am Halſe gehangen) das viertaͤgliche Fieber; auch auf den Fin - gerwurm gelegt / ſolchen vertreiben; wer mehr davon wiſſen will / beſehe die Herbaria.
Alſo auch das Rohr / weil es einer leichten Wartung bedarff / und an feuchten Orten / (wo andere Sachen nicht gedeyen moͤgen) leichtlich fortkommt / hat in den Wirtſchafften nicht geringen Nutzen. Es werden da - von in den Gaͤrten Zierden / von Gaͤttern / Flechten und andern ſchoͤnen Sachen / mit leichter Muͤhewaltung ge - macht / man macht davon Flechten oder Hurten / allerley Obſt darauf zu erhalten / auch den Seidenwuͤrmen zur Wohnung an ſtatt der Bretter / weil ſie viel leichter / geſchicklich auf und abgehoben ſeynd; man deckt die Haͤu - ſer damit / und die Weber ſpuͤlen darauf ihr Wollen und haͤrbes Garn / auch gar die Seiden ab. Sie wach - ſen in allerhand Lufft / nur daß es nicht gar zu froſtig ſey / wollen ein fettes / naſſes oder doch gewaͤſſertes Erd - reich haben / Windespraus / und des Viehes An - platz leiden ſie ungerne / drum ſollen ſie an einem einge - zaͤunten Ort / ohne Uberlaſt / des Nordens verſichert ſtehen.
Das Rohr wird durch Kiel / als die Zwiebel / fort - gepflantzt / die werden vier Finger tief in die Erden Schichtweiſe voneinander eingelegt / gar zeitlich im er - ſten Fruͤling / im abnehmenden Monden / wann im Herbſt vorhero der Grund recht zubereitet und gedungt iſt / muͤſſen erſtlich (wie alle dergleichen Sachen) wol ge - jetten ſeyn / daß ſie ſich in der Erden ausbreiten koͤnnen / ſonſt doͤrffen ſie keiner Wartung / auſſer der oͤfftern Waͤſſerung / wann das Ort nicht von Natur feucht iſt. Das erſte Jahr keimen ſie dick auf / folgends aber wach - ſen ſie ins Rohr / und drengen ſich ſo dick zuſammen / daß man ſie entweder zum Theil erleichtern / oder gar ausnehmen und umſetzen muß / daher / wo ihnen der Grund angenehm / ſie auch deſto weiter voneinander zu ſetzen ſind. Sie werden abgeſchnitten / wann ſie gantz hart worden / doch ehe ſie die Kaͤlte angreifft / im ſpaten Herbſt / oder Anfang des Winters im abnehmenden Monden / gantz gleich und glatt auf der Erden weg / man bindets im Buſche zuſammen / und behaͤlt ſie zum Gebrauch.
Julius Cæſar Ciaudinus, bey dem Welſchen Au - thore Vincenzo Tanara fol. 88 ſagt / daß die Rohr - wurtzen an ſtatt der China zu gebrauchen. Alſo wer ei - ner mittelmaͤſſigen Truͤcknung der Fluͤſſe und Cathaͤr - ren nothwendig iſt / der kan ihm mit der Rohrwurtzen Decocto leichtlich helffen.
BJßhero haben wir vom Feldbau / und was fuͤr Nutzen ein Hausvatter daraus zu hoffen / genug - ſam erinnert / jetzt wollen wir fortfahren / uñ nach - einander beſehen / welcherley unterſchiedliche Getraͤncke aus den Feldfruͤchten koͤnnen gemacht / und in der Haus - wirthſchafft gebraucht werden / und erſtlich den Brand - wein / der aus dem Trayd gebrennt wird / denn obwol ſolches an etlichen Orten / ſonderlich in den Weinlaͤn - dern / verbotten iſt / ſo kans doch in dieſen Orten / wo gar kein Wein waͤchſt / oder wo er mit groſſen Unkoſten muß hingebracht werden / ſonderlich wo Uberfluß an Korn vorhanden / als in Polen / Schleſien und anderwaͤrts / wol ſtatt haben / wann man das Korn ſonſt nicht ſo hoch kan hinaus bringen / und wann nur der Mißbrauch / wie in allen Dingen / hierinnen ausgeſetzt bleibet / ſo hat es ſchon in vielen Sachen der Wirthſchafft / und zu aller - hand guten Artzneyen / ſeine Bequemlichkeit.
Der wird aber alſo gemacht: Erſtlich / wird ein groſſer Keſſel / vier oder fuͤnff Eimer ohngefaͤhr haltend / voll Waſſer uͤber ein Feuer geſetzt / daß es wol erhitze / aber nicht ſiede; darnach thut man einen halben Metzen Maltz in einen groſſen Kuͤbel oder Faß / gieſſt das heiſſe Waſſer daruͤber / und ruͤhrt es (wie ſonſt zum Bier - brauen) wol um / hernach thut man einen halben Metzen geſchrotenen Waltzen oder Gerſten zu dem Maltz in den Kuͤbel / ruͤhrts miteinander wol um / daß nichts knollichts darinnen bleibe / auf dieſes wird das im groſ - ſen Keſſel verbliebene Waſſer / ſo ungefaͤhr zwey Eimer ſeyn ſolle / wol geſotten / und gieſſt es auf das Trayd und Maltz in den Kuͤbel / deckts feſt zu / laͤſſets alſo drey oder vier Stunden ſtehen / hernach eroͤffnet mans / und kuͤhlts mit einem oder mehr Zubern kalten Waſſers ab / ruͤhrtes nachmal wol um / und was hart und zuſamm geba - cken iſt / reibt man mit den Fingern voneinander / und ſtellt es dann mit friſchen Haͤfen oder Gaͤrmen / ſie ſey gleich von Bier oder Wein / wie man ſonſt das Bier zu ſtellen pflegt / und laͤſſt es alſo drey oder vier Tage / biß es ſich wieder ſetzet / jeren / und wol zugedeckt ſte - hen.
Will man nun den Brandwein ausbrennen / ſo wird erſtlich die Materi im Kuͤbel wol durcheinander ge - ruͤhrt / damit ſie fein gleich durcheinander komme / we - der zu dicke noch zu duͤnne werde / damit wird die in ei - nem Diſtillier-Ofen eingemachte und verkleibte kupffer - ne / inwendig verzinte Diſtillier-Blaͤſen angefuͤllt / daß drey Theil derſelben voll angefuͤllt / und ein Theil laͤhr bleibe; denn wird der Ofen unter der Blaſen ange - feuert / und ſobald die inligende Materi anfaͤngt zu er - warmen / muß man ſie mit einem hoͤltzernen Spatel ſtets umruͤhren / und ſonderlich unten am Boden / daß nichts anbrenne. Wann nun / nach ſtetem Ruͤhren / der Ruͤhr - ſpatel / wann man ihn unten angreiffet / ſo heiß worden / daß man es mit der Hand nicht mehr leiden kan / als - dann iſt es Zeit / den Helm / welcher mit ſeinen Roͤhren durch ein Faß kaltes Waſſer gehet / aufzuſetzen / und denſelben an den Fugen mit Laim zu beſchmieren und zu verlutiren / oder mit leinenen Tuͤchlein / oder Papier darauf zu kleiſtern / oder mit Moelpapp beſtrichen / um zu belegen.
Wann nun der Helm beginnet ſich zu erhitzen / ſo ſteckt man den Ofen voll Holtzes / und ſtopfft die zwey Ofenloͤcher unten mit Steinen zu / damit das Feuer nicht zu ſtarck treibe / und die Diſtillation zu dick lauffe;man75Siebendes Buch / Ackerbau. man kan / wann es noͤthig / auch wol um die Stein Laim ſchmieren / lieff es aber bey zu ſtarck gedaͤmpfften Feuer / zu maͤhlich / ſo muß man die Ofenloͤcher wieder aufluͤff - ten / biß die Diſtillation ſo dick lauffe wie ein Stroh - halm / alſo laͤſſt mans heruͤber gehen / biß es gutes Ge - ſchmacks und kraͤfftig iſt / ſo durch oͤffters Koſten kan ver - nommen werden.
Wann die Krafft hin iſt / ſo laͤſſt man das Feuer ausgehen / doch muß die Vorlag oder der Recipient im waͤhrenden diſtilliren zu rechter Zeit ausgelaͤhrt wer - den / daß er nicht uͤberlauffe. Kan man die Materi auf einmal nicht ausbrennen / ſo legt mans oͤffter ein / wie zuvor / und wann drey Veſicæ oder Blaſen ausgediſtil - lirt ſind / ſo iſt es meiſtens genugſam zum rectificiren.
WAnn der Brandwein ſoll gelaͤutert werden / ſo muß vorher die kupfferne und verzinnte Veſica von den fecibus & reliquiis der erſten Diſtilla - tion wol gefegt und geſaͤubert ſeyn / man muß einen ſubtilen / nach Groͤſſe der Roͤhren bereiteten glatten Ste - cken mit Werck oder Haͤderlein umwickeln / und die Roͤhren erſtlich damit rein auswiſchen / und hernach mit friſchen Waſſer ſo lang ausſpuͤhlen / biß das Waſſer hell und klar herdurch laufft. Hernach gieſſt man den von der erſten Diſtillation uͤbergangenen Brandwein in die gereinigte Veſicam, zimlich voll / und thut darzu ein hal - bes Maͤslein Saltz / ſo zuvor wol abgegluͤhet worden; Andere hencken ein Saͤcklein Buchen-Aſchen an ſtatt des Saltzes hinein / davon ſinckt alles / was im Brand - wein unrein iſt / zu Boden; hernach thut man etliche Stiel Bibenell etwan vier / und ſo viel Wermuthſten - gel / auch Lorbern und Kranwetbeeren ein paar Hand voll / diß giebt dem Brandwein einen lieblichen Ge - ſchmack / hernach alſobald / ehe noch das Feuer in den Ofen kommt / ſetzt man den Diſtillier-Helm auf die Blaſen / verlutirt die Fugen recht und gehaͤbe / richtet die Roͤhren durch das mit kalten Waſſer angefuͤllte Faß und verlutirt ſie wol / legt die Vorlaͤg-Glaͤſer oder Ge - ſchirr an die Roͤhren / und feuret dann die Kohlen im Ofen an / und ſobald der Helm biß an die Roͤhren be - ginnet zu erhitzen / muß man / wann es zu triefen an - faͤngt / unten die Ofenloͤcher zuſtopffen / und wann es et - wan zu ſehr lauffen wolte / kan man auch die Rauchloͤ - cher des Ofens zumachen.
Gut iſt es / daß man ſtets in Bereitſchafft grobe lei - nene Hadern im kalten Waſſen ligen habe / damit man oben auch den Diſtillier-Helm abkuͤhle / und die hitzigendurch Feuer mit dem Brandwein aufgetriebene Spiri - tus beguͤtige und abkuͤhle / ſo wird der Brandwein we - der brintzlend noch uͤbelſchmeckend / und je mit gelinderm Feuer er abgehe / je lieblicher wird er / darzu gehoͤrt ein oͤffters Koſten / damit man / ſo bald die Krafft ſich en - det / auch vom Abziehen aufhoͤre. Wer ihn noch ſtaͤrcker und kraͤfftiger verlangt / mag ihn im Balneo noch oͤffter abziehen; doch muß er in einem wol vermachten Ge - ſchirr erhalten werden / damit er nicht verrauche.
Sobald aber der Brandwein abgelaͤutert wor - den / muß man das in der Veſica uͤberbliebenes Phleg - ma heraus gieſſen / weil es ſonſt das Zinn wegzufreſſen pfleget. Was aber nach der erſten Deſtillation in der Blaſen uͤbrig bleibt / kan man unter ein wenig Treber oder Kleyen miſchen / und den Maſtſchweinen geben / davon nehmen ſie gerne zu.
Diß iſt auch ad notam zu nehmen / daß der Kuͤbel / darinn man die Materia zum Brandwein erſtlich an - macht / gar ſauer ſeyn muß / iſt er es nicht vorhin / muß man ſolchen mit Sauerteig beſtreichen.
Die Materi zum Brandwein iſt erſtlich der Waitz das beſte / darnach das Korn / ohn daß der Brandwein gern anbrintzlend wird; drittens die Gerſte / und endlich der Habern; Gerſten-Maltz iſt auch gut / ſchmeckt aber der Brandwein nach dem Maltz / wann man ein wenig Haber unter den Waltzen miſcht / als etwan den ſechs - zehenden Theil / ſo wird das Tranck ſehr gut.
Alles zum Brandwein geordnete Getrayd muß nicht klein gemahlt / ſondern nur geſchroten ſeyn / daß man das Meel moͤge daraus beuteln. Den alten / fluͤſ - ſigen und undaͤuenden Maͤgen / iſt der Brandwein / maͤſ - ſig gebraucht / eine groſſe Beyhuͤlffe.
DAs vornehmſte und gebraͤuchlichſte Tranck nach dem Wein iſt das Bier / und ein Stuck von de - nen ertraͤglichſten in der Wirthſchafft; iſt vor dieſem meiſtens nur den groͤſten Staͤdten erlaubt gewe - ſen / und haben zwar der Adel und Prieſterſchafft auf ihre Hausnothdurfft zu ihrem eignen Getranck zu braͤuen; aber nicht es auszuleutgeben / zu verkauffen oder zu verfuͤhren die Freyheit gehabt. Als aber nach - mals etliche Lands-Fuͤrſten das Braͤuwerck wegen des uͤberaus groſſen Vortheils / ſonderlich das weiſſe Bier betreffend / an ſich gezogen / haben nachmals die Land - ſtaͤnde auch hin und wieder dieſes Privilegium ausge - bracht / und theils durch Indulgentiam Principis, theilsper conniventiam vicinitatis, theils durch Verjaͤh - rung in Ubung und Gebrauch genommen.
Einen Gewinn aber vom Bierbraͤuen zu haben / werden drey nothwendige Stuck darzu erfordert: Erſt - lich ein guter Braumeiſter; gerechter tuͤchtiger Zeug / und drittens ein guter kalter Keller; denn die erſten zwey Stuͤcke ſeyen beſchaffen ſo gut als ſie immer koͤn - nen / und wann man keine gute Behaltnuß hat / iſt un - moͤglich das Bier / die Sommer-Hitze durch / entweder lang zu bewahren / oder eine gute Anwehrung zu ver - ſchaffen.
Das gemeine Bierbraͤuen aber geſchihet alſo: Der Waitz oder die Gerſten wird anfangs zwey oder drey❁ K ijTage76Des Adelichen Land - und Feld-Lebens
Tage eingeweicht / damit er genetzet / geſchwellet und zum Auswachſen und Auskeimen veranlaſſet werde / dann wird er auf einem trockenen Ort im Maltzhauſe bey ei - ner gelinden Waͤrme zuſamm geſchlagen / dardurch die eingeſogene Feuchtigkeit gemaͤchlich moͤge ausduͤnſten / und wird darneben die Auskeimung durch die ſanffte Waͤrme befoͤrdert / die aber weiter nicht / als zum erſten Anfang des Wachsthums durch ſubtile Faͤſerlein zu kommen zugelaſſen / daher auch die aufgeſchuͤberte Hauffen voneinander wieder gebreitet werden / damit es abkuͤhle und austrockne / und deßwegen wird es oͤff - ters untereinander geruͤhrt / und auf dem Maltzboden durch obgedachte Hitz gedoͤrrt und verhaͤrtet / damit es auf der Maltzmuͤhl moͤge gebrochen und gemahlet ſeyn.
Jſt nun das Maltz / wie gedacht / verfertigt / gieſſet man ſiedheiſſes Waſſer darauf / und wird allenthalben umgeruͤhret / damit die Feuchtigkeit allenthalben durch - dringe / und die Krafft und Tugend des Maltzes in ſich ſauge.
Etliche thun in das erſte Waſſer Hopffen / ſo wird das Bier deſto kraͤfftiger; diß Waſſer wird letzlich wie - der genommen / das gemahlne Maltz hinein gethan / drey oder vier Stunden geſotten / und wird im Sieden der gehoͤrige Hopffen hinein geworffen / und fleiſſig und wol abgeſchaumt; theils thun auch ein wenig Sauer - teig darzu / ſoll deſto ſchaͤrffer am Geſchmack und lieblicher zu trincken ſeyn. Letzlich wann es genug ge - ſotten / ſeihet mans / und laͤſſets in ein ander Geſchirr ablauffen.
Herꝛ Joh. Wilhelm Wunſch in ſeinem Memoria - li Oeconomico part. 2. cap. 9. will / man ſoll / gutes Bier zu machen / nehmen den vierdten Theil Maltz oder Wuͤrtze / und zwey und ein halb Theil Waſſer / der 15oder 16 Theil aber ſoll der Hopffen ſeyn / ſo werde es gut werden.
Und iſt wol Acht zu haben / daß nicht unter das Braͤuwerck ſchaͤdliche Kraͤuter / in Meynung / es ſtaͤr - cker zu machen / gelegt werden / als Dort-Saamen / Zizania, Bilſenſaame / Ruß / grana Coculi, und der - gleichen / ſo dem Menſchen an ſeiner Geſundheit uͤber - aus ſchaͤdlich ſind. Wie dann auch Cardanus de Sub. tilit. lib. 8. bezeuget: Cannabis folia in farinam verſa, quod caput feriant, potum ſuaviter inebriantem effi - ciunt.
Die Engellaͤnder und Hollaͤnder miſchen Zucker / Zimmetrinden / Naͤglein / und andere Gewuͤrtze; Jtem Lorbeer / Scharlachkraut / und dergleichen / das geht nach eines jeden guſto zwar hin.
Tabernæmontanus aber ſaget: Es werde das Bier bereitet / wie es wolle / ſo ſeye doch keines nuͤtzlicher und beſſer / denn das / ſo allein aus Maltz von geſun - der guter Frucht gemacht / und mit Hopffen bereitet wird.
Theils nehmen des abgekuͤhlten Biers 10 Pfund / thun darzu anderthalb Pfund des beſten Bierhefens / vermiſchen ſolches alles wol durcheinander / in ein auder Gefaͤſſe an einem warmen Ort / mit Hin - und Herruͤh - ren / gieſſen alſo gemach des abgekuͤhltẽ Biers zu / biß daß es alles mit den Hefen wol vermenget werde; heꝛnach wiꝛd der Zuber mit Decken / Kotzen und andern Tuͤchern zu - gehuͤllt / damit das Bier deſto beſſer vergtere / dann wird es wieder durchgeſiegen / und in die Faͤſſer gefuͤllt / und wann die Vergieruug gantz fuͤruͤber / ſo werden die Faͤſ - ſer verſpuntet / und hat man / nach dem es abgelegen / ein gutes und kraͤfftiges Bier.
Wann man ſonſt (wie in Oeſterreich auf den Schloͤſſern gebraͤuchig) um Lohn muß braͤuen laſſen / muß der Braͤuer / von einem Muth guter Gerſten lie -fern77Siebendes Buch / Ackerbau. fern ſechs und dreiſſig / iſt ſie aber ſchlecht / vier und dreiſ - ſig Strich Maltz / davon macht er Bier / im Sommer 32 / im Winter 34 Eimer.
Vom Waſſer / das zum Braͤuen genommen wird / ſind verſchiedene Meynungen / theils ziehen das Bach - waſſer / theils das Bronnenwaſſer vor / andere nehmen gar ſtehende Waſſer aus Seen und Teichen / auch dar - ein allerley Miſt und Unſauberkeit geſchuͤttet wird / ſo a - ber / der Geſundheit halber / nicht zu loben.
Obberuͤhrter Tabernæmontanus ſagt: Wann man ein beſtaͤndiges und gutes Bier machen will / ſo dasAlter leiden kan / ſoll man etliche Zuber und Faͤſſer mit gutem friſchem Bronnenwaſſer / oder / in Mangel deſſen / mit einem reinen und ſaubern flieſſendem Waſſer fuͤllen / die ſelbigen verwahren / daß kein Wuſt / oder ſonſt etwas unſaubers darein falle / und verdeckt oder zugemacht drey oder vier Monat ligen laſſen / biß das Waſſer an - faͤngt truͤb zu werden und faulen will / das ſoll man denn zum Bier nehmen / und das Maltz allerdings / wie oben gemeldet / mitſieden / ſo wird diß Waſſer durch das ſie - den wieder rectificirt / und wird das Bier beſtaͤndiger im Bleiben / und anmuthiger im Trincken.
DJe zum Braͤuen gehoͤrigen Gefaͤſſe muͤſſen / nach - dem die Braͤu groß oder gering iſt / beſtellet wer - den. Vor allen muͤſſen zwey groſſe ſtarcke Bo - dingen vorhanden ſeyn / die werden nach Belieben rund oder viereckicht / wie ein Roͤhrbrunn-Kaſten wol zuſam̃ - geſchloſſen / darein man in eines ſo viel / als auf eine Braͤu nothwendig / Getrayd kan einweichen und abbrennen; die andere aber iſt die Maiſchboding / die muß inwendig an der Sarch fornen haben ein gevierdtes Gehaͤus / einer halben Spannen weit / zu einem Spuntzapffen / eines zimlichen Steckens dick / und am Boden ein Zapffen - loch zu Ablaſſung des Biers. Jn dieſer hat man auch ei - nen beſondern / auf dem untern Boden / inwendig ein - gelegten Boden / der obenauf mit zweyen Dremmeln niedergeſchwert wird / damit das Maltz nicht durch die Sarch dringen / noch zum Zapffenloch hinaus fallẽ moͤge. Der gantze Sarch unten herum wird mit Strohſchaͤben ſo dick / als mans mit einer Hand faſſen kan / umlegt / um den Zapffen aber wird ein ſtroͤherner Rigel gemacht / da - mit die Trebern nicht durchmoͤgen.
Unter dieſen beeden Bodingen wird ein Grand in die Erden / ohngefaͤhr 18 Schuch lang gemacht / daß er unter / und fuͤr beede Bodinge biß zu des Keſſels Ofen - mauer reiche / mit Brettern ausgeſetzt / und gantz genau verſchoppt / oder (welches noch beſſer) er kan von gan - tzem Holtz ausgehaut / anderthalb Spannen hoch und weit / darein man den Maiſch ablaͤſſet von den Trebern / und aus demſelbigen in den Keſſel hebt.
So muß man auch ferner zum braunen Bier einen tieffen runden Keſſel / zu dem weiſſen Bier aber einenkupffernen gevierdten laͤnglichten Keſſel haben / der am Boden gantz glatt ſeyn muß / damit man / nach Mennig des Maltzes / eine gute Anzahl Bier ſieden moͤge.
Darzu gehoͤren auch zwo ledige Rinnen / auf welche man das kalte und warme Waſſer von und aus dem Schoͤpffbronnen in den Siedkeſſel / und das heiſſe Waſ - ſer aus dem Keſſel in die Abbrenn - und Maiſch-Bodin - gen / und den Maiſch wieder in den Keſſel / darnach das geſottene gute und Affterbier auf die Kuͤhl / und alſo von einem Geſchirꝛ ins andere fuͤhret.
Jtem zur Abbrennung und Abmaiſchung des Mal - tzes zween ſtarcke Ruͤhrſtecken / oder zu dem weiſſen Bier zwo Schaufeln / die an der Seiten Raͤnffte haben; dar - zu zween Schapffen mit langen Stielen / mit welchen man das heiſſe Waſſer auf der Rinnen in die Abbrenn - und Maiſchbodingen fuͤhret / darnach den Maiſch aus dem untern Grand unter der Maiſchboding in den Keſ - ſel / auch das Bier aus dem Keſſel auf die Rinnen / und letzlich / wann man das Bier zuſammen traͤgt / aus der untern Boding in die Trag-Eimer oder Kuͤbel / darein 30 oder etliche Maß daruͤber gehen / zum Bier-tragen / durch welches jeden ein ziemlich dicker Stecken oder Stangen durchgehet / daß ihrer zween einen ſolchen Kuͤbel auf der Achſel tragen moͤgen. Dabey muß auch verhan - den ſeyn eine lange Krucke / und ein Beſen / damit man das Bier / und was ſich geſetzt / auf der Kuͤhl zuſammen kehret. Diß iſt meiſtens genommen aus Chriſtoph Ko - bers Bierbraͤuers practic, gedruckt zu Regenſpurg An - no 1581.
WO man viel Maltz miteinander macht / braucht man nicht allein die Weichboding / ſondern auch groſſe Faͤſſer / und andere Geſchirꝛ / weil an die - ſem nicht viel gelegen iſt / und nur Acht zu haben / daß es weder zu viel noch zu wenig weiche.
Weil nun das Getrayd an der Haͤrtigkeit unter - ſchieden / alſo muß auch eines laͤnger / das andere kuͤrtzer in dem Waſſer verbleiben / ſonderlich wann zweyerley / als Sommer - und Winter-Gerſten; oder Sommer - Gerſten und Waltz miteinander ſollen gemaltzet wer - den / muß die Winter-Gerſten um einen Tag und Nacht eher und laͤnger / und die Sommer-Gerſten laͤnger dennder Waitz oder Habern geweichet ſeyn; Jſt aber der Winter-Gerſten wenig / kan man ſie zu unterſt in die Weichboding ſchuͤtten / ſo weichet ſie deſto eher / dem andern Trayd gleich: Alſo wann dergleichen ungleicher Zeug zum Brauen genommen wird / muß man die Ger - ſten um 2 Tag und 2 Naͤchte laͤnger weichen / darnach erſt Waitz und Habern hernach ſchuͤtten.
Von Rechtswegen ſoll das Getrayde / das man ver - brauen will / uͤber ein Jahr nicht alt ſeyn / dann wuͤrde man vierdiges und heuriges untereinander nehmen / ſo wuͤrde es ungleich weichen und wachſen / und viel zuruͤcke bleiben / alſo kein gut Maltz werden. Das zum BrauenK iijdeſtinirte78Des Adelichen Land - und Feld-Lebensdeſtinirte Getrayd muß man dem Braͤuer nicht geſtat - ten / daß ers nach ſeinem Wolgefallen anderswohin aufſchuͤtte / ſondern es muß gleich in die Bodingen ge - bracht / und Waſſer darauf gegoſſen werden.
Damit man aber wiſſe / wann die Weichung ge - nug ſey / indem mans zu kalter Zeit laͤnger / als bey war - men Wetter in der Weichboding laſſen muß / ſo greiffe mit der Hand tieff in die Boding hinein / und heb eine Hand voll des geweichten Traydes heraus / wann die Koͤrnlein mit beeden Spitzen uͤber den Nagel ſich bie - gen laſſen / und alſo zuſamm gebogen / das aͤuſſerſte Baͤlg - lein zu unterſt bricht / oder das Koͤrnlein den Balg von ſich laͤſſet / auch zwiſchen zweyen Fingern / aus dem aͤuſ - ſern Balg vorhinaus ſich ſchieben laͤſſet / ſo iſt die Gerſten geweicht genug; dann iſts zu wenig geweicht / ſo waͤchſt es ungern und nicht gleich aus / iſts aber zu viel / ſo wirds bald ſauer.
Waͤre es aber je uͤberſehen / und zu lang im Waſ - ſer gelaſſen worden / muß man das Waſſer alſobald her - ablaſſen / das Getrayd heraus thun / und aufs duͤnneſtevoneinander legen und an der Weite wol uͤbertrocknen und wiederum anziehen laſſen / ſo wirds ihm weniger ſchaden. Andere halten diß fuͤr eine Prob / wann man von dem Waitzen oder Habern eine Handvoll zuſam - men nimmt und balgt / ſo er ſich balgen laͤſſt / oder am Balgen zuſammen gehet / ſo iſt er genug geweicht. Den Habern muß man nicht zu ſehr weichen / ſondern / weil er ohne diß weichkoͤrnig iſt / bey der Mittelmaß bleiben laſſen.
Wann nun das Waſſer an das Getrayd / es ſey was Gattung es wolle / gegoſſen wird / ſoll mans fleiſſig durcheinander ruͤhren / ſonderlich wann es viel Affter - getraydes und laͤhre Huͤlſen in ſich hat / damit dieſelben ſich uͤberſich ſchwingen / die man dann abſchoͤpffen und hinweg thun kan / ſo muß man auch das kothige und ſchlei - michte Waſſer nach ſolcher Abſchoͤpffung gantz und gar abſeihen / damit der Brand und Schleim des Waitzens und der Gerſten davon komme / ſoll aber gleich wider ein friſches reines Waſſer darauf getragen werden.
WAnn nun das Getrayd genug geweicht iſt / wel - ches man erkennet / wann die Gerſten ſich uͤber den Daumen biegen laͤſſet / wird es aus der Boding auf der Maltz-Tenne / nachdem warm oder kaltes Wetter iſt / eines Schuches oder anderthalben dick aufgeſchuͤttet / und taͤglich drey oder viermal geruͤhrt / damit das Waſſer daraus ſeyhen / und das Getrayd uͤ - bertrocknen moͤge. Wanns trocken worden / thut mans auf (ein oder anderthalbe Knie hoch) zuſamm geſcho - berte Hauffen / ebnet ſie fein / und laͤſſt ſie obeinander ligen / biß es ſchwitzend wird / alſo wann man den Hauf - fen ein wenig voneinander thut / und die Hand daruͤber haͤlt / daß die Hand von dem warmen Dampff oder Dunſt gleichſchwitzend wird / und das Getrayd anfaͤngt herfuͤr zu brechen und zu wachſen / und wann mans kaͤuet / die Gerſten einen friſchen Nuß-koͤrnigen ſuͤſſen Ge - ſchmack hat / doch ſoll man den Hauffen nicht zu fruͤhe angreiffen / und durch das Ruͤhren am Auswachſen nicht verhindern.
Man ſoll auch das Getrayd nicht laſſen zu warm werden / ſondern wann es ein feines Daͤmpflein hat / ſo muß mans bey kaltem Wetter / des Tages zweymal / als Morgens und Abends / wanns aber warm Wetter iſt / dreymal oder oͤffter umſchlagen / und allzeit das obriſte zu unterſt / und das unterſte zu obriſt kehren / damit es gleich auswachſe / und werden die Hauffen je laͤnger je duͤnner voneinander gearbeitet / weil er im Wachſen iſt / damit die Hitz heraus duͤnſte / und das Maltz nicht zu lang aus - wachſe / oder ackerkeimich und unterwaͤchſig werde / dar - durch dem Maltz ſeine Krafft entzogen wird / und das geſchihet / wanns warm iſt / in Tag und Nacht / wanns aber kalt iſt / bedarf es laͤngere Zeit.
Wann nun der Hauffen alſo ausgebracht / und voneinander ausgebreitet iſt / ſoll man ihn den erſten Tag fuͤnfmal ruͤhren / ſonſt wird es zu lange wachſen; darnach taͤglich viermal / ohngefaͤhr fruͤhe / Mittags / A - bends und zur Nacht alſo umruͤhren / biß die Gerſten den dritten oder vierdten Keim herfuͤr geſchoben / ſoiſt des Wachſens genug / dann die Gerſten / wann ſie anders recht waͤchſet / treibt ab vier unterſchiedliche Keimlein; das erſte nach dem Bruch / die andern a - ber in folgender Zeit / indem mans ausbreitet und ruͤh - ret.
Doch iſt mit dem Wachſen eine Maß zu halten / damit das Koͤrnlein nicht zu viel auskeime / dardurch die beſte Krafft entzogen wird. Waitz und Habern be - kommen nur ein Keimlein / muß aber auch bey ſeiner Maß und nicht zu lang auswachſen.
Wann nun / wie gedacht / der Hauffen vollkommen genug gewachſen iſt / wird er taͤglich fuͤnfmal geſchwun - gen / geruͤhrt und umgeſchlagen / und die erſte Nacht um die eilffte oder zwoͤlffte Stund / darnach Morgens um viere / um Mittag / um drey gegen den Abend / und end - lich um neun Uhr gegen der Nacht / nachdem das Wet - ter iſt / drey / vier oder fuͤnf Tage nacheinander / daß die Hitz heraus komme / daß es zum ſchwelcken taug - lich iſt.
Und dieſes waͤhret ohngefaͤhr 14 Tag / offt laͤnger oder weniger / nachdem es warm oder kalt iſt. Und an dieſem ligt das meiſte / wann ein Bier ſoll wol gerahten / wolgeſchmack und kraͤfftig werden; je kuͤhler und tem - perirter dieſe Arbeit verrichtet wird / je lieblicher und ge - ſchmacker wird das Bier / daß es den Geſt deſto laͤnger behaͤlt; und hinwiederum je heiſſer und daͤmpffiger man einen Hauffen alſo ausarbeitet / je ſchlechter wird das Bier / dann was fuͤr einen ſauren oder boͤſen Geſchmack das Maltz am Doͤrren empfaͤngt; alſo wird auch daſ - ſelbe Bier / und kan ihm ſolches nicht leicht durch eini - gerley Mittel gantz und gar benommen werden / da es aber verſehen waͤre / daß die zuſammgeſchlagene Hauf - fen ſich zum Keimen nicht ergeben wolten / iſt es ein Zei - chen / daß es nicht genug geweicht ſey / alsdann ſoll man ihm / mit einem oder zwey Trag-Eimern / geſaltzenen / oder nur mit ungeſaltzenen laulichtem Waſſer ſprengen und helffen / wolt es zum erſtenmal nicht helffen / kan mans noch einmal thun / und die Hauffen obeinander be -halten /79Siebendes Buch / Ackerbau. halten / biß ſie anfangen auszukeimen. Der geweichte Waitz zum weiſſen Bier muß duͤnner und nur eine hal - be / oder meiſt einer Spannen dick / wanns kalt iſt / auf - geſchuͤttet ſeyn / und darff weniger Muͤhe und Zeit zu ſei - ner Ausarbeitung; waͤre es aber gar zu kalt / daß die Hauffen nicht erwarmen moͤchten / und kein Ofen auf der Tennen waͤre / muß man die Hauffen mit gewaͤrme - ten Tuͤchern zudecken.
Etliche laſſen den Waitzen / ſonderlich zum braunen Bier / auswachſen / ſo lang er will / der Meynung / eskoͤnne nicht zu viel ſeyn / ob er ſich ſchon zuſammen filtzet / wird nur mit eiſernen Rechen oder Kreueln voneinander geriſſen / Koͤrnelweiſe zerbrockt / und erſt an der Maltz - Tenne und an der Schwelck allenthalben voneinander gearbeitet / biß er an die Statt gemaltzet iſt zum Doͤrren; theils laſſen ihn nicht ſo filtzig werden / und glauben / er habe mehr Krafft / und erſaure nicht ſo leicht uͤbereinan - der; zum weiſſen Bier aber muß er nicht ſo lang wach - ſen / muß aber deſto oͤffter und duͤnner ausgearbeitet werden.
WAnn nun das Maltz allenthalben vollkommen / und an die Statt gewachſen und ausgearbeitet iſt / wird es auf den Schwelckboden gebracht / und etwan 12 oder 14 Tage / nachdem das Wetter ſich befindet / taͤglich viermal geruͤhrt / und in die Reyhen ge - arbeitet / und etwan dicker in der Kaͤlten / und ſeichter in warmer Zeit zuſammen gehalten / muß auch das Um - ſchlagen bey dieſer oͤffter / als bey jener vorgenommen werden; alſo wann alles dieſes recht geſchihet / wird das Maltz letzlich nach der Schwelck fein muͤrb und mild am Reiben; alſo daß / wann man mit einem Koͤrnlein / wie mit einer Kreiden kan ſchreiben / ſo iſt es geſchwelckt ge - nug; iſt aber das Maltz noch ſpiſſig und hart / ſo iſts nichtallein nicht genug geſchwelckt / ſondern iſt auch zu be - ſorgen / es ſey weder genug geweicht noch gewachſen / alsdann muß man es mit geſaltzenem Waſſer beſpren - gen / wieder zuſammen halten / und arbeiten / wie vor - hin / biß es gnug gewachſen und geſchwelckt ſey / ſo man an vorermeldten Proben erkennen kan; wolte mans nun alſo hart und ſpiſſig an die Muͤhl bringen / wird es we - nig nutzen. Jſt es aber in allen Stuͤcken recht und gut gearbeitet / thuns etliche nach der Laͤnge Bifangsweiſe uͤber einen Hauffen zuſammen / und laſſen den Hauffen zimlich wol anziehen / daß er erwaͤrme / denn dieſe Waͤr - me hilfft viel zur Doͤrre / daß die Hitz das Maltz deſto beſſer und eher durchgehet.
DJe Doͤrre muß in einem Gemach gerichtet ſeyn / darunter ein anders alſo geordnet iſt / daß dieſes zimlich hoch ſey / und die Roͤhren / dardurch die Hitz in die Doͤrr gefuͤhret wird / ſollen zimlich hoch und lang ſeyn / daß die Hitz nicht ſo gaͤhling in die Doͤrr hin - auf walle / und das Maltz verbrenne.
Erſtlich ſoll zu unterſt geſetzt und aufgefuͤhrt werden ein gemauerter Herde 4 Schuch weit / und ohngefaͤhr ſie - ben lang; wofern aber die Roͤhren des niedern Gemachs die Hoͤhe des Gebaͤues halber nicht haben kan / ſo muß der herunter Herd / Ofen oder Schlund / um anderthalb oder zwey Schuch laͤnger ſeyn / daß die Hitz deſto weiter zu ſteigen hat / und auf dem Herd muß ein langes Oefe - lein anderthalben Schuch weit ſeyn / welches an jeder Seiten ein Maͤurlein eines halben flachen Ziegels dick haben ſoll / einer guten Spannen hoch / auf welchem Seiten-Maͤurlein ſoll mit auf - und gegeneinander ge - ſetzten Ziegelſteinen ein Gewoͤlblein / wie ein Foͤrſt / oben zuſammengefuͤgt und gewoͤlbt werden.
Auf und aus dieſem laͤnglichten Oefelein ſoll am hinterſten Ort ein gevierdte und inwendig wol ausge - tuͤnchte / oder ſonſt glatt-verworffene uñ verſtrichene Roͤh - ren erſtlich zween oder drittehalbe Spannen weit ange - fangen / und uͤber ſich auf halben Theil in die Weite auf - gefuͤhrt werden; wann die Roͤhren alſo uͤber die Helffte reichet / muß mans immer gemaͤhlich ein wenig einzie - hen und enger machen / biß ſie durch und uͤber den obern Boden gefuͤhrt iſt / einer ſtehenden Hand hoch und inwen - dig einer guten Manns-Spanne weit / oder doch nicht viel weiter / und um dieſe aufgefuͤhrte Roͤhren muß auſſenſo weit das Ofelein herum ſeyn muß / ein gepflaſtert oder gegoſſen Eſtricht / der aufgefuͤhrten Roͤhren gleich / einer ſtehenden Hand dick / geſchlagen und gelegt werden. So werden auch auf beeden Seiten laͤnglichte Oefelein gemacht / davon die Waͤrme durch die Loͤcher in die Doͤrre aufſteigt / zu Befoͤrderung der Abtroͤcknung.
An andern Orten macht man die Doͤrrſtuben mit vier Eckſeulen / und ſchleuſt obenauf / inwendig hinein ein gefaltztes Holtz / und unten eine gute zwerche Hand vom Boden / auch ein viereckicht / aber nicht gefaltztes Holtz / und maurets hernach / zwiſchen den zweyen ein - gelegten geſchloſſenen vier Seulen und Hoͤltzern / mit hal - ben Ziegeln / wie ſonſt eine Bundwerck-Mauer aus / und laͤſſet auf beeden / oder nur auf einer Seiten / da der Lufft am meiſten hinzu mag / zu niederſt unter dem un - tern eingeſchloßnen Holtz / biß auf den Boden eine gute zwerche Hand / als lang die Doͤrrſtuben iſt / offen / aber beede Stirn-Mauren maurt man gar zu / damit der Lufft hinein mag / und die Hitz / ſo ohne diß uͤberſich be - gehret / deſto beſſer aufwaͤrts unter das angeſchuͤttete Maltz fuͤhren und treiben moͤge / und doͤrret ſich alſo ein Maltz deſto eher.
Wann nun die Doͤrr alſo mit allen vier Mauten umfangen / und der Forſt oben aufgelegt und vermauret iſt / muß man dieſelbe inwendig um das innere Ofenloch mit einem Pflaſter oder gegoſſenen Eſtrich verſehen / ſo verbrennt ſich das durch die geloͤcherte Bretter hinein ge - fallene Maltz nicht ſo bald / ſondern doͤrrt ſich daſelbſt ſo wol als auf der Buͤne / darum ſoll die eine aͤuſſere Seiten - Mauer an einem Eck ein fein gehaͤbiges Thuͤrlein haben /daß80Des Adelichen Land - und Feld-Lebensdaß man hinein ſchliefen / und das hinein gefallene Maltz umruͤhren moͤge / und ligt nichts daran / wann gleich un - ter dem Pflaſter ein hoͤltzerner Boden iſt / dann die Doͤrr wird nie ſo ſtarck geheitzt / daß das Pflaſter / viel weniger das Eſtrich erhitzt / Schaden thun moͤge.
Alſo nun iſt die Doͤrre gantz verfertigt und zugerich - tet / und darff weiter nichts mehr / als daß man einesDaumens dick durchloͤcherte Bretter / oder von haͤsle - nen Gerten geflochtene Hurten lege und richte / die auf beeden Seiten / von dem heruntern Faltz / biß uͤber den Forſt / und oberhalb des Forſtes / gegeneinander zu - ſammen gehen / darauf man das Maltz ſchuͤttet und doͤrret / ſo viel man auf einmal auf die Doͤrre brin - gen kan.
EHe man das Maltz auf die Doͤrre bringt / muß man das Feuer vorher verrauchen / und die Bret - ter wol warm werden laſſen / weil es von dem er - ſten Rauch bald einen unangenehmen raͤuchlichten Ge - ſchmack an ſich nimmt. Daher alles pichichte Holtz / als von Tannen / Fichten und dergleichen zu meiden / und allein buchen / birckenes / erles und dergleichen wol duͤrres Holtz zu gebrauchen / auch fein gemach ſolches an - zulegen / Anfangs nur drey / oder meiſtens vier oder fuͤnf Scheiter / damit die Doͤrre wol erwarme; wann dieſe verbronnen / immerzu / und ſo offt es geſchiehet / um ein Scheitlein weniger / und letzlich / wann eines verbronnen / das andere nachgelegt / und ein gleiches Feuerlein un - terhalten. Wann das Maltz anhebt zu ſchnaltzen / muß man das Feuer lindern / und letzlich / wann es zimlich wol durchgedoͤrrt iſt / deſto weniger anlegen; und ſo offt vier Feuerlein / das iſt / vier Scheitlein / nach und nach ver - bronnen / welches gemeiniglich in einer Stunde geſchie - het / das iſt alle Stund einmal; darnach zum vierdten / alle drey viertel Stunde einmal umſchlagen / und das Maltz mit einem fornen zweyer Finger breit geſpitztem und hinden einer Spannen breiten Schaͤufelein / das oberſt zu unterſt kehren und ruͤhren / daß es fein gleich ab - doͤrre; und ſo offt man das Maltz auf der Doͤrre ruͤh - ret / ſoll man auch das innen hinein gefallene Maltz ruͤh - ren / und fleiſſig darzu ſehen / daß es nicht raͤuchlicht oder anbraͤndlicht werde / weil es innen auf dem Herde eher dorret und verbrannt wird / als auf den Doͤrꝛbrettern / o - der Hurten / oder Pinne.
Das ſchimmlichte Maltz mag man auf einen Bo - den tragen / und rechtſchaffen laſſen duͤrr werden / auf dem Boden hin und wieder ſchauffeln und ausſtauben / ſo verliert ſich der Schimmel mit dem Staub / das mag man hernach wol unter das andere Maltz mengen / und darf daher keine Gefahr beſorgen.
Das Gerſten-Maltz muß nicht zu hart gedoͤrrt ſeyn / denn ſonſt entgehet die beſte Krafft / auch nicht zuwenig / ſonſt laͤſſt es ſich nicht gerne brechen; es mag aber ein Maltz dennoch zimlich reſch gedoͤrrt ſeyn / daß es gleichwol nicht verbrannt werde / weil das Bier einen beſſern Jeſſt giebt / und laͤnger bleibet. Aber das Wai - tzen - und Haͤberne Maltz zu dem braunen Bier / darf viel eines mehrern Doͤrrens / weil ſie ſonſt mehr weiſſe / als braune Farbe zu geben pflegen. Zum weiſſen Bier aber / ſoll das Waitzene Maltz nur ſo reſch gedoͤrrt ſeyn / daß es ſich brechen laſſe / weil es dem Bier die weiſſe Farbe alſo deſto beſſer giebet. Dem braunen Bier / eine ſchoͤne Farbe zu geben / meynen etliche / man muͤſſe das Maltz wol braun doͤrren / dardurch das Bier nicht allein braun / ſondern auch wol gar raͤuchlicht wird. Diß aber zu wegen zu bringen / darff man darum das Maltz nicht durchaus alſo braun doͤrren / ſondern man ſchuͤttet 1 / 2 / oder 3 Multern in die Doͤrre hinein / auf den heiſſen Heerde / laͤſſet ſelbige wol braun werden / und thuts darnach unter das Maltz / ſo kriegts dennoch eine ſchoͤne Farbe / und wird kraͤfftiger. Damit aber das Maltz einen lieblichern Geſchmack erlange / legen etliche zu der letzten Einlag ein wolgedoͤrrtes Kranwetholtz / doͤrren es damit ab / und loͤſchen es mit demſelbigen aus. Daß man aber wiſſe / wann es genug gedoͤrrt ſey / ſo nimmt man die Ruͤhrſchauffel in acht / ſo lang die - ſelbe von dem Maltz ſchwitzet / ſo iſt es noch nicht genug gedoͤrrt / wanns aber nicht ſchwitzet / und das Maltz zim - lich reſch an Kleyen iſt / ſo iſts genug. Wanns aber alſo genug duͤrr iſt / ſoll man es nach dem Ausloͤſchen / ohngefaͤhrlich drey Stunde auf der Doͤrre ligen laſſen biß auf den andern Morgen / ſo zeuchts fein an / und doͤr - ret ſich alſo nach und nach recht und wol aus.
Ob das Maltz gut iſt / erkennet man / wann die Koͤrner fein dick und muͤrb ſind / ſo man ſie entzwey druckt oder beiſſet / daß ſie inwendig ein ſchoͤnes Mehl haben / ſind aber die Koͤrner hart / und inwendig ohne Mehl / ſo taugt es nicht zum Bierbraͤuen / ſondern mehr fuͤr die Schweine.
WEnn das Maltz recht geweicht / gewachſen und gedoͤrrt iſt / laͤſſet es ſich deſto lieber brechen / doch muß (wann gleich alles recht iſt) auch der Maltzbrecher ſich wol darauf verſtehen / und die Muͤhl darnach richten / daß ſichs fein gleich breche und ſchaͤhle / fein mild und melbig / nicht hart / noch grieslicht / viel weniger gantze und nur halb-gebrochene Koͤrnlein herab gehen / welche keine Krafft geben / ſondern ſolche an ſich ziehen und verzehren / und ſich in dem Abmaiſchen / wieein anders ſchweres Getrayd oder Taig zu unterſt an den Boden legen / und ſich nicht gerne ſchwingen; Und das kommt daher / wann das Maltz nicht recht / noch genug geweichet / gewachſen / geſchwelckt / und zu faͤſt gedoͤrrt / oder zu wenig geſprengt iſt / ſo bricht es ſich grieslicht und grob / und ſchaͤhlen ſich die Huͤlſen nicht gern ab / oder wann das Maltz zu viel feucht worden / ſo klebet es ſich nur / und legt ſich an den Stein an / und je genauer man die Steine zuſammen haͤlt / oder richtet / je zelteter ſichdas81Siebendes Buch / Ackerbau. das Maltz bricht / oder gehen wol gantze oder halbe Koͤr - ner mit dem Maiſch durch / daraus erſterzehlter Scha - den und Unrath erfolget.
Wann man das Maltz will mahlen / ſagt Herr Achatius Sturm / in ſeinen Haushaltungs-Regeln fol. 296. Regulâ 684. ſoll man es eine Stund oder zwey zu - vor / damit es ſich nicht zu Staub mahle / beſprengen / alsdann gibt es ein gut Bier / und nicht zuviel Hefen.
Alſo / wann die Muͤhlſtein nicht recht aufeinander gerichtet ſind / wann etwan der obere Stein an einem Ort zu nider / am andern aber zu hoch gehet / ſo kan ſich das Maltz nicht gleich brechen. Doch die Muͤhlſtein recht einzurichten / muß man die beede Steine / wann ſie et - wan gar zu heel und ſchlipffrig worden / oder ſich etwan ein Maltz daran gelegt haͤtte / fein klein und ſchraͤncket hauen / darnach / wann man das Maltz hat aufgeſchuͤt - tet / mag man den Stein etlichmal umgehen laſſen / und ſehen / ob er gleich gehe / oder nicht; wann er allenthalbengleich gehet / ſo bedarf es mehr nicht / als wann das Maltz zu grob / oder gantz / oder halbkoͤrnig herab gienge / und ſich nicht fein ſchelete / daß man die Steine genauer oder niderer zuſammen richte.
Wann dann der obriſte Stein nicht gleich gehet / muß man unter die Hauen auf dem Muͤhl-Eyſen / zwey kleine Zwickel / auf der Seiten / da der Stein nider ge - het / legen / und den Stein gleich richten / damit er gleich gehe / und den Stein abermal umgehen laſſen / und ſehen / ob er gleich gehe oder nicht / gehet er gleich / ſo bricht es ſich gleich und wol; und wie der Waitz ſubtiler iſt an Koͤrnern als die Gerſten / alſo ſoll auch die Muͤhl / zu Bre - chung des Waitzen-Maltzes / deſto niderer und enger ge - richtet werden; Jſt alſo am beſten / daß ein jedes Wai - tzèn - oder Gerſten-Maltz abſonderlich gebrochen werde; wer es aber verſtehet / und wills miteinander brechen / der muß die Muͤhl allein auf das Waitzen - und nicht auf das Gerſten-Maltz richten.
WEr das Maltz gleich nach der Darre verbraͤuen will / wird nicht gutes Bier zu hoffen haben / es muß ſich vor wol abligen.
Wo nun des Maltzes viel iſt / ſchuͤttet man einen Theil deſſelben in die Abbrenn-Bodingen / und brennt daſſelbige / wanns fein loß gebrochen / mit einem zimli - chen und wol heiſſen Waſſer ab / darinn man kaum ei - nen Finger leiden mag; waͤre aber das Maltz grieß - licht ſo wirds mit einem laulichten Waſſer abgebrennt / und viel glauben / es ſey beſſer mit einem zimlichen war - men / als mit gar ſiedheiſſen Waſſer abbrennen / denn auf dem letzten Fall laufft das Maltz zuſammen / wird verbrennt / geht nicht gern ab / ſchwingt ſich auch nicht gern uͤberſich / ſondern bleibt am Boden ligen / und wird das Bier deſto ſchwaͤcher. Die Abbrenn-Boding muß man anfaͤnglich am Boden mit Heuſaamens De - cocto fein rein auswaſchen / und hernach Wolmuth auf die Stellhoͤltzer unter das Stroh legẽ / ſo wird nicht leicht - lich ein Bier verderben. An etlichen Orten nimmt man unter das Bier ein wenig Saltz / und haͤlt es alſo fuͤr geſuͤnder und dauerhafftiger; ſie muß aber mit dem warmen Waſſer und Maltz ſchier halb / oder noch mehr voll ſeyn / nachdem man viel oder wenig Bier machen will / und indem man das heiſſe Waſſer aus dem Keſ - ſel / auf einer Rinne / hinuͤber / an das trockne Maltz fuͤh - ret / ſtehen ihrer zween gegeneinander uͤber / und ruͤhren das Maltz in dem heiſſen Waſſer / mit denen Ruͤhr - ſtecken gar wol auf / damit das Maltz von dem Waſ - ſer durchgangen werde / und diß waͤhret eine halbe Stunde.
Wann das erſte Theil des Maltzes alſo abgebrannt worden / ſchlaͤgt man den hinuͤber in die Maiſch-Bodin - gen / und fuͤllet den Keſſel mit Waſſer wieder / ohnge - faͤhr halb an / laͤſſt das Waſſer wieder heiß werden / wievor / und ſchuͤttet alsdann den Uberreſt des Maltzes auch in die Abbrenn-Boding / brennt und ruͤhrt es alſo wol auf / wie vor / und hebts darnach auch hinuͤber in die Maiſchboding / wie das vorige / laͤſſet aber unter ſolchem Abbrennen / den Keſſel / daß er nicht verbrenne / halb mit Waſſer ſtehen. Wann nun alles hinuͤber in die Maiſch - boding gehebt worden / muß man das uͤbrige Waſſer / welches ſiedend worden iſt / aus dem Keſſel / gantz und gar auf den gantzen Maiſch in die Maiſchboding heruͤ - ber heben / und eben ſo wol / als zuvor / unter dem Ab - brennen / ihrer zween den Maiſch wol auf und uͤberſich ruͤhren / biß ſich die Treber uͤberſich ſchwingen. Wann das heiſſe Waſſer uͤber den Maiſch kommen / muß man bald den Zapffen an der Maiſchboding ziehen / und den Maiſch herab laſſen / alldieweil etwas herab gehet / muͤſſen ihrer zween gegeneinander ſtehen / uñ ohne unter - laß aus dem Grand mit zweyen Schapffen in den Keſ - ſel heben / und das heiſt der erſte Malſch. Dieſen muß man in dem Keſſel ohngefaͤhrlich eine Viertel Stund gar wol ſieden laſſen / wol unterſchieren / und nach ſolchem Sud / aus dem Keſſel wieder hinuͤber in die Maiſchbo - ding auf den Maiſch heben / ſolchen abermal / wie vor / wol abruͤhren und uͤberſich ſchwingen; nach dieſem wie - derum den Zapffen ziehen / ablaſſen / und hinuͤber in den Keſſel heben und ſieden laſſen / wie vor eine Viertel Stunde / diß heiſſt der andere Maiſch. Wann er nun alſo geſotten / hebt man denſelben wieder aus dem Keſ - ſel heruͤber in die Maiſchboding / und laͤſſt ihn abermal wol ab - und aufruͤhren / laͤſſt ihn aber hernach ob einander an den Trebern ſtehen / und ruhen ohngefehr 4 Stunde; unterdeſſen aber muß der Keſſel mit Waſſer ein wenig uͤber halb gefuͤllt / und ſiedend gemacht werden / darinn wird / wie hernach folgen wird / der Hopffen geſotten / und diß heiſſt man das Ruhewaſſer.
WAnn nun die vier Stund verlauffen / und der Maiſch auf den Trebern ſo lang in der Ruhe geſtanden / auch die meiſte Kraͤfft daraus gezo - gen / ſo iſt es Zeit zu hoͤpffnen / dann muß man das Ruhe - Waſſer aus dem Keſſel hinuͤber in die Abbrenn-Boding beſonders / und nicht mehr in die Maiſchboding / heben / und ein wenig Ruhewaſſer im Keſſel laſſen / und den Hopffen / ſo viel zu einem Braͤu noͤthig / hinein ſchuͤtten / und eine halbe Stund darinnen wol roͤſten laſſen / immer untertauchen / daß er ſich gleich und wol roͤſte / und den Keſſel / mit der von den Trebern / aus der Maiſchboding gemaͤhlich abgezogenen Wuͤrtz fein ſachte nachfuͤllen / biß alles von den Trebern abgegangen; dann an deren Statt wird das in der Abbrenn-Boding behaltene Ruhewaſſer auf die abgemaiſchten Trebern gehebt.
Jm Hopffenkochen / muß man wol zu ſehen / daß er recht koche / durch zu viel ſieden / verliert er ſeine Krafft / durch zu wenig ſieden bleibt er rohe und ohngeſchmack; den Hopffen muß man gemach ruͤhren / daß er ſich nicht an die Pfannen lege; wenn er eine gute Zeitlang ge - ſotten / gieſt man ein wenig davon in ein Schuͤßlein / hat er genug gekocht / ſo werden kleine Blaͤslein / und eines in der Mitte einer Linſen groß / und wann ſich die kleinen Blaͤslein neben derſelben halten / ſo iſt der Hopffen ge - nug gekocht / hat man diß Zeichen nicht / ſiedet und ruͤhret man ihn ſo lang / biß es alſo komme. Wann eine Braͤu groß iſt / thut man / wann der Hopffen gekocht iſt / ein Metzlein Saltz darein / ſo kocht er eher / wird das Bier beſſer / und eher lauter.
Wann nun das gehoͤpffte Bier alſo ſiedet / und zum Theil eingeſotten iſt / ſoll man den Zapffen der Maiſch - boding wiederum ziehen / und das Ruhewaſſer ab dem Maiſch herunter laſſen / und in den ſiedenden Bierkeſſel gemach nachfuͤllen / als viel vonnoͤthen / und das ge - hoͤpffte Winter-Bier alſo wol reſch ſieden 4 Stund / das Sommer-Bier aber fuͤnf oder fuͤnfthalbe Stun - den / weil es beſſer iſt / daß ein Bier reſch und friſch geſot - ten wird / ſiedet man es aber langſam / ſo wird das Bier auch letticht und ſchwer / im reſch ſieden ſiedet ſich weni - ger Wuͤrtz und Hopffen ein / bleibt laͤnger / und erſauret nicht ſo bald.
Die Quantitet des Hopffens muß nach der Groͤſſe der Braͤu eingerichtet ſeyn. Und weil der Hopffen das Bier beſtaͤndiger und langwuͤhriger macht / muͤſſen die Sommer-Bier / und was lang ligen ſoll / mehr Hopffen haben / als die Winter-Bier / oder was gleich ausge - truncken und auf das Schenckhaus gebracht wird.
Petr. Bellonius in libello de neglectâ ſtirpium culturâ. problem. 18. meldet / daß man an ſtatt des Hopffens ein Kraut / ſo die Franzoſen Pimente, die Flanderer Gagel nennen / welches dem Bier einen ſtar - cken und guten Geſchmack gebe; Lobelius in Adver - ſariis, vel potius Petrus Pena nennet es Myrtum Bra - bantiam, die Engellaͤnder nennen es Gold / waͤchſt in ſchattichten Waͤldern unter der Heide / daſelbſt man fol. 417. auch die Geſtalt ſehen kan / habe einen fetten wolriechenden Saamen; die Engellaͤndiſchen Weiber verkauffen im Brach - und Heumonat die liechtgelbe Bluͤhe davon / den Zimmern / darinn ſie behalten wer - den / einen guten Geruch mitzutheilen; dieſe Bluͤhe braucht man auch / in Ermanglung des Hopffens / zum Bierbrauen / das ſoll froͤlich und truncken machen.
Zur Hopffung des weiſſen Biers muß man nicht zu viel Hopffen brauchen / damit das Bier ſeine rechte Farbe behalte / und nicht zu braun werde; man ziehet aber von der geſottenen lautern Wuͤrtz zuvor bey 15 Schapf - fen voll herab / das thut man hinuͤber in den Keſſel / und ſchuͤttet den Hopffen darein / und laͤſſt ihn alſo eine halbe Stund oder laͤnger roͤſten / denn je kuͤhler der Hopffen geroͤſtet wird / je wolgeſchmacker wird das Bier / man muß aber den Hopffen ſtets hin und wieder durchein - ander in der Wuͤrtz ruͤhren / daß er nicht anbrenne / biß die Wuͤrtze gar eingepregelt hat / und am Boden ein Faimlein oder Gieſt / darnach ein weiſſes Teiglein erſcheinet / alsdann iſt der Hopffen genug geroͤſtet. Wann diß geſchehen / nimmt man einen Theil Hopf - fens / bey einem zimlichen halben Hebſchaͤfflein voll her - aus / und hebt dieſen zu Hoͤpffung des Affter-Biers auf; Laͤſſt und hebt hernach die gute lautere Wuͤrtz von den Trebern / die von der Wuͤrtze des guten Biers unten abgezogen / und hebts hinuͤber in den Keſſel / biß er ohn - gefaͤhr auf einer halben Spannen hoch voll wird / und macht ein ſtarckes Feuer darunter / und laͤſſt es mit dem Hopffen ſieden / biß es aufwallet / und im Wallen aufs wenigſt eine Viertel Stund / muß mans nicht laſſen uͤ - bergehen / ſondern mit einer Schapffen ſtets aufluͤfften; auch wann im Wallen der Hopffen ſich uͤberſich ſchwingt / muß man den mit den Schapffen fleiſſig einziehen / und mit dem Aufſchoͤpffen und Nidergieſſen wieder unterſich bringen und vermiſchen / daß der Hopffen in der Wuͤrtz wol verſotten / und davon ange - nommen werde. Wann nun das Bier eine Viertel Stund alſo wolgeſotten und gewallet / ſo iſt es genug geſotten.
WAnn das Bier / wie vermeldet / genug geſotten hat / hebt mans aus dem Keſſel erſtlich in die groſſe Kuͤhlboding / darnach pflegt mans dar - aus in kleine Kuͤhlboͤdinglein auszutheilen und zu kuͤh - len / werden aber nicht voll / ſonderlich Sommers-Zeitnur halb gefuͤllt / damit das Bier deſto leichter kuͤhlen moͤge / laͤſſt es alſo im Sommer Tag und Nacht biß Morgen auf die ſiebende oder achte Stund in der Kuͤh - le ſtehen; Winters-Zeit aber / oder wann kalt Wet - ter iſt / nicht ſo lang / dieweil man das Bier zimlich lau -licht83Siebendes Buch / Ackerbau. licht gidt. Wann es nun abgekuͤhlt / pflegt mans wie - der in die groſſe Kuͤhlboding zuſamm zu tragen / und alſo ein einiges Bier daraus zu machen.
Man pflegt aber zur Kuͤhlung des braunen und weiſ - ſen Biers zweyerley Kuͤhlen zu gebrauchen / erſtlich zwey groſſe / weite / unterſchiedene Kuͤhlen / die eine zum guten Bier; die andere zum Koffent / neben einander jede innen bey anderthalb / auſſer aber mit dem Holtz zwo Spannen hoch / zwey oder dritthalben Schritt weit und bey dreyen lang / oder wie weit und lang mans haben will / welche beede zu Ablaſſung des Biers / hinden und ſonderlich vornen / jede zween / oder nur einen Zapffen haben / welche von vier Zwerchfinger dicke / Seiten Vexem / und in der Mitte von dergleichen Dicken ge - faltzten Spuͤndten dermaſſen zuſammen getuͤppelt / ge - ſchloſſen und geſchoppt ſeyen / daß ſie gehaͤbig wer - den.
Darnach muß man haben niedere / aber zimlich wei - te Kuͤhlboͤdinglein oder Schaͤfflein / die etwan einer Spannen oder ein wenigs hoͤher / auch zimlich weit ſeyen / welche auch zum weiſſen Bier gebraucht werden. Wann nun das braune Bier an die ſtatt geſotten / und in die Kuͤhle gehebt iſt / ſtehẽ an etlichen Orten ihrer zween daruͤber / und kuͤhlens alſobald wol auf / damit der Bra - them (wie man ihn nennet) oder die Hitze und der Rauch bald daraus komme / das Bier auch deſto eher gekuͤhlet und wolgeſchmacker werde. Etliche theilen das Bier in obvermeldte kleine Boͤdinglein / und fuͤllen jedes etwan halb an / daß es deſto eher abkuͤhle; Etliche aber laſſens auf der Kuͤhlboding bleiben / biß es genugſam abge - kuͤhlet iſt; Etliche / wann ſie beforgen / das braune Bier moͤchte bald anſaͤuerlicht werden / thun kleine duͤnne Spaͤnlein von Buchen eines Fingers breit / und einer Spannen lang / auf der Kuͤhl in das Bier / weil es noch gantz warm iſt / das ſoll ihm das Saurentzen beneh - men / und ſoll das Bier ein feines Schneidlein davon bekommen.
Auch iſt bey Faſſung des Biers zu bedencken / ob es bald ſoll getruncken oder ein Lagerbier werden / iſt das erſte / mag mans wol eine Stund eher thun; ſoll es aber lang ligen / muß man deſto laͤnger damit ver - ziehen.
MAn muß mit Zuſammtragung des Biers die Zeit / ob ſie kalt oder warm iſt / bedencken / daß ein Bier nicht zu kalt / noch zu warm / ſondern mit - telmaͤſſig ſey / und nach dem Zuſammentragen demſelben weder zu kalten noch zu warmen / ſondern einen guten und gerechten friſchen Zeuge geben / und ob wol an einem recht und wol abgearbeiteten Maltz / und wol gehoͤpfften / auch recht geſottenem Bier viel gelegen / ſo iſt doch auch ein guter friſcher / gerechter und wolgeſchmacker Zeug / und eine gute / nicht zu geſchwinde / ſondern mittelmaͤſſige Gier nicht weniger nothwendig; doch iſt eine langſame Gier etwas beſſer / dann eine geſchwinde und mittelmaͤſ - ſige / wann anders dieſelbe recht fortgeht / und dem Bier recht gegeben wird / ſo wird es davon deſto ſtaͤrcker und beſſer / von der allzugeſchwinden Gier aber geringer / auch deſto eher ſauer / ſonderlich wanns nicht recht ge - hoͤpfft oder geſotten iſt.
Derhalben / wann man dem Bier gibt / ſoll man ſich nicht allein des beſten Zeugs befleiſſen / ſondern auch gute Obſicht haben / daß man ihm nicht zu viel gebe / denn ſo dem Bier zu viel oder zu warm gegeben wird / ſo giert es alſobald ab / und wird das Bier nicht ſo vollkommen und gut / iſt aber der Zeug zu ſchwach oder zu kalt / ſo giert das Bier nicht gern / und wird unkraͤfftig und gering / bey kaltem Wetter muß man mehr / bey warmen aber weniger Zeuge geben. Jmfall man aber keinen alten aufgehebten / noch friſchen Zeug zum braunen und weiſ - ſen Bier haben koͤnte / wie man dem Bier ſolle geben / rahten etliche / nachdem man in denen groſſen Staͤdten Gerbenſieder findet / die mit dem Braͤuwerck umgehen koͤnnen / auch wol etliche Becker / die aus einem Gerſten - oder Waitzen-Maltz Gerben ſieden / die man den Grund nennet / welchen nicht allein die Becken zu einem Urheil des Waitzen Brods / ſondern auch die Methſieder / dem Meth damit zu geben und gierend zu machen / brauchen / von dieſer Gerben ſoll man zu dem weiſſen Bier / Ger - ben von dem Waitzen Maltz / und zu dem braunen dieGerben von dem Gerſten-Maltz / aber dieſes mehr / als des andern Zeugs nehmen / denſelben mit eines jeden Biers eigner Wuͤrtz anbringen und gierig machen. Wann man aber keinen ſolchen Zeug oder Grund be - kommen kan / mag man das braune Bier mit einem aufgedoͤrꝛtem Zeuge (ſo viel beſſer und gewiſſer iſt) und das weiſſe / mit der Gerben oder Hefen von dem Meth anbringen und gierend zu machen verſuchen.
Man ſoll aber des Gezeugs Guͤte zuvor alſo probiren: Man nimmt ein wenig des Gezeugs in ein Schaͤfflein / und gieſſt ein laulicht neu-geſotten und gehoͤpfftes Bier daran / ruͤhrts wol untereinander / putterts aus einem Geſchirr in das andere / und laͤſſet es alſo ſtehen / faͤngt er an aufzugehen / ſo iſt er gerecht; am beſten iſt aber / wann man den Zeug zum braunen und weiſſen Bier auf - hebt / da pflegt man von dem friſchen guten Zeug / ſo viel man bedarff / in ein eichenes Faͤßlein zu thun / und fuͤllets an / daß es ein paar zwerch Finger laͤhr bleibt / damit der Zeug Lufft habe / diß verſchlaͤgt man / und henckts in einen Bronnen / darinn ſoll der Zeug ſo friſch / gut und kraͤfftig bleiben / als etwan ein friſcher Zeug / erſt von der Gier hergenommen.
Etliche nehmen ſtroͤherne Schaͤbel eines zimlichen Beſens groß / und fornen zween Finger dick / fein weit auseinander gebreitet / und hinten zuſammen gebunden / und machen eine Handheb daran / daß mans aufhen - cken mag / und ſtreichen den Zeug erſtlich auf die eine Seiten / wann dieſelbe trocken worden / ſo man will / auch auf der andern Seiten / eines oder anderthalben Fingers dick / daß es darauf wol klebet / und ſtreuen klein zerwirckten Hopffen mit ſamt dem Saamen darauf / laſ - ſen den Zeug alſo wol eintrocknen / und laſſen es an ei - nem luͤfftigen und ſchattichten Ort / (aber nicht an der Sonnen) alſo verwahren / wann nun der Zeug alſo an - gezogen / mag man noch mehr Zeug darauf kleben / wo nicht / ſoll man die Schaͤbel aufhaͤngen / und den Zeug an die ſtatt laſſen trocken werden; darnach ſoll man die❁ L ijSchaͤ -84Des Adelichen Land - und Feld-LebensSchaͤbel mit dem duͤrren Zeug in ein Faß uͤbereinander richtẽ / uñ ſo offt eine Lege Schaͤbel / ſo offt eine Lege Hopfen darunter und darauf ſtreuen / dieſelben fein zudecken und ſchweren / ſo bleibt der Zeuge friſch und gut / wañ man nun dem Bier zu Morgens will geben / muß man den gedoͤrꝛten Zeug mit einem Schlaͤgel von denẽ Schaͤbeln / am Abend vorhero abklopffen und klein ſtoſſen / daß er die Wuͤrtz deſto eher annehme / und wann man ſo viel hat / als zu einer Braͤu noͤhtig / ſoll man eine warme und nicht zu heiſſe Wuͤrtz daran gieſſen / einen halben oder gantzen Kuͤbel voll / durcheinander ruͤhren / und aus einem Schaͤf - fel in das andere gieſſen offtermals / darnach die gantze Nacht bey einem warmen wolgeheitzten Ofen ſtehen laſſen / biß ſich der Zeug etlichemal wol erhebt und an - faͤhet zu gieren / und ſo offt er wol gegieret hat / ihn wie - der aus einem Geſchirꝛ in das andere hin und wieder gieſſen / wie man den friſchen Zeuge thut / und abermalbey dem Ofen ſtehen laſſen / biß er wieder hergieret / und nach dieſem wieder hin und her gieſſen und gieren laſſen / wie vor / und das ſo lang / biß der Zeug und die Wuͤrtz ſehr weich oder gierig worden; darnach kan man den angebrachten und gierigen Zeuge in die Bodingen aus - theilen / ſo viel jedern gehoͤrig / und das Bier mit dem Zeuge wol durcheinander ruͤhren.
Dergleichen Aufhebung und Doͤrrung kan man auch mit dem Zeuge zum weiſſen Bier verſuchen / und den - ſelben gar duͤnn / in ſchoͤne weiſſe haͤslene Scheitten gieſ - ſen / und die Scheitten mit dem Zeug oder der Gerben wol bekleben / darnach auf einem warmen Ofen alsbald abdoͤrren / oder troͤcknen / daß der Zeug nicht ſauer wer - de / und wie man oben den gedoͤrꝛten Zeuge von denen Schaͤbeln bringt / alſo mag man dieſen auch von denen Hobelſcheitten bringen / darnach weichen / und damit ver - fahren / wie oben gelehrt worden.
CHriſtoph Kobrer / Mautner oder Zollner zu Cal - muͤntz in der Pfaltz / daraus das meiſte / ſo viel das Braͤuwerck antrifft / genommen worden / ſchreibt in ſeinem Tractat vom Bierbraͤuen am 21 Ca - pitel folgends von der Gier: Es wird das braune Bier auf dreyerley Weiſe abgegiert / erſtlich durch die obere Gier / wann man von einem ſchon in der Arbeit begrif - fenen Bier / den obern Zeug oder Gerben zu einer Braͤu Bier / ſo viel man bedarff / in ein Hebſchaͤfflein nimmt / und ruͤhret es erſtlich mit einem kleinen Beſem wol durch - einander / daß der Zeug zerklopfft wird / und an dem Be - ſen kleben bleibt; darnach ruͤhrt man das Bier / dem man geben will / mit dieſem Beſem / und dem daran hangenden Zeuge / obenauf / etlichmal hin und wieder / daß ſich der Zeug von dem Beſen in das Bier abfletze / und gibt dem Bier alſo; darnach laͤſſet mans zugedeckt ſtehen / ſo kommt das Bier bald an.
Wann dieſe Gier-Gerben uͤberſich treibt / und der Zeug oder Gerben zimlich ſchwer worden / muß man die - ſelbe abheben / und das Bier einſchlagen / und ſo offt das Bier herſcheibt / als offt pflegens etliche einzuſchlagen / etliche aber nicht / darum / weil ſie vermeinen / das Bier werde zu ſchwach / darnach aber / wanns aufgehoͤrt hat zu ſchieben / muß man das Bier faſſen / und dieſe Gier dienet dem geringen Bier ſehr wol.
Die warme Gier aber iſt die allergewiſſeſte / von welcher das Bier am allererſten und gewiſſeſten an - kommt / auch in dreyen Tagen abgieret / und am vierdten Tag zu trincken iſt; Dieſe aber haben wegen der ge - ſchwinden Gier / keinen langen Beſtand / iſt alſo nur im Winter zu gebrauchen. Alſo wann man von einem auf dieſe Weiſe warm abgegierten Bier die Gerben aus einem Faß hernimmt / und dieſelbe mit einer laulichten Wuͤrtz in einem Zuber oder Boding / darein 3 oder 4 Kuͤbel Wuͤrtz kommen / anbringt / daß er gleichwie der angebrachte Zeug des weiſſen Biers / uͤberſich gieret / wann nun der Zeug alſo gierig gemacht iſt / gibt man dem Bier davon in den Bodingen zimlich laulicht und warm / und faſſet es darnach in Faͤſſer.
Etliche aber faſſen das Bier in die Faͤſſer erſtlich / und geben demſelben hernach erſt in den Faͤſſern / ſo kom̃tdas Bier auch gar bald an / und hebt in den Faͤſſern zum Spunt heraus zu gieren / wie das weiſſe Bier / alſo daß man offt 2 Faͤſſer mit den Spunten zum Theil gegen - einander geneigt legen / und laͤnglichte Multern unterſe - tzen muß / daß darein gieret / was alſo heraus ſitzt / das fuͤllt man nach dem Abgieren wieder die in Faͤſſer. Hat man aber keinen ſolchen Zeug zu einer warmen Gier / mag man die Gerben vom weiſſen Bier / oder aber einen auf - gedoͤrꝛten und angebrachten Zeug / wie oben vermeldet worden / darzu nehmen / der thuts auch.
Die trockene oder kalte Gier iſt dieſe / wann man den Zeuge von einem abgegierten Bier aus einer Boding hernimmet / oder aber einen aufgehebten Zeug mit einer Wuͤrtz anbringet / und dem Bier zimlich kalt gibt / und ruͤhrt das Bier und den Zeug mit einer Schapffen wol auf / und durcheinander; wann das braune Bier zur Gier greifft / ſo hebt es ſich aufs ehiſte / Scheibweiſe an der Sarch der Boding herum / einen weiſſen dicken Geſt zu ſchieben / und mit dergleichen Geſt ſich uͤber und uͤber zu uͤberweiſſen / und alſo in die Krauſen zu gehen; ſo iſt ihm recht gegeben worden / wanns auch ſchon nicht ſo bald in die Krauſen greifft / ſo ligt nichts daran / weil es beſſer / es giere langſam ab / als zu bald.
Wanns aber / darum daß man zu wenig oder zu kalt gegeben / gar nicht gieren wolte / nimmt man aus einer jeden Gier-Boding ſo viel / als ein Hebſchaͤfflein voll Wuͤrtz oder Biers / thut eine Hand voll Hopffen darein / waͤrmt es in einem Keſſel / ſo lang / biß es an der Seiten des Keſſels anhebt uͤber ſich zu wallen / gieſſet es darnach fein ſittlich an der Sarch der Gier-Boding in das Bier / und thut ein wenig des beſten Zeugs hinnach / ſo kommts an / ſonſt pflegt man auch groſſe zinnerne Flaſchen mit wolſiedendem Waſſer in das Bier zu hencken / ſo wird das Bier erwaͤrmet und angebracht / oder leſchen eine ei - ſerne Schin / oder gluͤenden Starſtecken darinnen ab; wolte es aber noch nicht gieren / muß mans gleich in an - dere friſche Bodingen umfaſſen / und ihm auf ein neues doch nicht zu viel geben / zudecken und ſtehen laſſen / das hilfft gewiß. Etliche faſſen das Bier ſchlecht um in die Faͤſſer / doch dieſelben nicht zu voll / damit das Bier gie -ren85Siebendes Buch / Ackerbau. ren moͤge / und nicht uͤberlauffe / ziehens darnach ab / wie gebraͤuchig / in andere gepichte Faͤſſer.
Etliche / wann das Bier nicht gieren will / thun ein gutes Stuck Alaun darein / nach der quantitet des Biers / der Alaun wird zerſtoſſen / man thut ihn in ein Geſchirr / und gieſſet Bier darauf / wann es nun anfaͤngtzu gieren / gieſſet mans in die Boding oder ins Faß / ſo gieret es gewiß / wie Herꝛ Boͤckler bezeuget. Oder man nimmt eine Pflugſchaar und Kiſelſteine / macht ſie gluͤ - hend / thut ſie in die Boding / deckt das Bier feſte zu / und laͤſſet es ſtehen / biß es ſich wieder erwaͤrme / wie Herꝛ A - chats Sturm in ſeiner 686 Haushaltungs-Regel leh - ret.
WAnn man dem Bier gegeben hat / ſoll man die Gier-Bodingen / zur Zeit der Kaͤlten / fleiſſig zudecken / und die Gierſtatt verſperren / daß nicht Jederman / ſonderlich die Weibsbilder / zur unrechten Zeit / noch einiger kalter Lufft darzu komme / und taͤglich zuſehen / wie es ſich erzeige. Wanns herſtehet / und in die Krauſen / das iſt / in den Geſt gehen will / oder ſchon darein gegriffen / und hoch uͤberſich ſteiget / muß man ihm ein wenig Lufft laſſen / doch auch nicht zu viel / noch zu feſt / alle in es wolte gantz und gar uͤberſchieſſen / auch die Gier - ſtatt / oder das Wetter zu warm waͤre / alsdañ mag mans eine Weil gar aufdecken / biß es ſich wiederum ſetzet / aber nicht zu lange / daß es vor Kaͤlte ſich nicht gar ſetze / ſon - dern fortarbeiten moͤge. Wanns aber gar in die Krau - ſen gangen iſt / ſo ſtehets wie eine faimichte Schnee - Milch / mit einem ſchoͤnen braunen Geſt / und ſteigt uͤber - ſich / alsdann ſoll man ihm etwas mehr Lufft laſſen / daß es nicht oben anſtoſſe / und ſich beſenge. Wanns aber aus der Krauſen gangen / und ſich geſetzt hat / ſoll mans wieder zudecken / und fleiſſig Acht haben / ob es ſich wie - der erhebe / oder herſtehe / wo nicht / ſoll mans alſo zuge - deckt fortgieren laſſen / ſo lang es nicht zu feſt uͤberſich ſteigt / noch oben anſtoͤſſt / ſondern allein an der Sarch herum uͤberſich ſcheubt.
Andere aber laſſen ihr Bier / wann es ſich geſetzt hat / gantz und gar unzugedeckt / oder alſo offen abgieren / ſon - derlich an warmen Orten / oder in warmen Zeiten / man ſolls aber nicht zu bald einſchlagen / oder zu offt / denn es gieret offt laͤnger / als es vonnoͤhten; und ſo lang ein Bier gieret / ſoll mans nicht angreiffen oder zerreiſſen / auſſer wanns zu lang gieren wolte / ſoll mans mit einem Span / oder ſaubern Beſemlein ein wenig zerreiſſen / und ihm Lufft laſſen; darnach bleibt es in der Gier / biß es zimlich wol geſetzt hat / und kleine faimichte Blaͤslein einer Welſchen Nuß groß auf ihm / und an der Sarch der Gier-Boding einen Geſt hat / und entzwiſchen einen niedergeſeſſenen Zeug in der Mitte / und allenthalben herum aufgeworffen ſtehẽ / einen niedergeſeſſenen als be - ſengten braunen Schaum / und zwiſchen denen Hoͤcker - lein oder Blaſen / einen gleiſſenden niedergeſeſſenen Zeu - ge hat / wann mans ein wenig voneinander thut / derſel - be unter denen Hoͤckerlein fein wie ein rogler Taig / und nicht dick ſey / dann ſoll mans mit kleinen ſaubern Be - ſemlein einſchlagen / und das Bier nicht gar platt und bloß gelaſſen werden / damit es den Geſt deſto laͤnger und lieber behalte / darnach alsbald darauf faſſen.
Etliche aber brauchen das Wiederſpiel / und ſchla - gen das Bier ein / alsbald es das erſtemal in die Krauſe gangen / uͤberſich gegiert und ſich geſetzt hat / und laſſens wiederum hergieren / dergleichen thun ſie auch das ande - re und drittemal / und ſo offt es uͤberſich gegiert / und ſichgeſetzt hat / biß es ſich geſetzt und gantz gelaͤutert hat / und meynen / das Bier ſoll davon ſtaͤrcker werden / das Bier aber muß nicht kalt / ſondern zimlich warm ſeyn / wann mans ſo offt will einſchlagen / ſonſt thut es kein gut.
Mit dem weiſſen Bier / aber wirds alſo gehalten / wann es alles zuſammen getragen iſt / thut man eine Stund oder zwo vorher des hernach benannten Zeuges / Hefen oder Gerben in einen Kuͤbel / nach Groͤſſe des Braues / und nach Gelegenheit der kalten und warmen Zeiten; im Sommer den dritten Theil / im Winter aber / oder wanns kalt iſt / ein mehrers / und fuͤllt den Kuͤ - bel auf den Zeug oder Gerben / mit dem Zeug von dem geſottenen Bier zu / ruͤhrts wol durcheinander / und ſtellt den Kuͤbel auf eine niedere Kuͤhl-Boding / und laͤſſet es gieren uͤber eine Stund oder laͤnger / und bringt den Zeug alſo an / ſo gierts von ihm ſelbſt ſo ſtarck aus dem Kuͤbel / als wolte es alles heraus gieren / in das Kuͤhl-Boding - lein.
Was alsdann ſowol heraus gegiert hat / als auch im Kuͤbel bleibt / das thut man alles in die groſſe Kuͤhl - Boding / in beede durcheinander vermiſchte Bier / und ruͤhrts wol durcheinander / und giebt dem Bier alſo / und laͤſſets eine Stund oder zwey ſtehen / biß es ankom̃t / wie es ſich dann alsbald ſehen laͤſſet / und an der Seiten der Kuͤhl-Boding herſcheubt. Darnach fuͤllt man die Faͤſſer voll / und ſtellt als offt zwey Faͤſſer mit den Spunt - loͤchern / welche faſt drey oder vier zwerch Finger weit und gegenein ander geneigt ſeyn muͤſſen / damit das Bier her - aus gieren mag / und eine laͤnglichte Multern darunter / darein der heraus gierende Geſt faͤllt / und was heraus faͤllt / und ſich wieder geſetzt hat / pflegt man wieder in die Faͤſſer zu fuͤllen / und den uͤberbleibenden Geſt oder Feum in ein beſonders Boͤttinglein zu thun / daß es ſich noch beſſer ſetze / und ſolches auch nachzufuͤllen / kleckt es aber nicht / muß man ein beſonders Fuͤll-Faͤßlein haben / da - mit die Faͤſſer in und nach der Gier nie laͤhr ſtehen.
Wann ſich nun von dem heraus gegierten Bier / o - der deſſelbigen Geſt / nichts mehr ſetzet / das iſt nichts mehr nutz / und wie ſchleimicht und pechichts Ding / das man zum Brandwein ausbrennen braucht / oder den Schweinen fuͤrgibet. Was aber nach ſolchem erſten Gieren und Fuͤllen aus den Faͤſſern zum andernmal her - aus gieret / auch die Gerben / die das Bier in denen Faͤſ - ſern ſetzt / das ſeyn die rechten guten Hefen / Zeug oder Gerben / davon man dem Bier gibt zur Gier / und dieſe hebt man beſonders auf.
Es will aber das Bier allezeit friſche und nicht alte / viel weniger ſaure Hefen zur Gier haben / damits nicht ſo bald ſauer werde. Aber diß iſt zu wiſſen / wann man gleich nicht taͤglich noch wochentlich / ſondern offt kaum in 14 Tagen oder noch laͤnger nicht ſeudt / daß man dieL iijweiſſe86Des Adelichen Land - und Feld-Lebensweiſſe Gerben nichts deſto weniger im Sommer in ei - nem kalten Keller / oder in einer mit Kißlingſteinen aus - geſetzter und gepflaſteter Gruben / in einem viereckichten Kuͤbel 14 Tag / und im Winter noch viel laͤnger behal - ten kan / wann ſie nur nicht gefrieren; auch iſt die Ger -ben gut / wann ſie nur nicht anſaͤuerlet. Es gieret aber das Bier / ſonderlich Sommerszeiten / nicht uͤber zwey Tag / alsdann iſts lauter genug / und am dritten Tage zu fuͤhren und zu trincken / bleibt aber auch nicht lang / ſon - derlich / wo es nicht kalte Keller gibt.
DAs Pichen der Faͤſſer iſt allen Bindern bekannt / man nimmt ſo offt ein neu Faß / und ſo offt ein Pfund Pech zu einem Eimer / und uͤber die An - zahl der Eimer und des Pechs / wann die Faͤſſer groß ſind / nimmt man noch eines oder anderthalb Pfund dar - uͤber / das Pech aber wird alſo angemacht: Man nimmt Lorbeer / Saltz und Wachholderbeer jedes zwey Pfund / oder ſo viel man brauchen will / jedes gleich / gedoͤrꝛt und klein geſtoſſen / und untereinander vermiſcht in einem neuen Hafen / der ſo groß iſt / daß zwoͤlf Pfund Pechs hinein komm / und ſoll dieſes zerrennt und zerfloſſen / aber nicht gehitztes Pech daran gieſſen / und wol durcheinan - der abruͤhren und hernach geſtehen laſſen; mit dieſem Pech ſoll man hernach die Faͤſſer pichen / ſo bleibt das Bier gut darinn / und wird nicht leicht ſauer / und ob gleich ein Bier an der Wuͤrtz etwas zu wenig und gering iſt / ſo kan es doch nicht bald anzick oder ſauer werden / we - gen ſolcher Pichung / und ob ein Bier gleich ſauer wuͤrde / kriegt es nur von dieſem Stupp / welches den Hopfen - Geſchmack zum Theil verzehret / einen Wein-Ge - ſchmack / iſt auch luſtiger und lieblicher dann ein anders Bier zu trincken / wie es von vielen gerecht und gut be - funden worden.
Wann man ſich aber beſorgt / die Kraͤfften dieſes Pulvers wuͤrden an den Pichen durchs Feuer verbren -net / ſo mag man die Faͤſſer / wie ſonſt / nur mit bloſſen Pech pichen laſſen / und als offt ein Faß gepicht iſt / des obvermeldten Pulvers in die Faͤſſer / nach Groͤſſe derſel - ben / dieweil das Pech noch warm und weich iſt / werffen / und das Faß etlichmal umweltzen / ſo theilt ſich das Pul - ver in den Faͤſſern allenthalben aus / und bleibt am Pech klebend.
Alſo behaͤlt man das Bier in den rechten Bier - Landen 10 und noch mehr Jahr / auch ſo lang / daß es letzlich gar eine Haut gewinnt / man muß aber fleiſſig fuͤllen / und die Faͤſſer nicht wahn ſtehen laſſen / auch her - nach verzeichnete Deckel oder Stuͤrtze uͤber die Spuͤnt machen: Nemlich man nimmt Laim / oder Tegl (wel - ches beſſer) Saltz / Wermuthkoͤrner oder Bluͤhe / jedes ein halb Pfund / Pfefferkoͤrner zimlich geſtoſſen ein Vier - tel Pfund / alles durcheinander vermiſcht / wol abge - boͤrt und Stuͤrtzel daraus gemacht / dieſelben wol erhar - ten laſſen / und uͤber die Spunt ſtuͤrtzen. Etliche ma - chen aus dieſer Maſſa nur ſchlecht ebene Deckel / ſo breit / daß ſie einen Finger uͤber das Spuntloch reichen / legen erſtlich einen geſcheibten loͤchrichten Span uͤber den Spunt / darnach ſolche geloͤcherte Deckel drauf / damit das Bier einen Lufft haben mag. Die Faͤſſer aber ſollen nicht hoͤher / als biß Mitten in das Spuntloch gefuͤllt werden / damit das Bier an die Deckel nie ruͤhre.
ERſtlich iſt zu wiſſen / wer ein Getranck lang gut und wolgeſchmack / ſauber und ohne Kaim erhal - ten will / der ſoll die Faͤſſer mit Fuͤllen und Wi - ſchen in und um die Spuͤnte / auch allenthalben fleiſſig warten / dieſelbe nie wahn ſtehen laſſen / damit es nicht kaͤhmig werde / denn diß kommt allein daher / wann man die Faß nicht fleiſſig fuͤllet / da ſetzt ſich ſolcher Unluſt am erſten um den Spunt an / und wolte es das Getraͤnck gerne ausſchaumen; wanns aber nicht voll genug iſt / legt es ſich am Getraͤncke an / und nimmt je laͤnger je mehr zu / wie auch an die Taufeln / und allenthalben um den Spunt. Daher iſt am rathſamſten / weil das Oel keinen Kaim anſetzen oder wachſen laͤſſt / wann man die Faͤſſer zum Anfuͤllen hat zugerichtet / daß man dieſel - ben / ſo weit man zu den Spuntloͤchern hinein greiffen kan / die obern und Seiten-Taufeln mit Oel beſtreiche / damit ſich des Biers Unſauberkeit / ſo von derſelben Reinigung und Laͤuterung wegen uͤberſich und heraus geſchoben wird / deſto weniger anlegen noch erſchimmlen / und alſo kein Kaim daraus wachſen moͤge.
Darnach muß man die Faß / ehe man ſie fuͤllet / fein um den Spunt / und allenthalben herum / ſo weit man mit dem Finger reichen kan / abſaubern / allen Schaum / Unluſt und Geſt / der von Natur aufwerts getrieben wird / abledigen und heraus thun / und als offt ſich das Bier ſetzt / mit gleichem friſchen Getranck / oder mit des Biers Koffent / wofern er nicht ſauer / oder im Sommer auch wochentlich in Ermanglung der obigen zwey / mit friſchen Bronnenwaſſer fuͤllen.
Wann ſich aber das Bier gar geſetzt / und nicht mehr uͤberſich herſcheubt / ſoll man die Spuntloͤcher fleiſſig ab - trocknen und wiſchen / und wieder mit Oel beſtreichen / und ohngefaͤhr einer ſtehenden Hand hoch einen Spunt / der oben ein Loͤchlein hat / und inwendig zum Theil hohl iſt / fuͤrſtecken / damit das Bier Lufft haben mag. Es ſchadet nicht / nachdem die Spuͤnte / wann dieſelben das Bier nicht erreicht / auch anheben zu ſchimmlen / wann man ſie gleich unten mit Oel beſtreicht / darnach die Faß fein gleich zuſpuͤntet.
ZU Erhaltung und langwuͤhriger Bleibung des Biers iſt die vornehmſte Urſach der Hopffen / das iſt / wann das Bier gebuͤhrlich recht gehoͤpfft wird / ſo mags deſto laͤnger ligen / denn des Hopffens Art iſt / des Biers Kraͤffte lang und vollkommen zu erhalten / et - liche laſſen auch Entian in dem Bier verſieden / und le - gen die Wurtzen davon in die Faͤſſer / es wird aber das Bier zimlich bitter davon / alſo kan mans bey Zeiten wieder heraus nehmen.
Die ander Urſach iſt / wann das Bier wol geſotten wird / ſo bleibts auch laͤnger / wie die Erfahrung bezeu - get / denn die Feuchtigkeiten / die bald eine Veraͤnde - rung machen / und vielerley Gebrechlichkeiten bringen / oder an ſich nehmen / werden durch das lang und wol Sieden / und durch die Hitze des Feuers verzehret. Und dieſes zu erlangen / iſt ſehr viel gelegen an einem guten emſigen und wolkuͤndigen Braumeiſter / der ſelbſt Acht und Obſicht halte / daß alles und jedes zu rechter Zeit / mit rechter Maß und Weiſe geſchehe / und nichts ver - warloſet werde.
Zum dritten dienet auch zu langer Erhaltung des Biers nicht wenig die fleiſſige Zubereitung der Faͤſſer / davon ſchon oben gemeldet worden / denn das Bier bleibt viel lieber und beſſer in den wolgepichten / als in den uͤbel - gepichten Faͤſſern / zwar den ſchwachen Koͤpffen ſchadet das Pech deſto eher / wanns aber / wie oben gelehrt / tem - perirt und vermiſcht worden / deſto weniger; darzu die - net auch nicht wenig die fleiſſige Wart-Fuͤll - und Wi - ſchung / auch Sauberhaltung der Spuntloͤcher.
Zum vierdten befoͤrdert des Biers Guͤte ſehr viel ein kalter trockener Keller / da nicht viel warme Lufft oder Sonnenſchein darzu kan / dann wo dieſes geſchicht / ſo wird das Bier bald ſauer / denn die warme Lufft reſol - virt des Biers natuͤrliche Waͤrme / macht das Bier an - zick und ungeſchmack. Derhalben wo man nicht kalte Keller hat / ſoll man dieſelben aufs tieffeſte / als es ſeynkan / graben / und einer zimlichen Spannen hoch mit gutem groben friſchen und trockenem Sand beſchuͤtten / und ein Pflaſter von friſchen Kißlingen oder Marmel - ſteinen / wo mans haben kan / in den Sand legen / das macht und erhaͤlt die Keller kalt.
Zum fuͤnfften erhaͤlt das Bier auch lang / wann man dem Bier nicht zu wenig Maltz und zu viel Waſſer gibt / ſondern es bey ſeiner rechten Maß und Krafft bleiben laͤſſet.
Etliche thun in das Bier / indem es kochet / zweymal friſches Maltz / miſchen es / und laſſen es zweymal ſie - den. 2. Nach vollbrachter Vergierung 10 / oder mehr Eyer / und alſo thun es die Engellaͤnder mit ihrem Bier auf den Jndianiſchen Schiffarten. 3. Laſſen ſie die Faß / wie ſie einmal gelegt ſind / unbewegt.
Etliche thun in das Bier / ſo viel Eimer / ſo viel Hand voll guten gerechten Hopffen / und ſpuͤntens wol zu. Oder nimm etliche Lorbeer / ſchaͤhle die aͤuſſerſte Haut davon / haͤnge ſie in ein ſauber leinenes Saͤcklein ins Faß; Oder wann man ein Faß Bier will anzaͤpffen / ſo thue Saltz in ein Tuch / leg es uͤber den Spunt / und ſpuͤnt es zu / oder vermach es mit friſchem Laim alſo uͤber dem Saltz / ſo bleibt es gut / biß auf den letzten Tropffen; Oder henge Centaur und Bertram hinein / dieſe zwey Kraͤuter bewahren das Bier vor Anzick / und allen boͤſen Zufaͤllen.
Daß ſich ein Bier nicht verkehre: Nimm Linden - bluͤhe / Nußblaͤtter / Beyfuß / eines ſo viel als des an - dern / und halb ſo viel Wermuth / und hengs in das Bier; Jtem lege ſchoͤne weiſſe Kißling aus einem flieſſenden Waſſer hinein.
Jtem das Bier lang gut und gerecht zu erhalten: Thue hinein zwey gantze Eyer / und laß ſie darinnen li - gen / die Schelffen wird mit der Zeit gantz vergehen / und bleiben allein die Haͤutlein.
DAs beſte und geſuͤndeſte braune Bier wird aus Gerſten gemacht / kriegt zwar eine kleine waͤr - mende Krafft durch die Zubereitung des Mal - tzes / aber weniger als das Waitzenbier / und gegen den Wein zu rechnen / kuͤhlet es faſt mehr / als es waͤrmet / comparativè alſo zu reden; doch iſt das braune Bier / ſo es recht geſotten / recht gehoͤpfft und von gutem Maltz gebraͤuet wird / ein geſunder und nuͤtzlicher Tranck / neh - ret wol / machet ſtarck / gebieret gutes Gebluͤte / treibet den Harn / loͤſchet den Durſt / erkuͤhlet den Leib maͤſſig - lich; es ſoll nicht zu jung / ſondern zimlich abgelegen / und nicht ſauer getruncken werden / denn was uͤbel ge - kocht / nicht gehoͤpfft und ſauer iſt / maͤcht Blaͤſte und Winde / auch rohe Feuchtigkeiten / und beſchweret den Magen.
Das Bier / ſo aus Gerſten - und Haber-Maltz ge - brauen wird / verſtopfft weniger / macht auch nicht ſo vielWinde / nehret aber auch weniger. Das rechte gute braune Gerſtenbier nehret den Menſchen wol / und macht ihn fett. Denn wiewol die rohe ungekochte und unge - maltzte Gerſten einer rauhen und groben Art iſt zu kuͤh - len / auszutrocknen / und zu reinigen im erſten Grad / verliert ſie doch / wann ſie geweicht / gemaltzt und ge - doͤrꝛt wird / dieſe rauhe Art / wird um ſo viel milder / auch waͤrmender Natur / zartes und ſubtiles Safftes und ab - ledigender Krafft. Denn daß es mehr waͤrme / als kuͤh - le / gibt die taͤgliche Erfahrung / daß die Leute davon ſich ſo voll ſauffen / und noch weniger ausnuͤchtern koͤnnen / als vom Wein; die ſtattliche Wirckung aber der kraͤff - tigen Nahrung kan allenthalben in denen Bier-Laͤndern mit Fingern gewieſen werden / daß man daſelbſt viel groͤſ - ſere ſtaͤrckere Leute findet / als in den Wein-Laͤndern.
Unter den braunen Bieren ſetzt D. Henricus Knau - ſtius, es ſey das Dantziger Bier fuͤr die Koͤnigin allerandern88Des Adelichen Land - und Feld-Lebensandern Gerſten-Bier zu halten; ſo iſt auch das Roſto - cker Bier trefflich beruͤhmt; Jtem das Naumburger Bier / davon D. Knauſtius in ſeinem Tractat vom Lob des Biers diß Sprichwort erzehlet:
Naumburger BierJſt der Thuͤringer Malvaſier.
Es erzehlt Herꝛ Helmont de Ortu Medicinæ fol. 784. daß er allein mit Bier / Semmelſchmollen und abgeſchaumten Hoͤnig oder Zucker / wie ein Tranck ab - gegoſſen und zubereitet / einen jungen Graven von ſeiner Geburt an / ohne Bruſt oder Ammen / habe laſſen aufer - ziehen / der drey ſeiner Bruͤder an Staͤrcke / Geſundheit / Groͤſſe des Leibes / ſo wol als am Gemuͤthe und Tapf - ferkeit weit uͤbertroffen / alſo daß man ſehr groſſe Hoff - nung von ihm geſchoͤpfft haͤtte / wann er nicht im Krieg von einer Kugel durch unzeitiges Ungluͤck waͤre erſchoſ - ſen worden; und ſetzt darzu: Er halte mehr darauf / als auf die Milch / damit die Kinder entweder von der Am - me / oder Mutter erzogen werden / weil dardurch die ungeſunde Eigenſchafft / und uͤble Anmuthungen den Kin - dern eingefloͤſſet und eingewurtzelt werden.
So iſt auch diß gewiß / daß die Leute insgemein in den Bier-Laͤndern fruchtbarer ſind / als anderwerts / wie in denen Seeſtaͤdten / Niderlaͤndiſchen und Nordi - ſchen Provintzen zu ſehen. Ja gar die Koͤchinnen und die jenige Perſonen / die das Gefluͤgel / Huͤner und Co - paunen zum Verkauff oder in die Kuchen zu maͤſten pfle - gen / wiſſen / daß / wann ſie ihrem Maſt-Gefluͤgel das Gefaͤſſe mit Bier anmiſchen / oder ihnen Bier zu trin - cken geben / daß ſie viel eher davon feiſt und gut wer - den.
Jtem den muͤden Menſchen und Pferden die Fuͤſſe mit zimlichem warmen Bier wol gewaſchen / benimmt ihnen die Muͤdigkeit.
Bier mit Jngber getruncken / iſt eine koͤſtliche Artz - ney fuͤr einen boͤſen Magen / ſo in den Seeſtaͤdten gar gemein iſt. Bier mit gepuͤlverten Kuͤmm getruncken / iſt fuͤr die Blaͤhungen und Colica. Die Haut mit weiſ - ſen Bier gewaſchen / macht ſie ſchoͤn und zart. Hopffen im Bier gekocht / und warm im Munde gehalten / ver - treibt die Zahnſchmertzen.
DAs weiſſe Bier wird meiſtens aus Waitzen-Maltz gemacht / wie denn auch nach Coleri und D. Henrici Knauſtii Zeugnis / das gute Hambur - giſche / Engellaͤndiſche / Braunſchweigiſche / Hannoveri - ſche und dergleichen mehr gute Bier daraus gemacht werden. Es uͤbertrifft an Staͤrck und Nahrung das braune / weil der Waitz an ihm ſelbſt im erſten Grad warmer Natur iſt / und durch die Zubereitung noch waͤr - mer wird / macht ein gutes Gebluͤt / naͤhret wol / macht die Haut / damit gewaſchen / glatt / ſolvirt den Stein / und laxirt den Leib / ſonderlich wann es warm mit Butter oder Baumoͤl genoſſen wird; ſo macht auch das weiſſe Bier denen Saͤugenden mehr Geſpinn; aber von we - gen des Waitzens Suͤſſigkeit und melbigen Art / macht es Verſtopffung der Daͤrmen und der innerlichen Glieder / engbruͤſtig und einen ſchweren Athem / fuͤllet auch (ſonderlich wo es uͤbermaͤſſig getruncken wird) allzuſehr / welches das braune Bier nicht ſo ſehr thut.
So iſt auch das weiſſe Bier den ſtarcken Leuten am nuͤtzlichſten / ingleichen auch denen / die von langwuͤhri - gen Kranckheiten ſehr haben abgenommen / wieder auf - zu helffen. Es giebt eine geſunde lebhaffte Farb / reinigt die Nieren und Harngaͤnge / doch macht es auch zu viel getruncken das Angeſicht popperecht und Kupfferfarb /und verurſachet Haubtwehe. Jn rechter Maͤſſigung und Moderation aber gebraucht / mehrt es den Maͤnn - lichen Saamen / und bekraͤfftigt die ſchwache Natur; der Schaum von dem Bier / vertreibt die Schuppen des Angeſichts.
Es pflegen etliche (wie Tabernæmontanus ſchrei - bet) die neugebornen Kindlein / mit Bier / darinnen Butter zerlaſſen iſt / warm zu reiben und zu ſtreichen / bey einem Ofen oder Glut / das ſtaͤrckt ihnen die Glie - der wol / nehmen fein zu / und werden ſtarck davon; ſo man auch (ſpricht er ferner) geſtoſſene Farren - wurtzel damit vermiſchet / und den Kindern den gantzen Rucken und die Lenden wol damit ſalbet / oder reibet / werden ſie bald ſtarck / daß ſie allein ſitzen koͤnnen / und gewinnen davon eine zarte glatte Haut. Die Becker gebrauchen die Bierhefen an ſtatt des Sauerteigs / und bereiten ihren Semmelteig davon / das macht ihn wol aufgehen / und das Brod / ſo davon gebacken iſt / wird luͤck / und ſchwammechtig. Sonſt iſt ſo wol an dem weiſſen / als auch an dem braunen Bier an unterſchiedenen Or - ten ein mercklicher Unterſcheid / daß hier das braune / dort aber das weiſſe ſtaͤrcker / kraͤfftiger und geſuͤnder wird / nachdem eines und das andere mit Maltz / Hopf - fen und anderer Zugehoͤr / mehr oder weniger verſehen wird.
MEhrbenannter Chriſtoph Koberer in ſeinem Tra - ctat vom Bierbraͤuen Cap. 23. ſetzt alſo davon: Es wird ſonſt noch ein beſonders / gar nutzes Bier aus Waitz oder Gerſten / auch wol aus ihnen bee - den miteinander an etlichen Orten in Land zu Bayren geſotten / wie folgt:
Nimm zu einer Lagel oder einem Eymer zwo oderdrey doppelte Gauffen Waitzes / und ſo viel Gerſten / will man aber allein Waitz oder Gerſten nehmen / ſoll man jedes vier oder ſechs doppelte Gauffen nehmen / und eine Nacht weichen laſſen / darnach die groͤbſten Huͤlſen mit reiben und waſchen davon bringen / ſo viel moͤglich / in einen ſaubern Hafen thun / und in friſchen Bronnen - waſſer ſo lang ſieden laſſen / biß ſich der Waitz und dieGerſten89Siebendes Buch / Ackerbau. Gerſten aufthun / dieweil ſich aber der Waitz laͤngſa - mer als die Gerſten aufthut und ſeudt / ſoll man jedes beſonders ſieden / darnach in dem Hafen / darinnen es geſotten iſt / ſtehen laſſen / biß es obenauf eine Haut ge - winnt / und zum Theil ſaͤuerlicht wird / nachdem mans ſuͤß oder ſaͤuerlicht haben will / darnach muß mans alſo ſtehen laſſen; alsdann muß man die obere Haut hinweg thun / und den Waitz oder Gerſten wol durcheinander ruͤhren / und mit den Haͤnden zerdrucken; Darauf wird dieſe zerdruckte Materi in einen ſaubern Keſſel