PRIMS Full-text transcription (HTML)
Die Edle Bemuͤhung muͤſſiger Stunden /
In Galanten, Verliebten / Sinn-Schertz - und Satyriſchen Gedichten /
HAMBURG/ VerlegtsGottfried Liebernickel/ Buch - haͤndler im Thum. 1702.
Vorrede.
[figure]

Vorrede.

DIeſe wenige Blaͤtter werden manchen bey den erſten Anblick dergleichen Gedancken verurſa - chen: Abermahl ein neuer Poë - te? Es mangelt gewiß dran? Allein derſelbe beliebe mir mehr Verſtand / und Beſcheidenheit zuzutrauen / als daß eine kindiſche Selbſt-Liebe mich mit andern zu den unzeitigen Ehrgeitz verfuͤhren ſolte / durch we - nige Bogen den Nahmen eines rechtſchaffenen Poëtens zu ambiren / welcher allein durch etli - cher vortreflicher Maͤnner unſterbliche Schrif - ten in eines verſtaͤndigen Gedaͤchtniß gruͤnet. Sondern man glaube vielmehr / daß ich noch allezeit ein lehr-begieriger Schuͤler von ihnen bin / und in dieſer Qualitaͤt das Vertrauen he - ge / es werde mir in den kleinen Wercke viel - leicht noch etwas gerathen ſeyn / ſo einen Platz unter der Mittelgattung der Poëſie verdienet. Denn bloſſe Reimen-Schmiererey / die durch laͤppiſche Einfaͤlle und zerflickte Ausarbeitung ſo ſchmackloß / als ungeſaltzene Speiſen ſind / wuͤrde mich zu meinen eignen Feind ſo wohl) (2alsVorrede.als derer machen / die ihre Zeit unnuͤtzlich da - mit verſchwenden. So aber haben die Bege - benheiten anderer / ihre Ausſchweiffungen / ja Ruhm und tadlens-wuͤrdige Zufaͤlle meiner Feder die Muͤhe gegeben / die muͤſſigen und vergnuͤgteſten Stunden damit zuzubringen / und das Belieben Etlicher / das ſich auch zu - weilen nach etwas Unvollkommenes eꝛſtrecket / hat ſie nicht ſo wol unter die Preſſe genoͤthiget / als einige Bewegungs-Gruͤnde / die auch kein Oedipus in Durchleſung etlicher Gedichte wohl errathen kan.

Nun iſt man zu Erkennung anderer Fehler gemeiniglich ſcharffſichtiger / als bey ſeinen ei - genen / und dahero werden viele bey Lichte mit ſpitzen Augen erſehen / was den Ihrigen zuwei - len ſelber verborgen iſt. Doch wie es eben nicht ruͤhmlich / dasjenige allzuſehr zu tadeln / wel - ches keinen Ruhm verlanget / wenn es ſelbigen gleich meritirte: ſo verhoffe auch deswegen ei - ne guͤtige Cenſur, daß ich meine Vernunfft in Urtheilen uͤber unvergleichliche Leute nicht ver - pachtet / durch deren herrliche Anleitung man erſt ein reiffes Judicium erwerben muß.

Gewiß / es iſt ein ſchlechtes Kennzeichen ei - nes geſunden Verſtandes / dasjenige unge - reimt zu nennen / welches durch die Vollkom - menheit eines hohen Geiſtes bey den KluͤgſtenſichVorrede.ſich vorlaͤngſten wunderwuͤrdig gemacht / zu - mahl von denen / die wie der ſchmierichte Schu - ſter beym Apelles, die Ausbeſſerung Kunſtrei - cher Sinnen-Bilder weiſen wollen / da ſie nicht einmahl den Schatten davon zu entwerffen vermoͤgend ſind. Und alſo kan die Erinnerung einer klugen Feder in der Lob-Schrifft des vor - trefflichen Herrn von Lohenſtein ſeines Armi - nius, auch bey ſeinen Ibrahim anitzo ſehr wol paſſen / wenn ſie ſchreibet:

Druͤm ſplittert / wie ihr wolt / ihr Richter kluger Welt /
Und macht durch Urtheil euch zu groſſen Buͤcher Rieſen /
Dis / was eur Unverſtand an dieſer Schrifft vergaͤllt /
Hat / eh 'ihr ſie geſehn / ſchon der Verſtand geprieſen.

Doch ſo machet ſich mancher die uͤbermaͤſſi - ge Einbildung / die Sonne wuͤrcke am Durch - dringenſten in ſeinen Verſtande / wenn der heiſ - ſe Suͤd-Stern uͤber ſeinen Wirbel ſtehet / der ihm das Gehirn / wie der Blitz das Marck aus den Knochen / dergeſtalt auszehret / daß er her - nach als taumelnd in gelehrter Leute Spott faͤllt. Und geſetzt / daß man mit praͤchtigen Woͤrtern zur Unzeit geſpielet / ſo iſt doch ſol - ches ſelbſt Verſtaͤndigen zu zeigen die Art un - nuͤtzer Kluͤglinge; ſo aber weiß die kluge Welt am beſten / daß ein Poët nicht eben ſeinen Geiſt mit den wenigen Jahren einer Perſon / von der man ſchreibet / erniedrigen muͤſſe / ſonſten wuͤr - den die Verſe nach unterſchiedenen Zufaͤllen ſo) (3kin -Vorrede.kindiſch heraus kommen / als das Urtheil / daß ſolches ſehr wol gemacht ſey.

Das Abſehen / nach Gewohnheit der Fran - tzoſen / mit critiquen Hinter-Schrifften herzu - gehen / deren hohes Weſen und Geheimnuͤſſe ei - ner nicht gemeinen Seele man nicht einmahl erreichen kan / heiſſet mit aller Hoͤflichkeit ſeine begangene Fehler ſelber anmercken. Doch das Sprichwort muß auch in excellentiori gra - du wahr ſeyn: ars non habet osorem, niſ[i]ignorantem, und was nicht auff unſern Miſte waͤchſt / iſt aller Fortpflantzung unwuͤrdig. Sehr wohl gegeben.

Sonſten werden ſich die teutſchen Poeten wenig uͤber die ſeltzame Verwunderung aͤrgern / daß ſie weiſſe Bruͤſte mit Marmor und Wangen mit Alabaſt ver - gleichen. Knaben in Schulen wiſſen auch / daß ein Menſch vom Fleiſch und nicht Steinern ſey / und wenn ſie der gleichen Sachen leſen / ſollen ſie ohne Kopffbre - chen das Tertium Comparationis; errahten. Doch nach dieſer Phantaſie kan das ſchoͤne Gleichniß der Wangen von Roſen / und Lippen von Purpur ebenfals nicht Statt finden / weil der kuͤhle Morgen-Wind im Fruͤhling keine angenehme Waͤrmde in die Blumen wehet / und der Purpur in Kauffmanns-Gewoͤlbern mehr als bey den Kachel-Ofen lieget. Wie reimen ſich nun dieſe Worte: Wenn ich von Marmor-Bruͤ - ſten und Wangen von Alabaſt hoͤre / ſo ſtelle ich mir ei - ne erblaſte Schoͤnheit im Sarge fuͤr. Wer hat jemahl eine erblaſte Schoͤnheit geſehen? Sapienti lat.

Was der teutſchen Poëten, ihre wolflieſſendeVerſeVorrede.Verſe anbelanget / iſt vor andern Nationen ihr unſtrei - tiger Ruhm / daß ſie darinnen vollkommrn ſind; doch nicht alle / die ſich aus laͤcherlicher Hochmuth dafuͤr aus - geben. Dahero klinget ſehr abgeſchmackt: Wir uͤber - treffen die Auslaͤnder; und wer die harten Eliſiones faſt in jeder Zeilen / die verworffene Conſtruction, die uͤberhuͤpffte Cæſur oder Abſchnitt in langen Verſen / ja die uͤmgetauffte oder neugebohrne Fœminina im Teutſchen. Z. E. daß er eine Affe / vor ein Affe iſt / und dergleichen Poetiſches Auskehricht erblicket / wird die wolflieſſende Lieblichkeit mit funffzehen Laternen nicht zu finden wiſſen. Doch ich rede nur von dem / was ei - nes unteutſchen Versmachers Prahlerey leget / andere gute Gedancken koͤnnen bey Geſcheuten nach Verdienſt ſich einen Beyfall erwerben.

Die Schreib-Art in dieſen wenigen Blaͤttern iſt ſonſten leicht / und wird mich keiner beſchuldigen / daß ich durch dunckele und unverſtaͤndliche Redens-Arten mich jemanden zum Oracul auffdringen wil / der mei - ne Meinung zu faſſen gedencket. Die Satyriſche und Schertzhaffte nun betreffend / ſolches ſind ungeheuchel - te Gedancken uͤber unterſchiedliche Mißgeburthen ei - ner reiffen Vernunfft oder geſchickten Aufffuͤhrung / davon man aus Lobwuͤrdigen Haß uͤber dergleichen Thorheit nicht aber aus Privat-Affecten ſchreiben darff / und ſo der geneigte Leſer manches eben ſo wol er - kennen lernen / wuͤrde ſeine Feder noch ſpitziger als die Meinige geweſen ſeyn. Ich haͤtte ihrer viel noch derer Gattung anbeyfuͤgen koͤnnen; allein die Vorſicht / niemanden durch bekandte Umſtaͤnde zu beleidigen / und eine geheime Uberlegung halten mich vor dißmahl noch ab / der Richt-gierigen Welt ſolche zu communiciren.

MiVorrede.

Mit vielen Leichen-Klagen / Hochzeit-Reimen und andern gewoͤhnlichen Lumpenzeuge klugen Ohren verdrießlich zu fallen / iſt mein Abſehen nicht / und Un - paſſionirte wiſſen die Raiſon ſo wol / als ich ſelbe in ei - nen Satyriſchen Gedichte nicht genugſam eroͤffnen koͤnnen. Unter vielen Schwachheiten aber / die ſich un - geſcheut zum Gelaͤchter ins Licht wagen / muß ich eine hieher ſetzen / die ein gewiſſer Studioſus auff den Ge - burths-Tag einer Hertzogin in einer elenden Gratula - tion beginge / und weil ſie unpaͤßlich geweſen / brauchte er nebſt andern Gehirn-loſen Dingen dieſe ſaubere Al - legorie:

Und in ſo heiſſer Creutzes-Hitze
Erſchien die Unvollkommenheit /
Denn durch die ſtarcke Truͤbſals-Spruͤtze
Kam dir das Waſſer vor der Zeit /
L -- in deines Lagers Hoͤle
Biß an die Jammer-volle Seele.

In Ubrigen brauche ich keine Entſchuldigung / daß ich eine Ecloga von einer geſchickten Feder hierin - nen entlehnet / weil niemand ſeine Zeit damit verderben / mancher aber mit mir geſteaͤen wird: es koͤnten derer wol mehr ſeyn.

Und ſo ich zu letzt noch eine Gunſt von dem geneig - ten Leſer ſol ausbitten / wird es dieſe ſeyn / daß ſeine Guͤ - te meine Fehler in Tugenden / die Auffrichtigkeit aber was irgends noch mittelmaͤſſig iſt / in keine Fehler keh - ret; denn wie keines Gedancken allezeit gleich ſind / und man einen Lehrbegierigen und der von recht klugen Leu - ten billige Unterweiſung nimmt / durch allzuſcharffe Cen[ſ]ur von ſeiner loͤblichen Bemuͤhung abſchreckt / ſo wuͤrde es auch wider meinen Vorſatz ſeyn / vor deſſen Hoͤfflichkeit allezeit verpflichtet zu bleiben

Menantes
[1]
[figure]

Verliebte und Galante Gedichte.

Uber Teutſchlands Edles Frauenzimmer.

DU Wunder-ſchoͤnes Land / und Kleinod gantzer Erden!
Wo die Gluͤckſeligkeit mit jeden Tag erwacht.
Du ird'ſches Paradies / wo Menſchen Engel werden /
Wo Adams ſuͤſſe Koſt uns zum Vergnuͤgen lacht.
Du Himmel voller Glantz der angenehmſten Sonnen /
Und deren Schoͤnheits-Strahl in alle Laͤnder dringt.
Du Meer / in deren Schaum Saturnus Krafft geronnen /
Worinnen Venus offt in einem Jahr entſpringt.
Begluͤckter Teutſchen Sitz! Du Sammel-Platz der Schoͤnen!
Wo Himmel und Natur verſchwendriſch worden iſt.
Wo ſich der Staͤdte Pracht mit Myrthen kan bekroͤnen /
Und wo ein Menſchen Mund nur Goͤtter Lippen kuͤßt.
Des guͤldnen Apfels-Streit / den Paris beygeleget /
Und deſſen Koſtbarkeit der Venus zuerkand /
AWird2Verliebte
Wird durch den Ehrgeitz noch bey deiner Zeit erreget /
Und manches nennet ſich vor dir das ſchoͤnſte Land.
Du Wunder-Theil der Welt! Paris tritt in die Schrancken /
Die Venus / Juno ſich und Pallas ſonſt erſehn /
Und wil ſich uͤm den Preiß des Apffels mit dir zancken /
Sein Frauenzimmer ſoll in erſten Paare gehn.
Nun Engelland wil gar mit lauter Engeln prahlen /
Franckreich ſoll neben dir der Palmen Zinsman ſeyn.
Ach Teutſchland koͤnte dich ein Paris noch beſtrahlen /
Und ſtell'te die Vernunfft ſich hier zum Richter ein!
So wuͤrde deine Pracht und ſeltne Schaͤtzbarkeiten
Sein kluger Augen-Raht noch mehr als vor beſehn /
Und lieſe ſich ſein Blick auff andre Laͤnder leiten /
So wuͤrde Paris Mund auff dieſen Spruch beſtehn:
Franckreich iſt zwar ein Land mit Klugheit angefuͤllet /
Und in Galanterie des Frauenzimmers Welt.
Ja wo Geiſtreicher Schertz gemein wie Waſſer quillet.
Wo witziger Verſtand die hohe Schule haͤlt.
Allein daß Schuͤler offt die beſten Meiſter werden /
Kan Teutſchland ſonder Ruhm mit Sachſen Zeuge ſeyn.
Man pflantzet erſt geſchickt die Liljen frembder Erden /
Denn koͤmmt Natur und Kunſt verwundrend uͤberein.
Du ſchoͤne Linden-Stadt! (ſo wuͤrde Paris ſagen.)
So bald mein Auge dich / du Kleinod Meiſſens ſieht /
Seh 'ich die Pallas auch auff ihren Sieges-Wagen
Die mich / ſo wie Paris zu ihren Schaͤtzen zieht.
Die Goͤttin kan allhier die kluͤgſten Toͤchter zeigen /
Wo Witz / Verſtand und Liſt ſehr ſchoͤne Proben weißt;
Durch die allein der Ruhm muß biß zum Sternen ſteigen /
Daß die galantſte Stadt anitzo Leipzig heiſt.
Ja Dreßden kan ſich auch mit gleichen Lorbern kroͤnen /
Wo die Gefaͤlligkeit ſehr artge Leute macht.
Und Halle darff den Schmuck von keinen Frembden lehnen /
Weil dieſe Seltenheit bey ihren Schoͤnen lacht.
Das kleine Weiſſenfelß hat Klugheit groß geſchaͤtzet /
Ob Einfalt gleich daſelbſt auch offt gemeiſtert wird /
Des Gartens-Schoͤnheit iſt daruͤm nicht gar verletzet /
Wenn ſich das Unkraut gleich bey Roſen hat verirrt.
Noch3und Galante Gedichte.
Noch andre Staͤdte mehr und praͤchtigen Pallaͤſte
Hat Pallas Wunder-Hand mit Toͤchtern angebaut /
Sie locket mich entzuͤckt zu ihren Hochzeit-Feſte /
Und ſpricht: Die Klugheit macht die allerbeſte Braut.
Doch (wuͤrde Paris mehr den edlen Sinn entdecken /)
Weil Schoͤnheit ein Magnet der meiſten Hertzen iſt:
Und ſich ein jeder denckt das ſuͤſſe Ziel zu ſtecken /
Daß ihn auff Erden ſchon des Himmels Vorſchmack kuͤſſt.
So kan ſich Engeland zwar einen Spiegel gleichen /
Der mir den Gegenſtand ſtets wunderſchoͤne weiſt /
Wo Wangen-Purpur nicht geſchminckte Farben ſtreichen /
Und wo Annehmlichkeit der Sinnen Meiſter heiſt.
Allein wie Sonnen-Glantz die Sternen uͤberſteiget /
So muß Britannien bey Teutſchlands Strahlen ſtehn.
Denn ob die Venus dort ihr Ebenbild gezeiget /
So laͤſſt ſie ſich doch ſelbſt auff Preuſſens Throne ſehn.
Du Venus Wunderreich! Du Pallas Teutſcher Erden!
Wo Juno ſich den Thron von Gold und Perlen baut.
Soll dir des Apffels Preiß nicht zu erkennet werden /
Da man dein Weſen gantz / bey andern Stuͤckwerck ſchaut?
Nimm hin / Germanien! Was du vorlaͤngſt genommen /
Und laß dein Eigenthum dir ein Geſchencke ſeyn.
Der Apffel iſt ja ſelbſt auff deinen Baume kommen
Wer nun die Fruͤchte pflantzt / nimmt ſie auch wieder ein.
So wuͤrde Pariß Schluß auf Weißheits-Grund beſtehen /
Und ſein gerechter Spruch hing dieſes Bitten an:
Soll mir / du ſchoͤnes Reich! durch deine Gunſt geſchehen /
Was Venus ehmahls mir in Griechenland gethan:
So gib mir eine Frau nach deinen Wunder-Schaͤtzen /
Wo Schoͤnheit einen Geiſt / wie Gold die Perle haͤlt.
Wo Eulen von Vernunfft ſich nicht in Purpur ſetzen /
Und wo kein Schatten Werck von einem Coͤrper faͤllt.
Wo kein Pigmalion nur ſtumme Goͤtzen machet /
Nicht / wo Apelles Kunſt ſich bloß mit Farben ziert /
Nicht / wo ein Affe nur in Gold und Seyde lachet /
Nein / wo ein ſchoͤner Leib die Seele bey ſich fuͤhrt.
Ja wo die Koſtbarkeit wie auff dem Goͤtter Throne
Der Himmel die Geſtalt / der Geiſt die Sonne heiſt.
A 2Wo4Verliebte
Wo edler Tugend Glantz und Pallas Lorber Crone
Sich auff der Venus Haupt in ſchoͤnſten Schmucke weiſt.
Doch daß ich meinen Wunſch die Graͤntzen moͤge ſetzen /
Und ſchoͤn / galant und reich mit auff einmahl vergnuͤgt /
So goͤnne meiner Bruſt (diß waͤre ſein Ergetzen)
Daß ſie die Helena aus deinen Leiptzig kriegt.
An Lesbien.
BRicht Lesbia den Brief durch ihre ſchoͤnen Haͤnde /
So bricht ſie auch dabey des Hertzens-Siegel auf;
Daß iſt: Daß ich zugleich ihr tauſend Kuͤſſe ſende;
Jedoch ich legte ſie ihr lieber ſelber drauf.
Worauf? Auf ihre Bruſt? Ach ja / und auf die Lippen /
Wo der Gedancken Schiff gantz ſicher Landen kan;
Und ſcheitert es zuletzt an ihren Marmor Klippen /
So ſchau 'ich doch Vergnuͤgt den ſchoͤnen Schiffbruch an.
Ich falle von der Hoͤh' in Amors tieffe Wellen.
Ach zuͤrne / ſchoͤnſte nicht / wenn ich zu weit will gehn /
Nur zuͤrne / wenn ichs nicht nach wuͤrden vor kan ſtellen /
Daß ich es nicht zu vor durch deine Gunſt geſehn.
Denn deine Guͤtigkeit gleicht ſich den Roſen-Straͤuchen /
Die mir die Schmeicheley von oben ſchoͤn verſpricht:
Doch will ich auf den Grund und nach den Stiele reichen /
So heiſt es: Freund zuruͤck / weil Dorn und Nadel ſticht.
Ach Nadel! Daß ich mich nur koͤnte wieder raͤchen /
So offt mein treues Blut durch deinen Stich zerfließt!
Und das man Lesbien das Urtheil moͤchte ſprechen:
Der laſſe wider Blut / der reines Blut vergießt.
Verwundre dich nur nicht / daß ich diß kan begehren /
Noch mehr / ich wolte dir die Straffe ſelber thun /
Denn Rache / die ſich kan ſo wol Vergnuͤgt gewehren /
Laͤßt den entzuͤckten Leib auf Sammt und Seide ruhn.
Du haſt mir Qvaal genug und Schmertzen zugefuͤget /
Wenn ich um deinen Schatz vergebens ſeufftzen muß.
Dein Reichthum macht mich arm / weil er vergraben lieget /
Und mangel plaget mich bey deinen Uberfluß.
Ich5und Galante Gedichte.
Ich ſeh 'an deinen Baum die ſchoͤnſten Apffel hangen /
Und muß wie
*Die Poeten dichten / daß der Tantalus zur Straffe / weil er den Goͤt - tern ein Gaſtgebot verſaget / in einen Fluß an den El[v]ſaͤiſchen Fel - dern habe ſtehen muͤſſen / ohne ſeinen Durſt zu loͤſchen / und daß er die Wunderſchoͤnen Aepffel an einen am Ufer ſtehenden Baum oh - ne Genieß angeſehen.
* Tantalus darnach vergebens ſehn /
Der Nectar ſtroͤhmet recht durch deine Purpur Wangen /
Und meine Seele muß dabey vor Durſt vergehn.
Ach ſtrenge Lesbia! ſtellt mich nur das Geluͤcke
Nur noch einmahl zu den / was deine Bruſt erhoͤht /
So beiß ich dir gewiß vor Grimm davon zwey Stuͤcke /
Weil meine Unruh doch hier niemahls Stille ſteht.
Doch / edle Freundin nein / das angenehme Beben /
Das Venus ſtoltzes Schloß durch heiſſe Gluth bewegt /
Iſt zwar der Ruhe Tod / doch auch mein neues Leben /
Weil ſich das Blut dadurch in allen Adern regt.
Drum werd ich ja daran nicht ſelbſt mein Hencker werden /
Nein / ſchoͤnſte Lesbia / mein Vorſatz ſey verbannt:
Und ſtehet itzt mein Fuß auf dornen fremder Erden
So ruffe mich zu dir in das gelobte Land.
Dein Willen iſt mein Thun / drum ſchreib 'ob ich ſoll kommen /
Ich weiß das mich dein Aug' in wenig Tagen ſchaut.
Und zwar ſo hab 'ich nichts an Guͤtern abgenommen /
Die deiner Augen-Strahl dem Hertzen an vertraut.
Nein / nein / mein Reichthum kan dir noch die Rente zahlen /
Ach daß die Lippen nur das Zahlbret moͤchten ſeyn /
Und daß ich auf der Bruſt die Rechnung duͤrffte mahlen /
So ſchrieb' ich Lebenslang mich in dein Schuld-Buch ein.
Drum ſchreib 'ich will mich gleich zu deinen Fuͤſſen legen:
Doch fuͤrchteſt du vielleicht die Alabaſter Bruſt /
Und daß die Drohung ihr wol Schaden moͤcht' erregen /
So ſey das Mittel dir vor meinen Biß bewuſt.
Denn wird der Liebe Macht mich endlich uͤberwinden /
Und nun mein Hunger ſtarck nach deinen Fleiſche ſeyn /
So muſt du meinen Mund an deine Lippen binden /
Mich aber ſchlieſſe gar in deinen Kercker ein.
A 3An6Verliebte
An Iſmenen Zu einer Nacht-Luſt.
ISmene meine Luſt! Mein Leben / mein Vergnuͤgen!
Die Zeilen lieffert dir ein treuer Diener ein /
Von dem du ingeheim kanſt mehre Nachricht kriegen /
Was meine Seele plagt / was meine Seufftzer ſeyn,
Die Sonne will bereits zu Meer und Wellen rinnen /
Und meine Sonne hat mein Auge nicht geſehn!
Ach! Glaube! kan ich nicht das Gluͤcke noch gewinnen /
So wird mein Leben gar mit deinem Licht vergehn.
Verdient ein plumper Kerrl denn ſo viel edle Blicke /
Daß ihm der Tag zur Luſt und mir zum Schmertzen dient?
Ach jage doch einmahl den Haſen-Kopff zuruͤcke /
Vor dem nur Kraut und Kohl / doch keine Roſe gruͤnt.
Dein ausgeuͤbter Geiſt wird ſchon die Mittel finden /
Wie durch verſtellte Liſt der Stuͤmper wird beruͤckt.
Der Liebe Sinnen Meer iſt niemahls zu ergruͤnden /
Und wie die Schiffarth offt bey Sand und Felſen gluͤckt.
Du kanſt -- Allein ich will nicht Stern 'an Himmel ſetzen /
Weil deiner Klugheit Thron ſchon mit Verwundrung blitzt.
Nein / winde du das Garn / ich folge deinen Netzen /
Nur ſchaue / das uns nicht Gefahr im Wege ſitzt.
Doch ſchoͤnſte / ſoll ich ja des Hertzens Sinn entdecken /
So ſcheint dein Garten mir der beſte Sammel-Platz:
Denn wird ihn nun die Nacht in ihren Flor verſtecken /
So huͤllt ihr Forhang mich und meinen liebſten Schatz.
Kein Neider wird uns da wie bey der Sonn' erſehen /
Weil Venus heller Stern vor die verliebten Wacht.
Die Buͤſche werden ſtill / als wie Trabanten ſtehen /
Indem ihr rauſchen gleich die Schleicher lautbar macht.
So ſoll uns Einſamkeit mit Zucker Manna ſpeiſſen /
Wodurch in uns entzuͤckt ſich Seel und Seele kuͤßt.
Die Goͤtter werden uns an ihre Tafel Weiſen /
Wo Wolluſt aufgedeckt / und Liebe Wirthin iſt.
Die7und Galante Gedichte.
Die Roſen ſollen ſich beſchaͤmt in Schatten huͤllen /
Wenn mir dein Nelcken-Strauß auf Purpur Lippen prangt:
Und wird dein Blumen-Buſch die frohen Hande fuͤllen /
So hat der Leib auch ſchon ſein Paradieß erlangt.
Aurora kan ſich nicht ſo ſchoͤn ins gruͤne ſtrecken /
Wenn ſie bey fruͤher Zeit auf feuchten Graſſe ſitzt /
Als dein erhitzter Leib die Blumen wird bedecken /
Wenn unſer Perlen Thau auf Moß und Kraͤuter ſpritzt.
Ismene / ſchoͤnſtes Kind / die dickſten Finſternuͤſſen
Sind nur der Liebe Licht / wenn ſie vollkommen wird.
Diana will bey Nacht Endimionen Kuͤſſen /
Denn Furcht und Scham wird offt durch Dunckelheit gekirt.
Drum laß uns den Altar in ſchwartzen Schatten bauen /
Zum Lichte blitzt dein Schooß mit Flammen ausgeruͤſt.
Vor Augen ſoll der Leib / ja Hand und Lippen ſchauen /
Weil ſehen zwar beliebt / doch fuͤhlen ſuͤſſer iſt.
Nun unvergleichliche! laß uns Vergnuͤget werden /
Und lege deine Gunſt zu meiner Sehnſucht hin.
Mir deucht / die ſtarcke Luſt erſchuͤttert ſchon die Erden /
Und daß ich ſelbſt dafuͤr wie Federflocken bin.
Bedencke / wie die Zeit die Roſen laͤſterbleichen /
Wenn unſre Wolluſt Hand nicht auf den Bruch bedacht /
Und wie die Stunden ſich der ſuͤſſen Fluth vergleichen /
Die uns der Jahre Meer gar bald zu Saltze macht.
Ja dencke / Liebe ſey ein Schatz von allen Schaͤtzen /
Der uns den Uberfluß des Himmels aufgethan /
Nur dencke / daß ihr auch der Mangel beyzuſetzen /
Das ſie nicht Zeit genug zu Lieben geben kan.
An Madem. Schmidin.
ACh zuͤrne / Schoͤnſte nicht / das Feder und Papier
Nicht ſo gefluͤgelt ſind wie meine treue Sinnen /
Denn der Gedancken Poſt geht Augenblicks zu dir /
Nur Brieffe koͤnnen nicht ſo bald das Gluͤck gewinnen.
Zwar Venus biehtet mir die fluͤchtgen Schwanen an /
A 4Viel8Verliebte
Viel eher mit der Schrifft zu deiner Hand zu ſpringen /
Wenn nur ihr kleiner Sohn der Reuter werden kan /
Und dir Cupido darff die Zeilen uͤberbringen.
Sein Poſtgeld aber ſoll in Hertzen nur beſteh'n /
Du weiſt / der kleine Dieb haͤlt nichts von Gold und Schaͤtzen /
Er will den Bienen gleich zu Liebes-Roſen geh'n /
Und traͤget ab und zu / nur andre zu ergetzen.
Drum gieng er neulich auch mit meinen Hertzen fort /
So zur Bequemlichkeit er gar in Brieff geleget.
Allein wie hat dir denn ſo gleich das erſte Wort /
Das von dem Hertzen ſprach auch einen Zorn erreget?
Cupido muß betruͤbt und leer zuruͤcke gehn /
Und klaget: ihre Gunſt will ſich nicht weit erſtrecken /
Bey einer Freundin muß ich nur in Furchten ſtehn /
Ihr finſtres Auge kan mich als ein Popantz ſchrecken.
Drum mag 'ich auch nicht mehr in deinen Dienſten ſeyn
Sie ſchicket ja durch mich die Antwort nicht zuruͤcke:
Und ſtell' ich mich bey dir nun ohne Hertzen ein
So krieg ich zum Verdruß noch lauter finſtre Blicke.
Denn floh er wiederum zu ſeiner Mutter hin /
Und lieſſe mich dadurch die beſte Poſt verliehren.
Ach Freundin! daß ich nun im Schreiben langſam bin /
Iſt / weil ich wie ichwill / nicht darff die Feder fuͤhren.
Denn Worte gleiten nicht / die nicht die Seele ſchreibt /
An einer Sylbe wird ein gantzer Tag verſchwendet /
Und wo der freye Geiſt nicht in den Schrancken bleibt /
Da wird die edle Zeit vergebens angewendet.
Reitzt mich die Freundin nun zu keiner Antwort nicht /
So muß die Liebſte mir die frohen Haͤnde fuͤhren.
Mein Siegel flieſſet nur durch deiner Augen-Licht /
Und Amor will mein Blnt allein zur Din[t]e ruͤhren.
Druͤm tauchet ſich der Kiel anitzt in meine Bruſt /
Und ſchreibet: Lieben iſt _ _ doch halt Verwegner innen /
Daß du den Frevel nicht zu theuer buͤſſen muſt /
Und ihre Freundſchafft nicht durch Liebe darff zerinnen.
Begluͤcket ihre Gunſt dich nicht ſchon ungemein?
Denn nur die Schmidin ſehn / heiſt ja die Schoͤnſte kennen.
Wie kanſt du nicht vergnuͤngt bey einer Freundin ſeyn
Die9und Galante Gedichte.
Die man nicht anders kan / als unvergleichlich nennen?
Nun ja / ich ſchreibe denn: Dein angenehmer Brieff
Hat neulich deinen Freund in ſeiner Seel ergetzet;
Weil / da er kaum begluͤckt in meine Haͤnde lieff /
Er / Edle Freundin dich auch neben mir geſetzet.
Die Lippen kuͤßten ihn / und die Gedancken dich.
Ach welche Luſt kan nicht der Sinnen Krafft erwecken!
Ein Wahn hat offtermahls die beſte Koſt in ſich /
Und Engel koͤnnen auch in Schatten ſich verſtecken.
Ich letzte mich demnach an deiner Lippen Koſt /
Die an der Roͤthe ſich dem Schnecken Blut vergleichen /
Und an der Lieblichkeit dem Muſcateller Moſt /
Dadurch ſie einen Rauſch der Seelen uͤberreichen.
Denn kuͤſt 'ich deine Bruſt. Ach / ſchoͤnſte nimm geneigt /
Wenn mein erhitzter Geiſt noch weiter denckt zu wandern:
Dein Nectar-Thau hat mir die Trunckenheit erzeigt /
Ein Trunckner taumelt ja von einem Ort zum andern.
Ich laſe deinen Brieff nach dieſen alſo fort:
Mein Freund / was wilſt du mich die Allerliebſte heiſſen /
Ach ich verdien' es nicht / es iſt ein Schmeichel-Wort /
Damit du artger Freund dich kanſt gefaͤllig weiſen:
Was ich bey dir gethan / ſind Wercke meiner Schuld /
Wie kan denn meine Pflicht ſo viel Verpflichtung kriegen?
Gib einer Wuͤrdigern die Zeichen deiner Huld /
Ich wil mich gern an dir als Freundin noch vergnuͤgen.
Ach! dieſes iſt ein Pfeil / der ungezielet trifft;
Denn wo die Hoͤfflichkeit bey Schoͤnen wird verſchwendet /
So ſaugt man nach und nach ein wohl candirtes Gifft /
Das Zucker ſuͤſſe ſchmeckt / und doch die Freyheit endet.
Erſt bauen wir entzuͤckt ein Schloß in Schatten auff /
Da ſoll kein Menſch hinnein als unſre Freundin kommen:
Doch ſcheinet die Vernunfft mit klarer Sonne drauff /
So hat die Liebe da die Reſidentz genommen.
Druͤm ward ich auch zuerſt durch Freudigkeit bethoͤrt /
Es ſchien 'ihr Strahl allein durch Freundſchafft anzubrennen:
Doch da das Feuer mich mit Luſt und Schmertzen nehrt /
So kan ich auch den Brand nach ſeinen Urſprung nennen.
Ich ſchreibe: Lieben iſt -- Ach Schoͤnſte laß den Kiel
A 5Und10Verliebte
Und ſeinen freyen Lauff des Hertzens Meynung ſagen.
Die Freundſchafft rennet erſt zum angenehmſten Ziel /
Wenn ihr die Liebe weiß von Fuſſe nach zu jagen.
Und wie? ſchlieſt meine Bruſt nur Stahl und Eiſen ein?
Und ſoll der Adern Blut bey einer Sonne frieren /
Dagegen Felſen auch wie leichter Zunder ſeyn /
Und Titan ſeine Krafft an Strahlen muß verliehren?
Der Menſchen Lieblichkeit kan Menſchen an ſich ziehn /
Wo aber die Geſtalt aus Engeln weiß zu lachen /
Kan unſer Hertze wohl vor ihren Flammen flieh'n?
Nein / dieſes hieſſe ſich zu einen Unmenſch machen
Drum ſchreib 'ich! Lieben iſt der Fuͤhrer meiner Hand /
Das Feuer keuſcher Glut / das Uhrwerck meiner Sinnen /
Der ſtiffter meiner Noth / und meiner Freuden Brand
Wenn Leipzig einen Blick im Geiſte kan gewinnen.
Dein Blick iſt mir entfernt ein Stern und Freuden Licht /
Wenn ihn nur deine Gunſt im Briefe ſo will mahlen /
Daß aus den Woͤrtern Glut / wie aus den Wolcken bricht /
Zu zeigen / daß hierdurch die Sonne muͤſſe Strahlen.
Zwar theurer Perlen Schmuck umfaſſet nur das Gold /
Und meine Niedrigkeit ſucht ſich zu hoch zu ſchwingen.
Doch wer die Tugend liebt / iſt auch der Demuth hold /
Und tieffer Klee kan nicht der Sonnen Flecken bringen.
Zu dem ſo ſetz' ich auch den Graͤntzſtein meiner Luſt;
Denn bin ich zu gering mich dir in Schooß zu ſetzen /
So ſetze mich doch nur in deine ſchoͤne Bruſt /
Denn auch der Vorhoff kan von Paradieſſe letzen.
Nun / ſchoͤnſte / mein Geluͤck beſteht in deiner Gunſt /
Die mein Verhaͤngnuͤß weiß ertraͤglicher zu machen.
Umhuͤllet mich anitzt der trauer Naͤchte Dunſt /
So kanſt du Sonne / doch mir Freuden-Tag machen.
Mich kraͤncket der Verluſt der ungetreuen nicht /
Wenn mich vor Laͤffel-Kraut nur keuſche Liljen zieren.
Das muß ein Narre ſeyn / der ſolche Roſen bricht /
Die alle Kaͤfferfaſt mit ihren Koth beſchmieren.
Nein / will mein Leit-Stern nur die edle Schmidin ſeyn /
So kan kein Irlicht mehr mein falſcher Fuͤhrer heiſſen:
Und ſtellet ſich dein Brieff bald wieder bey mir ein /
So11und Galante Gedichte.
So wird vielleicht dein Knecht in kurtzen zu dir reiſen.
Indeſſen goͤnne mir die ſuͤſſe Dienſtbarkeit /
Die mir dein ſchoͤner Arm nach Wunſche laͤßt erkennen.
Ich fordere mit Recht ſo viel Gewogenheit /
Weil meine Banden dich die ſchoͤne Schmidin nennen.

Fruͤhling der Liebe.

MEin ausgeruhter Geiſt / und die befreyte Sinnen /
Die durch das Schlaffen ſich ins Laberynth verſteckt /
Begunten noch die Luſt an Traͤumen zu gewinnen /
Als auch Aurora ſchon die Glieder ausgeſtreckt.
Ihr Gold-entflammter Leib ſchien alle Ruh zu haſſen /
Weil dieſe Suͤſſigkeit ihr Titons Alter kraͤnckt.
Sie ſchiene meine Bruſt ſo bruͤnſtig zu umfaſſen /
Als ob ihr Lieb und Gluͤck den Cephalus geſchenckt.
Doch weil Rubinen nicht in Bley wie Golde prangen /
So ward ihr Purpur Strahl beſchaͤmt von mir gekuͤſſt.
Ich dachte Phoebus wird dich heute nicht umfangen /
Weil / der Auroren liebt / ſein Nebenbuhler iſt.
Doch Eiferſucht muß offt zu Liſt und Klugheit werden:
Drum huͤllte ſeinen Zorn ein frohes Angeſicht.
Er blitzt und rennete mit ſeinen Feuer Pferden /
Und zog mich durch den Glantz zu einen andern Licht.
Sein Strahl war ein Magnet / der mich ins Gruͤne zwunge /
Allwo ſein Diamant ſich zu Schmaragden legt /
Und wo der kuͤhle Weſt durch friſche Roſen drunge /
Ja wo nur die Natur die ſchoͤnſte Wohnung hegt
Hier legt 'ich meinen Leib auff Samt und Seide nieder /
Jedoch die Seele lag auff einen Marter Stein:
Die Seuͤfftzer waren erſt die ſtummen Klage-Lieder /
Doch endlich floͤſſte ſich der Schmertz den Worten ein:
Soll mich die braune Nacht mehr als der Tag begluͤcken /
Und lacht mich ihre Gunſt nur in Gedancken an?
Ach das mein Auge doch die Sonne moͤcht erblicken /
Die meine Seele nur in Traume ſehen kan.
Was aber nuͤtzt ein Schatz der noch vergraben lieget?
Und was die ſchoͤnſte Perl / die noch die Maſchel haͤlt?
Nichts12Verliebte
Nichts als wenn unſer Wunſch in tauber Lufft zerflieget /
Das ſich der Sehnſucht auch die Marter zugeſellt.
Man darff den Purpur wohl mit Schnecken Blut begieſſen.
Die Roſen macht kein Kuß doch wohl der Abend bleich.
Der Bruͤſte Schnee kan nicht bey Liebes-Gluht zerflieſſen /
Der Jahre kalter Schnee iſt hier der Flammen gleich.
Die Liljen bricht die Zeit / die Amors Haͤnde bauen.
Der Blumen-Stock verdirbt / der nie begoſſen iſt.
Doch ſoll ihr Paradieß ſich lieber oͤde ſchauen /
Als daß es meine Luſt und ſeine Wohlfahrt kuͤſt.
So wil ſie Fleiſch und Blut in eigne Faͤſſel ſchlagen /
Und haſſet die Natur / die ſie am meiſten liebt.
Ihr Auge redet viel / und wehret doch zu ſagen /
Wie ihrer Zauber-Sprach ein Hertze Beyfall giebt.
Sie pflantzet ſelbſt den Trieb / und hat ſich ihm entriſſen /
Sie zwinget mich zur Gluth / und bleibet Schnee und Eiß.
Muß Heclens Schooß von Brand / von oben Kaͤlte wiſſen /
So bleibt ihr Hertze kalt / und das Geſichte heiß.
Die Lippen wolten noch von mehren Klagen brechen /
Da ſie was Rauſchendes durch Graß und Baͤume ſchloß.
Die Augen konten kaum die Urſach zu mir ſprechen /
Als das erhitzte Blut mir in die Adern floß.
Ich ſahe durch den Raum der auffgewehten Baͤume
Der heiſſen Seufftzer-Ziel die Dulcimene gehn.
Die Sonne / die ich erſt in Schatten meiner Traͤume /
Und nun bey hellen Strahl der Sinnen konte ſehn.
Die Sonne / welche noch von einen Stern begleitet /
Weil ihr Amalia zur Schlancken Seiten war /
Die Freundin / die ſie mehr / als Gold und Perlen leidet /
Denn was ſie ſelber weiß / iſt dieſer Sonnen klar.
Die Liebe fuͤhrte nun die Engel gleiche ſchoͤnen /
Dadurch ein Roſen-Thal zum Paradieſe wird /
Um durch Vertraulichkeit ſie einſam zu bekroͤnen.
Allein ſie hatten ſich / ſo wie ich mich verirrt.
Ich deckte mich vor ſie mit dick belaubten Straͤuchen /
Und lauſchte wie Vulcan / wenn Mars die Venus kuͤſt.
Ach ſprach die Eyfferſucht: Verhaſte Freundſchaffts-Zeichen!
Da Dulcimene dir nicht gleich gewogen iſt,
Indem13und Galante Gedichte.
Indem ſo nahten ſich die gleich geſinnten Hertzen /
Und nahmen ihr Geſpraͤch mehr als die Schritt 'in acht.
Der Minen freyen Trieb und das vertraute Schertzen
Hat mir der kuͤhle Mund des Zephirs hinterbracht.
Ich hoͤrte meine Treu als ungereimt verlachen /
Und Dulcimene ſprach / in Eiſe ſey kein Brand:
Sie waͤre noch zu jung zu reiffen liebes Sachen /
Ja lieben ſey ihr wohl / doch nicht die Krafft bekandt.
Wie? ſprach Amalia / zur ſchoͤnen Dulimenen /
Was wilſt du deinen Leib der Liebe mehr entziehn?
Pflegt ihn nicht die Natur mit Myrthen zu bekroͤnnen?
Und muß dein liebes Baum nicht in den Fruͤhling bluͤhn?
I chhab' ihn neulich zwar in kahlen Mertz geſehen /
Da erſt der feuchte Safft zu Liebes Stoͤckel floß.
Doch deiner Jahre Lentz muß nun belaubet ſtehen /
Ich weiß der bundte May begruͤnet deine Schooß.
Aurora iſt noch nie ſo glaͤntzend aufgegangen /
Als Dulcimenens Blut auf reine Liljen kan.
Die freye Redens-Art beſchaͤmte Bruſt und Wangen /
Die Roͤthe zeigte hier der Keuſchheit Bildniß an.
Doch die Vertraulichkeit und meinen Brand zu mehren /
So ſtriche dieſes Paar das bloͤde Weſen hin.
Ich / ſprach Amalia / kan durch mich ſelber lehren /
Daß ich nach kurtzer Zeit ſehr wohl Verſehen bin.
Drum laß mich / Schweſterchen / nur deinen Garten ſehen /
Weil uns das Schatten Werck der Einſamkeit bedeckt.
Die Augen ſollen ſtets auf ſcharffer Wache ſtehen /
Daß uns kein fremder Blick nicht Furcht und Scham erweckt.
Diß Wort war als ein Wind / der in die Flammen blieſſe /
Ich brandt 'und war ein Luchs der ins Verborgne ſieht.
Biß Dulcimenens Arm die ſuͤſſe Wohnung wieſe /
Worein der Crypripor mit ſteiffen Bogen zieht.
Ach! rieff Amalia / was ſchoͤne Wunderwercke?
Wie iſt dein Freuden-Thal ſo herrlich ausgeziert!
Hier weiſſet die Natur / wie durch geheime Staͤrcke
Ein Liljen gleicher Strick die Dienſtbarkeit gebuͤhrt.
Wie ſoll die Liebe denn die Graͤntzen nicht beruͤhren /
Da die bekroͤnte Schooß ſie ſelbſt zum Luſt-Wald traͤgt?
Die14Verliebte
Die Berenice muß der Haare Schmuck verliehren /
Wo Venus krauſes Haar ſich in die Locken legt.
Welch 'Auge kan ſo ſchoͤn die Kaͤyſer Cron erblicken?
Setzt hier nicht die Granat dergleichen Zierath drauf?
Der Purpur Apffel weiß ſich beſſer nicht zu ſchmuͤcken /
Und weil er rieff genug / ſo ſpringt er ſelber auff.
Will Flora Monatlich nun bundte Blumen bringen /
Und ſiehet Moſcau dich mit ſeinen Zobeln an /
So laß den Hymen auch in dein Gezelte ſpringen
Und ſteige durch das Bett auff deine Roſen Bahn.
Hier brache meine Gluth der vorgeglimten Kohlen
Aus Augen / Hertz und Mund in volle Flammen loß.
Ich hatte durch den Buſch mich heimlich weg geſtohlen
Und eilte nun mit Macht zur auffgedeckten Schooß.
Kein ſchneller Blitz faͤhrt nicht ſo hefftig durch die Eichen /
Als Dulcimenens Blut durch Bruſt und Wangen fuhr.
Die andre wolte gar vor Scham und Grimm erbleichen /
Und huͤllte mir zum Trotz die offne Liebes-Spuhr.
Allein ich warffe mich vor ſie zur Erden nieder /
Hielt den beſtuͤrtzten Fuß von ſeinen fliehen ab.
Ich ſchwure bey der Pracht der anffgedeckte Glieder /
Bey ihren Nelcken-Schoß und meiner Freyheit Grab /
Daß Titan alle Schuld deswegen beyzumeſſen /
Der mich durch ſeinen Strahl in dieſen Buſch gebracht.
Ich ſprach / welch Auge hat den Zuͤgel nicht vergeſſen /
Wenn uns der groͤſſte Schatz der Schoͤnheit angelacht.
Verdammter / laß mich gehn (brach ihr der Zorn die rippen)
Dein Baſilißken Blick iſt meiner Ehr ein Gifft
Dein Unbedachtſahm Schiff zerſcheitert an den Klippen.
Ach das nicht mich und dich der Untergang betrifft!
Ach daß du vor der Zeit _ _ hier band der Schmertz die Zunge /
Die Thraͤnen redeten mich deſto ſchaͤrffer an:
Ihr Saltz war als ein Blitz / der durch die Seele drunge
Biß Furcht und Schrecken mich dem Tode hieſſen nahn.
Ich weiß nicht / welche Macht mir Geiſt und Leben nahme /
Doch dieſes weiß ich wohl / daß ich von nichts gewuſt.
Und da ich wiederum recht zu mir ſelber kame /
Lag ich Amalien an ihrer holden Bruſt.
Ihr15und Galante Gedichte.
Ihr Beyleid ſahe mir auf die noch blaſſe Wangen /
Und ruffte / dieſer Freund iſt der Erbarmung wehrt.
Was denckſt du Schweſterchen / mit ihm wohl anzufangen /
Gib Dulcimene gib / was ſeine Treu begehrt.
Die Liebe hat ihn ſelbſt zu deiner Gunſt beſtimmet /
Denn den verſchloſſnen Ort ſchlieſſt ſie ihm ſelber auff /
Er kennt den Opffer Herd / da Venus Weyrauch glimmet /
Drum brenn 'ihn nur zur Straff / und wirff ihm ſelber drauf.
Hat ihn dort jener Buſch vor unſrer Scham verborgen /
So macht dein Lorber-Strauch ihn Zorn und Blitzen frey.
Aurora ſchencket ihm den angenehmſten Morgen /
Druͤm Zeige / daß ihm auch die Sonne guͤnſtig ſey.
Ich bahte ſie zugleich durch tauſend ſchmeichel Worte /
Und die Vernunfft gab ihr die ſchoͤne Regul ein:
Was ſperſt du ihm wohl mehr die vorerblickte Pforte /
Die Augen muͤſſen ja des Leibes Fuͤhrer ſeyn.
So wuſte Zeit und Gluͤck mich doppelt zu vergnuͤgen /
Die Marter konnte nun zum ſchoͤnſten Grabe gehen.
So muſte mich mit Recht die Liebe laſſen ſiegen /
Weil ich die Palmen ſchon auff ihren Schooß geſehn.

An Flavien auff ihren Nah - mens-Tag / der dieſes 1701. Jahr nicht in Calender ſtunde.

AUf / ſchoͤnſte Flavia / ermuntre deine Sinnen /
Da heute mein Geluͤck und dein Ergetzen lacht.
Laß uns den frohen Tag in ſchoͤnſter Luſt beginnen /
An welchen die Natur ein Meiſter-Stuͤck gemacht.
Der angenehme Tag ſoll einen Nahmen fuͤhren /
Der dir mein Engel iſt zum erſten beygelegt.
Und muß mein Weſen gantz von deinen Weſen ruͤhren /
So hat dein Nahmens-Tag auch meine Luſt erregt.
Zwar kan man ihn dis Jahr nicht in Calender ſehen /
So ſieht dein ſchoͤnes Aug 'ihn doch in meiner Bruſt.
Ach16Verliebte
Ach glaube nur es iſt nicht ohne Grund geſchehen /
Was hier das Schickſall will / iſt mir nicht unbewuſt.
Der Himmel will nicht mehr dich in Calender wiſſen /
Denn was ihm ſelber gleicht / ſoll unvergaͤnglich ſeyn.
Die Dinte leſcht die Zeit / Papier wird leicht zerriſſen /
Drum ſchreibt dich ſeine Hand in meinen Hertzen ein.
Er weiß wol / das mein Hertz dich ewig denckt zu lieben /
Weil du mit Diamant da eingezeichnet biſt.
Deswegen iſt ſein Schluß wo die Perſon geblieben /
Da werde kuͤnfftig auch der Nahme nicht vermißt.
Mit deinen Nahmen denckt ſich auch dein Stand zu aͤndern;
Ich kuͤſſe dieſes Jahr dich ja als meine Braut?
Jedoch jetzt faͤllt mir ein / es wird ja fremden Laͤndern
Zu mehrer Fruchtbarkeit ein ſchoͤner Zweig vertraut.
Der Himmel der dich pflantzt / will auch die Fruͤchte ſehen /
Und ſetzt dich in ein Land / das dem Gelobten gleicht.
Der Liebe Weſt wird da zu deinen Wachsthum wehen /
Wenn noch der Silber Mond zweymahl zuruͤcke weicht.
Ach das doch dieſe Zeit nicht ſoll gefluͤgelt werden!
Und das du ſuͤſſer Tag nicht angebrochen biſt!
Ich weiß / ich hab 'alsdenn mein Paradieß auff Erden /
Wenn meine Flavia Madame worden iſt.
Indeſſen muͤſſe dich das Gluͤck ſo vielmahls kuͤſſen /
Als Lieb' und Treu vor dir in meinen Hertzen gruͤnt;
Die Freude ſey um dich / wie ich mich moͤchte wiſſen /
So weiß ich, daß ſie dir zu Tiſch und Bette dient.

Als er Lesbien vergebens uͤm ein Affections-Band erſuchet.

BEliebtes Lindenfeld! ich ſoll dir dienſtbar ſeyn /
Dieweil dir meine Bruſt ſo manchen Seufftzer ſchencket /
Du faͤllſt mir ſchoͤner Ort / vor allen andern ein /
So offt nur mein Gemuͤth an was galantes dencket.
Doch dieſes alles iſt nur der Gedancken Spiel /
Denn niemahls darff ich wohl von dir was liebes hoffen.
Du17und Galante Gedichte.
Du weiſt / die ſtrenge Hand verruͤcket mir das Ziel /
Und machet / daß ich nur was leeres angetroffen.
Die Lesbia ſo dort in deinen Mauren ſtrahlt /
Durch deren Schoͤnheits-Pracht ich dich als Schoͤne kenne /
Hat mein Verlangen nicht mit rechter Muͤntz bezahlt /
Und machet / daß ich dich auch itzo grauſam nenne.
Ihr Auge / welches ſtets in holder Anmuth lacht /
Ließ mich von auſſen nur der Liebe Strahlen leſen /
Denn da ich auff den Grund und Uhrſprung war bedacht /
So war es bloſſer Schertz und Hoͤfflichkeit geweſen.
Ich bathe ſie mit Fleiß nur uͤm ein ſolches Band
Das aus Galanterie offt mancher hat empfangen:
Jedoch / die ſchoͤne Sprach: Dis iſt ein Liebes Pfand /
Und der mein Liebſter heißt / pflegt nur damit zu prangen.
Und ſo ward mir der Korb gantz freundlich zugeſtellt /
Da durch ſie ſich dennoch gewogen will erweiſen;
Denn ſpricht ſie: Da dich nichts von mir gebunden haͤlt /
So kan dein freyer Sinn mich mehr als guͤtig heiſſen.
Nun wohl / ich nehme gern der Freyheit Kleinod an /
Und loͤſe / wenn ich kan / den Geiſt von ſchweren Ketten /
Wenn nur / was ihre Hand itzo nicht geben kan /
Die ſchoͤnen Augen mir nicht ſchon geſchencket haͤtten.

An Selimenen.

ACh ungemeine Luſt recht treu-geſinnter Seelen /
Weil ihr Vergnuͤgen bloß in reiner Liebe ruht!
Wo weder Zeit noch Gluͤck durch die Erfernung qvaͤlen /
Weil Schertz und Gegenwart ſtets ſchoͤn im Geiſte thut.
Ach aber bittrer Schmertz! dem Gall und Wermuth weichen /
Wenn ſchnoͤder Unbeſtand der Hertzen Fuͤhrer heiſt /
Wenn keuſcher Liljen-Schmuck bey Neſſeln muß erbleichen /
Und das vergiß mein Nicht der Falſchheit Hand zerreiſt.
Wenn reiner Sonnen Glantz in truͤber Nacht verſchwindet /
Das ihre Blume ſich nach ihr nicht lencken kan.
Wenn man der Treue Strahl in keinem Schatten findet /
Dem Eulen ſchwartzer Luſt nur bleiben unterthan.
BAch18Verliebte
Ach unerhoͤrter Schmertz! Wenn unſrer Bruſt erſtirbet /
Was ihr die Suͤſſigkeit des ſchoͤnſten Lebens ſchenckt.
Wenn Treu und Liebe nicht das frohe Ziel erwirbet /
Wornach die Sehnſucht ſich ſo lange Zeit gelenckt.
So klagt mein Matter Geiſt die meiſten Augenblicke /
Wenn ihm ſein Freuden Stern durch keine Zeilen ſcheint /
Wenn ich nach Weiſſenfelß vergebne Seufftzer ſchicke /
Und mir dein Wanckel Muth nun alle Gunſt verneint.
Iſts moͤglich / da der Mond ſchon dreymahl zugenommen /
Daß mir dein Gnaden-Licht nicht einmahl ſcheinen ſoll?
Nein / du biſt meinen Haupt in halben Circul kommen /
Und deine Guͤtigkeit wird nur bey andern voll.
Vergib mir / wo der Kiel aus meiner Seele ſchreibet /
Und das hier deine Hand des Hertzens-Siegel bricht;
Du weiſt / das Schmeicheley der Tugend Feind verbleibet /
Daß zwar die Schmincke ziert / doch ſonder Flecken nicht.
Denn ſage mir warum / untreue Selimene!
Warum mein treuer Brieff gantz ſonder Antwort liegt?
Warum ich mich allein aus keuſcher Liebe ſehne /
Warum mein Wuͤnſchen ſtets in tauber Lufft zerfliegt?
Zum ſchreiben haſt du ja annoch geſunde Glieder /
Und Feder und Papier wirfft dein Herr Schwager hin:
Geſchwinde Poſten gehn auch immer hin und wieder /
Auff welcher faulen Poſt geht dein verkehrter Sinn?
Wil etwan dir die Zeit anitzt zu koſtbar werden /
Die du in meiner Gunſt zuvor verſchwendet haſt?
Und denckeſt du nicht mehr an Liljen fremder Erden /
Wenn deine Gegenwart das Leffel-Kraut umfaſt?
Ach haſt du dieſes Kraut nicht gnug von mir genoſſen /
Und bringt ſein Saamen dir im Geiſte keine Frucht?
Nein / Liebes-Stoͤckel muß aus Leipzig nur entſproſſen /
Daran dein Appetit ſich nun zu letzen ſucht.
Du ſpieleſt nur mit mir umſonſt die Faſtenachten /
Ich bin kein Kind nicht mehr / daß man mit Larven ſchreckt /
Und laͤſt das Schickſal mich dein Auge nicht betrachten /
Iſt dein Gemuͤthe mir doch nackend auffgedeckt.
Wie lange haſt du dich in Weiſſenfels ergetzet?
Wie lange hielt 'ein Schmauß vor die aus Leipzig an?
Wie19und Galante Gedichte.
Wie lange ward der Weg nach Barbi fortgeſetzet?
Wie lange haſt du nun mit ihnen ſchoͤn gethan?
Wie lange haſt du auch du ſchoͤne Selimene!
An deinen treuen Freund und ſeine Luſt gedacht?
Vielleicht / (damit ich nur die Falſchheit nicht beſchoͤne)
Wenn dein Gewiſſen iſt durch Tugend auffgewacht.
Vielleicht wird dich der Zorn auch gegen mich erbittern /
Und kein geneigtes Aug 'auff dieſe Zeilen ſehn;
Doch glaub' ich fuͤrchte mich vor keinen Ungewittern /
Die nur durch anderer / nicht meiner Sonn entſtehn.
Doch ach! wie kan ich wohl ſo ſchweren Zorn ertragen /
Da mir ein kleiner Haß ſchon ſehr zu Hertzen dringt!
Doch ſuch ich ihn nicht ſelbſt? Nein ſeh auff meine Plagen /
Und wie Verzweiffelung mich aus mir ſelber bringt.
Der Meyneid klagt dich an / du muſt dich ſelber ſtraffen /
Und was kan ich dafuͤr / was Schmertz und Jammer macht:
Die Ungedult erboſt auff den beliebten Haffen /
Wenn andern mehr als ihr die frohe Schiffahrt lacht.
Denn ach! ich muß vor dir noch was in Hertzen fuͤhlen /
Das von der Zaͤrtlichkeit der vor'gen Liebe ſtammt /
Ich ſpuͤr 'in meiner Bruſt noch keuſche Funcken ſpielen /
Und wie dein Augen Strahl in heiſſer Aſche flammt.
Drum ſo vergib mir nur / daß ich dich noch muß lieben /
Und deinen Unbeſtand beſtaͤndig werden muß /
Das Schickſal hat es doch am meiſten ſo verſchrieben:
Die treuſte Seele kriegt der Untreu aͤrgſten Kuß
Denn wer die Tugend liebt / kan nicht ſo leicht vergeſſen /
Wie Luſt und Lieblichkeit ihn ehemahls begluͤckt /
Und wer in frohen Lentz bey Roſen hat geſeſſen /
Wird auch im Winter noch bey Dornen dran erquickt.
Ich dencke noch der Zeit / wie wir vor Luſt zerfloſſen /
Als uns der Seelen Leim an treue Lippen hing /
Als ich der Goͤtter Koſt in deinen Mund genoſſen /
Wie mein verliebter Geiſt auff Purpur Roſen ging:
Als meine Hand dem Stahl / dein Schatz Magneten gliche /
Und reiner Bruͤſte Schnee mir Gluth und Kuͤhlung hieß.
Wie meine Seele gar aus ihren Schrancken wiche /
Wenn mich mein Engel nicht aus Edens-Garten ſtieß.
B 2Ja20Verliebte
Ja wie das Zauberwerck der Zucker-ſuͤſſen Luͤſte /
Das ſchoͤne Laborynth / ſo alle Welt beſtrickt /
Ach was! du weiſt es wohl / und auch daß dis Geruͤſte
Sich beſſer unter mir / als todte Verſe ſchickt.
Nun ſchoͤne Grauſame! ſchau wie in jeden Worte
Noch deiner Augen Macht verſteckte Flammen weiſt.
Und dencke / ſchlieſſeſt du mir gleich die Liebes-Pforte /
So iſt es vor den Leib / doch nicht vor meinen Geiſt.
Ich ſehe dich zwar nicht / doch biſt du ſtets zugegen /
Es zuͤndet mir dein Licht des Tages Fackel an /
Die Schatten muͤſſen auch dein Bildniß zu mir legen /
Und Traͤume fuͤhren mich auff deine Liebes-Bahn.
Ach! Traͤume wiſſen offt in duncklen vorzuſtellen /
Was uns am Tage nicht der Schauplatz ſehen laͤſt.
Druͤm wird mir mancher Traum zu ſolchen Thraͤnen-Quellen /
Die mir dein Ungeluͤck / nicht meines aus gepreſt,
Mein Geiſt beweinte dich _ _ doch nein / ich will n[uꝛ]ſchreiben /
Was noch vor alle Gunſt mein letzter Seufftzer iſt:
Weil du mir / Engels Kind / nicht kanſt gewogen bleiben /
Und dich der Wanckelmuth mit frembden Lippen kuͤſt /
Weil mein Geluͤcke nicht zu weiſſen Fels will gruͤnen /
Weil ſich der letzte Brieff zu deinen Haͤnden wagt /
Ja weil ich nun vor dir auff ewig werde fliehen /
Und meine Wehmuht nur betruͤbten Abſchied ſagt:
So wuͤnſch ich / kuͤſſe nur die angenehmſten Stunden /
Ob mir dein Unbeſtand gleich Marter-Wochen macht.
Und glaube / meine Quaal hat Linderung gefunden /
Wenn nur mein Hertz erfaͤhrt / daß dein Vergnuͤgen lacht.
Laß aber deinen Sinn ſtets an dem Himmel kleben /
Die Erde weiß nicht wohl mit Engeln uͤmzugehn.
Laß alle Gratien uͤm deine Lippen ſchweben /
Daran ich meine Luſt und Dienſtbarkeit erſehn.
Dein Auge muͤſſe ſtets mit ſolcher Anmuth blitzen /
Die es zuvor mit Ruhm recht ſittſam ausgeſtreut;
Doch dencke / wird es nun faſt alle Welt erhitzen /
Daß ſchoͤnheit Feſſeln macht / und Tugend Dienſtbarkeit.
An21und Galante Gedichte.

An ein Frauenzimmer / die ei - nen Geiſt auff den Theatro vor - ſtellete.

WIe kommt es / art'ger Geiſt! daß mich dein Weſen blendet /
Dein Weſen / daß man ſonſt bey keinen Geiſte ſieht?
Wie daß dir meine Bruſt ſo manchen Seuffzer ſendet /
Der ſich vielleicht umſonſt um deine Gunſt bemuͤth?
Denn ein wahrhaffter Geiſt kan nicht warhafftig lieben /
Dieweil er weder Gluth noch heiſſe Regung kennt:
Und dieſer wird ins Buch der Thoren eingeſchrieben /
Wer ſonder Hoffnung liebt / und ohne Feuer brennt.
Und ich / ich Thoͤrichter / muß ſelbſt mein Urtheil faͤllen:
Mein Hertz zerflieſſet faſt in einer ſtummen Gluth /
Und dennoch ſoll vor ihn ein kuͤhler Julep quellen /
Wo Venus ſtilles Meer nicht heget Ebb 'und Fluth.
So ſpeiſet mich das Gluͤck mit Damaſcener Fruͤchten /
Da ihre Schoͤnheit nichts als Aſchen in ſich haͤlt.
So wird mein Hertze ſich nur lauter Marter dichten.
Weil es dem ſchoͤnen Geiſt umſonſt zu Fuſſe faͤllt.
Und iſt beliebter Geiſt / dein ungemeines Weſen
Gantz ohne Fleiſch und Blut und Unempfindlichkeit /
So hat der Himmel dich zu unſrer Straff erleſen /
Weil jeder halb entſeelt vergebens Weyrauch ſtreut.
Allein da die Geſtalt gleichwohl vollkommen blitzet /
Da mich die Zauberey zu deinen Sclaven macht /
Da deiner Augen Gluth der Sonnen gleich erhitzet;
So ſey doch / wie du kanſt / auff Kuͤhlung auch bedacht:
Du wirſt ſie ſchoͤner Geiſt / am aller beſten wiſſen /
Du kanſt ja ſonder Muͤh' als wie ein Engel gehn -
Darff ich in der Geſtalt dich denn nur einmahl kuͤſſen /
So kan ich mich vergnuͤgt in meiner Liebe ſehn.
Allein muß deinen Mund nur ſchoͤnes Blendwerck banen /
Und iſt der Schein zwar gut / doch die Empfindung nicht;
So laß mich auch den Schein der andern Glieder ſchauen /
Vielleicht ſind ſie ſo ſchoͤn / wie auſſen dein Geſicht.
B 3[Ein]22Verliebte
Ein Blick vergnuͤget auch / daß wiſſen tauſend Augen /
Die durch Cryſtallen Glaß die Liebſte nackend ſehn:
Wozu ſoll nun bey dir die Pracht der Kleider taugen?
Ach glaube / bloß muß dir doch alles ſchoͤner ſtehn.
Nun Engel kommen ja zur Menſchen Luſt auff Erden /
Drum ſtelle dich zum Schutz bey meinen Lager ein;
Ich denck 'es ſolte wohl was menſchliches draus werden /
Kan nur mein ſchoͤner Geiſt in meinen Armen ſeyn.

Liebes-Brieff an eine Saͤngerin.

VErwundere dich nicht / du Schoͤne / _ _ _
Daß eine frembde Hand dir was bekantes ſchreibet /
Und daß ich auch ein Knecht der ſuͤſſen Herrſchafft bin /
Die dein beliebter Mund mit lauter Hertzen treibet.
Der Stimme Lieblichkeit bezaubert meinen Geiſt /
Und kan ihn kuͤnſtlicher / als ſchwartze Kunſt beſchweren:
Wer deiner Anmuth nur ein zartes Ohr erweißt /
Muß vor die Freyheit auch die Sterbe-Lieder hoͤren.
Die art'ge Stellung mehrt noch die Vollkommenheit:
Der Purpur ſteht dir wohl / die Majeſtaͤtſchen Minen
Sind Zuͤge deiner Pracht und auch der Wuͤrdigkeit /
Wenn dir / wie die Natur / das Gluͤcke wolte dienen.
Zwar deine Schoͤnheit ruͤhmt kein eintz'ger oͤffentlich /
Und ob du / oder nicht / ein Engel ſeyſt auff Erden /
Doch wiſſe Liebes-Gluth ſteigt mehrmahls unter ſich /
Und ſelten in den Mund / wenn Hertzen Redner werden.
Denn das Verſchwiegenheit die ſchoͤnſte Tugend ſey /
Kan niemand leicht ſo wohl / als Nebenbuhler wiſſen:
Hier ſind ſie keinem nicht mit einem Worte treu /
Und tadeln oͤffters das / was ſie im Geiſte kuͤſſen.
Druͤm wehlet ſich mein Hertz auch dieſe Redekunſt /
Und dieſes ſtumme Blat ſoll meine Gluth bekennen /
Die Flammen ſtrecken ſich nach deiner Gegengunſt /
Ach Schoͤnſte! laß ſie doch nicht ohne Kuͤhlung brennen
Ich23und Galante Gedichte
Ich bin von Fleiſch und Blut / und du biſt wunderſchoͤn /
Dein Weſen und dein Thun beſteht in Seltenheiten /
Und will mein Auge recht waß ungemeines ſehn /
So iſt dein Mund ein Ort von tauſend Lieblichkeiten:
Ich weiß das Orpheus hier die Lehre niederlegt /
Ob er die Baͤume gleich und Steine tantzend machet:
Manch Hertz iſt Felſen-Art / doch wird es leicht bewegt /
Wenn nur die Anmuht ſingt / und deine Schoͤnheit lachet.
Was halb erſtorben iſt / ſteigt lebend wieder auff /
Und was ſich ſonſten regt / erſtarrt durch deine Haͤnde:
Der Adern kaltes Blut kriegt den erhitzten Lauff /
Wenn du mir Feuer giebſt / und ich dir Blicke ſende.
Ja wie vermoͤgend iſt nicht ſanffter Saiten-Thon?
Er feſſelt Thetis Reich / das Schuppen Heer der Wellen /
Die Harffen klinget kaum / ſo ſchertzt ein Delphin ſchon /
Und muß ſich gantz verliebt in ſeine Netze ſtellen.
Es faͤllt die Grauſamkeit der Crocodillen hin /
Muſic kan mit der Wuth der Elephanten ſtreiten /
Und iſt Gewalt und Liſt nicht die Bezwingerin /
Beſtehn die Stricke doch in angenehmen Saiten.
Den Thieren bleibt der Grim / wie Tauben Gall bewuſt /
Cameel und Hirſche ſind der Unvernunfft zu wider /
Und der vernuͤnfftge Klang erquickt die wilde Bruſt:
Wie binden mich nun auch nicht deine ſchoͤnen Lieder.
Ach Schoͤnſte _ _ _ ich bin kein Unmenſch nicht /
Es regt ſich die Vernunfft in Augen / Hertz und Ohren /
Indem dein ſuͤſſer Mund von ſolcher Wuͤrckung ſpricht /
Dabey die Laute hat die edle Krafft verlohren.
Sirene / dieſer Zeit! du ſchoͤne Zauberin!
Wer kan Ulyſſes ſeyn bey deinen Lieblichkeiten?
Europens groͤſter Held wirfft Stahl und Eiſen hin /
Und reines Singen kan den Fuͤnfften Carl beſtreiten.
Dort konnte dieſe Macht das groͤſte Theil der Welt
Auch vor der kleinſten Theil mit holder Reitzung buͤcken:
Wie ſolte nicht ein Knecht / der dir zu Fuſſe faͤlt /
Vor Venus gantzes Reich mit hoͤchſter Freude ruͤcken?
Ach _ _ _ ſchau dich nur einmahl ſelber an /
Wie Glut und Flammen dir aus ſchoͤnen Augen dringen.
B 4Und24Verliebte
Und was der enge Raum der ſuͤſſen Kehle kan /
Wenn du die Stimme kanſt wie unſre Hertzen zwingen.
Iſt deine Lieblichkeit nun unbeſchreiblich ſchoͤn /
So laſſe ſie doch auch von Gegenhuld erſchallen.
Darff ein verliebter Kuß zu deinen Munde gehn /
So geht er zu den Ort von tauſend Nachtigallen.
Doch Nachtigallen ſind in guͤldner Einſamkeit /
Und laſſen ſich zur Luſt in gruͤnen Buͤſchen hoͤren:
Druͤm wilſt du / daß mich auch dein ſuͤſſer Mund erfreut /
So laſſe mich zu dir in das Gebuͤſche kehren.

Als Sie auff das Land reiſete.

WIlſt du nun galantes Kind!
Dieſen ſchoͤnen Ort verlaſſen?
Und die dir ergeben ſind /
Sollen ihn deswegen haſſen?
Denn man liebet nur die Auen /
Wo der Blumen-Zierath ſteht /
Wer wil ſich vergnuͤget ſchauen /
Wenn die Sonne untergeht?
Das Verhaͤngniß / ſo dich zieht /
Zieht auch meinen Geiſt von hinnen /
Und weil mein Vergnuͤgen flieht /
Fliehen auch die treuen Sinnen.
Ach! mein Leitſtern iſt verſchwunden!
Und die vorgewuͤnſchte Zeit /
Ja die Zucker-ſuͤſſe Stunden
Sind mit Wermuth uͤberſtreut.
Hab ich gleich das Gluͤcke nicht /
Dich als Liebſte zu umfangen /
Iſt mir doch dein ſchoͤnes Licht
Stets erfreulich auffgegangen
Denn25und Galante Gedichte.
Denn die reinen Freundſchaffts-Kertzen
Brennen mir auch wunder-ſchoͤn /
Und das angenehme Schertzen
Laͤſt mich hoͤchſt-vergnuͤget ſehn.
Doch ich mehre meine Pein /
Wenn ich alle Luſt erzehle /
Drum ſo ſag 'ich nur allein /
Lebe wohl / du liebſte Seele!
Kont' ich dich dahin begleiten /
So verſpraͤch 'ich mir gewiß
Wieder tauſend Lieblichkeiten /
Und mein vorges Paradies.

Als er ſie im Schlaffe kuͤſ - ſete.

DEr Schoͤnheit Meiſterſtuͤck / verliebter Eigenſinn
Sucht 'ihren Uberdruß im Schlaffe zu verſuͤſſen /
Sie ſtriche Quaal und Schmertz des treuen Damons hin /
Um lieber gar den Tod als ſeinen Mund zu kuͤſſen.
Die Sinnen ſchloſſen ſich mit ihren Augen zu /
Und Venus hilfft ſie ſelbſt in ihre Ruhe wiegen!
Denn / ſchoͤne grauſame / ſprach ſie / entſchlaͤffeſt du /
Soll Damon ſeinen Wunſch gar bald vergnuͤget kriegen.
Wie nun der ſtrenge Geiſt auff Phantaſien lieff /
Und auch in Traume nicht die Liebe wolte leiden /
Erwachte Damons Luſt / da ſein Vergnuͤgen ſchlieff /
Und konte ſich genug auff ihren Lippen weiden.
So wohl nahm Damons Durſt die Kuͤhlungs-Zeit in acht /
So artig wuſte ſich die Venus auch zu raͤchen;
Denn wo der Gaͤrtner nicht bey ſeinen Blumen wacht /
So kan ein ſchlauer Dieb die ſchoͤnſten Roſen brechen.
Es war ihr ſproͤdes Thun mit rechter Muͤntz bezahlt /
Verlachte ſie zuvor ſein ſehnliches Verlangen /
So hat ſein Freuden-Stern auch nie ſo ſchoͤn geſtrahlt /
Als da vor einen Kuß er tauſend hat empfangen.
B 5Drum26Verliebte
Drum ſo verweigert uns / ihr lieben Kinder nicht /
Was die Natur euch pflegt an Schaͤtzen mit zu theilen;
Ihr ſeyd der Artzt den man offt uͤm die Cur beſpricht /
Und laſſet euch wohl ſelbſt an dieſer Krackheit heilen.
Ja wo ihr noch ſo karg mit einen Kuͤßgen ſeyd /
Und macht uns manches mahl die ſchoͤne Koſt zu nichte /
So mehret ihr dadurch nur ihre Suͤſſigkeit /
Weil man nichts liebers iſſt / als die geſtohlne Fruͤchte.

An ----

PRintzeſſin! Deren Pracht was irdiſch heiſt erfuͤllet!
Printzeſſin! Die die Welt als Wunder-Goͤttin kennt.
Printzeſſin! Deren Glantz die Nacht in Tag verhuͤllet /
Und die der Himmel ſelbſt die andre Sonne nennt!
Will meine Niedrigkeit ſich biß zum Sternen tragen /
Und ſucht ein blaſſer Mond hier deinen guͤldnen Schein:
Will ſich die Finſterniß zu deinen Lichte wagen /
So dencke doch / es muß bey Sonnen-Schatten ſeyn.
Die Banden meiner Furcht hat eine Gluht verzehret /
Die mir zum Lebens-Port und Grabe leuchten kan.
Erzuͤrneſt du / daß dich ein ſchlechter Knecht verehret /
So ſage mir nur gleich des Todes Urtheil an.
Verliebt / und furchtſam ſeyn / iſt tadlens wehrt zu ſchaͤtzen /
Wer ſeine Noht verſchweigt / verdirbt durch eine Schuld.
Es kan mich deine Hand ins Reich der Freuden ſetzen /
Schlaͤgt ſie es aber ab / ſo ſterb 'ich mit Gedult.
Allein betrachte nur / was ich allhier begangen /
Und daß du wunderſchoͤn / und ich nur Menſchlich bin.
Erwege / daß dein Strahl mich zwunge Gluth zu fangen /
Es riſſe ſeine Macht mich zu den Flammen hin
Ein kaltes Spiegel-Glaß muß durch die Sonne brennen /
Da deſſen Gegenſtand dem Freuer nicht entgeht:
Und Menſchen muͤſſen den nur einen Unmenſch nennen /
Der als ein Brennglaß nicht bey deiner Sonnen ſteht.
Zwar ſucht ein Menſchen Mund bey Goͤttern ſich zu weyden /
Geht mein verliebter Geiſt auff allzuhoher Bahn:
So27und Galante Gedichte.
So kan die Venus doch Adonis Kuͤſſe leiden /
Und Amor ſchaut den Stand wie Gauckelpoſſen an.
Der Liljen weiſſer Schmuck muß offt bey Neſſeln prangen /
Bey Tulipanen Pracht / bey ſchoͤnen tauſend-ſchoͤn
Kan wilder Thymian auch einen Platz erlangen /
Und Majoran darff wohl bey Kaͤyſer Cronen ſtehn.
Aus ſchlechten Duͤnſten macht die Sonne Regenbogen;
Der koſtbarſte Magnet zieht den geringſten Stahl:
Die Liebe bleibt dem Rang und Ehrgeitz ungewogen /
Und legt den Reben-Stock uͤm einen wilden Pfahl.
Sie macht die Wuͤſteney zu einen Luſt-Gefilde /
Und unſern Sclaven-Stand den hohen Fuͤrſten gleich.
Den Herrn zum Unterthan / den Jaͤger ſelbſt zum Wilde /
Geſetze gelten nicht in ihren Koͤnigreich.
Was hier die Feder ſetzt / ſind nur erzwungne Zeilen /
Die Hand ſchreibt nicht vor ſich / du fuͤhreſt ſie allein /
Und will ich nun damit zu deinen Fuͤſſen eilen /
So dencke nur / ich muß / ich bin nicht ſelber mein.
Die Wunden / ſo mich ſchmertzt / hat mir ein Blick geſchlagen /
Der auch ein Felſen Hertz wie Wachs zerſchmeltzen kan:
Dein ſchoͤner Mund darff nicht nach Zeit und Orte fragen /
Du weiſt wohl / wenn du mich zum Sclaven nahmeſt an.
Man hielte dazumahl ein praͤchtges Vogelſchieſſen /
(Doch mein getroffnes Hertz war deiner Pfeile Ziel)
Und eine Schoͤnheit war dabey ſo hoch geprieſen /
Daß ich im Geiſte ſchon zu dero Fuͤſſen fiel.
Ich ſuchte denn ſo lang in dieſen Wunder-Auen /
Biß Leonora mich / und ich ſie konte ſehn.
Ach daß ich Adlern gleich in Sonnen wolte ſchauen /
Und wuſte nicht wie mir durch einen Strahl geſchehn!
Die Augen muſten ſich verblendet niederſchlagen /
Die Augen / die die Glut dem Hertzen mitgebracht /
Die Augen ſind allein die Urſach meiner Plagen /
Ach daß ich mich zu kuͤhn zu deinen Licht gemacht!
Die Freyheit war der Bruſt dem Augenblick entfuͤhret /
Ein Schmertzen-reiches Ach! kehrt wieder bey mir ein.
Wie Furcht / Verzweiffelung und Gram die Seele ruͤhret /
Wird Farb 'und auch Geſtalt bey mir Verraͤhter ſeyn.
Ich28Verliebte
Ich bin ein bloſes Nichts / ein Schein und leerer Schatten /
Die Sinnen irren ſtets / ich weiß nicht / wo ich bin.
Bey Tage will mein Geiſt ſich mit der Sonnen gatten /
Die Traͤume fuͤhren mich zu deinen Zimmer hin.
Die Freude nimmt man mir die Qvaal iſt unbenommen /
Ach Goͤttin! lege doch ein Gnaden Pflaſter drauff:
Bin ich aus Liebe nur in deine Banden kommen /
So loͤſe ſie doch auch aus Liebe wieder auff.
Ich falle hier als Knecht zu deinen zarten Fuͤſſen /
Es kniet jetzt vor dir ein treuer Unterthan /
Laß deiner Hoheit-Glantz doch meine Demuth gruͤſſen /
Nimm mich bey deinen Strahl zu einen Kleeblat an.
Der Schoͤnheit Wunderwerck / der Tugend-Koſtbarkeiten /
Und was den Goͤttern mehr als Menſchen aͤhnlich iſt /
Wil einen Sammel-Platz in deiner Bruſt bereiten /
Ach! daß dich Wehmuth auch als eine Schweſter kuͤßt.
Wil mich dein ſtrenger Blitz in Staub und Aſchen wiſſen /
Spricht denn dein ſchoͤner Mund mir alle Hoffnung ab;
So laß mich nur zuvor dein ſchoͤnes Auge kuͤſſen /
So kuͤß 'ich wie du wilt / hernach auch Tod und Grab.
Doch nein / mein Fehler muß den ſchoͤnſten Uhrſprung kennen /
So ſchlieſt das Ende nicht ein fruͤhes Sterben ein:
Denn muß dich nicht der Neid den Himmel ſelber nennen?
Druͤm was von Himmel ſtammt / muß ſchoͤn und ewig ſeyn.
Ich warte nun bereits auff die erwuͤnſchten Stunden /
Da ich in Feſſeln ſoll vor meiner Goͤttin ſtehn.
Hat meine Noht alsdenn ein gnaͤdig Ohr gefunden /
So kan ich hoͤchſt vergnuͤgt zum Freuden-Himmel gehn.
Doch ſoll die Kuͤhnheit ja mit Blut gebuͤſſet werden;
So aͤtze mir zum Ruhm auff meinen Leichen-Stein:
Des Himmels Ebenbild / ein Engel dieſer Erden /
Heiſt mich durch Schoͤnheit hier des ſchoͤnſten Todes ſeyn.

Uber ſeinen Zuſtand.

WIe lebet doch mein Geiſt? in Unruh und Vergnuͤgen /
Schmertz und Zufriedenheit uͤmarmen meine Bruſt.
Die29und Galante Gedichte.
Die edle Roſe will bey harten Dornen liegen /
Die Aloe zeigt ſich zu Honig ſuͤſſer Luſt.
Mich rufft die Freudigkeit zwar offtermahls zu gaſte /
Doch Augenblicklich koͤmmt auch die betruͤbte Faſte.
Das heiſt: mein Gluͤcke bleibt in ungewiſſen Graͤntzen /
Und nimmt bey ſeinen Schein auch ein Maſque fuͤr.
Itzt zeiget ſich die Nacht / nun will die Sonne glaͤntzen /
Es ſtuͤrmen Oſt und Weſt in Hafen noch auff mir.
Die Ungedult zerreiſt den Fuͤhrhang der Gedancken /
Und ſpricht: die Liebe fuͤhrt den Geiſt in ſolche Schrancken.
Die Liebe will ſich mir zu einer Sclavin geben /
Und faͤſſelt mich dabey mit ſteter Dienſtbarkeit.
Ich muß durch ſie vergnuͤgt in Unvergnuͤgen leben /
Die ſuͤſſe Stunden ſind mit Wermuth uͤberſtreut.
Ein hochbeliebter Baum will mich durch Schatten nehren /
Ein ſchoͤner Aſt davon ſucht meine Ruh zuſtoͤhren.
Das _ _ Hauß / ein Auszug ſchoͤner Haͤuſer〈…〉〈…〉
Das auff den feſten Grund der Tugend feſte ſteht.
Das gleichet einen Baum / der durch die ſchoͤnſten Reiſſer
Weit uͤber alle Pracht dergleichen Baͤume geht.
Das Gluͤcke / welches ſtets den Meiſter pflegt zu ſpielen /
Laͤſt mich durch dieſes Hauß auch ſeine Kuͤſſe fuͤhlen.
Denn ſo viel Blaͤtter ſind an Baͤumen nicht zu finden /
Als ſeine Guͤtigkeit auff einen Diener denckt:
Wo Gunſt und Liebe ſich zu meinen Wohl verbinden /
Wo ſeine Gnade ſeet / und mir die Ernde ſchenckt.
Ein Glied von Rieſen weiſt / wie groß er ſey geweſen /
Des Sohnes Nahme laͤſt der Guͤte Groͤſſe leſen.
So wil mir unverdient die Liebe ſtuͤndlich dienen /
So lachet mich das Gluͤck mit tauſend Blicken an /
So ſoll zu meiner Luſt noch eine Myrthe gruͤnen /
Da ich Menanders Treu durch Treu genieſſen kan.
Menander / deſſen Hand in meine Bruſt geſchrieben:
Wer deine Seele liebt / den ſolſt du wieder lieben.
Die30Verliebte
Die reine Freundſchafft brennt in ſo entflammten Kertzen /
Die weder Gluͤck noch Zeit zu loͤſchen faͤhig iſt.
Wir ſchertzen bey der Luſt / wir weinen bey den Schmertzen.
Wenn ſein Vergnuͤgen lacht / ſo hat es mich gekuͤſt.
Was mein Gemuͤthe pflegt vollkommen zu ergetzen /
Wil er vor Bruder / Freund und vor die Schweſter ſchaͤtzen.
Doch wil mein Gluͤcke gleich an einen Orte bluͤhen /
Ja mehr / da ich zugleich die Fruͤchte brechen kan /
So muß ſein Unbeſtand mich anderwerts beziehen /
Ich ſchaue bey der Luſt auch meine Marter an.
Itzt ſcheint der Liebe-Lentz / nun ſchließt er ſeinen Schimmer /
Und alles dieſes kommt von einen Frauenzimmer.
Ein Frauenzimmer? nein / des Frauenzimmers Sonne /
Die offt den Gnaden-Strahl in einen Blitz verkehrt.
Der Urſprung iſt zu ſchoͤn / der meine Gluth entſponne /
Das ſie die Ewigkeitmit ihren Feuer nehrt:
Die Ehrerbietung traͤgt das Oel zu meinen Flammen /
So ſpricht der Himmel ſelbſt: ich ſey nicht zu verdammen -
Ihr ſchoͤner Mund will zwar nicht von verdammen ſprechen /
Sie laͤſt ſich meine Noth noch wohl zu Hertzen gehn.
Sie ſieht die ſtarcke Gluth aus meinen Augen brechen /
Und jede Mine weiſt / es ſey uͤm mich geſchehn.
Ja will ich meine Pein durch tauſend Seuftzer klagen /
Kan ihr geneigtes Ohr auch alles wohl vertragen.
Ein Lied / ja mehr als eins von meiner Hand geſetzet /
Die muſten meiner Quaal erſt ſtumme Redner ſeyn:
Die Liebe hatte ſich nur auf das Blat geaͤtzet /
Und ſchreib ihr Conterfait doch in die Bruſt hinein,
Als ſich die Wehmuht nun durch Blicke lieſſe ſehen /
So muſten Hertz und Mund den Brand zugleich geſtehen
Ich konte mich vergnuͤgt in meiner Liebe ſchauen /
Der Himmel weiß es wohl / und der ſoll Zeuge ſeyn:
Ich31und Galante Gedicht e.
Ich wolte mir ein Hauß von Zucker Roſen bauen /
So reiſt die ſtrenge Hand mir alle Hoffnung ein.
Mein Mund darff nicht ein Wort wie ſonſt von Lieben ſprechen /
Die Grauſamkeit will ſich an meiner Unſchuld raͤchen.
Ach iſt denn / die zuvor mein Himmelreich geweſen /
Nun Freundin meiner Noht und Feinden meiner Ruh /
Soll ich aus Liebe denn des Todes-Urtheil leſen?
So ſchreib 'ich dieſes nicht der Tugend Wuͤrckung zu.
Die Schoͤnheit / welche ſonſt den hoͤchſten Ruhm erworben /
Hat denn beliebten Glantz durch Wanckelmuth verdorben.
Mein Zuſtand war nur ſo: Ich ging mit ſchweren Hertzen /
Und hinge meiner Quaal mit ſtillen Seufftzern nach.
Indeſſen wuſte ſie dennoch galant zu ſchertzen /
Die Freundlichkeit war offt das Pflaſter meiner Schmach:
Biß ein geheimer Trieb des Zweiffels mich entbunde /
Und ich von neuen ihr die ſtarcke Glut geſtunde.
Ich ſprach: Galantes Kind / dem gar nichts zu vergleichen /
Der Tugend Meiſterſtuͤck! du Engel dieſer Stadt!
Was ſchoͤn heiſt / muß dennoch vor deiner Schoͤnheit weichen /
Was Wunders daß ein Knecht ſich dir ergeben hat.
Von deiner Gnade koͤmmt nur eintzig mein Ergetzen /
Ich wil dich Lebenslang als unvergleichlich ſchaͤtzen.
Mein Hertze liebet dich / und wird dich ewig lieben /
Verachte nicht die Glut / die du entzuͤndet haſt.
Du biſt mit Diamant in meine Bruſt geſchrieben /
Wo Gold der reinen Treu dein ſchoͤnes Bild umfaſt.
Dein ungemeiner Ruhm wird noch viel hoͤher ſteigen /
Wenn ſich die Wehmuth wird bey deiner Schoͤnheit zeigen.
Und als ich ſo verpflicht nach ihrer Gnade fragte /
So ſprach ihr ſchoͤner Mund: Ach ja! ich liebe dich.
Die artige Manier / womit ſie dieſes ſagte /
Iſt meiner Freyheit tod / ja die beſtricket mich.
Ach32Verliebte
Ach ungemeine Luſt! unſchaͤtzbahres Vergnuͤgen!
So laͤſt Beſtaͤndigkeit mich noch ſo gluͤcklich ſiegen.
Der Lippen Purpur iſt das Siegel unſrer Liebe /
Das Siegel / das ſo feſt als ſchoͤne denckt zu ſeyn.
Es miſchen ſich in uns die allerreinſten Triebe /
Die Hertzen ſtellen ſich als treue Pfaͤnder ein.
Mein Gluͤcke kan nunmehr auff ſeinen Gipffel ſtehen /
Denn meine Sonne wil nicht wieder untergehen.

Auff ihren Geburths - Tag.

MEin ſchlechter Kiel ſol dich / Annehmlichſte! bedienen /
Da dein beliebtes Licht in vollen Glantze ſtrahlt.
Dein gnaͤdiger Befehl gebiehret des Erkuͤhnen /
Und mein G[e]horſam hat die Freundſchaffts-Pflicht bezahlt.
Mein Wollen wolte nun wohl was geſchicktes ſenden /
Die weil dein kluger Geiſt die Poeſie verehrt;
Allein nimm dieſes auch mit hochgeneigten Haͤnden
Was hier mein Sinnen-Schiff von Unverſtande faͤhrt.
So bald ich dieſen Tag in deinen Brieff erblicket /
An welchen die Natur ein Meiſter Stuͤck gemacht /
War die gequaͤlte Bruſt auch wiederum erquicket /
Die ihre Zeit bißher in Thraͤnen zugebracht.
Der hoͤchſtegluͤckte Tag verbannet alle Plagen /
Die Sonne machet mich durch ihren Strahl vergnuͤgt.
Ich kan nun wiederum von tauſend Freuden ſagen /
Weil mein Ergetzen bloß in deiner Wolluſt liegt.
Die Sinnen muͤſſen ſich mit deiner Sonne gatten /
Die mir bey klarer Lufft ein Traum im wachen weiſt.
Die Augen ſehen zwar die Mohren-Farbe Schatten /
Doch dein Schnee weiſſer Schmuck umarmet meinen Geiſt.
So ſpielte Phantaſie und Luſt bey mir zuſammen /
Gleich / als der Augenblick ſo ſuͤſſe Poſt gebracht.
Aurora blitzte ſchon mit ihren guͤldnen Flammen /
Und mein vergnuͤgter Sinn war noch auf dich bedacht.
Hier33und Galante Gedichte.
Hier ſprach mein treuer Geiſt: der Morgen-Roͤhte prangen
Iſt nur ein Schatten-Werck vor Dulcimenens Glantz /
Der Scharlach ſteht beſchaͤmt bey ihren Purpur-Wangen /
Vor ihren Wunder-Strahl erblaſt der Sternen-Krantz.
Die Anmuht blitzetihr weit ſchoͤner aus den Augen /
Als aller Erden-Aug 'ein ſterblicher erblickt.
Die Sonne muß aus ihr die Krafft / wie Luna ſaugen /
Wenn ſich ihr blaſſer Schein mit fremden Lichte ſchmuͤckt.
So wie des Phoͤbus Blitz durch dunckle Wolcken dringet /
So bricht ihr Schoͤnheits-Strahl aus ſchwartzer Augen -
Pracht:
Denn daß er alle Welt uͤm ihre Freyheit bringet /
So kommt der ſchlaue Dieb in Kohl-gefaͤrbter Nacht.
Als meine Sinnen nun an deinen Schaͤtzen hingen /
Und wie Apelles Aug' ein Wunder-Bild beſahn /
Wenn ſeines Pinſels-Kunſt ſoll was zu Marckte bringen /
Das als ein Meiſterſtuͤck ein jeder muß bejahn:
So wolte Zephier mir in die Begierden wehen /
Und lockte mich noch Fruͤh durch ſeinen kuͤhlen Wind /
Rechſt an den Elbe-Strohm an einen Ort zu gehen /
Wo Auen von Saphier mit Silber-Qvellen ſind.
Hier ſah 'ich Wunder-ſchoͤn die Cryſtallinen ſpielen /
Und wie der krauſe Schaum mit Perlen ſchwanger ging /
Und als die Sinnen gleich auff Venus Uhrſprung fielen /
Und wie ihr Muſchel-Schiff an Saltz der Wellen hing /
Sprach ich: Ob wohl ein Kind aus Ledens zarten Schalen
Von mehrer Anmuths-Pracht / als du / gekrochen iſt?
Muß Schoͤnheit dich nicht mehr als wie Dionen mahlen?
So zeiget ſie dennoch / daß du ihr Bildniß biſt.
Die Venus hat die Milch aus ihren Schwanen Bruͤſten /
Und alle Lieblichkeit in deinen Mund geſchenckt.
Ja einen Uberfluß von Zucker ſuͤſſen Luͤſten
In deinen Lippen-Thau von Kuͤſſen auffgehenckt.
Sie bildete dir ſelbſt die Feuer-reichen Ballen /
Die doch auff ihrer Hoͤh kalt und beeiſet ſind /
Den Koͤcher / deſſen Pfeil die Hertzen heiſſet fallen /
Den Schuͤtzen / welcher doch mit beyden Augen blind.
CDer34Verliebte
Der wunderſchoͤne Strahl aus deiner Augen Sonnen
Hat ſeine Krafft allein von ihrer Macht entlehnt /
Und wie ihr Adern Brunn vor ſuͤſſer Luſt zerronnen /
So hat ihr Nectar Strohm ſich auch zu dir gewehnt.
Nach dieſen haben dich die Gratien genommen /
Und die Holdſeligkeit dir reichlich eingepraͤgt.
Denn biſt du endlich auch zur Tugend Goͤttin kommen /
Die ihren Lorber-Krantz um deinen Kopff gelegt.
So ging ich Sinnend fort in dieſen Anmuhts-Auen /
Und ſahe gleich vor mir ein ſchoͤnes Wunder-Thal /
Das ſich von weiten auch entzuͤckend ließ beſchauen /
Und endlich nahte ſich ein bundter Blumen-Saal.
Ich ſetzte meinen Fuß in die beliebte Graͤntzen /
Wo Chloris meiner Ruh 'ein Roſen Bett geſtickt:
Ja nie kan die Natur mit ſchoͤnren Schmeltzwerck glaͤntzen /
So hatte Chloris Hand die Auen aus geſchmickt.
Hier fiel ich alſofort auff deine Lieblichkeiten /
Und ſprach: die Chloris muß dir wohl gewogen ſeyn:
Muß ſich ihr gantzer Schmuck auff weite Felder breiten /
So huͤllet dein Geſicht den gantzen Zieraht ein /
Der Roſen Purpur glaͤntzt auff deinen ſchoͤnen Wangen /
Der Blumen Koͤnigin / die ſchlancke Lilje
Iſt als der Keuſchheit Bild auff deine Bruſt gehangen /
Und deine Stirne ziert ihr Schwanen gleicher Schnee.
Die zarten Glieder hat Narciſſus uͤberſponnen.
Auff deinen Lippen rinnt Granat - und Schnecken-Blut /
Wo Seelen-Honigſeim in Zucker iſt geronnen.
Die Perlen ſtehen nicht bey deinen Zaͤhnen gut.
Dein ſuͤſſer Athem muß Zibeth und Nelcken bringen.
Kurtz: Die Vollkommenheit iſt nur bey dir zu ſehn /
Ein Himmelreich / wo offt ein Engel pflegt zu ſingen /
Der Anmuht Paradieß: Der Schoͤnheit tauſend ſchoͤn.
Weil nun die Blumen dich in Angeſicht bedienen /
So muͤſſe dein Geluͤck auch nur auff Roſen gehn /
Der Himmel laſſe dich in ſteten Fruͤhling gruͤnen /
Wo Zephirs Winde dir nur Biſam-Luͤffte wehn.
Aurora muͤſſe dich wie friſche Kraͤuter kuͤſſen /
Ihr Perlen reicher Thau benetze Mund und Bruſt:
Die35und Galante Gedichte.
Die Sonne werde nie in Thetis Schooß geriſſen /
Es ſcheine dir den erſt die Sonne deiner Luſt:
Die Venus / welche dir aus allen Gliedern blitzet /
Die Blitze Lieb und Brunſt auch einſt in deine Schooß:
Cupido welcher dir / in beyden Bruͤſten ſitzet /
Der druͤcke ſeinen Pfeil auch auf dein Hertze loß.
Die Chloris pflantze dir was Amors Garten heget /
Der Liebe Tauſend-Schoͤn und ſuͤſſes Laͤffel Kraut.
Und weil ein Juͤngfer-Buſch nicht Liebes-Stoͤckel traͤget /
So mache / das man ſie bald in Madamen ſchaut.
Was aber ſol ich dir nun liebſte Schweſter ſchicken /
Daß dich an dieſen Tag zu binden wuͤrdig ſey?
Ich wolte dir zur Luſt wol tauſend Blumen pflicken /
Allein ſo biſt du nicht von ſolchen Zierath frey.
Doch eine ſoll dich noch als ein Geſchencke kuͤſſen /
Denn dieſe traͤget nicht dein holdes Angeſicht:
Ich lege ſie demnach zu deinen ſchoͤnen Fuͤſſen
Und auch in deine Bruſt / ſie heiſt: Vergiß mein nicht.

Er iſt ungluͤckſelig.

ANnehmlichſte der Zeit! Wie lange hat mein Hertze
Aus Ehrerbiethung dich mit Seufftzern nur verehrt?
Wie lange brennet nun der Augen Liebes-Kertze /
Eh 'auch der Flammen Brand aus meinen Munde faͤhrt?
Doch endlich muß das Hertz aus tauſend Schmertzen ſprechen /
Und den Granaten gleich durch viele Kernen brechen.
Ich haͤtte meine Qvaal mit Aſchen zugedecket /
Mein klagen kaͤme nun zu deinen Ohren nicht /
Wenn deine Lieblichkeit nicht meine Glut erwecket /
Daß ſie mit voller Macht nun in die Flammen bricht.
Ein Hertz und Aetna muß offt ſtilles Feuer hegen /
Nur daß ſich einſt die Wuth ſoll deſto mehr erregen.
Ich brenne / ſchoͤnſtes Kind / jedoch in keuſchen Flammen /
In Flammen deren Ruß den edlen Ruhm nicht ſchwaͤrtzt:
C 2Durch36Verliebte
Durch Feuer / das allein muß von dem Himmel ſtammen /
Womit der Sternen Gluth in reinen Weſen ſchertzt.
Ja deinen Tugenden und ſittſamſten Geberden
Muß mein getreues Hertz zum Opffer Heerde werden.
Die Gartien / ſo dir um deine Lippen ſchweben /
Und die Holdſeeligkeit damit dein Auge ſtrahlt /
Weiß kein beredter Mund genugſam zu erheben /
Kein Pinſel iſt / der dich nach deiner Wuͤrde mahlt;
Doch muß nun alle Kunſt bey deiner Pracht verſchwinden /
So ſchau in meine Bruſt / du wirſt dein Bildniß ſinden.
Hier hat die Ewigkeit ihm den Altar geweihet /
Und deine Schoͤnheit gieſt ſtets Oehl in meinen Brand.
Was aber hilfft ein Schatz / den uns ein Traum verleihet?
Was ſehn ich mich umſonſt nach den gelobten Land?
Ach meiner Hoffnung Schiff ſchwebt auf erzuͤrnten Wellen /
Die meines Gluͤckes Hoͤh 'in bauen wieder faͤllen!
Mein ſchoͤner Freuden Stern ſcheint mir zwar viele Stunden /
Und wuͤrde mir vielleicht ein Licht zum Haffen ſeyn /
Wenn nur mein Ungeluͤck nicht Wolcken haͤtt erfunden /
Die meinen Liebeskahn ſtets Sturm und Wetter draͤun.
Such ich nun uͤberall die Klagen auszubreiten
Rufft mein Verhaͤngniß doch nichts als Unmoͤglichkeiten.
Ach Himmel! Haſt du mich zu dieſer Gluth beſtimmet /
Warum blitzt denn dein Grimm auf ihr Verboth ſo ſcharff?
Wer ſieht den heiſſen Brand / der in der Aſche glimmet?
Wer leſchet / wenn man nicht recht Feuer ruffen darff?
Du laͤſt dein Paradieß mir nur zum Schmertzen ſehen /
Weil du den Weg nicht zeigſt / vergnuͤgt hinein zu gehen.
Warum verſchwendeſt du den Uberfluß von Schaͤtzen
Die mich nur hier allein zu den Magnete ziehn?
Kan die Annehmlichkeit mich ſonſten nicht ergetzen /
Kan nirgends wo ſo ſchoͤn der Anmuth Roſe bluͤhn?
Ja37und Galante Gedichte.
Ja wilſt du einen Knecht ſo koſtbar nicht vergnuͤgen /
Warum darff ſeine Bruſt kein fremder Strahl beſiegen?
So klag 'ich / ſchoͤnſte / ſtets / wenn dein beliebtes Weſen
Mir zwar die Dienſtbarkeit / doch keine Rettung giebt;
Allein ſoll ich vielleicht aus deinen Augen leſen /
Warum mich ein Comet vor Sonnen-Glantz betruͤbt?
Nein / laſſe meinen Geiſt die Gnade nur vergnuͤgen:
Das Schickſal muͤſſe dich an Kraͤfften uͤberwiegen.
Vergoͤnne mir demnach das Pflaſter meiner Wunden /
Das / wenn zu heilen nicht / ſich doch zu lindern ſchickt.
So Nacht als Schmertzen ſind ſchon mehr als halb verſchundẽ /
Wer / wie den Morgenſtern / ein Beyleid nur erblickt.
Darff Luſt und Sonne mich nicht oͤffentlich beſtrahlen /
Kan Nacht und ſtille Gunſt mich doch mit Sternen mahlen
Ach! Schoͤnſte laß die Noth dein Hertze doch erweichen /
Und ſehe meine Qvaal mit zarter Wehmuth an:
Kein kluger Argus weiß Gedancken zu erreichen /
Kein ſcharffer Luchs ſieht mehr als hier ein Maul-Wurff kan /
So kanſt du mir den Troſt ja in dein Hertze ſetzen:
Sein Ungluͤck heiſſet ihn Erbarmungs wuͤrdig ſchaͤtzen.
Erwege meinen Stand und deine Seltenheiten /
Und denck 'ein E[n]gel muß geneigt wie ſchoͤne ſeyn.
Ein Sclave leidet zwar des Schickſals Grauſamkeiten /
Doch keine Ketten ſind ſo ſchwer als meine Pein:
Die aͤrgſte Marter hat der Himmel ſo verſchrieben:
Auf ewig ohne Gunſt und ſonder Hoffnung lieben.
C 3Son -38Verliebte

Sonnet. Als er Amalien in Bade ſahe.

HIlff Himmel welcher Schmuck der Perlen weiſſen Glieder!
Ließ mir der zarte Leib an ſeiner Bloͤſſe ſehn!
Die Bruͤſte lagen hier gantz ungewoͤhnlich ſchoͤn.
Die Haͤnde ſpritzten ſie an Bauche hin und wieder /
Sie hub das eine Bein zu waſchen auff und nieder /
Daß mir das Paradieß recht offen konnte ſtehn.
Ich ſang ': Amalia / laß mich doch zu dir gehn /
Alleine Scham und Zorn verſtimmten meine Lieder.
Ach Venus unſrer Zeit! du biſt Diana nicht /
Die in den Brunnen gleich des Todes Urtheil ſpricht /
Doch ſucht dein ſtrenger Grimm mein Leben zu verkuͤrtzen /
So faͤllt Narciſſus dort in Brunnen / den er ſieht:
Weil nun mein ſtoltzer Geiſt zu gleichen Spiegel flieht /
So kanſt du mich zur Straff' in deinen Brunnen ſtuͤrtzen.

Als ſie ſeine Verpflichtungen Flaterien nannte.

DIe Engliſche Geſtalt der ſchoͤnen Lieſimenen /
Macht auch ein Felſen-Hertz den leichten Zunder gleich.
Die Tugenden / die ſie mit tauſend Lorbern kroͤnen /
Sind faſt bey aller Welt an Ehrerbiethung reich.
Und dennoch ſoll mein Hertz bey ihren Augen-Strahlen /
Wie Salamander kalt in heiſſen Flammen ſeyn.
Will mein verliebter Kiel der Schoͤnheit Wuͤrckung mahlen /
So ſpricht ſie / dieſes iſt nur leereꝛ Worte Schein.
O nein du art'ger Freund ich kenne hier dein Schertzen /
Und daß du weit entfernt mit deinen Hertzen biſt.
Ich ſage / Schoͤnſte / ja / ich ſchreibe ſonder Hertzen /
Indem daſſelbige bey Lieſiemenen iſt.
Als39und Galante Gedichte.

Als ihn Selimene und Ama - lia zu ihren Vertrauten annah - men.

DU wunder ſchoͤnes Gluͤck! komm laß dich einmahl kuͤſſen /
Weil zweyer Engel Gunſt mich kuͤſſens wuͤrdig haͤlt.
Doch kuͤſſe ſie dabey mit lauter Luſt Narciſſen /
Weil ihr Vergnuͤgen auch auff einen Diener faͤllt.
Und daß der Kuͤſſe Krafft
Den Auszug aller Freuden /
Und ſelbſt den Himmel ſchafft /
So laſſe mich auff ihren Lippen weiden.
Verſtattet mir die Gunſt / ihr Cronen Teutſcher Schoͤnen!
Und laſſet einen Kuß der Treue Siegel ſeyn.
Denn alſo pflegt man ſich vertraulich zu bekroͤnen /
So ſchreibt man ſich ins Buch getreuer Seelen ein.
So lacht die guͤldne Zeit /
Aus lauter edlen Hertzen /
Und ſo wird Ewigkeit /
Das Ende ſeyn / vergnuͤgt und treu zu ſchertzen.
Kommt oͤffnet mir vertraut den Purpur eurer Lippen /
Ja ſchlieſſet nicht vor mir das ſchoͤne Roſen-Thor.
Kein unbelebter Felß und ſtumme Marmol-Klippen /
Gehn an Verſchwiegenheit Roſanders Munde vor.
Legt alle Sorgen ab /
Sagt die geheimſten Sachen.
Sie ſollen ſich ihr Grab /
Zur Sicherheit in meinen Hertzen machen.
Ein neid'ſches Laͤſtermaul wird hier verſtummen muͤſſen /
Wir lachen in geheim / und ſchweigen oͤffentlich.
Wir traͤncken unſern Mund mit lauter Nectar Fluͤſſen /
Das Gluͤcke dienet uns / die Seelen kuͤſſen ſich.
C 4Druͤm40Verliebte
Druͤm muß die Welt geſtehn /
Es ſey kein ſuͤſſer Schertzen /
Und nichts ſo wunderſchoͤn
Als nur allein das Kleeblat treuer Hertzen.

Als er bey ihr zu gaſte ge - weſen.

DU ſchoͤne Margaris! ich bin dir ſchlecht verbunden /
Ob du mich geſtern gleich ſo wohl bewirthet haſt /
Ob ich der Goͤtter Koſt an deinen Tiſch gefunden /
Und war ich gleich bey dir ein angenehmer Gaſt.
Ich habe zwar die Luſt in Uberfluß geſchmecket /
So lange noch mein Aug 'an deinen Lippen hing:
Doch nur der Abſchied hat mich ungemein erſchrecket /
Ich weiß nicht / wie der Schmertz mit mir zuruͤcke gieng.
Ach loſſe Margaris! ich kan dirs nicht verhehlen /
Doch dencke / daß es dir mit nichten ruͤhmlich ſteht /
So offt man einen Gaſt zuletzte will beſtehlen /
Und daß er reichlich kommt / und arm zuruͤcke geht.
Den Diebſtahl haben nun die wunderſchoͤnen Wangen
Und deiner Augenſtrahl an meiner Bruſt begangen.

Eines Frauenzimmers an ei - nen Cavallier.

SChan Thraͤnen / Dint und Blut in dieſer Schrift vermengt /
Mon cœur ich ſchreibe dir mit mehr als tauſend plagen /
Mein trauren hat mich faſt zur finſtern Grufft geſenckt
Und ach! Du zwingeſt mich zu lauter Schmertzens klagen.
Der Hencker meiner Ruh 'iſt nur dein Unbeſtand /
Der Urſprung meiner Qvaal ruͤhrt von getreuer Liebe.
Dein Hertz verbande ſich zu meinen Unterpfand /
Ach das es ſolches auch in Ewigkeit verbliebe!
Du weiſt wohl / welche Kunſt mich in dein Netz gefuͤhrt /
Wie deine Schmeicheley mir pflegte liebzukoſen:
Und41und Galante Gedichte.
Und wie ſcheinbares Gold dein gantzes thun geziert.
Die Hoffnung zeigte mir die angenehmſten Roſen.
Die Treue gruͤndete ſich auff den theurſten Eyd;
Die Geiſter ſolten dich in tauſend Stuͤcken reiſen /
Bekroͤnete dich nicht Treu und Beſtaͤndigkeit /
So ſolte man dich nicht bey deinen Nahmen heiſſen.
Worauf ein Cavallier doch ſonſten ſehr viel haͤlt
Das ſchlaͤgſt du nun in Wind -- Jedoch vergib den Zeilen /
Wenn Wemuth Schmertz und Grimm ſie zu Papiere ſtellt /
Denn ſolche Wunden ſind nicht durch Gedult zu heilen /
Vielleicht daß uͤm mein Grab gar bald Cypreſſen ſteh'n:
Ach ſollen die der Luſt verſprochne Myrthen heiſſen!
Vielleicht muß ich den Tod in meinen Armen ſeh'n:
Soll mich mein Braͤutigam mit fauler Erde ſpeiſen?
Iſt meiner Haare Schmuck vor Perlen Staub und Grauß?
Scheint mir mein Sonnen-Licht in Jammer-vollen Schatten?
Iſt Hymens Freuden-Schloß ein Duͤſtres Wuͤrmer -
Hauß /
Wo Schlangen ſich vor dir / mit meinen Lippen-Gatten?
Ach! heiſſet Angſt und Schmertz die ſuͤſſe Manna-Koſt?
Soll meiner Thraͤnen-Saltz mir Hochzeit-Nectar meſſen?
Zerflieſſet nun mein Blut in Muſcateller-Moſt?
Iſt Amors Taffel-Luſt / ſein eignes Hertze freſſen?
Ach ſiehe Grauſamer! wie mich der herbe Schmertz /
Zur aͤrgſten Folter-Banck und tauſend Martern fuͤhret!
Ach ſchau 'in Blute ſchwimmt dein vorgeliebtes Hertz!
Wie daß die Wehmuth dir nicht deine Seele ruͤhret!
Iſt deine Bruſt noch mehr als harter Felſen Art /
Daß meine Thraͤnen-Flut ſie gar nicht kan erweichen?
Es laͤſſt kein Tygerthuͤr / kein wilder Leopart
Was ihm〈…〉〈…〉 das Liebſte war durch eigne Wuth erbleichen:
Ich flehe dich / mein Schatz / uͤm jene Stunden an /
Wo Luſt und Lieblichkeit uns tauſendfach ergetzet /
Als ich dein Himmel war / ach dencke noch daran /
Wie du die gantze Welt vor mir als nichts geſchaͤtzet.
Ich bitte dich / mein Kind / noch um die erſte Zeit /
Da deine Liebe noch zu meinen Fuͤſſen kniete.
C 5Erin -42Verliebte
Erinnre dich alda der groſſen Zaͤrtlichkeit /
Und wie dein Hertze ſich uͤm meine Gunſt bemuͤthe.
Ach war ein eintz'ger Kuß zuvor dein Himmelreich:
Und wolteſt du vor Luſt auff meinen Lippen ſterben:
War meiner Augenblick bey dir der Sonnen gleich:
Und ſolte Venus ſelbſt vor meiner Pracht verderben:
So laſſe mich nun auch kein Ziel des Haſſes ſeyn /
Und ſehe noch einmahl auff meine Bruſt und Wangen;
Die Treue lieffert dir noch alles dieſes ein /
Worauff dein ſuͤſſer Wunſch und Sehnſucht iſt gegangen.
Ach ſo verſtoſſe mich / mein wehrter Engel nicht /
Und laſſe meinen Ruhm die Neider nicht verletzen:
Die reinſte Jungfer auch / der man die Treue bricht /
Wird doch die blinde Welt vor halbe Wittwe ſchaͤtzen.
Nun Unvergleichlicher ich ſchlieſſe dieſes Blat /
Doch meine Hoffnung nicht dich endlich zu erweichen:
Die Lippen die dein Mund zuvor gekuͤſſet hat /
Der Purpur / den der Schmertz / nunmehro heiſt erbleichen.
Mein Auge / welches ſtets in heiſſen Thraͤnen ſchwimmt:
Die Wangen / die mein Leid mit Liljen uͤberſpinnet:
Das Hertze / ſo nach dir von tauſend Seufftzern glimmt:
Der Bruͤſte reiner Schnee / der durch die Quaal zerrinnet:
Ja mein getreues Blut / das auff dem Blate klebt;
Mein gantzes Ich / das dir auff ewig bleibt ergeben;
Mein Geiſt / der itzt gequaͤlt uͤm deine Lippen ſchwebt:
Die flehen noch zuletz: Erbarme dich / mein Leben!

Sie befahl ihm zu ſterben.

SO ſoll ich denn mein Kind / in dieſer Glut verbrennen /
Die deiner Augen-Blitz in meiner Bruſt erregt?
Wohl denn / ich bin bereit in meinen Tod zu rennen /
Weil mir dein ſchoͤnſter Mund es ſelbſten aufferlegt.
Ja / ja / ich ſterbe gern in dieſen holden Flammen /
Weil ſie vom Himmel nur und meiner Goͤttin ſtammen.
Laß mich im Sterben doch nur deine Gnad 'erlangen /
Und ſtelle dich zur Grufft mit einen Seufftzer ein /
So43und Galante Gedichte.
So will ich meinen Tod mit hoͤchſter Luſt umfangen /
Und auch im Grabe dir annoch verbunden ſeyn /
Es ſoll mein reiner Geiſt ſtets um den deinen ſchweben
Und ſo werd 'ich im Sarg erſt recht vergoͤttert leben.
Nun / ſchoͤnſte / fahre wohl / mein Geiſt will ſchon entweichen /
Es lodert Seel 'und Leib und ſteht in voller Glut /
Des Aetna Feuer iſt der Brunſt nicht zu vergleichen /
Denn was der Blitz geruͤhrt / leſcht nichts als Milch und Blut.
Doch ſoll ein Phoͤnix einſt aus meiner Aſche lauffen /
So gib mir deinen Schooß zu meinen Scheiterhauffen.

An Selimenen.

ER zuͤrne nicht darob / Annehmlichſte der Zeit!
Daß mein getreuer Sinn ſich ſtets an dir ergoͤtzet.
Und deiner ſchoͤnen Pracht ein ewig Denckmahl ſetzet
Die Unſchuld labet ſich an deiner Lieblichkeit
Denn da der Mund ſich nicht darff ſelbſt geluͤcklich wiſſen /
So goͤnne daß ich dich im Geiſte moͤge kuͤſſen.
Ein unbefleckter Kuß iſt auch bey Goͤttern rein;
Du weiſt / das meinen Trieb die Keuſchheit ſelbſt erreget /
Und daß die reinſte Gluth mich dir zum Fuͤſſen leget /
Und dennoch will dein Hertz von Stahl und Eiſen ſeyn:
Ach dencke nur / was ſelbſt dem Himmel muß belieben /
Wird einem Engel au ch zur Regel vorgeſchrieben.
Ich hatte nicht ſo bald das unverhoffte Gluͤck /
Dich unvergleichliche zum erſten Mahl zu ſehen /
So muſte gleich das Hertz bey ſich erfreut geſtehen /
Hier zeiget die Natur ihr rechtes Meiſter-Stuͤck:
Denn wer bewundert nicht die ſeltne Schoͤnheits gaben /
Wenn ſich die Tugenden damit verſchwiſtert haben.
Man nennet dich mit Recht die Blume dieſer Stadt
Auf welche ſich der Schnee der Lilien geleget /
Und44Verliebte
Und wo die Roſe ſelbſt den Purpur eingepraͤget /
Die Venus ſich allein zur Luſt gepflantzet hat:
Die Blumen bricht man ſonſt / doch dieſe muß ich meiden /
Mein Auge ſoll ſich nur an ihrer Schoͤnheit weiden.
Denn das Verhaͤngniß will / daß mich die ſchoͤne Gluth
Noch nicht vergnuͤgen ſoll und in die Augen ſteigen /
Sie wuͤrde ſich ſonſt bald in tauſend Flammen zeigen /
Denn nur ein Strahl von dir entzuͤndet Geiſt und Blut:
Wen nun ſo lange Zeit zwey ſchoͤne Sonnen brennen /
Wird ſich gewißlich nicht von Feuer frey bekennen.
Du weiſt / das meine Bruſt von keinen Marmor iſt /
Obgleich dein ſtrenger Sinn ſich Diamanten glechet;
Jedoch ein harter Stein wird endlich auch erweichet /
Wer weiß / was vor ein Gluͤck mir meine Qvaal verſuͤſt.
Mein Geiſt iſt doch vergnuͤgt / ob er die Feſſeln traͤget /
Weil die Galanteſte ſie ihm hat angeleget.
Erlaube mir demnach vollkomne Meiſterin /
D die getreue Bruſt dir einen Tempel bauet /
Wo man dein ſchoͤnes Bild allzeit verewigt ſchauet /
Das Hertze leget ſich zu einen Opffer hin.
Verachte nicht / mein Kind die allerreinſten Flammen /
Der Himmel ſelbſten kan die Regung nicht verdammen.
Spricht gleich dein ſchoͤner Mund von keiner Rettung nicht /
So will ich doch allzeit auff was geneigters hoffen /
Ich kuͤſſe dieſen Strahl der mich zu erſt getroffen /
Weil mir der Himmel ſelbſt von dieſen Troſte ſpricht:
Es muß die gantze Welt gerecht und billig nennen;
Wer andre brennt / der ſoll zur Straffe wieder brennen.

In Nahmen eines Frauen - zimmers an Monsieur V. B.

SO ſoll ich mich in rauher Einſamkeit
Mein Wehrteſter / nun gantz verlaſſen ſehen?
So45und Galante Gedichte.
So wechſelt ſich die Luſt mit Angſt und Leid?
So muß die Bruſt in tieffſter Trauer gehen?
Ach dencke nur dadurch zerflieſt in Schmertz
Ein treues Hertz.
Ich ſchaͤtzte mich vergnuͤgt bey dir zu ſeyn /
Die Wangen ſind mein Roſen-Feld geweſen.
Itzt ſtellet ſich der rauhe Winter ein /
Vor Blumen muß ich harte Dornen leſen
Was mir beliebt / ja recht unſchaͤtzbar war
ſtirbt gantz und gar.
Ach weiſſen Felß war ſonſt mein Paradieß /
Da ich dich noch als Engel konte kuͤſſen.
Allein da dich das Schickſal ziehen hieß /
So muß ich mich in einer Wuͤſten wiſſen,
Denn ach es zieht mit dir von dieſen Ort
Mein Leben fort.

An Liſemenen.

SChau edle Liſemene /
Wie ich entfernt noch deiner Augen-Schein
Zu meiner Luſt entlehne.
Mein Hertze wil daran geweidet ſeyn.
Und kan ſich niemand ſelber haſſen /
So muß ich ihm auch die Vergnuͤgung laſſen.
Dein Himmel iſt voll Sternen /
Die uͤberall mit Strahlen mich beſtreun.
Muß ich mich gleich entfernen /
So wilſt[u]du mir doch immer naͤher ſeyn.
Wer deine Sonn 'einmahl geſehen /
Mit dem wird ſie in alle Laͤnder gehen.
So kuͤß ich in Gedancken /
Und ſchwaͤngere den holen Bauch der Lufft.
Ich46Verliebte
Ich renn 'in deine Schrancken /
Und bau' ein Schloß auff Amors ſuͤſſe Klufft.
Laß mich in dieſer Freyheit ſ〈…〉〈…〉 egen /
Ein Traum kraͤnckt nicht / und kan uns doch vergnuͤgen.
Ja dencke noch der Zeiten /
Da Einſamkeit die Garten-Luſt gebahr /
Als deine Lieblichkeiten
Mir ſo geneigt / als ich entzuͤndet war.
Die nun ſo theure Roſen brechen /
Sind viel zu wehrt / daß ſie die Dornen ſtechen.
Und wilſt du mich verpflichten /
So ſchreibe nur / daß du mir guͤnſtig biſt:
Ein Wort kan viel verrichten /
Daß uns zum Troſt der ſchoͤnſte Mund gekuͤſt.
Darff ich dein Paradieß nicht ſchauen /
Kan ichs dadurch doch in Gedancken bauen.
Ich bau 'es in den Schatten /
Der dich mir ſtets als einen Engel weiſt.
Mit Engeln ſich zu gatten /
Iſt zwar die Luſt / die mehr als menſchlich heiſt.
Allein mein Himmel iſt auff Erden /
Wenn du bey mir wirſt wieder menſchlich werden.

An Dulcimenen.

SO kan ich mi ch / galante Dulcimene /
Bey dir vergnuͤgt und gluͤcklich ſehn.
Die Freundlichkeit macht dich gedoppel[t]ſchoͤne /
Und dieß ſol mir zur Luſt geſchehn.
Mein Gluͤcks-Geſtirn will nach den Finſterniſſen /
Mich durch den Strahl der Gnaden wieder kuͤſſen.
Ich dencke noch an das gehabte Leyden /
Und wie ich an zu trauren fing /
Als durch den Zorn die Sonne meiner Freuden /
Auff mein Verſchulden unterging.
Allein47und Galante Gedichte.
Allein ſie iſt nur Schoͤner wieder kommen /
Ihr holder Glantz hat alle Furcht benommen.
Kein Diamant kan nicht ſo treflich blitzen /
Wie deiner Augen-Liebligkeit:
Aurorens-Pracht muß hier auf Liljen ſitzen /
Die angenehmſte Fruͤhlings-Zeit
Die bluͤhet ſtets auf deinen Roſen Wangen