PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Es veraͤndert ſich alles in der Welt!
wolte bey hoͤchſt-gluͤcklicher Veraͤnderung dieſes Zeitlichen mit dem Ewigen / der weiland Wohl-Edel-gebohrnen / Hoher Sitt - und Tugend-Begabten Frauen / Fr. Eva Maria Knorrin / geb. von Kuͤnemann / des Hoch - und Wohl-Edlen / Veſt und Hoch - Gelahrten Herrn / Hn. Johann Knorres / Vornehmen JCti, geweſenen innigſt-geliebten Ehe-Schatzes an dem zu Deroſelben letzten Ehren-Gedaͤchtniß angeordnetem Tage / war der 5te Julii Anno 1696. auf Befehl der ſaͤmtl. Vornehmen Leidtragenden Familie gehorſamſt vortragen /
Goͤrlitz/ gedruckt vonMichael und Jacob Zippern.
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Wohl-gebohrne Ritter und Herren / Hoch - und Wohl-Edle / Veſt / Hoch - Gelahrte / Hoch - und Wohl-Weiſe / Edle / Wohl-Ehren-Veſte / allerſeits reſpectivè Hoch-geneigte Goͤnner / und Hoch-Geehrteſte Herren; wie auch Wohl-gebohrnes / Hoch - und Wohl - Edles / Hoher Sitt-und Tugenden Begabtes / Gnaͤdiges und Hoch-geneigtes Frauenzimmer /

UNvollkommenheit und Veraͤnderlich ſeyn / ſind zwey Dinge in der Welt: welche ſo genau mit einander verbunden: daß ſiea 2ſchwer -4Abdanckungs-Rede.ſchwerlich von einander koͤnnen getrennet werden. Je - nes iſt die Mutter / dieſes aber die Tochter: welche von jener gleichſam erzeuget und gebohren wird. Denn wo kommet wohl die Veraͤnderung aller irꝛdiſchen Din - ge anders her: als von derenſelben anklebenden Unvoll - kommenheit? Und ich bin geſichert / wenn alles in der Welt vollkommen waͤre: wir wuͤrden uns uͤber keine Veraͤnderung mehr zu beſchweren haben. Zeit und Ort / ja meine ſelbſt-eigene Unvermoͤgenheit / verbiethen mir den Streit der Gelaͤhrten zu eroͤrtern: deren etli - che behaupten wollen: die Welt nehme von Tag zu Tag mehr und mehr ab: andere hingegen gantz con - trairer Gedancken ſind: beyde aber durch ihre widrige Meinungen die Wahrheit des bekanten Sprichworts genungſam bekraͤfftigen: daß in vielen Koͤpffen zugleich viele Sinne anzutreffen. Wer von beyden Theilen recht oder unrecht habe: wil eines jedwedern Nach - dencken und reifferen Uberlegung anheim ſtellen. Die - ſes iſt gewiß: daß diejenigen / welche das Abnehmen aller Dinge zu vertheidigen ſich angelegen ſeyn laſſen / unter andern Gruͤnden auch auf dieſem vornemlich be - ruhen: weil alles in der Welt ſich veraͤndere. Es iſt unnoͤthig / indem es zur genuͤge bekant: und wuͤr - de ich durch allzu-groſſe Weitlaͤufftigkeit der Vor -nehmen5Abdanckungs-Rede.nehmen Trauer-Aſſembleé nur gar zu verdruͤß - lich fallen: wenn ich ſolches auch nur durch etlicher we - niger Dinge Veraͤnderung behaupten wolte. Wir Menſchen allein koͤnnen hirvon eine genugſame Probe geben: ſintemahl wir uns nicht nur jaͤhrlich / nicht nur taͤglich / nicht nur ſtuͤndlich / ich wil vielmehr ſagen / alle Minuten / ja alle Augen-Blicke veraͤndert befinden wuͤrden: wenn wir nur allemahl genauere Achtung auf uns ſelbſt geben wolten. Denn wir ſind ja heute nicht in allem diejenigen: die wir vorm Jahre / oder auch wol geſtern allererſt geweſen; und wenn wir es recht uͤberlegen / ſo iſt dieſer gegenwaͤrtige Augen-Blick in verſchidenen Stuͤcken weit anders beſchaffen: als derjenige / welchen wir nur itzo zuruͤcke geleget haben.

Allerſeits Vornehme und Hoch-geſchaͤtzte Anweſende / ſolten Sie hiran den geringſten Zweif - fel tragen: ſo belieben Sie doch nur noch einen eintzi - gen Blick ſonder ſchwer zu werffen auf die ſchmertzlich bethraͤnte Grufft / der durch den Tod gantz veraͤnder - ten weiland Wohl-Edel-gebohrnen / Hoher Sitt - und Tugend-Begabten Frauen Eva Maria Knorrin / gebohrner vona 3Kuͤne -6Abdanckungs-Rede.Kuͤnemann: darein deroſelben entſeelte Coͤr - per zwar bereits verſencket / nicht aber Jhr wohl-er - worbenes Ehren-Gedaͤchtniß zugleich mit begraben worden; ſondern durch Dero Hoch-geneigte Gegen - wart heutiges Tages deſto anſehnlicher gemacht wird.

Diejenigen / welche ihre groͤſte Luſt und Ergetzlig - keit in Beſichtigung fremder und entlegener Oerter der Welt geſuchet / haben in Sina eine Roſe angetroffen: welche dieſe wunders-wuͤrdige Art an ſich haben ſoll: daß ſie des Mittags anders als des Morgens / des Abends anders als des Mittags ausſiehet: und alſo des Tages ſich dreymahl veraͤnderte. Es wird mir verhoffentlich erlaubet ſeyn / Hoch-anſehnliche Trauer-Verſamlung: daß ich unſere Hoͤchſt - ſelige mit dieſer Sineſiſchen Roſe vergleichen moͤge: angeſehen Selbige in dem Morgen / Mittage und Abende Jhres Lebens nicht nur dreyen / ſondern un - zehlich viel mehrern Veraͤnderungen unterworffen ge - weſen. Jch rede von allen und jeden Faͤllen / ſo Sie die Zeit Jhres wohl-gefuͤhrten / aber / ach leider! auch allzu-kurtzen Lebens erfahren muͤſſen; nicht aber von Jhren hoͤchſt-angenehmen / und wie allem Frauen - zimmer / alſo auch Jhr wohl-anſtaͤndigen Tugenden:welche7Abdanckungs-Rede.welche an Jhr jederzeit unveraͤndert geblieben. Denn Sie haßte die Laſter: und flohe aͤrger vor ihnen / als vor einer Schlange: gar wohl uͤberlegende / daß ein laſterhafftes Leben dem in Gvinea befindlichen Bau - me nicht ungleich: welcher ein ſo hefftiges Gifft bey ſich fuͤhren ſoll: daß er nicht allein den Ort / wo er waͤchſet / ſondern auch die gantze herumb-liegende Ge - gend verterbet und unfruchtbar machet.

Gleichwie es aber insgemein zu geſchehen pfleget: daß die Sonne unſeres Gluͤckes nicht allemahl klar und heiter ſcheinet: ſondern auch bißweilen mit duͤſtern und truͤben Wolcken bezogen wird: alſo konte es auch bey unſerer ſeligen Frau Knorrin ohne Ver - miſchung betruͤbter und erfreulicher Veraͤnderungen nicht abgehen. Jch wuͤrde allzu-weitlaͤufftig werden / und Dero allerſeits Geduld und hoͤchſt-guͤtige Auf - merckſamkeit gar zu ſehr mißbrauchen: wenn ich alle und jede Begebenheiten / ſo ſich von Jugend auf mit Jhr zugetragen / nach der Laͤnge erzehlen ſolte. Nur einer eintzigen zu gedencken: ſo war es ja eine hoͤchſt - ſchmertzliche Veraͤnderung: als Sie in Jhren noch unmuͤndigen Jahren Jhre Hertz-allerliebſte Frau Mutter zu Grabe tragen; deren erblaſten Coͤrper derErden /8Abdanckungs-Rede.Erden / allda er ſolte in Staub und Aſchen veraͤndert werden / anvertrauen; Sich Selbſt aber in den bekuͤm - merten und Mutter-loſen Waͤyſen-Stand muſte ver - ſetzet ſehen: eben zu der Zeit / da Sie der Muͤtterlichen Vorſorge am allermeiſten gebrauchet haͤtte. Zu Jh - rer damahligen hoͤchſt-ſorgfaͤltigen Auferziehung war nun niemand mehr uͤbrig: als Jhr anitzo ſchmertzlich Betruͤbter / wiewohl hoch-wichtiger Angelegenheiten halber dem Leibe nach abweſender Herr Vater; welcher / wie Er Sie ohne dem recht innigſt liebete / al - ſo muſte Jhr aufrichtiges und mit vielen unveraͤnderli - chen Tugenden vergeſellſchafftetes Gemuͤthe gleichſam zum Zunder dienen: wodurch ſeine gegen Jhr tragen - de Liebe je mehr und mehr entzuͤndet wuͤrde. Und die - ſes war eben die Urſache / durch die Sie Sich auch der - jenigen Gewogenheit zuwege brachte: welche kuͤnff - tig hin Sie Mutter nennete / und in eben der Liebe als gegen Dero eigene Kinder entbrennend machte. Ja wem iſt wohl unbekant / daß von Jhrer unge - ſchminckten Froͤmmigkeit / Tugendhafften Wandel / und begierigen Wirthlichkeit noch bey zartem Alter / ich wil nicht ſagen Freunde / ſondern ſo gar diejenigen / welche ſonſt aus Mißgunſt zu eyfern gewohnt / ruͤhmlich zu reden gewuſt: und unſer liebes Glogau dermaſſen er -fuͤllet:9Abdanckungs-Rede.fuͤllet: daß auch Jhr vormahls hoͤchſt-geliebter / nu - mehro ſchmertzlichſt-betruͤbter Ehe-Herr / der Hoch - und Wohl-Edle / Veſt und Hoch - Gelahrte Herr Johann Knorr / Vor - nehmer JCtus, dardurch in die aller-empfindlich - ſte Liebes-Veraͤnderung gerathen.

Unſere Selige / welche vorhin gewohnet / in ſtiller Einſamkeit mit Gebeth und Arbeit GOTT zu dienen / aͤnderte zwar dieſe gute Gewohnheit nicht: aber doch / weil Sie aus der Gemuͤths-Gleichheit eine ſonderliche Gegen-Liebe empfand; und des Hoͤchſten Ausſpruch wol wuſte; daß es nicht gut / daß der Menſch alleine ſey; den biß daher gefuͤhr - ten einſamen Stand ſo viel behertzter: weil dieſe wichtigſte Veraͤnderung / nach des liebſten Herrn Vatern Rath reſolvirt, das groͤſte Vergnuͤgen nach ſich ziehen muſte. Mit was vor Rechte ſo wohl die geiſt - als weltlichen Geſetze das Frauenzimmer der Unbeſtaͤndigkeit beſchuldigen koͤnnen / laſſe dahin geſtellet ſeyn. Genung! daß nicht wenig Exempel derjenigen Weibes-Bilder zu finden: welche die Mannes-Perſonen an Standhafftigkeit uͤbertref -bfen:10Abdanckungs-Rede.fen: und unſere Selige alle und jede gluͤckliche und ungluͤckliche Veraͤnderungen in Jhrem damahls veraͤndertem Stande mit unveraͤndertem ſtandhaff - tigen Gemuͤthe zu ertragen gewuſt: gar wohl uͤber - legende: daß / nach dem Aldrobrandiniſchen Aus - ſpruche / die Standhafftigkeit gleichſam der Stecken und Stab ſey: worauf ſich alle andere Tugenden zu lehnen pflegten. Denn Sie erkennete es zwar mit demuͤthigſtem Dancke: als Sie der Hoͤchſte in Jh - rem Ehe-Stande nicht allein mit Guͤtern des Gluͤ - ckes vergnuͤglich ſegnete: ſondern auch mit vielen angenehmen Kindern erfreuete. Wenn Er aber auch zuweilen mit Ungluͤcke / und was das vor - nehmſte / Sie Selbſt / Jhren Liebſten und Kinder mit viel und groſſen Kranckheiten heim - ſuchete: ja gar etliche Jhrer Leibes-Fruͤchte wieder zu ſich forderte: hielt Sie es vor eine Schickung des jenigen: deſſen allgewaltigem Rathſchluß kein menſchlicher Witz noch Verſtand wiederſtehen koͤnne.

Und was ſoll ich von Jhrer allerletzten Veraͤn - derung ſagen? Wer weiß nicht / mit was vor einer ſonderbaren Freudigkeit Sie dieſer Welt / und allen deroſelben Veraͤnderungen Adieu gegeben: JhreSeele11Abdanckungs-Rede.Seele aber demjenigen anbefohlen: der ſelbige nun - mehro ſchon bereits der unveraͤnderlichen Ewigkeit einverleibet? Und dieſes iſt nun eben die Urſache / Hoch-geſchaͤtzte Anweſende / desjenigen Schmertzens: welcher nicht allein die Hoch-be - kuͤmmerten Vornehmen Eltern; die ver - lebte / und faſt ſchon mit einem Fuſſe in dem Grabe ſtehende Frau Schwieger - Mutter; die ſaͤmtlichen / meiſtens abwe - ſende und weit von hir entfernete Geſchwi - ſter / in das allerklaͤglichſte Leidweſen verſetzet: die hinterbliebenen gutentheils noch unerzogene vier Kinder aber zu Mutter-loſen Waͤyſen gemacht: ſondern auch vornehmlich unſern Hoch-betruͤ - bten Leidtragenden Herrn Wittber dermaſ - ſen getroffen: daß Er ſelbigen vor die allergroͤſſeſte / was ſag ich groͤſſeſte? aller-ungluͤckſeligſte Veraͤn - derung haͤlt: ſo Jhme die Zeit ſeines Lebens zuge - ſtoſſen. Zwar iſt es nicht ohne / daß der Tod ſo vie - ler geliebter Kinder / ſonderlich aber des letzteren hoͤchſt-angenehmen Toͤchterleins / welches kaum vorb 2einem12Abdanckungs-Rede.einem halben Jahr der Frau Mutter voran - gegangen / Jhm gleichfalls muſte ſehr empfindlich gefallen ſeyn: allein / wer ſiehet nicht / daß der Ver - luſt der Kinder erſetzlich geweſen: das Ableben aber dieſes ſeines geliebteſten Ehe-Schatzes nicht koͤnne erſetzet werden: und umb ſo viel ſchmertzlicher ſey: weil zugleich mit Jhr die Helffte ſeines Hertzens geſtorben? Zumahlen keine genauere Verbindung derer Hertzen: als diejenige / welche in dem Creyſſe eines Trau-Ringes geſchloſſen wird. Der Tod kan ſelbige zwar aufloͤſen: nicht aber zu - gleich das Gedaͤchtniß der geliebten Perſon in dem Hertzen ausloͤſchen: wie etwan dasjenige / was der Pinſel an die Wand mahlet / durch die Naͤſſe abge - wiſchet werden kan. Trauer-Kleider ſind zwar ein aͤuſſerliches Zeichen desjenigen Betruͤbniſſes / ſo das Hertze betroffen: es geſchiehet aber doch gleichwol nicht ſelten: daß unter einem ſchwartzen Kleide ein froͤliches Gemuͤthe verborgen lieget. Bey unſerm Hoch-betruͤbten Herrn Leidtragenden ſiehet von auſſen das Kleid / von innen aber das Gemuͤthe recht ſchwartz aus: weil ſeine hoͤchſt -ange -13Abdanckungs-Rede.angenehme Ehe-Sonne untergangen: und da - durch bey Jhme alles in finſtere und truͤbe Nacht veraͤndert worden. Jener Spanier wolte ſeinen ungemeinen Gemuͤths-Kummer recht wichtig vor - ſtellen / und aufs empfindlichſte exprimiren: konte aber keine Farben / ſo ein nachdruͤckliches Sinnen - Bild zu entwerffen / erfinden: dardurch er ſein Ver - langen erfuͤllet haͤtte: ließ derohalben endlich eine ſchwartze aber gantz leere Taffel mahlen / und auf ſelbige nur dieſe Worte ſchreiben: Non poteſt pin - gi: anzuzeigen: ſein Kummer waͤre ſo groß / daß er nicht vorgeſtellet werden koͤnte. Wir wuͤrden ſchwerlich eine ſo groſſe Taffel finden / Hoch-ge - ſchaͤtzte Anweſende: darauf wir das Betruͤb - niß der ſaͤmtlichen Vornehmen Leidtragen - den Familie genugſam abſchildern koͤnten: muͤſ - ſen derohalben obgedachtem Spanier ſeine ſchwartze leere Taffel abborgen: und obgedachte Worte da - rauf ſetzen: Non poteſt pingi: Jhr empfundenes Leidweſen koͤnte unmoͤglich mit Worten genungſam beſchrieben werden. Allein Sie laſſen doch dero bekuͤmmertes Gemuͤthe in etwas fahren / Hoch-be -b 3truͤbte14Abdanckungs-Rede.truͤbte Leidtragende: und uͤberlegen hoch-ver - nuͤnfftig: daß unſere in GOTT ruhende durch Jhr zwar allzufruͤhes / aber doch hoͤchſt-ſeliges Ableben alle und jede Veraͤnderungen der Welt uͤberwunden. Wir Chriſten lachen billich uͤber den naͤrriſchen Wahn derer Mohren: welche ſich einbil - den: wenn einer von ihnen ſtuͤrbet: verreiſe er in ein fremdes Land: und veraͤndere daſelbſt ſeine ſchwar - tze mit der weiſſen Farbe: weil wir viel beſſer unter - richtet: daß der Tod die ſchwartzen Suͤnden-Decken zwar ab / und die weiſſe Sieges-Farben glaͤubigen Chriſten anlege: doch nicht in eitelem Schatten - werck / ſondern ewigem Vergnuͤgen. Unſere Selige iſt bereits in dem Orte der Vollkommen - heit angelanget: allwo Sie alle Flecken der Unvoll - kommenheit abgeleget: und hinkuͤnfftig gantz kei - ner Veraͤnderung mehr wird unterworffen ſeyn.

Hoch-geſchaͤtzte Leichen-Begleiter / Sie haben bißhero mit unveraͤnderter Geduld und hoch - geneigter Aufmerckſamkeit derjenigen Veraͤnderung zugehoͤret: welche ſich mit unſerer ſeligen Frau Knorrin zugetragen: und dardurch eine ſonder -bare15Abdanckungs-Rede.bare Marqve unveraͤnderter Gewogenheit nicht al - lein gegen die Selige / ſondern auch gegen die ſaͤmtliche Vornehme Leidtragende Freund - ſchafft von ſich ſpuͤhren laſſen. Solches erkennen nun Selbige mit gehorſamſter Verbundenheit: und weil es Jhnen in dieſem groſſen Betruͤbniſſe unmoͤg - lich faͤllet: Jhre Danck-Beflieſſenheit hirvon per - ſoͤnlich zu declariren: als haben Sie ſolches zu thun / meiner Wenigkeit Befehl ertheilet: nebſt ange - haͤngtem treu-meinendem Wunſche: der Hoͤchſte GOTT wolle dero allerſeits reſpectivè Vornehme Haͤuſer und Hoch-geſchaͤtzte Familien ins kuͤnfftige vor dergleichen und allen andern betruͤbten Veraͤnderungen in Gnaden behuͤtten: damit Sie lange Zeit von ſelbigen nichts als erſinnliches Vergnuͤ - gen vernehmen moͤgen! Unterdeſſen vergoͤn - nen Sie mir noch zu guter Letzte / der Seligen zu Ehren nachfolgende Zeilen auf Deroſelben Grufft zu ſetzen:

Die16Abdanckungs-Rede.
Die Welt veraͤndert ſich: wir leben in der
Welt:
Und alſo muß uns viel Veraͤnderung betreffen.
Die Selige iſt ſchon den Engeln zugeſellt:
Da uns manch Ungluͤck noch in dieſer Welt wird
aͤffen.
Drumb ruffet Sie zuletzt aus Jhrer Grabe-ſtatt:
Gluͤckſelig / wer ſich ſo / wie Jch / veraͤn -
dert hat!
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BEgluͤckt und ſeelig iſt fuͤrwar der Menſch
zu preiſen:
Der / wann er letzlich ſoll aus dieſer Welt
abreiſen /
Der Sinnen und Vernunfft ſich noch gebrau -
chen kan:
Des Hoͤchſten Gnade zeigt ſich ihme mercklich an.
Ja wohl! Man ſpuͤret recht des Himmels reichen
Segen /
Der denen wiederfaͤhrt / die geh[ ']n auff ſeinen Wegen;
Wañ er vernuͤnfftiglich ſein irdiſch Haus beſchickt:
Und alſo wohlgeruͤſt zum Himmliſchen anruͤckt.
Er laͤtzt zu gutter letzt ſich mit den lieben Seinen /
Sagt Freund und Feind Adicu, wie ſie vor ihm er -
ſcheinen:
Und was noch groͤſſer iſt / verſoͤhnet ſich mit GOtt /
Dem er getreu gelebt / bis in den ſanfften Tod.
Er macht das Leid zur Freud / das beyde Theile ruͤhret:
Denn jener geht getroſt und folgt dem / der ihn fuͤhret:
Die troͤſten ſich / die bey dem ſchoͤnen Abſchied ſind:
Weil er geworden iſt ein wahres Himmels-Kind.
Was darffs dann / Herr Patron / der bittern heiſſen
Thraͤnen?
Warumb laͤſt Er nicht nach mit aͤngſtiglichẽ Sehnen?
cJſt[18]
Jſt doch die Seeligſte ein Kind der Ewigkeit /
Und Sie geneuſt gewis der auserwehlten Freud.
Jhr Ende war recht ſchoͤn: die Zunge konte ſagen
Von him̃liſcher Begier / auch alle Schmertzen klagen:
Die Sinnen und Vernunfft die blieben unver -
ruͤckt:
Bis daß Sie ſanfft entſchlieff / und GOTT die
Seele ſchickt.
Den Kindern theilt Sie mit viel Muͤtterlichen
Segen /
Nachdem Sie Sie ermahnt / zu gehn auf Tugend -
Wegen:
Sie nahm von jederman nachdruͤcklichẽ Abſchied:
Und zuckte bey dem End auch nicht ein einig Glied.
Er preiſe doch davor des Allerhoͤchſten Guͤthe /
Und gebe ja nicht Raum dem Kummer im Gemuͤthe:
Er goͤnn Jhr dieſe Freud / und ſchicke Sich darein:
Es war des Himmels Schlus / Jhr Abſchied
muſte ſeyn.
Der Hoͤchſte wende fort ſolch ſchwere Trauer-Faͤlle
Von Deſſen wehrten Haus: und laß aus Seiner
Qvaͤlle /
Was Jhn zu Frieden ſtellt: Er gebe iederzeit /
Was Deſſen Leib und Seel vollkommentlich er -
freut!

Zu ſchuldigen Nach-Ruhm der Seligſten ſchrieb es Johann Mendelin Junge.

An[19]

An Seine Seligſt-verſtorbene Frau Mutter.

ACh! Mutter / ſoll Jch denn die Treu nicht
mehr genuͤſſen /
Die Sie von Anfang her Mir reichlich zuge -
wandt?
Soll Jch in Wayſen-Stand Mich ſchon verlaſſen
wiſſen /
Eh treuer Mutter Lieb Jch / noch zu jung /
erkant?
Ach! ſoll Jch unverhofft der vielen Mutter -
Sorgen
Mit Jhrem fruͤhen Tod / o Ungluͤck! ſeyn beraubt?
Bin Jch nur heut Jhr Sohn / verweiſet noch vorm
Morgen?
Ach ja! des Hoͤchſten Schluß hat anders nichts
erlaubt.
O rechtes Donner-Wort / das durch die Seele
dringet!
Wenn Sie Selbſt meldet an / daß Jhre Zeit
vorbey:
Wenn Sie nachdruͤckliche Vermahnungen vor -
bringet /
Wie unſer Aufferziehn forthin begluͤcket ſey.
c 2Wenn[20]
Wenn tauſend Segen Sie vom Hoͤchſten Uns
erbittet:
Und / als die Kraͤffte ſchwach / durch Andachts -
Wuntſch erfuͤllt /
Was Sie nicht ſprechen kan: damit Selbſt uͤber -
ſchuͤttet
Jhr eigene Begier / und Unſer Klagen ſtillt.
O rauhes Ungeluͤck / das Mich und Euch betroffen
Jhr Schweſtern / dehrer Stand itzt eine Mutter
braucht!
Wir hatten groſſes Gluͤck aus Jhrer Zucht zu hoffen:
Die kluͤglich eingericht / nun aber ach! verraucht.
Wie konte Sie Sich doch ſo viele Freude machen /
Wenn Jhre Sorgen Sie mit unſerm Wohl ver -
band /
Wenn Sie bey Tag und Nacht erwegte tauſend
Sachen /
Dadurch zu ſetzen Uns in vollen Gluͤckes-Stand!
Ach Mutter / Sie verzeih / daß Jch nur kindiſch
lalle:
Und als ein Schatten-Werck Jhr Lieben ſtelle vor:
Daß Jch auf dieſes / was Uns Kindern nuͤtzlich / falle:
Nicht Jhre Tugenden bring an der Sternen
Chor.
Jhr wohl-verdienter Ruhm ſchallt in dem gantzen
Lande.
Jhr[21]
Jhr Andachts-voller Geiſt und wahre Froͤm -
migkeit /
Jhr friedliches Gemuͤth / vergnuͤgt ſeyn mit dem
Stande
Jn den Sie GOTT geſetzt / der Demuth Rei -
nigkeit /
Die milde Hand / die Sie dem Armuth offt er -
wieſen /
Die Chriſtliche Gedult / wenn GOTT mit Creutz
belegt /
Die fromme Kinder-Zucht / wird taͤglich noch ge -
prieſen:
Und tauſend anderes / was Wirthſchaffts-Witz
betraͤgt.
Sie wird von jedem Stand mit Thraͤnen hoch
beklaget:
Als wenn Sie Freundin Selbſt von dem Ge -
bluͤthe waͤr /
Und Uns viel ruͤhmliches von Jhrem Thun ge -
ſaget:
Daſſelbe hoͤren Wir von allen Orthen her.
Wie ſolte nicht der Schmertz Uns zu dem Hertzen
dringen /
Die Wir / o Seligſte / von Jhrem Hertz er -
zeugt?
c 3Es[22]
Es kan ein kleines Gluͤck ſonſt alles wiederbrin -
gen /
Was Zeit und Unbeſtand zum Nachtheil daͤmpfft
und beugt.
Die Hoffnung aber wil Uns hier gar nichts erlau -
ben:
Sie ſelber trauret mit / daß ſie nicht helffen kan.
Doch bleibt zum Troſt ein feſt auf GOTT ge -
gruͤndter Glauben /
Der aller Wayſen Noth genaͤdig ſiehet an.
Jndeſſen werd Jch ſtets nach Jhrer Lehre
leben:
Mit Andacht und Gebeth dem Hoͤchſten danck -
bar ſeyn.
Mich ſoll kein ſtoltzes Gluͤck noch etwas ſonſt er -
heben /
Die fromme Demuth wil Jch ſtets verehren
rein.
Was Kuͤhnheit Jhr verſagt / ſoll itzt nach Jhrem
Willen
Gehorſam / wahre Treu mit rechter Liebes -
Brunſt
Beym Vater / der halb todt / zu groſſen Troſt er -
fuͤllen:
Der Edlen Tugend Trieb erwerben aller Gunſt.
Jhr[23]
Jhr aber ſoll mein Hertz auch in dem Grabe
dienen /
Wenn eyfrige Begier befolget Jhre Lehr.
Jſt Sie gleich todt / Jhr Ruhm muß dennoch ewig
gruͤnen:
Der Tugend Lob ſtirbt nicht / vergehet nimmer -
mehr.

Hiermit bezeugete ſein bertzinniges Trauren / we - gen allzufruͤhzeitigen Abſterbens ſeiner Liebſten Frau Mutter Peter Tobias Knorr.

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About this transcription

TextEs verändert sich alles in der Welt!
Author Hanns Christoph von Busch und Rosenbusch
Extent23 images; 2806 tokens; 1335 types; 20850 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationEs verändert sich alles in der Welt! wolte bey höchst-glücklicher Veränderung dieses Zeitlichen mit dem Ewigen/ der weiland Wohl-Edel-gebohrnen/ Hoher Sitt- und Tugend-Begabten Frauen/ Fr. Eva Maria Knorrin Hanns Christoph von Busch und Rosenbusch. . 23 S. Michael und Jacob ZippernGörlitz1696.

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Universitätsbibliothek Breslau Universitätsbibliothek Breslau, 4 O 582/1-2 / 509979

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Leichenpredigt; Gebrauchsliteratur; Leichenpredigt; ready; aedit

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  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-10T09:35:51Z
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Holding LibraryUniversitätsbibliothek Breslau
ShelfmarkUniversitätsbibliothek Breslau, 4 O 582/1-2 / 509979
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