PRIMS Full-text transcription (HTML)
[figure]
Deutſcher Sinn-Getichte Drey Tauſend.
Cum Gratiâ & Privilegio Sac. Cæſ. Majeſtatis.
[figure]
Breßlaw /Jn VerlegungCaſpar Kloßmanns/Gedruckt in der Baumanniſchen Druckerey durch Gottfried Gruͤndern.

An den Leſer.

GUnſtiger / geliebter Leſer / ich halte dafuͤr / daß dieſe meine Sinn-Getichte viel fuͤrre - dens oder fuͤrſprechens nicht beduͤrffen; denn ich werde alle Koͤpffe vn - ter meinen Hut doch nicht bringen / nem - lich niemanden zwingen / daß er meine Gedancken muͤſſe gut heiſſen: Allerding es nicht moͤglich in einem Garten zu verwehren / daß auff die Blumen nicht ſo wol Spinnen / als Bienen fallen. Jch ge - dencke nur etwas weniges vom Reimen - Maſſe; einmal / daß die Endungen der Reime zuſammen ſtimmen nur nach vn - ſerer Mund-Art wo ſie geſchrieben; deñ / wie es vielleicht frembden dannenher nicht fuͤglich lauten moͤchte / wie wir die ſelblautenden Buchſtaben außſprechen / alſo wuͤrde es auch in vnſren Ohren uͤbel klingen / zu reden wie die frembden reden / alſo / daß es nur noͤthig ſcheinet / im Reime ſich deß einheimiſchen Außſpruches zu ge -brau -brauchen: Nachmals / daß die einſylbigen oder einigliedrigen Worte / welche in der Deutſchen Sprache faſt das meiſte auß - machen / ich bald lang / bald kurtz geſetzet / offters in einem Reime / nicht ſo wol auß uͤberſehen / als daß der Beylaut im leſen vnd reden alsdenn ſo faͤllet / welcher ohne dieſes im Reim-ſchreiben faſt die beſte Richtſchnur iſt. Sonſt / daß ich die Poeti - ſchen Lateiniſchen Namen behalten / auch wol ſelbſt eigene nach Lateiniſcher Art zu zeiten erfunden / geſchiehet darumb: Daß jene ſchon Buͤrgerſchafft bey den Deut - ſchen gewonnen vnd gar gelaͤuffig / meine Sachen auch ſchwerlich ſo tieff vnter den gemeinen Poͤfel gerathen werden (ehe vnter die ſo der Poeterey kuͤndig /) die neuen deutſchen Namen aber noch etwas hart / vngewoͤhnlich ja wol mehr vnver - ſtaͤndlich als die Lateiniſchen kommen: Dieſe zur Sache ſich fuͤglicher ſchicken wollen / als im Deutſchen / weil doch jede Sprache jhre eigene Art vnd Geiſt hat /A ijwel -welcher einer andern Sprache nicht gerne dienen vnd ſich vnterwerffen wil. Der Jnnhale dieſer Getichte / handelt mei - ſtens von Sachen die in gemeinem Leben fuͤrkom̃en / daß dannenher offtmals mit dem gemeinen Wahn vnd niedriger Art geredet wird: Und weil die Sinn-Ge - tichte fuͤr kurtze Stichel-Getichte / die Stichel-Getichte fuͤr lange Sinn-Getich - te gehalten ſind / wird mir zugelaſſen ſeyn / ſo ich offters etwas frey gehe / in deme ich doch nur fuͤrhabe die Laſter zuverhoͤhnen / nicht aber zu billichen vnd ſtaͤrcken. Jm uͤbrigen / ob meiner Perſon anſtaͤndig der - gleichen Sachen ans Liecht zu laſſen / muß ich das Urtheil leidẽ; das weiß ich aber / iſt dem Leibe vergoͤnnet zu ruhen / iſt dem Ge - muͤte auch zugelaſſen bißweilen zu ſpie - len. Gehab dich wol lieber Leſer / bleibe wol geſinnet / vnd ſo ich gejrret / ſo den - cke daß du auch jrreſt / ſo du anders ein Menſch biſt.

Salomon von Golaw der Verkleinende.

Salomons von Golaw Deutſcher Sinn-Getichte Erſtes Tauſend.

Scaliger von der Poeterey oder Tiche - Kunſt im 2. Buch in der 125. Abtheilung. EJn (Epigramma) Sinn-Getichte / iſt ein kurtz Getichte / welches ſchlecht hin von einem Dinge / einer Perſon / oder derer Beginnen / etwas anzeiget / oder auch etwas fuͤr - her ſetzet / darauß es etwas gewiſſes ſchlieſſe / vnd folgere.
Hans Ulrich Muͤffling in ſeinen Blu - men auß deß Scaligers Schrifften / im drit - ten Brieffe oder Sendſchreiben. MAn muß die nicht hoͤren / welche ſchreyen / daß durch Ubung in der Tichterey / welche ernſteren vnd wichtigern Wiſſenſchafften zuſte - het / vergebens vnd vnfuͤglich verſchwendet werde. Denn / ſo man hierinnen Maß haͤlt / fehlet es nun ſo viel / daß das Gemuͤte damit ſolle ermuͤdet wer - den / daß ſie vielmehr ſchaͤrfferm vnd genauerm Nachdencken / dich wacker vnd munter mache. Daſelbſt weiter. Die Tichterey iſt anders nichts / als ein Ab - bildung vielerley Dinge / welche die menſchlichen Gemuͤter abzeucht vnd gleichſam ſaubert / durch zierliche vnd ſchickliche Fuͤgnuͤß / vom Roſt vnd Staube deß Uberdruſſes.

Deß Erſten Tauſend Erſtes Hundert.

1Erſtes Tauſend

1.

An etliche Lobſprecher eines verſtor - benen Heldens.
JHr klugen / derer Fauſt die Feder embſig fuͤhret
Zu klagen deſſen Tod / der an die Wolcken
ruͤhret
Durch Thaten ohne gleich / durch Thaten die der Welt /
Deß Himmels kurtze Gunſt / hat einig fuͤrgeſtellt
Zum Eigenthum zwar nicht / zum Wunder aber allen
So weit der Titan leucht; der Mut mag euch entfallen
Daß diß / wo ewig Ding genug zu ſchaffen hat /
Die Feder enden ſoll vnd ein papiernes Blat.
(winnet /
Weicht ab von da / wo Fleiß gar ſchwerlich Frucht ge -
Klagt nichts ſo ſehr als diß / das klagen jhr nicht koͤnnet.

2.

Hochzeit-Wuntſch.
So lebt nun / liebes Paar / lebt zwiſchen Krieg vñ morden
Jn dennoch ſuͤſſer Ruh vnd in dem ſchoͤnen Orden
Der lieben Einigkeit; lebt daß deß Gluͤckes neiden
Muß euch vnd euer Thun ſtets fliehen vnd vermeiden!
So wuͤntſchen etwas gilt / ſo woll auch diß Gott geben /
Daß jhr / wenn jhr ſeyd tod / noch lange moͤget leben /
Viel Soͤhne daß man deñ nach euch / dem Vater / nennet /
So viel der Toͤchter auch / nach euch / der Mutter / kennet.

3.

Uber die Schaͤferey Amœna, eines vngenanten Freundes.
Muſa, Venus, Charis ſchauet
Wie Amœna ſtaffeln bauet
Auff -2Erſtes Hundert.
Auffzuſteigen euren Thron!
Gebt jhr Raum zur rechten Seite
Schaffet daß man jhr bereite
Eine friſche Lorber-Kron.
Phœbus lehnt jhr ſeinen Wagen
Jhren Ruhm herumb zu tragen
Durch das blaue Sternen-Feld.
Hermes ſoll die Fluͤgel faſſen
Daß ſie ſey / verkuͤnden laſſen /
Zu dem ewig-ſeyn geſellt.
Bill ich! denn ſo hohe Sinnen
Muͤſſen andren Danck gewinnen
Als ein kriechend Erde-Geiſt /
Den man auß dem eignen nennen
Dennoch nicht mag recht erkennen /
Weil er andres iſt als heiſt.
Sinnen / die vom Himmelkommen
Werden billich auffgenommen
Jn das reine Himmel-klar /
Da der ſchwartzeu Erde Schatten
Glantz vnd Flammen jhrer Thaten
Nimmer mehr vertunckeln thar.

4.

Waffen-Anſtand.
VOn Anſtand vnd von Fried vnd vielen ſchoͤnen Dingen
Wil Fama dieſer Zeit ein neues Liedlein ſingen;
Doch weiß ich nicht obs new. Der Anſtand iſt gar alt /
Der Fried iſt auch fuͤr laͤngſt gar recht / gar wol beſtalt.
Was darff ein Anſtand ſeyn / wo nie man noch geſtritten /
Da Waffen vnd jhr Brauch / nach dieſes Krieges Sitten
A vGleich3Erſtes Tauſend
Gleich wie in einem Spiel / nur bloß zum Schertz vnd Schein
Und daß ſie nicht der Roſt zerfreß / in Haͤnden ſein?
Was darff ein Anſtand ſeyn / wo nie kein Feind ſich findet
Der zu bekriegen ſteht / vnd wo man ſich nur gruͤndet
Auff Meinung / vnſer Land / nach drauß geſchoͤpfftem Nutz
Alsdenn dem lieben GOtt zu geben in den Schutz?
Was darff ein Anſtand ſeyn / wo man die Krieges-Kinder
Gar glimpff - vnd guͤtlich meint / vnd bloß die feiſten Rinder
Sambt jhrer jungen Art / vnd etwa Pferd vnd Schwein
Schaf / Hun / Han / Ente / Gans / laͤſt ſeine Feinde ſeyn?
Der Fried iſt lange ſchon in vnſre Graͤntzen kommen
Da jene viel zwar vns / wir jhnen nichts / genommen /
Jn dem wir vns bemuͤht / O eine feine Kunſt!
Zu brechen jhren Trotz / durch vnſre gute Gunſt.
Es iſt ja Fried vnd Ruh im Lande gantz die voͤlle /
Das Feld haͤlt Sa bat-Tag / der Acker liget ſtille /
Und duldet nicht wie vor / daß jhm viel Wunden ſchlug
Deß Bauers frecher Arm vnd ein tyranniſch Pflug.
Es iſt ja Friede da; man darff ja mehr nicht ſorgen
Wie jeder Haab vnd Gut fuͤr Dieben haͤlt verborgen
Jn ſicherem Gemach; es bleibt ja Gold vnd Geld
Jn feſtem Hauſe ſo / wie durch das offen Feld.
Hierinn ſingt Fama falſch von Anſtand vnd von Friede;
Jhr Sinn ſey dieſer denn / daß weil die Welt iſt muͤde
Der alten Deutſchen Trew / nur mit Betriegligkeit
Man habe ſteten Fried vnd Krieg mit Redligkeit.

5.

Schertz vom Flachs-Nutze.
Gewiß / der liebe Flachs iſt gar ein nuͤtzes weſen;
Der / der es wo nicht glaubt / mag dieſe Reime leſen:
Ein Maͤgdlein gieng zu Stuhl vnd thaͤt / ich weiß nicht was /
Da war das Hembd jhr gut ſonſt waͤr ſie noch wol naß.
6. Tag /4Erſtes Hundert.

6.

Tag / vnd ein Tages-Wuntſch.
DJe Nacht iſt nun dahin / die Sonn iſt wieder kommen /
Der Schlaf deß Todes Bild iſt weg von vns genommen /
HERR Gott du reines Liecht / laß ferne von mir ſeyn
Der Suͤnden finſtre Werck / vnd gib nur deinen Schein!
Laß mich dein werthes Wort frey offentlich bekennen /
Laß mich in deiner Lieb vnd meines Nechſten brennen /
Laß meinen Sinn vnd Geiſt ſeyn wacker fuͤr vnd fuͤr
Zu thun was mir gebuͤhrt vnd wolgefaͤllet dir!
Und ſo mein muͤder Leib noch laͤnger ſoll beſchauen
Das Unrecht dieſer Welt / vnd dieſes Elend bauen /
HErꝛ GOtt / ſo gib Geduld / verleih beſtaͤndigkeit /
Laß ſcheinen deinen Troſt vnd hilff zu rechter Zeit!
Laß mir mein Augen nicht von eitlen Dingen blenden /
Nach koͤſtlich Ding der Welt / von dir / mein Hertze wenden /
Hilff daß ich mich nicht theil vnd bleibe gantz an dir /
Auff daß du hoͤchſtes Gutt mogſt bleiben auch in mir!
Wenn endlich denn mein Liecht vnd Leben muß vergehen /
So laß mich dort gantz ſchoͤn vnd wie verklaͤret ſtehen /
Da / wo du Sonnenſtral voll von Gerechtigkeit /
Schoͤn hell erleuchten wirſt die ſelig Ewigkeit!

7.

Nacht / vnd ein Nacht-Wuntſch.
DJe Mutter vnſrer Ruh / die Artzney vieler Sorgen
Die finſtre Nacht iſt da / die Sonne geht verborgen /
Die halbe Welt iſt ſchwartz / iſt traurig ohne Liecht /
Jſt gleichſam mehr nicht da / lebt zwar / lebt doch auch nicht.
HErꝛ GOtt / du heller Glantz / laß vnſer Hertz vnd Sinnen
Jm finſtren nimmer ſeyn / gib daß ſie wachen koͤnnen
Auch mitten in dem Schlaf / auff daß dein Goͤttlich Schein
Moͤg vnſrer Seele Liecht vnd helle Fackel ſeyn!
Wenn wir deß Kummers Laſt zu vnſren Haupten legen
So laß ſich deinen Geiſt in vnſrem Geiſte regen /
Und ſchaffe daß die Nacht / wenn vns der Tag erweckt
Der Suͤnden ſchnoͤde Buͤrd in allem hat verdeckt!
Laß5Erſtes Tauſend
Laß deiner Engel Dienſt auch vns zu Dienſte kommen!
Gib daß von vnſrem Haupt ſey Schad vnd Schmach genommen;
Auff daß der ſtarcke Feind der ſchwartze Fuͤrſt der Nacht
Deß Leibes ſuͤſſe Ruh vns nicht verbittert macht!
Und ſo es ſo ſoll ſeyn / daß heut ich noch ſoll gehen
Deß Todes finſtren Gang / ſo wollſtu bey mir ſtehen
Und gehen fuͤr mir her / ins Leben durch den Tod /
Jn Himmel auß der Welt / zur Freude von der Noth?

8.

Das Gebete.
Wenn die Welt mit Menſchen kriegt
Muß der Menſch mit Gotte kriegen;
Weil die Nothvns gegen liegt /
Muͤſſen wir fuͤr Gotte liegen /
Vnd durch beten endlich ſiegen.

9.

Verleumbder.
Jch kenn ein hoͤlliſch Volck die Bruͤder der Erinnen /
Ein Volck von ſuͤſſer Zung vnd von vergifften Sinnen.
Das zwiſchen Mund vnd Hertz / das zwiſchen Wort vnd That
Hat einen engen Raum / wie Oſt von Weſten hat.
Es lobt mich im Geſicht / es ſchaͤndet mich im Ruͤcken /
Es wil durch meine Schmach ſein eignes Laſter ſchmuͤcken /
Es ſehnet ſich empor verachtet alle Welt /
Und hat genug an dem / daß jhm es ſelbſt gefaͤllt.
Was iſt mir denn zu thun? Sonſt wil ich nichts jhm goͤnnen
Als daß ſein falſches Maul moͤg einen Stand gewinnen
Wo ſonſt durch holen Grund ein ſtinckend Athem zeucht /
Der auff die Ferſen zielt / vnd in die Naſen kreucht.

10.

Wein-Luft.
Wer mit Bacchus kaͤmpffen wil
Huͤte ſich vnd traw nicht viel;
Erſtlich6Erſtes Hundert.
Erſtlich ſchlaͤgt er auff die Beine
Trifft er dich; ſo biſt du ſeine.

11.

Mein vnd dein.
Alles machet mein vnd dein
Daß man nicht kan friedlich ſeyn.

12.

Buͤcher-leſen.
Wie die Honigmacherinnen
Auß viel Blumen ſaugen kuͤnnen
Jhren ſuͤſſen Nectar-Safft:
So auch vnſre Wiſſenſchafft /
Waͤchſt durch vnverſeumtes leſen
Jn ein gleichſam Goͤttlich Weſen.

13.

Brautſchrifft.
All jhr Kuͤnſtler in der Welt /
Derer kuͤhnes Auge-ſchauen
Euch ſo viel kan Haͤuſer baueu
Jn das blaue Goͤtter-Feld /
Koͤnnt jhr nicht voran mir ſagen
Was ſich gutes zu wird tragen /
Wenn ſich Mars zur Venus ſtellt
Jn dem ſchoͤnen Jungfern-Zeichen?
Tycho ſage was er wil /
Fehl ich / fehl ich doch nicht viel:
Kinder werden dannen reichen
Die deß Vaters tapffren Sinn /
Vnd der Mutter ſchoͤnes Kinn
Lieblich werden abegleichen.
14. Grab -7Erſtes Tauſend

14.

Grabſchrifft / eines Speiſe - oder Kuchelmeiſters.
Der hier begraben liegt / der hielt ſehr viel vom eſſen
Und kan im Grabe noch deß eſſens nicht vergeſſen;
Denn / weil er ſelbſt nicht mehr die Eſſens-Luſt kan buͤſſen
Gibt er ſein eigen Fleiſch den Wuͤrmen zu genieſſen.

15.

Von der Phyllide.
EJnes Morgens ſchaut ich gehen
Phyllis vor den Roſenſtrauch /
Da ſie nach gewohntem Brauch
Seine Zierden ſahe ſtehen.
Damals kont ich nicht vergleichen
Welches vnter jhnen wol /
Weil ſie beyd an Schoͤnheit voll /
Von dem Siege ſolte weichen:
Ob die Phyllis angenommen
Von den Roſen jhre Zier /
Oder ob vielleicht von jhr
Solche ſolcher Schein bekommeu /
War gar uͤbel zu beſcheiden /
Denn ich hatt in jhren Glantz
Mich vertieffet alſo gantz /
Muſte nur die Augen weiden.
Endlich hab ich doch erfahren /
Als der Sonne guͤldnes Rad
Traff den letzten Tages-Grad /
Daß die Roſen Diebe waren;
Weil8Erſtes Hundert.
Weil ſie hatten wollen gleichen /
Vnd der Phyllis ſtehlen ab
Jhrer Farbe ſchoͤnſte Gab /
Muſten bald ſie drauffverbleichen.

16.

Hochzeit-Wuntſch.
Lebt / liebes Paar / mit GOtt / lebt liebes Paar mit Segen /
Lebt / liebes Paar / im Gluͤck daß Neid euch koͤnn erregen /
Jch ſage noch einmal / lebt hin in ſuͤſſer Ruh
Biß Kindes / Kindes / Kind druͤck euer Augen zu!

17.

Ein andrer.
So lebt jhr beyde nun / lebt eines in der Liebe /
Lebt eines in dem Sinn / damit euch nicht betruͤbe
Deß Gluͤckes runde Macht / denn ſeine Tuͤck vnd Neid
Hat keinen andern Feind als Lieb vnd Einigkeit!
Jedoch woll Einſamkeit zur Einigkeit nicht kommen /
Noch eures Lebens Brauch euch eher ſeyn benommen /
Biß daß ſich denn zur Zeit die ſuͤſſe Zeit erweiſt /
Die Elter-Vater euch / euch Elter-Mutter heiſt!

18.

Ein andrer.
Wie jhr verbunden ſeyd / ſo ſey auch euch verbunden
Der Segen vnd das Heil / ſambt langen Lebe-Stunden!
GOtt creutzig euer Creutz / vnd Waſſer ſey euch Wein /
Biß jhr das vierdte Glied hoͤrt in der Wiege ſchreyn.

19.

Miſt-Juncker.
Ein zartes Mutter-Kind / das nie vom Haus entnommen /
Jſt einem Ochſen gleich / der nie vom Stalle kommen.
20. Paten -9Erſtes Tauſend

20.

Paten-Zettel.
Du kom̃ſt / O liebes Kind ein Gaſt in dieſe Welt /
Da gleich das Gaſthaus jetzt zu Grund vnd Bodem faͤllt
Durch / in / vnd mit ſich ſelbſt: Drumb iſt dir nun ſehr gut
Daß dir der Himmel bleibt / erkaufft durch Chriſti Blut.

21.

Grabſchrifft.
Da ich ſolte / kont ich leben /
Da ich ſolte / kont ich ſterben /
Denn das ewig zu erwerben
Kont ich ſterblich leichte geben.

22.

Hoffnung.
Auff was gutes iſt gut warten /
Vnd der Tag kom̃t nie zu ſpat
Der was gutes in ſich hat;
Schnelles Gluͤck hat ſchnelle Fahrten.

23.

Brautſchrifft. An den Braͤutigam.
Jch weiß nicht was man glaubt? Jch weiß nicht wem man
Jch haͤtt ein hohes Schloß / Herꝛ Braͤutigam gebauet
(trauet?
Auff eurer Worte Grund / als wie auff Fels vnd Stein /
Seh aber daß die Welt nur wil betrogen ſeyn
Und ich mit ſambt der Welt. Jhr ſprecht: Jhr ſeyd ergetzet
Daß auch deß Himmels Gunſt fuͤr Augen hat geſetzet
Den ſuͤſſen Hochzeit-Tag / vnd meinet doch die Nacht
Die euch zum Vater weiht / die Braut zur Mutter macht.
Weil ſchwartzes jhr nun meint / vnd weiſſes dennoch nennet /
So ſey euch / mercket drauff / zur Straffe zuerkennet /
Daß / wenn jhr meint es ſoll das erſt ein Soͤhnlein ſeyn /
So wird es E E E wie Mutter Eva ſchreyn.
24. An10Erſtes Hundert.

24.

An die Braut. Auß Verſetzung deß Nahmens; Eilff Knaben.
Jungfer Braut / in eurem Namen
Find ich ſo gewiß / als Amen /
Eurer Ehe Kinderlein.
Was darinnen von Eilff Knaben /
Wo iſt uͤbrig an Buchſtaben /
Werden lauter Toͤchter ſeyn.

25.

Hochzeit-Wuntſch.
Werthes Paar / das gantze Leben
Sey bey euch ein ſteter Krieg /
So / daß beyden ſey gegeben
Gleiche Beut vnd gleicher Sieg.
Kaͤmpfft mit Liebe gegen Liebe /
Vnd mit Trew kaͤmpfft gegen Trew /
Daß euch Zwieſpalt nie betruͤbe /
Niemals auch der Kauff berew.
Zwar / es wird wol offt geſchehen
Daß die Braut zu ſeiner Zeit /
Bey ſechs Wochen nicht wird ſehen
Wie die Wirthſchafft ſey bereit:
Doch bedeut es nichts denn Beute /
Wenn das Ziel fuͤrbey wird ſeyn /
Werden euren Schatz die Leute
Hoͤren auß der Wiege ſchreyn.
B26. Eine11Erſtes Tauſend

26.

Eine Schoͤn-heßliche.
Jch kenn ein Frauen-Bild / das waͤre voͤllig ſchoͤn /
Nur daß der Schoͤnheit Stuͤck in falſcher Ordnung ſtehn.

27.

Eine Schoͤne.
Wenn Menſchen GOtt ſonſt nicht erſchaffen haͤtte wollen /
Haͤtt eurentwegen nur er diß nicht laſſen ſollen.

28.

Hochzeit-Wuntſch.
Liebes Paar / lebt ſo im Leben /
Daß euch Wolfarth ſey gegeben
Wie zu einem Eigenthum!
Lebt / daß eurer Ehe Ruhm
Fuͤr / ſo wol / als nach dem Grabe /
Alle Welt zur folge habe!
Lebt! laſt ſehen daß jhr lebt /
Vnd nach langem Namen ſtrebt /
Daß nach viermal zehen Wochen
Jhr muſt backen Kindlein-Kuchen!

29.

Das hoͤchſte Gut.
Zum hoͤchſten Gut in dieſer Welt
Wehlt jeder / was jhm ſelbſt gefaͤllt;
Gar im Schoß ſigt der dem Gluͤcke
Dem gegeben ſind vier Stuͤcke:
Ein guͤtig Gott /
Ein liebes Weib /
Ein friſcher Leib /
Ein ſelig Tod.
30. Ho -12Erſtes Hundert.

30.

Hoheit / hat Gefahr.
Auff ſchlechter ebner Bahn iſt gut vnd ſicher wallen:
Wer hoch geſeſſen iſt / hat niedrig nicht zu fallen.

31.

Hier / ſind wir: Dort / bleiben wir.
Jch bin / ich bleibe nicht in dieſer ſchnoͤden Welt /
Und weil das bleiben mehr mir als das ſeyn gefaͤllt /
So lieb ich ſterben mehr als leben / weil ich kan
So hoͤren auff zu ſeyn / zu bleiben fangen an.

32.

Liebes-Flammen.
Hat die Liebe Feuers-Art
Weil ſie hitzt vnd brennt;
Wie daß jhrer Flammen Fahrt
Sich Thal-ein denn wendt?

33.

Schoͤnheit.
Wenn der Schoͤnheit ſchoͤne Frucht
Waͤre Keuſchheit / Ehr vnd Zucht /
Waͤren manche ſchoͤne Wangen
Nicht ins Hurenhaus gegangen /
Manches krauſes Haar waͤr nicht
Mit der Grichen II verpflicht.

34.

Gluͤcke waͤget die Freunde.
Boͤſes Gluͤck hat dieſe Guͤtte /
Daß die vngewiſſen Sachen
Vns gewiſſe Freunde machen;
Daß man ſich fuͤr denen huͤtte
B ijDie13Erſtes Tauſend
Die nicht die ſind die ſie ſcheinen /
Sondern vnſer Gut gut meinen.

35.

Zagheit.
Wenn ein Harniſch waͤre gut
Fuͤr die Zagheit / Furcht vnd Schrecken;
Wenn ein Spieß vnd eiſern Hut
Koͤnten Mut vnd Hertz erwecken /
Ey was haͤtten die fuͤr Zeit
Die ein ſolches Waffen ſchluͤgen?
Wuͤrd jhr Gold doch / glaͤub ich / weit
Alles Eiſen uͤberwiegen.

36.

Gerechtigkeit deß Neides.
Keine Straff iſt außgeſetzet
Auff deß Neides Gifft;
Denn er iſt zu aller Zeit
Selbſten voll Gerechtigkeit /
Daß er meiſtens trifft /
Vnd ſich durch ſich ſelbſt verletzet.

37.

Pruͤfe / denn liebe.
Kenne vor vnd traw nicht bald;
Traw wol / hat das Pferd verrieten:
Kenne nicht / hat frembde Sitten:
Fruͤhe-zeitig wird nicht alt.
38. An14Erſtes Hundert.

38.

An einen vortrefflichen Mann.
Niemand / mein Freund / haſſet dich /
Nur der Tod fuͤhrt viel Beſchwerden /
Weil er muß befahren ſich
Daß du wirſt ſein Meiſter werden.

39.

An einen lieblichen Poeten.
Jſt wo wer / der widerſpricht /
Daß die Pierinnen nicht
Mit der Fraw von Gnidus Sinnen
Ein vernemen haben koͤnnen?
Was dein Mund / mein Freund / bericht /
Was nur deine Muſa ticht /
Schaut man nicht voll auff darinnen
Lauter Venus ſich entſpinnen?

40.

An eben denſelbten.
Daß die dreymal drey Goͤttinnen
Dich ſo herꝛlich angenommen /
Da du diſt auff Pindus kommen /
Jſt geſchehen / daß ſie koͤnnen /
Jetzund fuͤr Bellona wuͤten /
Jhren Stand durch dich behuͤten /
Vnd ein Haus in dir gewinnen.

41.

Grabſchrifft.
Dem Himmel war ich nur vnd nicht der Welt geboren
Was hab ich / ſterb ich gleich / durch ſterben denn verloren?
B iij42. An15Erſtes Tauſend

42.

An einen kriegriſchen Held.
Als auß deiner Sinnen Staͤrcke
Jupiter nam ein gemercke /
Daß du durch ſo kuͤhnes ſtreiten
Wuͤrdeſt biß in Himmel ſchreiten /
Sprach er: Vns die Ehre bleibe!
Dannenh er ich einverleibe
Dieſen Held / nach Himmels-Rechte!
Jn der Goͤtter alt Geſchlechte;
Denn er moͤcht auß eignen Thaten
Fuͤr ſich ſelbſt hie her gerathen.

43.

An einen gelehrten Held.
Weil der Pallas Jungferſchafft
Jſt der Keufchheit ſo verhafft /
Daß ſie denn nun jhre Pflicht
Jetzt in deiner Liebe bricht?
Keiner iſt / als du / ſo gar /
Welcher jhrer wuͤrdig war.

44.

An eben denſelbten.
Phœbus iſt nicht gar dein Freund /
Weil du mehr / er minder ſcheint /
Auſſer jhm / der Phœbe Liecht;
Auſſer dir / Glantz jhm gebricht.
45. Auff16Erſtes Hundert.

45.

Auff einen gluͤckſeligen Schelmen.
Dir ſey / ſagſt du / bald gewehret /
Was du dir nur kanſt gedencken:
Schade / daß du nie begehret
Daß du maͤchſt am Galgen hencken!

46.

Hochzeit-Wuntſch.
Wolfahrt muͤſſe / liebes Paar /
Euch wie jhr euch ſelbſten lieben /
Gluͤcke muß auch jmmerdar
Sich in euren Dienſten uͤben.
Segen / Heil vnd Seligkeit
Muͤß euch in die Arme ſchlieſſen /
So / wie jhr zu ſeiner Zeit
Werdet Kindes-Kinder kuͤſſen.

47.

Ein andrer.
Theures Paar / ſeyd ſo beſuͤſſet
Mit der Liebe Liebligkeit /
Daß jhr drinnen nichts nicht wiſſet
Als von Fried vnd Freudens-Zeit;
Biß jhr denn nach langen Jahren
Schauet / durch deß Prieſters Hand /
Euer Kindes-Kind ſich paaren /
Jn den ſuͤſſen Liebe-Stand.
B iiijVer -17Erſtes Tauſend

48.

Vertorbene Kauffmannſchafft.
Bey dem Baͤcker kauffen Korn / bey dem Schmiede kauffen Kohlen /
Bey dem Schneider kauffen Zwirn / hilfft dem Haͤndler auff die
Solen.

49.

Sparſamkeit.
Wenn die Jugend eigen wuͤſte /
Was das Alter haben muͤſte:
Sparte ſie die meiſten Luͤſte.

50.

Das Land in der Stadt.
Wer nach dem Land jetzund wil auff dem Lande fragen /
Der jrrt; Mars hat das Land laͤngſt in die Stadt getragen.

51.

Zwieſpalt der Staͤdte vnd deß Landes.
Weiſtu wannen her die Stadt
Mehr vnd mehr das Land ſo haſſet?
Weil der Landmann mehr nichts hat
Daß der Buͤrger an ſich faſſet.

52.

Die jetzigen Soldaten.
Sind Martis Kinder nicht feine geſegnete Leute?
Was Gott / Menſch / Feind / Freund hat wird jhre taͤgliche Beute.

53.

Eine Einigung zwiſchen Jove vnd Marte.
Es hat mich juͤngſt ein Freund auß Pindus laſſen wiſſen /
Daß Jupiter vnd Mars wolt einen Friede ſchlieſſen:
So Mars hinfort nicht mehr bey allen ſeinen Tagen
Nach Himmel / vnd nach dem was him̃liſch iſt / wil fragen;
Wil18Erſtes Hundert.
Wil Jupiter da hin ſich bindlich denn erklaͤren:
Dem Mars noch nebſt der Welt / die Hoͤlle zu gewehren.

54.

Kunſt verſtummet.
Daß jetzund die Pierinnen /
Mars / fuͤr dir nicht reden koͤnnen /
Frew dich nicht; es iſt jhr Wille /
Vngehindert in der Stille
Sich mit Rechte zu berathen
Auff ein Vrtheil deiner Thaten.

55.

Untreuer Krieg.
Was ſich reimt das ſchickt ſich auch /
Spricht der friſche Landes-Brauch;
Drumb ſo ſchickt ſich liegen / triegen /
Auch ſo fein zu vnſerm kriegen.

56.

Zeiten-wandeln.
Sich in ſich vnd vns in jhr
Endert Zeit nur fuͤr vnd fuͤr;
Drumb ſind auß dem Landsknecht-Orden
Lauter Landes-Herren worden.

57.

Die Erde wird bewegt.
Daß der Himmel ſtille ſteht /
Daß die Erde rumher geht
Steht zu glauben: Vnſer Land
Hat ſich hinter ſich gewand /
Daß nunmehr der Jungfer ſtat
Dieſe Zeit der Krebes hat.
B vUnter -19Erſtes Tauſend

58.

Unterſcheid zwiſchen Land-Mann vnd Lands-Knecht.
Vnterſcheiden muß man recht
Landes-Mann vnd Landes-Knecht;
Jener muß / wenn dieſer wil:
Jener gibt / nim̃t dieſer viel:
Jener dient / vnd dieſer ſchafft:
Jenes Angſt / iſt deſſen Krafft:
Dieſer raubt die gute Zeit /
Jenem bleibt die Seligkeit.

59.

Von einem eintzelen Freunde meiner Reimen.
Meine Muſa hat kaum einen /
Der jhr Phœbus wil erſcheinen;
Gar genug! Sie hat alleine /
Was fuͤr ſich ſonſt in gemeine /
Alle dreymal drey Goͤttinnen
Dieſer Zeit kaum haben koͤnnen.

60.

Fleiſch-Marckt.
Wer hier nur iſt bekant
Der weiß / man kaufft jetzund /
Das Fleiſch zwar / durch das Pfund /
Die Weiber / nach der Hand.
61. Mars20Erſtes Hundert.

61.

Mars vnd Venus ſind zugehoͤrige.
Wer Poeten nennet Tichter /
Jſt ein vngerechter Richter;
Heute kan man noch erfahren
Daß ſich Mars vnd Venus paaren /
Denn es iſt ein Theil vom kriegen
Auff der Magd zu Felde liegen.

62.

Nicht zu hoch!
Jch trachte nicht nach hohen Dingen /
Jch geh gern auff der niedren Bahn /
Fing Clepticus zu ſagen an /
Da man jhn ſolt an Galgen ſchlingen.

63.

Die freſſige Zeit.
Vnſer Zeit vnd jhr Geſinde
Freſſen geitzig vnd geſchwinde
Alles auff biß an den Grund:
Wetten wil ich / daß jhr Schlund
Kuͤrtzlich rauß gibt vngedeuet
Was ſie freſſen vngekeuet.

64.

Cogere milites,Soldatenwerben , and • zwingen.  
Mars verhoͤnt nur das Latein /
Muß doch ſelbſt Lateiniſch ſeyn /
Wil er Voͤlcker an ſich bringen
Muß er vor die Knechte zwingen.
65. Der21Erſtes Tauſend

65.

Der Tod iſt der Suͤnder vnd der Krieger Sold.
Die Suͤnder haben Sold; Sold haben auch Soldaten:
Der Tod iſt gleicher Lohn auff jhre gleiche Thaten.

66.

Damen vnd Chevalliers.
Die Damen wolln von nichts als Chevalliers jetzt wiſſen;
Das macht ſie ſind zum Krieg auff Renterey befliſſen.

67.

Unterſcheid der Woͤrter Dame vnd Dama.
Was Dame ſey / vnd denn was Dama, wird verſpuͤret /
Daß jene Hoͤrner macht / vnd dieſe Hoͤrner fuͤhret.

68.

Roſenobel / der Soldaten Winter - Blumen.
Der Fruͤhling fodert Blut / der Winter gibet Gold /
Drumb iſt dem Winter Mars, vnd nicht dem Fruͤhling hold;
Hier / wachſen rothe; dort / entſprieſſen Edle-Roſen /
Wer wolte denen nicht / fuͤr jenen / liebekoſen?

69.

Auff den Tadler.
Dein Momus wil ich nicht ſeyn / Momus, noch vernichten
Dein Urtheil / wenn du ſprichſt: Das Vers - vnd Reime-Tichten
Sey Schulenfuͤchſerey. Wie aber / daß das leſen
Noch giltig bey dir iſt / als Schulenfuͤchſiſch Weſen?
Ey lieber lies nicht mehr / ſonſt wirſt du gar zum Kinde /
Und darffſt / daß dir mein Reim noch eine Ruthe binde.
70. Auff22Erſtes Hundert.

70.

Auff dergleichen.
Zoilus haͤlt nichts vom tichten /
Pflegt Poeten zu vernichten /
Daß nicht Midas Eſels-Kopff
Jhm wo auff die Achſeln hopff.

71.

Die vnartige Zeit.
Die Alten konten froͤlich ſingen
Von tapffern deutſchen Heldens-Dingen
Die jhre Vaͤter außgeuͤbet /
Wo Gott noch vns ja Kinder gibet /
Die werden vnſrer Zeit Beginnen
Beheulen / nicht beſingen koͤnnen.

72.

Von meinem Buche.
Kuͤndig iſts / daß in der Welt
Sich zum Guten Boͤſes finde:
Wenn mein Buch nur waͤr geſtellt /
Daß beym Boͤſen Gutes ſtuͤnde!

73.

An die Leſer.
Dieſes Buch / ſoll Monde ſeyn;
Leſer aber / ſeine Sonnen /
So / daß durch der Sonnen Schein
Auch der Monde ſey entbrunnen.
74. Kunſt23Erſtes Tauſend

74.

Kunſt von Gott.
Daß der Muſen alter Stam̃
Her vom Himmel Anfang nam /
Macht / daß auch ein Edelmann
Sich zu jhnen freunden kan.

75.

Feſte Stadt / wuͤſte Land.
Seither daß vnſer Stadt verſchantzet vnd bewehret /
Seither iſt vnſer Land verwuͤſtet vnd verheret.

76.

Von dem Brauch der Naſamonum vnd Augilarum.
Manche Braut bleibt nicht zu frieden /
Daß jetzt der Brauch bleibt vermieden /
Das nicht thun am Hochzeit-Feſte /
Was der Braͤutgam thut / die Gaͤſte.

77.

Auff Venerillam.
Venerilla haſſet Schertz
Was ſie meynt / das iſt jhr Hertz.
Wer an jhr was ſuchen wil
Such / vnd feume nicht zu viel.
Der nichts ſagt / vnd viel doch thut /
Jſt fuͤr Venerilla gut.

78.

Auff den bellenden Tadler.
Wenn die Verſe gelten wolten
Mir / wie ſie dem Naſo gulten /
Haͤtt24Erſtes Hundert.
Haͤtt ich laͤngſt den Ketten-Hunden
Meinen Momus beygebunden.

79.

Von den Weiber-Bruͤſten.
Wie kom̃ts / daß Frauen-Volck ſo klare Stimmen fuͤhret?
Weil duppelt Blaſebalg hart an jhr Lufftroͤhr ruͤhret.

80.

Von der Weiber Plauderey.
Die Weiber reden laut / ſie reden lang vnd offt /
Den Athem oben zu / mehrt vnten auff die Lufft.

81.

Von dem Gebrauch der Balearen.
Der Balearen Brauch iſt zwar zu vns nicht kommen /
Daß durch die Gaͤſte vor / der Braut wird abgenommen
Was ſonſt der Braͤutgam nim̃t: Doch hoͤrt man / mancher mag
Thun vor / was erſt man dort thaͤt auff den Hochzeit-Tag.

82.

Betriegliche Hoffnung.
Der ſeinen Segel hin nach Engeland gewendet /
Jſt manchmal durch den Wind in Holland angelaͤndet:
Und der durchs enge Meer zu lauffen jhm getrauet
Hat vnverhofft ſein Schiff in offner See geſchauet:
Wer manchmals eine Nuß fuͤr gut hat angeruͤhret
Hat drinnen einen Wurm vnd dran ein Loch verſpuͤret:
Ob Jungefraw zwar nicht vnd Jungfraw / hoch entſchieden /
Jſt dem doch wol / der nam die / die das E! vermieden.

83.

Unterſcheid zwiſchen Jungfraw vnd Jungefraw.
Was Junge-Fraw / vnd denn was Jungfraw / wird erkant /
Daß dieſes Wort iſt gantz / vnd jenes iſt getrant.
84. Der25Erſtes Tauſend

84.

Der Zeiten Schauſpiel.
Es denckt mich noch ein Spiel bey meinen jungen Jahren /
Drinn ich ein Koͤnig war / da andre Knechte waren /
Da nun das Spiel war auß / fiel meine Hoheit hin /
Und ich ward wieder der / der ich noch jetzo din:
Der heutige Gebrauch traͤgt gleichſam ein ergetzen
Die Bauren dieſer Zeit den Fuͤrſten beyzuſetzen:
Schimpff aber iſt nicht Ernſt; vnd deß Saturnus Feſt
Jſt einmal nur deß Jahrs / zu Rom im Brauch geweſt.

85.

Schwanger ſeyn / ſchadet dem ſchoͤn ſeyn.
Schwanger ſeyn / iſt eine Schande /
Keine Schand in Bulſchafft ſchweben:
Dannenher in vnſrem Lande
Huren mehr / als Muͤtter leben.

86.

Fluͤchtige Tugend.
Die Tugend iſt ein Weib / ſo Mahlern iſt zu glauben;
Drumb fleucht ſie / Monſieur Mars moͤcht jhr die Keuſchheit
rauden.

87.

Adels-Feinde.
Edelleute muß man laſſen
Von den Eſelleuten haſſen;
Wer nur gut iſt / meint es gut
Auff das edle Ritters-Blut.

88.

Die verkoppelte Freundſchafft
Der Freundſchafft keuſcher Stand / war weiland voller Ehren:
Jetzt laͤſt ſie ſich durch Geld / zum Huren-Brauch bethoͤren.
89. Auff26Erſtes Hundert.

89.

Auff Pudibundam.
Pudibunda, wie ſie ſpricht /
Ehret hoch deß Tages Licht /
Wer mit jhres Leibes Gaben
Noch fuͤr Nachtes ſich wil laben /
Muß ſich muͤhen daß er macht /
Wenn es Mittag / Mitternacht;
Kan er ſonſt nicht Rath erfinden
Muß er jhr das Haupt verbinden:
Manchem kum̃t es / ders geneuſt
Daß ſie ſelbſt die Augen ſchleuſt.

90.

Neunerley Fragen / vnd neunerley Antwort.
1. Wie kuͤm̃t es / daß die Welt im argen iſt verſuncken? Sie ließ den rechten Weg vnd gieng nur nach geduncken.
2. Wie kuͤm̃t es / daß die Zeit nicht wil gebeſſert werden? Die Menſchen in der Zeit verboͤſern die Geberden.
3. Wie kuͤm̃t es / daß die Laſt der Noth die Welt ſo drucket? Sie jſſet jetzund auß / was ſie vor eingebrocket.
4. Wie daß vns Rath vnd That ſo wenig wil erſprieſſen? Drum daß / wie wir von GOtt / GOtt nichts von vns wil wiſſen.
5. Wie daß ſich die Fortun ſo ploͤtzlich hat gewandelt? Weil der / der ſie bekam / ſie uͤbel hat gehandelt.
6. Wie koͤm̃t es / daß jetzund die Boͤſen oben ſchweben? Wer hoͤchlich fallen ſoll / den muß man hoch erheben.
7. Wie kuͤm̃t es / daß jetzund die Frommen vnten liegen? Sie kaͤmpffen mit Gefahr / mit Ehren drauff zu ſiegen.
8. Wie daß vns wil die Zucht zur Sicherheit gelaugen? Dieweil der letzte Tag die Welt wil ehſtes fangen.
C9. Kuͤm̃t27Erſtes Tauſend
9. Kuͤm̃t aber keine Zeit / darinn es beſſer werde? New Himmel iſt nicht weit / nicht weit iſt auch New Erde.

91.

Die letzte Brunſt der Welt.
Vnſre Welt iſt Schlaͤge-faul
Setzt ſich wie ein ſtaͤtig Gaul!
Wil ſie Gott zu Stande bringen
Muß er ſie mit Feuer zwingen.
Jene Welt ertranck durch Flut /
Dieſe Welt erfodert Glut.

92.

Vom Kaͤyſer Probus.
Kaͤyſer Probus wolte ſchaffen
Daß man duͤrffte keiner Waffen.
O wo iſt bey vnſren Tagen
Kaͤyſer Probus zu erfragen?

93.

Huren-Zeit.
Durch Proculus geſchahs daß zehnmal zehn Jungfrauen
Nach dreymal fuͤnffter Nacht man konte Weiber ſchauen.
Kum̃ wieder Proculus! Weil in den Frauen-Orden
Faſt jede Jungfer wil / iſt Mars gar muͤde worden.

94.

Rhein-Fluß.
Der dich erſtlich nante Rhein
Wolte / glaub ich / ſprechen Wein:
Der dich erſtlich nante Rhenus,
Wolte glaub ich ſprechen Vonus:
Was die Venus im Latein
Jſt vns / Rhenus, deutſch dein Wein.
95. Rhein -28Erſtes Hundert.

95.

Rhein-Wein.
Reimet ſich gleich Wein vnd Rhein /
Reimt ſich Waſſer nicht mit Wein.

96.

Wo Herren / da Narren.
Ey man muß dem Hofe-Leben
Fuͤr den andren Fuͤrzug geben!
Denn bey groſſer Herren Tiſche
Sind ſtets Haſ vnd Stoͤckelfiſche.

97.

Hofe-Leben.
Das Hofe-Leben iſt ein rechtes Hoffe-Leben;
Denn da verſpricht man Gunſt / vnd Ungunſt wird gege -
(ben.

98.

Fleiß bringt Schweiß / Schweiß bringt Preis.
Jederman hat gerne Preis /
Niemand macht jhm gerne Schweis:
Wer der Arbeit Marck wil niſſen /
Muß jhr Bein zu brechen wiſſen.

99.

Auff eines Helden Verleumder.
Da du lebteſt / werther Held /
Ward dein Ruhm Berg-auff geſtellt;
Nun von vns du biſt entwand
Wird dein Ruhm kaum noch erkannt:
Naͤmlich wenn der Loͤw ligt tod /
Jſt er auch der Haſen Spot.

100.

Der Natur-Weg.
Wer / wie die Menſchheit geht / wil wiſſen jhre Spur /
Der wiſſe: Sie geht von / durch / in / auß der Natur.

Deß Erſten Tauſend Andres Hundert.

30Erſtes Tauſend

1.

Die Warheit im Wein.
WArheit ſteckt in dir O Wein!
Wie wil der denn ſcheltbar ſeyn /
Der die Warheit zu ergruͤnden
Sich beym Bacchus viel laͤſt finden?

2.

Wein / der Poeten Pferd.
JHrer viel ſind zwar befliſſen
Sich im Helicon zu wiſſen /
Ob ſie gleich nun ziehn vnd ziehn
Kommen langſam ſie doch hin /
Denn jhr beſtes Pferd iſt heuer
Viel zu ſeltſam vnd zu theuer.

3.

Auff den Bibulum.
BIbulus iſt gar nicht ſtoltz /
Denn er trincket Wein auß Holtz /
Faͤngt in Ziehn ſein klares Waſſer;
Jſt er dannenher ein Praſſer?

4.

Hunger.
HVnger iſt der beſte Koch /
Dieſes mangelt jhm nur noch /
Daß er / wie ſonſt andre Sachen /
Sich nicht ſelbſt kan ſchmaghafft machen.
5. Jung -31Andres Hundert.

5.

Jungfrauſchafft.
JVngfrauſchafft iſt zwar ein Sieg
Wider vnſres Fleiſches Krieg:
Doch ſind viel die fuͤr das ſiegen
Lieber wollen vnten liegen.

6.

Eigen-Lob.
DVppler / nicht ein eintzler Mund /
Gibt der Warheit jhren Grund;
Drum kan der nicht gelten viel /
Der ſich ſelbſt nur loben wil.

7.

Auff Hornutum.
HOrnutus las: Was Gott Job habe weggenommen
Sey duppelt jhm hernach zu Hauſe wieder kummen /
Wie gut / ſprach er / war diß / daß Gott ſein Weib nicht nam /
Auff daß Job jhrer zwey / fuͤr eine / nicht bekam.

8.

Von Jobs Weibe.
WJe kam es / daß / da Job hatt alles eingebuͤſſet
Was jhm ergetzlich war / daß er ſein Weib nicht miſſet?
Es ſteht nicht deutlich da / warumb ſie uͤbrig blieb /
Allein ich ſchlieſſe faſt / er hatte ſie nicht lieb.

9.

Deß Krieges Raubſucht.
ALs Venus wolte Mars in jhre Liebe bringen /
Hat ſie jhn blanck vnd bloß am beſten koͤnnen zwingen;
Denn ſo ſie / wie ſie pflegt / in theurem Schmucke blieben /
Haͤtt er ſie duͤrffen mehr berauben / als belieben.
C iiij10. Him -32Erſtes Tauſend

10.

Himmel-Erbe.
DJe Alten ſind jetzund der Jungen jhre Kinder /
Denn dieſe wiſſen mehr vnd jene wiſſen minder:
Wol gut! weil Gott ſein Reich den Kindern anverſpricht
Erbt jene Welt allein vnd dieſe Welt erbt nicht.

11.

Unchriſtlicher Krieg.
MArs thut nicht was jhm man thut /
Nimmet Gut vnd gibt nicht Gut;
Wer iſt denn / der mich beſcheide /
Ob er Chriſt ſey oder Heyde?

12.

Vorige vnd jetzige Kriege.
WAs taug der alte Krieg? Der neue Krieg iſt beſſer;
Denn jener / war ein Feind der Menſchen; der / der
Schloͤſſer:
Und jener machte leer der Menſchen Leib von Blut /
Da dieſer nur fegt auß / der Kaſten altes Gut.

13.

Offtmals voll / macht endlich toll.
ZVnfft vnd Zechen ſind verwand /
Eines zwiefach nur genant;
Drum wer anhaͤngt allen Zechen /
Jſt auch kuͤhnlich einzurechen
Jn die tolle wilde Zunfft /
Bey das Volck der Vnvernunfft.

14.

Gehenckter Judas.
DEr vnſer Brot gleich braucht / der trit vns doch mit Fuͤſſen /
Wil vns ſo wol nicht im / als an dem Creutze wiſſen:
Allein33Andres Hundert.
Allein es kuͤm̃t dazu / daß endlich ſelbſt ſein Fuß /
Hoch in die Lufft verſtrickt / vom treten feyern muß.

15.

Frey-Leben / Gut-Leben.
WEr andren lebt / lebt recht: Wer jhme lebt / lebt gut:
Weil jener / andren wol; jhm / uͤbel der nicht thut.
Wol dem / dem da zugleich die Freyheit iſt gegeben /
Bald recht / bald gut / wenn / wie / vnd wem er wil / zu leben.

16.

Auff die demuͤtige Pertundam.
D vnter jederman Pertunda fein ſich ſchmuͤgen
Und jetzo da / jetzt dort wil willig vnten liegen /
Das thut ſie dannenher; ſie hat zur Zeit gehoͤrt
Wie Schoͤnheit vm ſo viel durch Demut wird vermehrt.

17.

Auff eben Selbte.
WEr wil Pertunda ſtoltz / hoch-traͤchtig auch wol nennen?
Er gibt genug an Tag / er muß ſie recht nicht kennen:
Heiſt dieſes denn wol ſtoltz? Sie bleibet vnten an
Und duldet uͤber jhr ſo leichtlich jederman.

18.

Auff die liſpelnde Fucutillam.
O Fucutilla, groß vnd ſehr groß iſt der Schaden /
Daß mit ſo ſchwerer Zung iſt dein ſchoͤn Mund beladen;
Denn wenn du ſagen ſolſt / kom̃ zu mir plotz vnd flugs /
So ſprichſt du allemal / kom̃ zu mir potz vnd fugs.

19.

Stadt-Leute vnd Dorff-Leute.
WEr ſind Buͤrger? Nur Verzehrer:
Wer ſind Bauern? Jhr Ernaͤhrer.
Jene / machen Kot auß Brote;
Dieſe machen Brot auß Kote.
C vWie34Erſtes Tauſend
Wie daß dennder Buͤrger Orden
Hoͤher als der Bauern worden?

20.

Welt-Beherꝛſcher.
GGott / Fleiß vnd die Gelegenheit
Beherꝛſchen Menſchen / Welt / vnd Zeit:
Gott / iſt in Noͤthen anzuflehn:
Gelegenheit nicht zu verſehn:
Der Fleiß / muß fort vnd fort geſchehn.

21.

Krieges-Greiphen.
MAn hat dem Plinius nicht gerne wollen glauben
Daß Greiphe ſind / die Gold auß tieffer Erde rauben;
Es zeuget dieſes Mars, der brauchet ſolche Greiphen /
Die alle Welt vm Gold durchwuͤhlen vnd durchſtreiffen.

22.

Frantzoͤſiſcher Brauch.
Daß mit einem Meſſer eſſen viel Frantzoſen / iſt zwar Brauch;
Maͤnner thun es / Weiber thun es / duͤnckt mich aber doch nicht
auch.

23.

Hochzeit-Wuntſch.
SEyd gluͤcklich hier vnd dort / ſeyd ſelig denn gepreiſt
Jhr / die man heute Braut / vnd Braͤutigam euch heiſt /
Seyd Morgen Mann vnd Fraw / ſeyd Eltern uͤbers Jahr /
So habt jhr denn erlangt / was zu erlangen war.

24.

Ein andrer.
THeures Paar / deß Gluͤckes Neid
Muß euch nimmermehr verſehren /
Vnd die Macht der Sterbligkeit
Schade nimmer euren Ehren.
Gebe35Andres Hundert.
Gebe Gott! daß uͤbers Jahr
Jn der Mutter Armen lache
Das / was euch / O edles Paar /
Nach dem Tode lebend mache.

25.

Bittre Liebe.
LJeben iſt ein ſuͤſſes Leiden
Wenns nicht bitter wird durch ſcheiden:
Bittres wil ich dennoch leiden
Daß ich ſuͤſſes nicht darff meiden.

26.

Mittel zum Reichthum.
Wer / wie er werde reich / wil Weis vnd Weg betrachten /
Der lerne Geld vnd Gut bald viel / bald wenig achten.

27.

Hochzeit-Wuntſch.
LJebe / Friede / Segen / Gluͤcke /
Sey euch weil jhr ſelbſten ſeyd;
Biß daß euch empor entzuͤcke
Sterbligkeit zur Ewigkeit.

28.

Nicht alles was ſchwer / dringt vnter ſich.
L ich uͤberreden mich
Schweres Ding dring vnter ſich?
Wie daß denn die Steuer-Laſten
Vber vns noch jmmer raſten?
29. Die36Erſtes Tauſend

29.

Die Steuer.
D mein Buch die theure Gabe
Allen zu gefallen habe
Glaͤub ich nicht / doch wil ich hoffen /
Das / was folgt / ſey gar getroffen;
O es muͤſſe hoͤlliſch Feuer
Freſſen die verfluchte Steuer.

30.

Gewonheit vnd Recht.
Gewonheit vnd Gebrauch / zwingt offt vnd ſehr das Recht;
Hier / iſt der Mann ein Herꝛ deß Weibes; dort / ein Knecht.

31.

Dinſtag vnd Freytag.
ES hat durch vnſer Land ſich alles vmgekehret /
Drum wundert mich der Brauch / daß der ſo lange wehret /
Daß Dinſtags noch vnd nicht man Freytags Hochzeit macht /
Und mehr als goͤldnes frey / das ſchwere dienen macht.
Es gienge zwar noch hin deß Dinſtags Hochzeit haben /
Freytages aber doch bald tod / bald ſeyn begraben.

32.

Tadler.
Wem niemand nicht gefaͤllt / wer alles tadelt allen /
Wer tadelt dieſen nicht / vnd wem kan der gefallen?

33.

Saumſaal.
ANfang hat das Lob vom Ende /
Drum macht der daß man jhn ſchaͤnde /
Der in allen ſeinen Sachen
Nimmer kan kein Ende machen.
34. Traͤg -37Andres Hundert.

34.

Traͤgheit.
DEr kan ohne Krieg vnd Waffen
Seinem Ruhme Ruhe machen /
Der nur wachſam iſt zum ſchlaffen
Schlaͤffrig aber zu dem wachen.

35.

Auff den Oſcum.
WO wer nach Ehre ſtrebt / da pfleget ſie zu fliehen /
Wo wer die Ehre fleucht / da pflegt ſie nachzuziehen:
Es weiß nun Oſcus diß; drum nim̃t er einen Raum
Und fleucht / was er nur kan / in Suͤnden ohne Zaum.

36.

Auff einen Hoͤrner-Traͤger.
Der Lieb iſt nichts zu ſchwer / pflegt Corniger zu ſagen;
Drum iſt jhm auch nicht ſchwer / auß Liebe Hoͤrner tragen.

37.

Vergoͤtterung der Helden.
Es wolln jetzund nicht mehr auß Helden Goͤtter werden;
Das macht / jhr Himmel iſt hienieden auff der Erden.

38.

Fraw / vmbgekehrt / Warf.
DJe erſte Fraw zwar Warf das Joch
Der Suͤnd an vnſren Hals /
Doch ſind jetzt vnſre Frauen noch
Was kluͤger dieſes Falls /
Sie ſetzen manchem Hoͤrner an /
Daß er ſich nicht entſtreiffen kan.
39. Selig -38Erſtes Tauſend

39.

Seligmacher.
CHriſtus / der vns ſelig macht /
Ward fuͤr vns ans Creutz gebracht.
O wie wuͤrden ſich bedencken /
Die manchmal das Selig ſeyn
Suchen nur durch frembde Pein /
Wenn ſie ſelbſten ſolten hencken.

40.

Stat geht fuͤr Land.
BEy der Stat iſt Statligkeit
Bey dem Dorffe Duͤrfftigkeit;
Jſts nun recht wenn gleich die Stat
Statlich auch zu ſteuern hat?

41.

Die goͤldenen Soldaten.
DJe Sonne geht in Gold: So ſprechen vnſre Bauern /
Drum wird bey vns jhr Licht nicht mehr gar lange tauern.
Mars ſtarrt vnd rauſcht fuͤr Gold; jhr Bauren laſt das graͤmen /
Die goͤldne Gleißnerey wil finſtern Abſchied nemen!

42.

Seligmacherey.
Selig machen kan nur einer;
Sonſten hats geternet keiner.

43.

An einen Freund.
WEil du mich Freund / beſchenckſt mit dir
So danck ich billich dir mit mir;
Nim hin deßwegen mich fuͤr dich /
Jch ſey dir du / ſey du mir ich.
44. Geitz -39Andres Hundert.

44.

Geitzhals.
Den Geinhals vnd ein fettes Schwein
Schaut man im Tod erſt nuͤtzlich ſeyn.

45.

Reichthum.
WEr auff uͤbrig Reichthum tracht /
Der wird ſonſten nichts erſtreben
Als / daß er noch bey dem Leben /
Jhme ſelbſt ein taͤglich ſterben
Vnd hernachmals ſeinen Erben
Ein gewuͤntſcht Gelaͤchter macht.

46.

Feyertage.
Wenn Feyertag die Jungen halten
Wolln halten Bete-Tag die Alten.

47.

Auff einen Ehrgeitzigen.
Alle Menſchen guͤnnen dir daß du moͤchteſt Cæſar werden /
Doch mit drey vnd zwantzig Wunden nieder liegend auff der
Erden.

48.

Regiments-Wetter.
WEr nicht glaubt daß Obrigkeiten
Bill ich ſind vnd heiſſen Goͤtter /
Der hab acht bey dieſen Zeiten
Was ſie machen fuͤr ein Wetter.
Frincipes ſunt
Dii, non quidẽ
Altitonantes,
ſed Imitonan -
tes.
49. Fuͤr -40Erſtes Tauſend

49.

Fuͤrſten.
Daß die Fuͤrſten uͤber Menſchen / vnd nach Rechten / Herꝛſcher
ſeyn /
Doch nicht ewig; moͤchten Fuͤrſten jhnen taͤglich bilden ein.

50.

Von meinen Reimen.
Sind meine Reime gleich nicht alle gut vnd richtig /
So ſind die Leſer auch nicht alle gleich vnd tuͤchtig.

51.

Danck / wird bald kranck.
DAnckbarkeit / du teure Tugend /
Alterſt bald in deiner Jugend /
Drum macht deine kurtze Friſt
Daß du jmmer ſeltſam biſt.

52.

Weltliche Hoffnung.
HOffnung iſt ein faules Seil
Bricht in vnverhoffter Eil /
Daß vns Armut bleibt zu theil.

53.

Das Vergangene.
Wer jetzund berathen wil die vergangne Sachen;
Der wird junge Weiber auch auß den Alten machen.

54.

Gute Wercke.
WO gute Wercke ſelig machen
Bringt ſolche Meinung gute Sachen;
Wie kan die Seligkeit doch fehlen
Wo zwene Jeſus ſind zu zehlen.
55. Auff41Andres Hundert.

55.

Auff Kuͤhnmunden.
KUnimundus giebt ſich an
Manche Stunde ſeinen Man
Zu beſtehen. Das iſt viel!
O es iſt bedinget worden /
Daß er weder ſelbſt ermorden
Noch ermordet werden wil.

56.

Freundſchafft mit Gott.
WEnn ein Menſch mit Gott gut ſteht
Der ſteht wol / wenns uͤbel geht /
Denn er kan die hoͤchſten Gaben
Vater / Bruder / Troͤſter haben.

57.

Muͤgliche Unmuͤgligkeit.
ALs Adam wolte Gott vnd ſeinem Weſen gleichen
Ward er ein ſterblich Menſch / vnd muſt auß Eden weichen:
Seither wir haben diß / was Gott kan / kuͤnnen wollen /
Und vnvermuͤglich Ding doch muͤglich machen ſollen;
Seither iſt vnſer Frey in Dienſtbarkeit verkehret /
Die Haut iſt abgeſtreifft / das Marck iſt außgezehret.

58.

Das beſte der Welt.
WEiſtu / was in dieſer Welt
Mir am meiſten wolgefaͤllt?
Daß die Zeit ſich ſelbſt verzehret /
Vnd die Welt nicht ewig wehret.
D59. Ge -42Erſtes Tauſend

59.

Geſegnete Arbeit.
D vnſer Feld jetzt nichts als Dorn vnd Diſteln traͤget /
Drum ſchwitzet vnſer Leib vnd vnſer Hertze ſchlaͤget:
Doch laß ich mich auff Gott; der ſehe was er thut /
Dieweil er dißfalls ſpricht: Wol dir / du haſt es gut! Pſ. 128.

60.

Auff Jungfer Nackt-Lieb.
CUpinuda klaget ſehr
Vber Vater Adams Fall /
Drum / daß niemand uͤberall
Darff jetzund gehn nackend mehr.

61.

Welſchland.
Das Welſche Land heiſt recht ein Paradeis der Welt /
Weil jeder der drein kum̃t ſo leicht in Suͤnden faͤllt.

62.

Juriſt vnd Artzt /
EJn Juriſt darff eines Artztes / der jhm ſein Gehirne ſtaͤrcke /
Daß er recht / was Rothes wolle / vnd was Schwartzes
heiſſe / mercke:
Auch der Artzt darff deß Juriſten / der jhm ſeine Sachen ſchmuͤcket
Ob er etwa hat den Krancken ſam̃t der Kranckheit fortge -
ſchicket.

63.

Auff Bibulum.
Es torckelt Bibulus iſt ſtuͤndlich toll vnd voll;
Der Weg zur Hoͤll iſt breit / er weiß er trifft jhn wol.

64.

Sommer vnd Winter.
Daß jedes Jahr vier Zeiten hat haͤlt man mehr nicht recht;
Der Fruͤhling / iſt deß Winters; der Herbſt / deß Sommers Knecht.
65. Ver -43Andres Hundert.

65.

Vertrauen auff Chriſtum.
WAs fragt ein edler Loͤw nach eines Huͤndleins bellen?
Was fragt ein Fels im Meer nach Winden vnd nach Wel -
Was Juda Loͤw beſchuͤtzt: Was Davids Fels behaͤlt /
(len?
Das iſt vom Teuffel frey vnd ſicher fuͤr der Welt.

66.

Hoffnung vnd Geduld.
HOffnung iſt ein feſter Stab /
Vnd Geduld ein Reiſe-Kleid /
Da man mit durch Welt vnd Grab
Wandert in die Ewigkeit.

67.

Die Stirne.
Die Stirn iſt ſonſt der Thron drauff Ehre ſitzt empor;
Was hat fuͤr Ehre der / der Haare henckt davor.

68.

Hochzeit-Wuntſch.
WErthes Paar / lebt in die wette
Mit deß Gluͤck es beſter Zeit /
Biß daß euch die Ewigkeit
Von der Sterbligkeit errette.
Wann der neunde Monat weicht /
Hebet / eines / an zu zehlen /
Dieſes muß euch nimmer fehlen
Biß die Zahl auff zehne reicht.

69.

Die hinfaͤllige Welt.
JCh bin zwar wol kein Rath auß Gottes Cantzeley /
Doch weiß ich was daſelbſt jetzund im Wercke ſey;
D ijEs44Erſtes Tauſend
Es wird der trancken Welt jhr Leichendienſt beſtellet
Weil ſie jemehr vnd mehr in ſchwere Seuchen faͤllet:
Sie hat ſich offt kaſteit / durch Hunger; vnd purgirt
Durch Peſt; Mars hat jhr auch viel uͤbrig Blut entfuͤhrt:
Noch dennoch iſts vmbſonſt. Drum der ſich jhr vertrauet /
Hat fuͤr ein ſchoͤnes Bild / ein ſtinckend Aas erſchauet.

70.

Die Buͤcher Moiſis vnd Joſuæ.
Wo Moiſes hoͤret auff / faͤngt Joſua bald an:
Genad iſt noͤthig da / wo das Verdienſt nichts kan.

71.

David durch Michal verborgen.
DJe Michal legt ein Bild ins Bett an Davids ſtat /
Und dann zu ſeinem Haupt ein Fell von einer Ziegen:
Wil mancher wie ein Bild im Bette ſtille liegen /
So gibt man jhm gemein ein Fell das Hoͤrner hat.

72.

Der Schrifft-kuͤndige Mars.
WEr ſpricht daß vnſer Mars auff Gottes Buch nicht fraget?
Er hat genaw gemerckt / was Koͤnig Saul dort ſaget:
Wer mir nicht nach zeucht auß / deß Rinder ſoll man ſtuͤcken /
Und alſo hin vnd her durch alle Graͤntzen ſchicken:
Drum iſt nun alles Vieh / verſchickt / zerſtuͤckt / vertrieben /
Daß vns von jhnen kaum der lehre Stall iſt blieben.

73.

Arm auff Erden / Reich im Himmel.
WEr einen Reichen nennt / hat alles diß genennt
Was dieſe Welt fuͤr gut / fuͤr hoch / fuͤr herꝛlich kennt:
Wer einen Armen nennt / der hat von dem geſagt /
Was alle Welt veracht vnd aller Unfall plagt.
Noch dennoch tauſch ich nicht; ein Armer in der Zeit
Jſt fertig reich zu ſeyn dort in der Ewigkeit.
74. Ge -45Andres Hundert.

74.

Geduld.
Leichter traͤget was er traͤget /
Wer Geduld zur Buͤrde leget.

75.

Unbeſonnene Sorgen.
Das Fleiſch kocht langſam gar / wenn Blei liegt in dem Topfe;
Zu nichts iſt der geſchickt / dem Sorge ſteckt im Kopfe.

76.

Erde / durch Verſetzung / Rede.
OB eine Red vns ſchoͤn vnd kuͤnſtlich gleich bedeucht
So iſt ſie doch ein W[i]nd / d[e]r hin zum Winde zeucht:
Wer Erde liebt / liebt das / was endlich Angeſichts /
Wann Gott gebeut / zerſt[e]ubt / vnd wird ein lehres nichts.

77.

Die Welt ward nicht auß Sonnen-Staube / ſondern wird zu Sonnen-Staube.
JCh weiß nicht / ob die Welt kan laͤnger ſtehn vnd halten /
Weil da vnd dort jhr Baw nimt Bruͤche / Riſſe / Spalten?
Gott ſcheidet ſich von vns / wir ſcheiden vns von Gott /
Die Wolfahrt reumt das Land vnd bleibt vns nichts als Not.
Die Tugend fleucht ſeitab / die alten Laſter weichen
Der neuen Teuffeley. Es kuͤnnen ſich nicht gleichen
Der Unterthan vnd Herꝛ / der Herꝛ vnd Unterthan.
Der Man ſucht fremdes Weib / das Weib ſucht fremden Man /
Der Himmel wil nicht mehr der Erde Saamen guͤnnen /
Die Erde wil nicht mehr / wie vor / gebaͤren kuͤnnen;
Das macht / daß man zum theil dem Epicurus glaͤubt
Die Welt werd ehſtes das / was in der Sonne ſtaͤubt.

78.

Gezwungene Soldaten.
Wer ſeufftzend zeucht in Krieg / iſt kein gar gut Soldat;
Was duͤnckt dich nun von dem / den man gezwungen hat.
D iij79. Die46Erſtes Tauſend

79.

Die bußfertige Welt.
DJe neue Welt iſt from vnd froͤmer als die alte;
Sie darff nur acht Gebot die ſie im Leben halte /
Denn / Ehbruch / Diebſtal / bleibt; man Hanet[nur] die Leute
Und macht was vns gefaͤllt / nach Krieges Art / zur Beute.

80.

Gluͤcke vnd Ungluͤcke.
DAs Gluͤck iſt abgetheilt vons Ungeluͤckes Tuͤcke
Durch den Buchſtaben U. vnd den Buchſtaben R.
So / daß man N. vor / vnd U. zu letzte nenne /
So iſt in einem NU Ungluͤcke bey dem Gluͤcke.

81.

Die Hoffaͤrtige oder uͤberſichtige Welt.
Die Welt acht vnſrer nichts / wir achten jhrer viel;
Ein Narꝛliebt den / der jhn nicht wieder lieben wil!

82.

Creutze.
So doͤs iſt ſchwerlich was / es iſt zu etwas gut;
Das Creutze plagt den Leib / vnd beſſert doch den Mut.

83.

Elende.
Man trage mit Geduld den Jammer dieſer Zeit /
Was Jammer erſtlich war / wird endlich Herꝛligkeit.

84.

Das Unrecht der Zeit.
Was frag ich nach der Zeit / wenn der mir nur wil wol
Der alles ſchafft was war / was iſt / was werden ſol.

85.

Schlaf / vmgekehrt / falſch.
Der Schlaf heiſt ruͤcklings falſch; denn er betreugt vns oft /
Gibt Gold im Traume / gibt / wann wir erwachen / Luft.
86. Jch47Andres Hundert.

86.

Jch bin wer ich bin / ſo bin ich deß Luth. Herren.
Begehrt mich Gott nicht reich vnd ſonſt von hohen Gaben /
So ſey ich wie ich bin / er muß mich dennoch haben.

87.

Warheit im Weine.
Sucht Warheit wer im Wein vnd findet ſie im Wein /
Der wundre ſich nicht mehr daß Deutſchen redlich ſeyn.

88.

Reich / durch Verſetzung Cheir.
CHeir heiſt Grichen eine Hand
Stecket in dem Woͤrtlein Reich;
Wer da reich iſt / werde gleich
Einer milden Hand erkant /
Die da gibet vnd nichts nim̃t /
Die verſchenckt / vnd nichts bekuͤm̃t.

89.

Laus vnd Laus.
Was Loh heiſt im Latein / das hat im Deutſchen Fuͤſſe /
Es kitzelt dort vnd juͤckt / hier gibt es ſcharffe Biſſe.

90.

Menſch / durch Verſetzung / ſchmen.
WJl der Menſch ſich ſelbſt befehn /
Wird er leichtlich keinen ſchmen;
Schmeh nicht bald vnd thu gemach
Jeder hat ſein eigne Schmach!
D iiij91. Arm. 48Erſtes Tauſend

91.

Arm. mar.
STreich vom m. ein Strichlein auß /
Dann wird dir ein n. drauß /
Thu das n. fuͤr das a /
Alſo ſteht fuͤr Augen da /
Wie da den die ſchnoͤde Welt /
Welcher arm iſt / hat vnd haͤlt.

92.

Grab / vmgekehrt / barg.
Wol dem / den biß her barg
Ein Grab fuͤr ſo viel arg.

93.

Not / vmgekehrt / ton.
Die Not / die iſt ein Ton davon die Augen rinnen /
Nicht viel ſind wann er klingt / die druͤber lachen kuͤnnen.

94.

Die Welt / ein Lumpen-Haͤndler.
Nicht handle mit der Welt / ſie fuͤhrt verlegne Wahren!
Du wirſt ſonſt wie ſie ſind mit Schad vnd Schand erfahren.

95.

Lieb / verſetzt Blei.
Das Blei dringt vnter ſich / vnd wil nur jmmer ruhn:
Wer dir ſich Lieb / ergibt / kan ſonſten wenig thun.

96.

Der Sonnen vnd deß Menſchen Untergang.
UNtergehn vnd nicht vergehn /
Jſt der Sonnen Eigenſchafft:
Durch deß Schoͤpffers Will vnd Krafft
Stirbt der Menſch zum aufferſtehn.
97. Auff49Andres Hundert.

97.

Auff die Weiber.
Wann fuͤr den Man das Weib ſpricht in der Handelunge /
So iſts / wie wann den Sinn offt uͤbereilt die Zunge.

98.

Gottesdienſt / iſt ohne Zwang.
Wer kan doch durch Gewalt den Sinn zum Glauben zwingen?
Verlaugnen kan zwar Zwang / nicht aber Glauben / bringen.

99.

Eingeborne.
WEr alte Vaͤter ſucht / vnd ſucht ſie alle gar /
Der kuͤmt zu letzt auff den / der Anfangs Erde war:
Wer Gott zum Vater hat / der bleibet wol geadelt /
Denn keiner hat den Stam̃ von Ewigkeit / getadelt.

100.

Adel.
HO her Stam̃ vnd alte Vaͤter /
Machen wol ein groß Geſchrey:
Moiſes aber iſt Verraͤther /
Daß dein Vrſprung Erde ſey.

Deß Erſten Tauſend Drittes Hundert.

50Erſtes Tauſend

1.

Mannes-Bildnuͤß
EJn jedes Ding der Welt hebt an / geht fort / nimt zu /
Es war ſchon eine Zeit / da ich nicht war noch du:
Glaub aber mir gewiß / wann dieſes du wirſt leſen /
Ein Mann iſt mir bekant / der nie kein Kind geweſen.

2.

Von GOtt beſchert Bleibt vnverwehrt.
Der vngeſtuͤm April, laͤſt dennoch Veilcken bluͤhen;
Mir kan / was Gott mir guͤnnt / kein rauhes Gluͤck entziehen.

3.

April vnd Maͤy.
April der zoͤrnt zuvor / eh Maͤy wil wieder lachen:
Zu jener Luſt den Weg / muß dieſe Not vns machen.

4.

An mein Vaͤterlich Gut / ſo ich drey Jahr nicht geſehen.
GLuͤck zu du oͤdes Feld! Gluͤck zu jhr wuͤſten Auen /
Die ich / wann ich euch ſeh / mit Threnen muß betauen
Weil jhr nicht mehr ſeyd jhr; ſo gar hat euren Stand
Der freche Mord-Gott Mars, grundauß herum gewand!
Seyd aber doch gegruͤſt / ſeyd dennoch fuͤrgeſetzet
Dem allem / was die Stat fuͤr ſchoͤn vnd koͤſtlich ſchaͤtzet!
Jhr wart mir lieb / jhr ſeyd / jhr bleibt mir lieb vnd werth /
Jch bin / ob jhr verkehrt / noch dennoch nicht verkehrt.
Jch bin / der ich war vor: Ob jhr ſeyd ſehr vernichtet /
So bleib ich dennoch euch zu voller Gunſt verpflichtet /
So lang ich ich kan ſeyn / wann dann mein ſeyn vergeht /
Kans ſeyn / daß Muſa wo / an meiner Stelle ſteht.
Gehab dich wol / O Stadt! die du in deinen Zinnen
Haſt meinen Leib gehabt / nicht aber meine Sinnen /
Gehab dich wol! mein Leib iſt nun vom Kercker los
Jch darff nun nicht ſeyn mehr / wo mich zu ſeyn verdroß.
Jch51Drittes Hundert.
Jch ha be dich / du mich / du ſuͤſſe Vater-Erde /
Meiu Feuer glaͤntzt nunmehr auff meinem eignen Herde /
Jch geh / ich ſteh / ich ſitz / ich ſchlaf / ich wach vmbſonſt /
Was teuer mir dort war / das hab ich hier auß Gunſt
Deß Herrens der Natur / uͤm habe-Danck zu niſſen
Und uͤm geſunden Schweiß; darff nichts hingegen wiſſen
Von Vortel vnd Betrug / von Hinderliſt vnd Neid /
Und wo man ſonſt ſich durch ſchickt etwan in die Zeit.
Jch eſſ ein ſelig Brot / mit Schweiß zwar eingeteiget /
Doch daß durch Beckers-Kunſt vnd Hefen hoch nicht ſteiget /
Das zwar Geſichte nicht / den Magen aber fuͤllt /
Und dient mehr daß es naͤhrt / als daß es Heller gilt.
Mein trincken iſt nicht falſch / ich darff mir nicht gedencken
Es ſey gebrauen zwier vom Braͤuer vnd vom Schencken.
Mir ſchmeckt der klare Safft / mir ſchmeckt das reine naß /
Das ohne Keller friſch / das gut bleibt ohne Vaß /
Drum nicht die Nymphen erſt mit Ceres duͤrffen kaͤmpffen
Wer Meiſter druͤber ſey / das nichts bedarff zum daͤmpffen /
Weils keinen Schweffel-Rauch / noch ſonſten Einſchlag hat /
Das ohne Geld ſteht feil / das keine frevle That
Hat den jemals gelehrt der dran jhm ließ genuͤgen.
Der Kraͤmer fruchtbar Schwur vnd jhr genißlich luͤgen
Hat nimmer Ernt uͤm mich; der viel-geplagte Lein
Der muß / der kan mir auch / an ſtat der Seiden ſeyn.
Bewegung iſt mein Artzt. Die Kraͤuterreichen Waͤlde
Sind Apothecks genug: Geld / Gold / waͤchſt auch im Felde /
Was mangelt als denn mehr? Wer Gott zum Freunde hat /
Und hat ein eignes Feld / fragt wenig nach der Stat /
Der vortelhafften Stat / da Nahrung zu gewinnen
Faſt jeder muß auff Liſt / auff Tuͤck / auff Raͤncke ſinnen.
Drum hab dich wol O Stat! wenn ich dich habe / Feld
So hab ich Haus vnd Koſt / Kleid / Ruh / Geſundheit / Geld.

5.

Erneuertes Schleſien.
DEr Krieger Art vnd Werck bißher / war rauben / ſtehlen:
Der Staͤter Art vnd Werck / erkauffen vnd verhoͤlen:
Es52Erſtes Tauſend
Es iſt was ſtarck geſagt! es iſt ja gut gemeinet /
Wiewols von auſſen nicht / als wie es ſolte / ſcheinet:
Was new iſt / das iſt gut; drum iſt jhr Sinn geweſen /
Daß man bey allem ſoll das Renovatum leſen.

6.

Bewegliche Guͤter.
Der Landman thut nicht recht / daß er ſo klaͤglich thut
Um ſein entwante Wahr; es war beweglich gut.

7.

Wanderſchafft der Leute vnd der Guͤter.
MAn ſagt / man lieſet viel / wie daß fuͤr langen Jahren
Zu Zeiten ein gantz Volck auß ſeinem Sitz gefahren
Und neues Land geſucht. Hinfuͤro wird man ſagen
Was andres: Wie man ſah bey vns in vielen Tagen /
Vom Land Holtz / Stein / Ziehn / Bley / Gold / Silber / Kupffer /
Eiſen /
Fleiſch / Brot / Tranck / vnd was nicht? Hin in die Staͤte reiſen.

8.

Soldat / durch Verſetzung / als tod.
SOldaten ſind ein Volck / die durch behertzte Thaten
Der Welt vnd jhrem Thun viel dienen vnd viel rathen:
Wann aber ein Soldat der Welt dient wider Gott /
Der bleibt in dem er bleibt / iſt eh er bleibt / als tod.

9.

Stat / durch Verſetzung / Satt.
Die Unruh iſt im Land vnd Ruh iſt in der Stat /
Dann jenes leidet Nbth / vnd ſie iſt meiſtens ſatt.

10.

Steuer / durch Verſetzung / es reut.
ES reut wol trefflich ſehr / was Steuer wird gegeben
Weil fortmehr nichts mehr iſt / als nur das liebe Leben:
Allein53Drittes Hundert.
Allein es darff geſchehn / es reut noch / doch zu ſpat /
Nicht den ſo ſehr der gab / als der genummen hat.

11.

Uberall Krieg.
WEil nunmehr die gantze Welt
Wider ſich zeucht ſelbſt ins Feld /
Kan der Glaub in ſolcher Zeit
Auch nicht bleiben ohne Streit.
Dennoch fuͤhrt er ſo den Krieg /
Daß Geduld behaͤlt den Sieg /
Daß die Hoffnung kriegt die Kron /
Vnd Beſtand den rechten Lohn.

12.

Bloſſe Warheit.
Die Warheit iſt ein Weib das zwar kein Laſter kennt /
Doch / weil ſie nackt vnd bloß / ſo wird ſie ſehr geſchaͤndt.

13.

Die ſchamhafftige Zeit.
SJe ſey ſonſt wie ſie ſey die Zeit
So liebt ſie doch Verſchaͤmligkeit /
Sie kan die Warheit nackt nicht leiden /
Drum iſt ſie emſig / ſie zu kleiden.

14.

Schale / iſt nicht Kern.
WAs auſſen heiſſet Schutz
Das heiſt von innen Nutz:
Diß lehrten vns drey Jahr /
Es ſey gar eigen wahr.
Drum lerne / Landsmann / lern
Ob Schale ſey der Kern?
15. Lob -54Erſtes Tauſend

15.

Lob-Sucht.
DEr uͤm Lobes willen thut
Das was loͤblich iſt vnd gut /
Thut jhm ſelbſten was er thut /
Thut es nicht / dieweil es gut.

16.

Ein ehrliches Leben vnd ſeliger Tod.
Wer ehrlich hat gelebt vnd ſelig iſt geſtorben /
Hat einen Himmel hier vnd einen dort erworben.

17.

Friede / iſt das beſte.
Fuͤr groſſer Herren Mund gehoͤrt das allerbeſte /
Mag leichte wo ſich von ein grober Bauer maͤſte:
Der Fried iſt eine Koſt die koͤſtlich naͤhrt vnd ſpeiſt /
Drum wird gemeiner Mann davon jetzt abgeweiſt.

18.

Ordnung hilfft Haushalten.
ESs gehet dieſem wol / der ſo ſein Haus kan faſſen /
Daß jedes drinnen weiß was thulich / was zu laſſen:
Drum gehts jetzt auch ſo fein; wenn Krieg der Herꝛ aufruͤhrt /
So weiß der Bauer ſchon daß jhn ſein Beutel fuͤhrt.

19.

Vermeſſenheit.
Zum Wercke von dem Wort
Jſt offt ein weiter Ort.

20.

Auff einen Freſſer.
EDo lobt vnd haͤlt fuͤr gut
Wann ein Menſch ſtets etwas thut:
Nichts55Drittes Hundert.
Nichts thut er / doch thut er das
Daß er jſſt / wenn er kaum .

21.

Sparſame Zeit.
Der Mangel dieſer Zeit / hat Sparſamkeit erdacht /
Man tauffet jetzt auch bald / ſo bald man Hochzeit macht.

22.

Die Natur / duldet nichts leeres.
DEr da ſaget: Daß kein leer
Jrgend wo zu finden waͤr;
Der hat nicht geſehn ſo weit
Jn die Beutel vnſrer Zeit.

23.

Koſten-Ordnung.
DJe Satzung nach Gebuͤhr zu Zehren
Kan keinen jetzund mehr beſchweren /
Man hoͤrt daß der nicht viel verthat /
Dem man benim̃t / was er nur hat.

24.

Geſetz vnd Evangelion.
Wenn mich Sinai wil toͤdten /
Hilfft mir Sion auß den Noͤthen.

25.

Hier / durch Verſetzung / heri.
Auß hier kom̃t heri rauß; was koͤſtlich heiſſen mag
Jn dir hier / ſchnoͤde Welt / iſt wie ein geſtrig Tag.

26.

Krieg / zwiſchen hier vnd dort.
HJer vnd dort ſind Bruͤder zwar /
Doch ein gantz verkehrtes Paar.
EHier /56Erſtes Tauſend
Hier / fuͤhrt wieder dort viel Krieg /
Doch behauptet dort / den Sieg.
Jeder muß in dieſen Zug;
Wer dem dort dient der iſt klug;
Dort / belohnt mit lauter Gott /
Hier / bezahlt mit lauter Tod.

27.

Der Hencker vnd die Gicht.
Der Hencker vnd die Gicht verſchaffen gleiche Pein;
Nur er / macht kleine lang; ſie / lange Leute klein.

28.

Soldaten / Mahler vnd Poeten.
TJchtern vnd Mahlern / war weiland leichte geguͤnnet
Ans Licht zu bringen was nur jhr Gehirne gekuͤnnet:
Soldaten ſteht jetzt durch ſich ſelbſt frey
Bald Teuffel / bald Gott / bald Menſch zu ſeyn.

29.

Poetiſche vnd Hiſtoriſche Verwan - delung.
Daß von Verwandlung mehr kein tichten nichts bringt an?
Ach ſind doch derer mehr als jemand tichten kan.

30.

Brieff-Edle.
WO ein gemahlter Brieff vnd außgekauffte Bullen /
Wer Edel noch nicht iſt / erſt Edel machen ſollen /
So kan wol eine Maus deß Adels ſich vermeſſen /
Die einen ſolchen Brieff hat vnverſehns gefreſſen.

31.

Redligkeit.
WEil die Ehr vnd Redligkeit
Weicht vnd fleucht auß vnſrer Zeit /
Weiß57Drittes Hundert.
Weiß ich nicht was drinnen ſehr
Fromer Mann waͤr nuͤtze mehr.

32.

Auff Technicum.
TEchnicus kan alle Sachen
Andre lehren ſelbſten machen;
Reiten kan er / fechten / tantzen /
Bauen kan er Staͤt vnd Schantzen /
Siegen kan er / meſſen / rechen /
Schoͤn vnd zierlich kan er ſprechen /
Stat vnd Land kan er regiren /
Recht vnd Sachen kan er fuͤhren /
Alle Kranckheit kan er daͤmpffen /
Fuͤr die Warheit kan er kaͤmpffen /
Alle Sterne kan er nennen /
Boͤs vnd gutes kan er kennen /
Gold vnd Silber kan er ſuchen /
Braͤuen kan er / backen / kochen /
Pflantzen kan er / ſaͤen / pfluͤgen
Vnd zuletzt: erſchrecklich luͤgen.

33.

Geraubt / iſt erlaubt.
DJe Welt iſt voller Raub. Sie raubet Gott die Ehre
Und gibt ſie jhr nur ſelbſt: Sie raubt ſein Wort vnd Lehre /
Sein Ordnung vnd Befehl / vnd fetzt an deſſen ſtat
Was jhr gevoͤllter Wauſt zur Zeit getraumet hat:
Drauff raubt der Teuffel nun das Gluͤck vnd allen Segen /
Und pflegt hingegen nichts / den Unmut zu erregen /
Er raubet Fried vnd Ruh / er raubt die gute Zelt /
Er raubet Scham vnd Zucht / er raubt die Seligkeit:
Der Menſch beraubt den Menſch an dem / das jhm gegeben
Von Leumut / Ehre / Gut / Geſundheit / Wolfahrt / Leben:
E ijDer58Erſtes Tauſend
Der Ober-Stand raubt hin den letzten Biſſen Brot /
Und laͤſt gemeiner Schaar nichts / als die leere Noth:
Der Unterthan raubt weg Gehorſam / Pflicht / vnd Treue /
Die Furchte fuͤr der Straff vnd fuͤr den Laſtern ſcheue:
Die Liebe die ein Chriſt zum Chriſten billich traͤgt /
Die iſt durchauß entraubt / die iſt ſeitab gelegt.
Was macht dann der Soldat? (das Volck von fremden Sinnen
Daß Menſchen man hinfort nicht mehr wird achten kuͤnnen)
Er haͤtte gar fuͤrlaͤngſt / wenns jhm nur waͤr erlaubt /
Den Himmel vnd Gott ſelbſt gepluͤndert vnd beraubt.
Was Rau ber hat die Welt! doch mag ein jeder glauben /
Daß den / der ſo geraubt / man wieder wird berauben;
Jch wett! ob er jhm ſchon geraubt haͤtt alle Welt /
Daß er davon doch nichts / als Hoͤll vnd Tod behaͤlt.

34.

Der vnartige Sommer. 1637.
KAlte Naͤchte / heiſſe Tage
Giebt Gott dieſes Jahr zur Plage:
Kalter Glaube / heiſſe Suͤnden
Kuͤnnen beſſren Lohn nicht finden.

35.

Taͤglicher Wuntſch.
VOn auſſen guter Fried vnd gute Ruh von innen /
Jn wol-geſundem Leib auch wol-geſunde Sinnen /
Deß Himmels Freude dort / der Erde Segen hier;
Ein mehres weiter nicht / iſt taͤglich mein Begier.

36.

Die Steuer vnd Gottes Wort.
Die Steuer vnd Gotts Wort behalten ewig Stelle;
Das Himmelreich / iſt diß / vnd jenes / iſt die Hoͤlle.
37. Reich -59Drittes Hundert.

37.

Reichthum.
JCh waͤre gerne reich; dann daß ich reich nicht bin /
Drum wil man mich dazu / noch zu der a Straffe
a. Nemlich durch Steuer - execu - tion.
ziehn;
Jch waͤre gerne reich! wer arm mich nicht kan leiden /
Der mag mir tauſend Pfund vnd noch ſo viel be -
ſcheiden;
Jch hab ein Ungriſch Gold nicht Ungern im Beſchluß /
Nicht haben / haben nicht / das bringet mir Verdruß.
Wer Gold nicht geben wil / der mag mir Silber geben /
Das Sil ber nehm ich auch / ich wil gar friedlich leben
Mit dem der dieſes bringt; ein Schelme! der jhn ſchlaͤgt
Ob mir waͤr Jahr vnd Tag / ſolch Ding zu Hauſe traͤgt.
Drum mangelt mir nun nicht die Hand die Reichthum nim̃et /
Mir mangelt nur die Hand von der mir Reichthum kuͤmmet:
Und kuͤm̃ts / ſo iſt es gut: Wo nicht / was ligt mir dran?
Reich iſt wer ehrlich hier / dort ſelig leben kan.

38.

Der beſte Soldat.
Jch halte nicht dafuͤr daß der Soldat ſey gut
Der nicht ein Saͤnger iſt vnd kan das re-ſol-ut.

39.

Hochzeit-Wuntſch.
DAs Gluͤcke / theures Paar / ſey zinsbar eurem Willen /
Und muͤß euch Haus vnd Hof mit Heil vnd Segen fuͤllen;
Mit Segen / der da bleibt / wenn alle Zeit verlaufft /
Mit Segen den man da erſt nennt / wenn man jhn taufft.

40.

Steuer.
WAnn ſo offt an Gott man daͤchte
Als man an die Steuer denckt /
Waͤr vns / glaub ich / laͤngſt zu rechte
Fried vnd Ruh von Gott geſchenckt.
E iij41. Ruͤck -60Erſtes Tauſend

41.

Ruͤckkunfft vom Freunde / Ankunfft zur Freundin.
DA / wo ich jetzund war / da war mir hertzlich wol /
Wol wird mir wieder ſeyn wohin ich kommen ſol:
Gunſt ohne Falſch war hier / dort iſt Lieb ohne Liſt /
Hier ward ich ſehr geehrt / dort werd ich ſchoͤn gekuͤſt.
Beym Freunde war ich jetzt / zur Freundin kum̃ ich nun /
Hier that der Tag mir guts / dort wird die Nacht es thun.

42.

An einen Freund / uͤber geſtrige Bewirthung.
DEr Morgen / treuer Freund / entdecket vnſre Schulden /
Dadurch wir deine ſind / fuͤr ſo viel reiche Holden /
Die vns dein Abend gab. Es bleib vns danckens Krafft
Biß daß der letzte Tag ins letzte Bett vns ſchafft!

43.

Vom Jahr 1638.
Da Von nIchts / Ia fVr DIe Todten
SteVern WVrDen aVßgeboten.

44.

Hochzeit-Wuntſch.
DEr Fried iſt nun gemacht / die Einigkeit verpflichtet /
Die Trew iſt nun verknuͤpfft / die Freundſchafft angerichtet;
Der dieſen Bund geſtifft / erhalte dieſen Bund /
Daß er beſteh zu letzt / wie er von Anfang ſtund!
Die Welt mag / wie ſie wil / ſich kochen oder braten /
Muͤß euch doch alles arg / zu lautrem wol gerathen /
Biß daß jhr kum̃t ins wol / das wol bleibt fuͤr vnd fuͤr /
Und laſt denn hinter euch / was heiſſen kan wie jhr.
45. Ab -61Drittes Hundert.

45.

Abſchied eines Verſtorbenen.
NVn gehabt euch alle wol
Derer Augen Threnen-voll
Hin mir in mein Grab nachſehen!
Weil jhr weint ſo muß ich flehen;
Lieber faſſet wieder Mut
Was euch kraͤnckt / das iſt mir gut!
Lobt den Tod / der mich fuͤr Leiden
Hat zum Frieden abgeſcheiden!
Lobt den Tod / der mir bringt Luſt
Der kein ſchmertzlich Ende koſt!
Lobt den Tod der mich fuͤr Jammer
Schleuſt hinfort in ſichre Kammer!
Lobt den Tod / der mir fuͤr Zeit
Schenckt die Vnvergaͤngligkeit!
Lobt den Tod / durch den gelungen
Daß voll ruͤhmens meine Zungen!
Lobt den Tod ders ſo gemacht
Daß mein Mund nichts thut / als lacht!
Jhr / die ich; jhr / mich die lieben /
Laſſet weinen / ſtillt betruͤben /
Mir iſt wol / das guͤnnet mir;
Gebe Gott / daß nun auch jhr /
Biß jhr kum̃t zu meinen Freuden /
Sicher ſeyd fuͤr Angſt vnd Leiden!

46.

Wunder-Werck der Welt.
MAn ſagt / vnd hat geſagt von groſſen Wunder-Wercken.
Die wol zu mercken ſind / vnd waren wol zu mercken;
E iiijNoch62Erſtes Tauſend
Noch iſt ein groͤßres kaum / als daß ein fromer Mann
Bey dieſer boͤſen Zeit from ſeyn vnd bleiben kan.

47.

Glaube.
EJn Baw von Stahl / von Stein vnd Eichen /
Darff langer Zeit nicht leichtlich weichen:
Ein Baw der auff dem Glauben ſteht
Vergeht / wenn Ewigkeit vergeht.

48.

Auff Blandulam.
BLandula ſchwert gar nicht gerne /
Doch verſchwert ſie Haut vnd Haar /
Wiſſenſchafft ſey von jhr ferne
Wenn ſie eine Jungfer war.

49.

Auff Anniam.
DJeſe muß man mir mit nichten
Als ein alte Magd beruͤchten /
Weil ſie kaum noch dencket dran
Da ein Floh war ſchon jhr Mann.

50.

Ein Kuß.
Der Mund iſt ein Altar; das Opfer iſt das kuͤſſen;
Das Prieſterthum allhier / wil jederman geniſſen.

51.

Schleſien / durch Verſetzung / iſ Schleen.
Jſ Schleen / Schleſien! ſie ziehn zuſammen ſehr;
Was vormals du vermochſt / vermagſtu nun nicht mehr.
52. Teutſch -63Drittes Hundert.

52.

Teutſchland / verſetzt / Scheulandt.
EJn Scheuland biſt du jetzt / O liebes Teutſchland worden
Durch Zorn / Neid / Krieg / Gewalt / durch rauben vnd durch
morden;
Ein jeder ſcheut ſich nun in dich zu bauen ein /
Weil mehr kein Menſch in dir / nur lauter Teuffel ſeyn.

53.

Auff Petulcam.
DEr Keuſchheit Schloß wol zu verwahren
War an Petulca ein begehren;
Sie ſagte: Fleiß wil ich nicht ſparen /
Wann nur nicht ſo viel Schluͤſſel waͤren.

54.

Jungfraw / verſetzt / rif genauw.
Der jetzund Jungfraw rufft / der rif gar ſehr genauw /
Er haͤtte bald gerufft / viel fehlt nicht / Junge-fraw.

55.

Feindlicher Freund.
JCh kan nicht mehr wol Deutſch / vnd muß es frey bekennen /
Dieweil ich ſpreche Feind wenn ich den Freund ſoll nennen;
Der Freund iſt ſelbſten Schuld / weils ſeine That beweiſt /
Und jhn ein huͤndiſch R. als Feind zu achten heiſt.

56.

Feind.
WEr iſt Feind? Der mir nicht guͤnnet
Was mir Gott vnd Gluͤcke ſchenckt /
Der bey Tag vnd Nachte ſinnet /
Wie er Hertz vnd Sinn mir kraͤnckt /
E vDer64Erſtes Tauſend
Der nach meinem Lebentrachtet /
Der nach meiner Wolfahrt ſtrebt;
O wird der fuͤr Feind geachtet /
So iſt Feind wer jmmer lebt.

57.

Deutſche Sprache.
DAs Deutſche Land iſt arm / die Sprache kan es ſagen /
Die jetzt ſo mager iſt / daß jhr man zu muß tragen
Auß Franck reich was ſie darff vnd her vom Tiber-Strom
Wo vor Latein ſtarb auch / mit dir / Un Roͤmiſch Rom /
Zum Theil ſchickts der Iber: Das andre wird genummen /
So gut es wird gezeugt / vnd auff die Welt iſt kummen /
Durch einen Gerne-Klug / der wenn der Geiſt jhn ruͤrt /
Jetzt dieſes Prale-Wort / jetzt jenes rauß gebiert.
Die Muſen wuͤrckten zwar durch kluge Tichter-Sinnen
Das Deutſchland ſolte Deutſch vnd artlich reden kuͤnnen /
Mars aber ſchafft es ab / vnd hat es ſo geſchickt
Daß Deutſchland iſt Blut-arm / drum geht es ſo geflickt.

58.

Parole, verſetzt / O Prale.
O Prale / Landsmann / pral / in fremder Sprache Schmucke /
Du pralſt in fremder Sprach / vnd fremd in deinem Rocke!

59.

Grabſchrifft eines Schneiders.
HJer ligt ein Schneider in der Ruh /
Der manche Loͤcher flickte zu:
Jetzt kan er jhm die Haut nicht flicken /
Die jhm die Wuͤrmer gantz zerſtuͤcken.

60.

Gereiſete.
Die Deutſchen zohen ſtarck in Franckreich / acht zu geben
Auff dieſer Sprache Laut / vnd auff der Leute Leben:
Frantzoſen65Drittes Hundert.
Frantzoſen ziehn jetzt ſtarck / in vnſer Deutſchland auß
Zu rauben vnſer Gut / zu nemen vnſer Haus.

61.

Haus-Weſen.
VJel erdulden / nichts nicht fechten;
Schaden leiden / doch nicht rechten;
Andre voͤllen / ſich entleeren;
Lohnen / doch den Dienſt entberen;
Jmmer geben / nimmer nemen;
Nimmer lachen / jmmer graͤmen;
Herꝛſchen / gleichwol dienen muͤſſen;
Viel verwenden / nichts geniſſen;
Wenig haben / offte geben;
Selbſten fallen / andre heben;
Wann dann Gut / Blut / Marck vnd Kraͤfften
Liegen fuͤr ſo viel Geſchaͤfften /
Wie der alte Hund den Knuͤttel /
Duldenden Rebellen-Tittel;
Dieſes bringt die Wirthſchafft mite
Lobt ſie / lieben Leut / ich bite!

62.

Gott vnd Krieg.
Was nicht iſt / dem rufft Gott zum ſeyn vnd zum beſtehn:
Was iſt / dem rufft der Krieg zum nicht ſeyn / zum vergehn.

63.

Gott fuͤget / wie gnuͤget.
JCh weiß wie jetzt mirs geht / wies aber gehen werde
Weis der / der mich gewuſt / eh Himmel war vnd Erde:
Nach ſeinen geh mein Gang vnd nicht nach meinen Sinnen /
Mir gnuͤget redlich hier / dort ſelig leben kuͤnnen.
64. Jch66Erſtes Tauſend

64.

Jch hoffe was beßres.
Herꝛſcht der Teuffel heut auff Erden?
Wird Gott morgen Meiſter werden.

65.

Wolfeihlkeit.
Wolfeihl Brot bey dieſer Zeit /
Machet theure Seligkeit.

66.

Gottes vnd deß Teuffels Wort.
ES hat Gott durch ſein Wort diß runde Haus gebauet /
Und was man drinnen merckt / vnd was man auſſen ſchauet:
Der Teuffel hat ein Wort / dadurch er Fuͤrſatz hat
Zu tilgen was Gott ſchuff; vnd dieſes heiſt Soldat.

67.

Beute.
FRantzoſen tragen Schuld / daß ſo ſie / wie ſie ſchreiben /
Nicht reden auch dazu ſo / wie ſie Worte treiben /
Gar ſelten ſind geſinnt: O Deutſchland kan es auch!
Sih an das Woͤrtlein Beut vnd ſeinen friſchen Brauch.
Was Feinden wird entwehnt / daß heiſſe / meinſtu / Beute?
Nein / was der Bauer hat vnd was die Edelleute /
Auff Straſſen was man ſtielt / auß Kirchen was man raubt /
Diß hat das Woͤrtlein Beut / an Freund vnd Feind erlaubt.

68.

Cavallier.
Ein Cavallier heiſt jetzt / was weiland hieß ein Held:
Dort macht es Hertz vnd Mut / hier macht es Gunſt vnd Geld.

69.

Ein Rittersmann.
Ein Rittersmann riet vor in Krieg / beruͤhmt zu werden:
Man reitet jetzt in Krieg / dem Namen nach / nach Pferden.
70. Red -67Drittes Hundert.

70.

Redlicher Leute ſchelten / gilt fuͤr loſer Leute loben.
Wann mir ein boͤſer / gut / ein guter / boͤſe wil;
So acht ich gutes nichts / hingegen boͤſes viel.

71.

Deß Diogenis Leuchte.
Diogenes iſt tod; wann dieſer lebte heute
Er leuchtete ſich tod / eh als er fuͤnde Leute.

72.

From ſeyn / iſt ſchwer.
DAs gute thun iſt ſchwer / leicht aber boͤſe leben;
Drum weil die Welt iſt alt vnd kan nicht ſchwer mehr hebẽ /
So pflegt ſie ſich zu dem / was leicht iſt / zu begeben.

73.

Ein jedes Werck fodert einen gantzen Menſchen.
WEr etwas hat zu thun / vnd taͤglich thun wil kuͤnnen /
Muß gaͤntzlich ſeyn dabey mit Leib vnd auch mit Sinnen;
Jm Kriege kan man diß: Man wagt Fleiß / Schweiß / Rath /
That /
Man waget Seel vnd Leib / zu ſtehlen das man hat.

74.

Ehſtand deß Hertzens vnd der Zunge.
DAs Hertz vnd Zung / iſt wie vermaͤhlt /
Die zeugen Kinder vnge zaͤhlt /
Wenn beyde ſie nicht eines ſind /
Wird jedes Wort ein Huren-Kind.
75. Kriegs -68Erſtes Tauſend

75.

Kriegs-Schneider.
SAmſon machte Feyer-Kleider /
Von den Feinden den Philiſtern:
Aber vnſre Krieges-Schneider /
Von den Freunden vnd Geſchwiſtern.

76.

Geitzhaͤlſe.
WEr das ſinnen-loſe Gold
Achtet mehr als Menſchen-Hold /
Der iſt werth / daß alle Welt
Jhn fuͤr Kot vnd Vnflat haͤlt.

77.

Unordentliche Liebe.
AUff dieſer Welt iſt nichts / das ſtaͤrcker wird getrieben /
Auff dieſer Welt iſt nichts / das billich mehr waͤr blieben /
Als außgezeumte Brunſt vnd vngeordnet lieben.

78.

Zweyerley Leben.
Wer nach der Seele lebt / der lebt ein Goͤttlich Leben /
Wer nach dem Leibe lebt / lebt wilden Thieren eben.

79.

Auff den Prahlmund.
DJe ſeinen pflegt Mars wol zu fuͤttern /
Vnd endlich reichlich zu beguͤttern:
Was lieget zwiſchen Schoß vnd Mund
Jſt alles Pralimundens Grund.

80.

Die auffgeweckte Chimæra.
JHr Heliconiſch Volck / euch iſt zu viel geſchehen /
Dieweil man nie geglaubt / drum daß mans nie geſehen /
Was69Drittes Hundert.
Was jhr vns habt geſagt: Wie Lycus armes Land
Chimæra hat erſchreckt / verwuͤſtet vnd verbrant.
Von vornen war ſie Loͤw / war Zieg am Bauch vnd Ruͤcken /
Jhr letztes / muſte ſich zu einem Drachen ſchicken /
Jhr Maul war voller Glut / jhr Leib war voller Gifft;
Biß daß Alcides Keul auff jhr Gehirne trifft /
Trifft aber nur ſo weit / daß damals ſie entſchlaffen /
Und jetzund nun erweckt durch vnſre Deutſche Waffen
Tobt mitten vnter vns / an Form vnd Namen alt /
An Kraͤfften aber new / vnd aͤrger an Gewalt.
Es iſt der tolle Krieg; der ſeinſelbſt eigne Wiege
Hat um vnd um geſtuͤrtzt daß vnten oben liege /
Es iſt der toͤrchte Krieg; der ſonſten nichts erſiegt /
Denn daß er ſagen mag / noch haben wir gekriegt!
Zum erſten war er Loͤw / veruͤbte kuͤhne Thaten /
Hilt hoher auff die Fauſt als tuͤckiſches verrathen /
Und Deutſchland war noch Deutſch / man ſchlug noch ernſtlich
drauff
Sah auff deß Krieges End vnd nicht auff fernern Lauff.
Da nun der ſuͤſſe Brauch zu machen fette Beute /
Auß allem was Gott ſelbſt gehabt vnd alle Leute /
An ſtat deß Soldes kam / ſo wuchs dem Krieg ein Brauch
Drauß wie von einer Zieg ein ſchaͤdlich duͤrrer Rauch
Fuͤr Kraut vnd Baͤume fuhr: Die Nahrung ward vertrieben /
Der Ochſen ſaure Muͤh iſt vnvergolten blieben /
Ein andrer nam es weg / es hieß / der Wirth ins Haus
Laß alles was er hat vnd geh auff ewig rauß.
Drauff ward man nun bedacht den Krieg weit hin zu ſpielen /
Nicht auff den Feind ſo wol / als auff den Freund zu zielen /
Der noch in gutem Land in ſeinem Schaten ſaß /
Und ſein genuͤglich Brot mit ſuͤſſem Frieden .
Zu dieſem drang man ein / wann Titan gleich noch ſtunde
Wo ſonſt der heiſſe Loͤw blaͤſt Flammen auß dem Munde /
Noch muſt es Winter ſeyn / noch nam man da quartier.
Und alles was man fand / war ſchuldige Gebuͤr:
Als wie der ſcharffe Zahn der Ziegen / auch die Rinden /
An Blaͤttern nicht vergnuͤgt / von Baͤumen pflegt zu ſchinden:
So70Erſtes Tauſend
So war es nicht genug zu freſſen vnſer Gut /
Man gunt vns in dem Leib auch kaum das letzte Blut.
Der Feind blieb wo er war / vnd wolt er wo nicht bleiben /
Biß daß man vom Quartier kunt uͤberall vertreiben
Das viergefuͤſte Volck / ſo mocht er jmmer hin
Jn ſein / in vnſer Land / nach gutem duͤncken ziehn /
Weil er ein Cavallier, ſo ſtund es zu verfuͤhren
So jhm man lieſſe zu / auch was zu profperiren.
Er mochte pluͤndern dort / wir pluͤnderten allhier /
Daß gleichwol der Soldat haͤtt jmmer etwas fuͤr.
Drauß kuͤmmet nun der Drach / das Ende wird zur
Schlange /
Der Krieg / der aller Welt bißher macht aͤngſtlich bange /
Wird aͤrger noch als arg / kreucht gar ins Teuffels Art /
Wird raſend / ſo ein Menſch noch wo gefunden ward
Der Gott / der Ehre / Zucht vnd Recht wuͤntſcht nachzuſtreben /
Wil gar nicht daß ein Menſch auff Erden mehr ſoll leben
Der nicht Soldate ſey / vnd jhm ſich aͤhnlich macht /
Und was nur menſchlich iſt / verwirfft / verbannt / veracht.
Sein Gifft ſchont keinen Stand / Amt / Wuͤrde / Freundſchafft /
Ehre /
Was lebt / lebt darum noch / daß er es gantz verſtoͤre
Biß daß nichts uͤbrig ſey / vnd niemand mehr nichts hat /
Drauff braucht er alle Macht / drauff ſucht er allen Rath.
Sein Gifft iſt ſo vergifft / daß er ſich ſelbſt vergifftet /
Und jhm ſein eignes End auß eignem raſen ſtifftet;
Und wie der Scorpion in ſich zu letzte ſticht /
Wann Feuer vmb jhn her wird etwan angericht:
Und wie es Schlangen geht / daß jhnen jhre Jungen
Zu einer ſchoͤnen Rach auff ſo vergiffte Zungen
Zerreiſſen jhren Bauch: Auff daß deß Krieges Frucht
Der Mutter Hencker ſey. Was dieſe nicht vermocht
Wird Alexicacus Alcides auß der Hoͤhe /
Fuͤr dem der gantzen Welt durch Krieg entſtandnes Wehe
Erbarmen hat erlangt / mit Ehren richten auß
Und binden dieſen Wurm ins heiſſe / tieffe Haus;
Da /71Drittes Hundert.
Da / da iſts jhm vergunt zu fechten vnd zu ſchmeiſſen /
Den Haus-Wirth abzuthun / das Haus in Grund zu reiſſen /
Dann raube / pluͤnder er / dann wehr er ſeinen Mann
Zu weiſen was ſein Loͤw / was Zieg vnd Drache kan.

81.

Schlachten.
ES bleibt in keiner Schlacht jetzt viertzig tauſend Mann;
Was Hannibal gekunt / iſt keiner der es kan:
Es iſt ja vnſer Mars im ſchieſſen abgericht?
O ſchieſſen kan er zwar / ſtehn aber wil er nicht.

82.

Haus-Regiment.
Ein jeder iſt Monarch in ſeines Hauſes Pfaͤlen;
Es ſey denn / daß ſein Weib ſich neben jhn wil zehlen.

83.

Mars vngefaͤrlich from.
War etwa Mars wo from / ſo kehrt es jhm zu gute
Es iſt gewiß geſchehn auß vnverdachtem Mute.

84.

Auff Vitum.
GLeich da ſeinem fromen Weibe
Lag ein andrer auff dem Leibe /
Sah es Veit, vnd ſprach zu jhr /
Ey nun harꝛ! ſteckt das in dir?

85.

Voͤllerey.
Wer taͤglich in dem Weine ſchwimt /
Schwimt / biß er endlich Schieffbruch nimt.

86.

Der Weiber-Calender.
WAnn die Floͤh die Weiber necken /
Wil die Lufft bald Naͤß erwecken:
FWann72Erſtes Tauſend
Wann ſie ſticht der boͤſe Wurm /
Folgt gewiß ein Hagel-Sturm.

87.

Mars ein Ketzer.
MArs laͤſt ſich als ein Ketzer mercken /
Er haͤlt nicht viel von guten Wercken.

88.

Deß Teuffels Ernte.
ALles iſt jetzt wol gerathen /
Auch deß Teuffels ſeine Saaten /
Weil jhm nun bey Schocken kuͤmt
Was er ſonſt zu Garben nimt.

89.

Auff Carponem.
JN der Mutterſprache tichten
Pfleget Carpo zu vernichten /
Ey daß da er doch nicht lebte
Da der Roͤmer Maro ſchwebte!
O er haͤtt jhn kuͤnnen zwingen
Deutſch / vnd Roͤmiſch nicht / zu ſingen.

90.

Die Kretze dieſer Zeit.
DJe Kretze / ward wie Gott / geehrt bey manchen Heyden
Damit ſie jhre Pein nicht etwa duͤrfften leiden:
Ein Rauber vnd ein Dieb wird darum jetzt geſchaͤtzt /
Nicht daß er vns gefaͤllt / nur daß er nicht verletzt.

91.

Jungfern-Threnen.
EJn Waſſer iſt mir kund / das den / der drein nur blickt /
Mehr als der ſtaͤrckſte Wein in Unvernunfft verzuͤckt:
Der73Drittes Hundert.
Der Liebſten Threnen ſind / die offt den kluͤgſten Mann
Bethoͤren / daß er ſchwartz von weiß / nicht ſondern kan.

92.

Wein-Freundſchafft.
Die Freundſchafft die der Wein gemacht
Wuͤrckt wie der Wein / nur eine Nacht.

93.

Trauen.
EJnem trauen iſt genug /
Keinem trauen iſt nicht klug /
Doch iſts beſſer keinem trauen /
Als auff gar zu viele bauen.

94.

Martis Trew.
NJemand wag es / derverneine
Daß es Mars nicht treulich meine /
Weil er niemals Winters halben
Weichet wie die falſchen Schwalben /
Sondern bleibt auff vnſrer Erde
Weil da wehrt Geld / Brot / Kuͤh / Pferde.

95.

Martis Drechsler-Kunſt.
D auß einem Bauren jetzt
Mars bald einen Herren ſchnitzt /
Warum nicht? Es wird gebrochen
Manche Pfeiff auß Eſels-Knochen.

96.

Der Chriſten Raͤtzel.
HEil erfolgte durch die Wunde;
Kranckheit / diente zum Geſunde:
F ijFreude /74Erſtes Tauſend
Freude wuchs auß Traurigkeit:
Staͤrcke von Gebrechligkeit:
Sterben brachte zu dem Leben /
Vnd das fallen / zum erheben.

97.

Hoffertige Gerechtigkeit.
DA man hieng die Dieb ans Holtz
War das Recht niemanden ſtoltz:
Nun man Rauber henckt in Gold
Jſt dem armen Recht nicht hold.

98.

Sicher Armut.
Ein Armer hat es gut / er fuͤrchtet ſelten ſehr /
Dieweil er mehr nichts hat / daß er verliere mehr.

99.

Froͤlicher Tod.
ES iſt ein froͤlich Ding um eines Menſchen ſterben /
Es freuen ſich darauff die gerne-reichen Erben:
Die Prieſter freuen ſich / das Opffer zu geniſſen:
Die Wuͤrme freuen ſich / an einem guten Biſſen:
Die Engel freuen ſich / die Seele nauff zu fuͤhren:
Der Teuffel freuet ſich / wenn ſie wil jhm gebuͤhren.

100.

Wolthat.
Die Wolthat uͤbel angewand
Wird Vbelthat gar wol genant.

Deß Erſten Tauſend Vierdtes Hundert.

76Erſtes Tauſend

1.

Die Faſte.
SO gute Fiſche haͤuffig eſſen /
So ohne Maß der Wein vermeſſen /
So viel als faſten heiſſen ſol /
So faſtet der ſo gut vnd wol
Der / wann er wil ein Hun verzehren /
Nur meint / als wann es Fiſche waͤren

2.

Elendes Reichthum.
Ein Reicher hat es arg / iſt keine Zeit nicht frey /
Daß morgen er vielleicht der Alleraͤrmſte ſey.

3.

Auff Mopſum.
MOpſus iſt von zartem Stammen /
Seine Vaͤter all-zuſammen
Speyten nur am Sontags-Licht
Auff die Erde / ſonſten nicht.

4.

Auff Simonem.
SImon wuͤntſchet / daß ſein Weib
Eine Moſchkowitin waͤre /
Wann er jhr gleich bleut den Leib /
Daß ſie ſich doch nicht beſchwere:
Aber / weil ſie deutſch geſinnet /
Schaut ſie / wie ſie ſich erwehrt /
Wie ſie Oberhand gewinnet /
Vnd die Stube mit jhm kehrt.
5. Auff77Vierdtes Hundert.

5.

Auff Pigrum.
PIger kan nicht muͤſſig gehn;
Muͤſſig kan er aber ſtehn.

6.

Auff Fautinum.
Fautinus iſt ein Mann / es iſt ein ruͤſtig Mann /
Die Arbeit hat er lieb / da / wann ſie iſt gethan.

7.

Geenderte Zeit.
Der Pabſt hat alte Zeit zu neuer Zeit gekehret:
Wer iſt / der alte Zeit / fuͤr neue / mir gewehret?

8.

Herꝛ vnd Knecht.
Wer andren dient / iſt Herꝛ / ſo fern er from ſich haͤlt;
Wer andren Herꝛ iſt / dient / wann ſuͤndlich er ſich ſtellt.

9.

Geld.
Der Menſchen Geiſt vnd Blut iſt jetzund Gut vnd Geld:
Wer diß nicht hat / der iſt ein Todter in der Welt.

10.

Sparſamkeit.
Wer von ferne ſamlet ein /
Kan von nahem luſtig ſeyn.

11.

Recht-Reich.
NJcht wer Gold zu Golde traͤgt
Jſt fuͤr reich bald außzuſchreyen /
Wer den Luͤſten abelegt /
Dem kan alles wol gedeyen.
F iiij12. Auff78Erſtes Tauſend

12.

Auff Aulum.
AUlus ruͤhmt ſich weit vnd ferne
Daß er Leuten diene gerne:
Ja er dient: Doch nimt er Lohn
Groͤſſer / als ſein Dienſt / davon.

13.

Gold / iſt bleich.
Das Gold iſt bleich auß Furcht; es mercket gantz Armeen
Die ſeiner Farbe nach / durch Licht durch Finſter gehen.

14.

Geld.
WO zu iſt Geld doch gut?
Wers nicht hat / hat nicht Mut /
Wers hat / hat Sorgligkeit /
Wers hat gehabt / hat Leid.

15.

Zulaͤſſiger Wucher.
Ein Wucher bringet nicht Gefaͤrde
Den Wirthe treiben mit der Erde.

16.

Ein fauler Knecht.
Wann ſelten ſtielt ein Dieb / vnd nie ein Knecht nichts thut /
So halt ich den fuͤr boͤs / vnd jenen mehr fuͤr gut.

17.

Auff Prædonem.
PRædo wil noch lieber hencken /
Als ſich in die Wirthſchafft ſencken /
Weil jhm dort / ein Stuͤndlein ſchwer
Hier / das gantze Leben waͤr.
18. Ver -79Vierdtes Hundert.

18.

Verboͤſerte Welt.
Jm argen lag die Welt / jetzt liegt ſie nun im aͤrgſten:
Dann Gottes Theil iſt ſchwach / deß Teuffels iſt am ſtaͤrckſten.

19.

Auff Pætum.
Pætus lobt der Keuſchheit Gaben;
Dann es wil jhn keine haben.

20.

Die verneuerte Welt.
GOtt wird den Himmel new / vnd ſchaffen new die Erde;
Was ſoll die alte Welt? Sie wird zur Hoͤlle werden;
Sie iſt die Hoͤlle ſchon / in jhr iſt lauter Pein /
Weil Krieg wie Feuer brennt / weil Menſchen Teuffel ſeyn.

21.

Amadis-Damen.
DJe Damen die von Lieb vnd derer heiſſem Leiden
Zu wiſſen ſind gelehrt / zu ſagen ſind beſcheiden /
Die kuͤnnen noch wol was / die wiſſen noch wol mehr:
Wie jhre Glut man leſcht / im Fall ſie brennt zu ſehr.

22.

Chriſten.
VOn Chriſtus heiſſen Chriſten wir /
Die That iſt weg / der Nam iſt hier /
Was Chriſtus heiſt / was Chriſtus lehrt /
Wird nicht gethan / wird kaum gehoͤrt
Nur da ſind wir deß Namens werth /
Wann vns fuͤr Friede kuͤmt das Schwerdt.
F v23. Saltz80Erſtes Tauſend

23.

Saltz vnd Creutz.
Das Creutz vnd auch das Saltz / ſind heyde gleich vnd gut;
Das faule Fleiſch daͤmpfft diß / vnd jenes frechen Mut.

24.

Ordentlicher vnd vnordentlicher Verterb.
Unordnung wirfft vns hin vnd Ordnung laͤſt vns liegen;
Das Steuern ſchaffet diß / vnd jenes ſchaffet Kriegen.

25.

Die gute Sache.
Wo dieſe Sach iſt falſch / die etwa uͤbel gieng /
War Chriſtus Sache falſch / die jhn ans Creutze hing.

26.

Deß Krieges Nutz / iſt vnſer Trotz.
DAs nehmen vnd das geben
Jſt zwar der Krieger Leben /
Doch andrer Leute Sterben /
Vnd aller Welt Verterben.

27.

Der Weg in Himmel.
Wer nach dem Himmel zu / den Weg hat fuͤrgenummen /
Hat keinen beßren Weg / dann der vom Himmel kummen.

28.

Die Suͤnden.
Die Suͤnden ſcheiden Gott von vns / vnd vns von Gott;
Ach! da wo Gott nicht iſt / iſt lauter Hoͤll vnd Tod.

29.

Die Zeiten.
Wer ſaget mir / ob wir ſelbſt ſo grund-verboͤſte Zeiten
Verboͤſern / oder ob die Zeiten vns verleiten?
Der81Vierdtes Hundert.
Der Tag daran ein Dieb dem Hencker wird befohlen /
Haͤtt jhn wol nicht gehenckt / haͤtt er nur nicht geſtolen.

30.

Auff Timonem.
Daß deine Mutter dich neun Monat hat getragen
Jſt viel: Jetzt duldet dich niemand nur bey neun Tagen.

31.

Auff Nugilum.
WAnn deine Luͤgen Haſen waͤren
Wer wolte jene mehr beſchweren?
Die andren Haſen wuͤrden los
Dann deine waͤren maͤchtig groß.

32.

Gluͤckſeligkeit.
MAn ſagt mir viel vom Gluͤck / vnd deſſen Seligkeiten /
Und war / vnd iſt / vnd wird doch keiner aller Zeiten
Der gluͤcklich ſey durchauß. Dann iſt das Gluͤcke rund?
So ſteht es morgen nicht als wie es heute ſtund /
Wo Phœnix etwa wohnt / wohnt / glaub ich auch das Gluͤcke
Von dem man nach dem Ohr vnd nichts weiß nach dem Blicke.
Jedoch / ich weiß den Ort / wo Gluͤcke macht Beſtand /
Den aber niemand kennt / biß dieſer wird verbrant.

33.

Vom Kriege.
MArs, wie es ſcheint / hat nur vier Sinnen /
Dieweil er nicht wil fuͤhlen kuͤnnen /
Wann er die Welt ſo gar verheeret /
Daß er ſein eignes Fleiſch verzehret.

34.

Auff Fanniam.
FAnnia meint: Huren-Leben
Sey jhr mehr als Ehſtand eben /
Weil82Erſtes Tauſend
Weil die Kinder im gebaͤren
Dort nicht ſo / wie hier / beſchweren.

35.

Der Welt Anfang vnd Ende.
Ey iſt nicht alles gut / da Welt den Anfang nimt?
Ey iſt nur was noch gut / nun / da jhr Ende kuͤmt?

36.

Aurum & aura. Gold vnd Lufft.
DEr Menſch liebt Gold ſo ſehr /
Vnd darff die Lufft doch mehr?
Ein Dieb der diß bedenckt /
Wird ſelten auffgehenckt.

37.

Von einem Trunckenbold.
Wann einen Bacchus-Knecht ich voll von Weine ſchaw /
Jſt ſolche Saw halb-Menſch / vnd ſolcher Menſch halb Saw.

38.

Trunckenheit.
WEr vielleichte ſoll ertrincken
Darff ins Waſſer nicht verſincken /
Alldieweil ein Deutſcher Mann
Auch im Glas erſauffen kan.

39.

Deß Ehſtandes Schirm.
WJe feſte pflegt man jetzt den Ehbund zu verwahren?
Damit jhm ja kein Leid moͤg jrgend widerfahren /
So macht das Weib ſich rauch ums Haupt als wie ein Beer /
Der Mann ſetzt Hoͤrner auff vnd ſtellt ſich wie ein Stehr.
40. Der83Vierdtes Hundert.

40.

Der Aertzte Gluͤcke.
EJn Artzt iſt gar ein gluͤcklich Mann /
Was er beruͤhmtes hat gethan /
Das kan die Zeit ſelbſt ſagen an:
Sein Jrꝛthum wird nicht viel gezehlet /
Dann wo er etwa hat gefehlet /
Das wird in Erde tieff verhoͤlet.

41.

Die beſte Artzney.
Freude / Maͤſſigkeit vnd Ruh
Schlenſt dem Artzt die Thuͤre zu.

42.

Alter vnd Hochzeit.
HOchzeit haben / lange leben
Wuͤntſcht jhm jeder ſein gegeben /
Viel gelebt / Hochzeit gehabt /
Kraͤnckt weit mehr offt / als es labt.

43.

Graue Haare.
Wann graues Haar dir waͤchſt / ſprich: Hew wird dieſes ſeyn /
Das auff dem Kirchhoff nechſt / der Tod wird ſam̃len ein.

44.

Der Krieg vnd die Kuͤnſte.
WJe daß doch die Pierinnen
Nicht wo Mars iſt / bleiben kuͤnnen?
Da doch Mars vnd ſeine That
Ohne ſie kein Leben hat;
Darum84Erſtes Tauſend
Darum daß er nicht kan leiden /
Wann jemand kennt ſeine Kreiden.

45.

Von Gilvo.
ALbinus ſaß voll Mut mit ſingen vnd mit lachen;
Da Gilvus dieſes ſah / du haſt / ſprach er / gut machen /
Du nim̃ſt das dritte Weib / die erſte die mir lebt /
Die hat auch noch nicht Luſt daß mir man ſie begraͤbt.

46.

Uber den Tod eines lieben Freundes.
Mein andrer Jch iſt tod! O Jch ſein andrer Er
Erwuͤntſchte daß Jch Er / Er aber Jch noch waͤr.

47.

Eine Helden-That.
O That / die nie die Welt / dieweil ſie ſteht / geſehen!
O That / dieweil die Welt wird ſtehn / wird nie geſchehen!
O That / die Welt in Ertzt vnd Cedern billich ſchreibt /
Und wie ſie jmmer kan / dem Alter einverleibt!
O That / fuͤr der hinfort die allerkuͤhnſten Helden /
Was jemals ſie gethan / ſich ſchaͤmen mehr zu melden!
Fuͤr der Achilles ſtarrt / fuͤr der auch Hector ſtutzt /
Und Hercules nicht mehr auff ſeine Keule trotzt!
Hoͤrt! ſeht! vnd ſteigt empor! macht alle Loͤcher weiter!
Dort fliehen Helden her / dort lauffen dreiſſig Reuter /
Die greiffen kuͤhnlich an ein wuͤſtes Gaͤrtner Haus
Und ſchmeiſſen Ofen ein vnd ſchlagen Fenſter auß.

48.

Damen.
THeils Damen haben ſolche Sitten
Sind oben zwar nicht zu erbitten /
Sind willig aber in der mitten.
49. Ge -85Vierdtes Hundert.

49.

Gewiſſenhaffter Krieg.
MArs iſt ein Gewiſſens-Mann /
Der ſich nim̃t der Menſchheit an /
Schlaͤgt er Menſchen haͤuffig nieder /
Zeugt er Menſchen haͤuffig wieder.

50.

Der geſegnete Krieg.
MArs iſt nicht gantz verflucht noch voͤllig durch zu aͤchten /
Wie manchen duͤnckt; er iſt der Same der Gerechten /
Nach Brote geht er nicht / er kan nach Brote reiten /
Und muß wol noch dazu das Fleiſch das Brot begleiten.

51.

Ochſen freſſen Ochſen.
Der Winter iſt gar ſcharff / wann Woͤlffe Woͤlffe freſſen:
Kein Winter darff es ſeyn / wann Ochſen Ochſen eſſen.

52.

Deß Pharaonis. Traum.
WAs Pharaoni traͤumt / wie ſieben magre Rinder
Verſchlungen ſieben fett / ereignet ſich nicht minder
Bey vns vnd in der That; dann mancher Hunger-leider
Jſt fett vom Raube-Brot / vnd glaͤntzt durch fremde Kleider.

53.

Friede vnd Ruh.
Die Ruh hat guten Fried / vnd Friede gute Ruh /
Die Welt laufft jmmer noch dem Kriege weiter zu.

54.

Wunderwerck.
EJn Soldat kan durch verzehren
Sich ernaͤhren?
Vnd86Erſtes Tauſend
Vnd ein Land mann durch erwerben
Muß verterben?

55.

Gewalt iſt nicht Tapfferkeit.
WAnn jhrer drey gleich einen ſchlagen
So hat Geſchlagner nichts zu klagen /
Solls ſeyn / daß er geſchlagen ſey /
So ſchlagen mehr / als einer / drey.

56.

Feſtemacher.
EJn feſter Leib / hat weiche Sinneu /
Die leichtlich Blut nicht ſehen kuͤnnen:
Jn weichem Leib ein feſter Mut
Jſt mehr als alles feſte Gut.

57.

Eben die.
WAffen-weich vnd Ehren-feſte
War im Kriege vor das beſte:
Ehren-weich vnd Waffen feſte
Jſt im Krieg jetzund das beſte.

58.

Eben ſelbige.
Fuͤrs Vaterland ſein Blut vergiſſen /
Hat weiland man zu ruͤhmen wiſſen:
Das Blut dem Vaterland erſparen /
Jſt jetzt ein Ruhm bey vnſren Jahren.
59. Maͤuſe -87Vierdtes Hundert.

59.

Maͤuſe-Handwerck.
KEin Handwerck hat faſt mehr Geſellen /
Als wo in Kuͤh - vnd Pferde-Staͤllen
Das Meiſter-Vrtel iſt zu faͤllen.

60.

Auff Thraſonem.
THraſo preiſte ſeine Wunden
Die er im Geſicht empfunden /
Da er naͤmlich wie ein Held
Sich fuͤr ſeinen Feind geſtellt:
Eyſagt einer: Daß dir nicht
Dieſes mehr ſchimpfft dein Geſicht /
So enthalt dich / ob du flieheſt /
Daß du nicht zuruͤcke ſiheſt.

61.

Auff Glorilum oder Ruhmrichen.
Jhr ruͤhmt die kuͤhne Fauſt / ey ruͤhmt den ſchnellen Fuß /
Den mir / ſagt Glorilus, die Fauſt erhalten muß.

62.

Auff Fugipodem oder Lauff-Fuͤßlern.
EJne Schlacht ſolt jetzt betreten
Fugipus, da wolt er beten
Sprach: O Gott / ach mache mir /
Wie dort David ruͤhmt von dir /
Pſal. 18. . 34.
Hirſchen-Fuͤß vnd fuͤhr mich ehe
Weit von hinnen in die Hoͤhe!
G63. Liſtige -88Erſtes Tauſend

63.

Liſtige-Anſchlaͤge.
WEiſtu was ein Anſchlag heiſt?
Wann man weißlich ſich befleiſt
Seinem Feind / eh ers wird innen /
Schand vnd Schaden anzuſpinnen:
Nein / es iſt was beßres noch /
Gilt auch mehr als noch ſo hoch:
Stehlen heiſt es Kuͤh vnd Pferde /
Daß es niemand innen werde.

64.

Chriſtus iſt der Weg / die Warheit vnd das Leben.
JCh kum̃ in dieſe Welt / hindurch dort nauff zu reiſen /
Weil Chriſtus iſt der Weg / ſo wird er mich wol weiſen:
Jch kan in dieſer Welt viel Redligkeit nicht ſchauen /
Weil er die Warheit iſt / mag jhm ich wol vertrauen:
Hier muß ich zwiſchen Tod vnd Noͤthen ſtuͤndlich ſchweben /
Weil er das Leben iſt / ſo kan durch jhn ich leben.
Was wil ich weiter mehr? Laß / HErꝛ / nur dich mich haben /
So acht ich keine Welt mit allen jhren Gaben.

65.

Der blinde Sinn.
O Blinder Menſchen Sinn! du achteſt Gott ſo klein /
Und kanſt doch ohne Gott / nicht einen Blick nur ſeyn.
Du waͤrſt nicht thaͤte Gott / vnd aber thaͤte Gott /
So waͤrſtu lang ein Raub dem Teuffel vnd dem Tod.

66.

Der Teuffel ſucht vnd wird geſucht.
Man ſucht den Teuffel / der doch ſelbſt ſucht zu verſchlingen:
Und der zu holen pflegt / dem pflegt man ſich zu bringen.
67. Voͤllerey. 89Vierdtes Hundert.

67.

Voͤllerey.
BEſſer iſt es tod als voll;
Jener thut noch arg noch wol /
Dieſer nichts / nicht was er ſoll.

68.

Anders.
BEſſer iſts in Sarck begraben /
Als den Bauch zum Vaſſe haben;
Dorte / wird man Suͤnden los
Hier / erwaͤchſt ſie noch ſo groß.

69.

Von einer Wittib.
TRoͤſt mich / troͤſt mich arme Fraw /
Die ich meinen Mann tod ſchaw /
Aber nicht mit Turteltauben /
Sperlinge wil ich erlauben.

70.

Eine Pferde-Tugend.
WAnn ich wuͤntſchen ſolt ein Pferd /
Das deß wuͤntſchens waͤre werth /
Solt es ſeyn / wann mirs nur bliebe /
Kurtz gewand wie Frauen-Liebe.

71.

Die Worte gelten wie Geld.
WOrte gelten in der Welt
Viel vnd wenig / wie das Geld:
Was fuͤr zeiten ſchelmiſch hieß
Heiſſet ehrlich / bringt Genieß.
G ij72. Was90Erſtes Tauſend

72.

Was ſeltſam / iſt werthſam.
Was ſeltſam iſt / iſt lieb; auß Orient ein Stein
Der ſeltſam iſt / muß mehr als liebes Brot lieb ſeyn.

73.

Das Jahr 1640.
GIeb / gIeb / O gIeb Vns FrIeD / O FrIeDe gIeb Vns / Gott!
FrIeD Iſt Vns Ia ſo nVtz aLs etWa LIebes Brot.

74.

Ein Kuß.
Jch weiß nicht was ein Kuß / jhr Jungfern / auff ſich haͤtte?
O wer auffs kuͤſſen kuͤm̃t / der kuͤm̃t auch gern ins Bette.

75.

Eine Grabſchrifft.
BEgraben liegt / doch lebt nunmehr in ſtoltzem Friede /
Der deiner Wuͤtterey / O ſchnoͤde Welt / iſt muͤde.
Wer muͤd iſt vnd zu letzt wil ſtoltzen Friede haben /
Muß / hab ich Sorge / nur ſeyn auch wie er begraben.

76.

Eine nachdenckliche Sache.
Wann Mannes-Maͤuler ſich vnd Weiber-Muͤndlein paaren
Gibts zehnden Monat drauff was junges zu erfahren.

77.

Ehrbarkeit vollauff.
UNſre Welt vnd dieſe Zeit
Steckt voll Ehr vnd Redligkeit /
Weil der Suͤnden gantzer Stam̃
Neulich Adels-Brieffe nam.
78. Ein91Vierdtes Hundert.

78.

Ein Feigenbaum im Capitolio zu Rom.
ZV der Zeit da in Jovis Schloſſe
Zu Rom ein Feigenbaum entſproſſe /
Fing Keuſchheit an von dar zu weichen:
Jch weiß nicht ob nicht deſſen gleichen
Bey vns geſchieht? O wie ich traͤume
Sind alle Baͤum jetzt Feigenbaͤume.

79.

Das Hertz auff der Zunge.
WErs Hertz auff ſeiner Zunge fuͤhrt
Der muß / wann er die Zunge ruͤhrt /
Bedachtſamkeit ſich wol befleiſſen
Sonſt moͤcht er jhm das Hertz abbeiſſen.

80.

Bußfertigkeit.
JCh lobe Wanckelmut / ich lobe Widerſpruch /
Jch lob auch Unbeſtand / ich lobe Bundes-Bruch:
Gott gib daß nimmermehr ich halte keine Trew
Dem Teuffel vnd der Suͤnd / vnd leb in ſteter Rew.

81.

Auff den Gengmund.
Gengmundus lobt ſich ſelbſt / es lobt jhn auch die Welt /
Wann Wort er fuͤhret Er / ſie wann er ſtille haͤlt.

82.

Ein Lobſprecher.
Wer andre loben wil / muß ſelbſten loͤblich ſeyn /
Sonſt trifft das Leben leicht mit ſchaͤnden uͤberein.
G iij83. Gute92Erſtes Tauſend

83.

Gute Wercke.
Daß Gott mir durch ſein Werck in mir den Glauben ſtaͤrcke /
Fuͤr diß Werck gelten nichts / viel tauſend meiner Wercke.

84.

An den wolthaͤtigen Gott.
O Gott / wo nem ich Danck / der ich ſo viel genummen
Von Wolthat / die mir iſt zu Hauſe haͤuffig kummen
Durch deine Guͤtigkeit? Thuſt du nicht mehr hier wol /
So weiß ich keinen Rath / wie recht ich dancken ſol!

85.

Auff den Bauerſtoltzen Grollum.
Der hoch zwar wil hinauß / hat Grollus einen Geiſt /
Doch iſt ſein Kopff was ſchwer der jhn herunter reiſt.

86.

Nicht zu mutig / nicht zu furchtſam.
NOch frech wagen /
Noch weich zagen
Hat jemals gar viel Nutz getragen /
Wol bedacht /
Friſch verbracht /
Hat offt gewonnen Spiel gemacht.

87.

Die Liebe Gottes vnd deß Nechſten.
Dem Nechſten nuͤtze ſeyn / den Hoͤchſten recht verehren
Kan geben dorte Heil / vnd hier den Segen mehren.

88.

Die Welt.
DJe Welt iſt wie das Meer; jhr Leben iſt gar bitter;
Der Teuffel / machet Sturm; die Suͤnden / Ungewitter;
Drauff iſt die Kirch / ein Schiff; vnd Chriſtus Steuer-Mann;
Sein Segel / iſt die Rew; das Creutze / ſeine Fahn;
Der93Vierdtes Hundert.
Der Wind / iſt Gottes Geiſt; der Ancker / das Vertrauen /
Dadurch man hier kan ſtehn vnd dort im Port ſich ſchauen.

89.

Feinde der Redligkeit.
Haß / Liebe / Furcht / Gewinn ſind vielmal Schuld daran /
Daß redlich / wie er ſoll / nicht jeder wandeln kan.

90.

Weiber / verſetzt / bei Rew.
Offt wohnt die Weiber-Trew
Zu aller nechſt bei Rew.

91.

Laſter ſind zu ſtraffen / Perſonen ſind zu ſchonen.
PErſonen gar nicht auß zu ruͤchten /
Die Laſter aber zu vernichten /
Hat jeder muͤgen Reime tichten.

92.

Auff Jungfraw Mammæam.
MAmmæa funckelt her an Schoͤnheit wie die Sterne /
Doch / welches ſeltſam iſt / weicht Hoffart von jhr fernt;
Dann daß ſie gar nicht ſich als andre beſſer deucht /
Das macht daß Fleiſch vnd Blut ſie auch im Buſem reucht.
Dahin nun grieff ein Freund gar vnbedachten Mutes /
Da fand er zwar viel Fleiſch / Milch aber ſtat deß Blutes.

93.

Armut vnd Blindheit.
Ein blinder Mann iſt arm / vnd blind ein armer Mann
Weil jener keinen ſiht / vnd keiner den ſiht an.
G iiijGe -94Erſtes Tauſend

94.

Geſchmuͤnckte Weiber.
DJe Damen die ſich gerne ſchmuͤncken /
Die laſſen ſich wol ſelbſt beduͤncken
Daß wo Natur an jhren Gaben
Muß etwas uͤberſehen haben:
Drum wo man Schmuck vnd Schmuͤncke
ſchauet /
Thut thoͤrlich / wer der Farbe trauet.

95.

Engliſche Tracht.
DJe Jungfern die das geile Rund /
Das zu der Liebe legt den Grund /
So frech ans Lichte ſtellen auß /
Die ſind ein rechtes Ballen-Haus /
Da ſtets der Ballon liegen viel
Vnd warten dem / der ſpielen wil.

96.

Wille fuͤr That.
Ob wollen / ſonſt gleich offt als kuͤnnen / pflegt zu gelten /
So gilts bey Weibern doch gar nie ſo / oder ſelten.

97.

Von dem Pravo.
ES ſchrieb jhm Pravus an ſein Haus
Hier geh nichts boͤſes ein vnd auß;
Jch weiß nicht / ſoll ſein Wuntſch beſtehen
Wo Pravus auß vnd ein wird gehen.
98. Eine95Vierdtes Hundert.

98.

Eine Manſvete Jungfraw.
EJne Dam iſt mir bekant
Deutſch iſt Zung vnd Vaterland /
Wann ſie redet / muß da zwiſchen
Halb Latein ſich vntermiſchen;
Drum jhr Name / ſolls ſo ſeyn /
Halb muß Deutſch ſeyn / halb Latein.
Daß man mag jhr Art erkennen
Wil ich ſie Man-ſveta nennen.

99.

Wiſſenſchafft.
DAs Gold gilt da vnd dort: Und die Geſchickligkeit /
Die ſchickt ſich hin vnd her vnd taug in alle Zeit.

100.

Von einem Pfarrer.
KVmmet her vnd kauffet ein
Gar vmſonſten Milch vnd Wein!
Pflegt ein Dorff-Pfarꝛ ſtets zu ſagen:
Wolte gleichwol ſich beklagen /
Wann jhm nicht dafuͤr kam ein
Fette Milch vnd edler Wein.

Deß Erſten Tauſend Fuͤnfftes Hundert.

96Erſtes Tauſend

1.

Wiſſenſchafft.
BEſſer iſt es betteln gehen
Als nichts wiſſen / nichts verſtehen:
Armen / kan man Geld wol reichen /
Weißheit aber nicht deßgleichen.

2.

Buͤcher.
ES iſt mir meine Luſt / bey Todten ſtets zu leben /
Mit denen um vnd um die nicht ſeyn / ſeyn gegeben /
Zu fragen die ſind taub / zu hoͤren die nichts ſagen /
Und die die haben nichts / ſehr viel hingegen tragen
Zu halten lieb vnd werth. Jch bin auff die beſtiſſen
Die mir viel gutes thun / vnd doch von mir nichts wiſſen /
Jch halte dieſe hoch / die mich nur an nicht ſehen /
Die manchmal mich mit Ernſt verhoͤhnen / ſchelten ſchmaͤhen /
Sind meine beſte Freund: Und ſolt ich die begeben /
Eh geb ich alle Welt / eh geb ich auch das Leben.

3.

Poeterey.
MAn haͤlt mir nicht fuͤr gut die Poeſie zu uͤben /
Das Buch / das groſſe Buch / darinnen auffgeſchrieben
Der Roͤmer langes Recht / ſolt eher meine Hand
Durchſuchen / daß darauff ſich gruͤnde mein Verſtand.
Jſts etwan vngeſund / auff Speiſen die da naͤhren /
Zu Zeiten friſches Obſt erquicklich zu verzehren?
Die edle Poeſie ermuntert Sinn vnd Geiſt /
Daß er greifft an mit Luſt / was ſchwer vnd wichtig heiſt.
Das noͤthigſt iſt das Brot; doch laͤſt man gleichwol gelten
Die weit gereiſte Wuͤrtz vnd ſonſten / was da ſelten
Jn vnſre Kuchel kum̃t; man guͤnnet auch der Luſt /
Bedarff es nicht Natur / zu Zeiten eine Koſt:
Der heilſame Verſtand / daß einer zuͤchtig lebe
Niemanden Schaden thu / vnd jedem gleiches gebe /
Jſt97Fuͤnfftes Hundert.
Jſt noͤthig als wol was: Doch ſteht es gleichwol frey
Zu ſetzen Kunſt vnd Witz durch die Poeterey.
Weil Recht ein Knecht jetzt iſt / dem Frevel hat zu ſchaffen /
Weil eignen Willens Zaum pflegt frey verhenckt zu ſchlaffen /
Weil Mars das Rothe ſtellt vnd auch das Schwartze ſetzt /
Weil er Geſetz erklaͤrt wann er den Degen wetzt /
Dieweil er Urthel faͤllt / nach dem der Sieg gefallen /
Weil grober Stuͤcke Knall vnd holen Ertztes ſchallen
Viel klagens nicht geſtehn: So ſey es mir vergunt /
Auff daß der Zeiten Weh / darinnen wenig Grund
Zum from ſeyn uͤbrig iſt / ich etwas mag beſuͤſſen
Durch das / was jeder Zeit fuͤr ein geruͤhmtes wiſſen
Geſchaͤtzet ward vnd wird: Man laſſe mir die Luſt
Die / wo ſie wenig bringt / noch weniger doch koſt.
Sie wird mir nuͤtzer ſeyn / als Maͤgden zu gefallen /
Als in der geilen Brunſt der Uppigkeiten wallen:
Als eingeſchrieben ſeyn in frevlen Raube-Bund /
Der durch gebrauchten Trotz der Welt hilfft auff den Grund:
Als daß mein Sinn im Wein / vnd Wein ſchwuͤmm in dem
Sinne:
Als daß der Spieler Danck / der ſchlecht iſt / ich gewuͤnne:
Als daß ich mich beflieſſ auff Hunds-Philoſophey
Und trieb als eine Kunſt / ein baͤuriſch Feldgeſchrey.
So fuͤhl ich auch nicht Hitz auff Hofegunſt zu ſchnappen /
Jch biege keine Knie vnd ruͤcke keine Kappen
Fuͤr auffgeputzter Ehr vnd angeſtrichner Gunſt /
Die mancher ſucht mit Muͤh / durch ſchnoͤde Schmeichel-Kunſt.
Genug! wann ich mir ſelbſt im Friede kan befehlen
Und darff zu fremder Pflicht nicht Tag vnd Stunden zehlen:
Ein Koͤnig bin ich ſo / mein Haus ein Koͤnigreich /
Da weder Hold noch Gram mich roth macht oder bleich.
Der Himmel / hat mir der vertraut vnd was gegeben
So geb ich dieſes dem / der bey mir wohnt daneben /
Jch diene wem ich kan / bin eines jeden Knecht /
Doch daß mir uͤber mich bleibt vnverruͤckt mein Recht.
Hierzwiſchen laß ich nun zur Zeit mit vnterlauffen
Die viel-gefuͤſten Reim vnd fuͤhre ſie zu Hauffen
Fuͤr98Erſtes Tauſend
Fuͤr gute Freunde hin; gefallen ſie? Gar wol!
Wo nicht / was liegt mir dran? Es iſt kein noͤthig ſol
Gefaͤllig allen ſeyn. Ein jeder mag es machen /
Daß uͤber ſeinem Thun die Engel ſelbſten lachen /
Und daß die Weißheit ſelbſt ſich drob verwundern kan;
Der / dem ich wo nicht taug / der ſeh mich nur nicht an.

4.

Auff Volvinum.
VOlvinus iſt gelehrt / vnd gibt materi her
Sein Weib / die concipirt, ſo waͤchſet ohngefehr
Ein richtiger Context, der wann er iſt fuͤr voll
Kan ſagen alsdann ſelbſt wie man jhn nennen ſoll.

5.

Auff Mummium.
Es theilet Mumm ſein Reich mit ſeinem lieben Weibe;
Tags / liegt ſie jhm im Haar; Nachts / er jhr auff dem Leibe.

6.

Deß Krieges Zugpferde.
BAſtant, Succurſs, Courage,
Quartier, Recruten, Gage:
Kan Mars nicht dieſe Sechs anſpannen
So weicht er keinen Schrit von dannen.

7.

Leichte Wahren.
Wer Kriegsvolck fuͤhrt / kan ſchleunig fahren /
Dann was er fuͤhrt / ſind leichte Wahren.

8.

Deß Krieges Sieg.
Es kriegt jhm Mars jetzt ſelbſt; vnd das was er erkrieget
Jſt / daß er faͤllt die Welt / vnd ſelbſt mit jhr erlieget.
9. Abge -99Fuͤnfftes Hundert.

9.

Abgezwungene Jungfrauſchafft.
JHr Jungfern / euer Leib den wo Gewalt verletzet
Wird Ehren-loſe nicht / mit Billigkeit geſchaͤtzet:
Cunninna weiß es wol / wer an um Gunſt ſie ſpricht
Dem gibt ſie die / vnd ſchreyt: O nun / O nein / O nicht!

10.

Poeterey.
Es bringt Poeterey zwar nicht viel Brot ins Haus /
Das drinnen aber iſt / das wirfft ſie auch nicht auß.

11.

Gewerbs-Mittel.
D nicht Juſtinian vns allewege zeiget
Wodurch man was erwirbt / vnd viel davon verſchweiget /
Geſchah vielleicht auß Neid / vielleicht auß vnbewuſt /
Vielleicht auß Uberdruß / dieweil es Muͤh gekoſt:
Mars aber iſt ſo trew / ſo klug / ſo vnverdroſſen
Zu oͤffnen alles das / was ſonſten heiſt verſchloſſen /
Er ſuchet alles auß / er weiſet allen Grieff
Zu naͤhren ſich bey Tag / vnd wann man ſonſten ſchlieff!

12.

Der Jungfern groͤſte Schmach.
WAs iſts / woruͤber mehr die Jungfern ſo entbrennen /
Als wann man ſie pflegt alt vnd vngeſtalt zu nennen:
Dann Jugend dient zur Zucht / vnd Schoͤnheit zum verthun:
Sind dieſe beyde weg / ſo laͤſt man ſie wol ruhn.

13.

Auff Cornutum.
ES hat jhm Cornutus zwey Weiber anvermaͤhlt /
Von einer wird getroͤſt / von andrer er gequaͤlt /
Die eine bleibt jhm gram / die ander iſt jhm hold /
Die erſte / nenn ich nicht; die ander heiſt Geduld.
14. Auff100Erſtes Tauſend

14.

Auff die ſchoͤne Pomulam.
POmula, hat / wie man ſpricht /
Als ein Apffel ein Geſicht;
Daß in jhr ſteckt eine Made
Wie im Apffel / das iſt ſchade!

15.

Der verfochtene Krieg.
MArs, darff keinen Advocaten
Der ihm auß fuͤhrt ſeine Thaten;
Keinem hat er nichts genummen /
Wo er nichts bey jhm bekummen:
Keinem hat er nichts geſtohlen /
Dann er nam es vnverholen:
Keinen hat er je geſchlagen /
Der ſich ließ bey zeiten jagen:
Was er von der Straſſe klaubet /
Jſt gefunden / nicht geraubet:
Haus / Hof / Scheun vnd Schopff geleeret /
Jſt / ein Stuͤcke Brot begehret:
Stat / Land / Menſch vnd Vieh vernichtet /
Jſt / deß Herren Dienſt verrichtet:
Huren / ſauffen / ſpielen / fluchen /
Jſt / dem Mut Erfriſchung ſuchen:
Mehr kein Menſch ſeyn an Geberden /
Jſt ein braver Kerle werden:
Letzlich dann zum Teuffel fahren /
Jſt / den Engeln Muͤh erſparen.
16. Muß -101Fuͤnfftes Hundert.

16.

Mußtheil.
DAs Mußtheil heiſt man diß / was nach deß Mannes ſterben
Die Fraw von Rittersart / muß theilen mit den Erben:
Ein Mußtheil machet drauß / auß allem was man hat /
Wo er es nicht nim̃t gar / ein raubriſcher Soldat.

17.

Auff Virnulam.
ES achtet in der Welt nichts Virnula ſo ſehre /
Wie billich / als die Zucht vnd angeboren Ehre;
Damit ſie jhr mit Macht nicht etwa werd entnummen /
So hat ſie nechſt ein Freund von jhr geſchenckt bekummen.

18.

Deß Krieges Adelſchafft.
DEn Adel ſuchet Mars, vnd haſſet doch den Adel;
Er mercket daß ſein Grund zum edel ſeyn / hat Tadel:
Sein Waffen zwar das taug / weils billich jhm gebuͤhrt /
Daß einen Greiff vnd Wolff er in dem Schilde fuͤhrt.

19.

Ehre / naͤhret Kuͤnſte.
WEil guter Lehr vnd Kunſt
Niemand gibt Ehr vnd Gunſt /
So kuͤm̃t die Vnvernunfft
Jetzt in der Ehre Zunfft.

20.

Verſtaͤndiger Krieg.
Mars wil gewiß ſein Volck gar klug vnd wirthlich ziehen
Er wirbt die Jungen jetzt bey Schulen vnd bey Kuͤhen.

21.

Gott mit mir.
MEin Haus iſt voller Gott
Jn dem es voller Noth:
HJſt102Erſtes Tauſend
Jſt Gott nun gern um mich /
Warum dennwolt auch ich
Mich von der Noth entziehn /
Vnd Gottes beyſeyn fliehn?

22.

Lebens-Satzung.
LEb ich / ſo leb ich!
Dem Herren hertzlich;
Dem Fuͤrſten treulich;
Dem Nechſten redlich;
Sterb ich / ſo ſterb ich!

23.

Gottes vnd deß Teuffels Bothen.
GEht hin in alle Welt vnd lehret alle Voͤlcker;
Geht hin in alle Welt vnd leeret alle Voͤlcker:
Der Teuffel ſchaffet diß / Gott ſchaffte jenes vor /
Noch lieget Gottes Wort / deß Teuffels ſchwebt empor -

24.

Deß Landes Leichendienſt.
DAs Land iſt leider tod! drum wird es nun begraben.
Die Staͤdte / ſind der Pfarꝛ / die zum Gedaͤchtnuͤß haben
Die Spolien davon: Soldaten ſind die Erben
Die erben eh man ſtirbt / jhr Erb iſt vnſer ſterben.

25.

Kennzeichen der wahren Kirche.
DEr mit dem Beutel gieng hieß Judas: Der zu legen
Sein Haupt nicht hatte Raum / heiſt Chriſtus: Zeitlich
Segen
Jſt lange lange nicht die rechte Lieverey
Zu kennen wer ein Chriſt in Chriſtus Kirche ſey!
26. Boͤſe -103Fuͤnfftes Hundert.

26.

Boͤſe-from vnd from-Boͤſe.
Wer keinem Boͤſes nie / vnd auch nie gutes thut /
Heiſt der gut-boͤſe dann / heiſt der dann boͤſe-gut?

27.

Auff Schwollium.
DEr Praler Schvvollius, wil gar nicht wohnen enge /
Sein Hauß muß ſeyn geraumt / gewaſchen alle Gaͤnge;
Nicht wunder! jhn verdruß / da er erſt ward ein Kind
Beſchloſſen ſeyn dahin / wo lauter Naͤchte ſind /
Drum brach er bald herfuͤr / wos eng vnd vnrein ware /
Ob ſeine Mutter gleich war Fraw vom Viertel-Jahre.

28.

Krieg vnd Wein.
SOldaten vnd der Wein / wo die zu gaſte kummen
Da iſt Gewalt vnd Recht dem Wirthe bald benummen:
Der Wirth kan dieſen zwar / zum Hauſe treiben auß
Jen aber raͤumen weg den Wirth / vnd auch ſein Haus.

29.

Leichtes / ſteigt uͤber ſich.
DAs leichte ſteigt empor;
Drum geht bey vnſrer Zeit
Die leichte Sinnligkeit
Der Redligkeit weit vor.

30.

Traͤume.
Die Traͤume ſind wol werth daß ſie man manchmal achte:
Die Fraw im Traume ward / ward Mutter da ſie wachte.

31.

Finſternuͤß.
WAnn zwiſchen Menſchen Hertz vnd zwiſchen Gottes Liebe
Der Erde Schatten faͤllt / ſo wird es ſchaͤdlich truͤbe;
H ijDann104Erſtes Tauſend
Dann / Gottes Troſt vergeht / der doch allein erfreut /
Drum bleibt dem Hertzen nichts / als Welt; das iſt / nur Leid.

32.

Geſchmuͤckte vnd geſchmuͤnckte Jungfern.
DJe Jungfern die ſich gern am Tage zierlich ſchmuͤcken /
Die liegen gerne bloß deß Nachtes auff dem Ruͤcken:
Und die mit Schmuͤncke ſich verpurpern vnd bekreiden /
Die wollen jhre Bruſt mit Maͤnnern gerne kleiden.

33.

Wittibſchafft.
ALs Pallas weg von Troja ward genummen
Jſt deſſen Heil bald zum Verterben kummen:
Ein Haus darauß ein redlich Weib verſchieden /
Bleibt von dem Gluͤcke mehrentheils vermieden.

34.

Der Tod.
Jch fuͤrchte nicht den Tod / der mich zu nemen kuͤm̃t /
Jch fuͤrchte mehr den Tod / der mir die Meinen nim̃t.

35.

Schalcks-Narren.
Ein Herꝛ der Narren haͤlt / der thut gar weißlich dran;
Weil / was kein Weiſer darff / ein Narꝛ jhm ſagen kan.

36.

Weg / zu beyderley Leben.
Nur ein Weg iſt zur Welt / zum Himmel auch nur einer
Auff jenem gehen all; auff dem / von zehnen keiner.

37.

Zungendreſcher.
KEin groͤſſer Unrecht wird Juriſten angethan
Als wann ein jeder Recht erweiſet jederman /
Weil jhnen Unrecht recht: Wann Unrecht wo nicht waͤr
Waͤr zwar jhr Buch voll Recht / jhr Beutel aber leer.
38. Ge -105Fuͤnfftes Hundert.

38.

Genieß-Herren dieſer Zeit.
Bey dieſer tummen Zeit hat ſeinen beſten Nutz
Der Bauern ſtarrig Grob / der Krieger toller Trotz.

39.

Verkehrte Welt.
Niemand thut was er ſol / ein jeder was er wil:
Wer thun wil was er ſol / der taug vnd gilt nicht viel.

40.

Haus-Uhr.
DEr Ehſtand iſt zur Zeit dem Uhrwerck zu vergleichen /
Das nach dem Weter offt von rechter Spur wil weichen.
Die Unruh die keinmal ſol ſtehen / iſt das lieben /
Die vom Gewichte doch deß Gluͤckes wird getrieben:
Der Hammer / iſt der Mann; die Glock / iſt ſeine Fraw
Die ſchlagen ſonſten nicht / als wann das Weter raw;
Sie ſchlagen gleich nun zwey / drey / minder oder mehr /
So iſt doch dieſer Klang gantz ſchaͤdlich dem Gehoͤr.

41.

Auff Nigellam.
Wo Lieb als Feuer brennt / ſo ſag ich vnverholen /
Nigella hat den Ruhm / ſie ſey deß Amors Kohlen.

42.

Auff Flaviam.
MJt Gold vnd nicht mit Bley hat Amor dich geſchoſſen /
Das iſt nun Flavia, durch Hitz in dir zerfloſſen /
Es dringt zun Augen rauß / vnd ſonſten dort vnd da /
Daß du ſo billich heiſt die goͤldne Flavia.

43.

Auff Rubellam.
Rubella, dein Geſicht hat Amor außgeruͤſt
Daß wie ein Pharos du fuͤr ſeine Fackel biſt.
H iij44. Auff106Erſtes Tauſend

44.

Auff Albellam.
ALbella, waͤreſt du gleich nur ein kalter Stein /
Wuͤrd ein Pygmalion dein Buhler dennoch ſeyn:
Du lebſt vnd biſt ſo klar / was ſolt es wunder ſeyn /
Wann ein Pygmalion durch dich wird ſelbſt ein Stein.

45.

Auff Cypriam, die ſo leichte ſuͤndiget.
AN keinen ſchweren Fall den ſie begangen haͤtte
Denckt Cypria, ſie faͤllt / offt / aber nur ins Bette:
Sie iſt ſonſt ſchweren Fall bemuͤht zu uͤbergehen /
Faͤllt nicht ins Bette ſie / vnd faͤllt? Geſchiehts im ſtehen.

46.

Weiber ſind Menſchen.
WEil jrren Menſchlich iſt / kuͤm̃t klaͤrlich an den Tag /
Daß Weiber man nur auch fuͤr Menſchen rechnen mag:
Es jrꝛte Grunnia zum tuͤgen Menſchlich nu
Sie ſolte gehn zum Mann vnd gieng zum Knechte zu.

47.

Mit wenigem viel.
DJeweil der ſechſte Sinn ſchleuſt in ſich alle Sinnen /
Wolt alle Sinnen gern in einen bringen kuͤnnen
Die ſchlaue Gellia; drum nim̃t ſie ſtuͤndlich an
Was jhr der ſechſte Sinn nur jmmer uͤben kan.

48.

Steuer.
DJe ſterbens-freye taufend-Steuer
Jſt / duͤnckt mich / uͤberſichtig heuer /
Sie ſiht nur auff das Haupt das ſteht /
Nicht aber auff was Fuͤß es geht.
49. Deß107Fuͤnfftes Hundert.

49.

Deß Krieges Buchſtaben.
Kummer / der das Marck verzehret /
Raub / der Hab vnd Gutverheret /
Jammer / der den Sinnverkehret /
Elend / das den Leib beſchweret
Grauſamkeit / die unrecht kehret /
Sind die Frucht die Krieg gewehret.

50.

Deß Todes Buchſtaben.
D Todes Anfang zwar / bringt mit ein hartes T /
Das Ende zeucht nach ſich alsdann ein lindes D /
Das Mittel iſt ein O / es iſt ein Augenblick
So kuͤm̃t fuͤr harte Pein / ein jmmer ſanfftes Gluͤck.

51.

Tod / Troſt Oder Durſt.
ALs Lazarus verſtirbt / wird oben er getroͤſtet /
So bald der Reiche ſtirbt / wird vnten er geroͤſtet:
Wer uͤbel ſtirbt / fuͤhlt Durſt auffs Teuffels heiſſem Roſt
Wer ſelig aber ſtirbt / in Abrahams Schoß Troſt.

52.

Jn der Welt iſt nichts als
Wanderſchafft /
Eitelkeit
Leid vnd
Tod.
UNſres Lebens Eigenthum
Jn der Welt / iſt Wanderſchafft /
Vnſres Weſens gantzer Ruhm
Jſt der Eitelkeit verhafft:
H iiijAuff108Erſtes Tauſend
Auff das Leid in tauſend Noͤthen
Folgt zu letzte gar das toͤdten.

53.

Die viehiſche Welt.
EJn Rinderner Verſtand / vnd Kaͤlberne Geberden /
Dabey ein Woͤlffiſch Sinn / ſind braͤuchlich jetzt auff Erden:
Das Rind / verſteht ſich nicht / dann nur auff Stroh vnd Gras /
Ein Menſch laufft / rennt vnd ſchwitzt bloß um den vollen
Fraß:
Ein Kalb / ſchertzt / gumpt vnd ſpringt / das Meſſer eh es fuͤhlet /
Ein Menſch denckt nie an den / der ſtuͤndlich auff jhn zielet:
Der Wolff / nim̃t was jhm kuͤm̃t / iſt Feind fuͤr Wild vnd Vieh /
Was Menſch vnd Menſchlich iſt / iſt frey fuͤr Menſchen nie.

54.

Die Zeiten deß Jahres vnd deß Chriſtenthumes.
JM Lentzen / glaubt man Brot: Brot hofft man in dem
Sommer:
Jm Herbſte / nim̃t man Brot: Der Winter / ſtillt den Kummer:
Ein Chriſt / lernt glauben erſt; nach dieſem lernt er hoffen;
Die Hoffnung macht jhn ſtarck; im Tod iſt alles troffen:
Sonſt / iſt es lieblich erſt / ein Chriſt genennt zu werden /
Wann aber Hitze kuͤm̃t / Muͤh / Sorgen vnd Beſchwerden /
Da geht es ſchwitzig her / doch folgen drauff viel Fruͤchte /
Biß letzlich vns der Tod die volle Gnuͤge richte.

55.

Auff Vacerram.
Vacerra wird zum Tiſchler tuͤgen
Er kan die Fabeln zaͤrtlich fuͤgen.
56. Auff109Fuͤnfftes Hundert.

56.

Auff Elſulam.
ELſula, die alber iſt
Jſt in deme gar kein Haſe /
Daß ſie jhre Buhlen kieſt
Nicht nach Ohren / ſondern Naſe.

57.

Wer auff viel zu ſehen / kans leichte verſehen.
POrtia gibt Antwort drum /
Daß ſie nicht den Mann kan achten;
Wer mit vielen gehet um /
Kan auff eines nicht nur trachten.

58.

Wer nuͤtzliches mit luſtigem vermenget / der triffts.
WEr Nutz vnd wer Ergetz recht ſcheidet vnd recht mengt /
Verdienet / daß man jhn mit Lob vnd Ruhm beſchenckt:
Lobt Pasſerilla, lobt! zum Nutz iſt jhr der Mann /
Der Nachbar zum Ergetz / vnd wer nur jmmer kan.

59.

Wunder.
WAnn bey der Roͤmer Zeit man ſah mit Milche triffen
Den Himmel / ſah man auch wie furchtſam hin ſie liffen
Zum Sybilliner-Buch / vnd ſtellten uͤberall
Viel Wallen vnd Proceß durch reiner Jungfern Zahl /
Auß Veſta Kloſter an: Was ſollen wir bereiten /
Wann von den Jungfern ſelbſt treufft Milch / bey vnſren Zeiten?

60.

Marter-Frage.
Man recket ſonſt den Dieb / der andren wolte ſtehlen:
Der Dieb reckt jetzund den / der was fuͤr jhm wil hoͤlen.
H v61. Steuer110Erſtes Tauſend

61.

Steuer.
WO Venus weiland ſaß vnd den Adonis kuͤſte
Wuchs Gras vnd Blumen auff / ob gleich der Ort war
wuͤſte:
Wo Bacchus weiland zoh / da wuchſen lauter Reben
Und aller duͤrrer Strauch muͤſt eitel Trauben geben:
Kans nicht die Steuer auch? Ein wolverſteuret Grund
Soll geben her jemehr / jemeh er wuͤſte ſtund.
Wer weiß ob jenes wahr? Wer weiß ob diß kan ſeyn?
Dort glaube wer da wil / hier gibts der Augenſchein.

62.

Ein thaͤtiges Chriſtenthum.
D glauben / lieben / vnd das leiden
Die laſſen ſich nicht gerne ſcheiden /
Der dieſe drey begehrt zu trennen /
Den darff man keinen Chriſten nennen;
Dann der / dem leiden iſt verdrießlich
Bey dem iſt auch das glauben mißlich /
Wo Glauben nicht daheime wohnet /
Jſt auch dem lieben abgelohnet.
Drum kuͤm̃ts / daß viel vom Glauben weichen /
Damit ſie gute Tag erreichen /
Vnd daß ſie den / ſo moͤrdlich haſſen /
Der Glauben haͤlt / den ſie verlaſſen.

63.

Vergebung der Suͤnden.
VErgeben / heiſt umſonſt vergebens was erlaſſen;
Soll Schuld vergeben ſeyn / wie kan ich dann nun faſſen
Daß ſie verdienet ſey? Was abgedient ſoll ſeyn /
Drum darff ich allererſt nicht bitten um verzeihn.
64. Ar -111Fuͤnfftes Hundert.

64.

Armut.
Die Armut iſt mit dem inſonderheit begabt
Daß ſie / wohin ſie kuͤm̃t / hat was ſie hat gehabt.

65.

Wunderwercke.
D kein Chriſt jetzt Wunder thut /
Macht / der Glaub iſt nicht recht gut /
Drum iſt rechter Glaub jetzunder
Fuͤr ſich ſelbſt ein groſſes Wunder.

66.

Gott / gut; der Menſch boͤſe.
Gott ſegnet ſtuͤndlich vns: Wir fluchen ſtuͤndlich Gott /
Drum iſt von jhm das Heil / von vns Fluch / Noth vnd Tod.

67.

Deß Bardi Traum.
BArdus traͤumt er waͤr ein Pfarꝛ /
Wachend war er ſonſt ein Narꝛ:
Ob jhm traͤumt er waͤr ein Narꝛ /
Wuͤrd er wachend doch kein Pfarꝛ.

68.

Deß Corydonis Traum.
WAs Tages offt man denckt / traͤumt einem Nachtes offte.
Als einen ſuͤſſen Traum von Phyllis demnach hoffte
Der Buhler Corydon, (traw mehr auff Traͤume / traw!)
Traͤumt jhm von Phyllis nichts / traͤumt jhm von einer Saw.

69.

Von der Deutſchen Poeſie.
WAs iſt ein Deutſcher Reim? Deutſch kan hier jederman;
Drum iſt mir lieb daß ich / kan auch was jeder kan:
Doch112Erſtes Tauſend
Doch kan mein Reim / noch was / das Zoilus nicht kan /
Daß meinen Reim wie jhr / beſticht nicht Jedermann.

70.

Von meinen Sinn-Getichten.
D meine Reime klar / rund / klug nicht fallen kuͤnnen
Jſt nicht der Sprache Schuld / die Schuld iſt meiner Sinnen:
Jſt loͤblich etwa nicht / was ich hier ſchreibe das /
Jſt loͤblich etwa doch / daß ich verſuche was.

71.

Ein glaͤubiger Schuldner.
Veit iſt mein Glaͤubiger vnd Schuldner fuͤr vnd fuͤr:
Den Glauben haͤlt er jhm / die Schuld die laͤſt er mir.

72.

Eine ſtatliche Mitgifft.
Deß Weibes groſſe Gifft / iſt recht deß Mannes Gifft /
Die nicht den Leib ſo ſehr / als ſeine Freyheit trifft.

73.

Geſchmuͤnckte Weiber / ſind willige Weiber.
WJewol es noch nicht Brauch / daß Witwen / daß Jungfrauen
Sich ſelbſten bitten an vnd fragen ums Vertrauen;
Jedoch / wil gleich der Mund ſich noch in etwas ſchaͤmen /
Fragt Schmuck vnd Schmuͤncke doch: Ey wil mich niemand
nemen.

74.

Glaubens-Zwang.
Den an Apoſtels ſtat bekehren die Piſtolen /
Glaubt anders offen bar / glaubt anders dann verholen.

75.

Abfall.
ES iſt ein Wunderding / der durch zehn / zwantzig Jahre
Und laͤnger / nicht gewuſt was rechter Glaube ware /
Wann113Fuͤnfftes Hundert.
Wann der vom erſten Trit / vnd nim̃t den andren an /
Daß der bald alles weiß vnd andre lehren kan?
Mich duͤnckt Gunſt / Ehre / Macht / Gemach vnd gute Biſſen
Die ſtaͤrcken jhm das Hirn / nicht aber das Gewiſſen.

76.

Glaube vnd Wercke.
DEr Glaub auff Chriſtus Werck / der Glaub auff meine
Wercke /
Was jener oder der zum Troſte hat fuͤr Staͤrcke /
Hiervon zeugt zwar die Schrifft / doch frag auch den um Rath /
Der jetzt das Kum̃t vnd Geht / im ſterben fuͤr ſich hat.

77.

Eine Magd deß Herren.
STella weiß nicht gar genaw
Ob ſie Magd ſey oder Fraw:
Soll ſie rechten Grund dir ſagen /
Muß ſie vor den Herren fragen.

78.

Von meinem Buche.
WJrd nicht mein Buch wol abegehn
Wie ſichs zu Nutz gebuͤhret /
Wird ſichs auff gehen nicht verſtehn /
Wird wollen daß mans fuͤhret.

79.

Diebe.
DAs ſtehlen iſt gemein / noch kan der Hencker ruhn?
Das ſtehlen iſt zu groß / der Teuffel hat zu thun:
Die Dieb in alter Zeit / gehoͤren in die Lufft /
Die Dieb in dieſer Zeit / gehoͤren in die Klufft.
80. Auff114Erſtes Tauſend

80.

Auff den Fried-haͤſſigen Veit.
Der Friede henckt die Dieb / vnd Krieg beſchenckt die Diebe;
Daher kum̃t Friedens Haß / dir Veit, vnd Krieges Liebe.

81.

Der Asſyrier Gebrauch.
ES ware Schand / ob wo auß Asſurs geilen Haͤnden
Ein ſchoͤnes Weib kam weg mit Ehren ohne ſchaͤnden:
Es iſt noch heute Brauch / daß der zu Schanden kuͤm̃t /
Der ſich zu Ehren haͤlt / vnd nicht zu Schanden ſtim̃t.

82.

Holofernes.
WAs Holofernes hat der Krieg?
Bey denen der gewuͤntſchte Sieg /
Wann ſie von nah vnd ferne-holen /
Vnd achten nichts / was nicht geſtohlen.

83.

Der Welt Jaͤgerey.
JSt jrgend Tugend wo / iſt jrgend wo ein Ehre?
Jagt der die Welt friſch nach / biß daß ſie ſie zerſtoͤre:
Jſt jrgend eine Schand / iſt jrgend eine Schmach?
Die hat bey vnſrer Welt hoch Acht vnd gut Gemach.

84.

Das Geſetz Moiſis. Deut. 25. . 9.
MArs traͤget Stiefeln / die als Schuh was feſter ſtecken:
Drum iſt er ſtets bereit auff Saamen zu erwecken
Dem Bruder durch ſein Weib / der Schweſter vnd der Magd /
Damit man ſpoͤttiſch nicht / Barfuͤßler zu jhm ſagt.
85. Auff115Fuͤnfftes Hundert.

85.

Auff Simpeln.
SJmpel iſt deß Weibes Weib /
Sie iſt jhres Mannes Mann;
Jſt dann wol zu zweiffeln dran /
Zwey die machen einen Leib?

86.

Eine außgeuͤbte Sache.
VOn Sachen die nicht vor ſind wo ſchon außgeuͤbet
Nim̃t keine Simon an / wie viel man jhm gleich gibet:
Mich duͤnckt / (es iſt nicht weit biß daß er Hochzeit mache /)
Die Braut die bring jhm auch ein außgeuͤbte Sache.

87.

Auff Bavium.
ES wolte Bavius ſein Weib Lateiniſch lehren /
Doch wolt er Cornu nicht beym decliniren hoͤren;
Auff Amo da es kam / geſtund er / Ego, Tu,
Das Ille ſtrich er auß / vnd ließ es jhr nicht zu.

88.

Ein zuſetzlich vnd eigenſtaͤndig Wort.
WAs Adjectivum ſey / was Subſtantivum heiſt /
Hat Mann / Weib / Ding dir bald mit leichter Muͤh geweiſt:
Ein Subſtantiviſch Ding / iſt was beym Manne ſteht
Ein Adjectiviſch Ding / iſt was das Weib begeht.

89.

Eitelkeit.
ES gilt jetzt nichts ſo hoch als nichts; die Eitelkeit
Hat an ſich alle Welt / Geſchaͤffte / Leute / Zeit /
Daß gegen Nichts iſt nichts die reiche Seligkeit.
90. Auff116Erſtes Tauſend

90.

Auff einen Stern-Freund.
Es darff nicht was da Mars noch ſtifften wird fuͤr Jammer /
Am Himmel Lingus ſehn / er ſeh in ſeine Kammer.

91.

Eheſcheidung.
VOn einem boͤſen Weib um Spot
Jſt ſchwer ſich ſcheiden muͤſſen:
Von einem fromen Weib im Tod
Jſt ſchwerer ſeyn geriſſen.

92.

Auff Ubonem.
UBo wil / daß er verſcheide /
Auff gut Deutſch auff gruͤner Heide;
Da es doch nun ziemlich lang
Daß er iſt Frantzoͤſiſch kranck.

93.

Auff Bonnam.
Wie daß ſich vnten ſchuͤrtzt vnd oben Bonna deckt?
Weil jhr das ſchoͤn ums Knie / vnd nicht in Augen ſteckt.

94.

Spieler.
SPielen / ſoll Ergetzung ſeyn;
Dieſes wil mir doch nicht ein /
Wie daß der der einbuͤſt viel
Glauben kan / es ſey ein Spiel.

95.

Lebe-Kunſt.
Wer lange leben ſoll / der ſchlafe nicht zu viel;
Dann viel lebt ja nicht der / der lange ſchlafen wil.
96. Schlaf. 117Fuͤnfftes Hundert.

96.

Schlaf.
Der Schlaf hat dieſen Brauch / daß jhn nicht ſehen kan
Wer ſiht / vnd daß jhn der / der nicht ſiht / ſihet an.

97.

Schlaf vnd Tod.
SChlaf vnd Tod der macht vergleich /
Zwiſchen Arm / vnd zwiſchen Reich /
Zwiſchen Fuͤrſt vnd zwiſchen Bauer /
Zwiſchen Biederman vnd Lauer.

98.

Hoffnung.
Hoffnung wird manchmal geacht
Als ein Traum / bey dem der wacht.

99.

Hoffnung.
Der nichts hat / dem iſt noch Rath /
Weil er Hoffnung nur noch hat.

100.

Tod vnd Schlaf.
Tod / iſt ein langer Schlaf; Schlaf / iſt ein kurtzer Tod /
Die Noth die lindert der / vnd jener tilgt die Noth.
J

Deß Erſten Tauſend Sechſtes Hundert.

118Erſtes Tauſend

1.

Schlaf.
ES ſitzt der Schlaf am Zoll / hat einen guten Handel /
Sein iſt der halbe Theil von vnſrem gantzen Wandel.

2.

Die Nachfolge Chriſti.
ES iſt ein ſchlechtes Ding / dahin mit Chriſtus gehen /
Wo Wein an Waſſers ſtat muß in den Kruͤgen ſtehen:
Wo Blut an Schweiſſes ſtat von jhm zur Erde faͤllt /
Da lob ich den alsdann / der ſtand bey Chriſtus haͤlt.

3.

Alamode-Sporne.
DJe Ehre fuͤhret groſſen Sporn /
Drum hat der Krieg den Ruhm verlorn /
Weil ſein Geſchlecht bey dieſen Tagen /
Fuͤr Sporne Spoͤrnlein pflegt zu tragen.

4.

Krieg vnd Friede.
DJe Welt hat Krieg gefuͤhrt weit uͤber zwantzig Jahr
Numehr ſoll Friede ſeyn / ſoll werden wie es war;
Sie hat gekriegt um das / O lachens-werthe That!
Daß ſie / eh ſie gekriegt / zuvor beſeſſen hat.

5.

Landshut vnd Liebe / Graͤntz-Staͤdte in Schleſien.
WEr ſeine Graͤntzen wol fuͤr Einfall wil bewahren
Mag alle Koſten nur / mag Baw / Volck / Fuͤrſicht / ſparen;
Was ſind Beſatzung / Wacht / Schloß / Mauren / Wall vnd Schut?
Bey Gott vnd Nach barn Lieb / iſt rechte Landes-Hut.
6. Ein119Sechſtes Hundert.

6.

Ein Grichiſcher Brauch.
DEr Hunger wurde bey den Grichen
Hinauß / das Reichthum eingeſtrichen:
Der Hunger wird bey vnſren Tagen
Hinein / das Reichthum außgeſchlagen.

7.

Lebens-Bedurfft.
Was thut vnd duldet nicht der Menſch um gut Gemach;
Wiewol er mehr nicht darff / als Waſſer / Brot / Kleid / Dach?

8.

Finſternuͤß.
Ob die Sonne finſter wird / wird es dennoch wieder lichte;
Ob die Warheit finſter wird / findet ſich das Licht mit nichte.

9.

Traͤume.
Auß nichts hat der jhm was gemacht
Der Traͤnme / die ſo nichts ſind / acht.

10.

Gut - vnd boͤſe Gewaͤſſer.
EJn gutes Waſſer iſt / das von der Buß entſpringet /
Ein gutes Waſſer iſt / das Zucht vom Knaben bringet /
Ein gutes Waſſer iſt / das vnſre Koſt beſtellt /
Ein gutes Waſſer iſt / das Aertzten bringet Geld:
Ein boͤſes Waſſer iſt / da Menſchen drinn erſauffen /
Ein boͤſes Waſſer iſt / das ſo / wie Wein zu kauffen /
Ein boͤſes Waſſer iſt / das auß der Noth man trinckt /
Ein boͤſes Waſſer iſt / das Grimm auß Augen zwingt.
J iij11. Chri -120Erſtes Tauſend

11.

Chriſti Verdienſt um mich Unverdienten.
CHriſtus / der fuͤr mich gab ſich /
Wil fuͤr ſich nichts mehr als mich.
Lieber Gott! wann an der Zahl
Jch wer ich viel tauſend mahl /
Waͤr mein Werth doch nimmer werth /
Daß mich Chriſtus nur begehrt:
Wie ſolt ich dann ſeine Gunſt
Laſſen ſeyn an mir umſonſt?
Drum laß / Jesu / mich nicht mir /
Sondern nim mich eigen dir.

12.

Dame, durch Verſetzung / Made.
PRangt nicht ſo / jhr ſtoltzen Damen!
Seht vor recht auff euren Namen;
Denn die Made / die darinnen /
Wird euch kuͤrtzlich freſſen kuͤnnen.

13.

Das Blut Chriſti.
DEr / den das theure Blut deß Lammes hat beſprenget /
Wird von den Woͤlffen zwar geaͤngſtet vnd bedraͤnget:
Doch herꝛſcht er mit dem Lam̃ in jmmer ſuͤſſen Freuden /
Und ſchauet ſeine Woͤlff in ewig-heiſſem Leiden.

14.

Der Rhein ein Ehren-Richter.
WAnn der Rhein hielt jetzt Gerichte
Vber Eh - vnd Ehren-Fruͤchte /
Lieber / welche fette Fiſche
Wuͤrden kummen drauß zu Tiſche?
15. Die121Sechſtes Hundert.

15.

Die Welt / vnd der Kaſten Noah.
Deß Noah Wunder-Schiff iſt aͤhnlich vnſre Welt;
Weil mehr ſie wilde Thier / als Menſchen / in ſich haͤlt.

16.

Dreyerley Tod; deß Fleiſches / deß Leibes / deß Lebens vnd der Seele.
Wer nicht eh ſtirbt als er ſtirbt
Der vertirbt wann er vertirbt.

17.

Ubereiltes Freyen.
LEichte faͤllt es / Lieb bekummen /
Leichte faͤllts / ein Weib genommen:
Lieb bekummen bald zur Stunde /
Gar genummen ohne Grunde /
Heiſt / zur Reue Lieb bekummen /
Heiſt / zur Straffe gar genummen.

18.

Deutſchland.
DEutſchland / bey der alten Zeit
War ein Stand der Redligkeit;
Jſt jetzt worden ein Gemach /
Drinnen Laſter / Schand vnd Schmach
Was auch ſonſten auß-man fegt /
Andre Voͤlcker abgelegt.

19.

Geduld.
JEner Zeit / die jetzt die alte /
Hilt man Deutſchland viel zu kalte /
J iiijDaß122Erſtes Tauſend
Daß daſelbſt / wie jeder wolte /
Die Geduld erwachſen ſolte:
Nun nur aber die ſind kummen /
Die den Baw recht fuͤrgenummen /
Jſt kein Bodem weit vnd ferne /
Wo Geduld waͤchſt alſo gerne.

20.

Auff den Luͤgner Lullum.
Wie gut waͤr Lullus doch zu einem Brillen-Glas?
Er macht das kleine groß / auß nichtes macht er was.

21.

Freyen iſt verſehen.
DA Adam wacht vnd ſucht / wo findet er ein Weib?
Da Adam liegt vnd ſchlaͤft / gibt jhm ein Weib ſein Leib:
Ein fromes Weib gibt Gott; die Vorſicht thut es nicht /
Ruͤhrt Gott das Hertze nicht / jrꝛt Ohr / vnd fehlt Geſicht.

22.

Die goͤldene Zeit.
Wann war die goͤldne Zeit? Welt hat ja allezeit
Geklaget uͤber Krieg / Noth / Suͤnd vnd Sterbligkeit.

23.

Dreyerley Voͤlcker. Sir. 50. . 27.
JCh bin von Hertzen feind den runden Sama -
rittern
Die jetzund warm / jetzt kalt; jetzt klar / jetzt truͤbe wittern:
Jch bin von Hertzen feind / dem Philiſtiner-Stam̃
Der jhm / wo Recht gebrach / das Schwerdt zu Haͤnden nam:
Am graͤmſten bin ich noch den tollen Sichemiten
Die ſicher in dem Sinn vnd freyliſch ſind an Siten.
24. Gei -123Sechſtes Hundert.

24.

Geitziges Reichthum.
Wer Geld nicht braucht / doch hat / warum dann hat er Geld?
Drum / daß er etwas hat das jhn in Marter haͤlt.

25.

Geſchmuͤnckte Freundſchafft.
Haͤnde kuͤſſen / Huͤte ruͤcken /
Knie beugen / Haͤupter buͤcken /
Worte ſchrauben / Rede ſchmuͤcken /
Wer / daß dieſe Gauckeley /
Meinet rechte Freundſchafft ſey /
Kennet nicht Betriegerey.

26.

Hic mundus, die Welt.
Auff Deutſch / iſt Welt ein Weib; Lateiniſch / iſt ſie Mann;
Drum ſiht man wie jetzt Mann / jetzt Weib jhr buhlen kan.

27.

Steuer.
WJe weiſe ſonſten gleich ward Salomo geachtet /
So hat er doch in dem nicht alles recht betrachtet /
Daß derer Dinge Zahl / die niemals werden ſatt /
Die Steuer er nicht auch noch beygeſetzet hat

28.

Auff Varnam.
Von Troſt ſteckt Varna voll; jhr Mann iſt juͤngſt geſtorben /
Da ſpricht ſie: Ob er tod / doch iſt er nicht vertorben;
Der meine Wolfahrt war / der iſt gar wol gefahren /
Drum mag auch ich mich nun mit neuer Wolfahrt paren.
J v29. Freun -124Erſtes Tauſend

29.

Freundes-Chur.
NJemand ſey dir erkieſt /
Der Freund jhm ſelbſt nicht iſt:
Der Freund jhm ſelbſt nur iſt /
Sey niemand dir erkieſt.

30.

Von dieſem Buche.
D mein Buch / ſagt mir mein Mut /
Noch gantz boͤſe / noch gantz gut;
Kummen druͤber arge Fliegen /
Wird geſundes bleiben liegen /
Vnd das faule leiden an:
Kummen aber Bienen dran /
Wird das faule ſeyn vermieden /
Vnd geſundes recht beſchieden.

31.

Gluͤckſeligkeit.
WAs macht die Menſchen arg? Was hat viel Volck empoͤret?
Was hat manch Land geſchwaͤcht? Was hat manch Reich
zerſtoͤret?
Das / was die gantze Welt noch dannoch allezeit
Von Hertzen wuͤntſcht vnd ſucht: deß Gluͤckes Seligkeit.

32.

Die auffruͤhriſche Dinge.
Suſpect, Deſpect, Reſpect, ſind ſolcher Stuͤcke drey
Dadurch die gantze Welt wird voll von Meuterey.
33. Auff125Sechſtes Hundert.

33.

Auff Tityrum.
TItyrus war der Betruͤbſte
Vnter allen Bauer-Knechten:
Dann der Teuffel holt das liebſte /
Sprach er; Niſa ſtarb mir naͤchten.

34.

Auff Celerem.
CEler lieff nun auß der Schlacht /
Dann es kam jhm gleich zu Sinne /
Daß er / wuͤrd er umgebracht /
Nachmals mehr nicht fechten kuͤnne.

35.

Auff Fungum.
DEm Nechſten ſo wie Gott / wil Fungus voller Treuen
Zu dienen feſte ſtehn; drum ſingt er ohne ſcheuen:
Deß Nechſten Nutz zu ſeyn / das muß mich ewig reuen.

36.

Die Fuhrmans-Sprache.
WEr mit Pferden reden wil
Darff den Amadis nicht viel;
Hotte / ſtoh /
Tſchwnid vnd O!
Wer es kan mit Fuß / Hand / Mund
Kan der Sprache meiſten Grund.

37.

Ochſen.
Welch eine Zeit iſt jetzt? Man ſpannt die Dreſcher an /
Und friſſet den wol gar / der mehr nicht arbten kan.
38. Zu -126Erſtes Tauſend

38.

Zuwachs der Suͤnde.
KLette / Neſſel / Diſtel / Dorn /
Sind der Suͤnde beſtes Korn;
Thaͤte ſonſten Gottes Guͤte /
Machte dieſes ſchlecht Gebluͤte.

39.

Krieg vnd Hunger.
KRieg vnd Hunger / Kriegs Genoß /
Sind zwey vngezogne Bruͤder /
Die durch jhres Fuſſes Stoß
Treten / was nur ſtehet / nieder:
Jener fuͤhret dieſen an;
Wann mit morden / rauben / brennen /
Jener hat genug gethan /
Lernt man dieſen recht erſt kennen;
Dann er iſt ſo raſend kuͤhn /
So ergrimmet vnd vermeſſen /
Daß er / wann ſonſt alles hin /
Auch den Brud er pflegt zu f[u]eſſen.

40.

Heilige Leute. Pſal. 12.
Die Heilgen in der Welt / HErꝛ / haben abgenummen;
Dann from ſeyn hat nunmehr die Peſtilentz bekummen!

41.

Fuͤrnehme Leute. Eſa. 24.
Die Hoͤchſten in der Welt / HErꝛ / haben abgenummen;
Dann Fuͤſſe ſind zum Haupt / vnd Haupt zu Fuͤſſen kummen!
42. Auff127Sechſtes Hundert.

42.

Auff Bloſeum.
SEh ich recht / ſo kum̃t mir fuͤr
Bloſeus ſey ein Wunderthier?
Augen hat er / keine Stirne;
Einen Kopff / vnd kein Gehirne;
Einen Mund vnd keine Zunge /
Wenig Hertzens / viel von Lunge;
Wilſtu / ob er ſey / ſo ſchaw /
Menſch / Ochß / Eſel oder Saw.

43.

Goͤttliche vnd Weltliche Geſetze.
Wer Zehn Gebot nicht haͤlt / ob der wol halten wil /
Was weltlich Recht geſetzt / als vnermeßlich viel?

44.

Biebel / durch Verſetzung / bleibe.
Man bleibe hier / daß dort man bleibe / bey der Biebel;
Was Gott ſagt glaubt ſich gut; was Menſchen / glaubt ſich uͤbel.

45.

Biebel / durch Verſetzung / Belieb.
DJe Biebel Gottes Wort / iſt mein Belieb im Leben /
Sie kan mir Troſt in Angſt vnd Rath in Noͤthen geben:
Die Biebel Gottes Wort / iſt mein Belieb im ſterben /
Wo ſie mich weiſet hin / da kan ich nicht verterben.

46.

Ehre / durch Verſetzung Rehe.
Die Ehr iſt wie ein Reh /
Fleucht / als ſie kuͤm̃t / viel eh.
47. Man /128Erſtes Tauſend

47.

Man / vmgekehrt / nam. Weib / durch Verſetzung / bei-w.
NAm jhm ein Mann ein Weib / der wohnt bey einem W /
Dann Weh iſt taͤglich Brot auch bey der beſten Eh.
Ein jeder hat ſein Weh / doch wann ein Mann jhm nam /
So weiſt ſich / daß zum Weh ein neues bei-W kam.

48.

Bild-Stuͤrmer.
WJl Kirchen-Bilder wer zum Ergernuͤß anziehn?
Den aͤrgern Bilder nicht / die Augen aͤrgern jhn;
Drum laß er jene ſtehn / vnd reiſſe dieſe hin.

49.

Außgezogne Bauern / machen angezogne Krieger.
HOſen-Zeug vnd Kleider-Wahren
Kan man leichtlich jetzt geloſen:
Mars der traͤgt bey dieſen Jahren
Meiſtens außgezogne Hoſen.

50.

Ein Gerichte.
EJn Klaͤger kam vnd ſprach: Herꝛ Richter / ich bekenne /
Beklagter ſoll mir thun / ſo viel als ich benenne;
Der Richter ſprach: So ſchaw vnd gibs Beklagter hin /
Daß du von Schulden los vnd ich vom richten bin;
Beklagter ſprach: Jch kan zwar keine Schuld geſtehen
Doch geb ich halbes hin / dem zancken zu entgehen.
Wer beſſer richten kan / der richte druͤber frey
Wer vnter dreyen hier der Allerkluͤgſte ſey.
51. Ein129Sechſtes Hundert.

51.

Ein alter Buhler.
Bekum̃t ein junges Weib ein Alter an die Seite
So iſt ein Klepper da / drauff er zum Grabe reite.

52.

Der Catholiſche Mars.
UNſer Will iſt jetzt gebunden /
Krieger-Wille der iſt frey;
Mars beweiſet alle Stunden
Daß er gut Catholiſch ſey.

53.

Weltliche Gluͤckſeligkeit.
Das Gluͤcke: Die Siren: Die Welt: Das Crocodil;
Wil arg ein jedes dem / dems gleich zum beſten wil.

54.

Der ſaͤumige Mars.
Der Krieg geht langſam fort; die Pferde ſind dahin;
Drum muß er ſein Geraͤth jetzund mit Ochſen ziehn.

55.

Raͤuber / verſetzt / braͤuer.
Raͤuber ſind gar ſchlechte Braͤuer;
Was ſie braͤuen kum̃t gar theuer:
Aber gut / daß ſie beym ſchliſſen /
Selbſt die Hefen ſauffen muͤſſen.

56.

Der Ruchloſen Freuden-Lied.
Weil das Leben bey vns bleibt / brauchen wir das Leben /
Kummen wir in Himmel nicht / kummen wir daneben.
57. Auff130Erſtes Tauſend

57.

Auff den Wittiber / Marcum.
MArxs hat jhm die Sinnen in Ordnung geſtellet /
Er dencket / wann er ſich zum Bette geſellet /
Deß Abends / an ſeine verſtorbene Fraw /
Deß Morgens / wie er jhm ein andre vertraw.

58.

Das Jahr 1642.
GeLLt! ob aVCh rVh / O toLLe WeLt /
FaͤLLt / WIe ſIe MenſChen Wahn beſteLt!

59.

Hans vnd Grete.
HAnſen dienet keine Magd
Auſſer ſeiner alten Greten /
Weil es keine mit jhm wagt /
Die ſich ſcheut fuͤr Kindes-Noͤthen.

60.

Ein Ehrgeitziger.
WEr viel Aempter wil geniſſen
Muß in ſich viel Gaben wiſſen /
Oder muß auff Vorthel gehen /
Oder muß ſie nicht verſtehen.

61.

Die Geburt Chriſti.
DU biſt ein reiner Menſch / O Jeſu Chriſt / geboren
Daß ich verdam̃ter Menſch durch dich ſey vnverloren:
Hilff daß auch ich nun dich behalte fuͤr vnd fuͤr
Dir nicht verliere mich / noch dich verliere mir!
62. Amt /131Sechſtes Hundert.

62.

Amt / verſetzt / mat.
Ohne mat ſeyn kan mit nichten /
Wem es Ernſt / ſein Amt verrichten.

63.

Nicht zu viel.
EJn raſches Pferd / nur jmmer jagen /
Ein ſaubres Kleid / nur jmmer tragen /
Den nuͤtzen Freund / nur jmmer plagen
Hat niemals langen Nutz getragen.

64.

Ein Artzt vnd ein Bauer.
Ein Artzt fuͤhrt offte Miſt / Miſt fuͤhret offt ein Bauer;
Wie daß man jenen dann heiſt Doctor, dieſen Lauer?

65.

Mann vnd Weib.
D der Mann ſein Weib vertraͤget /
Daß das Weib traͤgt jhren Mann /
Dieſes richtet Frieden an /
Wann ſich gleich ein Streit erreget.

66.

Reim-Tichterey.
SO ich Reime wo geſchrieben /
Schrieb ich mir ſie / mich zu uͤben:
So ſie andren wo belieben /
Sind ſie andren auch geſchrieben.
K67. Auff132Erſtes Tauſend

67.

Auff Fuſcum.
FUſcus lachet ſeiner Sachen /
Lachet nicht / wann andre lachen;
Drum macht er / nicht ſeine Sachen /
Wann die andren ſeiner lachen.

68.

Grabſchrifft uͤber ein Brautbette.
JN die Luſt liegt hier begraben
Eine Magd mit jhrem Knaben;
Die einander gantz ergeben /
Dieſer Welt wie mehr nicht leben /
Die mit Armen vmgewunden
Wie in einen Sarck gebunden /
Die ſich mit ſich ſelbſt bedecken /
Die in kurtzem Wuͤrmer hecken.

69.

Auff Fletelium.
FLetel / der die Maͤgde ſchoß
Pfleget lieb vnd werth zu haben /
Scheut ſich / daß man jhn ſoll bloß
Jn der Mutter Schoß begraben.

70.

Eine mißſtimmige Ehe.
VEit ſchonet ſeinen Leib / ſchont aber nicht ſein Geld /
Da doch ſein liebes Weib von beyden wenig haͤlt:
Er ſoll ſeyn ſparſam hier; dort / ſoll er offt vnd viel
Gebrauchen ſeinen Leib zu jhrem wann ſie wil.
71. Mann133Sechſtes Hundert.

71.

Mann vnd Weib.
Richt Wunder / daß ſo gern an Maͤnnern Weiber liegen;
Die Ribbe mag ſich frey zu jhrer Licke fuͤgen.

72.

Die heilige Genießligkeit.
PRoſperitas regirt an Teuffels ſtat die Hoͤlle /
Der Lucifer verlaͤſt den Scepter vnd die Stelle:
Was Lucifer nicht kunt auß ſeiner Macht verfuͤhren /
Das wird nunmehr verfuͤhrt / um bloſſes proſpeniren.

73.

Klein - vnd groſſe Welt.
OB die kleine Welt die groſſe
Dieſer Zeit darnieder ſtoſſe /
Oder / ob die groſſe Welt
Jetzt die kleine nieder faͤllt /
Wuͤſt ich gerne? Weil man fuͤhlt
Wie die klein in groſſer wuͤhlt /
Duͤrffte groſſ in kurtzen Tagen
Fallen / vnd die klein erſchlagen.

74.

Suͤſſe-bittres.
JN einem Weiber-Rocke /
Jn einem Bienenſtocke /
Steckt Schaden vnd Genieß /
Ergetz vnd auch Verdrieß.

75.

Auff Nivulam.
NIvula iſt wie ein Schnee /
Der kaum jetzt fiel auß der Hoͤh /
K ijWie134Erſtes Tauſend
Wie auch jhre Redligkeit
Jſt wie Schnee zur Mertzens-Zeit /
Der / wie new er iſt geacht /
Jmmer truͤbes Waſſer macht.

76.

Kuͤnfftige Barbarey.
Wie ſparſam werden ſeyn / nach vns die Kuͤnſte-Kuͤnner /
Weil jetzt ſo ſparſam ſind / bey vns die Kuͤnſte-Guͤnner.

77.

Quid juris?
Quid ruris?
Quid furis?
Fuͤr ſpoͤttiſch Ding haͤlt Mars, quid juris etwa kuͤnnen
Quid furis aber / iſt ein ehrenreich Beginnen.
Noch dannoch wirds geſchehn / daß Mars um einen Biſſen
Wird endlich noch wol gar quid ruris lernen muͤſſen /
Und dem quid juris dann ſich neigen zu den Fuͤſſen!

78.

Peſt vnd Ehrgeitz.
DJe Peſt / die Ehrenſucht / ſind beyde ſtrenges Gifft /
Daß die nur meiſtens hoch - vnd jene nieder trifft:
Der Ehre henckt man nach / die Peſt fleucht jederman /
Ob die der Welt gleich nicht / wie jene ſchaden kan.

79.

Die Geburt iſt der Tod: Der Tod iſt die Geburt.
DEr Tod iſt nicht der Tod; der Tod iſt die Geburt
Durch dieſe kam ich kaum / ſo muſt ich wieder fort:
Der Tod iſt nicht der Tod; er iſt das rechte Leben /
Drauß ich mich mehr nicht darff in Ewigkeit begeben.
80. Auff135Sechſtes Hundert.

80.

Deß Menſchlichen Lebens Wege - Lagerer.
Ehre / Geitz / Leid / Wein vnd Liebe /
Sind deß Menſchen Lebens-Diebe.

81.

Das Gegenwaͤrtige / Vergangene vnd Zukuͤnfftige.
WAs iſt / wie lange wehrts? Was war / was hilfft michs wol?
Was werden wird / wer weiß / obs mir / vnd wem es ſol?
Was hier iſt / war vnd wird; iſt / war vnd wird ein Schein;
Was dort iſt / war vnd wird / iſt / war / wird ewig ſeyn.

82.

Erfahrung.
WEr hin term Ofen her wil von der Kaͤlte ſchliſſen /
Wer auß dem Keller rauff / wil viel von Hitze wiſſen:
Wer eines Dinges Art nie recht erfahren hat /
Wil ordnen aber dran / wil geben Rath vnd That /
Dem kuͤm̃t die Schande fruͤh / die Reue viel zu ſpat.

83.

Die Vernunfft.
GOtt gab vns die Vernunfft / dadurch vns zu regiren;
Wir brauchen die Vernunfft dadurch vns zu verfuͤhren:
Ein Menſch hat zwar Vernunfft / lebt aber wie ein Vich
Ein Vich hat nicht Vernunfft / lebt menſchlich gegen ſich.

84.

Alles auff ſeinen Anfang.
Laufft mancher gleich in Krieg / er muß gleichwol noch hin /
Wo Ochſen fornen an vnd Flegel hinten ziehn.
K iij85. Die136Erſtes Tauſend

85.

Die graue Trew.
WEil man ſchone bey den Alten
Reine Trew fuͤr graw gehalten /
Was iſts Wunder dieſer Zeit
Daß ſie ſchon im Grabe leit?
Daß nicht Erben nach jhr blieben /
Druͤber iſt ſich zu betruͤben!

86.

Unverhofft kum̃t offt.
Es kum̃t offt uͤber Nacht / was ſonſt kam kaum auffs Jahr;
Es brachte heut ein Kind / die geſtern Braut noch war.

87.

Bilder.
Wo Bilder in der Kirch / ein Ergernuͤß gebaͤren;
So muß man Kirchen gehn / auch ſchoͤnen Weibern wehren.

88.

Unverfreyter Wein.
Den Ehſtand lob ich zwar / nicht aber lob ich Wein /
Der da mit Waſſer wil zu Zeiten ehlich ſeyn.

89.

Brot.
DAs Brot fuͤr dieſe Welt / das mag man taͤglich eſſen /
Das Brot fuͤr jene Welt / das wil man bald vergeſſen:
Das Brot fuͤr jene Welt / gibt Brot fuͤr dieſe Welt;
Wie / daß man dann nun Brot / als Gott / viel werther haͤlt?

90.

Egyptiſche Dienſtbarkeit.
JAcobs Stam̃ klagt alter Zeit
Vber ſchwere Dienſtbarkeit:
Steht137Sechſtes Hundert.
Steht es da dann ja ſo uͤbel
Wo man Fleiſch hat / Knobloch / Zwiebel?
Vnſre Leut in dieſer Zeit
Hielten es fuͤr Herꝛligkeit.

91.

Von Hertzog Frantz Albrechten zu Sachſen / Kaͤyſerl. General in Schleſien.
KRieg war auß dem Krieg entlauffen
Zu dem tollen Frevler-Hauffen /
Der in ſeines Freundes Blute
Ehre ſuchte ſeinem Mute:
Lobt den Held der mit Bedacht
Krieg zum Kriege wieder bracht!
Daß nun Sieg vnd Krieges Zucht /
Wieder vnſer Land beſucht:
Merckt vnd ruͤhmt die edle Raute /
Neiget euch fuͤr jhrem Krante /
Daß fuͤr ſo viel Landes-Gifften
Kan ſo heilſam Artzney ſtifften.

92.

Galgenſtraffe.
Jſts recht / daß man die Muͤntz an Muͤntze wieder zahle;
Stiehlt den ein Rabe recht / der wie ein Rabe ſtahle.

93.

M-ars.
MArs der guter Lehr vnd Kunſt
Traͤgt viel Haß vnd wenig Gunſt /
Traͤgt die Kunſt in ſeinem Namen /
Eh noch wenig Jahre kamen /
K iiijDuͤrffte138Erſtes Tauſend
Duͤrffte M. bleiben ſtehn
Ars hingegen fornen gehn.

94.

Ehre vnd Anſehen.
DJe Ehr iſt zwar der Tugend Sold /
Doch iſt die Ehr auch gleichwol Schuld /
Daß eines eintzlen Menſchen Ehre
Manchmal ein gantzes Land zerſtoͤre.

95.

Der Neid.
EJnes oder andren neiden
Wil ich / kan ich / beſſer leiden:
Als daß da vnd dort wo einer
Spreche: Gott erbarm ſich ſeiner.

96.

Deß Krieges Ungelegenheiten.
KRieg iſt die allerſchaͤrffſte Zucht /
Womit vns Gott zu Hauſe ſucht;
Dann vnter ſeinen ſauren Noͤthen
Jſt noch die ſuͤſſe Noth / das toͤdten.

97.

Eitele Wuͤrde.
Titel-groß vnd Bullen-Edel
Reicht nicht weiter als der Zedel.

98.

Die Suͤnden.
MEnſchlich iſt es / Suͤnde treiben /
Teuffliſch iſts / in Suͤnden bleiben:
Chriſtlich139Sechſtes Hundert.
Chriſtlich iſt es / Suͤnde haſſen /
Goͤttlich iſt es / Suͤnd erlaſſen.

99.

Schleſier.
SOll den Eliſer-Felden
Diß Land ſich gleiche melden /
Muß dannen diß gerathen /
Daß drinnen ſind nur Schaten.

100.

Goͤttliche Huͤlffe.
GOtt / der David das erwehren
Gab vom Loͤwen vnd vom Beeren /
Gab jhm auch durch einen Stein
Deß Philiſters Mann zu ſeyn:
Gott / der vns vom Hoͤllen-Rachen
Gab das Mittel los zu machen /
Gibt auch wol / daß Menſchen macht
Schafft nichts mehr / als daß man lacht.

Deß Erſten Tauſend Siebendes Hundert.

140Erſtes Tauſend

1.

Wunderwerck.
ZUvor iſts auch geſchehn / vnd darff auch mehr geſchehen /
Jch hab es ſelbſt geſehn / begehrs nicht mehr zu ſehen /
Daß auff gepfluͤgtem Feld / in dem es Gerſt empfangen /
Sind Pferde nachmals da in kurtzem auffgegangen.

2.

Deß Krieges Alter.
Je toller wird der Krieg / jemehr er krieget Jahr:
Ey Leute / die ſehr alt / die werden wunderbar.

3.

Maͤſſigkeit.
Mein Tiſch der darff mich nicht um Uberſatz verklagen;
Der Gurgel eſſ ich nicht / ich eſſe nur dem Magen.

4.

Auff Gellulam.
WAs Gellula verſpuͤrt an Thaten vnd an Wercken /
Das geht jhr lieblich ein / den Glauben dran zu ſtaͤrcken;
Von Zeichen haͤlt ſie nichts: Vom Weſen haͤlt ſie hoch:
Jſt vielfach eine Fraw / vnd geht im Krantze doch:
Ob Pabſt / ob Luther jhr / ob jhr Calvin gefalle
Jſt vnklar; iſt mir recht / gefallen ſie jhr alle.

5.

Kunſt-Tichter.
VJel Helden hat es jetzt / ſo hats auch viel Poeten;
Daß jene nun die Zeit nicht wie der Tod mag toͤdten /
Darzu ſind dieſe gut: Wiewol es auch gemein /
Wo viel Poeten ſind / daß auch viel Tichter ſeyn.

6.

Auff Roſulam.
ROſula, iſt eine Roſe /
Aber doch nicht Dornen-loſe:
Hat141Siebendes Hundert.
Hat ſie ſonſten keine Doͤrner
Braucht ſie jhres Mannes Hoͤrner.

7.

Steuer-Calender.
Jm Steuer-Almanach iſt keine rechte Schrifft;
Sie feyert / weil die Welt ſteht / keine Stunde nicht.

8.

Das andere Leben.
Waͤre gleich in jener Zeit
Keine groͤßre Herꝛligkeit /
Als / daß ſteuren vns vnd ſtehlen
Nicht wie hier / mehr duͤrffe quaͤlen /
Wolt ich deſſentwegen noch
Hin mich ſehnen eben hoch.

9.

Todten-Schmuck.
DEr nackt kam in die Welt / der nackend iſt getaufft /
Der nackt ans Creutzes Holtz um Chriſtus Blut erkaufft /
Der nackt in Himmel ſoll; wie daß man den den ſchmuͤcket
Und das / was jhm nicht bleibt / mit jhm von hinnen ſchicket?

10.

Der Geitz.
WEr vom Hertzen Gott entſchleuſt /
Wer hingegen Gold drein geuſt /
Wil gewiß zu Himmel-neben
Einen Alchimiſten geben.

11.

Soldaten-Zucht.
PEſcennius ein Roͤmiſch Kaͤyſer /
Der Kriegs-Zucht ernſter Vnterweiſer /
Bey142Erſtes Tauſend
Bey dem / als etwa neun Soldaten
Dem Bauren einen Hahn verthaten /
Da ließ er ſie bey vielen Wochen
Als Brot vnd Waſſer nichts verſuchen:
Jetztſchadets nichts / ob ein Soldate
Neun Bauren gleich ſied oder brate /
Eh als er trucknes Brot ſolt eſſen
Moͤcht er ein gantzes Dorff voll freſſen.

12.

Reiche Verwuͤſtung.
DA dieſes Land war reich fuͤr Jahren /
Da glaubten wir daß Bettler waren:
Nun dieſes Land durch langes kriegen
Bleibt Menſchen-leer vnd wuͤſte liegen /
Jſt Steuer gar nicht zu bereden /
Man ſey nun arm von ſo viel Schaͤden.

13.

Rebe / durch Verſetzung / Bere / Eber / Erbe.
OB gleich die Rebe traͤgt dem Eber Haß
Macht dannoch gleichwol jhrer Bere naß /
Daß mancher Menſch deß Ebers Namen erbe /
Toll vnd voll lebe / Saͤuiſch endlich ſterbe.

14.

Rechts-Lernung.
WAnn einer wil das Recht ſtudiren /
So muß fuͤnff Jahr er dran verlieren:
Das Recht / das Krieg jetzt eingefuͤhret
Wird bey fuͤnff Tagen außſtudiret.
15. Auff -143Siebendes Hundert.

15.

Auffrichtigkeit.
JA ſoll ja / vnd nein ſoll nein /
Nein nicht ja / ja nein nicht ſeyn:
Der / der anders reden kan
Jſt noch Chriſt noch Biederman.

16.

Das trunckene Deutſchland.
UM Deutſchland ſtund es noch ſo wol /
Da Deutſchland nur war gerne voll;
Als da estriegen / buhlen / beuten
Gelernet hat von fremden Leuten.

17.

Erbſchafft.
VOr / wann nahe Freunde ſtorben /
Erbten wir / was ſie erworben:
Wer da wolle / ſterbe heuer /
Erbt man nichts als ſeine Steuer.

18.

Mit Worten ſpielen.
JSt es gut mit Worten ſpielen?
Schad vnd Nutz kan nicht vervielen;
Wer gewinnt / der wird betrogen /
Wer verleuret / hat gelogen.

19.

Menſchlich Angeſichte.
JEder Menſch hat ſein Geſicht /
Keiner wie der andre nicht;
Dannoch144Erſtes Tauſend
Dannoch findet Neid an allen
Das jhm nicht wil wol gefallen.

20.

Die Warheit.
ANdre Weiber haͤtten Spot
Wann ſie ſolten nackend gehn:
Warheit aber faͤrbt ſich roth /
Wann ſie ſoll in Kleidern ſtehn.

21.

Eiſen.
Das Eiſen doͤrfft ich mehr / das Gold viel minder preiſen;
Ohn Eiſen kuͤm̃t nicht Gold / Gold bleibt auch nicht ohn Eiſen.

22.

Reuterey.
DJe ſchwartze Reuterey war alter Zeit die beſte:
Die beſte Reuterey iſt dieſer Zeit die feſte:
Zwar ware ſie dort ſchwartz von Farben / nicht von Sinnen:
Zwar iſt ſie hier nicht ſchwartz von auſſen / doch von jnnen.

23.

Poeten-Goͤtter.
POeten / die ſollen die Goͤtter nicht nennen
Die Chriſten verlachen / die Heyden bekennen;
Wird jhnen man Venus vnd Bacchus nur ſchencken /
Sie werden der andren nicht leichte gedencken.

24.

Aertzte vnd Raͤthe.
Ein Artzt / hilfft tranckem Leib; ein Weiſer / trancker Zeit /
Der erſt iſt noch zur hand / der ander iſt gar weit.
25. Deutſch -145Siebendes Hundert.

25.

Deutſchland.
UNgerochen hat fuͤr Zeiten
Niemand Deutſchland kunt beſtreiten[;]
Vnber eichert wird mit nichten
Jemand jetzt den Zug vern[i]chten.

26.

Jetzige Freygaͤbigkeit.
WJr haben an freyes vnd groſſes Gemuͤte /
Ein edle / rechtſchaffene / loͤbliche Guͤte /
Ein Krieger / hat dieſer was das er verrichte /
Der geht wol nicht traurig von vnſrem Geſichte.

27.

Die Welt.
PRalen / ſchnarchen / ſchnauben / fluchen /
Dringen / zwingen / draͤuen / pochen /
Jſt der Welt jhr Amadis
Drauß ſie heuer buhlen ließ.

28.

Die einfaltige Redligkeit.
ANdre moͤgen ſchew vnd witzig /
Jch wil lieber redlich heiſſen /
Kan ich / wil ich mich befleiſſen /
Mehr auff glimpfflich als auff ſpitzig.

29.

Das vntreue Vermoͤgen.
Wie ſchelmiſch iſt das Geld? Ein jeder ſinnt auff Geld[;]
Daß dem doch / der es hat nach Leib vnd Seele ſtellt.
L30. Auff146Erſtes Tauſend

30.

Auff Vitum. Geneſ. 20. . 17.
KEin Koͤnig iſt zwar Veit, von Gerar, hat auch
nicht /
Daß Abraham fuͤr jhn Gebet vnd Segen ſpricht /
Je dennoch iſt ſein Haus an Muͤttern auffgeſchloſſen
Daß ſeiner guten Art hat Fraw vnd Magd genoſſen.

31.

Gottes Wort.
Der Hammer Gottes Wort ſchlaͤgt auff der Hertzen Stein;
Jetzt aber wil der Stein deß Hammers Hammer ſeyn.

32.

Die verbrennliche Welt.
Wie ſo wil Gott / die letzte Welt wegzuͤnden?
Drum daß ſie ſteckt voll Sodomiter-Suͤnden.

33.

Die Stein-Kranckheit.
D ein Menſch zu ſeinem Grabe
Eigne Stein im Leibe habe;
Dieſes Vortel kan ich leiden /
Wil auch keinen druͤber neiden.

34.

Geld-Lehnen.
WEr viel Geld hat weg zu leihen
Muß der Freundſchafft ſich verzeihen /
Dann der Tag zum wieder-geben
Pflegt die Freundſchafft auffzuheben.

35.

Rechts-Bildungen.
Das alte Recht das ſchlaͤft / was neues etwa tichtet /
Nach dem wird / weil es ſchlaͤft / das alte Recht gerichtet.
36. Der147Siebendes Hundert.

36.

Der Capernaitiſche Hauptmann.

Matth. 8. . 5.
ES war ein Menſch / es war kein heutig Cavallier
Der zu Capernaum den Knechten ſtunde fuͤr:
Der Obrigkeit war er / Knecht jhm / gar vnterthan;
Drum gilt er jetzt bey vns kaum als ein Gauckelmann /
Dann Glaube / Liebe / Zucht / geht vnſren Krieg nicht an.

37.

Auff Harpacem.
HArpax ſtahle was jhm kame /
Lieff in Krieg / fuͤr Koth vnd Strange;
Waͤr auch da wol nicht gar lange /
Thaͤte nicht ſein ehrlich Nahme.

38.

Duͤrfftigkeit.
JSt man arm / was hilfft die Jugend?
Jſt man arm / was hilfft die Tugend?
Jſt man arm / was hilffet ſchoͤn?
Jſt man arm / was hilfft verſtehn?
Dieſer ſey / dem Welt ſoll weichen /
Reich im Armen / Arm im Reichen.

39.

Nichts neues vnter der Sonnen.
WJe jetzt die Zeiten ſind / ſo waren vor die Zeiten;
Dann Salomo ſah auch auff Pferden Knechte reiten /
Hingegen Fuͤrſten-Volck zu Fuſſe gehn wie Knechte:
Eccl. 10. . 3.
Nur daß die Grube noch nicht iſt gemacht zu rechte.

40.

Ein Honig-ſuͤſſer Schlaf.
EJn Honig iſt der Schlaf / als dieſen Honig
Geſchahs daß was / ich glaͤub ein Bienlein etwa / ſaß
L ijAuff148Erſtes Tauſend
Auff Libitilla Haut; ſie hats nicht achten wollen /
Doch / wie man nunmehr merckt / ſo iſt ſie ſehr zerſchwollen.

41.

Lebens-Lauff.
ES muͤhet ſich der Menſch / auff daß er was erwerbe /
Und was er dann er wirbt / ſoll daß er wo nicht ſterbe /
Und wann er nun nicht ſtirbt / ſo ſoll er drum nur leben /
Auff daß er / was er wirbt / zur Steuer muͤſſe geben;
Dann bringt jhm weiter nichts das muͤhen vnd erwerben /
Und alles / was er gibt / als ſo nur eher ſterben.

42.

Menſchen ſind boͤſe.
GVten Friede / gute Rechte /
Gute Tage / gute Naͤchte /
Gut Gewitter / gute Zeiten /
Gut zu melcken / gur zu reiten;
Lauter Guͤt vnd gute Gaben
Wolln die Menſchen haͤuffig haben;
Denen doch an Leib vnd Mute
Selbſten mangelt alles gute.

43.

Mittelbare Thaten.
DEr an Jahren ſchwer gleich traͤget /
Viel an Kraͤfften abgeleget /
Wann er nur iſt friſch von Rathe
Jſt noch doch ein gut Soldate:
Wer nichts mehr vermag von Thaten /
Ob er viel vermag im rathen /
Mag nur bey den Buhlereyen
Dieſes Nahmens ſich verzeihen;
Eigner Mut vnd fremder Degen
Kuͤnnen zwar noch Ruhm erregen:
Aber149Siebendes Hundert.
Aber mit geborgtem Leibe
Fuͤhlt man nicht das ſuͤß am Weibe.

44.

Der Redligkeit Aderlaͤſſe.
D Nero Meiſter nam die Flitte
Sein Leben hin wie ſein Gebluͤte:
All Adern ſchlaͤgt bey dieſer Zeit
Die freche Welt der Redligkeit;
Niemand wil mehr fuͤr Schand erroͤthen /
Drum liegt die Zucht in Todes-Noͤthen.

45.

Auff Porcam.
JSt nicht Porca, wie man ſagt /
Eine Magd? Vnd traͤgt ein Kind?
Schaw / wie arg die Leute ſind!
Jſt ſie dann nicht Kinder-Magd?

46.

Diebe Menſchlichen Vermoͤgens.
WErcke ſtehlen nur die Zeit /
Faͤlle die Vermoͤgligten /
Sorgen ſtehlen vns das Leben;
Was dann bleibt vns auffzuheben?
Was der Seele Gott gegeben.

47.

Durch muͤhen / nicht durch ſchmeicheln.
REdlich wil ich lieber ſchwitzen
Als die Heuchler-Banck beſitzen:
Beſſer harte Faͤuſte ſtrecken /
Als von fremdem Schweiſſe lecken:
L iijBeſſer150Erſtes Tauſend
Beſſer was mit Noth erwerben /
Als gut leben / furchtſam ſterben.

48.

Die Zukunfft Chriſti.
CHriſtus hat durch erſtes kummen
Vns deß Teuffels Reich benummen /
Kuͤm̃t er ehſtes nicht herwieder
Kriegt d[en]Teuffel meiſtes wieder.

49.

Eine Lock-Fincke.
NJcht zu weit von meinem ſingen
Liegen Netz vnd falſche Schlingen /
Die fuͤr mir hier hat gelogen
Hat mich / wie ich euch / betrogen.
Jch die ich gefangen ſitze /
Bin nur meinem Herren nuͤtze.
Die da wil / die mag verfliegen /
Die nicht wil / die laß ſich kriegen /
Wann[nur] ich die Koſt erwerbe /
Gilt mirs gleiche wer verterbe.

50.

Der Fruͤhling.
DA der goͤldne Sonnen-Wagen
Fruͤhlings-Zuck er bringt getragen /
Daß die ſuͤſſen Zwillings Kuͤſſe
Tag vnd Naͤchte machen ſuͤſſe /
Da der Himmel guͤtig lachet /
Da die Erde Schmuͤncke machet /
Da ſich Feld vnd Wieſen mahlen /
Da der Baͤume Haͤupter pralen /
Da151Siebendes Hundert.
Da die Brunnen Silber giſſen /
Da mit funckeln Baͤche fliſſen /
Da die Vogel Lieder ſingen /
Da die Fiſche Spruͤnge ſpringen /
Da fuͤr Freuden alles wiebelt /
Da mit gleichem gleiches liebelt /
O ſo muß fuͤr truͤbem kraͤncken
Bloß der Menſch die Stirne ſencken!
Weil zumal bey Fruͤhlings-Luͤſten
Mars erfriſchet ſein verwuͤſten /
Da er diß fuͤr Luſt erkennet
Wann er raubet / ſchaͤndet / brennet.

51.

Der Menſch / ein Gras.
UNſres Lebens beſte Koſt
Jſt von erſtem zartes Gras:
Vnſer Leben ſelbſt iſt das
Sam̃ der Ehr vnd aller Luſt.
Braͤchte jenes nichts von Fruͤchten
Bliebs im Felde leichtlich liegen:
Menſchn wuͤrden wenig tuͤgen /
Wann ſie nicht in Himmel tuͤchten.

52.

Vergebene Arbeit.
EJnen Mohren weiß erwaſchen /
Trincken auß geleerten Flaſchen /
Einen Eſel nackt beſchehren /
Eine Sackpfeiff abehaͤren /
Einen Peltz im heiſſen baden /
Mit dem Siebe Waſſer laden /
L iiijEinem142Erſtes Tauſend
Bey dem / als etwa neun Soldaten
Dem Bauren einen Hahn verthaten /
Da ließ er ſie bey vielen Wochen
Als Brot vnd Waſſer nichts verſuchen:
Jetzt ſchadets nichts / ob ein Soldate
Neun Bauren gleich ſied oder brate /
Eh als er trucknes Brot ſolt eſſen
Moͤcht er ein gantzes Dorff voll freſſen.

12.

Reiche Verwuͤſtung.
DA dieſes Land war reich fuͤr Jahren /
Da glaubten wir daß Bettler waren:
Nun dieſes Land durch langes kriegen
Bleibt Menſchen-leer vnd wuͤſte liegen /
Jſt Steuer gar nicht zu bereden /
Man ſey nun arm von ſo viel Schaͤden.

13.

Rebe / durch Verſetzung / Bere / Eber / Erbe.
OB gleich die Rebe traͤgt dem Eber Haß
Macht dannoch gleichwol jhrer Bere naß /
Daß mancher Menſch deß Ebers Namen erbe /
Toll vnd voll lebe / Saͤuiſch endlich ſterbe.

14.

Rechts-Lernung.
WAnn einer wil das Recht ſtudiren /
So muß fuͤnff Jahr er dran verlieren:
Das Recht / das Krieg jetzt eingefuͤhret
Wird bey fuͤnff Tagen außſtudiret.
15. Auff -143Siebendes Hundert.

15.

Auffrichtigkeit.
JA ſoll ja / vnd nein ſoll nein /
Nein nicht ja / ja nein nicht ſeyn:
Der / der anders reden kan
Jſt noch Chriſt noch Biederman.

16.

Das trunckene Deutſchland.
UM Deutſchland ſtund es noch ſo wol /
Da Deutſchland nur war gerne voll;
Als da es triegen / buhlen / beuten
Gelernet hat von fremden Leuten.

17.

Erbſchafft.
VOr / wann nahe Freunde ſtorben /
Erbten wir / was ſie erworben:
Wer da wolle / ſterbe heuer /
Erbt man nichts als ſeine Steuer.

18.

Mit Worten ſpielen.
JSt es gut mit Worten ſpielen?
Schad vnd Nutz kan nicht vervielen;
Wer gewinnt / der wird betrogen /
Wer verleuret / hat gelogen.

19.

Menſchlich Angeſichte.
JEder Menſch hat ſein Geſicht /
Keiner wie der andre nicht;
Dannoch144Erſtes Tauſend
Dannoch findet Neid an allen
Das jhm nicht wil wol gefallen.

20.

Die Warheit.
ANdre Weiber haͤtten Spot
Wann ſie ſolten nackend gehn:
Warheit aber faͤrbt ſich roth /
Wann ſie ſoll in Kleidern ſtehn.

21.

Eiſen.
Das Eiſen doͤrfft ich mehr / das Gold viel minder preiſen;
Ohn Eiſen kuͤm̃t nicht Gold / Gold bleibt auch nicht ohn Eiſen.

22.

Reuterey.
DJe ſchwartze Neuterey war alter Zeit die beſte:
Die beſte Reuterey iſt dieſer Zeit die feſte:
Zwar ware ſie dort ſchwartz von Farben / nicht von Sinnen:
Zwar iſt ſie hier nicht ſchwartz von auſſen / doch von jnnen.

23.

Poeten-Goͤtter.
POeten / die ſollen die Goͤtter nicht nennen
Die Chriſten verlachen / die Heyden bekennen;
Wird jhnen man Venus vnd Bacchus nur ſchencken /
Sie werden der andren nicht leichte gedencken.

24.

Aertzte vnd Raͤthe.
Ein Artzt / hilfft tranckem Leib; ein Weiſer / trancker Zeit /
Der erſt iſt noch zur hand / der ander iſt gar weit.
25. Deutſch -145Siebendes Hundert.

25.

Deutſchland.
UNgerochen hat fuͤr Zeiten
Niemand Deutſchland kunt beſtreiten[:]
Vnber eichert wird mit nichten
Jemand jetzt den Zug verrichten.

26.

Jetzige Freygaͤbigkeit.
WJr haben an freyes vnd groſſes Gemuͤte /
Ein edle / rechtſchaffene / loͤbliche Guͤte /
Ein Krieger / hat dieſer was das er verrichte /
Der geht wol nicht traurig von vnſrem Geſichte.

27.

Die Welt.
PRalen / ſchnarchen / ſchnauben / fluchen /
Dringen / zwingen / draͤuen / pochen /
Jſt der Welt jhr Amadis
Drauß ſie heuer buhlen ließ.

28.

Die einfaltige Redligkeit.
ANdre moͤgen ſchew vnd witzig /
Jch wil lieber redlich heiſſen /
Kan ich / wil ich mich befleiſſen /
Mehr auff glimpfflich als auff ſpitzig.

29.

Das vntreue Vermoͤgen.
Wie ſchelmiſch iſt das Geld? Ein jeder ſinnt auff Geld;
Daß dem doch / der es hat nach Leib vnd Seele ſtellt.
L30. Auff146Erſtes Tauſend

30.

Auff Vitum. Geneſ. 20. . 17.
KEin Koͤnig iſt zwar Veit, von Gerar, hat auch
nicht /
Daß Abraham fuͤr jhn Gebet vnd Segen ſpricht /
Je dennoch iſt ſein Haus an Muͤttern auffgeſchloſſen
Daß ſeiner guten Art hat Fraw vnd Magd genoſſen.

31.

Gottes Wort.
Der Hammer Gottes Wort ſchlaͤgt auff der Hertzen Stein;
Jetzt aber wil der Stein deß Hammers Hammer ſeyn.

32.

Die verbrennliche Welt.
Wie ſo wil Gott / die letzte Welt wegzuͤnden?
Drum daß ſie ſteckt voll Sodomiter-Suͤnden.

33.

Die Stein-Kranckheit.
D ein Menſch zu ſeinem Grabe
Eigne Stein im Leibe habe;
Dieſes Vortel kan ich leiden /
Wil auch keinen druͤber neiden.

34.

Geld-Lehnen.
WEr viel Geld hat weg zu leihen
Muß der Freundſchafft ſich verzeihen /
Dann der Tag zum wieder-geben
Pflegt die Freundſchafft auffzuheben.

35.

Rechts-Bildungen.
Das alte Recht das ſchlaͤft / was neues etwa tichtet /
Nach dem wird / weil es ſchlaͤft / das alte Recht gerichtet.
36. Der147Siebendes Hundert.

36.

Der Capernaitiſche Hauptmann.

Matth. 8. . 5.
ES war ein Menſch / es war kein heutig Cavallier
Der zu Capernaum den Knechten ſtunde fuͤr:
Der Obrigkeit war er / Knecht jhm / gar vnterthan;
Drum gilt er jetzt dey vns kaum als ein Gauckelmann /
Dann Glaube / Liebe / Zucht / geht vnſren Krieg nicht an.

37.

Auff Harpacem.
HArpax ſtahle was jhm kame /
Lieff in Krieg / fuͤr Koth vnd Strange;
Waͤr auch da wol nicht gar lange /
Thaͤte nicht ſein ehrlich Nahme.

38.

Duͤrfftigkeit.
JSt man arm / was hilfft die Jugend?
Jſt man arm / was hilfft die Tugend?
Jſt man arm / was hilffet ſchoͤn?
Jſt man arm / was hilfft verſtehn?
Dieſer ſey / dem Welt ſoll weichen /
Reich im Armen / Arm im Reichen.

39.

Nichts neues vnter der Sonnen.
WJe jetzt die Zeiten ſind / ſo waren vor die Zeiten;
Dann Salomo ſah auch auff Pferden Knechte reiten /
Hingegen Fuͤrſten-Volck zu Fuſſe gehn wie Knechte:
Eccl. 10. . 3.
Nur daß die Grube noch nicht iſt gemacht zu rechte.

40.

Ein Honig-ſuͤſſer Schlaf.
EJn Honig iſt der Schlaf / als dieſen Honig
Geſchahs daß was / ich glaͤub ein Bienlein etwa / ſaß
L ijAuff148Erſtes Tauſend
Auff Libitilla Haut; ſie hats nicht achten wollen /
Doch / wie man nun mehr merckt / ſo iſt ſie ſehr zerſchwollen.

41.

Lebens-Lauff.
ES muͤhet ſich der Menſch / auff daß er was erwerbe /
Und was er dann er wirbt / ſoll daß er wo nicht ſterbe /
Und wann er nun nicht ſtirbt / ſo ſoll er drum nur leben /
Auff daß er / was er wirbt / zur Steuer muͤſſe geben;
Dann bringt jhm weiter nichts das muͤhen vnd erwerben /
Und alles / was er gibt / als ſo nur eher ſterben.

42.

Menſchen ſind boͤſe.
GVten Friede / gute Rechte /
Gute Tage / gute Naͤchte /
Gut Gewitter / gute Zeiten /
Gut zu melcken / gur zu reiten;
Lauter Guͤt vnd gute Gaben
Wolln die Menſchen haͤuffig haben;
Denen doch an Leib vnd Mute
Selbſten mangelt alles gute.

43.

Mittelbare Thaten.
DEr an Jahren ſchwer gleich traͤget /
Viel an Kraͤfften abgeleget /
Wann er nur iſt friſch von Rathe
Jſt noch doch ein gut Soldate:
Wer nichts mehr vermag von Thaten /
Ob er viel vermag im rathen /
Mag nur bey den Buhlereyen
Dieſes Nahmens ſich verzeihen;
Eigner Mut vnd fremder Degen
Kuͤnnen zwar noch Ruhm erregen:
Aber149Siebendes Hundert.
Aber mit geborgtem Leibe
Fuͤhlt man nicht das ſuͤß am Weibe.

44.

Der Redligkeit Aderlaͤſſe.
D Nero Meiſter nam die Flitte
Sein Leben hin wie ſein Gebluͤte:
All Adern ſchlaͤgt bey dieſer Zeit
Die freche Welt der Redligkeit;
Niemand wil mehr fuͤr Schand erroͤthen /
Drum liegt die Zucht in Todes-Noͤthen.

45.

Auff Porcam.
JSt nicht Porca, wie man ſagt /
Eine Magd? Vnd traͤgt ein Kind?
Schaw / wie arg die Leute ſind!
Jſt ſie dann nicht Kinder-Magd?

46.

Diebe Menſchlichen Vermoͤgens.
WErcke ſtehlen nur die Zeit /
Faͤlle die Vermoͤgligkeit /
Sorgen ſtehlen vns das Leben;
Was dann bleibt vns auffzuheben?
Was der Seele Gott gegeben.

47.

Durch muͤhen / nicht durch ſchmeicheln.
REdlich wil ich lieber ſchwitzen
Als die Heuchler-Banck beſitzen:
Beſſer harte Faͤuſte ſtrecken /
Als von fremdem Schweiſſe lecken:
L iijBeſſer150Erſtes Tauſend
Beſſer was mit Noth erwerben /
Als gut leben / furchtſam ſterben.

48.

Die Zukunfft Chriſti.
CHriſtus hat durch erſtes kummen
Vns deß Teuffels Reich benummen /
Kuͤm̃t er ehſtes nicht herwieder
Kriegt d[en]Teuffel meiſtes wieder.

49.

Eine Lock-Fincke.
NJcht zu weit von meinem ſingen
Liegen Netz vnd falſche Schlingen /
Die fuͤr mir hier hat gelogen
Hat mich / wie ich euch / betrogen.
Jch die ich gefangen ſitze /
Bin nur meinem Herren nuͤtze.
Die da wil / die mag verfliegen /
Die nicht wil / die laß ſich kriegen /
Wann[nur] ich die Koſt erwerbe /
Gilt mirs gleiche wer verterbe.

50.

Der Fruͤhling.
DA der goͤldne Sonnen-Wagen
Fruͤhlings-Zuck er bringt getragen /
Daß die ſuͤſſen Zwillings Kuͤſſe
Tag vnd Naͤchte machen ſuͤſſe /
Da der Himmel guͤtig lachet /
Da die Erde Schmuͤncke machet /
Da ſich Feld vnd Wieſen mahlen /
Da der Baͤume Haͤupter pralen /
Da151Siebendes Hundert.
Da die Brunnen Silber giſſen /
Da mit funckeln Baͤche fliſſen /
Da die Vogel Lieder ſingen /
Da die Fiſche Spruͤnge ſpringen /
Da fuͤr Freuden alles wiebelt /
Da mit gleichem gleiches liebelt /
O ſo muß fuͤr truͤbem kraͤncken
Bloß der Menſch die Stirne ſencken!
Weil zumal bey Fruͤhlings-Luͤſten
Mars erfriſchet ſein verwuͤſten /
Da er diß fuͤr Luſt erkennet
Wann er raubet / ſchaͤndet / brennet.

51.

Der Menſch / ein Gras.
UNſres Lebens beſte Koſt
Jſt von erſtem zartes Gras:
Vnſer Leben ſelbſt iſt das
Sam̃ der Ehr vnd aller Luſt.
Braͤchte jenes nichts von Fruͤchten
Bliebs im Felde leichtlich liegen:
Menſchn wuͤrden wenig tuͤgen /
Wann ſie nicht in Himmel tuͤchten.

52.

Vergebene Arbeit.
EJnen Mohren weiß erwaſchen /
Trincken auß geleerten Flaſchen /
Einen Eſel nackt beſchehren /
Eine Sackpfeiff abehaͤren /
Einen Peltz im heiſſen baden /
Mit dem Siebe Waſſer laden /
L iiijEinem152Erſtes Tauſend
Einem Tauben Lieder ſingen /
Sand in ein Regiſter bringen /
Jn den Wind vnd Waſſer ſchreiben /
Flugwerck ohne Fluͤgel treiben /
Auff den Sand Palaͤſte bauen /
Weibern auff die Tuͤcken ſchauen /
Wind / Lufft / Lieb vnd Rauch verhalten /
Juͤnger machen einen Alten /
Einen duͤrren Wetzſtein maͤſten /
Oſten ſetzen zu dem Weſten /
Allen Leuten wol behagen /
Allen was gefaͤllig ſagen /
Wer ſich deß wil vnterſtehen
Muß mit Schimpff zuruͤcke gehen.

53.

Das lieblichſte Thier.
SOlt ich Wahl vnd Wandel fuͤhren
Vnter aller Orte Thieren /
Solte mir kein liebers ſeyn
Als deß Natans Schaͤfelein:
Dieſesleg an meiner Bruſt
Nem auß meinen Haͤnden Koſt /
Wolle / die es ſonſten truͤge /
Gebe Tuch in eine Wiege.

54.

Deß Krieges letzter Wille.
MArs befihlet ſeinen Erben
Wann er endlich werde ſterben
Solt man / wann man jhn begruͤbe /
Machen / daß nichts uͤbrig, bliebe;
Weil153Siebendes Hundert.
Weil ſich doch von ſeiner Habe
Schwerlich erſter Erbe labe.

55. Straff-Buchſtaben.

1 P1 K1 H
2 e2 r2 u
3 ſ3 i3 n
4 t4 e4 g
5 g5 e
6 r

WEn Gott nicht mit Vier / Fuͤnff / Sechs Zeichen Kan auß dem A. B. C. erweichen / Der wird nicht weich / iſt glaͤublich / eh Biß jhn bezwingt der Hoͤllen W!

56.

Auff Lychnobium.
LYchnobius lebet viel Jahre viel Wochen /
Noch lebt er die Woche nicht eintzigen Tag;
Deß Nachtes / da ſchlemmt er ſo viel er vermag /
Deß Tages / da ſteckt er im Bette verkrochen.

57.

A. E. J. O. U.
A. iſt derer die nicht wollen.
E. iſt derer die nicht ſollen.
J. iſt derer die da zagen.
O. iſt derer die da klagen.
V. iſt derer die da plagen.

58.

Johannes der Taͤuffer.
NJcht recht! nicht recht! wuͤrd jmmer ſchreyn
Johannes, ſolt er wieder ſeyn;
L[v]Doch154Erſtes Tauſend
Doch kaͤm er / rieth ich daß er daͤchte /
Wie viel er Koͤpff in Vorrath braͤchte.

59.

Auff - vnd niederſteigende Liebe.
WAnn die Liebe ſteiget auff /
Haͤlt die Chloris etwas drauff /
Wann die Liebe ſteiget nieder /
Jſt ſie Chloris gantz zu wider.

60.

Der Welt Erbe.
FRew dich / Welt-Kind / auff das erben!
Deine Mutter wird bald ſterben;
Was das Feuer nicht verzehret
Jſt mit Hauffen dir gewehret.

61.

Aufferweckung von Todten.
KAn Froͤſche / Fliegen / Schwalben / Wuͤrme / Schnecken
Die kaltes ſterbte / warmes wieder wecken;
O ſo kan der / der alles diß kunt machen
Noch wol ſo viel / daß Todte wieder wachen.

62.

Der lachende Gott. Pſal. 2.
MJr nicht! daß ich ſolte machen
Daß Gott meiner muͤſſe lachen;
Dann ſein lachen wil erwecken
Zornig reden / grimmig ſchrecken.

63.

Auff Smeccelium.
SMeckel kuͤnte wol ſein lauffen
Fuͤrſten-Kammern hoch verkauffen /
Wann155Siebendes Hundert.
Wann ſein Fuß ſich kuͤnte regen
Wie ſich kan ſein Zahn bewegen.

64.

Ein Schauſpiel.
VOn Marcus Curtius vnd ſeiner tieffen Klufft
Kan Gulo ſchoͤnes Spiel / das ſpielt er viel vnd offt:
Ein Ochs / iſt Curtius; die Klufft / iſt Gulo Bauch;
Wann jener ſpringt in die / ſo ſtillt ſich Flam̃ vnd Rauch.

65.

Ein Krieges-Hund / redet von ſich ſelbſt.
HVnde / die das Vieh behuͤten /
Hunde / die am Bande wuͤten /
Hunde / die nach Wilde jagen /
Hunde / welche ſtehn vnd tragen /
Hunde / die zu Tiſche ſchmeicheln /
Hunde / die die Frauen ſtreicheln /
Dieſe Hunde gar zuſammen
Kummen nur auß faulem Stammen.
Aber ich / bin von den Hunden
Die ſich in den Krieg gefunden /
Bleibe nur wo Helden bleiben
Wann ſie Kuͤh vnd Pferde treiben /
Habe Buͤnd nuͤß mit den Dieben /
Trag am rauben ein Belieben /
Pflege / bin ich in Quartiren /
Gaͤns vnd Huͤner zuzufuͤhren /
Kan die ſchlauen Bauern ſuchen
Wann ſie ſich ins Holtz verkruchen /
Wann ſie nach den Pferden kummen /
Die mein Herꝛ hat wo genummen /
K a156Erſtes Tauſend
Kan ich ſie von dannen hetzen /
Daß ſie Hut vnd Schuh verſetzen /
Kan durch Schaden / kan durch Zehren
Helffen Hans vnd Hof verzehren.
Cavalliers, die kan ich leiden /
Bauren muͤſſen mich vermeiden;
Bin nun drum in meinem Orden
Hunde-Cavallier geworden.

66.

Der Daumen.
WAnn der Daume wird zu nichten /
Kan die Hand nicht viel verrichten:
Wann man ſchwaͤcht den Wirthſchaffts-ſtand
Da beſteht nicht lang ein Land.

67.

1. Activum. 2. Pasſivum. 3. Deponens. 4. Neutrum. 5. Defectivum.
WAs iſts / was wir nicht thun? Was iſts / was wir nicht
leiden?
Durch 1. Steuern vnd durch 2. Raub; wird Mars nicht eines
3. meiden
Wird kuͤrtzlich 4. noch zu thun / noch was zu leiden bleiben /
Und Mars wird auß der Welt 5. Die Welt vnd ſich vertreiben.

68.

Ein Thieriſcher Menſch.
LUpula wil keinen lieben
Der Vernunfft zu ſehr wil uͤben /
Weil jhr beſſer der gefaͤllt
Der ſich etwas Thieriſch ſtellt;
Der da kan wie Tanben hertzen /
Der da kan wie Spatzen ſchertzen /
Der157Siebendes Hundert.
Der wie Henne buhlen kan
Jſt fuͤr ſie der rechte Man.

69.

Niemand iſt zu verachten.
EJn Rabe wil Noha zum Bothen nicht tuͤgen
Geneſ. 8. . 7. 3. Reg. 17. . 6.
Doch bringt dem Elias ein Rabe vergnuͤgen;
Der Himmel kan morgen viel Gunſten verleyen
Dem ſchlechſten / den heute die Groſſen verſpeyen.

70.

Jedes Gluͤcke hat ſein Gluͤcke.
GLuͤcke hat ſein Vngeluͤcke
Daß bey ſeinem Freuden-Blicke
Menſchen dannoch beßtes wehlen:
Vngeluͤcke / hat ſein Gluͤcke
Daß bey ſeiner Wandel-Tuͤcke
Chriſten nimmer Troſt darff fehlen.

71.

Seelen-Wandelung.
D eine fremde Seel in fremden Coͤrper triche
Das glaube wer es wil / es ſind nicht Biebel-Spruͤche:
Diß aber iſt gewiß / daß jetzt ein fremder Leib
Faͤhrt offters auff vnd in ein fremdes Pferd / Kleid / Weib.

72.

Helden-Tod.
ESrieten jhrer zwey nach Roſſen /
Daruͤber ward der ein erſchoſſen;
Der andre ſagte mit betruͤben:
O welch ein ehrlich Caͤrl iſt blieben!
73. Schaͤd -158Erſtes Tauſend

73.

Schaͤdliche Liebe.
LJeben laͤſt nicht lange leben;
Lange leben laͤſt nicht lieben;
Wer dem Leben iſt ergeben /
Muß das lieben ſparſam uͤben:
Wein das lieben wil behagen
Muß dem Leben abeſagen.

74.

Goͤttliche Barmhertzigkeit.
NAch dem groſſen Suͤnden-Fluſſe
Setzte Gott den Gnaden-Bogen;
Wann auff Straffe folget Buſſe /
Jſt er vns wie vor bewogen.

75.

Wiederbrachte Jungfrauſchafft.
DEr die Jungferſchafft benummen
Kan ſie wieder da beknmmen /
Wann es jhr vielleicht gelingt
Daß ſie eine Tochter bringt.

76.

Doͤrffer.
Vom duͤrffen kuͤm̃t mir fuͤr / ſind Doͤrffer her genant;
Dann Doͤrffern iſt jetzt nichts als Duͤrfftigkeit bekant.

77.

Schleſier Eſelsfreſſer.
D Schleſier haben den Eſel gefreſſen
Jſt entweder nichts / oder bleibet vergeſſen:
Sonſt wuͤrden die fremden ſich eigen gewehnen
Nach Schleſiſchem Futter ſich nimmer zu ſehnen
78. Finſter -159Siebendes Hundert.

78.

Finſternuͤß.
WAnn zwiſchen Beutel vnd das Geld
Die Contribution ſich ſtellt /
Trit Finſte muͤß gemeinlich ein
An Goldes-Glantz vnd Silber-Schein.

79.

Von der Nachtigal.
VOn fernem biſtu viel / von nahem meiſten nichts /
Ein Wunder deß Gehoͤrs / ein ſpotten deß Geſichts:
Du biſt die Welt / die Welt iſt du / O Nachtigal /
Zum erſten lauter Pracht / zu letzt ein bloſſer Schall.

80.

Huren.
Jm Friede Hure ſeyn iſt ehrlich / nicht im Kriegen;
Dann / jene kan im Bett / auff Stroh muß dieſe liegen.

81.

Der Schamhafftigkeit Farbe.
CArmeſin-roth haͤlt man werth /
Reines Weiß wird offtbegehrt /
Purpur hat nicht ſchlechten Ruhm /
Gold begehrt das Eigenthum:
Billich aber wird geacht
Farbe / die die Tugend macht.

82.

Ein hoͤltzernes Pferd.
JN der Achiver langem Weiber-Kriege
Halff letzlich noch ein hoͤltznes Pferd zum Stege:
Was gilts / ob Krieg jetzt auch nicht wehren werde
Biß ſonſt kein Pferd mehr bleib / als Kinder-Pferde?
83. Ein160Erſtes Tauſend

83.

Ein Rath / wie der Feind zu ſchlagen.
MAn hat den Feind auffs Haupt geſchlagen /
Noch hat Fuß / Haupt hinweg getragen:
Man ſchlag jhn / rath ich / auff den Fuß /
Auff daß er liegen bleiben muß.

84.

Ein Kuß.
JVngfern / wann deß Liebſten Mund
Sich zu eurem Munde ſchicket /
Haltet ſtill! es iſt der Grund /
Drauff die Lieb jhr Siegel druͤcket.

85.

Ein Schmetzrichen.
DEr zum erſten ſagte: Kuͤſſen /
Wolte / glaub ich / ſagen: Suͤſſen;
Dann den ſuͤſſen Honig-Thaw
Gibt deß Muͤndleins Roſen-Aw.

86.

Außtrit der Zunge.
DJe Zunge wohnt mit Fleiß im weiſſen Bein-Gehaͤge
Dann diß iſt jhre Graͤntz / in der ſie ſich bewege:
Waͤchſt aber wo die Zung vnd ſteiget uͤber Zaun
Derſelbten traue du / ich wil jhr nimmer kraun.

87.

Vergnuͤgung.
WJe das Kind im ſanfften wiegen;
So beruh ich im begnuͤgen:
Purſche ſonſt mit Redligkeit
Hin zu bringen meine Zeit /
Wann161Siebendes Hundert.
Wann ich werde ſeyn begraben
Werd ich beßres Gluͤcke haben.

88.

Von einem Geſchencke an die Liebſte.
BEßres was ſolt euren Ehren /
Edles Bild zu dienen kummen;
Aber wo wird das genummen?
Daß ſie moͤcht um etwas mehren?
Das / was kum̃t / iſt kaum zu nennen /
Der es ſchickt / iſt drum zu ſchelten /
Muß auch billich ſolches gelten /
Darff ſich auch nicht laſſen kennen.

89.

Paten-Zettel.
ES iſt ſehr gut
Durch Chriſtus Blut
Das Ewig-ſeyn im Himmel erben;
Dann / was die Welt
Zum hoͤchſten haͤlt
Jſt taͤglich Tod vnd endlich ſterben.

90.

Gerade Stuͤcke.
Jm Oppliſchen Fuͤrſtenthum / iſt es nicht ſchade?
Hat Jungfer noch Fraue nie keine Gerade.

91.

Hofe-Kuͤnſte.
Kuͤnſte / die zu Hoff im Brauch /
Wolt ich / duͤnckt mich / kuͤnnen auch;
Wann nur eine mir wolt ein /
Naͤmlich: vnverſchaͤmt zu ſeyn.
M92. Das162Erſtes Tauſend

92.

Das Hofe-Leben.
Durch Laudes vnd Placentz, ſtracks fuͤr Veron fuͤrbey
Muß / wer nach Hofe wil / vnd wil willkummen ſeyn.

93.

Thorheit.
Ein Reiß vom Narren-Baum traͤgt jeder an ſich bey /
Der eine deckt es zu / der ander traͤgt es frey.

94.

Thorheit.
Wann Thorheit thaͤte weh / O welch erbaͤrmlich ſchreyn
Wuͤrd in der gantzen Welt in allen Haͤuſern ſeyn.

95.

Sitten der Jugend.
DJe Fincken die im Lentz nicht ſingen /
Die bringens auff den Herbſt dann ein:
Der muß dann alt erſt raſend ſeyn /
Der jung es kunte nicht verbringen.

96.

Begraͤbnuͤß-Koſten.
Jſts Chriſtlich / Chriſten-Volck / dem Gott den Himmel ſchenckt /
Daß dich nicht ohn entgelt man in die Erde ſenckt?

97.

Die Zeit vertreiben.
D der Tod vns uͤbereile
Laſſe man die Klage bleiben;
Jeder ſucht ja kurtze weile /
Jeder wil die Zeit vertreiben.
98. Ver -163Siebendes Hundert.

98.

Verleumder. Plaut.
Wer ſchmaͤht vnd Schmaͤhung hoͤrt / dem ſey zur Straff erkoren /
Daß jener an der Zung / vnd dieſer henck an Ohren.

99.

Adel.
DJe Tugend alleine gibt tuͤchtigen Adel /
Das Waffen Gemaͤld
An Helm vnd an Feld
Bedecket vergebens den jnneren Tadel:
Die Wiege deß Cyrus wie Irus iſt Thon:
Ein leeres Geklaͤnge
Ein glaͤſern Gepraͤnge /
Sind Ahnen / wo Tugend iſt ferne davon.

100.

Anfang vnd Ende.
DEr Anfang
Seh auff den Außgang
Der Außgang
Macht gut den Anfang.

Deß Erſten Tauſend Achtes Hundert.

164Erſtes Tauſend

1.

Ein enges Hertze.
WEr den Himmel wenig acht /
Wer mit Erde ſaat ſich macht /
Hat ein Hertze drinnen kaum
Leeres nichts hat Stell vnd Raum.

2.

Gewaffneter Friede.
Krieg hat den Harniſch weg gelegt / der Friede zeucht jhn an;
Wir wiſſen was der Krieg veruͤbt / wer weiß was Friede kan?

3.

Mißſchweren.
Es braucht ein boͤſer Menſch das ſchweren wie ein Tuch /
Damit zu flick en auß Zucht-Ehr - vnd Tugend-Bruch.

4.

Friede vnd Krieg.
Ein Krieg iſt koͤſtlich gut / der auff den Frieden dringt:
Ein Fried iſt ſchaͤndlich arg / der neues kriegen bringt.

5.

Der weichende Krieg.
Mars macht es gar zu arg / Mars tobt jetzt gar zu ſehr;
Der Teuffel / wann er weicht / ſo ſtinckt er deſto mehr.

6.

Das beſte in der Welt.
DAs beſte / das ein Menſch in dieſer Welt erlebet
Jſt / daß er endlich ſtirbt / vnd daß man jhn begraͤbet:
Die Welt ſey wie ſie wil / ſie hab auch was ſie wil /
Waͤr ſterben nicht da bey / ſo gilte ſie nicht viel.

7.

Grabmahl eines redlichen Mannes.
WEil Welt die Redligkeit verjagt vnd duldet nicht /
So ſey du / der du hier fuͤruͤber gehſt / bericht /
Daß165Achtes Hundert.
Daß nicht ein ſchlechter Theil / daß groſſer Schatz von jhr
Hat vnter dieſen Stein ſich wie verborgen hier.
Wofern du redlich biſt / ſo ſeuffze daß ein Stein
Soll wuͤrdiger als wir diß Gut zu haben ſeyn.

8.

W-ehe-W.
DJe Ehe heiſt fuͤr ſich vnd hinter ſich die Ehe /
Dieweil ſie niemand trennt / als nur das bittre Wehe;
Soll W. bey Ehe ſeyn / ſo bringt W. hinten her
Als daß von fornen an / weit nicht ſo viel beſchwer:
Soll W. bey Ehe ſeyn / iſts beſſer man begraͤbet
Ein from Weib / als daß die die boͤs iſt / jmmer lebet.

9.

Mars ein Roßtaͤuſcher.
WAnn ein Pferd Mars ein-wil kauffen /
Fragt er bald obs wol kan lauffen;
Wil er eine Wette wagen?
Nein / nach ſich den Feind her jagen.

10.

Weg deß Lebens.
BEy dem Tag in einer Wolcke /
Jn dem Feuer bey der Nacht /
Gieng Gott herfuͤr Jacobs Volcke /
Biß er in jhr Land ſie bracht:
Chriſtus geht fuͤr ſeinem Volcke /
Daß er ſie durch heiſſe Pein /
Daß durch truͤbe Jammers-Wolcke
Er ſie fuͤhr in Himmel ein.
M iiij11. Mittel166Erſtes Tauſend

11.

Mittel zu verarmen.
JCh moͤchte wiſſen wie es kaͤme
Daß vnſer Haab vnd Gut zuneme?
Was nicht auß Pflicht wir geben muͤſſen
Soll Hoͤfligkeit zuſammen ſchiſſen /
So was fuͤrs Maul noch uͤbrig blieben /
So bleibt es doch nicht fuͤr den Dieben:
Was gleich die Todten ſchuldig waren
Das buͤſſen wir mit vnſren Haaren /
Was wir gehabt vnd nicht mehr haben /
Davon erheiſcht man Schoß vnd Gaben:
Jch moͤchte wiſſen wie es kaͤme
Daß Gut wo einen Hauffen neme?

12.

Reime außm Stegereiff.
AUff einem Fuſſe ſtehn vnd hundert Verſe ſchmieden /
Das hab ich nie gekunt vnd bins auch wol zufrieden
Daß ich es noch nicht kan: Ein Piltz waͤchſt eine Nacht /
Die andre faͤllt er hin / drum wird er ſchlecht geacht:
Deß Bacchus ſuͤſſer Safft / darauff Poeten pochen
Muß werden zam durch Sonn vnd Zeit / vnd muß wol kochen:
Das Waſſer / das mit Macht da / dort herauſſer quillt
Hat ſeinen Nutz zwar auch / nur daß es wenig gilt.

13.

Soldaten-Freyheit.
M man euch dann / jhr Soldaten /
Laſſen gehen alle Thaten?
Suͤndern die da ſterben ſollen
Gibt man was ſie haben wollen.
14. Braut -167Achtes Hundert.

14.

Brautſchrifft.
AUff deinen Hochzeit Tag / mein Freund / dir was zu machen
Haſt du mich angeſucht: Jch bin zu dieſen Sachen
So willig als verpflicht / nim du fuͤr lieb nur an
Diß / was nicht wie es ſoll / iſt aber wie es kan:
So wird dann auch die Braut / was du jhr moͤchteſt machen
So gut es jmmer iſt / belieben vnd belachen
Das was ich dir gemacht / hat Fuͤſſe nur allein
Schaw aber du / daß dort bey Fuſſen Haͤnde ſeyn.

15.

Hure / verſetzt / ruhe.
Eine Hure hat wol Ruhe
Daß jhr Seligkeit nichs thue.

16.

Wolfeiler Frauen-Stand.
MAn darff daſelbſt nicht viel / was wenig kan erlangen:
Wil eine Magd ſein Fraw / ſo darff ſie viel nicht prangen;
Sie wird zur Hure nur / ſo iſt die Kirchenfahrt
Und aller Hochzeit Pracht / erhalten vnd erſpart.

17.

Deß Jephtæ Tochter.
WAs muͤſſen doch die Maͤgd jetzt meinen
Daß Huren ſie ſo haͤuffig werden?
Sie wollen meiden die Beſchwerden
Wie Jephta Kind nicht auch zu weinen.

18.

Deß Teuffels Feyer-Feſt.
Der Teuffel ruht ſonſt nicht / nur jetzund hebt er an /
Weil jhn die letzte Welt ſo wol vertreten kan.
M v19. Das168Erſtes Tauſend

19.

Das Haus-Leben.
JSt Gluͤcke wo vnd was / ſo halt ich mir fuͤr Gluͤcke
Wann ich mein eigen bin / daß ich kein Dienſtbar Ohr
Um weg verkauffte Pflicht darff recken hoch empor /
Und horchen auff Befehl: Daß mich der Neid beruͤcke
Da bin ich Sorgen-los: Die ſchmale ſtuͤrtze-Bruͤcke
Darauff nach Gunſt man zeucht / die bringt mir nicht Gefahr /
Jch ſtehe wo ich ſteh vnd bleibe wo ich war;
Der Ehre ſcheinlich Gifft / deß Hofes Meiſterſtuͤcke
Was gehen die mich an? Gut! daß mir das vergnuͤgen
Fuͤr groſſe Wuͤrde gilt! mir iſt ja noch ſo wol
Als dem der Wanſt zerſchwuͤllt / dieweil er Hoffart voll;
Wer biegen ſich nicht kan bleibt wann er faͤllet liegen:
Nach Purpur tracht ich nicht / ich neme weit dafuͤr
Wann Gott ich leben kan / dem Nechſten vnd auch mir.

20.

Brautſchrifft.
BEy ſo wildem wuͤſten Weſen /
Da faſt niemand kan geneſen /
Da die Wolfahrt gar verfaͤhret /
Da das Heil ſich abezehret /
Wil von jhren beſten Sachen
Ordnung eine Jungfer machen;
Naͤmlich alles liebe Ding
Das ſie auch zum Erb empfing /
Wil ſie einem Freunde geben
Weil ſie noch fuͤhlt Waͤrmd vnd Leben.
Nun / die Teſtamenterin
Friſch von Leibe / friſch von Sinn
Fuͤhrt jhr volles Wolbelieben
Jn dem Buſem auffgeſchrieben /
Hat169Achtes Hundert.
Hat auff Jungfern-Pergament
Erb vnd Erben ſelbſt benent.
Sagt: Hierinne ſteckt mein Wille:
Bietet aber in der Stille /
Daß erſt morgen auff die Nacht
Dieſer Brieff werd auffgemacht /
Dann ſie ſchaͤmt ſich / daß bey Leben
Dieſes Ding ſie auff ſoll geben:
Wil auch / daß kein andrer nicht
Jhres Willens Siegel bricht
Als der Erbe / den zu nennen
Sie erroͤthet / doch zu kennen
Tuͤckiſch richtet einen Blick
Hin auff Nachbar Ludewig.
Merckt / jhr Zeugen / daß der Erbe
Vm bedenck-Zeit gar nicht werbe /
Wil das Erbe treten an
Wann er ſoll vnd wann er kan;
Nur / er dingt jhm auß / zu lachen
Wie der Erben Brauch: wil machen
Daß auch ſie dann lachen ſoll
Wann ſie ſpuͤrt es thu ſo wol
Wann man ſiht noch fuͤr dem ſterben
Wie ſo danckbar ſind die Erben.
Dem der Erbe bleibt bedacht
Wie es ſo werd außgemacht /
Daß man ſteiffes Wolbeginnen
Mercke nicht ſehr weit von hinnen;
Daß die liebe Danckbarkeit
Jaͤhrlich auß der Wiege ſchreyt.
21. Herren -170Erſtes Tauſend

21.

Herren-Dienſt.
WAs dem Schemhamphoras die Juden zugeſchrieben /
Dadurch man hat gekunt nach Willen alles uͤben:
Ein mehres noch als diß / vermag durch ſeine Krafft
Der freye Herren-Dienſt; der ſchafft was Gott nicht ſchafft
Und loͤſet auff was recht / Lieb / Ehr / Eyd / Trew verhafft.

22.

Freygebige Herren-Diener.
WAnn Diener Herren ſchencken /
So muͤgen Herren dencken /
Daß ſich / was auff ſie fleuſt /
Von jhnen vor ergeuſt.

23.

Soldaten-Wuntſch.
Daß den Teuffel / ſich zu holen / Krieger fleiſſig ruffen an
Macht / weil Pferd vnd Ochſen weg / daß ſie duͤrffen Fuͤrgeſpan.

24.

Auff Honoratum.
OBs recht / obs ehrlich ſey / was Honoratus thut /
Da fragt er wenig drum / er haͤlt nur diß fuͤr gut
Was gut zu ſchmauſen bringt; ey! darff man doch wol ſagen
Jm Maule ſteh ſein Recht / ſein Ehre wohn im Magen.

25.

Gottes Wort.
Das
Was
Gott heiſt /
Wers leiſt
Der beſteht /
Wanns gleich geht
Arg uͤberauß
Tum̃ / krum̃ vnd krauß;
Er171Achtes Hundert.
Er lacht nur dazu
Was jmmermehr thu
Der Teuffel mit blaſen /
Die Welt mit viel raſen /
Der Tod mit Zaͤhne-wetzen
Das Fleiſch mit dem entſetzen:
Er laͤſt jhm diß genugſam ſeyn
Jſt ſeine Krafft gleich ſchwach vnd klein /
O dem er dient / dem er vertrauet
Dem hat fuͤr keinem noch gegrauet;
Was iſt jhm / als zu wincken mehr zu thun?
So faͤllt dahin in einem ſchnellen nun
Das was da iſt / wie das das vormals ware.
Der ſteh auff Gott / der ſtehn wil fuͤr Gefahre!
Er ſteht viel feſter noch als feſte Cedern ſtehn
Die Regen / Thaw / Reiff / Schnee / Froſt / Hitze wird angehn /
Er ſteht viel feſter noch als auff den Bergen Schloͤſſer /
Als Felſen im Gehoͤltz / als Klippen im Gewaͤſſer:
Wer aber ſeinen Sinn auff Eitelkeiten ſtellet /
Von Gotte ſich entzeucht / von ſeinem Worte faͤllet
Der gibt ſich auff das Eiß / der nim̃t jhm einen Grund
Der ſchlipffrig iſt / der hoch / der ſchwanckend iſt vnd rund.
Das was er hat / bleibt vielmals nicht biß morgen
Wird leer von Hab / vnd reich an Angſt vnd Sorgen /
Daß / dem er dient / das weiß jhm ſelbſt nicht Rath /
Sein eigne Witz hat keine Krafft noch That /
Das was er darff / wo ſoll ers ſuchen?
Wann man jhn draͤngt / was ſoll ſein pochen?
Wem klagt er Hohn? Wem klagt er Noth?
Wer zehlt die Threnen? Raͤcht den Spot?
Und deckt jhn mit dem Schaten?
Wann er nun ſoll entrathen
Deß Lebens im ſterben /
Was hat er zu erben?
Das ewige Weh
Da nimmer vergeh
Der172Erſtes Tauſend
Der Wurm vnd Schmertz
An Leib vnd Hertz /
Da ſein Gut
Jn der Glut
Wird bloß
Huͤlff-loß
Pein
Seyn.

26.

Schirm der Leichtfertigkeit.
SChmaͤhen / ſchweren / laͤugnen / luͤgen
Liebe-koſen / ſchmeicheln / ſchmuͤgen;
Jſt der Schild / der Schelmereyen
Fuͤr der Warheit ſoll befreyen.

27.

Gluͤckliche Unbeſonnenheit.
Kuͤhnheit mit Vermeſſenheit
Bringt es offters noch ſo weit /
Als bedacht vnd Witzigkeit:
Was auff keinen Grund gericht
Vnd auß Zufall nur entbricht /
Jſt plump Ding / man acht es nicht.

28.

Colax & Corax.
D Schmeichler vnd die Raben
Faſt einen Namen haben /
Kuͤm̃t daher / wil ich glauben /
Weil beyde ſie berauben
Theils die am Hanffe hangen
Theils die in Ketten prangen.
29. Hofe -173Achtes Hundert.

29.

Hofe-Diener.
JCh weiß nicht ob ein Hund viel gilt
Der allen ſchmeichelt / keinem billt?
Ein Diener / der die Auffſicht fuͤhrt
Vnd Augen nur / nicht Zunge ruͤhrt /
Thut nicht / was ſeiner Pflicht gebuͤhrt.

30.

Tiſch-Freundſchafft. Martial.
VErmeinſtu wol / daß der ein treues Hertze ſey
Den dir zum Freunde macht dein offte Gaſterey?
Dein Auſtern liebt er nur / dein Pilpraͤt / gar nicht dich;
Auch mein Freund wuͤrd er bald / wann ſo wie du / lebt ich.

31.

Hochzeit-Wuntſch.
DA gleich das Jahr jetzund iſt kummen in die Wochen
Und traͤgt vns guͤtig auff Confeckt vnd gute Kuchen /
So viel der Unfall ließ; da habt jhr / liebes Paar /
Gleich euren Hachzeit-Tag. Gott laß mich ſagen wahr!
Das Heil muͤß alle Tag euch in den Wochen liegen
Und fuͤllen euer Haus mit Segen vnd Vergnuͤgen:
Und jhr thut wie das Jahr / vnd mehret alle Jahr /
Wo nicht mit einem Paar / mit einem / euer Paar.

32.

Auff Runcum einem beliebten Hofemann.
RUncus iſt recht eckicht grob
Hat doch lauter Gunſt vnd Lob:
Recht! es muͤſſen ſtarcke Gaben
Schwache Liebe ja nicht haben.
33. Hofe -174Erſtes Tauſend

33.

Hofe-Leute.
SChwartzer Vrſprung / fleckicht Leben /
Kan ſich hoch bey Hofe heben;
Wo kein Licht iſt vnd kein weiſſes
Darff die Ehre ſchlechten Fleiſſes.

34.

Staffeln der Klugheit.
WEr guten Rath ſelbſt finden kan /
Wer guten Rath kan nemen an /
Wer beyden recht zu brauchen weiß /
Hat eines klugen Mannes Preis.

35.

Wurtzel-Krafft.
EJn Maͤgdlein / dem ein Traum hat etwas warm gemacht /
Den ſie auch kunte nicht bald bringen auß der acht;
Ging Morgens fruͤh hinauß ſpatziren in das Gras /
Da ſpritzt jhr deſſen Thaw hinauff auff diß vnd das;
Sie ſprach: Es mag wol ſeyn daß Kraͤuter wuͤrcken ſehr /
Je dennoch wie mich duͤnckt / ſo kuͤnnen Wurtzeln mehr.

36.

Heutige Sitten.
WOzu ſoll doch ſein Kind ein Vater aufferziehn
Bey ſo bewanter Zeit? Er darff ſich nur bemuͤhn /
Daß ſein Sohn keine Schew vnd kein Gewiſſen hat /
So iſt ſchon alles gut / ſo iſt ſchon allem Rath.

37.

Weiber Lob-ſuͤchtig.
WEr iſt / der Geld fuͤr Worte gibt?
Ein Weib / dem Lob ſo ſehr beliebt;
Daß175Achtes Hundert.
Daß manche man fuͤr ſchoͤn ſchrey auß
So wagt ſie dran jhr Hof vnd Haus.

38.

Allengefallenheit.
D allen er gefallen kan
Geht ſchwerlich / glaub ich / jedem an
Als dem / bey dem hat gleichen Preis
Gott / Teuffel / Recht / krum̃ / ſchwartz vnd weiß.

39.

Feſte-macher. Ovid. Me - tam. l. 12. fab. 5.
ALs Cænis hieß Cænis, da war ſie ein Weib /
Da lidte / da thaͤte was weibiſch / jhr Leib /
Da Cænis hieß Cæneus, da war ſie ein Mann /
Dem Schwerter nichts hatten / dem Spieſſe nichts an:
Der gleich eine Maͤmm / eh er feſte wird / heiſt /
Der wird / wann er feſte wird / Ritter gepreiſt.

40.

Dem Fuͤrſten gebuͤhret Gut vnd Blut.
D man ſey der Obrigkeit ſchuldig Gut vnd Blut;
Dieſe Regel ſpannt man hoch / zwar ſie iſt auch gut;
Wann nicht wider Gut vnd Blut der bedraͤngten Unterthanen /
Sondern fuͤr jhr Gut vnd Blut Obrigkeit laͤſt fliegen Fahnen.

41.

Kaͤyſerl. Dienſt.
WAs iſt es fuͤr ein Ding / der Kaͤyſerliche Dienſt?
Der Bauern jhr Verterb / der Krieger jhr Gewinſt:
Der Bauer thut den Dienſt / der Krieger ſagt davon /
Noch ſtrafft man jenen noch / vnd dieſem gibt man Lohn.

42.

Wilſtu ſeyn bey Hofe da? Ey ſo lerne ſprechen JA!
Viel Sprachen reden kuͤnnen ziert einen Hofeman
Wer / was der Eſel redet / der iſt am beſten dran.
N43. Hofe -176Erſtes Tauſend

43.

Hofe-Warheit.
Wer um Warheit Gunſt wil kauffen /
Muß von Hofe bald entlauffen.

44.

Hofe-Scham.
Der / welcher bey Hofe mit Roͤthe wil handeln /
Der ſpielet banqrot, oder muß ſich verwandeln.

45.

Auff Kitzligundam.
KItzligunda Jungferſchafft / wolt jhr einmal dampffig
werden /
Weil ſie nie kam in die Lufft / blieb nur jmmer bey der Erden;
Drum ſo hat an einen Nagel ſie ſie neulich auffgehenckt /
Klagt uur / daß ſo viel ſie Naͤgel nicht kan haben / als ſie denckt.

46.

Anzeigungen deß Sieges.
EY luſtig / jhr Krieger / jhr werdet nun ſiegen!
Es wolte die neue Verfaſſung dann luͤgen;
Die Waffen um euere Lenden gebunden
Sind neulich auß Haͤuten der Bauren geſchunden:
Die Mittel zu Stiefeln / Zeug / Sattel / Piſtolen /
Sind ritterlich neben der Straſſe geſtohlen:
Die Gelder zur Pflegung vom Lande gezwungen /
Sind ruͤſtig durch Gurgel vnd Magen gedrungen;
Die Pferde vom nuͤtzlichen Pfluge geriſſen /
Deß Brotes die letzten vnd blutigen Biſſen /
Die fuͤhren vnd fuͤllen viel tauſend der Wagen /
Die Huren vnd Buben zu Felde mit tragen:
Daß Reuter ſind wieder ein wenig beritten
Sind Adern vnd Sehnen dem Lande verſchnidten:
Ein Fuͤrſtenthum iſt in die Schantze gegeben
Ein Hand-voll von Reutern in Sattel zu heben.
Drauff177Achtes Hundert.
Drauff folget nun ſeuffzen / drauff quaͤllen die Threnen
Kuͤm̃t Klage von Noͤthen / nach Brote das ſehnen /
Um Straffe das wuͤntſchen / um Rache das flehen;
Seyd luſtig / jhr Krieger! jhr werdet es ſehen /
Daß ſolcherley Segen / daß ſolcherley Spruͤche /
Daß ſolcherley Wuͤntſche / daß ſolcherley Fluͤc[he]/
So wuͤrcklich vnd kraͤfftig zum feſte ſind machen
Daß manchem im Leibe das Hertze wird krachen!
Nun muſt jhr die Feinde zum Lande nauß ſchmeiſſen
Sonſt wird euch der Teuffel zu letzte beſcheiſſen.

47.

Ein guter Koch / ein guter Rath.
BEy Hofe / kan ein guter Koch / auch ſeyn ein guter Rath;
Er weiß was ſeinem Herren ſchmeckt vnd was er gerne hat /
Er traͤgt verdecktes Eſſeu auff vnd Eſſen nur zur ſchaw /
Geuſt Soͤder auff vnd Senff daran / die dienlich fuͤr den graw /
Auffs bittre ſtreut er Zucker her / das magre wuͤrtzt er wol /
Dem Herren werden Ohren ſatt vnd jhm der Beutel voll;
Die Kammer geht zur Kuͤche zu / die Wirthſchafft in das Faß /
Die Cantzeley haͤlt Faſten-Zeit / der lechzend Unterſaß
Mag lauffen / kan er ſitzen nicht: Die gantze Policey
Wird Heucheley / Betriegerey vnd Kuͤchen-Meiſterey.

48.

Auff einen Groß-Wanſt.
GAſtro wo er geht vnd ſteht / traͤgt den Watſack fuͤr ſich her;
Ob er gleich nun ſtrutzend voll / nimmer oder ſelten leer /
Hab ich doch noch nie gehoͤrt daß jhn etwa ein Soldat /
Wann er gleich wo außgelegt / je / wie Brauch / geplundert hat.

49.

Auff Jungfer Wunderfein.
SEht / wie iſt vnſre Wunderfein ſo elementiſch ſchoͤn!
Der Rachen / blaͤſet ſtarcke Lufft; die Nas / iſt Feuer-roth;
Auß Augen / weiſt ſich Waſſerflut; auff Zaͤhnen / Erd vnd Koth;
Seht / wie kan ſo ein enger Raum ſo voller Schoͤnheit ſtehn.
N ij50. Weiber -178Erſtes Tauſend

50.

Weiber-Verheiß.
Wer einen Aal / beym Schwantz; vnd Weiber / faſt bey Worten /
Wie feſte der gleich haͤlt / haͤlt nichts an beyden Orten.

51.

Schmeicheley.
Wer Ohren macht mit Lobe reich / wil machen reich ſein Haus:
Der wil jhm erndten eignen Nutz / der freindes Lob ſaͤet auß.

52.

Weiber-Schmuck.
Die Weiber ſchmuͤcken ſich zum meiſten um die Koͤpffe;
Gar gut! jhr boͤſer Wurm der niſtet um die Zoͤpffe.

53.

Auff Nigrum.
Daß Niger edel / muſt du wiſſen;
Ein Reiger hat jhn auß geſchiſſen.

54.

Schmutziger Sieg.
WEr mit Kothe ringt /
Ob jhm viel gelingt
Kuͤm̃t jhm / daß er ſtinckt.

55.

Geitzige Huren.
Wer Hund vnd Huren wil zu Freunden haben /
Der muß ſich ruͤſten mit Geſchenck vnd Gaben.

56.

Hofe-Leute Brot-Wuͤrme.
BEy Hofe lernt man mercken / daß die die beſten ſeyn /
Die ſonſt nichts thun noch kuͤnnen / als ſchlucken auß
vnd ein;
Vieh /179Achtes Hundert.
Vieh / das man bald ſoll ſchlachten / das pflegt vnd haͤlt man wol;
Man mag jhn laſſen praſſen / der endlich darben ſoll.

57.

Friede wird geglaubt / wann er wird gefuͤhlt.
DEr Fried iſt / wie man ſagt / jetzunder in der Feder;
Der Krieg liegt aber noch dem Bauer auff dem Leder:
Das Ohr weiß nur vom Fried vnd ſonſt kein einig Sinn;
Weiß fuͤhlen nichts davon? So iſt es weit noch hin.

58.

Hoffart vnd Demut.
Auß Hoffart waͤchſt Verterb empor /
Auß Demut kuͤm̃t das Heil hervor.

59.

Frieden-Hindernuͤß.
Ey es wird bald Friede ſeyn / freue dich du Deutſcher Man /
Miß-vertraun vnd Eigen-nutz / ein Paar Woͤrtlein / ſtehn nur an.

60.

Auff den Plumpart.
PLumpart meint / er hat die Kuͤnſte / daß jhn niemand
ſehen kan;
Wann jhm gleich nun zwantzig Faͤuſte Maul vnd Naſe treffen an /
Traut er dennoch ſeinen Kuͤnſten / die da ſo ſind eingericht /
Daß ſie nur gehn auff das ſehen / auff das fuͤhlen aber nicht.

61.

Selig ſind die Todten.
STerben war wol nimmer lieb / dem / der dorte ſucht zu leben /
Der da wuſte / daß die Welt jhm / vnd er nicht jhr / gegeben /
Daß Gaſt Er / vnd Sie ſey Wirth / daß auch ſeiner Wolfahr
Lauff
Hier im Thale neme Ruh / weiter aber geh Berg-auff:
N iijSterben180Erſtes Tauſend
Sterben wird nun noch ſo lieb dem / der recht nur wil bedencken
Wie der Wirth zum Schelmen wird vnd die Gaͤſte pflegt zu
kraͤncken /
Daß er auß dem Hauſe jagt den / der jhn nicht betet an /
Der vom from-ſeyn abzuſtehn / uͤbers Hertz nicht bringen kan /
Der noch glanbet daß ein Gott / der noch etwa dran gedachte
Was fuͤr Alters Tugend hieß / der noch etwas wo verbrachte
Daß nach Bieder-weſen reucht / der nicht Dienſt wil nemen an
Wil nicht / wider Recht vnd Zucht / treten auff den Frevler -
Plan;
Dieſer / dieſer hat verdient / daß man jhn mit Hunden hetze
Zu dem groſſen Thore zu / biß er Gut vnd Blut verſetze!
Drum / wann Gott die blaue Burg oͤffnet vnd jhm beut die
Hand
Freyt jhn von der Trotzer Trotz / ſetzt jhn in den Friedens-ſtand /
Rettet jhn auß Suͤnd vnd Noth / vom Verterben zum geneſen /
Nim̃t jhm die Vergaͤngligkeit / ſchencket jhm ein ewig-Weſen /
Ey wer waͤr ſo vnbedacht / daß er dieſen laſſe nicht
Hin wo dieſer Welt jhr Grim̃ / ſeine freche Hoͤrner bricht?
Allzuweit iſt nicht von hier / biß der tolle Schanden-winckel /
Drinnen blinder Willen herꝛſcht vnd ein tauber Eigen-duͤnckel
Fuͤhlt den letzten Donnerſchlag / der jhn ſchlaͤgt in einen Kloß /
Druͤckt zu Grunde den der druͤckt / machet die gedruͤckten los:
Wol indeſſen dem / der dort lacht vnd ſchaut die Emſen -
Hauffen
Drinnen um das eitle nichts krichen / ſteigen / dringen / lauffen
Unbedachte Menſchen-Schwaͤrme! wol auch dem / das was jhm
lieb
Da hat / wo fuͤr Bosheit / Noth / Drang vnd Zwang es ſicher
blieb.

62.

Auff Schliffeln.
Schliffel hat zwar eine Seel / aber was iſt ſolche nuͤtze?
Saltz iſt ſie / daß nicht ſein Leib lebend wird zu fauler Pfuͤtze.
63. Von181Achtes Hundert.

63.

Von den Bruͤſten der Nivulæ.
Ein Schnee iſt mir bekant / der mehr als Feuer hitzt
Wann Nivula entbloͤſt mit freyen Bruͤſten ſitzt.

64.

Hofe-Gunſt.
KEin begehrtes / nie verwiedern;
Kein verwiederts / nie begehren;
Macht bey Hohen / daß dann Niedren
Hofe-Gunſt mag lange waͤren.

65.

Sarckſchrifften eines lieben Ehegattens.
Zun Haupten.
Gott ſey Danck! mir iſt erlaubt
Daß wie / JESU du mein Haupt /
Jch dein Glied mag triumphiren
Vnd den Tod gefangen fuͤhren.

66.

Zun Fuͤſſen.
GOtt ſey Danck! daß meinen Fuͤſſen
Sich nun vnterwerffen muͤſſen
Noth / Gefahr / Pein / Creutz vnd Leid /
Das vns ſchafft die Eitelkeit.

67.

Zur rechten Hand.
WAs vnverweslich war / das hab ich angezogen /
Und was verweslich war / wird kuͤrtzlich ſeyn verflogen
Wie Aſch vnd leichter Staub. O meine lange Qual
Erſetzt deß Himmels Gut viel tauſend tauſend mal.
N iiij68. Zur182Erſtes Tauſend

68.

Zur lincken Hand.
MAnn / Eltern / Kind vnd Freund vnd was bey Lebens-Zeiten
Mir mehr von liebem Volck ſtund lieblich an den Seiten /
Das war mein beſtes Theil / daß ich der Welt verließ
Doch geh ich nur voran / ſie folgen mir gewiß.

69.

Abſchied von einem verſtorbenen Ehegatten.
TReues Hertze / du zeuchſt abe
Auß der Welt vnd gehſt zu Grabe /
Ein zu nemen Frend vnd Ruh /
Die der Himmel richtet zu:
Mir / vnd andren deinen lieben
Jſt an deiner Stelle blieben /
Bey ſo ſonſt gehaͤuffter Noth /
Hertzens Leid um deinen Tod.
Doch die hier die Zeit verletzet
Wird bald haben dort ergetzet
Ewigkeit / die ohne Ziel
Vns auffs neue treuen wil.
Mir wird ſeyn mein Sarck gemeſſen
Eh dein Lob ich kan vergeſſen /
Wuͤrdig biſtu daß dein Ruhm
Bleibt / weil bleibt das Menſchenthum.
Habe Danck / fuͤr deine Liebe /
Die beſtaͤndig war / wanns truͤbe
So / wie wann es helle war
So in Gluͤck / als in Gefahr!
Habe183Achtes Hundert.
Habe Danck / fuͤr deine Treue
Die ſtets bliebe friſch vnd neue!
Habe Danck / fuͤrs werthe Pfand
Das du laͤſt in meiner Hand!
Habe Danck / fuͤr Muͤh vnd Sorgen
Die biß Abends / an vom Morgen
Deine weiſſe Redligkeit
Pfloge mir zur Nutzbarkeit!
Habe Danck / daß deine Tugend /
Habe Danck / daß deine Jugend /
Ob wol eine kurtze Zeit /
Mir ſo viel gab Gnuͤgligkeit!
Fahr im Friede! Gott wils haben /
Aber laſſe deine Gaben
Deme / daß zum Troſte mir
Vbrig blieben iſt von dir.
Fahr im Fried! ich kans nicht wenden /
Bin zu ſchwach deß HErren Haͤnden /
Du zeuchſt weg / wo ich jetzt bin /
Jch wo du biſt / kumme hin.

70.

Ein Vertriebener / redet nach ſeinem Tode.
WAs mir nie war vergunt bey meinem meiſten Leben /
Das hat mir nun der Tod nach meinem Sinn gegeben /
Jch mein ein eigen Haus; darauß mich mehr kein Tod
Kein Teuffel / kein Tyrann / vertreibt / vnd keine Noth.

71.

Ein ſchoͤnes Weib.
HAt nicht der das halbe Brot / der ein ſchoͤnes Weiblein hat?
Freylich; wer im Magen nicht / nur an Augen wil ſeyn ſat;
N vSchoͤnes184Erſtes Tauſend
Schoͤnes Weib iſt Fleiſch / nicht Brot / daß die Sinnen ſpeiſt mit
Luſt /
Darff Brot ſelbſt / vnd darff auch Fleiſch / weil es viel zu maͤſten
koſt.

72.

Auff Quadratum.
Quadratus iſt der Welt viel nuͤtz / er gibt viel Schaten
Waͤr uͤbel / wann er ſtuͤrb / im Sommer zu entrathen.

73.

Die Oberſtelle.
ES muͤht ſich mancher hoch / zu ſitzen oben an /
Da doch der Mann den Ort ziert / nicht der Ort den Mann;
Es iſt ein ſchlechter Ruhm der ſitzt: Ein Ruhm der geht
Durch Tapffrer Leute Mund in alle Welt / beſteht.

74.

Heuchler.
KJrchen-gehen / Predigt-hoͤren /
Singen / beten / andre lehren /
Seuffzen vnd gen Himmel ſchauen /
Nichts als nur vom Gott-vertrauen /
Vnd vom glauben / vnd vom lieben /
Vnd von andrem Guts-veruͤben /
Reden fuͤhren; ich wil meinen
Die es thun / Gott / ſind die deinen.
O noch lange nicht! im Ruͤcken
Schmuͤtzen vnd von fornen ſchmuͤcken /
Seinen Nechſten haſſen / neiden /
Deſſen beſtes ſtets vermeiden /
Deſſen Nachtheil emſig ſtifften /
Zungen-Honig Hertzens-Gifften /
Jenes185Achtes Hundert.
Jenes auſſen / dieſes innen
Lieblich / tuͤckiſch / fuͤhren kuͤnnen;
Meinſtu / daß dem Chriſten-Leben
Beydes aͤhnlich ſey vnd eben?
Gott hat neben ſich geſetzet
Auch den Nechſten; wird verletzet
Durch den Dienſt / der jhn gleich liebet
Vnd den Nechſten uͤbergibet;
Halbe Chriſten ſind zu nennen
Die da Gott vnd Nechſten trennen.

75.

Das Gluͤcke redet.
JCh werde ſtets verſchmaͤcht / kan keinen recht vergnuͤgen /
Jch mach es wie ich wil / ſo mag ich keinem tuͤgen;
Doch bin ich auſſer Schuld / weil durch ſich ſelbſt vertirbt
Wer jhm ein Gluͤcke ticht / vnd nicht ein Gluͤck erwirbt.

76.

Die blinde Liebe.
JSt Liebe dann wol blind? Wann ich ſie recht ſeh an
So ſiht ſie offtmals mehr / als jemand ſehen kan /
Und fuͤhrt was nirgend da / noch dennoch auff die Bahn.

77.

Das Geruͤchte.
Mit Verluſt deß guten Namens einen guten Freund erkauffen
Eignet nicht den weiſen Leuten / nur dem blinden Poͤfel-Hauffen.

78.

Auff Zweifligundam,
ZVVeifligunda gieng znr Beicht
Vnd im trauren gleich vielleicht /
Als der Pfarꝛ fragt ohngefehr
Ob ſie eine Jungfer waͤr?
Sprach186Erſtes Tauſend
Sprach ſie: Ja / ich armes Kind /
Aber wie ſie heuer ſind.

79.

Auff Sordalum.
ZU etwas groſſem noch wird Sordalus wol werden /
Dann ſeinerley Geburt iſt nicht gemein auff Erden;
Es iſt jhm ſelbſt bewuſt (man denckt jhm auch ſehr dran)
Die Mutter hat jhn bracht vnd hatte keinen Mann.

80.

Mixtius, von ſich ſelbſt.
MEine Mutter war zu Hoff ein glatte Kammer-Magd
Die der Fuͤrſt hat etwa ſelbſt an der Jungferſchaft geplagt;
Drum die mir (Gluͤck hat doch Neid!) dannenher gehaͤſſig ſind
Nennen mich / du Huren-Sohn; vnd ich bin ein Fuͤrſten-Kind.

81.

Hofe-Fuͤchſe.
Der Balg verkaufft den Fuchs / der ſonſt zu Felde wohnt:
Der her zu Hofe drabt / den macht der Schwantz belohnt.

82.

Auff Filzium.
Haſtu einen Rauſch gehabt? Geh zu Filtzen nur zu gaſte;
Dann auff einen ſtarcken Rauſch nuͤtzet eine ſtrenge Faſte.

83.

Die Trew.
Man mercket in gemein / daß diß die ſtaͤrckſte Trew
Die ein Verbrecher wuͤrckt auff ſeines Fehlers Rew.

84.

Auff Nivulam.
NIvula brennt jhrer viel
Jeder der ſie ſiht / der wil
Diß vnd das an ſie verwagen;
Was dann wird es Nutzen tragen?
Was187Achtes Hundert.
Was ſie gab / das bleibt jhr doch /
Wer es hatte / ſucht es noch.

85.

Graue Haare.
Kein Kuͤnſtler glaub ich iſt / der ſchwartzes faͤrbe weiß?
Das Alter kan die Kunſt / faͤrbt ſchwartze Haare greiß.

86.

Ehrgeitz.
Der Ehren heiſſe Sucht verleſcht vns durch entzuͤnden /
Erleuchtet vns offt ſo / daß wir dadurch verſchwinden.

87.

Waͤſcherey.
Der kan bald ein Echo machen / der nur redet was er wil /
Als er etwa reden moͤchte / wird er hoͤren noch ſo viel.

88.

Bald verſagen vnd bald geben.
Wer bald mir was verſagt / der gibt mir dennoch was:
Wer bald mir gibt / der gibt zweymal / was er gibt das.

89.

Vollkummene Freundſchafft.
Soll Freund ſchafft feſte ſeyn? Nicht mach ſie mit der Zeit;
Mach aber / biſtu klug / ſie mit der Ewigkeit.

90.

An einen Freund.
DEine Tugend / Redligkeit vnd Kunſt /
Macht / daß ich dir trage treue Gunſt:
Deine Tugend / Redligkeit vnd Kunſt
Weiß / warum du mir traͤgſt treue Gunſt.
91. Be -188Erſtes Tauſend

91.

Beſchencken macht Bedencken.
DAs bruͤllende Metall der grauſamen Canonen
Schont nichts / es kan auch nichts fuͤr ſeinem Grimm ſich
ſchonen;
Nein; Gold / das kan noch mehr / es kan Canonen zwingen
Daß ſie nicht bruͤllen mehr / vnd nur zur Freude ſingen.

92.

Auff Gallum vnd Gallam.
Gallus ſagte / wie jhm Galla einen ſtarcken Brand erwecket;
Lege / ſprach ſie / dich mir oben daß man dieſen Brand erſtecket.

93.

Auff Petulcam.
PEtulca war juͤngſt hin von jhrem Mann entgangen
Sprach: Denckt ein wenig nach / worauff es angefangen!
Ein Acker iſt das Weib / der Mann der iſt ein Baum /
Wann dieſer wurtzelt nicht / was ſoll jhm dann ſein Raum?

94.

Von dem Fuͤrſtlichen Piaſtiſchen Stamm.
Von Anfang wie es war / nun vnd zu aller Zeit /
Sey waͤchſig dieſer Stamm / biß zu der Ewigkeit.

95.

Von denen dreyen Briegiſchen Fuͤrſten.
(1.) George / (2.) Ludwig / (3.) Chriſtian /
Was zeiget dieſes Kleeblat an?
(1.) Viel Segen fuͤr das Vaterland /
(3.) Viel Heil fuͤr Chriſtus Kirchen-Stand /
(2.) Viel Troſt vnd Luſt fuͤr jederman /
Der Schaten drunter haben kan.
(1.) Haus / (3.) Kirch / vnd auch die (2.) Cantzeley
Die Drey hat Nutz durch jene Drey.
96. An189Achtes Hundert.

96.

An eine Briegiſche Hertzogin.
Heldin / daß man euren Namen hier in meinem Buche lieſt /
Macht / daß nunmehr auch darinnen / Liebligkeit vnd Weißheit iſt.

97.

An einen Freund / uͤber dem Tode ſeines Soͤhnleins / in Perſon deß Kindes.
ALs wie in dieſer Stund ein Freund zum Freunde kuͤm̃t /
Und dann in jener Stund auch wieder Abſchied nim̃t:
So habt jhr mich / ich euch / O Vater nur begruͤfl /
So habt jhr mich / ich euch gehabt vnd auch vermiſt /
Gar inner kurtzen Zeit / da Titans goͤldnes Rund
Noch nicht zu meinem Jahr auff halbem Wege ſtund.
Wie kum̃ts? Ein zartes Kind hat keinen ſichren Raum
Wo da ein bruͤnſtig Hengſt laufft frey von Stang vnd Zaum:
Die Welt raſt / tobt / ſchaumt / ſtrampfft / der Laſter Sprung vnd
Streich /
Jſt nicht ein Ding fuͤr mich / die Engel ſind mir gleich /
Der Himmel iſt ein Land fuͤr mich vnd meinen Geiſt /
Der mich dem frechen Volck der Suͤnd entweichen heiſt /
Eh als den ſtillen Sinn das uͤber goldte Gifft
Und deſſen arge Krafft / mein zartes Hertze trifft.
Jch bin / ich bleibe nicht / in dieſer tollen Welt /
Und weil das bleiben mir / mehr als das ſeyn gefaͤllt /
So liebt mir ſterben mehr als leben / weil ich kan
Dann hoͤren auff zu ſeyn / zu bleiben fangen an -

98.

An eben denſelbten uͤber der Geburt eines Soͤhnleins.
SEither deß Krieges Arg / das Gute faſt vertrieben /
So iſt vns / wahrer Freund / diß einig uͤberblieben
Das lieblich heiſſen mag; wir zeugen Kind auff Kind /
Ein Denckmahl hinter vns / das wir geweſen ſind.
Gut /190Erſtes Tauſend
Gut / gut! was kan vns ſonſt auß Wermut Zucker machen /
Als wann das liebe Kind mit kuͤrmeln vnd mit lachen
An vnſer Haupt ſich druͤckt / vns lieber Vater nennt
Und macht / daß man in jhm / ſich wie im Spiegel kennt
Sie ſind die andren wir / wir leben nach dem Leben
Jn jhnen / vnſer ſeyn iſt darumb vns gegeben
Daß ſie ſo kuͤnnen ſeyn / wie wir von denen ſind
Von welchen wir ererbt den ſuͤſſen Namen Kind?
Wolan! wolan mein Freund! ſo muß man dann nur daͤmpffen
Den Rauch der bittren Zeit / ſo muß man lerntn kaͤmpffen
Mit dieſer Sterbligkeit; auff daß jhr ſtrenger Krieg
Nicht uͤber vns erhaͤlt ſo gar geſchwinden Sieg!
Gott gebe dieſes nur / daß kein Kind vns mag gleichen
Und naͤmlich nicht wie wir / fuͤr ſolcher Noth erbleichen:
Nach dem / ſo wuͤntſch ich mir / daß nach vns ſo dein Kind
Und mein Kind / wie auch du vnd ich / vertreulich ſind.

99.

An die Fichte auff meinem Gute.
ALs offt ich ſagen kan / daß ich / du edle Fichte /
Deß Sommers meinen Gang zu deinem Schaten richte
So offte muß ich mir auch beichten meine Schuld /
Daß ich dich nicht geehrt / wie billich ich geſolt.
Der Attes wirſtu ſeyn / den Jupiter geneidet
Den Rhea lieb gehabt vnd hat in dich verkleidet
Die hat dich / wo du ſtehſt ſo hoch / ſo frey geſetzt
Auff daß ſie nah vud fern an dir jhr Aug ergetzt.
Da / wo das ſchoͤne Kind vom Vratislav ge -
Vratisla - via. Viadrus. Brega.
horen
Der alte Guttalus hat ſeiner Seit erkoren:
Da / wo das theure Blut / das vns Piaſtus gab
Hat weil es lebt / ſein Haus vnd wann es ſtirbt ſein Grab.
Am reichen Oder-Strom: Auch wo in einen Namen
Fuͤr Zeiten Monden / Stern vnd Berg zuſammen
Monſter - berga.
kamen
Und nanten eine Stadt! Da wo Zabothus Hand
Zeigt an / was Jano meint auff vns vnd vnſer Land:
Zobtenberg.
Wo191Achtes Hundert.
Wo Roy-de-vall ſein Haus den Wolcken bey -
Ruͤbenzal - Berg.
geſetzet
Wo ſich Tuiſcons Reich mit Lechus Kindern
Polonia.
letzet:
Da wo deß Chzechus-Stamm mit Bergen ſich
Bohemia.
geguͤrt:
Da / wo das reinſte Gold den Deutſchen nuͤtzlich
Hunga - ria.
wird
Und jhr ſo lieber Safft / am ſtaͤrckſten wird geſchmecket:
Wo vnſer Land ſein Haupt den Marcomannen
Moravia.
recket;
Dahin nun vnd ſo weit / iſt fuͤr dein krauſes Haupt
Zu ſtrecken dein Geſicht ein offner Paß erlaubt /
Auß Ordnung vnd Befehl der Muͤtter aller Goͤtter.
Dein Fuß iſt ſo geſetzt / daß Æolus ſein Wetter
Zu ſchanden an dir wird; ein harter Fels vnd Stein
Muß dir in ſeinen Leib zu bauen zinsbar ſeyn.
Pan iſt dir auch geueigt vnd vnter deinen Aeſten
Hat er das liebe Volck der Nymphen offt zu Gaͤſten;
Kein vuter jhnen iſt / die jemals um dich war /
Die heimlich nicht gedaͤcht / O waͤren wir ein Paar!
Dir aber liebet nicht / das vnbefreyte Freyen
Und deiner ſelbſt zu ſeyn / wilſtu dich nicht verzeihen;
Du haſt genug an dem / wann dein Thun der gefaͤllt
Die da dich wo du biſt / hat ehrlich hingeſtellt.
Zu mehren derer Preis / die deine Kraͤfften mehret /
Steht eintzig nur dein Sinn; drum iſt dir auch verehret
Zum Zeichen deiner Trew das jmmer-gruͤne Kleid
Das ſeinen Schmuck behaͤlt / das nimmer nie beſtreit
Noch Boreas ſein Eiß / noch Sirius ſein brennen /
Dadurch du den machſt roth / der ſchwerlich wil bekennen
Wie er ſo groͤblich jrꝛt wann er den Mantel ſchickt
Wann Jupiter zoͤrnt ſo / vnd ſo wann Phœbus blickt:
Der von Beſtand nicht weiß / der ſich von allen Zeiten
Wohin man jhn begehrt / vnd jhm nur winckt / laͤſt leiten;
Ein ſolcher Monden-Sohn / iſt weit noch vnter dir
Du ſtehſt jhm oben an / vnd gehſt jhm billich fuͤr;
ODas192Erſtes Tauſend
Das macht Beſtaͤndigkeit. Der freye Mut deßgleichen
Schafft / daß dein Ruhm wie du / muß an die Wolcken reichen.
Mit dir iſt freyer Tag / du ſcheueſt nicht das Licht
Der Sonne / du ſtehſt da / fuͤr jedermans Geſicht /
Kein Berg iſt der dich birgt / kein Wald der dich verſtecket
Und dein gerader Leib bleibt jmmer auffgerecket /
Kennt keine Kruͤmme nicht: Mars hat dir offt geflucht
Wann du von fernen haſt dem / der dich hat beſucht /
Sein Haͤufflein nutzbar Vieh fuͤr deſſen Hinterliſten /
Wo gaͤntzlich nicht bewahrt / doch vielmals helffen friſten /
Dann dir gefiel niemals / vnd niemals war dir lieb /
Ein diebiſcher Betrug vnd ein betrieglich Dieb.
Zwar haſtu muſſen ſehn / wie ſehr es dich verdroſſen /
Wie jetzt bey vnſrer Zeit man hielt fuͤr Kinder-Poſſen
Trew / Liebe / Glaube / Pflicht: Wie die verkauffte Schaar
Hat gantz gemacht zu nichts was vormals herꝛlich war /
Das haſtu auch geſehn vnd druͤber viel geweinet /
Daß nach den Threnen Gold an deinem Rock erſcheinet;
Jedoch / was ſo geſchah kan nicht ſeyn nicht geſchehn /
Wann du nur ſihſt nicht mehr was vormals du geſehn /
So ſey das alte dann in deſſen Schoß vergraben
Der druͤber ſeinen Kerb wol halten wird vnd haben.
Jndeſſen bin ich froh / wann mir verguͤnt die Zeit
Daß du habſt Preis durch mich / daß ich durch dich mein Leid /
Das allgemeine Leid in etwas mag verſchieben /
(Vertrieben wird es nicht.) Wann Unmut mich wil uͤben
Jn ſeinem engen Kreiß / ſo nem ich jhm den Zaum
Und ſuche mit fuͤr mich vnd mein Gemuͤte Raum;
Jch pflege mich dir bey in freyes Blaw zu paaren
Und laſſe meinen Sinn hin mit den Augen faͤhren /
Die Purſchen weit vnd breit / erforſcheu diß vnd das
Und haben jhre Luſt an Himmel / Waſſer / Gras
An Waͤlden / Berg vnd Thal / an Felden vnd an Auen
Und was Natur noch ſonſt hat kuͤnſtlich kuͤnnen bauen;
Dann bin ich nicht daheim vnd die Melancholey
Muß warten / biß ich ſonſt zu Haus vnd muͤſſig ſey /
Wann193Achtes Hundert.
Wann offt der heiſſe Hund mit ſeinen duͤrren Flammen
Und Phœbus goͤldne Glut dann feuren ſtarck zuſammen /
So kom̃ ich auch zu dir / da hab ich was ich wil
Da lab ich mich bey dir durch ein erquicklich Spiel
Daß ſtets um deinen Raum Aſtræus Kinder ſpielen.
Wann Ceres ſehnlich wuͤntſche ſich wieder abzukuͤhlen
Durch ein gedeylich naß / vnd Jupiter verzeucht /
So ſeh ich bald bey dir was den Silenus deucht
Zobtenher[g].
Ob jhm ſein Haupt behuͤllt mit einer feuchten Hauben
Und ob er mir voran zu ſagen woll erlauben /
Ein Regen zeucht herauff! Wann dann die feuchte Schaar
Der Wolcken ruͤckt ins Feld / vnd mehr als noͤthig war
Den naſſen Zug erſtreckt / ſo gibſtu mir zu kennen
Ob / oder auch wie bald jhr Ordnung wird zertrennen
Der Sonnen heiſſe Macht; ſo klaͤrlich ſtellſtu dar /
Theils was noch fern vnd weit / theils was noch gar nicht war.
Drum waͤreſtu nun werth hoch auff Parnasſus Hoͤhen
Und da wo Daphne ſteht / zu wurtzeln vnd zu ſtehen /
Auff daß der Muſen Rey um dich heg jhren Tantz
Und brauche dich jhr Fuͤrſt fuͤr ſeinen Lorber-Krantz.
Jn dem du aber dir laͤſt meinen Grund gefallen /
Ey ſo gefaͤllt mir auch / daß dieſer andren allen
Von dir bleibt fuͤrgeſetzt. Jm Fall ich was vermag
An Heliconer - Gunſt / ſo ſoll kein neidiſch Tag
Bezwingen deinen Ruhm / du ſollſt betagten Eichen
Und derer feſtem ſtarck / mit nichten duͤrffen weichen /
Der Lorberbaͤume friſch / der Cedern Ewigkeit
Und was noch mehr macht ſtumpff den argen Zahn der Zeit /
Soll nicht dem Meiſter ſeyn. O daß dich nicht verletze
Deß Jupiters Geſchuͤtz! O daß nicht an dich ſetze
Noch Mulcibers ſein Grim̃ / noch Æolus ſein Trotz
Noch ſonſt ein freches Beil! es leiſte dir den Schutz
Die / die dich hat geliebt / die / die dich hergeſtellet /
Die halte deinen Fuß / daß dieſer nimmer faͤllet /
Daß du / weil dieſer Grund bleibt / bleibeſt fuͤr vnd fuͤr
Sein Waͤchter / ſein Prophet / ſein Nutz / ſein Sptel vnd Zier.
O ij100. Nuͤtzt194Erſtes Tauſend

100.

Nuͤtze vnd Ehrlich.
WAs nuͤtzlich offters iſt / iſt allemahl nicht ehrlich;
Was baͤuriſch etwa nuͤtzt / nuͤtzt allemal nicht herꝛlich:
Was zeihen ſich dann die / die einem Fuͤrſten rathen
Zu richten ſo den Nutz / wie kaum die Bauren thaten?
Den Nutz bekummen ſie / der Fuͤrſt bekuͤm̃t zu nemen
Weil wenig Ehre bleibt / gemeiniglich das ſchaͤmen.

Deß Erſten Tauſend Neundes Hundert.

196Erſtes Tauſend

1.

Am erſten Sontag deß Advents.
WEr einen Herren hat / darff keinen mehr begehren /
Sonſt wird er Ehr vnd Leib mit Schmach vnd Pein
beſchweren:
Die Welt haͤlt mich in ſich; doch iſt nur Chriſtus mein /
Und ſolt ich tauſendmal der Welt Rebelle ſeyn.

2.

Am andren Sontage deß Advents.
DJe Kranckheit wandelt ſich / wann New-Licht mit dem Alten
Am Monden Wechſel haͤlt: Wann Wechſel werden halten
Die Ewigkeit vnd Zeit / wird dort / dem hier auff Erden
War uͤbel / werden wol; dem wol war / uͤbel werden.

3.

Am dritten Sontage deß Advents.
WJe thoͤrlich handeln doch / die manchmal ſo erwarmen
Auff vnſer Blut vnd Gut! ſie machen vns zu Armen /
Auff daß ſo Gottes Reich vnd Evangelium
Von jhnn den Reichen weg / zu vns den Armen kumm.

4.

Am vierdten Sontage deß Advents.
WEr weiche Kleider traͤgt / taug ſchwerlich in die Wuͤſten:
Wer fuͤr dem Creutze weicht / taug uͤbel vnter Chriſten:
Jn Doͤrner / Heck vnd Puſch / gehoͤrt ein Ledern Kleid;
Noth / Truͤbſal / Angſt vnd Tod erheiſcht Beſtaͤndigkeit.

5.

Am H. Chriſttage.
AUff meiner Vaͤter Blut / kan keinen Ruhm ich gruͤnden;
Auff meines Bruders Blut / da kan er Stelle finden:
Durch dieſen bitt ich Trotz / Welt / Hoͤlle / Suͤnd vnd Tod!
Mein Bruder iſt zugleich / mein Bruder vnd mein Gott.
6. Ein197Neundes Hundert.

6.

Ein andres.
DA von Abrahams Stam̃ das Scepter ward verloren /
Jſt kuͤrtzlich Chriſtus drauff in dieſe Welt geboren:
Nun aber Chriſtus Wort vns Chriſten wird genummen
Duͤrfft auch nicht Chriſtus drauff wol ehſtes wieder kummen?

7.

Ein andres.
NJemand hat noch jemals ſein eignes Fleiſch kunt haſſen /
Solt vns dann Gottes Sohn zu lieben vnterlaſſen?
Sein Fleiſch iſt vnſer Fleiſch / drum wird er vnſer Freund /
Daß er es ſo mit vns wie mit jhm ſelbſten meint.

8.

Am Stephans-Tage.
WAnn vnſre Feind auff vns ein Maul-voll Zaͤhne
Eſa. 9.
wetzen /
Wolln Eſaias Kind an vnſer ſtat wir ſetzen:
Wann dieſes fuͤr vns trit / ſo wird ein jeder Stein
Womit man nach vns ſtuͤrmt / ein Klapff an Himmel ſeyn.

9.

Am Johannis-Tage.
EJn jeder ſeh auff ſich vnd auff ſein eignes bleiben /
Wozu iſt gut / um die / um jene Kummer treiben?
Wen Chriſtus heiſt vnd wil / daß ſolcher bleiben ſol /
Ein ſolcher bleibt gewiß / man laͤſt jhn bleiben wol.

10.

Am Sontage nach dem Chriſttage.
DJe Waͤrmde zeucht empor / was vor der Froſt verdeckte /
Verfolgung gibt an Tag / was Sicherheit verſteckte:
Drum / ſey Verfolgung gleich ſo ſchaͤdlich als ſie wil /
Jſt diß doch gut / ſie iſt deß Chriſtenthums April.
O iiij11. Am198Erſtes Tauſend

11.

Am Neuen Jahrs-Tage.
EJn jeder Tag ertraͤgt ſein eigne Plag vnd Sorgen;
Der Abend leiſtet nicht was offt verſprach der Morgen:
Drum wuͤntſch ich dieſen Tag / der nach ſich zeucht ein jahr
Das nimmer Ende nim̃t / vnd bleibet wie es war.

12.

Am H. Drey Koͤnige Tag.
OGott / dein Wort vnd Reich gieng erſtlich auff vom Morgen
Biß vnſrer Graͤntzen zu! hilff daß wir falſch beſorgen /
Daß nicht von vns hinweg dein Wort vnd dein Altar
Sich wende wieder hin / wo er von erſtem war.

13.

Am erſten Sontage nach Epiphan.
WEil Chriſtus iſt in dem / das ſeines Vaters heiſt
So iſt er auch in vns; wann Truͤbſal ſich erweiſt
Und Chriſtus iſt in vns / ſo iſt er mit im Leiden;
Wol dem / der jhn behaͤlt / weh dem / der jhn laͤſt ſcheiden.

14.

Am andern Sontage nach Epiphan.
DEr klare Wein iſt auß / die Hefen ſind in Faſſen;
Es hat die gute Zeit vns groſſes Leid verlaſſen:
Kan Chriſtus nicht bey vns / was er zu Cana kan?
Schweig; thu was er dir ſagt / biß ſeine Zeit kuͤm̃t an.

15.

Am dritten Sontage nach Epiphan.
HJlff Gott / daß mir geſchieht als wie ich glaub vnd traue;
Daß noch mein Auge Luſt an deinen Siegen ſchaue!
Jm Fall du wilſt / gehoͤrt ein eintzig Wort dazu /
So hat der Frevler Pein / ſo hat der Frome Ruh.
16. Am199Neundes Hundert.

16.

Am vierdten Sontage nach Epiphan.
STuͤrmt Suͤnde / Teuffel / Welt / Tod! wiſſt jhr / daß im
Schiffe
Der HErꝛ der Herren iſt / vnd ſtellt ſich ob er ſchliffe?
Was fehlt / als daß man jhn durch wahre Buß erwecke?
So lieget Sturm vnd Streit vnd aller Trotz im Drecke.

17.

Am fuͤnfften Sontage nach Epiphan.
WEr vns fuͤr Unkraut haͤlt / vnd wil vns bald vertreiben /
Thut nichts / als daß er ſich ſam vns noch auff wird reiben;
Er warte biß zum Augſt / da wird man deutlich kennen
Wer tuͤglich ſey zur Ernt vnd wuͤrdig zum verbrennen.

18.

Am Sontage Septuageſ.
MEin Arbeit iſt gering / ich kan nicht viel gewinnen /
Gott muß durch ſich / was mir ſoll / ohne mich mir guͤnnen:
Doch wil ich auch nicht gar am Marckte muͤſſig ſtehn
Golt ich in Gottes Berg / gleich mit den letzten gehn.

19.

Am Sontage Sexageſ.
UNs Aecker ſind jetzt nichts als Wege / Steine / Hecken:
Sorg / Abfall / Sicherheit wil vns wie gar erſtecken:
Gib Gott! daß Korn im Feld / in vns dein Wort bekleibe /
Daß wir theils haben Brot der Seele / theils dem Leibe.

20.

Am Sontage Quinquageſ. Eſto mihi.
WAs frag ich nach der Welt? Sie winckt / flucht oder draͤut /
Wann mein Mund Gottes Sohn rufft an / vnd ſie nicht
ſcheut;
Die Welt iſt willig blind / drum hilfft ſie keinem Blinden;
Jch aber ſuche Rath / wo Rath in Noth zu finden.
O v21. Am200Erſtes Tauſend

21.

Am Sontage Quadragefimæ oder Invocavit.
DAs Wort gehoͤrt zum Brot / vnd auch das Brot zum Worte /
Es kuͤm̃t vns beydes zu herab auß einem Orte;
Gott / der du beydes gibſt / wend ab deß Wortes Noth!
So mangelt vns auch nicht die Nothdurfft an dem Brot.

22.

Am Sontage Reminiſcere.
WEr iſt ſo ſtarck wie Gott? Der / der an jhn ſich reibet
Durch Zuverſicht / vnd ſtets an jhm behangen bleibet:
Der alles ſonſten zwingt / den zwingt ein ſolcher Geiſt
Der ſich auff Glauben nur vnd auff Geduld befleiſt.

23.

Am Sontage Oculi.
HErꝛ / ſollen wir dein Wort recht hoͤren vnd bewahren /
O ſo bewahr es auch fuͤr boͤſer Geiſter Schaaren
Als Feinden deines Reichs! erhalte was wir halten /
Laß nicht das Wort von vns vnd vns vom Worte ſpalten.

24.

Am Sontage Lætare.
GJbt mehr Gott als genug / auff daß vns nichts verterbe
So hebe man es auff vnd ſam̃l es in die Koͤrbe:
Gibt nicht Gott ſtets genug / ſo wil er diß doch geben /
Das / hat man ja nicht Brot / man kan von Brocken leben.

25.

Am Sontage Judica.
WEr / GOTT / dein Wort nicht hat / dem mag fuͤr ſterben
grauen;
Gott / der dein Wort nur hat / der wird den Tod nicht ſchauen /
Und der / der Glaub vnd Wort durch Steine meint zu faͤllen /
Dem wird ſein eigner Stein auff eignen Schedel prellen.
26. Am201Neundes Hundert.

26.

Am Palm-Sontage.
WJe daß der HErre Chriſt / den Eſel wil beſchreiten?
Und Groſſe dieſer Welt / wolln ſchoͤne Hengſte reiten?
Ein ſanfftes Thier gehoͤrt auff einen engen Steg /
Ein tummelhafftig Gaul / auff einen breiten Weg.

27.

Den erſten Oſter Feyertag.
KEin Creutz / kein Grab / kein Stein / kein Siegel vnd kein
Huͤtter
Wehrt / daß der HErre Chriſt nicht ſey ein ſiegend Ritter
Deß Teuffels / Suͤnd vnd Tod! drum bleibts auch noch da bey
Daß diß / was jhm gehoͤrt / jhm vnbenummen ſey.

28.

Ein andres.
DEr Tod deß Todes / hat dem Tode ſeine Todten
Vom Tode / durch den Tod genummen vnd geboten /
Daß du / O Tod / hinfort zwar heiſſen ſollſt der Tod /
Sollſt aber ſeyn ein Weg zum Leben hin mit Gott.

29.

Ein andres.
D vnſres Lebens Haupt iſt auß der Erden Staube
Jns Himmels Glantz erhoͤht / das ſtaͤrckt mich / daß ich
glaube
Daß dann zu ſeiner Zeit verguͤnnet wird dem Leibe
Daß / wo ſein Haupt verbleibt / auch er daſelbſt verbleibe.

30.

Den andren Oſter Feyertag.
DU ſtellſt dich fremd / O HErꝛ / als kuͤnteſtu nichts ſagen
Von dem / was ſich begibt bey vns vnd vnſren Tagen;
Drum oͤffn vns Schrifft vnd Hertz / auff daß wir ſevn bereit
Durch Leiden einzugehn in deine Herꝛligkeit.
31. Den202Erſtes Tauſend

31.

Den dritten Oſter Feyertag.
WJr muͤſſen Haus vnd Hof auß Furcht vnd zittern ſchliſſen /
Man guͤnnt vns wenig Lufft vnd wil vns nirgend wiſſen;
Wann da wir kuͤnnen ſeyn / wo Chriſtus ſagen kan:
Mein Friede ſey mit euch! liegt ſonſten wenig dran.

32.

Am Sontage Quaſi modò geniti.
WEr ſeiner Suͤnden Schuld durch eignes Werck kan buͤſſen
Darff von Vergebung nichts in Chriſtus Namen wiſſen;
Ein ſolcher bringt es weit / er muß in Himmel ein
Dieweil er jhm kan ſelbſt ſein eigner Chriſtus ſeyn.

33.

Am Sontage Miſericord. Dom.
EJn guter Hirt iſt der / der ſeinen Leib vnd Leben
Von freyem Willen wil fuͤr ſeine Schafe geben:
Wer iſt nun aber der / der durch Gewalt vnd Liſt /
Zum Theil die Schafe ſchindt / zum Theil die Schafe friſt.

34.

Am Sontage Jubilate.
WAs Gott recht rechnet auß / was Gott wol miſſet abe
Steht nie ſo recht vnd wol / das Tadel nichts dran habe:
Dann Adams zartes Fleiſch / das nie nichts leiden wil /
Haͤlt klein / fuͤr groß; nennt kuͤrtz / lang; heiſſet wenig / viel.

35.

Am Sontage Cantate.
D Gott der Troͤſter ſtrafft / daß Gott der Straffer troͤſtet
Jſt beydes heilſam Ding: Wann vns das Creutze roͤſtet
So iſt Erfriſchung noth: Wann Gluͤck erhaͤlt den Mut
So iſt Erinnrung nuͤtz / vnd Zuͤchtigung ſehr gut.
36. Am203Neundes Hundert.

36.

Am Sontage Exaudi.
MAn thut vns in den Bann / man toͤdtet / man verjaget /
Und meint / man diene Gott jemehr / jemehr man plaget:
Ein blinder thut als blind / vnd der / der Gott nicht kennt
Der kan nicht anders thun / noch anders ſeyn genennt.

37.

Am erſten Pfingſt-Feyertage.
WEr ſeines Hertzens Haus wil hoch vnd wol vermieten /
Der darff es ſchmuͤcken nicht / der darff es feil nicht biten:
Er liebe Gott / er thu was ſein Wort in ſich faſt
So wird die Gottheit ſelbſt ſein Hausgenoß vnd Gaſt.

38.

Ein andres.
DEr Geiſt von Gott / Gott ſelbſt / kum̃t wie ein ſtarcker Wind
Stuͤrtzt die die trotzig; labt die / die beaͤngſtet ſind:
Was denckt jhr dann die Sprew vnd denckt zu widerſtreben?
Was thut / wer Troſt nicht ſucht / wo Troſt doch wird gegeben.

39.

Ein andres.
WAs Gott der Heilge Geiſt in Mund auff Zungeleget
Soll frey geredet ſeyn / wiewols Gefahr erreget:
Sein Wort iſt Flamm vnd Glut / erleuchtet wer es acht
Verzehret wers verfolgt / verbrennet wers verlacht.

40.

Am andren Pfingſt-Feyertage.
GOtt hat ſich ſo der Welt in jhre Lieb ergeben
Daß nicht ſein Sohn / eh ſie nicht lebte / muſte leben:
Wie liebt die Welt dann Gott? Sie haſſt jhn vnd den Sohn /
Und der / der jhn noch liebt / hat Noth vnd Tod davon.
41. Am204Erſtes Tauſend

41.

Am dritten Pfingſt-Feyertage.
EJn Moͤrder vnd ein Dieb iſt der / der neue Thuͤren
Und nicht die alten ſucht die Schaf in Stall zu fuͤhren:
Wie nenn ich dann nun den / der fuͤr ſich ſelbſten kuͤm̃t
Und nicht wie Chriſtus wil / durch jhn die Thuͤre nim̃t.

42.

Am Sontage der H. Dreyfaltigkeit.
WEr new geboren wird durch Waſſer vnd den Geiſt /
Ob der ins Feuer darff / drein mancher jhn verweiſt?
Wen Chriſtus rechter Schweiß vnd koſtbar Blut beſprenget
Darff ſonſten keine Glut / die jhn befegt vnd ſenget.

43.

Am 1. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
WOfuͤr man dort nicht kan ein Troͤpfflein Waſſer kauffen /
Drauff leg ich hier nicht Muͤh vnd ſcharꝛ es nicht zu
hauffen:
Geld reimt ſich in die Welt; dort in Abrahams Schoß
Gilt mehr ein eitrich Schwer / als wol ein goͤldner Kloß.

44.

Am 2. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DEr Wirthiſt mild vnd gut / der Mangel liegt an Gaͤſten
Daß ſie nicht wollen fett in Luſt die Seele maͤſten:
Wen Acker / Ochſe / Weib / hier in der Welt macht ſaat /
Der ſchaw daß er nicht dort den duͤrren Mangel hat.

45.

Am 3. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DEr HErre Chriſt geht um mit Zoͤllnern vnd mit Suͤndern;
Der Phariſeer Art taug nicht zu Gottes Kindern:
Drum der ſich heilig duͤnckt vnd vns fuͤr Ketzer ſchilt /
Seh zu / daß Ketzerey fuͤr Heiligkeit nicht gilt.
46. Am205Neundes Hundert.

46.

Am 4. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DJe Kinder Gottes ſind / ſind wie jhr Vater guͤtig /
Die Satans Kinder ſind / ſind wie jhr Vater wuͤtig;
Weß Kinder ſind dann die / die auff ſo manche Pein
Beflieſſen / nur mit Luſt der Chriſten Hencker ſeyn.

47.

Am 5. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
WEr / wie die Welt wil / fiſcht / fiſcht liſtig in der Nacht;
Und wann er viel verbringt / ſo hat er nichts verbracht:
Wer dann / wie Gott wil / fiſcht / fiſcht redlich an dem Tage
Und faͤngt auch / daß ſein Schieff den Fiſchzug kaum ertrage.

48.

Am 6. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DJe mit vns halten Zorn / die zu vns Racha ſagen
Die wie die Narren vns vexiren / ſchlagen / jagen;
Die laſſe ſo man ſeyn / vnd habe nur Geduld /
Es trifft ſie ſchwer genug zu zahlen Gottes Schuld.

49.

Am 7. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
VOn alle dem das war / iſt nichts dann Mangel blieben
Jn dieſer wuͤſten Zeit! was ſoll mich diß betruͤben?
Jch weiß mir Rath bey dem / bey dem viel hundert Mann
Ein Brot / daß noch ein Korb bleibt uͤbrig / ſpeiſen kan.

50.

Am 8. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
ES ſchickt ſich nicht / daß der ein friedlich Schaͤflein heiſſet
Der raubet / mordet / wuͤrgt vnd um ſich reiſſet / beiſſet;
Der Peltz zwar deckt den Mann / macht aber keinen Mann /
Der Wolff bleibt Wolff / ob er ein Schafskleid gleich zeucht an.
51. Am206Erſtes Tauſend

51.

Am 9. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
GEld gilt vnd Geld iſt gut / wanns wol nur wird erworben
Und wird auch wol gebraucht; ein Dieb iſt / vnd vertorben /
Und hat deß HErren Gut verſchwendiſch vmgebracht /
Der Gottes Freund jhm nicht damit zu Freunden macht.

52.

Am 10. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
ES trachten jhrer viel vns moͤrdlich vmzubringen
Daß wir nicht jhrem Thun vnd jhres Sinnes Dingen
Verpflichtet ſind wie ſie; O dulde dich / das Ziel
Jſt nahe; Gott wird doch wol machen was er wil.

53.

Am 11. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
MEin faſten / mein kaſteyn / mein Zehnd - vnd Almos geben /
Und was noch mehr gehoͤrt zu einem fromen Leben /
Vermag ſo viel bey Gott mit nichten / als vermag
Ein Seuffzer um Genad vnd auff die Bruſt ein Schlag.

54.

Am 12. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DEr HErꝛ macht alles wol; er daͤmpffet vnſre Suͤnden
Jn dem ſich da vnd dort viel Plagen an vns finden:
Der HErꝛ macht alles wol; er pflegt in aller Pein /
Man flieh jhn nur drum an / auch wieder Artzt zu ſeyn.

55.

Am 13. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
VJel Moͤrder pflegen vns im Wandel zu vmgeben
Zu rauben Gut vnd Blut / zu rauben beydes Leben
Deß Samariters Wein vnd heilſam Oele macht /
Wiewol wir ſind verwund / daß wir nicht find verſchmacht.
56. Am207Neundes Hundert.

56.

Am 14. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
GOtt iſt ein guͤtig Gott / der zehnfach Huͤlffe ſendet
Eh einmal ſich der Menſch zu ſeinem Dancke wendet:
Doch ſchaw / daß dich nicht wo der Welt jhr Brauch bethoͤrt /
Daß / zehnmal wann du ruffſt / nicht einmal Gott dich hoͤrt.

57.

Am 15. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
HAt Gott mich ohne mich gebracht in dieſes Leben /
Wird Gott mir / was mir fehlt / mir ohne mich auch geben:
Ein Heyde ſorgt zu viel; ein Chriſt traut ſeinem Gott /
Der ſein Geſchoͤpff erhaͤlt in Gluͤck vnd auch in Noth.

58.

Am 16. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DEr zu dem Todten ſagt: Steh auff vnd lebe wieder!
Der kan auch ſagen dem der lebt: Geh leg dich nieder!
Was trotzet dann ein Menſch / der ſterblich iſt wie wir?
Es iſt nur um ein Wort / ſo iſt er mehr nicht hier.

59.

Am 17. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
OB gleich Beruff vnd Stand pflegt Sabath-Tag zu halten /
Soll dennoch ſtets ſein Amt das Chriſtenthum verwalten:
Den Laſtern iſt geſchafft zu halten Feyertag;
Der Tugend iſt vergunt zu wuͤrcken / wann ſie mag.

60.

Am 18. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
GOtt / ſollſtu mehr dann dich; wie dich / den Nechſten lieben:
Wann eine Liebe bleibt ſo ſind ſie beyde blieben:
Dann Gott vnd Nechſten ſind verknuͤpfft in eines Band /
Wer da ſich hat getrennt / der hat ſich dort getrant.
P61. Am208Erſtes Tauſend

61.

Am 19. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
WEr Kranckheit nicht ſo ſehr als jhren Urſprung heilet /
Ein ſolcher Artzt heilt wol / vnd heilet vnverweilet:
Wer nicht mit Suͤnden kaͤmpfft / vnd nur mit Kranckheit kaͤmpfft /
Der hat ſie mehr geſtaͤrckt vnd weniger gedaͤmpfft.

62.

Am 20. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DJe Welt hat Luſt fuͤr ſich! ſie hoͤhnet vnd beſtreitet
Der Hochzeit reine Luſt / die Gott der HErꝛ bereitet:
Die Welt mit jhrer Luſt iſt Gottes Luſt nicht werth;
Drum wird ſie / eh ſie meint / mit Schwerdt vnd Brand verzehrt.

63.

Am 21. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DEr Glaub iſt vielmal ſchwach / vnd ſehnet ſich nach Zeichen /
Und wil / was er nichtſiht / durch hoffen nicht erreichen:
Man Glaube nur dem Wort / man geh vnd mercke drauff /
Die Stunde welche hilfft / iſt ſchon in vollem Lauff.

64.

Am 22. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
ZEhn tauſend Pfund; ja wol! weit mehres ſind wir ſchuldig
Dem Schoͤpffer dieſer Welt; doch iſt er ſo geduldig
Und ſchenckt vns alles gar. Ein Schalck der dran nicht denckt /
Und ſeinen Mitknecht noch / um hundert Groſchen kraͤnckt.

65.

Am 23. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
ZWey Theil hat jeder Menſch / vnd jedes Theil ſein Leben;
Der Obrigkeit iſt hier der Leib zu Dienſt ergeben /
Die Seele bleibet Gott: Dort hat Gott beydes gar;
So hat dann jeder hier vnd dort was ſeine war.
66. Am209Neundes Hundert.

66.

Am 24. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
WAs darff ich Haab vnd Gut mit Aertzten gar verzehren?
Sie kraͤncken manchmal mehr / als ſie geſund gewehren;
Der Glaube macht geſund / nim̃t Gott die gantze Krafft /
Daß er vns ſpricht geſund vnd vollen Friede ſchafft.

67.

Am 25. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
MAn weiſt vns HErre Chriſt / in dieſer Zeiten Jammer
Bald da / bald dort herum zur Wuͤſten / zu der Kammer /
Als ſeyſtu dort vnd da; wir aber glaͤubens nicht /
Wir glauben aber feſt vnd hoffen dein Gericht.

68.

Am 26. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DJe Boͤcke nemen zu / die Schafe muͤſſen weichen /
Und auff den letzten Zug von jhrem ſtoſſen keichen:
Kum̃ / kum̃ HErꝛ Jeſu kum̃ / mach Ordnung / vnd theil ein
Die Schaf in deine Luſt / die Boͤck ins Teuffels Pein.

69.

Am 27. Sontage nach der H. Dreyfaltigkeit.
DJe Welt fault in ſich ſelbſt / vnd jhre Sitten ſtincken /
Jhr Haus ſteht auff dem Fall vnd hebt ſchon an zu ſincken:
Wo dich / HErꝛ Chriſt man kan im Glantz vnd Klarheit ſchauen /
Da iſt es gut zu ſeyn vnd Huͤtten auff zu bauen.

70.

Namen ohne Sache.
WAs hat doch wol fuͤr Staͤrcke
Ein Glauben ohne Wercke?
Wo zu ſind doch die Titel
Bey welchen keine Mittel.
P ij71. Heuti -210Erſtes Tauſend

71.

Heutige Welt-Kunſt.
ANders ſeyn / vnd anders ſcheinen:
Anders reden / anders meinen:
Alles loben / alles tragen /
Allen heucheln / ſtets behagen /
Allem Winde Segel geben:
Boͤs - vnd Guten dienſtbar leben:
Alles Thun vnd alles Tichten
Bloß auff eignen Nutzen richten;
Wer ſich deſſen wil befleiſſen
Kan Politiſch heuer heiſſen.

72.

Hofe-Gunſt.
Wer trew bey Hofe dient / verdient doch lauter Haß /
Wie ſo? Wem vielmal ſoll / fuͤr dieſem wird man blaß.

73.

Demut.
Vom niedren ſteigt man hoch / vom hohen ſteigt man nieder;
Wer nur in Demut ſteigt / ſteigt fuͤglich hin vnd wieder.

74.

Augen / Ohren / Mund.
Aug vnd Ohren ſind die Fenſter / vnd der Mund die Thuͤr ins
Haus;
Dieſe / wann ſie wol verwahret / geht nichts boͤſes ein vnd auß.

75.

Hofe-Regel. Non mihi ſit ſervus Medicus, Propheta, Sacerdos.
Fuͤrſten wollen keinen Diener / der da wil / daß
Tranck vnd Eſſen
Soll nach Ordnung vnd Vermoͤgen ſeyn getheilt
vnd abgemeſſen:
Fuͤrſten /211Neundes Hundert.
Fuͤrſten / wollen keinen Diener / der da wil voran verkuͤnden
Was auff jhr verkehrtes Weſen / fuͤr Verterben ſich wird finden:
Fuͤrſten / wollen keinen Diener / der da wil daß jhr Gewiſſen
Sich von allem arg Beginnen kehren ſoll zu ernſtem Buͤſſen.

76.

Von Orpheo vnd Eurydice.
Niemand um ein todtes Weib / faͤhrt zur Hoͤll in vnſren Jahren:
Aber um ein lebend Weib / wil zur Hoͤlle mancher fahren.

77.

Enderung deß Sinnes.
ES aͤndern ſich die Leut / es aͤndert ſich die Zeit;
Zum trauren dienet diß / zur Freude jenes Kleid:
Man aͤndre gleich den Pfeil / wann nur verbleibt das Ziel /
Wann dieſes wird erreicht / der Pfeil ſey wie er wil.

78.

Vorzug vnter Rechtsgelehrten vnd Aertzten.
Weil toͤdten fuͤr dem ſtehlen in Zehngeboten ſteht
Jſts recht daß dem Juriſten ein Artzt drum oben geht?

79.

Vorzug zwiſchen Laus vnd Floh.
DEr Vorſitz iſt den Laͤuſen / fuͤr Floͤhen wol erlaubt /
Die wie die Floͤh / im Buſem nicht wohnen / nur ums Haupt:
Schmarotzer / die bey Hofe Credentzen Fuͤrſtlich Gut
Sind fuͤr gemeinen Heuchlern befreyt zu groͤßrem Mut.

80.

Von Veits gehorſamen Weibe.
WAnn Veit ſchreyt in ſeiner Gicht /
O daß mich der Tod nicht hollt!
Kum̃t ſein treues Weib vnd ſpricht:
Lieber Mann / ja / was jhr wollt.
P iij81. Muͤſſig -212Erſtes Tauſend

81.

Muͤſſiggang.
Der faule Muͤſſiggang iſt / Venus, dein Agent.
Ein groſſes was du haſt / hat er dir zugewendt.

82.

Geſtorbene Redligkeit.
Man lobt die Redligkeit / ſiht aber keine nicht;
Die Todten iſt man auch zu loben noch verpflicht.

83.

Frantzoͤſiſche Kleidung.
DJener tragen in gemein jhrer Herren Lieverey;
Solls dann ſeyn daß Franckreich Herꝛ / Deutſchland aber
Diener ſey?
Freyes Deutſchland ſchaͤm dich doch dieſer ſchnoͤden Knechterey.

84.

Jedem gefallt das Seine.
Jedem Thoren reucht ſein Wuſt / wie die beſte Pomerantze;
Aber / Franckreich / dein Geruch ſchmeckt auch durch die Deutſche
Grantze.

85.

Hofe-Leute.
BEy Hofe haben die gemein den beſten Sold
Die ſonſten doch nichts thun / als freſſen nur vnd ſauffen;
Fuͤrwahr wer Seele ſoll / vnd ſoll Geſund verkauffen /
Dem iſt kein Silber nicht genug / vnd auch kein Gold.

86.

Auff Pappum vnd Zizam.
Pappus ſagt: Er ſey die Sonn / vnd Fraw Ziza ſey der Mon;
Wann der Mon nicht ſtets iſt voll / macht er eine Hoͤrner-Kron.
87. Von213Neundes Hundert.

87.

Von der Medæa.
Medæa hat vermocht / die Maͤnner jung zu kochen:
Was Weiber wuͤrden ſie / wann ſie noch lebte / ſuchen?

88.

Hand vnd Finger / ein Vorbild Bruͤderli - cher Einigkeit.
JEder Finger an der Hand
Hat ſein Maß vnd ſeinen Stand /
Jeder hilfft dem andren ein /
Keiner wil ſein eigen ſeyn:
Bruͤder / die deß Blutes Pflicht
Hat in einen Bund gericht /
Was dann wolln ſich dieſe zeihn
Wann ſie eigennuͤtzig ſeyn?
Wann ſie das gemeine Heil
Meſſen ab nach eignem Theil?
Wann ein jeder drauff nur denckt
Wie der ander ſey gekraͤnckt?
Wann der andre ſteigen wil
Hin auff dem der nieder fiel?
Wetten wil ich / daß jhr Thun
Gantz auff Mißgrieff wird beruhn.

89.

Auffrichtigkeit.
Wer wenig jrren wil / er thu gleich was er thu /
Der ſchweiffe weit nicht um / er geh gerade zu.
P iiij90. Neue -214Erſtes Tauſend

90.

Neuerung gefaͤhrlich.
Das boͤſe wol geſtellt laß ſtehen wie es ſteht /
Es iſt noch vngewiß wie neues abegeht.

91.

Beyſchlaff.
DEr bey einer Jungfer ſchlaͤft / iſt der Straffe werth geacht:
Aber der hat offtmals Lohn / der bey einer Jungfer wacht:
Jſt es billich? Ja; man frag eine Jungfer ſelbſt davon;
Gebt dem faulen ſpricht ſie: (hoͤrt!) Straffe; gebt dem wack -
ren Lohn.

92.

Geduld.
Geduld iſt zwar die Koſt / davon ſich Arme naͤhren;
Doch wird kein fetter Wanſt ſie ſehr davon beſchweren.

93.

Der Hencker vnd das Gewiſſen.
Den Hencker ſcheut faſt jederman / faſt niemand ſein Gewiſſen /
Da jener doch nur Augenſchuld; diß Hertzensſchuld macht
buͤſſen.

94.

Friede.
Fried iſt beſſer als das Recht /
Dann / das Recht iſt Friedens Knecht.

95.

Die Oſt-See / oder das Balthiſche Meer.
ALle Fluͤſſe gehn ins Meer /
Alle kummen dannen her:
Zwar / daß in die Oſten-See
Jſt gewiß die Oder geh /
Vngewiß215Neundes Hundert.
Vngewiß / daß jhre Flut
Vnſrer Oder kum̃t zu gut;
Oſt-See / vnſren Schmuck vnd Gold
Haſtu zwar vns weggehollt /
Aber / was du wieder bracht
Sey dir hier vnd dort gedacht.

96.

Sued / ein umgekehrter Gott. Deus.
D die Sueden heiſſen Goͤtter
Bleibt wol wahr; ſie machten Wetter
Vnd mit jhren Donnerkeilen
Kunten Deutſchland ſie zertheilen:
Goͤtter ſind ſie; nicht zum ſchuͤtzen
Aber kraͤfftig zum beſchnitzen:
Goͤtter ſind ſie; die die Chriſten
Wenig bauten / ſehr verwuͤſten:
Goͤtter ſind ſie; jhr berauben
Soll man noch fuͤr Wolthat glauben:
Goͤtter ſind ſie; jhre Plagen
Sollen ſeyn ein Liebe-ſchlagen:
Goͤtter ſind ſie; wahrem Gotte
Als zu Ehren / mehr zu Spotte.

97.

Der angehende Friede.
Die Waffen ſind verknuͤpfft in eine Friedens-Pflicht;
Die Schulden aber / noch die Steuer nimmer nicht.

98.

Genieß-Leute deß Friedens.
Wer wird / nun Friede wird / bey ſolcherley verwuͤſten
Zum erſten kummen auff? die Hencker vnd Juriſten.
P v99. Artz -216Erſtes Tauſend

99.

Artzney wider die Leichtfertigkeit.
Was fuͤr Wurtzel wird doch heilen / rauben / praſſen / huren /
balgen /
Da vns mit bey dieſen Jahren Krieg hat angeſteckt? Der
Galgen.

100.

Der Friede.
Wir haben Friede nun / was trug der Krieg vns ein?
Durch Krieg / was ohne Krieg / ſind wir / wir ſolten ſeyn.

Deß Erſten Tauſend Zehendes Hundert.

218Erſtes Tauſend

1.

Fremde Huͤlffe.
WAs fremde Huͤlffe ſey / das fuͤhlſtu / Land / allhier;
Die Huͤlffe halff jhr ſelbſt / das fremde ließ man dir.

2.

Grabmal einer redlichen Frauen.
FRemder / wilſtu Nachricht haben /
Wer fuͤr dir hier liegt begraben?
Ach! ein Schatz / den Sterbligkeit
Mir vergunte kurtze Zeit.
Eine Perle / von der Tugend:
Eine Roſe / von der Jugend:
Gold / von vngefaͤlſchter Trew:
Purpur / von der Scham vnd Schew:
Ein Chriſtall / von recht Beginnen:
Ein Smaragd / von keuſchen Sinnen:
Ein Rubin / von Ehe-Gunſt:
Ein Opal / von Hauſe-Kunſt:
Eine klare Weiber-Sonne;
Eine reiche Mannes-Wonne;
Ein verwahrter Wirthſchaffts-Zaun;
Jn Gefahr ein Wol-Vertraun;
Eine Hand im Nahrungs-Fleiſſe;
Eine Lufft im Sorgen-Schweiſſe;
Zucker / in der bittren Zeit;
Artzney / wider Harm vnd Leid;
Freundſchafft / in den hoͤchſten Noͤthen;
Beyſtand / gar biß an das toͤdten.
Lieber Leſer! O wie viel!
Mehr als ich bekennen wil /
Hat219Zehendes Hundert.
Hat man mir nach Gottes Willen
Muͤſſen / in das Grab verfuͤllen!
Steh vnd dencke weiter dran
Wie der Tod ſo arg gethan!
Fragt dich wer / was du geleſen
Der nicht bald dabey geweſen /
Sprich: Von hinnen nicht gar weit
Steht ein Sarckvoll Redligkeit.

3.

Weiber.
Wer ohne Weiber kuͤnte ſeyn / waͤr frey von vielerley Be -
ſchwerden:
Wer ohne Weiber wolte ſeyn / waͤr aber nicht viel nuͤtz auff Erden.

4.

Der Mann deß Weibes Haupt.
DEr Mann iſt ſeines Weibes Haupt;
Wer weiß ob Virna ſolches glaubt?
Sie ſpricht: Was ſolln zwey Haupter mir /
Jch waͤr ja ſonſt ein Wunderthier.

5.

Das Jahr 1649.
Gott / Der DV haſt gegoͤnnt / D WI er ſo haben koͤnnen
Von aVſſen gVte RVh; aCh gIb ſIe nVn Von Innen.

6.

Paten-Zettel.
Fuͤr Leid / Creutz / Noth vnd Tod / die dir / O liebes Kind /
Jn dieſer ſchnoͤden Welt zu dulden etwa ſind /
Jſt Jeſu Chriſti Blut dein aller-beſtes Heil;
Dadurch der Himmel dir verſchrieben iſt zu theil.
16. Unab -220Erſtes Tauſend

7.

Unableſchliche Schuld.
D Vaterlandes Heil
Vnd ſeines Weibes Theil /
Macht / daß ein jeder Mann
Nie gar bezahlen kan.

8.

An einen guten Freund.
ES bleibt noch jmmer ſo / daß vnſer beyder Gluͤcke /
O Freund / geſchwiſtert iſt. Deß Bettes kalte Luͤcke
Wozu mich vor / vnd dich hernach / deß Himmels Satz
Um Schuld verurtelt hat / iſt ein ergaͤntzter Platz
Bey mir zuvor / bey dir hernach. Was noch nicht gleiche
Das darff drey Viertel-Jahr / biß daß es diß erreiche
Worinnen ich geh vor. Der erſten Liebe Pfand
Kuͤſt dir noch deines / mir noch meines Theils die Hand;
Da ſind wir wieder gleich. Mich duͤnckt ich ſehe ſchone
Bey dir / vnd wuͤntſche ſo / vom ſuͤſſen Namen Sohne
Ein kuͤrmelnd Exemplar, darinnen dieſes ſteht /
Daß deſſen der es hat / ſein Namen nicht vergeht;
Dann ſind wir wieder gleich. Wil mehres was beſchliſſen
Das obre Regiment / das gleichlich zu geniſſen
Uns beyden ſtehe fuͤr; O Gott / ſo gib vns Theil
Am Friede dieſer Welt vnd an deß Himmels Heil.

9.

Auff Lindum.
LIndus ward in einem Glach / offt mit Worten angeſtochen /
Gleichwol aber hat er ſich / noch mit Wort noch That ge -
rochen:
Gieng zur Stuben endlich auß / als er wieder kam hinein
Sprach er: Jch hielt mit mir Rath / ob ich wolte boͤſe ſeyn.
10. Trun -221Zehendes Hundert.

10.

Trunckenheit.
Es ſaufft ſich voll fuͤr ſich kein vnvernuͤnfftig Thier;
O haͤtten ſie Vernunfft / ſie truͤncken auch wie wir.

11.

Ein Trunckener.
EJnen Greiner / einen Schreyer /
Einen Praler / einen Draͤuer /
Einen Buhler / einen Zaͤncker /
Einen Balger / einen Staͤncker /
Einen Herren / einen Narren /
Einen Richter / einen Pfarren /
Einen Doctor, einen Simpel /
Einen Witzel / einen Guͤmpel /
Einen Taͤntzer / einen Singer /
Einen Schlaͤfer / einen Springer /
Einen Moͤrder / einen Stehler /
Einen Waͤſcher / einen Hoͤler /
Einen Luͤgner / einen Trieger /
Einen Schmeichler / einen Ruͤger /
Einen Flucher / einen Beter;
Aller Laſter einen Thaͤter
Hat in dem man zu erkennen /
Den man kan verſoffen nennen.

12.

Auff Udum.
ALs Udus Morgens gieng herfuͤr
Stand dieſer Spruch an ſeiner Thuͤr:
Es ſteht diß Haus in Gottes Hand
Verſoffen iſts / vnd nicht verbrant.
13. Auff222Erſtes Tauſend

13.

Auff Cordicunnum.
EJn jnnerliches Weib / ein aͤuſſerlicher Mann
Jſt Cordicunnus; ey! obs wahr / obs ſeyn auch kan?
Jm Hertzen ſteht jhm ja / was Weibern vnten an.

14.

Adels-Feinde.
Was haſſet doch den Edelmann der Buͤrgersmann ſo viel?
Er neidet das / was er nicht iſt / vnd gerne werden wil.

15.

Krieges-Schaͤde.
Hat Land durch dieſen Krieg / hat Stadt mehr außgeſtanden?
Schaw wo der beſte Tiſch vnd groͤſte Schmuck verhanden.

16.

Nutz vnd Gewiñ.
WJe kum̃ts / daß Eigennutz jetzt mehr als Ehre gilt?
Die Welt ward durch den Krieg ein vnvernuͤnfftig Wild;
Daß ſonſten mehr nicht ſucht / als wie es ſich nur voͤllt.

17.

Schertz vnd Schimpff.
FLut / die nicht erſaͤufft / nur badet:
Schimpff vnd Schertz / der keinem ſchadet.
Glut / die waͤrmt vnd nicht verbrennet:
Zucht / die ruͤhret vnd nicht nennet;
Wer nicht dieſe mag erdulden
Gibt Verdacht von ſondren Schulden.

18.

Goͤttliche Rache.
MAn ſucht die Unterthanen / die bey der Krieges-Zeit
Verkrochen vnd verlauffen ſich haben weit vnd breit:
Die durch den Krieg getreten auß Gottes Eyd vnd Pflicht /
Solt er wol dieſe laſſen vnd eifrig forſchen nicht?
19. An223Zehendes Hundert.

19.

An eine Hertzogin zum Brieg.
Fuͤrſtin / der geht blind davon / der die Sonne ſihet an;
Der verzuͤckt / der Euren Sinn bey der Schoͤnheit ſehen kan.

20.

An eben J. F. G.
Eure Schoͤnheit iſt der Himmel / Eure Tugend iſt die Sonne /
Dannenher auff vnſre Laͤnder faͤllet Segen / Licht vnd Wonne.

21.

Deß Hofes Widerſchall.
BEy Hof iſt luſtig Leben / manch Spiel wird da verbracht
Mit zierlichen Perſonen / ein jeder ticht vnd tracht
Sich alſo zu geberden / daß ſeiner wird geacht. (Echo. ) gelacht.

22.

Nutz von groſſer Herren Freundſchafft.
GVt Trincken vnd gut Eſſen /
Deß Vnrechts gantz vergeſſen /
Sich ſelbſten nimmer ſchonen /
Nie dencken ans belohnen /
Diß ſind die eignen Gaben
Die Herren-Freunde haben.

23.

Von einem falſchen Freunde.
Du guter Freund biſt du: Der andre du / dein Freund;
Er aber / iſt nur er / ob er wie du gleich ſcheint.

24.

Draͤuungen.
EJn Fluß verraͤth durch rauſchen ſich / daß er ſehr tieff nicht
laufft /
Ein Bothe / daß er muͤde ſey / wann er ſehr ſchwitzt vnd ſchnaufft:
Wer allzuſehr mit Worten pocht / gibt leichtlich an den Tag /
Daß ſeine Lunge ziemlich viel / das Hertze nichts vermag.
Q25. Vom224Erſtes Tauſend

25.

Vom Pyaſto, dem Stam̃-Herren Liegnitzi - ſcher vnd Briegiſcher Fuͤrſten.
DEin Meth-Faß / O Piaſt / das jedem kunte fliſſen /
Gab dir die Polſche Kron: Dein Stam̃ pflegt zu beſuͤſſen
Noch jmmer vnſer Land mit Guͤt vnd Freundligkeit:
Kroͤnt dieſen nicht die Welt / ſo thuts die Ewigkeit.

26.

Auff Rappinum.
RAppinus ſchenckt dem Herren / was er jhm vor entwand;
Er nim̃t es mit der lincken / gibts mit der rechten Hand /
Drum / wird er treuer Diener / nicht ſchlimmer Dieb / genant.

27.

Wiedergeltung.
Fuͤr gut / nicht gutes geben; iſt eine boͤſe That:
Fuͤr boͤſes / boͤſes geben; iſt ein verkehrter Rath:
Fuͤr gutes / boͤſes geben; iſt ſchaͤndlicher Beginn:
Fuͤr gutes / gutes geben; gebuͤhret fromem Sinn:
Fuͤr boͤſes / gutes geben; iſt recht vnd wol gethan /
Dann dran wird ſo erkennet ein rechter Chriſten-Mann.

28.

Auff Zizam.
Ziza meint ſie ſey der Himmel / vnd die Buhler jhre Sterne:
Die der erſten Groͤſſe heiſſen / vnd Cometen, hat ſie gerne.

29.

Auff die alamodiſche Morinnam.
NAch der mode Reden fuͤhren /
Nach der mode Glieder ruͤhren /
Nach der mode Speiſe nemen /
Nach der mode Kleider bremen /
Nach der mode Zucht veruͤben /
Nach der mode Menſchen lieben /
Nach225Zehendes Hundert.
Nach der mode Gott verehren /
Wil Morinna alle lehren;
Ob ſie / moͤcht ich gerne wiſſen /
Nach der mode pflegt zu piſſen?

30.

Poeterey.
Was nuͤtzt Poeterey? Sie ſtiehlt die Zeit zu ſehr;
O ſchnoͤde Sorgum Pracht vnd Herꝛligkeit / noch mehr.

31.

Kennzeichen eines rechten Freundes.
F rey.
R edlich.
E hrlich.
V nverdroſſen.
N amhafft.
D emuͤtig.
EJn Freund der Freund ſeyn ſoll / ſoll ſeyn zugleiche frey
Daß ſagen er dir darff / was dir zu ſagen ſey:
Ein Freund der Freund ſeyn ſoll / der ſoll dich redlich meinen /
Soll innen ſeyn nicht ſo / vnd ſo von auſſen ſcheinen:
Ein Freund der Freund ſeyn ſoll / ſoll ehrlich ſeyn fuͤr ſich /
Damit er nicht zugleich beſchaͤme ſich vnd dich:
Ein Freund der Freund ſeyn ſoll / der ſoll ſeyn vnverdruſſen
Daß du habſt ſeiner ſo / wie deiner ſelbſt genuſſen:
Ein Freund der Freund ſeyn ſoll / ſoll namhafft gleichwol ſeyn /
Dann deines Freundes Ruhm / hilfft deinem Namen ein.
Ein Freund der Freund ſeyn ſoll / der ſoll der Demut pflegen
Und deinen Pfennig dir ſo hoch / wie ſeinen / legen.
Wer ſolchen Freund bekuͤm̃t / hat keinen ſchlechten Freund /
Er wird nicht viel gehabt / er wird nur offt vermeint.
Q ij32. Grab -226Erſtes Tauſend

32.

Grabmahl eines Toͤpffers.
DEr hier liegt / der war von Thon / machte nachmals ſelbſt
auß Thone
Viel Gefaͤſſe die man braucht / theils zu Ehren / theils zu Hohne:
Er auß Thon iſt wieder Thon / was auß Thon er macht iſt Thon;
Dieſer bleibt / er aber ſteigt zu der Herꝛligkeit davon.

33.

Grabmal eines Webers.
Ein Weber liegt allhier / ſein Faden iſt zerriſſen /
Weiß keinen Weber-Knopff / denſelbten außzubuͤſſen.

34.

An eine Briegiſche Fuͤrſtin.
Fuͤrſtin / da von Euch zu ſchreiben mir erkuͤhnte nechſt mein Sinn /
Als ſo him̃liſch Thun ich ſpuͤrte / fiel mein jrꝛdiſch Witz dahin.

35.

Leid vnd Freude.
JSt ein Boͤſer wo geſtorben?
Traure! dann er iſt vertorben:
Jſt ein Fromer wo verſchieden?
Frew dich! dann er iſt im Frieden.

36.

Gelt / durch Verſetzung / Legt.
Gelt legt nieder dem den Mut / der Geld darff vnd hat nicht
Geld:
Gelt legt nieder dem den Mut / der es hat vnd der es haͤlt.

37.

Welt auß nichts.
Kinder lieben jhre Muͤtter als die Vaͤter / noch ſo ſehr;
Drum liebt Welt das nichts die Mutter / auch als Gott den
Vater mehr
38. Von227Zehendes Hundert.

38.

Von deß Marci Toͤchtern.
SEyd luſtig / ſeyd luſtig / ſprach Marcus, jhr Kinder!
Seyd luſtig / wie ich euer Vater / nicht minder!
Ey Vater / ey wiſſet das beſte Gelaͤchter
Jſt / daß jhr vns Maͤnner gebt / ſprachen die Toͤchter.

39.

Auff Vitum.
MAn ſagt: Gibt Gott ein Kind
So gibt er auch ein Rind:
Veit gieng vnd kaufft ein Rind
Da warb ſein Weib ein Kind.

40.

Wer kennt ſein Gluͤcke.
So du wilſt gluͤcklich ſeyn / ſo bitte daß dir gibt
Gott ſelten was du wilſt / vnd dir zu ſehr beliebt.

41.

Liebe brennt.
Die Fiſche lieben auch; mag Waſſer-Liebe brennen?
Kein Fiſch bin ich / vnd ſie ſind ſtum̃; wer wils bekennen?

42.

Mißgeburt der Jungfrauen.
Mancher Jungenfraw gehts uͤbel; wann ſie jhr nam einen Mañ:
Mancher Jungfer geht es uͤbel / wann ſie keinen haben kan.

43.

Richter.
Jeder Richter heiſt gerecht / vnd auch vngerecht hinwieder;
Dem Gerecht / der obgeſiegt; Ungerecht dem / der liegt nieder.

44.

Hofe-Diener.
Deß Fuͤrſten Diener ſind alſo / wie ſie der Fuͤrſt wil haben;
Sie arten ſich nach ſeiner Art / ſind Affen ſeiner Gaben.
Q iij45. Hofe -228Erſtes Tauſend

45.

Hofe-Hunde.
HEuchler vnd Hunde belecken die Teller;
Jene / ſind Schmeichler; vnd dieſe / ſind Beller:
Dieſe / bewahren bey denen ſie zehren;
Jene / verzehren die / welche ſie naͤhren.

46.

Von der Polla.
CUpido zielte nechſt vnd meint es wuͤrde gluͤcken /
Auff Polla Hertze zu; ſie wandte ſich; im Ruͤcken
Beſtund der heiſſe Pfeil; das macht / daß ſichs begibt /
Daß nimmer nichts wird drauß / ſie liebe wen ſie liebt.

47.

Soldaten.
SOldate kuͤm̃t vom Sold; die außgeuͤbten Thaten
Die ſie auff freyer Straß in Hof vnd Haus veruͤbet
Verdienten ſchlechten Sold: Was noch ſich jetzt begibet
Bringt Sold / dadurch ſie ſind Galgaten vnd Radaten.

48.

Von der Pyrinna.
Pyrinna iſt ein Licht / ſie iſt ein theures Licht;
Ein Buhler / der nicht ſchenckt / dem brennt ſie leichtlich nicht.

49.

Finſternuͤß.
DJe Finſternuͤß iſt gut / weil ſie viel Suͤnden ſtillet;
Die Finſternuͤß iſt arg / weil ſie viel Suͤnden huͤllet:
Ein jedes Ding iſt gut / boͤs iſt ein jedes Ding
Nich fuͤr ſich ſelbſt / nach dem ein jeder mite gieng.

50.

Auff Vitum.
Veit iſt die kleine Welt; das meiſt in jhm iſt Meer
Von Waſſer kum̃t es nicht / vom Weine kum̃t es her.
51. Wein. 229Zehendes Hundert.

51.

Wein.
Wein / iſt der Erde Waſſer das Sonn im Stocke kocht /
Das mag ich; was im Faſſe waͤchſt / hab ich nie gemocht.

52.

Floͤhe.
WAnn / Jungfern / eure Floͤh / die jhr habt zu Haus-innen /
Was ſie gehoͤrt / geſehn / vermelden ſolten kuͤnnen /
Wie mancher fragte ſie / der Luſt zu freyen hat /
Eh als den beſten Freund / um einen treuen Rath.

53.

Trew im Topffe.
Durch freſſen vnd durch ſauffen kaufft mancher jhm die Trew;
Er ſchaw / daß nicht zu letzte ſie freſſen dann die Saw.

54.

Auff Pulchellam.
Es meide wie das Feuer / dich / der nicht brennen wil;
Wiewol das Feuer minder / dich aber noch ſo viel.

55.

Auff Pulchriprobam.
Dreyerley macht dich vergoͤttert; daß du biſt ſo wunder-ſchoͤn:
Und ſo wunder-keuſch: Daß beyde letzlich auch beyſammen ſtehn.

56.

Keuſchheit.
DJe Keuſchheit macht / daß Weiber werden
Zu klaren Engeln auff der Erden:
Doch iſt es ſo gar ſeltſam nie
Manch Lucifer ſteckt auch allhie.

57.

Die Hoͤlle.
Die Hoͤll iſt ſchwartz vnd kalt vnd brennet doch darinnen?
O nicht auff das! wie man entgeh / iſt drauff zu ſinnen.
Q iiij58. Der230Erſtes Tauſend

58.

Der Himmel.
Der Himmel iſt das Haus der reichen Ewigheit;
Noch liebt man doch ſo ſehr das Haus der Eitelkeit.

59.

Welt-Liebe.
Wie kindiſch iſt der Menſch! er ſehnt ſich daß er liege
Nicht dort ins Vaters Schoß / nur hier im Wuſt der Wiege.

60.

Auff Melampſychum.
DEr Himmel geuſt nicht leicht auff einen alle Gaben;
Daß derer dann ſo viel Melampſychus kan haben?
Durch Kirche / Schule / Hof / durch Rent - vnd Cantzeley
Land / Wirthſchafft / Rathhaus / Stadt / geht ſein verordnen frey.
Mich duͤnckt / (man mercke drauff) es wil mir alſo ſcheinen
Melampſychus ſein Weib vnd Kinder werden weinen.

61.

Ungeſtraffte Todſchlaͤge.
MAn weiß / wann Menſchen-Blut ein Artzt wil diſtilliren
Was fuͤr Geruch dabey wird ſeine Naſe ruͤhren:
Vergoſſen Menſchen-Blut nicht raͤchen / ſondern decken /
Was wird fuͤr Gottes Thron diß fuͤr Geruch erwecken?

62.

Auff Coquinum.
Freunde nicht von gutem Sinn / Freunde nur von gutem Magen
Darff Coquinus, dann er kan ſonſten nichts / als auff nur
tragen.

63.

Morgen - vnd Abend-Stern.
WEil die Venus Abend-Stern vnd auch Morgen-Stern
verbleibt /
Wie daß ſie die gantze Nacht jhre Wuͤrckung dann nicht treibt?
Alſo wird gefragt ein Mann / der ſich neulich hat beweibt.
64. Die231Zehendes Hundert.

64.

Die Schrifft.
Wann Tinte / Feder vnd Papier beſchlieſſen einen Rath
Veraͤndert offt die meiſte Welt den gantzen alten Stat.

65.

Mehr trauriges als luſtiges.
DEr Trogloditen See / wird dreymal ſuͤſſe taͤglich
Und herbe dreymal auch: Was in der Welt iſt klaͤglich
Kuͤm̃t jmmer eh vnd mehr / als das was lieblich heiſt /
Daß bittres dreymal ſich / eh einmal ſuͤſſes / weiſt.

66.

An einen Geiſtlichen Martinus Nentwieg. verſetzet Sey gut mit warnnen.
D HErren Schwerdt das ſchmeiſt / der Zorn deß HErren
brennet
Wir ſind ſchon um vnd um von ſeinem Heer berennet
Zur Rache ſchnoͤder That vnd vngezaͤhlter Schuld /
Die jhm mit Macht verwehrt / daß er vns nicht ſey hold.
O Zeit! O hohe Zeit! daß wir auff Knien liegen /
Daß wir die freche Stirn zur Erden abwerts biegen
Und bitten um verzeihn / vnd beichten rund vnd frey:
HErꝛ / dein erbarmen machts / daß nicht man gar nichts ſey!
Wer aber glaͤubt es wol? Daß Gott ſo zornen koͤnne?
Wer nim̃t jhm Gottes Grim̃ / vnd ſeine Schuld zu Sinne?
Zur Buß iſt alle Welt Stein-feſt jetzund gemacht /
Der Donner Sinai wird kaum ſo hoch geacht
Als wann ein thoͤnend Ertzt vom Hammer-Schlage ſchallet
Und ein gebrechlich Menſch mit ſeinen Fingern ſchnallet /
Was Gott laͤſt ſagen jetzt / was Gott vns ſchreiben ließ
Hat Gluͤcke / wann man denckt / es ſey vielleicht gewiß
Du werther Mann / dein Amt / dein Stand / muß druͤber
klagen
Die Muͤhe die dich druͤckt / die ſauren Moiſes - Plagen
Q vWas232Erſtes Tauſend
Was richten dieſe wol? Das / was die Sonne richt /
Wann Wachs ſie findet nicht / vnd hin auff Leimen ſticht;
Jhr Glantz bleibt aber rein: Dein Ruhm wird auch verbleiben /
Und Gott wird deinen Schweiß in ſein Regiſter ſchreiben.
Du ſagteſt was Gott wil / was Gott wil ſage noch /
Wer Gott vnd dir nicht folgt / der trage dann ſein Joch!
Mit warnnen warſtu gut ſey ferner gut mit warnnen /
So wirſtu dorte Glantz / vnd Segen hier / erarnen;
So ſchlechtlich gehts nicht ab / dem warnnen das ſo gut
Setzt manchen auß Gefahr in Gottes Hold vnd Hut.

67.

Wucherer.
Der Haſe ſetzet / naͤhrt / empfaͤngt / faſt eine Zeit:
Ein Geitzhals gibt / nim̃t / heiſcht / ein mehres als er leiht.

68.

Von einem fromen Manne.
Sind fuͤnffe nur noch from in Sodoma zu finden?
So biſt der erſte du / vnd ſtillſt deß Himmels zuͤnden.

69.

Gaſterey.
GEmaͤſſige Trachten /
Vermiedene Prachten /
Bekante Geſellen /
Beruͤhgliche Stellen /
Vertreuliche Schwaͤncke
Belieblich Getraͤncke;
Sind Stuͤcke / die Gaͤſte
Beſinden fuͤrs beſte.

70.

Deß Bileams Eſel.
WAnn Eſel ſich ſolten noch heute beklagen
Wie man ſie wil wieder Gebuͤhrnuͤſſe plagen /
So trete Schaf / Ochſe / Pferd / alles Vieh / bey
Und fuͤhrten auff Krieger ein maͤchtig Geſchrey.
71. Die233Zehendes Hundert.

71.

Die ſichtbare Kirche.
Wo viel hoh Augen ſind / wo viel von Pracht vnd Scheine:
Da iſt ja / meint die Welt / die ſichtbare Gemeine.

72.

An J. F. G. Hertzog Ludwigen zum Brieg. Ludewig / durch Theilung der Sylben / Lud ewig.
DEr redliche Piaſt / begabt mit fromer Guͤte /
Gerechtigkeit vnd Trew / lud alles Volcks Gemuͤte
Durch Wolthat jhm zur Gunſt / vnd trug die Polſche Kron /
(Vielmehr was ewig iſt / vnſterblich Lob /) davon.
Mein Hertzog folgt jhm nach; das erbliche Gebluͤte
Erweckt jhm Redligkeit / Gerechtigkeit vnd Guͤte
Nicht minder gegen vns: Nicht minder lud er ein
Dadurch / hier Fuͤrſtlich Lob / dort ewig benedeyn.

73.

Auff Malprobum.
MAlprobus iſt ein Schelm / vnd nam jhm eine Hure;
Ey recht / ſagt alles Volck / daß diß jhm widerfuhre!
Der Topff bekam alſo / wie ſchicklich / eine Stuͤrtze:
Geborgtes ward gezahlt; drum hat er keine Kuͤrtze.

74.

Von meinen Reimen.
MEin Reim iſt offt was frey; noch freyer iſt mein Mut /
Auff das was Laſterhafft / von deme was nicht gut:
Jch rede frey von dem / was Schande heiſt vnd bringt /
Vielleicht iſt wer / den Scham von Schanden abezwingt.

75.

Auff Mummium, ein Banckkind.
EJn wolbenamtes Volck ſind gleichwol Hurenkinder!
Bey Bauren heiſt man ſie zwar ſo nichts deſto minder /
Bey234Erſtes Tauſend
Bey Buͤrgern beſſer noch / Banckhart: Und im Geſchlechte
Der Edlen / Baſtarten: Und Beyſchlag auch Unaͤchte
Bey Fuͤrſt - vnd Koͤnigen. Mumm wil ſich zwar bekennen
Wohin man jmmer wil / wann Bauern jhn nicht nennen.

76.

Ein redlicher Mann.
Fuͤr einen guten Mann ſind alle Zeiten gut /
Weil niemals boͤſes er / vnd boͤſes jhm nichts thut;
Er fuͤhrt durch beydes Gluͤck nur jmmer einen Mut.

77.

Die Welt.
Wen Erde kan laben
Darff Himmel nicht haben.

78.

Auff Levulum einen Feder-Hans.
Du Voget / Levulus, wie daß du dich bewegeſt /
Du Vogel / wann man ſpricht? Da Federn du doch traͤgeſt.

79.

Von einer Frauen.
Kuͤſt mich Mann! ſagt eine Fraw / kuͤſt mich offt! ein eintzler
Kuß
Macht nichts auß / macht recht nicht ſatt / bringet Hunger / gibt
Verdruß.

80.

Unbeſtaͤndige Arbeit.
Wer nimmer nichts verbringt vnd dennoch viel faͤngt an
Wird in Gedancken reich; im Werck ein armer Mann.

81.

Auff den gluͤckſeligen Sutrinum.
Gluͤck hat zu ſeinem Kinde Sutrinum außgekieſt /
Und laͤſt jhm nichts nicht mangeln als das / was redlich iſt.
82. Auff235Zehendes Hundert.

82.

Auff Potinam.
Potina iſt friſch / frey / vnd ſonſt von guten Dingen /
Sie iſt vielleicht weit her? Man ſaget von [a] Fliſſingen
[a] Fliſſingen quaſi Fleſchingen.

83.

Von Caconio.
Caconius hat Schelmen / hat Diebe bey ſich her;
Drauß ſoll man nun erkennen / wie viel ſey beſſer Er.

84.

Ein ehrlich Weib.
Die Ehre ziert das Weib / ein ehrlich Weib den Mann;
Wer dieſen Schmuck bekuͤm̃t / ſeh keinen andren an.

85.

Eheweiber / verſetzt / Ehre bey We.
Daß We im Ehſtand iſt / weiß jeder viel zu ſchwaͤtzen;
Die Ehre bei dem We / kan alles Leid erſetzen.

86.

Leid-Troſt.
WJe gluͤcklich iſt doch der / der ſeines Kummers wuͤeen
Kan einem treuen Freund in ſeinen Buſen ſchuͤten!
O welch ein Gluͤck hat der / dem gar liegt in der Schoß
Ein Freund / dem ſich ein Mann kan kuͤhnlich geben bloß.

87.

Hofe-Heiligen.
Jſt vnſer Hof dann reformirt? Catholiſch iſt er auch!
Daß jeder einen Heilgen ſucht / iſt aller Hoͤfe Brauch.

88.

Wechſel aller Dinge.
AUff das aller-groͤſte Leiden
Folgen aller-groͤſte Freuden:
Auff die aller-groͤſten Freuden /
Folgt das aller-groͤſte Leiden.
89. Der236Erſtes Tauſend

89.

Der Welt Suͤſſe-bittres.
Welt gibt jhren Hochzeit-Gaͤſten erſtlich gerne guͤten Wein:
Und zu letzte ſauren Lauer / wann ſie nun bethoͤret ſeyn.

90.

Von Livido.
Lividus iſt toͤdlich kranck / wil er leben / ſoll er baden
Auß den Threnen / die er guß / uͤber eines andren Schaden.

91.

Wolluſt vnd Schmertz.
Das letzte von der Hitze / gibt Anfang auff den Froſt:
Den Anfang auff das trauren / das letzte von der Luſt.

92.

Stein-Huͤlffe.
Geſtern fuhr der Doctor weg / wie die Leute ſprechen /
Soll er in der Nachbarſchafft / (hoͤrt doch!) Steine brechen.

93.

Sorgen.
Bey wem bleibt Kummer gerne / zeucht auch am liebſten ein?
Bey denen die jhn warten vnd fleiſſig bey jhm ſeyn.

94.

Dreyerley lachen: Der Natur / der Thor - heit / vnd der Bosheit.
LAchrich / lacht ſo gern; iſt es dann natuͤrlich?
Lachrich / lacht ſo gern; iſt es wol haſirlich?
Lachrich / lacht ſo gern; was dann ſolls bedeuten?
Hoͤhniſch lacht er auß; alles Thun bey Leuten.

95.

Auff den Geitzhals Grunnum.
GRunnus iſt ein karger Filtz /
Hat doch einen milden Miltz;
Dann er dich / du Thaler-Sack /
Lachet an den gantzen Tag.
96. Gebete. 237Zehendes Hundert.

96.

Gebete.
Gott Vater / hoͤr mich beten! Gott Sohn / O lehre mich!
Gott Heilger Geiſt / hilff beten! ſo werd erhoͤret ich.

97.

Von der Spurca.
VOn jedem ließ ein eintzles fahren
Was an jhr Spurca hat zu paaren /
Wann jhr nur wuͤrde zugelaſſen
Mit zweyen Maͤnnern ſich zu faſſen.

98.

Luͤgen / vnd Luͤgen ſagen.
Ein Fromer / huͤtet ſich / daß leichtlich er nicht luͤge /
Ein Weiſer / daß er ſich mit Luͤgen nicht betriege.

99.

Auff Curioſum.
CUrioſus graͤmt ſich ſehr; was ein andrer hat zu leben /
Curioſus graͤmt ſich ſehr; was ein andrer hat zu geben /
Curioſus graͤmt ſich ſehr; was ein andrer fuͤhrt fuͤr Lehre /
Curioſus graͤmt ſich ſehr; was ein andrer hat fuͤr Ehre:
Curioſus graͤmt ſich nichts; hat nicht wol das Brot zu leben /
Curioſus graͤmt ſich nichts; hat viel Schuld vnd nichts zu
geben /
Curioſus graͤmt ſich nichts; glaubt von Gotte keine Lehre /
Curioſus graͤmt ſich nichts; hat viel Schmach vnd wenig Ehre.
Eignen Kummer ſchickt er fort / kan jhn nicht im Hauſe leiden:
Fremden Kummer haͤlt er an / kan jhn keine Stunde meiden.

100.

Von meinen Tauſend Reim-Spruͤchen.
BJßher gab mein Papier wol tauſenderley Sachen
Die dem der druͤber kuͤm̃t bald bringen Ernſt / bald Lachen;
Doch bitt ich den der kuͤm̃t / daß Ernſt vnd Lachen nicht /
Sey allemal mit Ernſt vnd Lachen bald gericht.

Druckfehler.

Die erſte Zahl bedeutet das Blat; die andre das Ge - tichte; die dritte / die Zeile.

An den Leſer.

  • 4. 24. Verkleinernde.
  • 6. 17. um.
  • 19. zu ſchaͤrffen.

Jm erſten Tauſend.

  • 3. 4. 23. hierum.
  • 26. Redligheit.
  • 4. 6. 19. rein verklaͤret.
  • 7. 15. 12. ſolchen.
  • 9. 23. 9. euch.
  • 11. 29. 4. ſitzt.
  • 22. 71. 5. nach.
  • 33. 18. 1. Fututillam.
  • 2. Fututilla.
  • 5. foz.
  • 34. 23. 1. Seyd gluͤcklich hier / diſting.
  • 36. 31. 5. acht.
  • 38. 40. 2. Statligheit.
  • 56. 29. 3. Tichter.
  • 57. 32. 6. Singen.
  • 59. 37. 13. wer.
  • 61. 45. 11. die.
  • 66. 67. 6. entwandt.
  • 69. 80. 22. Bauch.
  • 76. 1. 3. den.
  • 77. 6. 1. Faulinum.
  • 2. Faulinus.
  • 8. 3. andrer.
  • 80. 26. 1. Der Krieger.
  • 89. 67. 4. Nichts nicht / di -
  • 94. 95. 6. Ballen. [ſting.
  • 97. 3. 2. ſalzen.
  • 99. 13. 1. Cornulum.
  • 2. Cornulus.
  • 106. 47. 5. Den ſechſten.
  • 107. 49. 6. fehret.
  • 127. 42. 1. Bloſcum.
  • 3. Bloſcus.
  • 138. 96. 5. ſuͤſte.
  • 141. 7. 2. rothe.
  • 145. 28. 2. ſchlau.
  • 147. 37. 3. Kett.
  • 149. 46. 2. vns.
  • 156. 65. 4. verheeren.
  • 157. 68. 1. Hanne.
  • 169. 20. 25. denn.
  • 170. 23. 2. holln.
  • 171. 25. 16. Wind.
  • 173. 30. 4. Wildbraͤt.
  • 179. 61. 2. jmmer.
  • 180. 61. 27. der was
  • 181. 64. 4. denn.
  • 183. 69. 7. Redligheit.
  • 192. 99. 18. noch der
  • 202. 35. 4. erhebt.
  • 204. 42. 4. rother.
  • 210. 72. 3. viel man.
  • 214. 92. 3. ſich.
  • 215. 97. 3. aber noch / di - ſting v.
  • Das uͤbrige / vnd was an der Diſtinction verſehen / oder an der Rechtſchreibung nicht beachtet / wolle der vernuͤnfftige Le - ſer ſelbſt zu verbeſſern / vnverdruͤſſig ſeyn / auch dem gemei - nen Jrꝛthum etwas zu gute halten.

Salomons von Golaw Deutſcher Sinn-Gerichte Andres Tauſend.

Petr. Gregor. Tholoſ. d. Repub. lib. 17. cap. 5. v. 4. pag. 1173.

Die Poetiſche Rede hat dieſe Eigenſchafft / daß ſie mit wenigem viel beruͤhre vnd angebe / zu eines jedweden groͤſſeren Annemligkeit.

Martin. Anton. Delrius ad Syntag. Tra - gœd. Latin. in Præfat.

Zwar dieſe (naͤmlich die Wiſſenſchafft deſſen was von den Poeten weislich außgeſprochen worden) ſcheue ich mich nicht auch denen / welche die Heilige Schrifft ſtudiren / angenem zu machen: Fuͤrchte mich auch nicht / daß etliche / ſo anderer Meinung ſind / auff mich moͤchten vnwillig werden. Zwar / ſo ſie hieruͤber die Naſe ruͤmpffen vnd die Stirne runtzeln wolten / wil ich zwar ſehen wie ich jhnen entgehe: Jch wil jhnen aber ent - gegen ſetzen viel ſieghaffte Ritter auß jhrem eigenen Heer; nicht / daß es mir an guten Gruͤnden vnd Urſachen mangele / ſondern weil dieſe bey jenen / allemal viel zu gelten pflegen.

Worauff

Gemeldter Delrius Sechzehen / auß der alten Vaͤter Anzahl beniemet / welche theils die Poeten fleiſſig geleſen / theils ſelb - ſten außerleſene Poeten geweſen.

Schönb. Polit. lib. 3. cap. 43. pag. 357.

Die Poeſie hat eine groſſe Verwandſchafft mit anderen Wiſſenſchafften vnd Kuͤnſten / auch mit der Rechts-Lehre.

Deß Andren Tauſend Erſtes Hundert.

4Andres Tauſend

1.

Sparſamkeit.
WEr Geld vnd Gut denckt zu erlangen /
Muß erſtlich von dem Maul anfangen.

2.

Ein Geitziger.
Das / was in der Erde wurtzelt / nicht was gegen Himmel ſteigt
Friſt ein Maulwurff: Und der Geitzhals iſt zu gleicher Koſt
geneigt.

3.

Von den Steinen der Pyrrhæ vnd Deucalionis.
DJe Pyrrha vnd jhr Mann geſtreut / was waren diß fuͤr
Steine?
Den Kießlingſtein warff ſie / vnd er / den Sandſtein / wie ich
meine;
Dann dieſer dient mehr zum Gebrauch vnd jener mehr zum
Scheine.

4.

Die Augen.
SOnn vnd Monden ſind die Augen an dem Coͤrper dieſer
Welt /
Der das ein auffs lichte richtet / vnd das ein auffs finſtre ſtellt:
Wann manch Menſch nur ſein Geſichte theils in ſich / theils auſ -
ſer ſich /
Wolte richten / wuͤrd er richten / ſo geſchwinde ſich als mich.

5.

Kopff-Straffe.
DJe Haare / ſind ein Wald / der einen Berg bedeckt;
Die Sinnen ſind das Wild / das drunter ſich verſteckt;
Die wuͤten manchmal ſo / daß dann ein Jaͤger kuͤm̃t
Der Wild / der Berg vnd Wald / auff einen Streich hinnim̃t.
6. Witwen -5Erſtes Hundert.

6.

Witwen-Troſt.
Meinen Mann hat Gott genummen / den er gab wie jhm beliebt;
Ey ich wil jhm wieder nemen / wo er mir noch einen gibt.

7.

Wiſſenſchafft.
Dem Fleiſſe wil ich ſeyn als wie ein Knecht verhafft /
Damit ich moͤge ſeyn ein Herꝛ der Wiſſenſchafft.

8.

Vergeben - vnd Vergeſſenheit.
Gedencken / lehrte Krieg; vnd Friede lehrt vergeſſen:
Was hier am leichſten ſey / iſt leichte zu ermeſſen.

9.

Hofe-GichtManus & Pedes; mi - niſtri. Nervi; reditus.
Unſer Hof hat ſolche Gicht / da von Haͤnden vnd
von Fuͤſſen
Sich die Nerven / nicht von Nerven Haͤnd vnd Fuͤſſe
leiden muͤſſen.

10.

Der Außgang.
Wol berathen / gut gerathen; macht den Rath geehrt vnd hold:
Wol berathen / mißgerathen; ſetzt den Rath doch auſſer Schuld.

11.

Schiffen.
AVff dem blauen Saltze reiten
Vnd ein hoͤltznes Pferd beſchreiten /
Laͤſt ſich thun; doch hats Bedencken
Daß mans nicht zu tieff darff traͤncken.

12.

Auffſtehen.
Steht man da auff / wann man hat jetzt zu ſitzen auffgehoͤrt?
Oder wann man zu dem ſtehn / ſich hat erſtlich auffempoͤrt?
A a iij13. Von6Andres Tauſend

13.

Von dem naſſen Jahre 1649.
WAs meint der Himmel doch mit ſo gehaͤufftem Regen?
Wil von deß Krieges Schmutz befleckte Welt er fegen?
Bedeut es wol hinfuͤr / viel Heil vnd reichen Segen?
Mich duͤnckt er traure ſo / vnd gieſſe milde Zehren /
Um das / was Sicherheit der Welt wil noch gewehren /
Die Friede brauchen wil / den Himmel zu gefaͤhren.

14.

Das Weib ſchweige.
Weiber-Lippen ſind geſchaffen
Mehr zum kuͤſſen als zum klaffen.

15.

Ein Kuß.
Die ſuͤſſe naͤſcherey / ein lieblich Muͤndlein-Kuß
Macht zwar niemanden fett / ſtillt aber viel Verdruß.

16.

Der Tod.
DEr Tod iſt vnſer Vater / von dem vns new empfaͤngt
Das Erdgrab vnſer Mutter / vnd vns in jhr vermengt;
Wann nun der Tag wird kummen / vnd da wird ſeyn die Zeit /
Gebiert vns dieſe Mutter / zur Welt der Ewigkeit.

17.

Jſts nicht gut / ſo wirds gut.
Boͤſe Leute moͤgen trotzen / frome Chriſten ſtille leben;
Schafes-Wolle kum̃t in Himmel; Wolffes-Locken nur daneben.

18.

Das Hertze.
GOtt gibt vns / an Leib vnd Seele / ſo viel Schaͤtze / ſo viel
Gaben;
Wil fuͤr Gaben / wil fuͤr Schaͤtze / bloß nur vnſer Hertzen haben:
Wir7Erſtes Hundert.
Wir zwar nemen Schaͤtz vnd Gaben / laſſen aber Schaͤtz vnd
Gaben
(Nicht der Schaͤtz vnd Gaben Geber /) vnſre gantze Hertzen
haben.

19.

Gefangene Keuſchheit.
Frome Weiber ſind / jhr Welſchen / gar vollauff bey euch ver -
handen;
Dann die Keuſchheit liegt verwahret ſtets in Schloͤſſern vnd in
Banden.

20.

An eine Fuͤrſtliche Perſon.
Fuͤrſtin / Eure Himmels-Gaben
Die Jhr habt / wie Euch ſie haben /
Sind verfaſt vnd ſpielen weit /
Durch das Gold der Froͤmigkeit.

21.

Uber einen Fuͤrſtlichen Namen.
WAnn den Namen Chriſtian / ich gleich hin vnd her verſetze /
Kum̃t mir nimmer doch nichts rauß / das ich deme gleiche
ſchaͤtze
Was der Namen ſelbſten gibt; dann / ein wahres Chriſtenthum
Jſt dem Fuͤrſten / gar gewiß / nur der allerbeſte Ruhm.

22.

An ein andre Fuͤrſtliche Perſon.
Daß mit dem was Venus ſchenckte / nicht ſey alles gar gethan /
Zeigt die ſuͤſſe Zunge-Fuͤrſtin / vnd der ſcharffe Witz / noch an.

23.

Hofe-Lied.
D was gehet auff
Sauffet tapffer drauff;
A a iiijLeicht8Andres Tauſend
Leicht iſt zu gedencken
Magen muß man traͤncken;
Wo da iſt ein Fuͤrſt /
Jſt auch wer / den duͤrſt.

24.

Junger Rath.
Bey Hofe gilt der junge Rath / als wie ein junger Wein;
Wiewol er Darmgicht gerne bringt / noch geht er lieblich ein.

25.

Witwen-Klage.
WJe ſoll ich armes Weib / mein Ding recht greiffen an?
Ein Weib iſt doch ein Weib / ein Mann iſt doch ein Mann;
Und wo kein Mann nicht iſt / da kan es uͤbel-ſeyn
Daß ſich ſo tieff ein Weib / als Mann / kan laſſen ein.

26.

Spiegel-Gerichte.
Ein jeder lobet meinen Spruch / nur alte Maͤgde nicht;
Weil / daß jhr Schein jetzt tunckel ſey / mein Glas das Urthel
ſpricht.

27.

Nemen.
WAnn das Weib jhr einen Mann / wann der Mann ein
Weib jhm nim̃t?
Weil ſie beyde nemen ſo / wer dann iſt der was bekuͤm̃t?
Ey das Weib! dann die empfaͤngt / traͤget Buͤrden ohne Scheue /
Leget abe / kummet wieder / holet mehr / vnd traͤgt auffs neue.

28.

Gunſt fuͤr Recht.
Kein Corpus Juris darff man nicht
Wo Gunſt vnd Vngunſt Vrthel ſpricht.
29. Hofe -9Erſtes Hundert.

29.

Hofe-Worte.
COmplimenta ſind ein Wind / da ſich ein Chamæleon
Der von Lufft zu leben pflegt / machet voll vnd ſatt davon:
Hertzen / da nicht Witz daheim / haben an der Schmeichel-Luſt
Wie die Kinder an dem Brey / jhre Lieb vnd jhre Koſt.

30.

Hofe-Worte.
Wo die Complimenten ſind / mangelt was gewiß am Willen;
Sonſten doͤrfften Worte nicht / wañ nicht Mangel / was ervoͤllen.

31.

Rechts-Haͤndel.
WEr in Haͤndel ein ſich laͤſt; wer ſich einlaͤſt in ein Spiel;
Jeder muß hier ſetzen auff / welcher was gewinnen wil:
Doch geſchiehts daß mancher auch nichts gewinnt / vnd ſetzt doch
viel.

32.

Duͤrfftigkeit.
Ein Schade ſey ſo hoch er wil / iſt dem doch keiner gleich
Den dieſer hat / der nie nichts hat / dann der iſt ſelten reich.

33.

Ein boͤſer Zahler.
DEr mir funfftzig Guͤlden ſoll / waget zwantzig Guͤlden hin
Daß er meine Zahlung nur moͤchte laͤnger noch verziehn;
Schaut! wie iſt der gute Mann abgerichtet auff Gewin.

34.

Vergnuͤgligkeit.
GLuͤcke kan nie recht betriegen /
Wer jhm jmmer laͤſt genuͤgen /
Alles falle wie es wil
Das vergnuͤgen iſt ſein Ziel.
A a v35. Neidiſche. 10Andres Tauſend

35.

Neidiſche.
WJe ich eſſen ſoll vnd trincken / wie ich mich bekleiden ſoll /
Wie ich ſonſt mein Thun ſoll richten / ſind die Leute Kum -
mers voll:
Wann ich nicht zu trincken / eſſen / noch mich zu bekleiden haͤtte /
Sonſten auch gar viel nicht gilte / gilt es eine ſtarcke Wette /
Ob nur einer findlich waͤre / der nur einmal ſorgt um mich;
Jmmer duͤnckt mich wie auß Neide / nicht auß Gunſt / ſie kuͤm -
mern ſich.

36.

Poͤfel-Gerichte.
Wann ich alſo ſolte ſeyn / wie mich jeder haben wil /
Wuͤrd ich alſo ſeyn wie der / deſſen jeder lacht im Spiel.

37.

Schutz-Rede einer Jungfraw / uͤber die ſpielenden Augen.
JHr Schweſtern / lacht jhr nicht der alber-klugen Lappen /
Die Damen ſperren ein als wie in blinde Kappen
Und halten gar fuͤr ſchoͤn / wann vnſre ſchoͤnſte Zier
Der ſchoͤnen Augen Liecht / ſteht ſelten fuͤr der Thuͤr.
Ach denckt doch / denckt doch nach! durch finſtres ſauer ſehen
Jſt Liebe nie geſtifft / vnd nie kein Bund geſchehen;
Dann Damen ſteht es zu / daß jhrer Aeuglein Schein
Soll wie das Firmament frey zu beſchauen ſeyn
Von jedem der da wil. Was dienen vns die Strahlen
Der Sonne bey der Naͤcht? Wer lobt deß Kuͤnſtlers mahlen
Dafuͤr ein Umhang ſchwebt? Soll die / die lebt vnd lacht
Noch fuͤr der rechten Zeit deß ſterbens ſchwartze Nacht
Jhr ins Geſichte ziehn? Kans dann Natur auch leiden
Das ſo man ſchaͤnden ſoll / vnd ſoll zu brauchen meiden
Was ſie zu brauchen gab? Wer munter um ſich ſchaut
Der gibt von ſich an Tag / daß er jhm ſelbſten traut
Und gut Gewiſſen hat / das ſich fuͤr nichts entſetzet /
Und nicht zu fliehen denckt / dieweil es nicht verletzet;
Ein11Erſtes Hundert.
Ein Auge das nicht kan ein fremdes Auge ſehn
Weiß was geſchehen iſt / weiß was ſoll noch geſchehn
Das nicht zu ruͤhmen iſt. Nein! nein! ſoll dieſes gelten
Die aller beſte Kunſt zu tilgen vnd zu ſchelten /
Wodurch ſich Damen ſonſt fein ſpielen ein / mit Liſt /
Bezaubern einen Sinn der ſonſt noch hatte Friſt?
Das muß mit nichten ſeyn! der Augen klare Blicke
Sind vnſre ſtaͤrckſte Krafft / ſind vnſre Band vnd Stricke
Dadurch vns faͤllt ins Garn ein Wild / das vns gefaͤllt /
Und ſonſt zu vnſrer Gunſt ſich etwa fluͤchtig ſtellt.
Jetzt decken wir ſie zu / jetzt laſſen wir ſie ſchiſſen
Nach dem wir dieſen ſchnell vnd jenen langſam wiſſen /
Hier / brauchen wir den Sporn; dort / brauchen wir den Zaum;
Wir halten jenen an / vnd geben dieſem Raum.
So jener ſich was ſcheut / wil vns vnd jhm nicht trauen /
So oͤffnen wir das Licht durch freundlich gegen-ſchauen /
Erleuchten ſeinen Sinn / entzuͤnden jhm ein Heiß
Dadurch in jhm zerſchmeltzt der Zagheit kaltes Eiß:
Wer eifrig ſeiner Brunſt / halb wuͤtig nach wil hencken /
Muß blitzlich ſeinen Mut auff Ehrerbittung lencken /
Wann vnſrer Augen Glantz mit Wolcken uͤberzeucht /
Und fuͤr den goͤldnen Strahl ein finſter Unmut leucht.
Doch laſſen wir nicht gar in kalter Nacht jhn zagen /
Wir blicken einsmals auff / vnd laſſens wieder tagen /
Zwar ſo / ob das Geſicht ein kurtzes Schrecken gibt /
Er Anlaß dennoch nim̃t / daß er ſich mehr verliebt;
Durch Feuer vnd durch Eiß / durch fuͤrchten vnd durch hoffen
Hat Liebe Ziel vnd Zweck zum meiſten gluͤcklich troffen /
Hat aber dieſe Kunſt vnd dieſer Buhlers-Fund /
Den Augen bloß vertraut / vnd jhrer Art vergunt.
Durch dieſe Waffens-Macht / durch dieſe Liſt wir fangen
Und manchen Liebes-Knecht in vnſer Zelt erlangen /
Durch dieſes Meiſterſtuͤck iſt manches Gluͤck erwacht
Das ſonſten etwa noch / ſchlieff in der tieffſten Nacht.
Manch Schiffer hat gezoͤrnt wann truͤbe Wolcken-Decken
Jhm haben Cynoſur vnd Helice verſtecken
Und12Andres Tauſend
Und alſo ſeinen Lauff in Jrꝛthum wollen ziehn /
Daß er nicht kunte fort da / wo er wolte hin:
Jhr tapffren Cavaliers, die jhr in Lieb vnd Waffen
Zu leben euch begehrt / auch drinnen ein zu ſchlafen /
Ey maintenirt die Sach / vnd ſtuͤrmt eh alle Welt
Als braven Damen ſoll das Kunſt-Werck ſeyn gefaͤllt
Mit Augen / euch zu Troſt vnd Gunſt / nicht frey zu funckeln
Und eurer Liebe Fahrt ſo jrꝛſam zu vertunckeln!
Wir ſind ja darum da / auff daß jhr wiſſen kuͤnnt
Wo / wie / wann / euer Schiff den ſichren Anfuhrt findt?
Wem iſt die Fackel gut / die ſich nur ſelbſt verbrennet
Jn einer tieffen Grofft / dadurch niemand erkennet
Weg / Steig / Berg / oder Thal? Was nuͤtzet ein Geſicht /
Daß ſich nicht auff ſich ſelbſt / dem auch kein andrer nicht
Verlaſſen darff vnd traun? Nicht vns / ſind wir geboren
Auch nicht zur Einſamkeit / wir ſind dahin erkoren
Geſellſchafft einzugehn. Drum ſchaut nur friſch herum /
Jhr Augen / ob nicht bald an warme Seite kum̃
Der / der fuͤr vns geweiht vnd welchem wir gehoͤren!
Laſt euch das alte Lied vom ſchaͤmen nicht bethoͤren.
Ein gar zu bloͤdes Aug / als offtmals iſt geſchehn /
Hat das / was jhm geſollt / verſaumt / verſchaͤmt / verſehn.

38.

Schutz-Rede einer Jungfraw / uͤber die gaͤnge Zunge.
NEchſt ſagt ein alter Greiß: Jemehr die Jungfern ſchweigen /
Jemehr kuͤnn ohne Wort jhr Preis gen Himmel ſteigen /
Die ſtille frome Zucht / die Eingezogenheit /
Die Rede wann ſie ſchweigt / bring eitel Liebligkeit.
Schweig Vater! Alter ſchweig / von ſo verroſten Spruͤchen
Du wollſt dann ſeyn belohnt mit alamode - Fluͤchen!
Du haſt den Amadis / drauß wol man diſcurirt,
Nie oder nicht genng / geleſen vnd ſtudirt /
Drum gilt dein Kram nicht viel / die Ethic iſt vermodert
Die deiner Zeit gieng um / was mehres wird erfodert
Daß13Erſtes Hundert.
Daß Damen lieget ob: Nein / Ja / ich weiß es nicht /
Hat / wie fuͤr alter Zeit / diß Ding nicht außgericht.
Es muß was hoͤhers ſeyn daß Damen muͤſſen wiſſen
Wo ſie nicht wolln den Ruhm / der braven Damen miſſen /
Und Maͤgden gleiche ſeyn. Fuͤr Zeiten wars genug
Wann / was da gab die Kuh vnd was erwarb der Pflug /
Die Jungfern zahlten her: Die Junckern giengen ſeichte
Sie waren nicht weit her / vnd zu erreichen leichte /
Wanns hoͤflich wo gieng zu / ſo klang ein Reuters-Lied
Der gruͤne Tannenbaum vnd dann der Linde-Schmied.
Die Helden-Zeit iſt jetzt / jetzt herꝛſchen ſolche Sinnen /
Die nicht im Graſe gehn / die auff den hohen Zinnen
Der wuͤrde ſtehn voran / in denen Mut vnd Geiſt
Den Mund nichts als von Krieg / Sieg / Mannheit / reden heiſt /
Und dann von courtoiſic vnd ſuͤſſem caresſiren
Der Damen die es wehrt vnd ſie verobligiren
Zu dienſtlichem faveur, durch ſchoͤnen Unterhalt
Und lieblichen Diſcours: Die nicht ſind kahl vnd kalt
An Worten wie ums Maul: Die nicht wie ſtumme Goͤtzen
Sind in die Kirche nur / nicht an den Tiſch / zu ſetzen /
Und die man billich heiſt ein hoͤltznes Frauen-Bild
Das nur zum ſchauen taug / vnd nicht zum brauchen gilt.
Es hoͤrt Don Floriſel, der Helena befehlen;
Das Fraͤulein Sydera, hat Dienſt vnd Gunſt zu zehlen
Die jhr Don Rogel traͤgt: Und Oriana hat
Den tapffren Amadis vnd alle ſeine That
Zu vollem Brauch vnd Pflicht. Es laͤſt ſich uͤbel paaren
Die Erde zu der Lufft / dann die wil oben fahren
Und jene ſinckt in ſich: Drum geht es nach Gebuͤhr
Wann ſich zuſammen haͤlt / Madam vnd dann Monſieur,
Und gleiches gleiches ſucht. Die nur mit ſtummen Sitten
Und Siegel-feſtem Mund jhr Angeſicht erbitten
Wie Larven ohne Hirn: Die tuͤgen nicht hieher
Und jhres Bettes halb / bleibt billich kalt vnd leer.
Die Zunge muß es thun / ſoll wer die Purpur-Roſen
Deß Muͤndleins lachen an vnd jhnen Liebe-koſen /
Die14Andres Tauſend
Die Zunge muß es thun! ſie ſtreut die Blumen hin /
Drauß liebe Cavalliers die ſuͤſſen Kraͤffte ziehn
Zu jhrem Auffenthalt / ſie muß die ſuͤſſen Trauben
Die auff den Lippen ſtehn verbieten vnd erlauben
Nach dem es jeder wehrt. Soll ein ergetzlich Kuß
Seyn beſſer angewehrt / als auff deß Pabſtes Fuß /
So muß ein lieblich Wort / ſo muß ein freundlich kuͤrmeln
Bey ſuͤſſen ſchmaͤtzerlein / dem laͤcheln vnd dem muͤrmeln
Sich artig miſchen ein / wodurch der Liebſte merckt
Sein Thun ſey wol gethan / vnd ſeine Thurſt geſtaͤrckt:
Wer aber nicht geweiht deß Muͤndleins Liebe-ſpielen /
Deß Geiſtes Nectar - Safft zu niſſen vnd zu fuͤhlen /
Dem muß ſie ſchlieſſen zu / die Corallinen-Pfort /
Durch ein entſetzlich Pfuy! vnd durch ein bittres Wort.
Die Zunge muß es thun / ſolln Cavalliers erlernen
Diſcret er Damen Witz / ſolln ſie ſich nicht entfernen
Von jhrer Seite weg / ſo muß die Zung es thun;
Die macht den Helden Lufft vnd ein erquicklich ruhn /
Gibt jhnen neue Krafft / bringt ein verguntes raſten
Vom Eifer jhres Muts vnd jhrer Waffen Laſten /
Macht daß ein kuͤhnes Hertz um / auß der Dame Mund /
Ein angenemes Wort / ſich Thaten vnterſtund
Die biß an Himmel gehn; macht / daß auch kalte Sinnen
Zur Kuͤhnheit werden warm: Sie weiß gleich gut zu kuͤnnen
Tyrtæus muntre Kunſt / als wol ein Grichiſch Mann /
Der durch ein hitzig Lied auff ſeinen Feind entbran.
Die Zunge muß es thun vnd durch die Waffen dringen /
Ein Martialiſch Hertz hin in die Schrancken zwingen
Jdaliſcher Geſetz / vnd ſchaffen daß ſich buͤckt
Fuͤr einer Dame der / auff den / wann er nur blickt /
Sonſt tauſend Cavalliers genaues mercken geben
Und ſetzen wann er wil / in Tod jhr friſches Leben.
Die Zunge muß es thun / daß einer Dame Mund
Gekunt hat / was ein Schwerdt vnd Scepter hat gekunt.
Die Zunge hats gethan / daß niedriges Gebluͤte
Auff hohen Stuͤhlen ſitzt / vnd gehet in der Mitte /
Und15Erſtes Hundert.
Und faͤhrt mit Sechſen her / verachtet Fuͤrſten-Blut /
Und mangelt jhm ſonſt nichts / als daß es alles gut
Zu zehlen nicht vermag / daß theils durch bloſſes wincken
Sich findet uͤber Nacht / theils durch deß Degens blincken
Mit ſummen lauffet ein. Die Zunge hats gethan
Daß einer Dame Wort kan / was niemand nicht kan /
Daß ſie ſich edel kan / ſchoͤn / reich vnd ehrlich machen /
Ob ſie es vor nicht war / daß ſie in allen Sachen
Recht hat vnd recht behaͤlt / wiewol ſie vnrecht thut /
Und was ſie thut / gethan iſt loͤblich / herꝛlich / gut.

39.

Von einem Braͤutigam / Braut / vnd Pfarꝛ.
BRaut vnd Braͤutgam ward getraut / eh ein jedes nun
empfing
Jhrer Pflichten offnes Pfand / wie gebraͤuchlich / einen Ring /
Ward die Braut noch fertig eh / als damit der Braͤutgam war /
Dann der Ring war etwas eng / vnd der Finger dicke gar:
Tugendſame Jungfer Braut / haltet euer Zeichen an
Biß der Braͤutgam / ſprach der Pfarꝛ / ſeines fertig haben kan.

40.

Belohnung vnd Straffe.
EJnen Acker wol durchpfluͤgen / einen Acker wol betuͤngen
Macht / daß Unkraut muß verwelcken vnd das Land muß
Fruͤchte bringen:
Laſterhafftes Weſen ſtraffen / tugendhafftes Thun belohnen
Macht / daß Unheil auſſer Landes / inner Landes Heil muß
wohnen.

41.

Rache.
Ey ich wils jhm ein-noch reiben / dieſes Ding muß ſeyn gerochen!
Einer hat mich / ſpricht Peninna, ſpoͤttiſch vnlaͤngſt angeſtochen.
42. Be -16Andres Tauſend

42.

Beraubter Gemein-Kaſten.
D das allgemeine Heil
Keinen Abbruch darff erfahren /
Wil davon ein jeder Theil
Nemen vnd bey ſich bewahren.

43.

Wiſſenſchafft auß Bernhardo.
THeils ſucht man Wiſſenſchafft / nur bloß zu ſchlechtem wiſſen;
Und dieſes dient dahin den Fuͤrwitz nur zu buͤſſen:
Theils ſucht man Wiſſenſchafft / damit man ſey geehrt;
Und dieſes thun nur die / die Eitelkeit bethoͤrt:
Theils ſucht man Wiſſenſchafft / damit man was verdiene;
Und dieſes ſchlaͤgt nur auß zu ſchaͤndlichem Gewiene:
Theils ſucht man Wiſſenſchafft / dem Nechſten zum Genieß;
Und dieſes iſt ein Werck / das wahre Lieb vns hieß:
Theils ſucht man Wiſſenſchafft / ſich ſelbſten zu verſorgen;
Und diß dient / daß man ſo / nicht fremde Witz darff borgen.

44.

Ein reicher Geitzwanſt.
Verres iſt ein laſtbar Eſel / aber nicht ein reicher Mann /
Weil nur bloß zum Saͤcke trageu / Gluͤck jhn hat genummen an.

45.

Nutz.
Der ergreifft nicht leichtlich Gunſt / der da iſt im Seckel blind;
Weil die Gunſt trit meiſtens hin / wo Genieß vnd Vorthel ſind.

46.

Hurerey.
Juden hatten harte Hertzen / mochten drum viel Weiber nemen:
Was fuͤr hartes haben Chriſten / die viel Huren ſich bequemen.
47. Hurer. 17Erſtes Hundert.

47.

Hurer.
WEn man / wie man ſpricht / ergreifft auff einem fahlen
Pferde /
Der verdient daß ſeine Trew / gar ſchwartz geachtet werde:
Den man / wie gemein / ergreifft / auff einer falben Dame
Dieſen trifft (warum auch nicht?) ein tapffer [a] Kaͤyſers-Name.
[a] Von Carle dem Groſſen / ein tapffrer Kerle.

48.

Die goͤldene Zeit.
Jetzt iſt die goͤldne Zeit; wer jetzt kein Gold nicht hat /
Hat keine gute Zeit / vnd iſt jhm auch kein Rath.

49.

Vergleich / da man etwas behaͤlt vnd etwas nachlaͤſt.
Wann Mann vnd Weib ſich zanckt / iſt Suhne recht beſtellt /
Wann dieſer was raͤumt ein / hingegen ſie was haͤlt.

50.

Weiber-Herꝛſchafft.
Gehorchen ſollen Weiber / befehlen aber nicht
Wie reimt ſich / das Geſetze / wer vnten lieget / ſpricht?

51.

Auff Virnam.
Virna ſagt: Jhr Morgenſtern ſey jhr Mann; jhn anzublicken
Und jhm ins Geſicht zu ſehn / legt ſie ſich gern auff den Ruͤcken.

52.

Ein Welt-Mann.
Was heiſt politiſch ſeyn? Verdeckt im Strauche liegen /
Fein zierlich fuͤhren um / vnd hoͤflich dann betriegen.
B b53. Silber18Andres Tauſend

53.

Silber / der Monden.
Jſt das Silber auch ein Monden / wie Chimiſten etwa meinen /
Wie daß mir dann dieſer Monden nie wil an der Voͤlle ſcheinen?

54.

Gold / die Sonne.
Jſt das Gold ein andre Sonne / wie Chimiſten wil beduͤncken /
Wie daß ſie mir wie ein Winter / wil nur ſtets zur Seite blincken?

55.

Gute vnd Boͤſe.
Die Boͤſen / haben Himmel; die Guten / hier die Hoͤlle;
Gut! warte biß dort oben / da wechſelt man die Stelle.

56.

Friedens-Krieg.
DEr durch Waffen uͤberwunden
Hat noch lange nicht geſieget:
Friede-machen hat erfunden /
Daß der Sieger vnten lieget.

57.

Welt-Glauben.
TRew vnd Glauben iſt zerriſſen
Dran die Welt zuſammen hing /
Dieſes macht / daß ſo zu biſſen
Aller Laͤnder beſtes ging.

58.

Krieg.
Moiſes, kunte Staub vnd Aſchen von dem klaren Golde machen:
Krieg hat gar gemacht zu nichte / Gold vnd Gut vnd alle Sachen.
19. Tugend. 19Erſtes Hundert.

59.

Tugend hinter dem Gelde.
Das Reichthum / iſt die Fraw; die Tugend / iſt die Magd:
Der mit der Magd / der triffts / es fuͤr die Fraw gewagt.

60.

Redligkeit.
WEr ſchlaͤft der ſchnarcht wol offt / beiſt aber dennoch nicht;
Die Redligkeit verlacht / was jhr Verfolger ſpricht;
Ein Biedermann / ſteht ſtets; nicht lang / ein Boͤſewicht.

61.

Obrigkeit vnd Unterthanen.
Ob die Untren von den Obren / ob der Untren Obre wegen /
Fragſtu / ſind? Frag: Ob am Hirten / ohne Heerd iſt viel gelegen?

62.

Auff Rhombum.
Rhombus ſpielt im Frauenzimmer neulich um Diſcretion;
Jſt mir recht / ſie iſt verſpielt / daß nichts uͤbrig mehr davon.

63.

Auff Aërium.
Wer kennt Aërium, vnd wo ſein Haus er haͤlt?
Sein Haus hat keine Thuͤr / es iſt die gantze Welt.

64.

Auff Foratam.
Forata ſpricht / ich ſchlage den / der mich denckt zu kuͤſſen;
Was mehr? Sie hat kein Eiſen / ſie ſind ſchon abgeſchmiſſen.

65.

Auff Theanam.
Eine Goͤttin iſt Theana, wie die blinden Buhler duͤnckt;
Jmmer hin! iſts aber Goͤttlich / daß ſie wie die Boͤcke / ſtinckt?
B b ij66. Die20Andres Tauſend

66.

Die Gelegenheit Europæ.
EUropa, wie es liegt / ſiht einer Jungfer gleich;
Das Kleinod auff der Bruſt / iſt Czechus Koͤnigreich;
Nach dieſem grieff Mars erſt / vnd lernte rauben dran /
Daß mehr kein Kleinod ſie / gar kaum ein Hemd hat an.

67.

Abfuhre der Soldaten. Evacuatie.
DEntſchland ſoll jetzund purgiren
Vnd deß Krieges Wuſt abfuͤhren:
Wer doch glaubt / was dieſe Wuſt
Wol fuͤr Muͤh vnd Mittel koſt?
Wer hierzu nicht gab das Leben
Muß das andre Blut doch geben.

68.

Die Weiber.
Mag man Weiber Gaͤnſe nennen / da ſie doch nicht kuͤnnen
fliegen
Kan es ſeyn / theils wann ſie ſchnaddern / theils in Gaͤnſe-Federn
liegen.

69.

Die H. Schrifft.
Die Schrifft / die iſt ein Fluß / dadurch ein Elephant
Muß ſchwimmen / vnd ein Schaf geht ſicher an das Land.

70.

Neuerung.
Altes Ubel wol geſtellet / iſt nicht leichtlich auffzuruͤhren:
Neues wol / als altes Ubel / iſt viel aͤrger offt zu ſpuͤren.
71. Ein21Erſtes Hundert.

71.

Ein begnadeter Diener.
Gunſtart / dient ſo manches Jahr / hatt vnd hat doch keinen
Sold;
Ey wie vnrecht! O er nam / vnd bekam / was er gewolt.

72.

Auff Fuſcam.
FUſca iſt zwar maͤchtig ſchoͤn / pfleget aber fuͤrzunemen
Sachen / dir jhr ſchoͤnes Weiß / ziemlich ſchwaͤrtzen vnd be -
ſchaͤmen;
Schoͤner kum̃t ein ſchoͤnes Bild / wann es ſteht in ſchwartzen
Raͤmen.

73.

Die Buͤcher Moiſes.
Wie hat Moiſes kuͤnnen wiſſen / was von Anfang iſt geſchehn?
Wie er das was kuͤnfftig ware / deutlich hat voran geſehn.

74.

Das geſchriebene Wort.
DJe Schrifft die iſt ein Brieff von Gottes ernſtem Willen
Geſchrieben an die Welt / denſelben zu ervoͤllen;
Wie daß er liegen bleibt? Und niemand an jhn nim̃t?
Weil ſeinen Titul er / nach Willen nicht bekuͤm̃t.

75.

Goͤttliche Wunder-Wercke.
Daß die Welt auß nichts erſchaffen / wer nur dieſes glauben kan /
Wie er billich ſoll / wird zweiffeln nichts / was ſonſt die Schrifft
zeigt an.

76.

Brieg / verſetzt / Begir.
BRieg du warſt fuͤr allen Nimpffen
Die am Oderſtrome ſchimpffen
B b iijLange22Andres Tauſend
Lange Zeit her / fuͤr vnd fuͤr /
Aller Cavalliers Begir /
Alle liebten dein Vermuͤgen;
Keiner aber dein Vergnuͤgen.

77.

Geſetz vnd Evangelium.
Jſt Geſetz ein Spiegel glas / das die Suͤnde fuͤr vns bildt:
Jſt das Evangelion eine Decke / die es huͤllt.

78.

Die H. Schrifft.
DJe Schrifft / die iſt ein Licht / den Gang vns recht zu weiſen:
Die Schrifft / die iſt die Koſt / die Seele wol zu ſpeiſen:
Die Schrifft / die iſt das Kraut / Gebrechligkeit zu daͤmpffen:
Die Schrifft / die iſt das Schwerdt / die Feinde zu bekaͤmpffen:
Die Schrifft / die iſt die Salb / auff deß Gemuͤtes Wunden:
Die Schrifft / die iſt die Zucht / drinn ewig Heil wird funden.

79.

Die hoͤchſte Weißheit.
GOtt vnd ſich im Grunde kennen
Jſt die hoͤchſte Witz zu nennen:
Vielen iſt viel Witz gegeben
Dieſe ſelten noch daneben.

80.

Anzahl der Freunde.
Wer viel Freunde ruͤhmt zu haben / hat gewiß gar wenig Sinnen:
Alle Sinnen fehlen offters / einen Freund zu finden kuͤnnen.
81. Heuchel -23Erſtes Hundert.

81.

Heuchel-Leute: Falſche Leute.
LJeber Gott / was haſtu Affen? Die auß nichts wolln machen
viel?
Mancher traͤgt mir lauter haſſen / ſagt mir doch von vielem
lieben:
Lieber Gott / was haſtu Affen? Was geſagt / iſt alles blieben /
Weil man jetzt auß viel verheiſchen / wieder gar nichts / machen
wil.

82.

Poeterey mindert das Anſehen.
EY! ſo laß ich den nicht bleiben
Was ich ſchrieb noch mehr zu ſchreiben?
Erbarkeit hats bald verdroſſen
Wann ſie um ſoll gehn mit Poſſen:
Jſt mir recht Verdruß zu mindern
Kindeln Maͤnner offt mit Kindern:
Auch ſo bringt man ernſte Sachen
Fuͤglich an vnd ein / durch lachen.

83.

Die Erde wird bewegt.
Daß die Erde ſich bewegt vnd niemals nie ſtille ſtund
Mag wol ſeyn; was eckicht war / wird fort mehr ja alles rund.

84.

Langes Leben.
Langes Leben iſt ein Segen / der den Seinen gibet Gott
Jeder wuͤntſchet jhn zu haben / da er doch iſt voller Spot.

85.

Weiſes Mißtrauen.
EJn Ehren-loſes Weib das jedem wird zu Willen
Traͤgt ſelten eine Frucht / pflegt nur die Brunſt zu ſtillen:
B b iiijWer24Andres Tauſend
Wer aller Trew ſich traut vnd Glauben traͤgt ſo feil /
Gibt ſeinen Theil zwar auß / nim̃t aber keinen Theil.

86.

Der Menſch.
Neun Monden wird ein Menſch zum Leben zubereitet:
Darff einen Augenblick / der jhn zum Tode leitet.

87.

Muͤtterliche Liebe.
DJe Mutter traͤgt im Leibe / das Kind drey Viertel-Jahr:
Die Mutter traͤgt auff Armen / das Kind weils ſchwach
noch war:
Die Mutter traͤgt im Hertzen / die Kinder jmmerdar.

88.

Das Creutze.
Fleucht der Teuffel fuͤr dem Creutze? Wer iſt ſo der Teuffel nicht?
Weil von Truͤbſal vnd von Creutze jeder ſich ſo gern entbricht.

89.

Himmel vnd Erde.
DEr Mann / ſoll ſeyn der Himmel; das Weib / wil ſeyn die
Erde;
Daß Erde von dem Himmel umfangen jmmer werde /
Daß Erde von dem Himmel ſich ſtets gewaͤrmet wiſſe /
Daß Erde von dem Himmel den Einfluß ſtets geniſſe.

90.

Auff Vindam.
Liebet Vinda gleich friſch Brot / friſchen Tranck / friſch Fleiſch /
friſch Geld;
Jſt doch nur ein friſcher Mann / was am beſten jhr gefaͤllt.

91.

Der Plautiniſche Teller-Lecker.
MEine Mutter war der Hunger; ſeit ſie mich auß ſich gebe -
ren
Hat ſie ſich bey keinem Tage noch zur Zeit auß mir verloren.
Zwar25Erſtes Hundert.
Zwar zehn Monat trug ſie mich / vnd zehn Jahre trag ich ſie /
Keines hat fuͤr dieſe Laſt andrem noch gedancket je.
Jch war klein / da ſie mich truge / ſie iſt maͤchtig groß zu tragen /
Drum entſtunden jhr gar kleine / mir gar groſſe Kindes-Plagen /
Jch auch fuͤhle fort vnd fort groſſe Schmertzen / groſſes Weh
Doch vermerck ich daß ſo bald / ſie von mir nicht weg noch geh.

92.

Schlaͤge. Heidf. in Sphin. Co - roll.
EJne Glock vnd eine Nuß vnd ein Eſel vnd ein
Knecht
Thun nicht leichtlich ohne Schlag / was ſie ſollen jemals recht;
Jene ſchweiget / die verharꝛt: Jener ſteht / vnd dieſer liegt;
Wann das Eiſen vnd das Holtz jhnen recht wird angefuͤgt
Klinget jene / dieſe bricht: Jener geht vnd dieſer eilt;
Drum was jedem zugehoͤrt / ſey auch jedem zugetheilt.

93.

Schaͤdliche Ehe.
Wann ſich mit Gewalt / Unverſtand verfreyt.
Wird geboren drauß / tolle Wuͤtigkeit.

94.

Laͤſterer.
Wann ein Boͤſer Gute ſchmaͤht: Wann ein Kind den Wind
verblaͤſt
Gilt es gleich / ob vnten diß; jener oben / Athem laͤſt.

95.

Gottloſe Schwaͤlgerey.
Haͤuffig ſauffen Schweiß vnd Blut armer Chriſten-Leute /
Druͤber fuͤhren guten Mut / iſt gebraͤuchlich heute;
Was muß drinnen wol fuͤr Luſt / fuͤr Vergnuͤgen ſtecken?
Ey! zum Truncke dieſe Koſt pflegt / wie Saltz zu ſchmecken;
Weil auch dort der reiche Mann Waſſer nicht kan haben
Jſt es Zeit / daß hier voran guter Trunck mag laben.
B b v96. Be -26Andres Tauſend

96.

Betriegen.
MEnſchen ſind als Teuffel aͤrger / weil der Teuffel nirgend
ſchwur
Dann er weiß daß er ein Luͤgner vnd betrieglich jmmer fuhr:
Aber Menſchen ſchweren frechlich / wann ſie ſich gleich ſelbſten
fuͤhlen /
Dann ſie dencken durch das ſchweren zu gewinnen / wie durch
ſpielen.

97.

Eine Maultaſche.
Eine Maultaſch iſt ein Ding / zwar nicht ſchaͤdlich an dem Leben;
Auſſer / daß ſie dem Gehoͤr Abbruch wil vnd Nachtheil geben.

98.

Ruchloſigkeit.
Welt ſtellt ſich jetzt / als waͤr / kein Teuffel vnd kein Gott;
Ey warte biß dirs weiſt / der ſchwartze Gaſt / der Tod.

99.

Warheit.
Frome Leute klagen ſehr / daß die Warheit ſey verloren;
Suche wer ſie ſuchen wil / aber nicht in hohen Ohren.

100.

Glauben.
Luthriſch / Paͤbſtiſch vnd Calviniſch / dieſe Glauben alle drey
Sind verhanden; doch iſt Zweiffel / wo das Chriſtenthum dann
ſey.

Deß Erſten Tauſend Andres Hundert.

28Andres Tauſend

1.

Der Weg zu Gunſten.
WJlſtu / daß man dich bey vns wol verehr / vnd deiner dencke?
Stelle Gaſtereyen an / ſprich ſtets ja / vnd gib Geſchaͤncke.

2.

Geſundheit.
Geſundheit wil bey Armen / als Reichen / lieber ſtehn;
Wie ſo? Sie haſſet praſſen vnd ſtetes muͤſſig gehn.

3.

New-Jahrs-Wuntſch an Eine Fuͤrſtliche Perſon.
TReue Fuͤrſtin / vnſrer Welt
Jſt auffs neue zugeſtellt
Von der Sonn ein edler Ring
Wie ſie jedes Jahr empfing.
Ach! es wolle dieſem Ringe
Seyn verpflichtet diß Gedinge /
Daß erſteh zu ſichrem Pfande
Eurem Gluͤck vnd Segens-Stande;
So wie Jhr / Jhr Fuͤrſten-Gold
Haupt vnd Gliedern / Heil vnd Hold
Gabt durch den Vermaͤhlungs-Ring /
Den mein Printz von Euch empfing!
Krieg / weich ab vnd neme Scheue
Fuͤr deß Friedens fromer Treue!
Boͤſe Tuͤck vnd Triegligkeiten /
Lauffen fuͤr den Redligheiten!
Altes Arg / ſterb alles hin /
Neues Wol / blieb jmmer gruͤn!
Altes29Andres Hundert.
Altes Vnrecht / alter Drang /
Geh zur Hoͤlle ſchnellſten Gang!
Heldin / Euren tapffren Sinnen
Fehle nimmer kein Beginnen!
Eurem Willen muͤſſe lachen /
Was ſich ſonſt pflegt ernſt zn machen!
Eurem ſchaffen muͤſſe ſtehn /
Was von dannen ſonſt wil gehn!
Eurem wincken kumme her /
Was ſonſt blieben ſonſt wo waͤr!
Ach! daß Eure reine Schoͤne
Keine Schwachheit nie verhoͤhne!
Daß ſtets Eure Liebligkeiten
Opffer nemen von den Zeiten!
Daß ſtets Eure Froͤmigkeit
Sey ein Gifft fuͤr Haß vnd Neid!
Daß der vngefaͤlſchte Mut
Sey fuͤr Liſt vnd Vorthel gut!
Was Euch ſonſten iſt beſcheiden
Von dem Himmel / muͤſſe neiden
Jeder / der auß ſchwartzer Tuͤcke
Nagt deß andren redlich Gluͤcke:
Froͤlich muſſen druͤber ſeyn
Die ſich lieſſen ſchreiben ein
Jn den Biedermannes Bund /
Da kein Dupelman nie ſtund!
Lange! lange muͤſſen laben
Meinen Herꝛſcher Eure Gaben!
Lange! lange muͤſt jhr leben
Dieſe Gaben außzugeben;
So30Andres Tauſend
So daß die gepaarte Trew
Jmmer bleibe friſch vnd new!
Biß Piaſtus alter Baum
Wieder kumm in erſten Raum /
Daß er mit gevielten Zweigen
Muͤge biß zun Sternen ſteigen /
Daß er vnſer Land bebreite
Mit deß Schatens gruͤner Weite /
Daß der lechzend Vnterthan /
Drunter ſich erfriſchen kan /
Daß er kan von ſeiner Frucht
Nieſſen was er darff vnd ſucht!
Jch / ſo ich mich darff vermeſſen
Meiner ſelbſt nicht zu vergeſſen /
Wuͤntſche mir zu meinem Theile:
Daß mir jetzt vnd alle weile
Meine Herꝛſchafft traue zu /
Daß ich nimmer ſpar vnd ruh
Ohne Ruhm vnd ohne Schein
Treuer Vnterthan zu ſeyn.

4.

Triegereyen.
Krummes mag man wol verſtehn /
Krummes aber nicht begehn.

5.

Selbſt-Erkaͤntnuͤß.
Wilſtu fremde Fehler zaͤhlen / heb an deinen an zu zaͤhlen;
Jſt mir recht / dir wird die weile zu den fremden Fehlern fehlen.
6. Heu -31Andres Hundert.

6.

Heucheley.
Die Redligkeit iſt Gold; die Heucheley iſt Erde;
Zu ſuchen jen auß der / darff Kunſt vnd hat Gefaͤhrde.

7.

Verheurathete Weine.
LUſtig jhr Bruͤder vnd Ohmen deß Weines!
Hoffet was gutes vnd wartet ein kleines /
Schnaltzet vnd lecket mit luſtigen Zungen /
Unſere Weine die werden bald jungen!
Ungriſche / haben auß Maͤhren verſchrieben
Jtem auß Oeſterreich / Weine zum lieben;
Weil ſie nun taͤglich mit jhnen ſich paren /
Lieber was wird man nicht tauffen erfahren?

8.

Auff Novulam.
NOvula hat gar nicht gerne / was auch andre Weiber haben;
Daß ſie dann braucht noch die Naſe / ſam̃ der andren fin -
ſtren Gaben /
Dran ein jeder / auch ein Bauer / ſich gemeinlich pflegt zu laben.

9.

Kleider.
GEſundheit iſt der beſte Schmuck; den wirfft man uͤber
Hauffen
Durch Geilheit / Mutwill / Muͤſſiggang / durch freſſen vnd durch
ſauffen /
Und meint / es ſey dann außgericht / durch ſchoͤner Kleider kauffen.

10.

Auff eine vngenante Perſon.
ACh! mir iſt ein treuer Freund / von dem Gluͤcke zugewand /
Sagt ein Weib: Sein gantzes Hertz hab ich mir in meiner
Hand:
Dieſes hoͤrt ein andrer Freund / ſahe drauff / ſchwur ohne Danck /
Was er in der Hand geſehn / ſey kein Hertz / es ſey zu lang.
11. Ehebruch.32Andres Tauſend

11.

Ehebruch.
MAn haͤlt es fuͤr gewiß / daß jetzt Ehbrecherey
Bey vns ſo gar gemein vnd nur ein Poſſen ſey;
Was hilffts? Frantzoͤſich iſts / daß diß was war zerſtuͤckt
Bleib jmmer lieber ſo / als daß man es ſehr flickt.

12.

Frantzoͤſiſche Art.
D man Deutſchen hat fuͤr redlich allezeit zuvor gehalten /
Und Frantzoſen fuͤr was leichte / findet man bey vielen
Alten:
Aber jetzt ſolls ſtraͤflich ſeyn / wann man nicht nach Redligkeit
Sondern nach der leichten Art richtet Sinn / Geberd vnd Kleid.

13.

Menſchen ſind Luͤgner.
D alle Menſchen Luͤgner ſeyn / iſt mit Beſcheid zu nemen;
Die Schrifft / die ſiht auff vnſre Zeit / da luͤgen heiſt be -
quemen;
Bequemen / heiſt Politiſch ſeyn; wer wil ſich deſſen ſchaͤmen.

14.

Fuͤrſten-Geſchencke.
Fuͤrſten-Gaben ſind wie Baͤche / ſtuͤrtzen jmmer gegen Thal /
Tꝛeffen ſo nur / wie ſie treffen / ohngefehr vnd ohne Wahl.

15.

Theilung wuͤſter Guͤter.
Da wir mehr nichts gantzes haben / wollen wir noch dennoch
theilen;
Wollen lieber neue ſchneiden / als die alten Wunden heilen.

16.

Auff Edonem.
Edo ſam̃let allen Schatz / was er zu vnd ein kan tragen /
Unter ein gedupelt Schloß / vnter Bauch vnd inner Magen.
17. Auff33Andres Hundert.

17.

Auff Nigrum.
Als ſein Ohren auff den Marckt Niger ſchickte / kaufften ſie
Einen Titel: Daß kein Schelm aͤrger war als Niger je.

18.

Weiber-Zanck.
WEiber Haͤndel / die wie braͤuchlich / vnter jhnen ſtets entſtehn
Pflegen endlich auff ein ſagen vnd auff nichts mehr / auß -
Jene ſagte dieſes neulich / vnd es ſagte jenes die;
(zugehn
Dieſes hat ſie nicht geſaget / jene ſagte ſolches ni[e;]
Eine ſagte / das da ſagte dieſe / jene ſagte das /
Nein ſie ſagte / daß ſie ſagte dieſes nicht / nur ſonſten was:
O ich weiß wol was ſie ſagte / wil ſie / ſagt jhr / ſagen nicht
Was ſie ſagte / wil ich ſagen / was ſie ſagte frey ans Licht;
Ey ſie ſage was ich ſagte / eh ich ſagte ſagt ſie vor /
Sagt nur / daß ſie ſolle ſagen / was ſie mir ſagt in ein Ohr.
Dieſes ſagen wil nun wehren weil das Leder wehrt ums Maul /
Dann zum ſagen vnd zum plaudern ſind die Weiber ſelten faul.

19.

Schlecht vnd recht Pſal. 25. . 21.
Schlecht vnd recht behuͤte mich / Tuͤck vnd Vorthel aber nicht:
Folge du der Welt / vnd ich dem / was Gottes Geiſt hier ſpricht.

20.

Menſchliche Thorheit.
OFters denck lchdran vnd nach / was doch Menſchen ſind fuͤr
Thoren;
Die da wiſſen / daß die Welt durch den Tod wird gantz verloren /
Wagen dennoch alles drauff vnd ſich ſelbſten auch wol dran /
Daß ein jeder deſtomehr dergeſtalt verlieren kan.

21.

Undanck.
Treuer Thaten Nachklang
Jſt gemeinlich Vndanck.
C c22. Der34Andres Tauſend

22.

Der Welt Widerthon.
WAs iſts worauff jhr Ziel geſetzt hat alle Welt?
Befrag ein Echo drum; was ſagt ſie? Hoͤre! Geld.
Was iſt dann wol das Geld / das ſolche Liebe ſtifft?
Geh frag ein Echo drum / was ſagt ſie? Hoͤre! Gifft.
Ach ja! wer dieſe Gifft nim̃t vn beſunnen ein /
Wird ehſtes Seelen-arm vnd Sinnen-loſe ſeyn.

23.

Deß Menſchen Alter.
EJn Kind; vergiſt ſich ſelbſt: Ein Knabe; kennt ſich nicht:
Ein Juͤngling; acht ſich ſchlecht: Ein Mann; hat jmmer
Pflicht:
Ein Alter; nim̃t Verdruß: Ein Greiß; wird wieder Kind:
Was meinſtu / daß doch diß fuͤr Herꝛligkeiten ſind?

24.

Ein verſoffen Weib.
Ein Weib das gerne trinckt / ſpeyt vnverſehens auß
Jhr Ehr / jhr gut Geruͤcht / auch endlich Haab vnd Haus.

25.

Auff Cornutum.
COrnutus vnd ſein Freund / beſtehn auff einem Willen /
So / daß die wahre Pflicht der Freundſchafft ſie ervoͤllen
Ob jener liebt ſein Weib / liebt dieſer die nicht minder
Ob jener etwa denckt / denckt dieſer auch auff Kinder.

26.

Von der Frucht-bringenden vnd Frucht - tilgenden Geſellſchafft.
FRucht-tilgende Geſellſchafft / hat viel bißher vernichtet:
Frucht-bringende Geſellſchafft / hat viel bißher verrichtet:
Frucht-tilgende Geſellſchafft / nam Deutſchland manche Zier /
Frucht-bringende Geſellſchafft / gab derer viel herfuͤr:
Frucht -35Andres Hundert.
Frucht-tilgende Geſellſchafft / hat jhren Stoltz geleget /
Frucht-bringende Geſellſchafft / hat fernern Preis erreget:
Frucht-tilgende Geſellſchafft wird kuͤrtzlich mehr nicht ſeyn /
Frucht-bringende Geſellſchafft / vermehret ſtets den Schein:
Frucht-tilgende Geſellſchafft / war weing Deutſch geſinnet
Frucht-bringende Geſellſchafft / hat reiche Frucht geguͤnnet.
Jch mache mir Gedancken / daß Deutſchland jmmerdar /
Es tobe wer da wolle / wird bleiben was es war /
Jm Fall mit fremden Schanden / die Deutſchen Redligkeiten
Vielmehr mit Deutſchem Hertzen / wir beſſern / nicht beſtreiten.

27.

Das Neue Jahr.
ABermals ein Neues Jahr! jmmer noch die alte Noth!
O das alte kuͤm̃t von vns; vnd das neue / kuͤm̃t von Gott;
Gottes Guͤt iſt jmmer new / jmmer alt iſt vnſre Schuld /
Neue Rew verleih vns / HErꝛ / vnd beweis vns alte Hold.

28.

Das vergangene Jahr.
GOtt ſey Danck! das alte Jahr / iſts auffs neue nun ver -
ſtrichen /
Gott ſey Danck! viel arges Ding iſt mit ſolchem hingewichen /
HErꝛ / vergieß was wir gethan / das was du vns zugemeſſen
Wollen wir / wir warens werth / nimmer zehlen / gar vergeſſen;
Arges Thun bracht argen Lohn / was vns gutes wird geſchencket
Kam von deiner Guͤt / vnd iſt wuͤrdig / daß man dran gedencket.

29.

Buͤſſen.
AUff finſtres folget Licht / auff Naͤchte folgen Tage:
Wie kum̃ts / daß nimmer Ruh ſich finden wil auff Plage?
Wie kum̃ts / daß nimmer Rew ſich finden wil auff Suͤnden?
So wuͤrde ſich das Heil auff Straffe leichtlich finden.
C c ij30. Ver -36Andres Tauſend

30.

Vergangenes Ubel.
ES gieng gleich wie es gieng / doch hat was vns gegunt
Der Gott - vnd Menſchen-Feind / zu thun noch nie gekunt:
Es gieng gleich wie es gieng / noch gieng es alſo doch
Daß Gott noch ſteht bey vns vnd wir bey Gotte noch.

31.

Die Stunden.
Menſch vertraue keinen Stunden / weil ſie nimmer ſtille ſtunden
Du lauffſt mit vnd haſt dich blitzlich deinem End entgegen
funden.

32.

Ein fromer Edelmann.
MAg dann auch ein Rittersmann
Redlich / from vnd ehrbar ſeyn?
Duͤnckt mich doch / es ſteht ſchlecht an
Gibt auch einen Feigen Schein?
Ein Bericht iſt noth: Ob der /
Der ein Rittersmann ſonſt heiſt /
Bloß gehoͤr ins Teuffels Heer?
Dann / ſo hat ſichs ſelbſt geweiſt.

33.

Verſehung.
Jſt mein Erwelung wol / durch Gottes Schluß geſchehn?
Werd ichs nur nicht verſehn / ſo bin ich wol verſehn.

34.

Der Neid.
Die Ehr iſt wie ein Thurn / der Neid die Weterfahn /
Wanns auff die Spitze kuͤm̃t / ſo geht das wenden an.
35. Be -37Andres Hundert.

35.

Beharren.
DEr Ofen waͤrmt die Stube thut ſolches vnbereut
Ob gleich ein alte Mutter die Hinter-Stirn jhm beut:
Wer recht geht / gehe weiter vnd frage nichts darnach
Ob Haſſer oder Spoͤtter / braucht Liſt / Verleumdung / Schmach.

36.

Eigen-Liebe.
Buhler ſind gemeinlich Blinden / wer jhm ſelbſt buhlt der iſt
Blinder;
Dann der Buhler buhlt dem Buhler / buhlt vnd wird gebuhlt
nicht minder.

37.

Erkaͤntnuͤß Seiner.
DEr Schaten pflegt zu ſtehn / nach dem die Sonne ſteht /
Niemand iſt / wann ſie ſcheint / der ohne Schaten geht:
Niemand iſt / dem nicht was von Thorheit folgte bey /
Der / dem der Sinn iſt klar / der merckt wie groß ſie ſey.

38.

Vergaͤngliche Geſellſchafft.
EJn guter Freund / ein reiner Wein vnd dann ein klares Glas /
Die waren nechſt in ein bey mir; diß laß mir gelten was!
Hoͤr aber was geſchiehet drauff: Das klare Glas zerbricht
Der reine Wein verraucht / der Freund faͤllt ſchmertzlich in die
Gicht.

39.

Belohnungen.
Den Thaten alter Zeit / ſind jetzige nicht gleich;
O dieſer Zeit Vergelt / iſt nicht wie jener reich.

40.

Fleiß zur Tugend.
Der Tugend theure Wahr / wer was von dieſer haͤlt /
Der kauffe ſie nm Muͤh / ſonſt gilt kein ander Geld.
C c iij41. Grab -38Andres Tauſend

41.

Grabſchrifft einer Buhlerin.
Die hier liegt / iſt allen nichts / die vor allen alles war;
Jhrer Buhler groſſe Reih / iſt jetzund der Wuͤrmer Schaar.

42.

Ewiger Lentz / an eine Fuͤrſtliche Perſon.
HErꝛ / ob jetzt begraben liegt Luſt vnd Zierde der Natur /
Weil der graue Flockenmann druͤber fuͤhrt die raue Spur;
Gleichwol haben Euer Augen / Euer Mund vnd Eure Sinnen
Jmmer Frucht vnd jmmer Blumen / jmmer Labſal / zu gewinnen.
Dann deß Himmels reiches Gut / ward ſo guͤtig Euch vnd hold
Daß Euch in die Armen faͤllt Euer Fruͤhling / wann jhr wollt.

43.

Uber deß nackten Cupidinis Bildnuͤß / welchen ſeine Mutter zuͤchtiget.
WAs hat doch verbrochen der liebliche Knabe
Daß jhme ſo ernſtlich die Mutter ſtreicht abe?
Er hat ſich geſaumt daß gepaarten in Orden
So langſam Chlorindis iſt einverleibt worden.

44.

Uber ein Fuͤrſtliches Bildnuͤß.
Fuͤrſtin / wann nechſt Eurem Bild Eure Schoͤnheit ſtille ſteht
Bringt ſie leichtlich Jrꝛthum dem / der ſie zu verehren geht.

45.

Auff Mammoſam.
MAmmoſa hat den Berg Parnasus auff der Bruſt;
Dem der darauff entſchlieff / iſt mehr als mir bewuſt /
Was jhm vielleicht getraͤumt / was jhm fuͤr Regung kam /
Auch ob er ſeinen Weg zum Ritter-Bronnen nam /
Und was er da gewuͤrckt. Mich duͤnckt er / hat geticht /
Was auff drey Viertel-Jahr erſt kummen wird ans Licht.
46. Grab -39Andres Hundert.

46.

Grabſchrifft / einer Hure.
HJer liegt / die gerne lag /
Hat jmmer Nacht fuͤr Tag
Weil als der Tag die Nacht
Jhr mehr Belieben bracht.
Nur diß iſt jhr Beſchwer:
Die Armen ſind jhr leer;
Der Tod liegt jhr am Arm
Vnd macht jhr doch nicht warm
Die ſo geliebte Schoß
Deckt jetzt ein Erdenkloß.

47.

Der Menſchen Unbeſtaͤndigkeit.
SEin Eigenſchafft vnd Art bekam ein jedes Thier
Und wie ſie einmal war / ſo bleibt ſie fuͤr vnd fuͤr?
Der Loͤw / der bleibt behertzt; der Haſe / der bleibt ſchew;
Der Fuchs / der bleibet ſchlaw: der Hund / der bleibet trew:
Der Menſch nur wandelt ſich / vermummt ſich jmmerdar /
Jſt dieſe Stunde nicht der / der er jene war.
Was dient jhm dann Vernunfft? Sie hilfft dahin jhm ein
Daß er kan mit Vernunfft recht vnvernuͤnfftig ſeyn.

48.

Schweine.
Saͤw ſind Saͤw ſo weit ſie leben /
Machen Koth vnd freſſen Koth /
Wollen erſt / nach dem ſie todt /
Gute Wuͤrſt vnd Braten geben.
C c iiij49. Poe -40Andres Tauſend

49.

Poetinnen.
OB Weiber muͤgen Verſe ſchreiben?
Diß Ding zu fragen laſſe bleiben
Wer Sinnen hat: Dann / ſolten Sinnen
Nicht auch die Weiber brauchen kuͤnnen?

50.

Von meinen verlornen Reimen / oder Getichten.
NVn der Frieden uͤber Krieg
Endlich hat erkriegt den Sieg /
Pfleg ich gleichwol nachzudencken
Wie mich pflegte Krig zu kraͤncken.
Was er brachte fuͤr Beſchwer
Dient zu ſagen hier nicht her
Was in meiner Jugend Maͤyen
Von der Venus Kindeleyen
Jch gezeichnet auff Papier /
Dieſes auch entfuͤhrt er mir.
O / ich wolt jhm wol verzeihen
Wann bey dieſen Lappereyen
Die gepaͤchte krumme Hand
Ferner ſich haͤtt abgewand:
Aber! doch es wird nicht funden
Was die Woͤlffe vor verſchlunden!
Hat dir Mars nun was geweiſt /
Venus, wie ich dich gepreiſt /
So behalts / kan dichs vergnuͤgen:
Aber mir wils nimmer tuͤgen;
Was41Andres Hundert.
Was dem Mars kam in die Hand
Haͤlt den Fluch gantz vnverwand.

51.

Die Kunſt-Goͤttinnen ſind Weibs - perſonen.
Sind die keuſchen Caſtalinnen Frauen-Bilder / wie ſie ſind?
Ey ſo kuͤm̃t euch her von Weibern alles / was jhr Tichter kuͤnnt.

52.

Poetinnen.
Wann Weiber Reime ſchreiben / iſt dupelt jhre Zier /
Dann jhres Mundes Roſe bringt nichts als Roſen fuͤr.

53.

Vergunte Trunckenheit. Pſal. 23. . 5. 6.
Jch habe Luſt zu trincken bey dem / der voll ſchenckt ein
Barmhertzigkeit vnd Guͤte; da kan ich luſtig ſeyn.

54.

Die H. Schrifft / der beſte Schatz.
WO eine goͤldne Frucht / Heſperides, jetzt ſtehet
Wo wer Alcinous, in deinen Garten gehet
Wo Argo vnd ſein Held nach Gold in Colchos ſchifft /
Weiß keinen ich / der jetzt dahin die Wege trifft.
Was Pelops, Attalus, was Crœſus ſchwangre Kaſten
Von Golde / Geld vnd Gut fuͤr Zeiten in ſich faſten
Nuͤtzt nur ſo viel / daß der / der gar zu viel drauff denckt
Den Leib gemein an Baum / die Seel an Nagel henckt.
Deß Tagus reicher Sand / Pactolus goͤldnes fliſſen
Bringt mehres vns nicht ein / als daß davon wir wiſſen;
Was ſonſt die reiche Welt in jhrem Buſem haͤlt /
Jſt jrꝛdiſch-ſchweres Gut / kuͤm̃t / bleibt / geht mit der Welt.
C c vEin42Andres Tauſend
Ein jedes iſt doch Wind / Rauch / Schaten / Schlafond Traͤume /
Die Zeit reiſt alles hin / ſie leidet keine Zaͤume /
Was kummen war / das geht; was iſt / das bleibet nicht;
Der Abend / laͤugnet offt / was vor der Tag verſpricht.
Drum weg / nur jmmer weg mit dieſen Hoͤfligkeiten!
Mit dieſem armen Gut vnd dieſen runden Zeiten
Deß taumelnden Geluͤcks! nur weg du gelber Koth
Der alle Welt befleckt / erwecket alle Noth!
Was beßres iſt mir kund / war werthers iſt zu finden /
Darauff ſich meine Seel in Noͤthen ſtarck kan gruͤnden /
Dem alle Welt nicht gleicht / fuͤr dem was gilt nicht gilt /
Daß hier die Erd erhaͤlt / vnd dort den Himmel voͤllt.
Jch weiß den edlen Grund / ich weiß den theuren Garten
Jch weiß die goͤldne Frucht / ich weiß die reichen Fahrten /
Da / was man darff man hollt / ich weiß das ſchoͤne Geld
Das vnſren Leib fuͤr Noth / fuͤr Tod die Seel erhaͤlt.
Jch weiß daß friſche Quall / drauß goͤldne Stroͤme fliſſen /
Die vnſren Sinn vnd Hertz mit Freud vnd Troſt begiſſen:
Jch weiß das reine Gold / dem Zeit nicht ſchaden thut
Daß ſchmeltzen auch nicht wird deß letzten Tages Glut.
Dein Wort / dein Wort / O HErꝛ! gilt mir fuͤr alle Schaͤtzer
Dein Wort / HErꝛ / iſt das Gold damit ich mich ergetze:
Dein Wort / HErꝛ / iſt mein Gut drauff meine Seele traut /
Drauff ſich mein Mut geſetzt / drauff ſich mein Leben baut:
Daß ich der ich bin bin / vnd daß ich nachmals werde
Deß Lebens durch den Tod / deß Himmels von der Erde.
Macht alles / HErꝛ / dein Wort: Dein Wort vnd deine Hold
Deckt meine Maͤngel zu / vertilget meine Schuld:
Dein Wort iſt meine Krafft / ich darff nicht vnter liegen
Jch darff mich keinem Gluͤck an ſeine Fuͤſſe biegen:
Dein Wort / iſt meine Macht / Helm / Harniſch / Schwerdt vnd
Schild
Darwider Teuffel / Welt / Tod / Suͤnde / Fleiſch nicht gilt:
Dein Wort iſt meine Freud auch mitten in dem Leiden:
Dein Wort iſt auch mein Heil / wann Leib vnd Seele ſcheiden:
Dein Wort nim̃t mich der Welt / vnd bringt mich auß der Noth /
Schenckt mir die Ewigkeit gibt mir dich / dir mich / Gott.
55. Undanck.43Andres Hundert.

55.

Undanck.
Dem / der Undanck traͤgt davon / dieſem traw ich gerne zu /
Daß er redlich ſich verhaͤlt / vnd mit Treuen alles thu.

56.

Lob-Sprecher.
MEiſtens lobt man alle Fuͤrſten / wie ſie leben / weil ſie leben;
Sind es dann nicht Heucheleyen? Nein; es iſt gar recht
vnd eben
Daß man jhre Laſter theils / nicht verhaſter etwa macht /
Daß man fie erinnert theils / wo ſie ſonſt nicht drauff gedacht:
Alſo kan man dann die Pillen / die ſonſt bitter wollen ſchmecken /
Scheinlich machen vnd vergolden / vnd die Pflicht ins Lob ver -
ſtecken.

57.

Gerechtigkeit.
JN einer hat das Schwerdt / in andrer Hand die Schalen
Gerechtigkeit; dann ſo / ſiht man ſie meiſtens mahlen.
Wie ſo? Weil ſich zur Wag ein Schwacher gerne kehrt
Ein Starcker aber nicht / der gerne faſt das Schwerdt.

58.

Kleinmuͤtigkeit.
Hoch kuͤm̃t ſchwerlich der / der doch
Wenig achtet / wann er hoch

59.

Welt-Gunſt.
DJe Welt-Gunſt iſt ein See /
Darinnen vntergeh /
Was wichtig iſt vnd ſchwer:
Das leichte ſchwimmt daher.
60. Fuͤrſten44Andres Tauſend

60.

Fuͤrſten vnd Herren.
D Fuͤrſten Menſchen / ſind / als andre Menſchen / mehr /
Das glaubt gemeine Schaar gar willig vnd gar ſehr:
Es haͤlt gemeine Schaar ſie ſpoͤttlich wieder auch
Wann ſpoͤttlich ſie begehn gemeiner Leute Brauch.

61.

Obrigkeit vnd Unterthanen.
Beyde ſollen fuͤrchten recht Obrigkeit vnd Unterthan
Dieſer jen / vnd jene Gott; ſo geht jedes ſelne Bahn.

62.

Leibes-Groͤſſe.
Als ſich Saul der lange Koͤnig / ſo nicht hielte wie er ſolte /
Thaͤt der kurtze Koͤnig David beſſer / was der Hoͤchſte wolte.

63.

Ein Koͤnig vnd Tyrann.
David war ein fromer Hirte: Nimrod ein gewaltſam Jaͤger:
Fuͤrſten ſollen ſeyn deß Volckes / nicht Zerſteuer / ſondern Haͤger.

64.

Ein perfecter Cavallier. 1. Sam. 16. . 18.
Ruͤſtig / ſtreitbar / auch verſtaͤndig / ſchoͤn / mit dem der HERR
auch iſt;
Wann ein ſolcher Held ſich findet / iſt er von Gott ſelbſt erkieſt.

65.

Zutrit bey hohen Hauptern.
Ohne Gaben ſoll man nie / hin fuͤr groſſe Herren ſtehen:
Ohne dancken ſoll man nie / weg von groſſen Herren gehen.

66.

Huren-Kinder.
Banckarte ſind tapffre Leute: Wannen kuͤm̃t doch dieſes her?
Weil ſie Lieb vnd gegen Liebe fleiſſig zeugt / nicht ohngefehr.
67. Der45Andres Hundert.

67.

Der Tugend-Lohn.
Durch die Ehr vnd reichen Lohn / kan die Tapffrigkeit erwachen:
Aber Ehr vnd reicher Lohn / kan die Tapffrigkeit nicht machen.

68.

Begierden.
Wann Begierd vnd nicht Vernunfft lieben wil / ſo liebt ſie wol /
Selten was ſie lieben mag / meiſtens was ſie haſſen ſol.

69.

Buͤcher vnd Kinder. Libri & Liberi.
WAnn Prieſter verſterben
Was findt ſich zu erben?
Viel Buͤcher / viel Kinder
Gar ſelten viel Rinder.

70.

An einen guten Freund / uͤber dem Abſchiede ſeiner Liebſten.
FReund / da jeder ſich jetzt freut / daß mit dieſes Winters
Froͤſteu
Auch deß langen Krieges Eiß werde ſchmeltzen / vnd den Luͤſten
Nechſten Fruͤhlings / ſich die Zier auch deß Friedens miſchen ein;
O ſo ſeh ich dein Geſicht truͤbe / blaß / naß / kraͤncklich ſeyn.
Wolte Gott! noch dir noch mir waͤr die Urſach alſo kuͤndig;
Mir zwar iſt ſie in dem Sinn / aber dir / dir iſt ſie fuͤndig
Wo du hin gehſt / ſihſt vnd ſtehſt / was du denckeſt / was du thuſt
Druͤber mangelt leider dir deine Friedens-Fruͤhlings-Luſt.
Deine Frieden-Fruͤhlings-Luſt hat deß Krieges raues ſtuͤrmen
Oſft geblaſt / doch nie geſtuͤrtzt: Aber ach! deß Grabes Wuͤrmen
Gab der Tod zum Opffer ſie; ohngeacht das halbe Theil
Deiner dran verbunden hing / auch wol gar dein ſterblich Heil
Weder46Andres Tauſend
Weder Schatz / wie groß er ſey / iſt vns Maͤnnern ſo er -
ſprießlich:
Weder Freund / wie gut er ſey / iſt vns Maͤnnern ſo genißlich /
Als der vns in Armen ſchlieff; dann die angetreute Trew
Herꝛſchet uͤber Leid vnd Zeit / wird durch alt ſeyn jmmer new.
Wem iſt mehr als mir bewuſt / wie die Jugend eurer Liebe /
Erſtlich wuchs vnd weiter wuchs? Aller Grund worauff ſie
bliebe
War die Trew vnd Redligkeit; anders was das tauret nicht /
Was ſich auff vergaͤnglich Ding ſtuͤtzet / das verfaͤllt vnd bricht /
Was die Tugend baut / das ſteht. Wann ich dencke mehr zuruͤcke
Auff die nun verrauchte Zeit / auff mein mir begrabnes Gluͤcke /
Denck ich auch zugleiche fort auff der Freundſchafft Schweſter -
ſchafft
Drinnen dein vnd meine Luſt vnverbruͤchlich war verhafft /
Wie ſich dein vnd meine Lieb vnter ſich ſo lieblich liebten
Auch deß Blutes nahe Pflicht durch vertraute Sinnen uͤbten.
Als der Tod mein erſte Trew gleich verbarg in friſchen Sand /
Dennoch hat das liebe Menſch ein vertrautes Freundſchaffts
Band
Auff die Meinen vnverfaͤlſcht jmmer fort vnd fort erſtrecket /
Biß nun auch deß Todes Neid jhr das letzte Ziel geſtecket.
Sey geſichert treuer Freund / daß dem Augen nicht allein
Sondern mir vnd meinem Haus in Geſellſchafft waͤßrig ſeyn.
Welcher das gemeine Falſch / das die Welt fuͤr Witz verhandelt
Kennt vnd haſſt / dem wird ſein Hertz auff betruͤbten Mut ge -
wandelt /
Wann ein redlich-fromer Chriſt hin ſich ſichert in den Sarck /
Weil das From geſchwaͤcht dadurch vnd verſtaͤrcket wird das
Arg /
(des Beinen
Nun was hilffts? Es muß ſo ſeyn! in der Welt von Kin -
Hat man / daß der Menſch verſtarb / hoͤren klagen / ſehen weinen:
Nun ſie auff der Gruben geht / wird es anders wol nicht ſeyn /
Als daß jederman in jhr / ſie auch kuͤrtzlich ſelbſt / geht ein.
Ey gar gut! was duͤnckt vns wol / wann wir ſtetig ſolten
leben
Solten ſtets der Teuffeley dieſer Welt ſeyn vntergeben?
Nemen47Andres Hundert.
Nemen wir noch eine Welt vnd beſtuͤnden noch einmal /
Was bißher vns dreiſſig Jahr zehlten zu an Noth vnd Qual?
Jn der Welt ſey was da wil / find ich doch nichts beßres drinnen
Als daß fromes Bieder-Volck / ſelig endlich ſterben kuͤnnen;
Deſtomehr / weil nun die Welt wie ein kindiſch-alter Greiß
Beiſſig / garſtig / ſatſam wird / bloß auch nur zu nuſeln weiß.
Weiche Gott vnd rechtem Sinn / werther Freund / vnd dich
zuſammen
Sey zu ſam̃len nur bemuͤht! was dir Gott zu deinem Stammen
Vor an lieben Kindern gab / wie daß er ſie wieder nam?
Daß die Mutter / wuſt er wol / jhnen bald hernacher kam.
Auch den Sohn / der eher ſtarb / eh er anfing hier zu leben /
Der mit finſtrer Nacht beringt ſich zum Grabe vor gegeben
Eh er ſich aus Licht begab / hieß der HERR gehn nahe vor
Daß die Mutter er ſagt an oben in der Engel Chor:
Weil nun Gott die Mutter nam / O ſo wird ſich noch wol zeigen
Wo ſich Gottes weiſer Rath / dir zum beſten / hin wird neigen.
Deine Friedens-Fruͤhlings-Luſt hat deß Todes Tuch ver -
huͤllet:
Aber ſind wir wol gewiß / daß ſich gaͤntzlich ſetzt vnd ſtillt
Alles Unfalls zornig Meer ob ſich Fried im Fruͤhling ſinde?
O wer iſt der dieſes glaubt? Wer es glaubt der wird zum Kinde:
Welt wird jmmer bleiben Welt / iſt deß boͤſen ſo gewohnt
Daß ſie dem der nicht wie ſie raſet / ſpoͤttiſch abelohnt.
Gibt der HERR den Frieden gleich / O es wil mich jmmer
duͤncken /
Wie ich noch ſeh ſeinen Arm außgeſtrecket / vns zu wincken /
Weil ſo ſieher wir / verſtockt / ja ſo wenig danckbar ſeyn!
Wiſſen wir / was wir von Brot kuͤnfftig werden ſam̃len ein?
Weil der Himmel faſt ein Jahr ſo gar reichlich wollen weinen:
Wiſſen wir ob Menſch vnd Vieh ſich wird ſicher kuͤnnen freyen
Fuͤr der Seuchen ſchneller Gifft? O wer weiß was ſonſt fuͤr Joch
Uns der Unfall vnverſehns ſonſten wo kan ſchnitzen noch?
Weil der Teuffel nun forthin wird vom kriegen muͤſſig werden /
Wird er ſonſt gar wirtlich ſeyn vns zu kochen viel Beſchwerden.
Was die Welt ſchaͤtzt alſo gut / daß man Haab vnd Gut erwirbt
Lieber wem iſt dieſes gut? O durch welchen man vertirbt
Dieſem48Andres Tauſend
Dieſem lohnt man miete noch: Wie die Honig-Meiſterinnen /
Wie das Wollen-Traͤger-Volck / was ſie ſam̃len ſam̃len kuͤnnen
Jhnen ſelbſt nicht: So auch wir / muͤſſen laſſen machen Preiß
Druͤber auff dem Maule lag / auch wie Waſſer man goß Schweiß.
Drum ſo bleibt nur dieſes gut: Wen der Tod hat wegge -
nummen
Dieſer iſt geſtorben nicht / dieſer iſt zum Leben kummen;
Dann / hier iſt der ſichre Port aller Unvergaͤngligkeit
Dann / hier iſt die feſte Burg aller ſtoltzen Sicherheit.

71.

Großmut vnd Hochmut.
GRoßmut gilt vnd Hochmut nicht /
Jener / ſteht; vnd dieſer bricht /
Dieſer / pflegt ſich ſelbſt zu faͤllen
Jener / pflegt ſich hoch zu ſtellen /
Jener / ſchaffet was er wil
Dieſer / ſchaffet ſelten viel.

72.

Vermumte Tugend.
Manches Laſter thut ſo viel / als die Tugend manchmal thut;
Wer die Muͤntze recht nicht kennt / dem iſt jeder Groſchen gut.

73.

Thaͤtligkeit.
Wer nimmer nichts verſucht / der weiß nicht / was er kan;
Die Ubung wuͤrckt vns auß; Verſuch / der fuͤhrt vns an.

74.

Der Liebe Honigthum.
Die Buhler / ſind Bienen; die Jungfern / ſind Roſen;
Gedancken / ſind Honig / zum ſchmeicheln vnd koſen.
75. Eines49Andres Hundert.

75.

Eines Fuͤrſten Amt.
EJn Fuͤrſt iſt zwar ein Herꝛ: im Fall er herꝛſchet recht
So iſt er ſeinem Volck als wie ein treuer Knecht;
Er dient zu jhrem Heil / er muͤht ſich daß er ſchwitzt
Daß ſein vertrautes Volck gedieg - vnd ruhglich ſitzt:
Er wacht / damit ſein Volck ſein ſicher ſchlafen kan:
Er ſtellt ſich fuͤr den Rieß / nim̃t allen Anlauff an:
Jſt Nagel an der Wand / daran ein jeder henckt
Was jhn beſchwert vnd druͤckt / was peiniget / was draͤngt:
An Ehren iſt er Herꝛ / an Treuen iſt er Knecht;
Ein Herꝛ / ders anders meint / der meint es ſchwerlich recht.

76.

Gott dient allen / wer dient jhm.
GOtt ſchafft / erzeucht / traͤgt / ſpeiſt / traͤnckt / labt / ſtaͤrckt /
naͤhrt / erquickt /
Erhaͤlt / ſchenckt / ſorgt / beſchert / vermehrt / gewehret / ſchickt /
Liebt / ſchuͤtzt / bewahrt / erloͤſt / beſchattet / benedeyt
Schirmt / ſichret / fuͤhrt / regirt / errettet / hilfft / befreyt /
Erleuchtet / vnterweiſt / erfreut / ſterbt vnd erweckt /
So / daß ſich fort vnd fort ſein Heil auff vns erſtreckt;
Mit allem dienſtu / Gott / vns allen iſt auch wol
Der dir dient einer nur / vnd dient dir wie er ſol?

77.

Heuchler. Pſal. 58.
Heuchler thun mutwillig arg / ſind gantz frech zu frevlen Thaten;
Schweig! jhr Thun wird wie ein Kind / das nicht zeitig war /
gerathen.

78.

Ehrgeitz.
Kein Regiment iſt je ſo gut / das allen moͤchte tuͤgen
Regiren ſelbſt / das wil mehr / als regiret ſeyn / vergnuͤgen.
D d79. Fuͤrſten -50Andres Tauſend

79.

Fuͤrſten-Diener.
WAnn diener loͤblich rathen
So ſinds der Herren Thaten:
Wann Herren groͤßlich fehlen
Jſts Dienern zuzuzehlen.

80.

Fromer Herꝛ / ſchlimme Diener.
JSt gleich ein Herꝛ gerecht /
Jſt aber arg ſein Knecht /
So wird der Herꝛ doch vngerecht
Dieweil er hegt den argen Knecht.

81.

Ein Gnad-ſeliger Diener.
Fuͤrſten werffen offt auff einen / alle Sach vnd alle Gunſt;
Wann nun dieſer hat gefehlet / iſt Verbeſſerung umſonſt:
Alles kan verachten einer / einer kan nicht allem rathen /
Gut iſt / was viel Augen lobten; leicht iſt / was viel Haͤnde
thaten.

82.

Hoheit vnd Wuͤrde.
Worauff ſteigt doch ein Fuͤrſt / auff einen hohen Thron?
Was weltlich Thun betrifft / iſts Reputation.

83.

Anſehen.
DAs Anſehn wird geboren / erzogen vnd geſpeiſt
Wann / wie ſich jhm gebuͤhret / ein jeder ſich erweiſt:
Wann Kauffleut / Edelleute; vnd Pfaffen / Krieger ſpielen /
Wird Anſehn keinem kummen / weil ſie den Zweck verzielen.
84. Bosheit. 51Andres Hundert.

84.

Bosheit.
Die Bosheit die fuͤr ſich / in keinem Weſen ſteht /
Befleiſt ſich / daß ſie ſtets auff etwas gutes geht.

85.

Friede auff den Fruͤhling.
Man verhofft deß Friedens Luſt mit der nechſten Fruͤhlings-Luſt;
O daß wo nicht kumme drein etwa noch ein Maͤyen-Froſt.

86.

Der Oßnabrugiſche Friede.
Den Oßnabrug gebar der Fried / iſt wie ein Beer
Zu Nuͤrnberg formt man jhn vnd kehrt jhn hin vnd her.

87.

Der Deutſche Friede.
WAs koſtet vnſer Fried? O wie viel Zeit vnd Jahre!
Was koſtet vnſer Fried? O wie viel graue Haare!
Was koſtet vnſer Fried? O wie viel Stroͤme Blut!
Was koſtet vnſer Fried? O wie viel Tonnen Gut!
Ergetzt er auch dafuͤr vnd lohnt ſo viel veroͤden?
Ja; wem? Frag Echo drum̃; wem meint ſie wol? [Echo. ]
den Schweden.

88.

Der Leute Geſundheit / der Aertzte Kranckheit.
Wem ich ein geſundes Jahr wuͤntſche / weiß mir jeder Danck;
Nur der Doctor wil nicht dran / andrer friſch das iſt ſein
kranck.

89.

Das Mittel.
WAnn das beſte nicht zu haben / neme man fuͤr gut das gute /
Auch fuͤr lieb / iſt nicht ein tapffrer / dennoch mit deut fro -
men Mute:
D d ijWem52Andres Tauſend
Wem die Fluͤgel nicht gewachſen / kan die Wolcken nicht erreichen;
Wer nicht hat deß Adlers Augen / muß der Sonne Stralen
weichen.

90.

Ein Rath.
Wann ein Rath nicht kennt den Fuͤrſten / vnd der Fuͤrſte nicht
den Rath /
Raͤth ſichs uͤbel / folgt ſichs uͤbel / vnd der Rath hat keine That.

91.

Fuͤrſten - vnd Poͤfel-Regiment.
EJn gutes Fuͤrſten-Regiment gibt mehr - vnd beßres frey /
Als wo deß leichten Poͤfel-Volcks verwirꝛte Policey /
Die ſtets auff blindem Willen geht / uͤbt freche Tyranney.

92.

Auff den eigenſinnigen Witzel.
Witzel iſt der Buhler Paris; ſeine Meinung / Helena;
Dieſe liebt er / dieſe ſchaͤtzt er / ob gleich Krieg iſt druͤber da.

93.

Gegenwaͤrtiger vnd vergangener Zuſtand.
Gluͤcke kennt man nicht / drinne man geboren /
Gluͤcke kennt man erſt / wann man es verloren.

94.

Beyſpiele.
WJlſtu Fuͤrſten Regeln geben?
Gib der andren Fuͤrſten Leben:
Heb ſie uͤber Boͤs empor
Zeuch nicht jhnen Beßre vor.

95.

Verſuchen.
Wer hoch zu ſteigen denckt / kuͤm̃t der nicht auff die Spitze /
Kuͤm̃t doch durch ſteigen mehr er fort / als ob er ſitze.
96. Gewalt -53Andres Hundert.

96.

Gewaltſame Herꝛſchafft.
Wer durch Eiſen wird ein Herꝛ / muß ſich an das Eiſen halten /
Sonſten wird das Eiſen ſelbſt jhn nicht leichtlich laſſen alten.

97.

Auff Fuſcum.
BEy ſieden / kochen / braten
Wirbt Fuſcus jhm Soldaten;
Die Drommel ſind die Teller;
Bezahlung / gibt der Keller;
Der Krieg iſt / ſchmeicheln / ſchmauſen /
Schmarotzen / Buͤbeln / mauſen.

98.

Aufferſtehung der Todten.
Wer nicht glaubt das Aufferſtehn / dem iſt ferner wol erlaubt
Daß er glaube was er wil / wann er auch gleich nichts nicht
glaubt.

99.

Reichthum.
Viel haben / nicht; nicht viel beduͤrffen / machet Reich
Was iſts / was ich nicht darff / wann ichs nicht habe gleich?

100.

Zuwachs der Diebe.
Diebe / die der Krieg geſaͤet / laͤſt der Friede reichlich finden:
Und der Hencker meit ſie abe / wird in Hanff die Garben binden.

Deß Erſten Tauſend Drittes Hundert.

54Andres Tauſend

1.

Der Tod.
OB vns gleich der Tod reiſt hin / iſt von vns doch nichts
nicht ſeine:
Unſre Seele kuͤm̃t jhm nicht / vnſer Haut / Fleiſch vnd Gebeine
Wird vns ſchoͤner vnd verklaͤrt / ſam der Seele / wieder geben
Jene Zeit / die ohne Zeit vns auffs neue heiſſet leben.

2.

Das Fegefeuer.
Jſt ein Fegefeuer wo? Darff doch dieſes keiner dulden
Der ein boſes Weib hat hier / Armut / Darmgicht / groſſe
Schulden.

3.

Paucken.
Mammæa fuͤhrt zwey Paucken / die regen Blut vnd Mut;
Hier thut es ſehn vnd fuhlen / was ſonſten horen thut.

4.

Die Gicht.
DJe Gicht verbeut den Wein zu trincken /
Sonſt muſtu liegen oder hincken;
Mich duͤnckt / es ſey ein groß Verdruß /
Wann uͤber Maul regirt der Fuß.

5.

Deutſche Trew.
Wie daß Glaub vnd Trew jetzund / nur wie Rauch / man achten
mag?
Sehn wir nicht / daß Deutſchen jetzt gerne trincken Rauch-Taback.

6.

Einname vnd Außgabe.
Drey Heller kummen ein / ſechs Heller gehen auß;
Wann Wirthſchafft geht alſo / ſo geht ſie durch das Haus.
7. Die55Drittes Hundert.

7.

Die bluͤhende Deutſche Sprache.
DEutſchen / ſind ſo alte Leute
Lernen doch erſt reden heute;
Wann ſie lernen doch auch wolten
Wie recht Deutſch ſie handeln ſolten.

8.

Eines Fuͤrſten Bewuſt von denSeinen. , and • Schweinen.  
JSt deß Fuͤrſtens groͤſte Tugend / daß er die kennt / die ſind Seine?
Jſt deß Fuͤrſtens groͤſte Tugend / daß er kennt die wilden Schweine?
Jenes / wil ich feſte glauben / ſey deß Fuͤrſtens eigne Pflicht:
Dieſes / glaub ich / ſey deß Foͤrſters / ſey deß Fuͤrſtens eigen nicht.

9.

Auff Stintiam.
STintia wehrt jhrer Ehren; wer jhr was wil muten an
Ey der muß es ſchwer entgelten / ſie erzeigt ſich als ein Mann /
Dann ſie greifft bald zum Gewehre / wer entwerden kan iſt froh;
Doch wer etwas mehr iſt witzig / ſtehet ſtill; es iſt nur Stroh.

10.

Schoen / verſetzt / O Schne.
Wie Schoen / wie weiß iſt Schne! O biß die Sonne ſticht:
Und Schoen / hat alt vnd kranck auch leichtlich hingericht.

11.

Regir - oder Welt-Kunſt.
DJe Welt-Kunſt iſt ein Meer; es ſey Port oder Hoͤhe /
Jſt doch kein Ort / da nicht ein Schiff wo vntergehe /
Wo dieſer ſegelt fort / faͤhrt jener an den Sand
Alſo wie der / der fremd / jrꝛt der / der gleich bekant.
D d v12. Kleider. 56Andres Tauſend

12.

Kleider.
PFerde kennt man an den Haaren:
Kleider / kuͤnnen offenbaren /
Wie deß Menſchen Sinn beſtellt
Vnd wie weit er Farbe haͤlt.

13.

Fruchtbringende Geſellſchafft.
JEh bin zwar auch ein Theil vnd denen beygeſtellet
Die jhres Geiſtes hoch zuſammen hat geſellet
Zu treffen einen Bund / zu wuͤrcken tapffre Frucht /
Daß Deutſches Hertz vnd Mund von neuem auffgeſucht
Und ſeiner Wuͤrd vnd Zier ſey wieder uͤbergeben /
Und duͤrffe ferner nicht ein armer Sclave leben
Der fremden Pralerey: Das Miltzkraut ſoll ich ſeyn /
Verkleinern ſoll ich ſtets / ſoll helffen treiben ein
Den auffgeſchwollnen Miltz / die Art der ſtoltzen Sinnen
Die ſich in jhnen ſelbſt beherbergen nicht kuͤnnen /
Und denen viel zu eng jhr Deutſches Vaterland;
Sie laſſen eignen Werth vnd wehlen fremden Tand /
Erkieſen Glas fuͤr Gold / vnd wollen nichts beginnen
Was dieſem iſt gemaͤß / was etwa kuͤm̃t von hinnen:
So / wie in Kleidern ſie nunmehr ſind Deutſchen nicht /
So ſoll auch nicht mehr Deutſch ſeyn was die Zunge ſpricht.
Wie muß das Hertze ſeyn? Jch wil zwar nicht ermuͤden
Daß ſtets an jhren Orth ſey meine Pflicht beſchieden;
Daß ich Verkleinernder / verkleinre nicht den Stand
Den m[e]in Kraut vnverhofft in dieſem Garten fand
Wo ſo viel Cedern ſtehn vnd reiche Palmen prangen:
So aber / was ich ſoll vnd wil / nicht zu erlangen /
So neme man fuͤr gut / ob Saamen ich nicht zieh /
Daß ich doch bluͤh / das iſt / mich jmmerdar bemuͤh.
14. Rai -57Drittes Hundert.

14.

Raitungen.
DJe Einnam iſt das Weib; die Außgab / iſt der Mann;
Wann beyde treffen ein / iſt Rechnung bald gethan:
Wiewol es beſſer iſt / es ſey ein Uberſchuß;
Nur daß kein Reſt verbleibt / dann dieſer gibt Verdruß.

15.

Faſtnacht.
Faſtnacht / iſt die ſchnoͤde Nacht die das Chriſtenthum foſt
ſchwaͤrtzet /
Drinnen ſich die geile Welt / mit dem ſchwartzen Buhler hertzet.

16.

Auff Splendulam.
Splendula, dein Roth vnd Weiß / hat es offt gemacht
Daß es wurde lichter Tag / mitten in der Nacht.

17.

In Fuſculam.
Fuſcula, dein Gelb vnd Schwartz / hat es offt gemacht
Daß es / wann es Mittag war / wurde Mitternacht.

18.

Tag vnd Nacht: Leben vnd Tod.
Wann auff Tag nicht kaͤme Nacht / wuͤrden wir gar bald
erliegen:
Auch der Tod geht darum vor / daß wir rechter leben muͤgen

19.

Schoͤnheit.
Wann ſchoͤne Weiber bitten / ſo heiſt es ſchaffen doch /
Da bitten ſchoͤne Weiber / in dem ſie ſchweigen noch.

20.

Von der Urania.
JSt Urania der Himmel? Ja; jhr Buhler / glaubt es gerne;
Dann die Miſchſtraß iſt verhanden / vnd die zwey Geſchwi -
ſter-Sterne /
Die58Andres Tauſend
Die den Segel ſpannen auff vnd jhn heiſſen pfluͤgen fort
Durch das tieffe naſſe Saltz / in den fuͤrgehabten Port.

21.

Der Sitzer / Anus.
DEr Sitzer vnd ein altes Weib / (wie muß doch dieſes
kummen?)
Sind auff Lateiniſch einerley; weil beyde gerne brummen:
Jedoch ob diß bedencklich iſt / geſchiehts vielleicht / diewel
Das garſtig Alter billich iſt der Jugend Hintertheil.

22.

Hofe-Leute / verſetzt / hohe Teufel.
HOfe-Leute / hohe Teufel; iſt es nicht zu viel geſaget?
Nein / weil mancher arme Leute ſehrer als der Teuffel
plaget:
Falſchheit vnd Betriegligkeiten / Hinderliſt / Verleumdung /
Luͤgen /
Sind deß Hofes Meiſterſtuͤcke / ſind deß Teuffels ſeiu Vergnuͤgen.

23.

Der raſende David. 1. Sam. 21. . 13.
Wer bey Achis denckt zu leben: Wer bey Welt denckt fortzu -
kummen
Muß bald haben Narren-Kappe / Doctors - Hut bald ange -
nummen.

24.

Auff Vitum.
Veit, gab ſeine Trew zu pfande; die hat laͤngſt ſchon ſich ver -
ſtanden /
Weil ſie niemand denckt zu kauffen / bleibt ſie Glaͤubigern[in]
Handen.

25.

Auff Hyellam.
DEr liebe Fruͤhling / hat Hyella nie gemocht /
Der liebe Sommer / hat Hyella nie geſucht /
Der59Drittes Hundert.
Der liebe Winter / hat Hyella ſtets verflucht;
Sie liebt der liebe Herbſt / das iſt / der Liebe Frucht.

26.

Auff Duplum.
Duplus hat nicht duple Staͤrcke / da er doch hat duples Hertze /
Dann er fuͤhret duple Sinnen; ſagt im Ernſte / meint im Schertze.

27.

Ein Tyrann.
EJn Tyranne denckt dahin; hat er nicht der Leute Willen /
Daß er ſeinen Willen doch mit den Leuten mag erfuͤllen:
Wenig liegt jhm auch daran / ob er Liebe gleich nicht hat /
Wann in dem nur was er wil / jeder ſeinen Willen that.

28.

Ein guͤtiger Abſchlag.
Nim̃t er gleich nicht was er wil / iſt ein guͤtig abeweiſen
Dennoch fuͤr den armen Mann / an den Hohen noch zu preiſen.

29.

Redligkeit.
Wer gar zu bieder iſt / bleibt zwar ein redlich Mann
Bleibt aber wo er iſt / kuͤm̃t ſelten hoͤher an.

30.

Die Welt.
Die Welt iſt wie ein Meer; ein jeder geht vnd fiſcht /
Nur daß den Walfiſch der; den Stockfiſch / er / erwiſcht.

31.

Deutſchland wieder Deutſchland.
Das Eiſen zeugt jhm ſelbſt den Roſt von dem es wird verzehret:
Wir Deutſchen haben ſelbſt gezeugt die / die vns jetzt verheeret.

32.

Auff Bardum.
Bardus iſt nur darum da / daß er da iſt; O es wolte /
Da er ward / ſein Vater nicht / nur die Mutter / daß er ſolte.
33. Die60Andres Tauſend

33.

Die Begierden.
O die Raͤthe / die ſich kleiden in deß Fuͤrſten Kleid vnd Zierden /
Leiden ſelten andre Raͤthe; wer dann ſind ſie? Die Begierden:

34.

Der Argwohn.
Dieſes kan man zwar wol thun / daß man leichtlich nimmer
traue:
Nur daß nicht das man nicht traw / leichtlich an vns jemand
ſchaue.

35.

Man wags.
Wer nichts auff Gluͤcke wagt / ſtellt alles nur auff Rath
Jrꝛt offt ſo ſehr / als der gewaget alles hat.

36.

Die Vernunfft.
Beſſer / haben keine Hand
Als ein Hertz vnd nicht Verſtand.

37.

Der Bart.
Man fleiſt ſich jetzt den Bart vom Maule zu geloſen;
Und meint es kumme her / ich glaubs auch / von Frantzoſen.

38.

Bart-Wachs.
DJe Deutſchen heiſſen ſonſt Garmaͤnner / vnd der Bart
(Hilt weiland man dafuͤr) vermehret maͤnnlich Art:
Jetzt ſcheren wir den Bart / ſo voͤllig ab / ſo rein;
Ey wollen wir vielleicht Garweiber lieber ſeyn?

39.

Weiber-Schmuck. 1. Petr. 3. . 3.
Der Schmuck der zarten Frauen / ſteht nicht im Haare flechten;
Deum laſſen ſie ſie fliegen zur lincken vnd zur rechten.
40. Hofe -61Drittes Hundert.

40.

Hofe-Stellungen.
Es ſtecket Ja im lincken / im rechten Backen / nein;
Ja-nein / das wil bey Hofe vermiſchet jmmer ſeyn.

41.

Der beſte Wechſel.
DAs verweſen
Bringt geneſen;
Das verzehren /
Kan verklaͤren
Vns gewehren.

42.

Ein Schmarotzer.
Bey Hof iſt meiſtens der / ein tapffrer Edelinann /
Der Reinkens Hintertheil im Wapfen weiſen kan.

43.

Fuͤrſten-Freundſchafft.
Fuͤrſten ſind genaͤdig zwar; ſelten ſind ſie rechter Freund;
Wer es glaubt / glaubt was nicht iſt / glaubet das nur / was da
ſcheint.

44.

Von einem Koͤhler.
Ein Koͤhler ſtarb vnd ſtund; wie muſt es zu dann gehn?
Er fiel nie / dann er glaubt auch nie das aufferſtehn.

45.

Bis / wer du wareſt.
WEr eine Tugend einmal uͤbt
Eh er ſie leichtlich uͤbergibt
So geb er eher hin ſein Leben /
Sonſt muß er doch den Namen geben.
46. Ein62Andres Tauſend

46.

Ein menſchlich Vieh.
Mancher kan nichts / weiß Vernunfft ruͤhmlich nicht zu weiſen /
Suchet drum durch Unvernunfft / daß man jhn ſoll preiſen.

47.

Ein vernuͤnfftig Weib.
WEr nach einem Engel freyt / trifft offt einen Teuffel an:
Alles trifft / wer mir Vernunfft an die Seite haben kan;
Dann Vernunfft ſchmuͤckt trefflich ſchoͤn / dann Vernunfft macht
alles gut;
Und ein Engel wird das Weib / wann ſie wie ein Engel thut.

48.

Fuͤrſten-Befehl.
SAchen die bequemlich ſeyn / wolln die Herren ſelbſt befehlen /
Sachen die gefaͤhrlich ſeyn / ſolln die Diener ſelbſt erwehlen:
Nicht umſonſt; es iſt zu thun / daß ſie muͤgen Mittel finden
Diener jhnen / aber nicht ſich den Dienern / zu verbinden.

49.

Ein alt Weib.
Alte Weiber ſind die Straͤuche / drauff fuͤr Zeiten Roſen ſtunden /
Ob die Roſen ſind verblichen / werden doch die Dorner funden.

50.

Raͤthe-Wahl.
Einen treuen Rath zu wehlen / darff der Fuͤrſte treuen Rath:
Selbſt der Rath darff reiffes rathen / eh er Rath verſprochen hat.

51.

Hofe-Leben.
Von deß Hofes Hofe-Leben / hab ich manchmal viel geleſen /
O das leſen iſt nur beſſer / als daß ſelbſten da geweſen.
52. Hofe -63Drittes Hundert.

52.

Hofe-Leben.
ES werden viel Fuͤchſe bey Hofe gefreſſen /
Noch ſind ſie doch haͤuffig daſelbſten geſeſſen;
Das machet / ſie wiſſen / mit waſerley Namen /
Die Schwaͤntze von jhnen / zur Herꝛligkeit kamen.

53.

Befoͤderungen.
Was bringt den Mann zum Amte? Vermutlich ſeine Kunſt?
Gar ſelten; was dann anders? Gemeinlich Geitz vnd Gunſt.

54.

Der Schweden Außzug Anno 50.
Die Schweden ziehen heim; daheime wann ſie blieben /
Waͤr Deutſchland auch daheim / vnd nicht wie jetzt vertrieben.

55.

Der jetzige Friede.
Ein Trojaniſch Pferd / ſcheinet vnſer Friede ſeyn;
Stecket voller Groll / reiſſet viel Verfaſſung ein.

56.

Hofe-Gunſt.
Hofe-Gunſt kan um ſo viel / wer ſonſt Luſt hat / jhm vermehren /
Wer ſich fleiſſet auch das arg / wie das gut / ſo hoch zu ehren.

57.

Jungfern-Wangen.
POeten ſteht was frey! jhr Jungfern / eure Wangen
Worauff die Schoͤnheit ſpielt / die Charites ſo prangen
Und Flora Wohnung haͤlt / die ehr ich. Die Natur
Hat reichlich bracht hieher in einer vollen Spur
Die Gaben jhrer Kunſt. Hier ſind die linden Hoͤhen
Fuͤr denen Hybla blaſt / fuͤr denen traurig ſtehen
Pæſtani ſche Gewaͤchs vnd Lilien nichts ſind
Und Helffenhein nicht taug vnd Purpur wie verblind.
E eHier64Andres Tauſend
Hier iſt der runde Zweck / drauff mit viel tauſend Kuͤſſen
Uns derer Werth mahnt an / zu zielen vnd zu ſchiſſen
Auß Ehrerbittung bloß; (wiewols der Brauch verbeut
Und deutſche Zucht nicht wil / die auch den Argwohn ſcheut.)
Hier iſt das klare Feld / drauff Tugend hin ins lichte
Streut auß die edle Scham / zu tragen reine Fruͤchte
Die ſo ſchoͤn roͤthlich bluͤhn / die weit ein mehres werth
Als was die rothe See je von Corall beſchert.
Hier iſt der zart Altar von weiſſen Marmor-Stuͤcken
Drauff Jungferliche Zucht pflegt reines Blut zu ſchicken
Zum Opffer keuſchem From. Hier iſt das flache Rund
Drum Zephyrus ſpielt her / drauff offt Cupido ſtund
Und ſich um einen Weg fuͤr ſeinen Pfeil umſahe
Und dachte wie ein Wild fuͤr ſeine Kuͤch er fahe
Mit ſeinem Purpur Zeug. Hier lag er offt im Halt
Mit Roſen wol verhaͤgt / wann er die Jagt beſtalt.
Hier traͤgt Pomona fuͤr Vertumnus jhrem Schatze
Die roth vnd weiſſe Frucht das ſchoͤnſte Paar vom Platze
Den jhre Muͤh gepflantzt. Hier brennt die nuͤtze Glut
Deß Pharos, der im Meer den Schiffen Bahn vnd Mut
Zu ſichrem Ufer gibt. Hier ſcheint das keuſche Feuer
Das mehr als Veſta Flamm iſt zu verehren theuer;
Das bringt den klaren Tag hin in die finſtre Nacht /
Drauß merckt man ob da ſchlieff / drauß merckt man ob da wacht
Die Scham der Redligkeit; (in derer Port zu laͤnden
Wer redlich anders buhlt / ſein Schiff pflegt hin zu wenden
Und ſonſten nirgend wo / er ſey dann ſo geſinnt
Daß bey jhm Ehr vnd Schmach vergleichten Außſchlag findt)
Hier hebet ſich entpor / hier breitet ſeine Wellen
Der Tugend Haupt-Panier: Hier lacht ſie wann ſie lacht /
Hier iſt jhr eigner Schmuck / hier iſt jhr eigner Pracht.

58.

Jungfrauen.
JHr Jungfern / hoͤrt mir zu / doch faſſet die Geberden
Und meint durch meinen Ruhm nicht ſtoͤltzer wo zu werden!
Die65Drittes Hundert.
Die Jungfern ſind ein Volck / ſind vnter vns geſtellt
Als Engel in der Zeit / als Wunder in der Welt /
Sie ſind ein kurtz Begrieff von allen Zierligkeiten /
Der Menſchheit hoͤchſter Schmuck / ein Vorbild jener Zeiten
Wo alles klar wird ſeyn / ein Muſter erſter Art /
Eh vns der Suͤnden Schmach in Eden erblich ward.
Die Tugend hat ſie lieb / laͤſt gern um ſie ſich finden /
Die Ehre kroͤn ſie ſchon / jhr Ruhm bleibt nicht dahinden
Geht mit dem Himmel um / ruͤhrt biß an Himmel an /
Ein jeder preiſt ſie hoch / wer preiſen jmmer kan.
Jch wuͤſte nicht wer der / vnd wannen er entſproſſen /
Und was fuͤr wilde Milch ſein erſter M[u]nd genoſſen /
Der ernſtlich hier nur ſiht / der froͤlich hier nicht lacht /
Wann jhm deß Himmels Gunſt die Augen wuͤrdig macht
Zu ſchauen dieſen Glantz / zu mercken dieſe Sonnen /
Wodurch der Menſchheit Werth den hoͤchſten Stand gewuͤnnen
Und ſo erleuchtet iſt? Er iſt nicht werth ſo gar
Daß ſeine Mutter ſelbſt je eine Jungfer war /
Der ſein Geberde nicht zur Ehrerbitung neiget /
Sein Haupt zum tieffſten buͤckt / den Fuß in Demut beuget
Und gibt ſich pflichtbar hin fuͤr einen eignen Knecht
Fuͤr ein ſo liebes Volck vnd him̃liſches Geſchlecht.
Jedoch merckt gleichwol drauff / jhr lieblichen Jungfrauen /
Jch meine die / wo mehr auff That als Wort zu bauen
Und habt mir nur fuͤr gut / ich mein auch meiſtens die /
Wo Winter nicht verbot / daß Fruͤhling mehr nicht bluͤh.

59.

Amadis-Jungfern. Epigram - ma eſt brevis Sa - tyra; Sa - tyra, eſt longum Epigram - ma.
PFut euch / die jhr euch ruͤhmt der geilen Buhler -
Luͤgen
Deß frechen Amadis / die dahin deutlich tuͤgen
Wo Circe machte Saͤw / wo Mesſalina gieng
Und fuͤr den ſchnoͤden Sieg der Wette Lohn
empfing!
E e ijDie66Andres Tauſend
Die Zunge ſchaͤrfft er zwar / allein er ſtuͤmpfft die Sinnen /
Wil das / was jhr ſollt thun / euch uͤberreden kuͤnnen
Durch das / was nie geſchehn / durch das / was wanns geſchehn /
Die Ehre gantz verdam̃t / die Tugend nicht mag ſehn.
Der Worte goͤldner Glantz hat Gifft zu ſeinem Grunde
Und Operment ſteckt drinn / es ſchadet zum Geſunde /
Es ſterbt die Einfalt hin / erweckt ein ſolches Klug
Dafuͤr ein keuſcher Sinn Entſatz vnd Grauen trug.
Nicht mir den weiſen Mund den Amadis gelehret!
Ob Zunge lauffet gut / iſt Sinn doch gantz verſehret:
Und iſt jhm kuͤndig diß / was Oriana ſpricht /
So weiß er auch was ſonſt bey Mireflor verricht /
Weiß wie das feſte Schloß ward endlich noch errungen /
Weiß wie es letzlich noch / nach vieler Muͤh / gelungen
Daß ſo beliebter Gart / im Anfang vnerbaut /
Jn kurtzem kuͤm̃t zum Baw vnd ſeine Fruͤchte ſchaut.
Er weiß wie Floriſel mit vielen kuͤhnen Streichen
Ein Koͤnigliches Bett vnd Buhlſchafft kan erreichen /
Er weiß wie viel der Held damals der Lantzen hat
Gebrochen weil es Tag / vnd nachmals da es ſpat.
Ein ſolcher Sinn gewohnt / daß Ehre drauß ſoll kummen
Unehrlich ſeyn voran / daß vor-wird an-genummen
Auff Hoffnung zum Erlaub / was nimmer noch erlaubt:
Daß Eltern jhre Pflicht im Winckel wird geraubt /
Daß Lieb vnd jhre Brunſt mag was ſie wil beginnen /
Obs gleich laufft wider Gott / Zucht / Ehr vnd frome Sinnen:
Daß Mutter eh / als Braut / man etwa werden mag /
Mag Braut bey Nachte ſeyn / vnd Jungfer auff den Tag.
So viel erlernt der Sinn vom Meiſter geiler Luͤſten;
Fuͤr deſſen Schuͤler ich mir wuͤntfche zuzuruͤſten
Ein Schiff nach Tomos hin / auff daß der Liebe Schweiß
Zu leſchen Mittel ſey / durch ein erfriſchlich Eiß;
Wie Naſo vormals thaͤt / der nach geſchriebner Liebe
Vom Pontus Klage-Brief vnd Trauer-Buͤcher ſchriebe
Und haͤtte wol gewolt er haͤtte nie gekoſt /
Und niemals auch gelehrt / die Lieb vnd jhre Luſt.
Jhr67Drittes Hundert.
Jhr Jungfern / glaubt es nur / daß auch das Wort zu
fuͤhren
So frech vnd ſo gefach / gar ſchwerlich wil gebuͤhren /
Das Recht vnd ein Gebrauch / die habens ſo gericht
Daß jmmer jemand iſt / der eure Worte ſpricht
Wo nuͤtzlich vnd wo noth. O wie erſchrackt jhr Vaͤter!
O wie befahrt ſich Rom auff groſſes Unfalls-Weter /
Da einmal fuͤr Gericht ein freches Weib aufftrat
Selbſt Sach vnd Klage fuͤhrt vnd um die Rechte bat!
Man fragte druͤber Rath / ſchlug auff Sybillen Buͤcher /
Und bat die Goͤtter drum / daß dieſe That ſey ſicher
Fuͤr allgemeines Heil: ſo ſeltſam war diß Ding
Mehr / als da eine Red einsmals ein Ochs empfing.
Jſt Scham vnd Ehr in euch? So redet ſtille-ſchweigen
Genug von euch fuͤr euch / ſo kan die Hertzen neigen
Zu eurem Schutz vnd Gunſt / ein ſitſam Angeſicht /
Das jedem von ſich ſelbſt zu Hold vnd Dienſt verpflicht.
Die Tugend die jhr fuͤhrt / iſt Koͤnigin der Sinnen /
Die ſchaffets / die befihlts / daß anders wir nicht kuͤnnen
Als euch nur wollen wol / die Zucht die zeucht vnd zwingt /
Daß vnſer Will in vns / euch volle Folge bringt.
Deß Goldes lieber Preis / darff keinem Advocaten
Auff ſeine theure Zung in feilen Mund gerathen /
Es lobt ſich durch den Glantz / es lobt ſich durch die Krafft
An welcher Erde / Lufft / Glut / Flut nichts thut vnd ſchafft:
Der Roſen rothes Schoͤn / wann ſie auß gruͤnem Bette
Fruͤh-morgens laͤcheln rauß vnd ſpielen in die wette /
Leucothoë mit dir / iſt ſelbſten ſeine Pracht
Die keine Zunge mehr / noch minder zierlich macht:
Die Augen ſind verblendt / die helle Diamanten
Fuͤr Glas vnd fuͤr Criſtall nicht vnterſchiedlich kanten /
Da erſt zu ſchweren iſt / das iſt der theure Stein
Der nur von Blut / vnd ſonſt wil nicht bezwinglich ſeyn:
Solls erſt die Zunge thun / die Jnngfern werth zu machen?
So iſts gar ſchlecht beſtellt / ſo ſind der Tugend Sachen
Auffs ſchlipffrige geſetzt / vnd jhre Wuͤrde ſteht
Nach dem die Zunge ſchwer / nach dem ſie fertig geht.
E e iijSolls68Andres Tauſend
Solls viel Geſchwaͤtze thun? So muß den Papageyen
Jhr Preis noch mehr als ſonſt ins hohe nauff gedeyen /
So kuͤm̃t auch hoch die Schwalb / vnd ein gemeiner Heer
Gilt einer Jungfer gleich / wie ſchoͤn ſie jmmer waͤr.
Fuͤrwahr / jhr redet offt / viel / praͤchtig / frey vnd lange
(Thuts euren Ohren wol / thuts fremden doch gedrange)
Und wann es dann iſt auß / wird billich noch gefragt /
Jſts auß? Was wil ſie dann? Was hat ſie dann geſagt?
Die Rohſno lachet offt / vnd ſauer ſiht die Tyber,
Die Elbe ruͤmpfft ſich ſelbſt / die Augen gehen uͤber
Dem armen Priſcian, wann euer ſtrenger Mund
So bitter plagt ein Wort / das jhr doch nie gekunt /
Die Sprache wuͤrgt vnd kraͤnckt / zermartert / kruͤpelt / ſtuͤmmelt
So laͤcherlich damit lallt / ſtockert / ſtammelt / tuͤmmelt
Und ſo tyranniſirt / vnd wider Willen zwingt /
Daß ſo / ſie gelten ſoll / wie ſie durch euch nur klingt.
Ein Bach / ein Regen-Bach / vom Himmel her geſtaͤrcket
Wann er / was er ſo ſey / vnd was er kuͤnne / mercket
Laufft uͤber Thamm vnd Rand / ſcheuſt uͤber Schuͤtz vnd Wehr
Bricht da vnd dort herauß / ergeuſt ſich hin vnd her /
Miſcht was er in ſich hat / treibt was er fuͤhrt zu Hauffen /
Daß Fiſch / Froſch / Holtz vnd Schlam̃ hin mit einander lauffen;
Biß daß die Wolcke weicht / die jhm gab kurtze Krafft /
Dann bleibt das eine da / das andre dort verhafft:
Jhr Damen, ſo genant / die krauſen Complimenten
Die euch das leichte Volck der tollen Liebs-Studenten
Jn eure Sinnen geuſt / die ſchwellen euren Mut
Weil euch das heucheln wol / das loben ſanffte thut:
Sie werffen ſich euch hin zu euren zarten Fuͤſſen /
Sie wollen ſonſt von nichts / als nur von Knechtſchafft / wiſſen /
Sie kuͤſſen euer Hand / ſie kuͤſſen wol den Grund
Wo euer Fuß trat hin / wo euer Schaten ſtund /
Sie ſtelln auff euer Wort das Urthel jhres Weſens /
Deß Lebens Auffenthalt / die Artzney deß Geneſens /
Jhr ſeyd der Seele Seel / vnd auſſer euch ſind ſie /
Als waͤren ſie nicht mehr vnd vor geweſen nie /
Die69Drittes Hundert.
Die Sonne dieſer Welt hat nie ſo ſchoͤn gebruunen
Als eurer Augen Licht / das Goͤttliche paar Sonnen /
Der Wangen Lilien mit Roſen vntermengt
Jſt jhre Fruͤhlings-Luſt / daran jhr Hertze hengt /
Der theure Mund-Rubin / wem dieſer kuͤm̃t zu kuͤſſen
Der mag ſich einen Gott vnd keinen Menſchen wiſſen
Und duͤncken mehr als Mars, auch als Adonis mehr /
Die Venus Mund gekuͤſt / der vor beruͤhmt war ſehr
Eh jhr kamt auff die Welt / vnd jetzt von eurem funckeln /
Wie von der Sonn jhr Stern am Himmel / muß vertunckeln:
Und daß jhr in der Welt die Welt noch etwas acht
Das iſt jhr groͤſtes Heil / das ſie noch ruͤhmlich macht
So ſonſt der Buhler-Wind / vnd ſchwellt euch die Ge -
dancken:
Die bleiben nicht daheim in jhren alten Schrancken;
Jhr Haus iſt viel zu eng / vnd ſuchen dann ein Thor
Am nechſten wo es iſt / da brechen ſie hervor /
Zum Munde meiſtens auß / der wil ſich laſſen mercken
Wil ſeyn geguͤntes Lob nicht mindern / ſondern ſtaͤrcken /
Sagt her wie er vermag / gibt rauß was er nur kan
Und meint daß Peitho ſelbſt hat nie kein Wort gethan
Das lieblicher geſchallt: Allein es wird leicht Amen /
Der Nachdruck bleibt daheim / es mangelt an dem Saamen
Erfahrung vnd Verſtand / der fruchtbar pflegt zu ſeyn
Und nichts was vngeſchickt zum reden gibet ein.
Es gilt euch alles gleich / geſchickt vnd vngeſchicket
Gereimt vnd vngereimt / geſticket vnd geflicket
Gemengt vnd abgetheilt / halb oder außgefuͤhrt /
Und iſt euch gar genug / wanns nur heiſt diſcurirt.
Was nicht wil ſeyn das bleibt / kuͤm̃ts nicht / ſo mag es ſtecken /
Es ſcheint nicht hoͤflich ſeyn / was ſchlaͤfet auffzuwecken;
Genug / wann nur der Berg ſich groß vnd ſchwanger ſtellt
Wann endlich gleich herfuͤr / nur wo ein Maͤußlein ſchwellt /
Doch daß nur niemand lacht! O nein; ich muß nur klagen /
Und daß man eurer ſich erbarmen ſolle / ſagen /
Weil euch von Perlen traͤumt vnd werden Threnen drauß
Weil jhr nach Ehren greifft vnd ziehet Spot ins Haus.
E e iiijViel70Andres Tauſend
Viel plaudern hat noch nie viel Nutzen heim getragen /
Viel ſchweigen / hat noch nie viel Schaden zu beklagen:
Ein wol geſchloßner Mund / verwahrt ein weiſes Hertz /
Ein vngebundnes Maul / bringt jhm vnd andren Schmertz.
Jhr jrꝛt / ſo euch beduͤnckt jhr waͤret angenemer
Wann jhr nur viel ſagt her: Jch halt es viel bequemer
Zu aller Menſchen Gunſt / wann dieſes jhr nur ſagt /
Daß der euch mercke from / der euch um was gefragt.
Man ruͤhmet Jungfern nicht / die allzuweit gereiſet /
Ein Weib das als ein Weib weiß mehr / wird nicht gepreiſet:
Die Jungfern / die ſo wol im lieben ſind geuͤbt /
Die uͤbt man zwar noch mehr / nur daß man ſie nicht liebt.
Als wie der Zeit-Verdruß mit Schach-Bret / Karten-ſpielen
Bißweilen wird geſtillt bey denen / die nicht zielen
Auff Gold vnd auff Gewinn; wann nun das Spiel iſt auß
So liegt / ſo gilt nichts mehr der Koͤnig vnd das Taus:
Und alſo gehts mit euch; deß Schlafes ſich zu wehren
Den Unmut abzuthun / die Weile zu verzehren
Hoͤrt mancher was jhr ſagt / ſagt was jhr gerne hoͤrt /
Biß daß er dann iſt ſat / jhr aber ſeyd bethoͤrt;
Dann hat der ſchlaue Fuchs den Raben bracht zum ſingen:
Dann hoͤrt man wie das Faß ſey leer / vnd kuͤnne klingen:
Dann merckt vnd nim̃t man ab / daß eure Fablerey /
Ein Wiederhall / vielleicht noch weniger was ſey.
Es machts nur Phantaſos, der durch die blancke Pforte
Euch bringet einen Wahnder gleich iſt eurem Worte /
Das jhr fuͤr Gluͤcke ſchaͤtzt / das euer Mund gebiert /
Wann einer / wer weiß wer? Euch mit zu Bette fuͤhrt.
Dann / wann nun dieſer Stand von euch iſt ſo errungen /
Und euch iſt ſo vnd ſo / ein freyer Sprung gelungen /
Jns weiche Feder-Feld; ey lieber ſagt mir doch
Braucht jhr den Amadis / vnd diſcurirt dann noch?
Wann euer Kind jhr putzt / wann manchmal eure Backen
Fuͤnff Finger / euch zur Zucht / biß auff das ſchwellen zwacken?
Wann jhr in Kuͤhſtall geht / wann jhr die Suppe kocht
Wann jhr den Stockfiſch bleut / wann euch der Pruͤgel pocht?
Ach71Drittes Hundert.
Ach ja! Kind / Knecht / vnd Magd die ſtehen vnd verſtarren
Die Schweine ſehn empor / Kuͤh / Kaͤlber / Ochſen / Farren
Und alles Feder-Vieh / hoͤrt mit verwundren drauff /
Wie jhre kluge Fraw gibt einen guten Kauff
Am Zuwachs edler Wort; allein es wil noch fehlen
Daß ſie nicht werden ſat / noch ſo die Worte zehlen
Wie Muͤntze wird gezehlt. Drum weg mit eurer Kunſt /
Die einmal kaum nur gilt vnd weiter iſt umſonſt!
Die ſtille Froͤmigkeit / das eingezogne Wiſſen
Was gut / was ſelig ſey / darff nimmermehr vermiſſen
Sein Lob vnd ſeinen Nutz; es gilt fuͤr alle Welt
Und bleibet jmmer ſtehn / wann dieſer letzlich faͤllt.

60.

Beute außm Deutſchen Kriege.
WAs gab der Deutſche Krieg fuͤr Beute?
Viel Grafen / Herren / Edelleute;
Das Deutſche Blut iſt edler worden
Weil ſo geſchwaͤcht der Bauer-Orden.

61.

Tuͤchtige Wahr.
DJe Wahren welche vornen an
Jn einem Laden liegen /
Die kaufft nicht gern ein jederman
Sie pflegen nicht zu tuͤgen:
Die Jungfern welche zu dem freyn
Die Freyer ſelbſt wie laden /
Wo dieſe nicht verlegen ſeyn /
So haben ſie doch Schaden.

62.

Jungfern-Sorge.
WAnn Jungfern wollen freyn vnd aͤndern jhren Titel
Jſt jhre meiſte Sorg um jhres Buhlers Mittel /
E e vZu72Andres Tauſend
Zu jhrem Unterhalt; daß ſie nicht duͤrffen ſorgen /
Und das / was jhnen noth / beym Nachbar etwa borgen.

63.

Der vereinigte Glauben.
EJn Reichstag iſt nicht weit
Da aller Glaubens-Streit
Wird gantz beſchieden werden;
Wann Gott hier von der Erden
Wird haben alle Welt
Fuͤr ſeinen Thron geſtellt.

64.

Gemeinſchafft bringt Verachtung / ſon - derlich Fuͤrſten.
WO viel Gemeinſchafft iſt / iſt Anſehn nicht gemein;
Wo Anſehn mehr nicht iſt / wil auch nicht Folge ſeyn;
Wo Folge reiſſet auß / kan Ordnung nicht beſtehen;
Wo Ordnung nicht beſteht / muß Wolfahrt vntergehen.

65.

Hofe-Werth.
JCh nehm ein Quintlein Gluͤck / vnd kauffe Hofe-Gunſt:
Ob dir es ſo beliebt / nim einen Centner Kunſt;
Die leichte Muͤntze gilt / die ſchwer iſt hier vmſonſt.

66.

Ein Fuͤrſten-Rath.
Wer iſt der ſeinen Rath dem Herren redlich gibt?
Der / den ſein Fuͤrſt? Nein der / der ſeinen Fuͤrſten liebt.

67.

Der Zorn.
Der Zorn iſt eine volle Bach /
Jſt aber trucken von gemach.
68. Die73Drittes Hundert.

68.

Die Genade.
Daß warm iſt Menſchen mehr / als kaltes angeboren:
Dem Fuͤrſten / ſey die Guͤt als Schaͤrffe / mehr erkoren.

69.

Der Neid.
Neiden vnd geneidet werden
Jſt das meiſte Thun auff Erden.

70.

Gegenwaͤrtige vnd verlohrene Tugend.
Tapffre Leute / pflegt der Neid gerne ſehn begraben /
Außgegraben / wann er ſie nun nicht mehr kan haben.

71.

Elender Zuſtand der Fuͤrſten.
Fuͤrſten haben zwar mehr Gut / als vielleicht gemeine Leute;
Haben aber derer viel / denen ſie ſtehn ſtets zur Beute:
Fuͤrſten haben zwar viel Dienſt; muͤſſen aber viel ernaͤhren
Kuͤnnen auch fuͤr ſich nicht mehr / als ein eintzler etwa zehren.

72.

Ein vnruhig Gemuͤte.
Ein Muͤhlſtein / vnd ein Menſchen-Hertz / wird ſtets herum ge -
trieben /
Wo beydes nicht zu reiben hat / wird beydes ſelbſt zerrleben.

73.

Verſtellung.
Jeder ſchilt das Hofe-Leben / wann er nicht darinnen iſt;
Jeder nim̃t das Hofe-Leben / wann er nur wird drein erkieſt.

74.

Der Feind nicht zu verachten.
Mit dem Feinde ſoll man fechten / fuͤr dem ſechten jhn nicht
ſchmaͤhn
Viel die ſchmaͤhten vngefochten / hat man fechtend lauffen ſehn.
75. Auff74Andres Tauſend

75.

Auff Blincam.
Blinca, wann ſie ferne ſteht / kan ſie Liebe leicht erwecken:
Blinca, wann ſie nahe ſteht / kan ſie Liebe leicht erſtecken.

76.

Beyfall.
Wer Unrecht billich haͤlt / ob Unrecht er nicht thut /
So thut er doch nicht recht / daß boͤſes er heiſt gut.

77.

Auff Pætum.
Pætus bat mich nechſt zu gaſt / vnd ich gieng nicht / ich war ſat /
Noch von deme / wie er mich laͤngſt vorhin caſteyet hat.

78.

Das Vergangene vnd Kuͤnfftige.
WAs weg iſt / laͤſſet Rew;
Was kummen ſoll / macht Schew:
Die Jugend die zerran /
Das Alter dringt heran:
Drum dencke man dahin
Wo Jugend ſtets bleibt gruͤn /
Wo Alter jmmer ſteht /
Wo Leben nie vergeht.

79.

Auff die maͤnnliche Viroſam.
Wie daß Viroſa dann noch keinen haben kan?
Ein Mann bedarff ein Weib / ein Mann darff keinen Mann.

80.

Vom erſten April.
WJr uͤben im April die Leute durch vexiren
Und pflegen ſie im Schimpff herum - vnd an zu fuͤhren:
Man75Drittes Hundert.
Man oͤffnet ſo den Witz / daß er ſich thu herfuͤr
Wie dieſe Zeit ſchleuſt auff / der Welt Luſt / Nutz vnd Zier.

81.

Auff Vitum.
Ey ſihſtu nicht / wie Veit fuͤr Weibern ſich verſtecke?
Ja! aber wo dann hin? Ey vnter jhre Decke.

82.

Von einer Fliege.
EJne Fliege warſo kuͤhn
Setzte ſich vermeſſen hin
Auff deß Muͤndleins ſuͤſſes Roth
Chloris ſchlug / vnd ſchlug ſie tod:
Florus ſprach. O wann nur ich
Duͤrffte ſo erkuͤhnen mich!
Dieſer Schlag / hielt ich dafuͤr
Diente mehr / als ſchadte / mir.

83.

Von einer Biene.
PHyllis ſchlieff / ein Bienlein kam /
Saß auff jhren Mund vnd nam
Honig / oder was es war /
Corydon, dir zur Gefahr:
Dann / ſie kam von jhr auff dich
Gab dir einen bittren Stich;
Ey wie recht! du fauler Mann
Solteſt thuu / was ſie gethan.

84.

Buͤcher-Stube.
Dieſes iſt ein Todten-Grab / deſſen Todten roden kuͤnnen /
Sagen das / was weit hindan; zeigen das / was noch von hinnen.
85. An76Andres Tauſend

85.

An Blandulam.
BLandula, die goͤldne Sonne / zwiſchen deinen weiſſen Bruͤſten
Macht daß die / die beydes ſehen / gerne recht zu ſchliſſen
wuͤſten /
Ob der reine Schnee der Bruͤſte von der Sonnen Glantz enſteh /
Oder ob den Glantz der Sonne / klaͤre deiner Bruͤſte Schnee.

86.

Rathen.
Wer andren gibet Rath / gibt wider ſich den Rath /
Dann Zorn erfolgt fuͤr Danck / wann Rath gefehlet hat.

87.

Fruͤhling vnd Herbſt.
Der Fruͤhling iſt zwar ſchoͤn / doch wann der Herbſt nicht waͤr /
Waͤr zwar das Auge ſat / der Magen aber leer.

88.

Auff den verlogenen Varillum.
VArillus iſt das Jahr; ſein Will iſt jmmer rund
Daß Moͤrgen Winter ſteht / wo heute Sommer ſtund:
Nur wann ein Schalt-Jahr iſt / kuͤm̃t Warheit wo mit ein /
Sonſt wil ein jede Stund ein eigne Luͤge ſeyn.

89.

Verheiſchungẽn.
Das Ja ſoll ſeyn ein Pfand / bey dem ſich ſicher weiß
Wer vns ſein Trauen lehnt / auff vnſeren Verheiß.

90.

Edelgeſteine vnd Perlen.
Was macht die edlen Stein vnd klare Perlen werth?
Jhr Werth nicht / ſondern das / daß man ſie ſo begehrt.
91. Das77Drittes Hundert.

91.

Das Gluͤcke.
DAs Gluͤcke richtet auff / das Gluͤcke ſtoͤſſet nieder;
O Gluͤcke thut es nicht! nach dem ſich ſtellt ein jeder /
Nach deme ſtellt ſich Gluͤck: Ein Sinn dem ſtets gefaͤllt
Was Gott gefaͤllt / ſteht ſtets / weil Zuverſicht jhn haͤlt.

92.

Das Buͤrgerliche Recht.
DAs Buͤrgerliche Recht [a] gilt ſehr jetzt in der Welt /
Weil Vorthel / Nutz / Gewinn / fuͤr recht ein jeder haͤlt /
Was Ehr - vnd Chriſtlich iſt / weit hinten aber ſtellt.
[a] Dann der Stadt-Handel beruhet met -
ſtens auff Vorthel.

93.

Der fuͤr nemſte Kummer.
Fuͤr den Bauch vnd fuͤr den Kaſten /
Traͤgt man alles Kummers Laſten.

94.

Auff Calvum.
Es kuͤm̃t zu euch nicht Calvus, jhr Hann / in eure Rey
Er kuͤm̃t zu euch jhr Hennen / ſein Kopff der iſt ein Ey.

95.

Der Glauben.
MJch duͤnckt / Religion ſey ſchlecht Religion,
Wann mehr nicht / als nur diß man glauben ſoll davon
Was die Vernunfft erlaubt; wie wil doch dieſer ein /
Daß Gott ohn Ort vnd End / vnd Welt auß nichts ſoll ſeyn.

96.

Jahr-Zeiten.
JM Lentzen / prangt die Welt mit zarter Jungferſchafft /
Jm Sommer / iſt ſie Fraw / mit ſchwanger ſeyn verhafft;
Wird78Andres Tauſend
Wird Mutter in dem Herbſt / gibt reiche Frucht herauß;
Jſt gute Wirthin / haͤlt im Winter rathſam Haus.

97.

Eine Wunder-Glocke. Achill. Panop. Burggra - vI. pag. 76.
DJe Glocke deß Virgilius, wann dieſe weiland
klang
Bey deß Arturus Hofeſtat / ſo ſah man wie da
ſprang
Und ſtuͤrtzte ſich ins Waſſer ein / wer jhm nur war bewuſt
Von ſchaͤndlicher Ehbrecherey vnd andrer Huren-Luſt:
Wie gut / daß dieſe Glock jetzund bey vnſrer Zeit nicht klingt
Sie zwinge groͤßres Volck in Tod / als das Geſchuͤtze zwingt.

98.

Der Sieg.
Wer durch das Eiſen ſiegt / hat ritterlich geſiegt:
Betrieglich hat gekriegt / der durch das Geld gekriegt.

99.

Reimen.
Freude / die gezwungen iſt / geht in ſchwerer Fahrt:
Reime / die gezwungen ſind / haben wenig Art.

100.

Auff Cerinnam.
Cerinna iſt wie zartes Wachs / ſo weiß / ſo zart gezieret:
Drum hat in ſie ein ſchoͤnes Kind ein Kuͤnſtler nechſt boſſiret -

Deß Andren Tauſend Vierdtes Hundert.

F f80Andres Tauſend

1.

Alamodiſten. Geneſ. 10. . 26.
ALmodad kam vom Sem herab: Vom Japhet, Aſcenas;
Daß dann dem Alamode - Stamm / der Deutſche ſo traͤgt
Haß?

2.

Soldaten-Brauch.
STarck an Koͤpffen ins quartier,
Aber ſtarck zu Feld an namen /
Kamen jmmer vor herfuͤr
Vnſre Krieger / wann ſie kamen.

3.

Der Tod Chriſti.
Da das Leben gieng vnd ſtarb / fing das ſtorben an zu leben /
Dann der Tod hat durch den Tod in den Tod ſich muͤſſen geben.

4.

Lebens-Regel.
Bis wer du biſt / laß jeden auch fuͤr dir ſeyn / wer er iſt /
Nicht was du nicht kanſt / was du kanſt / ſey dir zu ſeyn erkieſt.

5.

Das Leiden Chriſti.
UNs zu Liebe / wolte Chriſtus / Marter / Schmach vnd Tod
er leiden:
Jhm zu dancken / wollen Chriſten Marter / Schmach vnd Tod
vermeiden:
Wann nun aber / Chriſtus wird kummen in der Herꝛligkeit /
Wird wer weit vom Leiden blieb / auch von Freuden bleiben weit.

6.

Die Liebe deß Vaterlandes.
MAn liebt das Vaterland / deß Vaterlandes wegen?
Nein / weil an deſſen Heil vns ſelbſten viel gelegen:
Wann81Vierdtes Hundert.
Wann wo das Vaterland / nicht manchen ehrt vnd liebt /
Ein ſchlechtes nim̃t er drum / daß er es gantz begibt.

7.

Erbarmung vnd Barmhertzigkeit.
Eines andren Pein entfinden / heiſſet nicht barmhertzig ſeyn;
Recht barmhertzig ſeyn / wil heiſſen / wenden eines andren Pein.

8.

Auff Porniam.
Keine Schand-ein Ehren-Hure ſoll man / Pornia, dich nennen;
Weil dich nicht verachte Leute / ſondern die geehrten kennen.

9.

Auff Pætum.
Pætus, du vnd auch dein Weib lebet ſtets in einem Willen;
Jedes wil das andre ſehn ehſtes in das Grab vervoͤllen.

10.

Die Creutzigung vnd Aufferſtehung Chriſti.
WAs / Ev vnd Adam jhr / vom Holtze naͤſchig niſſet /
Das iſts / was Chriſtus drauff am Holtze bitter buͤſſet:
Was vor im Garten fiel / ſteht jetzund auff im Garten:
Die Flucht vom Paradeis / wird ſo zu Himmelfahrten.

11.

Auff Phorbantem.
PHorbas gieng zu ſeinem Lieb als er kam fuͤr derer Thuͤr /
Zittert er als wie ein Laub / wuſte gleichwol nicht wo fuͤr;
Hilt ſich ſonſt fuͤr einen Mann: Biß er / als er dachte nach /
Ey mein Hertze gab ich jhr / vnd ſie gab mir jhres / ſprach.

12.

Dreyerley Aufferweckung von Todten.
ZU Hauſe: Fuͤr dem Thor: Und auß deß Grabes Klufft:
Wird von deß Todes Schlaf ins Leben auffgerufft
F f ijJairus82Andres Tauſend
Jairus Kind / der Sohn zu Nain, Lazarus;
Hertz / Mund vnd Werck in vns ſoll aufferſtehn zur Buß.

13.

Von einer Witfraw.
EJne Witfraw gieng zur Traw / nam jetzund den vierdten
Mann;
Als die Zeit zum ſchlafen gehn auch nun endlich kam heran /
Ach! ſprach ſie / Ach! Ach! haͤtt ich / vor an dieſes Ding gedacht /
Niemand / niemand haͤtt es mir nimmermehr mehr eingebracht!
Doch ſie gieng / war gar getroſt / vnd das Kind das ſie gebar
Kaum in zwantzig Wochen drauff / wieß / wie ſie vergeßlich war.

14.

Die Liebe.
Nenne mir den weiten Mantel / drunter alles ſich verſtecket:
Liebe thuts / die alle Maͤngel gerne huͤllt vnd fleiſſig decket.

15.

Drey ſchaͤdliche Dinge.
Spiel / Vnzucht vnd der Wein
Laͤſſt Reich / Starck / Alt / nicht ſeyn.

16.

Ein fruchtbares Welb.
Wann ſie gebiert / wie ſichs gebuͤhrt
Dadurch wird eine Fraw geziert.

17.

Liebe vnd Geitz.
Lieb vnd Geitz ſind ſolche Bruͤllen / welche dem / der auff-ſie ſtellt /
Machen / daß das dickſte Schwartze / fuͤr das zaͤrtſte Weiß erhellt.

18.

Neigungen.
Wer an Gaucklern vnd an Narren ſeine Luſt vnd Labſal hat /
Kan ſie an ſich ſelbſten haben / wann er braucht der Luͤſte Rath.
19. Ein83Vierdtes Hundert.

19.

Ein koſtbares Haus.
WEr ein ſchoͤnes Haus jhm baut
Hat jhm ſelbſt nicht recht getraut
Daß er ſey gar groß geſchaut.

20.

Luͤgen.
Ob Luͤgen ſind der Warheit gleich / ſind drum ſie bald jhr Kind?
Die Kinder ſind offt einem gleich / von dem ſie doch nicht ſind.

21.

Warheit vnd Luͤgen.
Die Warheit iſt ein Oel; die Luͤgen / Waſſer: Schwimmt
Doch endlich oben auff / wie viel man Waſſer nimmt.

22.

Auff Morum.
MOrus klagt / daß ſeine Fraw an der Frauen-Kranckheit
liege /
Daß dafuͤr noch Teuffels-Koth / Biebergeil / noch Feigbohn tuͤge:
Ob man Maͤuß-Ohr-weiſſer Lilg-auch Meliſſen-Waſſer name /
Hilffe nichts: Auch Anis-Lein - vnd auch nicht der Fenchel -
Saame:
Von dem Schwertel gelb vnd blaw / von Rahpontick vnd der -
gleichen /
Coſtus nicht / auch Mely nicht / kuͤnne dieſe Noth erweichen;
Keine Wurtzel! mich beduͤnckt / daß ich etwa wo geleſen
Zapffen-Kraut / ſo viel genug / macht von dieſer Sucht geneſen.

23.

Auff Lingum.
Lingus ſolte fuͤr den Huſt brauchen Loch de Farfara;
Diß / verſtand er ſo vnd ſo / brauchte Loch de Barbara;
F f iij24. Auff84Andres Tauſend

24.

Auff Pimplam.
Pimpla hat das Jungfern-Feber: Rege-Kraut vnd Stendel -
Wurtz
Kan es daͤmpffen / iſt zu brauchen nicht zu ſparſam / nicht zu kurtz.

25.

Fuͤrſten vnd Feſtungen.
Eine Feſtung vnd ein Fuͤrſt / ſehn mich an fuͤr eine Sache /
Die da ſtets darff Vorrath / Geld / Mannſchafft vnd beſtellte
Wache.

26.

Zahlungs-Friſten.
Noch Hauptgut / noch die Zinſen / darff jetzt ein Schuldner gelten:
Es ſtehn zwar ſo die Schulden / der Glauben aber ſelten.

27.

Die Tugend.
Tugend / iſt ſo trefflich ſchoͤn; daß ſie dann die Welt nicht liebet?
Weil ſie alt / ſo ſchaͤmt ſie ſich / ſo ſie ſich auff lieben gibet.

28.

Redligkeit.
Wer die Redligkeit wil freyen / mag ſich kuͤhnlich laſſen ein;
Leichtlich / dann ſie iſt veraͤchtlich / wird er wol kein Hahnrey ſeyn.

29.

Braut fuͤr Weib. l. Jul. d. Adult.
Die Braut wird fuͤr das Weib / bey Rechten offt geacht:
Sie dencken auff den Tag / nicht aber auff die Nacht.

30.

Das Waſſer.
Ob das Waſſer / wird gefragt / die / die Waſſer trincken / naͤhret?
Naͤhrt es nicht / ſo iſts doch gut / daß es auch wie Wein nicht
zehret.
31. Auff85Vierdtes Hundert.

31.

Auff Jungfer Dubioſam.
Dubioſa iſt ſehr ſchoͤn / reich / geſchickt vnd ſonſt von Gaben;
Nur der Juden Hohe-Prieſter / kuͤnte ſie nicht ehlich haben.

32.

Rath ohne That.
Anſchlag der nicht Fortgang hat
Jſt ein Wagen ohne Rad.

33.

Der Namens-Tag.
Einen ſchlechten Namen hat / deſſen Namen durch das Jahr
Einen Tag / vnd ſonſten nie / kuͤndig vnd geehret war.

34.

Der Maͤy.
Dieſer Monat iſt ein Kuß / den der Himmel gibt der Erde /
Daß ſie jetzund ſeine Braut / kuͤnfftig eine Mutter werde.

35.

Auff Umbriam.
Umbria iſt zwar nicht ſchoͤn / doch ſie iſt der Schoͤnheit
Schimmer /
Wann ſie etwa gehet her / hinter ſchoͤnem Frauen-Zimmer.

36.

Hand-Prophecey.
WEr vnſrer Welt ſah in die Hand
Was iſt es / das er drinnen fand?
Raub / Mord / Trug / Schinderey vnd Brand;
Jhr iſt das letzte Recht erkant.

37.

Tauſend goͤldene Jahre.
EHſtes wird die boͤſe Zeit kummen auff die Bahre /
Ehſtes werden werden jung tauſend goͤldne Jahre;
F f iiijWie86Andres Tauſend
Wie es ſcheint / kans auch wol ſeyn / dann ſolch Gold zu kochen /
Hat zu Kohlen / Stadt vnd Dorff Krieg ſchon abgebrochen.

38.

An die Schweden.
ALles Jnſelt / von dem Vieh das jhr raubtet durch das Land /
Aſche von geſam̃tem Ort / den jhr ſetztet in den Brand /
Gebe Seiffe nicht genug: Auch die Oder reichte nicht
Abzuwaſchen jnnren Fleck / druͤber das Gewiſſen richt;
Fuͤhlt es ſelbſten was es iſt / ich verſchweig es jetzt mit Fleiß
Weil Gott / was jhr jhm vnd vns mitgeſpielet / ſelbſten weiß.

39.

Beredſamkeit.
EJn beredter Mund
Hat offt viel gekunt;
Manchmal zum verrichten
Manchmal zum vernichten.

40.

Steigender vnd fallender Nutz.
Garten-Nutz von Frauen-Aepffeln / wird in Anſchlag nicht
geſtellt /
Weil es iſt ein ſolcher Nutzen / welcher ſteigt vnd welcher faͤllt.

41.

Die neue Welt.
Weil der Krieg / die alte Welt hat zerſtoͤret vnd verheeret /
Werden neues Land / Stadt / Recht / Brauch vnd Siten / vns
gewehret.

42.

Schoͤnheit.
SChoͤnheit / die man haͤlt ſo werth /
Schoͤnheit / die man ſo begehrt /
Jſt gar ſparſam eingericht
Meiſtens vnters Angeſicht:
Wann87Drittes Hundert.
Wann die Menſchen giengen bloß
Waͤr ſie vielmals nicht ſo groß;
Schmuck vnd Kleider helffen ein /
Machen Anmut / geben Schein.

43.

Unbeſtand.
Daß im Circkel eine Vierung ſey zu finden / iſt wol klar:
Aber / daß auff runder Erde kein Beſtand / bleibt dennoch wahr.

44.

Ergetzligkeit.
EY! wie ſchad iſts um die Zeit / die mit R[ei]men ich verſpiele!
Ubler wuͤrde reimen ſichs / wann mit nicht[ſ]thun / ſie verfiele:
Eine Ruh fuͤr Leih vnd Sinn / iſt gelaſſen jede[m]zu;
Jeder ruhe wie er wil / ich beruh in dieſer Ruh.

45.

Ruh im Mittel-Punct.
Die Ruh faͤllt in den Mittel-Punct; bey Lupa aber nicht /
Wer hier kuͤm̃t her vnd ſucht zu ruhn / wird ſchaͤndlich außgericht.

46.

Ein Rauſch.
Kuͤm̃t Rauſch vom rauſchen her? Berauſchte ſind nicht
ſtille /
Jm giſſen rauſcht der Trunck / der Magen auff die voͤlle /
Die Blaſe mit ſam jhm / (wann uͤbrig ein was kuͤm̃t;)
Laͤſt rauſchen was zu viel / laͤſt rauſchen daß es ſchwimmt.

47.

Auff Fœmininum.
Aller Unfall der da kuͤm̃t / macht daß Fœmininus weine;
Macht alſo / daß er / man glaubt / ſey nicht einer / ſondern eine.
F f v48. Die88Andres Tauſend

48.

Die Chriſtliche Liebe.
Weiland war die Lieb ein Feuer / waͤrmer war jhr nuͤtzer Brauch /
Nun ſie aber iſt erloſchen / beiſt ſie nur / als wie der Rauch.

49.

Freunde.
Freunde pflegt man zu erwehlen
Nur nach waͤgen / nicht nach zehlen.

50.

Auff Pſeudonem.
Mir ſagt Pſeudo halb ſich zu; einem andren / auch ſo viel;
Und das Hertze / haͤlt er jhm; nem jhn gar! wer jmmer wil.

51.

Auff Levulum.
LEvulus ließ Trew vnd Glauben ſeiner Buhlſchafft auffzu -
heben /
Nachmals hat er Trew vnd Glauben jhr fuͤr eine Nacht gegeben.