Daß die Oeconomie, und insbeſon - dere die Wiſſenſchaft des Feld - und Garten-Baues mit zur Welt-Weisheit gehoͤre und von allen Zeiten darzu gezehlet worden, wird nie - mand ſo leicht in Zweifel ziehen.
Elorinus in ſeinem Rechtsverſtaͤndigen Haus - Vater im III Buch p. 542. redet hievon alſo: Was die Heyden von dem Land - und Feld-Le - ben gehalten, das laͤſt ſich aus denen Off Cic. erſehen, der den Acker-Bau fuͤr den vornehmſten Theil der Philoſophie geachtet, daher ſein ligo - ne Philoſophari die Weltweisheit mit einem Grabeſcheide exerciren, gekommen iſt. Denn im Acker-Bau ſteckt eine Weltweisheit, welche entweder durch Scharfſinnigkeit der menſch - liche Witz oder durch zutreffende Erfahrenheit vieler Jahre lehret, welches Land dieſem oder jenem Gewaͤchſe dienlich, um welche Zeit dieſe oder jene Feld-Arbeit zu unternehmen. Wenn) (2manVorrede. man nun dieſes im Pauſch und oben hin blos aus Gewohnheit vernimt, ſo heiſſen es die Gelehrten αφιλοσοφον; wird es aber aus gewiſſen Grund - Regeln und mit Erkentnis der Urſachen, warum dieſes dieſe Wirkung habe, verrichtet, ſo fuͤhret es bey allen Gelehrten, die ſonſt von den Bauern ganz abgeſondert ſeyn wollen, den Namen der Philoſophie. Anderer Zeugniſſe vieler gelehr - ten Maͤnner zu geſchweigen.
Gleichwohl iſt dieſer ſo nuͤtzliche Theil der philoſophiſchen Wiſſenſchaften, als auf welchen ſich hauptſaͤchlich die Wohlfahrt eines Staats gruͤndet, ſo wol in vorigen als unſern Zeiten von den Lehrern auf hohen Schulen entweder gantz verabſaͤumet und weggelaſſen, oder doch nicht gruͤndlich genung getrieben worden, woruͤber ſchon laͤngſt viele gelehrte Maͤnner geklaget. Der beruͤmte Becmann ſchreibet in ſeiner Poli - tica Parallela Cap III. §. 1. hiervon alſo:” Die „ Oeconomia hat bishero ganz neglect gelegen, „ davon Naudæus dieſe raiſon giebt, weil ſie mehr „ auf die Uebung, Erfahrung und beſondere Um - „ ſtaͤnde ankaͤme, als auf die Kunſt und Regeln, „ ſonderlich da oie Gelehrten, die ſich auf Buͤ - „ cherſchreiben legen, insgemein von dieſen Sa - „ chen nichts verſtehen. Die aber durch oͤftere „ Uebung die Heimlichkeiten der Oeconomie ge - „ lernet, als Kaufleute, Hauswirthe u. ſ. w. „ ſind nicht geſchickt etwas von ſolchen Sachen „ aufzuzeichnen.” Und Morhof in ſeinem Poly - hiſtore Tom III. Lib. VI. §. 1. ſpricht:” Auch„ dieVorrede. „ die Oeconomia gehoͤret zur practiſchen Phi - „ loſophie, und iſt es gewiß zu beklagen, daß die - „ ſer Theil ſo nachlaͤſſig und obenhin tractiret „ wird, der doch den Grund zu dem Wohlſeyn „ der ganzen Republic leget, und vielen Reich - thum darreichet.
Mit dem Naudro ſtimmet der beruͤhmte Struv in feiner Bibliotheca Philoſophica uͤber - ein, wenn er Cap. IX. §. 1. p. m. 202. ſich von der Oeconomie alſo vernehmen laͤſt:
Sed cum ſaniores bene perſpicerent, œco - nomiam non tam regulis eddiſci quam praxi, eandem in academiis non amplius tractarunt. Weil die Verſtaͤndigen wohl geſehen, daß die Haushaltungs-Wiſſenſchaft mehr durch die Ue - bung und Erfahrung als Regeln gelernet wer - de, ſo haͤtten ſie ſolche auf Univerſitaͤten ntcht mehr tractiret.
Jch wil hier andere urtheilen laſſen, ob die angegebene Urſache hinlaͤnglich, und ob es bil - lig ſey, daß man die Oeconomie aus dieſem Grunde gleichſam von den Univerſitaͤten relegi - ret. Denn es gruͤndet ſich die Haushaltungs - Kunſt und beſonders der Feld - und Garten - Bau allerdings auf gewiſſe Regeln, und muͤſſen billig alle Theile der Oeconomie darnach abge - handelt werden. Ob nun gleich dieſe Regeln in Erlernung der Oeconomie es nicht alleine ausmachen, und die Anwendung und Erfahrung das beſte dabey thun muß, ſo ſind dieſelben doch nicht zu verachten, ſondern thun zu gruͤndlicher) (3Er -Vorrede. Erlernung derer[oͤ]conomiſchen Wiſſenſchaften ihre herrlichen Dienſte, wenn ſie nicht auf eine bloſſe theoretiſche ſondern zugleich auf eine pra - ctiſche Art eingeſchaͤrfet werden. Denn es iſt leicht zu erachten, daß derjenige, welcher die Oe - conomie, und beſonders denjenigen Theil, wel - chen er nach ſeinen Umſtaͤnden am noͤthigſten er - achtet, in einem Zuſammenhange und nach ge - wiſſen Regeln und Gruͤnden erlernet, viel eher und beſſer zu ſeinem Zweck kommen und viel gruͤndlicher werden muͤſſe, als einer, der erſt nach und nach alles von andern Haus-Wirthen er - lernen und oͤfters mit vieler Muͤhe und Scha - den klug werden muß. Dahero man das ſtu - dium œconomicum billig nicht haͤtte unterlaſ - ſen, ſondern vielmehr jungen Leuten als etwas hoͤchſt noͤthiges anrathen ſollen, indem ſie da - durch nicht nur in Stand geſetzet werden, dem Staate nuͤtzliche Dienſte zu leiſten, ſondern auch ihrem eigenen Nutzen zu befoͤrdern. Denn ſie moͤgen ſich ein ſtudium erwehlen, welches ſie wollen, ſo muͤſſen ſie doch auch einmal Haus - Wirthe werden.
Viele meinen zwar, daß es mit der Haus - haltungs-Kunſt uͤberhaupt und ins beſondere auch mit der Garten - und Feld-Oeconomie ſo weit gekommen, daß man nicht ſagen koͤnte, daß ſie negligiret wuͤrde, indem ja die Menge oͤco - nomiſcher Buͤcher ein ganz anderes auswieſe, und koͤnte man, wenn man die Haushaltung antreten muͤſte, ſich in ſolchem Raths erholen. Hier -Vorrede. Hierauf dienet folgendes zur Antwort: Es iſt zwar an dem, daß die Anzahl derer oͤconomi - ſchen Buͤcher nicht gering iſt, und noch taͤglich vermehret werde, und koͤnte ich deren, wenn es noͤthig waͤre, eine groſſe Menge ſowol alte als neue anfuͤhren; jedoch nur einiger zu gedenken, ſo ſind z. Exempel bekant des
Unter welchen ich des Herrn v. Rohrs ſein Werk nebſt Stiſſers und Dithmars Einleitung zum Vorleſen fuͤr die beſte halte.
Es iſt auch wahr, daß in dergleichen Buͤ - chern viel Gutes enthalten, und daß ſie bey der Oeconomie gar wohl koͤnnen geleſen und nach - geſchlagen werden. Allein derjenige wuͤrde ſich) (4gewißVorrede. gewiß ſehr betruͤgen, welcher die Oeconomie blos aus denenſelben erlernen und ſich allezeit darauf verlaſſen wolte.
Die Verfaſſer der oͤconomiſchen Werke haben ſich zum Theil in ein alzuweites Feld ge - waget, und viele Dinge, welche in der Rechts - Gelehrſamkeit, in die Arzeney-Wiſſenſchaft, in die Sitten-Lehre, in die Politic und andere Wiſſenſchaften gehoͤren, in ihren Buͤchern bey - gebracht, und vieles dahin gezogen, welches nicht dahin gehoͤret. Z. E. von Berg-Werken, von der Jaͤgerey, von Bereiten der Pferde, von Kochen, von Bier - und Brandewein-Brauen, von Kohlen-Brennen in den Waͤldern und der - gleichen. Denn obgleich alle ſolche Dinge zum Nutzen und Ergetzlichkeit im menſchlichen Leben gehoͤren, auch von vielen œconomis exerciret werden, ſo gehoͤren ſie doch deswegen nicht in oͤconomiſche Buͤcher, denn ſonſt wuͤrde man faſt alle Kuͤnſte und Handwerke dahin ziehen, und beſchreiben muͤſſen. Z. E. viele Hauswirthe pfuſchen in die Faͤrberey, ſie mahlen, ſie drechs - len, ſie machen Wagner - und Tiſcher-Arbeit, ſie verfertigen Uhren, ſchleifen Glaͤſer, ſie ſieden Seife, ſie ziehen ſelbſten Lichte, kurz, ſie pfuſchen faſt in alle Kuͤnſte und Handwerke, und ſchaffen ſich damit in ihrem Hausweſen manchen Nu - tzen, indem ſie dadurch viele Ausgaben erſparen. Gehoͤren denn deswegen dergleichen Dinge in oͤconomiſche Buͤcher? ich halte es nicht davor: denn ſonſt wuͤrde ein ungeheures Werk endlichdar -Vorrede. daraus erwachſẽ, u. das ſtudium œconomicum ſo zu ſagen in eine Univerſal-Wiſſenſchaft, wor - innen man alles lernẽ muͤſte, verwandelt werden.
Wenn ein Haus - oder Land-Wirth die Jaͤ - gerey treibet oder zu ſeinem Vergnuͤgen einen Luſt-Garten haͤlt; ſo thut er das nicht als ein œconomus, ſondern da ſtelt er einen Jaͤger oder Kunſt-Gaͤrtner vor. Wil er folglich in dieſen Stuͤcken etwas lernen, ſo muß er die Jagd - und Garten-Buͤcher nachſehen und durch den Umgang mit Jaͤgern und Gaͤrtnern zu profiti - ren ſuchen. Denn es iſt nicht moͤglich, daß ein Auctor dieſe vielen Dinge, welche man in den oͤconomiſchen Werken findet, alle ſelbſt gruͤnd - lich verſtehen und umſtaͤndlich beſchreiben kan. Daher muß ſich ein ſolcher theils auf die Erzeh - lung anderer, welche oft unrichtig und unvol - ſtaͤndig iſt, verlaſſen, theils aus andern Buͤ - chern die Sache blindhin zuſammen tragen. Aus dieſer Urſache komt es, daß man ſo viel ſchlechte und unnuͤtze Dinge, ja wohl gar offen - bare Umwahrheiten und Verfuͤhrungen in ſol - chen Buͤchern lieſet. Und was das ſchlimmſte iſt, ſo iſt wegen Vielheit der Dinge, wie leicht zu erachten, das wenigſte recht volſtaͤndig und brauchbar ausgefuͤhret, und von dem Acker - und Garten-Bau, (worunter ich aber nicht die Kunſt-Gaͤrtnerey verſtehe) als von dem allernoͤ - thigſten Stuͤcke der Oeconomie nur obenhin ge - handelt worden; zu geſchweigen, daß viele in ihren Schriften nicht aufrichtig herausgegangen) (5undVorrede. und ihre Erfahrung und Vortheile aus Neid und Mißgunſt verſchwiegen gehalten. Wenn man nun ſolche Buͤcher geleſen, ſo weiß man zwar ex omnibus aliquid, aber in toto nihil; und wenn man ſie in Nothfal nachſchlagen wil, ſo ſind es leidige Troͤſter. Ja, wenn auch je - mand die allerbeſten oͤconomiſchen Buͤcher haͤt - te, ſo wuͤrde er wohl ſchwerlich ſolche recht ver - ſtehen und brauchen koͤnnen, wo er nicht vorher einen Vorſchmack erlangt, und dabey eine pra - ctiſche Anweiſung hat: denn es verhaͤlt ſich da - mit eben alſo, wie in andern Wiſſenſchaften, z. E. mit dem juriſtiſchen, mediciniſchen, philo - ſophiſchen und dergleichen Buͤchern.
Meinet man aber, daß man nicht Urſache habe uͤber die Verabſaͤumung des ſtudii œco - nomici auf Univerſitaͤten zu klagen, indem ja, wo nicht auf allen, doch auf den meiſten Deut - ſchen hohen Schulen gelehrte und rechtſchaffe - ne Maͤnner beſtelt waͤren, dieſe Wiſſenſchaft der Jugend vorzutragen, als zu Rinteln, Halle, Frankfurt, Goͤttingen, Braunſchweig und der - gleichen. Und wo ja kein oͤffentlicher Lehrer da - zu beſtelt waͤre, als etwa in Jena und auf an - dern Univerſitaͤten, ſo wuͤrde dennoch ſolche nicht unterlaſſen, ſondern von dem Profeſſore der Mo - ral oder der Phyſic, oder auch dann und wann von einem Privat-Docenten gelehret.
Hierauf antworte ich, das es allerdings zu ruͤhmen und nicht gnugſam zu loben iſt, daß das ſtudium œconomicum auf UniverſitaͤtenmitVorrede. mit mehrerm Fleiß getrieben wird, als ehedem geſchehen; allein dennoch getraue ich mir, ohne daß ich jemanden beleidige, zu behaupten, daß an den academiſchen Vorleſungen der Oeconomie noch gar vieles auszuſetzen und zu verbeſſern ſey.
Erſtlich iſt es ein groſſer Fehler, daß die - jenigen Docenten, welche dieſe Wiſſenſchaft auf Academien lehren, und welche ſonſten wegen ihrer Gelehrſamkeit und Erfahrung in andern Dingen die groͤſte Hochachtung verdienen, mei - ſtentheils ſchlechte Oeconomi ſind; denn indem ſie ſich in andere gelehrte Wiſſenſchaften alzu - ſehr verliebet und vertiefet, ſo ſehen ſie die Oeco - nomie als eine geringe und veraͤchtliche Sache an, und bekuͤmmern ſich alſo wenig darum, eine practiſche Erkaͤntnis und Erfahrung darinnen erlangen.
Alles, was ſie vom Feld - und Garten-Bau wiſſen und vortragen, das muͤſſen ſie blos aus denen Buͤchern nehmen. Weil ſie nun ſelbſt gar keine Praxin haben, und z. E. in der Feld - Oeconomie nichts geſehen und verſuchet, ſo re - den ſie wie der Blinde von der Farbe. Sie koͤn - nen in den oͤconomiſchen Buͤchern das Falſche und Unnoͤthige nicht von dem Wahren u. Nuͤtz - lichen, und das Nuͤtzliche nicht von dem Noth - wendigen unterſcheiden, u. folglich die Oecono - mie ohnmoͤglich recht gruͤndlich und nuͤtzlich leh - ren. Dahero laufen viele irrige Dinge mit unter: man macht aus gemeinen und bekanten Sachen Geheimniſſe, hingegen wahre Vortheile bleibenweg.Vorrede. weg. Man verfaͤlt auf allerhand Ausſchweif - fungen, und bringt Dinge bey, die gar nicht zur Sache dienen.
Herr Joh. Jac. Fleiſcher, welcher auf der Univerſitaͤt Goͤttingen die Oeconomie lehret, in ſeinen in den Leipziger Samlungen Tom. VII. p. 823. befindlichen Gedanken von dem Al - ter, Wachsthum und Nutzen der Oeconomie druͤcket ſich hiervon alſo aus: Ein Lehrer der Haushaltungs-Kunſt, der aber niemalen eine Haushaltung gehabt, oder ſich mit dem Acker - bau ein Geſchaͤfte gemacht, nimt die Saͤtze, die er von dieſer Wiſſenſchaft bey andern geleſen, ungepruͤfet an, und giebt ſie wieder wie er ſie empfangen hat. Er redet von der Oeconomie wie Seneca von der Armuth.
Jch habe dergleichen oͤconomiſche Diſcurſe ſelbſt mit angehoͤret, als ich vor vielen Jahren meinen aͤlteſten Sohn und meine Anverwandten auf der Univerſitaͤt zu N. beſuchte. Weil ich mich nemlich einige Tage daſelbſt aufhielt, und ver - nom̃en hatte, daß ein damaliger beruͤhmter Pro - feſſor uͤber des Hrn. von Rohrs Einleitung zu der algemeinen Land - und Feld-Wirthſchaftskunſt eine Vorleſung hielte, ſo war ich begierig zu hoͤrẽ, wie dieſer Herr ſeine Zuhoͤrer darinnen unterrich - tete. und verfuͤgte mich daher zur geſetzten Stun - de in das Auditorium. Als nun der Hr. Profeſ - ſor erſchien, ſo fuͤhrete er feinen Diſcurs uͤber den Bienen-Bau, denn ſo weit war er mit ſeiner Vorleſung gekommen. Bey dieſer Gelegenheitbrach -Vorredebrachte er vor, daß die Bienen eben ſolche Schachte wie die Berg-Leute baueten. Da - durch kam er von den Bienen-Bau voͤllig ab, und kam auf allerhand Metalle, welche hin und wieder in den Berg-Werken gefunden wuͤrden. Unter andern brachte er einen Spaniſchen Qua - truple hervor, welchen die Herren Studioſi einer nach dem andern betrachteten, wobey er erzeh - lete, wo dergleichen Gold in Jndien gegraben wuͤrde, und warum ein ſo wunderlich Gepraͤge darauf gebracht waͤre, bis er endlich auf die Chy - mie kam, denn er war ein ſtarker Chymicus, und darmit war die Stunde beſchloſſen. Jch dachte der Herr Profeſſor wuͤrde den andern Tag ohne Zweifel die Materie vom Bienen-Bau ordentlich ausfuͤhren, aber ſtatt deſſen wurde die gantze Stunde von dem Honig diſcuriret, und gezeiget, was daſſelbe ſowohl in der Haushal - tung, als auch in der Medicin fuͤr groſſen Nutzen haͤtte. Und alſo war ich von den Bienen-Bau ſo klug als ich vorhero geweſen. Jch wil meine Gedanken hieruͤber nicht eroͤfnen, ſondern an - dere, welche mehrere Einſicht haben, urtheilen laſſen, ob ein ſolcher Vortrag zu billigen ſey. Zum andern halte ich es nicht fuͤr rathſam, daß man ſich in denen Collegiis œconomicis mei - ſtens in ein alzuweites Feld, wie in den oͤcono - miſchen Werken und Buͤchern einlaͤſſet, und nicht nur alle Theile der Oconomie in einem ein - zigen Collegio abhandeln wil, ſondern auch wirklich viele Dinge mit hieher ziehet, die an - derswo zu erlernen ſind.
DaVorrede.Dahero kanes nicht anders ſeyn, als daß man bey den algemeinen Begriffen, Eintheilun - gen und Regeln meiſtentheils ſtehen bleiben muß, und in den Haupttheilen die beſondern Re - geln, Vortheile und Handgriffe, welches doch das beſte iſt, nicht zeigen kan. Aus ſolchen Col - legiis wird einer nimmermehr ein Oeconomus werden, wenn auch der Vortrag der Docenten im uͤbrigen noch ſo ordentlich, deutlich und ange - nehm waͤre. Und obgleich junge Leute, wenn ſie von Univerſitaͤten nach Hauſe kommen, aus ſolchen Vorleſungen einen Haufen von der Oe - conomie daher ſchwatzen koͤnnen, ſo haben ſie dennoch nicht den mindeſten Nutzen davon, und wenn ſie das geringſte angeben ſollen, ſo ſtehen die Ochſen am Berge, und ſie koͤnnen nichts zur Praxi bringen, welches mir viele ſelbſt ge - klaget haben. Unter andern habe ich einige Informatores in meinem Hauſe gehabt, welche auf hohen Schulen einen ſolchen Diſcours mit - genommen hatten, und ich muß geſtehen, daß ſie ganz artig erzehlen konten, wie unſere alten Vorfahren, beſonders aber die Roͤmer ihre Ae - cker und Guͤter cultiviret, und was dergleichen Dinge mehr waren. Bey dieſer Gelegenheit pflegte ich uͤber Tiſche, wie auch zu anderer Zeit ihnen von unſerer Erfurtiſchen Cultur und von meinen Vortheilen einen Begrif zu machen, wel - ches ſie auch willig und mit ſonderbarem Ver - gnuͤgen annahmen. Sie giengen auch unter - weilen auf das Feld in die Gaͤrten und anderePlan -Vorrede. Plantagen, um ſich da umzuſehen. Als nun dieſe Herren von mir weggekommen und aus - waͤrtige Aemter erhalten hatten, und folglich ihre eigene Wirthſchaft anſtellen muſten, (wie denn bey den mehreſten, beſonders geiſtlichen Aem - tern, die Beſoldung meiſtens in Ackerbau be - ſteht) ſo konnten ſie in Cultivirung der Aecker, Gaͤrten und Weinberge u. d. gl. mit ihrer in generalioribus erlerneten Wiſſenſchaft ſich gar nicht rathen noch helfen, und bedauerten es hoͤch - lich, daß ſie allen Vorleſungen auf hohen Schu - len, wie auch des von mir zuweilen im Geſpraͤch gegebenen Unterrichts ohngeachtet dennoch in vielen Dingen nicht fortkommen koͤnten, in dem ſie die Special-Regeln nicht recht erlernet, und bey ihrem Hierſeyn auf die Begattung der Ae - cker, Gaͤrten, Weinberge, Baum-Schulen und dergleichen, nicht recht aufmerkſam geweſen, und keine Muͤhe angewendet die Handgriffe zu ler - nen und zu beobachten. Nunmehro muͤſten ſie gleichſam im Finſtern tappen, und was ſie von den Gelehrten vorhero gelernet, ſolches huͤlfe ih - nen jetzo nicht viel, ſondern ſie muͤſten von vorn anfangen, und bey die Verwalter, Gaͤrtner und Bauern in die Schule gehen und ſich be - lehren laſſen. Und ſo geht es, wenn man eine Sache nur in generalioribus und obenhin tra - ctiret, und das Noͤthigſte mit veraͤchtlichen Au - gen anſieht, daß man hernach mit ſeiner Wiſſen - ſchaft keinen Hund aus dem Ofen locken kan, und nicht weiß, was man anfangen ſol, mithinnichts -Vorrede. nichtswuͤrdigen und ſchlechten Leuten oft in ge - ringen Sachen gute Worte geben muß, daß ſie einem mit einer Nachricht an die Hand gehen, da man als ein Gelehrter vielmehr ihnen haͤtte lernen ſollen. Wer dieſes alles erweget, der wird gewiß nicht in Abrede ſeyn, daß das ſtu - dium œconomicum eben nicht allezeit zum be - ſten auf Univerſitaͤten getrieben werde, und daß allerdings eine Verbeſſerung darinnen ſtat ha - ben koͤnne.
Ob ich nun gleich der geringſte unter denje - nigen bin, welche die oͤconomiſche Wiſſenſchaf - ten durch Schriften zu befoͤrdern ſuchen, ſo habe mich doch uͤber die 40 Jahr in dem Acker-Gar - ten-Wein - und Hopfen-Bau beſchaͤftiget, und ohne Ruhm zu melden, manches ſowohl nach hieſiger als auswaͤrtiger Cultur erfahren und er - funden, und wuͤnſche nichts mehr, als meinem Naͤchſten mit meiner wenigen Erkentnis und Er - fahrung zu dienen. Und in dieſer guten Abſicht habe auch bey dieſer Gelegenheit meine Gedan - ken von Verbeſſerung derer academiſchen Vor - leſung uͤber die Oeconomie eroͤfnen und einige Vorſchlaͤge thun wollen, wie man der ſtudiren - den Jugend auf Univerſitaͤten hierinnen zu Huͤl - fe kommen und ſolche zur Praxi anweiſen ſolle.
Jch wuͤrde aber hier gewißlich unvernuͤnf - tig und wider alle Klugheit handeln, wenn ich die loͤblichen und ruͤhmlichen Bemuͤhungen der Gelehrten, auf vielen hohen Schulen, welche den jungen Leuten erſtlich die Hiſtorie der Oe -conomieVorrede. conomie zu erzehlen, und einen Begrif von der Cultur der Alten zu machen, alsdenn aber die oͤconomiſchen Wiſſenſchaften ihnen auf eine or - dentliche und philoſophiſche Art vorzutragen und beyzubringen ſuchen, tadeln und verwerfen wol - te, wider welchen Vorwurf ich ſolenniſſime wil proteſtiret haben: denn der Ackerbau der Alten iſt eben nicht mit veraͤchtlichen Augen anzuſehen. Sie haben uns die Bahn gebrochen, daß die neuern leicht haben weiter gehen koͤnnen, wie der Herr Fleiſcher in ſeiner angefuͤhrten Abhand - lung in feiner Ordnung dargethan. Man wird vielmal mit Vergnuͤgen eine Achtſamkeit auf die allerkleinſten Sachen bey den Alten gewahr. Ja man findet bey ihnen Anmerkungen und Re - geln, welche den unſerigen in der Haushaltung gleich ſind, und wohl zuweilen noch einen Vor - zug haben: dadurch werden junge Leute zur Aufmerkſamkeit und Nachſinnen gebracht, und iſt kein Zweifel, wenn ſie die angemerkten Regeln aus dem Acker-Bau nicht ohne Wahl anneh - men, und mit Klugheit anwenden lernen, daß ihnen eine ſolche hiſtoriſche Abhandlung nuͤzlich ſeyn werde. Wenn nun hierauf ein ordentli - cher und gruͤndlicher Vortrag der Oeconomie erfolget, ſo werden junge Leute an eine Ordnung gewoͤhnet, und bekommen richtige Begriffe, wor - auf man hernach deſto beſſer fortbauen kan. Sondern mein Wunſch gehet hauptſaͤchlich da - hin, daß man ſich bey der hiſtoriſchen und theo - retiſchen Abhandlung nicht zu lange aufhalte,) () (oderVorrede. oder es dabey bewenden laſſe, ſondern daß viel - mehr die Feld - und Garten-Oeconomie um - ſtaͤndlicher und mehr auf eine praetiſche Art ge - trieben werde. Welches auch der Sinn des an - gefuͤhrten Herrn Becmanns iſt, wenn er in dem 10. §. des 10. Cap. ſeiner Polliricæ paralle - læ p. 524. wuͤnſchet,” daß man die Studioſos „ nicht mit etlichen leeren Worten abſpeiſen, ſon - „ dern in der Praxi recht unterrichten ſolle.
Sol aber dieſes geſchehen, ſo ſetze ich vor - aus, daß derjenige, welcher uͤber die Oeconomie Vorleſungen anſtellen wil, ſich ſelbſt vorher gruͤndlich darinnen umgeſehen habe, und beſon - ders, was zum Feld - und Garten-Bau gehoͤret, als worauf am meiſten zu ſehen, aus dem Grun - de verſtehe. Und ſolches zu lernen, hat ja ein Leh - rer auf allen Univerſitaͤten Gelegen heit, in dem wohl keine ſeyn wird, wo nicht Felder und Gaͤr - ten angetroffen werden. Und da muß man ſich freylich die Muͤhe nicht verdrieſſen laſſen, und ſich noch vielweniger ſchaͤmen, von den Pachtern Verwaltern, Gaͤrtnern, Bauern, Schaͤfern und andern erfahrnen Oeconomis eine Nachricht zu holen, alles was noͤthig, ſelbſt in Augen - ſchein zu nehmen, und ſich die Handgriffe zeigen zu laſſen. Solches wuͤrde nicht nur Herren Docenten auf Univerſitaͤten, welche ohnedies bey ihrem alzuheftigen Sitzen und Studiren meiſtens ihre Geſundheit zuſetzen, Gelegenheit zu einer geſunden Bewegung geben, ſondern ſie wuͤrden auch eher in Stand geſezt werden, oͤco -nomi -Vorrede. nomiſche Buͤcher zu beurtheilen, das beſte her - aus zu nehmen, und uͤberhaupt ihre Vorleſun - gen nuͤzlicher anzuſtellen.
Dieſes voraus geſezt, ſo bin ich erſtlich der Meinung, daß man gar wohl thue, wenn man bey dem Vorleſen ein Compendum als z. E. Stiſſers Einleitung zur Land-Wirthſchaft und Policey der Deutſchen, welches Herr Hofrath Zink verbeſſert und brauchbarer gemacht hat, oder Herrn Dithmars Einleitung in die oͤco - nomiſche Policey - und Cameral-Wiſſenſchaf - ten, ingleichen des Hrn. von Rohrs Einleitung zur algemeinen Land - und Feld-Wirthſchafts - Kunſt der Deutſchen, oder ſonſt ein ſeines Hand - Buch zum Grunde lege, und ſolcher Geſtalt den Zuhoͤrern gleichſam einen Grund-Riß aller oͤco - nomiſchen Wiſſenſchaften vormahle, und alſo einen Vorſchmack beybringe. Und dieſes koͤn - te den erſten Theil eines oͤconomiſchen Collegii abgeben.
Zum andern iſt mein unmaßgeblicher Rath, daß man alsdenn die Feld-Oecononne, worun - ter ich die Cultur der Aecker, Gaͤrten, Wieſen, Wein - und Hopfen-Berge begreiffe, insbeſon - dere vornehme und recht gruͤndlich und um - ſtaͤndlich abhandele. Denn mit dem vorigen generellen Unterricht kan man ſich ohnmoͤglich behelfen. Es mag einer einen Theil der oͤcono - miſchen Wiſſen ſchaft treiben wollen, welchen er wil, ſo hat er noch eines beſondern Unter - richts noͤthig. Weil aber ein Lehrer ohnmoͤg -) () (2lichVorrede. lich alle dieſe Dinge recht verſtehen kan. Z. E. Das Jagd - und Forſt-Weſen, das Berg - und Huͤtten-Weſen, Kohlenbrennen, Bereiten der Pferde, u. d. gl. auch die allerwenigſten Studio - ſi ſolches noͤthig haben, und uͤberdies eine prac - tiſche Anfuͤhrung in allen, wegen Mangel der Gelegenheit hierbey nicht ſtat hat, ſo kan man auch nicht verlangen, daß daruͤber beſondere Vorleſungen gehalten werden. Allein mit der Feld - und Garten-Oeconomie verhaͤlt ſichs ganz anders, in dem nicht nur die allermeiſten dieſel - be einmal noͤthig haben, ſondern auch ein Leh - rer auf allen Univerſitaͤten Gelegenheit findet, ſich darinnen umzuſehen und andere darzu an - zufuͤhren. Weil nun von dieſem Theile das mehreſte Wohl in dem Haushalt, Nahrung, Handel und Wandel in unſerm ganzen Leben abhanget, ſo verdienet er, daß man ihn insbe - ſondere abhandelt. Aber da darf man es frey - lich nicht bey algemeinen Erklaͤrungen, Einthei - lungen, Regeln und Diſcourſen bewenden laſſen, ſondern man muß auch auf Specialia ge - hen, und z. E. die ganze Cultur aller Feld - und Garten-Fruͤchte, der Baͤume, der Weinſtoͤcke u. ſ. w. wie nemlich ſolche das ganze Jahr hin - durch zu begatten, vom Anfang bis zu Ende, nach allen Regeln, Vortheilen, und Arbeiten, die dabey zu beobachten und vorzunehmen, ab - handeln und beſchreiben, und von den Audi - toribus zu Papire bringen laſſen. Ein ſolches Collegium kan in Praxi zum Hand-Buche die -nenVorrede. nen und ungemeine Dienſte thun. Denn ob - gleich die gegebenen Regeln wegen des verſchie - denen Climatis, Beſchaffenheit des Erdbodens und anderer Dinge nicht allezeit algemein ſind: ſo koͤnnen ſie dennoch, wenn man ſeine Vernunft zu Rathe ziehet, allenthalben, es ſey in Schwe - den oder Frankreich, gebraucht werden, indem ein jeder durch eigenes Nachſinnen die, nach Be - ſchaffenheit ſeines Climatis und anderer Um - ſtaͤnde, noͤthige Ausnahme ſelbſt leicht ma - chen, und gar wohl abnehmen kan, ob er et - was eher oder langſamer ſaͤen, pfropfen, oculiren, oder andere dergleichen Arbeit vornehmen ſolle.
Drittens iſt noͤthig, daß man den Zuhoͤrern die Handgriffe weiſet und lernet, damit ſie den muͤndlichen Vortrag deſto beſſer verſtehen u. ei - nen ſinlichen Eindruck davon bekommen moͤgen. Und dieſes kan auf zweyerley Art geſchehen. Erſt - lich bey dem Vorleſen ſelbſt, wozu ich folgenden Vorſchlag thue. Man laſſe nemlich in das Audi - torium oder ſonſten an einen bequemen Ort in einem Hofe einen mit Erde angefuͤlten breternen Kaſten ſchaffen, und lege ſich alle zur Feld-Oeco - nomie gehoͤrige inſtrumenta zu. Die kleinen un - ter ſolchen kan man behalten, wie ſie an ſich ſelb - ſten ſind, von dẽ groͤſſern aber, weil ſie unbequem und etwas theuer ſind, laſſe man ſich kleine Mo - delle von Holz verfertigen, gleichwie ſolches in der Matheſi und Phyſic auch gewoͤhnlich. Auf ſolche Art wird man alle in der Feld-Oeconomie vor - kommende operationes und Handgriffe ſowol) () (3zurVorrede. zur Winters - als Sommers-Zeit in der Stube gar bequem zeigen koͤnnen. So kan man ja z. E. jemanden die Handgriffe, welche zum Pfro - pfen gehoͤren, zu aller Zeit weiſen. Man laſſe ſich nemlich Zweige oder Reiſer eines Daumens di - cke, welche den Stam, worauf man pfropfen wil, vorſtellen ſollen, in eine Stube oder an einen an - dern Ort, wo man dergleichen demonſtriren wil, bringen. Desgleichen beſtelle man einige Reiſer in der Dicke einer Feder-Spule, welche das Pfropf-Reis ſollen vorſtellen ſolche Reiſer moͤ - gen duͤrre oder gruͤne ſeyn, ſo ſind ſie hier zu ge - brauchen, doch ſind die letzteren am beſten hierzu dienlich. Mit dieſen kan der Lehrende den Ler - nen den erſtlich zeigen, wie man den Stam, wor - auf man pfropfen wil, ſoll zubereiten, und dann, wie die Reiſer ſollen zugeſchnitten werden, ſowol wenn man in Spalt, als auch wenn man in die Schale pfropfen wil. Ferner wie der Stam nebſt den aufgeſetzten Reiſern entweder mit Weiden oder Baſt ſol verbunden und nachhero mit Baum-Wachs oder mit einem zugerichte - ten Pfropf-Leimen verwahret werden. Und auf ſolche Art kan auch das Oculiren, Ablactiren und alle andere Pfropfungen, das Verſetzen und Beſchneiden der Baͤume, das Reolen und Wenden der Erde, desgleichen bey den Garten - Fruͤchten das Saͤen, Fuͤſſeln, Unterziehen, Pflan - zen, Durchſchneiden, ja alle andere operationes und Handgriffe gezeiget, und der Gebrauch der Jnſtrumenten gewieſen, auch zugleich die termi - ni technici erklaͤret werden.
EsVorrede.Es iſt aber auch noͤthig, daß die Zuhoͤrer in einem ſolchen Collegio ſelbſt mit Hand an - legen und die Inſtrumenta lernen appliciren. Denn dadurch werden ſie in Stand geſetzet, daß ſie in Zukunft ihren Leuten und Tageloͤhnern, welche oͤfters hierinnen entweder fehlen, oder wohl gar in manchen Stuͤcken ganz unerfahren ſind, ſolches wiederum recht zeigen und lernen koͤnnen. Es iſt beſſer, daß man es ſolchen Leu - ten ſelbſt lernen und ſie corrigiren kan, als von ihnen, wie gemeiniglich zu geſchehen pfleget, und welches ich anfaͤnglich ſelbſt erfahren, ausgela - chet zu werden, und durch ihren Unverſtand und Eigenſin in ſeiner Oeconomie Schaden zu lei - den. Jch wil die Sache mit einem einzigen Exempel erlaͤutern. Es iſt bekant, daß man die Kohl-Pflanzen vermittelſt eines Pflanzers (bey uns nennen ſie ſolchen einen Stickel) oder Steck - holzes fortzupflanzen pfleget, welche Art auch uͤberhaupt bey Verſetzung aller Pflanzen die be - ſte iſt. Ob nun gleich dieſes die gemeinſte und geringſte Arbeit zu ſeyn ſcheinet, ſo iſt doch in Wahrheit ein beſonderer Vortheil dabey zu beobachten, wenn die Pflanzen bekleiben oder fortkommen ſollen. Es muß nemlich die Erde mit dem Pflanzer recht angedruͤckt werden, wo - bey ich dieſe Probe zu machen pflege: ſobald ei - ne Pflanze geſteckt worden, ſo faſſe ich ein einzi - ges Blat mit den zwey Forder-Fingern ein klein wenig etwan eines Pfennigs groß an, und ziehe ſolches in die Hoͤhe gehet oder reiſſet dieſes Stuͤk -) () (4leinVorrede. lein von dem Blate herunter, ſo iſt die Pflanze recht geſteckt worden; gehet aber die Pflanze aus der Erde heraus, ſo iſt die Erde mit dem Pflanzer nicht recht angedruͤckt worden, und die - ſelbe muß daher, wenn es nicht bald darauf reg - net, verdorren und verderben. Jch habe bey der Verpflanzungs-Zeit, da ich wohl jaͤhrlich 1000. Schock von allerhand Kohl-Gewaͤchſen, und noch mehr, ſtecken laſſe, mit den Tageloͤhnern und Geſinde oͤfters viele Muͤhe gehabt, ehe ich ihnen das rechte Stecken und den Handgrif die Pflanze anzudruͤcken, wie nicht weniger die ge - hoͤrige Weite, ob ich gleich vorhero Linien ma - chen laſſen, in die Koͤpfe bringen koͤnnen.
Die andere Art, denen Studioſis die noͤthigen Handgriffe zu lernen, beſtehet darinnen, daß man ſie zu gehoͤriger Jahreszeit, wenn dis und jenes Geſchaͤfte vorgenommen wird, wirklich auf die Aecker, in die Gaͤrten, in die Wein - berge und an dergleichen Orte fuͤhret, da ſie von einem Oeconomo oder Gaͤrtner, welcher aber kein Windbeutel oder Jgnorante, ſondern ein erfahrner Man ſeyn muß, mit welchem der Docens zu dieſem Endzwecke eine Bekantſchaft unterhalten kan, alles noͤhtige ſehen und ſich zeigen laſſen, auch ſelbſt probiren koͤnnen. Doch iſt meine Meinung gar nicht, daß man eine Fer - tigkeit im Hacken und Graben erlangen ſolle, wofuͤr ich mich ſelbſt bedanke, und dadurch wird auch gewiß niemand reich. Jnzwiſchen kan es doch nicht ſchaden, wenn man auch von dieſergemei -Vorrede. gemeinen Arbeit den Handgrif lernet. Denn es iſt gewiß bey dem Graben und Rechen (Harken) ein beſonderer Vortheil, daß es dem Tageloͤhner nicht ſo ſauer wird, und doch ge - ſchwinde von ſtatten gehet. Hat man nun ſol - ches ſelbſt probiret, ſo kan man es, wo es noͤthig, ſolchen ungeſchickten Leuten fein weiſen, wie ſie es machen ſollen. Hr. D. C. E. Kuͤnhold ſpricht in ſeiner Oeconomia experimentali, Sect. V. p. 105. Denn gleichwie die Gluͤckſeligkeit und Nutzen aller Schaͤtze und Reichthuͤmer nicht im bloſſen Beſitz, ſondern vielmehr in rechtem und loͤblichem Gebrauche beſtehet; alſo will es nicht genug ſeyn, in der Wirthſchaft und Haushal - tung viel lernen und wiſſen, ſondern man muß auch ſelbſt Hand anlegen, und das wenige, was man hiervon erlernet hat, in die Uebung bringen und practiciren.
Dieſe Art, jungen Leuten durch den Au - genſchein, die bey dieſem Theile der Oeconomie vorkommende Geſchaͤfte und Handgriffe zu ler - nen, iſt ungemein gut, und an ſich betrachtet auſſer allem Streite die beſte, indem derglei - chen Dinge nicht beſſer koͤnnen gelernet werden, als wenn man ſie auf den Aeckern und in Gaͤr - ten wirklich ſiehet vornehmen, und von ſolchen Leuten, die beſtaͤndig damit umgehen, ſich zei - gen laͤſſet. Und nach dieſer Art pfleget auch der beruͤhmte und in dieſen Dingen erfahr - ne Hr. Hofrath Zink ſeine Auditores zur Praxi anzufuͤhren, wie er in den Leipziger Samlun -) () (5genVorredegen im 7ten Baud p. 668. meldet:” Endlich „ habe ich den Ackerbau nach wenigen und mehr „ hiſtoriſch als ſyſtematiſch vorgetragenen Spe - „ cial-Regeln dieſes Geſchaͤftes vorgenommen, „ damit aber ſogleich die ſinliche Obſervationes, „ indem ich ſie hinaus zu den Objectis dieſes Ge - „ ſchaͤftes gefuͤhret, und ihnen die Praxin und „ Application der Regeln, die Maͤngel und das „ Gute, it. die Verbeſſerung mit Huͤlfe der Er - „ fahrung, it. die Converſation mit Wirthen „ ſelbſt gezeiget, verbunden. Allein weil dieſe Art nicht unmittelbar mit dem muͤndlichen Un - terrichte kan verbunden werden, ſondern den Winter uͤber, wie auch anderer Urſachen hal - ber, gar unterbleiben muß: ſo iſt allerdings die erſtere Art zur Erlaͤuterung des Vortrages viel beſſer, indem ſie, ſo oft es noͤthig iſt, unmittel - bar kan vorgenommen werden. Doch aber iſt hernach die andere Art, ſo viel moͤglich, damit zu verbinden. Der Nutze wird alsdenn deſto groͤſſer ſeyn, indem auf ſolche Art ein wiederhol - ter und doppelter Eindruck geſchiehet, daß man alſo die Dinge ſich viel lebhafter vorſtellen und deſto eher merken kan.
Vielleicht moͤchte aber hierdurch Jemand auf die Gedanken gerathen, als wenn ich alzuviel von einem oͤconomiſchen Collegio foderte, und verlangete, daß einer in demſelben ein volkom - mener Bauer, Gaͤrtner und ſo weiter, werden ſolle. Allein man erwege nur, daß ich, wie bereits erwehnet, hier nicht rede von der alge -meinenVorrede. meinẽ Oeconomie, ſondern mein Vorſchlag geht auf einen der noͤthigſten und nuͤtzlichſten Theile derſelben, nemlich auf die Feld - und Garten-Oe - conomie, und da nimt eine ſolche Demonſtration gewiß nicht viel Zeit weg. Wolte ſich nun jemand etwa in andern Theilen der oͤconomiſchen Wiſ - ſenſchaften uͤben, ſo muͤſte er ebenfals entweder auf Univerſitaͤten, oder wo er Gelegenheit darzu findet, ſich nach einer beſondern und practiſchen Unterweiſung umſehen. Ueberdis ſo wuͤrde ich einfaͤltig handeln, wenn ich verlangen wolte, daß einer in einem ſolchen Collegio zum wirklichen Practico werden ſolte. Denn dazu gehoͤret mehrere Uebung und Erfahrung, und kan einer hierinnen nicht auslernen, ſondern muß durch Leſung guter Schriften, durch Umgang mit er - fahrnen Leuten, durch eigenes Nachſinnen und angeſtellete Verſuche, immer mehr zu lernen und weiter zu gehen ſuchen. Mein Sinn und ohnmasgeblich er Vorſchlag geht vielmehr da - hin, daß junge Leute eine Anleitung zur Praxi, oder einen ſolchen Unterricht bekommen moͤgen, welchen ſie wirklich einmal in der Praxi nutzen und vermittelſt deſſelben weiter gehen koͤnnen. Jch zweifele nicht, wenn meine geringe Vor - ſchlaͤge wohl aufgenommen und zur Ausuͤbung gebracht werden, daß der ſtudirenden Jugend durch goͤttlichen Segen vieler Nutze dadurch koͤnne zuwege gebracht werden.
Nach dieſen Vorſchlaͤgen iſt auch gegen - waͤrtige Abhandlung eingerichtet, in welcher ichdieVorrede. die Erziehung und Wartung der Baͤume nach allen Stuͤcken zwar kurz aber doch hinlaͤnglich beſchrieben. Jch habe darinne die natuͤrlichſte Ordnung, welche die Baumzucht ſelbſt an die Hand giebt, beobachtet, und alles, was hierzu noͤthig, aufrichtig abgehandelt, unnuͤtze und falſche Dinge aber gaͤnzlich vermieden. Die wenigen Ausſchweifungen, welche zuweilen zum Vergnuͤgen und zur Curioſitaͤt gemachet wor - den, werden hoffentlich dem geneigten Leſer nicht entgegen ſeyn. Wo es noͤthig geſchienen, anderer ihre Meinung anzufuͤhren, habe ich die Stellen ſelbſt mit beygefuͤget, damit man bey dem Leſen nicht erſt noͤthig habe, nachzuſchla - gen, zumal, da nicht ein jeder Leſer die Buͤcher ſelbſt bey der Hand hat. Die Materie von dem Spalier - und Franz-Baͤumen, welche ehe - mals in den Funkiſchen Samlungen mitgethei - let, habe in dieſer Abhandelung nothwendig wiederholen und mit einruͤcken laſſen muͤſſen, indem ſie eigentlich hieher gehoͤret, und gedachte Samlungen nicht in jedermans Haͤnden ſind; doch habe mich der Freyheit bedienet, verſchie - denes daran zu aͤndern, und umzuſchmelzen. Es doͤrfte mir zwar mancher bey Erblickung die - ſes Tractats vorwerfen wollen, daß ich eine vergebliche Arbeit uͤbernommen, indem albereit ſehr viele von der Baumzucht und Anlegung der Baumſchulen geſchrieben; allein ob es gleich an dem iſt, daß in verſchiedenen andern Buͤ - chern und Werken von dieſer Materie geſchrie -benVorrede. ben worden, ſo iſt mir doch keines bekant, wor - innen dieſelbe ſo voͤllig in ihrem Zuſammenhange und zwar auf eben ſolche Art abgehandelt wor - den, als im gegenwaͤrtigen Compendio geſche - hen. Es wird auch ein jeder Garten-Liebhaber bey Durchleſung dieſer Blaͤtter gewahr werden, daß vieles darin enthalten, welches man bey an - dern nicht findet. Doch habe diejenigen Din - ge, welche allen Garten-Verſtaͤndigen bekant ſind und in andern Buͤchern auch angetroffen werden, um des Zuſammenhangs und um derje - nigen Leſer willen, welche hierin noch nicht viel verſtehen, nicht doͤrfen weglaſſen. Jnzwiſchen habe ich mir keinen zum Vorgaͤnger erwehlet, welchen ich in meiner Abhandlung haͤtte zu fol - gen geſuchet. Noch vielweniger habe noͤthig gehabt, anderer ihre weitlaͤuftigen Werke ins Kleine zu bringen, oder aus zehen Compendiis das eilfte zu machen, welches vielmahls zu ge - ſchehen pfleget. Wie denn mein Verleger mir kuͤrzlich geklaget, daß es ihm mit der Abhand - lung vom Samen-Werke ſchon alſo gegangen, daß einige vieles daraus ausgeſchrieben oder doch wenigſtens mit andern Worten in ihren Buͤchern angebracht, wie in dem dritten Theile mit mehrerm wird zu erſehen ſeyn. Jch kan mit den allergroͤſſeſten Betheurungen verſi - chern, daß ich nichts geſchrieben, was ich nicht ſelbſten beynahe ſeit 50 Jahren bis hieher verſu - chet, probiret und erfahren habe. Jch wuͤrde auch keine Feder angeſetzet haben, wo nicht nebſtmei -Vorrede. meinem bereits in der vorigen Abhandelung ge - gebenen Verſprechen, andern mit meiner weni - gen oͤconomiſchen Erkentnis weiter zu dienen, die guͤtige Aufnahme und der ſchleunige Abgang meiner geringen Arbeit, wie auch die vielen, ſo - wol muͤndlichen als ſchriftlichen Ermunterun - gen erfahrner Goͤnner mich angetrieben, dieſe Materie abzuhandeln. Jm uͤbrigen uͤberlaſſe ich es dem eigenen Urtheil verſtaͤndiger und billi - ger Leſer, ob meine Arbeit ſo gerathen, daß die Garten-Liebhaber einigen Nutzen daraus ſchoͤ - pfen koͤnnen. Jch kan freylich leicht erachten, daß ich nicht in allen Stuͤcken werde Beyfal finden; allein es iſt auch gar nicht meine Abſicht, ande - ren ihre Meinung abzuſtreiten und die meinige aufzuzwingen, ſondern es hat ein jeder ſeine Freyheit, in ſolchen Dingen zu glauben, was er wil. Solte ſich aber ja ein neidiſcher und un - billiger Tadler, welcher doch die Sachen nicht verſtehet, finden, und dieß und jenes benagen wollen, ſo wird man demſelben ſchon zu gehoͤri - ger Zeit ſeine Abfertigung zu geben und den Un - grund darzuthun wiſſen. Dem geehrten Leſer aber dienet noch zur Nachricht, daß der dritte Theil meiner oͤconomiſchen Arbeit, welcher von den Specerey - und Kuͤchen-Gewaͤchſen handelt, mit GOttes Huͤlfe auch bald nachfolgen und auf die Michael-Meſſe zugleich mit ans Licht tre - ten wird. Erfurt, den 4ten Aug. 1752.
C. R.
Der Buchbinder wolle
Da ich mir vorgenommen in dieſemVon der freyen Lage des Ortes. Werkgen die Cultur der Baͤu - me kuͤrzlich zu beſchreiben, und beſonders von Anlegung der Baum-Schulen zu handeln; ſo wird noͤ - thig ſeyn, daß ich erſtlich von dem Orte, wo ſolche anzulegen, wie auch von der Erde und der Zubereitung derſelben handele. Was nun den erſten Punct betrift, ſo muß man zu einer ſolchen Plantage einen Ort im freyen Fel - de, oder auch in einem Garten erwaͤhlen, alwo die jungen Reiſer und Baͤume der Sonne und Luft den ganzen Tag genieſſen koͤnnen. Denn dieſe befoͤrdert denen Pfroͤpfern, Reiſern und al - len Baͤumen ihr Wachsthum, und verſchaffet, daß der jaͤhrliche Wuchs recht reif wird. JnAbh. v. Baͤum. Aden21. Cap. Von der Beſchaffenheitden Gaͤrten, wo gemeiniglich groſſe und hohe Baͤume ſtehen, und hinter den Haͤuſern uͤber - kommen ſie vielen Schatten, welcher ihnen ſchaͤd - lich iſt. Sie wachſen zwar viel ſchneller in die Hoͤhe, als in freyer Luft; allein der Trieb und das Holz bleibet weich und ſchwammicht, und wird niemalen recht reif und hart. Wenn ſolche Baͤu - me hernach in die freye Luft und Sonne, und an andere Oerter verſetzet werden, ſo ſchrumpfen die Reiſer zuſammen und verwelken, ehe ſie derſelben gewohnet werden, und gehen gemeiniglich zuruͤck, daß alſo die mehreſten Kaͤuffer damit betrogen wer - den. Dahero muß man hierzu entweder in einem geraͤumigen und freygelegenen Garten oder im freyen Felde einen Ort ausleſen.
Meynet aber Jemand, daß ſolches wegen des Wildes nicht allenthalben angienge, indem man vor demſelben an vielen Orten, beſonders in freyen Gaͤrten und Feldern, kein Reislein auf - bringen koͤnte: ſo iſt ſolches freylich andem; al - lein man kan dieſem Uebel ſchon abhelfen, wenn man nemlich die Koſten nicht anſiehet, und einen ſolchen Ort mit einem wohl befeſtigten Zaune oder Stacket verwahret. Eine ſolche mit Stacketen verwahrte Plantage von drey Aeckern kan ein jeder vorbey Reiſender alhier im freyem Felde vor dem Schmiedſtaͤtter-Thore antreffen, worinnen die ſchoͤnſten gepfropften und wohl gewachſenen Baͤu - me zu finden, welche nunmehro zum Verſetzen dien - lich ſind. Wo es viel hohes Wild und Haſengiebt,3des Ortes und der Erde. giebt, da iſt ein ordentlicher oder auch lebendiger Zaun nicht hinlaͤnglich zu verhindern, daß ſie nicht Schaden thun ſolten. Denn die Haſen krie - chen und beiſſen durch hin, und ſchaͤlen gemeini - glich den Winter uͤber die jungen Staͤmlein ab, und das hohe Wild bricht alle Staͤmme, wenn ſie auch gleich uͤber 2. Zol in Diameter dicke ſind, ent - zwey. Oder man muͤſte alle Baͤume uͤber und uͤber mit Stroh gegen den Herbſt verbinden laſſen, und zugleich mit tuͤchtigen ſtarken Baumpfaͤhlen ver - ſehen, welches bey einer groſſen Baum-Schule viele Muͤhe und Koſten verurſachen wuͤrde, daß die Ausgabe die Einnahme weit uͤbertreffen doͤrfte. Wenn ein Liebhaber bey einem lebendigen Zaune viel Koſten anwenden wil, um dieſem Uebel vorzu - beugen, ſo muͤſſen um den ganzen Garten Pfahle am Pfahle ohngefehr 3 Zol weit von einander geſte - cket und mit Weiden angebunden werden, damit kein Haſe hindurch kommen kan. Wenn die Pfah - le zwey Schuh lang uͤber der Erden ſind, ſo ſind ſie hoch genung. Vor das hohe Wild aber iſt kein beſſer Mittel zu verhindern, daß ſie nicht hindurch brechen koͤnnen, als daß in der Mitten des Zaunes, der Laͤnge nach, 4. Latten 2. Schuh weit von einan - der hindurch geſtecket, angenagelt oder mit Weiden angebunden werden. Auf ſolche Art kan keiner hindurch kommen, ſie moͤgen es auch anfangen wie ſie nur immer wollen. Dabey aber muß ich noch dieſes erinnern: wenn jemand das Ungluͤck haͤtte, daß ihm das Wild in ſeine Gaͤrten oder Baum-Schule, ehe eine ſolche Verwahrung geſche -A 2hen,41. Cap. Von der Beſchaffenheithen, einbrechen und die jungen Baͤume verderben ſolte; ſo darf man ſolche nicht gleich aus Ungedult und Uebereilung herausſchmeiſſen und in Ofen wer - fen, wie ich ſolches ſelbſt gethan, ſondern man muß den Ort, wie oben gedacht, verwahren und die zer - brochenen und beſchaͤdigten Staͤmme wiederum an - ders pfropfen und oculiren. Denn da die Staͤm - me einmal vorhanden, dicke und groß ſind, ſo kan man auf ſolche Art die viele Zeit und Koſten erſpa - ren, welche erfodert werden, ehe man wieder andere von ſolcher Staͤrke und Groͤſſe aus den Kern er - ziehen kan, daß alſo der Schaden dadurch weit er - traͤglicher gemacht wird.
Es iſt aber hierbey auch noch zu merken, daß man niemals an einem ſolchen Orte eine Baum-Schule anlegen muͤſſe, wo vorher eine geſtanden. Viele Liebhaber, welche in Anlegung der Baum Schulen ſich lange Jahre bemuͤhet ha - ben, klagen, daß ihre jungen Baͤume nicht mehr ſo freudig und gut wachſen wolten, als ſonſten geſchehen, ſondern ſie wuͤrden moſicht, blieben kleine, und ſie koͤnten auch die Urſache nicht fin - den, woher oder warum dieſes Uebel entſtuͤnde. Ja es iſt mir ſelbſt alſo ergangen: als ich aber einiger gepfropften Staͤmme aus meiner Baum - Schule an die Stelle der alten abgegangenen Obſt-Baͤume in meine Gaͤrten hin und wieder verpflanzete; ſo beklieben ſie zwar, und ſetz - ten ihre jungen Wurzeln in der Erde ziemlich an; allein ſie blieben einige Jahre nach einanderin5des Ortes und der Erde. in eben der Groͤſſe wie ich ſie hatte verſetzen laſ - ſen, trieben auch kleine und kraͤnkliche Sommer - Sproſſen, und gingen endlich zuruͤck und ver - darben. Hingegen wuchſen diejenigen jungen Baͤume, welche an einen ſolchen Ort verſetzet wor - den, alwo kein alter Baum geſtanden hatte, ſehr ſchoͤne, trieben ihre Sommer Reiſer in die Hoͤhe und brachten nach wenig Jahren ihre Fruͤchte.
Hierdurch kam ich hinter die Wahrheit, warum meine gepflanzten Baͤume an den Or - ten, wo alte Obſt-Baͤume geſtanden hatten, nicht fort wachſen wolten: nemlich weil die alten Baͤu - me von ſo vielen Jahren her durch ihre tiefe Wurzeln die Salia, welche zum Wachsthum der jungen noͤthig ſind, aus der Erde heraus ge - ſogen, und der Erdboden ſich in ſo vielen Jah - ren an den verlohrnen Kraͤften nicht wieder hat erholen koͤnnen, wovon in der Abhandlung vom Samen-Werk p. 61. kan nachgeleſen wer - den. Hieraus erhellet ohnwiderſprechlich, daß, wo einmal eine Baum-Schule geſtanden, man wohl in 30. Jahren keine wiederum an ſolchem Orte anlegen darf.
Dieſes kan ich auch noch aus einer andern Erfahrung darthun. Vor der Contagion hatten unſere ſogenanten Erfurtiſchen Gaͤrtner viele Baum-Schulen im freyen Felde angeleget, wel - che aber wegen der betruͤbten Zeiten eingegangen waren. Nach der Zeit, ohngefehr vor 50. Jahren, fiengen einige an wiederum auf eben den nem -A 3lichen61. Cap. Von der Beſchaffenheitlichen Aeckern Baum-Schulen anzulegen: allein die geſaͤeten Kern, wenn ſie aufgegangen waren, noch weniger aber die Piroͤpfer, wolten nicht von der Stelle wachſen, wodurch ſie genoͤthiget wur - den dieſelben wiederum auszuheben und auf friſche und hierzu noch nicht gebrauchte Laͤndereyen zu bringen, indem ſie anmerken, daß bey den an - dern die geſaͤeten Kern-Staͤmme und gepfropften Reiſer ſchnel in die Hoͤhe wuchſen. Hier koͤnte mir eingewendet werden, daß man auſſer dieſem Mittel dennoch an eben dem Orte, alwo eine Baum Schule vorher geweſen, wiederum eine an - legen koͤnte, wenn man die Erde 2 Schuh tief reolte oder wendete, und derſelben mit der Duͤn - gung zur Huͤlfe kaͤme. Dieſes iſt zwar wahr; allein wegen dieſer zweyen koſtbaren Bemuͤhun - gen, wodurch man dem Lande im Nothfall zu Huͤlfe kommen muß, wenn man nicht abwechſeln kan, iſt mein Satz nicht zu verwerfen. Denn ich rede von einem Orte, wo es mehrere Laͤnde - rey giebt, die ſich zu Baum-Schulen ſchicket, der - gleichen wir hier in unſern Erfurtiſchen Feldern genug haben. Denn da hat man ja nicht noͤthig ſo viele Muͤhe und groſſe Koſten zur Verbeſſe - rung des Landes anzuwenden, ſondern man kan oh - ne Bedenken abwechſeln und einen friſchen Boden erwaͤhlen. Wo es aber in den Gaͤrten auch an andern Orten nicht anders ſeyn wil; ſo muß man freylich einen ſolchen Grund und Boden wieder - um zu verbeſſern und zu erneuern ſuchen und hier - innen keine Koſten ſparen. Alhier muß ich nochanfuͤh -7des Ortes und der Erde. anfuͤhren, daß in unſeren Erfurtiſchen Dreyen - brunnen-Gaͤrten die Obſt-Baͤume nicht gut thun noch fortwachſen wollen, ſondern ſie gehen nach und nach wiederum ab, woruͤber ſich alle Jnha - ber beſchweren. Woher aber dieſer Schade ent - ſtehet, koͤnnen ſie nicht einſehen. Es ſind die Laͤndereyen an dieſem Orte alſo beſchaffen, daß ein jedes Land, welches bey uns ein Jahn genen - net wird, 18, 20 bis 24. Schuh breit, und mit Raſen-Raͤndern eingefaſſet iſt. Zwiſchen dieſen befindet ſich allezeit ein Graben, worein Waſſer geleitet iſt, die Laͤndereyen damit zu begieſſen. Auf beyden Seiten derer Raſen-Raͤnder ſind Zwetſchgen oder Pflaumen, und in der Mitten Obſt-Baͤume alleenweiſe gepflanzet. Hieraus iſt gar deutlich die Urſache zu finden, warum die andern Obſt-Baͤume verderben und zu Grunde ge - hen muͤſſen. Denn indem die Zwetſchgen-Baͤu - me von beyden Seiten nach der Mitten zu ihre Nah - rung ſuchen muͤſſen, ſo folgt, daß jene ſo zu reden tod gebiſſen werden. Wer hiervon eine Nachricht verlanget, kan in meiner hiſtoriſchen Beſchreibung von den Erfurtiſchen Dreyenbrunnen das Kupfer anſehen.
Vor einigen Jahren hatte ich recht auserleſe - ne ſchoͤne und wohlgezogene Arten von Obſt-Baͤu - men auf einem dergleichen Lande ſtehen, ſie trieben aber nicht eines Zolles lang Sommer-Sproſ - ſen, woruͤber ich und meine Gaͤrtner uns ſehr verwunderten. Jch ſtellete ihnen die albe - reit gedachte Urſache, woher dieſes Uebel kom -A 4men81. Cap. Von der Beſchaffenheitmen moͤchte, vor, welches aber von ihnen in Zwei - fel gezogen wurde. Zum Beweis befahl ich oh - ne Barmherzigkeit die Zwetſchgen-Baͤume alſo - bald zu beyden Seiten auszurotten und hinweg zu ſchaffen. Das folgende Jahr trieben meine Obſt-Baͤume die ſchoͤnſten Sommer-Reiſer 1 auch 2 Schuh lang, welches bey meinen und andern Leuten zuwege brachte, daß entweder die Zwetſchgen oder die Obſt-Baͤume auf die Laͤnder nunmehro allein geſetzet werden.
Eine Baum-Schule verlanget von rechtswe - gen ein ebenes und gleiches Feld, und eine gute geſchlachte Crde, wie bey uns anzutreffen iſt: denn bey einer ſolchen iſt man vieler Muͤhe uͤberheben, daß man ſie nicht erſt verbeſſern muß. Findet man aber dergleichen nicht, und das Erdreich iſt unfruchtbar; ſo muß man unterſuchen, ob es let - ticht, oder thonicht iſt. Dieſe beyde dienen nicht wohl zu einer Baum-Schule, wohl aber zu denen Weinbergen, wovon ich unten ein mehreres erin - nern werde. Ferner unterſuche man, ob die Er - de ſchwer, oder leichte, trocken oder feuchte, oder aber ſchiefericht, kalkicht, oder tod und untragbar ſey, und dieſe vier letzteren Arten ſchicken ſich gleich - fals zu keiner ſolchen Auslegung, wohl aber die drey erſten, welchen man aber dennoch mit der Duͤngung und anderer Arbeit zu Huͤlfe kommen und ſie wilde zu machen und zu verbeſſern ſuchen muß.
Fin -9des Ortes und der ErdeFinder ſich, daß ein ſolcher Ort, wo derglei - chen ſoll angeleget werden, mit groben Steinen angeſuͤllet iſt, oder alzufeſte auf einander lieget, und ſich gleichſam wie ein Steinfelſen feſte zu - ſammen geſetzet hat, ſo iſt demſelben mit nichts als durch das Wenden und Reolen, wozu noch die Duͤn - gung kommen muß, zu helfen. Ein ſolcher fe - ſter und ſteinigter Boden verhindert, daß die ſub - tilen und kleinen Wurzeln nicht hindurch kom - men, und ihren Nahrungs-Saft genugſam an ſich ziehen koͤnnen: ſondern ſie kriechen nur in der Oberflaͤche der Erden hin, und wachſen end - lich wegen Mangel der Nahrung nicht von der Stelle: doch erhalten ſie mit genauer Noth das Leben, werden moſicht und bleiben Krippel. Ein naſſer und ſumpfichter Boden ſchicket ſich noch weniger zu den Baum-Schulen, wohl aber zu den Erlen-Baͤumen, Alnus vulgaris J. B. wovon ich unten ein mehreres anfuͤhren werde.
Weil ich jetzo von der Erde handele, ſo hal -Von der Fruchtbar - keit der Sal - peter-Erde. te davor, daß ſich gar ſchoͤn hieher ſchicke, was anno 1745. ein gelehrter, beruͤhmter und erfahr - ner Freund, Hr. Dr. H. nebſt mir in den da - maligen Funkiſchen Samlungen oder Kern aus - erleſener Wiſſenſchaften mitgetheilet hat. Da es aber hier und da zerſtreuet und in keiner Ord - nung zu finden iſt; ſo habe ſolches anfuͤhren und noch ein mehreres aus der Erfahrung mit bey - bringen wollen.
A 5Mit101. Cap. Von der BeſchaffenheitMit Beſchreib-Unterſuch - und Verbeſſerung der zu dem Feld - und Garten-Bau dienlichen Erden und deren Fruchtbarkeit haben ſich bereits viele Liebhaber beſchaͤftiget, wie ſolches die Gar - ten - und Haushaltungs-Buͤcher mit mehreren be - ſagen; es findet ſich aber dennoch bey einigen noch dieſes faſt algemeine Vorurtheil, und iſt, wenn von der Unfruchtbarkeit eines Erdreichs ei - ne Urſache gegeben werden ſoll, die gewoͤhnli - che Sprache, daß der in der Erde befind - liche Salpeter, daran Schuld ſey. Selbſt, den beruͤhmten und ſonſt andere vorgefaßte Mey - nungen verwerfenden Herrn Kayſenberg un - ter dem Nahmen von Hartenfels hoͤret man noch alſo ſprechen, wenn er in ſeinem neuen Gar - ten Saale, und zwar in der zweyten Betrachtung des erſten Theils p. 11. ſich folgender Geſtalt ver - nehmen laͤſſet:” Es iſt auch eine andere Art von „ Erdreich, ſo ganz ſalpetricht iſt, worinne die Ge - „ waͤchſe nicht wohl fortkommen wollen. Die - „ ſes Erdreich erkennet man daraus, weilen es im „ Sommer, (wenn die Sonne nach einem Regen „ darauf ſcheinet) ganz weiß ausſiehet. Sotha - „ nen ſchlimmen Boden habe ich verbeſſert geſe - „ hen, da ein ſicherer Gaͤrtner Aſche und Kalk un - „ tereinander gemiſchet, dicht uͤber das Land ge - „ bracht, und ohngefehr 3 bis 4 Wochen ruhen laſ - „ ſen, das Erdreich wurde zwar umgegraben, und „ hat die Sonne nachgehends den Salpeter gaͤnz - „ lich ausgezogen, welcher ganz weis auf dem Lan - „ de gelegen hat ꝛc.
Der11des Ortes und der Erde.Der Herr Verfaſſer wird hoffentlich nicht uͤbel nehmen, daß ich ihm hierinne widerſpreche und dargegen kuͤrzlich zeige, daß der Salpeter an aller Unfruchtbarkeit unſchuldig ſey. Denn 1.) hat der Autor mit nichts erwieſen, daß in dem angeblichen unfruchtbaren Erdreiche Salpeter vorhanden geweſen, da doch deſſen Gegenwart vermittelſt der bekanten Auslaugung leichtlich zum Vorſchein gebracht werden koͤnnen, mithin ehe und bevor dergleichen Unterſuchung geſche - hen, man nicht ſagen kan, was fuͤr ein Salz zu - gegen und was die Unfruchtbarkeit vernrſache. 2.) Das angegebene Zeichen iſt gleichfals unzu - laͤnglich, die vorſcheinende Weiſſe auf dem Erd - reiche machet es gar nicht aus, indem auch an - dere Salze, als Alaun und Vitriol, zumal wenn dieſer letztere von der Sonne beſchienen wird, weiß ausfehen, und da bekant, daß es ſowol alau - nigte, vitrioliſche, kuͤchenſaltzige als ſalpetrige Erden giebet, ſo kan der bloſſe Augenſchein die Sache nicht entſcheiden, ſondern es gehoͤren ganz andere Proben und Verſuche darzu. 3.) Jſt das vorgeſchlagene Mittel den Salpeter wegzubrin - gen, gleichfals unrichtig, vielmehr wird derſelbi - ge durch Zuſatz der Aſche und ungeloͤſchten Kalk vermehret, ja gar gezeuget, wie ſolches in Chy - miſchen Schriften hin und wieder zu leſen, auch die Ausuͤbung der Salpeter-Siederey dieſen Satz beſtaͤtiget. Hingegen iſt 4.) eben hieraus, daß dieſes angegebene Mittel gut gethan, und das Erdreich verbeſſert worden, gewiſſer zu ſchlieſſen,daß121. Cap. Von der Beſchaffenheitdaß ein ganz ander Salz, und vermuthlich ein Alaun oder Vitriol, doch keinesweges der Sal - peter die Urſache der Unfruchtbarkeit geweſen. Wie aber der Kalk und die Aſche die Erde verbeſ - ſert, iſt ohne Zweifel auf dieſe Weiſe zugegangen, indem das in denenſelben ſteckende laugenhafte Salz, die in dem Erdreiche vorhandene vitrioli - ſche Saͤure an ſich genommen und ſich mit ein - ander vereiniget, wodurch ein Mittel-Salz her - vor gebracht worden, welches nachgehends denen Pflanzen nicht mehr ſchaͤdlich ſeyn koͤnnen. Dan - nenhero faͤlt auch 5.) der angefuͤhrte Umſtand, daß nemlich die Sonne den Salpeter gaͤnzlich an - gezogen und verzehret, voͤllig hinweg, wie auch uͤberhaupt dieſe der Sonne zugeſchriebene Wir - kung nicht wohl begreiflich iſt. Hergegen iſt es 6.) eine in der Erfahrung gegruͤndete Wahr - heit, daß das ſalpetrichte Weſen vieles zu dem Wachsthum der Erdgewaͤchſe beytrage, und die daruͤber angeſtellte vielfaͤltige Verſuche legen zu Tage, daß die Vermehrungs Kraft und Frucht - barkeit von dieſem Salze mehrentheils befoͤrdert werde, welches 7.) beſagter Herr Verfaſſer p. 27. ſelbſten, wiewohl ohne Grund, eingeſtehet, daß das ganze Geheimnis dieſer wunder baren Vermehrung in geſchickter Einwaͤſſerung des Samens mit dem ſale nitri oder dem Salpeter-Salz beſtehe, welches die aufloͤſende Kraft und das wahre principium des Wachsthums und der Vermehrung zu ſeyn be - ſchrieben worden, wovon auch die Ephemerides Na - turæ Curioſorum uͤberzeigende Proben gegeben. Er13des Ortes und der Erde. Er wiederholet ſolches auch p. 49. und p. 225. Wie kan man denn, ohne ſich zu widerſprechen, ſagen, daß die ſalpetrichte Erde unſruchtbar ſey? Das Gegentheil 8.) durch ein einziges Beyſpiel zu be - weiſen, beziehe mich auf ein Stuͤck Landes hieſi - gen Orts zwiſchen unſerm Johannis Thore und dem Dorfe Jlversgehofen gelegen, welches der Salpeter-Huͤgel genennet wird, und zwar des we - gen, weilen vor undenklichen Jahren daſelbſt eine Salpeter-Siederey geweſen. Als dieſe eingegan - gen und die Salpeter-Waͤnde zuſammen geſchmiſ - ſen worden, ſo iſt daraus der Huͤgel entſtanden, welcher nachhero zu einem fruchttragenden Acker zugerichtet worden. Dieſer truͤget von ſo langer Zeit her noch bis jetzo, ohne daß derſelbe jemals geduͤnget werden darf, allerhand Fruͤchte, als Korn, Gerſte, Hafer, Ruͤbe-Samen, Kraut, Anis, Mohnen und dergleichen. Dannenhero iſt auch kein anderer Schluß zu machen, als daß dieſe ſo dauerhafte Fruchtbarkeit ſolcher Salpeter Erde zugeſchrieben werden muͤſſe. Ob man gleich mey - nen ſolte, daß die Kraft oder das ſalpetrichte We - ſen durch das beſtaͤndige Beſtellen dieſes Feldes einmal abnehmen, und, da zumalen ſolches faſt nie - mals Brache lieget, endlich gar aufhoͤren muͤſte, oder der Salpeter nach der gegenſeitigen Mey - nung wohl etwa von der Sonne ausgezogen und verzehret werden doͤrſte; ſo iſt doch dieſes keines - weges zu beſorgen, da eines Theils die Erfahrung dawider ſtreitet, andern Theils aber bekannt iſt, was der Beytrit und Mitwuͤrkung der Luft zurZeu -141. Cap. Von der BeſchaffenheitZeugung des Salpeters beytraͤget, wie ſolches die Chymiſten nicht nur mit verſchiedenen Verſuchen erwieſen, ſondern auch die taͤglich[e]Erfahrung an den aufgeſchlagenen Haufen der Salpeter-Erde, an den Salpeter-Waͤnden zeiget, mithin die Luſt dasjenige Salz, ſo die Erd-Gewaͤchſe zu ihrer Nahrung aus der Erden heraus gezogen, bey die - ſer beſondern Art und Beſchaffenheit des Erd - reichs beſtaͤndig wieder erſetzet, folglich daraus zu ſchlieſſen, daß die Fruchtbarkeit dieſes Stuͤck Lan - des niemals abnehmen, auch mit ſothaner Erde, weilen ſelbige ſehr tief alſo ſtehet und im Ueber - fluß vorhanden, andere magere Aecker verbeſſert werden koͤnnen, als wovon bereits mit erwuͤnſch - ten Erfolg eine Probe gemacht worden. Ob - gedachter Herr Verfaſſer wird uͤbrigens hierdurch geziemend erſuchet, dieſer Erinnerung Platz zu geben, und bey einer neuen Auflage ſeines Gar - ten-Buchs dieſen Fehler ohnmasgeblich zu ver - beſſern.
Es dienet auch nachfolgendes zu noch meh - rerem Beweis, daß der Salpeter zur Befoͤrde - rung und zum Wachsthum aller Gewaͤchſe das niehreſte beytrage, ja gleichſam die Seele al - ler Erd-Gewaͤchſe ſey, wie Glauberus auch al - lenthalben ruͤhmet de Merc. Phil. §. 68. Sal & Nitrum eſt unica vegetatio, generatio omnium vegetabilium, animalium & mine - ralium. Ein gewiſſer nunmehro aber verſtor - bener Dorf Pfarrer, Herr Mag. Fr. welcher an - derthalb Stunden von unſerer Stadt wohnete,kauſte15des Ortes und der Erde. kauſte von ſeinen Bauern viele um ihre Gaͤrten und Haͤuſer befindliche alte Waͤnde zuſammen welche auch die Salpeter Sieder wohl bezahlen, indem ſich vieles Salz darinnen befindet. Dieſe von dem Salpeter zerfreſſenen Waͤnde lies be - ſagter Pfarrer auf ſeine Braͤch-Aecker fahren, und in kleine Stuͤcken zerſchlagen, und hernach die Erde nicht alzu dicke fein ordentlich mit einer Schaufel auf den Aeckern ausbreiten. Nach dieſer gethanen Arbeit wurden dieſelben Aecker, wie ordentlich zu geſchehen pfleget, gebrachet, geruh - ret, und in dem darauf folgenden Herbſt theils mit Roggen, theils mit Weitzen beſtellet. Das folgende Jahr darauf erhielte er hiervon eine un - gemeine und reiche Erndte, welches die Bauern mit Verwunderung anſehen muſten, und in nach - folgenden Jahren bekam er abermals eben ſo viel Segen, ja was noch mehr war, es wurden auch die auf dieſen Aeckern befindliche Fruͤchte viel ſchoͤ - ner und beſſer als auf denen darneben liegenden und von den Bauern geduͤngten Aeckern. Hier - durch wurden ſie kluͤger, indem ſie nunmehro ihre alten Waͤnde ſelbſten auf ihre Aecker fahren, und keine mehr zu verkauffen pflegen.
Eben ſo verhaͤlt ſich es auch mit der Erde, welche ſich an ſolchen Orten befindet, wo Haͤuſer, Staͤlle und dergleichen geſtanden, denn mit der - ſelben kan man ſo zu reden Wunder-Dinge zuwe - ge bringen. Denn da an einem ſolchen Orte in ſo vielen Jahren keine Gewaͤchſe geſtanden, durchwelche161. Cap. Von der Beſchaffenheitwelche die Salze heraus gezogen worden, auch die Luft und Sonne wegen der Bedeckung der Haͤu - ſer ſolche nicht haben hinweg nehmen koͤnnen, ſo kan es nicht anders ſeyn, als daß ſich ſolche darin - nen ſamlen muͤſſen, und daher komt es, daß der Salpeter in denen Haͤuſern und Staͤllen mehren - theils ſehr ſtark waͤchſet und angetroffen wird. Es iſt alſo der Schluß richtig und gewis, daß an dergleichen Orten der Salpeter den Gewaͤchſen, welche darauf gebracht werden, viel ſtaͤrker zu Huͤlfe kommen muͤſſe, als in den Laͤndereyen, wel - che beſtaͤndig zu den Fruͤchten vorhero gebrauchet worden, insbeſondere aber, wenn ein ſolcher aus - geruheter Boden fein zubereitet, geduͤnget, gegra - ben, und die darinnen befindlichen Steine heraus geleſen werden.
Einen ſolchen Ort, nahe an meinem kleinen Luſt-Garten, pachtete ich vor einigen Jahren von meinem Nachbar, lies ſolchen zurechte machen, und ſaͤete im Fruͤhjahr zwey ziemliche Beete mit Sommer-Levcojen dahin. Als dieſelben aufge - gangen waren, ſo lies ich ſie von Unkraut reini - gen und jaͤten, und ſie blieben alſo ſtehen, bis ſie in ihre Blumen-Knoͤpfgen wuchſen. So bald ſich dieſe zeigten, ſo muſte der Gaͤrtner die Ein - fachen taͤglich verziehen und hinweg ſchmeiſſen, die Gefuͤlten aber, welche an den dicken Knoſpen zu erkennen ſind, und welche mehr als die Haͤlſte ausmachten, muſte er ſtehen laſſen. Als nun die Einfachen voͤllig hinweg genommen waren, ſo praͤſentirten ſich die Gefuͤlten in ungemeiner Groͤſſeund17des Ortes und der Erde. und in verſchiedenen rothen Farben untereinander, daß es mit Vergnuͤgen anzuſehen war. Jch wur - de um deswillen zur ſelbigen Zeit von vielen er - fahrnen Blumen-Liebhabern, welche hieher reiſe - ten, eines arcani beſchuldiget; als ich aber ihnen das Geheimniß eroͤfnete, daß an dieſem Orte in undencklichen Jahren nichts waͤre gebauet wor - den, ſondern ein Stall darauf geſtanden haͤtte, ſo glaubten ſie hernachmahlen, daß dergleichen Er - ziehung keine Kunſt waͤre, und von dieſer Erzie - hung derer Sommer-Levcojen werde ich in Zu - kunft in demjenigen Theile, wo ſie hingehoͤret, ein mehreres handeln. Doch es koͤnte mir alhier ein Einwurf gemacht werden, welchen ich aber hier - durch ablehnen wil. Wenn der Salpeter, wie ich oben geſaget habe, Wunder-Dinge zuwege bringen kan: warum ſind denn nicht alle Lev - cojen gefuͤllet worden? Es iſt zwar, es ſcheinet, als wenn ich mir ſelbſten widerſpraͤche; allein man betrachte, daß hier ein guter und volkommener Sa - me, und zwar von allen Gewaͤchſen, das Seinige auch darbey thun muͤſſe, wovon ich in der Ab - handlung vom Samen-Werck im Erſten Theil p. 50. eines und das andere angemercket habe.
Da man nun den Grund und Boden nichtVon Um - wendung der Erde, allezeit haben kan, wie man wil, ſo muß man frey - lich, wie bereits gedacht worden, denſelben durch das Wenden oder anch wohl durch das Reolen zu verbeſſern ſuchen, daher ſol von beyden mit weni -Abh. v. Baͤum. Bgen181. Cap. Von der Beſchaffenheitgen gehandelt werden. Das Wenden wird alſo verrichtet: Man laͤſſet am Ende eines Landes oder Ackers in die Quere einen Graben dritte - halb Schuh tief und 3 Schuh breit machen, und wirft die Erde zur lincken Hand alle heraus in die Hoͤhe. Nach dieſer Arbeit muß die dar - neben befindliche obere Erde abgeſtochen und in die Tiefe geworfen werden. Und ſo wird die uͤbri - ge Erde, wenn ſie mit den Picken, Kaͤrſten, oder Grabeſcheide locker gemachet worden, in den zu - vor gemachten Graben geworfen und aufgeſchau - felt, ſo lange bis man wieder einen Graben wie den vorigen bekomt; doch muͤſſen die groben Steine, wenn ſich welche unter der Erde befin - den, ausgeleſen werden. Und auf eben dieſe Art muͤſſen die uͤbrigen Graben gemachet wer - den, und gleiche Tiefe von drittehalb Schuheu, als wie der erſtere bekommen. Alſo faͤhret man beſtaͤndig mit Aushebung der Graben fort, und fuͤllet ſolche allezeit mit der naͤchſt daran liegen - den Erde wiederum zu, bis man an das Ende komt. Jn dem letzten Graben fehlet es her - nachmalen an der Erde, welcher mit der allerer - ſten, die bey dem Anfauge heraus und in die Hoͤhe geworfen worden, und mit einer Radebern herbey gefahren wird, wieder zugefuͤllet werden muß. Ob nun gleich beſſere Erde in die Tiefe, und hergegen ſchlechterer Grund in die Hoͤhe kommen ſolte, ſo thut ſolches zur Sache nichts; ſondern die Wurzeln derer Baͤume oder auch an - dere Gewaͤchſe werden in der untern Erde ihreNah -19des Ortes und der Erde. Nahrung ſuchen. Je tiefer man tinen ſol - chen Grund ausheben - und wenden laͤſſet, je beſ - ſer iſt es den Baͤumen; doch iſt die angege - bene Tiefe zu einer Baum-Schule hinlaͤnglich genug. Ob nun ſchon dieſes einige Koſten ver - urſachet, ſo findet ſich hergegen der Nutzen ge - doppelt. Eine ſolche umgewendete und unter einander gemiſchte Erde, welche vorher ganz unfruchtbar geweſen, wird hernachmalen durch Regen, Schnee, Froſt und Thau muͤrbe und ge - ſchwaͤngert, daß ſie im folgenden Jahre mehr zu - wege bringen kan, als ein anderer guter Grund, welcher noch feſte auf einander lieget. Nach dieſer geſchehenen Wendung der Erde wird ein ſolcher Ort mit einem Harken oder Rechen fein gleich geebenet, und ein halb Jahr gelegener und halb vermoderter Rinder-Miſt darauf ge - bracht, fein gleich ausgetheilet, und eingegraben. Hierbey iſt noch zu merken, daß man die Duͤn - gung nicht erſt eine Zeitlang liegen laſſen duͤrfte; denn ſonſt wuͤrde die Sonne und Luft die beſten ſalia und die wachſende Kraft aufziehen und hin - weg nehmen. Dieſes iſt alſo die Zubereitung der Erde zu einer Baum-Schule, die aber auch zu anderen Gewaͤchſen ungemein dienlich iſt.
Was den Nutzen dieſer Wendung belan - get, koͤnnen meine noch vor 30. und noch vor 4. Jahren angelegten Weinberge, welche aus 5. Ae - ckern beſtehen, einen deutlichen Beweiß abge - ben, zu welchen ich die Erde vorher wenden laſſen. Und dadurch iſt geſchehen, daß ich fuͤr andernB 2einen202. Cap. Von der Beſchaffenheiteinen reichen Segen am Weine viele Jahre er - halten habe. Es waren dieſe Oerter mit groben Steinen, Letten und Sand untermenget, und wenn ich dieſelbigen nicht haͤtte ſo wenden laſſen, waͤren gewiß weder die Wurzeln noch Faͤſerlein derer Weinſenker durch einen ſolchen feſten Grund und Boden hindurch gewachſen. Nachdem aber ſolcher lucker und milde gemachet worden, ſo ſind ſie mir, wenige ausgenommen, ſehr wohl beklie - ben, welches nunmehro fuͤr manchen Augen ein Wunder ſcheinet. Ob mir gleich dieſes Koſten verurſachet, ſo bringt hergegen der Nutzen ſolche vielfaͤltig wieder ein; denn mit einem ſolchen jetztgemeldeten ſandigten mit Letten untermengten und uͤblem Grunde iſt ohnedem nicht viel anzu - fangen, indem er ſehr wenig oder wohl gar keine Korn-Fruͤchte traͤget.
Das andere Mittel, den Grund und Boden zu verbeſſern und zu einer Baum-Schule zuzu - bereiten, iſt das Reolen, und ſolches iſt viel koſtba - rer als das Wenden, doch wird dadurch eine ſol - che Erde viel ſchoͤner und geſchlachter gemacht, welche hernach zu allen Baͤumen und Kraͤutern dienlich iſt, damit ſie darinnen freudig fortwach - ſen koͤnnen. Den Nutzen, welchen ich und viele andere hiervon durch lange Erfahrung erhalten haben, kan niemand leugnen. Denn eine lange ausgeruhete, durch das Reolen in die Hoͤhe gebrachte und untereinander gemiſchte Erde bringet mehr zuwege, als die obere, welche be -ſtaͤndig21des Ortes und der Erde. ſtaͤndig zu den Gewaͤchſen gebrauchet worden. Die Urſache iſt nach meiner Einſicht dieſe, weil die Duͤngung und die Salia, der obern Flaͤche durch den Regen und Schnee ſich nach und nach von vielen Jahren in die untere beſtaͤndig ruhen - de Erde einſenken, wodurch dieſelbe freylich ſehr tragbar werden muß, wovon ich unten in der Abhandlung des dritten Theils bey denen Kuͤ - chen - und anderen Specerey-Fruͤchten einen weit - laͤuftigern Bericht geben werde.
Man verfaͤhret aber mit dem Reolen alſo: Es wird die Erde 2, 3 oder 4 Schuh, tief nach ei - nes jeden Einſicht ausgehoben, und mit einer Schaufel durch eine Horde geworfen, welche ent - weder von Drat oder Holz gemacht iſt, und ſchief geſtellet werden muß. Die Steine und anderer mit Erde untermengter Unrath, welcher zum er - ſtenmal nicht hindurch gegangen, wird noch ein - mal durchgeworfen, und der Ueberreſt, welcher alsdenn vor der Horde liegen und zuruͤck bleibet, wird an dem Orte in die Tiefe und ſchlimmen Wege geſchaffet. Wenn nun dieſe Arbeit voͤllig verrichtet und zu Ende gebracht iſt, wird die Er - de fein eben und gleich gemacht, hernach geduͤn - get und gegraben, ſo iſt ſie zu denen Baͤumen ſehr dienlich. Eine ſolche ausgeruhete und herauf gebrachte Erde iſt auch denen Tulipanen ſehr zu - traͤglich, indem ſie unvergleichliche groſſe und ſchoͤne Blumen hervorbringen, wovon p. 59. in der Abh. von Samen ein mehreres zu erſehen iſt.
Die beſte Art hinlaͤnglicher Reiſer zu Anle - gung einer Baum-Schule zu erhalten, iſt, daß man ſie aus den Obſt-Kern zu zeugen ſuchet. Ob ich mir nun gleich viele Muͤhe ge - geben habe, und die mehreſten Haushaltungs - und Garten-Buͤcher, welche von denen Baum - Schulen handeln, durchgeſuchet; ſo habe ich den - noch in keinem finden koͤnnen, wie man zu gnugſa - men Aepfel - und Birn-Kern gelangen kan, ſon - dern die mehreſten geben an, man ſolte die Kern nach und nach ſelbſten ſamlen. Allein wer ge - ſonnen iſt nur eine kleine Pflanz-Schule von Baͤumen anzulegen, der wird gewiß mit dieſer Samlung ſo lange zubringen, daß die Saͤe-Zeit vorbey ſtreichet, von welcher p. 21. in der Ab - handlung vom Samen zu leſen iſt.
Mit dieſer Samlung verfaͤhret man al - ſo: man ſuchet gegen den Herbſt von denen Jaͤ - gern und aruten Bauerleuten eine Menge ſo - wol von wilden Aepfeln als Birn, welche man fuͤr weniges Geld uͤberkommen und einkaufenkan.23der jungen Staͤmme. kan. Mit den Birn verfaͤhret man alſo: Man laͤſſet ſie auf einen Haufen legen, daß ſie auf ein - ander erwaͤrmen, und recht teig werden. Wenn die Faͤulung geſchehen, werden ſolche in ei - nem Trog oder Kuͤbel mit einem hoͤltzernen Stem - pfel, deſſen man ſich zum Einmaͤchen des ſauren Krautes bedienet, zerdrucket, und wenn ſie zu ei - nem Brey oder Mus gearbeitet worden, wird davon ein Klumpen um den andern in ein Sieb gethan, durch welches keine Kern hindurch kommen kan. Man haͤlt das Sieb benebſt dem darein gethanen Brey in ein flieſſendes Waſſer, und reibet mit der flachen Hand auf dem Bo - den des Siebes eine Zeit lang herum, ſo wird ſich finden, daß das faule Fleiſch von denen Birn in die Hoͤhe ſteigt, und die Kern werden wegen ihrer Schwere ſich auf dem Boden nieder ſetzen. Das Sieb muß aber in dem Waſſer auf einer Seite krumb gehalten werden, ſo daß der Lauf deſſelben mit dem Waſſer in einer Gleiche komt, alsdenn kan man mit der Hand das Fleiſch, wel - ches ſehr leichte iſt, nach und nach aus dem Sie - be gar bequem hinweg treiben. Jnzwiſchen wird mit der Hand zuweilen auf dem Boden des Sie - bes gerieben, unter welchen vorhero ein hoͤlzernes Creuz gemacht werden muß, damit er durch das Reiben nicht entzwey gedrucket werde. Man hebet auch zuweilen das Sieb aus dem Waſſer in die Hoͤhe, und wenn man noch einiges Fleiſch darinnen findet, ſo muß es folgends zerrieben, und mit der Hand abermals aus dem Siebe ge -B 4trieben242. Cap. Von Erziehungtrieben werden, womit man ſo lange fortfaͤhret, bis die Kern voͤllig geſaͤubert ſind. Nach die - ſer Reinigung werden ſie an einen luͤftigen Ort, alwo die Sonne nicht darauf ſcheinen kan, auf Breter geſchuͤttet, und dinne auseinander ge - breitet, damit ſie fein abtrocknen und duͤrre wer - den koͤnnen; doch iſt darbey das Wenden nicht zu verabſaͤumen. Mit den wilden auch an - dern Aepfeln gehet dieſe Arbeit etwas langſamer zu, indem dieſe nicht ſo bald in ihre Faͤulnis ge - hen, weswegen man genoͤthiget wird, ſolche fuͤr die Erde zu werfen, oder ſonſt auf eine Art zu verletzen. Man nimt ſie hernachmalen und le - get ſie ohngefehr 14 Tage auf einen Haufen zur Erwaͤrmung, und decket ſie mit Saͤcken oder an - dern Sachen zu. Wenn ſie aber wegen kalter Witterung, wie es unterweilen zu ſolcher Zeit zu geſchehen pfleget, ſich nicht erwaͤrmen und verfau - len wollen, ſo thut man ſie in einen Trog und ſtampfet ſie ſo lange, bis ſie in Stuͤcken zerquet - ſchet ſind. Es gehen durch dieſes Stampfen die Kern nicht zu Grunde, indem ſie wegen ihrer Glaͤtte unter der Stampfe hervor weichen; es waͤre denn, daß das Stampfen alzu heftig vor - genommen wuͤrde.
Nach Volbringung dieſer Arbeit thut man ſolche mit ihrer Bruͤhe in ein Kuͤbel, bis ſie zur Gaͤhrung kommen, welches man an dem Schaume, welcher oben in die Hoͤhe trit, merken kan. Wenn es genung iſt, ſo verfaͤhret man mit der Reinigung eben alſo, wie oben bey den Birn ge -meldet25der jungen Staͤmme. meldet worden. Jn manchen Jahren, wenn das Obſt ſich nicht haͤlt, und zu zeitig anfaͤnget zu verfaulen, koͤnnen auch die Kern von den Obſt-Haͤndlern, welche ſie zu ſamlen pflegen, Noͤſel - oder Schoppenweiſe gekauffet werden, wie ich denn dergleichen vor einigen Jahren viele aufgekauffet habe. Nachdem aber ſolche Pflanz - Schulen bey uns faſt abgekommen, und Nie - mand die Kern kaufte, ſo ſamleten die Obſt-Haͤnd - ler dergleichen nicht mehr, daher ſahe ich mich ſelbſt genoͤthiget, ſolche auch auf eine andere Art zu uͤberkommen. Die Aepfel - und Birn-Kern bleiben zum Aufgehen 2 Jahr gut, und wenn ſie recht vollkommen ſind, 3 Jahr; es iſt aber gewiſſer, wenn ſie gleich im Herbſt in das Reine gebracht und in dem erſten Jahre geſaͤet werden, indem ſie ihre Kraͤfte noch voͤllig beyſammen haben, denn je laͤnger ſie liegen, jemehr verlieren ſie ihre zum Aufgehen noͤthigen Kraͤfte.
Da ich nunmehro gemeldet, wie man zuWie dieſel - ben zu be - ſtellen. denen Obſt-Kern gelangen kan, ſo wird es auch noͤthig ſeyn, daß ich einen deutlichen Bericht gebe, wie ſie nach meiner Art zu ſaͤen und in die Erde zu bringen ſind. Jndem ich noch in keinem einigen Auctore einen hinlaͤngli - chen Unterricht gefund en, auf was Art und Wei - ſe, und zu welcher Zeit die Kern am beſten zu beſtellen und in die Erde zu bringen ſind. Die mehreſten ſtimmen hierinnen uͤberein, daß man dieſelben ſtecken ſolle, aber von der ordentlichenB 5Beſtel -262 Cap. Von ErziehungBeſtelzeit wird noch weniger etwas aufrichtiges beſtimmet. Allein, da das Stecken alzu muͤhſam iſt, und viel zu langweilig hergehet, abſonderlich, wenn man einen Vorrath zu einer groſſen Baum - Schule erziehen wil; ſo iſt es weit beſſer, daß man die Kern ordentlich ſaͤet, indem man damit nicht nur viele Zeit gewinnet, ſondern auch gewiſſer ge - het. Jch habe nach dieſer Art viele 100 Schock wilde Staͤmme erzeuget, und kan deren noch eine groſſe Menge jederman vor Augen ſtellen. Der Ort, worauf man die Kern ſaͤen wil, muß vor - hero in dem Monat Julio und Auguſto, mit halb verfaultem Rindvieh-Duͤnger ſtarck uͤber - ſtreuet werden. Wenn die Duͤngung alzu ſtro - higt iſt, ſo machen ſich die Maͤuſe darunter, und freſſen zu Winters-Zeit die geſaͤeten Kern mehrentheils hinweg. Ferner wird ſolche Duͤn - gung alſobald mit einem Grabe-Scheide oder Spaten eingegraben, und mit der Erde wohl bedecket, damit die Sonne und Luft, die darinnen befindlichen Salze nicht heraus ziehen kan. Jſt nun das Eingraben verrichtet worden, ſo laͤſſet man es dabey beruhen, da waͤhrender Zeit, ehe das Land beſtellet wird, ſich das Erdreich benebſt der Duͤngung wiederum ſetzen kan. Alsdenn muͤſſen die Kern im Ausgange des Novem - bers, Decembers und im Januario oder auf das allerlaͤngſte im Februario, wenn es die Jahres - Witterung leidet, und man noch in das Land kom - men kan, geſaͤet werden. Wiewol es viel beſſer gethan iſt, daß man dieſelben in dem Novemberin27der jungen Staͤmme. in die Erde bringen laͤſſet. Die Urſache, war - um dieſe Korn vor dem Winter und nicht im Fruͤhjahr ſollen geſaͤet werden, ſind in der Ab - handlung vom Samen-Werk p. 21. zu finden, und noͤthig nachzuleſen.
Wenn aber der Winter, wie in manchen Jahren zu geſchehen pfleget, zu bald heran na - het, daß man die geſamleten Kern, wegen der Froͤſte oder anderen uͤblen Wetters nicht in die Erden bringen koͤnte; und man dennoch die Kern auf das Fruͤhjahr brauchen und ſaͤen wolte: ſo iſt anzurathen, daß man die Kern mit Sande oder guter Erde untermiſche, und hernachma - len in eine Garten-Scherbe thue, doch daß die Kern ſamt der gemiſchten Erde oder Sande, oben mit einem halben Zol Erde bedecket werden. Man gieſſet die mit den Kern gemiſchte Erde zum erſtemnal ſtark, bis man ſiehet, daß das Waſſer unten an den Loͤchern der Scherbe her - aus dringet, und wenn dieſes geſchehen, ſtellet man ſie hernach in einem Keller oder an einen Ort, wo es nicht frieren kan, und zwar nicht um der Kern willen, denn dieſe erfrieren nicht, ſondern um des Scherbens willen. Denn ſo bald die Erde darinnen gefrieret, ſo dehnet ſie ſich aus, und ſprenget den Scherben von einan - der. *)Siehe hiervon unten p. 123.Doch muß ſie den Winter uͤber, wenn der Sand oben wil trucken werden, welches man mit der Hand fuͤhlen kan, unterweilen, jedoch nicht zu ſtarck, wie es zum erſtenmahl geſchehen, begoſſen werden. Sobald als man nun imFruͤh -282. Cap. Von ErziehungFruͤhjahr in die Erde kommen, und das Unter - ziehen vornehmen kan, ſo werden die Kern, be - nebſt dem Sande oder Erde, oben auf das im vorigen Jahre zubereitete Land geſaͤet. Doch iſt hierbey noch zu mercken, daß ſie nicht erſt von der Sonne und Luft duͤrfen ausgetrocknet wer - den, ſondern alſobald in die Erde kommen muͤſſen. Das Ausſaͤen oder der Auswurf mit dieſen Kern wird eben ſo verrichtet, als wie mit den andern Saͤmereyen zu geſchehen pfleget, doch iſt hierbey zu mercken, daß ſie nicht naͤher als drey Zol an einander duͤrfen zu liegen kom - men. Solten aber einige Kern naͤher zuſammen fallen, und 2 oder 3 an einander liegen, wie man es denn in dem Auswurfe freylich nicht ſo genau haben kan; ſo hat man eben nicht Urſache ſich daran zu kehren, oder dabey ſich aufzuhalten, ſondern wenn ſie auf das Fruͤhjahr alle aufgehen und hervor wachſen ſollten, ſo koͤnnen ſolche ver - zogen werden, daß ſie ordentlicher Weiſe 3, 4 bis 5 Zol von einander zu ſtehen kommen.
Jſt alſo das Saͤen verrichtet worden, ſo werden ſie mit den Kaͤrſten unter die Erde unter - gezogen, daß etwa 2 bis 3 Zol Erde darauf zu liegen komt, welches in meiner Abh. von Sa - men p. 126. bey der Figur zu erſehen und zu le - ſen iſt. Nach dieſem muß das Land fein geebnet oder gerechnet (geharcket) werden, und hierbey laͤſſet man es bis auf das Fruͤhjahr bewenden.
Jch habe auch geſehen, daß einige bey An - legung der Baum-Schulen, die Kern alſobaldin29der jungen Staͤmme. in die Reihen nach der Garten-Schnure ſaͤen, alwo die daraus wachſenden Staͤmlein, alſo bald an ihrem Orte ſtehen bleiben. Ob nun gleich dieſe Erfindung gar gut zu ſeyn ſcheinet, ſo iſt es doch nicht regelmaͤſig anzuſehen. Denn man betrachte, wenn z. E. die Kern im Fruͤhjahre auf - gehen wollen, und man das Land zwiſchen den geſaͤeten Reihen zu den Garten - und anderen Fruͤchten graben und gebrauchen wil, ſo folget, daß die den Winter uͤber aufgequollene oder in der Kaͤume ſtehenden Kern durch das Graben gehoben und folglich verletzet und in ihrem Wachsthume gehindert werden. Ueber dieſes, wenn man aller - hand Garten-Fruͤchte zwiſchen den Reihen zeugen wil, ſo wuͤrden ſie den aufgegangenen Staͤmlein, die Luft, Sonne u. Nahrung benehmen, und wenn auch dieſes nicht waͤre, ſo muͤſten doch viele uͤber - fluͤßige und in den Reihen zu dicke ſtehende Staͤm - lein verzogen werden, damit man genugſamen Raum darzwiſchen, ſowol zum Pfropfen als Ocu - liren und Anbinden behalten moͤge.
Wenn alsdenn die Kern aufgegangen undWas zu beobachten, wenn ſie aufgegan - gen. in etwas erwachſen ſind, muͤſſen ſie von allem Un - kraute drey auch wohl viermal den Sommer hin - durch gejaͤtet und gereiniget werden, welches auch von den folgenden Jahren zu verſtehen iſt. Das zwey te und dritte Jahr muͤſſen die Neben-Zelk - lein, und wenn ſie, von der Erden anzurechnen, 2 Schuh in die Hoͤhe geſchoben haben, die Gipfel verſtutzet und beſchneidelt werden, doch muͤſſen in der Hoͤhe an den Staͤmlein 6 bis 7 Augen bleiben.
Es laſſen auch viele die wilden Staͤmme aus denen Waͤldern ausrotten, und bezahlen ſolche viel theuerer als man ſie ſelbſten erziehen kan, und pflanzen ſie in ihre Baum-Schulen, wovon ich aber nicht viel halte. Die Urſache iſt gar leicht zu finden, nemlich, weil ſie in den Waͤldern wegen Mangel der Nahrung und Luft, gar zu lan - ge zu ſtehen pflegen, und ſehr alt werden, ehe man ſie in eine Baum-Schule verſetzen und gebrau - chen kan. Es iſt glaublich, daß mancher Stam, welcher Daumens dicke iſt, wohl 12 und mehr Jahre alt iſt, welches man an der Feſtigkeit des Holzes, wie auch an denen vielen ſubtilen Ringeln, wenn man einen ſolchen Stam die Quere hindurch ſchneidet, erkennen kan. Wird nun ein ſolcher gepfropfet, ſo uͤberwaͤchſet das aufgeſetzte Reis ſehr langſam, und gehen damit wohl drey Jahr vorbey. Es iſt gewiß, daß die von den Kern er - zeigeten Staͤmlein vor dieſen allezeit einen ſehr groſſen Vorzug in dem Fortwachſen haben.
Die dritte Art die Staͤmme zu uͤberkom - men, auf welche man Frantz - und Spalier-Baͤu - me pfropfen oder oculiren will, beſtehet darinnen, daß die Nebenſchoſſe von denen alten Quitten, und von Johannis -, Jacobs - oder Paradies-Ae - pfeln, welche von denen alten Staͤmmen, ſowohl im Fruͤhjahr als in dem Herbſte, wenn ſie zu - vor aufgegraben worden, abgeloͤſet werden. Dieſe31der jungen Staͤmme. Dieſe werden in eine Baum-Schule und zwar an einen beſondern Ort, wo die Franz-Baͤume ſtehen ſollen, geſetzet. Auf die erſten werden Birn, und auf die letztern Aepfel gebracht. Solten die Quitten-Staͤmme wider Verhoffen keinen Nebenſchoſſen bringen, ſo graͤbet man den Stam auf einer Seite an den Wurzeln los, beu - get den Obergipfel in die Erde und bringet einen Haufen Erde ſowohl auf die Wurzeln als auf die Zweige, doch ſo, daß zwey Theile von den Reiſern hervor ſtehen, auf dieſe Art wird man dergleichen im Ueberfluß, wenn ſie zwey Jahre gelegen haben, uͤberkommen.
Es ſind zwar einige der Meinung, daßOb die Baͤume, welche man aus dẽ Obſt - Kern erzie - het, wild oder zahm werden. man unterweilen, aus den Aepfel - und Birn - Kern gute und wohlſchmeckende Arten heraus bringen koͤnte. Aber Herr Gotfried Auguſt Hofman, Juris Practicus, in ſeiner Klugheit Haus zu halten, im anderen Buche auf dem 54. Blate behauptet das Gegentheil, und meldet von den Samen der Baͤume folgendes:” Jſt „ der Samen von wilden Staͤmmen geweſen, ſo „ heiſſen die aus denſelben vorgewachſenen Staͤm - „ me Wildlinge: iſt er von zahmen Baͤumen, „ werden die Fruͤchte nach und nach eben wilde „ daran, wenn man nicht mit dem Verſetzen und „ Pfropfen darhinder drein iſt. Doch ſind die „ Wildlinge noch wilder, als die Baͤume, ſo vom „ zahmen Obſte aufwachſen.
Die -322. Cap. Von der Erziehung.Dieſer Meinung pflichte ich voͤllig bey, weil ich ſelbſt befunden, daß es ſeine Richtigkeit hat, nemlich, daß alle aus den wilden und zah - men Obſt-Kern erzeugete Staͤmme wild werden, indem ich dergleichen viele 100. Schock erzogen habe, und in meiner Pflanz-Schule bis dato je - derman zeigen kan. Die Erfahrung lehret auch, daß an den aus den Kern erzeugten Staͤmmen, wenn ſie drey Jahr gewachſen, Stacheln, zu fin - den ſind; es iſt aber bekant, daß niemalen an denen guten Aepfel - und Birn-Baͤumen derglei - chen angetroffen werden. Und geſetzt, man wol - te dergleichen Kern-Staͤmme zu fruchttragen - den Baͤumen in die Hoͤhe wachſen laſſen; was wuͤrde dieſes fuͤr Nutzen bringen, wenn un - ter 100. ſolchen Staͤmmen kaum einige ordentli - che gute Arten zu finden waͤren. Und wer wird wohl auf eine zweifelhafte Hofnung eine Zeit von 15, 16, und mehr Jahren wenden, welche man vielleicht nicht erlebete, indem man heutiges Tages viel eher durch allerhand Pfropfungen zu zeiti - gen und tragbaren Baͤumen, und zu unvergleich - lichen Arten, welche an vielen Orten im Ueber - fluß zu haben, gelangen kan.
Allein einige hegen gantz andere Gedanken: als der Herr von Ranzau, Koͤniglicher Stadt - halter in Holſtein, welcher dafuͤr haͤlt,” daß das „ Kern-Obſt, welches von edler Art iſt, doͤrfte „ eben ſo wenig abgepelzet werden, wenn man „ es deſto oͤfter, das iſt, drey oder viermahl um - „ ſetzen wolte, ſo wuͤrde ihre Frucht ſo geſchlacht„ und33der jungen Staͤmme„ und delicat ſeyn, als das Obſt geweſen, daraus „ der Kern genommen worden.
Allein was hier geſaget worden, hat keinen Grund, und ich kan es nicht zuſammen reimen, daß durch das oͤſtere Umſetzen, die Baͤume und ihre Fruͤchte ſollen geſchlachter werden. Denn es iſt ohnſtreitig, was einmal in die Natur eines Baumes geleget worden, das wird gewislich durch das Umſetzen nimmermehr geaͤndert wer - den. Es iſt auch eine aus algemeiner Erfah - rung bekante Sache, daß ein wilder Stam, wor - auf gepfropfet worden, weder durch das aufge - ſetzte Reis, noch durch das oͤftere Umſetzen ver - beſſert werde; ſondern es behaͤlt derſelbe ſeine Natur und Eigenſchaft bis ins Feuer. Dieſes kan man daran ſonnenklar erkennen, wenn ein Reis aus einem gepfropften Baume ausſchlaͤ - get, und zwar uͤber der Gegend, wo der wilde Stam abgeſchnitten worden, ſo werden die Rei - ſer und Fruͤchte eben ſo gut; hingegen, wenn der Zweig unter den aufgeſetzten Pfropf-Reiſern oder aus der Wurtzel ausſchlaͤgt, ſo wird dieſes Reis eben der Art, wie vorhero der Stam ge - weſen.
Jn denen Leipziger Samlungen p. 456. im 2ten Bande ſind gar feine Gedancken angege - ben worden, wie aus denen Borſtorfferaͤpfel-Kern wiederum Borſtorffer-Baͤume koͤnten erzogen werden. Wer es thun und verſuchen will, dem wird es niemand wehren; allein ich werde die - ſen Verſuch gewiß nicht vornehmen, noch auchAbh. v. Baͤum. Cjeman -342. Cap. Von Erziehung der ꝛc. jemanden anrathen. Man kan viel gewiſſer und viel eher zu guten Borſtorffer und andern ſchoͤ - nen Arten gelangen, wenn man dahin trachtet, bey guten Freunden von wohltragenden und ſchmack - haften Sorten Reiſer zu uͤberkommen, und ſolche zur gehoͤrigen Zeit auf die Staͤmme, ſie moͤgen von wilden oder zahmen Obſt-Kern ſeyn, pfropfet. Es werden gewiß dieſe aufgeſezten Reiſer eben ſo gute Fruͤchte hervor bringen, als der Baum, wo - von ſie genommen worden, und hierzu iſt dieſer Weg am ſicherſten.
Das oͤftere Fortſetzen, wovon oben geſaget worden, wird niemanden anzurathen ſeyn, indem die Baͤume, wenn ſie ſich in der Erden einmahl angeklammert haben, durch abermaliges Heraus - nehmen in ihrem Wachsthume ſehr gehindert werden, daß ſie endlich verderben. Und worzu ſollen denn dieſe Bemuͤhungen dienen? Zu nichts als vergeblicher Arbeit und unnoͤthigen Koſten. Es iſt ja jederman bekant, daß man auf die jun - gen Kern-Staͤmme gute tragbare und wohlſchme - ckende Arten pfropfen und oculiren kan; man hat alſo nicht Urſache, wie ſchon gemeldet wor - den, darauf viele Jahre zu hoffen, und ſeine Zeit, welche ohnedem in dieſer Welt ſehr kurtz iſt, zu verſchlaudern.
Daß der aus denen Staͤllen genommeneWas von dem Schaf - Duͤnger zu halten. und friſche Schaf-Duͤnger denen Baͤu - men ein rechter Gift ſey, iſt gewiß, indem dieſer alzu hitzig iſt, und annnoch zu viele ſalia bey ſich hat. Doch iſt er noch wohl zu gebrauchen, wenn er zum wenigſten zwey Jahr in der Luft, Sonne und Regen unter freyem Himmel gelegen hat, auch ein oder zweymahl umgeſtochen worden, wo - durch ihm die uͤberfluͤßige alzuſtarke Schaͤrfe und Fettigkeit, welche er bey ſich hat, benommen wird. Zum Beweis, daß der Schaf-Duͤnger unter allen andern der hitzigſte ſey, dienet folgendes. Wenn in unſern Erfurtiſchen Dreyenbrunnen-Gaͤrten der abgeſchnittene Brunnen-Kreß in dem Waſſer wiederum mit eingeſtreuetem verfaulten Schaf - duͤnger geduͤnget wird, welches alle 4. bis 5. Wo - chen geſchehen muß, ſo brauchet man von dieſem kaum die Haͤlfte ſo viel, als von dem Rindvieh Duͤnger, und obgleich von dem erſten kaum die Haͤlfte darzu genommen wird, ſo treibet der Brun - nen-Kreß in dem Waſſer dennoch ſo ſchnel daß man es augenſcheinlich warnehmenkan, wovon in mei -C 2ner363. Cap. Von der Duͤngung. ner hiſtoriſchen Beſchreibung von denen Erfurti - ſchen Dreyenbrunnen-Gaͤrten p. 80. mit mehre - ren kan nachgeſehen werden. Es iſt auch vielen bekannt, daß die Korn-Fruͤchte von dieſem Duͤn - ger insgemein an Koͤrnern ſchlechter werden, und es wird der wahre Nutze davon erſtlich in dem dritten und vierten Jahre an denen Fruͤch - ten geſpuͤret, indem ihm binnen dieſer Zeit die uͤbrige Hitze und Schaͤrfe benommen wird. Die Erbſen werden von dieſer Duͤngung ſo hart, daß ſie ſich nicht wohl kochen laſſen, und es ge - hen die Huͤlſen nicht leicht herunter. Die auf einem ſolchen geduͤngten Acker gewachſene Ger - ſte diener auch nicht zum Maͤlzen, denn ſie kaͤu - met nach dem Einquellen kaum uͤber die Haͤlfte, und kan folglich auch nicht zum Bier-Brauen angewendet werden.
Von einer noch ſchaͤrferen und hitzigern Duͤngung aber muß ich hier folgendes melden. Es hatte ein groſſer Garten-Liebhaber das Un - gluͤck, daß ſich von vielen ſeiner Orangen-Baͤume die Rinden oder Schalen, unten an der Erde der Garten-Scherben und Kuͤbel wie auch an de - nen Wurtzeln, im Fruͤhjahre abloͤſeten, wodurch viele zu Grunde giengen und verdarben. Dieſer erſuchete mich inſtaͤndig, daß ich zu ihm kommen moͤchte, um die Urſache zu unterſuchen und einen Rath zu geben, wie dieſem Uebel moͤchte abge - holfen werden, indem er beſorgete, daß er um die uͤbrigen Baͤume auch kommen wuͤrde, welche ihmgleich -37der Baum-Schulen. gleichwol viel Geld gekoſtet haͤtten. Bey mei - nem Beſuche fragte ich, was er denn bey dem Verſetzen im vorigen Jahre vor Erde darzu ge - nommen haͤtte? Er antwortete mir, er haͤtte ei - nen Theil durchreolte gemeine. Garten-Erde, ei - nen Theil Sand, und einen Theil verfaulte Erde von einem Privet, welches vor 70 Jahren auf der Feſtung Petersberg waͤre zugemacht und oben mit Erde verſchuͤttet worden, uud bey Aus - beſſerung einer Mauer wiederum eroͤfnet wer - den muͤſſen, welche er herunter in ſeinen Garten fahren laſſen, darzu genommen, und dieſe wurde mir vom gedachten Garten-Liebhaber auch gezei - get, und war ſehr zart und ſchwartzbraune, und der Farbe nach wie der gebrante und gemahlene Coffee anzuſehen. So bald als ich dieſe Erde geſehen hatte, konte ich die Urſache, warum ſich die Rinden von den Baͤumen abgeloͤſet hatten, gar leicht angeben. Denn in einer ſolchen Er - de, welche von den excrementis der Menſchen herzukommen pfleget, ſind alzu viel ſtarcke beiſ - ſende und durchdringende Saltze befindlich, daß ſie auch vermoͤgend ſind die allerſtaͤrckſten Mau - ren, wo ein ſolches Privet vorhanden iſt, zu durch - dringen. Und ob ſie gleich noch ſo viele Jahre gelegen und alt geworden iſt, ſo dienet ſie doch niemalen zu einem Garten-Gewaͤchſe. Jch gab gedachtem Garten-Liebhaber dieſen Rath, er ſolte alſobald ſeine Orangen-Baͤume aus denen Scher - ben und Kuͤbeln heraus nehmen, und in eine an - dere gehoͤrige und hierzu dienliche Erde (wovonC 3an383. Cap. Von der Duͤngungan einem andern Orte ſol gehandelt werden,) ver - ſetzen, welches auch geſchahe, wodurch er die meh - reſten bis auf zwey, welche albereit zu ſehr ange - freſſen waren, erhielte. Doch halte ich dafuͤr, wenn dieſe Erde nach einer ſolchen langen Ver - weſung einige Jahre in die freye Luft waͤre ge - bracht worden, daß ſie auf denen Aeckern, wie - wol nicht uͤberfluͤßig, mit Nutzen haͤtte koͤnnen ge - brauchet werden.
Es iſt alſo zu allen Gewaͤchſen, beſonders aber zu den Baum-Schulen keine beſſere Duͤn - gung zu erwehlen, als von dem Rindviehe: wenn ſie nur nicht mit uͤberfluͤßigem Stroh an - gefuͤllet iſt, eine Zeitlang gelegen hat, und in etwas verweſet iſt. Der Pferde-Miſt kan auch zur hoͤchſten Noth, wenn man von dem Rind - Viehe nicht genugſamen Duͤnger haben koͤnte, ge - brauchet werden; nur komt es darauf an, daß er ein gantzes Jahr auf einen Haufen geworfen wird, damit er die in ſich habende Hitze verlieren, und in ſolcher Zeit zuſammen faulen kan.
Es kan auch der Schlam von den Gaſ - ſen, und aus den Graͤben und Teichen als eine Duͤngung angeſehen, und in den Baum-Schulen mit gutem Nutzen gebrauchet werden. Und wenn man damit recht umzugehen weiß, ſo kan man im Nothfalle und Ermangelung des Landes, auch an einem Orte, wo bereits eine Baum - Schule geſtanden, dennoch wieder eine anlegenund39der Baum-Schulen. und die ſchoͤnſten Baͤume ziehen. Dieſes wider - ſpricht meiner Meynung, Cap. 1, §. 3. gar nicht, indem ich daſelbſt nur von dem, was ordentlich geſchehen muß; nicht aber, was im Nothfalle und durch Kunſt, Muͤhe und Koſten kan erhal - ten werden, geredet.
Wenn man die Umſtaͤnde und die Einrich - tung, welche erfordert wird, erweget, ſo ſiehet man leicht, daß es moͤglich, eine gute Baum - Schule beſtaͤndig an einem Orte zu erhalten; aber man kan auch leicht erachten, daß auſſeror - dentliche Muͤhe und Koſten damit verbunden; doch brauchen viele dieſes Mittel. Beſonders pflegen auch die Hamburger, welche dergleichen Pflantz-Schulen haben, ſowol die Gaſſen-Er - de, welche auf den Straſſen zuſammen gekehret wird, wie auch den Schlam aus den Teichen und Graͤben vor ihre Gaͤrten auf einen Haufen zuſammen zu ſchaffen und ein auch wohl zwey Jahr uͤbereinander liegen und faulen zu laſ - ſen, damit die Schaͤrfe, durch den Froſt, Luft und Waͤrme heraus gehe. Nachdem nun die - ſer eine Zeit lang auf einem Haufen gelegen, ſo pflegen ſie ſolchen umzuſtechen und zu reolen. Wenn ſie nun mit Verkauffung derer Baͤume in einer Reihe fertig ſind, ſo heben ſie in derſel - ben einen Graben zwey Schuh breit und zwey Schuh tief aus, und werfen die von den Baͤu - men ausgezehrte Erde zu beyden Seiten heraus. So bald dieſe Arbeit verrichtet, ſo ſchaffen ſie die zubereitete Gaſſen - oder Teich-Erde inC 4den403. Cap. Von der Duͤngungden gemachten Graben. Wenn ſich nun ſolche niedergeſetzet, ſo pflantzen ſie zur Herbſt - und Fruͤhlings-Zeit, wiederum Pfroͤpfer und allerhand Staͤmme dahin, alwo ſie freudig und ſchoͤne wachſen. Eine ſolche Gaſſen-Erde und Teich - Schlam, ſind im erſten Jahre wegen ihrer Schaͤrfe nicht zu gebrauchen, und wenn man ja ſolche in einen Garten bringen wolte, ſo wuͤrde dadurch ſo vieles Gras und Unkraut hervor wach - ſen, daß man ſeine Noth haben wuͤrde, ſolches zu vertilgen, welches ich aus eigener Erfahrung habe, als ich ſolche auch einsmal zu bald in mei - nen Garten bringen laſſen. Kurz hiervon zu ſagen, alle ausgeruhete, und zu denen Baͤumen noch nicht gebrauchte Erde, ſonderlich aus den Teichen und Waſſer-Graͤben thut hier ſehr gute Dienſte. Herr Gottfried Hofmann redet von dem Teich-Schlamme im andern Buche p. 18. al - ſo:” Der Schlam aus den Teichen iſt ein Duͤn - „ ger. Denn das daruͤber ſtehende Waſſer iſt ge - „ faulet. Durch die Faͤulung haben ſich aller - „ hand Wuͤrmer gezeuget. Dieſer ihre Excre - „ menta, und endlich ſie ſelbſt ſind wiederum ge - „ faulet, woraus ein ſpiritus urinoſus, und ole - „ um empyrevmaticum entſtanden iſt.
Es pfleget in manchen Jahren zu geſchehen, daß es viele Engerlinge in der Erden gibt, wel - che groſſen Schaden thun, wie mir im Jahr 1744, 45 bis 46 wiederfahren iſt. Und obgleich hier und da auf andern Leuten ihren Aeckern in beſag -ten41der Baum-Schulen. ten Jahren auch welche anzutreffen waren; ſoBaum - Schulen. war es doch in meiner Baum-Schule hundert - mal aͤrger. Jch wuſte nicht ſogleich, warum mei - ne gepfropften Baͤume an den Blaͤttern gelbe wurden, krank ausſahen und nicht von der Stelle wachſen wolten. Jch befahl daher, daß meine Gaͤrtner einige aufgraben und aufluͤften muſten, und da fanden ſich an den Wurtzeln ſehr viele Engerlinge, welche daran nageten und die Scha - len abgefreſſen hatten. Dadurch waren die jun - gen Baͤume zum Theil verdorben; die mehreſten aber ſahen an den Blaͤttern ſehr gelbe und kraͤnk - lich aus, und wuchſen in den beſagten Jahren nicht das allergeringſte, bis im Jahr 1747 nach - dem ſich dieſes Ungeziefer wiederum verlohren hat - te. Nach verfloſſener Zeit fingen meine Baͤume wiederum an recht ſchoͤne zu wachſen.
Warum aber in meiner Baum-Schule un - zehlig mehr Engerlinge als auf anderen Leuten ihren Aeckern anzutreffen waren, mag wohl daher gekommen ſeyn: ich gedachte nemlich meiner neu - angelegten Baum-Schule eine Guͤte zu thun, da - mit die jungen Baͤume und Reiſer geſchwinder fortwachſen, und deſto eher zur Vollkommenheit kommen moͤchten. Da nun nach der Meynung vieler Haushaltungs-Buͤcher der Schaf-Miſt fuͤr die beſte Duͤngung gehalten wird; ſo kaufte ich um deswillen von einem nahe bey Erfurt gelege - nen Dorfe viele Fuder, welcher noch in denen Staͤllen lag, und nicht mit alzu vielem Stroh untermenget war. Denſelben lies ich in meineC 5Baum -423. Cap. Von der DuͤngungBaum-Schule bringen und eingraben. Bey dem Herbeyfahren und Abſchlagen wurde ich in der von den Schafen feſte zuſammen getretenen Duͤngung, wenn einige Stuͤcke von einander ge - brochen wurden, ſehr viele kleiner Wuͤrmer und Maden gewahr. Nach genauer Betrachtung wurde ich inne, daß es junge Engerlinge von verſchiedener Groͤſſe waren. Jch meinete zwar, daß es mit dieſen Wuͤrmern nichts wuͤrde zu be - deuten haben, indem ſie durch das Eingraben, und durch die Aufwerfung der Erden mit dem Grabeſcheide wuͤrden zernichtet und verderbet werden; allein meine Gedancken betrogen mich gar ſehr, daß ich durch dieſes Uebel faſt um alle meine jungen Baͤume und um die gantze Baum - Schule gekommen waͤre. Deswegen wil einem jeden anrathen, daß er keine Duͤngung in eine Baum-Schule bringe, er habe denn ſolche zum wenigſten ein oder etliche Jahr liegen, und ein oder zweymal umſtechen laſſen. Wie aber und auf was Art und Weiſe dieſe Wuͤrmer in den Stall, und in die Duͤngung gekommen, und wie ſie darinne gezeuget und ausgebreutet worden, ſolches kan ich noch zur Zeit nicht voͤllig einſehen. Vielleicht koͤnnen die Eyer durch die Wolle der Schaffe mit ſeyn dahin gebracht worden, indem ſie ſich unterweilen auf dem Felde hinzulegen und auszuruhen pflegen. Da denn die Eyer der Kaͤ - fer oder auch die kleinen Wuͤrmergen, wenn ſie auf den Brachfeldern mit ausgeahren oder von dem Vieh heraus geſcharret worden, ſich gar leichtan43der Baum-Schulen. an die Wolle der Schafe haben anhaͤngen und in die Staͤlle getragen werden koͤnnen. Es koͤnnten auch die Kaͤfer wegen der W[aͤrm]e in den Stal ge - flogen ſeyn, und ihre Eyer dahin geleget haben, denn es iſt bekannt, daß die Schaf-Staͤlle auf de - nen groſſen Guͤthern mehrentheils des Tages uͤber offen gelaſſen werden, damit der Dunſt und der Brodem heraus ziehen moͤge. Es gehet aber meine jetztgedachte Meinung keinesweges dahin, daß ich dieſes als eine untruͤgliche Urſache ange - be; ſondern ich wil nur hierdurch andern, welche eine beſſere Einſicht in phyſicaliſchen Dingen ha - ben, Gelegenheit geben, dieſe Sache genauer zu unterſuchen.
Bey dieſer Gelegenheit muß ich noch an - fuͤhren, wie die Engerlinge in die Erde kommen, und wie ihre Vermehrung darinne geſchiehet. Wer hiervon eine weitlaͤuftige Beſchreibung und Nachricht ſamt denen nach dem Leben gemahlten Figuren der Kaͤfer und ihrer Veraͤnderungen verlanget, kan in Herrn Auguſt Johann Roͤſels, Miniatur-Mahlers in Nuͤrnberg Jnſecten - Beluſtigung im 2ten Theile p. 1. nachſchlagen, alwo die Natur recht lebhaft und deutlich abge - bildet und von dem beruͤhmten und in phyſicali - ſchen Dingen hocherfahrnen Herrn Doctor Hut die Beſchreibungen hinzugefuͤget worden. Daß ſich die May-Kaͤfer zuſammen paaren, und wie ſolches geſchehe, iſt jederman bekannt. Das durch dieſe Paarung befruchtete Weiblein krie - chet ſodann in die Erde, und wenn es ſich einerSpan -443. Cap. Von der DuͤngungSpannen tief eingegraben, ſo leget es etwas laͤnglichtrunde, helgelbe Eyer, welche ſo gros als ein Hirſchen-Korn (milium) ſind. Sie le - gen ſie nicht auf einen Klumpen, ſondern einzeln ganz nahe an einander. Nach abgelegten Eyern kriechet das Weiblein aus der Erde hervor, flie - het wiederum an die Baͤume, und naͤhret ſich noch eine Zeitlang von den Blaͤttern. Gegen den Herbſt werden aus dieſen Eyern kleine Wuͤr - mer, wachſen hernach immer groͤſſer, denn ihr Wachsthum dauret faſt 4 Jahr. Wenn nun dieſer Wurm ſein viertes Jahr bald zuruͤck geleget hat, ſo faͤnget er an, ſich in den May-Kaͤfer zu verwan - deln. Dieſe Wuͤrmer koͤnnen weder Luft noch Sonne vertragen, denn ſobald ſie durch das Gra - ben oder durch das Ackern heraus gebracht wer - den, und man ſie an die Sonne hinleget, ſo ſter - ben ſie in wenig Minuten, und runzeln zuſammen wie die gebratenen Speck-Kriefen. Jſt aber die Erde ſehr locker, ſo ſuchen ſie ſich alſobald zu verber - gen, und wuͤhlen ſich wiederum hinein. Sie ſind auch eine angenehme Speiſe derer Raben, Elſter, und anderer Voͤgel, und wenn es dergleichen Engerlinge viel giebt, ſo gehen die Raben beſtaͤn - dig hinter den Ackerman in der Furchen her und ſuchen ſie zu ihrer Nahrung auf.
Als was beſonders iſt mir allezeit vorgekom - men, daß man dergleichen Wuͤrmer auch bey dem Rindvich und Wilde zwiſchen dem Fel und Fleiſche antrift, welches an den aufgeſchwollenen Puckeln auf dem Ruͤcken gar deutlich erkennetwer -45der Baum-Schulen. werden kan. Aus Curioſitaͤt habe ich durch mein Geſinde dergleichen aufgeſchwollene Huͤgel mit beyden Haͤnden in die Hoͤhe drucken laſſen, wobey ich gefunden, daß diejenigen, welche ſich gros und fet gefreſſen hatten, und ſo zu reden reif geworden, durch dieſes Drucken aus der Haut hervorgekommen, und dem Anſehen nach, von den ordentlichen Engerlingen, welche in der Erde ge - funden werden, nicht in dem mindeſten unter - ſchieden waren. Zum oͤftern habe ich mit Er - ſtaunen angeſehen, wenn die Jaͤger ein Schmal - Thier zerleget, und die Haut abgezogen haben, daß unter derſelben gantze Haͤnde vol dergleichen Wuͤrmer angetroffen worden, welches ohne Zwei - fel daher komt, weil dieſe Thiere wegen der kur - tzen Schwaͤntze ſich vor dem Geſchmeis noch we - niger wehren kan, als das Rindvieh. Man wird auch bey den Weisgerbern nicht leicht eine zu - gerichtete Wild-Haut antreffen, wovon nicht die Zeichen, wo Engerlinge geſeſſen, zu ſehen waͤ - ren.
Wie aber dieſe Wuͤrmer in die Leiber derer Thiere kommen, davon habe ich in den ſchlaf - loſen Naͤchten p. 498. nachfolgendes geleſen: „ Was die ſogenannten Engerlinge anlanget, wel - „ che auf dem Ruͤcken des jungen Rind viehes in „ der Haut ſitzen, ſo ſcheinet es zwar freylich, als ob „ es nicht moͤglich ſey, daß ſolche vom Geſchmeis „ und Samen gewiſſen Ungeziefers, oder aus „ Eyern koͤnnten wachſen, weil ſolche inwendig in „ der Haut ſtecken, und ſich darinnen gros und„ fet463. Cap. Von der Duͤngung„ fet freſſen. Dem aber ohngeachtet muß doch „ die viele Erfahrung und geſunde Vernunft uns „ verſichern, daß ſie nothwendig aus einem Samen „ oder Eyerlein gewiſſer Thiere entſpringen muͤſ - „ ſen, obgleich nicht eben jedweder begreiffen „ moͤchte, wie ſolches geſchehen koͤnne. Es ge - „ ſchiehet aber ohne Zweifel dieſe Generation auf „ folgende Weiſe: Wenn nemlich im Sommer „ die groſſen Baͤume oder andere dergleichen Un - „ geziefer, das junge Rindvieh auf dem Ruͤcken, „ alwo es ſich weder mit dem Kopfe, Schwanz, „ noch Fuͤſſen wehren kan, ſetzet und ſolches ſticht, „ und hierauf ihr Geſchmeis oder Eyerlein da - „ hinſetzen, welche von der Waͤrme des Viehes bald „ auskriechen, und ſich alsdenn in die ſchon durch - „ ſtochene Haut hinein ſchlupfen, und ſich alſo in „ der Haut nach ihrer Art naͤhren, da indeſſen der „ kleine Stich wieder von auſſen zuheilet, und alſo „ die Engerlinge in der Haut zu groſſen dicken Ma - „ den ſich freſſen.
Jch bin aber mit dem Verfaſſer dieſer Ge - dancken hierinnen gar nicht einig: indem es wi - der alle Natur und Erfahrung ſtreitet, daß die Wuͤrmer, welche bey dem Viehe in der Haut ge - funden werden, von den Braͤmen und Schmeis - Fliegen herruͤhren ſolten. Denn da man annimt, daß es wirkliche Engerlinge ſeyn; dieſe aber, wie oben angefuͤhret worden, nach den untruͤglich - ſten Verſuchen von den Creuz-Kaͤffern herkom - men; ſo folget, daß die Engerlinge bey den Thie - ren keinesweges von Schmeis-Fliegen, Braͤmenoder47der Baum-Schulen. oder anderm Geſchmeiſſe, ſondern lediglich von den Kaͤfern ihren Urſprung haben muͤſſen. Denn ſo wenig aus dem Eye eines Kaͤfers eine Schmeis - Fliege wird, eben ſo wenig kan auch aus dem Eye einer ſolchen Fliege ein Kaͤfer werden. Es ſind die Maden von den groͤſten Schmeis-Flie - gen, wenn ſie gleich ihr voͤlliges Wachsthum ha - ben, mit dieſen Wuͤrmern an Groͤſſe nicht zu ver - gleichen, und brauchen auch nicht laͤnger als 9. Tage bis zu ihrer Verwandelung, da alsdenn eben wieder ſolche Fliegen daraus werden. Hin - gegen die Engerlinge ſtecken bey den Thieren ſehr lange. Jch halte dafuͤr, daß die aus den Eyern der Kaͤfer ausgebruͤtete kleine Wuͤrmer ſich durch ihr ſcharfes Gebiß einfreſſen, und ſo lange zwiſchen dem Felle und Fleiſche der Thiere naͤh - ren, bis die Zeit ihrer Veraͤnderung herbey komt, da ſie ſich ſelbſten wieder heraus freſſen. Wenn man genau darauf Acht hat, ſo wird man ſie zu ſolcher Zeit theils heraus gucken ſehen, theils auch die offenen und leeren Loͤcher finden, wo welche geſeſſen. Wer aber daran zweifelt, daß dieſe Wuͤrmer eine Brut von Kaͤfern ſey, der kan am beſten hinter die Wahrheit kommen, wenn er ei - nen bis zur voͤlligen Verwandelung lebendig zu erhalten ſuchet, und Acht hat, in was fuͤr eine Jn - ſecte ſich derſelbe verwandelt. Doch ich wil darinne nichts gewiſſes beſtimmen, und uͤberlaſ - ſe dieſe Unterſuchung, welche allerdings der Muͤ - he werth iſt, andern, welche in ſolchen Dingen mehrere Erkentniß und Erfahrung haben. Undhierzu484. Cap. Von Verpflanzunghierzu wird wohl der beruͤhmte und gelehrte Herr D. Huth, wie auch der Herr Roͤſel am geſchickte - ſten ſeyn, als von welchen wir hierinne bereits die ſchoͤnſten Proben haben. Hiervon koͤnnen auch die Gedanken des gelehrten Carl Linnei in ſeiner Flora Lapponica p. 360 geleſen werden.
Nachdem ich oben von Einſamlung und Be - ſtellung der Obſt-Kern gedacht, und eine Anweiſung darzu gegeben, ſo werde ich nicht unrecht handeln, wenn ich nunmehro auch von der Anlage der Baum-Schulen ſelbſt, dasjenige, was ich hiervon aus langer Erfahrung gelernt, alhier mittheile. Jch bin aber nicht geſonnen alles, was albereit in andern Buͤchern weitlaͤuftig beſchrieben worden, wiederum aufzuwaͤrmen, ſondern ich wil nur dasjenige, was ich fuͤr noͤthig und nuͤtzlich er - achte, alhier bemerken, und ſo kurz als es moͤglich zuſammen faſſen, damit ich dem geehrten Leſer nicht mit vielen Umſchweifungen verdruͤslich falle.
Die vielen Bemuͤhungen, welche von die - ſer Materie, was nemlich die Erziehung und Wartung der Baͤume betrift, in den mehreſten Wirthſchafts - und Garten-Buͤchern angetroffenwer -49der jungen Reiſer. werden, ſind nicht zu verachten, und findet man hier und da viel Gutes darinnen; doch aber wird man finden, daß auch in denen weitlaͤuftigſten Werken das Noͤthigſte und Nuͤtzlichſte gemeini - glich nur obenhin betrachtet, oder gar zum Theil weggelaſſen worden. Wer ein Liebhaber von Weitlaͤuftigkeit iſt, und Curioſitaͤten wiſſen wil, der kan unter andern dergleichen Buͤchern folgen - de nachſchlagen: Hr. D. Georg. Andr. Agri - cola Univerſal-Vermehrung der Baͤume. Hr. D. J. Sigismund Elzholz Garten - Bau. Heinrich Heſſens Garten-Luſt und Jul. Bernhard von Rohr Einleitung zur Land - und Feld-Wirthſchaft-Kunſt. Wer des beſagten Hrn. D. Agricola 1716 herausgege - benen Folianten durchſiehet, wird finden, daß die darinnen befindlichen vielerley Arten derer Pfropf - und Oculirungen wohl artig doch aber mehr curioͤs als nuͤtzlich ſind. Ehe ich dieſes Buch zu Geſichte bekommen, habe ich in meiner Jugend dergleichen gekuͤnſtelte Verſuche und Pfropfungen in meines Vaters Baum-Schule ſelbſten vorgenommen, wo - bey ich gefunden, daß die Reiſer zwar zum Theil an - geſchlagen und beklieben ſind; allein ich habe geſe - hen, daß dieſe mancherley Pfrof - und Oculirungen zeitverkuͤrzende Dinge ſind, und zu weiter nichts dienen, als daß den Staͤmmen, indem ſie nach ſol - chen Kuͤnſteleyen nicht recht anſchlagen wollen, der Untergang verurſachet wird. Zudem muß man alle Arbeit, welche man in der Welt vor - nehmen wil, auf eine leichte, nicht aber auf eineAbh. v. Baͤum. Dmuͤh -504. Cap. Von Verpflanzungmuͤhſame und umſchweifende Art ſuchen zu ver - richten. Mit Anlegung derer Baum-Schulen hat man auf zweyerley zu ſehen: entweder man iſt willens zum Nutzen und Verkauf eine Baum - Schule anzulegen, oder man wil die angegebenen kuͤnſtlichen vielerley Pfropf - und Oculirungen und dergleichen Verſuche aus Curioſitaͤt anſtellen, in welchem einem jeden ſein freyer Wille uͤberlaſſen wird. Jch handele jetzo nicht von dieſem, ſon - dern von jenem Fall, und zeige nur den naͤchſten und nuͤtzlichſten Weg einen Vorrath von Baͤu - men zu erhalten, und da hat man folgendes zu merken.
Wenn die geſaͤeten Kern-Staͤmme auf dem Lande in 3. bis 4. Jahren ihre Staͤrke erreichet haben, ſo koͤnnen ſie den Herbſt, wenn das Laub gefallen, oder auch im Fruͤhjahre, ſobald man in die Erde kommen kan, ordentlich nach der Gar - ten-Schnure mit einem Pflanzer geſtecket werden. Oder, wenn ſie ſtark ſind, und viele Wurzeln ha - ben, muͤſſen ſie in einen mit dem Grabe Scheide aufgeworfenen Graben fein ordentlich nach dem Viſire geſetzet werden, doch alſo, daß die Reihen in die Quere 4. 5. bis 6. Schuh nach eines jeden Belieben, von einander zu ſtehen kommen. Jn denen Reihen werden die wilden Staͤmme an - derthalb auch wohl 2. Schuh weit von einander geſetzet, damit man darzwiſchen nicht allein be - quem pfropfen und oculiren, ſondern auch die Pfroͤpfer anbinden, und die in denen Reihen ſte -henden51der jungen Reiſer. henden Garten-Fruͤchte bequem erziehen, auch die gepfropften Baͤume, wenn ſie ſo viel in ihre Kro - nen erwachſen, daß ſie zum Verſetzen dienlich ſind, ohne den andern darneben ſtehenden Baͤu - men Schaden zu thun, ausheben kan.
Das Land aber muß vorhero wohl geduͤn - get, gegraben und zubereitet werden, wie oben bey Beſtellung der Obſt Kern in dem zweiten Capitel iſt gemeldet worden. Wenn dieſes nach meiner Angebung geſchiehet, ſo wird ſich finden, daß die Baͤume uͤberhaupt geſchwinde und ſchoͤ - ne fortwachſen. Und wenn die Kern-Staͤmme auf ſolche Art ordentlich in die Baum-Schule gebracht worden, koͤnnen ſie im zweiten oder drit - ten Jahre gepfropfet und oculiret werden; doch wenn ſie wohl beklieben und getrieben, kan ſol - ches auch im erſten Jahre vorgenommen werden. Wolte man aber das Duͤngen und die Zuberei - tung des Landes unterlaſſen, und die Staͤmlein auf einen magern und hungrigen Boden bringen, und die Verbeſſerung deſſelben erſtlich nach der Verſetzung vornehmen, ſo wuͤrden ſie gewißlich ſehr langſam wachſen, ehe man ſie pfropfen koͤn - te, und folglich wuͤrden auch die darauf geſetzten Reiſer nicht ſobald in die Hoͤhe ſchieſſen und uͤber den wilden Stam uͤberlauffen.
Zwiſchen die nach der Laͤnge angelegtenWie das Land dar - zwiſchen zu nutzen. Reihen der Staͤmme und Reiſer, wenn ſie nicht ſo nahe an einander gebracht werden, koͤnnen alle Jahre vielerley Garten-Fruͤchte, wenn das LandD 2hierzu524. Cap. Von Verpflanzunghierzu gegraben iſt, beſtellet werden: z. E. Blumen-Kohl, Weis - und Rothkopf-Kohl, Blau - kohl, Zwiebeln, Sallat, Gurken, Siebenzeiten, Coriander, Garten-Bohnen, niedrige Franz-Pha - ſeolen, Winter-Kraut, und Wirſing-Pflanzen und dergleichen, welche Fruͤchte nicht hoch zu wachſen pflegen. Das Wurzel-Werk wil ſich wohl in die Baum-Schulen nicht ſchicken; denn ob es gleich mit ſeinen Blaͤttern nicht hoch zu wachſen pfleget, ſo ziehet es doch den Baͤumen den Nahrungs-Saft alzu ſehr hinweg. Und ge - ſezt, wenn auch dieſes nicht waͤre, ſo wuͤrden bey dem Ausheben der Wurzel-Gewaͤchſe die Baum - Wurzeln doch verunruhiget und verletzet wer - den. Korn und andere Fruͤchte, welche hoch zu wachſen pflegen, ſind den Baͤumen verderblich, denn die Staͤmme und Pfroͤpfer erſticken wegen Mangel der Luft und der Sonne.
Jch habe mit allem Fleiß die Reihen 6 Schuh weit von einander zu ſetzen angerathen, damit man das Land gebrauchen, und die darinnen ſtehende Garten-Fruͤchte und Baͤume wohl begatten, be - ſchneideln, und an die Pfaͤhle anbinden koͤnne. Es hat aber dieſe angegebene Weite von 6 Schuhen auch noch dieſen Nutzen, daß man ohnvermerkt wie - der eine junge Baumſchule anlegen kan, ohne den in etwas erwachſenen Staͤmmen Schaden zu thun. Wenn nehmlich die Baͤume hoch genung in ihre Kronen gewachſen, daß ſie zum Verkauf und Verſetzen tuͤchtig ſind, und nach und nach hinwegkom -53der jungen Reiſer. kommen, ſo ſetzet man zwiſchen zwey Reihen in der Mitte wiederum junge Kern-Staͤmme, wel - che alſo 3 Schuh weit von denen alten zu ſtehen kommen. Mitlerweile werden die groſſen hinweg geſchaffet, woraus folgt, daß man in weniger Zeit wiederum eine neue Baum-Schule bekomt, in welcher die Reihen, eben ſo wie in der erſten, 6. Schuh weit von einander ſtehen. Hieraus iſt nun zu ſehen, daß man ein ſolches Land nicht nur zur Baum-Schule gebrauchen koͤnne: ſon - dern daß auch der Nutzen von den Garten-Fruͤch - ten ſchon den Pacht des koſtbareſten Ackers, eben ſo gut, als wenn man keine Baͤume darauf ſte - hend haͤtte, abwerfe. Wem daran gelegen zum Verkauf oder zu ſeinem eigenen Gebrauch eine beſtaͤndige Baum-Schule zu haben, der muß zum wenigſten alle 4. bis 5. Jahr wiederum Stein - und andere Obſt-Kern ſaͤen und ſtecken laſſen, damit er immer junge und alte Baͤume und Reiſer beyſammen habe. So man dieſes un - terlaͤſt, komt man in weniger Zeit um die Baum - Schulen.
Was die Pfropf-Reiſer betrift, ſo muͤſſen ſieWas in An - ſehung der in dem vorigen Jahre getrieben ſeyn,D 3und545. Cap. Vom Pfropfen. Pfropf-Rei - ſer zu beob - achten.und ſind am beſten, wenn ſie die Dicke einer Feder - Spule haben. Die Abbrechung muß im Februar, Merz und zur Noth im Anfange des Aprils, ehe nemlich der Saft zu ſehr in die Baͤume trit, ge - ſchehen, und zwar muͤſſen ſie von ſolchen Baͤu - men genommen werden, welche ſich anlaſſen, als wenn ſie das folgende Jahr viel Obſt tragen wuͤr - den. Sonſt hat man es auch fuͤr eine nothwendi - ge Regel angeſehen, daß die Reiſer alſo gebrochen werden muſten, daß unten am Ende allezeit 2. Zol zwey jaͤhrig Holz mitgenommen wurde. Die Alten haben auch niemalen ein Reis zum Aufſetzen ge - nommen, wenn nicht dergleichen altes Holz dar - an befindlich war. Heutiges Tages aber, da man hierinnen beſſere Erfahrung und Einſicht bekommen, kehret man ſich nicht mehr an dieſe alte Regel, und bedienet ſich der Reiſer, obgleich kein altes Holz an dem jaͤhrigen Wuchs befind - lich iſt. Denn ſie werden auf ein Augc zuge - ſchnitten, und wenn das Reis lang iſt, koͤnnen wohl 2. bis 3. daraus gemacht werden. Doch habe ich einigemal durch meine Gaͤrtner eine Probe ma - chen laſſen, abſonderlich bey alten Baͤumen und dicken wilden Staͤmmen, daß ich hierzu zweyjaͤh - rige Reiſer genommen, und habe geſehen, daß ſolche eben ſo gut und faſt noch beſſer beklieben und fortgewachſen ſind, als die einjaͤhrigen, Denn wenn ein Stam, worauf man pfropfen wil, dicke iſt, ſo muß man dahin ſehen, daß auch ein ſtarkes Reis hierzu erwaͤhlet und die Propor - tion in Obacht genommen werde. Bey Abbre -chung555. Cap. Vom Pfropfen. chung derer Reiſer muß man fuͤr allen Dingen dahin ſehen, daß dieſelben nicht von ſolchen Obſt - Baͤumen, welche entweder beſtaͤndig unfruchtbar ſind, oder doch noch nicht getragen haben, genom - men werden: denn ſie ſind nicht dienlich hierzu, indem aus der Erfahrung bekant iſt, daß von dergleichen Reiſern wieder untragbare Baͤume erzogen werden. Daher muß man ſich die Pfropf - Reiſer von den allerbeſten und wohltragenden Arten nehmen. Es bleibet einerley Bemuͤhung, ob man ein gutes oder ſchlimmes Reis aufſetzet, und alſo iſt lieber das beſte zu erwaͤhlen. Um die abgebrochenen Reiſer muß allemal bey jeder Art ein Zeddel mit dem aufgeſchriebenen Nahmen gebunden werden, damit man bey dem Pfropfen die Reiſer nicht verwechſele. Weil man die Reiſer lange aufbehalten muß, ſo werden ſie im Garten an einem ſchattigten Orte in eine feine lockere Erde drey Zol tief eingedruckt; doch muͤſ - ſen die Pfropfreis-Bindel fein gleich geleget wer - den, denn diejenigen, welche nicht die Erde errei - chen, und zu welchen Luft kommen kan, verder - ben. Solte man die Reiſer wegen der Froͤſte nicht in einen Garten in die Erde bringen koͤn - nen, ſo koͤnnen auch ſolche auf gleiche Art in einen Scherben, welcher mit Sand oder Erde angefuͤl - let worden, eingedrucket und in einem Keller ge - ſtellet werden. Wer an fremde Oerter Pfropf - Reiſer verſenden muß, der ſtecke ſie 3. Zol tief in einem feichten Leimen oder Thon, thue ſie in eine Schachtel, und lege daruͤber und darunter Mos,D 4ſon -565. Cap. Vom Pfropfen. ſonſten verderben ſie, werden welk, und ſind her - nachmalen zum Pfropfen nicht dienlich.
Georg Holyck p. 16. meldet von denen Rei - ſern folgendes. Nichtsweniger muß man ſich vor - „ ſehen, daß die Reiſer im Brechen oder Schnei - „ den nicht auf die Erde aus der Hand fallen, denn „ der Character impreſſionis iſt mit Verwunde - „ rung in der Erfahrung hernach kentlich und „ merklich. Sintemal, ſo ein Reis im Brechen „ oder Schneiden aus der Hand faͤlt, und wird „ gepfropfet, daſſelbe Obſt hernach gewiß dieſem „ Character nachfolget, und das Obſt nach und „ nach abfaͤlt, ehe es reif wird, bis endlich zu der „ Zeit, daß es reif werden, und man es abnehmen „ ſolte, nichts am Baume faſt mehr zu finden iſt. Und A. D. J. Fuͤrſtlicher Gaͤrtner, in ſeinem wohl - beſtelten Garten-Bau p. 359. §. 14. wie auch M. Schwimmer in ſeiner Phyſicaliſchen Garten - Luſt p. 106 fuͤhren eben dergleichen Worte, und hat es glaublich einer von dem andern entleh - net.
Es gibt noch bis dieſe Stunde Leute, wel - che an dergleichen aberglaͤubiſchen und abge - ſchmackten Dingen kleben, und ſich auch hiervon nicht abdringen laſſen. Wenn man ihnen gleich noch ſo viele Vorſtellungen gethan; ſo bleiben ſie dennoch bey ihren 18. Augen, und bilden ſich ein, ſie beſaͤſſen hierinnen ein ſonderbares Geheimnis. Jch habe von ſo vielen Jahren bis hieher bey Er ziehung unzaͤhliger Baͤume erfahren, daß we - der diejenigen, welche ſolche in fremde Her -ſchaf -575. Cap. Vom Pfropfen. ſchaften bey mir abgeholet und gepflanzet, wegen Abfallung des Obſts Klage gefuͤhret, noch auch daß mir ſelbſt an den vielen Baͤumen, welche ich fuͤr mich ſetzen laſſen, dergleichen Uebel begegnet, obgleich die Pfropf-Reiſer von meinen Leuten, um des Anhaltens willen an den Zelken, bey dem Abbrechen herunter geworfen, und hernachma - len aufgeleſen worden. Jch habe in manchen Jahren wohl 20. und mehr Schock dergleichen Reiſer zum Pſropfen gebrauchet, und durch die - ſes Vorgeben mich niemalen irre machen laſſen. Denn es iſt nicht moͤglich noch wahrſcheinlich daß ein ſolcher Eindruck und Wuͤrkung in ein Reis durch das Herunterfallen geſchehen ſolte, und es verhaͤlt ſich damit faſt eben ſo, wie mit der Wuͤrkuͤng der Geſtirne in die unterirdiſchen Koͤrper, welche von vielen Gelehrten laͤngſtens unterſuchet und verlachet worden. Was aber die wahre Urſache betrift, warum das Obſt un - terweilen haͤufig abfaͤlt, und wovon ſolches ei - gentlich herkomt, ſo wird ſolches Uebel meiner wenigen Einſicht nach wohl aus folgender Urſa - che entſtehen. Wenn ſich das Obſt an den Baͤu - men in ſeinem beſten Wachsthum befindet, und eine Zeitlang gelinde Regen und warme Wit - terung ſich ereignet hat, ſo waͤchſet daſſelbe wohl von ſtatten. Wenn nun hernachmalen eine Zeit - lang duͤrre Witterung und heiſſes Wetter darauf erfolget, ſo wird demſelben durch die Luft und Waͤrme der gehoͤrige und ſatſame Zufluß des Saf - tes benommen, woraus folgt, daß es zum Theil,D 5auch585. Cap. Vom Pfropfen. auch wohl das mehreſte abfallen muß. Wenn ſolches aber vom Herunterfallen der Reiſer her - kommen ſolte, ſo muͤſte folglich das Abfallen al - le Jahr, wenn die Baͤume tragen, geſchehen, wel - ches aber wider die Erfahrung ſtreitet. Ge - meiniglich wird man an den Aepfel-Baͤumen gewahr, wenn ſie uͤberfluͤſſige Fruͤchte haben, daß ſie ſolche zum Theil von ſich laſſen, und nur ſo viel behalten, als ſie durch Mittheilung des noͤthigen Saftes, ſo zu reden, ernaͤhren koͤnnen. Zufaͤlliger Weiſe geſchiehet es auch, wenn ein Baum an einem kieſigten, harten und feſten Ort, indem man nicht allezeit wiſſen kan, wie ein ſol - cher Grund und Boden unten beſchaffen iſt, ge - pflanzet worden, daß es ihm zur gehoͤrigen Zeit am Nahrungs-Safte fehlet, daher die Fruͤchte auch nothwendig abfallen, und die Blaͤtter gelbe wer - den muͤſſen. Andere Urſachen zu geſchweigen. Wenn ſehr groſſe Kaͤlte im Winter entſtehet, ſo leiden die Sommer-Reiſer oder der jaͤhrige Trieb gemeiniglich Noth, daß ſie hernachmalen zum Pfropfen nicht dienlich ſind, welches man bey dem Zuſchnitt der Reiſer daran erkennen kan, wenn ſie kleine ſchwarz-braune Strichlein haben. Wenn ſich dergleichen an den Reiſern befinden, ſo iſt es beſſer, ſolche lieber hinweg zu werfen, als in Gefahr zu ſtehen, daß ſie nicht fortwachſen und bekleiben werden. Ferner iſt an dem Zu - ſchneiden der Pfropf-Reiſer, faſt das mehreſte gelegen. Es muͤſſen ſolche fein keilicht und glat ſeyn; doch aber bey dem Abſatz etwas dicker blei -ben595. Cap. Vom Pfropfen. ben, und hernach zugeſchmaͤlert werden. Sol - cher Abſatz muß anderthalb Zol vom Ende unter einem Auge gemacht, und faſt die Helfte, oder bis man das Mark ſiehet, eingeſchnitten wer - den, welches hernach den Aufſatz auf den abge - ſchnittenen und glat gemachten wilden Stam giebt. An dem Hintertheile des zugeſchnittenen Pfropf - Reiſes, muß man mit dem Meſſer die braune Schale zu beyden Seiten ein wenig, doch ſo, daß das Gruͤne unverletzt bleibet, abſchaͤlen oder abſchneiden, damit der Saft von dem Stamme deſto leichter um das eingeſchobene Reis umlau - fen kan. Beſiehe Tab. I. A.
Wenn man die zugeſchnittenen Reiſer nicht alle in einem Tage aufſetzen kan, ſo thut es ihnen nichts, wenn ſie auch gleich eine Nacht in dem Waſſer ſtehen bleiben. Solte der Wind zu rau - he und kalt gehen, und uͤbles Wetter ſich ereig - nen, welches gemeiniglich in dieſer Jahrszeit zu geſchehen pfleget: ſo kan man zu Hauſe in der warmen Stube die Reiſer zuſchneiden: denn weil man ſich bey ſolcher Arbeit nicht bewegen kan, ſo verkrummen einem mehrentheils die Haͤn - de, daß man hernach nicht im Stande iſt, die - ſelbe gehoͤrig zu verrichten. Doch wenn es moͤg - lich, ſo iſt es beſſer, ſelbſt bey den Arbeits-Leu - ten zu bleiben, damit man unterweilen nachſehen kan, ob alles recht gemachet werde.
Was fuͤr Jnſtrumente zu denen mancherleyVon den noͤthigſten Arten der Pfropfungen gehoͤren, und wie ſie beſchaf -fen605. Cap. Vom Pfropfen. Jnſtrumen - ten und Re - geln bey dem Pfro - pfen.fen ſeyn, halte ich weitlaͤuftig zu beſchreiben fuͤr uͤberfluͤſſig, indem ſie albereit, in vielen oͤcono - miſchen Buͤchern, beſonders aber in des Hrn. D. Agricola ſeiner Univerſal-Vermehrung aller Baͤume und Stauden, und in Boͤckleri Haus - und Feld Schule, wie auch in Thimens Wun - der - Buche und in vielen andern in Kupfer-Sti - chen anzutreffen ſind; doch um der Deutlichkeit willen habe ich nur die nothwendigſten zu Ende dieſes Capitels in Kupfer-Stichen beyfuͤgen wol - len. Jch habe oben von den kuͤnſtlichen und vielerley Pfropfungen meine Gedanken eroͤfnet. Es iſt auſſer Streit die beſte, gemeineſte und ſicherſte Art zwiſchen die Schale oder Rinde zu pfropfen, und ſo bald ſich ſolche im Fruͤhjahre von dem Holze ſein glat abloͤſet, welches man unterweilen mit einem Meſſer verſuchen muß, ſo iſt es Zeit die Pfropfung vorzunehmen. Denn es pfleget in manchen Jahren zu geſchehen, daß der Saft 8. bis 14. Tage eher, auch unterweilen, nachdem die Witterung und ein warmer Regen ſich ereignet, ſpaͤter eintrit. Mehrentheils ge - ſchiehet dieſe Pfropfung im April. Der Stam, worauf man pfropfen will, muß zum we - nigſten eines Fingers dicke, volſaftig, glat und reinlich ſeyn. Bey dem Pfropfen muß man ſich auch wohl in obacht nehmen, daß man einerley Arten, als Aepfel auf Aepfel, Birn auf Birn, und uͤberhaupt alle Sorten auf ihr Geſchlechte bringet, wiewol es bey einigen eine Ausnahme leidet, denn man kan Pfirſchen, Apricoſen und al -lerhand615. Cap. Vom Pfropfen. lerhand Stein-Obſt auf vielerley Arten derer Pflaumen, desgleichen Miſpeln auf Birn-Staͤm - me pfropfen und oculiren. Befinden ſich waͤhren - der Pfropf-Zeit an den Staͤmmen, worauf man die Reiſer ſetzen wil, Nebenſchoſſe oder Raͤuber, ſo muͤſſen ſolche vorhero fein glat abgeſchnitten werden.
Wer in einer Baum-Schule viel zu pfro -Wie das Pfropfen in die Schale gut und ge - ſchwind zu verrichten. pfen hat, muß vier Perſonen zu dieſer Arbeit ha - ben, welchen vorhero die Handgriffe muͤſſen ge - zeiget werden. Z E. Die Erſte ſchneidet die Reiſer zu, und ſetzet ſolche in ein Geſaͤß, worein vorher reines Waſſer gethan worden, damit ſie nicht durch die Luft und Waͤrme ausgetrocknet und verderbet werden. Die Zweite ſaͤget an den wilden Staͤmmen oben die Krone 1 Schuh hoch von der Erden, jedoch nicht voͤllig hindurch, ſon - dern wenn der Schnit faſt bis an die Schale ge - ſchehen, ſo wird der Gipfel mit einem ſcharfen Meſſer vollends herunter geſchnitten. Alsdenn wird der Stam oben recht glat und eben ge - macht, und mit dem Meſſer die Rinde, doch ohne Verletzung des Holzes, an einen recht reinen und glatten Orte des wilden Stammes, geſpaltet, jedoch nicht laͤnger als der Zuſchnit an dem Pfropf - Reiſe geſchehen iſt. Sodann wird zwiſchen dem Spalt und Holze das Reis eingeſchoben. Die Dritte folget alſo dieſer auf dem Fuſſe nach, und leget von einer Weiden-Stange ein Stuͤck - lein Schale drittehalb Zol lang uͤber den Spaltauf625. Cap. Vom Pfropfen. auf das eingeſchobene Reis, und umwindet ſol - ches hernachmalen mit einer recht weichen Weide wie die Boͤtcher oder Baͤnder mit ihren Rei - fen zu thun pflegen. Die Vierte hat zu thun mit dem vorhero zugerichteten Leimen, welcher mit Gerſten-Spreu, und recht klargeklopften Rothgerber Haaren wohl untermenget und durch - arbeitet werden muß. Von dieſem wird ein Klumpen, 2 Zol uͤber und 2 Zol unter dem Ab - ſchnit, um den Stam und um das Reis her - um, dichte angedrehet, ſo daß das letztere mitten aus den Leimen hervor raget. Auf ſolche Ma - nier gehet das Pfropfen wohl von ſtatten. Von dieſem jetzt beſagten Leimen halte ich vielmehr, als von dem Baum-Wachſe oder anderen Ver - bindungen. Denn unter dem Leimen bleibet es feuchte und kuͤhle, es kan auch die Luft und der Regen nicht ſo leichte zu dem Reiſe und in den Spalt hinein dringen, und wenn er wohl zube - reitet worden, und nicht zu ſandig iſt, bleibet er 2. bis 3. Jahr an dem Stamme.
Was die Pfropfung in den Spalt anlan - get, ſo komt dieſe mit der vorigen faſt in allen Stuͤcken uͤberein; nur daß ſie in dem Zuſchnitte des Pfropf-Reiſes und in Anſehung der Spaltung des Stammes abweichet. Dieſes Pfropfen iſt am beſten zu Ende des Februars und Merzes, zur Noth auch im Anfange des Aprils vorzuneh - men, und geſchiehet alſo. Erſtlich wird der wil - de Stam, worauf man pfropfen wil, mit einerguten635. Cap. Vom Pfropfen. guten Saͤge abgeſchnitten, und die Oberflaͤche deſſelben mit einem ſcharfen Meſſer recht glat ge - macht. Zum andern muß das Pfropf-Reis von zweyen Seiten her, ſo weit es eingeſchoben wird, recht keilicht und glat zugeſchnitten werden. Be - ſiehe Tab. I. B. Drittens wird der Spalt mit ei - nem Meiſel gemacht, und mit einem Elfenbeinern oder hoͤlzern Keile von einander gehalten, damit das Reis kan eingeſchoben werden, welches mit der an - noch daran gelaſſenen Rinde und mit der Rinde des Stammes zuſammen paſſen muß, damit der Saft deſto fuͤglicher umlaufen kan. Tab. I. C. Viertens wird an das Reis, ſo weit es in den Spalt des Stam - mes eingeſchoben worden, ein Stuͤcklein abgeloͤſte Weiden-Schale geleget, und alsdenn mit Weiden oder Baſt recht wohl umwunden. Endlich muß ſowohl der Stam als das Reis mit Baum-Wachs oder mit Pfropf-Leimen wohl verwahret werden, damit der Regen und die Luft nicht hinein dringen kan.
Eine unrichtige Vorſchrift iſt es aber, wenn in den mehreſten Garten-Buͤchern angegeben wird, daß man die Reiſer auf einen Stam nicht nach der Mittags-Seite einſetzen ſolle, weil die Sonne ſie alzu ſehr austrockne, daß ſie dadurch Schaden leiden koͤnten. Wer das Pfropfen nicht recht verſtehet, wird dieſes Angeben gar leicht glauben; allein diejenigen, welche nur einiger maſſen mit dem Pfropfen umgegangen ſind, wer - den mir gewiß bevpflichten, daß es nicht moͤglich iſt das Reis allemahl nach der Mittags-Seiteaufzu -645. Cap. Vom Pfropfen. aufzuſetzen: indem derjenige, welcher pfropfet, ſich nicht nach den Gegenden, ſondern allezeit nach dem wilden Stamme richten, und das Reis dahin ſetzen muß, alwo er an demſelben den beſten, reinſten und gleichſten Ort finden kan, es ſey nach Mittag, Morgen oder Abend. Jch habe nie - malen gefunden, daß die aufgeſetzten Reiſer deswe - gen zuruͤck geblieben waͤren.
Dieſe, wie auch die uͤbrigen Arten der man - cherley Pfropfungen und die darzu gehoͤrigen Handgriffe weitlaͤuftiger zu beſchreiben, halte ich fuͤr vergebens. Denn ob ich mich gleich noch ſo ſehr bemuͤhen wolte, ſolche recht deutlich vor - zuſtellen, ja alles in Kupfer-Stichen vor Augen zu legen, ſo wuͤrde es doch denenjenigen, welche ſolche zu wiſſen verlangen, nicht hinlaͤnglich ſeyn, dieſelben hieraus zu erlernen und zu verſtehen. Jch habe auch oben in der Vorrede bereits ge - meldet und dargethan, daß hierinnen das Vor - nehmſte auf die Hand-Griffe, welche von einem rechtſchaffenen und erfahrnem Manne zu erlernen ſind, ankomt. So bald als man hierinnen eine Einſicht bekommen hat, ſo kan man auch alle Buͤcher, welche hiervon geſchrieben haben, ver - ſtehen.
Man muß ſich wundern, daß hin und wie - der in den Garten Buͤchern, beſonders aber in Hrn. D. Agricola ſeiner Univerſal Vermehrung viele koſtbare Recepte, wie das Baum-Wachs zu verfertigen, angetroffen werden, wodurch aberdie655. Cap. Vom Pfropfen. die Leute auf die irrigen Gedanken, als wenn ein ſolches Wachs zum Wachsthum etwas beytraͤge, gefuͤhret und um ihr Geld gebracht werden: denn es thut ein koſtbares und theures Baum-Wachs eben nicht mehr Dienſte als das gemeine. Wenn es auf die Koſtbarkeit ankommen ſolte, ſo waͤren auch die Barbier-Pflaſter hierzu zu gebrauchen. Daß ich es kurz ſage, es mag ein Baum-Wachs ſeyn, wie es immer wil, ſo dienet es zu weiter nichts, als daß die aufgepfropften Reiſer, und die Schaͤden an den Baͤumen damit beſtrichen werden, damit der Saft deſto eher darunter umlaufen kan, und die Luft, Sonne und Regen von dem verletzten Orte abge - halten werde. Jch wil daher ein ganz geringes und wohlfeiles mittheilen. Jch verſichere, daß die angegebenen koſtbaren Recepte nicht das allerge - ringſte mehr helfen werden, als dieſes:
Das braune Harz wird allein in einen irdenen oder kupfernen Tiegel gethan, und wenn es zerſchmol - zen, ſo bleibet die Unreinigkeit auf dem Boden ſi - tzen. Alsdenn gieſſet man das helle und reine oben ab in ein ander Gefaͤſſe, und thut das unreine hin - weg, hernach ſchmelzet man ſo wol das Wachs ſamt dem braunen Harze unter einander, gieſſet hierauf den Terpentin gemaͤchlich hinein, und ruͤh - ret es auf einem ganz gelinden Feuer fleißig um, daß es recht und wohl unter einander komt undAbh. v. Baͤum. Enicht665. Cap. Vom Pfropfen. nicht in die Hoͤhe ſteiget, wodurch man Feuers - Gefahr zu beſorgen haͤtte. Wenn dieſe drey Stuͤ - cke wohl unter einander geſchmolzen ſind, ſo nimt man den Tiegel von dem Feuer, und thut das Un - ſchlitt darunter. Man laͤſſet es hierauf wiederum wie zuvor auf dem gelinden Feuer zerſchmelzen, und wenn es wohl zergangen und untereinander geruͤhret worden, ſo gieſſet man es in ein Gefaͤs mit kaltem Waſſer, knetet es mit den Haͤnden wohl untereinander, und machet nach Belieben Stan - gen daraus. Solche verwahret man zur warmen Sommer-Zeit in einem Keller, bis man derſelben zum Gebrauch benoͤthiget iſt. Weil die Bienen das Wachs von den Pfroͤpfern oͤfters hinweg tra - gen, ſo habe ich hierwider folgendes Mittel fuͤr bewaͤhrt befunden. Jch habe eine Hand vol duͤr - re Wermuth, und fuͤr ein Pfennig Schwefel zer - reiben und durch ein Har-Sieb raͤden laſſen. Die - ſes Pulver habe ich, ſobald als das Baum Wachs von dem Feuer gehoben worden, darauf geſtreuet und wohl untereinander geruͤhret, alsdenn habe ich ſolches, wie oben beſchrieben worden, in das Waſſer geſchuͤttet. Hierbey iſt zu merken, daß das Pulver von dem Wermuth und Schwefel nicht duͤrfe mit gekochet werden, denn dadurch wuͤrden ihm die Kraͤfte benommen, daß es nichts helfen wuͤrde. Man kan auch auf das aufgeſtri - chene Baum-Wachs ein Stuͤcklein Pappier klei - ben, wodurch die Bienen auch abgehalten wer - den; wiewol ſie unterweilen ſo lange daran ar - beiten, bis ſie ein Loch darein gemachet und dasWachs675. Cap. Vom Pfropfen. Wachs hinweg geholet haben. Nachfolgendes wird eben alſo verfertiget:
M. Schwimmer in ſeiner phyſicaliſchenUnwahrhei - ten, welche bey dem Pfropfen vorgegeben werden. Garten-Luſt, und noch andere mehr, geben vor, daß ein Menſch eine gluͤckliche, hingegen ein an - derer eine ungluͤckliche Hand zur Baum Zucht ha - be. A. D. G. Fuͤrſtlicher Gaͤrtner, und Georg Holyck p. 42. ſind auch noch dieſer Meinung, daß, wer da pfropfen wolte, ſolte reine Haͤnde haben und nicht raͤudig ſeyn, und was dergleichen Dinge mehr ſind. Man gibt vor, es kaͤme ſolches von unterſchiedenen Temperamenten her, daß nemlich die Ausduͤnſtungen eines Menſchen denen Erd - Gewaͤchſen, Baͤumen und Kraͤutern, und derglei - chen zutraͤglich oder zuwider waͤren. Man hoͤret auch oͤfters ſelbſt dergleichen Reden: dieſer und jener hat keine gluͤckliche Hand, er mag auch anfan - gen was er nur wil, ſo gedeyet es ihm nicht. Es ſcheinet zwar einiger maſſen, daß dieſe Meinung richtig ſey; allein da ich aus ſo vieler Erfahrung ein ganz anderes beweiſen kan, ſo kan ſolche ohn - moͤglich ſtat haben. Jch habe vielmehr befun - den, daß nicht das ſchaͤbichte, raͤudige und kraͤtzige Weſen oder die Hand Schuld daran ſey, ſondernE 2daß685. Cap. Vom Pfropfen. daß das uͤble Gedeyen lediglich daher komme, wenn die Pfropf-Reiſer nicht recht zugeſchnitten, nicht recht verbunden, und mit Pfropf-Leimen oder Baum-Wachſe nicht recht verwahret wor - den; denn dieſe Dinge wollen alle gar genau ge - macht ſeyn.
So verhaͤlt ſichs auch mit dem Verpflanzen. Es mag ein Gewaͤchſe ſeyn, was es nur fuͤr eins wil, wenn es mit der Hand nicht recht eingedru - cket wird, und derjenige, welcher es verſetzet, nicht verſtehet, was bey dem Verpflanzen deſſelben be - obachtet werden muß, ſo kan es unmoͤglich ge - deyen. Und folglich kan man alsdenn nicht ſa - gen, daß ein ſolcher eine ungluͤckliche Hand habe, ſondern man muß vielmehr der Unwiſſenheit und Ungeſchicklichkeit ſolcher Leute die Schuld beymeſ - ſen. Jch verſichere, wenn eine Sache recht ge - macht wird, es ſey worinne es nur immer wolle, daß ein jeder eine gluͤckliche Hand haben werde. Und geſetzt, wenn ein Menſch die allerſchlimſten Ausduͤnſtungen von der Welt haͤtte, ſo gehen ſie ja unmittelbar in die Luft, und nicht in die Pflan - zen, Pfropf-Reiſer, oder Samen, welche geſaͤet werden. Jch habe oͤfters unter meinen Leuten welche gehabt, die ſehr ſchaͤbicht, kraͤtzicht und vol - ler Unflat geweſen, welche das Pfropfen, Pflan - zen und das Saͤen verrichten muͤſſen; und den - noch habe ich nicht gefunden, daß mir etwas ver - dorben waͤre, weil ſie es nemlich verſtanden und alles recht gemacht haben. Es waͤre mir ein leich - tes mehrere Unwahrheiten zu bemerken; z. E. daßman695. Cap. Vom Pfropfen. man durch allerhand Kuͤnſteleyen bey dem Pfro - pfen die Fruͤchte wohl ſchmeckend machen koͤnne, und was dergleichen falſche Dinge mehr ſind, wel - che ich aber der Muͤhe nicht werth achte zu beruͤh - ren. Ein jeder kan ſelbſten ſo viel einſehen, daß dergleichen in der Natur kan zuwege gebracht werden. Jn meiner Jugend habe ich viele ſolche angegebene Kuͤnſte probiret, am Ende aber habe ich gefunden, daß alle meine angewandte Muͤhe vergebens geweſen.
Wenn man Zeit und Gelegenheit hat, und dieDie Na - men der ge - pfropften Baͤume muͤſſen in ein Ver - zeichniß ge - bracht wer - den. Muͤhe belohnet wird, ſo iſt es ſehr fein, wenn alle Arten des Obſtes, welche gepfropfet, und oculiret worden, in ein Verzeichnis gebracht worden, in welches man die Nummern und die eigentlichen Nahmen der Birn, Aepfel, Apricoſen, Pfirſchen, Pflaumen, Kirſchen und anderer Arten von Baͤu - men einſchreibet, und welches mit den, bey die ge - pfropſten Baͤume geſteckten Hoͤlzern und darauf geſchnittenen Zahlen, richtig eintreffen muß. Und obgleich dieſes muͤhſam, ſo iſt es doch ſehr nuͤtzlich, indem der Abekauffer, wenn ihm das Verzeichniß fuͤrgeleget wird, ſich nach ſeinem Belieben die Ar - ten ausleſen und wiſſen kan, was fuͤr Baͤume er ſich zu erwaͤhlen habe. Nach Proportion einer Baum-Schule ſol von Rechtswegen eine jede Art zuſammen alleine gepfropfet und oculiret werden. Z. E. 50. Stuͤck Quitten-Aepfel, 50. Stuͤck Porsdorfer, 50. Stuͤck Pauliner, und ſo fort, da - mit man zu jeder Sorte derer 50. Stuͤck nur ei -ne705. Cap. Vom Pfropfen. ne Nummer brauche, indem die Sache dadurch gar ſehr erleichtert wird.
Es iſt zwar jetziger Zeit bey uns dahin gekom - men, daß die Leute dieſe Muͤhe nicht mehr bezah - len wollen, ſondern ſuchen ſich hin und wieder die Staͤmme aus den Reihen derer Baum-Schulen aus, und laſſen ſich daran begnuͤgen, daß ſie aller - hand gute Arten der Baͤume bekommen, und er - halten unterweilen noch beſſere als ſie ſelbſten ver - langet. Es fuͤhren auch die Baͤume nicht aller Orten einerley Namen, denn an einem Orte wer - den gewiſſe Arten ſo, an einem andern Orte wieder - um anders genennet. Vor einigen Jahren kam ein Bauers-Mann zu meinem Gaͤrtner, und wolte mit aller Gewalt Zaun-Birn haben. Weil nun der Gaͤrtner antwortete, er kennete keine ſolche Art; ſo blieb der Bauer dabey, daß er dergleichen haͤtte, es ſtuͤnde dieſer Baum in ſeinem Zaune und ſchmeckte fuͤr andern unvergleichlich, ſeine Eltern haͤtten dieſe Birn allezeit ſo genennet. Der Gaͤrt - ner beſan ſich alſobald, und ſagte, daß dergleichen in der Baum Schule waͤren, er haͤtte ſolche ganz aus der Acht gelaſſen, weil ſelten darnach gefraget wuͤrde, und wies ihn an einen Baum, welchen er davor ausgab: und alſo hatte der Bauer ſeinen Willen. Es pfleget hier zu gehen wie mit den Nel - ken, Aurickeln und Tulipanen, denn es gibt hierin - nen unzehlige Wiedertaͤufer, welche den Baͤumen nach ihrem Belieben gewiſſe Namen beylegen. *)Hiervon ſiehe die Haarlemer, Hamburger und Alto - naer Catalogos.
Wenn die gepfropften Reiſer anfangen wol -Fernert Wartung der ge - pfropften Baͤume. len zu treiben, und man ſolches merket, muß bey jeden Stam ſo nahe als es moͤglich iſt, ein Pfahl feſte geſteckt werden, woran die aufgeſezten Rei - ſer mit einer dinnen und weichen Weide jedoch nicht feſte angebunden werden muͤſſen, damit der Wind ſolche nicht abwerfen kan. Jſt dieſes ge - ſchehen, ſo laͤſſet man es 3 bis 4 Wochen dabey bewenden, denn es pfleget in manchen Jahren der Trieb, nachdem die Witterung warm, kalt oder naß iſt, etwas eher auch langſamer zu geſche - hen; wenn aber hernach die Augen an dem ge - pfropften Reiſe in etwas geſchoben haben, muß man ſolche mit einem ſcharfen Meſſer bis auf vier oder fuͤnf, welche man oben in der Hoͤhe daran laͤſ - ſet abſchneiden; es waͤre denn, daß man Franz - Baͤume daraus ziehen wolte, wovon ich unten ein mehreres handeln werde, jetzo iſt die Rede von Erziehung der hochſtaͤmmigen Baͤume.
Bey dem Ausputzen oder Abſchneiden de - rer in die Blaͤtter gewachſenen Augen, iſt auch noch zu merken, daß man den Stam, worauf ge - pfropfet worden, genau und wohl betrachte, ob wilde Augen oder Nebenſchoſſe ſich daran befin - den, welche ebenfals fein glat muͤſſen abgeputzet werden, ſonſten verhindern ſie das Wachsthum derer gepfropften Reiſer. Nimt man wahr, daß ein Reis ſtark geſchoben, und der obere und mit - lere Theil von der Sonne auch holzigt gemacht worden, ſo koͤnnen die uͤbrigen Augen bis aufE 4drey725. Cap. Vom Pfropfen. drey auch folgend abgeſchnitten werde. Solche Oerter, wo ein Auge weggenommen worden, ver - wachſen noch in demſelben Jahre; jedoch halte ich noch fuͤr beſſer, daß man dieſes Ausputzen bis in das folgende Jahr verſparet. Ein jeder muß hierbey ſeine Gedanken ſelbſten zu Rathe ziehen, indem man ſolches ſo deutlich nicht beſchreiben kan. Dieſes iſt alſo der gepfropften Reiſer ih - re Wartung im erſten Jahre.
Jm andern Jahre, wenn die jungen Baͤu - me in ihre Blaͤtter gewachſen ſind, muß man die Nebenſchoſſe und Aeſte abſchneiden, und da - mit in folgenden Jahren fortfahren, bis man ſie dahin gebracht, daß ſie eines Mannes hoch in ihre Kronen gewachſen ſind. Es kan wohl nichts ſchaͤndlichers gefunden werden, als wenn in einem Obſt-Garten ſolche Baͤume angetroffen werden, welche nicht hoch genung gezogen wor - den, und unter welchen folglich Niemand mit der Graͤſerey oder anderer Garten-Arbeit zurech - te kommen kan. Denn ein gleicher und hoher Baum laͤſſet nicht allein ſchoͤne, ſondern er traͤ - get auch eben ſo viel Fruͤchte als ein niedriger. Es iſt alſo beſſer ſolche in gehoͤrige Hoͤhe zu zie - hen; denn unter den hohen Baͤumen kan man ohne Hindernis hingehen und darunter alle Ar - beit bequemlich verrichten. Doch muß man al - hier einen Unterſchied zwiſchen den Franz-Baum - Gaͤrten und unter einem hochſtaͤmmigen Obſt - Baum-Garten machen.
Es iſt das Oculiren eine ſehr reinliche undVorzug des Oculirens vor dem Pfropfen. artige Arbeit, und hat vor dem Pfro - pfen auſſer Streit in vielen Stuͤcken ſeine be - ſondern Vorzuͤge, weil man in Vermehrung der vielerley Gattungen von Baͤumen, ſowol auslaͤn - diſche als einheimiſche auf dieſe Art am bequem - ſten fortbringen kan, welches mit dem Pfropfen ſich nicht ſo leicht wil thun laſſen. Auch muß bey dem Pfropfen der Stam abgeſchnitten werden, welcher folglich, wenn das Reis nicht komt, mei - ſtens verdorben iſt. Hingegen bey dem Ocu - liren bleibt ſolcher unverletzt, und wenn gleich die angeſetzten Augen auſſen bleiben, ſo ſchadet ſol - ches dem Stamme nichts, und man kan die fol - genden Jahre wieder von neuen darauf oculiren. Ob nun gleich ausgemacht iſt, daß dieſe Arbeit, und beſonders das Abloͤſen des Auges, nicht ſo deutlich und voͤllig beſchrieben und aus den Buͤ - chern erlernet werden kan, ſondern durch einen erfahrnen Gaͤrtner muß gezeiget und zugleich mit eigener Hand verſuchet werden; ſo wird es den - noch nicht undienlich und vergeblich ſeyn, eine kurze Beſchreibung davon zu geben. Wer ein Liebhaber von Weitlaͤuftigkeit iſt, kan in vielenE 5an -746. Cap. Vom Oculiren. andern Garten - und Haushaltungs-Buͤchern nach - ſchlagen.
Es iſt hier abermal noͤthig, daß die Rei - ſer, wovon man die Augen nehmen wil, von guten tragbaren Baͤumen ſeyn, ſonſt wuͤrde man nimmermehr einen fruchtbaren Baum davon er - halten. Auch hat man jede Art, wo es moͤglich, wieder auf ihres gleichen zu bringen, und heiſt es hier, gleich und gleich geſellet ſich gerne. Bey Erwehlung aber dieſer Oculir-Reiſer, es ſey von einer Gattung wovon es wolle, muß auch ei - gentlich dahin geſehen werden, daß ſie fein braun und reif ausſehen. Dieſe ſchneidet oder bricht man von dem Baume herunter, kuͤrzet mit dem Meſſer von einem jeden Blate die Helfte ab, und ſtellet ſolche alſobald in einen Topf oder Glas mit reinem Waſſer, denn wenn man ſie nur ſo hinlegen wolte, ſo wuͤrden ſie gar bald ih - ren Saft verlieren und verwelken, daß hernach die Augen nicht reinlich koͤnten herunter gebracht wer - den. Wenn man ſie nicht alſobald gebrauchen wil, koͤnnen ſie eine Nacht, auch wohl etwas laͤn - ger darinnen ſtehen bleiben; doch muß es auch nicht alzulange geſchehen, daß ſie nicht erſauffen.
Die Abloͤſung der Augen wird alſo verrich - tet: Man ſchneidet mit dem Oculier-Meſſer um das Auge herum, und zwar oben laͤnglich und unten breit, wie Tab. I. D. zu ſehen, doch ohne das Auge zu beſchaͤdigen, und luͤftethier -756. Cap. Vom Oculiren. hierauf auf beyden Seiten des Schildleins die Schale ein wenig auf. Jſt dieſes verrichtet, ſo druͤckt man mit dem Daumen ſeitwaͤrts, daß das Auge ſich von dem Holze abſchiebet. Wenn daſſelbe herunter iſt, ſo muß man es recht genau betrachten: findet ſich, daß der Kaͤum oder die Seele an dem Holze zuruͤck geblieben, und in dem Schildlein ein Loͤchlein zu ſehen iſt, ſo taugt das Auge nichts. Beſſer iſt es, daß ſolches hin - weg geſchmiſſen wird, als daß man ſich vergeblich bemuͤhet, indem in dieſem Fal alle Hofnung um - ſonſt iſt. Jch habe fuͤr gut befunden, wenn man ſich zum Abloͤſen der Augen einer Feder-Spuhle, welche halb auf, und forne gleich und ſcharf zu - geſchnitten ſeyn muß, bedienet. Mit derſelben ſchiebet man auf dem Holze des Reiſes und un - ter dem Auge hinweg, auf welche Art mehren - theils der Kaͤum in dem Oculir-Schildlein blei - bet. Jch wenigſtens bin mit dieſer Manier gluͤck - licher gefahren, als mit dem Abdrucken der Au - gen.
Siehet man, daß das abgeloͤſte Auge gutWie das Auge einzu - ſetzen und zu verwah - ren. iſt, ſo wird ſolches ſo lange in rein Waſſer ge - than, bis man den Schnit am Stamme verrich - tet und die Schale geluͤftet hat, oder wenn man das Auge alſobald einſchieben wil, faſſet man ſol - ches ſo lange, bis der Schnit geſchehen und die Schale an den Stamme aufgeluͤftet worden, in den Mund, damit nicht unterdeſſen der Saft durch die Luft abtrocknen koͤnne. Es wird derSchnit766. Cap. Vom Oculiren. Schnit alſo verrichtet, daß er die Form eines um - gekehrten lateiniſchen ⟘ vorſtellet, Tab. I. E; je - doch muß ſolcher etwas laͤnger, als das Oculir - Schildlein gemacht werden. Wenn jeztgedachte zwey Schnitte in die Laͤnge und Quere verrichtet worden, muß man die Schale an dem Quer - Schnitte mit dem Elfenbeine, welches ſich an dem Oculir-Meſſerſtiele befindet, zu beyden Seiten aufheben, wobey man ſich aber in obacht zu neh - men hat, daß man den auf dem Holze des Stammes befindlichen gelben Saft nicht beruͤh - re. Jſt dieſes geſchehen, ſo nimt man das Au - ge an dem Blatte oder Stiele, ziehet ſolches un - ter der Schale des Stammes in die Hoͤhe, und bedecket es alſo mit der abgeloͤſten Schale. Eini - ge Oculiſten pflegen die Augen von oben hinun - ter nach der Erden zu einzuſchieben, und machen den Schnit an dem Stamme wie ein ordentli - ches T, von welcher Art ich nicht viel halte. Weil der Regen und Schnee durch den oben geſchehe - nen Querſchnit ſich gar leicht zwiſchen der Scha - le einſenken kan. Hingegen, wenn der Quer - ſchnit unten, wie ſichs gebuͤhret, vorgenommen wird, ſo ſtellet die aufgeluͤftete Schale von dem Stamme, unter welche das Auge geſchoben wor - den, ein Daͤchlein vor, welches zu beyden Seiten uͤber dem Oculir-Schildlein lieget, daß alſo das Waſſer daruͤber ablaufen und herunter fal - len muß. Ein jedes eingeſchobenes Auge muß alſobald mit Baſte oder eingeweichtem Schilfe, jedoch weder zu feſte noch zu lucker verbundenund776. Cap. Vom Oculiren. und umwunden werden. Ferner muß man an dem Stamme, worauf oculiret worden, die Zel - ken oder Zweige oben ein wenig verkuͤrzen, da - mit der Saft in etwas zuruͤck gehe, und deſto beſſer um das eingeſetzte Auge umlaufen moͤge.
Dieſe Arbeit kan eine Perſon alleine vor - nehmen, doch es iſt beſſer, wenn ſolche von zweyen verrichtet wird. Z. E. Einer ſchneidet und loͤ - ſet das Auge von dem Reiſe ab, und ſchiebet ſol - ches in den gemachten Spalt des Baumes, die andere aber verbindet daſſelbe, wo beſonders der Linden-Baſt von den Matten, welche man bey den Materialiſten bekommen kan, gut zu ge - brauchen, wenn er vorher eingeweichet worden.
Die rechte Zeit, wenn man oculiren ſol,Wenn die beſte Zeit ſey zum Oculiren. iſt eben ſo nicht gewiß zu beſtimmen, indem ſich in manchen Jahren die Schale oder die Rinde eher auch langſamer zu loͤſen pfleget. Solches aber beruhet auf der Witterung: denn wenn ein ſtarker Regen vor der Oculir-Zeit ſich ereignet, ſo folget, daß der Saft auch eher eintrit, oder aber, wenn ſich duͤrre und trockene Witterung einſtellet, ſo wird auch der Saft 8 bis 14 Tage langſamer eintreten. Einige pflegen zwar in Anſehung der Oculir-Zeit einen Unterſchied un - ter den treibenden und ſchlaffenden Auge zu ma - chen. Die erſte Art nehmen ſie ſehr zeitig vor, woraus folgt, daß das Auge noch in demſelben Jahre hervorwachſen und aufſchieſſen muß. Es iſt aber nach meiner Einſicht und Erfahrung nichtviel786. Cap. Vom Oculiren. viel davon zu halten, indem ein ſolches Auge kurz vor dem Winter zu treiben pfleget, und al - ſo das Reislein und Holz nicht reif wird, ſondern gar zu weich und zart bleiben muß folglich durch die Kaͤlte und Froſt den Winter uͤber leicht Schaden nehmen kan. Und ob man gleich ge - denket durch das Verbinden mit Heu oder Stroh demſelben eine Guͤte zu thun, ſo machet man doch dadurch uͤbel aͤrger. Denn wenn es ſehr regnet oder auf ſtarken Schnee Thau-Wet - ter ſich ereignet, ſo lauft das Waſſer zwiſchen dem Stroh oder Heu bis an das Auge hinun - ter. Wenn nun ein Froſt darauf erfolget, wel - ches gemeiniglich zu geſchehen pfleget, ſo muß das kaum hervorgetriebene Auge erfrieren und verderben. Drum iſt es noch beſſer gethan, daß man dergleichen Augen lieber auf Hofnung ſtehen laͤſſet.
Die andere Art, nemlich die ſchlaffenden Augen zu oculiren, geſchiehet am beſten vom An - fange des Auguſt-Monats bis zu Ende, wenn vorhero der Saft zum andernmal volkommen in die Baͤume getreten iſt, wovon unten ein mehres ſol gehandelt werden.
Wenn nach Verflieſſung einer Zeit von 6 bis 7 Wochen geſehen wird, daß das eingeſchobe - ne oculirte Auge beklieben, ſo muß das Band, womit es verbunden worden, wiederum geoͤfnet werden, damit der Baſt nicht in den Stam mit einwachſe, und das Auge an ſeinem Wachsthumenicht796. Cap. Vom Oculiren. nicht verhindert werde, indem ſonſt der Saft nicht gehoͤrig umlaufen kan. Findet man in dem darauf folgenden Fruͤhjahre, daß das Auge gut geblieben iſt, und anfangen wil zu treiben; ſo iſt der Gipfel des wilden Stammes 7 bis 8 Zol uͤber dem Auge abzuſchneiden. Hat nun ſolches 10 bis 12 Zol getrieben und Blaͤtter gewonnen, ſo muß ein Pfahl darneben geſtecket, und das Reis daran geheftet werden, damit ſolches die Winde nicht koͤnnen herunter werfen. Wenn das Reis die Laͤnge eines Schuhes hat, ſo kan man auch ſchon den annoch daran gebliebenen wilden Stam vollends, jedoch ganz genau an dem Auge hinweg ſchneiden, und mit Baum-Wachſe verſtreichen; es wird ſich finden, daß der Abſchnit noch in dieſem Jahre uͤber die Helfte zuwaͤch - ſet. Doch kan dieſes auch bis in das zweyte Jahr verbleiben.
Hier wil ich den Zweifel, welchen Herr D.Baͤume werden durch das Pfropfen und Oculi - ren nicht verwandelt. Agricola in ſeiner Univerſal-Vermehrung p. 8. im andern Theile bemerket, anfuͤhren:” Dann „ der gute Pelzer, der ſo viele und lange Jahre, „ auf dem wilden Stam geſtanden, und ſich mit „ demſelben intime vereiniget, gibt doch ſeinen „ guten Saft, lege circulationis humorum auch „ abwaͤrts der Wurzel zu, & vice verſa. Der „ Saft, der in den Wurzeln befindlich, ſteiget „ aufwaͤrts: daraus iſt wohl zu ſchlieſſen, daß „ durch ſolche Temperirung und Vermiſchung der „ Saͤfte etwas beſſers hervor kommen kan; allein„ uͤber806. Cap. Vom Oculiren. „ uͤber dieſes muß eine accurate experienz den „ Ausſpruch geben. Ferner §. 9. Zu dem findet „ man, daß unſere Obſt-Baͤume alle meiſtens „ geimpfet ſind. Dannenhero entſtehet dieſes Du - „ bium. Wenn man einem ſolchen Baum v. g. „ von einem Pfund-Birnbaum, welcher auf einem „ Wildlinge gepfropfet worden, eine ſtarke Wur - „ zel hinweg genommen wird, ob man verſichert „ ſeyn kan, daß nicht an ſtat der Pfund-Birn „ gemeine Holz Birn, aus ſolchen Wurzeln her - „ vor kommen? Solches kan ich abermal weder „ negiren noch affirmiren; ſondern ich muß war - „ ten, bis ich aͤlter werde, daß ich ſolches von mei - „ nen Baͤumen erleben moͤchte. Denn bishero „ hat von dieſer Materie niemand nichts geſchrie - „ ben noch aufgezeichnet hinterlaſſen.
Dieſer Zweifel iſt leicht zu heben. Denn daß der Stam, worauf einmal gepfropfet wor - den, wenn er vorhero wild geweſen, beſtaͤndig wild bleibet, ſolches lehret die taͤgliche Erfah - rung, und iſt auch den mehreſten, welche mit den Baͤumen umzugehen pflegen, alzu wohl be - kant, daß wenn unten an einer Wurzel von ei - nem alten Baume ein Reis ausſchlaͤgt und her - vor waͤchſt, ſolches allezeit ein ganz ander Laub, als daß darauf gepfropte Reis, habe. Z. E. Wenn auf einen Quitten-Stam Birn gepfropft ſind, ſo wird man offenbar ſehen, daß die aus dem alten Stam hervorgeſchoſſene Reiſer Quit - ten - und nicht Birn-Laub haben. Auch wird man vielmal dabey wahrnehmen, daß dieſe eben wieder816. Cap. Vom Oculiren. der wilde Stam Stacheln an ſich haben, woraus erhellet, daß, wenn der Stam, worauf er gepfro - pfet worden, vorhero wild geweſen, derſelbe auch wild bleibe; iſt er aber vorhero zahm geweſen, ſo wird er auch zahm bleiben, und zwar ſo lange bis er abſtirbt. Herr D. Agricola meinet zwar, daß von dieſer Materie noch Niemand etwas ge - ſchrieben haͤtte. Jch habe aber gefunden, daß in denen ſchlafloſen Naͤchten, welche 1707 herausge - kommen, bereits davon gehandelt worden, und Hr. D. Agricola ſeine Univerſal-Vermehrung iſt erſtlich 1716 an das Licht getreten. Jch wil alſo nur etwas, was zu meinem Zweck dienet, und p. 468. ſqq. zu finden, anfuͤren.
Wir ſehen und wiſſen es freylich mehr als zu wohl, daß, wenn ein Pfropf Reis von einem guten wohlſchm eckenden Apfel-Baum auf einen wilden und ſauren Holz-Apfel-Baum gepfropfet wird, dieſer hinfort nicht mehr wilde und ſaure Aepfel, ſondern eben ſo gute Fruͤchte als der Baum davon das Pfropf-Reis genommen iſt, traͤgt, und ſcheinet alſo der wilde Baum allerdings in einen guten verwandelt zu ſeyn. Allein wenn ich dieſes Exempel mit guter geſunder Vernunft betrachte, ſo finde ich, daß die Pfropfung guter Reiſer auf wilde Staͤmme durchaus nicht fuͤr eine Transmutation oder Veraͤnderung kan ange - nommen werden, ſondern was einmal wilde iſt, das bleibet wild, und was zahm oder gut Obſt iſt, bleibet auch gut, und wenn es hundertmal hin und her gepfropfet wuͤrde, und alſo bleibetAbh. v. Baͤum. Fden -826. Cap. Vom Oculiren. dennoch das Wort unverruͤckt, daß Gott ein jeg - liches nach ſeiner Art geſchaffen habe, und das Sprichwort bleibet in allen Creaturen feſte: Art laͤßt nicht von Art. Wolte aber einer dennoch die Verwandelung derer wilden Baͤume in gu - te vertheidigen und dabey bleiben, dem wil ich ſeine Meinung nicht mit Gewalt nehmen, ſon - dern wil nochmal, wie vorgeſagt, erinnern, es ſey nichts weniger als eine Verwandelung. Denn man bedenke es wohl, der unterſte Stam des wil - den Baumes behaͤlt ja ſeine wilde Wurzel, wie vor, und dieſe wird nimmermehr verwandelt, das Obertheil, welches abgeſchnitten wird, ſo weit auf den unterſten Stam gepfropfet werden ſol, das wird ja weggeſchmiſſen und nicht verwandelt, ſondern behaͤlt auch ſeine Eigenſchaft bis ins Feuer: alſo verwandelt ſich vom ganzen wilden Stam ja nichts, ſondern es bleibet das abge - ſchnittene und noch ſtehende Theil nach wie vor wilde.
Ob man nun zwar ſagt, es werde ja durch das Pfropfen aus dieſem wilden Stam ein gu - ter Obſt-Baum, der annehmliche Fruͤchte truͤge, die den vorigen wilden gar nicht zu vergleichen waͤren: dem dienet zur Antwort, daß obgleich hinfort gute Fruͤchte auf einem ſolchen gepfropften Baume wachſen, ſo wachſen doch die guten Fruͤch - te nicht auf dem wilden Stamme, ſondern auf dem in den wilden Stam gepfropften guten Reiſe welches zwar mit dem wilden Stamme zu einem ganzen Baume gewachſen iſt, an ſich ſelbſtaber836. Cap. Vom Oculiren. aber ſeine gute Art fuͤr ſich behaͤlt, und unten dem wilden Stamme ſeine wilde Art laͤſſet. Dieſes beweiſe damit, wenn ein Reis auf einem gepfropften Baume ausſchlaͤgt, und zwar uͤber der Gegend, wo der wilde Stam abgeſchnitten iſt, ſo werden die Fruͤchte, ſo auf dieſen Zweigen oder Aeſten wachſen, gut ſchmecken, ſo aber ein Zweig ausſchlaͤgt, unter dem aufgeſetzten Pfropf - Reiſe, oder auch an der Wurzel, und man laͤſſet ſolchen Zweig fortwachſen, daß er Fruͤchte traͤgt, ſo ſind es keine gute, ſondern wilde Fruͤchte, und alſo iſt ja der Stam, ſo weit er bey der Pfropfung weggeſchnitten worden, wie vor noch wilder Art, und ob er auch an den obern gepfropften Aeſten haͤtte 20, 30 und mehr Jahre gute Fruͤchte getra - gen. Hieraus wird ein jeder genugſam ſehen, daß mit der Pfropfung eines Baumes im ge - ringſten keine Verwandelung vorgehet, denn ob ſich das gute Reis gleich mit dem wilden Stam - me vereinbaret und ein ganzer Baum daraus wird, ſo geſchiehet es doch nicht Verwandlungs - weiſe, ſondern nur zu reden Vereinigungsweiſe, da das Pfropf-Reis, nachdem es auf den wilden abgeſchnittenen Stam geſetzet wird, die Stelle des vorhergehenden abgeſchnittenen Gipfels ver - trit, und den Saft durch den unterſten wilden Stam aus der Erde in ſich ziehet, weil alles hu - midum oder Feuchtigkeit, ſo in den Gewaͤchſen iſt, ſeinen Zug von der Wurzel ab, nach den Ae - ſten und Gipfel zu nimt, nichts wird aber von den Aeſten zuruͤck nach der Wurzel gefuͤhret, esF 2blei -846. Cap. Vom Oculiren. bleibet alſo die wilde Wurzel und der Stam ſo weit als bis an die Gegend des aufgepfropften zahmen Reiſes allezeit wilder Art, und theilen dem obern guten Theil das humidum radicale, daß es durch die Wurzel aus der Erde ſauget, mit.
Bey dem Oculiren habe ich gedacht, daß ſolches am beſten vorzunehmen, wenn der Saft zum zweytenmal in die Baͤume trete, dieſes koͤn - te manchen unrichtig vorkommen, daher iſt noͤ - thig ſolches deutlich fuͤr Augen zu legen. Jch habe hin und wieder in den Buͤchern nachgeſu - chet, ich habe aber hiervon nichts finden koͤnnen, als nur in Heinrich Heſſens Neuen Garten-Luſt, welcher hiervon p. m. 258. dieſes von den Pfir - ſig-Baͤumen bemerket. ” Das Holz, welches im „ Auguſt-Monat im andern Safte geſchoſſen, und „ nicht reif geworden, kan man gaͤnzlich hinweg „ ſchneiden, es ſey denn, daß man es aus Mangel „ eines beſſern behalten muͤſſe, oder daß es ſtark „ genugſam ſey. Wenn der Saft im May-Mo - „ nat voruͤber iſt, ſo ſol man, ehe der andere wie - „ der eintrit, die vorgetriebene Zweige bis auf 3 „ Augen abnehmen, damit alsdenn der andere „ Saft dieſe gelaſſene Augen wieder ſchieſſend ma - „ chet.” Wenn nun dieſes gewiß iſt, wie es auch in der That iſt, daß der Saft zweymal des Jahres in die Baͤume trit, ſo folget auch, daß ſie zweymal in die Reiſer und Ringel in denen Baͤumen trei - ben muͤſſen.
Der856. Cap. Vom Oculiren.Der erſte Eintrit des Saftes in die Baͤu - me geſchiehet nach der Alten Meinung, welche ſie in dieſen Verſen ausdruckten:
Um das Ende des Januars, oder vielmehr nach genauerer und beſſerer Unterſuchung, in der Mit - te des Februars.
Der andere Eintrit aber erfolgte zu Ende des Julius; doch geſchiehet es beydemal theils eher, theils ſpaͤter, nachdem die Witterung be - ſchaffen iſt. Und daher komt es auch groͤſten Theils, daß ein Baum in einem Jahre lange, in einem andern aber kurze Reiſer aufſetzet. Das aͤuſſerliche Kenzeichen aber, daß der Saft zum andernmal eintrete, iſt, wenn die Reiſer im Au - guſt-Monat wiederum auf das neue beginnen auszuſchlagen, welches ganz deutlich an den Ae - pfel, Pfirſig - und Birn-Reiſern kan wahrgenom - men werden, welche bey dem andern Triebe et - was fahl ausſehen. Noch deutlicher aber iſt ſol - ches daran zu erkennen, daß die Baͤume, wenn ſie in manchen Jahren von den Raupen voͤllig abgefreſſen worden, zu Ende des Julius wieder von neuen anfangen zu treiben, und auch noch um dieſe Zeit, wiewohl nicht ſo haͤufig, ihre Trage - Knoſpen anſetzen. Jngleichen kan man es auch daran erkennen, wenn man einen Zweig nimt, und die Schale aufritzet. Wenn ſich dieſelbe gern oder leichte von dem Holze abloͤſen und ab - ſondern laͤſſet, ſo iſt dieſes gewiß ein Zeichen, daßF 3der866. Cap. Vom Oculiren. der Saft ſchon eingetreten iſt. Denn ſo man eine ſolche Abloͤſung der Rinde drey bis vier Wo - chen eher vornehmen wil, ſo wird ſich gewiß fin - den, daß ſich die Schale nicht reinlich von dem Holze abſondert, welches mir alle diejenigen, wel - che im Oculiren geſchickt ſind, zugeben werden, indem dieſe Arbeit nicht eher kan vorgenommen werden, bis ſich die Schale von den Stamme oder Holze fein leichte und ſauber abloͤſet.
Hier koͤnte mir dieſe Einwendung gemachet werden: wenn der Saft zu Ende des Julius wieder eintreten ſolte, ſo folgte, daß in den Baͤu - men vorhero kein Saft mehr ſey, welches doch ungeraͤumt waͤre, indem ja ohne Saft keine Blaͤt - ter, Bluͤten und Fruͤchte an einem Baume ſeyn koͤnten. Hierauf dienet mit wenigen: es iſt und bleibet das ganze Jahr, auch den Winter uͤber, Saft in den Baͤumen, welcher dieſelben in ih - rem Wachsthum erhaͤlt: aber er findet ſich nicht zu allen Jahres Zeiten in gleicher Vielheit. Denn es iſt gar leicht zu ſchlieſſen, da der erſte Saft denen Blaͤttern, Bluͤthen, Fruͤchten und Reiſern nach und nach zum Wachsthum mitge - theilet worden, daß derſelbe in dem Schafte des Baumes in etwas muͤſſe abnehmen, und ſich zwi - ſchen der Schale deſſelben im Julius nicht ſo haͤufig befinden koͤnne, als im Fruͤhjahre. Jn - zwiſchen gehet die Bewegung und der Umlauf des Saftes beſtaͤndig fort, bis ſich zu Ende des Ju - lius, wie gedacht, der neue und ſtaͤrkere Zufluß deſſelben einſtellet. Da nun gewiß iſt, daß derEin -876. Cap. Vom Oculiren. Eintrit des Saftes in einem-Jahre zu zweyen - malen geſchiehet, ſo folgt auch, daß die gemeine Meinung, welcher auch der Herr Abt von Val - lemont, und noch andere beypflichten, daß jaͤhr - lich an den Baͤumen nur ein neuer Cirkel des Holzes zwiſchen der Rinde und Stamme wachſe, ungegruͤndet ſey. Jch bin vielmehr der feſten Meinung, daß wegen des zweymaligen Eintrits des Saftes und des daher entſtehenden andern Triebes in den Baͤumen alle Jahr zwey Cirkel werden muͤſſen. Es wird auch durch den zwey - ten Trieb der Cirkel kleiner, denn wenn man ei - nen Baum durchſchneidet, ſo wird man ordentlich einen ſtarken und gleich darneben einen ſchwachen Cirkel wechſelsweiſe antreffen. Es iſt auch der Cirkel des andern Triebes an der Farbe kentlich und leichtlich zu unterſcheiden, ſonderlich aber, wenn es keinen guten und langen Herbſt gibt.
Damit ich aber hinter dieſe Wahrheit recht kommen und in meiner Meinung beſtaͤrket werden moͤchte, ſo muſte mir mein Gaͤrtner 1750 im December einen ſtarken Trieb von einem Wei - den-Baume, welcher vom Fruͤhjahre an bis in den Herbſt gewachſen war, und die Dicke eines Fingers erreichet hatte, und ferner eine Stange oder Wuchs von zwey und noch eine von drey Jahreu bringen. An dem erſten jaͤhrigen Trie - be, als ich ſolchen genau betrachtete, ohne etwas weiteres damit vorzunehmen, ſahe ich alſobald einen Abſatz, welcher den Ort des zweyten Trie - bes ſo deutlich und eigentlich vorſtellete, daß esF 4nicht886. Cap Vom Oculiren. nicht deutlicher haͤtte ſeyn koͤnnen. Jch ſchnitte hernachmalen mit einer kleinen Pfropf-Saͤge von dieſem jaͤhrigen Reiſe ein Scheiblein ab, welches ich zuvor mit einem recht ſcharfen Feder-Meſſer auf der einen Seite glatt machte, und da fand ich alſobald ohne hierzu ein Vergroͤſſerungs-Glas zu gebrauchen recht deutlich zwey Ringel. Mit dem zweyjaͤhrigen Wuchſe ſtelte ich auf eben die nemliche Art den Verſuch an, wobey ich abermal ganz deutlich gewahr wurde, daß in dem zwey - jaͤhrigen vier, und in dem dreyjaͤhrigen ſechs Rin - gel zu ſehen waren. Es iſt alſo kein Zweifel, daß die Cirkel oder Ringel in den Baͤumen ſich alle Jahr nach dieſer arithmetiſchen Progreßion vermehren. Doch ich ſehe ſchon zum voraus, daß einige ſich finden werden, welchen dieſes be - denklich ſeyn wird, weil es nicht nach der alten Meinung ſchmecket, und mit dem nicht uͤberein - ſtimmet, was ſie vielleicht anderswo hievon gele - ſen haben; allein ich beruffe mich auf den angeſtel - ten Verſuch, und den wird hoffentlich Niemand in Zweifel ziehen koͤnnen. Jch habe aber doch dieſe drey Scheiben eben deswegen beſonders aufgeho - ben, damit ich ſolche den Unglaubigen vorlegen kan. Es iſt dieſer Verſuch am beſten mit dem Weiden - Holz vorzunehmen, indem daſſelbe ſehr poroͤs iſt, und ſehr geſchwinde von der Stelle waͤchſet, wel - ches die Obſt - und andere Baͤume wegen ihrer Fe - ſtigkeit nicht ſo ſchleunig thun.
Ob aber ſolche Ringel bey alten Baͤumen genau koͤnnen gezehlet und die Jahre oder dasAlter896. Cap. Vom Oculiren. Alter derſelben daraus erkennet werden, ſolches iſt wieder eine andere Frage, und ſind die Meinun - gen hieruͤber unterſchiedlich. Herr Ludew. Phil. Thuͤmmig A. O. P. und der Koͤniglichen Preuſſiſchen Societaͤt Mitglied, hat in ſeinen Verſuchen einer Erlaͤuterung der Begebenheiten der Natur p. 76. ſeqq. von dem Wachsthum der Jahre in den Baͤumen nachfolgendes angemerket, welches ich um des Zuſammenhangs willen mit an - fuͤhren wil.
” Es iſt eine bekante Sache, daß die Baͤu - „ me anders in die Dicke wachſen, als Menſchen „ und Thiere. Denn wer weis nicht, daß Men - „ ſchen und Thiere blos deswegen dicker werden, „ weil die kleinen Roͤhrlein, daraus die fibræ „ musculorum oder Faͤslein der Maͤuslein beſte - „ hen, mit mehrern Saft erfuͤllet werden, als ſie „ vorhero hatten, hingegen in den Baͤumen ſich alle „ Jahr eine neue Reihe der fibrarum rinsgherum „ anſetzet. Die Cirkel, welche ſich dadurch um „ das Mark oder den Kern herum zu erkennen ge - „ ben, indem man das Holz quer durchſchneidet, „ pfleget man deswegen die Jahre zu nennen. Jch „ habe ſelbſt mehr als einmal dieſe Jahre betrachtet, „ und zu dem Ende Holz von verſchiedenem Alter „ von dem Aſte eines Baumes durchſchnitten, da - „ mit ich den Unterſchied der Jahre betrachten koͤn - „ te, maſſen dieſe Betrachtung zu allerhand er - „ baulichen Gedanken Anlas giebt, die ich hier nicht „ erzehlen kan.
” Und auf dieſem Grunde beruhet es, wennF 5„ man906. Cap. Vom Oculiren. „ man von dem Alter eines Baumes urtheilen „ wil. Wenn der Stam unweit der Wurzel „ mitten von einander geſchnitten iſt, ſo zehlet man „ die Cirkel, die man im Holze unterſcheiden kan, „ und rechnet ſo viel Jahre fuͤr das Alter des Bau - „ mes. Auf ſolche Manier hat man gelernet, „ daß Baͤume zwey, drey bis fuͤnfhundert Jahr „ alt geworden, ohne daß man noͤthig gehabt, ei - „ nige Nachricht aus alten Urkunden herzuholen, „ wenn der Baum gepflanzet worden. Die ſich „ auf dieſe Rechnung verlaſſen, nehmen an, daß „ der Baum, ſo lange er waͤchſet, neue Jahre an - „ ſetzet.
” Es iſt zwar nicht zu laͤugnen, daß die mehre - „ ſten dieſer Meinung beypflichten: allein man hat „ es doch noch nicht mit unumſtoͤslichen Gruͤnden „ erwieſen. Herr Hans Carl Carlowiz, Koͤni - „ glicher Poln - und Churfuͤrſtl. Saͤchſ. Cammer - „ rath und Ober-Berghauptmann giebt in ſeiner „ Sylvicultura Oeconomica oder ausfuͤhrlichen „ Anweiſung zur wilden Baum-Zucht Part. I. C. „ 3. §. 43. 44. fol. 37. das Widerſpiel vor. Er ſchreibet alſo:” Die viele oder wenige Jahres - „ Wachſe oder Cirkel im Stamme einer Tannen, „ Fichte oder Kifer ſollen zwar das Alter eines „ Stammes angeben, und jeder Zirkel eines Jah - „ res-Wuchs anzeigen, allein es machet mancher „ Cirkel oder Jahr-Wuchs zum oͤftern zwei bis drei „ und mehr Jahre aus, nachdem erſich ausgedehnet, „ und viel weiſſes in ſich hat, gedachter Cirkel aber „ gegen das andere Holz etwas roͤthlicht ausſiehet. „ und916. Cap. Vom Oculiren. „ nnd haͤrter und feſter iſt. Man wils obſervi - „ ret haben, daß man Staͤmme gefunden, ſowol „ 100, 150 und mehr Cirkel und Jahr-Waͤchs in - „ wendig gehabt, und zumal unten im Stamme, „ davon das groͤſte Alter und jaͤhrliche Wachs - „ thum ſolcher Baͤume ziemlich zu ſchlieſſen, ob „ es gleich nicht ſo genau bis auf etliche wenige „ Jahre eintrift, zumal da es ſcheinet, daß zum „ oͤftern auf 2 bis 3 Jahr Wachsthum ſich in einem „ groſſen Cirkel, als ſie ſonſten insgemeinzu ſeyn „ pflegen, einſchlieſſet? Denn es wollen viel von „ dem Alter der Baͤume, ſonderlich der Fichten „ und Tannen raiſonniren, und ihm 2, 3 bis 500 „ Jahre und noch mehr zu legen: aber wer kan „ hiervon eigentlich Nachricht geben. Jedoch iſt „ es gewiß, wenn die Baͤume bald aus ihren rech - „ ten Wachsthum ſeyn, ſo ſetzen ſie wenig oder „ gar keine Cirkel mehr, ſondern es dehnen ſich „ nur die Cirkel in die Weite, wie man insge - „ mein hieſiger Lande dafuͤr haͤlt, daß nachdem, „ obangeregten ſtilſtehenden, und hernachfolgen - „ den abnehmenden Alter in keinen Baum, die „ ſogenanten Jahre, oder mehrere Cirkel wach - „ ſen. Ohne Zweifel iſt es wahr, daß ein geſun - „ der und unbeſchaͤdigter Baum viel Secula aus - „ dauren kan.
” Sonſt ſagt man auch, daß die Cirkel oder „ ſogenanten Jahre im Holze, oder an einem Bau - „ me gegen der Mitternacht-Seite enger und dich - „ ter zuſammen, oder bey einander ſeyn, als gegen „ Mittag, da ſie groͤſſer und weiter von einander„ ſte -926. Cap. Vom Oculiren. „ ſtehen, aus Urſache, weil die Sonne und Waͤr - „ me die Saft-Roͤhren ſtaͤrker ausdehnet, als ge - „ gen der Mitternacht-Seite, da die Kaͤlte und „ Nord-Winde das Wachsthum oder Vergroͤſſe - „ rung der Jahre verhindern; jedoch findet man an „ denen, ſo etwas tief in Waͤldern ſtehen, hierinnen „ keinen Unterſchied.
Man ſiehet alſo, wie eines und das andere nicht zuſammen ſtimmen wil, und daß die Meinun - gen hiervon noch ſehr unterſchieden ſeyn; genung, ich habe meine einfaͤltige Gedanken, welche oben angefuͤhret worden, hiermit eroͤfnen wollen. Wer beſſere Einſicht hierinnen hat, der beliebe ſolche mitzutheilen, welches ich und andere mit Dank er - kennen werden.
Unterdeſſen ſpricht oben gedachter Herr Thuͤmmig in ſeinen Verſuchen; es waͤre nuͤtz - lich, wenn wir es gewis wuͤſten: denn es wuͤrde uns Licht geben; wenn wir die Frage entſcheiden ſolten, ob die Jahre ſchon alle in kleinen vorhan - den waͤren und nur gros wuͤchſen, oder ob ſie aus dem Safte, der zwiſchen der Rinde und dem Holze hinauf ſteiget, von neuen erzeuget wuͤrden. Wenn es wahr waͤre, daß ſie endlich einmal auf - hoͤreten ſich anzuſetzen, ſo waͤre die erſte Meinung unſtreitig oder richtig, denn da der Saft beſtaͤn - dig zwiſchen der Rinde und Holze des Baumes hinauf ſteiget, ſo lange er lebet, ſo waͤre im an - dern Falle keine Raiſon vorhanden, warum das Wachsthum der Jahre aufhoͤren ſolte. Uner - achtet es aber beſchwerlich waͤre in Baͤumen, dieetli -936. Cap. Vom Oculiren. etliche Secula alt werden, Obſervationes anzu - ſtellen, ſo koͤnte es doch gar leicht in ſolchem Holze geſchehen, das nicht gar alt wuͤrde. Es wuͤrde auch dieſe Erkaͤntnis andern Nutzen haben, als z. E. wenn das Holz am beſten zum Bauen dienet, und was dergleichen mehr iſt.
Wenn die Baͤume in einer Baum-SchuleWas fuͤr ein Ort da - zu zu er - waͤhlen. ſo viel erwachſen ſind, daß ſie koͤnnen ausgehoben und verſetzet werden, und jemand ſich derſelben zu Anlegung eines Obſt-Gartens bedienen wil; ſo iſt noͤthig, daß er ſich nach ei - nem guten Orte und Gelegenheit dazu umſe - he. Und hat man ſich vor allen Dingen vor - zuſehen, daß man nicht auf einen hierzu untuͤch - tigen Grund gerathe, denn ſonſt iſt alle Hofnung zu einem guten Obſt-Garten vergeblich. Jch habe alhier in einigen Gaͤrten, wo ein alzu feſter und kieſigter Boden angetroffen wird, ange - merkt, daß die Baͤume nicht leicht uͤber 18. bis 20. Jahr pflegen alt zu werden, ſondern ſie wer - den an den Blaͤttern nach und nach gelbe, und gehet immer einer um den andern ab. Ein groſ -ſer947. Cap. Von Anlegungſer Liebhaber, welcher die Baum-Zucht recht wohl verſtund, ſparete kein Geld ſeinen mit ſchoͤnen Baͤumen beſezten Garten beſtaͤndig in gutem Stande zu erhalten, und wo einige Baͤu - me verdurben, muſte ſein Gaͤrtner an den Or - ten die Erde 5 Schuh tief und 6 Schuh breit aus graben, und dieſelbe zum Theil ſowohl mit an - derer guten Erde, als auch mit verfaultem Rind - vieh-Duͤnger durch ein Drat-Sieb unter einander rollen und die Loͤcher damit wiederum zufuͤllen. Nachdem ſich nun die Erde den Sommer uͤber geſetzet hatte, lies in dem Herbſte andere geſunde und ſchoͤne Baͤume dahin pflanzen, dieſelben wuchſen auch recht ſchoͤne und brachten nach drey Jahren zum Theil ihre Fruͤchte. Allein nach Verpflieſſung einiger Jahre, als die gepflanzten Baͤume mit ihren Wurzeln an den alten Grund kamen, ſo fiengen ſie an zu ſtocken, und trieben ihre Reiſer nicht eines Zolles lang. Sie ſtehen auch noch bis jetzo in ſolchen kraͤnklichen Umſtaͤn - den, und ich glaube, daß ſie das Leben ſo lange erhalten werden, als noch einige Kraͤfte von der hinein gethanen guten Erde vorhanden ſind. Denn wo einmal ein ſolcher todter, feſter und kie - ſigter Grund anzutreffen iſt, da wird nimmermehr ein tuͤchtiger Baum aufkommen koͤnnen, ob man ſich auch noch ſo viele Muͤhe geben wolte, denſel - ben zu beſſern, oder es muͤſte eine ſolche untrag - bare Erde viele Schuh tief ausgehaben und hin - weg geſchanzet, und hingegen andere gute tragba - re Erde dahin gebracht werden, welches aber groſſeKoſten95eines Obſt-Gartens. Koſten erfordert und nur fuͤr groſſe Herren ge - hoͤret.
Bey einem ſolchen Orte muß man ferner auch, wo es moͤglich, wohl unterſuchen, ob die Aepfel - oder die Birn-Baͤume eher gut thun, welches man an den nicht weit hiervon ſtehenden alten Baͤumen wahrnehmen kan, und diejenigen, welche am beſten gut zu thun, und zu wachſen pflegen, die muß man erwehlen. Denn es giebt Oerter, alwo die Aepfel-Baͤume beſſer wachſen als die Birn-Baͤume, hingegen giebt es Oerter, wo die Birn-Baͤume beſſer fort kommen als die Aepfel-Baͤume. Man hat ſich auch zu huͤten, daß man keinen jungen Obſt-Baum an einen ſolchen Ort, wo ein alter Baum geſtanden, pflanzen laͤſ - ſet. Denn dieſes thut niemals gut, und wenn auch gleich ein ſolcher junger Baum bekleiben ſol - te, ſo wird es ſich doch mit der Zeit finden, daß er nicht recht fort waͤchſet, nach und nach moſig wird, und endlich verdirbt. Die Urſache hier - von iſt, wie bereits oben p. 5. angefuͤhret worden, weil die Wurzeln des alten Baumes an einem ſolchen Orte die Erde voͤllig ausgeſogen. Da - her komt es, daß auf einem ſolchen Flecke wohl in 20. bis 30. Jahren kein Baum recht gut thut, bis die Erde nach und nach wiederum ausgeruhet und ſich erholet hat. Oder man muͤſſe an einem ſolchen Orte die Erde ausheben, ein recht groſſes Loch machen, und von einem andern Orte friſche und gute Erde dahin bringen laſſen, ſo waͤre endlich der Sache noch zu helfen.
Wegen der Zeit, da die gepfropften und ocu - lirten Baͤume ſollen fortgeſetzet werden, ſind die Garten-Liebhaber nicht einerley Meinung. Ei - nige wollen, man ſol die jungen Baͤume zur Herbſt-Zeit verſetzen, und zugleich oben die Zel - ken zum Theil abwerfen oder verſtutzen. Hin - gegen andere geben vor, daß die Verpflanzung im Fruͤhjahre beſſer ſey, welches in Herrn Hof - rath Zinkens Samlungen p. 25. im dritten Ban - de kan nachgeſchlagen werden. Noch andere mei - nen nur, daß das Verſchneiden vor Winters nicht zutraͤglich, indem bey dem Verſtutzen der Froſt zur Winter-Zeit in die Zelken eindringen und dieſelben austrocknen koͤnte, welches hernach - malen an einen ſolchen Zelken, einen Zol lang duͤr - res Holz mache, daß hernach der Saft im Fruͤhjah - re nicht uͤberlaufen und den Schnit heilen koͤnte, welche keine Einſicht haben, gar leicht Beifal fin - den kan.
Es iſt aber uͤberhaupt zu merken, daß die Verſetzung und Verpflanzung, wie auch das Ver - ſtutzen in dem Herbſt am beſten vorzunehmen iſt, und zwar, wenn das Laub von den Baͤumen faͤllet, und alſo ohngefehr zu Ende des Octobers und weiter hin, ſo lange als die Froͤſte zuruͤck bleiben. Denn erſtlich genieſſen die Baͤume, welche zur Herbſtzeit verpflanzet worden, die Winter-Feuchtigkeit. Zweytens ſetzet ſich die Erde an den Wurzeln nach und nach zuſammen, daß ſie ihre jungen Wuͤrzelchen, oder die Knoͤt -lein,97eines Obſt-Gartens. lein, woraus dieſelben entſtehen, zeitig anſetzen, und ſich in etwas in der Erde anklammern und an - wachſen koͤnnen.
Hierbey wird mir zwar mancher widerſpre - chen und meynen, daß kein Baum zur Winter - Zeit Wuͤrzelchen anſetzen, weil weniger anwach - ſen koͤnne, indem die Witterung hierzu zu kalt und rauh waͤre. Allein wenn dieſer Satz rich - tig ſeyn ſolte, ſo duͤrfte auch der Saft im halben Februar nicht eintreten, welches doch die Erfah - rung beweiſet. Eben zu ſolcher Zeit, da es noch Winter und kalte Witterung iſt, machet der Baum die Anſaͤtze zu ſeinen jungen Wurzeln. Man muß alſo hier einen Unterſchied zwiſchen dem voͤlligen Einwachſen, und zwiſchen dem An - ſatz der jungen Wurzeln machen; jenes verurſa - chet in der Erden ein feſtes Anklammern; die - ſes aber machet nur hierzu den Anfang, und zwar geſchiehet das Letztere ganz zeitig den Winter uͤber. Jch habe ſolches gar oͤfters angemerket. Z. E. Als einigemahl zur Herbſt-Zeit meine Leute junge Kern-Staͤmme, welche ordentlich in die Baum - Schule haben ſollen geſetzet werden, ausgehoben, und der Regen und Schnee zu Ende des Herb - ſtes das Verſetzen aufgehalten, daß daruͤber der Winter unvermuthet heran genahet, ſo bin ich ge - noͤthiget worden, die uͤbrigen ausgehobenen Staͤm - me mitler weile bis auf das Fruͤhjahr in die Erde einſchlagen zu laſſen.
Jn dem Fruͤhjahre, wenn ich dieſe Reiſer aus der Erden herausnehmen, und in die Baum -Abh. v. Baͤum. GSchu -987. Cap. von AnlegungSchule pflanzen laſſen, ſo bin ich ſehr deutlich gewahr worden, daß ſolche in etwas angewach - ſen, und daß ſich ſehr viele kleine braungelblich - te Knoͤtlein, woraus die Wurzeln entſtehen, an - geſetzet hatten. Noch deutlicher aber habe ich bey den Stachel - und Johannes-Beeren, welche in dem Herbſt eingeſchlagen worden, gefunden, daß die im Fruͤhjahre aus der Erden zum Ver - ſetzen herausgenommene Stauden ſtark einge - wurzelt und ſehr viele Knoͤtlein angeſetzet hatten. Von dieſem allen iſt der Schluß zu machen, daß die Verſetzung der Baͤume zur Herbſt-Zeit am beſten vorzunehmen iſt. Daß aber das Verſtu - tzen der Zelken bey Verpflanzung der Baͤume im Herbſt auch fuͤr rathſam zu halten ſey, hat ebenfals ſeine Richtigkeit, indem bey dem Verſchneiden im Fruͤhjahre ein junger Baum gar leicht los gerittelt, und die albereit angeſetzten ſubtilen Wuͤrzelgen durch das Biegen verunruhiget werden koͤnnen. Wenn das Beſchneiden auf eine erfahrne Art ge - ſchiehet, und die Orte, wo Zelken weggenommen worden, mit Baum-Wachſe gehoͤrig verwahret werden; ſo hat man wegen der Froͤſte nicht den ge - ringſten Schaden zu befuͤrchten. Daß ich aber die Verſetzung der jungen Obſt-Baͤume im Fruͤh - jahre gaͤnzlich verwerfen ſolte, iſt meine Meinung gar nicht; ſondern ich habe nur alhier anzeigen wollen, daß zur Herbſt-Zeit die Verſetzung beſſer ſey. Jnzwiſchen lehret ſichs von ſich ſelbſten, wenn im Herbſt durch alzufruͤhes Zuwintern oder anhal - tenden Regen, oder auch durch Nachlaͤſſigkeit dieZeit99eines Obſt-Gartens. Zeit zu verſetzen vorbey geſtrichen, daß man die - ſe Arbeit im Fruͤhjahre vornehme. Doch muß ebenfals das Verſtutzen nicht verabſaͤumet, ſon - dern ganz zeitig, ſo bald es offen Wetter wird, vorgenommen werden, indem ein neugepflanz - ter Baum anfaͤnglich, ehe er recht eingewurzelt, den obern Zelken nicht genung Saft mittheilen kan. Wenn aber dieſelben abgeſtutzet werden ſo folgt nothwendig, daß der Saft in wenigen Zwei - gen eher als in vielen umlaufen, und der Baum viel leichter bekleiben kan.
Wer einen ganz neuen Obſt-Garten, alwoWie das Verſetzen zu verrich - ten und was dabey zu beobach - ten. noch keine Baͤume geſtanden haben, anlogen wil, muß darauf bedacht ſeyn, daß er die Abtheilung alſo mache, daß ein jeder Baum 18. bis 20. Schuh weit von den andern gepflanzet werde, und zwar ſolcher Geſtalt, daß erſtlich ein Apfel, hernach ein Birn-Baum, und ſo fort wechſelsweiſe zu ſtehen komt. Denn es iſt bekant, daß die Aepfel - Baum-Wurzeln nicht gar zu tief in die Erde hinein gehen, ſondern ihre Nahrung darinnen flach ſuchen, hingegen die Birn-Baͤume gehen mit ihren Wurzeln tief in die Erde. Hierbey merke man, daß kein Stein-Obſt mit untermen - get werden darf, ſondern daſſelbe gehoͤret gemei - niglich an die Spaliere, oder an beſondere Oerter in einem Garten alleine, denn dieſe Baͤume ſu - chen ihre Nahrung von weiten und nehmen den Obſt-Baͤumen den Nahrungs-Saft oder die wachſende Kraft hinweg, daß ſie davon verder -G 2ben1007. Cap. Von Anlegungben und zu Grunde gehen muͤſſen. Cs muß aber die Abtheilung alſo geſchehen, daß, wo man in einem Garten hintrit und hinein ſiehet, man allezeit die Reihen in einer Linie betrachten kan. Die Loͤcher, wo man die Baͤume hinſetzen wil, muͤſſen zum voraus ordentlich nach Proportion der Wurzeln der Baͤume gemacht werden, doch je groͤſſer das Loch iſt, deſto beſſer iſt es, indem dadurch das Erdreich locker gemacht wird, daß ſie mit ihren angeſetzten neuen Wurzeln deſto eher hindurch kriechen koͤnnen. Jn das verfertigte Loch ſchmeiſſet man unten kleinen verfaulten Kuͤh - Miſt, jedoch nicht alzu uͤberfluͤſſig. Alsdenn bringet man 4 bis 5 Zol hoch Erde darauf, und trit ſolche mit den Fuͤſſen zuſammen. Hierauf ſtellet man den Baum hinein, daß man ſehe, ob zu viel oder zu wenig Erde in dem Loche iſt. Es muß aber der junge Baum nicht tiefer in die Erde zu ſtehen kommen, als er vorhero geſtan - den, welches man an der noch daran klebenden Erde wahrnehmen kan. Bey dem Zuſcharren der Loͤcher, wenn die jungen Baͤume hinein ge - ſtellet worden, iſt ſonderlich in Obacht zu nehmen, daß die Erde fein ſachte und gemaͤchlich an die Wurzeln gethan wird, damit ſie zwiſchen dieſelben hinein fallen kan, welches man durch das Schuͤt - teln des Stammes und andere Bewegungen be - foͤrdern muß. Sind alſo die Wurzeln mit der Erde voͤllig bedecket worden, ſo nehme man aber - mal kleinen verfaulten Kuͤh-Miſt, und lege ſolchen ordeutlich in dem Loche herum, doch nicht hoͤherdenn101eines Obſt-Gartens. denn 1 bis 2 Zol. Hierbey huͤte man ſich, daß ſolcher weder an den Stam noch an die Wur - zeln zu liegen kommen. Nach dieſen wird das Loch vollens zugeſcharret, gleich gemacht, und die Erde mit den Fuͤſſen angetreten. Auf ſolche Art wird gewiß kein Baum, wenn er ſonſten friſch und geſund iſt, zuruͤck bleiben.
Bey Verpflanzung der jungen Obſt-Baͤu -Ob die Baͤume nach der Seite wie - derum zu ſetzen, wie ſie vorher geſtanden. me ſind die mehreſten der Meinung, daß man ei - ne jede Seite des Baumes wiederum dahinwaͤrts kehren ſolle, wie ſie vorher geſtanden. Die aller - meiſten Leute, welche aus meiner Baum-Schule Baͤume geholet, haben ſolche vorhero, ehe ſie dieſelben ausheben laſſen, auswendig an der Schale mit einem Meſſer ein wenig nach der Mittags-Seite gezeichnet, damit ſie dieſelben wiederum nach der nemlichen Gegend pflanzen koͤnnten. Man giebt dabey vor, wenn ſie nicht wiederum eben ſo geſetzet wuͤrden, daß hierdurch die innerliche Eigenſchaft und Wachsthum eines Baumes irre gemacht wuͤrde, welches man daher ſchlieſſen koͤnne, weil man an den innern Strichen und Ringeln der Jahre, ſo bey einem durchſchnit - tenen Baume geſehen werden, faͤnde, daß die Cir - kel nach der Mittags-Seite viel ſtaͤrker und breiter waͤren, als nach Mitternacht zu, wovon ich im 6. Capitel §. 8. weitlaͤuftig gehandelt ha - be. Daß dieſes Angeben ganz vernuͤnftig ſey, wird niemand ſonderlich widerfprechen, und ſchei - net es allerdings rathſam, daß man bey Ver -G 3pflan -1027. Cap. Von Anlegungpflanzung ſolcher Baͤume, welche etwas ſtark ſind, dieſ Regel beobachte. Und geſetzt, daß es allen - fals nicht helfen ſolte, ſo kan es doch auch nichts ſchaden, denn es lauft ſowol in Anſehung des Baumes ſelbſt als auch in Anſehung der Ar - beit auf eins hinaus, ob ich einen Baum nach Mitternacht oder nach der Mittags-Seite zu kehre
Bey Baͤumen, welche nicht alt ſind, und folglich die Sonnen-Hitze wenige Jahre empfun - den haben, hat man ſich nicht ſo genau daran zu kehren, wie ich denn dergleichen viele 100. ohne daran zu gedenken verſetzen laſſen. Es geſchie - het auch oͤfters, daß ein ſolcher Baum eine Kruͤm - me hat, wenn nun ein geſchickter Gaͤrtner denſel - ben mit in eine gleiche Reihe bringen wil, ſo muß nothwendig eine ſolche Kruͤmme nach dem Viſire in die Laͤnge gebracht werden; ſonſt wird nim - mermehr ein Gaͤrtner, wenn er auch noch ſo ge - ſchickt iſt, eine Reihe Baͤume, ſonderlich wenn die krummen ſchon etwas dicke ſind, in eine Gleichheit bringen koͤnnen. Und wenn er auch einen ſolchen krummen Baum mit Gewalt an ei - nen Pfahl anziehen wolte, ſo leidet nicht nur die Schale durch das feſte Anbinden Noth, ſondern der Umlauf des Saftes wird auch dadurch gehem - met, und man muß alſo aus der Noth eine Tu - gend machen, und ſich nicht ſo genau dran kehren, denn bey einer alzuſtarken Accurateſſe wird un - terweilen vieles verdorben.
Es muß auch einem jedem Baume eine Stange oder Pfahl, welcher vorhero wohl zuge - richtet und glat gemacht werden muß, gegeben werden. Mit dem Anbinden der Baͤume aber muß man gleichfals behutſam verfahren, daß ſie mit den Weiden nicht ſo feſte an die Stangen an - gezogen werden, ſonſten wird durch das alzufeſte Anbinden der Saft und deſſen Umlauf gehem - met, und folglich dadurch das Wachsthum ver - hindert. Es muß ein Baum alſo angebunden werden, daß er eine kleine Bewegung behalten kan. Durch das feſte Anbinden, welches von manchen zu geſchehen pfleget, werden viele Baͤu - me verdorben, und wenn ja einige bekleiben, ſo wachſen die angebundenen Weiden ſo feſte in den Stam hinein, daß man ſolche faſt nicht ohne Schaden heraus bringen kan. Wolte man aber die verſezten Baͤume ohne einen dabey feſte ge - ſtelten Pfahl ſtehen und wachſen laſſen, ſo wuͤrden die Winde ſolche hin und her wehen, und ihren neuen Wuͤrzelchen in der Erden hinderlich ſeyn, daß ſie ſich nicht anklammern vielweniger feſte einwachſen koͤnnen, wodurch die Baͤume endlich verderben wuͤrden. Bey dem Verſetzen pflegen einige unverſtaͤndiger Weiſe an den jungen Baͤu - men die Wurzeln zu beſchneiden. Jch wil kuͤrz - lich ſo viel ſagen, ſind die Wurzeln an einem Baume geſund und friſch, ſo laſſe man ſolche wie ſie ſind, ohne daran etwas abzuſchneiden. Wenn aber im Herausheben die Wurzeln ſolten geſpal -G 4tet1047. Cap. Von Anlegungtet oder ſonſten verletzet ſeyn, ſo muß man ſie ſein glat abſchneiden. Die kleinen und jungen Faͤ - ſerlein, wenn ſie noch gruͤne ſind, muͤſſen, wo moͤglich, verſchonet werden, denn dieſelben tra - gen zum Bekleiben das beſte bey.
Als ich vor etlichen 30. Jahren viele Obſt - Baͤume, ohne ihnen die Zelken zu benehmen, in dem Herbſt verſetzen lies, dieſelben auch ſchoͤne beklie - ben und freudig wuchſen, ſo wurden mir ſol - che damals allezeit das Jahr darauf geſtohlen, wodurch ich wegen Anbauung der Obſt-Baͤume in meinen Gaͤrten auf viele Jahre bin zuruͤckge - worfen worden. Solchem Ungluͤcke und Diebe - rey ein Ende zu machen, zerſtuͤmmelte ich vor - hero an den Baͤumen, ehe ſolche verſetzet wurden, die Kronen, damit ſie kein Anſehen mehr hatten, und Niemand ſolche kauffen moͤchte, wodurch ich hernachmalen meine Baͤume behielte. Man wird aber leicht erachten koͤnnen, daß ich dieſes nicht als ein algemeines Mittel wider das Steh - len der Baͤume anzurathen geſonnen ſey, ſon - dern man hat es nur als eine Sache anzuſehen, wodurch man einen ſolchen Baum-Dieb, fuͤr den man an manchem Orte keinen neuverpflanzten Baum hat behalten koͤnnen, irre machen kan, in - dem ihm ſein Vorſchlag aus den geſtohlnen Baͤu - men Geld zu loͤſen, dadurch zernichtet wird. Denn wenn die Baͤume erſtlich recht eingewur - zelt ſind, daß man ſie nicht ſogleich mit den Haͤn - den heraus reiſſen kan; ſondern ansgraben muß,als -105eines Obſt-Gartens. alsdenn hat man ſich nicht mehr fuͤr ſolchen fluͤch - tigen Dieben zu fuͤrchten. Boͤckler im erſten Theile ſeiner Haus - und Feld-Schule Claſſ. 26. p. 365. hat auch eine Liſt wider das Stehlen der Obſt-Baͤume angegeben, welche er mit verkehr - ter lateiniſchen Schrift drucken laſſen, ſo daß man am Ende anfangen und zuruͤck leſen muß, damit es nicht ein jeder verſtehen ſol. Jch will ſolches hier anfuͤhren. Er meinet, wenn man be - ſorgte, daß die jungen geſetzten Baͤume moͤchten geſtohlen werden, man nachfolgender Liſt ſich zu bedienen haͤtte: dem thue alſo, ſchlage um deſ - ſen Stam Erde wohl und dicke, und binde es mit Lappen und Schnuͤren oder Baͤndern wohl zu, und laſſe ihn alſo ſtehen. Er haͤtte es mit Fleis verkehrt ſetzen wollen, ſonſten waͤre es keine Liſt, ein Verſtaͤndiger koͤnte ſolches wohl leſen und herausbringen. Was von dieſem Vorſchlage zu halten und wie weit derſelbe zu brauchen, uͤber - laſſe eines jeden eigner Beurtheilung.
Den Liebhabern der Seltenheiten in derVon einer ſehr curioͤ - ſen Verſe - tzung der Baͤume. Baum-Zucht zu gefallen, muß ich billig bey der Materie von Verpflanzung der Baͤume auch etwas von der verkehrten Pflanzung der - ſelben gedenken. Es beſteht nehmlich ſol - che darinnen, daß man die Krone an ſtat der Wurzeln in die Erde bringet, und die Wurzeln hingegen ſtat der Krone in die Hoͤhe richtet, daß ſie ausſchlagen und ordentlich Augen, Laub und Zweige treiben. Wer noch nicht dergleichenG 5Baum1067. Cap. Von AnlegungBaum geſehen, oder davon gehoͤret, dem wird zwar ſolche Verpflantzung gantz unmoͤglich und unglaublich vorkommen; allein daß ſolche moͤg - lich ſey, hat ſeine voͤllige Richtigkeit, und iſt durch hinlaͤngliche Verſuche dargethan worden.
Jm Jahr 1744 im Julius hat mich auf dem Hochfuͤrſtl. Sachſen-Weimariſchen Luſt - Schloſſe Belveder nebſt andern Seltenheiten die daſige zahlreiche und unvergleichliche Orangerie, welche wegen ihrer Hoͤhe, Staͤrcke und ſchoͤnen Kronen in Deutſchland wohl wenig ihres gleichen hat, nicht nur in Verwunderung geſetzet; ſon - dern ich habe auch mit beſonderm Vergnuͤgen ei - nen Orangen-Baum geſehen, welcher in der Run - dung einen, und in der Hoͤhe zehen Schuh hat - te, und alſo gepflanzet war, daß die Wurtzeln in der Hoͤhe, und der Gipfel in dem Kaſten ſtund. An den Wurzeln waren hin und wieder Reiſer und Zelken hervor gewachſen, welches ein ſehr ar - tiges Anſehen gab. Es hat auch Herr Thuͤmmig in ſeinen Verſuchen p. 196. hiervon vieles ange - merket und einen Verſuch, welchen der beruͤhmte Leuwenhoeck mit der verkehrten Pflantzung der Baͤume gemacht, angefuͤhret, welchen ich mit her - ſetzen wil, damit man ſehen kan, wie ohngefehr ſolche Verpflantzung vorzunehmen. ” Es kaufte „ Leuwenhoeck im Jahr 1686 im April zwey junge „ Linden, deren eine jede fuͤnf Jahr alt war, und „ ſetzte ſie ordentlich mit den Wurzeln in die Erde, „ beugte aber den Stam nieder, daß er die Aeſte „ auch unter die Erde bringen konte, die er aber„ wieder107eines Obſt-Gartens. „ wieder in die Hoͤhe beugte, damit die Spitzen „ davon ohngeſehr drey Viertel eines Schuhes „ hoch uͤber die Erde gingen. Er lies die Baͤu - „ me, bis in das andere Jahr ſtehen, und fand, „ da er nachſahe, daß die Aeſte unter der Erde „ wohl gewurzelt hatten. Derowegen nahm er „ im April die Wurzeln heraus, daß ſie in die „ freye Luft kamen, und lies die Aeſte mit ihren „ Wurzeln unverruͤckt ſtehen, nur daß er diejeni - „ gen Theile, welche uͤber die Erde gingen, bis „ zwey Zol tief in die Erde, abſchnit. Und ſo ver - „ traten nunmehro die Aeſte die Stelle der Wur - „ zeln. Von der Wurzel, die nunmehro auſſen „ unter feyen Himmel war, ſchnit er alle kleine „ Wuͤrzelchen ab, und lies nur die ſtarken ſtehen. „ Nach vierzehen Tagen ſahe er hin und wieder „ Augen herfuͤr brechen. Sie kamen aber her - „ fuͤr, wo die Aeſte der Wurzel aus dem dicken „ Theile derſelben heraus gewachſen waren, und „ ſchlugen bald aus, ſo, daß gegen das Ende des „ Mayes ſchon Zweige von 8 Zol dran zu ſehen „ waren. Die Dicke der Aeſte an der Wurzel, „ die er daran gelaſſen hatte, waren ohngefehr im „ Diameter ein Zol dicke. Man ſiehet hieraus, daß dieſes Kunſt-Stuͤck ſchon lange bekant geweſen. Jch halte aber davor, daß ſolcher Verſuch in un - ſerm Climate mit Orangen-Baͤumen weit ſchwe - rer und kuͤnſtlicher ſey als mit den inlaͤndiſchen. Denn mit den Weiden, Linden, Aepfeln und dergleichen Baͤumen, welche ein weiches und poroͤſes Holz haben, kan es gar leicht dahin ge -bracht1087. Cap. Von Anlegungbracht werden, daß die Gipfel, wenn der Ver - ſuch recht angeſtellet wird, Wurzeln ſchlagen. Hingegen aber mit denjenigen Baͤumen, welche aus fremden Laͤndern zu uns gebracht werden, hat es ganz eine andere Bewandnis, indem wohl bekant iſt, daß ihr Holz viel ſchwerer und feſter iſt, als der unſrigen ihres, und daß ſie wegen ih - rer Feſtigkeit nicht ſo leicht Wurzeln ſchlagen. Ja es gehet ſchon mit unſern Baͤumen, welche ein feſtes Holz haben, als Birn, Pflaumen, Zwetſchgen und dergleichen, beſonders, welche viel Harz mit ſich fuͤhren, ſchwer her, daß ſie bey dem Einſchneiden der Zelken, wie auch an den obern Gipfeln Wurzeln anſetzen.
Was nun aber die Art und Weiſe betrift, wie es zugehet, daß aus dem Gipfel eines Bau - mes Wurzeln, und aus den Wurzeln, hingegen Zweige werden koͤnnen, ſo beruhet ſolches dar - auf. Erſtlich iſt es eine bey den meiſten Natur - verſtaͤndigen ausgemachte Sache, daß der Saft eines Baumes von der Wurzel durch den Stam bis in den Gipfel, und hinwiederum von den aͤuſ - ſerſten Theilen zuruͤk gebracht werde. Hieraus folgt, daß wenn ein Baum mit dem Ober-Theile durch Kunſt und Geſchicklichkeit in die Erde ge - pflanzet worden, daß die Zelken, indem ſie aus eben den Theilen, wie die Wurzeln, nemlich aus Schale, Holz und Mark beſtehen, den Saft an ſich ziehen, und durch die nach den Wurzeln zu gehenden Roͤhren in die Hoͤhe ſchicken koͤnnen. Zum andern iſt aus der Erfahrung ſatſam be -kant,109eines Obſt-Gartens. kant, daß die Zweige der Baͤume, wenn ſie in die Erde eingeſchlagen werden, an ſtat der Augen und Reiſer kleine Wurzeln austreiben; hingegen, daß aus der Wurzel eines Baumes, wenn man ſie aufluͤftet und von der Erden in etwas entbloͤ - ſet anſtat der jungen Wuͤrzelchen, Augen und Reiſer hervor ſchieſſen. Hieraus kan man er - kennen, daß auch die ganze Krone eines Bau - mes, wenn ſie auf eine geſchickte Art in die Erde gebracht wird, einwurzeln, und hingegen die von der Erden befreyeten Wurzeln ausſchlagen muͤſ - ſen. Und hierauf laufet auch die Erklaͤrung des Herrn Thuͤmmigs hinaus, welche er p. 199. bey - gefuͤget. ” Es iſt wahr, daß die Structur der „ Wurzeln einerley iſt, mit der Structur der Ae - „ ſte, beyde beſtehen aus Rinde, Holz und Mark, „ ja alle dieſe drey Theile ſind in den Wurzeln, „ wie in den Aeſten. Allein dieſes iſt noch nicht „ genung, daß eine Wurzel ein Aſt, und hinwie - „ derum ein Aſt eine Wurzel werden kan. Es „ fehlet noch das vornehmſte, welches den Unter - „ ſcheid zwiſchen Wurzeln und Aeſten ausmachet. „ Nemlich in Wurzeln fehlen die Augen, ohne „ welche der Baum nicht ausſchlagen und fort - „ wachſen kan, und in Aeſten fehlen die Wuͤrzel - „ chen, ohne welche die Wurzel nicht fortkommen „ kan. Denn wie der Aſt uͤber der Erden durch „ die Augen fortwaͤchſet: ſo waͤchſt die Wurzel „ unter der Erden durch die Wuͤrzelchen fort. Das „ groͤſte Geheimnis der Natur, welches wir hier „ zu entdecken haben, beſtehet darinnen, wie die„ Wur -1107. Cap. Von Anlegung eines ꝛc. „ Wurzeln koͤnnen Augen, und die Aeſie Wuͤrzel - „ chen treiben. Und eben dieſes iſt es, was ſich „ aus den Erfindungen des Herrn Wolſens ſo „ wohl erklaͤren laͤſſet. Es hat derſelbe in der „ Entdeckung der wohren Urſache von der wunder - „ bahren Vermehrung des Getreydes, darinnen „ er zugleich den Wachsthum der Baͤume und „ Pflanzen uͤberhaupt erlaͤutert. Cap. 2. §. 20 ſqq. „ Cap. 6. §. 1. gewieſen, daß in allen Pflan - „ zen, wo ein Blat ſtehet, ein Au[g]vorhanden, „ das ausſchlagen und Wurzeln treiben kan, und „ daß dieſe Augen in kleinen im Marke zu finden. „ Er hat auch in der Erlaͤuterung Cap. 1. §. 6. „ gewieſen, daß unten in den Wurzeln gleichfals „ Augen verborgen liegen, welche unter der Erden „ nicht auswachſen, ſondern nur die Wurzeln aus - „ treiben, gleichwie ſie in den Aeſten in der Luft nur „ ausſchlagen, aber keine Wurzeln treiben. Wer „ hiervon mehrere Nachricht zu wiſſen verlanget, „ kan in beſagten Herrn Thuͤmmigs Verſuchen „ ſelbſt nachſehen.” Was ader den Nutzen von dieſem Verſuche betrift, ſo dienet die verkehrte Pflanzung nicht nur dazu, daß eine angenehme Seltenheit dadurch zuwege gebracht wird, ſondern man wird auch von dem Umlauf des Saftes mehr uͤberzeuget, und bekomt Gelegenheit, mit ſeinen Gedaucken weiter zu gehen.
Die beſte Zeit zu ſolcher Arbeit iſt der An -Zu welchen Jahreszeit ſolches ge - ſchehen ſol. fang des Merzes, wenn die Baͤume noch nicht ausgeſchlagen ſind; jedoch kan ſolches auch zur Noth bis zu Ende des Junii geſchehen, bey welcher letzteren Ausſchneidelung derjenige Ort, welcher entbloͤſet worden, wenn er mit Baum-Wachs verſtrichen wird, noch vor dem Herbſte durch den Umlauf des Saftes einen ziem - lichen Ringel anſetzen, und auf das folgende Jahr hernach voͤllig verwachſen kan. Bey der letzteren Ausſchneidelung hat man ſich recht ſehr inacht zu nehmen, daß die Schale an dem Baume nicht mit verletzet werde. Am ſicherſten aber iſt es vorzunehmen, ehe die Blaͤtter hervor gewachſen, denn zur ſelbigen Zeit iſt der Saft nicht alzuſehr eingetreten. Mit den Baͤumen aber, welche man zur Hebſt. Zeit verſetzet, hat es eine andere Be - wandnis und halte ich aus oben p. 98. angefuͤhr - tem Grunde fuͤr beſſer ſolche auch zu gleicher Zeit zu beſchneiden.
An den jungen Baͤumen, abſonderlich anWas bey jungen denjenigen, welche in einer Baum-Schule ſtehen,geſchie -1128. Cap. Vom BeſchneidenBaͤumen hierinnen zu beobach - ten.ſchiehet es anfaͤnglich im 1ſten, 2ten, 3ten, und 4ten Jahre nach einander, daß man ihnen die uͤbrigen Augen und Aeſte benimt, damit ſie in die Hoͤhe und in eine feine Krone wachſen konnen, wie oben bereits erinnert worden. Unterweilen wird man auch genoͤthiget, wenn ein ſolcher Baum alzu ſehr in die Hoͤhe wachſen wil, den Gipfel des mittel - ſten Reiſes hinweg zu ſchneiden, damit ihm eine Krone zuwege gebracht wird. Sonderlich muͤſ - ſen diejenigen Aeſte, welche einem jungen Baume ſein Anſehen benehmen wollen, hinweg geſchnit - ten werden. Daß dieſes Ausſchneideln ſehr nuͤtz - lich ſey, und nicht nur zu beſſern Wachsthum der Baͤume, ſondern auch zum aͤuſſerlichen guten An - ſehen und Schoͤnheit derſelben vieles beytrage, werden diejenigen, welche die Baum-Zucht ver - ſtehen, am beſten erkennen; doch iſt nicht zu ra - then, daß die jungen Baͤume bis auf den Gipfel zu beſchneiden, denn ſolches thut ſelten gut; ſon - dern man muß nach Proportion eines Baumes 5, 8 bis 10 Augen oder auch kleine Zelklein in der Hoͤ - he daran laſſen. Es iſt nur von den uͤberfluͤſſigen Zelken derjenigen Baͤume zu verſtehen, welche kaum aus der Baum Schule genommen worden, oder doch zum Verſetzen ſchon dienlich ſind. Denn wenn einem Baume gar zu viel Aeſte genommen werden, ſo kan der Saft ſich nicht genugſam aus - theilen, ſondern wird in ſeinem Umlaufe gehemmet, daß er ſich ſtaͤmmen, verſtocken und in eine Faͤulnis gehen muß, wodurch die Wurzel und der Stam nach und nach verdirbet.
An allen Baͤumen muß man die Waſſer -Die Waſ - ſer-Reiſer muͤſſen allen Baumen be - nommen werden. Reiſer, welche an einem Stamme oder an der Wurzel deſſelben aufſchieſſen, zu allen Zeiten hin - wegſchaffen, denn dieſe benehmen einem Baume den Saft und beſten Wachsthum, weswegen ſie auch Raͤuber genennet werden. Dahero muß man unterweilen nach den Baͤumen ſehen, damit dergleichen Nebenſchoſſe nicht aufkommen koͤn - nen. Desgleichen muß man bey dem Beſchnei - deln eines Baumes alle duͤrre Zweige abputzen, welches auch im Herbſte, wenn das Laub gefallen, kan vorgenommen werden. Daß man bey Aus - putzung eines Baumes auch immer mit darauf zu ſehen, daß er einen ſchoͤnen Schaft bekomme, da - mit man fein bequem darunter hingehen koͤnne, iſt auch oben p. 72. ſchon erinnert worden.
Alle Augen und Reiſer muͤſſen mit einemWie man ſich bey groſ - ſen Aeſten zu verhalten. ſcharfen Meſſer, die groͤſſern Zelken aber mit ei - ner Saͤge abgeſchnitten werden. Das Abhacken der Zelken mit einem Beile iſt ſehr gefaͤhrlich, und es kan gar leicht durch einen unrechten Hieb ge - ſchehen, daß man einen Ort an der Schale verle - tzet, wodurch hernach einem Baume allerhand Zufaͤlle verurſachet werden.
Wenn man von einem groſſen Baume die Aeſte abnehmen wil, ſo muß man unten zuerſt ei - nen kleinen Schnitt thun, und hernach oben vol - lends durchſchneiden. Denn wenn ein Aſt durch die Schwere ſich ſelbſten los reißt, ſo nimt er dieAbh. v. Baͤum. HScha -1148. Cap. Von BeſchneidenSchale und das Holz mit, und beſchaͤdiget den Baum, welches aber durch den Gegenſchnit kan verhindert werden. Oder man kan auch noch ei - ne Perſon darzu nehmen, welche ſolchen Aſt ſo lange halten muß, bis er hindurch geſchnitten wor - den. Ueberhaupt aber iſt hierbey zu erinnern, daß man die Nebenzweige und Zelken allezeit fein glat und reinlich auf der Schale wegſchneide, daß nicht der geringſte Abſatz und Hoͤcker bleibe. Wil man aber einen Zweig abkuͤrzen oder verſtu - zen, ſo muß der Schnit allezeit auf einem Auge etwas ſchief zu geſchehen, ſo, daß ſolcher mit dem - ſelben in eine Linie komt. Es iſt dieſes uͤber - haupt nothwendig bey dem Beſchneiden der Baͤu - me zu beobachten, daß man niemalen einen Ab - ſatz, Zacken oder Knoten ſitzen laſſe. Denn wenn dieſes geſchiehet, ſo kan der Saft nicht uͤberlauf - fen, ſondern es wird ein ſolcher Zacken duͤrre, und durch die Luft und Regen zur Faͤulnis gebracht, welches hernach dem Baume den Brand und al - lerhand Schaͤden verurſachet. Jſt aber alles glat weggeſchnitten oder geſaͤget und hernach mit ei - nem Meſſer glat gemacht worden; ſo muß man die bloſſen Flecker wohl verſchmieren und verwah - ren. Bey den ſtarken Aeſten kan man ſich des obgedachten Harleimens bedienen, bey ſchwachen Reiſern aber nimt man Baum-Wachs. Wenn man ſich hiernach richtet, ſo wird man finden, daß ſolche Orte, wo etwas abgeſchnitten worden, gar bald zuheilen und verwachſen. Es muͤſte denn der abgeſchnittene Zelken ſehr gros und der Baumalt115und Ausputzung der Baͤume. alt ſeyn, daß er keinen rechten Trieb und Gewaͤchs mehr habe, in welchem Fall es freylich ſchwer haͤlt. Jedennoch aber, wenn auch ein groſſer Aſt an ei - nem alten Baume abgenommen wird, und man verfaͤhrt damit, wie erinnert worden; ſo hat man zum wenigſten den Nutzen, daß ſolches dem Bau - me ſo leicht nichts ſchadet, und daß derſelbe da - durch viele Jahre erhalten wird.
Nachdem ich vom Beſchneiden der Obſt -Von dem Beſchnei - dein um des Holzet willen. Baͤume gehandelt habe, ſo wil ich auch dererjenigen Baͤume gedenken, welche den jetzigen groſſen Holz - Mangel durch das Abſchneideln in etwas erleich - tern. Es iſt bekant, daß unterſchiedene Arten von Baͤumen um des Holzes willen von unten bis oben aus abgehauen werden, wovon man in der Haußhaltung vielen Nutzen haben kan. Unter dieſes Schneidel-Holz, welches bald wie - derum nachwaͤchſet, rechnet man gemeiniglich die Pappeln und andere Weiden, Aſpen, Linden, Erlen und Aeſchen; die uͤbrigen Gattungen der Baͤume aber koͤnnen ſolches nicht gerne vertra - gen. Jnzwiſchen thun es doch einige Leute aus Noth; es gehet aber ſehr langſam zu, ehe ſie ſolche wieder beſchneideln koͤnnen, ja viele erleben es nicht wieder. Von den Erlen iſt noch zu merken, daß man ſolche nicht zu hoch ausputzen oder beſchnei - deln ſol, denn ſonſten ſchmeiſſen die ſtarken Winde von denſelben, ſie moͤgen alt oder jung ſeyn, die Gi - pfel herunter, wodurch den Baͤumen ein uͤbles An - ſehen gemacht wird, welches mir ſelbſten begegnet.
H 2Jhrer1168. Cap. Vom Beſchneiden ꝛc.Jhrer viele pflegen auch von ſolchen Baͤumen die Gipfel abzuhauen, welches aber nicht rathſam, denn ſie werden hiervon nicht dicker und ſtaͤrker, und da der Saft ſich nicht in den Gipfel ausbreiten kan, ſo gehen ſie unterweilen zuruͤcke und ver - derben, woraus zu erſehen, daß es am beſten iſt, wenn die Gipfel an den Baͤumen gelaſſen, und hingegen nur die Nebenzelken weggenom - men werden. Mit den mancherley Weiden hat es ganz eine andere Bewandnis, denn dieſe koͤn - nen alle drey bis vier Jahr gehauen werden. Dieſe Arbeit iſt am beſten im Februar, Merz und April vorzunehmen, im Herbſt aber wegen der ſtarken Froͤſte des Winters gefaͤhrlich, und im Sommer noch ſchaͤdlicher.
Zu einer guten Wartung der Obſt-Baͤume in einem Gras-Garten iſt noͤthig, daß der Ra - ſen zur Herbſt-Zeit rings um die Baͤume her - um in einen Cirkel abgegraben werde, auf welchen Ort man kleinen verfaulten Schaf - oder Kuͤh - Duͤnger 4 bis 5 Zol hoch legen kan, doch nichtſo117und Schaͤden der Baͤume. ſo nahe an den Stam, damit der Regen und Schnee ſich deſto beſſer an die Wurzeln einziehen kan. Zur Sommer-Zeit muͤſſen auch dieſe ge - machten Cirkel unterweilen umgearbeitet werden, danmit die Erde und der Miſt fein untereinander komt, und kein Unkraut, welches gemeiniglich zu geſchehen pfleget, auf demſelben Orte wachſen kan. Dieſes befoͤrdert das Wachsthum der Baͤume augenſcheinlich, weil die Feuchtigkeit durch die Erde nach und nach ſich an die Wurzeln ziehen kan. Unterlaͤſt man dieſes, und laͤſt den feſten Raſen ſtehen, ſo nimt ſolcher alſobald den Regen und Schnee hinweg, und ziehet ſolchen zu ſeinen eigenem Wachsthum an ſich. Mithin genieſſen die Obſt-Baͤume wenig davon.
Ferner werden die Baͤume auch erhalten,Die Baͤume muͤſſen vom Mooſe gerei - niget wer - den. und ihr Wachsthum befoͤrdert, wenn die duͤrren Zelken, wie p. 113. erinnert worden, gehoͤrig abge - putzet und das Moos und anderer Unrath von den Schaͤften und Aeſten abgeſchabet wird, welches am fuͤglichſten in dem Herbſte oder Fruͤhjahre, wenn es einen Tag vorher geregnet, und die Baͤu - me noch naß und feuchte ſind, geſchiehet. Denn zu ſolcher Zeit kan in einen Tage mehr verrichtet werden, als ſonſten in 3. bis 4. Tagen, wenn die Baͤume trocken und duͤrre ſind.
Von den Maͤngeln und Gebrechen der Baͤu -Von den Schaͤden der Baͤume uͤberhaupt. me, woher ſolche entſtehen und was man ihnen fuͤr Namen beyleget, iſt in den Buͤchern vieles an -H 3zutref -1189. Cap. Von der Wartungzutreffen und werden allerhand Meynungen da - von angegeben, das mehreſte aber beſtehet aus Muthmaſſungen, und iſt gewiß, wobey ich mich nicht auf alten wil, und moͤgen andere die Schaͤ - den benennen wie ſie wollen. Jch wil nur ei - nige dererfelden, nebſt den Mitteln, welche man brauchen kan, um ihnen einigermaſſen abzuholfen, kuͤrzlich, aufuͤhren: denn den Schaͤden der Baͤume gaͤnzlich abzuhelfen, wird wohl nicht moͤglich ſeyn, abſonderlich, wenn ſolche bey den alten Baͤumen aus Nachlaͤſſigkeit alzuſehre uͤberhand genommen haben.
Es findet ſich oͤfters, daß ſich an den Baͤu - men, die Rinde oder Schale von dem Holze der Staͤmme abloͤſet und in die Hoͤhe giebt, unter welchen das Holz, ſo weit es angegangen iſt, braune und feuchte ausſiehet, wodurch endlich der Stam verdirbt. Dieſem Uebel iſt am beſten zu helfen, wenn das todte Holz, ſo weit als ſolches ange - gangen iſt, mit einem ſcharfen Stem-Eiſen ab - gehacket und ſo lange damit fortgefahren wird, bis man friſches und gruͤnes Holz findet. Man wird erfahren, daß dieſer Ort, wo das Holz weggenom - men worden, wenn er mit Baum Wachs verſtei - chen wird, wiederum verwaͤchſt. Dieſes Uebel, wie auch viele andere, kommen mehrentheils von der Zerſprengung, welche den Winter uͤber in groſ - ſer Kaͤlte geſchiehet, her, wovon ich unten weit - laͤufeiger handeln werde. Solte aber ein ſolcher Schade ſehr groß ſeyn, und ſo viel Baum-Wachserfor -119von Schaͤden der Baͤume. erfordern, daß es zu koſtbar fallen wuͤrde, ſo neh - me man an deſſen Stelle kleinen friſchen Kuͤh - Miſt, mit untermengtem Leimen und Rothgerber Haaren, welches aber wohl untereinander muß gearbeitet ſeyn, beſtreiche ſolchen ſchadhaften Ort allenthalben damit, lege alsdenn einen alten Lum - pen, oder in Ermangelung deſſen langes Heu dar - auf, und umwinde es wohl mit Weiden oder einer dicken Schnure, oder man beſtreichet ſolchen Scha - den auch nur mit Pfropfleimen, von welchem oben gedacht worden. Wenn ein groſſer Zelken von ei - nem Baume abgenommen, und nicht mit Baum - Wachs oder anderer Salbe zeitig beſtrichen wird, ſo komt an einem ſolchen Orte viele Feuchtigkeit hervor, welche endlich um den Schaden herum laufet, wovon der verwundete Ort, wie auch die darneben befindliche gute Schale ſchwarz wird, als wenn ſie im Rauche gehangen haͤtte. Dieſes komt von dem Safte her, welcher ſeinen Fortgang ſucht, weßwegen man Urſache hat, einen ſolchen Ort zeitig zu verwahren, und nicht erſt viele Tage hin gehen zu laſſen. Denn wenn einmal ein ſol - ches Fleck ſchwarz wird, ſo hilft hernachmalen nichts, oder es gehen einige Jahre hin, ehe es verwaͤchſt.
Wenn die jungen Baͤume 4, 5 bis 6 JahrWas vor - zunehmen, wenn die Schale runzlich nach der Verſetzung wohl beklieben ſind, ſo pfle - get an manchen die aͤuſſerliche Schale runzlich zu werden und zu zerreiſſen, ſie bekommen eine gar -H 4ſtige1209. Cap. Von der Wartungund terriſ ſen wird.ſtige rauhe Rinde, und wollen zuweilen wegen Fe - ſtigkeit ihrer Schalen nicht mehr in die Dicke wachſen. Dieſes komt von dem vielen Safte her, welcher zwiſchen dem Holze und der Rinde hinauf ſteiget, denn da derſelbe nicht allemal ſo viel Gewalt hat, eine ſolche feſte und harte Rinde von einander zu dehnen, ſo gehet der uͤberfluͤſſige Saft endlich in eine Faͤulnis, wovon hernach die Schale runzlich wird.
Dieſem Schaden iſt am beſten zu helfen, wenn man im May und Junius, denn in dieſen Mona - ten iſt der Saft am ſtaͤrkeſten, die Schale an den Baͤumen mit einem Meſſer von oben bis unten nach der Erden zu aufritzet, doch ſolchergeſtalt, daß das Meſſer nicht in das Holz gedrucket werde. Jſt ein Baum dicke, ſo koͤnnen auch wohl zwey ſol - cher Riſſe gegen Abend und Morgen gethan wer - den. Es wird gewiß einem Baume dadurch ge - holfen, daß man augenſcheinlich ſehen kan, daß er gegen dem Herbſt in der Dicke zugenommen hat.
Wird aber an einem Baume dergleichen Aufritzen unterlaſſen; ſo ſtellen ſich wegen der Faͤulnis des Saftes Wuͤrmer zwiſchen der Rinde und dem Holze des Stammes ein, welche darun - ter gleichſam, wie die Maulwuͤrfe hin und wieder wuͤhlen. Ob ſich dergleichen Wuͤrmer an den Baͤu - men befinden, kan man alſo bald an der Schale ge - wahr werden, denn es faͤlt dieſelbe in etwas nie - der. An dieſem Orte muß man mit einem kleinen Meſſer, in der gemachten Furche oder Rit, wo derWurm121und Schaͤden der Baͤume. Wurm ſeinen Weg hingenommen, nachſuchen, bis man ihn findet. Jſt dieſes geſchehen, ſo muß ſol - cher Gang fein ausgeputzt und mit Baum-Wachs derſtrichen werden. Jſt aber der Schrot-Wurm einmal in das Holz eines Stammes hinein ge - drungen, welches man an den Loͤchern wahrneh - men kan, ſo iſt kein Huͤlfs-Mittel mehr vorhan - den, ſondern ein ſolcher Baum bleibt noch einige Jahr immer kraͤnklich, bis er endlich verdirbt. Am beſten iſt es gethan, wenn man dergleichen Loͤcher an dem Holze findet, daß man einen ſolchen Baum heraus ſchmeiſſet, und an deſſen Stelle einen an - deren jungen Baum pflantzet, jedoch muß zuvor ein groſſes Loch gemachet, und friſche Erde von ei - nem andern Ort darein geſchaffet werden.
Mit der Art, wie die Wuͤrmer die in dieErlaͤute - rung des vo - rigen. Baͤume kommen, verhaͤlt ſich eben ſo, als mit den, welche ſich in dem wurmichten Obſte und Nuͤſſen befinden. Es iſt bekant, wenn es im Sommer allerley Schmetterlinge giebt, daß ſie ihre Eyer an die Baͤume und Stauden legen. Folgt nun, das Jahr darauf eine gute Witterung, daß ſie dadurch ausgebruͤtet werden, ſo nagen ſie ſich nach und nach eben wie bey den zarten Nuͤſ - ſen und Obſte in die Schale der Baͤume hinein, und naͤhren ſich darinnen ſo lange, bis ſie in ihre Veraͤnderung gehen, alsdenn freſſen ſie ſich wie - derum durch die Schale heraus, daher wird auch in ſolchen Fruͤchten, an welchen groſſe Wurm-Loͤ - cher ſind, ſelten der Wurm noch anzutreffen ſeyn. H 5Als1229. Cap. Von der WartungAls ich vor zwey Jahren im Herbſte einen guten Freund Hn. D. L. in ſeinen Garten beſuchet, und wir uns eine Zeitlang in dem Luſt-Hauſe vergnuͤget hatten, ſo kam ein Tageloͤhner herbey, und brach - te einen lebendigen Wurm, welchen er in einen Baum zwiſchen der Schale nahe an der Erden ge - funden hatte. Es war derſelbe faſt eines kleinen Fingers dicke und lang, und ſahe an der Farbe ſehr ſchoͤne braune und glaͤnzend aus. Der Mann meldete, daß er dergleichen noch mehr bringen wol - te, indem er noch Loͤcher an dem Stamme des Bau - mes ſpuͤrete. Beſagter Freund gieng daher mit mir hin an den Baum, und wir ſahen eigentlich, wie der Tageloͤhner mit einem Meiſel in einem von den Wuͤrmern gemachten Ritte nachſuchte und deren noch zwey von eben ſolcher Groͤſſe und Anſehen, her - aus wie der erſte holete, wobey wir ganz eigentlich gewahr wurden, daß ſich dieſe Wuͤrmer zwiſchen der Schale und dem Stamme hinunter bis an die Erde gefreſſen hatten. Die Blaͤtter an den Baͤumen ſa - hen hiervon ganz gelbe aus, und die Zelken waren auch zum Theil duͤrre geworden. Jch gab daher gedachtem Freunde den Rath, daß er dieſe beſchaͤ - digten Baͤume moͤchte heraus ſchmeiſſen und an deren Stat andere, und zwar an friſche Orte ſetzen, indem jene ſonſt zu weiter nichts nuͤtze waͤren; al - lein er wolte ſie lieber noch ein Jahr ſtehen laſſen, und zuſehen, ob ſie ſich vielleicht, weil die Wuͤrmer heraus waͤren, wiederum erholen wuͤrden; ich ver - ſicherte ihn aber, daß ſie gewiß abgehen und verder - ben wuͤrden, weil dieſes Uebel zu ſehr eingeriſſenwar123und Schaͤden der Baͤume. war und vielleicht noch mehr dergleichen Wuͤrmer in dem Baume ſtaͤcken, und ſolches iſt auch das fol - gende Jahr wirklich geſchehen. Als ich im Jahre 1758 die Koͤn. Schw. Abhandlungen durchgeblaͤt - tert, ſo habe ich beſagte Baum-Wuͤrmer in Kupfer abgezeichnet im 2ten Bande S. 10. gefunden.
Endlich pfleget es auch zu geſchehen, daß unacht -Wenn ein Baum ei - nen Schlag oder Stoß bekommen. ſame, auch gotloſe Tageloͤhner, welche es mit Fleis zu thun pflegen, waͤhrender Arbeit bey dem Graben und Hacken den Baͤumen einen Schlag oder Stos geben, und dieſes iſt gemeiniglich am gefaͤhrlich - ſten, wenn der Baum in vollem Safte ſtehet. Hierdurch geht mancher Baum zu Grunde, indem der Eigenthums-Herr ſolches nicht ſo bald kan gewahr werden. Um deßwillen iſt noͤthig, daß man zuweilen nach den Staͤmmen ſehen muß, und wenn ſich dergleichen verwundete Flecken fin - den, ſo muͤſſen ſie ausgeſchnirten, reine ausgeputzt und mit Baum-Wachs verſtrichen werden.
Man findet vielmals, daß die Baͤume vonVom Auf - ſpalten der Baͤume, be - ſonders der Weiden. allerhand Geſchlechten, wenn ſie einiges Alter erreichet haben, aufſpalten und hohl werden, be - ſonders trift man ſolches bey den Weiden-Baͤu - men an, und wird man nicht leicht einen derglei - chen alten Baum antreffen, der nicht aufgeplatzet und hohl ſey. Die vornehmſte Urſache ſolches Aufſpaltens iſt der heftige Froſt, welcher ſich in manchen Wintern ereignet. Denn durch die ſtrenge Kaͤlte wird der in den Baͤumen gefrorneSaft1249. Cap. Von der WartungSaft und Feuchtigkeit dergeſtalt ausgedehnet, daß die Saft-Roͤhren zerſpringen und die Baͤume noth - wendig aufplatzen muͤſſen, gleichwie z. E. ein glaͤſer - nes, irdenes oder anderes Gefaͤs mit Waſſer durch den Froſt zerſprenget wird; doch kan immer ein Baum mehr Kaͤlte vertragen als der andere. Hier - von kan in der Koͤn. Schw. Akademie der Wiſſen - ſchaft Abhandlung im 1. Band, S. 117. auch etwas nachgeleſen werden. Wenn dergleichen Zerſpren - gung geſchiehet, ſo thut es oͤfters einen Knal, als wenn ein Gewehr alos geſchoſſen wuͤrde. Jch bin ſelbſt einmal dadurch betrogen und deßwegen tuͤch - tig ausgelachet worden. Jch wurde nemlich 1709 als ein junger Studente von meinem Stief-Vater und Bruder auf die Nacht-Lauſche mitgenommen, da dann dieſe auf die Fiſch-Ottern in einem weit da - von gelegenen Garten, ich aber auf die Haſen lauren wolte. Als ich nun etwan eine gute Stunde geſeſſen hatte, ſo hoͤrete ich nach meinem Beduͤnken ganz na - he um mich herum viele Schuͤſſe geſchehen. Jch ſahe mich allenthalben um; wurde aber weder Rauch noch Geruch des Pulvers gewahr. Dieſes verurſach - te bey mir zwar einigen Grauen; jedoch faßte ich mir einem Muth, und blieb noch eine halbe Stunde an meinem Orte ſitzen. Da aber das Schieſſen nicht aufhoͤren wolte, ſo lief ich in aller Eil nach unſerm Garten-Hauſe, machte Feuer, und heitzte ein. Nach Verflieſſung zweyer Stunden ſtelte ſich mein Stief-Vater mit meinem Bruder auch ein, und brachten eine Fiſch-Otter mit, welche ſie geſchoſ - ſen hatten. Sie wunderten ſich daruͤber, daß ſie mich ſchon antraffen, und die Stube bereits geheitzet fan -den125und Schaͤden der Baͤume. den und fragten, warum ich denn ſo bald von der Lauſche aufgeſtanden, da ich doch gar wohl meinen Haſen haͤtte bekommen koͤnnen, wenn ich noch ei - ne Zeit lang an meinem Orte geblieben waͤre. Jch antwortete Jhnen, daß der Kuckuck moͤchte an ei - nem ſolchen Orte laͤnger geblieben ſeyn; es waͤren um und neben mir viele Schuͤſſe geſchehen, da ich doch gleichwol niemanden geſehen und gehoͤrt, auch weder den Geruch noch Rauch des Pulvers em - pfinden und wahrnehmen koͤnnen. Hieruͤber wurde ich, wie leicht zu erachten, erbaͤrmlich ausgelachet. Mein Vater gab mir hernach zur Antwort: ob mir noch nicht bekant waͤre, daß in einer ſolchen Kaͤlte die Baͤume von einander platzten, und daß ſolches einen Schal gaͤbe, der einen Piſtolen - Schuſſe gleich kaͤme: er wolle mir morgen des Tages die geſchehenen Riſſe an den Baͤumen zei - gen. Solches geſchahe auch, und ich ſahe wirk - lich, daß ſich an den Weiden, Zwetſchgen und Pflaumen-Baͤumen Spalte eines Meſſer-Ruͤckens breit befanden. An den Aepfel - und Birn-Baͤu - men aber konte man dieſelben nicht ſo deutlich gewahr werden. Nachdem ſich hernach die Wit - terung geaͤndert und die Sonne die gefrornen Baͤume aufgethauet hatte, ſo waren die Riſſe nicht ſonderlich mehr zu ſehen, indem ſie ſich wieder zu - ſammen gezogen hatten. Den darauf folgenden Sommer und Herbſt hatten die mehreſten Baͤu - me ihre Spalte wieder verwachſen, ausgenom - men die alten Pflaumen - und Weiden-Baͤume, welche dieſelben behielten. Bey den Weiden -Baͤu -1269. Cap. Von der WartungBaͤumen geſchiehet das Auſſpalten am ſtaͤrkeſten und leichteſten deßwegen, weil ſie ein ſehr weiches und poroͤſes Holz haben, welches viele Feuchtigkeit an ſich ziehet, und noch darzu meiſtens an die Waſ - ſer oder feuchte Oerter gepflanzet werden. Naͤchſt dem wird ſolches Zerſpalten und innerliche Faͤulnis des Holzes auch dadurch ſehr ſtark befoͤrdert, weil man alle 3 bis 4 Jahre die darauf ſtehenden Stan - gen und Weiden abkoͤpfen laͤſt. Denn dadurch be - kommen ſolche Baͤume ſehr breite Koͤpfe, auf wel - chen ſich der Regen und Schnee recht ſamlen und hernach in den Stam hinein ziehen kan. Hierdurch gehet nicht nur der Kern oder Mark an, daß eine Faͤulnis in dem Baume entſtehen muß, ſondern, da die Feuchtigkeit ſich alzu haͤufig hinein ſenket, und gleichſam in den Baͤumen wie in einem Gefaͤſſe ſtehet, ſo muͤſſen dieſelben auch bey hereinbrechen - dem Froſte nothwendig zerberſten. Alsdenn kan das Waſſer und die Luft ungehindert hinein drin - gen, und da iſt es kein Wunder, daß ihr inwendi - ges Holz in kurzer Zeit voͤllig verfaulet und zu Er - de wird. Solche Baum Erde ſchicket ſich uͤberaus wohl mit unter diejenige Erde, welche man zu den Nelken oder Gras-Blumen brauchet. Man muß aber dieſelbe vorhero recht durch ſieben und von dem Ungeziefer reinigen, indem ſich allerhand Wuͤrmer, beſonders kleine und groſſe Engerlinge darinnen finden, welche gedachten Blumen hoͤchſt ſchaͤdlich ſind. Denn die Kaͤfer und anderes Geſchmeiſſe machen ſich in die hohlen Baͤume, und legen ihre Eyer dahin. Wenn man die Weiden ordentlich indie127und Schaden der Baͤume. die Hoͤhe wachſen laͤſſet, und nicht koͤpfet, ſo werden ſie nicht leicht zerberſten, indem der Saft ſich in den groſſen Zelken ausbreiten und ordentlich wie bey an - dern Baͤumen umlaufen kan. Auch kan das Waſ - ſer vom Regen und Schnee, weil ſie keine Koͤpfe haben, nicht hinein ſickern und die Faͤulnis und Zer - ſprengung verurſachen und befoͤrdern, ſondern muß von den Zelken herunter laufen. vide pl. Millers Engl. Lexicon. p. 476. Wenn die Weiden-Baͤu - me nicht abgekoͤpft werden, werden ſie eben ſo alt als andere Baͤume.
Noch groͤſſern Schaden verurſachen die Waſſer -Von dem Schaden der Waſſer - Maͤuſe und Feld. Rat - ten. Maͤuſe in den Gaͤrten, alwo Waſſer-Graͤben zwi - ſchen den Laͤndereyen ſind, oder welche nahe an den Waſſer-Fluͤſſen liegen. Sie ſchwimmen ſowol zur Sommer-als Winter-Zeit an einen ſolchen Ort, und wuͤhlen in der Erde an den Wurzeln der Baͤu - me herum, ſchaͤlen und nagen dieſelben, wenn ſie auch noch ſo gros ſind, rings herum ab, daß auch keine Schale vielweniger ein Faͤſerlein daran blei - bet, und wenn ein ſolcher Baum heraus genom - men wird, ſo ſiehet man alle Biſſe, welche von ih - ren Zaͤhnen geſchehen ganz deutlich, woruͤber man ſich wundern muß. Es ſind dieſe eben ſo ſchlim wie die Feld-Ratten, welche dergleichen auch zu thun pflegen: Wie ſie aber wegzubringen und zu ver - tilgen ſind, habe ich in meiner hiſtoriſchen Beſchrei - bung von den Erfurtiſchen Dreyenbrunnen-Gaͤr - ten p. 123. im 12. Cap. ausfuͤhrlich beſchrieben.
Es iſt leicht einzuſehen, daß dieſe Frage,Ob manwel -1289. Cap. Von der Wartungeinen alten Baum wie - der koͤnnen jung ma - chen.welche von einigen Garten-Liebhabern entſtanden, nicht alſo zu verſtehen: ob man aus einem alten Baume wieder einen jungen machen koͤnne? ſondern daß es nur von dem aͤuſſerlichen Anſehen der Schale oder Rinde zu nehmen und ſo viel ge - ſagt ſeyn ſol: ob man auf eine kuͤnſtliche Art ei - nem alten Baume wieder eine neue und glatte Rinde oder Schale verſchaffen koͤnte, daß er in Anſehung deſſen wie ein junger Baum ausſehe. Und in dieſem letzten Verſtande iſt die Frage al - lerdings zu bejahen. A. D. J. Fuͤrſtlicher Gaͤrt - ner, in ſeinem wohl beſtelten Garten-Bau p. 392. hat den ganzen Verſuch folgender maſſen beſchrie - ben:
„ Jm Sommer, zu der Zeit, wenn der laͤng - „ ſte Tag iſt, oder wenigſtens drey Tage vor oder „ drey Tage nach demſelben; bey ſtillem Wetter „ nimt man ein ſtarkes Meſſer oder Maiſel, ſchnei - „ det und hacket damit die ganze Rinde von dem „ Baume, faͤnget vier Zol unter den groſſen Zwei - „ gen an, bis vier Zol uͤber der Wurzel, doch muß „ dieſes Abhauen und Abſchneiden alſo geſchehen, „ daß das Herz an dem Stamme nicht verletzet oder „ eingekerbet werde. Wenn alſo der ganze Stam „ von ſeiner Rinde ganz entbloͤſet, ſo wird man „ ſehen, daß der Saft aus der Rinde der Zweige, „ auch unten an dem Stamme ſelbſt heraus zu quil - „ len und uͤberher zu flieſſen beginnet, dabey man „ denn um ſolchen Saft zu conſerviren, und daß „ der austriefende Saft von der Sonnen und dem „ Winde nicht ausgetrocknet werde, eine Bede -„ ckung129und Schaͤden der Baͤume. „ ckung oder Schirm von Matten, alten Saͤcken. „ oder dergleichen machen muß, doch alſo, daß ſol - „ cher Schirm den Baum ſelbſten nicht beruͤhre, „ ſondern einer Hand breit von dem Baume ent - „ fernet ſey, von dieſem austropfenden Safte erzeu - „ get ſich eine ganz neue und junge Rinde, und der „ Baum, ob er ſchon ganz alt geweſen, faͤngt wie - „ der an aufs neue zu gruͤnen und ſich zu verjuͤn - „ gern, als wenn er ein junger Baum waͤre. Wie - „ wol es nicht ſowol an den Kirſchen und Pflau - „ men, als Aepfeln und Birn angehet. Diejeni - „ gen Gewaͤchſe aber, welche einen harzhaften „ Saft haben, als Mandeln, Apricoſen u. d. gl. „ nehmen dieſes Mittel nicht an. Es muß aber, „ wenn es gluͤcklich gerathen ſol, gegen Abend ge - „ ſchehen, damit die gleich darauf folgende Tages - „ Hitze nichtdem Safte hinderlich ſey.
Dieſe jetzt beſchriebene Operation habe ich, wiewol 4. Tage vor Jacobi, an einem Baume, woran nicht viel gelegen welcher eine hoͤckerichte und zerriſſene Rinde hatte, vor vielen Jahren vor - genommen. Als ich die grobe Rinde nach und nach herunter machte, ſo fand ich unter dieſer ei - nen gelbgruͤnen Saft, welcher ganz zaͤhe war. Jch nahm mich dabey ziemlich in acht, daß ich denſel - ben, ſo viel mir immer moͤglich, nicht beruͤhrte; jedoch geſchahe es unterweilen durch das Abſprin - gen des Meiſels oder Stem-Eiſens, daß derſelbe hier und da in etwas verletzet wurde. Als ich nun meine Arbeit verrichtet hatte, ſo lehnte ich wider den abgeſchaͤlten Stam des Baumes, alwoAbh. v. Baͤum. Jdie1309. Cap. Von der Wartungdie Sonne des andern Tages hin ſcheinen konte, eine Thuͤr. Den zweyten und dritten Tag hernach bekam der gelbgruͤnlichte Saft eine andere Farbe und wurde in etwas dunkler, und von Tagen zu Tagen braͤuner. Gegen den Herbſt hatte mein ab - geſchaͤlter Baum eine recht ſchoͤne glatte Rinde be - kommen, gleich als wenn er kaum vor 8. bis 10. Jahren verſetzt waͤre, ausgenommen an denenje - nigen Orten, wo ich aus Verſehen mit dem Meiſel den Saft in etwas verletzet, alwo der Saft bis ge - gen den Herbſt des folgendes Jahres kaum uͤberge - laufen, daß alles voͤllig zugeheilet war. Wer es ver - ſuchen wil, kan ſolches gleichfals an einem alten Baume, woran ihm nicht viel gelegen, vornehmen. Es iſt dieſes ein ſehr artiger Verſuch. Denn ob - gleich ſonſt weiter kein Nutzen dadurch zu erhal - ten; ſo kan man doch hieraus wahrnehmen, wie es mit dem Safte zwiſchen der Rinde und Stamme zugehet, und wie ſich derſelbe endlich verdicket und zu einem feſten Theile des Baumes wird. Es haben zwar einige vorgeben wollen, daß die Baͤu - me hiervon tragbarer wuͤrden; allein ich kan de - nenſelben keinen Glauben beymeſſen, vielweniger begreifen, wie es moͤglich ſey, indem ein ſolcher ab - geſchaͤlter Baum hernachmalen mit ſeiner neuen Rinde zu thun hat, und folglich ſeine Saͤfte und Kraͤfte, welche er ordentlicher Weiſe den obern Theilen des Baumes, nemlich den Zelken und Aeſten mittheilen ſolte, an die neue Schale wen - den muß.
Die Untragbarkeit iſt allerdings auch einWie man einen un - feuchtbaren Baum koͤn - ne fruchtbar machen. Haupt-Mangel eines Baumes, und werden aller - hand Mittel darwider angegeben. Viele ſind der Meynung, daß man den unfruchtbaren Baͤu - men die uͤberfluͤſſigen Aeſte benehmen ſolle, ſo wuͤr - den ſie fruchtbar; allein ſolches iſt wohl etwas ge - ſagt, aber es hat keinen Grund. Jch habe es ſelbſten verſuchet und erfahren, daß die Abnehmung der Zelken die Fruchtbarkeit nicht befoͤrdere. Denn durch das Abhacken werden die Baͤume zerſtim - melt und verdorben, und obwohl der Saft in die uͤbrigen Zelken geben muß, daß ſie ſchaͤrfer trei - ben koͤnnen, auch wohl unterweilen etwas Fruͤchte tragen, ſo werden ſie doch niemalen ſo viele Fruͤchte hervor bringen wie es ſeyn ſolte. Wiederum wollen einige behaupten, daß man ſolchen Baͤumen mit guter und fetter Duͤngung oder durch Beygra - bung eines todten Aaſes zu Huͤlfe kommen ſolte. Dieſes hilft zwar in ſo ferne, daß die Baͤume leb - hafter wachſen koͤnnen, aber zur Fruchtbarmachung wird es wenig oder nichts beytragen. Deñ wenn es einmal eine untragbare Art iſt, ſo wird ſie nimmer - mehr weder durch dieſe noch andere Bemuͤhungen, welche hin und wieder in den Buͤchern angegeben ſind, tragbar werden. Vieles Land-Volk ſteckt in ei - nem ſolchen ſuͤndlichen und gottloſen Aberglauben, daß ſie in der heil. Chriſt-Nacht, nackend, zwiſchen 11 u. 12 Uhr alle in ihren Gaͤrten befindliche Obſt - Baͤume mit Stroh-Seilen umbinden, und hier - durch tragbar machen wollen, welches ich imJ 2Durch -1329. Cap. Von der Wartung und ꝛc. Durchreiſen der Doͤrfer an den Baͤumen ſelbſten, geſehen habe. Wenn ſie aber bedaͤchten, daß es noch nicht ausgemacht, welches die rechte Chriſt - Nacht ſey, in welcher nemlich unſer Heyland ge - boren worden, und daß dergleichen Aberglauben nicht nur vergeblich, ſondern auch ſuͤndlich und unchriſtlich ſey, ſo wuͤrden ſie gar leicht auf an - dere Gedanken kommen.
Das allerſicherſte und bewertheſte Mittel iſt, zur Befoͤrderung der Fruchtbarkeit, daß man von den unfruchtbaren Baͤumen die Zelken abſaͤget und von einem tragbaren Baume gute Reiſer nimt, und darauf pfropfet, und zwar ſolcherge - ſtalt, daß auf jeden Zelken, wenn er dicke iſt, zwey Reiſer aufgeſetzet werden. Hierbey iſt aber wohl zu merken, daß man, ſo bald als das Pfropfen verrichtet worden, an jedem Zelken ein Staͤb - lein feſte und wohl anbinde, und die aufgeſez - ten Reiſer daran hefte, damit ſie nicht durch den Wind, noch durch die Voͤgel, welche ſich darauf zu ſetzen pflegen, herunter geworfen werden.
Die Steinobſt-Baͤume uͤberhaupt, als Apri - coſen, Morellen, Pfirſchen, Welſche - und Haſel-Nuͤſſe, ingleichen Mandeln, Kirſchen, Zwetſchen, Pflaumen und viel andere Sorten mehr koͤnnen alle aus ihren Steinen oder Kern erzogen werden, welche man aus den reifen Fruͤch - ten nehmen, und im Schatten an einem luͤftigen Orte muß laſſen trocken werden. Sie werden insgeſamt in oben gedachten Monaten, wie bey den Obſt-Kern gemeldet worden, geſtecket, jedoch Reihenweiſe, nach der Garten-Schnure, mit Be - merckung eines kleinen Pfahls, damit ſie bey Umgrabung des Landes nicht Schaden leiden. Die Spitzen der Nuͤſſe und Kern muͤſſen alle - zeit bey dem Stecken in die Hoͤhe gerichtet wer - den, damit ſie deſto fuͤglicher herfuͤr wachſen koͤn - nen. Wie weit ſie aber in der Reihe von ein - ander zu bringen ſind, uͤberlaͤſſet man eines jeden ſeiner Einſicht, doch muß man dahin ſehen, daß ſie genugſamen Raum behalten. Einige dererſel -J 3den13410. Cap. Von Erziehungben kan man auch gar fuͤglich aus den Neben - ſchoſſen erziehen.
Von einer jeden Gattung eine weitlaͤuftige Beſchreibung zu machen, halte ich fuͤr uͤberfluͤſ - ſig, und iſt auch mein Vorhaben gar nicht; ſon - dern ich wil nur mit wenigen erinnen, welche Baͤume nicht noͤthig haben, gepfropfet oder oculi - ret zu werden, ſondern blos an den Kern hervor - wachſen, oder ſich durch ihre Nebenſchoſſe zu ver - mehren pflegen, und ohne daß ſie gepfropft und oculiret worden, dennoch zur gehoͤrigen Zeit ihre guten Fruͤchte hervor bringen. Nur iſt zu mer - ken, daß an den jungen aufgegangenen und in die Hoͤhe wachſenden Staͤmlein, wie oben bey den Obſt-Baͤumen erinnert worden, die Nebenzelklein nach und nach abgepuzt, und die Staͤmlein am Pfahle angebunden werden muͤſſen, womit man ſo lange fortfahren muß, bis ſie in die Hoͤhe gegan - gen, und die Kronen, welche man verlanget, er - reichet haben.
Bey den Welſchen Nuſſen, Nux juglans, ſive regia vulgaris, C. B. P. iſt zu merken, daß ſie ſo wenig in den Gaͤrten, worinne man Kuͤchen - und andere Fruͤchte erziehet, nuͤz ſind, als die Ae - ſchen - und Hollunder-Baͤume, indem ſie mit ihren weit auslaufenden Wurzeln und vielen Schatten, den Obſt-Baͤumen und den Garten-Fruͤchten groſ - ſeu Schaden zu thun pflegen, ſo daß dieſelben nicht von der Stelle wachſẽ, ob ſie auch gleich noch ſo vielBeſſe -135der Steinobſt-Baͤume. Beſſerung in der Erden befinden ſolte. Dieſe Baͤume dienen am beſten an die Raͤnder, Berge und in einen Grund und Boden, woran nicht ſon - derlich viel gelegen iſt. Zu ihrer Erziehung muͤſ - ſen die ſchoͤnſten und groͤſten Nuͤſſe mit dinnen Schalen ausgeſuchet, 5 bis 6 Tage in das Waſſer eingeweichet, und 5 bis 6 Schuh von einander, im November, December und Januar, und ſo lange als man in die Erde kommen kan, geſtecket werden. Wenn ſie hervorſchieſſen, muͤſſen ſie eben wie die andern Baͤume gezogen und beſchnei - delt werden. Sind ſie groß genung gewachſen, ſo verſetzet man ſolche im Fruͤhjahre, weilen die im Herbſt verpflanzten jungen Baͤume, wenn kalte Winter entſtehen, gerne erfrieren.
Mit den Pfirſig-Baͤumen, Berſica mol -Von Pfir - ſchen. li carne & vulgaris, viridi & alba. C. B. P. iſt es eben ſo beſchaffen, und kommen ſie in Anſe - hung der Wartung mit den Welſchen Nuͤſſen uͤberein. Sie koͤnnen gar wohl in die Gaͤrten ge - pflanzet werden, indem ſie mit ihren Wurzeln nicht ſo weit in der Erden ſich ausbreiten. Jch habe auch gefunden, daß die aus ihren Kern erzogene Baͤume unterweilen eben ſo reichlich gute und wohl ſchmeckende Fruͤchte hervor ge - bracht als die oculirten. Doch gehet man ge - wiſſer, wenn man allerhand gute Sorten dar - auf bringet, wiewol man ſie auch auf aller - hand Pflaumen kan oculiren laſſen. Wenn die jungen Pſirſig-Baͤume an die Spaliere geſetztJ 4wer -13610. Cap. Von Erziehungwerden, muͤſſen ſie an ihren Zweigen ziemlich verkuͤrzet werden, ſonſten wachſen ſie ſtark in die Hoͤhe, und das Spalier wird dadurch unten an den Baͤumen blos, welches ein uͤbles Anſehen machet, und wenn dieſes Verſtutzen im Fruͤhjahre unterlaſſen wird, ſo ſterben ſie zeitig ab. Von dieſer Beſchneidung kan in Liegelſteins wohl fundirten Zwerg-Baume p. 95. ſq. im 10. Capitel, wie auch in andern Garten-Buͤchern nachgeleſen werden.
Mit den ſuͤſſen und bittern Mandel-Baͤu - men, Amygdalus ſativa fructu majore C. B. verhaͤlt ſichs eben ſo, wie bey den Pfirſchen ge - meldet worden. Doch wenn dieſelben in dem Fruͤhjahre noch ſo ſchoͤne Blumen bringen, ſo bleiben doch die wenigſten an den Baͤumen, und dieſes komt daher, weil ſie keine ſonderliche Rei - fen und kalte Naͤchte, vielweniger einen Froſt vertragen koͤnnen, woraus folgt, daß ſie ihre klei - nen und zarten Fruͤchte fallen laſſen muͤſſen. Zu dieſem Baume iſt unſer Clima zu kalt, weswe - gen ſie in wenig Gaͤrten angetroffen werden. Wer aber dennoch um ihrer ſchoͤnen Bluͤte hal - ber ſein Vergnuͤgen daran haben wil, muß ſolche an die Spaliere, wo die kalten Luͤfte uͤbergehen, pflanzen laſſen. Sie koͤnnen auch auf vielerley Pflaumen, oder auf ihre eigene Art gebracht und oculiret werden.
Der Apricoſen-Baͤume ihre Fruͤchte, Malaarme -137der Steinobſt-Baͤume. armenicana majora, C. B. P. werden kleine, wenn man ſie von ihren Kern erziehet, doch iſt der Ge - ſchmack eben ſo gut, als wie bey den groſſen Sor - ten, und ſie tragen gemeiniglich mehr Fruͤchte als die Oculirten. Von Steckung der Kern, wenn ſolche geſchehen ſol, iſt ſchon einigemal geſagt wor - den. Sie thun in den Gaͤrten oder an den Spa - lieren, worinne gegraben wird, am beſten gut. Die groſſen Sorten der Apricoſen, koͤnnen auf ih - re eigene Staͤmme, und auch auf alle Pflaumen gebracht oder oculirt werden. Man kan zur Luſt auf einen Stam viele Arten Steinobſt oculiren, welches an einem jeden Zelken oder Aſte allein ge - ſchehen kan, und ein ſehr artiges Anſehen machet. und viel Vergnuͤgen erwecket, indem man von ei - nem ſolchen Baume immer eine Frucht um die andere erhaͤlt. Ein ſolcher Baum aber pflegt ſelten lange zu dauren.
Die Miſpel-Baͤume, Miſpilus vulgaris;Von Miſ - peln. J. B. koͤnnen auch von ihren Kern erzogen werden. Nachdem ſie geſteckt worden, liegen ſie zwey Jahr in der Erde, ehe ſie aufgehen, doch vermehren ſie ſich auch durch ihre Nebenſchoſſe. Der Geſchmak von den wilden Miſpeln, wenn ſie teig geworden ſind, iſt eben ſo gut als von den gepfropften und oculitten, nur daß dieſe zwey - bis dreymal groͤſſe - re Fruͤchte haben, und das Maul beſſer fuͤllen. Man pfleget ſolche auf die Birn, Quitten auch Schwartz-Dorn zu pfropfen. Die Wartung und Erziehung iſt mit obigen gemein.
Alle Sorten von den Kirſch-Baͤumen, Ceraſus, zu beſchreiben, wird nicht noͤthig ſeyn, indem mehrentheils die Erziehung und Wartung auf eins hinaus lauft. Von den Kern ſolche zu erziehen, halte fuͤr uͤberfluͤßig, jedoch leidet ſol - ches eine Ausnahme, wovon unten ſol gemeldet werden, indem ich hierbey gefunden, daß ſie nicht ſo tragbar werden, als diejenigen, welche man von tragbaren und guten Arten durch die Nebenſchoſ - ſe erhaͤlt. Jſt die Art, von welcher ſie herſtam - men, gut, ſo behalten auch die Ausſchoſſe eben die - ſe Guͤte, nur muͤſſen ſie fleißig ausgeputzt und be - ſchneidelt werden, bis ſie in ihre Kronen gewach - ſen und zum Verſetzen dienlich ſind. Solte aber jemand dergleichen Nebenſchoſſe nicht benoͤthi - get ſeyn, ſo koͤnnen ſie zeitig in der Erde abge - ſchnitten und hinweg geſchaffet werden, denn ſie benehmen den alten Baͤumen ihre Nahrung gar merklich. Wenn die Ausſchoſſe 2 Schuhe in die Hoͤhe gewachſen ſind, koͤnnen ſie auch beſonders in die Baum-Schule gepflanzet und allerhand Gattungen darauf oculiret werden; iſt es aber eine gute Sorte, als wie unſere Auguſt - und die wohltragende Weichſel-Kirſche, ſo hat man nicht Urſache daran zu kuͤnſteln, als nur daß ſolche un - terweilen muͤſſen ausgeputzt und in ihre Kronen gezogen werden.
Es iſt wohl gethan, wer ein Liebhaber von groſſen und viel tragenden Kirſch-Baͤumen iſt, daß er die wilden Suͤskirſch-Kern Ce -raſus139der Steinobſt-Baͤume. raſus ſylveſtris ſamlet, und zur gehoͤrigen Zeit im Herbſt ſtecket, welche aber zwey Jahr in der Erde liegen bleiben, ehe ſie hervor ſtechen, und doch bleiben viele zuruͤcke; weshalber man ſie recht dicke an einander ſtecken muß. Das Beet, worauf dieſe Kern gebracht worden, muß im erſten Jahre von allem Unkraute reine gehal - ten werden. Sind nun die Staͤmlein im zwey - ten Jahre aufgegangen und in etwas erwachſen, muß man ſie fein fleißig in die Hoͤhe ſchneideln, und wenn ſie hoch genug erwachſen ſind, ſo koͤn - nen allerhand Kirſchen darauf oculiret werden. Mit dem Pfropfen in die Schale iſt es etwas gefaͤhrlich, denn wenn das aufgeſetzte Reis nicht bekleibet, ſo kan der Stam gar leicht verderben. Die Kirſchen, welche in den Spalt gepfropfet wer - den, wachſen ſchnel und freudig, und gewinnen eine ſolche Hoͤhe und Staͤrke als andere groſſe Baͤume.
Es wird wohl keine Sorte unſerer Erfurti - ſchen Auguſt-Kirſche, wegen des Geſchmackes und fleiſchichten Weſens den Vorzug nehmen. Denn hierbey iſt nicht die Groͤſſe und das Anſehen zu betrachten, ſondern ihre Annehmlichkeit. Sie ſind eben von dem Anſehen und von der Groͤſſe wie die Weichſel-Kirſchen. Man hat bey ihrer Erziehung weiter nichts zu beobachten, als daß ſie von ihren Nebenſchoſſen fleißig ausgeſchneidelt werden. Es ſind hieſige Leute, welche dergleichen Kirſch-Baͤume haben, zum Theil ſo ſchlim und betruͤgeriſch, daß man von ihnen keine wahrhafte Auguſtkirſch-Staͤmme bekommen kan, und wennFrem -14010. Cap. Von ErziehungFremde von ihnen einige zu kauffen pflegen, wer - den ſie gemeiniglich betrogen. Setzet man ſie die - ſerhalben zur Rede, ſo geben ſie vor, es thaͤten der - gleichen Baͤume an andern Orten nicht gut, arte - ten ſich aus, und giengen in ein ander Geſchlechte, denn ſie verlangten einen mit Leimen vermengten Grund. Lezteres iſt wohl wahr, das erſtere aber betruͤgeriſch, und wenn ich nicht dieſelben einiger - maſſen an dem Holze oder Schale haͤtte kennen lernen, ſo waͤre es mir ebenfals alſo ergangen, daß ich betrogen worden. Die Zeit wird es lehren, ob meine auf ein groſſes Stuͤck angelegte Baͤume ſich mit dieſer Art anlaſſen werden, oder ob vielleicht auch Staͤmme von andern Kirſchen, welche man nicht allezeit ſo genau unterſcheiden kan, ſich dar - unter finden werden.
Mit den Zwetſchgen, Prunus ſativa vul - garis, und mit den uͤbrigen Sorten der Pflaumen hat es gleiche Bewandnis, wie bey den Kirſchen Meldung geſchehen iſt, ſie werden ebenfals durch ihre Ausſchoſſe vermehret. Die groſſe Eyer-wie auch die gelben Zwetſchgen aber erfordern, daß ſie in den Spalt gepfropfet oder oculiret werden, die zwey leztern ſind eben ſo geartet, wie die Apricoſen. Sie wachſen und thun aller Orten in allem Grun - de gut, nur in dem ſandigten nicht. Die von den Kern erzogene Baͤume aber tragen keine Fruͤchte. Wie man die Zwetſchgen-Baͤume mit ihren Fruͤch - ten und Blaͤttern erhalten kan, ſiehe den 2. Band Berliniſche phyſicaliſche Beluſtigung 11. Stuͤck p. 63.
Dieſer Baum fuͤbret mancherley Nahmen,Von Cor - nel-Kir - ſchen. als Cornel-Baum, Koͤrner-Baum, Welſcher Kirſch-Baum, Huͤrlizgen-Baum, Cornel - Kirſchen. Cornus vulgaris. Cornus horten - ſis mas. C. B. P. Seine Frucht iſt laͤnglich wie die Tattel-Kern, man findet aber nur eine Kern in ihrem Fleiſche, nicht aber zwey, wie in andern Buͤ - chern unrecht vorgegeben wird. Sie werden gemei - niglich im September dunkelroth, ſie haben anfaͤn - glich, wenn ſie noch roth ſind, einen herben zuſam - men ziehenden Geſchmak, wenn ſie aber zur voͤlli - gen Reifung gelanget, und weich geworden, wer - den ſie ſuͤſſe und angenehmen Geſchmackes. Man ſindet auch unterweilen eine wachsgelbe Art, wel - che die Leute weiß zu nennen pflegen. Erſtlich ge - ſchiehet die Vermehrung dieſer Baͤume durch ihre Nebenſchoſſe, welche zur Herbſt-Zeit unterſuchet werden muͤſſen, ob ſie Wurzeln haben. Wenn ſolche vorhanden ſind, werden ſie abgeloͤſt und verſetzet, doch pfleget es auch oͤfters zu geſchehen, daß die Baͤume, wenn ſie ſehr alt geworden, kei - ne Nebenſchoſſe mehr bringen, und alſo muß man auf eine andere Vermehrung bedacht ſeyn, welche durch das Einſchneiden und Anhaͤngen der Spalt - Toͤpfe zur Herbſt-Zeit langſam, oder ſehr zeitig im April vorzunehmen iſt. Es muͤſſen aber die An - haͤnger ein ganzes Jahr an dem Baume bleiben, indem ſie wegen Feſtigkeit des Holzes nicht gerne Wurzeln ſchlagen. Es muͤſſen auch die Anhaͤn - ger oft begoſſen und die Erde mit Moos bedecket werden, damit die Sonne und Luft ſolche nicht ſoſehr14210. Cap. Von Erziehungſehr austrocknen kan. Sie verlangen einen guten Grund und einen zur Sonne wolgelegenen Ort.
Die Vermehrung kan auch drittens durch ihre Kern geſchehen, welche ſo feſte und hart ſind, als die Tattel - und Oliven-Kern. Dieſelben werden im November und ſo fort in die Erde geſtecket, und bleiben zwey Jahre darinnen liegen, ehe ſie aufge - hen, woruͤber man nicht verdruͤslich werden darf. Wenn ſie im dritten Jahr hervor wachſen, ſo iſt das Vergnuͤgen deſto angenehmer. Verlanget man hiervon groſſe Baͤume, ſo muͤſſen die Neben - zweige fleiſſig abgeſchnitten werden. Hieraus koͤn - nen auch unvergleichliche Luſt-Hecken Lauber-Huͤt - ten und Luſt-Gaͤnge angelegt werden, wie ich denn dergleichen an vielen Orten angetroffen habe. Zu ſolcher Anlegung laͤſſet man Gruͤblein nach der Garten-Schnur 4 Zol tief verfertigen, und leger dieſe Kern in obgedachtem Monat 6 Zol weit von einander hinein und ſcharret ſie mit der Erde zu - Weil man aber hiervon Luſt-Hecken haben, ſo muͤſ - ſen zwey Gruͤblein 1 Schuh weit, doch nach jedes Belieben gemacht werden. Es wird wohl kein feſte - res Holz in Deutſchland gefunden werden als die - ſes. Wenn man es zerſpalten wil, ſo zerſpringen oͤf - ters die Waffen daran entzwey. Die Blaͤtter ſind dunkelgruͤn, und ſtehen zwey und zwey gegen einan - der. Die gelben Bluͤthen dieſer Baͤume kom̃en im Merz heraus, u. zwar ehe das Laub herfuͤr ſchieſſet.
Es gibt mancherley Arten der Haſel-Nuͤſſe, als:
Alle Arten von dieſen Nuͤſſen, welche in den Gaͤr - ten gebauet werden, ſind viel groͤſſer als die wil - den, welche in den Waͤldern gefunden werden, und an Geſchmack viel angenehmer; doch haben ſie mit ihrer Vermehrung alles gemein. Erſt - lich werden ſie durch ihre Nuͤſſe vermehret, zu welchen man die groͤſten, ſchoͤnſten und volkom - menſten erwaͤhlen muß. Dieſe werden gleichwie alle Stein-Kern im November 4 Zol tief in die Erde geſtecket, wer aber folches im Fruͤh-Jahr im April vornehmen wil, muß die Nuͤſſe den Win - ter uͤber im Moos oder Laube in einen Keller, worinnen keine Maͤuſe ſind, welche ſie angehen, erhalten, wiewol dieſe einige Wochen langſamer hervor ſchieſſen, als diejenigen, welche in dem Herbſte geſteckt worden.
Zweytens geſchiehet ihre Vermehrung durch das Einlegen oder Einſenken ihrer langen Ruthen, welche ſowol durch das Einſchneiden, als auch ohne daſſelbe in der Erde Wurzeln ſchlagen; ge - wiſſer iſt es aber, wenn man ſolche im April einſchneidet, ein Gruͤblein darneben macht, und eben wie die Wein-Reben einleget, jedoch mußder14410. Cap. Von Erziehungder mehreſte Theil mit der Spitze aus der Erde hervor gehen.
Die dritte Vermehrung iſt die beſte und ſicherſte, wenn man ihre Nebenſchoſſe, welche Wur - zeln haben, im Herbſt oder im Fruͤhjahre, ſo bald man in die Erde kommen kan, abnimt, und fort - pflanzet. Man ſetzet ſie im Garten an einen ſol - chen Ort, wo nicht ſonderlich viel daran gelegen iſt, jedoch daß der Wind den uͤberfluͤßigen Regen und Naͤſſe abſchuͤtteln und abtrocknen kan, auch daß ſie des Tages der Sonne einige Stunden ge - nieſſen koͤnnen. Sie nehmen mit allerhand Grund und Boden vorlieb. Wenn die Stauden zu hoch und gar zu alt werden und viele Nebenſchoſſe ha - ben, ſo tragen ſie nicht ſo viele Nuͤſſe als es ſeyn ſolte, wobey anzurathen, daß die aͤlteſten und dick - ſten Staͤmme fein gleich an der Erde hinweg ge - hauen werden, wodurch die Stoͤcke neue Schoſſe im Ueberfluß hervor bringen. Man kan auch ſehr groſſe und hohe Baͤume davon erziehen, wenn man ſie alle Jahre fleiſſig ausſchneidelt, und die Nebenſproſſen beſtaͤndig hinweg nimt. Einen ſolchen Baum habe ich 1736. zu Frankfurt am Mayn in Hrn. lacob du Fay Garten geſehen, welcher ſo hoch und dicke war, daß ihn kein Lin - den-Baum in der Hoͤhe uͤbertreffen wird. Es wurde mir damalen bey Anſchauung dieſes Bau - mes von einem Bedienten berichtet, daß der Kay - ſer Leopoldus nach ſeiner Kroͤnung um der Rari - taͤt willen darunter geſpeiſet haͤtte. Jhre purpur - farbigen, zarten und recht artigen Bluͤmchen ſindwohl145der Steinobſt-Baͤume. wohl zu unterſuchen. Sie kommen mehrentheils im Merz zum Vorſchein, vorhero aber wachſen rauhe und lange Zaͤpflein daran, welche in geſag - tem Monate gelbe werden, und nach und nach herunter fallen, welche die gemeinen Leute die Bluͤten zu nennen pflegen, nach dieſen kommen erſtlich an den Zweigen der Spitzen und Reiſer, die purpur Faͤſerlein hervor.
Es ſind der Caſtanien hier zu Lande zweyer -Von Caſta - nien. ley Arten bekant:
Die erſte gute Sorte waͤchſet am Rhein-Strom und in der Pfalz. Sie dauren in unſerm Lande nicht lange, ſondern ſie erfrieren gar bald, weil unſer Clima darzu zu rauh und kalt iſt. Hinge - gen die wilde Roß-Caſtanie, wird wegen ihrer ſchoͤnen Blumen und Blaͤtter, ſehr haͤufig von ih - ren Fruͤchten, welche im October, November und December 5 Zol tief in die Erde geſtecket werden, erzogen. Die Fruͤchte ſind nicht zu genieſſen, ſchmecken ſehr bitter, ſind aber viel groͤſſer als die guten. Man erwehlet hierzu in der Baum-Schu - le einen gewiſſen Ort alleine, oder man bringt ſie auch ans Ende, wohin die abgefallenen reifen Ca - ſtanien, welche 14. Tage bis 3. Wochen in der Luft gelegen, nach der Garten-Schnure 3 Schuh weit von einander geſtecket werden. Hingegen muͤſ -Abh. von Baͤum. Kſen14610. Cap. Von Erziehungſen die Reihe zum wenigſten 6 Schuh weit, eben wie bey den Obſt-Baͤumen von einander kommen, damit ſo viel Raum darzwiſchen bleibe, daß man das Land nicht allein von Unkraut reinigen, ſon - dern auch die aufgewachſenen Baͤume beſchnei - deln, an die Pfaͤhle anbinden, und die darinnen geſaͤete oder geſtekte Kuͤchen-Speiſen erziehen kan, wie p. 51. erinnert worden. Wenn dieſe in die Hoͤhe gewachſene Staͤmme 4 bis 5 Jahr ge - ſtanden, und 7. 8 bis 9 Schuh nach und nach, und zwar nach eines jeden Gefallen in die Hoͤhe geſchneidelt worden, koͤnnen ſie an andere Oerter im Herbſt oder auch zeitig im Fruͤhjahr nach der Symmetrie in Aleen 16 bis 18. Schuh weit von einander gepflantzet werden. Bey dem Ausheben muß man die Wurzeln, ſo viel nur moͤglich iſt, ſchonen, und nicht ſo ſehr zerſtimmeln. Sie zie - hen ſich von ſelbſten, und wachſen mehrentheils in ihre ſchoͤnen Cronen, und werden niemalen wie andere Obſt-Baͤume von den Raupen angefreſſen, nehmen auch mit allem Grund und Boden vor - lieb, und bringen ihre ſchoͤnen Blumen im May und Junio hervor.
Es ſind die Maulbeer-Baͤume zweyerley: eine Art traͤgt ſchwaͤrzlichte Beere, Morus fructu nigro: die andere Art aber bringt weiſſe Beere, Morus fructu albo C. B. P. Obgleich in Hrn. Hofrath Zinkens Leipziger Sammlungen im 6ten Bande von der Anlegung der Maulbeer-Planta - gen vieles hin und wieder angetroffen, und allesganz147der Steinobſt-Baͤume. ganz redlich beſchrieben wird, ſo wil ich doch aus ei - gener Erfahrung eines und das andere bemerken: Erſtlich iſt zu merken wie man den Samen uͤber - kommen ſol. Die mehreſten geben vor, man ſolte denſelben aus Jtalien verſchreiben; allein derglei - chen Weitlaͤuftigkeit hat man nicht noͤthig, es waͤ - re denn, daß man gar keine fruchttragen de Baͤu - me im Lande haͤtte, alsdenn wuͤrde man freylich genoͤthiget, ſich dahin zu wenden. Allein man hat nunmehro an vielen Orten ſolche Baͤume in Deutſchland entweder ſelbſt, oder in der Nach - barſchaft, es ſey von den weiſen oder ſchwarzen, und von denſelben kan man hinlaͤngliche Kern erhal - ten. Wenn die reifen Beere abgenommen wor - den, ſo werden ſie in eine Schuͤſſel gethan, und mit den Haͤnden zerdruckt und zerrieben. Jſt dieſes verrichtet, ſo gieſſet man reines Waſſer dar - uͤber, und zerreibet abermal ſolche darinnen, bis ſich das Fleiſch von den Samen-Koͤrnern recht abgeſondert. Das Waſſer gieſſet man alsdenn ſachte ab und ſchuͤttet abermal reines Waſſer dar - uͤber, und dieſes wiederholet man ſo lange, bis das Waſſer klar und helle bleibet, alsdenn wird der Samen unten auf den Boden der Schuͤſſel liegen bleiben. Man breitet ſolchen hierauf an einen luͤftigen Ort auf ein Bret, doch ſo, daß die Sonne nicht darauf ſcheinen kan. Des andern und folgenden Tages darauf muß man ſolchen mit der Hand umwenden, bis er recht trocken und duͤr - re geworden. Wolte man ſolchen Samen, ehe er recht abgetrocknet, ſaͤen, ſo wuͤrde er gewiß vertK 2fau -14810. Cap. Von Erziehungfaulen oder verdummelen. Es bleibet dieſer Sa - men zum Aufgehen 2 Jahr gut, im dritten Jah - re aber gehet er nur die Helfte auf, und folglich muß alsdenn noch einmal ſo viel Samen genom - men und geſaͤet werden. Er verlanget ein mil - des und muͤrbes Erdreich, das vorhero mit ver - faultem Kuͤh-Miſt welcher wohl ausgebreitet werden muß, geduͤnget und nur einmal gegraben worden. Wenn die Saͤezeit im November und December herbey gekommen iſt, wird das Beet, worauf man den Samen ſaͤen wil, gefuͤſſelt, be - ſiehe hiervon die IV. Figur p. 127. in der Abhand - lung vom Samen-Werk. Nach ſolchem Zuſammentreten wird das Erdreich fein gleich ge - rechnet, und alsdenn ſaͤet man den Samen oben auf, jedoch nicht alzu uͤberfluͤſſig, indem er kleine iſt, und ziehet denſelben ſogleich unter, wie p. 126. bey der 5ten Figur zu erſehen, nach Volbringung dieſer Arbeit wird das Beet abermal mit dem Rechen fein gleich gemachet. Kurz, es wird mit den Maul-Beeren in allen, wie oben bey den Obſt-Kern gemeldet worden, verfahren. Man kan auch die - ſen Samen im Fruͤhjahre, im April auf ein ſol - ches zubereitetes Beet, wie anjetzo beſchrieben worden, ſaͤen, doch hat derjenige, welcher in dem Herbſt beſtellet worden, einen merklichen Vorzug, ſowohl in Aufgehen als zeitigen Wachsthum. Es erfrieret derſelbe nicht in der Erden, und hat man bey der Herbſt-Beſtellung dieſerwegen ſich nichts zu befuͤrchten. Die zweyte Vermehrung geſchie - het geſchwinder und vortheilhafter, wenn manvon149der Steinobſt-Baͤume. von den Baͤumen die Nebenſchoſſe abnimt, und in die Baum-Schule ſetzet, alda fein ausſchneidelt und an die Pfaͤhle bindet. Wenn ſie ſolchergeſtalt ihre Groͤſſe und Staͤrcke erreichet haben, werden ſie heraus gehoben, und an die Orte verpflanzet, wo man ſie hin haben wil. Sie nehmen alsdenn mit allerhand Erdreich vorlieb, nur koͤnnen ſie keinen naſſen und ſumpfigten Boden leiden, alwo ſie ab - ſterben, und je waͤrmer der Grund und je ſicherer der Ort, wo ſie ſtehen, vor den kalten Luͤften iſt, de - ſto beſſer gedeyen ſie. Es pfleget aber unterwei - len zu geſchehen, daß die alten und groſſen Baͤume ſelten Nebenſchoſſe hervor bringen wollen. Wenn man nun dergleichen zur Vermehrung verlanget, ſo hacket oder ſaͤget man einen alten Stam, jedoch daß er einen Schuh hoch uͤber der Erden hervor ſtehet, ab, ſodann wird er im folgenden Jahre ge - nugſame Reiſer hervorbringen. Solten nun die - ſe in einem Jahr bey dem Aufreimen der Erde kei - ne Wurzeln angeſetzet haben, ſo bringet man einen Huͤgel gute Erde daran, worinnen ſie in nachfol - genden Jahren gewis Wurzeln bekommen werden. Es muſten meine Gaͤrtner vor einigen Jahren nur um der Vermehrung willen im Herbſt einen ſol - chen Baum abſaͤgen. So bald als dieſes geſche - hen war, ſo gab er viele Feuchtigkeit und Waſſer von ſich, welches andere Baͤume, wenn man ſie zur Herbſt-Zeit beſchneidelt, nicht zu thun pflegen. Es erhellt hieraus, daß es mit dieſen Baͤumen ganz eine andre Beſchaffenheit haben muͤſſe, als mit vie - len andern, weil ihre Blaͤtter und Triebe am al -K 3ler -15010. Cap. Von Erziehunglerlaͤngſamſten und nicht eher hervorkommen, bis man keine Froͤſte mehr zu beſorgen hat. Sol - ten aber, wie es unterweilen zu geſchehen pfleget, einige Reiſer an dem alten Stamme keine Wur - zeln haben, und aus Verſehen von demſelben in Eil mit herunter genommen worden ſeyn, ſo ſchmeiſſe man ſolche nicht alſobald hinweg, ſon - dern lege ſie wie die Wein-Reben ein, und be - gieſe ſie zuweilen durchdringend, ſo werden ſie ge - wiß Wurzeln gewinnen. Denn es iſt bekant, daß alle Gewaͤchſe, welche einen ſtarcken Marck in ſich haben, durch das Einlegen derer abge - ſchnittenen Reiſer koͤnnen vermehret werden, wovon ich im dritten Theile ein Veizeichniß ge - ben werde. Wer ein mehreres von dieſer Cultur zu wiſſen verlanget, kan in den oben angefuͤhrten Leipziger und Schleſiſchen Oeconomiſchen Sam - lungen nachſchlagen, worinnen auch zugleich von Anlegung der Hoͤlzer und Waͤlder gehandelt wor - den, wozu auch Herr Hans Carl von Carlowitz und Herr Cammer-Rath Kretſchmar in ſeiner neuerfundenen Holz-Anlage weitlaͤuftige Mittel an die Hand gegeben haben.
Es waͤre zu wuͤnſchen, daß dieſe preiswuͤrdi - gen Vorſchlaͤge, bey jetzigem groſſen Holz-Mangel koͤnten bewerckſtelliget werden. Mich deucht aber, daß bey dieſer Unternehmung 2. wichtige Hinder - niſſe im Wege liegen, indem erſtlich an vielen Orten das hohe Wild alzuſehre geheget wird, denn daſ - ſelbe laͤſt die aufſchieſſendẽ Reiſer nicht in die Hoͤhe kommen, ſondern beiſſet die Ruͤthlein ab, zerbricht,zer -151der Steinobſt-Baͤume. zertrit und verderbet alles. Das andere Hinder - niß iſt die Vieh-Trift, als der Schafe, Rinder und Schweine, welche ebenfals alles zernichten. Wo - bey zu wuͤnſchen waͤre, daß hohe Herrſchaften ſol - chen Hinderungen, um dem groſſen Holz-Mangel vorzukommen, durch einen Macht-Spruch begeg - neten und verordneten, daß dergleichen Gegenden 20 bis 30 Jahre muͤſten verſchonet bleiben. Es wuͤrden alsdenn gewiß gnung erfahrne Leute ange - reizet werden, dergleichen Holz-Anlage vorzuneh - men. Ob ich gleich albereit zu alt bin, die Nutzung davon ſelbſten zu erleben und zu genieſſen, ſo wolte ich dennoch der Erſte ſeyn, dergleichen Anpflan - zung zu bewerkſtelligen, und es waͤre mir ein leiche tes, ſolche alhier mit vielen 100. Aeckern, welche ohnedem weder zur Vieh-Weide noch zum Bau der Korn-Fruͤchte ſonderlich zu gebrauchen, vorzu - nehmen. Es wuͤrde dieſes unſerer Nachkommen - ſchaft ſtatlich zu Huͤlfe kommen. Doch ich und die jetzo noch leben, werden uns wohl in Anſehung des Holz-Mangels noch durchwuͤrgen; aber wie wird es mit den Nachkommen in Zukunft ausſehen? Es iſt albereit mit den armen Leuten bey uns aufs aͤuſ - ſerſte gekommen, dergeſtalt, daß ſie die Diſteln, Bil - ſen, Kletten, und alles was nur brennen wil, auf den Feldern zuſammen ſuchen muͤſſen, und koͤnnen ſich doch des Froſtes nicht erwehren, ſondern muͤſſen im Winter vor Kaͤlte ungeſund werden und ver - derben. Wer einmal dasjenige, was ich von An - legung der Baum-Schulen und von Samlung der Kern von allerhand Baͤumen und StraͤuchenK 4ge -15210. Cap. Von Erziehunggeſchrieben, verſtehet, der kan gewiß mit den Holz - Anlagen in allen Stuͤcken gar leicht fortkommen. Was ich hiervon noch anfuͤhren koͤnte, iſt albereits in andern Buͤchern, und ſonderlich die zufaͤllige Ge - danken von Fortpflanzung der wilden Baͤume von Sylvandern ſehr gruͤndlich beſchrieben worden.
Der Acacien-Baum, Acacia ſpuria Ana - gyridis flore Pſeudo Acacia Rivini, Acacia Virginiana ſiliquis glabris. Raj. Hiſt. Pl. Arbor ſiliquoſa Virginienſis ſpinoſa, Locus noſtrati - bus dicta Park. iſt ein Gewaͤchſe, welches faſt al - ler Orten gemein und bekant iſt, und um ſeines guten und lieblichen Geruchs willen an die Spa - liere und Haͤuſer gepflanzet wird, wobey ich wahr - genommen habe, daß die Ratten-Maͤuſe an den Spalieren und an denen Zelken hin und wieder gelaufen ſind, und ſowol die jungen Reiſer als auch die Blaͤtter hinweg gefreſſen und den Baum ganz nackend gemacht haben.
Erſtlich koͤnnen dieſe Baͤume durch den Sa - men erzogen werden, welcher im Merz in eine gute Garten-Erde, beſſer aber in ein Miſt-Beet geſaͤet wird. Nachdem er aufgegangen, muß man die aufwachſenden Reiſergen oͤfters vom Unkraut reinigen. Wenn ſie zwey oder auch drey Jahr ge - ſtanden, werden ſie in ordentliche Reihen geſetzet, damit ſie Raum bekommen und beſſere Nahrung finden moͤgen. Sind ſie nun gros genung und zum Verſetzen dienlich, ſo werden ſie abermal ſo - wol im Herbſt als Fruͤhjahr ausgehoben und ent -weder153der Steinobſt-Baͤume. weder in die Alleen, an die Spaliere oder wo man ſie ſonſt hin haben wil, gepflanzet. Zum andern geſchiehet ihre Vermehrung durch die Auschoͤß - linge, die von den Wurzeln hervorkommen, welche, wenn ſie Haare und Wurzeln geſchlagen, abge - nommen und an andere Oerter gebracht werden koͤnnen. Sie nehmen auch mit allerhand Grund und Boden vorlieb. Jch habe auch damit Ver - ſuche anſtellen, und von den jungen Reiſern Zwei - ge abſchneiden, und ſolche im Merz in Schatten ſtecken laſſen, und befunden, daß einige beklieben und fortgewachſen ſind. Ob nun gleich dieſes ein auslaͤndiſches Gewaͤchſe iſt, ſo komt es doch in un - ſerm kalten Lande ziemlich fort, und dauret den Winter uͤber, weshalber man nicht noͤthig hat ſol - che mit Stroh zu verbinden. Sie laſſen ihre Blaͤtter gegen den Winter fallen, und auf das Fruͤhjahr ſchieſſen wiederum neue hervor. Jhre wohlriechende Blumen zeigen ſich mehrentheils im May.
Der Sade-Baum, Sage-Baum, Se -Von Sade - Baum. wen-Baum, Sieben-Baum, Maͤgde - Baum, Kinder-Mord, Sabina vulgaris, Park. Sabina ſterilis, J. B. Sabina mas, Taber - næm. wird an ſtat der Tax - und Cypreſſen-Baͤu - me zur Zierde in vielen Gaͤrten erzogen und ge - pflanzet, und weil er eher als die vorigen zwey Arten fortzuwachſen pfleget, auch nicht ſo viel Geld koſtet, ſo brauchet man ihn an ſtat derſelben. Er bleibet eben ſowol den Winter uͤber gruͤne alsK 5wie15410. Cap. Von Erziehungwie jene. Die Vermehrung deſſelben geſchiehet gar leichte durch Abſchneidung der Zweige, welche im Herbſte oder Fruͤhjahre, im Merz und April abgenommen und in ſchattichte Oerter gepflanzet werden. Das erſte Jahr laͤſſet man dieſe ge - pflanzten Zweige wachſen, wie ſie wollen. Das andere Jahr muß man gerade Pfaͤhle daran ſte - cken, weil ſie von Natur nicht gleich in die Hoͤhe zu wachfen pflegen, ſondern ſich ſtets ſeitwaͤrts begeben. Um deswillen muß man ihre Spitzen fleißig anbinden mit der Garten-Scheere beſchnei - den und zu Pyramiden, nach eines jeden Gefallen entweder 4 oder dreyeckicht, oder rund und der - gleichen ziehen. Man kan auch ihre Zweige ei - nen Schuh weit nach der Garten-Schnure ſtecken laſſen, wovon ſchoͤne Hecken und allerhand Figu - ren durch Huͤlfe der Garten-Scheere koͤnnen ge - zogen werden. Von dieſen habe ich auch unver - gleichliche Huͤtten angetroffen, welche ſehr ſchoͤne anzuſehen waren. Allein man konte wegen des ſtarken Geruchs fuͤr Kopf-Weh ſich nicht lange darinne aufhalten. Wenn dieſe Baͤume dicke und alt werden, ſo dienet das Holz zum Fourniren recht ungemein, indem ſich darinnen rothe Strei - fen befinden.
Der Tax-Baum, Eiben-Baum, Taxus J. B. dienet auch unvergleichlich zum Zierrath der Gaͤrten, und kan wohl nichts ſchoͤners erfunden werden, den Wohlſtand eines Gartens zu befoͤr - dern, als dieſe Baͤume und Hecken, beſonderswenn155der Steinobſt-Baͤume. wenn ſie wohl gezogen und von einem erfahrnen Gaͤrtner beſchnitten werden. Sie ziehen hiervon Canape, Stuͤhle, Voͤgel, Pyramiden, Gelaͤn - der und Lehnen an den Treppen, woran ordent - lich Leiſten und Zierrathen ſo ſchoͤne ausgeſchnitten ſind, wie die Tiſchler an die Treppen zu machen pflegen. Ja ſo gar habe ich an einer Tax-Hecke einen Gaͤrtner mit einer Garten-Scheere ausge - ſchnitten geſehen, welches ich 1735 und 38 zu Mayntz in dem Churfuͤrſtlichen Garten, die Favo - rita genant, mit beſondern Vergnuͤgen betrachtet, und halte davor, daß anderwaͤrts wohl wenige der - gleichen Hecken und ausgeſchnittene Zierrathen anzutreffen ſeyn werden. Jch wil alſo von Erzie - hung und Anbauung dieſes Baumes ſo viel als ich hierinnen erfahren, eine Beſchreibung geben. Es gruͤnet derſelbe beſtaͤndig, und treibet ſehr viel Nebenaͤſte, welche dicke in einander wachſen, be - ſonders aber, wenn ſie verſchnitten werden. Jm May geben ſie ihre gruͤnliche Bluͤmlein, auf wel - che man genan Acht haben muß, wenn man ſie betrachten wil. Aus dieſen wachſen gegen den Herbſt runde rothe Beere nach Art des Spargel - Samens hervor, worinnen ſich die Samen-Koͤr - ner befinden, welche ſchwarzbraun ausſehen. Man nimt gedachte Beere ohngefehr im Octo - ber ab, und zerdrucket das Fleiſch, welches ſehr klebricht und zaͤhe iſt, und ſich wie gekochter und kalt gewordener Leim dehnet, und verfaͤhret mit der Reinigung der Kern eben ſo, wie oben bey den Maul-Beeren gedacht worden. Alsdennwer -15610. Cap. Von Erziehungwerden ſie 14 Tage bis 3 Wochen auch noch laͤn - ger hingeleget, daß ſie abtrocknen. Zur Saͤe-Zeit weichet man ſie einige Tage im Waſſer ein, und laͤſſet ſie darinnen in etwas aufquellen, wodurch ſie geſchickt gemacht werden, daß ſie eher aufkaͤu - men koͤnnen. Man muß hinter dieſe Einſamlung zeitig her ſeyn, ſonſten holen die Martern alle Koͤrner von den Baͤumen herunter, welches ich gar eigentlich angemercket habe, und wenn man da - mit zaudert, ſo ſind ſie in weniger Zeit alle ab - gefreſſen. Das Saͤen geſchiehet zu Ende des Rovembers in eine gute zubereitete Erde. Man ſaͤet ſie entweder in ein nach der Schnure gemach - tes Gruͤblein, welches anderthalb Zol tief ſeyn muß, oder man bringet ſie auf ein hierzu bereite - tes Beet ohne Ordnung, und ſtreuet darauf einen Zol Miſtbeet-Erde, welche mit einem umgekehr - ten Rechen fein gleich muß gemacht werden. Man laͤſſet es alſo den Winter uͤber dabey beru - hen, bis der Same im Fruͤhjahre hervor ſticht. Bey heiſſen und ſehr warmen Sommer-Tagen muͤſſen die jungen Reislein unterweilen begoſſen und oͤfters vom Gras und Unkraut gereiniget wer - den, ſonſten wuͤrden ſie in ihrem Wachsthum gar ſehr gehindert werden. Wenn ſie alſo wohl ge - wartet und gepfleget worden, kan man ſie im vier - ten Jahre verpflanzen, und zu Hecken, Pyrami - den und dergleichen brauchen. Es geſchiehet die Verpflanzung am fuͤglichſten im Fruͤhjahre im Merz oder April, und ſo bald als die Wur - zeln mit der Erde bedecket worden, begieſſetman157der Steinobſt-Baͤume. man ſie, damit die darauf geſchafte Erde ſich fein an dieſelben anſetze. Man laſſe ſo viel Erde daran, als es nur immer moͤglich ſeyn wil, indem ſie dadurch eher bekleiben und fortkommen wer - den. Es iſt auch nicht zu verachten, wenn dieſe Art der jungen Baͤume in eine ordentliche Baum - Schule gebracht und alda in allerhand Figuren geſchnitten werden, damit man ſolche zur Ergaͤn - zung oder Ausbeſſerung in die Gaͤrten oder zum Verkauf beyſammen habe. Hierbey muß ich der andern Vermehrung auch noch gedenken. Dieſe geſchiehet durch die abgebrochenen oder abgeſchnit - tenen Zweige, welche im April an einen ſchattig - ten Orte reihenweiſe, jedoch ſo, daß die Reiſer uͤber die Helfte hervor ſtehen, eingelegt und ein - gegraben werden. Wenn man mit einer Rei - he fertig iſt, und die Erde angeworfen hat, muß man ſie alſobald mit dem Fuſſe antreten, und ſo verfaͤhret man mit dem andern, und uͤbrigen Rei - hen auch, bis man keine Reiſer mehr hat. Jn den warmen und heiſſen Sommer-Tagen muͤſſen ſie unterweilen, wenn es noͤthig zu ſeyn ſcheinet, wohl und durchdringend begoſſen werden. Bey dieſer Vermehrung muß man aber nicht meinen, als wenn alle Reiſer bekleiben und fortkommen muͤſten; nein, es komt unterweilen nur die Helf - te, auch wohl nur der vierte und fuͤnfte Theil da - von, nachdem ihnen die Jahres-Witterung und die Pfleg - und Wartung zu Huͤlfe komt. Ge - ſetzt aber, daß auch nur der ſechſte Theil bekliebe, ſo belohnete es doch die Muͤhe gar reichlich. DieſeGat -15810. Cap. Von ErziehungGattungen der Baͤume werden an vielen Orten in den Waͤldern hin und wieder in Deutſchland gefunden, ſonderlich aber auf den Kunitzer-Berge hinter Jena, wiewol ich geſehen, daß ſie krum und hoͤckericht gewachſen waren, weil es ihnen an War - tung und an Luft wegen dem uͤbrigen Gehoͤlze fehlete. Das Holz dienet gleichfals zu ſchoͤner Fournirung.
Die Wachholder-Baͤume, Iuniperus vulgaris, fruticoſa, C. B. P. bleibet gleichfals wie der Tax-Baum den Winter und Sommer beſtaͤndig gruͤne, und geben den Gaͤrten auch ein lebhaftes und ſchoͤnes Anſehen. Wer Luſt-Hecken hievon gedenket anzulegen, der nehme zur Herbſt - Zeit friſche Wachholder-Beere, welche auf eben die nemliche Art, welche bey den Maulbeer-Baͤu - men beſchrieben worden, muͤſſen gereiniget wer - den. Man ſaͤet dieſen Samen zur Herbſt-Zeit im October und November ordentlich Reihenwei - ſe in zwey kleine darzu bereitete Graͤblein, welche 1 Schuh weit von einander muͤſſen gemacht wer - den, und bedecket den darein geſaͤeten Samen mit guter Erde. Viele geben ſich die Muͤhe nicht, daß ſie den Samen aus den Beeren ſuchen heraus zu bringen, ſondern ſie legen die Beere ſamt den Schalen in die Graͤblein, wovon ich aber nicht viel halte; denn man betrachte ihren kleinen Sa - men, ſo wird man finden, daß vieler zuruͤck blei - ben muß, indem ſolcher nicht die Gewalt hat, wenn er aufgehen wil, durch eine ſolche zaͤhe Schalehin -159der Steinobſt-Baͤume. hindurch zu dringen, und alſo iſt es beſſer, daß ſolche vorhero weggebracht werde. Wenn nun dieſer Same im Fruͤhjahre hervor ſchieſſet, ſo muß er beſtaͤndig von allem Unkraut gereiniget und ge - jaͤtet werden; beſonders iſt das Beſchneiden, wenn die jungen Reislein in die Hoͤhe wachſen, nicht zu verabſaͤumen. Wil man ſie an einen an - dern Ort verſetzen, ſo muß es im Herbſt geſche - hen, damit ſie die Winter-Feuchtigkeit genieſſen koͤnnen. Hierbey erinnere ich mich zweyer un - vergleichlicher Wachholder-Pyramiden, welche ich fuͤr einigen 20 Jahren mit einigen Bekanten ge - ſehen habe, welche von ſich ſelbſten ſo ſchoͤne erzo - gen und gewachſen waren, daß wir uns wegen ih - rer Schoͤnheit eine Zeitlang dabey aufhielten, und dieſelben bewunderten. Die Hoͤhe war nach mei - nem Erachten 18, und der Durchſchnit 5 Schuh. Es ſtunden dieſe zwey Baͤume bey dem Dorfe Wuͤrchauſen nahe am Walde zur rechten Seite an dem Fahrwege, wenn man nach Dornburg wil. Wenn dieſe Baͤume in eines groſſen Herrn Luſt - Garten gebracht wuͤrden und anſchluͤgen, ſo koͤn - ten ſie als eine recht groſſe Raritaͤt angeſehen wer - den. Es ſollen ſolche, wie ich von einem guten Freunde vernommen, noch wircklich daſelbſt vor - handen ſeyn und ſich noch im volkommen ſchoͤnen Zuſtande befinden. Es verlohnte ſich in der That der Muͤhe, daß ein Fuͤrſtlicher Hof-Gaͤrtner einen Anſchlag machete und ſich bemuͤhete ſolche Baͤume zu uͤberkommen.
Es gibt der Quitten-Baͤume, Cydonia fructu breuiore & rodundiore, Tournef auch mancherley; doch ſind die groſſen Aepfel - und Frankfurter Birn-Quitten, Mala Cotonea ob - longiora & majora. Dod. die beſten. Letztere ha - ben gar keine Steine in ſich, und ſchmecken, wenn ſie geſotten werden, ſehr angenehm. Dieſe zwey Gattungen muͤſſen auf andere Quitten ihres Ge - ſchlechtes gepfropfet oder oculiret werden, ſie ſind nicht ſonderlich gemein, und wollen auch einen ge - ſchlachten Grund und Boden haben. Die Staͤm̃e der gemeinen Arten werden mehrentheils zu den Franzbaͤumen gebraucht, worauf gepfropfet und oculiret wird. Hier in Erfurt pflegen ihrer viele die Quitten-Baͤume in die Weinberge zu pflanzen, wovon ich nicht viel halte, weil ſie den Wein - Stoͤcken die Sonne benehmen, daß alſo der Wein nicht recht ſuͤſſe und reif wird. Zu den Quitten - Staͤmmen, welche man in die Baum-Schulen brauchet, kan man gar bald gelangen, wenn man einige alte Stoͤcke oder Baͤume im Merz oder April abſaͤget. Wenn ſie nun kleine Nebenſchoſſen bekommen, ſo laͤſſet man ſolche ſtehen, und brin - get einen Huͤgel gute Erde daran, alsdenn werden ſie den Sommer uͤber Wurzeln ſchlagen, und aus dem Stamme werden wiederum viele kleine Rei - ſer hervor ſchieſſen. Wenn zur Herbſt-Zeit die groͤſten, welche ſich in die Baum-Schulen ſchicken, abgeloͤſet worden, ſo muß die Erde fein wiederum angehaͤufet werden. Auf dieſe Art kan man alleJahre161der Steinobſt-BaͤumeJahr dergleichen abnehmen und in die Baum - Schule bringen. Die Quitten ſind unter andern auch uͤberaus wohl unter das Zwetſchgen-Mus zu gebrauchen. Sie werden nemlich geſchaͤlet, in kleine Scheiblein zerſchnitten, und eine Viertel - Stunde vorhero, ehe das Mus aus dem Keſſel ge - nommen wird, mit noch anderer Wuͤrze hinein gethan, und wohl untereinander gemenget, welches demſelben einen rechten guten Geſchmack zuwe - ge bringet und auch zur Erhaltung dienet.
Der Spaniſche Holunder, Huck auf dieVom Spa - niſchen Hol - lunder. Magd, Sirenien, ſowol der blaue als weiſſe, Sy[-]ringa major frore cœruleo & albo, welcher letz - tere nicht algemein iſt, nehmen mit allerhand Grund und Boden vorlieb, wachſen ſehr geſchwin - de, und werden durch die Nebenſproſſen, welche von den Wurzeln auſſchieſſen, in Ueberfluß ver - mehret, welche ſehr zeitig im Fruͤhjahre, beſſer aber im November und December abgenommen und verſetzet werden koͤnnen. Sollen ſie zu Baͤumen gezogen und alt werden, ſo muß man ihnen die Nebenſchoſſe beſtaͤndig verwehren. Die Bluͤ - ten davon riechen ſehr lieblich und angenehm, wes - halber ſie von den Garten-Liebhabern hin und wie - der in die Winkel der Gaͤrten gepflanzet werden. Sie ſchicken ſich auch zu den Lauber-Huͤtten, ſolche damit gruͤne zu machen; jedoch muͤſſen die Ran - ken fein ordentlich gleich und nicht uͤber einander gebunden werden. Wenn man den weiſſen auf den blauen oder auch den blauen auf den weiſſenAbh. v. Baͤum. Locu -16210. Cap. Von Erziehungoculiret, gibt ſolches ein artiges Anſehen. Sie bluͤhen beyde zeitig und zwar zu Anfange des May-Monats. Das Holz von der weiſſen Sor - te, wenn es alt geworden, dienet zu allerhand ſchoͤner Fournier-Arbeit, zu Meſſer-Stielen, und d. gl. Es ſiehet ſchoͤne aus, und giebt ſowol in der Feſtigkeit, als in dem Anſehen dem Oliven-Holz nichts nach.
Der Schnee-Ballen, Opulus flore glo - boſo, Tournef. Sambucus æquatica, flore glo - boſo pleno, C. B. P. iſt auch ein artiges Ge - waͤchs, und komt mit den vorigen in der Wartung und Vermehrung in allen Stuͤcken uͤberein. Wenn die Blumen davon im Junius herunter fallen, machen ſie alles weiß, als wenn es im Winter geſchneiet haͤtte.
Die Deutſchen Pimper-Nuͤſſe, Staphy - lodendron. Matthioli. Piſtacia ſylveſtris C. B. P. Nux veſicaria, Dod. ſind ein hohes Geſtraͤuch, wachſen auch, wenn ſie alt werden, ſo hoch wie ein Baum. Das Holz ſiehet weißlich aus, und deſ - ſen Blaͤtter kommen mit den Hollunder-Blaͤttern ſehr nahe uͤberein. Die Bluͤten, welche gemei - niglich im May hervorkommen, ſind weiß, und ſe - hen faſt wie die Mayen-Blumen aus, und haͤn - gen deren fuͤnf, ſechs bis ſieben an einander. Wenn ſie verbluͤtet haben, ſo folgen daraus groſ - ſe gruͤne Blaſen, welche gleichſam aus zweyen Theilen zuſammen geſetzt ſind. Jn dieſen wachſenzwey163der Steinobſt-Baͤume. zwey braͤunliche Nuͤßlein einer Kirſch-Kern groß. Sie koͤnnen an alle Oerter im Garten gepflanzet werden, und verlangen keine ſonderliche Wartung. Jhre Vermehrung geſchiehet durch die Steckung der Nuͤſſe, beſſer iſt es aber, und gehet nicht damit ſo langſam zu, wenn man von ihren Ausſchoſſen im Herbſt oder Fruͤhjahre, welche abnimmt und verpflanzet.
Es ſind der Johannis-Beere dreyerley: als
Sie werden auf dreyerley Weiſe erzogen. Erſt - lich durch Zertheilung der alten Stoͤcke; zwey - tens durch die Nebenſchoſſe, oder auch drittens durch Abſchneidung der jungen Reiſer, welche ſo - wol im Herbſt als Fruͤhjahre geſtecket und gepflan - zet werden. Sie nehmen mit allerhand Grund und Boden vorlieb. Die rothen ſchmecken etwas ſaͤuerlich, die weiſſen aber ſuͤſſer, hingegen die ſchwarzen haben einen wilden und widrigen Ge - ſchmack, derer Blaͤtter auch viel dunkelgruͤner als der zwey erſten Sorten ausſehen. Wenn ſie or - dentlich unter der Scheere gehalten werden, und in den Gaͤrten eine Einfaſſung damit gemachtL 2wird,16410. Cap. Von Erziehungwird, geben ſie nicht eine geringe Zierde. Wenn ſie fein dicke in einander wachſen ſollen, ſo muß das Beſchneiden im Auguſt geſchehen. Zwiſchen den Stoͤcken ſol man auch das Unkraut beſtaͤndig weg ſchaffen, ſonſten wird es in kurzer Zeit einer Wieſen aͤhnlich ſehen. Es koͤnnen auch artige Baͤumlein davon erzogen werden, welche ein fei - nes Anſehen geben. Sie muͤſſen aber anfangs an die Pfaͤhle angebunden, und beſtaͤndig aus - geputzt werden, daß keine Nebenreiſer daran auf - kommen koͤnnen.
Der Stachel-Beere ſind auch mancherley Sorten, als
Alle vier Sorten haben mit dem vorigen Johan - nis-Beeren einerley Erziehung. Jedoch machen ſie ein ungleich ſchoͤneres Anſehen als die vorigen, beſonders wenn ſie des Jahres im May und Au - guſt wohl und reinlich beſchnitten werden.
Alle Arten der Roſen-Geſchlechter hier zu beſchreiben, halte ich fuͤr uͤberfluͤßig. Wer hier -von165der Steinobſt-Baͤume. von weitere Nachricht haben wil, kan ſolche in den Botaniſchen und andern Garten-Buͤchern nachſchlagen. Die Centifolien oder gefuͤlten Ro - ſen, Roſa maxima, multiplex, wenn man ſie in eine Hecke bringet, geben ein ungemeines A[uſ -]ſehen, wenn ſie bluͤhen. Sie verlangen einen guten Garten-Grund, denn je beſſer derſelbe iſt, je ſchoͤner wachſen ſie darinnen. Jhre Vermeh - rung geſchiehet durch die Zertheilung der alten Stuͤcke, oder auch durch die Nebenſchoſſe. Die Verpflanzung kan zur Herbſt-Zeit um Michaelis, oder auch ſehr zeitig im Fruͤhjahre vorgenommen werden. Die Furch oder der Graben, worein man ſie verpflanzen wil, muß nach der Garten - Schnure aufgeworfen werden. Jhre Wurzeln muͤſſen auch nicht tiefer in die Erde kommen, als ſie vorher geſtanden haben. Die Ruthen muͤſſen auch verkuͤrtzet werden, daß ſie nur anderthalb Schuh uͤber der Erden zu ſtehen kommen. Auch wollen ſie einen mittelmaͤßigen Ort im Garten ha - ben, alwo nur einige Stunden des Tages die Sonne hinſcheinen kan, ſonſten vergehet ihr Flor zu bald, und ihre Blaͤtter fallen herunter, ehe man ſichs verſiehet. Die Beſchneidung derſelben mit der Garten-Scheere geſchiehet am beſten im Fruͤh - jahre, wenn man vermeinet, daß keine Froͤſte mehr kommen moͤchten, wil man aber dieſes im Herbſt vornehmen, ſo muß es zeitig um Bartholomaͤi geſchehen, langſamer aber waͤre es gefaͤhrlich, indem ſie dadurch den Winter uͤber leicht erfrie - ren koͤnten, und ob ſie auch wiederum aus -L 3ſchla -16610. Cap. Von Erziehungſchlagen ſolten, ſo bekommen ſie doch hernachma - len ein uͤbles Anſehen. Jch wil nunmehro die beſondere Beſchreibung der Baͤume und Straͤu - che beſchlieſſen. Von allen andern Arten, welche in den Gaͤrten und Waͤldern angetroffen werden, auch insbeſondere zu handeln, waͤre zwar etwas leichtes; allein da ich dasjenige, was ſchon etli - chemal geſaget worden, immer wiederholen muͤ - ſte, ſo wuͤrde ich durch ſolche beſondere Beſchrei - bung dem geehrten Leſer verdruͤßlich fallen, und dasjenige, was vorhero nuͤtzlich und gut befunden worden, in Verachtung bringen. Wer einmal meine gegebene Anweiſung verſtehet, kan mit Er - ziehung aller Baͤume und Straͤuche, ſie moͤgen Namen haben wie ſie wollen, fortkommen, indem ſie im Saͤen, Vermehrung und Wartung mit dem obigen alles gemein haben.
Zu den Luſt-Hecken ſol man ſich Gewaͤchſe erwaͤhlen, welche nicht allein zur Zierde und Be - quemlichkeit eines Luſt - und Kuͤchen-Gartens die - nen, ſondern auch, welche einigen Nutzen zuwege bringen koͤnnen. Eine weitlaͤuftige Beſchreibung derſelben halte ich vor unnoͤthig, indem ſolches al - bereit oben bey verſchiedenen Sorten geſchehen iſt, ſondern ich wil nur diejenigen mit ihren Namen bemercken, welche ſich hierzu ſchicken: als
Spalier (Eſpaliers) werden in den Luſt - und andern Gaͤrten diejenigen Baͤume genant, welche an Larten und Gitter-Werck in die Hoͤ - tze gebunden, oder auch vor ſich durch das Beſchnei - den gezogen werden, daß ſie nach der Breite wachſen, und gleich einer gruͤnen Wand anzuſe -hen169und Zwerg-Baͤumen. hen ſind, und gantze Alleen und Spatzier-Gaͤnge formiren. Wil man aber im Garten eine Ab - ſonderung auf den Rabatten machen, welche Con - tra oder Nebenſpaliere genennet werden, ſo kan man Buſch-Baͤume darzu erziehen, und[i]n dieſen ſchicken ſich die Aepfel und Birn am beſten, wie wohl auch einige Kirſchen, Pfirſchen und Aprico - ſen hierzu nehmen, allein dieſe letztere thun nicht ſo leicht in freyer Luft gut, weil ſie gerne erfrie - ren, und iſt es daher beſſer, ſolche an die Waͤnde zu bringen, damit ſie vor den kalten Winden und Froͤſten deſto ſicherer ſeyn moͤgen.
Wenn eine Mauer oder Wand um einenWie die Spalier - Mauren oder Waͤn - de anzule - gen. Garten angelegt, oder von neuen aufgebaut wird, muß man in ſolche Stuͤcker Holz, entweder von Eichen oder Tannen, welche von Zimmer-Holtze genommen werden koͤnnen, halb ſo lang als die Mauer oder Wand dicke iſt, mit einlegen und einmauren laſſen, alſo, daß dieſelben 6 Schuh weit von einander in einer geraden Linie, und anderthalb Schuh von dem Garten-Grund nach der Hoͤhe an zurechnen, geleget werden. Dieſe Hoͤlzer oder Duͤbel muͤſſen 1 Zol breit aus oder Wand heraus ſtehen, damit man das Latten-Werk daran nageln kan. Jſt die Mauer oder Wand noch anderthalb bis 2 Schuh in die Hoͤhe ge - bracht worden, muß man abermal dergleichen Hoͤltzer in gerade Linie uͤber einander, und zwar nach den Senk-Bley einlegen laſſen, und ſo faͤh - ret man fort bis an das Dach. Die Hoͤhe einerL 5ſol -17011. Cap. Von Spalierenſolchen Garten-Mauer betreffend, ſo kan ſolche 8, 9, 10 bis 12 Schuh hoch ſeyn, nach eines jeden Belieben und Vermoͤgen. Wenn ſolche 10 bis 12 Schuh hoch gefuͤhret werden, iſt es ſowol dem Garten als den Spalier-Baͤumen nuͤtzlich, indem nicht nur die Baͤume Raum bekommen hoch zu wachſen, ſondern auch die kalten Luͤfte aufgehal - ten werden. Die Latten ſollen anderthalb Zol breit von Bretern geſchnitten, und wegen ihrer Rauhigkeit mit einem Hobel abgezogen werden. Man muß ſie an den beyden Enden nur auf die Helfte der Duͤbel oder eingelegten Hoͤlzer anna - geln, damit die darauf folgenden auf die ande - re Helfte des Duͤbels koͤnnen genagelt werden. Vorhero laͤſſet man dieſe Latten mit Oel-Farbe beſtreichen, ſo dauren ſie im Wetter noch einmal ſo lange, und geben im Garten ein feines Anſe - hen, abſonderlich, wenn ſie mit gruͤner oder hoch rother Farbe angeſtrichen werden. Solte aber albereit eine Mauer oder Wand um einen Gar - ten ſich befinden, daß man mit dem Duͤbel nicht ankommen koͤnte, ſo muß man ſich gefallen laſſen, in die Erde eichene Pfoſten oder Saͤulen nahe an die Mauer, ſo hoch ſie iſt, 7 Schuh von einander zu ſetzen, an welche die Latten auf eben die Art augenagelt werden muͤſſen, wie bey den Duͤbeln iſt angemercket worden. Die Saͤulen koͤnnen auch in Ermangelung der Eichen von Taͤnnen Holze ſeyn, welche eben die Dienſte thun; doch dau - ren ſie nicht ſo lange, und muͤſſen daher, ſo weit ſie in die Erde kommen ſollen, gebrant werden,damit171und Zwerg-Baͤumen. damit ſie nicht ſo bald verfaulen. Man muß auch dergleichen Saͤulen in der Erde wohl be - feſtigen, damit ſie der Wind mit den daran gehef - teten Baͤumen nicht umwerfen kan. Jch habe auch in einigen Gaͤrten geſehen, daß an ſtat der breternen Latten, dicker Drat an die hoͤlzernen Duͤbel die Quere uͤber angenagelt und die Reiſer daran angeheftet waren, und dieſes verurſachte auch keinen Uebelſtand. Es iſt auch kein Zwei - fel, daß dieſes viel laͤnger dauere, als die taͤn - neue und eichene Latten, nur komt es darauf an, daß es an einem ſolchen Orte angebracht werde, wo die Dach-Trauffe daruͤber hinfaͤlt. Wenn aber ein ſolch Spalier im Garten frey ſtehet, daß der Regen und Schnee darauf fallen kan, ſo roſtet das Drath, ſpringet entzwey, und dauret eben nicht laͤnger als die breternen Latten. Befindet ſich auf einer Garten-Mauer, Blanke oder Dreck - Wand ein Sattel-Dach, ſo muß es ſo weit uͤber das Spalier gehen, daß die Dach-Trauffe daruͤber oder dahinter falle. Denn wenn zur Winter-Zeit am Tage bey hellen Sonnen-Scheine der Schnee zerſchmelzet, oder auch voͤllig Thau-Wetter ſich ereignet, ſo lauft das Waſſer an den Zelcken und Baͤumen hinunter, welches gemeiniglich alle Win - ter zu geſchehen pfleget; wenn es nun des Nachts darauf frieret und glateifet, ſo werden die Zelken uͤber und uͤber mit Eis uͤberzogen, gleich als wenn ſie candirt waͤren, dadurch leiden ſowol die Baͤu - me als Trage-Knoſpen Noth. Um deswillen iſt es am beſten, daß nur ein halbes Dach auf eineſolche17211. Cap. Von Spalieren. ſolche Wand gebracht wird, doch ſo, daß die ab - fallende Trauffe auſſer den Garten hinauswaͤrts geleitet werde. Laͤſſet man aber auf eine Blanke ein bretern Dach machen, ſo muß man beſorget ſeyn, daß die Breter abgehobelt werden, damit die Kanker und anderes Ungeziefer ſich nicht ſo leicht an die rauchen Feſerlein anſpinnen und an - hangen koͤnnen.
Jn Anſehung der Lagen der Spaliers iſt zu merken, daß ſolche nicht nach der Lage der Waͤn - de oder Mauren eines Gartens, woran ſich die - ſelben befinden, ſondern in Anſehung der Sonne und Himmels-Gegend, nach welcher ſich die Spa - lier-Baͤume von fornen her kehren, benennet wer - den. So wird z. E. das an der mitternaͤchtigen Mauer eines Gartens gelegene Spalier, nicht die Mitternacht-Seite, ſondern vielmehr die Mit - tags-Seite genennet, weil es gegen Mittag zu ſtehet, und die voͤllige Mittags-Sonne hat. Hingegen wird das an der mittaͤgigen Mauer gelegene Spalier die Mitternacht-Seite genen - net. So heiſt das Spalier, an der gegen Morgen gelegenen Wand oder Mauer, nicht die Morgen - ſondern die Abend-Seite, weil nemlich die Baͤu - me von forn gegen Abend zu ſtehen, und folglich die Sonne hauptſaͤchlich von Abend her ihre Strahlen darauf wirft. Hingegen wird das Spa - lier an der gegen. Abend gelegenen Wand des Gartens die Morgen-Seite genennet, weil es nach Morgen zugerichtet iſt, und folglich der Morgen -Son -173und Zwerg-Baͤumen. Sonne am erſten und meiſten genieſſet. Wie lange aber eine jede Lage die Sonne den Tag uͤber habe, laͤſt ſich nicht ſo genau beſtimmen. Denn es komt hier gar viel auf die Groͤſſe und freye Lage des Gartens, auf die Hoͤhe der Man - ren und auf die Jahres-Zeit an, welche Umſtaͤnde hierinnen eine Veraͤnderung verurſachen.
Von dieſen vier Lagen wil ich nach meinerWas vor Sorten ſich zu jeder Lage am beſten ſchicken. Erfahrung allhier kuͤrzlich anzeigen, welche Baͤu - me an jeder Lage am beſten gut thun. Jch habe nemlich bey meinem Spaliere gefunden, daß an der Mittags-Lage, wo die Sonne den ganzen Tag ihren Wiederſchein hat, am allerbeſten allerhand fruͤhzeitige Weinſtoͤcke 6 Schuh weit von einan - der zu verpflanzen ſind. Jngleichen Feigen-Baͤu - me, welche im Fruͤhjahre gleich den Weinſtoͤcken, wenn keine Froͤſte mehr zu beſorgen ſind, aus der Erde aufgezogen und an die Gelaͤnder angebun - den werden koͤnne. Die Feigenbaum-Buͤſche werden zur Herbſt-Zeit mit dicken Stroh verbun - den, und in eine darneben gemachte Grube gebo - gen und eingelegt, wenn vorhero die Wurzeln auf einer Seite losgegraben worden, damit ſie deſto leichter koͤnnen niedergeleget werden. Man leget Breter und Steine darauf, und ſcharret zu bey - den Seiten etwas Erde an das Stroh. An die - ſer Lage habe ich auch Apricoſen und Pfirſig - Baͤume anlegen laſſen, allein ich habe angemerkt, daß die Sonne wegen ihrer Waͤrme, die Bluͤten und Knoſpen im Fruͤjahre gar zu bald heraus ge -lockt,17411. Cap. Von Spalierenlockt, daß hernachmalen dieſelben durch einen klei - nen Reif und Froſt mehrentheils alle zu Grunde gegangen ſind, und dieſes iſt mir auch mit den Kir - ſchen wiederfahren. Es melden einige in ihren Buͤchern, wenn die Apricoſen und Pfirſchen im Fruͤhjahre gar zu bald anfiengen zu bluͤhen, und man Nacht-Froͤſte zu beſorgen haͤtte, ſolte man ſie des Nachts verwahren, und Strohdecken oder Matten vor dieſelben haͤngen laſſen. Dieſem Rath habe ich einigemal gefolget; allein ich ha - be mit Schaden erfahren, daß diejenigen Baͤu - me, welche zugedeckt worden, nicht die geringſte Fruͤchte behalten, hingegen von denenjenigen, wel - che ich der guͤtigen Natur und Witterung uͤberlaſ - ſen, habe ich genugſame Fruͤchte erhalten. Und alſo iſt es viel beſſer, man unterlaſſe dergleichen Bede - ckung und erwarte der Zeit, bis die angenemen Sonnen-Strahlen den Froſt wiederum heraus ziehen. Gegen Morgen und Abend koͤnnen alle Sorten an das Spalier gebracht werden. Z. E. Apricoſen, Mandeln, Pfirſchen, Pflaumen, aller - hand Birn, und die groſſe Miſpel, von welcher man auch verdeckte Gaͤnge anlegen kan, obgleich andere es verneinen wollen, genug daß ich hiervon uͤberzeugende Proben habe. Auch die May-Kir - ſchen und verſchiedene andere Arten ſind hierzu ebenfals dienlich. Die andern Sorten der Kirſch - Baͤume, welche nach Art der Herz-Kirſchen ihre Fruͤchte bringen, und die Aepfel-Arten leiden das Anbinden nicht gerne, bringen auch an den Spa - lieren wenige Fruͤchte, ſondern ſchicken ſich wiegedacht175und Zwerg-Baͤumen. gedacht am beſten zu Buſch - und Zwerg-Baͤumen. An die Mitternacht-Lage darf man keine Obſt - Baͤume ſetzen, ſie moͤgen ſeyn von was fuͤr einem Geſchlecht ſie wollen. Denn das Obſt, wenn auch etwas daran aufkommen ſolte, kan auf dieſer Seite aus Mangel der Sonne nicht recht reif werden und weder einen rechten Geſchmack, noch ſeine gehoͤrige Farbe bekommen. Wenn man aber dennoch dieſe Seite um des Anſehens willen gruͤne haben wil, ſo koͤnnen Haſel-Nuͤſſe, blaue und weiſſe Syringen, Himbeere, Johannis - und Stachel-Beere, Schnee-Ballen, kriechende Wald - Rebe und dergleichen, daran gepflanzet werden.
Was die Weite betrift, welche bey Pflan -Wie weit von einan - der die Spa - lier-Baͤume ſollen geſetzt werden. zung der Spalier-Baͤume zu beobachten, ſo iſt insgemein dieſe Regel zu beobachten, daß die Birn-Baͤume 12 Schuh weit von einander zu ſetzen, und in der Mitten allezeit ein Pfirſig-Apri - toſen - oder Kirſch-Baum darzwiſchen zu bringen iſt, daß alſo die Weide von einem Baume zum andern 6 Schuh betraͤget. Jn meinem kleinen Luſt - Garten habe ich erſtlich einen Pfirſig-hernach ei - nen Birn - dann einen Apricoſen-Baum und ſofort wechſelsweiſe an das Spalier gebracht. Es komt auf den Liebhaber an, wie er es hierinnen halten wil. Man merke aber hierbey, daß der Stam eines jungen Baumes 6 Zol von der Mauer abſtehen muß, damit derſelbe in die Dicke wachſen kan.
Von allen Arten der Birn - und Aepfel -Baͤu -17611. Cap. Von SpalierenVom Ver - ſchneiden der Franz und Spa - lier-Baͤu - me.Baͤume kan man allerhand Formen, als Pyrami - den, Keſſel und dergleichen, wie es einem jeden Garten-Liebhaber gefaͤllig iſt, erziehen; doch muß er den Schnit verſtehen, ſonſt iſt alle Muͤh und Arbeit vergebens. Dahero geſchiehet es, daß manche Garten-Liebhaber die kleinen Zelken, von 3 oder 4 Jahren, welches allezeit die Trage-Reiſer ſind, unverſtaͤndiger Weiſe ohne Barmhertzigkeit hinweg ſchneiden, und die alten groſſen Zelken, welche wenig oder keine Fruͤchte bringen, dar - an laſſen. Deßwegen muß man mit dem Verſtutzen und Beſchneiden behutſam umgehen, und nicht ohne Wiſſenſchaft in den Tag hinein ſchneiden. Der beſte Rath zu dieſer Wiſſenſchaft zu gelangen iſt, daß man ſich von einem erfahr - nen und aufrichtigen Garten-Liebhaber einen Un - terricht darinnen geben laͤſſet, und dabey ſelbſt mit Hand anleget, damit man die Vortheile und Handgriffe lerne, welches in gar kurzer Zeit ge - ſchehen kan. Hierbey aber iſt zu rathen, daß der Lehrende, wenn ein Baum zu beſchneiden ange - fangen wird, den Lernenden frage, welche Zel - ken abzunehmen ſeyn? trift er daſſelbe und weiß die Urſache davon, ſo iſt es gut, trift er es aber nicht, ſo muß es ihm gezeiget, und die Urſache, warum es ſo geſchehen muͤſſe, hinzugefuͤget wer - den, und dieſes iſt hierinnen der beſte Vortheil, denn obgleich andere noch ſo viel vom Beſchnei - den und Verſtutzen in den Garten-Buͤchern ge - ſchrieben, ja ſo gar die Baͤume in Kupferſtichen ſamt dem Garten-Meſſer vorgeſtellet haben, ſowird177und Zwerg-Baͤumen. wird man doch daraus die Sache nicht lernen, und darinnen klug werden koͤnnen, es waͤre denn, daß man das Verſchneiden albereit verſtuͤnde. Hat man aber den Schnit von einem erfahrnen Manne erlernet; ſo muß man hernach freylich ſeine Gedanken wohl zuſammen nehmen. So vielerley Zwerg-Baͤume einen vor die Hand kom - men, und wenn deren auch 100 waͤren, ſo vieler - ley Veraͤnderungen fallen hierbey vor, daher man Urſach hat, bey dem Verſchneiden und Verſtutzen der Baͤume eine Ueberlegung zu brauchen. Von der Zeit, wenn das Verſchneiden der Baͤume am beſten vorzunehmen, wie auch von der Art ſelbſt, wie die Zelken abzuſchneiden und zu verſtutzen, iſt bereits oben in dem 8ten Cap. gehandelt wor - den. Bey den Spalier-Baͤumen iſt es als ein Haupt-Umſtand anzuſehen, was von den Pfir - ſchen bereits oben erinnert worden, daß ſie nem - lich alle Fruͤhjahre zu Ende des Merzes muͤſſen verſchnitten werden, damit ihre Reiſer nicht zu ſehr in die Hoͤhe gehen. Hierbey muß man aber Vorſicht und Behutſamkeit gebrauchen, und nicht etwan die geſunden Reiſer mit abſchneiden, ſon - dern man muß wohl acht haben, ob die Reiſer erfroren und inwendig braune Cirkel haben. Wenn man dieſes findet, muß man ſolche ohne ſich daruͤber Gedanken zu machen, hinweg ſchnei - den, bis ſich wieder friſches Holz zeiget. Es muͤſſen auch diejenigen Reiſer an den Spalier - Baͤumen ohne Barmherzigkeit hinweg geſchnit - ten werden, welche von forn her ausſchieſſen,Abh. von Baͤum. Mund17811. Cap. Von Spalierenund wenn man gerade vor den Baum trit, einem nach dem Geſichte zu wachſen. Denn wenn man gleich ein ſolches Reis auf die Seite biegen und anbinden wolte, ſo wuͤrde es dennoch, wenn es in die Dicke gewachſen, dem Baume ein uͤbles An - ſehen verurſachen. Findet ſich, daß ein Reis oder Aſt an dem Spalier duͤrre oder an den Blaͤt - tern gelbe wird, ſo muß man denſelben zeitig hin - weg ſchaffen, und ſo lange an ſolchem Orte ſchnei - den, bis man gruͤnes und geſundes Holz findet. Solcher Schade muß ebenfals wie bey andern Obſt-Baͤumen, wenn er groß iſt, mit Har-Leimen, wenn er aber klein iſt, mit Baum-Wachs ver - ſtrichen werden.
Man hat bey dem Verſetzen der Baͤume dahin zu ſehen, daß der obere Theil derſelben ſchraͤge nach dem Spalier zugeſtellet werde, da - mit er hernach deſto beſſer an demſelben koͤnne ausgebreitet und angebunden werden. Hierin - nen aber habe ich fuͤr rathſam befunden, daß man dergleichen Baͤume im erſten Jahre nicht anbinde, ſondern frey und ungehindert wachſen laſſe: denn wenn ſolches im erſten Jahre geſchie - het, ſo wird ein ſolcher Baum, ehe er ſich ſo zu reden beſinnet und einwurzelt, ſchon wieder ver - unruhiget, und durch das Biegen der Umlauf des Saftes gehemmet. Hingegen im 2ten Jahre kan er ohne Schaden ausgebreitet und angebunden werden. Es iſt aber uͤberhaupt zu merken, daß die Aeſte und Reiſer nicht ſo feſte an die Lattenduͤr -179und Zwerg-Baͤumen. duͤrfen angebunden werden, ſondern es muß zwi - ſchen der Latte und dem Reiſe ein kleiner Raum bleiben, denn wenn ſie zu feſte angebunden ſind, ſo ſchneidet und waͤchſet die Weide oder das Band oft ſo feſte in die Schale ein, daß man ſie ohne Gewalt nicht heraus bringen kan, wodurch nicht nur der Umlauf des Saftes gehindert, ſondern es werden nach einiger Zeit ungeſtalte Zelken daraus. Ein groſſer Uebelſtand iſt es auch, wenn manche unverſtaͤndige Gaͤrtner die Aeſte creuzweiſe uͤber einander binden. Es muͤſſen vielmehr die Aeſte und Reiſer immer in einer Reihe nach einander in gleicher Ordnung gelegt und angebunden wer - den. Den oberſten Aſt muß man zuerſt, und zwar in der Mitten des Baumes anbinden und alsdann zur Rechten und zur Linken mit dem An - binden fortfahren. Die neuen Aeſte, welche den Sommer uͤber hervor wachſen, ſind ebenfals an - zuheften, und dieſes geſchiehet am beſten im Ju - nius. Sind ſie zum theil noch zart, ſo koͤnnen Binſen oder auch das Baſt von Matten dazu ge - nommen werden. Es iſt dieſe Arbeit nicht oben - hin anzuſehen, denn dieſelbe muß einem Spalier das beſte Anſehen geben. Allhier muß ich noch dieſes erinnern: Wenn es den Sommer uͤber vie - le von den Schmetterlingen giebt, welche Herr Roͤſel in ſeiner Jnſecten-Beluſtigung in der zwey - ten Claſſe N. II. p. 9. unter die Nacht-Voͤgel rech - net, und die harichte braune Raupe, Hr. Friſch aber in ſeiner Jnſecten-Beſchreibung p. 14. die bundkoͤpfige Garten - und Wald-Raupe nennen,M 2ſo18011. Cap. Von Spalieren. ſo iſt hoͤchſt noͤthig, daß man, ſo bald als das Laub von den Baͤumen herunter gefallen, ſowol an den Baͤumen und Waͤnden, als auch beſonders hin - ter, unter und neben den Latten, wie nicht weni - ger unter den Daͤchern nachfuchen laſſe, ob dieſe Art der Sommer-Voͤgel ihre Eyer angeſchmeiſſet. Findet man dergleichen, ſo muͤſſen ſie mit einem hierzu geſchnitzten breiten Holze zerdruckt und zer - nichtet werden. Wer dieſe Bemuͤhung unterlaͤſt, wird im nachfolgenden Jahre mit Schaden erfah - ren, daß er vor den Raupen, welche hernach nicht leicht zu tilgen ſind, weder Laub noch Fruͤchte an ſeinem Spalier behalten kan.
Die Erziehung der Zwerg - oder Franz-Baͤu - mekomt mit der Erziehung der hohen Obſt-Baͤu - me in den meiſten Stuͤcken uͤberein; nur iſt fol - gender Unterſchied zu merken, daß die Franz-Baͤu - me, ſo tief als es moͤglich iſt, muͤſſen gepfropfet oder oculiret werden, etwan 4, 5 bis 6 Zol von der Erden. Wenn die Pfropf - und Oculier-Rei - ſer wohl anſchlagen, muß man ſie forwachſen laſ - ſen, und im erſten Jahre nichts daran beſchnei - den; es waͤre denn, daß ſie alzuſtark in die Hoͤ - heigehen wolten, alsdenn waͤre man genoͤthiget, den Gipfel derſelben abzuſchneiden, damit ſie in die Breite wachſen moͤgen. Jn dem zweyten Fruͤh - jahre muß man die Reiſer 3, 6 bis 7 Zol uͤber dem Orte, wo ſie aufgeſetzt worden, abſchneiden, da - mit ſie in ihre Neben-Aeſte treiben koͤnnen. Wenn ſie in die Breite wachſen ſollen, muß man ihnen diefor -181und Zwerg-Baͤumen. forderſten und hinterſten Augen benehmen, und ſolche nur auf beyden Seiten daran laſſen. Jm dritten Jahre ſuchet man bey dem Beſchneiden einen ſolchen Baum in die rechte Ordnung zu bringen, es ſey nach Art eines Spalier-Baumes oder eines Keſſels, oder auch einer Pyramide, wie es jedem Liebhaber gefaͤllig iſt.
Daß man alle Sorten Aepfel auf Jo -Ob es beſ - ſer ſey, die Spalier - und Zwerg - Baͤume auf Johan - nis - und Paradies - Aepfel oder auf Wild - linge zu bringen. hannis -, Paradies - und Auguſt-Aepfel-Staͤm - me, und alle Arten Birn auf Quitten pfropfen und oculiren muͤſſe, iſt bereits oben p. 30 und 31 gedacht worden. Allein es entſtehet hier die Frage: ob es beſſer ſey zu Erziehung der Spa - lier - und Zwerg-Baͤume auf gedachte Aepfel und Quitten als auf wilde Kern-Staͤmme zu pfropfen und zu oculiren; oder aber, ob ſich die letztern hier - zu eben ſo gut ſchicken als jene. Hierauf dienet zur Antwort, daß die Baͤume, welche auf Johan - nis -, Paradies - und Auguſt-Aepfel und Quitten ge - bracht worden, vor denen auf Wildlinge gepfropf - ten und oculirten Staͤmmen hierinnen zwar einen Vorzug haben, daß ſie in dem 4ten und 5ten Jah - re ihre Fruͤchte hervor bringen, allein ſie bringen ihr Alter nicht gerne viel uͤber 24 Jahr, ob ſie gleich noch ſo wohl begattet werden. Hingegen die auf Wildlinge gebrachten Reiſer bringen ihre Fruͤchte drey, vier bis fuͤnf Jahr langſamer; man hat aber von dieſen den Vortheil zu gewarten, daß ſie viel aͤlter werden als jene, und daß folglichM 3auch18211. Cap. Von Spalierenauch die Nachkommen das Vergnuͤgen und den Nutzen davon zu genieſſen haben. Jn Anſehung der Fruͤchte iſt zwiſchen beyden kein Unterſchied zu ſpuͤren. Jch habe dergleichen auf Wildlinge ge - pfropfte Baͤume an meinem Spaliere, welche bereits vor 15 Jahren die allerſchoͤnſten Fruͤchte hervor gebracht.
Leztens wil ich denen Garten-Liebhabern, welche geſonnen ſind ein Spalier anzulegen, noch dieſen guten Rath geben, daß ſie nicht erſtlich die Baͤume ſelbſt aus den Kern zu erziehen und zu pfropfen oder zu oculiren ſuchen, denn dadurch wuͤrden ſie ſich um 8 bis 12 Jahr Zeit bringen, ſondern daß ſie etliche Thlr. anwenden, und von ei - nem redlichen Manne Spalier-Baͤume kauffen. Auf ſolche Art bekom̃en ſie gute Sorten, nebſt der eigentlichen Nahmen der Baͤume, und koͤnnen ihr Spalier fein bald in Ordnung bringen. Wollen ſie unterdeſſen ſelbſt dergleichen Baͤume erziehen, ſo koͤnnen ſie ſolche hernach an andere Liebhaber verkauffen, und das Geld, welches ſie vorhero an - gewendet, wieder bekommen. Hierbey erinnere ich mich derjenigen Spalier - und anderer ſchoͤn ge - zogenen Baͤume, welche ich nebſt dem Hn. geheim - den Rath Buͤchner zu Halle vor 11 Jahren in dem Landgraͤfl. Heßiſ. Garten in Caſſel der ſogenan - ten Aue angetroffen habe, woruͤber ich mich bis die - ſe Stunde uoch vergnuͤge. Ueber einen jeden Spalier-Baum war an den Waͤnden ein mit weiſ - ſer Oel-Farbe gemahltes Taͤflein, in der Form einesSchni -183und Zwerg-Baͤumen. Schnitze-Bretes, wie man in den Kuͤchen brau - chet, etwa einen halben Schuh lang und breit, angeheftet, worauf mit ſchwarzen Buchſtaben des Baumes Frucht nach ihren Nahmen geſchrieben war, und ſo war es auch bey den Buſch-Baͤumen anzutreffen. Bey jedem war ein Pfahl geſtecket, woran ſich gleichfals ein ſolches Taͤfelein mit dem dazu gehoͤrigen Nahmen befand. Es iſt dieſe Einrichtung zu Behaltung der Nahmen uͤberaus nuͤtzlich, denn dieſelben koͤnnen ihrer Vielheit we - gen gar leicht wieder vergeſſen werden.
Es iſt bekant, daß die Begierde nach frem -Von den Orangen - Baͤumen. den Gewaͤchſen, und beſonders nach den Orangen-Baͤumen in unſern Nordlichen Theilen bey vornehmen und buͤrgerlichen Perſonen gar ſehr gros iſt. Sonſten wurden ſolche nur von groſſen Herren gehalten, und durch ihre Kunſt - Gaͤrtner beſorget, jetziger Zeit aber wird man ſel - ten ein mittelmaͤßiges Gaͤrtgen antreffen, wo nicht dergleichen Baͤume und Gewaͤchſe gefunden wer - den. Ja in vielen Staͤdten ſtellen die Liebhaber ſolche vor ihre Wohn-Stuben, vor die Fenſter, welches um des ſchoͤnen Geruchs willen, auch we -M 4gen18412. Cap. Von Orangen-Baͤumen. gen Annehmlichkeit der Fruͤchte, und der beſtaͤn - dig gruͤnenden Blaͤtter ein beſonderes Vergnuͤgen gibt. Jch hoffe dahero denen Garten-Liebhabern keinen unangenehmen Dienſt zu beweiſen, wenn ich zu der Anweiſung, welche ich von Erziehung und Wartung der inlaͤndiſchen Obſt-Baͤume ge - geben, noch einen kurzen Unterricht von den Oran - gen-Baͤumen hinzu fuͤge. Mein Vorhaben aber iſt keinesweges fuͤr beruͤhmte Gaͤrtner, wie z. E. Herr Genſch zu Belveder bey Weimar, Herr Steitz, und Herr Krieger zu Gotha, und Herr Thieme zu Arnſtadt ſind, zu ſchreiben, als welche ohnedies hierinnen eine groſſe Wiſſenſchaft beſi - tzen. Jch habe dahero das Vertrauen, daß dieſe erfahrne Maͤnner, deren geſittete Auffuͤhrung mir alzu wohl bekannt iſt, es guͤtig uͤberſehen werden, wenn ich in einem und andern Stuͤcke ihnen nicht Genuͤge gethan habe. Meine Abſicht gehet nur da - hin, denen Garten-Liebhabern, welche ſich zu ih - rem Vergnuͤgen und Abwechſelung nur etwas we - niges von Orangen-Baͤumen zulegen wollen, ei - ne kurze Anleitung zu geben. Es hat zwar Herr J. C. Volckammer, die Nuͤrnbergiſchen Heſpe - rides, oder gruͤndliche Beſchreibung derer edlen Citronen, Citronat, und Pomeranzen-Fruͤchte in zweyen Folianten 1708 heraus gegeben, worinne ſowol die Fruͤchte als Blaͤtter nach ihrer Groͤſſe auf das accurateſte in Kupfer zu ſehen ſind. Da es aber nicht jedermans Ding iſt, dieſes koſtbare Buch zu kaufen, auch die Erziehung in Kleinigkei - ten mir nicht hinlaͤnglich beſchrieben zu ſeyn ſcheinẽwil,18512. Cap. Von Orangen-Baͤumen. wil, und andere meines Wiſſens dergleichen kurze Anweiſung nicht gegeben haben, ſo wil ich dasje - nige, was ich hierinnen erfahren, ohne alle Aus - ſchweifung den Garten-Liebhabern mittheilen.
Die Art und Beſchaffenheit der Erde, wel -Von der Erde der Orangen - Baͤume. che man an den Knoten-Wurzeln derer aus Jta - lien zu uns gebrachten Baͤume unterweilen an - noch findet, iſt durch das Anſehen und Anfuͤhlen gar leicht zu erkennen. Es ſiehet dieſelbe gelbe aus, und wenn man ſie angreifet, ſo findet man, daß ſie grob, lettig und fet iſt. Einen Klumpen ſolcher Erde habe ich einmal zwiſchen den Knoten - Wurzeln mit Gewalt heraus genommen, welcher ſo feſte war, daß ich ſolchen zum erſtenmal mit einem Beil nicht zerſchlagen konnte, indem er unterweges ſehr ausgetrocknet und duͤrre gewor - den war. Man ſol ſich um deswillen bemuͤhen, unſere Erde auch alſo zu miſchen, daß ſie der fremden ſo viel moͤglich ſeyn wil, gleich werde. Ob nun aber gleich unſere Erde nicht gelbe aus - ſiehet, ſo dienet ſie doch ebenfals zu dieſen Baͤu - men, daß ſie darinnen ſowol fortwachſen, und ih - re Nahrung finden koͤnnen, als in ihrer Mutter - Erde. Jn unſern Landen dienet der ordentliche Garten - oder Acker-Grund am beſten darzu, und wenn ſolcher durchſiebet oder reolt worden, ſo nimt man hiervon zwey Theile, und einen Theil Schaf - oder in Ermangelung deſſen Kuͤh-Duͤnger, welcher zum allerwenigſten ein Jahr in freyer LuftM 5muß18612. Cap. Von Orangen-Baͤumen. muß gelegen haben. Wenn nun dieſe Erde mit dem Miſte wohl vermiſchet worden, ſo iſt ſie zu al - len Orangen-Baͤumen dienlich, weil ſie eine Bin - dung oder Zuſammenhaltung machet, und an den Wurzeln bey dem Umſetzen wohl hangen bleibet. Solte aber an einem Orte die Erde alzu lettig und ſchwer ſeyn, ſo muß man ſolche zu verbeſſern ſu - chen, und unter zwey Theile Erde einen Theil ver - faulten Duͤnger und einen Theil Sand nehmen, und ebenfals wohl untereinander miſchen. Es gibt auch viele Oerter, wo man keine hierzu dien - liche Erde haben kan; ſondern es beſtehet viel - mehr der Grund und Boden aus lauter Sand. Um deswillen muß man den jaͤhrlichen Schlan - oder Erde, welche aus den Waſſer-Graͤben, oder aus den Fiſch-Teichen pfleget heraus geworfen zu werden, aufbehalten und ſamlen. Eine ſolche Erde, beſonders wenn ſie 1. 2. oder mehr Jahre uͤbereinander gelegen hat, daß das Unkraut fein ſchoͤne darauf waͤchſet, iſt zur Orangerie ſehr dien - lich, ja ich habe ſie hierzu als die allerbeſte befun - den, nur muß man ſeine Gedanken hierinnen ſelb - ſten zu Rathe ziehen, und zuſehen, ob viel oder wenig Sand darunter zu finden iſt, damit man ſich bey der Miſchung darnach richten kan. Es darf aber auch hiebey die Duͤngung nicht vergeſſen werden. Bey dieſer aus den Waſſer-Graͤben oder Teichen gebrachten Erde ſol man ſich huͤten, ſolche nicht zu fruͤhzeitig zu gebrauchen, indem alzu viele Schaͤrfe oder Salze darinnen befindlich ſind, bis ſie durch den Froſt, Hitze, Luft und Regen hierzu dien -lich18712. Cap. Von Orangen-Baͤumen. lich gemacht worden. Hiervon kan auch oben im dritten Capitel §. 4. p. 39. nachgeleſen werden.
Als ich im Jahr 1735 auf der Reife nachOrangen - Baͤume koͤnnen aus den Kern erzogen werden. Wisbaden zugleich den Fuͤrſtlichen Garten zu Heſſen-Homburg an der Hoͤhe beſuchte, ſo traf ich daſelbſt eine groſſe Menge aus den Kern erzeig - te Orangen-Baͤume an, uͤber deren Schoͤnheit mancherley Sorten und viele Fruͤchte ich mich ſehr verwunderte. Hierbey machte mir das groͤſte Ver - gnuͤgen, weil ſie im April noch in dem Gewaͤchs - Hauſe beyſammen ſtunden, und das Anſchauen derſelben erweckte mir eine groͤſſere Luſt, als wenn ich die groͤſten Baͤume von der Welt geſehen haͤt - te, und zwar um deswillen, weil kein auslaͤndiſcher darunter anzutreffen war, denn ſie waren alle in daſigem Garten binnen wenig Jahren durch den erfahrnen Herrn Schulzen erzogen und in ſolchen Stand gebracht worden, daß einige Staͤm - me wohl 8 Schuh hoch, und uͤber 2 Zol dicke wa - ren. Mit dieſer Erziehung komt es hauptſaͤch - lich auf die Gedult und Fleis an, wenn man die - ſen daran wenden wil, ſo kan man auf nachfolgen - de Art, ohne viele Koſten binnen 12 bis 16 Jah - ren von allerhand Sorten eine kleine Orangerie ſelbſten erziehen.
Die Kern, welche man hierzu noͤthig hat,Wie ſol - ches anzu - fangen. kan man entweder von den guten Fruͤchten ſam - len, deren verſchiedene Sorten man bey den Ci -tro -18812. Cap. Von Orangen-Baͤumen. tronen-Haͤndlern bekomt, oder man kauft von ih - nen die angegangenen und faulen Fruͤchte, welche man um ein ſehr geringes Geld bekomt, nimt die Kern heraus, waͤſchet ſie mit Waſſer fein rein ab, und leget ſie einige Tage in Schatten, daß ſie ab - trocknen. Jm Merz, April und May, auch zur Noth im Junius leget man ſie in Scherben, oder in Kaſten, welche vorher mit oben gedachter Erde angefuͤllet worden, einen Zol tief und 2 Zol weit von einander in gemachte Reihen. Wenn man ſie weiter von einander legen wolte, ſo waͤre zu be - ſorgen, daß hernachmalen zu wenig Staͤmlein her - vor kaͤmen, indem die Kern nicht alle aufgehen. Solten aber mehrere aufgehen, als man verlan - get, ſo koͤnnen ſie verzogen und dinne gemacht werden, damit diejenigen Staͤmlein, welche darin - ne ſtehen bleiben, deſto beſſer aufwachſen. Hier - bey muß ich noch erinnern, daß die aus den Fruͤch - ten genommenen Kern bald in die Erde gelegt werden, indem ſie nicht ſonderlich lange zum Auf - gehen gut bleiben, denn der Saft vertrocknet in ih - nen, daß ſie zuſammen ſchrumpfen und ſich inwen - dig von einander theileu. Es iſt zwar jederman bekant, daß man alle Kern gerne alſo ſtecke, daß die Spitzen uͤber ſich zu ſtehen kommen, allein weil man bey den Orangen-Kern ſolches nicht ſo genau an allen unterſcheiden kan, ſonderlich wenn ſie zuſammen gedort ſind, ſo iſt es am beſten, daß man ſie die Breite in die Erde leget. Es wird ſich bey dem Aufgehen finden, daß ihre Wurzeln dem ohngeachtet in die Tiefe, und die Kaͤumenuͤber18912. Cap. Von Orangen-Baͤumen. uͤber ſich gehen und hervor wachſen. Jſt das Stecken der Kern geſchehen, ſo darf man die Scherben oder Kaſten nicht in die freye Luft in Garten ſtellen, denn ob ſie gleich ſo auch aufge - hen und hervorwachſen, ſo gehet es doch alzu - langſam damit her, ehe ſie koͤnnen oculiret, viel weniger gepfropfet werden. Daher muß man ihr Aufgehen und Wachsthum auf nachfolgende Art befoͤrdern. Man machet im Merz, April oder May, wenn man die Kern haben kan, an einem warmen Orte im Garten, welcher zur Son - ne wohl gelegen iſt, ein Miſt-Beet mit friſchem Pferde-Miſt, welcher kaum aus ben Staͤllen ge - kommen, auf die Art, wie man pflegt zu den Me - lonen und Gurken zu machen, und ſtellet die Scherben oder Kaſten mit den Kern auf den Miſt, und bedeckt ſie oben mit Fenſtern, doch ſolcher - geſtalt, daß bey warmen Sonnen-Schein und gu - ter Witterung Luft gegeben, und die Fenſter in etwas aufgehoben werden. Man beſprenget die Gefaͤſſe allezeit uͤber den dritten und vierten Tag, oder ſo oft es noͤthig mit laulichtem Waſſer. Auf ſolche Art werden ſie bald anfgehen und her - vor wachſen. Nach zweyen Jahren verpflantzet man jedes Reislein in beſondere kleine Scherben und ſtellet ſie abermal unter die Fenſter. Jn 5 bis 6 Jahren werden ſie ſo groß, daß man ſie oculiren kan. Das Begieſſen aber darf man nicht verabſaͤumen, denn ſie wollen den Sommer uͤber feuchte gehalten werden, jedoch muß es alſo geſchehen, daß man der Sache weder zu viel nochzu19012. Cap. Von Orangen-Baͤumen. zu wenig thun. Wenn die Reiſer ſo hoch gewach - ſen ſind, daß ſie an die Glaͤſer der Miſtbeet-Fen - ſter reichen wollen, ſo macht man das Theil an den Miſt-Beete nach Mitternacht zu, noch ein Bret hoͤher, damit die Fenſter beſſer in die Hoͤhe kom - men, und die Staͤmlein an ihren Wachsthum nicht gehindert werden, oder man verſtutzet ihnen zum wenigſten die oberſten Spitzen. Bey war - men Tagen koͤnnen auch unterweilen die Fenſtet des Tages weggenommen, und des Nachts wie - derum darauf geleget werden, wodurch ihnen die Haͤrte und Reiffung des Holzes zuwege gebracht wird, damit aber die getriebenen Staͤmlein im Winter in dem Gewaͤchs-Hauſe oder in der Stu - be, welche nach Mittag zu liegen muß, deſto beſſer dauren moͤgen, ſo muͤſſen ſie algemach der Luft gewohnen, und zu dem Ende muß man des Tages uͤber die Fenſter mit Huͤlfe eines Holzes, welches man darunter ſtelt, ein wenig in die Hoͤ - he heben und darinnen von Zeit zu Zeit ein wenig zugeben, bis man auf anderthalb Schuh hoch mit Aufhebung der Fenſter gekommen, welches hin - laͤnglich genug iſt; doch muß man des Nachts, ſonderlich bey kalter Witterung, die Fenſter wie - derum zulegen. Jm Anfange des Octobers nim - man die Reiſerchen ſamt ihren Gefaͤſſen aus den Miſt-Beeten heraus, und bringet ſie in das Ge - waͤchs-Haus oder Stube, denn wenn man ſie laͤn - ger in dem Miſt-Beete wolte ſtehen laſſen, wuͤr - den die Blaͤtter ſchimmeln und abfallen, in dem es um dieſe Zeit in demſelben zu naß und feuchtewird.19112. Cap. Von Orangen-Baͤumen. wird. Jn dem Gewaͤchs-Hauſe muß man ſie ebenfals an einen luͤftigen Ort nicht weit von den Fenſtern ſtellen, jedoch ſolche nicht oͤfnen, als nur bey ſtillen und lieblichen Sonnen-Schein, das Begieſſen zur Winter-Zeit iſt in der zweyten und dritten Woche vorzunehmen, nachdem es ſtark trocknet, und man kan es an der Erde fuͤhlen, ob es noͤthig ſey oder nicht, das Waſſer zum Be - gieſſen muß aber vorhero ganz laulich, welches man mit der Hand fuͤhlen kan, gemachet werden.
Man kan auch die Orangen-Baͤume durchVon der Vermeh - rung durch die abge - ſchnittenen Reiſer. ihre abgeſchnittenen Reiſer vermehren. Man ſchneidet dieſelben nicht gar einen Schuh lang ab, ſchabet unten 2 Zol weit die aͤuſſerliche Rinde in etwas herunter, daß man die gruͤne Schale ſie - het, und ſtecket ſie ſo tief in die Erde, daß ſie nur 3 bis 4 Zol hoch hervor gucken. Man muß ſie aber fuͤr den heiſſen Sonnenſchein bewahren, und wie oben bey Erziehung der Kern-Staͤmme ge - meldet worden, auf ein warmes Miſtbeet ſtellen. Sie muͤſſen auch feuchte gehalten und unterwei - len, wenn es noͤthig begoſſen werden. Dieſe Vermehrung gehet bey den Citronen und Adams - Aepfeln am beſten von ſtatten, weil dieſe bey - den Arten ein ſtaͤrker Mark haben, als die andern, bey welchen ſich es daher nicht ſo leichte wil thun laſſen, weil ſie ein feſtes und ſtarkes Holz und wenig Mark haben. Es gehet auch mit die - ſer Vermehrung viel geſchwinder als mit Saͤung oder Steckung der Kern.
Wenn die Kern, Staͤmlein und Reiſer gros und ſtark genug ſind, ſo muß entweder darauf ge - pfropfet oder ablactiret oder oruliret werden: denn wenn dieſes nicht geſchiehet, ſo wird man es gewiß in unſern Landen nicht ſo leicht erleben, daß ſie Fruͤchte tragen. Was das Pfropfen ſowol in die Schale als in dem Spalte betrift, ſo iſt oben bey der Baum-Zucht ſolches albereit beſchrieben worden, und iſt bey den Orangen-Baͤumen hierin kein Un - terſcheid. Ob nun aber gleich dieſe Pfropfungen mit den Orangen-Baͤumen angehen, ſo iſt es doch gefaͤhrlich. Denn wenn das Pfropf-Reis auſſen bleiben ſolte, ſo iſt der Stam verdorben; hingegen wenn darauf oculiret worden, ſo bleibet doch der Stam gut, und man kan abermal darauf oculiren, wenn das Auge zuruͤck bleiben ſolte.
Das Ablactiren oder Abſaͤugen geſchiehet auf eine weit kuͤnſtlichere Art als das Pfropfen, und komt es dabey, wenn man es lernen wil, mehren - theils auf den Handgrif und Augenſchein an. Es wird aber alſo verrichtet. Man erwaͤhlet hierzu im May oder zu Anfange des Junius ein wildes Staͤmchen, und ſtellet es ſo nahe mit dem Scher - ben als es immer moͤglich ſeyn wil, an das gute Reis, welches man abſaͤugen wil, daß man jenes mit dieſen wohl erreichen kan; befeſtiget alsdenn erſtlich den Scherben, daß er ſich nicht kan ver - ruͤcken noch weichen, wie aus der Figur zu ſehen. Man ſchneidet-alsdenn von den wilden Staͤmleinmit19312. Cap. Von Orangen-Baͤumen. mit einem ſcharfen Meſſer oben die Krone fein ſchreg und glat hinweg, und ſpaltet daſſelbe ſo weit von einander als man das Reis einziehen wil. Das Albactir-Reis muß zu beyden Seiten fein keilicht zugeſchnitten werden, alſo, daß die Rinde oben annoch daran bleibet, und wenn man es in den gemachten Spalt hinein ziehet, ſo muß es mit dem wilden Stamme genau zuſammen paſſen. Sobald als das Einziehen deſſelben geſchehen, verſtreicht man es mit Baum-Wachs und verbin - det es wohl mit einer recht weichen Weide oder Baſt. Wenn man das Reis eine Zeitlang an dem alten Baume alſo geſtanden und anfaͤngt zu wachſen, ſo ſchneidet man ſolches behutſam von demſelben herunter. Doch iſt hiebey noch zu er - innern, daß der Baum benebſt dem Stamme, worauf das Reis eingezogen worden, an einen ſolchen Ort muß geſtelt werden, wo der Wind die Gewalt nicht zu ſtark haben und ſolchen hin und wieder treiben kan, ſonſt waͤre alle Muͤhe und an - gewandte Arbeit vergebens.
Das Oculiren gehet bey den Orangen-Baͤu -Vom Oculi - ten der Orangen - Baͤume. men eben ſo gut als bey den einheimiſchen von ſtatten, und am allerleichteſten, bequemſten und ſicherſten zu Vermehrung der ſchoͤnſten Arten vor - zunehmen. Wie ſolches zu verrichten, iſt oben im 6. Capitel umſtaͤndlich gezeiget worden, da - her ich nicht noͤthig habe hier wieder davon zu han - deln, indem dieſe Arbeit bey den Orangen eben ſoAbh. v. Baͤum. Nwie19412. Cap. Von Orangen-Baͤumen. wie bey den einheimiſchen Baͤumen muß verrich - tet werden.
Unter allen Orangen-Baͤumen halte ich die Genueſer fuͤr die beſten, indem ſie mehrentheils ſchoͤne, hohe, gerade und ſtarcke Staͤmme, und oben in der Hoͤhe zwey gegeneinander eingeſetzte Oculir-Zelken oder Reiſer haben. Hingegen welche von Gard-See aus Jtalien zu uns ge - bracht werden, ſind mehrentheils krum und bu - ſchicht; doch ſind ſie keinesweges wegen ihrer vie - len und ſchoͤnen Sorten zu verachten, auch ſollen ſie faſt noch beſſer in unſern rauhen Landen und Luft gedeyen als andere; doch ich laſſe es dahin geſtelt ſeyn, ob ſolches wahr oder falſch ſey. Wenn man dieſe Baͤume uͤberkomt, ſo klebet meh - rentheils an den Knoten-Wurtzeln noch etwas Er - de. Sie ſind ſo ſehr zerſtuͤmmelt, daß keine Wurzeln daran zu ſehen ſind, und man nicht an - ders meinen ſolte, daß ein ſolcher Baum nimmer - mehr wiederum Wurzeln ſchlagen und bekleiben koͤnte. Bey dem Einkauf dieſer Baͤume hat man ſich wohl vorzuſehen, daß man nicht betrogen wer - de, daher man alſobald an den Aeſten die Probe machen und ſehen muß, ob die Baͤume entweder ſchon verdorben, oder aber ob die Schale noch gruͤne iſt, und noch Feuchtigkeit in ſich hat. Kle - bet ſie aber etwas feſte daran, ſo iſt es ein Zeichen, daß der Saft ſchon ſehr ausgetrocknet, welches da - her komt, wenn das Begieſſen unterwegens zu wenig oder auch wohl gar nicht geſchiehet. Sindſie19512. Cap. Von Orangen-Baͤumen. ſie alſo beſchaffen, daß ſie welk und kraͤnklich ausſe - hen, ſo muß man ſie ohne alles Bedenken in gu - te zubereitete Erde 6. 8. 10. und mehr Tage lang ganz einlegen, und unterweilen darnach ſehen, ob die Staͤmme genugſame Feuchtigkeit an ſich ge - ſogen und wiederum friſch geworden ſind. Und ſo verhaͤlt ſichs auch mit unſern einheimiſchen Baͤumen. Wenn man ſie von andern Orten ver - ſchreibet, und ſie werden unterweges durch die Luft ausgetrocknet, ſo muͤſſen die Staͤmme ganz in die Erde geleget und eingeſcharret werden, doch daß keiner den andern beruͤhre. So bald ſie mit der Erde bedecket worden, wird dieſelbe mit der Gieskanne recht ſtark begoſſen, damit ſie durch und durch Feuchtigkeit bekomt. Nach oben beſagter Zeit nimt man die Staͤmme, wenn ſie wiederum ihren Saft an ſich genommen haben aus der Erde, und ſetzet ſie mit ihren Knoten - Wurzeln in die Scherben oder Kaſten. Sind aber die Staͤmme friſch, daß ſich die Schale an den Zelken annoch abloͤſet, ſo brauchet man der - gleichen Einſcharren in die Erde nicht, ſondern man ſtellet dieſelben ſo weit ſie vorher in der Er - de geſtanden haben, Tag und Nacht in das Waſ - ſer. Nach dieſen nimt man ſie, und verbindet ſie uͤber und uͤber mit Moos oder Stroh, damit die aͤuſſerliche Luft und Waͤrme nicht hinein dringen und ihren Saft nicht hinweg nehmen kan. Die Staͤmme werden eben in der Tiefe gepflanzet, als ſie vorhero in ihrer Mutter-Erde geſtanden haben. Weil man aber dieſes nicht allemal ſo genau ſe -N 2hen19612. Cap. Von Orangen-Baͤumen. hen kan, und die Erde ſich durch das Begieſſen nie - derſetzt, ſo wird ein Zol daruͤber oder darunter auch keinen Schaden bringen. Die daran be - findlichen Zelken oder oculirten Augen muß man vorher in etwas verſtutzen, und zwar alſo, daß ſie von neuen austreiben, Zelken bekommen, und in ſchoͤne Kronen wachſen koͤnnen. Nach der Ver - pflanzung bringt man die Scherben oder Kuͤbel in das Treib - oder Gewaͤchs-Haus, welches mit Fenſtern muß verwahret und verſchloſſen ſeyn, und ſtellet ſie auf den zuvor 4 Schuh hoch dahin ge - brachten und zuſam̃en getretenen friſchen Pferde - Miſt, man laͤſt ſie hernach ſo lange ſtehen, bis ſie in ihre Aeſte und Blaͤtter getrieben haben, als - denn giebt man ihnen nach und nach Luft, doch ſo, daß die Sonne anfangs nicht darauf ſcheinen kan, ſonſten werden die jungen Triebe und ihre Blaͤt - ter dadurch verbrant. Nachdem ſie aber eine Zeitlang in Schatten geſtanden, und der Luft ge - wohnt ſind, ihre Blaͤtter und Reiſer auch hart geworden, koͤnnen ſie algemach an die Sonne ge - ſtellt werden. Hierbey muß man abermal behut - ſam verfahren, daß die Baͤume nicht an einen ſol - chen Ort geſtellet werden, alwo ſie der Wind hin und wieder treiben kan, wodurch ihre neuangeſetz - ten Wurzeln Noth leiden und abgeriſſen werden. Es iſt auch noch zu merken, daß die eingeſetzten Staͤmme und Zweige, welche vorher mit Moos oder Stroh verbunden worden, oͤfters mit Waſ - ſer, welches nicht ſo kalt iſt, mit einem Stroh - Wiſche muͤſſen angeſprenget werden, damit ſiedeſto19712. Cap. Von Orangen-Baͤumen. deſto friſcher bleiben, und die Rinde ihre Feuch - tigkeit behalten moͤge, wodurch geſchiehet, daß die Wurzeln dem Stamme ihren Saft deſto beſſer mittheilen koͤnnen. Solte ſich der Miſt, worauf die Baͤume geſtelt werden, alzuſehr erhitzen, wel - ches man mit den Haͤnden fuͤhlen kan, ſo muß man hierinnen auch behutſam ſeyn, damit die jungen Wurzeln, welche ſie von neuen anſetzen, nicht ver - brant werden. So man dieſes mercket, muß man ſolche auf Breter ſtellen, bis die ſtaͤrckſte Hitze vor - bey iſt, hernach nimt man die Breter hinweg, und ſtellet ſie wiederum blos auf den Miſt. Wenn es an einem ſolchen Orte an Gelegenheit fehlete, und ein Garten-Liebhaber kein Treib-Haus haͤtte, ſo kan das Treiben auch in freyer Luft im Garten vor - genommen werden. Man erwaͤhlet hierzu ein or - dentliches Miſtbeet, und fuͤllet ſolches mit friſchen Pferde-Miſt an, wie es ordentlich gebraͤuchlich iſt, und ſtellet die Orangen-Baͤume darauf, daß einer an dem andern zu ſtehen komt. Man muß aber uͤber die hinein geſtelten Baͤume einen Verſchlag oder Bedeckung machen auf Art und Weiſe einer Bude, woruͤber Breter, Stroh, Matten oder Tuͤcher gele - get werden, damit die Sonnen-Hitze keinen Scha - den thun kan. Wenn aber der Himmel mit Wolken uͤberzogen und regenhaft ausſiehet, koͤnnen die De - cken eine Zeitlang hinweg gethan werden. Ob nun gleich die Baͤume auf ſolche Art nicht ſo ge - ſchwinde als in einem Treib-Hauſe wachſen, ſo werden hingegen ihre Zweige viel haͤrter und dauerhafter. Alhier muß ich noch anfuͤhren, daßN 3ich19812. Cap. Von Orangen-Baͤumen. ich einsmals an einem gewiſſen Orte in einem Treibhauſe die allerſchoͤnſten Genueſer Staͤmme geſehen, welche in ihre neue Zelken und Blaͤtter getrieben hatten, und zu verkaufen waren, es war aber zu bedauren, daß die Blaͤtter und die jun - gen Zelken ſo voller Neffen, Ungeziefer und Oran - gen-Laͤuſe ſaſſen, daß es nicht zu beſchreiben. Als ich meine Gedancken eroͤfnete, und den ſogenanten Gaͤrtner (es war derſelbe ſonſten in den Gaͤrten ein Tagloͤhner geweſen) befragte: Ob denn vielleicht dieſen Baͤumen, weil ſie ſchon ſo hoch getrieben, nicht unterweilen waͤre Luft gegeben worden, und ob etwan dieſes Ungeziefer durch die aus dem Miſte aufſteigende Duͤnſte und Feuchtigkeit, wel - che nicht hinaus ziehen koͤnnen, und im Treib - hauſe bleiben muͤſſen, vielleicht ſich ſo ſehr ver - mehret haͤtte? So bekam ich alſobald die Ant - wort, es waͤre ihnen die Luft hoͤchſt ſchaͤdlich, in - dem ſie dadurch welk gemacht, und an ihrem Trei - ben gehindert wuͤrden, daß ſie endlich gar verduͤr - ben; ſie muͤſten alſo ſtehen bleiben bis auf das Fruͤhjahr, alsdenn wuͤrden ſie erſt in den Garten gebracht. Jch fragte ferner, wenn er denn dieſe Staͤmme bekommen und eingeſezt haͤtte? er ant - wortete, daß er ſolche in dem halben April bekom - men, gepflantzet, und in das Treiben gebracht, und bis hieher alſo ſtehen laſſen, welches in der Mitte des Auguſts war; doch haͤtte er ihnen zwey - mal friſchen Miſt gegeben, welcher eben den lan - gen Trieb zuwege gebracht haͤtte. Er that da - bey groß, und ruͤhmete ſich, daß es hierinnen keinKunſt -19912. Cap. Von Orangen-Baͤumen. Kunſt-Gaͤrtner ihm zuvor thun wuͤrde. Hieraus wird ein jeder von ſelbſten urtheilen koͤnnen, daß es, wenn die Baͤume beſtaͤndig in einem ſolchen Qual und Feuchtigkeit ſtehen muͤſſen, nicht an - ders ſeyn kan, als daß dergleichen Ungeziefer im Ueberfluß erzeuget werde. Wie es hernach - malen den armen Baͤumen ergangen, habe ich nicht erfahren koͤnnen. So geht es, wenn tumme Leu - te ſich in Dinge miſchen, die ſie nicht verſtehen. Auf dieſe Art wird dem Eigenthums-Herrn oft viel Schaden verurſachet.
Es iſt laͤcherlich und einfaͤltig, wenn einVon den Garten - Scherben, Kaſten und Kuͤbel. kleiner Baum in einen groſſen und hingegen ein groſſer in einen kleinen Kuͤbel oder Scherben ge - ſtelt wird. Doch iſt es faſt beſſer, (welches ich zwar nicht anrathe,) wenn ein kleiner Baum in ein groſſes Gefaͤß gepflanzet wird, als wenn ein groſſer in ein kleines zu ſtehen komt, denn im lez - tern Fal iſt zu befuͤrchten, daß ein Baum wegen Mangel der Nahrung kraͤnklich werde und endlich zuruͤcke gehe, auch von dem Winde deſto leichter umgeworfen werden moͤge. Hingegen wenn ein kleiner Baum in einem groſſen Kaſten geſetzt wor - den, hat man dergleichen nicht zu beſorgen, nur daß es nicht fein ſtehet, denn es muß auch hierin - ne eine Proportion beobachtet werden, daß der Sache weder zu viel noch zu wenig geſchiehet. Viele meinen zwar ein groſſes Garten-Gefaͤſſe verhinderte einen kleinen Baum in ſeinem Wachs - thum, welches ich aber nicht begreifen kan. JchN 4halte20012. Cap. Von Orangen-Baͤumen. halte vielmehr davor, daß es in Anſehung des Wachsthums eher noch beſſer ſey, wenn ein Ge - waͤchſe in genugſamer Erde ſtehet, alwo es ſeine voͤllige Nahrung ſuchen und haben kan, und daß es bey einem kleinen Baume, der in einem groſ - ſen Gefaͤſſe ſtehet, eben ſo gut ſey, als wenn er ſich in ſeiner Mutter-Erde befindet; doch um des Wohlſtandes willen, wehle man ſich lieber nach Beſchaffenheit des Baumes ein Gefaͤſſe, welches weder zu groß noch zu klein iſt, damit es kein uͤbles Anſehen verurſache. Es iſt aber doch gewiß, daß ein Scherben beſſer als ein Garten-Kuͤbel ſey, denn jenen kan die Sonne viel eher erwaͤrmen, als dieſes, welches auch im Forttragen nicht ſo bequem iſt. Ueberdies koſtet auch ein Scherben nicht ſo viel als ein Kuͤbel, iſt auch der Faͤulnis nicht ſo ſehr unterworfen; jedoch muß man be - hutſamer damit umgehen, weil ſie zerbrechlich ſind, und leicht koͤnnen zerſtoſſen werden.
Das Verſetzen in andere Geſchirre muß zum wenigſten alle drey Jahr vorgenommen werden, einige Gewaͤchſe verlangen es auch alle zwey Jahr, und dieſes geſchiehet entweder aus Noth, wenn die Gefaͤſſe zu alt, verfault und zerbrochen ſind, oder wenn die Blaͤtter an den Baͤumen gelbe und die jaͤhrigen Triebe ſchwach und krank aus - ſehen, denn dieſes iſt ein Zeichen, daß die Baͤume vor ihrer Erde nicht genugſame Nahrung mehr haben koͤnnen, und daß die wachſende Kraft aus derſelben heraus geſogen ſeyn muͤſſe. Es mußaber20112. Cap. Von Orangen-Baͤumen. aber das Verſetzen mit Behutſamkeit vorgenom - men werden, damit die Erde ſo viel moͤglich an den Wurzeln hangen bleibe. Jſt die Erde zu trocken, und man beſorgt, daß ſie vielleicht von den Wurzeln abfallen moͤchte, ſo begieſſet man ſie einen Tag vorher; iſt ſie aber ſchwer und feſte, ſo hat man das Begieſſen nicht noͤthig. Solte die Erde und die Wurzeln in den Gefaͤſſen zu feſte anliegen, daß die Gewaͤchſe ſich nicht wollen her - aus ziehen laſſen, ſo luͤftet man die Erde mit ei - nem groſſen Meſſer oder mit einem kleinen Spa - ten am Ende los, damit der Stam ſich deſto leich - ter heraus ziehen laſſe. Jch habe erfahren wenn ich von andern Leuten Orangen-Baͤume gekauft, welche aus Unwiſſenheit in alzu leichte und ſan - digte Erde geſetzet worden, daß wir bey den Um - ſetzen, aller Behutſamkeit ohngeachtet, nicht die al - lergeringſte Erde daran geblieben, ſondern von den Wurzeln gaͤnzlich abgeſallen, daß ſie voͤllig nackend geworden, welches bey den Orangen - Baͤumen einen groſſen Schaden verurſachet, in - dem man ſie von neuen, als wenn ſie erſtlich aus Jtalien gekommen waͤren, niederum treiben und in das Gewaͤchs-Haus oder auf ein Miſt-Beet bringen muß. Aus dieſer angefuͤhrten Urſache muß dahin geſehen merden, daß allezeit zu dieſen Baͤumen eine Erde, welche ſchwer iſt, und eine Bindung machet, genommen werde. Die beſte Zeit ſolche Baͤume zu verſetzen, iſt der May-Mo - nat. Wenn die neuen Garten-Gefaͤſſe, wie auch die hierzu dienliche Erde herbey geſchaft und[a]llesN 5zube -20212. Cap. Von Orangen-Baͤumen. zubereitet worden: ſo nimt man den Baum aus dem alten Gefaͤſſe heraus und beſchneidet ihn rings umher, wie auch unten an dem Boden 2, 3, 4 auch mehr Zol, nach Beſchaffenheit eines Baumes, ſo - wol die Erde als die Wurzeln hinweg, und ſe - tzet ſolchen in das nene Gefaͤß, thut aber erſtlich auf den Boden ſo viel Erde, als man fuͤr noͤthig zu ſeyn erachtet, und ſtellet den Stam accurat in die Mitten, fuͤllet den am Ende des Gefaͤſſes be - findlichen Raum mit der zubereiteten Erde wie - detum vol, und drucket ſie wohl zuſammen, damit ſich der Baum von ſeiner Stelle nicht verruͤcken kan. Einen ſolchen verſezten Baum ſtellet man hernach an einen ſchattigten Ort, und gibt ihm nach und nach mehr Luft und Sonnen-Schein. Wenn die Baͤume nach dem Umſetzen an den Ort, wo ſe eine Zeitlangſtehen ſollen, gebracht worden, ſo muͤſſen ſie begoſſen werden. Es darf auch da - her das Gefaͤß nicht ganz vol Erde geſchuͤttet wer - den, ſondern es muß oben zum wenigſten, 2 bis 3 Zol daran mangeln, damit bey dem Begieſſen das Waſſer ein wenig darauf ſtehen bleiben kan. Jſt ein Baum ſehr groß und ſchwer, daß er nicht wohl kan regieret und aus den Gefaͤſſen gehoben wer - den, ſo muß derſelbe mit einem Seile oder Stricke in die Hoͤhe gezogen werden. Man thut aber wohl, wenn man den Stam unter den Zelken mit einem Lappen umwickelt, damit die Rinde von dem Stricke nicht kan verletzet werden. Alsdenn leget mat den Strick um den Lappen, macht eine Schlin - ge, und ziehet den Baum in den andern Stock desGebaͤu -20312. Cap. Von Orangen-Baͤumen. Gebaͤudes damit in die Hoͤhe, bleibet der Kaſten, wie es mehrentheils zu geſchehen pfleget, daran hangend, ſo wird durch jemand mit einem Beil oben darauf geſchlagen, alsdenn wird der Baum ohne Verletzung heraus gehen. Auf dieſe Art koͤnnen auch die allerſtaͤrkſten Baͤume wiederum gantz ſanfte in das neue Gefaͤß eingeſetzet wer - den. Ein Fehler iſt es, wenn die angebundenen Staͤbe von den jungen Baͤumen vor dem Verſe - tzen hinweg genommen und an einen andern Ort eingeſtoſſen werden. Es muß vielmehr der Stab oder die Stange an eben dem Orte bleiben oder wiederum eingeſteckt werden, denn ſo man ſolchen an einen andern Ort bringet, ſo thut man den Wur - zeln leicht Schaden, indem dieſelben durch das Einſtoffen des Pfahles nicht nur koͤnnen verletzet werden, ſondern es wird auch dadurch die Erde von einander und von den Wurzeln abgetrieben. Einige pflegen auch auf die Boͤden der Kuͤbel und Scherben eine Bettung von Ziegel-Steinen 2, 3 und mehr Zol nach der Groͤſſe der Gefaͤſſe zu machen, welches ſie fuͤr ein Geheimniß halten, da - mit das Waſſer von dem Begieſſen ablaufen kan, darauf legen ſie Erde, und ſetzen alſo den Baum darauf, wovon ich aber nichts halte. Es iſt viel - mehr am beſten gethan, die Verſetzung alſo vorzu - nehmen, wenn man nemlich von einem zerſchlage - nen Garten-Scherben auf jedes Ablauf-Loch ein Stuͤck, welches aber krum ſeyn muß, leget. Hier - auf bringet man 2 bis 3 Zol nicht gar verfaulten Pferde-Miſt, welcher noch in etwas ſtrohig iſt;auf20412. Cap. Von Orangen-Baͤumen. auf denſelben wird nach Beſchaffenheit des Ge - faͤſſes und des Baumes Erde geſchuͤttet, und das Gewaͤchs darauf geſetzet. So kan das uͤberfluͤſ - ſige Waſſer abziehen und man hat nicht zu beſor - gen, daß die Ablauf-Loͤcher ſich verſtopfen werden.
Es iſt gewiß das Begieſſen bey den Oran - gen-Baͤumen ein wichtiges Werk, und man hat es eben nicht als etwas geringes anzuſehen. Al - les Waſſer ohne Unterſchied hierzu zu gebrauchen, iſt nicht zu rathen. Der Ziehe-Brunnen iſt we - der den Gewaͤchſen, welche in Scherben, noch de - nen, welche blos in den Gaͤrten ſtehen, zutraͤglich, ſolte aber kein anderes zu haben ſeyn, ſo laſſe man es ein oder zwey Tage vor dem Gebrauche in einem Kuͤbel im Garten ſtehen, damit deſſen Haͤr - te und Kaͤlte dadurch vergehe. Wenn dieſes geſche - hen, wird es ſeine Dienſte eher thun koͤnnen, beſon - ders wenn etwas weniges von Schaf - oder Kuͤh - Duͤnger in das Kuͤbel vorher gethan worden, wo - durch es deſto eher weich und gelinde gemacht wird. Das beſte Begieſſen zu allen Gewaͤchſen iſt ohnſtreitig mit Regen-Waſſer, welches man bil - lig auffangen muß. Weil aber dieſes nicht alle - mal zu haben, ſo iſt das Waſſer aus den Teichen, Graͤben oder Fluͤſſen zu nehmen.
Das Begieſſen darf man auch nicht einem jeden anvertrauen, denn ſie pflegen oftermalen alſo uͤberfluͤßig zu begieſſen, daß das Waſſer haͤu - fig aus den Gefaͤſſen heraus laͤuft, und die Wege ſo naß werden, daß man zu den Gewaͤchſen,ohne20512. Cap. Von Orangen-Baͤumen. ohne ſich kothig zu machen, nicht kommen kan. Zur Som̃erzeit geſchiehet es im Garten am beſten, im May, Junius und Julius woͤchentlich 2, 3 bis 4 mal, wie es die Witterung erfordert, abſonderlich wenn die Baͤume im Treiben ſind. Weñ dieſe Mo - nate vorbey ſind, muß man ſich fuͤr das oͤftere und ſtarke Begieſſen huͤten, und iſt es genung, wenn es die Woche zweymal geſchiehet; doch muß man ſich auch hierinnen nach der Witterung richten und uͤberlegen, was noͤthig und zutraͤglich ſey. Was die Zeit betrift, ſo iſt das Begieſſen in den Som - mer-Tagen am beſten fruͤhmorgens und abends, gegen den Herbſt aber nach der Mittags-Stunde vorzunehmen. Es muß aber daſſelbe alſo geſche - hen, daß das Waſſer nicht auf einmal, ſondern nach und nach ausgeſchuͤttet werde, damit ſich daſ - ſelbe gemachſam, an die Wurzeln einziehen kan. Es iſt auch rathſam, daß die Erde in den Scher - ben zuweilen aufgeluͤftet werde, denn dadurch ge - ſchiehet, daß das Waſſer deſto beſſer zu den Wur - zeln komt. Man fuͤhret mit dem Begieſſen ſo lange fort, bis das Waſſer unten an den Boͤden durch die Ablauf-Loͤcher heraus troͤpfet, als dann iſt es genung. Ein Zeichen iſt es auch, daß die Oran - gen-Baͤume wollen begoſſen ſeyn, wenn ihre Blaͤt - ter an den Baͤumen gekruͤmt ſind oder welk aus - ſehen. So man dieſes merkt, ſo iſt es Zeit das Begieſſen vorzunehmen. Jm Winter, wenn die Baͤume in das Gewaͤchs-Haus oder in eine Stu - be, welche nach Mittag zu liegen muß, gebracht werden, darf das Begieſſen nicht ſo oft und ſtarkgeſche -20612. Cap. Von Orangen-Baͤumen. geſchehen, ſondern es iſt genung, wenn die Wur - zeln nach und nach in der Feuchtigkeit den Win - ter uͤber, doch aber nicht zu naß erhalten werden. So bald als die Gewaͤchſe in Sicherheit geſtelt worden, muß die Erde in den Gefaͤſſen und an den Staͤmmen ein wenig erhoͤhet, oder ein Graͤb - lein ringsherum gemacht werden, damit das Waſ - ſer bey dem Begieſſen hinein geſchuͤttet werde, wodurch man verhuͤtet, daß der Stam nicht naß wird. Auch darf das Waſſer, welches man im Winter zum Gieſſen brauchet, nicht kalt ſeyn, ſondern es muß mit warmen Waſſer vermiſchet werden, doch muß man der Sache auch nicht zu viel thun, ſondern es darf nur laulicht ſeyn, wel - ches man mit der Hand gar bald fuͤhlen kan. Bey ſchoͤner und gelinder Witterung koͤnnen die Fen - ſter eine wenige Zeit aufgethan und Luft gegeben werden, damit der Dunſt und die Feuchtigkeit, welche durch das Begieſſen und durch die Gewaͤch - ſe in das Haus gebracht worden, heraus ziehen moͤ - gen. Wenn zuweilen die Blaͤtter von den Baͤu - men im Winter abfallen, wollen einige die Schuld den Wurzeln beymeſſen, indem ſie von keiner Kraft waͤren, und folglich nicht genngſame Nahrung mittheilen koͤnten, daher die Baͤume kranck wuͤr - den, daß man hernach faſt ein gantzes Jahr damit zu thun haͤtte, ehe man ſie wiederum geſund braͤch - te, und wenn jemand dieſes nicht verſtuͤnde, ſo muͤ - ſten ſie endlich verderben und abgehen. Hierbey habe ich aber wahrgenommen, daß das Abfallen der Blaͤtter daher komme, weil das Begieſſender20712. Cap. Von Orangen-Baͤumen. der Gewaͤchſe von einigen alzugelinde und langſam vorgenom̃en wird. Denn wenn ſolches gar zu ſpaͤr - lich geſchiehet oder aus Nachlaͤßigkeit verſehen, und hernachmalen wieder zu ſtarck vorgenommen wird, ſo gehet eine alzuſchleunige Veraͤnderung in den Wurtzeln vor, und die Feuchtigkeit wird den Blaͤttern zu uͤberfluͤßig mitgetheilet; hernach aber da mit dem Begieſſen auf ſolche Art nicht kan noch darf fortgefahren werden, ſolches auch wohl gar ei - ne geraume Zeit gantz vergeſſen wird, ſo fallen als - denn die Blaͤtter wegen Mangel der Feuchtigkeit herunter, woraus man ſiehet, daß das Begieſſen nicht ſo geringe anzuſehen iſt. Eine Urſache, war - um die Blaͤtter und Fruͤchte zur Winter-Zeit abfal - len, iſt es auch, wenn man in einem Gewaͤchs-Hau - ſe oder in einer Stube zu ſehre einheitzet. Denn dadurch wird die Rinde oder Schale den Baͤumen und Zelken zu ſtarck ausgetrocknet, daß endlich aus Mangel der Feuchtigkeit die Fruͤchte und Blaͤtter abfallen muͤſſen, und diejenigen Baͤume, welche nicht alzu nahe bey der Waͤrme ſtehen, fangen an zu treiben und werden aus Mangel des Nah - rungs-Safts mat und krank, welcher Fehler nicht alſobald wiederum zu erſetzen iſt. Aus angefuͤhr - ter Urſache muß man den Winter uͤber fleißig auf die Witterung acht haben, und unverdroſſen ſeyn, daß man des Nachts ein - auch wohl zweymal, ab - ſonderlich bey groſſer Kaͤlte, aufſtehe, und ſo es die Noth erfordert ein gelindes Feuer mache, damit zu ſolcher Zeit beſtaͤndig eine gantz gelinde Waͤrme er -halten20812. Cap. Von Orangen-Baͤumen. halten werde, daß der Froſt nicht eindringen, und die Gewaͤchſe beſchaͤdigen kan. Von dem Begieſ - ſen werde ich in dem dritten Theile in der Abhand - lung von den Specerey - und andern Garten - Fruͤchten weitlaͤuftiger handeln.
Man muß ſich zu den Orangen-Baͤumen ei - nen ſolchen Ort im Garten erwehlen, welcher gegen Mittag und Abend frey ſtehet, und daß weder Haͤuſer noch Baͤume im Wege ſind, damit ſie nicht nur der warmen Luft, ſondern auch der Sonnenſtrahlen den gantzen Tag genieſſen koͤnnen. Es iſt auch gut, wenn gegen Mitter - nacht einige Haͤuſer und hohe Gebaͤude ſtehen, iſt aber ein Gewaͤchs-Haus vorhanden, ſo iſt es deſto beſſer und bequemer, indem durch derglei - chen Gebaͤude, welche den Gewaͤchſen uͤberhaupt zum ſonderbahren Schutz und Nutzen dienen, die kalten Nord-Winde aufgehalten werden. Ein Gewaͤchs-Hauß oder eine Winter-Stube darf an keine ſteinerne Mauer gebauet werden, denn ſol - ches iſt den Gewaͤchſen ſchaͤdlich, indem die Stei - ne der Mauren im Winter bey voͤllig geſchloſſe - nem Hauſe oder Stube duften, wovon die jungen Triebe ſamt denen Baͤumen, welche unterweilen Bluͤthen oder Knoſpen haben, gerne anlaufen, ſchimlen und zu faulen beginnen. Dieſem Uebel kan am fuͤglichſten begegnet werden, wenn der - gleichen Mauer-Werk ganz und gar mit Bretern bekleidet wird.
Die beſte Zeit die Gewaͤchſe in Sicherheit zuWenn man die Baͤume in die Ge - waͤchshaͤu - ſer einſetzen und auf das Fruͤh - jahr wiede - rum in Garten bringen ſol. bringen, ſind die lezten Tage des Septembers, kurz vor oder nach Michaelis, und zwar an einem ſchoͤnen hellen Tage, wenn die Blaͤtter an den Baͤumen fein trocken ſind. Die Baͤume werden ordentlich in das Haus oder Stube geſtelt, jedoch ſo, daß ſich keine Fenſter davor befinden, damit ſie noch eine Zeit lang Luft behalten, und nach und nach die Sonne zu entbehren gewoͤhnet werden. Man muß ſie alſo ſtellen, daß die Kronen derſel - ben einander nicht beruͤhren. Desgleichen duͤrfen die Zweige und Blaͤtter nicht an die Mauren oder Waͤnde anſtreichen, ſonſt verderben ſie, ſondern ſie muͤſſen einige Zol davon abſtehen. So bald ſich aber ſtarcke Reiffen und Froͤſte einſtellen, wer - den die Fenſter wiederum davor gebracht, und zwar alſo, daß, ſo viel moͤglich iſt zu verhindern, keine Kaͤlte eindringen kan. Hierbey iſt aber auch nicht zu verabſaͤumen, wenn ſich heller Son - nenſchein ereignet, die Fenſter zu eroͤfnen, da - mit die Sonnenſtrahlen hinein fallen koͤnnen. Wenn aber die Sonne hinweg iſt, ſo muͤſſen die Fenſter alſobald wiederum zugemachet und ver - wahret werden. Die beſte Zeit die Orangen-Baͤu - me wieder heraus in den Garten zu briugen, iſt der Anfang des Mayes, wenn man vermuthet, daß keine Reiffen und Froͤſte mehr kommen moͤchten. Man erwehlet hierzu einen Tag, wenn die Luft warm und ein fruchtbarer Regen zu hoffen iſt.
Sobald die Baͤume aus dem Winter-Behaͤlt - nis in den Garten gebracht worden, muß man ſor - gen die ſogenannten Orangen-Laͤuſe, als die alge - meine Plage der Orangen-Baͤume zeitig los zu werden, und nicht damit zaudern bis in den Ju - nius oder Julius, denn hernach in warmen Tagen kriechen ſie aus ihren Eyern in unzehliger Menge heraus, und theilen ſich an allen Blaͤttern und Ae - ſten des Baums aus, alwo ſie ſich ſo feſte anſetzen, daß ſie hernach nicht wol koͤnnen herunter gebracht werden. Nachdem ſie kaum ausgekrochen, kan man ſie mit bloſſen Augen, noch viel beſſer aber mit einem Vergroͤſſerungs-Glaſe kriechen ſehen, ja ſo gar mit Huͤlfe des leztern ihre Gliedmaſſen erkennen. Wenn ſie ſich aber ausgebreitet und feſt angeſetzet haben, und man bringet ſie als - denn unter das Vergroͤſſerungs-Glas, ſo kan man weder Glieder noch Leben, noch vielweniger eine Bewegung daran beobachten. Dem ohngeach - tet naͤhren ſie ſich von dem Safte der Blaͤtter und Zelken, bekommen ein fleiſchichtes Weſen nach Art der Schnecken, und erhalten die Groͤſſe einer Wanze oder Wand-Laus. Zerdruͤcket man eine alte, ſo gehet ein weislicher Saft heraus, in wel - chen man mit dem Vergroͤſſerungs-Glaſe viele kleine weisliche Eyerchen ſchwimmen ſiehet. Wenn die alten dieſe Eyerchen unter ſich geleget, ſo ſter - ben ſie und verzehren ſich, daß man von ihnen nichts mehr antrift, als die bloſſe aͤuſſerliche Haut, welche ſich in etwas verhaͤrtet und wie ein ovalesSchild -21112. Cap. Von Orangen-Baͤumen. Schildlein uͤber den Eyerchen lieget, und ſolche be - decket. Hebet man mit einer Nadel dieſe Haut oder Schale auf, ſo erblicket man dem erſten An - ſehen nach ein kalkigtes Weſen oder Staub dar - unter, wenn man es aber unter ein Vergroͤſſe - rungs-Glas bringet, muß man mit Erſtaunen wahrnehmen, daß es entweder lauter helglaͤnzen - de Eyer oder aber lauter kleine ausgebruͤtete Laͤuſe ſind, welche alſobald fortkriechen, und ſich an die Blaͤtter anſetzen. Um deswillen muß man die unreinen Blaͤtter mit einem wollenen und mit ſauern Weine angefeuchteten Lappen abwaſchen oder mit einem Borſt-Pinſel abbuͤrſten laſſen. Wer aber nicht eckel iſt, kan ſolche auch an den Zweigen und Blaͤttern mit den Fingern zerdrucken und abreiben. Es iſt gewiß dieſe Arbeit hoͤchſt noͤthig, und wenn ſie unterlaſſen wird, ſo leiden die Baͤume Schaden, werden an ihren Zelken und Blaͤttern krank, und verderben endlich. Findet ſich, daß dieſes Ungeziefer ſo ſehr uͤberhand genom - men hat, ſo iſt kein anderer Rath zu geben, als daß ein ſolcher kranker Baum, nachdem ihm alle Zel - ken bis auf einen halben Schuh abgeſchnitten worden, aufs neue umgeſetzt, und wiederum ge - trieben werde. Wo dieſes nicht geſchiehet, ſo komt man zuletzt um den Baum.
Wenn dergleichen Laͤuſe ſich an den Baͤu -Wie die Ameiſen zu vertilgen. men befinden, ſo ſtellen ſich gemeiniglich die klei - nen Ameiſen von weiten her in einen ſolchen Ue - berfluß ein, und laufen an den Staͤmmen und anO 2den21212. Cap. Von Orangen-Baͤumen. den Kronen ſo haͤufig auf und nieder, daß man ſich daruͤber wundern muß, ja ſo gar ſuchen ſie end - lich ihren ordentlichen Aufenthalt in der Erde der Garten-Gefaͤſſe, daß man ſie hernach nicht leicht wieder heraus bringen und los werden kan. Jch habe ſehr viele Verſuche dieſerwegen angeſtel - let, es haben aber doch alle diejenigen Dinge, welche andere Wuͤrmer vertreiben, weder bey den Laͤuſen noch bey den Ameiſen helfen wollen. Jn den Breßlauer Sammlungen vom Jahr 1723. im September habe ich folgendes wider die Amei - ſen angegebene Mittel einiger maſſen fuͤr gut be - funden. Der Verfaſſer ſchreibet hiervon alſo:” Jch lies nemlich einen ziemlichen Topf Waſſer, „ Wermuth und Trifol. fibrin., welches hier „ (nemlich bey Loͤbau) gar ſtark waͤchſet, wohl ſie - „ den, ſodann in etwas verkuͤhlen, und ziemlich lau „ in das Loch des Baumes hinein gieſſen und ſpruͤ - „ tzen, auch den Baum auswendig an der beſchaͤdig - „ ten Rinde damit beſtreichen, und ſolches ein par - „ mal wiederholen, da denn die Ameiſen ſich alle in „ gar kurzer Zeit verlohren.” Es iſt wahr, daß es hilft, und ſonderlich an den Obſt-Baͤumen, aber nur einige Tage. So bald als ein Regen gefal - len, und den bittern Geſchmack und Kraͤfte der Kraͤuter abgewaſchen, oder die Luft und Soñe nach zwey bis drey Tagen ſolche hinweg genom̃en hat, ſo muß das Beſtreichen abermal geſchehen, ſonſt wuͤr - de es wenig oder gar nichts helfen. Jch habe dieſe zwey angegebene Kraͤuter von jeden zwey Bindel - chen, wie man ſolche in den Apothecken kauft, klei -ne21312. Cap. Von Orangen-Baͤumen. ne ſchneiden, mit Waſſer ſieden und ſolches wie - derum kalt werden laſſen. Mit ſolchen bittern Waſſer habe die Schaͤfte mit einem Lappen be - ſtreichen, und ſolches wohl ſechsmal wiederholen laſſen, da ich denn befunden, daß es ſeine Dienſte ziemlich gethan hat. Ferner habe ich fuͤr gut und nuͤtzlich befunden, wenn man Glaͤſer mit engen Haͤlſen und etwas weiten Baͤuchen nimt, dieſel - ben halb vol reines Waſſer ſchuͤttet, in jedes einen halben Loͤffel vol Honig thut, ſolches wohl unter - einander ſchuͤttelt, und hernach die Glaͤſer an die Staͤmme der Baͤume mit einem Faden anbindet, doch alſo, daß das Mund-Loch derſelben an dem Stamme anlieget, und nicht der geringſte Raum darzwiſchen zu ſehen iſt, ſo werden die Ameiſen haͤn - fig hinein kriechen, daß die Glaͤſer ganz vol werden, wie Tab. III. zu ſehen. Wenn dieſelben hinein ge - laufen und ſich in groſſer Menge darinnen befin - den, nimt man die Glaͤſer herunter, und ſchuͤttelt ſie untereinander, daß ſie alle ertrinken, hernach ſchmeiſſet man ſie heraus, und ſchwenket die Glaͤ - ſer fein reine aus, und wiederholet das Anbinden derſelben mit dem Honig-Waſſer ſo lange, bis das Ungeziefer getilget worden. Wenn man hierin - nen fleißig iſt, kan man ſie ſonderlich im Fruͤhjahre Schoppenweiſe fangen. Hierbey habe ich noch anzumerken, daß das Honig nicht aͤlter als ein Jahr ſeyn muß, indem ich geſehen, daß ſie das alte nicht ſo gerne angegangen.
Wenn die Orangen-Baͤume alzu haͤufigeO 3Bluͤ -21412. Cap. Von Orangen-Baͤumen. Die uͤber - fluͤßigen Bluͤten u. Fruͤchte muͤſſen ab - genommen werden.Bluͤten und Fruͤchte anſetzen, ſo iſt noͤthig, daß ih - nen die uͤberfluͤßigen abgenommen werden. Es dienet dieſes Abnehmen ſowol der Bluͤten als kleinen Fruͤchte gar ſehr zur Erhaltung der Baͤu - me, wenn es zur rechten Zeit vorgenommen wird. Denn ſo ſie zu uͤberfluͤßig an den Baͤumen blei - ben, werden dieſelben mat und kraftlos, daher muͤſſen die nachſchoſſende Nebenbluͤten zu rechter Zeit abgepfluͤkt, und nur die Herz-Bluͤten zu den Fruͤchten ſtehen gelaſſen werden. Kurz, es doͤrfen nur ſo viel Fruͤchte daran bleiben, als man geden - ket, daß ein Baum ernaͤhren kan. Man muß auch niemalen zwey Fruͤchte neben einander, viel - weniger ganz nahe beyſammen ſtehen laſſen. Die uͤber fluͤßigen Fruͤchte ſchneidet man am beſten mit einem Meſſer ab, denn mit den Haͤnden ſolche ab - zureiſſen iſt nicht rathſam. Die abgepfluͤkten Bluͤ - ten koͤnnen in die Apotheken verkauffet werden, in - dem ſie zu vielen Dingen ſehr nuͤtzlich, zu gebrau - chen ſind.
Endlich muß ich auch noch von dem Be - ſchneiden und Verſtutzen der Orangen-Baͤume handeln. Viele Ausſchweifung hiervon zu ma - chen, wird nicht noͤthig ſeyn, daher wil ich nur ei - nige hierzu noͤthige Regeln geben.
1.) Muß man alle Barmhertzigkeit in Be - ſchneidung dieſer Baͤume bey Seite ſetzen, und wer hierzu den Entſchluß nicht faſſen kan, wird nimmermehr, wenn er auch die allerſchoͤnſten Baͤume von der Welt haͤtte, eine in ihre Kronewohl21512. Cap. Von Orangen-Baͤumen. wohl gezogene Orangerie uͤberkommen. Denn dieſe Baͤume pflegen zum Theil mit ihren Zelken ſo ordentlich zu wachſen, daß auf einer Seite zu viel und auf der andern zu wenig hervor waͤchſt, welches denenſelben einen Uebelſtand verurſachet.
2.) Geſchiehet das Beſchneideln am beſten im May bis zu Ende des Julii, wenn ſie vorher aus dem Winter-Behaͤltniß heraus gebracht wor - den und 8. bis 14. Tage in dem Garten geſtanden haben. Denn wenn dieſes zeitig geſchiehet, ſo kan der Saft den Sommer hindurch wiederum uͤber die gemachten Schnitte uͤberlaufen. Ob nun gleich andere angeben, daß das Beſchneiden im Herbſt auch zu der Zeit, ehe man die Baͤume in das Winter-Haus braͤchte, geſchehen ſolte, ſo kan ich doch die Urſache nicht finden, warum es nuͤtzlich ſeyn koͤnnte, indem die Schnitte nimmer - mehr den Winter uͤber zuwachſen, ſondern es wird vielmehr ein ſolcher Ort ſchimlich und ſchwarz.
3.) Sol man dahin ſehen, daß allen Baͤu - men, ſie moͤgen gros oder mittelmaͤßig ſeyn, eine runde und zierliche Krone durch das Beſchneiden zuwege gebracht werde.
4.) Sind die Zelken in der Krone inwen - dig zu dicke und verwirrt in einander gewachſen, ſo muͤſſen die unordentlichen zum Theil hinweg geſchaft werden, damit ſie Luft bekommen und die Sonne genieſſen koͤnnen. Doch darf man ſie durchaus nicht ſo ſehr verſchneiden, daß ihre Kro - nen offen und durchſichtig werden, welches eben - fals gefehlt waͤre. Man muß der Sache wederO 4zu21612. Cap. Von Orangen-Baͤumen. zu viel noch zu wenig thun und dahin ſehen, daß, wo moͤglich auf einer Seite eines Baumes ſo viel Zelken als auf der andern anzutreffen ſeyn.
5) Sind einige Zweige an den Baͤumen, welche nach der Erden zugewachſen, und herunter - waͤrts hangen, und daher dem Geſichte unange - nehm vorkommen, ſo muͤſſen ſolche ebenfals abge - ſchnitten werden. Die unterſten Zelken der Kronen muͤſſen alſo beſchaffen ſeyn, daß ſie in einer gera - den Linie und wohl ausgeſtrekt ſtehen.
6) Solte ein Zweig, wie es vielmal zu ge - ſchehen pflegot, mehr Nahrung als der darneben ſtehende haben, und uͤber ſeinen Nachbar zu weit hinwachſen, wodurch die Krone und die Rundung unordentlich gemacht wird, ſo muß man ihn ſo weit abkuͤrtzen, daß die Gleichheit und Rundung wieder hergeſtellet werde. Es muß auch eine Krone niemalen weder zu gros noch zu klein ge - halten werden, ſondern man muß ſich allezeit nach der Proportion des Stammes richten. Ein Ue - belſtand waͤre es, wenn man einem kleinen Stam - me eine groſſe Kugel und hingegen einem groſſen dicken Stamme eine kleine machen wolte. Eine andere Beſchaffenheit hat es aber, wenn ein Baum krank iſt, oder duͤrre Zweige hat, oder aus Unver - ſtand in Unordnung gekommen iſt, und man dem - ſelben in eine neue und feiſche Krone treiben wil. Denn da iſt man genoͤthiget auch an einem groſſen Baume die Krone gar ſehr zu verſtutzen und gantz klein zu machen. Wenn dieſes geſchehen, und ein Garten-Liebhaber mit dem Treiben, wovon obengehan -21712. Cap. Von Orangen-Baͤumen. gehandelt worden, weiß umzugeben, ſo werden an ſtatt eines alten abgenommenen Zweiges viele jun - ge Ausſchoſſe hervor kommen und der Baum wird wiederum eine ſchoͤne Krone erhalten. Es muß aber das Verſtutzen und Beſchneideln alſo vorge - nommen werden, daß die geſunden und gruͤnen Ranken nicht gaͤntzlich hinweg geſchnitten werden, ſondern es muͤſſen nach der Groͤſſe des Baumes 1, 2, 3 Schuh lang die Zelken daran gelaſſen wer - den, welches man nicht ſo genau beſchreiben kan. Ein jeder muß hierinnen ſeine eigene Ueberlegung brauchen, denn ſo vielerley Baͤume man vor ſich bekommt, ſo vielerley Veraͤnderungen hat man mit der Beſchneidung vorzunehmen.
7.) Es pfleget auch zuweilen bey alten Baͤu - men zu geſchehen, daß ſie nicht mehr junge Reiſer treiben wollen, ſondern die alten Zelken gehen von oben herunter zuruͤk, werden an ihren Blaͤttern gelbe, und ſterben ab. Einen ſolchen Baum wie - derum auf das neue belebt zu machen, iſt kein beſ - ſer Mittel, als daß man ihm im Fruͤhjahre im May, die ganze Krone der Zelken bis auf einen halben Schuh uͤber den oculirten Augen hinweg nimt, hernach denſelben wiederum umſezt, neue und zubereitete Erde gibt, und auf friſchen Pferde - Miſt eine Zeitlang ſtellet, ſo wird er gewiß wie - derum von neuen hervor ſchieſſen und in ſeine Kro - ne wachſen, daß man ſein Vergnuͤgen wie zuvor daran finden wird.
S. Tab. II. p. 72.
CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.
Distributed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Unported License.