PRIMS Full-text transcription (HTML)
Bibliſche Policey /
Jn drey Staͤnde / Als Geiſtlich-Weltlich-vnd Haußſtand / abgetheilet /
Herꝛn Theodori Reinkings.

Nevtralitas

Ivstitia.

Diligentia.

Bibliſche Policey /
Das iſt: Gewiſſe / auß Heiliger Goͤttli - cher Schrifft zuſammen gebrachte / auff die drey Hauptſtaͤnde: Als Geiſtlichen / Weltlichen / vnd Haͤußli - chen / gerichtete Axiomata, oder Schlußreden / Sonderlich / mit Bibliſchen Spruͤchen vnd Ex - empeln / auch andern beſtaͤrcket / in allen Staͤnden nůtzlich / dienlich vnd anmuͤhtig zuleſen:
Gedruckt zu Franckfurt am Maͤyn /bey Matthæ[o]Kaͤmpffern / Jn Verlegung Martin Porſchen.M. DC. LIII.

Veritas.

Experientia.

Libertas.

Durchleuchtigſter / Großmaͤchſtigſter Koͤnig / allergnädigſter Herꝛ.

ES iſt faſt eine gemeine Sage / vnd hat ſchon der hoch - weiſe Koͤnig Salomon / Zeit ſei - ner Koͤniglichen Regierung / dar - uͤber geklaget / daß deß Buͤcher - machens kein Ende ſey / Jm Pre - diger Cap. 12. v. 12. zeiget es auch die taͤgliche Erfahrung / daß darbey / wie ſonſten bey andern an ſich ſelbſten nutzbaren Dingen / in der Welt ein groſſer Mißbrauch vorgehe / vnd ich dahero wol Vrſach gehabt / auch dieſes mein Vorhaben ein - zuſtellen.

Als ich aber durch ſonderbare Schickung deß Allerhoͤchſten / vnd ordentlichen rechtmaͤſſigen Be - ruff / zu Ew. Koͤnigl. Majeſt. Dienſten / wie ſie noch die Ertzſtifftiſche Bremiſche Regierung hochruͤhm - lich gefuͤhret / Anno 1636. gnaͤdigſt erfordert / vnd zu dero Cantzlern beſtellet / / auch offters dero Hochfuͤrſt - lichen Taffel gnaͤdigſt digniret worden / habe ich mit ſonders erfrewetem Hertzen vnd Gemuͤhte Ew. Koͤ - nigl. Majeſt. Chriſt-Fuͤrſtliche / hochverſtaͤndige Di - ſcurß / die ſie auß heiliger Goͤttlicher Schrifft / als der* iijeini -DEDICATIO. einigen rechten Quelle aller Weißheit / nicht allein von Glaubensſachen / ſondern auch von Politiſchen Welthaͤndeln / in allen Staͤnden mit ſtattlichen Fun - dament fuͤrgebracht / vnd dieſelbe offters mit Bibli - ſchẽ Exempeln / ſehr wol à propos beſtaͤrcket / wie auch dieſes vernommen / daß Ew. Koͤnigl. Majeſt. mehr - mals gedacht / Sie / gern einen Auctorem haben moͤchten / der eine Politicam auß der Bibel / vnd de - ren Exemplis zuſammen getragen / mir aber ſolcher / wie Ew. Koͤnigl. Majeſt. denſelben deſideriret, nie - mals zuhanden kommen / habe ich meine vor vnnd nach / von vielen Jahren in Leſung der H Schrifft / zu meinem Privatgebrauch annotirte obſervatio - nes politicas, herfuͤr geſuchet / vnd darauff zuden - cken angefangen / wie ich dieſelbe in eine gewiſſe Ord - nunge bringen nach Gelegenheit augieren / vnd end - lich / Ew. Koͤnigl. Majeſt. als auß dero Fuͤrſtl. Taffel - Reden / ich nicht wenig advertiret, vnd darzu veran - laſſet / zu vnterthaͤnigſten Ehren / wie auch andern Gottes Wort liebhabenden Leuten / in allen Staͤn - den / in diß Buch bringen / vnd in offenen Druck ge - ben moͤchte / wiewol es ſonſten / der Welt Lauff nach / vielen nicht eben recht gemacht ſeyn wird. Es haͤt - ten mich auch wol meine viefaltige obliegende ſchwaͤ - re Amptsgeſchaͤffte / darvon abſchrecken ſollen / als ich aber / wie ſchon gemeldet / die Materialia vorlaͤn - geſt vnter der Hand / auß der Schrifft angemercket /binDEDICATIO. bin ich ſo viel do eher dazu bewogen worden / wann ich von andern Geſchaͤfften in etwas entmuͤſſiget / wie auch bey eingefallenen Feyertagen / nach verrichtetem Gottesdienſt / an ſtatt andern Zeitvertreibs / mich hieran gemacht / vnd vermittelſt Goͤttlicher Huͤlffe / es ſo weit / als bey Beengung der Zeit / vnd inmit - telſt eingefallener Enderung geſchehen koͤnnen / abſol - vieret.

Es wird ohne Zweiffel mancher ſich finden / der mir verweißlich nachrede / was ich vnd andere Politi - ci mit der Bibel zuſchaffen / ſondern dieſelbe / vnd darauß etwas zuverfaſſen den Theologis laſſen ſol - len / aber dieſes hat mich nicht gejrꝛet / weil die Bibel allen Menſchen / in allen Staͤnden / nicht allein in Glaubensſachen / die einige bewerthe Grundveſte iſt / ſondern auch einem jeden weß Stands oder Weſens er ſeye / die beſte Norm Richtſchnur iſt / ſeinen Be - ruff vnd alle Actiones weißlich / gluͤcklich / ordent - lich / nach Gottes Willen / mit gutem von GOTtes geſegnetem Succeß vnd Nachdruck zufuͤhren / dahe - ro Gott nicht allein den Leviten im Alten Teſtament / ſein Geſetzbuch / ſondern auch allen Menſchen / ſon - derlich aber den Koͤnigen / Regenten vnd Herꝛſchaff - ten / die da ſeynd / vnd ſeyn ſollen / Cuſtodes utrius - que Tabulæ, Huͤter vnd Waͤchter vber beyde Taf - feln deß Geſetzes / zum hoͤchſten commendiret vnd ernſtlich anbefohlen / vnd durch Moſen / vnd JoſuamdenDEDICATIO. den kuͤnfftigen Koͤnigen deß Volcks Gottes / laͤnger als dreyhundert Jahr vorhin / ehe ſie einen Koͤnig be - kommen / vnnd ins gemein / allen Koͤnigen / Fuͤrſten vnd Regenten es nachgeſetzter Maſſen / in der Bibel auffzeichnen vnd publicieren laſſen; Wann der Koͤ - nig ſitzen wird auff dem Stuel ſeines Koͤnigreichs / ſoll er diß Geſetz von den Prieſtern nehmen / vnd auff ein Buch ſchreiben laſſen: Das ſoll bey jhm ſeyn / vnd ſol darinn leſen ſein Lebenlang / (hie folget der Zweck) auff daß er lerne foͤrch - ten / den Herren ſeinen GOtt / daß er halte alle Wort dieſes Geſetzes vnd dieſe Rechte / daß er darnach thue / vnd ſol nicht weichen von den Gebotten / weder zur Rechten noch zur Lincken / auff daß er ſei - ne Tage verlaͤnge / auff ſeinem Koͤnig - reiche / er vnd ſeine Kinder. Jm 5. Buch

Moſ. cap. 17. v. 18. & ſeqq. Welches Joſua hernacher widerholet / vnd fer - ner ermahnet: Laß das Buch dieſes Geſetzes nicht von deinem Munde kommen / auff daß du weißlich handeln moͤgeſt / in allem das du thun ſolt / ſondern betrachte es Tag vnd Nacht / als dann wird dir gelin - gen in allem / was du thuſt / vnd wirſt weißlich han -

delnDEDICATIO. deln koͤnnen / ꝛc. Joſ. cap. 1. v. 7. & 8. worauß dann ge - nugſam zuſehen / wie hoch GOtt den Koͤnigen vnd Regenten / als ſeines Reichs Amptleuten vnd Statt - haltern auff Erden / Jm Buch der Weißheit cap. 6. verſ. 5. das Geſetzbuch / das iſt / die gantze heili - ge Schrifft / zu einer richtigen Jnſtruction / in dem Regiment nach ſeinem Willen / weißlich vnnd gluͤck - lich zufuͤhren / vnd darvon weder zur Rechten oder zur Lincken abzuweichen anbefohlen. Jſt es nun alſo / daß das Geſetzbuch oder die H. Goͤttliche Schrifft / vnd deren fleiſſige Betrachtung vnd Obſervantz / die einige gewiſſe vnd vnfehlbare Richtſchnur / oder Jn - ſtruction aller Gottſeligen frommen Regenten iſt vnd bleiben muß / ſo folget / daß darinn die rechte / Gott wolgefaͤllige / heylſame Policey zufinden / vnd darauß die rechte Regiments-Reguln / oder Regier-Kunſt / zulernen / vnd kan nicht vnrecht ſeyn / daß man dar - auß eine Policey / oder Axiomata Politica formi - re, vnd in eine Ordnunge bringe.

Machiavellus vnnd andere ſeine Nachfolger / beſchreiben die Regier-Kunſt gar anders / ſetzen dieſe von GOtt gegebene Jnſtruction deß Geſetzbuchs / gar auff die Seite / vnd nehmen an deſſen ſtatt ein an - der Principium, welches ſie Rationem Status, o - der Raiſon de Eſtat, oder auch wol gar die Betrieg - Kunſt deß Staats halber / vnd zu deſſen Nutzen / an - dere zubetriegen nennen / vnd ſeynd in der Meynung /**daßDEDICATIO. daß Koͤnige vnd Regenten / dieſe pro norma halten / alle jhre Conſilia vnd Actiones, ſie ſeyn Chriſtlich oder vn-Chriſtlich / billich oder vnrecht / ſie ſeyn auff - richtig oder tuͤckiſch / ſie ſeyn wahrhafft oder falſch / wann nurent dieſelbe jhrem Staat vortragen / vnd nuͤtzlich ſeyn koͤnnen / dahin wenden / vnd ſich darnach regulieren ſollen / dahero dann auch obgemelter Ma - chiavellus ſich nicht geſchewet / in die Welt zuſchrei - ben / daß den Jenigen / ſo es im Politiſchen Weſen vnd Regierſtand hoch zubringen gedencken / ſey die Kunſt zubetriegen hoch noͤhtig: Durch die Kunſt ha - be Johannes Galeacius das Hertzogthumb Mey -(1) Verba - ejus ita habent: Id mihi ſigni ficare vi - detur Xe - nophon, quod ne - ceſſaria, ſed ars quædam decipien - di, ſi altũ faſtigium aſccndere, & inſignes aliquos progreſſus efficete velis Hac arte Jo - hannes Galeaceus Principatum Mediolanenſem Bernhardo avonculo ſuo eripuit, addens: Fraudem neceſſariam putamus omnibus quicunq; ex parvis initiis creſcere, & ad magnum quoddam faſtigium conſcenderẽ conantur, quæ ranto minus turpis eſt, quando quis magis illam poterit occultate & honeſto aliquo prætextu regere Machiavell lib. 2. diſp. de Repub. c. 13. circ. med & fincm. Et cum allegans Drexel. in ſuo Phaetonte de vit. lingu c. 22. notat, magnum hunc fallaciarum artificem, auſum fuiſſe hanc orbi geſtem propinari, nec erubuiſſe chartis mandare. land an ſich gebracht / vnd ſeiner Mutter Bruder (1) darvon verſtoſſen. Er Machiavellus haͤlt darvor / daß Argliſt / Betrug / Tuͤcke vnd boͤſe Stuͤcke / denen / die von geringen auff-vnd zu groſſen Dingen kom - men wollen / ſehr noͤhtig / dieſelbe auch vmb ſo viel do weniger verweißlich ſeyn / wann man den Schalck verborgen / vnd die Tuͤcke mit einem euſſerlichen ehr - baren Schein bedecken vnd verkleiſtern koͤnne. So iſt auch auß ſeinem deß Machiavelli außſtaffiertem Principe, vnd wie er denſelben beſchreibet / ſolches mit mehrem vnd vnter andern auch dieſes zubefinden /daßDEDICATIO. daß die Gottſeligkeit einem Regenten nicht ſo hoch - noͤhtig / ſondern genug ſeye / wann er ſich alſo fuͤr den Leuten ſtellen koͤnne / daß er fuͤr Gottesfoͤrchtig an - geſehen vnd gehalten werde / zumalen die Leute mehr durch den Schein / als die Gottſeligkeit ſelber ſich movieren vnd bewegen laſſen / darwider gleichwol andere Politici hefftig / vnd vnter andern Caſparus Barlæus eine feine Diſſertationem de Bono Prin - cipe geſchrieben. (2) Aber das Geſetzbuch Gottes(2) Adam. Contz en in Epiſt. Dedic. ci - vil. Doctr. ita ſcribit Pſeudo - politici ad inf anda deflectũt: pro vittu - te ſimula - tionem, atq; adeo vitia ipſa docent. Nunquã tam felix ævum fuit ut tales deeſſent, verum a - vorũ me - moria ab - ominatam ſectam il - luſtravit Nicolaus Machja - vellus, qui tamen Valentinum Borgiam diſcipulum inſaniente ſapientia dedit exitio, & quotquot ejus conſilia factaq́ue ſecuti ſunt, calamitoſos exitus habuere. Hactenus Contzen. inſtruiret die Regenten weit anders / als Machia - vellus: Jenes lehret / daß GOtt nicht das euſſerli - che Weſen / ſondern das Hertze anſehe vnd forſche / Rom. 8. v. 27. Jn den Sprichwoͤrtern cap. 17. v. 3. vnd erfordere ein rechtſchaffen Hertz / im 1. Buch der Koͤni - ge cap. 15. v. 3. & v. 14. Das Geſetzbuch weiß von kei - ner arte decipiendi, oder Machiavelliſchen Be - triegkunſt / ſondern lehret alſo: Das Regenten Lip - pen ſollen nichts vnrechts reden / vnd jhre Zunge ſoll keinen Betrug ſagen /(3)Non decetin labiiis verſari lubrica Regum. Hiob cap. 27. v. 4. vnd daß GOtt feind ſeye dem verkehrten Munde / Prov. c. 8. v. 13. Ja / Er bringet die Luͤgner vmb / vnd hat Grew - el an den Blutgierigen vnd Falſchen / Pſalm 5. v. 7. Der Herr ſuchet alle Hertzen / vnd verſtehet aller Gedancken tichten. Jm 1. Buch der Chron. cap. 29. ** ijv. 9.DEDICATIO. v. 9. vnd kennet die loſe Leute Hiob cap. 11. v. 11. Das Geſetzbuch erfordert die Gottſeligkeit / welche zu allen Dingen / vnd alſo auch zur Regierkunſt gut iſt / vnd hat die Verheiſſung zeitlicher vnd ewiger Gluͤckſelig - keit / 1. ad Tim. c. 4. v. 8. Es erfordert die Warheit / Auffrichtigkeit vnd Froͤmmigkeit / dann fromb vnd warhafftig ſeyn / behuͤten den Koͤnig / vnd ſein Thron befiehet durch Froͤmmigkeit / Salom in den Sprich - woͤrt c. 20. v. 28. Es erfordert die Liebe Gottes vnd deß Naͤchſten / daran das gantze Geſetz hafftet. Das Ge - ſetzbuch lehret vnd informiret die Regenten / daß al - le Regimenter vnd deren Gluͤckſeligkeit ſtehet in Got - tes hand / Syracid. 10. v. 4. Daß Er Koͤnige einſetze vnd wider abſetze / Daniel c. 2. v. 21. Daß Er der Koͤ - nige vnnd Fuͤrſten Hertzen in ſeiner Hand habe / vnd dieſelbe leyte / wie die Waſſerbaͤche / Prov. cap. 21. v. 1. Das Geſetzbuch Gottes bringet den Regenten lan - ges Leben / gute Jahr vnd Frieden / Jn den Sprichw. Salom. c. 3. v. 2. Ja groſſen Frieden / Pſal. 119. v. 165. Es machet klug in ſelbigem Pſalm v. 104. Es mehret die Tage derſelben cap. 10. v. 27. Eſai. c. 38. v. 1. & ſeqq. Es bringet Gunſt vnd Klugheit / die Gott vnd Men - ſchen gefallen / im ſelbigen c. v. 4. Segen vnd Sieg / im 5. Buch Moſ. cap. 3. v. 16. Es preiſet ſelig die Sanfft - muͤhtigen / vnd verſpricht denſelben (vnd nicht den Ty - rannen) daß ſie das Erdreich ſollen beſitzen / vnd be - herꝛſchen Matth. cap. 5. v. 5. Das Geſetzbuch gibt dierechteDEDICATIO. rechte Weißheit / dardurch die Koͤnige / Fuͤrſten vnd Regenten auff Erden herꝛſchen / vnnd die Rahtherꝛn das Recht ſetzen / im ſelbigen Buch cap. 8. v. 15. Es gibt GOtt dardurch den Weiſen jhre Weißheit / vnd den Verſtaͤndigen jhren Verſtand Dan c. 2. v. 21. Der Koͤ - nig Hißkia hielte trewlich am Geſetzbuch deß Her - ren / zuſuchen ſeinen GOtt von gantzem Hertzen / darumb ſpricht die Schrifft: Hatte er auch Gluͤck? im 2. Buch der Chon. c. 31. v. 21. vnd darumb / daß ſein Hertz ſich demuͤhtigte vor GOtt / kam der Zorn deß Herren nicht vber Jſrael / weil Hißkia lebete / im ſel - bigen Buch c. 32. v. 26. Darumb / vnd daß er ſein Hertz auff GOtt vnd ſein Wort gewand / vnd trewlich fuͤr Jhm gewandelt / mit rechtſchaffenem Hertzen / erlan - gete ex Verlaͤngerunge ſeines Lebens / vnd wurden ſei - nen Tagen noch 15. Jahr (4) zugeſetzet / Eſai. c. 38. v. 1.(1) Quin - decim an - nosgran - de motra - lis ævi di - cit ſpatiũ. Cornel. Tacit. in vit, Jul. A - gric. & ſeqq. im 2. Buch der Koͤnige cap. 20. v. 2. & ſeqq. Der Koͤnig Jothan hielte das Geſetzbuch pro Sta - tus ſui ratione, vnd richtete ſeine Wege fuͤr dem Her - ren ſeinem GOtt / dardurch ward er Maͤchtig / ſiegte wider ſeine Feinde die Kinder Ammon / machte ſich dieſelbe zinßbar vnterthan / im 2. Buch der Chron. c. 27. v. 5. & 6. Dann die Hand vnſers Gottes iſt zum beſten vber alle die Jhn ſuchen / vnd ſeine Staͤrcke vnd Zorn vber alle die Jhn vnd ſein Geſetzbuch verlaſſen / im Buch Eſra c. 8. v. 22. So lange Vſia vber das Ge - ſetzbuch hielte vnd den Herren ſuchete / ließ jhme Gott** iijge -DEDICATIO. gelingen / im 2. Buch der Chron. c. 26. v. 5. Auß dem Geſetzbuch gab der Koͤnig David ſeinem Sohn dieſe Koͤnigliche Regenten Regul vnd Vaͤtterliche Jnſtru - ction: Diene Gott mit gantzem Hertzen vnd mit wil - liger Seelen / wirſtu Jhn ſuchen / ſo wirſtu Jhn finden / wirſtu Jhn aber verlaſſen / ſo wird er dich verwerffen ewiglich / im 1. Buch der Chron. c. 29. v. 9. weil Sa - lomon ſolcher ſeineshocherleuchten Gottſeligen Vat - ters trewlichen Jnſtruction nachſetzete / ward er in ſei - nem Reich bekraͤfftiget / der Herꝛ ſein Gott war mit jhme / vnd machete jhn jmmer groͤſſer / im 2. Buch der Chron. cap. 1. v. 1. bekame auch darauff nicht allein fuͤr ſich / ſondern auch fuͤr ſeine Nachkommen / eine herꝛli - che Verheiſſunge / doch nicht ohne / ſondern mit die - » ſem Gedinge: So du wirſt fuͤr mir wandeln / wie » dein Vatter David gewandelt hat / daß du thuſt alles » was ich dich heiſſe / vnnd haͤlteſt meine Gebott vnd » Rechte / ſo wil Jch den Stuel deines Koͤnigreichs be - » ſtaͤttigen / wie Jch mich deinem Vatter Davld ver - » bunden habe / vnd geſaget: Es ſoll dir nicht gebrechen » an einem Mann / der vber Jſrael Herꝛ ſey. Werdet jhr » euch aber vmbkehren / vnd meine Rechte vnd Gebott / » die Jch euch fuͤrgeleget habe / verlaſſen / vnnd hingehen » vnd andern Goͤttern dienen vnd ſie anbeten / ſo werde » Jch ſie außwurtzeln auß meinem Lande / das ich jhnen » gegeben habe / vnnd diß Hauß / das Jch meinem » Namen geheiliget habe / werde Jch von meinemAn -DEDICATIO. Angeſicht werffen / vnd werde es zum Sprichwort « geben / vnd zur Fabel vnter allen Voͤlckern. «

Wann nun ein Chriſtlicher Regent dieſes / was jetzo angezogen / vnd ſonſten in Gottes Wort hiervon zuleſen / fleiſſig vnd wol betrachtet / auch / daß GOtt in ſeinem Wort wahrhafftig / vnnd nicht laͤuget / ſo wird er leichtlich den Schluß finden / daß das Geſetz - buch Gottes / die darauß herflieſſende Gottſeligkeit / Auffrichtigkeit / Trew vnd Wahrheit / vnnd nicht die Machiavelliſche ars decipiendi, oder Betriegkunſt / Tyranney / Liſt vnnd Tuͤcke / welche GOTT einen Schalcksraht nennet / bey dem Propheten Nahum. 1. v. 11. die alleinige ſichere Regni ſive ſtatus ſtabili - endi & conſervandi Ratio, baſis vnd Teſtamen - tum ſeye / vnd wann es endlich wol zugehen ſolle / auch bleiben muͤſſe: Man findet eben wol in der Bibel auch ſolche Machiavelliſche Kuͤnſte / niche zwar per re - gulam oder Geſetzweiſe / ſondern in exemplis, die gleichwol auch nicht zur Nachfolge / ſondern zur War - nunge darinn auffgezeichnet / Per Rationem Status vnd wegen zeitlicher Reputation, brachte Cain ſei - nen frommen Bruder Abel vmb / damit dieſer / wegen feines von GOtt angeſehenen Opffers / nicht hoͤher in der Welt reſpectiret, vnd er Cain an ſeiner vorge - bildeten Grandeſſa vnnd Reputation periclitiren moͤchte / im Buch Moſ c. 4. Per eandem Status Ra - tionem ſein Koͤnigreich / wegen der zunehmenden Menge deß Volcks Gottes / vermeyntlich zuſichern / trachtete der Koͤnig Pharao darnach / wie er durchDEDICATIO. Liſt vnd Tyranney die Jſr aeliten duplicando late - res plagen / vnd jhrer weniger machen moͤchte / befahl darneben den Hebammen in ſeinem Koͤnigreich / alle Jſraelitiſche Knaͤblein inn - vnd bey der Geburth zu - toͤden / vnd fuͤhrete die Machiavelliſche Maximam: Sapienter, hoc eſt, callidè & Tyrannicè, oppri - mamus eos, oder wir wollen ſie / wie es zu Teutſch gegeben / mit Liſt daͤmpffen / daß jhrer nicht zuviel wer - den / im 2. Buch Moſ. c. 1. v. 10. & ſeqq. Auß ſolcher Klugheit vnd Machiavelliſcher Regierkunſt / ließ Je - robeam die guͤldene Kaͤlber zu Bethel anrichten: A - thalia allẽ Koͤniglichen Samen auſſer den verſteckten Joas erwuͤrgen: Herodes die vnſchuldige Bethlehe - mitiſche Kinder ermorden / dergleichen Exempel ich im 2. Buch Axiom. 36. vielmehr angezogen / wie da - ſelbſten zuleſen.

Auß welchen vnd andern mehr / auch bey den weltlichen Geſchichtſchreibern auffgezeichneten Ex - empeln / man ſo viel ſiehet / daß viel Tyrannen duꝛch ein ſolche Machiavelliſche Regierkunſtdie da beſtehet / in calliditate & crudelitate, in Gewalt vnd Argliſtig - keit / welche beyde Schweſtern / gern beyeinander ſeyn / vnd die Rationem Status conſtituiren vnd erhal - ten / zu groſſer Hoheit / Regiment / Macht vnd Ge - walt / kommen / aber man ſiehet auch darbey / daß ſie / wie Tyrannen zu Grund gangen / Pſ. 82. v. 6. 7. daß ſie auff das ſchlipfferige geſetzet / Pſ. 73. v. 18. geſtuͤrtzet gefallen Pſ. 9. v. 4. ſie werden abgeriſſen / wie vnzeitigeTrau -DEDICATIO. Trauben / vom Weinſtock / vnd jhr Zweig wird nicht gruͤnen / ſie gehen mit Vngluͤck ſchwanger / vnd gebaͤ - ren Muͤhe / vnd Fehl / ſpricht Hiob c. 15. v. 32. & ſeqq. Die Augen deß Herren ſehen auff ein ſuͤndiges Koͤ - nigreich / daß ers vom Erdbodem gantz vertilge / beym Propheten Amos c. 9. v. 8. vnd behaͤlt GOtt auch offt jhr Vngluͤck auff jhre Kinder / Hiob c. 21. v. 19. Er ſtuͤr - tzet der gottloſen Regenten Stuel zu Bodem / Pſ. 89. v. 45. ſpielet offt mit jhnen das depoſuit. Er wirfft ſie von dem Stul herunter / vnd ſetzet die Demuͤhtige darauff. Syr. c. 10. v. 17. Der Herr iſt es / der den ho - hen Baum nidriget / den nidrigen Baum erhoͤhet / Ezech c. 17. v. 24. Vnd die Guͤter / ſo die Tyrannen vnd Gottloſen verſchlungen / muſten ſie wider außſpeyen / Hiob c. 20. v. 15. Gott laͤſſet die Machiavelliſche Welt - Weißheit KLugheit zu Grund gehen / daß der Ver - ſtand jhrer Klugen verblendet werde / Eſai. c. 29. v. 14. Sie machen zwar Anſchlaͤge / aber ſie koͤnnen ſie nicht auß fuͤhren / Pſal. 21. v. 12. Jhr Raht iſt ein Schalcks - raht / wie droben auß dem Propheten Nahum ange - zogen: Was gilts / ſpricht GOtt bey dem Propheten Obadja / Jch wil zur ſelben Zeit die Weiſen zu Edom zu nichte machen / vnd die Klugheit auff dem Gebirge Eſau cap. 1. Eſa. c. 29. v. 14. Wider GOtt vnd ſein Ge - ſetzbuch hilfft kein Weißheit / Raht oder Verſtand / ſpricht Salomon in den Sprichw. c. 21. v. 30. Er weiß den Tyrannen einen Rinck in die Naſe zu werffen / vn ein Gebiß ins Maul zulegen / daß ſie nit weiter kom -***menDEDICATIO. men koͤnnen / Eſai c. 37. v. 29. Er iſt es / der den Koͤnigen das Schwerd abguͤrtet / Eſai. c 45. v. 1. der die Welt - weiſen erhaſchet in jhrer Liſtigkeit vnd Klugheit Job c. 5. v 13. 1. ad Cor. 3. v. 19. Er weiß / daß der Weiſen Gedancken eytel ſind / Pſ. 94. v. 11. d. c. 3 ad Cor. v. 20. Er lachet vnd ſpottet jhrer Pſ. 2. vnd ſtuͤrtzet ſie endlich gar zu Bodem / daß ſie ein Ende mit Schrecken neh - men / vnd wie der wuͤtrige Antiochus, mit Ach vnd Wehe darvon muͤſſen / 1. Macchab. c. 6. v. 10. & ſeqq. Der Cain vnd ſeine Nach kommen wurden groß / aber was war es / er ward von ſeinem eygen Gewiſſen ver - folget / vnd geplaget / vnd hatte die Sententz hinweg / vnſtaͤt vnd fluͤchtig ſoltu ſeyn auff Erden / vnd der A - cker ſoldir fort kein Vermoͤgen nicht gebẽ / im 1. Buch Moſ. c. 4. v. 12. & 14. Pharao meynete / er haͤtte ſeinen Statum durch ſein Sapienter opprimamus illos, oder Tyranney vnnd Liſt auff Machiavelliſch ſehr weißlich gefaſſet vnd verſichert / vermeynete / er wolte den Kindern Jſrael / wie er ſie mit einem gewaltigen Kriegsheer verfolgete / das Garauß machen / vnd ſie vertilgen / aber er ward geſtuͤrtzet / vnd verſencket im rohten Meer mit aller ſeiner Macht / Exod. c 14.

Jerobeam hatte die Rechnung gemacht / er haͤtte durch Liſt vnd eygene Weißheit / bey Anrichtunge deß newen Gottesdienſts vnd Kaͤlbert antzes zu Bethel / vnd Abhaltung deß Volcks vom Gottesdienſt zu Je - ruſalem / ſeinen Statum oberwehnter maſſen / vor ſich vnd ſeine Poſteritaͤt alſo gefaſſet vnnd verſichert / daßesDEDICATIO. es nicht fehlen koͤnte / Gott ließ jhn auch eine Zeitlang darbey / aber jhme durch den Propheten Ahia nach - folgendes Prognoſticon ſtellen: So ſpricht der Herr der GOtt Jſrael: Jch habe dich erhoben auß dem Volck / vnd dich zum Fuͤrſten vber mein Volck Jſrael geſetzet / du aber biſt nicht geweſen / wie mein Knecht David / ꝛc. Darumb ſiehe / Jch wil Vngluͤck vber das Hauß Jerobeam fuͤhren / auch den der an die Wand piſſet / vnd wil die Nachkom̃en / deß Hauſes Jerobeam außfegen / wie man Koht außfeget / biß gantz mit jhm außſeye / wer von Jerobeam ſtirbet in der Statt / den ſollen die Hunde freſſen / wer aber auff dem Felde ſtir - bet / den ſollen die Voͤgel deß Himmels freſſen / ꝛc. Jm 1. Buch der Koͤnige c 14. v. 7. & ſeqq.

Eine ſolche ſchaͤdliche herbe Gall vnd Wermuht - tragende Wurtzel / wie die Schrifft in ſimili redet - im 5. Buch Moſ. c. 29. v. 18 iſt die Ratio Status, ver - knuͤpffet mit Vngerechtigkeit / in der Apoſtel Ge - ſchicht / c. 8. v. 23. deren Gifft auch die Nachkommen toͤdet / vnd außrottet / vnd iſt dieſes wol ein mercklich Exempel / daß ein gottloſer Regent / per ejuſmodi Status, oder diaboli rationem, mit Liſt vnd Tuͤcken / eine Zeitlang ſeine Gewalt erhalten / aber wider jaͤm - merlich mit allen ſeinen Nachkommen kan geſtuͤrtzet werden / dann die Blutgierigen vnd Falſchen (durch dieſe beyde wird Status ratio ſtabilirt) bringen jhr Leben nicht zur Helffte / Pſ. 55. v. 24. Vnd die Tage der Gottloſen werden verkuͤrtzet / Sprichw. Salom. c. 10. *** ijv. 27.DEDICATIO. v. 27. durch Blut wolte die Athalia jhren Statum fir - miren, gienge ihr auch auff eine Zeit an / aber es haͤtte nicht lang Beſtand / Blut muſte ſie wider außſpeyen / am kalten Eyſen ſich zu tod freſſen / vnd ein Ende mit Schrecken nehmen / im 2. Buch der Koͤnige c. 11. v. 16. 20. Alſo herꝛſchet zu Zeiten ein Menſch vber der an dern zu ſeinem eygenen Vngluͤck / ſpricht der Prediger Salom c. 8. v. 9. Herodes vermeynte / er haͤtte ſein Koͤ - nigreich durch den vnſchuldigen Bethlehemitiſchen Kindermord / dergeſtalt wider den newgebornen Koͤ - nig der Juden aſſecuriret, daß es jhm gar nicht fehlen koͤnte / aber er konte hernacher keine Sicherheit ſeines Leibs / fuͤr das ſchlechte abſchewliche vnd verachtetes Vngezieffer der Laͤuſe haben / die waren die Armatæ cohortes, die gewaltige Cuͤraſſirer / die jhm der new - geborne Koͤnig / vber den Halß ſchickete / die muſten wider jhn zu Felde liegen / vnd wegen daß vnſchuldi - gen Bluts / das er vergoſſen / ſein Blut mit langwuͤ - riger Marter / Pein vnd Elend wider außſaugen / wie die Hiſtorici darvon ſchreiben. Antonius vnd Ju - lius Cæſar vnterſtunden ſich auch per Status ratio - nem groſſer Dinge / nahmen hohe vnd ſchwaͤre Sa - chen vor / vermeynten / ſie haͤtten das Spiel in jhrer Hand / es koͤnte jhnen nicht fehlen / der gantzen Welt Herꝛſchafft koͤnte jhnen nicht entſtehen / ließ ſich auch Anfangs alles darzu wolan / wurden aber mit jhren hohen Staats Gedancken vnd Anſchlaͤgen zu nichte. Antonius toͤdet ſich ſelbſt / Julius Cæſar ward auffdemDEDICATIO. dem Rahthauß zu Rom mit 23. Wunden hingerich - tet / da er ſich deſſen zum wenigſten verſahe. Dieſer Exempel koͤnten noch viel auß der Schrifft vnnd an - dern Hiſtorien angezogen werden / es wuͤrde aber zu - viel / vnnd habe ich in dieſem erſten Buch Axiom. 7. wie auch im andern Buch Axiom. 36. de Status ra - tione etwas weitlaͤufftiger gehandelt / dahin ich mich dann referire, vnd iſt gewiß / daß vnter Hunder - ten / die jhr Regiment durch Blut / Tyranney / Liſt / vnd Betrug erlanget vnd beſtaͤttiget / kaum einer zu - finden / der es ruͤhig vnd lange erſeſſen / auffden dritten Erben / vnd ad ſeram poſteritatem gebracht / finde derowegen kein beſſere vnd ſichere Status rationem, keine beſtaͤndigere Regierkunſt / als das Geſetzbuch Gottes / davon ich in beſagtem andern Buch Axiom. 36. & 38. auch in etwas gehandelt.

Ewer Koͤnigl. Majeſt. hoͤchſtſeligſter / Herꝛ Vat - ter / weyland Koͤnig Chriſtian der Vierdte zu Denne - marck Norwegen / mein auch in Gott ruhender aller - anaͤdigſter Koͤnig vnd Herꝛ / hat das Geſetzbuch deß Herren / ſein thewres vnd werthes Wort / Zeit dero glorwuͤrdigſt gefuͤhrten Koͤniglichen Regierung / pro unica & certiſſima Regii Status ſui ratione, nor - ma & amuſſi gehalten / vnd darauß das ſchoͤne recht Koͤnigliches Symbolum genommen / REGNA FIRMAT PIETAS. Welches in dero Palatiis allenthalben zufinden / darumb hat auch GOtt Jhre Koͤnigl. Actiones mit Segen vnnd Wolſtand getroͤ -*** iijnet /DEDICATIO. net / dero Koͤnigreiche vnnd Lande bey verſchiedenen ſchweren Kriegen bey jhrer Gewalt / Macht vnd Hoh - heit wider vielfaltige Anſtoͤſſe vnd Adverſitaͤten con - ſerviret. Darumb hat der Herr Zebaoth in deſſen Haͤnden / Leben vnd Todſtehet / Jhr. Koͤnigl. May. Tage verlaͤnget / denſelben zugeſetzet / daß ſie vnter al - len getroͤnten Haͤuptern vnd Potentaten in Europa, in dieſem Seculo dero Zeit der Eltiſte geworden / auch die Proſperitaͤt vnd Wolſtand jhrer Reiche / in allen Staͤnden getroſt / vnd in der Forcht Gottes mit freu - digem Hertzen angeſchawet / Kirchen / Hohe-vnd an - dere Schulen geſtifftet / Koͤniglich dotiert vnd loͤblich erhalten.

Von dieſem hoͤchſt-Edlen Koͤnigl. Stammbaum / deſſen Wurtzeln an den Bruͤnlein vnd Baͤchen Jſrae - lis tieff geſetzet Jerem. cap. 17. v. 7. deſſen Blaͤtter nicht verwelcken / ſeynd Ew Koͤnigl. May entſproſſen / vnd hat ja ein ſolcher herꝛlicher / am Bach deß HerrenAn die Roͤm. c. 11. v. 16. veſt gepflantzeter Baum / keine andere / als gute / durch herꝛliche Chriſtliche Education hoͤchſtgeehrte Vaͤt - terliche Auffſicht vnd Jnformation / von allen argen Zufaͤllen mit Koͤniglicher Sorgfalt præſervirte, ed - le / nach dem Stam̃ vnd Wurtzel artende Frucht brin - gen koͤnnen / von deroſelben ſeynd E. Koͤn. May. zufor - derſt zu dem Geſetzbuch deß HErren gefuͤhret / zu al - len Hochfuͤrſtl. Tugenden vnd dapfferen Ritterlichen dero hohen Stand wolanſtehenden Exercitiis in jh - ren jugendlichen Jahren angewieſen / daß ſie zu einemloͤb -DEDICATIO. loͤblichen hocherleuchtem Regenten Koͤnig gewor - den / Sie auch Gottes wunderliche Hand vnd gnaͤdi - gen Beyſtand ſchon in vielen bey dieſen ſo truͤbſeligen gefaͤhrlichen Laͤufften zugeſtoſſenen Occurrentien Begegnuͤſſen / im Werck verſpuͤret / Ew. Koͤn. May. haben bey dero Fuͤrſtl. Ertzbiſchofflichen Bremiſchen Regierung / zu der Ehre GOttes deß Allerhoͤchſten / vnd Fortpflantzung ſeines heiligen / reinen allein ſelig - machenden Worts dero vnſterblichen ewigen Lob / in dero Baſilica vnd hohen Thumbkirche zu Bremen / darinn bey Menſchen Gedencken kein Gottesdienſt geuͤbet / faſt oͤde vnd vervnreiniget worden / nach dem Exempel Hißkia / Joſia vnd anderer Gottſeligen Re - genten ein offenes Exercitium reiner Evangeliſcher Lehr / vngeenderter Augſpurgiſchen Confeſſion vnd der heiligen hochwuͤrdigen Sacramentsuͤbungen / zu vieler tauſend lange darnach geſeufftzeter Chriſtenſee - len / Troſt vnd Gewiſſens Erquickunge / herꝛlich / wie - wol mit groſſer verdrießlicher Muͤhe eingefuͤhret / das auß dem Geſetzbuch deß Herren erlangtes Klei - nod / Quærite primum Regnum cœlorum, cete - ra deinde adjicientur vobis, an jhren Fuͤrſtl. Re - giments Hut damals veſt gehaͤfftet / vnd dahero nicht zuzweiffeln / ſo lang ſie das Kleinod daran / vnd das Geſetzbuch deß HErren in jhrem Chriſtlichen Koͤn. Hertzen bewahren: Es muͤſte werde geſegnet ſeyn / dero Außgang vnd Eingang / es werde geſegnet ſeyn der Vorraht / Sie werden genieſſen vom Taw deßHim -DEDICATIO. Himmels / vnd Fettigkeit der Erden / es werden geſeg - net vnnd groß ſeyn dero Nachkommen / auff Erden. Der HErr wird ſie erhoͤren in jhrer Noht / der Gott Jacob wird ſie ſchuͤtzen / Er wird heiligen Muht / gu - ten Raht vnd rechte Werck ſchaffen / Er wird jhro ge - ben / was jhr Hertz wuͤndſchet / vnnd Koͤnigl. Mund von dem HEren bittet / die Tage dero zeitlichen Lebens erſtrecken / vnd nach demſelben deß him̃liſchen ewigen Reichs theilhafftig machen: Womit ich beſchlieſſe / vnd Ew. Koͤnigl. May. gnaͤdigſter Koͤniglicher Hul - de / mich ſampt den Meinigen vnterthaͤnigſt trew - lichſt empfehle / gehorſambſt bittend / E Koͤnigl. May. dieſe meine Arbeit / ob ſie ſchon von keiner ſolchen Per - fection iſt / daß ſie dero hocherleuchtem von Gott be - gabten Verſtand / in allem Satisfaction geben kan / dannoch auff meine hierbey gefuͤhrete habende gute Intention, Jhrer angebornen Koͤnigl. Æquanimi - taͤt nach / mehr / als auff das Werck ſelber ſehen / vnd mein vnd der Meinigen allergnaͤdigſter Koͤnig / Lau - desfuͤrſt vnd Herꝛ ſeyn vnd bleiben wolle.

Das

Das Erſte Buch / Von dem Geiſtlichen Stande.

Tit. Von deß Geiſtlichen Stands Stifftun - ge / vnd der Religion ins Gemein.
  • Axioma I. DEr Geiſtliche Stand iſt der Elteſte / Fuͤrnembſte / vnd hat auff gewiſſe Maſſe den Vorzug.
  • Axioma II. Der Geiſtliche Stand lehret vnd prediget von GOtt / was derſelbe nach ſeinem Weſen vnd Willen / auch wie Er recht zuerken - nen / zu ehren vnd anzuruffen ſey.
  • Axioma III. Der Teuffel iſt Gottes Aff / affectiert Goͤttliche Ehre vnd Dienſte.
  • Axioma IV. Die Wiſſenſchafft Gottes / daß naͤmlich / ein Goͤttlich Weſen / ſo Him - mel vnd Erden erſchaffen vnd erhaͤlt / welches alle Creaturen weit vbertrifft / vnd darfür ſich alle Menſchen zufoͤrchten / iſt von Natur in aller Menſchen Hertze gepflantzet.
  • Axioma V. Der Geiſtliche Stand hat fuͤrnemlich die Religion oder Gottesdienſt zu - verſehen.
  • Axioma VI. Die Religion iſt ein gewaltige Seul vnd Grundveſte guter beſtaͤndiger Policey in allen Staͤnden.
  • Axioma VII. Die Religion wird gar offt pro ratione ſtatus vorgeſchuͤtzet / mißbrau - chet / geaͤndert / vnd muß derſelben zuweilen famulieren zu Dienſte vnd praͤtext ſeyn.
  • Axioma VIII. Schein der Religion vnd Gottſeligkeit wird vielmals vorgeſchuͤtzet / der Tyranney vnd gottloſen Weſen / auch vngerechten Kriegen.
  • Axioma IX. Die Religion vnd Gottesdienſt ſind gemein bey den Glaͤubigen vnd Vn - glaͤubigen / Recht vnd Vnrechtglaͤubigen.
  • Axioma X. Die Heuchler vnd Abtruͤnnige wollen auch zuweilen Zelotes oder Eyf - ferer in der Religion ſeyn.
  • Axioma XI. Zur Abgoͤtterey vnd Aberglauben ſind die Menſchen von Natur mehr / als zu der wahren Religion geneiget.
Von der wahren Chriſtlichen Religion.
  • Axioma XII. Die Chriſtliche / in Gottes Wort / den Prophetiſchen vnd Apoſtoliſchen Schrifften / durch Offenbar-vnd Eingebung deß heiligen Geiſtes gegruͤndete Religion / iſt allein die wahre ſeligmachende Lehr / Gott / nach ſeinem Weſen vnd Willen recht zuerkennen / zu ehren / vnd die ewige Seligkeit zuerlangen.
  • Axioma XIII. Eine Religion in einem Lande vnd Republica, verbindet vnd verknuͤpffet die Gemuͤhter der Vnterthanen vnter ſich / vnd gegen jhre Obrig - keit ſo viel ſtaͤrcker / vnd erhaͤlt beſſer Vertrawen.
  • Axioma XIV. Spaltunge in der Religion verorſachet leichtlich Trennung der Gemuͤh - ter / Zweytracht / Mißtrawen / vnd wolgar Krieg.
  • Axiomæ XV. Wann ein Regent / Herꝛſchafft vnd Obrigkeit die Religion veraͤndert / damit veraͤndert ſich dieſelbe auch leichtlich im gantzen Land / Statt oder Commune.
  • Axioma XVI. Die Religion kan vnd ſoll mit euſſerlichem Zwang nicht propagiert vnd fortgepflantzet werden / ſondern durch die Predigt Goͤttliches Worts vnd guͤtliche Vnterrichtung: Hiervon iſt in par. 2. tit. vom Axiom. 14. außfuͤhrlich gehandelt / wie daſelbſten zuſehen.
  • Axioma XVII. Euſſerlicher Splendor, Gluͤckſeligkeit / Macht / Gewalt / Friede / vnd an - dere zeitliche Herꝛlichkeiten / ſind keine Kennzeichen der wahren Re - ligion.
  • Axioma XVIII. Bey waͤhrender Gluͤckſeligkeit vnd euſſerlichem Wolſtand / gibt es bald groſſen Beyfall / aber bey angehender Truͤbſeligkeit findẽ ſich wenig.
  • Axioma XIX. Es haben ſich mehr Leut gefunden / die ſich vmb den Rock Chriſti / als vmb ſeinen Leichnam bekuͤmmert.
  • Axioma XX. Die H. Goͤttliche Schrifft iſt die Grundveſte vnd Richtſchnur der wah - ren Religion vnd Kirchen Gottes / Altes vnd Newen Teſtaments.
  • Axioma XXI. Die H. Schrifft iſt an ſich vollkommen vnd genugſam / die wahre Chriſt - liche Religion / vnd den einigen rechten Weg zur Seligkeit zuzei - gen / davon man nichts ab-oder zuthun ſoll.
  • Axioma XXII. Die H. Goͤttliche Schrifft iſt ein klares hellglaͤntzendes Liecht / der allein ſeligmachenden Religion.
  • Axioma XXIII. Die H. Schrifft muß nicht allein von den Geiſtlichen vnd Predigern / ſondern auch von den Zuhoͤren geleſen vnd betrachtet werden.
  • Axioma XXIV. Der Gottesdienſt vnd was darzu gehoͤret / muß Gottes Wort vnd dem wahren Glauben gemaͤß vnd aͤhnlich ſeyn.
  • Axioma XXV. Wann die wahre vnd Chriſtliche Kirche von dem Grunde Goͤttlicher Schrifft / in der Lehr vnd Gottesdienſt abweichet / bleibet ſie nicht mehr die wahre Kirch / vnd der wahren ſeligmachenden Religion zu - gethan.
  • Axioma XXVI. Auff vorgegebene Offenbarunge Engliſcher / oder anderer Erſcheinung / ſich angebender newer Propheten ſoll man von Gottes geoffenbah - retem Wort / Befelch vnd Ordnung nicht abweichen.
  • Axioma XXVII. Die wahre Kirch iſt vnterweilen herꝛlich / vnterweilen wird ſie an einem vnd andern Ort alſo gedruͤcket vnd verfolget / daß deren Glieder ſich verkriechen vnd heimlich halten muͤſſen.
  • Axioma XXVIII. Auſſer der Kirch iſt kein Heyl / keine wahre Religion.
  • Axioma XXIX. Die Heyden ſind vor jhrem Beruff / auſſer der Kirch geweſen / aber dar - durch zur Kirche / Abrahams / Glauben vnd Schoß geſamlet.
  • Axioma XXX. Vnter dem Hauffen / deren / ſo ſich zur Chriſtlichen Kirche / Religion vnd Gemeinſchafft bekennen / ſind Boͤſe vnd Gute / Fromme vnd Gott - loſe / Trewe vnd Heuchler.
  • Axioma XXXI. Jn der Kirchen Gottes muß alles ordentlich / ehrlich / vnd in geziemen - der Gebuͤhr daher gehen / 1. ad Corinth. 14. v. 33. & ſeqq & præſer - tim v. ult.
  • Axioma XXXII. Jn der Kirchen muß der Geiſtliche Stand mit Lehren / Predigen / vnd Vbung der H. Sacrament / nach Gottes Einſatz-vnd Stifftun - gen ſein Ampt verrichten / vnd ſtehet dem weltlichen Stand nicht zu / der Geiſtlichen Ampt zufuͤhren / vid. 1. ad Cor. 14. v. 28. 2. Chron. 26. v. 18. & ſeqq.
  • Axioma XXXIII. Weibern vnd Jungfrawen ſtehet nicht zu den offentlichen Gottesdienſt in der Kirchen / mit Lehren / Predigen vnd Adminiſtration der H. Sa - cramente zuuͤben.
  • Axioma XXXIV. Geiſtliche ſollen ſich in keine Welthaͤndel ſtecken / den einen Fuß nicht auff der Cantzel / vnd den andern in der Rahtſtuben haben.
  • Axioma XXXV. Der Geiſtliche Stand muß gleichmol auch auff Welthaͤndel / vnd der weltlichen Obrigkeit Actiones, ſo weit es ſein Ampt erfordert / acht haben / daß dieſelbe nicht wider GOtt / ſeine Gebott / ſeine Ehr vnd Lehr / oder wider die Liebe deß Naͤchſten lauffen.
  • Axioma XXXVI. Der Geiſtliche Stand vnd Prediger / muͤſſen in Beſtraffunge der weltli - chen hohen Obrigkeit behutſam verfahren / damit jhre Obrigkeitli - che Authoritaͤt bey den Vnterthanen nicht verkleinert / vnd dieſelben etwa zur Auffruhr veranlaſſet werden.
  • Axioma XXXVII. Der Geiſtliche Stand erfordert einen rechtmaͤſſigen ordentlichen Be - ruff / in der Epiſtel an die Hebreer c. 5. v. 5.
  • Axioma XXXVIII. Das Ius vocationis, oder ein rechtmaͤſſiger Beruff Lehrer vnd Prediger / ſtehet nicht allein der Obrigkeit / auch nicht allein dem Predigampt / ſondern der gantzen Chriſtlichen Gemein zu.
  • Axioma XXXIX. Der Geiſtliche Stand muß durch Huͤlff deß Weltlichen / ſeinen gebuͤh - renden nottuͤrfftigen Vnterhalt haben.
  • Axioma XL. Der Geiſtliche Stand muß nicht allein ehrlich gehalten vnd vnterhalten werden / ſondern auch von aller Thaͤtlichkeit geſchuͤtzet vnd geſi - chert bleiben.
  • Axioma XLI. Das Predigampt ſoll man mit dem Ackerbaw nicht beſchwaͤren / ſon - dern jhnen andere gewiſſe Jaͤhrliche Gefaͤlle vnnd Hebungen ver - ordnen.
  • Axioma XLII. Die Jnſpection / Viſitation vnd Auffſicht vber den Geiſtlichen Stand / deſſen Lehr / Leben vnd Wandel / ſtehet der weltlichen Obrigkeit / als) (iijCuſto -Das erſte Buch /Cuſtodi vnd obern Auffſehern beyder Taffeln / deß jhro ſo hochan - vertrawten Geſetzbuchs mit zu.
  • Axioma XLIII. Geiſtliche vnd Prediger / muͤſſen fuͤr andern / ſich eines ehrbaren Lebens vnd Wandelns befleiſſigen.
  • Axioma XLIV. Gute Kirchenordnunge ſind hochnoͤhtig vnd nuͤtzlich / welche die hohe O - brigkeit mit Zuziehung Geiſt-vnd weltlicher Raͤhte / abzufaſſen / zu publicieren / vnd daruͤber zuhalten befugt vnd ſchuldig.
  • Axioma XLV. Zu beſſerer Fortſtellung ſolcher ober Auffſicht / iſt noͤhtig Geiſtliche Con - ſiſtoria anzuordnen / vnd dieſelbe mit Exemplariſchen Gottsfoͤrchti - gen gelehrten Kirchen-Raͤhten / geiſtlichen vnd Politiſchen Stands zubeſetzen.
  • Axioma XLVI. Der offentliche Gottesdienſt wird in gemeinen Verſamlungen / in den darzu erbaweten Kirchen / mit Chriſtlichen Ceremonien / Lehren / Predigen / Singen / Beten vnd Admin iſt ration der Hochwuͤrdigen H. Sacramenten verrichtet.
  • Axioma XLVII. Jn der Kirchen mag vor vnd nach geendetem Gottesdienſt / auch wol von erbaren / dem gemeinen oder particular Haußweſen nuͤtzlichen er - ſprießlichen Welthaͤndeln tractieren vnd reden.
  • Axioma XLVIII. Daß die Kirchenſtructuren dem Gottesdienſt zu Ehren anſehentlich er - bawet / mit feinen Taffelwercken / Hiſtoriſchen Gemaͤhlden vnd Fi - guren gezieret / darneben vnd reinlich gehalten werden / hindert die Chriſtliche Andacht nicht / ſondern befoͤrdert vielmehr dieſelbe.
  • Axioma XLIX. Die Muſica vnd ſchoͤne Troſtreiche Pſalmen vnd Geſaͤnge / zieren vnd machen herꝛlich den offentlichen Gottesdienſt / excitiren vnd ermun - tern auch die Gemuͤhter / zu eyfferiger innbruͤnſtiger Devotion vnd Andacht.
  • Axioma L. Zu dem Geiſtlichen vnd Kirchenſtand gehoͤren auch die Schulen / deren Befoͤrderung vnd Auffſicht.
  • Axioma LI. Zu der Kirchenordnung gehoͤrt auch die Auffſicht der Begraͤbnuͤſſen / daß dieſelbe ſonderlich der Heiligen Gottes ehrlich gehalten vnd bewah - ret werden.
  • Axioma LII. Die Verſtorbene ſoll man nicht allein ehrlich zur Erden beſtatten / ſon - dern auch betrawren vnd beweynen / bevorab / wann es wolverdiente Gottſelige vnd dapffere Leute geweſen.
  • Axioma LIII. Daß man die Todengraͤber / mit feinen Epitaphiis, Monumentis, Grabmahlen vnd Grabſchrifften honoriert vnd zieret / iſt Gottes Wort nicht zuwider / vnd deutet auch auff die Hoffnung der ohn - fehlbaren Auffeſtehung von den Toden.

Das ander Buch / Von dem Weltlichen Stande.

    • Axioma I. Der Obrigkeitliche Stand iſt von Gott eingeſetzt vnd geſtifftet.
    • Axioma II. Wann GOtt einem Koͤnigreich / Volck vnd Lande wol wil / deñ gibet Er demſelben einen guͤtigen vnd verſtaͤndigen Regenten.
    • Axioma III. Wann GOtt ein Koͤnigreich / Fuͤrſtenthumb / Land oder Herꝛſchafft ſtraffen wil / ſo ſetzet Er Tyrannen / Kinder vnd Weiber zu Re - genten.
    • Axioma IV. Frawen Regiment iſt ins gemein nicht bequem.
    • Axioma V. Man findet in der H. Goͤttlichen Schrifft mehr Exempel / daß vmb der Koͤnige vnd Obrigkeit Suͤnde / das Volck vnd Vnterthanen / als vmb dieſer Suͤnde willen / die Regenten vnnd Obrigkeit geſtraffet werden.
    • Axioma VI. Die wenigſten Regenten haben loͤblich vnd wolregiert.
    • Axioma VII. Auß guten Regenten ſeynd ehe vnnd mehr boͤſe / als auß boͤſen gute ge - worden.
    • Axioma VIII. Auch die frommen vnd Gottsfoͤrchtigen Regenten / ſind nicht ohne Ta - del geweſen / haben auch viele vnd mannigfaltige Fehler began - gen.
    • Axioma IX. An guter Education vnd Aufferziehung / deren / ſo Land vnd Leut regieren ſollen / iſt ſehr viel gelegen.
    • Axioma X. Gelehrte in freyen Kuͤnſten vnd Wiſſenſchafften geuͤbte Herꝛn / ſchicken ſich vor andern wol zur Regierung.
    • Axioma XI. Alle ordentliche Obrigkeit / ſie ſey boͤß oder gut / iſt von Gott / vnd muß de - rowegen in ſchuldigen Ehren vnd Wuͤrden gehalten werden.
    • Axioma XII. Durch Wahl vnd Erbrecht / auch rechtmaͤſſige Waffen / kompt eine or - dentliche Obrigkeit zum Regiment.
    • Axioma XIII. Wann ein Regent viel Erben hat / thut er wol / daß er einem / oder dem Ael - teſten die Land vnd deren Regierung / den andern aber ein Deputat an gewiſſen Aemptern / oder Jaͤhrlichen Gefaͤllen vnd Einkommen verſchaffet.
    • Axioma XIV. Durch Liſt / Tyranney / Gewalt vnd Vnrecht / ſind auch viel zum Regi - ment gelanget.
    • Axioma XV. Wann Gott der Suͤnde halber frembde oder tyranniſche Obrigkeit vber ſein Volck verhaͤnget vnd herꝛſchen laͤſſet / ſo iſt ſein Will / daß man auch ſolch Joch / als eine wolverdiente Straaff gedultig trage.
    • Axioma XVI. Wer einem andern nach dem Regiment ſtehet / der trachtet dahin / wie er denſelben bey dem Volck vbler vnd vngerechter Regierung beſchul - dige / verhaßt / vnd hingegen von ſeiner Perſon groſſe Hoffnung mache.
    • Axioma XVII. Die / ſo frembde Koͤnigreich vnd Herꝛſchafften mit Tyranney / Betrug vnd Gewalt an ſich ziehen / nehmen ſelten ein gut Ende.
    • Axioma XVIII. Begierde zu herꝛſchen / ſetzet alle Liebe / Geſetze / Rechte vnd Gefahr zu - ruͤck.
    • Axioma XIX. Es iſt nicht allemalſicher vnd wol gethan / ein angebottenes Regiment / o - der Koͤnigliche Cron zu acceptieren.
    • Axioma XX. Auch wider die Tyranniſche vnd wunderliche / gleichwol ordentliche O - brigkeit / ſollen die Vnterthanen nicht Hand anlegen.
    • Axioma XXI. Die Koͤnig-vnd Regenten Moͤrder / ſollen die Nachfahren am Reich / wann ſchon jene Tyrannen vnnd Vngerechte geweſen / ernſtlich ſtraffen.
    • Axioma XXII. Die Staͤnde / Reichs Raͤhte / ſo vermoͤge eines Koͤnigreichs vnd Herꝛ - ſchafft herkommen / mit einzurahten haben / koͤnnen nach geſtalten Sachen der gemeinen Wolfahrt zum beſten ſich interponie en / vnd der exorbitierenden Obrigkeit einreden / ſie auff die Reichs Funda - mentalgeſetze / vnd zur Sanfftmuht erinnern.
    • Axioma XXIII. Regenten vnd Herꝛn thun wol / daß ſie in Geiſt-vnd weltlichen Sachen /) () (jhreDas ander Buch /jhre Parlament / Reichs Land-oder Herꝛn-Taͤge außſchreiben vnd halten.
    • Axioma XXIV. Ein weiſer vnd guͤtiger Regent haͤlt ſeine Reichs-oder Lands-Staͤnde in gebuͤhrendem Reſpect vnd Ehren.
    • Axioma XXV. Der Obrigkeit Gebott vnd Befehl / ſo wider GOtt / ſein Wort / das Ge - wiſſen / vnd die Liebe deß Naͤchſten lauffen / ſoll vnd muß niemand vollbringen.
    • Axioma XXVI. Wider rechtliche / auff vngleiche Bericht ſub & obreptitiè auß gelaſſene Befehl Edicta vnd Decreta, nach erlangter beſſern Jnformation vnd Bericht zu caſſiren vnd zuaͤndern / iſt Keyſer / Koͤnigen vnd Re - genten nicht verkleinerlich / ſondern ruͤhmlich.
    • Axioma XXVII. Ein newer Regent muß bey antrettender ſeiner Regierung / ſonderlich / wann er vnverſehens vnd auff vngewoͤhnliche Weiſe darzu kompt / der Staͤnde vnd Vnterthanen Gemuͤhter kluͤglich explorieren / vnd ſich deren Anhangs vnd Devotion wol verſichern.
    • Axioma XXVIII. Angehende Regenten thun weißlich / wann ſie bey Antrettunge der Regie - rung nicht alles ſo genaw advertieren / da ſie von jemand offendie - ret / ſonderlich / wann ſie jhres Regiments genugſam verſichert.
    • Axioma XXIX. Bey angehendem vnd noch nicht recht gefaſſetem Regiment / ſonderlich / wann zween darumb ſtreiten / thut ein Herꝛ nicht wol / wann er ei - nen fuͤrnehmen Miniſtrum der bey der Armee vnd gemeinem Volck in groſſem Anſehen iſt / offendiret vnd von ſich laͤſſet.
  • Tit. Vom Ampt der Obrigkeit / Koͤnigen vnd Regenten.
    • Axioma XXX. Die Cuſtodia, Bewahrung vnd Obſervantz deß Geſetzbuchs / das iſt der H. Goͤttlichen Schrifft ſoll vnd muß die erſte vnd fuͤrnemſte Sor - ge / der Weltlichen hohen Obrigkeit vnd Regenten ſeyn.
    • Axioma XXXI. Ein loͤblicher Regent ſol vnd muß ſich der Gottſeligkeit / vnd eines ehrbarn Lebens vnd Wandels befleiſſen.
    • Axioma XXXII. Zu der andern Taffel deß Geſetzbuchs gehoͤret die Handhab Rechtens / vnd der heylſamen luſtici, als welche naͤchſt dem wahren Gottes - dienſt / die einige Grundveſte iſt aller Regimenter vnd Herꝛſchafften auff dieſer Welt.
    • Axioma XXXIII. Vngerechtigkeit aͤndert Koͤnigreich vnd Herꝛſchafften.
    • Axioma. XXXIV. Den Frembdlingen ſoll man / wie den Jnnheimiſchen / gleich Recht wider - fahren laſſen / vnd ſie nicht beſchwaͤren noch vnterdrucken.
    • Axioma XXXV. Bey dem Recht muß zuweilen auch Gnade ſeyn.
    • Axioma XXXVI. Mit der lieben Iuſtitia competiret gar ſtarck jhre vnartige / vngerahte - ne Stieffſchweſter / genannt ſtatus Ratio, oder die Begierde ſein Reich oder Statt perfas vel nefas zuvermehren / vnd groͤſſer zu - werden.
    • Axioma XXXVII. Ratio ſtatus, wie ſie auſſer Gottes Wort von den Politicis ins gemein uſurpiret, vnd nicht vneben Idolum Principum, der Potentaten Abgott / genennet wird: Jſt ſo alt / als der Teuffel / vnd die erſte durch jhn verfuͤhrete Menſchen ſeynd.
    • Axioma XXXVIII. Die Potentaten / welche Rationem ſtatus fuͤr jhren Abgott halten / koͤn - nen niemand lieben / als den ſie foͤrchten / daß er ſchaden koͤnne.
    • XXXIX. Das Geſetzbuch Gottes vnd deſſen Oſervantz / iſt die beſte Ratio ſtatus, oder Verſicherung deß Staats.
    • XL. Regenten / Fuͤrſten vnd Herꝛn ſollen ſorgfaͤltig / fuͤrſichtig vnd kluͤglich handeln / in allem jhrem Thun.
    • XLI. Die Welt wird durch Reſpect vnd Opinion regiert.
    • Axioma XLII. Fuͤrſten ſollen Fuͤrſtliche Gedancken haben vnd daruͤber halten / Eſai. cap. 32. v. 8.
    • Axioma XLIII. Zur Iuſtici vnd guter Policey gehoͤret die Auffſicht vnnd Praͤgung / gu - ter / an Gehalt / Schrot vnd Korn / gerechter tuͤchtiger Muͤntz / wie auch Maaß / Elen vnd Gewichte anzuordnen.
    • Axioma XLIV. Zu beſſerer Erhaltung Policey / auch Adminiſiration / Rechtens vnd Ge - rechtigkeit / muͤſſen nottuͤrfftige Iudicia, Cantzleyen vnd Gerichts - Stuͤle angeordnet vnd beſtellet werden.
    • Axioma XLV. Die Tribunalia vnd Gerichte / muͤſſen mit Gottsfoͤrchtigen / redlichen / geſchickten vnd gelehrten Leuten beſetzt werden.
    • Axioma XLVI. Die Obrigkeit vnnd Regenten ſollen nicht allein Gericht halten laſſen / ſollen ſelber gern Audientz geben / auch den Armen vnd Geringen / vnd zuweilen den Gerichts-Audientien ſelber beywohnen.
    • Axioma XLVII. Was Recht iſt / ſoll man mit Recht außfuͤhren.
    • Axioma XLVIIL. Jn einer guten Sach mag man wol auch vor Gericht Nohtbehelff ſu - chen / vnd ſich mit Geſchwindigkeit herauß reiſſen.
    • Axioma XLIX. Geſchenck ſoll man nicht nehmen / das Recht zubeugen.
    • Axioma L. Jnn - oder auſſerhalb Gericht / ſoll man auff eines Theils bloſſe Anklage oder Anbringen / oder auff bloſſe Beruͤchtigung / keinen vervrtheilen oder verdammen / es ſey dann vorhin der ander Theil mit ſeiner De - fenſion vnd Notturfft gehoͤret.
    • Axioma LI. Ein wolbeſteltes Archivum Diarium vnd Geſchicht-Regiſtratur, iſt bey allen Regierungen / Cantzleyen vnd Gerichten ein ſehr noͤhtig vnd nuͤtzlich Werck.
    • Axioma LII. Richtige Genealogien vnd Geburt-Regiſter gehoͤren in des Archivum, vnd ſind zu vielen Sachen ſehr nuͤtzlich vnd dienlich.
    • Axioma LIII. Was nach genugſamer Verhoͤr vnnd Erkundigung der Sachen / mit Recht erkannt / das ſoll man gebuͤhrlich exequiren vnd vollziehen laſſen.
    • Axioma LIV. Zur Handhab vnd Vollnſtreckung der Iuſtici, gehoͤren die Nach-oder Scharffrichter / deren Ampt vnd Verrichtung vor vnd an ſich ſelbſt nicht vnehrlich / vnd in alten Zeiten von den Fuͤrnemſten im Volck verrichtet worden.
    • Axioma LV. Naͤchſt der Iuſtitia vnd deren Adminiſtration muß ein Regent die Oeco - nomie vnd Rentkammer wol in acht nehmen vnd beſtellen.
    • Axioma LVI. Die Hoff-Oeconomi erfordert gute Ordnung vnd Auffſicht.
    • Axioma LVII. Zu guter Hoffordnung hilfft viel / wann ein Herꝛ zu rechter Zeit Taffel haͤlt / vnd bey Hoff ſpeiſen laͤſſet.
  • TIT. Von Raͤhten / Beampten vnd Dienern.
    • Axioma LVIII. Regenten vnd Herꝛn koͤnnen ohne Raͤhte / Beampten vnnd Dienern jhr Regiment nicht fuͤhren.
    • Axioma LIX. Fromme Regenten ſehen ſich vmb nach getrewen Gottsfoͤrchtigen vnd weiſen Raͤhten vnd Dienern.
    • Axioma LX. Gottloſe Herrn haben ins gemein / Gottloſe Diener.
    • Axioma LXI. Ein frommer Diener kan auch wol einem Gottloſen Herrn / oder der nicht ſeiner wahren Religion zugethan iſt / mit gutem Gewiſſen dienen.
    • Axioma LXII. Raͤhte ſollen nicht gleich ſeyn den Mundkoͤchen / die in Zurichtung der Speiß bloß nach jhrer Herrn Mund ſich ſchicken.
    • Axioma LXIII. Die Majora vota, oder mehrere Stimmen im Raht / ſind nicht allemal die Saniora, heylſamſte vnd beſte.
    • Axioma LXIV. Was einmal im Raht mit gutem Vorbedacht beſchloſſen / auch ſonſten mit Hand vnd Siegel vollnzogen iſt / daruͤber ſollen Regenten veſt halten.
    • Axioma LXV. Wol gemeynet / iſt nicht allemal wolgethan vnd gerahten.
    • Axioma LXVI. Vbel gemeynt / iſt zuweilen wol gerahten.
    • Axioma LXVII. Prieſter vnd Weiber rahten zuweilen mit.
    • Axioma LXVIII. Wer gute Addreſſe vnd Zutritt im Frawenzimmer hat / der kan zuweilen guten Raht ſchaffen / zuweilen auch viel boͤſes ſtifften.
    • Axioma LXIX. Durch liſtige verſchlagene Weiber werden zuweilen auch faule Sachen bey Hoff angebracht / vnd negotiiret.
    • Axioma LXX. Falſche Leute Verleumbder / Ohrenblaͤſer / Vbertretter vnd Vppige / ſol - len groſſe Herrn nicht vmb ſich haben / vnd gedulden.
    • Axioma LXXI. Fromme guͤtige Herrn meynen jhre Raͤht vnd Diener auch mit Trewen / vnd nehmen ſich deren an.
    • Axioma LXXII. Groſſe Herrn vnd Potentaten haben jhre getrewe Raͤhte vnd Diener jhre Freunde vnd Vaͤttern genennet.
    • Axioma LXXIII. Bey Hoff trachten viel darnach / daß ſie gern allein das Fac totum ſeyn / vnd alles in jhren Haͤnden zu jhrer vnerſaͤttlichen Begierde / Groß - mach-vnd anderer Vnterdruͤckung haben moͤgen.
    • Axioma LXXIV. Ein Diener thut wol / wann durch ſeine Dienſte / eine dem gemeinen We - ſen erſprießliche Verrichtung erfolget / daß er die Glori vnd Ehr nicht ſeinen Meriten, ſondern ſeines Herrn Verſtand vnd Gluͤck - ſeligkeit zuſchreibe.
    • Axioma LXXV. Ein Diener / der ſeines Herrn Gnade durch ſein hohe Merite vnnd dapf - fere Dienſte erworben / ſoll darumb nicht vermeſſen werden / viel we - niger es dahin ſpielen / daß ſein Herr ſich fuͤr jhm foͤrchte.
    • Axioma LXXVI. Ein Herr thut wol / daß er alle ſeine Raͤhte hoͤre / darff aber doch nicht alles allen vertrawen.
    • Axioma LXXVII. Was ein Herr ſeinen Raͤhten vnd Dienern vertrawet / das muß geheim gehalten vnd nicht außgeplaudert werden.
    • Axioma LXXVIII. Ein trewer Diener kan auch wol vntrew an ſeinem Herrn werden.
    • Axioma LXXIX. Ein angehender Regent thut wol / daß er ſeines naͤchſten Vorfahren / er - fahrne getrewe alte Diener / nicht gleich abſchaffe / vnd lautere newe beſtellet.
    • Axioma LXXX. Durch einen trewen Gottsfoͤrchtigen Diener wird offt ein Herꝛ / ja auch wol ein gantz Land geſegnet: vnd bey gutem Weſen erhalten.
    • Axioma LXXXI. Ein begabter Mann iſt ein gemein Gut.
    • Axioma LXXXII. Ein Raht vnd Diener der ſeines Herꝛn rechtmaͤſſigen Befehl / oder ſonſt ſein Ampt verrichtet / kan ſich damit gegen einen jeden ſchuͤtzen.
    • Axioma LXXXIII. Wann ein Raht Hoffdiener vor ſich in ſeinen Privatſachen / etwas bey ſeinem Herꝛn zuwerben / thut er am beſten / daß er ſolches durch andere negotiiren laſſe.
    • Axioma LXXXIV. Trewer Raht gilt nichts / wann ein Regent allein ſeinem Kopff folgen vnd darnach thun wil.
    • Axioma LXXXV. Boͤſer Raht trifft ins gemein ſeinen Auctorem vnd Vhrheber zu erſt / o - der doch endlich.
    • Axioma LXXXVI. Die / ſo zu boͤſen Haͤndeln rahten vnd thaten / heiſſen es endlich ſelber nicht gut.
    • Axioma LXXXVII. Boͤſe Raͤhte verfuͤhren zuweilen fromme guͤtige Herꝛn.
    • Axioma LXXXVIII. Verſtaͤndige kluge Leut geben auch zuweilen boͤſen Raht.
    • Axioma LXXXIX. Alle Menſchen ſind Narꝛen mit jhrer Kunſt.
    • Axioma XC. Nach groſſen Thaten / haben offt groſſe Leute auch groſſe Fehler vnd Thorheiten begangen.
    • Axioma XCI. Die wol vnd trewlich dienen / werden zuweilen ſchlecht belohnet.
    • Axioma XCII. Verſprochene Salaria vnd verdienter Lohn / muß den Dienern bezahlet / vnd ohne jhren Willen nicht geaͤndert werden.
    • Axioma XCIII. Getrewer wolverdienter Leute ſoll man auch nach jhrem Abſterben / in Ehr vnd allem gutem ingedenck vekbleiben.
  • TIT. Vom Hoffweſen.
    • Axioma XCIV. Hoff vnd Herꝛn Gnade iſt ſehr mißlich / vnd ein Verſtaͤndiger verlaͤßt ſich darauff nicht.
    • Axioma XCV. Angebottene Hoff-vnd Herꝛn Gnade wird offt weißlicher abgeſchlagen / als angenommen.
    • Axioma XCVI. Die Hoffgaͤnge bekommen manchem ſehr vbel.
    • Axioma XCVII. Bey Hoff gibt es zuweilen ſtarcke Geſundheit vnnd andere gefaͤhrliche Truͤncke.
    • Axioma XCVIII. Viel wunders Gutes vnd Boͤſes im Weinfaſſe.
    • Axioma XCIX. Wann ein Hoffdiener mercket / daß ſein Stern bey Hoff nicht mehr ſcheinen wil / thut er am beſten / daß er denſelben quittiert / vnd ſich bey zeiten retetiret.
    • Axioma C. Beſtaͤndige vnd ſichere Herꝛn Gnade kompt von Gott / vnd waͤhr et ſo lang / als Gott wil.
    • Axioma CI. Ein gnaͤdiger Herꝛ / ein vngnaͤdiger Hoff.
    • Axioma CII. Ein Hoffdiener thut wol / daß er ohne Vorwiſſen vnnd Conſens ſeines Herꝛn nichts / ſo von Jmportantz / fuͤrnehme vnd verrichte.
    • Axioma CIII. Zunahe bey Hoff / iſt offt gefaͤhrlich / zuweit darvon / auch nicht allemach vortraͤglich.
    • Tit. Von Vnterthanen. Axioma CIV. Fromme Vnterthanen lieben vnnd ehren jhre von GOtt vorgeſetzte O - brigkeit.
    • Axioma CV. Trewe Vnterthanen verharꝛen bey jhrem Herꝛn beſtaͤndig / biß in den Tod.
    • Axioma CVI. Die Vnterthanen ſind ſchuldig / jhre Obrigkeit durch Verſpruch / Pflicht vnd Huldigung / jhrer Trewe vnd Gehorhorſams zuverſi - chern.
    • Axioma CVII. Vermoͤge ſolcher Pflicht vnd auß Schuldigkeit / ſind Vnterthanen ge - halten / jhrer Herꝛn vnd Obern Ehr vnd Reſpect zufordern / jhr Be - ſtes zuwiſſen vnd Arges abzuwenden.
    • Axioma CVIII. Zu Conſervation Schutz vnd Rettunge der gemeinen Wolfahrt Geiſt - lichen vnd Weltlichen Stands / ſind die Vnterthanen ſchuldig / jhrer Obrigkeit eine gemeine Stewer / Anlage / oder Subſidia zurey - chen.
    • Axioma CIX. Wann zu deß Lands Conſervation vnnd Schutz eine gemeine Collecta vnd Schatzung zuerheben / ſol dieſelbe nicht auff den armen Mann / ſondern auff die Reicheſte geleget / vnd eines jeden Vermoͤgen nach / proponiert werden. Axio -Von dem Weltlichen Stande.
    • Axioma CX. Solche Proportion vnd billigmaͤſſige Peræquation zumachen / iſt kein beſſer Mittel / als eins vorhergehende Deſcription / oder Beſchrei - bung / worauff hernacher die durchgehende Taxa zuſetzen.
    • Axioma CXI. Was ein Regent / Herꝛſchafft / oder hohe Obrigkeit / zu nohtwendigem Behuff deß Publici, oder allgemeinen Weſens von Privatguͤtern ohnvmbgaͤnglich bedarff / darfuͤr ſeynd ſie gehalten den Eygen - thumbsherꝛn den rechten Werth vnd billigmaͤſſige Erſtattung zu - thun.
    • Axioma CXII. Landsſtaͤnde vnd Vnterthanen praͤtendieren / vnd machen zuweilen Gra - vamina, ob ſie ſchon darzu ſo hoch nicht beſugt.
    • Axioma CXIII. Die Vnterthanen ſitzen nicht vbel vnter dem Krummen Stabe.
    • Axioma CXIV. Von ſeinen Regenten / Herꝛn vnd Obern / vnd ins gemein / von groſſen Herꝛn ſoll man behutſam / wenig / oder gar nichts / zumalen boͤſes reden.
    • Axioma CXV. Der gemeine Mann vnnd Poͤfel laſſen ſich leichtlich zur Revolte vnd Auffſtand bewegen.
    • Axioma CXVI. Alle Vnterthanen vnd Diener ſollen ſich fuͤr Rebellion vnd Auffruhr huͤ - ten / vnd ſich vnter ſolche Leut nicht miſchen.
    • Axioma CXVII. Den newerlangten / ſonderlich aber durch Kriegbezwungenen Vntertha - nen / bey denen man ſich einigen Auffſtands beſorget / kan man die Mittel darzu / ſonderlich aber / was zur Armatur vnd Waffen noͤh - tig / entziehen.
    • Axioma CXVIII. Alle Newer-vnd Enderungen im Kirchenweſen vnnd Weltlichen Regi - ment bringen Nachdencken / vnd iſt bey den Vnterthanen nicht ohne Verdacht vnd Gefahr. ) () () (ijAxio -Das ander Buch /
    • Axioma CXIX. Liebe der Vnterthanen iſt der Koͤnige vnd Regenten ſicherſte vnd beſtaͤn - digſte Salvaguardi, Hut vnd Schutz / auch der beſte Schatz.
    • Axioma CXX. Vnterthanen thun wol / wann ſie aͤrgerliche ſtraff bare Laſter / ſonderlich / wann etwas wider die Obrigkeit vnd jhren Staat obhanden / erfah - ren / daß ſie ſolches anmelden.
  • TIT. Jus belli Biblicum. Vom Bibliſchen Kriegsrecht.
    • Axioma CXXI. Krieg zufuͤhren iſt in Gottes Wort der Voͤlcker vnd gemeinen Rechten an ſich ſelbſten nicht verbotten.
    • Axioma CXXII. Der Krieg iſt Gottes Netz vnd Jagen / darinn die Leut gefangen werden / wie das Wild im Jagen.
    • Axioma CXXIII. Gott erwecket den Koͤnigen vnd Voͤlckern Feinde / wann ſie ſich an Jhm verſuͤndigen / vnd ſtaͤrcket darzu die Tyrannen.
    • Axioma CXXIV. Krieg ſol man ohne Noht vnd rechtmaͤſſige Vrſachen nicht anfaͤngen.
    • Axioma CXXV. In Pace de Bello, bey gutem Friede ſoll man nicht gar zu ſicher ſeyn.
    • Axioma CXXVI. Vor Gottes Ehre / Erhaltung ſeiner reinen Lehr / auch Schutz deß Vat - terlands vnd ſeiner anvertrawten Vnterthanen / kan vnd ſoll man zu den Waffen greiffen.
    • Axioma CXXVII. Zu Rettung ſeiner betrangten Freunde / Religions-vnd Bundsverwan - den wird rechtmaͤſſiger Krieg gefuͤhret. Axio -Von dem Weltlichen Stande.
    • Axioma CXXVIII. Ein rechtmaͤſſige Vrſache zum Krieg iſt recuperatio rerum noſtra - rum pervim ablatarum, wann man das jenige / was einem mit Gewalt abgenommen / durch Krieg wider an ſich bringet.
    • Axioma CXXIX. Wegen Verweigerung eines nohtwendigen vnſchaͤdlichen Paſſes / auff anerbottene Caution / mag man wol die Waffen zur Hand nehmen / vnd den Paß perforce ſuchen.
    • Axioma CXXX. Verweigerten Proviand gegen anerbottene billige Zahlung / mag man durch Waffen ſuchen.
    • Axioma CXXXI. Jn Freunde Land ſoll man Proviand vmb Gelt kauffen.
    • Axioma CXXXII. Eine gerechte Sache Krieg zufuͤhren / iſt / wann einem die Iuſtitia, oder das Recht verſagt wird.
    • Axioma CXXXIII. Wider die / ſo ſich deß ſchuldigen Gehorſams entziehen / jhrer Obrigkeit den gebuͤhrlichen Schoß vnd Subſidia vorenthalten / vnd ſich ſelbſt maͤchtig deren entbrechen wollen / kan man Krieg fuͤhren / vnd dieſel - be dardurch / weil keine anders Mittel vnd Guͤte zureicht / zum Ge - horſam bringen.
    • Axioma CXXXIV. Zu den Waffen kan auch erlaubter Weiſe gegriffen werden / wegen zuge - fuͤgter Schmach vnd Beſchimpffung.
    • Axioma CXXXV. Die Religion vnd deren Vbung / kan vnnd ſoll billig von denen / die es Macht vnd Fug haben / wider die Feinde Gottes vnd ſeines heiligen Worts / durch die Waffen geſchuͤtzt werden / wie in dem Axiom. V. geſetzet / aber dieſelbe durch Waffen den Vnglaubigen vnd andern auffzutringen / vnd darumb allein Krieg zufuͤhren / hat in Gottes Wort keinen Grund. ) (()) (iijAxio -Das ander Buch /
    • Axioma CXXXVI. Jn frembde Kriege ſich ohne Noht vnd erheblichen Vrſuchen zumiſchen / iſt gefaͤhrlich / vnd pflegt ins gemein vbel abzulauffen.
    • Axioma CXXXVII. Frembde Huͤlffe in Kriegen iſt mißlich / verdaͤchtig / vnd offters ſchaͤd - lich.
    • Axioma. CXXXVIII. Es gehen auch in rechtmaͤſſigen vnd billigen Kriegen ſolche Exorbitan - tien vnd Grauſamkeiten vor / daran GOtt einen groſſen Eckel vnd Mißfallen hat.
    • Axioma CXXXIX. Es iſt zuweilen beſſer einen guten Frieden mit Gelt zuerlangen / als ſich der groſſen Gefahr deß grauſamen Kriegs / vnnd deſſen mißlichen Außgang zu vnterwerffen.
    • Axioma CXL. Auff Veſtungen / gewaltige Staͤtt / Paͤß / vnd von Natur ſichere Oerter / hat man ſich nicht zuviel zuverlaſſen / vermeſſentlich Krieg anzufa - hen oder fortzuſetzen.
    • Axioma CXLI. Krieg bringet Mangel an Bawren / vnd machet den Acker wuͤſte.
    • Axioma CXLII. Der Außgang deß Kriegs iſt ſehr mißlich vnd vngewiß.
    • Axioma CXL III. Begierde zuherꝛſchen / ſein Koͤnigreich / Herꝛſchafft / Land vnd Leut zuer - weitern / iſt keine rechtmaͤſſige Vrſach Krieg anzufahen vnd zufuͤh - ren.
    • Axioma CXLIX. Vmb fuͤrgebildete Reputation vnd Ehrgeitz Kriegzufuͤhren / iſt fuͤr Gott nicht verantwortlich / noch endlich Gluͤck darauß zuerwarten.
    • Axioma CXLV. Propter Rationem ſtatus, oder darumb / daß ein Benachbarter / oder an - der Potentat / Herꝛſchafft / oder Republique nicht zu groß vnd maͤchtig werde / hat man keine rechtmaͤſſige in Gottes Wort / vnd den Rechten gegruͤndete Vrſach Krieg anzukuͤnden vnd zufuͤhren. Axio -Von dem Weltlichen Stande.
    • Axioma CXLVI. Ehe man den Krieg ankuͤndet / vnd ſein Panier auffwirfft / ſoll man vor - hin die Guͤte verſuchen vnd den Frieden anbieten.
    • Axioma CXLVII. Es iſt beſſer ein offentlicher Krieg / als ein angebottener / betrieglicher / vn - ſicherer Frieden.
    • Axioma CXLVIII. Wer ohne Gefahr ſeiner Land vnd Leute Neutral bleiben kan / der thut nicht vbel.
    • Axioma CXLIX. Ehe man zu Feld ziehet / muß man muſtern / vnd das Volck armiren.
    • Axioma CL. Bloͤde / verzagte vnd feyge Leute ſoll man nicht annehmen / vnterſtellen / vnd in Krieg fuͤhren.
    • Axioma CLI. Es iſt in viel wege gut / daß man das Landvolck exerciere / darauß einen Land-Außſchuß mache vnd armire / im Fall der Noht / ſich deren auch zubedienen.
    • Axioma CLII. Es iſt nicht genug zum Krieg vnd deſſen Verantwortung / eine abgenoͤh - tigte gerechte Sach zuhaben / ſondern es muß auch der Krieg mit Gott / in deſſen Forcht vnd Anruffung angefahen werden.
    • Axioma CLIII. Krieg wil mit Raht vnd dapfferer Reſolution gefuͤhret ſeyn.
    • Axioma CLIV. Jm Krieg muß das Tempo wol in acht genommen / vnd ſonderlich / wann ſich ein Auffſtand vnd jnnerliche Vnruhe in dem gemeinen Weſen ereuget / Celeritaͤt vnd Geſchwindigkeit gebraucht werden.
    • Axioma CLV. Jm Krieg muß man ſich in etwas proportionieren nach deß Feindes Macht / wiewol es nicht allezeit mit der groſſen Menge außgerich - tet. Axio -Das ander Buch /
    • Axioma CLVI. Jm Krieg iſt viel am erſten Streych gelegen.
    • Axioma CLVII. Gute Kundſchafft im Krieg iſt ſo gut / als der halbe Sieg.
    • Axioma CLVIII. Jm Krieg ſoll man mit Fleiß dahin trachten / wie man ſeinem Feind die Proviand / vnd ſonderlich das Waſſer abnehme.
    • Axioma CLIX. Es iſt nicht allemal rahtſam / daß man ſeinen Feind beenge / ad anguſtias treibe / oder gar zur Deſperation bringe.
    • Axioma CLX. Wann man dem Feind auſſer Lands / vnd im ſeinigen vorkommen kan / iſt es beſſer / als daß man ſeiner im Lande warte.
    • Axioma CLXI. Es iſt gleiche viel / ob man im Krieg ſeinen offenbaren Feind mit Liſt vnd Geſchwindigkeit / oder mit Mann-vnd Dapfferkeit vberwinde.
    • Axioma CLXII. Trewloſigkeit iſt auch im Krieg nicht zulaͤſſig / ſondern was man ſeinem Feind zuſaget vnd verſpricht / ſoll man trewlich halten.
    • Axioma CLXIII. Man muß in wichtigen Haͤndeln / ſonderlich im Krieg / weder Feinden / Freunden / oder Bundsgenoſſen / leichtlich oder zu viel trawen.
    • Axioma CLXIV. Jm Krieg muß vor allen Dingen gute Ordnung gehalten vnd angeſtel - let werden.
    • Axioma CLXV. Verſaͤumbte Schildwacht iſt an Leib vnd Leben zuſtraffen.
    • Axioma CLXVI. Wer Kriegsordre bricht vnd vbertritt / der muß ſcharpff vnd ernſtlich ge - ſtrafft werden.
    • Axioma CLXVII. Auff Verhoffen guten Succeß / wann ſich ſchon eine gute Occaſion mit dem Feind zuſchlagen praͤſentieret / ſoll man doch ein Officierer oder Soldat wider Ordre nicht thun. Axio -Von dem Weltlichen Stande.
    • Axioma CLXVIII. Bey guter gerechter Sache muͤſſen auch gute Proceduren gefuͤhret / der Debitus belligerandi modus, oder die geziemende Art vnd Wei - ſe zukriegen nicht vberſchritten / ſondern gute Ordnunge vnd Di - ſciplin obſerviert vnd gehalten werden.
    • Axioma CLXIX. Soldaten ſollen ſich an jhrem Sold genuͤgen laſſen / vnd ſonderlich / in Freunde Lande aller Thaͤtlichkeit enthalten.
    • Axioma CLXX. Es gibt auch Gottſelige fromme Generals-Perſonen / hohe vnd andere Officierer vnd Soldaten im Kriege.
    • Axioma CLXXI. Fruchtbare Baͤume ſoll man im Krieg / auch in Feinde Land verſchonen vnd daꝛvon man zu beſſerer Providierung der Armee / oder ſonſten Provit vnd Nutzen haben kan / nicht verwuͤſten.
    • Axioma CLXXII. Krieger vnd Soldaten koͤnnen leichtlich Actiones zur Reuterzehrunge vnd ſonſten finden / welche dann zuweilen mit beſſerem Nutzen ge - reichet / als abge ſchlagen wird.
    • Axioma CLXXIII. Wo ein Capo, oder Haupt ſich findet zum Krieg / da finden ſich bald Krieger vnd allerhand Sorten.
    • Axioma CLXXIV. An einem guten Haupt vnnd Generaln / iſt im Kriege ſehr viel gele - gen.
    • Axioma CLXXV. Es iſt nicht allemal nuͤtzlich / vnd der gemeinen Wolfahrt vortraͤglich / daß ein Koͤnig oder Kriegs herꝛ / in offentlichen Feldſchlachten / o - der andern gefaͤhrlichen Occaſionen ſeine Perſon hazartiert / vnd in Gefahr ſetze.
    • Axioma CLXXVI. Ein Feldhauptmann vnd andere hohe Officierer muͤſſen vigilant, allert vnd vnverdroſſen ſeyn.
    • Axioma CLXXVII. Wann die Armee in Noht / Gefahr / oder Mangel begriffen / thun die Herꝛn vnd Gener aln wol / daß ſie ſich auch gedulden / vnd durch jhr eygen Exempel den gemeinen Soldataten ſtandhafftig vnd behertzt machen.
    • Axioma. CLXXVIII. Durch ein dapffere That / kan zuweilen ein reſolvierter Soldat im Krieg hoch ankommen.
    • Axioma CLXXIX. Wann man nicht baſtand / der Feind gar zuſtarck iſt / oder zu groſſen Vor - theil inn hat / iſt es beſſer / daß man ſich etwas retirire / vnd in ſeinem Vortheilhalte / als gefaͤhrlich ſchlage.
    • Axioma CLXXX. Der Belagerten vnfaͤrſichtige Außfaͤlle ſind gefaͤhrlich / vnd jhnen offt ſchaͤdlich.
    • Axioma CLXXXI. Wann man eine Haupt-Action fuͤrnehmen / vnd mit dem Feind treffen wil / iſt es gut / daß man die Weiber / Kinder / Troß vnd Pagage an ſichere Oerter ſchaffe.
    • Axioma CLXXXII. Ehe es zum Treffen kompt / pflegt / der Feldherꝛ eine Loſe zugeben.
    • Axioma CLXXXIII. Victoria, Sieg vnd Gluͤck kompt von dem Herren.
    • Axioma CLXXXIV. Bey erzeigender guter Fortuna ſoll man ſich mit Pluͤndern der Erlegten / vnd jhrer Pagage nicht vbereylen.
    • Axioma CLXXXV. Bey groſſem Sieg vnd Gluͤck ſoll man ſein Hertz nicht erheben. Axio -Von dem Weltlichen Stande.
    • Axioma CLXXXVI. Sieg vnd Gluͤck erwecket Neid vnd Mißgunſt.
    • Axioma CLXXXVII. Die obſiegenden Potentaten pflegen die Vberwundene gantz zuvertil - gen / ſich vnterthan / oder ſonſten verwand / Schatzpflichtig / Zinß - vnd Dienſtbar zumachen.
    • Axioma CLXXXVIII. Bey Obſiegung wider ſeine Feinde / ſoll man keine groſſe Crudelitaͤten / o - der Grauſamkeiten mit niderhawen / ſonderlich / der vnbewehrten Jnnwohner vnd Landleute / Frawen / Jungfrawen / Kinder vnd Ge - ſinds veruͤben.
    • Axioma CLXXXIX. Es iſt ein alter vnd guter Gebrauch / daß man die Gefangene im Krieg ge - gen einander außwechſele.
    • Axioma CXC. Nach erlangtem Sieg / ſoll der obſiegende Herꝛ vnd Potentat gegen die Vberwundene nicht ſæviren, ſondern vielmehr jhnen gute Condi - tiones geben / ſich ſanfftmuͤhtig vnd guͤtig erzeigen / ſie nach thunli - chen dingen bey jhren alten Sitten vnd Freyheiten laſſen / Gericht vnd Gerechtigkeit handhaben / vnd dardurch auch die Gemuͤhter der Vberwundenen gewinnen.
    • Axioma CXCI. Was man im rechtmaͤſſigen Krieg mit dem Schwerd gewinnet / das kan man mit gutem Gewiſſen behalten / haben vnd beſitzen.
    • Axioma CXCII. Was man im Krieg den Feinden ſeiner Freunde / denen man aſſiſtieret / von jhrem der Freunde Gut wider abnimpt / das kan man nicht Iure belli, oder vermoͤge Kriegsrechts / behalten / ſondern muß billig ſei - nem rechten Herꝛn wider werden.
    • Axioma CXCIII. Der liebe Friede iſt der alleinige Zweck / das edle werthe Pretium vnd En - de aller rechtmaͤſſigen Kriege. ) () () () (ijAxio -Das ander Buch /
    • Axioma CXCIV. Jnnerliche Kriege werden am beſten vnnd ſicherſten durch Verſoͤhnunge vnd der Vergeſſenheit deren Dinge / ſo darbey vorgangen / welches die Griechen Amniſtiam genannt / auch ſonſten durch billiche vnd nicht zu hochgeſpannete Conditiones am fuͤglichſten vnd beſten tranquilliert vnd geſtillet.
    • Axioma CXCV. Man kan ehe zum Krieg / als zum Friede gelangen.
    • Notæ Hiſtoricæ. Von Veranlaß-vnd Verfaſſunge der Vnion vnd Catholiſchen Liga, darauß entſtandenen / langwuͤhrigen / blutigen Boͤhmiſchen vnd Teutſchen Kriegs.
    • Axioma CXCVI. Der Friede bawet das Land vnd Staͤtte / der Krieg zerſtoͤret dieſelbe.
  • TIT. Von Duellen / Rauffen vnd Balgereyen.
    • Axioma CXCVII. Die blutige Duella vnd Balgereyen ſind in Gottes Wort Geiſtlichen / natuͤrlichen vnd gemeinen beſchriebenen Rechten nicht zugelaſſen / noch vnſerm Chriſtenthumb gemaͤß.
    • Axioma CXCVIII. Chriſtliche Potentaten / Keyſer / Koͤnige / Chur-vnd Fuͤrſten / vnd ande - rehohe Obrigkeiten / koͤnnen die Duella vnd Balgereyen an jhren Hoͤffen / Landen vnd Gebieten / mit gutem Gewiſſen nicht geſtat - ten / vnd wann es geſchiehet / fuͤr GOTT ſchwaͤrlich verantwor - tem.
  • TIT. Von Buͤndnuͤſſen.
    • Axioma CXCIX. Buͤndnuͤſſen ſind in Goͤttlicher / vnd aller vernuͤnfftigen Voͤlcker Rech - ten zugelaſſen.
    • Axioma CC. Buͤndnuͤß werden fuͤrnemlich zwiſchen Potentaten / Fuͤrſten vnd Herꝛ - ſchafften auffgerichtet / ſich bey jhrem Staat vnd gemeinem We - ſen / auch Ruhe vnd Fried zuerhalten vnd zuſichern / oder den Krieg wider andere mit geſampter Hand zufuͤhren / vnnd ſich zuſchuͤtzen / auch wol die gemeine Commercia zubefoͤrdern / gute Nachbarliche Correſpondentz zuſtifften vnd zu conſervieren.
    • Axioma CCI. Buͤndnuͤß werden auff gewiſſe Maß abgeredet.
    • Axioma CCII. Bey Auffrichtung vnd Gebrauch der Buͤndnuͤſſen / muß auch auff die Sach deſſen / damit man ſich verbindet / geſehen / dieſelbe auch zu kei - nen vnbilligen Dingen mißbraucher werden.
    • Axioma CCIII. Jn Auffrichtung der Buͤndnuͤſſen / hat man die Perſon / Staat vnnd Gluͤckſeligkeit deſſen / mit deme man einzutreten reſolvieret / in gute Obacht zuhaben.
    • Axioma CCIV. Mit Vnglaubigen / oder die vnſerer wahren Religion nicht zugethan / iſt gefaͤhrlich / bevorah / zur gemeinen Huͤlffe / ſich zuverbinden.
    • Axioma CCV. Buͤndnuͤſſen muß man nicht zu viel trawen / noch ſich zu ſtarck darauff verlaſſen.
    • Axioma CCVI. Bundsverwanden / koͤnnen auß Vrſachen / die jhnen pro ſtatus ſui ra - tione zuſtoſſen / den Bund auffkuͤnden / vnd darvon abtretten. ) () () () (iijAxio -Das dritte Buch /Von Geſandten. Axioma CCVII. Geſand-vnd Bottſchafften ſind bey allen Voͤlckern / auch dem Volck Gottes vblich geweſen / vnd dardurch viel hohe vnd wichtige Sa - chen zwiſchen Abweſenden abgehandelt.
    • Axioma CCVIII. Geſanden ſind bey allen Voͤlckern ehrlich gehalten / vnd vor aller Thaͤt - lichkeit geſichert worden.
    • Axioma CCIX. Geſanden thun wol vnd weißlich / daß ſie jhre Werbunge bey nuͤchterne Muhte ablegen / vnd ehe ſie zur Taffel ſich ſetzen / jhre Negotiation vnd Haͤndel vornehmen.

Das dritte Buch / Von dem Hauß-vnd Eheſtand.

  • Axioma I. Der Hauß - vnd Eheſtand iſt von GOtt / vor dem Fall vnſerer erſten El - tern im Paradeiß-Garten eingeſetzt.
  • Axioma II. Der Eheſtand iſt dem gantzen Menſchlichen Geſchlecht / vnd alſo dem Geiſt-Welt-vnd Haͤußlichem Stand / keinen außgenommen / zu gutem vnd zu Troſt eingeſetzt.
  • Axioma III. An gleiches Standes Perſonen ſich zuverheurahten / iſt am bequem - ſten.
  • Axioma IV. Es iſt keine geringe Sach eines Koͤnigs Eydam / oder Tochtermann zu - ſeyn. Axio -Von dem Hauß-vnd Eheſtand.
  • Axioma V. Jn Heurahten iſt es gut / ſich an ſeine Religionsverwanden zuvermaͤh - len.
  • Axioma VI. Zunahe ins Gebluͤt ſoll man nicht heurahten.
  • Axioma VII. Die / ſo in der auff-vnd abſteigenden Lini vnter ſich an Eltern oder Kinder ſtatt ſeynd / koͤnnen ohne Blutſchande / vermoͤge Goͤttlicher vnd Weltlicher Rechte / ſich nicht miteinander verheurahten.
  • Axioma VIII. Seines verſtorbenen Bruders vnberuͤhrte vertrawte Braut / oder ſeiner verſtorbenen Braut Schweſter zu heurahten / iſt in Gottes Wort vnd den Rechten nicht verbotten / dahero auff vorgangene der Sa - chen Erkantnuß vnd Diſpenſation zulaͤſſig.
  • Axioma IX. Wann eine Perſon mit Zweyen nach einander ſich Ehelich einlaͤſſet / muß ſie den letzten / wann ſchon nicht res integra, vnd das Beylager er - folget / quittieren / vnd dem erſten folgen.
  • Axioma X. Schoͤnheit / ſonderlich an Weibsbildern / iſt eine Gabe Gottes / wird in der H. Schrifft geruͤhmet / jedoch muß man in Heurahten daranff al - lein nicht ſehen.
  • Axioma XI. Schmincken / mit Farben / Olitaͤten / ſeine Geſtalt vnd Angeſicht zuzie - ren / ſtehet Gottſeligen vnnd frommen Frawen vnd Jungfrawen nicht wol an.
  • Axioma XII. Jm Heurahten ſoll man nicht allemal auff Reichthumb / ſondern viel - mehr die Perſon / dero Ankunfft vnd Qualitaͤten ſehen.
  • Axioma XIII. Die Matrimonia ſeynd Fatalia, oder wie man zuſagen pfleget: Die Ehe werden im Himmel gemacht / ohne Vnderſcheyd der Nationen vnd Voͤlcker.
  • Axioma XIV. Vnkeuſche Liebe / je groͤſſer vnd hefftiger ſie anfangs gegen einem Weibs - bild iſt / je gehaͤſſiger oder verhaßter wird hernacher dieſelbe.
  • Axioma XV. Vorwitz macht Jungfrawen thewer.
  • Axioma XVI. Es iſt ein zart vnd gefaͤhrlich Werck vmb die Jungfrawſchafft.
  • Axioma XVII. Nicht zu jung / vnd nicht zu alt / gibt die beſte Heyrahten.
  • Axioma. Die Prieſterliche Copulation / Benediction vnd Einſegung Braut vnd Braͤutigams / iſt eine feine Chriſtliche Ceremonia, vnd kan nun - mehr allgemeinem Kirchengebrauch nach / ohne Verweiß vnd Er - gernuß / nicht wol vor dem Ehelichen Beylager vnterlaſſen werden / gehoͤret aber doch nicht zu der Subſtantz vnd Weſen der Ehe.
  • Axioma XVIII. Der Mann muß das Haupt vnd Herꝛ im Hauſe ſeyn / wann es wol zu - gehen ſoll.
  • Axioma XIX. Ein vernuͤnfftig Weib kan wol zu Verhuͤtung Vnglimpffs vnd Scha - den / jhres Manns ohnwiſſend / demſelben vorkommen.
  • Axioma XX. Eheleute moͤgen wol / ohne Verweiß / miteinander ſchertzen.
  • Axioma XX. Lachen / laͤugnen vnd hoͤfflich luͤgen / iſt bey dem Frawenzimmer ein al - tes.
  • Axioma XXI. Wann das Frawenzimmer auff etwas ſtewret / ſo wollen vnd muͤſſen ſie es haben / ſolten ſie auch mit Schaden / viel ein beſſers dargegen fah - ren laſſen. Axio -Von dem Hauß-vnd Eheſtand.
  • Axioma XXII. Newe angehende Ehemaͤnner ſoll man anfangs mit Heereszug vnd an - dern Beſchwerden / in etwas verſchonen.
  • Axioma XXIII. Schwaͤger ſind nicht allemal die beſte Freunde.
  • Axioma XXIV. Die Kinderzucht iſt die fuͤrnembſte vnd muͤhſamſte Hauß Arbeit getrewer Eltern.
  • Axioma XXV. Zaͤrtlinge / Mutter Soͤhn-vnd Toͤchterlein / pflegen ſelten am beſten zu - gerahten.
  • Axioma XXVI. Wann Eltern jhren Kindern nachſehen / vnd ſie auß Lieb vnd Affection nicht bekuͤmmern wollen / ziehen ſie damit denſelben offt groͤſſer Vn - gluͤck zu.
  • Axioma XXVII. Wann Eltern ein Kind vor das ander zuviel herfuͤr ziehen / erwecken ſie leichtlich Neyd / vnnd Vneinigkeit zwiſchen den Geſchwiſtri - gen.
  • Axioma XXVIII. Kinder ſollen jhre Elternehren in allem / ſo nicht wider GOtt / das Recht vnd Ehrbarkeit iſt.
  • Axioma XXIX. Kinder thun ruͤhmlich vnd wol / daß ſie jhrer Vaͤtter Verordnungen / Vertraͤge / vnd Geſchaͤffte / auch nach deren toͤdlichen Hintritt / in gebuͤhrender Veneration halten / vnnd darwider nicht han - deln.
  • Axioma XXX. Wann der Obrigkeit vnd Elterlicher Reſpect / Befehl / oder Verordnun - ge concurrieren / oder wider einander ſtoſſen / behaͤlt der Obrigkeitli - che den Vorzug. ) () () () () (Axio -Das dritte Buch /
  • Axioma XXXI. Auſſer der Ehe erzeugte Kinder gerahten ins gemein vbel / zuweilen aber auch wol.
  • Axioma XXXII. Es iſt beſſer ohne Kinder ſterben / dann gottloſe Kinder haben.
  • Axioma XXXIV. Fromme vnd fuͤrnehme Eltern haben offt vngerahtene boͤſe Kinder.
  • Axioma XXXV. Von gottloſen Eltern kommen zuweilen fromme vnd tugendhaffte / vnd wolgerahtene Kinder.
  • Axioma XXXVI. Die erſte Geburth / hat in Gottes Wort vnd von Natur / in vieler Voͤl - cker Rechten / ſonderbaren Vorzug vnd Begnadigunge.
  • Axioma XXXVII. Das Recht der erſten Geburth / kan einer vor ſich vnd ſeine Nachkom - men / durch Verbrechen / oder gutwillige Begebung verlieren.
  • Axioma XXXVIII. Ein Vatter kan das Recht der erſten Geburth / ohne deß Erſtgebornen Willen / oder Verbrechen / nicht verrucken / vnd einem juͤngern Sohn zuwenden.
  • Axioma XXXIX. Die Eltern koͤnnen jhren Kindern vnnd Nachkommen / durch gute / vor - ſichtige / oder boͤſe / vnd vnvorſichtige Handlung wol vnd wehe thun.
  • Axioma XL. Kinder muͤſſen offt jhrer Eltern Schuld vnnd Vngerechtigkeit mit ent - gelten.
  • Axioma XLI. Ein frommer Gottſeliger Haußvatter / muß zuweilen nach Gottes Wil - len vnd Beruff / mit den Seinigen ſeinen Staab fortſetzen / vnd von einem Ort zum andern ziehen.
  • Axioma XLII. Ein Chriſtlicher vorſichtiger Hauß-Vatter / vnd ſonſten ein jeder / kan wol mit gutem Gewiſſen / bey gefaͤhrlichen Kriegs-vnd Sterbens - laͤufften / dem Vngluͤck etwas weichen.
  • Axioma XLIII. Je beſſer fruchtbarer Land / je aͤrgere Leute.
  • Axioma XLIV. GOTtes Segen vnnd ordentlich Haußhalten / foͤrdern den Hauß - ſtand.
  • Axioma XLV. GOttes Segen gibt Krafft der Speiſe.
  • Axioma XLVI. Vnrecht Gut gedeyet vnd nutzet dem Geitzigen nicht.
  • Axioma XLVII. Kraͤmter vnd Kauffleute achten alle Vervortheilunge fuͤr einen rechtmaͤſ - ſigen Gewinn.
  • Axioma XLIX. Ein Hauß-Vatter ſoll in Bawen behutſam ſeyn / vnd ehe er anfaͤngt den Vberſchlag mit dem Beutel machen.
  • Axioma L. Jn Buͤrgſchafften ſoll man ſich nicht vertieffen / vnd wann einer Buͤrge worden / ſich deren zeitlich wider loß machen.
  • Axioma LIII. Eltern vnd Haͤußvaͤtter thun weißlich / daß ſie bey jhrem Leben von jhren Guͤtern alſo mittheilen / daß ſie Herꝛn daruͤber bleiben / hernacher andern nicht in die Haͤnde ſehen doͤrffen.
  • Axioma LIV. Daß die Stammguͤter bey einer alten Familia im Gebluͤt verbleiben / vnd darbey erhalten werden / gereychet zum Auffnehmen vnd beſſerem Flor der Geſchlechter. ) () () () () (ijAxio -Das dritte Buch /
  • Axioma LV. Ein vorſichtiger Haußvatter thut wol / daß er vor ſeinem Abſterben / bey gutem Verſtand / durch Auffrichtung ſeines letzten Willens / ſein Hauß beſchicket.
  • Axioma LVI. Durch Gottloß vnordentlich Weſen / auch Vermeſſenheit / kan der Menſch das geſetzte Ziel ſeines Lebens verruͤcken.
  • Axioma LVII. & Ultimum. Alle Menſchen in allen Staͤnden muͤſſen endlich vor Gericht erſcheinen / vnd dem Richter aller Welt / wie ſie in jhrem Beruff / Ampt vnd Stande gehandelt / Rechenſchafft geben.
Das
1

Das Erſte Buch / Von dem Geiſtlichen Stande / der Stifftunge vnd der Religion ins gemein.

AXIOMAI. Der Geiſtliche Stand iſt der aͤlteſte / vornembſte vnd hat vff gewiſſe Maſſe den Vorzug: (In omni Republ. pri - mum eſt, Curatio rerum divinarum Ariſtot. 7. Politic c. 8. Lipſ. lib. 4. Polit. cap. 2.)

DAs Objectum principale vnd immediatum deß Geiſt - lichen Standes / iſt die Verſeh-vnd Verrichtung deß Gottes-Dienſtes / darumb der Weg zur Warheit / See - ligkeit / vnd rechtem eintzigen ſummo Bono, das iſt / zum ewigen vnſterblichen Gut getzeiget wird / dahero ſie Got - tes oder Chriſti Diener vnd Haußhalter vber Gottes Geheimnuß genand werden 1. ad Corinth. 4. v. 1. ſo da wachen vber die Seelen vnd dafuͤr Rechenſchafft geben Hebr. C. 13. v. 17. Sie ſeind gleichſam Geſandten vnd Bottſchafften an Gottes ſtatt. 2. ad Corinth. 5. v. 20. deren Fuͤſſe lieblich ſindauff den Bergen / den Frieden vnd Heyl zuverkuͤndigen Eſai. Cap. 52. v. 7.

So viel nun das Reiche Gottes vnd das ewige Leben / diß Zeitliche vber - trifft / ſo weit vnd hoch gehet auch der Geiſtliche Stand vber das Weltliche Ampt. A(Præſtant2Das erſte Buch(Præſtant æterna caducis.) Jenes bringet vnd giebet ewige Gerechtigkeit / ewigen Friede vnd ewiges Leben / wie S. Paulus ſolches hoch preiſet 2. Corinth. c. 4. Aber das Weltliche Regiment erhelt zeitlichen vnd vergaͤnglichen Frieden / Recht vnd Leben / wie D. Luther in einer Sermon an die Prediger von den Schulen Anno 1530. darvon ſchreibet vnd redet.

So iſt auch / der Kirchen: oder Lehr. Stand der aͤlteſte / vnd vor andern Staͤn - den gleich im Paradießgarten / da Gott der Herꝛ nach Erſchaffung deß erſten Men - ſchen Adams / ehe Eva war / ſelber das Lehr vnd Prediger Ampt gefuͤhret / vnd jh - me gebotten / du ſolt eſſen von allerley Baͤumen im Garten / aber von dem Baum deß Erkantnuſſe gutes oder boͤſes / (Arborſcientiæ erat hominis Ara atque Tem - plum, cujus fructibus abſtinendo, debitum erat, exhibendum creatori obſequium. D. Gerhard. Aporiſm. Theolog. 59. cap. 8.) ſoltu nicht eſſen / eingeſetzet. Geneſ. 2. cap. v. 16. welches dann auch D. Lutherus in ſeinem Commentario in Geneſin bey dieſem Text notirt (Facta fuit, inquit, inſtitutio Eccleſiæ, antequam eſſet œcono - mia & politia. Poſt inſtitutam Eccleſiam etiam Oeconomia conſtituitur, cum ad - ditur ſocia Heva. Politia autem ante peccatum nulla fuit, neque enim ea opus fuit, cum ſit remedium neceſſarium naturæ corruptæ. Siigitur homines non eſſent per peccatum mali facti, politiâ nihil fuiſſet opus, ſed Adam cum poſteris vixiſſet in ſumma tranquillitate, & plus effeciſſet, moto uno digito, quam nunc omnes gladii, cruces & ſecures efficiunt.

So muͤſſen auch die vbrigen Staͤnde in Gewiſſens vnd Geiſtlichen / jhre Seel vnd Seeligkeit betreffenden Sachen / dieſem Geiſtlichen Lehr-vnd Kirchen Stande / auff gewiſſe in Gottes Wort gegruͤndete Maaß vnd Weiſe ſich ſubmit - tiren, vnd iſt die Poteſtas Clavium, oder die Gewalt der Schluͤſſel zu loͤſen vnd zu binden / dem ſelben anvertrawet Matth. c. 16. v. 19. Iohan. c. 20. v. 22. dahero dann auch Gott beym Propheten Eſaia ſpricht von der Kirche; Koͤnige werden vor dir niederfallen zur Erden c. 4. v. 23. Jtem Koͤnige werden dir dienen. Eſai. c. 60. v. 10.

Der Koͤnig David hat ſich willig vnd gern dem Propheten Nathan als ſei - nem geiſtlichen Vatter vnd Seelſorger ſubmittiret, demſelben ſeine Suͤnde be - kant / vnd darauff die troͤſtliche Abſolution empfangen 2. Sam. c. 12.

Der Koͤnig Hiskias ſuchte auch Troſt bey dem Propheten Eſaia / vnd vnter - gab ſich demſelben in ſeiner Verfolgung vnnd Schwachheit. 2. Reg. c. 19. & 20. Nennet die Leviten ſeine Soͤhne 2. Chron. 29. v. 11.

Der Koͤnigin Jſrael Ioas honorirte vnd beſuchte den Propheten Eliſa in ſeiner Schwachheit / nant jhn zweymahl ſeinen Vatter vnd weinete vor jhm. 2. Reg. c. 13. v. 14. & ſeqq.

Der Koͤnig Aſa gehorchte gern der Ermahnung deß Propheten Obeds / dar - uͤber gieng es jhme wol. 2. Chron. 15. wie er aber hernach deß Propheten Sanani Vermahnung verachtete / vnd denſelben ins Gefaͤngnuß warff / ſchwehrete es jhmezu den3Von dem Geiſtlichen Stande. zu den Fuͤſſen herauß vnd muſte ers mit dem Podagra buͤſſen vnd daranſterben. 2. Chron. c. 16. der Prieſter Jojada war ſo hoch gehalten / daß jhme deß Koͤniges Jo - rams Tochter zum Weibe gegeben 2. Chron. c. 22. v. 11. Werden derowegen dieſelbe billich geehret / ſonderlich wann ſie die Waffen jhres Ampts vnſtraͤfflich fuͤhren / wie die Weiß heit Salomonis von Moſe zeuget c. 18. v. 21.

Es gedencket Pater Leimermannus in vitâ Weil. Kayſers Ferdinandi II. hoͤchſt loͤblichſter Recordation. c. 9. daß ſeine Kayſerl. May. ſich vernehmen laſſen wann dero zugleich ein Engel vnd Prieſter begegnete / Sie dem Prieſter zuvor / herna - cher dem Engel Ehr erweiſen wolten. (Formalia ejus ita habent: Auditus eſt non ſine admiratione occurtentibus ſibi eodem loco actempore Angelo & Sacerdote, ſe primum ſacerdoti, deinde Angelo honoris officium perſoluturum; item ordini deberi multa, quæ perſonæ non debentur, ibid.)

Welches ich gleichwol an ſeinen Orth ſtelle / dieſes findet man in Goͤttlicher Schrifft / daß die Prieſter Engel deß Herꝛn genant werden. Malach. c. 2. v. 7. da der Prophet außtrucklich den Prieſter einen Engel deß Herꝛn nennet / imgleichen Apocal. 3. v. 1. allda der Prieſter ein Engel der Gemein zu Sardis genant. (Simile non eſt idem. Zu wenig vnd zuviel verdirbet alle Spiel.)

Jn was hohem Reſpect der Tuͤrckiſche Kayſer ſeinen Mufti oder Mophthi helt / davon geſchiehet vnten Axiom. V. Meldunge. Die Heyden ſind jhren Sacer - dotibus oder Prieſtern auch mit groſſer veneration begegnet / ſie inviolabel geachtet vnd von aller Thaͤtligkeit geſichert / wie bey dem Halicarnaſſ. lib. 11. zufinden / da er ſchreibet: Eſt omnium ſacratiſſimum & honoratiſſimum Legatus: poteſtatem & vim habens imperantis, inviolabilitatemque & venerationem Sacerdotis.

Es iſt aber ſolches nicht dahin zuverſtehen daß darumb der geiſtliche Stand / mit einem herꝛſchenden Gewalt uͤber den Weltlichen / Kayſer / Koͤnige / Fuͤrſten / Herren / vnd Republiquen geſetzet / vnd vber dieſelbe vnd andere dominiren ſolte / wieder die Lehr S. Petri in 1. Epiſt. c. 4. v. 3. (Eleganter admodum Eraſmus in præfat. paraphras. Novi Teſtament. ut non decet in quit, Laicum ſeditiosè rebellare pres - byteris ſuis, ne confundatur ordo, quem Paulus vult eſſe in corpore Chriſti: Ita decet Sacerdotes exercere Tyrannidem in gregem: alioqui iis erit imputanda ſe - ditio. Ergo quoties paſtores funguntur officio ſuo reverenter funt audiendi tan - quam Angeli Dei, per quos nobis loquitur Chriſtus.

Oder daß derſelbe dieſem in Weltlichen Dingen nicht ſolte vnterthan vnd gehorſamb / ſondern davon gantz exempt ſeyn / wie die Canoniſten ins gemein da - von ſchreiben / vnd Adamus Conzen in ſeiner newen Politica weitleufftig behau - pten will lib. 6. c. 3. ſondern bleibet dieſe prærogativa oder Vorzug reſpectu præ - ſtantioris objecti, vnd dahero ruͤhrender ſchuldiger veneration, vnd iſt nicht weiter zu extendiren.

Dahero nichts do weniger der Geiſtliche Stand vnd Cleriſey / der Weltli -A ijchen4Das erſte Buch /chen hohen Obrigkeit in billigen Sachen Gehorſam zu leiſten ſchuldig bleibet.

Der Koͤnig Joſias als er die groſſe herꝛliche Reformation vorhatte / ſaget die Schrifft / daß er dem Hohen-Prieſter Hilkia vnd andern Prieſtern nach der Ord - nung gebotten vnd befohlen wie ſie die Reformation anſtellen ſolten. 2. Reg. C. 23. v. 4.

Der Herꝛ Chriſtus hat es ſelber alſo geordnet / daß die Apoſtel vnd in dieſer Welt ſtreitende Kirche der Weltlichen Obrigkeit in geziemenden Sachen ſolten vnterthan ſeyn. Actor. 25. Rom. 13. 1. Pet. 2. Als der Prieſter Abjathar ſich in Welt - liche Haͤndel vnd Vffruhr gemiſchet / iſt er von dem Koͤnig Salomon degradiret, ſeines Prieſters Ampts entſetzet / vnd zu ſeinem Acker gen Anathot relegiret. 1. Reg. 2. verf. 26.

Die heiligen Apoſtel ſonderlich Paulus haben ſich vor der Weltlichen Ob - rigkeit offters ſiſtiret, ſo wol Jhrer Lehr als guten ehrbaren Wandels / Rede vnd Antwort gegeben / vnd keine Exceptiones fori declinatorias eingewand / wie auß den Geſchichten der Apoſtel an verſchiedenen Orten zu finden / vnd ſonderlich C. 25. da Paulus das verdaͤchtige Geiſtliche Conſiſtorium zu Jeruſalem declinirte, ſich auff den Roͤm. Kayſer berieff / ſprechende: Jch ſtehe fuͤr deß Kayſers Gerichte / da ſol ich mich laſſen richten. Haͤtte nun de Jure divino die Weltliche Obrigkeit keine cognition vber die Cleriſey / ſo haͤtte S. Paulus das außerwehlte Rüſtzeug Gottes / der ſeine Principia Theologica vnd Kirchenrecht im dritten Himmel / wie man in der Kirchen redet / ſtudiret vnd gelernet / ſeinem Orden vbel vorgeſtanden / daß er mit ſeiner Lehr vnd eigenem Exempel an den Roͤm. Kayſer / als die hoͤchſte Weltliche Obrigkeit ſich beruffen / incompetentem Jurisdictionem prorogiret, vnd der Chriſtlichen Kirchen ſo ſtarck præjudiciret.

AXIOMA II. Der Geiſtliche Stand lehret vnd prediget von Gott / was derſelbe nach ſeinem Weſen vnd Willen / auch wie Er recht zu erkennen / zu ehren vnd anzuruffen ſey.

ZVr Zeit als dem Seth Enos gebohren war / ſagt die Schrifft / hat man an - gefangen zu predigen von dem Namen deß Herꝛn. Gen. 4. v. fin. welches dann nicht die Meynunge hat / als wann vorhin Adam gar nicht von dem Namen deß Herꝛn geprediget / ſondern daß ſolches etwann nicht in ſo ſtarcker vnd ſolenner Verſamblung geſchehen / wie heutiges Tages auch wol zu geſchehen pfleget / daß auß einfallenden Verhindernuſſen ein Haußvatter ſeinem Haußge -ſinde5Von dem Geiſtlichen Stande. ſinde auß einer Poſtille oder andern feinem Buche vorlieſet / wie auch an denen Orten / da die Chriſtliche Kirche in Betruck vnd Verfolgung iſt vnd keine oͤffent - liche Predigten geduldet werden.

Lutherus in ſeinem Commentario in Geneſ. ſchreibet davon alſo ad Cap. 25. verſ. Retinemus autem hoc loco, &c.

Tempore Enoscœptum eſt invocarinomen Domini, id eſt, tum primum habitæ ſunt conciones. Man hub an zu predigen. KARA. propriè ſignificat, ruf - ſen / nennen / vocare, appellare, legere exlibro, prædicare, indeputo Mahometum Titulum feciſſe Alcoranum libro ſuo quod ſit Collectorium ſeu Doctrinale, ſeu Biblia ipſius. Accipimus igitur hoc loco pro docere aut legere in concione publi - ca, ſi modo habuerunt libros. Fuit autem illa prædicatio in nomine Domini, daß man von vnſerm Herꝛn Gott geprediget hat. Fuit Doctrina de Deo. Hactenus ille.

Jm gleichen lieſet man daß der Patriarch Abraham geprediget von dem Na - men deß Herꝛn zu Berſabah Gen. C. 21. v. 33. (Idem Luther. ad C. 10. Gen. ſcribit: Quis de illo dubitabit, quin ſancti Patres habuerint, ſemper cœtus ſuos & conven - ticula ſua ubi docerent juventutem, ubi concionarentur, orarent, prophetarent, laudarent Deum? Non enim Eccleſia ſine aſſiduo verbi uſu exiſtere poteſt, ſic Abel & Cain ad Sacrificia à patre aſſuefacti, ſacrificabant.)

Deß gleichen Jſaac Gen. C. 26. Nach deme Gott der Herꝛ ſich dem Prophe - ten Samuel offenbahret hatte / meldet die Schrifft / daß er offentlich angefangen zu predigen / dem gantzen Jſrael 1. Samuel. C. 2. v. 21. 22. Jſt alſo Predigen von dem Namen deß Herꝛn. Ein Prædicat der vhralten Kirche vnd heiligen Gottes / vnd der Predicanten ſo wenig als deß Predigampts mit fugen darumb vbel zu geden - cken. Diß Prædicat iſt ſonderlich dem Noach beygeleget in der Schrifft / daß er ein Prediger der Gerechtigkeit genand / Jn der 2. Epiſtel S. Petr. Cap. 2. v. 5. Ja Gott ſelber hat dem Moſi geprediget von deß Herren Namen 2. Moſ. C. 34. v. 5.

AXIOMA III. Der Teuffel iſt Gottes Afſe / affectirt auch Goͤttliche Ehre vnd Dienſte. (Diabolus ſimia Dei eſt non effectu ſed affectu, inanis acfucatæ imitationis.)

ES iſt ein altes Sprichwort / wo Gott eine Kirche bawet / da will der Teuffel gleich ſeine Capelle dabey haben.

Sobald Gott ſeine Kirche im Paradieß Garten ſtifftete / vnd anfieng vn - ſerm erſten Vatter Adam zu predigen / von dem Baum deß ErkandnußA iijgutes6Das erſte Buchgutes boͤſes / mit angelegtẽ ſcharffen Gebott / darvon nit zu eſſen / bey Verluſt deß Lebens / war bald der Teuffel da / vnd fieng gleich an vnſer erſten Mutter der Eva auch zu predigen / vnd ſie mit liſtigen luͤgenhafftigen Worten zu vberreden / Gott haͤtte nicht verbotten von dieſem Baum zu eſſen / ſie wuͤrden auch mit nichten deß Todtes ſterben / ja gar den warhafften Gott zum Zeugen ſeiner Luͤgenpredigt an - geruffen vnd darzu geſchwohren / wann ſie davon eſſen wuͤrden / ſo wuͤrden jhre Au - gen vffgethan werden / vnd wuͤrden ſeyn wie Gott Gen. c. 3. Gott hatte dem Abra - ham befohlen ſeinen Sohn zu opffern / dem er auch gehorſamblich nach zu kom - men bereit vnd gefaſſet war. Dieſem affete der boͤſe Feind nach / verleytete nicht allein die Heyden darzu / daß ſie dem Abgott Molech oder Saturno jhre Kinder opf - ferten vnd durch das Fewer gehen lieſen / ſondern brachte auch darzu das Volck Gottes / daß ſie jhre Soͤhne vnd Toͤchter den Teuffeln opfferten Pſalm. 106. v. 37. geſtalt dann der Koͤnig Manaſſe ſelber / dieſe Abgoͤtterey getrieben / ohne erachtet es Gott in ſeinem Geſetze ſo hoch verbotten 3. Moſ. cap. 18. v. 21. vid. ibid. Luth. in not. marginalib. Der Koͤnig Ahas thate dergleichen / verbrandte ſeine Soͤhne mit Fewr nach dem Grewel der Heyden im 2. Buch der Chron c. 28. v. 3. Dieſe Tra - gœdiam hat der Lugenhaffte Prediger von anbegin der Welt / biß hieher geſpie - let / vnd was zu dem wahren Gottesdienſt verordnet / zu ſeiner Abgoͤtterey nachge - aͤffet / wie dann die Heyden jhre Abgoͤtterey mit vielen Opffern / Feyertagen vnd andern Ceremonien, welche zum wahren Gottesdienſt verordnet waren / durch dieſes Affen deß leydigen Teuffels anſtifften geſchmuͤcket vnd jhme gedient. Gott hatte verordnet / daß ein ſtetswehrendes Fewr auff dem Altar zu den Opffern ſeyn ſolte / Levit. 6. cap. Nun iſt auß den Heydniſchen Hiſtorien bekant / wie ſehr der Teuf - fel hierin Gott nachgeaffet / vnd wie viel weſens er mit dem Igne Sacro in Heydni - ſchen Fanis vnd Delubris getrieben / auch noch wol im Chriſtenthumb zu vben an theils Orten vnterſtehet. Vnd helt Lutherus darvor / daß Vr in Chaldæa Abra - hams Vatterland / von ſolchem Igne Sacro, welches zur Abgoͤtterey allda gebrau - chet / den Namen bekommen / weil Vr in Chaldeiſcher Sprache ſo viel heiſt als Fewr. in Comment. ad Geneſ. cap. 11. in fine.

Als GOtt der Herꝛ in ſeinem Raht beſchloſſen die Kinder Jſrael auß dem Dienſthauſe Egypti zu retten / ſchickete er vorhin den Moſen vnd Aaron verſchie - dentlich zu dem Pharaone, vnd ließ jhm nicht allein mit Worten / ſondern durch verſchiedene miracula Wunderthaten warnen / ſein Volck ziehen zu laſſen / ward der Teuffel gleich wieder Gottes Affe / verſchaffete / daß die Egyptiſche Zaͤuberer mit jhren beſchwehren nachaffeten / vnd mit dergleichen Zeichen dem Pharaoni die Augen blendeten Exod. c. 7. v. 12. & ſeqq. & c. 8.

Als es aber Gott nicht mehr zugeben wolte / konte der Teuffel durch alle ſeine geſchwohrne Vaſallen, mit allen ſeinen Kuͤnſten / das ſchlechte Vngeziefer der Laͤuſe nicht zu wege bringen / in gemeltem anderen Buch Moſ. cap. 8. darvon dieWeißheit7Von dem Geiſtlichen Stande. Weißheit Salomonis alſo redet: Das Gauckelwerck der Schwartzkunſt lag auch darnieder / vnd das ruͤhmen von jhrer Kunſt ward zu ſpott / cap. 17. v. 7. vnd muſte da ein rechter Affe / affectu, abſque effectu ſeyn vnd bleiben.

Als der Prophet Jeremias auff ſonderbahren Befehl deß Herren ein Joch machete / an ſeinen Halß hengete / vnd es den 5. Koͤnigen / in Edom / Moab / Ammon / Tyro vnd Zidon zuſchickte damit jhr vorſtehendes Vngluͤck / Captivitaͤt vnd Weg - fuͤhrunge / an zu künden / ward abermahls der Teuffel Gottes Affe / brachte einen falſchen Propheten Sanania auff die Bahn / der prediget vnd prophezeyet das Wiederſpiel / daß Gott das Joch deß Koͤnigs zu Babel zerbrechen werde gleich wie er das Joch Jeremiæ jhme abgenommen vnd zubrochen Jerem. c. 27. & 28. Ja es iſt der leidige Satan as ſo vnverſchambt vnd begierig geweſen Goͤttliche Ehr zu affectiren, daß er ſich nicht geſchewet dem Sohn Gottes / ſeinem Schoͤpffer anzu - muthen / daß er vor jhme niederfallen vnd jhn anbeten ſolte. Matth. c. 4.

AXIOMA IV. Die Wiſſenſchafft Gottes / daß nemlich ein Goͤttlich We - ſen / ſo Himmel vnd Erden erſchaffen vnd erhelt / welches alle Creaturen weit vbertrifft vnd darfuͤr ſich alle Menſchen zu fuͤrchten / iſt von Natur in aller Menſchen Her - tze gepflantzet.

D ein Gott / ein Ens Entium, ein vnendliches ewiges Weſen ſey / von deme alle andere Entia vnnd erſchaffene Dinge dependiren, regieret vnnd beherꝛſchet werden / haben Ariſtoteles, Plato, Cicero, Sene - ca, vnnd andere vernuͤnfftige Heyden vnnd Voͤlcker ex connato Na - turæ lumine, auß eingpflantztem vnnd gleichſamb in jhr Hertz von Natur ge - ſchriebenem Geſetz erkant vnd bekant / ſo gar das Cicero geſchrieben / Nul - lam gentem tam feram & barbaram, fuiſſe, quæ non aliquam Divini Numi - nis notitiam habuerit. (Deum rerum omnium cauſam, conſenſu gentium traditum, aſſeverat Maximus Tyrius, & ex eo refert Hug. Grot. de veritate Relig. Chriſti lib. 1. p. 30. Plutarchus in lib. adverſ. Colot. Et ſi terras ob eas invenire po - tes Urbes muris, literis, Regibus, numiſmate &c. neſcias: Urbem templis Diiſque carentem, quæ precibus, jurejurando, oraculo non utatur, non bonorum cauſa ſa - crificet, non mala ſacris avertere nitatur, nemo unquam vidit. Epictet. Enchirid. c. 38. ubi ſcribit: Religionis erga Deos immortales præcipuum illud eſt, rectas de iis habere opiniones: ut ſentias & eſſe Deos, & benè juſteq́ue adminiſtrare univerſa:paren -8Das erſte Buch /rendum eſſe iis & omnibus iis, quæ fiant, acquieſcendum & ſequenda ultro, ut quæ à mente præſtantiſſima regantur. Sic enim nec incuſatis eos unquam, nec ab eis negligi te conquereris, Luth. in Geneſ. ad Cap. 17. fol. 198. fac. 2. ſcribit. Hunc ſen - ſum naturali inſtinctu etiam gentes habent, quod ſit aliquod ſupremum Numen, quod colendum, invocandum, ad quod in omnibus periculis confugiendum. Sic - ut Paulus. dicit. Rom. 1. Gentes agnoviſſe Deum naturâ Similiter notitia iſta planta - ta eſt in omnium hominum animis, Deum eſſe auxiliatorem beneficum, etſi in eo errent, quiſnam ille Deus, & quomodo coli velit. Seneca Epiſt. 95. Primus eſt Deorum cultus, Deos credere: dein de reddere bonitatem, ſine qua nulla Majeſtas eſt. Et Epiſt. 97. Deos eſſe inter alia ſic colligimus quod omnibus de Diis opinio inſita eſt: nec ulla gens uſquam adeo eſt contra leges moreſque projecta, ut non a - liquos Deos credat.)

Dieſes bezeuget der Apoſtel S. Paulus gnugſamb in ſeiner Epiſtel an die Roͤmer / C. 1. v. 20. & ſeqq. & 2. v. 14. & ſeqq. daß die Heyden ſich darumb am juͤng - ſten Gericht nicht werden entſchuldigen koͤnnen / weil deß Geſetzes Wercke ſeyn be - ſchrieben in jhrem Hertzen / vnd ſie von jhrem Gewiſſen vberzeuget.

Die Athenienſer haben den Philoſophum Diagoram darumb jhrer Statt verwieſen / daß er ſich vnterſtanden in die Welt zu ſchreiben / daß er gezweiffelt ob ein Gott oder Goͤtter ſeynd? Wann dieſelbe waͤren / was Weſens oder Qualitaͤten ſie waͤren? Val. Maximus.

Als Ariſtoteles, wie er in den letzten Zuͤgen gelegen / ein goͤttliches ewiges Weſen in ſeinem Hertzen / vnd dahero ruͤhrende Vnſterblichkeit der Menſchlichen Seele erkant / ſoll er in dieſe Wort herauß gebrochen ſeyn: Ens Entium miſerere mei. Welches ſo viel geſaget / der Schoͤpffer aller Dinge / der eine Vrſache iſt aller Vrſachen / ein Weſen ohn beginnen / ein Anfang ohn Ende / oder das Alpha das Omega, ſey mir gnaͤdig. Die Tuͤrcken glauben auch daß ein einiger ewiger Gott ſey / der Himmel vnd Erden / Laub vnd Graß / Menſchen vnd Viehe erſchaffen / die - ſelbe auch erhalte / daß nach dieſem Leben ein newes vnd ſeeliges Leben ſey / darinn das gute reichlich belohnet / das boͤſe aber ſcharff geſtraffet werde. (vid. Gabriel. Sio - nit. De Urb. & morib. Oriental. cap. 14.

Hierem. Drexel. Ieſuit. de Tribunal. Chriſti lib. 1. C. 2. per tot. ubi ex Plato - ne & aliis Gentilium ſcriptis hoc multis oſtendit.)

Halicarnaſſeus ein Heyde behauptet die Vnſterbligkeit der Seelen vnd die Belohnunge deß Guten in jenem Leben / dahero: wann das Weſen der Seelen gleich mit dem Leibe vergienge / koͤnte man ja die Tapffere Tugendhaffte frommer Leuthe nicht ſeelig preyſen / die auff dieſer Welt keine Belohnunge Jhrer Tugend erlanget vnd der Tugend halber vmbkommen. Schleuſt derowegen daß noch ein ander Leben ſeyn muͤſſe / da das Gute belohnet werde. lib. 8. (Si corrupto corpore, ſimul etiam animæ Subſtantia quæcumq́ue tandem ea eſt, interiret, haud videoquomo -9Von dem Geiſtlichen Stande. quomodo beatos credere debeam, qui nullo ex virtute fructu percepto, etiam propter eam pereunt. Quod ſi immortales ſunt noſtræ animæ, ut quidam exiſti - mant, aut poſt relictum corpus aliquanto durant tempore bonorum virorum lon - giſſimo, malorum contra perbrevi, non contemnendum præmium virtutis ſtudio - ſos ſequitur, etiamſi fortuna uſi ſunt parum propitia, videlicet benè audir viven - tibus, & frui diuturna ſui memoria d. lib. Et Iuvenal. Poeta ſi rectè mensini ſpiran - teſque crocos & in urna perpetuum ver, pollicetur beatis.)

Seynd demnach drey Buͤcher darauß Gott zu erkennen / als 1. das Buch der Natur / davon S. Paulus an gemeldetem Ort redet / in dict. Epiſt. ad Rom. cap. 1. v. 20. Sapient. c. 13. v. 1. & ſeqq. Syracid. cap. 43. per tot. da er ſolches weitleufftig außfuͤhret / Eſaiæ cap. 40. v. 26. Das ander iſt das Buch der Creatur oder deß Ge - ſchoͤpffs Gottes / davon auch Paulus redet. Dahero David recht ſaget Pſalm. 19. die Himmel erzehlen die Ehre GOttes / vnd die Veſte verkuͤndigen ſeiner Haͤnde Wercke.

Das dritte Buch iſt Scripturæ, oder das Buch der heiligen Goͤttlichen Schrifft welches vns die rechte Wiſſenſchafft von Gott / vnd allein den Weg zur Seeligkeit durch Chriſtum zeiget 2. ad Timoth. cap. 3. v. 15. & ſeqq. Ein Liecht in der Finſternus / vnd ein Leuchte vnſern Füſſen auff vnſern Wegen Pſalm. 119. 2. Petr. 1. v. 19. darvon vnten Axiomate XX. ein mehrers angefuͤhret.

Jſt derowegen auß den beyden erſten Buͤchern nemblich der Natur vnnd Creatur allen Menſchen ſo viel offenbahret vnd ins Hertz gleichſamb geſchrieben / daß ein GOtt ſey / aber die Lehr von Chriſto / ſeiner Perſon vnd Mitler Ampt / vnd daß er der Welt Heyland vnd vnſere Gerechtigkeit iſt / kan allein auß dem Buch der H. Schrifft / wor durch das Geheimnuß offenbahret / das von der Welt hero verborgen geweſen iſt Rom. 16. v. 25. & 26. erlernet vnd erkand werden.

AXIOMA V. Der Geiſtliche Stand hat vornehmlich die Religion oder Gottesdienſt zu verſehen.

ES iſt zwar die Religion eine Verwandnuß vnd Pflicht eines jeden Men - ſchen gegen Gott als den Schoͤpffer vnd Erhalter aller Dinge. (Religio eſt jus hominis cujusvis erga Deum, per naturam omnium cordibus quaſi in - ſcriptum l. 1. in fin. & l. 2. ff. de juſt. & jur. adde Rom. cap. 1. v. 19. & ſeqq.)

Vnd dahero ein Bonum Commune aller Menſchen / in allen Staͤnden / de - ren ewiges Gut concernirend vnd betreffend / derowegen vnſer Axioma alſo ge - ſetzet / daß der Geiſtliche Stand vornehmlich damit occupiret ſey / dann ſonſt allenBMenſchen10Das erſte Buch /Menſchen / vnd einem jeglichen zuſtehet vnd oblieget / ſeinem Gott zu dienen / ſo ſeind aber doch nicht allein in der Kirche Gottes / ſondern auch bey den Heydniſchen Voͤlckern gewiſſe Perſonen / Orden / vnd Collegia geſtifftet / welche den oͤffentlichen Gottesdienſt als Prieſter vnd Lehrer verrichtet / alſo waren bey den Roͤmern die Pontificcs, Flamines, Augures, Aruſpices, Veſtales &c. vid. Halicarnaſs. lib. 1. & 2. Rittershuſ. in Nov. p. 1. c. 1. n. 3 Liv. l. 1.

Als Gott der Herꝛ durch Moſen vnd Aaron die Juͤdiſche Policey / Kirchen vnd Regiment beſtellete / ward der Stamm Levi zum Gottesdienſt / vnd auß dem - ſelben Aaron vnd ſeine Soͤhne / zu dem Hohenprieſter Ampt erwehlet vnd ſonder - lich eingeweihet Exod. 28. & 29. Num. 18. v. 20. & ſeqq. Deut. cap. 18. v. 1. & ſeqq. Levit. c. 8.

Nach der Lehr deß Propheten Malachiæ Cap. 2. v. 2. deß Prieſters Lippen ſollen die Lehre bewahren / daß man auß ſeinem Munde das Geſetz ſuche / dann er iſt ein Engel deß Herꝛn Zebaoth. Das Geſetz / ſpricht der Prophet Ezechiel / muß man bey den Prieſtern / vnd den Raht bey den Alten ſuchen. Ezech. Cap. 7. v. 26. junct. cap. 22. v. 26.

Die Tuͤrcken halten auch den Geiſtlichen Stand fuͤr einen abſonderlichen / vnd darin das Haupt deſſelben / welche ſie Muffti oder Mophti nennen / ſehr hoch / derſelbe hat die Inſpection vber jhren vermeinten Gottesdienſt / nach beſage deß Tuͤrckiſchen Alcorans, vnd jhres groſſen Propheten deß Mahomets Satzungen / iſt daneben bey dem Tuͤrckiſchen Kayſer in groſſem Anſehen / wird zu allen Rath - ſchlaͤgen vnd wichtigen Sachen gezogen / vnd muß darauff achtnehmen / daß nichts im Raht vorgehe / wieder Mahomets Geſetze vnd jhre Religion / hat allezeit / ſo offt jhme beliebet / einen freyen offenen Zutritt zum Tuͤrckiſchen Kayſer / weil er pro M[a]hometis vicario gehalten wird / vnd deſſen Perſon repræſentiret / beweiſet jhme der Tuͤrckiſche Kayſer groſſe Ehre / vnd wann er zu jhme kompt / ſtehet er von ſeinem Thron auff / leget die Hand vff die Bruſt / buͤcket ſich mit dem Haupt zur Erden / vnd veneriret jhn / welches er ſonſt keinem Menſchen thut. Dieſer hat ſeine gewiſſe Zu-vnd Nach geordnete / die haben verſchiedene gradus vnd Verrichtungen / haben auch jhre gewiſſe Ordens-Leuthe vnd Muͤnche / die ſich gleichſamb der Welt abge - than / vnd allein jhre Sacra tractiren, darunder Bettel-vnd andere Orden ſeynd. (Iohan. Cotovic. in Itinerar. Hieroſolym. & Syriac. cap. 7. Auger. Busbequ. Le - gationis Turcicæ Epiſt. 4. ubi de ſingulari impoſtura alicujus Monach. Turc. hiſto - riam facetam quam ipſe vidit, refert.)

Die Perſer haben jhre Prieſter Magos genennet / vnd ſeynd bey denſelben auch in groſſem Anſehen geweſen / wie bey den Hiſtoricis, vnd ſonderlich Ammian. Marcellin. lib. 23. zuſehen.

AXIO -11Von dem Geiſtlichen Stande.

AXIOMA VI. Die Religion iſt eine gewaltige Seule vnd Grundfeſte guter beſtendiger Policey in allen Ständen.

WO keine Religion iſt / da iſt auch keine Gottesfurcht / kein Gewiſſen / kein diſcrimen turpium & honeſtorum, oder vnterſcheid der Laſter vnnd Tu - genden / ſondern lebet man wie das vnvernuͤnfftige Viehe / da iſt auch keine beſtendige Policey oder Regiment. (Religio & Timor Dei ſolus eſt, qui cuſtodit hominum inter ſe ſocietatem, in quit Lactant. lib. de Ira c. 12. Adam. Contzen. lib. 10. Politic. c. 20. §. 7. Nec unquam aut uſquam Reſp. ſtetit, ſine ſpecie aliqua Religionis Iuſt. Lipſ. in lib. adverſ. Dialogiſt. in cap. 2. lib. 4. polit. ubi addit ex Plutarch. Orbem citi us ſine ſole, quam Rempubl. ſine opinione de Diis, aut conſtitui, aut conſtitutam ſervari poſſe. Eam enim eſſe velut vinculum ſive coagu - lum omnis ſocietatis, & juſtitiæ firmamentum. Conf. Scriban. in politia Chriſtia - na lib. 2. c. 19. Religionis & Politicæ gubernationis magnam eſſe affinitatem, alia e - nim aliam trahit ſcricit Adam. Contz. Politic. lib. 9. c. 10. §. 7. in Legum Conſti u - tione primum eſt & maximum de Diis Opinio, inquit Plutarch. Fulcrum Legum. Plat.) Welches Romulus deß Roͤmiſchen Reiches Vhrheber vnd ſonderlich ſeine Succeſſores Numa Pompilius, Tullus Hoſtilius vnnd andere wol war genommen / vnd vor allen Dingen dahin getrachtet / daß das Volck zu einer Religion Furcht der Goͤtter angewieſen / auch zu ſolchem Gottesdienſte gewiſſe Ceremonien, Feſte / vnd andere Solennitaͤten verordnet / vnd ſteiff daruͤber gehalten. Worbey aber zu mercken / daß in dieſem Axiomate die Religion nicht eben von dem wahren Got - tesdienſt / ſo allein in dem ohnfehlbahrn Wort Gottes gegruͤndet / ſondern vor die von Natur in der Menſchen Hertzen eingepflantzete allgemeine Wiſſenſchafft Gottes / vnd dahero ruͤhrende ven eration vnd Furcht deſſelben / wie auch deß vnter - ſchieds deß boͤſen vnd guten / deſſen was ehrbar vnnd vnehrbar / der Laſter vnd Tugend / vnd daß jenes zuſtraffen / dieſes zu belohnen ſey / zuverſtehen (Singulorum animis dictorum ac factorum conſcientiam inſcripſit generis humani auctor, ele - ganter dixit Henſi. de Laud. Aſin. in fin. Dicta autem Conſcientia, quaſi cordis ſcientia. ) wie Keckerman. in ſeinen præcognitis Politicis vnd ander mehr diſtin - guiren. (Etiam vana Religio frænum hominum animis iniicit Lipſ. d. loc. imo ſu - perſtitio plerumq́ue fortius mentem invadit, quam vera Religio. Illa autem nihil aliud eſt, quam humanarum mentium ludibrium. Lipſ. in Exemp. Politic. lib. 1. 1. 3. ubi plura de ſuperſtitione ejuſq́ue operatione, effectu & exemplis. Non maleB 2Cicero12Das erſte Buch /Cicero: Pietate adverſus Deos ſublatâ, fides etiam & ſocietas humani generis, & una excellentiſſima virtus, iuſtitia tollatur neceſſe eſt. Hinc Annibal Scot. in Com - ment. ad Tacit. lib. 1. fol. 86. Tria inquit ſunt vincula, quæ hominem à malefacien - do detertent: Religio, Pudor & Pœna: hoc ultimum quod à Legibus imponitur, infirmius eſt ceteris duobus. Religionẽ humanæ Societatis fundamentum & Magi - ſtratus Propugnaculum Plat. 4. de Republ. Cic. 1. de Nat. Deor. ſcripſit, adeoque Religionem ſolam rarò mutavêre Civitates & Reſpub. ſed quoties mota eſt ſacra hæc Anchora, toties fluctuavit Reipublicæ Navis. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 72.) Dahin dann auch S. Paulus zielet in der Epiſt. an die Roͤmer im 1. vnd andern Cap. daß die Heyden wiſſen daß ein Gott ſey auß dem Geſchoͤpffe Wer - cken Gottes / vnd ſie deßwegen keine Entſchuldigung haͤtten / daß ſie denſelben nicht geprieſen als einen Gott.

Jtem / das Geſetz ſey geſchrieben in der Heyden Hertz / vnd ſie durch jhr Gewiſ - ſen vberzeuget.

Dem Juͤdiſchen Volck vnd deſſen Regenten hat GOtt das Geſetz Buch / darin die Religion vnd Policey enthalten / hoch vnd ernſtlich zu halten / anbefoh - len / vnd ſo lang Gluͤck / Segen vnd Heil verſprochen / ſo lange ſie darüber feſt vnnd vnbeweglich halten wuͤrden Joſ. 1. Cap. Pſalm. 2. Sap. 6. dahin gehet deß Koͤnigs David Anweiſung / wann er ſpricht: So laſſet euch nun weiſen jhr Koͤnige vnd laſ - ſet euch zuͤchtigen jhr Richter auff Erden / dienet dem Herꝛn mit Furcht / vnd frewet euch mit zittern / kuͤſſet den Sohn / ꝛc. Pſalm. 2. Worauß dann der Weltlichen ho - hen Obrigkeit Recht vnnd Gefuͤgnuß in Religionsſachen / wieder die jenige die es deroſelben gantz entziehen wollen / genugſamb zubehaupten vnd es der gemei - nen Schlußrede nach billich heiſt: Cujus eſt Regio illius etiam eſt Religio, h. e. Di - ſpoſitio de Religione, ejus Cuſtodia, Inſpectio & Reformatio. Das iſt wer ein Herꝛ vnd Regent iſt vber Lande vnd Leuthe / der hat auch die Diſpoſition vnnd An - ordnunge vber die Religion / deren Bewahr-vnd Enderunge / Auffſicht vnd Hand - hab / welche dann auch vermoͤge deß in Anno 1555. auffgerichten Religion-Frie - dens / der Territorial Superioritaͤt vnd Landes Fuͤrſtl. oder hohen Obrig - keit / anhaͤngig vnd davon in ſo weit jhre Depen - dentz hat.

AXIO -13Von dem Geiſtlichen Stande.

AXIOMA VII. Die Religion wird gar offt pro Ratione ſtatus vorgeſchuͤ - tzet / mißbrauchet / geendert / vnd muß derſelben zuwei - len famuliren, zu Dienſte vnd Prætext ſeyn.

REligio vnd Ratio ſtatus fangen beyde vom R. an / vnd ſtecket in dieſen beyden das groͤſſeſte arcanum Reip. ſonderlich wann ein newes Reich vnd Regiment ſtabiliret werden ſoll. (Hac ſpecie Nimrod quoq́u texit conſilia, ut haberetur pius, clemens, Reipubl. utilis & Eceleſiæ neceſſarius, ideo non ſimpliciter dictus robu - ſtus venator, ſed coram Deo, h. e. habitus eſt pro religioſo ſive ſacerdote, qui una cum Politia Eccleſiam conſtitueret, ut not. Luther. in Comment. ad Cap. 10. Gen. Romulus ut libitum Romanis imperitavit: Dein Numa Relligionibus & Divi - no jure Populum devinxit. Tacit. lib. 3. annal. Religionis patrocinium & tutela Legum, vera Regnorum firmamenta. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 1.)

Als Jerobeam die zehen Staͤmme / nach Salomonis Todt von dem Koͤnigl. Hauſe David an ſich gezogen / vnd die Verſicherung ſeines ſtatus erwogen / hat er ſich in der Meynunge befunden / wann dieſe zu jhme getrettene Staͤmme / Jaͤhr - lich / vermoͤg Gottes Verordnung nach Jeruſalem zum oͤffentlichẽ Gottesdienſt Opffer ſich verfuͤgen vnd einſtellen wuͤrden / koͤnte leichtlich geſchehen / daß ſie ſich zu jhrem angebohrnen Herꝛn vnd Koͤnig / Rehabeam wendeten / hielte er mit etzlichen ſeiner guten Confidenten Raht / ſuchet einen andern Prætext ſolche Reiſen nach Jeruſalem zu hindern hervor / gleichſamb waͤre es dem Volck zuviel / vnd zu weit nach Jeruſalem zu ziehen / erinnerte ſich deß Kaͤlber tantzes / welchen Aaron auff der Kinder Jſrael Anhalten in Abweſenheit Moſis in der Wuͤſten angeſtellet Exod. 32. v. 8. ließ auch 2. guͤldene Kaͤlber machen das Volck dadurch von dem Gottes - dienſte im Tempel zu Jeruſalem abzufuͤhren vnd ſprach / Siehe da ſeind deine Goͤt - ter Jſrael r. Reg c. 12. v. 26. & ſeqq. der Text lautet alſo: Jerobeam aber gedachte in ſeinem Hertzen / das Koͤnigreich wird nun wieder zum Hauſe David fallen / ſo diß Volck ſoll hinauff gehen Opffer zu thun in deß Herꝛn Hauſe zu Jeruſalem / vnd wird ſich das Hertz deß Volcks wenden zu jhrem Herꝛn Rehabeam / dem Koͤ - nig Juda vnd wird mich erwuͤrgen / vnd wider zu Rehabeam dem Koͤnig Juda fallen / vnd der Koͤnig hielte einen Raht / vnd machte zwey guͤldene Kaͤlber / vnd ſprach zu jhnen / es iſt euch zu viel hinauff gen Jeruſalem zu gehen / ſihe da ſeind deine Goͤtter Jſrael die dich auß Egypten gefuͤhret haben / vnd ſetzte eines zu Bethel /B iijvnd14Das erſte Buch /vnd das ander thaͤt er gen Dan / vnd das gerieth Jſrael zur Suͤnde: Dann das Volck gieng hin / fuͤr dem einen biß gen Dan.

Daß aber Jerobeam eben den Ort Bethel zu Anrichtunge deß newen Got - tesdienſtes erwehlet / darzu hat jhm auch Ratio ſtatus ein ſtattlich Fundament an die Hand gegeben / in deme er gedacht / die Kinder Jſrael moͤchten darvor halten / Gott haͤtte den Tempel zu Jeruſalem zu ſeiner Heiligen Wohnunge an ſtatt der Stiffts-Huͤtte gewidmet / da hat er zu wohnen / ſeinen Herd vnd Fewrſtette zuha - ben verſprochen / da iſt die Bundslade / ꝛc. darumb moͤchte das Volck davon nicht wol zu bringen ſeyn / man erwehlete dann einen ſolchen Orth / der nicht weniger von den Ertzvaͤttern heilig geprieſen waͤre / derowegen dieſen liſtigen Anſchlag erfunden / daß er Bethel erwehlen wolte. (Doli non doli ſunt, niſi aſtu colas, inquit Plaut. in Captiv. Act. 2. Scen. 1. Doli aſtu tractantur, artificio cœlantur Adam. Contz. de ſtat. aulic. cap. 29. §. 1. Imò noyum regnum capeſſentibus & affectantibus, Religio obtentui habetur, eaque pro temporis opportunitate, ſumitur juxta ac deponitur. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 9.) Dann Bethel war der Ort / da Jacob im Traum die Himmelsleiter / daran die Engel Gottes auff vnd nieder geſtiegen ſa - he / vnd da jhme der Herꝛ erſchienen war / daß Jacob in dieſen Worten herfuͤr bricht. Wie heilig iſt dieſe Staͤtte? hie iſt nichts anders den Gottes Hauß vnd hie iſt die Pfort deß Himmels Gen. 28. Dadurch hat er das Volck ſo viel do ehe von Jeru - ſalem abwenden koͤnnen / daß Bethel das alte Gottes Hauß die Pforte deß Him - mels / da die Leiter / daran die Engel Gottes auff vnd nieder ſtiegen / ſtunde.

Welches Gott den Nachkommen ſtarck verweiſſet / bey dem Propheten Ho - ſea Cap. 12. v. 4. bey Bethel hatte Abraham ſeine Huͤtte geſchlagen / da hatte er ein Altar gebawet / da hat er geprediget den Namen deß Herren 1. Moſ. Cap. 13. von Bethel ſagt der Herꝛ ſelbſt Jch bin der GOtt zu Bethel / da mir Jacob den Stein geſalbet vnd ein Geluͤbd gethan 1. Moſ. Cap. 31. v. 13. darumb auch Jacob allda ei - nen Altar gebawet / vnd die Staͤtte geheiſſen El Bethel / das iſt Gott zu Bẽthel / wie es D. Luther auß dem Hebreiſchen deutet / daß Jhme daſelbſten Gott offenbah - ret war / 1. Moſ. 35 v. 7. koͤnte vnd muͤſte alſo nicht anders ſeyn / Bethel muͤſte pro Ratione ſtatus, heiliger / GOtt angenehmer vnd zum Gottesdienſt bequemer ſeyn / als Jeruſalem. So ſchoͤn weiß Ratio ſtatus den Potentaten vnd Groſſen / Abgott / jhre Abgoͤtterey auß der Schrifft vnd Vernunfft zuſchmuͤcken. (Confer. Luther. in Commentar. in Geneſ. cap. 18. fol. mihi 395. Etidem ad cap. 12. fol. 147. Ex Pro - phetis patet inquit hanc occaſionem arripuiſſe idololatras, ut in Bethel templum & altare erigerent. Fuit enim auguſtum nomen Bethel, quia ſignificat Domum Dei, itaq́ue idololatræ opportunum judicabant cultibus Divinis, ſicut Ierobeam ibi vi - tulorum cultum erigit.)

Damit auch Jerobeam dieſen zu Befeſtigunge ſeines newen Reiches ange - ſtelten Gottesdienſt do beſſer behaupten vnnd denſelben in gang bringen moͤchte /machete15Von dem Geiſtlichen Stande. machete er jhme die Rechnunge / es waͤre nicht genug den Gottesdienſt zu endern / ſondern es muͤſte auch das miniſterium vnd die Prieſter geaͤndert werden / ſchaffte per eandem ſtatus rationem die Prieſter vom Stamm Levi abe / vertrieb ſie vnd machte Prieſter vom geringſten im Volcke / die nicht von den Kindern Levi waren / (Quando ordo alicujus Dignitatis contemni debet, tunc viles in eum aſſumendi Homines, & de plebe, & quidem numero plures. Vileſcunt enim honores & no - mina multitudine & ignobilitate Candidatorum, ceu in ſimili notavit Forſner. in Not. Polit. ad Cornel. Tacit. lib. 2. pag. mihi 156.) ſtellete eigene Feſte an / bawete Hoͤhen / ließ opffern auff den Altarn den Kaͤlbern vnd Feld Teuffeln d. c. 12. 2. Chron. 11. v. 14. & c. 13. v. 9. ward alſo die Superſtitio oder Aberglaube propter ſta - tus rationem, pro Religione an ſtatt deß waren Gottesdienſt eingeſühret / vnd mu - ſte die Religio der boß hafften Begierde vnd Regierſucht / famuliren vnd dienen. (Nil aliud promptius ad imperia diſcutienda, quam ubi pietas & Deus, magna No - mina, præfiguntur impiæ ambitioni. Religio ſanctus Titulus praværei: ſub hujus Aquilis, ſcœleſtiſſima quæque cœleſtis zeli & valoris laude contigit celebrari & graſſari. Frideric. de Marſelaer de Legat. lib. 2. cap. 21. Uſque adeò Religione abu - tuntur ij, quibus ſua demum Utilitas Deus eſt. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 3.)

Mahomet der Vhrheber vnd Anfaͤnger deß Tuͤrckiſchen Regiments Ma - hometiſchen Religion / ein frecher vermeſſener Menſch auß Arabia buͤrtig / von ge - ringer vnd ſchlechter Ankunfft / als er vermeſſentlich nach dem Regiment trachtete / nahm er ſich ſonderbarer Heiligkeit an / gabe vor er waͤre ein Prophet von Gott ge - ſand / einen ſonderbahren newen Gottesdienſt in der Welt anzurichten / vnd weiln er von den Juden vnd Chriſten ziemliche Wiſſenſchafft der Religion vnd geiſtli - chen Sachen erlanget / auch ſonſten liſtigen vnd verſchlagenen Gemuͤths geweſen / vnd vorgegeben / daß jhme Gott den Engel Gabriel pro informatore zu geordnet / auff deſſen Eingeben er alles thaͤte / auch ſolche Geſetze gegeben / die dem gemeinen Manne nicht vnannehmlich geweſen / hat er Religionis prætextu, dardurch das Regiment in Orient, anfangs mit Liſt / hernach mit Gewalt an ſich gezogen / vnd vff ſeine Nachkommen gebracht / welche alſo Aſiam vnd faſt gantz Africam / vnd ei - nen guten Theil Europæ beherꝛſchen. Johan. Cotovic. Ultrajectin. in itinera - rio Hieroſolym. & Syriac. (Religionem & libertatem ſemper obtenduunt nova regna occupantes, notat Scriban. in Politic. Chriſt. lib. 2. cap. 19. Hinc illud:

Religio velum eſt, quod ſcelus omne tegit.
Item Lucretius:
----- Quod ſæpius olim,
Religio peperit, ſceleroſa atq́ue impia facta,
Tantum Religio potuit ſuadere malorum.

Primordia Regni Mahometis fuerunt humilia, ſucceſſus feliciſſimi. Tres autemfuerunt16Das erſte Buch /fuerunt & adhuc ſunt præcipui nervi illius Regni Mahometici: Doctrina Legis Naturæ, ex judaiſmo & Chriſtianiſmo conflata: Ceremoniæ plauſibiles, & Diſci - plina militaris ſeveriſſima. De qua etiam quam refert Busbcqu. ocularis teſtis rer. Turc. epiſt. 4. pag. mihi 250. 256. & ſeq. Hug. Groti. de veritat. Relig. Chriſtian. lib. 6. ſcribit quod hæc Religio ad fundendum ſanguinem facta, multum gaudeat ritibus, credique ſibi vult, nulla inquirendi libertate, unde & librorum quos ſanctos habent, lectio publicè interdicta quod ipſum ſtatim manifeſtum indicium eſt ini - quitatis. Merito enim ſuſpecta merx eſt, quæ hac lege obtruditur, ne inſpici poſſit.

Edoar. Brerevvod. Anglus in Scrutin. Religion. cap. 3. p. in. 32. ſequentes ad - fert rationes aucti Mahumemiſmi 1. Tot proſperas victorias, dum victi ſemper Victoris Religionem ſequi coacti ſint. 2. Quod omnis de Religione diſputatio ſub pœna Capitis inhibita. 3. Suppreſſio ſtudiorum Philoſophiæ, per quam maxi - ma potiorum ſuperſtitionum Mahumedanæ pars detegi potuiſſet. 4. Carnalibus voluptatibus fruendi & plures uxores ducendi licentia, cui ſimilium oblectatio - num in Paradyſo futuræ vitæ promiſſa accedunt.

Als nach Abſterben deß glorwuͤrdigen Koͤnigs Stephani in Polen die Reichs-Staͤnde auff einem Reichstage zuſammen waren / hat ſich der damahliger Tartar Cham auch dabey angemeldet / ſeine Macht vnd Gewalt / vnd wie er mit ſo groſſer Menge Volckes dem Koͤnigreich Polen zu huͤlffe kommen koͤnte / vnd wie er daneben ſparſam / vnd ſich mit einem ſtuͤcke Pferdefleiſch wol koͤnte erſaͤttigen laſ - ſen / geruͤhmet. So viel aber die Religion an langet / darvon er vernehme / daß man viel diſputirens machete / ſolte jhr der Polen Papſt auch ſein Papſt vnd Luther auch ſein Luther ſeyn / damit anzudeuten / wann er nur die Polniſche Crone bekaͤme / wol - te er ſein Religion vnd Gottesdienſt gern zuruck in der Tartarey laſſen / vnnd mit den Paͤpſtiſchen Polen gut Paͤpſtiſch / mit Lutheriſchen gut Lutheriſch ſeyn. Iuſt. Lipſ. in Exempl: Politic. lib. 2. c. 5. in fin. (Ubi de acquirendo firmandoque Impe - rio præſertim novo agitur, non uſque adeo Religionis habendam eſſe Rationem, ex Schola Machiavellica conſtat, vid. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 9.

Alſo ſahen die Hohenprieſter vnnd Eltiſten der Juͤden zu Jeruſalem mehr auff die Rationem vnd Conſervationem jhres ſtatus, als auff die Religion vnd Warheit;

Dann als der Herꝛ Chriſtus / durch viel vnd groſſe miracula vnd Wunder - wercke ſich herꝛlich erzeigete / ſonderlich wie er den im Grabe gelegenen vnd albereit ſtinckend wordenen Lazarum von den Todten erwecket / vnnd groſſen beyfall deß Volckes bekame / verſambleten die Hohenprieſter geſchwinde einen Raht / brachten diß Thema vnd Frage vor: Was thun wir? dieſer Menſch thut viel Zeichen. Laſſen wir jhn alſo / ſo werden ſie alle an jhn glauben / ſo kommen dann die Roͤmer vnd neh - men vns Lande vnd Leuthe / derowegen dann Caiphas per rationem ſtatus ſein vo - tum ohne Weitleufftigkeit dahin rund eroͤffnete / es waͤre jhnen beſſer ein Menſchſtuͤrbe17Von dem Geiſtlichen Stande. ſtürbe vor das Volck / dann daß das gantze Volck verduͤrbe. Joh. 11. v. 48. & ſeqq (Quò pertinet illud Epicteti: Ubi utilitas, ibi etiam eſt pietas. in Enchirid. c. 38.

Da muſte die Warheit vnd Gerechtigkeit Rationi Status weichen / vnnd der vnſchuldige Chriſtus leiden / vnd iſt hierauß gnugſamb zu ſehen / daß die hohen Prie - ſter vnd Schrifftgelehrten in jhrem Hertzen vnnd Gewiſſen gnugſamb vberzeuget waren / daß Chriſtus Gottes Sohn / der wahre Meſſias Heyland der Welt war / weil kein Menſch ſolche Zeichen vnd Wunder thun koͤnte / die er in Erweckung deß Lazari vnd ſonſten gethan / dannoch præponderirte bey jhnen die ratio ſtatus (Eraf - mus Roterod. in præfat. ad Lector. ante Paraphras. in Evang. Matth. inquit: Quam enim aliam ob cauſam tam gravis erat Phariſæis & Scribis Chriſtus, cujus doctrinâ nihil erat æquius, cujus, vitâ nihil innocentius, cujus poteſtate nihil beneficenti - us? Nimirum jam illi regnum quoddam poſſidebant. Honorabantur ut docti, adorabantur ut ſancti, ditabantur affatim, cupiebant eum STATUM eſſe perpe - tuum. qui tamen erat ſceleratiſſimus. Et ideo non ferebant lucem Evangelicæ veri - tatis, per quã videbant auctoritatis ſuæ ſcenam diſcutiendam. ) darin ſie gleich gewe - ſen dem Demadi Athenienſi, welcher / wie die Athenienſer dem Alexandro Magno in ſeiner hoͤchſten Gluͤckſeligkeit / divinos honores oder Goͤttliche Ehre zu erweiſen gar zu viel difficultaͤten macheten / vnd ſich zu ſehr vmb die Religion bekuͤmmerten / er zu den Athenienſern geſaget vnd ſie gewarnet / videte, ne dum cœlum cuſtoditis, terram amittatis: Habt acht daß in deme jhr gar zuviel deß Himmels oder der Reli - gion vnd Gottendienſtes warnehmet / die Erde / das iſt Lande / Leuthe / vnnd ewere zeitliche Wolfahrt daruͤber nicht verſchertzet. Valer. Max. lib. 7. c. 2.

Dergleichen Exempla ſeyn vnzehlig viel vorhanden / gehen auch noch wol taͤg - lich vor / daß viel deß Zeitlichen halben / jhre Religion verendern / vnd dem Mandel nach dem Winde hengen.

Sie haben aber jhr Vrtheil ſchon / welches heiſſet / wer mich verleugnet fuͤr den Menſchen / den will ich wieder verleugnen vor meinem himm - liſchen Vatter. Matth. c. 10. v. 33.

CAXIO -18Das erſte Buch /

AXIOMA VIII. Schein der Religion vnd Gottſeligkeit wird vielmahls vor - geſchuͤtzet der Tyranney vnd Gottloſen Weſen / auch vngerech - ten Kriegen (Ab omni ævo bellorum quantumvis im - piorum, cauſam prætenderunt homines Religionem. Sua quiſq; arma ſancta prædicat, ſuam cauſam religio - ſam Deus, Pietas, cultus divinus prętexuntur. Forſtner. in Not Politic. ad Cornel. Tacit. lib. 1. p. m. 67. Non eru - beſcimus vitiis noſtris nomina Pietatis obtende - re. Hieronym. in Epiſt. adverſ. Vigilant. Tim. 2. oper. pag. 126.

DEſſen haben wir ein mercklich Exempel in Herode dem Kindermoͤrder. Dann als die Weiſen auß Morgenlande dem wunderbahren Stern / der jhnen als ein ohn fehlbar Zeichen deß newgebornen Koͤnigs vnd Heylan - des aller Welt erſchienen vnd den Weg gezeiget hatte / zu Jeruſalem die groſſen Thaten Gottes verkuͤndiget / vnd nach dieſem Wunderkinde vnd Heylan - de geforſchet / iſt Herodes daruͤber erſchrocken / hat von der Schrifftgelehrten Be - richt erfordert / an welchem Orth nemblich der verſprochene Koͤnig der Juden ſolte gebohren werden / vnd als ſie jhm den Orth Bethlehem genant / auch die Weiſen auß Morgenland vor ſich beſchieden / vnd mit Fleiß von jhnen erlernet / wann der Stern erſchienen waͤre / vnd ſie darauff nach Bethlehem gewieſen vnnd ermahnet fleiſſig nach dem Kindlein zu forſchen / vnd wann ſie es funden jhme wieder zu ſa - gen / damit er auch hin kaͤme vnd das Kindelein anbetete. Matth. c. 2. v. 1. & ſeqq. (Herodes quamvis unicè hoc ageret, ut in recens natũ Chriſtum ſæviret, & propter ſtatus ſui rationem eum è medio tolleret, veritus ne ſibi regnum eriperet, tamen impię crudelita ipietatis ſpeciem prætexuit, injungens Magis, ut ſibi renuncient de recens nato puero, quo & ipſe veniens, adoret eum. Matth. c. 2. v. 8. Eraſm. in Para - phras; fol. 11. & vid. fol. 12. lin. 10. Fruſtrà verò nititur aſtutia humana contra con - ſilia divina fol. 13. circ. fin. Vid. etiam Drexel. de Rect. intent. lib. 1. cap. 11. ubi de uno ſermone adorandi re cens natum Jeſum, diverſiſſima tamen intentione Magorum & Herodis eleganter diſſerit. Quo pertinet, quod in hymno cani -mus:19Von dem Geiſtlichen Stande. mus: Quid times Hoſtis impie. Non eripit terreſtria Qui regna dat Cœleſtia.

Dieſer Bluthund wie er die Geburt dieſes Kindes gehoͤret / iſt er deſſen nicht erfrewet / wie die Weiſen auß Morgenlande / ſondern nach der Tyrannen Art / de - nen alles verdaͤchtig iſt von Hersen erſchrocken / vnnd ſo bald gedacht / ſolte dieſer newgebohrner Koͤnig der Juͤden / darauff jhre Vaͤtter vnd ſie ſo lange vertroͤſtet vnd gehoffet / auff - vnd zu Jahren / ſiehe ſo wirſt du vnd deine Poſteritaͤt vmb das Koͤnigreich kommen / machet bey ſich gleich den Blutrahtſchluß / ſo bald er nur von den Weiſen in jhrer Ruckreiſe die Gewißheit erlangete / wo vnd welches das Kind - lein waͤre / denſelben per ſtatus rationem hinzurichten / vnnd dardurch ſich ſeines Staats zuverſichern. Er hat aber als ein geſchwinder liſtiger Fuchs / ſolche ſeine blutige diſſein vnd Vorhaben den Weiſen nicht entdecket / ſondern damit ſie gewiſ - ſe wieder kaͤmen / ſeiner heilloſen crudelitaͤt vnd Tyranney / einen Schein der Gott - ſeligkeit vorgewand / nemblich daß er hinkaͤme vnd auch gleich wie ſie vorhabens waren / das Kindelein anbetete. Da hat es wol geheiſſen / wie wir in vnſern Kir - chen zu ſingen pflegen.

O Herꝛ der wehrte Name dein
Muſte ſeiner Schalckheit Deckel ſeyn.

Aber es wieß ſich hernacher auß / wie er die vnſchuldigen Kindlein vnd Knaͤb - lein / ſo vnter zwey Jahren waren / alle zu Bethlehem hinrichten vnd erwuͤrgen lieſ - ſe / deren wie etzliche Theologi darvor halten 14000. geweſen. Drexel. allegat. ſupr. ad marg. loco. wie gut ers gemeinet / wiewol vmb ſonſt / weil diß Kindlein nach Gottes Verordnung ſchon in Egypten gewichen vnnd beym Leben erhalten ward / alſo kan aller Tyrannen Liſt vnd Geſchwindigkeit / Macht vnd Gewalt / wider Got - tes Raht vnd Verordnung nichts machen. Confer. Eraſm. in paraphraſi ad 2. cap. Evang. Matth.

Wie der Gottloſe Abſolon ſeinem Vatter David nach Scepter vnd Crone trachtete / durch ſeine Adhærenten Kundſchafften hin vnd wider bey den Staͤm - men Jſrael vnterbawet hatte / wann er nach Hebron kaͤme / daß ſie jhn daſelbſten offentlich vor einen Koͤnig ſalutiren vnd publiciren ſolten / wande er auch zum ſchein ſeiner Reiſe nach Hebron die Gottſeligkeit vor / zeigete ſeinem Vatter an / daß er dem Herren ein Geluͤbd gethan / wie er zu Geſur in Syria gewohnet / ſprach denſel - ben vmb Erlaubnuß an / ſein Geluͤbde zu Hebron zuerfüllen vnd den Gottesdienſt zuverrichten / aber dieſes war ein falſcher Prætext, darunter er die Einfaͤltige ſo jh - me nachgefolget verleitet / der rechte Scopus vnd Zweck aber war / daß er ſich zu Hebron zu einem Koͤnig auff werffen vnd publiciren lieſe 2. Samuel. cap. 15.

Deß gleichen hat Davids Sohn Adonia bey Lebzeitten ſeines Vatters wie er wieder ſeinen Willen den Koͤniglichen Thron affectirte, durch Auffruhr ſich ſel - ber zum Koͤnige machen wolte / den Prieſter Abiathar vnnd den Feldhauptman Joab nebẽ andern auff ſeine Seite gebracht / wolte er ſolches ohne Schein offentli -C ijchen20Das erſte Buch /chen Gottes dienſtes nicht fortſetzen / ſtellete zu ſolchem Ende ein offentlich Opffer an / ließ darzu viel Schaffe / Rinder vnd gemaͤſtet Viehe ſchlachten vnd hielt ein groß Pancquet. 1. Reg. c. 1. v. 9.

AXIOMA IX. Die Religion vnd Gottesdienſt ſeind gemein bey den Glau - bigen vnd Vnglaubigen / recht vnd vnrecht Glaubigen. (Vid. Grot. de veritate Relig. Chriſti.)

D alle Voͤlck er vnd vernuͤnfftige Menſchen je vnnd allezeit / wie noch davor gehalten / daß ein Gott ſey / (Jerem. cap. 2. v. 11.) vnd daß derſelbe vmb Verleyhung deß guten vnd Abwendung deß boͤſen anzuruffen / zu veneriren vnd zu ehren ſey / iſt oben allbereit angezeiget / dahero dann auch ohnfehlbahr vnd gewiß / daß bey allen Voͤlckern / auch den Vnglaͤubigen eine opi - nio Religionis, cultus Divinus oder Gottes dienſt / vnd Verehrung / eines / jedoch den Vnglaͤubigen nach ſeinem Weſen vnnd Willen vnbekandten / Gottes ſey. Rom. 1. & 2. cap. Sie haben auch ſolches nicht bloß in opinione behalten / ſondern jhren Eyffer vnd Devotion in der Religion mit euſſerlichen Ceremonien vnd ſon - derlich manch erley Opffern bezeuget / darvon in Weyland Kayſer Carlen deß 5. Anno 1548. den Chur-Fuͤrſten vnd Staͤnden deß Reichs vbergebener Erklaͤrunge wegen der Religion vnter der Rubric. vom Opffer der Meſſe / zu deren mehrer Be - hauptunge vnd Antiquitaͤt / nachfolgenden Jnhalts zufinden: Gleicherweiſe als die Natur die Religion hat eingefuͤhret / ohne welche keine Heyden leben / alſo auch die Ceremonien / ohne welche die Religion nicht kan vollbracht werden. Vnd vn - ter den Ceremonien haben die Heyden zu allerzeit / das Opffer / als das fuͤrnembſte gehalten / in vielen ſtuͤcken dem natuͤrlichen Geſetz gefolget / vnd als die Werckzeu - ge der Verſoͤhnunge behalten / vnd ſeind in deme Gottesdienſte / als Viehe zu Opf - fern / das Feiſt anzuzuͤnden / vnd auff die Kirchen zu gieſſen / für Gott ein Geluͤbd zu thun / vnd zu beten / welches die Natur den Menſchen eingepflantzet / vnd GOtt vom Himmel in aller Menſchen Gemuͤth gemein gemachet hat / beharret / vnd ha - ben alſo Heyden diß in gemein / als waͤre es jhnen in jhr Hertz gehefftet / feſt gehal - ten / daß ſie eiuhelliglich geachtet haben / daß allein Gott gebuͤhre der Dienſt eines euſſerlichen Opffers. N. Dieſe Kayſerl. Erklaͤrung iſt dem Reichs Abſchied de Anno 1548. angehenget / da ſie zufinden. Es hat auch ſolche Meynunge von den Opffern vnd deren Ceremonien ſo viel do mehr bey den Heyden wurtzeln koͤnnen / weil ſie von Noachs Soͤhnen / Cham vnnd Japhet poſteriren, welche jhres Vat -tern21Von dem Geiſtlichen Stande. tern Opffer / ſo er ſonderlich nach verlauffener Suͤndfluth auff deme new erbawten Altar / von allerley reinem Viehe / vnd reinem Gevoͤgel / Gott zu Lob Ehr Preiß verrichtet Geneſ. c. 8. v. 2. geſehen / vnd alſo auff jhre Nachkommen / perpetua tradi - tione gebracht / wie dann auch nicht zu zweiffeln weil Cain ſelber auch geopffert / daß auch ſeine Gottloſe Nachkommen / den Gebrauch zu opffern behalten vnd da - mit bey Gott vnd Menſchen geſehen ſeyn wollen / videatur Auguſtin. de Civit. Dei, lib. 10. c. 6. Ja es iſt vnterweilen die Erkantnuß deß wahren Gottes vnd die wahre Religion mit Aberglauben abgoͤttiſchen Ceremonien vnd Goͤtzendienſt durch ein - ander vermiſchet worden / (vid. Hunn. in tractat. de Eccleſ. Romana &c. c. 7. Va - ler. Maxim. lib. 1. c. 1. 2. 3. & ſeqq. ubi de Deorum cultu, Religione, auſpiciis &c. E - pictetus in Enchirid. cap. 38. Libandum, inquit, & ſacrificandum Diis, & offe - rendæ primitiæ ſunt, unicuiq́ue ritu patrio: caſtè, non luxurioſè, nec indiligenter, nec ſordidè, nec ſupra facultates. ) wie ſolches der in Abweſenheit deß Moſis / vnter der Direction deß Hohenprieſter Aarons angeſtelter Kaͤlbertantz vnd das gegoſſe - ne guͤldene Kalb bezeuget / Exod. c. 32. welches hernacher der Koͤnig Jerobeam reaſſumirte, vnd war nicht zu frieden mit einem / ſonder ließ 2. guͤldene Kaͤlber ma - chen zu Bethel / vnnd ſprach: da ſeind deine Goͤtter Jſrael / die dich auß Egypten gefuͤhret. 1. Reg. c. 12. v. 26. & ſeqq.

Nun iſt wol auſſer zweiffel / daß ſo wol die Kinder Jſrael in der Wüſten ſampt dem Aarone als nachgehends zu Bethel / nicht ſo toll vnnd Wahnſinnig ge - weſen / daß ſie die gegoſſene guͤldene Kaͤlber vor den wahren Gott der Himmel vnd Erden gſchaffen hat / veneriret vnd angebetet / ſondern ſie haben in modo cultus geirret vnd denſelben auff eine ſolche Weiſe / vnnd mit dieſen euſſerlichen Ceremo - nien / die er jhnen doch nicht gebotten / verehren vnd anruffen wollen / vid. Gloſ. O - ſiand. utroq́ue loco. Wann die Kinder Jſrael dem Molech jhre Kinder geopffert / haben ſie ſolches vnter Gottes Namen / Gott damit zu dienen / gethan / gleich wie Abraham da er ſeinen Sohn Jſaac opfferte / welches jhnen Gott nicht gebotten / ſondern auß truckiich verbotten 3. Moſ. c. 18. v. 21. & ibi. Luth. in Not. Jm gleichen meldet die Schrifft / daß die Heyden vnd mit denſelben ohne zweiffel auch die vber - gebliebene Jſraeliten den Herꝛn gefuͤrchtet / vnd doch daneben den Goͤttern gedie - net nach eines jeglichen Volckes Weiſe 2. Reg. c. 17. v. 32. & ſeq. & v. 41. ſtehet / daß die Heyden den Herꝛn gefuͤrchtet vnd auch gedienet den Goͤtzen. Daß ſie bey dem Herꝛn geſchworen / vnd zugleich bey Malchom Zephan. ca. 1. v. 5. wordurch der wah - re Gottesdienſt / bey dieſen kundlich vermiſchet worden / daruͤber Elias eine ſchwere Klage fuͤhret wann er ſpricht zu ſeinem Volcke: Wie lange hincket jhr auff beyden Seiten. Jſt der Herꝛ Gott ſo wandelt jhme nach / iſts aber Baal ſo wandelt jhme nach im 1. B der Cron. cap. 18. v. 21. Es haben auch die Koͤnige Juda denen die Schrifft Zeugnuß giebet / daß ſie gethan haben was dem Herꝛn wolgefiel / wie jhr Vatter David / dannoch den Gottesdienſt nicht allerdings rein behalten / in demeC iijſie die22Das erſte Buch /ſie die Hoͤhen nicht abgethan / wie zu leſen von Aſſa im 1. B. der Koͤnig c. 15. v. 11. & 14. von Joſaphat. c. 22. v. 43. 44. von Joas im 2. B. der Koͤnig. c. 12. Amazia c. 14. ſonſten. Als Micha der Jſraeliter einen Abgoͤttiſchen Leviter bekahm / der jhme ſeinen Goͤtzẽdienſt verrichtete / fuͤllete er jme die Hand / vermeinte er haͤtte nun einẽ gnaͤdi - gen Gott vnd ſprach: Nun weiß ich daß mir der Herꝛ wird wol thun / weil ich einen Leviten zum Prieſter habe / im Buch der Richter cap. 17. da es doch lauter Abgoͤtte - rey vnd Gott mißfaͤlliger Dienſt war. Es haben auch die vernuͤnfftige Heyden erkant / daß ſo wol in dem Regierſtande / als allem Menſchlichen Thun vnnd We - ſen / das gute von Gott / vnd auff die komme / die jhn fuͤrchten / geſtalt dann der Heyd - niſche Koͤnig Cambyſes ſeinen Sohn ermahnet: Dei eſto amicus, in eundem pius, nihilq́ue aggrediaris, niſi Dei Numine implorato, das iſt ſey Gottes Freund / fuͤrch - te denſelben / thu nichts / du habeſt denn zuvor Gott angeruffen. Scriban. in Polit. Chriſtian. lib. 2. c. 19.

Wie nun die Glaubigen den wahren Gott nach ſeinem Weſen vnd Willen / auß ſeinem geoffenbarten Wort erkennen / ehren vnd anruffen / alſo ehren die Vn - glaubigen einen vnbekanten Gott / in den Geſchiechten der Apoſtel cap. 17. v. 23. nach jhrem eigenen Wahn vnd Duͤnckel / aber nicht in Warheit vnnd Gerechtig - keit / wie es Gott haben will Eſai. 48. v. 2. bleiben in der Fuͤnſternuß / wollen Gottes Wort nicht hoͤren vnd annehmen / wiederſtreben demſelben / vnd gehen bloß jhrer Vernunfft nach.

Schließlich hierbey zu mercken / vnnd habens die vernünfftige Heyden auß dem Buch der Natur ſo in jhr Hertz geſchrieben wol wahr genommen / auch auß der Erfahrunge erlernet / daß der von jhnen alſo erkanter / aber doch vnbekanter GOtt / deme ſie vnwiſſent Gottesdienſt gethan / wie S. Paulus bezeuget / in den Geſchich - ten in gemeltem 17. Cap. v. 23. vnd denſelben in den Creaturen / Sonn / Mond / vnd deß Himmels / auch mit Menſchen Haͤnden geſchnitzeten oder gegoſſenen Bildern vnd Goͤtzen jrrig determiniret, geſuchet vnd verehret / wie darvon weitleufftig zu le - ſen im Buch der Weißheit Cap. 13. dannoch fuͤr ein ſolch gerechtes heiliges We - ſen gehalten / ſo die Gottesfurcht / vnd dahero ruͤhrendes diſcrimen turpium & ho - neſtorum genaw in acht nehme die Ehrbarkeit / mit gutem belohne / das Gottloſe ruchloſe Weſen / aber / Vnehrbarkeit / Schande vnd Laſter ernſtlich nicht allein in dieſem Leben / ſondern vnd viel mehr hernacher an der Seelen / durch die Furias in - fernales, pallentes Erebiumbras, in triſti profundo, wie der Virgilius vnd andere darvon reden / abſtraffe / dahero dann auch Lactantius geſchrieben daß die Heyden ſummum hominis officium das iſt jhren Gottesdienſt wie wol nicht in der War - heit / dannoch propoſito oder in Vorſatz gehabt vnd getrieben / deme dann auch in Warheit alſo (Rectè Groti. de jure. Bell. lib. 2. cap. 13. §. 12. ſed & ſi quis per falſos Deos juraverit, obligabitur; quia quam vis ſub falſis notis, generali tamen comple - xione Numen intuetur; ideoque Deus verus ſi peieratum ſit, in ſuam injuriam idfactum23Von dem Geiſtlichen Stande. factum interpretatur. Exemplum eſt in Iacobo & Labane Geneſ. cap. 31. Hine Au - guſtinus: Et qui per lapidem jurat, ſi falſum jurat, periurus eſt. Et deinde: Non te audit lapis loquentem, ſed punit Deus fallentem, citatur in Iur. Canon. in cap. movet, Cauſ. 22. quæſt. 1. Die Heydniſchen Einwohner zu Lyſtra / müſſen in jhrer Heydniſchen Abgoͤttiſchen Religion gar devot vnd eyfferig geweſen ſeyn / dann als S. Paulus einen lahmen Mann in jhrer Gemeinde / durch wenig auß geſprochene Worte curirete vnd wieder auff geſunde Fuͤſſe ſtellete / haben ſich ſich ſehr daruͤber verwundert / vnd geſprochen: Die Goͤtter ſeind den Menſchen gleich worden / vnd zu vns hernieder kommen / vnd nenneten Barnabam Iupiter, vnd Paulum Mercu - rius, die weil er das Wort fuͤhrete / (Eraſmus Roter. in paraphr. ad hoc cap. 14. ſcri - bit. Hæcperſuaſio magis inſederatanimis Lycaonum ob fabulam de Jove & Mer - curio, quum homines eſſe videren tur, à Lycaone excepti hoſpitio, unde Nomen ſortiti videntur Lycaones. Barnabam itaque, qui ſingularem quandam auctoritatẽ præ ſe ferebat, Jovem: Paulum vero Mercurium, quod is eſſet Dux ſermonis, pro - pterea quod gentes crederent, Mercurium eſſe Deorum Nuncium & Eloquentiæ Præſidem. ) er d Prieſter aber Jupiters, der fuͤr jhrer Statt war / brachte Ochſen vnd Kraͤntze fuͤr das Thor vnd wolten opffern / ſampt dem Volcke / deme aber Bar - nabas vnd Paulus hefftig wiederſprochen / jhre Kleider zerriſſen / vnd ſie dem wah - ren Gott der Himmel vnd Erde erſchaffen / vnd das Meer vnd alles was darinnen iſt / nach ſeinem Wort vnd Evangelio zu dienen angewieſen. Jn den Geſchichten der Apoſtel Cap. 14. v. 8. & ſeqq. vnd iſt jhnen gleich wol von den Apoſteln ferner an - gemeldet / ob wol Gott in vergangenen Zeiten / alle Heyden / wandeln laſſen / jhr ei - gene Wege / ſo habe er ſich doch ſelbſt nit vnbezeuget gelaſſen / jhnẽ dz gute / jhre Ehr - barkeit vnd Furcht Gottes / mit zeitlichen Gaben vergolten / viel gutes gethan / vnd vom Himmel Regen vnd fruchtbare Zeiten gegeben / jhre Hertzen erfuͤllet mit frew - den / im gemelten Cap. 14. v. 16. 17. 18. vnd jederman Leber / Odem vnd alles gegeben in folgendem 17. Cap. v. 25. Worbey Gottes guͤte vnd Langmuͤthigkeit zuerſehen / daß er in der Finſternuß der Heyden / das in jhrem Hertzen von Natur angeſtecktes Liecht der Wiſſenſchafft / durch die gute Bezeugung vnd reichen Segen / zeitlicher Guͤter vnd Wolthaten / vermehren / vnd ſie dardurch zu beſſer er vnd wahrer Erkant - nuß reitzen vnd fuͤhren wollen / deſſen S. Paulus auch in der Epiſtel an die Roͤmer gedencket vnd weiter auß fuͤhret / daß die Heyden Gott loben vmb der Barmhertzig - keit willen Cap. 15. v. 9. dahero auch Auguſtinus in der Meynung ſich befunden / daß das Roͤmiſche Reich dannenhero ſo gewaltig zugenommen / vnd vermehret / weil die Roͤmer eyfferiger in jrer wie wol Heyniſcher Abgoͤttiſcher Religion geweſen vid. Grot. de jur. Bell. lib. 2. c. 20. in fin. welches zwar kein ſolcher actus ſpecialis gra - tiæ oder Goͤttlicher ſonderbahrer Gnade iſt / dardurch Gott die auß warer Erkant - nuß vnd Glauben herruͤhrende Gottſelig-Erbarkeit vnd gute Wercke lauter auß Gnaden / (Nil Deus in nobis præter ſua donacoronat. ) auff-vnd annimbt / dieſelbeauch24Das erſte Buch /auch mit herꝛlichen Gaben zeitlicher Gluͤckſeligkeit / ſegnet / ſondern ein Actus der allgemeinen Guͤtigkeit deß Allerhoͤchſten / wie die Theologi reden / damit er auch die jenige Heyden / die Anfangs auß deme in jhr Hertz geſchriebenem Buch der Na - tur / vnd hernacher auß dem Buch der Creatur vnd Goͤttlicher Bezeigunge / erkant daß ein Goͤttlich Weſen vnd daſſelbe zu fuͤrchten vnd zu ehren ſeye / auch darumb man ſich eines ehrbaren Lebens vnd Wandels zubefleiſſen / vnd alſo Wercke deß Geſetzes auß Antrieb der Natur gethan / mit zeitlichen Guͤtern vergolten / dahin zie - let auch Eraſmus Roterodamus in ſeinem paraphraſi vber gemeltes Capitel der Apoſtel Geſchichte / wie es ſeine hernachgeſetzte formalia geben. (Quanquam Gentiles à vero Deo per errorem alieni eſſent, varia rerum ſimulachra pro Deo, aut res conditas pro conditore colentes, tamen non ſtatim in illos exeruit juſtam ultionem, nec deſtitit illos, perpetua ſua beneficentia ad ſui cognitionem & amo - rem provocare. Et hæc beneficia non debentur Diis, Jovi, Cereri, aut Libero, quos hactenus coluerunt, ſed Deo, quem Apoſtoli illis prædicarunt. Hactenus Eraſ - mus alleg. loc.

Alsdem Gottloſen Koͤnig Achab die ſchwehre zeitliche Straffe ſo er vber jhn / ſein gantzes Hauß vnd Nachkommen beſchloſſen / vnd daß er dieſelbe außrotten wolte / auch den der an die Wand piſſet / vnd daß die Hunde ſein Gemahl Jſebel freſſen ſolten an der Maur Jeſreel von dem Propheten Eſaia ins Geſicht an - gekuͤndiget ward / ſchlug er in ſich vnd ließ eine euſſerliche Buß vermercken / zerriß ſeine Kleider vnd legte einen Sack an / faſtet vnd ſchlieff im Sack vnnd gieng jaͤm - merlich einher / daß daruͤber das Wort deß Herꝛn zu Elia kahm vnd ſprach: Haſtu nicht geſehen wie ſich Achab fuͤr mir buͤcket? welche Buſe ob ſie wol nicht beſtaͤn - dig ſondern auff eine geringe Zeit wehrete / hat doch Gott die zeitliche vnbeſtendi - ge Buſe nicht vnvergolten gelaſſen / dann alſo ſpricht der Herꝛ: Weil er ſich nun fuͤr mir buͤcket / will ich das Vngluͤck nicht einfuͤhren bey ſeinem Leben / aber bey ſei - nes Sohns Leben wil ich Vngluͤck einfuͤhren / wie davon zu leſen im 1. Buch der Chron. c. 21. v. 21. biß zu Ende. Daß aber Achabs Buſe nicht beſtaͤndig geweſen oder geblieben / iſt gleich auß dem nachfolgenden 22. Cap. zuſehen auß ſeiner Vermeſſenheit vnd Tyanney / die er an den Propheten vnd Mann Gottes Micha veruͤbete.

AXIO -25Von dem Geiſtlichen Stande.

AXIOMA X. Die Heuchler vnd Abtruͤnnige wollen auch zu weilen Zelo - tes oder Eyfferer in der Religion ſeyn.

DEr Bruder Moͤrder Cain ließ bey ſeinem heucheliſchen Opffer einen groſ - ſn Eyffer ſehen / ſo gar daß er ſeinen frommen Bruder Habel darumb / daß ſein Opffer bey Gott angenehmer war / er wuͤrgete im 1. Buch Moſ. cap. 4.

Als Saul ſich von Gott gewand / denſelben verließ / gar in Verzweiffelung geriethe / vnd ſeinem Waffentraͤger zumuhtete / daß er jhn erſtechen ſolte / præten - dirte er die Religion vnd ließ darbey / weil er deß Sacraments der Beſchneydunge theilhafftig worden / einen Eyffer in der Religion mercken / ſagend: Zeug dein Schwerd auß vnd erſtich mich / damit nicht dieſe Vnbeſchnittene kommen vnd mich erſtechen vnd treiben einen Spott auß mir / 1. Samuel. 31. v. 4. 1. Chron. 11. v. 4. hat alſo verhuͤten wollen / daß die ware Religion vnd der Bund der Beſchneidunge / darvon er doch abtruͤnnig worden / in ſeiner gottloſen Perſon / dannoch niche ſolte verlaͤſtert vnd verſpottet werden.

Der Gottloſe Koͤnig Zedekia verfolgete vnd kerckerte den Propheten Jere - miam / wolte aber doch haben daß er fuͤr jhn beten ſolte vnd ließ jhme ſagen / bitte den Herꝛn vnſern Gott fuͤr vns Jerem. c. 37. v. 3. vnd wie er jhn lange gefaͤnglich gehalten / ließ er jhn holen vnd fragete / jhn heimblich: Jſt auch ein Wort von dem Herꝛn fuͤrhanden im ſelben. cap. v. 17. da er doch deß Herꝛn Wort verfolgte.

Bey dem Jerobeam das Volck Jſrael ſuͤndigen machete durch ſeinen an - geſtelleten Kaͤlberdienſt / zu Dan vnd zu Bethel / war gleichſamb ein brennender Eyffer. 1. Reg. c. 12. v. 26. & ſeqq. ſo gar / daß er auch den Propheten Gottes wolte greiffen vnd toͤdten laſſen. 1. Reg. c. 13. v. 4. & ſeq. Ja es iſt dieſer Abgoͤttiſchen Heuchler Eyffer ſo groß worden / daß ſie jhrer eygenen Kinder nicht geſchonet / ſon - dern dieſelbe durchs Fewr gehen laſſen / vnd bey jhnen gleichſam ein Sprichwort war / wer die Kaͤlber kuͤſſen will / der ſoll Menſchen opffern / Hoſea cap. 13. v. 2.

Ein ſehr groſſer Eyffer war bey Achab vnd ſeiner Abgoͤttiſchen Gemahl der Jeſabel / die auß ſelbigem Kaͤlberdienſt den Baalitiſchen formiret. 1. Reg. c. 16. ver - folgten die Prieſter deß Herꝛn ſo hart / daß auch der Prophet Elias meinete / er waͤre allein vbrig blieben / welchen Achab auch in allen Koͤnigreichen ſuchen ließ. 1. Reg. c. 18. & 19. Die Juden lieſſen bey deß Herꝛn Chriſti Paſſion vnd Creutzigung einen ſonderlichen Eyffer mercken / ſo gar / daß der Hoheprieſter daruͤber ſeine Kleyder zerriſſe Matth. 26. v. 65. Jm gleichen bey deß Maͤrterers S. Stephani SteinigungDActor.26Das erſte Buch /Actor. c. 7. S. Paulus gibt ſeinen Judensverwandten das Zeugnuß / daß ſie eyf - fern vmb Gott / aber mit Vnverſtand / in der Epiſt. an die Roͤm. cap 10. v. 2.

Der Abtruͤnnige Kayſer vnd Chriſtenfeind Julianus Apoſtata genand / wann er zu Felde gezogen / hat er den Heydniſchen Goͤttern / zu Conteſtirunge ſeiner de - votion vor den Heyden ein ſonderbar Geluͤbd gethan. (Baron. ſub Anno 363. p. 24. ubi dicit: Julianus Apoſtata in Bellum procedens vota fecit Divis. Nicol. Hunn. in Tract. de Eccleſ. Rom. &c. n. 98. p. 111. Quin imo Nero ſceleribus per - actis, grates Deo egit. Teſte Cornel. Tacit. lib. 14.

Alſo gehet es mit den Aberglaubigen Heuchlern vnd Werckheiligen ins ge - mein / die nehmen ſich groſſer Devotion, Eyffer vnd Andacht vor den Leuthen an / vnd iſt doch das Hertz voll Heucheley / Tyranney / crudelitaͤt vnd boͤſes / daruͤber der Prophet klaget Hoſee. C. 7. v. 6. & ſeq. Jhr Hertz ſpricht er iſt in heiſſer Andacht wie ein Backoffen / wann ſie opffern vnd die Leuthe betriegen / vnd iſt doch keiner vnter jhnen der Gott anruffe.

Die Abtruͤnnigen / wann ſie von der wahren in den Prophetiſchen vnd Apo - ſtoliſchen Schrifften gegruͤndeten Religion abfallen / vnd etwann vmb groͤſſere Ehr zu erlangen / oder dz Zeitliche zu conſerviren, ſich zu einer andern Lehr accom - modiren vnd bequemen / laſſen ins gemein einen ſehr groſſen Eyffer ſehen vnd ſpuͤ - ren / wollen gleichſam wie ein heiſſer Backoffen von Andacht berſten / damit ſie dar - durch bey jhren newerwehlten Religionsverwandten / in groß Credit kommen / vnd jhrer Heucheley einen ſcheinlichen Mantel vmbhengen / ſie laſſen es auch darbey nicht / ſondern ſie werden| ſtarcke Verfolger jhrer vorigen wahren Religionsgenoſ - ſen / vnd iſt das alte Sprichwort an jhnen war / Omnis Apoſtata eſt perſecutor ſui ordinis. Man hat ſolches in vorigen vnd newlichen Zeiten erfahren / wie gewaltig ſich die Abtrunnige in angeſtelleten perſecutionen, Verfolgungen vnd Reforma - tionen gebrauchen laſſen / ſelber Commiſſiones vnd Executiones auff ſich außge - beten erhalten vnd mit groſſen vehementz Beſchwerunge jhrer vorigen Glau - bensgenoſſen effectuiret, vnd die ſchaͤrpfeſte inſtrumenta perſecutionis worden.

So bald Jerobeam abtruͤnnig ward vnd einen newen Gottesdienſt erwehle - te verfolgte vnd verjagte er gleich die Prieſter Leviten / ſein vorige| Glaubens ge - noſſen / wie obgemeldet. Vnd ob ſchon ſie die Abtruͤnnige vorhin ehrbare / gutthaͤti - ge vnd liebreiche Leuthe geweſen / ſo ſiehet man doch / wann ſie die wahre einmahl er - kante Religion endern vnd verleugnen / daß Gott die Hand von jhnen abziehe / vnd es bey jhnen heiſſe / ex optimis fiunt peſſimi, vnd wie man ſonſten im Sprichwort ſaget: Wann ein Engel ein Teuffel wird ſo wird er gar boͤſe. (Luther. in Geneſ. cap. 31. fol. 429. ubi addit Diabolum ex eo quod expræſtantiſſima & angelica na - tura degenerarit, factum eſſe corruptiſſimum & peſſimum.

Sic virgo pudica poſtquam ſemel pudicitiam proſtituit, nihil veretur amplius, ſed perfricat frontem adquaslibet turpitudines.

Sic27Von dem Geiſtlichen Stande.

Sic ex Chriſtiano ſi fiat Apoſtata, non erit alius infenſior hoſtis Eccleſiæ & pietatis.

Huc etiam pertinet illa Phyſicorum & Medicorum Regula: Quo res nobi - lior eſt in ſuo eſſe, deterior ſit in ſui corruptione.)

Es hat ſolches auch der Abtruͤnnige Kayſer Julianus nach dem er die Chriſt - liche Religion verlaſſen / mit angeſtelter Verfolgung gnugſamb erwieſen.

AXIOMA XI. Zur Abgoͤtterey vnd Aberglauben ſind die Menſchen von Natur mehr als zu der wahren Religionge - neiget.

DIeſes iſt auß Gottes Wort bekant / geſtalt die Exempla deß Juͤdiſchen Volckes hin vnd wieder bezeugen. Exod. cap. 32. Iudic. c. 2. v. 11. & ſeqq. Judic. 3. v. 5. & ſeqq. Jud. cap. 8. & 9. it. cap. 10. cap. 17. cap. 18. Samuel. c. 3 1. Reg. 12. v. 28. item cap. 15. c. 16. & paſſim.

Vnd ſonderlich klaget Gott daruͤber beym Propheten Jeremia c. 2. v. 9. Jch muß mich jmmer mit euch vnd ewren Kindern ſchelten / gehet hin vnd ſchawet / ob die Heyden jhre Goͤtter endern / wiewol ſie doch nicht Goͤtter ſeind / vnd mein Volck hat doch ſeine Herꝛligkeit verendert vmb einen vnnützen Goͤtzen. Vnd im 11. c. v. 13. ſpricht er: ſo manche Statt ſo manche Goͤtter haſtu Juda / vnd ſo manche Gaſſen zu Jeruſalem ſind / ſo manchen Schanden Altar habt jhr auffgerichtet / dem Baal zu raͤuchern. Es bezeugen ſolches auch die obangezogene Exempla Ierobeams, Achabs vnd jhrer Nachkommen / neben andern / mehr als zuviel.

D ijVon28Das erſte Buch /

Von der wahren Chriſt - lichen Religion.

AXIOMA XII. Die Griſtliche / in Gottes Wort / den Prophetiſchen vnd Apoſtoliſchen Schrifften gegruͤndete Religion / iſt allein die wahre ſeligmachende Lehr / GOtt / nach ſeinem Weſen vnd Willen recht zu erkennen / zu ehren / vnd die ewige Seeligkeit zu erlangen.

DIeſe Chriſtliche Religion hat jhren Vrſprung im Paradißgarten / da Gott der Herꝛ nach dem Fall / dem Menſchlichen Geſchlechte / das troͤſtliche Evangelium angekuͤndiget / daß deß Weibes Samen / nem - lich Chriſtus der Schlangen den Kopff zertretten ſolte. Gen. c. 3. v. 15. den Namen aber / von Chriſto Jeſu / Gottes vnd der hochgebenedeye - ten Jungfrawen Marien Sohn / welcher gleich nach dem Fall / wie gemeldet / als der einige Heyland der Welt / vnd gebenedeyter Weibes Samen / dem Menſchli - chen Geſchlechte verſprochen / von den Ertzvaͤttern vnd glaubigen Gottes im alten Teſtamente / in Hoffnung vnd gewiſſer Zuverſicht erwartet / in wahrem Glauben ergrieffen / vnd in der fülle der Zeit von der heiligen reinen keuſchen Jungfrawen Maria wahrer Menſch auff dieſe Welt gebohren / erlanget. vid. Drexel. in elegan - ti libello de Ieſu Naſcente per c. 1. & ſeqq.

Es iſt auch vnter den Heyden / Juden / Tuͤrcken vnnd andern Vnglaubigen ohnlaͤugbar vnd auß den Hiſtorien zu ſehen / daß ein Menſch Chriſtus Jeſus Na - zarenus genand / bey zeiten Kayſers Auguſti gebohren / bey Regierunge Kayſers Tiberi[u]n Jndea gelebet / gelehret / viel Zeichen vnd Wunder gethan / vnnd einen groſſen Beyfall in der Religion bekommen / von Pilato| dem Landpfleger in Judea auff faͤlſchlich Angeben der heilloſen Juͤden zum ſchmaͤhlichen Todt deß Creutzesverdam -29Von dem Geiſtlichen Stande. verdammet / vnd die jenige ſo vor vnd nach ſeiner ſchmaͤhlichen Creutzigunge / ſeine Lehre angenommen / von dieſem Chriſto durch die gantze Welt von ſelbiger Zeit an biß auff die gegenwertige / Chriſten genand / wie ſolches nicht allein die Juͤdiſche vnd Chriſtliche Hiſtorienſchreiber nechſt der heiligen Schrifft / ſondern auch die Heydniſche / als Suetonius, Tacitus, Plinius junior vnd andere mehr bezeugen. (Tacit. lib. 15. Annal. ubi ſcribit. Chriſtiani appellati ab auctore Nominis Chri - ſto, qui Tiberio imperitante per Procuratorem Pontium Pilatum ſupplicio affe - ctus erat. Repreſſaq́ue in præſens exitialibilis ſuperſtitio, rurſus erumpebat, non modo per Iudæam originem ejus mali, ſed per urbem etiam, quo cuncta undiq́ue atrocia aut pudenda confluunt. Conf. Hug. Groti. de veritate Religion. Chri - ſtian. lib. 2.

Der Juͤdiſche Hiſtorien ſchreiber Flavius Joſephus ſchreibet lib. 18. c. 4. von alten Geſchichten von Chriſto nachfolgender maſſen. Es hat auch zur ſelbigen Zeit (nemlich wie Kayſer Tiberius regieret) gelebet / Jeſus / ein ſehr weiſer Mann ſo ſich anderſt ziemet / daß man jhn einen Mann nennet / dann er viel Wunderwerck gethan / vnnd ein Lehrer deren geweſen / ſo die War - heit gern annahmen / vnd hat beydes von Juden vnd Heyden ſehr viel Nach - folger gehabt / dieſer war Chriſtus / welchen hernach / auff Anklage der Vornembſten vnter vnſerm Volck Pilatus zum Creutz vervrtheilet hat / doch ſeind die ſo jhne ernſtlich angefangen recht lieb zu haben / mit nichten von jhme abgefallen / dann er jhnen am dritten Tage / wie dann die Propheten von jhme nach Goͤttlicher Einge - bunge / beyde dieſes vnd ſonſten viel wunderbahrliches Dinges geweiſſaget haben / widerumb lebendig erſchienen iſt / vnd wehret auch noch auff den heutigen Tag der Chriſten Geſchlechte / welche von jhm alſo genand worden. (Von dieſem Chriſto oder Jeſu von Nazareth ſpricht der Apoſtel Petrus / zeugen alle Propheten / daß durch ſeinen Namen / alle die an jhn glauben / Vergebung der Suͤnden empfahen ſollen / in den Geſchichten der Apoſtel. cap. 10. Eſai. 53. Jer. 31. Ezech. 34. Daniel. 9. v. 25. da deß Herꝛn Chriſti namhafftig gedacht wird / cum ſimilibus.)

Es melden etliche alte Kirchen Hiſtoriei / wie auch Baronius neben an - dern / daß vmb die Zeit / da der Herꝛ Chriſtus gebohren das oraculum Delphicum dardurch der Teuffel vnterm Namen deß Abgotts Apollinis zu antworten / von zukuͤnfftigen Dingen zu weiſſagen pflegen / auffgehoͤret vnnd zu letzt dieſe Antwort gegeben: Hebræus jubet me Deus beatis imperans, hanc domum deſerere, & ad Tartara reverti. Welches in die geſetzte Verß gebracht.

Me puer Hebræus ſuperum Rex, linquere tecta
Hæc jubet, atq́ue atras Ditis remeare ſub umbras:
Ergo ſilens aris tu nunc abſcedito noſtris.
(Vid. Drexeli. in deliciis Gentis human. de Jeſu Naſcente part. 1. cap. 2. )

Das iſt /

Sih ein Ebreiſch Kind /
D iijDas30Das erſte Buch /
Das auch iſt Gott geweſen
Von aller Ewigkeit;
Heiſt das Abgoͤttiſch Weſen /
Hinfort mich legen ab /
Stoͤſt mich zur Hell hinauß;
Werd nicht antworten mehr:
Darumb bleib nur zu Hauß.)

Es ſoll ſich auch zu Rom in den Annalibus, eine Epiſtola oder Relation ge - funden haben / welche P. Lentulus ein Landpfleger in Judea an den Raht zu Rom abgehen laſſen / von Chriſti Wandel / Leben / Zeichen / Wunder / Perſon / Statur vnd ſonderbaren Tugenden / vnd weil dieſelbe denckwuͤrdig / vnd ſonſten nicht gemein / habe ich ſie hierbey wollen referiren. (Temporibus Octaviani Cæſaris Auguſti cum ex diverſis mundi partibus, hi qui per S. P. Q. R. præerant provinciis ſcriberent Senatoribus qui Romæ erant novitates, quæ ſuccurrebant per mundi climata, P. Lentulus Iudææ præſes Epiſtolam hanc ſcripſit: Apparuit temporibus noſtris, Et adhuc eſt homo magnæ virtutis, cui nomen eſt Chriſtus Jeſus, qui dicitur à genti - bus, Propheta veritatis, quem ejus Diſcipuli vocant Filium Dei: ſuſcitans mor - tuos, & ſanans languores. Homo quidem ſtaturâ procerus & ſpectabilis, vultum habens venerabilem, quem intuentes poſſunt diligere & formidare, capillos ha - bens nucis avellanæ præmaturæ & plano ferè ſitu uſq́ue ad aures, ab auribus verò criſpos, aliquantulum ceruliores & fulgentiores ab humeris ventilantes: Diſcrimen habens in medio capitis juxta morem Nazarenorum, frontem planam & ſereniſſi - mam, cum facie ſine ruga & macula aliqua, quam rubor moderatus venuſtat, naſi & oris nulla reprehenſio, barbam habens copioſam & capillis concolorem, non longam, ſed in medio bifufurcatam, aſpectum ſimplicem & maturum, oculis glau - cis, variis & claris exiſtentibus: Increpatione terribilis, & admonitione placidus & amabilis, hilaris ſervatâ gravitate, qui nunquam viſus eſt ridere, flere ſæpius: manus habens & brachia viſui delectabilia: In colloquio gravis, rarus & modeſtus: ſpecio - ſus forma præfiliis hominum.

Hæc Epiſtola in Annalibus Romanorum comperta eſt.

Die Tuͤrcken / ob ſie wol Erbfeinde ſeind der Chriſtenheit / dannoch befindet man in jhrem Alcoran vnd andern Büchern / (Gabriel. Sionit. alleg. loc. cap. 17. ex Surat Anneſa, notat: Quod Iſa ſeu Jeſus, filius Mariæ, miſſus ſit Dei, & verbum ejus collocatum in ipſa, ac ſpiritus de ipſo hoc eſt de Deo. Item, eum eſſe verum Pro - phetam natum de virgine, virum non cognoſcente, & à Gabriele Angelo annun - ciatum. Porro ob talem tantamq́ue Chriſti dignitatem, atq́ue arctam cum Deo familiaritatem, quodq́ue Propheta inſignis & omni virtutum genere afflueret, ſce - leſtiſſimorum hominum ludibriis cum exponere & cruci affigi, bonitate Dei indi - gnum eſſe, ſed alium in Chriſti ſimilitudinem & formam mutatum, Deum veròChri -31Von dem Geiſtlichen Stande. Chriſtum ad ſe tranſtuliſſe, qui in die judicii teſtis futurus ſit ſuper eos. Et ob hæc Moſelmanni ſeu Mahometani tali opprobrio atq́ue infamia crucem habent, ut eam miſeros Chriſtianos adultos, qui ad Mahometæam legem tranſeunt ter pedi - bus conculcare, terq́ue conſpicuere cogant, Cæteros verò Chriſtianos impruden - tiæ atq́ue ſtupiditatis arguunt, qui Chriſtum probra, & Crucis ignominia acer - bam tarpemq́ne mortem perpeſſum eſſe affirmant. Hactenus ille.

In eandem ferè ſententiam Iohan. Cotovic. alleg loc. ſunt etiam inquit, qui Chriſtum ipſius Mahometis teſtimonio verbum, virtutem, ſapientiam, animam & Cor Dei, itemq́ue Meſſiam promiſſum Judæis & divino afflatu è ſpiritu Sancto conceptum, ex Mariâ Virgine ſine patre generatum atq́ue omnis mendacii & pec - cati immunem affirment, ita ut ſibimet contrarii ſuo ſe gladio ingulent. Tanta nempe & vis veritatis & virtus eſt, ut| eam ſæpè hoſtes & ab ipſa extorres obtorto velut collo, velint nolint, proferre & fateri compellantur. Porro è cœlo ori - ginem traxiſſe, Converſatione ſanctum, Doctrinam rectam docuiſſe, eam - q́ue miraculis illuſtraſſe. Mortuum autem & revixiſſe, cum Manichæo negant & Chriſtianos ſtupiditatis arguunt, quod Chriſtum probra Crucis, mortem acerbam & ignominioſam perpeſſum ſibi perſuadent & credant. Cœleſte namq́ue cor - pus eum aſſumpſiſſe, eoq́ue virginis uterum penetraſſe, ac morti obnoxium mini - fuiſſe exiſtimant, ſed immortalem ac vivum aſſumptum in cœlos in monte Oli - varum, in tanta enim apud Deum eum fuiſſe gratia ferunt, ut cum Judæi in eum conſpirarent, Judam Proditorem in Chriſti ſimilitudinem (cum in horto quære - retur) mutatum, ejus loco captum ac cruci affixum. Deniq́ue Chriſtum nunc co - ram Deo in cœlis in carne vivere, & Anti-Chriſtum, ubi advenerit gladio ſuæ vir - tutis interfecturum, ac in extremo judicio Deo proximum aſſeſſurum & judicatu - rum ſuæ legis homines perhibent. Propterea Chriſti nomen, non minus quam ipſius Mahometis execrantes acriter puniunt, honeſtiores pœna pecuniaria, hu - miliores flagris. Neq́ue Chriſti ſolum ſed & Mariæ nomen blaſphemantes caſti - gant. Sic enim lege cautum eſt: Si quis, ſive Chriſtianus, ſive Turca, vel Maurus vel Arabs Chriſtũ illud verbum Dei quem virtute Spiritus Sancti à Maria procrea - tum credimus, vel etiam ipſam virginem, quam Deus omnibus creaturis puriorem fecit & excellentiorem blaſphemaverit, præter mulctam pecuniariam, ſexaginta fu - ſtuarii plagas ſuſtinebit. Cujus legis exactiſſimam apud Turcas eſſe obſervationem teſtatur Cotovic. d. loc. addens, Turcas Chriſtum extollere ſupra omnes Prophe - tas. Gabriel. Sionit. d. loc. cap. 15. Mahomedem vero in mandatis habuiſſe, ut non amplius Chriſti exemplo, humilitate, precibus, ſuaſionibus ac monitis ad legis ob - ſervationem homines induceret, aſt ferro ac bellis fidei reſiſtentes invaderet, & tanquam divinæ juſtitiæ vindex ſicarius iſte in tranſgreſſores animadverteret, per - tinaces ac perfidos pro tanto ſcelere ulciſceretur. Vid. etiam Hugon. Groti. de verit. Relig. Chriſtian. lib. 6.) daß ſie Chriſtum vor den fuͤrnembſten vnd groͤſſeſtenPro -32Das erſte Buch /Propheten / der jemals von Gott in die Welt geſand / halten / daß er auch von der Jungfrawẽ Maria vff vorgangene Verkuͤndigung deß Engel Gabriels / ohne Zu - thun eines Mannes gebohren / groſſe vnd Goͤttliche Wunder gethan / Blinden ſe - hend / Lahmen gehend / vnd die Außſaͤtzigen rein gemachet / derowegen auch in jhrem Alcoran vnd Mahometiſchen Geſetzen außtrucklich verbotten / von Chriſto vnd ſeiner Mutter der heiligen Jungfrawen Maria nichtes laͤſterhafftes zu reden / vnd daß die ſo es thun / am Leib vnd ſonſten ernſtlich zu beſtraffen / auch wann Juden ſich zu der Mahometiſchen Religion begeben / dieſes vnter andern angeloben muͤſſen / daß ſie Chriſtum vnd ſeine heilige Mutter nicht laͤſtern vnd blaſphemiren wollen / Ja dieſe / (wiewol jrrige) Lehr vnd Meynunge von Chriſti Leiden vnd Sterben in jhrem Alcoran vnd Buͤchern fuͤhren / daß Gottes Guͤtigkeit wegen der hohen Wuͤr - de / naͤhern Gemeinſchafft mit dem Goͤttlichen Weſen vnd vielen groſſen Tugen - den / damit er als der groͤſſeſte Prophet auß geruͤſtet vnd begabet geweſen / nicht zu - geben oder geſtatten koͤnnen / daß er dergeſtalt von den gottloſen Juͤden verſpeyet / verſpottet / vnd an das verfluchte Holtz deß Creutzes ſolte gehenget vnd getoͤdtet ſeyn / ſondern haͤtte Gott die Juden verblendet / vnd einen andern boͤſen Menſchen oder Judam den Verraͤhter in Chriſti geſtalt repræſentiret, welchen ſie alſo gehoͤnet vnd getoͤdtet / dahero dann auch kompt / daß ſie den Chriſten / ſo zu der Mahometi - ſchen Abgoͤtterey ſich begeben / wann ſie erwachſen / vnter andern Ceremonien vor - hin ein Creutz vorlegen / welches ſie dreymahl anſpeyen vnd mit Fuͤſſen tretten muͤſſen / anzudeuten der Chriſten Verblendung vnd Einfalt / gleichſam ſolte Chri - ſtus der groſſe Prophet Gottes / ans Creutz geſchlagen ſeyn. (Hugo Groti deverit. Relig. Chriſti lib. 6.) Weil aber Chriſtus zur Demuht / Gedult / Leyden / Creutz vnd Verfolgung / ſeine Juͤnger die Chriſten angewieſen / vnd dieſelbe dahero verfolget vnd vbel tractiret worden / haͤtte Gott einen andern behertzten Propheten / nemblich den Mahometh / welchen ſie auch wol den verheiſſenen Paracletum nennen / geſchi - cket / der nicht mit Demuth / bitten / vnnd ſanfften Worten / ſondern mit dem Schwerd vnd Krieg die jenigen ſo ſich dem Geſetz widerſetzeten / vnd ſeinem Volck widerſtrebeten / zum Gehorſamb bringen vnd beſtreiten ſolte. Wie ſolches bey dem Gabr. Sionita. vnd Ioan. Aeſronit. de oriental. urbib. & indigen. Relig. ac morib. c. 14. 15. & ſeqq. mit mehrem zu beſinden / vnd extracts weiſe zu mehrer nachricht hie - her geſetzt / item Johan. Cotovic. Ultraject. in itinerario Hieroſolymit. & Syriac. c. 3.

So hoch ſich nun die Tuͤrcken vnnd Juden aͤrgern an dem Creutze Chriſti / darüber S. Paulus in ſeiner erſten Epiſtel an die Corinther klaget vnd ſaget: Wir predigen den gecreutzigten Chriſtum den Juden ein Aergernuß / den Griechen / das iſt allen Heyden / eine Thorheit cap. 1. v. 23. ſo hoch haben wir Chriſten vns deſſen zu getroͤſten vnd mit dem Chriſtlichen Poeten zuſagen: Crux Chriſti noſtra Corona eſt. Es iſt das Wort vom Creutz Chriſti eine Thorheit / denen die verlohren wer - den / vns aber die wir ſelig werden eine Gottes Krafft / S. Paul. in gemelt Epiſt. an die Corint. c. 1. v. 17.

Darvon33Von dem Geiſtlichen Stande.

Darvon auch Eraſmus Roterodamus in ſeiner ſchoͤnen Paraphraſi vber die ander Epiſtel S. Pauli an den Timotheum alſo ſchreibet: Nil glorioſius Cruce Chriſti, quæſalutem dedit orbi, quæ Diaboli tyrannidemfregit, quæ nobis im - mortalitatem peperit. Chriſti Crux noſtra eſt Gloria. Dahin gehoͤren auch nach - folgende feine Chriſtliche Reime:

Am Creutz iſt bezahlt der Chriſten Schuld /
Jm Creutz ſtehn ſie in Gottes Huld /
Jm Creutz ein jeder wird erkent
Der ſich nach dem Creutz Chriſti nent
Wann er ſein Creutz ohn Zorn vnd Rach
Chriſti Creutz traͤgt geduldig nach
Als dann ſein Creutz jhm bringt kein Leyd
Durch Chriſti Creutz kompt ewig Frewd.

AXIOMA XIII. Eine Religion in einem Lande vnd Republica verbindet vnd verknuͤpffet die Gemuͤhter der Vnterthanen vnter ſich / vnd gegen jhre Obrigkeit ſo viel ſtaͤrcker vnd erhelt beſſer Ver - trawen. (Religio apud omnesſemper magni fuit, quod Deo cultum, populis concordiam præſtet, paciſque & tranquillitatis cuſtos, adeoque potiſſimum in Chri - ſtiana Repub. adverſus ejus turbatores ſedulò proviſum. Famian. Strad. de Bell. Bel - gic. lib. 2.

ES waͤre wol ein ſtuͤck der groͤſſeſten Gluͤckſeligkeit auff dieſer Welt / weil nu - rent ein Herꝛ / ein Glaube / ein Tauffe / ein Gott vnd Vatter aller / der da iſt vber vns vnd in vns ad Epheſ. 4. v. 5. & 6. vnd ein Weg zu dem ewigen ſeligen Leben iſt. Actor. 15. v. 11. & ſeq. 1. Reg. 18. v. 21.

Das auch nurent eine Religion / darin man unum verum Deum, den eini - gen wahren Gott / una lege & cultu, nach einem Geſetz / mit einerley Gottesdienſt venerirte vnd verehrete / auff der Erde waͤre / geſtalt dann der Allerhoͤchſte ſolches im Paradieß-Garten ſelber alſo angeordnet: Aber die alte liſtige Schlange / der boͤ - ſe Feind hat es dem Menſchlichen Geſchlechte nicht gegoͤnnet / ſondern gleich ſeinEVnkraut34Das erſte Buch /Vnkraut vnter den reinen Samen Goͤttliches Wortes geſaͤet / vnnd vnſern erſten Eltern in ipſo ſalutis horto, eine falſche Religion im primiret vnd beygebracht / vnd wiewol dieſelbe durch Gottes ſonderbare Gnade vnd Barmhertzigkeit / wider auff den rechten Weg gebracht / ſo iſt doch der Teuffel bey den Nachkommen Adams geſchaͤfftig geblieben / den Cain vnd ſeine Poſteritaͤt guten theils zu ſeinem Dienſt vnd falſcher Religion gebracht.

Als Gott der Herꝛ nach gehents die Juͤdiſche Policey angeordnet / vnd beſtel - let hat er darin eine Religion / einen Tempel vnd Gottesdienſt wiſſen vnnd haben wollen / alle frembde Canaitiſche vnd Baalitiſche Religion bey hoͤchſter Straffe inhiberet, auch die falſche Propheten zu toͤdten gebotten. Deutern. c. 13. v. 1. & ſeqq. & c. 17. v. 5. & c. 18. v. 20.

Weil jedoch die Welt im argen lieget / vnd der leidige Satanas ſein Vnkraut / ſonderlich zu dieſen letzten Zeiten / darvon Chriſtus ſelber geweiſſaget / daß viel Ke - tzereyen ſeyn wurden (oportet eſſe hæreſes) allen thalben vnter den reinen Weitzen ſpargiret vnnd ſaͤet / muß eine Chriſtliche Obrigkeit ſehr behutſamb vnnd ſorgfaͤltig darbey ſeyn / vnd dieſes pro norma haben. I. Wann ſie ein ruhig wolgefaſſetes Regiment / vnd darin nirgend eine vnd zwar die wahre / in den Prophetiſchen vnnd Apoſtoliſchen Schrifften / als dem einigen Fundament vnſer Seeligkeit / wie dar - unten Axioma XX. weiter angefuͤhret / gegruͤndete Religion hergebracht | / iſt ſie ſchuldig nach Gottes Befehlich vnd Verordnung / daruͤber veſt zu halten / vnd alle widrige jrrige vnd Abgoͤttiſche einreiſſende Lehre / nach dem Exempel David / Jo - ſaphat / Hiskia / Joſia vnd anderer gottſellgen Regenten abzuſchaffen / vnd das Vnkraut ehe es recht wurtzelt / außzureuten / wann aber 2. das Regiment | vnru - hig / das Vnkraut zu tieff radiciret vnd eingewurtzelt / vnd ohne groſſe Vnruhe vnd beſondere Enderung deß gantzen Geiſtlichen vnd Weltlichen Standes vnd Regi - ments / nicht außzureuten alsdann kan eine verſtaͤndige Obrigkeit die Regul Chri - ſti obſerviren: ſinite creſcere zizania, laſſet das Vnkraut wachſen mit dem Wei - tzen / biß zur Zeit der Erndte Matth. c. 13. v. 29. & ſeq. vnd iſt dennoch beſſer das Vn - kraut zu toleriren, als mit demſelben auch den reinen Weitzen zu vernichten. Me - lius eſt aliquam veram, quam nullam in Republ. eſſe Eccleſiam. (Deus fert piſces bonos & malos Matth. c. 13. v. 47. tolerat lupum & agnum, pardum & hœdum Eſai. c. 11. v. 6.) Deſſen Exempel haben wir auch bey Gottſeligen Regenten alten| Teſta - ments: Dann ob wol Joſua außtrucklich befehl von Gott gehabt / alle Abgoͤttiſche Cananiter auß zurotten Joſ. c. 6. & c. 8. dannoch weil er den Vnglaubigen Gibeo - nitern / wiewol ſie jhn betrieglich hintergangen Glauben zugefaget / hat ers jhnen trewlich gehalten / ſie nicht allein in ſua Republica toleriret loſ. cap. 9. ſondern als ſie hernacher von Adonizedeck vnd andern deſſen Confœderirten angefeindet wor - den / iſt er ſie zu ſchuͤtzen / mit Heersmacht zu Felde gezogen vnd jhre Feinde erleges / welche Feldſchlacht Gott der Herꝛ mit einem ſonderbahren Wunderwerck / in demedie35Von dem Geiſtlichen Stande. die Sonne am Firmament ſtill geſtanden / vnd einen gantzen Tag nicht vntergan - gen Joſ. cap. 10. herꝛlich gemachet vnd geſegnet / welches Gott nicht gethan / wann er einen Mißfallen daran gehabt haͤtte / daß Joſua die Gibeoniter / die doch nicht ſei - ner wahren Religion zugethan vnter ſich geduldet. Als der Koͤnig David der Phi - liſter / Moabiter vnd Ammoniter ſich bemaͤchtiget vnd ſie Schatzpflichtig gemacht / 2. Samuel. c. 8. hat er ſie der Religion halber nicht vertrieben oder belaͤſtiget noch auch Salomon. 1. Reg. c. 4. noch Darius Dan. c. 4. Muß derowegen eine Chriſtli - che Obrigkeit vernünfftig vnd behutſamb ſich bey einreiſſenden verſchiedenen Re - ligionen bevorab da dieſelbe keines Jrꝛthumbs auß Gottes Wort vber fahren / oder in einem rechtmaͤſſigen Chriſtlichem Concilio verdammet / gouverniren, den Sa - chen nicht zuviel auch nicht zuwenig thun / ſonderlich da ſie einen Religion Frieden gemachet / vnd ſich darauff in jhrer Capitulation verpflichtet. (De hac quæſt. vid. D. Gerhard. in loc. de Magiſtr. Politic. c. 5. ſect 5. membr. 1. Frider. Balduin. de Caſib. Conſcient. lib. 2. c. 6. caſ. 3. Juſt. Lipſ. deun. Relig. Azor. Inſtitut. Moral. lib. 11. c. 6. verſ. An Rex tuta Conſcientia &c. part. 2. Wilhelm. Ferdin. ab Effern in Manual. Polit. ſive de Rat. Stat.

AXIOMA XIV. Spaltunge in der Religion vervrſachet leichtlich Trennung der Gemuͤther / Zweytracht / Mißtrawen / vnd wol gar Krieg.

D die Chriſtliche Gemeinde ohne Spaltunge gleich zu der Apoſtel Zeit - ten vnd in der erſten Kirche nicht geweſen / viel weniger in dieſen letzten Zeiten ſeyn vnd bleiben werde / iſt auß der Hiſtoria newes Teſtaments / deß Herꝛn Chriſti ſelbſt eigener Prophezeyung / den Kirchen Legenden viel entſtandenen Ketzereyen gnugſamb bekandt. Meinet jhr / ſpricht Chriſtus zu ſeinen Juͤngern / daß ich kommen bin Friede zu bringen auff Erden? Jch ſage Nein / ſon - dern Zwietracht: Dann von nun an werdẽ fuͤnff in einem Hauſe vneins ſeyn / drey wieder zwey / vnd zwey wider drey. Es wird ſeyn der Vatter wieder den Sohn / der Sohn wider den Vatter / die Mutter wieder die Tochter / vnd die Tochter wi - der die Mutter / die Schwieger wider die Schnur / ꝛc. Luc. c. 12. v. 51. & ſeqq. Matth. c. 10. v. 34. & ſeqq.

Das Evangelium iſt zwar vor ſich ſelber die liebliche Friedens Poſaune vnd Bottſchafft / welche die himmliſche Heerſcharen bey der Geburt Chriſti den Hirten vnd allen Menſchen intoniret vnd angekuͤndiget / aber der Menſchen Boßheit / dieE ijſich36Das erſte Buch /ſich darwider mit allerhand fcheinbaren prætext. Dentelley vnd Heucheley erhebet / der Evangeliſchen Warheit widerſtrebet / vnd von dem Geiſte Gottes ſich nicht will regieren laſſen / verwandelten dieſen holdſeligen Frieden in bittere Galle vnd Wermuht / darauß dann endlich erwaͤchſet Mißtrawen / Zwietracht / Vneinigkeit / Krieg vnd Blutvergieſſen. (Eraſm. Roterodam. in Paraphraſ. ad Nov. Teſtam. An putatis, quod venerim ut in terris ſeram pacem inter homines? Longè ſecus habet, imò non veni, ut ſeram pacem & concordiam, ſed gladium & bellum etiam inteſtinum acdomeſticum, non modo civile. Cùm enim Evangelica Doctrina ple - riſq́ue ſit inviſa futura & hæctam ardens ſui ſtudium requirat, ut oporteat omnes humanos affectus quantumvis impotentes cedere, fieri non poteſt, quin magna diſſidia inter conjunctiſſimos etiam exoriantur, dum & ij, qui mundum deamant, citius ſævient in ſui chariſſimos, quam vitia, quibus aſſueverunt, relinquant: & quos ſemel attigit ardor Evangelicæ charitatis, nullis affectibus ſe patientur avelli ab eo, quod cæperunt amplecti. Sed felix diſſidium quod ſincera provehit, puttia reſecat: felix gladius, qui noxias cupiditates omnes ab animo recidit. Hic tumultus mihi imputetur, non vobis, qui dato Pharmaco corpus omne perturbarim, ſed ita, ut qui belligerantur adverſus affectus ſuos odio nominis mei, ſibi debeant imputare, non mihi. Nam ipſis æmulari licebat, quos perſequantur. Omnibus offero ſalutem, quam ſi amplectantur omnes, nullum erit diſſidium. Per ſe quidem Evangelium res eſt pacifica, ſed aliorum vitio concitatur ſeditio. Ut Pharmacũ perſe res eſt ſalutife - ra, ſed interim in corpore movet tumultum, dum conſulit omnium membrorum tranquillitati. verum expedit amputari noxia, quo magis inter pueros conſtet vera fanctaq́ue concordia.

Hunc igitur gladium defero in terram, qui dirimat concordiam inter filium & patrem, qui diſſecet naturæ conjunctiſſimum vinculum interfiliam & matrem qui diſtrahat concordiam inter ſocrum & nurum. Nullus eſt naturæ aut amicitiæ nexus tam tenax, quem hic gladius non queat dirumpere. Quos domeſtica con - ſuetudo fecera homini conjunctiſſimos, hos Evangelii gladius inimicitia ſubita divellet.) So bald der Stamm Ruben vnnd Gad ſampt dem halben Stamm Manaſſe in jhrer Ruckreiſe anfingen bey dem Jordan einen ſchoͤnen newen Altar zu bawen / erweckete ſolches bey den vbrigen Staͤmmen der Kinder Jſrael ein groſ - ſes Mißtrawen / ſo gar / daß ſie ſich deßwegen anfingen zum Kriege zu ruͤſten / vnd wann ſich jene gegen dieſer Abgeſandien nicht ſo wol erklaͤret / waͤre es zum offenen Krieg gerathen Joſ. c. 22. v. 10. & ſeqq. Was vor groß Mißtrawen / Vneinigket / Krieg vnd Vnruhe die ſpaltige Religon im H. Roͤm. Reich vnſerm geliebten Vatteriande ereuget vnd noch / das bezeugen die Annales, Acta Publica, Reichs - handlung Abſchiede mit mehrem / vnd hat man im vorigen ſeculo vber 30. Jahr bellando vnd conſultando zugebracht / ehe man den wehrten lieben Religion-Frie - den erhandelt / vnd auff ſicheren / feſten Fuß eines hochbetewrten allgemeinen Fun -damen -37Von dem Geiſtlichen Stande. damental Reichsgeſetzes geſtellet / wie wol ſeit deme Leuthe ſich gefunden / die fort vnd fort darauff gedacht / wie man denſelben auff einmahl bey euſſerlich ſich in et - was erzeigender Fortuna, wieder caſſiren vnd auffheben moͤchte / wiewol mit ſchlech - tem jhrem eygenen vnd deß gemeinen Vatterlandes Nutzen.

Hoff-Religion. AXIOMA XV. Wann ein Regent / Herꝛſchafft vnd Obrigkeit die Religion endert / damit endert ſich dieſelbe auch leichtlich im gantzen Lande / Statt oder Commun. (Subditi facilè Principis fi - dem ſequuntur. Et Religionem non diu manent in eodem ſtatu, ſed cum imperio & lmperatoribus mu - tari experientia docet. Eberhard. | Weihe. in Aulic. Po - lit. Axioma. 429. Et ita vel maxime in Religionis negotio, componitur orbis Regis ad exemplum.

ALs Gideon der Richter vnd Regent vber Jſrael eine herꝛliche Victoriam wider die Midianiter / vnd darbey viel Gold vnd Silber erhielte / gerieth er in eine Thorheit / ließ einen ſonderbahren Leibrock darauß machen / ſuͤhrete einen newen Gottesdienſt damit in ſeiner Statt Ophra ein / verfuͤhrte damit auch das Volck / vnd meldet die Schrifft / daß das gantze Jſrael ſich daran verhuret habe daſelbſten. Jm Buch der Richter cap. 8. v. 27.

Wie Jerobe am ſeinen Staat vermeintlich do beſſer zuverſichern die zehen Staͤmme Jſrael von Jeruſalem daſelbſten den Gottesdienſt wie vor alters geſche - hen / zu beſuchen abhielte / vnd den von Gott ſo hoch improbirten Kaͤlbertantz / Exod. cap. 32. zu Bethel vnd Dan einfuͤhrete / verbliebe die Religion nicht lange in jhrem vorigen Weſen vnd Statu, ſondern enderte ſich das Volck mit jhrem Koͤnig vnd Herꝛn / nahmen die Hoff. Religion mit an / vnd verſuͤndigten ſich an dem Herꝛn jh - rer Vaͤtter Gott 1. Reg. cap. 12. 2. Chronic. cap. 11. So bald der Koͤnig Rehabeam das Geſetz deß Herꝛ verließ / thut dergleichen das gantze Jſrael / im 2. Buch der Chronic. cap. 12. v. 1.

E iijDem -38Das erſte Buch /

Demnach der Abgoͤttiſche Koͤnig Manaſſe der reinen von ſeinen Gottſeeli - gen frommen Vatter Hißkia wider eingefuͤhrten Gottesdienſt abſtellete / den Gre - weln der Heyden nachfolgete / vnd ſeine Soͤhne durchs Fewr gehen ließ im Thal deß Sohns Hinnon / enderte ſich auch der gantze Status Religionis im Koͤnigreiche Juda / verfuͤhrte zu ſeiner Abgoͤtterey Juda vnd die zu Jeruſalem. 2. Chron. c. 33.

Hingegen wann Gottſelige vnd der reinen Lehr zugethane Koͤnige regieret / haben dieſelbe die Abgoͤtterey abgethan / den wahren Gottesdienſt wider ange - richtet / vnd das Volck auch zugleich zu der wahren Religion geführet / wie ſolches die Exempla der Koͤnige Aſſa / Joſaphat / Hiskia / Joſia / vnd anderer mehr conte - ſtiren vnd bezeugen / in den Buͤchern der Koͤnige vnd Chronicken.

So bald der gewaltige Koͤnig Darius / mit deme ſich die andere Monarchi anfinge / durch den Propheten Daniel vnnd Gottes Wunderthaten zur wahren Religion vnd Erkandnuß der Goͤttlichen Warheit kam / ließ er ein oͤffentlich allge - mein Religions Edict publiciren vnd verkuͤnden / deß Jnhalts / daß man in der gantzen Herꝛſchafft ſeines Koͤnigreichs den Gott Daniels fuͤrchten vnnd ſchewen ſolte / weil er der lebendige Gott / der ewiglich bleibet / vnd ſein Koͤnigreich vnver - gaͤnglich / vnd ſeine Herꝛſchafft kein Ende haͤtte / ꝛc. wie zuleſen bey dem Propheten Daniel. Cap. 6 v. 26.

Es beſtaͤttigen ſolches auch die Exempla Conſtantini Magni, Juliani Apo - ſtatæ, Caroli Magni vnd anderer mehr. Jn Aſia / Perſia vnd Griechenland / iſt durch die / der Mahometiſchen Religion zugethane Regenten / die Gotteslaͤſterliche Mahometiſche vnd Muſalmanniſche Religion eingefuͤhret; vnd nun ſo viel hun - dert Jahr hero beſtaͤttiget vnd getrieben. Vnnd vnter andern Vrſachen auch da - hero ſo ſehr vberhand genommen / daß der Tuͤrck ſo gar offt durch Gottes Verhaͤng - nuß wieder die Chriſten geſieget vnd wie es ins gemein zugeſchehen pflegt. Die Vberwundene deß Vberwinders Religion anzunehmẽ genoͤthiget oder vmb zeitli - cher Ehr / Gunſt vnd Befoͤrderunge verleitet werden. Was fuͤr Enderungen in der Religion in den nechſten hundert Jahren in Europa / ſonderlich in Teutſch - laud vorgangen / iſt bekandt. Durch Enderunge der Regenten vnd deren Religion hat ſich allein in der Chur Pfaltz die Religion auch bey den Vnterthanen faſt bey Menſchen gedencken uͤber vier vnd mehrmahl geendert. Ja es haben viel / auch wol an Landen vnd Leuthen geringe Herren vor dieſem eine Reputation darin geſu - chet / daß ſie eine newe raiſſonablere / oder kluge vnd hochvernünfftige Religion an - genommen / vnd wann ſie kaum einen Flecken oder ein paar Huͤt voll Bawren ge - habt / haben dieſelbe gleich mit jhrem Herꝛn / die reputirliche vnd der Vernunfft aͤhnlichere Religion annehmen vnnd mit jhrem Herren kluͤglich vnnd verſtaͤndig glauben muͤſſen / darzu gleich wie vnſere erſte Fraw Mutter Eva zu dem verbotte - nen Bawm / weil er lieblich vnd luſtig anzuſehen vnd klugmachete / Geneſ. c. 3. v. 6. ſo viel do ehe zu bereden / wie ſonderlich oben im Reich vor dieſem leidigen Krieg dieErfah -39Von dem Geiſtlichen Stande. Erfahrung es gegeben. Was die Hoff-Religion vor ſtarcke operation vnd Wuͤr - ckung bey dieſem Krieg / ſonderlich bey zunehmender Fortuna, gehabt / wie heuffig man ſich in hohen / mitteln niedrigen Standes geendert / iſt gleichfals offenbar. (In omnibus aulis, omnibus ætatibus accidiſſe reſtantur Prudentes, Quod aulæ vo - luerint attemperari Religiones ad ſuas utilitates, & inventa levia ingenia inſervien - tia cupiditatibus Principum. Nunc gerit hanc, aliam ſpeciem induit anno Relligio ad Procerum ſenſa parata loqui. Weih. alleg. loc.) Damit auch ſolche Apoſtaſia vnd Enderungen durch ver - haſten Namen nicht vnwerth oder wiedrig gemacht werde / heiſſet mans bey Hoff ſich fein accommodiren, qual ficiren, bequemen vnd in die Zeit ſchicken. Es muſte auch ja niemand zweiffeln / daß der Hoff vnd Herꝛ / der ſo viel vortreffliche Weltwei - ſe / hocherleuchtete Leuthe vmb ſich hat / nicht die rechte wahre Religion haben vnnd zum Teuffel fahren ſolte. Dieſes klinget nicht vbel in aula terreſtri, wie es aber hiernechſt in curia Cœleſti, vnd da wir erſcheinen werden ad Tribunal oder für dem Richtſtul Chriſti lauten wird / ſolches hat er ſelber in ſeinem Wort offenbahret / dar - von etwas in Axiom. 27. Die drey Judiſche Maͤnner / Sadrach / Meſach vnd Abe - dnego / welche an deß Koͤnigs Nebucadnezars Koͤnigl. Hoffe hohe Aempter bedie - neten / waren anders geſinnet / lieſen ſich durch keine Betrohunge / noch den fuͤr Augen ſehendẽ gluͤenden Fewr-Ofen / darzu bewegen / daß ſie die new angeordnete vnd publicirte Hoff. Religion / deß Koͤnigs Nebucadnezars annehmen / vnd dem auff gerichtetem Abgoͤttiſchen Bilde / Goͤttliche Ehr erweiſen wolten / ſondern foͤrchteten den wahren Gott / der beyds Leib vnd Seele toͤdten kan / mehr / als der Koͤnig der nurent den Leib verderben koͤnte.

Es wird auß dem Euſebio referiret, welcher geſtalt derloͤbliche Kayſer Con - ſtantius einsmahl ſeine Hoff vnd andere Diener / auff die Probe ſetzen vnnd erfah - ren wollen / ob ſie auch in der Religion beſtaͤndig ſeyn oder zu einer newen Hoff-Re - ligion ſich bequemen moͤchten / ſtellete ſich / ob inclinirte er zu der Goͤtzen Opffern / ließ ein ernſtlich Mandat publiciren, daß alle ſeine Diener bey Verluſt jhrer Dien - ſte den Goͤtzen opffern vnnd ſich zu der newen Hoff-Religion qualificiren ſolten?

Hierauff ſeind etzliche bey der wahren Chriſtlichen Religion beſtaͤndig ver - blieben / lieber jhre Dienſte vnd deß Kayſers Gnade quittiren / als ſich|an jhrem Gott durch Abgoͤtterey vnd Goͤtzenopffer verſuͤndigen vnd abtruͤnnig werden wol - len / die meiſten aber haben den Mantel nach dem Winde gehangen / lieber GOtt verlaſſen / als die Hoff Gnade vnd jhre Dienſte verliehren wollen.

Der Loͤbliche Kayſer aber lernte darauß ſeine Diener kennen / ſchaffte die abtruͤnnige Heuchler ab / ließ jhnen ſagen / weil ſie jhrem GOtt nicht trew / vnd Bundbruͤchig an demſelben worden / wie ſie jhme trewe vnd ſeiner Dienſte werth ſeyn koͤnten? Die aber bey dem Chriſtlichen Glauben beſtaͤndig blieben waren / diehonorirte40Das erſte Buch /honorirte vnd beſchenckte er vnd ſagte er hielte ſie hoͤher dann den groͤſſeſten Schatz.

Qui propter Dominos rellinquere Relligionem Nolunt: His Dominos fallere Relligio eſt. Leib.

Dann das iſt gewiß daß die jenige jhrem Herren am trewſten ſind / die an Gott nicht vntrew werden wollen. Als der Herꝛ Chriſtus den Lazarum zu Bethania der Sohn 4. Tage im Grabe gelegen vnd ſtinckend worden / vom Todt erwecket vnnd andere Goͤttliche Wunder gethan / meldet die Evangeliſche Hiſtoria / daß der Ober - ſten deß Volcks viel an Chriſtum geglaubet / aber vmb der Phariſeer willen jhn nicht bekant / daß ſie nicht in den Ban gethan würden. Denn ſie hatten lieber die Ehre bey den Menſchen / denn die Ehre bey Gott / bey dem Evangeliſten Johan. cap. 12. v. 42.

AXIOMA XVI. Die Religion kan vnd ſoll mit euſſerlichem Zwang nicht propagiret vnd fortgepflantzet werden / ſondern durch die Predigt Goͤttliches Worts vnd guͤtlichen Vnterrichtunge / hiervon iſt in dem 2. Buch vom Krieg Axiom. CXXXV. außfuͤhrlich gehandelt / wie daſelb - ſten zuſehen.

AXIOMA XVII. Euſſerlicher ſpendor, Gluͤckſeligkeit / Macht / Gewalt / Frie - de vnd andere zeitliche Herꝛlichkeiten / ſeind keine Ken - zeichen der wahren Religion.

ES haben die verſtockete Juͤden dem Propheten Jeremia vorgeworffen vnd geſaget: Wie wir noch Melechet deß Himmels raucherten vnd demſelben / neben vnſern Koͤnigen vnd Vaͤttern opfferten / in den Staͤtten Juda vnnd zu Jeruſalem / da hatten wir auch Brod gnug vnd gieng vns wol vnd ſahen kein Vngluͤck / ſint der Zeit wir haben abgelaſſen Melechet zu raͤuchern haben wirallen41Von dem Geiſtlichen Stande. allen Mangel gelitten vnd ſind durchs Schwerd vnd Hunger vmbkommen Jer. c. 44. v. 17. & ſeq.

Die Roͤmer da ſie von den Gothen wurden zerſtoͤret / wuſten auch niemand die Schuld zugeben / denn daß ſie Chriſten worden waͤren / darwider S. Auguſtinus ein groß Buch beſchrieben hat / de Civitate Dei. Der Herꝛ Chriſtus ſpricht ſelber: Jhr ſollet nicht meinen daß ich kommen ſey Friede (verſtehe den Jrꝛdiſchen) zu ſen - den auff Erden / ſondern das Schwerd / denn ich bin kommen den Menſchen zu erre - gen wider ſeinen Vatter / vnd die Tochter wider jhre Mutter vnd die Schnur wie - der jhre Schwieger / ꝛc. Matth. cap. 10. v. 34. & ſeqq. Luc. cap. 12. v. 51. vid. ſupra Axiom. 14.

Die jenigen ſo es nicht verſchuldet muͤſſen den Kelch zu erſt trincken Jer. 49. v. 12. Der verfluchte Bruder Moͤrder Cain vnd ſeine Poſteritaͤt / haben groſſe Staͤtte gebawet / ſeind Tyrannenge / waltige vnnd groſſe Herren in der Welt wor - den / Gen. cap. 4. v. 17. & c. 6. v. 4. welches aber von den frommen Gottſeligen Nach - kommen Adams nicht zu befinden / der Gottloſe Cham ward von ſeinem Vatter Noah verfluchet / erlangete aber doch das groͤſſeſte Theil der Welt / vnd kam auff ſeine Nachkommen die Aſſyriſche gewaltige Monarchi Geneſ. c. 10. hingegen die von Gott vnd jhrem Vatter geſegnete vnd fromme Kinder Noah Sem vnnd Ja - phet / wohneten in Huͤtten vnd waren dargegen ſchlechte dürfftige Leuthe / ut not. Luth. in Geneſ. cap. 9. verſ. Maledicitur Ham & ad cap. 10. Floruit, inquit eo tem - pore poſteritas Cham, quæ propagavit idololatriam in orientales regiones. Die Eccleſia malignantium, oder der gottloſe vnnd vnglaubige Hauffe iſt allezeit der groͤſſeſte vnd gluͤckſeligſte / wann man die Land-Carte vor ſich nimbt vnd machet ei - nen Vberſchlag was allein von Tuͤrcken / Tartarn / Perſern / den Koͤnigen in Oſt Jndien / dem Koͤnig zu China / im gleichen in America vnnd andern mehr Orten von den Vnglaubigen beherꝛſchet wird / werden die Chriſten vnd hinwieder vnter denſelben die recht glaubige vnd wahre Kirche / das wenigſte inhaben vnd beſitzen.

AXIOMA XVIII. Bey wehrender Gluͤckſeligkeit vnd euſſerlichem Wolſtande gibt es bald groſſen Beyfall / aber bey angehender Truͤb - ſeligkeit finden ſich wenig.

WIe der Herꝛ Chriſtus groſſe Zeichen vnd Wunder that / vnd mit ſo we - nig Brod vnd Fiſche ſo viel tauſend Mann ſpeiſete / hatte er groſſen Zu - lauff von viel tauſend Menſchen / die jhn auch haſſen vnd gar zum Koͤni -Fge ma -42Das erſte Buch /ge machen wolten. Johan. c. 6. Aber wie er auff vngeſtuͤmmes anhalten der heillo - ſen Juden durch den vngerechten Richter Pilatum zum ſchmaͤhlichen Todt deß Creutzes verdammet / waren ſehr wenig die ſich ſeiner annahmen. Jmgleichen wie er die Teuffel auß triebe / ward er nicht alleine ſelber hoch geruͤhmet ſondern auch ſeine Mutter die heiligeſte Jungfraw Maria zugleich mit ſeelig geprieſen / in deme ein Weib im Volck jhre Stimme erhub vnd ſprach / Selig iſt der Leib der dich getragen hat / vnd die Bruͤſte die du geſogen haſt Luc. c. 11. v. 27. Wie aber jhr hertzliebſter Sohn Chriſtus am Creutze in Schmertzen vnnd todtes Angſt hinge / vnd Maria darunten ſtund vnd weinete / hat ſie niemand ſelig geprieſen / niemand auſſer Johanne ſich jhrer angenommen / niemand hat ſie getroͤſtet: Alſo iſt die Chriſtliche Kirche auch in den Verfolgungen / die diſerta & amara Maria die ver - laſſene elende Maria / ein rechtes Jammer-Maͤgdlein / bleibet aber doch durch das Blut Chriſti gereiniget vnd jhme ewig vertrawet. Vid. Meiſner. in Homil. de ſe - cundo Chriſti verbo in Cruce. Quo ſe Fortuna etiam favor hominum incli - nat, ut dixit Auguſtin. Plerumque enim ad motum fortunæ ſe movere homines ſo - lent. Philipp. Cominæ. Ut quiſque fortunâ utitur ita præcellet, atque ex inde ſape - re eum omnes dicimus. Plaut. in Pſeud.

Axioma. XIX. Es haben ſich mehr Leuthe gefunden die ſich vmb den Rock. Chriſti als vmb ſeinen Leichnam bekuͤmmert.

WIe der Herꝛ Chriſtus ſeiner Kleider entbloͤſſet / an das Creutz gehefftet war / be - kam ſein Rock viel competitores vnd anſprache von den Kriegsknechten / vnd weil ſie ſich darumb in gůte nicht vergleichen koͤnten / haben ſie das Looß daruͤber geworffen Matth. c. 27. v. 35. (Hoc Spectaculum orbi, hoc Chriſto ipſi objectũ. veſtes quarũ vel fimbria & extremæ oræ, quoſcũq; morbos ſanaverãt, velut latroni celeberrimo detractæ exuviæ, ſortiuntur & lacerantur in prædã & mercedem Car - nificū Drexeli. de Chriſto Morient. par[e]. 2. c. 9. §. 2. n. 4.) nach der Prophezeyunge / ſie habẽ meine Kleider vnter ſich getheilet / vber mein Gewand haben ſie dz Looß geworffen / Pſalm. 22. v. 19. Aber vmb ſeinen Leichnam / vnnd wie derſelbe vom Creutz genommen vnd in das Grab geleget wuͤrde / bekuͤmmerte ſich allein der from - me Joſeph von Arimathia / der gieng zu Pilato vnd bat denſelben vmb den Leib Je - ſu vnd legete denſelben ins Grab d. c. 27. wiewol Nicodemus der vormahls bey der Nacht zu Jeſu kommen ward / ſich auch hernacher herbey gemachet / Myrꝛhen vnd Aloe darzu gebracht Johan. c. 19. v. 39.

Alſo43Von dem Geiſtlichen Stande.

Alſo gehet es noch heut zu Tage auch zu / da ſich viel finden die ſich vmb den vngeneheten Rock Chriſti / das iſt / vmb die Geiſtliche Guͤter hoch bekuͤmmern / aber auff ſeinen Geiſtlichen Leichnam / das iſt auff ſeine Chriſtliche Kirche / die reine Lehr ſeines Worts / die Geiſtliche betrangte Gliedmaſſen ſeines Leibes vnnd vmb den Schaden Joſephs ſich wenig bekuͤmmern; darumb gehet es auch wie es kan / vnnd nicht wie es ſoll. Viel halten darvor wann ſie in jhren Regiſtern eine groſſe Ein - nahme machen koͤnnen / ſo ſeyn ſie gluͤckſelig / wann es ſchon vom Altar der Can - tzel geriſſen / vnd gedencken nicht daran / daß die Rubric der vngerechten Einnah - me / die Rubric der Außgabe / alles Segens beraube / vnrichtig mache vnnd die Ein - nahme weit uͤbertreffe / nach der Prophezeyung deß Propheten Hagai. cap. 1. Jhr ſaͤet viel vnd bringet wenig ein / jhr eſſet vnnd werdet doch nicht ſatt / vnnd welcher Geld verdienet der legets in einen loͤcherten Beutel. Darvon ſtehet auch geſchrie - ben Deuteronom. 28. v. 38. & ſeqq. Mich. c. 6. v. 12. Jch habe noch keinen geſehen / der durch die Einnahme Geiſtlicher Guͤter / die Außgabe mit groſſem Segen vnnd / Nutzen verbeſſert / wie wol es viel meinen vnd darfuͤr halten / wann die Rubric der Einnahme von Geiſtlichen Guͤtern auß jhren Regiſtern vnd Rentkammer bliebe / ſie koͤnten jhren Stat / den doch jhre loͤbliche Vorfahren mit groͤſſerm Reſpect, Ehr vnd Reputation ohne ſolche Guͤter erhalten / nicht fuͤhren.

Axioma XX. Die heilige Goͤttliche Schrifft iſt allein das einige wahre Principium die einige Grundveſte vnd Richtſchnur der wahren Religion vnd Kirchen Gottes / altes vnd newes Teſtaments.

DEr H. Apoſtel Petrus weiſet alle Chriſten dahin wann er ſpricht: Wir haben ein veſtes vnd Prophetiſch Wort / vnd jhr thut wol daß jhr darauff achtet / als auff ein Liecht das da ſcheinet in einem dunckeln Orth. 2. Petr. c. 1. v. 19. vnnd Paulus an ſeine Epheſer Jhr ſeyd nun nicht mehr Gaͤſte vnd Frembdlinge / ſondern Burger mit den Heiligen Gottes Haußgenoſſen / er - bawet auff den Grund der Apoſtel vnd Propheten / da Jeſus Chriſtus der Eckſtein / auff welchen der gantze Baw (nemblich der Chriſtlichen Kirche) in einander ge - fuͤget / ꝛc. ad Epheſ. c. 2. v. 19. & ſeqq. vnd S. Petrus ſchreibet an ſeine Gemein in Ponto / Galatia / ꝛc. Jhr ſeyd wiedergebohren auß vnvergaͤnglichem Samen / nemblich / auß dem lebendigen Wort Gottes das da ewiglich bleibet 1. Petr. 1. v. 23. & 2. Petr. 1. v. 19. vnd kan hieruͤber weiter alſo geſchloſſen werden / daß wornachF ijwir44Das erſte Buch /wir werden am Juͤnſten Tage gerichtet werden / daſſelbe allein vnd nichtes anders fuͤr das alleinige Principium vnnd die einige norma vnſers Glaubens vnd darauff gegruͤndeten Chriſtenthumbs. Nun wird vns aber nicht es anders als das Wort Gottes durch die Propheten vnd Apoſtel auffgezeichnet / am Juͤngſten Tage rich - ten / nach dem Außſpruch Chriſti Johan. cap. 12. v. 48. Rom. 2. v. 16. derowegen muß dieſes vnd kein ander oder neben Principium vnſers Glaubens / darnach wir wer - den gerichtet werden / ſeyn vnd bleiben.

Der Herꝛ Chriſtus hat vns ſelber dahin gewieſen / wie er geſagt: forſchet in der Schrifft denn ſie iſts die von mir zeuget / Joh. 5. v. 39. Die H. Apoſtel haben ſich ſelber auff nichts als auff Moſis vnd der Propheten Schrifften bezogen. Da der r[e]iche Schlemmer in der Helle lage / vor ſeine hinter laſſene noch vbrige 5. Bruͤder ſorgete vnd begehrete / daß einer von den Todten aufferſtehen vnd ſie warnen ſolte / bekame er dieſe Antwort. Sie haben Moſen vnd die Propheten / laß ſie dieſelbe hoͤren. Luc. 16. v. 29. Dahin weiſet vns auch der Prophet Eſaias / wann er lehret: Nach dem Geſetz vnd Zeugnuß / werden ſie das nicht ſagen / ſo werden ſie die Mor - genroͤthe nicht haben. Cap. 8. v. 21. So bezeuget auch Paulus in ſeinem herꝛlichen Geſpreche mit Agrippa, daß er nichts auſſer deme / was die Propheten geſagt haben / daß es geſchehen ſolte vnd Moſes lehre / geredet / in Apoſtel Geſchicht cap. 26. v. 22.

(Nemo melius de Deo teſtari poteſt, quam Deus ipſe in verbo ſuo. Hinc verſiculi: Deſine cur Numen, nemo ſine Numine cernat Mirari, ſolem quis ſine ſole videt? Ex ſcripturis ſanctis & veteribus & novis, quæ Canonicæ appellantur, con - cipitur fides, ex qua vivit juſtus: Et per quam ſine dubitatione ambulamus, quam - diu in Domino peregrinamur. Auguſtin. lib. 10. de civit. Dei c. 3.)

Weil aber Feſtus / ſo mit bey dieſem Geſpraͤche war / das groſſe Geheimnuß Gottes nach ſeiner Vernunfft ermeſſen wolte; ſprach er zu Paulo: Paule du ra - ſeſt / die groſſe Kunſt machet dich raſend.

Aber der Koͤnig Agrippas der etwas mehr auff Pauli Predigt vnd die Pro - pheten geachtet / als Paulus fragete / glaubeſtu Koͤnig Agrippa / ſprach er zu Pau - lo es fehlet nicht viel du vberredeſt mich daß ich ein Chriſt wůrde / worauß zu ſehen / daß Pauli Predigt mehr deß Koͤnigs Agrippæ Hertz / als deß Feſti geruͤhret / weil a - ber Agrippas das Wort Gottes nicht weiter geachtet / hat es auch nicht bey jhme ge - wurtzelt.

Der Landpfleger Felix ließ den Apoſtel Paulum auch offt zu ſich fordern / vnd hoͤrete jhn von dem Glauben an Chriſtum / vnd als Paulus jhme vorſagte von der Gerechtigkeit / Keuſchheit / vnd von dem zukuͤnfftigen Gerichte / bekame er die Ant - wort / er ſolte wider hingehen / er waͤre vor dißmahl vnmuͤſſig / wann er gelegene Zeit darzu haͤtte / wolte er jhn wiederruffen laſſen. Es zielete aber endlich Felicis con -verſatio45Von dem Geiſtlichen Stande. verſatio mit dem Paulo nicht dahin / daß er den rechten Weg zur Seeligkeit ler - nen / ſondern von Paulo pro redimenda vexa & carcere ein ſtuͤck Geldes erpreſſen vnd haben wolte. Actor. cap. 24. v. 24. koͤnte alſo das Wort Gottes bey Felice, der nicht Chriſtum / ſondern Geld bey dem gefangenen Paulo ſuchete / nicht hafften.

Die heilige Goͤttliche Schrifft / wie Athanaſius ſaget / iſt der einige Wagen / dardurch der hochwehrte heilige Geiſt in vnſer Hertz faͤhret. Heilbrun. in libr. di - cto Vncathol. Papſtum art. 15. c. 16.

Der Glaube kombt auß dem Gehoͤr Goͤttliches Worts. Rom. 10. v. 17. wor - durch Gott den Glauben vorhelt jederman / Actor. 17. v. 31. Ohne Glauben aber iſt es vnmuͤglich Gott gefallen Hebr. c. 11. v. 6.

Die Heyden vnd andere Vnglaubigen / halten vnd reden von Gott / bloß nach jhres Hertzen Gedancken / eygenen Wahn / ohne vnd auſſerhalb deß Worts Gottes vnd Verheiſſungen / darumb iſt jhre Erkantnuß vnd Gottesdienſt eytel vnnd kan jhnen zur Seeligkeit nicht dienen. Darumb laͤſſet ſie Gott in jhres Hertzen Dün - ckel daß ſie wandeln nach jhrem (vnd nicht nach Gottes) Rath / wie Aſſaph klaget in dem 71. Pſalm. v. 13.

Die Kirche Gottes aber / altes vnd newes Teſtaments / glauben / reden / halten mit vnd von Gott nach ſeinem Wort vnd Verheiſſungen / darin er ſich beyds nach ſeinem Weſen vnd Willen offenbahret / davon D. Lutherus in der Außlegung deß 51. Pſalms fol. 340. Wulffenbuͤttel Edition, mit mehrerm handelt ad Frid. Balduin. de caſibus conſcient. lib. 2. cap. 1. caſ. 4.

Zwiſchen der Menſchlichen Vernunfft vnnd vnendlichem Weſen Gottes / auch ſeiner hohen Mayeſtaͤt vnd Menſchlicher Schwachheit iſt gar keine propor - tion vnd Vergleichunge / es iſt jhr eine Thorheit vnd kan es nicht begreiffen / vnnd muß vber die Mayeſtaͤt erſtarren / ja je hoͤher ſie ſteiget / je tieffer vnd gefehrlicher ſie ſich ſtuͤrtzet. (Ratio noſtra, quantò plus graditur, tantò longinquius errat. inquit Chriſtian. Poet. Proſp.

Loqui volentes de Dei profundo merſi ſunt in profundum. Meiſn. Homil. 2. Advent Domin. Imò Scrutator Majeſtatis opprimetur à gloria ejus. Sciens Do - minus magnam confuſionem rerum futurarum in noviſſimis diebus, ideò man - dat, ut Chriſtiani volentes firmitatem accipere veræ fidei, ad nullam rem aliam fu - giant, niſi ad ſcripturas. Alioquin ſi ad alia reſpexerint, ſcandalizabuntur & peri - bunt, & incident in abominationem deſolationis, quæ ſtat in locis Eccleſiæ ſanctis Chryſoſt. in Matth. c. 24. Et rectè Luther. in Commentar. ad Geneſ. cap. 26. fol. 353. fac. 2. Aut loquimur, inquit, de Deo abſcondito, aut de Deo revelato. De Deo quatenus non eſt revelatus, nulla eſt Fides, nulla fcientia, & cognitio nulla, & ibi tenendum eſt, quod dicitur, Quæ ſupra nos nihil ad nos. Ejuſmodi enim cogi - tationes, quæ ſupra aut extra revelationem Dei, ſublimius aliquid rimantur, pror - ſus Diabolicæ ſunt, quibus nihil amplius proficitur, quam ut nos ipſos in exitiumF 3præci -46Das erſte Buch /præcipitemus, quia obiiciunt objectum imperveſtigabile, videlicet, Deum non re - velatum. Moſes etiam petebat ut oſtenderet ipſi Deus faciem ſuam, ſed reſpon - det Dominus: poſteriora mea tibi oſtendam, faciem autem meam videre non po - teris. Iſta curioſitas peccatum magnum, quâ ad Deum affectamus vam naturali ſpeculatione, Et ſic Adam horribiliter lapſus eſt. Hactenus Luther. Hinc Tacitus homo gentilis cautè monuit: Sanctius & reverentius eſſe de actis Deorum credere, quam ſcire, in lib. de Morib. German. Et Scaliger. Excerc. 365. ſect. 2. Deus nullis tam plenè indicatus intelligitur, quam illis quæ ignorationem noſtram prætendunt. Neque inconvenienter Plato, dixiſſe fertur, Rerum divinarum nihil ſciri, ſine divi - no oraculo.

AXIOMA XXI. Die heilige Schrifft / iſt an ſich vollkommen vnd gnugſam / die Chriſtliche Religion vnd den einigen rechten Weg zur Seeligkeit zu zeigen / davon man nichts ab-oder zuthun ſoll.

DAnn ſo ſpricht Gott der Herꝛ ſelber: Alles was ich euch gebiethe das ſolt jhr halten daß jhr darnach thut / jhr ſolt nichts darzuthun noch darvon thun. Deut. c. 12. v. ult. Et Deuter. c. 4. v. 2. Alle Worte Gottes ſeind durchleutert. Thue nichts zu ſeinen Worten daß er dich nicht ſtraffe Pro - verb. 30. v. 6. vnd S. Johannes warnet darvor gar trewlich / ſagend: Jch bezeuge a - ber allen / die da hoͤren die Wort der Weiſſagung in dieſem Buch / So jemand dar - zu ſetzet / ſo wird Gott zuſetzen auff jhn die Plagen die in dieſem Buche geſchrieben ſtehen / in der Offenbahr. S. Johann. c. 22. v. 18. | Sintemahl die Schrifft eingege - ben von Gott / iſt nutz zur Lehre / zur Straffe / zur Beſſerunge / daß ein Menſch Got - tes ſey vollkommen / zu allen guten Wercken geſchicket. Jn der 2. Epiſtel an Ti - moth. c. 3. v. 16. 17. (Auguſtin. de Doctrin. Chriſt. lib. 2. c. 19. In iis inquit, quæ a - pertè in ſcriptura poſita ſunt, inve niuntur illa omnia, quæ continent fidem moreſ - q́ue vivendi. Et de Bon. viduit. c. 1. Sancta ſcriptura noſtræ Doctrinæ regulam fin - git, ne audeamus ſapere plus quam oportet. Eſtq́ue exactiſſima trutina, gnomon & regula. Chryſoſtom. homil. 13. in 2. ad Corinth. Diyina Statera Auguſt. lib. 2. con - tra Donat. Animæ pharmacum Chryſoſt. in c. 3. ad Coloſ. D. Gerhard. in Apho - riſm. Theolog. cap. 2. Aphoriſm. 19. 20.) Machet nun die Schrifft den Menſchen vollkommen zu allen guten Wercken / bleiben wir billig allein darbey / vnnd haben nicht vonnoͤthen vmb andere Vollkommenheit vnſerm eygenem verderbtemWahn47Von dem Geiſtlichen Stande. Wahn vnd Dunckel nach vns zu bekuͤmmern. Ob auch wol der Herꝛ Chriſtus viel Zeichen gethan / die nicht beſchrieben / daß wir glauben / vnd dardurch das Le - ben haben in ſeinem Namen / wie der Evangeliſt S. Johan. c. 20. v. 30. 31. zeuget / & c. ſeq. fin. v. ult. Jſt aber nun ſo viel beſchrieben / daß wir glauben vnnd dardurch das Leben haben / ſo koͤnnen wir ja das Ende deß Glaubens / nemlich der Seelen Seligkeit erlangen / vnd duͤrffen keine andere Wege vnd Mittel ſuchen / als darin zu finden / vnd von Gott ſelber gezeiget vnd gebotten (Deus nos ad ſcripturas aman - dat, & ut ei citra omnem vel adjectionem vel detractionem credamus, mandat: nuſpiam vero, ut aliquid extra ſcripturam pari Pietatis affectu ſuſcipiamus imperat. Schrôder. de Catechet. Chriſt. Doctrin. capitibus quæſt. 8.

AXIOMA XXII. Die H. Goͤttliche Schrifft iſt ein klares hellglaͤntzendes Liecht der allein ſeeligmachenden Religion.

ELeganter Lactant. lib. 6. inſtitut. Divin. c. 21. Num Deus, inquit, & mentis & vocis & linguæ artifex, diſertè loqui non poteſt? Imò verò ſumma providentia fuco carere voluit ea, quæ divina ſunt, ut omnes intelligerent, quod omnibus lo - quebatur.

Chryſoſtom. Homil. 3. in 2. ad Theſſal. Omnia clara ſunt & plana ex ſcripturis divinis, quæcunq́ue neceſſaria ſunt, manifeſta ſunt. Auguſtin. de utilit. credend. c. 6. Quicquid eſt, mihi crede in ſcripturis illis altum & divinum eſt. Ineſt omnino veritas, & reficiendis inſtaurandiſq́ue animis accommodatiſſima diſciplina, & pla - ita modificata, ut inde haurire nemo non poſſit, quod ſiòi ſatis eſt, ſi modo ad hauriendum, devotè ac piè acceſferit. Idem Chryſoſtom. Homil. 3. de Lazar. Pro - phetas & Apoſtolos, omnia manifeſtè & clare prodidiſſe, ut è ſola etiam lectione per ſe quiſq́ue diſcere poſſit, quæ dicuntur, & ne quis difficultatis poſſit obtendere excuſationem, ita temperaſſe, ut etiam publicani, piſcatores, opifices, & vidua mu - lier, & ſervus illiteratus. & omnium hominum in doctiſſimi ex lectione aliquid lu - cri, utilitatiſq́ue reportaret. Cyrill. lib. 7. cont. Jul. ait. Scripturas ut omnibus eſſent notæ, magnis ac parvis utiliter familiari ſermone eſſe commendatas, ita ut nullius captum tranſcendant. Fulgos. Sermon. de Confeſſ. comparat ſcripturas dulciſſi - mis ferculis, in quibus abundet, quod comedat perfectus; abundet et - iam quod ſugat parvulus. Et Gregor. lib. 20. Moral. comparat fluvio, in quo & E - lephas natare, & agnus ambulare poſſit.

Notabiliter Eraſmus Roterodamus in Præfat. Paraphraſ. in Matth. Evangel. Scripturæ,48Das erſte Buch /Scripturæ, inquit, ita proditæ ſunt, ut citius intelligantur ab idiota pio, modeſto - q́ue, quam ab arrogante Philoſopho. Doctis pariter ac indoctis, Græcis æquè ac Scythis, ſervis itidem ac liberis, quæ fæminis ſimul ac viris, quæ plebeis non mi - nus atq́ue Regibus proditæ ſunt. Quod docent, ex æquo ad omnes pertinet. Quod pollicentur pariter ad omnes pertinent &c. ubi hoc thema latius & per quam ele - ganter proſequitur. Et ſcriptura quod uno inloco verbis obſcuris proponit, id ſi non illico, alibi tamen clarioribus exponit, uti ex collatis ſcripturæ dictis brevibus demonſtrat Schrôder. de Capitib. Catechet. quæ. 11.

DEr Koͤnigl. Prophet David ſaget; dein Wort iſt meines Fuſſes Leuchte / vnd ein Liecht auff meinem Wege / Pſalm. 119. v. 105. Ein Liecht das da ſcheinet in einem dunckeln Orth / biß der Tag anbreche. 2. Petr. c. 1. v. 19. ja die vnüberſchwengliche Klarheit. 2. ad Corinth. 3. v. 9. & 10. vnd ob ſchon viel hohe vnd ſchwere Sachen in der H. Goͤttlichen Schrifft / ſonderlich den Pro - pheten enthalten / vnd wol ein Abgrund der Goͤttlichen Weißheit kan genand wer - den / ſo iſt doch das jenige / was einem jeden / ja dem allereinfaͤltigſten / auch den klei - nen Kindern zur Seeligkeit zu wiſſen vonnoͤthen / ſo deutlich vnd klar / daß wann ſie nurent glauben / dardurch zur ewigen Seeligkeit koͤnnen erbawet werden / wie nechſt der H. Schrifft die Patres Auguſtinus, Chryſoſtomus vnnd andere bezeugen. Darvon die Theologi mit mehrerm handeln auch dahin gehoͤrig.

AXIOMA XXIII. Die H. Schrifft muß nicht allein von den Geiſtlichen vnd Predigern / ſondern auch von den Zuhoͤrern geleſen vnd betrachtet werden.

GAr ruͤhmlich wird der Zuhoͤrer vnd Gemein zu Berrohen gedacht / daß ſie taͤglich in der Schrifft geforſchet haben / ob ſichs alſo verhielte / was jhnen S. Paulus auß Moſe vnd den Propheten geprediget / Actor. 17. v. 11. Der Kaͤmmerer vnnd Gewaltiger der Koͤnigin Candaces geriethe auff ſeiner Ruckreiſe von Jeruſalem / vber den Propheten Eſaiam / vnd laß denſelben / daruͤ - ber kame auff Befehl deß Herꝛn der Apoſtel Philippus zu jhme / vnd fragete / ob er auch verſtuͤnde was er lieſe / worauff er ſo viel berichts erlangte / daß er begehrte ge - tauffet zu werden / vnd vorhin die herꝛliche Bekantnuß thate. Jch glaube daß Je - ſus Chriſtus Gottes Sohn iſt Actor. 8. cap. haͤtte dieſer Cammerer nicht im Pro - pheten Eſaia geleſen / waͤre Philippus nicht zu jhme kommen / haͤtte auch keine Vr - ſache gehabt zu fragen / ob ers wol verſtuͤnde / was er lieſe. Hiervon ſchreibet Eraſ -mus49Von dem Geiſtlichen Stande. mus in vntengemelter Præfation gar denckwürdig alſo: Quid alienius à myſteriis Prophetarum, quam Eunuchus ille Candaces Reginæ, in Regia nutritus muliebri - bus obſequiis, deniq́ue Æthiops, qua gente vix ulla effœminatior: tamen dum, ut delicatus curru vehitur, legit Eſaiam de Chriſto vaticinantem. Non intelligebat ſcripturæ ſenſum homo profanus & idiota, & tamen quoniam pio ſtudio legebat, ſubitò mittitur illi Philippus interpres: vertitur Eunuchus in virum, tingitur aqua, & ater Æthiops niveo agni immaculati vellere induitur, ſubitoq́ue ex mancipio profanæ Reginæ, fit ſervus Jeſu Chriſti. Wie nun GOtt dieſem Cammerer das Verſtaͤndnuß geoͤffnet da er die Schrifft geleſen / alſo wird ers gewiß andern auch nicht verſagen.

Deß Herꝛn Chriſti Befehl iſt gemein / vnd gebeuth er ohn vnterſchied / for - ſchet in der Schrifft / denn ſie iſt die von mir zeuget was allen Menſchen zur Lehr / Troſt vnd Warnunge in der H. Goͤttlichen Schrifft offenbahret vnnd verzeichnet warumb ſolten ſolches auch nicht alle Leuthe leſen vnd betrachten. Confer D. Ger - hard in Aphoriſm. Theolog. cap. 2. Aphoriſin. 43. Eben daſſelbe Wort Gottes das in der Bibel verzeichnet vnd auffgeſchrieben / haben Moſes / die Propheten / Chriſtus ſelber vnd die Apoſtel / allen Menſchen ohne vnterſchied Geiſtlichen oder Weltlichen Standes vorgehalten vnd geprediget. So nun allen Menſchen gegoͤn - net vnd ſeynd ſie alle tuͤchtig gehalten das Wort Gottes / ſo hernacher beſchrieben / anzuhoͤren / warumb ſolten ſie dann auch nicht alle daſſelbe zuleſen verſtattet vnnd zugelaſſen werden.

Dahin ziehlet auch jtzt gemelter vortrefflicher Theologus Eraſmus Roter - dam. in ſeiner Præfat. ad Lect. in paraphras. Evangel. Matth. wann er ſetzet: Certè ſcripturarum ſuarum penum nulli pio claudit Chriſtus, etiamſi ſubulcus eſſet, qui quondam paſtoribus impartiit ſpiritum Propheticum, in hujus igitur libris verſen - tur omnes, qui venantur Chriſtianam Philoſophiam. Si ſuccedit, age gratias Deo: ſin minus, ne abiice animum protinus, quære, pete, pulſa. Quærenti continget ut inveniat, petenti dabitur pulſanti aperiat is qui habet clavem &c. Et in ſequenti - bus: Cupit Chriſtus Philoſophiam ſuam quamlatiſſimè propagari. Pro omnibus mortuus eſt, ab omnibus cognoſci deſiderat. Ad id conducet, ut illius libri vertantur in omnes omnium gentium lin - guas &c.

GAXIO -50Das erſte Buch /

AXIOMA XXIV. Der Gottesdienſt vnnd was darzu gehoͤret muß Gottes Wort gemaͤß vnd aͤhnlich ſeyn.

VMb ſonſt ehren die Menſchen Gott nach Menſchlichen Geſetzen / eygenen Wahn vnd Dunckel / wie der Herꝛ Chriſtus ſelber bezeuget Matth. 15. v. 9.

Als Moſes bey Gott auff dem Berge Synai war / vnd etwas verzo - he / tratten die Kinder Jſrael von den Wegen / die jhnen Gott gebotten hat - te / erwehlten einen newen Gottesdienſt / richteten ein gegoſſen Kalb auff / opfferten demſelben vnd ſagten / das ſeind deine Goͤtter Jſrael / Exod. 32. (Balthaſ. Meiſner. de Eccleſ. ſect. 4. c. 5. membr. 3. Quæſt. 3. ubi ſcribit: peſſimè depravatus fuit publicus cultus, dum Aarone conſentiente & procurante, erexerunt vitulum aureum & to - tus populus clamavit. Hi ſunt Dei tui Iſrael. Exod. 32. v. 4. ſecuti hac in parte Ægy - ptiorum mores, quibus ante aſſueti, in Civitate Regia Memphi colentibus Apin. h. e. bovem qui albam frontem, & parvas quaſdam maculas in cute habuit, cætera ni - ger exiſtens.) Was vor einen groſſen Mißfallen aber Gott darangehabt / was vor eine ſcharffe Execution derſelbe vber ſie verhenget / wann es nicht Moſes abge - beten / iſt daſelbſten zu ſehen. Denn Gott will nicht auff andere Weiſe vnd Manier noch durch andere Ceremonien vnd Gottesdienſt geehret ſeyn / als er ſelber verord - net / wann ſchon ſolches auß guter Intention vnd Einfalt geſchehe. (Bona intentio, & opus malum, exoſum Deo eſt ſacrificium. Drexel. de rect. intent. lib. 1. c. 6. ubi latè hac de re agit, Neq́ue bona Religio, neq́ue bona intentio juſtificant opera ma - la. Non enim facienda ſunt mala ut eveniant bona. in Actis Apoſt.) Die Soͤhne Aarons / Nadab vnnd Abihu tratten auch ab von Gottes Ordnunge fingen an zu raͤuchern mit frembden Fewr vor dem Herꝛn / vnd zwar ſolches keiner boͤſen Inten - tion, aber Gott hatte einen groſſen Eckel daran / daß er Fewr ließ herunter fahren vnd ſie ſo bald auff friſcher That vnnd in ipſo vani cultus loco mit Fewr verderben vnd toͤdten. Jm 3. Buch Moſ. c. 10.

Deſſen hat man auch ein denckwuͤrdig Exempel an Gideon / der das Ephod vnd ſelbſt erwehlete newe Ceremonien zum Gottesdienſte anrichtete / deßwegen er ſich an Gott verſuͤndiget / auch ſeine Kinder vnnd Poſteritaͤt daruͤber hart geſtraffet worden / wie zu ſehen im Buch der Richter im 8. vnd 9. c. Was ſoll mir ſpricht der Herꝛ bey dem Propheten Eſaia / die menge ewrer Opffer? Eſai. c. 1. v. 11. & v. 13. das Rauchwerck iſt mir ein Grewel / der Newmonden vnd Sabbath / da jhr zuſammen kombt / vnd Muͤhe vnd Angſt habet / der mag ich nicht. Meine. Seele iſt denſelbenfeind51Von dem Geiſtlichen Stande. feind vnd derſelben vberdrüſſig. Jmgleichen bey dem Propheten Jeremia / cap. 6. v. 20. was frage ich nach dem Weyrauch / der auß Reich Arabia / vnd nach den guten Zimmetrinden / die auß fernen Landen kommen? Ewre Brandopffer ſind mir nicht angenehme / vnd ewre Opffer gefallen mir nicht.

Gott helt allen Gottesdienſt / der ohne vnnd wider ſein Wort von Menſchen angeordnet wird / vor Abgoͤtterey vnd Aberglauben / vnd iſt jhme ein Grewel. Da - hero Luther. in Commentar. in Geneſ. recht ſchreibet: ſpecioſum opus contra ver - bum Dei ſuſceptum, eſt mera abominatio: Et ſcriptura infauſtis nominibus ariola - ri & idolatrare vocat, aliquid, ſine aut contra Dei verbum ſuſcipere. Vnd in notis marginalibus bey dem 3. Capitel deß Propheten Danielis v. 1. ſchreibet er: Gottes - dienſt / ohn Gottes Wort iſt allezeit Abgoͤtterey.

AXIOMA XXV. Wann die wahre vnnd Chriſtliche Kirch von dem Grunde Goͤttlicher Schrifft in der Lehr vnnd Gottesdienſte abwei - chet / bleibet ſie nicht mehr die wahre Kirche. (Nam collapſa ruunt ſubductis tecta columnis.)

KEin Baw kan beſtehen / wann das Fundament verruͤcket oder gar entzo - gen wird / ſondern faͤllet vbern hauffen vnd bekombt eine andere geſtalt.

Nun dann auß vorigem Axiomate XX. offenbar / daß die wahre Kirche auff den Grund vnd Warheit Goͤttliches Wortes erbawet / kan ſie nicht beſtehen / wann ſie darvon abweichet.

Daß aber die Kirche Gottes jrren koͤnne / auch im alten vnnd newen Teſta - ment viel mahls an vielen Orten gejrret habe / iſt nicht zu zweiffelen. Wie Moſes vff dem Berge Sinai etwas lang verzoge / hat das gantze Juͤdiſche Volck ſampt jh - rem Hohenprieſter Aaron vnd den Leviten / wie ſie von Gottes Wort abgewichen / vnd ſich ſelbſten einen Gottesdienſt erwehlet / mit Auffrichtung deß guͤldenen Kal - bes / groͤblich gejrret / deßwegen ſie Gott der Herꝛ gantz außrotten vnnd vertilgen wollen. Exod. 32. Wie droben gemeldet.

Dergleichen Exempel findet man viel / als im Buch der Richter / da nach Jo - ſuæ Todt / die Kinder Jſrael abfielen vnnd Baalim dieneten / vnnd verlieſſen den Herꝛn jhrer Vaͤtter Gott / folgeten andern Goͤttern nach vnd beteten ſie an cap. 2. v. 7. 11. 12. & ſeq. Jud. 3. v. 5. & ſeq. cap. 4. v. 1. c. 6. v. 1. c. 8. v. 27.

G ijWelcher52Das erſte Buch /

Welcher geſtalt die Jſraeliten als die Kirche Gottes / vnter der Koͤnige Ju - da vnd Jſrael Regierunge vielmahls im Gottesdienſt vnd der Lehr gejrret vnd ab - gefallen ſolches waͤre zuweitleufftig zuerzehlen / vnd iſt ſo wol ex hiſtoria ipſa, als auß der jederzeit lebenden Propheten / daruͤber gefuͤhrten Klage uͤberfluͤſſig vnnd gnugſamb zuſehen / ſonderlich zu Zeiten Jerobeams / Achabs vnd jhrer Succeſſo - ren / wie ſolches der laͤnge nach in ſpecie angezogen Balthaſ. Meiſner. in ſeinem Tractat. in Eccleſ. ſect. 4. c. 5. membr. 3. quæſt. 3. pag. 467. & ſeq. daruͤber klaget Gott der Herꝛ ſonderlich bey dem Propheten Jeremia c. 2. v. 21. ſagende.

Jch hatte dich gepflantzet zu einem ſuͤſſen Weinſtocke / ein gantz rechtſchaffe - nen Samen / wie biſtu mir dann gerahten zu einem bittern Weinſtock. Ad Eſai. c. 1. v. 3 4. 5. & ſeqq. cap. 2. v. 8. cap. 5. v. 4. cap. 10. v. 11. Es iſt zu weilen weder Geſetz bey den Prieſtern / noch Raht mehr bey den Alten geweſen / Ezech. 7. v. 26. & c. 22. v. 26. & 28. Oſeæ c. 1. v. 2. & cap. 2. v. 2. Amos. 2. v. 4. Zephan. 3. v. 4. Malach. 2. v. 8. cum ſi - milibus.

Es will aber von etzlichen darvor gehalten werden / ob ſolte ſolches von der Kirche newes Teſtaments nicht koͤnnen geſagt werden / weil Chriſtus derſelben verſprochen den Troͤſter den H. Geiſt / der ſie ſolte in alle Warheit leiten. Johan. 16. v. 13. Jtem Luc. cap. 22. v. 32.

Da Chriſtus den Petrum vertroͤſtet / daß er vor jhne gebeten / daß ſein Glau - be nicht auffhoͤre / darauß dann zu ſchlieſſen / daß das jenige / was der Heyland der Welt / als der Mund der Warheit / ohne gedinge ſeiner Kirchen verſprochen / das muͤſſe ohnfehlbar erfolgen. Nun habe er aber den Geiſt der Warheit alſo verſpro - chen / ꝛc. Aber hierauff iſt zu antworten 1. daß die Juͤdiſche Kirche nicht weniger als die Chriſtliche herꝛliche Verheiſſunge Goͤttlicher Gegenwart vnd Erhaltunge ge - habt / als Levit. 26. v. 11. Jch wil meine Wohnunge vnter euch haben vnd meine Seele ſoll euch nicht verwerffen. Pſalm. 132. v. 13. 2. Seind alle Promiſſiones vnd Verheiſſungen ſo der Juͤdiſchen vnd Chriſtlichen Kirchen geſchehen / conditiona - les vnd mit gewiſſem Bedinge erfolget / wann ſie nemlich werden / bleiben vnd wan - deln in den Wegen deß Herꝛn / wie ex allegatis locis vnd ſonſten Jerem. c. 7. v. 13. 2. Chron. 15. v. 2.

Es bezeuget es Chriſtus gnug Johan. 8. v. 31. Si manſeritis in ſermone meo, diſcipuli mei eritis. So jhr bleiben werdet an meiner Rede / ſo ſeyd jhr meine rechte Juͤnger. Johan. 14. v. 26. & cap. 15. v. 14.

Jhr ſeyd meine Freunde / ſo jhr thut was ich euch gebiethe in Epiſt. Johan. 1. cap. 2. v. 24. So bey euch bleibet was jhr gehoͤret habet / ſo werdet jhr auch bey dem Sohn vnd Vatter bleiben.

3. Weil Paulus von den Juͤden vff die Chriſten argumentirt, tanquam à Majori ad Minus, ſagend: hat Gott der natuͤrlichen Zweige nit verſchonet / ſo wird er deiner auch nicht verſchonen Rom. c. 11. v. 20. & ſeqq. Wie iſt es mit der Kirchevnd53Von dem Geiſtlichen Stande. vnd Gemeine Gottes zu Corintho / bey den Galatern / Coloſſern in Orient / vnnd Griechenland hergangen / hat ſich ſchon bey der Apoſtel Zeit hervor gethan / vnd iſt nachgehends aͤrger worden / davon weitleufftig handelt Meiſner. de Eccleſ. ſect. 4. c. 7. Membr. 2. Theſ. 4. p. 669. & ſeq. (Hieronym. in c. 2. Sophon. ait: Eccleſiam re - gnante Antichriſto, redigendam eſſe in ſolitudinem. Auguſtin. in Epiſt. 48. ad Vincent. Ipſa eſt Eccleſia quæ aliquando obſcuratur & tanquam obnubilatur ſcan - dalorum multitudine.) Vnd iſt auß dem 2. vnd 3. Cap. der Offenbahrung Johan. von den Aſiattſchen Kirchen gnug zu ſehen. So waͤren auch 4. alle Warnungen vor faſche Propheten ſo viele verfuͤhren wuͤrden / vmbſonſt geweſen / als Matth. 7. v. 15. Matth. 24. v. 11. & v. 23. Jtem Luc. 18. v. 7. Meinſtu / wann deß Menſchen Sohn kommen wird / daß er glauben finden werde. Johan. 4. v. 1. Pruͤffet die Gei - ſter ob ſie auß Gott ſeynd. Es ſamblet vnd behelt ſich aber doch Gott bevor ein klei - nes Haͤufflein hin vnd wieder in der Welt / welches auch bleiben wird / biß an den lieben Juͤngſten Tage / vnd werdens die Pfortten der Hellen nicht vberweltigen.

Axioma XXVI. Auff vorgegebene Offenbahrunge Engliſcher oder anderer Erſcheinung / ſich angebender newer Propheten ſol man von Gottes geoffenbahrtem Wort / Befelich vnd Ordnung nicht abweichẽ. (Cœleſtes expectare raptus extra & præter ver - bum, eſt eorum, qui mediis à Deo inſtitutis con - tenti eſſe nolunt. D. Gerhard. in Aphoriſm. Theol cap. 14. Aphor. 32.

GOtt hat ſein Volck ernſtlich vnd trewlich warnen vnd durch Moſen jhnen gebieten laſſen: Weñ ein Prophet oder Traͤumer vnter euch wird auff ſte - hen / vnd dir Zeichen oder Wunder geben / vnd darauff ſagen / laſſet vns andern Goͤttern folgen die jhr nicht kennet / ſo ſoltu nicht gehorchen den Worten ſolches Prophet en vnd Traͤumers / dann der Herꝛ ewer Gott verſucht euch / daß er erfahre ob jhr jhn von gantzen Hertzen vnnd von gantzer Seelen lieb - habet. Deut. 13. 1.

Als ein Mann Gottes zu dem Jerobeam abgefertiget war / jhme ſeine Ab - goͤtterey vnd Vbertrettunge zu Bethel zu verweiſen / mit angelegtem außtruckli - chem Befehl / er ſolte daſelbſten kein Brod eſſen noch Waſſer trincken / vnnd nichtG iijwider54Das erſte Buch /wieder durch den Weg kommen den er gangen / er auch im Werck war / ohnerachtet[d]er Koͤnig Jerobeam jhn inſtendig zur Taffel eingeladen vnd Præſenten offeriret / ſolchem Befehl nach zukommen / laͤſſet er ſich doch hernacher auff der Ruckreiſe von einem alten Taͤuſcher / der ſich vor einen Propheten gehalten vnd vorgegeben / er waͤre auch ein Prophet wie er der Mann Gottes vnnd NB. ein Engel haͤtte mit jhme geredet durch deß Herꝛn Wort vnd geſaget: Fuͤhre jhn wieder mit dir heim daß er Brod eſſe vnd Waſſer trincke. Er log ihm aber / ſaget der Text. Vnnd wie der Mann Gottes ſich dardurch verfuͤhren laſſen / vnd noch vber Tiſch geſeſſen / be - kame er ſeine Sententz, daß er weder Brod eſſen noch Waſſer mehr trincken / auch ſein Leichnam in ſeiner Vaͤtter Grab nicht kommen ſolte / geſtalt dann ein grim - miger Loͤwe / zum Executore vnd Nachrichter verordnet / der jhn auff dem Wege vom Leben zum Todt hingerichtet. 1. Reg. c. 13. Alſo war der Teuffel ein falſcher Geiſt in vierhundert Propheten Munde deß Koͤnigs Achabs in Jſrael jhn zu vber - reden vnd zu verfuͤhren. 1. Reg. c. 22. Jſt derowegen dergleichen ſich angebenden Propheten / ja wann auch ein Engel vom Himmel kaͤhme / vnd einanders / auſſer Gottes Wort lehren wolte / nicht zutrawen.

Hiervon vnd daß man ſolchen Traͤumern / die ſich Engliſcher vnnd anderer Viſionen ruͤhmen / vnd die Leuthe damit von dem Wort Gottes abfuͤhren wollen / hat M. Jacobus Stolterfoth / ein begabter vortrefflicher Prediger in Luͤbeck ein fein Buͤchlein geſchrieben / Conſideratio Viſionum genand / welches wol zu leſen.

AXIOMA XXVII. Die wahre Kirche iſt vnterweilen herꝛlich / vnterweilen wird ſie an einem vnd andern Orth alſo getruͤcket vnd ver - folget / daß deren Glieder ſich verkriechen vnd heimlich halten muͤſſen.

HErꝛlich wird ſie beſchrieben / bey dem Propheten Eſaia cap. 60. daß Koͤnige fuͤr jhr ſollen niederfallen vnd gebuͤcket zu jhr kommen / vnd die ſie vntertru - cket vnd gelaͤſtert haben / ſollen niederfallen zu jhren Fuͤſſen / vnd der Koͤnige Bruͤſte ſollen ſie ſaͤugen / daß ſie ſeye eine Statt deß Herren / ein Zion deß Heiligen in Jſrael / ꝛc. Jtem wie ein Statt die auff dem Berge lieget / die nicht ver - borgen ſeyn kan / Matth. 5. v. 15. Pſalm. 48. v. 2. Wie eine ſchoͤne luſtige Awe / Je - rem. c. 6. v. 2. Wie eine Statt Gottes die da feſt gegruͤndet iſt auff den heiligen Ber - gen Sion / darin herꝛliche Dinge geprediget werden. Pſalm. 87. Wie ein ſchoͤnesZweig -55Von dem Geiſtlichen Stande. Zweiglein deſſen ſich das gantze Land troͤſtet. Pſalm. 48. v. 3. Zion ſpricht der Pro - phet Eſaias / hat der Herꝛ gegruͤndet / vnnd daſelbſten werden die Elenden ſeines Volcks zuflucht haben c. 15. alias 14. v. ult. Sie iſt wie eine ſchoͤne Crone in der Hand deß Herren / vnd wie ein Koͤniglicher Hut in der Hand jhres Gottes Eſai. c. 62. v. 3. Vnterweilen aber wie ein verborgener Schatz im Acker den man ſuchet. Matth. c. 13. v. 44. Wie die verſtoſſene / vnd Zion / als eine / nach der niemand frage Jerem. c. 30. v. 7. wie eine verlohrne Herde / welche jhre Hirten verfuͤhret vnnd in der jrre ge - hen laſſen / daß ſie jhrer Huͤrten vergeſſen Jerem. c. 50. v. 6. vnd wie die Elende vnd troſtloſe daruͤber alle Wetter gehen. Eſai c. 54. v. 11. Zu Zeiten deß Prieſters Eli / ſpricht die Schrifft war deß Herren Wort thewr / waren wenig Weiſſagungen in Jſrael 1. Samuel. cap. 3. v. 1. Bey dem Propheten Hoſea draͤwet GOtt ſeinem Volck / daß ſie lange Zeit ohne Koͤnig / ohne Opffer / ohne Altar / ohne Leibrock vnnd ohne Heiligthumb / das iſt ſine publico Religionis Exercitio, ohne offentlichen herꝛ - lichen Gottesdienſt ſeyn werden. Hoſeæ c. 3. v. 4. (D. Chryſoſtom. in Enarrat. Epiſt. ad Roman. Veniet, inquit, tempus triſte & luctuoſum, quo diſſipatis publi - cis Eccleſiæ cœtibus, pauci Exules ab aliquo mundi angulo trepidè convenient, & inter ſe communicabunt fragmenta cœleſtis Doctrinæ & pro his reliquiis Deo in - gentes gratias agent. Idem Chryſoſtom. homil. 49. oper. imperf. Tempore Anti - chriſti fideles latentes erunt, in locis quibuſdam ſecretioribus, Deo eos abſconden - te potius, quam loco, ſicut ſcriptum eſt: abſcondes in abſcondito vultus tui à con - turbatione hominum. Auguſt. Epiſt. 8. ad Vincent. Quando ſol obſcurabitur & Luna non dabit lumen ſuum & Stellæ cadent de cœlo, Eccleſia non apparebit, im - piis tunc perſecutoribus ultra modum ſævientibus.)

Alſo war es zu zeiten Eliæ vnter dem Gottloſen Koͤnig Achab / da der Pro - phet klaget / daß er allein vbrig geblieben / von denen die jhre Knie nicht gebeuget vor Baal / bekam aber die Antwort von Gott / daß er ſich deren noch 7000. vbrig behalten die es nicht gethan / welche dann ohnzweiffel latitiret vnd im verborgen ſich vffgehalten / ſo gar / daß auch der Prophet dieſelbe nicht erfahren oder gewuſt / vnd iſt alſo bey ſolchen 7000. die Kirche Gottes im verborgen geweſen. 1. Reg. 19. v. 10. 14. 18. welches S. Paulus applicirt auff die Kirche newes Teſtaments. Rom. 11. v. 4. & ſeqq.

Alſo muſten die Apoſtel nach der Aufferſtehunge Chriſti ſich verkriechen vnd in den Loſamentern verſchlieſſen auß Furcht vor den Juͤden. Joh. 20. v. 19. da ſie doch domahls die wahre Kirche waren. Nicodemus kam auch zu Chriſto in der Nacht geſchlichen Joh. 3. v. 2.

Hie moͤchte einer ſagen / wie iſts / muͤſſen dann die Chriſten nicht oͤffentlich herauß jhren Glauben bekennen vnd bezeugen? Ein anders iſt es / wann einer be - fraget / vnd ſeine Confeſſion zu thun / von einer Obrigkeit / oder denen ſo es zu thun befugt / erfordert wuͤrde / dann muß er dieſelbe ohngeſchewet thun / oder gewertigſeyn /56Das erſte Buch /ſeyn / daß ihn Chriſtus vor ſeinen himmliſchen Vatter wieder verleugnen werde. Matth. cap. 10. v. 32. Denn da heiſt es wie einer auß den alten Kirchen-Lehrern ſa - get: veritas non ſolum credenda, ſed etiam loquenda, das iſt: die Warheit muß man nicht allein glauben / ſondern auch bekennen. Confer Balduin. de Caſib. Conſcient. caſ. 13. ubi plurib. hac de re agit. Ob wol die verſtaͤndige fromme Ju - dith dem Holoferne gute Worte vnd viel ein anders als ſie im Hertzen vnnd Sinn vorgab / dannoch bekante ſie jhre Religion offentlich vnd ſprach: Ob ich wol zu dir bin kommen / ſo bin ich doch darumb nicht von Gott abgefallen / ſondern will mei - nem Gott noch dienen bey dir / vnd deine Magd wird hienauß gehen / im Buch Ju - dith cap. 11. v. 13.

Alſo thate Stephanus der es den Hohenprieſtern vnnd Schrifft gelehrten / wie er erfordert war von ſeiner Lehr vnd Bekantnuß / Rede vnd Antwort zugeben / ohngeſchewet herauß ſagte / daß ſie deß Gerechten / nemblich deß Herꝛn Chriſti Moͤrder worden waͤren / ohnerachtet ſie die Zaͤhne zuſammen bieſſen / vnnd Ste - phanus wuſte daß er ſterben muſte. Actor. 7. v. 52. Solches hat Chriſtus vorher ge - ſaget Matth. c. 10. v. 18. Man wird euch fuͤr Fuͤrſten vnd Koͤnige führen / vmb mei - net willen zum Zeugnuß vber ſie.

(Sanguine fundata eſt Eccleſia, ſanguine cœpit
Sanguine ſuccrevit, ſanguine finis erit.
Der Kirchen Grund / muſt erſt von jhrem Blute flieſſen /
Jhr Anfang blutig war / ſie wuchs mit Blutvergieſſen
Alſo muß ſie zu letzt / mit Blut auch noch beſchlieſſen.
Fortior ut ſurgit duro ſub pondere palmes,
Sic magis excreſcit duris Eccleſia rebus.)

S. Paulus informiret vnd weiſet ſeine Roͤmer mit ernſt dahin an vnd ſchreibet. So du mit deinem Munde bekenneſt Jeſum / daß er der Herꝛ ſeye / vnd glaubeſt in deinem Hertzen / daß jhn der Herꝛ erwecket hat / ſo wirſtu ſelig. Denn ſo man von Hertzen glaubet / ſo wird man gerecht / vnnd ſo man mit dem Munde bekennet ſo wird man ſelig Rom. c. 10. v. 9. & 10. beſiehe oben hieruͤber Axiom. 15.

Ein anders aber iſt es / den Glauben Chriſti in Verfolgungen ohne Noth vnd Beruff nicht oͤffentlich bekennen / ſondern in ſeinem Hertzen in der ſtille vnnd Gedult bewahren / gleich wie die H. Apoſtel ſelber gethan / vnd andere H. Gottes in der erſten Kirchen / vnd noch jtzo viel Chriſten in Verfolgungen thun muͤſſen. Da muß ein verſtaͤndiger Chriſt nach Pauli Vermahnunge / ſich in die boͤſe Zeit ſchi - cken vnd erwarten der Huͤlffe vnd beſſern Zuſtandes in Gedult.

Wann einer frembde Lande zu ſehen / in Jtalien / Hiſpanien / zu Rom vnnd andern Oerten ſich auffhelt / hat er keinen Beruff darzu / hat es auch nicht vonnoͤh - ten / daß er allenthalben von ſeiner Confeſſion rede oder diſputire, noch einem je - den / bey deme er nichtes durch ſeine Bekantnuß bawen kan / davon Bericht thue;da er57Von dem Geiſtlichen Stande. da er aber angegeben / vnd deßwegen von denen die es zu thun befugt / befragt wuͤr - de / oder durch ſeine Confeſſion etwas gutes zu ſchaffen vermoͤchte / kan er alsdann mit gutem Gewiſſen nicht leugnen / ſondern muß die Warheit bekennen / oder ein Heuchler werden / nach dem Spruch S. Petri: Seit allezeit bereyt zur Verant - wortunge jederman der Grund fordert der Hoffnunge die in euch iſt. 1. Pet. cap. 3. v. 15.

Als David vor deß Sauls Tyranney in der Flucht war / vnnd zu dem vn - glaubigen Heydniſchen Koͤnig Achis zu Gath kame / fuͤhrete er nicht viel diſcurs ſeiner oder deß Koͤnigs Achis Religion / ſondern als er vermerckte / daß deß Achis ſeine Hoffleuthe eine diffidentz in jhn / als in einen renomirten vnnd beruͤhmbten Jſraelitiſchen Soldaten ſetzeten / fürchte ſich David / verſtellete ſeine Geberde / vnd ſtellete ſich an als wann er kollerte / ſtieß ſich an die Thuͤr am Thor 1. Sam. c. 21. v. 13. Dieſes war eine Prudentia Politica, darbey gleichwol David nichtes wider ſeine Religion gehandelt / noch deßwegen in der Schrifft getadelt worden.

Der Prophet Jeremias / wolte den Fuͤrſten deß Koͤnigs Zedekia / die jhme nach dem Leben ſtunden nicht offenbahren / was er dem Koͤnige von jhrem verder - ben propheceyet / ſondern ſimulirte vnd gab ein anders vor Jerem. c. 38. v. 24.

Die fromme Gottſelige Eſther hat in deß Koͤnigs Ahaßveri Frawenzim - mer vnd am Koͤniglichen Hoffe nicht gleich anfangs viel diſputirens von der Reli - gion gemachet / weder dieſelbe noch jhr Volck angegeben / ſondern vff Anrath jhres trewen Vettern vnd Vormunds Mardochai verſchwiegen. Jm Buch Eſther. c. 2. v. 10. & v. 20.

AXIOMA XXVIII. Auſſer der Kirche iſt kein Heil / kein wahre Religion. Extra Eccleſiam non eſt ſalus.

AVſſer Gottes Wort vnd der Heiligen Sacramenten ſo der Kirche Gottes vertrawet ſeynd / iſt keine wahre Erkantnuß Gottes / kein wahrer Gottes - dienſt / kein rechter Glaube / Hoffnung vnd Seeligkeit / wie auß vorhergehen - den Axiomatibus zu ſehen. Der Berg Zion / dz iſt die Kirche Gottes / iſt wie ein ſchoͤn Zweiglein / deß ſich dz gantze Land / oder alle Recht glaubigen troͤſten / ſingẽ ſprechen / die Kinder Korah in dem 48. Pſ. v. 3. Dahero auß dem H. Auguſtino lib. 4. de Symb. c. 10. recht geſagt wird: Qui non habet in terris Eccleſiam matrem, is non habebit in cœlis Deum Patrem. Das iſt / wer die Kirche auff der Erden nicht hat zur Mutter / der wird Gott im Himmel nicht haben zum Vatter. Vnd gleichHwie in58Das erſte Buch /wie in der erſten Welt nichts von der Sündfluth errettet ward / das nicht in der Caſte Noah gebracht / ſo wird auch keiner ſelig der nicht ein Gliedmaaß die Chriſt - lichen Kirche worden / (Sicut nemo, niſi qui erat in Arca Noæ, à diluvio liberaba - tur: ita nullus niſi qui Eccleſiæ membrum, fuerit, ſalvabitur. Auguſt. quæſt. 65. ad Croſi. per Eccleſiæ enim ubera nutrimur. Eſai. 66. v. 11. Eccleſia S. Paulo deſcri - bente eſt cœtus & collectio Fidelium ſanctificatorum in Chriſto, die Verſamlung vnd Beruff der Geheiligten in Chriſto 1. ad Corinth. c. 1. v. 2.) wie Auguſtinus diß Gleichnuß auch gebrauchet. Das iſt; wer durch das Wort Gottes vnnd die heili - gen Sacramentanicht gebracht wird zur wahren Erkandnuß Gottes / zum wahren Glauben vnd Hoffnuuge / vnd dardurch zur Gemeinſchafft der Heiligen / ad gre - mium matris Eccleſiæ, demſelben mangeln vnd entgehen die Mittel zur Seligkeit. Dann ohne wahre Erkantnuß iſt kein wahrer Glaube / ohne wahren Glauben iſt es vnmuͤglich Gott wol gefallen.

Dahero die Kirche auch genand wird Columna veritatis Divinæ. eine Seule vnd Grundveſte der Goͤttlichen Warheit 1. ad Timoth. 3. v. 15. daran Gottes Wort vnd die heilige Sacramenta gleichſamb gehenget / vnd wie ein thewrer Schatz zu trewen Handen gelieffert / ſolches zu bewahren vnd Zeugnuß davon zugeben vnnd vor allem Sawrteig jrriger Lehr zu cuſtodiren.

Es ſeynd aber Glieder der Kirche / die durch Gottes Wort vnnd die Sacra - menta zu dem Erkantnuß vnd wahren Glauben an Chriſtum gebracht / darbey beharren / (Hinc Beda in Levitic. Eccleſiam deſci ibit. Quod ſit corpus Chriſti ex multis membris, velut ex multis granis collectum, per legis & Evangelij molam - contritum, per aquam Baptiſmatis tinctum, & Spiritu S. ſolidatum. Et brevius. Caſſiodor. in Pſalm. 34. Quod ſit populus Chriſtianus rectæ fidei tenax, qui ampli - tudine ſua totius mundi ſpatia comprehendit. ) ſie ſeyn vff dem Lande oder vff dem Meer / ſie ſeyn in der Tuͤrckey / Perſien / Moſcow / Jndien / Japonien / oder wo es ſeyn moͤchte / ſie haben andere wenig oder viel Glaubige bey ſich / oder gar keine / ſie koͤn - nen zu gemeiner Verſamblunge der ſichtbarlichẽ Kirche oder dem Chriſten Heuff - lein kommen / oder ſeynd vnd bleiben abgeſondert / wann ſie nurent in dem Glauben vnd in der Lehr ſich von der Gemeinſchafft der Heiligen / nach Gottes Wort vnnd Glauben an Chriſtum / nicht abſondern / Quæ eſt Communio interna ſanctitatis & fidei. Der Herꝛ vnſer GOtt laͤſſet ſich finden wo man jhn mit getrewem Hertzen ſuchet an allen Enden der Welt 5. Moſ. cap. 4. v. 29. & ſeqq. Vnd demnach Chri - ſtus der Heyland iſt der gantzen Welt / ſamblet er hin vnd wieder etliche zu ſeiner Gemeinde. Den Schaͤcher am Creutz bekehret er durch das Wort ohne Tauffe in ſeinen letzten / Nicodemum aber wies er ernſtlich dahin daß er ſich tauffen lieſſe / weil er darzu gute Mittel hatte / vnd ſtecken in der Tuͤrckey vnd andern Oerten / da die Verfolgungen im ſchwange gehen / viel viel Rechtglaubigen / werden auch andere darzu geſamblet;

Jm59Von dem Geiſtlichen Stande.

Jm alten Teſtament war dem Abraham vnd ſeinen Saamen die Verheiſ - ſunge deß gebenedeyten Weibes Saamen geſchehen / vnnd das Sacrament der Beſchneydung zu einem gewiſſen Siegel angehengt / dannoch ſeynd zu Abrahams Glauben kommen auß den Amorrheern / ſeine Bundsverwandten Aner Eſcoi. Gen. c. 14. v. 13. auß den Hethitern Vrias 2. Sam. c. 11. auß den Cananitern vnter andern die Hure Rehab Joſ. cap. 2. v. 1. die Gibeoniter Joſ. c. 6. v. 3. auß den Jdu - meern Hiob vnd ſeine Freunde Hiob. c. 1. & 2. auß den Syrern Naeman 2. Reg. 5. v. 1. vnd andere vielmehr. Dahero ſchreibet D. Lutherus in Commentar. ad Gen. daß viel Heyden die den Abraham vnd die Propheten gehoͤret / den Gottesdienſt zu Jeruſalem geſehen / vnnd der Juden Gott allein vor den rechten wahren Gott er - kant / vnd an jhn geglaubet / ohne der Beſchneidunge / die da war peculiare ſigna - culum der Juden vnd deß Hauſes Abraham / ſelig worden (Conf. Luth. in Geneſ. ad cap. 17. fol. 193. fac. 2. ubi ſcribit, inde naſcitur caput Theologiæ, quod Deus ſit Deus Iudæorum & gentium, Dives in omnes etiam illo ipſo tempore, quo Lex & Circumciſio floruit. Nam aliæ Gentes audiverunt Abraham, audiverunt Prophe - tas, viderunt Hieroſolymis cultum, & Deum Iudæorum crediderunt ſolum & ve - rum Deum eſſe. Interim ſoli Judæi habuerunt ſignaculum circumciſionis, quo fulgebant inter gentes, & ſi gentes non circumciderentur, tamen eundem Deum coluerunt, qui per Circumciſionem Judæorum populo ſe patefecerat. Sic ſupra de Caini poſteritate dictum, qui etſi per peccatum à promiſſione exciderat, quæ in pium Seth translata eſt, tamen veriſimile eſt, multos ex poſteritate ejus conſocia - tos cum Seth ſalvatos eſſe, non quidem certa promiſſione, ſed, ut ſic dicam, vaga, addito Exemplo de Pharaone in Axiomate poſito. Et in eod. cap. fol. 197. fac. 2. Deus voluit Abrahamum hoc ſignum ferre pro ſemine, ſic tamen ut ad fidem per illud invitarentur gentes: Per Circum ciſionem enim, non potuerunt Gentes po - pulus Dei fieri, ſed per fidem in ſemen benedictum. Sic Regina Saba, ſic Hiram agnoverunt Deum Salom onis circum ciſi, & ſi hic maneret in præputio. Hic igitur eſt ſinus Abrahæ in quem colliguntur etiam gentes, Fides ſcilicet Abrahæ, qua ipſæ quoq́ue conſequũtur promiſſionem, etiamſi ſignum viſibile promiſſioni additum non conſequantur. Erat enim id non gentibus ſed Abrahæ ſemini imperatum. Hactenus Luth. Vid. etiam hac de re Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 1. c. 1. §. 16. Ubi ex Joſepho, Maimonide & aliis notat, ex veteri Lege etiam citra circumciſionem. Deum rectè coli & propitium haberi potuiſſe ideoque qui Populi extra Jſraelitas circum ciſi ſunt, eos credibile eſt ab Iſmaele aut Eſavo aut ex Cethuræ poſterita - te, ex qua orti videntur Æthiopum illi quos circumciſis annumerat. Herodotus. Spartani in literis ad Macchabæos, gloriantur, ſe ex ſemine Abrahæ natos & pro - pterea ſe fratres judæorum appellant vid. 1. Macchab. c. 12. v. 21.)

Der Koͤnig Pharo hatte die Verheiſſunge nicht / die Jſaac vnd ſeine Nach - kommen hatten / dannoch weil er den Joſeph hoͤrete vnd deſſen Gott anrieff / iſt erH ijgerettet.60Das erſte Buch /gerettet. Der Koͤnig Abimelech / ſo mit Abraham im Bunde war / vnd deſſen Gote erkante der Koͤnig Hiram / die Koͤnigin Saba vnd andere viel ſeind per extra or - dinariam, oder / wie es Lutherus nennet vagam promiſſionem Dei zu wahrer Er - kantnuß Gottes kommen.

Der Koͤnig Nebucadnezar ein Heyde Vnbeſchnittener / war extra Eccle - ſiam, vnd ward doch ohne Beſchneydunge durch den Propheten Daniel zu der Er - kantnuß deß einigen vnd wahren. Gottes gebracht. Dan. cap. 2. & 3. deßgleichen Cyrus, Ahaſuerus vnd andere.

Dahin iſt auch deß Koͤniges Salomonis Gebett gerichtet / da er bey Ein - weyhunge deß Tempels zu Gott gebeten / wañ er ſpricht; da auch ein Frembder der nicht deines Volckes Jſrael iſt kompt auß fernen Landen vmb deines Namens / vnd kompt daß er bete fuͤr dieſem Hauſe / ſo wolleſtu hoͤren im Himmel im Sitz dei - ner Wohnunge / vnd thun alles darumb der Frembde dich anruffet / ꝛc. 1. Reg. c. 8. v. 41. & ſeqq. Vnd von Jeruſalem die das Bilde traͤget der Chriſtlichen Kirche newes Teſtaments weiſſagen die Kinder Korah: Man wird zu Zion ſagen / daß allerley Leuthe darinnen gebohren werden. Pſalm. 87. v. 5.

Es bringet vnd erhelt der guͤtige Gott / weil ſeine Hand nicht verkürtzet / noch wunderlich manchen Jungen vnd Alten zu der Gemeinſchafft deß Glaubens vnd ſeiner Heiligen an allen Enden der Welt / da auch kein publicum exercitium Fidei im ſchwange gehet vnd tolerirt wird / wie zu Zeiten Eliæ / auch in der erſten Kirche / vnd bey andern Verfolgungen mehr geſchehen.

AXIOMA XXIX. Die Heyden ſeind vor jhrem Beruff / auſſer der Kirche gewe - ſen / (das iſt wie es S. Paulus außleget / frembd von Gottes Volck vnd auſſer der Burgerſchafft Jſrael / an die Epheſ. 2. v. 12.) aber dardurch zur Kirche / Abrahams Glau - ben vnd Schoß geſamblet.

DIe troͤſtliche Verheiſſunge von der Heyden Beruff / iſt gleich nach der Sündfluth geſchehen / vnd weiſſaget darvon herꝛlich Noah der Prediger der Gerechtigkeit / bittet daneben Gott vnd wuͤnſchet / daß er wolle Japhet / (darvon die Heyden / auch wir Teutſchen die wir weiland Heyden gewe - ſen / poſteriren vnd herkommen) außbreiten vnnd wohnen laſſen in den Huͤtten deß Sems / im 1. Buch Moſ. c. 9. v. 27. Durch die Hütten Sems / wird die wahreKirche61Von dem Geiſtlichen Stande. Kirche vnd Evangeliſche Gemeinſchafft der Heiligen vnd Rechtglaubigen in die - ſer Welt verſtanden / (D. Lutherus in Commentar. ad Geneſ. ad hunc locum & cap. 9. ita ſcribit: Sem eſt velut Stirps ex cujus poſteritate ſeu Linea natus eſt Chri - ſtus: Eccleſia enim Judæorum eſt, qui habuerunt Patriarchas, Prophetas, Reges. Et tamen Deus oſtendit hic ipſi Noah, quod etiam miſeræ gentes habitaturæ fint, in tabernaculis Sem, hoc eſt venturæ ad Societatem bonorum, quæ filius Dei attu - lit in hunc mundum, remiſſionem ſcilicet peccatorum, Spiritum Sanctum & vitam æternam. Vaticinatur enim clarè, quod etiam Japhet, ſecundum nomen ſuum, audiet blandum ſermonem Evangelii. Et in ſequentibus de Germania inquit. Et - iamſi non ſimus de ſemine Abrahæ, tamen habitamus in tabernaculis Sem, & frui - mur promiſſionibus de Chriſto impletis, idque beneficio hujus Prophetiæ de Japhet, factum. Eodem ferè modo D. Brentius, A Japhet inquit: deſcendimus nos Germani per Aſcenas, ut multi ſentiunt. Quod idcirco obſervandum, ut ſcia - mus, ad nos quoq́ue Chriſtum pertinere, etiamſi non deſcendamus ex Patriarcha Sem, de cujus linea Chriſtus deſcendit. Dixit enim Noah Japhetum habitaturum in tabernaculis Sem, hoc eſt poſteros Japhet audituros Evangelium Chriſti & a - gnituros Chriſtum ſervatorem qui è Sem naſciturus erat. Oſiand. in gloſ. ad cap. 10. Geneſ. v. 1.) Dahin ziehlet auch die Weiſſagunge deß Propheten Eſai. c. 53. v. 15. wann er ſpricht: denen / welchen nichtes darvon verkuͤndiget / dieſelben werdens mit luſt ſehen / vnd die nichtes darvon gehoͤret haben / werdens mercken. Solches wiederholet der Apoſtel S. Paulus / ſeines Wortlichen Jnhalts vnd fuͤhret es wei - ter auß in ſeiner Epiſtel an[die] Roͤmer c. 15. v. 20. & ſeqq.

So bezeuget vnd erklaͤret es auch Gott ſelber bey gemeltem Propheten Eſa - ia ferner wann er ſpricht: Jch will jhnen in meinem Hauſe vnd in meinen Maw - ren einen Orth geben / vnd einen beſſern Namen / dann den Soͤhnen vnd Toͤchtern. (das waren die Juden /) einen ewigen Namen will ich jhn geben / der nicht verge - hen ſoll / vnd der Frembden Kinder (das waren die Heyden vnnd Judengenoſſen) die ſich zum Herꝛn gethan hatten / daß ſie jhm dienen vnd ſeinen Namen lieben / die - ſelbige will ich zu meinem heiligen Berge bringen / vnd will ſie erfrewen in meinem Bethauſe / ꝛc. c. 56. v. 5. & ſeqq. Et c. 60. per tot. c. 65. v. 1. Ieremi. c. 3. v. 17. Es Weiſ - ſaget auch darvon gar herꝛlich der Prophet Sacharia c. 8. v. 20. & ſeqq. vnnd bey dem Propheten Malachiæ ſpricht der Herꝛ: von Anfang der Sonnen biß Nie - dergange / ſoll mein Nameherꝛlich werden vnter den Heyden / vnnd an allen Orten foll meinem Namen gereuchert vnd ein rein Speißopffer geopffert werden / Ma - lach. c. 1. v. 11. Zu Zion wird man ſagen / daß allerley Leuthe darin gebohren werden nach dem 87. Pſalm. v. 5. Dahin ziehlet auch der Herꝛ Chriſtus ſelber in ſeiner Weiſſagunge / wann er ſpricht: Es werde ein Heerde vnd ein Hirte werden / Joh. 10. v. 17. (Cyrill. lib. 7. in Johan. c. 6. Gentium inquit, adductione ad fidem, factum eſt unum ovile, ſcilicet Eccleſia credentiũ & unus Paſtor Chriſtus, nempe quaſi exH iijduobus62Das erſte Buch /duobus gregibus unum ovile efficit Chriſtus, quia judaicum & gentilem populum, in ſua fide coniunxit. ) das iſt wie es S. Paulus außleget / daß die Heyden / die weiland ferne geweſen von der Verheiſſunge / durch Chriſti Blut vnd Beruff ſind nahe worden / der auß beyden (nemlich Juden vnd Heyden) eines hat gemacht / vnd abgebrochen den Zaun der darzwiſchen war / in der Epiſtel an die Epheſer c. 2. v. 13. 14. (Eleganter Eraſm. in paraphraſi ſuper hunc locum: Simulatque efful - ſit Evangelii veritas, rerum vices invertit Chriſtus, efficiens ut vos qui quondam videbamini, nihil ad Deum pertinere: nunc ſitis illi conjunctiſſimi, non per circum - ciſionem præputii, ſed per ſanguinem Jeſu Chriſti, cujus pretio liberi à peccatis vi - priſtinæ, Deo patri fuiſtis reconciliati. Antea diſſidium erat vobis cum judæis, diſſidium cum Deo: Ut Chriſtus autor Pacis & concordiæ, ſuſtulit omne diſcri - men, circum ciſi & incircum ciſi, ſuſtulit Moſaicæ Legis ceremonias, veluti Mace - riam quandam, gentium ac Judæorum dirimentem concordiam, ut jam duæ gen - tes, prius inter ſe disjunctiſſimæ coirẽt & in unum novum hominem Chriſtum coa - leſcerent, ſervatorem utriſque ex æquo communem. Hactenus Eraſm. ubi prolixius hoc perſequitur.) Alſo daß dardurch kein vnterſchied vnter Juden vnd Griechen / an die Galat. c. 3. v. 28. Sondern in allerley Volck wer Gott fuͤrchtet iſt angenehm worden / in der Apoſtel Geſchicht. c. 10. v. 33. & c. 10. v. 34. & 35.

Es wollen zwar etzliche ſich in der Meynung befinden / ob ſolte Chriſti Weiſ - ſagunge dahin gerichtet ſeyn / daß vor der Welt Ende noch alle Menſchen glaubig vnd zu Chriſto bekehret werden ſollen / welches mehr zuwuͤnſchen als zu hoffen we - gen der Prophezeyunge Chriſti / daß zu den letzten Zeiten / viel Jrꝛthumb einreiſſen werden / ſo gar wann es můglich auch die Außerwehlten verfuͤhret vnd verleitet wuͤrden Matth. 24. v. 24. Ja ſpricht er / meineſtu wann deß Menſchen kommen wird / daß er Glauben finden werde auff Erden Luc. c. 18. v. 8. Worauß offenbahr daß der wahre Glaube / ohne dene man zu Gott vnnd Verſamblunge ſeiner Heili - gen nicht kommen kan / zur Zeit der Ankunfft deß Herren Chriſti gar duͤnne wird geſaͤet vnd bey wenigen anzutreffen ſeyn.

Andere meynen es werden noch alle Juden zu dem Schaffſtall Chriſti ver - moͤge dieſes Spruchs / kommen / worzu gleichfals wegen der Juden vbergroſ - ſen Halßſtarrigkeit vnd Verſtockunge ſchlechte Hoffnunge erſchei - net / wie wol es jhnen wol zu goͤnnen waͤre.

AXIO -63Von dem Geiſtlichen Stande.

AXIOMA XXX. Vnter dem Hauffen deren / ſo ſich zur Chriſtlichen Kirche / Religion vnd Gemeinſchafft bekennen / ſeind boͤſe vnd Guten / Frommen vnd Gottloſe / Trewe vnd Heuchler.

DEr Herꝛ Chriſtus vergleichet ſelber die Kirche einem Netze oder Fiſchgarn das ins Meer geworffen iſt / darin allerley Gattunge Fiſche begriffen werden / gute vnd boͤſe. matth. 13. v. 47. die Heuchler vnd Maul Chriſten ſtellen ſich auch zu der Gemeinſchafft der Heiligen / gebrauchen die hochwuͤrdigen Sacramenta / vnd ſeind alſo mit in corpore Eccleſiæ, jedoch anderer geſtalt nicht als die boͤſen Fluͤſſe in corpore humano, ſo aber demſelben nicht nutz ſeynd / oder wie die Sprewer vnter dem guten Weitzen. Sunt in Eccleſia, ſed non de Eccleſia. Nicht alle die in der Ge - meine ſich finden / vnd Herre / Herre ſagen / werden in das Reich Gottes kommen ſpricht Chriſtus ſelber. (Auguſtinus in Epiſtol. Iohan. Mali ſic ſunt in corpore Chriſti, quomodo humores mali, qui quando evomuntur, tunc relevatur Eccleſia, Et adverſ. Donatiſt. ita dici, conſtat eſſe in domo, at non pertinere ad compagem domus, nec ad ſocietatem fructiferæpacificæq́ue juſtitiæ, ſicut eſſe dicitur palea in frumentis. Et lib. 5. de Bapt. Contra Donat. c. 28. Mali corporaliter cum bonis in Eccleſia videntur eſſe permixti, uſq́ue in diem judicii, quo etiam die corporaliter debitas ſeparentur ad pœnas. Ex eod. S. Auguſtino refert Bellarmin. lib. 1. de Ge - mit. Columb. c. 2. Quod mali pertineant ad Eccleſiam numero, non merito.)

Als Moſes mit dem Volck Gottes in der Wuͤſten wandelte / war daſelbſt die wahre Kirche Gottes / ſie warẽ aber nicht alle wahre recht ſchaffene Glieder der wah - ren Kirche / darvon S. Paulus alſo ſchreibet: Vnſere Vaͤtter ſind alle vnter der Wolcken geweſen / vnd ſind alle durchs Meer gangen vnnd ſind alle vnter Moſen getaufft / mit der Wolcken vnd mit dem Meer / vnnd haben alle einerley Geiſtliche Speiſe gegeſſen / vnd haben alle einerley Geiſtlichen Tranck getruncken: Sie trun - cken aber von dem Geiſtlichen Felß / der mit folget welcher war Chriſtus. Aber an jhr vielen hatte Gott kein wolgefallen / dann ſie ſind niedergeſchlagen in der Wuͤ - ſten / in der erſten Epiſt. an die Corinth c. 10. v. 1. & ſeqq. Zu der Koͤnigiſchen Hoch - zeit ſeind auff beſchehene Einladunge erſchienen Gute vnd Boͤſe / wie ſie ge - funden / mit vnnd ohne Hochzeitlichem Kleide / Matth. 22.

AXIO -64Das erſte Buch /

Axioma XXXI. Jn der Kirchen Gottes muß alles ordentlich / ehrlich vnd in geziemender Gebuͤhr daher gehen 1. ad Corinth. 14. v. 33. & ſeqq. & præſertim v. ult.

GOtt iſt ein Vhrheber vnd Liebhaber guter Ordnunge in omni ſtatu. Die Vnordnung aber kompt vom leidigen Teuffel her; Sol es nun im Geiſt - lichen / Weltlichen oder Haußſtande wol hergehen / ſo muß gute Ordnun - ge darbey gehalten vnd obſervirt werden. Das ordine & decerter hat viel auff ſich / nemblich recht meſſigen Beruff / gewoͤnliche Einſetzunge vnd Ordini - rung der Prediger / vbliche Chriſtliche Ceremonien. Actor. 13. v. 2. & ſeqq. vnd daß alles geſchehe ſuo loco & tempore, vnd was dergleichen mehr in den Chriſtlichen Kirchen Ordnungen vnd Agenden / Gottes Wort gemeeß zu befinden.

AXIOMA XXXII. Jn der Kirche muß der Geiſtliche Stand mit Lehren / Predi - gen / vnd Vbung der H. Sacrament / nach Gottes Einſetz - vnd Stifftungen ſein Ampt verrichten / vnd ſtehet dem Welt - lichen Stande nicht zu der Geiſtlichen Ampt zu fuͤhren. Vid. 1. ad Corinth. 14. v. 28. 2. Chronic. 26. v. 18. & ſeqq.

GOttes Wille iſt es daß ein jeder bieibe in dem Beruffe / darin er beruffen iſt 1. ad Corinth. 7. v. 20. ad Epheſ. 4. v. 1. iſt er zu dem Geiſtlichen Stande beruffen / ſo warte er deſſelben / vnd zwar in der Qualitaͤt vnd Verrichtun - ge darzu er geſetzet vnd verordnet d. c. 14. ad Corinth. v. 26. Nicht wol würde es ſtehen / wann ein Weltlicher Koͤnig / Fuͤrſt oder ſonſt jemand Weltliches Standes auff die Cantzel ſteigen / vor den Altar tretten / Predigen vnnd den Got - tesdienſt verrichten wolten. Wie der Koͤnig Vſia ſein Hertz erhube / vnd in den Tempel deß Herꝛn gieng zu reuchern auff dem Rauch Altar worzu Gott die Prie -ſter65Von dem Geiſtlichen Stande. ſter vnd Leviten verordnet hatte / wart er mit Auſſatz geſchlagen biß er ſtarb. 2. Chron. c. 26.

Als Vſa die Lade Gottes angriffe vnd halten wolte vnd darzu kei - nen Beruff hatte / ward er von Gott geſchlagen daß er ſtarb / wiewol ers guter Wolmeinung gethan daß die Lade nicht fallen ſolte. 2. Sam. 6. v. 6. 7. & 1. Chron. 13. v. 9. 10.

Als Saul ſich vnterfing in Abweſenheit deß Samuels Brandopffer vnd Danckopffer zu thun / bekame er einen ſtarcken verweiß von Sa - muel / daß er thoͤricht gethan / vnd nicht gehalten die Gebotte deß Herꝛn ſeines Gottes vnd ward jhm angekuͤndiget / daß darumb die Koͤnigliche Wuͤrde von jhme vnd ſeinem Hauſe genommen / vnd dem David als ei - nen Mann nach dem Hertzen Gottes ſolte gegeben werden. 1. Samuel. c. 13. v. 19. & ſeqq.

Wie der Koͤnig Joſaphat ein allgemein Viſitation in ſeinem Koͤ - nigreich anſtellete / vnnd alles in gute Ordnunge brachte / hat er das Weltliche Gericht von dem Geiſtlichen Synedrio oder Conſiſtorio vn - terſchieden / vnd damit die ſchaͤdliche Confuſion Geiſtlicher vnd Weltli - cher Haͤndel præcaviren vnd verhuͤten wollen. 2. Chron. 19. inſeratur text. à verſ. 5. uſq́ue ad 19. excluſivè.

Der Koͤnig David machte zwar die Verordnunge vnnd Anſtalt / daß die Bundslade deß Herꝛn auß deß Gethiters Obed. Edoms Hauſe in die Huͤtte gebracht wuͤrde / hat er aber ſelber nicht die Hand mit angele - get / ſondern befohlen / daß niemand als die Leviten welche darzu erwehlet die Lade tragen ſolten vnd jhme dienen ewiglich. 1. Chron. c. 16. v. 2.

Nach dem Salomon den herꝛlichen Tempel fertig gemacht / hat er bey Einweyhung deſſelben zwar angeordnet / daß die Lade deß Herꝛn in das Allerheiligſte ſolte getragen werden / aber ſolches durch nie - mand anders als die Prieſter thun laſſen. 1. Reg. c. 8.

IAXIO -66Das erſte Buch /

AXIOMA XXXIII. Weibern vnd Jungfrawen ſtehet nicht zu den oͤffent - lichen Gottesdienſt in der Kirche / mit Lehren / Pre - digen vnd Adminiſtration der Heiligen Sa - cramenten zu vben.

S. Paulus ſchreibet vnnd befihlet ſeinen Corinthern / daß ſie die Weiber ſollen ſchweigen laſſen vnter der Gemeine / weil es jhnen vbel anſtehet darin zu reden. 1. ad Corinth. cap. 14. v. 34. & 35. vnd an ſeinen Timoth. in der erſten Epiſtel. cap. 2. v. 12. ſchreibet er: Einem Weibe geſtatteich nicht daß ſie lehre.

Jm alten Teſtament finden ſich gleichwol Exempla / daß Weiber oͤffentlich gelehret / Prophetiſch vnd Richter-Ampt gefuͤhret / geſtalt dann die Debora Richterin vnd Prophetin in Jſrael geweſen / auch wider den Siſſera mit einem Kriegsheer ſelber zu Felde gezogen / im Buch der Richter c 4. v. 4. & ſeqq. Zu Zeiten deß Koͤnigs Joſiæ / war die Prophe - tin Hulda in Jſrael / welche der Prieſter Ahikam fragete vnnd Gottes. Willen von jhr erforſchete 2. Reg. c. 22. v. 14.

Alſo war zu anfang deß alten Teſtaments die| Prophetin Hanna / eine Tochter Phanaels / welche geruͤhmet wird. Luc. c. 2. v. 36. Es ſeind a - ber dieſe Exempla ſonderbahr vnd irregular, vnd derowegen nicht zur Nach folge zu ziehen ſonſt bey der Regul zu bleiben. Jnmittelſt iſt jh - nen nicht verbotten / im Hauſe jhre vnd andere Kinder zum Gebet vnnd Gottesfurcht / auch leſen vnd ſchreiben anzufuͤhren vnd zu vnterrichten / wie auch nicht / ſchoͤne Lob-vnd Danck Pſalm zuſingen. Alſo nahm Mi - riam die Prophetin Aarons Schweſter / nach deme Gott mit einer ſtar - cken maͤchtigen Hand Jſrael durchs rohte Meer gefuͤhret / vnnd den ſtol - tzen Pharao darin erſaͤuffet / die Paucke in jhre Hand / vnnd alle Weiber folgeten jhr nach hinauß mit Paucken am Reyen / vnd Miriam ſang jh - nen fuͤr: Laſſet vns dem Herꝛn ſingen denn er hat eine herꝛliche That ge - than / ꝛc. Exod. c. 15. v. 20. Jm gleichen haben die Jſraelitiſchen Weiber / GOtt vnnd dem David / wie er den Goliath vberwunden / zu Ehren ein. Triumphliedlein geſungen. 2. Samuel. c. 18. v. 6. 7.

Oh aber in Nothfaͤllen da man keines Predigers maͤchtig ſeyn kan /kleine67Von dem Geiſtlichen Stande. kleine krancke / in den letzten Zuͤgen begriffene Kinder tauffen moͤge / wird von etzlichen in Zweiffel gezogen / von etzlichen aber geſtattet / nach dem Exempel Zipora die jhren Sohn beſchnitten. Exod. c. 4. v. 25. Jmglei -Frider. Baldum de Caſib. Conſcient. lib. 4. c. 5. caſ. 11. chen die Macchabeiſche Weiber. 1. Macchab. c. 1. v. 63. vnd 2. Macchab. c. 6. v. 10. Welche Tauffe dann auch nicht oͤffentlich in der Kirche vnd ge - meiner Verſamblung / ſondern in den Haͤuſern in der ſtille / bey zuſtehen - der Noth pfleget verrichtet zu werden / wann aber ſolche Kinder vberle - ben / werden ſie nicht wider getauffet / man pfleget aber gleichwol dieſelbe hernach in die Kirche zu bringen / den Segen vnd Gebet durch den ordent - lichen Prieſter daruͤber ſprechen zu laſſen vnd es der Gemein anzuzeigen / daß eine ſolche Nothtauffe vorgangen / vnnd an deß Kindes Seeligkeit nicht zu zweifflen.

AXIOMA XXXIV. Geiſtliche ſollen ſich in keine Welthaͤndel ſtecken / den Fuß nicht auff der Cantzel / vnd den andern in der Rahtſtuben haben.

GLeich wie den Weltlichen nicht wol anſtehet die Cantzel zu be - ſteigen / alſo ſtehet den Geiſtlichen nicht wol an in der Rathsſtu - be in den Welthaͤndeln das Wort zu fuͤhren. Wiewol jtzo die meiſte vnd vornembſte Welthaͤndel / durch die Herꝛn Patres,Iuxta il - lud: Quic - quid agit mundus, Monachus vult eſſe ſecundus. Cardinaͤl / die doch Summi Pontificis fratres, proximi à latere & cardines Eccleſiæ genennet verrichtet werden / Ja bey den blutigſten Kriegen ſeind ſie auch gar Summi Belli Duces vnd Generaln / worbey das jenige was in jure feudali. 2. Feud. Tit. 109. geſchrieben: Miles Chriſti ſerviat Chriſto: milites ſeculi ſerviant ſeculo. Et 2. Feud. Tit. 21. Deſiit eſſe miles ſeculi, qui factus eſt miles Chriſti. beyſeit geſetzet wird. Wie S. Petrus der Apoſtel mit ſeinem Schwerd hervor wiſchete / vnnd deß Hohenprieſters lauſigtem Knecht Malcho nur ein kahl leichtfertig Ohr abhiebe / muſte er ſein Schwerd bald einſtecken / vnd bekame ſo einen gewaltigen Verweiß darzu / daß er nachgehends wol kein Schwerd mehr mit geführet / oder Schadẽ damit gethan: Wie viel tauſend aber werden jtzo vnter der Con - duite vnd Krieges Direction der Cardinaͤln vnd Geiſtlichen / in den blu - tigen Kriegen vnter den Chriſten ſelbſten / die auch gar einer Religion ſeynd / hingerichtet.

J ijDer68Das erſte Buch /

Der Hoheprieſter Abiathar miſchete ſich in Welthaͤndel / ward darumb ſeines Ampts entſetzet / vnd auff ſeinen Acker verwieſen. 1. Reg. c. 2. Hiervon ſchreibet D. Luther in ſeiner Præfation vber die Buͤcher Salomonis alſo: Jederman iſt geneigt anders zu thun / denn jhme befoh - len iſt / vnd zu laſſen was jhme befohlen iſt. Wer im Geiſtlichen Ampt iſt der will klug vnd thaͤtig ſeyn im Weltlichen / vnd iſt hie der Klugheit kein ende. Wiederumb wer im Weltlichen Ampt iſt / dem wird das Haupt Zion enge fuͤr vbriger Kunſt / wie das Geiſtliche Ampt zu regieren / ſol - cher Narren ſind alle Lande / alle Staͤtte / alle Haͤuſer voll.

AXIOMA XXXV. Der Geiſtliche Stand muß gleichwol auch auff Welthaͤndel / vnd der Weltlichen Obrigkeit actio - nes, ſo weit es ſein Ampt erfordert / acht haben / daß dieſelbe nicht wider Gott / ſeine Gebotte / ſeine Ehr vnd Lehr / oder die Liebe deß Nech - ſten lauffen.

ALs Amazia der Koͤnig in Juda Kriegesleuthe auß Jſrael vmb den Sold werben ließ / vnd dieſelbe wieder die Edomiter zu Felde fuͤh - ren wolte / kam ein Prophet zu jhme vnd ſtraffet jhn darumb / daß er mit Verluſt der Werbgelder dieſelbe wieder muſte ziehen laſſen. 2, Chron c. 25. v. 7.

Jmgleichen / als Amazia wider die Edomiter geſieget / auß der Schlacht wider kommen / vnd die Goͤtter der Kinder Seir zur Beuthe mitgebracht / vnd denſelben zu raͤuchern vnd zudienen angefangen / iſt ſelbiger Prophet wider zu Amazia gangen / vnnd jhm ſolches ſtarck ver - wieſen / als aber der Koͤnig jhme ſchimpfflich geantwortet / wer jhn zu deß Koͤnigs Raht beſtellet haͤtte / thate jhm der Prophet dieſe Valet Predigt: Jch ſehe wol der Herꝛ hat ſich berathen dich zuverderben. d. c. 25. v. 14. & ſeqq. 2. Chron.

Wie der Prophet Nathan vernahm / daß wieder ſeines Koͤnigs Davids Intention, Willen / vnd vorhin auff offenem Reichs-Tage ge - machte Verordnũge / auch der Bathſeba / ſeiner Koͤnigin gethaner Zuſa -ge / deß69Von dem Geiſtlichen Stande. ge / deß Koͤnigs Sohn Adonia ſich erhub / nach Scepter vnnd Cron bey Lebzeiten deß Koͤnigs trachtete / Wagen / Reuter vnd Trabanten beſtel - lete / den Feld-Hauptman Joab vnnd den Prieſter Abiathar auff ſeine Seite brachte / mit denſelben Raht hielte / ein Opffer vnd Bancquet an - ſtellete / vnd ſich zu einem Koͤnig machete darzu gratuliren lieſſe / konte vnd wolte Nathan ſolchem auffruͤriſchen Vnweſen Beginnen nicht zu ſehen / gieng erſtlich zu der Koͤnigin Salomons Mutter / zeigte es der - ſelben an / vnd ſprach / haſtu nicht gehoͤret daß Adonia iſt Koͤnig / vnd vnſer Herꝛ David weiß nichts darumb / gab derowegen der Koͤnigin den Raht / daß ſie zu dem Koͤnige gehen vnd denſelben ſeines Eydſchwurs Ver - ſpruchs / daß nemblich Jhr Sohn Salomo nach jhme auff dem Koͤnigli - chen Thron ſitzen ſolte / erinnere / deme aber zuwieder Adonia ſich ſelber zum Koͤnige machete / vnd wann ſie noch mit dem Koͤnig redete / wolte er hernach geſchlichen kommen / vnd vollends jhr Wort außreden / welches er auch gethan / vnd in deme die Koͤnigin noch geredet / iſt dem Koͤnige angeſagt / daß Nathan verhanden waͤre / worauff er zum Koͤnige geſtat - tet / vnd deß Adoniæ auffruͤriſch Vorhaben / daß er ſich ein Koͤnig nennẽ lieſſe / mit mehrerm entdecket / wordurch der Koͤnig zu einer andern Ver - ordnunge bewogen / ſeinen Sohn Salomon auff den Koͤniglichen Thron bey ſeinem Leben zuſetzen / vnd hat Nathan damit groſſe Weitleufftigkeit vnd Vffſtand nach deß Koͤniges Todt verhuͤten helffen / woran er dann nicht zuviel oder wieder ſein Propheten Ampt gethan. Worbey aber doch zumercken / daß Nathan 1. nicht gleich zu dem Koͤnige gelauffen / ſon - dern es der Bathſeba erſt angezeiget. 2. daß er nicht als ein Rathgeber / darzu er nicht beſtellet war / vor dem Koͤnige erſchienen / ſondern hat nu - rent dem Koͤnige deß Adoniæ Vorhaben entdecket vnd gefraget ob ſolches auff deß Koͤnigs Befehl geſchehe. Es meldet auch die Hiſtoria nicht / daß der Koͤnig mit Nathan Raht gehalten / was zu thun / vnd wie dem Vn - weſen zu begegnen / ſondern hat nach eingenommenen Bericht / ſo bald die Koͤnigin ruffen laſſen / vnd gleich die Anordnunge gemachet / daß man ſeinen Sohn Salomo auff ſein Maul ſetzen / gen Gihon fuͤhren / zum Koͤnige ſalben / vnd oͤffentlich proclamiren ſolte.

So haben auch andere Propheten alten Teſtaments auff deß Volckes vnd der Koͤnige Haͤndel genawe acht geben / vnd wann dieſelbe von Gottes Wort abgewichen / ernſtlich geſtraffet. Jtz gemelter Prophet Nathan hat dem Koͤnige David ſeine Vbertrettung nicht verſchwiegen 1. Sam. c. 15. v. 30. & ſeqq. c. 18. diſtinct. 45. Eine eyfferige vnd ſcharffe Schloß-oder Hoffpredigt thate der Prophet Jeremias dem Koͤnig Ze - dekia / verkuͤndigte jhme ſeine Vbertrettunge / Gottes Zorn vnd erfolgen -J iijde Straf -70Das erſte Buch /de Straffe Jerem. cap. 22. v. 1. & ſeqq. Eben dieſer Prophet ſagte dem Koͤnig Jojakim frey ohnverholen ſeine Vberfahrunge. Jerem. 36. v. 29. vnd gab jhm guten Raht dem groſſen Vngluͤck zu entfliehen / deme er a - ber keine Folge leiſtete. Jerem. 37. & 38. Wie der Koͤnig Ahab dem Pro - pheten Elia mit lauterm Vnfug vorruckete / biſtu der Jſrael verwirret? ſchewete er gar nicht zu antworten / ich verwirre Jſrael nicht / ſondern du vnd deines Vatters Hauß / damit daß jhr deß Herꝛn Gebott verlaſſen habet vnd wandelt Baalim nach. 1. Reg. c. 18. v. 17. & ſeqq. Jmgleichen der Prophet Micha. 1. Reg. 22.

Als Joſaphat mit dem Gottloſen Koͤnig Achab ſich befreundet / vnd mit demſelben in den Krieg zohe / ſtellete jhn der Prophet Jehu deß - wegen ſtarck zu rede / laſe jhme einen guten Text / vnd ſprach: ſolteſtu ſo den Gottloſen helffen / vnd lieben die den Herꝛn haſſen / aber doch iſt etwas gutes an dir funden / daß du die Haine haſt außgefegt. 2. Chron. c. 19. v. 2. & ſeq.

Johannes der Taͤuffer hatte auch ein fleiſſig Auge auff deß Koͤ - nigs Herodis actiones, vnd da er ſeines Brudern Weib nahme hieß ers nicht gut / ſondern ſtraffete es oͤffentlich. Luc. 3. v. 19. & ſeqq. Matth. c. 14. v. 3. & ſeqq. Ambroſius hat den Kayſer Theodoſium nicht geſchewet / wie er ſo viel Menſchenblut im Kriege vergoß. Wann derowegen der Geiſtliche Stand verſpuͤrete / daß ein Koͤnig / Fuͤrſt / oder Obrigkeit ein vnnoͤthigen Krieg erheben / oder ſich demſelben ohn Noth immiſciren wol - te / iſt er nicht allein befugt / ſondern Ampts halben ſchuldig / darvon mit Chriſtlichen Schrifftmaͤſſigen Erinnerungen abzumahnen / vnd ſol - ches auch nach geſtalten Sachen in oͤffentlichen Predigten. Fromme / Gottſelige vnnd Gewiſſenhafft Regenten nehmen ſolches nicht allein zum beſten auff / wie der Koͤnig David / der dem Propheten Nathan ſei - ne Bußpredigt nicht verarget / wann er ſpricht: Der Gerechte ſchlage mich freundlich vnd ſtraffe mich / das wird mir ſo wol thun als ein Bal - ſam auff meinem Haupte. Pſalm. | 141. ſondern ſie pflegen in wichtigen ſchweren Conſciens-Faͤllen / jhrer Geiſtlichen vnd Kirchenraͤthe Beden - cken / vnd| Chriſtliche in Gottes Wort gegruͤndete Gutachten daruͤber zu - erforden vnd einzuholen.

Jm gleichen wann andere Laſter / als Hurerey / Ehebruch / Tod - ſchlaͤge / Balgereyen / Wucher / Schinderey / Auffruhr vnd dergleichen Seuche bey Herren Hoͤffe / in den Staͤtten vnd auff dem Lande vorgehen vnd nicht ernſtlich beſtraffet werden / als denn muͤſſen die Prediger jhre Stimme erheben wie eine Poſaune / getroſt ruffen vnnd nicht ſchonen. Eſai. c. 58. ſonſten wird Gott das Blut von jhren Haͤnden fordern /wiewol71Von dem Geiſtlichen Stande. wiewol ſolche Bußpredigten nicht allemahl zum beſten auffgenommen. Da heiſt es Tange montes & fumigabunt, Taſte die Berge an daß ſie rauchen Pſalm. 144. v. 15. Elias muſte fluͤchtig werden. 1. Reg. c. 19. Micha in den Kaͤrcker gehen / vnd ward mit Brod vnd Waſſer deß Trůb - ſaals geſpeiſſet 2. Reg. c. ult. v. 27. deß gleichen wider fuhr dem Propheten Hanani von dem Koͤnig Aſſa. 2. Chron. c. 16. v. 10.

Vria der Sohn Semaia von Kiriath Jearim / ein Prophet / ward auch ein Hoff. Bußprediger bey Jojakim / der ließ jhn darumb auß Egy - pten holen / dahin er geflohen / mit dem Schwerd hinrichten vnnd ſeinen Leichnam vnter den gemeinen Poͤbel begraben. Jerem. cap. 26. v. 20. & ſeqq. Jeremia ſelber lage im Vorhoffe deß Gefaͤngnuß Zedekia / Jerem. cap. 32. 33.

S. Johannes muſte mit dem Kopffe ſeine Bußpredigt bezahlen / wie vor jhm viele Propheten vnnd Heiligen Gottes mehr gethan. D. Luther. ſchreibet in Außlegung deß 101. Pſalms / ſtraffet man ſie ſo ſoll es Auffruhr heiſſen. Jch moͤchte auch ſchier ſagen wie jener Prediger / da er vom Haſenſtreiffen ſagte / daß der Kopff boͤſe zuſtreiffen (meinte aber die Fuͤrſten vnd Herren) ſtreiffe dich / ſprach er / der Teuffel. Vnd mel - det D. Luther vber ſelbigen Pſalm weiter / daß dahero groſſe Herꝛn Wil - praͤt im Himmel ſeyn werden. Vnter deſſen muß ein trewer Prediger nichtes doweniger ein Hertzfaſſen vnd ſolchen Kopff angreiffen / vnd mit dem Propheten Jeremia ſagen: Jch bin in ewren Haͤnden / jhr moͤgets machen mit mir / wie es euch recht vnd gut duͤncket. Doch ſolt jhr wiſſen / wo jhr mich toͤdtet / ſo werdet jhr vnſchuldig Blut laden auff euch ſelbſt / auff dieſe Statt vnd jhre Einwohner: Denn / warlich der Herꝛ hat mich zu euch geſand / daß ich ſolches alles fuͤr ewren Ohren reden ſoll Jerem. cap. 26. v. 15. 16.

Der Prieſter Vria / deß Koͤnigs Ahas in Juda Hoffprediger / wolte dieſen Haſenkopff gar nicht angreiffen / vielweniger ſtreiffen. Dann als jhme ſein Koͤnig einen Abriß eines zu Damaſco erſehenen Heydniſchen Altars gen Jeruſalem zuſchickte mit Befehl / nach ſolchem Model / daſelbſten einen Altar im Hauſe deß Herrenzu ſeiner Wieder - kunfft zuverfertigen / machete Vria daruͤber nicht viel ſcrupulirens / obs dem Geſetze Gottes gemeeß oder zu wieder waͤre / ſondern er wolte ſeinem Herꝛn das placebo ſpielen / gabe gleich den Mundkoͤchen / einen guten Mundprediger / geſtalt die Hiſtoria / melden daß der Prieſter Vria / alles gethan / was jhn der Koͤnig Ahas geheiſſen Jm 2. Buch der Koͤnig. c. 16. v. 10. 11. 12. 16. Dergleichen Mundprediger vnd Placentiner finden ſich nach viel die gar kein beliebens haben / den Haſenkopff zu ſtreiffen / laſſensgehen72Das erſte Buch /gehen wie es gehet / aber malè. Vber dieſelbe klaget GOtt bey dem Pro - pheten Eſaia / wann er ſpricht: Alle jhre Waͤchter ſind blind / ſie wiſſen al - le nichtes (das iſt ſie wollens nicht wiſſen vnd ſehen) ſtumme Hunde ſind ſie die nicht ſtraffen koͤnnen / es ſind aber ſtarcke Hunde von Leibe / ꝛc. cap. 56. v. 10. 11. Jerem. c. 6. v. 14.

AXIOMA XXXVI. Der Geiſtliche Stand vnd Prediger / muͤſſen in Be - ſtraffunge der Weltlichen hohen Obrigkeit behutſam verfahren / damit jhre Obrigkeitliche Authoritaͤt bey den Vnterthanen nicht verkleinert / vnd dieſel - ben etwa zur Auffruhr veranlaſſet werden.

ALs der Koͤnig Saul ſich an Gott verſündigte / wider deſſen expreſ - ſen Bofehlich dz Verbannete verſchonete / darvon opffern wol - te / muſte der Prophet Samuel jhme das Geſetz predigen / daß jhn nemlich der Herꝛ verworffen vnnd er nicht mehr Koͤnig ſeyn ſolte ankuͤndigte / bekante Saul / daß er geſuͤndiget / begehrte aber an Samuel er moͤchte jhn doch ehren vor den Eltiſten ſeines Volckes fuͤr Jſrael / vnd mit jhme vmbkehren / welches Samuel auch gethan. 1. Samuel. c. 15.(1.) Vid. C. cum Bea - tus diſt. 8. v. 26. & ſeq. (1.)

Ein Suͤndthaffte vnd Gottloſe Obrigkeit iſt vnd bleibet dennoch eine Obrigkeit. Alſo nante David den Saul in der groͤſſeſten Verfol - gunge ſeinen Herꝛn vnd Koͤnig / ſeinen Vatter / ja den Geſalbten deß Herren / wiewol er ſchon von Gott verworffen / vnnd David zum Koͤnig(2.) Etiãſi Legum Contem - ptor eſt, tamen pa - ter eſt, in - quit juſti - nian. Im - perat. in ſimili Nov. 12. c. 2. Et ſicut filio ſemper ſancta & honeſta videri debet Patris perſona. l. 9. de Obſequ. parentib. & patron. præſt. ita & ſubditis perſona Magiſtratus, etiam impii vid. infra part. 2. Axiom, 11. erwehlet war. 1. Sam c. 24. & c. 26. (2.)

Als der Prophet Nathan den Koͤnig David wegen begangenen Ehebruches vnd Todtſchlags an Vrias vnd ſein Weib ſtraffete / iſt ſol - ches nicht oͤffentlich geſchehen vor dem Volcke / ſondern iſt Nathan zu David gangen / jhme ſeine Vbertrettunge vorgehalten / ſeine Bekant - nuß gehoͤret / vnd darauff die Abſolution geſprochen / 2. Sam. cap. 12. DieStraffe73Von dem Geiſtlichen Stande. Straffe vnd reſpect koͤnnen auff gewiſſen maaſſe dannoch bey einander ſtehen. Man ſagt im Sprichwort / wann der Hirt nicht mehr Freyheit haͤtte als das Schaff / ſo muͤſte er auch Graß eſſen. Hierumb iſt aber dem Geiſtlichen Stande nichts doweniger erlaubet / in genere die publica deli - cta der Obrigkeit / vnd anderer oͤffentlich zuſtraffen / alſo predigte Da - niel ohne ſchew vnd ſagte: Ja Herꝛ / wir / vnſere Koͤnige / vnſere Fuͤrſten / vnſere Vaͤtter muͤſſen vns ſchaͤmen / daß wir vns in dir verſuͤndiget haben Daniel. c. 9. v. 7. & 8.

Axioma XXXVII. Der Geiſtliche Stand erfordert einen rechtmaͤſſigen ordentlichen Beruff.

WEil Gott ſelber ein Stiffter vnnd Vhrheber iſt verſchiedener Staͤnde / alſo thut er einen jeden darzu / worzu er jhn haben vnd gebrauchen will / mit gehoͤrigen Gaben vnnd Geſchickligkeit außruͤſten / durch ordentliche Mittel darzu erfordern vnnd be - ruffen.

Moſes vnnd Aaron wurden zugleich aber nicht zu einerley Ampt vnd Verrichtunge beruffen. Dann Moſes ward geſetzet daß er ein Gott ſeyn ſolte vber Pharao / vnd Aaron ſolte ſein Prophete ſeyn / Exod. c. 7. v. 1. Jtem / daß Aaron ſolte Moſes Mund / vnd Moſes Aarons Gott ſeyn. Exod. c. 4. v. 16. vnnd kam dem Moſi ſein Entſchuͤldigunge nicht zu ſtat - ten / daß er nicht beredet waͤre / vnd eine ſchwere Zunge vnd Sprache haͤt - te / ſondern bekam die Antwort / daß Gott ſein Mund ſein wolte vnnd jhn lehren was er ſagen ſolte. Exod. c. 4. Es wird Aaronis herꝛlicher Beruff noch ferner beſchrieben. Exod. 28. v. 1. & ſeqq. vnd Hebr. c. 5. v. 5.

Hiervon handeln die Theologi in jhren Schrifften mit mehrerm / vnd gehoͤret dieſe materia eygentlich auch ad Forum Theologorum.

KAXIO -74Das erſte Buch /

AXIOMA XXXVIII. Das Ius vocationis, oder ein rechtmaͤſſiger Beruff Lehrer vnd Prediger / ſtehet nicht allein der Obrigkeit / auch nicht allein dem Predigambt / ſondern der gantzen Chriſtlichen Gemein zu.

DIe Obrigkeit iſt zwar eine Beſchirmerin vnd Saͤugamme der Chriſtlichen Kirche / gleichwol aber ein Gliedmaß derſelben / vnnd hat ſich darüber keiner Herꝛſchafft oder Dominats anzu - maſſen. Es iſt ein groſſer Vnterſcheid vnter der Weltlichen Herꝛſchafft / vnd dem Reich Chriſti Joh. 18. der Beruff aber gehoͤret zu dem Reich Chriſti / vnd iſt ein munus totius Eccleſiæ nach deß Apoſtels Pauli Lehr. 1. ad Corinth. c. 3. v. 21. & ſeq. da er zu der Gemein ſpricht / es iſt alles ewer / derowegen die Prediger auch nicht Herren / ſondern Kir - chen Diener genennet werden. Wie aber in einem Menſchlichen Lei - be / nicht alle Glieder einerley Function oder gleiche Verrichtunge haben / ſondern wuͤrcket ein jedes nach ſeiner Art vnd Eygenſchafft / gleichwol dem gantzen Leibe zu troſt vnd frommen / dann das Auge huͤtet nicht al - lein ſich für Anſtoß / ſondern wachet vnd ſiehet auch fuͤr andere Glieder: Alſo iſt es auch in dem Geiſtlichen Leibe der Chriſtlichen Gemein / darin ſich der Geiſtlicher / Obrigkeitlicher vnnd gemeiner Haußſtand befindet. Der Geiſtliche Stand oder Predigambt muß forſchen nach deſſen / der zum Predigambt vnd Gottesdienſt beruffen werden ſoll / Lehr / Leben / Geſchickligkeit / ob er der reinen allein ſeligmachenden Religion zuge - than / ob er ſo viel gelernet vnnd ſtudiret / daß er tüchtig ſey die Gemeine Gottes / mit Lehren / Predigen vnnd Vbunge der heiligen Sacramente zuverſorgen / vnd demnach der Chriſtlichen hohen Obrigkeit die Cuſto - dia beyder Taffeln Goͤttlichen Geſetzes / vnd Vffſicht vber Kirchen vnd Schulen anbefohlen / ſie auch deren guͤtige Nutritores, Protectores vnd gleichſamb erhoͤhete Schilde / wie David redet vnter dem Volcke ſeind / ſo bleiben jhnen billich bey Beſtellung vnnd Beruff deß Miniſterii oder Predigampts vnd der Schulen / jhre hohe partes: Alſo wann von Geiſt - lichen die Perſonen ſo beſtellet werden ſollen / examiniret, vnd in der Lehr vnd Geſchickligkeit tuͤchtig befunden / decerniret der Magiſtratus Poli - ticus, daß derſelbe der gantzen Gemein ſoll vorgeſtellet / von deroſelben ge -hoͤret75Von dem Geiſtlichen Stande. hoͤret vnd vernommen / vnnd darauff wann dieſelbe nichts erhebliches darwieder einzuwenden / ordiniret, eingeführet / vnd confirmiret werden. Da dañ den gemeinen Zuhoͤrern auch jhre partes, nemlich die approba - tio vnd applauſus bleibet / vnd thut eine Obrigkeit nicht wol / wann ſie die Gemeine gantz vorbey gehet vnd jhnen wieder jhren Willen / ob ſie ſchon erhebliche Einrede haben / Prediger obtrudirt vnd vfftringet / zu welchen ſie hernacher keine Anmuth haben / vnd darüber die Kirche vorbey gehen vnd ruchloß werden. Vnd weil ich hiervon in meinem Tractatu de Re - gimine ſecul. & Eccleſiaſt. lib. 3. claſ. 1. cap. 6. weitleufftiger gehandelt / als beziehe ich mich darauff.

AXIOMA XXXIX. Der Geiſtliche Stand muß durch huͤlffe deß Weltli - chen / ſeinen gebuͤhrenden nottuͤrfftigen Vnter - halt haben.

ESredet Gott der Herꝛ bey dem Propheten Eſaia von dieſem Vn - terhalt alſo: Die Koͤnige ſollen deine Pfleger / vnnd jhre Fuͤrſten deine Saͤugammen ſeyn. c. 49. v. 23. & c. 60. v. 16. du ſolt Milch von den Heyden ſaugen vnnd der Koͤnige Brůſte ſollen dich ſaͤu - gen. Suges lac gentium & de mamilla Regum lactaberis, ſagt der Latei - niſche Text.

Zu ſolchem Ende waren im alten Teſtament dem Prieſterlichen Stamm Levi / an ſtat jhres Antheils am gelobten Lande von Gott ver - ordnet die Zehenden vnnd primitiæ. Levitic. c. ult. Num. 18. Syracid. c. 7. v. 33. & ſeq. Jtem die Opffer deß Herꝛn vnd ſeyn Erbtheil ſolten ſie eſ - ſen / ſtehet im fuͤnfften Buch Moſes c. 18. v. 1. Num. 18. vnd hat Joſua bey Außtheilunge deß gelobten Landes den Prieſtern vnd gantzem Stamm Levi viel vnd an der Zahl acht vnd viertzig Staͤtte ſampt jhren Vorſtaͤt - ten zu jhrer bequemen accommodation vnd Wohnunge aſſigniret vnnd angewieſen im Buch Joſ. c. 21. S. Paulus ſaget / werdem Altar dienet / der ſoll auch von dem Altar ſeine Nahrung haben / ꝛc. Vnd demnach die Gewaltige / Kayſer / Koͤnige / Potentaten / Fuͤrſten / Herren vnd Origkei - ten die meiſte Guͤter dieſer Welt beſitzen / vnd dannoch nicht allein Glie - der / ſondern auch Nutricii vnd Saͤugammen der Chriſtlichen Kirche ſeyn / iſt ja billig weil ſie Geiſtliche Guͤter vnd Gaben von der Klrch vnndK ijPredig -76Das erſte Buch /Predigampt empfangen / daß ſie auch reichlich darzu ſtewren / vnnd dar - auff bedacht ſeyn / daß der Geiſtliche Stand nach Notturfft vnd ehrlich vnterhalten werde. Es kan kein Stand ohne ehrlichen Vnterhalt beſte - hen / vnd wo derſelbe mangelt / da iſt Armuht / vnd welches darauff fol - get Verachtunge: Solches haben die Koͤnige altes Teſtaments / Da - vid / Salomon / Hiskias / Joſias vnd andere mehr reichlich gethan / denen im Newen Teſtament Conſtantinus Magnus, Carolus Magnus vnd viel andere Gottſelige Kayſer / Koͤnige / Fuͤrſten vnnd Herren hochruͤhmlich nachgefolget / Kirchen vnd Schulen reichlich dotiret.

Es haben ja die vernuͤnfftige Heyden / weil ſie auß dem Liecht der Natur vnd Creaturen ſo viel erkant / daß ein Numen oder Goͤttlich We - ſen / vnd daß daſſelbe durch einen gewiſſen Dienſt / durch gewiſſe darzu verordnete Sacerdotes, Flamines, Pontifices, Veſtales zuverehren ſey / derowegen zu jhrem Abgoͤttiſchen Goͤtzendienſt / reiche vnnd milte Ver - ordnunge gethan.

Jn Egypten Land haben die Prieſter jhr eygen Peculium, Aecker vnd Felder gehabt / vnd wie bey Joſephs Zeiten die langwuͤrige ſchwehre Tewrunge einfiehl / daß ein jeder auß Hungersnoth ſeine Feldguͤtter fuͤr Getraͤyde / dem Koͤnig Pharao in ſolutum an ſtat bahrer manglender Gelder geben muͤſte / meldet die Hiſtoria / daß der Prieſter Felder (weil dieſelbe als Geiſtliche Guͤter de jure gentium nicht in Commercio ge - weſen) auß genommen vnd nicht gleich andern veralienirt vnnd der Koͤ - niglichen Cammer incorporirt vnd zugeeygnet worden / wie zu leſen 1. Moſ. c. 47. v. 22. & ſeqq. Haben alſo die vnglaubige Egypter jhre Prie - ſter nicht allein mit Guͤtern verſehen / ſondern dieſelbe auch fuͤr inaliena - bel geachtet vnd extra omne commercium geſtellet.

Als Romulus nach ſtabilirtem ſeinem Regiment alles ordentlich anſtellete / theilte er das Land in drey Theile / einen zu den Heydniſchen Sa - cris vnd Goͤtzendienſt; den andern ad uſum Reip. zu der gemeinen Caſſa vnd Weſen; den dritten aber ad uſum privatum, ſo vnter die Buͤrger ver - theilet / wie darvon ſchreibet Dionyſ. Halicar. Antiquitat. Rom. lib. 2. Ha - ben das die Heyden jhrem vnbekanten Gott gethan / wie viel mehr ſolten Chriſten jhrem wahren vnd erkandten Gott zu ehren es thun / vnd den Geiſtlichen Stand nach Notturfft verſorgen. Hiervon habe ich mit mehrerm gehandelt in meinem Tractat. De Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 3. Claſſ. 1. c. 8.

AXIO -77Von dem Geiſtlichen Stande.

Axioma XL. Der Geiſtliche Stand muß nicht allein ehrlich gehal - ten vnd vnterhalten werden / ſondern auch von aller Thaͤtligkeit geſchuͤtzet vnd geſichert bleiben.

WIe der Koͤnig David die ein zeitlang exulirende, vnd letzlich in deß Gethiters Obed-Edoms Hauſe reponirte Bundes La - de Gottes / durch die Leviten wider abholen / vnd in die Stiffts - Huͤtte bringen ließ / hat er in ſeiner darbey publicirten Kir - chen Ordnunge diß Geſetze gegeben: Taſtet meine Geſalbten nicht an vnd thut meinen Propheten kein Leyd. 1. Chron. cap. 17. v. 22. & Pſalm. 105. v. 15.

Als der Koͤnig Jerobeam ſeine Hand / wieder den Mann Gottes / der geſand war jhme das Geſetze zu predigen / außſtreckete / vnd denſelben wolte greiffen laſſen / verdorrete die Hand daß er ſie nicht wider zu ſich zie - hen konte. 1. Reg. c. 13. v. 4.

Wie ſcharff Gott die Prieſter vnd Propheten Moͤrder vnnd Ver - folger / ſampt jhrer Poſteritaͤt geſtraffet vnd geſtuͤrtzet / das bezeugen die Exempla Sauls / Achabs / Jeſebel vnd anderer Tyrannen.

AXIOMA XLI. Das Predigampt ſoll man mit dem Ackerbaw nicht beſchweren / ſondern jhnen andere gewiſſe jaͤhr - liche Gefaͤlle vnd Hebungen verordnen.

DEr Weiſe Mann Syrach ſpricht: Wer die Schrifft lehren ſoll / der kan keiner anderen Arbeit warten. Wie kan der der Leh - re warten der pfluͤgen muß / vnnd der gern die Ochſen mit der Geiſſeln treibet / mit dergleichen Wercken vmbgehet vnd weißNavita de ventis, de tauris nar - rat arator. nichtes als von Ochſen zureden. Er muß dencken wie er ackern ſoll /K iijvnd78Das erſte Buch /vnd muß ſpaͤt vnd fruͤhe den Kuͤhen Futter geben. Sie koͤnnen den Ver - ſtand nicht haben die Schrifft zu lehren / noch das Recht vnnd Gerechtig - keit zu predigen: Sie koͤnnen die Sprůche nicht leſen / ſondern muͤſſen der zeitlichen Nahrung warten. Wer ſich aber darauff geben ſoll / daß er das Geſetze deß Hoͤchſten lerne / der muß die Weißheit aller Alten erfor - ſchen vnd in den Propheten ſtudiren / ꝛc. Syracid. c. 39. Wer dem Altar dienet ſoll davon / das iſt / von denen darzu gewiederten vnnd verordneten Mitteln / vnd nicht durch Bawren Arbeit vnterhalten werden. Als Gott der Herꝛ das gelobte Land vnter die zwoͤlff Staͤmme Jſrael außgethei - let / hat er dem Prieſterlichen Stamm Levi kein Erbtheil / ſondern an deſ - ſen ſtat den Zehenden im gantzen Lande vnd dem Prieſter Aaron vnd ſei - nen Nachkommen die Erſtlinge verordnet ohne zweiffel auß denen Vr -Vid. Di - dac. Co - varr. lib. 2. var. reſo - lut. c. 17. Azori. in - ſtit. Moral. lib. 7. c. 26. p. 1. ſachen / daß ſie mit dem Ackerbaw nichts zuthun / ſondern jhre freye He - bunge / dem Gottesdienſt ſo viel do beſſer abzuwarten haben ſolten / Jm 4. Buch Moſ. c. 18. im 3. Buch Moſ. c. ult. v. 30.

Darumb verordnete der Koͤnig Hißkias / den Prieſtern vnnd Levi - ten jhr Theil zu geben / auff daß ſie deſto haͤrter koͤnten anhalten am Ge - ſetz deß Herren 2. Chron. c. 31. v. Als den Leviten jhr Theil nicht gegeben / ſie deßwegen dẽ Dienſt deß Hauſes Gottes verlieſſen / jhren Acker ba - wen muͤſten / machete Nehemias deßwegen gute Anordnunge. Nehem. c. 13. v. 10.

AXIOMA XLII. Die Inſpection, Viſitation vnnd Vffſicht vber den Geiſtlichen Stand / deſſen Lehr / Leben vnnd Wandel ſtehet der Weltlichen Obrigkeit / als Cuſtodi vnnd Obern Vfſſehern beyder Taffelen / deß jhre ſo hoch anvertrawten Geſetz-Buches mit zu.

HIerin hat der Koͤnig Joſaphat allen Gottſeligen vnd Chriſtlichen Regenten mit gutem Exempel vorgeleuchtet / in deme er nicht ein / ſondern mehrmahl in dem Koͤnigreich Juda durch das gantze Land in alle Staͤtte / ſeine Fuͤrſten / Leviten / vnd vornembſte Mi - niſtros auß geſand / Kirchen vnd Schulen viſitiren vnd das Geſetz Buch deß Herꝛn allenthalben zu obſerviren vnnd darůber zuhalten anbefehlenlaſſen.79Von dem Geiſtlichen Stande. laſſen. 2. Chron. c. 17. v. 7. & ſeqq. Ja er iſt auch ſelber mit auff der Viſita - tion im Lande herumb gezogen / Geiſt-vnd Weltliche Gerichte weißlich angeordnet vnd beſtellet. 2. Chron. c. 19. Solche Viſitationes wann ſie zu - weilen vnd etwann alle Jahr einmahl bey Kirchen vnnd Schulen ange - ſtellet / auff der Prediger / Kirchen vnd Schuldiener / wie auch Zuhoͤrer vnd Scholaren Lehr / Leben vnd Wandel der Kirchengütter vnd deren Rech - nunge / auch guter Kirchen vnd Schul Diſciplin geſehen vnnd daruͤber fleiſſig gehalten wird / bringet ſehr groſſen Nutzen / vnnd wo keine fleiſſige gute Jnſpection vnd Vffſicht iſt / da nimbt die Vnordnunge bald vber - hand / vnd thut ein jeder was er will. Zu beſſerer Fortſetzunge der Viſita - tionen ſeind an theils Oerten abſonderlich Viſitationes Raͤthe vnd Pro - tocolliſten / welche mit den Superintendenten auff die Viſitationes ziehen.

Hiervon habe ich auch in gedachtem Tractat. de Regim. Sec. & Ec - cleſiaſtico geſchrieben.

AXIOMA XLIII. Geiſtliche vnd Prediger / muͤſſen vor andern ſich eines Ehrbaren Lebens vnd Wandels befleiſſigen.

WElcher geſtalt der Geiſtliche Stand / auff gewiſſe Maaß / den Vorzug vnd die andere Staͤnde mit guter Lehr zu informiren vnd zu vnterrichten hat / iſt droben Axiomate I. angefuͤhret / Alſo ſtehet demſelben auch zu / daß er mit einem / der reinen Lehr / aͤhnlichen vnnd gemeeſem Leben vnd Wandel / den andern weit vorleuchte / vnd worzu ſie andere vermahnen ſelbſten in der That er fuͤllen / vnd nicht ſeyn / als die andern rpedigen / vnd ſelbſt verwerfflich werden in der 1. an die Corinth. c. 9. v. 27. (1.) ſich alles vppigen diſſoluten Lebens /(r.) Verba[n]movent exempla trahunt. Vel non doceto, vel doceto moribus. Nazianzen. Sic igitur cenſura, & ſic exempla parantur, judex alios quod monet, i - pſe facit. Et illud Matheſii Regula virtutum pulcherrima, vita docentis. Laſter vnd grober Fehler dardurch jhre Gemeinde geaͤrgert wird / enthal - ten(2.)Nihil prodeſt verbis præferre virtutem, factis deſtruere veritatem Cyprian. in ſerm. de mortal. Non ſufficit adhibere rectos & ſalutares ſermones, ſed emendatæ vitæ exemplũ, ut ex ſervis de bonitate Domini, & ex actionibus, de Legis puritate judicium fiat Chriſti. de verit. Chriſti Religion. lib. 6. in fim. wie ſolches S. Paulus in ſeiner andern an Timotheum c. 3. v. 2. 5. auß fuͤhret / allda gar eygentlich vnd vmbſtaͤndiglich beſchrieben wird / wie ſich ein Geiſtlicher in ſeiner Verheurathunge / Eheſtand / Kinder -zucht80Das erſte Buch /zucht / Haußhalten / Lehr / Ampt vnd Wandel vnnd ſonſten zuverhalten / was er zu thun vnd zu meyden / welches Eraſmus Roterodam. in ſeiner Paraphraſi vber dieſe Epiſtel mit mehrerm außleget. Wer wol Lehret vnd vbel lebet / der reiſſet mit einer Hand herunter was er mit der andern bawet / vnd entziehet ſeiner Lehr alle Krafft vnd Beyfall / wie Nazianze -(2.) Quis enim cre - dit Docto - ri, cujus oratio pu - gnat cum vita? Quis feret incre - pantem, in quo videt aut eadẽ, aut etiam graviora flagitia? ut omnes in - tegri ſint, & inno - centes optari ci - tiùs poteſt, quam ſpe - rari. Certè magni re - fert, ut u - nus, à cu - jus magi - ſterio pen - der popu - lus, vacet omni cri - mine. O - portet il - lum præ - ſtare vigi - lantem Patrem familias, qui omnia in officio continet. Si liberos habet morigeros, dictoque audientes, ſi ſic inſtitutos ut ingenuo pudore, moribuſque compoſitis teſtentur, ſanctam educationem parentis, bona ſpes eſt, fore, ut publicam omnium curam gnaviter gerat, qui in adminiſtratio - ne rei domeſticæ, ſpecimen egregium ſui præbuerit Eraſm. Roterodam. in Paraphraſi ſuper e - piſtolam prior. Paul. ad Timotheum cap. 3. nus vnd Lactantius darvon ſchreiben. (2.) Ja ſie ſeind gleich denen / die an der Arca Noe baweten / ſelber aber nicht hinein kamen vnnd jhr Leben retteten: oder den Statuis Mercurialibus, die am Wege geſetzet / andern den Weg zwar zeigen / ſelber aber ſtehen bleiben. Ja ſie habẽ den Schluͤſ - ſel der Erkantnuß vnnd kommen doch nicht hienein Luc. c. 11. v. 52. Sie ſeind darvon Chriſtus ferner ſaget / Dicunt & non faciunt / Sie ſagens vnd thuns nicht. Dahero auch weil ſie mehr als andere durch boͤſes Le - ben aͤrgern / jhre Vberfahrunge auch ſo viel ſchaͤdlicher / ſtraffbarer vnd vnverantwortlicher iſt als jhrer Zuhoͤrer / maſſen dann auch im Geſetz Gottes / das Suͤndopffer / ſo wegen eines Prieſters begangener Vber - trettunge / darmit das Volck geaͤrgert dem Herꝛn geſchehen / vnnd er dar - durch verſoͤhnet werden muͤſte / viel koſtbahrer vnd mit mehrern offentli - chen Ceremonien fuͤr der Thuͤr der Stifftshuͤtten geſchahe / wie ſolches der lenge nach beſchrieben im 3 Buch Moſ. c. 4. v. 3. & ſeqq. Alſo auch ei - nes Prieſters Tochter / wann ſie gehuret viel ſchaͤrffer als andere geſtraf - fet vnd gar mit Fewr verbrand worden im 3. Buch Moſ. c. 21. v. 9. Sol - che aͤrgerliche vngerathene Gottloſe Lehrer vnnd Prediger werden von Gott / den Moͤrdern gleich geachtet / welche die Heerdejhrer Weyde vmb - bringen / derowegen auch bey dem Propheten Jeremia GOtt das wehe daruͤber ſchreyet: Wehe den Hirten / die jhr die Herd meiner Weyde vmbbringet vnd zerſtrewet Jerem. c. 23. v. 1. Ezechiel. c. 34. v. 2. Sie ſeind blinde Waͤchter ſtarcke Hunde von Leibe / die nimmer ſatt werden koͤn - nen Eſaiæ c. 56. v. 10. & ſeqq. daruͤber Gott bey dem Propheten Zephania alſo klaget: Jhre Propheten ſind leichtfertig vnd Veraͤchter / jhre Prieſter entweihen das Heiligthumb / vnd deuten das Geſetz frevemlich Zephan. c. 3. v. 4. Solcher ſtarcken Hunde findet man leider heutiges Tages auch viel / die nurent geitzen / mehr auff jhre Saͤwe vnd Kuͤhe / als auff die Schaaffe / jhrer ſo hoch anvertrawter Heerde ſehen / darauff der ProphetMicha81Von dem Geiſtlichen Stande. Micha ſchilt / ſagent: Jhre Prieſter lehren vmb Lohn / vnd jhre Propheten wahrſagen vmb Geld c. 3. v. 11. Jm gleichen der Prophet Malach. c. 1. & 2. vnd ſchreibet D. Luther in der Vorrede vber dieſen Propheten / daß der Geitz vnd Bauchſorge immer Schaden gethan / dem Wort vnd Dienſt Gottes vnd machet immer Heuchler auß Predigern. Aber ſie werdens dermahl eins ſehr ſchwehr zuverantworten haben. Es ſchreibet Adamus Contzen in ſeinem Daniele ſive de ſtat. Aulic. cap. 24. §. 4. auß den alten Kirchenlehrern / daß in der erſten Kirchen am Hoffe deß Kayſers Nero - nis, Adrianorum vnd Diocletianorum, mehr durch gute Exempel heili - gen ohnbefleckten Lebens vnd Wandels der Chriſten / als durch offentli - che Lehr zum Chriſtenthumb gebracht wie ſolches Tertullianus / Iuſtinus vnd andere bezeugen / vnd bey gedachten Adamo Contzen mit mehrerm zu leſen. Eines getrewen Lehrers Probe beſtehet auch darin nicht / daß er von Gott mit herꝛlichen Gaben auß geruͤſtet / Gelahrt vnnd in die heiligen Schrifft trefflich beleſen vnd ſtatliche Predigten thun kan / ein ſolcher be - gabter Man war der heuchliſcher Prophet Bileam. Der predigte vnnd weiſſagte gewaltig von dem Stern der auß Jacob auffgehen / vnd dem Scepter ſo auß Jſrael auffkommen wuͤrde / er wuͤnſchte das ſeine Seele moͤchte ſterben deß Tods der Gerechten / vnd ſeine Ende werden wie der heiligen Gottes / er ſprach dem Volck Jſrael einen koͤſtlichen Segen im 4. Buch Moſ. cap. 23. v. 10. & c. 24. v. 6. & v. 17. Dannoch iſt er vnter die Vngerechten gerechnet / denen behalten iſt ein tunckel Finſternuß in Ewigkeit in der andern Epiſt. S. Petric. 2. v. 15. 16. 17.

AXIOMA XLIV. Gute Kirchen Ordnunge ſeind hochnoͤtig vnnd nutz - lich / welche die hohe Obrigkeit mit zu Ziehung Geiſt - vnd Weltlicher Raͤthe / abzufaſſen zu publici - ren vnd daruͤber zu halten / befugt vnd ſchuͤldig.

EIne herꝛliche Kirchen vnnd Prieſter Ordnunge hat Moſes auff Gottes Befehl publicirt, vnd dem hohen vnnd andern Prieſtern Aaron vnd ſeinen Soͤhnen wie auch den Leviten vorgeſchrieben vnd publicirt im dritten Buch Moſis c. 8. & ſeqq. JmgleichenLein82Das erſte Buch /ein Kirchen vnd Prieſterrecht / im ſelbigen Buch c. 20. Jtem / im 4. Buch Moſis / c. 4. Eine feine Kirchen Ordnunge machete der Koͤnig David / nicht lange vor ſeinem Toͤdlichen-Hintritt / verſamblete darzu alle Obri - ſten Jſrael / die Prieſter vnd Leviten / machete gewiſſe Claſſes an der Zahl vier zwantzig darin er ſie collocirte, beſcheidete zu gewiſſen Aemptern / verordnete auch Saͤnger vnnd Muſicanten auß den Kindern Aſſaph / Jtem / Thorhuͤter / Amptleuthe / Auffſeher / Voͤgte vber die Intraden vnd Kirchen Guͤter / wie zu leſen der lenge im erſten Buch der Chron. c. 24. 25. 26. 27. Dieſe Kirchenordnunge hat nachgehents ſein Sohn der Koͤnig Salomo nach herꝛlicher Einweihunge deß Tempels renoviret, ernewert vnd publicirt, im andern Buch der Chronic. c. 8. v. 14. Jn der Kirche ſoll vnd muß alles ordentlich vnnd ehrlich gehalten werden 1. Corinth. c. 14. denn Gott iſt nicht ein Gott der Vnordnunge / ſondern der Einigkeit vnd deß Friedens / ſo bey Vnordnunge nicht beſtehen kan 1. ad Timoth. c. 3. Gute Kirchenordnunge aber beſtehet vornemlich in nach folgenden fuͤnff Hauptſtuͤcken 1. in Puritate Doctrinæ das iſt Pflantzunge der einigen wahren Lehre deß H. Evangelij / rechten Gebrauch der Hochwuͤrdigen H. Sacramente / nach Chriſti Stifft-vnd Einſetzunge. 2. Jn Erhal - tunge deß Miniſterii vnd Kirchenampts / deren Beruff / Einſetz-Ordi - nir-Beſtellunge vnd Vnterhalt / wie auch der Conſiſtorien vnd Kirchen - gerichte / vnd darin gehoͤriger Cenſur in der Lehre wie auch guter Kirchen Diſciplin, Leben vnd Wandel. Jn ſo nutzlichen / Eintraͤchtigen / GOttes Wort gemaͤſen Ceremonien / mit Lection / Geſaͤngen / Feſten / ꝛc. im rech - ten Chriſtlichen Verſtande / ohne Aberglauben / alles zur Erbawunge. 4. Jn Vffſicht vnd Erhaltunge Chriſtlicher Schulen vnd Studien darvon vnten Axiom. 49. weitleufftiger tractiret. 5. Gehoͤret dahin die Verord - nunge vnd Vffſicht gewiſſer darzu gewidmeter Guͤter / deren richtiger Verwalt-vnd Berechnungen / damit die Prediger in Kirchen vnd Lehrer in Schulen / gebuͤhrliche Vnterhaltunge haben / nach S. Pauli Lehre. 1. Corinth. c. 9. Alſo hat er der Herꝛ geordnet daß die ſo das Evangelium verkuͤndigen / vom Evangelio leben / wie droben Axiom. 38. mit mehrerm gedacht / hiervon iſt in der Fuͤrſtl. Meckelburgiſchen Kirchenordnunge / die Weyland Hertzog Vlrich zu Meckelburg Hochſeliger Gedaͤchtnuß Anno 1602. publiciren laſſen / mehrere vnd gute Erinnerung geſchehen. Nicht weniger gehoͤret auch 6. zu der Obrigkeitlichen Inſpection vnd gu - ter Kirchen Ordnunge / die Cura vnd Vffſicht der Studien vnd darzu ge - widmeter Einkunfften. Als der Koͤnig Joas wahr genommen / daß die zu Beſſerunge deß Tempel-Bawes zu Jeruſalem eingeſamblete Gelder darzu nicht angewand vnd der Tempel in Baw vnnd Beſſerunge / wieſichs83Von dem Geiſtlichen Stande. ſichs gehoͤret nicht erhalten war / fordert er zu ſich den Prieſter Jojada ſampt andern: Verwieß jhnen daß ſie das Geld zu ſich genommen vnd darvon den Tempelbaw nicht gebeſſert / worauff Jojada einen Kirchen Kaſten machen / vnnd was zum Baw gereichet war darinn werffen ließ / wann dann ein Vorrath im Kaſten vorhanden war / haben die Prieſter denſelben fuͤr ſich allein nicht geoͤffnet / ſondern es iſt deß Koͤnigs Schrei - ber oder Rentmeiſter darzu deputiret daß er mit Zuziehunge deß Hohen - prieſters / den Kirchen Kaſten auffgemachet / das Geld gezehlet vnd vnter die Arbeiter auß getheilet / wie zu leſen im 2. Buch der Koͤnig v. 6. & ſeqq. Worauß dann zuſehen daß die Kirchen vnnd Structur Rechnunge zur Oberkeitlichen Inſpection mit gehoͤren / vnd mit Zuziehung der Geiſtli - chen ſolche Rechnunge abzuhoͤren.

Axioma XLV. Zu beſſerer Fortſetzunge ſolcher Ober-Vffſicht / iſt noͤ - tig Geiſtliche Conſiſtoria anzuordnen / vnd dieſelbe mit Exemplariſchen / Gottsfuͤrchtigen / gelaͤhrten Kirchen-Raͤhten / Geiſtlichen vnd Politi - ſchen Standes zu beſetzen.

ALs Moſes das Juͤdiſche Volck durchs rothe Meer in die Wuͤſte ge - bracht / vermeinte er anfangs / er wolte vnnd konte alle Geiſt - vnnd Weltliche Haͤndel vor ſich ziehen vnd allein ſchlichten vnd richten / aber ſein Schwaͤher Jethro / als er jhn in der Wuͤſten beſuchte / ſein Weib vnd ſeine beyde Soͤhne jhm zufuͤhrete / remonſtrirte dem Moſi in continenti, daß es jhme zu ſchwehr fallen vnd ers allein nicht verrichten / ſondern ſich nurent conſumiren vnd abmatten wuͤrde. Auff ſolche getre - we Er. nnerunge hat Moſes ein wol formirtes Gericht beſtellet. Exod. c. 18. Als aber creſcente multitudine populi die Haͤndel fort vnd fort mehr vnd Moſi allerhand beſchwerliche Quæſtiones vnd caſus conſcientiæ vor - geſtellet wurden / befand er ſich deſſen beſchwehret / klagete es GOtt ſelbſt vnd zohe ſein Vnvermoͤgen an / erlangte daruͤber ein gewuͤrige gute Reſo - lution / daß er ſich ſiebentzig Maͤnner vnter den Eltiſten Jſrael erwehlen / vnd durch dieſelbe ein Conſiſtorium, welches Synedrion oder Sanhedrin genand worden / anordnen vnd beſtellen ſolte| / fuͤr welches die wichtigſtenL ijHaͤndel84Das erſte Buch /Haͤndel in Geiſt-vnd Weltlichen Sachen gezogen eroͤrtert werden ſol - ten. Es ſeind aber dieſe 70. Perſonen auß allen zwoͤlff Staͤmmen / vnnd alſo nicht allein auß dem Levitiſchen Prieſterlichem Stamme / ſondern auch den vbrigen vnd auß ſolchem die Geſchickligſte genommen / vnd diß groſſe Conſiſtorium vnd Gericht mit Geiſt-vnd Weltlichen Perſonen bekleidet / vnd ſolche erwehlete Perſonen vor die Stiffts-Huͤtte erfordert vnd von Gott darzu qualificirt vnd geſchickt gemacht worden. Jch will ſprach der Herꝛ / hernieder kommen vnd deines Geiſtes (welches dann nicht privativè ſondern cumulativè, wie auß dem Auguſtino zuſehen / zu - verſtehen) der auff dir iſt / nehmen / vnd auff ſie legen / daß ſie mit dir die Laſt deß Volckes tragen / daß du nicht allein trageſt / Num. d. c. 11. v. 17. ohnerachtet Joſua Moſe Diener vnd ſein Knabe darüber geeyffert vnnd es gern hindern wollen / gleichſamb wurd dardurch Moſi an ſeinem re - ſpect vnd folglich jhnen auch etwas an jhrer præminentz abgehen / ibid. verſ. 28.

Aber Moſes kehrete ſich daran nicht / ſahe daß ein Mißverſtand bey Joſua war / dann Gott hatte deßwegen deß Moſis ſeinen Geiſt vnd Gaben nicht gemindert / ſondern eben mit dem Geiſt vnd Gaben / damit(1.) Augu - ſtin. fuper lib. Num. quæſt. 18. Cum ita ſcriptum ſit, aufe - ram de ſpi - ritu, qui eſt ſuper te (juxta fon - tes Hebrai - linguę) nec dictũ, de ſpiritu tuo, quod tamen eſt verſio vul - gata (fa - cilior eſt abſolutio quæſtionis, quia intelligimus nihil aliud Deum ſignificare voluiſſe, niſi ex eodem Spiritu gratiæ illos habituros adiutorium ex quo habebat Moſes: ut & iſti ha - berent quantum Deus vellet, non ut ideo Moſes minus haberet. Quate licet verſio diſcrepet, ſenſus tamen idem manet. Lutherus in Germanica verſione propius accedit ad Hebraicum fontem & genuinum intellectum. er Moſen außgeruͤſtet / hat er auch die 70. Maͤnner begabet / (1.) dieſelbe auch nicht in æmulationem oder Conſortium Moſis tragenden hohen Ampts / oder daß ſie mit jhme de prærogativa ſummæ poteſtatis compe - tiren, ſondern in partem ſollicitudinis zu Sublevirung der ſchweren jh - me obliegender Buͤrde / vnd daß ſie Moſi die Laſt deß Volckes ſolten tra - gen helffen / angeordnet: Alſo thut Gott noch heutiges Tages / wann er ei - nen ordentlich zu einem Ampte beruffet / ſo ruͤſtet er jhn auch darzu auß / mit gehoͤrigen Qualitaͤten / Hertz / Muth / vnnd Verſtande / ob ſich ſchon Leuthe finden die daruͤber eyffern vnd es nicht gerne ſehen.

Dieſes Conſiſtorium oder groſſe Rath / hat gewehret in die 1500. Jahr / biß zu den Zeiten Herodis Aſcolonitæ Antipatris Sohns / der es endlich abgeſchaffet / wie D. Chytræ. ad cap. 11. Num. vnd andere annoti - ren, von dieſem Raht wird auch verſtanden / wann der Herꝛ Chriſtus im Evangelio ſaget; wer ſeinen Bruder Racha heiſt / der iſt deß Rathsſchul -85Von dem Geiſtlichen Stande. ſchuldig / daß iſt / der hat vor dieſem Rath erſcheinen vnd ſeiner Sententz erwarten müſſen.

Als der loͤbliche Koͤnig Joſaphat auß dem blutigen Kriege / darin er mit dem Achab ſich begeben / gluͤcklich wider zu Landen vnnd Leuthen kommen / hat er nicht allein die Weltliche Gerichte wol beſtellet / vnnd die Richter mit ſtattlicher Jnſtruction vnd Gerichtsordnunge verſehen / ſon - dern hat auch das bey der Gottloſen Koͤnige Zeiten faſt zerfallenes Con - ſiſtoriũ oder Synedrion vnd Kirchen Rath auß Geiſt-vnnd Weltlichen Perſonen wider angerichtet / vnd den Prieſter Amaſiam zum Præſiden - ten geſetzet / darvon die Schrifft alſo redet: Auch beſtellete Joſaphat zu Jeruſalem auß den Leviten vnd Prieſtern / vnd auß den Obriſten Vaͤt - tern vnter Jſrael vber das Gericht deß Herren / vnd vber die Sachen / vnd ließ ſie zu Jeruſalem wohnen / ꝛc. 2. Chron. c. 19. v. 8.

Nach dieſem Exempe haben die Evangeliſche Chur-Fuͤſten vnnd Staͤnde / nachdeme durch den Paſſawiſchen Vertrag vnd darauff erfol - geten tewren Religion Frieden deß Stuhls zu Rom / Geiſtliche Juris - diction in jhren Landen vnd Gebiethen ſuſpendirt, auch allenthalben Conſiſtoria, Geiſtliche Gerichte oder einen Kirchen-Rath angeordnet / welches dann dem Worte Gottes dem hohen Obrigkeitlichen Ampte nicht zu wieder / ſondern allerdings gemeeß.

Dann Gott hat allen Koͤnigen / Regenten / vnnd hohen Obrigkei - ten / die Cuſtodiam vnd Bewahrung deß gantzen Geſetzbuches vnnd alſo beyde Taffeln anbefohlen. Deuter. c. 17. Joſ. c. 1. (2.)

(2.) Hinc illud: Cujus eſt Regio, il - lius etiam eſt Reli - gio. Hoc eſt. Qui Iu - ra Regia vel terri - torialia in ſua Regio - ne uſur - pat, ad illũ etiam per - tinet cura & inſpe - ctio Reli - gionis.
1

Zu der erſten gehoͤret nun der Gottesdienſt / deſſen Auffſicht vnnd gute Ordnunge. Alſo hat Joſaphat nicht zuviel / ſondern loͤblich vnnd wol gethan / daß er in ſacris gute Ordnunge vnd ein Geiſtlich Conſiftorium beſtellet vnd angeordnet / wie gemeldet.

Es iſt auch auß den Kirchen vnd andern Hiſtorien bekant / daß die erſte Chriſtliche Kayſer vnd Koͤnige ſich deß Kirchen Regiments ange - nommen / darin gewiſſe Verordnunge vnnd Geſetze gegeben / auch die Paͤpſte ſelben eingeſetzet vnd beſtettiget / darvon ich weitleufftiger gehan delt in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 3. Claſ. 1. c. 1. n. 9. & ſeqq.

Es haben aber der Paͤpſtliche Stuel zu Rom vnnd die Geiſtligkeit der Chriſtlichen Keyſer / Koͤnige vnd Regenten jemehr vnnd mehr die Geiſtlich Juriſdiction an ſich gezogen / vnd endlich der Weltlichen hohen Obrigkeit gantz nichts daran geſtatten / ſondern jhres gefallens damit al - lein diſponiren, ſchalten vnd walten wollen.

L iijAls86Das erſte Buch /

Als aber durch Gottes Gnade verſchiedene Chriſtliche Koͤnige / Chur-Fuͤrſten / Herren vnd Republiquen ſich zu der Evangeliſchen Re - ligion bekant / haben ſie ſolche jhnen Vermoͤg deß von Gott anvertrawtẽ Geſetz Buches competirende Jurisdictionem Eccleſiaſticam, dem geof - fenbahrtem Worte Gottes zu wieder ſich nicht wollen entziehen laſſen - vnd iſt den Staͤnden deß Reiches durch obgedachten Paſſawiſchen Ver - trag vnd Religion-Frieden / das Kirchen Recht vnnd dahero růhrende Verordnunge Geiſtlicher Gerichten vnd Conſiſtorien nicht von newen indulgiret, ſondern haben ſie ſich deſſen proprio & quaſi poſtliminii jure vnternommen / vnd iſt angeregter Paſſawiſcher Vertrag vnnd Religion Frieden dißfals mehr nicht als ein allgemeines in vim pragmaticæ ſan - ctionis publiciertes Interdictum, uti poſſidetis, itapoſſideatis, vnnd ein hochverpoͤntes Reichs Geſetze allen dennen / die darwieder einigen Stand zu turbiren ſich vnterſtehen / entgegen geſetzet.

Es haben zwar die Patres Dillingenſes in jhrer Compoſitione pacis c. 6. q. 42. ſolche der Evangeliſchen Staͤnde Kirchen Recht vnnd Con - ſiſtorial Verordnunge anſtechen / vnd wieder die heitere klare diſpoſition deß Religion Friedens vnd darauff erfolgte 50. 60. 70. vnd mehr Jaͤhri - ge Obſervanz, vnd durch viel verſchiedene Præjudicata Cameralia erhaͤrte - te vnd beſtaͤrckete Poſſeſſion, ein wiedriges behaupten vnd der Welt vor - bilden wollen / es haben aber vermittelſt guͤtiger Verleyhung Gottes deß Allerhoͤchſten / die Evangeliſche Staͤnde ſich bey jhren Rechten vnnd ſo lange erſeſſenen freyen Vbunge deſſen / wiewol nicht ohne vielfaͤltige ſchwehre Anſtoͤſſe / biß hero manuteniret vnd gehandfeſtet.

Was vor Sachen eygentlich vor die Conſiſtoria der Evangeli - ſchen gehoͤren / vnd ſonſten darbey inacht zunehmen / darvon hab ich auch in gedachtem meinem Tractatu de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 3. claſ. 1. c. 10. etwas geſchrieben. Vid. etiam Erneſt. Gothofred. de jur. Conſi - ſtor. in Eccleſiis Auguſtan. Es muß ein vnterſchied vnter Conſiſtorial vnd andern Sachen allezeit in acht genommen vnd dieſelbe nicht fuͤr ein Gericht gezogen werden. Dieſes hat der Heydniſche Landvogt in Achaia Gallion vernünfftig erwogen / dann als die Juden den Paulum ſo hart bey dem ſelben nicht wegen Welthaͤndel oder Verbrechens / ſondern we - gen der Lehr vnd Glaubens Haͤndel anklagten / ertheilte Gallion causâ cognitâ, ein ſolche interlocutoriam oder Beſcheyd: Wenn es ein Frevel oder Schalckheit waͤre / lieben Juden / ſo hoͤrete ich euch billich. Weil es a - ber eine Frage iſt von der Lehre vnd von den Worten vnnd von dem Ge - ſetze vnter euch / ſo ſehet jhr ſelber zu / ich gedencke daruͤber nicht Richter zu ſeyn / in den Geſchichten / der Apoſtel c. 18. v. 14. 15. Worin Gallion einegute87Von dem Geiſtlichen Stande. gute Lehr vnd Exempel gibet allen Weltlichen Richtern / daß ſie in Reli - gions-Sachen ſich deß Richter-Ampts nicht anmaſſen ſie ſeyen dann Conſiſtoriales vnd ſonderlich mit darzu deputiret.

Hoch waͤre zu wuͤnſchen daß in denen Evangeliſchen Landen / da noch keine Conſiſtoria angerichtet / deren gleichwol meines Wiſſens we - nig / dieſelbe nochmals / angeordnet wuͤrden. Dann da keine Conſiſtoria vnd vermittelſt deren keine genugſame Vffſicht iſt / da machet ein jeder Prieſter / ſonderlich vff den Doͤrffern / was er will / vnd muß man derſel - ben vnordentliches / wüſtes / vnd theils gottloſes Leben / Vnfleiß vnd an - dere Gebrechen mit groſſem Vnmuth erfahren / vnd werden die jenigen / ſo es etwann jhres privati halber hindern / bevorab da der hochloͤblichſte Landes Fuͤrſt vnd deſſen Raͤthe Bediente es gern befoͤrdert ſehen / ſehr ſchwehr zu verantworten / vnd an allem Vnweſen ſo darauß zu groſſem / vieler gottſeligen / frommen Hertzen Aergernuß entſtehet / ſchuldig ſey. (3.)

(3.) Qui poteſt prę - cavere ma - lum & non facit, tam eſt in cul - pa, quam is qui facit. Et occa - ſionem delinquẽ - di omit - tendo vel commit - tendo præ - bens, ipſe delinquit.
1

Es ſeynd aber die mala, ſo darauß kommen nicht zuerzeh - len / auch | theils alſo beſchaffen / daß man deren ohne Aergernuß nicht wol gedencken mag / dardurch einem gantzen Lande der Vn - ſegen / andere Straffen vnnd Landverderbliche Plagen zugezo - gen werden. Ewre Zeit iſt da ſpricht GOtt der Herꝛ beym Prophe - ten Haggai c. 1. daß jhr in getaͤffelten Haͤuſern wohnet / vnnd diß Hauß wuͤſte ſtehet (das iſt ſo viel geſaget; jhr nehmet euch deß Gottes dienſtes vnd Kirchenweſens nicht viel an / dencket nur auff ewer Hauß vnd priva - tim) nun ſo ſpricht der Herre / ſchawet wie es euch gehet. Jhr ſaͤet viel vnd bringet wenig ein / jhr eſſet vnd werdet doch nicht ſatt / ꝛc. vnd welcher Geld verdienet der legts in einen loͤcherichten Beuthel / jhr wartet wol auff viel / vnd ſiehe es wird wenig / vnnd ob jhrs ſchon einbringet / ſo zer - ſtaͤwre ichs doch / warumb das ſpricht der Herꝛ Zebaoth? Darumb daß mein Hauß / ſo wuͤſte ſtehet / vnd ein jeglicher eylet auff ſeyn Hauß. Darumb hat der Himmel vber euch den Taw verhalten / vnd das Erdreich ſeyn Gewaͤchs / ꝛc.

AXIO -88Das erſte Buch /

AXIOMA XLVI. Der oͤffentliche Gottesdienſt wird in gemeinen Ver - ſamblungen in den darzu erbaweten Kirchen / mit Chriſtlichen Ceremonien / Lehren / Predigen / Sin - gen / Bethen vnd adminiſtration der Hoch - wuͤrdigen Heiligen Sacramenten verrichtet.

OB wol der groſſe vnbegreiffliche Gott an keinen Ort gebunden / welchen der Himmel vnnd aller Himmel Himmel nicht moͤgen verſorgen / wie der Koͤnig Salomon bey Einweyhung deß herꝛ - lichen Tempels zu Jeruſalem conteſtiret. 1. Reg. c. 8. v. 27. So hat es doch ſeiner Goͤttlichen vnendlichen Allmacht alſo gefallen / dem Menſchlichem Geſchlechte zu mehrerm Troſte / gewiſſe Oerter / Huͤtten / Tempel vnd Kirchen-Stifften zu laſſen / da ſeines Namens Gedaͤcht - nuß in oͤffentlicher gemeiner Volckreichen Verſamblunge hochheilig vnd herꝛlich celebriret vnd begangen / vnnd der oͤffentliche Gottesdienſt mit ſonderbahrer Devotion vnd Andacht verrichtet worden. Jn der er - ſten Welt vor der Sündflut findet man keine ſonderliche Nachricht auſ - ſer daß die Schrifft meldet / daß zu Zeiten Seths man habe angefangen zu Predigen von dem Namen deß Herren. Geneſ. c. 4. v. 5. welches dann dahin nicht zuverſtehen / als wann es vorhin zu Zeiten Adams gar nicht geſchehen / ſondern nicht in ſo groſſer Verſamblunge. Es haben ohne zweiffel Adam vnd andere Gottſelige Altvaͤtter jhren Familiis, Kindern vnd Geſinde in jhren eygenen Haͤuſern geprediget / vnd ſie auß Gottes Wort informiret. Deßgleichen hat Noah / Abraham / Jſaac vnd Jacob nachgehents damit auch alſo continuiret, wie oben Axiom. 6. allbereit gedacht.

Als die Kinder Jſrael in Egypten ſich ſtarck vermehret hatten / wolte Gott den oͤffentlichen Gottesdienſt herꝛlicher haben / ließ Pharao - niſagen durch Moſen vnd Aaron / ſein Volck ziehen zu laſſen daß es jhme ein Feſt hielte in der Wuͤſten Exod. c. 5. v. 1. & ſeqq. Et c. 8. v. 26. & ſeqq. vnd als auff Pharaonis beharliche verſtockte Verweigerunge / GOtt durch ſeinen gewaltigen ſtarcken Arm / ſein Volck auß Egypten in dieWuͤſte89Von dem Geiſtlichen Stande. Wuͤſte gebracht / vorhin das Paſſah mit ſeinen Ceremonien zu halten angeordnet / das Geſetz auff dem Berge Sinai gegeben / hat er eine frey - willige Stewre dem Volcke aufferleget / vnnd Moſi eine Form deß Ta - bernaculi oder Stiffts huͤtten / alles ſeines Geraͤths zum Heiligthumb zu machen befohlen / vnd daß er ſonderlich von dem Orth jhme zeugen vnd mit jhme reden wolte. Exod. c. 25. & 26. & ſeqq. allda die Form der Stifftshuͤtte / das Geraͤth / Prieſterlicher Ornat vnd andere Ceremonien deß oͤffentlichen gemeinen Gottesdienſtes mit mehrerm beſchrieben wer - den.

Als GOtt dem Koͤnig David ſein Koͤnigreich beſtaͤttiget vnd jhme Ruhe gegeben hatte / ward er ſinnes dem Herren ein Hauß oder Tempel zu bawen / hat es Gott nicht gar ſich miß fallen laſſen / ſondern daß nicht er / David / ſondern ſein Sohn Salomo als der Pacificus oder Friedfertige daſſelbe thun ſolte ſich erklaͤret 2. Samuel. c. 7. Die Vrſache / warumb es David nicht thun duͤrffen / hat Gott der Herꝛ jhm ſelber vnd er herna - cher ſeinem Sohn Salomoni offenbahret; nemblich daß er David viel Blute vergoſſen auff die Erde vnd viel Kriege gefuͤhret / wiewol er einen groſſen Vorrath der Materialien dazu herbey geſchaffet / 1. Chron. c. 28. & c. 29. v. 3.

Vnd als Salomon darauff den koſtbahren groſſen vnnd kunſtrei - chen Tempel ſo nicht vnbillig inter præcipua mundi miracula zu referi - ren, auff Gottes Anraht vnd Befehl außgebawet / verfertiget / vnnd dem Herren eingeweihet / darbey auch ſonderlich gebeten / daß Gott das Ge - bet ſeines Volckes / wann es im Tempel geſchehe / bey Kriegsleufften / Pe - ſtilentz / Thewrunge vnd andern graſſirenden Landes Plagen / ꝛc. erhoͤren moͤchte / worauff nicht allein das Fewr von Himmel gefallen vnnd die Herꝛligkeit Gottes das Hauß erfuͤllet / ſondern Gott hat dem Salomo - ni auch geantwortet / daß er ſein Gebet erhoͤret vnd ſich dieſe Staͤtte zum Opffer Hauſe erwehlet. 2. Chron. c. 1. & ſeqq. uſq́ue ad 7.

Derwegen dann auch David vnd die Propheten dem Tempel / we - gen deß herꝛlichen Gottesdienſtes viel ſchoͤne prædicata beylegen / daß der Herꝛ zu Zion wohne / daß er ſeinen Heerd vnd Fewr allda habe / Jtem im 132. Pſalm. v. 13. der Herꝛ hat Zion erwehlet / vnnd hat luſt daſelbſten zu wohnen / vnd ſeindim Chriſtenthumb an allen Enden vnd Oerten / da der Gottesdienſt frey ohngehindert vnd oͤffentlich gevbet wird / von Zeiten der erſten Kirche biß hieher / viel ſchoͤne herꝛliche Kirchen vnd Srtucturen zu oͤffentlichen Gottesdienſte erbawet vnd erhalten worden.

Wiewol deren eine geraume Zeit her gar viel Injuria temporum, incuria Patronorum & avaritia Dominorum deſtruiret, verwuͤſtet / zuMZeug -90Das erſte Buch /Zeughaͤuſern / Kornhaͤuſern vnd Staͤllen gemacht / daß es wol heiſſen mag nach dem verſ.

Quas quondam Pietas noſtrorum ſtruxit avorum Ædes, Heredes devaſtant more luporum.

Aber was Gott von ſolcher Verwuͤſtung ſaget das iſt zu leſen bey dem Propheten Hagai. c. 1.

Die Schrifft bezeuget / wie Moſes eine gemeine Collect oder An - lage bey dem Volck Gottes zu Erbawung der Stifftshuͤtte verkuͤndiget / das Volck gar zu willig geweſen vnd mehr herbey gebracht als vonnoͤten war / ſo gar daß Moſes im gantzen Lager außruffen vnd verbieten laſſen / daß nie mand mehr darzu bringen ſolte. Exod. c. 39. v. 5. Dieſes darff man jtziger Zeit gar nicht / da mans auch von denen die wegen Jnhabunge der Kirchen Guͤter zur Structur vnd ſonſten jaͤhrliche Abgifft zu thun ſchul - dig / durch Obrigkeitliche Executiones extorquiren vnd herauß bringen muß: Ja wann man jtzo außruffen lieſſe / daß Kirchen-Guͤter vnter die Leuthe außzutheilen weren / wie willig ſolte da jederman zu lauffen vnd dahin bedacht ſeyn / wie er auch eine gute particul von dem vngeneheten Rock Chriſti ertappen moͤchte.

Die Heyden haben auch jhren falſchen Goͤttern zu Ehren Fana vnd Kirchen gebawet / deren in der Statt Rom bey wehrendem Heyden - thumb allein / vber 400. gezehlet worden / wie Lipſius ſchreibet. Ein ſehr koͤſtlich Tempel war zu Epheſo der Goͤttin Dianæ zu Ehren erbawet / deſ - ſen gedacht wird in den Geſchichten der Apoſtel im 19. cap.

(1.) Iohan. Cotovicus in Itinera - rio Turcic. c. 5. de Tẽ - plis Tur - carum ſcribit: Templa Turcarum Sphæri - cam plera - q́ue for - mam refe - runt, exceptis quæ primum ritui Chriſtiano conſecrata, in ſuas Meſſitas commutarunt. Sunt au - tem elegantis & Magnifici operis æ dificia, è lapide albide, ſeu vivo ſaxo, æquali ferè menſura conciſo: teſtudine ſuper impoſita ac plumbeis laminis tecta, pulcherrimo foris intuentibus ſpectaculo. Intus tota dealbata, nullæ imagines, nulla altaria, ſed nudi tantum parietes conſpi - ciuntur. Ad hæc templa nemini Chriſtianorum aditus patet: prophanari ſiquidem inde pu - tant, &c.
1

Die Türcken verrichten jhren Gottesdienſt auch in oͤffentlichen Zuſammenkunfften / darzu ſie auch ſtatliche vnd ins gemein in die runde erbawete Kirchen (1.) haben. Zu Mecha in Arabia deſerta ſollen ſie eine ſchoͤne Kirche haben / darin jhr groſſer vermeinter Prophet Mahomet begraben lieget / wie darvon Munſter. in ſeiner Coſmographi vnd ande - re ſchreiben / vnd wird von etzlichen dieſe Statt auch Medina genand Gabr. Sionit. in deſcript. Arab. cap. 8.

AXIO -91Von dem Geiſtlichen Stande.

AXIOMA XLVII. Jn der Kirchen mag man vor vnnd nachgeendetem Gottesdienſt auch wol von Erbaren / dem gemeinen oder particular Haußweſen nuͤtzlichen erſprieß - lichen Welthaͤndeln tractiren vnd reden.

ES ſeind vnnd bleiben zwar billich die Rath. Stuben oder Rath - haͤuſer wie auch die Boͤrſen vnd die Kirchen vnd Gottes-Haͤuſer ſeparata loca oder verſchiedene Oerter / dennoch iſt nicht vnchriſt - lich daß vor oder nach verrichtetem Gottesdienſt / vnd ohne Hin - derung deſſelben / man auch in der Kirche ſich zuſammen beſcheiden / vnd von angeregten Welthaͤndeln tractiren vnd reden moͤge.

Als der Prieſter Jojada das hohe Werck vorhatte / die Tyranniſche Koͤnigin Athalia auß dem Wege zu raͤumen / vnnd den durch ſein Weib Joſeba ſalvierten allein vbrigen Koͤniglichen Samen / den Joas als den rechten Stamm-Erben auff den Koͤniglichen Thron zu ſetzen vnd dem Volcke vorzuſtellen / ließ er die Obriſten deß Volckes / die Hauptleuthe vnd Trabanten in das Hauß deß Herꝛn zuſammen kommen / machete ei - nen Bund mit jhnen / vnnd nahm einen Eyd von jhnen im Hauſe deß Herren / præſentierte vnd zeigte jhnen deß Koͤniges Sohn / ordnete dem - ſelben eine armirte gewapnete Quardi zu im Tempel / gab den vbrigen Hauptleuthẽ vnd Knechten Spieß vnd Schilde / ſo deß Koͤnigs Davids geweſen / vnd im Hauſe deß Herren verwarlich gehalten worden / beſtelle - te daneben die Schild-vnd Hauptwachten die der Hut warteten im Hau - ſe deß Koͤniges / ließ deß Koͤnigs Sohn hervor kommen / ſetzte jhm im Tempel die Koͤnigliche Cron auff vnd proclamirte jhn zum Koͤnig / vnnd ließ die Tyranniſche Moͤrderin Koͤnigl. Samens hinauß fuͤhren vnd ſie toͤdten. 2. Reg. c. 11. vnd werden die Roͤmiſche Koͤnige vnd Kayſer / wie auch andere Chriſtliche Koͤnige vnd Potentaten ins gemein in den Kir - chen gekroͤnet / eingeſegnet vnnd geſalbet. Jmgleichen kan man von Chriſtlichen Verheyrathungen vnd andern Erbahren Sachen ſich in der Kirche wol zuſammen thun vnd darvon handeln.

Offentliche Craͤmer-vnd Mercomcerey / dabey viel Schweren /M ijBetrug92Das erſte Buch /Betrug vnd Vngerechtigkeit vorgeh et / wie auch andere leichtfertige Haͤndel ſoll eine Chriſtliche Obrigkeit in der Kirche nicht toleriren oder geſtatten.

Axioma XLVIII. Daß die Kirchen Structuren dem Gottesdienſt zu Ehren anſehentlich erbawet / mit feinen Taffelwer - cken / Hiſtoriſchen Gemaͤhlten vnnd Figuren gezieret / daneben ſauber vnd reinlich gehalten werden / hin - dert die Chriſtliche Andacht nicht / ſondern befordert vielmehr dieſelbe.

ALs Moſes auff Gottes Befehl vorgemeltes Tabernaculum oder Stiffts-Huͤtte bawen ſolte / ſchriebe jhm Gott ſelber eine zierliche Form oder Model fuͤr / wie er dieſelbe bawen / mit ſchoͤnen Teppi - chen von Weiſer gezwirneter Seyden / von Scharlack vnnd Ro - ſinrot zieren / vnd daran kuͤnſtliche Cherubim / als Figuren machen vnnd anordnen ſolte / wie ſolches Exod. 25. & 26. c. vnd die Form deß Altars im folgenden 27. cap. weitleufftiger beſchrieben wird. Damit es auch Moſi an ſolchem von Gott vorgeſchriebenen Kirchen Ornat, vnd ſchoͤner zier - lichen Zubereitunge der Stifftshuͤtte nicht ermangelte / offenbahrte er jhme / daß er mit Namen beruffen Bezabeel den Sohn Vri vom Stamm Juda / vnd denſelben erfüllet mit dem Geiſt Gottes / mit Weißheit vnd Verſtand allerley Werck kuͤnſtlich zu arbeiten / an Gold / Silber / Ertz / Steine zu ſchneiden / einzuſetzen vnd kuͤnſtlich zu zimmern in Holtz / ꝛc. Exod. c. 31. Wie koſtbar vnd ſchoͤn der Tempel zu Jeruſalem auff Gottes Anrath vnd Eingeben von dem Koͤnig Salomon angeleget / erbawet / mit Gold / Silber vnd zweyen Cherubim gezieret / ſolches iſt mit groſſer Verwunderunge zuleſen. 1. Reg. c. 7. & ſeqq.

Vnd als der Koͤnigliche Prophet David im Ge iſt die Verwuͤ - ſtunge deß Tempels zu Jeruſalem vorher geſehen / beklaget ers ſehr im 74. Pſalm / vnd ſpricht: Man ſiehet die Aexte oben herblicken / wie man in einem Walde hawet / vnd zuhawen / alle ſeine Taffelwerck mit Beil vnd Barten.

Was nun der Allweiſe Gott ſelber zu ſeines hochheiligen NamensEhre93Von dem Geiſtlichen Stande. Ehre vnd Preiß angeordnet / das kan jhme an: vnnd vor ſich ſelber nicht mißfallen oder Chriſtliche Andacht hindern.

Der Herꝛ Chriſtus hat es mit ſeinem Exempel probieret, wie er zu Jeruſalem in den Tempel gangen vnd oͤffentlich darin gelehret / auch nachgehends die Wechſeler / Kaͤuffer vnd Verkaͤuffer darauß getrieben vnd denſelben von ſolchen Vnrath geſeubert.

Bey zunehmender Chriſtenheit haben Gottſelige Regenten / Kayſer / Koͤnige / Fuͤrſten vnd Herren hin vnd wieder auch ſchoͤne vnnd koſtbare Baſilicas, Kirchen vnd Capellen gebawet / dieſelbe herꝛlich gezie - ret / vnd wiewol allgemach Mißbraͤuche darbey / mit Schmůckunge vnd Verehrunge geſchnitzter / vnd gegoſſener oder gemachter Bilder eingeriſ -Abuſus non tollit verum u - ſum. Et ſanctis o - mnia ſan - cta. Poſt Ba - ron. refert Gualther. in Chron. Eccleſ. po - lit. ſub. dicto, An. p. m. 746. ſen / ſo kan vnnd muß doch ſolche. Mißbrauch / den wahren Gebrauch deß Kirchen Ornats nicht auffheben.

Daher dann Weyland Kayſer Carl der erſte vnd Groſſe / vor ohn - gefehr acht hundert Jahren / die ohnbeſonnene Bildſtuͤrmerey verdam - met vnd verbotten / wie in deme zu Augſpurg Anno 1530. auffgerichtetem Reichsabſchiede. §. Dieweil auch die Bildnuß Chriſti referiret wird: Solches auch hernacher auff dem Synodo zu Pariß Anno 825. gehalten inter Decreta deſſelben referiret worden.

Axioma XLIX. Die Muſica vnnd ſchoͤne troſtreiche Pſalmen vnd Geſaͤnge zieren vnd machen herꝛlich den oͤffentlichen Gottesdienſt / excitiren vnd ermuntern auch die Gemuͤther zueyfferiger einbruͤnſtiger De - votion vnd Andacht.

ALs der Koͤnig David die ein zeitlang exulirende Lade deß Herꝛn von Kiriath Jearim auß dem Hauſe Obed Edoms / da ſie geſtan - den wieder abholen / vnd in die darzu erbawete Stifftshuͤtte ſolen - niter bringen vnd reponiren laſſen / hat er auß den Leviten etzliche zu Muſicanten vnd Saͤngern beſtellet / die mit Seytenſpielen / mit Pſal - tern / Harpffen vnd hellen Cymbelen / Gott mit Frewden loben vnnd laut ſingen muͤſſen / wie zu leſen. 2. Chron. 16. v. 16.

Geſtalt dann David ſeine geiſtreiche Pſalmen zur Muſic / zu troſtM iijvnd94Das erſte Buch /vnd Lobſaͤngen àptiret vnnd theils dem newen Koͤnig Chriſto zu Ehren zuſingen componiret vnd gemachet / wie Pſalm. 98. & 100. & ſeqq. vnnd vielen andern / auch den Inſcriptionibus vnd Vberſchrifften / auch ſeinen Pſalter endlich damit beſchleuſt / daß man ſoll den Herren loben in ſeinem Heiligthumb / in der Veſte ſeiner Macht / in ſeiner groſſen Herꝛligkeit / vnd zwar ſolches auch mit Poſaunen / mit Pſalter vnd Harpffen / mit Paucken / mit Seyten vnd Pfeiffen / mit hellen vnd wolklingenden Cym - balen / Pſalm. 150.

Der Gottſelige Koͤnig Hiskias / als er durch Trieb deß Geiſtes Gottes / den zerfallenen Gottesdienſt wider reſtaurirte / vnd die Thuͤr am Hauſe deß Herren auff gethan / die Prieſter wider eingefuͤhret / hat er ge - ſtellet die Leviten darin mit Cymbaln / Pſaltern vnd Harpffen / wie es David befohlen hatte / vnd Gath der Schawer deß Koͤnigs vnd Nathan der Prophet / vnd meldet die Hiſtoria weiter / daß die Leviten geſtanden mit den Seytenſpielen vnd die Prieſter mit Trompeten. 2. Chron. c. 29. v. 25. & ſeqq. Deß gleichen hat der fromme Koͤnig Joſias bey ſeiner vor - genommenen Reformation verordnet / daß die Saͤnger die Kinder Aſ - ſaph / nach dem Gebott David an jhren Ort zum Gottesdienſt geſtellet. 2. Chron. 35. v. 15. adde Pſalm. 81. v. 1. & ſeqq.

Es wollen ſich zwar etzliche / darunter auch Johannes Calvinus iſt / ſich in der Meynunge befinden / ob gehoͤre die Muſic vnd was darvon im alten Teſtament gemeldet vnd befohlen / zu den Juͤdiſchen Ceremonien / vnd da man im Chriſtenthumb auch mit der Muſica nachfolgen wolte / reimete dieſelbe ſich eben ſo wol zu vnſerm Gottesdienſt als wann man das Rauchwerck / die Lucernen / vnd dergleichen umbraslegis oder Schat - ten deß Geſetzes hervor ſuchen / vnd damit vnſern Gottesdienſt zieren wolte; wie zu ſehen in ſeinem Commentario vber den 33. Pſalm Davids(1.) Verba formalia Calvini ad. d. Pſal. 81. ita ha - bent: Quantum ad tympa - num, cytharam & nablum attinet, diximus alibi & poſtea dicendum erit, Levitas non abs re Muſicis inſtrumentis uſos fuiſſe ſub lege: quia tenerum adhuc & pueris ſimilem populum Deus talibus rudimentis docere voluit uſq́ue ad Chriſti adventum. Nunc ubi Evangelij claritas di - ſcuſſis umbris legalibus cultum Dei magis ſimplicem nobis commendat, ſtultè ac perperam i - mitaremur, quod Propheta non niſi ætati ſuæ præcepit, & ſimias eſſe, qui hoc ad ſe trans - ferant. v. 2. (1.) vnd vber den 81. Pſalm. helt ers vor eine Thorheit / daß man das jenige / was der Prophet vnd Koͤnig David von den Muſicaliſchen Jnſtrumenten vnnd Lobgeſaͤngen in ſelbigem vnd andern Pſalmen ge - beut / auff die Zeit deß Evangelij ziehen / vnnd bey der Warheit ſich deß Schatten bedienen wolte. Dahero dann auch Oecolampadius eins - mals in der Schweitz vor dem Magiſtrat mit einer Supplication ſich an -gemeldet /95Von dem Geiſtlichen Stande. gemeldet / vnd wie er zur Audientz geſtattet / erſtlich den Titul vnd hernach die contenta auff eine ſonderliche Melodey zu ſingen angefangen / vnnd wie er vber ſolche vngewoͤnliche Manier zu ſuppliciren gefraget / er ge - antwortet / daß er ſolches zu einem Beyſpiel thaͤte / dann eben wie jhnen dieſes ſeltzam vnnd Naͤrriſch vorkaͤme / alſo kaͤme es Gott auch vor / wañ man demſelben vnſere Noth vorſingen vnnd mit muſiciren ſuypliciren wolten.

Jch laſſe einem jeden ſeine Meynunge / gleich einem jeden Narren ſeine Kolbe die beſte ſeyn / ſehe aber nicht / daß die Muſica vocalis vnnd In - ſtrumentalis vnter die Juͤdiſche Schatten Geſetze eygentlich referiret vnd bey den Chriſten vnrecht ſeyn ſolte / in den Kirchen vnd Chriſtlichen Ver - ſamblungẽ darmit Gott zu loben zu dienen / zumahlen der Apoſtel S. Paulus in ſeinem Sendebrieffe an die Epheſer dieſelbe darzu ermahnet / daß ſie vnter einander reden ſollen von Pſalmen vnnd Lobgeſaͤngen Geiſtlichen Liedern / daß ſie ſingen vnd ſpielen ſolten dem Herren in jhrem Hertzen an die Epheſ. am 5. cap. Solte nun ſolches Spielen vnd Lobſin - gen zu dem Juͤdiſchen Schatten Geſetz gehoͤren / wuͤrde es den Verſtand haben / als ob der Apoſtel Paulus ſeinen Epheſern befohlen die Juͤdi - ſche Ceremonien wider hervor zu ſuchen / vnd GOtt in den abgeſtelten Schatten Geſetz zu loben vnnd zu dienen / welches doch die Meynunge nicht haben kan.

Derwegen ein beſtendiger Schluß zumachen / daß alles was im newen Teſtament wiederholet / nicht zum Schatten Geſetz gehoͤrig / vnd dem Chriſtenthumb nicht zuwieder. Der Geiſt Gottes iſt ein frewdi - ger Geiſt / will ein frewdig Gott vertrawendes Hertz haben / vnnd iſt die Muſica von Gott ſonderlich darzu geordnet / daß ſie deß Menſchen Hertz erfrewen ſoll.

Es haben die Alten Kirchen Vaͤtter die Muſic vnd Lobgeſaͤnge in der Gemein nicht improbiret, ſondern darzu ſchoͤne Hymnos vnnd Ge - faͤnge / ſonderlich auff die hohe Feſte ſelber componiret vnd gemachet / vn - ter welchen deß Ambroſij vnd Auguſtini / Te Deum laudamus ein herꝛlich geiſtreich Stuͤck iſt. Hiervon handelt vnd ſchreibet auch weitleuff - tig Johann Arnds vom wahren Chriſtenthumb im 2. Buch c. 41.

AXIO -96Das erſte Buch /

AXIOMA L. Zu dem Geiſtlichen vnnd Kirchen Stand gehoͤren auch die Schulen / deren Befoͤrderunge vnd Auffſicht.

Balduin. de Caſib. Conſcient. lib. 4. c. 5
1

ES ſeind die Schulen gleichſamb kleine Kirchen / darin die liebe Jugend zum Gebet / zur Erkaͤntnuß Gottes / jhres Chriſten - thumbs / im leſen / ſchreiben / Sprachen vnd Freyenkuͤnſten infor - miret vnd vnterrichtet werden / damit ſie der Kirche vnnd gemei - nem Weſen ſo viel do beſſer dienen vnnd vorſtehen koͤnnen / dahero die Schulen ſeminaria Eccleſiæ & Reipubl. oder Pflantzgaͤrtlein der Kir - chen vnd Weltlichen Standes recht vnd wol genant werden.

Herꝛ D. Lutherus nennet die Schulen / amœniſſimum plantula - rum cœleſtium Paradiſum, den allerlieblichſten Paradeiß. Garten der Himmliſchenpflaͤntzlein / vnnd Churfürſt Johann zu Sachſen einen Vatter derſelben in einem Schreibẽ an hoͤchſtgemelten Churfuͤrſten / deſ - ſen datum ſtehet den 22. May Anno 1531. welches zuſinden bey dem - leſtino in Hiſtor. Auguſt. Confeſſ. fol. 47. Hierumb haben ſich die Pro - pheten vnd Kirchenlehrer ſonderlich der Schulen angenommen.

Nach Moſis Zeiten ſeind in allen Staͤtten Schulen angeordnet Actor. 15. v. 21.

Eine feine Schulen hatte Samuel zu Naioth in Rama 1. Sam. c. 19. v. 20. & ſeqq. Der Prophet Eliſæus zu Gilgal. 2. Reg. 4. v. 38. vnnd der Prophet Elias zu Jericho. 2. Reg c. 2. v. 5. & ſeqq. vnd ſeind die Scho - laren Propheten Kinder genant / wie in jtzt angezogenen vnnd andern mehr Oerten der Schrifft zuſehen. Der Alexandriniſchen Schulen ha - ben vorgeſtanden Pantenus, Origines vnd Clemens Balduin. d. loc. vnd bezeuget die Schrifft daß der Herꝛ Chriſtus ſelber vmbher gangen im Galileiſchen Lande vnd habe gelehret in jhren Schulen Matth. c. 4. v. 23. S. Paulus meldet / daß er in deß Gamalielis Schule vnd zu deſſen Fuͤſſen informiret vnd erzogen. Actor. c. 22. v. 3.

Es wird aber der Obrigkeitliche Stand von dem Schulweſen vnd deſſen Beſtallunge / guter Vffſicht vnd Vorſorgunge nicht außgeſchloſ - ſen / dann wie die Koͤnige vnd Fuͤrſten Nutricij vnnd Saͤugammen ſeyn der Kirchen vnd jhre anſehentliche partes haben bey Beſtellung deß Kir -chen97Von dem Geiſtlichen Stande. chen Stands / alſo bleiben jhnen nicht weniger dieſelbe bey dem Schul - weſen auch. Alſo hat der Koͤnig Nebucadnezar bey ſeinem Koͤniglichen Hoffe eine feine Schul gehabt / vnnd als er das Jſraelittſche Volck mit ſeinen Waffen beherꝛſchet vnd in die Babyloniſche Gefaͤngnuß gefüh - ret / hat er ſeinem Obriſten Cammerer Aſpenas befohlen / daß er auß den Kindern Jſrael vom Koͤniglichen Stamm vnnd Herren Kindern / wehlen ſolte / Knaben die nicht gebraͤchlich waͤren / ſondern ſchoͤne / ver - nuͤnfftige / weiſe vnnd kluge / die da geſchickt waͤren zu lernen vnd dieſelbe zur Schule halten / vnd in der Chaldeiſchen Schrifft vnd Sprachen vn - terrichten laſſen / daß ſie geſchickt waͤren zu dienen in deß Koͤnigs Hoff / darunter den Daniel vnd ſeine Geſellen mit geweſen. Es hat auch der Koͤnig ſolche Schule anſehentlich dotiret / vnnd verſchaffet / daß den ge - fangenen Studioſis taͤglich ſolte gegeben werden von ſeiner Speiſe / vnnd von dem Wein den er ſelber tranck / wie ſolches der Prophet Daniel ſel - ber beſchrieben. Daniel. c. 1.

Als das Roͤmiſche Kayſerthumb an Chriſtliche Potentaten ge - rathen / haben ſich dieſelbe vmb Stifft - vnnd Erhaltunge guter Schulen ſehr bemuͤhet / worin dann vor andern Kayſer Carl der erſte vnnd groſſe / zu ſeinem vnverwelcklichen Lob vnd Ehren / ſehr geſchefftig vnd hoch - preißlich ſich erwieſen / viel herꝛliche Ertz - vnd Stiffter auch Abteyen vnd Cloͤſter vnd darbey ſonderlich den Cathedralibus Eccleſiis anſehentliche Schulen geſtifftet / daran die Collegia Canonicorum jhre ſonderbare Partes vnd Officia gehabt / vnd ohne zweiffel deren theils dahero Schola - ſters oder Schola ſtici wegen ſonderbahrer functionen bey den Schulen / andere Sangmeiſtere oder Cantores, daß ſie die Muſicam in den Schu - len dirigiret, andere Decani, Seniores, Præpoſiti, Diaconi, Archidiaconi, Cuſtodes, Lectores. &c. genant worden / welches hernacher temporis tra - ctu vnd allgemach einreiſſender Vppigkeit vnd Vberfluß abgenommen / vnd bey den Canonicis nur die bloſſe Namen Scholaſticarum functionũ vbrig geblieben / wie darvon weitleufftig Althus. in orat. de Scholar. utili tate, neceſſitate & antiquitate ſchreibet.

Es haben ſich auch darin nachgehents vnnd ſonderlich im vorigen Seculo im H. Roͤmiſchen Reich Teutſcher Nation / Chur-Fürſten vnnd Staͤnde deſſelben ſehr ruͤhmlich erzeiget / herꝛlich providiret vnnd verſor - get / auch jhren Erben vnd Nachkommenin jhren Teſtamenten vnnd letz - ten Willens Verordnungen deren Vffſicht ernſtlich injungiret vnd vff - erleget.

Alſo hat Landgraff Philips zu Heſſen der aͤlter ſeinen Herren Soͤhnen die Inſpection der Vniverſitaͤt Marpurg mit ſonderbahrenNernſt98Das erſte Buch /ernſt in Jhr Fuͤrſtl. Gn. hinterlaſſenem Teſtament anbefohlen / mit nachfolgenden formalibus.

Darauff ein gut auffſehens zu haben / daß rechte vnnd gelahrte « Profeſſores erhalten / kein eygener Nutz noch Freundſchafft angeſehen « vnd geſuchet / mit den Stipendiaten vnd Stipendiis gute Ordnunge ge - « halten / vnd denen gegeben werden / ſo gute Ingenia haben / auch ſonderlich « mit Ernſt vnd Fleiß darzu thun / daß in der Theologi viel Studenten « aufferzogen vnd rechtſchaffen vnterwieſen vnd erhalten / auff daß man « kuͤnfftig darauß rechtſchaffene Prediger / Schulmeiſtere vnnd Kirchen - « diener haben koͤnne / auch die Vniverſitaͤt bey jhren Guͤtern die ſie ein « haben bleiben laſſen ſolte.

Landgraff Wilhelm der aͤlter hochermeltes Herꝛn Landgraff Phi - lipſen aͤltiſter Sohn / hat es in ſeinem Teſtament auch nicht vergeſſen / ſondern Jhr Fuͤrſtl. Gnaden einigen Sohn Herren Landgraff Moritzen zu Heſſen / ꝛc. vnd deſſen Nachkommen ſtarck eingebunden / daß ſie dieſes « jhre vornembſte Sorge ſeyn laſſen ſolten / daß die Kirchen vnd Schulen « im Lande mit frommen Gottsfoͤrchtigen vnnd gelahrten Leuthen beſtel - « let / der Religion halber keine Trennunge / noch ichtwas newes eingefuͤh - « ret / ſondern die Lehrdeß H. Evangelij / vermoͤg Prophetiſcher vnd Apoſto - « liſcher Schrifften / heiligen dreyen Symbolen / auch der Augſpurgiſchen « Confeſſion rein vnd lauter getrieben / vnd alle die jenige ſo Schwerme - reyen vnd curioſas quæſtiones zu moviren, frembden Verſtand einzu - fuͤhren / vnd dardurch unitatem Eccleſiarum zu turbiren ſich vnterſtehen wuͤrden / bey zeitten abſchaffen / keinen weder zur Profeſſion oder Pfarꝛ - dienſte kommen laſſen / er thue denn Pflichte daß er obgedachten condi - tionibus trewlich nach kommen / ꝛc.

Hertzog Johann Albrecht zu Meckelburg / hat in Jhr Fuͤrſtl. Gn. Teſtament dero Soͤhnen die Vffſicht der Vniverſitaͤt Roſtock / mit nach folgenden Formalibus ernſtlich injungiret / daß ſie gemelte Vniver - ſitaͤt Roſtock / als das fuͤrnembſte Kleinod jhrer Lande vnd Fuͤrſtenthumb halten vnd darauff ſehen ſolten / daß die ſelbe jederzeit mit Chriſtlichen rei - nen / gelahrten / bewehrten vnd beruͤhmbten Lehrern der H. Schrifft / der Rechte / der Artzney / als der hoͤchſten dreyen Facultaͤten vnd der Freyen Kuͤnſte / auch in hohen Schulen vblicher Sprachen / zu guter notturfft « beſtellet vnd beſetzet werde / zu Betrachtunge NB. daß die Vniverſitaͤt « gleich einem Pflantzgarten vnd Werckſtaͤtte / darauß beyde Regiment / « Geiſtlich vnd Weltlich / in fuͤrnembſten Staͤnden verſorget vnd beſetzet « werden muͤſſen.

Landgraff Ludwig zu Heſſen der aͤlter hat mit nicht geringermFleiß99Von dem Geiſtlichen Stande. Fleiß nachfolgender geſtalt teſtando diſponiret, vnd Jhr. Fuͤrſtl. Gn. Erben ernſtlich anbefohlen.

Weil die Schulden Seminaria Eccleſiæ ſeynd / fleiſſige Vffſicht zu haben / damit dero Vniverſitaͤt zu Marpurg / wie auch die particular Schulen hin vnd wieder in Staͤtten / ſo einem oder dem andern vnter jhnen zu kommen werden / mit ſolchen Profeſſoren vnd Præceptoren die der wahren Religion / dero in Gottes Wort / den Prophetiſchen vnnd A - poſtoliſchen Schrifften gegruͤndeten in Anno 1530. Weyland Kayſer Carln zu Augſpurg vbergebenen Confeſſion, vnnd dero Apologi ver - wand vnd zugethan / vnnd keiner wiedrigen oder jrrigen Lehr anhengig ſeyn / beſtellet werden / damit es nicht etwa dem gemeinen Sprichwort nachgehe Morbida facta pecus totum corrumpit ovile. Mit nicht ge - ringerem Eyffer hat Weyland Landgraff Ludwig zu Heſſender Juͤngere / Darmſtaͤttiſcher Lini / mein geweſener in Gott ruhender hochlobſeliger gnaͤdiger vnd guͤtiger Herꝛ / Seiner Fuͤrſtl. Gn. im Regiment ſuccedi - rendem Herꝛn Sohn vnd Erben / die Verſorg-Vffſicht vnnd Foͤrderun - ge obgedachter Vniverſitaͤt Marpurg vnd anderer particular Schulen / vnd Pædagogien aufferleget vnd ſanctè fidei committirt.

Dieſes habe ich deßwegen auß verſchiedenen Fuͤrſtl. Teſtamentis angezogen / weil es ein Chriſtlich / hochnutzlich vnnd noͤtig Gottes reichen Segen bringendes Werck iſt / wann Schulen vnnd Vniverſitaͤten ge - ſtifftet / dotiret vnd in guter diſciplin vnd Ordnunge bey reiner Religion vnd lehr vnterhalten werden / vnd ſeind die angezogene Exempla ver - ſchiedener hochloͤblicher Fuͤrſten relatione & imitatione digniſſima.

Es iſt wol gewiß daß man der wahren Kirche an Erhalt vnd Fort - pflantzunge der reinen ſeligmachenden Lehre deß H. Evangelij / keinen groͤſſern Schaden vnd Hinderunge thun kan / als wann man die Schu - len als Seminaria vnd Ephebia derſelben abſchaffet / oder darin eine an - dere Religion vnd Lehre einfuͤhret.

Der Pater Leimermannus, Weyland Kayſers Ferdinandi II. hoͤchſt ſeligſter Gedaͤchtnuß / geweſener Beichtvatter / referiret es in de - ſcriptione vitæ Jhrer Kayſerl. Mayeſt. vnter dero vornembſte Lobwuͤr - digſte Thaten / daß ſie nicht allein viel Schulen / Gymnaſia, vnd Acade - mias geſtifftet / ſondern mit nicht geringerm Eyffer der Lutheraner vnnd Vncatholiſchen Schulen deſtruiret vnd abgeſchaffet / damit die Jugend in ſolcher Religion nicht erzogen wuͤrde / vnnd zu ſolchem Ende das be - ruͤhmbte auß der gemeinen Landſchafft Seckel vnterhaltenes Gymna - ſium zu Graͤtze / in ein heiliges Jungfrawen Clariſſen Cloſter verwan - delt / daſelbſt dero Fraw Mutter Coͤrper vnd Jhrer Kayſerl. May. HertzN ijbegraben100Das erſte Buch /begraben waͤren / vnd wie dieſes Conſilium von deß Herꝛn Patris Leimer - manni Societaͤt vnd jhren Weltweiſen Anſchlaͤgen herkommen / alſo hat(1.) Verba Patris Lei - mermanni ita habent in vit. Fer - dinand. 2. lib. 2. c. 27. Quoſtu - dio provi - dit, ne Gymnaſia adoleſcen - tibus, aut adoleſcentes Gymnaſiis deeſſent, ad ſanæ doctrinæ veræq́ue Religionis incremen - tum: eodem egit, ut Acatholicis Scholæ deeſſent, in quibus Hæreſin edocerentur. Aliquot fal - ſæ doct inæ Gymnaſia evertit: aliquot in meliorem uſum commutavit. Celeberrimum Gym - naſium ex communi Provinciæ ærario, ab Acatholicis Græciæ excitatum, in Monaſterium ver - tit, in quo integerrimæ virgines, piis S. Claræ inſtitutis inſiſtunt in eo & Matris corpus & Ferdi - nandi Cor ſepulta conquieſcunt. er nicht voruͤber gekont / es ſo hoch zu ruͤhmen. (1.) Worauß dann dieſes pro Morali zu faſſen / wann man eine Kirche vnnd Religion deſtruiren verfolgen vnnd mit der Wurtzel außreuten will / muͤſte man von den Schulen als den Seminariis anfangen / hingegen wann man eine Reli - gion erweitern / hin vnd wieder propagiren vnnd außbreiten will / muß man darzu die Schulen / als nutzbare erbawliche Pflantzgaͤrtlein wol be - ſtellen vnd die Jugend darzu informiren vnd erziehen. Dieſes ſtuͤcklein hat gemelter Pater leimermannus in der vorgangenen Reformation beneben andern ſeines Ordens geſellen / zu ſeiner boͤſen Intention ſtatlich zu practiciren gewuſt.

AXIOMA LI. Zu der Kirchen-Ordnunge gehoͤhret auch die Vffſicht der Begraͤbnuſſen / daß dieſelbe ſonderlich der Heiligen Gottes ehrlich gehalten vnd be - wahret werden.

DEmnach vnſere erſte Eltern von Gottes Gebott abgewichen vnd dardurch ſampt allen jhren Nachkommen dem Todt / wel - cher iſt der Suͤnden Sold vnterworffen / hat jhnen GOtt der Herꝛ ferꝛner angezeiget / daß ſie wider zur Erden / darvon ſie ge - nommen / werden ſolten. Geneſ. c. 3. v. 19. gleichwol nicht auff ſolche wei - ſe / daß jhre Leibe ewig in der Erde ſeyn vnd bleiben werden / ſondern dero geſtalt daß dieſelbe / alles ein Depoſitum oder vertrawtes thewres Gut vnd Pfand / der Erde gleichſamb zu trewen Haͤnden geſtellet / welches Gott am Juͤngſten Tage wider abforderen / mit Adern / Haut vnd Beine wider zuſammen fuͤgen / mit der Seele vereinigen / Odem vnd Leben ge - ben Ezechiel. c. 37. v. 6. & ſeqq. vnd der ewigen vnverweßlichen Frewdevnd101Von dem Geiſtlichen Stande. vnd Herꝛligkeit mit theilhafftig machen wolle / wie Hiob bezeuget c. 19. v. 25. So ſeind auch der Menſchen verblichene Leiber / darumb ehrlich zu - beſtatten / weil ſie ſind geweſen ein Behauſunge der edlen vnnd vnſterli - chen Seelen Matth. cap. 10. v. 28. Luc. 12. v. 5. Ja der Heiligen Leiber ein Tempel deß H. Geiſtes worden. 1. Cot inth. 3. v. 17. c. 6. v. 19. 2. Corinth. 6. v. 16. Derowegen dann die Heiligen Gottes altes vnnd newen Teſta - ments jhre Todten ehrlich zur Erden beſtattet / auch wol geſalbet / ver - huͤllet / vnd die Todtengraͤber ehrlich vnd ſauber gehalten / vnnd ſolches vmb der ohngezweiffelten Hoffnunge der Aufferſtehung von den Todten. Ja es ſeind auch etzliche Heyden / welches nicht wenig zuverwundern in der Mynunge geweſen / daß nicht allein der Todten Leiber darumb ehrlich zur Erden zubringen weil ſie oarauß jhren Vrſprung gehabt / ſondern ob reviviſcendi ſpẽ wegẽ Hoffnunge der Aufferſtehũge / welches Democritus gelehret habẽ ſol teſte Plin. lib. 7. c. 35. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 19. n. 2. Als dẽ Abraham ſeine Liebe Sara ſtarb / hat er als ein Frembdling zu Berſaba die Kinder Heth angeſprochen vnd ſie erſuchet / jhme ein Erbbegraͤbnuſ - ſe fuͤr ſeinen Todten vmb Geld zu vberlaſſen / die jhme geantwortet / er ſol - te als ein Fuͤrſt Gottes / in jhren ehrlichſten Graͤbern ſeinen Todten be - graben / welches aber Abraham nicht beliebet / ſondern den Acker zu Ephron / da die zwey fache Hoͤle geſtanden vmb vierhundert Seckel Sil - bers erkaufft / ſeine Seram dahin erheblich begraben / vnd von den Kin - dern Heth daſelbſten ſein Erbbegraͤbnuß beſtaͤttigen laſſen. Geneſ. c. 23.

Wie dem Jacob ſeine Rahel auff der Reiſe in Kindesnoͤthen blie - be / hat er ſie ehrlich begraben / an den Wege gen Ephrath / ſo nun Bethle - hem heiſt. Gen. c. 35. v. 19.

Als Jacob auch vermerckte / daß er den Lauff ſeiner Tage vollendte vnd er den Weg alles Fleiſches gehen wuͤrde / hat er vnter andern in ſei - nem Teſtament deponiret, vnd ſeinen Soͤhnen befohlen / gebotten vnnd geſagt: Jch werde verſamblet zu meinem Volck / begrabet mich bey meine Vaͤtter in der Hoͤle auff dem Acker Ephron deß Hethiters in der zweyfa - chen Hoͤle / die gegen Mamre lieget. Gen. c. 49. v. 29. & ſeqq. geſtalt dann Joſeph vnd ſeine Bruͤder / nach deme ſie den hinterlaſſenen Coͤrper jhres Vatters balſamieren vnnd ſalben laſſen / auß Egypten in das Land Canaan mit groſſem anſehentlichen Comitat gebracht / vnd in gedachter zwiefachen Hoͤle als ſeinem Erbbegraͤbnuß beygeſetzet. Gen. c. 50. deß - gleichen verließ Joſeph mit ſeinen Bruͤdern / nahm auch daruͤber einen Eyd von Jſrael / daß wann ſie Gott in Egypten wuͤrde heimbſuchen daß ſie ſeine Gebeine mit von dannen fuͤhren ſolten. Gen. c. 50. v. 24. wel - ches Moſes alſo inacht genommen. Exod. c. 13. v. 19. vnnd dieſelbe herna -N iijcher102Das erſte Buch /cher von den Kindern Jſrael zu Sichem auff dem ſtuͤcke Feldes das Ja - cob gekaufft von den Kindern Hemor deß Vatters Sichem vmb hun - dert Groſchen / nach deß Joſuæ abſterben begraben worden. Joſuæ c. 24. v. 32. Deß Moſis Todtengraͤber iſt Gott der Herꝛ ſelber worden / vnd jhn begraben im Thal / im Lande der Moabiter gegen dem Hauſe Peor. Deu - ter. c. 34. v. 6. Joſua iſt begraben in der Graͤntze ſeines Erbtheils. Joſ. c. ult. v. 30. vnter andern Vrſachen die der Alte / ſeinem Koͤnig getrewer Barſillai anzohe / warumb es jhme beſchwerlich dem Koͤniglichem Hoffe zufolgen / war auch dieſe / daß er vmbkehren vnd gern bey ſeines Vatters vnd ſeiner Mutter Grabe ſterben wolte 2. Sam. c. 19. v. 37.

Wie der gottſelige Koͤnig Joſias den Baalitiſchen von Jerobeam zu Bethel angerichteten vnd von ſeinen Nachkom̃en fortgeſetzeten Goͤtzen - dienſt auß fegete / die Altar zerbrechen / auch die Gebeine der Abgoͤttiſchen Baaliſten auß den Graͤbern hohlen vnd ſampt den Altaren verbrennen ließ / darbey aber jhme ein Grab deß Manns Gottes der ſolches vorhin dem Jerobeam verkündiget 1. Reg. c. 13. 30. gezeiget ward / ſprach er: laſſet jhn liegen / niemand bewege ſeine Gebeine. 2. Reg. c. 23. v. 16. & ſeqq.

Der Junge Tobias hat ſeinen alten Vatter ehrlich begraben zu Ninive im Buch Tob. c. 14. v. 2. Als der heilige Stephanus von den verblendeten heilloſen Juden geſteiniget worden / haben ſich Gottsfuͤrch - tige Maͤnner gefunden / die ſeinen verblichenen Leichnamb beſchicket vnd zur Erden beſtattet / in den Geſchichten der Apoſt. c. 8. v. 2.

Von den Gottloſen meldet aber die Schrifft / daß zur Zeit deß Zorns vnd Heimſuchung Gottes / man werde die Gebeine der Koͤnige Juda / die Gebeine jhrer Fuͤrſten / die Gebeine der Prieſter / die Gebeine der Propheten (verſtehe der Gottloſen) die Gebeine der Buͤrger zu Je - ruſalem auß jhren Graͤbern werffen. Jerem. c. 8. v. 1. Ja deren theils ſol - len weder beklaget oder begraben / ja ſollen Miſt werden auff dem Lande vnd jhre Leichnam ſollen der Voͤgel deß Himmels vnd der Thier auff Er - den Speiſe ſeyn. Jerem. c. 16. Solche Straffe ließ Gott dem Abgoͤttiſchẽ Koͤnig Jerobeam durch den Propheten Ahia ankuͤndigen / daß wer von Jerobeam in der Statt ſtuͤrbe / den ſolten die Hunde freſſen / wer aber auff dem Felde ſtuͤrbe den ſolten die Voͤgel deß Himmels freſſen / ſo gar daß keiner auß ſeinen Nachkommen zu Grabe kommen als allein ſein Sohn Abia / darumb daß etwas gutes an jhm funden fuͤr dem Herren im 1. Buch der Koͤn. c. 14. v. 11. 17. deßgleichen ward auch dem Achab vnd ſei - nem Weibe Jeſebel verkuͤndiget. 1. Reg. c. 21. v. 19. & ſeqq. welches auch alſo erfuͤllet. 2. Reg. 9. v. 33. der Gottloſe Koͤnig Joram ſtarb eines ab - ſchewlichen boͤſen Todtes / ward auch nicht gewuͤrdiget ſeiner Vaͤtter vndKoͤnigli -103Von dem Geiſtlichen Stande. Koͤniglicher Begraͤbnuß. 2. Chron. c. 21. v. 19. & ſeqq. Von dem Koͤ - nig Jojakim weiſſaget der Prophet Jeremias / daß er ſoll wie ein Eſel be - graben / zuſchleifft vnd hinauß vor die Thor Jeruſalem geworffen wer - den. Jerem. c. 22. v. 18. & ſeqq.

Der Rebelliſche vnd vngehorſame Abſolon / ward nicht in ſein Grab gebracht / ſondern zu ſeiner ewigen Schmach mit einem groſſen Steinhauffen bedecket im 2. Buch Samuel. c. 18. v. 17. Von dem Ab - truͤnnigen Jaſon der Juden Verfolgern meldet die Hiſtoria / daß wie er viel vnbegraben hingeworffen / alſo ſeye er auch hingeſtorben daß nie - mand vmb jhn Leyd getragen / vnd habe in der Frembde auch kein Grab haben moͤgen im 2. Buch der Machab. c. 5. v. 10. Der Gottloſen Gedaͤcht - nuß will Gott außrotten von der Erden Pſalm. 34. v. 17. Gleichwol auch heilige vnd Gottſelige Leuthe auff dem Meer / in gerechten Kriegen / oder durch Tyranney / Mord vnd andere Zufaͤlle nach Gottes Vaͤtterlichem Willen vnnd Verhaͤngnuß vmbkommen vnnd nicht gewoͤhnlich zum Grabe gebracht werden / iſt ſolches bey denſelben keine Straffe / ſondern ſeind vnd bleiben jhre Leiber in Gottes Hut vnd Wacht / der alle jhre Ge - beine verwahret vnd erhelt.

Aber die Graͤber der Heiligen werden einem Riche vnnd Schlaff - kaͤmmerlein vergliechen / darin ſich dieſelbe auff ein klein Augenblick ver - bergen / Eſaiæ c. 26. v. 20. Darauff hat ohne zweiffel der Reiche from - me Joſeph von Arimathia ſein abſehen gehabt / als er ſich ein ehrlich Be - graͤbnuß in einem Felſen hawenlaſſen / darin er hernacher den vom Creutz abgenommenen Leichnam Chriſti geleget. Matth. c. 27. v. 59. Lazari(1.) Caro quæ fuit ſocia Cru - cis, erit et - iam ſocia gloriæ. Gregor. Barlæus in Poemati - bus. Cum nihil ipſe forem fecit tua dextra quod eſ - ſem: Colli - get hac ar - tus poſt mea fata meos. Leichnam war auch mit Grab-vnd Schweißtuͤchern bekleidet / vnnd ver - huͤllet vnd mit einem Stein verwahret. Johan c. 11. v. 41. & ſeqq. Die Leiber der Heiligen ſeind der Erde als ein zu getrewen Handen deponir - tes, ſequeſtrirtes oder vertrawtes Gut / darin der Herꝛ Chriſtus / ja die gantze hochgelobte Dreyfaltigkeit gewohnet / bey geſetzet / die ſolches am lieben Jüngſten Tage / wann die groſſe Poſaune Chriſti intoniren wird / wieder hervor bringen vnd außlieffern muß (1.) welches der Chriſtliche Poet prudentius in ſeinen Geiſtreichen Hymno ſehr troͤſtlich vnnd wol Gottes Wort gemeeß gegeben / hat / wann er die Erde alſo anredet.

Nunc ſuſcipe terra fovendum
Gremioq́ue hunc concipe molli
Hominis tibi membra ſequeſtro
Generoſa & fragmina trado.
Animæ fuit hæc domus olim
Factoris ab ore creatæ
Fervens104Das erſte Buch /
Fervens habit avit in iſtis
Sapientia Principe Chriſto,
Tu Depoſitum tege Corpus
Non immemor ille requiret
Sua munera fictor & auctor
Propriiq́ue ænigmata vultus.
Veniant modo tempora juſta
Cum ſpem Deus impleat omnem
Reddas patefacta neceſſe eſt
Qualem tibi trado figuram.
Hinc maxima cura ſepulchris
Impenditur, hinc reſolutos
Honor ultimus accipit artus
Et funeris ambitus ornat.
Candore nitentia claro
Prætendere lintea mos eſt
Aſperſaq́ue myrrha ſabæo
Corpus medicamine ſervat.
Nam quod requieſcere corpus
Vaccum ſine mente videmus
Spatium breve reſtat ut alti,
Repetant collegia ſenſus.
Venient citò ſecula cum jam
Socius cator oſſa reviſet
Animataq́ue ſanguine vivo
Habitacula priſtina geſtet.
Quæ pigra cadavera pridem
Tumulis putrefacta jacebant
Volucres rapientur in auras
Animas comitata priores.
Sic corpora mortificata
Redeunt melioribus annis
Nec poſt obitum recaleſcens
Compago fatiſcere novit.
Sic ſemina ſicca vireſcunt
Iam mortua jamq́ue ſepulta
Quæ reddita ceſpite ab imo
Veteres meditantur ariſtas.
Non ſi carioſa vetuſtas
Diſſol -105Von dem Geiſtlichen Stande.
Diſſolverit oſſa favillis
Fuetitque ciniſculus arens
Minimi menſura pugilli.
Necſi vaga flumina & auræ
Vacuum per inane volantes
Tulerint cum pulvere nervos
Hominem periiſſe licebit.

Dahin ziehlet S. Paulus als er an ſeine Corinther ſchreibet; Es wird geſaͤet verweßlich / vnd wird aufferſtehen vn verweßlich / es wird geſaͤet in Vnehre vnd wird aufferſtehen in Herꝛligkeit / es wird geſaͤet ein natuͤrli - cher Leib vnd wird aufferſtehen ein Geiſtlicher Leib. 1. ad Corinth. Cap. 15. Ja es muͤſſen vnſere nichtige Leiber aͤnlich werden dem glorificirtem vnd verklaͤrtem Leibe Chriſti / an die Philipp. Cap. 3. v. ult. Der alte Tobias wird in der Schrifft deß wegen geruͤhmet / daß er die von dem Tyrannen Senn aherib Erſchlagene vnd andere Todten begraben. Tob. Ca. 1. v. 20. Ja als er einmahl ein herꝛlich Mahl angerichtet / vnd er erfahren / daß ein Todter auff der Gaſſen gelegen / iſt er von ſeinen Gaͤſten vom Tiſch auff - geſtanden / den Todten in ſein Hauß gebracht / vnd die Nacht in der Stille begraben vnd betrawret / Tob. Cap. 2. Das heiſt wie Syrach ſaget / an den Todten ſeine Wolthat beweiſen / Cap. 7. v. 37. welches durch Chriſtliche vnd ehrliche Beſtattung zur Erden geſchiehet / darvon Prudentius in ob - angeregtem Hymno ſehr fein ſchreibet.

Sancti ſator ille Tobiæ
Sacer acvenerabilis Heros
Dapibus jam ritè paratis
Jus prætulit exequiarum.
Jam ſtantibus ille miniſtris
Cyathos & fercula liquit
Studio q́ue accinctus humandi.
Fleta dedit oſſa ſepulchro.

Es erfordert auch die Leuthſeeligkeit / der Natur vnd aller vernuͤnff - tigen Voͤlcker Rechte vnd Sitten / daß man nicht allein der Freunde ſondern auch der offentlichen Feinde Todten Coͤrper / wann ſie in Schlachten vnd Scharmuͤtzeln vmbkommen / vnter die Erde bringe / dar - von Groti. de jur. Bell. lib. 2. Cap. 19. weitleufftig ſchreibet / vnd ſonderlich §. 2. annotiret, quod officium ſepeliendinon tam homini, quam Huma - nitati, id eſt, Naturæ humanæ præſtari debeat. Denen aber die ſelber Hand an ſich legen / iſt ſo wol von Alters bey den Juden als der Chriſten eine ehrliche Begraͤbnuß verweigert / weil man denen ſo den gewaltſamenOTodt106Das erſte Buch /Todt fuͤr keine Straffe achten / keine andere Straffe anthun kan / wie wol ſie doch in die Erde gehoͤren.

Hie moͤchte aber einer ſagen / was hat man ſich viel vmb den Leib zu(2) Para - diſus ſive Eden verè fuit hortus delitiarum & volu - ptatis, ho - mini cum poſteritate deſtinatus, qui non anguſtus hortus ali - quot mili - arium ſpa - tio circũ - ſcriptus, ſed potior & melior pars terræ fuit. Et ego in quit Luther. judico hunc hortum manſiſſe uſque ad diluvium, & fuiſſe munitum à Deo ſicut Moſes dicit cuſtodia Angeli qui cum gladio flammeo cuſtodivit illum, ita ut notus fuerit poſteris Adæ, ſed tamen inacceſſibilis, donec per diluvium poſtea diſſipatus; quia diluvium omnia vaſtavit, vid. Luther. in Commentar. ad Genes. Cap. 2. fol. 19. 20. & 22. Vivunt omninò Henoch & Elias in Paradiſo, non terreſtri illo ſed cœleſti quem latroni pro - mittebat Chriſtus, Luc. 23. v. 43. Gerhard. Aphoriſm. 56. Cap. 8. bekuͤmmern / der iſt ein Madenſack vnd muß zur Erde werden / wann nu - rent die Seele verſorget / vnd wo kompt dieſelbe hin? darauff antwort GOttes Wort alſo: Die Seelen der Gerechten ſind in GOttes Hand / vnd keine Qnaal ruͤhret ſie an / Sapient. Cap. 3. v. 1. Deutern. Cap. 33. v. 3. vnd der Geiſt fehret ſo bald zu dem der jhn gegeben hat / da er ewig bleibet. Eccleſ. Cap. 12. Deß Lazari Seele / ward ſo bald durch die heylige Engel getragen in Abrahams Schoß / Luc. Cap. 16. der glaubige Schaͤcher am Creutz der ſein Lebtage ein boͤſer Bube vnd Moͤrder geweſen / wandte ſich kurtz fuͤr ſeinem Todte durch die Gnade deß H. Geiſtes in wahrer Rewe vnd Glauben zu dem Herꝛn Chriſto / erlangete ſo bald die Zuſage / daß er noch ſelbigen Tag mit Chriſto im Paradieß in ſeines Vatters Reich ſeyn ſolte. Luc. Cap. 23. Nicht zwar in dem irꝛdiſchen von GOtt anfangs erſchaffenen Paradieß / welcher in der Suͤndfluth da alles vberſchwem - met / auch mit zerſtoͤhret / ſondern in den Himmliſchen Paradieß der ewi - gen Frewd vnd Herꝛligkeit. (2)

Wir wiſſen ſpricht S. Paulus / ſo vnſer irꝛdiſch Hauß dieſer Hütten / (das iſt vnſer irꝛdiſcher Leib / welcher einer bawfaͤlligen Huͤtten gleich iſt /) zerbrochen wird (nemblich wann die Seele vom leibe / darin ſie wohnet geſchieden wird) daß wir einen Baw haben von GOtt erba - wet / ein Hauß nicht mit Haͤnden gemachet / das ewig iſt im Himmel / 2. an die Corinth. Cap. 5. v. 1.

Die Stimme vom Himmel ſprach zu Johanne: Schreibe / ſeelig ſeynd die Todten die in dem HErꝛn ſterben / von nun an / das iſt / wie im Lateiniſchen es Arethas Cæſarienſis gegeben. Amodò beatimortui, &c. oder alſo bald in dem Nun vnd Augenblick / wann ſie im HErꝛn verſtor - ben / im Buch der Offenbahrung S. Johannis Cap. 14. v. 13. Sie ſeynd bey dem HErꝛn Chriſto in der 2. Epiſt. an die Corinther. Cap. 5. v. 8. Seynd nun die Seelen der Rechtglaͤubigen in GOttes Hand / in Abra - hams deß Vatters aller Glaͤubigen Schoß / im Paradiß vnd bey Chriſto /in ſeines107Von dem Geiſtlichen Stande. in ſeines Vatters Reich / gleich nach jhrem Todt; ſeynd ſie ſeelig vnd von aller Sorge vnd Quaal frey / wollan ſo ſeynd ſie wol / vnd genieſen mit der ewigen Frewd vnd Herꝛlichkeit / vnd weiß die Schrifft von kei - nem andern Ort der Seelen der Gerechten mehr / welches abermahls Prudentius in mehr gedachtem ſeinem Hymno exequiali, fein ge - geben /

Sed dum reſolubile corpus
Revocas Deus atque reformas,
Quanam Regione jubebis
Animam requieſcere puram?
Gremio ſenis abdita Sancti, (Abrahami)
Recubabit ut illa Lazari
Quem floribus undique ſeptum
Dives procul aſpicit ardens.
Sequimur tua dicta Redemptor,
Quibus atra è morte triumphans
Tua per veſtigia mandas
Socium crucis ire latronem
Patet ecce fidelibus ampli
Via lucida jam Paradiſi
Licet & nemus illud adire
Homini quod ademerat anguis.
Illic precor optime ductor
Famulam tibi præcipe mentem
Genitali in ſede ſacrari
Quam liquerat exul & errans
Nos tecta fovebimus oſſa
Violis & fronde frequenti
Titulumq́; & frigida ſaxa
Liquido ſpargemus odore.
O 2AXIO -108Das erſte Buch /

AXIOMA LII. Die Verſtorbene ſol man nicht allein ehrlich zur Er - den beſtatten / ſondern auch betrawren vnd beweinen / bevorab wann es wol verdiente Gottſeelige vnd tapffere Leuthe geweſen.

DEr weiſe Mann Syrach lehret. Cap. 38. v. 16. Mein Kind / wann einer ſtirbet / ſo beweine jhn vnd klage jhn / als ſey dir groß Leyd geſchehen / vnd verhuͤlle ſeinen Leib gebuͤhrlich / vnd beſtatte jhn ehrlich zu Grabe. Du ſolt bitterlich weinen / vnd hertzlich betruͤbet ſeyn / vnd Leyd tragen / darnach er geweſen. Dann der Todt ſeiner Heyligen iſt werth gehalten für dem HErꝛen / Pſalm. 116. v. 15. vnd das Gedaͤchtnuß der Gerechten bleibet im Seegen / Proverb. Salom. Cap. 10. v. 7.

Als dem guten Abraham in ſeinem Abweſen ſeine liebſte Sara / zu Hebron / in der Haupt-Stadt deß Landes Canaan / nach dem ſie 127. Jahr alt worden Todts verblichen / iſt er heimb kommen / hat ſie beklaget vnd beweinet. Gen. Cap. 23. Nach deme Jacob ſeinen letzten vnd liebſten Willen ſeinen Soͤhnen vermeldet / ſein Hauß beſchicket / vnd darauff ſeinen Geiſt auff gegeben hatte / meldet die Schrifft / daß nicht allein Jo - ſeph bey ſolchem toͤdtlichen Hintrit auff ſeines Vatters Angeſicht gefal - len vnd vber jhm geweinet / ſondern er neben ſeinen andern Bruͤdern vnd Angehoͤrigen bey der angeſtelten Volckreichen leich-Proceſſion an der Tennen Atad eine ſehr groſſe vnnd bittere Klage vber jhren verſtorbenen Vatter gefuͤhret / vnd ſieben Tage Leydt getragen / daß ſich auch die Ein - wohner deß Orts daruͤber verwundert / vnd den Ort einen Klagort ge - nant. Geneſ. Cap. 49. in fin. & Cap. 50. v. 9. & ſeqq. Als die Kinder Jſrael ſahen daß jhr Hoherprieſter Aaron dahin war / haben ſie jhn be - weinet dreyſſig Tage das gantze Jſrael / Num. Cap. 20. v. 29. Deß gleichen haben ſie den Moſem im Gefilde der Moabiter beweinet dreyſſig Tage / biß die Tage deß klagens vnd weinens vollendet / Deutern. c. ult. v. 8. Wie Samuel die Schuld der Natur durch einen ſeeligen ſanfften Abſcheydtbezahlet /109Von dem Geiſtlichen Stande. bezahlet / hat ſich das gantze Jſrael verſamblet / haben Leydt vmb jhn ge - tragen vnd jhn begraben in ſeinem Haufe zu Rama. 1. Samuel. Cap. 25. verſ. 1. & Cap. 28. verſ. 3. Ob wol Saul ein Gottloſer Koͤnig war / dan - noch haben die zu Jabes in Gilead / ſein vnd ſeiner Soͤhne hinterlaſſene Leichnam den Philiſtern abgejaget / jhre Gebein begraben vnter dem Baum zu Jabes / jhn betrawret vnd ſieben Tage gefaſtet. 1. Samuel. c. ult. in fin. Ja David hat ſelber ein ſchoͤn Klaglied gemacht / vnd damit ſeine Condolentz / ob wol Saul ſein Feind vnd Verfolger war / conte - ſtiret: Jhr Berge zu Gilboa / es muͤſſe weder thawen noch regnen vff euch / noch Acker ſeyn da Hebopffer von kommen: Denn daſelbſt iſt den Helden jhr Schild abgeſchlagen / der Schild Saul als waͤre er nicht geſalbet mit Oele.

Der Bogen Jonathan hat nie gefehlet / vnd das Schwerdt Saul iſt nie leer wider kommen von dem Blut der Erſchlagenen / vnd von dem Fett der Helden. Saul vnd Jonathan holdſeelig vnd lieblich an jhrem Leben. Jhr Toͤchter Jſrael weinet vber Saul / ꝛc. 2. Samuel. Cap. 1. v. 21. & ſeq. & Cap. 2. v. 5. Vmb die Heldin Judith / die dem Holoferni den Kopff abgeriſſen vnd das betrangte Jſrael von der Hand dieſes grawſa - men Tyrannen erloͤſet / hat das Volck ſieben Tage getrawret / im Buch Judith / Cap. 16. v. 29.

Als Judas der Macchabeer Heldt in der Schlacht bliebe / hat alles Volck Jſrael vmb jhn getrawret lange Zeit / jhn ſehr beklaget vnd ge - ſprochen: Ach daß der Held vmbkoͤmmen iſt der Jſrael geſchützet vnnd erꝛettet hat / im 1. Buch der Macchab. Cap. 9. v. 20. Deßgleichen beklagte das Judiſche Volck lange Zeit jhren tapfferen Feldthauptmann / den Jonathan im ſelbigen Buch Cap. 13. v. 26. Ein ſonderbahres war es / daß der Prophet Ezechiel ſein ploͤtzlich von GOtt abgefordertes Weib / nicht offentlich betrawren / beweinen vnnd einen Todte klag fuͤhren / ſon - dern nurent heimblich ſeufftzen durffte / Ezech. Cap. 24. verſ. 16. & ſeqq. Vber deß Lazari Todt haben nicht allein ſeine Schweſtern vnnd andere Juͤden / die bey jhnen geweſen / geweinet / ſondern es ſeynd auch dem HErrn Chriſto ſelber die Augen vbergangen. Joh. Cap. 11. v. 33. & ſeq. Von dem heyligen Stephano melden die Geſchichte der Apoſtel / daß Gottesfürchtige fromme Leuthe zu Jeruſalem eine groſſe Klage / vber ſeinen Todt gefuͤhret / Cap. 8. v. 2.

Als Jonathas / der Macchabeer Feldt-Hauptmann / ſampt ſeinen beyden zu Geiſel gegebenen Soͤhnen / von dem Tryphon trewloſer Weiſe maſſacriret / erwuͤrget vnd bey Baſchama begraben wurden / ſchickete ſein Bruder Simon hernacher hin / ließ die Leichen abholen vnnd einO iijſtattlich110Das erſte Buch /ſtattlich Epitaphium oder hohes Grab von gehawenen Steinen machen / ſeinem Vatter vnd ſeinen Bruͤdern / vnd ließ darauff ſetzen ſieben Seu - len / eine neben der ander / auch groſſe Pfeiler vmbher bawen / daran er jhren Harniſch haͤnget / zum ewigen Gedaͤchtnuß / vnd vber den Harniſch gehawene Schiffe / die man auff dem Meer ſehen koͤnte / welches Grab zu Modin lang geſtanden / im 1. Buch der Macchab. Ca. 13. v. 27.

Deß HErrn Chriſti am Creutz verblichener Leichnam / ward in rein leinwand gewickelt / in ein new im Felß gehawenes Grab beyge - ſetzet / Matth. Cap. 27. v. 60. Ob dann wol die Verordnung mit denVivit poſt funera vir - tus. Monumentis ein guter Wolſtandt iſt / ſo muß man gleichwol darauff nicht zu hoch achten / ſondern viel mehr auff deß Verſtorbenen Gottſeelig - keit / Tugent vnd Erbarkeit / welche das allerbeſte vnd beſtaͤndigſte Grab - Mahl vnnd Begraͤbnuß iſt ſehen / Pulcherrima ſepultura, Pietas & Virtus, Baſil. vnd hat Petrarcha recht geſaget: Virtutem cole dum vivis; Famam invenies in ſepulchro, das iſt / befleiſſige dich der Tugendt weil du lebeſt / ſo wirſt du ein gut Geruͤcht vnd Namen im Grabe finden. Ob erwehnte Epitaphia vnd Grab. Mahlen / ſeynd lengſt zergangen / zerfal - len / aber der gute Name / Tugent vnd Gottſeeligkeit deren welchen ſie ge - ſetzet / iſt vnd bleibet fort vnd fort.

AXIOMA LIII. Daß man die Todte-Graͤber / mit feinen Epita - phiis, Monumentis Grabmahlen vnnd Grab - Schrifften honoriret vnnd ziehret / iſt GOttes Wort nicht zuwider / vnd deutet auch auff die Hoffnung der ohnfehlbahren Auffer - ſtehung von den Todten.

DEr Ertzvatter Jacob hat ſeine liebe Rahel / wie ſie deß Benia - mins geneſen / vnd daruͤber das Leben einbuͤſen / muͤſſen an dem Wege gen Ephrat nicht allein ehrlich begraben / ſondern jhr zu Ehren vnd gewiſſer Hoffnung der Aufferſtehung / ein Epitaphlũoder111Von dem Geiſtlichen Stande. oder Grabmahl daſelbſten auffrichten laſſen. Gen. Cap. 35. verſ. 20. Der Prophet Jeremias gedencket auch der Grab-Zeichen vnd Trawer - mahl / Cap. 31. v. 21. Deß Lazari Grab iſt auch mit einem Monumento oder Grab-Stein verſehen geweſen / wie der HErr Chriſtus darzu kommen / Johann. Capit. 11. verſ. 41. & ſeqq. Jſt auch ſonſten ein alter Chriſtlicher Gebrauch / darvon Prudentius in offtgedachtem ſeinem Hymno Exequiali ſetzet.

Quidnam ſibi ſaxa cavata
Quid pulchra volunt monumenta
Res quod niſi creditur illis
Non mortua ſed data ſomno.
Hoc provida Chriſticolarum,
Pietas ſtudet, utpote credens,
Fore protinus omnia viva,
Quæ nunc gelidus ſopor urget.
Qui jacta cadavera paſſim
Miſerans tegit aggere terræ,
Opus exhibet ille benignum
Chriſto pius omnipotenti
Quin lex ea dem manet omnes
Gemitum dare ſorte ſub una
Connata que funera nobis
Aliena in morte dolere.

Die Heyden haben auch zwar ſtattliche Monumenta vnnd Urnas jhren Verſtorbenen bereitet / aber ſolches ins gemein ohne Hoffnung der Aufferſtehung / vnd bloß zur irꝛdiſcher vergaͤnglichen Gedaͤchtnuß. Vnter den Heydniſchen Grabmahlen vnd Epitaphiis iſt wol das koſtbarſte vnd denckwuͤrdigſte geweſen / welches die Koͤnigin Artemiſia deß Landes Cariæ / jhrem verſtorbenen Herꝛn vnd Gemahl Mauſolo zum Gedaͤcht - nuß auffrichten laſſen welches 25. Ehlen hoch / vnd mit 26. herꝛlichen hohen Seulen vmbfangen geweſen / Mauſoleum genant / vnd wegen der ſonderbahren Kunſt vnd Koſtbarkeit vnter die ſieben Mira - cula oder Wunder der Welt gerechnet worden / Vid. Munſt. in Coſmogr. lib. 7. Ca. 7.

AXIO -112Das erſte Buch /

AXIOMA LIV. Von verſtorbener Mit-Chriſten Seeligkeit ſol man nicht vorwitzig oder vbel vrtheilen.

ES iſt ein alt Sprichtwort: De mortuis & abſentibus nil niſi bonum. Von den Verſtorbenen vnd Abweſenden ſol man nichts boͤſes ſagen / ſonderlich von eines verſtorbenen Chriſten Heyl vnd Seeligkeit. Denn dieſelbe dem Allwiſſendem Hertzen kuͤndiger / der nicht auff das euſſerliche ſiehet / ſondern das Hertz vnd deſſen Abgrund erforſchet vnd pruͤffet vnd ſeine Augen auff den Glauben wendet / allein(1) Oculi Domini reſpiciunt Fidem, Je - rem. cap. 5. v. 3. wiſſend vnd bekant / (1) auch denen / ſo dieſer Welt abgedancket / vnd zur ewigen Ruhe durch Chriſtum gelanget / weder nutzet noch ſchadet / man rede oder thue jhnen nach was man auch wolle.

Es haben die Alten recht geſaget: De propria ſalute judicandum ex Canone Fidei: De proximi verò ſalute, ex Canone Charitatis. Das iſt: Ein Chriſt muß von ſeiner Seeligkeit vnd deren gewiſſen Hoffnung vrtheilen nach der Richtſchnur deß Glaubens: Von ſeines Naͤchſten aber nach der Richtſchnur der Chriſtlichen Liebe. Das erſte hat ſeinen Grund in GOttes Wort / welches bezeuget / daß der Gerechte werde ſeines Glaubens leben / bey dem Propheten Habacuc. Cap. 2. verſ. 4. Rom. Cap. 1. v. 17. vnd werde ein jeglicher fuͤr ſich ſelbſten GOtt Rechen - ſchafft geben. Rom. Cap. 14. v. 12. Jmgleichen das ander; Sintemahl die Liebe nichts Arges gedencket / ſondern ſie glaubet alles ſie hoffet alles / ſie duldet alles. 1. ad Corinth. Cap. 13. v. 8. Sie decket alles zu. Prov. Cap. 10. v. 12. auch der Suͤnde Menge. 1. Petri Ca. 4. v. 8. vnd wer biſt du ſpricht Paulus / daß du einen frembden Knechtrichteſt? Er ſtehet oder faͤlt ſeinem Herꝛn. Rom. Cap. 14. v. 4. welcher wird ans Liecht bringen was im Finſtern verborgen iſt / vnd den Rath der Hertzen offenbahren. 1. ad Corinth. Cap. 4. v. 5.

Sollen derowegen billich von vnſern Mit - Chriſten / die auff Chri - ſtum getauffet / denſelben vor den Heyland der Welt erkant vnd bekant / ſich ſeines Verdienſtes / Leydens vnd Sterbens in jhrer letzten Todtes Stunde getroͤſtet / ob ſie ſchon im Wollſtande jhres Lebens / nicht in allenPuncten113Von dem Geiſtlichen Stande. Puneten der wahren Religion mit vns einig geweſen / oder ſonſten nicht eben das beſt Leben gefuͤhret / dannoch das beſte hoffen / reden / vnd das Vrtheil GOtt dem Richter aller Welt heimbſtellen. Wann Chriſtus am Stamme deß Creutzes ſelber dem bekehrten Schaͤcher das Zeugnuß nicht haͤtte gegeben / daß er ſelbigen Tages mit jhme im Paradieß / in ſei - nes Vatters Reiche ſeyn ſolte / wuͤrde es wol kein Menſch geglaͤubet / oder darvor gehalten haben / daß er als ein bekandter Gottloſer Moͤrder / der vorhin an Chriſtum nicht geglaubet / waͤre ſeelig geſtorben.

Nun koͤnnen nicht alle ſterbende bußfertige Suͤnder derglel - chen gegenwertiges Zeugnuß vor der Welt haben / vnd wiewol der H. Auguſtinus recht ſchreibet / daß er die Bibel vielmals durch durch ver - leſen / aber auſſer dieſem kein Exempel mehr eines Ruchloſen Menſchen / der ein Gottloß Leben gefuͤhret / in ſeinen Letzten aber erſt bekehret / ge - funden.

So iſt doch gewiß / daß die Gnaden Hand deß HErꝛen / dardurch deß Schaͤchers Hertz in ſeinem Letzten geruͤhret / nicht verkuͤrtzet / daß ſie andern in den letzten Zuͤgen begriffenen abgeſchnitten / noch die Gnaden Augen deß gecreutzigſten Chriſti / damit er den Schaͤcher am Creutz an - geſehen / verdecket oder verhuͤllet / daß er ſie nicht eben ſo wol auff anderer derogeſtalt agoniſirender Seufftzen ſchlagen / ſie troͤſtlich anſehen vnd deß Paradieſes verſicheren ſolte. (2) (2) Pœni - tentia ve - ra nunquã ſera, quã - vis pœni - tentia ſera ratò vera.

Die Alten haben pflegen zuſagen / daß vieler Leuthe Namen im Calender geſchrieben ſtehen / welcher Seelen in der Hoͤllen ſeyn. Wide - rumb iſt das auch war / daß viel als Ketzer vnd Vnſeelig von Menſchen verdammet / auch gar hingerichtet / die mit Chriſto in ſeines Vatters Reich leben.

Was nun die in der Religion diſcrepirende anlanget / ſo muß man auch von denſelben / wann ſie durch die H. Tauffe der Chriſtlichen Kirche eingeleibet / damit den HErrn Chriſtum angezogen / vnd in den Bund eines guten Gewiſſens mit GOtt getreten / wie die Schrifft dar - von redet / daneben auch ein Chriſtliches Leben vnnd Wandel gefuͤhret vnd ein gut Ende genommen / ſaͤuberlich der Chriſtlichen Liebe nach / vrtheilen.

Dann ob man ſchon viel diſputirens von der Religion hat / da man eines theils die gute Wercke mit zu der Gerechtmachung eines armen Suͤnders vor GOtt hierbey ziehen / oder die verſtorbene Heyligen zu huͤlff nehmen / andern theils es bloß auff ein Abſolutum Decretum oder Rathſchluß GOttes / ohne Reflexion vnd Abſehen auff den Glauben ſetzen wil / ſo hat es doch bey vielen die Erfahrung gezeuget / daß wannPman104[114]Das erſte Buch /(3) Gerade zu giebet die beſte Ringren - ner. Hat Weyland Marg - graff Al - brecht zu Brande - burg zu ſa - gen pflegẽ dahin auchman auff das Siegbette gerathen / Leib vnnd Seele als die beyde beſte Freunde ſich ſcheyden vnd man mit dem Todt zum Hauptſtreich ſich an - ſchickẽ muͤſſen / daß alles das jenige warlich zu Hew / Stroh Stoppeln / ſo durch das Fewer der Anfechtung verzehret / worden / worauff man ſich auſſer Chriſtum verlaſſen / 1. ad Corinth. Cap. 3. Vnd das gantze Funda - ment der Seeligkeit / vnd das Vertrawen allein auff Chriſtum / deſſen thewren Verdienſt / heylige Wunden Roſinfarbes / vor alle Menſchen vergoſſenes Blut / geſetzet / vnd dardurch deß Todtes Bitterkeit vber - wunden / vnnd mit rechtem Heldenmuth in wahrem Glauben abge - trucket. (3)

nach geſetzter Vers ziehlet: Glorior in ſolo ſanguine Chriſte tuo. Item illud Auguſtini: Inter brachia Salvatoris mei & vivere volo & moti cupio.

Von Weyland dem gewaltigen Keyſer Carl dem V. ſchreibet Jacob. Auguſt. Thuan. in ſeiner Hiſtoria lib. 1. 21. wie derſelbe nach dem er die Reichs-Regierung feinem Bruder Keyſer Ferdinand reſignirt vnd abgetretten / vnd 2. Jahr hernacher auff das Todtbette gerathen / er ſich mit demuͤthigem Hertzen zu GOtt gewandt vnd offters geſprochen /(4) Gerſon in ſermo - ne de aſcẽ - ſione Do - miniita re - fert de S. Bernhar - do, cum jam eſſet moritur, ipſum non conſiſum ſuis armis, dignitate aut ſancti - tate, ſuis operibus& vitâ dutiter peractâ, ſed ſolum ad miſericordiam Dei confugiſſe, & jam agentem animam dixiſſe, O Domine non reperis in me bonum quod remuneres, tempus meum per - didi, quià perditè vixi, pro quo quid agam, non habeo niſi quod cor contritum & humiliatum Deus non deſpicies. er waͤre vnwuͤrdig durch ſeine Wercke vnd Verdienſt das Himmelreich zuerlangen / ſondern das haͤtte ſein HErr Chriſtus vnd Erloͤſer gethan / der / wie er auß dem Bernhardo, (4) welchen er fleiſſig geleſen / behalten / das Reiche GOttes auff zweyerley Recht beſitze / Primò jure Hereditatis proprio, durch Erbrecht / als wahrer GOtt mit dem Vatter vnd H. Geiſt von Ewigkeit. Secundò, Merito paſſionis ſuæ, durch Verdienſt ſeines bittern Leyden vnd Sterbens. Auff die erſte Weiſe behalte Chriſtus jhme den Himmel ſelbſten / auff die andere Weiſe habe er jhme denſelbi - gen erworben vnd mitgetheilet. Hierauff wolte er ſein feſtes Vertrawen ſetzen / vnd bey deme / in te Domine confido, auff dich HErr trawe ich / verbleiben. (5)Neque enim oleum Miſericordiæ, niſi in vaſe fiduciæ videlicerin Chriſto ponitur: Hanc hominis fiduciam eſſe à ſe deficientis & innitentis Domino ſuo, alioqui propriis meritis ſidere, non fidei, ſed perfidiæ eſſe, ulterius ex Bernhard. raticionatum & locutum eſſe mori - bundum Caiolum Cæſarem, teſtatur Thu. d. lib. 21. fol. 403. Jtem. Mein liebſter Erloͤſer bleibe du in mir / auff daß ich in dir bleibe / vnd darauff abgetrucket / wie ſolches Thuanus vnd andere es mit mehrerm beſchreiben.

Wer115Von dem Geiſtlichen Stande.

Wer wolte nun darvon zweiffeln / daß dieſer lobſeeligſter Keyſer / nicht als ein rechter Evangeliſcher Chriſt / ſeelig geſtorben / wiewol ſein Beichtvatter Conſtantinus, daß er den Keyſer zu ſolchen guten Gedan - cken angewieſen / hernacher Ketzerey beſchuldiget vnd von Keyſer Caroli Sohn Koͤnig Philippo in Hiſpanien / verbrandt worden / wie gemelter Thuanus auch bezeuget in d. lib. 21. & 23. fol. 449.

Als Keyſer Maximilian der ander auff das Todtbette geriethe / ſein Stuͤndlein herbey nahete / vnd der Biſchoff von Newſtadt zu jhme fuͤr das Krancken-Bette wolte / hat er jhn nicht zu ſich laſſen wollen / er ver - hieß jhm dann zuvor / von nichts anders zu reden als von Chriſti Ver - dienſt / Leyden / Sterben / vnd deſſen Roſinfarben vergoſſenem Blut / wie Bucholtzer. hiervon in ſeiner Chron. pag. 648. ſchreibet. Von einer Fuͤrſtlichen hohen Frawen wird referirt, daß ſie auff jhrem Todtbette / wegen beſorgter erſchrecklicher Pein / deren man etlicher Leuthe Mey - nung nach im Fegfewer zugewarten / ſich nicht hat wollen troͤſten laſſen / die vmbher geſtandene Patres auch wol gemercket / daß ſo lange dieſer Scrupulus das Gewiſſen aͤngſten vnd plagen wuͤrde / ſchlechtes Vertra - wen zum ſeeligen Hintrit verhanden / haben ſie deß HErrn Chriſti kurtze Predigt / die er dem Schaͤcher am Creutz gethan / vnd das Hodie eris mecum in Paradiſo hervor geſuchet / das zaghaffte Gemuͤthe damit wider auff gerichtet vnd getroͤſtet / vnd was man vom Fegfewer ſagete / ſolches were nurent dahin angeſehen / die ruchloſe Welt-Leuthe zuſchre - cken vnnd von Suͤnden abzuhalten / weil aber dieſe Fuͤrſtliche Per - ſon ein Chriſtlich Leben gefuͤhret / waͤre es auff ſie nicht gemeinet. Ein ſterbender rechtglaubiger Chriſt / hat einen groſſen Troſt / wann er mit S. Paulo wünſchen vnd ſagen kan: Cupio diſſolvi & eſſe cum Chriſto, Jch begehre auff geloͤſet vnd bey Chriſto zu ſeyn / das iſt / durch den Todt / Jammer vnd Truͤbſal / in die ewige Frewde / da keine Quaal meine Seele mehr anruͤhret / wie die Schrifft redet / verſetzet zu werden / aber einen elenden troſtloſen Abſchied gebe es / wann einer alſo be - ſchlieſſen ſolte; Jch begehre abzuſcheyden / vnd nicht gleich bey Chriſto / ſondern an einem Ort groſſer langwuͤhriger Quaal vnd Schmertzen zu - kommen.

Der Prediger Salomon ſpricht: Wenn der Baum faͤllet / er falle gegen Mittag oder Mitternacht / auff welchen Ort er faͤllet da wird er liegen / Capit. 11. verſ. 3. dann der Menſch faͤhret hin da er ewig bleibet / im ſelbigen Buch Cap. 12. verſ. 5. Faͤhret nun der Menſch wann er ſtirbet dahin da er ewig bleibet / ſo muß kein dritter Ort ſeyn daP ijdie Seele116Das erſte Buch /die Seele auff eine gewiſſe Zeit arreſtiret, angehalten, purgiret, oder ver - ſtricket wird.

Eine Graͤffliche Perſon hat in jhrem Todt-Bette mit dem Ab - ſoluto Decreto nicht koͤnnen zur Ruhe kommen / oder ſich zu troͤſten gewuſt / biß man dieſelbegar darvon abgebracht / vnd auff die Univer - ſalem Dei miſericordiam, auff das Univerſale meritum Chriſti, nemb - lich / daß GOTT die gantze Welt geliebet / ſich aller Menſchen er - barme / daß Chriſtus vor alle gelitten vnd geſtorben / gefuͤhret vnd damit getroͤſtet.

Noch ein friſch / aber mercklich Exempel / wil ich hie zum Be - ſchluß anziehen / welches Nicolaus Bellus ein Catholiſcher vnd Keyſerl. Majeſtaͤt. Hiſtoriarum Secretarius in ſeinem Oſterꝛeichſchen Lor - beer-Krantz von Koͤnig Philippi deß dritten in Hiſpanien Abſchied im fuͤnfften Buch referiret, als nemblich der Koͤnig toͤdtlich Kranck ge - legen vnnd ſeine Geiſtliche vnd Leibliche Aertzte bey ſich gehabt / vnd mit den Geiſtlichen viel Vnterꝛedung gehabt / endlich angefangen: Werde ich aber auch die ewige Seeligkeit erlangen / vnnd ſich ſehr trawrig vnd geaͤngſtet erzeyget / vnd zum Beichtvatter geſprochen: Jhr habt biß - hero keine rechte Art zu curiren gehalten / habt jhr nicht ein ander Re - medium mir damit zuhelffen / welches der Beichtvatter von Leiblicher Artzney verſtanden / der Koͤnig aber geantwortet: Es iſt nicht vmb den Leib vnd die zeitliche Kranckheit / ſondern vmb die Seele zuthun / der Beichtvatter geſaget: Jch habe ſo viel an mir iſt / nach meinem Vermoͤgen gethan / das vbrige muß man der Goͤttlichen Barmher - tzigkeit vertrawen.

Deß Koͤnigs Hoff-Prediger Florentia hat hierauß leicht ad - vertiret, daß der Koͤnig noch fluctuant vnd auß deß Beichtvatters Zu - ſprechen / der etwan nicht gerade zu auff GOttes Barmhertzigkeit vnnd Chriſti Verdienſt ſeinen agonizirenden vnnd geaͤngſteten Koͤnig gewieſen / keinen gnugſamen Troſt vnnd Labnuß ſeiner Seelen gefaſſet / vnnd dahero weitleufftig von GOttes Barmhertzigkeit zu diſſeriren angefangen / aber doch mit eingeflicket vnd dem Koͤnig zu Gemuͤthe gefuͤhret / was derſelbe bißhero ſo ruͤmblich wegen der Chriſtlichen Re - ligion præſtiret, der Koͤnig aber / weil er das letzte auff das Verdienſt ſeiner loͤblichen Regierung geſetztes Fundament / nicht troͤſtlich ge - halten / ſondern vnter die Stoppeln ſo das Fewer der Anfechtung ſchon verzehret / gerechnet / hat darauff geſprochen: Ach wie ſeelig waͤre ich / wann ich dieſe 23. Jahr ſo ich regieret / in einer Wuͤſten vnnd Einoͤdezuge -117Von dem Geiſtlichen Stande. zugebracht haͤtte. Wordurch Florentia bewogen worden von deß Koͤnigs guten Wercken / darin deſſen mit dem Todte ringende be - trübte Seele keinen Troſt gefunden / auff einen andern vnnd rech - ten Weg zu dem gecreutzigten Chriſto zufuͤhren / ſagende; Es koͤn - ten jhre Majeſtaͤt auch jetzo GOTT einen angenehmen Dienſt ley - ſten / wann ſie alles Weltliche / das Koͤnigreich / deſſen Hoheit / ſich ſelbſt vnnd jhre Wollfarth zu den Fuͤſſen deß gecreutzigten Heylands JEſu Chriſti / vnd deſſen Goͤttlichen Willen ablegen wuͤrden. Der Koͤnig geſaget: Ja hertzlich gern wil ich ſolchem allen nachkommen / vnd lege hiemit alles ſo mir GOTT gegeben / mein Fuͤrſtenthumb / Gewalt vnnd eygenes Leben hiemit zu den Fuͤſen meines / vor mich gecreutzigten Heylandes JEſu Chriſti / deſſen Bildnuß er auch ſo bald einbruͤnſtig gekuͤſſet / vnnd weiter zu Florentia geſprochen: O wie ei - nen maͤchtigen Troſt habt jhr mir hie mitgetheilet / jhr werdet fortan die Vorſehung thun / daß dem Volck oͤffentlich vorgehalten werde / wie ich an meinem letzten Sterbſtuͤndlein erkennet vnnd bekennet / daß alles Weſen dieſer Welt eytel vnnd nichtes / auch die Koͤniglich Hoheit ſelbſt / welche im wehrenden Leben herꝛlich vnd lieblich / in der Todtsſtunde gantz bitter vnd beſchwerlich ſey / ꝛc.

Hierauß ſiehet man / wie die neben Wege auſſer Chriſtum bey den Sterbenden nichts ſchaffen / ſondern wie die Sprewer ſich verlieh - ren. Wer wolte nun bey ſolcher Letzten deß Koͤniges herꝛlichen vnd recht Evangeliſcher Bekandtnuß an deſſen Seeligkeit zweiffeln / ohn - erachtet bey deſſen 23. Jaͤhriger Regierung viel Evangeliſche / die eben dieſes in dem Articul von der Rechtfertigung deß Menſchen fuͤr GOTT geglaubet vnnd bekandt / an Blut vnnd Gut hefftig ver - folget / dann dafuͤr vnnd ſeine eygene Verfolger hat der HErr Chriſtus am Stamm deß Creutzes ſeinem Himmliſchen Vatter das erſte Wort geſprochen / iſt jhr Advocat vnnd Vorſprecher wor -(6) Crux morientis facta eſt Cathedra interce - dentis & Advocati pro hoſti - bus. Non poſſunt perire pro quibus filius Dei rogat, ne pereant, ſcribit Bernhard. Homil. 3. ſuper Evang. Nec debent deſperare pro quib. in cruce pendens Dominus diguatus eſt orare, ait Auguſt. tract. 31. in Johan. Balthaſar Meiſner. in Homilia de 1. Chriſti verb. in Cruce. den / iſt fuͤr dieſelbe mit geſtorben / vnnd die ſo zur Buſe kommen / zu ſich in ſein Reich geſamblet. vid. Bellarmin. de ſeptem verb. Chriſti in Cruce lib. 1. Cap. 1. (6) Was aber die Vnglaͤubigen die ſich zu Chriſto nicht bekennen vnnd keine Glieder der Chriſtlichen Kirchen ſeynd / anlanget / darvon koͤnnen wir mit Paulo ſagen: Was gehenP iijvns118Das erſte Buch /vns die an die drauſſen / das iſt / extra gremium Eccleſiæ, auſſer der Kirchen ſeynd. 1. ad Corinth. Capit. 5. verſ. 12. Welcher geſtalt der Vnglaubige Verfolger deß Volckes GOttes Antiochus ſein auff dieſer Welt gefuͤhrtes gluͤckſeeliges Leben mit Ach vnd Wehe in Ver - zweyfflung vnſeelig beſchloſſen / ſolches wird beſchrieben im 1. Buch der Macchabeer Capit. 6. verſ. 10. mit nachfolgenden Worten: Als er ſahe daß er fuͤr Kummer ſterben muſte / forderte er ſeine Freunde vnnd ſprach zu jhnen / ach wie hats ſichs ſo gar mit mir vmbkehret / ſo lange ich » regieret habe / habe ich Frewde vnnd Sieg gehabt / vnnd bin bey den » Meinen auch lieb vnnd werth geweſen. Aber nun bin ich ſo hertzlich » betrübet / vnd gedencke an das Vbel das ich zu Jeruſalem gethan habe / » da ich alle Guͤldene Silberne Gefaͤß auß dem Tempel hinweg fuͤhrete / » vnnd ließ vnſchuldige Leuthe in Judea toͤdten. Daher kompt mir » jetzt alles Vngluͤck / vnd muß in einem frembden Lande von dieſer Traw - » rigkeit ſterben. (7)

(7) Das Gewiſſen wachet entlich ſonderlich wann einer zu den letzten Zuͤgen kompt / auff. Conſcientia eſt Cordis Notarius, & magnus ille Codex in quo quotidiana vitæ naturæ deſcripta ſunt ut loquitur Chryſoſtom. Eſt tortor ille Cordium & vermis pungens qui ad deſperationem adegit Cainum, Genes. Cap. 4. verſ. 13. Judam Matth. 27. Achitophel, Antiochum hunc & alios. Eſt angelus menti præſidens, ut dixit Bald. in l. 2. not. 2. C. de Fidei - com. vid. Vult. 1. Conſil. Marp. 55. n. 27. Conſcia mens proprii nutrit fomenta doloris Pœnaque peccatis it Comes illa ſuis. Barlæ. Eleg. 7.
2

Bey dieſem hat es recht geheiſſen wie der Heydniſche Poet Vir - gilius von einem andern ſchreibet:

Vitaque cum gemitu fugit indignata ſub umbras, Pallentes umbras Erebi, triſtemque profundum.

Von ſolchen vnnd dergleichen Leuthen die in deſperation vnnd offent - licher Verzweifflung mit Ach vnnd Wehe ohne Troſt vnnd Glauben / dahin fahren / kan man nicht anders als nach der Schrifft vrtheilen / daß ſie ewig verlohren vnnd verdampt / daß jhr Fewer nicht verleſchen noch jhr Wurm ſterben werde. Wie Chriſtus ſelber auß dem Pro - pheten Eſaia / c. ult. v. ult. bey dem Marc. Capit. 9. verſ. 44. anziehet. Die den Todt ſuchen vnnd nicht finden / werden / begehren zu ſterben / vnnd der Todt wird von jhnen fliehen in der Offenbahrung Johann. Capit. 9. verſ. 6. ſie werden ein Grewel ſeyn allem Fleiſch / Eſai. Cap. 66. v. 24. mit ewiger Schmach vnd Schande / Jer. Cap. 23. v. 40. vnnd119Von dem Hauß-vnd Eheſtande. vnd einen ewigen Schlaff ſchlaffen / von deme ſie nimmermehr auff - wachen ſollen / Jerem. Capit. 51. verſ. 39. & verſ. 57. (8) in dem(8) Ita vi - vent da - mnati ut ſemper morian - tur: ita morientur ut ſemper vivant. In carne cruciabuntur per ignem, in anima per conſcientiæ vermem: Bernhard in med. de vot. Cap. 3. col. 193. Vita erit his, ſine ſine mori, & mors vivere pœnis. Paulinus in obit. Celſ. Pful der von Pech vnnd Schwefel brennet / in der Offenbahrung Johann. Capitel 21. verſ. 8.

Ende deß erſten Buchs.

[120]1

Das ander Buch / Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA I. Der obrigkeitliche Stand iſt von GOtt eingeſetzet vnd geſtifftet.

S. Paulus ſagt? Es iſt keine Obrigkeit ohne von GOtt / wo aber Obrigkeit iſt / die iſt von Gott geordnet. Rom. Cap. 13.

Wann der Menſche nicht zu Fall kommen / waͤre der obrig - keitliche Stand nicht noͤthig / ſondern einer vor dem andern ge - ſichert geweſen / vnnd wuͤrde ſeine Gebuͤhr gegen den andern gutwillig auß Liebe / Trewe vnd Hulde verrichtet haben / demnach er aber zu Fall kommen / vnd darmit Tyranney / Vngerechtigkeit / Gewalt vnd Vnrecht mit her - vor gebrochen / hat Gott zum Schutz der Frommen / vnd Straffe der Boͤſen / die Obrigkeit verordnet / vnd deroſelben das Schutz-vnd Raach Schwerd angegür - tet / das Gute zu bewahren vnd das Boͤſe zu ſtraffen / dahero ſie auch in der Schrifft in Hebraͤiſcher Sprache Rephaim das iſt / wie es D. Luther. ad c. 14. Commentar. in Geneſin. deutet / Salvatores terræ, patriæ patres, Heylande / im Buch Nehemiæ Cap. 9. v. 27. da geſchrieben ſtehet / du gabeſt jhnen Heylande die jhnen halffen auß jhrer Feinde Hand. Jtem Vaͤtter deß Vatterlandes oder Medici Aertzte / qui ul - cera & peſt es corporum ſanant, genandt worden. Geſtalt dann gleich nach der Suͤndfluth / Gott die Beſtraffunge deß Todtſchlags / der Obrigkeit anbefohlen / vnd diß Blutvrthel allen vorſetzlichen Todtſchlaͤgern publiciret: Wer Menſchen Blut vergeuſt / deß Blut ſoll auch durch Menſchen vergoſſen werden. Gen. c. 9. v. 6. (D. Lutherus in Comment. ad Geneſ. in c. 9. Hic. locus, inquit, diligenter notandus, quo Deus conſtituit Magiſtratum, & ei gladium dat in manus ut reſtringat licen - tiam & alia delicta, & hunc fontem eſſe, ex quo manet jus gentium & civile. fol. 112. Aafac. 2.)2Das ander Buch /fac. 2.) Dann ſie traͤget das Schwerdt nicht vmbſonſt / ſie iſt Gottes Dienerin / eine Raͤcherin zur Straffe uͤber den der boͤſes thut / ſpricht Paulus d. C. 13. deme ſtimmet S. Petrus zu in der 1. Epiſt. Petr. C. 2. v. 13. Gott ſetzet Koͤnige ein vnd ſetzet Koͤnige ab Daniel. 2. v. 21. Er machet etliche zum groſſen Volck / vnd bringet ſie wider vmb. Er breittet ein Volck auß vnd treibet es wider weg. Hiob Cap. 12. v. 23. Er iſt der Herꝛ der den hohen Baum niedriget vnd den niedrigen erhoͤhet. Ezech. 17. v. 24. durch jhn regieren die Koͤnige / herꝛſchen die Fuͤrſten vnd alle Regenten auff Erden / Prov. C. 8. v. 18. & ſeq. ſie ſind ſeines Reichs Amptleute / Sapient. C. 6. v. 5. ja Goͤtter oder Gottes Stadthalter. Pſal. 81. v. 6. (Reges ſunt CHRISTI DOMINI. 1. Reg. 24. v. 11. hoc eſt à Deo uncti & ſignati, ut inviſibilem Deum, ſpecie viſibilium repræſentent in terris, Cauſſin. Jeſuit. in Diſſertat. ad Libros Reg. Diſſert. 1.) Diß Axioma iſt an ſich einem jeden bekandt / vnd hat keiner weitern Außführung noͤ - thig / habe auch darvon in meinem Tractatu de Regimine Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſ. 1. c. 2. etwas weitlaͤufftiger gehandelt: wil nurent dieſes was D. Luther in ſei - nem Sermone an die Prediger Anno 1530. geſchrieben / anhaͤngen: das weltliche Regiment ſpricht er / iſt eine herꝛliche goͤttliche Ordnunge vnd eine treffliche Gabe Gottes: es erhaͤlt einem jeglichen ſeinen Leib / daß den nicht jederman erwuͤrgen muͤſſe / es erhaͤlt jeglichem ſein Weib / daß nicht jederman daſſelbige nehmen vnd ſchaͤnden muͤſſe / es erhaͤlt jeglichem ſein Kind / Tochter vnd Sohn / daß jhme daſſel - bige nicht jederman entführen noch entwenden muͤſſe / es erhaͤlt jeglichem ſein Hauß vnd Hoff / daß nicht ein jederman hinein brechen / noch darinnen freveln muͤſſe; es erhaͤlt jeglichem ſein Acker / Viehe vnd allerley Guͤter / daß dieſelbigen nicht ein jederman angreiffen / ſtehlen / rauben / beſchaͤdigen muͤſſe / welches alles vnder den Thieren nicht iſt / vnd wuͤrde auch vnder den Menſchen nicht ſeyn / wo weltlich Regiment nicht waͤre / ſondern wuͤrden gewißlich auß Menſchen eitel Thiere werdẽ. Biß hieher D. Lutherus. (Quod Solin firmamento, hoc eſt Rexin imperio, à Deo conſtitutus eſt, ut terrori ſit improbis, bonis præſidio. Cauſſin. de Regn. Dei. Diſſert. 65.) Sehr uͤbel gienge es in Jſrael / im Geiſtlichen-Weltlichen - vnd Haußſtande zu / in denen Zeiten / da kein Koͤnig / Regent / oder Obrigkeit war / vnd ein jeder that was jhm dauchte gut ſeyn / im Buch der Richter Cap. 17. v. 6. Abgoͤtterey / Hurerey / Buͤberey / Raub / Gewalt vnd Vnrecht giengen uͤberall im Schwange / vnd war niemand deß Seinigen / auch nicht ſeines Leibes vnd Lebens geſichert / wie in angezogenem 17. Cap. vnd nachfolgenden biß zu Ende deß Buchsder Richter zu leſen / vnd ſonderlich im letzten Capitel vnd Verſicul.

AXIO -3Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA II. Wann Gott einem Koͤnigreich / Volck vnd Lande wol wil / dann giebet er demſelben einen guͤtigen vnd verſtaͤndigen Re - genten (Mores regnantium faciunt fata populorum, & quid inique regno providentia deſtinet, legitur in vultu Principis. Nicol. Cauſſin. de Regn. Dei Diſſertat 9.)

ALs der Koͤnig Hiram berichtet / daß GOtt Salomo auff ſeines Vatters Da - vid Koͤnigl. Thron geſetzet / denſelben befeſtiget / vnd jhn mit groſſer Weißheit Verſtand zur Regierung begabet / hat er als ein benachbarter correſpondiren - der Koͤnig mit dem Hauſe Juda / dem newen Koͤnig Salomoni ſchrifftlich vnd durch eine eygene Ambaſſada darzu gratuliret, vnd ſonderlich mit dieſen Worten ſeine vnd deß Jſraeliſchen Volcks Felicitaͤt geprieſen vnd geſaget; darumb daß der Herꝛ ſein Volck liebet hat er dich uͤber ſie zum Koͤnige gemacht 2. Chron. C. 2. v. 11. & ſeq. Die Koͤnigin auß Reich Arabia gab dem Salomon auch ſolch Zeugnuß vnd ſprach zu jhme: Es macht / daß dein Gott / Jſrael lieb hat / daß er jhn ewiglich auff - richte / darumb hat er dich uͤber ſie zum Koͤnig geſetzet 2. Chron. Cap. 9. v. 8. Dann ein kluger Koͤnig iſt deß Volcks Gluͤck / ſpricht die Weißheit Salomonis Cap. 6. v. 26. So lange Moſes Joſua vnd andere gottſelige fromme Regenten vnd Koͤnige das Volck Gottes vor dem Herꝛn auß vnd eingefuͤhret / regieret vnd gerichtet / haben ſie Gluck vnd Sieg wider jhre Feinde gehabt / vnd iſt es jhnen ſehr wol gangen / wie in den Buͤchern Moſis / Joſuæ / der Richter der Koͤnige vnd Cronicken der laͤnge nach zuleſen vnd zu finden. Weil Aſſa ein gotts foͤrchtiger Regent war / gab jhm der Herꝛ Fried vnd Ruhe / daß das Land ſtill / vnd kein Streit wider jhn war / er veſte Staͤd - te in Juda bawen koͤndte 2. Chron. C. 14. Solange der from̃e gottsfoͤrchtige Koͤnig Joſia lebete / wichen die Jſraeliren nicht von dem Herꝛn jhrer Vaͤtter GOtt / vnd gieng jhnen wol 2. Chron. C. 34. Durch vorſichtige Regierung vnd ſiegreiche Waf - fen / brachte Simon der Machabeer hochpreißlicher Regent das Land Juda zur Ruhe / vnd / wie die Hiſtoria meldet / bliebe guter Friede ſo lange Simon lebete vnd regierte ſehr wol[/]im 1. Buch der Machab. Cap. 14. v. 4. Dahero auch der Prophet Dauiel den groſſen Koͤnig zu Babel Nebucadnezar / einem gewaltigen Baum vergleichet / vnder deſſen Aeſten vnd Schatten ſeine Vnderthanen Ruhe vnd Si - cherheit haͤtten Daniel. Cap. 4.

Aa 2AXIO -4Das ander Buch /

AXIOMA III. Wann Gott ein Koͤnigreich / Fuͤrſtenthumb / Land oder Herꝛſchafft ſtraffen wil / ſo ſetzet er Tyrannen / Kinder vnd Weiber zu Regenten.

DAnn heiſt es wie Gott ſaget durch Moſen; die euch haſſen ſollẽ uͤber euch herꝛ - ſchen im 3. Buch Moſ. Cap. 26. v. 17. vnd bey dem Propheten Hoſea; Dedi tibi Regem in furore meo, ich gab dir einen Koͤnig in meinem Zorn. Cap. 13. v. 11. vnd bey dem Propheten Ezechiel Cap. 7. v. 11. Der Tyrann hat ſich auffgemacht zur Ruthen uͤber die Gottloſen / daß nichts von jhrem Volck noch von jhrem Hauffen Troſt habe. Ja Gott laͤſſet ſelber uͤber ſie regieren einen Heuchler das Volck zu trengen Hiob Cap. 34. v. 30. Ja / er laͤſſet zu weilen einen vngeachteten / deme die Ehre deß Koͤnigreichs nicht bedacht war / darzu kommen vnd daſſelbe einnehmen / wie der Prophet Daniel von dem Antiocho Epiphane weiſſaget Cap. 11. v. 21. dar - von Luther in gloſſ. notirt, daß derſelbe beſſer zum Buben als zum Koͤnig geſchickt geweſen.

Bey dem Propheten Eſaia Cap. 3. trohet er ſeinem abtrinnigen Volcke / daß er jhnen Juͤnglinge zu Fuͤrſten geben / vnd daß kindiſche ſollen uͤber ſie herꝛſchen. Vnd klaget Gott ferner im ſelbigen Capit. daruͤber v. 12. wann er ſpricht / Kinder (Temeritas Adoleſcentiæ eſt proprietas, Cat. de Senect. ) ſind Treiber meines Volcks / vnd Weiber herꝛſchen uͤber ſie / worauß dann offenbahr / daß Kinder vnd Weiber Regiment eine Straffe der Vnderthanen von Gott. Wehe dem Lande deſſen Koͤnig ein Kind iſt / ſpricht der Prediger Salomon Cap. 10. v. 16. (Nulla ma - iori clade Deus affligere poteſt populum, quam ſi Principem ei præficiat ſtolidum, dici enim non poteſt, quam multa hinc eveniunt incommoda. Philip. Cominæ. lib. 3. Hiſtor.) Als der fromme Regent vnd Richter deß Volcks Gottes Joſua / neben den Elteſten / die mit jhnen waren vnd lange nach jhm gelebet / zu jhren Vaͤttern verſamblet worden / iſt ein ander Geſchlecht auffgekommen / ſo den Herꝛn vnd die Wercke Gottes / die er an Jſrael gethan / nicht erkandt / verlieſſen den Herꝛn vnd wurden dahero den Heyden zum Raube außgeſtellet vnd preiß gegeben. Jud. c. 2. v. 8 & ſeqq. Die zehen Staͤmme Jſrael / wie ſie von dem Hauſe David abfiehlen / be - kamen ſie Jerobeam einen Abgoͤttiſchen Koͤnig / der ſie ſuͤndigen machte / daruͤber ſie geſchlagen vnd hart geſtraffet worden 1. Reg. c. 14. v. 5. Achabs Abgoͤtterey verur - ſachete daß Jſrael mit Hungersnoth vnd Doͤrre geplaget worden. 1. Reg. c. 17.

Als das Suͤndenmaaß der Kinder Jſrael voll war / bekamen ſie zur Straffeden5Von dem weltlichen Stande. den gottloſen Koͤnig Hoſeam / welcher vntrew ward an Salmanaſſer dem Koͤnig in Aſſyrien / daruͤber Jſrael bekrieget vnd weggefuͤhret worden. 2. Reg. c. 17 (Ea mente qua Deus ad inferna diſponit Dæmones, improborum tormenta, diſpen - ſat etiam in terris feros homines, quibs vel ſuorum virtutem exerceat, vel puniat malitiam. Cauſſmus in Diſſertat. ad libros Reg. Diſſ. 4.)

AXIOMA IV. Frawen Regiment iſt ins gemein nicht bequem.

ZZu weilen kompt wol das Regiment durch Erbrecht / eine Wahl / oder ſonderba - re Heldenthaten oder ſonſt billiche Wege / auff das weibliche Geſchlecht / wie et - liche vnden angezogene Exempel anzeigen / worauff eben dieſes Axioma nicht ge - richtet / ſondern auff die ſo durch Liſt vnd Tyranney nach dem Regiment greiffen / inmaſſen dann auß vorigem Axiomate zuſehen iſt / daß Gott einem Volcke / das er zu ſtraffen trohet / Kinder vnd Weiber wolle zu Regenten ſetzen.

Wo die Soldaten ſieden vnd braten
Die Pfaffen vnd Geiſtlichen rathen
Vnd die Weiber fuͤhren das Regiment
Da nimbt es ſelten ein gut End.

Dann Gott hat das Weib gemeinem Lauff nach vnd per Regulam nicht zur Herꝛ - ſcherin / ſondern dem Mann zur Gehuͤlffin vnd Kinderzucht erſchaffen / vnd nicht dem Weibe / ſondern dem Manne auch in dem Haußweſen die Herꝛſchafft uͤber das Weib vnd alle Creaturen beygeleget / Geneſ. c. 2. & 3. 1. Petr. c. 3. 1. ad Timoth. c. 2. v. 12. 1. ad Corinth. c. 11. v. 3. & c. 14. v. 34 Zu dem hat Gott vnd die Natur (Gy - næcocratia, Naturæ legibus inimica: quæ viris prudentiam, robur, animi magnitu - dinem & vim imperandi dedit. Bodin. de Republ. lib. 6. c. 5. Et Euripid. in Medea

Muliercs in rebus bonis, imperitiſſimæ ſumus
Malorum verò omnium artifices doctiſſimæ.)

auch das maͤnnliche Geſchlecht ins gemein mit groͤſſerer Weißheit / Verſtand / Leibes Staͤrcke vnd Tapfferkeit verſehen vnnd daſſelbe zum Regiment vor den Weibern qualificiret vnd bequem gemacht / den Weibern aber die verecundiam vnd pudorem, Zucht vnd Schamhafftigkeit gebotten. Dahero auch bey den wei - ſen Roͤmern vnd Roͤmiſchen Geſetzgebern / die Weiber von allen Aemptern vnd offentlichen Bedienungen in der Republic vnd gemeinem Weſen außgeſchloſſen (l. Fœminæ ff. de Reg. jur. l. cum prætor. ff. de judic. l. 1. ff. de poſtul. ) vnd vor gar vn - gereimbt vnd vnhoͤfflich gehalten worden / wann ſich die Weiber in Manushaͤndel vnd Verſamblungen gemiſchet vid eingeflochten. Sehr frembd iſt dem RathAa iijzu Rom6Das ander Buch /zu Rom vorgekommen / hat ſie auch nicht wenig in jhren guten GEdancken jrꝛ ge - macht / daß der Keyſer Heliogabalus, ſeine Fraw Mutter mit in den ſitzenden Rath gefuͤhret / nicht zwar daß ſie eben Stimme vnd Stand bey den Rathſchlaͤgen ha - ben / ſondern nurent die Wuͤrde vnd Herꝛligkeit deß Roͤmiſchen Senats anſcha - wen moͤchte.

Es iſt aber das Weiber Regiment zweyerley: Erſtlich / wann ein Weib vor ſich ſelbſten auff Maſſe vnd Weiſſe wie vorgedacht regiert; vors ander / wann ſie jhren Eheherꝛn vnd Gemahl / der das Regiment fuͤhret / regieret / vnd denſelben in Regimentsſachen zu jhrem Willen vnd diſpoſition hat. (Cato dicere ſolitus, nos imperamus hominibus cunctis, uxores vero nobis. Et de Themiſtocle legitur: Athenienſes imperant Græcis, Themiſtocles Athemienſibus, Themiſtocli uxor, Plutarch. in vit. Themiſtocl.) Vor ſich ſelbſten regierte die Koͤnigin Athalia, die war nicht allein Gottloß / ſondern vnderſtund ſich jhr Regiment mit Blut zu beſtaͤtti - gen / in deme ſie allen Koͤniglichen Samen jhres eygenen leiblichen Sohns Aha - ſia Kinder / jhre Enckeln im Hauſe Juda vmbbrachte. 2 Reg 9. v. 1. & 2. Chron. 22. v. 10. Die Koͤnigin Jeſebell regierte zwar nicht ſelber / aber durch jhren Herꝛn vnd Gemahl den Koͤnig Achab fuͤhrete ſie ein Tyranniſch Regiment / in deme ſie jhn nicht allein zu jhrem Baalitiſchen Gottesdienſt verleitete / vnd Jſrael ſuͤndigen machte / 1. Reg. C. 16. v. 31. ſondern ſie rottete auch die Propheten deß Herꝛn auß. 1. Reg. C. 18. v. 4.

(Wehe jmmer wehe einem ſolchen Mann /
Der ſeinem Weibe die Herꝛſchafft gan /
Drumb wiltu wol fahren am End
So gib keinem Weibe das Regiment.)

Als ſie den frommen Naboth vmb ſeinen Weinberg bringen wolte / ſchrieb ſie Brieffe vnder Achabs Nahmen / vnd verßegelt ſie mit ſemem Pittſchter / ließ ſalſche Zeugen wider Naboth auffſtellen vnd dieſen vnſchuldigen Mann als haͤtte er Gott vnd den Koͤnig gelaͤſtert / ſteinigen vnd jaͤmmerlich hinrichten 1. Reg. C. 21. v. 8. & ſeqq. Alſo daß durch jhr dominium Achabaͤrger regieret uͤber alle die vor jhm ge - weſen. 1 Reg. C. 16. v. 30. dann ſein Weib Jeſebell / ſaget die Hiſtoria, uͤberredet ihn darzu. 2. Reg. 21. v. 25. daruͤber Achab ſambt ſeinem gantzen Hauſe vnd Poſteritaͤt auß gerottet worden. 2. Reg. C. 21. & ſeqq. & 2. Reg. C. 9. Simſon derſtarcke / Salo - mon der weiſe lieſſen ſich auch zu letzt durch Heydniſche Weiber bethoren / im Buch der Richter C. 14. & 16. 1. Reg. C. 11. (Wein vnd Weiber bethoͤrẽ die Weiſen.) Sein Hertz / ſpricht Syrach von Salomon / hienge ſich an die Wetber vnd ließ ſich bethoͤ - ren / vnd hienge ſeiner Ehr einen Schandflecken an Cap. 47. v. 21. Der Roͤnig Jo - ram Joſaphats aͤlteſter Sohn / ward auch von ſeinem abgoͤttiſchen Weibe / Achabs Tochter regieret / daß er gottlos ward / vnd alle ſeine Bruͤder / auch etliche Obriſten in Jſrael mit dem Schwerdt erwürgen ließ. 2. Chronic. C. 21. Adam ließ ſich auchvon7Von dem weltlichen Stande. von ſeiner Eva zum Abfall bewegen. Gen. C. 3. Cornelius Tacitus ſchreibet von dem Claudio, quod coniugum Imperio fuerit obnoxius, daß er ſich von Weibern regie - ren laſſen / wie er dann auch endlich durch ſeiner Gemahlin Agrippina Anſtalt zum Danck / daß er ſich dem Weiber Regiment vndergeben / mit Gifft getoͤdtet worden. Tacit. lib. 1. Annal. in princip. & circ. fin.

Die Heydniſche Poeten ſchreiben viel von jhrem ſtreitbahren Helden dem Hercule, daß er alle ſeine Feinde Ritterlich uͤberwunden; als er aber in das Frawen - zimmer gerathen / ſey ſeine Mannliche Tapfferkeit durch Frawen Liebe in Thotheit verwandelt. Einehat jhme den Schleyer auffgeſetzet; die ander den Rocken vnd Spindel in die Hand gegeben / vnd er hat auß groſſer Liebe an ſtatt ſeines Caßkets oder Sturmbhauben einen Schleyer auff dem Kopff haben vnd ſpinnen vnd an ſtatt ſeiner groſſen beruͤhmten Keule damit er viel Heldenthaten verrichtet / die Spindel in der Hand fuͤhren muͤſſen. Hiervon ſchreibet D. Luther uͤber den 101. Pſalm. alſo: Jch glaube nicht daß Hercules geſponnen habe / ſondern die Poeten haben es alſo gemahlet / vnd vorgebildet / daß wann einen weitlichen Fuͤrſten oder Mann ſonſt kein vngehewer Wunder kan uͤbertenben / vnd wann er alle Feinde uͤberwunden / wie Hercules, ſo kaner doch zu letzt nicht den Haußteuffel vnd ein - heimiſchen Feind uͤberwinden / ſondern das trawte Fraͤwlein vnd ſchoͤne Koͤnigin Qmphale / mit jhrem ſchoͤnen Angeſicht vnd glatten Zungen ſetzet dem thewren Herculi den Schleyer vff vnd heiſſet jhn ſpinnen / da ſitzet dann der hohe Siegs - mann vnd Held / der alle Loͤwen zerriſſen / den hoͤlliſchen Hund gefangen / die Cen - tauros vnd Lapithas geſchlagen / den Drachen erwuͤrget / vnd was ſie mehr Wun - der von jhme ſchreiben / da ſitzet er / ſage ich / vnd laͤſſet ſeine Keule fallen / nimbt die Spindel in die Hand / vnd ſeine ſchoͤne Omphale draͤwet jhm mit der Ruthen / wo er nicht ſpinnet. Biß hieher Lutherus. Mit dieſem Poetiſchen Beyſpiel kompt uͤber - ein die Hiſtoria im 3. Buch Eſther Cap. 4. v. 28. allda deß Koͤnigs Darii. Caͤmme - rer Serubabel / ſein thema, daß nemblich die Weiber uͤber alles ſeynd / weitlaͤufftig behauptet / vnder andern aler dieſes Exempel einführet vnnd ſaget: Jſt nicht der Koͤnig groß in ſeiner Macht? dannoch ſahe ich jhn vnd die Apemen die Tochter deß Bertaſi deß trefflichen Mannes / deß Koͤnigs Kebsweib ſitzen / zu der Rechten deß Koͤnigs. Die nahm die Cron dem Koͤnig vom Haupt vnd ſetzte ſie jhr ſelbſt auff / vnd ſchlug den Koͤnig mit der lincken Hand. Gleichwol gaffte / ſie der Koͤnig mit offenen Munde an; lachet ſie / ſo lachet er auch: ſiehet ſie jhn ſawer an / ſo ſchmetchelt er jhr biß ſie wider zu frieden geſtellet wird. Sind dann nicht die Wei - ber zum maͤchtigſten / weil ſie das thun / ſo weit Eſra; Hieher gehoͤret der teutſche Rem in dem Reinecke Fuchs:

Jch wolt gern wiſſen wieder hieß /
Der ſich von Frawen nicht narren ließ.

Sie wollen vom Regiment mit participiren vnd haben / es geſchehe gleich clam, vi,vel8Das ander Buch /vel precario, das iſt heimblich / mit Gewalt / oder Bittweiſſe / durch gute Worte. Wann Koͤnige / Fürſten vnd Regenten ſo weit am Frawenzimmer ſich verlieben / daß ſie jhren vorwitzigen Gemahlinnen den Zuͤgel erſt in die Haͤnde geben / dann bleiben ſie deß Regiments nicht mehr maͤchtig / ſie ligen jhnen Tag vnd Nacht in den Ohren / daß wann ſie Frieden haben wollen / jhnen in allem zu Willen ſeyn muͤſſen.

Die Semiramis erhielte durch jhre Liſt vnd Geſchwindigkeit bey jhrem Ehe - gemahl / daß er jhr nurent auff einen Tag das Scepter vnd Regiment vertrawte / gebrauchte ſich aber deſſen alſo / daß ſie jhren Herꝛn Gemahl ſelbigen Tags toͤdten ließ / vnd ſich darauff in den Koͤniglichen Thron ſetzete. Hiervon handelt Bodinus mit Einführung vieler Exempel weitlaͤufftig in ſeinem Buch / de Republic. lib. 6. cap. 5. (Bodin. de Repub. lib. 6. c. 5. Quemadmodum familiæ, inquit, pertur - bantur, in quibus fœminæ maritis imperant, ſic & Reſpub. diſturbatur quæ fœmi - dominatu tenetur, etiamſi prudentiæ famam aſſecuta fuerit.)

Was vor groß Vnheyl die Sigbritta deß Koͤnigs Chriſtierni II. in Denne - marck Schweden vnd Norwegen / ꝛc. Concubinen der Columbulæ Mutter in den Koͤnigreichen durch jhre heylloſe Impreſſiones angerichtet / in dem ſie deß Koͤnigs zu allem Vorhaben maͤchtig geweſen vnd damit ſo viel zuwegen gebracht / daß der Koͤnig ſich alle Staͤnde zu wider gemacht / drey Koͤnigliche Cronen verſchertzet / 9. Jahr vertrieben geweſen / vnd 27. Jahr im Gefaͤngnuß außhalten / vnd endlich darin elendigſterben muͤſſen / ſolches iſt in Dennemarck bekandt / vnnd beſchreibet es Johan. Meurſi. in Hiſtor. Dan. lib 3. (Verba Meurſij ita habent: Sigbritta poſt filiæ Columbulæ mortem, ita ſe in Regis pariter ac Reginæ gratiam inſinuavit, ut conſilia de graviſſimis regni rebus Rex cum e[â]communicaret, ac ſententiam quo - q́ue eius ante ſenatores poneret. Quâ elata benevolentia, fœmina anibitioſa tandem eſt progreſſa, ut in poteſtate ſua Regem haberet; & negotia cuncta regni, quamvis maximaſola gereret, & cuncta pro libidine agitaret, ac Proceribus quoq́; quibuſcunq́ue & ordinibus inſultaret: omnia hæc probante Rege aut ferente & connivente.

Es iſt zwar das weibliche Geſchlecht argliſtig / geſchwind vnd verſchlagen / wie Athalia, Jeſebell / Agrippina, Semiramis vnd andere mehr dergleichen geweſen. (Natura quidem fœminis fortitudinem ac vim negavit, ſed dolo illas munivit. Se - nec. in Octav.) Aber Argliſtigkeit vnd Tuͤcke ſind keine Klugheit / wie Syrach Cap. 19. v. 19. ſchreibet. Die Ehr - vnd Regierſucht ſambt dem Vorwitz ſind bey jh - nen zu groß / daß ſie jhre Affecten vnd Begterde nicht wol beherꝛſchen oder in etwas arreſtiren koͤnnen / vnd dieſes haben ſie von der erſten Mutter Eva geerbet / welche auß Vorwitz vnd Ehrſucht / kluger vnd Gott gleich zu werden / jhr beſtes Braut - ſtuͤcke das edle Ebenbilde Gottes verſchertzete / ſich vnd das gantze menſchliche Ge - ſchlechte ins Verderben ſtuͤrtzete: das Weib / ſpricht die Schrifft / ſchawete an / daßvon9Von dem weltlichen Stande. von dem Baum gut zu eſſen waͤre / vnd lieblich anzuſehen / daß ein luſtiger Baum waͤre / eil er klug machte. Geneſ. c. 3. v. 6. Die Ehrſucht vnd Vorwitz plagete auch Salome die Mutter der Kinder Zebedei / wie ſie jhre beyde Soͤhne Jacobum vnd Johannem dem Herꝛn Chriſto zufuͤhrete vnd von jhm bath / erſolte ſie in ſeinem Reich hoch erheben / den einen zu ſeiner Rechten / vnd den andern zu ſeiner Lincken ſetzen. Matth. Cap. 20. v. 20. Es war auch kein geringer Vorwitz / daß die Koͤni - gin auß Reich Arabia auß jhrem Koͤnigreiche von Landen vnd leuthen einen ſo weiten Weg / mit ſehr groſſem Zeug / Camelen vnd Reichthumb gen Jeruſalem gezogen / den Koͤnig Salomo mit Raͤtzeln zu verſuchen / vnd ſeine groſſe Herꝛligkeit vnd Weißheit zu ſchawen 1. Reg. c. 10. 2. Chron. c. 9. Wie leicht haͤtte es in jhrem Koͤnigreich vnd Landen vnderdeß bund daher gehen koͤnnen / weil die Abweſenheit eines Regenten von ſeinen Vnderthanen / Landen vnd Leuthen gar leicht viel Vn - raths vnd Boͤſes cauſſiren vnd veranlaſſen kan / wie vnden in einem abſonderlichen Axioma. 39. weiters angefuͤhret. Es mag auch wol Salomons Weißheit nicht die alleinige Vrſach der koſtbahren / gefaͤhrlichen vnd weiten Reyſe geweſen ſeyn / ſie wird ohne Zweiffel wol vernommen haben / daß Salomon ein Liebhaber deß Frawenzimmers vnd ein trefflicher Courteſan geweſen / ſiebenhundert Weiber zu Frawen / vnd drey hundert Kebsweiber gehabt / vnd alſo dem Frawenzimmer gu - tes Contento geben koͤnnen / geſtalt dann etliche Egyptiſche Koͤnige / die ſich Jſra - eliten ja Davids vnd Salomonis Nachkommen / nennen / jhre Ankunfft von ge -[m]elter Koͤnigin Saba vnd dem Koͤnig Salomon dahero deduciren vnd rechnen; wie Bodin. de Republ. lib. 6. c. 5 ſchreibet / vnd Adamus Contzen in Hiſtoria Abiſſi - ni Regis, ſive method. civil. Doctrin. cap. 3. weitlaͤufftiger außfuͤhret / vnd ſolche deß Koͤnigs Salomons vnd der Koͤnigin Sabæ coniunction oder Beylager vnd die von den Egyptern geruͤhmte Poſteritaͤt defendiret, auch daß ſolches von Salomon nicht weniger erlaubter Weiſſe geſchehen / als wenig der Herꝛ Chriſtus vnrecht ge - than daß er dieſe Koͤnigin geprieſen / weil dem Koͤnige frey geſtanden viel Wei ber zu haben / welches ich gleichwol an ſeinen Orth ſtelle vnd nicht behaupte / dann ſie eben hierumb von Chriſto nicht geruͤhmet. Zu dem ſo iſt das weibliche Geſchlecht ſehr hitzig / wollen alles ohne Verzug per poſta gethan haben / auch mehr als das maͤnnliche zubitterem Zorn geneigt / dardurch in Regimensſachen man ſich leicht - lich uͤbereilen / verſtoſſen / vnd dem gemeinen Weſen vnwiderbringlicher Schade zugezogen werden kan. Vom Weiber Zorn ſchreibet Syrach alſo; Es iſt kein Zorn ſo bitter / als der Frawen Zorn: ich wolte lieber bey Loͤwen vnd Drachen woh - nen / als bey einem boͤſen Weibe / Cap. 25. vnd Salomon in Sprichwoͤrtern Cap. 21. v. 19. vnd wann man ſonſten ein boͤſen Zorn beſchreiben wil / ſagt man in gemei - nem Sprichwort: es iſt ein Weiber Zorn. Es ſchreibẽ die Poeten ſehr viel von dem vnverſoͤhnlichen Zorn der Goͤttin Juno, den ſie daruͤber / daß der Eris mit dem gul - denen Apffel ſie vorbeygangen / vnd denſelben der Veneri zugeworffen gefaſſet

BbVirg. 10Das ander Buch /

(Virg. lib. 1. Æneid. & lib. 5.

Junonis gravis ira & inexſaturabile pectus.
Et Mantuan.
Aut ardenteramat, aut te capitaliter odit
Fœmina
Continuò ſic collige, quod vindictâ
Nemo magis gaudetquam Fœmina.

Muliebre eſt, inquit Seneca, furere in ira, lib. de Clement. Regem autem non de - cet, ſæva & inexorabilis ira, idem, ibid.) Wie ſchaͤdlich der Zorn beym Regiment ſeye / hat der hochverſtaͤndige Heyde Seneca mit dieſem Gleichnuß zuverſtehen ge - ben / in deme er lib. 1. de Clement. ſchreibet / daß die Biene zornige vnd ſtreitbahre Thiere ſeyn / es haͤtte aber die Natur der Bienen Koͤnig den Stachel entzogen / auß Vrſachen / daß eine Biene / wann ſie auß Zorn einen ſticht / ſolches mit Verluſt deß Stachels vnd nachfolgends deß Lebens thue. Damit nun der Bienen Koͤnige an deſſen cõſervation Erhaltunge der gantze Bienẽſchwarm hafftet / durch Zorn auch nicht vmb ſeinen Stachel vnd demnach vmbs Leben kaͤme / vnd alſo der gantze Schwarm mit jhme zu Grund gienge / waͤre derſelbe mit keinem Stachel verſehen. Wann neben dieſen bey dem Frawenzimmer ſonderlich prævalirenden Affecten, etwan Fraw Venus mit jhrem gefaͤhrlichen jungen Boden Schuͤtzen / welches bey ſo groſſer Licentz, Vppigkeit vnd Libertaͤt / gar ſelten verbleibet / mit darzu kompt / kan darauß noch mehr Vnraths im Regiment vnd ſonſten entſtehen. (Valde diffi - cile & penè divinum eſt, in ſumma Fortuna non abripi licentiæ ventis. Lipſi.)

Es ſind zwar in heiliger Schrifft vnd ſonſten in weltlichen Hiſtorien vnd Geſchichten Exempla vorhanden / daß auch Weiber loͤblich regieret / aber dieſelbe ſind ſeltzam vnd rare, darauß keine regula zu formiren iſt.

(Una hirundo non facit ver.
Rara avis in terris nigroq́ue ſimillima cygno.)

Zu Zeiten der Richter deß Volcks Gottes / vnd wie daſſelbe ſich ſo ſchwerlich verſuͤndigte / vnd deßwegen den benachbarten außwaͤrtigen zum Raub vnd Pluͤn - derung außgeſtellet wurden / erweckte Gott die Prophetin Deboram / ein Eheweib deß Lapidoth, die war Richterin in Jſrael / vnd ſtellete ein Defenſion weſen an / zo - ge mit dem Barack wider Syſſera zu Felde / erhielte durch Gottes Gnade den Sieg / triumphierte mit einem herꝛlichen Lobgeſange / im Buch der Richter Cap. 4. & 5. So iſt auch dieſes nicht dahin zuverſtehen wann das Regiment durch Erb - recht / nach eines Reichs Geſetzen / Sitten vnd Herkommen / auch eine Wahl an Weibesperſonen gelanget wie Eingangs gedacht / deren auch viel tapffere Thaten gethan vnd wol regiert.

Die Margretha / Koͤnigin in Dennemarck / Schweden vnd Norwegen / wie auch Eliſabetha Koͤnigin in Engelland. (De Elizabetha Angliæ Regina ſequentesrefert11Von dem weltlichen Stande. refert verſus Alberic. Gentil. in præfat. tractatus ſui de Legationibus:

Vos etenim Reges, animum geritis muliebrem Hæc Regina viri.

haben groß Gluͤck im Regiment gehabt wie auch die junge Koͤnigin in Schwe - den groſſen Krieg mit groſſem Succeſs Gluͤck gefuͤhret. Aber dieſe Exempla ſind gar duͤnn geſaͤet. Man muß aber in allen Geſetzen vnd Satzungen das Abſehen darauff wenden / was ins gemein vnd nicht was ſelten geſchiehet / vnd wie die vitia ſexus ins gemein nicht allen Individuis vnd Perſonen beyzumeſſen / alſo koͤnnen auch die virtutes vnd ſonderbahre Exempla ſehr weniger Weibsperſonen / kein uni - verſal prædicat deß Frawenzimmers vnd weiblichen Geſchlechts geben / oder ins gemein das Weiber Regiment wider die goͤttliche / gemeine / vnd natuͤrliche Ver - ordnunge ſtabiliren vnd behaupten.

AXIOMA V. Man findet in der H. Goͤttlichen Schrifft mehr Exempla / daß vmb der Koͤnige vnd Obrigkeit Suͤnde / das Volck vnd Vnderthanen / als vmb dieſer Suͤnde willen die Re - genten vnd Obrigkeit geſtraffet worden.

MOſes iſt wol ein trewer Regent geweſen / der es mit ſeinem Volckſehr trewlich vnd wol gemeynet. Dann als Aaron vnd die Kinder Jſrael durch Abgoͤtterey deß gegoſſenen guͤldenen Kalbes ſich hart an Gott ver - ſuͤndiget / vnd Moſes beſorget / Gott wuͤrde ſie alle vertilgen / bath er Gott / jhnen ſolche Suͤnde zu vergeben / wo nicht / jhn auß dem Buch deß Lebens zu tilgen / welches jhm aber abgeſchlagen vnd zur Antwort worden / ich wilden auß meinem Buch tilgen der an mir geſündiget. Exod. Cap. 32. v. 32. & ſeqq. Hat alſo Gott die - ſen frommen Regenten vmb deß Volcks Vngehorſamb nicht ſtraffen wollen. Hingegen als der Koͤnig Pharao ſein Hertz verſtockete / ſandte Gott darumb aller - ley Plagen uͤber gantz Egypten / dardurch nicht allein der Koͤnig Pharao / ſondern auch ſeine Vnderthanen vnd gantzes Koͤnigreich geplaget vnd geſtraffet worden. Exod. C. 5. 6. 7. uſque ad C. 10. vmb Sauls willen / vnd vmb deß Bluthauſes wil - len / daß er die Gibeoniter getoͤdtet hatte / ſchickte Gott eine dreyjaͤhrige Thewrung auch nach ſeinem Todt / 2. Samuel. Cap. 21. v. 1.

Als der Koͤnig David ſein Hertz erhub / auß Hochmuth vnd Vermeſſenheit das Volck zehlen ließ / ſtraffte Gott ſeine Vbertrettung / vnd ſchickete Peſtilentz in Jſrael / dardurch ſiebentzig tauſend Mann von Dan biß gen Berſeba von der Er -Bb ijden12Das ander Buch /den vertilget vnd weggeraffet wordẽ / welches dann David ſo ſehr vnd ſchmertzlch zu Gemuͤth gangen daß er zu Gott geruffen vnd geſagt: Jch habe geſuͤndiget / ich habe die Miſſethat gethan / was haben dieſe Schaff gethan? laß deine Hand wider mich vnd meines Vatters Hauß ſeyn. 2. Samuel. Cap. 24. 1. Chron. Cap. 22. Als er auch vorhin in dem 51. Pſalm. ſeine Suͤnde berewet / hat er ſich ſehr gefuͤrchtet vnd beſor - get / es moͤchte die Straffe uͤber das gantze Koͤnigreich vnd alle Vnderthanen kom - men / derowegen vmb Erhaltung deß Kirchenſtandes vnd Policey deß Juͤdiſchen Volcks inbruͤnſtig gebetten / wie er geſprochen: Gedencke Herꝛ an Zion nach dei - ner Gnaden / ꝛc. v. 20.

So bald ſich der Koͤnig Salomo durch ſeine Heydniſche Weiber verleiten / vnd eine Hoͤhe Molech dem Grewel der Ammoniter / vnd Chamos dem Grewel der Moabitter erbawen ließ / erweckte Gott jhme vnd dem Koͤnigreiche Feinde. 1. Reg. Cap. 11. Wie Jerobeam zu Bethel den Abgoͤttiſchen Kaͤlbertantz angerichtet vnd darbey verharꝛete / auch ſich vom Krieg nicht wolte abmahnen laſſen / meldet die Schrifft / daß Jſrael uͤbergeben ſey vmb der Suͤnde willen Jerobeam 1. Reg. Cap. 14. v. 16. geplaget vnd deren viel tanſend in der Schlacht von Abia dem Koͤnig in Juda erleget worden. 2. Chron. Cap. 13. So bald der Koͤnig Hiskia ſein Hertz er - hub vnd ſich an Gott verſuͤndigte / kam dardurch der Zorn uͤber jhn / vnd uͤber Juda vnd Jeruſalem / 2. Chron. Cap. 32. Darumb daß Manaſſe alle der Heyden Grewel gethan / ſagte Gott / daß er wolte Vngluͤck bringen uͤber Jeruſalem vnd Juda / daß / wer es hoͤren wuͤrde / dem ſollen ſeine beyde Ohren gellen. 2. Reg. Cap. 21. Vnd bey dem Propheten Jeremia ſpricht der Herꝛ / vmb der Suͤnde Manaſſe willen / wil ich ſie in allen Koͤnigreichen hin - vnd hertretben / ich wil ſie mit der Wurffſchauffel zum Lande hinauß wurffeln / viel Wittwen vnd Weyſen machen. Jerem. Cap. 15. v. 4. & paſſim per tot. Die Edomiter vnd Philiſter thaten dem Judiſchen Volck groß Leyd / die Vrſach wird in der Schrifft darbey geſetzet: Dann der Herꝛ demuͤthiget Juda vmb Ahas willen deß Koͤnigs Juda 2. Chron. Cap. 28. v. 19. Jn Summa / es weiſet die Hiſtoria vnd Geſchichtbeſchreibung der Koͤnige Jſrael Juda auß / daß wañ ein Koͤnig gottloß vnd abgoͤttiſch geweſen oder wordẽ / daß bald darauff das Jſ - raelitiſche Volck / mit Krieg / Schwerdt / Peſtilentz / Hunger vnd andern Plagen ge - ſtraffet worden / wie zuſehen in den Buͤchern der Koͤnige vnd Chronicken / daß alſo der alte Poet recht vnd wol geſaget:

Quicquid delirant Reges, plectuntur Achivi.

Oder /

Wann ſich die Heren rauffen / ſo müſſen die Vnd erthanen die Haar herge - ben. Oder / Was die Herꝛen ſündigen / das muͤſſen die Bawren buͤſſen.

AXIO -13Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA VI. Die wenigſten Regenten haben loͤblich vnd wolregieret. (Vi - deatur hac de re Nicol Cauſſin. Jeſuit. in Diſſertatio - nib. ad Libros Regum, Diſſert 9 ubi ſcribit: Ra - riſſimum eſt in Natura ſpectaculum Rexim - maculatus. Idem Cauſsin. ib. in Diſſ. 9. 5.)

WAnn man das Regiſter der Regenten deß Volcks Gottes durch ſiehet / iſt dieſer Satz leichtlich mit Exempeln zu beſtaͤrcken.

Das Buch der Richter vorbey vnd nurent in die Buͤcher der Koͤ - nige vnd der Chronicken zugehen / ſtehet ſo bald vor Augen / daß gegen einem guten Koͤnig gar viel boͤſe zufinden / die da gethan / was dem Herꝛn uͤbel ge - fallen / wie der Text redet / vnd das Regiſter der Koͤnige Juda vnd Jſrael bezeuget.

Der erſte Jſraelitiſche Koͤnig Saul uͤberſchritte Gottes Befehl bald / opffer - te vom Verbanneten. 1. Sam. Cap. 15. trachtete dem frommen David tyrannt - ſcher vnd tuͤckiſcher Weiſe nach Leib vnd Leben. 1. Samuel. Cap. 18. & ſeq. ließ auff einen Tag fuͤnff vnd achtzig Prieſter deß Herꝛn / die leinen Leibroͤck getragen / graw - ſamblich / ohne Verſchulden / erwuͤrgen. 1. Sam. Cap. 22. wendete ſich endlich gantz von Gott zur Hexen vnd Wahrſagerin. 1. Sam. Cap. 28. vnd ward ein Moͤrder an ſeinem eygenen Leibe. 1. Sam. Cap. 31. Jerobeam Kam von geringer Ankunfft zu Koͤniglicher Wuͤrde vnd Hoheit / liebete aber das zeitliche Glück vnd die eingebilde - te Rationem Status hoͤher als ſeinen Gott vnd Herꝛn / ward Abgoͤttiſch / ordnete zu Bethel den Kaͤlbertantz an / vnd machte das gantze Volck ſuͤndigen / derowegen er mit ſeinem gantzen Hauſe außgerottet worden. 1. Reg. Cap. 12. 13. & 14.

Rehabeam der Koͤnig in Juda machte es nicht viel beſſer. d. Cap. 14. verließ das Geſetz deß Herꝛn vnd gantz Jſrael mit jhme. 2. Chron. Cap. 12. v. 1. & ſeqq. ſein Sohn Abia Koͤnig in Juda tratt in die Fußſtapffen ſeines Vatters vnd wandelte in allen Suͤnden. 1. Reg. Cap. 15. Nadab der Sohn Jerobeam ſolgete ſeinem Vat - ter im Regimente vnd zugleich in allen ſeinen Laſtern vnd Sünden / derowegen er mit ſeinem gantzen Hauß / vnd was davon den Athem hatte von Baeſa außgetil - get / vnd dieſem die Cron Jſrael wider auffgeſetzet ward. 1. Reg. Cap. 15. v. 29. & ſeqq. Baeſa war gleich gottloß / ward auch ſambt ſeiner gantzen adhærentz mit gleicher Straffe heimbgeſucht. 1. Reg. Cap. 5. vnd ſein im Koͤnigreich ſuccediren - der Sohn Ella ſambt der Poſteritaͤt von Simri exſtirpirt. 1. Reg. Cap. 16. dieſerBb iijKoͤnig -14Das ander Buch /Koͤnig-Moͤrder ward von dem Feldhauptman Amri / in Tirza belaͤgectt / verbrand - te ſich ſelbſten auß deſperation im Koͤniglichen Pallaſt im ſiebenden Tage ſeines Regiments 1. Reg. Cap. 16. Amri ward Koͤnig an ſeine ſtatt / war aͤrger als alle die vor jhme geweſen. 1. Reg. Cap. 16. ſein Sohn Achgb folgete jhm im Regiment vnd gottloſen Weſen / war ein beſchreyter Tyrann vnd Propheten Moͤrder. 1. Reg. Cap. 16. 17. & ſeqq. der Koͤnig Ahaſia Achabs Sohn / fienge es an dem Orth an / wo es ſein Vatter gelaſſen / dienete Baalim vnd wandelte in dem Wege ſeines Vat - ters vnd Mutter 2. Reg. Cap. 1. dieſes Sohn Joram machte es zwar ein wenig beſ - ſer / that aber doch was dem Herꝛn uͤbel gefiehl. 2. Reg. Cap. 3. Joſaphat Koͤnig in Juda war zwar ein loͤblicher guter Regent / aber wie er die Augen zuthat / kam ſein Sohn / auch Joram genandt / vnd nach jhm ſein Enckel Ahaſig zur Koͤniglichen Cron / vermaͤhlete ſich mit deß Koͤnigs Achabs Tochter / erfuͤlleten die gottloſen Fußſtapffen Achabs 2. Reg. Cap. 8. Jehu ward zwar auß dem Volck hervor gezo - gen vnd durch einen Propheten auff Gottes Befehl zum Koͤnige in Jſrael geſal - bet / das Hauß Achabs vnd Jorams heimzuſuchen vnd zu vertilgen / deme er auch nachkommen vnd Joram ſambt ſiebentzig Soͤhnen Achabs vnd was ſonſten dar - an noch uͤbrig geweſen / wie ingleichem viertzig Bruͤder Ahaſia erwuͤrgen laſſen. 2. Reg. Cap. 9. & 10. ließ aber doch endlich ſelber den Hund hincken / vnd wandelte in den Suͤnden Jerobeams / vnd ließ nicht abe von den gülden Kaͤlbern zu Bethel vnd zu Dan / darumb auch ſein Stuhl vnd Koͤniglicher Thron nicht weiter als auff die vierdte generation oder Glied von Gottbeſtaͤttiget worden. 2. Reg. d. Cap. 10. Der Koͤnig Ahas Amaziæ Sohn war Abgoͤttiſch / ſo gar daß er ſeine Soͤhne nach Heydniſcher Art durchs Fewer gehen vnd verderben ließ. 2. Reg. Cap. 16. Nahme dem Koͤnige zu Aſſyrien zu gefallen Aenderung vor im Tempel eod. Cap. circ. fin. Sacharia / Sallum / Menahem / Pekahia / Hoſea nach einander ordine ſuc - ceſſivo ſeyn Koͤnige in Jſrael geweſen / haben uͤbel regiert / vnd alle gethan / was dem Herꝛn uͤbel gefiehl. 1. Reg. Cap. 15. & 17. Manaſſe Koͤnig in Juda wandelte in den Heydniſchen Greweln / ließ ſeine Soͤhne auch durchs Fewer gehẽ im Thal Hin - non / achtete auff Vogelgeſchrey / zauberte vnd ſtifftete Wahrſager vnd Wahrſa - gerinnen. 2. Chron. c. 33. & 2. Reg. C. 21. Der Koͤnig Joiakim vnd nach jhm ſein Sohn Jojachim waren auch gottloß vnnd regierten uͤbel. 2. Reg. C. 23. in fin. & C. 24. Zedekia war auch gottloß / ward meyneydig vnd fiehl ab von dem Koͤnig Nebu - cadnetzar / deß wegen er gefangen / ſeine Kinder in ſeinem Angeſicht geſchlachtet / jh - me ſeine Augen geblendet vnd er in Eyſen vnd Ketten geſchlagen / gefaͤnglich nach Babel gefuͤhret worden 2. Reg. C. 25. 2. Chron. C. 36. Jerem. C. 39. v. 6. & ſeqq. & C. 52 v. 10. & ſeqq.

Wann man nun diß Regieſter der boͤſen gottloſen Koͤnige gegen die Zahl der loͤblichen vnd from̃en haͤlt / ſo ſind dieſer ſehr wenig gegen jene / vnd iſt in andern Welthiſtorien dergleichen viel mehr zufinden / dahero jener Keyſer ſehr wol geſagt:Omnium15Von dem weltlichen Stande. Omnium bonorum Principum imagines in uno annulo ſculpi poſſe. Das iſt; Daß man aller frommen Koͤnige vnd Regenten Bildnuß wol in einen Ringe graben vnd abbilden koͤnne / dahin dann auch D. Lutherus ziehlet / wann er ſchrei - bet / daß groſſe Herꝛn Wildpraͤth im Himmel ſeyn werden.

AXIOMA VII. Auß guten Regenten ſind ehe vnd mehr boͤſe / als auß boͤſen gute worden.

VIel Koͤnige / Fuͤrſten vnd Regenten haben ſich Anfangs vor vnd nach an - getrettener jhrer Regierung / loͤblich vnd wol gouverniret vnd bezeiget / ſind guͤtig vnd ſanfftmuͤthig geweſen / haben Recht vnd Gerechtigkeit ge - liebet / aber mit der Zeit durch das groſſe Gluͤck / Licentz vnd Herꝛligkeit jh - rer Gewalt ſich allgemach von Gott gewandt / die Gottesforcht vnd Ehrbarkeit zu - ruͤck geſetzet / jhren herꝛſchenden Begierden vnd Affecten den Zügel gelaſſen / vnd allgemach in grewliche Tyrannen degeneriret, ſehr uͤbel regieret / auch ein ſchlechtes Ende genommen. Der Koͤnig Saul ließ ſich im Anfang ſehr wol an / GOtt gabe jhm ein ander Hertz / ſo gar daß er vnter die Propheten geriethe vnd durch den Geiſt Gottes weiſſagte. 1. Sam. Cap. 10. 11. 13. war guͤtig vnd ſanfftmuͤthig gegen die ſo jhn verachtet vnd beſchimpffet. 1. Sam. C. 10. v. fin. & C. 11. v. 13. ließ ſich aber endlich durch die Koͤnigliche Licentz vnd Hoheit bethoͤren / daß er Gottes Wort nicht ach - tet. 1. Sam. Cap. 13. v. 13. vnd wie darumb Gott ſeine Hand wider von jhme abthate / fiehl er auß einer Suͤnde in die ander / vnd ward je laͤnger je aͤrger / wie ſolches ſeine Res geſtæ, Tyranniſche Proceduren vnd elender Beſchluß ſeines Lebens vnd Re - giments im erſten Buch Samuelis bezeuget. Der Koͤnig Rehabeam hielte An - fangs an dem Geſetze / da aber ſein Koͤnigreich beſtaͤttiget vnd bekraͤfftiget war / ver - ließ er das Geſetz deß HErꝛn vnnd gantzes Jſrael mit jhme im 2. Buch der Chron. Cap. 12. v. 3.

Aſſa regierte im Anfang loͤblich / thaͤte was recht war vnd dem Herꝛn ſeinem Gott wol gefiehl. 2. Chron. Cap. 14. v. 1. verbandt ſich aber hernacher mit dem Koͤnig in Aſſyrien / ſetzte ſeine Zuverſicht auff menſchlichen Arm / ward endlich Tyran - niſch / vnd ließ den Propheten Hanani / darumb daß er jhm deß Herꝛn Willen ver - kuͤndete vnd ſeine Vbertrettung verwieſe / ins Gefaͤngnuß legen. 2. Chron. Ca. 16. v. 11. vnd wie er das Podagra bekam / oder wie die Hiſtoria meldet / an ſeinen Fuͤſſen kranck war / vnd dieſe Schwachheit zunahm ſuchte er nicht den Herꝛn ſondern die Aertzte in ſelbigem Cap. v. 12.

Joas16Das ander Buch /

Joas that im Anfang ſeiner Regierung was dem Herꝛn wol gefiehl / conti - nuirte auch damit ſo lang der Prieſter Jojada lebete / ſo bald aber dieſer die Augen zuthate / ließ er den Hund hincken. 2. Reg. Cap. 12. ward tyranniſch vnd vndanck - bar / ließ deß Prieſters Jojada Sohn erwuͤrgen / vnd gedachte nicht an die Barm - hertzigkeit die Jojada ſein Vatter an jhm gethan. 2. Chron. Cap. 24. Vſia regierte auch viel Jahr wol / ſiegete wider die Philiſter vnd Araber / zerſtoͤhrete viel jhrer Staͤdte / bawete in Juda Staͤdte vnd beveſtigte Jeruſalem / da er aber maͤchtig worden war / erhub ſich ſein Hertz zu ſeinem Verderben / grieff in ein frembd Ampt der Prieſter vnd wolte raͤuchern auff dem Rauchaltar darumb er mit Außſatz ge - ſchlagen worden. 2. Chron. C. 26. & 2. Reg. C. 14. Der Koͤnig Cyrus war durch den Propheten Eſaiam / dem Volck Gottes ſonderlich verſprochen / regierte Anfangs gar gelind vnd mit Sanfftmuth / mit der Zeit ward er grawſamb vnd endlich gar tyranniſch / Adam. Contzẽ. in ſuo Daniel. ſiv. de ſtar. aulic. Cap. 5. §. 1. in fin.

Der Roͤm. Keyſer Nero war ein verſtaͤndiger hochbegabter Keyſer / regierte Anfangs in die fuͤnff Jahr wol vnd war ſanfftmuͤhtig vnd gelinde / ſo gar / wann er ein Blutvrthel / wie es damahls braͤuchlich war / vnderſchreiben ſollen / er wol ge - ſagt: Mallem me neſcire literas: Jch wolte daß ich nicht ſchreiben koͤndte. Erhub ſich aber nach gehends / ward frech / Crudel vnd ein ſolcher grawſamer Tyrann / der - gleichen nicht viel geweſen / ſo gar daß er einsmahls gewuͤnſchet / daß alle Buͤrger zu Rom einen Halß haͤtten / vnd alle Aexte eines waͤren / damit auff einmahl aller Haͤlſe abgehawen werden koͤndten. (Bodinns de Repub. lib. 4. C. 1. hac de re ita ſcribit. Ipſa imperandi Natura ſæpiſſimè ex hominibus probis improbos, è ſapien - tibus inſanos, è ſtrenuis ignavos, ex humilibus ſuperbos efficit. Quid enim Nero - nisquinquennio, quid Adoleſcentia præclarius? Quid Tyberii principio modera - tius? paulo minus, quam privatum egit: Dominus appellatus à quodam, denun - tiavit, ne ſe amplius contumeliæ cauſa nominaret; adverſus convitia & famoſa de ſe carmina ſubinde jactabat, in libera Republica liberas oportere eſſe linguas: Hoctamen confirmatis lmperii opibus & potentia, nemo crudelior uſquam aut libidinum inaudita fœditate turpior exſtitit. Sic Herodem ſcribit Philo, ſex annos iuſtè imperaſſe, triginta duos crudeliſſimam in omnes tyrannidem exercuiſſe, de qua re plura Bodin. d. loc. de Tyberii ſimulatione vid. etiam Tacit. lib. 1. Ann. Quan - tum mutatus ab illo.

Dem Keyſer Veſpaſiano giebet Cornelius Tacitus das Lob / daß er allein von allen Keyſern die vor jhme regieret / nach angetrettener Regierung beſſer vnd nicht aͤrger worden. (Veſpaſianus, ſolus omnium ante ſe Principũ in melius mutatus. Ta - cit. Annal. lib. 10.

Vnder den Koͤnigen Juda kompt mir jetzo auch nur das Exempel Manaſſe zur Hand / welcher ſein Regiment uͤbel angefangen / nach den Greweln der Hey - den / ſich der Zauberey beflieſſen / auff Vogelgeſchrey / Wahrſager vnd Zeichendeu -ter ge -17Von dem weltlichen Stande. ter geachtet / viel vnſchuldiges Blut vergoſſen / vnd eine tyranniſche Regierung ei - ne geraume Zeit gefuͤhret / gleichwol hat er ſich noch zu letzt zu Gott bekehret / die frembde Goͤtter vnd Goͤtzen auß dem Hauſe deß Herꝛn / vnd alle Altar die er ge - bawet hatte / abgethan / deß Herꝛn Altar zugerichtet vnd darauff geopffert dem Herꝛn Danckopffer vnd Lobopffer / vnd alſo ſein voriges gottloſes Weſen mit ei - nem guten final oder Beſchluß geendet. 2. Chron. C. 33. & 2. Reg. C. 21. vnd iſt dieſer Manaſſes allein nach David zufinden / ſo ſich von Boͤſem ab-vnd rechtſchaffene Buß gethan. Nicol. Cauſſin. in Diſſertat. ad Libr. Reg. Diſſert. 94.

Hierbey iſt aber wol zumercken; wann Manaſſe nit waͤre von dem Koͤnig in Aſſyrien / ſeiner grewlichen Suͤnde halber mit Heeresmacht uͤberzogen / gefangen / mit Feſſeln vnd Ketten gebunden nach Babel gebracht / vnd daſelbſten in der Angſt vnd Noth in ſich geſchlagen vnd durch die Anfechtung zur Demuth vnd Er - kandtnuß gerathen / (vexatio dat intellectum. ) ſondern bey ſeiner Koͤniglichen Wuͤrde / Licentz Freyheit vnd Vppigkeit geblieben / er waͤre ſchwerlich zur emenda - tion kommen / weil es ſonſten ſchwer iſt / alte Hunde / wie das Sprichwort lautet / bendig zumachen.

Achab ließ ſich auff die ſtarcke Straffpredigt deß Propheten Eliæ / etwas an zur Buß vnd Bekehrung / legte einen Sack an ſeinen Leib / ſchlieff darin / faſtete / vnd gieng jaͤm̃erlich daher / daß er auch in etwas Gnade von Gott erhielte. 1. Reg. C. 21. v. 27. aber es war kein Grund darbey / er gieng gar bald wider loß / verließ den Pro - pheten Eliam / ſamblete vier hundert Baals Propheten vnd folgete jhrem Rath vnd ließ den Propheten Micham in den Kercker legen / mit Brod vnd Waſſer deß Truͤbſals ſpeiſen / kam aber in der Schlacht vmb / vnd war ſein Blut von den Hunden gelecket. 1. Reg. Cap. 22.

CcAXIO -18Das ander Buch /

AXIOMA VIII. Auch die frommen vnd gottſeligen Regenten ſind nicht ohne Thatel geweſen / haben auch viel vnd manigfaltige Fehler be - gangen. (Nullum Regnum tam eſt conſtitutum benè, quin habeat aliquid Tyrannicum. D. Luther. in Com - ment. ad Geneſ. Cap. 12. fol. 151. Et ipſi qui audiuntur Imperatorum maximi, ſuos habuere nævos, Auguſtus, Traianus, Theodoſius, Conſtantinus, Carolus Magnus, cuius rei rationes reddit Nicol. Cauſſin. in Libr. Reg. Diſſert. 95.)

MOſes hatte das Lob / daß er getrew geweſen im gantzen Hauſe deß Herꝛn / Num. C. 12. v. 7. H br. C. 3. v. 2. dennoch geriethe er auch einsmahls in diffidentz vnd Mißtrawen an Gottes Allmacht / wie er den Felſen ſchlug. Num. C. 11. v. 27. & C. 20. v. 12. & C. 27. v. 14. Deutern. C. 3. v. 26. vnd jhme etliche Wort entfuhren / Pſal. 106. v. 32.

David war zwar ein Mann nach dem Hertzen vnd Willen Gottes / er be - gieng aber nicht ein / ſondern mehr vnd grobe Fehler durch den Ehebruch mit der Bathſeba / deß vnſchuldigen Uriæ Hinrichtung / vnd vermeſſener Zehlung deß Volcks. 2. Sam. C. 11. & C. 24. 1. Chron. C. 22. Salomon war von GOtt mit aller Weißheit uͤber alle Koͤnige auff Erden hoch begabet / hat ſich doch an Gott verſuͤn - diget / daß er ſich nicht allein an gar zu viel Weiber gehaͤnget / 1. Reg. C. 11. welches Gott dem Koͤnig außtruͤcklich verbotten Deut. C. 17. wann er durch Moſen ſpricht der Koͤnig ſoll nicht viel Weiber nehmen; ſondern er vertieffte ſich auch durch die Heydniſche Weiber / die ſein Hertz neygeten zu frembden Goͤttern. 1. Reg. C. 11. Der Koͤnig Aſſa war gottsfoͤrchtig / vnd that was dem Herꝛn ſeinem Gott wol gefiehl / verließ ſich aber doch zu letzt zu viel auff die Aſſyriſche Huͤlffe vnd Buͤndnuß / vnd legte den Propheten Hanani / darumb daß er jhme auff Befehl Gottes ſolches ver - wieſſe / ins Gefaͤngnuß; verließ ſich auch zu viel in ſeiner Schwachheit auff ſeine Leib. Medicos vnd Aertzte vnd ſuchte den Herꝛn nicht. 2. Chron. C. 14. & C. 16. Jo - ſaphat war fromb / ließ Kirchen vnd Schulen viſitiren, beſtellte die Gerichte vnd Conſiſtoria, vnd erlangte durch Gottes Gnade groß Anſehen ber den außwaͤrtigen Koͤnigen / befreundete ſich aber doch vnd haͤngete ſich mit vnhüpſcher Buͤndnuß an den gottloſen abgoͤttiſchen Achab / 2. Chron. C. 18. & C. 19.

Uſia19Von dem weltlichen Stande.

Uſia wolte gar zu heilig ſeyn / grieff in das Hoheprieſterliche Ampt / gleng in das Heiligthumb zu raͤuchern auff dem Rauchaltar. 2. Chron. C. 26.

Hiskias ſuchte zwar den Herꝛn mit bußfaͤrtigem Hertzen / erhielt Sieg vnd Gnade / auch durch ſein Gebett 15. Jaͤhrige Verlaͤngerung ſeines Lebens / ward aber bey gutem Gluͤck auch uͤppig / vnd wie die Babyloniſche Geſanden kahmen jhn zu beſuchen / prangete er mit ſeinem Schatz / vnd zeigete jhnen das gantze Schatz - hauß / Silber / Gold / Specerey vnd ſeine Zeughaͤuſſer vnd Rüſtkammern / verſuͤn - digte ſich damit an Gott / darumb jhme der Prophet Eſaias ein ſcharpffe Predig thun muſte. 2. Reg. C. 19. & 2. Eſai. C. 39. Joſia war auch gottsfuͤrchtig / wandelte in den Wegen ſeines Vatters Davids / bekam die Zuſage von dem Herꝛn / daß er jhn wolte ſamblen zu ſeinen Vaͤttern / daß er in ſein Grab mit Frieden ſolte kommen / vnd ſeine Augen das vorhandene Vngluͤck nicht ſehen ſolten. 2. Chron. C. 34. be - gab ſich aber vermeſſentlich in einen vnnoͤthigen Krieg / mit Necho dem Koͤnig in Egypten / verſuͤndigte ſich an Gott / ward toͤdtlich verwundet / ſtarb daran / vnd ward nicht in Frieden geſamblet zu ſeinen Vaͤttern. 2. Chron. Cap. 35. 1. Reg. Cap. 10. 2. Chron. C. 9.

AXIOMA IX. An guter education vnd Aufferziehung / deren ſo Land vnd Leutheregieren ſollen / iſt ſehr viel gelegen. (Videatur hac dere Nicol. Cauſſin. in Diſſertat ad Libr. Regum Diſſert. 13.)

MOſes war ein trefflicher Regent / er war aber an dem Koͤniglichen Hoff Pharaonis in Egypten durch deß Koͤnigs Schweſter wol erzogen / die jhn ſtudieren vnd in aller Weißheit der Egypter informiren vnd vnder - richten laſſen / daß er maͤchtig in Worten vnd Wercken worden / wie jhme deſſen der H. Stephanus Zeugnuß gibt in der Apoſtel Geſchicht am 7. Cap. v. 22. Exod. Cap. 2. v. 10. Sein Succeſſor Joſua war von Moſe auch wol angefůhret / der auch die Haͤnde auff jhn geleget / daß er erfuͤllet worden mit dem Geiſt der Weiß - heit. Num. C. 27. Deut. C. 34 v. 9. Der fromme vnd kluge Richter Samuel / ward zeitlich zu dem Geſetzbuch Gottes deß Prieſters Eli inſtitution vndergeben. 1. Sam. Cap. 2. Der Koͤnig Salomo iſt in ſeiner zarten Jugend dem Propheten Nathan zu guter education vnd Aufferziehung vnder die Hand gebracht. 2. Sam. Cap. 12. v. 25. der ward hernacher ein hochgeprieſener erleuchtigſter Koͤnig deßgleichen nichtCc ijgeweſen.20Das ander Buch /geweſen. Als dieſer Koͤnig / welchen ſein Vatter David wie er auff ſeinem Tode - betthe lage / weiter informirte wie er gottſelig weißlich vnd wol die Regierung fuͤh - ren ſolte / vnd ſprach: Jch gehe hin den Weg aller Welt. So ſey getroſt vnd ſey ein Mann / vnd warte auff die Hut deß Herꝛn deines Gottes / daß du wandelſt in ſeinen Wegen / vnd halteſt ſeine Sitten / Gebott / Rechte / Zeugnuß / wie geſchrieben ſtehet im Geſetz Moſe / im 5. Buch Cap. 17. v. 16. auff daß du klug ſeyeſt in allem was du thuſt vnd wo du dich hinwend ſt. Auff daß der Herꝛ ſein Wort erwecke / das er uͤber mich geredt hat vnd geſagt: Werden deine Kinder jhre Wege behuͤten / daß ſie fuͤr mir trewlich vnd von gantzem Hertzen wandeln / ſo ſoll von dir nimmer gebrechen ein Mannauff dem Stuhl Jſrael / im 1. Buch der Koͤnig. Cap. 2. v. 1. & ſeqq. Von den Koͤnigen in Egypten / die ſich Jſraeliten nennen / vnd jhre Ankunfft von dem Koͤnig Salomo vnd der Koͤnigin Saba auß Reich Arabien / die den Koͤnig Salo - mo einsmahls beſuchet / deduciren wollen / ſchreibet Bodin. lib. 6. de Repub. Cap. 5. daß deren junge Herꝛſchafft vnd Kinder auff dem hohen Berg Anga genandt / in einem veſten wol verwahrten Schloß erzogen / in den freyen Kuͤnſten / Sprachen vnd andern tugendhafften Exercitien vnderrichtet vnd angeführet werden. So bald nun der Koͤnigl. Thron durch Todtsfaͤlle erlediget / wird der tugendhafftigſter vnd geſchicklichſter auß den Koͤniglichen Kindern / den andern vor / vnd zum Regi - ment gezogen. Wie nun eine gute education vnd Kinderzucht / viel gutes wuͤr - cket / alſo ſchaffet eine boͤſe Aufferziehung viel uͤbels. Gar ſtarck ließ GOtt der Herꝛ ſeinem Volck durch den Propheten Ezechiel verweiſen / die uͤbele education vnd Aufferziehung jhrer Koͤnige / daß ſie von jhren Můttern / gleich den Loͤwinnen vnder den jungen Loͤwen / das iſt zu aller Crudelitaͤt vnd Tyranney erzogen / ſo die Leuthe zerriſſen vnd gefreſſen / die Staͤdte verwuͤſtet / daß das Land vnd was darin - nen iſt fuͤr der Stimme jhres Brüllens ſich entſetzet / Ezech. Cap. 19. v. 2. 3. 4. 7. Da - hero Gott die Heyden uͤber ſie geſchickt / die jhnen Gruben gegraben / ein Netz uͤber ſie geworffen / gefangen / ſie in ein Gatter geſtoſſen vnd zum Koͤnig in Babel ge - fuͤhret v. 8. 9. & ſeqq.

Von Ahaſia dem Koͤnig in Juda Jorams jüngſten Sohn meldet die Schrifft daß er gewandelt in den Suͤnden deß Hauſes Achabs / die Vrſache pravæ educationis wird dabey geſetzet / weil ſeine Mutter vom Hauſe Achab jhn darzu ge - halten / erzogen vnd Rath darzu gegeben / daß er gottloß worden. 2 Chron. C. 22. v. 3. & 4. Es iſt die Jugend hohes vnd geringern Standes gleich einem Wachs wie Baſilius Magnus erinnert / was man einmahl darin trucket das bleibt wol /

Utlaus eſt ceræ, mollis cedensq́ue ſequatur
Si doctos digitos, juſſa q́ue fingat opus;
Sic hominum ingenium flecti ducique perartes,
Non rigidas, doctâ mobilitate decet.

auch gleich einem newen Haffen oder Geſchirꝛ / was einmahl darin infundiret, dar -von21Von dem weltlichen Stande. von es den Geſchmack an ſich nimbt / denſelben behaͤlt es wol eine gute Zeit vnd iſt ſchwer darauß zubringen.

(Qua ſemel eſt imbuta recens ſervabit odorem, Teſta din.)

Der loͤbliche Fuͤrſt Weyland Hertzog Johann Albrecht zu Mecklenburg / iſt in Vffrichtung ſeines Teſtaments ſehr ſorgfaͤltig geweſen wegen ſeiner beyden jun - gen Herꝛn guter Aufferziehung / ſetzet darbey / daß gute education in der jungen Fuͤrſten gantzes Leben vnd kuͤnfftige Regierung ſich erſtrecke / auch nicht weniger daran / als einem ſchweren Bawe / an der Grundfeſte / gelegen.

Was bey den wildeu Thieren / Loͤwen / Baͤhren / Elephanten vnd andern die education vnd Anweiſung thut / ſolches bezeuget ja die taͤgliche Erfahrung / wel - ches der kluge Lycurgus ſeinen Buͤrgern mit einem ſolch n Exempel vorgeſtellet / daß er zwey junge Hunde von einer Art vnd Zucht erzogen / den einen zum Jagen abgerichtet den andern aber nurent zum Fraas bey den Fleiſchtoͤpffen gewehnet / hat ſie beyde hernach im Theatro zum Vorſchein vnd Probe gebracht / zwey Fleiſchtoͤpffe vffgeſetzet / vnd daneben einen lebendigen Haſen lauffen laſſen / da dann der Kuchenhund gleich zum Fleiſchtopff / der abgerichtete aber dem Haſen nachgelauffen. Philippus Cominæus ſchreibet von Koͤnig Ludwig in Franck - reich dem Eylfften / daß die gute education, am Burgundiſchen Hoff / da erſechs Jahr in ſeiner Jugend ſich vffhalten muͤſſen / viel zu ſeiner guten qualification ge - than lib. 1. Comment. (Verba Cominæi allegato lib. 1. ita habent. Mea quidem hæc eſt ſententia, ut arbitrer, eam ſolicitudinem & moleſtiam, in qua juvenilibus annis fuit Ludovicus Rexquo tempore deſerto patre vixit apud Philippum Burgundiæ Ducem, per annos ſex plurimum ei profuit. Nam in eo rerum ſtatu cogebatur ac - commodare ſe & ſervire plurimorum affectibus & providere, ne, quorum opera carere non poterat, eos offenderet, & hoc quidem boni attulit ei fortunæ incle - mentia. Quod ſi fuiſſet educatus ita ut hodiè pleriq́ue Nobiles per Galliam, arbi - tror eum ex illis tempeſtatum fluctibus non fuiſſe emerſurum: Sic enim hodiè complures inſtituuntur, quaſi ad ludum eſſentfacti & jocum: in veſtitu & ſermo - ne nihilfaciunt moderatè aut prudenter: literarum nullam cognitionem habent: viris bonis atque peritis non patet ullus ad eos aditus, &c. Tandem concludit, in - dubitatum eſſe, eos, qui in ulla re unquam excelluerunt, maturè puerilibus an - nis ad eam remacceſſiſſe. Totum hoc conſiſtere primum in benefi - cio Dei, proximè in educatione.

Cc 3AXIO -22Das ander Buch /

AXIOMA X. Gelehrte / in freyen Kuͤnſten vnd Wiſſenſchafften ge - uͤbte Herꝛn / ſchicken ſich vor andern wol zur Regierung.

MOſes / wie im vorigen Axiomate gemeldet / war ein trefflicher hochgeprie - ſener Regent / er hatte aber das Zeugnuß in der Schrifft / daß er gelehrt geweſen ſey in aller Weißheit der Egypter / in den Geſchichten der Apo - ſtel / Cap. 7. v. 22.

Die Heldin vnd Richterin Debora ſambt dem Barack ruͤhmen vnd ſingen in jhrem Triumphlied hiervon alſo: Von Machir ſind Regenten kommen / vnd von Sebulon Regierer worden / durch die Schreibfeder / das iſt / ſie ſind wie Moſes / gelehrte / geuͤbte vnd verſtaͤndige Leuthe geweſen im Buch der Richter am 5. Cap. v. 14. vnd wegen jhrer Geſchickligkeit vnd Wiſſenſchafft deß Geſetzes zum Regi - ment kommen / wie es die Sachſen Weimariſche Theologi in jhrer paraphraſi über dieſen Text außlegen.

Samuel vnd Salomon ſind auch gelehrte / in den ſtudiis ſapientiæ wol in - formirte loͤbliche Regenten geweſen / wie gleichfalls in præcedenti Axiomate ge - dacht / vnd bezeugen ſolches Salomonis ſeine herꝛliche Sprichwoͤrter vnd andere Buͤcher. Jn ſeinem Prediger ſpricht er / ich lernete Weißheit / Thorheit vnd Klug - heit Cap. 1. v. 17. Der erſte Roͤmiſche Keyſer Julius Cæſar iſt ein gelehrter beredter vnd erfahrner Herꝛ geweſen / hat ſeine Annales Geſchichte vnd Heldenthaten ſel - ber beſchrieben / mit herꝛlichen moralibus, der nachkommenden Welt / zu guter in - formation geziehret / ſo noch auff dieſe Zeit von Regenten vnd kriegenten Herꝛn vnd Officirern mit groſſem Nutzen geleſen werden / Auguſtus, Titus, (welcher Deli - cium generis humani genandt) Adrianus, Antoninus Philoſophus, Alexander Se - verus, Conſtantinus Magnus, Theodoſius Magnus, Carolus Magnus, ſind gelehrte Herꝛn geweſen vnd haben wolregiert.

Es wil zwar von etlichen darvor gehalten werden / es ſey Koͤnigen / Fürſten vnd Regenten nicht nutz oder reputierlich daß ſie viel ſtudieren / haltens fuͤr Schul - fůchſerey / vnd ſind gleichwol auch alte vnd friſche Exempla vorhanden / daß gelehrte Fuͤrſten vnd Herꝛn Anfangs zwar eine gute / aber endlich eine boͤſe vnd vngluͤck - liche Regierung gefuͤhret. Wie in Nerone der in Sprachen vnd freyen Kuͤnſten von ſeinem Præceptore dem Weltweiſen Seneca uͤberauß wol vnterrichtet / vnd Anfangs ſehr wolregiert / auch andern alten vnd friſchen Exempeln zuſehen vndzumercken.23Von dem weltlichen Stande. zumercken. Nero hat ſeine Kunſt zur Tyranney vnd Boßheit mißbrauchet / deß - gleichen haben gethan / Gallienus, Julianus vnd andere: vid. Theatr. Zwinger. vol. 5. l. 1. p. 1197. Aber hierauff iſt leicht die Antwort zu finden / daß die Geſchickligkeit vnd Wiſſenſchafft an vnd vor ſich / keinen Regenten zu vnloͤblicher Regierung vnd Thaten veranlaſſe / angeſehen die ſtudia einem jeden / was gut oder boͤß / was loͤblich oder thadelhafft / wie andere Regenten von Anbegin der Welt regieret / worůber ſie gelobet oder gethadelt worden / was ſie Gutes zur Nachfolge / vnd Boͤſes zur Ab - ſchew verlaſſen / vor Augen ſtellen: daß aber etliche gelehrte Herꝛn uͤbel regiert / kompt ex Accidenti, iſt ein Mißbrauch vnd kan den loͤblichen ſtudiis nicht beyge - meſſen werden / (Doctrina omnibus mortalious honori eſt. Neand.) Man muß al - lenthalben den Mißbrauch von dem rechten Gebrauch vnderſcheiden. Was gutes in Kuͤnſten lernen vnd recht gebrauchen hat noch keinem geſchadet oder zu Schan - den gemacht / ſondern vielen genutzet vnd herꝛlich gemacht. Jns gemein aber kompt der Mißbrauch daher / daß die Herꝛn nicht das Quod decet, ſondern das / Quod li - bet, licet, vorziehen vnd bey ſich prævaliren laſſen / vnd dann daß ſie auff jhre eygene Wiſſet ſchafft vnd erudition gar zu viel ſich verlaſſen / vnd meynen / ſie wiſſen es vor ſich allein alles beſſer als jhre Raͤthe / verachten dieſelbe vnd werden ſtoltz / darauff er - folgte dann Gottes Straff vnd Verblendung in Rathſchlaͤgen vnd Handlungen / da heiſt es dann / wie Syrach lehret vnd ſpricht: Gott wirfft die hoffaͤrtige Fuͤrſten vom Stuhl herunder vnd ſetzet demuͤthige drauff. Syr. Cap. 10. v. 17.

( Frangit Deus omne ſuperbum Magna cadunt, inflata crepant, tumefacta premuntur. Prudent. Inquinat egregios adiuncta ſuperbia mores Claudian.)

Vnd habe ich hiervon mit mehrerm in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccle - ſiaſt. lib. 2. claſ. 1. cap. 4. n. 6. & ſeqq. uſque ad n. 14. Hierbey iſt gleichwol dieſes zu ad - vertiren, daß es nicht eben ſo hoch vonnoͤthen / daß ein junger Herꝛ / ſich lang mit der Grammatic vnd andern Schulſachen ſchleppe / oder ſelber gar Grammaticen ſchreibe / vnd damit ſeinen zu hoͤhern Geſchaͤfften von Gott verliehenen Eſprit, Ver - ſtand / vnd die edle Zeit verbringe; (Nolointerim Principem, cui multa incum - bunt ſe totum & omnibus ſtudiis dare. Teneat cum Agricola exſapientia modum, & ex Præcepto citati Euripidis, non omnia ſciat, ſed quæ civitati & muneri ſuo utilia ſunt. Sufficiuntilla quæ eum commendant & iuvent. Ariſtot. 5. Politic. c. 11. & ex eo eleganter Jacob. Levecot in obſervat. Politic. ad Sueton. Cai. Jul. Cæſ. vid. & Tacit. lib. 12. Annal.) ſondern ſolchen ſtudiis oblige / darauß er deren Dinge Wiſſenſchafft zuſchoͤpffen vnd zulernen / die einem verſtaͤndigen Regenten / zu loͤb - licher weiſer Regierung bey Friedens vnd Kriegszeiten / in ſeinen Handlungen ein Liecht geben / nutzlich vnd noͤthig ſeyn koͤnnen / daß er nemblich verſchledene Spra -chen wiſſe /24Das ander Buch /chen wiſſe / in Hiſtorien vnd Geſchichten wol beleſen ſeye / (Hiſtoria teſtis tempo - rum, lux veritaris, Magiſtra morum & frænum improbitatis. ) dann auß denen Dingen / die vorhin wol oder uͤbel in der Welt außgangen / kan man ſich in gegen - waͤrtigen Zuſtaͤnden vnd occurrentien weißlicher vnd alſo gouverniren, daß man auch das kuͤnfftige vnd was bey dergleichen Begebenheit geſchehen oder erfolgen koͤnne / erwege vnd in guter diſpoſition ſtelle / darzu der Koͤnig Cyrus bey dem Xeno - phonte ſeine Soͤhne auff ſeinem Todtbeth ermahnet. Jmgleichen verſtaͤndiger Politicorum ſcripta durchlauffen / auch in Matheſi ſich etwas uͤben / vnd darauß die Baw - vnd fortification-Kunſt lernen / die in viel Wege bey Frieden vnd Krieg ei - nem Regenten ſehr erſprießlich vnd wol anſtehet.

Alexander Magnus hat den Homerum, wann er ſchon zu Felde gezogen mit ſich gefuͤhret; Carolus V. hat deß Philippi Cominæi Commentarios ſehr fleiſſig ge - leſen / auch offt bey ſich gehabt / vnd wie Thuanus meldet / zuſagen pflegen / ſepruden - tiſſimi equitis Cominæi lectione maximoperè delectatum fuiſſe. lib. 14. Hiſtor. circ. fin.

AXIOMA XI. Alle ordentliche Obrigkeit / ſie ſey boͤß oder gut / iſt von Gott vnd muß derowegen in ſchuldigen Ehren vnd Wuͤrden gehalten werden.

D Axioma hat auch ſeinen richtigen Grund / gleich dem vorigen in der Epiſtel S. Paulian die Roͤmer Cap. 13. in dem er ohne Vnderſcheid ſetzet / daß keine Obrigkeit boͤſe oder gut ſey / ohne von Gott; welche univer - ſalis negativa keinen Abſatz geſtattet / vnd iſt gewiß daß vmb ſelbige Zeit / wie S. Paulus die Epiſtel geſchrieben / keine Chriſtliche / ſondern Heydniſche vnd Abgoͤt - tiſche Obrigkeit / der grewliche Tyrann Nero vnd ſeines gleichen uͤber die Chriſten geherꝛſchet vnd dieſelben hart verfolget / dannoch derſelben Gehorſamb zu leyſten / nicht allein vmb der Straffe ſondern auch deß Gewiſſens willen / gebotten Dahin ziehlet auch S. Petrus in ſeiner 1. Epiſtel Cap. 2. v. 13. wann er lehret: Seyd vnder - than aller menſchlichen Ordnung / vmb deß Herꝛn willen / es ſeye dem Koͤnig / ꝛc.

Es iſt auch auß vielen Exempeln ſolches offenbahr. Ob wol das Volck Gottes vurecht thate vnd wider Gottes Willen / daß ſie einen Koͤnig begehrten. Nach dem mahl aber jhnen GOtt den Saul zum Koͤnig gegeben vnd beſtaͤttiget hatte / wurden die jenige die wider Saul geredt hatten / fuͤr Rebellen / Verletzer der hohen Majeſtaͤtt vnd ſolche loſe Leuthe gehalten / die deß Todts wuͤrdig waren. 1. Sam.25Von dem weltlichen Stande. 1. Sam. Cap. 9. v. 27. & Cap. 11. v. 13. Den abgoͤttiſchen Koͤnig Nebucadnezar / ohn - erachtet er das gelobte Land uͤberzogen / den Tempel zu Jeruſalem auß gepluͤndert / die zum Gottesdienſt geheiligte Gefaͤſſe hinweg gefuͤhret / die jenige ſo ſein abgoͤt - tiſches Bild nicht anbetten wolten in den fewrigen Offen werffen laſſen. Daniel. Cap. 3 hat Gott dannoch ſeinen Diener genennet / Jerem. Cap. 25. v. 9. & Cap. 27. v. 6. vnd durch den Propheten Baruch dem Juͤdiſchen Volck befohlen / vor jhn vnd die Seinigen / daß jhm Gott eine gluͤckliche Regierung geben wolle / zu bitten vnd zu betten / Baruch Cap. 1. v. 11. & ſeq. Der Prophet Jeremias nennet den gottloſen Koͤnig Zedekiam ſeinen Herꝛn. Jerem. 37. v. 20. David nennet den gottloſen / vnd allbereit von Gott verworffenen Koͤnig Saul in der groͤſſeſten Verfolgung den Geſalbten deß Herꝛn / item / ſeinen Herꝛn Koͤnig vnd Vatter. 1. Sam. Cap. 24. v. 7. 9. 11. &. 12. Et Cap. 26. v. 9. (Eraſm. Roterd. in paraphraſi ad ca. 13. Epiſt. ad Rom. Poteſt as illa inquit, à Deo proficiſcitur. Proinde qui Principi aut Magiſtratui etiam impio & Ethnico ſuo fungentiofficio reſiſtit, is non reſiſtit homini fungenti, ſed Deo à quo proficiſcitur omnis auctoritas. Et qui perturbant hunc ordinem, Deo auctori repugnant, & qui repugnant Deo, merito pœnas luent. Nec publicus ſta - tus poteſt ſubſiſtere niſi Magiſtratibus ſua deferatur auctoritas ob communem Reip. neceſſitatem.)

Pilatus war ein vngerechter Richter / dannoch erſchiene Chriſtus fuͤr jhme zu Gerichte / vnd gab jhme noch das Zeugnuſſe / daß er von Gott ſeinem himmli - ſchen Vatter die Gewalt haͤtte jhn zu verurtheilen. Der Apoſtel Paulus appellirte von deß Landpflegers Feſti vngerechtẽ Vrthel an den Keyſer Neronem, ſo / wie ge - meldet ein gottloſer Tyrann war / welchen er damit in cauſa civili vor ſeinen Herꝛn / Oberhaupt vnd Richter erkandt. Actor. 25. v. 11. Fromme gottſelige Obrigkeit iſt zwar hoch zu wuͤnſchen vnd von Gott zu bitten / gleichwol eine jede vnd auch die wunderliche zu toleriren, zu dulden vnd jhro Gehorſamb zu leiſten. 1. Per. Cap. 2. v. 18. (Boni Principes voto quidem expetendi, qualeſcunq́ue autem tolerandi ſunt. Cornel. Tacit. lib. 20. Annal. Quò pettinet illud Juſtiniani Imperat. dicentis: Et - iamſi Legum contemptor eſt, tamen pater eſt. Novell. 12. c. 2. in fin. cum quo con - cordat text. in his terminis. 1. Sam. Cap. 24. v. 12. Den gottloſen gefangenen Juͤdi - ſchen Koͤnig beklaget der Prophet Jeremigs dannoch ſehr beweglich / wann er ſpricht: Der Geſalbte deß Herꝛn der vnſer Troſtwar / iſt gefangen worden / daß wir vns troͤſteten / wir wolten vnder ſeinem Schatten leben vnder den Heyden. in den Klaglied. Jerem. Cap. 9. v 20. Dieſes iſt zwar gewiß / daß Gott aller Tyranney vnd Vngerechtigkeit feind vnd kein Gott / als der Gott deß Gerechten iſt. Deut. Cap. 33. v. 26. ſo laͤſſet ers doch geſchehen / ſchickets vnd ordnets auch offt alſo / wann er ein Koͤnigreich / Land vnd Leuthe ſtraffen wil / daß er in ſeinem Zorn einen wuͤtri - gen vnd tyranniſchen Koͤnig vnd Regenten ſchicket. Hoſeæ. Cap. 13. v. 11. Dedi tibi Regem in furore meo. Daß zuweilen Kinder Treiber ſeines Volcks ſind / vndDdWeiber26Das ander Buch /Weiber uͤber ſie herꝛſchen. Eſai. Cap. 3. v. 12. Dannoch obſchon der gerechte GOtt / ſolch der Tyrannen auch vntuͤchtiges Kinder vnd Weiber Regiment / zu weilen zur Straff verhaͤnget / damit er durch ſolche Regenten ſeinen gerechten Willen vnd Raach vollbringe / (Deus prout vult aliquam gentem affligere, tribuit illis Princi - pem. Cominæ. lib. 7. Comment. circ. fin. Nec ulla maioriclade affligere poteſt po - pulum, quam ſi Principem præficiat eiſtolidum. Idem Comin. lib. 3. laͤſſet er ſich doch die Tyranney vnd andern vnordentlichen Gewalt vnd Regiment nicht ge - fallen / wie er ſelber bezeuget bey dem Propheten Eſaia / da er ſpricht: O wehe Aſſur / der meines Zorns Ruthe / vnd jhre Hand meines Grimmes Stecken iſt. Cap. 10. v. 5. Sie ſind Flagella vnd Ruthen Gottes. Jere. Cap. 7. v. 11. welche er / nach dem er ſie zur correction gnugſamb gebrauchet / ins Fewer wirfft / vnd mit ewigem hoͤl - liſchen Fewer endlich verbrennet. Hiervon hab ich mit mehrerm gehandelt in Tractat. de Regimine Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 1. c. 3. vid. ſupr. Axiom. 3.

AXIOMA XII. Durch Wahl vnd Erbrecht / auch rechtmaͤſſige Waffen / kompt eine ordentliche Obrigkeit zum Regiment. (Vid. Cauſſin. in Diſſertat. ad Libros Regum, ſive de Regno Dei, Diſſertat. 5. ubi ſcribit, triplici ferme ad Regna itur via, vel jure belli, vel naſcendi conditione, vel delectu. Tutiùs tamen naſci, quam aſſeri Prin - cipes, rectè dixit Cornel. Tacit.)

MOſes ward von Gott ſelber zu einem Hertzog / Führer vnd Richter deß Volcks Jſrael erwoͤhlet. Exod. 3. & 4. Cap. wie er vermerckte daß er ſei - nen Lauff vollendet / hundert vnd zwoͤlff Jahr hinder ſich geleget hatte / er - woͤhlete er auff Gottes Befehl zu ſeinem Succeſſoren am Regiment den ſtreitbahren Helden Joſuam. Deut. Cap. 21. Nach Joſua ward Juda von GOtt zum Richter vorgeſchlagen vnd von dem Volck einhellig acceptirt vnd angenom - men. Judic. Cap. 1. vnd ſind hernacher die nachfolgende Richter ins gemein von den Kindern Jſrael auff ſonderbahre Offenbahrung vnd beliebte Wahl zu jhrer Ob - rigkeit erwoͤhlet / vnd angenommen worden / wie im Buch der Richter zu finden. Als nun die Kinder Jſrael der Richter muͤde waren / den frommen Samuel ver - warffen vnd nach der Voͤlcker vnd Heyden Weiſe einen Koͤnig vnd Regentenhaben27Von dem weltlichen Stande. haben wolten. 1. Samuel. Cap. 8. erwoͤhlete jhnen Gott ſelber durch Samuel zum Koͤnig den Saul / der war / wie die Schrifft redet / ein junger feiner Mann / vnd war kein feiner vnder den Kindern Jſrael / eines Haupts laͤnger dann alles Volck. 1. Samuel. Cap. 9. & C. 10. als aber dieſer Anfangs hochgeprieſener Koͤnig / Gottes Gebott vnd Rechte auß den Augen ſatzete / vnd tyranniſch ward / verwarff jhn Gott. 1. Sam. Cap. 15. vnd erwoͤhlete den Sohn Jſai / David / vnd ließ denſelben durch Samuel zum Koͤnig ſalben. 1. Samuel. Cap 16. Hiemit hat das freye Wahl - recht dero Zeit bey dem Volck Gottes ein Ende genommen: Dann als David / alt / kalt / vnd Lebens ſatt war / ſchrieb er einen Reichstag auß / recommendirte den Reichsſtaͤnden ſeinen Sohn Salomo. 1. Chron Cap. 29. v. 8 rieff kurtz fuͤr ſeinem Ende den Prieſter Zadack / den Propheten Nathan / vnd den Feldhauptman Be - naia / ließ ſeinen Sohn Salomo auff ſein Leib-Maul ſetzen / zum Koͤnig ſalben vnd durch Poſaunen Schall proclamiren. 1. Reg. Cap. 1. v. 33. & ſeqq.

Dieſem ſuccedirte gleichſamb durch Erbrecht ſein Sohn Rehabeam / ver - darbes aber mit dem Volck durch vngnaͤdige viel zu rawe Erklaͤrunge / dahero ze - hen Staͤmme Jſrael von jhm abfiehlen / nahmen durch eine offene freye Wahl den Jerobeam zu jhrem Koͤnig an. 1. Reg. Cap. 12. vnd ſind nachgehends mehrentheils die Koͤnige Juda vnd Jſrael durch Erbrecht zu dem Koͤniglichen Thron gelanget / wie in den Buͤchern der Koͤnige vnd Chronicken zuſehen. Durch eine frey willige Wahl / haben die Maccabeer den Simon wegen ſeiner Frommigkeit vnd Trewe die er dem Volck erzeiget hatte / zu jhrem Herꝛen / Haupt vnd Regenten erwoͤhlet im 1. Buch der Machab. Cap. 14. v. 35. wie auch vor jhm ſeine Bruͤder Judam vnd Jonathan. Durch die Waffen ſind auch viel zum Regiment / Koͤnigreichen / Lan - den vnd Leuthen kommen. Darbey aber dieſer Vnderſcheid in acht zunehmen / ſind die Waffen gerecht / das iſt / wann dieſelbe auß Gottes Befehl / auß rechtmaͤſſigen Vrſachen von einem Koͤnig Fuͤrſten vnd Volck die das jusarmorum oder Befuͤg - nuß deren haben / wider einen andern der jhnen darzu Vrſach gibt / ergrieffen / als - dann kan der Victor vnd obſiegender Herꝛ / die beſtrittene / vnd erſtrittene Lande vnd Leuthe ſich vnderthan vnd ſchatzbar machen / vnd alſo jhr Herꝛ vnd Regent wer - den vnd ſeyn / (ut hoſtium vita ſic & bona in poteſtate victorum ſunt, qui iuſto bel - lo vicerunt. Thom. Henrici de Bell. c. 21. vid. Alber. Gentil. vid. Groti. de jur. Bell. lib. 3. cap. 4. & aliquot ſeqq. Cauſſinus dicta Diſſertat. 5.) Auff GOttes Befehl hat uͤberzogen Joſua die gottloſen Koͤnige Canaan / vnd machte durch ſeine ſiegreiche Waffen ſich deren veſte Staͤdte / Land vnd Leuthe vnderthan. Joſ. C. 6. & ſeqq.

Durch gerechte Waffen beherꝛſchete der Koͤnig David die Moabiter den Hadadeſer vnd die Syrer / daß ſie jhme vnderthaͤnig wurden vnd den Tribut geben muſten. 2. Samuel. Cap. 8. wie ingleichem die Ammoniter. 2. Samuel. Cap. 10. Durch reſpect ſeiner Waffen vnd groſſer Gluͤckſeligkeit machte Salomon die uͤbri - ge Voͤlcker / die ſich noch widerſetzt gehabt / zinßbahr. 1. Reg. Cap. 9.

Dd ijJnglei -28Das ander Buch /

Jmgleichen wann ein Koͤnigreich vnd Volck ſich ſeinem Koͤnige vnd Herꝛn widerſetzet / iſt derſelbe befugt / ſie mit den Waffen zum Gehorſamb zu bringen / darvon in ſpecie gehandelt vnderm Titul vom Bibliſchen Kriegsrecht / Axiom. 133.

Sind aber die Waffen vngerecht / da einer mit Liſt / lauter Gewalt vnd Betrug / allein per rationem ſtatus ein Koͤnigreich / Volck / Land vnd Leuthe an ſich ziehen wil / ſo kan dieſer modus keine ordentliche Obrigkeit geben / wie in nach folgendem Axiom. 14. geſetzet / vnd vnder gemeldtem Titul vom Bi - bliſchen Kriegsrecht Axiom. 143. etlicher maſſen gehandelt. Es waͤre dann / daß die mit Liſt vnd Gewalt bezwungene Vnderthanen endlich in eine ſolche Obrigkeit verwilliget / derſelben Gehorſamb zuleiſten verſprochen / vnd ſich dero mit Hulden vnd Pflichten verwandt gemacht. That derowegen Joia - kim der Koͤnig in Juda vnrecht / daß er von dem Koͤnig Nebucadnezar / der jhn mit den Waffen beherꝛſchet vnd ſich Pflichtbahr gemacht / daß er wider Trewe vnd Pflicht abtruͤnnig ward / deßwegen er von newem gefangen vnd gen Ba - bel gefuͤhret. 2. Reg. Cap. 24. vnd als der Koͤnig Zedekia an ſeine ſtatt kahme / vnd auch wider geleiſteten Eyd abtruͤnnig ward / gienge es jhme nicht beſſer / ſon - dern noch aͤrger. d. Cap. 24. & 25. & 2. Chron. Cap. 36. v. 10. Jerem. Cap. 39. & 52. Obwol Abimelech durch Tyranney vnd Brudermord das Regiment ergrieff vnd nachgehends die Sichemiten in ſeine Regierung verwilligten / ſind Gaal vnd die zu Sichem nicht vngeſtrafft blieben / daß ſie wider jhn rebelliret vnd vffgeſtanden / ſondern hat Abimelech durch GOttes Verhaͤngnuß den Gaal vertrieben / die Sichemiten erwuͤrget / die Stadt zerbrochen vnd Saltz darauff geſaͤet. Judic. Cap. 9. wiewol er ſelber bald den Lohn ſeiner Tyranney bekame. eod. Cap. Hiervon hab ich etwas mehr geſchrieben in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 1. cap. 5. n. 13. & ſeqq.

AXIOMA XIII. Wann ein Regent viel Erben hat / thut er wol daß er einem oder dem elteſten die Lande vnd deren Regierung / den andern aber ein Deputat an gewiſſen Aemptern oder Jaͤhrlichen Gefaͤllen vnd Einkom - men verſchaffet.

VOn dem Koͤnig Joſaphat meldet die Schrifft / daß er ſeinen Sohn Jo - ram / weil er der erſtgebohrner geweſen das Koͤnigreich gegeben / den an - dern Soͤhnen aber ein Deputat gemacht / von vielen Gaben / von Silber /Gold29Von dem weltlichen Stande. Gold vnd Kleinodien / mit feſten Staͤdten in Juda. 2. Chron. Cap. 21. Von dem Recht der Erſtengeburth vnd welcher geſtalt dieſelbe den Vorzug habe / iſt mit mehrerm gehandelt im dritten Buch vom Haußſtande. Axiom. 36. & ſeqq. David erwoͤhlete zum Koͤnigreich auß allen ſeinen Soͤhnen / deren er viel gehabt / wie er ſelber auff dem Reichstage conteſtiret. 1. Chron. Cap. 29. v. 51. den Salomo allein / vnd præſentirte denſelben dem Volck / wiewol er nicht der aͤlteſte war. 1. Chron. d. Cap. 29. Der Koͤnig Rehabeam erwoͤhlte auß allen ſeinen Soͤhnen deren er 28. ge - habt den Abta / den Sohn Mancha zum Haupt Fuͤrſten vnder ſeinen Bruͤdern / daß er nach jhme Koͤnig würde. 2. Chron. Cap. 11. v. 22. Abraham vermachte ſein Gut dem Jſaac / den andern Kindern gab er Geſchencke vnd ließ ſie von Jſaac zie - hen weil er noch lebete. Geneſ. Cap. 25. Die Zertheil - vnd Zerſtuͤcklung der Koͤnig - reich / Land vnd Leuth / bringet viel Vngelegenheit / der reſpect wird geringer / kan auch bey Vermehrung der Regenten innerliche Zwytracht in Religion - vnd Pro - phan-Sachen vnd endlich Krieg entſtehen. Als Saul / David vnd Salomon uͤber das gantze Jſraelitiſche Volck allein regierten / war das Koͤnigreich in groſſem An - ſehen / ſonderlich bey Salomons Zeiten / ſo bald aber nach deſſen Todt es ſich zer - theilte vnd die zehen Staͤmme von Rehabeam vnd dem Hauſe Juda abfiehlen / ward nicht allein der reſpect geringer / ſondern erfolgete darauff Enderung in der Religion vnd Ceremonien wie auch jnnerlicher Krieg. 1. Reg. Cap. 12. & ſeqq. 2. Chron. C. 11. & ſeq. vid. Tractat. meum de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 1. claſſ. 4. c. 17.

AXIOMA XIV. Durch Liſt / Tyranney / Gewalt vnd Vnrecht ſind auch viel zum Regiment gelanget. (Regna de ſcelere, fere oriun - tur, & nuſquam maior iniuſtitia quam in aditu novorum imperiorum Adam. Contzen de Stat. Magnat. cap. 7. §. 3. add. Bo - din. de Repub. lib. 4. cap. 1.)

ES haben die Politici gar wol advertiret, vnd bezeugen es auch die Bibliſche vnd andere Hiſtorien vnd Geſchichte / daß faſt die groͤſſeſte Monarchien, Reiche vnd Gewaͤlte durch Liſt / Tyranney vnd vngerechte Waffen auff - kommen / ſtabilirt vnd erhalten worden / daher dem Propheten Daniel / dieDd iijvier30Das ander Buch /vier Monarchien in Geſtalt vier grawſamer grimmiger Thier / als Loͤwen / Baͤh - ren / Parthen vnd in anderer vngehewren Thiers Geſtalt / mit Adlers Fluͤgeln / groſ - ſenlangen Zaͤhnen vnd grawſamen Eygenſchafften im Geſicht repræſentiret vnd vorgebildet wordẽ (geſtalt ſie dann auch ins gemein ſolche grawſame Thier in jhren Wapen führen /) ſonderlich aber das vierdte Thier / dardurch die vierdte gewaltigſte Monarchi angedeutet / daß es grewlich / ſchrecklich vnd ſehr ſtarck / mit groſſen ey - ſern Zaͤhnen / vmb ſich gefreſſen / zumalmet vnd das uͤbrige mit ſeinen Fuͤſſen zu - tretten / welches hernacher der Prophet deutet / daß dieſes Reich maͤchtiger ſeyn wuͤrde / dann alle Reich / es wuͤrde alle Land freſſen / zutretten vnd zumalmen. Da - niel. Cap. 7. Dahero dann die gewaltige Koͤnigreiche / Aſſyrien / Babylon vnd E - gypten in dem 76. Pſalm. v. 5. Raubeberge / wie es D. Luther recht außleget / genandt werden / welche die vmbligende Land mit Streit vnd Waffen an ſich gebracht vnd geraubet.

Gleich in der erſten Welt trachtete der verwieſene gottloſe Cain darnach / wie er veſte Staͤdte bawete / vnd mit Gewalt vnd Vnrecht einen Dominat vnd Herꝛſchafft anrichtete. Gen. 4. v. 17 vnd wurden ſeine Nachkommen allgemach Ty - rannen vnd Gewaltigen in der Welt. Gen. 6. v. 4.

Nach der Sündfluth poſterirte auß der radice oder Wurtzel deß verfluchten Chams der Nimroth / (Nimrodus, id eſt, amarus Dominator.) (Nemo unquam imperium flagitio quæſitũ bonis artibus exercuit Tacit. lib. 17. annal. ) der riß alles mit Tyranney an ſich vnd fieng an ein gewaltiger Herꝛ zuſeyn auff Erden / vnd ein gewaltiger Menſchenjaͤger. Gen. Cap. 10. Mit Gewalt machte Eglon der Moabi - ter Koͤnig die Kinder Jſrael ſich vnderthan. Judic. Cap. 3. Durch Tyranney ergrieff Ahimelech Gideons Sohn das Regiment in Jſrael vnd ließ ſiebentzig ſeiner Bruͤ - der vnſchuldig erwuͤrgen Jud. Cap. 9. Gleicher geſtalt trachtete Simri der Obriſte deß Koͤnigs Ella nach dem Koͤnigreich Jſrael / nahm der occaſion wahr / da ſein Koͤnig wol beraͤuſcht vnd truncken war im Hauſe Arza deß Vogts zu Tirza / gieng er zu jhm hinein vnd brachte denſelben vmb. 1. Reg. Cap. 16. Alſo that auch Sallum der Sohn Jabes / der machte einen Bund wider den Koͤnig Sachariam / ſchlug jhn vor dem Volck vnd ward Koͤnig an ſeine ſtatt. 2. Reg. Cap. 19. Durch Mord vnd Vertilgung deß Koͤniglichen Saamens ergrieff die tyranniſche Koͤnigin A - thalla das Regimentim 2. Buch der Koͤnig. Cap. 11.

Der Meuchelmoͤrder Jſmael der Sohn Nethania auß Koͤniglichem Stam̃ erlangete auch durch Mord deß Gedalia vnd anderer Jſraeliten einen Dominat uͤber dieſelbe. Jerem. Cap. 41. Durch Liſt vnd Tyranney iſt Antiochus genandt der Edle / nach dem er auß Rom heimblich entrunnen / Koͤnig worden / darvon D. Lu - ther in ſeiner Vorrede uͤber den Propheten Dantel alſo ſchreibet: Das iſt der letzte Koͤnig darvon Daniel ſchreibet / das edle fromme Kind / das alles mit Liſten vnd Tuͤcken / Luͤgen vnd Triegen / nicht als ein Koͤnig / ſondern als ein loſer Bube han -delt /31Von dem weltlichen Stande. delt / daß er auch nach keinem Schein der Ehren fragete / trachtete ſeiner Schweſter deß Koͤnigs in Egypten Soͤhne / vnderm Schein Vormundſchafft nach Land vnd Leuthen / brachte auch deren mit Betrug theils an ſich / wie in gemeldter Vorrede Lutheri weiter zuleſen.

Mit Liſt vnd Tyranney brachte Ptolomeus ſeines Tochtermanns deß Ale - xandri Koͤnigreich / Land vnd Leuth an ſich. Jm 1. Buch der Maccab. Cap. 11. v. 1. & ſeqq. Betruͤglicher liſtiger weiſe fuͤhrete Tryphon den jungen Antiochum hin vnd her im Land / biß er jhn heimblich toͤdtete vnd ſetzte hernach die Cron auff ſein Haupt im 1. Buch der Maccab. Cap. 13. v. 3.

AXIOMA XV. Wann GOtt der Suͤnde halber frembde oder tyranniſche Obrigkeit uͤber ſein Volck verhaͤnget vnd herꝛſchen laͤſſet / ſo iſt ſein Will / daß man auch ſolch Joch / als eine wolverdiente Straff gedultig trage.

ALs nach Eroberung der Stadt Jeruſalem vnd gefaͤnglicher Abfuͤhrung deß Koͤnigs Zedekia der victoriſirende Koͤnig Nebucadnezar den Gedaliam auß dem Volck Gottes zum Regenten uͤber daſſelbe geſetzet / hat er ſein Volck / alſo angeredet: Fuͤrchtet euch nicht vnderthan zuſeyn den Chaldeern / bleibet im Lande vnd ſeyd vnderthaͤnig dem Koͤnig von Babel / ſo wirds euch wol gehen. 2. Reg. Cap. 25. v. 24. Jerem. Cap. 40. v. 9. Als Siſack Jeruſalem einahm vnd pluͤnderte / war GOttes Befehl / daß ſie demſelben vnderthan. ſeyn ſolten. 2. Chron. Cap. 12. v. 8.

Als auff Gottes Befehl der Prophet Jeremias den Abgeſandten der fuͤnff Koͤnige in Edom / Moab Ammon / Tyro vnd Zidon ein Joch præſentirte, daneben jhren Herꝛn Principaln zur newen Zeitung anzubringen begehrte / daß der Groß - maͤchtige Aſſyriſche Koͤnig zu Babel / Nebucadnezar durch ſonderbahre Verhaͤn - gnuß Gottes ſie uͤberziehen vnd beherꝛſchen wuͤrde / hat er auch dieſes als ein ohn - fehlbahr prognoſticon verkuͤndet: welch Volck vnd Koͤnigreich dem Koͤnig nit die - nẽ wuͤrde / vnd wer ſeinen Halß nit wuͤrde vnder das Joch deß Koͤnigs zu Babel ge - ben / ſolch Volck wolte der Herꝛ heimſuchen / mit Schwerdt / Hunger vnd Peſti - lentz / biß daß er ſie durch ſeine Hand vmbbraͤchte / welch Volck aber ſeinen Halß er - geben wuͤrde vnder das Joch deß Koͤnigs zu Babel / das wolte er in ſeinem Landelaſſen /32Das ander Buch /laſſen / daß es daſſelbe bawe vnd bewohne / ſpricht der Herꝛ Jerem. Cap. 27. v. 8. & ſeqq.

AXIOMA XVI. Wer einem andern nach dem Regiment ſtehet / der trachtet dahin / wie er denſelben bey dem Volck uͤbeler vnd vnge - rechter Regierung beſchuldige / verhaßt / vnd hingegen von ſeiner Perſon groſſe Hoffnung mache.

ALs der vngerathene Sohn Abſolon ſeinem Vatter / Koͤnig vnd Herꝛn / dem David nach der Koͤniglichen Cron trachtete / vnd das Koͤnigreich an ſich reiſſen wolte / machte er ſich deß morgends fruͤhe auff / vnd trattan den Weg beym Thor / gab acht auff die Leuthe / die eine Sach bey dem Koͤnig fuͤr Ge - richt anzubringen hatten / ſprach jhnen freundlich zu / ließ ſich von allen Vmbſtaͤn - den informiren, vnd berichten / ſymcerirte vnd ſagte zu einem jeden: deine Sach iſt Rechtẽ vnd ſchlecht / aber du haſt keinẽ Verhoͤrer vom Koͤnige O wer ſetzt mich zum Richter im Lande / daß jederman zu mir kaͤme der eine Sach hat / daß ich jhm zum Rechtẽ huͤlffe / vnd wañ jem and ſich zu jhm thaͤte / daß er jhn wolte anbetten / ſo recket er ſeine Hand auß / ergrieff jhn vnd kuͤſſet ihn. Auff ſolche Weiſe that er dem gantzen Jſrael / wann ſie kamen fuͤr Gericht zum Koͤnige / vnd ſtahl alſo das Hertz der Maͤnner Jſrael. Wie er nun auff ſolche Weiſe die Gemuͤther deß gemeinen Man - nes vorhin gewonnen / vnd an ſich gezogen / gab er vor / daß er ein Geluͤbd ſo er dem Herꝛn gethan / zu Hebron außzurichten / vnd ließ durch Poſaunenſchall ſich zum Koͤnige außruffen. 2. Sam. Cap. 15.

Sanherib der gewaltige Koͤnig zu Aſſur / zohe nicht allein mit groſſer Heeres - macht / offentlicher Hoſtilitaͤt vnd Grawſambkeit wider den Koͤnig Hiskia die Stadt Jeruſalem zu emportiren, zu erobern / vnd gantz Juda vnder ſeinen Domi - nat vnd gewaltiges Joch zubringen / ſondern er gebrauchte darzu auch Liſt vnd Be - trug / ließ durch ſeine Knechte / deß Hiskia gefuͤhrte Koͤnigliche actiones vnd Re - gierung beneben ſeiner Perſon odiôs vnd verhaßt machen / welcher geſtalt derſelbe uͤbel bey dem Volck Juda gehandelt / bey angetrettener Regierung jhre Hoͤhen vnd Altar weg gethan / die Religion geaͤndert / vnd zu Juda vnd Jeruſalem geſaget: Fuͤr einem Altar ſollet jhr anbetten vnd darauff raͤuchern: ſyucerirte daneben durch ein offentlich manifeſt gantz Juda ſo zu Jeruſalem war / daß jhr Koͤnig ſie uͤberredẽ /auffſe -33Von dem weltlichen Stande. auffſetzen / vnd in den Todt / Hunger vnd Noth bringen wolte / ſolten derowegen von jhrem Koͤnig abſtehen / vnd ſich Sanherib ergeben. 2. Chron. Cap. 32. Es hat Sanherib durch dieſe manifeſtirte Synceration ſo viel dem Volck wollen zu verſte - hen geben / wann ſie ſich gutwillig ergeben / ſie nicht allein einen guten accord er - halten / ſondern einen beſſern Koͤnig an jhm haben / der jhnen die Vbung voriger Religion vnd Gewiſſens-Freyheit verſtatten / die von Hiskia zerſtoͤhrte Hoͤhen vnd Altaͤre wider auffzubawen / jhren vorigen Goͤtzendienſt darbey haben zu continui - ren, geſtatten wuͤrde.

AXIOMA XVII. Die ſo frembde Koͤnigreich vnd Herꝛſchafften / mit Tyran - ney / Betrug vnd Gewalt an ſich ziehen / nehmen ſelten ein gut End (Crudelia Imperia calamitoſum plerumq́; habent exitum. Vid. Froſſar. lib. 4. Hiſtor. non procul à fin.)

ES bezeugens zwar Geſt - vnd Weltliche Hiſtorien / daß die Monarchien / Koͤnigreich / Herꝛſchafften vnd Gewaͤlte auff Erden / jhren Vrſprung durch Gewaltſambkeit der Waffen / Vberfall / Invaſion vnd Vberziehung Land vnd Leuthe genommen / auch durch die Waffen ſtabilirt vnd beſtaͤtti - get worden / welches Bodinus vnd andere Politici der Laͤnge nach auß fuͤhren / (vid. Bodin. de Republ. lib. 4. c. 1.) dahin ich mich remittire, vnd wil nurent meinem pro - pos nach / etliche Exempel auß der Bibel anziehen. Mit Blutvergieſſen vnd Ty - ranney kam Abimelech Gideons Sohn zum Regiment uͤber das Volck Jſrael / nahm aber ein ſchlecht Ende / in deme er von einem Weib mit einem ſtück vom Muͤhlſtein getroffen / vnd durch ſeinen eygenen Knaben erſtochen ward. Judic. C. 9. Abſolon der vngerathene Sohn / trachtete ſeinem Vatter David mit Behend - vnd Scheinheiligkeit nach der Cron / reyſete gen Hebron vnderm prætext eines Ge - luͤbds / ließ ſich aber daſelbſten zu einem Koͤnig proclamiren, treibet ſeinen Vatter von der Koͤniglichen Reſidentz zu Jeruſalem / daß er ſich zu Fuß in die Flucht bege - ben vnd ſalviren muß / verfolget jhn darneben mit einem Kriegsheer / vnd wil ſeine Herꝛſchafft vnd Dominat mit den Waffen befeſtigen / blieb aber an einer Eychen haͤngen / vnd ward mit Spieſen durchrandt / da er noch lebete / an der Eychen. 2. Samuel. Cap. 15. & Cap. 18.

Der heylloſe Seba wolt es gleich gern dem Abſolon nachthun / bließ die Po -Eeſaunen /34Das ander Buch /ſaunen / wolte das Volck vnd damit das Koͤnigreich an ſich ziehen / es waͤhrete aber nicht lang / ward zu Abel belaͤgert / vnd ſein Haupt dem Joab uͤber die Mawren zu - geworffen. 2. Samuel. Cap. 20. Der Koͤnigmoͤrder Simri kam durch Mord vnd Blut zum Regiment / aber es waͤhrete nur 7. Tage / da verbrandte er ſich ſelber in / vnd mit dem Koͤniglichen Pallaſt. 1. Reg. Cap. 16. Auff gleiche Weiſe kam auch Sallum auff den Koͤniglichen Thron / ſaß aber eine geringe Zeit darauff / ward von Menahen wider erwuͤrget. 2. Reg. Cap. 15. Mit blutigen Haͤnden grieff die Kindermoͤrderin Athalia zum Scepter deß Koͤnigreichs / regierte zwar eine Zeit - lang / muſte aber das vnſchuldig vergoſſene Blut wider außſpeyen vnd mit jhrem Blut bezahlen. 2. Reg. Cap. 11. Antiochus Epiphanes, deme die Ehre deß Koͤnig - reichs nicht bedacht war / wie der Prophet redet / nahm zwar das Koͤnigreich mit ſuͤſſen glatten Worten ein / Daniel. Cap. 11. v. 21. muſte ſich aber endlich zu todt graͤ - men / vnd in einem frembden Land ſeinen Geiſt mit Ach vnd Wehe auffgeben. Jm 1. Buch der Macchab. Cap. 6. v. 11.

Ptolomeus der Koͤnig in Egypten / brachte das Reich ſeines Tochtermans Alexandri mit Betrug vnderm Schein guter Freundſchafft / deß wegen man jhme alle Staͤdte geoͤffnet / an ſich / verjagte Alexandrum in Arabien / da er auß Furcht deß Ptolomei von dem Zabdiel enthauptet vnd ſein Haupt dem Ptolomeo zugeſchicket worden / aber dieſe Regierung waͤhrete nicht lang / am dritten Tag hernach muſte er auch ſterben / vnd wurden alle ſeine Guarniſonen vnd Kriegsknechte / die er vnderm Schein Freundſchafft in die Staͤdte gebracht / von den Einwohnern niederge - macht vnd erwuͤrget. Jm 1. Buch der Macchab. Cap. 11. v. 1. & ſeqq. vnder hunder - ten die auff ſolche Weiſe zum Regiment kommen / wird man kaum einen in Hiſto - rien finden / deme es wol gelungen.

Der Vrheber deß Roͤmiſchen Keyſerthumbs vnd erſter Roͤm. Keyſer Julius Cæſar ergrieff das Roͤm. Regiment / durch die jhme anvertrawte Waffen / Tapf - ferkeit / Gluͤck vnd Sieg im Krieg / auch ſehr kluger / vorſichtiger Gouvernirung ſei - ner Actionen wider deß Raths Willen / vnd wie er meynete / es waͤre ſein Status vnd die præſidia Dominationis alſo gefaſſet vnd geſichert / daß ſich niemand dar - wider ſetzen doͤrffte / ward er von etlichen Roͤmern auff dem Rathhauſt daſelbſten erſtochen vnd bekam 23. Wunden.

AXIO -35Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XVIII. Begierde zu herꝛſchen / ſetzet alle Liebe / Geſetze / Rechte vnd Gefahr zuruͤck. (Cupido dominandi cunctis affectibus flagrantior, Tacit. lib. 15. Annal. cui nihil ſan - ctum, nihil inviolabile. Annibal Scot. ad lib. 1. & lib. 12. Annal. Tacit)

DIe Begierde zu herꝛſchen / war bey dem Lucifer ſo groß / daß er ſeinen Schoͤpffer zu rück vnd ſeinen Stuhl uͤber denſelben ſetzen wolte. Auß Begierde zu herꝛſchen trachtete Eſau ſeinem Bruder Jacob nach Leib vnd Leben. Geneſ. Cap. 27. v. 41. & ſeqq. Obwol Moſes vngern zum Re - giment kam / vnd wegen deß halßſtarrigen verſtockten Volcks ein ſehr geplagter Menſch uͤber alle Menſchen auff Erden geweſen / wie die Schrifft zeuget. Num. Cap. 12. v. 3. dannoch war bey der Rotte Korah / Datan vnd Abiram / die Begierde zu herꝛſchen ſo groß / daß ſie Moſe nach dem Regiment / vnd Aaron nach dem Prie - ſterthumb grieffen / vnd ſich wider Gottes Geſetz vnd Ordnung empoͤren vnd re - gieren wolten / daruͤber ſie in groſſe Gefahr geriethen vnd mit jhrem Anhang von der Erden lebendig verſchlungen worden. Jm 4. Buch Moſis Cap. 16. Ja Moſis ſein eygener Bruder vnd ſein Weib Miriam bekamen dieſe Seuche auch / woruͤber ſie die Miriam mit Auſſatz geſchlagen. Num. Cap. 12. Auß Begierde zu herꝛſchen ſatzte Ahimelech das fuͤnffte Gebott zuruͤck / ward ein Brudermoͤrder vnd ließ 70. ſeiner Brüder erwuͤrgen / ward aber ſelber wider erwuͤrget. Judic. Cap. 9. & ſeqq. Bey Abſolon war die Begierde zu herꝛſchen ſo groß / daß er deß vierdten vnd ſech - ſten Gebotts vergaß / ſeinem leiblichen Vatter nach Scepter vnd Cron grieff vnd ſeine Kebsweiber offentlich ſchaͤndete. 2. Samuel. Cap. 15. & 16. Adonia war ſchon gewarnet / dannoch war die Begierde zu herꝛſchen bey jhme ſo groß / daß er ſein Le - ben in die Schantze gab / vnd auff eine andere Weiſe dem Koͤnig Salomo nach dem Reich trachtete / vnd daruͤber das Leben laſſen muſte. 1. Reg. Cap. 1. & 2. Begierde zu herꝛſchen war bey der Koͤnigin Athalia ſo vnmenſchlich / baß ſie der natuͤrlichen muͤtterlichen Liebe / gegen jhre leibliche Enckel jhres Sohns Kinder vergaß / vnd dieſelbe damit ſie allein das Regiment haͤtte / alle / biß vff den verſtockten Joas er - wuͤrgen vnd vmbbringen ließ. 2. Reg. Cap. 11.

Als der Agrippinæ, ſo hernacher Keyſers Claudij Gemahlin worden / der Nero gebohren / hat ſie jhme die Nativitaͤt ſtellen laſſen / vnd zuwiſſen begehret / oberEe ijauch36Das ander Buch /auch herꝛſchen vnd zum Keyſerthumb kommen würde / vnd wie die Chaldeiſche Aſtrologi geantwortet / er wuͤrde zwar herꝛſchen / aber ſeine Mutter vmbbringen / iſt die Begierde zu herꝛſchen bey jhr ſo groß geweſen / daß ſie geſaget: Occidat dum imperet, er mag mich jmmer hin toͤdten wann er nurent Keyſer wird / welches er hernacher auch redlich gehalten / vnd ſeine Mutter im Beth durch Soldaten er - mordẽ laſſen / (Humanus animus poſtquam regnandiaffectu corruptus eſt, natu - ram violat & ultra beſtiarum ingenium efferatur. Cain in fratrem, Abſolon in pa - trem, Ptolomæi in fratres, ſimul & patres, imò & matres ſæviunt: Antoninus Ca - racalla parentem nonſemel occidere anniſus eſt, vincente naturam regnandi libi - dine. Adam. Contzen de Stat. Magnat. atq́ue aulic. cap. 14. §. 4.) wie beyds bey dem Tacito zu leſen. lib. 14. Annal.

AXIOMA XIX. Es iſt nicht alle mahl ſicher vnd wol gethan / ein ange - bottenes Regiment / oder Koͤnigliche Cron zu acceptiren.

ALs der Held Gideon wider die Midianiter / vermittels ſonderlichen goͤttlichen Beyſt andes einen herꝛlichen Sieg erhalten / wolten etliche in Jſrael jhn vnd ſeine Poſteritaͤt zu einem Erbherꝛn vnd Koͤnig uͤber ſich ſetzen / welches er aber in Betrachtung / daß er an denen vorhin ſich offendirt befundenen Ephra - imitern vnd andern / ſtarcke Opponenten haben / vnd ſolche dignitaͤt zu maintiniren jhme ſchwer fallen wuͤrde / ſehr weißlich abgeſchlagen / vnd geſagt: Jch wil nicht Herꝛ ſeyn uͤber euch / vnd mein Sohn ſoll auch nicht Herꝛ ſeyn uͤber euch / ſondern der Herꝛ ſoll Herꝛ ſeyn uͤber euch. Judic. Cap. 8. v. 22. Aber Abimelech der Sohn Gideons war gar anders geſinnet vnd geartet wie ſein Vatter / der wiegelte ſich ſelber auff / Koͤnig zu werden uͤber Jſrael / haͤngete loſe leichtfaͤrtige Leuthe an ſich / vnd ward alſo durch Liſt vnd Tyranney Koͤnig / haͤtte aber beſſer gethan / er waͤre ge - blieben wie ſein Vatter / dann jhn Gott darumb hart geſtraffet / daß er elendig vmb - kommen vnd das Koͤnigreich auff ſeine Erben nicht verſtammet. Jm Buch der Richter Cap. 9. v. 53. Sehr weißlich vnd vernuͤnfftig hatte ſein juͤngſter Bruder gethan / es erwogen / wie gefaͤhrlich / muͤheſelig vnd mißlich es ſeye / nach Koͤnigl. Wuͤrde zuſtreben / vnd es mit einem ſchoͤnẽ Apologo vnd Gleichnuß vorhin adum - briret vnd vor Augẽ geſtellet in angezogenem 9. Cap. v. 7. & ſeqq. im B. der Richt.

Moſes / ob er wol von Gott ſelbſten ohne Mittel beruffen war / daß er ein Her - tzog vnd Fuͤrſt uͤber die Kinder Jſrael ſeyn / vnd die Macht vnd Gewalt eines Koͤ -nigs37Von dem weltlichen Stande. nigs haben / vnd ſie durch Gottes gewaltige Hand auß Egypten fuͤhren ſolte / hat er doch vngern daran gewolt / ſeine Entſchuldigung nicht allein excipiendo, ſon - dern auch duplicando darwider eingewandt / vnd ſich mit der offerirten Dignitaͤt demuͤthigſt zu verſchonen / gebetten. Exod. Cap. 4. Wie der Koͤnig Saul ſchon von dem Propheten Samuel auff Gottes Befehl zum Koͤnig in Jſrael ernandt vnd geſalbet vnd es an deme war daß er dem Volck offentlich vorgeſtellet vnd zum Koͤ - nig publicirt werden ſolte / iſter ſo modeſt vnd ſittſamb geweſen daß er ſich vnder die Faſſe verſtecket. 1. Samuel. Cap. 10. v. 22. worbey D. Luther. an dem Rand dieſe Lehr giebt: Ehre ſoll man fliehẽ vnd ſich darzu tretben laſſen. Ja es waͤre dem Saul weil er ſich der Koͤnigl. Wuͤrde mißbrauchte an Leib vnd Seele beſſer geweſen daß er nie darzu kommen / weil er vorhin ein vnthadelhaffter guter Mann geweſen / aber durch die Koͤnigliche Ehr vnd Gewalt aͤrger vnd endlich zum Tyrannen worden.

Solches hat der Herꝛ Chriſtus ſelber mit ſeinem Exempel beſtaͤttiget / dann wie das Juͤdiſche Volck die Magnalia Dei vnd ſeine groſſe Wunderthaten ſahen / ſonderlich wie er mit ſo wenigem Brodt vnd Fiſchen fuͤnff tauſend Mann in der Wuͤſten geſpeiſet / haben ſie darvor gehalten / daß der Herꝛ Chriſtus als ein ſolcher milter freygebiger Herꝛ / ſich wol zu jhrem Koͤnig ſchickte / vnd ſie reichlich verſorgen ernehré koͤnte / auch daß er kein ſchlechter Menſch / ſondern der vorlaͤngſt verſpro - chene Schiloh vnd Held ſeyn muͤſte / haben ſie jhn haſchẽ vnd zu einem Koͤnig machẽ wollen / er aber hat ſolches nicht acceptiret, ſondern iſt dem Volck entwichen. Joh. 6.

Nach toͤdtlichem Hintritt Keyſer Albrechts / vmb das Jahr 1440. iſt die Koͤ - nigliche Wahl auff Landgraff Ludwigen zu Heſſen / genandt den Friedfaͤrtigen / ge - fallen / es hat aber derſelbe auß hohem Verſtand die Keyſerliche Cron refuſiret vnd abgeſchlagen / vnd damit Hertzog Friederichen in Oeſtereich zuwaͤhlen / Vrſach ge - geben. Dillich. in der Heſſ. Cron. ſub anno 1440. Helvic. iu Theat. Hiſtor. in Serie Landgraviorum Haſſiæ.

Als nach Abſterbẽ Keyſer Maximilian deß erſten / auff dẽ Wahltag zu Franck - furt An. 1519. diſcrepirende vota vnd Meynungen vorlieffen / ward im Churfuͤrſtl. Collegio auff den loͤblichen Churfuͤrſten Friedrichen in Sachſen geſtimmet / der es gleichfalls abgeſchlagen / darvon Joh. Schleidan. lib. 1. alſo ſchreibet.

Ad Fridericum Saxonem pridiè fuerat delatum imperium, ſed is ingenti ani - mo recuſabat & ſuo ſuffragio Carolum deſignabat & oblatam eo nomine ma - gnam pecuniæ vim à Caroli Legatis reiecit, & ſuis, ne vel ter-untium acciperent, mandavit.

Die Boͤhmiſche Directores offerirten jhre Cron Anno 1618 vnd 1619. ver - ſchidentlich / iſt aber wie der Eventus bezeuget / von etlichen weißlicher recuſirt als angenommen.

Es iſt eine groſſe Sach eine Cron anzunehmen / ſonderlich darauff andere Potentaten zu prætendiren, vnd jura quæſita & radicata vor ſich haben.

Dd 3AXIO -38Das ander Buch /

AXIOMA XX. Auch wider die tyranniſche vnd wunderliche / gleichwol or - dentliche Obrigkeit / ſollen die Vnderthanen nicht Hand an - legen. (Quod creati ſint Reges Conſilii fuit Divini, quod improbi fuerint ipſorum (vel etiam Popu - li) culpæ adſcribendum. Nicol. Cauſſin. de Regn. Diſſertat. 65.)

SAul war ein gottloſer Tyrann / der die Propheten deß Herꝛn toͤdten ließ / den frommen David allenthalben verfolgete / vnd jhme nach dem Leben ſtunde / vnd wiewol Gott den Saul vnd ſein Hauß wegen ſeines Vnge - horſambs vnd Tyranney verworffen / vnd den David wider zum kuͤnffti - gen Koͤnig ſalben laſſen / hat dieſer doch an jenem / wiewol er ſich zweymahl ſeiner Perſon in der Hoͤhle der Wuͤſten Engede / vnd in der Wuͤſten Siph / bemaͤchtigen vnd jhn toͤdten koͤnnen / auch von ſeinen Maͤnnern darzu ermahnet / nicht Hand an - legen wolten / vnd ſich entſchuldiget / mit Anziehung folgender motiva: Das ſey ferne von mir / daß ich meine Hand legean meinen Herꝛn den Geſalbten deß Herꝛn / dann er iſt der Geſalbte deß Herꝛn. 1. Samuel. Cap. 24. v. 7. 11. vnd als Abiſai / Da - vids Hauptleuthe einer / dem Saul mit ſeinem eygenen Spieß im Schlaff den Reſt geben vnd erſtechen wolte / verbotte jhme David ſolches ernſtlich vnd ſprach / wer |wil die Hand an den Geſalbten deß Herꝛn legen vnd vngeſtrafft bleiben? ſchwuhr darzu / ſo wahr der Herꝛlebet / wo derſelbe jhn nicht ſchlüge / oder ſeine Zeit kaͤme daß er ſtuͤrbe oder im Streit vmbkaͤme / wolte der Herꝛ fern von jhm ſeyn laſ - ſen / daß er ſeine Hand ſolte legen an den Geſalbten deß Herꝛn. 1. Samuel. Cap. 26. v. 8. & ſeqq. Worauß dann erhellet / daß das gemeine Sprichwort / Trew Herꝛ / Trew Knecht / wider die ordentliche / von Gott vorgeſetzte Obrigkeit / auch die wun - derliche vnd tyranniſche / nicht anzuziehen / noch ein Vnderthan wann er ſich der - ſelben mit der That widerſetzet / damit fuͤr Gott oder der Welt zuſchuͤtzen / vnd da diß Sprichwort / dieſes Falls vnd alſo gebrauchet würde / waͤre es ein gottloſer vnd auffruͤhriſcher Außſpruch. David war ein trewer wolverdienter Knecht vnd Vn - derthan / Saul aber war jhme vntrewe / trachtet jhme auff vielerley Weiſe nach dem Leben / belohnete deß Davids getrewe / tapffere / vnd dem gantzen Volck Gottes ge - leiſtete hocher ſprießliche Dienſte / mit Vntrewe / dannoch war vnd verbtiebe jhme der David / wie jetzo gemeldet getrew / biß in ſein deß Sauls Todt / erwieſſe / dieſelbeauch39Von dem weltlichen Stande. auch noch nach ſeinem Ableben / 2. Samuel. Cap. 2. Stellet derowegen dieſes Ex - empel allein genugſamb fuͤr Augen / daß Saul durch ſeine Tyranney vnd Vn - trew / den Koͤniglichen vnd Obrigkeitlichen Reſpect nicht verlohren / ſondern von David nach wie vor für ſeinen Koͤnig / ſeinen Herꝛn / ſeinen Vatter in ipſo perſe - cutionis actu vnd Geſalbten deß Herꝛn gehalten / vnd daß niemand Hand an den - ſelben legen vnd vngeſtrafft ſeyn koͤnte / derowegen auch eine gottloſe vnd tyranni - ſche Obrigkeit / wann fie einmahl ordentlich zum Regiment gelanget / Gottes Ord - nung / vnd bey allen Vnderthanen inviolabel verbleibet / welches S. Petrus ge - nugſamb beſtaͤrcket / wann er in ſeiner erſten Epiſtel Cap. 2. v. 18. ſchreibet: Fuͤrchtet Gott / ehret den Koͤnig / ſeyt vnderthan mit aller Furcht den Herren / nicht allein den guͤtigen vnd gelinden / ſondern auch den wunderlichen / dann das iſt Gnade ſo je - mand vmb deß Gewiſſens willen zu Gott das Vbel vertraͤget vnd leydet das Vn - recht. (Sæpe debemus pati mala, ne committamus peccatum c. quod Sacris X. Quod met. cauſ. c. ſicut cum trib. ſeqq. Cauſ. 32. q. 4.) Folget demnach hierauß wei - ter / daß obiges Sprichwort / trew Herꝛ / trew Knecht / dieſes Falls bey bloſſen Vn - derthanen nicht Gottes / ſondern deß Teuffels Wort ſey / welcher allezeit Gottes Ordnung vmbzukehren vnd uͤbern hauffen zuwerffen allerhand Vorſchein ſuchet. Jn Lehenſachen zwiſchen Lehen Herꝛn vnd Lehenmann / findet diß Sprichwort / je - doch auff gewiſſe Maſſe ſtatt / dahero es auch ſeinen Vrſprung genommen / auß Vrſachen daß der Lehen Herꝛ vnd Lehenmann ex conventione & pacto, oder ge - machtem Gedinge / zu einer reciptocirten Trew gegen einander verobligiret / de - rogeſtalt / wie der Lehenmann ſeinem Herꝛn wegen empfangenen Beneficii oder Lehens / getrew / alſo auch der Lehen Herꝛ ſeinem Vaſallen vnd Lehenmann / wegen ſeiner getrewen geleiſteten oder erwartender Dienſte Trewe zu erweiſen ſchuldig vnd gehalten / nach Art vnd Eygenſchafft der Lehenrechte / vid. Feudiſtas & inter il - los Vultei. de Feud. lib. 1. cap. 10. n. 37. & ſeqq. Viel eine andere Beſchaffen heit hat es mit Vnderthanen / welche nicht Pactsweiſe noch in reſpect eines Lehenguts / ſondern ohne Vnderſchied vermoͤg Gottes heiliger Ordnung vnd ernſten Be - fehls / viel verbuͤndlicher vnd ſtaͤrcker / zur Trewe vnd Gehorſamb / wann es nicht wider Gott vnd ſein Wort / ohne Widerrede verpflichtet. vid. Tractat. meum de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 1. Claſſ. 1. cap. 4. & 5.

AXIO -40Das ander Buch /

AXIOMA XXI. Die Koͤnig - vnd Regentenmoͤrder / ſollen die Nachfahren am Reich / wann ſchon jene Tyrannen vnd Vnge - rechte geweſen / ernſtlich ſtraffen.

ALs Saul in der Schlacht von den Philiſtern auff dem Gebirge Gilboa hart gedrenget / daß er auch auß Verzweiffelung / damit er nicht lebendig den Vn - beſchnittenen zu Theil wuͤrde / in ſein eygen Schwerdt gefallen / vnd ſich ſelber vmbs Leben brachte / kam ein Amalekiter zu David vnd ruͤhmete ſich / daß er auff erſuchen vnd begehren deß Koͤnigs Sauls der ſich ſchon auff ſeinen Spieß ge - lehnet / jhme vollends vom Leben zum Todt geholffen / ließ jhn David ſo bald auff die Bekandtnuß hinrichten. 2. Samuel. Cap. 1. (Divino enim, Gentium & ſuo quaſi jure Reges & Principes inviolabiles & quodammodo Sacroſancti cenſendi ſunt, eorumq; ſanguis adeò ſanctus æſtimandus, ut profundere nefas ſit. Richard. Dicter. de Sum. Imp. poteſt. concluſ 214.) Sauls Sohn Jſboſeth hatte nach ſeines Vatters Todt noch einen ziemblichen Anhang vnd den Abner zum Beyſtand / wie aber Jſboſeth dieſen gantz vnvorſichtig offendirte, vnd er daruͤber zu David gien - ge / wolten deß Jſboſeths ſeine beyde Hauptleuthe / Baena vnd Rechob auch bey dem Koͤnig David ſonderlichen Danck verdienen / erwuͤrgeten jhren Herꝛen Meu - chelmoͤrdiſcher weiſe in ſeiner Cammer vnd auff ſeinem Lager / vnd brachten Da - vid ſein Haupt / aber David ſprach uͤber dieſe vntrewe Buben ſo bald ein gerecht Blutvrthel / vnd ließ ſie wider vom Leben zum Todt bringen. 2. Reg. Cap. 4. So bald der Koͤnig Amazia zum Regiment kam / ließ er die Knechte ſeines Vatters Joas die denſelben getoͤdtet / wider hinrichten. 2. Reg. Cap 14. Der Koͤnig Sacha - ria ward von Sallum vmbgebracht. 2. Reg. Cap. 15. dieſen ließ aber Menahem wi - der toͤdten. ibid. d. G. 14. v. 15. Die Knechte deß Koͤnigs Ammon deß Sohns Ma - naſſ / machten einen Bund wider jhn / vnd toͤdteten jhn in ſeinem Hauſe: wiewol nun Ammon ein gottloſer abgoͤttiſcher Koͤnig war / thaͤt doch das Volck zuſam - men / vnd ſchlugen alle die den Bund wider den Koͤnig gemacht vnd denſelben ge - toͤdtet hatten. 2. Chron. Cap. 33. v. 24. 25. Alſo ließ der Keyſer Vitellius, ſo bald er zur Regierung kam / die Keyſermoͤrder / welche ſeinen Anteceſſorn Galbam maſſacri - ret vnd ermordet / oder ſich deſſen nur geruͤhmet hatten / erforſchen / vnd ſie wider toͤdten / nicht zwar Galbæ zu Ehren / ſondern zu ſeiner Verſicherung vnd Schrecken. Cornel. Tacit. lib. 17. annal. (Vitellius, inquit Tacitus, d. loco omnes quive verè quive falsò, ut pulchrum & memorabile facinus iactabant, conquiri & interfici,non41Von dem weltlichen Stande. non honore Galbæ, ſed tradito Principibus more, munimentum in præſens in po - ſterum ultionem. Item ſceleris huius ultor eſt, quisquis ſucceſſit. Et propter Exem - pla ne quidem Tyranni & improbi Regestemerè dericiendi. Froſſard. lib. 3.) Der boͤſen Nachfolge halber / nehmen ſich Potentaten auch tyranniſcher vnd gottloſer Regenten vnd Koͤnige an / deſſen ein Exempel bey dem Froſſard. lib. 1. Hiſtor. zu fin - den. Cornel. Tacit. lib. 17. Annal. vid. quæ ſcripſi in Tractat. meo de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 1. c. 5. n. 94. & mult. ſeqq. edit. 2.

AXIOMA XXII. Die Staͤnde / Reichs-Raͤthe / ſo vermoͤge eines Koͤnigreichs vnd Herꝛſchafft herkommen / mit einzurathen haben / koͤnnen nach geſtalten Sachen / der gemeinen Wolfarth zum beſten ſich interponiren, vnd der exorbitirenden Obrigkeit ein - reden / ſie auff die Reichs-Fundamental-Ge - ſetze vnd zur Sanfftmuth er - innern.

ALs Saul ſeinen ſtreitbahren vnd frommen Sohn Jonathan / wegen ſeines vnbedachtſamen Geluͤbds / davon doch Jonathan nichts gewuſt vnd ſelbigen Tag eine Heldenthat verrichtet hatte / mit Vnvernunfft toͤdten wolte / hat das Volck oder vielmehr die Elteſten vnd Vorſteher bey dem Koͤnig ſich in - terponiret, vnd geſchwohren / ſolches keines wegs zu geſtatten vnd dardurch dem Jonathan ſein Leben gerettet. 1. Samuel. Cap. 14. Wie Jeremias auff Gottes Befehl / dem Koͤnig Joiakim vnd dem Jſrgelitiſchen Volck jhre Vbertrettung verkuͤndigte / vnd der Koͤnig ſambt ſeiner Cleriſey dahin ſich reſolvirten, denſelben zu toͤdten / ſind die Fuͤrſten vnd Elteſten in Jſrael auffgeſtanden / dem Koͤnig vnd ſeinen vermeynten Propheten / Patribus vnd Cleriſey eingeredet / vnd mit nichten geſtatten vnd zu geben wollen / daß ſolch der Cleriſey / in jhrem vermeynten con - ſcientz Rath gemachtes concluſum vnd Blutvrthel / wider Jeremiam exequiret vnd vollzogen werden ſolte. Jerem. Cap. 26.

Als Rehabeam nach ſeines Vatters Salomo Todt / die Koͤnigliche Regie - tung anzutretten / das gantze Jſrael nach Sichem beſchrieben / erſchienen zwar die Staͤnde vnd gantze Gemein neben Jerobeam vor jhm gehorſamblich / proponirten aber jhre gravamina wegen vieler bey ſeines Vatters Salomo Lebzeiten auff ſie ge -Fflegter42Das ander Buch /legter vnertraͤglicher newerlicher Impoſten, Licenten, Conſumption vnd Auffla - gen / begehrten deme zu remediten vnd wegen Milterung auff gewiſſe Maſſe zu ca - pituliren, wie aber der Koͤnig Rehabeam / nach genommenen Bedacht wider ſeines Vatters geweſenen alte Raͤthe / trewe Verwarnunge ſolches nicht allein gantz vn - beſonnener Weiſe refuſitte vnd verweigerte / ſondern auch auff vnzeitiges Einge - ben der vnerfahrnen ſungen Raͤthe die onera, Vffſaͤtze vnd Conſumptions Impo - ſten zu ergroͤſſern vnd zu vermehren ſich vnvorſichtig herauß lieſſe / daneben antro - hete / daß ſein kleinſter Finger dicker ſeyn ſolte / als ſeines Vatters Lenden / vnd da jener ſie mit Peitſchen gezuͤchtiget / dieſer ſie mit Scorpion züchtigen wolte / tratten die zehen Staͤmme Jſrael ab von Rehabeam / wolten jhme nicht huldigen / ſondern nahmen Jerobeam vorjhren Koͤnig auff / vnd wurden dardurch die zehen Staͤmme Jſrael vom Hauſe Juda / ſo lang dieſelbe geblieben / getrennet. 1. Reg. Cap. 12. 2. Chron. Cap. 10. Dergleichen Exempel hat man in den Welt-Hiſtorien viel / daß ſich die Ephori, Proceres, vnd im Roͤm. Reich die Churfuͤrſten vnd andere Staͤnde bey gemeinen Reichs - vnd Collegial-Taͤgen interponiret, auch wol opponiret, vnd auff Enderung / die doch nicht leichtlich vorzunehmen / auch ohne groſſe Bewegung / Gefahr vnd Zerſchmetterung deß groſſen Gebaͤwes corporis Reipubl. nicht wol geſchehen kan / gedacht. Die Einfuͤhrung particularium Exemplorum gehoͤret nicht zu dieſem Vorhaben Bibliſcher Policey / werden bey andern Scriptoribus zufinden ſeyn.

AXIOMA XXIII. Regenten vnd Herꝛn thun wol / daß ſie in wichtigen Geiſt - vnd Weltlichen Sachen / jhre Parlament / Reichs - Land - oder Herꝛntaͤge außſchreiben vnd halten.

WAnn Moſes etwas wichtiges vorgehabt / hat er das Volck oder deren O - briſten vnd Elteſten zuſammen gefordert / vnd jhnen Gottes Willen vnd Verordnung vorgehalten / wie hin vnd wider in den letzten 4. Buͤchern Moſis zuleſen. Sein Succeſſor oder Nachfahr am Regiment Joſua / als er die Stifftshuͤtte zu Silo wolte auffrichten laſſen / hat er die gantze Gemein der Kinder Jſrael dahin beſchrieben / vnd ſolches mit jhrem Vorwiſſen vnd Beliebnuß gethan. Joſu. Cap. 18. v. 1. wie er ferner alt / betaget / vnd wegen einer guten Kirchen - Ordnung vnd Policey / ſorgſaͤltig war / hat er ein Parlament vnd allgemeinenLand -43Von dem weltlichen Stande. Landtag außgeſchrieben vnd darzu beruffen das gantze Jſrael / jhre Elteſten / Haͤu - pter / Richter vnd Amptleuthe / vnd darauff ſeine herꝛliche hoch weiſe Propoſition, von Erhaltung deß wahren vnd reinen Gottesdienſts abgelegt / Joſu. Cap. 23. welches er bald hernacher auff einem andern vnd ſeinem letzten Parlament vnd Landtage / welchen er nach Sichem auß geſchrieben / erwiedert / vnd daruͤber der ge - ſambten Staͤnde vnd Volcks Verwilligung vnd Verpflichtung-erhalten / vnd ei - nen Landtags Abſchied daruͤber auffgerichtet / Joſu. Cap. 24.

Als der Koͤnig David nach eingenommener Huldigung von dem gantzen Jſrael. 2. Samuel-Cap. 5. v. 1. vnd Eroberung der Stadt Jeruſalem die Lade deß Bundes Gottes / von Kiriath Jearim / wider abholen wolte / ſchrieb er ein Parla - ment oder Reichstag auß / vnd hielt einen Rath mit den Hauptleuthen uͤber tau - ſend vnd uͤber hundert / vnd mit allen Fuͤrſten / vernahm daruͤber vnd andere Pro - poſitions puncta, der Staͤnde ſentiment vnd vnderthaͤnigſt Gutachten / vnd wie ſie mit jhme einig / machte er mit einhelligem Rath vnd Zuthun der Staͤnde ein Concluſum, holeten darauff die Bunds. Lade mit geſambder Hand ab / wie zule - ſen 1. Chron. Cap. 14. Ferner war der Koͤnig David auch ſorgfaͤltig vnd geſchaͤfftig dem Herꝛn einen Tempel zu bawen / darin die Bunds-Lade niedergeſetzet / vnd der offentliche Gottesdienſt herꝛlich verrichtet werden ſolte / jhme aber als einem Kriegsman der viel Blut vergoſſen / ſolches von Gott abgeſchlagen / vnd auff ſeinen friedfertigen Sohn Salomon der Baw verwieſſen / hat er deßwegen wider einen Reichstag außgeſchrieben / ſolches / wie auch ſonſten proponiret, was er auß Milte vnd Freygebigkeit von dem Seinigen an Gold / Silber / Edelgeſtein / Eyſen / Ertz / Marmelſtein / ꝛc. darzu geſtewert / mit Ermahnung / daß die Staͤnde vnd das Volck beyſtewern moͤchten / welches ſie auch reichlich vnd gern gewilliget / zeigete daneben in publico an daß Gott ſeinen Sohn Salomon nach ſeinem Todt zum Koͤnig er - woͤhlet / præſentitte denſelben offentlich zum Koͤnig / worauff derſelbe zum andern - mahl vor einen Koͤnig angenommen / vnd das gantze Jſrael jhm gehorſamb wor - den. 1. Chron. Cap. 29. & Cap. 30. Wie Salomon den herꝛlichen Tempelbaw voll - brachte vnd die Bunds-Lade deß Herꝛn / auß Zion / der Stadt David in den Tem - pel tranſportiren vnd bringen laſſen wolte / ſchrieb er auch eine Reichsverſamblung auß / berieff darzu die Elteſten in Jſrael / alle Oberſten der Staͤm̃e vnd Fuͤrſten der Vaͤtter vnder den Kindern Jſrael. 1. Reg. Cap. 8. Als der gottſelige Koͤnig His - kias die Regierung angetretten vnd gemercket wie ſo gar der Gottesdienſt zuruͤck geſetzet vnd zu wider Auffpflantzung deſſelben eine allgemeine Reformation in Kirchen vnnd Schulen hochnoͤthig / hat er ſolch hohes Werck nicht allein vor ſeinen Kopff angeordnet / ſondern Botten geſandt zum gantzen Jſrael vnd Brieffe ge - ſchrieben an Ephraim vnd Manaſſe / vnd ſie nach Jeruſalem erfordert / mit den Obriſten vnd der gantzen Gemein zu Jeruſalem Raths zu werden / wie das Paſſah zuhalten vnd der Gottesdienſt zu reformiren vnd in beſſern Stand zuſetzen / imFf ij2. Buch44Das ander Buch /2. Buch der Chronick. Cap. 30. Als Joiada der Vormund deß jungen Koͤnigs Jo - as / denſelben als den einigen rechten Cron Erben deß Koͤnigreichs Juda / auff den Koͤniglichen Thron ſetzen vnd außruffen laſſen wolte / hat er die Obriſten Vaͤtter / Hauptleuthe vnd gantze Gemein zuſammen ruffen laſſen / vnd mit geſambtem Rath vnd Zuthun darin verfahren. 2. Reg. Cap. 9. v. 4. & 2. Chron. Cap. 23. v. 1. & ſeqq.

Es iſt ſehr viel daran gelegen / wann ein groſſer Herꝛ vnd Regent etwas wich - tiges vornimbt / vnd anfaͤhet / daß er ſeiner Staͤnde einhelligen Willen vnd Bey - fall hat / weil es ſehr ſchwer faͤllt / wie man im Sprichwort ſagt / mit vnwilligen Hun - den das Wild zu hetzen vnd zufangen. (Difficile eſt, invitis canibus venatum ire.) Gideon der Regent vnd Richter in Jſrael / that ein Auffbott in Jſrael wider die Midianiter vnd Amalekiter / zohe zu Felde vnd erhielt einen herꝛlichen Sieg wider die Feinde / nichts do weniger ward der Stamm Ephraim jhme ſehr auffſetzig / wol - ten faſt wider jhn auffſtehen / vnd expoſtulirten mit jhm hefftig daruͤber / daß er ſie præterirt vnd nicht mit darzu gezogen / wie er den Krieg angefangen vnd zu Felde gegangen / alſo daß Gideon / ohnerachtet Gott nicht haben wollen / daß er ſtarck zu Feld zoͤge vnd ſelber die Muſterung anordnete / genug zuthun hatte / daß er ſie mit guten Worten vnd Sanfftmuth ſtillete vnd Vffſtand verhuͤtete / im Buch der Richter Cap. 7. & Cap. 8.

AXIOMA XXIV. Ein weiſer vnd guͤtiger Regent haͤlt ſeine Reichs oder Lands-Staͤnde in gebuͤhrendem reſpect vnd Ehren.

ALs der Koͤnig David ſeinen letzten Reichstag / deſſen auch in vorhergehendem Axiomate gedacht / gen Jeruſalem außgeſchriebẽ / vnd darzu alle Obriſten in Jſrael / nemblich die Fuͤrſten der Staͤmme / die Fuͤrſten der Ordnunge / die auff den Koͤnig warten / ꝛc. erfordert / vnd denſelben ſeinen Sohn Salomo welchen Gott vor allen ſeinen Soͤhnen erwoͤhlet / daß er ſitzen ſolte auff dem Stuhl deß Koͤnigreichs deß Herꝛn uͤber Jſrael / zu einem kuͤnfftigen Regenten ſeinen Reichs-Raͤthen vnd Staͤnden recommendiret, meldet die Schrifft / daß ohner - achtet ſeines hohen Alters / der Koͤnig auff ſeinen Fuͤſſen geſtanden / vnnd den Staͤnden zu Ehren vnd reſpect die herꝛliche Koͤnigliche Propoſition ſtehend ge - than. 1. Chron. Cap. 29. v. 1. 2. & ſeqq. Seinen getrewen Landsſtand vnd Vnder - thanen den Barſillat hat David auch nicht allein geliebet vnd geehret / ſondern alser ſich45Von dem weltlichen Stande. er ſich mit jhme geletzet vnd das Valet geben / jhn gekuͤſſet vnd geſegnet / vnd darmit ſeiner Koͤniglichen Clementz Liebe vnd Hulde verſichert. 2. Samuel. Cap. 19. v. 39. aber ſein Enckel Rehabeam / Salomons Sohn that nicht alſo / hielte die Fuͤrſten vnd Staͤnde in Jſrael in ſchlechtem reſpect, ſtoßte dieſelbe vnvorſichtig vor den Kopff / erweckte damit einen Vffſtand vnd Separation der Staͤnde / zu ſeinem vnd ſeiner Nachkommen vnwiderbringlichen Schaden. 1. Reg. Cap. 12.

AXIOMA XXV. Der Obrigkeit Gebott vnd Befehl ſo wider GOtt / ſein Wort / das Gewiſſen vnd die Liebe deß Naͤchſten lauffen / ſoll vnd muß niemand vollbringen. (Auguſtin in Sermone 6. de verb. Domini. Qui reſiſtit poteſtati, Dei ordina - tioni reſiſtit Sed quid ſi illud jubeat, quod non de - beas facere? Hic ſane contemne poteſtatem, timendo poteſtatem.)

HIe gilt die Apoſtoliſche Regul: Man muß GOtt mehr gehorchen als den Menſchen. Die Potentaten / Koͤnige / Fuͤrſten / Herꝛſchafften vnd alle Ob - rigkeiten ſind Gottes Stadthalter vnd ſeines Reichs Amptleuthe ja Got - tes Knechte / wie David im 116. Pſalm. v. 16. bezeuget / wann er ſpricht: O Herꝛ ich bin dein Knecht / deiner Magd Sohn. Sie ſind ſelbſten Gottes Gebott vnderworffen / ja deren Cuſtodes vnd Huͤrer / derowegen ſie nicht befugt / etwas wi - der Gott vnd ſeine Gebott anzuordnen oder zu mandiren. Thun ſie es aber / ſo ſeyn die Vnderthanen nicht ſchuldig zu gehorſamen / wann ſie auch deßwegen in Vn - gnade / ja Leibs vnd Lebens Gefahr gerathen ſolten. (Non utiq́ue contemnis, ſi eli - gis Maiori ſervire, nec hinc debet minoriraſci, ſi Maior prælata eſt. Illa carcerem, hæc gehennam minatur, refertur in jure Canon. in c. qui reſiſtet. 97. Cauſ. 11. Quæſt. 3.

Der Herꝛ Chriſtus giebet ſelber den Außſchlag hieruͤber wann er ſpricht: Fuͤrchtet euch nicht fuͤr denen die den Leib toͤdten / ſondern vielmehr vor deme / ſo Leib vnd Seel verderben mag in die Hoͤllen. Matth. Cap. 10. v. 28.

Alſo thaten die Egyptiſchen Wehemuͤtter recht / daß ſie Gott fuͤrchteten / deß Koͤnigs Pharaonis gottloſen Befehl von Erwuͤrgung der Hebraͤiſchen Knaͤblein bey der Geburth / keine Folge leiſteten / vnd Gottes Gebott; du ſolt nicht toͤdten /Ff iijmehr46Das ander Buch /mehr reſpectirten als deß Koͤnigs Befehl / darumb jhnen Gott guts gethan vnd Haͤuſer gebawet. Exod. 1. v. 16. & ſeqq. Den alten Tobiam ſtraffeten ſeine Freunde daß er wider deß Koͤnigs Sanheribs Befehl der Heiligen verſtorbenen Leichnamb ſich annahm vnd dieſelbe zur Erden beſtattete / vnd ſprachen: Jetzt newlich hat dich der Koͤnig vmb ſelbiger Sache heiſſen toͤdten / vnd biſt kaum darvon kommen / noch begraͤbſtu die Todten: Aber Tobias fuͤrchtete Gott mehr als den Koͤnig. Tob. Cap. 2. v. 8. 9. vnd Cap. 1. v. 22. (Eraſm. Roterd. in Paraphraſ. Evangel. Matth. Cap. 10. Publicis, inquit, Magiſtratibus in omnibus obtemperandum eſt, niſi cum præſcri - bunt impia: vocant in ius, eundum eſt: exigunt rationem, redden da eſt: ſin iubeant immolare ſimulacris, ſi imperent ceſſare à prædicando nomine Domini, nequa - quam eſt obtemperandum. Nec ſunt tamen convitiis irritandi, ſed ſobriè reddenda ratio, cur magis deceat obtemperare omnium Principi Deo, quam humanæ pote - ſtati, æquum enim eſſe ut præſcripta Dei præſcriptis hominum præponderent.) Balack der Moabiter Koͤnig / noͤthigte den Propheten Bileam ſehr durch verſchie - dene Abordnung dem Volck Gottes zu fluchen / Bileam aber / ob er ſchon auff ſein Erfordern ins Lager kommen war / ſprach: Wie kan ich etwas anders reden dann das mir Gott in den Mund giebet / das muß ich reden Num. Cap. 22.

Als der Koͤnig Saul in ſeinem vngerechten Zorn vnd Grimme ſeinen Tra - banten befahl / daß ſie den Prieſter deß Herꝛn Ahimelech ſambt andern vier vnd achtzig Prieſtern deß Herꝛn toͤdten ſolten / verachteten ſie deß Koͤnigs Befehl / vnd wolten jhre Hand nicht an dieſelbe legen / vnd ſind deßwegen keine Rebellen vnd Vngehorſame geweſen / wiewol der Fuchsſchwaͤntzer Doeg ſich ſelber gutwillig darzu offerirte, vnnd fuͤnff vnd achtzig Propheten auff die Fleiſchbanck liefferte. 1. Sam. Cap. 22. v. 15. & ſeq.

Als die Philiſter wider Saul den Sieg erhielten / befahl Saul ſeinem Waf - fentraͤger / daß er ſein Schwerdt außziehen vnd jhn erſtechen ſolte / damit die vnbe - ſchuittene Philiſter nicht einen Spott auß jhme machten / aber der Waffentraͤger verweigerte es recht. 1. Sam. Cap. 31.

Als der groſſe Monarch vnd Koͤnig Nebucadnezar / bey Leibes vnd Lebens Straffe in ſeinem Koͤnigreich das Gebott hat publiciren laſſen / daß man ſein Bild ſolte anbetten / hat doch der H. Geiſt ſolchen Gehorſamb der Fürſten vnd deß Volcks verdammet / vnd allein den Vngehorſamb der dreyen Maͤnner Sadrach / Meſach vnnd Abednego / die deß Koͤnigs Gebotten nicht pariret, geprieſen. Daniel. Cap. 3.

Der Prophet Daniel war auch kein Rebell oder vngehorſamer Vnderthan / darumb daß er wider deß Koͤnigs Darii Gebott ſeinem GOtt offentlich vnd ohne Schew dienete / vnd wiewol er darumb den grimmigen Loͤwen in die Grube vorge - worffen / hat jhn doch Gott darvon errettet. Daniel. Cap. 6. (Præſtat Deum habere propitium: quam mundum benevolum, ſive in carcere ſis cum Johanne & Jo -ſepho47Von dem weltlichen Stande. ſepho, ſive in lacu cum Jeremia, ſive in fornace cum tribus viris, ſive in medio Le - onum cum Daniele, ſive in vinculis cum Petro, ſive inter manus carnificis cum Ste - phano. Meiſner. in Homil. 3. Dominic. Advent. Doctrin. 1.

Der gottsfoͤrchtige Hoffmeiſter Obadias wolte nicht allein die Propheten deß Herꝛn auff ſeiner Koͤnigin Jeſabell Befehl nicht erwuͤrgen / ſondern verbarg / ſchuͤtzete vnd ſpeiſſete ſie auch 1. Reg. Cap. 18.

Der Prophet Elias wolte dem Koͤnig Achab durch Bewilligung der Abgoͤt - terey gar keinen Hoffdienſt leiſten. ibid v. 18. Der fromme vnd gottsfoͤrchtige Mar - dachæus wolte lieber ſein / ſeines Hauſes vnd gautzen Volcks Leben vnd alle zeit - liche Wolfarth in die aͤuſſerſte Gefahr ſtellen / als wider Gott / mit verletztem Ge - wiſſen dem hochmuͤthigen Haman Goͤttliche Ehre erweiſen / im Buͤchlein Eſther Cap. 3. Es haben auch die vnvernünfftige Heyden auß dem Liecht der Natur ſol - ches erkandt / deſſen vnder andern ein denckwuͤrdig Exempel im Livio zufinden / da Lycortas im Nahmen der Achæer, dem Appio Claudio geantwortet: Wir ehren zwar euch Roͤmer / vnd ſo jhrs wollet / fuͤrchten wir euch auch / aber mehr ehren vnd fürchten wir die vnſterbliche Goͤtter. (Veremur quidem vos Romani, & ſi ita vultis etiam timemus: ſed plus & veremur & timemus Deos immortales. Liv. Decad. 4. lib. 9.)

Als Keyſer Carl der V. Anno 1530. auff dem Reichstag zu Regenſpurg den Evangeliſchen Proteſtirenden anweſenden Chur - vnd Fuͤrſten ernſtlich vnd ver - ſchiedentlich anzeigen ließ / jhre Predigten abzuſtellen / vnd jhrer Keyſ. Mayt. am Feſt deß Herꝛn Leichnambs bey der Proceſſion auff zuwarten vnd ſolchem Gottes - dienſt mit beyzuwohnen / haben ſie gebetten / ſie mit beyden zuverſchonen / vnd als jhre Keyſerl. Mayt. auff jhrer Meynung ſteiff beſtanden vnd darvon nicht weichen wolten / iſt endlich Margraff Georg zu Brandenburg hervor getretten / mit vner - ſchrockenem ſtandhafften Gemuͤthe / die Hand an den Halß geleget / vnd zu jhrer Keyſerl. Mayt. gleichwol mit vnderthaͤnigſter Bezeigung geſprochen / er wolte lie - ber vor jhr Keyſ. Mayt. nieder knyen / vnd durch den Scharpffrichter ſich den Kopff herunder ſchlagen laſſen / als daß er durch einige Bezeigung GOtt vnd ſein heiliges Evangelium verlaͤugnen vnd einer jrrigen Lehr beypflichten. Worauff gleichwol der hoͤchſt loͤbliche Keyſer gar ſanfftmuͤthig geantwortet / man handelte darvon nicht / daß jemand das Leben ſolte genommen werden: wie ſolches mit Fleiß beſchrieben D. Georg. Cœleſtinus, in Hiſtor. Auguſt. Confeſſ. Tom. 1. fol. 80. 81.

Gar vnrecht aber haben gethan deß Achabs Obriſten / Elteſten vnd Rich - ter / daß ſie auff den / von der Koͤnigin Jeſebell expracticirten Befehl / wider den frommen Naboth falſche Zeugen ſuborniret, auffgeſtellet / vnd jhn auff deren fal - ſche Außſage / als einen der Gott vnd den Koͤnig gelaͤſtert / hinrichten vnd vnſchul - dig Blut vergieſſen laſſen. 1. Reg. Cap. 21. v. 8. & ſeqq. vnd ſind der Exempel viel mehr vorhanden. Vnrecht thate Joab / daß er ſeines Koͤnigs blutige Ordrevnd48Das ander Buch /vnd vngerechten Befehl / wider ſeinen trewen Landsknecht Vriam den Hethiter excquirte vnd vorſetzlicher tuͤckiſcher Weiſe denſelben auff die Fleiſchbanck lieffern ließ. 2. Sam. Cap. 11. v. 14. & ſeqq.

Es wird in jure Canonico auß dem Ambroſio referirt, daß der abtruͤnnige Keyſer Julianus viel Chriſtliche Soldaten vnder ſeiner Armada gehabt; wann er denſelben befohlen / ſie ſolten zu Schutz deß gemeinen Weſens zu Felde gehen / waͤ - ren ſie darzu willig vnd bereit geweſen / wann er jhnen aber Ordre ertheilet / daß ſie ſolten wider die Chriſten jhr Schwerdt zucken / da hatten ſie den himmliſchen Key - ſer mehr gefuͤrchtet als den jrꝛdiſchen. Aber heutiges Tages fraget man nicht viel darnach wider wen es gelte / ob man wider die Glaubens genoſſen die Waffen fuͤh - re / ob man zu Rettung deß Vatterlandes Freyheit / oder zu deren vnd vieler trewer Patrioten Vndertruckung das Schwerdt anguͤrte. Ja viel apoſtaſiren vnd ſatteln gar vmb / damit ſie nur hohe Chargen erlangen vnd groſſe Befehlhaber werden moͤ - gen. Jch weiß aber deren ſehr wenig / denen es endlich wol darbey gangen / ſie ſind mehrentheils vmbkommen / vnd wann ſie es vffs hoͤchſte gebracht / ſind ſie auff das Schlipfferige gerathen / elendig geſtürtzet vnd gefallen / die Exempla ſind haͤuffig / aber noch friſch vnd dahero odioſa.

Einem von den Vornembſten iſt nachfolgendes Epitaphium geſetzet / darin er ſein Gluͤck vnd Vngluͤck beklaget:

Herꝛlich hab ich gelebt / geſtorben ſehr elend /
Was mich erhoben hoch / hat mich geſtürtzt behendt.
Das Gluͤck mir Reichthumb gab / hat mich ſehr groß gemacht /
Dargegen auß der Gunſt / vmb Seel vnd Leib gebracht.
Ach haͤtt ich was verſchuld / begangen einen Fehl /
Haͤtt man geſtrafft den Leib / vnd nur geſchont der Seel /
Wer es geſchehn mit Recht / haͤtt ichs gar gern erduldt /
Die arme Seele noch / befohln in Gottes Huldt.
Nun bin ich uͤbereylt / dann ich kein Zeit mehr hatt /
Nun hilfft kein Meſſe mehr / auß iſt alle Huͤlff vnd Rath /
Die Straffe iſt zu ſcharpff / bey vngehoͤrter Sache /
Jſt mirs verbottten gleich / bey Gott ſteht noch die Rache.

Solte aber eine Obrigkeit etwas gebiethen / ſo zwar vnbillig / als wann ſie ein meh - rers als die Gebuͤhr von einem erfordert / oder ſonſten zur Vngebuͤhr beſchwehret / da iſt es beſſer zu gehorſamen / ſich zu gedulden vnd es Gott zu befehlen / als durch Widerſetzlichkeit Vrſach zur Auffruhr zu geben / oder ſich vnder die Auffruͤhrer zu miſchen / deren Vnfall ploͤtzlich entſtehet. Proverb. Cap. 24. v. 22. (Eraſm. in Para - phraſ. Evangel. Matth. Cap. 10. Quod ſi Magiſtratus præſcribat iniqua, ſed quæ non faciantimpios, tolerandus eſt, ne provocatus ſæviat, veluti ſi veſtem aut pecu - niam auferat præter jus, ſi coniiciat in carcerem, ſi flagris cedat. Hæc enim adeonon49Von dem weltlichen Stande. non auferunt pietatem ut per occaſionem magis augeant & iiluſtrent virtutem Evangelicam. Alſo haben ſich die Kinder Jſrael uͤber deß Koͤnigs Pharao vnge - rechten Gewalt lang patientiret vnd getrucket. Exo. Cap. 1. & ſeqq.

AXIOMA XXVI. Widerrechtliche / auff vngleiche Berichte / ſub-& obrepti - tiè außgelaſſene Befehl / Edicta, Decreta vnd Verſpruͤche / nach erlangter beſſern Information vnd Bericht zu caſſi - ren vnd zu endern / iſt Keyſer / Koͤnigen vnd Regen - ten nicht verkleinerlich / ſondern ruͤhmlich.

ALs der Großmaͤchtige Koͤnig Ahaſverus / durch ſeines vngerechten ſtoltzen Hoffraths deß Hamans falſche Anklage wider den frommen Mardachai vnd das gantze Juͤdiſche Volck zur Vngnad bewogen vnd grawſame Be - fehl / vnder ſeinem Ring Pittſchaffte / in ſeinem gantzen Koͤnigreich durch auß geſchickte Poſtbotten vnd Curriers publiciren vnd auff einen gewiſſen Tag die blutige Execution, das Jüdiſche Volck zu toͤdten anordnen laſſen / der Haman auch ſchon dem Mardachai einen hohen Bawm / daran er vffgeknuͤpffet werden ſollen / bereiten laſſen / bekame der Koͤnig durch ſonderbahre Schickung Gottes ſchwermuͤthige Gedancken / laͤſſet in ſeinem Koͤniglichen Archivo die Chronica vnd Geſchichte auffſuchen vnd auß dem Diario ſich etwas fuͤrleſen / da ſich eben der locus præſentiret, was fuͤr trewe Dienſte Mardachai dem Koͤnig geleiſtet / in deme er die beyden Caͤmmerer deß Koͤnigs / Bigthana vnd Theres / welche denſelben Meuchelmoͤrdiſcher Weiſe erwuͤrgen wollen / entdecket / auch durch die Koͤnigin Eſther zu beſſern Gedancken gebracht / war es dem Koͤnig keine Schande / ſondern eine Ehre / daß er ſolche grawſame Mandata nicht vollziehen laſſen / ſondern vnder ſeinem Koͤniglichen Secret, andere Verordnunge machte / vnd den Juden die De - fenſion wider alle ſo ſie offendiren wuͤrden / anbefahl / im Buch Eſther. Cap. 8. Der gewaltige Koͤnig hat in ſolchem publicirten Widerruffungs Edict, dieſe Wort ſetzen laſſen: Wir muͤſſen nach Gelegenheit der Sachen zu weilen die Ge - bottaͤndern / wo wirs anders finden dann wir berichtet waren vnd nicht zu ge - ſchwinde fahren / wie zuleſen in dem Bibliſchen Buch Stuck in Eſther genandt.

David hatte ſich gar hoch vnd bey dem wahren Gott vermeſſen / daß er fol -Gggenden50Das ander Buch /genden Tages / dem reichen Lauſſer Nabal / nicht wolte uͤbrig vnd leben laſſen / der an die Wand piſſete / dannoch als er hernach durch die holdſelige remonſtration vnd Rede der vernuͤnfftigen Abigail beſaͤnfftiget vnd zu andern Gedancken ge - bracht war / hielte ers nicht dafuͤr / daß es ſeiner reputation oder ſeiner parola zu - wider waͤre / von ſeinem beſchwornen aber doch vnbillichen Verſpruch abzuſtehen / (Ambroſ. juravit David temerè, ſed non implevit jurationem maiori pietate, de duobus peccatis elegit minus. c. juravit David. Cauſſ. 22. Quæſt. 4. & in c. præce - dent. Quod David juramentum per ſanguinis effuſionem non implevit, maior pictas fuit, videlicet, maluiſſe non facere quod juraverat, quam jurationem, fuſo hominis ſanguine implere. Optima Iſidori Regula: in malis promiſſis reſcinde fidem. In turpi voto muta Decretum: Quod incaute voviſti ne facias. Impia enim eſt promiſſio quæ ſcelere adimpletur. c. in malis d. Cauſſ. 22. Quæſt. 4.) ſo gar / daß er auch Gott dafuͤr gedancket / vnd zu der Abigail geſaget: Gelobet ſey der Herꝛ der Gott Jſrael / der dich heut mir entgegen geſandt / vnd geſegnet ſey deine Rede / daß du mir erwehret / daß ich nicht wider Blut kommen ſeye / warlich ſo wahr der Herꝛ der Gott Jſrael lebet / waͤreſtu nicht eylend mir begegnet / ſo waͤre dem Nabal nicht uͤberblieben auff dieſen lichten Morgen / der an die Wand piſſet. 1. Samuel. Cap. 25. Hingegen thate gar uͤbel der Koͤnig Herodes / welcher der Tochter Herodias eine Bitte zu gewaͤhren / eydlich verſprochen / vnd wie er vmb Johannis deß Taͤuf - fers Haupt angeſprochen ward / ſeiner Koͤniglichen Reputation zu nahe ſeyn ver - meynte / daß ers bey ſeinem Verſpruch nicht laſſen / vnd den vnſchuldigen Johan - nem erretten ſolte / wiewol er darumb ſich betruͤbte. Marc. Cap. 6. v. 23. & ſeqq. (Am - broſ. de offic. lib. 1. c. 50. Nonnunquam contra officium eſt ſolvere promiſſum & ſacramentum cuſtodire, ut Herodes, qui juravit, quicquid petitum eſſet, daret filiæ Herodiadis, & necem Johannis præſtitit. c. Eſt etiam d. cauſ. 22. quæſt. 4. Idem Am - broſ. de offic. lib. 3. c. 12. Herodes ſaltatrici premium turpiter promiſit, crudeliter ſolvit: Turpe quod Regnum pro ſaltatione promittitur: Crudele quod mors Prophetæ pro jurisjurandi Religione donatur c. unuſquiſque. d. quæſt. 4.)

Es haben loͤbliche Roͤmiſche Keyſer / auch Baͤpſte / bey jhren gefuͤhrten ſchweren Regierungen advertiret, daß je zuweilen inverecundâ petentium inhia - tione, oder auff vnwarhafftẽ uͤbelen Bericht / ſolche reſcripta Befehl vnd Beſcheide erfolget / die nach einkommender warhaffter der Sachen Bewandnuß / den Rech - ten vnd der Billigkeit nicht gemaͤß / dahero auch ſelber jhre reſcripta anderer geſtalt nicht guͤltig ſeyn laſſen wollen / niſi quatenus preces veritate niterentur. Jm Gegen - ſatz aber / da ſich die Sachen vorbrachter maſſen nicht verhielten / jhre Mandata kei - nes Wegs beobachtet haben wolten / geſtalt die hochloͤbliche Keyſer Conſtantinus, Theodoſius, Valentinus vnd andere ſolches ſtatuiret vnd reſcribiret. (l. 3. & tot. tit. C. ſi contra jus vel utilit. publ. vel per mendacium, & c. l. 3. C. de precib. imp. offer. l. 1. c. de petit. bon. ſubl. lib. 10.)

Der51Von dem weltlichen Stande.

Der Bapſt Alexander der Dritte / hat auch nachfolgender geſtalt gegen den Biſchoff zu Ravenna ſich erklaͤret: Patienter ſuſtinebimus ſi non feceris, quod prava nobis inſinuatione fuerit ſuggeſtum. (C. ſi quando X. de reſcript. Dec. cõſil. 606. n. 5. 6. Et de Antiocho tertio Aſiæ Rege laudabiliter traditur, quod omnibus Regni ſui urbibus ſcripſerit, ut ſi quid in literis, quæ nomine eius ſcriberentur, eſſet, quæ Legibus adverſari videretur, crederent ignaro ſe eiuſmodi literas ſcriptas fuiſſe & propterea eis non parerent. Andr. Geil. 2. obſ. 58. n. 10. & ſeqq. uti plura E - xempla refert.)

AXIOMA XXVII. Ein newer Regent muß bey antrettender ſeiner Regierung / ſonderlich wann er vnverſehens vnd auff vngewoͤhnliche Weiſe darzu kompt / der Staͤnde vnd Vnderthanen Gemuͤ - ther kluͤglich exploriren, vnd ſich deren Anhangs vnd De - votion wol verſicheren (Initia Principatuum no - vis rebus attentandis ſunt accommodata, Fa - mian. Strada de Bell. Belg lib. 2. p. 66.)

ALs Jehu einer auß den Hauptleuthen in Jſrael / bey waͤhrender Regierung Ahaſia deß abgoͤttiſchen Koͤnigs in Jſrael / auff Gottes Befehl / durch den Propheten vnverſehens zum Koͤnig in Jſrael geſalbet war / bekam er gleich von ſeinen geweſenen Spießgeſellen / den Hauptleuthen Beyfall / verbandt ſich mit jhnen / vnd zog mit denſelben nach Jeſreel / da der Koͤnig in Jſrael Ahaſia hingezogen war den verwundeten Koͤnig in Juda Joram zu beſuchen / brachte ſie beyde in die Flucht vnd erſchlug ſie / ließ daneben die Koͤnigliche Wittwe Achabs / die Jeſebell auff gut Boͤhmiſch feneſtriren oder zum Fenſter herauß ſtuͤrtzen / brachte dardurch ein groß Schrecken in Jſrael / vnd bekam einen groſſen Anhang. Weil er aber die Koͤnigliche Reſidentz Samaria vnd andere veſte Plaͤtz noch nicht in ſeiner Gewalt vnd Devotion hatte / handelte er ſehr klüglich / ſchrieb einen Brieff zu Jeſreel an die Obriſten vnd Elteſten Achabs Kinder Vormunder nach Sa - maria / allda noch 70. Soͤhne vnd Neven deß Koͤnigs Achabs vorhanden / explo - rirte gar vorſichtig jhre der Elteſten vnd Koͤniglicher Kinder Vormunder Gemuͤ - ther / ob ſie dahin inclinirten, einen von dem Koͤniglichen Gebluͤth vnd Soͤhnen vor einen Herꝛn vnd Koͤnig anzunehmen / ſimulirte als waͤre es ſeine Meynung /Gg ijvnd52Das ander Buch /vnd begehrte in ſelbigem Schreiben / ſie ſolten den beſten vnd geſchickſten darauß woͤhlen / denſelben auff den Koͤniglichen Stuhl ſetzen / vnd vor deſſen Hauß ſtreiten / vermeynete / er wolte auß der Antwort gleich vernehmen / wohin jhre Gedancken ſtuͤnden. Weil aber Jehu durch zweyer Koͤnige vnd der Koͤnigin Jeſebell Hinrich - tung / eine groſſe Furcht dem Volck eingejaget / hielten die von Samaria dafuͤr / weil 2. Koͤnige vor Jehu nicht geſtanden / wie dann ſie wider jhn ſtehen wuͤrden / lieſſen demſelben ſagen / ſie waͤren ſeine Knechte / ſie wolten alles thun was er ſagte / ſie wolten niemand zum Koͤnig machen / er ſolte thun was jhme gefiehl. Als Jehu ſo viel hatte / wolte er noch nicht vollkommlich trawen / ſondern gar ſicher gehen / tentirte ſie noch auff eine andere Weiſe / vnd ſchrieb einen andern Brieff / vnd be - gehrte / dafern ſie jhrem Erbiethen Folge leiſten vnd thun wolten / was er ſie hieſſe / ſo ſolten ſie folgenden Morgens vmb ſelbige Zeit die 70. Haͤupter der Koͤniglichen Soͤhne hinauß nach Jeſreel lieffern / welches auch geſchehen / worauff Jehu eine Oration zu dem gemeinen Volck gethan / vnd remonſtriret, daß kein Wort deß Herꝛn ſo er wider Achab vnd ſein Bluthauß geredet / auff die Erden gefallen / ſie ſehen die Koͤpffe der 70. Soͤhne Achabs vor Augen / die er doch nicht erſchlagen / waͤ - re alſo Gottes Hand vnd Werck / wie er nun keine Contradiction verſpuͤhrte / vnd deren zu Samaria Devotion, durch dieſe Real Bezeigung / wider die Koͤnigliche Soͤhne genugſamb verſichert war / gieng er weiter / ſchlug alle uͤbrige vom Hauſe Achab / alle ſeine Groſſen vnd ſeine Verwandten / daß keiner uͤberblieb nach deß Herꝛn Wort. (Marchiavelli conſilium eſt: Principem in parto nuper imperio tu - tum eſſe non poſſe, quamdiu illi vivunt, quos imperio ſpoliavit. lib. 3. diſput. c. 3. & 4. Item, ad conſervandam libertatem nuper partam, neceſſarium eſſe, ut Bruti filii tollantur.) Als nun Jehu darauff nach Samaria kam / vnd was von Achab noch uͤbrig auch außgerottet hatte / war noch eine harte Nuß auffzubeiſſen / nemb - lich Achabs Cleriſey / vnd Geiſtligkeit / die Baalspfaffen uͤbrig / welche noch einen groſſen Anhang beym gemeinen Poͤbel / wie es pflegt zu gehen / hatten. (Juxta illud: Plcbs magis credit vatibus, quam Ducibus.) Damit er aber dieſelben auch mit gu - ter manier vnd Vorſichtigkeit vertilgen moͤchte / ſimulirte er gegen das gemeine Volck / welches er hatte zuſammen ruffen laſſen / als waͤre er auch gut Baaliſch / vnd ſprach: Achab hat Baal wenig gedienet / Jehu wil jhm baß dienen / (Bonus Dolus. ) ließ darauff ein Baalitiſch allgemein Opffer-Feſt publiciren, vnd alle Baalsdie - ner bey Leibes Straffe darzu erfordern / die dann / weil ſich Jehu ſo wol gegen das Volck erklaͤret hatte / daß er Baal baß / als Achab gethan / dienen wolte / ohnauß - bleiblich alle eingeſtellet / wie ſie aber im Werck wahren / jhren Baalsdienſt vnd Opffer zu verrichten / ließ ſie Jehu alle durch die Schaͤrpffe deß Schwerdts ſchla - gen. Als dieſer Actus mit Vertilgung deß Baals Pfaffen verrichtet / ward Jehu ſeiner newen Regierung verſichert. 2. Reg. Cap. 9. & Cap. 10.

Es iſt aber dieſes was Jehu verrichtet kein gemein / ſondern ein abſonderlichvnd53Von dem weltlichen Stande. vnd Heroiſch Factum, weil es alles auff ſonderbahre Verordnung vnd Befehl Gottes geſchehen / das Hauß Achabs gantz mit der Wurtzel außzurotten / auſſer deme ſonſten / die hierbey vorgenommene Crudelitaͤten vnd offentliche Simulatio in der Religion / nicht gut zu heiſſen / auch dieſes Exempel zwar ſo viel die gebrauch - te Vorſichtigkeit vnd Außrichtung Gottes Befehls / in andern Vmbſtaͤnden aber nicht nach zufolgen / geſtalt dann Gott ſolchen Gehorſamb deß Jehu / derogeſtalt ge - fegnet / daß ſeine Soͤhne den Koͤnigl. Thron Jſrael ins vierdte Glied beſitzen ſol - ten. 2. Reg. Cap 10. v. 30.

AXIOMA XXVIII. Angehende Regenten thun weißlich / wann ſie bey Antret - tung der Regierung nicht alles ſo genaw advertiren, da ſie von jemand offendiret, ſonderlich / wann ſie jhres Regi - ments gnugſamb verſichert. (Novum Imperium incho - antibus, utilem eſſe Clementiæ Famam, & periculoſè admodum, magnis odiis gravari potentes, pruden - ter exiſtimaſſe Julium Cæſarem, ſcribit Zevecot. in obſervat. Politic. ad Sueton. Jul. Cæſar. cap. 41. p. 112.)

GIdeon hielte den Ephraimiten / bey uͤberkommener angehender Regie - rung viel zu gut / connivirte nicht allein / ſondern gab jhnen die beſte Wor - te / ruͤhmete jhre Thaten fuͤr die ſeinen vnd ſprach daneben: Jſt nicht eine Rebe Ephraim beſſer / dann die gantze Weinernde Abieſer / wiewol er nicht wenig offendirt ward. Judic. Cap. 8. v. 1. 2.

Als Saul auff Gottes Geheiß durch den Propheten Samuel zum Koͤnig geſalbet / publiciret vnd dem Volck vorgeſtellet war / vnd der meiſte Theil jhm fol - gete / haben ſich etliche loſe Leuthe gefunden / die ſchimpfflich von jhm geredet vnd ſaget: Was ſolte vns dieſer helffen / auch kein Geſchenck dem Koͤnig gebracht / aber Saul / ſpricht die Schrifft / thaͤt als hoͤrete ers nicht. 1. Sam. Cap. 10.

Qui neſcit diſſimulare, neſcit imperare. Die hoch ſtehen / muͤſſen viel uͤberſehen. In ſummis qui ſtant, plurima ne videant.
Gg iijVnd54Das ander Buch /

Vnd als Saul gleich nach erlangter Cron eine herꝛliche Victori wider Nahas der Ammoriter Koͤnig erhielte / war das Volck vngedultig uͤber die / ſo den Saul ver - achtet vnd geſagt / was ſolte vns dieſer helffen / vnd ſie toͤdten wollen / hat doch Saul Gnade vor Recht wollen gehen laſſen / vnd ſie dem Volck nicht zur Straffe uͤber - antworten / ſagend: Es ſoll auff dieſen Tag niemand ſterben. 1. Sam. 11. v. 12. & ſeqq. Dieſes hat auch der Koͤnig David wol in acht genommen wie er alſo klaget: Jch muß ſeyn / wie einer der nicht hoͤret / vnd der keine Widerrede in ſeinem Munde hat. Pſalm. 38. v. 15. Ein angehender newer Regent / ſoll gleich ſeyn der auffge - henden Sonnen / die durch jhren leutſeligen froͤlichen Anblick / alles was da lebet / webet vnd auff Erden iſt / erfrewet

Wann aber jnnerliche Vnruhe vnd Auffſtand bey angenommener newer Regierung vorhanden vnd eine eilende Animadvertentz vnd Remedirung noͤthig / alsdann thut eine kluge Obrigkeit wol / daß ſie gleich die Capita Factionis angreif - fe / vnd dieſelbe auß dem Weg ſchaffe. Wie Salomon nach ſeines Vatters Da - vids Todt zu der Koͤniglichen Wuͤrde gelangete / fand er ein vnruhig Regiment / in deme ſein Bruder Adonia ſich ſelber zum Koͤnig vffgeworffen / Wagen / Reuter / Trabanten vnd andern Koͤniglichen Apparat zur Hand gebracht / Opffer vnd Pan - quet angeſtellet / den Feldhauptman Joab mit ſeiner Adhærentz neben dem Prieſter Abiathar auff ſeiner Seyte gehabt / vnd noch weiter practiſiret, ob er nicht ſeines Vatters deß Koͤnigs Davids Bethwaͤrmerin vnd Beyſchlaͤfferin / die Abiſag von Sunem zum Weibe haben / vnd dardurch mehrern reſpect vnd Beyfall deß gemei - nen Manns haben koͤnte / da war es nicht Zeit zu conniviren, zu cunctiren vnd laͤn - ger zu zuſehen / dum mala per longas invaluere moras, (Magnorum malorum ini - tia, priuſquam radices agant, prudenter reprimenda, ut de Scipione commemo - rat. Polyb. lib. 11. Hiſtor. c. 28. Liv. Decad. 4. lib. 9. Temporibus medicina valet. Ovid. lib. 1. de Art. Am. Dum pavidis conſilia adhuc in incerto ſunt. Tacit. lib. 3. Annal. Parva ſæpè ſcintilla magnum excitavit incendium. Nil tutò in hoſte deſpi - citur, quem ſi ſpreveris, valentiorem negligentia facies Q Curt. lib. 6.) derowegen Salomon nach vorgangener Inquiſition vnd genugſamen Bericht / die Hauptraͤ - delführer den Adoniam vnd Joab zum Todte vervrtheilet / vnd ſie offentlich exe - quiren laſſen / den Prieſter Abiathar ſeines Dienſtes entſetzte vnd auff ſeinen A - cker relegirte, den Simei aber in ſeinem Hauſe verarreſtirte / vnd alſo durch ſolche ſchleunige Abſchaffung der vornembſten Factioniſten ſein Koͤnigreich beruhig - te vnd Frieden ſchaffete. 1. Reg. Cap. 1. Immedicabile vulnus Enſe re - cidendum eſt, ne pars ſincera trahatur. Ovid. 1. Metamorph.

AXIO -55Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XXIX. Bey angehendem vnd noch nicht recht gefaſſetem Regiment / ſonderlich wann zwey darumb ſtreiten / thut ein Herꝛ nicht wol / wann er einen vornehmen Miniſtrum, der bey ſeiner Armee vnd gemeinem Volck in groſſem Anſehen iſt / offen - diret vnd von ſich laͤſſet (Non facilè ſunt offenden - di illi, quorum operâ ægrè carere poſſumus. Philip. Comin. lib. 1. Comment.)

ALs nach Sauls Todt ſein Hauß vnd Sohn Jſboſeth ſich der Cron vnd Re - gierung anmaſſete / vnd dahero etliche Jahr Streit zwiſchen dem Hauſe Saul vnd Hauſe David war / vnd Jſboſeth den Feldhauptman Abner noch auff ſeiner Seyten hatte / hielte er David noch ziemblich die Stange / vnd conſervirte ſich etliche Jahr beym Regiment in Jſrael wider Juda / als er aber ohne ſonderbahre erhebliche Vrſachen den Abner / darumb daß er ſeines Vatters Sauls hinderlaſſenes Kebs weib die Ritzbam zum Weibe nahme / extenuirte vnd verkleinerte jhn ſolcher Heurath / vnd daß er bey ſeines Vatters Kebsweib ſchlaf - fen ſolte / nicht wuͤrdig æſtimirte, vnd darumb ſtarck zu Rede ſetzte / befandt ſich Ab - ner daruͤber hoch offendirt, daß er vnd ſeine an dem Hauſe Saul vnd jhm Jſboſeth erwieſene Meriten, trewe vnd tapffere Kriegsdienſte in keiner beſſern conſidera - tion waͤren / vnd ſagte zu jhm: Bin ich dann ein Hundskopff der ich wider Juda an dem Hauſe Sauls deines Vatters groſſe Barmhertzigkeit thue? vnd habe dich nicht in Davids Haͤnde gegeben / vnd du rechneſt mir heut eine Miſſethat zu vmb ein Weib? 2. Sam. Cap. 3. v. 6. & ſeqq. Durch ſolche vnvorſichtige ohnnoͤthige Of - fenſion vervrſachte Jſboſeth / daß Abner ſo bald ſein Generalatreſignirte, von jhme abgieng / vnd dem David ſeine Dienſte præſentirte, der ſie auch willig vnd gern ac - ceptiret, zog alſo Abner gantz Jſrael vnd das Hauß Beniamin nach ſich / daß ſie Jſboſeth vnd das Hauß Saul verlieſſen vnd zu David tratten.

Gar vnweißlich vnd vnbedachtſamb handelte Salomons Sohn Reha - beam / daß er bey antrettender Koͤniglicher Regierung / vnd ehe er ſeinen Statum firmiret, vnd die Præſidia Dominationis befeſtiget / ſeine Reichsſtaͤnde gleich bey dem erſten Reichstage vor den Kopff ſtoſſete / jhren vorbrachten Gravaminibus nicht allein nicht abzuhelffen / ſondern dero geſtalt gantz vnbeſonnen dieſelbe zu er -groͤſſern /56Das ander Buch /groͤſſern / daß ſein kleiner Finger ſolte dicker ſeyn / dann ſeines Vatters Lenden / vnd da ſein Vatter ſie mit Peitſchen gezuͤchtiget / er ſie mit Scorpionen zuͤchtigen wolte / verachtete vnd offendirte daneben ſeines Vatters alte Raͤthe / vnd folgete der jungen / mit jhme auffgewachſenen Rath / kam daruͤber vmb zehen Staͤmme Jſrael die von jhme abfiehlen. 1. Reg. Cap. 13.

(Saulprudentius egit connivendo calumniatoribus initio Regni.) Viel klüglicher vnd vorſichtiger handelte Saul bey new angetrettener ſeiner Regie - rung / gegen die ſo uͤbel von jhm redeten / vnd jhme gleich andern keine Præſente vnd Geſchencke zu brachten / thaͤt als hoͤrete ers nicht / wie im vorhergehenden Axio - mate mit mehrerm gedacht.

Vom Ampt der Obrig - keit / Koͤnige vnd Regenten.

AXIOMA XXX. Die Cuſtodia, Bewahrung vnd Obſervantz deß Geſetz - buchs / das iſt der H. Goͤttlichen Schrifft / ſoll vnd muß die erſte vnd vornembſte Sorge / der weltlichen ho - hen Obrigkeit vnd Regenten ſeyn.

ALs Moſes das Ampt eines kuͤnfftigen Koͤnigs vnd Regenten in Jſrael beſchrieben / hat er ſie an das Geſetzbuch verwieſen vnd ge - bunden / daſſelbe vor die beſte / ſicherſte Richtſchnur jhrer Regie - rung / vnd Verſicherung beſtaͤndigen Gott wolgefaͤlligen gluͤckli - chen vnd geſegneten Regiments / zu halten / wie zuleſen Deut. Cap. 17. v. 19. Joſ. Cap. 1. & C. ult. 1. Chron. C. 13. v. 12. & 13. inmaſſen ich hiervon mit mehrerm gehandelt in einem abſonderlichen Axiom. 38

Das Geſetzbuch hat zwey Taffeln / die erſte handelt vom Gottesdienſt /welchen57Von dem weltlichen Stande. welchen fromme Regenten vor allen bevor haben vnd fordern ſollen / weil jhnen angeſagt vnd befohlen: Machet die Thore weit vnd die Thuͤre in der Welthoch daß der Koͤnig der Ehren einziehe. Pſalm. 24.

Die andere Taffel handelt von guter Policey vnd was darin im Regier vnd Haußſtande zuthun oder zulaſſen / dahero die Regenten utriuſq́ue tabulæ cuſto - des genandt werden. Welcher geſtalt ein Regent ſelber Gott dienen vnd in ſeinem Koͤnigreich / Land vnd Gebiethe den Gottesdienſt befoͤrdern / Kirchen vnd Schu - len verſorgen / ſtifften vnd erhalten ſoll / darvon habe ich im erſten Theil dieſes Buchs / vorhin aber in meinem Tractatu de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 3. Claſſ. 1. cap. 1. & ſeq. & lib. 2. Claſſ. 1. c. 1. n. 1. & ſeqq. etwas gehandelt. (Pythagoras dixit: In Rege perfecto requiritur ut ſit bonus Imperator, Judex & Sacerdos, h. e. ut ſa - cerdotii & divini cultus rationem habeat. Hoc conſiderans Conſtantinus Ma - gnus, memorabilem hanc vocem ad Epiſcopos edidit: vos eſtis Epiſcopi in Eccle - ſia ſive Templo, ego extra Eccleſiam à Deo Epiſcopus ſum conſtitutus. Euſeb. de vit. Conſtantin. Magn. lib. 4. cap. 24.

AXIOMA XXXI. Ein loͤblicher Regent ſoll vnd muß ſich auch ſelber der Gott - ſeligkeit vnd eines ehrbaren Lebens vnd Wan - dels befleiſſen.

HIerzu weiſſet der Koͤnig David alle Regenten an / wann er ſpricht: Laſſet euch weiſen jhr Koͤnige dienet dem Herꝛn mit Furcht / küſſet den Sohn daß er nicht zuͤrne vnd jhr vmbkommet Pſalm. 2. Die Furcht deß Herꝛn iſt ein geſegneter Garte / vnd nichts ſo ſchoͤn als ſie iſt Syrach Cap. 41. v. 28.

Die Debora ſinget in jhrem Lobgeſange / daß die Gottliebende Regenten ſeyn muͤſſen wie die Sonne auffgehet in jhrer Macht. Judic. Cap. 5. die Gottſelig - keit eines Regenten iſt wol die beſte Herꝛligkeit ſeines Scepters / vnd der ſchoͤnſte Carbunckel oder Diamant an ſeiner Koͤniglichen Cron vnd Fuͤrſtl. Hut. Dann die Gottſeligkeit / wie der Apoſtel Pauius meldet / iſt zu allen Dingen gut / vnd hat die Verheiſſung zeitlichen vnd ewigen Wolergehens. 1. ad Timoth. Cap. 4. v. 8. ſie machet guten vnd beſtaͤndigen Muth. ibid. v. 26. & 27. vnd muͤſſen den gott - ſeligen Regenten alle Ding zum beſten dienen Rom. 8. v. 26. 1. ad Timoth. 4. v. 8.

Regni felicitas, pietatis fructus eſt, die Fruͤchte der Gottſeligkeit eines Regen - ten iſt die Gluͤckſeligkeit deß Koͤnigreichs / darumb ſpricht die Schrifft / habe der Koͤ - nig Hiskias in allem ſeinem Thun was er anfieng Gluͤck gehabt / daß er ſeinenHhGott58Das ander Buch /Gott geſuchet / nach ſeinem Geſetze vnd Gebotte. 2. Chron. Cap. 31. in fin. (Religio & pietas Regnorum propugnacula. Scriban. in polit. Chriſtiano. lib. 2. c. 19.

Hingegen der Ruhm der Gottloſen ſtehet nicht lange. Hiob. Cap. 20. v. 5. Ein gottloſer Regent iſt wie ein bruͤllender Loͤwe / vnd wie ein grimmiger Baͤhr vnder dem Volck. Proverb. Cap. 28. v. 15. (Ubi non eſt pudor, nec cura juris, Sanctitas, PIETAS, Fides, inſtabile Regnum eſt, Senec. Nefaria verò illa vox eſt; Sanctita - tem, PIETATEM, Fidem, privata bona, illuc eundum eſſe Regibus, qua iuvat, apud Tacit. ſi rectè memini.)

Der Hoͤchſtloͤbliche Koͤnig in Dennemarck / Norwegen / ꝛc. Chriſtian deß Nahmens der Vierdte / Glorwürdigſter Chriſtmildeſter Gedaͤchtnuß / mein ge - weſener gnaͤdigſter Koͤnig vnd Herꝛ / hat ſich dieſes recht Koͤnigliches vnd Chriſt - liches Symbolum erwoͤhlet / vnd an vielen Orthen mit guͤldenen Buchſtaben an - ſchreiben laſſen / Regna firmat Pietas, das iſt / die Gottſeligkeit beſtaͤttiget die Koͤ - nigreich. Wann ein Koͤnig / Fuͤrſt oder Regent Gott nicht achtet vnd fuͤrchtet / wie kan er dann wol regieren / er ſchewet ſich vor nichts auff der Welt oder im Himmel / vnd thut bloß was er wil vnd wohin jhn ſeine herꝛſchende Begierde treiben / leiten vnd führen. Es haben auch die vernuͤnfftige Heyden die Pietaͤt vnd Gottesfurcht inter primas Regis laudes referiret vnd vor die vornembſte Tugend vnd Zierde ei - nes Regenten gehalten / wie Auſon. in ſeinem Panegyrico, ſo er dem Keyſer Gra - tiano zu Ehren geſprochen / inter Panegyr. Plinii mit mehrerm außgefuͤhret. Vid. Tract. meum de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 2. Claſſ. 1. c. 1. n. 7.

Machiavellus vnd ſeines gleichen Politici wollen darfuͤr halten / die Gottſe - ligkeit / Ehrbarkeit / vnd Auffrichtigkeit ſeye einem Regenten vnd Fuͤrſten nicht eben ſo hoch noͤthig / ſondern es ſeye genug wann er ſich aͤuſſerlich fuͤr dem Volck al - ſo gebaͤhre vnd ſtelle / ob waͤre er gottſelig vnd ehrbar / ſintemahl der gemeine Mann / nur auff das aͤuſſerliche jhr Abſehen haͤtten: Aber dieſe Machiavelliſche Principia vnd Præcepta ſtimmen mit vnſerm Chriſtenthumb nicht überein. Als Gott den Saul ſeiner Vbertrettung vnd Vngehorſambs halber verwarff / vnd den David zum Koͤnig haben wolte / ſprach er zu dem Samuel: Siehe nichtan ſeine Sauls Geſtalt / noch ſeine groſſe Perſon / ich habe jhn verworffen / dann es gehet nicht wie ein Menſch ſiehet. Ein Menſch ſiehet was vor Augen iſt / der Herꝛ aber ſiehet das Hertz an. 2. Samuel. Cap. 16. v. 7. Ja der Herꝛ pruͤffet Hertzen vnd Nieren ſpricht David. Pſalm. 7. v. 10. Jerem. Cap. 11. v. 20. & Cap. 17. v. 10. die Schein - heiligen aber vnd Heuchler wil Gott außſpeyen vnd verwerffen. (Opor - tet Principem res divinas curare ſeriò. Dixit Ariſtoteles.)

AXIO -59Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XXXII. Jn der andern Taffel deß Geſetzbuchs gehoͤrt die Handhab Rechtens vnd der heylſamen Juſtici, als welche naͤchſt dem wahren Gottesdienſt die einige Grundfeſte iſt aller Regi - menter vnd Herꝛſchafften auff dieſer Welt. (Juſtitia & pietas, tutæ ſunt Principis artes, Nulla Ty - rannorum vis diuturna manet.)

EIn Koͤnig richtet das Land auff durchs Recht ſpricht Salomen Proverb. Cap. 29. v. 4. vnd durch Gerechtigkeit wird der Regenten Thron beveſtiget. Proverb. Cap. 25. v. 6. dann Gott hat das Recht lieb. Pſalm. 37. v. 28. Er hat das Recht zur Richtſchur vnd die Gerechtigkeit zum Gerichte geord - net / Eſai. Cap. 2. v. 17. Gerechtigkeit ſpricht der Fuͤrſt Gottes / war mein Kleyd das ich anzohe als einen Rock / vnd Recht war mein Fuͤrſtlicher Hut. Hiob. Cap. 25. v. 14. Dann diß ſind die Grundveſte deß Landes / ſpricht Affaph Pſalm. 82. v. 5. dar - durch die Thronen der Gewaltigen beſtehen vnd die Regimenter gegruͤndet vnd be - veſtiget werden / dann die Gerechtigkeit erhoͤhetein Volck / in Sprichw. Salom. Cap. 14. v. 34. Dahero dann die Weißheit Salomonis alle Regenten mit dieſen Worten anſchreyet vnd ermahnet: Habt Gerechtigkeit lieb jhr Regenten auff Er - den / im Buch der Weißheit am 1. Cap. v. 1. Die Koͤnigin von Reich Arabia / prey - ſet deß Koͤnigs Salomons Leuthe / Vnderthanen vnd Knechte ſelig / daß GOtt jh - nen einen ſolchen Koͤnig geſetzet / der Gericht vnd Recht halte. 1. Reg. Cap. 10. v. 9. Von David wird auch gelefen daß er Gericht vnd Gerechtigkeit geſchaffet. 2. Samuel. Cap. 8. v. 15. Die Gerechtigkeit außerkohrn / Ein Tochter iſt von Gott ge - bohrn / haben die Teutſchen auß dem Heyniſchen Poeten Heſiodo gereimet. Ste - het derowegen nicht in der Regenten freyen Willen / jhres Gefallens zu gebaͤhren / das Recht vnd Gerechtigkeit an den Nagel zu hencken / vnd das Quod libet, licet, zu practiciren, ſondern ſie ſind als Gottes Stadthalter vnd Ampleuthe / mit ſcharpffer Inſtruction vnd Mandatis darzu bey hoher vnd ſchwehrer Straffe ad - ſtringiret vnd verbunden / weil jhnen das Obrigkeitliche Ampt vom Herꝛn gege - ben / vnd die Gewalt vom Hoͤchſten / welcher wird fragen wie ſie handlen / vnd forſchen was ſie ordnen / dann ſie ſeines Reichs Amptleuthe ſind. Jm Buch der Weißheit / Cap. 7. Du ſolt deinen Naͤchſten recht richten ſpricht GOtt der Herꝛ /Hh ijim 3. Buch60Das ander Buch /im 3. Buch Moſis Cap. 19. vnd bey dem Propheten Sacharia Cap. 7. v. 9. Richtet recht. & Cap. 8. v. 16. Dannenhero auch alle Regenten ſo bald ſie eine Regierung antretten / debitores juſtitiæ, Schuldiger der Gerechtigkeit werden / die nicht auß freyem Willen / ſondern tragenden hohen Obrigkeitlichen Ampts vnd obligender Pflicht halber / ſchuldig ſind einem jeden Recht zu ſchaffen. Eſai. Cap. 1. v. 17. & ſeqq. Pſalm. 82. v. 3. & ſeqq. Wie nun die Regenten / Koͤnige / Fürſten vnd Herꝛn jhren Amptleuthen vnd Dienern nicht zu gut halten / noch vngeandet hingehen laſſen / wann ſie uͤber vnd wider jhre Ampts inſtruction handeln / oder fahrlaͤſſig darbey ſich bezeigen / alſo / vnd viel weniger wird der groſſe Herꝛ der Koͤnig aller Koͤnige / es ſeinen Amptleuthen / die er ſo hoch vor andere hervor gezogen / vnd zu erhoͤheten Schilden auff Erden geſetzet / es paſſiren vnd vngeſtrafft laſſen. Dann Gott ſtehet in der Gemeine vnd iſt Richter vnder den Goͤttern / das iſt uͤber die Regenten. Pſalm. 82. v. 1. Jch habe wol geſaget / ſpricht er / jhr ſeyd Goͤtter vnd allzumahl Kin - der deß Hoͤchſten / aber jhr werdet ſterben wie Menſchen vnd wie ein Tyrann zu Grunde gehen eod. Pſalm. 82. v. 6. Denen aber / ſo uͤber Recht vnd Gerechtigkeit halten wil ers zeitlich vnd ewig vergelten / wie ſolches die Schrifft dem Koͤnig Jo - ſia lobwuͤrdiges Gezeugnuß giebet / wann ſie ſpricht: Joſias hielt uͤber dem Recht vnd Gerechtigkeit vnd gieng jhm wol / er halff dem Elenden vnd Armen zu recht vnd gieng jhm wol / bey dem Propheten Jerem. Cap. 22. Eſaias rühmet dieſen Koͤnig in ſeiner Leichpredigt auch ſonderlich darumb daß er Gerechtigkeit gehand - habet. Cap. 57. v. 1. Von dem erſten Chriſtlichen Koͤnig in Franckreich wird ge - ſchrieben / daß er den heiligen Remigium befraget / wie lang wol das Koͤnigreich Franckreich beſtehen koͤnte / dieſer gar wol geantwortet; ſolang darin die heylſame Juſtitia, Recht vnd Gerechtigkeit wuͤrden im Schwang gehen. Lapon. lib. 4. rec. judicat. tit. 1. arreſt. 1.

AXIOMA XXXIII. Vngerechtigkeit aͤndert Koͤnigreich vnd Herꝛſchafften. Vid. Eſra Cap. 9. v. 7.

VMb Gewalt / Vnrecht vnd Geitzes willen / kompt ein Koͤnigreich von ei - nem Volck auff das ander / im Buch Syrach Cap. 10. v. 8. vnd vmb deß Landes Suͤnde willen werden viel Aenderunge der Fuͤrſtenthume / in den Sprichw. Salom. Cap. 28. v. 2. GOtt hat zu David wie er jhn beruffen nicht geſaget / du ſolt uͤber mein Volck dominiren vnd herꝛſchen / ſondern du ſolt mein Volck Jſrael huͤten / nemblich wie ein trewer Hirte ſeine Heerde huͤtet vndweydet61Von dem weltlichen Stande. weydet vnd ſagt der Lateiniſche Text / Tu paſces populum meum. 2. Samuel. 5. v. 2. vnd wird in dieſen wenig Worten das Ampt eines loͤblichen Regenten beſchrieben. Obwol Gott wegen allerley Suͤnden vnd Laſter / die Herꝛſchafften / Land vnd Leu - the ſtraffet / ſo iſt doch in der Schrifft hin vnd wider ſonderlich bey den Propheten zuleſen / daß es vornemblich geſchehe wegen der Vngerechtigkeit. Es gehet ſpricht der Prophet Habacue / Gewalt uͤber Recht / darumb gehets gar anders dann recht. Cap. 1. v. 3. 4 Jhre Fuͤrſten ſind vnder jhnen wie bruͤllende Loͤwen / vnd jhre Richter Woͤlffe am Abend / die nichts laſſen biß auff den Morgen uͤberblieben. Zephan. Cap. 3. v. 3. Wehe dem ſpricht der Herꝛ / bey dem Propheten / der ſein Hauß mit Suͤnden bawet / vnd ſein Gemach mit Vnrecht / der ſeinen Naͤchſten mit Vnrecht arbeiten laͤſſet / vnd gibt jhm ſeinen Lohn nicht / vnd dencket / wolan ich wil mir ein groß Hauß bawen vnd weite Pallaͤſte / vnd laͤſt jhm Fenſter drein hawen vnd mit Cedern taͤffeln / vnd roth mahlen. Hat dein Vatter / nemblich Joſias / ſpricht er zu dem Koͤnig Joiakim / nicht auch geſſen vnd getruncken / vnd hielt dannoch uͤber das Recht vnd Gerechtigkeit? Jerem. Cap. 22. v. 13. & ſeq. Jtem: Wehe denen / die dem Gottloſen Recht ſprechen / vnd das Recht der Gerechten von jhnen wenden. Eſai. Cap. 5. v. 23. die das Recht in Wermuth verkehren / vnd die Gerechtigkeit zu Boden ſtoſſen. Amos. Cap. 5. v. 7. & Cap. 6. v. 12. Mache dich loß ſpricht der Prophet Da - niel zu dem Koͤnig Nebucadnezar / von deinen Suͤnden durch Gerechtigkeit. Da - niel. Cap. 4. v. 22. Dann gleich wie die Gerechtigkeit die vornembſte Baſis vnd Grundveſte iſt / darauff gleichſamb alle Koͤnigreiche / Herꝛſchafften vnd Regimen - ter ruhen in Friede vnd gutem Weſen erhalten werden / alſo iſt die Vngerechtig - keit / Gewalt vnd Vnrecht die Haupt quell aller Vnruhe vnd uͤbelen Zuſtandes / dardurch Koͤnigreich / Fuͤrſtenthumb vnd Lande geaͤndert / vmbgekehret / verwuͤſtet / vnd auff Frembde tranſportiret vnd gebracht werden. Vor den Koͤnigen im Volck Gottes war das Regiment bey dem Stamm Ephraim / die fuͤhreten den Harniſch / aber vmb jhrer Suͤnde vnd Vngerechtigkeit willen vnd daß ſie den Bund Gottes nicht hielten / ward es von jhnen genommen / vnd das Scepter in Juda auffge - richtet wie auß dem 78 Pſalm. zuſehen vnd von D. Luthero darbey in gloſſa margi - nali v. 10. angezeichnet. Wie hinwider der Vngerechtigkeit vnd Suͤnde halber / das Scepter vnd Koͤnigreich von Juda vnd Jſrael auff die Heydniſche Koͤnige kommen / iſt auß der Hiſteria der Koͤnige / auch bey den Pro - pheten zuleſen.

Hh 3AXIO -62Das ander Buch /

AXIOMA XXXIV. Den Frembdlingen ſoll man wie den Einheimiſchen gleich Recht widerfahren laſſen / vnd ſie nicht beſchwehren noch vn - dertrucken. (Pythagoras dixit: Peregrini, Deo curæ ſunt. & Minius ille; Peregrinis ſuccurrens, paria obtinebit aliquando. Vid. Pelarg. in Levi - tic. cap. 19. v. 33.)

DIeſes hat Gott ſeinem Volck ernſtlich gebotten / vnd befohlen / vnd iſt durch Moſen im Geſetzbuch an verſchiedenen Orthen widerholet. Die Frembdlinge ſpricht der Herꝛ / ſollet jhr nicht ſchinden noch vndertrucken / im 2. Buch Moſis Cap. 22. v. 21.

Wann ein Frembdling bey dir in ewrem Lande wohnen wird / den ſolt jhr nicht ſchinden / er ſoll bey euch wohnen wie ein Einheimiſcher vnder euch / vnd ſollet jhn lieben wie dich ſelbſt / dann jhr ſeyd auch Frembdlinge geweſen in Egypten - land / im 3. Buch Moſis Cap. 19. v. 33. dann Gott hat den Frembdling lieb / im 5. Buch Moſis Cap. 10. v. 18. vnd wil nicht haben daß man dem ſelben das Recht beu - gen / in ſelbigem Buch Cap. 14. v. 17. noch jhme Vnrecht thun ſoll. Sachar. Cap. 7. v. 10. Ja verflucht ſoll der ſeyn der das Recht der Frembdlingen beuget. Deut. Cap. 27. v. 19. David referiret die Frembdlinge / inter perſonas miſerabiles deren ſich Gott ſonderlich annimbt Pſalm. 146. v. 9. Abraham war ein Frembdling im Lande Gerar. Gen. Cap. 21. Jſaac muſte auch als ein Frembdling in Egypten vnd ſonſten bey den Cananitern vmbher ziehen. Jacob vnd ſein gantzes Hauß vnd Nachkom - men waren uͤber 200. Jahr Frembdlinge in Egypten / vnd wiewol Gott das gelobte Land Canaan Abraham vnd ſeinem Samen / zu einem eygenen peculio vnd Erb - gut / daß es jhr Land ſeyn ſolte / gegeben / ſo hat er dannoch die Frembdlinge darvon nicht außgeſchloſſen / wie zuſehen in angezogenem dritten Buch Moſis Cap. 19. v. 33. Alſo noͤthigte Moſes in der Wuͤſten ſeinen Schwager Hobad der ein Frembd - ling vnd Egypter war / mit in das / jhme vnd ſeinem Volck verſprochenes Land zu ziehen / mit ſtattlicher Vertroͤſtung / daß ſie das beſte bey jhnen thun wolten. Jm 4. Buch Moſ. Cap. 10. v. 29.

Wie Salomo den Tempelbaw vorhatte / ließ er die Frembdlinge im Lande zehlen / vnd wurden deren gefunden ein hundert vnd fuͤnfftzig tauſend / drey tauſend vnd ſechs hundert. 2. Chron. Cap. 2. v. 17. Es hatte auch GOtt befohlen / daß dieFrembd -63Von dem weltlichen Stande. Frembdlinge das Paſſah mit halten ſolten. Jm 4. Buch Moſ. Cap. 9. v. 14. Ge - ſtalt dann auch Salomo bey der herꝛlichen Einweihung deß Tempels dem lieben Gott auch die Frembdlinge recommendiret vnd in ſeinem Gebett mit eingeſchloſ - ſen / wann ſie zu dem Tempel kommen vnd anbeten wuͤrden / daß ſie moͤgen erhoͤret werden. 2. Chron. Cap. 6. Die gottloſen Sodomiter wuſten dem frommen Loth nichts anders vorzuwerffen / als daß er ein Frembdling bey jhnen waͤr vnd doch re - gieren wolte / derowegen ſie jhn baß plagen wolten / welches jhnen aber uͤbel bekom - men / im 1. Buch Moſ. Cap. 19. v. 9.

Es gehet noch auff den heutigen Tag / ſonderlich in den Staͤdten alſo / daß man die Frembden neydet / trucket / ſich deren verduͤncket / vnd von Aemptern vnd Dienſten außſchlieſſen / ja das Recht gar verſagen oder ſchwehr machen wil / geſtalt mancher vor dem Richter oder ſonſten das medium concludendi, vnd das Funda - ment ſeiner Sach darauff ſetzet / er ſey ein Buͤrger oder Buͤrgers Sohn / er ſey ein Einheimiſcher vnd Patriot, der ander aber ein Frembder / derowegen müſſe er obſie - gen vnd recht behalten / aber ſolches laufft wider Gottes Gebott / das Recht der Natur / welches eine Verwandnuß vnder allen Menſchen geſtifftet / vnd nurent von einem Vatterland / welches der gantze Erdboden iſt / weiß.

(Omne Solum natale piis. Non ſemper iiſdem
Nubibus hæret avis, piſcis inerrat aquis. Barlæ. Eleg. 5. p. 307.

Quomodo lucem diemq́ue omnibus hominibus, ita omnes terras fortibus viris natura aperuit ut eleganter ſcribit Cornel. Tacit. lib. 20. Annal.) Die Erde / ſpricht David / iſt deß Herꝛn / der Erdboden / vnd was drauff wohnet. Pſalm. 24.

Vnſer Herꝛ Gott iſt gleich einem Gaͤrtner / der einen groſſen Garten / aber darin viel Felder vnd Vertheilunge hat. Solcher nimbt offt nach ſeinem Belieben auß einem Felde ein Pflantz / Gewaͤchs vnd Bawm / tranſportiret vnd pflantzet es in ein anders / vnd nimbt auß dem ſelben vnd ſetzet an jenes ſtatt / oder ſonſten ſeinem Gutbefinden nach / wo ers am bequemſten findet / vnd wo ſolcher Bawm die beſte Fruͤchte tragen kan / alſo machet es Gott der groſſe Gaͤrtner / der den Paradiß gar - ten anfangs dem Menſchen zu gute gepflantzet vnd vndergebẽ hatte auch / der nimbt dieſen bald auß dieſer Ecke ſeines groſſen Gartens der Welt vnd ſetzet jhn an einen andern Orth / da er etwan jhme vnd ſeinem Naͤchſten dienen kan / als wann er in ſeinem Vatterland bliebe / weil offters heiſt / wie Chriſtus bezeugt / es iſt ein Pro - phet in ſeinem Vatterland nicht angenehm. Wann auch der groſſe Gaͤrtner / vnd Erbherꝛ deß gantzen Erdbodens / ſeine Pflantzen alſo tranſportiret vnd verſetzet / ei - nen auß ſeinem Vatterland rufft vnd an einen frembden Orth bringet / ſo verſpricht er / daß er deſſen Heyland ſeyn wil in den Laͤndern dahin er jhn kommen laͤſſet / Ezechiel. Cap. 11. v. 16. Vid. I. ſub Titul. von Raͤthen vnd Dienern Axiom. 59.

AXIO -64Das ander Buch /

AXIOMA XXXV. Bey dem Rechte muß zuweilen auch Gnade ſeyn.

REcht vnd Gnade erleuchten der Regenten Thron / gleich wie Sonn vnd Mond das Firmament deß Himmels / vnd wird derſelbe dardurch gezieh - ret vnd beveſtiget / vnd darumb heiſſet man ja auch die Regenten gnaͤdige oder guͤtige Herꝛn. Luc. Cap. 22. vnd iſt Gnade gleichſamb der Regenten abſonderliche eygene Tugend dardurch ſie Gott / deſſen Eygenſchafft iſt Gnade vnd Barmhertzigkeit / zu uͤben / am naͤchſten kommen.

Der Koͤnig David faͤnget ſeinen Regenten Pſalm an mit dieſen Worten: Von Gnade vnd Recht wil ich ſingen. Pſalm. 101. das iſt von Wolthat gegen die Frommen vnd Straff gegen die Boͤſen. Dieſe beyde Dinge ſtehen ſonderlich ei - nem Regenten wol an. Dann wo eitel Gnade iſt / ſagt D. Luther in einem Com - mentario uͤber dieſen 101. Pſalm. vnd der Fürſt ſich von einem jeden melcken vnd auff dem Maul trumpeln laͤſſet / nicht ſtraffet noch zuͤrnet / ſo wird nicht allein der Hoff / ſondern auch das Land voll boͤſer Buben / gehet alle Zucht vnd Ehr vnder. Widerumb wo auch eitel oder zuviel zuͤrnens oder Straffens iſt / da wird Tyran - ney auß / vnd koͤnnen die Frommen nicht Athem holen / fuͤr taͤglicher Furcht vnd Sorge. Vnd haben auch die Heyden geſagt / ſummum jus, ſumma injuria, das ſtren - ge Recht iſt das groͤſſeſte Vnrecht / gleich wie widerumb mag geſagt werden von der Gnade / eitel Gnade iſt (oder bringet endlich) die groͤſſeſte Vngnade. Maſſe iſt in allen Dingen gut / da gehoͤret Kunſt / ja Gottes Gnade zu / daß man treffe / doch in ſolchem Fall / weil der Mittelkern nicht wol zutreffen iſt / ſo iſt das am naͤchſten zum Zweck geſchoſſen / daß die Gnade den Vorgang habe fuͤr dem Rechte / wie auch David in dieſem Regenten Pſalm die Gnade zuvor nennet vnnd darnach das Recht. Biß hieher D. Luther: Dann die Vngnade deß Koͤnigs ſagt der weiſe Mann Salomo / iſt wie das Bruͤllen eines jungen Loͤwen / aber ſeine Gnade iſt wie der Thaw auff dem Graſſe. Proverb. Cap. 19. v. 12. Gnade ließ fuͤr Recht gehen Co - res oder Cyrus der Perſen Koͤnig / wie er das gefangene Jüdiſche Volck loß gabe vnd durch offentliche publicirte Edicta jhnen die Freyheit gabe wider heimbzuzie - hen vnd den verſtoͤhrten Tempel zu Jeruſalem wider auff zubawen / im Buch Eſra Cap. 1. Wann ohne Schaden deß gemeinen Beſtens / vnd ohne Abbruch Goͤttli - chen Geſetzes / ein Regent Gnade erweiſen kan / ſo thut er loͤblich vnd gewinnet dar - durch die Gemuͤther vnd das Hertz der Vnderthanen / (Nulla eſt virtus ad reti - nendos homines in amore efficacior lenitate. Froſſard. lib. 1. Hiſtor. Ignoſcere pulchrum.) vnd65Von dem weltlichen Stande. vnd ziehet den beſten Schatz vnd ſicherſte Hut vnd Wacht eines Herꝛn / nemblich Liebe vnd Trewe der Vnderthanen an ſich. (Benè agitur cum Principe quem po - pulus amat. Froſſard. lib. 2. Hiſtor.)

Der loͤbliche Fuͤrſt Hertzog Johan Albrecht zu Mecklenburg der Aelter / er - innert in ſeinem Teſtament gar weißlich ſeine Soͤhne / weil eine jede Obrigkeit an - ders nicht in jhrem Regiment vnd Herꝛſchafft ſeye vnd von rechtswegen ſeyn ſolle / dann wie ein frommer getrewer Haußvatter in ſeinem Hauſe: daß kein beſſer Mittel vnd Weg ſeye die Vnderthanen willfaͤhrig / dienſtgeflieſſen / getrew / hold vnd auffwaͤrtig gegen jhre Herꝛſchafft zumachen vnd zu behalten / als wann ſie ver - mercken daß ſie von jhrer Obrigkeit / mit Vaͤtterlicher Liebe / Gnad vnd Trewe ge - meynet werden. (Piorum Principum exitus docuit, ne à Diis quidem amari niſi quos ament hominesinquit Plin. in Panegyr. Traian. dict.)

Als der Koͤnig Saul durch den Samuel zum Koͤnig geſalbet vnd proclami - ret, vnd das Volck darauff das vivat Rex, oder Gluͤckzu dem Koͤnig / mit Jauchtzen zu geruffen / funden ſich etlicheloſe Leuthe vnd vngenandten / die jhn verachteten vnd kein Geſchenck zubrachten / hat Saul gethan als hoͤrete ers nicht. 1. Sam. Cap. 10. v. ult. vnd wie das Volck dieſelbe / als reos Maieſtatis anklagte vnd zu toͤdten begehr - te / ließ Saul gar weißlich Gnade fuͤr Recht gehen / vnd perdonirte dieſelbe / weil es ohne Verletzung Gottes Geſetze vnd Nachtheil ſeines genugſamb geſicherten Re - giments wolgeſchehen koͤnte. 1. Samuel. Cap. 11. v. 13. Alſo ließ David auch Gnade fuͤr Recht dem Simei widerfahren / wie er ſeiner Miſſethat vnd verleumbderiſchen Mauls halber ſterben ſolte. 2. Sam. Cap. 19. wiewol er doch endlich durch ſeine ey - gene Trewloſigkeit / daß er auß deme jhme vom Koͤnig Salomon angelegten Ar - reſt oder Einlager frevelmuthig gangen / ſeinen verdienten Lohn bekommen. 1. Reg. Cap. 2. v. 36. & ſeqq.

Wo aber Gottes außtruͤcklich Gebott im Wege ſtehet / da geziehmet einem Regenten nicht / daß er gnaͤdiger ſeyn wil als Gott vnd ſein Geſetz: Alſo wann Gott befiehlet daß man einen vorſetzlichen muthwilligen Todtſchlaͤger toͤdten / vnd wer Menſchen Blut vergoſſen / deſſen Blut wider vergieſſen ſoll / ſtehet der weltlichen Obrigkeit nicht zu denſelben leben / vnd das Land mit vn - ſchuldigem Blut beſudeln zulaſſen.

IiAXIO -66Das ander Buch /

AXIOMA XXXVI. Mit der lieben Juſtitia competiret gar ſtarck jhre vnartige / vngerathene Stieffſchweſter / genandt Status Ratio, oder die Begierde ſein Reich oder Stadt per fas vel nefas zu vermehren vnd groͤſſer zu werden.

(Juſtitia, cum deſiit in terris habitare,
Succeſſit Status Ratio calamitatum mare.
Quæ illa ſit, Rex Juppiter, non novit, ſed noverunt
Eam, quitot miſeriis, Patronam ſtatuerunt:

Oder

Demnach Juſtitia der Welt valedicirt,
Hat Status Ratio die Herꝛſch afft occupirt.
Der Potentaten Hertz haͤlt ſie vor einen Gott /
Sie achtet nicht das Recht oder Gottes Gebott.
Begierd zu frembden Gut / Betrug / Argliſtigkeit /
Behaͤlt bey jhr den Platz / an ſtatt der Redligkeit.
Krieg / Elend kompt darauß / zerfaͤllt all Policey /
Vnd herꝛſchet uͤber Recht / Gewalt vnd Tyranney.

WAs dieſe Status Ratio fuͤr einen Vrſprung / Stiffter vnd Vrheber / auch vor ſchoͤne Qualitaͤten an ſich habe / wie ſie von der Vngerechtigkeit / Be - trug / Liſt / Tyranney vnd Crudelitaͤt comitiret vnd begleitet werde / iſt in nach folgendem Axiomate mit mehrerm deduciret.

Die Jtalianer nennen ſie Ragio del Stato, die Frantzoſen Raiſon de Eſtat, auff teutſch kan man es nicht eygentlich geben / vnd ſcheinet daß vnſere Vorfahren die alte redliche Teutſchen / ob ſie ſchon in der Heydniſchen Finſternuß geſtecket / vnd eine geraume Zeit wider die groſſe Macht der Roͤmer vnd andere gewaltige Feinde jhren Staat durch jhre Mann - vnd Tapfferkeit mainteniret vnd verſichert / dannoch diß idolum oder Abgott nicht erkandt vnd angebettet / ſondern auff gut teutſch in guter Trewe vnnd Glauben gehandelt / auff jhre angebohrne Tapffer - keit / gute Faͤuſte vnd Waffen ſich verlaſſen / derowegen non Enti vnd dem Grewel / daran ſie auß angebohrner Sinceritaͤt vnd Auffrichtigkeit / einen Eckel gehabt / kei -nen Nah -67Von dem weltlichen Stande. nen Nahmen gegoͤnnet noch geben koͤnnen vnd es ein non Ens vnd vngenandtes ſeyn vnd bleiben / den Hiſpaniern / Jtalianern vnd Frantzoſen aber es zu denomi - niren, zu beſchreiben vnd zu practiſiren gelaſſen.

Es wollen zwar etliche es auff teutſch geben / reden von Staat ſo iſt aber we - der das Wort Reden in rechter teutſcher Sprach ſo viel als zu Latein Ratio, ſon - dern in dieſem Verſtande ein Hollaͤndiſch Wort / imgleichen das Wort Staad vr - ſpruͤnglich nicht teutſch / ſondern lateinifch / vnd weiß ich es auch nicht eygentlich auff gut teuſch zugeben / weil Resipſa auch nicht gut teuſch iſt.

An ſich ſelbſten lautet es zwar wol vnd ſchoͤn / Ratio Status, vnd wie man das Gifft nicht beſſer einem beybringen kan / als wann man ein feines liebliches Bruͤh - lein darüber machet / alſo kan man das Boͤſe vnd die vitia nicht beſſer imprimiren vnd fortſetzen / als wann die Laſter vnd Vntugend mit herꝛlichen ſchoͤnen tugend - hafften Nahmen getauffet / beleget vnd bekleydet werden / (Vitia ubi in mores ab - eunt, ibiremedio non eſtlocus, ex Senec. not. D Luth. in Comment. ad Geneſ. cap. 12. fol. 154. Et Busbequ. Epiſtol. 3. Quidiis inquit moribus facias, ubi virtutis locum vitia occupant, & quod pœnam meretur gloriæ & honori vertitur. ) vnd iſt ſonſten kein Ding ſo boͤß / daß auch nicht etwas guts darbey / in gutem Verſtand ſeyn koͤnne / darvon man dem Argen eine aͤuſſerliche gute Farbe vnd Geſtalt geben / vnd es alſo fein ziehren vnd ſchmuͤcken koͤnne Muß derowegen hierbey ein Vnder - ſcheid gemacht werden / vnder Recht vnd Unrecht vnder Gerechtigkeit vnd Vn - gerechtigkeit / vnder Argliſtigkeit vnd Klugheit vnder Betrug vnd Warheit. (Juſta & legitima Status Ratio) Wird die Status Ratio begleitet durch Recht / Warheit vnd Gerechtigkeit / ſo iſt ſie anders nichts / als eine vorſichtige kluge vnd vernuͤnfftige Erweg - vnd Beobachtung eines jeden Regenten Staats oder ge - meinen Weſens vnd wie daſſelbe durch Goͤttliche Huͤlff / rechtmaͤſſige billiche Mit - tel vnd Wege zu conſerviren, zu befoͤrdern / auff beſſeren ſicheren Fuß zuſtellen vnd bey ſeiner Conſiſtentz / Vffnehmẽ vnd flor zu erhalten / daneben allen ſorglichen / ge - faͤhrlichen Zuſtaͤnden mit zeitigem / vernuͤnfftigem guten Rath vorzubawen / vnd kuͤnfftige Gefahr zu avertiren vnd abzuwenden.

Als der Patriarch Abraham im Lande Gerar vnder dem Koͤnig Abimelech wohnete / vnd durch Gottes tauſentreichen Segen / an Mannſchafft / Viehe vnd Vermoͤgen ſehr zunahme / war der Koͤnig vnd ſein geheimer Rath vnd Feld - hauptman Picholl / wegen Verſicherung ſeines Koͤnigs Staats ſehr ſorgfaͤltig / vnd jhme deß Abrahams taͤglich wachſende Macht nicht wenig verdaͤchtig vnd nach dencklich / hielten derowegen mit dem Koͤnig Rath vnd machten ein Conclu - ſum, wie gleichwol durch billiche Mittel vnd Wege der Koͤnigliche Status, darvor auff vorher gehende friedfaͤrtige conferentz durch eine Alliance vnd gute naͤhere Verſtaͤndnuß mit dem Abraham aſſecuriret vnd auſſer Gefahr| geſetzet werden moͤchte / vnd deßwegen einen Bund de ſe invicem non offendendo auffgerichtet. Ii 2Geneſ. 68Das ander Buch /Geneſ. Cap 21. v. 22. Dieſe Sorgfalt vnd Beobachtung Status, weil ſie durch bil - liche / bey allen vernuͤnfftigen Voͤlckern / vnd in Gottes Wort zulaͤſſige auffrechte Mittel / vnd ad bonum finem geſuchet vnd fortgeſetzet worden / kan juſta & vera Sta - tus Ratio genandt werden / vnd iſt keines Weges zu tadein / ſondern vielmehr zu ruͤhmen.

Per veram & juſtam Status Rationem oder auß rechtmaͤſſiger Sorgfalt vnd Verſicherung ſeines Staats / machte Joſua vnd die Obriſten der gantzen Gemei - ne / die Gibeoniter zu Knechten / Holtzhawern vnd Waſſertraͤgern / damit ſie nicht zu groß vnd jhnen ſchaͤdlich wuͤrden. Joſ. Cap. 9. vmb gleichmaͤſſiger gerechter Si - cherung ſeines Staats ließ der Koͤnig Salomo ſeinen auffruͤhriſchen Bruder Adonia / der mit ſeinem Anhang dem Salomo auff verſchiedene Weiſe vnd We - ge / nach Scepter vnd Cron / die doch auff Gottes Befehl vnd Verordnung ſein Vatter David / jhme Salomoni deputiret vnd zugeeygnet / greiffen wolte / als einen Auffruͤhrer mit gutem Rath hinrichten.

Es hat David / als er vermercket / daß der Lauff ſeiner Tage ſich zum Ende genahet / kurtz vor ſeinem ſeligen Hintritt / einen offentlichen Reichstag außge - ſchrieben / vnd darzu alle Proceres Regni, Fuͤrſten / Staͤnde vnd Obriſten in Jſrael erfordert / vnder andern aber jhnen ſtehend proponirer, daß Gott vnder allen ſei - nen Soͤhnen den Salomo erwoͤhlet / daß er ſitzen ſolte auff ſeinen Stuhl deß Koͤ - nigreich deß Herꝛn uͤber Jſrael / vnd daß er dem Herꝛn den Tempel bawen ſolte / jhn auch den Reichsſtaͤnden zu einem Koͤnig præſentiret vnd vorgeſtellet / von denſel - ben auch darvor acceptiret vnd angenommen worden. 1. Chron. Cap. 29. deſſen vnerachtet aber / warff ſich Adonia ſelber wider Gottes / deß Koͤniges vnd der Reichsſtaͤnde Verordnunge vnd Willen auff zu einem Koͤnige / brachte Geiſtliche vnd Weltliche / den Prieſter Abiathar vnd den Feldhauptman Joab neben andere vff ſeine Seyte / ordnete Wagen / Reuter vnd Trabanten / ſtellete offentliche Opffer vnd Panquet an / vnd ließ ſich vor einen Koͤnig reſpectiren vnd ehren. Wie er aber vermercket / daß Salomons Reich von GOtt vnd dem Koͤnige bekraͤfftiget / vnd von den Fuͤrſten vnd Obriſten in Jſrael beliebet war / advertirte er bald / daß er als ein Reus criminis læſæ Maieſtatis vnd Auffruͤhrer / nach Gottes Geſetze ſein Le - ben verwuͤrcket vnd ein Mann deß Todts war / lieff in den Tempel / ergrieff die Hoͤr - ner deß Altars / ſchickte zu dem Koͤnig Salomo / vnd ließ vmb Perdon anſuchen / daß er jhn denſelben Tag nicht mit dem Schwerdt hinrichten lieſſe / er bekame aber dieſen rechtmaͤſſigen Beſcheid vnd Decretum: Wird er redlich ſeyn / ſo ſoll kein Haar von jhme auff die Erde fallen / wird aber boͤſes an jhme funden / ſo ſoll er ſter - ben. 1. Reg. 1. v. 51. & 52. vnd wie er darauff ſelber vor den Koͤnig kam / erhielte er doch noch kein Perdon, ſondern ward geheiſſen in ſein Hauß zugehen.

Wiewol er nun noch nicht aggratiiret vnd bey dem Koͤnig auß gefuͤhret war / ſondern derſelbe in angeregtem Decreto cauſæ cognitionem, vnd die eygentlicheErkuͤn -69Von dem weltlichen Stande. Erkuͤndigung ſeines Verbrechens ſich reſerviret vnd vorbehalten / hat doch Ado - nia / pendente illo Proceſſu, nicht ruhen koͤnnen / ſondern iſt ſo vermeſſen geweſen / daß er deß Koͤnigs Mutter die Bathſebam / vmb Abiſag von Sunem / die ſeinem Vatter David in ſeinem hohen Alter zu erwaͤrmen beygelegt / aber doch von jhme nicht erkandt war. (1. Reg. Cap. 1.) Jhme zum Weibe zugeben / angeſprochen / vnd noch darbey ſeine auffruͤhriſche Mißhandlung gleichſamb waͤre das Koͤnigreich ſein geweſen / juſtificiren wollen. 1. Reg. Cap. 2. v. 15. & ſeqq. der ohnge zweiffelten intention, durch ſolch Mittel auff andere Wege einen newen Auhang wider ſeinen Geſalbten vnd gecroͤneten Koͤnig zumachen / vnd das Koͤnigreich an ſich zu reiſſen / welches zwar die gute Bathſeba nicht eben gemercket / Salomo aber / als einer von Gott mit ſonderbahrer Weißheit vnd Verſtande hochgelobter Koͤnig / leichtlich advertiret, daß ſolches wider ſeinen Staat vnd Koͤnigliche Cron geredet / vnd dero - wegen ſeiner Mutter geantwortet: Warumb bitteſtu vmb Abiſag von Sunem / dem Adonia? Bitte jhm das Koͤnigreich auch / dann er iſt mein groͤſter Bruder / vnd hat den Prieſter Abiathar vnd Joab zur Hand.

Dieweil dann das primum factum ſeditionis & læſæ Maieſtatis Notorium vnd publicum auch nicht perdoniret war / die continuatio ſeditioſæ machinatio - nis darzu kam / vnd in Reum ex evidentia patrati criminis convictum & confeſ - ſum. (Non eſt confeſſi cauſa tuenda rei. ) keine andere partes judicis uͤbrig waren / als Condemnatio, hat der Koͤnig auff ſeinem Koͤniglichen Thron ſitzend / das Vrtheil über jhn geſprochen / daß er ſolches wider ſein Leben geredet haben vnd ſterben ſolte vnd ſeinem Feldhauptman Benaia die Execution zuthun anbefohlen.

(Diſcite juſtitiam moniti nec temnite Divos.
Item illud.
Diſce Jovem revereri & juſſa faceſcere Divum.)

Hie hatte Status Ratio das Recht vnd Gerechtigkeit / welche den Reis ver - letzter Koͤniglichen Majeſtaͤt das Leben abſprechen / auff jhrer Seyten gehabt / vnd war alſo mehr nicht als Juſtitiæ Adminiſtratio. (Regna ſine Juſtiria, nil niſi magna ſunt latrocinia, dixit Auguſt. Imò ſine juſtitia nec Jovis Sceptra tuta; refert Zaſi. in Orat. de Laudib. Leg. quæ extatin Tom. 5. oper. ) dardurch das Boͤſe andern zum abſchewlichen Exempel geſtrafft / vnd der Koͤnigliche Thron zugleich mit geſichert ward. Es hat auch der Koͤnig dieſen Adoniam nicht Meuchelmoͤrdiſcher Weiſe / noch heimlich / ſondern prævia cauſæ cognitione, mit Vrtheil vnd Recht condemniret vnd offentlich executiren laſſen / darzu er dann ſo viel do mehr befugt war / weil die Hiſtoria meldet / daß bey deme von dem Koͤnig David letztgehaltenem Reichstage / wie Salomon zum andern mahl von dem Volck zum Koͤnig gemacht / von ſeinem Herꝛn Vatter hinwider als ein von Gott erwoͤhlter / von allen Fuͤrſten / Obriſten vnd Gewaltigen angenommener Koͤnig vorgeſtellet / publiciret, geſalbet / auff den Koͤniglichen Thron geſetzet / vnd damit jhme Scepter vnd Cron anver -Ji iijtrawt70Das ander Buch /trawt war / nicht allein alle Obriſten vnd Gewaltige / ſondern auch alle Kinder deß Koͤnigs / darunder dann Adonia mit geweſen ſeyn muß / ſchuldigen Gehorſamb verſprochen / welches dann eben ſo viel war als heutiges Tages die Huldigung iſt. 1. Chron. Cap. 30. v. 22. 23. & ſeqq.

Eine rechtmaͤſſige billiche Sorgfalt Rationis Status iſt geweſen / daß der Koͤ - nig David den Joab / welcher erſtlich den ſtreitbahren Held Abner vnderm Schein guter Freundſchafft / tuͤckiſcher vnd bubiſcher Weiſe er mordet. 2. Sam. Cap. 3. v. 27. & ſeqq. Deßgleichen deß Davids newen Feldhauptman Amaſa mit præſentirung eines freundlichen Kuſſes vnd friedlicher Begruͤſſung / gantz hinderliſtig erſto - chen. 2. Sam. Cap. 20. v. 9. 10. ſeines Koͤnigs außtruͤcklich widerholete Kriegsor - dre / mit dem Knaben Abſolon ſaͤuberlich zufahren / vorſetzlich vnd vergeßlich uͤber - ſchritten / den Koͤnig noch darzu mit harten betrohlichen weitaußſehenden Worten uͤberfahren. 2. Sam. Cap. 18. v. 5. & ſeqq. dannoch biß in ſeinen Todt bey ſich vnd in ſeinen Dienſten to Ieriret, die Vrſach wird von David bey deß Abners Entleibung angezogen / daß er David zwar ein geſalbter Koͤnig / aber in ſeinem angehenden / vnd noch nicht gnugſamb gefaſſetem Regiment noch zart / vnd hatte das Hauß Saul noch einen groſſen Anhang / war auch in ziemblicher Verfaſſung wider jhn / aber Joab vnd die Kinder Zera wahren bey dem Volck in groſſem Anſehen / koͤn - ten daſſelbe zu jhrem Willen haben. 2. Sam. Cap. 3. v. ult. verdrießliche Diener wer - den zuweilen von einem klugen Regenten zu Verhuͤtung Weitlaͤufftigkeit vnd groͤſſern Vnheyls / weißlicher auff ein Zeitlang toleriret als abgeſchaffet. Qui ne - ſcit quandoq́ue connivere, neſcit imperare.) Deßgleichen iſt zuſehen bey der an - dern Mißhandlung / überſchrittener Kriegsordre / da Joab ohne Schew dem Koͤ - nig David ins Angeſicht geſaget / vnd bey dem Herꝛn geſchwohren / wann er dar - über wuͤrde eyffern / oder es ferner gegen jhnahnden wollen / daß er jhme die gantze Armec debouchiren vnd das Volck zum Abfall bringen wolte / daß die Nacht kein Mann mehr an jhm bleiben ſolte / welches aͤrger ſeyn wuͤrde als alles vorige Vbel ſo uͤber ihn kommen. 2. Sam. Cap. 19. v. 6. & ſeqq. vnd obwol David gemeldten Ama - ſa an Joabs ſtatt zum Feldhanptman verordnet ibid. v. 13. ward er doch deß wegen wie gemeldet / von Joab Meuchelmoͤrdiſcher Weiſe entleibet ibid. Cap. 20. v. 9. Es hat jhme aber David ſolche veruͤbte Frevelthaten vnd Blutſchulden nicht geſchencket / (Quod differtur non auffertur. Lange borgen iſt nicht queit geben) ſondern ſeinem Sohn Salomon / deme Gott eine ruhige vnd friedfaͤrtige Regie - rung verſprochen / vnd den Koͤniglichen Thron beſtaͤttiget / in ſeinem Teſtament anbefohlen / weil er Salomon wol wuſte / was jhme dem David der Joab gethan / wormit ohne Zweiffel auff die That 2. Sam. Cap. 19. gedeutet wird / imgleichen wie er zwey Generalen in Jſrael erwuͤrget / Kriegsblut in Friede vergoſſen / vnd an ſei - nen Guͤrtel gethan haͤtte / er ſolte nach ſeiner Weißheit thun / daß Joabs ſeinegrawe71Von dem weltlichen Stande. grawe Haar nicht mit Frieden hinunder in die Grube kaͤmen. 1. Reg. Cap. 2. v. 5. Haͤtte nun David gleich dieſe Vberfahrung ſtraffen wollen / da ſein Koͤnigreich noch nicht gefaſſet / durch Abſolons Auffruhr zuriſſen war / ſolte er wol das gantze Land vnruhig vnd jrre gemacht vnd ſich ſelbſt vmbs Koͤnigreich gebracht haben.

Hingegen handelte Jſboſeth gar vnvorſichtig wider ſeinen Statum, daß er ſeinen Feldhauptman Abner / der jhme die Stange wider David vnd Juda hielte / gar vnzeitig offendirte, vnd dahin brachte / daß er mit Jſrael zu David gieng vnd dem Jſboſeth dardurch der Compaß ſeines Staats ſo bald verruͤcket ward. 2. Sam Cap. 3.

Als der Ruben auff ſeines Vatters Jacobs Lager geſtiegen vnd ſein Betthe beſudelt / haͤtte Jacob wol groſſe Vrſach gehabt denſelben gleich ernſtlich darumb zuſtraffen / aber ſein Status wolte es nicht wol zugeben / weil er ein Pilgrim vnd vn - der ſeinen Feinden war / da er leicht boͤſes aͤrger machen / den Ruben zu deſperatis conſiliis vnd factionen daran es nicht wuͤrde gemangelt haben an dem Orthe / vnd alſo wider ſich ſelbſt vnd ſein gantzes Hauß ein groß Vngluͤck erregen koͤnnen / de - rowegen er die Straffe differirt biß daß er ſterben ſolte / da verfluchte er jhn in ſei - nem Teſtament / vnd ward von jhme die Herꝛligkeit vnd das Recht der Erſtenge - burth / nemblich das Koͤnigreich vnd Prieſterthumb / welches eine ſchwehre Straf - fe war / die nicht allein jhn Ruben ſelber / ſondern ſeine gantze Poſteritaͤt vnd Nach - kommen mit getroffen Gen. Cap. 49. v 4. 5. & Gen. 35. v. 22. dann es kan ſich ſpricht D. Luth. uͤber den 101. Pſalm. ein Fall begeben / daß man einen boͤſen Buben ſo bald nicht ſtraffen kan / ohne groſſen Schaden vnd ohne Gefaͤhrligkeit der andern / ſo doch alle Straffe ſoll endlich dahin gerichtet ſeyn / daß ſie zum Schrecken vnd Beſ - ſerung der andern / vnd zum / Friede vnd Sicherheit der Frommen geſchehe / wie S. Petrus vnd Paulus lehren. Rom. Cap. 13. 1. Petr. Cap. 3.

Muß derowegen ein kluger Regent behutſamb verfahren vnd wol erwegen / wo / wen / vnd welchen Buben er gleich ſtraffen / oder vmb Sicherung ſeines Status, vnd darin vmb vieler frommen Vnſchuldigen demſelben eine Zech auff eine Zeit borgen ſolle vnd muͤſſe.

Solche vnd dergleichen Exempla, behutſamer vnd ſorgfaͤltiger Beobach - tungen / gegenwaͤrtiger vnd kuͤnfftiger Laͤuffte / wolbedaͤchtige Erwegung / worin die momenta rerum beſtehen / wie durch billiche gerechte Mittel das gemeine Weſen zuſichern / deſſen Auffnehmen vnd Proſperitaͤt zufoͤrdern / bevorſtehen des vnd beſor - gendes Vnheyl zeitlich abzuwenden / vnd ne quid Reſpublica detrimenti capiat, klüglich zu præcaviren, vnd ſolches alles durch Chriſtliche billiche Mittel koͤnnen auch ad veram ac juſtam Status rationem referirt werden / vnd in ſolchem Verſtan - de kan dieſelbe auch wol paſſiren vnd gelobet werden.

Hingegen die vermeynte vnd aͤuſſerlich zwar fein apparirende / aber in ſich falſa & iniuſta Status Ratio die bloß in der Begierde frembder Herꝛſchafft / Landvnd72Das ander Buch /vnd Leuthe / vnd wie dieſelbe durch Betrug / Liſt vnd Geſchwindigkeit / auch vnder vermeyntem Schein vnd Vorwand deß boni publici oder gemeinen Beſtens auch wol gar der Religion. Item, ſimulirten Rechtens / mit Gewalt vnd Tyranney moͤ - gen occupiret vnd an ſich geriſſen / vnd damit eines Staad groͤſſer vnd maͤchtiger werden / Gott vnd ſeine Gebotte / Trew vnd Glauben / Auffrichtig vnd Redligkeit zu ruͤck ſetzet / bloß auff das Gluͤck vnd eygen Nutzen ſiehet / dieſelbe iſt keine vera Sta - tus, ſondern Diaboli ratio, vnd wird gar recht von Ferdinand. Wilhelm. ab Effe - ren in ſeinem Buch de Ratione Status, Idolum Principum der vngerechten Po - tentaten Abgott / genandt / welche billich in aller Ehrbahren / ſonderlich aber Chriſt - licher Regenten Hertzen / vor ein abſchewlich Monſtrum vnd Portentum generis humani geachtet werden ſoll. Der Prophet Daniel / nennet dieſe Klugheit einen Betrug. Cap. 8. v. 25. vnd der Prophet Nahum / einen Schalckrath / der nicht von Gott / ſondern wider Gott iſt. Cap. 1. v. 11. & ſeq. Wann man zu weilen die Leuthe vom Staat wie ſies nennen diſcurriren hoͤret / von Koͤnigen / Koͤnigreichen / Repu - bliquen, Gewaͤlten vnd Herꝛſchafften / wie dieſelbe bey jhrem Weſen / friedlichem Statu zu erhalten / oder durch jnnerlich angezuͤndete Vnruhe außzumatten / vnd wann ſie dardurch enerviret vnd von Kraͤfften kommen / einem Theil die Hand zu biethen vnd vnder ſolchem prætext, beyder Meiſter zuwerden / oder quibuſcunque artibus andere zu eygener Großmachung zu bekriegen / ſo reden ſie darvon alſo / als wann Gott oder ſeine Gebott ſie nichts angienge / oder daß die conſervatio vnd translatio regnorum, vnd mutationes Rerumpublicarum, gar nicht von der All - weiſen Providentz Gottes / ſondern bloß von jhrer Klug-Argliſtig vnd Geſchwin - digkeit herrührete / vnd die Status Ratio allein jhr Gott ſeye / von denen ſchreibet der Prophet Micha. Cap. 7. v. 3. Die Gewaltige rathen nach jhrem Muthwillen Scha - den zu thun / vnd drehens (nemblich pro Ratione Status & libidinis ſuæ) wie ſie wol - len / damit ſie jhre Graͤntze erweitern / wann ſchon darumb die Schwangern in Gi - lead / oder in der Chriſtenheit zerriſſen werden muͤſſen bey dem Propheten Amos Cap. 1. v 13.

Es ſtreitet dieſe vermeynte Status Ratio mit dem ſcopo vnd Zweck / warumb Gott Potentaten / Keyſer / Koͤnige / Fuͤrſten vnd Herꝛſchafften eingeſetzet / nemb - lich daß ſie ſollen Gerechtigkeit lieben / Recht vnd Gericht handhaben. Sapient. Cap. 1. vnd den Vndertruckten wider alle Gewalt ſchuͤtzen / ſelber aber nicht thun darvon der weiſe Mann Syrach recht ſaget / daß die ſo es thun gleich ſeyn einem Hoffmeiſter / der eine Jungfraw ſchaͤndet / die er bewahren ſoll. Syracid. Cap. 20. v. 4. (Neſcit pietatis jura iſthæc falſa Status Ratio & pravaregnandi libido.)

AXIO -73Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XXXVII. Ratio Status, wie ſie auſſer Gottes Wort von den(a) Politi - ci, huius farinæ, ſuntho - mines latæ conſcien - tiæ & mul - fidei, h. e. nulli - us. Baltha. Politicis (a) ins gemein uſurpiret, vnd nicht vn - eben idolum (1) Principum, der Potentaten Ab - gott / genennet wird / iſt ſo alt / als der Teuffel / vnd die erſte durch jhn verfuͤhrte Menſchen.

Meiſner, in Homil. Domin. Cantat. p. m. 367. item Cothurni utriq; pediapti.

ES war der leidige Satanas ſampt ſeinem gantzen Anhang von(1) Idolum oder ein Abgott alles das genandt werdẽ wo - rauff man uͤber vnd auſſer Gott vnd ſein wort / ſein Ver - trawen ſetzet / wel - ches aber eitel vnd nichts iſt. 1. Cor. 8. v. 4. Da S. Pau - lus ſagt daß ein idolum oder Goͤtz nichts in der Welt ſeye. GOtt zum Guten erſchaffen / vnd fuͤr andern heiligen Engeln / in einem herꝛlichen ſeligen Statu, mit Engliſcher Klarheit geſchmuͤ - cket vnd angethan / aber Ratio Status, die Begierde ſeinen Staat zu erhoͤhen vnd zu verbeſſern / reitzete jhn darzu / daß er ſeinem Schoͤpffer vnd Herꝛn nach ſeiner Goͤttlichen Majeſtaͤt vnd Hoheit trachtete / ſei - nen Stuhluͤber Gottſetzen wolte / daruͤber er das crimen læſæ Maieſtatis Divinæ oder das abſchewliche Laſter verletzter hohen Goͤttlichen Maje - ſtaͤt begangen / vnd deßwegen mit allen ſeinen| abtrůnnigen complicibus, adhærenten vnd Spießgeſellen in den hoͤlliſchen Kercker geſtuͤrtzet vnd mit Ketten der Finſternuß gebunden worden. Vid. Drexeli. de Jeſu na - ſcente part. 1. cap. 6. §. 4. verſ. Lucifer Angelorum venuſtiſſimus. So bald der Menſch nach dem Ebenbild Gottes / das iſt / wie es S. Paulus außleget / in wahrer Seligkeit vnd Gerechtigkeit ſo GOtt gefaͤllig / ad Epheſ. Cap. 4. v. 24. erſchaffen / mit ſeinem Weibe vermaͤhlet vnd in den Paradiß garten / ſeinem allerheiligſten Nahmen zu Lob / Ehr vnd Preyß (a) die Welt vnd das Reich Gottes zuvermehren geſetzet vnd jhme die Herꝛſchafft uͤber alle Creaturen uͤbergeben / ward bald der leidige Teuffel per Rationem Status, oder auß Begierde ſeinen Statum vnd hoͤlliſches Reich auch zu erweitern / Raths / wie er vnſere erſte Eltern / vnd mit der - ſelben / jhre gantze werthe vnd liebe Poſteritaͤt von Gottes Gebott vnd Reich ab / vnd zu ſich ziehen koͤnte / machte ſich derowegen mit Liſt vnd Geſchwindigkeit / mit Lůgen vnd Truͤgen / als der Vatter der Lügen vnd Moͤrder von Anbegin / an die vorwitzige Evam / verfaͤlſchte Gottes Wort /(2) Omnia creata ſunt propter hominem, homo autem propter Deum, inquit Scaliger. Et quid mirum omnia propter homi - nem à Deo facta, cum Deus ipſe propter hominem homo factus? D. Gerhard. in Aphoriſm. Theolog. cap. 5. Aphoriſm. 45. Kkſchwuhr74Das ander Buch /ſchwuhr einen falſchen Eyd bey dem Nahmen Gottes / vnd brachte alſo das Weib / vnd durch daſſelbe den Mann zu dem elenden graͤwlichen Abfall. Gen. Cap. 2. & 3.

Die Motiva vnd Vrſach dieſes ſchaͤndlichen Abfalls vnſerer er - ſten Eltern / war auch Ratio Status, die Begierde den uͤberſeligen herꝛ - lichen Statum, darin Gott den erſchaffenen Menſchen mit ſeinem Eben - bild angethan vnd geſetzet / zuverbeſſern / kluͤger vnd Gott gleich zuwer - den d. Cap. 3. Geneſ. v. 5. & 6. wordurch ſie ſich an die hoͤchſte Maieſtaͤt jh - res Schoͤpffers vergriffen / Gottes Gebott auß den Augen geſetzet / vnd in deme ſie per Rationem Status kluͤger vnd mehr ſeyn wolten / als jhnen Gott gegoͤnnet vnd gegeben / auch das was ſie gehabt nemblich das edle -(3) Dieſes moͤchte wolheiſ - ſen / nach dẽ Schat - ten greif - fen vnd das Fleiſch fahren. laſſen. Camelus per Ratio - nem Sta - tus, cor - nua appe - tens, et - iam. aures amiſit. ſte / koͤſtlichſte Kleinod deß Ebenbildes Gottes verlohren / (3) wurden auß dem herꝛlichen Paradiß garten relegiret, vnd muſten den / jhrenthalben verfluchten / mit Dorn vnd Diſteln bewachſenen Acker in Kummer vnd Elende bawen / vnd im Schweiß jhres Angeſichts jhr Brod eſſen d. Cap. 3. ô Ratio Status oder Begierde vnd Vorwitz kluͤger / groͤſſer vnd GOtt gleich zu werden / worzu haſtu das menſchliche Geſchlecht gebracht / ſo bald die Eva den Cain gebahr / bildete ſie ſich gleich einen andern Statum ein / meynete ſie haͤtte den Mann deß Herꝛn / das iſt den verſprochenen Meſſiam vnd Heyland der Welt gebohren / woruͤber Cain vnd daß er der Primogenitus vnd Erſtgebohrner war / ohne Zweiffel ſein Hertz erho - ben / trotzig vnd hochmuͤhtig worden / einen Dominat in der Welt affe - ctiret, wie er aber hernacher geſehen vnd verſpuͤhret / daß dannoch ſein juͤngerer Bruder Abel bey ſeiner Einfalt vnd Frommigkeit / Gott ange - nehmer geweſen als er / erweckte bey jhme Status Ratio allerhand boͤſe Gedancken / dann als ſie beyde hinauß giengen jhren Gottesdienſt zuver - richten vnd Cain wargenommen daß der Herꝛ deß frommen demuͤthi - gen Abels Opffer gnaͤdiglich angeſehen aber Cains nicht / machte er ſich gleich die Rechnung es wuͤrde ſein Status vnd Præeminentz / die er ſich als der erſtgebohrner vnd elteſter Sohn feſtiglich imprimiren nicht be - ſtehen koͤnnun / er hat ohne Zweiffel bey ſich uͤberlegt / ſolte Abel mehr Gnade bey Gott haben als er / ſiehe ſo moͤchte er auch mehr Reſpect, Au - ctoritaͤt vnd Ehr in der Welt erlangen / ſein Valor aber geringer vnd er zuruͤck geſetzet werden. Er hat ohne Zweiffel gedacht / du biſt gleichwol deines Vatters Adams erſte Staͤrcke vnd Krafft: Du biſt der erſte ſo vom Weibe zur Welt kom̃en: deine Mutter hat dir das prognoſticon geſtellet vnd ein ſolch Zeugnuß geben / daß du der Mann / der Herꝛ oder Heyland der Welt ſeyſt: du biſt ohne Zweiffel ein Cavallter vnd Land - Herꝛ / jener aber iſt nur ein Schaͤffer / vnd darzu ein einfaͤltiger Tropff: dieRaiſon75Von dem weltlichen Stande. Raiſon deines Eſtats wil es gar nicht zugeben / daß du denſelben zu deſſen Verklein - vnd Hinderung leben laͤſſeſt / ſondern auß dem Wege raͤumeſt. Ein todter Hund beißt nicht / das Regiment wil keinen æmulum, conſor - tem oder Geſellen leyden / (4) man muß die eminentia papavera abha -(4) Nulla fides Re - gni ſociis, omniſque poteſtas, impatiens conſortis. Lucan. lib. 1. wen / vnd dardurch ſich ferme machen in ſeinem Statu, brach alſo die Sta - tus Ratio dem frommen gottsfuͤrchtigen Abel ſeinen Halß vnd muſte darumb ſterben. Gen. Cap. 4.

Per Rationem Status ſiengen an die Kinder Gottes / nemblich / die ſo von Adams gottſeligen Nachkommen waren / ſich mit dem Cainiti - ſchen Frawenzimmer der Tyrannen auff Erden / zu verheurathen / damit die von jhnen erzeugete Kinder / vermittels der Verſchwiegerung vnd Blutfreundſchafft / auch gewaltige / hochanſehentliche vnd beruͤhmte Leuthe von Eſtat in der Welt werden moͤchten. Gen Cap. 6. v. 4.

Auß Ehrgeitz vnd vmb Sicherung jhres Staats wurden die Leu - the nach der Sünfluth Sinnes / den Babyloniſchen Thurn / deſſen Spitze biß an den Himmel reichen ſolte / zu bawen / ſich damit einen groſ - ſen vnſterblichen Nahmen vnd monumentum bey der nachkommenden Welt zu hinderlaſſen. Gen. Cap. 11.

Als die Toͤchter Loths ſahen daß Sodom vnd Gomorra ſambt der gantzen Gegend vnd allen Einwohnern im Rauch auffgangen / vnd jhre Mutter Loths Weib zur Saltzſeulen worden / bekamen ſie auch Staats - Gedancken / meyneten es waͤren keine Maͤnner mehr auff der Welt / die jhnen koͤnten Saamen erwecken vnd das menſchliche Geſchlecht erhal - ten / hielten mit einander Rath vnd ſprach die Elteſte zu der Juͤngſten: Vnſer Vatter iſt alt / vnd iſt kein Mann mehr auff Erden der vns be - ſchlaffen moͤge / nach aller Welt Weiſe / kompt laſt vns jhm Wein zutrin - cken geben vnd bey jhm ſchlaffen / daß wir Saamen von vnſerm Vatter erhalten. Gen. Cap. 19. v. 31.

Wie Eſau erfuhr / daß ſein juͤngerer Bruder Jacob / von jhrem Vatter Jſaac den Segen erlanget / bekame er auch gleich Cainitiſche Staatsgedancken / meynete er waͤre gleichwol der Elteſte / es gebuͤhrete jhme wegen der Erſtengeburth der Vorzug / er waͤre dannoch ein braver Kerl / ein Cavallier vnd guter Jaͤger / haͤtte koͤſtliche herꝛliche perfumirte Kleyder / 1. B. Moſ. Cap. 27. v. 15. & v. 27. die einem Herꝛn vnd Regenten wol anſtuͤnden / waͤre ein guter Soldat / vnd wuͤſte ſeinen Degen wider ſeinen Feind zufuͤhren / in gemeldtem 27. Cap. 1. B. Moſ. v. 40. hingegen waͤre Jacob ein Zaͤrtling vnd Mutterſoͤhnlein / der nicht viel außkom - men / ſtaͤts bey der Mutter in der Hütten vnd in der Kuchen uͤber den Toͤpffen geſeſſen / derowegen jhme die Herꝛſchafft vnd das RegimentKk ijbeſſer76Das ander Buch /beſſer anſtehen wuͤrde / vnd weil er darzu / wegen| deß Segens / ſo Jacob erhalten / nicht wol gelangen / oder ſeines Staats geſichert ſeyn konte / er - grieff er die reſolution, ſeinen geſegneten Bruder auß dem Mittel zuraͤu - men vnd zu erwuͤrgen / ließ ſich deſſen offentlich vernehmen / haͤtte es auch wol zu Wercke gerichtet / wann nicht die vorſichtige Mutter Rehecca / den Jacob in die Frembde / zu jhrem Bruder nach Meſopotamiam geſchi - cket / vnd dem Eſau dardurch allein in deß Vatters Hauß den Raum ge - laſſen haͤtte / biß ſein Grimm ſich geleget / ſein verbittertes rachgiriges Gemuͤthe wider beſaͤnfftiget waͤre / ſie bliebe aber doch beſtaͤndig darbey / daß Gottes Verheiſſung / daß nemblich der Groͤſſere dem Kleinen die - nen ſolte. Gen. Cap. 25. v. 23. wahr bleiben wuͤrde.

Als die Bruͤder Joſephs merckten / daß jhr Vatter Jacob / denſel - ben mehr als ſie liebete / vnd jhme einen abſonderlichen bunden Rock machte / Joſeph jhnen auch einen nachdencklichen Traum erzehlet / wie jhne gedaucht / daß er mit jhnen Garben auff dem Felde gebunden / vnd die ſeine ſich auffgerichtet / vnd ſeiner Bruͤder Garben ſich gegen die ſei - ne geneyget / Jtem / daß die Sonn vnd Mond ſampteylff Sternen ſich vor jhme geneyget haben / ſie ſo bald Staats gedancken bekommen / ſind jhme propter Status Rationem gram vnd feind worden / vnd jhme gleich(5) Es meldet die Schrifft daß der Koͤnige Toͤchter bunde Roͤck ge - tragen. 2. Sam. Ca. 13. vnd weil dieſes etwas ſon - derliches war / hat es bey den uͤbrigen Soͤhnen Jacobs groß Nachden - cken / Haß vnd Neyd rwecket. verweißlich vorgerucket / ſolteſtu vnſer Koͤnig ſeyn vnd über vns herꝛ - ſchen / gedachten jhr Status würde es nicht leyden / daß dieſer jhr juͤngerer Bruder jhr Haupt vnd Regent ſeyn ſolte / er waͤre ſchon Naſeweiß vnd ein Spitzhut bey den Alten / was wuͤrde er thun / wann er ſelber Meiſter uͤber ſie ſpiehlen ſolte / derowegen als der Vatter jhn zu ſeinen Bruͤdern die zu Dothan deß Viehes gehuͤtet / abgefertiget / jhres vnd der Heerde Zuſtands ſich zu erkuͤndigen / gedachten ſie es præſentirte ſich da die beſte occaſion von der Welt / per Rationem Status dieſem jungen gedraumb - ten Koͤnige den bunden Rock außzuziehen / (5) jhme den Halß zubrechen / vnd dardurch jhren Statum fuͤr deß Traumers Herꝛſchafft zu aſſecuri - ren, vnd als Juda vnd Ruben ſolches widerrathen / ſind ſie doch darin einig geweſen / daß ſie jhn anfrembde durchreyſende Kauffleuthe ver - kauffet / vnd darfuͤr gehalten er wuͤrde wol nimmer wider zu Lande kommen / vnnd jhr Status auch auff dieſe Weiſe geſichert bleiben. Gen. Cap. 37.

Weil Pharao ſahe daß die Kinder Jſrael in ſeinem Koͤnigreich ſich ſehr vermehreten vnd ein groß Volck wurden / fienge jhm ſolches an verdaͤchtig zu werden / machte per Rationem Status mit ſeinen Raͤthen vnd Landes Staͤnden das Concluſum, ſapienter opprimamus illos, wir(6) S. Lu - wollen ſie mit Liſt (6) daͤmpffen / daß jhrer nicht ſo viel werden / verordnetedaß77Von dem weltlichen Stande. daß die Wehemuͤtter bey der Geburth alle Hebraͤiſche Knaͤblein toͤdtencas nen - net es Hinder - liſt / in den Geſchich - ten der Apoſt. C. 7. v. 19. ſolten / duplirte jhnen die lateres vnd Hoffdienſte alſo / daß ſie endlich darunder haͤtten erligen muͤſſen / wann ſie Gott nicht ſonderlich errettet. Exod. Cap. 1. & ſeqq. & Pſalm. 105. v. 25. Per Rationem Status ließ Abi - melech der Sohn Jerub Baal ſiebentzig ſeiner Bruͤder auff einen Stein / damit er fůr jhnen geſichert / vnd allein Herꝛ vnd Regent uͤber Jſrael ſeyn vnd bleiben moͤchte / elendig erwuͤrgen. Jud. Cap. 9.

Als David von der Schaffherde an den Koͤnigl. Hoff zu Saul kam / vnd ſich reſolvirte dem groſſen gewaltigen Rieſen Goliath / der dem Zeug Gottes Hohn ſprach / die Stirn zubiethen / vnd auff deß Koͤnigs Geheiß / mit jhme in duell ſich zu begebẽ denſelben auch darinerlegte / das gantze Jſrael von Gefahr errettete / vnd deß Rieſen Kopff vnd Schwerdt zu einer herꝛlichen Beuthe mitbrachte / war er bey dem Koͤnig vnd ſeiner Hoffſtatt ſehr angenehm / ſo bald aber die Weiber anfiengen darüber ge - gen einander zu ſingen / zu ſpiehlen vnd zuſagen / Saul hat tauſend ge - ſchlagen / aber David zehentauſend. 1. Sam. Cap. 17. & 18. v. 7. kam der - Abgott Status Ratio vnd bildet Saul ein / daß ſolches wider ſeinen Staat - vnd Hoheit lieffe / er wuͤrde daran gewißlich periclitiren vnd ſeine Nach - kommen den Koͤniglichen Thron nicht beſitzen / wann er dieſen ſo hoch renomirten vnd von dem Volck geliebten vnd gelobten jungen Helden bey Leben vnd in eſſe laſſen wuͤrde / weil aber ſolches offentlich / ohne motu vnd Vffſtand deß Volcks nicht geſchehen konte / kam herbey Fraw Aſtu - tia eine getrewe Pediſſequa vnd Dienerin Status Rationis, vnd gab Saul(b. 1.) Ubi non ſuffi - cit pellis Leonina, ibi vulpi - na eſt aſ - Boter. de Stratas. lib. 9. p. 283. (b) Quem ſæpe caſus tranſit, aliquand o invenit, Senec. an die Hand / (b. 1.) er ſolte ſich nur nicht mercken laſſen / daß er uͤber Da - vid ergrimmet / ſondern ſich aller Gnade annehmen vnd deren jhn reali - ter zu verſichern / ſeine groͤſſeſte Tochter Moreb zum Weibe an præſenti - ren, jedoch mit dieſer Condition er ſolte frewdig ſeyn vnd deß Herꝛn Kriege fuͤhren / gedachte er wuͤrde endlich wol ſeinen Reſt von den Phi - liſtern bekommen / der Krug gienge ſo lang zum Waſſer / biß er breche / (b) wie aber das Beylager ſeyn ſolte / teuſchete Saul den David vnd ließ den Adriel die Braut vom Dantze vnd heimfuͤhren / damit er jhn aber auff eine andere Weiſe in Lebensgefahr braͤchte / nahm er ſich ferner groſ - ſer Koͤniglichen Gnad an / verhieß jhm die andere Tochter Michol / mit dieſem tuͤckiſchen vnd gefaͤhrlichen Gedinge / daß er anſtatt der Morgen - gabe / hundert Vorhaͤute der Philiſter zuwegen bringen / vnd als ein ge - trewer Eydam ſich raͤchen ſolte an deß Koͤnigs Feinden / welches dem David eine gute Sache ſeyn dauchte / daß er deß Koͤnigs Eydam vnd ſeiner beſtaͤndigen guten grace ein ſicheres Pfand nemblich deß Koͤnigs Tochter im Ehebetthe haͤtte. Wie nun David auch dieſe GonditionKk iijdurch78Das ander Buch /durch Goͤttlichen Beyſtand / mit rechtem Heldenmuth erfuͤllete / vnd die Vorhaͤute der Philiſter zur Morgengabe liefferte / gab jhm zwar Saul die verſprochene Michol / aber auß keinem trewen / ſondern falſchem Her - tzen / jhme ſo viel do beſſer vnvermerckt den Halß zubrechen / weil er jhm noch mehr feind war als vorhin.

Da nun nichts ſchaffen konte die Aſtutia, ſahe ſich Status Ratio vmb nach einer andern Dienerin / genandt Tyrannis vnd Crudelitas, die gab den Rath / ſi non hac, alia aggrediendum eſſe via, man ſolte David toͤdten quocunque modo, vnd wolte Saul anfangs zu Meuchelmoͤrdern gebrauchen ſeinen Sohn Jonathan vnd andere Knechte / vnd wie dieſel - be ſich darzu nicht verſtunden / wolte er ſelber die Execution thun / ſchoß ſeinen Spieß nach jhme / daß er in der Wand ſitzen bliebe / wolte jhn her - nacher in ſeinem Betthe toͤdten / wann er nicht entrunnen / verfolgete jhn mie dem gantzen Kriegesheer in der Wuͤſten verſchiedentlich / expe - ctorirte ſich auch gnugſamb gegen ſeinen frommen Sohn Jonathan / warumb David ſterben ſolte / dann ſprach er: So lang der Sohn Jſai lebet / wirſtu / darzu auch dein Koͤnigreich nicht beſtehen. 1. Sam. Cap. 20. Hier ſteckte der Haſe recht im Pfeffer / derowegen waͤre kein ander Rath / der Canditatus Imperii & gloriæ muͤſte fortgeſchaffet werden.

Als Salomon vermercket daß vmb ſeiner Vbertrettung willen / Jerobeam durch den Propheten / Verheiſſung auff zehen Staͤmme Jſ - rael bekame / trachtete Salomo zu Verſicherung ſeines Staats demſel - ben nach dem Leben / vnd muſte dieſer daſſelbe zu ſalviren das raumeſte ſuchen vnd in Egypten fliehen. 1. Reg. Cap. 40 Propter Status Rationem brachte Joab den ritterlichen Helden Abner vmb / weil er darvor hielte / daß dieſer in groſſer Gnade bey David am Koͤniglichen Hoff war. 2. Reg. 3.

Per Rationem Status ordnete der Koͤnig Jerobeam einen abſon - derlichen Gottesdienſt an zu Bethel / vnd renovirte darbey den alten Aaroniſchen von Gott ſo hoch geſtrafften Kaͤlbertantz / damit die zehen Staͤmme Jſrael nicht nach Jeruſalem / nach Gottes Verordnung / zoͤ - gen / daſelbſten in dem Tempel den Gottesdienſt zuverrichten / weil dar - durch leichtlich geſchehen koͤnnen / daß das Volck jhr Hertz vnd affection wider zu Rehabeam / als jhrem angebohrnen Herꝛn wenden / ſein Koͤni - glicher gantzer Status dardurch in Gefahr / vud er ſambt ſeiner Poſteritaͤt vmb Scepter vnd Cron kommen moͤchte. 1. Reg. Cap. 12. vnd iſt hiervon droben im erſten Theil Axiom. 7. mit mehrerm gehandelt.

Per Rationem Status ließ die Athalia allen Koͤniglichen Samen im Hauſe Juda jhres leiblichen Sohns Ahaſia Kinder (biß auff den ver -ſteckten79Von dem weltlichen Stande. ſteckten Joas) vmbbringen / damit ſie deß Koͤniglichen Throns vnd jhres Staats / oder vielmehr Tyranney verſichert bliebe. 2. Reg. Cap. 9. & 2. Chron. Cap. 22. v. 10. Per Rationem Status vnd Begierde zu frembder Herꝛſchafft vertrieb Ptolomeus Koͤnig in Egypten / ſeinen Tochterman auß ſeinem Koͤnigreich 1. Macchab. Cap. 11. Per Rationem Status ließ Herodes die vnſchuldige Kinder zu Bethlehem erwuͤrgen / der Andacht vnd Meynung / den newgebohrnen Koͤnig der Juden den Heyland der Welt / mitzutreffen / vnd vor demſelben ſein Reich zu verſichern / wie dro - ben im erſten Theil Axiom. 7. mit mehrerm gedacht.

Deßgleichen uͤbergaben die Hohenprieſter zu Jeruſalem Chriſtum / darmit wegen ſeines groſſen Anhangs die Roͤmer nicht Vrſach nehmen / jhn / jhren Statum zuverruͤcken / darvon gleichfalls oben Axiom. 7. lib. 1. ge - meldet. Auß gleichmaͤſſiger Vrſach von Staat / trachteten die Hohen - prieſter auch darnach / daß ſie den von den Todten eben wider aufferweck - ten Lazarum / zu Bethania toͤdteten / weil vmb ſeiner willen viel an Je - ſum glaubeten / Joh. Cap. 12. v. 10. & ſeq. Per Status Rationem, vnd da - mit Pilatus deß Keyſers Freund / in keine Vngnad kaͤme vnd ſeines Staats vnd Landpfleger Ampts geſichert bliebe / ließ er auff der Hohen - prieſter vnd Juden ohnnachlaͤſſiges betrohliches Anhalten den gerecheen Jeſum / deſſen Vnſchuld er genugſamberkandt / auch zum offentlichen Gezeugnuß die Haͤnde daruͤber wuſch / wider beſſer Wiſſen vnd Gewiſ - ſen an das Creutz hefften. Johan. Cap. 19. v. 12. 13. Luc. Cap. 23. v. 14. & ſeqq. Marc. Cap. 15. v. 15.

Als der junge Koͤnig Antiochus wegen entſtandener jnnerlichen Vnruhe in ſeinem Koͤnigreich / dienlich befandt mit den Macchabeern Fried zumachen verſprach er die eroberte Stadt Bethzura jhnen zulaſ - ſen / wie er aber in die Stadt kam / vnd ſahe daß ſie veſt war / hielter ſeinen Eyd nicht / ſondern ſetzte denſelben per Status Rationem zuruͤck vnd be - fahl / wider gegebene Parola, Trewe vnd Glauben / die Mawren vmbher einzureiſſen / damit nach ſeinem Abzug er ſich daher nichts Arges zu be - fahren. 1. Macchab. Cap. 6. v. 62. Aber dieſe Vntrew deß Antiochi blie - be nicht lang vngeſtraffet / dann eben vmb ſelbe Zeit / da er dieſe trewloſe That zu Werck ſetzete / ward von Demetrio Seleuci Sohn / jhme das Koͤ - nigreich abgenommen / vnd er bald hernacher in der Hauptſtadt An - tiochia von dem Kriegsvolck gefangen vnd vmbgebracht. 1. Macchab. Cap. 7. v. 1. & ſeqq.

Es waͤre zuviel alle Exempla Rationis Status auß der Bibelanzu - ziehen hierin aber wird allen Potentaten / gleichſvmbin einem helleuch - tenden Spiegel / von Anbegin der Welt / der Vrſprung / Operation vndWuͤrckung80Das ander Buch /Wuͤrckung Status Rationis repræſentiret, vnd ſo viel vor Augen geſtel - let / daß dieſe vnartige Status Ratio, keinen Vatter oder Mutter / keine Kinder / Bruder oder Schweſter / keine Freunde oder Schwaͤger kenne / noch wiſſe / keine natuͤrliche oder goͤttliche Geſetze / keine jura Naturæ vnd ſanguinis, keinen Eyd / Trew vnd Glaubenachte / noch darauff ſehe: Jm - gleichen daß zwar viel alſo per Rationem Status durch Liſt / Falſchheit vnd Tyranney ſich groͤſſer in der Welt gemacht / andere wider Recht ſupprimiret vnd vnder die Fuͤſſe geleget / theils auch auff eine Zeit etwas durch Gottes Verhaͤngnuß erhalten / aber entweder / ſie ſelber / oder jhre Nachkommen / oder auch in geſambt elendig geſtuͤrtzet / jhr Ende mit Schrecken genommen / vnd mit dem Zeitlichen auch das Ewige / welches das groͤſſeſte / verſchertzet vnd verlohren. O Ewig ohne Ende / wie ſchwer wird das fallen. (7) Gott pruͤffet das Hertz / vnd Auffrichtigkeit iſt jhm(7) Mo - menta - neum eſt quod de - lectat, Æternum eſt quod cruciat. Utnun - quam pre - ces medi - tare noviſ - ſima rerũ, Quam longa Æ - TERNI Nominis illa mora eſt. Taub - man. lib. 2. Sacror. (8) Qui dolosè a - git. virtute ſe fatetur imparem, dixit vir ſapiens. Et mul - tum in virtutis gymnaſio promovit, qui amare veritatem, & omnem dolum odiſſe didicit. Drexel. in Phaeton. ſive de vitiis Linus. c. 22. in fin. angenehm / ſpricht David 1. Chron. Cap. 30. Fromm vnd warhafftig ſeyn / behuͤten den Koͤnig / vnd ſein Thron beſtehet durch Frommigkeit / ſpricht Salomon Proverb. Cap. 20. v. 18. aber Status Ratio gehet mit boͤ - ſen Tuͤcken / Betrug vnd Falſchheit vmb. Betrug vnd Argliſt iſt keine Weißheit / vnd der Gottloſen Tuͤcke ſind keine Klugheit / (8) ſpricht Sy - rach Cap. 19. v. 19. Sie ſind zwar jhrer Meynung nach weiß / aber Vbels zuthun / vnd nicht Gutes / wie Gott bey dem Propheten Ezechiel klaget Cap. 4. v. 22. Es ermahnet aber S. Paulus ſeine Roͤmer daß ſie weiß ſeyn ſollen / auffs Gute / aber einfaͤltig auff das Boͤſe in der Epiſt an die Roͤm. Cap. 16. v. 19. Dann Gott laͤſſet es den Auffrichtigen gelingen vnd beſchirmet die Frommen / lehret Salomon Proverb. Cap. 2. v. 7. Ja Gott hat den Menſchen auffrichtig gemacht / wiewol ſie viel Künſte durch die Status Rationem ſuchen / der Prediger Salom. Cap. 7. v. fin. Der Herꝛ Chriſtus ruͤhmet gar hoch den Nathanael daß er ein rechter / oder auff - richtiger Jſraeliter ſeye / Vrſache weil in jhme kein Falſch / das iſt Betrug oder Liſt war. Joh. 1. v. 47. Streittet derowegen alle Falſchheit vnd Be - trug mit dem wahren Chriſtenthumb / vnd kan ein falſcher betruͤglicher Menſch / wie obgemeldte Leuthe von Eſtat, jhren Principiis nach ſeyn muͤſ - ſen / kein auffrichtiger Chriſt ſeyn. Die Auffrichtigkeit / iſt gleichſamb die lebendige Seele aller tugendhafften Handlungen / vnd ſind ohne derſel - ben aͤhnlich einem todten Coͤrper ſo kein Leben hat vnd nur ein ſtinckend Aaß iſt / wie Jerem. Dyke in ſeinem Buch Noſceteipſum, oder vom Selb-Betrug ſchreibet. Cap. 29.

Derowegen auch eine ſolche Status Ratio wie ſie allhier beſchrieben /vnd81Von dem weltlichen Stande. vnd von den Politicis ins gemein uſurpiret vnd gebrauchet wird / nicht von Gott / ſondern vom boͤſen Feind / dem Vatter aller Luͤgen vnd Falſch - heit herruͤhret.

APPENDIX. Dieſe vngerechte Status Ratio, hat eine boͤſe Toch - ter / welche jhrer Mutter nachartet / außgeheckt / die - ſelbe heiſt Ratio Belli, Raiſon de guerra, oder auff gemiſchet teutſch Kriegs - Eſtat (a)

(a) Qualis mater ta - lis filia. Es iſt Mauß wie Mutter. Malum o - vum mal corvus. Die Toch - ter iſt wie die Mut - ter bey dẽ Prophe - ten Ezech. Cap. 16. v. 44.
2

WIe nun per Rationem Status, wegẽ Vrſachen von Staat / die meiſte Krieg angefangen vnd continuiret werden / ohne ſon - dere reflexion, gerechter oder vngerechter Sache / auch ob man durch eygene Mittel darzu gefaſſet / denſelben zu vollfuͤhren / alſo beuth deroſelben Ratio belli die Hand / vnd ſagt / wañ es der Kriegs - Eſtat erfordert / ſeye es deme / der den Krieg angefangen vnd fuͤhret erlau - bet / fuͤr die nothleydente Soldateſca zunehmen / wo etwas zufinden / es ſeye Freund oder Feind / vnd muͤſſen darbey weder Gottes Gebotte / die da verbiethen ſeines Naͤchſten Gut zu begehren / vnd daſſelbe mit Ge - walt zu entwenden / noch die Chriſtliche Liebe / noch vorhin gegebene Pa - rola, Salvaguardien, Protectoria, Schutzbrieffe oder ander hochbethewr - te aſſecurationes vnd vincula menſchlicher Societaͤt in conſideration kommen; ſondern muß alle Gewalt vnd Vbertrettung goͤttlicher vnd natuͤrlicher Geſetze mit der Noth vnd nothleydenter Soldateſca, excuſirt, beſchoͤnet vnd auß der Noth ein Tugend gemacht werden. Dieſes ließ ſich wol hoͤren / wann der gerechte Gott auch ein ſolcher Politicus waͤre wie die Leuthe von Eſtat ſind / oder wañ die jenige die auff ſolche Weiſe Krieg führen / vom Chriſtenthumb nichts wuͤſten / auch nicht glaubeten daß Gott uͤber ſeine Geſetze vnd die Vngerechtigkeit eyfferte vnd dermahl - eins als der Richter aller Welt alles fuͤr Gerichte bringen vnnd ein ſcharpff Vrtheil faͤllen wird. Eine ſolche Noth darin ſich der ſo Krieg fuͤhret / vnd ſeine Armatur nicht nach ſeinem Vermoͤgen proportioniret, ſondern daruͤber erſtrecket / hernacher in Mangel Vnderhalts / anderer Vnſchuldigen in Friede begrieffene Herꝛſchafften / Land vnd LeutheLluͤberzie -82Das ander Buch /uͤberziehet / iſt eine ſelbſt cauſirte, vnd keine inculpirte, vor Gott oder der ehrbahren Welt verantwortliche Noth / darauß eine Tugend oder etwas ſo einer Tugend aͤhnlich ſiehet / werden kan / es haben ja die Heyden ge - ſagt Bella non minus juſtè quam fortiter gerenda, darvon beſiehe vnden de jure belli Axiom. 168. Gott wil die von ſich weiſen die die Hungerigen von dem jhrigen nicht geſpeiſet / was wird er von denen ſagen / die auch den Hungerigen vnd Armen damit man in Vngutem nichts zuſchaf - fen vnd keine Feinde ſind / jhr uͤbrig Bißlein Brod darzu nehmen laſſen / wer dem Armen ſein Brod nimbt der toͤdtet jhn / ſagt die Schrifft. Es wird hierbey von angeregten Staats Leuthen gantz nicht erwogen / daß Gott / der alſo betrangten armen elenden Leuthen heiſe vnd bittere Traͤh - nen zehle / vnd in einen Sackſamble / wie David ſaget / ohne Zweiffel / daß ſie zeugen ſollen wider die Vngerechtigkeit deren / ſo dieſelbe herauß ge - preſſet. Es gehoͤret ein groſſer Sack zu ſo vieler Elenden Thraͤnen / vnd ein ſehr raumes Gewiſſen ſo groſſen Jammer vnd ſo viel hundert tau - ſend Seufftzer zu verſchlingen vnd zu verdawen. Die Noth / bricht zwar wie man zuſagen pfleget / Eyſen / ſie hebet aber Gottes Moral-Geſetze / das Chriſtenthumb vnd die Liebe deß Naͤchſten nicht auff. Gott iſt der aͤlteſte Generaliſſimus oder Kriegsherꝛ / der hat ein ander Kriegsrecht vnd Artickelsbrieff / denen die nach ſeinem Nahmen genennet ſeyn wol - len / vorgeſchrieben / daß man in Freunde Landen Proviand vmb Geld kauffen vnd keinen Gewalt uͤben ſolle / im 5. B. Moſ. Cap. 2. v. 4. welches auch alſo von den vernuͤnfftigen Heyden obſerviret wie Hugo Groti. de jur. Bell. lib. 3. cap. 17. mit mehrerm deducirt, vnd auch in deß H. Reichs Abſchieden als Fundamental-Geſetzen alſo heylſamblich verſehen. R. Abſch. zu Regenſpurg de Anno 1576. §. Setzen / ordnen vnd wollen. Wie viel tauſend arme hunger - vnd nothleydente Menſchen findet man / de - nen doch nicht darumb erlaubet / oder verantwortlich waͤre / ſich zuſam - men zuthun vnd einem andern das Seine zunehmen. Auff deme Anno 1631. zu Regenſpurg vorgangenem Conventu hat das Churfürſtl. Col - legium der Roͤm. Keyſerl. Mayt. remonſtriren laſſen / daß keine Noth ſo groß waͤre / daß man darumb deß H. Reichs Fundamental-Geſetze / koͤnte oder moͤchte labefactiren vnd auffheben / wie viel mehr kan ſolches von Gottes Moral-Geſetzen / die er ſelber mit ſeinem goͤttlichen Finger auff die ſteinern Taffeln ja in aller Menſchen auch der Heyden Hertz ge - ſchrieben / vnd ſie derowegen auch keine Entſchuldigung ha - ben werden / an die Roͤm. Cap. 1. geſagt werden.

AXIO -83Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XXXVIII. Die Potentaten welche Rationem Status fuͤr jhren Abgott halten / koͤnnen niemand lieben / als den ſie fuͤrchten / daß er ſchaden koͤnne.

ALs der Aſiatiſche Koͤnig Demetrius, mit dem Alexandro Antio - chi deß Edlen Sohn in Krieg geriethe / nahme er ſich ſonderlicher Liebe vnd Freundſchafft bey Jonathan der Macchabeer Fuͤrſten vnd ſeinem Volck an / ohnerachtet er ſeinen Bruder Judam vmb - gebracht / vnd dem Juͤdiſchen Volck viel Leyds gethan / (1) die Vrſache(1) Pro - prium eſt humani ingenii odiſſe, quos læſe - ris. Tacit. aber war dieſe / weil er ſich beſorgte / bey dem Jonatha moͤchte das manet alta mente repoſtum, auffwachen / er moͤchte ſein Schart wider außwe - tzen / vnd die jhme zugefuͤgte Injurien, Gewalt vnd Vnrecht bey ſolcher Occaſionahnden vnd ſeinem deß Antiochi Feinde / dem Alexandro zu Hülffe kommen / gedachte es waͤre beſſer daß er dieſem zuvor kaͤme / vnd Jonathan mit Liſt vnderm Schein guter Freundſchafft an ſich zoͤge / ſchrieb derowegen einen gar freundlichen Brieff an Jonathan / nahm jhn fuͤr einen Bunds genoſſen vnd Freund auff / erlaubte jhme Kriegs - volck anzunehmen zu armiren / vnd zu halten / gab ſeinem Commendan - ten auff der Burg zu Jeruſalem Ordre, daß er dem Jonathan die Geiſ - ſel herauß geben / vnd auff freyen Fuß ſtellen ſolte / im 1. Buch der Mac - chab. Cap. 10. v. 11. & ſeqq. Haͤtte ſich dieſer Demetrius fuͤr Jonathan nicht gefuͤrchtet / daß er jhme ſchaden koͤnte / weil er ein guter Soldat vnd mit ſeinem Volck noch conſiderabel war / jhme damit nutzen / oder wann er dem Alexandro zuzoͤge / Abbruch thunkoͤnte / wuͤrde er ſo viel vnd groſſe Complementen von ſeiner Propenſion vnd geneigten Willen / oder wie die Hollaͤnder ſprechen goden Getierenheit gegen Jonathan nicht ge - macht / viel weniger ſolches mit wuͤrcklicher Bezeigung conteſtiret vnd jhme ſo viel geſtattet vnd vergonnet haben. Wil ein Regent oder Volck bey einem groſſen Potentaten geliebet vnd fuͤr Freund gehalten werden / muß er dahin ſehen vnd ſeinen Staat alſo einrichten / daß er bey demſel - ben conſiderabel bleibe / vnd auff eine oder andere Occaſion vnd Bege - benheit jhme nutzen oder ſchaden koͤnne / vnd er jhn deßwegen auß Furcht lieben vnd zum Freunde halten müſſe.

Ll ijAuß84Das ander Buch /

Auß Furcht für deß victoriſirenden Ptolomei groſſer Macht vnd Gewalt / nahm ſich Zabdiel der Koͤnig in Arabien ſonderbahrer Lieb vnd affection gegen Ptolomeum an / ſo gar daß er dieſelbe mit einer Realitaͤt vnd Wuͤrckligkeit zu beſtaͤttigen / wider das Gaſtrecht / ſeinen Gaſt den Koͤnig Alexandrum den er in der Flucht auffgenommen vnd damit Gleid vnd Sicherheit gegeben / enthaupten / vnd das Haupt dem Koͤnig Ptolomeo zuſchicken ließ im 1. Buch der Macchab. Cap. 11. v. 17.

Als Tryphon fuͤrhatte / das Koͤnigreich Aſiæ an ſich zubringen die Cron auffzuſetzen / vnd den jungen Koͤnig Antiochum zu toͤdten / aber ſich fuͤr Jonathan fuͤrchtete / daß er es wehren wuͤrde / trachtete er auch darnach / wie er Jonathan fahen vnd vmbbringen moͤchte / zog deß wegen nach Bethſan / als aber Jonathan mit viertzig tauſend Mann auch dahin kam war er bey Triphon auch formidabel, derowegen dieſer den Schalck verborgen / verwandelte ſeine Machination vnd Feindſeligkeit / in aͤuſſer - liche Liebe / empfieng jhn herꝛlich / gab Ordre jhn ehrlich zuhalten / beſchen - ckete jhn gebott ſeinem Kriegsheer daß ſie Jonathan gehorſamb ſeyn vnd gleichſamb das Wort bey jhm hohlen ſolten / wie er jhn ſelbſt uͤberre - dete / aber endlich mit Liſt vnd aͤuſſerlich angenommener Freundſchafft den Jonathan dahin brachte / daß er ſeine Armee biß auff tauſend abzie - hen ließ / vnd wie er damit in Ptolomais kam / ließ Tryphon die Thor ſper - ren / den Jonathan fangen vnd ſeine bey ſich behaltene Knechte nieder - machen im 1. B. der Macchab. Cap. 12. v. 40. & ſeqq. Haͤtte nun Jona - than ſeine viertzig tauſend Knechte laͤnger bey ſich behalten vnd waͤre conſiderabel geblieben / haͤtte jhn Tryphon auch laͤnger geliebet / ſo bald aber die Furcht ceſſirte, hatte die Liebe auch ein Ende.

Als Antiochus Demetrii Sohn / ſein Erbkoͤnigreich von dem Try - phon / der es mit Liſt vnd Tyranney eingenommen / mit den Waffen wi - der zu vindiciren im Werck begrieffen / war Simon der Macchabe er Fuͤrſt / jhme ein lieber Freund / weil er ſich befuͤrchtete daß Simon ſeines Feindes / deß Tryphons Parthey nehmen / vnd jhme zu Huͤlffe ziehen moͤchte / ſchrieb einen ſehr freundlichen Brieff an Simon vnd das Juͤ - diſche Volck / verhieß darin gleichſamb guͤldene Berge / præſentirte vnder andern Simon das Regale vnd Recht eygene Muͤntze in ſeinem Lande zuſchlagen / ſo bald er aber wider Tryphon ſiegete vnd er ſich nicht mehr fuͤr Simon fuͤrchtete / hatte dieſe Liebe auch ein Ende / vnd hielte Antio - chus nichts was er zuvor verſprochen hatte / ließ dem Simon vnd ſeinem Volck gar beſchwerliche conditiones anbiethen / vnd da er dieſelbe nicht annehmen wuͤrde / den Krieg ankuͤnden im 1. Buch der Macchab. Cap. 15. v. 2. & ſeqq. v. 27. & c.

Kurtze85Von dem weltlichen Stande.

Kurtze Recapitulation oder Widerholung / Colla - tion oder Gegeneinanderhaltung Rationis Status mit den H. zehen Gebotten Gottes.

A deme was von der Ratione Status in vorgehenden Axiomati - bus angefuͤhret iſt ohnſchwer zuerweiſen / daß von Anbegin der vernuͤnfftigen vnd verſtaͤndigen Creatur / Ratio Status der erſte / aͤlteſte vnd groͤſſeſte Abgott / vnd damit bißhero die groͤſſeſte Abgoͤt - terey getrieben / wie noch / vnd wolbiß an der Welt Ende getrieben wer - den wird: Auch daß dieſelbe diametraliter wider Gott vnd alle ſeine hei - lige Gebott erſter vnd ander Taffel ſtreitte / vnd dann enhero gar wol Diaboli Decalogus deß Teuffels zehen Gebott mag genennet werden / daneben den ſeligmachenden Glauben / die Chriſtliche Liebe / vnd vnſer Chriſtenthumb / welches durch den Glauben / in der Liebe Gottes vnd deß Naͤchſten beſtehet / gantz auffhebe. Solches nun kuͤrtzlich nach der Ord - nung der H. zehen Gebott zu examiniren mit denen in vorhergehenden Axiomatibus angefuͤhrten vnd andern Exempeln der Ordnung nach zu beſtaͤrcken: So war zwar Gottes erſte Gebott / ſo er vnſern erſten Eltern im Paradißgarten gegeben: Du ſolt von dem Baum deß Erkaͤndtnuͤß Gutes vnd Boͤſes nicht eſſen. Gen. Cap. 2. v. 17. Aber Ratio Status das iſt die Begierde / groͤſſer / kluͤger vnd Gott gleich zu werden ſo vom Teuf - fel herruͤhret / zohe ſolches in Zweiffel ob haͤtte es Gott nicht geſaget: Gott hatte die ſchwere Commination vnd Straffe darbey angehaͤnget / welches Tages ſie darvon eſſen / wuͤrden ſie deß Todts ſterben / Status Ra - tio dero der Teuffel das Wort thate widerſprach dieſer Commination bethewerlich ſagend / Gott weiß / welches Tages jhr darvon eſſet / werdet jhr ſeyn wie Gott Gen. Cap. 3. v. 1. & ſeqq. Bey publication der H. zehen Gebotte war das erſte: Du ſolt nicht andere Goͤtter haben neben mir: Ratio Status aber ſaget / wann es deines Reichs / auch Land vnd Leuthe Verſicherung / Vermehrung vnd Ergroͤſſerung erfordert / ſo biſtu dar - an nicht gebunden / ſondern kanſt deine Vnderthanen / ſo viel do beſſer in devotion vnd affection zu behalten / mit dem Jſraelitiſchen Koͤnig Je - robeam wol andere Goͤtter vnd gegoſſene Kaͤlber neben dem wahren Gott haben vnd ſagen: Siehe da ſind deine Goͤtter Jſrael im 1. Buch der Koͤnige Cap. 12. v. 26. & ſeqq. allda die Ratio Status, warumb das Jſ - raelitiſche Volck von dem wahren Gottes dienſt zu Jeruſalem ab - vnd zu dieſen gegoſſenẽ Goͤttern - vnd Kaͤlbertantz zufuͤhren / in deß JerobeamsLl iijgeheimb -86Das ander Buch /geheimbden Raths - vnd Staats Stube / berathſchlaget vnd per maiora geſchloſſen / auch mit ſolchem groſſen Eyffer effectuiret worden / daß dar - bey keiner Menſchen ja der vnſchuldigen Kinder Blut nicht geſchonet / ſondern es geheiſſen: Wer die Kaͤlber kuͤſſen wil der ſoll Menſchen opf - fern / bey dem Propheten Hoſea / Eap. 13. v. 2. vnd iſt auff den heutigen Tag nichts newes / ja bey den Leuthen von Eſtat oder Staats Herꝛn die deß Machiavelli præcepta, fuͤr jhre Bibel vnd Catechiſmum halten / ja weit præferiren, ein gewiſſer Schluß / daß bey Erlangung oder Verſiche - rung der Reiche vnd Republiquen man ſich deß Gottes dienſts vnd Re - ligion zu deren Beſten vnd Vorwand pro Ratione Status auch pour contenterle peuble dem gemeinen Volck damit einen guten Wahn zu - machen zubedienen. Durch ſolche Abgoͤtterey Rationis Status iſt das Mahometiſche Türckiſche gewaltige Reich entſtanden vnd zu ſo groſſemDz ander Gebott. (1) Novũ Regnum capeſſen - tibus & affectanti - bus, Reli - gio obten - tui haben - da, eaque pro tem - poris op - portuni - tate ſu - menda ju - xta ac po - nenda vel - uti veſtes. Famian. Strad. de Bell. Belg. Auffnehmen kommen / (1) hiervon beſiehe droben im erſten Buch das 7. Axioma. Das ander Gebott wil haben daß man den Nahmen deß Herꝛn nicht ſoll mißbrauchen / welches dann geſchiehet / wann man wider Eyd vnd Bund handelt Ezechiel. Cap. 17. v. 16. 17. 18. 19. vnd ſtehet ferner im 3. Buch Moſ. Cap. 19. v. 12. Jhr ſolt nicht falſch ſchwaͤren bey meinem Nahmen / dann ich bin der Herꝛ / was ſaget aber hiervon Ratio Status? das lauter contrarium: ſi jusjurandum violandum regnandi cauſa vio - landum eſt, wann man Eyd vnd Bund brechen ſoll / mag man vmb Be - gierde zu herꝛſchen vnd zu regieren oder ſeinen Staat groͤſſer vnd abſo - luter zumachen wol brechen ein Koͤnigreich / Fuͤrſtenthumb / Land vnd Herꝛſchafft ſeye noch wol eines Eyds werth / die Groſſen ſind durch Eyd vnd Verſpruch nicht alſo eingeſchrenckt vnd verbunden / haben keinen Superioren: dieſes ſeye eine Sach fuͤr die Privaten die man beſprechen vnd zu Haltung jhres Eyds vnd Verſpruchs durch die Obere anſtren - gen kan; Zedekia welcher von dem Koͤnig in Aſſyrien nach Eroberung der Stadt Jeruſalem vnd gefaͤnglicher Abfuͤhrung deß Koͤnigs Joja - chin an deſſen ſtatt zum Koͤnig wider eingeſetzet / vorhin aber dem Aſſy - riſchen Koͤnig das juramentum fidelitatis, oder Huldigungs Eyd abge - leget / gabe Status Ratio an die Hand / wann er| ſich ſouuerein, groß vnd abſolut machen wolte / muͤſte er angeregten trewen Huldigungs Eyd auff die Seyte ſetzen / dem Koͤnig in Aſſyrien vntrew werden / vermittelſt deß Koͤnigs in Egypten Buͤndnuß vnd Aſſiſtentz / ſeinen Statum, ſo gut er koͤnte / verſichern vnd ſich demſelben mit Gewalt widerſetzen / wie dann geſchehen vnd hiervon zuleſen im andern Buch der Koͤnig Cap. 24. v. 17. im 2. Buch der Chron. Cap. 36. v. 11. 12. & ſeq. vnd ſonderlich bey dem Propheten Ezechiel. Cap. 17. v. 12. Ob nun wol dieſe trewloſe per StatusRatio -87Von dem weltlichen Stande. Rationem ergrieffene abſolute Regierung anfangs gelangen vnd eine ziembliche Zeit gewaͤhret / ſo hat ſie doch ein elendes vnd erſchreckliches Ende genommen / welches jhme der Prophet Ezechiel vorhin auff Got - tes Befehl angekuͤndet ſagend: So war ich lebe ſpricht der Herꝛ Herꝛ / an dem Orth deß der Koͤnigs der jhn zum Koͤnig geſetzet hat / welches Eyd er verachtet vnd welches Bund er gebrochen hat / da ſoll er ſterben nemblich zu Babel v. 16. vnd in folgenden 17. vnd 18. verſ. wird widerholet mit nachfolgenden Worten dann weil er den Eyd verachtet vnd den Bund gebrochen hat / darauff er ſeine Hand gegeben / wird er nicht dar - von kommen. Darumb ſpricht der Herꝛ / ſo wahr als ich lebe / ſo wil ich meinen Eyd / den er verachtet hat / vnd meinen Bund den er gebrochen hat / auff ſeinen Kopff bringen / welches dann auch redlich erfolget / dar - von die Hiſtoria alſo meldet: ſie aber nemblich die Syrer grieffen den Koͤnig / Zedekia vnd fuͤhreten jhn hinauff zu dem Koͤnig von Babel gen Riblath / vnd ſprachen ein Vrtheil uͤber jhn vnd ſie ſchlachtetẽ die Kinder Zedekin fuͤr ſeinen Augen / bunden jhn mit Ketten vnd fuͤhreten jhn gen Babel im 2. Buch der Koͤnig Cap. 25. v. 6. 7. ô Status Ratio, perfidiæ ma - ter, eine Mutter der Vntrew / in was Noth vnd Elend haſtu dieſen trew - loſen Bundbruͤchigen Koͤnig gebracht / erſchrecklich iſt es anzuhoͤren / wie ſtarck Gott bey gemeldtem Propheten uͤber den Bunds. vnd Eydsbruch eyffert in angezogenen Worten / worbey ſonderlich wol zumercken / daß er bald deß Zedekia Eyd vnd Bund deß Koͤnigs Nebucadnezars / deme er geſchwohren / bald ſeinen Eyd vnd Bund nennet / anzudeuten / daß / wer wider ſeinen trewgeſchwohrnen Huldigungs oder einen andern(2) Non perſona ſola reſpi - citur cui juratur Deus, cu - ius ſacro - ſanctum Nomen invanum advoca - tur, qui Teſtis ve - ritatis adhibetur & quaſi cum Deo negotium actum & contractum videtur vid. Groti. de jur. Bell. lib. 2. cap. 13. §. 15. Et plenius lib. 3 c. 1. § 19. Et ſaniores Gentiles, jurisjuran-di religio - nem perinde æſt marunt, ac ſi quis Iovem fefelliſſet, indeque Deoruminiurias Diis curæ eſſe Tacit. lib. 1. annal. vid. Tract. de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 1. claſſ. 3. c. 9. n. 48. & ſeqq. Eyd / Bund vnd Vertraͤge handelt / nicht allein der Menſchen denen er geſchwohren / vnd damit er paciſcirt, pacta vnd Vertraͤge gemacht / ſon - dern Gottes Bund breche (2) vnnd ſchreibet Cuſpinianus der vortreff - liche Hiſtoricus recht: Libido dominandi ſive Ratio Status, excæcat ho - mines & præſtiti juramenti immemores reddit, in vit. Henrici IV. Impe - rat. Noch ſchrecklicher iſt die darauff erfolgete ſchwere Straff deß Zede - kia / auch ſeiner Kinder vnd Beraubung der werthen Poſteritaͤt vnd Nachkommen(3)Propter periuria etiam poſteritatem maiorum delicta luere, quod non niſi de graviſ - ſimis criminibus creditur, ex Herodot. & Pythiæ carminenotat Groti. d. lib. 2. cap. 13. nu. 1. & periurii pœna impete magni advenit, atq; omnem vaſtat ſtirpemq; domumq; welches wann es noch heutiges Tages Chriſtenleuth bedaͤchten wuͤrden ſie jhre Huldigungs Pflichte / Bund vnd Eyde / Zu -ſage88Das ander Buch /ſage vnd Verſprechung / nicht ſo liederlich vergeſſen / an Nagel haͤngen / oder gar pro vanitatibus huius ſæculi halten oder ad vana Nominum vo - cabula referiren.

Wann man allhie auß weltlichen Geſchichten alter vnd gegen - waͤrtiger Zeiten / die Exempla der Groſſen / welche Staats vnd Nutzens halber / jhre eygene oder jhrer naͤchſten Vorfahren eydliche pacta, Bund vnd Verſprechungen zuruck geſetzet vnd noch taͤglich thun / wuͤrde man gantze Buͤcher darvon erfuͤllen koͤnnen. Dem Saul vnd ſeinen Kindern bekam es gleichwol auch gar uͤbel / daß er deß Joſua / der etliche hundert Jahr vor jhme das Volck Gottes regieret / mit den Gibeonitern auff ge - richteten beſchwohrnen Bund violirt, uͤbergangen vnd ſie darwider be - krieget vnd vergewaltiget Joſ. Cap. 9. vnd 2. Samuel. Cap. 21. Nicht viel beſſer gienge es dem jungen Koͤnig Antiocho, wie in Axiom. 37. ſchon gemeldet / der wider eydliche Zuſag die er den Macchabeern gethan / die Stadt Bethzera demanteliren vnd die Mauren niederreiſſen ließ. 1. Macchab. Cap. 6. v. 62. vnd in folgendem 7. Cap.

Dritte Gebott.
3

Das dritte Gebott von Heiligung deß Feyertags kompt wol gar in keine Conſideration bey Herꝛen vnd Leuthen von Staat / vnd welcher ſolte vmb der Feyertaͤg halber ſie heiſſen Oſtern oder Pfingſten / ein vor - ſtehende Occaſion ſeinen Staat zu ergroͤſſern oder gar frembde Scepter vnd Cron zu erlangen / auß Handen geben vnd nicht am Feyertag ſo wol als an einem andern Tage / ſein Diſſein ſo gut er koͤnte oder moͤchte er haͤtte recht darzu oder nicht fortſetzen.

Vierdte Gebott.
3

Das vierdte Gebott wil die Eltern von den Kindern geehret ha - ben / aber Status Ratio gabe dem Abſolon ein ander Gebott / das ziehlete dahin / wirſtu mehr auff deines Herꝛn Vatters deß Koͤnigs Davids Ehr / Lieb vnd Reſpect, als auff deinen Stand vnd Großmachung ſe - hen / ſo wirſtu langſamb zum Koͤnigreich kommen. Status Ratio hat kei - nen Vatter oder Mutter / ich rathe du beſchuldigeſt den Vatter / daß er den Leuthen keine gnaͤdige Audientz giebet / ſie in jhren deſideriis vnd gra - vaminibus nicht hoͤre / dem Vndertruckten nicht zu ſchleuniger Juſtici verhelffe / daneben ſiehe zu / daß du die Gemuͤther deß Volcks durch Liſt vnd Geſchwindigkeit an dich zieheſt vnd ſimulirſt daß du einen guten Juſtitiarium gebeſt / ſtelle dich anfangs gar Leuthſelig vnd verſprich groſſe Ding / vnd damit du das Werck / nicht allein mit ſo groſſer Opinion gu - ter Juſtici, ſondern auch mit aͤuſſerlichen Devotion vnd Schein der Gottſeligkeit / deſto ſicherer angreiffeſt / ſo ſimulire ein Geluͤbde ſo du zu Gott gethan / vnd zu Vollbringung deſſen teuſche deinen alten Vatter David / nimb dich bey jhme einer Walfahrt an / nach Hebron / vnderſolchem89Von dem weltlichen Stande. ſolchem Schein nimb einen anſehentlichen Comitat mit vom Volck / die doch dein Diſſeing nicht advertiren vnd mercken / vnder deſſen ſende Kundſchaffter auß in alle Staͤmme Jſrael / vnd laſſe ſagen / wann jhr die Poſaunenſchall hoͤret / ſo ſprechet / vivat Rex Abſolon, Abſolon iſt Koͤnig worden zu Hebron / bringe deß Koͤnigs klugſten vnd vornembſten ge - heimbden Rath den Achitophel auff deine Seyte / der wird als ein kluger Politicus vnd Mann von Eſtat, mehr / die auffgehende / als die vnderge - hende Sonne anbetten / vnd auff deine Seyte tretten / mit dieſen Moti - ven præponderirte vnd ůberwog Status Ratio das vierdte Gebott vnd es gieng richtig an / aber es waͤhrete eine kurtze Zeit vnd lieff uͤbel auß / Gott hielte Hand uͤber ſein Gebott vnd ſeinen Geſalbten / vnd ſtuͤrtzete die Status Rationem mit jhrem gantzen Anhang 2. Samuel. Cap. 15. Seinen Bruder Adoniam brachte die liebkoſende ſuͤſſe Status Ratio wi - der das 4. Gebort zu gleichen Gedancken / ſich bey ſeines Vatters Da - vids Lebzeiten / zum Koͤnig auffzuwerffen vnd in deſſen Koͤniglichen Thron ſich zuſetzen / ſolte darzu gute præparatoria an Wagen / Trabanten vnd anderer Zugehoͤr machen / vnd dahin ſehen / daß er die 2. vornehmſte Haͤupter / im Geiſt - vnd weltlichen Stande / als nemblich den General Feldhauptman Joab vnd den Prieſter Abiathar an ſich ziehen / vnd daß er auch den Schein der Gottſeligkeit haͤtte vnd daß alles mit Gott ange - fangen waͤre (4) bey dem Volck erlangte vnd behielte / ſolte er ein anſe -(4) Man pflegt zu ſagen im Sprich - wort / in Gottes Nahmen hebt ſich alles Vn - gluͤck an / deſſen D. Luther in ſeiner Kirchen - poſtill - ber das Evang. am 8. - tag nach Trinitat. §. Deß - gleichen gedencket das iſt wer ein Vngluͤck anrichten wil vnd mit boͤſen Tuͤckẽ vnd Stuͤcken vmbgehet / der wil es in Gottes Namen / mit ſonderbahrẽ Schein der Gottſeligkeit anfahẽ wie allhie Adonia / vnd vorgemeldter Abſolon gethan. hentlich Opffer anſtellen / deß Koͤnigs Soͤhne vnd andere Groſſen von Hoffe darzu laden / auß genommen Salomon / vnd die ſeiner Parthey waren / welches dann geſchehen / aber endlich ſchlecht abgelauffen im 1. Buch der Buch der Koͤnig Cap. 1. Auß Raiſon von Staat ward Sanhe - rib der Koͤnig zu Aſſur als er in ſeines Abgotts Hauſe Nißroch anbette - te / von denen die von ſeinem eygenen Leibe kommen waren / nemblich ſeinen Soͤhnen Adramelech vnd Sarfser mit dem Schwerdt gefaͤllet im 2. Buch der Koͤnig Cap. 19. v. 37. im 2. Buch der Chron. Cap. 32. v. 21. Tob. Cap. 1. v. 24. Hie koͤnte man der Exempel mehr auß Geiſtl. vnd weltlichen Hiſtorien anziehen / wie Status Ratio, die Kinder wider jhre Eltern verhetzet zur revolte, ja gar zu der Eltern Mord vnd andern Grawſambkeiten bewogen / es wuͤrde aber zu weitlaͤufftig fallen / doch wil ich nurent 2. anfuͤhren ſo gar denckwuͤrdig. Hertzog Adolph zu Geldern welcher zu Zeiten Hertzog Carls zu Burgunde gelebet iſt auß gleichmaͤſ - ſigen Vrſachen von Staat / ſo begierig zum Regiment vnd ſehr vnge -Mmhalten90Das ander Buch /halten geweſen / daß ſein Vatter gantzer 44. Jahr bey der Regierung ge - weſen / vnd nicht einmahl abgehen wollen / dahero jhn die Ratio Status vnd Regierſucht / dahin perſuadiret, vnd verleitet / daß er ſeinen leiblichen alten Vatter / wie er Abends ſich zur Ruhe begeben wollen / gefangen nehmen vnd bey harter Winterszeit barfuß fuͤnff gantzer Meil fort - ſchlepffen vnd in eine boͤſe abſchewliche Gefaͤngnuß werffen vnd darin gantzer 6. Monat elẽdiglich enthaltẽ laſſen / biß er endlich auff deß Bapſts vnd deß Roͤmiſchen Keyſers Geheiß / durch Hertzog Carln von Bur - gund darauß errettet / ja als dieſer Hertzog ſich zum Mittler gemacht / vnd Vorſchlaͤge gethan daß der Sohn Hertzog Adolph zu Geldern / ſeinem Herꝛn Vattern die Stadt Graue an der Moſe / nebenſt drey tauſend Guͤlden Jaͤhrlicher penſion reichen ſolte / jener geantwortet erwolte ſei - nen alten Vatter in einen tieffen Brunn werffen / vnd darauff ſich ſelber hernacher hinein ſtuͤrtzen / als ſolche Vorſchlaͤge annehmen. Aber nicht lang hernach iſt dieſer Hertzog Adolph zu Namur gefangen / im Kriege erbaͤrmlich vmbkommen vnd wie er noch in der Hafft geweſen / hat der Herꝛ Vatter ein Teſtament gemacht / dieſen vngerathenen Sohn exhæ - redirt, wordurch das Hertzogthumb Geldern erſt an das Hauß Bur - gund vnd nachgehends an Oeſterreich kommen / welches auß fuͤhrlich be - ſchreibet Philipp. Cominæ. im 5. Buch ſeiner Hiſtorien. Das ander Exempel giebt vns Keyſer Heinrich der V. welcher auß Raiſon von Staat oder Begierde zu herꝛſchen / eben wenig ſeines tapfferen / ſieghaff - ten / vnd loͤblichen Herꝛn Vatters Keyſer Heinrich deß IV. welcher 62. mahl mit ſeinen Feinden im Felde ritterlich geſchlagen / Todt nicht ab - warten wollen / ſondern auff Anreitzen deß Bapſts zu Rom / demſelben nach Scepter vnd Cron getrachtet / vnderm Vorwandt der Religion / Auffruhr im Reiche angerichtet / die vornehmſten Staͤnde an ſich gezo - gen vnd den Herꝛn Vatter / da er ſonſten das Leben behalten wollen / da - hin gezwungen / daß er jhme die Reichs Cron abtretten muͤſſen / hernacher auch ferner verfolget biß er zu Luͤttich auß Leydmuth vnd Bekuͤmmer - nuß elendig geſtorben wie ſolches Cuſpinian. in vit. Henr. IV. weitlaͤuff - tig beſchreibet / vnd dieſe deteſtation anhaͤnget: ô iniqua ſoboles, quæFuͤnffte Gebott. cupiditate regnandi, eum per quem vitam accepit & regiam dignitatem, odio perſequitur & ferro. Kompt man zum 5. Gebott darin Mord vnd Todtſchlag verbotten / ſo wil Status Ratio darvon nicht allein nichts wiſ - ſen / ſondern giebet gar einen andern Rath vnd Geſetze: wer ſeinen Staat recht verſichern vnd ſich groß machen wolle / der muͤſſe alles auß dem Weg raͤumen / hinrichten vnd abſchaffen was darwider ſtrebet: er heiſſe Vatter oder Bruder / Sohn oder Neve / dann von dieſen Dingenweiß91Von dem weltlichen Stande. weiß Status Ratio nichts / dahero gab ſie dem Cain den Rath / daß er ſei - nen Bruder Abel / welcher durch ſein von Gott angenommenes Opffer / bey der zuwachſenden Welt / ein groß Anſehen gewinnen vnd jhme als dem Erſtgebohrnen vom Weibe deme der Vorzug vnd Regierung bil - lich gebuͤhrte / an ſeinem Staat hinderlich ſeyn wuͤrde / hinrichten vnd Rexunicus ſeyn ſolte / wie oben in Axiomate 37. angefuͤhret. Gleichen Rath gab ſie dem Ahimelech dem Sohn Gideon daß er 70. ſeiner Bruͤ - der auff einem Stein erwuͤrgete / wie auch dem Koͤnig Joram / der alle ſeine Bruͤder mit dem Schwerdt vmbbrachte / die doch beſſer waren als er / darzu auch etliche Oberſten in Jſrael. Jm. 2. Buch der Chron. Cap. 21. v. 4. & 13. Jmgleichen hat ſie die Koͤnigin Athaliam bethoͤret / allen Koͤniglichen Samen / jhre Neven oder Sohns Kinder vmbzubringen / wie gleichfalls oben mit mehren Exempeln beſtaͤrcket / auch deren etliche droben Axiom. 17. angezogen / vnd ſind dieſer Exempel ſo viel daß ſie nicht alle zuerzehlen / ja es iſt Mord vnd Todtſchlag der Rationis Status rechte Eygenſchafft / dos & peculium propriũ darmit ſie jhre Herꝛſchafft wider Gott vnd ſeine Gebott führet / den Potentaten vnd Staat Leuthen einbildet / wer regieren / ſein Reich groͤſſern / ſeine Grentzen erweitern vnd fortſetzen wolle / der müſſe ſich an Vergieſſung Menſchen Bluts nicht aͤrgern / oder einen Eckel daran haben: ohne Blut vnd Traͤhnen der E - lenden koͤnte man in Staatſachen nichts ſchaffen. Es waͤre von der Welt Anbegin alſo gangen / wuͤrde auch wol biß zum Ende alſo bleiben vnd heiſſen / ſanguine formatur Status, ſanguine creſcit, ſanguine ſerva - tur, ſanguine tutus erit. Ein Potentat muß auff die Erweiterung ſeiner Greutzen gedencken / wann ſchon darüber die Schwangere in Gilead (oder in der Chriſtenheit) zerriſſen wuͤrden / bey dem Prophet. Mich. Cap. 7. v. 3. Blut vnd Traͤhnen / Vndertruckung vnd Schindung der Geringen vnd Armen ſind fomenta vnd Nutrimenta Status. KomptSechfte Gebott. man nun zum ſechſten Gebott darin nicht allein Ehebruch ſondern alle Vnzucht / ſonderlich aber alle Blutſchulde / Nothzucht von Gott verbot - ten / ſo ſagt Status Ratio, man habe ſich daran in Staatsſachen ſo wenig als an andere Gebott zukehren. Man muͤſſe auff eine gewaltige Poſteri - taͤt vnd Nachkommen gedencken / wann man ſchon ſich mit Blutſchul - den beſudele / oder eines Beth beſteige. Dahin gehet das in Axiomate 37. angefuͤhrte Exempel der Toͤchter Loths / welche per Rationem Status vnd daß ſie eine gewaltige Poſteritaͤt vnd Nachkommen haͤtten / die in der Welt groſſe Herꝛn vnd Regenten wuͤrden / gleichwol weil Sodoma vnd Gomorra mit allen Einwohnern verbrandt / vnd jhrer Meynung nach kein Maͤnnlich Geſchlecht mehr in der Welt war / machten ſie jhren ey -Mm ijgenen92Das ander Buch /genen Vatter / uach deme ſie jhn vorhin liſtiger Weiſe beraͤuſchet / zum Braͤutgamb / legten ſich zu jhm vnd wurden auch von jhme beyde nach - einander geſchwaͤngert / auß welchem Samen die gewaltige Voͤlcker der Moabiter vnd Ammoniter poſteriret vnd entſproſſen ſind im 1. Buch Moſ. Cap. 19. Auß Vrſachen von Staat / vnd damit Abſolon den - ſelben ſo viel do mehr auff ſeines klugen Raths deß Achitophels Ein - ſchlag beſtaͤttigte / hingegen ſeinen Vatter David bey dem Volck ſtin - ckend / aber ſeinen Anhang kuͤhner vnd vermeſſener machete / beſtiege er ſeines Vatters Betthe / ſchaͤndete vnd nothzuͤchtigte deſſen hinderlaſſe - ne Kebsweiber auff der Altaune / oder Dach / fuͤr den Augen deß gantzen Jſraels im 2. Sam. Cap. 16. v. 21. Auß Staatsgedancken ließ Adonia werben vmb ſeines Vatters Davids Beyſchlaͤfferin die Abiſag von Sunem welches doch der honeſtaͤt / Zucht vnd Ehrbarkeit deß Sohns gegen ſeinem Vatter / zuwider war / damit er dardurch ein groß Anſe - hen bey dem Volck erlangte / vnd daſſelbe wider ſeinen Bruder Salo - mon / den geſalbeten vnd gecroͤneten Koͤnig / jhme anhieng / vnd er ſich in einen andern nemblich Koͤniglichen Staat ſetzete im 1. Buch der Koͤ - nig Cap. 2. Wegen Vrſachen von Staat / vnd daß man bey den groſſen Koͤnigen / Fuͤrſten vnd Herꝛn / im Heurathen mehr auff den Staat / vnd wie man dardurch vnd ſolche Befreundung an Landen Leuthen / Macht / Buͤndnuſſen vnd Gewalt groͤſſer vnd conſiderabler werde / oder ſonſten einen andern vorgeſetzten Zweck / ſo wolin Eccleſraſticis als politicis er - reiche / als auff die Perſon / eheliche Liebe vnd affection ſehe / ſoll es auch wider Gottes außtruͤcklichen Gebott vnd Moral-Geſetze welche doch ohnwandelbahr / vnd von keinen Menſchen ohnverletzten Gewiſſens uͤberſchritten werden koͤnnen oder ſollen / geſchehen / das iſt auß vielen al - ten vnd newen Exempeln offenbahr vnd wird noch auff den heutigen Tag alſo practicirt, daß mancher Groſſer propter Status Rationem ſeine naͤchſte Blutsfreundine zu Hauß vnd zu Beth fuͤhret / vnd darbey ſeine reflexion, mehr auff ſeinen Statum, als Gottes Moral Geſetze wendet. Vor deß Tiberij Zeiten war es zu Rom vnerhoͤrt / daß einer ſeines Bru - dern Tochter trawete: Dieſer aber fuͤhrete ſeines Brudern Tochter die Agrippinam, novo exemplo zu Betthe / Cornel. Tacit. lib. 12. Annal. Dergleichen friſche in vorigen vnd jetzigem Seculo auch bey vnſern Zei - ten auß Vrſachen von Staat / in verbottener Blutſipſchafft beſchehene Vermaͤhlungen / ſind viel / aber man ſchonet billich damit groſſer Herꝛn / die Exempel ſind odioͤs aber doch an ſich ſelbſten offenbahr. Auß Vrſa - chen von Staat / ſein Koͤnigreich vnd Grentzen zuerweitern vermaͤhlete der Koͤnig Ptolomeus ſeine Tochter Cleopatram / an Koͤnig Alexan -drum /93Von dem weltlichen Stande. drum / nicht dero Andacht vnd Meynung / Freundſchafft / vnd eine auff - richtige Ehe zu ſtifften / ſondern vnder ſolchem Schein / ſeines Tochter - mans Koͤnigreich an ſich zubringen. Welches jhme auch / wiewol auff eine kurtze Zeit gelungen / im 1. Buch der Macchab Cap. 11. Auß eben ſel - bigen Vrſachen von Staat werden vnder den Groſſen vnd Gewaltigen an einander verheuratet / die nicht einerley Religion ſind welches doch Gott im Alten Teſtament verbotten gehabt / wordurch offt ein ruhig Koͤ - nigreich vnd Fürſtenthumb in Krieg vnd Vnruhe geſetzet / vnd doch wol nicht weniger als der vorgeſetzte verhoffte Scopus erreichet wird. Manche ſchoͤne geſunde vnd friſche Princeſſin muß Staatshalber ein bloͤden / gebraͤchlichen / alten oder ſonſten vngeſtalten vnd vngeſchickten Herꝛn zu deſſen Perſon ſie gantz keine Liebe oder affection traͤgt / ja deme ſie von Hertzen feind iſt / nehmen / auch im Gegenſatz freyet mancher Koͤnig / Printz Groſſer eine gebraͤchliche / vngeſtalte uͤbelgewachſene alte oder kindiſche Dame vmb Land vnd Leuthe zu erlangen / hat dieſelbe pro for - ma fuͤr ſein Ehegemahl / gehet aber vnder deſſen ſeinem Belieben nach extra, lebet in Ehebruch vnd Hurerey / entſchuldiget ſich damit er habe Staatshalber eine nehmen muͤſſen / die er nicht liebte / koͤnte ſich immit - telſt an den Himmel nicht halten / der waͤre zu hoch / muͤſte doch ſeine Luſt in andere Wege mit Menſchen Kindern buͤſſen / darvon lib. 3. Axiom. 5. mehrer Bericht geſchehen. Hertzog Carl von Burgund machete den vor - nembſten Potentaten in Europa Hoffnung zu ſeiner einigen Tochter Maria / die ſo viel als ein gantz Koͤnigreich zum Brautſchatz zu gewarten / wolte ſie aber keinem geben / ſondern per Rationem Status, bald dieſen / bald jenen damit ludificiren, auß welchen vnd andern Exempeln ohn - ſchwer abzunehmen / daß bey ſolchen Staats Ehen / das 6. Gebott offt in Gefahr gerathe / vnd uͤbertretten werde.

Jn dem ſiebenden Gebott / hat Gott eines jeden Eygenthumb be -Siebende Gebott. veſtiget vnd ernſtlich gebotten / daß keiner dem andern das Seinige abhaͤndig machen / mit Gewalt / Liſt oder Betrug / heimblich oder offent - lzch an ſich reiſſen vnd entwenden ſolle: Aber Status Ratio die vnerſaͤtt - liche Begierde zu herꝛſchen / hat ein ander Gebott / das heiſt / omnia ſunt virorum fortium, wie Tacit. ſaget: Den Groſſen vnd Gewaltigen iſt al - les erlaubet / was ſie nurent mit jhrer groſſen Macht vnd Gewalt an ſich reiſſen vnd bringen koͤnnen / daß es auch jetzt wol heiſſen mag wie Fulgen - tius ſchreibet vacat hoc tempore (per Status Rationem) Potentioribus opprimere, Primoribus rapere, privatis perdere, miſeris vix flere. Auff ſolche Weiß wurden deß verbanneten Cains Nachkommen / fuͤr der Suͤndfluth groſſe Tyrannen im 1. B. Moſ. Cap. 6. vnd nach der Suͤnd - fluth deß verfluchten Chams Poſteritaͤt / der Nimrodt vnd ſeine Wurtzel /M iijder94Das ander Buch /der beherꝛſchte vnd brachte die Leuthe vnder ſein Joch / wie die Jaͤger das Wild / dahero er auch ein gewaltiger Herꝛ vnd Jaͤger fuͤr dem Herꝛn / ge - nandt worden 1. B. Moſ. Cap. 10. v. 8. 9.

Es trachtet aber Ratio Status nicht auff einerley / ſondern man - cherley Weiſe / nach fremb dem Gut / haͤltes pro Regia Laude, vnd eine groſſe Gluͤckſeligkeit dieſer Welt wann ſie viel frembde Land vnd Herꝛ - ſchafften an ſich ziehen / vnd vnder jhren Dominat bringen kan. Dahero ferner Tacitus ſchreibet: ſua retinere privatæ domus, de alienis decerta - re Regiam laudem eſſe: das iſt / an dem Seinigen ſich genuͤgen zulaſſen / ſtehe gemeinen Privat Leuthen zu / frembde Guͤter an ſich zureiſſen vnd darumb Krieg zufuͤhren ſeye ein Koͤnigliches Lob vnd Preyß. Zuweilen nimbt ſie ſich an / ſie wil den Betrangten vnd Schwaͤchern aſſiſtiren vnd zu Huͤlffe kommen / bey ſeiner wol hergebracheen Frey - vnd Hoheit main - teniren vnd ſchuͤtzen helffen / alles zu dem Ende daß ſie vnder ſolchem Schein die Gelegenheit erlange / auch deſſen Land vnd Leuth dem man zu Hülffe kompt / an ſich zubringen / geſtalt dann auß der Bibliſchen Hiſto - ria bekandt / daß das Juͤdiſche Volck / dardurch daß ſie die Aſſyrier / Me - der vnd Egyptier in jhren Kriegen zuweilen zu Huͤlffe geruffen / vnd in das gelobte Land gelocket / jhnen den Weg darin gewieſen / ſolches zu be - kriegen / vnd es endlich gar zu occupiren, wie vnden Axiom. 137. allda es weiter exemplificirt vnd auß gefuͤhret. Zu weilen gehet man gerad zu vnd ſpricht dieſe vnd jene Land muͤſſe man zu ſeines Staats Ergroͤſſerung damit ſie jhre Grentze weiter machen bey dem Propheten Amos. Cap. 1. v. 13. Micha Cap. 2. v. 8. auch zu deſſen Verſicherung haben. Als der Koͤ - nig Nebucadnezar viel victorien erſtritte / ward erſtoltz / hielte Rath / re - ſolvirte darin alle Land vnd veſte Staͤdte / vnder ſein Reich zubringen / vnd ſich vnderthaͤnig zumachen / alles per Rationem Status, ohne Anzie - hung einiges prætexts, Fuge oder Vrſache / Judith Cap. 2. v. 3. 6. was a - ber Gottes Wort darvon haͤlt / vnd das Wehe uͤber ſolche Staats Leuthe vnd deren Todtſchlaͤge ſchreyet / iſt zuͤleſen bey dem Propheten Habacuc Cap. 2. v. 6. Eſa. Cap. 33. v. 1. vnd iſt darvon Axiom. 14. weitlaͤufftiger ge - handelt. Sie gedencken zwar in jhrem Hertzen wie der Prophet Eſaias von den groſſen Babyloniſchen Staats Koͤnigen redet / Cap. 14. v. 13. & ſeqq. ſie wollen in den Himmel ſteigen / vnd jhren Stuhl uͤber die Sterne Gottes erhoͤhen: ſie wollen über die hohen Wolcken fahren / ꝛc. Ja ſpricht der Prophet daſelbſten / zur Hoͤllen faͤhreſtu / zur Seyten der Gruben da es heiſſen wird / iſt das der Mann / der die Welt vnd die Koͤnigreiche be - bend machete. Zuweilen faͤnget Ratio Status auch einen Reputation - Krieg an / Ehr damit einzulegen / wann man andern das Jhrige entwaͤl -tiget95Von dem weltlichen Stande. tiget 1. Macchab. Cap 3. v. 14. & ſeqq. Et Cap. 5. v. 26. darvon auch mit mehrerm vnden Axiom. 144. gemeldet iſt / derowegen offenbahr / weil Ratio Status ihr Abſehen vnd Begierde auff frembdes Gut / Herꝛſchaff - ten / Land vnd Leuthe gewendet / daß ſie das ſiebende ſo wenig als andere Gebott in einige Conſideration, bey ſich kommen laͤſſet / ſondern auß dem Grunde auffhebet vnd uͤbernhauffen wirfft / vnd kan dieſe Status Ratio ſo wenig mit dem ſiebenden Gebott ſich compatiren vnd ſtallen / als das Liecht mit Finſternuß / Chriſtus mit Belial.

Eine gleichmaͤſſige Beſchaffenheit hat es mit dem achten Ge -Achte Gebott. bott / welches Status Ratio auch caſſiret vnd auffhebet: dann wann ſie ei - nen dahin bringet / nach frembdem Gut vnd Reich zutrachten / ſo ver - leumbdet ſie denſelben Regenten / verheiſſet guͤldene Berge / vnpartey - iſche Juſtitiam, auch Freyheit in der Religion / wickelt daneben die Vn - derthanen auff wider jhre Koͤnige vnd Geſalbte deß Herꝛn. Alſo beſchul - digte Abſolon ſeines Herꝛn Vatters Regierung der Vngerechtigkeit / vnd daß er niemand hoͤren / noch vor ſich kommen laſſen wolte / machte aber von ſeiner Perſon vnd Leuthſeligkeit / groſſe Hoffnung / alles wider das achte Gebott / 2. Samuel. Cap. 15. Deßgleichen thaͤt Sanherib wie er mit dem groſſen Kriegsheer vor Jeruſalem ruckete / ſchmaͤhete er auch bey dem Volck auff den Koͤnig Hisklam vnd ſein gefuͤhrte Regierung / beſchuldigte jhn daß er ſie in jhrem freyen Goͤtzendienſt gehindert / jhre Hoͤhen vnd Altaͤr weggethan vnd ſonſten beſchweret / welches alles bey ſeiner Regierung redreſſiret vnd geaͤndert werden ſolte 2. Chron. 32. dar - von Axiom. 16. fernere Meldung geſchehẽ. Welcher geſtalt Keyſer Hein - rich der V. ſeinen Herꝛn Vattern Keyſer Heinrich den IV. jrriger Reli - gion / vnd anderer Dinge faͤlſchlich beſchuldiget vnd dardurch die Roͤm. Cron an ſich expracticirt iſt allbereit droben gedacht / bey dem 4. Gebott.

Das neunde vnd zehende Gebott darinn die Begierde frembderNeunde vnd zehen - de Gebott. Haab vnd Guͤter / vnd alſo auch Land vnd Leuthe / Scepter vnd Cron verbotten / ſiehet Status Ratio gar nicht an. Weil jhr Thun vnd Eygen - ſchafft iſt / nicht allein frembde Guͤter / Land / Leuthe / Scepter vnd Cron zu begehren / ſondern gar an ſich zureiſſen vnd alles vnder jhre Gewalt zubringen. Wo nun das invadiren, Nehmen vnd Zugreiffen / die groͤſſe - ſte Ehre / Lob vnd Preyß / ja wie oben auß dem Tacito angezogen / Regia Laus, ein Koͤniglicher Preyß vnd Ruhm der Groſſen vnd Gewaltigen iſt da kan das bloſſe Begehren nicht vnrecht oder vnziemblich ſeyn / wie in den vorgehenden Axiomatibus vnd dieſer kurtzen Recapitulation mit mehrerm angezogen / auch alle Hiſtorien vnd taͤgliche Erfahrung es be - zeugen / iſt alſo wolrichtig / daß Ratio Status den gantzen Decalogum vndzehen96Das ander Buch /Atheiſ - mus (a) funda - mentum Rationis Status. (a) Athe - iſten ſind Leuthe / die in jhrem Hertzen ſagen vnd glauben es ſeye kein Gott nach dem 14. Pſal. die nicht glauben die Vn - ſterblig - keit der Seelen / keine Auff - erſtehung der Tod - ten / kein Juͤngſtes Gericht / keine En - gel / ꝛc. wie ſie der Keyſer Luſtinia - nus in Novell. Conſti - tut. c. 2. beſcheei - bet / da er auch die Straffe uͤber die Atheiſten ſetzet / daß man ſie allenthalben deß Landes verweiſen vnd gar am Leben ſtraffen ſoll. Aber wann man jetzo ſolche Leuthe verbannen vnd zum Todt verortheilen ſolte / wormit wolte man der Gewaltigen vnd Groſſen jhren Staats-Kriegsrath vnd Parlamenta / die das vnderſte ohen vnd das oberſte vnden kehrẽ / wollen beſetzẽ? man laſſe derowegen dz Vn - kraut wachſen biß zur Zeit der Ernde nach der Lehre Chriſti Cain war der erſte Atheiſt vnd der Mann Eſtat, nach jhme ſind viel geweſen vnd noch / werdẽ auch bleiben biß an der welt Ende.zehen Gebotte Gottes / vnſer Chriſtenthumb / welches vornemblich be - ſtehet in der Liebe Gottes vnd deß Naͤchſten / gantz auffhebe vnd uͤbern hauffen werffe / vnd endlich den Atheiſmum ohnfehlbar nach ſich ziehe / Gott / ſein Wort vnd Gebotte / Geſetz vnd Ordnung / haͤlt ſie in jhren Tuͤcken fuͤr nichts wie David in ſeinem 10. Pſalm allda dieſe Ratio Sta - tus ferner abgemahlet wird ſagt: Ja / für lauter Fantaſey / auch die Mey = nung nach ſich fuͤhret / daß alles ohngefehr / durch kluger / argliſtiger vnd tyranniſcher Leuth Verſtand / Liſt / Betrug vnd Gewalt geſchehe / dann wann dieſe glaubten / daß ein Gott im Himmel / daß derſelbe gerecht / daß ſein Wort warhafftig / vnd was er darin zuſaget vnd antrohet / gewiß hiel - te / wie David bezeuget / auch daß nach dieſem Leben ein ewiges Leben zuhoffen / daß ein allgemeines Gericht vorher gehalten / vnd eines jeden Wercke darfuͤr offenbahr / auch ein jeder empfahen wuͤrde / nach ſeinen Wercken / wie er gehandelt / bey Leibes Leben / es ſeye gut oder boͤß / daß deß Gottloſen Anſchlaͤge fuͤr Gericht / vnd ſeine Rede fuͤr den Herꝛn kom - men muͤſſen / daß ſeine Vntugend geſtraffet werde / nach der Weißheit Salomonis / Cap. 1. v. 9. daß ein hoͤlliſch Fewer / vnd ewige Pein / allen Gottloſen / Trewloſen / Eyd - vnd Bundbruͤchigen / Blutgierigen / Fal - ſchen vnd Tyrannen beſtimmet / vnmuͤglich waͤre es / daß ſie Gottes vnd ſeiner heiligen Gebotte / der Liebe deß Naͤchſten / aller Leuthſeligkeit vnd Gerechtigkeit / auch die Jura Naturæ vnd ſanguinis ſo gar vergeſſen vnd allein Rationem Status, die Begierde zu herꝛſchen / Gewalt vnd Vnrecht zu uͤben fuͤr jhren Gott vnd hoͤchſtes Gut / in dieſer Welt annehmen vnd halten / koͤnten oder wuͤrden. Alſo wolte der Tyranniſche Staatskoͤnig Pharao / von Gott nichts wiſſen oder hoͤren / wie Moſes zu jhme geſchi - cket ward / ſprach er vermeſſentlich: Wer iſt der Herꝛ / deſſen Stimme ich hoͤren muß / ꝛc. Jch weiß nichts von dem Herꝛn. 2. B. Moſ. Cap. 5. v. 2. Ja ſie ſind von denen Weiſen die da ſprechen in jhrem Hertzen / (dann offent - lich wollen ſie es gleichwol nicht ſagen / oder Nahmen haben /) Es iſt kein Gott. Pſalm. 14. Jhr Mund iſt voll Fluchens / Falſches vnd Trugs ſie lawren in den Hoͤffen / halten auff die Armen vnd erwuͤrgen die Vn - ſchuldigen. Pſalm. 10. Die Leuthe von Staat bedienen ſich zwar obange - regter Exempel in Fortſetzung jhrer Begierde / aber ſie erwegen / vnd ſe - hen darbey nicht auff den tragiſchen elenden vnd erſchrecklichen Auß -gang97Von dem weltlichen Stande. gang ſolche Tyrannen / vnd daß jhnen eben ſo ergehen koͤnne vnd muͤſſe. Die Schrifft ſaget was Gott haſſet das ſoltu nicht thun / Syrach. Cap. 15. v. 15. Gott haſſet Vngerechtigkeit / Tyranney / ꝛc. Aber Status Ratio ſaget: Taceat Deus in Politicis. GOtt vnd ſein Wort / gehoͤren auff die Cantzel vnd fuͤr den Altar / aber nicht in die geheimbde Raths - oder Staats-Stube / viel weniger in Kriegsrath / da man auff die gute Pro - greß / gegenwaͤrtiges Gluͤck / vnd Sieg / welches doch auch von GOtt kompt / zuſehen / da muß man pro re nata reſolviren, rathen vnd ſchlieſſen was dem Staat erſprießlich / wie derſelbe ergroͤſſert / die Waffen / es ge - ſchehe durch was Mittel es koͤnne / ſive jure, ſive iniuria, auch durch Blut vnd Traͤhnen der armen Leuthe / fortgeſetzet werden / dann darumb hat Gott den Gewaltigen die Macht vnd Gewalt gegeben / daß ſie ſich deſſen tapffer gebrauchen / alles an ſich reiſſen / vnd gewaltige Jaͤger fuͤr GOtt ſeyn ſollen / wie die Schrifft ſelber dem Nimrod deſſen Zeugnuß giebet 1. B. Moſ. Cap. 10. v. 9. Es iſt ein altes Geſetz: Salus & incrementum Reipub. ſuprema Lexeſto: die Natur hat gleichſamb einem jeden einge - pflantzet ſeines Reichs vnd Vatterlands Beſtes vnd Vermehrung zu - wiſſen. Die Roͤmiſchen erſten Keyſer haben den herꝛlichen Nahmen er - langet / daß ſie Auguſti, ab augendo, Mehrer oder Vermehrer deß Reichs dahero genandt / daß ſie durch ſiegreiche Waffen / die Grentzen erweitert vnd benachbarte Koͤnigreiche vnd Lande erſtritten vnd beherꝛſchet: Ja(5) Imò Antiſthe - nes dixit: Carnifices Tyrannis eſſe ſan - ctiores, quod illi nocentes, hi innocẽ - tes interfi - cerent, & tantò de - teſtabilio - res illis, quantò peius eſt ſine cauſa occidere. Groti de jur. Bell. lib. 2. cap. 25. §. 9. Gott gebrauche auch die Waffen die da ſind flagella Dei, vnd die Ge - waltigen als ſeine Executores carnifices vnd Nachrichter / deß Volckes Suͤnde heim zuſuchen / (5) dieſes ſind Rationes facti vnd nicht juris: Ra - tiones Diaboli vnd nicht Dei: Jch beſchlieſſe aber daß Gott alle Vnge - rechtigkeit vnd Tyranney haſſe vnd daß kein Gott ſeye / als der Gott deß Gerechten im 5. Buch Moſ. Cap. 33. v. 26. vnd daß obangefuͤhrte Status Ratio nichts anders ſeye / als Diaboli Decalogus, deß Teuffels zehen Gebott / wer dieſe in ſeinen Politiſchen Staats Catechiſmum bringen wil / der kan es thun / ſuo periculo, deme er dann hie zeitlich gedienet / der wird jhme auch den ewigen Lohn per eandem Status ſui Diabolici Ra - tionem geben / in ſeinem Reich obenanſetzen / vnd warmb genug halten. Worauß auch gewiß daß ein ſolcher Staatiſt oder Mann von Staat ſo lang er ein Staatiſt iſt vnd bleibet / kein Theil am Reiche Gottes habẽ vnd erlangen kan / vnd wann er noch Gnade bey Gott endlich finden vnd erhalten ſoll / ſo muß jhn Gott durch Vngluͤck vnd Widerwaͤrtigkeit erſt von ſeinem Staat gantz herunder ſtoſſen / in die Creutz. Schuhle fuͤh - ren vnd ſtarck auff jhne zuſchlagen daß er die Teuffeliſche Staatsgedan - cken fahren laſſe / deſſen Exempla dannoch gar friſche vorhanden / daß einNnſolcher98Das ander Buch /ſolcher Staats Mann wie er obenbeſchrieben / viel Jahr den Staat fuͤr ſeinen Gott gehalten mit Gottes Wort Geſpoͤtt getrieben / ehe nicht zur Erkandtnuß kommen / biß Gott das Depoſuit mit jhme geſpiehlet vnd ſcharpff gezuͤchtiget / vnd alſo / wie er ſelber auff ſeinem Todtbeth erkandt vnd bekandt / dardurch zur Buß vnd Bekehrung kommen / vnd einen ſeligen Abſchied genommen.

AXIOMA XXXIX. (a) Das Geſetz - buch Got - tes wird hie verſtaͤ - den von der gantzẽ H. ſchrifft / geſtalt es dieſelbe auch alſo nẽnet Sy - rach nen - net es das Buch deß Bundes mit dem hoͤchſten Gott ge - macht / welches Moſes dẽ Hauſe Ja - cob zum Schatzbe fohſehat. Darauß die Weiß - heit gefloſ - ſen iſt wie das Waſ - ſer Phiſon Cap. 24. p. 32. & ſeqq. ubivid. Das Geſetzbuch (a) Gottes vnd deſſen Obſervantz / iſt die beſte Ratio Status oder Verſicherung deß Staats. (1)Unita ſalus eſt imperantis, ex Dei lege gerere Rempublicam, juſtitiam æquitatemque tueri, hæc norma, hic ſcopus, hæc vita eſt Regis, hac diſciplina imbuenda eſt adoleſcentia, hac viâeundũ, omnibus tempublicam capeſſentibus Adam. Contzen in Epiſt. Dedic. ad Elect. Bavar. de Method. Docttin. Civil, ſive Hiſt. Reg. Abiſſin.

GOtt hat durch Moſen das Geſetzbuch allen Koͤnigen vnd Re - genten zu einer Norma vnd Richtſch nur jhres Regiments als die einige wahre vnd beſtaͤndige Verſicherung jhres Staats anbefohlen. Deut. Cap. 17. v. 19. allda ſtehet. Wann der Koͤ - nig ſitzet auff dem Stuhl ſeines Koͤnigreiches / ſo ſoll das Geſetzbuch bey jhm ſeyn / vnd ſoll darin leſen ſein Lebenlang / auff daß er lerne fuͤrchten den Herꝛn ſeinen Gott.

Auff dieſe wahre vnd ſichere Rationem Status inſtituirte Moſes ſeinen Succeſſorem am Regiment / den weiſen vnd ſtreitbahren Regen - ten Joſuam / vnd bandt es jhme Gott ſelber ſtarck ein / wie ers ſelber refe - riret vnd bezeuget in ſeinem Buch Joſ. Cap. 1. da Gott jhn alſo anre - det / ſey getroſt / vnverzagt / vnd ſehr frewdig / daß du halteſt vnd thuſt aller - dings nach dem Geſetze / das dir Moſe mein Knecht gebotten hat / vnd weiche nicht darvon auff daß du weißlich handeln moͤgeſt in allem das du thun ſolt / vnd laſſe das Buch dieſes Geſetzes nicht von deinem Munde kommen / ꝛc. Alsdann wird dirs gelingen in allem das du thuſt / vnd wirſt weißlich handlen koͤnnen / durch Obſervantz dieſer inſtruction hat Joſua gluͤcklich vnd weißlich regieret / iſt ein ſie ghaffter Vberwinder aller ſeiner Feinde worden vnd ſeinen Staat recht geſichert.

Worauß99Von dem weltlichen Stande.

Worauß dann gnug zuſehen / daß in dem Geſetzbuch die rechte Sta - tus Ratio, nemblich ſeinen Staat recht zu beobachten vnd zu verſichern / zu ſuchen vnd zufinden.

Als Joſua den Lauff ſeiner Tage vollendet / vnd den Weg alles Fleiſches gehen ſolte / vorhin aber noch ſeinen letzten Landtag gehalten / recapitulirte er in ſeiner letzten Propoſition kuͤrtzlich alle Gutthaten / die Gott der Herꝛ von Anbegin den Patriarchen Abraham / Jſaac / Jacob vnd jhnen als jhren Nachkommen erwieſen / machte einen Bund mit dem Volck / dardurch er ſie an das Geſetzbuch verbandt / vnd jhnen daſſel - be / als die einige Grundveſte jhres Staats vnd deſſen Verſicherung zum hoͤchſten recommendirte, mit Vermelden / ſo lang ſie dabey blieben / wuͤrde es vmb jhren Staat wol ſtehen vnd ſie gluͤcklich ſeyn / ſo bald ſie aber davon abweichen würden / wuͤrde es mit jhrem Regiment geſchehen ſeyn / vnd ſie andern zu theil werden. Joſ. Cap. ult.

Darauff inſtruirte vnd verwiß der Koͤnig David ſeinen Sohn vnd kuͤnfftigen Nachfolger am Regiment den Salomon / vnd zeigete jhm / daß darin allein vera Ratio ſeines Staats beſtuͤnde / vnd ſprach: Der Herꝛ wird dir geben Klugheit vnd Verſtand: Dann aber wirſtu gluͤckſelig ſeyn / wann du dich haͤlteſt / daß du thuſt nach den Gebotten vnd Rechten die der Herꝛ Moſe gebotten hat an Jſrael. Darauff ſpricht er weiter / ſey getroſt vnd fuͤrchte dich nicht. 1. Chron. Cap. 13. v. 12. & 13. Das Geſetzbuch erlaͤngert die Tage der Koͤnige / auff jhrem Koͤnigreich im 5. Buch Moſ. Cap. 17. v. ult. Es bringet den Regenten langes Leben / gute Jahr / Frieden / Gunſt vnd Klugheit / die Gott vnd Menſchen gefallen / lehret Salomon Proverb. Cap. 3. v. 3. & ſeqq. Als GOtt der Herꝛ dem Moſi ſchon angedeutet / daß er ſich ſamblen ſolte zu ſeinen Vaͤttern / vnd er vorhin viel herꝛliche Valet Predigten thate / ſprach er vnder andern zu den Fuͤrſten vnd allem Volck Jſrael: Dann wird ewre Weißheit vnd Verſtand (oder ewer Status groß vnd ſicher) ſeyn bey allen Voͤlckern / wann jhr haltet die Gebott vnd Rechte / wie mir der Herꝛ mein Gott ge - botten hat im 5. Buch Moſ. Cap. 4. v. 5. 6. Der Koͤnig David redet Gott den Herꝛn mit dieſen Worten an: Du macheſt mich mit deinem Gebote weiſer dann meine Feinde ſind Pſalm. 119. v. 98. & 104. vnd iſt angezo - gener 119. langer Pſalm faſt gantz dahin gerichtet / daß das Geſetzbuch Gottes die rechte Regierkunſt vnd Weißheit lehre.

Als der gottſelige Koͤnig Joſia in ſeinen jugendlichen Jahren zum Regiment kame / war es mit dem Geſetzbuch / welches ſein gottloſer Vatter vnd andere ſeine Vorfahren an der Cron / wenig geachtet vnd vnder die Banck geſtecket / ſchlecht beſtellet / als aber der Prieſter HilkiaNn ijes in100Das ander Buch /es in dem Tempel wider gefunden / vnd deß Koͤnigs Secretario Saphan zugeſtellet / der es dann dem Koͤnig vorgetragen / vnd auff deſſen Befehl gantz vorgeleſen / iſt der fromme Koͤnig / wie er die grewlichen Fluͤche ge - hoͤret / die Gott der Herꝛ Regenten vnd Vnderthanen / Herꝛn vnd Knech - ten angetrohet / wann ſie von ſeinem Geſetz wuͤrden abweichen / ſehr be - ſtürtzet daruͤber worden / vnd in ſich geſchlagen / ſeine Kleyder zerriſſen ſich ſo bald die Rechnung gemacht / es wuͤrden auff die vorgangene Ver - achtungendeß Geſetzbuchs / die darin enthaltene Fluͤche vnd Plagen / vnd der Grimm Gottes nahe fuͤr der Thuͤr ſeyn derowegen das Miniſterium conſuliret, vnd durch daſſelbe die Prophetin Hulda vmb Rath fragen laſſen / wie dem Vngluͤck vorzukommen / vnd Gott in die Ruthe zufallen: Darauff er dann die troͤſtliche Antwort bekommen / weil er das Geſetz - buch wider zur Hand gebracht / vnd ſein Regiment demſelben conformi - ren wolte / er eine friedliche gluͤckliche Regierung haben / mit Frieden in ſein Grab zu ſeinen Vaͤttern verſamblet werden / vnd ſeine Augen das vorhandene Vngluͤck nicht ſehen ſolten / hat alſo der Koͤnig Joſias durch Obſervantz deß Geſetzbuchs ſeinen Statum am beſten verſichert. Jm 2. Buch der Koͤnig Cap 22. Cap. 23.

Alle Regimenter / deren Verſicher - vnd Enderunge ſtehen in Got -(2) Rectè Æneas Sylvi, in Hiſt. Boh. c. 69. De mutatio - ne Regno - rum, in - quit, de orbis im - perio, mi - nimum eſt, quod homines poſſunt. Magna hæc, Ma - gnus di - ſponit De us. Et Phi lip. Comi - . lib. 7. Comm. in fin. Deus eſt, ait, à quo ſalus Regnorum omnium, & incrementum & occaſus & initia dependent. tes Hand vnd allweiſer diſpoſition, der die Koͤnige ein vnd abſetzet / jhrẽ Thron beveſtiget vnd ſtuͤrtzet / ja zu weilen die Stuͤhle der Koͤnigreich gar vmbkehret / (wann er nemblich den gantzen Statum vnd Regierung eines Koͤnigreichs endert) vnd die maͤchtige Koͤnige vertilget Hagat Cap. 2. v. 23. vnd iſt vmbſonſt / daß ſich einer einbildet / ohne Gottes ſonderbahre Re - gierung / Hut vnd Beyſtand durch ſeine Gewalt vnd Argliſtigkeit in den Thron zuſetzen / oder ſich deſſen beſtaͤndig zu verſichern (2) Der Fuͤrſt zu Tyro hat ſich ſelbſt eine groſſe Weißheit vorgebildet / ſo gar daß er ſich kluͤger gehalten dañ Daniel / dardurch ſeine groſſe Macht vnd Gluͤck - ſeligkeit erlanget vnd befeſtiget / aber ſeine Klugheit Status Rationis hat jhn betrogen vnnd iſt elendiglich geſtuͤrtzet wie jhme GOtt ſelber weiſſen vnd ankünden laſſen durch den Propheten Ezech. Cap. 25. v. 4. & ſeqq. Vergeblich vnderſtũd es ſich Pharao / mit ſeinem ſapienter opprimamus illos, ſeine Hoheit zu ſtabiliren. Exod. 2. v. 10. Saulkonte es mit ſeiner Liſt / Gewalt vnd Wuͤterey dahin nicht bringen / daß er Gottes Ordnung mit David hinderte / vnd das Koͤnigreich bey ſeinem Hauſe behielte. 1. Sam. Cap. 20. v. 31. & Cap. 24. & 26.

Salomonis Weißheit war groß / aber darzu nicht baſtand vnd ge - nugſamb / daß er die durch den Propheten Ahiam dem Jerobeam wegenSalomo -101Von dem weltlichen Stande. Salomonis Suͤnne angekuͤndete Verordnung auff die zehen Staͤm - me Jſrael verhuͤten konte / wiewol er dem Jerobeam nach dem Leben ſtunde. 1. Reg. Cap. 11. v. 28 & ſeqq. Bey dem Propheten Nahum / wie oben Axiom. 36. gedacht / nennet Gott der Herꝛ ſolche Anſchlaͤge die wi - der jhn vnd ſein Geſetzbuch erdacht vnd ergriffen werden einen Schalcks - ratht / der nicht gelingen ſoll / Nahum Cap. 1. v. 11. Solche Leuthe gehen mit Stroh ſchwanger vnd gebaͤhren Stoppeln / vnd mit Fewer wird jhr Muth verzehret bey dem Propheten Eſala Cap. 33. v. 11. Sie pfluͤgen Boͤſes vnd ernden Vbelthat vnd eſſen Lügenfruͤchte. Hoſe. 10. v. 13. Es heiſt in ſolchen Sachen:

Wann mans auffs kluͤgſte greiffet an /
So gehet doch Gott ein ander Bahn /
Es ſtehet in ſeinen Haͤnden.

Vnderhundert die mit Vnrecht zum Regiment gelanget / iſt kaum ei - ner zufinden der ſambt ſeinen Nachkommen ſich darbey haͤtte manu - teniret.

Abimelech der Sohn Gideon kam durch Tyranney zum Regi - ment / erwuͤrgete ſiebentzig ſeiner Bruͤder in ſeines Vatters Hauß / ver - meynete er wuͤrde dardurch vor ſich vnd ſeine Poſteritaͤt das Regiment verſichern. Jud. Cap. 9. aber es wehrete nicht lang / ward von einem Wei - be mit einem Stein getroffen / vnd von ſeinem Knaben durchſtochen / daß jhme Gott auff ſeinen Kopff vergolten / wie er gethan. d. Cap 9. circ. fin. Eglon kam durch das Schwerdt zum Regiment / vnd ward auch wider durch das Schwerdt hingerichtet. Jud. Cap. 3. Abſolon ergrieff ſeines Vatters Thron mit Betrug vnd Gewalt. 1. Sam. Cap. 15. aber es weh - rete nicht lang / er nahm ein jaͤmmerlich Ende. 1. Sam. Cap. 18. Der vn - trewe Diener Simri erwuͤrgete ſeinen newen Koͤnig Ella / vnd ward Koͤnig an ſeine ſtatt / aber ſeine Herꝛligkeit vnd Dominat wehrete nicht uͤber 7. Tag / gienge auß deſperation in das Koͤnigliche Palatium, vnd ver - brandte ſich mit deß Koͤnigs Hauſe / 1. Reg. Cap. 16. Der Koͤntgmoͤrder Sallum kam auch alſo zum Regiment / aber es wehrete nur 4. Wochen / vnd ward er auch wider mit gleicher Muͤntze bezahlet / 2. Reg Cap 15.

Die Koͤnigin Athalia vermeynte ſie haͤtte jhren Staat durch Er - wuͤrgung deß Koͤniglichen Samens wol gefaſſet / halff aber nichts / ſie muſte jhren blut durſtigen Halß wider herſtrecken vnd brechen laſſen. 2. Reg. Cap. 11. Es ſollen vnd wollen ja alle gottſelige vnd Chriſtliche Re - genten Gottes Stadthalter vnd Amptleuthe ſeyn / wie ſie die Weißheit Salomonis Cap. 6. nennet / wollen ſie nun Gottes Stadthalter vnd Amptleuthe ſeyn vnd heiſſen darumb ſie ſich auch von Gottes Gnaden /Nn iijKoͤnige /102Das ander Buch /Koͤnige / Fuͤrſten vnd Herꝛn ſchreiben / ſo muͤſſen ſie auch Gottes Wort vnd Geſetzbuch als jhre Inſtruction darauff ſie verpflichtet die Richt - ſchnur jhrer Regierung ſeyn laſſen vnd nicht angeregte tyranniſche Ra - tion von Staat / welche wie gemeldet deß Teuffels Decalogus vnd In - ſtruction iſt / vnd da ſie dero nachfolgen / nicht Gottes ſondern deß Teuf - fels Stadthalter werden vnd ſeyn / vnd haben ſich darbey Gottes Hulde vnd Beyſtandes nicht zu getroͤſten / dann Gott machet zu nichte die An - ſchlaͤge der Liſtigen / daß es jhre Hand nicht außfuͤhren kan. Er faͤhet die Weiſen in jhrer Liſtigkeit (h. e. in jhrer Ratione Status) vnd ſtuͤrtzet(3) Prava conſilia carere De[°]ſucceſſu voluit, nec immeritõ; malo dignuseſt, quisquis abſque Deo, contra Deum ſibi felicitatem fingit, ſingutorum hominum & totius Reipub. eſt beatitudo in Deum tendere, lymphata & amoreſui ebria ſapientia, quam vis currat, non tamen ad metam per - tingit quia extra viam currit. Contzen. in alleg. 5. Epiſt. Dedic. Et in Daniel. ſive de Stat. Magnat & Aulic. Aſtutia, inquit, eſt ſapientiæ ſimia qualiacunque tandem geſtet in - ſignia. cap. 29. §. 2. der Verkehrten Rath. Hiob. Cap. 5. v. 12. Er erhaſchet die Weiſen in jh - rer Klugheit. 1. ad Corinth. 3. v. 19. (3)

Wie es mit Julio Cæſare, Nerone, Galba, Otthone, Vitellio, Jtem dem Keyſermoͤrder Phoca vnd andern dergleichen ſo per Rationem Sta - tus frembde Herꝛſchafften invadiret, vnd per eandem Status Rationem, mit Vngerechtigkeit / Furcht / Gewalt / Betrug vnd Liſt beſtaͤttigen vnd Handveſten wollen / hergangen / wie ſie auff das ſchlipfferige geſetzet / vnd ein elendes Ende mit Schrecken genommen / darvon ſind oben Axiom. 17. Exempla eingeführet vnd ſind deren bey den Hiſtoricis ein groſſe Menge zufinden / habe auch deſſen etwas gedacht in meinem Tractatu de Regim. Secul. & Eccleſ. lib. 1. claſſ. 1. c. 3.

AXIOMA XL. Regenten / Fuͤrſten vnd Herꝛn ſollen ſorgfaͤltig / vorſichtig vnd kluͤglich handeln in allem jhrem Thun.

REgieret jemand / ſchreibet S. Paulus / ſo ſeye er ſorgfaͤltig / in ſei - ner Epiſtel an die Roͤmer Cap. 12. v. 8. Jch handele / ſpricht der Koͤnig David / vorſichtig vnd redlich bey denen die mir zugehoͤ - ren / in ſeinem Regenten Pſalm. 101. v. 2. Vnd giebet jhme dieSchrifft103Von dem weltlichen Stande. Schrifft ferner Zeugnuß / daß er außgezogen / wohin jhn Saul geſandt / vnd ſich dabey kluͤglich gouvernirt 1. Samuel Cap. 18. v. 5. Vnd von dem Koͤnig Hiskia wird auch ruͤhmlich gedacht / daß der Herꝛ mit jhme gewe - ſen / vnd wo er außgezogen / kluͤglich gehandelt habe. 2. Reg. Cap. 18. v. 7. Alſo wird auch gedacht / daß deß Koͤnigs Antiochi Sohn Philippus / wie er wider die Juden mit einem groſſen vnd grawſamen Heer zu Felde gangen / ſich in Bataglia geſtellet / in guter Ordnung vnd vorſichtiglich angezogen. 1. Macchab. Cap. 6. v. 41. Einen weiſen Fürſten kennet man bey ſeinen Haͤndeln / ſagt Syrach vnd Verſtand bewahret jhn. Proverb. Cap. 2. v. 11. Aber wann ein Fuͤrſt ohne Verſtand iſt / ſo geſchiehet viel Vnrechts / in den Sprichw. Salom. Cap. 28. v. 16. Als Salomon wie ein junger Koͤnig die Koͤnigliche Regierung antratt / bath er Gott / nicht vmb Gold oder Geld / ſondern vmb ein weiſes Hertz vnd Verſtand Ge - richt zuhoͤren. 1. Reg. Cap 3. Solche Vorſichtigkeit vnd Klugheit kompt von Gott vnd muß ſeine Allmacht vnd Guͤtigkeit / Salomonis Exem - pel nach / darumb fleiſſig angeruffen werden / dann ſiehe / ſpricht der Herꝛ nach geſchehenem Gebett zu dem Salomon / Jch habe dir ein weiſes vnd verſtaͤndiges Hertz gegeben 1. Reg. d. Cap. 3. v. 12. Wie die Sonne den Augen / alſo giebet die Weißheit dem Hertzen das Liecht. Vnd beſtehet dieſelbe in reiffer fleiſſiger Betrachtung deſſen / was dem gemeinen We -(1) Wo Vorſich - tigkeit iſt / da vermag das Gluͤck nichts / hat Keyſer Feꝛdinand der Erſte zuſagen pflegen. ſen vnd ſonſten in particulari nutz vnd gut iſt. Zu ſolcher Betrachtung vnd vorſichtiger Gouvernirung, dienet naͤchſt dem Gebett / daß ein Re - gent zurück ſehe / was in der Welt mehr in ſolchen vnd dergleichen Faͤllen paſſiret, auch was auff einen oder andern Fall geſchehen / vnd wie die Dinge kuͤnfftig außſchlagen moͤchten / vnd darnach die gegenwaͤrtige Conſilia vnd Rathſchlaͤge moderiren vnd einrichten / (1) dann Dinge / ſo in gleichen Faͤllen vorgangen ſtellen einem Vernuͤnfftigen vor Au - gen / was ins kuͤnfftig geſchehen koͤnne / wie Keyſer Heinrich der Vierdte zuſagen pflegen / (2) dahin ziehlen auch dieſe teutſche Verß:

(2) Caſus præteriti, iuſtus debet eſſe metus futuri. Auct. in vit, Henrici IV. Imperatoris, & qui - ſiderat præterita, neque ſollicitus eſt de futuro, is præſentia neque cautèneque rectè di - ſponit. Imõ ſequentium rerum certitudo, eſt præteritarum exhibitio Gregor. Magn. lib. 40. homil. 1 Et fides futurorum eſt ex præcedentibus Terrull.
4
Welcher vergangen Dinge betracht /
Vnd Gegenwaͤrtiges hat in acht /
Vnd Zukuͤnfftiges ermeſſen kan /
Der iſt gewiß ein kluger Mann.

Es iſt ja von Anbegin der Welt nach dem Sündenfall einerley Comœ -(3) In reb humanis ſecula & perſonæ intereunt, cauſæ & eventa eadem recurrunt Famian, Strada. de Bell, Belg. lib. 1. p. 2. dia auff dem Erdbodem geſpiehlet / wie noch / nurent daß ſich die Perſo - nen geaͤndert. (3)

AXIO -104Das ander Buch /

AXIOMA XL. Die Abweſenheit eines Regenten / Fuͤrſten vnd Herꝛn von ſeinen Vnderthanen / kan leichtlich Vnrath cauſiren oder Anlaß zum Boͤ - ſengeben.

ALs Moſes auff den Berg Sinai von Gott erfordert / vmb das Ge - ſetz zu empfahen / vnd darauff 40. Tag vnd 40. Nacht verziehen(1) Multa in abſen - tes ſtatui ſolent, quæ in præſentes nemo au - deret. Au - ctoritas e - nim illa quæ ho - mines co - ram tue - tur & - mendat, ſi coscon - tingat ab - eſſe, mini - mo etiam adverſari - orum co - natu ſub - vertitur. lacob. Ze - vecot. in Obſervat. Polit. ad Sueton. Cai, Iul. Cæſarem. muͤſſen / hat in ſeiner Abſentz ſich gleich das Volck wider Aaron ge - ſamblet / wolten Goͤtter gemacht haben / vnd bringen den Hohen - prieſter Aaron mit zum Kaͤlbertantz Exod. Cap. 32. v. 1. Deut. Cap. 9. v. 9. & ſeq (1) Es gehet noch offt ſo zu / wie man im Sprichwort zuſagen pfle - get: Wann die Katzen nicht daheim ſind / ſo tantzen die Maͤuß auff den Baͤncken. Waͤre Moſes mit ſeinen Hoͤrnern / das iſt / mit ſeiner Aucto - ritaͤt vnd groſſem Reſpect den er bey dem Volck hatte / zugegen geweſen / (2) haͤtten die Jſraeliten das Hertz nicht gehabt / ſolche Dinge wider Gott zu beginnen / er wuͤrde bald / wann ſich jemand haͤtte mercken laſſen / mit ſeinen Geſetzhoͤrnern von ſich geſtoſſen / vnd die Raͤdelfuͤhrer andern zum Exempel geſtraffet haben. Wie David mit ſeinen Truppen zu dem Koͤnig Achis erfordert / vnd etliche Tag von Ziklag da er ſein Quartier hatte / abweſend war / nahmen die Philiſter ſolcher occaſion wahr / fiehlen jhm ein / ſteckten Ziklag in Brand / fuͤhreten ſeine vnd ſeiner Reuter Wei - ber vnd alle Pagagoͤweg. 1. Samuel. Cap. 30. deſſen ſie ſich wol nicht er - kuͤhnen doͤrffen wann David in ſeinem Quartier vnd zugegen ſeyn koͤn - nen. Alſo geſchiehet noch oͤffters / wann groſſe Herꝛn weit entſeſſen / oder gar auſſer Landes ſind / wird ſo wol von Frembden als den Bediene - ten ſelbſten vnd Vnderthanen viel vorgenommen das wol verbliebe / wañ der Herꝛ naͤher / oder im Lande waͤre. Als der Aſiatiſche Koͤnig Alexander Antiochi deß Edlen Sohn auſſer Reichs in Cilicia war etliche daſelbſten revoltirte Staͤdte wider zum Gehorſamb zu bringẽ / ruͤckete ſein Schwaͤ - her Ptolomeus Koͤnig in Egypten / in ſein Koͤnigreich / vnderm Schein guter Freundſchafft / ent fuͤhrt jhme ſeine Gemahlin die Cleopatram / vnd gabe ſie einem andern / beſetzte alle Staͤdte die jhn als Freund eingelaſ -(2) Urget præſentia Turni. Virgil. ſen / vnd verjagte Alexandrum von Land vnd Leuthen im 1. Buch der Macchab. Cap. 11. v. 14. Als Antiochus Eupator mit einem Kriegsheerauſſer105Von dem weltlichen Stande. auſſer ſeinem Reich zohe / die Juden zu bekriegen ward jhme vntrew vnd fiehl von jhm ab ſein heimbgelaſſener Stadthalter / Philippus / dahero er mit den Juden Frieden machen muſte im 2. Buch der Macchab. Cap. 13. v. 23. Wann aber je ein Herꝛ ferne vnd auſſer Landes ſeyn muß / ſo iſt noͤthig daß er einen ſolchen getrewen Stadthalter hinderlaſſe / der ſeine Jura vnd Hoheit vertrette / deſſen Fidelitaͤt / Trew vnd Redligkeit er ver - ſichert. Als Julius Cæſar ein gut Fundament zur Monarchi geleget / vnd das Heſſt deß Dominats darin ergrieffen / daß er die Armeen zu ſeiner(3) Qui eſt Dominus Exercitus eſt Domi - nus Rei - publ & Regionis. alleinigen Devotion vnd Willen hatte / (3) vnd deßwegen nicht viel zu Rom ſeyn konte / meldet Suetonius, daß er allezeit ſeine vornehme bene - ficirte vnd wolbe gabte Leuthe im Rath gehabt / die ſeine Abweſenheit er - ſetzet / vnd als trewe Defenſores vnd Propugnatores ſeine partes vertret - ten. Dem maͤchtigen Koͤnig in China iſt kein Volck verdaͤchtiger als die Tartaren vnd jhre Macht / darumb ſtellet ers weißlich dahin / daß er in den naͤchſten vnd Frontir Provincien der Tarrarie reſidire, damit er auff jhre actiones beſſer acht habe / vnd wann er etwas vermercket / gegen - waͤrtig beſſere Anſtalt machen koͤnne. Zevecot. alleg. ad margin. loco. Wie hochſchaͤdlich es dem Koͤnig Philippo II. in Hiſpanien geweſen / daß er bey deme ſich erregendem Vffſtande in den Niederlanden / auff viel - faͤltiges Anmahnen vnd Erinnern / ſeiner natuͤrlichen Schweſter der Margaritæ Hertzogin zu Parma Gouvernantin / nicht einmahl Perſoͤn - lich ſich dahin erheben vnd mit ſeiner Koͤnigl. Auctoritaͤt / darmit er viel Vbels verhuͤten koͤnnen / ins Mittel tretten wollen / ſolches führet Fami - anus Strada in ſeiner Niederlaͤndiſchen Beſchreibung lib. 2. im Eingang weitlaͤufftig auß / mit vielen ſtattlichen motiven. Wann ein Herꝛ ſelber gegenwaͤrtig im Lande iſt / kan er zeitlich einem auff gehenden Vngluͤck begegnen / ehe es zum Stand vnd Kraͤfften kompt. Jſt er abweſend / muß es erſt durch Bericht vnd Relationes geſchehen / verlaufft nicht allein die Zeit / vnd wird das Vbel aͤrger / ſondern wird zu weilen eines vnd anders nicht recht vnd mit allen Vmbſtaͤnden vorgetragen / dahero auch die Re - ſolutiones darauff nicht allezeit ſo fallen wie es der Sachen Wichtig - vnd Beſchaffenheit erfordert / iſt derowegen gewiß daß die Gegenwart eines Regenten / bevorab wann gefaͤhrliche Conſilia, Auffſtaͤn -(4) Unâ Regis præſentiâ, quam minimo componi Belgium impendio potuiſſe. Iterum Famian. Strad. de Bell. Beig. lib. 4. ſcribit. de / Verraͤtherey vnd andere Enderung obhanden uͤberauß noͤthig vnd erſprießlich. (4)

OoAXIO -106Das ander Buch /

AXIOMA XLI. Die Welt wird durch Reſpect vnd Opinion regieret.

ALle Verfaſſungen / in Geiſtlichem. Weltlichem. vnd Haußſtande / beſtehen im Reſpect, welchen Gott vnd ſein heilige Ordnung / ei - nem jeden in ſeinem Stand vnd Ampt aſſigniret vnd beyleget.

Als Abraham noch zu Vr in Chaldæa wohnete / wuſte man von jhme nicht mehr als von andern ſeinen Landsleuthen / ſo bald jhn aber Gott von dannen zur Pilgrimſchafft erforderte / jhn zu einem Pa - triarchen machete / waren alle geſegnet die jhn ſegneten / vnd verflucht / die jhn verfluchten / vnd bekam Abraham einen groſſen Nahmen vnd Reſpect darmit: Gen. Cap. 12.

Als Moſes noch an deß Koͤnigs Pharaonis Hoff / vnd von Gott noch nicht beruffen war / traff er einsmahls zwey Hebraͤiſche Maͤnner an / die ſich mit einander zancketen / wolte er ſeine Authoritaͤt interponi - ren vnd ſprach zu dem Vngerechten: Warumb ſchlägeſtu deinen Naͤch - ſten bekam er dieſe Antwort: Wer hat dich zum Oberſten oder Richter uͤber vns geſetzet? Exod. Cap. 2. v. 14. Hie mangelte es dem guten Moſi noch am Reſpect, welchen jhme Gott bald hernach durch einen herꝛlichen wunderbahren Beruff beylegte / durch die Hand deß Engels der jhm er - ſchien im Puſch / dardurch er gleich ein ander vnd hoch reſpectirter Mañ vnd Oberſter ward. Exod. Cap. 3. 4. & ſeqq. in den Geſchichten der Apoſt. Cap. 7. v. 27. 35. & 36.

Wie Saul die Eſelinnen ſeines Vatters vff deſſen Geheiß ſuche - te / war er bey dem Volck Jſrael nicht mehr als ein ander gut Kerl / ſo bald jhm aber Gott die Gnad thate / daß er jhn durch den Propheten Sa - muel ſuchen / vnd zu einem Koͤnig über Jſrael ſalben ließ / da muſte er ein ander Mann werden / wie die Schriff ſaget 1. Samuel. Cap. 10. v. 6. vnd davon GOtt geſagt hatte der uͤber ſein Volck herꝛſchen ſolte / 1. Sam. Cap. 9. vnd gab jhme Gott ſo bald ein ander / nemblich ein Koͤniglich Hertz / 1. Sam. Cap. 10. v. 9. geriethe auch vnder die Propheten vnd weiſ - ſagte. ibid. v. 11. vnd erlangte damit den Reſpect, daß alles Volck jhm zu Ehren jauchtzete vnd ſprach: vivat Rex, Gluͤck zu dem Koͤnig. ibid. Vnder den Soͤhnen Jſai war David der vnanſehentlichſte vnd ein Schaͤffer /als107Von dem weltlichen Stande. als aber der Prophet Samuel auff Gottes Befehl jhn zu einem Koͤnig ſalbete / bekame er dadurch einen groſſen Reſpect, vnd ward alsbald dem Koͤnig Saul vnd ſeinem gantzen Koͤnigl. Hauſe formidabel auch hoch angeſehen. Deßgleichen iſt geſchehen mit Jerobeam / Gideon / Jephta / vnd andern mehr. Jehu ward nicht mehr als ein Hauptman / ſo bald aber Eliſa der Propheten Kinder einen hinſchickte / vnd jhn auff Gottes Be - fehl zum Koͤnig beruffen vnd heimblich in der Cammer ſalben ließ / vnd Jehu es nurent den andern Hauptleuthen ſeinen Cameraden bloß ver - meldete / leget jhme alſobald Gott den Reſpect bey / daß dieſe die zuvor gleiche Spießgeſellen mit jhme waren / ſo bald eileten / ein jeglicher ſeine Kleyder nahme / jhme auff die hohe Stuffen vnderlegten / jhn vor einen Koͤnig honorirten, vnd durch Poſaunenſchall offentlich vor einen Koͤ - nig publicirten vnd verkuͤndeten. 2. Reg. Cap. 9. wordurch er groſſe Tha - ten gethan / wie zu leſen 2. Reg. Cap. 9 & Cap. 10.

AXIOMA XLII. Fuͤrſten ſollen Fuͤrſtliche Gedancken haben vnd daruͤber halten. Eſai. Cap. 32. v. 8.

JCh wil reden / ſpricht der weiſe Koͤnig Salomon / was Fuͤrſtlich iſt / vnd lehren was recht iſt / in den Sprichw. Cap. 8. v. 6.

Fuͤrſtliche Gedancken ſind zu æſtimiren vnd zu reguliren nach beyden Tafeln deß Geſetzes / nemblich wie ſich Fuͤrſten ge - gen Gott / ſich ſelbſten vnd gegen jhre Vnderthanen zu bezeigen. Gegen Gott / wann ſie denſelben nach ſeinem Weſen vnd Willen recht erken - nen / ehren vnd preyſen / ſein geiſtliches Reich erweitern / Kirchen vnd Schulen pflantzen / erhalten / begaben / gute Kirchen vnd Schulordnung in jhren Landen vnd Gebiethen anſtellen / daruͤber halten / vnd was ſonſt mehr jhr Ampt gegen Gott bey der erſten Tafel erfordert / nach dem Ex - empel David / Salomon / Joſaphat / Joſias / Hiskias / Conſtantini Ma - gni, Caroli Magni, vnd anderer mehr gottſeligen vnd Chriſtlichen Koͤ - nige / Keyſer vnd Fürſten: Das ſind recht Fuͤrſtliche Gedancken / die GOtt zeitlich vnd ewig mit Ehr vnd Segen kroͤnen vnd belohnen wird. Gegen ſich ſelbſten ſollen ſie Fuͤrſtliche Gedancken haben / daß ſie ſich erkennen daß ſie auch Menſchen wie andere Menſchen ſind / ſo wol wegen jhrer Empfaͤngnuß als wegen jhrer Geburth / ankle -Oo ijbender108Das ander Buch /(1) Etſie - nim Prin - ceps præeminet terra, ortus tamen eſt deterra. De pulvere aſcendit in folium, iturus in pul - verem Adam. Contzen in ſuo Daniel. ſive de Stat. Magnat. atq; Aulic. cap. 62. §. 7. in fin. Jch bin ein Mann wie ein ander Mann / Nur daß mir Gott die Ehr gann. Soll Keyſer Carl der Fuͤnffte habeu zuſagen pflegen.bender Erbſuͤnde / vnd dahero angebohrner menſchlicher Schwach heit vnd Gebrechligkeit. (1)

Es wird eben auff die Weiſe ein Keyſer / Koͤnig / Fuͤrſt vnd Herꝛ / als der elendeſte vnd armbſte Bawersman empfangen / im dunckeln / in Mutter Leib formiret, gebildet / nacket vnd bloß in dieſe Welt gebohren. Job. 1. v. 21. & Cap. 31. v. 1. Pſalm. 139 v. 15. 1. ad Timoth. 6. v. 7. Vnd wann ſeine Herꝛligkeit auff der Welt 30. 40. 50. 60. 70. oder mehr Jahr gewehret hat / muß er auff gleiche Weiſe durch Scheidung Leib vnd See - le darvon / dieſe Welt mit dem Ruͤcken anſehen / vnd dieſelbe mit aller jh -(2) Deo - mniho - mine etiã Principe verum eſt; Ante ortũ ſperma ſœtidum, Poſt ortũ ſaccus ſtercorũ, in occaſu cibus ver - mium. Staub vnd ſchat - ten / Mott vnd Mat - ten ſind wir all nach A - dams Fall. Es gehet endlich al - ſo: Heut Koͤnig / morgen todt. rer Herꝛligkeit / Pracht vnd Ehre verlaſſen / (2) der Leib auch tanquam eſca vermium & ſaccus ſtercorum, ein Speiſe der Wuͤrme vnd wider zur Erde / Staub vnd Aſchen / darvon er genommen / werden. Sie muͤſſen ja / ſpricht der Prophet / von den Koͤnigen / alle vnder die Erden vnd dem Todt uͤber geben werden / wie andere Menſchen die in die Grube fahren. Ezechiel. Cap. 31. v. 14. Daß alſo ein Fuͤrſt vnd groſſer Herꝛ wol Vr - ſache zu betten vnd zu bitten hat / Domine, da mihi noffete, noſſe me.

Geſtalt dann auch die Weißheit Salomonis harvon außfuͤhrlich im 7. Cap. redet / da vnder andern dieſe formalia ſtehen / daß kein Koͤnig einen andern Anfang ſeiner Geburth habe / ſondern ſie haben all einerley Eingang in das Leben / vnd gleichen Außgang. Dann Gott ſiehet nicht an die Perſon der Fuͤrſten / vnd kennet den Herꝛlichen nicht mehr dann den Armen / ſie ſind alle ſeiner Haͤnde Werck / im Buͤchlein Hiob. Cap. 34. v. 19.

Es iſt ſehr remerquabel, vnd in Anſehung deß wandelbahren Gluͤcks bey allen Menſchen / vom Niedrigſten biß auff den Hoͤchſten / faſt klaͤglich zu leſen was der Jeſuit Famianus Strada in ſeiner Hiſtoria von der Niederlaͤndiſchen Krieg Decad. 1. lib. 1. von dem Großmaͤchtig - ſten Keyſer Carolo dem V. ſchreibet nach deme derſelbe groſſe Helden - Thaten verrichtet vnd nicht allein in Europa / ſondern auch Africa zu Waſſer vnd Lande viel Krieg gefuͤhret / geſieget vnd triumphiret / aber bey annahendem Alter das Gluͤck gleichſamb ſich vermuͤdet vnd angefan - gen jhme (a) wiedrig zulauffen / er auch als ein Chriſtlicher nimmer ge -(a) Quos diu pro - ſecuta eſt Fortuna, repentè ſicut fatigata deſtituit. Velleius. Et quando ad ſummum charita - tis faſtigiũ evaſit, veram indignationẽ effugere nequit & rurſusad nihilũ redigit Halicarnaſſ. nuͤgte geprieſener Keyſer / der Menſchen wandelbahren Zuſtand vnd mitdem109Von dem weltlichen Stande. dem weiſen Koͤnig Salomo aller Dinge vnder der Sonnen vnd alſo auch der Regimenter vnd Regenten Eytelkeit betrachtet / vnd darauff ſeinem Bruder dem Roͤmiſchen Koͤnig Ferdinando I. die Roͤmiſche Cron vnd das Reich / ſeinem Sohne Philippo aber alle ſeine Erbkoͤnig - reich / Fuͤrſtenthümer vnd Herꝛſchafften benebenſt den 17. Provincien der Niederlanden cediret vnd abgetretten vnd mit einer Schiffs-Flotte auß Seeland nach Hiſpanien gangen / vnd wie er zu Lande angeſetzet / ſein Gebett knyend verrichtet / daneben die Erde gekuͤſſet vnd geſaget: Saluta - ri reverenter à ſe communem parentem: utque nudus è matris olim u - tero prodierat, ita ad alteram hanc matrem libentiſſime nudum reverti. Das iſt / er gruͤſſete gar gern vnd willig die Erde als die gemeine Mut - ter: vnd wie er vorhin nacket vnd bloß auß ſeiner leiblichen Mutter Leibe gebohren / alſo wolte er auch nacket wider zu der gemeinen Mutter der Erde ſich ſamblen. Es war Chriſtlich geredet von einem ſo groſſen Herꝛn / aber kaum wol gethan daß er ſich aller ſeiner Koͤnigreiche / Land vnd Re - gierungen auff einmahl entbloͤſet / vnd damit allen Reſpect abgeleget / vnd ſchreibet Famianus weiter / gleich wie er an Land geſetzet ſich ein groſ - ſer Sturmb erhoben / die gantze Claſſem oder Flotte im Hafen zerſtrewet / das groſſe Kriegsſchiff aber darauff Carolus gefahren zu Grunde ge - trieben / vix deſcenderat inquit Famianus, Cæſar Prætoria navi, cum - da illicò in portu exorta tempeſtas, impetu disjecit, Prætoriam hauſit: quaſi non vecturam amplius Cæſarem Cæſariſq; fortunam. Er gedencket auch weiter daß wie der Keyſer zu Lande auß Cantabria nach Burgos gereyſet / jhme ſehr wenig Grandes de Hiſpania weil er nicht mehr als ein Keyſer vnd Koͤnig mit vorigem Reſpect vnd Comitat kam entgegen ge - kommen vnd auffgewartet. Vnd ob er wol an ſtatt aller abgetrettener Koͤnigreiche / Provincien vnd Lande ſich jaͤhrlich hundert tauſend Floren vorbehalten / habe er doch deren zu weilen nicht maͤchtig werden koͤnnen / vnd wie er einen ſeiner Bedienten mit etwas beſchencken wollen vnd dar - nach geſchickt / nichts erhalten koͤnnen / vnd vngedultig worden / auch ohne Zweiffel eine ſolche fruͤhe zeitige Ceſſion berewet / aber zu ſpaͤth. Jſt wol ein mercklich Spiegel groſſer Verenderung mit einem ſo gewaltigen Monarchen / Keyſer vnd Koͤnig vieler Koͤnigreiche. Drittens beſtehen auch Fuͤrſtliche Gedancken darin daß ſie erkennen wie ſie Gott vor an - dern auß dem Staube hervorgezogen / zu groſſen Herꝛn vnd Regenten uͤber Land vnd Leuthe geſetzet. Solches erkandte der Koͤnig vnd Mann nach Gottes Hertzen vnd Willen David gar wol / da er ſagte: Wer bin ich Herꝛ Herꝛ? vnd was iſt mein Hauß / daß du mich hieher gebracht haſt. Sam. Cap. 7. v. 18. 30. vnd im 78. Pſalm. v. 71. ſpricht er: GOtt hatOo iijerwoͤhlet110Das ander Buch /erwehlet ſeinen Knecht David / vnd nahm jhn von den Schaffſtaͤllen / von den ſaͤugenden Schaffen hohlete er jhn. Jtem der Herꝛ hat mich zwar erwehlet vnd mir befohlen / ein Fuͤrſt zu ſeyn uͤber das Volck deß Herꝛn / aber ich wil noch geringer werden / vnd wil niedrig ſeyn in meinen Augen / dann ich bin dein Knecht deiner Magd Sohn / ein ſchwacher Menſch vnd kurtzes Lebens. 2. Sam. Cap. 6. v. 21. & ſeqq. Vnd dann zum vierdten beſtehen Fuͤrſtliche Gedancken darin daß ſie daneben wol erwe - gen wie Gott jhnen ein groſſes vnd ſchweres Ampt anvertrawet / darvon ſie auch ſchwere Rechnung dermahleins thun muͤſſen; dann ſo ſpricht die Weißheit Salomonis im 6. Cap. Euch iſt die Obrigkeit gegeben von dem Herꝛn / vnd die Gewalt von dem Hoͤchſten / welcher wird fragen wie jhr handelt vnd forſchen was jhr ordnet / dann jhr ſeyd ſeines Reichs(3) Integri - tas præſi - dentium ſalus ſub - ditorum. Verba movent, exempla trahunt. Fortiſſi - mum præ - cepti ge - nus eſt præire, f& vim acit, qui docer & una duelt. Frideric. Muſelar. de Legat. lib. 2 c. 1. p. in 1 7. Longum iter eſt per præcepta, breve & efficax per exempla Senec. epiſt. 6. Amptleuthe / vnd werden die Gewaltige / gewaltig geſtraffet werden. add. Pſalm. 82. v. 2. & 6. Sollen derowegen ſich jhres Fuͤrſtl. Ampts mit Demuth vnd Danckſagung gegen Gott erinnern / gottſelig / nuͤchtern / maͤſſig / keuſch leben / alle Vppigkeit / Hochmuth / Suͤnde / Schande vnd Laſter meyden / vnd jhren anvertrawten Vnderthanen nicht allein mit guten Geſetzen / ſondern auch guten Exempeln vorleuchten. (3) Dann wie der Regent iſt / ſagt Syrach / ſo ſind auch ſeine Amptleuthe. Syrach Cap. 10. v. 2.

Gegen jhre Vnderthanen ſollen ſie Fuͤrſtliche vnd ſolche Gedan - cken haben / wie ſie der Koͤnig David beſchreibet im 82. Pſalm / daß ſie nicht vnrecht richten / vnd die Perſon der Gottloſen vorziehen. Daß ſie Recht ſchaffen den Armen vnd den Weyſen / vnd helffen dem Elenden vnd Duͤrfftigen zu recht / vnd erretten den Geringen vnd Elenden. Aber ein Gottloſer der uͤber ein arm Volckregieret / das iſt ein grimmiger Loͤwe vnd giehriger Baͤhr / in den Sprichw. Cap. 28. v. 15. Sie ſollen fuͤr - ſichtig vnd redlich handeln bey denen die jhnen zugehoͤren / ſie ſollen keine boͤſe Sache fuͤrnehmen / den Vbertretter haſſen / vnd jhre Augen nach dem Trewen im Lande wenden / wie hoͤchſtgemeldter Koͤnig David alle Regenten im 101. Pſalm inſtruiret vnd anweiſet.

Es beſtehen auch endlich Fürſtliche Gedancken in Vbung Fuͤrſt - licher Heroiſcher Tugenden tapffern Thaten / Sitten / Gebaͤrden vnd reſolutionen, deren ſich ein Fuͤrſt vor andern befleiſſen ſoll. Dann das Werck lobet den Meiſter vnd einen weiſen Fuͤrſten ſeine Haͤndel ſpricht Syrach d. Cap. 10. Von deß Koͤnigs Hiskia loͤblicher Regierung weiſ - ſaget der Prophet Eſaias / daß bey derſelben ein Narꝛ nicht mehr Fuͤrſt heiſſen werde. Eſa. Cap. 32. v. 5.

Einem Fuͤrſten ſtuͤnde es nicht wol an / wann er mit kindiſchen vndandern111Von dem weltlichen Stande. andern ſeinem hohen Stande vnd Ampte uͤbel anſtehenden laͤppiſchen Reden vnd Haͤndeln vmbgehen / ſich denſelben impliciren, vnd gar zu ge - mein machen wolte. Ein Fuͤrſt ſoll wie oben gemeldet mit Salomon ge - dencken vnd ſagen: Jch wil reden was Fuͤrſtlich iſt vnd gedencken was recht iſt. Provetb. Cap. 8. v. 6. Magnos enim Magna decent, dahero ſie(4) Fortia facere & pati, Prin - cipum eſt. auch Magnates die Groſſen auff Erden genandt werden. (4)

Als Gott dem David vorhielte alle das groſſe Gut daß er an jhme erwieſen hat / ſprach er vnder andern: Jch habe dir einen Nahmen ge - macht wie die Groſſen auff Erden Nahmen haben. 1. Chron. Cap. 18. v. 8.(5) Græ - cos olim Perſarum Regem, ex more Magnum appellaſſe, notat Eraſm. in Apophtegmat. lib. 1. n. 61. Et Turcarum Imperato - rum adhuc hodie Magnum Dominum dici teſtis eſt Auger. Busbeq. in Epiſt. Legatio - nis Conſtantinopolit. (5) vnd im Büchlein Hiob Cap. 35. v. 9. wird der Gewaltigen Regierung der Arm der Groſſen genandt.

Sie fuͤhren darumb ſpricht D. Luther in Außlegung deß 101. Pſal. fuͤr andern einen hohen edlen Titul / Schild / Helm / vnd haben der Welt Gewalt / Guͤter vnd Ehre / daß ſie billich vor andern ſollen hervor leuchten / vnd alſo vermittelſt heroiſchet Tugenden vnd tapffern Thaten / ſich groß machen vnd einen groſſen Nahmen / Lob vnd Ruhm erlangen.

AXIOMA XLIII. Zur Juſtici vnd guter Policey / gehoͤret die Vffſicht vnd Pregunge / Guter / an Gehalt / Schrod vnd Korn (1) gerechter tuͤchtiger Muͤntze wie auch(1) Das Eehalt oder Korn beſtehet in der Mate - ri nemlich Gold / Silber / Kuͤpffer / ꝛc. wie es darzu durch gemeine Satzungen geordnet vnd beliebet. Das Schrod aber iſt ſo viel als das Gewicht / welches bey der Muͤntze auch zu conſideriren. Geneſ. Cap. 23. v. 16. Mich. Cap. 6. v. 11. Maaß / Ehlen vnd Gewicht an - zuordnen.

DIe Muͤntze iſt vermoͤg Goͤttlicher / der vernuͤnfftigen Voͤl - cker / auch beſchriebener Keyſerlichen Rechte / eine Scheidung der Leuthe / vnd gleichſamb eine gewiſſe beſtaͤndige Maſſe / alle Waaren nach proportion jhrer Guͤte zu æſtimiren, zuſchaͤtzen112Das ander Buch /(2) Pecu - nia eſt re - rumo - mnium, menſura, qua quan - titas adæ qualitatẽ reducitur, atque res omnes æ - ſtimantur & compa - rantur, ita nohabens pecuniam omnem rem habe - re cenſea - tur, quam habere cu - pit, quæ pro nobis fideiubet in neceſſi - tatibus di - xi plurib in tractat. meo de Retract. Munici - pal. quæſt. 6 n. 248. & ſeqq. ſchaͤtzen vnd zuverhandeln. (2) Jn der Juͤdiſchen Policey hat Gott den Seckel geordnet vnd denſelben auff 20. Gera / welches eine Schiede - Muͤntze / wie jetzo die Groſchen oder Schillinge / geweſen valviret vnd ge - ſetzet / nach dem Seckel oder Maaß deß Heiligthumbs / wie zuſehen Exod. 30. v. 13. Levit. Cap. ult. v. 3. 4. & 5. Num. Cap. 3. v. 47. Dieſen Seckel hat Gott an Schrodt vnd Korn gerecht Gewicht richtig vnd durch gehend haben vnd behalten wollen / wie zuleſen bey dem Propheten Ezechiel Cap. 45. v. 9. da Gott der Herꝛ klaget vnd ſpricht: Jhr habts lang gnug ge - macht jhr Fuͤrſten Jſrael / laſſet ab von Frevel vnd Gewalt vnd thut was recht vnd gut iſt. Jhr ſolt recht Gewtcht / rechte Scheffel vnd rechte Maaß haben. Epha vnd Bath ſollen gleich ſeyn / daß ein Bath das ze - hende Theil vom Homer habe / vnd das Epha auch das zehende Theil vom Homer / aber ein Seckel ſoll zwantzig Gera haben / vnd ein Mina machet zwantzig Seckel. Starck redet der Herꝛ wider die jenigen die Maaß vnd Gewicht endern / vnd den Seckel / das iſt die groberichtige Muͤntze durch andere vntüchtige geringere ſteigern / darin profit vnnd Vortheil ſuchen vnd die Armen beſchwehren. Hoͤret diß die jhr den Ar - men vndertrucket vnd die Elenden im Lande verderbet vnd ſprechet / wañ wil der Newmond ein Ende haben / daß wir Getreide verkauffen / vnd der Sabbath daß wir Korn feil haben vnd den Epha ringern vnd den Seckel ſteigern vnd die Wage faͤlſchen / auff daß wir die Armen vmb Geld / vnd die Duͤrfftigen vmb ein paar Schuh vnder vns bringen vnd Sprew vor Korn verkauffen. Der Herꝛ hat geſchwohren wider die Hof - fahrt Jacob / was gilts ob ich ſolcher jhrer Wercke ewig vergeſſen werde? Solte nicht vmb ein ſolches willen das Land erbehen muͤſſen vnd alle Einwohner trawren? Ja es ſoll gantz wie mit einem Waſſer uͤberlauffen werden / wie mit dem Fluß in Egypten / beym Propheten Amos Cap. 8. v. 4. & ſeqq. worauß gnugſamb zuſehen / was fuͤr ein groß Mißgefallen der gerechte Gott habe an Ender vnd Verfaͤlſchung der Maaß vnd Ge - wichts / auch Steiger - vnd Verfaͤlſchung der Muͤntze / vnd wie ſchwer es(3) Iſta moneta ſonar cu - prum nil poſſidet auri Argentiq; nihil, fu - cus & ipſe color. die Herꝛn vnd Regenten zuverantworten / wann ſie ſuchen durch die Muͤntze ſich zu bereichen / derſelben einen vnziemblichen Zuſatz geben / an ſtatt feines Silbers / Kupffer vnder die Leuthe bringen / (3) dardurch die grobe gute Muͤntze / vnd damit alle Victualien, Waaren vnd Commer - cien, welche nach dem richtigen guten Gehalt zu æſtimiren ſteigern / die Arme trucken vnd vmb das Jhrige bringen. Worbey wol zu mercken / daß in dieſem Prophetiſchen Text / die jenige ſo die Muͤntze endern vnd ſtei - gern denen gleich geachtet werden / welche Maaß vnd Gewicht verfaͤlſchẽ / vnd alſo das abſchewliche Laſter deß criminis falſi vnd zugleich furti be -gehen.113Von dem weltlichen Stande. gehen. Darvon D. Cramerus uͤber angezogenes 8. Cap. deß Propheten Amos alſo ſchreibet: daß dieſer Prophetiſcher Spruch ſey eine Außle - gung deß ſiebenden Gebotts: Du ſolt nicht ſtehlen / dardurch nicht allein der grobe handgreiffliche Diebſtahl verbotten wird / ſondern allerley Finantz / wann man vnder dem Schein deß Rechten / tuͤckiſcher verſchla - gener Weiſe deß Naͤchſten Gut an ſich bringet: als erſtlich wuchern mit Monat - vnd Wochengeld / vors ander handeln vnd wandeln / daß man auch dabey den Gottesdienſt / der in dem newen Mond fiehl / verachtet vnd hindangeſetzet / vnd allezeit vnd allenthalben Gewinn ſuchet / auch durch boͤſe Stuͤck. Sapient. Cap. 15. v. 12. vors dritte den Epha oder Kornſcheffel ringern / das iſt / mit einem groſſen ein / vnd mit dem klei - nen außmeſſen. Vors vierdte den Seckel ſteigern / das iſt / allerley Muͤn - tze im wechſeln beſchneiden / außwechſeln / außkippen / ſeinem Glaͤubiger an ſtatt gutes Geldes das gekipte bezahlen / item Auffgeld drauff ſchla - gen / vnd die Sorten faͤlſchen vnd die guten Sorten mit den falſchen zah - len. Vors fuͤnffte falſche Wage vnd Gewicht gebrauchen / vors ſechſte / allerley Waare / je benoͤthiger ſie iſt / je mehr ſteigern vnd an ſich halten / vnd alſo der Armen Schweiß vnd Blut vmb ein Rinde Brod an ſich bringen. Vors ſiebende / Sprew vnd allerley nichtige verlegene Waaren fuͤr gut den Leuthen auffſchmiehren dagegen rechte Wage vnd Gewichte iſt vom Herꝛn / vnd alle Pfund im Sack ſind ſeine Werck. Proverb. Cap. 16. v. 11. Bey dem Propheten Micha ſpricht Gott / ſolte ich die vn - rechte Wage vnd falſche Gewicht im Seckel billigen? durch welche Reichen viel Vnrechts thun vnd jhre Einwohner gehen mit Luͤgen vmb. Micha. Cap. 6. v. 11.

Der tapffere hochberuͤhmte Fuͤrſt Landgraff Philipps zu Heſſen der aͤlter / hat in ſeinem hochweißlich abgefaſſetem vnd hinderlaſſenem Teſtament / dergleichen ich noch keines geſehen oder geleſen / vnder an - dern ſeinen vier Herꝛn Soͤhnen / die Vffſicht deß Muͤntzweſens / daß ſie dieſelbe gut ſchlagen / vnd kein Finantz oder etwas darin ſuchen ſolten / ernſtlich anbefohlen / vnd mit dieſem herꝛlichen Anſpruch ſolches beſtaͤr - cket: daß ein Fuͤrſt an ſeiner Muͤntz / Reinhaltung ſeiner Straſſen / vnd Haltung ſeiner Zuſage erkendt werde. Das iſt wol eine recht Fuͤrſtliche Inſtruction, die billig alle Fuͤrſten vnd Regenten mit guͤldenen Buch - ſtaben in jhren Palatiis anſchreiben vnd behalten ſolten. Bey Anneh - mung der Muͤntze folget man ja deß Fuͤrſten Ctedit vnd Glauben / vnd ſtehet ſein Nahme / Wappen / vnd gleichſamb ſein Signet darauff / gleich wie auff einem Brieff / dadurch man guten Gehalts vnd Werths pu - blica & Regali fide, weil die Muͤntzens gerechtigkeit ein Regale iſt / ver -Ppſichert114Das ander Buch /(4) Theo - dorici Go - thorum Regis lau - datur elo - gium di - centis: Monetæ debet in - tegritas quæri, ubi & vultus noſter im - primetur. Quidnam erit tutum ſi noſtra peccetur effigie. Sic mundum quodad noſtræ ſe - renitatis formam adducitur. Claritas Regia ni - hil admit - tit imper. fectum. Nam ſi vultus cu - iuslibet fincero colore de - pingitur, multò ju - ſtiùs me - tallorum puritate principalis gratia cuſtoditur, ut ex Caſſiod. refert Cuiac. obſ. 25. circ. fin. lib. 19. ſichert ſeyn ſoll. (4) Als das liebe Teutſchland ſchon reiff genug zur Straffe / vnd der leidige langewehrte Krieg ſchon vor der Thuͤr war / mu - ſte noch zu Ergroͤſſerung deß Zorns Gottes / die groſſe Vngerechtigkeit in dem Muͤntzweſen in Anno 1619. vnd nachfolgenden Jahren darzu kommen / da ſich Leuthe gefunden / die jhre Herꝛn vnd Regenten dahin beredet / daß ſie durch vnrichtige geringe Muͤntze vnd Steigerung deß Seckels reich werden / Krieg führen / vnd auß allen jhren Laͤſten vnd Schulden ſich reiſſen koͤnten / vornemblich aber ſich ſelbſten durch from - mer vnd armer Leuthe Schweiß vnd Blut bereichen moͤchten / geſtalt dann durch das gottloſe Vnweſen in der Muͤntze viel tauſend Menſchen / ja gantze Land vnd Provincien viel hoͤher vnd mehr damahls als durch den Krieg an jhrer wolgewonnenen Haab vnd Guͤtern / damnificirt, ver - vortheilt vnd beſchaͤdiget worden /(5)Monetæ diminutionem Rerumpublicarum morbum quendam ac tabem eſſe rectè dixit Imperat. Leo. in Novell 52. Certè nulla clades, nulla peſtilentia, nec mortalitas, nec non hoſtes totam terram, rapinis incendiiſq; devaſtantes, magis populo Dei nocent, quã frequens muta - tio & peioratio nummi. Quod Ducis Bohem. Boleslai dictum ex lib. 1. Chronici Coſmæ Pra - genſ. refertur, ubi ulterius additur, quod poſt hæcſeneſcente juſtitia & invaleſcente nequitia ſurgent, non Duces, ſed fures, non Rectores populi Dei, ſed nequam Exactores, avatiſſimi ſi - ne miſericordia homines, Deum omnia cernentem non metuentes, quiter vel quater in anno mone am mutando eunt in laqueum Diaboli & perditionem populi, &c. welches dann nach deß Propheten Amos Außſpruch ſolch ein Sünde geweſen / vmb derentwillen das Land erbeben muͤſſen / vnd alle Einwohner trawren / vnd wie mit einer Waſſer - fluth uͤberſchwemmet / dardurch vnſere Feyertaͤge in Trawren / vnd alle vnſere Lieder in Weheklagen oder Klaglieder verwandelt / vnd das edle Teutſchland an ſtatt ſeines herꝛlichen Geſchmucks jetzo gleichſamb mit einem ſcheußlichen Sack angethan vnd vmb ſeine Lenden geguͤrtet / in gemeldtem 8. Cap. v. 8. & 10. Dieſe Leuthe die ſolche Dinge gerathen / ſind keine geringe ſondern allgemeine peculatores vnd Land diebe gewe - ſen / welche heimlicher vnd gleichſamb vnvermerckter Weiſe gantze Land vnd viel tauſend Leuthe beſtohlen vnd vmb das Jhre gebracht / deren viel wie offenbahr vnd bekandt noch vor jhrem Abſterben in Schimpff vnd Spott / ja auch wol gar in deſperation gerathen vnd ein Ende mit Schrecken genommen. Die Exempla ſind friſch / die Nahmen ſind be - kandt / vnd iſt nicht noth dieſelbe zunennen / vnd waͤre wol hoch zu wuͤn - ſchen / daß durch ſolcher Kipper / Wipper vnd Landdiebe toͤdtlichen Ab - gang / auch die Kipperey abgangen waͤre vnd nicht noch viel Leuthe vor - handen / die vmb ſchaͤndlichen Gewinns auß der Muͤntze profit ſuchen / oder gar ein Commercium machen / vnd das was pro menſura Handels vnd Wandels geordnet / zum Handel treiben vnd machen / daruͤber ſchonvorlaͤngſt115Von dem weltlichen Stande. vorlaͤngſt der geweſene Reichspfenningmeiſter Zacharias Geitzkoffler / in ſeinem Muͤntzbedenckenklaget / daß nunmehr viel ein groͤſſer Kauff - manſchafft vnd Gewerb mit den Muͤntzen als mit den Waaren ſey. Da - hero auch in deß H. Reichs Muͤntz edict vnd Abſchieden verbotten / daß Chur Fuͤrſten / Graffen / Herren vnd Staͤdte / welche mit dem Muͤntz Regal begnadiget / dieſelbe nicht verleyhen / verpfachten oder vmb profit außthun ſollen / dann ſo bald ſolches geſchiehet vnd Gewinn geſuchet wird / der dann ins gemein nicht der Herren / ſondern der Muͤntzmeiſter / Außwechſeler / vnd dergleichen Partitenmacher vnd eygenuuͤtziger Die - ner iſt / kan die Muͤntz an Schrodt vnd Korn nicht richtig bleiben / gleich - wol Chur-Fürſten vnd Staͤnden bey der gantzen Welt ruͤhmlich / vnd an jhme ſelbſten Chriſtlich vnd billig / daß ſie jhr Gepraͤge / Wappen / Ti - tul / Nahmen / vnd die hohe Regalia der Muͤntzfreyheiten zu keinem Fi - nantz / Betrug oder Nachtheil deß Reichs vnd in gemein jedes Vnder - thanen / gebrauchen oder durch andere mißbrauchen laſſen / wie obgedach - ter Geitzkoffler mit mehrerm erinnert. Von Philippo Melanthone wird gemeldet / daß er zuſagenpflegen / es wuͤrde der Welt noch an dreyen Dingen ſehr mangeln: An Holtz / an guter Muͤntze / vnd an trewen Freunden. Von dieſer Materi habe ich ein mehrers gemeldet in meinem Tract. de Retract. Municip quæſt. 6. n. 248. & mult. ſeqq.

AXIOMA XLIV. Zu beſſerer Erhaltung Policey / auch adminiſtra - tion Rechtens vnd Gerechtigkeit / muͤſſen noth - duͤrfftige judicia, Cantzeleyen vnd Ge - richtsſtuͤhle angeordnet vnd beſtel - let werden. (1)

(1) Dioti - mus Reg ſive Prin - cipitria convenire dixit: Re - ligionem ad ſepro - bandum, judicium ad ſuos - tinendos, Exercitium ad hoſtes propulſandos, Nicolaus Mareſchal, olim Cancell. Megapo - litan. 5. inſtit. Reipubl. militar. cap. 14.
5

RIchter vnd Amptleuthe / ſpricht Gott der Herꝛ zu Moſes / ſoltu dir ſetzen in allen deinen Thoren / im 5. Buch Moſis. Cap. 17. v. 1.

Er iſt ſelber der erſte Vrheber vnd Stiffter der Gerichte / er liebet Gerechtigkeit vnd Gerichte / ſpricht David im 34. Pſal. v. 5. ja Gerechtigkeit vnd Gerichte iſt ſeines Stuhls Veſtung / Pſalm. 89. Pp ijv. 15. Der116Das ander Buch /v. 15. Der Herꝛ iſt ein Gott deß Gerichts nach der Außſage deß Prophe - ten Eſai. Cap. 30. v. 18. Er hat ſelber auch Gerichte gehalten / vnd darin præſidiret.

(2) Evi - dentia pa - trati cri - minis cla - more ac - cuſatoris non indi - get. c. evi - dentia. x. de accu - ſat. ideoq; in eviden - tibus & notoriis delictis judex ex officio procedit & ipſe partes ac - cuſatoris ſuſtinet. Als vnſere erſte Eltern Adam vnd Eva Gottes Gebott uͤbertret - ten / hat er ſie nicht gleich verdammet / ſondern wie ſie auß verletztem Ge - wiſſen ſich verkrochen / vnd jhre Bloͤſe vnd Schame mit Feigenblaͤttern bedecket / hat Gott ein Criminal oder peinlich Gericht geheget / ſie beyde ex officio (2) darvor citiret vnd geſtellet / jhre vermeynte Exceptiones vnd Verantwortung die doch gar ſchlecht waren / vorhin angehoͤret / vnd weil ſie der That geſtaͤndig vnd nicht laͤugnen koͤnnen / jhnen beyden neben der verfuͤhriſchen Schlangen vnd zwar einem jeden nach ſeinem Verbre - chen vnd Eygenſchafft / jhre Sententz publiciret, (3) die Execution ſo bald darauff angeſtellet / vnd ſie / vnſere erſte Eltern / auß dem Paradißgarten relegiret, verſtoſſen vnd den Cherubim mit einem bloſſen hawenden Schwerdt zur manutenentz der abgeſprochenen Vrtheil darvor geſtellet. Geneſ. Cap. 3.

Als Miriam vnd Aaron wider Gottes Verordnung wider Mo - ſen vffſtunden / vnd wegen deß Regiments mit jhme Gezaͤnck anfiengen / ſtellete Gott ein Gericht an / forderte ſie alle drey auß der Stifftshuͤtte / fuhr in einer Wolckenſaͤule hernieder / verhoͤrete die Sache / vnd weil Miriam nichts erhebliches zu jhrer Entſchuldigung vorzubringen wuſte / ward der vnſchuldige Moſes abſolviret, aber Miriam condemniret vnd(3) In con - feſſum nullæ aliæ judicis partes quã conde - mnare, in - deq; con - feſſus pro judicato habetur, & quodam - modo ſua - met ſentẽ - tia damna - tur l. 1. ff. de confeſſ. & ibid. Weſemb. in paratir. num. 1. & ſeqq. mit dem Außſatz geſtraffet. Num. Cap. 12. vnd weil Miriam den Aaron mit Weiberliſt darzu verleitet / daß er jhr zu liebkoſen mit auffgeſtanden / hat jhn Gott überſehen / wiewol er durch ſeines Weibes Außſatz auch mit geſtraffet worden.

Moſes hat nicht allein ſelber Gericht gehalten / vnd darin præſidi - ret, ſondern auch ein wolbeſtelltes Gericht angeordnet Exod. Cap. 18. Jo - ſua hielte wider den verbanneten Achan ein formlich Gericht / ſtellete jhn zu Rede / ſprach jhm hart zu / dem Herꝛn dem Gott Jſrael die Ehre zu ge - ben vnd die Warheit zuſagen / vnd als Achan die That geſtand / ſchickte Joſua gleich wol erſt hin / erkuͤndigte ſich deß corporis delicti vnd ließ nachſuchen / ob ſich der verbandte Mantel alſo nach Achans Vrgicht an dem angedeuteten Orth befunde / vnd da es ſich alſo verhielte / reus con - feſſus vnd corpus delicti vorhanden war / bekame er dieſe Sententz: Weil du vns betruͤbet haft / ſo betruͤbe dich der Herꝛ an dieſem Tage / vnd das gantze Jſrael ſteinigten vnd verbranden jhn mit Fewer. Joſ. Cap. 7.

Ein ordentlich vnd herꝛlich Gericht hielte der Koͤnig Salomo zwiſchen den beyden leichtfertigen Weibern uͤber das todte vnd lebendigeKind.117Von dem weltlichen Stande. Kind. 1. Reg. 3. vnd wird die Juͤdiſche Policey von David darumb ſehr geruͤhmet Pſalm. 122. v. 5. Daſelbſt ſpricht er ſitzen die Stühle zum Ge - richt / Stuͤhle deß Hauſes Davids.

AXIOMA XLV. Die Tribunalia vnd Gerichte muͤſſen mit gotts - fuͤrchtigen / redlichen / geſchickten vnd gelehrten Leuthen beſetzet werden.

ES iſt vnmuͤglich / daß ein Koͤnig vnd groſſer gewaltiger Regent / alle vnd jede Sachen vor ſich ziehen / verhoͤren vnd eroͤrthern kan - Moſes vnderſtunde ſich zwar deſſen in der Wuͤſten / aber es ward jhme zuviel / ſein Schwaͤher Jethro remonſtrirte jhme klaͤrlich / daß es jhme in die harre vnmuͤglich fallen / vnd er ſich ſelber nur conſu - miren vnd abmatten wuͤrde / gab jhme derowegen den guten Rath / daß er gewiſſe Richter vnd Gerichte anordnen / denſelben die Streitſachen commitiren, die publica aber / nemblich die ſacra oder Verpflegung deß Gottes dienſtes / die Publicirung der Geſetze vnd andere gemeine Anord -(1) Magnæ & arduæ cauſæ ma - gnos po - ſtulant ju - dices. nung / ſolte er uͤbernehmen gleichwol auch in den Streithaͤndeln von den wichtigen vnd groſſen Sachen ſich referiren vnd berichten laſſen / (1) wie zuleſen Exod. Cap. 18. Deutern. 1. v. 12. Wie aber Richter ſollen qualifi cirt vnd beſchaffen ſeyn / zeiget Jethro daſelbſten ſeinem Eydam Moſt an / wann er ſpricht; Siehe dich aber vmb vnder allem Volck 1. nach red - lichen Leuthen / 2. die Gott fuͤrchten / 3. warhafftig / vnd 4. dem Geitz feind ſeyn. Diß ſind treffliche gute Qualitaͤten vnd Eygenſchafften eines Richters.

Als der loͤbliche Koͤnig Joſaphat eine allgemeine viſitation in Kirchen - vnd Regimentsſachen vorgenommen / hat er in allen Staͤdten Juda Richter beſtellet vnd jhnen dieſe inſtruction gegeben: Sehet zu was jhr thut: dann jhr haltet das Gerichte nicht den Menſchen / ſondern dem Herꝛn / (der aller Welt Richter iſt. 1. Buch Moſ. Cap. 18. v. 25.) vnd er iſt mit euch im Gerichte / darumb laſſet die Furcht deß Herꝛn bey euch ſeyn / vnd huͤtet euch vnd thuts: dann bey dem Herꝛn vnſerm Gott iſt kein Vurecht noch Anſehen der Perſonen / im andern Buch der Pp iijChron.118Das ander Buch /(2) Juſtitia non novit Patrem, non novit Mattem: veritatem novit, per - ſonam accipit, Deũ imi - tatur Caſ - ſiodor. Chron. Cap. 29. v. 6. 7. (2) Wer in die Cantzeley oder ins Gerichthauß ge - het vnd ſich zu Gericht ſetzet / der ſoll wann er die Thuͤr hinder ſich zu ma - chet / oder in die Schrancken der Gerichtsbanck tritt / alle Freunde vnd Feinde alle Affecteu drauſſen fuͤr der Thuͤr oder den Schrancken ſtehen laſſen / vnd ſeine reflexion vnd Abſehen / auff Gott deme wie gemeldet das Gericht gehalten wird / die Warheit vnd Gerechtigkeit wenden.

Wann obangezogene Qualitaͤten / vnd ſonderlich die Gottesfurcht bey einem Richter ſich nicht findet / ſo gehet es ſchlecht daher / vnd wird vnder dem Schein Rechtens vnd Gerichts Gewalt vnd Vnrecht veruͤbet.

Als der Koͤnig Achab vnd ſeine gottloſe Gemahlin Jeſabell / an deß frommen Naboths Weinberg / mit Fugen vnd Recht nicht kommen konte / wolten ſie auch doch den Nahmen nicht haben / daß ſie denſelben mit Gewalt an ſich zureiſſen begehrten / ſondern Jeſabell wolte der Sa - chen einen prætextum juris ſuchen / ließ in jhres Herꝛn Gemahls Nah - men an die Eltiſten vnd Oberſten der Stadt / einen Befehl abgehen / man ſolte ein ordentlich gewoͤhnlich Gericht an vnd Naboth darvor ſtellen / daneben zwey loſe Buben vnd falſche Zeugen produciren, die wi - der jhn zeugeten / daß er Gott vnd den Koͤnig gelaͤſtert / welches die gott - loſe Richter / weil ſie jhre abgoͤttiſche Koͤnigin mehr als Gott im Himmel(3) Pru - dentis ju - dicis pro - prium eſt, examinate conſilia, & non citõ facili credulitate ad falſa prolabi: de du biis ſeu non ſatis perſpectis ac cognitis, ſuſpenſam tenere ſententiam. Senec. Satius enim eſſe impunitum relinqui facinus nocentis, quam innocentem damnare, de jure reſpondit Ulpianus in l. abſen - tem in princ ff. de ſæn imõ ut aliiloquuntur melius eſt, mille nocentes dimittere, quam unũ innocentem perdere; quia illi etiamſi ſemel, facto, nonſatis judici apparente, evadant, denuõ accuſari & convicti ſupplicio affiei poſſunt: Huic vero ſi ſemel ultima neceſsitas dictata & executioni mandata ſit, nulla judicis reſtitutione aut judicii redintegratione ſubveniri poteſt. gefuͤrchtet / alſo zu Werck gerichtet vnd auff ſubornirter falſcher Zeugen Auß ſage wider beſſer Wiſſen vnd Gewiſſen den vnſchuldigen Naboth zum Todte vervrtheilet. 1. Reg. Cap. 21. (3)

Gantz vnvorſichtig vnd widerrechtlich haben die Richter wider die keuſche Suſannam verfahren / in deme ſie dieſelbige auff vngleiche jrri -(4) Judex debet ha - bere du - plicem ſa - lem. ſcien - tiæ, ſine qua in - ſipidus, & conſcientiæ, ſine qua Diabolicus. Bald. in l. 2. C. deſentent. ex brevic. recitand. Ma - gna clades Reipublicæ mali judices & Præfecti Contzen de ſtat. Magnat. & aulic. cap. 15. §. 1. ge / in jhren Vmbſtaͤnden nicht wol erwogene Kundſchafft falſcher Zeu - gen zum Todt vervrtheilet / (4) ſo aber hernacher durch deß weiſen Rich - ters Daniels / Vorſichtig vnd Geſchickligkeit errettet / die Warheit an Tag gebracht vnd die falſchen Zeugen vnd Anklaͤger hingerichtet / im Buͤchlein Suſannæ.

Pilatus119Von dem weltlichen Stande.

Pilatus æſtimirte deß Keyſers Tiberij Gnade vnd der Juden Favor im Gerichte auch hoͤher als die Furcht Gottes / wolte lieber deß Keyſers Freund bleiben / mit vngerechter Verdammung deß vnſchuldi - gen Herꝛn Chriſti / wider ſein beſſer Wiſſen vnd Gewiſſen / als denſelben von der falſchen Anklage abſolviren, wie die Hiſtoria Paſſionis bezeuget.

Ein vngerecht Blutgericht ward uͤber den H. Stephanum ver - haͤnget. Actor. Cap. 6. & 7.

AXIOMA XLVI. Die Obrigkeit vnd Regenten ſollen nicht allein Ge - richt halten laſſen / ſondern ſelber gern Audientz ge - ben / auch den Armen vnd Geringen / vnd zu weilen den Gerichts-audientien ſel - her beywohnen.

HOere den Armen gerne ſpricht Syrach / vnd antworte jhme freundlich vnd ſanfft / halt dich gegen die Weiſſen wie ein Vatter / vnd gegen jhre Mutter wie ein Haußherꝛ. Cap. v. 8. & 10. Ein ge - rechter Regent erkennet die Sache der Armen / vnd wer ſie trew - lich richtet / deſſen Thron wird ewiglich beſtehen / ſaget der weiſe Koͤnig Salomo / Proverb. Cap. 29. v. 7. & 17.

Ein Regent vnd Herꝛ ſoll willig vnd vnverdroſſen ſeyn / ſeinen Staͤnden vnd Vnderthanen Audientz zugeben / jhre deſideria vnd Be - ſchwehrten willig / gnaͤdig vnd gedultig zu hoͤren / auch die Geringen vnd Armen: Jhr ſollet / ſpricht Gott / durch Moſen / den Kleinen hoͤren wie den Groſſen Deutern. Cap. 1. v. 17. Ja der Koͤnige vnd Regenten Ehre iſt es eine Sach erforſchen nach den Sprichw. Salomon. Cap. 25. v. 2. Sie ſollen darin Gottes Nachfolger ſeyn / der ſich ſo hoch geſetzet hat / vnd doch auff das Niedrige ſiehet / im Himmel vnd auff Erden. Pſalm. 113. vnd kennet den Stoltzen nur von ferne. Pſalm. 138. v. 6. Der weiſe vnd gewaltige Koͤnig Salomon ſchewete ſich nicht / die beyde leichtfertige Weiber / ſo wegen deß todtgetruckten vnd lebendigen Kindes ſtritten / vor ſich vnd ſeinen Koͤniglichen Thron kommen zu laſſen / ſie ſelber nach Nothturfft zu hoͤren / vnd nach hochweiſer / fleiſſiger Erforſchung derwahren120Das ander Buch /wahren Beſchaffenheit / ein gerecht Vrtheil vnd Sententz auß zuſprechen. 1. Reg. Cap 3. Der Koͤnig Joſaphat hat zweymahl eine allgemeine Land - viſitation angeſtellet / vnd gute Gerichtsordnung allenthalben verfuͤ - get / worbey er ohne Zweiffel viel Partheyen ſelber gehoͤret. 2. Chron. Cap. 19. Alſo verhoͤrte vnd examinirte Joſua ſelber den Achan. Joſ. Cap. 7. Ob ſchon der Koͤnig David ſich ſehr offendirt befandt / uͤber deß Nabals Vnbeſcheidenheit / dannoch als jhme ſein Weib / die vernuͤnffti - ge Abigail begegnete vnd Audientz begehrte / verweigerte er jhr dieſelbe nicht / hoͤrete ſie vnd ließ ſeinen Grimm fahren. 1. Samuel. Cap. 25. Jm - gleichen gab David dem klugen / von Joab angeſtelltem Weibe gutwil - lige Audientz. 2. Samuel. Cap. 14.

Von Keyſer Ferdinand dem Erſten / lobſeligſter recordation, wird gar ruͤhmlich gemeldet / daß derſelbe zu gewiſſen Zeiten / einem je - den / der etwas zu klagen vnd anzubringen gehabt / gnaͤdigſte Audientz ge - geben / vnd als einmahls ein armes altes Weib / mit einer Supplication zu jhrer Keyſerlichen Mayt. ſich genaͤhert / vnd einer von den Hoffdie - nern jhr ſolches nicht geſtatten wollen / der Keyſer demſelben ernſtlich eingeredet / ſagende: Laſſet ſie herbey kommen / werden wir die arme Leu - the nicht zu vns laſſen vnd hoͤren / ſo wird vns GOtt wider zu ſich nicht laſſen vnd hoͤren. Iohan. Mattheſi. in Orat. Funebr. Ferdinand. I. Mün - ſte. in Coſmograph. lib. 5. de Herm. c. 48. Vnd zwar ſolches nach deß weiſen Koͤnigs Salomons Ermahnung / wann er ſpricht: Wer ſeine Ohren verſtopffet fuͤr dem Schreien der Armen / der wird auch ruffen / vnd nicht erhoͤret werden / in den Sprichwoͤrtern Cap. 21. v. 13. darumb heiſſet man ſie ja gnaͤdige oder guͤtige Herren. Luc. Cap. 22. vnd Goͤtter. Pſalm. 82. Engel Gottes / die Gutes vnd Boͤſes hoͤren. 2. Samuel. Cap. 14. & 17.

Von Keyſer Ferdinando dem Andern Glorwuͤrdigſtem / hab ichs ſelber offt geſehen / wann jhre Keyſerl. Mayt. auß der Kirchen kommen / daß ſie ſelber ſchlechten vnd geringen Leuthen Supplicationes mit eyge - ner Hand abgenommen / auch wol etwas ſtehen geblieben / jhr Anbrin - gen gehoͤret / vnd hernacher die Supplicationes an gehoͤrige Orth ge - ſchicket / mit Befehl darin ſchleunig die Billigkeit zu verfuͤgen. Vid. et am Leimerman. de vit. Ferdinand. II. c. 22.

Gott hat die Regenten nicht zu dem Ende eingeſetzet / daß ſie ſich einſperren vnd den Vnderthanen entziehen / ſondern daß ſie dieſelbe hoͤ - ren / jhnen Rettung / Troſt vnd Recht ſchaffen ſollen / welches Keyſer Rudolph der Erſte wol in acht genommen / da er ſeinen Hoffdienern / welche den Leuthen den Zutritt hindern vnd wehren wollen / verweißlichalſo121Von dem weltlichen Stande. alſo zugeſprochen: Vmb Gottes willen laſſet die Leuthe zu mir kom - men / ich bin ja nicht darumb zu der Wuͤrde Keyſerlichen Hoheit erfor - dert / daß ich gleich ſamb in einem Kaſten mich eingeſperret halte. Acaci. Enenkell in Tractat. quem inſcribit. Seian. c. 3. p. m. 108. & ſeqq. (1)(1) Rex eli - gitur non utſe mol - liter cu - ret, ſed ut peripſum, ii qui ele - getunt, benè bea - tèque a - gant Xe - nophon in memora - bil. Socr. lib. 3. Non dubitan - dum eſſe primos Reges & Principes electos fu - iſſe, ut li - tes inter ſubdiros exortas ſopiendo, concordiæ ſtuderent, jus æqua - liter o - mnibus admini - ſtrarent, & ſuoſad hoſtium & improbo - rum civiũ injuriis defende - rent notat Jacob. Ze - vecot. in obſerv. ſolitic, ad Sueto. Jul. Cæſ. c. 43. ubi in ſin. addit, viderint quid æterno judici re - ſpõſuri ſintilli, q omnes ſibi natos exiſtimant, cõceſſaq; poteſtate temerè abutẽtes, innoxios ſpoliant, violant, & ſi ulterius inſanire libeat etiam carnifici tradunt extinguẽdos. Eben von dieſem Keyſer Rudolph dem Erſten referiret Drexelius in ſeinem Phaëtonte c. 22. auß deß Juſti Lipſii Monit. Polit. lib. 2. daß wie er eins mahls ſich zu Nuͤrenberg auffgehalten / ein Handelsmann jhme ſelber geklaget / wie er von ſeinem Haußwirth vmb eine groſſe Summe Geldes / die er demſelben zu trewen Haͤnden zu verwahren zu geſtellet / der es hernacher nicht geſtaͤndig ſeyn wollen / der loͤbliche Keyſer fraget jhn etwas nach den Vmbſtaͤnden / vnd in was fuͤr einem Beuttel die Gelder geweſen vnd wie derſelbe beſchaffen / laͤſſet dieſen Handelsmann in et - was auff die Seyte in ein ander Zimmer abtretten / vnd den betruͤgli chen Wirth fuͤr ſich kommen / ſpricht zu demſelben / er / der Wirth habe einen ſchoͤnen Hut / er ſolte jhme denſelben verehren oder vertauſchen. Dieſer haͤlt das für eine ſonderliche Ehre / daß der Keyſer ſeines Huts begehret / laͤſſet denſelben willig dem Keyſer abfolgen. Wie der Keyſer den Hut hat / ſchicket er einen andern bekandten vnd trewen Buͤrger zu Nuͤrenberg / der muß von deß Wirths ſeiner Frawen in jhres Ehewirths Nahmen einen ſolchen Beuttel wie jhn der Handelsmann beſchrieben fordern / weil er deſſen beduͤrfftig / vnd damit ſie daran nicht zu zweiffeln / ſo waͤre allda jhres Mannes Hut zum Warzeichen / welchen ſie erkandt vnd dem Buͤrger den Beuttel geholet / der denſelben gleich zum Keyſer gebracht / worauff er erſtlich dem Handelsmann den Beuttel vorgezei - get / der jhn ſo bald gekandt / hernacher den Wirth zu Rede geſetzet / war - umb derſelbe dem Handelsmann ſein Geld nicht wider gebe / als aber der Wirth alles gelaͤugnet / hat jhm der Keyſer den Beuttel vorgezeiget / woruͤber er verſtummet vnd ſeine Schalckheit geſtehen muͤſſen. Hat alſo durch dieſes hoch weiſen Keyſers Verhoͤr vnd kluge Anſtalt der Han - delsmann ſein Geld wider erhalten / der Wirth aber iſt dem Verbrechen nach an Ehr vnd Gut geſtraffet worden.

Landgraff Philipps zu Heſſen der elter ſetzet in ſeinem Teſtament vnder andern Vrſachen daß es gut ſey / daß Fuͤrſten vnd Herꝛn zuwei - len auff die Jagt ziehen vnd ſich darbey erluſtigen / weil dardurch man - cher armer Mann vorkommen vnd mit ſeinem Anligen gehoͤret werden kan / der ſonſten darzu nicht gelangete.

QqAXIO -122Das ander Buch /

AXIOMA XLVII.Jn der La - teiniſchen verſion lautet der Text alſo. Juſtum quod eſt juſtè per - ſequeris. Jn der Teutſchen verſion aber iſt es in etwas anders ge - geben wie im Latei - niſchen. Was recht iſt ſoll man mit Recht außfuͤhren. Deuteronom. 16 v. 20.

ALs S. Paulus zu Epheſo von dem gecreutzigten Chriſto predigte / vnd der beruͤhmte Goldſchmid Demetrius, weiler beſorgte / der fal - ſche Gottesdienſt der Goͤttinnen Diana wuͤrde damit fallen vnd ſein beſter Verdienſt / den er darvon hatte / abgehen / richtete er einen Tumult vnd Vffſtand an / denſelben zuſtillen / interponirte der Cantzler zu Epheſo ſeine Auctoritaͤt / beruhigte den gemeinen Mann vnd ſprach: Hat Demetrius vnd die mit jhme ſind vom Handwerck / zu jemand ei - nen Anſpruch / ſo haͤlt man Gerichte vnd ſind Landvoͤgte da / laſſet ſie ſich vnder ein ander verklagen. Actor. Cap. 19. v. 38. Alſo ſtehet im Ge - ſetzbuch Moſis geſchrieben: Wann ein Hader iſt zwiſchen Maͤnnern / ſo ſoll man ſie fuͤr Gericht bringen / vnd ſie richten / vnd dem Gerechten Recht ſprechen vnd den Gottloſen verdammen / im 5. Buch Moſis Cap. 25. v. 1. Jtem / verhoͤret ewre Bruͤder vnd richtet recht zwiſchen jederman vnd ſeinem Bruder vnd dem[Frembdlinge] / im ſelbigẽ 5. Buch C. 1. v. 16.

Es iſt nicht gnug daß einer eine gute vnd gerechte Sache habe / ſon - dern er muß dieſelbe auch mit Recht proſequiren vnd auß uͤben. Die beſte(1) Ideo judiciorũ vigor, ju - riſque pu - blici tute - la in me - dio con - ſtituta, ne quis ſibi ipſi valeat permittere ultionem. l. nullus 14. C. de jud. & Cælicol. tot. tit. C. ne quis in ſua cauſa judicet. add. ICti Calliſtrati Reſponſum ex l. extat. ff. Quod. met. cauſ. Sache kan durch uͤbele widerrechtliche proceduren verderbet / oder wol gar verlohren werden / darumb ſind die Gerichte vnd Obern von GOtt eingeſetzet / daß nicht ein jeder ſich ſelber zu ſeinem Recht verhelffe / oder ſich ſelber das Recht / ſeinem Wahn nach / ſpreche / ſondern ſeine Sache im Gerichte oder ſonſt an gehoͤrige Orthe / einbringe / rechtmaͤſſiger Ent - ſchuldigung oder Außſpruch daruͤber erwarte. ( 1)

Es haben die Rechte heylſamblich verordnet / daß der jenige ſo ſelbſt Richter ſeyn wil / vnd was jhme gebuͤhret ſelbſt maͤchtig occupiren vnd an ſich ziehen wil / deſſen gantz verluſtig werde. (2)l. ſi quis in tantam C. unde vi, cum ſimilibus.

AXIO -123Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XLVIII. Jn einer guten Sach mag man wol auch vor Gericht nothbehelffe ſuchen / vnd ſich mit Geſchwin - digkeit herauß reiſſen.

DEr Apoſtel S. Paulus muſte wider ſeinen Willen / mit ſeinen hefftigen Widerſachern den Juden vnd Schrifftgelehrten offt vnd dick fuͤr Gericht ſtehen / vnd ſich der falſchen Anklage / ſo gut er konte / entſchuͤtten / vnd ſich loß wuͤrcken. Als er ſeinen Juͤngern zu Epheſo valediciret, vnd ſeine Reyſe in Macedoniam, durch Griechenland / hernacher durch Aſiam nach Malta genommen / daſelb - ſten zu Schiff gangen / zu Jeruſalem angelendet vnd allda offentlich im Tempel wider der Juden Beſchuldigung ſich exculpirt, iſt darauß eine Empoͤrung entſtanden / ſo gar / daß der Obriſter Hauptman ſeine Offici - rer vnd Knechte zuſammen bringen / die Auffrührer ſtillen muſte / vnd da er den Paulum gefaͤnglich annehmen / vnd mit Ketten gebunden ins Laͤger fuͤhren / vnd ohne gnugſame der Sachen Erkandtnuß jhn zu ſteu - pen Befehlergehen ließ / opponitte Paulus gleich / da die Execution ge - ſchehen ſolte / dieſe Exception, daß er ein Roͤmiſcher Buͤrger / ja Roͤmiſch gebohren waͤre / vnd daß es ſich vor dem Roͤm. Keyſer nicht wuͤrde ver - antworten laſſen / einen Roͤmiſchen Menſchen ohne Vrtheil vnd Recht zu geiſſeln / erhielte darmit ſo viel / daß die Execution vor das mahleinge - ſtellet worden. Act. Cap. 22. per tot. & v. 25. da er doch vorhin geſaget / er waͤre ein Juͤdiſcher Mann gebohren zu Tharſen / ein Buͤrger einer nahmhafften Stadtin Cilitia. Actor. Cap. 21. v. 39. & Cap. 22. v. 3.

Als er ſich nun fuͤr dasmahl mit angeregter Exception nullitatis ſalviret, andern Tages aber wider fuͤr Rath geſtellet worden / hat er war - genommen / daß er beyde widerwaͤrtige Secten der Phariſeer vnd Sa - duce er wider ſich gehabt / derowegen ſehr kluͤglich darauff gedacht / wie er dieſe beyde widerwaͤrtige Partheyen / vnder ſich committirte vnd an ein - ander braͤchte / damit ſie ſeiner vergeſſen / vnd vnder einander ſich herumb beiſſen moͤchten / nahme der Phariſeer Partheye an / vnd ſprach: Jhr Maͤnner lieben Bruͤder / ich bin ein Phariſeer vnd eines Phariſeers Sohn / ich werde angeklaget vmb der Hoffnung vnd Aufferſtehung wil - len der Todten / woruͤber ein Auffruhr vnder den Phariſeern vnd Sa -Qq ijduceern124Das ander Buch /duceern worden vnd die Menge ſich geſpaltet. Dann die Saduceer(1) Eraſm. Roterd. in Para - phraſ. ad d. c. 23. Actor. ſcribit: Paulus videns, ſe nihil acturum, ſub tali judice, tantum occaſionem quærendam putavit, ut ille conventus diſſolvererur. Licet enim arte vitare periculum, ubi nullus ex eo fructus apparet. Noverat enim Concilium illud conſtare ex Sectis duabus, quarum al - tera erat Saducæorum, altera Phatiſæorum, quorum alteri ab alteris diſſidebant. glaubten keine Aufferſtehung / noch Engel / noch Geiſt / die Phariſeer be - kennen es aber beydes. Hieruͤber bekame Paulus die Phariſeer auff ſeine Seyte / die jhn abſolvirten vnd aller Beſchuldigung loß ſprachen. Act. Cap. 23. v. 6. & ſeqq. kam alſo durch dieſen klugen Fund vor das mahl auch darvon (1)

Da er noch ferner fuͤr dem newen Roͤm. Landpfleger Feſto / von ſeinen Anklaͤgern verfolget vnd zu Cæſarien fuͤr den Richtſtuhl geſtellet worden / vnd derſelbe Paulum fragte / ob er nicht lieber zu Jeruſalem fuͤr Gerichte ſtehen wolte / ſagte Paulus; ich ſtehe fuͤr deß Keyſers Gerichte / da ſoll ich mich richten laſſen / vnd weil er vermerckte / daß Feſtus inclinir - te, den Juden Gunſt zu erweiſen / interponirte er eine eventual Appella - tion an den Roͤm. Keyſer vnd ſprach: Jch beruffe mich auff den Keyſer / erlangte auch ſo bald Apoſtolos Reverentiales von dem Feſto deß Jn - halts; auff den Keyſer haſtu dich beruffen / zum Keyſer ſoltu ziehen. (2) Inter - poſita ap - pellatione judex ab ulteriori proceſſu & Execu - tione ſu - perſedere tenetur. Etpen - dente ap - pellatione nihil in - novandũ. (3) Rebuff. in l. un. C. deſentent. pro eo quod in - tereſt. notab. 9. Weſenb. in paratit. C. de Advoc. diverſ. judic. num. 2. Mynſinger. obſ. 6. cent. 30 ubiſcribit. Advocatus fovens juſtam cauſam, poteſt etiam convincere adverſarium cum mali - tia, eumq; circumvenire ut ſuccum bat. der allegata ibid. loh. Baptiſt Magoni. de Errorib. Ad - vocator. part. 2. cap. 4. Waremund. de Ehrenberg de Fœderib. lib. 1. c. 2. n. 62.Actor. Cap. 25. v. 10. & ſeqq. riß ſich alſo auch fuͤr das mahl weißlich her - auß. (2) vnd ſind viel vornehme Rechtsgelehrte der Meynung / daß die Advocaten vnd Sachwalter in einer guten gerechten Sache / dem Ge - genpart wol moͤgen mit Geſchwindigkeit begegnen vnd eins ablauffen / vnd das / ſic ars eluditur arte, practiciren: item quod fallacia fallaciam trudat, (3) nicht weniger als wie in offentlichem Kriege / gleiche viel thut / ob man ſeinem Feinde mit offener Gewalt / oder mit Liſt vnd Be - hendigkeit etwas ab habe / darvon vnden Tit. vom Bibliſchen Kriegs - recht Axiom. 33. mit mehrerm gehandelt. Vid. c. Dominus noſter. cauſ. 23. quæſt. 2. Wer ſich aber in einer boͤſen vnd vngerechten Sach ſolcher Ge - ſchwindigkeit die gute Sach zu verkehren vnd den Richter zu ver - leiden bedienen wolte der handelte wider ſein Gewiſſen / wider GOtt vnd das Recht.

AXIO -125Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XLIX. Geſchenck ſoll man nicht nehmen das Recht zu beugen.

DV ſolt das Recht nicht beugen vnd ſolt auch keine Perſon an - ſehen / noch Geſchenck nehmen: Dann die Geſchenck machen die Weiſen blind / vnd verkehren die Sachen der Gerechten / ſpricht Gott im 5. Buch Moſ. Cap. 7. ſie machen den Sehenden blind. Jm 2. Buch Moſ. Cap. 23. v. 8. vnd blenden die Weiſen / Syrach. Cap. 20. v. 31. Ja ſie bewegen auch wol der Koͤnige Hertz Syr. Cap. 8. v. 4. derowegen Salomon recht ſaget. Der Gottloß nimbt heimblich gern Geſchencke / zu beugen den Weg deß Rechtes / Proverb. Cap. 17. v. 23.

Sehr hoch wird Samuel der viel Jahr ein Regent vnd Richter über Jſrael geweſen / geruͤhmet / daß er von keinem Menſchen Geld / auch nicht einen Schuch genommen. Syrach Cap. 46 v. 22. Geſtalt er ſelber bey Ablegung ſeines Richterampts / nach vorgangener Wahl eines ne - wen Koͤnigs / mit auffrechter Stirn dem Volck vnder Augen geſaget / ſiehe hie bin ich / antwortet wider mich fuͤr dem Herꝛn vnd ſeinem Geſalb - ten / ob ich jemandes Ochſen oder Eſel genommen habe? ob ich jemand habe Gewalt oder Vnrecht gethan? eb ich von jemandes Hand habe Ge - ſchenck genommen vnd mir die Augenblenden laſſen? 1. Samuel. Cap. 12. Hierbey iſt gleichwol zu mercken / daß an vnd vor ſich ſelbſten Ge - ſchenck zu geben vnd zu nehmen nicht vnrecht / ſondern es zugeben vnd zunehmen / das Recht zu beugen vnd damit ſich die Augen blenden zu laſſen / wie es Samuel ſelber erklaͤret 1. Samuel. Cap. 8. v. 3. & Cap. 12. v. 3. vnd den Vnſchuldigen zu vndertrucken / vnrecht ſeye. Nicht vn -(1) D. Lu - therus in Commen - tario ſuo in Geneſ. ſuperd. cap. 21 fol. 271. Cõſi - derãda, in - quit hic cauſa finalis Simunera dantur eo conſilio, ut ſuſpiciones & diſcordia amovean - tur & benevolentia concilietur & pax, rectè numerantur inter bona opera, Quid enimſuſpi - carimali de Abrahamo Rex Abimelech poteſt, cum tam liberaliter donet. Profectò nocere vult qui in aliũ liberalis eſt. Abono igitur viro honeſtum eſt ut accipias munus. Dat enim puro corde, ut te ſibi obnoxium reddat, non ut cauſam iniuſtã per te obtineat, ſed ut hoc modo alat mutuam benevolentiam, &c. Hactenus ille. recht hat Abraham gethan / daß er dem Koͤnig Abimelech / mit deſſen Knechten er Streit hatte wegen eines Waſſerbrunnen / ein Præſent von Schaffen vnd Rindern gethan / wie dann auch der Koͤnig nicht vnrecht gethan / daß er ſolches acceptiret vnd angenommen / dann Abraham hat - te eine gute Sach / begehrte auch nicht jhme das Recht zu beugen oder den Vnſchuldigen zu vndertrucken. Jm 1. B. Moſ. Cap. 21. v. 25. & ſeqq. (1)

Qq iijGar126Das ander Buch /

Gar eine andere intention als Abraham hatte der trewloſe Schalck Ziba / wie er dem Koͤnig David in ſeiner Flucht nachfolgete vnd aller - hand Proviand vnd Geſchenck præſentirte, damit er ſich bey demſelben inſinuiren vnd beliebt machen / hingegen ſeinen frommen Herꝛn den Mephiboſeth faͤlſchlich anklagen / vmb ſeine Guͤter vnd dieſelbe an ſich bringen moͤchte / welches er auch erhalten. 2. Samuel. 16. Worbey ſich der weiſe Koͤnig übereilet / deß Mephiboſets gantz vngehoͤrt auff deß fal - ſchen Anklaͤgersbloſſes Anbringen ſeine Guͤter confiſcirt vnd dieſem zu geeygnet / vnd ſeiner herꝛlichen Regentenlehr im 101. Pſalm nicht einge - denckt geweſen. Vnd ſiehet man darauß daß nach Syrachs obangefuͤhr - ter Lehr die Geſchencke auch der Koͤnige Hertz bewegen / wiewol eben dem David nicht beyzumeſſen / daß er ſich dardurch corrumpiren vnd beſte - chen laſſen / ſondern daß dannoch dieſer darmit einen beſſern Zutritt vnd gnaͤdige Audientz erlanget ſeinen Herꝛn zu verleumbden vnd vmb ſeine Guͤter zubringen.

Jn allen menſchlichen Actionibus vnd Handlungen / ſonderlich in Mittel-Dingen / die an vnd vor ſich nicht boͤß / muß geſehen werden auff die Iutention vnd den Zweck (2) deſſen der es thut vnd annimbt / ge - ſchiehet es zur Vngerechtigkeit / vnd keinem gerechten Zweck / iſt es auch(2) Inten - tio Recta, eſt omniũ humana - rum Acti - onum a - muſſis. Drexel. de Recta intent in Rabr. item Baſis & funda - mentum. idem ibid. lib. 1. c. 3. § 1. Animæ facies eſt mentis intentio, & ſicut ex facie pulchritudo corporis æſtimatur ita ex in - tentione rectitudo operis. Bernhard. ſuper Cantic. Salomon. ſerm. 40 fol. m. 294. fac. 2. ubi de duobus requiſitis intentionis bonæ: adeoque per bonæ intentionis radium humanarum acti - onum illuſtrantur merita, dixit Gregor. Et nulla actionum voluntariarum eſt, quæ non origi - nem trahat ex intentione, quæ eſt quaſi theſaurus cordis cogitantis & facientis, juxta illud Salvatoris: Bonus homo de bono cordis ſui theſauro profert bona: Et malus homo de malo theſauro profert mala. Matth. Capit. 12. v. 35. Luc. Capit. 6. verſ. 44. Drexeli. d. lib. vnrecht. Alſo wann Geſchencke zu dem Ende genommen werden von Regenten vnd Richtern / das Recht zu beugen / den Gerechten vnd Ar - men zu trucken / oder an vnſchuldigem Blut eines andern Raach zuuͤben / dann iſt es Gewalt vnd vnrecht / vor Gott vnd der Ehrbahren Welt vn - verantwortlich / geſtalt daruͤber der Prophet Eſaias ſehr klaget vnd de - nen / ſo es thun / das Wehe antrohet: Deine Fürſten ſpricht er / ſind Ab - truͤnnige vnd Diebsgeſellen / ſie nehmen alle gern Geſchenck vnd trach - ten nach Gaben; den Wayſen ſchaffen ſie nicht Recht / vnd der Wittwen Sache kompt nicht fuͤr ſie / darumb ſpricht der Herꝛ Herꝛ Zebaoth / O wehe ich werde mich raͤchen durch meine Feinde / ꝛc. Eſai. Cap. 1. v. 23. & ſeqq. & Cap. 5. v. 22. 23. Wehe denen die dem Gottloſen Recht ſprechen vmb Geſchenck willen / vnd das Recht der Gerechten von jhnen wen - den / ꝛc. Muß derowegen ein verſtaͤndiger gottsfoͤrchtiger Richter dahinſehen /127Von dem weltlichen Stande. ſehen / daß er in Juſtitienſachen freye / vnverſchenckte vnd reine Haͤnde behalte / vnd ſich durch Geſchenck nicht obligire, das Recht zu beugen vnd den Gerechten zu vndertrucken / ſonderlich in Blutſachen / dann verflucht ſey ſpricht GOtt / der uͤber vnſchuldig Blut Geſchencke nimbt / im 5. Buch Moſ. Cap. 27. v. 25. Er muß auch in gerechten billichen Sa - chen mit Annehmung Geſchenck vnd Gaben vorſichtig handeln / die - ſelbe nicht in allen Sachen / nicht zu jeder Zeit / auch nicht von allen Per - ſonen annehmen / in gratialibus, da etwas einem zu gutem ohne deß Herꝛn Schaden vnd Nachtheil zu erhalten / hat es wenig zu bedencken. Da auch eine Partheye / nach erhaltener gerechter Vrtheil / ſich gegen den Judicem, der etwan mit vngeſpartem Fleiß die Sache ad Juſtitiam vnd zu gerechter Vrtheil befoͤrdert / es erkennen vnd denſelben beſchen - cken wolte / ſolches koͤnte auch nicht vnder die vnzulaͤſſige Geſchencke ge - rechnet werden / wie Frideric. Balduin. de Caſib. Conſcient. lib. 4. cap. 12. caſ. 9. darvon ſchreibet / wiewol es ſelten darzu kompt / daß nach erhalte - nem Rechte dergleichen oblationes geſchehen. Jmgleichen wann einem geringſchaͤtzige Sachen / als eſculenta vnd dergleichen / darin mehr eine bloſſe affectio, als corruptio ſtecket vnd zu muthmaſſen / zugeſchicket werden / darauß kan man nichts arges ſchlieſſen oder gedencken ob ſolte darumb ein Richter / der ſonſten redlichen Gemuͤths vnd auffrechten Wandels / die Juſtitiam, darauff er ſo hoch verpflichtet / an Nagel haͤn - gen / Ehr vnd Gewiſſen zugleich in die Schantze ſchlagen / vnd zu vnrech - ter Vrtheil / ſich durch ſolche geringſchaͤtzige Dinge bewegen laſſen.

AXIOMA L. Jn - oder auſſerhalb Gericht / ſoll man auff eines Theils bloſſe Anklage oder Anbringen oder auff bloſ - ſe Beruͤchtigung / keinen vervrtheilen oder verdam - men / es ſey dann vorhin der ander Theil mit ſeiner Defenſion vnd Nothturfft gehoͤret.

SYrach redet alle Regenten vnd Richter alſo an: Verdammer niemand ehe du die Sache zuvor erkenneſt. Cap. 10. GOtt hat den Regenten ſo wol als andern Menſchen / jenen aber auch zudem128Das ander Buch /dem Ende zwey Ohren geſchaffen / damit ſie das eine dem Anklaͤger vnd Anbringer / das ander aber dem Beklagten vnd Beſchuldigten offen(1) Cur ge - minas ho - mini con - ceſſit Jup - piter au - res? Poſſit ut hæc læſis, illa patere reis. hielten (1) Er der allwiſſende Gott der aller Welt Richter iſt Geneſ. Cap. 18. v. 25. vnd der da recht richtet Pſalm. 96. v. 10. hat allen Regenten als ſeinen Stadthaltern vnd ſeines Reichs Amptleuthen ſolches nicht allein gebotten / ſondern mit ſeinen Goͤttlichen Exempeln vorgebildet. Jhme als dem Hertzenkuͤndiger war vnſerer erſten Eltern Abfall vor Augen / auch ehe es geſchahe / ſie waren in jhrer Conſcientz vnd Gewiſſen uͤber - zeuget / (2) vnd wuſten jhre Sententz vorhin / hatten ſich deßwegen vnder die Baͤume verkrochen vnd mit Feigenblaͤttern vmbſchuͤrtzet / dannoch(2) Con - ſcientia, dicta, qua - ſi cordis ſcientia & cordis Notarius, omnia quæ à nobis fiunt diligenter notans, & ſecreto quodam impulſu admonens. Balduin. de caſib. conſcient. lib. 1. c. 5. imò magnus ille Codex, in quo quotidiana vitæ noſtræ deſcripta ſunt, utloquitur Chryſoſtom. qui eſt tortor ille cordium & vermis pungens, qui ad deſpera - tionemadegit Cainum. Geneſ. c. 4. Iudam Matth. 27. Achitophel, &c. Meiſner. in homil. Do - minic. 9. poſt Trinitat. p. 547. Hinc Ovid. lib. 1. Faſtor. Conſcia mens ut cuiq́ue ſuaeſt, ita concipitintra. Pectora, profacto ſpemq́ue metumq́ue ſuo. ließ Gott ein Edictal Citation (3) außgehen / vnd rieff: Adam wo biſtu / vnd wiewol er ſo wenig als das Weib einige beſtaͤndige rechtmaͤſſige Ex - ceptiones vnd Defenſionales vorzuſchuͤtzen gehabt / ſind ſie doch damit / wie vnerheblich vnd ſchlecht auch dieſelbe waren / beyder ſeyds gehoͤret / vnd prævia citatione & cauſæ cognitione ein jeder ſeine abſonderliche Sen - tentz vnd Vrtheilbekommen. Geneſ. Cap. 3.

(3) Omne judicium ab ea parte, quæ eſt de in jus vocando incipere debet, inquit Juſtin. Impe - rat. in §. fin. inſtit. de pœn. tem. litigant. Et Qui ſtatuitaliquid parte alterâ inauditâ, Æquum licet ſtatuerit, haudæquus eſt. Senec. Tragœd. 7.
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Groß / notori, Landkuͤndig vnd vnverneinlich war die Suͤnde So -(4) Elegã - ter Pon - tifex Eva - riſtus: Deus, in - quit, o - mnipotẽs, utnos à præcipitatæ ſententiæ prolatione compeſceret, cum omnia nuda & aperta ſint oculis eius, mala tamen Sodomæ noluit judicare audita, priuſquam manifeſtè cognoſceret quæ di - cebantur. Non ob aliud perſe inquirere dignatus eſt, niſi ut nobis exemplum daret, ne præci - pites in diſcutiendis & judicandis negotiis eſſemus, & ne mala quorumque, prius quiſquam præſumat credere, quam probare. Sienim Dominus omnium Sodomorum mala, quorum cla - morad cœlum uſq; pervenerat, omnia ſciens, prius nec credere nec judicare voluit, quam ipſe ca cum fidelibus teſtibus diligenter in veſtigans, quæ audierat, opere veraciter cognoſceret: multò magis nos humani & peccatores homines, quibus incognita ſunt occulta judicia Dei, & hæc præcavere, & nullũ ante veram juſtamq; probationem, judicare aut damnare debemus, hoc dictum Evariſtirelatum in Jus Canon. c. Deus omnipotens Cauſ. 2. Quæſt. 2. dom vnd Gomorra / ſo gar daß jhr Geſchrey in den Himmel reichete / daß alſo gantz keines Proceſſes vonnoͤthen war / cum in Notoriis relaxetur or - do juris & proceſſus, dannoch ſprach Gott zu Abraham / daß er wolte hin - abfahren / vnd ſehen ob ſie alles gethan haͤtten nach dem Geſchrey das vor jhne kommen waͤre / oder obs nicht alſo waͤre / daß ers wuͤſte. Geneſ. Cap. 18. v. 20. & ſeqq. (4)

Der129Von dem weltlichen Stande.

Der allwiſſende Gott / deſſen Augen viel heller ſind als die Sonne / ſehen alles was die Menſchen thun / vnd ſchawen auch in die verborgene Winckel / Syrach Cap. 23. v. 27. haͤtte nicht von der noth gehabt herunder zufahren / vnd ob es ſich alſo verhielte / wie das Geſchrey vnd der Ruff gienge ſich vorhin zu erkuͤndigen / er hat aber damit allen Regenten vnd Richtern dieſer Welt / mit einem ſonderbahren Exempel vorgehen vnd jhnen zeigen wollen / daß ſie nicht auff ein bloß Geſchrey / gemeine Sage(5) Secula - ris inſpe - ctio cer - tiſſimum teſtimo - nium & omnium probatio - num fir - miſſima Vultei. z. Conſil. Marp. 30. n. 125. Geil. 1. ob - ſerv. 26. n. 9. oder Anbringen gleich jemand ſollen verdammen / ſondern ſich deß Be - ruͤchtigten Lebens / Wandels / der beſchuldigten That vnd aller Vmb - ſtaͤnde vorhin erkuͤndigen / auch geſtalten Sachen nach in rem præſen - tem hinab auff den Augenſchein kommen (5) vnd nach gnugſamer ſuffi - clenter Erkuͤndigung einen Rechtſpruch ergehen laſſen.

Auff ſolche Weiſe proceditte der reiche Mann wider ſeinen vnge - rechten Haußhalter / der fuͤr jhme beruͤchtiget ward / als haͤtte er jhme ſei - ne Guͤter vervntrewet / da er auff Beruͤchtigung denſelben nicht gleich verdammet vnd ſeines Dienſtes entſetzet / ſondern jhn vorhin citiret vnd zu Rede geſetzet vnd geſaget: Wie hoͤr ich das von dir / thue Rechnung von deiner Haußhaltung. Luc. Cap. 16. (6)

Als Aaron vnd Miriam wider Moſen ſich empoͤreten / erſchien Gott in der Thuͤr der Stifftshuͤtte / citirte dieſelbe vor ſich vnd verhoͤrte die Sache. Num. Cap. 12. (6) Con - fer. c. Qualiter & quando x. deaccu - ſat.

Gott hat durch Moſen allen Richtern diß Geſetz gegeben: Wann dir eine Miſſethat angeſaget / ſo ſoltu wol darnach fragen / vnd wann du findeſt daß es gewiß wahr iſt / als daß ſolche That geſchehen iſt / ſo ſoltu denſelben auß fuͤhren vnd zu todte ſteinigen im 5. Buch Moſ. Cap. 17. v. 4 Dieſes hat Hiob auch in acht genommen / in deme er ſpricht: Wel - che Sache ich nicht wuſte / die erforſcheteich / im Buch Hiob Cap. 29. v. 16. Vnrecht thate David daß er auff deß verleumbderiſchen Ziba fal - ſches Anbringen / deß beſchuldigten aber doch vnſchuldigen Mephibo - ſets Haab vnd Guͤter halb confiſcirte vnd dem Verleumbder zueygnete im 2. Buch Samuel. Cap. 16. vnd zwar wider ſeine eygene Lehr die er al - len Regenten in ſeinem 101. Regenten Pſalm vorgeſchrieben.

Der hochweiſe Richter Joſua machte es beſſer wolte nicht gleich den Achan / welcher durchs Loß getroffen / vnd dardurch genugſamb indi - ciret vnd beruͤchtiget war / verdammen / ſondern er wolte auch ſeine eyge - ne Bekandtnuß habẽ vnd ſprach zu Achan: Mein Sohn / gib dem Herꝛn dem Gott Jſrael die Ehre / vnd gieb jhme das Lob / vnd ſage mir an / was haſtu gethan? Als nun Achan die That bekandte / hat dannoch Joſua erſt hingeſchicket vnd auff das Corpus delicti inquiriren laſſen / ob nemb -Rrlich der130Das ander Buch /lich der geraubte Babyloniſche Mantel vnd andere bekandte Stuͤcke in ſeiner Huͤtten / vnd an dem Orthe da er ſie verſcharren zu haben auß ge - ſaget / vorhanden waͤren / vnd da ſich alles richtig gefunden / erſt die Vr - theil wider jhn publiciret Joſ. Cap. 7. v. 18. & ſeqq.

Mit dieſem Exempel hat Joſua alle Richter informiren vnd leh - ren wollen / daß es in peinlichen Sachen / die an Leib vnd Leben gehen / nicht gnug ſeye Reum habere confeſſum, daß der peinlich Beklagte eine oder mehr Vnthaten bekenne / ſondern daß man auff das Corpus delicti mit allem Fleiß vorhin inquirire, ob eine ſolche That an einem ſolchen Orth auff ſelbige Zeit / Art vnd Weiſe vorgangen / vnd ob ſich darvon noch etwas finde / worin von den vnbeſonnenen vnd vngelehrten Rich - tern auff dem Lande vnd in Staͤdten offt groͤblich peccirt vnd mißhan - delt wird / wann ſie zuweilen die Beſchuldigten gleich auff die Folter - banck ſpannen / vnd jhnen / wie man an theils Orthen redet / drey oder mehr hoͤfiſche Fragen vorſtellen / auch zuweilen dieſelben ohne gnugſa - men indiciis, ſine modo & menſura jaͤmmerlich / auch wol gar zu todt torquiren vnd foltern laſſen / vnd wann dann ein ſolcher in aͤuſſerſter Pein ſtecken der Menſch etwas außſagen muß / forſchet man nicht erſt darnach / ob eine ſolche That / wie der Torquirte bekandt / in ſolchen Vmb - ſtaͤnden vorgangen / ſondern ſind ſo bald mit der Execution bereit / ge - ſtalt die Erfahrung an vielen Orthen gegeben / daß auff ſolche Weiſe vn - ſchuldige Leuthe hingerichtet / vnd hernacher die rechten Thaͤter erſt offen - bahr worden.

Es werdens aber ſolche Richter vor Gottes gerechtem Gerichte ſchwer zu verantworten haben. Es hat zwar David den Amalekiter der ſich ſelbſten geruͤhmet daß er bey der blutigen Schlacht / den Saul getoͤdtet / auff ſeine bloſſe Bekandtnuß / ohne fernere Inquiſition vnd Nachfrage / wider hinrichten laſſen / vnd dieſe Vrtheil uͤber jhn gefaͤllet: Dein Blut ſey über deinem Kopff / dann dein Mund hat wider dich ſelb - ſten geredet im 2. Buch Samuel. Cap. 1. Gleichwol meldet die Hiſtoria daß Saul in ſein eygen Schwerdt gefallen vnd ſich ſelbſt vmb das Leben gebracht im 1. Buch Samuel. Cap. 31. v. 4. Aber dieſes ſtehet wol zu con - cordiren, dann ob wol Saul in ſein Schwerdt gefallen / kan doch wol ſeyn daß er nicht gleich darvon geſtorben / vnd dieſen Amalekiter erſuchet / jhme vollends den Reſt zugeben / ſo hat er auch deß Sauls Cron vnd Armbaͤnder mit vnd zum Vorſchein gebracht vnd damit ſeine Außſage beſtaͤrcket. Vber das ſo ſind nicht alle Exempla Davids zur imitation vorgeſchrieben.

Es wird dem Keyſer Juliano in den Hiſtorien ruͤhmlich nachge -ſchrieben;131Von dem weltlichen Stande. ſchrieben; als ſein beſtellter wolberedter Fiſcalis Delphidius, ſeiner Land - voͤgte einen hefftig angeklaget / derſelbe aber negativè den Krieg Rech - tens befeſtiget / vnd dem wortreichen Procuratori Fiſci weiter nichts ge - ſtaͤndig ſeyn wollen / als weſen er wie recht uͤberwieſen werden koͤnte / hat jener zum Keyſer geſaget: Loͤblichſter Keyſer / wann es gnug ſeyn ſoll / mit laͤugnen darvon zukommen / wer wird dann ſchuldig ſeyn? deme der Keyſer wider geantwortet: Wann es gnug waͤre anzuklagen / wer wuͤrde alsdann vnſchuldig bleiben. Ammian. Marcellin. lib. 18. rer. geſt. circ. princ. Lt. refert Andr. Geil. lib. 1. de pae. publ. c. 5. n. 3.

Keyſer Lotharius hat dieſen loͤblichen Gebrauch gehabt / daß er den Ohrenblaͤſern vnd Anbringern zuſagen pflegen: Audi & alteram partem.

Der Roͤmiſche Landpfleger Feſtus antwortete auch ſehr wol den falſchen Anklaͤgern S. Pauli / da er zu jhnen ſagte: Es iſt der Roͤmer Weiſe nicht / daß ein Menſch ergeben werde vmbzubringen / ehe dann der Verklagte habe gegenwaͤrtig ſeine Klaͤger / vnd Raum empfahe ſich der Anklage zu verantworten. Jn der Apoſtel Geſchichte Cap. 25. v. 16. Da - hin votirte vnd ſtimmete auch Nicodemus im groſſen Rath der Phari - ſeer / die Chriſtum vngehoͤrt verdammen wolten: Richtet vnſer Geſe[tz] auch einen Menſchen ehe man jhn verhoͤret vnd erkennet was er thut. Johan. Cap. 7. v. 51. Alexander der Groſſe hat pflegen in Verhoͤrung deß einen Theils / das ander Ohr jmmer zuzuhalten / mit Vermelden / er be -(7) Iudi - cium non fer, ſi non ſintambo locuti. halte das dem andern abweſenden Theil bevor. (7)

AXIOMA LI. Ein wolbeſtelltes Archivum, Diarium vnd Ge - ſchicht-Regiſtratur iſt bey allen Regierungen / Cantzeleyen vnd Gerichten ein ſehr noͤthig vnd nutzlich Werck. (1)

(1) Archi - vum eſt documen - torum Li - terariorũ armatium, ſeu publi - cum rece - praculũ, ſive Principis, ſive Magiſtratus, ſive Reipub. uti poſt alios deſcribit Rutger. Ruland. de Commiſl. part. 2. lib. 5. c. 3. n. 5.
6

WIe der Koͤnig der Kinder Ammon eine alte prætenſion wider die Kinder Jſrael hervor ſuchete / ſich zum Krieg ſchickete / vnd auff deß Jephtah erſte Geſandſchafft ſchlechte reſolution er - theilete / hat Jephtah ſich auß den alten Geſchichten vnd ActisRr 2publicis132Das ander Buch /publicis ſo vor 300. Jahren paſſiret, wol informiren, den abermahls ab - gefaͤrtigten| Geſandten eine wol fundirte Inſtruction darauß fertigen / vnd dem Ammoniter Koͤnig durch dieſelbe außfuͤhrlich repræſentiren vnd vor Augen ſtellen laſſen / daß ſeine deß Koͤnigs prætenſion vnbegruͤn - det / vnd exrerum publicè geſtarum ſerie viel ein anders zu befinden / im Buch der Richter Cap. 11. v. 14. & ſeqq.

Als der Koͤnig in Perſien Cores oder Cyrus / auff Eingeben deß Geiſtes Gottes durch ein offentlich Edict publiciren vnd in ſeinem Koͤ - nigreich ankuͤnden ließ / daß die gefangene Juden wider auff freyen Fuß geſtellet / vnd nicht allein heimb zu ziehen / ſondern auch den deſtruir - ten vnd niedergeriſſenen Tempel zu Jeruſalem zu bawen / Macht vnd Gewalt haben ſolten / auch die Gefaͤſſe ſo ſein Vorfahr am Koͤnigreich Nebucadnezar darauß genommen / zuruͤck gegeben / iſt bald nach toͤdtli - chem Hintritt dieſes loͤblichen Koͤnigs / den erledigten vnd gefreyeten Juden ſolches mißgoͤnnet worden / vnd haben die Widerſacher Rehum den Cantzler / Simſai vnd andere deß Raths dahin inſtigiret vnd ver - hetzet / daß ſie einen vngleichen Bericht nach Hoff an den Koͤnig Artha - ſaſta thaten / vnd demſelben zu Gemuͤthe fuͤhreten / daß Jeruſalem jeder - zeit eine auffruͤhriſche boͤſe Stadt geweſen / vnd von den Juden jtzo wider reparitet, vnd gebawet würde / vnd wann der Koͤnig in ſeinem Koͤnigli - chen Archivo vnd Chronick ſeiner Vaͤtter nach ſuchen lieſſe / wuͤrde ſichs finden daß dieſe Stadt jederzeit auffruͤhriſch vnd ſchaͤdlich geweſen / den Koͤnigen vnd Landen / auch andere zu gleich maͤſſigen Abfall gebracht. Der Koͤnig befindet ſolches auch in den auffgezeichneten vnd im Archi - vo reponirten Geſchichten / daß die Stadt Jeruſalem ſich von Alters wider die Koͤnige empoͤret haͤtte / worauff der Koͤnig den Stadt-vnnd Tempelbaw ernſtlich inhibiret vnd verbotten / im Buch Eſra Cap. 1. & Cap. 4. Als aber hernacher ferner auff Weiſſagung der beyden Prophe - ten Hagai vnd Zacharia / der Baw zu Jeruſalem angefangen / vnd die Bawleuthe von dem Landpfleger Thathnai daruͤber zu Rede geſetzet wa - ren / haben ſie ſich auff deß Koͤnigs Cores gnaͤdige Verguͤnſtigung bezo - gen / worauff derſelbe es wider an ſeinen Koͤnig Darium gebracht / mit Er - innerung in deß Koͤnigs Regiſtratur zu Babel nach zuſuchen / obs vom Koͤnig Cores alſo befohlen. Eſra Cap. 5. Derſelbe thut alſo / laͤſſet in der Cantzley vnd Schatzhauſe zu Babel auffſuchen / vnd wie deß Koͤnigs Cores Befehl angezogener maſſen darin gefunden vnd Darius ſich ge - nugſamb informiren laſſen / reſcribirte er vnd befahl mit dem Baw fort - zufahren / ordnete auch daruͤber noch gewiſſe reditus darzu. Eſra Cap. 5. & Cap. 6.

Als133Von dem weltlichen Stande.

Als deß Koͤnigs Ahaſveri Seianus oder Factotum bey Hoffe / der auffgeblaſene Haman dem frommen Mardachai / darumb daß er jhme ſeiner vorgebildeten ambition nach / nicht Ehre gnug erwieſen / ein uͤbe - les Bad zu gerichtet / wider denſelben vnd ſein gantzes Volck / einen durch - gehenden Bann erhalten / daß auff einen gewiſſen Tag alles Juͤdiſche Volck ſine diſcrimine ſexus & ætatis, Alt oder Jung / Weib vnd Kinder ſolten erwuͤrget vnd hingerichtet werden / uͤber das einen Baum / fuͤnff - tzig Ehlen hoch / auffrichten laſſen den Mardachat daran auffzuknipffen / im Buch Eſther Cap. 2. 3. 4. 5. vnd aber alles in Gottes allgewaltiger Regierung beſtehet / der die Seinigen zu rechter Zeit auß Noth / Truͤbſal vnd Gefahr zu erretten weiß / auch der Koͤnige vnd Fuͤrſten Hertz in ſei - ner Hand hat / vnd dieſelbeleidet wie die Waſſerbaͤche / nach der Schrifft / ſchicket ers alſo / daß Koͤnig Ahaſverus eben dieſelbe Nacht nicht ſchlaffen kan gedencket an vorgangene Haͤndel / laͤſſet auß dem Koͤniglichen Ar - chivo das Diarium vnd Hiſtorien bringen / vnd ſich darauß vorleſen / trifft ſichs eben wie Mardachai dem Koͤnig angeſaget / daß zwey deſſen Caͤmmerer Bigthana vnd Theres mit ein ander conſpiriret vnd dar - nach getrachtet haͤtten den Koͤnig vmbzubringen / vnd weil ſich in der Nachfrage befunden / daß Mardachai darvor noch keine recompens ge - ſchehen / widerfaͤhret jhme groſſe Ehre / aber der Ohrenblaͤſer vnd falſcher Anklaͤger Haman muß eben an denſelben Baum geknipffet werden / welchen er dem Mardachai zugerichtet. Jm Buch Eſther Cap 6. 7.

Als Jonathan der Macchabeer Regent / eine Bottſchafft an die Spartaner ſchickete / die alte Buͤndnuß zu renoviren vnd zu ernewern / haben ſie vorhin in jhren Archivis nachſuchen / ſich informiren vnd ſol - chem nach den Jonathan dahin beantworten laſſen / daß ſie in jhren al - ten Schrifften befunden / daß die von Sparta vnd Juͤden Bruͤder ſind / vnd darauff in die Ernewerung deß Bunds gewilliget im 1. Buch der Macchab. Cap. 12. v. 21.

Auß dieſen Exempeln iſt zuſehen / was vor ein herꝛlicher Nutzen ſey / zu Fuͤhrung einer loͤblichen Regierung / adminiſtration Rechtens vnd Gerechtigkeit bey den Cantzleyen / Cammern vnd Gerichten / ein wolangeordnetes Archivum, vnd darin richtige Protocolla, Geſchicht - beſchreibung vnd Diaria zu haben / auff begebende newe emergentia vnd zweiffelhaffte Haͤndel darin nach zuſuchen / vnd ſich alſo exretroactis|, & rerum ante geſtarum ſerie informiren zu laſſen / daß gute getrewe Dien - ſte nicht vergeſſen / das Boͤſe geſtraffet / vnd auß Vngewißheit vorgan - gener Geſchichte / keine widerwaͤrtige oder vngerechte Reſcripta, Decre - ta vnd Beſcheide erfolgen moͤgen.

Rr iijHieran134Das ander Buch /

Hieran hat es dem Koͤnig Pharaoni in Egypten ermangelt / daß er auß ſeinem Archivo vnd Cronlcken keine information gefordert / noch ſich berichten laſſen / was fuͤr tapffere getrewe Dienſte der fromme Joſeph ſeinen Vorfahren vnd dem gantzen Koͤnigreich Egypten ge - leiſtet / wie weißlich er das Land fuͤr eingefallener ſiebenjaͤhrigen Hun - gersnoth errettet. Wann aber Pharao / gleich wie die vorgemeldte Koͤ - nige in der Cantzley haͤtte nachſuchen vnd ſich von ſeinen miniſtris refe - riren laſſen / durch was occaſion deß Joſephs Bruͤder vnd Familia in Egypten kommen / haͤtte er etwan darbey Gottes Finger vnd ſonderbah - re Regierung advertiret, vnd ſo ſcharpffe perſecutions mandata, wider die Jſraeliten deß Joſephs Hauß vnd Nachkommen nicht publiciren, vnd ſo lang es Gott zugeben vnd verhaͤnget / exequiren laſſen / vnd meldet die Schrifft hiervon / daß / wie Joſeph geſtorben vnd die Kinder Jſrael ſich ſehr gemehret / waͤre ein newer Koͤnig in Egypten auffkommen / der von Joſephs trewen Meriten nicht gewuſt / vnd alſo gar vnvorſichtig vnd vnbedachtſamb ſich reſolviret, die Kinder Jſrael mit Liſt zu daͤmpf - fen daß jhrer nicht viel wuͤrden. Exod. Cap. 1. Wie uͤbel jhme aber ſolche ſupina negligentia, vnd daß er ſich von denen vor ſeiner Regierung vor - gangenen Geſchichten auß dem Koͤniglichen Archivo nicht beſſer infor - miren laſſen / vnd bloß auff ſeinen crudelen tyranniſchen Gedancken be - ſtanden / außgangen / das bezeuget die grewliche vnd elende Tragœdia ſeiner Perſon vnd ſeines gewaltigen groſſen Kriegsheers vrploͤtzlicher Vndergang im rothen Meer. Exod. Cap. 14.

AXIOMA LII. Richtige Genealogien vnd Geburth Regiſter gehoͤ - ren mit in das Archivum vnd ſind zu vie - len Sachen ſehr nutzlich vnd dienlich.

ESiſt Moſes gar geſchaͤfftig in Beſchreibung der Genealogi vnd Geburth Regiſter der Nachkommen vnſerer erſten| Eltern Adam vnd Eva / als deß Cains. Gen. Cap. 4. v. 17. & ſeqq. vnd hernacher deß Seths Geneſ. Cap. 5. von welcher Lini der Herꝛ Chriſtus po - ſteriret vnnd entſproſſen / imgleichen beſchreibet er gar eygentlichdie135Von dem weltlichen Stande. die Genealogi von Noah vnd Sem biß auff Abraham. Geneſ. Cap. 10. & 11.

Noch ſtattlicher vnd außfuͤhrlicher findet ſich die Beſchreibung der Geburth Regiſter von Adam biß auff Noah / Abraham / Jſaac / Jacob / vnd von demſelben herruͤhrender 12. Staͤmme in Jſrael / biß auff die Zeiten der Koͤnige. 1. Chron. Cap. 1. & ſeqq. uſque ad Cap. 10.

Als zu Zeiten Nehemia Zweiffelbey dem Stamm Levi wegen et - licher Ankunfft ſich erreget / hat man in den Geburths Regiſtern nach - geſuchet / vnd da ſich dieſelbe nicht darin gefunden / ſind ſie von dem Prie - ſterthumb loß worden. Nehem. Cap. 7. v. 64.

Jm Newen Teſtament faͤnget S. Matthæus das Evangelium an von der Genealogi deß Herꝛn Chriſti / faͤnget von Abraham an vnd fuͤhret das Geburth Regiſter biß auff Chriſtum. Matth. Cap. 1.

Gute Nachrichtung vnd Gewißheit beſtaͤndiger Genealogi iſt zu vielen Dingen ſehr nutzlich vnd dienlich / nicht allein die familias zu vn - derſcheiden / deren confuſion zu verhüten / ſondern auch in ſucceſſions vnd Erbfaͤllen / welcher geſtalt man à communi ſt pite poſteriret, vnd wer dem Letztverſtorbenen der naͤchſte Succeſſor iſt / item / bey Verheura - thungen in computatione graduum vnd ſonſten / vnd iſt zwar ſolches nicht allein bey hohen / Koͤniglichen / vnd Fuͤrſtlichen / ſondern auch an - dern Privat-Haͤuſern in viel Wege nutzlich vnd erſprießlich.

AXIOMA LIII Was nach genugſamer Verhoͤr vnd Erkuͤndigung der Sachen mit recht erkandt / das ſoll man gebuͤhrlich exequiren vnd vollziehen laſſen.

REcht vnd Vrtheil ſprechen waͤre gantz vmbſonſt / wann keine Execution, Vollſtreckung vnd Handhabe darbey waͤre. (1)(1) Virtus & finis Le - gis, con - ſtitutionis & ſententiæ conſiſtit in executione c. cum aliquibus, x. de ſentent. & re jud. l. 2. C. de execut. rei jud. l. 4. §. ſi ex conventione ff. dere jud Geil. de Pac. Publ. eap. 17. n. 1. lib. 2. Et abſq; executione judicis ſententia nihil aliud eſſete, quam umbra ſine ſubſtantia, idea ſine corpore, campana ſine piſtillo ut ICti loquuntur Moller. ad conſtit. Saxon. p. 1. conſt. 31 n. 2. Coler. de Proceſſ. executiv. in præfat. n. 4. Berlichi. concluſ. 79. n. 2. p. 3. Als der gerechte Gott wider vnſere erſte Eltern nach vorgange -ner Ver -136Das ander Buch /ner Verhoͤr / die ſcharpffe Sententz publicirte vnd ſie auß dem herꝛlichen Paradißgarten / in das bittere Elend / auff den vorhin verfluchten Acker relegirte vnd verwieß / verordnete er zum Executorn vnd Nachrichter den Cherubim / mit einem bloſſen hawenden Schwerdt / fuͤr den Garten Eden / zu bewahren den Weg zu dem Baum deß Lebens. Geneſ. Cap. 3. v. ult.

So bald Achan nach genugſamer Gerichtlicher Erkandtnuß der Sachen vnd eygener gutwilligen Bekandtnuß zum Todt vervrtheilet / ward die Execution darauff vollſtrecket. Joſ. Cap. 7.

Als die Kinder Jſrael in der Wuͤſten einen Mann ergrieffen / der am Sabbath Holtz geleſen / haben ſie denſelben gefaͤnglich angenom - men / zu Moſe / Aaron / vnd fuͤr die gantze Gemeine gebracht / vnd weil es noch nicht klar außgetrucket / was man mit jhme thun ſolte / jhn gefan - gen geleget / vnd den Mund deß Herꝛn daruͤber gefraget / ſo bald aber das Vrtheil fiehl / daß er deß todts ſterben ſolte / ward die Execution angeſtel - let vnd der reus convictus & condemnatus vor das Laͤger hinauß gefuͤh - ret / vnd geſteiniget. Num. Cap. 15. v. 32. & ſeqq. Alſo wurden nach publi - cirter Sententz auff deß Koͤnigs Salomo Befehl / als Seditioſilæſæ Ma - ieſtatis vnd Veraͤchter Koͤniglichen Gebotts exequiret Adonia vnd Jo - ab / wie auch der Simei / wie zuleſen im 1. Buch der Koͤnig Cap. 2. Hieher koͤnnen nutzlich angezogen werden / etliche feine teutſche Reime auß dem Froſchmaͤußler:

Gebiethen ohne Straff vnd Macht
Macht Herꝛn vnd Gebott veracht.
Dann wo kein Straff iſt / iſt kein Ehr
Vnd wo kein Ehr da iſt kein Lehr /
Vnd wo kein Ehr daiſt kein Recht /
Der Herꝛ gilt weniger als der Knecht /
Biß alles geht durch einen Hauffen /
Gleich wie die Saͤw zum Thor einlauffen.
part. 4. cap. 5.
AXIO -137Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA LIV. Zur Handhab vnd Vollſtreckung der Juſtici / gehoͤren die Nach - oder Scharpff Richter / deren Ampt vnd Verrichtung vor - vnd an ſich ſelbſt nicht vnehr - lich / vnd in alten Zeiten von den Vornemb - ſten im Volck verrichtet worden.

WAnn in der Moſaiſchen Policey einer auff vorgangene An - klage mit Zeugnuß uͤberfuͤhret vnd zum Todt vervrtheilet war / muſte die Hand der Zeugen bey der Steinigung die erſte ſeyn / vnd darnach die Hand alles Volcks. Deutern. Cap. 17. v. 7. Levit. Cap. 24. v. 14. & ſeqq. Auff Moſis Befehl muſten die Kinder Levi das Richtſch werdt an die Seyte gürten / vnd wegen vorgangener Abgoͤtterey vnd Kaͤlbertantzes drey tauſend auff einmahl exequiren vnd hinrichten Exod. Cap. 32. v. 27. 28. Der Mann der am Sabbath Holtz geleſen / ward auff vorhergangene Vrtheil von der gantzen Gemeinde geſteiniget. Num. Cap. 15. v. 32. & ſeqq.

Als Achan wegen deß Raubes von dem verbanneten mit ſeinem gantzen Hauſe zum Todt verdammet war / meldet die Schrifft daß das gantze Hauß Jſrael jhn geſteiniget vnd ſie mit Fewer verbrandt haben. Joſ. Cap. 7. v. 25.

Der Prophet Samuel that ſelber die Execution an dem gefange - nen Amalekiter Koͤnig Agag / zuhieb denſelben in Stuͤcken vor dem Herꝛn zu Gilgal. 1. Sam. 15. v. 33.

Als Saul dem vnſchuldigen Prieſter Ahimelech vnd ſeines Vat - ters Hauß / deß wegen daß er dem fluͤchtigen getrewen David mit Victu - alien vnd ſonſten Befoͤrderung erwieſen vnd jhn nicht verrathen / gleich - ſamb deß Laſters verletzter Majeſtaͤt vermeyntlich beſchuldigte vnd zum Todt verdammete / hat er die Execution vnd Hinrichtung ſeinen Tra - banten befohlen / vnd als dieſelbe jhre Haͤnde an die Prieſter deß Herꝛn zu legen ſich verweigert / hat ſich der Fuchsſchwaͤntzer Doeg darzu erbot - ten vnd es verrichtet. 1. Sam. 22. v. 16. & ſeqq.

SsAls138Das ander Buch /

Als ein Flattirer dem David die Zeitung brachte daß er den Koͤ - nig Saul getoͤdtet haͤtte / vnd deßwegen von David wider zuſterben ver - dammet war / hat er ſeiner Juͤnglinge einem die Execution anbefohlen. 2. Samuel. Cap. 1. v. 15.

Jmgleichen befahl David ſeinen Juͤnglingen deß Jſboſeths bey - de vntrewe Hauptleuthe vom Leben zum Todt zubringen / die jhnen Haͤn - de vnd Fuͤß abgehawen / vnd ſie am Teich zu Hebron auffgehaͤnget. 2. Samuel. Cap. 4. v. 11.

Als Adonia ſeinem Bruder dem Koͤnig Salomo nach Scepter vnd Crontrachtete / vnd daruͤber ſein Blutvrtheil bekame / muſte Bena - ia deß Koͤnigs Feldhauptman deß Adonia vnd Joabs Scharpffrichter ſeyn vnd ſie beyde hinrichten. 1. Reg. Cap. 2. v. 25. & 33. Wie der newge - ſalbte Koͤnig Jehu auff Gottes-Befehl die Prieſter Baals außrotten vnd hinrichten ließ / hat er die Execution ſeinen Trabanten vnd Rittern anbefohlen im 2. Buch der Koͤnig Cap. 10. v. 25.

Bey der Creutzigung Chriſti ward den Kriegsknechten die Exe - cution befohlen / welche auch den beyden Schaͤchern am Creutz die Bei - ne gebrochen. Johan. Cap. 19. v. 32.

Jn Engelland ſollen noch auff dieſe Zeit / wann die Delinquenten(1) In An - glia pro ximi cu - iusq́ pa - rentum, fratrum, propin - quorum, qui modo in crucem aguntur, extremũ pietatis officium eſt, agere - carnificẽ, iiſq́ue de - trabe hu - mili pen - dentibus gulam frangere. vffgehaͤngt werden / die naͤchſte Blutfreunde Hand mit anlegen / vnd mit Brechung der Haͤlſe oder Genickes der juſtificirten Leben verkuͤrtzen / zu welchem Ende ſie auch nicht hoch von der Erden / ſondern an einen Bal - cken niedrig angeknipffet werden / wie Bodinus de Republ. lib. 3. cap. 8. ſchreibet. (1)

Es iſt aber mit der Zeit das hin - oder nachrichten der Verdamb - ten vnd Criminoſen etwas abſchewlich worden / ſo gar daß andere Leuthe / der Hencker vnd Scharpffrichter Geſellſchafft gemitten / vnd dieſelbe nicht allerdings vor ehrlich gehalten / welches ohne Zweiffel daher kom - men / daß man je zuweilen Vbelthaͤter die den Todt verdienet / darzu ge - nommen / wie Bodin. de Republ. lib. 3. d. c. 8. da er auch ein mercklich Ex - empel ſo ſich zu Gent in Flandern begeben / erzehlet / allda einsmahls Vatter vnd Sohn wegen einer Vbelthat zum Todt verdammet / vnd welcher vnder jhnen deß andern Hencker ſeyn ſolte / zuloſen befohlen / da zwar das Loß dem Vatter zum beſten gefallen / weil aber derſelbe ein al - ter Mann geweſen vnd ſich ſeines Sohns Jugend erbarmet / hat der Sohn ſolches acceptiret vnd ſeinem Vatter mit vnerſchrockenem Ge - muͤthe den Halß gebrochen / welche grawſame Geſchichte in Kupffer ge - ſtochen / vnd noch auff denheutigen Tag in Gent zuſehen ſeyn ſoll.

Jn Teutſchãld kom̃en die meiſten zu dieſem Ampt / dardurch daß ſievon139Von dem weltlichen Stande. von Scharpffrichtern gebohren ſeyn / vnd zu andern ehrlichen Hand - wercken vnd Handthierungen nicht gelangen koͤnnen / vnd alſo auß Noth ſolch Ampt annehmen muͤſſen / welche dann darumb allein an ſich ſelbſten / wie oben gemeldet / nicht vnehrlich / ſondern Miniſtri vnd Diener der heylſamen Juſtici ſeyn / die ohne dergleichen Execution vnd Execu - torn ohne effect vnd Nutzen ſeyn wuͤrde.

Es ſind aber dieſelbe ins gemein crudel vnd blutgierig / (2) derowe -(2) Solent enim, ex truculen - tia inquit Cyrillus publicarũ rerum vin - dices, non modo condolere damnatis, verum et - iam atro - ciùs juſſa peragere, & inter calamita - tes aliorũ, robur quoddam oſtentare lib. 12. in Iohan. cap. 38. Drexe - li. de Chri - ſto mori - ente part. 2. §. 1. circ. fin. gen die Obrigkeit jedes Orths gute Acht darauff zugehen / daß ſie in peinlicher Befragung der Beſchuldigten vnd gnugſamb indiciirten, wie auch in Hinrichtung der Leuthe nicht frevelmuͤthig handeln / uͤber die Schnur tretten vnd modum excediren, geſtalt theils jhres Mittels dar - in eine Reputation vnd Ehre ſuchen wollen / vnd man viele Exempla hat / daß wegen übeler Vffſicht vnd Vnwiſſenheit der peinlichen Richter / Leuthe die zu weilen nicht einmahl mit erwieſenen gnugſamen indiciis graviret, gar zu todte gepeiniget vnd gemartert werden / wormit ſie die vnbedachtſame Obrigkeit vnd Nachrichter wider das fünffte Gebott: du ſolt nicht toͤdten / handeln / vnd ſehr ſchwer fuͤr Gottes geſtrengem Richterſtuhl werden zu verantworten haben. Ja es kan die hohe Landes - fuͤrſtliche Obrigkeit / ſolche Gerichts Herꝛn darumb ſtraffen / vnd jhnen das peinliche Gericht vnd Gerichtbarkeit nehmen. Mit Menſchen vnd Menſchenblut muß behutſamb / vorſichtig / vnd den Rechten gemeß / ver - fahren werden / vnd waͤre je verantwortlicher / hundert Schuldige bey vorhandenem Zweiffel lauffen zu laſſen / die endlich doch noch jhren Lohn bekommen koͤnnen / als einen Vnſchuldigen / deme man ſein Leben vnd Geſundheit nicht widergeben kan / hinzurichten / oder uͤber die Gebuͤhr zu torquiren vnd zu foltern. Jn deß H. Reichs Reformation vnd Policey - Ordnung zu Augſpurg Anno 1530. auffgerichtet / wird von den Nach - richtern geſetzet / daß eine jede Obrigkeit darauff ſehen ſolle / damit ſie ſich mit jhrer Kleydung alſo trage / daß ſie fuͤr andern erkennt werden moͤgen / welches doch an den meyſten Orthen in keine Obſervantz kommen / vnd werden die Nachrichter wann ſie deß Abdeckens ſich aͤuſſern / ſonderlich in den Niderſaͤchſiſchen Staͤdten / zumahlen wann ſie in der Chirurgi vnd Glieder Cur etwas geuͤbt / nicht ſon - derlich gemitten.

Ss 2AXIO -140Das ander Buch /

AXIOMA LV. Naͤchſt der Juſtitia vnd deren Adminiſtration muß ein Regent die Oeconomie vnd Rentkam - mer wol in acht nehmen vnd be - ſtellen.

GRoſſe Herꝛen haben groſſe Einnahmen / ſie haben aber auch groſſe Außgaben / derowegen ſie mit allem Fleiß / wann ſie jhre Regierung glůcklich fuͤhren wollen die Außgaben nach der Einnahme alſo propor - tioniren vnd einrichten muͤſſen / daß jene dieſe nicht uͤbertreffen / bey Graͤfflichen Einnahmen keine Fuͤrſtliche / oder bey Fuͤrſtlichen Einnah - men / Koͤnigliche Außgaben thun / ſondern dahin trachten / daß noch alle Jahr etwas im Vorrath verbleibe / im Fall der Noth ſolches haben an - zugreiffen.

Ein guter Oeconomus ward vff ſeines geheimbden Raths deß Joſephs Einrath der Koͤnig Pharao / wie er in den ſieben guten Jahren / ſo viel Getreide in Vorrath ſamblen vnnd auffſchuͤtten lieſſe / daß in den nachfolgen den ſieben boͤſen Jahren / ſeine Hoffſtatt vnd das gantze Koͤnigreich darvon zu leben vnd andern noch darzu mitzutheilen hatte. Gen. Cap. 41. & ſeqq.

Haͤtte nun Pharao in den guten Jahren einen ſolchen Schluß in ſeiner Rentkammer paſſiren laſſen / Einnahme mit Außgabe verglichen / bleibet nichts uͤbrig / oder welches noch aͤrger / Außgabe uͤbertrifft die Ein - nahme / haͤtte er in den boͤſen Jahren mit ſeiner Hoffſtatt vnd Vnder - thanen darben muͤſſen.

Der Koͤnig David muß ein guter Oeconomus geweſen ſeyn / daß ohnerachtet er forth vnd forth viel außwendige vnd jnnerliche Kriege gefuͤhret / vnd eine ſtarcke Koͤnigliche Hoffhaltung darbey gehabt / dan - noch einen groſſen Vorrath vnd Schatz zu Erbawung deß Tempels ge - ſamblet vnd ſeinem Sohn Salomo verlaſſen vnd zu jhme geſaget; Sie - he ich habe in meiner Armuth verſchaffet im Hauſe deß Herꝛn hundert tauſend Centner Goldes / vnd tauſend mahl tauſend Centner Silbers / darzu Ertz vnd Eyſen ohne Zahl / ꝛc. 1. Chron. Cap. 23. v. 14. Jn ſolcher guter Oeconomi hat jhm ſein Sohn Salomo gefolget / wie im nachfol - genden Axiom. zuſehen.

Der141Von dem weltlichen Stande.

Der Koͤnig Hiskias iſt auch ein guter Haußhalter geweſen / vnd meldet die Schrifft von jhme daß er ſehr groſſen Reichthumb gehabt / Schaͤtze von Silber / Gold / Edelgeſtein / Wuͤrtze / Schilde vnd an allerley koͤſtlichem Geraͤthe: hat Kornhaͤuſer zu dem Einkommen deß Getrei - des / Moſts / vnd Oehls / Vorwercke vnd Staͤlle vor allerley Viehe / vnd Huͤrten vor die Schaffe / auch Staͤdte gebawet. 2. Chron. Cap. 32. Ein gu - ten Vorrath ſamblete auch der Koͤnig Joſaphat. 2. Chron. Cap. 17. v. 13. Der Koͤnig Vfias wird auch gelobet daß er ein guter Oeconomus oder Haußhalter geweſen vnd zu dem Ackerwerck Luſt gehabt. 2. Chron. Cap.Auguſtus libellum manu ſua ſcriptum. proferri recitariq; jußit, in quo opes publicæ contine - bantur, quantum civium ſo - ciorumq; in armis, quot claſ - ſes, regna provin - ciæ, tribu - ta aut ve - ctigalia & neceßita - tes ac lar - gitiones, addiderat - que conſi - lium co - ercendi intrater - minos im - perii: ſunt verba Ta - cit. lib. annal. 26. v. 10. Ein guter Oeconomus iſt geweſen Keyſer Auguſtus / welcher wie Tacitus meldet ein Saal - oder Lagerbuch / mit eygenen Haͤnden zu - ſammen gebracht darin er alle deß Roͤmiſchen Reichs gemeine Intraden vnd Einkommen / die Mannſchafft / Armatur zu Waſſer vnd Lande / ſei - ne Flotten / Zoͤlle / Tribut / neben andern Einnahmen vnd Außgaben ver - zeichnet vnd jederzeit bey der Hand gehabt / mit angehengtem Rath vnd Bedencken / in terminis zu bleiben vnd ſich im Regiment nicht zu weit zu elargiren lib. 1. Annal. Der erſte Perſer Koͤnig Darius / hat ſeine Ren - terey auch wol in acht genommen vnd den Propheten Daniel beſtellet daß er die Rechnung von hundert vnd zwantzig ſeinen beſtellten Land - voͤgten einehmen muͤſſen Daniel. Cap. 6. v. 2.

Landgraff Philipps zu Heſſen der aͤlter iſt nicht allein ſelber ein gu - ter Oeconomus geweſen / ſondern hat auch in ſeinem hochvernuͤnfftig abgefaſſetem Teſtament / ſeine vier Herꝛn Soͤhne mit Vaͤtterlichem Ernſt vnd Fleiß nachfolgender maſſen ermahnet: Es iſt auch vnſer trewer Rath vnd Verordnung / daß ſie wol Haußhalten / vnd nicht zu praͤchtig ſeyn / es ſey mit Bawen / Spielen / Kleydern / groſſen Pan - quetten / groſſen Gnadengeld / oder andern / dann ſie wol ſehen / daß an - dere Herꝛn daruͤber in groſſe Schuld kommen / daß ſie jhre Lande der Landſchafft uͤbergeben / oder ſonſten darvon verkauffen haben müſſen.

Jmgleichen ermahnet er ſie / keine Staͤdte / Schloͤſſer vnd Doͤrf - fer zu verkauffen oder zu vergebẽ / weil dardurch das Land geſchmaͤhlert / mit angezogener ſchoͤnen Gleichnuß: Wo man auß einem Garten Aepffel vnd Bieren vergiebet / das waͤchſet wider / ſo man aber die Baͤu - me vergiebet / ſo hat man dann nichts weiter ſo man nutzen vnd ver - geben kan.

Nicht weniger iſt Landgraff Wilhelm der aͤlter / Landgr. Moritzen Herꝛ Vatter ein trefflicher Haußhalter geweſen / geſtalt ſolches die bey ſeiner Regierung gemachte Verbeſſerung der Cammer Intraden, ſtatt - liche Gebaͤwde / vnd verlaſſene anſehendliche bahre Gelder bezeuget ha -Ss iijben / hat142Das ander Buch /ben / hat auch hoch gemeldten ſeinen Sohn Landgraff Moritzen darzu mit dieſen Worten in ſeinem Teſtament ermahnet: Weiter ermahnen wir vnſern Sohn / daß er ſich guter Haußhaltung befleiſſe / ſelbſt zu ſeinen Sachen ſehe / nicht alles auff andere Leuthe ſtelle / ſondern ſich nit ſchewe die Wochen-Rechnung in der Haußhaltung ſelbſt zu uͤberſehen / inſon - derheit aber deß Cammerſchreibers Tranckſtewer / Wein - vnd Kuͤchen - Rechnung ſelbſt abzuhoͤren / damit er ſehe / daß er vor ſich vnd nicht hin - derſich hauß halte / auch nicht mehr verthue als er Einkommens hat / vnd darůber nicht in Schuld vnd Verderben gerathe.

Es iſt gewiß daß einem groſſen Herꝛn gute Haußhaltung nicht weniger als einem andern geringern Standes hochnoͤthig vnd er - ſprießlich.

Gott hat ſelber geordnet vnd befohlen daß der jenige ſo Koͤnig uͤber ſein Volck ſeyn wuͤrde / ſich einer eingezogenen Hoffhaltung befleiſſen / nicht viel Roͤſſer halten / oder viel Weiber nehmen ſolle. Jm 5. Buch Moſ. Cap. 17. v. 16. 17. vnd ſcheinet daß Salomon darin den Sachen zu viel gethan habe / bey ſeiner groſſen gewaltigen Regierung vnd vielen Weibern.

AXIOMA LVI. Die Hoff-Oeconomi erfordert gute Ordnung vnd Vffſicht.

DVrch ordentlich Haußhalten werden die Cammern voll aller - lerley koͤſtlicher / lieblicher Reichthumb / ſpricht der Koͤnig Sa - lomo in Sprichwoͤrtern. Cap. 24. v. 4.

Gar wol vnd ordentlich hat der Koͤnig David ſeine Oe - conomi angeſtellet / alle negotia vnd Geſchaͤffte durch ſonderliche darzu beſtellete Beampten vnd Schaffener ohne confuſion in guter Ordnung adminiſtriren vnd verwalten laſſen / uͤber den Schatz deß Koͤnigs war Aßmaveth / über die Schaͤtze auffm Lande / oder den Landkaſtẽ war Jona - than der Sohn Vſia / uͤber die Ackerleuthe das Land zu bawen war Eſri / uͤber die Weinberge war Simei der Rennathiter / uͤber die Weinkeller vnnd Schaͤtze deß Weins war Sabbi der Siphimiter / uͤber die Oel - baͤume vnd Maulbeerbaͤume in den Awen war Baal Hanan der Gade - riter / uͤber den Oelſchatz war Joas / uͤber die Weydrinder war Sitari /uͤber143Von dem weltlichen Stande. uͤber die Rinder war Saphat / uͤber die Cameel war Obil / uͤber die Eſel Jehedia / uͤber die Schaffe war Jaſis. Dieſe waren alle Oberſten uͤber deß Koͤnigs Güter / wie zuleſen im erſten Buch der Chronick. Cap. 28. v. 25. & ſeqq.

Nicht ohne Vrſach iſt der H. Geiſt allhie ſo geſchaͤfftig / die ordent - liche Oeconomi vnd Haußhaltung deß Koͤnigs Davids zu beſchreiben / andern Herꝛn vnd Regenten darin gleichſamb wie in einem Spiegel eine gute inſtruction zu repræſentiren vnd vorzubilden / daß ſie die Amptsbedien - vnd Verwaltung ordentlich anſtellen / verſchiedene Ver - richtungen durch verſchiedene Perſonen beſtellen / nicht alles durch einen thun / oder einem durch den andern in ſeiner Verrichtung eingreiffen laſſen.

Der Koͤnig Salomo hat bey Einrichtung ſeines Koͤniglichen Hoffſtaats vnd Adminiſtration ſeiner Aemptr / dieſes auch wol in acht ge - nommen / vnd alles in herꝛlicher Ordnung diſponiret. Erſtlich hat er alle Aempter bey Hoff mit Fürſten / Feldhauptleuthen / Cantzler / Raͤthen / Schreibern / Hoffmeiſter / auch die Hoff Capell mit tüchtigen Prieſtern beſtellet / hernacher hat er das Koͤnigreich in zwoͤlff Aempter oder Kreyß außgetheilet / vnd zwoͤlff Oberamptleuthe daruͤber geſetzet / die den Koͤnig vnd ſein Hauß verſorget / vnd ſolches mit dieſer feinen Ordnung / weil zwoͤlff Monat im Jahr / daß ein jeder auff ein Monat lang die Noth - turfft zur Hoffhaltung in Kuͤchen / Kellern / vnd ſonſt herbey ſchaffen vnd dieſelbe mit aller Nothturfft verſehen muͤſſen / ließ daneben eine richtige Hoff vnd Kuͤchen ordnung machen / die ſehr hoch anlieff / in deme taͤglich zur Speiſung muͤſten gelieffert werden dreyſſig Cor Semelmeel / ſechtzig Cor ander Meel / zehen gemaͤſte Rinder vnd zwantzig Weyderinder vnd hundert Schaffe / auß genommen Hirſch vnd Rehe vnd Gembſen vnd gemaͤſtet Viehe. Seinen Stall vnd Reuterey hat er auch wol beſtellet / viertzig tauſend Wagenpferde vnd zwoͤlff tauſend Reyſige gehalten / darzu die Beampten jeder zu ſeiner Zeit vnd in guter Ordnung Futter / Gerſten vnd Stroh fuͤr die Roß vnd Laͤuffer beyſchaffen muͤſſen / wie ſolche gute Hoffordnung mit mehrerm beſchrieben wird. 1. Reg. Cap. 1.

Gute Ordnung erfordert gute Vffſicht vnd Handhabe / dann wo die bey Hoffe nicht iſt / da iſt auch vmbſonſt Ordnung zumachen / vnd weil alles bey deß Koͤnigs Salomo Hoffe nach ſeiner publicirten Ord - nung hergangen / muß es ander Vffſicht vnd manutenentz nicht geman - gelt haben. Ohne Zweiffel hat der beſtellte Hoffmarſchalck oder Hauß - hoffmeiſter in Kuchen vnd Kellern vnd ſonſten wo es noͤthig taͤglich fleiſ - ſige inſpection vnd animadvertentz gehabt / die Kuͤchen - vnd Keller Re -giſter144Das ander Buch /giſter alle Morgen ſich vortragen laſſen vnd fleiſſig examinirt, wann er Maͤngel vnd Gebrechen advertiret ſo wider die Ordnung / dieſelbe vor ſich abgeſtellet / oder vor den Koͤnig gebracht. Ohne Zweiffel hat der Koͤ - nig ſich auch wochent ich oder zum wenigſten monatlich die Kuͤchen - vnd Keller Rechnung ſelber geben laſſen / darin ſich erſehen vnd in acht ge - nommen / ob auch Vnderſchleiff vnd ſonſten Vnordnung vorgangen: Ohne Zweiffel hat er auch ſeinem darzu beſtelltem Marſchalck oder Hoffmeiſter den Růcken gehalten vnd die Hand gebotten / daß er deß Koͤnigs Ordnung in gute Obſervantz bringen / vnd ein jeglicher ſein(1) Qua - lem quiſ - que ſuum eſſe vult talis eſt. Plaut. Wie der Herꝛeinen Diener haͤlt vnd gehalten haben wil / ſo æſtimiren vnd hal - ten jhn auch an - dere. Ampt mit Reſpect fuͤhren koͤnnen / (1) dann ohne Reſpect vnd Nach - truck vermoͤgen die obere Officirer bey den andern wenig oder garnichts / vnd thut ein jeder wie es jhne deucht gut ſeyn. Vnd das heiſt wie Salo - mon lehret ordentlich Haußhalten / wordurch die Cammern voll werden / aller koͤſtlicher lieblicher Reichthumb / welches D. Luther in ſeinen Notis am Rand alſo außleget: Wanns ordentlich im Hauſe gehalten wird / das ſchaffet mehr dann groſſe Arbeit: Als wann man giebet / wo / wann / wem man ſoll / ꝛc. Wann aber Herꝛn vnd andere Haußhaͤlter / dieſe drey Stuͤck nicht in acht nehmen vnd ohne Vnderſchied / ohne Bedacht vnd bloß nach Affecten vnd nicht nach Verdienſt / auch zur Vnzeit alles weg - geben / deren Cammern werden vnd bleiben ledig / wann mans ſchon mit Millionen hinein braͤchte / dann wo es vnordentlich zugehet / da iſt von Gott / der ein Gott iſt guter Ordnung / kein Segen / daran doch alles ge - legen / zu gewarten / ſondern muß alles verſchmeltzen vnd zerrinnen / wel - ches ſonderlich groſſe Herꝛn wol in acht zunehmen.

AXIOMA LVII. Zu guter Hoffordnung hilfft viel / wann ein Herꝛ zurechter Zeit Taffel haͤlt vnd bey Hoff ſpeyſen laͤſſet.

DEr Prediger Salomo ſpricht / wol dem Lande deß Koͤnig Edel iſt / vnd deß Fuͤrſten zu rechter Zeit eſſen zur Staͤrcke vnd nicht zur Luſt / Cap. 10. v. 17. Es moͤchte aber jemand ſprechen / dieſes ſey ein liederlich Ding / welches ja eine ſolche advertentz nicht meritirte. Dann was iſt dem Land damit gedienet / oder daran gelegen /wann /145Von dem weltlichen Stande. wann / vnd zu welcher Stunde ein Fuͤrſt eſſe vnd Taffel halte / vnd ſtehet es ja einem jeglichen frey / wann jhn ſein Appetit darzu antreibet daß er eſſe. Aber wann hieran nicht ſonderlich vnd viel gelegen waͤre / wuͤrde der Geiſt Gottes es nicht durch den weiſen Koͤnig Salomo in der Bibel als ein treffliche Hoffregul vnd Morale auffzeichnen laſſen / dann alles was darin geſchrieben / iſt zur Lehr / Troſt vnd Warnung den Menſchen geſchrieben / wie S. Paulus bezenget. Es iſt freylich hoch vnd viel daran gelegen / daß ein Regent / wie in allem / alſo mit der Taffel vnd Speiſſung / gute Ordnung vnd rechte Zeit halte. Der Hoff iſt gleich einem Centro, dahin alles was im gantzen Lande paſſiret, devolviret, vnd berichtet wird / dannenhero auch alle reſolutiones vnd Anordnungen wider zuruͤck kom - men / vnd ſich allenthalben darnach gerichtet werden muß: oder gleich dem Meer / da alles hinein vnd wider herauß fleuſt. Ja der Hoff iſt die groſſe Vhr / nach deſſen Zeiger vnd Glockenſchlag ſich das gantze Land zu reguliren. Wie nun die Actiones vnd Handlungen bey Hoff angebracht / reſolviret vnd eingerichtet werden / alſo diffundiren vnd erſtrecken dieſel - beſich in die Adminiſtration deß gantzen Landes vnd deſſen wolgedeyliche Regierung. Gibt nun Gott dem Lande einen ſolchen Herꝛn / der in allen Dingen vnd ſonderlich auch mit der Taffel vnd Speiſſung gute Ord - nung haͤlt / darbey guter temperantz vnd Maͤſſigkeit ſich befleiſſiget / koͤn - nen alle Publica, Juſtici, Cantzley / Cammer - vnd Amptsgeſchaͤffte / neben deme / was zur Hoff Oeconomi, Kuͤchen vnd Keller gehoͤret / dem Herꝛn ſuoloco & tempore, gebuͤhrlich referiret, deſſen deciſion vnd Erklaͤrung daruͤber vernommen / vnd eine jede Expedition an gehoͤrigen Orthen ge - fertiget / vnd ohne Verzuͤgligkeit / wohin ſie wider gehoͤren ſpediret vnd fortgeſchicket werden. Mangelt es aber hierin bey Hoff / vnd die Herꝛn leben diſſolut, ohne Ordnung / da kan zu gewoͤhnlicher rechter Zeit nicht ein jedes reportiret, noch Rath gehalten / viel weniger die Sachen reiff - lich erwogen / expediret, vnd eine jede an jhren Orth gebracht werden / ſondern es muͤſſen alle Geſchaͤffte ſtecken / die Botten mit ſchweren Ko - ſten ligen bleiben / vnd die Beampten auß Mangel zuruͤckbleibender Or - dre jhres Verhaltens viel gute Occaſiones vnd Bequemligkeiten auß Handen laſſen vnd verſaͤumen: zugeſchweigen der guten diæt, darvon Geſundheit / gute diſpoſition Leibes vnd Verſtandes / auch dexteritaͤt vnd Schuldigkeit aller Handlungen nicht wenig dependiret, die aber durch vnordentliches Weſen turbiret vnd zerſtoͤhret wird.

An verſchiedenen Teutſchen Hoͤffen iſt vor dieſem gar keine Zeit vnd Ordnung in der Speiſſung in acht genommen. Die Herꝛn ſo de - bouchirtes Leben gefuͤhret / haben zuweilen auß dem Tage die Nacht /Ttvnd146Das ander Buch /vnd hinwider auß der Nacht den Tag / wie der Prophet klaget / gemachet / da iſt man ins gemein den Abend fuͤr neun oder zehen Vhren nicht zur Taffel geſeſſen / in die tieffe Nacht / ja biß an Morgen darbey / vnd im Schwarm geblieben. Hinwider die beſte von Gott zur travaille vnd Ar - beit ſonderlich gewiedmete Fruͤheſtunde / die ſonſt / wie man im Sprich - wort zuſagen pfleget / das Gold im Munde führet / verſchlaffen / deß Nach - mittags vmb ein oder zwey Vhren die Mittagsmahlzeit erſt angeſtellet / damit biß auff den ſpaͤthen Abend angehalten vnd alle Geſchaͤffte ruhen vnd in confuſione ſtecken laſſen / worbey es dann wol offt geheiſſen / der Herꝛn Luſt iſt der Diener vnnd Vnderthanen Vnluſt. Die Exempla ſind bekandt / aber zu referiren nicht dienlich. Vber ſol - che Vollerey vnd intemperantz ſchreyet der Prophet Eſaias das We - he / wann er ſpricht: Wehe der praͤchtigen Cronen / deß Trunckenen von Ephraim / welche ſtehet oben uͤber einem fetten Thal / deren die von Wein daumeln Cap. 28. v. 1. & v. 3. daß die praͤchtige Cron der Trunckenen mit Fuͤſſen ſolle zertretten werden / vnd von den trunckenen Prieſtern v. 7. vnd warnet darvor der weiſe Lamuel: O nicht den Koͤni - gen / Lamuel / gieb den Koͤnigen nicht Wein zutrincken / noch den Fuͤrſten ſtarck Getraͤncke. Sie moͤchten trincken vnd der Rechte vergeſſen / ꝛc. Jn den Sprichwoͤrtern Cap. 31. Bleibt derowegen deß Koͤnigs Salomon Lob. vnd Preyßſpruch richtig vnd wahr / daß dem Lande wol ſey / deſſen Fuͤrſten zu rechter Zeit eſſen / wie Eingangs dieſes Axiomatis gedacht / ſolches thut dem Hoff / dem Land vnd Leuthen wol / vnd wird ein groſſes erſpahret durch gute Hoffordnung vnd Maͤſſigkeit. Es iſt gewiß ein heimblicher Schatz deß Landes / dardurch Lard vnd Leuthe in merckliches Auffnehmen koͤnnen geſetzet werden.

AXIO -147

Von Raͤthen / Beam - pten vnd Dienern.

AXIOMA LVIII. Regenten vnnd Herꝛn koͤnnen ohne Raͤthen /(1) Reguen potentia ſine conſi - lio ſapien - tium, & ſi - ne auxilio fortium nulla eſt. Adam Contzen, in ſuo Da - niel. ſive de ſtat. au - lic. c. 9. §. 5. Beampten vnd Dienern jhr Regiment nicht fuͤhren. (1)

WO nicht Rath iſt / da gehet das Volck vnder / wo aber viel Rath geber ſind / da gehet es wol zu / in den Sprichwoͤrtern Salomonis Cap. 11. v. 14. vnd wer verſtaͤndig iſt der laͤſſet jhme rathen / im erſten Cap. daſelbſten. v. 5. (2)

Als der Koͤnig David in dem Koͤnigreich Jſrael die jnnerliche Vnruhe gedaͤmpffet / vnd vor deß Sauls Nachkommen geſichert / da - neben die außwertige Feinde geſchlagẽ / die Staͤdte / ſo bey Sauls Re - gierung dem Scepter Juda entzogen vnd abgenommen / wider erobert(2) Græco - rum pro - verbium eſt: ſapi - entum - greſſu Principes ſapiunt: Nec in Principe ullum maius ſa - pientiæ argumen - tum judicatur, quam ſapientiſſimorum virorũ conſilio uti, conferl. humanum C. de Legib. Dat ſapere Regi, turba ſapientum Comes. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 23. §. 4. in fin. hatte / meldet die Schrifft / daß er ſein Regiment mit qualificirten, tuͤchti - gen / Geiſt vnd Weltlichen Raͤthen / Officirern vnd Beampten / wiewol es jhme vorhin daran nicht gemangelt / ferner beſtellet / Gericht vnd Ge - rechtigkeit gehandhabet / in alle ſeinem Volcke. Joab den Sohn Zeruia hat er zum Feldhauptman uͤber das Heer Jſrael gemacht / Joſaphat der Sohn Ahilud war Cantzler. Zadock vnnd Abimelech der Sohn Abia - thar waren Prieſter / Seraia war Schreiber / Benaia war uͤber die Cre - thi vnd Plethi / vnd die erſten Soͤhne Davids waren dem Koͤnig zur Hand. 2. Sam. Cap. 8. v. 15. 1. Chron. 19. v. 14. vnd im 28. Cap. ſelbigen er - ſten Buchs der Chronick. v. 25. & ſeqq.

Tt ijJm -148Das ander Buch /

Jmgleichen wie der Koͤnig Salomon nach ſeines Vatters Da - vids toͤdtlichen Hintritt / deſſen Teſtament vnd letzten Willen vollzogen / ſeinen auffruͤhriſchen Bruder Adoniam / ſambt deſſen vornembſten Raͤ - delfuͤhrer den Joab juftificiren laſſen / vnd das Koͤnigreich Jſrael beru - higet / hat er theils ſeines Herꝛn Vatters Officirer, Cantzler vnd Raͤthe wider angenommen / vnd ſonſt viel mehr Diener beſtellet / das gantze Koͤnigreich in zwoͤlff Aempter oder Kreyß außgetheilet / mit zwoͤlff tuͤch - tigen Oberamptleuthen / die den Koͤnig vnd ſein Hauß verſorget / be - ſetzet / geſtalt dieſelbe der laͤnge nach erzehlet werden. 1. Reg. Cap. 4.

Je groͤſſer ein Herꝛ / je mehr er Land vnd Leuthe zu regieren hat / je mehr Raͤthe / Beampten vnd Diener er bedarff. Ein Regentiſt nur ein Mann / kan auff einmahl nur an einem Orth ſeyn / vnd muß in ſeiner(3) Deus ipſe quo nihil eſt maius, ſine quo nihil eſt omni - nòmagnũ, poteſt omnia, tamen o - mnia per ſe agit: Natura tanquam miniſtra, & rerum cauſis ſe - cundis - quam in - ſtrumen - tis decre - torum ſu - orum uti - tur ad - ſervatio - nem, or - dinem & ornatum univerſi. Frideric. de Marſelaer de Legato lib. 1. Diſſertat. 1. Regierung das meiſte mit andern Augen ſehen / mit andern Ohren hoͤ - ren / vnd darzu trewe Raͤthe / Amptleuthe vnd Bedienete gebrauchen. Hierin gleichen ſie in etwas Gott dem allerhoͤchſten Regenten: Dann obwol derſelbe alles in allem iſt / auch Himmel vnd Erde mit ſeinem We - ſen erfuͤllet / ſo thut er doch nicht alles ohne Mittel / ſondern bedienet ſich in vielen der H. Engel / der Natur vnd Menſchen. (3) Die Schrifft mel - det / daß Salomon fuͤnff hundert vnd fuͤnfftzig Amptleuthe gehabt / die uͤber das Volck geherꝛſchet vnd ſeine Geſchaͤffte außgerichtet. 1. Reg. Cap. 9. v. 23.

Die alte vnd newe Geſch ichte / auch ſelbſtredende Erfahrung be - zeugen / daß alle Regimenter auff der Welt / ſo lang in Gluͤckſeligkeit / gu - tem Flor, vnd Vffnehmen ſich befunden vnd geblieben / ſo lang ſie gu - ten Rath vnd trewe Rathgeber darin gehabt. (4)Egoita comperi, inquit, Saluſt. de ordin. Republ. omnia Regna, Civitates, Nationes uſque proſperum Imperium habuiſſe, dum apud eos vera conſilia valuerunt: ubicunque gratia, timor, voluptas ea corrupête, poſt paulò imminutæ opes, deinde ademptum Imperiũ, poſtremo ſervitus impoſita eſt. Impoſſibile eſt ut ſalubriter diſponat Principatum, qui nonagit conſilio ſapien - tum, ex Sariſterienſe, not. Drexelius in Phaetonte. c. 9.Dann wo kein Rath iſt / ſpricht Salomon / da werden die Anſchlaͤge zu nicht / wo aber viel Rathgeber ſind / da beſtehen ſie. Proverb. Cap. 12. v. 16. Da iſt Gluͤck vnd Sieg. Proverb. Cap. 24. v. 6. vnd wer Rath gehorchet der iſt weiß. Ibid. d. Cap. 12. v. 16.

Als Benhadad der Koͤnig in Syrien mit einem gewaltigen Kriegsheer wider Achab den Koͤnig in Jſrael zu Felde zoge / vnd jhme ſa - gen ließ / daß ſein Achabs Silber vnd Gold / Weiber vnd beſte Kinder ſein waͤre / uͤbereilete ſich Achab mit der reſolution vnd erbott ſich darzu /als149Von dem weltlichen Stande. als aber Benhadad die Seinige abſchickte es abzuholen / hielte er erſt Rath mit ſeinen Landſtaͤnden vnd Hoff. Raͤthen / die es widerriethen / deren Rath er gefolget / vnd das Seine daruͤber ſalviret vnd behalten. 1. Reg. Cap. 20. v. 7.

Als der Koͤnig Ahaſverus uͤber ſeine Gemahlin die hochmuͤthige Vaſthi ſich hefftig erzuͤrnet / hat er doch wider ſie ohne Rath nicht verfah - ren wollen / ſondern hat vorhin ſeine Raͤthe vnd Weiſen / die ſich vff deß Landes Sitten verſtanden / beruffen vnd jhr Raͤthliches Gutachten ver - nommen / dann deß Koͤnigs Sachen ſpricht die Schrifft / muſten geſche - hen fuͤr allen Verſtaͤndigen auff Recht vnd Haͤndel. Jm Buch Eſther Cap. 1. v. 12. & ſeqq. Ehe der Koͤnig Nebucadnezar das Jſraelitiſche Volck uͤberzogen / hat er vorhin fleiſſig Rath gehalten. Judith. Cap. 2. v. 2.

Hingegen meldet die Schrifft / wann GOtt ein Koͤnigreich vnd Land ſtraffen wolle / ſo laſſe ers vorhin an gutem Rath vnd Rathgebern(5) Vellei, Patercul. lib. 2. Hiſt. Rom. ele - ganter di - cit: quo - rum Deus conſtituit mutare ſtatum, il - lorum pri - us cor - rumpit conſilia. ermangeln / (5) daß als dann weder Geſetz bey den Prieſtern / noch Rath mehr bey den Alten zufinden ſey. Ezechiel. Cap. 7. v. 26. Dahero als Gott das Koͤnigreich Juda zur Straffe ziehen wolte / ſagt der Prophet Eſaias / daß der Herꝛ werde von Zion wegnehmen / Richter / Propheten / Raͤthe / Elteſten / Hauptleuthe / ſtarcke / Kriegs vnd ehrliche Leuthe / Cap. 3. v. 1. 2. 3. Ja ſie muͤſſen beſchlieſſen einen Rath / vnd wird nichts darauß. Eſai. Cap. 8. v. 10. Sie machen Anſchlaͤge vnd koͤnnen ſie nicht auß führen. Pſalm. 21. v. 12. (6)

Es ſind viel Regenten / Fuͤrſten vnd Herꝛn die halten darvor / weil ſie Gott zu groſſen Herꝛn gemacht / er habe ſie auch mit gnugſamen dar - zu gehoͤrigen hohen Verſtande vnd Weißheit außgeruͤſter vnd erleuch - tet / daß ſie es vor ſich allein ſelber wol verſtehen / bedencken aber nicht(6) Si à multis re - trò ſeculis maximo - rum Im - periorum fortunam, memoria repeta - mus; li - quebit ili - , omnẽ feliciratis laudem promptitu dine atque prudentia Miniſtrorum magis ſtetiſſe, quam in - genio Principum: turpitudinis vero atq; calamitatis ignominiam culpa eorundem introdu - ctam. Frideric. de Marſelaer de Legato d lib. 1. Diſſert. 1. in fin. Præſtantiſſim um eſt per ſe ſa - pere, proximum aliena ope duci, ex Heſiod. refert Hug. Grotl. de jur. Bell. lib. 2. cap. 23. §. 4. in fin. imò plerumque plus nocet malum conſilium, etiam cum bono Rege, malus Rex cum bono conſilio, Cauſſinus Jeſuita in Diſſerration. ad libros Regum Diſſert. 86. in Rubr. darbey / daß ſie auch Menſchen ſeyn die leichtlich fehlen / fallen vnd jrren koͤnnen Dahin dann auch Machiavel. ziehlet / wann er ſchreibet / quod bonum conſilium ex ipſius Principis menteac prudentia naſci debeat: das iſt ſo viel geſaget: Ein Fuͤrſt kan allein bey ſich ſelber den beſten Rath nehmen / in tractat. de Princip. c. 23. item, Principem niſi ipſe per ſe ſa - piat, ſalubri conſilio uti non poſſe, das iſt / wann ein Fuͤrſt fuͤr ſich ſelber nicht klug iſt / kan er ſich keines guten Raths bedienen. Aber dieſe Machia -Tt iijvelliſche150Das ander Buch /velliſche principia ſtimmen mit der Bibliſchen Policey vnd geſunder Vernunfft nicht uͤberein.

Der Koͤnig David vnd Salomon ſind ſonders erleuchtete hoch - weiſe Koͤnige geweſen / dannoch haben ſie jhre Cantzler vnd Raͤthe / wie oben gemeldet / gehalten / vnd zu Rath gezogen. Vnd als David eins - mahls guten Rath verachtete vnd nicht folgen wolte / that er einen ſchwe - ren Fall vnd brachte ſein Koͤnigreich in Noth vnd Plage. 2. Chron. Cap. 22. v. 6. & 7. darvon vnden Axiom. 83. mit mehrerm gehandelt. Hin - gegen folgete er gutem Rath vnnd gerewete jhn nicht. 2. Samuel. Cap. 18. v. 3. 4.

Landgraff Wilhelm zu Heſſen der aͤlter / ermahnet ſeinen Sohn Landgraff Moritzen in ſeinem Teſtament / daß er in wichtigen Sachen vnd ſonderlich ſo Land vnd Leuthe betreffen / nichts vor ſich ſelber vorneh - me oder handele / ohne ſeiner Raͤthe / ſich auch ehe er ſich mit reſolution herauß laſſe / darauff beziehen ſoll / durch welches Mittel er auch vieles be - ſchwerlichen Anmuthens ſich entſchlagen / vnd viel Vndancks von ſich ſchieben koͤnte. Welch letztes zwar ein gute cautel vor die Herꝛn den Vn - danck von ſich zuſchieben / aber nicht vor die Raͤthe / denen doch ohne das alles beygemeſſen wird.

Gleicher geſtalt hat Hertzog Johañ Albrecht zu Mecklenburg der aͤlter ſeine Soͤhne / in ſeinem Teſtament Vaͤtterlich dahin angewieſen / daß ſie ſelber in die Rathſtube / ſonderlich wann etwas wichtiges tracti - retvnd gehandelt wird / kommen / ordentlich was zu berathſchlagen iſt / proponiren laſſen / eines jeden Stimm vnd Bedencken mit Gedult vnd Auffmerckung vollkommlich hoͤren / vnd zwiſchen den zweyhelligen Meynungen ein Vnderſchied machen / welche beſſer gegruͤndet der Ehr - barkeit vnd Billigkeit gemaͤß ſey / vnd derſelbigen folgen. Es blei - bet ſchließlich deß Syrachs Lehr wahr: Thue nichts ohne Rath / ſo gerewet dichs nicht nach der That. Cap. 33. v. 24.

AXIO -151Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA LIX. Fromme Regenten ſehen ſich vmb nach getrewen / gottsfoͤrchtigen vnd weiſen Raͤthen vnd Dienern.

WO du Rath bedarffſt / ſo ſuche es bey weiſen Leuthen / vnd be - ſprich dich mit den Verſtaͤndigen / vnd richte alle deine Sache nach Gottes Wort / lehret Syrach. Cap. 9. v. 21. Meine Augen ſpricht der Koͤnig David / ſehen nach dem Trewen im Lande / daß ſie bey mir wohnen / vnd habe gern fromme Diener / in ſeinem Re - genten Pſalm. 101. v. 6. Dann was die Gottloſen rathen das treuget. Proverb. Cap. 12. v. 6.

Trew vnd warhafftig ſeyn iſt eines Raths vnd Dieners groͤſſeſte Zierde vnd eines Herꝛn groſſer Nutzen. Wer ein trew Hertz vnd liebliche Rede hat / deß Freund iſt der Koͤnig / in den Sprichwoͤrtern Salomonis Cap. 22. v. 11.

Ein ſolcher ſervus fidelis oder trewer Knecht ſeines Herꝛn / war der Eleaſar / der wolte nicht eſſen oder zur Ruhe ſich begeben / ehe er zuvor ſei - nes Herꝛn deß Abrahams auffgegebene Werbung vnd Sache wegen Jſaacs Heurath / bey dem Bethuel abgeleget / vnd mit gewuͤhriger reſo - lution verſehen war / Geneſ. Cap. 24. v. 33. Trew war ſeinem Koͤnig vnd Herꝛn der fromme vnd hochverſtaͤndige Huſai / der durch ſeinen klugen / aber ſeines Herꝛn Feinde dem Abſolon boͤſen vnd ſchaͤdlichen Rath / den guten Rath deß Weltweiſen Politici vnd Fuchsliſtigen Hoffmans A - chitophels zu nichte machete / vnd damit beneficium temporis, daß ſein Koͤnig mit ſeinem Kriegsheer ſich ſetzen / Stand faſſen vnd ſeine Solda - teſca in gute Ordnung ſtellen koͤnte / erhielte. 2. Sam. Cap. 17.

Von Moſe wird geruͤhmet / daß er trew geweſen ſey in dem gantzen Hauſe deß Herꝛn. Num. 12. v. 7. Trew war Mardachai dem Koͤnig Ahaſ - vero / als er jhme offenbahrete / daß ſeine deß Koͤnigs beyde Caͤmmerer / Bigthana vnd Theres demſelben nach dem Leben geſtanden / Eſther. Cap. 6. Nach dem Trewen im Lande hatte der Koͤnig Pharao auch ſeine Augen gewandt / als er den frommen Joſeph zu ſeinem geheimbden Rath erwoͤhlet / jhn uͤber ſein gantz Hauß geſetzet / vnd ſeiner hohen Dienſt vnd Meriten halber deß Landes Vatter / oder Patriæ Patrem, einen Vatterdeß152Das ander Buch /deß Vatterlandes / wie man jtzo redet / genandt. Gen. Cap. 41. v. 43. 45. & per tot.

Es werden aber vnder die Trewen im Lande nicht allein die Ein - heimiſche / ſondern auch Außlaͤndiſche verſtanden / wie das angezogene Exempel Joſephs zeiget / welcher kein Egypter vnd Einheimiſcher / ſon - dern auß Meſopotamia / mehr als ein hundert Meile von Egypten buͤr -(1) Jacob. Zevecot. in obſerv. Politic. ad Sueton. Cai. Jul. Cæſar. c. 7. Multis ſæ - inlo - cis, inquit, obſervatũ eſt, alieni - genas ma - iori fide & induſtria tractaſſe Rempub. quam ali - quos ci - ves; nec tam facilè avaritiâ, peculato - res factos eſſe aut prodito - res. Ceſſit benè Ro - manis, ple - roſq; po - pulos eo - demdie hoſtes & cives ha - buiſſe, qui amore in Republica indigenis non con - ceſſere. tig war / dannoch deß Egyptiſchen frembden Landes vnd Koͤnigreichs Vatter vnd lieber Getrewer genandt vnd warhafftig geweſen.

Deß Abrahams obgemeldter vornembſter Diener / vnd gleichſamb der ober Haußvogt / war ein Damaſcener vnd kein Einheimiſcher in dem Hauſe Abrahams. Geneſ. Cap. 15. iſt demſelben dannoch trewlich vorgeſtanden.

Daniel / Sadrach vnd Abednego / waren Frembdlinge an deß Koͤ - nigs zu Babel Nebucadnezars Hoffe / wurden doch zu deſſen vornehmen Dienſten / vnd vielen Landskindern vorgezogen / vnd von demſelben ze - henmahl kluͤger funden als ſeine einheimiſche Chaldeer Daniel. 1. v. 20. Jmgleichen ward Daniel gewaltig in dem Koͤnigreich Darius vnd Co - res Daniel. 6. v. 28. (1) Man ſagt im Sprichwort / eine frembde Katze / die wol mauſſet / wañ ſie ſchon auß der Jnſel Cypern (welche ſonderlich deß - wegen geruͤhmet werden) oder gar / auß Oſt vnd Weſt Jndien kaͤme / ei - nem Haußvatter nuͤtzlicher ſeye als alle in ſeinem Hauſe geheckte ein - heimiſche Ratten vnd Maͤuſſe. Es finden ſich offt Leuthe / wann ſie red - lichen wol meritirten Miniſtris vnd Hoffdienern / ſonſten auff der Welt nichts auffzuruͤcken wiſſen / ſo verweißlich / dieſes vorwerffen / daß ſie in ſelbigem Lande nicht gebohren / derowegen keine Patrioten, die es trewlich meynen / ſondern zu vernichten ſeyn / geſtalt die gottloſen Sodomiter / dem frommen Loth auch nichts anders vorzuwerffen wuſten / als daß er ein Frembdling bey jhnen waͤre / vnd bey jhnen regieren wolte im 1. Buch Moſ. Cap. 19. v 9. da doch der gerechte Loth / ein beſſer Patriot war / als alle Sodomiter / ſo gar / wann dergleichen nurent zehen zu Sodoma / Gomor - ra / ꝛc. gefunden / Gott ſolcher Staͤdte geſchonet vnd dieſelbe nicht mit Fewer verderbet haͤtte / in gemeldtem 19. Cap. Geneſ. Vnder den zehen Außſaͤtzigen ſo der Herꝛ Chriſtus vom Außſatz gereiniget ſind neun Pa - trioten vnd nurent ein Frembdling geweſen / dannoch hat dieſer allein das Lob erhalten / daß er vmbgekehret / Gott die Ehre gegeben vnd deſſen Wolthaten geprieſen / die neun Patrioten aber mit einander vndanck - bar vnd vntrew geblieben. Luc. 17. v. 16. & ſeqq. Es handeln ſolche Leuthe wider die Goͤttliche Rechte vnd Geſetze / die geſunde Vernunfft / auch der weiſen Voͤlcker Gewonheit / vermoͤge deren ein guter Patriot zuachtenvnd153Von dem weltlichen Stande. vnd zu nennen / der ſeinem Herꝛn / vnd dem Lande / darin er ſitzet vnd die - net / trew vnd hold iſt / ſeine Eyd vnd Pflichte wol betrachtet / dieſelbe al - len andern Reſpecten vnd populariauræ vorziehet / vnd redlich dienet. Die aber ſo jhre Pflicht zuruͤck ſetzen / nicht jhres Herꝛn vnd deß Landes gemeine Wolfahrt vnd Beſtes / ſondern in privato ſich groß zu machen ſuchen / wann ſie ſchon hundertmahl im Lande gebohren / ſind ſie dannoch keine gute Patrioten oder darfuͤr zuhalten / maſſen dann die Erfahrung bezeuget / daß mehr dergleichen Patrioten vnd Einheimiſche / als Frembde jhrer Vntugend / vnd Vntrew halber zur Straffe gezogen / deß Landes verwieſen / oder gar hingerichtet werden / auch ſich damit / daß ſie Patrio - ten, deſſen nicht entbrechen moͤgen / vnd geſchehen die meiſte Verraͤthe - reyen durch die Eingebohrne / wie die Experientz bezeuget.

Eygentlich zureden / ſind nurent zwey Nationes vnd Landſchafften in der Welt: Eine darvon ſich die Trewe / Fromme vnd Redliche: Die ander davon ſich die Vntrewe vnd Boßhaffte ſchreiben. Es kommen nun die Gute vnd Getrewe her / wo ſie wollen / ſo ſind ſie darfuͤr zu halten /(2) Non eſt conſi - derandũ, exquapa - tria quis ſit ortus; ſed quâ patriâ di - gnus. Ne - vizan. in Sylv. Nupt. lib. 4. fol. 373. ſub n. 133. in fin. Eo - q́ue perti - net illud Flavii Vo - piſci: eſt iſta è magnorũ Principũ virtutibus ſumma ſciendi, ubi quiſque ſit genitus, ſed qualis in Republ. fuerit. Imperatorem Nervam Traianum, peregrinum, gente Hiſpanum, etiam cum propinqui non deeſſent Cæſarem deſignare & cenſuiſſe virtuten cuiuſque, non patriam in rebus eiuſ - modiſpectari debere, notat Jacob Zevecot. ad Sueton. C. Jul. Cæſarẽ. d. cap. 76. ubiaddit: Gli - res apud nos domi naſci quis neſcit? iis tamen frumenti cuſtodiam nemo impunè cõmittit, ſed benè felibus quas ex Cypro advectas plerumq præferunt cæteris. Quihoſtẽ feriet, is mihi Carthaginenſis erit, fortiſſimus Hannibal dicere ſolitus fuit. daß ſie Compatrioten, einer Nation, Gemuͤths vnd Gebluͤts ſeyn. Deß - gleichen auch die Boͤſe vnd Vntrewe. Vid. ſupra Axiom. 34. (2)

Hat derowegen ein Herꝛ nicht allezeit darauff zuſehen / auß wel - chem Lande einer buͤrtig / ſondern was er in einem Lande / darin er ſich befindet / oder anderswo præſtiret vnd geleiſtet hat / oder ins kuͤnfftig thun kan.

Als Keyſer Carlen dem Fuͤnfften einsmahls die Grandes in Hi - ſpania vorruckten / daß er ſo viel teutſche Raͤthe vnd Miniſtros vmb ſich haͤtte mit Begehren dieſelbe abzuſchaffen / hat der glorwuͤrdigſte Keyſer geantwortet / wann jhr die Teutſchen alle abſchaffen vnd nicht leyden wol - let / ſo muͤſſet jhr mich auch abſchaffen / weil ich ein Teutſcher bin.

Wie einsmahl dem Anacharſi ſein Vatterland vffgeruͤcket / daß er auß Scythia buͤrtig waͤre / hat er wol geantwortet: Mihi probro eſt pa - tria, Tuvero Patriæ, das iſt / mir wird mein Vatterland vorgeruͤcket / dein Vatterland hat ſich aber deiner zuſchaͤmen. Drexelin Phaëtonte cap. 11. Hiervon iſt auch etwas gedacht droben Axiom. 34.

Muͤſſen derowegen gottſelige fromme Regenten / Fuͤrſten vndVuHerꝛn154Das ander Buch /Herꝛn darvor halten / daß trewe / fromme Diener vnd Geſinde / ſie ſeyn Außlaͤndiſche oder Einheimiſche eine groſſe Gabe Gottes / vnd daß es deß Regenten hoͤchſter Schatz ſeye / wo er etliche trewe Leuthe zu Hoffe vnd in Aemptern hat / dann die Welt / ſchreibet D. Lutherus uͤber dieſen 101. Pſalm / iſt zu boͤſe / falſch vnd vntrew / wie David ſagt Pſalm. 116. Alle Menſchen ſind falſch / ſonderlich zu Hoffe / da jederman oder je der groͤſſere Theil ſuchet / nicht wie der Fürſte zunehme / ſondern wie er ſich ſelbſt waͤrme vnd fett werde / es gehe dem Fuͤrſten wie Gott wil. Der wei - ſe Mann Syrach ſagt; Es ſtehe in Gottes Haͤnden daß einem Regen - ten gerathe / derſelbe gibt jhme einen loͤblichen Cantzler. Syrach. Cap. 10. v. 5.

Alſo wann Gott einem Fuͤrſten vnd Lande wol wil / ſo giebet er jh - me einen feinen Joſeph oder Naeman der vmb jhn ſey / durch welchen al - les wol gehet vnd geraͤth. So lang der fromme Jojada bey deß Koͤnigs Joas Hoff das Directorium fuͤhrete / gieng es wol daher / vnd thate Joas was dem Herꝛn wol gefiehl / ſo bald aber Jojada das Haupt legte / gienge es übel zu vnd war alles Krebsgaͤngig im 2. Buch der Koͤnig Cap. 11. Jm 2. Buch der Chronick Cap. 24. v. 2. Jmgleichen ſo lang Sacharia lebete / regierte der Koͤnig Vſia wol / nach jenes Todt aber machete ers uͤbel / im 2. Buch der Chronick Cap. 26. v. 5. vnd ſind ſonſten viel Exempla vor - handen / daß Herꝛn vnd Regenten nach toͤdtlichem Hintritt vnd Abgang jhrer vornehmen getrewen Raͤthe vnd Diener / ſich in der Regierung ſehr geendert vnd übel regieret / ſonderlich wann an der Frommen ſtatt / boͤſe Leuthe kommen. Jſt alſo im Gegenſatz auch gewiß / daß ein einiger boͤſer Bube bey Hoff viel Gutes verderbe wie Salomon erinnert in Sprichwoͤrtern Cap. 9. v. 9. Worbey D. Luther in der Gloß notiret, daß ein Bube verderbe ein gantz Land mit ſeinem boͤſen Rath. Derowegen wann Gott einem Fuͤrſten vnd Land uͤbel wil / ſo giebt er auch dem from - men David einen Achitophel an die Seyte / der ſich alſo ſtellen kan / als redete Gott durch jhn / wie die Hiſtoria von Achitophel meldet. Vnd ſagt D. Luther ferner uͤber gemeldten 101. Pſalm / daß ins gemein der Koͤnige vnd der Fuͤrſten / ſonderlich der frommen aller groͤſſeſte Plagt ſey / daß ſie muͤſſen vntrewe / falſche / boͤſe leuthe zum groͤſſeſten Herꝛn im Lande / nicht allein leyden / ſondern auch ſetzen vnd machen / wie David den Achitophel / (item den Joab) Salomo den Eler Eſer / ꝛc.

AXIO -155Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA LX. Gottloſe Herꝛn haben ins gemein gottloſe Diener.

QUalis Rex, talisgrex, wie der Regent iſt ſo ſeyn auch ſeine Amptleu - the / vnd wie der Rath iſt / ſo ſind auch die Bůrger. Syrach. Cap. 10. Darvon ſagt Salomon / ein Herꝛ der Luſt zu Luͤgen hat / deſſen Diener ſind alle gottloß. Proverb. Cap. 29. Die gottloſe Herꝛn muͤſſen vnd wol - len auch ſolche Diener haben / vnd koͤnnen die Frommen nicht bey dem - ſelben auffkommen vnd gehoͤret werden. Von Gottloſen aber ſpricht David / nach dem alten Sprichwort / kompt Vntugend. 1. Samuel. Cap. 24. v. 14.

Als Saul zu einem gottloſen Tyrannen ward / hatten Samuel / David vnd andere fromme Diener bey Hoff wenig Gehoͤr / ſondern mu - ſte der gottloſe Prieſter Moͤrder Doeg ein Grandis vnd groſſer Mann bey Hoffe ſeyn. 1. Samuel. Cap. 22. v. 9. & v. 18. Weil Ahaſia gott - loß war hatte er auch gottloſe Raͤthe bey ſeinem Hoff die jhn noch weiter verfuͤhrten. 2. Chron. Cap. 22. v. 4.

AXIOMA LXI. Einfrommer Diener kan auch wol einem gottloſen Herꝛn / oder der nicht ſeiner wahren Religion zu gethan iſt / mit gutem Gewiſſen dienen.

DEr gottloſe Saul hatte viel frommer Knechte an ſeinem Hoffe / welche die Hand nicht legen wolten an die Prieſter deß Herꝛn. 1. Samuel. Cap. 22. v. 17. Dem gottloſen Koͤnig Achab vnd ſei - ner abgoͤttiſchen Gemahl Jeſebell dienete der gottſelige from - me Obadia fuͤr einen Hoffmeiſter / verſteckte wider deß Koͤnigs vnd der Koͤnigin Verordnung die Propheten / ſpeiſſete ſie vnd behielt ſein Ge -Vu ijwiſſen156Das ander Buch /wiſſen rein. 1. Reg. Cap. 18. Naëman der Syrer verblieb an deß vnglau - bigen Koͤnigs in Aſſyrien Hoff / wiewol er glaubig worden vnd den wah - ren Gott Jſrael erkandt vnd bekandt. 2. Reg. Cap. 5. v. 17. & ſeqq.

Ebedmelech der Mohr ein frommer Mann war ein Caͤmmerer in deß abtruͤnnigen Koͤnigs Zedekia Hauſe / der nahm ſich deß vnſchul - dig in den Kercker gelegten Propheten Jeremiæ trewlich an / wie ſolches der Prophet ſelber jhm ruͤhmlich Zeugnuß giebet. Jerem. Cap. 3. Der Prophet Daniel vnnd ſeine Geſellen waren Diener vnd Hoffleuthe deß abgoͤttiſchen Koͤnigs Nebucadnezars / vnd dem ſelben in allen Dingen ſo nicht wider Gott vnd ſeine Gebotte / vffwaͤrtig vnd gehorſamb. Daniel Cap. 1. & ſeqq.

Als der Caͤmmerer vnd Gewaltiger der Koͤnigin Candaces in Mohrenland durch den Apoſtel S. Philippum zum Chriſtlichen Glau - ben gebracht vnd getauffet war / vnd offendlich bekandte / daß Jeſus Chriſtus Gottes Sohn waͤre / hat er darumb ſeinen Dienſt nicht quitirt, ſondern meldet die Schrifft / daß er froͤlich ſeine Straſſe wider gezogen. Actor. Cap. 8. v. 27. & ſeqq. Gar viel Exempla ziehet Adamus Contzen in ſeinem Daniele, auß der Kirchen vnd andern Hiſtorien an / welcher geſtalt gottſelige fromme Leuthe / in deß grewlichen Tyrannen Neronis vnd anderer dergleichen boͤſen Regenten Hoͤffen ſich auffgehalten vnd zuweilen viel Gutes geſchaffet / Cap. 9. per tot.

Es iſt aber mit Herꝛn vnd Knechten beſſer daran / daß ſie einer Religion ſeyn / vnd thut ein Herꝛ nicht wol wann ers endern kan / daß er einer andern als ſeiner wahren Religion zugethane Diener / ſonderlich zu geheimbden vnd vertrawten Raͤthen (mit andern hat es nicht ſo viel auff ſich) gebrauchet / weil die Exempla bezeugen / daß dardurch auch wol die Herꝛn ſelber zur andern Religion uͤberredet / vnd bey Landen vnd Leuthen groſſe mutationes vnd Enderungen in Geiſt - vnd Weltlichen Statu, die viel Vnheyls nach ſich gezogen / erfolget.

Es kan auch leichtlich geſchehen / vnd giebt es gleich falls die Er - fahrung / daß ſolche Diener / wann ſie jhres Herꝛn Statum erfahren vnd in etwas penetriret, hernacher reſigniren vnd zu deß Herꝛn Widerwaͤr - tige tretten / auch ſonſten bey wehrender Bedienung / das jenige was ſieRaͤthe Diener koͤnnen zu einem Re - ligion Eyd angehaltẽ werden. erfahren / ſo jhren Religionsverwandten nachtheilig / denſelben / wann es ſchon deß Herꝛn intention vnd Vorhaben nachtheilig / eroͤffnen. Etliche haben eine Hoff-Religion / wollen ſich weder zu dieſer oder jener bekennen / ſagen ſie ſeyn gute Chriſten / auff Chriſtum vnd keinen andern getaufft / welches zwar wahr / aber darmit würde der Vnderſchied in der Religion vffgehoben. Dieſem vorzukommen / vnd damit ein Herꝛ Ge -wißheit157Von dem weltlichen Stande. wißheit habe / iſt an theils Hoͤffen vnd Orthen ein Religions Eyd einge - fuͤhret / welchen die Diener / ſonderlich Raͤthe bey Antrettung jhrer Dienſte ablegen muͤſſen. Daß aber ein Herꝛ vnd Regent einen Reli - gions Eyd von ſeinen Dienern erfordern vnd abnehmen moͤge / iſt der Schrifft nicht zu wider / ſondern kan mit vielen Bibliſchen Exempeln vnd Spruͤchen heiliger Propheten vnd gottſeliger Koͤnige bewehret werden. Jm 5. Buch Moſ. im 29. Cap. ſagt Moſes / daß das Volck einen Eyd gethan / vnd mit einem Eydſchwuhr ſich dahin erklaͤret / daß ſie bey dem Geſetzbuch vnd bey Gott dem Herꝛnbleiben / vnd in ſeinem Bund einher gehen wolten. Deßgleichen im 2. Buch der Chronick. Cap. 15. v. 14. iſt ein ſtattlich Exempel zu finden / da Koͤnig Aſſa mit ſeinen Vnder - thanen in den Bund tritt / vnd ſie mit einander dem Herꝛn ſchwehren mit lauter Stimme / mit Doͤhnen / mit Trommeten vnd Poſaunen / welches dann ein offentlicher Religions Eyd / welchen der Koͤnig / Vn - derthanen vnd Diener mit einander abgeleget / geweſen.

Zu Zeiten Nehemiæ kam das Volck deß Herꝛn zuſammen daß ſie ſchwuhren vnd ſich mit dem Eyde / wie die Schrifft redet / verpflichteten / zuwandeln im Geſetz Gottes / das durch Moſe den Knecht Gottes gege - ben iſt / daß ſie hielten vnd thun wolten nach allen Gebotten / Rechten vnd Sitten deß Herꝛn vnſers Herꝛſchers. Nehem. Cap. 10. v. 29. Jm 119. Pſalm ſpricht David: Jch ſchwehre vnd wils halten / daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit halten wil. Was David gethan kan ein jeder mit gutem Gewiſſen thun. Jm Buch Joſ. am 24. Cap. wird zwar keines Eydſchwuhrs / ſondern eines Bundes / ſo Joſua / imgleichen der Koͤnig Joſias 2. Chron. Cap. 23. mit dem Volcke gemacht / gedacht / welches dañ eben denſelbigen effect hat / vnd ſind bey Vffrichtung eines ſolchen Bundes ins gemein ſolche ſtarcke conteſtationes vorgangen / die einem Eyd gleich geweſen: kan derowegen von einem Regenten ein ſolcher Re - ligions Eyd von ſeinen Dienern auß erheblichen Vrſachen wol erfor - dert / auch von dieſen mit gutem Gewiſſen / wann ſie lauter in der Reli - gion ſeyn / vnd es zu halten gedencken / wol abgelegt werden. Vermoͤge der Keyſerl. Cammergerichtsordnung ſollen vnd koͤnnen keine andere Perſonen zu Aſſeſſoren, dann die ſo entweder der alten Religion / oder aber der Augſpurgiſchen Confeſſion zugethan / præſentiret, noch von dem Collegio auffgenommen werden Ordinat. Camer. p. 1. Tit. 3. §. vnd inſonderheit. Reichs Abſch. de Anno 1555. §. Als vnder andern. & Reichs Abſch. de Anno 1576. §. Derhalben. Denaiſi. in jure Camer. Tit. 13. §. 4. & 11. Et Tit. 14. §. 3. Als aber durch den Muͤnſter-Oßnabrückiſchen Frie - densſchluß die Reformirte / ohne Vnderſchied mit in den Religionfrie -Vu iijden158Das ander Buch /den auffgenommen / iſt wol nicht zu zweiffeln daß auch hiernaͤchſt dieſel - be darunder zu verſtehen.

Eine nach - denckliche Frage.
7

Hierbey faͤllet eine nachdenckliche Frage vor / ob ein Diener / ſo einer andern Religion zugethan / ſeinem Herꝛn bey ſeinem Gottesdienſt / den er vor vnrecht vnd Gottes Wort zu wider haͤlt / mit vnverſehrtem rei - nem Gewiſſen auffwarten vnd ſich dabey mit finden koͤnne.

Dieſe Frage iſt auff dem groſſen Reichstag zu Augſpurg Anno 1530. vorgefallen. Dann als Keyſer Carl der Fůnffte / in vigilia Feſti Corporis Chriſti zu Augſpurg einkommen / vnd folgenden Tages mit einer ſolennen Proceſſion ſolch Feſt begehen vnd halten wollen / haben jhre Keyſerl. Mayt. durch dero Herꝛn Brudern / Koͤnig Ferdinanden dem Churfuͤrſten zu Sachſen vnd andern Proteſtirenden Evangeli - ſchen Fuͤrſten anſagen laſſen / daß ſie / wie bey dergleichen Keyſerlichen Perſoͤnlichen Anweſenheit von Alters hergebracht / Gott zu Ehren ſol - cher Proceſſion bey wohnen / vnd jhrer Mayt. Comitat mit jhrer Chur - vnd Fuͤrſtl. Gegenwart ziehren vnd dero darbey auffwarten wolten. Worauff die Proteſtirende Chur - vnd Fuͤrſten geantwortet / daß ſie ſich jhrer Schuldigkeit vnd Auffwartung in dergleichen Faͤllen wol erinner - ten / waͤren auch darzu willig vnd bereit / weil aber jhre Keyſerl. Mayt. von jhnen begehrten ſolcher vorweſenden Proceſſion als einem Gottesdienſt beyzuwohnen / vnd durch jhre Gegenwart denſelben gleichſamb zu appro - biren, ſie aber einen ſolchen Gottesdienſt der Proceſſion vnd Vmbtra - gung deß Leibes Chriſti / den Prophetiſchen vnd Apoſtoliſchen Schriff - ten nicht gemeß / ſondern zu wider befunden / koͤnten ſie es mit gutem Gewiſſen nicht thun / ſondern muͤſten nach der Apoſtoliſchen Lehr hierin Gott mehr als den Menſchen gehorchen / ſind auch darauff beſtanden / vnd bey der Proceſſion ſich nicht gefunden / wiewol ſie den vorigen Tag in Empfahung jhrer Keyſerl. Mayt. bey Sprechung der benediction ſich nicht entzogen / auch dieſelbe zu jhrem Gottesdienſt in die Kirche / vnd nach dem derſelbe geendet wider herauß in das Keyſerl. Palatium beglei - tet / wie ſolches D. Cæleſtin. in Hiſtoria Auguſt. Confeſſionis Tom. 1. fol. 76. & mult. ſeq. weitlaͤufftig beſchreibet. Diß letzte / weil es keinen Got - tesdienſt implicirt, vnd in bloſſer Auffwartung beſtanden / hat ohne Aer - gernuß vnd Verletzung deß Gewiſſens wol geſchehen koͤnnen / geſtalt dann D. Lutherus in einem Schreiben an Ehrn Johan Eißleben ſolches nicht improbirt, vnd darzu das Exempel Naëmans deß Syrers anzie - het. Dann obwol Naëman ſich gegen dem Propheten Eliſæo erklaͤret / daß er nicht mehr andern Goͤttern / ſondern dem Herꝛn opffern wolte / dannoch die diſpenſation von dem Propheten erhalten / daß jhme GOttwürde159Von dem weltlichen Stande. wuͤrde gnaͤdig ſeyn / wann er ſeinem Heydniſchen Herꝛn vnd Koͤnige auff den Dienſt wartete / wann derſelbe gienge ins Hauß Rimmon / da - ſelbſt anzubetten / vnd ſich an ſeine Hand lehnete / gleichwol bey ſolcher Auffwartung den wahren Gott anbetete. 2. Reg. Cap. 5. v. 17. & ſeqq. Vnd pflegen bey den Keyſerlichen Croͤnungen vnd andern publicis A - ctibus, die Evangeliſche Churfuͤrſten vnd deren Geſanden der Keyſerl. Mayt. vffzuwarten / vnd dieſelbe mit in die Kirche zu begleiten / aber wañ etwa die Meß gehalten werden ſoll / auff die Seyte zutretten / wie ich ſol - ches am Keyſerl. Hoff vnd offentlichen Verſamblungen ſelbſt advertirt vnd geſehen.

AXIOMA LXII. Raͤthe ſollen nicht gleich ſeyn den Mundkoͤchen / die in Zurichtung der Speiß bloß nach jhrer Herꝛn Mund ſich ſchicken.

DEr Mundkoͤche Ampt vnd Beruff gehet vnd beſtehet darin / daß ſie alles ad palatum Dominorum, nach jhrer Herꝛn Mun - de / wie es nemblich dieſelbe gern eſſen / zurichten. (1) Wann(1) Co - quus Do - mini de - bet habe - regulam. Martial. Vid. Dre - xel. in Phaëton - te de - ſultrice lingua c. 9. per tot. Aulici ple - rumque ſequuntur humores & mores Principũ juxta il - lud:Nemo ſuos: hæc eſt aulæ natura Potentis Sed mores Domini, Cæſarianus habot. Raͤthe denſelben folgen / ſo ſprechen ſie auch jhren Herꝛn nach dem Munde / vnd rathen auch nichts was dem Herꝛn nicht angenehm / es ſey recht oder vnrecht / es gerathe wol oder uͤbel.

Solche Mundkoͤche oder Mundraͤthe vnd Placentiner waren deß Koͤnigs Rehabeams junge Raͤthe die mit jhme auffgewachſen waren. 1. Reg. Cap. 12. v. 8. & ſeq. Jmgleichen die Raͤthe deß Koͤnigs Jerobe - ams / mit welchen er wegen Anrichtung der guldenen Kaͤlber vnd newen Gottesdienſtes zu Bethel / Rath gehalten / vnd von jhnen nicht wider - rathen worden. Jm 1. Buch der Koͤnig Cap. 12. v. 26. & ſeqq. Der Jona - dab der deme in vnkeuſcher Liebe entbrandtem Ammon flattirte vnd nach dem Mund ſprach. 2. Samuel. Cap. 13. v. 4. & ſeq. Achitophel. 2. Sam. Cap. 17. Jtem deß Koͤnig Davids Kriegs-Rath vnd Feldhaupt man Joab / der ſeines Koͤnigs vngerechten Willen vnd blutigen Anſchlag / wider den vnſchuldigen Vriam willig vnd gern vollbrachte. 2. Samuel. Cap. 11. Solche Raͤthe / ſind Leuthe / die vnſelige Gedancken vnd ſchaͤd -liche160Das ander Buch /liche Rathſchlaͤge fuͤhren / bey Hoͤffen vnd Republiquen wie ſie der Pro - phet Ezechiel beſchreibet Cap. 11. v. 2. Sie ſind Spoͤtter / die jhres Privat - Nutzens / eygener Ehr vnd Großmachung halber mit jhren Anſchlaͤgen frey hinein platzen einen Fuͤrſten / Land vnd Stadt in Vngluͤck bringen / darauß ſie in vielen Jahren nicht wider eluctiren vnd kommen koͤnnen wie D. Luther bey dem 39. Cap. der Sprichw. Salomon. ad marginem notiret. Der Koͤnig Achab haͤtte auch gern gehabt / daß der Prophet Mi - cha einen Mundkoch geben vnd jhme nach dem Munde ſprechen / vnd wie ers gern geſehen / weiſſagen ſollen / welches er gleichwol nicht thun wollen / vnd daruͤber nicht allein einen Backenſtreich empfangen / ſondern auch in den Kercker geworffen / mit Brod vnd Waſſer deß Truͤbſals geſpeiſſet worden. 1. Reg. Cap. 22. v. 8. 14. & 27.

Solche Mund-Raͤthe hatte der Koͤnig Cambyſes an ſeinem Hoffe / dann wie er dieſelbe befraget / obein Geſetz in Perſien vorhanden / welches einem erlaubte ſeine leibliche Schweſter zu ehlichen / welches der Koͤnig Willens war / haben ſie geantwortet; ſie fuͤnden zwar / kein Geſetz ſo jemand erlaubete / ſeine Schweſter zu heurathen / ſie fuͤnden aber ein ander Geſetze das hieſſe alſo: Licere Perſarum Regi quod libet, das iſt / dem Koͤnig in Perſien iſt erlaubet alles was jhm beliebet. Herod. lib. 3.

Auff ſolche Weiſe koͤnte man einen Rath beſchreiben / daß er nem -(2) Ethoc modo Conſilia - rium age - re, eſt divi - nare quid Princeps velit. lich rathen oder errathen koͤnte was ſeines Herꝛn Wille waͤre / vnd wohin ſeine paſſiones ziehleten. (2) Solche Raͤthe ſind Placentiner vnd keine Veroneſer, moͤgen wol auff eine zeitlang an jhren Herꝛn einen gnaͤdigen Herꝛn / aber keinen gnaͤdigen GOtt vnd reines Gewiſſen behalten. (3) Aber / meine Seele / ſoll ein gottſeliger frommer Diener ſagen / komme nicht in jhren Rath / vnd meine Ehre ſey nicht in jhrer Verſamblung. Geneſ. Cap. 49. v. 6. Wehe denen / ſpricht der Prophet Eſaias / die Boͤſes(3) Inter omnes a - micos, e - lige Deum Amicum tuum, qui omnia ſubtracta fuerint, ſolus tibi fidem ſer - vabit, in - quit, Auguſtin. Placere Principi, omnes ſtudent, non omnes poſſunt, Deo placere omnes poſ - ſunt, non omnes ſtudent. Adam. Contz. in ſuo Daniel. cap. 10. §. 2. gut / vnd Gutes boͤſe heiſſen / die da auß Finſternuß Liecht / vnd auß Liecht Finſternuß machen / die auß Sawer ſuͤß / vnd auß Suͤß ſawr machen. Cap. 5. v. 20. Vmbſonſt iſt es einen gnaͤdigen Herꝛn zu erlangen vnd be - ſtaͤndig zu behalten / wann man nicht vorhin einen gnaͤdigen Gott im Himmel / in deſſen Haͤnden aller Koͤnige vnd Herrn Hertze ſind / hat vnd behaͤlt. Herꝛn Gnade / auſſer Gottes Huld vnd Schutz / iſt gleich einem koͤſtlichen Venediſchen Glaß / welches wanns einmahl auff die Erde faͤl - let ſeine ſchoͤne geſtalt gantz verleuret.

Es mangelt groſſen Herꝛn oͤffters an nichts mehr / als an Leuthendie161Von dem weltlichen Stande. die jhnen die Warheit ſagen. (5) Da iſt niemand der zu erſt der Katzen(5) Ludo - vic. xi. Galliæ Rex dice - re ſolitus, ſein ſuo Regno & potiſſimũ in aula ſua tebus pe - nèomni - bus abun - dare ex - ceptâ re unâ, VE - RITA - TE. Dum non vult alter timet alter dicere verum Regibus: ô miſerũ Regis in orbe ſta - . Ovven. Etin ean - dem ſen - tentiam Seneca: monſtra - bo tibi, quido - mnia poſ - ſidentibus deſit, ſci - licet, qui verum di - cat. die Schellen wil anhaͤngen. (6)

Redliche Raͤthe ſollen hiecin nicht den Mundkoͤchen nachfolgen / ſondern in deß getrewen Achiors Fußſtapffen tretten / der fuͤhret eine freye vnverſchrenckte vnd vngefaͤrbte Zunge bey ſeinem Feldhauptman dem Holoferne / vnd ſprach: Mein Herꝛ wiltu es gerne hoͤren / ſo wil ich dir die Warheit ſagen / was diß fuͤr ein Volck ſey vnd dir nicht liegen. Judith. Cap. 5. v. 4. Aber Holofernes moͤchte die Warheit nicht hoͤren ergrimmete uͤber dieſen Rath / weil er nicht nach ſeinem Munde war / ließ jhn Achior an einen Baum mit Haͤnden vnd Fuͤſſen binden / damit er ſeinen Feinden zu theil wuͤrde. ibid. Cap. 6. Aber Achior der ward wi - der Holofernis Rath vnd Gedanckenerrettet / Holofernes aber erwuͤr - get /(7)Revera, periit Rex, periit Princeps, cui bona conſilia dare periculoſum eſt. Drexel. in Phaëtonte d. c. 9. wieim ſelben Buch mit mehrerm zu leſen. Vnder allen Fuͤrſten / Elteſten vnd Oberſten deß Koͤnigs Jojakim lieſſen ſich nurent drey Raͤthe finden / die dem Koͤnig nicht nach dem Munde ſprachen / ſondern demſelben riethen die Prophezeyhung Jeremiæ durch Baruch geſchrie - ben / nicht zu verbrennen / nemblich Elnathan / Delaia vnd Gemalia / wurden aber damit nicht gehoͤret Jerem. Cap 36. v. 25. Deß Nebucadne - zars vornembſter Rath / der Prophet Daniel / nahm kein Blat vor das Maul / als er von ſeinem Koͤnig vmb Deutung ſeines Traumes gefra - get ward / ſondern ſagete frey herauß / wie es jhm ergehen wuͤrde / vnd wel - cher geſtalt er dem Vngluͤck entgehen moͤchte: Das iſt die Deutung Herꝛ Koͤnig vnd ſolcher Rath deß Hoͤchſten gehet uͤber meinen Herꝛn Koͤnig: man wird dich von den Leuthen verſtoſſen / vnd muſt bey den Thieren auff dem Felde bleiben / vnd man wird dich Graß eſſen laſſen wie die Ochſen / ꝛc. darumb Herꝛ Koͤnig laß dir meinen Rath gefallen / vnd mache dich loß von deinen Suͤnden / durch Gerechtigkeit / vnd ledig von deiner Miſſethat / durch Wolthat an den Armen / ſo wird er Gedult haben mit deinen Suͤnden / ꝛc. Daniel. Cap. 4. v. 21. & v. 24. Haͤtte nun der Koͤnig dieſen getrewen auffrechten Rath gehoͤret vnd deme gefolget / waͤre er nicht zu einer Beſtien vnd Ochſen worden / vnd 7. Jahr Graß eſſen vnd vnder dem Taw deß Himmels ligen muͤſſen. Deßgleichen that Daniel dem Koͤnig Beltſazer / deme er auch die Warheit nicht verhee - lete ſondern was GOtt uͤber jhn beſchloſſen frey herauß ſagte Daniel. Cap. 5. v. 26. Ein redlicher trewer Rath iſt geweſen der hochberühmte(6) Sunt Politici qui ſuadẽt, aulicum primum proferentem votum cavere debere, neille primus ſtatim feli tintinabulum appẽdeat - Everh. Weihe in aulic. Politic. Axiom. 89. Rechtsgelehrter Papinianus, der hat lieber den Kopff verliehren / alsXxdarzu162Das ander Buch /darzu Rath geben wollen / wie man einen Brudermord beſchoͤnen / vnd ſub prætextu Juris oder vnderm Schein Rechtens juſtificiren vnd be - haupten moͤchte.

Der geweſene vortreffliche Engliſche Rath vnd Cantzler Tho - mas Morus hat auch lieber in den Todt gehen / als wider die Warheit vnd Gerechtigkeit rathen vnd reden wollen / darvon Drexelius in ange - zogenem 9. cap. Phaëton. alſo ſchreibet. Thomas Morus, illud Angliæ de - cus, quam conſtans in tuendo vero? Morimaluit, quam non verum di - cere: itaq́ue caput perdidit, ne perdere cogeretur libertatem veritatis tenaciſſimam.

Ein rechter Achior, auffrichtiger Rath vnd kein Mundkoch war Mercurinus Keyſer Carls deß Fuͤnfften vortrefflicher Cantzler / welcher nicht allein dem Keyſer in ſeinem hochvernuͤnfftigen voto außführlich remonſtrirte, daß es keinen ſicheren beſtaͤndigen Frieden abgeben wuͤr - de / wann er deme vor Pa〈…〉〈…〉 e) in der Schlacht gefangenen Koͤnig in Franckreich / gar zu ſchwere conditiones Pacis vorſchreiben vnd geben wuͤrde / ſondern wie er per maiora vnd mehrere / ſonderlich die Spaniſche Raͤthe / die ſolche conditiones zu ſtabilirung der laͤngſt deſiderirten uni - verſal Monarchi in der Chriſten heit dienlicher vnd vortraͤglicher gehal - ten / uͤberſtimmet / vnd jhme hernacher / als einem Cantzler der auffgeſetzte Accord von dem Keyſer zugeſchicket / ſolchen tragenden Ampts halber / zu vnderſchreiben / er ſich deſſen verweigert / mit Andeuten / daß ſein Ampt jhme nicht anvertrawet / ſich deſſen in gefaͤhrlichen vnd vnbilligen Dingen zu bedienen / vnd was er nicht recht befinde zu vnderſchreiben / auch von ſolcher Meynung / wiewol jhme angezeiget / daß es der Keyſer in Vngnaden auffnehmen vnd vermercken wuͤrde / nicht abſtehen / noch den Accord vnderſchreiben wollen / der Keyſer aber nichts do weniger es mit ſeiner ſubſcription vollzogen / gleichwol deßwegen den Mercurinum ſei - nes Dienſtes nicht entſetzet / wie ſolches außfuͤhrlich bey dem Guicciardi - no. lib. 16. Hiſtor. zu leſen / welches für Herꝛn vnd Diener ein merckli - ches Exempel / nemblich daß dieſer die Warheit nicht geſchewet / jener aber darumb ſeinen getrewen Diener nicht abgeſchaffet / wol zumercken / zumahlen dem gemeinen Lauff nach / es wol eine ſonderbahre Raritaͤt iſt daß einer bey Hoff die Warheit ſaget / vnd dannoch bleiben kan. Aber ein Exempelohne viel Exempel iſt es / daß der Prophet Daniel / wie er dem gewaltigen Aſſyriſchen Koͤnig Beltſazer / die Warheit geſaget vnd jhme ins Geſicht / ſeinen Vndergang verkuͤndiget / nicht allein ohne Ge - fahr geblieben / ſondern noch darzu ſtattlich regalirt, mit Purpur vnd guldenen Ketten beſchencket / vnd ſo ſehr hervor gezogen / daß er der dritteGrandis163Von dem weltlichen Stande. Grandis oder Herꝛ im Lande ſeyn ſolte / Daniel. Cap. 5. v. 27. Dieſes aber mag wol nicht eben auß Liebe zu dem Daniel vnd von jhme ohne Schew verkuͤndeter Warheit / ſondern weil es bey den Aſſyriſchen vnd Perſi - ſchen Hoͤffen ſittlich geweſen daß deß Koͤnigs Wort ohne Hindertreiben muͤſte vollzogen vnd effectuirt werden / vnd da der Koͤnig nicht ſelbige Nacht noch von Gott getoͤdtet waͤre / moͤchte Daniel dieſe Ehr wol nicht lang behalten haben.

AXIOMA LXIII. Die Maiora vota oder mehrere Stimmen im Rath ſind nicht allemahl die ſaniora, heylſambſte vnd beſte.

D Geſetze hat Gott ſelber dem Moſi gegeben / daß er nicht auff die maiora ſehen / vnd wegen der Menge / deren ſo ein vnrechte Meynung behaupten / vom Rechten abweichen ſolte im 2. Buch Moſ. Cap. 23. v. 2.

Als zur Zeit der Paſſion deß Herꝛn Chriſti / der groſſe Rath der Juden / Synedrion genandt / ſo in zwey vnd ſiebentzig Perſonen beſtan - den / beyſammen geweſen / vnd uͤber dieſem Themate vnd Frage Rath gehalten / ob man den vnſchuldigen Jeſum von Nazareth ſolte zum Todt verdammen? da ſind Caiphas / Annas / Rabbi Samuel / Rabbi Simon vnd die uͤbrige nach einander mit jhren votis dahin gangen / daß er deß Todts ſchuldig waͤre. Matth. Cap. 26. v. 59. & ſeq. v. 66. Marc. Cap. 14. v. 64. Aber der alleinige Joſeph von Arimathia ſtimmete dem groſſen Hauffen nicht mit zu / opponirte ſich allein / vnd wolte nicht willigen in den permaiora, oder die mehrere Stimme gemachten Rathſchluß / wie - wol jene prævalirten vnd das Concluſem macheten. Luc. Cap. 23. v. 51. Jmgleichen wie vorhin die Phariſeer einen ſolchen Blutrath uͤber Chri - ſtum gehalten / jhn durch jhre Knechte / zum Todt zu vervrtheilen greiffen lieſſen / hat ſich der eintge Nicodemus opponiret, vnd jhnen nicht zuge - ſtimmet / ſondern offentlich widerſprochen / ſagende: Richtet auch vnſer Geſetz einen Menſchen / ehe man jhn verhoͤret vnd erkennet was er thut. Johan. Cap. 7. v. 51. Als der Judiſche Koͤnig Jojakim Rath hielte uͤber das Buch / welches der Prophet Baruch auß dem Munde deß Prophe -Xx ijten Je -164Das ander Buch /ten Jeremi æ excipirt vnd beſchrieben / giengen die maiora aller ſeiner Fuͤrſten vnd Raͤthe dahin / / daß man daſſelbe weil es Gottes vorſtehende Straffe verkuͤndigte / mit Fewer verbrennen ſolte / auſſer dreyer from - men Raͤthe deren in vorhergehendem Axiomate gedacht / vnd waren in dieſem Rath die maiora auch nicht die ſaniora, ſondern pernicioſa vota Jerem. Cap. 36. v. 25. Bey dem Koͤniglichen Hoffe Zedekia / zu Jeruſa - lem / war per maiora geſchloſſen / daß Jeremias in der Gruben vnd Schlamm hungers ſterben vnd verderben ſolte / aber der einige Ebedme - lech deß Koͤnigs Caͤmmerer / ein Mohr / rieth dem Koͤnig ein beſſers vnd falvirte den Propheten. Jerem. Cap. 38. v. 7. Wegen ſolcher Trew vnd Auffrichtigkeit hat Gott dieſen frommen Rath Ebedmelech bey Erobe - rung der Stadt Jeruſalem erhalten / daß er ſein Leben wie eine Beuthe darvon gebracht / jhme auch ſolches durch Jeremiam ankuͤnden laſſen / Jerem Cap. 39. v. 17. 18. Jn dem groſſen Rath der zu Jeruſalem wider Petrum vnd die andern Apoſtel verſamblet war fuͤhrete der einige Ga - maliel das beſte votum welches dahin gienge: Jſt der Rath oder das Werck (der Apoſtel) auß den Menſchen ſo wird es vndergehen / iſts aber auß Gott ſo koͤnnet jhrs nicht daͤmpffen / auff daß jhr nicht erfunden wer - det als die wider Gott ſtreiten / in der Apoſtel Geſchicht Cap. 5. v. 38. 39.

Als in dem groſſen Concilio zu Coſtnitz die maiora, ja wol alle vota dahin gerichtet geweſen / daß Keyſer Sigismund dem Johann Huſſen vnd Hieronymo von Prag / das ertheilte Gleid brechen / vnd wi - der Keyſerliches Wort vnd Parola, ſie hinrichten laſſen ſolte / iſt der einige Caſpar Schlick ſo dreyer Keyſer Cantzler geweſen / ein Gewiſſenhaffter tapfferer Mann / alle in auffgeſtanden / offentlich den maioribus oder mehrern Stimmen widerſprochen / ſeinen Diſſens vnd Mißfallen daran ohne Schew conteſtiret vnd auß dem Rath gangen / wie ſolches auß ei - nem andern Auctore anziehet Eberhard. Weihe de Aulic. Politic. Axiom. 127.

Hertzog Philip von Burgund der Ander dieſes Nahmens hat einsmahl in einer Sache Rath gehalten / worbey alle Raͤthe jhres Herꝛn Meynung gut geheiſſen / aber ſein Cantzler allein / welcher ſolche Mey - nung vor vnbillig befunden hat darvon diſcrepiret vnd widerſprochen / auch gutwillig das Fuͤrſtliche Sigel ſeinem Herꝛn wider geſchicket / mit Andeuten er wolle lieber ſein Ampt vnd Wuͤrde ablegen / als wider ſein beſſer Wiſſen vnd Gewiſſen vnbilligen Rathſchlaͤgen beypflichten / wel - che Vffrichtigkeit dem Hertzog ſo wol gefallen / daß er jhn bald hernach wider nach Hoff beruffen / vnd mehr als vorhin geehret vnd geliebet. re - fert Drexel. in Phaëcont. cap. 9.

Muß165Von dem weltlichen Stande.

Muß derowegen ein verſtaͤndiger kluger Regent nicht allemahl auff die maiora oder wohin die mehrere Stimmen ſeiner Raͤthe gehen / ſehen / ſondern alles auff die Wagſchale ſtellen / reifflich vnd wol uͤberle - gen vnd die ſaniora, nutzbarſte vnd erſprießlichſte Conſilia ergreiffen / vnd(1) Multi - tudo er - rantium, non facit errori pa - trociniũ. denen nachgehen. (1)

Hertzog Johann Albrecht zu Mecklenburg der Elter / erinnert in ſeinem Teſtament ſehr weißlich / daß ſeine Soͤhne ohne vorgehenden Rath nichts wichtiges vornehmen auch im Rath einem jeden ſein Bedencken vnd Stimme frey laſſen / vnd nicht darauff vornemblich ſehen / wie viel Raͤthe einer Meynung ſeyn / ſondern wie dieſelbe Mey - (2) Plin ad Arrian. epiſt. 12 lib. 2. Hoc pluribus viſum eſt. Nume - ranture - nim ſen - tentiæ ponderã - tur. Nec aliud in publico conſilio poteſt fie - ri, in quo nihil eſt tam inæ - quale, quã æqualitas ipſa. Nam cum ſit impar pru - dentia, par omni - um jus eſt. Et Qui volet ingenio cedere ra - rus erit. Martialis. nung begruͤndet vnd bewehret. Jn einer Commun vnd Republique, wann die vorſtehende Obriſten vnd Elteſte bey welchen die Regierung ſtehet / oder die gantze Gemeinde zuſammen kommen vnd einen Schluß machen / da kan es wol nicht anders ſeyn als daß die mehrere den Schluß machen / (2) aber ein anders iſt es / wann ein Herꝛ ſeine Raͤthe vnd jhre vota vnd Meynungen anhoͤret vnd vernimbt die vnder ſich diſcrepant vnd nicht gleichſtimmmig ſind / iſt er an den mehrern Einrath nicht ge - bunden / ſondern thut wol vnd am beſten / wann er die ſaniora vnd nutz - lichſte Meynunge vollbringet. Jenes heiſt man ſuffragia, dieſes ſind conſilia, darvon ich ein mehrers gemeldet in meinem Tractat. de Re - gim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 5. cap. 8. n. 95.

AXIOMA LXIV. Was einmahl im Rath mit gutem Vorbedacht ge - ſchloſſen / auch ſonſten mit Hand vnd Sigel vollzogen iſt / daruͤber ſollen Re - genten feſt halten. ( 1)

ALs der Landpfleger Pilatus uͤber das Creutz Chriſti dieſe Wort in Hebraiſcher Sprach hatte ſchreiben laſſen / Jeſus von Nazareth der Juden Koͤnig / beſchwerten ſich deſſen bey jhme die Juden / ſup - plicirten vnd bathen er moͤchte ſolches endern laſſen / weil jhnen jh - rer Meynung nach ſolches zur Verkleinerung gereichete / aber PilatusXx iijbliebe(1) Prinei - pes conſtantiſſimâ uti debent voluntate, mentis linguæque concordia. Mamert. in Pane - gyr. Jul. Imper. dict. verba reſancire: Plin. in Panegyr. Et ſemel placita pro æternis ſervare. Tacit. lib. 1. annal. circ. fin. 166Das ander Buch /bliebe bey ſeiner einmahl gefaſſeten Reſolution beſtaͤndig / ſagte: Quod ſcriptum, ſcriptum, was ich geſchrieben habe das habe ich geſchrieben. Johan. Cap. 17. v. 21. 22. So war es auch recht / ſintemahl der Herꝛ Jeſus warhafftig der Juden / ja der gantzen Welt Hoherprieſter vnd Koͤnig war. Der Meder vnd Perſer Geſetz war / was der Koͤnig beſchloſſen vnd vnderſchrieben hatte / das muſte vnverendert bleiben vnd durffte nie - mand uͤbertretten. Daniel. Cap. 6. v. 8. & 15. Der loͤbliche Hertzog Jo - hann Albrecht von Mecklenburg redet ſeine Soͤhne in ſeinem Teſtament alſo an: Was ſie einmahl auff vorgangener reiffer Berathſchlagung vnd gehabtem Rath verabſchiedet / beſchloſſen / zugeſaget vnd verwilli - get / daruͤber ſollen ſie feſt wie ein Mawer halten / ſich auch darvon / wañ es ſchon mit jhren mercklichen Schaden zugehen ſolte nicht abwendig machen laſſen. Dann je hoͤher der Fuͤrſten Stand fuͤr andern Leuthen /(2) Vid. text. im Reichs - Abſchied de Anno 1555 §. Vnd da ein Chur -[Fuͤrſt] / Fuͤrſt / ꝛc. in verbis: daß die ſo Jn[Fuͤꝛſtlichẽ] Standes oder We - ſens bey Verſpre - chung vnd Zuſage jhrer Fuͤrſtl. Wuͤrden vnd wah - ren Wor - ten ge[l]aſ - ſen: aber die andere einẽ leib - lichen Eyd ſchweren ſollen. je mehr auch billig auff jhr Wort zu bawen iſt / dahero auch die Rechte wollen / daß eines Fuͤrſten Zuſage ſo viel gelte als einer geringen Standesperſonen leiblicher geleiſteter Eydſchwur / (2) vnd was ein Fürſt jemande mit dem Kopff zuwincket / das ſoll er jhme ſo feſt halten / als wann es ein ander verbrieffet vnd verſigelt haͤtte / vmb deßwillen dann auch deß Koͤnigs Cyri rechte Hand im Xenophonte hochgerüh - met vnd gepreyſet wird / als damit niemand jemahls gefehret oder be - trogen worden. Darumb ſollen ſich vnſere Soͤhne huͤten / daß ſie keine Brieffe die ſie nicht geleſen oder deren Jnhalt jhnen verborgen / vnder - ſchreiben oder Handzeichnen. Hiervon hab ich etwas weitlaͤufftiger gehandelt in meinem Tractatu de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 2. claſſ 1. cap. 2. per tot.

AXIOMA LXV. Wol gemeynet iſt nicht allemahl wol gethan vnd gerathen.

A keiner boͤſen intention ſamblete Gideon die in der Schlacht von den Jſmaelitern geraubete guldene Stirnbande / vnd ließ darauß ſeiner Meynung nach / Gott zu Ehren einen Leibrock ma - chen / vnd ſetzte es in ſeine Stadt Ophra / wordurch das Volck ge - aͤrgert / vnd von dem gewoͤhnlichen Gottesdienſt in der Stifftshuͤtte / darin Gott denſelben verordnet hatte abgezogen vnd gantz Jſrael ſichdaran167Von dem weltlichen Stande. daran verhuret / welches jhme vnd ſeinem gantzen Hauſe zum Fall ge - rathen vnd daruͤber hart geſtraffet worden / im[Buch] der Richter Cap. 8. v. 24. & ſeqq. Dieweil nun Gott befohlen harte / wie vnd wo er ſeinen Dienſt verrichten / vnd was er gebotten / man thun ſolte / konte die gute(1) Bona intentio & opus ma - lum exo - ſum Deo eſt ſacrifi - cium Dre - xeli. de Rect. In - tent. c. 6. intention, die Vbertrettung Goͤttlichen Geſetzes nicht juſtificiren vnd ſchuͤtzen. (1)

Als Vſa ſahe / daß die Kinder / ſo die Lade deß Bundes fuͤhreten / bey ſeits tratten / vnd er ſorgte ſie moͤchten die Bundslade vmbwerffen / tratt er auß recht guter intention vnd Meynung herbey / vnd hielte die Lade Gottes / damit ſie nicht vmbfiehle / aber es gerieth jhm nicht wol / daß Gott jhn darumb geſchlagen / daß er bey der Laden geſtorben. 2. Sam. Cap. 6. v. 6. 1. Chron. Cap. 14. v. 9. Vrſache / dann Gott hatte verordnet / daß niemand als die Prieſter auß Aarous Geſchlechte die Bundslade angreiffen ſolten. Numer. Cap. 4. Als der Koͤnig Saul deß Herꝛn Ge -(2) Man - data Dei præci è ſunt ſer - vanda. Inobediẽ - tia inten - tione bo - na defendi nequit. Corium furari & calceos egenis di - videre, e - leemoſy - na patibu - lo digna eſt. Dre - xel. d. c. 6. bott / in Verbannung der Amalekiter nicht vollzogen ſondern ſeiner An - zeige nach auß guter Wolmeynung Gott zu Ehren das Beſte vnder den Verbanneten zum Opffer deß Herꝛn außgenommen vnd behalten / be - kame er dieſe Antwort von dem Propheten Samuel auff Gottes Be - fehl: Meyneſtu daß der Herꝛ Luſt habe am Opffer vnd Brandopffer / als am Gehorſamb der Stimme deß Herꝛn. Siehe Gehorſamb iſt beſſer dann Opffer vnd Auffmercken beſſer dann das Fett von den Widdeern / dann Vngehorſamb iſt Zauberey Suͤnde / vnd Widerſtreben Abgoͤtte - rey vnd Goͤtzendienſt. 1. Sam. Cap. 15. (2) Man ſaget von einem alten Heiligen der auß guter intention, das Ledder geſtohlen / damit er den Armen die Schuhe vmb Gottes Willen gebe. Solche Allmoſen koͤnten einem ehe zum Galgen als zum Himmel befoͤrdern. Wer von vngerech - tem Gut opffert / deß Opffer iſt ein Geſpoͤtt / welches Gott nichts uͤberall gefaͤllet / ſpricht Syrach Cap. 35. in princ. ( 3) Wann einer Petro ſeinen Rock der guten intention vnd Meynung wolte abziehen / damit er Pau - lum wider bekleydete / waͤre ein ſchlecht opus bonum, wie gutes auch gemeynet; hiervon handelt weitlaͤufftig der gelehrte(3) Inten - tio bona non juſti - ficat ope - ra mala, ſicut nec religio bona, fla - gitia ex - cuſat. Jeſuit Drexeli. de Recta Intentione c. 6. vnd in nachfolgenden Capiteln.

AXIO -168Das ander Buch /

AXIOMA LXVI. Vbel gemeynet iſt zu weilen wol gerathen.

SEhr uͤbel meyneten deß Joſephs Bruͤder mit jhme / als ſie An - fangs Raths wurden jhn zu erwuͤrgen / aber auff deß einen Bru - ders Rubens Anrath jhre blutige Conſilia vnd Diſſein ſo weit milterten / daß ſie jhn Anfangs in eine Grube warffen vnd her - nach den Jſmaeliten vmb zwantzig Silberling verkaufften / Geneſ. Cap. 37. aber ſolche boͤſe Intention geriethe durch Gottes wunderbahren / all - weiſen Rath vnd Regierung / nicht allein dem verfolgten Joſeph zu groſſem Gluͤck vnd Vffnehmen in egypten / ſo gar daß er ſelber ruͤhmete vnd ſagete: GOtt hat mich laſſen vergeſſen alles meines Vngluͤcks / vnd alle meines Vatters Hauſes. Geneſ. Cap. 41. v. 51. ſondern auch ſeinen Bruͤdern vnd Verfolgern zum beſten / daß ſie dadurch ſambt jhrem hoch - betagtem altem Vatter Jacob ſich der Hungersnoth / durch jhres vmb ein ſchnoͤdes Geld auß Haß vnd Neyd verkaufften Bruders proviſion vnd Verſorgung erwehren koͤnten. Gen. Cap. 42. & ſeqq. geſtalt er ſich ſelber endlich gegen ſeine Bruͤder expectorirte vnd herauß ließ / ſagende: Nun bekuͤmmert euch nicht vnd dencket nicht daß ich darumb zuͤrne / daß jhr mich hieher verkaufft habet / dann vmb ewres Lebens halber hat mich Gott fuͤr euch her geſandt / Gen. Cap. 45. v. 5. Jtem Gen. Cap. 50. v. 20. ſprach er zu ſeinen Bruͤdern; Jhr gedachtets boͤß mit mir zu machen /(1) Deus novit ex amlo eli - cere bo - num. aber Gott gedachts gut zu machen / daß er thaͤt wie es jtz am Tage iſt zu erhalten viel Volckes. (1) Der Moabiter Koͤnig Balak / ließ boͤſer vnd keiner andern Meynung Bileam hohlen / nemblich daß er dem Volck Gottes fluchen ſolte / aber Bileam muſte wider deß Koͤnigs Intention dem Volck Gottes den Segen ſprechen / vnd muſte das jenige / was uͤbel vnd boͤſe gemeynet dannoch wol gerathen. Numer. Cap. 22. 23. & 24. vnd der Fluch in den Segen verwandelt werden Deut. Cap. 23. v. 5.

AXIO -169Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA LXVII. Prieſter vnd Weiber rathen zu weilen mit.

OB wol ins gemein die Geiſtlichen / Prieſter vnd Weiber in die Rathſtube nicht gehoͤren / dannoch findet ſichs / daß ſie zu weilen empeſtivè oder zu rechter Zeit wol vnd nuͤtzlich gerathen.

Als deß Koͤnigs Davids Sohn Adonia bey ſeines Herꝛn Vattern Lebzeiten das Koͤnigreich / darzu Gott vorhin den Salomo er - woͤhlet / daß er ſitzen ſolt auff den Stuhl deß Koͤnigreichs deß Herꝛn uͤber Jſrael. 1. Chron. Cap. 29. v. 5. auch von den Reichs Staͤnden vnd dem Volck auff offenem Reichstag zum Koͤnig acceptirt vnd angenommen. d. Cap. 29. & Cap. 30. an ſich reiſſen wolte / den Prieſter Ablathar neben dem Feldhauptman Joab vnd jhrer gantzen adhærentz zu ſeiner faction vnd Willen hatte / auch allerhand præparatoria zum Koͤniglichen Staat machete / nahm der Prophet Nathan wahr / wann dieſer faction vnd(1) In ſedi - tionibus nullus cunctati - oni locus, celeritate, antequam caput ſe - ditionis ſe firmet & vires col - ligat, opus eſt, juxta illud O - vidii Principiis obſta ſerò medicina paratur. Cum ma - la per lon - gas inva - luere moras. Vffruhr nicht eilend mit zeitigem gutem Rath begegnet vnd remedirt wuͤrde / dieſelbe zunehmen vnd Salomo wol vmb die Cron vnd das Koͤ - nigreich kommen moͤchte / (1) gab ſich derowegen im Frawenzimmer bey der Koͤnigin Bathſeba an / brachte jhr vor / welcher Geſtalt Adonia nach der Cron ſtunde / repræſentirte jhr was fuͤr Gefahr jhr vnd jhrem Sohn darauff ſtuͤnde wann Adonia Koͤnig wuͤrde / vnd ſprach zu der Koͤnigin / ich wil dir einen Rath geben / daß du deine Seele vnd deines Sohns Sa - lomo Seele erretteſt / gab jhr an die Hand ſie ſolte vngeſeumet zu dem Koͤnig gehen / vnd jhn darauff erinner / welcher geſtalt er jhr geſchwoh - ren / daß jhr Sohn Salomon nach ſeinem Todte Koͤnig ſeyn ſolte / jtzo aber wolte Adonia Koͤnig werden / vnd machete darzu groſſe Bereitſchafft. Wann ſie alſo noch mit dem Koͤnig redete / wolte er gemaͤhlich nachge - ſchlichen kommen vnd auch Audientz bey dem Koͤnig ſuchen / jhr Wort vollend außreden / vnd dem Koͤnig die Gefahr mit mehrerm vor Augen ſtellen / welches dann auch geſchehen vnd auff dieſen Prieſter - vnd Wei - ber Rath der Koͤnig ſo bald eine Reſolution ergriffen / ſeinen Sohn Sa - lomo auff ſein Leibmaul ſetzen / gen Gihon fuͤhren vnd durch den Prieſter Zadock vnd Propheten Nathan zum Koͤnig ſalben vnd mit Poſaunen publiciren vnd außblaſen / auch das vivat Rex, Gluͤck zu dem Koͤnige ac - clamiren vnd zuruffen laſſen. Jſt alſo dieſer Prieſter - vnd Weiber Rath wol außgangen vnd gelungen wie zu leſen im 1. Buch der Koͤnige Cap. 1. YyEinen170Das ander Buch /Einen guten Rath ergriff die Abigail / dardurch ſie jhres naͤrriſchen Mannes begangene Thorheit bey David außſoͤhnete / vnd jhr gantzes Hauß fuͤr gegenwaͤrtig vorhandenem Vngluͤck errettete. 1. Samuel. Cap. 25.

Als der Feldhauptman Joab den newen Auffwickler Seba ver - folget / der ſich aber endlich nach Abel retirirte vnd daſelbſten Schutz vnd Vnderſchleiff ſuchete / vnd Joab deßwegen nicht allein die Stadt be - randte / belaͤgerte / ſondern auch zum Sturmb Bereitſchafft machete / vnd im Werck war die Mawren niederzuwerffen / vnd mit ſturmender Hand ſich der Stadt zu bemaͤchtigen / da dann der Schuldige mit den Vnſchuldigen haͤtte leyden vnd buͤſſen muͤſſen / war guter Rath ſehr thewr / aber eine weiſe Frawe fand vnd ergriff den beſten Rath / reſolvirte ſich / lieff auff die Mawre vnd ſprach: hoͤret / hoͤret / ſprechet zu Joab / daß erhie herzu komme / ich wil mit jhme reden / vnd wie Joab herbey kam / ſprach ſie; vor Zeiten ſprach man: Wer fragen wil der frage zu Abel / ſo giengs wol auß. Jch bin eine von den friedſamen vnd trewen Staͤdten in Jſrael vnd du wilt die Stadt toͤdten / ꝛc. vnd als Joab ſich darauff er - klaͤrte / daß ſeine Ordre dahin nicht gienge / wann nurent der Auffruͤhrer Seba herauß gegeben wuͤrde / erboth ſie ſich ſein Haupt uͤber die Mawer werffen zu laſſen / ſolches auch durch jhre Weißheit bey dem Volck er - hielte / daß dem Seba der Kopff herunder gemachet / vnd uͤber die Maw - ren geworffen ward / conſervirte ſie durch jhren guten klugen Rath gar weißlich die Stadt vor deſolation, ruin, vnd Zerſtoͤhrung / wie zuleſen im 2. Buch Samuel. Cap. 20. v. 15. & ſeqq. Wie der Koͤnig Beltſazer die Deutung der Worte / welche eine herfuͤr gangene Hand in dem Koͤni - glichen Saal / an die Wand geſchrieben / von keinem ſeiner Chaldeer trfahren / gab jhme die Koͤnigin den beſten Rath / daß er den Daniel daruͤber hoͤren vnd von demſelben als einem von GOtt hochbe - gabtem Mann / die Deutung vernehmen ſolte / welches dann auch geſchehen Daniel. Cap. 5. v. 10. & ſeqq.

AXIO -171Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA LXVIII. Wer gute Addreſſe vnd Zutritt / im Frawenzimmer hat / der kan zu weilen guten Rath ſchaffen / zu weilen auch viel Boͤſes ſtifften.

VIel Gutes hat Mardachai dem gantzen Juͤdiſchen Volck durch ſeine Waſe vnd Pflegtochter / die Koͤnigin Eſther am Koͤnigl. Hoffe Ahaſveri geſchaffet / vnd meldet die Hiſtoria im Buͤch - lein Eſther Cap. 2. v. 11. & ſeq. daß Mardachai alle Tage gewan - delt für dem Hoffe am Frawenzimmer / daß er erfuͤhre / obs Eſther wol gienge vnd er durch ſie ſeinem Volcke / welches damahls vnder frembder Gewalt vnd Preſſur war / noch Huͤlffe vnd Rettung ſchaffen moͤchte / wel - ches jhme dann auch wol gelungen. Dann als Haman mit Liſt vnd Ge - ſchwindigkeit ein allgemein Außſchreiben an alle Beampten deß Koͤ - nigs außgewuͤrcket / daß auff einmahl vnd auff einem Tage Mardachai vnd alle Juden erwuͤrget werden ſolten / vnd kein ander Rath vorhanden war / ſahe Mardachai zu / wie er diß Vorhaben ins Frawenzimmer an die Koͤnigin Eſther durch jhre Dirnen vnd ſonſt braͤchte / gab jhr den be - ſchloſſenen boͤſen Rath deß Hamans vnd was vor ein grawſame maſſa - crade vnd Blut bad / wider jhn vnd das Volck Gottes obhanden / zu er - kennen / ließ ſie trewlich ermahnen jhres Volcks ſich anzunehmen / wann ſie ſchon daruͤberin Gefahr geriethe / welches ſie dann auch gethan / jhren Vettern vnd Pflegvattern / neben dem gantzen Volck errettet / vnd den boͤſen blutduͤrſtigen Haman ſelbſten an Galgen gebracht / wie zu leſen im Buͤchlein Eſther. Cap. 3. & ſeq. Welcher Geſtalt durch gute Addreſſe vnd Zutritt im Frawenzimmer bey der Koͤnigin Bathſeba / der Prophet Nathan guten Rath vor Salomogeſchaffet / wordurch zu rechter Zeit die vffruͤhriſche Anſchlaͤge deß Adonia gedaͤmpffet vnd Salomons Thron befeſtiget / iſt auß vorgehen dem Axiomate zuſehen.

Viel boͤſes aber haben die geſchaffet / die in der Tyranniſchen Koͤ - nigin Jeſebels Frawenzimmer hoch am Brete geweſen / vnd jhr in jhren blutdürſtigen Anſchlaͤgen / ſonderlich den frommen Naboth ſeines / jh - ren Koͤnige wolgelegenen Weinberges halber auff die Fleiſchbanck zuYy ijopffern /172Das ander Buch /opffern / zur Hand gangen vnd nurent jhre Gnade zu haben / wider Gott / ſeine Gebotte / vnd jhr eygen Gewiſſen verfahren / wie zu leſen 1. Reg. Cap. 21. v. 8. & ſeq. Jmgleichen haben ſich dieſer blutdürftigen Koͤnigin vnd jhres Frawenzimmers in viel Wege bedienet die Baalspfaffen in Verfolgung deß Propheten Eliæ vnd anderer Propheten deß Herꝛn vnd Rechtglaubigen Gottes. 1. Reg Cap. 18. & Cap. 19. Was die Gnade im Frawenzimmer zu haben vnd zu behalten / bey den Bedienten zu Hoffe vermag / iſt in der Poetiſchen / aber doch nach der Welt vnd gemei. nen Hofflauff wolgegebener inyention bey dem Virgilio in ſeinem erſten Buch von Ænea, fein repræſentiret vnd abgebildet / da er einfuͤhret / wel - cher Geſtalt die Goͤttin Juno weil der Eris, nicht jhr / ſondern der Veneri den guͤldenen Zanckapffel in den Schoß geworffen / jhrem Sohn dem Æneas ſpinne feind geweſen / vnd wie derſelbe nach Eroberung der Stadt Troia / mit ſeinem Hauſe vnd? Angehoͤrigen / als einer / auß ſeinem Vatterland vertriebener Herꝛ / ins Elend ſich begeben / auß Griechen - land in Jtalien zu reyſen / mit einer Flotte zu Waſſer gehen müſſen / daß die Juno auß gefaſſetem alten Haß / gegen ſeine Mutter die Venus, auff alle Mittel vnd Weg gedacht / wie ſie jhre revange vnd Rache an jhrem Sohn / ſonderlich auff dem widen vnd wuͤſten Meer / aben / vnd ſeine Flotte durch Vngewitter zerſchlagen vnd zu Grunde richten moͤchte. Solche Diſſein vnd Vorhaben ins Werck zurichten / hat ſie den Æo - lum, der von den Poeten vor einen Gott uͤber die Winde vnd das Ge - witter gehalten worden / derogeſtalt / daß es in ſeinen Maͤchten vnd Ge - walt geſtanden / daß Meer zu beruhigen / oder durch Vngewitter vnd Sturmwinde zu bewegen / vnd den Seefahrenden Leuthen Schaden vnd Vngemach zu machen / zu ſich / weil ſie deß Jovis, als deß groͤſſeſten Gottes Gemahl gehalten / ins Frawenzimmer erfordert / jhme zu verſte - hen gegeben / was maſſen Æneas vnd ſeine Geſellſchafft / als jhre Feinde zu Segel gangen / vnd ſich dem Meer / Wetter vnd Winde / daruͤber er das Commendo haͤtte / vertrawet / vnd ſie ſich nicht beſſer / als durch jhn jtzo raͤchen / vnd jhren Schart gegen deß Æneæ Mutter die Venus auß - wetzen koͤnte / er ſolte ſeine verſchloſſene vnd zwar widrige Wirbelwinde auß den verborgenen Hoͤhlen herauß laſſen / das Meer vngeſtuͤmm ma - chen / deß Æneæ Schiff mit Wellen bedecken / vnd verſencken / vnd daß er ſolches nicht vmbſonſt thaͤte / ſondern deßwegen guten recompens vnd Ergetzlichkeit zu gewarten haͤtte / that ſie jhme dieſe offerte vnd Verheiſſung

Sunt mihi bis ſeptem præſtanti corpore Nymphæ
Quarum quæ forma pulcherrima, Deiopeiam
Con -173Von dem weltlichen Stande.
Connubio jungam ſtabili, propriamque dicabo.
Omnes ut tecum meritis pro talibus annos
Exigat, & pulchra faciat te prole parentem

Das iſt /

Jch habe in meinem Frawen zimmer vierzehen alamode Dames vnd Fraͤwlein / vnder welchen die Deopeia extraordinari vnd auff ein end ſchoͤn vnd courtoͤſiſch iſt / die wil ich dir ehelich verſprechen vnd vermaͤh - len / dardurch du als ein kleiner Gott / mit den groͤſſern Goͤttern dich be - freunden vnd in Schwaͤgerſchafft gerathen / in zuſtehenden Widerwaͤr - tigkeiten Troſt haben / vnd dich gewaltiger Erben vnd poſteritaͤt zu er - frewen haſt. Auff dieſes Anbringen der Goͤttin Juno, hat Æolus nicht1) Aulici Conſilia - rii reverâ miſeri & à ſervorum ac manci - piorũ ſpe - cie parum differunt, quiex ſcri - nio Gyne - cæi, vel aulici - cionatoris cerebro & preſcripto conſilium mutno ſu - mere vel tanquam ptomutu - um: & ne priventur officio ſubſcribe - re duorũ triumve opinioni - bus cogũ - tur. Ever - hard. Weihe. in aulic. Po - litic. A - xiom. 179. lange nachgefraget vnd ſich erkuͤndiget / was es doch fuͤr eine Sach waͤ - re die die Juno zu Æneas, item / ob ſie Fug zu jhme vnd ſeinem Hauſe vnd angehoͤrige Suite haͤtte / item / ob es recht waͤre den vnſchuldigen Æ - neam vnd die Seinige alſo vmb frembdes Haſſes vnd Neydes willen ſeiner Fraw Mutter Venus zu verfolgen / ſondern er hat darfuͤr gehal - ten / daß es Rechts genug / wann er nur ein gewuͤnſchte occaſion bekaͤme / ſeiner gnaͤdigen Frawen vnd dem loͤblichen Frawenzimmer einen Dienſt vnd Courteſei zuthun vnd ſich belie bet zumachen / (1) reſolvirte ſich ohne ferner Nachdencken ſo bald / vnd wie Virgilius ſchreibet / mit nachfolgen - der Antwort:

Æolus hæc contra tuus ô Regina quid optes
Explorare labor, mihi juſſa capeſſere fas eſt.

Das iſt

Gnaͤdigſte Fraw vnd Koͤnigin / E. Koͤnigl. Mayt. oder Gnaden haben zu befehlen / ich bin dero gehorſamer getrewer Diener / mir wil nicht an - ders zuſtehen vnd gebuͤhren als was E. Gnaden begehren in ſchuldigſter tieffſter obſervantz nach beſtem Vermoͤgen zu vollſtrecken / es ſey auch die Sache an ſich beſchaffen wie ſie wolle / bin auch darzu hoch obligiret vnd verbunden / Vrſache:

Tumihi quodcunque hocregni eſt, tu ſceptra Jovemque Concilias:

Das iſt:

Jch habe es E. Gnaden zu dancken daß ich auch etwas zu regieren / zu ampten vnd zu befehlen daneben einen gnaͤdigen Herꝛn habe / ja was noch mehr iſt:

Tu das epulis accumbere Divûm.

Das iſt.

E. Guaden die recommendiren mich bey jhrem Herꝛn vnd Gemahl /Yy iijdaß174Das ander Buch /daß ich einen guten Zueritt habe / mit zur Taffel erfordert werde vnd der feiſten Hoffſuppen auch genieſſe.

Nimborumque facis tempeſtatumque potentem,

Das iſt.

E. Gnaden die halten mir den Ruͤcken bey Hoffe / daß ich meine Be - amptung mit Reſpect vnd guter Folge verſehen vnd bey meinen vnder - gebenen Winden Gewalt vnd Auctoritaͤt habe.

Was dieſer Poet Virgilius ſchreibet / iſt noch heutiges Tages cur - ſus mundi & aularum bey dem Frawenzimmer / wie es dann auch der vor - nehme gelehrte Mann Taubmannus in ſeinem Commentario in Virgi - lium ad hunc locum annotiret, vnd wie wol dieſe Einführung meinem Vorhaben Bibliſcher Policey nicht allerdings gemeß / ſo habe ich doch dieſelbe alſo befunden / daß ſie dem Leſer nicht werde vnangenehm ſeyn / weil darauß zuſehen / daß vortauſend vnd viel hundert Jahren eben die - ſelbe Comœdien in der Welt geſpiehlet worden / die jetzo auff das Thea - trum der jtzigen Welt gebracht vnd agiret werden / dahero ſich viel darumb bemuͤhen vnd bewerben daß ſie eine Jungfrawe oder Maͤdgen auß dem Frawenzimmer freyen / darmit ſie wie dieſer Æolus nicht allein zu guten Dienſt / gefordert / ſondern auch einen gnaͤdigen Herꝛn / Reſpect vnd ei - nen guten Ruͤckhalter durch das Frawenzimmer bekommen vnd der feiſten Hoffſuppen mit genieſſen.

AXIOMA LXIX. Durch liſtige verſchlagene Weiber werden zu weilen auch faule Sachen bey Hoff angebracht / vnd negotiiret.

ALs der Abſolon wegen deß Brudermords deß Ammens dem Land - frieden nicht getrawet / ſondern zu Thalmai dem Koͤnig zu Geſur ſeinem Großvatter von der Mutter Seyten. 2. Sam. Cap. 3. v. 3. geflohen war. 2. Sam. Cap. 13. wolte der Joab dem Abſolon wol / merckte aber deß Koͤnigs Hertz wegen ſolcher boͤſen That ſehr wider Abſolon war / duͤrffte ers ſelber nicht wagen jhn bey dem Koͤnig zu verbit - ten vnd außzuſoͤhnen / ſandte er hin gen Thekoa / vnd ließ von dannen hohlen ein kluges oder liſtiges Weib / ſubornirte vnd ſtellete dieſelbe an - welche ſich in Leyd verkleydet / elendiglich vnd klaͤglich geſtellet / durch einever -175Von dem weltlichen Stande. verdeckte vnd verbluͤmbte Rede / als wann ſie zwey Soͤhne gehabt / derenNon au - det ſtygius Pluto ten - tare quod audent Effrænis Mona - chus ple - naque fraudis anus. einer durch Zanck im Felde den andern erſchlagen / erhielte darauff einen Salvum conductum oder Geleidsbrieff wider den Blutraͤcher / danckete darvor hoch / ſchmeichelte vnd rühmete den Koͤnig / ſagende: Mein Herꝛ Koͤnig iſt wie ein Engel Gottes / daß er Gutes vnd Boͤſes hoͤren kan / ent - deckte jhme daß nicht jhr / ſondern deß Koͤnigs eygener Sohn Abſolon darunder gemeynet / vnd wiewol der Koͤnig darauß gemercket / daß Joab die Boltzen getraͤhet vnd gefiedert / erhielt ſie doch durch diß liſtige An - bringen ſo viel daß der Koͤnig in ſoweit den Abſolon perdonniret, daß er wider in ſein Hauß gehen / aber deß Koͤnigs Angeſicht nicht ſehen doͤrffte. 2. Sam. Cap. 14.

AXIOMA LXX. Falſche Leuthe / Verleumbder / Ohrenblaͤſer / Vber - tretter vnd Vppige / ſollen groſſe Herꝛn nicht vmb ſich haben vnd gedulten.

HIier von ſpricht David in angezogenem ſeinem 101. Pſalm. Jch haſſe den Vbertretter vnd laſſe jhn nicht bey mir bleiben / ein ver - kehrt Hertz / muß von mir weichen / den boͤſen leyde ich nicht / der ſeinen Naͤchſten heimblich verleumbdet den vertilge ich / ich mag deß nicht der ſtoltze Gebaͤrde vnd hohen Muth hat / falſche Leuthe halt ich nicht in meinem Hauſe / die Luͤgener gedeyen nicht bey mir.

Es iſt nichts ſchaͤdlichers / ſonderlich bey Herꝛnhoͤffen / aber doch nichts gemeiners als Falſchheit / Luͤgen vnd Betrug / da ſind wenig die den Herꝛn ſelber vnd andere ſeine getrewe Diener auffrichtig meynen / ob ſie ſich ſchon alſo ſtellen / vnd mit hoher Bethewrung vnd vielen Com - plementen es conteſtiren vnd bezeugen.

Die Verleumbder vnd Ohrenblaͤſer nehmen faſt bey allen Herꝛn - hoͤffen uͤberhand / vnd wiewol der Koͤnig David in dieſem angezogenen Pſalm / ſolche Leuthe hoch deteſtiret, bey ſeinem Koͤniglichen Hoffe gantz nicht wiſſen wil / vnd allen loͤblichen Regenten eine guͤldene Lehr vnd Ge - ſetze giebet / ſo hat er doch deren an ſeinem Hoffe nicht geuͤbriget ſeyn koͤn - nen / noch ſelber dieſes ſein heylſames morale uͤberall in acht genommen / dann als der bekandte Schmeichler vnd Ohrenblaͤſer Ziba / dem David mit glatten Worten etwas Proviand bey ſeiner Flucht vorſeine Knech -te vnd176Das ander Buch /te vnd Geſinde zubrachte / nahm er der occaſion wahr / ſeinen frommen Herꝛn den Mephiboſeth zu verleumbden / erhielte auch ſo viel / daß der Koͤnig David auff ſeine bloſſe delation vnd falſches Anbringen / ohne ei - nigefernere Erkuͤndigung vnd Nachfrage deß vnſchuldigen Mephibo - ſeths Guͤter confiſcirto vnd dieſem falſchen Verleumbder zuwendete. 2. Sam. Cap. 16. vnd wiewol Mephiboſeth hernacher ſeines vntrewen falſchen Knechtes Betrug dem David gnugſamb entdeckete / vnd ſich von der falſchen Vfflage purgirte, konte er doch nicht ſeine widerrechtlich eingezogene Guͤter gantz wider erlangen / muſte es noch für eine groſſe Gnade halten / daß jhme die Helffte deren wider zugewandt / die andere Helffte aber ſeinem Verleumbder Ziba gelaſſen worden. Jſt alſo hier - auß zuſehen / daß die Heiligen Gottes / nicht ohne Tadel vnnd wie David ſelber im 62. Pſalm redet / groſſe Leuthe auch fehlen. Dartus war ein hochweiſer loͤblicher Koͤnig / dannoch wie den Daniel ſeine Verleumb - der bey dem Koͤnig ſo ſtarck vnd faͤlſchlich anklagten daß er weder den Koͤnig noch ſeine Gebott achtete / ward er wider ſeinen Willen darzu be -(1) Plus perſequi - tur lingua adulato - ris, quam manus in - terfecto - ris. Augu - ſtin. in Pſalm. 69. Adulatio, blanditiæ, peſſimum veri affe - ctus vene - num. Ta - cit. lib. 17. Et adula - tores li - bentius cum For - tuna Prin - cipum, quam ipſis & in corũ rem loquũtur. redet / daß er den frommen Daniel ad beſtias condemnirte vnd in die Loͤ - wengrube werffen ließ. Daniel. Cap. 6.

Es iſt nicht zuſagen vnd zu beſchreiben / was fuͤr Vbel die Ohren - blaͤſer / Newezeitungsbringer vnd Fuchsſchwaͤntzer bey Herꝛnhoͤffen an - ſtifften / (1) vnd wie ſie auch frommer vnd verſtaͤndiger Regenten Hertz gewinnen vnd verleiten koͤnnen / wie hie Davids vnd deß Ziba / Darii vnd Daniels Exempel bezeugen / dahero auch S. Paulus die Ohren - blaͤſer vnder die Vngerechten / Boßhafften / Moͤrder / Verleumbder vnd andere Vbelthaͤter zehlet vnd ſetzet / in der Epiſtel an die Roͤmer Cap. 1. v. 29. & ſeq. Der weiſe Mann Syrach lehret darvon alſo: Sey nicht ein Ohrenblaͤſer / vnd verleumbde nicht mit deiner Zungen. Ein Dieb iſt ein ſchaͤndlich Ding / aber ein Verleumbder noch viel ſchaͤndlicher Cap. 5. v. 16. 17. vnd im 28. Cap. v. 15. ſpricht er die Ohrenblaͤſer vnd falſche boͤ - ſe Maͤuler ſind verfluchet: dann ſie verwirren viel die guten Frieden haben. Vnd hat der Heydniſche Philoſophus Antiſthenes zuſagen pfle - gen: Ein Schmeichler vnd Ohrenblaͤſer waͤre viel aͤrger als die Raben / dann ein Rabe biſſe nurent den todten Menſchen die Augen auß dem Kopff / aber ein Schmeichler blendete die Lebendigen / daß ſie das jenige was recht vnd wahr iſt / nicht erkennen noch ſehen moͤgen.

Der hochverſtaͤndige Fuͤrſt Weyland Hertzog Johann Albrecht zu Mecklenburg der aͤlter / hat in ſeinem Teſtament ſeine Herꝛn Soͤhne vor ſolche Leuthe mit nachfolgenden formalibus trewlich gewarnet:Ohren -177Von dem weltlichen Stande. Ohrenblaͤſer / Winckelſtoͤhrer vnd Verleumbder / vnd die mit weitlaͤuff - tigen newen Anſchlaͤgen vmbgehen / ſollen vnſere Soͤhne vmb ſich vnd an jhrem Hoffe nicht leyden.

Deßgleichen hat Landgraff Wilhelm zu Heſſen der aͤlter / lobſeliger deß juͤngſtverſtorbenen Herꝛn Landgraff Wilhelms Groß Herꝛ Vatter ſeinen einigen Herꝛn Sohn Landgraff Moritzen nachfolgender maſſen in ſeinẽ Teſtament erinnert: Es ſoll vnſer Sohn ſich auch vor Schmeich - lern vnd Ohrenblaͤſern / welches ein hochſchaͤdlich Gifft bey jungen Herꝛen / vorſichtiglich huͤten vnd bewahren / vnd ſich wider ſeine von vns als ſeinem Vatter zugeordnete trewe Raͤthe auch Hoffmeiſter nicht verhetzen laſſen. Als der Cardinal Granvellanus der Hertzogin von Parma Margariten / Gubernantin in Niederland / vornembſter ge - heimbder Rath / von den Niederlaͤndiſchen Staͤnden / bey Koͤnig Phi - lippo II in Hiſpanien hart angeklagt vnd begehret ward denſelben von Hoff zuſchaffen / hat der Koͤnig geantwortet: Jch habe es nicht im Ge - brauch jemande meiner Diener / ohngehoͤrter Sache / ſeiner Dienſte vnd Standes zu entſetzen. Famian. Strad. lib. 3. de Bell. Belg. p. 143.

AXIOMA LXXI. Fromme guͤtige Herꝛn meynen jhre Raͤthe vnd Die - ner auch mit Trewen vnd nehmen ſich deren an.

ES iſt ein altes Sprichwort; Trew Herꝛ / trew Knecht. Naeman war ſeinem Koͤnige vnd Herꝛn ein trewer Knecht / der Koͤnig aber nahm ſich ſeiner hinwider trewlich an / da er außſaͤtzig war / vnd wie er erfahren / daß ein Prophet in Jſrael waͤre / der den Außſatz curiret, hat jhme der Koͤnig nicht allein erlaubet dahin zureyſen / ſondern auch anſehentliche interceſſionales vnd Vorſchrifft an den Koͤ - nig in Jſrael mitgegeben / jhme darzu befoͤrderlich zu ſeyn / daß ſeinem lieben getrewen dem Naeman moͤchte geholffen vnd er von dem Außſatz liberiret werden / welches dann auch geſchehen. 2. Reg. Cap. 5. Gleicher Geſtalt hat ſich der Hauptman zu Capernaum ſeines trewen Gicht - bruͤchtigen Knechtes angenommen / iſt ſelber zu dem Herꝛn Chriſto gan - gen vnd jhn vmb Huͤlff vnd Rettung angeruffen. Matth. 8. Marc. 1. Dann wer ſich ſeiner Hauß genoſſen nicht annimbt / der iſt aͤrger dannZzein178Das ander Buch /ein Heyde / vnd hat den Glauben verlaͤugnet / lehret S. Paulus in der erſten Epiſt. an Timoth. Cap. 5. v. 8.

Der Koͤnig David gedachte in ſeinem Teſtament ſeiner getrewen Diener vnd Leuthe in allem beſten / vnd befahl ſeinem Sohn Salomo denſelben Gnade vnd Gutes zu erweiſen. 1. Reg. Cap. 2. v. 7.

Jmgleichen wann auch ein Diener wegen ſeiner getrewen Ampts - verrichtung vnd redlicher Dienſte von jemande angefochten wird / ſtehet einem trewen Herꝛn zu denſelben zu vertretten vnd zu manuteniren.

Als An. 1530. Keyſer Carl der Fuͤnffte mit Pabſt Clemente dem Siebenden zu Bononien wegen damahls obhanden geweſener Reli - gion Spalt - vnd Vergleichung ſich zuſammen beſcheiden / vnd deß Key - ſers Cantzler Mercurinus wegen Jhrer Keyſerl. Mayt. das Wort ge - fuͤhret / vnd ſtattlich remonſtriret, daß es hoch noͤthig vnd der Kirch Got - tes erſprießlich / ein allgemein frey Concilium, da einem jeden frey ſtuͤn - de / die Warheit ohne Schew zu ſagen / auch dem Pabſt ſeiner Meynung nach dardurch etwas zu nahe getretten / vnd er deßwegen wider Mercu - rinum ſich entruͤſtet vnd offendirt befunden / hat Carolus denſelben Keyſerlich verantwortet vnd geſagt: Was mein Cantzler wegen convo - cirung eines allgemeinen Concilii geredet / das hat er auff meinen Be - fehl geredet / vnd werde ich von ſelbiger Meynung ſo lang ich lebe nicht abwetchen / wie ſolches auß den Actis Bononienſibus mit mehrerm re - feriret D. Georgius Cæleſtin. in Hiſtor. Auguſt Confeſſ. fol. 14. welches ohnlaͤngſt vor Vberreichung der Augſpurgiſchen Confeſſion geſchehen.

AXIOMA LXXII. (1) Autho - ritas & di - gnitas - ſiliariorũ ipſius, Principis Dignitas, non inju - ria cenſe - tur: fieri enim non poteſt, ut magnifiat Princeps, cuius Conſiliarii contemnuntur: ſi enim digniſunt honore, contemni non de - bent, ſi digni, tales cur retinet, Everh. Weih. in Aulic, Politic. Axiom. 115.Groſſe Herꝛn vnd Potentaten haben jhre getrewe Raͤthe vnd Diener jhre Freunde vnd Vaͤt - ter genennet. (1)

DIe Schrifft nennet deß Koͤnig Davids ſeinen trewen Rath vnd Diener Huſai ſeinen Freund. 2. Sam. Cap. 16. v. 16.

Jmgleichen wird der Sohn Nathans deß Prieſters / deß Koͤnigs Salomo Freund genandt. 1. Chron. Cap. 4. Joas nennet ſeinen Geiſtlichen Rath den Propheten Eliſa ſeinen Vatter. 2. Reg. 13. v. 14.

Joſeph179Von dem weltlichen Stande.

Joſeph deß Koͤnigs Pharaonis in Egypten geheimbder Rath vnd Stadthalter / wie er ſich endlich ſeinen Bruͤdern zu erkennen gabe / ſprach er: GOtt hat mich dem Pharao zum Vatter geſetzet vnd zum Herꝛn uͤber all ſein Hauß. Gen. Cap. 45. v. 8. Ja Pharao hatte vorhin ſelber dem Joſeph das herꝛliche Prædicat geben / vnd offentlich vor jhm her außruffen laſſen / daß er deß Landes Vatter / vnd alſo ſein vnd deß Vatterlandes Vatter waͤre. Gen. Cap. 4. v. 43. Der Großmaͤchtige Koͤ - nig Ahaſverus gedencket in ſeinẽ Außſchreiben / daß er ſeinen vornembſtẽ Geheimbden Rath den Haman alſo erhoͤhet / daß er jhn ſeinen Vatter genandt / wie zuleſen in dem Bibliſchen Buch Stuck in Eſther genandt. Der Koͤnig Demetrius nennet ſeinen Landpfleger in Judea den La - ſthenem / in dem Brieffe welchen er Jonathan dem Macchabeer Fuͤrſten mit gabe / ſeinen Vatter im 1. Buch der Macchab. Cap. 11. v. 31. & 32. Der gewaltige Koͤnig Darius deſignirte den Zerubabel / ſeiner ſonderbahren Weißheit halber zum vornembſten Rath daß er ein Grandis Regni ſeyn / naͤchſt dem Koͤnig ſitzen / vnd darzu deß Koͤnigs Verwandter genennet werden ſolte im 3. Buch Eſra Cap. 4. v. 42. vnd kompt vielleicht auch da - her daß die Roͤmiſche Keyſer vnd andere gewaltige Koͤnige / jhre Fuͤrſten / Oheimb vnd Couſins nennen / ob ſie ſchon von Gebluͤt jhnen in nichtes verwandt.

Der Keyſer Nero / ehe erzum Tyrannen worden / hat ſeinen Rath den Senecam ſeinen Freund. Tacit. lib. 14. Annal. deßgleichen hat Keyſer Juſtinianus die Senatores vnd Raͤthe Patres oder Vaͤtter titulitet vnd geheiſſen / welches auch andere mehr gethan. (2) (2) Con - ferl. ult. C. de - ſulib. cum ſimilibus.

AXIOMA LXXIII. Bey Hoff trachten viel darnach daß ſie gern allein das Fac totum ſeyn / vnd alles in jhren Haͤnden / zu jhrer vnerſaͤtlichen Begierde / Großmach - vnd anderer Vndertruckung haben moͤgen.

DIe jenige ſo durch jhre ſonderbahre Gaben / auch zu weilen Be - trug / Liſt vnd Geſchwindigkeit bey einem groſſen Herꝛn ſich in - ſinuiren, deſſen Hertz an ſich ziehen / gleichſamb in jhren Haͤn -Zz ijden180Das ander Buch /den tragen / vnd wo ſie es hin wollen / lencken koͤnnen / mißbrauchen ſich deſſen ins gemein / vnd wollen alles allein ſeyn / vnd andere / wo nicht gar opprimiren, dan noch nicht emergiren vnd hervor kommen laſſen. Ge - dencken gar nicht daran / daß kein ſchluͤpfferiger Orth in der Welt ſeye / als die naͤchſte Stelle am Koͤnig oder Fuͤrſten / darfuͤr der weiſe Koͤnig Salomon alle Hoffleuthe warnet in Sprichw. Cap. 25. v. 5. Prange nicht fuͤr dem Koͤnige vnd tritt nicht an dem Orth der Groſſen. Ein ſolcher Geſell war Haman an deß Koͤnigs Ahaſveri Hoff / der hatte gleichſamb deß Koͤnigs Hertz / vnd damit das Heffte der Regierung in ſeiner Hand / daß ers auch zu Vergieſſung vnſchuldigen Bluts reitzen koͤnnen / im Buͤchlein Eſther Cap. 3. & ſeq. daruͤber endlich der Koͤnig Ahaſverus oder Artaxerxes ſelber in einem publicirren Außſchreiben alſo klaget: Wir befinden daß viel ſind / welche der Fuͤrſten Gnade mißbrauchen / vnd von den Ehren / ſo jhnen widerfaͤhret ſtoltz vnd boͤß werden: Alſo daß ſie nicht allein die Vnderthanen pochen / ſondern auch gedencken die Herꝛn ſelbſt / von denen ſie erhoͤhet vnder die Fuͤſſe zutretten / vnd thun nicht allein wider die natuͤrliche Billigkeit / ſondern ſind ſo ver - blendet / daß ſie auch meynen Gott der auff die Frommen ſiehet / ſtraffe ſolche Vntrew nicht / ſie betriegen auch fromme Fuͤrſten / daß ſie vn - ſchuldig Blut vergieſſen / wie zu leſen in dem Bibliſchẽ Buch Stuck in(1) Ingen - tes ſæpe Rebus - pub. exſti - tere mo - tus, quo - ries ab u - no occu - pari partes plurium Princeps ſinat, aut ſi unusa - gat omnia qualis in aula Mar - garitæ Parmẽſis, Gubernatricis Belgii dicitur fuiſſe Anthonius Perenottus Cardinal. Granvella - nus, notat Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 3. p. 131. Communis cuſtodia Principatus neminẽ, UNUM magnum facere, Ariſtotelis fuit moni - tum Politicum: Plures enim facilius ſociatis laboribus munia Reipub executuri ſunt, Tacit. Eſther genandt. Cap. 16. v. 2. & ſeqq. (1)

Der gottloſe Prieſtermoͤrder Doeg kam ſehr hoch ans Breth per ſcelera & flagitia, wie er ſeines Koͤnigs gortloſen vngerechten Willen vollbrachte. 1. Samuel. Cap. 22. v. 18. Solches wider faͤhret nicht allein vnverſtaͤndigen vnd gottloſen / ſondern auch den klugſten vnd gottſeli - gen Regenten. Der Koͤnig David muſte den Achitophel zum vornemb - ſten Rath haben / der war in ſo groſſem Reſpect vnd Gnaden bey jhme / ſo gar / daß wann er einen Rath gab / das war als wann man GOtt vmb etwas haͤtte gefraget. 2. Samuel. Cap. 16. v. 23. Aber David fand ſich endlich betrogen / in deme Achitophel ſich ſeiner groſſen Gnade vnd Re - ſpects mißbrauchete / das Koͤnigreich auff Abſolon bringen / dardurch bey demſelben noch groͤſſer machen / vnd mehr Vortheil von der auffgehen - den als vnder gehenden Sonnen ſuchen vnd erlangen wolte. (2)Invaluit penè mos, non Reges regere, ſed primum Miniſtrum Regibus pariter & ſubditis dominari, odioſa exempla ſunt, & ferè ubivis recentia. Auctor obſervat. Politic. ſuper nuper. Gall. motib. c. 15.Ver -ſtaͤndige181Von dem weltlichen Stande. ſtaͤndige Politici halten darvor / daß ein Herꝛ gar wol ſich etlichen weni - gen vnd vnder denen auch wol einem ſonderlich vertrawen koͤnne / aber er ſolle nicht allein von demſelben dependiren, andere auch hoͤren / vnd ei - nen nicht ſo groß werden laſſen / daß ſich andere vor denſelben foͤrchten / jhre Meynung nicht recht herauß ſagen doͤrffen / vnd jenem nach dem Munde ſprechen muͤſſen / dann ein ſolcher iſt im Werck ſelbſten ſo viel / ja mehr als der Regent ſelber / wie der verſtaͤndige Ritter vnd alter Hoff - man Cominęus in Chron. Caroli. 8. C. 44. in fin. darvon ſchreibet. Man findet aber ſelten einen Hoff / da ſich nicht zu wetlen ein ſolcher Seianus findet / welches dann GOtt auch zu weilen zur Straffe verhenget / vnd ſchreibet D. Luther uͤber den 101. Pſalm hiervon alſo: Es iſt in gemein der Koͤnige vnd Fuͤrſten Plage / daß ſie muͤſſen vntrewe / falſche boͤſe Bu - ben zum groͤſſeſten Herꝛnim Lande / nicht allein leyden / ſondern auch ſetzen vnd machen wie David den Achitophel / Salomoden Eder Eſer. Es gehet jhnen in jhren groſſen Haußhalten / wie andern in jhrer kleinen Haußhaltung / da einer muß einen Dieb vnd Buben zum Knecht / eine Hure vnd Diebin zur Magd leyden vnd nehmen. Vnd wiewol zu weilen ein ſolcher ſchaͤdlicher Mann abgehet / ſo hat er doch ſo viel hinderlaſſen / daß offt wenig Beſſerung zuſpühren / vnd gedencket Tacitus daß durch deß Seiani Abſchaffung / deß Keyſers Tiberii Hoff / vnd ſeine actiones, nicht beſſer / ſondern aͤrger worden. Lib. 10. Annal. in fin.

Von Keyſer Friederich dem Dritten wird berichtet / als ſich eins - mahls die Reichs-Staͤnde beſchwehret / daß er bey Hoff den Bruͤheſchen - cken regieren lieſſe / darauff er geantwortet: Es iſt gewißlich jhrer keiner / er hat auch einen Bruͤheſchencken oder Fac totum an ſeinem Hoffe. Vnd gehet es offters nach jenes weiſen Manns Außſpruch: Daß ins gemein die Regenten zwey Narren bey Hoff haben / einen den ſie vexiren / den an - dern der ſie vexiret / welches in nachfolgende Verſe gefaſſet:

Stultos quiſque duos Princeps conſervat in aula,
Unum quem vexet, per quem vexetur, & unum.

Wann ſolche Miniſtri denen ſich ein Herꝛ ſonderlich vertrawet vnd ſein Hertz zu gewendet / redliche / gottsfoͤrchtige Leuthe ſind / nicht auff jhr ey - gene Ehr vnd Nutzen / ſondern auff Gott / das Recht die Gerechtigkeit / wie auch deß Herꝛn vnd gemeine Wolfahrt jhr Abſehen haben / dann gibt es ſana conſilia vnd gehet es ſehr wol daher: Ein ſolcher Rath war Pichol deß Abimelechs Feldhauptman. Gen. Cap. 21. v. 22. & ſeq. Elea - zar bey Abraham. Geneſ Cap. 24. Joſeph bey dem Koͤnig Pharao in E - gypten. Geneſ. Cap. 41. & ſeq. Naeman bey dem Hoffe deß Koͤniges in Aſſyrien. 2. Reg. Cap. 5. Obadia bey deß Koͤnigs Achabs Hoffe. 1. Reg. Zz iijCap. 18.182Das ander Buch /Cap. 18. vnd finden ſich dergleichen redliche vornehme Leuthe noch heuti - ges Tages an Herꝛen Hoͤffen / die den Herꝛn ſonderlich vertrawet ſeyn / vnd viel Gutes ſchaffen. Vnd wie ein einiger boͤſer Bube bey Hoff viel gutes verderbet / wie der Prediger Salomonis meldet. Cap. 9. in fin. alſo kan hinwider ein guter viel gutes ſtifften. Syrach Cap. 20. v. 30.

Aber ſolche Leuthe / die jhre eygene Großmach vnd Bereichung / eygene Ehr vnd Eytelkeit bey Hoff fuͤr den Zweck jhrer Dienſte halten / andere trucken vnd vnderhalten pflegen / endlich gar inſolent vnd vnleyd - lich zu werden ſich zu verlauffen / vnd wann ſie auff die hoͤchſte Staffel der Ehre gelangen vnd ſich jhrer Hoheit vnd Grandeſſa gar verſichert halten / aber einen Stoß bekommen ſo koͤnnen ſie nicht gradatim herun - der wie ſie hinauff geſtiegen / ſondern muͤſſen über Halß vnd Kopff herab ſtuͤrtzen / vnd ein Ende mit Schrecken nehmen / wie obgemelder Achito - phel / Haman / Seianus vnd andere vnzehlich mehr vnd noch bey vnſern Zeiten der Marcheſe de Ancre in Franckreich / Buͤckingam in Engel - land / Friedland / in Teutſchland. Man gehe ein wenig zu ruͤck vnd ſehe was in wenig Jahren bey den Europæiſchen Koͤnigen / auch in Teut ſch - land bey der Chur - vnd Fuͤrſten Hoͤffen / mit ſolchen Leuthen vnd Groſ - ſen fuͤr Enderungen vorgangen. Der Cardinal Richelieu, hat auff die - ſem Theatro ein ſolche Perſon / biß zu ſeines Lebens Ende / gluͤcklich agi - ret wie woll ſein verblichener todter Leichnamb / nicht ohnangefochten bleiben koͤnte / vnd muſte der Welt zum Beyſpiel in die Baſtillie der gefangen Hauß zu Pariß darin er bey ſeinem Leben viele / zu Verſiche - rung ſeines Eſtats, die es ſonſt wol nicht verſchuldet ſetzenlaſſen con - voiirt vnd verwahrt werden / auch da er laͤnger gelebet dem Extremo ſei - nes groſſen Gluͤcks ſchwerlich entgangen waͤre.

AXIOMA LXXIV. Ein Diener thut wol-wann durch ſeine Dienſte / ei - ne / dem gemeinen Weſen erſprießliche Verrichtung erfolget / daß er die Glori vnd Ehr nicht ſeinen Meriten, ſondern ſeines Herꝛn Verſtand vnd Gluͤckſeligkeit / zuſchreibe.

DIeſes nahm deß Koͤnigs Davids Feldhauptman Joab / ein klu - ger Politicus, wol in acht / als er der Koͤniglichen Stadt Rabba derKinder183Von dem weltlichen Stande. Kinder Ammon / hart zugeſetzet / vnd ſo weit mit ſeinen approchen kom - men / daß er jhnen die Waſſerſtadt abgenommen / vnd an Eroberung der Haupt ſtadt nicht zweiffelte / ſchickete er hin vnd ließ ſeinem Koͤnige ſol - ches ankuͤnden vnd darbey ſagen / daß er mit dem uͤbrigen Volck vffzie - hen / an die Stadt rücken / vnd dieſelbe erobern ſolte / damit er Joab nicht / ſondern ſein Koͤnig die Glori vnd den Nahmen darvon truͤge daß er die Stadt gewonnen. 2. Sam. Cap. 12. v. 27. & ſeq.

Es habens groſſe Herꝛn faſt im Gebrauch / daß ſie widerwaͤrtige Begegnuſſen vnd Zuſtaͤnde / gern jhren Bedieneten beymeſſen / wann(1) Illa Principũ conditio eſt, ut ca - ſus tantũ adverſos aliis tri - buant, ſe - cundos ſi - bivelint adſcribi. Unde be - nèmonet Agrippa, ut qui Principi - bus place - re vult, difficul - tatem re - rum ipſe amolia - tur, ſed gloriam impoſitæ ſummæ manus il - lis relin - quat, ex Dio. lib. 49. notat Zevecoti. in obſer - vat. ad L. Ann. Flor. Hiſtor. Rom. lib. 4. cap. 9. Principes ſuos voluͤnt conſiliorum miniſtros, non auctores eſſe Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 3. p. 144. es aber nach Wunſch gluͤcklich vnd wol von ſtatten gehet / es ſelber ge - than vnd das Lob jhrer Vorſichtigkeit vnd Felicitaͤt zugeſchrieben haben wollen / (1) geſtalt ſie ins gemein die reſolutiones, darbey wenig Danck zu verdienen / durch jhre Miniſtros vnd Bedienten ertheilen laſſen / vnd ſich deren gern entziehen / damit der Vndanck den Dienern werde / ohn - erachtet dem Sollicitanten zu weilen gute Sperantz gemacht worden. (2)Principibus nonnullis gratum eſt domi aliquem eſſe, in quemodia Dominis debita ex - onerarentur, Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 82.

Es ſind in Weyland Herꝛn Landgraff Moritzen zu Heſſen lobſeli - gen / monumento ſepulchrali nachfolgende Reimen welche S. F. Gn - ſelber gemacht haben ſollen zufinden:

Groſſen Herꝛn iſt gar boͤß rathen
Die ſelbſt koͤnnen thun vnd thaten
Rathſtu jhnen / daß es geraͤth
Der Ruhm der That dir nicht zuſteht
Erraͤthſtu es nicht / haſtu die Schuld
Verleuhrſt Gnad / Danck / Gewinn vnd Huld /
Vnd man haͤlt uͤber dich einen Rath
Wie man an dir rechne andere That.
Entſchuldigen hilfft dich dann nicht
Dann auff die That man nicht recht ſicht
Wann du ſchon raͤthſt auß trewen Hertzen /
Laſſn groſſe Herꝛn nicht mit ſich ſchertzen /
Dann bey jhnen iſt diß intent
Der Rath verurſache den event
Da doch allein in Gottes Rath
Der Außgang aller Ding beſtaht.

Eben dieſes haben an ſelbigem Hoffe auch vielerfahren muͤſſen / da dochnicht184Das ander Buch /nicht allezeit auff einen guten Rath ein guter Außgang erfolget / vnd da - hero recht vnd wol erinnert wird: Nemo turbetur, ſi cauſam bonam ef - fectus ſequatur malus: & ſi optima principia & conſilia infauſtum ſor - tiantur finem. Drexel. in Heliotrop. lib. 2. cap. 3.

AXIOMA LXXV. Ein Diener der ſeines Herꝛn Gnade durch ſeine hohe Merita vnd tapffere Dienſte erworben / ſoll darumb nicht vermeſſen werden / viel weniger es dahin(1) Impru - denter ſa - ne faci - unt, qui ſuos Prin - cipes in metu con tinere vo - lunt: nec ullum cui ea res be - ceſſe - rit, novi, pruden - tiſſimè monet Philippus Cominæ. lib. 4. - mentar. ubi id e - gregio Conne - ſtablii Francici Comitis Sancto Pauli ex - emplo fir - mat. ſpiehlen / daß ſein Herꝛ ſich fuͤr jhm fuͤrchte. (1)

D Koͤnig Davids Feldhauptman Joab / hatte dem Koͤnig bey occupir - vnnd Einnehmung deß Koͤnigreichs nach deß Sauls Todt / wie auch in ſeinem Exilio, wider ſeinen vngehorſamen Sohn Ab - ſolon / widerden Auffruͤhrer Seba / auch wider die Philiſter / Moabiter vnd andere außwertige Feinde herꝛliche groſſe Dienſte geleiſtet / dardurch deß Koͤnigs Gnade / auch groſſen favor vnd Anhang bey dem Kriegs - heer vnd im gantzen Lande erworben / vnd es ſo weit gebracht / daß der Koͤnig ſich fuͤr jhn fuͤrchten / vnd jhme in ſeinen boͤſen vnverantwortli - chen Haͤndeln nach - vnd durch die Finger ſehen muſte / wie zuſehen 2. Sam Cap. 19. Aber David muſte jhme zwar zur Verhuͤtung groͤſſern Vnheyls vnd Vnruhe / die Joab durch ſeinen Anhang vnd Anſehen bey der Armee / in wehrender innerlichen Kriegstroublen leicht erwecken koͤnte / dieſe Zeche borgen / ſchenckte ſie jhme aber nicht / ſondern commit - tirte ſeinem Sohn Salomo in ſeinem Teſtament die gerechte Execu - tion vnd Beſtraffung / die auch erfolget. 1. Reg. Cap. 2.

Abiathar der Hoheprieſter vnd ſein Vatter Ahimelech / hatten dem David in ſeinem Exilio groſſe Trew erwieſen / darumb auch Ahimelech vnd ſeines Vattern gantzes Hauß von Saul verfolget / vnd fuͤnff vnd achtzig Priefter getoͤdtet worden / auſſer Abiathar / welcher entrunnen / zu David in ſeinem Exilio geflohen / von demſelben auch in protection vnd Schutz auffgenommen worden / mit Verſprechen / wer nach ſeinem Le - ben ſtuͤnde / der ſolte auch nach ſeinem ſtehen. 1. Samuel. Cap. 22. Aber Abiathar ward über ſolche groſſe Merita, daß er vnd ſein gantzes Haußvmb185Von dem weltlichen Stande. vmb Davids willen gelitten / vnd die Lade deß Herꝛn fuͤr jhn hergetra - gen / vermeſſen / miſchete ſich vnder die Auffruͤhrer / vnd wolte wider ſei - nes Koͤnigs Davids Willen vnd beſchehene Verordnung den Ado - niam zum Koͤnig machen helffen / deßwegen er von Salomon deß Tod - tes vnd verletzter Majeſtaͤt ſchuldig erkandt / aber doch ſeiner guten Dienſte vnd Meriten halber perdonniret vnd gen Anatoth zu ſeinem Acker relegiret, vnd ſeines Dienſtes entſetzet ward. 1. Reg. Cap. 2. Seia -(2) Cor - nel. Tacit. lib. 10. An - nal. in fin. Tiberius, inquit, Se - ianum di - lexit, me - tuitve. Plerumq; enim fit, ut qui bo - nam & fi - delem o - perã præ - ſtiterune, arbitren - tur ſibi a - liquantò plus, quam aliis lice - re, Princi - pes contra lõgè aliter ſenriunt & æquiùs eſ - ſe ducunt, ut qui ſe ipſorũ cli - entelæ & miniſterio tradide - runt, offi - cio fun - guntur. Cominæ. lib. 5. Hiſt. nus der beruͤhmte Hoffman vnd Factotum bey dem Keyſer Tiberio, hat es auch weißlich dahin geſpiehlet / daß alles durch ſeinen Kopff gienge / vnd er deß Keyſers Hertz ſo ſehr an ſich gehaͤnget / daß derſelbe ſich auch für jhn gefuͤrchtet / vnd gezweiffelt / ob er endlich die Keyſerliche Crone vnd das Ehebeth vor jhn ſicher behalten koͤnne / daruͤber er endlich ein abſchewlich vnd elend Ende mit ſeinem gantzen Hauſe nehmen muͤſſen / wie beym Tacito vnd andern Hiſtoricis zu leſen. (2)

Bey vnſern Zeiten haben in Franckreich der Marqueſſe de Ancre, Buͤckinggam in Engelland / Friedland in Teutſchland (3) jhrer hohen Verdienſte halber es auch ſo weit gebracht / daß ſie nicht allein geliebet / ſondern auch gefuͤrchtet worden / haben aber nicht weißlich daran gethan / vnd ein uͤbel Ende genommen / wie im 73. Axiom. allbereit gedacht.

AXIOMA LXXVI Ein Herꝛthut wol daß er alle ſeine Raͤthe hoͤre / darff aber doch nicht alles allen vertrawen.

ES iſt vorhin Axiom. 57. gemeldet / je groͤſſer ein Herꝛ ſeye / je mehr er Raͤthe vnd Diener vmb ſich haben muß / gleichwol muß alle confuſion zu verhuͤten / einem jeden ſeine Expedition vnd Ver - richtung verbleiben. (1)In ſua quiſque, ut dici ſolet, Roſcius arte eſt. Es pflegen aber ins gemein Herꝛn vnd Regenten / etliche zu jhren geheimbden vnd Staatſachen zu ziehen / die ſie et wan / jhre geheimbde Raͤthe nennen / vnd denen ſie ſonderlich vor andern jhre Secreta vertrawen.

Abraham hatte viel Knechte / aber dem Eleazar vertrawete er vor andern das Werck mit ſeines Sohns Jſaacs Vermaͤhlung / vnd nahmA a adeßwe -(3) Ex par - vo Magnus, Maximus, inde nihil. 186Das ander Buch /deßwegen einen ſonderbahren Eyd von jhme. Geneſ. Cap. 24. Alſo mel - det die Schrifft daß der Koͤnig Pharao in Egypten den Joſeph vor an - dern hervor gezogen vnd jhn ſeinen heimblichen oder geheimbden Rath genandt. Gen. Cap. 41. v. 45.

Jmgleichen ſtehet von Benaia geſchrieben / daß jhn David zu ſeinem heimlichen Rath gemacht / 2. Sam. Cap. 23. v. 23.

Ein ſolcher Rath war auch Naeman am Hoffe deß Koͤniges in Syrien / der das Directorium daſelbſten vnd im Lande fuͤhrete. 2. Reg. Cap. 5.

Als dem Koͤnig Abimelech deß Abrahams zunehmende Fortuna, Macht vnd Vermoͤgen verdaͤchtig worden / hat er ſeinen vornembſten geheimbden Rath vnd Feldhauptman den Picholl allein zu ſich gezogen vnd den Abraham zu Rede geſetzet. Gen. Cap. 21. v. 22. Als der Koͤnig Demetrius Jonathan der Macchabeer Fuͤrſten ůberreden wolte / ſeine Partheye anzunehmen / offerirte er jhme vnd ſeinem Volck vnder an - dern dieſe condition, daß auß jhnen ſollen gewoͤhlet werden etliche / die der Koͤnig in ſeinen hoͤheſten Haͤndeln / als vertrawte Raͤthe gebrauchen ſolte im 1. Buch der Macch ab. Cap. 10. v 37.

Von Keyſer Carolo dem V. Glorwuͤrdigſtem / wird referiret, daß(2) Quid faciendũ ſit multi judicent, quid fa - cturus ſit, pauci ſci - ant aut nulli. Ideo tam neſci - re quædã Conſilia - rios, quã ſcire o - portet. ex Tacit. lib. 1. annal. infert Drexel. in Phaë - tonte ſuo cap. 9. er vornemblich in ſeinen geheimbſten Sachen nurent vier Raͤthe zu ge - brauchen pflegen. Heresbach. 2. de Repub. c. 8. (2)

AXIOMA LXXVII. Was ein Herꝛ ſeinen Raͤthen vnd Dienern vertra - wet / das muß geheimb gehalten vnd nicht außgeplaudert werden.

ALs der junge Tobias nach vollzogener Heurath durch ſeinen ge - trewen Gefaͤhrten den Engel Raphael ſambt ſeiner Liebſten glücklich vnd wol bey ſeinen Eltern angelanget / iſt er mit denſelben zu Rath gangen / was man dieſem herꝛlichen erwuͤnſchten Gefaͤhr - ten / wegen der erwieſenen groſſen Trewe fuͤr ein recompens vnd Erſtat - tung thun ſolte / forderten jhn allein vnd præſentirten jhme in geheimb die Helffte aller mitgebrachten Guͤter / der jhn aber auff dieſe Weiſe ant - wortete: Der Koͤnige vnd Fuͤrſten Rath vnd Heimbligkeit ſoll man ver - ſchweigen / aber Gottes Werck ſoll man herꝛlich preyſen vnd offenbah -ren.187Von dem weltlichen Stande. ren. Jm Buch Tobiæ Cap. 12. v. 8. Wunden kan man verbinden / Schelt - wort kan man verſoͤhnen / aber wer Heimligkeit offenbahret / mit deme iſt es auß / ſpricht Syrach Cap. 27. v. 23. Ja er verleuhrt dardurch bey ſeinem Herꝛn vnd maͤnniglich ſeinen Credit vnd Glauben / in gemeldtem Cap.(1) Fingers qui non viſa po - teſt, com - miſſa ta - cere Qui ne - quit, hic niger eſt, hunc tu Romane caveto. Horat. de Art. Po - etic. v. 17. Vnd ſoll billig ein jeder ſolche Leuthe meyden. (1) Sey vnverwor - ren / ſagt Salomon / mit deme der Heimligkeit offenbahret. Ju den Sprichwoͤrt. Cap. 20. v. 19. Dann ſie ſind wie eine offene Stadt / ohne Mauren / in ſelbigem Buch Cap. 25. v. 28. Sintemahl ſolche Leuthe die jhrer Herꝛn oder Obern geheimbde Rathſchlaͤge offenbahren / dardurch deren vnd deß gemeinen Weſens Verraͤther werden. (2) Bey den Per - ſern iſt es Capital geweſen / wann einer auß dem Rath geſchwaͤtzet. Die Egyptier haben ſolchen Leuthen die Zunge abgeſchnitten.

Der Koͤnig in Aſſyrien war ſehr vngehalten uͤber ſeine Knechte / daß der Koͤnig in Jſrael von dem Propheten Eliſa durch Gottes Ein - gebung / ſeine geheimbſte Rath - vnd Anſchlaͤge erfahren / ſtellete ſie deß - wegen ſcharpff zu Rede / wolte wiſſen wer der waͤre / der ſeine Geheim - nuſſen außſchwaͤtzete / die ſich aber zum hoͤchſten entſchuldigten / vnd dem(2) Princi - pis aut Reipubli - cõſilia enuntiare, eſt Princi - pem aut Rempu - blicam prodere. Etprodi - torem Se - cretorum, Regnotũ eſſe Pro - ditorem. Drexel. in Phaëtont. de vitiis Ling. ca. 9. Koͤnig andeuteten / daß der Prophet Eliſa alles dem Koͤnig Jſrael ſa - gete / was der Koͤnig in ſeiner Cammer vnd Lager redete. 2. Reg. Cap. 6. v. 12.

AXIOMA LXXVIII. Ein trewer Diener kan auch wol vntrew an ſeinem Herꝛn werden.

DEr Ziba war anfangs ſeinem Herꝛn dem Mephiboſeth ein guter vnd getrewer Mann / dann als David fragete ob noch jemand uͤbrig waͤre von dem Hauſe Saul / daß er Barmhertzigkeit thaͤte an denſelben wegen Jonathans / meldete er gleich den Mephiboſeth Jonathans Sohn an bey David / daruͤber dieſer allen Acker ſeines Vatters Sauls wider / vnd einen Platz an deß Koͤnigs Davids Taffel erlangete. 2. Sa - muel. Cap. 9. Aber wie er Gelegenheit bekam / ward er ſeinem Herꝛn vn - trew / ließ ſich durch ben Geitz uͤbernehmen / brachte ſeinen Herꝛn bey dem Koͤnig faͤlſchlich an / vnd erhielte die Helffte ſeiner Guͤter. 2. Samuel. Cap. 16.

Achitophel war dem Koͤnig David auch anfangs trew / hold vndAaa iigewaͤrtig /188Das ander Buch /gewaͤrtig / wie er aber wahr nahm / daß deß Koͤnigs Sohn Abſolon nach dem Regiment trachtete / durch Liſt vnd Geſchwindigkeit einen favor vnd Anhang ſich bey dem Volck gemacht vnd eine ziembliche Staffel zu dem Koͤniglichen Thron geſetzet / ward er vntrew / hielte es mit dem angehen - dem Koͤnig Abſolon / bey welchem er noch groͤſſer zu werden gedachte als er bey David geweſen / da er doch in ſo groſſem Reſpect bey dieſem war / daß ſein Rath æſtimiret vnd gehalten worden als wann man Gott fra - gete. 2. Samuel. Cap. 15. & Cap. 16. v. 23.

Der Feldhauptman Joab vnd Prieſter Abiathar / waren dem Da - vid auch lange vnd viel Jahr trew / hielten in ſeinen beyden Exiliis, wie er fuͤr Saul vnd Abſolon fliehen muſte ſteiff vnd feſt bey jhm / lieſſen ſich durch kein Vngluͤck vnd Widerwaͤrtigkeit von jhrer Trew abſchrecken / aber zu letzt / wie David alt vnd lebens ſatt ward / wurden ſie vntrew / hat - ten mit dem Adonia heimliche intelligentz vnd Verſtaͤndnuß / pflichteten ſeiner Auffruhr bey / vnd wolten wider Gottes vnd jhres Koͤnigs Ver - ordnung denſelben zum Koͤnig machen helffen / 1. Reg. Cap. 1. da jhnen doch wol wiſſend war / daß Salomon auff Gottes Befehl ſchon zu einem Koͤnige publiciret, vorgeſtellet / vnd von den Fuͤrſten vnd Obriſten deß Volcks / auch deß Koͤnigs Kindern acceptiret, angenommen vnd den Tempel zu bawen verordnet war. 1. Chron. Cap. 23. Cap. 24. & Cap. 29.

AXIOMA LXXIX. Ein angehender Regent thut wol / daß er ſeines naͤ - heſten Vorfahren / erfahrene getrewe alte Die - ner / nicht gleich abſchaffe / vnd lautere newe beſtelle.

ALs der weiſe Koͤnig Salomo ſeinem Vatter David in der Koͤni - glichen Regierung folgete / hat er zwar eine ziembliche reformation angeſtellet / theils Geiſtliche / Weltliche vnd Kriegs. Raͤthe abge - ſchaffet / wie die Hiſtoria meldet. 1. Reg. Cap. 2. Gleichwol hat er viel von ſeines Herꝛn Vatters vornembſten getreweſten Raͤthen vnd Miniſtris, als ſeine Fuͤrſten wider angenommen vnd inſtalliret, nemblich ſeines Vatters Cantzler Joſaphat den Sohn Ahilud / Benaia den Sohn Joiada zum Feldhauptman / Zadock zum Prieſter vnd Adoramwider189Von dem weltlichen Stande. wider zum Rentmeiſter gebrauchet / wie zuſehen 1. Reg. Cap. 4. v. 2. & ſeqq. vnd dann 2. Samuel. Cap. 20. v. 23. & ſeqq. Hingegen handelte Salomons Sohn vnd Succeſſor Rehabeam gar vnvorſichtig / daß er nach ſeines Vatters toͤdtlichen Hintritt / deſſen alte Raͤthe vnd Diener abſchaffete / jhren guten verſtaͤndigen Rath verachtete / die jungen Raͤthe folgete / vnd daruͤber die zehen Staͤmme Jſrael als den mehrern Theil ſeines Koͤnigreichs verſchertzete. 1. Reg. Cap. 12. v. 6. & ſeqq. 2. Chron. Cap. 10. v. 6. & ſeqq. Vnd pflegen ins gemein angehende junge Regen -(1) Princi - pes ma - gna ex parte præ - ſertim ju - venilibus annis eos amplectũ - tur, qui ſunt ipſo - rum affe - ctibus ma - gis accõ - modati & cupidita - tum mini - ſtri, verum qui ſapiũt ex virtute ſuos æſti - mant, in - quit Pru - dentiſſi - m eques. Philipp. Comin. lib. 2. Hi - ſtor. Inde fit ut iſti miniſtros non ex merito ſed affectu & gratia pro - ſequdtur. ten mehr auff die jenige ſo jung vnd mit jhnen erzogen / als auff die Alten zu halten. (1) Der hocherleuchtete Koͤnig Darius / mit deme ſich die Per - ſiſche Monarchia angefangen / hat ſeiner Vorfahren am Aſſyriſchen vnd Babyloniſchen Koͤnigreich hinderlaſſenen hoch begabten Rath den Propheten Daniel an ſich gezogen / vnd denſelben als einen erfahrenen alten Hoffman zum vornembſten Fuͤrſten uͤber alle ſeine Landvoͤgte ge - ſetzet / vnd weil ein hoher Geiſt in jhme geweſen jhn hoch gehalten Daniel. Cap. 6.

Gar weißlich hat Koͤnig Ludwig der Eylffte ſeinem Sohn Carolo gerathen / daß er nach ſeinem Abſterben keine ſonderliche Enderung in der Regierung vornehmen / ſondern ſeine alle Raͤthe / Officirer vnd Be diente in ſeinen Dienſten wider employren vnd gebrauchen ſolte / weil deren Vbung vnd experientz jhme in viel Wege nuͤtzlich vnd erſprießlich ſeyn koͤnte / zumahlen er es ſelber erfahren was es jhme geſchadet / daß er anfangs bey angetrettener Koͤniglicher Regierung geuͤbte vnd verſtaͤn - dige Leuthe von Hoff geſchaffet. Keyſer Carolus V. recommendirte ſei - nem Sohn Koͤnig Philippo in Hiſpanien / bey Abtrettung ſeiner Koͤni - glichen Regierung fuͤr andern ſeinen geheimbden vnd erfahrnen Rath den Granvellanum ſo hernach Cardinal worden / welcher auch viel bey dem Koͤnig vermocht vnd demſelben viel Jahr gedienet. Famianus Stra - da in Deſcript. Bell. Belgic. lib. 1. & 2.

Landgraff Philipps zu Heſſen der aͤlter redet ſeine vier Herꝛn Soͤh - ne in ſeinem Teſtament nach folgender maſſen mit Vaͤtterlichem Ernſt an: Wir ſehen auch fuͤr gut an / vnd wollen an vnſere Soͤhne fleiſſig begehret haben / daß ſie die Raͤthe vnd Diener / die Wir hernach ver - meldet gebrauchen wollen / dann Wir ſie bey vnſerm Leben redlich be - funden. Setzet darauff einen ziemblichen Catalogum, darin er einen jeden nach ſeinen Qualitaͤten vnd Meritis hochweißlich vnd bedaͤchtig deſcribiret.

Deßgleichen findet ſich in Hertzog Johann Albrechts zu Mecklen - burg Teſtament mit nach folgenden Formalibus: Jnſonderheit ſollen Aaa iijvnſere190Das ander Buch / vnſere Soͤhne jhnen vnſere alte getrewe Diener in allen Gnaden befoh - len ſeyn laſſen / vnd denſelben auch jhrer nachgelaſſenen Weib vnd Kin - der ſich mit guͤnſtigem Willen / gnaͤdiger Erzeigung vnd ernſtem Schutz vnd Verthaͤdigung annehmen.

AXIOMA LXXX. Durch einen trewen gottsfuͤrchtigen Diener / wird offt ein Herꝛ / ja auch wol ein gantz Land geſeg - net / vnd bey gutem Weſen erhalten.

DVrch den Segen der Frommen wird eine Stadt erhaben / aber durch den Mund der Gottloſen wird ſie zerbrochen in den Sprich w. Salomonis Cap. 11 v. 11.

Es bekennet der Teuſcher vnd Goͤtzendiener Laban auff - richtig / als er zu ſeinem trewen Knechte vnd Tochterman dem Ertzvat - ter Jacob ſagte: Jch ſpuͤhre daß mich der Herꝛ ſegnet vmb deinet willen; darauff jhme auch Jacob antwortet / der Herꝛ hat dich geſegnet durch meinen Fuß. Gen. Cap. 30. v. 28. & v. 30. Als aber Laban hernacher vn - danckbar ward / vnd ſolchen durch ſeines from̃en Knechts getrewe Dien - ſte / erlangten Segen nicht erkandte / denſelben teuſchete vnd wol zehen - mahl den Lohn verenderte / da entzog jhme Gott den Segen vnd wandte denſelben Jacob zu. Gen. 31. v. 7. & ſeqq.

Als Joſeph dem Egypter Potiphar verkaufft ward / vnd derſelbe jhn vor einen Diener beſtellete / ſiehe / ſagt die Schrifft / da ſegnete der Herꝛ deß Egypters Hauß / vmb Joſephs willen / von der Zeit an / da er jhn uͤber ſein Hauß vnd Guͤter geſetzet hatte / vnd war eitel Segen deß Herꝛn in allem was er hatte / im Hauß vnd zu Felde / Gen. Cap. 39. v. 5. Ja durch ſeine von Gott geſegnete Dienſte ward gantz Egypten geſegnet / vnd er Patriæ Pater deß Landes Vatter genandt. Gen. Cap. 42.

Von Naeman dem getrewen redlichen Feldhauptman deß Koͤ - nigs in Syrien / meldet die Schrifft / daß er ein trefflicher Mann vor ſei - nen Herꝛn vnd hoch gehalten / vnd gabe durch jhn der Herꝛ Heyl in Sy - rien. 2. Reg. Cap. 5.

Alſo wann der Koͤnig zu Syrien an Naemans ſtatt geſetzet haͤtte viel einen weltweiſern / geſchicktern vnd kluͤgern Mann / dann ſieben Naeman / noch haͤtte er durch denſelben nicht ſo wol Haußhalten koͤnnen in Syria. Dann nicht Syria noch der Koͤnig hatten Naeman erzogen /ſondern191Von dem weltlichen Stande. ſondern Gott / ſpricht die Schrifft / gab durch Naeman Heyl vnd Gluͤck in Syria / durch einen andern waͤre es wol nicht geſchehen.

Dieſem Naeman widerfuhr auch Heyl durch ſeine Dienerin eine Jſraelitiſche Dirne welche von den Syriſchen Kriegsleuthen gefangen / vnd in deß Naemans Frawenzimmer gerathen / in deme ſie wegen jhres Herꝛn Außſatz ſorgfaͤltig war / den Vorſchlag thate / vnd wuͤnſchete daß derſelbe bey dem Propheten Eliſa zu Samaria waͤre / der jhn vom Auß - ſatz reinigen koͤnte / welches auch geſchehen / wie im gemeldten 5. Cap. deß andern Buchs der Koͤnige zuſehen.

Thun derowegen Keyſer / Koͤnige / Potentaten / Fuͤrſten vnd Re - genten weißlich vnd wol / wann ſie in Annehm - vnd Beſtellung jhrer Diener / gute fleiſſige Achtung darauff haben / wen ſie vor Diener beſtel - len / vnd nach redlichen Leuthen / die Gott fuͤrchten / warhafftig vnd dem Geitz feind find / trachten / nach dem Rath Jethronis. Exod. Cap. 18. v. 21. vnd deß Koͤnig Davids Regenten Pſalm 101. Dann wie durch gott - ſelige fromme Diener der Segen kompt / alſo kan er durch gottloſe fre - velhaffte vnd boß hafftige Diener entzogen werdẽ. Aber es wird jtzo in der Welt wenig nach dieſen Hauptqualitaͤten der Gottſeligkeit vnd Red - ligkeit gefraget / werden zu weilen deßwegen wol beſpottet / fuͤr einfaͤltige Simpliciſten vnd ſchlechte Leuthe gehalten / ſondern wer nun ingeniôs, argliſtig / ſpitzfindig iſt / welches man eine Politiſche Klugheit nennet / ſich auff die Rationem Status verfichet / weiß wol zu ſimuliren vnd zu diſſi - muliren, kan daneben mit dem groſſen Meſſer wol auffſchneiden / auß ei - ner Fliege einen Elephanten / vnd wider auß einem Elephanten eine Fliege machen / weiß viel newe modos, den Herꝛn reich zu machen / die ar - me Vnderthanen bald auff dieſe / bald auff eine andere Weiſe in eine newe contribution vnd conſumption zu ſetzen / vnd biß auff Marck vnd Bein außzuſaugen / das ſind tapffere / gewaltige Leuthe / vnd wann die - ſelbe einen Rath geben / da wird jhr Rath gehalten / als wann man Gott vmb etwas haͤtte gefraget / wie die Schrifft von dem gottloſen Rath dem Achitophel zeuget. 2. Samuel. Cap. 17. v. fin. vnd muͤſſen die andern alle ſchweigen / oder dieſen Verweiß gewaͤrtig ſeyn / daß ſie es nicht gut vnd trewlich mit jhren Herꝛen meynen. Aber wie dieſer Achitophel ein Ende mit Schrecken genommen vnd ſich ſelber erhaͤnget. 2. Sam. d. c. 17. Alſo gehet es noch heutiges Tages mit vielen / daß ſie auch ein Ende mit Schrecken nehmen.

AXIO -192Das ander Buch /

AXIOMA LXXXI. Ein begabter Mann iſt eingemein Gut.

WAnn Gott einem Lande vnd dem gem einen Weſen gutes be - zeigen wil / gibt er demſelben einen begabten Mann / oder erwe - cket einen Held.

Wie er die Kinder Jſrael von der Tyranniſchen Hand deß Pharaonis erretten wolte / zohe er den Moſen hervor / vnd wiewol der - ſelbe in Anſehung ſeiner geringen Qualitaͤten ſich entſchuldigte / beggbte er jhn doch vnd ruͤſtete jhn auß / mit herꝛlichen Gaben zu ſeinem vorha - bendem Dienſte / daß er wol ein gemein Gut deß Jſraelitiſchen Volcks moͤchte genandt werden. Exod. Cap. 4.

Nach demſelben kam auff Joſua ein hochbegabter Held. Deut. Cap. ult. Joſ. Cap. 1. Er war wol ein gemein Gut dem Jſraelitiſchen Volcke / weil es demſelben ſo lang Joſua lebete / in allem wol ergienge / aber nach ſeinem vnd der Elteſten Abſterben / die mit jhme geweſen / fieh - len die Kinder Jſrael von deß Herꝛn Wegen ab vnd dienten Baalim / da verlohren ſie das gemeine Gut / Gluͤck vnd Segen / vnd muſten an - dern vnderworffen ſeyn. Jud. Cap. 2. Der tapffere Kriegsfuͤrſt Gideon ward auch ein gemein Gut / wie er das Hauß Jacob von der Tyranni - ſchen Hand der Midianiter errettet / wie er aber dieſe Welt ſegnete / keh - reten die Kinder Jſrael vmb / huhreten den Baalim nach vnd geriethen wider in groß Vngluͤck.

Samuel war ein begabter Mann vnd ein gemein Gut ſeines Volckes / vnd ſo lang er lebete war die Hand deß Herꝛn wider die Phili - ſter als Feinde der Jſraeliten. 1. Sam. Cap. 7. v. 13.

Ein ſolch gemein Gut war auch der Geiſtreiche Prieſter Joiada / als er die tyranniſche Koͤnigin Athaliam / die biß auff den verborgenen vnd verſteckten Joas allen Koͤniglichen Samen erwuͤrgen laſſen / auß dem Weg raͤumete / vnd dem uͤberbliebenen Zweiglein Koͤnigl. Geblüts / dem Joas im ſiebenden Jahr ſeines Alters die Koͤnigl. Cron auffſetzete / vnd vor einen Koͤnig in Juda proclamirte, vnd gienges im Geiſt - vnd Weltlichen Regiment / auch dem Koͤnige vnd ſeinem Koͤnigreich / ſo lange jhnen Gott dieſen begabten Mann vnd gemein Gut goͤnnete / in allem ſehr wol / vnd ſagt die Schrifft / daß Joas gethan habe was dem Herꝛn gefiehl / ſo lang der Prieſter Joiada lebete. 2. Reg. 11. & 2. Chron. 24. v. 2.193Von dem weltlichen Stande. 24. v. 2. Wie es aber nach Joiada toͤdtlichen Hintritt zugangen / vnd wie der Koͤnig vnd ſein Koͤnigreich ſich verſuͤndiget / meldet die Hiſtoria daſelbſten.

Auff dieſe Weiſe war Sacharia der Lehrer in den Geſichten Got - tes auch ein gemein Gut / dann ſo lang derſelbe lebete / ſuchte der Koͤnig Vſia Gott / vnd ſo lang er ſolches thaͤte / ließ es jhme Gott gelingen / nach Sacharia Todt aber erhub ſich ſein Hertz / daß er ſich an den Herꝛn ver - griff / den Prieſtern in jhr Ampt fiehle / vnd auff dem Rauchaltar opffern wolte / daruͤber er mit Außſatz geſchlagen vnd geplaget worden ſein Leben - lang. 2. Chron. Cap. 26. Nicht weniger war der begabte Nehemia / deß groſſen Koͤnigs Arthaſaſta Mundſchencke / dem Volck Gottes ein ge - mein Gut / wie er durch ſeine klůgliche Gebahrung bey dem Koͤnig nicht allein Erlaubnuß vnd Paßbrieff gen Jeruſalem zu reyſen / vnd dieſelbe zerſtoͤhrte Stadt wider auffzubawen / ſondern auch ernſte Befehl an den Holtzfuͤrſten oder Oberforſtmeiſter im Lande erhielte / jhme nothtuͤrfftig Holtz darzu abfolgen zulaſſen im Buch Nehem. Cap. 1. v. ult. Et Cap. 2. Deßgleichen der Prophet Daniel / dann ſo lange derſelbe bey dem Hoffe deß Koͤnigs Cyriwar / hatte das betrangte Judiſche Volck einen groſſen Troſt vnd Schutz von jhme. Ein gemein Gut war der fromme Loth der Stadt Zoar / welche Gott nicht weniger als Sodom / Gomorrha vnd die uͤbrige Staͤdte mit Fewer zu verbrennen beſchloſſen / aber auff dieſes Loths Vorbitt / vnd weil er da wohnen wolte verſchonete 1. Buch. Moſ - Cap. 19. v. 19. & ſeqq.

Weltliche Exempel wil ich hierbey nicht anziehen.

AXIOMA LXXXII. Ein Rath vnd Diener der ſeines Herꝛn rechtmaͤſſi - gen Befehl oder ſonſt ſein Ambt verrichtet / kan ſich damit gegen einen jeden ſchuͤtzen.

ALs Davids aͤlteſter Bruder Eliab jhme / wie er ſich zum Streit wi - der den Goliath ſchickete / einen ſtarcken Verweiß gabe / warumb er herab kommen / vnd die wenige Schaffe dort in der Wuͤſten ver - laſſen / vnd jhn uͤber das einer Vermeſſenheit vnd Boßheit beſchul -Bbbdiget /194Das ander Buch /diget / hat David recht vnd maͤnnlich geantwortet: was habe ich dañ nun gethan? iſts mir nit befohlen? 1. Samuel. Cap. 17. v. 28. & ſeq. Dann wer in ſeinem Befehl gehet deß Werck iſt recht / nach den Sprichw. Salomo - nis Cap. 21. v. 8. Worbey D. Luther in ſeiner gloſſa notirt vnd ſchreibet - Wers beſſer vnd anders machet / dann jhme befohlen iſt / der verdirbts gar / wie ſchoͤn auch ſein Gutduͤncken gleiſſe / wie Saul thate uͤber Ama - leck / da ers auch anders vnd beſſer machen wolte / als jhme befohlen war. 1. Samuel. Cap. 15. weme etwas befohlen iſt der wandelt in ſeinem Be - ruff vnd Ampt es ſehe ein ander ſuͤß oder ſawer darzu. Syrach ſpricht: Mein Kind in Widerwaͤrtigkeit ſey getroſt. vnd trotze auff dein Ampt. Dann wer an ſeinem Ampt verzagt / wer wil deme helffen / vnd wer wil dẽ bey Ehren erhaltẽ / der ſein Ampt ſelber vnehret. Cap. 10. v. 31. Dahin gehet auch S. Pauli Vermahnung / wann er an ſeinen Titum ſchreibet / laß dich niemand verachten / nemblich in deinem Ampt. Cap. 2. v. ult.

AXIOMA LXXXIII. Wann ein Rath vnd Hoffdiener vor ſich vnd in ſeinen Privat-Sachen etwas bey ſeinem Herꝛn zu werben / thut er am beſten / daß er ſolches durch andere negotiiren laſſe.

ES war Joſeph bey Pharao dem Koͤnig in Egypten gar wol dar - an / er war ſein geheimbder vornembſter Rath vnd Vice Re oder Stadthalter / dannoch wie ſein Vatter Jacob ſtarb / vnd Joſeph ſampt ſeinen Bruͤdern deſſen hinderlaſſene Leiche / wie Jacob be - fohlen / ins Land Cannan zu ſeiner Erb-Begraͤbnuß fuͤhren wolten / hat Joſeph nicht ſelber den Koͤnig vmb Erlaubnuß mit zu reyſen angeſpro - chen / ſondern meldet die Schrifft / daß Joſeph mit dem Geſinde Pha - rao geredet vnd geſprochen: Habe ich Gnade gefunden / ſo redet mit Pha - rao / daß ich hinauff ziehe meinen Vatter zu begraben / welches Pharao auch verwilliget Geneſ. Cap. 50. Es habens die Herꝛn ins gemein auch lieber / daß einer in propriis & privatis ſeine deſideria durch einen andern vorbringen laſſe / ſo koͤnnen ſie ſich beſſer darauff bedencken / vnd nach ge - nommenem Bedacht herauß laſſen / vnd wann ſie Vrſache haben dasSuchen195Von dem weltlichen Stande. Suchen abzuſchlagen / laſſen ſie es lieber durch einen Tertium remon - ſtriren, zumahlen guͤtige vnd fromme Herꝛn / nicht gern jhre eygene trewe vnd wolmeritirte Diener offendiren, oder ſie in jhren Suchen ent - hoͤren wollen.

AXIOMA LXXXIV. Trewer Rath gilt nichtes / wann ein Regent allein ſeinem Kopff folgen vnd darnach thunwil.

D Holofernis getrewer Obriſter der Achior / gabe jhme einen ſehr guten Rath / der halff jhm aber gar nicht / weil jhn Holofer - nes verachtete / darumb er auch mit ſeinem gantzen Kriegsheer geſtuͤrtzet ward. Judith. Cap. 5.

Wie der Koͤnig David vorhatte vnd Anordnung machete / das Volck auß Vppigkeit vnd deß Sathans Eingebẽ zehlen zu laſſen / ward ſolches im Kriegs-Rath nicht vor gut befunden / vnd ſprach Joab zu dem Koͤnige: Der Herꝛ dein Gott / thue zu dieſem Volck / wie es jtzt iſt / noch hundertmahl ſo viel / daß mein Herꝛ der Koͤnig ſeiner Augen Luſt daran(1) Inſci - enter fa - ciunt Principes & incon - ſultè, quã - do ſuam privatam ſententiã multorũ judiciis anteferũt, dici enim poteſt, quantum ſæpèma - lorum ex eo prove - niat. Phi - lipp. Co - minæ. lib. 9. Com - ment. ſehe: Aber was hat mein Herꝛ Koͤnig zu dieſer Sachen Luſt / vnd war - umb ſoll eine Schuld auff Jſrael kommen: doch deß Koͤnigs Wort / ſagt die Schrifft gieng vor / wider Joab vnd die Hauptleuthe deß Heers / 1. Reg. Cap. 24. v. 3. & ſeqq. & 1. Chron. Cap. 24. v. 3. 4. Wordurch David den Herꝛn erzuͤrnet / daß gantz Jſrael deßwegen mit Peſtilentz geplaget / vnd ſiebentzig tauſend Mann gefallen. ibid. (1)

Bey dieſem Exempel faͤllet ein Dubium vor / ob ein Rath vnd Diener / wann er befindet / daß ein Herꝛ etwas vor hat / ſo nicht recht / vnd er ſelbſt widerrathet / er nichts do weniger ſolches auff ſeines Herꝛn Be - fehl mit gutem Gewiſſen vollbringen koͤnne / dann Joab widerrieth zwar allhie die Zehlung deß Volcks neben andern Hauptleuthen deß Heers / nichts do weniger zohe er auß durch gantz Jſrael / zehlete das Volck / vnd vollbrachte ſeines Herꝛn Befehl / wiewol deß Koͤnigs Wort / wie die Schrifft ſaget / jhme ein Grewel war. 2. Chron. Cap. 22. v. 6. & 7. Hier - von wird man meines Ermeſſens mit Vnderſchied reden vnd vrtheilen muͤſſen. Jſt eines Herꝛn Befehl vnd Verordnung vor vnd an ſich ſelb - ſten wider Gott / ſein Gebott / vnd die Liebe deß Naͤchſten / als wann einBbb ijHerꝛ196Das ander Buch /Herꝛ Abgoͤtterey zutreiben vnd den Goͤtzen zu dienen gebiethen thaͤte / vnd wie der Koͤnig Nebucadnezar ſein Bild anzubetten / vnd demſelben Goͤttliche Ehre zu beweiſen befiehle. Daniel. Cap. 6. Jmgleichen wann ein gottloſer Saul ſeinen Trabanten befiehle deß Herꝛn Prieſter zu toͤd - ten vnd vnſchuldig Blut zu vergieſſen. 1. Samuel. Cap. 22. v. 17. ſolches foll vnd muß kein redlicher Diener thun vnd vollbringen / geſtalt ſolches von den Knechten Sauls ruͤhmlich durch den H. Geiſt in der Schrifft verzeichnet / daß ſie auff Befehl jhres Koͤnigs wider Gottes Gebott vnd Liebe deß Naͤchſten jhre Haͤnde nicht an die Prieſter deß Herꝛn legen(2) Quic - quid a - guntho - mines, in - rentio ju - dicat o - mne. wollen ſie zu erſchlagen. d. Cap. 22. v. 17. Jſt aber das Werck nicht an ſich ſelbſten res illicita wider Gott vnd ſein Gebott / ſondern wird ex prava intentione (2) deß Herꝛn oder Regenten illicita oder boͤſe / halte ich dar - vor daß ein Diener ſich darin nicht zu opiniaſtriren, vnd darumb daß ers widerrathen ſich zu widerſetzen haͤtte. Die Zehlung deß Volcks iſt / vnd war an ſich kein res per ſe illicita, ſondern ein Mittelding. Moſes vnd Aaron zehlten auff Gottes Befehl das Volck vnd thaten daran nicht uͤbel. Numer. Cap. 1. & 3. & Cap. 26. Alſo hat der Koͤnig Amazia das Volck gezehlet vnd hat nicht vnrecht gethan. 2. Chron. Cap. 25. v. 5. Alſo zehlete David ſelber die Leviten vnd that daran auch nicht ůbel. 2. Chron. Cap. 24. ruͤhrete deßwegen deß Davids Fehler ex prava intentione her / weil er auß Vppigkeit vnd deß Sathans Eingeben die Zehlung anſtel - lete. 1. Chron. Cap. 22. v. 1. Derowegen Joab auff ſeines Herꝛn Gefahr ein ſolch Mittelding / ſo an ſich nicht vnrecht / meines Ermeſſens wol ver - richten koͤnnen / doch wil ich dieſe Frage eben nicht decidiren, ſondern an - dern jhre Gedancken darbey frey laſſen.

Einen ſehr guten Rath gaben dem Koͤnig Rehabeam die alte Raͤ - the die vor ſeinem Vatter Salomo geſtanden / daß er dem Volck mit gütiger Antwort vnd Sanfftmuth begegnen / vnd jhn einen Dienſt thun ſolte / würde ers ſein Lebenlang zu genieſſen vnd ſie zu Willen haben / aber Rehabeam wolte dieſen guten Rath nicht / ſondern folgete ſeiner jungen Cavallierer vnd Spielgeſellen ſo mit jhme auffgewachſen boͤſen Rath daruͤber er zehen Staͤmme verlohr. 1. Reg. Cap. 12.

Einen guten Rath gab der Prophet Micha dem Achab / daß er nicht ſolte wider die Syrer zu Felde ziehen / aber Achab war jhm gram / vnd ſprach: Micha weiſſaget mir nichts gutes / weil es nicht nach ſeinem Willen war / begabe ſich deſſen ohngeachtet in Krieg / vnd kam darin vmb. 1. Reg. Cap. 22. Als der Koͤnig Amazia den guten Rath deß Pro - pheten nicht folgen wolte / ſprach er / ich ſehe wol daß GOtt ſich berathen / dich zu verderben. 2. Chron. Cap. 25. v. 16. Dieſes Koͤnigs Sohn demVſia197Von dem weltlichen Stande. Vſia riethe der Prieſter Aſaria ſambt noch andern achtzig Prieſtern trewlich / er ſolte ſein Hertz nicht erheben in ſeinem Gluͤck / vnd nicht raͤu - chern auff dem Rauchaltar / weil ſolches den Prieſtern vnd nicht den Koͤnigen von Gott befohlen / aber dieſer guter Rath vnd getrewe Ver - warnung wolte bey Vſia nicht hafften / ſondern er fuhr in ſeinem vnge - rechten Vorhaben forth / ward aber darumb von Gott hart geſtraffet / mit dem Außſatz geſchlagen vnd geplaget ſein Lebenlang im 2. Buch der Koͤn. Cap. 15. v. 5. im 2. Buch der Chron. Cap. 26. v. 16. & ſeqq.

Ein guten Rath gab Pilato ſein Weib / daß er ſich vnbeworren laſſen ſolte mit der Juden vnd Hoherprieſter falſcher Anklage vnd Vff - lage wider den gerechten Chriſtum / aber Pilatus folgete nicht / hielte der Juden vnd Phariſeer Gunſt hoͤher als die Gerechtigkeit vnd Warheit / vnd ſprach ein vngerecht Blutvrtheil. Matth. Cap. 27. v. 19. Ein Regent der keinen guten Rath nicht hoͤren oder annehmen wil / daneben demſel - ben der da gutes raͤthet Vngnade zuwirfft / iſt gleich einem gefaͤhrlichen Patienten / der den Medicum verwirfft vnd iſt keine gewiſſere Anzeig zum Todt / als wann ein Patient der gefaͤhrlich darnieder liget / vorgie - bet jhme mangele nichts / welches eine gewiſſe Anzeige eines deſperati morbi iſt.

AXIOMA LXXXV. Boͤſer Rath trifft ins gemein ſeinen Auctorem vnd Vrheber zu erſt / oder doch end -(1) Malum conſilium conſultori peſſimum. Confer: Drexeli. in Phaëton - te c. 8. ubi elegantes Claudiani verſus re - fert. p. 123. lich. (1)

WOl deme / ſpricht Syrach / der nicht boͤſen Rath giebet / vnd davon nicht boͤſes Gewiſſen hat Cap. 13. in fin. die mit boͤſen Rencken vmbgehen fehlen / dann Gott ſtuͤrtzet der Verkehrten Rath / Hiob. Cap. 5. v. 12. Achitophels boͤſer Rath den er dem Abſalon gab / daß er ſeinem Vatter nach dem Regiment ſtehen vnd ſeine Kebsweiber ſchaͤnden ſolte / kam uͤber ſeinen eygenen Kopff / wie er ſich ſelber auffhienge. 2. Samuel. Cap. 16. v. 22.

Einen boͤſen Rath gaben die Gewaltige vnd Fuͤrſten der Kinder Hannon jhrem Koͤnige vnd Herꝛn wider Davids Geſandten / daß er dieſelbe contra Sacra legationis & fas gentium, wie Tacitus in ſolchen terminis redet / hoͤnete vnd ſchaͤndete / daruͤber ſie mit jhrem Herꝛn vndBbb iijdem198Das ander Buch /dem gantzen Koͤnigreich in Noth vnd Gefahr geriethen / mit Heeres - macht uͤberzogen vnd geſchlagen worden. 1. Samuel. Cap. 10. v. 3. Die Fuͤrſten deß Koͤnigs Darii riethen ſehr uͤbel jhrem Herꝛn / wider den Propheten Daniel / daß er zu den grimmigen Loͤwen in die Grube ge - worffen / aber dieſer boͤſe Rath kam jhnen ſelbſt zu Hauß / in deme Daniel durch Gottes Hand von den Loͤwen errettet / die boͤſen Rathgeber aber denſelben vorgeworffen vnd ſambt jhren Kindern vnd Welbern zermal - met worden. Daniel. Cap. 6. Einen boͤſen Rath gab der abtruͤnnige Jud Menelaus dem Antiocho ſein Volck vnd Vatterland zu verderben / a - ber dieſer boͤſer Rath kam uͤber ſeinen Kopff / dann Gott der Koͤnig aller Koͤnige / erweckete deß Antiochi Muth daß er den abtrünnigen Schalck gefaͤnglich annehmen / nach Berea führen vnd daſelbſten raͤdern ließ im 2. Buch der Macchab. Cap. 13. v. 3. & ſeqq. Wer alſo einem andern eine Grube graͤbet / faͤllet ins gemein ſelber hinein / ſagt Salomon Proverb. Cap. 26. v. 27. ja ſie verſincken in der Gruben / die ſie zugerichtet haben / vnd jhr Fuß wird gefangen in dem Netz das ſie geſtellet hatten / ſpricht David Pſalm. 9. v. 16. Sie gehen mit Vngluͤck ſchwanger vnd gebeh - ren einen Fehl / jhr Vngluͤck kompt auff jhren Kopff / vnd jhr Frevel faͤllt auff jhren Scheitel. Pſalm. 7. v. 15. & ſeqq. vnd wer einen Stein in die Hoͤhe wirfft / deme faͤllt er ſelber auff den Kopff. Syrach. Cap. 28.

Einen boͤſen Rath gab dem Haman ſein Weib Seres neben ſei - nen Freunden / daß man einen Baum fuͤnfftzig Ehlen hoch auffrichten / vnd den Mardachai dran hencken ſolte. Eſther Cap. 5. in fin. Aber ſolcher(2) Tutum non eſt in aula læde - reillum, quem tol - lere planè non poſſis Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 5. p. 199. boͤſer Rath gienge uͤber ſie ſelbſten auß / in dem jhr eygener Mann vnd Soͤhne den hohen Galgen ziehren / vnd bekleiden muͤſten / vnd alle ſeine Guͤter confiſcirt worden. Eſther. Cap. 7. in fin. & Cap. 8. in princip. (2) Muſte alſo dieſe Seres eſſen von den Fruͤchten jhres Weſens / vnd jhres boͤſen Raths ſatt werden / in den Sprichwoͤrtern Salomo. Cap. 1. v. 31. (3) Keinen guten Rath gab Sara Abrahams Weib jhrem Eheherꝛn auß impatientz daß er ſich zu jhrer Egyptiſchen Magd der Hagar legen ſolte / aber ſie befand ſich ſelber nicht wol darbey / dann ſo bald Ha - gar von Abraham warm vnd ſchwanger worden war / achtete ſie jhre Frawe gering gegen ſich. Gen. Cap. 16.

(3) Arte alium qua quis capi. et capie - tur eadẽ. Heſiod. Plerumq; enim in Magiſtrum ſcelera rediere ſua. Senec.
11
AXIO -199Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA LXXXVI Die ſo zu boͤſen Haͤndeln rathen vnd thaten / heiſſen es endlich ſelber nicht gut.

DIe Sichemiter halffen darzu rathen vnd thaten / daß Abime - lech der Sohn Gideon Koͤnig uͤber Jſrael ward / vnd ſeine ſie - bentzig Bruͤder elendig ermordete. Es hatte aber Abimelech kaum drey Jahr uͤber Jſrael geherꝛſchet / ſandte Gott einen Vnwillen zwiſchen Abimelech vnd den Maͤnnern zu Sichem / daß es jh - nen gerewete / ſchalten vnd zogen gar hoch an den Frevel / an den ſieben - tzig Soͤhnen Jerubaal oder Gideons / vnd legten derſelben Blut auff Abimelech jhren Bruder der ſie erwuͤrget hatte / wie zu leſen im Buch der Richter Cap. 9. Jn Summa / Wer da giebet boͤſen Rath / dem ge - rewts bald nach der That.

AXIOMA LXXXVII Boͤſe Raͤthe verfuͤhren zu weilen fromme guͤ - tige Herren.

DEr Koͤnig Joas war gottſelig vnd fromb / als aber nach deß Hohenprieſters Joiada Abſterbẽ / jhn ſeine Obriſten vnd Land - Staͤnde in die Cur vnd zu jhren Willen bekamen / verfuͤhreten ſie jhn / daß er das Hauß deß Herꝛn verließ / vnd mit jhnen den Heynen vnd Goͤtzen dienete / auch Zacharia den Sohn Joiada ſteinigen ließ / vnd der Barmhertzigkeit vergaß die Joiada ſein Vatter an jhn ge - than hatte. 2. Chron. Cap. 24. Der ſtoltze / Haman verleitete vnd uͤberre - dete auch den Koͤnig Ahaſverus / daß er jhm ſeinen Pittſchier-Ring oder Secret gabe Koͤnigliche Mandata in allen Landen auß gehen zulaſſen / die Juden auff einem Tage in ſeinem Koͤnigreich alle zu maſſacriren vnd zu toͤdten / im Buch Eſther Cap. 3. Darius der Perſen Koͤnig war ein from - mer vnd guͤtiger auch hocherleuchter Regent / dannoch ließ er ſich vonſeinen200Das ander Buch /ſeinen Hoffleuthen vnd Landvoͤgten / dahin verleiten / daß er den vnſchul - dtgen Daniel den grimmigen Loͤwen vorwarffe / Daniel. Cap. 6. Sol - che Raͤthe haben vnſelige Gedancken vnd führen ſchaͤdliche Rathſchlaͤ - ge Ezechiel. Cap. 11. v. 2.

AXIOMA LXXXVIII. (1) Kluge Huͤner le - gen auch zu weilen in den Neſſein vnd ver - brennen ſich dar - an. Aliquan - do bonus Dormitat Homer. Omnes profectò omnium temporũ Senatores ac viri præſtantes, qui vel fuerunt aliquãdo, vel hodie ſunt, errarunt, & ſæpe errare & labi poſſunt. Cominæ. lib. 8. Commentar. Verſtaͤndige kluge Leuthe geben auch zuweilen boͤſen Rath. (1)

VOn Jonadab Davids Brudern Sohn zeuget die Schrifft daß er ein ſehr weiſer Mann geweſen. 2. Samuel. Cap. 13. v. 3. dan - noch als der Ammon Davids Sohn in vnkeuſcher Liebe gegen ſeine Schweſter Thamar enthrandte / hat er jhme den boͤſen Rath gegeben / wie er zu ſolchen ohnziemblichen Vorhaben durch ſonder - bahre Liſt vnd Geſchwindigkeit gelangen ſolte / welches dann auch alſo angangen. d. Cap. 13.

AXIOMA LXXXIX. Alle Menſchen ſind Narren mit jhrer Kunſt / ſpricht der Prophet Jeremias Cap. 51. v. 17.

ES iſt nicht ohne / vnd in der Warheit alſo / wie man pflegt zufa -(1) Stulto - rum infi - nitus eſt numerus, Thom. de Aquin. in Com - ment. ad Boëtium, proſ. 3. Itẽ. Stultorum plena ſunt omnia. Nemo ſine erimine vivit. gen: Narren iſt kein Hand voll / ſondern alle Land voll. (1) Gewiß iſt es wie Eraſmus in ſeiner Moria diſcurriret, daß kein Menſch in der Welt geweſen vnd noch ſey der nicht ein Stuck vom Narren gefreſſen / oder der nicht ſeinen eygenẽ Gecken immerforth bey ſich gleich - ſamb in einer Keutze auff dem Rucken oder im Buſem trage / nurent daß dieſer Vnderſcheid darbey / daß bey einem der Geck mehr hervor gucket / als bey einem andern / vnd einer denſelben beſſer zu verbergenweiß201Von dem weltlichen Stande. weiß als der ander. (2) Bey dem einen gucket er wenig vnd kaum mit(2) Sine vitiis ne - mo naſci - tur: opti - musille eſt, qui minimis urgetur. Plin. Nemo ad - huc exti - rit, cuius virtutes nullo vi - tiorum confinio læderen - tur. Idem Plin. in Panegyr. Et vitia erunt, do - nechomi - nes, inquit Tacit. Se - mel inſa - nivimus omnes. den Augen / bey einem andern etwas weiter / vnd ſo forthan / biß er mit Naſen vnd Ohren / auch wol mit den Achſeln vnd Leibe hervor kompt / vnd ſich wol gar in vollſtaͤndiger poſtur ſehen laͤſſet. (3) Vnd dahero Hiob recht ſaget: Siehe vnder den Heiligen Gottes iſt keiner ohne Ta - del. Cap 15. v. 15. Ja vnder ſeinen Botten findet er Thorheit. Hiob. Cap. 4. v. 18. Groſſe Leuthe fehlen auch / ſie waͤgen weniger dann nichts ſo viel jhrer iſt / Pſalm. 62. v. 10. Bey vnſer erſten Mutter der Eva gucket der Geck ziemblich ſtarck hervor / wie ſie den Cain gebahre / daß ſie ſich einbil - dete / es waͤre der Mann der Herꝛ oder der Meſſias. Geneſ. Cap. 4. Noah hatte das prædicat daß er ein Prediger der Gerechtigkeit war / dannoch hatte er auch ſeinen Gecken / in dem er ſich voll Weins tranck vnd in der Huͤtten auffgedecket lag. Gen. Cap. 9. v. 21. Loth machete es noch aͤrger / als er nach uͤberfluͤſſigem Trunck ſeine eygene Toͤchter ſchwaͤngerte. Gen. Cap. 19. Abraham der Vatter aller Glaͤubigẽ begieng auch einen ziemb - lichen Fehler / wie er auß Furcht ſein Weib Sara fůr ſeine Schweſter außgabe / dardurch ſie bald in Gefahr jhrer Zucht vnd Keuſchheit / wann es Gott ſonderlich nicht verhuͤtet / gerathen koͤnnen. Geneſ. Cap. 12. v. 11. & ſeqq. vid. Luth. ad h. cap. Deßgleichenthat Jſaac auch mit ſeiner Lieb - ſten der Rebecca. Gen. Cap. 26. Der Hoheprieſter Aaron hatte auch nicht wenig vom Narren gefreſſen / wie er ſich ſambt ſeinem Weibe wider Mo - ſen empoͤrete / welches er hernacher wol erkandt vnd bekandte / wie er ſei - nem Bruder Moſi die Abbitt thate vnd ſprach: Wir haben naͤrriſch ge - than 4. B. Moſ. 12. v. 11. David der Mann nach dem Willen Gottes / ließ den Gecken gar zu weit herauß gucken / wie er in ſeinem Koͤniglichen(3) Quiſ - que ſuum gremio ſtultum gerit, opti - mus ille eſt, Quine promineat diſſimula - re poteſt. Kein wei - ſer Mann ward je genande Bey dem ſich nicht ein Thorheit fandt. Froſchmaͤußl. part. 4. cap. 4. Pallaſt auff der Altan oder Gallerie ſpatzirte / die ſchoͤne Bathſebam ſich waͤſchen ſahe / ſie zu ſich ließ hohlen vnd beſchlieff / daneben jhren frommen Eheman Vriam durch das Schwerdt der Kinder Ammon hinrichtete. 2. Samuel. Cap. 11. & Cap. 12. v. 9. welches er hernacher wol erkandt vnd geſprochen / meine Wunden ſtincken vnd eitern vor Thorheit / Pſalm. 38. Salomon der Weiſe / konte endlich ſeinen Gecken auch nicht verbergen / da er ſich in ſeinem hohen Alter gar zu ſehr in der abgoͤttiſchen Heydni - ſchen Weiber Liebe vertieffte. 1. Reg. Cap. 11. Die Mutter der Kinder Ze - bedei / war auch mit dieſem Gaſt beladen / wie ſie von Chriſto begehrte / daß jhre beyde Soͤhne hoch moͤchten ans Breth kommen / der eine zur Rechten vnd der ander zur Lincken ſitzen. Matth. Cap. 20. v. 20. Petrus vnd andere Apoſtel wie ſie vnder einander von dem Primat vnd VorſitzCccſich202Das ander Buch /(4) Phi - lipp. Co - minæ. lib. 2. Com - mentar. Sæpè, in - quit, acci - dit. ut Prudentes etiam viri labantur & errent, & neminẽ eſſe homi num, qui non ali - quando ex affectibus aliquid agat. Idq; exemplo Apoſtolo - rum Chri - ſti de pri - matu di - ſceptan - tium ele - ganter il - luſtrat Lu - cas Oſi - and. in Notat. ad Evangel. Luc. c. 18. v. 15. vid Froſtner. in not. Po - litic. ad Cornel. Tacit. lib. 4. p. 312. Quærere homines in mundo omnes nævi expertes eſſet quærere corpora in idæis, tectè dixit Condæ. apud continuator. Thuani lib. 8. Perfectè ſapiens quingenteſimo anno ſemel naſcitur ut Phœnix, h. c. nunquam, Senec. ſich zaͤncketen / lieſſen dieſen Gaſt auch ziemblich weit hervor gehen / wie zu leſen Luc. Cap. 9. v. 46. Jn Summa iſt das am gruͤnen Holtz geſche - hen / was ſolte dann nicht am duͤrren erfolgen / ſind die Heiligen Gottes vnd die Allerweiſeſte nicht gantz ohne Thorheit geweſen / was wollen ſich dann andere ruͤhmen / vnd jhren Gecken verbergen / (4) vnd eben die / ſo da meynen ſie haben gar nichts vom Narren gefreſſen / bey denen gucket er offt am meiſten hervor / laͤſſet ſich nicht allein mit den Augen / Ohren vnd Naſen / ſondern in vollkommener Statur vnd Perfection ſehen / bey dieſen iſt der morbus plane incurabilis, weil ſie denſelben gantz nicht em - pfinden / vnd ſind gleich den Patienten / welche / wann ſie am allerkranck - ſten ſeyn / dannoch ſagen ſie ſeyn geſund / es mangele jhnen gantz nichts / von denen ſchreibet Salomon recht: Wann du den Narren in einem Moͤrſer nur zerſtieſſeſt wie Gruͤtze / ſo ließ doch ſeine Narꝛheit nicht von jhme. Proverb 27. v. 22. Die alten Philoſophi wie auch die newe haben ſich wol in der Meynung befunden / ob fuͤhreten ſie nichts vom Gecken in jhren Wapen / ſind aber offt die groͤſſeſte Narren in der Welt geweſen - Zum Exempel gedencket Cicero eines beruͤhmten Philoſophi Nahmens Phormio, vnd meldet / daß wie Hannibal der Carthaginenſer Feldherꝛ / zum groſſen Antiocho geflohen war vnd Huͤlffe wider die Roͤmer geſu - chet / hat Antiochus jhn herꝛlich gehalten / vnd gedachten Philoſophum Phormionem fordern laſſen / daß Hannibal ſeine Weißheit hoͤren ſolte / da dann Phormio ſeine Kunſt ſehen laſſen / etliche Stunde von Kriegen vnd von Hauptleuthen / wie ſie geſchickt ſeyn ſolten / vnd was einem Krie - ger zuſtuͤnde / ꝛc. peroriret. Als nun die andern alle ſolches mit Verwun - dern angehoͤret / vnd gelobet / vnd Hannibal gefragt ward / wie es jhm ge - fiehle: ſprach er frey herauß: Jch habe mein Tage viel alter Narren ge - ſehen / aber keinen ſo groſſen als dieſen Phormion(5)Nullum magnum ingenium ſine mixtura dementiæ. Senec. Es bleibt doch bey dem alten Reim Bey Weißheit muß ein Thorheit ſeyn. Froſchmaͤußl. alleg. loc. Wie auch das alte teutſche Sprichwort / deſſen D. Luther in ſeiner Haußpoſtill gedencket: Wann die Weiſen narren ſo narren ſie groͤblich. ſolche Antwort lobt Cicero vnd ſpricht / es war warlich recht / Hannibal hatte die Roͤmer / ſo alle Welt gezwungen / ſo lang vnd offt bekrieget vnd geſchlagen vnd Phormio wolt jhn lehren kriegen / der doch ſelbſt ſein Lebtage / nie kein Heer noch Meer geſehen hatte. Refert D. Luther. in explic. Pſalm. 101. fol. 504. fac. 2. Diogenes dauchte ſich damit klug ſeyn daß er im Wein -faß203Von dem weltlichen Stande. faß wohnete / vnd wie Koͤnig Alexander der Groſſe / jhn einsmahls darin beſuchete vnd begehrete er ſolte ſagen was er von jhm haben wolte / ſol - ches ſolte jhm werden / er ſeiner Meynung kluͤglich geantwortet / Alexan - der ſolte / jhme Diogeni, nurent das laſſen / (nemblich deß Tages oder Sonnenſchein / meynent) was er jhme nicht geben koͤnte. Was war aber Diogenes auch anders als ein groſſer Narr / in ſeiner groſſen Kunſt / daß er eben darin Ehrſuchete / daß er im Weinfaß lage vnd ſpintiſirte / da doch Haͤuſer zur Wohnung / die Weinfaͤſſer zu einem andern behuff gemachet vnd gebrauchet werden. Jener Philoſophus warff ſein Reichthumb auß groſſer vorgebildeten Weißheit ins Meer / ſagende / ich wil dich erſaͤuffen /(6) Honor & opes cum à ſan - ctis & bo - nis poſſi - dentur, materia ſunt vir - tutum. æ - ternæ fe - licitatis typi & ſymbola Adam. Contzen de Star. Magnat. & Aulic. cap. 6. damit ich nicht von dir erſaͤufft werde / gleich als waͤre Geld vnd Reich - thumb an ſich boͤſe / da es doch ein Segen Gottes. (6) Abraham / Jſaac / Jacob / David / Salomon vnd andere gottſelige Leuthe / ſind auch reich geweſen / vnd jhr Reichthumb zu Gottes Ehre vnd deß Naͤchſten Nutzen angewendet / aber nichts darvon ins Meer geworffen. Jſt derowegen dieſer Philoſophus auch ein Narr in ſeiner Kunſt geweſen. Es haben auch die alte Philoſophi jhre Secten vnder ſich gehabt / da ſind geweſen Ariſtotelici, Platonici, Stoici, &c. Ein jeder vnder denen hat ſich ge - daucht der kluͤgeſte zu ſeyn / haben gewaltig wider ein ander diſputiret vnd geſchrieben / vnd hat ein jeder gerühmet / daß ſeine Philoſophia vnd opinio die beſte ſeye / wie dann noch heut zu Tage die Peripatetici vnd Ramæi, ſo hart vnd eifferig wider einander pro palma ſtreitten / daß ſich mancher ehe todt ſchlagen ließ / ehe er zugebe / daß Rami Logica vnd Me - thodus ſo gut waͤre als das organon Ariſtotelis, da man doch den Bie - nen gleich auß einem jeden das beſte nehmen / vnd das uͤbrigekoͤnte ſeyn laſſen. Sie ſind aber auch nach deß Propheten Außſpruch Narren in jhrer Kunſt. Von den Scholaſticis vnd jhren vnnuͤtzen Fragen vnd ver - geblichen nichtigen Subtilitaͤten wil ich jetzo ſchweigen.

AXIOMA XC. Nach groſſen Thaten / haben offt groſſe Leuthe auch groſſe Fehler vnd Thorheiten begangen.

DIeſe Regul exemplificirt D. Lutherus in ſeinen notis Biblicis mit dem Exempel Jephta / der nach erhaltener victori wegen ſeines Geluͤbds ſich vmb ſeine Tochter gebracht. Jud. Cap. 11. Ccc ijvnd204Das ander Buch /vnd ſehe man an den Richtern vnd Koͤnigen dergleichen Exempel mehr. Nach erhaltenem groſſen Sieg wider die Midianiter / begieng Gideon der ſtreitbahre Held eine groſſe Thorheit / in Verfertigung eines ſonderbahren newen Leibrocks zu ſelbſt erwoͤhltem Gottesdienſt / daran ſich hernach gantz Jſrael verhuret / vnd Gott an ſeine Nachkommen es hart geſtraffet hat. Jud. Cap. 8. v. 24. & ſeqq.

Nach deme der gottſelige hoch geprieſene Koͤnig Joſias / die herꝛ - liche Reformation im Tempel vnd gantzem Lande angeſtellet / das Ge - ſetzbuch wider hervor gebracht / alle Hayn vnd Abgoͤtterey abgeſtellet / den wahren Gottesdienſt reſtaurirt, dem Herꝛn ein herꝛlich Paſcha celebrirt vnd gehalten / vnd jhme das Zeugnuß in H. Schrifft beygelegt / daß ſei - nes gleichen kein Koͤnig vor jhme geweſen / der ſo von gantzem Hertzen von gantzer Seelen ſich zum Herꝛn bekehret / nach allem Geſetze Moſe / vnd nach jhme keiner ſeines gleichen auffkommen / begieng er dannoch / nach dieſen herꝛlichen Thaten / eine groſſe Thorheit / in deme er ſich in vn - noͤthigen Krieg miſchete / ſich nicht wolte rathen laſſen / auch darin eine toͤdtliche Wunden bekame daran er geſtorben. 2. Reg. 23. & 2. Chron. Cap. 35.

Salomon der Weiſe / hat herꝛliche Thaten mit Erbawung deß Tempels zu Jeruſalem vnd ſonſten gethan / begieng aber hernacher kei - ne geringe Thorheit / wie er ſeinen abgoͤttiſchen Weibern zu Gefallen / Hainen vnd Hoͤhen / vnd alſo da er vorhin Gott den herꝛlichen Tempel / hernacher dem Teuffel auch eine Capelle gebawet. 1. Reg. 11. v. 7. & 2. Reg. 23. v. 13.

Als Amazia nach erhaltener ſtattlicher victori wider kam / von der Edomiter Schlacht / vergaß er deß wahren Gottes der jhme den Sieg verliehen hatte / vnd brachte mit ſich die Goͤtter der Kinder Seyr / vnd bettet an fuͤr jhnen vnd raͤuchert jhnen / da er doch ſelber erfahren / daß die - ſe Goͤtter die Kinder Seyr die Edomiter von ſeiner Hand nicht erretten koͤnnen / worauff die Straffe bald gefolget. 2. Chron. Cap. 25. v. 14. junct. v. 19. & ſeqq. Als Vſia wider die Philiſter geſieget / herꝛliche Thaten ge - than / ſchoͤne Staͤdte vnd Veſtungen gebawet / hat ſich darauff ſein Hertz zu ſeinem Verderben erhoben / daß er eine groſſe Thorheit begangen / in dem er den Prieſtern in jhr Ampt gefallen / Rex & Sacerdos zugleich ſeyn / vnd in dem Tempel deß Herꝛen auff dem Rauchaltar zu raͤuchern ſich vnderſtanden / woruͤber er mit Außſatz geſchlagen / ſein Lebenlang / auch nach ſeinem Abſterben der Koͤnige Graͤber nicht gewuͤrdiget / ſon - dern abſonderlich auff einen Acker begraben worden. 2. Cap. 26. Als Gott der Herꝛ den Hiskiam von der Gewalt deß Koͤnigs Sanherib er -rettete /205Von dem weltlichen Stande. rettete / vnd jhm Frieden verliehe / erhub ſich ſein Hertz / vnd kam deßwe - gen der Zorn uͤber jhn / vnd über Juda vnd Jeruſalem / im 2. Buch der Chronick Cap. 32. v. 24.

Demnach S. Petrus eine ſchoͤne Confeſſion von Chriſto ge - than / daß er waͤre deß lebendigen Gottes Sohn / darauff der Herꝛ Chri - ſtus verhieß / ſeine Kirche vnd Gemeinde zu bawen / begieng er nicht lang hernach einen groſſen Fehler vnd Thorheit / in deme er ſeinen ein - mahl erkandten vnd ſo herꝛlich bekandten Herꝛn vnd Meiſter dreymahl verlaͤugnete / vnd darzu ſchwuhr. Je herꝛlicher nun die Confeſſio, je ſchaͤndlicher die Abnegatio vnd Verlaͤugnunge.

Bey groſſen von Gott verliehenen Gaben vnd Gluͤck / pfleget ſich bald zu finden die ſchaͤdliche Vermeſſenheit / darvon iſt der Fall dann nicht weit / derowegen Gott ſolche Exempla dann vffzeichnen laſſen / da - mit ſich keiner ſeiner hohen Gaben vnd gluͤcklichen tapfferen Thaten er - hebe vnd allezeit gedencke / daß groſſe Leuthe / wie David ſagt / auch fehlen / vnd heiſt es bey vielen / tolluntur in altum ut lapſu graviore ruant,

Je hoͤher Berg je tieffer Thal
Je groͤſſer Mann / je ſchwerer Fall.
(1)Venti agitant celſas poſitas in montibus ornos A quibus in medio tuta eſt arbuſcula valle. Sic & opes agitant maiora pericula ſummos Tutior anguſtos comitatur vita penates. Ideoque Lapſus maiorum ſit tremor minorum.
(1)

AXIOMA XCI. Die wol vnd trewlich dienen / werden zu weilen ſchlecht gelohnet.

ES hat Churfuͤrſt Friederich zu Sachſen der Weiſe genandt zuſa - gen pflegen: Fuͤrſten Gut iſt nicht derer die es verdienen / ſon - dern derer / denen es beſchehret iſt.

Hieruͤber klaget Syrach im 27. Cap. Zwey Stuͤck ſind die mich verdrieſſen / vnd das dritte thut mir zorn / wann man einen ſtreit -(1) Bellar - min. de ſe - ptẽ Chri - ſti verb. in Cruce c. 5. Qui ſerviunt temporalibus Dominis, ſæpè multũ laborant, & modicum eſt. quod lucrantur. Certè non paucos videmus quotidiè, qui in aulis Principum ætatem contrive - runt, & in ſenio poſtea redeunt penè Mendici. bahren Mann zu letzt Armuth leyden laͤſſet / vnd die weiſen Raͤthe zu letzt verachtet. (1) Gute Dienſte hatte Joſeph ſeinem Herꝛn dem PotipharCcc iijgeleiſtet /206Das ander Buch /geleiſtet / ſo gar daß die Schrifft meldet / daß der Herꝛ ſein deß Potiphars Hauß geſegnet vmb Joſephs willen / daß eitel Segen deß Herꝛn war in allem was er hatte zu Hauſe vnd zu Felde / aber er bekam ſchlechten Lohn / ward auff falſche Anklage deß Potiphars Weibes in den Kercker gelegt. (2) Princi - pes ple - rumque nullum amant ex animo, nulli fidem ſe debere putant, niſi ex ſua libidine: Quin & ſæpè a ffligunt bene meritos, illiſque non modo gratiam referre non cogitant, ſed inſuper proſequuntur iniuria, nonunquam pro - ſcribunt & bonis omnibusſpoliant. Cornel. Agripp. lib. 10. epiſt. 62.Geneſ. Cap. 39.

Deß Davids ſtattliche Dienſte vnd Heldenthaten waren vom Koͤnig Saul ſchlecht belohnet / gerieth ſeiner Tugend vnd Tapfferkeit halber in Leibes vnd Lebens-Gefahr vnd muſte fluͤchtig werden. 1. Sa - muel. Cap. 18. 19. & ſeqq. (2)

Samuel hatte ſeinem Volck den Jſraeliten gute Dienſte gethan / ward aber zuletzt ſchlecht gelohnet vnd ſeines Richterampts durch poſtu - lation eines Koͤnigs entſetzet. 1. Samuel. Cap. 12. Daniel hatte an deß ge - waltigen Koͤnigs Darii Hoffe ſtattliche Dienſte gethan / muſte aber doch in die Loͤwengrube darauß jhn Gott wunderlich errettet Daniel. Cap. 6.

Es gehet noch auff den heutigen Tag ſo zu / wie D. Luther in ſeiner Vorrede uͤber den Propheten Daniel / von demſelben als einem tapffe - ren hoch meritirten Hoffman ſchreibet / daß es der Welt Lauff ſeye / daß die ſo zu Hoff am meiſten arbeiten / das wenigſte haben / vnd die nichts thun / faſt das meiſte kriegen / nach dem Spruch / ein ander ſaͤet / ein ander erndet. Johan. 4. v. 37. So giebt es bey vielen die Erfahrung / welche bey Hoff in Herꝛen Dienſten ſich abmatten / alt vnd kalt daran werden / her - nacher wann ſie nicht mehr Dienſte leiſten koͤnnen / muͤſſen ſie in Arm - ſeligkeit abziehen / miſeriam ſchmeltzen / vnd wol gar der Allmoſen leben / wie der treffliche ſtreitbahre Mann Belliſarius, Keyſers Juſtiniani ſieg - haffter Feldhauptman vnd Rath / welcher dero Zeit / vnder allen Fuͤrſten nicht allein im Roͤm. Reich / ſondern in der gantzen Welt der fuͤrtrefflich - ſte Held war / endlich aber nicht allein vmb die Hoff gnade / ſondern auch(3) Belli - ſarius ſub Juſtinia - no, tot vi - ctoriis il - luſtriſſi - mus Dux, tandem non gra - tiam tantum, ſed & oculum utrumque perdidit, ad extremam mendicitatem devolutus Dre - xel. de Rect. Intent. lib. 1. cap. 10. n. 6. add. Philipp. lib. 3. Chronic. in vita Belliſarii. deßwegen vmb beyde Augen kam / vnd zur euſſerſten Duͤrfftigkeit gerie - the. (3) Der beruͤhmte Ritter Philippus Cominæus hatte Koͤnig Ludwi - gen in Franckreich dem XI. deß Nahmens / redliche gute Dienſte etliche Jahr geleiſtet / als aber der Koͤnig alt vnd miß trawig ward / hat er auch ohne Vrſache acht Monatlang in einem ſchlechten Gefangenſtock ſich patientiren vnd gedulden muͤſſen / wie ers ſelber beſchreibet lib. 10. Com - mentar. Miltiades der Griechen Feldhauptman vnd Ammiral / hatteſeinem207Von dem weltlichen Stande. ſeinem Vatterland treffliche Dienſte geleiſtet / vielmahls wider deſſen Feinde geſieget / bekam aber endlich auch der Weltlohn / ward faͤlſchlich angeklaget / ins Gefaͤngnuß geworffen / darin er ſein edles Leben / welches er ſo offt ritterlich wider den Feind gewaget vnd gerettet / elendig enden vnd beſchlieſſen muͤſſen. Cornel. Nepos in vita Miltiad.

AXIOMA XCII. Verſprochene Salaria vnd verdienter Lohn muß den Dienern richtig gezahlet vnd ohne jhren Willen nicht geendert werden.

ES werden ins gemein die Beſoldungen / ſonderlich bey vorneh - men Bedieneten / ex conventione vnd per modum contractus abgeredet / darvon einſeittig vnd ohne newen Vergleich nicht wol kan abgetretten werden. Alſo contrahirte Jacob mit dem La - ban ſeines Lohns vnd Verdienſtes halber / vnd machten dieſen accord, daß alle bunde vnd fleckte Schaffe / die von der Heerde fiehlen / ſein Lohn ſeyn ſolten / aber der geitzige Laban / ob er wol vorhin dem Jacob das Zeug - nuß geben / daß jhn der Herꝛ vmb ſeinetwillen geſegnet / hielt keinen Ab - ſchied / miß goͤnnete dem Jacob ſeinen Segen vnd ſahe jhn ſawer an / de - rowegen dann Jacob geklaget / daß Laban jhn getaͤuſchet vnd zehenmahl(1) Clami - tat in - lum vox ſanguinis & Sodo - morum Vox op - preſſorũ, merces detracta laborum. ſeinen Lohn geendert. Geneſ. Cap. 31. Verdienter vnd vorenthaltener Lohn / iſt eine von den vier Suͤnden die in den Himmel ſchreyen / (1) vnd hat Gott in ſeinem Geſetz gebotten / daß man uͤber verdienten Lohn die Sonne nicht ſoll laſſen vndergehen. Deut. Cap. 24. v. 14. & ſeqq. Wer dir arbeitet dem gieb bald ſeinen Lohn / vnd halte niemand ſeinen ver - dienten Lohn fuͤr. Jm Buch Tobiæ Cap. 4. v. 15. Wer dem Arbeiter ſei - nen Lohn nicht giebet der iſt ein Bluthund / ſpricht Syrach. Cap. 34. v. 27. Jacob. Cap. 5. v. 4. Es ſoll deß Tagloͤhners Lohn nicht bey dir bleiben biß an den Morgen im 3. Buch Moſ. Cap. 19. v. 13. Mit denen die im Wein - berge gearbeitet / hat der Hauß vatter nach vollendter Arbeit gleich abgerechnet / einem jeden ſeinen Groſchen ge - reichet / vnd niemand ledig nach Hauß ge - hen laſſen. Matth. Cap. 20.

AXIO -208Das ander Buch /

AXIOMA XCIII. Getrewer wolverdienter Leuthe ſoll man auch nach jhrem Abſterben in Ehr vnd in allem guten eingedenck verbleiben.

DEr weiſe Mann Syrach ermahnet ins gemein / daß man auch an den Todten ſeine Wolthat beweiſen ſoll. Cap. 7. v. 37. Wel - ches dann durch nichts anders / als ehrliche Beſtattung zur Erden / ſonderlich denen ſo ſich vmb das gemeine Weſen wol verdient gemacht geſchehen kan.

Als der beruͤhmte Feldhauptman Abner von dem Feldhauptman Joab gar tuͤckiſcher vnd buͤbiſcher Weiſe / vnder angenommenen præ - text heimblichen Geſpraͤchs / erſtochen worden / hat der Koͤnig ſambt dem gantzen Volck dieſen thewren Held ſehr betawret / beklaget / daß er gefal - len / wie man fuͤr boͤſen Buben faͤllet / daneben in Koͤniglicher ſelbſteyge - ner Perſon / der Leiche die letzte Ehre erwieſen / vnd dem Sarck zum Gra - be gefolget / auch bey der Volckreichen Begraͤbnuß / ſein deß Abners Lob geſprochen / ſagend / daß an dem Tag ein Fuͤrſt vnd Groſſer in Jſrael ge - fallen. 2. Samuel. Cap. 3. Der Koͤnig David hat auch ſeinen wolverdie - neten vor ſeinem Abſterben ein eygen Helden-Regiſter auffgeſetzet / vnd pro monumento jhnen zu Ehren hinderlaſſen. 2. Samuel. Cap. 23. Der Prieſter Joiada hatte dem Hauſe Juda vnd Koͤnig Joas groſſe Trewe erwieſen / in deme er denſelben von der Tyranney der moͤrderiſchen Koͤ - nigin Athalia errettet / ſein Leben ſalviret, zu Scepter vnd Cron verholf - fen vnd die tyranniſche Koͤnigin Athaliam auß dem Wege geraumet / welches jhme der Koͤnig nicht allein bey wehrendem Leben Koͤniglich vergolten / vnd jhn hoch reſpectiret, ſondern auch nach ſeinem Todt ſei - nen hinderlaſſenen Leichnamb honoriret, vnd denſelben in der Stadt David / vnder die Koͤnige / darumb daß er hatte wolgethan an Jſrael / an Gott vnd ſeinem Hauſe / beyſetzen laſſen. 2. Chron. Cap. 24.

(1) Verba eius ita habent: Romani ubi eum caſum (videlicet mortẽ Marii) cognoverunt, accipientes pro ſuo magno infortunio privatim ac publicè luxerunt hominem: & eorum matronæ, ſicur in domeſtico luctu, poſito auro & purpura ornatuq; cætero, atro amictu uſæ ſunt per integrum annum. d. lib. 8.
12

Halicarnaſſ. ſchreibet / daß die Roͤmer deß edlen Marii vnd gewalti - gen Krigs Helden Todt offentlich ein gantz Jahr betrawret. lib. 8. Anti - quit. Rom. (1)

Jn209Von dem weltlichen Stande.

Jn dem Kloſter Dobberan in Mecklenburg / darin viel herꝛliche Epitaphia vnd Monumenta zuſehen / findet ſich vnder andern auch nach - folgendes / welches Weyland Hertzog Heinrich zu Mecklenburg / ſeinem wolverdienetem Cantzler Nicolao Marſchallen der auch auß verſchie - denen in Truck gegebenen feinen Büchern beruͤhmt worden / nach ſei - nem Todt zu Ehren vnd Lob ſetzen laſſen.

Nicolao Marſchalco Thurio, & literarum & linguarum omnium viro doctiſſimo, juriſque prudentiâ in - ſigniter claro, tanquam benèmerito, Henricus Megapolen - ſium Dux, gratiſſimus Princeps monumenta poſuit.
HOc Nicolai habitant, Marſchalci funera ſaxo,
Henricus Princeps, hæc monumenta dedit.
Henricus Princeps quo non modo ſanctior alter
Et Megalopyrgos, Vandalicosque regit.
Omnia conſiliis cum multa pace gubernans
Doctorum ut ſemper, ſic Nicolae tuis.
Et meritò funus, tacito ſepelivit honoro
Virtuti gratus inclytæ & officiis.

Es geſchiehet auch noch bey vnſern Zeiten / daß Koͤnige / Potenta - ten / Chur - vnd Fürſten jhrer wolmeritirten Diener Leichen die letzte Ehre erweiſen / Perſoͤnlich mit zu Grabe folgen vnd jh - nen zu weilen Monumenta vnd Ehrengedaͤchtnuſſen ſetzen laſſen.

DddVom210Das ander Buch /

Vom Hoffweſen.

AXIOMA XCIV. Hoff - vnd Herꝛen Gnade iſt ſehr mißlich / vnd ein Verſtaͤndiger verlaͤſt ſich darauff nicht.

VErlaſſet euch nicht auff Fůrſten / ſpricht David / dann ſie ſind Menſchen / vnd koͤnnen ja nicht helffen Pſalm. 146. v. 3. Dieſes hat der gute David wol ſagen vnd klagen koͤnnen / weil ers an ſeiner eygenen Perſon erfahren / dann wie er erſt an deß Koͤnigs Sauls Hoff kame / meldet die Hiſtoria daß jhn der Koͤnig Saul ſehr lieb gewunnen / vnd zu ſeinen Waffentraͤ - ger gemachet / ließ auch ſeinem Vatter Jſai ſagen / er ſolte ſeinen Sohn fuͤr jhm bleiben laſſen / dann er haͤtte Gnade gefunden fuͤr ſeinen Augen. 1. Samuel. Cap. 16. v. 21. & ſeq. Aber dieſe Koͤnigliche Hoffgnade wehrete nicht lang / dann wie er auß deß Philiſters Schlacht als ein ſie gender tapfferer Held / wider zuruͤck kame / vnd die Weiber auß allen Staͤdten Jſrael / dem Koͤnig Saul vnd David mit Geſang vnd Reygen entgegen giengen / vnd ſich mit dieſem Triumph Liedlein hoͤren lieſſen / Saul hat tauſend geſchlagen / aber David zehen tauſend / ergrimmet Saul uͤber David vnd ſahe jhn ſawer an von dem Tage vnd fortan. 1. Samuel. Cap. 18. v. 7. & 8. hieß jhn nur den Sohn Jſai vnd rebelliſchen auffge - ſtandenen Knecht. 1. Samuel. Cap. 22. Ja er trachtet jhm auff viel vnd mancherley Weiſe nach Leib vnd Leben / daß er wol der verfolgte David heiſſen moͤchte / wie in gemeldtem 18. vnd etlichen nachfolgenden Capi - tuln deß erſten Buchs Samuelis zu leſen. Vnd wiewol Jonathan ſei - nes Vattern deß erbitterten Koͤnig Sauls Hertz mit beſtaͤndiger excul - pation deß vnſchuldigen Davids beſaͤnfftigte vnd denſelben wider vonnewen211Von dem weltlichen Stande. newen in Gnaden brachte / wehrete doch dieſelbe nicht lang / ſondern ſo bald David ein Heldenthat wider die Philiſter begienge / hatte ſolche er - newerte Hoff-Gnade ein Ende vnd ward die letzte Vngnade groͤſſer als die erſte 1. Samuel. Cap. 19. v. 4. & ſeqq.

Moſes war Anfangs an deß Koͤnigs Pharaonis Hoff auch in ziemblichen Gnaden / ſo gar daß die Tochter Pharao jhn zu einem Sohn adoptirte vnd annahm / aber als ſich Moſes ſeiner betrangten Bruͤder eines annahm / vnd darüber den Egypter der jhn vergewaltigen wollen / erſchlug vnd es fuͤr Pharao kam / hatte die Hoffgnade ein Ende / vnd wañ Moſes nicht das Haſenpanier auff geworffen vnd außgeriſſen waͤre / haͤt - te jhn Pharao erwuͤrget / Exod. Cap. 2. v. 10. & ſeqq.

Der Prophet Daniel war bey dem Koͤnig Darius auch Anfangs in ger groſſen Gnaden der jhn zum oberſten Fuͤrſten oder Vice Re im Perſiſchen Reich machete. Aber dieſe Hoffgnade war auch nicht beſtaͤn - dig / dann Daniel von den andern Fuͤrſten ſehr geneidet / vnd durch deren liſtige Rencke endlich in die Loͤwengrube den grimmigen Loͤwen vorge - worffen worden / wie wol jhn Gott darauß errettet / vnd ſeine Verleumb - der ſelber den Loͤwen zu Theil werden laſſen / Daniel. Cap. 6. Es ſind groſ - ſe Herren / wie obengemeldet / Menſchen / koͤnnen getrewer Diener gelei - ſtete redliche Dienſte bald vergeſſen. Der Koͤnig Ahaſverus haͤtte gantz bald vergeſſen die groſſe Trewe deß Mardachai / die er in Entdeckung der vorgeweſenen Verraͤtherey / vnd zu Rettung ſeines / deß Koͤnigs Lebens / erwieſen / muſte es hernach auff Gottes Eingebung / auß denen in ſeinem Koͤnigl. Archivo befindlichen Annalibus erſt wider lernẽ / im Buch Eſther Cap. 6. So koͤnnen ſie ſich auch ſonſten nach Regierung jhrer zu wei - len herꝛſchenden Affecten leichtlich endern / vnd die groͤſſeſte Gnade in die groͤſſeſte Vngnade verwandeln. Der hat es ſehr wol gegeben / der einen(1) Sicuti Argus fin - gitur mil - leoculis, ita gratia Principũ mille ha - bet alas, quibus avolare poteſt. Drexel. in Tractat. de Recta Intent. lib. 1. c. 10. Hoffman vergleichet einem Rechenpfennige / welcher nach dem man jhn leget / bald viel / bald wenig / bald nichtes gilt.

Der gelehrte Jeſuit Drexelius brauchet auch ein fein Gleichnuß vnd ſaget / wie die Poeten von dem Argo gedichtet / daß er tauſend Au - gen gehabt / alſo ſey die Hoff - vnd Herꝛn-Gnade gleich einem Vogel der tauſend Fluͤgel habe / damit er koͤnne darvon fliehen (1) vnd iſt wol gewiß / wann einer einen Vogel der nurent zwey Fluͤgel hat / in der Hand haͤlt / hat er gnug zuthun daß er jhn behalte vnd erhalte. Dann trucket er die Hand zu hart zu / iſt Gefahr darbey daß er jhm Schaden thue / haͤlt er zu leiſe / iſt Gefahr daß er darvon fliehe / was wil man dann von dem Hoff - Vogelder Herꝛn. Gnade / der tauſend Fluͤgel hat / halten / dahero auch recht geſagt wird;

Ddd ijHerꝛn § 6.212Das ander Buch /
(2) Luther. ad c. 17. Geneſ fol. mihi 200. In Pro - verbio Germani - co. Princi - pum gra - ria com - paratur tempeſtati Aptilis, quæ & non ex - purgatur & incon - ſtantiſſi ma eſt. Et multorum Exempla adomnem poſterita - tem me - morabilia ſunt, qui à Regibus & Princi - pibus uni - adama - ti in crucẽ tandem a - cti ſunt, aut aliis ſuppliciis affecti.
12
Herꝛn Gnade vnd Aprill Wetter (2)
Frawen Liebe vnd Roſen Blaͤtter
Wůrffel / Karten vnd Seitenſpiel
Verendern ſich offt wers glauben wil.

Es ſind viel Leuthe die ſich gar zu ſehr auff Herꝛn Gnade verlaſſen / dar - uͤber vermeſſen vnd ſtoltz werden aber endlich jaͤmmerlich geſtürtzet vnd wol gar eines ſchmaͤhlichen Todts hingerichtet / wie der ſtoltze Haman / der ſich auff ſeines Koͤnigs Gnade verließ / vnd dem frommen Marda - chai einen hohen Baum zurichtete / daran er ſolte gehaͤngt werden / aber als ſeine Gnade in Vngnade ſich verwandelte / ſelber ſambt ſeinen zehen Soͤhnen den Galgen zieren vnnd bekleyden muſte / im Buch Eſther Cap. 9. Ein frommer vnd verſtaͤndiger Hoffman / hat Vrſache Gott zu bitten / daß er jhn fuͤr gar groſſe Herꝛn Gnade vnd groſſe Vngnade be - wahre / dann die groͤſſeſte Gnade wann ſie ſich endert / in die groͤſſeſte Vn - gnade ſich zu verwandeln pfleget / nicht weniger als die extrema dulcia, in die extrema amara ſich verkehren. Der weiſe Mann Syrach giebet diß - falls allen Hoffdienern eine guldene Lehr wann er ſpricht: Verlaß dich nicht darauff daß ein Gewaltiger dir ſehr gemein iſt. Dann er verſucht dich damit / vnd mit ſeinen freundlichen Geberden hohlet er dich auß. Wann er vngnaͤdig wird / ſo bleibets nicht bey ſolchen freundlichen Wor - ten / vnd ſchertzet nicht mit Straffen vnd Gefaͤngnuß. Darumb huͤte dich vnd ſiehe dich wol fuͤr / dann du lebeſt in groſſer Fahr. Cap. 13. v. 14. & ſeqq. Man muß der Herꝛn Gnade ſich bedienen wie deß Fewrs / daß man ſich darbey waͤrme vnd nicht verbrenne.

2. Hat man ſich auch darumb auff Herꝛn Gnade nicht zu verlaſ - ſen / weil ſie ſterblich ſeyn / vnd mit der Perſon der Herꝛn / der gantze Hoff vnd die Hoffgnade ſich zu endern pfleget Mit dem Wirth verendert ſich das Hauß. Novus Rex, nova Lex, ander Mann / ander Sinn vnd ander Gluͤck.

Joſeph vnd ſeines Vattern gantzes Hauß / war bey dem Koͤnig Pharao in groſſen Gnaden / als aber derſelbe guͤtige fromme Koͤnig die - ſe Welt geſegnet / meldet die Schrifft daß ein newer Koͤnig auffkom - men / der von Joſeph vnd ſeiner dem gantzen Koͤnigreich Egypten ge - leiſteten hocher ſprießlichen trewen Dienſten nichts gewuſt / Exod. Cap. 1. v. 8. Der Prophet Daniel hatte durch Gottes Gnade vnd von deſſen Guͤtigkeit jhme verliehenen trefflichen Verſtande dem Koͤnig Nebucadnezar ſtattliche / tapffere Dienſte geleiſtet / als aber nach deſſen Todt ſein uͤppiger deboſchirter Sohn Belſazer zur Koͤniglichen Regie - ningkam / muß man ſeiner wenig geachtet oder bey Hoff ſich bedienethaben /213Von dem weltlichen Stande. haben / dann als Gott bey dieſes Koͤnigs Cyclopiſchem Panquet / durch eine Wunderhand / das Mene / Teckel / Phar ſim / an die Wand / in ſei - nem Angeſicht ſchreiben lieſſe / vnd ſeine Chaldeer vnd Wahrſager die Deutung nicht geben koͤnten / die Koͤnigin (welches D. Luther in gloſſa marginali vermeynet / daß es die alte Koͤnigin deß Beltſazers Mutter geweſen / weil die Koͤnigin wie im 5. Cap. Daniel. gedacht mit bey der Taffel geweſen) hineinzum Koͤnig gangen vnd was Daniel bey ſeines Vatters Zeiten fuͤr Dienſte vnd Deutung gethan angezeiget / darauff man denſelben als einen obſcurum hominem der nicht viel bey dieſes Koͤnigs Hoff geſehen / gleichſamb bey der Leuchte muͤſſen ſuchen laſſen / vnd wie er endlich auffgefunden vnd fuͤr den Koͤnig gebracht / hat derſel - be jhn nicht gekandt / ſondern erſt gefraget: Biſtu der Daniel / der Gefan - genen einer auß Juda / die der Koͤnig mein Vatter auß Jnda herbracht hat? worbey D. Luther an dem Rand notiret: Daniels iſt bey dieſem Koͤnig ſo vergeſſen / daß man jhn ſuchen vnd tuffen muß. Alſo gehet es noch offt / wann ein trewer Diener durch ſeine redliche nuͤtzliche Dienſte eines Herꝛn Hulde vnd Gnade erwerbet / vnd darvor haͤlt / er habe ſich wol verdienet gemachet / es werde jhme vnd den Seinigen nicht wol feh - len / da ſchickt es Gott daß derſelbe Herꝛ ohnverſehens mit Todt abgehet / damit iſt dann auch ſolche Gnade dahin vnd die geſchoͤpffte Hoffnung in Brunnen gefallen / vnd weiß der Succeſſor nichts oder wenig von Jo - ſephs oder Daniels Dienſten / muß ſich noch wol von den newen Gran - den vnd Fac toten tretten vnd trucken laſſen.

2. Jſt die Herꝛn Gnade auch darumb ſehr mißlich vnd ſich darauff nicht zu verlaſſen / weil die Herꝛn / auch die fromme vnd gottſelige / durch Verleumbder / Ohrenblaͤſer vnd falſche Leuthe leichtlich hindergangen / vnd offters zu einer ohnverdienten Vngnad koͤnnen bewogen werden. Alſo gienge es dem frommen Mephiboſeth / der war bey dem gottſeligen Koͤnig David / wegen ſeines redlichen Vatters Jonathan in groſſen Gnaden / bekam nicht allein widergeſchencket allen Acker ſeines Groß. vatters Sauls / ſondern muſte taͤglich bey der Koͤniglichen Taffel eſſen. 2. Samuel. Cap. 9. moͤchte aber darin auch nicht beharꝛlich verbleiben / dann ſein eygener Schaffener vnd Pachtman / deme er die geſchenckte Guͤter zur Haur eingethan / belog vnd verleumbdet jhn bey dem Koͤnig David / gleichſamb haͤtte er David nicht folgen wollen / woruͤber der gute einfaͤltige Mephiboſeth durch falſche Aufflage ſeines vntrewen Dieners / in vnverſchuldete Vngnade bey dem Koͤnig geriethe / vnd ſehen muſte / daß dem falſchen Anbringer die Helffte ſeiner Guͤter / eingewandter rechtmaͤſſiger exculpation ohngeachtet geſchencket ward. 2. Samuel. Ddd iijCap. 19.214Das ander Buch /Cap. 19. Hie hat David als ein wandelbahrer Menſch ſo gar vergeſſen / was Mephiboſeths Vatter Jonathan jhme vor groſſe Trewe erwieſen / in ſeiner Gefahr / wie auch deß Bunds den er mit Jonathan auffgerich - tet. 1. Samuel. Cap. 18. Cap. 19. & ſeqq. Auch ſeines eygenen herꝛlichen Regentenſpruchs im 101. Pſalm. da er ſpricht: Der ſeinen Naͤchſten heimblich verleumbdet den vertilge ich: Falſche Leuthe halt ich nicht in meinem Hauſe / die Lügener gedeyen nicht bey mir. Aber hie ſiehet man daß alle Menſchen Luͤgner / wandelbahr / vnd die groſſe hocherleuchtete Menſchen auch fehlen. So gehet es noch auff den heutigen Tag bey Herꝛn-Hoͤffen zu / da ein redlicher Diener durch einen argliſtigen Ziba vnd Verleumbder bey einem Herꝛn ſeiner ohnwiſſend vnd vngehoͤret / leichtlich in Vngnade vnd Gefahr ſeines Standes vnd Guͤter gerathen thut / weil je einerley Comœdi in der Welt geſpielet wird. Adamus Con - tzen ſchreibet in ſeinem Daniele, ſive de Statu Aulicorum, daß er nurent den einigen Joſeph in der Bibliſchen Hiſtoria finde / welcher Gottes / deß Koͤnigs / ſeiner Fůrſten / vnd deß Volcks Gnade / Hulde vnd Liebe biß in ſeinen Todt beſtaͤndig erhalten vnd behalten / ſo jhme Gott wegen auß - geſtandener Bruͤderlicher vnd anderer Verfolgung zur Ergetzligkeit ge - deyen laſſen / Cap. 10. §. 5. Wann man Exempla auß den weltlichen Ge - ſchichten vnd taͤglicher Erfahrung vnbeſtaͤndiger Hoffgnade hinzu thun wolte / wuͤrde es zu viel werden. Jch bleibe bey meinem propos Bibli - ſcher Policey / vnd beſchlieſſe dieſe Schlußrede / auß dem Propheten Mi - cha Cap. 7. v. 5. Niemand verlaſſe ſich auff Fuͤrſten.

AXIOMA XCV. Angebottene Hoff - vnd Herren Gnade wird offt(1) Ueplus ſplendoris, ita minus ſecuritatis aulis, quã tuguriis ineſt. weißlicher abgeſchlagen / als ange - nommen. (1)

DEr redliche Barſillai erwiß an ſeinen Exulirenden vertriebe - nen Koͤnige David ſehr groſſe Trewe / verſorgte ſeine Koͤnigliche Taffel / vnd Hoffgeſinde / weiler zu Manahim war / mit aller - hand nottuͤrfftigen victualien vnd Proviand / vnd that ſehr wol an ſeinen Herꝛn 2. Samuel. Cap. 17. v. 27. & ſeq. gab jhme auch wie er nach erhaltenem Sieg wider ſeinen vngehorſamen Sohn Abſalon nach Jeruſalem zohe / das Geleid vnd fuͤhret den Koͤnig uͤber den Jordan /welche215Von dem weltlichen Stande. welche Trewe der Koͤnig ſo hoch æſtimirte, daß er jhme hinwider alle Koͤ - nigliche Gnade dargegen offerirte, vnd begehrte daß er mit nach Jeru - ſalem zu Hoff ziehen / vnd ſeiner Koͤnigl. Taffel genieſſen ſolte / aber Bar - ſillai ein betagter alter vnd weiſer Mann / entſchuldigte ſich vffs beſte / bey dem Koͤnige / bedanckte ſich der groſſen Hoffgnade / wolte lieber in ſeinem Hauſe mit einem geringen verlieb nehmen / als mit ſeinen Vnſtatten vnd der Hoffgefahr bey der Koͤniglichen Taffel eſſen vnd der Hoff-Mu - ſic genieſſen. 2. Samuel. Cap. 19. v. 32. Dieſer Barſillai hat ohne Zweif - fel vorhin wol erfahren / daß es bey Hoff wunderlich daher gehe / vnd die Hoffgnade gleich dem Aprillenwetter ſehr mißlich vnd wanckelbahr / vnd dahero nicht ohne Gefahr vnd Beſchwerung taͤglich mit bey der Herꝛn Taffel zu eſſen / geſtalt Salomon darvon ſchreibet vnd warnet: Wann du ſitzeſt vnd iſſeſt mit einem groſſem Herꝛn / ſo merck darauff wen du fuͤr dir haſt / vnd ſetze ein Meſſer an deine Kehle / wiltu das Leben behalten. Proverb Cap. 23. v. 1. Dieſe iſt wol eine nachdenckliche ernſte Warnung die einem billig den appetit bey groſſer Herren Taffel zu eſſen benehmen ſolte. Dann es iſt bey Hoff falſch Brod / in den Sprichw. Salomon. Cap. 23. v. 3. da einer den andern nachſtellet vnd herunder zu bringen ſuchet. Redet man zu viel ſo verdirbet mans leichtlich vnd kan man ſich bald mit einem Wort verlauffen / vnd wer iſt / ſpricht Moſes vnd David / deme nicht zu weilen ein Wort ſolte entfahren. Pſalm. 106. v. 33. ſaget man aber wenig oder nichts / ſo iſt auch nicht allzeit wol gethan. Es heiſt offt bey Hoff / Falſa referre pudet, vera referre nocet. Groſſe Herꝛn haben nicht alle einerley humor vnd Sinne. Etliche habens gern daß man etwz freyer mit jhnen redet vnd vmbgehet / wie Suetonius von Keyſer Auguſto ſchreibet / daß er zu weilen die Freyheit zu ſchertzen erfordert vnd befoh - len. Andere aber wollen darfuͤr halten / es gehe etwas an jhren Reſpect vnd Hoheit ab daß die Diener ſich frey bezeigen wie Ageſilaus gethan / vnd Plutarchus in deſſen Leben ſchreibet. Ja es erzeigen ſich offters auch bey einem Herꝛn verſchiedene affectus, daß er zu weilen loquendi & jo - candi libertatem wol leyden kan / zu weilen gar nicht / derowegen ein Hoff - man allezeit auff deß Herꝛn humor vnd wie er jedesmahls im Cerevell ſtehet oder conſtituiret iſt / genawe acht zugeben hat / danners ſonſt leicht verderden kan / vnd ins gemein den Mittelweg / daß er nicht zu frey / auch nicht zu furchtſamb / ſonderlich in ernſthafften / ſein Ampt betreffenden Sachen / ſeye. Confer Adam. Contzen de Stat. Magnat. ſive aulic. cap. 10. §. 2.

Obgemeldter guter alter Barſillai / hat auch gedacht daß die Koͤni - gliche Reſidentz vnd Burg Zion etwas hoch vnd uͤber das die hoheSchnecken216Das ander Buch /Schnecken vnd Treppen zu ſteigen / vnd wann ſolches geſchehen / noch lange zuſtehen vnd etliche Stunde bey kuͤhlem vnd fluͤſſigem Wetter mit gebloͤſſetem Haupte vffzuwarten waͤre / welches ſeinen alten Schenckeln vnd Fuͤſſen / auch zu den Fluͤſſen geneigtem Haupte ſehr ſchwer vnd vn - bequem fallen wuͤrde. Er hat auch wol erfahren / daß wann man ſich bey Hoff muͤde geſligen vnd geſtanden / vnd endlich mit gewoͤhnlichen Cere - monien zur Taffel geſetzet / die Speiſſen kalt vnd vngeſchmack worden / vnd ſelten eine warme Suppe / die einem alten kalten Magen vortraͤg - lich / jemand zu theil würde. Er hat auch ohne Zweiffel advertiret vnd wargenommen / daß es jemahlen auch bey Hoff gar parteyiſche vnd paſſi - onirte Vorſchneider gebe / die einem redlichen Alten zuweilen nicht gern einen guten nuͤtlichen vnd gahren Biſſen goͤnnen / die Braten vnd ande - re Speiſſe alſo zu theilen vnd vorzulegen wiſſen / daß deme / welchem ſie nicht wol woͤllen / ein rohes oder verbrandes Stuck / vnd das noch wol zu weilen mit Vnwillen zukehren oder das beſte gar von der Taffel weg par - thiren. Jmgleichen hat er wol geſehen / daß die Mund - vnd Weinſchen - cken auch parteyiſche Außtheilung macheten / verſchiedene Flaͤſchen haͤt - ten / vnd nach dem ſie einem oder dem anderm favoriſirten einen guten Trunck wenig oder viel einſchenckten. Jhme iſt auch auß der Erfah - rung vnverborgen geweſen / daß man ſeiner guten Gelegenheit vnd ap - petit nach bey der Herꝛen Taffel nicht eſſen vnd trincken / ſondern der Hoͤffligkeit ſich befleiſſen / auch zu weilen vnangenehme Geſundheits - Becher |vnd ſtarcke Truͤncke mit groſſen Vnſtatten vnd Abbruch der Geſundheit außheben / vnd wann ſolches geſchehen / nach auffgehobener Taffel wider von newem Stand halten / ein oder mehr Stunde den Fuͤſ - ſen zuſprechen / vnd ſolchem nach die Stiege wider herab / vnd die engen Klappen zu weilen mit einem guten auffgenoͤhtigten Rauſch nicht ohne Gefahr wandern muſte. Marggraff Albrecht zu Brandenburg Ertzbiſchoff zu Meyntz hat pflegen zuſagen / wann er einen ſeiner Diener lange ſtehen ſehen: Setzet euch nie - der / dann man giebt die Bein nicht von Hoff / wie Futter vnd Mahl.

AXIO -217Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA XCVI.(1) Aula eſt olla ſcatens variis fer - ventibus eſcis Sæpius in - cautis quæ no - cuere la - bris. Der Hoff iſt ein Topff voll heiſſer Eſſen Dran viel guter Leuth den Todt ge - freſſen oder zum wenigſten das Maul verbrand. Oder Der Hoff iſt ein Topff voll allerhand Speiſſen / daran ſich theils ge - ſund / nem - lich denen es gluͤck - lich gehet / theils kranck / theils gar zu todte gefreſſen. Die Hoffgaͤnge bekommen manchem ſehr uͤbel. (1)

DEr Koͤnig David / wie er vernahm / daß der Brey bey der Bath - ſaba verſaltzen / vnd ſie von jhme ſchwanger war / ließ er jhren Ehewirth den frommen trewhertzigen Vriam auß dem Feld - laͤger nach Jeruſalem zu Hoff fordern / vnd wiewol derſelbe in die Hoff - Ceremonien ſich nicht ſchicken / noch auff deß Koͤnigs Erlaubnuß nach Hauß zu ſeiner Liebſten zu Beth begeben wolte / ward er doch den dritten Tag hernach zur Koͤniglichen Taffel erfordert / wol tractiret vnd mit ei - nem Hoffrauſch abgefertiget / darvon die Schrifft alſo redet: Vnd Da - vid lud jhn / nemblich Vriam / daß er fuͤr jhn vnd tranck / vnd macht jhn truncken. 2. Samuel. Cap. 11. v. 13. David hatte wargenommen / daß der Vrias anfangs etwan matt vnd muͤde von der Reyſe war / ſchlechte Luſt vnd Begierde gehabt mit ſeinem Weibe zu courteſiren, auch im Feldlaͤger der weichen Betthe entwohnet / gedachte den guten Vriam durch einen Hoffrauſch dahin zu diſponiren vnd zubringen / daß er ſein Schanddeckel vnd gedultiger Cornuto werden / die Hoͤrner tragen / vnd weſſen er ſich nuͤchtern Muthes verweigert / wolberaͤuſcht vnd vom Wein erhitzet von ſich ſelbſten mit Begierde thun ſolte. (2) Der edle Rebenſafft gedachte David der Goͤtter vnd Menſchen froͤlich machet / im Buch der Richter Cap. 9. v. 13. Deß Menſchen Hertz erfrewet. Pſalm. 104. v. 15. Ja der Leib vnd Seelerquicket. Syrach. Cap. 32. v. 35. Er machet lieb - reich / bringet Begierde vnd Anmuth zum Frawenzimmer / gewiſſer Getroͤſtung / dieſer modus gerathen vnd nicht fehl ſchlagen wuͤrde / wie aber dieſer Hoffſtreich auch nicht angehen wolte / kam dem guten Vria die Hoffſuppe vnd Koͤnigliche Taffelgar zu thewr zu ſtehen / bekame deß andern Morgens ein verraͤtheriſchen Vrias Brieff an Joab mit / jhn an die Spitze wider die Feinde zuſtellen vnd mit einem hoͤfflichen prætext, daß das Schwerdt bald dieſen bald jenen freſſe / zu maſſacriren vnd auff die Fleiſchbancke opffern zu laſſen. 2. Samuel. Cap. 11. das war ein thew - rer Hoffgang vnd Hoffmahlzeit. David ſelber waͤre gar nahe an deß Koͤnigs Sauls Hoffe mit dem Spieß an die Wand geſpieſſet / auch end - lich erwuͤrget / wann er nicht durch ein Fenſter gelaſſen vnd entrunnen. (2) Doli in aula aſtu tractantur, artiſicio cælantur, laborioſè vitantur, unoſolo præſidio ſapientiæ quæ monet ti - mere & cavere fraudes, non facilè fidere. Adam. Contz. de Stat. Magnat. & aulic. ca. 29. §. 1.Eee1. Samuel.218Das ander Buch /1. Samuel. Cap. 19. v. 10. 12. Als der Prophet Micha zu dem Koͤnig Achab nach Hoff eingeladen / bekam er darumb / daß er die Warheit ſag - te vnd den Koͤnig fuͤr Schaden trewlich warnete / einen Backen ſtreich zum Willkomm / ward hernacher in den Kercker geleget vnd mit Brod vnd Waſſer deß Truͤbſals geſpeiſſet. 1. Reg. Cap. 22. v. 24. & ſeq.

Alldieweil Petrus bey ſeinem Herꝛn vnd Meiſter im Garten ſich befand / war er hertzhafftig / beſtaͤndig vnd faſt gar zu reſolut, daß er auch mit dem Schwerdt darein ſchlug / ſeinen Meiſter wider den aſſult der Hohenprieſter Knechte zu defendiren, ſo bald er aber in deß Hohenprie - ſters Pallaſt vnd dem Kohlfewer bey Hoffe zu nahe kam / ließ er ſich durch eine deß Hohenprieſters Magd ſchrecken / ſo gar daß er ſeinen Herren vnd Meiſter dreymahl verlaͤugnete / einen ſchweren Hoffſprung thate / vnd bald ſein ſummum bonum nemblich das ewige Gut bey dem(3) Petrus dum in a - rrio Pon - tificis - ſit, pecca - rum auxit, ubi ab im - piis receſ - ſit, mox flere ce - pit. Quæ in aula de - liquit, ex - tra aulam deplora - vit. Dre - xeli. de Chriſt. moriente part. 2. c. 3. §. 2. Ergo, exe - at aula Qui vult eſſe pius. Hofffewer verwaͤrmet / wann jhn der Herꝛ Chriſtus nicht mit ſeinen Gnaden-Augen ſo bald angeſchawet / ſeines Falls erinnert vnd zur - nitentz gebracht haͤtte. Matth. Cap. 26. v. 69. Marc. Cap. 14. v. 66. Luc. 22. v. 55. Johan. Cap. 18. v. 25. (3) Waͤre derohalben beſſer vor dem Vria vnd Petro geweſen / daß ſie nie nach Hoff kommen / als daß jener mit ſo groſſer Gefahr / der Hoffſuppen / vnd dieſer deß Hofffewers ein wenig genoſſen.

Johannes der Teuffer muſte bey Hoff den Kopff im Stich laſſen.

Jener alte Hoffman ward befraget / wie es doch zugangen daß er bey Hoff ſo alt worden / antwortete er: injurias accipiendo, & gratias a - gendo, das iſt / daß er alles Vnrecht erdulten vnd noch darzu Danck ſa - gen koͤnnen / Senec. lib. 2. de ira cap. 33. Drexeli. de Rect. Intent. lib. 2. cap. 11. Rubr. ad Aulicos. ſchreibet / quod Potentiorum iniuriæ, non tantum patienter ſed hilari vultu ferendæ ſint, & ſæpe adeo iniuriam vindicare non expediat, ut ne fateri quidem proſit. Et in ſimili Joh. Barclai. in Ar - genid. lib. 1. Peſſimo inquit, loco ſumus, niſi pati iniurias ita poſſumus, ut videamut non ſenſiſſe.

Jn dem Kloſter zu vnſer lieben Frawen in Stade / auff dem Ober - ſaal ſtehen nachfolgende teutſche Reime an der Wand geſchrieben:

Selig iſt der Mann den ich thue melden /
Der nicht ſchuldig iſt vnd fuͤr niemand darff gelten
(a) Vivit ſecurè cui non eſt Curia Curæ
12 Der mit der Herꝛen Rath (a)
Wenig oder nicht zu ſchaffen hat /
Der ſich nicht viel bekuͤmmert vmbs Recht
Darff nicht halten viel Pferde vnd Knecht
Vnd219Von dem weltlichen Stande.
Vnd auch nicht viel gen Hoff darff reiten
O wie wol geſchiehet den Mann bey ſeinen Zeiten. (3)
(3) Viveti - bi quan - tumque potes præluſtria vita,
Sævum præluſtri, fulmen ab arce venit.
Crede mihi benè qui latuit, bene vixit, & intra
Fortunam debet, quiſque manere ſuam.
12

Der Hertzog von Alba Ferdinand geweſener Gouverneur in den Niederlanden / war nicht allein ein alter / erfahrner Soldat / der in den Niederlanden vnd andern Orthen viel Siege vor ſeinen Koͤnig erſtrit - ten / ſondern war daneben ein geuͤbter vnd kluger Hoffman / der viel Jahr am Koͤnigl. Hiſpaniſchen Hoffe das Ruder mitgefuͤhret vnd in groſſem Reſpect vnd Gnaden geweſen / vnd ſich wol nicht eingebildet daß es ſich mit jhme bey Hoff endern koͤnte / er muſte aber auch in ſeinem Alter die Vnbeſtaͤndigkeit der Hoffgnade erleben / in deme er von Hoff abgeſchaf - fet / nach Uzeda ins Elend relegirt vnd verwieſen / vnd zwar auß der Vr - ſache / daß er ſeinen Sohn / der ſich mit einer Dame im Koͤniglichen Fra - wenzimmer eingelaſſen / hernacher an eine andere vermaͤhlet / wie ſolches Famian. Strada in ſeiner Beſchreibung der Niederlaͤndiſchen Kriege / lib. 7. p. 429. gedencket / vnd darbey ſetzet: Quo infortunio, quid accidere homini grayius, ſummum aulæ faſtigium obtinenti potuit. Wie wol ge - meldter Hertzog von Alba hernacher wider zu Gnaden kommenn / zu den Portugalliſchem Krieg erfordert vnd gluͤcklich gebrauchet worden.

Es wird eine Fabel referiret, von einem Stadthunde / welcher auch Luſt bekommen nach Hoff zu wandern vnd die Hoffſuppen zu verſuchen / gehet jhme auch etlichemahl gluͤcklich vnd wol ab / weil er aber kein Hoff - man war / noch das Tempo recht in acht zunehmen gewuſt / kompt er an den vnrechten Orth uͤber ſehr nietliche Speiſſe / tractiret ſich uͤber auß wol von oben biß vnden auß / als aber der Schaffener oder Haußvogt jhn daruͤber ertappet / laͤſſet er die Thuͤren verſperren / ſtellet etliche mit guten Peitſchen vnd Bruͤgeln an / die muͤſſen jhm ſolche Mahlzeit ge - ſegnen / die jagen / vnd aͤngſten jhn jaͤmmerlich / daß er ſich ſeines Lebens getroͤſtet / biß er endlich ſeinen Vortheil erſiehet vnd durch ein Fenſter eine groſſe Hoͤhe herunder ſpringet vnd mit genawer Noth ſein Leben ſalviret. Wie er nun wider curiret, zu ſeiner alten Stadthunde compa - gnie kommen vnd befraget worden / wie es jhme zu Hoff gangen / vnd ob er jhnen nicht auch gute addreſſe daſelbſten machen koͤnte / hat er gar be - daͤchtig vnd nachdencklich geantwortet vnd geſaget: Bey Hoff giebt es zwar feiſte Suppen / aber uͤberauß hohe Spruͤnge.

Man findet gleichwol in der Schrifft Exempel / daß gottſelige vor -Eee ijtreffliche220Das ander Buch /treffliche Hoffleuthe / lang vffgewartet vnd alt worden. Joſeph deß Pha - raonis Vice-Re oder Stadthalter hat achtzig Jahr ſein Ampt mit hohen Reſpect am Egyptiſchen Hoff: Der Prophet Daniel an den Babylo - niſchen vnd Perſiſchen Hoͤffen bey verſchiedenen Koͤnigen an die ein vnd neuntzig Jahren / gefuͤhret / wie wol dieſer auch vnverſchuldeter Weiſe / ei - nen hohen Hoffſprung in die Loͤwengrube thun / auch wegen ſeiner ge - trewen compatrioten vnverdienter / Verfolg vnd Verdammung zum Fewer / auch anderer Gottloſen an ſolchen Aſſyriſch en vnd Perſiſchen(4) Joſe - phos 30. e - rat anno - rum quan - do ſtetit in conſpectu Pharaonis Gen. 42. v. 46. Moritur in Ægypto Anno ætatis 110. Geneſ. cap. 5 v. 22. Daniel vitam egit in aula omni tempore captivitatis, h. e. totos LXX. annos ſi ini - tium ſumatur à captivitate Regis Joiakim. Si à capta & deleta civitate, plures. Deinde in aula Perſica vid. particularem computationem annorum apud Contzen d. cap. 4. De Cardinale Granvellano ſcribit Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 4. p. 160. quod quadraginta annos circi - rer, incorrupta fide arcem obtinuerit Principalis aulæ Hiſpanicæ: ex eaque ſemel eiectus, ab eo caſu, ranquam à quieto, repetito ad fortunam curſu, lougius quam ante pro ceſſerit; quip - pe nactus Principem, apud quem libertatem & gratiam, rarâ felicitate ad extremum uſque tenere licuerit. Hoͤffen vorgangener Haͤndel halber / viel Widerwertiges vnd Boͤſes ſe - hen vnd erfahren muͤſſen / dannoch durch Gottes Gnade bey Hoff mit ei - nem guten Final beſchloſſen: wie dieſe Jahr von Adamo Contzen in ſei - nem Daniele cap. 4. computiret vnd außgerechnet werden. (4)

AXIOMA XCVII. Bey Hoff giebt es zu weilen ſtarcke Geſundheits - vnd andere gefaͤhrliche Truͤncke.

ALs die Soͤhne Jacobs das zweyte mahl in Egypten zu Joſeph an den Koͤniglichen Hoff Pharaonis kamen / wurden ſie auch von Jo - ſeph zum Trunck genoͤthiget / alſo daß ſie mit jhme truncken wur - den / vnd nicht acht hatten / wie jhre Saͤcke gefuͤllet vnd uͤber das Getreide nicht allein das Geld / ſo dafuͤr außgezehlet / ſondern auch deß Joſephs Tiſchbecher / darauß er geweiſſaget / jhrer ohnwiſſend / mit ein - gepacket / daruͤber ſie hart zur Rede geſetzet / gleichſamb Diebſtahls be - ſchuldiget / vnd in keiner geringen Gefahr vnd Sorgnuß wie wol es ſo boͤſe nicht gemeynet / ſich befunden / vnd jhren juͤngſten Bruder Benia - min zum Geiſſel Anfangs mit beſtuͤrtztem Gemuͤth herauß geben mu - ſten / wie zu leſen im 1. Buch Moſ. Cap. 43. Cap. 45.

Es221Von dem weltlichen Stande.

Es ſind etliche Gelehrte der Meynung / daß angeregter deß Jo - ſephs Tiſchbecher / damit er geweiſſaget / von jhme alſo gebrauchet / daß wann er getruncken / darauß dem Pharaoni geſegnet / oder wie man jtzo redet / ſeine Geſundheit darauß zutrincken pflegen / vnd dahero abzuneh - men / daß die Geſundheits Truͤncke bey den Herꝛnhoͤffen vnd ſonſten / kei - ne newe / ſondern eine alte invention vnd Gewonheit ſeye / wiewol ſolches auß angeregtem Text / ſchwerlich zu erheben / dieſes aber gewiß / daß Jo - ſephs Bruͤder durch den Hofftrunck in ziembliche perplexitaͤt vnnd Schwuͤrigkeit gerathen. Jn dem Kriege / daß Benhadad wider Achab fuͤhrete / gieng an ſeinem Hoffe oder Hauptquartier auch ein ſtarcker Trunck / mit den Koͤnigen / die jhme zu Huͤlff kommen waren / fuͤr / aber ſolche Hofftruͤncke bekamen jhnen nicht zum beſten / dann ſie daruͤber in die Flucht geſchlagen vnd das Feld zu quitiren getrungen worden / im 1. Buch der Koͤnige Cap. 20. Ella der Koͤnig in Jſrael iſt bey einem ſtar - cken Hoffrauſch erwürget im 1. Buch der Koͤnige Cap. 16. Welcher ge - ſtalt der fromme Vrias an deß Koͤnig Davids Hoff zum Trunck gera - then / vnd wohin es damit angeſehen geweſen / iſt in dem vorhergehendem Axiomate gedacht; Ein ſtarcker Trunck iſt an deß Koͤnigs Belſazers Hoff / bey ſeinem angeſtellten groſſen Cyclopiſchen Pan quet vorgangen / da ſich alle ſeine Gewaltige vnd Hauptleuthe toll / voll vnd gantz von Sinnen geſoffenhaben / darauff ein ſchlechter Tragiſcher Außgang er - folget / wie zuleſen bey dem Propheten Daniel. Cap. 5. Viel ruͤhmlicher aber vnd beſſer / hat es der Koͤnig Ahaſverus / bey dem groſſen Koͤnigli - chem Mahl / welches er ſeinen Fuͤrſten / Hoff-vnd Land-Raͤthen Pfle - gern vnd Hoffdienern gehalten angeordnet / daß man niemand ſolte zum Trunck noͤthigen noch ſetzen was er trincken ſolte / ſondern den Hoffmar - ſchallen oder Vorſtehern in ſeinem Hauſe befohlen / daß ein jeglicher ſol - te thun wie es jhm wolgefiehl / im Buch Eſther Cap. 1. v. 8. Hoch waͤre es zu wuͤnſchen daß mans noch alſo bey allen Hoͤffen hielte vnd nicht man - chen / ſonderlich Frembde uͤber vnd wider jhr Vermoͤgen zu ſtarcken Geſundheits-Truͤncken noͤhtigte woruͤber viel kranck ja gar zu todt geſoffen werden.

Eee 3AXIO -222Das ander Buch /

AXIOMA XCVIII.(1) Wein vnd Wei - ber bethoͤ - ren die Weiſen. Syrach: Cap. 19. v. 2. Viel Wunders / Gutes vnd Boͤſes im Wein - faß. (1)

DEr Wein vnd edler Rebenſafft / iſt eine herꝛliche vortreffliche Gabe deß Allerhoͤchſten / wann er recht vnd maͤſſig gebrauchet(2) Goͤt - ter /) dieſes Prædicat wird in der ſchrifft beygeleget 1. Regen - ten / Koͤni - gen vnd Obrig - keitẽ / nach dem 82. Pſalm. ich habe wol geſaget jhr ſeyd Goͤtter / ꝛc. aber jhr werdet ſterbẽ wie Men ſchen vnd wie Tyrannen zu Grun - de gehen, 2. Den Richtern im 2. B. Moſ. Cap. 22. v. 8. Da die Richter Goͤtter genennt werden / darumb daß ſie an Gottes ſtatt ſitzen / vnd das Gericht nicht Menſchen ſondern Gott / (der aller Welt Richter iſt / im 1. Buch Moſ. Cap. 18. v. 25.) halten / wie der gottſelige Koͤnig Joſaphat bezeuget im 2. Buch der Chron. Cap. 29. v. 6. 7. 3. Daß ſie nach Gottes Geſetz vnd Wort / vnd nicht nacht eygenen Dunckel rich - ten vnd regieren muͤſſen / wie es D. Luther. außleget / nach dem 10. Cap. Johan. v. 35. wird. Er erfrewet die Trawrigen vnd machet froͤlich der Men - ſchen Hertz. Pſalm. 104. v. 15. vnd der Betruͤbten Seelen / daß ſie jhres Elendes vergeſſen / Sprichw. Salomon. Cap. 31. v. 7. Er ma - chet froͤlich Goͤtter (2) vnd Menſchen / im Buch der Richter Cap. 9. v. 13. Er ſtaͤrcket den ſchwachen Magen vnd præſerviret die Geſundheit nach der Lehr S. Pauli in der 1. Epiſtel an Timotheum Cap. 5. v. 23. Er machet aber auch loſe / wilde vnd vnweiſe Leuthe / in den Sprichw. Salom. Cap. 20. v. 1. Ja er machet toll / Hoſea Cap. 4. v. 11. Daß ſie deß Herꝛn vnd jh - res Beruffs vergeſſen. Eſai. Cap. 5. v. 11. 12. Er bethoͤret die Weiſen / Sy - rach. Cap. 19. v. 2. vnd machet einen tollen Narren noch toller / Syrach. Cap. 31. v. 37. Hoſe. Cap. 7. v. 5. Er machet ruchloß vnd vermeſſen Dani - el. 5. v. 1. & ſeqq. Er machet rothe Augen / vnd Wunden ohne Vrſache / ſticht wie ein Otter / vnd machet daß man nach andern Weibern gaffe / in den Sprichw. Salom. Cap. 23. v. 29. & ſeqq. verurſachet ein vnordent - liches Weſen an die Epheſ. Cap. 5. v. 18. Der fromme Noah kam dieſem Wunderfaß auch zu nahe / ward durch den Wein uͤbereilet / beraͤuſchet vnd begieng eine Thorheit / daß er entbloͤſſet lage vnd ſeine Scham nicht bedecket hatte. im 1. Buch Moſ. Cap. 11. v. 21. & ſeq. Gar zu tieff hatte Loth ins Weinfaß gegucket / daß er ſeiner Sinnen vnd aller Empfindligkeit dardurch beraubet vnd mit ſeinen beyden Toͤchtern Blutſchande began - gen / ſie ohnwiſſend geſchwaͤngert vnd deſſen nicht gewahr worden in ſel - bigem Buch Cap. 19. v. 31. & ſeqq. (3)Ebrietas decepit quem Sodoma non decepit, dixit quidam ex Patribus. Viel Wunders cauſirte vnd ver - vrſachte das Weinfaß bey den Philiſtern vnd jhrem Fuͤrſten / wie ſie ſich darin erhitzet / jhr Geſpoͤtt vnd Kurtzweil mit dem gefangenen vnd ge -blendeten223Von dem weltlichen Stande. blendeten Simſon trieben / vnd jhn fuͤr einen Spielman oder Sackpfeif - fer gebraucheten / der jhnen aber beym Wein alſo auffſpiehlete / die Saͤu - len verruckte daß jhrer etliche tauſend durch Einfall deß Hauſes jhren Geiſt auffgaben / ad plures migrirten oder die breite Straſſe wanderten / im Buch der Richt. Cap. 16. v. 25. & ſeqq. viel Wunders brachte das Weinfaß zuwege / in deß gewaltigen Holofernis Lager / riß jhme ſelber den Halß ab / zerſtrewete ſein Kriegsheer vnd hube die ſcharpffe Belaͤge - rung fuͤr Bethulia auff / im Buch Judith. Cap. 13. Ohne Noth iſt es / mehr vnd auß weltlichen Geſchichten Exempel einzuführen / man ſiehet es taͤglich fuͤr Augen / bey groſſer Herꝛn-Hoͤffen / bey Jahrmaͤrckten / of - fentlichen Zuſammenkuͤnfften / Gaſtereyen vnd Gelagen / wie viel Wun - ders / loſes vnd narriſchen Handels im Weinfaſſe ſtecket / wann man ſich deſſen mißbrauchet. Die Theologi vnd Ethici pflegen zuſagen / daß drey - erley Art Trauben auß der Erden wachſe / die erſte nennen ſie uvam ſani - tatis, die Geſundheits-Traube / nicht in dem Verſtande wie man bey Hoff die groſſe Geſundheits-Becher vnd Glaͤſer laͤſſet vmbgehen / ſon - dern wie es S. Paulus an ſeinen Timotheum außleget / daß er den ſchwachen Magen ſtaͤrcke vnd die Geſundheit befoͤrdere: Die andere Traube nennen ſie uvam hilaritatis, die Traube der Froͤligkeit / die deß Menſchen Hertz erfrewet vnd eine betruͤbte Seele ſtaͤrcket / darvon oban - gezogene Spruͤchereden. Die dritte Traube iſt uva ebrietatis, die Traube der Trunckenheit / wann ſich einer voll vnd von Sinnen trincket / darvon reden die kurtz vorher angezogene Exempla: wann aber noch die vierdte Traube darzu kompt nemblich ebrieoſitatis, taͤglicher Vollerley / Schwelgerey vnd viehiſchen Sauffens / daß man gar ein Handwerck darauß machet / dann iſt es am aͤrgſten / vnd entſtehet darauß ein gottloß vnordentlich vnd ſaͤwiſch Leben. Dieſe letzte beyde Trauben ſind nicht ohne Suͤnde vnd groſſer Gefahr Leibes vnd Lebens auch ewiger Ver - dambnuß / darfuͤr einen jeden trewlich warnet der weiſe Koͤnig Salo - mon / wann er ſpricht: Siehe den Wein nicht an / daß er ſo roth iſt / vnd im Glaſe ſo ſchoͤn ſtehet / er gehet glatt ein / aber darnach beiſſet er wie ein Schlange / ꝛc. vnd wirſt ſeyn wie einer der mitten im Meer ſchlaͤfft / vnd wie einer ſchlaͤfft oben auff dem Maſtbaumt / in den Sprichw. Cap. 23. v. 31. & ſeqq.

AXIO -224Das ander Buch /

AXIOMA XCIX.(1) Auli - cus pru - dens ubi animum Principis erga ſe mutatum & creſcere invidos agnoſcit, diſceden - di ex aula, quæ non eſt Fran - ciſci & Alphonſi, occaſionẽ quærere, honeſtam dimiſſio - nem pete - re potcſt, cum præ - ſtet hono - ribus ce - dere, quã expectare donec eii - ciatur, quia Turpiùs eiicitur quam non admitti - tur ho - ſpes. Eberhard. Weihe in Aulic. Po - litic Axiom. 442. Groſſer Herꝛn Erzuͤrnen iſt gefaͤhrlich. Wann ein Hoffdiener mercket / daß ſein Stern bey Hoff nicht mehr ſcheinen wil / thut er am beſten / daß er denſelben quitiret vnd ſich bey Zei - ten retiriret. (1)

ALs Moſes erfuhr / daß ſeine Gnade am Koͤniglichen Hoffe Phara - onis auß war / vnnd Pharao jhme nach dem Leben trachtete / machte ers nicht lang mehr bey Hoff / ſuchete das Raumeſte / hielte ſich im Lande Midian vnd wohnete bey einem Brunnen / biß jhn Gott zu einer andern charge vnd herꝛlichen Bedienung berieff / im andern Buch Moſ. Cap. 2. & Cap. 3.

Wie David ſahe daß ſeine vorige ſo hohe Hoffgnade ohn Ver - ſchulden wider ſeine viel beſſere Verdienſte bey dem Koͤnig Saul nicht allein in lauter Vngnade verwandelt / ſondern der Koͤnig jhn auch - ckiſcher Weiſe vmb das Leben zubringen Gelegenheit ſuchete(2)Proprium eſt humani ingenii odiſſe, quem læſeris. Tacit. vnd jh - me ſein vertrawter Freund vnd geſchworner Bruder Jonathan weiter darvon part gabe vnd verwarnete / befahl er ſeine Sache Gott / machte ſich weg von Hoff / retirirte ſich Anfangs nach Kegila / vnd wie er da auch nit mehr ſicher war / begabe er ſich in die Wuͤſte. 1. Sam. Cap. 19. 20. 21. 22.

Wie der Jſboſeth Sauls Sohn ſeinen Feldhauptman den Abner gar ruͤde tractirre, ohne Vrſach diſguſtirte, vnd fuͤr den Kopff ſtoſſete / quitirte er ſeinen Hoff vnd nahm bey David Dienſt an. 2. Samuel. Cap. 3. v. 7. & ſeqq.

Jerobeam war bey Salomon in groſſen Gnaden / weil er von gu - ter expedition vnd außrichtig war / deßwegen jhn der Koͤnig zu einem Oberamptman uͤber alle Laſt deß Hauſes Joſeph geſetzet / wie er aber verſpuͤhrte daß Salomon ein Vngnade auff jhn warff vnd jhme den Halß brechen wolte / bliebe er nicht lang bey Hoff / nahm ſein refugium zu dem Koͤnig Siſat in Egypten / hielt ſich daſelbſten auff biß Salomon ſtarb. 1. Reg. Cap. 11. v. 28. & ſeqq. (3)Inviſo ſemel Principe, ſeu benè, ſeu malè facta premunt, prudenter monuit Tacit. lib. 17. annal. Itam Principum tardiſſimè ſeneſcere ex Sophocl. notat Taubman. in lib. 1. Æneid. v. 8. addens Poetas credere: Deos, Heroes, Regeſqueſeriùs iram concoquere, Vid. Annibal. Scot. in Comment. ad Tacit. lib. 1. fol. 29.

Als225Von dem weltlichen Stande.

Als Hoſpinianus Koͤnig Carln deß IX. in Franckreich Cantzler vermercket / daß der Koͤnig ſeiner auffrechten actionen vnd Rathſchlaͤge halber jhme ein vngnaͤdig Geſicht gegeben / vnd damit ſeine Vngnade blicken laſſen / hat er ſeine condition reſigniret vnd den Hoff bey Zeiten verlaſſen. Eberhard. Weihe de Aulic. Politic. Axiom. 343. Wie der Cardinal Granvellanus merckte daß ſeine groſſe Hoffgnade / bey der Gu - bernantin in Niederland / Hertzogin von Parma durch der Staͤnde viel - faͤltige Beſchuldigung vnd Anklage / ſich jhrer Gewonheit nach enderte / war er bereit den Hoff zeitlich zu quitiren, vnd ließ ſich daneben verneh - men: Aulæ potentiam plus habere in fronte, quam in receſſu. Et huma - na omnia reperiri plerumque minora dum poſſidentur, quam dum opta - ta finguntur: das iſt / es waͤre mit der Hoff-vnd Herꝛngnade bewandt wie mit andern Sachen dieſer eiteln Welt / ſo lange man darnach ſtrebet vnd trachtet / kommen ſie einem viel groͤſſer vnd herꝛlicher in der Einbil - dung vor / als mans hernach wann man darzu gelanget / im Werck be -(4) In au - la, bello & amore ra - capitur quod quæritur. finde. (4) Famian. Strad. de Bell. Belgic. lib. 4. p. 153. Ja ſie kan auch wol einem ſchoͤnen Apffel der außwendig roth vnd fein / inwendig gar wurm - ſtichicht verglichen werdē. Gewiß iſt es wañ ein Herꝛ einmahl auff einen Hoffdiener eine Vngnade geworffen / iſt gleicher Danck / vnd eben eins / er mache es gut oder boͤſe. Ja es iſt alsdann wie man im Sprichwort ſa - get. Gleiche viel / ob einer in die Stube hofiehret oder ſie wider rein ma - chet. Andere ſagen / der Hoff ſey wie ein Huhre / wird eines bald ſatt / vnd giebet einen vmb den andern. Aula velut meretrix, hunc nunc, nunc ſuſci - pit illum. Et quem ſuſcepit, deiicit & reiicit. Johan. Leibi. in ſuis ſtuden - tic. Apophtegmat.

AXIOMA C. Beſtaͤndige vnd ſichere Herꝛngnade kompt von Gott vnd wehret ſo lange als Gott wil.

ALs der Prophet Daniel neben andern ſeinen Geſellen in die Ba - byloniſche Gefaͤngnuß geriethe / vnd jhrer vor andern hervor leuchtender trefflichen qualitaͤten vnd Geſtalt halber an den Koͤni - glichen Hoff Nebucadnezars zu mehrerer information vnd Auff - wartung gebracht wahren / meldet die Schrifft / daß GOtt DanielFffGnade226Das ander Buch /Gnade gegeben habe / daß jhme deß Koͤnigs obriſter Caͤmmerer guͤnſtig vnd gnaͤdig worden. Daniel. Cap. 1. wiewol ſie deßwegen von andern ge - neydet / angetragen vnd ſtarck verfolget worden. Daniel. Cap. 3. & Cap. 6.

Zu den Zeiten wie der Koͤnig Salmanaſſer den Koͤnig in Jſrael uͤberzogen vnd die Jſraeliten gefaͤnglich in Aſſyrien gefuͤhret / hat der fromme Tobias mit wandern muͤſſen. 1. Reg. Cap. 17. vnd wird im Buch Tobiæ Cap. 1. gedacht / weil Tobias den Herren gefuͤrchtet / habe jhm Gott Gnade gegeben fuͤr Salmanaſſer den Koͤnig in Aſſyrien. d. Cap. 1. v. 13. wiewol ſolche Gnade nach Salmanaſſers Abſterben bey ſeinem ty - ranniſchen Sohn Sanherib nicht continuiret. ibid. v. 18.

Es preyſet vnd lobet gar hoch den Herꝛen ſeiner Vaͤtter Gott / der trefflich geſchickter Prieſter Eſra / daß er deß groſſen Koͤnigs Arthaſaſta vnd ſeiner Raͤthe vnd Gewaltigen Hertz geneiget daß er jhme Gnad vnd Barmhertzigkeit erwieſen / vnd den Tempelbaw nicht allein vergoͤnnet / ſondern durch Koͤnigliche milte Verordnung maͤchtig befoͤrdert im Buch Eſra Cap. 7. v. 27. welches er widerholet Cap. 9. v. 9. Dann Gott der Herꝛ iſt Sonn vnd Schild / er iſt es der da giebet Gnade vnd Ehre vnd der dem Frommen kein Gutes mangeln laͤſſet ſpricht David / Pſal. 84. v. 12. Der Koͤnig / Potentaten vnd Fuͤrſten Hertzen ſind in Gottes Hand / der leitet ſie wie die Waſſerbaͤche / maſſen die Schrifft ſolches be - zeuget. Wie der fromme Joſeph als einer in frembde Lande verkauff - ter armer Juͤngling vnd Sclave / deß Koͤnigs in Egypten ober Cam - merherꝛn / dem Potiphar dienen / endlich aber zum recompens ſeiner ge - trewen Dienſte ins Gefaͤngnuß gehen muſte / bezeuget die Hiſtoria / daß der HErꝛ vor wie nach mit Joſeph geweſen / ſeine Hulde zu jhm genei - get vnd jhn Gnade finden laſſen für dem Amptman uͤber das Gefaͤng - nuß. im 1. Buch Moſ. Cap. 39. v. 20.

(x) Adeo res lubri - ca aulæ eſt, ut hoc ipſum Re - gi placere, Amicis Regis red - dat invi - ſum. Adã. Contz. in ſuo Daniel. de Stat. Aulic. cap. 10. §. 3. Hinc recte Ov ven lib. 2. Epigram. n. 7. Quis quis in ambigua ſe non accommodat aulaOmnibusingeniis, non habet in genium.
15

AXIOMA CI. Ein gnaͤdiger Herꝛein vngnaͤdiger Hoff. (1)

BEy dem Koͤnig Achis war David ſeiner Tapfferkeit / heroiſchen Gemüths vnd Thaten halber / in groſſen Gnaden vnd Anſehen / vnd trawete jhm der Koͤnig alles Gutes zu / aber ſolches verdroßdeß227Von dem weltlichen Stande. deß Koͤnigs / Fuͤrſten vnd Granden bey Hoffe die ſtunden darnach / wie ſie David moͤchten in diſcredit vnd Vngnade bey dem Koͤnige bringen / vnd wie derſelbe zu Felde ziehen wolte / ließ er David zu ſich fordern vnd ſprach: So wahr der Herꝛ lebet / ich halte dich fuͤr redlich / vnd dein Auß - gang vnd Eingang mit mir im Heer gefaͤllet mir wol / vnd habe nichts Arges an dir geſpuͤhret / ſint der Zeit du zu mir kommen biſt / aber du ge - faͤll eſt den Fuͤrſten nicht. 1. Samuel. Cap. 29. v. 6. 7. Hie war ein gnaͤdt - ger Herꝛ / aber ein vngnaͤdiger Hoff. Hingegen hatte David an dem Koͤ - niglichen Hoff Sauls / einengnaͤdigen Hoff / ſo gar daß deß Koͤnigs ey - gener Sohn / die Fuͤrſten vnd das Volck jhme mit Gunſt vnd affection wol beygethan vnd gewogen waren / aber einen ſehr vngnaͤdigen Herꝛen vnd Koͤnig / der jhme nach Leib vnd Leben trachtete / wie die Bibliſche Hi - ſtoria von dem verfolgten David im 1. Buch Samuel. Cap. 18. 19. vnd nachfolgenden Capp. meldet.

Jn ſehr groſſen Gnaden war der Prophet Daniel bey dem Koͤnig Dario auß Meden / der jhn gleich bey angetrettener Regierung zum obri - ſten Fuͤrſten im Koͤnigreich Perſien ſetzete / daß jhme die Landvoͤgte mu - ſten Rechnung thun / vnd weil ein hoher Eſprit oder Geiſt in jhm war uͤbertraff er alle andere Fuͤrſten / dahero bekam er einen vngnaͤdigen Hoff / ſo gar daß die andere Fuͤrſten auß Neyd vnd Mißgunſt wider Daniel conſpirirten ſich verbunden vnd berathen hatten / wie ſie eine Sach wider jhn finden vnd bey dem Koͤnig durch falſche Vfflagen anſetzen moͤchten / haben aber auſſer ſeinem Gottesdienſt nicht gewuſt / vnd ein abgoͤttiſch vnd gottloß Religions Edict, vnd ſcharpffen Befehl / daß man in 30. Ta - gen von Gott nichts / ſondern bloß allein von dem Koͤnig bitten ſolte / er - practiſirt vnd zu wege gebracht / als aber Daniel ſeinen Gott mehr ge - fuͤrchtet vnd geliebet als ſeinen Koͤnig / iſt er / als ein Vbertretter deß Koͤ - niglichen Gebotts in die Loͤwengrube geworffen / von Gott aber darauß wunderbarlich errettet. Daniel. Cap. 6.

Jmgleichen hatte Gedalia ein gnaͤdigen Herꝛn an dem Koͤnig Nebucadnezar / der jhn zu einem Vice Re oder Koͤniglichen Stadthalter uͤber das zu rückgebliebene Juͤdiſche Volck ſetzete / er bekam aber dardurch einen vngnaͤdigen Hoff / viel Neyder vnd Verfolger / die jhme ſolche Gnade mißgoͤnneten vnd nach dem Leben ſtunden / vnder welchen war Jſmael der Sohn Nethania von Koͤniglichem Geſchlechte / der mit Huͤlf - fe ſeiner Adhærenten, jhme gar das Leben genommen im 2. Buch der Koͤnige Cap. 25. v. 25.

Jn weltlichen Geſchichten / haben wir viel dergleichen alte vnd friſche Exempel / deren ich zwey newe dieſen Bibliſchen zuſetzen wil. DerF f f ijCardi -228Das ander Buch /Cardinal Granvellanus ſonſten Anthonius Perenottus genandt / deſſen auch im 99. Axiomate gedacht / war ein alter kluger Hoffman / welchen Anfangs Keyſer Carl der V. in ſeinen wichtigſten vnd vornembſten Re - gimentsgeſchaͤfften gebrauchet / hernacher ſeinem Sohn Koͤnig Philip - po Anno 1556. wie erjh me die Hiſpaniſche Koͤnigreiche ſambt den Nie - derlaͤndiſchen Provincien vnd Regierung abgetretten / als einen ſonders klugen Weltmann recommendirt, vnd wie dieſer die Hertzogin zu Par - ma Margariten / Keyſer Carls natuͤrliche Tochter zur Gubernantin der Niederlanden verordnete / hat er jhr dieſen Granvellanum zu einem Di - rectorn der Niederlaͤndiſchen Regierung zugegeben / da er dann An - fangs eine ſehr gnaͤdige Herꝛſchafft / ſo wol an der Gubernantin als dem Koͤnig ſelber gehabt / vnd faſt in allen Rathſchlaͤgen vnd hohen Verrich - tungen den Schluß gemacht / daß wo er bey Hoff die Pferde geſtellet / da - ſelbſten ſie ſtehen muͤſſen; hingegen hat er einen ſehr vngnaͤdigen Hoff vnd Landſchafft bekommen / in deme die Niederlaͤndiſche Herꝛn vnd Staͤnde / beneben den andern Hoffleuthen ſich jhme hefftig widerſetzet vnd nicht mehr zu Rath kommen wollen / ſo lange jener bey dem groſſen Anſehen verbliebe / vnd deßwegen der Gubernantin taͤglich in den Oh -(3) Diffi - cile eſt in lubrico diu ſtare, quem plu - res impel - lunt, præ - ſertim in - iecta Prin - cipi ſu - ſpicione quaſi ipſe regendo impar, ex miniſtri potentia ac Socie - tate ar - guatur, nec alio telo ſæpi ab aulæ veteranis Magiſtris, æmulorum jugulata eſt gratia, apud eos præſertim Principes qui famam ingenii aucupantur Strad. lib. 3. p. 144. ren geltgen / daß ſie ſich faſt eines Auffſtandes beſorget / doch mit dieſer klugen Finde vnd Geſchwindigkeit am meiſten erhalten / daß Granvella - nus vnderm Schein eines getrewen Dieners / das Regiment / fie aber / als koͤnte vnd verſtuͤnde ohn ſein Zuthun darvon nichtes / nurent den bloſſen Nahmen fuͤhrete (3) vnd daß er gleich ſamb zu einem Hoffmeiſter vnd Auffſeher an die Seite geſetzet / vnd in der That ſelbſten der rechte Regent vnd Gouverneur der Niederlaͤndiſchen Provincien waͤre(4)Principes ægrè ferunt cenſores & moderatores, voluntque ſuos, Conſiliorum miniſtros non auctores eſſe Famian. Strad de Bell, Belgic. lib. 3. p. 144. & 159. Sie die Gubernantin waͤre von den Herren Staͤnden vnd Vndertha - nen jhres hohen Verſtandes vnd Sanfftmuth halber / hoch geliebet vnd geprieſen / aber in deme ſie den Granvellan ſo groß machete vnd jhme den Ziegel der Regierung in die Haͤnde gabe vnd jhme darzu den Ruͤcken hielte / wurde ſie ſeiner verhaßten Haͤndel halber mit verhaſſet vnd vn - werth / wormit der Hoff vnd die Staͤnde es ſo weit gebracht / daß die Gu - bernantin einen eygenen Geſandten in Hiſpanien an den Koͤnig ge - ſchicket / vnd jhn Granvellan auß Niederland vnd von jhrem Hoff abzu - fordern begehret / vnd wie wol er an beyden Orthen bey der Gubernantin vnd ſonderlich bey dem Koͤnige / ziemblich feſt im Sattel geſeſſen / hat dannoch der vngnaͤdige Hoff / ſo viel zu wege gebracht / daß dero die Her -rengna -229Von dem weltlichen Stande. rengnade weichen / vnd er auff Abforderung deß Koͤnigs den Niederlaͤn - diſchen Hoff quitiren muͤſſen / wie dieſes von Famian. Strad. in Beſchrei - bung deß Niederlaͤndiſchen Kriegs lib. 4. p. 160. mit mehrerm erzehlet wird. Ein noch friſchers vnd ſehr denckwuͤrdiges Exempel oder Bey - ſpiehl / hat der Ertzbiſchoff zu Cantelberg / der jtzigen Weit repræſentirt vnd vor Augen geſtellt / welcher zwar von geringer Ankunfft / aber vor - trefflicher Geſchickligkeit vnd ein hoch begabter Mann geweſen / vnd da - hero an dem Koͤnig in Engelland einen gnaͤdigſten Koͤnig vnd Herꝛn gehabt / Primas in gantz Engelland / Groß Metropolitan, Koͤniglicher Rath / Præſident der hohen Commiſſionen, vnd beneben andern auch Petter deß Princen von Wallis geweſen / aber er hatt einen gar vngnaͤ - digen Hoff vnd Landſchafft gehabt / dahero von dem Parlament in En - gelland bey vorgangenem Auff ſtande / wider den Koͤnig / in gefaͤngliche Haffte gezogen faſt drey Jahr darin enthalten / vnd nach formirtem Pro - ceß endlich den 10. Januarij Anno 1645. zu Londen zum Todt vervr - theilet / vnd jhme der Kopff mit dem Beihel abgeſchlagen worden / wor - bey zu mercken / daß die jenige welche die Fortuna zur hoͤchſten vnd groͤſſe - ſten Gluͤckſeligkeit dieſer Welt / ſonderlich bey Koͤnig - vnd Herꝛn-Hoͤf -(2) Quos diu proſe - cuta eſt Fortuna, repentè ſicut fati. gata deſti - tuit. Ex Vellei. not. Lipſi. 4. polit. c. 9. ſoletq; quos plu - rimis be - neficiis ornavit ad duriorem caſum re - ſervare. Cæſar lib. 3. Civil. bell. & - dit quibus cum luſit. Lipſ. al - leg. loe. fen bringet / zu weilen dem groͤſſeſten Vnfall vnd Vngluͤck am naͤchſten ſeyn. (2) Daß alſo deß Weiſen Griechiſchen Solonis Außſpruch / nemi - nem ante obitum beatum dici poſſe, daß niemand fuͤr ſeinem Ende ſe - lig zu preyſen / ſo lang dieſe Welt ſtehet / wol wahr bleiben wird. Ein glei - ches haben wir an dem Koͤnigl. Engellaͤndiſchen Vice Re oder Stadt - halter in Jrꝛland Graffen von Staffort erlebet / deme etwan vier Jahr vorhero das Hoffgluͤck vnd groſſe Herꝛn Gnade / ein gleiches Bad zuge - richtet. Ob aber dieſen vortrefflichen Leuthen recht oder vnrecht geſche - hen / darvon kan niemand der die Acten nicht geleſen / vrtheilen / vnd wird ſolches der Richter aller Welt / der da recht richtet / an dem Tage deß groſſen Gerichts / da alles offenbahr werden wird manifeſtiren vnd kund machen.

F f f 3AXIO -230Das ander Buch /

AXIOMA CII.(1) Vid. Axioma die Hoff - gaͤnge bekom - men man - chem uͤbel / ſupra 95. Zu nahe bey Hoff / iſt offt gefaͤhrlich / zuweit dar - von / auch nicht allemahl vor - traͤglich. (1)

DIe Heyden haben pflegen zuſagen qui procul à Jove, proculà fulmine weit vom Himmel / weit vom Donner vnd Blitzen /(3) Sævũ præluſtri fulmen ab arce venit. Zu Hoffe kan man ſich wol waͤrmen / aber auch verbren - nen / hat Churfuͤrſt Friederich zu Sach - ſen der Weiſe ge - nandt zu - ſagen pflegen. (3) -- Jura pudorq;, & coniu - gii ſacrata fides, fu - giunt au - las. Senec. oder weit vom Hoffe / weit vom Vngluͤck vnd Fall. (2) Gar zu nahe vnd mit groſſer Gefahr war David bey Hoff als Saul den Spieß nach jhme ſchoß vnd jhn an die Wand ſpieſſen wolte. 1. Sam. Cap. 18. v. 10. Als der Prophet Micha zu nahe an Achabs Hoff kam / be - kam er einen Backenſtreich zum Willkomm / den Kercker zum Quartir / Brod vnd Waſſer deß Truͤbſahls zum Tractament, war das nicht eine ſtattliche accommodation bey Hoff? im 1. B. der Koͤnig. Cap. 22. v. 24. Zu nahe vnd gefaͤhrlich war der Prophet Daniel bey dem Koͤniglichen Hoffe Darii, wie er auff ſeiner Widerwertigen vngleiches Anbringen vnd Anklage / ad beſtias condemnirt vnd den Loͤwen in der Grube vor - geworffen ward. Daniel. Cap. 6. Als der Ertzvatter Abraham wegen eingefallener Thewrung in Egypten ſich begab / vnd deß Pharaonis Koͤniglichen Hoff zu nahe kam / bliebe er zwar bey dem Koͤnigin Gnaden / aber als deß Pharao Fuͤrſten ſahen / daß ſein Weib Sara ſo ſchoͤn war / vnd ſolches jhrem Koͤnig preyſeten / gerieth Sara dardurch in Gefahr jhrer Keuſchheit / ward in deß Koͤnigs Frawenzimmer geholet / vnd waͤre bald vmb jhre Ehre kommen / wann ſie Gott nicht ſonderlich errettet im 1. B. Moſ. Cap. 12. v. 14. (3) Nicht viel beſſer gienge es jhr wie Abraham vnd ſie zu nahe kamen an Abimelechs deß Koͤnigs zu Gerar Hoff im 1. B. Moſ. Cap. 20. v. 2. (4) Ein gleichmaͤſſiges begegnete dem Jſaac mit ſeiner huͤpſchen Rebecca / wie er zu nahe an ſelbigen Koͤnigs Hoff nach Gerar geriethe / im 1. Buch Moſ. Cap. 26. v. 7. Hingegegen heiſt es(4) Schoͤn Frawen - zimmer iſt bey Hoff nicht ohne Gefahr vnd hat leicht An - fechtung. auch: Wer nahe beym Brunn iſt / der kan oͤffters ſchoͤpffen / vnd wer na - he beym Fewer iſt / kan ſich waͤrmen. Dem Mephiboſeth / Jonathans Sohn / war es nicht vortraͤglich / ſondern ſchaͤdlich / daß er zu weit von Hoff war / wie ſein verleumbdiſcher betrieglicher Pachtman / der Ziba dem Koͤnig David nachreyſete / etliche Proviand nachfuͤhrete / vnd bey ſolcher occaſion vnd Abweſenheit ſeines Herꝛn deſſen Guͤter außbathe -2. Samuel.231Von dem weltlichen Stande. 2. Samuel. Cap. 16. v. 1. & ſeqq. vnd wiewol Mephiboſeth hernacher wie er wider nach Hoff kame ſich genugſamb exculpirte vnd ſeines Knechtes Betrug vnd vnerfindliche falſche Aufflagen remonſtrirte, konte er doch das / was in ſeiner Abweſenheit verordnet / nicht gantz wider redreſſiren, muſte es fuͤr eine groſſe Gnade halten / daß jhme die Helffte ſeiner con - fiſcirten vnd verſchenckten Guͤter wider zu theil ward. 2. Samuel. Cap. 19. v. 24. & ſeqq. Solches hat obgemeldter hoch verſtaͤndige Hoffman Daniel / wol erwogen: Dann wie er bey dem Koͤnig Nebucadnezar in ſo groſſe Gnade kam / daß er jhn zum Fuͤrſten uͤber das gantze Land zu Ba - bel / vnd zum Obriſten über alle Weiſen machete / dirigirte ers kluͤglich dahin / daß er uͤber die Landſchafften zu Babel ſetzen moͤchte / ſeines Lan - des Leuthe vnd Geſellen Sadrach / Meſach / Abednego / er Daniel aber ſelber bey dem Koͤnig zu Hoff bliebe vnd das Ruder oder Hefft in der Hand behielte. Daniel. Cap. 2. v. 48. 49. Weil er gar wol wargenommen / was die Gegenwart eines beliebten vnd begabten Hoffdieners bey dem Koͤnig vermoͤchte. Hie muß ich auch etwas auß dem nutzlichen Buch Reinecke Fuchs anhaͤngen: Dañ als der Fuchs nach abgelegter Beicht / derogeſtalt die aoſolution erhielte / daß er ein Zeitlang ein Pilgrim wer - den / vnd eine Walfahrt nach Jeruſalem verrichten ſolte / zu ſolchem En - de auch an deß Loͤwen Koͤniglichem Hoffe Erlaubnuß erlangte / in ſeiner Abweſenheit aber / an ſeinen Feinden / die ſich ſonſten in ſeiner Gegen - wart nicht uͤben doͤrffen / ſonderlich dem Jſegrim vnd andern deferiret vnd ſtarck angeklaget worden / ob waͤre er ein offentlicher Straſſenrau - ber worden / der die Koͤnigliche freye Heerſtraſſe vnſicher machete vnd das Geleid violirte, derowegen weil er abweſend war / keinen gevollmaͤchtig - ten Anwalt / auch ſonſten ſeines vorigen ſchlechten Comportaments halber / wenig gute Freunde vnd Favoriten bey Hoff hatte / giengen die vota vnd Stimmen per maiora dahin / daß man jhn als ein Straſſen - rauber vnd Landfriedbrecher / in die ſchwere Straffe deß Landfriedbruchs vnd in die Acht erklaͤren / offentliche Hafftbrieffe ertheilen / allenthalben mit gewapneter Hand jhn verfolgen / Vogel vnd Fedder frey / wie man zuſagen pfleget / vnd alſo das Garauß mit jhm machen ſolte. Es haͤtte auch wol der abweſende Reinecke bey ſolchem uͤbereileten Hoff Proceß den Kuͤrtzern ziehen muͤſſen / wann er nicht das Frawen zimmer auff ſei - ner Seite gehabt / vnd die Koͤnigin dahin geſtimmet / daß man dem(5) Es iſt hierauß eine feine Hoffregul vnd maxime zumachen / wann man bey Hoff gefaͤhrliche vnd geſchwinde Conſilia oder Beginnen gantz endern vnd wenden kan / daß man dannoch dahin ſehe / wie man dem Werck einen Anſtand mache vnd dilatoriam erhalte Dann wie nach der Medicorum Reguldie Werck einen Anſtand geben / (5) alteram partem auch hoͤren / vnd contranon232Das ander Buch /die Zeit ſelber viel Schwachheiten curiret, alſo bricht die Zeit auch offters viel verbitterte Rathſchlaͤg vnd Vorhaben / vnd endert die Gemuͤther / daß es wol heiſſen mag in ſolchen Faͤl - len: Zeit gewunnen / viel gewunnen. Es iſt auch den Herꝛen ſelbſten ſolches erſprießlich denen zu weilen hernacher wol gerewet daß ſie ſich uͤbereilet / wie die Bruͤder Joſephs / mit hitzigen / vergrelleten vnd Blutdurſtigen Conſiliis wider jhn vmbgiengen / ſuchete Ruben beneficium temporis vn that einē Vorſchlag / man ſolte ſein Blut nit vergieſſen / ſondern jhn in der Wuͤſtē in eine Grube werffen / vnd meldet die Hiſtoria daß ers darumb gethan / jhn den Joſeph auß der Hand ſeiner grimmigen Bruͤder zuerretten / damit er jhn ſeinem Vatter wider braͤchte / wordurch dann auch der Joſeph bey Leben erhalten. 1. Buch Moſ. Cap. 37. v. 22. Durch die Zeit legete ſich auch das grimmige Gemuͤth Eſaus / wider ſeinen Bruder Jacob. 1. B. Moſ. Cap. 27. v. 41. Et Cap. 33. v. 4. & ſeq. non auditum & non citatum mit einer ſolchen ſcharpffen Condemnato - ri Vrtheil nicht verfahren ſolte. Beſiehe das ander Buch Reinecke Fuchs Cap. 2. 3. ſonderlich in den moralibus vnd Lehren.

AXIOMA CIII. Ein Hoffdiener thut wol daß er ohne Vorwiſſen vnd conſens ſeines Herꝛn / nichts / ſo von impor - tantz / vornehme vnd verrichte.

OB wol Joſeph bey deß Koͤnigs Pharaonis Hoff in ſehr groſſem Anſehen war / handelte er doch ſehr behutſamb wie ſein Vatter vnd Bruͤder zu jhm in Egypten kamen / that er ſolches ſeinem Koͤnig kund / vnd wolte denſelben ohne deſſen Vorwiſſen vnd gnaͤdige Verwilligung keinen Platz im Lande zu Goſen aſſigniren vnd anweiſen / im erſten Buch Moſ. Cap. 46. v. 31. & ſeqq. & cap. 47. Jmglei - chen wolte Joſeph nicht abreyſen ſeinem verſtorbenen Vatter Jacob die letzte Ehre zu erweiſen vnd der Leiche zu folgen / er haͤtte dann vorhin gnaͤdige permiſſion vnd Erlaubnuß erlanget / im ſelbigen Buch Cap. 50. Groſſe Herꝛn / auch die guͤtige vnd fromme / ſind ins gemein curiôs, wollen / wie nicht vnbillig / von allem was paſſiret Nachricht vnd Wiſſen - ſchafft haben / vnd wann jhrer ohnwiſſend vnd vnbefraget etwas vorge - het / koͤnnen ſie es leichtlich in Vngnaden empfinden vnd auff die arg - wohnige Gedancken gerathen / gleichſamb wolte man ſie præteri - ren, welches ein verſtaͤndiger Hoffman / mit allem Fleiß zu verhuͤten ſich anligen laſſen muß.

AXIO -233Von dem weltlichen Stande.

Von Unterthanen.

AXIOMA CIV. Fromme Vnterthanen lieben vnd ehren jhre von Gott vorgeſetzte Obrigkeit.

DEr weiſe Mann Syrach deutet ſolches gnugſamb an / wann er ſpricht: Die ſo Gott fuͤrchten halten jhre Regenten in Ehren / darumb behuͤtet er ſie. Cap. 10. v. 24. Alldieweil die Regenten vnd Obrigkeiten Gottes Ordnung ſind / kanes auch nicht anders ſeyn / daß Gott ſolche ſeine eygene Ord - nung reſpectiret, honoriret vnd geehret haben wil / darvon droben in verſchiedenen Axiomatibus mit mehrerm gemeldet. Gott verwirfft die Maͤchtigen nicht / dann er iſt auch maͤchtig / im Buch Hiob Cap. 36. v. 5. S. Paulus vermahnet ſeine Gemeinde mit ſonderbahrem Ernſt / daß ſie ſollen Gott fuͤrchten vnd den Koͤnig ehren / in der 1. Epiſt. Petr. Cap. 1. (1) Diſce Jovem re - vereri, & juſſa ca - peſſere divum. Virgil. Cap. 2. v. 18. (1) dahin ziehlet auch S. Paulus in ſeinem Sendbrieffe an die Roͤmer Cap. 13. daß man ſolle geben Furcht deme Furcht gebuͤhret / vnd Ehre dem Ehre gebuͤhret / nemblich der weltlichen Obrigkeit / vnd zwar ſolches billig vnd auß vielen Vrſachen die droben Axiom. 1. dieſes Theils mit mehrerm angefuͤhret / auch nicht allein den Guͤtigen vnd Frommen / ſondern auch den Wunderlichen vnd Boͤſen / in allen / ſo nicht wider GOtt / ſein Wort vnd das Gewiſſen lauffen. 1. Petr. Cap. 2. v. 18. darvon in Axiom. 10. mit mehrerm gehandelt.

GggAXIO -234Das ander Buch /

AXIOMA CV. Trewe Vnderthanen verharren bey jhren Herren beſtaͤndig biß in den Todt.

ALs der Koͤnig David fuͤr ſeines Sohns Abſolon Tyranney / ſeine Koͤnigliche Reſidentz Zion quitiren, vnd ſich ins Elend begeben muſte / folgete jhme auch der fromme Jthai der Gethiter / wiewol er eben den Tag vorhin kommen war / dem Koͤnig vffzuwarten / vnd wiewol der Koͤnig jhme erlaubte allda vnd bey dem newen Koͤnige zu bleiben / wolte ers doch nicht thun / ſondern ſprach auß trewen vnver - ſchrockenen Hertzen zu David: So wahr der Herꝛ lebet / vnd ſo wahr mein Herꝛ Koͤnig lebet / an welchem Orth mein Herꝛ der Koͤnig ſeyn wird / es gerathe zum Todt oder zum Leben / da wird dein Knecht auch ſeyn. 2. Samuel. Cap. 15. v. 19. & ſeqq. Deßgleichen haben auch gethan die andere Maͤnner die dem David gefolget / wie im ſelbigen Capitel zu leſen. Ein ſolcher trewer Diener vnd Vnderthan / wie D. Luther meldet iſt nicht zu bezahlen / bey dem 25. Cap der Sprichw. Salom. v. 13. Die von Jnda handelten aber nicht trewlich bey jhrem getrewen Regenten vnd Richter Simſon / wie die Philiſter mit einem Kriegsheer wider ſie anzohen / vnd ſie belaͤgerten / daß ſie gleich mit denfelben parlam entirten auß vnzeitiger Furcht das Haſenpanier auffwarffen / vnd dahin accor - dirten. daß ſie jhr Oberhaupt / den tapfferen von Gott ſo hoch geſegneten Held Simſon / gefaͤnglich annahmen / vnd damit jhnen kein Vngemach begegnete / in die Haͤnde ſeiner ſchnoͤden Feinde liefferten / im Buch der Richter Cap. 15. v. 9. & ſeqq. Beſſer hat obgemeldter Jthai gethan / vnd die vom Hanſe Juda haͤtten auch ruͤhmlicher gehandelt / wann ſie Leib / Gut vnd Blut bey Simſon auffgeſetzet vnd in beſtaͤndiger devotion verharret waͤren / zumahlen ſie ſeine Heldenthaten / die er mit einer Eſelskinbacken / vnd ſonſten zu Werck gerichtet vnd darbey Gottes gewaltige Hand / mehrmahls geſehen vnd erfahren.

AXIO -235Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA CVI. Die Vnderthanen ſind ſchuldig jhre Obrigkeit durch Verſpruch / Pflicht vnnd Huldigung jhrer Trewe vnd Gehorſambs zu ver - ſichern.

WIe der Ertzvatter Abraham / als ein Frembdling im Lande Gerar zu Berſaba in deß Koͤnigs Abimelech Hoheit vnd vn - der ſeiner protection wohnete / vnd durch Gottes Segen an Mannſchafft vnd Vermoͤgen zunahme / volte der Koͤnig nicht trawen / ſondern begehrte Abraham ſolte jhme huldigen vnd durch einen Eyd verſichern / vnd ſchriebe jhme dieſe formulam homagii vor: So ſchwere mir nun bey Gott / daß du mir / noch meinen Kindern / noch mei - nen Neven / kein Vntrew erzeigen wolleſt / ſondern die Barmhertzigkeit die ich an dir gethan habe / an mir auch thuſt / vnd an dem Lande / da du ein Frembdling biſt / darzu ſich Abraham categoricè erklaͤret: Jch wil ſchweren: ſolchem nach hat Abraham ſeine gravamina bey dem Koͤnig uͤber ſeiner Knechte Gewalt / den ſie jhme bey dem Brunnen gethan / vor - bracht / vnd vmb deren Abhelffung gebetten / vnd als der Koͤnig ſich ent - ſchuldiget / vnd jhme darvon vorhin nichts vorkommen / vnd alſo zu re - medirung gute Hoffnung gemacht / hat Abraham den Koͤnig mit Præ - ſenten honoriret, ferner mit einander capituliret vnd einen Bund ge - macht / welchen Bund der Koͤnig hernacher auch beſchworen / vnd dem Abraham damit Koͤnigliche Hulde / Schutz vnd Schirm verſprochen. Geneſ. Cap. 21. v. 22. & ſeqq. Geſtalt dann noch in vielen Chriſtlichen Koͤnigreichen gebraͤuchlich / daß die Koͤnige / Fuͤrſten vnd Regenten jhre Capitulationes beſchwehren / jhre Staͤnde vnd Vnderthanen bey jhren hergebrachten Rechten / Frey-vnd vernuͤnfftigen guten Gewonheiten / auch ſonſtē bey Gleich vnd Recht zu laſſen verheiſſen / vnd durch Vffneh - mung gewoͤhnlicher Huldigung ſich jhrer ſchuldigen Trew vnd Gehor - ſambs verſichern / welche Handlung in der Juͤdiſchen Policey Fœdus Regis cum populo, Bund deß Koͤnigs mit dem Volck genandt wor - den. 2. Samuel. Cap. 5. vnd im 1. Buch der Chronick. Cap. 12. woſelbſten deß Koͤnigs David Capitulation vnd Huldigung deß Volcks erzehlet wird.

Ggg ijAls236Das ander Buch /

Als der Prieſter Joiada das uͤbrig gebliebene Zweiglein Koͤni - glichen Gebluͤts in ſeinen kindlichen Jahren zum Koͤnig gemachet / wird gedacht / daß er mit dem Volck capituliret, einen Bund zwiſchen dem Herren vnd dem Koͤnige vnd dem Volck gemachet / 1. Reg. Cap. 11. v. 17.

Als nach Moſis Abſterben Joſua zum Fuͤrſten uͤber das Volck Gottes / von Gott ſelber erwoͤhlet / hat jhme das Volck auff nachfolgende Maß vnd Weiſe gehuldiget vnd geſprochen: Alles was du vns gebot - ten haſt das wollen wir thun / vnd wo du vns hinſendeſt / da wollen wir hingehen / wie wir Moſi gehorſamb geweſen / alſo wollen wir dir auch ge - horſamb ſeyn / wer deinem Mund vngehorſamb iſt / vnd nicht gehorchet deinen Worten / der ſoll ſterben. Joſ. Cap. 1. v. 16. & ſeqq.

Als David bey ſeinem letzt gehaltenem Reichstage ſeinen Reichs - ſtaͤnden vnd Obriſten deß Volcks gleich ſamb valediciret, daneben ſeinen Sohn Salomon zum kuͤnfftigen Koͤnig præſentiret, mit Andeuten / daß Gott der Herꝛ auß allen ſeinen Soͤhnen denſelben erwoͤhlet / daß er ſitzen ſolte auff dem Koͤniglichen Thron ſeines Vatters David. 1. Chronic. Cap. 29. v. 5. haben die Reichsſtaͤnde / alle Obriſten vnd Gewaltige / auch alle Kinder deß Koͤnigs David dem Salomon gehuldiget / ſich vnder jhn gegeben / Trewe vnd Gehorſamb verſprochen. 1. Chron. Cap. 30. v. 23. & ſeqq.

Als Simon der Macchabeer Fuͤrſt / durch eine freye Wahl zum Regiment deß Juͤdiſchen Volcks kam / haben ſie jhme auch gutwillig ge - huldiget vnd angelobet / trew vnd gehorſamb zu ſeyn / im 1. Buch der Macchab. Cap. 14. v. 46.

Solche von den Vnderthanen jhrem Koͤnige / Landes fuͤrſten vnd Herren geleiſtete Huldigungen / muͤſſen nicht pro verbis complacentiæ bloſſen Ceremonien oder Complementen / wie theils Leuthe jtzo zu reden / von ſich zu ſchreiben / vnd in die Welt in offenen Truck zu geben ſich nicht ſchewen / æſtimiret, ſondern als ſichere / bey dem allerheiligſten Nahmen deß ewigen wahren Gottes geſchworne Pflichte / ſanctè, vnd vnverbrüch - lich bey Vermeidung der ſchweren zeitlichen vnd ewigen Straffe deß Meyneyds eygentlich vnd genawe obſerviret vnd gehalten werden. Dañ wer einen Eyd verachtet / ein Bund fuͤr nichts haͤlt / ein Pact auffloͤſet / Glauben bricht / der verachtet den / durch welchen er geſchworen hat / thut dem vnrecht / deſſen Nahmen / der Gegentheil geglaubet hat / jusjuran - dum venerare ſagt Pythagoras, das iſt / halt in Ehren deinen Eyd.

Es meldet der Prophet Ezechiel von dem Koͤnig Zedekia welcher dem Koͤnig zu Babel gehuldiget / hernacher trewloß vnd abtruͤnnig wor - den / daß er deß Koͤnigs Bund gebrochen: So wahr ich lebe ſpricht derHerꝛ237Von dem weltlichen Stande. Herꝛ Herꝛ / an dem Orth deß Koͤnigs / der jhn zum Koͤnig geſetzet hat / welches Eyd er verachtet / vnd welches Bund er gebrochen hat / da ſoll er ſterben / nemblich zu Babel. Ezech. Cap. 17. v. 16. & v. 18. Sowahr als ich lebe ſo wil ich meinen Eyd / den er verachtet hat vnd meinen(1) Periu - rium eſt manifeſta Dei abne - gatio Na - zianzen. Bund den er gebrochen auff ſeinen Kopff bringen. (1)

Es iſt auch die von dem Propheten dem Koͤnig Zedekia prognoſti - cirte Straff nicht auß geblieben / ſondern er iſt ſolcher / wider die dem Koͤ - nig zu Babel / der doch damahls ein gottloſer Tyrann war vnd Gewalt uͤbete / geleiſtete Huldigung / begangener Vntrew vnd Eydbruchs hal - ber / nach eroberter Stadt Jeruſalem gefangen / ſeine Kinder ſind fuͤr ſeinen Augen geſchlachtet / er ſelber geblendet / an Ketten geleget / vnd nach Babel zum Koͤnig gefuͤhret / wie zu leſen 2. Reg. Cap. 12. v. 6. 7. So wenig nun der gerechte GOtt dem Koͤnig Zedekia die vergeſſene Trewe ſeiner abgelegten vnd zu Gott geſchwornen Huldigungspflicht zu gut gehalten vnd vngeſtrafft hingehen laſſen / ſo wenig wird es andern / ſie ſeyn Buͤrgermeiſter / Rathmaͤnne / Caͤmmerer / Buͤrger / Bauren / Edel oder Vnedel / die ſolche Pflichte zuruͤck ſetzen / dieſelbe an Nagel hencken oder bloſſe Complemente / Ceremonien / vnd Ehrnwort darvon machen wollen / nachſehen vnd zu Hoffſchencken / dann Gott / ſeine Warheit vnd Gerechtigkeit iſt vnwandelbahr vnd wil den nicht vngeſtrafft laſſen / der ſeinen Nahmen mißbrauchet. Exod. Cap. 20. v. 7. darbey ſchwehret vnd nicht haͤlt. Jn ſeiner Hütten wird derſelbe nicht wohnen. Pſalm. 15. v. 5. noch auff Erden Glück vnd Gedeyen haben. Obwol die Froͤſche bey dem Froſchmaͤußler ſich hoch beſchwehrten daß ſie den Storch zum Koͤnig an - genommen vnd jhme gehuldiget / war doch jenes alten Manns / deß alten Marxen Rath / daß ſie jhre thewer geleiſtete Huldigungs Pflichte beden - cken vnd darvon nicht abſetzen ſolten / in deme er ſie alſo anredet:

Jſt derhalben mein Rath vnd Lehr /
Wer genarret hat / der narꝛ nicht mehr
Erzuͤrn Gott nicht / folg guten Rath
So kompt er nicht in groͤſſer Schad.
Darnach weil jhr den Storch erkohren
Vnd jhm ein hohen Eyd geſchwohren
So halt den Eyd vnd ſein Gebott
Wer den Eyd bricht der laͤſtert Gott.
Vnd Gott ſtrafft es an Kindes Kind
Das ſich in der Erfahrung ſind
Jnſonderheit weil ſein Gebott
Nicht iſt wider Natur vnd Gott. Beſiehe den Froſchm. part. 4. c. 5.
Ggg 3AXIO -238Das ander Buch /

AXIOMA CVII. Vermoͤge ſolcher Pflicht vnd auß Schuldigkeit ſind Vnderthanen gehalten jhrer Herꝛn vnd O - bern / Ehr vnd Reſpect zu foͤrdern / jhr be - ſtes zu wiſſen / vnd arges ab - zuwenden.

ALs Abiſai hoͤrete / daß der Simei ſo gewaltig den David laͤſterte vnd fuͤr einen Bluthund ſchalt / war er willig vnd bereit demſelben das Laͤſtermaul mit dem Kopff abzureiſſen. 2. Samuel. Cap. 16. v. 9. 10. Jmgleichen eifferten die Vnderthanen Sauls uͤber die loſe Leuthe die jhren newen Koͤnig den Saul verachteten / wolten jhnen darumb die Haͤlſe brechen. 1. Samuel. Cap. 10. v. 27. & Cap. 11. v. 12.

Wie der Prophet Eliſa auß Gottes Eingeben deß Koͤnigs in Sy - rien feindlichen Anzug vnd liſtige Anſchlaͤge vernommen / hat er ſo bald zu ſeinem Koͤnige geſchicket vnd denſelben warnen laſſen. 2. Reg. 6. v. 9. Jmgleichen warneten die Juden jhren Obriſten den Nehemiam Ne - hem. Cap. 4.

Mardacheus entdeckte dem Koͤnig Ahaſvero die vorweſende Ver - raͤtherey vnd Mord Eſther. Cap. 2. v. 21. & ſeqq. das Volck warnete den David daß er nicht mit zu Felde ziehen vnd ſich in Gefahr ſtellen ſolte. 2. Samuel. Cap. 16. Deßgleichen that Abiſai. 2. Sam. Cap. 21. v. 17.

Jthai der Gethiter wolte lieber mit David ins Elend gehen darin mit jhme leben vnd ſterben / als bey deme ſich ſelbſt auffgeworffenen Koͤ - nige Abſolon groß Gluͤck vnd Ehre erwarten. 2. Samuel. Cap. 15. v. 19. & ſeqq. Der getrewe Huſai ließ ſich hoch angelegen ſeyn / durch ſeinen guten Rath abweſend bey dem Abſolon ſeines Koͤnigs Beſtes zu foͤr - dern vnd Arges zuwenden. 2. Samuel. Cap. 17.

Ein getrewer vnd ſehr guthaͤdiger Vnderthan war der Barſillai der Gileaditer von Roglim / ſambt ſeinen Geſellen / der ſeinen fluͤchtigen Koͤnig David vnd ſeinen gantzen Stab vnd Hoffhaltung verſorgte / mit Bethwerck / Becken / Jrꝛdengefaͤß / Weitzen / Gerſten / Meel / Sangen / Bonen / Linſen / Gruͤtze / Honig / Butter / Schaffe / Rinder / Kaͤſe. 2. Sam. Cap. 17. v. 27.

Dieſes239Von dem weltlichen Stande.

Dieſes iſt nicht allein mit Exempeln auß Gottes Wort zu beweh - ren / ſondern hat es Gott ſelber durch die Propheten befohlen. Der Pro - phet Jeremias zeiget dem gefangenen Jſraelitiſchen Volck an / daß ſie / der Stadt / darin ſie Gotthat laſſen wegfuͤhren / Beſtes ſuchen / vnd fuͤr ſie zum Herꝛn betten ſolten / dann wann es derſelben wolgienge / dann gieng es jhnen auch wol. Jerem. Cap. 29. v. 7. vnd wiewol der Koͤnig Ne - bucadnezar durch Gottes gerechte Verhaͤngnuß groſſe Tyranney vnd Gewalt an dem Juͤdiſchen Volck geuͤbet vnd ſie in die Babyloniſche Dienſtbarkeit gefuͤhret / hat doch der Prophet Baruch das Volck beweg - lich ermahnet / daß ſie bitten ſolten für das Leben Nebucadnezar deß Koͤ - nigs zu Babel / vnd fuͤr das Leben Belſazer ſeines Sohns / daß jhre Tag auff Erden ſeyn / ſo lang die Tage deß Himmels wehren / ſo wuͤrden ſie le - ben vnder den Schatten Nebucadnezars / vnd vnder dem Schatten Belſazer ſeines Sohns vnd jhnen dienen lange Zeit / vnd Gnade fuͤr jhnen finden Baruch Cap. 1. v. 11. 12.

Es heiſt im Sprichwort / Arbor honoretur cuius nos umbra tue - tur. Der Baum der einem einen Schatten giebet den ſoll man in Ehren halten. Nun iſt aber die liebe hohe Obrigkeit ein ſolcher herꝛlicher Baum / deſſen außgebreitete Aeſte / einen gantzen Koͤnigreich vnd Lande / einen herꝛlichen Schatten / Schutz / Schirm vnd Sicherheit geben / wie Gott der Herꝛ es ſelber Gleichnuß weiſe deutet von dem Nebucadnezar bey dem Propheten Daniel. Cap. 4. v. 7. & ſeqq. derowegen auch billig zu ho - noriren. Beſiehe hierneben das 1. Axioma dieſes andern Buchs.

AXIOMA CVIII. Zu conſervation, Schutz vnd Rettung der gemei(1) Neque enim qui - es Gentiũ ſine armis, nec arma ſine ſti - pendiis, nec ſtipẽ - dia ſine tributis haberi queunt, e - leganter monuit Tac. lib. 4. nen Wolfahrt / Geiſtlichen vnd Weltlichen Stan - des / ſind die Vnderthanen ſchuldig jhrer hohen Obrigkeit / eine gemeine Stewer / Anlage oder ſubſidia zu reichen. (1)

ALs die Kinder Jſrael noch in der Wuͤſten waren / machte Gott ſel - ber die Anordnung / welcher geſtalt die Stifftshuͤtte mit aller jhrer Zugehoͤr vnd hohen Prieſterlichen ornat, die Altar zum Brand - vnd Rauchopffer ſolten auffgerichtet / vnd mit Opffern verſehenwerden /240Das ander Buch /wer den / vnd ließ darzu eine allgemeine Kirchenſtewer per capitulatio - nem oder auff die Haͤupter publiciren vnd einſamblẽ Exod. Cap. 30. v. 11.

Wie der Koͤnig David das Volck vmb eine Stewer / zu Erbawung deß Tempels erſuchete / haben ſie ſich gantz willig erklaͤret / vnd ein an - ſehentliches / nemblich fuͤnff tauſend Centner Goldes / zehen tauſend Guͤlden / zehen tauſend Centner Silbers / achtzehen tauſend Centner Ertzes / vnd hundert tauſend Centner Eiſens freywillig herzu geben ſich erbotten. 1. Chron. Cap. 30. v. 7. Deßgleichen ließ der Koͤnig Joas mit Zuthun deß Prieſters eine allgemeine Kirchen collect zur reparation deß Tempels im gantzen Lande ankuͤnden. 2. Chron. Cap. 24. v. 5. & ſeqq. das Jus Regium oder deß Koͤnigs vnd Regenten Recht / wie es Samuel be - ſchreibet / im erſten Buch am 8. Cap. eygenet ſolches den Koͤnigen vnd Regenten zu / vnd kan auch gar nicht vnrecht ſeyn / wann ſolche collecten vnd impoſten urgentibus Reip. fatis & neceſſitate, zu Behuff deß gemei - nen Beſten angeleget / eingeſamblet / vnd verwendet werden. 2. Reg. Cap. 15. v. 20.

Der HErꝛ Chriſtus hat nicht allein wie er noch in Mutter Leibe war / geſchehen laſſen / daß ſeine hochgebenedeyte Mutter vnd jhr ver - trawter Joſeph zur deſcription vnd Schatzung nach Bethlehem gerey - ſet / Luc. 2. ſondern auch hernacher ſelber den Zinsgroſchen durch Pe - trum gereichet. Matth. 7. Cap. 17. in fin. vnd dem Keyſer was deß Key - ſers iſt zu geben befohlen. Matth. Cap. 22.

S. Paulus bindet es ſeinen Roͤmern auch ſtarck ein / daß ſie ſollen geben Schoß deme Schoß gebuͤhret / Zoll deme Zoll gebuͤhret / in der E - piſt. an die Roͤmer. Cap. 13. v. 7.

Es iſt auch ſolches in allen wolbeſtellten Koͤnigreichen / Republi - quen vnd Herꝛſchafften / vermoͤg der Voͤlcker Rechte hergebracht / jedoch daß ſo wol quoad modum & formam indicendi als exigendi, nach eines jeden Reichs / Fuͤrſtenthumb vnd Landes wolher gebrachten Rechten /(2) Neceſ - fitas neq; legis neq; uſus & privilegii] allegatio - nem at - tendit. Sitten vnd Gewonheiten / darin procediret vnd verfahren werde / da - fern es nurent die annahende gemeine Gefahr zugeben vnd leyden wil / (2) damit es nicht heiſſe: Dum Quirites Romæ conſul - tant, Saguntum perit.

AXIO -241Von dem weltlichen Stande.

AXIOMA CIX. Wann zu deß Landes conſervation vnd Schutz ei - ne gemeine Collecta vnd Schatzung zuerheben / ſoll dieſelbe nicht auff den armen Mann / ſondern auff die Reicheſte geleget / vnd eines jeden Vermoͤgen nach / proportionirt werden.

ALs Phull der Koͤnig in Aſſyrien / dem Koͤnig in Jſrael / Menahem / ins Land ruͤckete / vnd er zu Abwendung groͤſſern vnd Landverderb - lichen Schadens / demſelben tauſend Centner Silbers præſentir - te vnd damit abhandelte / hat er ſolche Gelder auffzubringen / eine gemeine Collecte oder Contribution in gantz Jſrael angekuͤndet / aber damit nicht den armen Mann / ſondern / wie die Schrifft meldet / die Rei - cheſten beleget. 2. Reg. Cap. 15. v. 19. & 20.

Dieſes hat ein gut Fundament in der geſunden Vernunfft vnd der Billigkeit: Sintemahl bey ereugender allgemeiner Vnruhe / die Gefahr die Reicheſten vielmehr vnd haͤrter trifft / als die Armen / dero - wegen nicht vnbillig / daß die jenige / denen am meiſten conſerviret vnd erhalten wird / auch etwas vnd zwar ein mehrers als ein Armer dem we - nig erhalten wird / darzu hergebe vnd ſtewre. Commodum ſentire qui(1) Jacob. Zevecot. in not. Politic. ad Sueton. Cai. Jul. Cæſar. c. 43. notabiliter ſcribit: Ego ſæpè admirari ſoleo, multis in locis ditiſſimos quoſque ab oneribus excuſari, pauperibus vero omnia incumbere, Certè ſi Geometricum æquale ſpectandum ſit, quod beatuli illi ſemper urgent, manifeſta eſt iniquitas; Honore enim præcedere debent non immunitate ſcribit Cicero in Philipp. 1. Quodapud Venetos tam curioſè obſervatur, ut ſubinde primores Reip. tributis ſe onerent, quibus eximunt plebem, &c. vult, ſentiat etiam incommodum, ſagen die Rechtsgelehrten. (1)

Als der Koͤnig Jojakim dem Pharaoni Necho eine groſſe Summe Geldes zahlen muſte / hat er das Land geſchaͤtzet / NB. Einẽ jeglichen nach ſeinem Vermoͤgen / an Silber vnd Gold. 2. Reg. Cap. 23. v. 35. Eine ſolche Außtheilung hat auch Gott ſelber gemacht zu Erbawung der Leviten Staͤdte / daß nemblich die ſo viel beſitzen auch mehr darzu geben / deſto we - niger aber dieſo wenig beſitzen. Num. Cap. 35. v. 8. Bey welchem Text dieHhhJeniſche242Das ander Buch /Jeniſche Paraphraſis notiret, daß es billig geweſen / daß die jenige welche viel hatten auch mehr gaben zu Erhaltung der Diener Gottes.

AXIOMA CX. Solche proportion vnd billigmaͤſſige peræqua - tion zumachen / iſt kein beſſer Mittel als eine vorher - gehende Deſcription oder Beſchreibung / wor - auff hernacher die durchgehende taxa zuſetzen.

ES meldet die Evangeliſche Hiſtoria, daß zur Zeit als Keyſer Auguſtus eine allgemeine Schatzung publiciret, daß zu ſolchem Ende eine Deſcriptio angeordnet / vnd ein jeder in ſeiner Stadt(1) Dre - zeli. in tractat. de Chriſto naſcente de hac Deſcriptione notat eam factam partim ditando æratio, partim ut ſeiretur quam latè pateret im perium, ſuas quiſque poſſeſſiones & facultates indicabat, ſeque una expreſſo no - mino ſuo, ſubiectum Romano Imperio profitebatur. ſich anmelden vnd beſchreiben laſſen / vnder welchen Hauffen ſich auch die Eltern deß Herꝛn Chriſti gefunden vnd nach jhrer Stadt Beth - lehem / ſich beſchreiben zu laſſen / verfuͤget. Luc. Cap. 2. (1) Worauß dann zumercken daß jederzeit die Deſcriptiones oder Beſchreibunge bey den Schatzungen uͤblich geweſen.

AXIOMA CXI. Was ein Regent / Herꝛſchafft oder hohe Obrigkeit zu nothwendigen Behuff deß Publici oder gemeinen Weſens privat Guͤtern ohnvmbgaͤnglich bedarff / darvor ſind ſie gehalten / den Eygenthumbs - Herꝛn / den rechten Werth vnd billigmaͤſſi - ge Erſtattung zuthun:

WIe der Prophet Gad auff ſonderbahren Befehl Gottes dem Da - vid anzeigte / daß er einen Altar in der Tennen Arnan auffrichtenſolte /243Von dem weltlichen Stande. ſolte / occupirte der Koͤnig nicht gleich ſolchen Platz mauu Regia, zu Be - huff deß newen Altars / ſondern ſprach den Arnan zuvor darumb an / daß er jhme den Raum in ſeiner Tennen vmb voll Geld uͤberlaſſen ſolte / vnd wiewol Arnan es vmbſonſt zugeben anbotte / wolte es David doch nicht acceptiren, vnd ſprach: nicht alſo; ſondern vmb voll Geld wil ichs kauf - fen / dann ich wil nicht was dein iſt / nehmen für den Herꝛen / vnd wils nicht vmbſonſt haben zum Brandopffer / ließ jhme auch vmb ſolchen Raum bahr zahlen ſechzehenhundert Seckel Geldes am Gewichte. 1. Chron. Cap. 22. v. 18. & ſeqq. Der Koͤnig Achab war ein gottloſer tyran - niſcher Herꝛ / dannoch als er deß Naboths ſeinen Weinberg / weil er nahe an ſeinen Koͤniglichen Pallaſt gelegen zu ſeinem Garten gern haben vnd gebrauchen wolte / nahm er denſelben ſeiner vnerfordert nicht zu ſich / ſondern præſentirte dem Naboth an / einen Tauſch oder bahr Geld / weil aber Achab ſolchen Weinberg nicht zur Nothturfft deß publici vnd ge - meinen Weſens / ſondern zu ſeinem eygenen Nutzen vnd plaiſir begehrte / ſchlug jhme Naboth ſolches ab / mit Vorwenden / daß es ſeines Vatters Erb - oder Stammgut waͤre / welches er auſſer ſeiner Familia nicht ver - euſſern koͤnte. Als aber Achab dem Weiber Regimente / ſeiner tuͤcki - ſchen Gemahlin Jeſabell zu viel ſich vndergeben / mißbrauchte ſie ſich ſeiner Cantzley vnd Secrets oder Pietſchiers / ließ in deß Koͤnigs Nah - men Brieff abgehen vnd verſiegeln / daß man den frommen Naboth durch falſche Zeugen beruͤchtigen / hinrichten / vnd ſeinen Weinberg / als verfallen Gut / confiſciren ſolte. 1. Reg. Cap. 21. Wie hoch aber der gerech - te Gott ſolches an Achab vnd ſeiner Gemahlin geſtraffet / das iſt beſchrie - ben. 2. Reg. Cap. 9. v. 26. & ſeqq. Der Prophet Ezechiel ſchreibet Cap. 46. v. 18. Es ſoll auch der Fuͤrſt dem Volck nichts nehmen von ſeinem Erb - theil / noch ſie auß jhren eygenen Guͤtern ſtoſſen.

Es haben auch viel vernuͤnfftige Heydniſche Regenten / wann ſie ad uſum publicum nothwendig privat Guͤter gebrauchen muͤſſen / von(1) Elegan - ter Iohan. Dauth. in tractat. de Teſtament. ad explicat. l. 3. §. ex imperfecto n. 4. C. de teſtam. ſcribit: Ne quidem ſummus Princeps, ulli ſubditorum, res ſuas auferre poteſt, niſi cauſa legitima publicæ utilita - tis verè ſubſit, & ſubdito condigna ſatisfactio tribuatur: Aliter Principi ſubditorum bona at - trectare non licet Nulla enim ad peccandum abſoluta eſt Principis poteſtas 1. Reg. c. 2. 1. Ezech. 45. 46. Didac. Covarruv. lib. 3. var. reſolut. c. 6 n. 8 Mynſing. obſerv. 95. Cent. 5. Andr. Geil. 2. obſ. 56. n. 8. & ſeqq. ubi dicit, quod vel maximè Princeps ſummus, auferens rem privati ex cauſa pu - blicæ utilitatis & neceſſitatis, teneatur ad ſolutionem juſti pretii, ne ſubditus abſque ſua cul - pa & re & pretio carcat. Pertinet enim ad officium boni Principis, curare, ne dilectionem pro - ximi offendat, neve tempeſtatis potius, quam poteſtatis plenitudine utatur, ut præclarè mo - nuit Zaſi. conſil. 10. n. 7. lib. 2. ubi ſic ſcribit: ſcio boni Principis poteſtatem ad tutelam ſubdi -torum den Eygentuͤmmern vmb billigen Preyß dieſelbe erhandelt / (1) vnd iſtHhh ijvmb244Das ander Buch /torum eſfe ampliſſimam: cæterum ut iniuria ſubditis fiat, illic Principis poteſtatem non agno - ſco ſed tyranni, id enim dicim ur poſſe quod honeſtè poſſum us text. in c. fin. §. fin. de Reſcr. in 6. Eſt enim Princepsà Deo conſtitutus ut faciat juſtitiam & judicium 1. Reg. cap. 10. &c. Hacte - nus Geil. ubi plura. vmb ſo viel mehr zu verwundern / daß zu weilœ auch wol geringere Stadt - Obrigkeiten / ſo keine Koͤnige vnd Potentaten / ſondern minorum gentiũ Dii ſind / ſich auch vnderſtehen / nicht allein denen ſo jhrer Municipal Bott - maͤſſigkeit vndergeben / ſondern auch wol Hoͤhern vnd Benachbarten / jhre Laͤnderey / Aecker vnd Guͤter / ohnbegruͤſſet der Profeſſoren / propria(2) Kleine Diebe werden gehaͤnget / die groſſe geehret. auctoritate zu occupiren, zu durchgraben / vmb Geld andern außzuthun / ehe vnd zuvor ſie mit den rechten Eygenihumbs Herren gehandelt / oder denſelben darvor Willen geſchaffet. (2) Aber Gottes vnwandelbahre Gerechtigkeit heiſſet ſolches nicht gut / er kompt wol langſamb aber ge - wiß / zu weilen kompt die Straffe erſt auff die Nachkommen / die mit dem Jſraelitiſchen Volck alsdann wol klagen vnd ſagen / vnſere Vaͤtter ha - ben Herlinge gegeſſen / aber vns ſind die Zaͤhne ſtumpff worden. Ezechiel. Cap. 18. v. 2. Jerem. Cap. 31. v. 2. Er ſuchet die Suͤnde der Vaͤtter heimb an den Kindern insdritte vnd vierdte Glied. Exod. Cap. 20. v. 5. Gott ge - dencket lang einer alten Schuld vnd Vngerechtigkeit vnd wann ſeine Zeit kompt dann ſuchet er dieſelbe heimb im 2. B. Moſ. Cap. 22. v. 34. Ei - ne geraume Zeit vnd uͤber vierdhalb hundert Jahr waren verfloſſen / daß die Amalekiter zu dem Volck Gottes / wie ſie auß Egypten gangen wa - ren ſich genoͤthiget vnd wider ſie geſtritten / welche Zeche GOtt jhnen biß auff deß Sauls Zeit geborget / vnd demſelben durch den Propheten Sa - muel ſagen laſſen: So ſpricht der Herꝛ Zebaoth; ich habe bedacht was Amaleck Jſrael thaͤte / vnd wie er jhme den Weg verlegte / da er auß Egy - pten zohe. / ſo zeug nun hin vnd ſchlage die Amalekiter vnd verbanne ſie mit allem was ſie haben. 1. Sam. Cap. 15. Exod. Cap. 17. v. 6. Solches hat - te Gott ſchon dem Moſi gleich offenbahret vnd befohlen / daß er ſolch der Amalekiter Beginnen in ein Buch zum Gedaͤchtnuß ſchreiben / vnd in die Ohren Joſua befehlen ſolte. Exod. Cap. 17. v. 14. Es iſt genugſamb auß den Keyſerlichen auch Voͤlcker Rechten zu erweiſen / wann eine Stadt oder andere Obrigkeit vmb deß gemeinen Beſtes willen / vnd da - mit einen Platz / oder derſelbe ſo viel do beſſer wider einen annahenden Feind in defenſion gebracht vnd erhalten werde / einem ſeinen darfuͤr ge - legenen Hoff abbrennet oder herunder reiſſet / daß ſolches ex publico vnd von der gantzen Gemein die der defenſion mitgenoſſen zu erſtatten / weil es die natuͤrliche Vernunfft vnd Billigkeit giebet / daß wer einen nutzen von einem Dinge zugewarten / auch billig den Schaden mittragel. ſe -cundum245Von dem weltlichen Stande. cundum naturam ff. de reg. jur. C. qui ſentit commodum, de reg. jur. in 6. Et ita in terminis reſpondit Modeſt. Piſtor. 1. conſil. 16. n. 8. & ſeqq. arg. l. 1. & 2. ff. ad L. Rhod. de jactu, & aliis allegatis jurib. De Domitiano ſcribit Frontin. lib. 2. c. 11. cum in finibus Ubiorum Caſtella poneret, pro fructibus eorum locorum quæ vallo comprehendebat, pretium ſolvi juſ - ſit, atque ea juſtitiæfama omnium fidem ſibi adſtrinxit.

Es huͤte ſich ein jeder Regent / er ſey Keyſer / Koͤnig / Fuͤrſt / Obrig - keit vnd Commun, daß ſie nicht einem andern das Seine / auch ad uſum publicum ohne Erſtattung abnehmen / auff Vngerechtigkeit / Blut vnd Thraͤnen / jhre vermeynte Forten, Luſthaͤuſer vnd Garten / wie Achab ge - than / legen / dann die Gerechtigket Gottes wird dieſelbe niederreiſſen / vnd den Armb jhrer Feinde ſtaͤrcken / daß ſie ſeyn Executores divinæ juſtitiæ & voluntatis.

AXIOMA CXII. Landes Staͤnde vnnd Vnterthanen prætendiren vnd machen zuweilen gravamina, ob ſie ſchon darzu ſo hoch nicht befugt.

BEy Regierunge deß Friedſeeligen / Weiſen vnnd Gewaltigen Koͤnigs Salomo / war im Lande Canaan ein beſtaͤndiger guter Frieden / alſo daß Juda vnd Jſrael ſicher wohneten / ein jegli - cher vnter ſeinem Weinſtock vnnd vnter ſeinem Feygenbawm / von Dan biß gen Berſeba ſo lange Salomo lebte. 2. Reg. Cap. 4. v. 5. ſo gar daß man zu Zeiten Salomo deß Silbers nichts geachtet. 1. Reg. 10. v. 21. vnd er deſſen ſo viel gemachet wie der Steine / vnd Cedern ſo viel wie der Maulber Baͤume. 2. Chronic. 9. v. 27. dannoch wie Salomo den Weg alles Fleiſches gegangen / vnd ſein Sohn Rehabeam als der Cron Erbe / einen allgemeinen Land. oder Reichstag nach Sichem außge - ſchrieben / haben die Proceres vnd Landes Staͤnde viel vnd groſſe Grava - mina vorgeſchuͤtzet / vnd nicht ehe zu der Huͤldigunge ſchreiten wollen / es waͤre dann vorhin ſolchen Beſchwerden remediret, vnd abgeholffen / vor - gebende / ſein deß Koͤnigs Rehabeam Vatter der Koͤnig Salomo haͤtte jhr Joch zu hart gemachet / er ſolte daſſelbe vnd die ſchwere Dienſte ſeines Vatternerleichtern. 2. Chronic. Cap. 10. v. 4. da doch die Schrifft mel - det / daß Salomo mit den Handdienſten vnnd anderer Arbeit in Erba -H h h iijwunge246Das ander Buch /wunge deß Tempels vnd Staͤtte / deß Jſraelitiſchen Volckes verſchonet / vnd auß den Frembdlingen ſie bentzig tauſend Traͤger vnd achtzig tauſend Hawer / ꝛc. verordnet. 1. Reg. Cap. 9. v. 22. Et 2. Chron. Cap. 2. v. 17. 18. Et(1.) Inſitũ à Natura eſt homi - nibus a - verſari Dominos atque æ - gre pati imperia, Strad. de Bell. Belg. lib. 4. Cap. 8. v. 9. (1.)

Die Maͤnner Jſrael machten auch ein vermeinetes groſſes grava - men, bey jhrem wieder eingeholetem Koͤnige David vber denſelben vnnd die Maͤnner Juda / daß ſie bey ſolcher Einfuhr vnnd Widerholunge deß Koͤnigs den Vorzug gehabt / ohnerachtet jhnen wol wiſſent war / daß die von Juda das beſte der Sache gethan vnnd mit groͤſſerer Macht jhrem vertriebenen Koͤnige aſſiſtiret, dahero billig den Vorzug gehabt. 2. Sam. Cap. 19. v. 14. & ſeqq.

Auff ſolche Weiſe gehet es noch zu / wann man daberor vor dreyſ - ſig vnd mehr Jahren / im Roͤmiſchen Reich wieder den grawſamen Erb - feind Chriſtlichen Namens den Tuͤrcken die Reichs vnd Tuͤrckenſtewr / vnd zu ſolchem behuff auff gewiſſe Zeit vnd Ziel / etzliche Roͤmerzuͤge er - leget / vnd dem Reichspfenningmeiſter in die Laͤge Staͤtte zur Caſſe lief - fern muͤſſen / da iſt in ſumma rerum abundantia, ein ſolch wehklagens vnd querelirens in den Staͤtten vnd auff dem Lande / auff gehaltenen Reichs - vnd Landtaͤgen / ja in allen Bier vnd Weinhaͤuſſern / da zwey o - der mehr zuſammen kommen / geweſen / vnd vorgegeben worden / daß ſol - che Laſt gar zu hart / vnd das Joch zu ſchwehr / man muͤſte / wann es mehr kaͤme / darunter erliegen bleiben / Hauß vnd Hoff verlaſſen / vnd ſo gar ſich nicht darein ſchicken koͤnnen / daß von dem reichen Friedens Segen vnd Vberfluß / ein jeder / das ſeine ſo doch nach proportion deß Vermoͤgens nicht hoch gelauffen / haͤtte hergegeben / ſondern man hat hin vnd wieder Credit gemachet / vnd Gelder vffgenommen / die jtzo bey verderbtem Zu - ſtande vnd andern oneribus mit groͤſſeſter Beſchwerunge verzinſet vnnd wol gar abgetragen werden muͤſſen. Hilff lieber Gott / wo iſt es bey dieſer innerlichen Vnruhe nicht hinkommen / da etzliche wenige Lande alſo ge - preſſet vnd geplaget worden / daß ſie in weniger Zeit weit mehr als vor - hin das gantze Roͤmiſche Reich / dem Anſchlag vnd Reichs matricul nach hergeben muͤſſen / welches dann wol eine gerechte Straffe Gottes iſt.

Bey Weyland Kayſer Rudolphi deß andern / ſo wol der Friedfer - tige vnd Guͤtige zunennen vnd ſehr loͤblich regieret / hatte man auff al - len Reichsverſamblungen ſo viel gruvamina vorzubringen / daß man da - mit gantze Saͤcke anfuͤllen koͤnnen / auch auff deren eylender Erledigunge ſo ſehr vnd hefftig getrungen / daß auch offters das publicum daruͤber periclitiret, dem Tuͤrcken vnnd andern Feinden dardurch beneficiumtemporis247Von dem weltlichen Stande. temporis zu groſſem Vortheil in die Haͤnde gewachſen / vnnd viel herꝛli - che rerum gerendarum momenta verabſaumet worden.

Auff dem Reichstage zu Regenſpurg Anno 1613. konte Weyland der fromme Kayſer Matthias von vielen Staͤnden keine ſubſidia vnnd Zuſtewr wieder den Tuͤrcken oder ſonſt erlangen / ſondern waren nurent gravamina, gravamina. Jch meine ja die gravamina ſeind dardurch / vnnd andere Extrema, Zuſammenſetzungen / Ligen vnd Uniones, (2.) abge -(2.) Ligæ & Unio - nes patriũ, ſunt diſſo - lutiones Totius. ſchaffet / daß ſie tauſend mahl groͤſſer worden / vnnd das Edle Teutſche Reich / welches ſo viel hundert Jahr andern zum Schrecken vnnd Ver - wunderunge floriret vnd geweſen / zu einer jaͤmmerlichen Einoͤde vnnd frembden Nationen zum Raub vnd Spott auß geſtellet. Was haben doch die Jſraeliten damit auß gerichtet / daß ſie jhrem angebohrnen Erb. Koͤnig Rehabeam der gravaminum halber ſich entzogen / ſie haben zwar einen eygenen vnd newen Koͤnig den Jerobeam durch Gottes Verheng - nuß erhalten / ſind aber durch denſelben von dem Tempel zu Jeruſalem vnd reinen wahren Gottesdienſt ſepariret, zu dem abgoͤttiſchen Kaͤlber - tantz nach Bethel per Status Rationem gebracht / wie oben part. 1. Axiom. 7. mit mehrerm angefuͤhret / vnd damit wider Gott zu ſuͤndigen gereitzet / vnd deßwegen mit ſchwehren Straffen vnd Landes Plagen von GOtt hart heimbgeſuchet worden / wie die Bibliſche Hiſtoria ſolches im erſten Buch der Koͤnige. Cap. 12. 13. & ſeqq. bezeuget. Vnd widerholet es Sy - rach in ſeinem Buch Cap. 47. v. 29. da er ſpricht: Jerobeam der Sohn Nebat brachte Jſrael zur Abgoͤtterey vnd fuͤhret Ephraim in Suͤnde / vnd jhrer Suͤnde wurden ſo viel daß ſie zu letzt auß jhrem Lande vertrie - ben wurden / ꝛc. Es hat alſo der eventus gegeben daß es dem Stamm Juo da ertraͤglicher vnd beſſer bey jhrem wunderlichen Koͤnig Rehabeam als den uͤbrigen zehen Staͤmmen bey jhrem newen Koͤnig Jerobeam ergan - gen. Die Leuthe meynen allezeit die gegenwaͤrtige Buͤrde ſey die ſchwer - ſte / die vorige vnd alte Zeiten ſeyn die beſten / dann es haben vnſere Vor - eltern geklaget / wir klagen es / vnd werden es vnſere Poſteri vnd Nach - kommen klagen / daß es je laͤnger je aͤrger werde / vnd die Beſchwerden(3) Vitio maligni - tatis hu - manæ, ve - tera ſem - per in lau - de, præſẽ - tia in faſti - dio eſſe, ſcripſit Tacit. von Tag zu Tag wachſen / wie Seneca darvon auß fuͤhrlicher ſchreibet. (3) Es iſt eine ſehr alte Klage / wann man etwas der gemeinen Wolfahrt zu gutem / oder ſeine eygene Schuld zahlen ſollen / daß man eingewand es ſeye ſchwere Zeit / wie Syrach erinnert. Cap. 29. v. 6.

Vor etlich vnd zwantzig Jahren / wie es noch in Boͤhmen ſehr wol ſtunde vnd man uͤberall in Religion vnd Prophan Sachen in gutem flor vnd Freyheit begriffen / vnd an vielen Orthen / ja auch in der Koͤni - glichen Haupt - vnd Reſidentz Stadt Prage das offene freye Exercitiumder248Das ander Buch /ber Augſpurgiſchen Confeſſion in vollem Schwang war / hatten die Boͤhmiſchen Staͤnde viel gravamina, wann nurent an einem oder an - dern Orth in etwas Eingriff geſchahe / hielten darvor / weil ſolchen jhren gravaminibus nicht gleich von Stund an abgeholffen ward / ſie muſten vffſtehen / zu den Waffen greiffen / dardurch jhre Beſchwerden erledigen vnd ſich in eine vollkommene Libertaͤt ſelber ſetzen / was ſie aber dardurch / ſo wol in Geiſt. als Weltlichen Sachen gewonnen / vnd wie ſie gantz / al - les publici & privati Exercitii Religionis verluſtig worden / auch nicht einmahl die Gewiſſens Freyheit behalten / ſo gar daß ſie nun zu der Ca - tholiſchen Religion ſich oͤffentlich bekennen / oder jhr Vatterland verlaſ - ſen / vnd das veteres migrate coloni practiſiren muͤſſen / ſolches iſt offen -(4) Xeno - phon in Epipho - nemate ſuæ Hiſto - riæ, de Bellis Græciæ, eleganter admodum notat: cum exiſtimaretur debellatum eſſe, plus fuit confuſionum in Græcia, quam ante bellum. Vera vox eſt ut vix magna moles, (qua Reges & Regna nituntur) ſine convellentium exitio convelli poſſit. Tacit. lib. 4. Wann man einen groſſen vnd hohen Thurmb miniren vnd mit Gewalt uͤbernhauffen werffen wil / iſt alles was darbey vnd daran ſtehet vnd gebawet iſt / in gleicher Gefahr. Die Regierungen verendern vnd new Regiment machen / lohnet vnd ſticht zuletzt uͤbel vnd iſt der Poͤbel vnbeſtaͤndig vid. Luth. in marginal. ad cap. 10. Prov. Salom. bahr vnd bekandt. (4) Beſſer iſt es / etwas Betrug leyden / als alles auff einen Hazard oder compromiſſ deß mißlichen Außganges der Waffen vnd wandelbahren Gluͤcks zuſtellen / vnd auff einmahl alles verliehren / darvon auch Xenophon, wie in margine geſetzet / wol ſchreibet.

AXIOMA CXIII. Die Vnderthanen ſitzen nicht uͤbel vnder dem krummen Stabe.

ES iſt ein altes teutſches Sprichwort: Vnderm krummen Sta - be iſt gut wohnen. Durch den krummen Stab wird verſtanden der Geiſtlichen Fuͤrſten vnd Herren / Hoch - vnd Obrigkeit / weil denſelben ein krummer Stab / gleich den weltlichen Regenten das Schwerdt oder Scepter zugeeygnet wird.

Dieſe Nutzbarkeit vnd wie gut es war vnder dem krummen Sta - be zu ſitzen / ſich mit Sanfftmuth regieren / vnd bey Gleich vnd Recht ſchuͤtzen zu laſſen / wolte das Jſraelitiſche Volck nicht mercken vnd erwe - gen / wie ſie vnder deß Propheten Samuels krummen Stabs Ober - vnd Bottmaͤſſigkeit / bey gutem Rechte vnd freyem Gebrauch deß Jhrigenwaren /249Von dem weltlichen Stande. waren / ſondern wolten gleich andern Heydniſchen Voͤlckern einen Koͤ - nig haben / hielten darvor ſie haͤtten mehr Reputation, Ehr vnd Reſpect davon / wann ſie durch Scepter vnd Schwerdt / als den krummen Stab beherꝛſchet vnd zu Chor getrieben wuͤrden / brachtens auch ſo weit daß jh - nen Gott den Saul zu einem Koͤnig gabe / mit Vermelden / daß ſie nicht jhn den Samuel / ſondern Gott dardurch verworffen haͤtten. 1. Samuel. Cap. 8. Dahero er auch bey dem Propheten Hoſea ſpricht: Jch gabe dir einen Koͤnig in meinem Zorn. Cap. 13. v. 11. Es muſte jhnen auch Samuel bald darauff das Jus Regium, deß Koͤnigs vnd Scepter Recht vnd wie die Koͤnige der Voͤlcker zu procediren pfligten vor Augen ſtellen / ſpre - chende: Das wird deß Koͤnigs Recht ſeyn der uͤber euch herꝛſchen wird;Wagen - Knechte Trabantē. Hoff - dienſte. Frohn - dienſte. Confiſca - tiones vnd Ein - ziehung der Guͤter. Zehende. Ewre Soͤhne wird er nehmen zu ſeinen Wagen vnd Reutern die vor ſeinem Wagen hertraben / vnd zu Hauptleuthen uͤber tauſend vnd uͤber ſuͤnfftzig / vnd zu Ackerleuthen die jhn ſeinen Acker bawen / vnd zu Schnit - tern in ſeine Ernde / vnd daß ſie ſeine Harniſch / vnd was zu ſeinem Wa - gen gehoͤret machen. Ewre Toͤchter aber wird er nehmen / daß ſie Apothe - ckerin / Koͤchin vnd Beckerin ſeyn. Ewre beſte Aecker vnd Weinberge vnd Oelgarten wird er nehmen vnd ſeinen Knechten geben. Darzu von ew - rer Saat vnd Weinbergen wird er den Zehenden nehmen vnd ſeinen Caͤmmerern vnd Knechten geben / ꝛc. wie ſolches der Laͤnge nach in gemel - tem 8. Cap. deß erſten Buchs Samuel beſchrieben. Deſſen allen ohnge - achtet / war die eingebildete Reputation vnd Ambition bey dem Jſraeli - tiſchen Volck ſo groß / daß ſie lieber vnder dem Koͤniglichen Scepter / mit jhren Soͤhnen vnd Toͤchtern zu Hoff dienen / zehenebal riverden / vnd ſich von Hoff auß plagen / tribuliren vnd treiben laſſen / als vnder deß Sa -(1) Luxu - riant ani - mi rebus plerumq; ſecundis. Wann dem Eſel zu wol iſt / ſo gehet er auffs Eiß vnd bricht ein Bein. muels krummen Stabe ohngeplaget vnd ohnmoleſtiret in Ruhe vnd Sicherheit ſitzen wollen. (1)

Es iſt jhnen gangen wie den Froͤſchen die hatten eine Zeitlang ei - nen auff dem Waſſer ſchwimmenden Block zum Koͤnige / da konten ſie frey ſicher auff vnd abſpringen nach jhrem plaiſir, vnd demſelben gleich - ſamb auff dem Kopffe tantzen / aber ſie wurden bey ſolchem frommen Koͤ - nige ſtoltz / verachteten den ſelben / wolten einen weidlichern / groͤſſern vnd reputirlichern Herꝛn vnd Regenten haben / ſahen den Storch mit ſeinen herꝛlichen langen Schenckeln vnd rothen Stieffeln / gewaltigem langen Schnabel / damit er auch groſſen Laͤrme machen vnd gleichſamb zu Fel - de klappern vnd ſchlagen koͤnte / ſpatzieren / wurden Raths denſelben zu ei - nem Koͤnig zu woͤhlen / geſtalt ſie jhn auch vor jhren Koͤnig acceptiret, mit Hulden vnd Pflichten ſich verwandt gemacht / aber dieſe Reputation vnd Außwechſel kam jhnen uͤbel zu Hauſe vnd ſehr thewer an / ſintemahlJiidieſer250Das ander Buch /dieſer Koͤnig gar bald die Froͤſche vnder ſeine ſtoltze Fuͤſſe brachte / ſie nicht allein mit Stieffel vnd Spohren zu Waſſer ritte / ſondern mit ſei - nem langen Schnabel in groſſer Menge vnd Anzahl / mit Haut vnd Beinen verſchlunge / vnd durch den Kragen vnd Magen gehen lieſſe.

Es gehet nochmahls in der Welt eben alſo / daß leuthe / deren Vor - fahren vnder dem krummen Stabe ſich ſehr wol befunden / vermittelſt deſſen Gnade Handbieth - vnd Befoͤrderung zur proſperitaͤt vnd geſe - gnetem groſſen Vffnehmen kommen / hernacher gleich dem Jſraeliti - ſchem Volcke vnd angeregten Froͤſchen / auß ambition, eiteler Ehr vnd Hochmuth / welchen doch Gott / wie die Schrifft lehret / vnd die weltlichen Geſchichte zeugen von Anbe gin geſtuͤrtzet vnnd geſtraffet / deß krummen Stabes ſich verduͤncken wollen.

AXIOMA CXIV. Von ſeinen Regenten / Herren vnd Obern / vnd ins gemein von groſſen Herren ſoll man behutſamb / wenig oder gar nichtes zumahlen Boͤ - ſes reden.

DAnn ſo ſtehet im Geſetz Gottes geſchrieben / den Goͤttern / das iſt / der Obrigkeit / ſoltu nicht fluchen / vnd den Obriſten in dei - nem Volck ſoltu nicht laͤſtern. im 2. Buch Moſ. Cap. 22. v. 28. Welches S. Paulus widerholet in den Geſchichten der Apo -(1) Reve - renter ha - be, quos ſuperi dant ſupe - riores. ſtel. Cap. 23. v. 5. (1) vnd ſolches weder heimblich oder offentlich / nach der Lehr deß Koͤnigs Salomons / fluche dem Koͤnige nicht in deinem Her - tzen / vnd fluche dem Reichen nicht in deiner Schlaffkammer / dann die Voͤgel deß Himmels führen die Stimme / vnd die Fittige haben ſagens nach Predig. Salom. Cap. 10. v. 20.

Is ſpuit in ſe, qui ſpuit adverſus olympum. Scalig. Was Gott hat hoch geſetzt / wil er haben geehrt / Von Leuthen auff der Welt / gehalten thewr vnd werth / Wer gegen Himmel ſpruͤtzt nichtes damit außricht / Vnd leichtlich ſein Geſicht ſelber damit vernicht. Es heiſt: Tange montes & fumigabunt Taſte die Berge an ſie werden rauchen. Pſal. 144. v. 5. Diſcite Juſtitiam monitinec temnite Divos. Virg.
16Es251Von dem weltlichen Stande.

Es werden vnd koͤnnen die Calumnien vnd Laͤſterungen von der Obrigkeit nicht wol verſchwiegen werden / dann ſie hat viel Augen vnd(2) An ne - ſcis longas Regibus eſſe man. Deß Koͤ - nigs Hād / reicht durchs gantze Land. viel Ohren / lange weitreichende Haͤnde / (2) ſchnelle Fuͤſſe / weil ſie durch jhrer getrewen Vnderthanen Ohren hoͤren / durch deren Augen ſehen / dieſelbe auch jhre Haͤnde vnd Fuͤſſe / zu deren Dienſt / Ehr / Schutz vnd Reſpect gern hergeben.

Das von Joab ſubornirte vnd argliſtig angeſtellte Weib / konte es dem David nicht verheelen / daß Joabs Hand mit jhr im Spiel / vnd er ſie alſo inſtruiret vnd abgerichtet / 2. Samuel. Cap. 14. v. 18.

Der Jſraelitiſche Mann welchem Joab verwiß daß er den Abſo - lon nicht erwuͤrget / wie er jhn an der Eiche haͤngen geſehen / ſagte zu jhm / wann ich etwas falſches gethan haͤtte auff meiner Seelen Gefahr / weil dem Koͤnige nichtes verhohlen wird / wuͤrdeſtu ſelder wider mich geſtan - den ſeyn. 2. Samuel. Cap. 18. v. 12 13. Die Obrigkeit iſt Gottes Ordnung / vnd wer dieſelbe ſchmaͤhet / der ſchmaͤhet Gott den Herꝛn ſelber in ſeiner Ordnung / derowegen er es ſelber nicht pflegt in Verborgen vnd vnge - ſtrafft zu laſſen.

Fromme / getrewe / gottsfuͤrchtige / auch ins gemein wolhabende Leuthe vnd Vnderthanen reden nicht bald etwas vnziembliches von jh - rer hohē Obrigkeit / aber Leuthe die zu Newer - vnd Enderunge Luſt / oder ſonſten einen faulen Schincken bey jhrer Obrigkeit im Saltz haben / ſich Vbels bewuſt / das Recht ſchewen / oder aber auch uͤber jhr Vermoͤgen ſich angegriffen / herꝛlich vnd praͤchtig gelebet / mehr ſchuldig worden als ſie zuzahlen / den angefangenen Pracht vnd Vppigkeit nicht quitiren / gleichwol aber bey gemeinem friedlichen ohnturbirtem Zuſtande / da die liebe Juſtitia im Schwange gehet. Ehr / Trew vnd Redligkeit den Vor - zug behaͤlt / darzu keine ehrliche Mittel wiſſen vnd abſehen koͤnnen / ſon - dern in truͤben Waſſern zu fiſchen jhre einige Hoffnung ſetzen / vnd alſo jhre üppige Beduͤrfftigkeit / mit nichtes / als mit allgemeinem deß Vat - terlandes Verderb. vnd Vngluͤck / retten oder ſich groß zumachen wiſ - ſen / die fangen ins gemein erſt an auff jhre Obrigkeit zulaͤſtern / beſchul - digen dieſelbe bald der Vngerechtigkeit / wie der Abſolon ſeinen eygenen Vatter David / item daß man zu ſcharpff wider die Debitores auff klare Hand vnd Siegel exequire, bald daß die Obrigkeit oder Landesfuͤrſt nit einem jeden Landſaſſen ſeiner Einbildung nach genugſamb Carreße ma - che / mit denſelben keine gute Reuſche trincke / vnd mit durchlege / beſchul - digen / gleichſamb waͤre die hohe Obrigkeit von Gott darzu eingeſetzet / daß ſie mit jhren Landſaſſen ſich taͤglich vollſauffen / oben vnd vnden li - gen ſolte. Dieſe Art zu regieren iſt nicht allein in Gottes Wort nicht ge -Jii ijgruͤndet /252Das ander Buch /gruͤndet / ſondern darin verfluchet vnd verdammet / die vernuͤnfftige Hey - den haben auch mehr von einer der Sobrietaͤt vnd Nuͤchterkeit / als der Voͤllerey vnd Trunck ergebener Obrigkeit vnd Fuͤrſten gehalten. Kan man dieſen Stein geſuchter Enderung vnd Vffſtandes wider die liebe Obrigkeit durch laͤſtern vnd beſchuldigen nicht heben / alsdann wartet man mit Verlangen / ob nicht ein gemein Vngewitter vnd Vnglück vorhanden / deſſen ſie ſich zu jhrem Vorhaben / Großmachung vnd Be - reichung einer Newer-vnd Enderung zu bedienen / da dann jhre groſſe Vorſorge fuͤr das gemeine Beſte vnd Wolfahrt / deß Landes Privile - gien vnd Freyheit / vnd daß man einen vnd den andern darwider be - ſchwehre vnd die gravamina nicht abſchaffe / allenthalben forn an der Spitze ſtehen vnd der prætext oder Deckmantel jhres darunder geſuch - ten Eygennutzes / Boßheit vnd Schalckheit ſeyn muß / wie ſolches in der(3) Rebel - lionum propugna - toribus, velut legitimum nefas, Principum vitam, mores & flagitia carpere, Regnorum quan - doque iactura. Adeoque quibus ob ſcelera, & pœnæ metum maxima peccandi neceßitas eſt, aut quibus ambiguæ domires & ob magnitudinem æris alieni, afflicta in pace Fides, (die bey ruhigen Zeiten keinen Credit mehr haben) Domeſticis malis excidium patriæ opponere, & privata vulnera Reipublicæ malis opperire, ſuamque cauſam Libertatis larvâ & boni publici prætextu velare ſolent: ita nunquam Pacem habebunt Regna, nunquam ſecuri Principes eſ - ſe poterunt: ſemper ſimultates, queſtus, indignatio tranquillitatem turbabit. Præfation uͤber deß Barclaii Argenidem fein beſchrieben (3) vnd es die leidige Erfahrung bey dieſen elenden Zeiten mit herꝛlicher Lande / Leuthe vnd Staͤdte hoͤchſtem Nachtheil vnd Verderben / fuͤr Augen ſtellet.

AXIOMA CXV. Der gemeine Mann vnd Poͤbel laſſen ſich leichtlich zur revolte vnd Vffſtande bewegen.

WIe es dem Volck Gottes in der Wuͤſten an Waſſer mangel - te / weren ſie ſchon zum Auffſtande bereit / im 4. Buch Moſ. Cap. 20. Als Moſes dem gelobten Lande ſich endlich mit dem gantzen Volck genaͤhert hat er Kundſchaffer außgeſandt daſ - ſelbe zu erkuͤndigen vnd zu recognoſciren, welche wie ſie wider kommen / von allem / ſonderlich deß Landes herꝛlichen Gewaͤchſen vnd Guͤtigkeit vmbſtaͤndige relation gethan / vnder denen aber etliche geweſen die Be - richt gethan / wie darin ſtreitbahre Leuthe / Rieſen / vnd Enacks Kinder vorhanden / iſt die gantze Gemeine wider Moſen vnd Aaron vffgeſtanden /groſſe253Von dem weltlichen Stande. groſſe Klagen wider dieſelbe gefuͤhret / vnd berewet daß ſie nicht in Egy - pten geſtorben / oder noch in der Wuͤſten ſtuͤrben / vnd nicht das Vngluͤck erlebeten / daß jhre Weiber durchs Schwerdt fiehlen vnd jhre Kinder zum Raube wuͤrden / derowegen ein ander Capo vnd Haupt erwoͤhlen wollen der ſie wider in Egypten fuͤhrete / ſo gar daß Moſe vnd Aaron für der gantzen Gemein auff jhre Angeſichte gefallen / vnd durch deß Joſua vnd Calebs interpoſition die favorabiliter von deß Landes vnd der Einwoh - ner Zuſtande / vnd wie dieſelbe durch Gottes Huͤlffe leicht zu uͤberwinden Bericht gethan / vnd gute ſperantz gemachet / die revolte vnd Auffſtand mit groſſer Muͤhe geſtillet worden / im 4. Buch Moſ. Cap. 13. & 14.

Gar leichtlich lieſſen ſich die Maͤnner zu Sichem wider jhren ſelbſt vffgeworffenen Koͤnig Abimelech zum Vffſtande bewegen / im Buch der Richter Cap. 9. Die Ephraimiten empoͤreten ſich auß liederlichen Vr - ſachen / wider jhren Richter Gideon Judic. Cap. 8. Jtem hernacher auch wider Jephtha Judic. Cap. 12.

Als in deß Davids Abweſen die Stadt Ziklag von den Amaleki - tern uͤberrumpelt / außgepluͤndert / aller Vorrath ſambt Weibern vnd Kindern gefaͤnglich abge fuͤhret / empoͤrete das Volck auß Vngedult ſich wider David vnd wolten jhn ſteinigen / daß er kaum ſich retten vnd herauß reiſſen konte. 1. Samuel. Cap. 30.

Mit ſonderbahren hoͤfflichen vnd liſtigen Worten ſtahl der Abſo - lon das Hertz der Maͤnner Jſrael / vnd bewegete ſie gar liederlich zum Vffſtande / wider ſeinen Vatter den Koͤnig David 2. Samuel. Cap. 15.

AXIOMA CXVI. Alle Vnderthanen vnd Diener ſollen ſich fuͤr Rebel - lion vnd Auffruhr huͤten vnd ſich vnder ſol - che Leuthe nicht miſchen.

DEr Koͤnig Salomo warnet darfuͤr einen jeden trewlich / wann er ſpricht: Mein Kind fuͤrchte den Herren vnd den Koͤnig / vnd menge dich nicht vnder die Auffruͤhriſchen / dann jhr Vnfall wird ploͤtzlich entſtehen / in den Sprichwoͤrtern Salom. Cap. 24. v. 21. 22.

Der weiſe Mann Syrach conteſtiret ſolches auch gnugſamb vndJii iijwarnet254Das ander Buch /warnet trewlich darfuͤr / wann er ſchreibet: Drey Dinge ſind ſchrecklich vnd das vierdte iſt grewlich / Verraͤtherey / Auffruhr / vnſchuldig Blut vergieſſen / ꝛc. Cap. 26. v. 5. 6. Jtem richte nicht Auffruhr an in der Stadt vnd haͤnge dich nicht an den Poͤbel. Cap. 7. v. 7.

Solche Auffruͤhrer waren Korah / Dathan vnd Abiram ſambt jh - rem Anhang welche ſich wider Moſen vnd Aaron empoͤreten / wurden aber darumb von der Erden / die jhren Mund auffgethan / mit jhren Haͤu - ſern / Haab vnd Guͤtern verſchlungen / lebendig hinunder in die Hoͤlle ge - bracht vnd von der Erde bedecket / im 4. Buch Moſ. Cap. 16.

Als David ſeines Sohns Abſolons auffruͤhriſche Partheyen kaum gedaͤmpffet / fand ſich ein newer Auffwickler der Seba / ein beruͤhm - ter heilloſer Mann / wolte gern einen newen Vffſtand anrichten / bekam aber daruͤber ſeinen verdienten Lohn vnd muſte mit dem Kopff bezahlen. 2. Samuel. Cap. 20. Nicht beſſer gienge es dem Adonia der nach ſeines(1) Judi - cium ju - ſtum Di - vini Nu - minis iræ eſt. Legitimi Regis non tolerare jugum. Vattern Todt / wider ſeinen Bruder Salomon Auffruhr anrichtete im 1. Buch der Koͤnig. Cap. 2. v. 25. (1)

AXIOMA CXVII. Den newerlangten / ſonderlich aber durch Krieg be - zwungenen Vnderthanen / bey denen man ſich einigen Vffſtandes beſorget / kan man die Mittel dar -(1) Nova cupienti - bus, Dux & Auctor auferen - dus eſt. zu / ſonderlich aber was zur Armatur vnd Waffen noͤthig / entziehen. (1)

ALs der gewaltige Koͤnig Nebucadnezar ſeinen abtruͤnnigen Vice Re vnd Koͤnig in Juda Zedekia in Jeruſalem belaͤgerte / der Stadt / ſeiner Perſon vnd gantzen Landes ſich bemaͤchtigte / das gantze Koͤnigreich Juda vnder ſeine Macht Dominat brachte / den ge - fangenen Koͤnig Zedekia blenden vnd nach Babel fuͤhren ließ / hat er zwar den überwundenen Juͤdiſchen Volcke darin eine ſonderbahre Gna - de erwieſen / daß er keinen Aſſyrer vnd Frembden / ſondern den Gedalia zu einem Regenten vnd Stadthalter geſetzet / aber ſein Hoffmeiſter Ne - buſar Adan / hat auſſer Zweiffel auff deß Koͤnigs Befehl die Prieſter / damit ſie nicht etwañ ſeiner Beſorgnuß nach das Volck zur Rebellionreitzeten /255Von dem weltlichen Stande. reitzeten / imgleichen den Commendanten der geſetzt war uͤber die Kriegs - maͤnner in der Stadt / ſo dann deß Koͤnigs Feldhauptman Sopher / der das Volck im Lande das kriegen gelehret vnd daſſelbe gedrillet / neben an - dern Capitainen vnd Kriegs Officirern zum Koͤnig von Babel gefüh - ret gen Riblath / da ſie nieder gemacht worden / damit es dem uͤberwun - denem Jüdiſchen Volck wann ſie ſchon gern wider vffſtehen wolten / an erfahrnen Kriegshaͤuptern vnd Officirern mangelte / vnd der Koͤnig ſie in Gehorſamb erhielte / wie zu leſen im andern Buch der Koͤnige Cap. 25. Dieſe Vrſache ſetzet der Prophet Ezechiel außtruͤcklich wann er ſpricht: Aber die Gewaltigen im Lande nahm der Koͤnig Nebucadnezar weg / da - mit das Koͤnigreich demuͤthig bliebe vnd ſich nicht erhuͤbe / auff daß ſein Bund gehalten wuͤrde. Ezech. Cap. 17. v. 13. 14. Jmgleichen als ſelbiger Koͤnig Nebucadnezar vorhin den Koͤnig Joiachin uͤberzogen / debelliret vnd beſtritten / hat er neben vnd mit dem Koͤnige alle Obriſten / alle Ge - waltige / item / alle Zimmerleuthe vnd Schmiede / ſambt andern geſchick - ten / erfahrnen vnd geuͤbten Kriegsleuthen / weggefuͤhret / damit die V - berwundene zu keiner Armatur, Waffen / Veſtungen vnd zum Krieg ge - hoͤriger Bereitſchafft ſo bald gelangen koͤnten oder moͤchten / im andern Buch der Koͤnige Cap. 24. v. 14. 15. 16.

Auß ſolcher conſideration vnd Sorgfalt ließ der junge Koͤnig An - tiochus an der eroberten Stadt Bethzura / die er den Macchabeern wi - der reſtituirte, vorhin / (wiewol wider geſchehene Zuſage vnd deßwegen uͤbel:) die Mauren vmbher demoliren vnd einreiſſen / damit nach ſeinem Abzug er ſich darauß nichts Arges zu befahren / im 1. Buch der Macchab. Cap. 6. v. 62.

Als auff gnaͤdigſte Erlaubnuß der Perſen Koͤnig Cores oder Cy - ri das loßgegebene Juͤdiſche Volck / die Stadt Jeruſalem vnd den Tem - pel anfiengen ſtarck zu bawen / kam ſolches deß Koͤnigs daſelbſten beſtell - ter Regierung / Cantzler vnd Raͤthen verdaͤchtig vor / lieſſen ſolches gar odioſè gen Hoff an den Koͤnig Arthaſaſta gelangen / mit Bericht / wann man in den Chronicken vnd Geſchicht buͤchern nachſuchen thaͤte / ſich dar - auß finden wuͤrde / daß die Stadt Jeruſalem eine auffruͤhriſche boͤſe Stadt vnd jederzeit den Koͤnigreichen vnd Landen ſchaͤdlich geweſen. Solte nun dieſen Juden erlaubet werden die Stadtmauren wider zu repariren vnd dieſelbe zu fortificiren, wuͤrde man ſich nichts beſſers zu jh - nen zu getroͤſten haben / wuͤrden ſich auch aller Schuldigkeit entziehen / kei - nen Schoß / Zoll oder Jaͤhrliche Zinſe geben / vnd dem Koͤnig ſchaͤdlich ſeyn. Solchem beſorgten kuͤnfftigen Vnweſen vnd Rebellion zeitlich zu remediren vnd vorzukommen / moͤchte der Koͤnig Mandata inhibitoriaabgehen256Das ander Buch /abgehen laſſen / jhnen das Bawen nieder zu legen / welches auch alſo er - folget vnd geſchehen / wie zu leſen im Buch Eſra Cap. 4. Als deß Koͤnigs David General Feldhauptman Joab / nach erhaltener Hauptſchlacht der Ammoniter Landes ſich bemaͤchtiget die Veſte Rabba erobert / hat er dieſelbe zerbrochen / damit ſie darin nicht Widerſtand faſſen koͤnten vnd Anlaß ſich zu widerſetzen haͤtten im 1. Buch der Chronick Cap. 21. Die Philiſter / wie ſie die Jſraeliten bezwungen / haben ſie dieſelbe auch diſar - miret, ſo gar daß die Richterin Debora klaget / daß kein Schild noch Spieß vnder viertzig tauſend in Jſrael zuſehen geweſen im Buch der Richt. Cap. 5. v. 8. 1. Sam. Cap. 13. v. 20. & ſeqq.

Darin ſtecket ein groſſe Vorſichtigkeit daß man denen Vnder - thanen bey welchen man ſich Vffſtandes befahret / die Mittel darzu be - nehme vnd auß den Handen ſpiele / damit wann ſie ſchon gern wollen / auß Mangel deren fuͤglich darzu nicht gelangen koͤnnen. Jmgleichen hat ein Regent ins gemein dahin zuſehen vnd mit Fleiß zu verhuͤten / daß die Vnderthanen keine Gelegenheit vnd Platz haben jhres Gefallens ohne Vorwiſſen vnd Conſens jhres Regenten vnd Obrigkeit offt ſich zu - ſammen zu thun / Conventicula anzuſtellen vnd die Koͤpffe zuſammen(2) Nihil profectò Imperio ſive Monarchico ſive Ariſtocratico magis adverſum, quam ſi ſubditis liceat con - ventus agere, ſuo magis quam Principis aut Regentium nutu, Jacob. Zevecot. in obſerv. Polit. ad Sueton. C. Jul. Cæſar. cap. 42. zuſtecken / dann vnruhige Leuthe dardurch leichtlich zum Auffſtande vnd newen Haͤndeln veranlaſſet werden koͤnnen. (2)

AXIOMA CXVIII. Alle Newer-vnd Enderunge im Kirchenweſen vnd weltlichen Regiment bringen Nachdencken vnd iſt bey den Vnderthanen nicht ohne Ver -(1) Omnis mutatio in quovis ſtatu peri - culoſa. dacht vnd Gefahr. (1)

ES iſt gewiß vnd hat es die Erfahrung von Anbegin geben / daß alle mutationes vnd ſonderbahre Enderungen / ſo wider altes Herkommen / Sitten vnd Gewonheit in dem gemeinen Geiſt - vnd Weltlichem Weſen von Regenten vorgenommen werden / gleich bey den Staͤnden vnd Vnderthanen eine diffidentz vnd Miß -trawen257 258[258]Von dem weltlichen Stande. trawen erwecket / (2) darauß gleichſamb als auß einer ſchaͤdlichen Quelle /(2.) Non facilè, ne - que ſine magno metu mu - tari pot - eſt, quod longo tẽ - pore radi - ces egit, monet A - riſtotel. Et Novi - tas ſemper ſuſpecta. Nova & inſolita moliri, eſſe ſine periculo notavit Zaſi. adl. 2. §. poſt hunc n. 25. ff. de orig. jur. per l. ſi ne - gotia ff. de negot. geſt. Vnruhe / Vffſtand / Krieg vnd groſſe Gefahr ſich leichtlich entſpindet. Als Joſua nach gluͤcklicher ſiegreicher Eroberung deß gelobten Landes / dem Stamm Ruben vnd Gad vnd dem halben Stamm Manaſſe ab - danckete / vnd ſie mit ehrlichen Paßporten vnd guter commendation jh - rer geleiſteten Trewe vnd tapffern Dienſt abziehen ließ / dieſelbe aber auß guter intention in jhrer Ruͤckreyſe am Jordan / einen groſſen ſchoͤnen Altar / daß er ein Zeugnuß vnd Danck-Altar ſeyn ſolte / zwiſchen beyder - ſeyts Bruͤdern auffrichteten / kame dem gantzen Jſrael ſolche Newerung weitauß ſehend vnd ſehr verdaͤchtig vor / ſo gar daß ſie zu den Waffen grieffen / ein Heer verſambleten / vorher aber durch eine anſehendliche Le - gation die Rubeniter vnd jhre adhærenten ernſtlich zu Rede ſtellen vnd befragen lieſſen / wohin dieſe Newerung angeſehen vnd was ſie darunder ſucheten / (3) vnd da ſich dieſe gegen die Geſandten nicht ſo wol expe - ctoriret vnd von jhrer guten darbey fuͤhrenden Meynung apertur haͤtten thun laſſen / waͤre es nicht ohne Krieg vnd Gefahr abgangen / im Buch Joſ. Cap. 22. Deß Jſraelitiſchen Volcks vorhabende Newerung / daß ſie nicht mehr vnder dem krummen Stab deß frommen Samuelis ſeyn / ſondern gleich andern Heydniſchen Voͤlckern einen Koͤnig vnd abſolu - ten Regenten haben wolten / kam demſelben ſehr nachdencklich vnd ge - faͤhrlich vor. 1. Samuel. Cap. 8. Dieſes muß aber nicht dahin außge - deutet vnd verſtanden werden / als wann gantz keine Enderung vnd Verbeſſerung in Geiſt vnd Weltlichem Statu Gottes geoffenbahrtem Wort vnd Willen nach vorzunehmen / offentlich eingeſchlichene Jrꝛ - thumme nicht abzuthun / noch ſchaͤdliche der geſunden Vernunfft vnd natuͤrlichen Billigkeit zu wider lauffende boͤſe Sitten vnd Gewonhei - ten / gar nicht zu endern / ſondern daß es nicht temerè, vnvorſichtig Got -(3) Non poſſe abſ - que in - genti Re - rumpub. motu, Religionis cultum antiquari, prudenter notavit Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 73. & ibid. p. 72. obſervat. Quod quoties mota ſit ſacra Religionis an chora, toties fluctua - rit ſimul Reipub. Navis. tes Wort zu wider / ohne Noth / Recht vnd Nutzen deß gemeinen Beſten geſchehe.

Gar wol vnd loͤblich thate der Koͤnig Aſſa / daß er nach angetrette - ner Regierung eine Reformation, im Kirchenweſen anſtellete / den von ſeinen Vorfahren geſtiffteten Goͤtzendienſt abſchaffete vnd außrottete / im 1. Buch der Koͤnige Cap. 15.

Eine ruͤhmliche Enderung ſtellete der fromme Koͤnig Joſaphat an in Kirchen / Schuhlen vnd gemeinem Weſen / Gerichten vnd Ge -Kkk (Lll)richts -259 260[259]Das ander Buch /richts ſtuͤhlen / nach vorgangener Viſitation in ſeinem gantzen Koͤnigreich im 2. Buch der Chronic. c. 17.

Nach Gottes Wort vnd Willen / fegete der Koͤnig Jehu auß den eingeriſſenen Baalitiſchen Goͤtzendienſt vnd ließ die Baals-Pfaffen al - le auff einmahl toͤdten / im 2. Buch der Koͤnig c. 10.

Wol vnd lobwuͤrdig enderte der Koͤnig Hißkias / wie er die Hoͤhen abthate / die Seulen zerbrach / die eherne Schlange / dero die Kinder Jſ - rael raͤucherten / zuſtieß / im 2. Buch der Koͤnige c. 18. 2. Chron. c. 29.

Jmgleichen Joſias / wie er das vnter die Banck gebrachtes Geſetz Buch / hervor ſuchete / vnd darnach ſeine gantze Regierunge in Geiſt - vnd Weltlichen Sachen regulirte vnd einrichtete / im 2. Buch der Koͤnige cap. 22.

Wie Nehemias das zweite mahl von deß Koͤnigs Arthaſaſta Hoff / nach Jeruſalem kame / vnd advertirte, daß viel Vnweſens in Geiſt vnd Weltlichem Stande eingeriſſen / ſtellete er eine ſehr nuͤtzliche Viſita - tion vnd Reformation an / Nehem. c. 13.

Sehr vbel aber enderte Jerobeam / wie erden von Gott vorhin ſo hoch geſtrafften Kaͤlbertantz wider einfuͤhrete / ward deß wegen ſambt ſei - ner Poſteritaͤt hart geſtraffet / im 1. Buch der Koͤnige c. 2. 13.

AXIOMA CXIX. Liebe der Vnterthanen iſt der Koͤnige vnd Regenten ſicherſte vnd beſtaͤndigſte Salvaquardi, Hut vnd Schutz / auch der beſte Schatz.

ALs der vngerathene Sohn Abſolon wieder ſeinen Vatter den Koͤ - nig David ſich empoͤrete / einen ziemlichen Anhang bekame / vnnd dieſer / ſeine Koͤnigl. Reſidentz Statt Jeruſalem vnnd die Burg Zion verlaſſen / auff fluͤchtigen Fuß ſich ſtellen / vnnd das raumeſte ſuchen muſte / that es jhme ſehr wol / daß er Liebe vnd Trewe / bey dem Bar - ſillai / Jthai vnd Huſai / Sobi dem Sohn Nahas / Machir dem Sohn Ammiel von Lodabar vnd andern ſeinen merſten Vnterthanen im Lan - de fand / die nit allein|ein groſſes mitleidē mit jm hattẽ / uͤber ſein Vngluͤck weineten / | ſondern jhn mit hellen hauffen nach folgeten / vnd wie getre - wen vnd geliebten Leuthen vnd Vnterthanen / gegen jhren von GOtt vorgeſetzten / geſalbten gehuldigten vnd gekroͤnten Koͤnig vnd Herꝛn wolanſtehe /261 262[261]Von dem Weltlichen Stande. anſtehet vnd gebühret / ſich ſeiner annahmen / mit Rath vnd That / Pro - viand vnd aller Nothwendigkeit aſſiſtirten vnd beyſprungen / wie zu le - ſen im 2. Buch Samuel. c. 15. v. 14. & ſeq. c. 17. v. 16. 17. v. 19. vnd ſonder - lich v. 27. 28. 29. Et c. 19. v. 9. 10. v. 31. 32. 41. 42.

Hette David ſeine Regierunge alſo gefuͤhret / daß er nurent ge - fuͤrchtet vnd nicht geliebet waͤre / von ſeinen Vnterthanen / haͤtten ſie ſich ſeiner auch nicht ſo trewlich angenommen / ſondern dem newen Koͤnig viel mehr beygeflichtet.

Der Gottloſe Antiochus ob er wol ein arger Verfolger deß Jüdi - ſchen Volckes jhres Gottesdienſtes geweſen / ruͤhmet er doch auff ſeinẽ vnſeligen Todbette daß er von ſeinen Vnterthanẽ geliebet / wañ er ſpricht: So lãge ich regieret / habe ich Gluͤck Sieg gehabt / bin bey den meinẽ auch lieb werth geweſen im 1. Buch der Macch. c. 6. v. 11. Von Simon der Macchabeer Regenten meldet die Schrifft / daß er ſehr wol regieret / dem Lande viel gutes gethan vnd daß jhn derowegen das Volck geliebet vnd gern zum Herren gehabt / ſein lebenlang 1. Macchab. c. 14. v. 14.

Viel Regenten / ſonderlich die zur Tyranney geneiget / achten der Vnterthanen Liebe nicht hoch / fundiren vnd ſetzen jhre Sicherheit auff Liſt / Betrug vnd Gewalt / gedencken vnd ſagen mit jenem: Oderint dum metuant; die Vnterthanen moͤgen mich lieben oder haſſen / wann ſie mich / meine Macht vnd Gewalt nurent fuͤrchten / iſt es eben eins: Jn welchen Gedancken der Koͤnig Rehabeam vnnd ſeine junge Raͤthe auch waren / wie er dem Volck auff jhr ſuppliciren vnnd anſuchen / dieſe Reſo - lution ertheilete / daß ſein Vatter ein Joch auff ſie gelegt / er aber noch ein ſchwerers jhnen uͤber den Halß bringen wolte / ſein kleineſter Finger ſolte dicker ſeyn dann ſeines Vatters Lenden / ſein Vatter haͤtte ſie mit Peit - ſchen gezuͤchtiget / er wolte ſie mit Scorpion zuͤchtigen / im 1. Buch der Koͤnige c. 12. v. 12. & ſeq.

Rehabeam meinete / er wolte ſeine Vnterthanen noch beſſer zu Chor treiben / wie ſein Herꝛ Vatter / wolte jhnen gleich bey Antrettunge ſeiner Regierunge ein Furcht vnd Schrecken einjagen / daß ſie hiernechſt wol ſchweigen / vnd in allem ſeinen Willen vollbringen ſolten / aber es lieff auff ſeiner Seiten vbel ab / er verlohr dardurch die zehen Staͤm̃e Jſrael /(1.) Metuſ non eſt diuturni - tatis cu - ſtos. Principem caritate & benevo - lentia civium ſeptum eſſe oporter, non armis. Cicero. vnd alſo den groͤſſeſten Theil ſeines Koͤnigreichs. Furcht vnnd Gewalt koͤnnen wol einen Schrecken machen bey den Vnterthanen vnnd ſie im Zaum halten / aber ſie bringen keine beſtaͤndige langwehrende Sicher - heit. (1.) Hingegen Liebe vnd Trewe der Vnterthanen / ſeind die beſte vnd ſicherſte Waͤchter vnd Geiſſel aller Koͤnige vnd Regenten / darauffK k k (L l l) ijſie ſich263 264[263]Das ander Buch /ſie ſich in Giuͤck vnd Vngluͤck / in Noth vnd Gefahr / nechſt Gott / ſicher zu - verlaſſen.

Weyland der loͤbliche Fuͤrſt Hertzog Eberhard zu Wuͤrtenberg hat ſeine Vnterthanen alſo mit Sanfftmuth / Gnade vnnd Recht regieret / daß er einer ſolchen Liebe ſich zu denſelben verſichert vnd geruͤhmet / daß er zu jederzeit ſein Haupt in eines jeden ſeiner Vnterthanen Schoß ſi - cher niederlegen vnnd ſchlaffen wolte / wie Philip. Camerar. in horis ſub - ciſiv. cap. 87. vnd andere mehr von jhm ſchreiben.

Hingegen hat Hertzog Vlrich von Wuͤrtenberg / ſeine Vntertha - nen nicht alſo ſondern auff gut Rehabeams tractiret, ſie mit vielen Vff - ſetzen beſchweret / dahero wie er Anno 1522. mit dem Schwaͤbiſchen Bund in Krieg gerathẽ / von ſeinen Vnterthanen / die ſeine Regierunge mehr gefuͤrchtet als ſeine Perſon geliebet / verlaſſen / vnd ſein Land ein Zeitlang von auſſen anſehen muͤſſen. Thom. Hubert. Leodi. in vita Fri - der. II. Palatin. Elect. lib. 5. in innit. da er alle Fuͤrſten ermahnet / hieran ſich zu ſpiegeln / vnd darbey zu bedencken / wie ſchlecht es vmb ein Reich vnd Herꝛſchafft beſchaffen / da den Vnterthanen jhre Gewalt vnnd Re - giment verhaſſet / vnd ſie mehr auß Furcht als auß Liebe gehorſamen. Vid. quæ ſeripſi pluribus in Tractat. meo. de, Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 2. claſ. 1. cap. 3. n. 5. & ſeq.

Der Gehorſam ſo auß Furcht vnd Gewalt entſtehet / wehret nurent(2) Amor & ſecuri - tas, mutuo amore & ſecuri - tate paci - ſcenda. Plini. & ut ameris amabilis eſto. Ovid. Ita Natura comparatum eſt, ut amore amantibus, & odio odientibus nos reſpondere ſoleamus, inquit Dionyſ. Halicarnaſſ. ſo lange als dieſe wehren / vnd die Mittel darzu verhanden / ſo bald aber dieſelbe abgehen / zerrinnen vnd ein Regent in Gefahr kompt / hat er ſich auff ſeine Tyranniſch tractirte Vnterthanen nicht zuverlaſſen / (2.) Ja offt die aͤrgſte vnd groͤſſeſte Feinde an denſelben / wie die Exempla Nero - nis, Galbæ, Ottonis, Vitellij vnd anderer mehr Tyranniſcher Regenten bezeugen. Wer von vielen gefuͤrchtet wird / der muß ſich ſelber auch fuͤr vielen wieder fuͤrchten.

Es wird aber die Liebe vnd Trewe der Vnterthanen erlanget vnd beybehalten / durch Gnade vnd Recht / wie David in ſeinem 101. Regen - ten Pſalm redet. Durch Recht / wann nehmlich ein Koͤnig / Fuͤrſt vnnd Regent / nechſt Gottes Ehr vnd Lehr / Recht vnd Gerechtigkeit liebet / vnd ſeinen Vnterthanen dieſelbe Vnpartheiſch gedeyen vnnd wiederfahren laͤſſet: Die boͤſen Exemplariſch ſtrafft / die Frommen ſchuͤtzet vnd begna - det. Die Gnade aber beſtehet in Sanfftmuth / Liebe vnd Affection ge -gen265 266[265]Von dem Weltlichen Stande. gen die Vnterthanen / daß man deren Wolfart vnd beſtes wiſſe vnd foͤr - dere / ſie wieder Recht vnd Herkom̃en mit newen Vnpflichten / Dienſten / Schatzungen vnnd dergleichen beſchwerlichen Preſſuren nicht gravire, die ſelbe auch zu Brod Auffnehmen kommenlaſſe / damit ſie in an - gehenden Noͤthen do beſſer vnd williger jhrem Herꝛn beytretten vnd zu - ſtewren koͤnnen. Der Vnterthanen gutes Vermoͤgen vnnd Wolſtand / iſt der Regenten reicheſter Schatz / der nicht muͤſſig lieget / ſondern pro - ſperiret, haben ſie viel / ſo koͤnnen ſie in Zeit der Noth reichlich zuſtewren / ſind ſie aber vorhin geſchunden / vnd biß auff Marck vnd Bein erſchoͤpf - fet / was koͤnnen ſie dann thun? Wider die Tyranniſche vnbarmhertzi - ge Regenten vnd Guth-Herren / die jhre Vnterthanen vber die gebuͤhr preſſen vnd belegen / laͤſſet Gott gar ſcharff predigen durch den Prophe - ten Micha c. 3. v. 1. 3. wann er ſpricht / jhr Haͤupter im Hauſe Jacob / vnnd jhr Fuͤrſten im Hauſe Jſrael / jhr ſchindet jhnen (nehmlich den armen Vnterthanen) die Haut ab / vnd das Fleiſch von jhren Beinen / vnd freſ - ſet das Fleiſch meines Volckes / vnd wann jhr jhnen die Haut abgezogen habt / zubrechet jhr jhn auch die Beine / vnd zerlegts wie in ein Toͤpffen / & verſ. 10. Die jhr Zion mit Blut bawet / vnnd Jeruſalem mit Vnrecht / darumb wird Zion wie ein Feld zupfluͤget / vnnd Jeruſalem zum Steinhauffen / vnd der Berg deß Tempels zu einer wilden Hoͤhe werden. v. 12.

Kkk (Lll) 3AXIO -267 268[267]Das ander Buch /

AXIOMA CXX. Vnderthanen thun wol wann ſie aͤrger - liche ſtraffbahre Laſter / ſonderlich wann etwas wider die Obrigkeit vnd jhren Staat obhanden / erfahren / daß ſie ſolches an - melden.

HIervon iſt im Geſetze Moſis alſo geoͤrdnet / wann eine Seele ſuͤndigen wuͤrde / daß er einen Fluch hoͤret / vnd er deß Zeuge iſt / oder geſehen / oder erfahren / vnd nicht angeſaget hat / der iſt einer Miſſethat ſchuldig / im dritten Buch Moſis Cap. 5. Wer mit Dieben Theil hat / hoͤret fluchen vnd ſagets nicht an / der haſſet ſein Leben ſpricht Sa - lomon in den Sprichwoͤrtern Cap. 29. v. 24. Wann grobe Laſter / Gotts - Laͤſterunge / Mord / Todtſchlag vnd dergleichen Miſſethaten vngeſtraffet bleiben / werden die Vbelthaͤter ge - mehret / geſtaͤrcket / vnd fahren jmmer forth / dardurch der(1) De Blaſphe - mis ita ſancit Ju - ſtinian. Imper. Nov. 77. cap. 1. Propter talia delicta, Deus provocatur ad iracundiam, fames & terræ motus, & peſti - lentiæ immittuntur, Civitas & Reſpub. læditur. add. Reichs Abſch. zu Augſpurg / ſub tit. von Gotteslaͤſterungen vnd Gottesſchwuͤhren. (2) Reipub. intereſt, ne delicta maneant impunita. Zorn GOTtes uͤber ein gantz Land entbrennen vnd daſſelbe mit gemeiner Landplag geſtraffet werden kan (1) derowegen der gantzen Republique vnd dem gemeinem Wolweſen / daran gelegen / (2) daß ſolche boͤſe laſterhaffte Leuthe geſtraffet /auß269 270[269]Von dem weltlichen Stande. auß dem Mittel gethan / das Land darvon geſaͤubert / (3) vnd(3) Con - gruit bo - no & gravi Magiſtra - tui, ut ma - lis homi - nibus Pro - vincia purgetur & careat, inquit Ul - pian. in l. 13. ff. de offic. Præ - ſid. GOTTES gerechter Zorn abgewendt wird / weil dann alle Vnderthanen vermoͤge jhrer Huldigungs - Pflichten ge - halten / jhrer Herꝛſchafft / deß Landes vnd gemeinen Nu - tzens Frommes zu foͤrdern / vnnd Arges zu wenden / ſind ſie ſchuldig / alle / demſelben widerſtehende / vnd das gemeine Weſen betruͤbende Haͤndel vnd Vberfahrunge / ſonderlich da etwas der hohen Obrigkeit vnnd gemeinen Wolfahrt zu wider obhanden / gebuͤhrlich / zu fernerer inquiſition an - zumelden / vnd koͤnnen deſſen von niemande in Vngutem verdacht werden. Dieſes iſt auch den Rechten gemeß / daß die Vnderthanen / ſonderlich Beampten / Diener vnnd die Wuͤrde ſolche Dinge nicht verheelen / ſondern der Obrig - keit anzeigen / vnnd da ſie es vnderlaſſen / darumb arbittaria judicis pœna zu beſtraffen ſeyn / wie die Juriſten Facultaͤt zu Leiptzig verſchiedentlich alſo geſprochen teſte Modeſtin. Piſtor. Illuſtr. Quæſtion ſexageſima prima, n. 3. & ſeqq. wiewol Matth. Coler. deciſ. ducenteſima quinta, wie auch Mynſing. obſervat. quadrageſima, & qua drageſima prima cent. 5. alleg. loc. einen Vnderſcheid machen. Hier - wider ſcheinet zu ſeyn was Salomon in den Sprich - woͤrtern am dreyſſigſten Capitel verſic. 10. ſchreibet / Ver - rathe den Knecht nicht gegen ſeinen Herren / er moͤchte dich fluchen vnnd du die Schuld tragen muͤſſeſt. Weil aber Salomon allhie von verrathen / welches / auff keine rechtmaͤſſige Anzeige begangener ſtraffbahren Miſſethaten zu deuten / ſondern dieſen Verſtand haben muß / daß man den Knecht bey ſeinen Herꝛn zur Vngebuͤhr nicht be - ſchuldigen / faͤlſchlich anklagen vnd in vnverdiente Vn - gnade bringen ſoll / ſonſten es dem vorigen gar zu wi - der lauffen vnd eine Contrarietaͤt / die dem weiſev Koͤ -nig Sa -271 272[271]Das ander Buch /nig Salomon nicht beyzumeſſen vervrſachen wuͤrde / ge - ſtalt dann im Lateiniſchen das Wort accuſare anklagen / oder beſchuldigen in vulgata Hieronymi ver - ſione geſetzet.

Jus273

• • Jus Belli & Duelli , • Jus Fœderum , and • Jus Legationum. Biblicum Von Bibliſchen Kriegs - vnd Balgen-auch Bundes vnd Geſanden Recht.

AXIOMA CXXI. Krieg zu fuͤhren iſt in Gottes Wort / der Voͤlcker vnd gemeinen Rechten / an ſich ſelbſten nicht ver - botten. (a)

(a) Vid. Hugon. Groti. de jure Beli. lib. 1. c. 2.
16

WAnn vnſere erſte Eltern Adam vnd Eva / in jhrer nach dem Ebenbild Gottes anerſchaffenen Integritaͤt / Heiligkeit vnd Gerechtigkeit geblieben / vnd ſich an Gott nicht verſündiget haͤtten / waͤre auch kein Krieg / als eine Hauptſtraffe / Plage der Suͤnde / vnd Vertilgung der Leuthein der Welt gewe - ſen / ſondern haͤtten alle Menſchen gleich den H. Engeln / in Friede / Ei - nigkeit vnd gnter Harmoni bey einander gewohnet / denn GOtt hat den Todt nicht gemachet / vnd hat nicht Luſt am verderben der Lebendigen / ſondern er hat alles geſchaffen daß es im Weſen vnnd gut ſeyn ſolte / ſpricht die Weißheit Salomonis c. 1. v. 13. 14. Er iſt nicht ein Gott der Vnordnunge / ſondern deß Friedens / in der 1. Epiſt. an die Corinther. c. 14. v. 33.

M m mWeil274Das andern Buch /

Weil aber leider der Sündenfall geſchehen / iſt Zwitracht vnd Vn - einigkeit / Vnrecht vnd Gewalt / vnd darauß vnter den Menſchen der Krieg entſtanden / vnd erwecket Gott offters zu ſonderbahren Straffen einem Koͤnigreich vnd Lande Feinde / vnd ſtaͤrcket darzu die Tyrannen / wie vnter Axiom. 3. geſetzet / ſtellet gleichſamb ein jagen vnter den Men - ſchen an / wie Axiom. 2. angefuͤhret / vnd ſtraffet eine Boßheit durch Zu - laſſunge der andern / wie er dann hin vnnd wider in der H. Schrifft dro - het / daß er ploͤtzlich rede wieder ein Volck vnnd Koͤnigreich zu verderben vmb der Suͤnde / vnd mit Peſt / Hunger vnnd Schwerd heimbzuſuchen. Jerem. c. 18. v. 7. & c. 1. v. 14. & ſeqq. Eſai. c. 47. v. 9. & ſeq.

Jſt derowegen der Krieg offters eine allgemeine Execution Got - tes / muß auch zuweilen nach Gottes Willen vngerechtem Gewalt zu be - gegnen / vnd ſich bey den ſeinigen zu ſchuͤtzen / zur Hand genommen wer - den / dahero dann der Krieg nicht ſimpliciter & abſolutè oder ohne vnter - ſcheid verbotten / ſondern vffgewiſſe Maſe vnd Weiſe zulaͤſſig / dann 1. Gott der Herꝛ ſeinem Volck Kriegsgeſetze Ordnunge / wie ſie ſich dar - zu anſchicken / wie ſie jhrem Feind die Stirn biethen / vnd durch den Feld - prediger animiret vnd zu guter courage erinnert werden ſolten / vorge -(1.) Bellum per ſe nihil habet vitij: Siquidem non ſolum viri & He - roes ſan - ctiſſimi, caſtra ali - quando ſecuti ſunt: Sed & Deus ut ita fieret, ſæpe pecu - liariter imperavit, parti inno - centi auxi - liatricem præſentiam promiſit, ſuppetias miraculoſas tulit, adeoque in novo teſtamento, nuſpiam quo minus id fieret prohibuit, modo id more legitimo ſuſcipiatur & geratur, uti ſingula S. Scriptu - teſtimoniis firmat Ioh. Schrôder. in Erotem. Cathet. Loc. de Lege c. 5. quæſt. 4. Nazianzen. Orat. 3. de pace, ait. Quod juxta Deilegem & auctoritatem, præclarè interdum bellum ſuſci - piatur. ſchrieben. (1.) Deut. 20. v. 2. & ſeqq. in nachfolgenden Formalibus, Wann jhr nun hinzukommet zum Streit / ſo ſollder Prieſter hinzu tretten vnd zum Volck ſprechen: Jſrael hoͤret zu / jhr gehet in den Streit wieder Feinde / ewer Hertz verzage nicht / fuͤrchtet euch nicht / vnd erſchrecket nicht vnd laſt euch nicht grawen vor jhnen / dann der Herꝛ ewer GOtt gehet mit euch / daß er fuͤr euch ſtreitte euch zu helffen.

Jmgleichen ermahnete GOtt den Moͤſen zum Krieg wieder die Midianiter / vnd befahl jhme bellum vindicativum, er ſolte mit den Waffen die Kinder Jſrael gegen ſie rechen. Num. 3. v. 2.

Ein Bellum offenſivum befahl Gott dem Joſuæ wieder den Koͤ - nig Ai. Joſ. 8. v. 2. Der Prophet Samuel animirte vnnd ermahnete den Saul daß er wieder die Amaleckiter zu Felde ziehen ſolte. 1. Samuel. 15. v. 3.

2. Haben viel auß Antrieb deß Geiſtes Gottes ſingulari afflatu, mit tapfferer Heroiſchen Reſolution vnd Heldenmuthl / die Waffen er -griffen /275Von dem Weltlichen Stande. griffen / als der Richter Athniel wider den Syriſchen Koͤnig Cuſan Ri - ſackheim. Jud. 3. v. 10. Gideon wider die Straſſenraͤuber vnnd Landver - derber Judic. 6. v. 34. Jephtha wider die Kinder Ammon Judic. 11. v. 29. Simſon wider die Philiſter. Jud. c. 15. v. 11.

3. Bezeuget die Schrifft / daß Gott die Waffen in gerechten Krie - gen ſegne / den Soldaten vnnd jhren Officirern Hertz vnnd Muth zum Streit gebe / deſſen ſich dann David ruͤhmet / vnd lobet / daß Gott jhn zu einem tapfferen Soldaten gemachet / vnd in ſeinen Ritter Orden genom - men / wann er ſpricht / daß der Herꝛ ſein Schild ſey / daß Gott lehre ſeine Hand ſtreiten / vnd ſeinen Arm einen ehern Bogen ſpannen. 2. Samuel. c. 22. v. 35. vnd ſeine Faͤuſte kriegen Pſalm. 143. v. 1. daß er jhn ruͤſte mit Staͤrcke zum Streit / vnd jhme ſeine Feinde in die Flucht gebe / wie mit mehrerm zu leſen im 18. Pſalm vnd ſonſten.

Ja es leget Moſes Gott dem Herꝛn ſelber diß Prædicat bey / daß er der rechte Kriegsmann ſeye. Exod. c. 15. v. 3. So hat auch David das Lob in der Schrifft / daß er deß Herren Kriege gefuͤhret. 1. Samuel. 25. v. 28. Es hat auch Gott ſeinem Volcke / wann es in ſeinen Wegen bliebe / vnter andern Segen / auch den Sieg wider jhre Feinde verheiſſen im 3. Buch Moſ. c. 26. v. 7. jhr ſollet ewre Feinde jagen vnd ſie ſollen fuͤr euch her ins Schwerd fallen.

Der Patriarch Abraham hat zu Wettunge ſeines Vettern deß Loths armiret, iſt mit ſeinen außgeruͤſteten Knechten wieder die Syrer zu Felde gezogen / von Gott mit einer herꝛlichen Victoria beſehliget / vnd von dem Prieſter vnd Koͤnig Melchiſedech einen trefflichen Segen deß - wegen erlanget / mit angehengtem Lobſpruche: Gelobet ſey GOtt der Hoͤchſte der deine Feinde in deine Hand beſchloſſen hat. Gen. c. 14. vnd iſt dieſer der erſte Krieg deſſen in der H. Schrifft gedacht wird / Vid. Paræ. in Commentar. in Geneſ. d. cap. 14. Auß welchem vnd andern mehr der H. Schrifft Exempeln offenbahr iſt / daß ein rechtmeſſiger notwendiger Krieg / nicht wieder Gott vnd ſein Wort / ſondern vielmehr darin gebot - ten ſeye. Daß auch ſolch Kriegsrecht durch das Evangelium nicht ab - gethan noch verbotten / offenbahr. Sintemahl das Evangelium die Po - litias vnd Regimenter dieſer Welt nicht auffhebet / ſondern vielmehr be - feſtiget vnd der hohen Obrigkeit das Schwerd zu Troſt Schutz der Vnderthanen anguͤrtet / vnd damit die Waffen vnd jus Belli in die Haͤn - de ſtellet. So iſt auch kein ander Mittel / wieder vnrechten Gewalt ſich vnd die ſeinigen zuſchuͤtzen / als durch die Waffen vnd iſt nicht weniger auſſer zweiffel / daß das Evangelium das jus Gentium oder der Ehrbah - ren Voͤlcker Recht ſo auß dem Fuͤncklein der annoch vbrigen geſundenM m m ijVer -275[276]Das ander Buch /Vernunfft entſpringet vnd alſo den Menſchen gleichſamb von Natur ins Hertz geſchrieben / eben wenig auffhebe / wie auch was an ſich ehrbar / billich vnd recht iſt. Als Johannes der Tauffer von den Soldaten be - fraget worden / was ſie thun ſolten daß ſie dem Zorn Gottes entfliehen / hat er ſie nicht gehtiſſen abzudancken vnd den Krieg zu quittiren / ſondern ſie ſolten niemand Gewalt vnd Vnrecht thun vnnd ſich genuͤgen laſſen an jhrem Solde Luc. 4. v. 14. wormit dann der Soldaten Stand vnnd Kriegsrecht auch im newen Teſtament beſtaͤrcket wird / vnnd führet ſolches weitleufftig auß Hugo Groti. de jur. Bell. lib. 1. c. 2. daß nemblich der Krieg vnſerm Chriſtenthumb nicht zuwieder noch damit ſtreite.

Axioma CXXII. Der Krieg iſt Gottes Netz vnd Jagen / darin die Leu - the gefangen werden / wie das Wild im jagen.

WIe Gott der Herꝛ vber die Suͤnde ſeines Volck hart erzuͤrnet war / ließ er jhnen durch den Propheten Ezechiel ſcharff pre - digen vnd ſagen / daß er vber jhren Fuͤrſten ſein Netze werffen / daß er in ſeiner Jagt gefangen / vnd gen Babel gebracht wer - den / vnd daſelbſten ſterben ſolte. Ezechiel. c. 12. v. 13. welches er wieder - holet im 17. c. v. 20.

Deßgleichen draͤwet Gott Pharao dem Koͤnigin Egypten bey dem - ſelben Propheten vnd ſpricht: Jch will mein Netz vber dich außwerffen durch einen groſſen hauffen Volcks / die dich ſollen in mein Garen jagen. c. 35. v. 3. Dieſes iſt eine feine Vergleichunge / dañ wann groſſe Herren ein Jagen halten wollen / ſo ſtellen ſie die Garn vnd Jagttuͤcher oder Netze / bringen durch die Hunde vnd Jaͤger das Wild mit groſſen Hauffen zu - fammen in das Jagen vnd in das Garn / laſſen es hernacher auff den rechten Lauff treiben / ſtehen mit jhren Spieſen vnd Roͤhren / mit ſtarcken Hunden vnd Doggen / geben einem nach dem andern einen Fang oder Schuß / fellen vnd reiſſen ſie darnieder / führen theils lebendig hinweg zu jhrem Luſten / biß alles gefangen / alſo machet es auch Gott in ſeinem Ja - gen / da muͤſſen ſeine Jaͤger / das ſeind die Tyrannen vnd Gewaltige / ſo groſſe Kriegesheer ſamblen / vnd damit zu Felde auff das Jagen ziehen / alles was ſie antreffen / niederhawen / erſchieſſen vnd erwuͤrgen / biß er gebeut / daß ſein blutiges Rachſchwerd wieder in die Scheide fahre. Esnennet277Von dem Weltlichen Stande. nennet dahero Gott den Krieg auch ein Schlachtopffer welches er zube - reitet / die Tyrannen vnd Krieger aber ſeine darzu geladene Gaͤſte bey dem Propheten Zephania c. 1. v. 8.

Alſo ward Nimrod der erſte Monarch vnd Koͤnig in Aſſyrien / wie er anfieng ein gewaltiger Herꝛ zu ſein auff Erden / ein Jaͤger / ja ein ge - waltiger Jaͤger von dem Herren genant / dz iſt / er rieß alle Land vnd Voͤl - cker an ſich / brachte ſie vnter ſeine Gewalt vnd Joch. Gen. c. 10. Es ſeind ins mein die Jaͤger crudele vnd vnbarmhertzige Leuthe / die nicht allein in das Wild ſæviren, ſondern auch die arme Leuthe die jhnen offt mit Leibes vnd Lebens gefahr in groſſer anzahl auffwarten vnd helffen muͤſſen / mit ſchlagen / fluchen vnd andern orbitantien, vbel tractiten vnd plagen / dero - wegen Gott die Tyrannen den Jaͤgern / ſo wol wegen der crudelitaͤt die ſie darbey pflegen zu veruͤben / als wegen der groſſen Begierde das Wild zu fangen vnd zu faͤllen / vnd den Krieg einem Jagen vergleichet.

Eſau war auch ein guter Jaͤger / aber ein crudeler vnbarmhertziger Mann / der ſeinem frommen Bruder dem Jacoc den Todt geſchwohren(1.) Hie - ron. in Pſalm. 90. ad verſ. ſperabo in Domino inquit. E - ſau vena - tor erat, quoniam peccator. Et penitus non inve - nimus in ſcripturis ſanctis ſanctum aliquem venatorẽ: Piſcatores invenimus fanctos, Et hoc dictũ Canoni - zatum in jure Cano - nico, c. Eſau Di - ſtinct. 86. hatte / derowegen dieſer auch jenem / daß er jhn nicht ins Garn brechte vnd erwuͤrgete / auß ſeines Vatters Hauſe weichen vnnd ſich in die Frembde begeben muſte. Gen. c. 27. Es wird gar wenig in der Bibel der Jaͤger am beſten gedacht. (1.)

Es werden deß Koͤnigs Davids vnd Salomons vornembſte Of - ficirer / Amptleuthe vnd Bedienete verſchiedentlich erzehlet / darbey iſt a - ber die Jaͤgerey gar nicht gemeldet / vnd findet ſich in Catalogo der Hoff - vnd Kriegs officirer kein Jaͤgermeiſter als 2. Samuel. c. 8. v. 16. & c. 20. v. 23. & ſeq. 1. Reg. c. 4. v. 3. & ſeq. Mann findet gleichwol daß an deß Koͤ - nigs Salomo Hoffe viel Wildpraͤt / Hirſche / Rehe vnd Gemſen geſpeiſet worden. 1. Reg c. 4. v. 23 derowegen dann auch ohne zweiffel eine Jaͤge - rey vnnd gewiſſe Jaͤger die das Wild gehetzet / gebůrſchet vnd gefangen / geweſen / vnd als fromme Jaͤger auch jhren Beruff von Gott haben / ob ſchon bey dem Jagen viel exorbitantien vorgehen / welches dem Miß - brauche / der den rechten gebrauch nicht auffhebet / zuzuſchreiben / vnnd die Jaͤgerey als der groſſen Herren Regale vnd ſonderbahre Ergaͤtz. ligkeit / darumb nicht zuverachten / ſondern billig zu loben / vnd deren ruͤhmlich zu gedencken ſtehet.

M m m 3AXIO -278Das ander Buch /

Axioma CXXIII. Gott erwecket den Koͤnigen vnnd Voͤlckern Feinde / wann ſie ſich an jhm verſuͤndigen / vnd ſtaͤrcket darzu die Tyrannen.

JCH will ſpricht Gott der Herꝛ / ein Rachſchwerd vber euch brin - gen / das meinen Bund raͤchen ſoll im 3. Buch Moſ. c. 26. v. 25. Jch will ſpricht er an dich Tyrus vnd will viel Heyden vber dich herauß kommen laſſen / ich will vber dich kommen laſſen Nebucadnezar den Koͤnig zu Babel / ꝛc. bey dem Propheten Ezechiel. c. 26. v. 3. & 7.

Dem Koͤnig Salomon verliehe vnd gab Gott Friede / daß Juda vnd Jſrael ſicher wohneten / ein jeglicher vnter ſeinen Weinſtock vnd vn - ter ſeinen Feygenbaum von Dan biß gen Berſeba. 1. Reg. 4. v. 21. Als a - ber Salomon ſich in der Heydniſchen Weiber Liebe vertieffet / die ſein Hertz neygeten zu frembden Goͤttern / daß er thate was dem Herꝛn vbel gefiel / vnd folgete nicht gaͤntzlich dem Herꝛn wie ſein Vatter David / ba - wete|eine Hoͤhe Chamos dem Grewel der Moabiter vnd Molech. 1. Reg. cap. 11. da erweckete / ſpricht die Schrifft / der Herꝛ dem Salomon einen Wiederſacher Hadad den Edomiter von Koͤniglichen Samen d. c. 11. v. 14. Jmgleichen erweckete GOtt einen Wiederſacher Reſon den Sohn Eliada. ibid. v. 23.

Als die Kinder Jſrael vbels thaͤten vor dem Herren / da ſagt die Schrifft / ſtaͤrckte der Herꝛ den Tyrannen Eglon der Moabiter Koͤnig wider ſie. Judic. c. 3. v. 12. Bey dem Propheten Eſaja ſpricht Gott; Jch will die Egypter aneinander hetzen / daß ein Bruder wieder den andern / ein Freund wieder den andern / eine Statt wider die ander / ein Reich wi - der das ander ſtreite. Eſai. c. 19. Wie der Herꝛ anfieng vberdrüſſig zu wer - den vber Jſrael wegen jhrer vielfaͤltigen Abgoͤtterey / ließ er den Haſael auß Syrien wider ſie kommen / daß er ſie ſchlug in allen Graͤntzen. 2. Reg. c. 10. v. 32.

Dem Fuͤrſten zu Tyro ließ Gott durch den Propheten ſagen / er wolte Frembde vnnd die Tyrannen der Heyden vber jhn ſchicken / die ſolten jhr Schwerd vber jhn zucken / vnd jhn hinunter ſtoſſen. Ezechiel c. 28. v. 7. add. Jerem. c. 27.

Solches ließ Salmanaſſer der Aſſyriſcher Koͤnig / durch ſeinenGeneral279Von dem Welltichen Stande. General Thaethan dem Koͤnig Hiskia rund vnter Augen ſagen / er ſolte nicht meinen daß er ohn den Herꝛn auffgezogen / daß er die Staͤtte Jſrael vnd Juda verderbte / der Herꝛ haͤtte es jhn geheiſſen. 2. Reg. 18. v. 23. dann wann Gott erzuͤrnet iſt / machet er ſeine Pfeile mit Blut truncken vnnd ſein Schwerd muß Fleiſch freſſen / ſpricht er im 5. Buch Moſ. am 32. c. v. 42. Ja der Herꝛ Zebaoth ruͤſtet zuweilen ein Heer zum Streitte / ja der Herꝛ ſelbſt / ſampt dem Zeuge ſeines Zorns / zu verderben das gantze Land. Eſai. c. 13. v. 4. 5. vnd bey eben dieſen Propheten ſtehet ferꝛner: Wer hat Jacob vbergeben zu pluͤndern / vnd Jſrael den Raubern? Hats nicht der Herꝛ gethan an dem wir geſuͤndiget haben / darumb er vber ſie außge - ſchuͤttet den Grimm ſeines Zorns vnd eine Kriegsmacht / ꝛc. c. 42. v. 24. 25. worauß dann offenbahr daß die Kriege nicht ohngefehr / Lande vnnd Leuthe ergreiffen ſondern daß Gott dieſelbe vmb der Suͤnde willen / zum Verderben den Leuthen vber den Halß vnd das Schwerd durch das Land ſchicke.

AXIOMA. CXXIV. Krieg ſoll man ohne Noth vnd rechtmaͤſſige Vrſache nicht anfahen.

KKrieg iſt die groͤſſeſte vnd ſchwereſte Landplage. 2. Samuel. c. 14. v. 13. & ſeqq. & 1. Chron. 22. v. 12. & ſeq. iſt ein Grewel vor Gott vnd ein kurtzer Außzug alles boͤſen Jammer vnd Elendes / vnd koͤnnen Kayſer / Koͤnige / Potentaten / Republiquen, Fuͤrſten Herren vor Gott nicht verantworten / wann ſie ohne Noth vnd rechtmaͤſ - ſige Vrſache Kriege anfahen / fuͤhren vnd continuiren. (1.) (1.) Bellũ eſt epito - me omniũ malorum, & ſi bellũ dixeris, uno verbo omnia mala dixe - ris. Et re - ctè Eraſm. in Præfat. ad Paraphraſ. in Evangel. Marci, ad Galliæ Regem: in Bellis ſuſcipiendis, quoniam ingentium malorum inducunt diluvium, oportet omnibus oculis advigilare, ne quid temerè ſtatuatur. Et fortaſſe boni Principis, aliquando bellum gerere, ſed tum deniq́ue poſtea - quam omnibus fruſtra tentatis huc adigit extrema neceſſitas. Neceſſitatem ita conſideramus, ſi eſſe nobis non licet, niſi bellum inferamus Alberi. Gentil. de jur. Bell. lib. 1. c. 17. Iuſtum bellum, quibus neceſſarium, & pia arma, quibus nulla niſi in armis ſpes relinquitur. Liv. De Auguſto tra - ditur, non ſine immortali gloria: Quod nulli genti, ſine juſtis & neceſſariis cauſis bellum in - tulerit. Cuſpinian in vit. Aug.

Es gehen ja im Krieg grewliche vnnd vnmenſchliche Inſolentien, Suͤnde / Laſter / Schande vnd Vnthaten vor / Frawen vnd Jungfrawen werden geſchaͤndet / Lande vnd Leuthe werden verwuͤſtet / herꝛliche Staͤt - te / Flecken vnd Doͤrffer werden in die Aſche geleget vnnd zu Steinhauf - fen gemachet. Der Acker lieget wuͤſte / traͤget an ſtat ſeines herꝛlichen Ge - waͤchſes / Dieſteln vnd Dornen / Kirchen vnd Schulen werden deſtrui -ret,280Das ander Buch /ret, alle gute Policey vnd Ehrbarkeit wird auffgehoben / vnnd heiſt es da inter arma ſilent leges. (2.) das Edle vnd thewre Chriſten-Blut wird(2.) In Pa - ce cauſas & merita ſpectari, ubi Bellum ingruit, innocen - tes ac no - xios juxta cadere, in - quit Tacit. lib. 1. An - nal. vergoſſen wie Waſſer (3.) vnd muͤſſen zuweilen die Leichnam der Heili - gen vnbegraben bleiben / den Voͤgeln vnter dem Himmel vnnd Wilden Thieren zutheil werden / wie daruͤber David klaget in ſeinem 79. Pſalm / die Kinder heiſchen Brod vnd iſt niemand der es jhnen breche. Klaglied Jerem. c. 4. v. 4.

Jn Summa es gehen auch in den gerechtiſten Kriegen ſolche grewliche Dinge vor / die in den Himmel reichen. 2. Chron. c. 28. v. 9. 1. Chron. c. 23. v. 7. & ſeq. & c. 29. v. 3. darvon gleichwol der jenige Herꝛ / ſo einen ohnnoͤtigen Krieg anfaͤhet / oder wann er Friede haben vnnd wol machen kan / pro reputatione, vnd zu ſeiner affectirten groͤſſeren Hoheit vnd Dominat denſelben continuiret, hiernegſt dem gerechten Gott Rede(3.) Quo - ties ſan - guis pio - rum inju - ſtè effun - ditur, Chriſtus denuè in membris ſuis cruci - figitur Helmod. in Chron. Slav. lib. 2. c. 13. eſt inter artificia bellum, Imò res eſt tam hor - renda, ut eam niſi ſumma neceſſitas, aut vera charitas, honeſtum efficerenequeat Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 25. § 9. in fin. vnd Antwort zugeben hat|.

Weyland Landgraff Philips zu Heſſen der aͤlter hatte den Krieg auch verſuchet / vnd erfahren / derowegen in ſeinem Teſtament ſeine Soͤhne mit nachfolgenden Formalibus Vaͤtterlich darvon abgemahnet: Es iſt vnſer trewer Rath / Vaͤtterliches Bedencken vnnd Verord - nunge / daß ſich vnſere Soͤhne in alle Wege vor Krieg wollen huͤten vnd keinen anfahen / dann es iſt nicht mehr zu Kriegen als vorzeiten. Das Kriegsvolck iſt zu theuer / man kans nicht mehr erhalten / der Fi - nantzen ſeind zu viel / darumb wollen ſie das Sprichwort mercken: Dul - ce bellum inexpertis, vnd ſich vor Kriegen huͤten ſo viel muͤglich / ſie muͤſtens dann thun ſo ſie vberzogen wuͤrden.

Wo Noth vnd gerechte Vrſache vorhanden / da hat man beſſer Gluͤck vnd guten Succes zu erwartten / vnd ſo viel do ritterlicher zuſtreit - ten. (4)In omni expeditione bellica tria accuratè conſideranda: Cauſæ æquitas, facilitas vin - cendi, & victoriæ fructus Iacob. Zevecot. in obſervat. Polit. ad Sueton. Caii. Iul. Cæſ. c. 44. Cauſa jubet ſuperos melior ſperare ſecundos. Ein gute Sache hat bey ſich Gottes Rache. Ein gute Sache macht guten Muth. Quando pugnatur, Deus apertis cœlis propectat. & partem quam inſpicit juſtam, ei dat palmam Auguſtin. epiſt 194. & ex eo Fabriti. in den Kriegs Fragen Quæſt. 14.Sonderlich aber muß man in der wehrten Chriſtenheit nicht leichtliches zum Krieg kommen laſſen / darin ein Chriſt den andern / ja ein Bruder den andern jaͤmmerlich erwůrget. Traͤglicher iſt es / ſchreibet D. Luther vber den 90. Pſalm / wann ein Chriſt wieder einen Heyden oderTuͤrcken281Von dem Weltlichen Stande. Tuͤrcken fechte / da waͤre doch Hoffnunge das vnſer Herꝛ Gott eine See - le darvon kriegt / wo aber ein Chriſt wieder den andern ficht / iſt zu beſor - gen daß der Teuffel ein zweifaltig Opffer vnd Beute bekomme. Chriſtus nennet ſich einen guten Hirten vnd vns ſeine Schaffe. Wer hat aber je geſehen daß ſich die Schaffe vnter einander gebiſſen vnd zerriſſen haben, was wuͤrden die Woͤlffe thun / wann ſie ſolches inne wuͤrden? was mei - net jhr lieben Chriſten was der Tuͤrcke dencke vnd im Sinne habe / wann er ſiehet / daß die Chriſten mit Vnfried vnnd Krieg alſo vntereinander wuͤten vnndt oben? es hat jhn vnſer Vnfried nicht wenig gehertzet vnnd frewdig gemachet.

Als Abia der Koͤnig in Juda auß Noth wieder Jerobeam den Koͤ - nig in Jſrael / der noch einmahl ſo ſtarck an Krieges volck war / zu Felde zohe vnd treffen wolte / that er eine feine Oration / vnd verließ ſich auff ſei - ne gerechte Sache / zeigete an / wie daß Jerobeam vnd die jhme anhaͤngi - ge Staͤmme in Jſrael jhrer Vaͤtter Gott verlaſſen / guͤldene Kaͤlber vor Goͤtter geſetzet / die Prieſter deß Herꝛn die Kinder Aaron vnnd Leviten außgeſtoſſen / vnd eygene Prieſter gemachet / wie die Heydniſche Voͤlcker im Lande. Hingegen dienete er vnd ſein Volck dem Herꝛn jhrem Gott durch die darzu geordnete Prieſter Aarons Kinder vnd Leviten / mit An - zuͤndunge deß Brandopffers vnd Rauchwercks / darumb waͤre mit jhnen an der ſpitzen Gott ſeine Prieſter mit jhrẽ Drom̃eten / derowegẽ koͤnte es jhme nicht fehlen / vnd wiewol Jerobeam noch einmahl ſo groſſes Cor - pus der Armee gehabt / vnd ſeine Schlachtordnunge ſehr klůglich / weil er ein guter vnnd alter Soldat war / angeſtellet / muſte er doch das Feld raͤu - men vnd dem Abia den Sieg laſſen. 2. Chron. c. 13. Die Vrſachen / war - umb man vor Gott vnd der Welt verant wortliche Kriege fuͤhren moͤge / werden von den Politicis, vnd ſonderlich denen / die abſonderlich von die - ſer Materi geſchrieben / weitleufftig angefuͤhret / dieſes Orts will ich ver - bleiben in vorgenommenen terminis Bibliſcher Policey / vnd darauß etz - liche Vrſachen anziehen / vnd mit Exempeln beſtaͤrcken.

Die Weltliche Obrigkeit iſt zwar befugt Krieg zu fuͤhren / aber von Gott befehlicht den lieben Frieden zu handhaben. S. Paulus ſagt Rom. 13. deß Schwerds Ampt ſey ſchützen die Frommen / nemlich in Frieden / vnd ſtraffen die Boͤſen mit Kriege. Wer luſt zu Krieg vnd Blutvergieſ - ſen hat / der pfleget ſelten dem Blut zu entrinnen / vnd pflegen ins gemein die Anfaͤnger den kuͤrtzern zuziehen / dann Gott laͤſſet von jhm ſingen / Diſſipat gentes quæ bella volunt. Der Herꝛ zerſtrewet die Voͤlcker die luſt zum Kriege haben. Pſalm. 68. v. 31. D. Luther ſchreibet hiervon gar denckwuͤrdig Tom. Ienens 3. fol. 323. 6. & ſeq. Alſo: da huͤte dich vor derN n nleuget282Das ander Buch /leuget nicht / vnd laß dir das geſaget ſeyn / daß du weit weit von einander ſcheideſt / wollen vnd müſſen / Luſt vnd Noth. Luſt zu kriegen vnd wollen ſtreiten / laß dich ja nicht anfechten / du ſeyſt gleich der Tuͤrckiſche Kayſer / harre biß Noth vnd Muͤſſen kompt / ohne Luſt vnd Willen / du wirſt den - noch zuſchaffen gnug haben / vnd Kriegs gnug kriegen / auff daß du moͤ - geſt ſagen / vnd dein Hertz ſich koͤnne ruͤhmen / wol an wie gern wolte ich doch Friede haben / wenn meine Nachbahren wollen / ſo kanſtu mit gutem(5.) Felici - tatis ſuæ prodigum eſſe, qui ſolis in ar - mis glo - riam po - nit, rectè monuit Frideric. de Marſe - laer. de le - gat. lib. 2. c. 24. Gewiſſen dich wehren / denn da ſtehet Gottes Wort / er zerſtrewet die Luſt zu Kriegen haben. (5.)

Siehe an die rechten Krieger / die bey dem Schimpff geweſt ſind / die zuͤcken nicht balde / trotzen nicht / haben nicht luſt zuſchlagen / aber wañ man ſie zwinget daß ſie můſſen / ſo huͤte dich fuͤr jhnen / ſo ſchimpffen ſie nicht / jhr Degen ſtecket veſte / aber muͤſſen ſie jhn zuͤcken / ſo kompt er nicht ohne Blut wieder in die Scheide. Wiederumb die tollen Narren / die mit Gedancken zu erſt kriegen / vnnd fahens trefflich an / die Welt freſſen mit Worten / vnd ſind die erſten mit Schwerd zuͤcken / aber ſie ſind auch die er - ſten die da fliehen vnd das Schwerd einſtecken.

Die Roͤmer / das maͤchtige Kayſerthumb / hat faſt am allermeiſten damit gewonnen / daß ſie haben muͤſſen kriegen / das iſt / jederman wolte ſich an ſie hengen / vnd Ritter an jhnen werden / daß ſie ſich muſten wehren / ſo ſchlugen ſie auch als dann gar weitlich vmbſich.

Hannibal der Fuͤrſt auß Africa thaͤt jhnen doch ſo wehe / daß er ſie gar ſchier haͤtte zu nichte gemachet / aber was ſoll ich / agen? Er hatte an - gefangen / er muſte auch auffhoͤren / der Muth von Gott blieb bey den Roͤ - mern / ob ſie wol verlohren / wo aber Muth bleibet / da folget auch die That gewißlich / denn es iſt Gott der es thut / vnd will Friede haben / vnd iſt feind denen ſo Krieg anfahen vnd Friede brechen.

AXIO -283Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CXXV. In Pace de Bello, Bey gutem Friede ſoll man nicht gar ſicher ſeyn.

WIe vnten in Axiomare CXLV. Dieſes iſt aber die beſte Verſiche - runge / ꝛc.

Axioma CXXVI. Vor Gottes Ehre / Erhaltunge ſeiner reinen Lehre / auch Schutz deß Vatterlandes vnd ſeiner anver - trawten Vnterthanen / kan vnd ſoll man zu den Waffen greiffen. (1.)

(1.) Omniũ mortaliũ conſenſu, juſtiſſima eſt belli cauſa, pro - pulſare in - jurias, & tueri ar - mis focos, liberos, patriam, Paul. Io - vius.
17

ALs Saneballat vnd andere ſeine Adhærenten vnd Feinde der Kin - der Jſrael ſich verbunden hatten / den angefangenen Baw deß Tempels / vnd damit den oͤffentlichen Gottesdienſt zu hindern / ſtellete Nehemias das Volck in guter Ordnunge mit jhren Schwerdten / Spieſen / vnd Bogen / vnd machete ſich zur Defenſion ge - faſſet. Nehem. c. 4.

Wie der Koͤnig Antiochus den Tempel zu Jeruſalem vervnreinig - te / den Grewel der Verwüſtung auff Gottes Altar ſetzen / den wahren Gottesdienſt zu Jeruſalem gantz außrotten wolte / da erweckte Gott den Geiſt Mathathiæ zur Defenſion / daß er ſich dem Antiocho vnd ſeinen Befehlhabern widerſetzte / zu den Waffen griffe / ſich vnnd das Juͤdiſche Volck bey dem Exercitio jhrer Religion manutenirte. 1. Macchab. c. 1. 2. & 3. Alſo thaten auch Simon der Sohn Mathathiæ vnnd die vbrigen Macchabe er / die jhr Leben gewaget / vnd den Feinden jhres Volcks wie - derſtand gethan haben / daß das Heiligthumb vnnd Geſetz Gottes nicht vertilget wuͤrden. 1. Mac chab. c. 14. v. 29.

Deßgleichen that Judas / wie die Statt / der Gottesdienſt vnnd Tempel zu Jeruſalem in Gefahr ſtunde. 2. Macchab. c. 15. v. 17. 18. dasN n n ijheiſt284Das ander Buch /heiſt man pro aris & focis, pro lege & grege ſtreitten. (2.)

(2.) Ipſe ſibi ſtringit Pelicanus pectora roſtro Et proprio pullos ſanguine fidus alit. Alphonſi Regis dictum hoc fuit, addidit illud; Sic pro lege geramprælia proq́ue grege. Vor Gottes Ehre vnd Vatterland / Nimbt man billig das Schwerd zur Hand.
17

Wegen ſolches Schutzes werden ſie genennet Schilde der Erden. Pſalm. 47. v. 10. Sie werden genant Salvatores, Heylande vnd Helffer / weil ſie den Vnterthanen Heyl vnnd Huͤlffe wieder die Feinde ſchaffen. Judic. 3. 5. 9. Paſtores populi, Hirten. Eſai. 44. v. 28. Patres Patriæ Lan - des Vaͤtter / Geneſ. 14. v. 43. Iacob. Fabrit. in ſeinen Kriegsfragen Quæſt. 23.

Als Nahus der Ammoniter Koͤnig die Statt Jabus in Gilead belagerte / vnd trohete allen Bürgern das rechte Auge außzuſtechen / da konte der Koͤnig Saul nicht voruͤber zu Rettunge ſeiner betrengten Vn - terthanen / ſein Landvolck in allen Graͤntzen Jſrael auffzubiethen / zu ar - miren vnd ſeine Vnterthanen / die Jebuſiter zu ſchuͤtzen. 1. Sam. c. 11. Es iſt aber auch darbey wañ ein Herꝛ wegen Verwaltigung eines oder mehr ſeiner Vnterthanen vrſach hat Krieg anzufahen / vorhin wol zubeden - cken / ob ſolches ohne groſſe Gefahr ſeines Staats / vnd groͤſſerem Nach - theil aller ſeiner Vnterthanen / Lande vnd Leuthe geſchehen kan. Sinte - mahl ein ſorgfaltiger Regent mehr auff das gantze Corpus vnd viele / als etzliche wenige einen oder mehr zuſehen / weil es traͤglicher iſt / daß einero - der weniger vnrechts leyden / als daß alle daruͤber in Gefahr vnnd Vn - gluͤck gerathen / vnnd muß auß zweyen Vbeln alle zeit das geringſte er - wehlet werden / quia minus malum eo caſu induit naturam boni, confer. Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 25. §. 2. Et lib. 3. c. 12. ubi notat, ut propter pecora abacta, aut domos aliquas incenſas totum regnum vaſterur, æ - quitatem non ferre.

So viel nun die Religion anlanget / ob wol dieſelbe an ſich ſelbſten ein bonum Spirituale, ein Geiſtlich vnd Seelen Gut / vnd derowegen durch euſſerlichen Gewalt vnd per Carnalia arma nicht eben zu behaupten / ſo kan jedoch vnd muß / von denen / die es befugt / das freye Exercitium vnnd Vbunge Cultus divini oder Gottesdienſtes / wieder die jenige die es thaͤt - lich zu hindern vnterſtehen / durch die Waffen vnd euſſerliche Gewalt de - fendiret vnd beſchuͤtzet werden / wie das angezogene Exempel Nehem. c. 4. bezeuget.

Dahero dann auch in deß H. Reichs Conſtitutionen, Churfuͤrſten vnd Staͤnde deß Reichs / Schuͤtzer vnnd Schirmer deß ChriſtlichenGlaubens /285Von dem Weltlichen Stande. Glaubens / Reichs-Abſchied zu Nuͤrnberg de Anno 1524. Als auch viel - gedachte / ꝛc. Der Roͤmiſche Kayſer aber / der Obriſter Voigt / Advocat vnd Schirmer vnſers Chriſtlichen Glaubens genennet werden / R. A. zu Speyer de Anno 1329. ſub tit. Conſtit. wieder die Wiedertaͤuffer §. 1. junct. R. A. de Anno 1518. §. erſtlich & R. A. zu Regenſpurg de Anno 1541. §. Aber Churfuͤrſten / ꝛc. vnd ins gemein darin ferner enthalten / daß man zu forderſt Gott dem Allmaͤchtigen zu Ehren / vnnd Handha - bunge vnſers Chriſtlichen Namens / auch zu Schutz vnd Schirm vnſers gemeinen Vatterlandes Teutſcher Nation / vnd vnſer aller Freyheit / zu den Waffen greiffen muͤſſe. Reichs-Abſchied zu Regenſpurg de Anno 1532. §. vnd damit ſolcher. Jtem R. A. zu Speyer de Anno 1542. weiter vnd nachdeme / ꝛc.

Axioma CXXVII. Zu Rettunge ſeiner betrangten Freunde / Religions - vnd Bundes-Verwandten / wird rechtmeſſi - ger Krieg gefuͤhret.

ALs Loth Abrahams Brudern Sohn von dem Koͤnig Kedorlao - mor vnd ſeinen Adhærenten, in dem Kriege mit den Koͤnigen Sodom / Gomorra / ꝛc. gefangen vnnd weggefuͤhret ward / thate Abraham wol vnd loͤblich / daß er zu Rettunge ſeines gefangenen Blut freundes armirte vnd Krieg fuͤhrete / Gen. c. 14. Jmgleichen nah - me ſich Mathathias der Macchabeer ſeiner betrangten Glaubensgenoſ - ſen auff den Graͤntzen Jſrael an / vnd befahl ſeinem Bruder Simon / daß er jhnen mit einer eygenen Armee zu huͤlff kaͤme. 1. Macchab. c. 5. v. 9. & ſeq.

Joſua vnnd die Kinder Jſrael hatten mit den Gibeonitern einen Bund auffgerichtet / derowegen wurden ſie von allen Koͤnigen der Am - moniter gereidet vnd angefeindet / wie ſie aber als Bundes-Verwandte / Huͤlffe bey Joſua ſucheten / ließ er ſie nicht / ſondern kahm jhnen mit Heersmacht zu huͤlffe vnd ſchlug jhre Feinde. Joſ. c. 9. & c. 10.

Jm Buch der Richter am 5. Capitel findet man / mit was groſſem Eyffer der Engel deß Herren / die Statt Meros ſampt jhren Buͤrgern verfluchet habe / darumb daß ſie jhren ſtreittenden Mitbruͤdern in einem gerechten Defenſions Krieg wieder den Cananitiſchen FeldhauptmanN n n iijSyſſera286Das ander Buch /Syſſera nicht waren zu huͤlff kommen: fluchet / ſpricht die Prophetin De - bora in jhrem Lobgeſange / der Statt Meros ſprach der Engel deß Her - ren / fluchet jhren Buͤrgern / daß ſie nicht kamen dem Herren zu Huͤlffe / zu Huͤlffe dem Herren / den Helden. Als die Heyden wieder die Juden in Galaad zu Felde zohen / das Volck ſich auff die Burg Datheman ſal - virte, vnd Tim otheus die Burg belagerte / vnd ſtuͤrmen wolte / ſchrieben ſie Brieffe an Judam der Macchabeer Heerführer vnnd ſeine Bruͤder / daß ſie jhnen eylends moͤchten ſuccurriren zu huͤlff kom̃en / dann jhrer Bruͤder ſchon viel von den Heyden ſampt Weib vnd Kindern niederge - machet / bedachte Judas ſich nicht lange / hielte Kriegs-Rath vnnd ward der Entſatz darin geſchloſſen / machte ein ziemlich Corpo vnd commen - dirte ſeinen Bruder Simon damit zum Entſatz / der auch in Galileam ſchleunig geruckt / die Belagerte vnd andere Betrangte entſetzet vnd ge - rettet. 1. Macchab. c. 5 v. 8. & ſeq.

Kayſer Conſtantinus Magnus hat die Roͤmer wieder die Tyran - ney deß Maxentii vnnd die betrengte Chriſten / wider die grimmige Ver -(1.) Qui non repel - lit injuriã à ſocio ſi poteſt, eſt in vitio quam ille qui facit, ait Am - broſi. lib. 1, Offic. c. 36. Homo e - nim in ad - iutorium mutuum generatus eſt inquit Senec. lib. 1. de ira c. 7. folgunge deß Kayſers Licinii geſchuͤtzet. (1.)

Als Anno 1522. der Tuͤrck dem Koͤnig in Vngern hart zuſetzete / hat Kayſer Carl der V. auff deme zu Nuͤrenberg in gemeltem 1522. Jahr gehaltenem Reichs-Tage ſich Kayſerlich vnd Chriſtlich erklaͤret / daß ſei - ne Kayſerl. May. mit den Staͤnden deß Reichs zu Rettunge deß Chriſt - lichen Bluts vereiniget vnd beſchloſſen / dero Brudern dem Koͤnige von Hungarn / zu Wiederſtand deß Tuͤrcken mit Huͤlff zu erſcheinen vnnd Chriſtlichen Bruderlichen Troſt zuerzeigen. Reichs-Abſcheid zu Nuͤren - berg de Anno 1522. in fin. princip. add. R. Abſch. de Anno 1526. §. dar - auff haben wir / ꝛc. vid. Hug. Groti. de jur. bell. lib. 1. c. ult. n. 2. Es iſt aber bey Aſſiſtentz der Bundsverwandten vnd Freunde auch dieſes wz in vorhergehendem Axiomate gedacht / ſorgfaͤltig zuerwegen ob ſolche aſſi - ſtentz mit effect vnd Nutzen geſchehen vnnd ein gewuͤnſchter Außgang zu hoffen / vnd ob nicht viel mehr / aller apparentz nach der Helffer mit dem geholffenen daruͤber ohnfehlbar zu grund gehen muͤſten / darvon Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 25. §. 4. da er alſo ſchreibet. Ne tuncquidem te - neri ſocium ſi nulla ſpes ſit boni exitus. Boni enim non mali cauſa ſocietas contrahitur.

AXIO -287Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CXXVIII. Eine rechtmaͤſſige Vrſache zum Krieg iſt / Recupera - tiorerum noſtrarum per vim ablatarum, wann man das jenige / was einem mit gewalt abge - nommen / durch Krieg wieder an ſich bringet.

DVrch rechtmaͤſſige Waffen hat Samuel den Philiſtern / die je - nige Staͤtte / die ſie erobert / dem Volck Gottes vorenthalten / vnd erſeſſen / wieder abgenommen von Ekron an biß gen Gath ſambt jhren Grentzen. 1. Sam. c. 7. v. 10. Als die Amalekiter in Davids Abweſenheit die Statt Ziklag vberfielen / außplünderten vnd alle Weiber / Soͤhne vnd Toͤchter gefangen weg fuͤhreten / zog Da - vid jhnen mit ſechs hundert Mann nach / ſchlug ſie vnd errettete alle Ge - fangene benebenſt der Beute. 1. Samuel. c. 30. Jmgleichen ſo bald Da - vid nach Sauls Todt ſein Regiment jnnerlich gefaſſet / vnnd ſich deſſen verſichert / hat er den Philiſtern vnd andern die Staͤtte vnd Plaͤtze / wel - che ſie bey Sauls Regierunge der Cron Juda entzogen vnnd occupirt, mit dem Schwerd wieder erobert / vnd zu ſeinem Gehorſamb gebracht. 1. Chron. c. 19.

Joas der Koͤnig in Jſrael recuperirte vnnd nahm auß der Hand Benhadad deß Sohns Haſael / die Staͤtte die er auß der Hand ſeines Vatters Joahas genommen hatte mit Streit / ſchlug jhn dreymahl vnd brachte die Staͤtte wider zu Jſrael. 2. Reg. c. 13. v. fin. Wie der Philiſter zu Timnath ſeine Tochter / die er dem Simſon vorhin zum Weibe gege - ben vnd beygelegt hatte / nachgehends einem andern zugefuͤhret / vnd jhn deren beraubet hatte / ſprach Simſon / ich habe einmahl eine gerechte Sa - che wider die Philiſter / fing erſtlich den Krieg mit ſengen breñen / durch die 300. mit den Schwaͤntzen zuſammen gebundene vnd mit Fewrbraͤn - den verſehene Fuͤchſe an / ſchlug hernacher mit einem Eſels Kienbacken tauſend der Philiſter / vnd vindicirte ſeine injutiam Iudic. c. 15.

Als Antiochus Demetrii Sohn / nach dem er den Tryphon wider vertrieben / eine Legation an Simon den Macchabeer vnnd ſein Volck thate / vnd jhnen verweiſſen ließ daß ſie die Burg zu Jeruſalem vnnd an -dere288Das ander Buch /dere Staͤtte die ſeinem Koͤnigreich vnterthan ſeyn geweſen eingenom - men / begerte jhme dieſelben zu reſtituiren, bekahm der Abgeſandter von Simon dieſe Antwort: das Land das wir wieder erobert haben iſt vnſer Vaͤtterlich Erbe / vnd gehoͤret ſonſt niemand / vnſere Feinde aber habens ein zeitlang mit Gewalt vnd Vnrecht inne gehabt / darumb haben wir jtzt das vnſere wider zu vns gebracht / vnd niemande das ſeine genommen / daß du aber daruͤber klageſt / daß wir Jopen vnd Gaza eingenommen ha - ben / iſt dieſes die Vrſache / man thut darauß vnſerm Lande vnnd vnſerm Volck groſſen Schaden / doch wollen wir darfuͤr zahlen hundert Cent - ner im 1. Buch der Macchab. c. 15. v. 28. 33.

Dahero dann auch faſt bey allen Potentaten / Kayſer / Koͤnigen vnd Regenten / welche auff gewiſſe vorhergehende Capitulation jhre Regie - runge antretten / dieſe conditio darin pfleget geruͤcket zu werden / daß ſie das jenige was jhrer Cron / Scepter vnd Reich / vor vnd nach / mit gewalt entzogen worden / wieder herbey bringen ſollen vnd wollen / geſtalt ſolches in der mitte der jtzo Regierenden Roͤm. Kayſerl. May. Ferdinando III. auffgerichteter Capitulation art. 8. & 9. nicht weniger als in der vorigen Kayſer / auß trucklich verſehen / maſſen dann auch Kayſer Carolus der V. auff dem Reichstage zu Wormbs de Anno 1521. Chur-Fuͤrſten vnnd Staͤnde proponiret, welcher geſtalt das jenige / ſo dem Reich entzogen / vnd lange Zeit in frembde Haͤnde geweſen / wiederumb zu erobern vnnd zum Reich zubringen. §. vnd als wir / Jtem R. A. zu Speyer de Anno 1526. §. Weiter haben wir / ꝛc.

Axioma CXXIX. Wegen Verweigerunge eines nothwendigen vn - ſchaͤdlichen Paſſes / auff anerbottene Caution / mag man wol die Waffen zur Hand nehmen / vnd den Paß per force ſuchen.

MOſes ſchickte Geſandten an Sihon der Amoriter Koͤnig / be - gehrte einen vnſchaͤdlichen Paß / vnd ließ jhm ſagen er wolte durch ſein Land ziehen / in der rechten Landſtraſſen bleiben vnnd weder zur Rechten noch zur Lincken weichen / Speiſe vnnd Waſſer fuͤr das Volck vmb Geld bezahlen; Als aber ſolch billigmaͤſſigſuchen289Von dem Weltlichen Stande. ſuchen vnnd offerirte Caution bey dem Koͤnig Sihon nicht ſtat finden / vnd er Moſi vnd den Kindern Jſrael keinen Paß geben wolte / ſtellete ſich Moſes in gute Ordnunge / ſuchete den Paß mit Heersmacht / ſchlug jhn mit der ſcharffe deß Schwerds / vnd nahm ſein Land vnd veſte Staͤtte ein Num. c. 21. Deutern. 2. v. 26. Judic. c. 11. v. 19. welche injuriam GOtt der Herꝛ etzliche hundert Jahr hernach durch den Koͤnig Saul wieder die A - malekiter ferner ſcharff vindiciren vndahnden laſſen. 1. Samuel. cap. 15. v. 2. (1.)

(1.) Augu - ſtin. in Quęſtion. Numer. ad cap. 20. quæſt. 44. Notandũ eſt ſanè, inquit, quemad - modum juſta bella gereban - tur à filiis Iſrael con - tra Amor - rhæos. in - noxius e - nim tran - ſitus dene - gabatur, qui jure humanæ ſocietatis æquiſſimo patere de - bebat, re - fertur in jure Ca - non inc. notandum Cauſ. 23. q. 2. add. Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 17. §. 2.
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Als Judas der Macchabeer Fuͤrſt ſeine Victori wider|den Timotheũ verfolgete / vnd auff dem Wege zu der Statt Ephron mit ſeiner Armada kahm / da man nicht neben hin konte / ſandte Judas zu jhnen / ſagte jhnen Frieden zu vnd bath freundlich / jhnen den Paß durch die Statt zugeben / mit Aſſecuration vnd Verſprechen / daß jhnen von ſeiner vnterhabenden Soldateſca kein Schade geſchehen ſolte / aber die von Ephron wolten jhme den vnſchaͤdlichen Paß nicht verſtatten / dahero Judas laͤrmen blaſen / ſeine Voͤlcker in Ordnunge ſtellen vnd die Statt anblaſen / Tag vnnd Nacht beſtuͤrmen / erobern / alle Mannsperſonen niedermachen / vnnd die Statt außpluͤndern vnd zerſtoͤren laſſen. 1. Macchab. c. 5. v. 46. & ſeq.

Welcher geſtalt im H. Roͤmiſchen Reiche vermoͤg deſſen heilſa. men Reichs vnd Creiß Verfaſſungen / mit vorwiſſen vnd conſens eines jeden Creiſes Obriſten / auff anerbottene gnugſame Caution vnd Geiſſel / Paß vnd Durchzuͤge zuſuchen vnnd zugeſtatten / ſolches iſt in gemelten Reichs Conſtitutionen heilſamblich vnd wol verſehen. vid. Reichs Ab - ſchied zu Augſpurg de Anno 1559. §. den zubegegenen. §. ſeq. & Reichs Abſchied zu Regenſpurg de Anno 1526. §. ſetzen / ordnen / vnd wollen. §§. ſeqq. ubi de modo & forma præſtandæ cautionis.

AXIOMA CXXX. Verweigerten Proviand / gegen anerbottene billige Zahlunge / mag man durch Waffen ſuchen.

MOſes begehrte an den Koͤnig Sihon neben dem Paß auch Pro - viand vmb das Geld / vnd ließ jhme durch ſeine Geſandten ſa - gen: Speiſe ſoltu mir vmbs Geld verkauffen / daß ich eſſe / vnnd Waſſer ſoltu mir vmbs Geld geben daß ich trincke / wie die Kinder Jſrael zu Seyr gethan / vnd die Moabiter zu Ar / biß er vber denO o oJordan290Das ander Buch /Jordan kaͤme / weil er aber ſolch billig maͤſſig Begehren verweigerte / ſu - chete Moſes Proviand mit der Fauſt / ſchlug den Sihon vnd verbannete alle Staͤtte / beyde Maͤnner / Weiber vnd Kinder. Num. 21. Deutern. 2. v. 26. & ſeq. Amos 2. v. 9.

Als Gideon dem Medianiter Koͤnig nachjagete / vber den Jordan kahm vnd ſeine abgemattete muͤde Soldateſca in etwas refrechiren wol - te / begehrte er an die von Suchoth vnd die von Punell ein ſtuͤck Brod / welches ſie jhme aber ſchimpfflich abſchlugen vnd hoͤniſch ſagen lieſſen / er haͤtte der Medianiter Koͤnige noch nicht vberwunden / vnd waͤre noch nicht Meiſter im Felde / wie aber Gideon den Sieg erhielte / vnnd Victo - rios wieder zuruck kame / vberzoger die zu Suchoth vnd Punell / nahm die Eltiſten der Statt / vnd Dornen auß der Wuͤſte vnd Hecken / vnnd ließ ſie dieſelbe fuͤhlen / vnd den veſten Thurn zu Punell darauff ſie ſich verlieſ - ſen / zubrach er vnd erwuͤrgete die Leuthe in der Statt. Judic c. 8.

Dieweil vmb Geldetwas zu kauffen ein freyes / in aller Voͤlcker Rechten gegruͤndetes|commercium iſt / waͤre vnbillig einem ſolches zu verweigern vnd mangel leiden laſſen.

AXIOMA CXXXI. Jn Freunde Land ſoll man Proviand vmb Geld kauffen.

WIe Moſes mit ſeinem Lager nach den Grentzen der Kinder Eſau jhrer Bruͤder die zu Seyr wohneten / an marchirte / be - kahme er expreſſen Befehlig von GOtt / daß ſie darin kein Huhn kraͤncken / ſondern Speiſe vmb Geld von jhnen kauffen daß ſie eſſen / vnnd Waſſer vmbs Geld kauffen ſolten daß ſie trincken. Deutern. c. 2. v. 4.

Dieſes hat einen guten Grund in der natuͤrlichen Billigkeit / iſt auch bey den vernůnfftigen Heyden alſo obſeviret vnd gehalten worden / wie ſolches bey dem Grot. de jure Bell. lib. 3. v. 17. So iſt auch in deß H. Roͤm. Reichs Conſtitutionen alſo außtrucklich ſanciret vnd verordnet / vid. R. A. zu Regenſpurg de Anno 1576. §. Setzen / ordnen vnd wollen ibid. auch in den An-Ab. vnd Durchzuͤgen niemand beſchwehren / was ſie verbrauchen / zahlen.

AXIO -291Von dem Welltichen Stande.

AXIOMA CXXXII. Eine gerechte Sache Krieg zufuͤhren iſt / wann einem die Iuſtitia oder das Recht verſagt wird. (1.)

(1.) Archi - diaconus in C. juſtũ eſt bellum 13. q. 3. ju - ſtè, inquit, bellatur, cum ab eo, qui eſt obnoxius, aliter quā via belli juſtitia ha - beri non poteſt. fac. c. culpa - tur. c. no - li exiſtima - red. cauſ. 23. q. 1. Ini - quitas par - tis adver - ſæ juſta bella inge - rit, dixit Auguſtin. 4. de Civit. Dei.
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ALs die Buͤrger zu Gibea deß Ephreimitiſchen Leviten Kebs Weib barbariſcher gantz aͤrgerlicher Weiſe die gantze Nacht zuarbeitet vnd zu Todte geſchaͤndet / klaget er ſolche ſchaͤndliche That bey den Jſraeliten / begehrten ſie ſolten jhm Rath vnd Recht ſchaffen / Ju - dic. c. 19. da kamen die Kinder Jſrael zuſammen / verſambleten ſich vnnd inquirirten vorhin vber ſolche Mißhandlunge / vnd nach befundener V - belthat / ordneten ſie eine Legation zu allen Geſchlechten Benjamin vnd lieſſen jhnen ſagen / was iſt das fuͤr eine Boßheit die bey euch geſchehen iſt? So gebet nun her die Maͤnner die boͤſen Buben zu Gibea / daß wir ſie toͤd - ten / vnd das Vbel auß Jſrael thun / aber die Kinder Benjamin wolten nicht gehorchen / verſagten in ſo billiger Sache das Recht / daruͤber ruͤſte - ten ſich die Jſraeliten / vnd entſtand ein ſehr groſſer vnnd blutiger Krieg darauß / wie zu leſen. Judic. c. 20.

AXIOMA CXXXIII. Wieder die ſo ſich deß ſchuldigen Gehor ſambs entzie - hen / jhrer Obrigkeit den gebuͤhrlichen Schoß vnnd ſubſidia vorenthalten / vnd ſich ſelbſtmaͤchtig deren entbrechen wollen / kan man Krieg fuͤhren / vnnd die - ſelbe dardurch / weil keine andere Mittel vnd Guͤte zureicht / zum Gehorſamb brin - gen. (1.)

(1.) De hoc Axiomate vid. D. Mentzer. in Exeges. Auguſt. Confeſſ. art. 16. Innocent. in c. olim deReſtit. ſpol. Thoming .. conſil. 24. n. 33. 34. q. 7. vol. 1. Iohan. Goedd. conſil. Marp. 28. n. 202. & ſeqq. vol. 2. Andr. Geil. de Pac. Publ. c. 2 n. 20. & ſeqq. & c. 8. nu. 25. Card. Tuſch. pract. concluſ. |35. lit. B. verb. Bellum n. 10. Covarr in c. peccatum n. 4. de Regul. jur. in 6. Alciat. conſil. 132. n 17. lib. 5. tom. 2. Hæc enim coercitio eſt & executio jurisdictionis & punitio potius Rebellium quam bellum Pett. Bellus. part. 1. de re milit. tit. 5. n. 9.
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ALs Sodom vnd die benachbarten Oerter / vom Koͤnige Kedro Leamor / vnter deſſen Gehorſamb ſie geweſen wahren / abfiehlen / wurden ſie deßwegen bekrieget. Geneſ. c. 14. Alſo vberzohe Abime -O o o ijlech292Das ander Buch /lech die auffruͤhriſche Sichemiter / im Buch der Richter cap. 9. v. 26.

Als Meſa der Moabiter Koͤnig von dem Koͤnige Jſrael Joram abfiehl / vnd demſelben den gewoͤhnlichen Tribut vnnd Zinſe nicht mehr reichen / ſondern von ſeiner Gewalt / Hoch - vnd Bottmaͤſſigkeit ſich exi - miren vnd loßwuͤrcken wolte / ruͤſtete ſich Joram zum Kriege / nahm den Koͤnig Joſaphat vnd den Koͤnig Edom zu hülffe / vberzog den Moabiter Koͤnig / ſchlug jhn auß dem Felde / zerbrach alle veſte Staͤtte / vnd brachte(2) Parce - re ſubjectis & debella - re ſuper - bos. ſie zum Gehorſamb 2. Reg. c. 3. (2.)

Als Zedekia der Koͤnig Juda / wieder ſeine dem Koͤnig Nebucad - nezar / thewr geleiſtete Huldigungs-Pflichte abtruͤnnig ward / ſamblete Nebucadnezar ein groß Kriegesheer wieder denſelben / belagerte jhn in Jeruſalem / eroberte die Statt / bekahm Zedekiam gefangen / vnnd ließ Kriegsrecht vber jhn halten / da dann ein ſcharff Vrtheil vber jhn gefellet war / daß man ſeine Kinder vor ſeinen Augen ſchlachtete / jhme hernacher die Augen außſtach vnd gefangen mit Ketten gebunden nach Babel fuͤh - rete. 2. Reg. c. 25. 2. Chron. 36. v. 10. Jerem. c. 39. & c 52. v. 9.

Wie die Edomiter vom Hauſe Juda Abtruͤnnig wurden / hat ſie der Koͤnig Joram deßwegen mit Heersmacht vberzogen vnd geſchlagen / wiewol er ſie nicht gantz zum Gehorſam wieder bringen koͤnnen / im an - dern Buch der Chronic. c. 21. v. 8. & ſeqq.

Als Hoſea ſich deß Gehorſambs vnd dem Koͤnig zu Aſſyrien verſpro - chenen ſchuldigen Tributs entzogen hatte / vnd wieder denſelben ſich in Bündnuß bey dem Koͤnige in Egypten einlieſe / ward er von dem Koͤni - ge zu Aſſyrien mit Heersmacht vberzogen / in Samaria belagert / vnd nach Eroberunge er vnnd Jſrael gefaͤnglich weg in Aſſyrien gefuͤhret. 2. Reg. c. 17. & 18.

Als Seba ein beruͤhmbter heilloſer Mann vnnd Auff wickeler ſei - nem Koͤnig David vntrew ward / ſeines ſchuldigen Gehorſambs vergaß / vnd einen Anhang vom Volcke machete / die jhme folgeten / ſamblete Da - vid geſchwinde ſeine Soldaten / die Crethi Plethi alle Starcken / die verfolgeten jhn geſchwinde / ehe er ſich veſter Staͤtte bemaͤchtigen vnd ei - nen Fuß ſetzen koͤnte / die belagerten jhn in der Statt Abel / da er von den Einwohnern / damit ſie nicht mit jhme als receptatores exequiret vnd ge - ſtrafft wuͤrden / enthauptet vnnd ſein Kopff vber die Mawren werffen lieſſen. Dieſes wird auch in deß H. Reichs Abſchieden / einer jeden hohen Obrigkeit / der das jusarmorum vermoͤge derſelben zuſtehet / erlaubet de - ro Widerſetzliche jhrer Pflicht vnd Schuldigkeit ſich entziehende Vnter - thanen zum Gehorſam zubringen. vid. R. A. zu Speyer de Anno 1529. §. Dergleichen ſoll der Artickul de Anno 1542. §. vnd damit aber / ꝛc. vndwird293Von dem Weltlichen Stande. wird ſolches exemplificiret, in dem R. Abſchied de Anno 1551. §. wiewol wir nun cum ſeqq.

AXIOMA CXXXIV. Zu den Waffen kan auch erlaubter weiſſe gegriffen werden / wegen zugefuͤgter Schmach vnd Be - ſchimpffunge.

GOtt befahl ſelber dem Moſi Er ſolte die Kinder Jſrael raͤchen an den Medianitern / jhnen Schaden thun vnnd ſie ſchlagen / dann ſie jhnen Schaden gethan mit jhrer Liſt den ſie jhnen ge - ſtellet haͤtten durch den Peor & c. Num. 25. v. 17. in cit. c. 31. v. 1.

Als Hannon der Ammoriter Koͤnig deß Koͤnigs Davids Knech - te / die er als Geſandten zu jhme geſchicket / wegen ſeines Vatters abſter -(1.) Iure Divino, Gentium & Civili Legati, et - iam apud hoſtes, ſan - cti & In - violabiles cenſentur. Sunt Regũ qui mittūt ſimula - chra, Os & viva effi - gies, Mar - ſelaer de Legat. lib. 2. c. 13. Sanctum populis per ſecula Nomen. Legatus. vid. Infr. jus Lega - tion. Biblic. ben zu condoliren das Leid zu klagen / auff Verleitunge ſeiner Gewal - tigen / contra ſacra legationis & fas gentium, (1.) beſchimpffen / jhnen die Baͤrte halb abſcheren / die Kleider biß an den Guͤrtel ſtuͤmpffen / em - pfand David dieſe injuriam vnd Schmach ſo hoch / daß er ſeinem Gene - ral Feldhauptman / dem Joab / ſo bald Ordre ertheilte / ſich zum Krieg zu ruͤſten / vnnd mit dem gantzen Kriegsheer wider die Ammoniter zu Felde zu ziehen / die dann auch von Joab geſchlagen vnd in die Flucht gebracht. 2. Sam. e. 10. ſambt jhrem Koͤnig hart darumb geſtraffet / jhr Land ver - wuͤſtet vnd jhre Staͤtte zerbrochen worden. 1. Chron. c. 21.

Als die Kinder Jambri Johannem den Macchabeer Jonathæ vnd Simons Bruder vberfallen / gefangen vnd ſpoliirt / haben gemelte ſeine Bruͤdere darauff gedacht / wie ſie ſolches revangiren vnd raͤchen moͤchten / vnd ſich eben die gute occaſion darzu præſentirte, daß die Kinder Jambri eine groſſe Hochzeit angerichtet / vnd die Braut mit herꝛlicher Pracht vnd anſehentlichen Comitat / Heerpaucken Trompeten / weil ſie ein Fuͤrſt - liches Fraͤwlein auß Canaan war / heimbfuͤhren wolten / haben ſie einen Anſchlag gemachet / ſich hinter einem Berge verſtecket / vnnd wie der Braͤutigam in ſeinem Gepraͤnge mit ſeinen Freunden / Guͤtern vnd koͤſt - lichen Geſchmuck / gantz ſicher auffgezogen / ſie auß jhrem Vortheil vber - fallen / angegriffen / viel niedergemachet / die vbrigen verjagt vnd alle jhre Guͤter geraubet / daß alſo auß der Hochzeit ein Hertzleid / auß dem Pfeif - fen ein Heulen geworden. 1. Macchab. c. 9. v. 36.

O o o iijAls294Das ander Buch /

Als die zu Joppen verraͤtheriſcher weiſe die Juden ſo bey jhnen wohneten / mit guten Worten vberredeten / daß ſie mit jhren Weibern vnd Kindern in die Schiff tretten wolten / ſo von jhnen beſtellet waren / als waͤren ſie gute Freunde mit jhnen / aber hernacher wieder Trew vnnd Glauben / wie ſie auffs Meer kommen / an die 200. erſaͤuffet / hat Judas der Macchabeer Fuͤrſt darauff zu den Waffen gegriffen / iſt fuͤr den Port oder Haffen mit ſeinen Voͤlckern geruͤcket / bey Nacht die Schiffe in Brand geſtecket / die Leuthe aber mit dem Schwerd erwuͤrget. 2. Macch. c. 12. v. 3. & ſeqq.

AXIOMA CXXXV. Die Religion vnd deren Vbunge / kan vnnd ſoll billig von denen die es macht vnd fug haben / wider die Fein - de Gottes vnd ſeines H. Worts durch die Waffen ge - ſchuͤtzt werden / wie in dem Axiomate V. geſetzet / a - ber dieſelbe durch Waffen den Vnglaubigen vnd an - dern auffzutringen / vnd darumb allein Krieg zufuͤhren / hat in Gottes Wort keinen Grund.

DIe Religion iſt eine Verwandtnuß vnnd Pflicht deß Men - ſchen gegen den andern / derowegen dann auch gewiß / daß bloß der Religion halber ein Menſch auff / oder wieder den andern nichts zu prætendiren, viel weniger Vrſache zu kriegen / weil der Religion halber ein jeder vor ſich ſelbſt ſeinem Gott Rechenſchafft zu thun ſchuldig / nach der Regul S. Pauli. Rom. 14. v. 12.

Die Religion begreiſſt in ſich den Gottesdienſt vnnd nicht der Menſchen / ruhet in deß Menſchen Hertz / Opinion vnd Gemuͤthe / wel - ches je kein Menſch ergruͤnden / erkennen noch daruͤber richten / ſondern Gott der einige Hertzenkuͤndiger allein erforſchen kan. Actor. 15. Jerem. c. 17. v. 9. & 10. 1. Chron. 28. v. 9. Pſalm. 7. v. 20. vnd beſtehet in keinem euſſerlichen thun / ſo der euſſerlichen Gewalt vnterworffen / kan derowegen durch keine Waffen das Hertz / das Gemuͤthe vnd Gewiſſen eines Men - ſchen gezwungen werden einanders zu glauben als es thut. Deß Men -ſchen295Von dem Weltlichen Stande. ſchen Leib kan man durch Waffen vnd euſſerlichen zwang auß einem Ort in den andern zwingen / treiben vnd bringen / aber nicht daß er ein anders glaube.

Es vnterſtunde ſich der Koͤnig Antiochus die 7. Macchabeiſche(a) Coa - ctus qui credit, non credit, ſed credere ſe ſimulat ut malum vi - tet. Groti. de verit. Relig. Chriſt. lib. 6. Bruͤder ſambt der Mutter wieder jhre Religion vnd Geſetze zu zwingen Schweinefleiſch zu eſſen / ließ ſie mit Geiſſeln vnd Riemen ſteupen / als aber ſolchs nichts helffen wolte / ließ er einen nach dem andern grewlich martern vnd toͤdten / vnter welchen der zweyte dem Antiocho geantwor - tet: Du verfluchter Menſch / du nimbſt mir wol das zeitliche Leben / aber der Herꝛ aller Welt wird vns / die wir vmb ſeines Geſetzes willen ſterben / wieder aufferwecken zum ewigen Leben. 2. Macchab. c. 17. Auff gleiche wei - ſe erklaͤreten ſich die vbrige fuͤnffe auch ſambt der Mutter in gemelten 17. deß 2. Buch der Macch. Der Fewrige Offen Nebucadnezars konte nicht(1.) Au - guſtin. Sermon. 9. de Sanct. Deus, in - quit, non Crudelita - te, ſed Cre - dulitate quęrendus eſt. Idem de Civitat. Dei lib. 8. c. 17. Reli - gionis ſumma eſt imitari quem co - lis, juxta il - lud: eſtote imitatores Dei, ſicut filij chariſ - ſimi. Deũ autem non imitatur, qui crude - litate dele - ctatur. Meiſner. in Homil. Domin. 4. Trinit. ſchaffen bey den 3. Gottsfürchtigen Maͤnnern / Sadrach / Meſach vnd Abednego / daß ſie ſeinen Gebotten parirten vnd zu ſeinem Abgoͤttiſchen Glauben ſich zwingen lieſſen. Dan c. 3. Deßgleichen konten die grim̃igen Loͤwen mit jhren auffgeſperreten Rachen den Daniel zu keinen andern Glauben / als ſeines wahren Gottes noͤtigen. Daniel. c. 6.

Vnnd da jemand ſchon eine andere euſſerliche Bekantnuß abge - zwungen wuͤrde / ſo waͤre doch das Hertz ferne darvon / vnd eine bloſe Gott vnangenehme Heucheley. (a) Gott achtet aber der Heuchler nicht / jhre Hoffnunge iſt verlohren / vnd jhre zuverſicht wie ein. Spinwebe. Hiob. c. 8. v. 13. & ſeq. ſie ſeind jhme ein Grewel / er will einen willigen / frewdigen vnnd keinen gezwungenen Geiſt haben. (1.) Dieweil dann die blutige Waffen vnd aller euſſerlicher Gewalt nicht bequem ſeynd / das Gewiſſen zu zwingen / die wahre Religion in der Menſchen Hertzen zu pflantzen vnd zu bringen / ſo waͤre es vmbſonſt / ja ein gantz vnbeſonnen beginnen / ſolches mit den blutigen verderblichen Waffen zu tentiren. Die Media muͤſſen an ſich proportionirt ſeyn / einē Zweck oder Scopum zu erreichen / weil Gott durch Mittel / vnd zwar ſolche handelt / die er ſelber zu einem Dinge geordnet vnd Capabel gemachet hat / den Zweck zu erreichen.

Von Serubabel geſchahe das Wort deß Herren: Es ſoll nicht durch Heer oder Krafft / ſondern durch meinen Geiſt geſchehen / ſpricht der Herꝛ Zebaoth / bey dem Propheten Sacharia c. 4. v. 6. Seint derowe - gen weder Gebott oder Exempel im newen Teſtament / noch in der erſten Chriſtlichen Kirche praxi oder Vbunge verhandẽ / ſolcher geſtalt die Reli - gion Gottesdienſt fortzupflantzē / ſondern iſt dieſelbe von aller Dienſt - barkeit befreyet / vnnd mit dem frewdigen freyen Kindlichen Geiſt ohne Verletzunge vnd Verderben / vermoͤge der Propheten Apoſtel Schriff -ten be -296Das ander Buch /ten begabet. Eſai. c. 11. v. 6. & 9. Nach deinem Sieg wird dir dein Volck willig opffern im heiligen Schmuck / deine Kinder werden dir gebohren werden / wie der Thaw auß der Morgenroͤthe. Pſalm. 110. v. 3. Rom. 8. v.(2.) Elegã - ter Eraſ - mus in Pa - raphraſ. c. 8. ad Ro - man v. 15. allegat. Non durũ eſt, inquit Spiritus, Imperiũ. Evocat ad magna, ſed volentes & cupidos: aſpirat e - nim vim amoris, cui nihil pot - eſt eſſe dif - ficile, nihil non ſuave. Ut ſuo ſpi - ritu vivit Co rpus, ita ſuo ſpi - ritu vivit anima. Quicunque itaque aguntur Spiritu Dei (non armis & tormentis) filij Dei ſunt. Filij ſpi - rant ac reddunt indolem paternam, & alacres ultroq́ue faciunt, quod ſenſerint illi placere. Servi quoniam Domino natura conjunction ſunt, metu continentur. Accepiſtis Spiritum Dei per quem adoptati eſtis in numerum, non ſervorum ſed filiorum Dei. Et in allegata Epiſtola ad Co - rinth. c. 3. v. 12. Moſaica lex inquit, quoniam metu ſuppliciorum continebat in officio, ſervilis e - rat, & velum ſervitutis eſt indicium. At ubi Spiritus Domini Ieſu, qui ſecretos addit ſtimulos, ut injuſſi quoq́ue feramur ad officia pietatis, ibi libertas eſt. Hactenus Eraſmus. Idem in Epiſtol. quadam Friburgi XVI. Calend. Maij Anno 1531. ad Eding. audomar. ſcripta certè, inquit, cogere non eſt Evangelicum Confer Hug Groti. de jur. bell. lib. 2 c. 20 n 28. 15. & 1. ad Corinth. 3. v. 12. (2.) Die Staͤtte ſo die Apoſtel nicht hoͤren noch das Evangelium annehmen wolten / hat der Herꝛ Chriſtus ſelber nicht zu bekriegen / ſondern zu verlaſſen gebotten. Matth. 10. v. 14. Ja als die Jünger Chriſti jhn bathen die Samaritaner jhrer Vndanckbahr - vnnd Wiederſetzligkeit halber mit Fewr vom Himmel zu verbrennen / ſchlug er jhnen ſolches rund ab. Luc. 9. v. 54. Garloͤblich vnd Chriſtlich wird vom Koͤnig Stephano in Polen referirt, daß er zuſagen pflegen / er wolte vber der Menſchen Gewiſſen nicht herꝛſchen / dann ſich Gott allein dieſe drey Dinge vorbehalten: Etwas auß nichts zu ſchaffen / zu kuͤnfftige Dinge zu wiſſen / vnd vber die Gewiſſen zu herꝛſchen.

Wer ſich dieſes nun vnterſtehet / der greiffet GOtt dem Allerhoͤch - ſten in ſeine Goͤttliche Hoheit / Ampt vnd Reſervata.

Kayſer Maximil. der ander hat pflegen zuſagen / daß keine groͤſſere Tyranney ſeyn koͤnte / als die Herꝛſchafft vber die Gewiſſen.

Es ruͤhmet zwar Pater Leimermannus in vita Ferdinandi II. lib. 1. c. 1. daß bey jhrer Kayſerlichen Mayeſt. Regierunge in der Steyermarck / Kaͤrndten / Crain / hernacher auß Boͤhmen / Maͤhren / Oeſterreich alle Evangeliſche Religions verwandten / die er Vncatholiſche nennet / auß - geſchaffet / vnd durch dero Eyffer vnd Macht an die hundert mahl hun - dert tauſend / zu der Catholiſchen Religion genoͤtiget vnnd gebracht wor - den / vnd man dahero Ferdinandum II. ſolcher Provincien Apoſteln oder einen Apoſtoliſchen Kayſer mit fuge nennen moͤge. (3.)Verba ejus ita habent: Haud ſegnius votum reſtituendæ Religionis Deo reddidit, quam concepit. Primò, ut alibi vidimus, Styriam, Carinthiam, Carnioliam penitus expurgavit. Dein - ex Bohemiæ Regno, Moravia & utraque Auſtria Acatholicos Prædicatores omnes dimiſit, Catholicoſq́ue ſuffecit, eo animarum proventu, ut nonnulli, abſque temeritate affirmare poſſe exiſtiment, Ferdinandi zelo ac operâ, centies centena millia hominũ ad Eccleſiæ Catholicæ gre - mium eſſe revocata, adeoq́ Ferdinandum omni jure poſſe ac debere harum Provinciarum A - poſtolum dici, aut Apoſtolici Imperatoris cognomento decorari. In Ungariâ ac Sileſia ea re - parandæ Catholicæ Fidei jecit fundamenta, quibus hodiè ſtre[n] Ferdinandus III. naternæ æ - mulus Pietatis ſuperædificat.

Mit297Von dem Weltlichen Stande.

Mit was groſſer Gewiſſens Angſt vnnd Beſchwehrunge aber ſol - ches effectuiret vnd die Leuthe ins Elend zu gehen / oder zum Heuchelen vnd Abfall gezwungen worden / ſolches iſt auß denen von dieſer ſcharffen Reformation in offenen Truck gegebenen Relationibus vnd Berichten zuvernehmen / vnd will ſolches mit obangezogenen Fundamentis der H. Schrifft / auch der praxi der erſten Chriſtlichen Kirche gar nicht vber ein - ſtimmen.

Axioma CXXXVI. Jn frembde Kriege ſich ohne Noth vnnd erheblichen Vrſachen zu miſchen / iſt gefaͤhrlich / vnd pflegt ins gemein vbel abzulauffen.

OHne Noth miſcheten ſich die Syrer in den vnbilligen Krieg / welchen Hanon der Ammoniter Koͤnig wieder David anfienge / daruͤber ſie ſambt den Ammonitern etzliche mahl geſchlagen worden / muſten entlich zu Creutz kriegen vnd Frieden ſuchen. 1. Chron. c. 20. in fin.

Der fromme Koͤnig Joſias hat ſehr loͤblich vnd wol regieret / zu letzt aber es damit verſehen / daß er ohne Noth vnd Vrſache / ſich in den Krieg / welchen Pharao Necho der Egyptiſche Koͤnig / wieder den Koͤnig in Aſſyrien fuͤhrete / gemiſchet / vnnd mit Hindanſetzunge aller trewen Warnunge / wieder denſelben zu Felde gezogen / daruͤber er im erſten Treffen toͤdtlich verwundet vnd darvon den Todt genommen. 2. Chron. c. 35. v. 20. & ſeq.

Ohne Noth flogte ſich Joſaphat in den Krieg den Achab wieder die Syrer vor hatte / worin Achab erſchoſſen / Joſaphat aber in Leibes vnnd Lebens gefahr geriethe / vnd zu ſeiner wieder Zuruckkunfft von dem Pro - pheten Jehu mit einem ſcharffen Text Verweiß empfangen worden. 1. Reg. 22. & 2. Chron. c. 18. mut. c. 19. Ohne Noth / vnd auß lauter Ehrgeitz vnd Mißgunſt / empoͤreten ſich die Ephraimiter wie der den ſtreitbahren Held Jepthah / vnd kuͤndigten jhm den Krieg an / nurent dar - umb / daß er durch Gottes Verleyhunge eine herꝛliche Victori wieder die Ammoniter erhielte / vnd ſie nicht mit darbey waren / vnnd alſo von der Beuthe vnd Glori nicht mit participirten, aber es bekahm jhnen gar vbel dann wie Jeptha ſie in guͤte nicht zufriede ſprechen vnd beruhigen konte /P p pwar298Das ander Buch /ward er gezwungen die Defenſions Waffen zu ergreiffen / ſchlug ſie in die Flucht / verrandte jhn den Paß vnd Furth am Jordan / daß zu der Zeit deren von Ephraim fielen zwey vnd viertzig tauſend. Jm Buch der Rich - ter c. 12. dardurch ward jhnen die Begierde vnnd Kitzel zum Krieg ge - nommen.

Mann referirt von Weyland Herꝛn Landgraff Wilhelm zu Heſ - « ſen / ꝛc. dem aͤltern Lobſeligen / wie derſelbe von etzlichen Staͤnden deß « Reichs zu dem Elſaſſiſchen Krieg durch ſonderbahre Geſandſchafft ſolli - « citiret, vnd bey wehrender Taffel etwas eingeſchlummert / Jmmittelſt « von den Geſandten viel von ſolchem Kriege vnd deſſen verhofften gluͤck - « lichen Außgang diſcurriret worden / Jhr Fuͤrſtl. Gnaden darzu nichts « ſonderliches geſaget / aber auß dem gemeinen Kirchen geſange dieſe beyde Verſe angezogen:

Jſt dir wol ſo bleib davon /
Daß du nicht kriegeſt boͤſen Lohn.

Dahero er auch in ſeinem Teſtament ſeinen Sohn Landgraff Moritzen trewlich ermahnet / in keine frembde Haͤndel vnd|Kriege ſich zu miſchen / wie wol es an Leuthen nicht ermangeln werde / die jhn darzu per - fuadiren wuͤrden / ſich dardurch einen Namen zumachen / vnnd ſolches zwar nicht ſeines / ſondern jhres eygenen Nutzens halber.

Axioma CXXXVII. Frembde Huͤlffe in Kriegen iſt mißlich / verdaͤchtig vnd offters ſchaͤdlich.

GEwaltige Potentaten miſchen ſich gern in frembde Kriege / biethen offt jhre Huͤlffe an / damit ſie dardurch deſſen Landen / der ſie darumb erſuchet / vnterm ſcheinbaren prætext getrewer Handbiethunge vnnd Freundſchafft zu Erhaltunge jhrer Freyheit ſich naͤhern / einen gewiſſen Fuß darin ſetzen / vnd entlich gar Meiſter im Lande ſpielen / vnnd den im - plorirenden Theil ſampt ſeinem Feinde vnter die Füſſe legen / vnd zu jh -(1.) Libe - ratores Rerumpublicarum ſolent vino Libertatis acerbũ acetũ infundere, prudenter monuit Curæus in Chronic Siles de Bello Regis Polon Caſim cum ordin crucif. in Pruſſ. geſt. Ut Imperium e - vertant, libertatem præferunt, ſi perverterint ipſam aggredientur. Tacit. lib. 16. annal. Auctor. Libertatis Sandrocottus fuerat: ſed titulum Libertatis poſt victoriam in ſervitutem verterat. Siquidem occupato Regno, Populum, quem ab externa dominatione vindicaverat, ipſe ſervitio premebat, ſcribit Iuſtin. lib. 15. Hiſt. cir c. fin. rem Gehorſamb bringen moͤgen. (1.) Auß der Bibliſchen Hiſtori / denBuͤchern299Von dem Weltlichen Stande. Buͤchern der Koͤnige vnd der Chronicken / iſt bekant / daß das|Juͤdiſch Volck / dardurch daß ſie die Aſſyrier / Meder vnnd Babylonier in jhren Kriegen / die ſie vnter ſich / vnd mit andern gefuͤhret / zu Huͤlffe geruffen vnd alſo in das gelobte Land gelocket vnd gezogen / dardurch jhnen den Weg bereitet hinein zuruͤcken / vnd ſie endlich vnter jhre Herꝛſchafft vnd Gewalt zu bringen. (2.)

(2.) Qui - cunque e - nim ſuis non fulci - tur viri - bus, nec tutus nec potens eſſe poteſt, illius ſalus ab extero - rum au - ctoritate & fide de - pendeat, quarum alteram nimis im - perioſam, alteram ſæpè flu - xam expe - ritur. Vix n. ullus aut Princeps aut Reſp. cuipiam niſi in rem ſuam ſuc - currit, ut vel defen - ſam à ſe provinciam imperio ſuo omninò adiiciat, vel adeò ſaltem obnoxiam ſibi reddat, ut in omnibus actionibus, & conſiliis, nihil ſe non auctore audeat, & impunè injuriis afficiatur, ac ſub defenſæ libertatis imagine in miſerrimam ſervitutem redigat, quæ vel ideò miſerior, quod qui ea premuntur liberos ſe tamen exiſtimant, & nudo tantum nomine ſibi blandiuntur, ut elegan - ter notat Zevecot. in obſervat. Politic. ad Sueton Cai. Iul. Cæſ. cap. 4. ubi plura lectione digna refert. Imò auxiliaris miles plerumq́ue incolis gravis eſt, & populatores terræ quam à popula - tionibus vindicare debebant, exiſtunt, Curt. lib. 3. Hiſtor. Nihil fragilius quam Fama potentiæ, non ſuâ vi nixæ, inquit Tacit.
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Als Rezin der Koͤnig zu Syrien / vnnd Pekah der Sohn Remalia Koͤnig in Jſrael / wider Ahas den Koͤnig in Juda Krieg anfiengen / rieff dieſer Tiglath Pileſer den Koͤnig in Aſſyrien zu Huͤlffe / vnd ließ jhm ſa - gen / ich bin dein Knecht / kom herauff vnd hilff mir / wordurch Ahas nicht allein frembde Voͤlcker / ſondern auch frembde Abgoͤtterey ins Land brachte groß aͤrgernuß anrichtete / im 2. Buch der Koͤnige c. 16. Darfuͤr hat Gott ſein Volck vorhin durch den Joſuam ernſtlich verwarnet / wañ ſie ſich mit Frembden wuͤrdẽ conjungiren / an denſelben haͤngen / vnd ge - mein machen / daß ſie jhnen wuͤrden zum Strick vnd Netz / vnd zur Geiſ - ſel in jhrer Seitten werden / vnd zum Stachel in jhren Augen / daß ſie ſie bringen von dem guten Land / das jhnen der Herꝛ jhrer Vaͤtter Gott ge - geben haͤtte. Jm Buch Joſua c. 23. v. 12. & ſeq. Die Leuthe auff die du deinen Troſt ſetzeſt / werden dich betriegen vnd vberwaͤltigen / ſpricht der Herꝛ bey dem Propheten Obadia. c. 1. v. 7. vnd bey dem Propheten Eſaia Weh den Abruͤnnigen Kindern / die hinab ziehen in Egypten / daß ſie ſich ſtaͤrcken mit der Macht Pharao / vnd ſich beſchirmen vnter den Schatten Egypti: Denn es ſoll euch die ſtaͤrcke Pharao zu Schande gereichen / ꝛc. c. 30. v. 1. & ſeq.

Das Tuͤrckiſche Kayſerthumb vnd deſſen / der gantzen Welt for - midable grawſame Macht / iſt eben dardurch zum Stande ſo groſſem Wachsthumb gedien / daß bey eingeriſſenem Mißtrawen / Krieg vnnd Vneinigkeit zwiſchen den Orientaliſchen Kayſern vnnd Fuͤrſten / der Tuͤrcke von einem vnd andern Theil zu Huͤlffe vnd Beyſtand erfordert / vnd durch ſolche Gelegenheit die jenige / denen er zu Huͤlffe kommen / dasP p p ijJoch300Das ander Buch /Joch vber den Halß geworffen / eine Provintz / Koͤnigreich vnnd Land - ſchafft nach der ander an ſich geriſſen / vnnd alſo den Meiſter geſpielet. Durch gleiche Begebenheit haben ſich die Gothen Longobardẽ vor die - ſem deß Welſch Landes / die Francken Franckreichs / die Sachſen En - gellandes bemaͤchtiget / wie Bodinus darvon weitleufftig diſcurriret. lib. 5. de Repub. c. 5. p. m. 901.

Es iſt auch wol gewiß vnnd hat die Experientz die vorige vnd jtzige Welt es gelehret / daß ſelten ein fremb der Potentat einem zu Hülffe kom - me / wann er nicht ſeines eygenen Nutzens halber darzu mit bewogen wird.

Es iſt von glaubwuͤrdigen referirt, als bey dieſem nochwehrendem Teutſchen Kriege ein vornehmes Haupt deß Reichs gegen einen auß - wertigen Potentaten / deme er eine ſtatliche Veſtunge einraumen ſollen / erwehnet / daß man jhme als einem Naheange wandten / vnd deme man als Freund zu Huͤlffe kaͤme / ſolches nicht zumuthen moͤchte / jener geant - wortet: Es haͤtte der Jacob dem Laban der Schaffe auch nicht vmb. ſonſt gehütet / darvon zu leſen im 1. Buch Moſ. cap. 30. David begehrte auch von dem Nabal eine Reutterzehrunge oder recompens, nurent darumb / daß ſeine deß Nabals Hirten von ſeinen Soldaten nicht ver - hoͤhnet / jhnen nichtes genommen / vnd alſo fuͤr ſie Sicherheit gehabt. 1. Samuel. cap. 25.

AXIOMA CXXXVIII. Es gehen auch in rechtmaͤſſigen vnd billigen Kriegen ſolche Exorbitantien vnd Grawſamkeiten vor /(1.) Adeò abomi - nanda res bellum eſt, ut etiam bella juſta, quæ vix unquam ram felici - ter cedunt, quin plus adferant mali, quam boni deteſtanda & pro viribus fugienda Auguſtin. de civil. - Dei. 19. daran Gott einen groſſen Eckel vnd Miß - fallen hat. (1.)

ES hatte zwar der Koͤnig David das Zeugnuß in der Schrifft / daß er deß Herren Krieg fuͤhrete. 1. Samuel c. 25. v. 28. dannoch als er auff Gutachten deß Propheten Nathans. 2. Sam. 7. v. 3. ſich fuͤrnahm Gott ein Hauß zu bawen / darin ruhen ſolte die Lade deß Bundes deß Herren / vnd ein Fußſchemel den Fuͤſſen Gottes / ließ jhme Gott durch gemelten Propheten Nathan ſagen: Du ſolt meinemNamen301Von dem Welltichen Stande. Nameu nicht ein Hauß bawen / denn du biſt ein Kriegsman vnd haſt Blut vergoſſen. 1. Chron. c. 29. v. 2. 3. 4. & 2. Chron. c. 6. v. 8.

Weil aber der Koͤnig Salomo kein Kriegsmann war / kein Men - ſchen Blut im Kriege vergoſſen / noch ſolcher Dinge vnd inſolentien, die darbey pflegen vorzugehen ſich theilhafftig gemachet / befahl jhme Gott als einem Friedens Fuͤrſten / daß er den Tempel Gottes zu Jeruſalem bawen vnd auff fuͤhren ſolte. 1. Reg. 18. & 1. Chron. 29. 2. Chron. 6.

Welches der Chriſtliche Poet Prudentius gar fein in bey geſetzten Verſen gefaſſet: (2.) Dieſes ſollen groſſe Herꝛn vnd Potentaten wol(2.) Hoc eleganter deſcribit Chriſtian. Poet. Pru - dentius, in pugn. - cord. & diſcord. Unum o - pus egre - gium re - ſtat poſt bella labo - ri, O Proce - res Regni, quod tan - dem paci - fer hæres, Belligeri: armatæ ſucceſſor inermis & aulæ, Inſtituit Salomon quoniam Genitoris Davidis anheli. Fumarat calido Regum de ſanguine Dextra. conſideriren vnd zu Gemuͤthe nehmen / daß / ob ſie ſchon rechtmeſſige Vr - ſache zu Krieg haben / denſelben nicht leichtlich vnd ohne Noth / auß ange - fuͤhrten Vrſachen / daß viel enormitaͤten darbey vorgehen / anfahen oder continuiren /(3.)Sapientum eſt, ne ob graves quidem & magnas cauſas bellum ſuſcipere, ex Xenophont. refert Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 24. ubi etiam ſcribit: Ne quis exiſtimet ubi Ius ſatis com - pertum eſt, ſtatim oportere bellum ſuſcipi, aut ſemper etiam licere. Contra enim evenit, ut ple - rumq́ue magis pium rectumq́ue ſit de jure ſuo cedere. Et n. 2. interdum ſunt rerum circum - ſtantiæ, ut jure ſuo abſtinere, non laudabile tantum ſit, ſed & debitum, ratione ejus, quam homi - nibus etiam inimicis debemus dilectionis ſive in ſe ſpectatæ, ſive qualiter etiam exigit ſanctiſſi - ma Evangelij lex. hactenus ille, ubi plura. Non omnia cauſæ fiducia audenda eſſe, non atroci - tas ſolum belli, ſed victoriæ in certitudo monet. Nam ut in privatis ſic & in publicis rebus etiam æquitas labitur, niſi hinc prudentiâ, inde fortunâ fulciatur. In omni conſilio & negotii ſtatu, moderata durant; quæ demum pace, munitiora ſunt quam bello. Frider de Marſelaer de legat. lib. 2. c. 24. die gleichſamb in den Himmel reichen / wie zu leſen 2. Chron. 28. v. 9. & ſeq. dardurch der heilige vnnd gerechte Gott erzuͤrnet wird / darvor aber die jenige Potentaten die den Krieg fuͤhren / oder in in - finitum ohne Noth continuiren, dem Richter aller Welt groſſe vnd ſchwere Rechenſchafft geben werden / vnd bey ſolcher Abrechnunge vor dem Außſpruch in der Weißheit Salomonis / Potentes potenter tor menta patientur, die Gewaltige werden gewaltig geſtraffet werden / wol vorzuſehen vnd zu huͤten haben. Was fuͤr einen groſſen Mißfallen der from̃e vnd guͤtige Gott an Vergieſſung Menſchen Bluts auch der Heyden / Jtem an Rauben vnd Pluͤndern habe / das beſchrei - bet auch der Prophet Habacuc c. 3. v. 8.

P p p 3AXIO -302Das ander Buch /

AXIOMA CXXXIX. Es iſt zuweilen beſſer einen guten Frieden mit Gelde zu erlangen / als ſich dergroſſen Gefahr deß graw - ſamen Kriegs vnd deſſen mißlichem Auß -(1.) Fried vber Nacht iſt beſſer als Geld ge - acht. Præſtat a - liquando iniqua Pax juſto bel - lo: Melior tu - tiorq́ue eſt Certa Pax quam ſpe - rata victo - ria, illa in tua, hæc in Deorum manu eſt. ſunt verba Hannibal. ap. Liviũ. Chriſtia - no Princi - pi glorio - ſius eſt, aliquo di - tionis di - ſpendio pacem ac Reipub. tranquilli - tatem re - dimere, quam ſpecioſos & optimos referre triumphos, tantis hominum malis emptos, inquit Eraſm. in Præfat. Paraphraſ. in Evang. Marci ad Franciſ. Gall. Regem. gang zu vnterwerffen. (1.)

ALs Sanherib der Aſſyriſche Koͤnig dem Koͤnig Hiskia ins Land fiel / vnd die veſte Staͤtte in Juda einnahme / ſandte Hiskias eine Bottſchafft zu jhme gen Lachis / præſentirte jhme eine groſſe Sum - ma Geldes an / nemlich dreyhundert Centner Silbers vnd dreyſſig Centner Goldes / ſchickte jhme dieſelbe zu vnnd wolte damit den Grimm deß Sanheribs ſtillen / ſein verbittertes Gemuͤth beſaͤnfftigen / vnnd den lieben Frieden mit Geld erkauffen / welches zwar Sanherib angenom̃en / aber doch keinen Frieden gehalten / 2. Reg. 18. v. 14. & ſeq. deßwegen er a - ber von Gott geſtraffet / vnd durch den Engel deß Herꝛn jhme in einer Nacht hundert vnd fuͤnff vnd achtzig tauſend Mann geſchlagen. 2. Reg. c. 19. 2. Chron. c. 32. Eſai c. 36.

Wie Haſael der Koͤnig in Syrien Gath erobert / vnd ſeine Kriegs - macht gen Jeruſalem wandte / ward Joas raths den lieben Frieden mit Gelde zu erhandeln / grieff die geheiligte Schaͤtze an / die ſeine Vaͤtter Jo - ſaphat / Joram vnd Ahaſia die Koͤnige Juda geheiliget / wandte damit die vorweſende Belagerunge ſeiner Reſidentz Statt Jeruſalem abe / 12. Reg. c. 12. v. 17. Jmgleichen als Phul der Koͤnig in Aſſyrien den Mena - hem / Koͤnig in Jſrael mit Heersmacht vberziehen wolte / offerirte vnnd gab erjhme tauſend Centner Silbers / daß er Frieden mit jhme hielte / le - gete deßwegen eine gemeine durchgehende Contribution auff die Rei - cheſte in Jſrael / brachte dardurch den Krieg auß ſeinem Lande / vnd erhiel - te den edlen Frieden. 2. Reg. c. 15. v. 19. & ſeq. Aſſa der Koͤnig in Juda / ga - be Silber vnd Gold dem Benhadad Koͤnig in Syrien damit er ſich nicht mit Baeſa dem Koͤnig Jſrael conjungirte vnd der Aſſa wieder in ſeinem Koͤnigreich haben vnd behalten moͤgte im 1. Buch der Koͤnig. c. 15. v. 18. Dahin ziehlet der Herꝛ Chriſtus ſelber. Luc. c. 14. v. 31. daß es beſſer ſey / wann man ſich nicht baſtand befinde / daß man einem anziehendẽ maͤchti -gern303Von dem Weltlichen Stande. gern Feinde Bottſchafft entgegen ſchicke vnd den Frieden anbiethe / als ſich in Gefahr ſtelle.

AXIOMA CXXXX. Auff Veſtungen / gewaltige Staͤtte / Paͤſſe / vnd von Natur ſichere Oerter hat man ſich nicht zuviel zu - verlaſſen / vermeſſentlich Krieg anzufahen oder fortzuſetzen.

WAnn Gott einen Herꝛn / Land vnd Herꝛſchafft / wegen began - gener Suͤnde mit ſeinem Zorn vberſchuͤtten vnd ſtraffen will / ſo ſchicket er Krieg vnd laͤſſet Menſchen vnd Viehe darin auß - rotten. Ezechiel. c. 14. v. 14. vnnd jhre Staͤtte mit Fewr an - zuͤnden. Matth. c. 22. v. 7. da helffen weder Paͤſſe / Felſen / Kluͤffte / Meer o - der Veſten / vnd ſeind nicht genug wieder den grimmigen brennenden Zorn deß Herꝛn jemande zuverſichern vnd zu bewahren / (1.) dann ſo(1.) Numii - ne læſo Iratoq́ue Deo, nec proſunt pacta nec artes. ſpricht er von Edom bey dem Propheten: Dein Trotz vnd deines Hertzens Hochmuth hat dich betrogen / weil du in Felſen Kluͤfften wohneſt vnnd hohe Gebuͤrge innen haſt. Wann du dann gleich dein Neſt ſo hoch mach - teſt als der Adeler / dannoch will ich dich von dannen herunter ſtuͤrtzen / Jerem. c. 49. v. 16. vnd abermahl bey einem andern Propheten: Wann du dann gleich in die hoͤhe fuͤhreſt wie ein Adeler / vnd macht eſt dein Neſt zwiſchen Sternen / dannoch will ich dich von dannen herunter ſtuͤrtzen. Obad. c. 1. v. 4. von der groſſen gewaltigen Statt Babel lieſe Gott weiſſagen: Wann Babel gen Himmel ſtiege / vnd jhre Macht in der Hoͤ - he feſt machete / ſo ſollen doch Verſtoͤrer von mir / vber ſie kommen / ſpricht der Herꝛ / Jerem c. 51. v. 53. vnd bey dem Propheten Hoſea / weil du dich dann verlaͤſſeſt auff dein Weſen / die Menge deiner Helden / ſo ſoll ſich ein Getuͤmmel erheben in deinem Volck / daß alle deine Veſten verſtoͤret werden c. 10. v. 14. Von Tyro weiſſaget der Prophet Sacharia: Tyrus bawet Veſte vnd ſamblet Silber wie Sand / vnd Gold wie Koth auff der Gaſſen / aber ſiehe der Herꝛ wird ſie verderben / vnd wird jhre Macht die ſie auff dem Meer hat / ſchlagen / daß ſie wird ſeyn / als die mit Fewr ver - brand iſt Sachar. c. 9. v. 3. & ſeq. den Ninivitern laͤſſet Gott durch den Propheten Nahum antrohen: Alle deine veſte Staͤtte ſind wie Feygen -Baͤume304Das ander Buch /Baͤume mit reiffen Feygen / wann man ſie ſchuͤttelt / daß ſie dem ins Maul fallen der ſie eſſen will / c. 3. v. 12.

Als Judas der Macchabeer Held mit ſeiner victorirenden Ar - mada fuͤr die veſte Statt Caſpin ruckete vnd ſie auffforderte / meldet die Hiſtoria daß ſie ſich auff jhre veſte Mawren vnnd groſſen Vorrath an Proviand verlaſſen / deß Judas vnd ſeines Kriegsheers ſich mocquiret vnd jhr geſpottet: auch gelaͤſtert vnd gefluchet / worauff Judas zu ſeinem Gott dẽ maͤchtigen Herꝛn / der zu Joſua Zeitten ohne alle Kriegsruͤſtung / ſo man zum Sturm brauchet / die Statt Jericho ineinander geworffen hatte / geruffen / vnd darauff mit groſſer Furi vnnd Grimm Sturm lauf - fen / die veſte Statt erobern / vnſaͤglich viel Menſchen niederhawen laſſen / daß der Teich / ſo darbey lage / wie eytel Blut ſahe / im 2. Buch der Mac - chabeer c. 12. v. 13. & ſeqq. Veſte / die Menſchen Haͤnde gemachet / koͤn - nen Menſchen Haͤnde wieder herunter reiſſen / viel mehr der vnertraͤgli - che Zorn Gottes.

Seint nicht fort vnd fort gewaltige Staͤtte vnnd Veſtungen ero - bert vnd zerſtoͤret worden? Es iſt auff der Welt nichtes alſo beſtercket vnd befeſtiget / daß es faſt gnug ſeye die Suͤnde zu ertragen vnnd abzuhalten. Seint nicht die Himmel ſo feſt / daß ſie dem Eyſen vnd Ertz verglichen werden / dannoch wie Lucifer vnd ſeine Adhærenten an die hoͤchſte Maje - ſtaͤt Gottes ſich vergriffen vnd die ſelbe beleidigten / konten die Veſte der Himmel ſie nicht ertragen ſondern muſten jhnen weichen da ſie zur Helle geſtuͤrtzet? Hat nicht Gott die Erde gegruͤndet vnd befeſtiget Pſalm. 104. v. 5. daß ſie die hoͤchſte Berge / die ſchwehrſte Steinfelſen vnnd Klippen tragen muß / dannoch wie Core / Dathan vnd Abitram ſich an Gott ver - ſündigten / war ſie zu ſchwach dieſelben zu ertragen / ſondern muſte von einandern reiſſen / jhren Mund auff thun / vnd ſie lebendig verſchlingen / im 4. Buch Moſ. c. 16. v. 32. 33.

Das Meer kan auch ſchwere mit vielen hundert Laſten beladene Schiffe fuͤhren vnd tragen / wie aber Jonas an dem Herꝛn ſeinem Gott ſich verſuͤndigte / konte jhn das Meer nicht ertragen / ſondern brauſeten vnd ſchlugen deſſen Wellen vnd Waſſerwogen ſo lange auff das Schiff zu vnd wolten ſich nicht legen / biß der ſuͤndige Jonas hinauß geworffen vnd von dem Walfiſch verſchlungen ward / im Propheten Jona c. 1.

Ein ſolch herbes gifftiges Kraut / ein ſolcher Mawrenbrecher / Fewrmoͤrſer / Windbraut Sturmwind iſt die Suͤnde / dero die Wer - cke Gottes / die Natur / aller Menſchen Arbeit vnd Fortificationes nicht koͤnnen oder moͤgen zuſtatten kommen / vnd ſiehet man auß obigen vnnd andern Exempeln / gleichſam in einem Spiegel / wie bereit alles Ge -ſchoͤpffe305Von dem Weltlichen Stande. ſchoͤpffe Gottes jhrem Schoͤpffer zu Dienſt vnd Gehorſam ſtehen / zur Straffen / im gleichen die Fœditaͤt Abſchewligkeit der Suͤnde / vnd wie dieſelbe alle Creaturen vnd Elementa wieder die Menſchen erwecken da ſie denſelben denen ſie zu gutẽ erſchaffen / zum verderben gedeyen muͤffen(2.) Offen - ſo Creato - re, offendi - tur omnis Creatura ſicut of - fenſo Re - ge, offen - duntur omnes fa - muli. Gre - gor. Magn. davon der Weiſe Mann Syrach c. 40. v. 33. & ſeq. vnd S. Paulus in der Epiſtel an die Roͤm. c. 8. v. 20. 21. ſchreiben. (2.)

AXIOMA CXLI. Kriegbringet mangel an Bawren / vnd machet den Acker wuͤſte. (1.)

ALs die Kinder Jſrael fort vnd fort mit den Cananitern / Moabi -(1.) Tunc nullus ara - tro, Di - gnus ho - nos, me - rent abdu - ctis arva colonis. tern / Philiſtern vnd andern Heydniſchen Voͤlckern Krieg gefuͤh - ret / vnd offt zu Straffe jhrer Abgoͤtterey durch Gottes Verheng - nuß den kuͤrtzern ziehen muͤſſen / haben ſie an Vermoͤgen / ſonderlich an der Mann ſchafft vnd Ackerleuthen groſſen Abgang erlitten / daß der Ackerbaw darüber liegen blieben / geſtalt die Prophetin Debora im Buch der Richter am 5. Capitel v. 7. ſehr daruͤber quærelirt vnnd klaget in jhrem Lobgeſange / in dem ſie ſpricht: Es gebrach an Bawren / an(2.) Daß iſt / wie es die Sach - ſen Wei - mariſche Para - phraſis v - ber dieſen Text deu - tet: Die Doͤrffer ſtunden leer / vnd blieb der Ackerbaw liegen / weil alles durch das Feindſeli - ge pluͤn - dern vnnd ſtreiffen verderbt war. Bawren gebrachs in Jſrael / (2.) biß daß ich Debora auff kahm / ein Mutter in Jſrael.

Bey dem Propheten Eſaia trohet GOtt der Herꝛ / daß er den Erd - bodem heim ſuchen wolle vmb ſeiner Boßheit / vnd die Gottloſen vmb jh - rer Vntugent willen / daß ein Mañ thewrer ſeyn ſoll denn fein Gold / vnd ein Menſch wehrter denn Goldſtuͤcke auß Ophir. Eſai. c. 13. v. 10. das iſt / wie Lutherus erklaͤret / daß der Leuthe werden ſo wenig im Lande ſeyn / als Gold. Vnd im vorhergehenden 7. c. v. 21. weiſſaget dieſer Prophet / daß zu der Zeit wenn der Koͤnig von Aſſyrien werde das Hauß David mit Krieg plagen / wenig Leuthe vbrig bleiben werden / vnd ſolte geſchehen / wo dero Zeit tauſend Weinſtoͤcke geſtanden tauſend Silberlinge werth / da werden Dornen vnd Hecken ſeyn / daß man mit Pfeilen vnd Bogen dahin gehen muß / daß man auch zu alle den Bergen / ſo man mit Hawen pfleget vmb zu hacken nicht kan kommen fuͤr Schew der Dornen vnd He - cken / ꝛc.

Jn Teutſchland moͤchte man nach dem 22. Jaͤhrigen Krieg anch wol alſo mit der Debora intoniren vnd klagen: Es gebricht an Bawren /Q q qan306Das ander Buch /an Bawren gebrichts vnd mangelt in Teutſchland / daruͤber der Acker - baw liegen bleibet / vnd die herꝛlichſte Lande zur Einoͤde werden.

Quem das finem Rex Magne laborum.

AXIOMA CXLII.(1.) Bellum nullâ mi - nus quam quâ puta - tur proce - dit viâ. Thucyd. lib. 1. Et multa quæ nunc non apparent ex inter - vallo bel - lum ape - rit. Liv. lib. 28. ad - eoq́; For - tuna Belli ſemper ancipiti eſt loco Senec. Der Außgang deß Krieges iſt ſehr mißlich vnd vn - gewiß. (1.)

WIe ſich der Koͤnig Benhadad zu Syrien / zu Achab dem Koͤnig in Jſrael ohne Noth vnd Vrſache noͤtigte / ſich auff ſeine groſſe Macht verließ / vnnd die gewiſſe ohnfehlbahre Rechnunge ma - chete / es koͤnte jhme der Sieg nicht entgehen / bekame er doch von Achab dieſe Antwort: Der den Harniſch anleget / ſoll ſich nicht ruͤh - men als der jhn ableget: Geſtalt dann Benhadad mit ſeinem groſſen Hauffen zwey Schlachten verlohren / auß der erſten entroñen / aber in der andern gefangen / vnd vber hundert tauſend Mann ſitzen laſſen. 1. Reg. c. 20. (2.)

Der Aſſyriſche Koͤnig Sanherib hatte ſeine groſſe Macht deroge - ſtalt vberleget; vnd alles alſo auß gerechnet / daß es jhme an Eroberunge der Statt Jeruſalem gar nicht manquiren, auch weder GOtt / noch der Koͤnig Hiskia mit ſeinen Bundeßverwandten ſein Propos vnd Vorha - ben hindern koͤnten / aber der eventus vnnd Außgang wieß es viel anders auß / Gott ſtuͤrtzete ſeinen Hochmuth / vnd Ruhmredigkeit / daß er mit Verluſt hundert vnd fuͤnff vnd achtzig tauſend Mann / die der Engel deß(2.) Satius eſt pace ſtabiliri victoriam quam per arma am - biguo e - ventu co - ronidem vacillare. Marſelaer de legat. lib. 2. c. 24. Herꝛn im Lager erwuͤrgete / Jeruſalem quittiren vnd mit Schimpff vnd Schaden / deß Weges / da er herkommen / ziehen muſte. 2. Reg. c. 18. & cap. 19.

Als Ptolomæus ſeinen General Feldhauptman den Nicanor mit zwantzig tauſend Mann wieder die Juden vnd ſie zuvertilgen außſchick - te / meinete dieſer er haͤtte den geringen Hauffen der Juden ſchonim Sa - cke / ließ in den benachbarten See-Staͤtten gleich außruffen / wie er die Juden verkauffen wolte / ja neunzig Juden vmb einen Centner / aber es lieff der Außgang dieſes Krieges viel anders als ſich Nicanor eingebil - det / Gott ſtund dem kleinen Hauffen bey alſo / daß Nicanor mit Verluſt neun tauſend vnd vielen Gequetſchten die Flucht nehmen vnd das Feld raumen muſte / vnnd bekamen die Macchabeer in der Nacheil auch dieKauff -307Von dem Weltlichen Stande. Kauffleuthe die da kommen waren die vngefangene Juden zukauffen / vnd nahmen jhnen das Kauffgeld / im 2. Buch der Macchab. c. 8. v. 10. & ſeqq. Dieſem Nicanor vnd den Kauffleuthen iſt es gegangen wie denen ſo die Baͤrenhaut verzehret ehe der Baͤr gefangen war / darvon bey dem Cominæo einem recht verſtaͤndigen Welt vnnd Hoffman / im fuͤnfften Buch ſeiner Commentarien zuleſen / nehmlich / daß Koͤnig Ludwig in Franckreich der eylffte / welcher viel Kriege / mit dem ſtreitbahren Hertzog Carl von Burgund geführet / bey Kayſer Friederich dem dritten durch eine ſonderliche Geſandſchafft anbringen laſſen / was maſſen der Keyſer vnd Er in deß Hertzog Carls Landen vnnd Provincien ſich gar wol ver - theilen koͤnten / derogeſtalt / daß der Kayſer die Provincien, ſo Reichs Le - hen waͤren / einziehen / er hingegen Flandern / Artois vnd Burgund als Frantzoͤſiſche Lehen occupiren wolte. Kayſer Friedrich hat darvor gehal - ten / die Frantzoͤſiſche offerten waͤren zu fruͤfertig / gleichwol dem Geſand - ten nicht vnhoͤfflich / ſondern mit einem ſchertzhafften Gleichnuß begeg - nen wollen / ſagende: Es waͤre einsmahls ein ſchaͤdlicher Baͤhr in einer Gegent verhanden geweſen / welcher groſſen Schaden gethan; denſelben nieder zulegen / haͤtten ſich drey junge Leuthe vermeſſen / waͤren auch ſo bald in das beſte Wirthshauß gangen / vnd auff deß ſchaͤdlichen Baͤren - haut / vnd verhoffte gute recompens gezehret / wie ſie aber hinauß / vnd ehe ſie gemeinet ohnverſehen an den Baͤren kommen / waͤren ſie außgeriſſen / deren einer auff einen Baum gerathen / der ander zur Statt geeylet / der dritte aber dem Baͤren zu theil / vnd vbel von jhme zertretten vnd gearbei - tet worden / ſo gar daß er kaum das Leben behalten / da dann der Baͤr ſeine Schnautzen jhme ans Ohr gehalten / vnd wie er kein Leben mehr verſpuͤ - ret / dieſen Baͤrenfaͤnger liegen laſſen vnnd wieder zu Walde gangen / Jmmittelſt were der jenige / der ſich auff den Baum ſalviret, herunter geſtiegen vnd ſeinen Cammeraden gefraget / was jhm doch der Baͤr ſo heimlich ins Ohr vertrawet / jener geantwortet / er haͤtte jhm diß Secre - tum geoffenbahret / er ſolte ins kuͤnfftig keine Baͤrenhaut mehr verſauf - fen oder verzehren / er haͤtte dann vorhin den Baͤren gefangen. Kan ders - wegen keiner der den Harniſch anleget ſich ruͤhmen / wie der ſo jhn ableget / oder die Rechnunge ohne den Wirth machen.

Q q q 2AXIO -308Das ander Buch /

AXIOMA CXLIII. Begierde zu herꝛſchen / ſein Koͤnigreich / Herꝛſchafft / Lande vnd Leuthe zu erweitern / iſt keine recht - maͤſſige Vrſache Krieg anzufahen vnd zu fuͤhren.

MAnn ſiehet vnd findet zwar ſo wol in der Bibel als andern Hi - ſtorien vnd Geſchichten / daß faſt alle Monarchien vnnd gewal - tige Reiche / jhren Vrſprung / Auffnehmen Progreß, durch die Waffen / Tyranney / Liſt vnd euſſerlichen Gewalt genom -(1.) Una & vetus bel - landi cau - fa eſt, pro - funda Cu - pido Im - perij & di - vitiarum, inquit Sa - luſt. Vid. Luth. ad 6. & 10. rap. Gen. men vnd erlanget / (1.) vnd iſt der Tyrannen Hertz / Seel vnnd Gemuͤthe nach frembder Herꝛſchafft / Landen vnnd Leuthen gleich wie die Helle auffgeſperret vnd vnerſaͤttlich / maſſen der Prophet Habacuc deß Koͤ - nigs zu Babel Tyranney vnd Begierde alſo beſchreibet / daß ſeine Seele auffgeſperret ſeye / wie die Helle / vnnd ſey gerad wie der Todt der nicht zu ſaͤttigen iſt / ſondern raffe zu ſich alle Heyden vnnd ſamle zu ſich alle Voͤlcker c. 3. dann die Helle iſt nicht zuerfüllen / in den Sprichwoͤrt. Sa - lomon. c. 30. v. 16. vnd der Todt nicht zuerſaͤttigen / der nimbt vnnd friſt alle Menſchen Kind / wie er ſie find fraget nicht was Standes oder Eh - ren ſie ſind / vnd ſeind Potentaten geweſen / denen zu jhrer Begierde die gantze Welt zu enge gedaucht vnnd gleichſamb pro Symbolo auff jhre Muͤntze pregen laſſen: NON SUFFICIT ORBIS.

So bald in der erſten Welt vor der Suͤndfluth / Cains Geſchlechte ſich vermehrete / haben ſich gleich etzliche Gewaltige vnnd Tyrannen auff Erden auffgeworffen / vber andere ſich erhoben / vnd dieſelbe vnter ſich ge -(2.) Ab i - nitio ſem - per & in ſuturum, Principes ſuo non ſunt con - tenti, ſed aliena appetunt & hinc Bella D Luther. in Comment. ad Geneſ. ca. 14. fol. 164. fac. 2. Qui enim dilatandi Imperii ſtudium injecerunt Monarcharum animis, quid aliud, quam peren - nem bellorum fontem repererunt? inquit. Eraſm. Roterodam in præfat. Paraphraſ. in Evang, Marci. ad Franciſ. Gall. Reg. bracht / wie zu ſehen Geneſ. c. 6. v. 4. (2.)

So bald ſich nach der Suͤndfluth die Menſchen wieder mehreten / vnd deß verfluchten Chams Nachkommen maͤchtig worden / griff Nim - rod nach dem Regiment / ward ein groſſer Herꝛ auff Erden / vnnd ein ge - waliger Jaͤger oder Tyrann vor dem Herꝛn. Geneſ. c. 10.

Durch309Von dem Weltlichen Stande.

Durch die Waffen / Macht vnd Gewalt brachte es Nebucadnezar ſo hoch / daß er ein Koͤnig genant war vber alle Koͤnige / vnnd meldet doch der Prophet Daniel darbey c. 2. v. 37. daß Gott vom Himmel / jhme Koͤ - nigreiche / Macht / Staͤrcke vnd Ehre gegeben habe.

Als dieſer Koͤnig ſich reſolvirte die benach barte Koͤnigreich vnnd Lande an ſich zureiſſen vnd ſeine Geheimbde vnd Kriegs-Raͤthe zuſam - men rieff / erwehnete er in ſeiner Propoſition|keine andere Vrſache ſol - ches Kriegs / als daß er gedaͤchte ſolche Lande vnter ſein Reich zu bringen / womit ſeine Raͤthe einig waren im Buch Judith c. 2. v. 3..

(3.) Sua retinere privatæ domus eſt, de alienis decertare Regiam laudem eſ - ſe, inquit Tacit.
19

Der alte Philoſophus Carneades hat pflegen zu ſagen / wann die Roͤmer / ſo faſt die gantze Welt beherꝛſchet / gerechte Leuthe ſeyn / vnnd ei - nem jeden das ſeine / ſo ſie durch Waffen vnd mit Gewalt abgenommen / wieder geben ſolten / wuͤrden ſie wieder ad caſas oder zu den Huͤtten / darin Romulus deß Roͤmiſchen Reichs Auctor vnnd Vrheber anfangs mit den ſeinigen ſich beholffen / kommen / vnnd ſich dahin wider verkriechen muͤſſen / teſte Lactant. lib. 5. c. 17. (3.)

Durch keln ander Mittel iſt das Ottomanniſche oder Tuͤrckiſche Reich ſo groß worden / wie auß den Hiſtorien bekant / wie aber deme / ſo(4) Vid. Ius Ca - nonic. ex Ambr. in C re - mittuntur. in Not. cauſ. 23. quæſt 5. D. Mẽtzer. in Exegeſ. Aug. Con - feſ. art. 16. n. 5. kan man auß ſolchen Exemplis keine Regulam nehmen. Dann nicht was etwann geſchehen / ſondern was nach Gottes Gebott vnd Verordnunge / nach der geſunden Vernunfft vnd natuͤrlichen Rechten geſchehen ſollen / in formanda & firmanda Regula in acht zunehmen. Gott hat von anbe - gin gehaſſet alle Vngerechtigkeit vnd iſt kein GOtt als deß Gerechten / Deuter. c. 33. v. 26. Wegen der Vngerechtigkeit eines Koͤnigreichs vnd Landes ſchicket Gott zu weilen einen maͤchtigen Tyrannen zur Straffe / vnd gibt demſelben ſolch Koͤnigreich / Syracid. c. 10. v. 8. Dannoch hat Gott an der Tyranney ſelbſt keinen gefallen juxta illud: virga furoris mei Aſſur & ipſe non cognovit. O wehe Aſſur der meines Zorns Ruthe vnd meines Grimmes Stecken iſt. Eſai c. 10. (4.)

(a) Inferre bella fini - timis, & inde in - tera proce - dere, ac populos ſi - bi mo - leſtos, ſola regnandi cupiditate conterere & ſubdere, quid aliud quam grande latrocinium nominandum eſt, Auguſt. 4. de Civit. Dei c. 6.
19

Welches der Prophet Habacuc weiter außfuͤhret / da er vber deß Babyloniſchen Koͤnigs Stoltz vnnd Gewalt wieder das Volck Gottes klaget / wiewol Gott zur Straffe denſelben vber ſie kom̃en laſſen / ſchreyct daruͤber das Wehe vnd ſpricht: Wehe deme / der ſein Guth mehret mit frembden Gut / wehe deme der die Statt mit Blut bawet vnnd mit Vn - recht zurichtet. Habac. c. 2. v. 6. junct. v. 12.

Alſo laͤſſet Gott den Kindern Ammon draͤwen bey dem Propheten Amos / daß er jhrer nicht ſchonen will / darumb daß ſie die Schwangern in Gilead zerriſſen habẽ / damit ſie jhre Graͤntzen weiter macheten / Amos. c. 1. v. 13. Micha. c. 2. v. 8. Job. c. 22. v. 8. (a.)

Q q q iijEs310Das ander Buch /

Es iſt die Schrifft voll ſolcher Klagen vber Tyranney / Gewalt Vngerechtigkeit / kan derowegen auß ſolchen Exemplis, welche Gott zu - weilen dem Regno invaſo, zuweilen ſo wol dem invaſo als invadenti zur Straffe / Fall vnd Stricke verhenget / keine Regula gemacht vnd genom - men / noch die Tyranney vnd Begierde zu herꝛſchen / vnnd andere Koͤnig -(5.) Nimia armorum fiducia maximæ calamita - tis initium eſſe ſolet, dixit Æ - mil. Pro - bus. Wer trutzt al - lein auff Krieges Gewalt. Derſelbe in groſſe Gefahr leicht falt. reiche vnd Lande zu bekriegen vnd an ſich mit Gewalt zu ziehen gebilliget vnd gutgeheiſſen werden. Gottes Heilige zehen Gebotte ſeind ja ewig wehrendes vnwandelbahres Geſetze / vnd unica rectè vivendi & Regnan - di Regula, darin ſtehet aber / Non concupiſces domum proximi tui, du ſolt nicht begehren deines Nechſten Hauß / vnnd ſtecket viel mehr darin / zugleich auch dieſes / du ſolt nicht begehren deines Nechſten Scepter / Crone / Thron / Koͤnigreich / Lande vnd Leuthe. Dieſes iſt auch in der Natur vnd geſunden Vernunfft gegruͤndet; Es iſt ſelten denen wol ge - rathen die mit Liſt oder Gewalt nach frembder Herꝛſchafft vnnd Regi - ment getrachtet. Wehe dir / ſpricht der Herꝛ bey dem Propheten Eſaia / du Verſtoͤrer / meineſtu / du werdeſt nicht verſtoͤret werden? Vnd du Ver - aͤchter / meineſtu man werde dich nicht verachten? Wenn du das verſtoͤh - ren vollendet haſt / ſo wirſtu auch verſtoͤhret werden. c. 33. v. 1. dein Ver - folger wird dich vbereylen. c. 30. v. 16. (6.) Solches bezeugen die Exem - pel deß Abimelechs der von einem Weibe zu Todte geworffen ward. Ju - dic. c. 9. deß Abſolons der an der Eichen hencken blieb vnd mit 3. Spieſen(6.) ti - bi qui ſpo - lias quo - niam ſpo - liaberis ipſe. durchrand ward. 2. Samuel. c. 15. deß Koͤnigs Moͤrder Simri / der ſich ſelber im Pallaſt vnd Hauſe deß Koͤnigs verbrand. 1. Reg. 16. v. 9. der grewlichen Tyranninnen Vertilgerinnen deß Koͤniglichen Samens der Athaliæ / welche mit dem Schwerd in deß Koͤnigs Hauſe getoͤdtet ward. 2. Reg. c. 11. Sallum deß Sohn Jabes / der zu Samaria von Me - nahem getoͤdtet ward. 2. Reg. c. 15. vnd was dergleichen Exempel mehr hin vnd wider in der Schrifft / vnd bey andern Geſchichtſchreibern neben der taͤglichen Erfahrunge heuffig verhanden. Vid. Tractat. meum de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 1. Claſſ. 1. c. 5. n. 4. & ali - quot. ſeqq.

AXIO -311Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CXLIV. Vmb vorgebildete Reputation / vnd Ehrgeitz Krieg zufuͤhren iſt vor GOtt nicht verantwortlich / noch endlich Gluͤck darauß zu erwarten.

ALs Judas der Macchabeer Haupt wider den Apollonium vnd an - dere ſeine vnd ſeines Volckes Feinde gute Progreß, Gluͤck vnnd Sieg hatte / auch ſeine Armee taͤglich ſtaͤrckte vnd recruitirte, ver - droß ſolches deß Antiochi Feldhauptman zu Syria / machete er bey ſich dieſes Concluſum vnd Schluß: Jch will Ehre oder Reputation einlegen / daß ich im gantzen Koͤnigreich gepreiſet werde / will Judam vnd ſeinen Hauffen / der deß Koͤnigs Gebott vnd publicirtes Religions Edict, verachtet / erſchlagen / růſtet ſich vnnd zog mit einer groſſen Macht wieder Jſrael biß an Bethoron / ward aber von Juda durch einen kleinen Hauf - fen vermittelſt guͤtiger Verleihunge deß Allerhoͤchſten in die Flucht vnd auß dem Felde geſchlagen / wie zu leſen im 1. Buch der Macchab. c. 3. v. 14. & ſeqq. Wie dieſer Judas vnd Jonathan in Galaad victorirten vnd jhr Bruder Simon fuͤr Ptolomais in Galilea lag / die heimbgelaſſene Hauptleuthe Joſeph der Sohn Zacharie vnnd Azaria von jhrem Sieg vnd groſſen Thaten hoͤreten / plagte ſie auch die Impreſſion vorgebildeter Reputation / ſprachen / wir wollen auch Ehre einlegen / vnnd die Heyden vmb vns her angreiffen / welche Reputation vnnd Vermeſſenheit jhnen vbel bekahm / dann Gorgias zog mit einem Heer wieder ſie / brachte ſie in die Flucht / jagte ſie in dz Land Juda mit Verluſt zwey tauſend Mann. 1. (1.) Illa Fortitudo reprehen - ſionem meretur, cui vires admini - ſtrat teme - ritas. Ia - cob. Zeve - cot. ad Sueton. C. Iul. Cæſ. cap. 60. Macchab. c. 5. v. 26. & ſeq. (1.) Eine vberauß groſſe vnnd ſchwere Ver - antwortunge iſt es vmb ſolcher eyteler Ehr / dero man wol den ſchein - baren Namen einer Reputation bey legen / Krieg anzufahen / vnnd das Edle thewre Menſchen / ja Chriſtenblut zuſtuͤrtzen / wie Waſſer zu ver - gieſſen / vnd ſolchen vnaußſprechlichen Jammer vnd Noth / Lande vnnd Leuthe Verheer vnd Verwuͤſtung / vieler Millionen Seelen Betrang - nuß vnd ander Vnheil / ſo der Krieg nach ſich ziehet / anzuſtellen / oder ſol - cher eyteler Reputation halber den grawſamen Krieg lenger / als es die hohe vnvmbgaͤngliche Noth erfordert / mit Thraͤnen vnd Blut zu con - tinuiren. Bey denen die es thun / wird es dermahleins ſchwer Verant - wortunge geben / der ſo aller Herꝛ iſt / wird keines Perſon fuͤrchten / nochdie312Das ander Buch /die Macht ſchewen. Er hat beyde die kleinen vnd groſſen gemachet / vnd ſorget fuͤr alle gleich / vber die Maͤchtigen aber wird ein ſtarck Gericht ge - halten werden. Mit euch Tyrannen rede ich auff daß jhr Weißheit lernet / ſpricht die Weißheit Salomonis. c. 6. v. 7. & ſeq.

AXIOMA CXLV. Propter Rationem Status, oder darumb / daß ein Benachbarter oder ander Potentat / Herꝛſchafft oder Republique nicht zu groß vnd maͤchtig werde / hat man keine rechtmaͤſſige in Gottes Wort vnd den Rechten gegruͤndete Vrſache / Krieg anzu - kuͤnden vnd zufuͤhren.

ES ſeind zwar viel Politici, ſonderlich die Machiavelliſten, die die - ſe impreſſion haben / daß die Regimenter auff der Welt anderer geſtalt nicht beſtehen oder geſichert werden koͤnnen / als durch Menſchliche Witze / Argliſtig-vnd Geſchwindigkeit / welche dann dieſe Maximam in jhrer Schule ſuppeditiret vnd an die Hand gibt / man muͤſſe ſeinen Benachbarten oder einen andern Potentaten nicht laſſen zu maͤchtig werden / vnd jhme bey zeiten die Fluͤgel helffen ſtuͤmpffen vnd die nervos rerum gerendarum beſchneiden / ut etiamſi nocere velit, tamen non poſſit, das iſt / wann er ſchon ſchaden wolte / dannoch nicht koͤnte jhme zum Hauptẽ wachſen. In ſumma fortuna id eſſe juſtius quod eſt validius.

Es ſey ein Potentat daran ſtarck intereſſirt, daß der ander nicht zu maͤchtig werde / ſondern alles in bilance bleibe. Es moͤchte auch dieſe Mo - tiva von jemande hierbey angezogen werden / daß dannoch die Rechte zu - laſſen vnd geſtatten / daß man einen wegen noch nicht geſchehenen / aber beſorgenden Vnheils vnd Vngemachs / zurecht beſprechen / zu gnug - ſamer affecuration anſtrengen moͤge vnnd koͤnne / zu welchem Ende die Actiones vnnd Cautiones de damno infecto & non offendendo in den Rechten gegoͤnnet vnd injungiret. Wie viel mehr muß ſolches in Rei - pub. & patriæ, quæ omnes omnium Charitates complexa, & velut com - munis navis eſt, conſervatione, beobachtet werden. Ein verſtaͤndiger Weltkluger Mann muͤſſe das Zukuͤnfftige nicht weniger als das Ge - genwertige ponderiren, vnd daß es beſſer ſey in tempore vorzukommen vnd die Gewalt zu brechen / ehe ſie groͤſſer werde.

Dem -313Von dem Weltlichen Stande.

Demnach aber mein jetziges Vorhaben dahin gerichtet / eine Bib - liſche Policey zu ſchreiben / ſo muß ich darauff ſehen / ob auch ſolches auß der Bibel zu behaupten. Es mangelt zwar an Exempeln in der Bibel nicht / daß ſolcher Vorwitz vnd Weltklugheit uſurpiret, vnnd ſich Herren gefunden / die darumb andere gedrucket vnd endlich mit den Waffen ver - folget / daß dieſe nicht zu groß vnd maͤchtig wuͤrden / aber es hat Gott dar - an keinen Gefallen gehabt / iſt auch nicht wol abgangen.

Pharao der Egyptiſche Koͤnig / hatte mit ſeinen Raͤthen eben dieſe Machiavelliſche Gedancken / wolte nicht geſtatten / daß der Kinder Jſ - rael Macht zu groß wuͤrde / beſorgte / wann ſich Krieg erhůbe / ſie moͤchten zu ſeinen Feinden tretten / vnnd wieder jhn ſtreitten / machte in ſeinem Blutrath diß Concluſum: SAPIENTER OPPRIMAMUS EOS, wir wolien ſie mit Liſt dempffen / daß jhrer nicht viel werden / Exod. 1. v. 10. trachtete auff allerley Mittel vnd Wege / heimlich vnd oͤffentlich jhr Auff - nehmen zu hindern / befahl auch alle Hebreiſche Knaͤblein zu toͤdten bey der Geburth / vnd als das Volck Jſrael endlich auff Gottes Befehl ſich zum Außzug ſchickete / brachte er eine gewaltige Armee auff die Beyne / vnd verfolgete ſie damit biß an das rothe Meer / darin er mit ſeinem gan - tzen gewaltigen Kriegsheer / Wagen vnd Reutern / gleichſamb in ein em Momento mit Waſſer bedecket / erſauffen vnd ein Ende mit Schrecken nehmen muͤſſen. Exod. c. 14.

Der Moabiter Koͤnig Balack zog eben dieſes in conſideration, jh - me war die Macht der Kinder Jſrael ſehr formidabel, fuͤhrtete ſie moͤch - ten ſo ſtarck werden / daß ſie den Meiſter mit jhme ſpielen vnd ſein Volck vntertrucken moͤchten / ſuchete derowegen allerley Mittel jhre Force vnd Macht zubrechen / ſo gar / daß er den Propheten Bileam dingete ſie zu verfluchen / aber wie hefftig Bileam ſich deſſen bemůhete / muſte er doch endlich bekennen vnd ſagen / wie ſoll ich fluchen dem Gott nicht fluchet. Num. 22. & 23.

Den Koͤnigen in Jſrael / Edom / Moab / Ammon / Tyro war die groſſe Force vnd wachſende Macht deß Koͤnigs Nebucadnezars zu Aſſy - rien ſehr verdaͤchtig / dachten vnd trachteten alle dahin / wie doch ſolche vi - res zu divertiren, vnd ſie darvor in jhrem ſtatu ſicher bleiben koͤnten / vnd ließ ſie Gott durch den Propheten fleiſſig warnen / es war aber auch vmb - ſonſt / Gott wolte Nebucadnezar wieder allen Menſchlichen Witz vnnd Klugheit groß haben / vnnd denſelben vber viele Koͤnigreiche ſetzen. Da - niel. 4.

Hiermit ſtimmen gleichwol auch vornehme Politici vnd Rechts - Lehrervberein / daß allein wegen obbemelter Ration|Status, kein recht -R r rmaͤſſiger314Das ander Buch /maͤſſiger Krieg anzufahen / vnd da es ſchon nuͤtzlich waͤre / ſo waͤre es doch nicht recht / es waͤre dann daß eine andere rechtmaͤſſige Sache mit ein -(1.) Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 3. n. 17 illud verò, in - quit, mi - nimè fe - rendum, quod qui - dam tra - diderunt, juregen - tium arma rectè ſumi ad immi - nuendam potentiam creſcen - tem, quæ nimium aucta no - cere poſ - ſet. Fateor in conſulta - tionem de bello & hoc veni - re, non ſub ratione utilis: ut ſi ex alia. cauſa juſtũ ſit bellum ex hac causâ prudenter quoq́ue ſuſceptum judicetur: nec aliud dicunt, qui in hanc rem citantur au - ctores. Sed ut vim pati poſſe; ad vim inferendam, jus tribuat, ab omni æquitatis ratione abhor - ret. Ita vita humana eſt, ut plena ſecuritas nunquam nobis conſtet. Adverſus incertos metus à divina providentia, & ab innoxia cautione, non à vi præſidium petendúm eſt. add. Alber. Gen - til. de jur. Bell. lib. 1. cap. 14. Eraſm. Roterodam, in præfatione Paraphraſ in Evangel. Marci adi Regem Gall. lieffe / als dann der Krieg auch weißlich dieſer Vrſachen halber gefuͤhret werden koͤnte. (1.)

Was nun anlanget die gegen Motiven, welche die Machiavelliſten vnd andere jhres gleichen fuͤhren / ſonderlich daß Politici vnd Weltweiſſe Leuthe in Staats vnd Regiments Haͤndlen / nicht allemahl auff das / was in der Bibel ſtehet / ſondern auff das / was nach geſtalten Laͤufften ei - nem Regiment vnd Herꝛſchafft vortraͤglich / zu Erſtreckunge deſſen Ge - walts / darin die beſte real Verſicherunge beſtehet / vortraͤglich vnnd nutz - lich ſeye / jhr abſehen zu wenden / ſo aberriren vnd verfaͤhlen ſie doch darin gar ſehrdeß Scopi vnd Haupt vrſachen / der einigen wahren Verſicherun - ge aller Regimenter auff Erden / in deme ſie dieſelbe jhrer Weltklugheit / Witz / Verſtande vnd Argliſtigkeit / vnd nicht der Providentz / Allweißheit vnd Regierunge Gottes deß Allerhoͤchſten zuſchreiben. Gottes Wort aber / als die einige Richtſchnur ſicherer vnnd kluger Regierunge / redet darvon anders / daß nemlich Gott allein Gewalt habe vber der Menſchen Koͤnigreiche auff Erden / vnd gebe ſie weme er will / vnd erhoͤhet die Nie - drigen zu denſelben / ſagte ein heiliger Waͤchter der vom Himmel herab fuhr zu dem Koͤnig Nebucadnezar / vnd wiederholete es der Prophet Da - niel c. 4. v. 14. Gott iſt es der dieſen erhoͤhet vnd jenen erniedriget. Pſalm. 75. v. 8. der den Koͤnigen jhren Thron beſtettiget / vnd ſie groͤſſer machet. 2. Chron. c. 1. v. 1. & v. 12. Jhme gebuͤhret die Majeſtaͤt / Gewalt / Herꝛlig - keit vnd Sieg / vnd in ſeiner Hand ſtehet es jemand groß vnnd ſtarck zu - machen. 1. Chron. c. ult. v. 11.

Der nun Menſchen Klugheit vber Gottes Rath hervorziehet / vnd den jenigen / welchen Gott nach ſeinem allein weiſſen Rath vnnd Willen groß machet vnd erhebet / niedrigen vnd ſein Auffnehmen hindern will / der ſetzet die Creatur vber jhren Schoͤpffer / Gott|iſt es / der den Klugen den Rath vnd den Weiſen den Verſtand giebet / Hiob. c. 12. Auſſer dem heiſt es / ruͤſtet euch jhr Voͤlcker gebet doch die Flucht / ſeyd boͤß vnd gebet doch die Flucht / beſchlieſſet einen Rath vnd es werde nichts darauß / bere -det euch315Von dem Weltlichen Stande. redet euch vnd es beſtehe nicht. Eſai. c. 8. Jn ſolch Gedancken gerieth der Fuͤrſt zu Tyro / daß er ſeines Reichs Herꝛlichkeit durch ſeine Klughoit vnd Verſtand erlangen vnd erhalten wolte / aber Gott ließ jhme ſolches durch den Propheten Ezechiel hart verweiſſen vnnd ſagen Siehe du hel - teſt dich für kluger den Daniel / vnnd habeſt durch deine Klugheit vnnd Verſtand ſolche Macht zu wege gebracht / vnnd habeſt durch deine Weiß - heit ſo groſſe Macht vberkommen / darumb will ich Frembde vber dich ſchi - cken / die Tyrannen der Heyden / die ſollen jhr Schwerd zuͤcken vber deine ſchoͤne Weißheit vnd deine groſſe Ehr zu ſchanden machen / ſie ſollen dich hinunter in die Gruben ſtoſſen / ꝛc. Ezechiel. c. 28. v. & ſeqq. vnnd bey dem Propheten Eſai. c. 47. v. 10. deine Weißheit vnd Kunſt hat dich geſtuͤr - tzet / du biſt muͤde vor der menge deiner Gedancken vnd Anſchlaͤge / ob du dir moͤchteſt helffen vnd rathen. ibid. v. 13. & ſeq.

Ein bloß vnd vermeintes Intereſſe iſt nicht gnug / einem Potenta - ten ſeines Vffnehmens vnd wachſenden Gluͤcks halber Krieg anzubie - then / alſo iſt auch in den Kayſerl. beſchriebenen Rechten gegruͤndet / daß wegen ſeines bloſſen Intereſſe keinem einige Action competire, es hetten dann die Rechte vmb eines ſolches Intereſſe eine gewiſſe Action verord -(2.) Ex hoc ſolo, quod mea vel tua inter - eſt, tibi vel mihi non competit actio, niſi propter ejuſmodi Intereſſe, in tali facti ſpecie, jura actionena dari ve - lint, ut ele - ganter in - fert Juris Conſultus Ulpianus in l. 3. §. ſi mecum ff. ad Exhib Ioh. Ferrar. Montian conſ. Marp. 1. n. 14. v. 1. net / vnd wuͤrde das ſelbe bekleidet mit Recht vnnd Gerechtigkeit. (2.) Wie viel weniger kan man dann vmb ein ſolch Intereſſe (da doch an eines andern Felicitaͤt vnd Hoheit / die jhme Gott vnd das Gluͤck goͤnnet / ein ander vor ſich nicht eygentlich intereſſiret,) einen blutigen Krieg anfa - hen / vnd alle darauß entſtehende ſchwere Verantwortunge vber ſich neh - men. Dieſes iſt aber die beſte Verſicherunge eines Potentaten / daß er Gott fuͤrchte / deſſen Ehr vnd reine Lehr befordere / das Recht vnd die Gerechtigkeit / dar ein eines jeden Reichs Grund veſte vnd Gluͤckſeligkeit beſtehen / handhabe / daneben bey beſorgter vnd ereugender Gefahr ſeiner Schantze wol wahrnehme / ſeine Graͤntzen / Frontiren, Paͤſſe / Staͤtte / Haͤuſer vnd Veſtungen mit aller Notturfft / Proviand / Munition / Ar - tillerey / auch notturfftiger Beſatzunge verſehe /(3.)Vid. Reichs Abſchied. de Anno 1548. §. vnd auff odbemeltes / ꝛc. Allda von Befeſtigung der Graͤntzhaͤuſer gehandelt. & R. A. de Anno 1559. §. wann aber. Add. R. A. zu Speyer de Anno 1570. §. nach erledigten puncten junct. §. Jedoch dieweil ſie daneben. Item de Anno 1603. §. wann mun auß dieſem allem. eine anzahl Kriegs - volck vnd Wartgelder in Bereitſchafft habe / vnnd wann er daneben zur See maͤchtig / ſeine Orlogs Schiffe vnd Flotte beyzeiten equippire vnd fertig halte: Kompt dann einer / derſich ſeines Gluͤcks erheben / vnnd jhn ohn Vrſach attaquiren vnd vberziehen will / ſo hat er einegute Sache / daran Gottes Huͤlffe vnd Rache hafftet / daneben ein gutes Gewiſſen /R r r ijden316Das ander Buch /den abgenoͤtigten Defenſion Krieg / mit beſſerer courage vnnd tapfferer Reſolution fuͤhren.

Ob wol Koͤnig Salomo Frieden vnd von Gott die Verheiſſung hatte / daß er in Frieden regieren ſolte / dannoch hat er auff allen Noth - fall gefaſſet zu ſeyn tauſent vnd vierhundert Wagen / zwoͤlff tauſend Reu - ter vnterhalten / ſeine Graͤtzen zu ſichern / vnd ſich bey den benach barten(4.) Das eine Schwerd helt das ander in der Schei - de. Alberic. Gentil. de jur. Bell. lib. 1. c. 14. Philipp. Cominæ. lib. 10. Commen - tar. ad Fi - nium, in - quit, tui - tionem o - pus eſſe haud du - biè ſum - ptus face - re, etiam pacis tem - pore, ne inopinan - tes oppri - mamur. Hinc Bo - dinus de Republ. lib 5 c. 5. obſervavit. Tamdiu ſteriſſe potentiam & Amplitudinem Romani Imperii, quoad Conſtantinus Pontificum oratione perſuaſus, Legiones & robur planè ſuſtuliſ - ſet, quibus in ciſis nervis, provincias omnes Romanorum, populari ac vaſtare cæperunt. Koͤnigen conſiderabel zu machen. (4.) 1. Reg c. 10. v. 26. 2. Chron. c. 1. v. 14. & ibi notat. D. Oſiander in gloſſ.

Von dem Koͤnig Aſſa wird auch gemeldet / daß jhme der Herꝛ habe Friede vnd Ruhe gegeben / daß ſein Land ſtill vnd kein Streit wieder jhn geweſen dennoch hat er bey wehrendem Frieden / die Staͤtte im Lande fortificiren vnnd newe befeſtigen laſſen / auch eine Heers - Macht vnnd Außſchuß auß Juda von dreyhundert tauſend die Schild vnnd Spieß trugen / in Bereitſchafft gehabt vnd gehalten. 2. Chron. c. 14. Alſo ſtellete ſich der Koͤnig Hiskias wieder die einbrechende Gewalt deß Sanheribs in gute Bereitſchafft / bawete alle Mawren / wo ſie luͤckicht waren / ma - chete Thürne darauff vnd befeſtiget Millo bey der Statt David / trawete daneben Gott / vnd ſeiner guten gerechten Sache / 2. Chron. c. 32. v. 5. & ſeq.

Dahin ziehlet das alte Sprichwort: In pace de Bello cogitandum, das iſt / in Friedens Zeiten ſoll man auff Krieg gedencken: nicht zwar zu dem Ende / wie man vnnoͤtigen Krieg anfahe / ſondern wie man gegen vnvermuthlichen Vberfall zu defendiren ſich in guter Verfaſſunge be - finde / vnd nicht ſicher in den Tag lebe. (5.)Veget. de Re Militari. lib. 3. in fin. proëm. inquit, Qui deſiderat pacem, præparet bellum, h. e. ſtet pararus. Et ſubdit lib. 4. c. 31. Nemo bello laceſcereaut facere injuriam ei Regno vel populo audet, quem expeditum & promptum ad reſiſtendum vindicandumq́ue cognoſcit. Das Regiment war wol bedacht. Das beym Frieden den Krieg betracht. Froſchmaͤuſel.

Wie der Stamm Dan jhr Erbtheil am Lande Canaan ſucheten vnd jhre Kundſchaffter vorhin außſchicketen / ſich zu erkundigẽ / welchem Ort ſie am fuͤgligſten bey kommen moͤchten / ſeind dieſelbe nach Lais ge - rathen / vnd befunden / daß die Leuthe daſelbſten ſtill vnd ſicher gelebet / ſich gantz keines Leides befahret / auch nichtes mit Leuthen zu thun ge - habt / welches die Kundſchaffter den Dannitern reportiret, daß ſie alldazu einem317Von dem Weltlichen Stande. zu einem ſichern Volck kommen vnd ſie ohne Gefahr vberrumpeln wuͤr - den welches dann auch alſo geſchehen / die Statt eingenommen / die Ein - wohner mit der Schaͤrffe deß Schwerds geſchlagen / die Statt herna - cher nach den Dannitern Dan genennet worden / im Buch der Richter cap. 18. Es heiſt offt: Pax pater inſidiis, vnnd im Gegenſatz Tuta ſalus bello eſt.

Wegen ſolcher noͤtigen Sorgfalt / hat Weyland Kayſer Maximi - lian der Ander auff dem Reichstage zu Regenſpurg / Anno 1576. propo - niret, vnd mit Churfuͤrſten vnd Staͤnden deß Reichs hochweißlich be - rathſchlaget / welcher geſtalt ein loͤblicher Orden / gegen dẽ Türcken anzu - ſtellen vnd zuerhalten / ſo die anreinende Chriſtliche Betrangte Lande vnd Frontiren, mit ruͤhmlichen Ritterlichẽ Streitten gegen dem Tůrckiſchen Einbrechen / fuͤr vnd fuͤr beſchuͤtzen vnd beſchirmen / vnd alſo das gemeine Vatterland vor erſchrecklichem Vberfall / Verwuͤſten Verderbẽ / mit ewigen Ruhmwuͤrdigen Manlichen Thaten erretten ſolten / wie in deme daruͤber zu gemelten Regenſpurg Anno 1576. §. ferners haben wir bey dieſem / ꝛc. auffgerichtetem Abſchiede zubefinden.

AXIOMA CXLVI. Ehe man den Krieg ankuͤndet / vnnd ſeyn Panir auff - wirfft / ſoll man vor hin die Guͤte verſuchen vnd den Frieden anbiethen.

GOtts Gebott vnd Geſetz / ſo er ſeinem Volck gegeben vermag ſolches im 5. Buch Moſ. c. 20. v. 10. da er ſpricht; Wann du vor eine Statt zeuchſt / ſie zu beſtreitten / ſo ſoltu jhr den Frieden an - biethen / antwortet ſie dir friedlich vnd thut dir auff / ſo ſoll alles Volck das darinnen funden wird / dir Zinsbahr vnd Vnterthan ſeyn / will ſie aber mit dir nicht friedlich handlen / vnd will mit dir kriegen / ſo be - laͤgere ſie / vnd wann der Herꝛ dein Gott ſie dir in die Hand giebet / ſo ſol - in alles was Maͤnnlich darin iſt / mit der Schaͤrff deß Schwerds ſchla -Imbellis fexus & æ - tas à ſævi - tia militari excipien - da. gen ohne die Weiber / Kinder / ꝛc.

Alſo ſchickte Jſrael zu den Koͤnigen Sihon vnd Og / vnd ließ ſie in Guͤte erſuchen vmb einen vnſchaͤdlichen Paß vnd Durchzug durch jhre Lande / erbotte ſich gute Ordre zu halten / vnnd auß der Landſtraſſen nicht zuweichen / als aber dieſe Koͤnige nicht friedlich handlen / ſondern demR r r iijVolcke318Das ander Buch /Volcke Gottes mit Heersmacht entgegen zogen / reſolvirte ſich Moſes zum Kriege / ſchlug ſie / vnnd erlangte nicht allein den Paß / ſondern jhr gantzes Koͤnigreich.

Als Joſua nach erlangtem Sieg von ſeinen Feinden / die Staͤmme Ruben vnd Gad / ſambt dem halben ſtamm Manaſſe / mit einem ehrli - chen Paßbort vnd ruͤhmlicher Erzehlunge jhrer tapfferen Lobwuͤrdigen Dienſte vnd Thaten abgefertiget / vnd ſie auff der Ruckreiſſe einen groſ - ſen ſchoͤnen Altar am Jordan baweten / vnd ſolches die vbrige Staͤmme vom Hauſe Jſrael hoͤreten / hielten ſie es vor eine hochſchaͤdliche verdaͤch - tige Newrunge / wurden Raths / mit Heersmacht jene zu vberziehen / tha - ten aber vorhin eine anſehentliche Legation an obbemelte Staͤmme / nehmlich Pinehas den Sohn Eleazer deß Prieſters / vnd mit jhme zehen oberſte Fuͤrſten / lieſſen ſie vber ſolche Newerung ernſtlich zu Rede ſtellen / vnd wohin es mit ſolchẽ newen Altar angeſehen / befragen / worauff ſie / die Rubeniter / ꝛc. derogeſtalt ſynceriret vnd ſich erklaͤret / daß die Abgeſandte ſambt jhren Principalen Obern vnd Aeltiſte damit friedlich geweſen / jhre Armatur vnd vorgehabten Krieg wieder abgeſtellet im Buch Joſ. cap. 22.

Jmgleichen ſandte Jephtha zu dem Koͤnig der Kinder Ammon / vnd ließ jhme in guͤte ſagen / was haſtu mit mir zuſchaffen / daß du kompſt zu mir wieder mein Land zuſtreiten / vnnd als ſolches nichtes verfangen wolte / ſchickte Jephtha noch eine Bottſchafft ab / ließ dem Koͤnige noch - mals den Frieden anbiethen / darneben auß fuͤhrliche remonſtration thun / daß er durchauß nicht befugt waͤre wieder die Kinder Jſrael Krieg zu - fuͤhren / wie aber Jephtha den Frieden vber allen angewanten Fleiß in guͤte nicht haben vnderlangen konte / zog er wieder ſie in Streit / vnnd ſchlug ſie von Aroer an / biß man kompt gen Minnuith zwantzig Staͤt - te / ꝛc. Judic. c. 11.

Ebener maſſen erinnerte Jephtha die Ephraimiter / welche ohne Vr - ſache ſich zu jhm noͤtigten in guͤte / keinen vnbefugten Krieg wieder jhn anzufangen / wie er aber in der guͤte nichts bey jhnen erheben konte / ſamle - te er alle Maͤnner in Gilead / verrandte jhnen den Paß beym Jordan / ſchlug ſie / daß zu der Zeit in Ephraim gefallen 42. tauſend Mann / Judic. cap. 12.

Gleicher geſtalt ſchickten die Staͤmme Jſrael Geſandten zu allen Geſchlechten Beniamin / vnd begehrten die Maͤnner die boͤſen Buben zu Gibea / welche deß Leviten Weib abſchewlicher vber Barbariſcher weiſ - ſe zu Todte geſchaͤndet hatten / damit ſie dieſelbe toͤdteten vnnd das Vbel auß Jſrael thaͤten. Als aber die Kinder Beniamin ſolchen billigmaͤſſi -gen319Von dem Weltlichen Stande. gen poſtulatis nicht ſtat geben wolten / ergriffen ſie die Waffen propter denegatam juſtitiam. Iudic. c. 20.

Als der Koͤnig in Aſſyrien den Koͤnig Hiskiam wieder vnter ſeine Gewalt vnnd ſich vnterthan machen wolte / ſchickte er ſeinen Feldhaupt - man den Tharthan mit einem groſſen Kriegesheer gen Jeruſalem / ließ aber vorhin dem Koͤnige vnd dem Volcke Frieden vnd Gnade anbiethen / vnd ſagen: Nehmet an meine Gnade vnd kommet zu mir herauß / ſo ſoll jederman ſeines Weinſtocks vnd ſeines Feigenbaums eſſen / ꝛc. 2. Reg. 18. v. 31. & ſeq.

Wie der Koͤnig Joſias ohne Noth ſich in den Krieg / welchen der Egyptiſche Koͤnig Pharao Necho / wieder Carchemis fuͤhrete / miſchete / ſchickte derſelbe eine Bottſchafft an Joſiam / vnd ließ jhm ſagen / er haͤtte nichts mit jhme in Vngutem zuthun / er zoͤge auff Gottes Befehl wieder einander Hauß / er moͤchte ſich zur Ruhe begeben; Als aber guͤtliche Ab - mahnunge nicht ſtat gefunden / vnd Joſias die Waffen vorgezogen / iſt er auch durch die Waffen gefallen. 2. Chron. 35. v. 20. & ſeq. Tamerlanes war zwar ein grawſamer Tyrann / der den Tůrckiſchen Kayſer an eyſern Ketten mit ſich gefangen vmbher gefuͤhret / hat pflegen mit vier hundert tauſend Mann ins Feld zuziehen / vnd wann er eine Statt belāgert / hat er den erſten Tag ein weiſes Gezelt vffſchlagen laſſen / das hat Friede vnd Gnade bedeutet / den andern Tag ein rothes / das hat Mord vnd Blutan - gekuͤndet / den drittẽ Tag ein ſchwartzes / damit hat er gedraͤwet die Statt indie Aſche zulegen. Vnd iſt gleichwol an dieſem Tyrannen / dieſes zu ruͤhmen / daß er vorhin Gnade vnd Friede anbiethen / vnd die Grawſam - keit den Waffen vorziehen wollen.

Schließlich / wo man den Edlen von Gottes reichen Segen trief - fenden wehrten Frieden / ohne Krieg vnnd blutigen / alles zerſtoͤhrenden Waffen erlangen / erhalten / ſich vnd ſeine Angehoͤrige bey Gleich / Recht vnd dem Seinigen conſerviren vnd ſchuͤtzen / auch in andere wege darzu gelangen kan / ſoll man keinen Krieg anfahen / oder lenger als es noth thut / continuiren, noch ſich in frembde Kriege flechten.

AXIO -320Das ander Buch /

AXIOMA CXLVII. Es iſt beſſer ein offentlicher Krieg als ein angebotte - ner betrieglicher vnſicherer Frieden.

FRiede iſt wol das lieblichſte / aller holdſeligſtes Wort vnnd edel - ſte Contingens vnd Zuſtand / ſo dem Menſchlichen Geſchlechte(1.) Sine Pacis & tranquilli - tatis Bono, nemo bo - na ſua no - vit, nemo poſſidet Frider. Marſelaer. de Legat. in præfat. Dedicat. zu gutem auff dieſer Welt gedeyen vnnd daſſelbe erfrewen kan / (1.) dahero vmb ſo viel do ehe die Leuthe offters durch deſſen Liebreichheit vffgeſetzet / hintergangen vnd betrogen worden.

Als der Abtruͤnnige Alcimus / der gern Hoherprieſter ſeyn wolte / ſein Volck bey dem Koͤnig Demetrio Seleuci Sohn faͤlſchlich anbrachte vnd ſo viel erhielte / daß jhme Bacchides mit einem groſſen Heer zuge - ordnet ward / das Juͤdiſche Volck zu vberziehen vnd vnter ſeinen Gehor - ſamb zu bringen / fingen ſie betrieglicher weiſe an vom Friede zu handeln / meineten auff ſolche weiſe ohne Schwerdſtreiche den Juden das Joch v - ber den Halß zubringen vnd Judam Macchabeum zu hinter gehen: Aber dieſer als ein verſtaͤndiger kluger Regent / merckte bald den Betrug / ſa - he / daß ſie mit einer groſſen Armatur vnnd Kriegsbereitſchafft gefaſſet waren / vnnd nichtes wenigers als einen ehrbahrn ſichern Frieden be - gehreten / wolte ſich derowegen zu den betrieglich angebottenen Friedens Tractaten nicht verſtehen / ſondern nahm viel mehr ſeiner Schantze war / vnnd ſtellete ſich zur Defenſion / erfuhr auch bald / daß die jenige / ſo dem Alcimo getrawet / den offerirten vnd eydlich verſprochenen Frieden angenommen / betrieglich hinter das Liecht gefuͤhret vnnd elendig erwuͤr -(2.) Vete - res illæ ar - tes ſunt, pace aut induciis expugna - re, quos bello non potes. Ia - cob. Ze - vecot. in Obſerv. Politic. ad Suet. Iul. Cæſ. c. 29. Etſic Pompeium imagine Pacis, Lepidum ſpecie amicitiæ decepit Augu - ſtus Tacit. lib. Annal. get worden / im 1. Buch der Macchab. c. 7. v. 10. & ſeq. uſque ad 19. (2.)

Als nun Alcimus vnd Bachides weder mit Liſt oder Gewalt jhren willen vollbringen / vnd den vorgeſetzten Scopum erreichen koͤnnen / hat er die Juden bey dem Koͤnig noch hefftiger deferiret vnd ins Saltz geha - wen / der dardurch bewogen worden ſeinen Groß-Fuͤrſten den Nicanor / der ohne das der Juden abgeſagter Feind war / mit einer gewaltigen Armee zu commendiren, die Juden gantz zu vertilgen / der gebrauchte ſich auch gleicher Liſt / vnd wie er ſich Jeruſalem etwas naͤherte / ſchickete er eine Bottſchafft an Judam vnd ſeine Bruͤder / ließ jhnen gleichfals tuͤckiſcher betrieglicher Weiſeden Frieden anbieten / deme Judas trawe -te vnd321Von dem Weltlichen Stande. te vnd jhn mit etzlichen Volck zu ſich lieſe vnd jhn friedlich empfienge / er bekahm aber bald Kundſchafft / daß Nicanor darumb zu jhme kommen waͤre / durch ſolche Liſt ſich ſeiner Perſon zu bemaͤchtigen vnnd jhn zufa - hen / derowegen er jhme auch nicht weiter trawen / noch zu den vorgegebe - nen Friedens Tractaten erſcheinen wolte / ſondern machete ſich gefaſt zum treffen vnd ſchlug jhme fuͤnff tauſend Mann ab / da er ſich mit dem vbri - gen Volck in die Burg David / da die Heyden jhre Beſatzunge auff hat - ten / retiriren muͤſte / in gemeltem 7. cap. à v. 26. uſque ad v. 32. vnd erlegte jhn auch gar in dem andern Treffen / ließ jhme neben dem Kopffe die trew - loſe Hand / die er zum Ayd außgeſtrecket / den verſprochenen aber nicht ge - haltenen Frieden / zu beſtercken / abhawen vnd zu Jeruſalem auffhencken / ibid. v. 43. & ſeq.

Bey ſolcher Friedens-Handlunge iſt die beſte Sicherheit / das Vi - gila & diffidere memento, nemlich daß man wol zuſehe nicht trawe / die ergriffene Waffen nicht allein in handen behalte vnnd ſub clypeo wie man zu ſagen pfleget / oder vnter den Conduite deß Degens Frieden tra - ctire / ſondern auch bey wehrenden Tractaten vnd Handlungen / ſich auff das euſſerſte angreiffe vnd zum Krieg ſich ſchicke / dann wann die Spieſe gleich ſtehen / vnd kein Theil verſichert / daß er den andern vnter die Fuͤſe zubringen vermóge / pflege es den beſten reputirlichſten Frieden vnnd bil - lichſte Conditiones zugeben / welches dañ auch die Kayſerl. May. Chur - vnd Fuͤrſten deß Reichs bey juͤngſtem Anno 1641. zu Regenſpurg gehal -(1.) Si Bella tonant prius ag - mina du - ris Exerce ſtudiis & ſævo præ - ſtrue Mar - ti brumę requies hyber - nacula ſe - gnes Enervent torpore manus. Claudian. in Pane - gyr in IV. Conſulat. Honorij. tenem Reichstage ſorgfaltig vnd wol erwogen §. So viel nun den Haupt - puncten / ꝛc.

AXIOMA CXLVIII. Eheman zu Felde ziehet / muß man muſtern vnd das Volck armiren. (1.)

EHe Joſua wieder Amaleck zog / ſtellete er auff Moſis Ordre vor - hin gute Muſterunge deß Volcks an / erwehlete die jenige ſo ſtreit - bahr vnd tuͤchtig zum Krieg waren / Exod. c. 17. v. 9.

Jmgleichen da ſich Moſes ruͤſtetete wieder die Medianiter / muſterte er vorhin / vnd nahm auß jedem Stamm tauſend / machete dar auß ein Corpo von zwoͤlff tauſend / die geruͤſtet waren / zum Krieg / Num. 31. v. 4. & ſeq.

S s sDeß -322Das ander Buch /

Deß gleichen thate Gideon / wie er auch wieder die Medianiter zu Felde zog / vnd das Volck zuſammen rieff / hielte er vff ſonderbahren Be - fehl Gottes zwey Muſterungen; Jn der erſten muſterte er 220000. auß / die bloͤde vnd verzagt waren / ließ ſie wider vmbkehre / formirte von den vbrigen eine Armee von 10000 / vnd wolte damit auff den Feind gehen / weil jhme aber Gott zeigen wolte / daß es jhme gleich waͤre / mit wenig o - der viel zuhelffen / vnd die Jſraeliten ſich nicht zu ruͤhmen haͤtten / daß ſie mit jhrer Macht vnd Tapfferkeit den Feind geſchlagen / befahl er Gideon noch eine Muſterunge vorzunehmen / gab ein gewiß Zeichen / welche er wehlen ſolte / alſo daß deren ſo mit zogen nur 300. worden / im Buch der Richter c. 7.

Als die Beniamiten wieder die Kinder Jſrael zu Felde zohen / ſtel - leten ſie auch vorhin Muſterunge an / vnd wurden deß Tages gezehlet die Kinder der Beniamin auß den Staͤtten 26. tauſend Mann / die das Schwerd außzogen / ohn die Burger zu Gibea / der wurden ſieben hun - dert gezehlet / außerleſen Mann / im ſelbigem Buch c. 20. v. 14. & ſeq.

Als Joab von ſeinem Koͤnig dem David commendiret ward / mit dem gantzen Kriegsheer wieder Hanon der Ammoriter Koͤnig zu Felde zuziehen / muſterte er vorhin / vnd erwehlete die beſten Soldaten auß al - ler junger Mannſchafft in Jſrael. 2. Samuel. c. 10. v. 9.

AXIOMA CXLIX. Wer ohne Gefahr ſeiner Lande vnd vnd Leuthe Neu - tral bleiben kan / derſelbe thut nicht vbel.

ALs der Koͤnig Achab den Frieden mit den Syrern zubrechen / vnnd Ramoth in Gilead wieder zu recuperiren vnd zuerobern ſich re - ſolvirte, hatte Joſaphat der Koͤnig in Juda / ohne Gefahr ſeiner Cron / Lande vnd Leuthe gar wol Neutral vnd in Ruhe verbleiben koͤnnen / aber Achab vberredete jhn darzu / daß er ſich vnvorſichtig dahin erklaͤrte vnd ſagte: Jch will ſeyn wie du / vnd mein Volck wie dein Volck / meine Roſſe wiedeine Roſſe / wormit die Conjunction geſchahe / aber Jo - ſaphat geriethe durch dieſe vnnoͤtige Zuſammenſetzũge in Leibes vnd Le - bens Gefahr / vnd mangelte wenig daran daß er nicht mit Achab in der Schlacht waͤre vmbkommen. im 1. Buch der Koͤnige c. 22. im 2. Buch der Chronic c. 18. v. 31. Garwol haͤtte der fromme Koͤnig Joſias Neutralbleiben323Von dem Weltlichen Stande. bleiben koͤnnen / wie Necho der Koͤnig in Egypten zu Felde zohe / zu ſtrei - ten wieder Carchemis / zumahln dieſer jhn manifeſtirte vnnd verſicherte / daß er nicht gemeinet wieder jhn zuſtreiten / aber Joſias bliebe bey ſeiner Meynunge / zohe mit in die Schlacht vnd kahm auch darin vmb ſein Le - ben / im 2. Buch der Chronic. c. 35. v. 20. & ſeq.

Es erzeigen ſich aber doch zuweilen die Laͤuffte vnd occaſiones deß Krieges alſo / daß es offters fuͤrtraͤglicher vnd ſicherer iſt / bey vorſtehen - der Gefahr eine Partheye zu erwehlen / als bey den kriegenden theilen zum Raub vnd Begierde ſich außzuſtellen.

Die Jtalianer pflegen zu ſagen Neutralita non conſerva gli amici, ne aſſicura de gli inimici, das iſt / die Neutralitaͤt machet vnd erhelt keine Freunde / vnd verſichert nicht wieder die Feinde. Als die Kinder Dan durch gute Kundſchafft erfuhren / daß die Einwohner zu Lais Neutral vor ſich gantz ſicher lebeten / vnd weder mit den Zidoniern oder andern be - nachbarten in guter Intelligentz oder Buͤndnuͤß ſtünden / nahmen ſie die - ſer Occaſion wahr / vberzogen vnnd ſchlugen ſie mit der Schaͤrffe deß Schwerds / vnd verbrandten jhre Statt / im Buch der Richter / c. 18. v. 7. 27. Die zu Jabes in Gilead wolten ſich auch ſtille vnd Neutral halten in dem Kriege / welchen das gantze Jſrael wieder den Stamm Beniamin fuͤhrete / aber wie die Jſraeliten wider Beniamin die Victom vnnd Sieg erhalten / ſchickten ſie zwoͤlff tauſend Mann nach Jabes in Gilead vnnd lieſen alles niedermachen biß auff 400. Jungfrawen / in gemelten Buch der Richter c. 21. v. 10.

Als zwiſchen Demetrium vnd Alexander / Koͤnigs Antiochi deß Edlen Sohn Krieg entſtunde / bewarben ſich dieſe beyde vmb der Juden Freundſchafft / Bündnuß vnd Hülffe / ſchrieben deßwegen an jhren Re - genten Jonathan den Macchabeer / befanden die Juden nicht rathſam fuͤr das mahl Neutral zu bleiben hatten aber bedenckens ſich mit Deme - trio zu conjungiren / weil derſelbe Jonathans Bruder Macchabeum vmbgebracht / jhnen ſonſten viel Vntrewe erwieſen / ſchlugen ſich dero - wegen zu dem Alexander / ſchickten jhme Huͤlffe zu / lieferten mit geſamb - ter Hand vnd Zuthun dem Demetrio eine Schlacht / darin dieſer den kuͤrtzern zohe / vnd ſelber bliebe / im 1. Buch der Macchab. c. 10. Waͤre Jonathan bey dieſem Kriege Neutral geblieben / haͤtte Alexander / nach dem er mit Demetrio fertig war / jhn vnd ſein Volck heimgeſuchet vnnd bekrieget. Waͤre aber Demetrius meiſter worden / haͤtte Jonathan vnd ſein Volck ſich zu jhm nichtes gutes zuverſehen gehabt / weil er vorhin kein Parol, Trew vnd Glauben gehalten.

Es werden die Neutraliſten von etzlichen nicht vbel verglichen de -S s s ijnen324Das ander Buch /nen ſo in der mitte eines Hauſes wohnen / die werden von den vnterſten mit Rauch geplaget / von den oberſten mit Cammerlauge oder andern Vnrath beſchuͤttet. Von dieſer Materi ob vnnd wann es dienlich oder ſchaͤdlich ſeye Neutral zu bleiben bey innerlichen oder benachbarten Kriegen hat ein gantz Buch geſchrieben Johan Wilhelm Newmayr von Ramsla vnd vor jhme Boter ein Jtaliener / ſo weitleufftig darvon auß den Prophan Hiſtorien vnd Buͤchern ſchreiben.

AXIOMA CL. Bloͤde / verzagte vnd feyge Leuthe ſoll man nicht an - nehmen / vnterſtellen vnd in Krieg fuͤhren.

GOtt hat diß Geſetze ſelber gegeben im 5. Buch Moſ. im 20. cap. da er ſpricht: Welcher ſich fuͤrchtet vnd ein verzagtes Hertz hat / der gehe hin vnd bleibe daheim / Vrſache: auff daß er nit auch ſei -(1.) Malus eſt miles qui Impe - ratorem fuum ge - mens ſe - quitur, di - xit Seneca. Et difficile eſt, invitis canibus venatum ire. Plaut. Es hetzet vnd jaget ſich nicht wol mit vnwilligẽ Hunden. ner Bruͤder Hertz feige mache / wie ſein Hertz iſt. (1.) Dieſes ob - ſervirte auch Gideon im Buch der Richter am 7. cap. allda auch zuſehen / daß / da ſich die Midianiter angefangen zufuͤrchten / jhr Vntergang gantz nahe fuͤr der Thůr geweſen.

Ein ſolch feiges Hertz / bekahm die ſtarcke ſtreiffende Parthey vnnd Rotte der Philiſter / durch den Anfall deß einigen Jonathans / vnnd ſei - nes Waffentraͤgers / dardurch ſie zertrennet vnd in die Flucht geſchlagen worden. 1. Samuel. 14. v. 15. Schrecken vnnd verzagtes Hertz iſt ein ſonderbahrer Fluch / Vnſegen vnd Straffe Gottes. Levit. 26. v. 36.

Als Judas Macchabæus wieder den Apollonium ſich in Verfaſ - funge ſtellete / ein Feld Regiment / Obriſte / Hauptleuthe vnnd Webel be - ſtellete / ließ er außruffen / daß die jenige / ſo ſich fuͤrchteten / freyeten / Haͤu - ſer baweten vnd Weinberge pflantzeten / nach dem Geſetze heimziehen ſolten. Macchab. c. 3. v. 54. & ſeqq.

Furchtſame vnd feige Leuthe / ſeind nicht allein nicht nůtzlich / ſon - dern auch ſehr ſchaͤdlich bey einer Armee / Sintemahl wann dieſelbe das Haaſenpanier auffwerffen / dem Feind den Rucken wenden / jhr Gewehr von ſich thun vnd außreiſſen / koͤnnen ſie leichtlich die Schlachtordnung trennen / vnd das gantze Kriegsheer / wie es die alte vnnd newe Exempla geben / in confuſion bringen / vnnd dem Feinde zur Victori eine groſſe a - vantage oder Vortheil machen

AXIO -325Von dem Weltlichen Stande.

Axioma CLI. Es iſt in viele Wege gut / daß man das Landvolck exer - cire / darauß einen Land-Außſchuß mache vnd armire / im fall der Noth ſich deren auch zu bedienen.

ALs Nebuſar Adan deß Koͤnigs Nebucadnezar Hoffmeiſter vnd ver - ordneter General der Statt Jeruſalem vnd deß gantzen Gelobten Landes ſich bemaͤchtiget / den Koͤnig in Juda ſambt ſeinen Obri - ſten / Officirern / Beampten vnd vornembſten auß dem Volck ge - ſaͤnglich nach Babel gefuͤhret / hat er auch / wie die Hiſtoria meldet / So - pher / dẽ|Land - Feldhauptman / der das Volck im Lande Kriegen gelehret / mit genommen / ohne zweiffel auß den Vrſachen / damit kein Haupt im Lande bey den Gemeinen Mann bleibe / der ſie exerciren / zu den Waffen / vnd alſo gar zum Vffſtande wieder den Koͤnig anfuͤhren koͤnte / Jerem. c. 52. v. 25. Worauß dann dieſes zuſehen / daß kein Newes / ſondern eine Vhralte / auch bey den Koͤnigen in Jſrael vbliche Weiſe vnd Manier ge - weſen / das Landvolck durch die darzu beſtelte Land Hauptleuthe in der Militia zu vben / zu den Waffen vnd zum Streit zu habilitiren.

Es meldet auch die Schrifft / daß Gott bey Einnehmunge deß ge - lobten Landes vnter andern Vrſachen auch geſchehen laſſen / daß etzliche der Philiſter Fuͤrſten vbrig geblieben / daß die Kinder Jſrael / jhre Junge Mannſchafft die in Kriegen noch nicht geuͤbet / noch vmb die alte Kriege gewuſt / lerneten ſtreiten vnd alſo Feinde behielten / damit ſie ſich exerci - ren muſten / vnd durch gute Tage vnd Muͤſſiggang nicht verderbet wuͤr - den / im Buch der Richt. c. 3. v. 2. adde ibidem Paraphraſin Ienenſem. vnnd gibet es die Erfahrunge wann ein Koͤnigreiche vnd Volck gar zu lange in Friede vnd Ruhe ſitzet / daß ſie ſicher vnd des Kriegs vngewohnt werden / vnd wann ſie vnverſehens in einen Krieg gerathen / mangelts jh - nen an tapfferen / Kriegserfahrnen Leuthen / verſtaͤndigen hohen vnd nie - dern gevbten Officirern / vnnd muͤſſen deßwegen auch wol in gerechter Sache ſich leyden.

Sehr wol geuͤbte vnnd zum Krieg abgerichtete fertige Leuthe wa - ren die Sieben hundert vom Außſchuß der Beniamiten / welche RechtS s s iijvnd326Das ander Buch /vnd linck waren / vnnd konten mit der Schleuder ein Haar treffen / daß ſie nicht fehleten / im Buch der Richter c. 20. v. 16.

Es hat zwar bey dieſen Teutſchen Kriegen die Erfahrunge in der Pfaltz vnd an andern Orten gegeben / daß mit dem geuͤbten Landvolck im Felde nicht viel zu richten geweſen / weil ſie deß ſcharffen ſchieſſens / vnd daß ein Nachbar bey dem andern nieder gefallen / nicht gewohnet / gar bald das Haſen Pannier ergriffen / jhre Gewehr von ſich geworffen / vnnd(1.) Inſoli - ta & inopi - nata quæ accidunt, plerumq́; turbant & confun - dunt ani - mos pro - vincialiũ, arg. l. 4. §. 4. in fin. ff. de offic. proconſ. den Feind hinter ſich hergejaget. (1.) So hat man ſich doch deſſen in Beſa - tzunge der Paͤſſe / Veſtungen vnd Staͤtte nuͤtzlich gebrauchet / auch zuwei - len das|geworbene Volck zum Theil auß den Guarniſonen lichten / zu Feld fuͤhren / vnd dieſe wieder zur Beſatzunge einlegen koͤnnen.

AXIOMA CLII. Es iſt nicht gnug zum Kriege vnd deſſen Verantwor - tunge / eine abgenoͤthigte gerechte Sache zuhaben / ſondernes muß auch der Krieg mit Gott / in deſſen Furcht vnd Anruffunge angefahen werden.

DEr Koͤnig David vnd andere Gottſelige Regenten vnd Koͤnige ſeind in der Furcht Gottes zu Felde gezogen / haben den Herꝛn den Gott Jſrael vorhin gefraget vnd angeruffen / im Namen vnſers Gottes / ſpricht er / werffen wir Pannier auff / Pſalm. 20. v. 6.

Ein ſehr ſchoͤn Hertzvertrawtes Gebet that der Koͤnig Aſſa zu Gott / wie er wieder die groſſe Menge der Moren in die Schlacht zoge / da er ſprach: Herꝛ es iſt bey dir kein vnterſcheid helffen vnter vielen / oder da keine Krafft iſt: Hilff vns Herꝛ vnſer Gott / dann wir verlaſſen vns auff dich / vnd in deinem Namen ſind wir kommen wieder dieſe Menge / ꝛc. 2. Chron. c. 14. v. 11. Welches billig alle kriegende Potentaten / Genera - les / Officirer vnd Soldaten / wann ſie wieder jhren Feind zum Streit außziehen / beten vnnd ſprechen ſolten. Deß gleichen hat Judas Mac - chabæus gethan 1. Macchab. c. 3. v. 18. vnd im 2. Buch der Macchab. c. 8. v. 18. wie er wieder Nicanor deß Ptolomæi ſeinen Feldhauptman zum Streit gegangen hat er alſo gebetet: Sie verlaſſen ſich auff jhren Har -niſch /327Von dem Weltlichen Stande. niſch / vnd ſind voll Trotzes / aber wir verlaſſen vns auff den Allmaͤchtigen Gott / welcher kan in einem Augenblick / nicht allein die ſo wider vns zie - hen / ſondern die gantze Welt zu bodem ſchlagen. Der Koͤnig Joſaphat, 2. Chron. c. 20. v. 12. Wo man aber Gottes vergeſſen vnnd alleine auff ſein beſſer Recht vnd gute Sache pochen / vnd auff ſeine eygene Macht vnd Gewalt ſich verlaſſen will / da hat es offt gefehlet.

Eine gute gerechte Sache / vnd das aller beſte Recht / deßgleichen kaum gehoͤret iſt / hatten die Kinder Jſrael wieder die Gibeoniter vnnd Beniamiter wegen begangener boͤſer That / vnd verweigerter Juſtitia / darvon oben Axiom. XI. gemeldet / weil ſie aber den Krieg nicht mit Gott / wie ſichs gehoͤret angefangen / haben ſie in jhrer gerechten Sache dan - noch zwey gewaltige Schlachten vnd 40. tauſend Mann verlohren / biß ſie zum dritten mahl lerneten die Vermeſſenheit ablegen / vnnd Gott an - ruffen vmb Raht vnd That / da gewonnen ſie wieder vnd behielten Recht / Jud. c. 20. Der Koͤnig Achab hatte zwar eine gerechte Sache / zum Krieg wieder den Koͤnig in Aſſyrien / nemblich die Recuperation deſſen / was er jhme mit Gewalt abgenommen / weil er aber denſelben nicht mit Gott anfinge / vnd deſſen durch den Propheten Micha offenbahrten Willen verachtete / hat er den kuͤrtzern gezogen / vnd iſt elendig vmbkommen. 1. Reg. c. 22.

Jmgleichen hatten die Jſraeliten eine gerechte Sache wieder die Philiſter / vnd hatten daneben die Lade deß Bundes deß Herꝛn bey ſich im Lager / (1.) aber ſie ſatzten Gott auß den Augen / verlieſſen ſich auff(1.) De Ar - ca Fœderis in Caſtra tranſpor - tata ita ſcribit S. Auguſti - nus de Mi - rabil. §. Scripturæ. c. 7 Stul - tiſſimum erat hoc Conſiliũ, quia ea de re nec mandatum, nec promiſſionem habebant, quia nulla erat inter eos mentio de vera reſipiſcentia ab idololatria & ſceleribus, ſine quâ Deum ſibi fore propitium, polliceri non debebant. Legis itaq́ue tranſgreſſores, nequaquam legis Arca tuetur. Tenendum itaq́ue non ſatis eſſe, ſi quis bonam & juſtam cauſam habeat, ſed oportot etiam accedere humiliationem coram Deo, rimorem ac pœnitentiam & abeſſe confidentiam vanam, ex Hieron. Weller. notat. Luc. Oſiand. ad d. c. 4. Samuel. gloſ. 6. jhre eygene Macht / wurden derowegen zwey mahl auß dem Felde in die Flucht geſchlagen vnnd verlohren darzu die Bundes Lade Gottes. 1. Sam. c. 4. Sanherib hatte eine gerechte Sache an den Koͤnig Hiskiam / weil er von jhme abtruͤnnig ward vnd nicht mehr vnterthan ſeyn wolte / 2. Reg. c. 18. v. 7. & v. 20.

Weil er aber darbey Gott laͤſterte / dem Heiligen in Jſrael Hohn ſprach / alles auff ſeine eygene Force ſetzete / kame jhm die gute Sache nicht zu ſtatten / ſondern es ſtuͤrtzete Gott ſeinen Hochmuth / legte jhme einen Ring an die Naſe / vnd ein Gebiß ins Maul / vnd fuͤhret jhn mit Schimpff vnnd Verluſt hundert vnnd fuͤnff vnd achtzig tauſend Mannden328Das ander Buch /den Weg wieder zu ruͤck da er herkommen war. 2. Reg. c. 19. v. 28. & 35. (2.) Acci - dit ſæpè ut bello cauſa quidem juſta ſub - ſit, ſed vi - tium a - ctioni ac - cidat ex animo a - gentis: ſi - ve, quod aliud quiddam non licitum per ſe magis & principalius, animum movet, quam jus ipſum puta honoris ſtudium aut utilitas aliqua, &c. Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 22. n. 17. Hujus rei notabile & memora - bile Exemplum extat. 1. Macchab. c. 5. v. 56. & ſeq. Prodigus Felicitatis ſuæ eſt, qui ſola cauſæ bonæ nititur fiducia & in ſolis armis gloriam po - nit Marſelar. de Legationib. p. m. 334. (2.) Hiervon ſchreibet D. Lutherus gar fein / Gott iſt der Vermeſſenheit feind / darumb heiſt es alſo / es iſt nicht gnug / daß du gleich das aller ſchoͤ - neſte Recht vnd die aller beſte Sache haſt / vnd dein Rathſchlag auff ge - wiſſeſt ſetzeſt / ja je ſchoͤner dein Recht vnd beſſer deine Sache / je weniger du dich vermeſſen vnd darauff pochen ſolt / ſondern deſto mehr dich fuͤrch - ten fuͤr Gott / als der Luſt hat das ſchoͤneſte Recht zu ſchaͤnden vnnd die be - ſten Sache zu ſtuͤrtzen vmb der Vermeſſenheit willen daß du dich darauff verlaͤſſeſt vnd pocheſt / mit welchem du alles verderbeſt vnnd Gott wieder dich reitzeſt / dann er iſt der Hoffart vnd Vermeſſenheit feind / als die jhme ſeine Ehre nimbt vnd wieder das erſte Gebott ſtrebet / darumb wiederſte - het er auch den Hoffertigen mit aller Gewalt / wie S. Petrus ſagt 1. Petr. c. 5.

Axioma CLIII. Krieg will mit Rath vnnd tapffereer Reſolution ge - fuͤhret ſeyn.

MIt Rath ſpricht der Weiſe Koͤnig Salomon / muß man Krieg fuͤhren / vnd wo viel Rathgeber ſeyn / da iſt der Sieg / Prov. c. 24. v. 6. Die Anſchlaͤge werden zu nicht wo nicht Rath iſt / in den Sprichwoͤrtern Salomon. c. 15. v. 12. vnnd Kriege ſoll man mit Vernunfft fuͤhren ibid. c. 20. v. 18. Als Abſolon ſich vorgeſetzet / ſei - nen von Jeruſalem ſchon entwichenen Vatter den Koͤnig David / mit Kriegsmacht ferner zuverfolgen vnd gantz zu vertilgen / hielte er vorhin Kriegs-Rath mit ſeinem vornembſten Anhaͤnger dem Achitophel / vnd zog mit darzu deß Davids getrewen Diener den Huſai vnnd vernahm ſeinen Rath auch / welcher geſtalt der Krieg auffskluͤglichſte anzufahen vnd zufuͤhren. 2. Sam. c. 18.

Ob dann wol der trewloſe Achitophel den beſten Rath gegeben / daß man David keine Friſt oder Zeit laſſen ſolte ſich in Bereitſchafft zu - ſtellen / ſondern weil er noch in Confuſion vnd Schrecken / auch von derReiſe329Von dem Weltlichen Stande. Reiſe matt vnd laß wahr / vnverſehens in der Nacht zu vberfallen / vnd jhn zu ſampt ſeinem Anhang zu ſchlagen / welchem nach jhme Abſolon alsdann alles Volck anhaͤngig ſeyn werde. Weil aber Abſolon eine boͤſe vnnd vngerechte Sache wieder David hatte / ſiehe da ſchicket es Gott al - ſo / daß Abſolon den guten Rath deß Gottloſen Achitophels verachtet / 2. Samuel. c. 17. v. 14. (1.) geſtalt David Gott darumb vorhin angeruf -(1.) Quos. Deus con - ſtituit, perdere, corum corrumpit Conſilia. fen / er moͤchte den Rath Achitophels zur Narꝛheit machen. 2. Samuel. c. 15. v. 31. vnd deß frommen Huſai boͤſen Rath folgete / wordurch David Zeit gewanne ſich zu faſſen vnd das Volck in gute Ordnunge zuſtellen / ſetzete vber ſie Hauptleuthe vber tauſent vnd vber hundert / vnd theilet es vnter dreyen Generalen in drey Brigaden / vntergab eine dem Joab ſei - nem Feldhauptman / die ander Abiſai Joabs Bruder / die dritte Jehai dem Gethiter. Wie David die Zeit gewan ſich in gute Poſtur zu ſetzen / vnd Abſolon darauff ankahm / fand er alles in guter Ordnunge vnd ward geſchlagen. 2. Sam. c. 18.

Achitophel war ein verſchlagener Fuchs / wuſte wol daß David ein alter guter Soldat war / vnd daß er erfahrene Generals Perſonen vnnd Officirer neben geuͤbten Soldaten bey ſich hatte / vnd da jhme Zeit gelaſ - ſen wuͤrde ſtand zu faſſen / daß es als dann halb würde verlohren vnd er in Gefahr ſeyn.

Bey innerlichen Kriegen vnd Auffruhr beſtehet viel in Geſchwin - digkeit / daß die zu erſt gefaſſete Partey die andere nicht laſſe auffkommen / vnd waͤre hie wol von Abſolon zu ſagen nocuit differre parato.

Alſo hielte David auch vorhin / ehe er ſeine Armee zu Felde ſchickte / Kriegs Rath / darbey vornemblich dieſe Frage vorfiel / ob der Koͤnig in der Perſon mit zu Felde ziehen ſolte / darzu er dann reſolut vnnd willig war / weil es aber auß wichtigen vnd erheblichen Vrſachen von dem Volck wiederrathen ward / folgete der Koͤnig den Rath vnd ſprach / was euch gefelt / das will ich thun. d. c. 18. Von dieſer Frage handelt vnden das gantze Axioma 175.

Die Vrſache aber war dieſe / wann der Koͤnig mit in Streit zoͤge vnd bliebe / ſo waͤre damit alles / vnnd ſie ſeine getrewe jhme aſſiſtirende Vnterthanen vnnd Officirer verlohren / vnnd wuͤrde ſich das gemeine Volck leichtlich nach dem Gluͤck wenden / die auff gehende Sonne hoͤher als die vnter gangene æſtimiren, vnd ſich dem Abſolon anhaͤngig machen / im 2. Buch Samuel c. 18. Vid. Axiom. 43. Bey innerlichen Kriegen iſt ſehr viel am Haͤupte gelegen / felt daſſelbe ſo felt leichtlich das gantze Werck.

Als der Koͤnig Joram vnd Joſaphat ſich mit einander conjungiret /T t tvnd330Das ander Buch /vnd wieder Meſa der Moabiter Aberuͤnnigen Koͤnig zu Felde ziehen wol - ten / hielten ſie vorhin Kriegs Rath / welchen Weg ſie anmarchiren vnnd ziehen ſolten / wie zu leſen 2. Reg. c. 3. v. 8. Alſo hielte der Koͤnig in Syrien auch Kriegs Rath mit ſeinen Knechten wo er das Feldlaͤger ſchlagen wolte im 2. Buch der Koͤnig c. 6. v. 8.

Holofernes deß gewaltigen Aſſyriſchen Koͤnigs Nebucadnezar be - ſtelter Feldhauptman / hielte im Feldlager vor Bethulia auch Kriegs - Rath / forderte darzu alle Obriſten vnd Hauptleuthe der Moabiter vnd Ammoniter / als aber der fromme Achior guten Rath gabe / verwarff Ho - lofernes denſelben / folgete ſeinen hochmuͤtigen eygenen Sinn vnnd Be - gierde / vnd ward von der Judith in ſeinem Haupt quartier vnd Schlaff - Cammer hingerichtet vnnd die Belagerunge dardurch auffgehoben / im Buch Judith c. 5. 6. & 13.

Als Judas Macchabeus durch verſchiedene Schreiben adviſiret ward / der groſſen Bedrang nuß Gefahr darin die Juden vff dẽ Graͤn - tzen gerathen / hielte er vorhin Kriegs-Rath wie den Bruͤdern zu helffen. 1. Macchab. c. 5. Als aber viel Prieſter jhm nachfolgen wolten / vnnd ohne Rath vnd Befehl die Feinde angriffen / ſeind jhrer viel vmbkommen vnd den Feinden zu theil worden. 1. Macchab. c. 5. v. 67. Der Koͤnig Hiskias / als er von Sanherib mit Heersmacht angegriffen ward / ſtellete ers vor - hin mit ſeinen Obriſten vnd gewaltigen in Rath. 2. Chron. c. 32.

AXIOMA CLIV. Jm Kriegmuß das Tempo wol inacht genommen / vnd ſonderlich wann ſich ein Auffſtand vnd innerliche Vnruhe in dem Gemeinen Weſen ereuget / ce - leritaͤt vnd Geſchwindigkeit gebrauchet(1.) Nihil in diſcor - diis civili - bus feſti - natione turius, ubi facto ma - gis, quam conſulto opus. Jacob Zevecot. ad Sueton. in Not. Polit. c. 31. ubi latè nulla cunctatione opus eſt, ubi pernitioſior quies, quam temeritas, inquit Tacit. lib. 1. ſemper nocuit differre paratis. werden. (1.)

ALs der Koͤnig David nach erhaltenem Sieg wieder ſeinen Sohn Abſalon wieder nach Jeruſalem kahm / vnnd jene Auffruhr kaum dardurch geſtillet war / warff ſich ein ander heilloſer Auffruͤhrer der Seba auff / bließ die Poſaune / bekahm einen groſſen Anhang / vndbrachte331Von dem Weltlichen Stande. brachte zum Abfall jederman in Jſrael / aber David feyrete bey ſolcher Gefahr nicht / ließ alsbald durch ſeinen Feldhauptman den Amaſa die(2.) In tur - ba & mo - tibus ſedi - tioſis, o - mnia ſu - ſpecta eſſe debent, u - bi tantò difficilior eſt periculi cautio, quantò major eſt ſceleris occaſio, dixit Hen - ric IV. Im - per. vid. Hiſtor. ejus incer - ti autor. apud Hel - mold. & Abbat. Arnold. in Chron. Slavor. fol. 25. Mannſchafft in Juda auffbiethen / ſandte damit den Abiſai vnd Joab ſambt den geuͤbten Soldaten zu Felde / vnd ließ jhme eilends / ehe er ſtand faſſete / verfolgen / ward auch ſeiner maͤchtig vnd der Auffſtand dardurch geſtillet. 2. Samuel. 20.

Alſo gebrauchte ſich auch der Abimelech der Geſchwindigkeit / dañ ſo bald er der Sichemiter Auffſtand vernahm / machete er ſich gleich bey der Nacht auff mit allem Volck das bey jhm war / fuͤhret ſolches vor Si - chem / ſtellete es in vier Hauffen / ſchlug die außgefallene / ſtuͤrmete vnd er - oberte die Statt / im Buch der Richter c. 9. v. 34. & ſeqq. Damit verſa - he es menſchlicher Weiſe nach Abſolon / daß er den guten Rath Achito - phels / ſeinem Vatter David kein beneficium temporis zugeſtatten / ſon - dern ſo bald vnd eylends ehe er ſich zur Defenſion faſſen koͤnte / vbereylen vnd vberfallen ſolte / fahren ließ vnd deß Huſai Meynunge folgete im 2. Buch Samuelc. 17.

AXIOMA CLV. Jm Krieg muß man ſich in etwas proportioniren nach deß Feindes Macht / wiewoles nicht alle - zeit mit der groſſen Menge außge - richtet.

DEn erſten Theil dieſer Schlußrede beſtercket der Herꝛ Chriſtus ſelber bey dem Evangeliſten Luca am 14. c. v. 31. wann er ſpricht / Welcher Koͤnig will ſich begeben in einen Streit wider einen andern Koͤnig / vnd rathſchlaget nicht zuvor / ob er koͤnte mit zehen tauſend begegnen deme der vber jhn kompt mit zwantzig tauſend? Wo nicht ſo ſchicket er Bottſchafft wenn jener noch ferne iſt vnd bittet vmb Friede.

Nicht weißlich handelte Judas der Macchabeer General / daß er deß Demetrii Kriegsheer von zwey vnd zwantzig tauſend zu Roß vnnd Fuß / ſo im Felde in guter Ordnunge vnd Bereitſchafft ſtunden / nurent mit drey tauſend Mann vnter Augen zohe / vnd wiewol viel auß Furcht der groſſen wieder ſie anmarchirenden Macht / das Haſenpanir auffge -T t t ijworffen332Das ander Buch /worffen vnd geflohen / biß auff 800. Mann / auch ſeine hohe Officirer es wieder rathen / dannoch er ſich zur Schlacht reſolviret / ſeinen Feind tapf - fer chargiret, aber weil er zu ſchwach / vnd ſeine Soldateſca durch die vn - proportionirte groſſe Macht zu ſehr abgemattet / verlohr er die Schlacht / vnd ſein eigen Leben / im 1. Buch der Macchab. c. 4. Dann ob wol der Sieg von Gott kompt / |vnd nicht allezeit bey dem ſtaͤrckſten Hauffen ſte - het / ſo will doch Gott haben daß man nicht vermeſſentlich handle / ſon - dern ſein Vermoͤgẽ woluͤberlege / ob man im Felde gegen eine anziehende Macht ſich in etwas proportioniren vnd Fuß halten koͤnne / ehe mans zur Schlacht kommen laͤſt / wann dann alles wol bedacht / eine gute Sa - che verhanden / vnd es nicht zu endern ſtehet / hat man ſich nicht alle mahl vor einer groͤſſern Macht ſo ſehr zu ſchewen / die auch zuweilen / wann ſie nicht nach guter Ordnunge reguliret, kluͤglich dirigiret vnnd gefuͤhret wird / mehr ſchaͤdlich als vortraͤglich.

Mit drey hundert vnd achtzehen Knechten verfolgete Abraham die(1.) Exer - citus ma - gnitudo non ſem - per con - ducit. Pompeio nulla res magis exi - tio fuit quam ma gnitudo Exercitus. Flor. lib. 4. c. 2. Et licet in campis Pharſalicis multò co - pioſiorem produxiſ - ſet Exerci - tum, quã Iulius - ſar, tamen ab hoc vi - ctus fuit. Sueton. in Iul. Cæſ Multitudo militum ſive peditum, ſive equitũ ignava, habet vires ſed - dus. Tacit. lib. 14. annal. Et potius impedimentum eſt quam auxilium Senec. 6. de benefic. c. 31. Et in bello manibus opus eſt non multis nominibus aut Titulis. Et parum eſt præſidii in promiſcua multitudine Cominæ. lib. 3. Comment. victoriſirende Syriſche Koͤnige / ſchlug ſie in die Flucht vnd erhielt einen herꝛlichen Sieg. Geneſ. c. 14. (1.)

Wie die Kinder Jſrael wieder die Beniamiten in Krieg vnnd zur Feldſchlacht geriethen / waren jener viermahl hundert tauſend Mann / dieſer aber ſechs vnd zwantzig tauſend vnd ſieben hundert / dannoch aber erhielten dieſe das Feld vnnd den Sieg zum zweyten mahl wieder die Jſraeliten / im Buch der Richter c. 20. v. 15.

Als der Koͤnig in Juda Abia wider den Koͤnig in Jſrael Jerobeam zu Felde zoge / meldet die Hiſtoria / daß er zum Streit geruͤſtet mit vier mahl hundert tauſend junger Mannſchafft / ſtarcker Leuthe zum Kriege aufferzogen / Jerobeam aber ruͤſtet ſich mit jhme zu ſtreiten / mit acht mahl hundert tauſend junger Mannſchafft / dannoch weil Abia eine gute Sache hatte vnd Gott vertrawete / muͤſte Jerobeam mit ſeiner groͤſſern Macht / vnnd Kriegserfahrner verſchmitzten Anſtalt den kuͤrtzern ziehen vnd weichen. 2. Chron. c. 13.

Als Serah der Mohr mit einer vnzehlbahren Heerskrafft von tauſend mahl tauſend / den Koͤnig Aſſa zu vberziehen / vnd gleichſamb al - les mit ſeiner Macht zu vberſchwemmen vermeinte / konte ſich Aſſa ge - gen ſolche Macht nicht proportioniren, zohe gleichwol ſein Kriegs vnnd Landvolck zuſammen / vnnd formirte ein Corpo von fuͤnffhundert vnnd achtzig tauſend Mann / warff ſein Panir in dem Namen deß Herꝛn auff / rieff Gott an ſprach: Herꝛ es iſt bey dir kein Vnterſcheid helffen vntervielen333Von dem Weltlichen Stande. vielen / oder da keine Krafft iſt / hilff vns Herꝛ vnſer Gott denn wir verlaſ - ſen vns auff dich / vnd in deinẽ Namen ſeind wir kom̃en wider dieſe Men - ge / worauff Gott die Mohren geplaget / daß ſie mit jhrer groſſen Menge weichen vnd dem Aſſa das Feld laſſen müſſen. 2. Chron. c. 14.

Wie Gott der Herꝛ deß Koͤnigs Joas Abfall / groſſe Vntrewe vnd Vndanckbarkeit gegen das wolverdiente Hauß Jojada ſeines liberato - ris, ſahe / hat er die Syrer erwecket / welche mit einer geringen Macht vnd wenig Maͤnnern in Juda vnd Jeruſalem kom̃en / dẽ Joas mit allen Obri - ſten vnd viel einer groͤſſern Macht in jhre Haͤnde gegeben. 2. Chron. c. 24. v. 23. & 24.

Als Jonathan mit ſeinem Waffentraͤger zu der Philiſter Lager eylete / deren etzliche erlegte / vnd dem gantzen Lager ein groß Schrecken machete / troͤſtete er vorhin ſich vnd ſeinen Waffentraͤger vnd ſprach: Es iſt dem Herꝛn nicht ſchwer durch viel oder wenig helffen. 1. Sam. c. 14. vnd iſt deſſen auch ein ſonderbahr Exempel zu finden Judic. c. 7. & ſeq. Mit ſechs tauſend Mann ſchlug Judas Macchabæus den Nicanor der mit 20. tauſend gegen jhn anzohe / vermittelſt Goͤttlichen Beyſtandes in die Flucht vnd erlegte deren neun tauſend auff der Wahlſtat im 2. Buch der Macchab. c. 8. woſelbſten Judas Macchabæus als der Juden Feld - hauptman vnnd Heermeiſter ſeinen Soldaten viel exempla vorhelt wie Gott offters dem kleinen Haͤufflein ſeines Volcks wieder die groſſe Macht jhrer Feinden beygeſtanden dieſelbe damit zu animiren Hertz - hafft zumachen. Froſſard. gedencket lib. 3. Hiſtor. daß einsmahls der Her - tzog von Geldern mit dreyhundert die Brabandiſche Armee / welche in ze - hen tauſend Mann beſtanden vnverſehens vberfallen / geſchlagen / ge - trennet / die Belagerunge fuͤr der Statt Grave auffgehoben. Es ſeind aber dieſe vnd dergleichen Exempla ſonderbahrer Heroiſcher Thaten vnd Occaſionen von einem jeden nicht in conſequentz zu ziehen / weil Gottes ſonderbahre Regierunge darbey geweſen vnd verſpuͤret worden.

AXIOMA CLVI. Jm Kriege iſt viel am erſten Streich gelegen.

BEy dem Kriegs-Rath / welchen Abſolon hielte wider den Koͤnig David ſeinen Vatter / fuͤhrete Huſai in ſeinem voto an / daß ſich Abſolon nicht vbereylen / ſondern mehr ſtaͤrcken / vnnd gantz Jſ - rael von Dan an biß gen Berſaba an ſich ziehen / vnd mit groſ -T t t iijſer334Das ander Buch /ſer Heersmacht den David ſicher angreiffen ſolte / mit Anziehung dieſer motiven: Wanns geſchehe / ſprach er / daß das erſte mahl vbel geriethe / vnd kaͤme daruͤber ein Geſchrey daß Abſolons Adhærenten geſchlagen waͤren / ſo wuͤrde jederman verzagt werden / der auch ſonſten ein Krieger iſt vnd ein Hertz haͤtte wie ein Loͤwe. 2. Sam. c. 17. v. 9. & 10.

Als Judas der Macchabeer Heerfuͤhrer vnverſehens dem Koͤnig Antiocho bey der Nacht ins Lager einfiehle / vier tauſend Mann ſampt den forderſten Elephanten erlegte / brachte er durch dieſen erſten wolge - lungenen Streich ein groß Schrecken in das gantze maͤchtige Heer La - ger deß Koͤnigs Antiochi / daß er in Confuſion durch vnwegſame Oerter zu ruckgehen vnd ſich reteriren muͤſte im 2. Buch der Macchab. c. 15. v. 14. & ſeqq. Es iſt ſehr viel am erſten Streiche / vnd daß derſelbe wol gerathe / gelegen / dahero man im Sprichwort ſaget: die erſte Maulſchelle iſt beſſer als zwey andere. Jm Krieg thut die Courage / vnerſchrockenes Gemuͤth vnd Tapfferkeit mehr als die Staͤrcke deß Leibes / vnd ſchaffet ein kleiner Kerl / der ein Loͤwen Hertz hat / mehr nutzen als ein groſſer der mit dem(1.) Dici poteſt, quantas ſecum in - commo - ditates trahat ad - verſum prælium; ubi qui vi - ctoriam adeptus eſt, ampli - ficat ſuam auctorita - tem & fa - cile quid - vis impe - trat, & mi - litem ha - bet ad quævis obſequen - tem. Phi - lipp. Co - minæus lib. 2. Haſenpanir angeleget / vnd ſpricht Salomon daß zum Streit nit helffe ſtarck ſeyn / Eccleſiaſt. c. 9. v. 11.

Wann nun der erſte Streich mißlinget / bringet es alsbald vnter die Soldaten / wann ſie auch ſonſten Krieger ſeyn vnd ein Loͤwen Hertz haben / Schrecken / vnd nimbt jhnen nit wenig den Muth / bey denen aber / welchen der erſte Streich wol gereth / vermehret es den Muth vnd machet ſie hertzhaffter als vorhin / weil ſie victorios ſeynd. (1.)

AXIOMA CLVII. Gute Kundſchafft im Kriege iſt ſo gut als der hal - be Sieg.

DIe Erfahrunge hat es je vnd allewege gegeben / wz gute Kund - ſchafft im Kriege vor Nutzen gebracht / daß man von deß Fein - des Armee / wie ſtarck / vnd in was poſture ſich dieſelbe befinde / wie dieſelbe marchire / wo ſie den Kopff hinwende / wo ſie ſich ſetze vnd ſtand faſſe / vnd wie es ſonſt mit der Kriegs Verfaſſunge / inhaben - den Veſtungen vnd Staͤtten / Proviand vnd andern beſchaffen / beſtaͤn - dige gute Nachricht vnnd Kundſchafft habe. Ehe Joſua in das Land Canaan mit ſeinem Kriegs-Heer zog / ſchickte er vorhin zwey Kundſchaf -fer335Von dem Weltlichen Stande. fer auß / das Land vnd die Statt Jericho zu recognoſciren / erlangte dar - durch ſo viel Nachricht / daß vber die Einwohner zu Jericho das gan - tze Land ein groß Schrecken wegen der Kinder Jſrael Ankunfft entſtan - den ſie alle fuͤr ſie feyge wordẽ / auch wie es ſonſten im Lande beſchaffen erfahren. Joſ. c. 2. Die gute Kundſchafft / die der getrewe Huſai ſeinẽ Koͤ - nige Darid auß deß Achitophels Kriegs-Rath vnd gemachtem Schluß durch vertrawte Leuthe hinterbringen ließ / war dem David ſehr gut die Zeit zugewinnen / ſich beſſer zu ſtaͤrcken / poſto zufaſſen vnd ſo viel als der halbe Sieg. 2. Samuel. c. 17. v. 15. & c. 18.

Als David in der Wuͤſten Sipff Nachricht erlanget / daß der Koͤ - nig Saul mit ſeinem Kriegsheer auffgebrochen / jhn in der Wuͤſten zu verfolgen / hat er Kundſchaffer außgeſchickt / vnd dardurch Gewißheit ſeiner Marche / vnd wo er ſein Hauptquartir genommen / erlanget / vnnd als Saul mit ſeinen Generalen / hohen vnd andern Officirern / ohne Be - ſtellunge gehoͤriger Schildwachten / gantz ſicher geſchlaffen / den ſelben in ſeinen Quartier ertappet / jhme ſeinen Spieß vnd Becher zum Hauptẽ weggenommen / gleichwol ſeines Lebens geſchonet / aber hart zu Rede ge - ſtellet / wie zu leſen 1. Samuel. c. 26.

Als Benhadad die Koͤnigl. Reſidentz Samartam / vnd darin den Koͤnig ſambt den Propheten Eliſa ſtarck belaͤgert / vnd mit groſſer Hun - gersnoth hart drengete / brachten vier Auſſaͤtzige Maͤnner die Zeitunge vor die Statt daß die Syrer alle auß dem Lager gewichen / jhre Vivres, Priviand vnd Paggage hinter ſich verlaſſen / wolte der Koͤnig ſolchem anbringen nicht trawen / hielte es vor verdaͤchtig / commendirte etzliche Reuter zu Einholung gewiſſer Kundſchafft hinauß in das Lager / ließ vorhin das Lager vnd die gantze Gegend recognoſci en, wie ſich alles angebrachter maſſen befunden / hat der Koͤnig einen Außfall thun / das Lager plündern vnd die Statt reichlich proviandiren laſſen. 2. Reg. c. 7.

Als Judas der Macchabeer Fürſt deß Timothei gewaltigem Kriegs - heer entgegen zohe / vnd vernahm daß er ſich gegen Raphan jenſeit den Bach gelagert / ſchickte Judas vorhin Kundſchaffer auß / ließ alles fleiſ - ſig recognoſciren vnd erforſchen / wie ſich die Feinde gelagert vnnd wie ſtarck ſie geweſen / welches jhme zu ſonderlichen ſtatten kame / ſeine Schlachtordnunge darnach zu formiren / 1. Macchab. c. 5. v. 38.

Alſo ſchickete Jonathas der Macchabeer ſeine Kundſchaffter in deß Demetrij Lager / vnd wie er dardurch erfuhr / daß der Feind ſich in Be - reitſchafft geſtellet / ſie ſelbige Nacht zu uͤberfallen / ſtellete er alles in gute Ordnunge. 1. Macchab. c. 12. v. 26. Durch gute Kundſchafft bekamen vnd eroberten die Kinder Joſephs / Bethel im Buch der Richter c. 1. v. 22.

Wir336Das ander Buch /

Wie nun gute ſichere Kundſchafft ſehr noͤtig vnd hocherſprießlich im Kriege / alſo iſt es ſehr ſchaͤdlich / wann man dieſelbe verſeumet oder nicht haben kan.

Auß mangel guter Kundſchafft geriethe Jonathan der Maccha - beer Heerfuͤhrer mit ſeiner Armee in groſſe vnd euſſerſte Gefahr. Dann wie jhm die Heyden im Blachfelde entgegen zogen / hatten ſie einen groſ - ſen Hauffen im Gebirge verſtecket vnd verdecket gehalten / darvon Jo - nathan keine Kundſchafft gehabt / vnd mit der gantzen Force auff die fronte deß Feindes Corpo gangen vnnd daſſelbe Ritterlich angriffen / ſeind die verdeckte im Gebirge / jhme vnverſehens in die Flancke gangen / ſein Kriegsheer in die Flucht Confuſion gebracht / auch wol gar dz Feld quittiren muͤſſen / wann nicht Jonathan / vermittelſt Goͤttlicher Huͤlffe vnd ſeiner ſtandhafften Mann - vnnd Tapfferkeit von newen Stand ge - faſſet / ſeine verſtrewete Voͤlcker wieder redreſſiret, in Ordnunge geſtel -(1.) Wer Krieg ohne Kund - ſchafft fuͤhren will / der wend viel auff / ge - wint nicht viel. Froſch - maͤußler. let / vnd ſeinen von vermeinter Victori ſchon ſicheren Feind von newen angegriffen vnd in die Flucht gebracht. 1. Macchab. c. 11. v. 68. & ſeqq. (1.) Auff diejenige aber / ſo dem Feinde etwas verkundſchafften ſoll man fleiſ - ſig inquiriren vnd ſich deren bemaͤchtigen.

Als einer vnter den Macchabeern Rodocus genant / den Feinden alle Heimligkeiten verrathen / iſt er ergriffen vnnd gefangen worden. 2. Macchab. c. 13. v. 21.

AXIOMA CLVIII. Jm Krieg ſoll man mit Fleiß dahin trachten / wie man ſeinem Feinde die Proviande vnd ſonderlich das Waſſer nehme.

WIe der Koͤnig Hiskia ſahe / daß Sanherib ſein Angeſicht da - hin gerichtet / Jeruſalem zu attaquiren zu belagern / hielte er mit ſeinen Obriſten vnd Gewaltigen Kriegs-Rath / vnnd be - funden vor dienſam / daß man drauſſen vmb Jeruſalem her vor der Statt / die Waſſer von den Brunnen zu decken / daß der Feind mangel an Waſſer finde / vnd die Belaͤgerunge dahero ſo viel do ehe vff - zuheben vnd zu quittiren genoͤtiget wuͤrde. 2. Chron. c. 32. v. 2. & ſeq.

Wo der Feind keine Lebens Mittel findet / ſonderlich / da jhme das Waſſer / welches man bey einem groſſen Kriegesheer gar nit entbehrenkan /337Von dem Weltlichen Stande. kan / wie zu leſen 2. Reg c. 3. v. 9. & ſeq. genommen wird / da kaners nicht lange machen.

Alſo ließ Holofernes der Statt Bethulia bey wehrender Belage - runge das Waſſer nehmen / vnd die vbrige verborgene Bruͤnnlein vnnd Qvellen ſtarck beſetzen / wordurch ſie in euſſerſte Noth gerathen vnddie Statt auffge geben haͤtten / wann nicht Gott durch die Judith ſie errettet / im Buch Judith c. 7. v. 6. & ſeq.

Als Joab nach erhaltener Victori in der Ammoniter Lande mei - ſter ſpiehlete / hat er das Land verderbet / die Veſte Rabba eingenommen / geſchlagen vnd zerbrochen / damit die Ammoniter keine Mittel behielten ſich wieder zu recolligiren vnd zu ruͤſten 1. Chron. c. 21.

Axioma CLIX. Es iſt nicht allemahl rathſamb daß man ſeinen Feind beenge / ad anguſtias treibe / oder gar zu deſpe - ration bringe.

ALs Bachides mit einem groſſen Heer vnverſehens an den Jordan kahm / vnd Jonathan der Macchabeer Feld-Herꝛn / mit ſeinenSeinem Feinde muß man zu weilen eine guͤlde - ne Bruͤcke bawen. Voͤlckern vmbgeben vnd gleichſam im Sack hatte / daß ſie jhm nicht entgehen / ſondern ſtand halten muͤſten / ermante ſich Jona - than / ſtellete ſeine Armee in gute Ordre in Bataglia, ſprach ſeinen Solda - ten Hertzhafft zu / remonſtrirte jhnen in was fuͤr Gefahr ſie ſtunden / vnd ſprach / die Feinde ſeind da vnd wir muͤſſen vns wehren / dieweil wir doch nicht entrinnen koͤnnen. Dann wir haben Feinde fuͤr vns vnnd hinter vns / ſo iſt der Jordan auff einer Seiten / auff der ander Seiten ſeind La - chen vnd Gebuͤrge. Thaten darauff jhr Gebet zu GOtt / griffen den Feind an / vnd Jonathas ſchlug nach Bacchide / dieſer aber wiche zuruͤck vnd wurden der Feinde tauſend geſchlagen / ſalvirten ſich endlich vber den Jordan / dahin Bachidts Armee jhnen zu folgen nicht getrawet / im 1. Buch der Macchab c. 9. v. 43. & ſeq.

Die Noth vnd Gefahr lehret offt beten vnnd ſechten / vnnd wann einer zur Deſperation forciret wird / kein Hoffnunge zu entrinnen ſie - het / muß er ein Hertz ergreiffen vnd beſſer achten / ſein Leben mit ritterli - chem Kempffen zu beſchlieſſen als ſich wie ein Schaff zur Schlachtbanck bringen laſſen. (1.) (1.) Igna - viam quo - q́ue neceſſitas acuit, & ſæpè deſperatio ſpei cauſa eſt. Curt. lib. 5. Quos enim forte virtus ad vi - ctoriam non excitat, aliquando ultimum & maximum telum, vincendi aut moriendi neceſſitas cogit. Iacob. Zevecot. in Sueton. Cai. Jul. Cæſ. obſervat. Politic. c. 60. ubi plura Exẽpla recenſet.

V u uAls338Das anden Buch /

Als Graff Moritz von Naſſaw bey Newport in Flandern ſich mit Ertzhertzog Albrecht im Felde engagirte, vnd dieſer viel ſtaͤrcker an Volck vnd anderer Kriegsbereitſchafft / als Graff Moritz / war / auch mit dem Vortrabe einen gluͤcklichen Streich gethan vnd dardurch ein groß præ - cipuum oder Vorſprũg erlanget / reſolvirte Graff Moritz auß der Noth / weil es nicht zu endern vnd er vmbſchloſſen war / eine Tugend zumachen / ließ alle bey ſich gehabte Schiffe vom Vfer deß Meers abfuͤhren vnnd dardurch ſeinen Soldaten alle Hoffnunge zu entgehen abſchneiden / daß ſie auß Noth manhafft fechten / oder ſich nieder machen laſſen muͤſten / er - hielte dardurch eine gewaltige Victoriam.

Deßgleichen hat Agathocles, wie er ſeine Voͤlcker in Africam an - geſetzet / in jhrem Angeſichte ſeine Flote vnnd Schiffe mit Fewr verbren - nen laſſen / vnd jhnen zugeſprochen / ſie haͤtten zu ſehen / daß jhnen alle Hoffnunge zu entfliehen / benommen / vnd eins von den beyden / nemlich zu ſterben oder zu ſiegen erwehlen muͤſten / Juſtin. lib. 22. Hiſtor. Hat de - rowegen ein Feldherꝛ wol darauff zu ſehen / daß er ſeinen Feind nicht zu ſehr einſpanne / jhme alle Mittel Wege zur detirada verrenne / vnd zur Deſperation bringe / ſondern wann ers dahin bringet / daß er mit Scha - den vnd Conſuſion weichen muß / ſeinem Feinde vielmehr / wie die Alten zuſagen pflegen / eine guͤldene Bruͤcke bawe / vnd wann er erſt in die Flucht vnd Confuſion / alsdann mit guter Ordre ſeine Victori verfolge. Kay - ſer Sigiſmundus hat pflegen zuſagen: Es iſt genug geſieget / wann man die Feinde in die Flucht gebracht hat.

Quando fugam prætextu hoſtis quo cunque capeſſit Hanc reputet miles pro ſufficiente triumpho.

AXIOMA CLX. Wann man dem Feinde auſſer Landes vnnd im ſeini - gen vor kommen kan / iſt es beſſer / als daß man(1.) Melius eſt præve - nire quam præveniri. Uſu longo comper - tum eſt, Hoſtes ita demum funditus ſubverti, ſi in propriis ſedibus vincerentur. Mamert. in Panegy. Maxim. Auguſt. dicto. man ſeiner im Lande warte. (1.)

ALs Jonathas der Macchabeer Feldherꝛ part erlangetẽ / daß deß Demetrii Hauptleuthe mit groſſer Macht wieder jhn vnnd ſeine Bruͤder im Anzuge begriffen / wartete er nicht lange / ſondern begabſich338[339]Von dem Weltlichen Stande. ſich geſchwinde auß Jeruſalem / avancirte mit ſeiner Armee in das Land Hemath / dann er wolte nicht / meldet die Hiſtoria / harren / daß ſie jhm zu - vor in ſein Land fiehlen. 1. Macchab. c. 12. v. 24. 25. Jmgleichen als vor jhn Judas Macchabeus vernahm / daß ſich Apollonius / wieder jhn ſtarck zu Felde ruͤſtete / wolte er nicht ſeiner warten / ſondern zohe jhm entgegen. 1. Macchab. c. 3. v. 11.

Es iſt ein alt Teutſches vnd warhafftes Sprichwort / daß es in viel Wege beſſer ſey / daß man ſein Pferd an deß Feindes als an ſeinem eyge - nen Zaun binde. Laͤſſet man den Feind erſt ins Land kommen / ſo muß man deſſen Armee mit der ſeinigen vnterhalten / wordurch die Mittel ab - gehen vnd der Vortheil dem Feinde zu waͤchſet. Auch kan man ſeinen Feind nicht als nurent in dem ſeinigen gantz debelliren vnd bekriegen.

Axioma CLXI. Es iſt gleiche viel / ob man im Kriege ſeinen offenbah - ren Feind mit Liſt vnd Geſchwindigkeit / oder mit Mann-vnd Tapfferkeit vbcrwin - det. (1.)

(1.) Dolus an virtus, quis in ho - ſte requi - rat? Ageſi - laus cum ſtratage - mate im - poſuiſſet Tiſſapher - ni Perſa - rum Duci, ad amicos dixit: - dera qui - dem vio - lare pręter cauſam, impium eſt, cæterum hoſtibus imponere, non modo juſtum, verum etiam & jucundum & lucroſum. Eraſm in Apophthegm. lib. 1. in Ageſilao n. 13.
21

ARgliſtigkeit iſt zwar keine Weißheit / ſpricht Syrach / vnnd kan in denen Haͤndeln darin Trew vnd Glaube / Synceritaͤt vnd Auffrich - tigkeit erfordert wird / keinen Platz finden / aber im rechtmeſſigen Kriege / da man vorhin ſeinem Feinde nichts zugeſagt / mag man ſich der Stratagematum vnd Liſtigkeit wol bedienen / vnd ſeinem Feinde dardurch Abbruch thun oder jhn gantz ruiniren.

Den Joſuam inſtruirte Gott ſelber / wie er durch einen Anſchlag vnd Stratagema den Koͤnig Ai vnd die Jnwohner ſelbiger Statt herauß locken / hernacher aber durch den Hinterhalt dieſelbe vberfallen vnnd be - ſtreitten ſolte / im Buch Joſ. c. 8. darvon Auguſtinus ſchreibet / wie ad marginem notiret. (2.)Auguſtin lib. Quæſtion. 6. quæſt. 10. Dominus noſter, inquit, jubet ad Ieſum Nave, ut conſtituat ſibi retrorſus inſidias, i. c. inſidiantes bellatores, ad in ſidiandum hoſtibus. Hinc ad - monemur hoc non injuſtè fieri ab his, qui juſtum bellum gerunt. Cum autem juſtum Bellū ſuſce - perit, utrum aperta pugna, vel utrum inſidiis vincat, nihil intereſt, refertur in c. Dominus noſter. Cauſ. 23. q. 2. Non minoris æſtimari debet conſilio vincere, quam manu. Hoc nihil cum belluis habet commune, vis habet, inquit Auger. Busbequ. Rer. Turcicar. epiſt. 4.

V u u ijGedon340Das ander Buch /

Gedon gebrauchte ſich auch eines Anſchlags im Buch der Richter c. 3. v. 14. & c. 7.

Der redliche Huſai war Davids trewer Diener vnnd dahero ſein Freund genant / vnd waͤre lieber mit David in das Elend gangen als zu Jeruſalem geblieben / wann er nicht getrawet durch Liſt vnnd Geſchwin - digkeit / ſeinem Herꝛn beſſere Dienſte allda als durch ſeine Mannheit vnd Gegenwart im Felde zuleiſten. Vnd demnach Abſolon als ein vermein - ter newer Koͤnig ſeine Intrada vnd Einzug in Jeruſalem hielte / wolte Huſai mit ſeiner congratulation vnd Gluͤck wuͤnſchung zum newen Re - giment nicht der letzte ſeyn / fand ſich bald bey jhme vnd ſprach zweymahl: Gluͤck zu Herꝛ Koͤnig / Gluͤck zu Herꝛ Koͤnig: Vnd wiewol: Abſolon jh - me antwortete / warumb er nicht mit ſeinem Freunde dem David gezo - gen / replicirte er doch: nicht alſo / ſondern welchen der Herꝛ erwehlet vnd diß Volck vnd alle Mann in Jſrael / deß will ich ſeyn vnd bleiben / wie ich fuͤr deinen Vatter gedienet habe / ſo will ich auch fuͤr dir ſeyn. 2. Sam. 17. v. 16. & ſeqq.

Durch dieſe Simulation, Liſt vnnd Klugheit brachte es Huſai da - hin / daß jhme Abſolon trawete / vnnd gar mit in den geheimbſten Kriegs - Rath kommen lieſe / da er dann durch ſeine Klugheit deß Achitophels gu - ten Rath vor Abſolon wider David vmbſtoſſete / vnd einen ſolchen Rath / den dem Abſolon ſchaͤdlich / vnd ſeinem Herꝛn dem David vortraͤglich vnd nuͤtzlich war / ertheilte / vnd wird dem Huſai ſolcher Betrug wieder ſeines Herꝛn offenen Feind vnd Rebellen nicht vbel / ſondern zum beſten gedeutet / zumahln er ſeinem Herꝛn David noch mit Vnterthans Pflich - ten verwand / aber dem Abſolon ſich noch nicht verpflichtet / gemachet hat - te / auch bey ſeiner Erklaͤrunge gegen demſelben dieſe Vorſichtigkeit ge - brauchete / daß er deme wolte trew ſeyn / welchen der Herꝛ erwehlet / das Volck vnd alle Mann in Jſrael. Nun hatte der Herꝛ den David vnnd nicht den Abſolon erwehlet / vnd fehlete auch noch viel daran / daß alle Mann in Abſolons Rebellionwieder jhren von Gott geordneten Geſalb - ten conſentiret haben. Nach welcher Erklaͤrung auch die nachfolgende offerten deß Huſai / nemlich / daß er wolte fuͤr jhn Abſolon ſeyn / wie er fuͤr ſeinen Vatter gedienet / nemlich dafern jhn der Herꝛ erwehlet vnnd alle Mann in Jſrael jhme beyfallen wuͤrden / conditioniret waren / aber wol wuͤſte / daß deren conditionen keine koͤnte oder wuͤrde erfuͤllet werden. Hierbey hat Huſai vorſichtig vnd weißlich / aber Abſolon gar vnweißlich gehandelt / daß er auff ſolche zweiffelhaffte vnd vngewiſſe Rede trawete / vnd ſich deß Huſai Trewe vorhin nicht beſſer verſicherte.

Die Judith ſimulirte vnd ließ ſich gegen den Holofernem nicht an -ders341Von dem Weltlichen Stande. ders mercken / als wann er gewiß mit Bethulia Meiſter ſpiehlen wuͤr - de / wann er nurent jhrem Rath folgete / wuͤnſchete daneben dem Koͤnig Nebucadnezar von Gott Glück / růhmete hoch ſeine deß Holofernis Ver - nunfft vnd Weißheit / vnd daß ſein gut Regiment vber all gepreiſet wuͤr - de / gedachte aber doch / wie ſie mit Liſt Geſchwindigkeit jhme den Halß brechen vnd jhr Volck von ſeiner Tyranney erretten moͤchte / welches auch geſchehen / im Buch Judith c. 11. & c. 13.

Die Macchabeer Jonathan vnnd Simon hielten hinterm Berge ohne zweiffel in einer buſquage biß ſie den Vortheil erſahen jhren Feind mit Liſt vnd Geſchwindigkeit zu vberfallen. 1. Macchab. c. 9. v. 38. & ſeqq.

Als deß Demetrii Hauptleuthe gute Kundſchafft hatten / daß Jo - nathas ſein Volck in Harniſch vnd geruͤſt zur Feldſchlacht bereit gehabt / vnd ſich nicht baſtand befunden / reterirten ſie ſich in der Nacht gar ſtille / vnd damit man ſolches in der Feinde Lager nicht merckte / gebrauchten ſie dieſe Geſchwindigkeit / daß ſie viel Fewr hin vnd wieder im Lager machen lieſen / als waͤren ſie noch darin / wie aber Jonathas den Morgen erfuhr / daß ſie weg vnd er durch das Fewr betrogen war / ſatzte er jhnen nach / aber ſie waren zuweit / daß er ſie nicht ereilen konte. 1. Macchab. c. 12. v. 26.

Es wollen aber ſolche Stratagemata vnd Anſchlaͤge mit weiſem Rath vnd gutem Bedacht angebracht vnd zuwerck geſetzet ſeyn / dann An - ſchlaͤge ſpricht Salomon beſtehen / wenn man ſie mit Rath fuͤhret / vnnd Krieg ſoll man mit Vernunfft fuͤhren. Proverb. c. 20. v. 18. De hâc mate - ria vid. plura ex Sacris Exempla apud Thomam Henrici de Bell. cap. 13. per tot.

AXIOMA CLXII. Trewloſigkeit iſt auch im Kriege nicht zulaͤſſig / ſon - dern was man ſeinem Feinde zuſaget vnd ver -(2.) Fides quando promitti - tur etiam hoſti ſer - vanda - tra quem bellum geritur, Auguſtin. Epiſt. 1. ad Bonifac. Nimirum hoſtes qui ſunt homines eſſe non deſi - nunt. At homines omnes, qui ad rationis uſum pervenerunt capaces ſunt juris ex promiſſo. vid. Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 19. n. 1. & ſeq. per tot. ubi latè de hac quæſt. Et de hac quæſtione latius egi in tractat. meo de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 2. claſ. 1. c. 2. n. 16. & ſeqq. vid. etiam Thom. Henri - ci de Bell. c. 12. per tot. ſpricht / ſoll man trewlich halten. (1.)

JO ſua verſprach den Gibeonitern Sicherheit / die hielte er jhnen auch / ohnerachtet Sie den Joſuam vnd das Volck mit Liſt vnnd Geſchwindigkeit hintergangen vnd ſich vor andere frembde Voͤl. V u u iijcker342Das ander Buch /cker faͤlſchlich außgegeben. Dannoch / weil die Obriſten der Gemeine jhnen geſchworen hatten bey dem Herꝛn dem Gott Jſrael / hielten ſie den Bund / Joſ. c. 9. Vnd als etzliche hundert Jahr hernach Saul ſolchen Bund zubrechen ſich vnterſtanden / ſtraffete Gott bey Davids Regierun - ge Jſrael mit drey Jaͤhriger Thewrunge / vnd als David darüber das Angeſicht deß Herꝛn ſuchete / ſprach der Herꝛ / vmb Sauls willen vnnd vmb deß Bluthauſes willen / daß er die Gibeoniter getoͤdtet hat / koͤnte auch ſolche Vntrewe anders nicht als durch das Blut Sauls ſeiner po - ſteritaͤt vnd Nachkommen / in deme ſieben Maͤnner auß ſeinem Hauſe / den Gibeonitern zur Execution gelieffert vnd auffgehenget wuͤrden / auß - geſoͤhnet werden. 2. Samuel. c. 21.

Alſo thaten gar vnrecht deß Jacobs Soͤhne Simeon vnnd Levi / nach dem ſie wegen jhrer Schweſter Heyrath mit Sichem accordiret, derſelbe auch dem getroffenen Accord ſeines Theils ein Gnuͤgen gethan / vnd ſich mit allem was Maͤnnlich vnter jhnen war beſchneiden laſſen / daß ſie die Sichemiter wieder gegebene Trew erwuͤrgeten / darüber Ja - cob hefftig ſich beſchweret vnd klaget / daß ſie jhm dardurch Vngluͤck zu - gerichtet / vnd jhn fuͤr den Einwohnern deß Landes ſtinckend gemachet / Geneſ. c. 34. gedencket vnd verweiſet jhnen ſolches auch noch gar ſtarck in ſeinem Teſtament vnd letzten Willens Verordnunge / die Bruͤder Si - meon vnd Levi ſpricht er / jhre Schwerdter ſeind moͤrdiſche Waffen / mei - ne Seele komme nicht in jhren Rath. Geneſ. c. 49. v. 5. Trewloß handel - te deß Koͤnigs Antiochi Hauptman / wie er vor Jeruſalem kame mit ei - nem groſſen Kriegsvolck / verſprach / wann ſie jhn in Guͤte einlieſſen keinẽ Schaden thun / aber wie er hinein kahm / handelte er betrieglich / vberfiehl die Statt verraͤtherlich / pluͤnderte vnd erſchlug viel Leuthe. 1. Macchab. c. 1. v. 30. Jmgleichen Nicanor vnd Alcimus / die etzlichen frommen Ju - den Frieden eydlich zuſagten / aber nicht hielten. 1. Macchab. c. 7. v. 15. & ſeqq. Jmgleichen Tryphon / welcher wieder gegebene Parola, Trew vnd Glauben Jonatham den Macchabeer ſambt ſeinen beyden zu Geiſel empfangenen Soͤhnen trewloſer weiſe erwürgen vnd vmbs Leben brin - gen ließ. im 1. Buch der Macchab. c. 13. v. 14. & ſeqq. Vnrecht thate Philippus deß Lyſias Feldhauptman / wie er denen von Betzura immuni - taͤt vnd Friede / auch die Statt in jhrem Stande zulaſſen verſprach / her - nacher wieder ſeine Parola vnnd Eyd per Rationem Status die Mawren vmbher einreiſſen vnd die Statt demanteliren ließ. 1. Macchab. c. 6. v. 60.

Es wolten etzliche Abtruͤnnige Jſraeliten den Koͤnig Alexandrum vberreden / daß er Jonathas der Maccchabeer Fuͤrſten / welchem er zu ſei - nem vnd der Cleopatræ Beylager beſchrieben / bey dieſer Occaſion an -halten343Von dem Weltlichen Stande. halten oder gar auß dem Wege raumen ſolte / aber Alexander wolte dieſer trewloſer Leuthe Rath nit hoͤren / ſondern hielt feſt vber ſein Koͤnigliches Wort vnd that Jonathan groſſe Ehre an. 1. Macchab. c. 10. v. 59.

AXIOMA CLXIII. Man muß in wichtigen Haͤndeln / ſonderlich im Kriege weder Feinden / Freunden oder Bundes - genoſſen leichtlich oder zuviel trawen. (1.)

(1.) Vigila & diffidere memento, hi ſunt nervi Pru - dentiæ, re - ctè dixit Epichar - mes. Omnia tu - ta, ſi ſuſpe - cta ha - beas, tu - tiora erũt, & tota hu - jus mundi ſecuritas à diffidentia dependet, Notat. Marſelar. in Tractat de Legat. p. 181. In rebus ad ſtatum & Rem - publicam pertinen - tibus, con - ſilio non niſi ſuo u - tendum. eſſe, prudentes exiſtimant.
22

ES iſt gewiß / daß die Welt im argen lieget vnd iſt voller Liſt vnnd Betrugs. Der Prophet Obadia ſchreibet hiervon alſo: Alle dei - ne eygene Bundesgenoſſen werden dich zum Lande hinauß ſtoſ - ſen / die Leuthe auff die du deinen Troſt ſetzeſt werden dich betrie - gen vnd vberwaͤltigen / die dein Brod eſſen werden dich verrathen ehe du es mercken wirſt. Obad. c. 1. v. 7.

Als David den Saul in ſeinem Lager vnd Wagenburg ſchlaffent vbereylete / vnnd ſeinen Spieß vnd Waſſer-Becher zu ſeinen Haupten hinweg nahme / gleichwol ſeiner ſchonete / muſte der vntrewe Saul deß Davids Trewe vnd Redligkeit ſelber erkennen / vnd wiewol er zu David ſagte / kom wieder mein Sohn David / ich will dir kein Leyd fuͤrder thun / hat doch David dieſen deß Sauls Rotemõtaden, ſuͤſſen vnd betriegli - chen Worten ſo wenig getrawet / daß er ſich noch viel mehr darumb als vorhin fuͤr jhm gefuͤrchtet / vnnd in ſeinem Hertzen gedacht er wuͤrde der Tage eine in Sauls Haͤnde gerathen /(2.)Vivendum eſt cautè nam fallit Frontis imago Os nectar promit, mens aconita vomit. Derowegen fuͤr das ſicherſte gehalten / daß er in der Philiſter Lande ſich falvirte vnnd ſich zum Koͤnig Achis begeben. 1. Sam. c. 26. & c. 27. dann Salomon recht ſaget: Wann dein Feind ſeine Stimme holdſelig machet / ſo glaube jhm nicht / denn es ſind ſieben Grewel in ſeinem Hertzen / in den Sprichwoͤrtern c. 26. v. 25.

Vnrecht thate Abner daß er dem Joab ſo viel trawete vnd ſich zum heimlichen vertrawten Geſpraͤche vnterm Thor einſtellete vnnd daruͤber tuͤckiſcher Weiſe erſtochen ward. 2. Samuel. c. 3. v. 27.

Amaſa trawete dem Joab auch wol wie er zu jhm ſagte: Friede ſey mit dir mein Bruder / vnd jhm einen Kuß præfentirte, Jmmitteſt jhme den Degen in den Leib ſtoſſete. Sam. c. 20. v. 9. 10.

Nicht344Das ander Buch /

Nicht vnweißlich / ſondern vielmehr vorſichtig handelten die Fuͤrſten der Philiſter / daß ſie dem David nicht eben trawen wolten / wie er mit dem Koͤnig Achis wieder ſein Volck zu Felde ziehen vnd ſtreitten wolte. 1. Samuel. c. 29. v. 4.

Recht thate Judas Macchabeus daß er dem Bacchidi vnd Alci - mo / da ſie jhme betrieglicher Weiſe den Frieden anbothen / nicht trawete. im 1. Buch der Macchabeer c. 7. v. 11.

Sehr groſſe vnd ſtattliiche Offerten thate Demetrius dem Jona - tha vnd ſeinem Volcke / daß ſie jhme in dem Kriege wieder den Koͤnig Alexander Antiochi deß Edlen Sohn aſſiſtiren wolten / wie auß deß De - metrii langen Syncerations Brieffe zu ſehen / im 1. Buch der Macchabeer c. 10. von dem v. 26. biß auff den 45. v. Aber es meldet die Hiſtoria da - ſelbſten / daß Jonathan vnd ſein Volck dieſem zuſchreiben vnd betriegli - chen glatten Worten nicht trawen wollen / wegen voriger ſeiner Vntrew vnd begangener grawſamer Tyranney die er zuvor wieder Jſrael geuͤbet hatte / ibid. v. 46. Haͤtte Jonathan dieſe Vorſichtigkeit auch gebrauchet / deß Tryphons Parola vnnd geſchmirt betrieglichen Worten hernacher nicht zuviel getrawet / waͤre er nicht ſub bona fide zu Ptolomais verſtri - cket vnd betrieglicher Weiſe vmb das Leben gebracht worden / im 1. Buch der Macchab. c. 12. v. 41. & ſeqq. & c. 15. v. 17. & 23.

Dahero Gott bey dem Propheten Jeremia ſelber warnet: Ein jeglicher huͤte ſich fuͤr ſeinem Freunde / vnd trawe auch ſeinem Bruder nicht / denn ein Bruder vntertrucket den andern / vnd ein Freund verraͤth den andern / ein Freund taͤuſchet den andern redet kein wahr Wort / ꝛc. Jerem. c. 9. v. 4. & ſeqq. Simon der Macchabeer trawete ſeinem Toch - terman Ptolomeo dem Hauptman vber die Lande Jericho / der heimlich darnach trachtete wie er ein Regent in gantz Judea werden moͤchte / gar zu wol / kahm in guten Vaͤtterlichen Vertrawen / auff vorgangene Einla - dunge mit zweyen ſeinen Soͤhnen zu jhme zu Gaſte / vnnd da ſie froͤlich waren vnd wol getruncken hatten machete ſich Ptolomeus mit ſeinen Knechten tückiſcher Weiſe auff / ergriff jhre eygene Waffen vnd Gewehr / die ſie ſo offt wieder jhren Feind ritterlich gefuͤhret / vber fiehl ſeinen alten redlichen Schwiegervatter ſambt den beyden Soͤhnen ob dem Mahl vnd brachten ſie vmb das Leben / im 1. Buch der Macchab. c. 16. v. 11. & ſeqq. Hie hat es wol geheiſſen wie der Poet ſaget:

Non hoſpes ab hoſpite tutus Non Socer à genero, fratrum quoque gratia rara eſt.

Gar zu vieltraweten die Juden den Einwohnern zu Joppen / daß ſie ſich vnterm Schein angenommener guter Freundſchafft bereden lieſſen vndmit345Von dem Weltlichen Stande. mit jhren Weibern vnnd Kindern in die Schiffe ſo von jhnen beſtellet waren tratten / vnd hernacher wie ſie auff das Meer kahmen von den Joppenſerntrewloſer verraͤtheriſcher Weiſe vber Bord geworffen vnnd verſaͤuffet worden im 2. Buch der Macchab. c. 12. v. 3. & ſeqq.

AXIOMA CLXIV. Jm Kriege muß vor allen Dingen gute Ordnunge ge - halten vnd angeſtellet werden.

ALs Abraham mit ſeinen Knechten zu Felde ziehen wolte / den Loth zu retten / armirte vnd bewehrte er zuvor ſeine Knechte / jagte dem Feinde in guter Ordnunge nach / vnd wie er gen Dan / nahe an den Feind gerie - the / ſtellete er vorhin ſein Volck in Bataglie vnd Schlachtordnunge / thet - let ſie in drey Hauffen / vnd grieff darauff den Feind / der ſicher vnd in con - fuſion war / an. Geneſ. c. 14.

Es hat Gott ſelber dem Moſi vnd ſeinem Volcke Krieges Ord - nunge vorgeſchrieben. Num. c. 1. & 2.

Wie Joſua auff Gottes Befehl die Statt Ai angreiffen wolte / blieb er die Nacht vnter dem Volcke / machete ſich deß Morgens fruͤt auff / ſtellete das Volck vorhin in gute Ordnunge / vnd zog ſolchem nach mit den aͤltiſten vnd vornembſten Officirern vor dem Volcke her gen Ai. Joſ. c. 8. v. 10.

Alſo ertheilet Gott ſelber den Kindern Jſrael Ordnunge wie man mit den Trommeten zu Felde blaſen / wie die Laͤger eins nach dem an - dern in guter Ordnunge auffbrechen vnnd alſo wieder den Feind der ſie beleydiget / anzuziehen vnd ſtreitten ſolten. Num. c. 10. v. 3. & ſeqq.

Als der Feldhauptman Joab wieder die Ammoniter ins Feld kahm vnd vermerckte / daß dieſe vnd jhre Aſſiſtenten die Syrer ſich in zwey Hauffen getheilet / ſtellete er die Schlachtordnunge mit groſſer Vorſich - tigkeit an / theilte ſeine Armee auch in zwey Hauffen oder Fluͤgel vnd gab gewiſſe Ordre, wie ein Fluͤgel dem andern im Fall der Noth ſecundiren vnd ſuccurriren ſolte. 1. Chron. c. 20. v. 10. & ſeqq. Welcher geſtalt der Koͤnig David ſeine Kriegsleuthe vnd Armeen vnter gewiſſe Generalen abgetheilet ſolches wird weitlaͤufftig erzehlet im 1. Buch der Chronic. cap. 28.

Wie der Junge Antiochus wieder die Macchabeer mit ſeinemX x xKriegs -346Das ander Buch /Kriegsheer zu Felde gezogen / meldet die Schrifft / daß es vorſichtiglich vnd in guter Ordnunge geſchehen. 1. Macchab. c. 6. v. 40. da dann auch die gantze Bataglie vnd Schlachtordnunge / wie ſie mit Elephanten vnd andern apparat angeſtellet / auß fuͤhrlich beſchrieben wird.

Als Jonathas der Macchabeer Hertzog Kundſchafft auß der Fein - de Lager erhielte / daß deß Demetrii Hauptleuthe beſchloſſen haͤtten jhn in der Nacht zu vberfallen / ſtellet Jonathas eilends alles in gute Ordnun - ge / beſtellete die Schild-vnd andere Wachten mit hoͤchſtem Fleiß / ließ ſei - ne Soldaten die gantze Nacht im Harniſch vnd Gewehr ſtehen / ordnete auch vmb das Lager her verlohrne Schildwachten / verhuͤtete dardurch nicht allein deß Feindes Anſchlag / ſondern jagte demſelben damit eine Furcht ein / daß er in ſelber Nacht in der ſtille auffgebrochen vnnd ſein La - ger quitiret. 1. Macchab. c. 12. v. 26. & ſeq.

AXIOMA CLXV. Verſaͤumbte Schildwacht iſt im Kriege an Leib vnd Leben zu ſtraffen.

WIe Saul den David verfolgte in der Wuͤſten Siph vnnd ſich lagerte auff den Huͤgel Hachila mit ſeinen bey ſich habenden Officirern / ſich zur Ruhe begeben vnnd die Schildwachten ſchlecht beſtellet / kahm David vnd nahm zum Haupten Sauls ſeinen Spieß vnnd Waſſer-Becher vnnd damit hinuͤber auff die ander Seite vnd deß Berges Spitze kommen war / rieff er dem Abner vnd gan - tzem Heer zu vnd ſprach: So wahr der Herꝛ lebet jhr ſeit Kinder deß Todtes / daß jhr ewren Herren den Geſalbten deß Herꝛn nicht behuͤtet. 1. Sam. c. 26. v. 14. Wegen verſaumbter Schildwacht ſeind viel Armeen in groſſe Gefahr gerathen / vnd offt gar biß auff das Haupt geſchlagen / derowegen die Schildwachten wol zu beſtellen / vnd die jenige ſo ſie ver - ſaͤumen billig an Leib vnd Leben geſtrafft werden koͤnnen.

Als Gideon wieder die Medianiter zu Felde zohe vnd in der Nacht an jhr Lager vnd die Schildwaͤchter geriethe / welche ſich nieder geleget einer dem andern Traͤume erzehlete / gaber ſeinen Soldaten die Loſe / ließ Laͤrmen blaſſen / brachte die Medianiter in Confuſion / daß eines jegli - chen Schwerd wieder den andern war / vnd der Reſt ſich mit der Flucht ſalviren muſte. Judic. c. 7.

Holofer -347Von dem Weltlichen Stande.

Holofernes ſeine Schildwachten waren ſchlecht beſtellet / das ko - ſtet jhm ſeinen Kopff. im Buch Judith. c. 14.

AXIOMA CLXVI. Wer Kriegs Ordre bricht vnd vbertrit / der muß ſcharff vnd ernſtlich geſtraffet werden.

WIe Joſua den Anſchlag auff die Statt Jericho machete vnnd von Gott Zuſage hatte / daß er dieſelbe mit dem Schwerde ge - winnen ſolte / ließ er in dem gantzen Lager die Ordre publici - ren, vnd auß ruffen / daß die Statt vnnd alles was darin gewe - ſen / (auſſerhalb der Hure Rahab die mit jhr im Hauſe waren) ver - band ſeyn ſolte. Joſ. c. 6. v. 17. & ſeqq.

Aber Achan der Sohn Charmi vom Stamm Juda contravenir - te vnd handelte wieder dieſe Ordre ſeines Generals vnd Feldherꝛn / dero - wegen er mit ſeinem gantzen Hauſe zum Todte vervrtheilet / geſteiniget vnd mit Fewer verbrand worden. Joſ. c. 7.

Es war zwar an ſich ſelber keine proportion vnter dem Babyloniſchen Mantel vnd andere Sachen / ſo Achan wieder ertheilte Ordre geraubet hatte / vnd der ſchwehren Straffe / damit er vnd ſein gantzes Hauß beleget ward / dannoch war es nicht vnbillig / weil er wieder Kriegs Ordre gehan - delt / alſo geſchiehet noch offt in den Kriegen daman gute diſciplin helt / daß ein Soldat der nurent ein Huhn oder dergleichen wieder Verbott genommen oder auß ſeiner Ordnung gangen / am Leben geſtrafft wird / dann Krieg muß mit ſcharffer diſciplin vnd guter Ordnunge geführet werden / ſoll es ſonſten beſtand haben.

Als Judas der Macchabeer General die Edomiter in dẽ Feſten vber - fiehl / dieſelbe eroberte vnd was im Gewehr geſtanden niederhawen ließ / aber bey neun tauſend ſich in zwey ſtarcke Thuͤrne ſalvirten, zohe er zwar mit der Haupt Armada weiter fort / hinterließ aber etliche Officirer / mit einem ziemlichen Corpo vnd dieſer expreſſen Ordre, die Thuͤrne zu ſtuͤr - men einzunehmen / aber es lieſſen ſich etzliche durch die Belagerte mit Geld beſtechen / nahmen fuͤnff vnd dreyſſig tauſend Gülden von jhnen / vnd zohen ab. Wie ſolches Judas Macchabeus erfuhr / rieff er ſeine Hauptleuthe zuſammen / ließ die Verraͤther ſeiner Ordre anklagen vnd Kriegsrecht vber ſie halten / da dann dieſelbe wegen verachteter OrdreX x x ijjhres348Das ander Buch /jhres Generals / vnd als Verraͤther jhres Volcks an Leib vnd Leben exe - quiret vnd geſtraffet worden im 2. Buch der Macchab. c. 10. v. 19. & ſeqq.

Gar ſchwer hatte es Joab Davids Hauptman zuverantworten / daß er wieder ſeines Koͤnigs außtrucklichen Commando / daß er in der Schlacht mit dem Knaben Abſalon ſaͤuberlich fahren ſolte / dannoch dem - ſelben nicht einen / ſondern drey Spieſe / da er noch lebendig an der Eyche hinge / vnd er ſich ſeiner Perſon wol bemaͤchtigen koͤnte / ins Hertz ſtoſſete. 2. Samuel. c. 18. Jch meine das war ſaͤuberlich gefahren mit dem Kna - ben Abſolon.

Nun iſt wol gewiſſe / daß Joab / wann ervor Kriegs-Recht geſtel - let waͤre / das Leben verwuͤrcket / weil aber David noch in exilio war / vnnd noch nicht wieder auff ſeinem Koͤniglichen Thron ſaſſe / Joab aber als ein victorirender General die gantze Armee an ſich hatte / darneben dem Koͤnige bey dem Herꝛn ſchwur / wann er ſeine diſplicentz vnnd Mißfallen wegen Abſolons Todt bey dem Volcke wuͤrde ferꝛner ſehen vnnd ſpuͤren laſſen / daß kein Mann die Nacht bey jhm bleiben / vnd ſolches aͤrger ſeyn wuͤrde / als alles Vbel das vber jhn kommen war von ſeiner Jugend auff. 2. Samuel. c. 10. muſte David als ein kluger Regent ſich in die Zeit ſchicken vnd gedencken / Qui neſcit diſſimulare, neſcit imperare, muſte ſich alſo in das Thor ſetzen / nichts mercken laſſen / mit Joab vnnd andern(1.) Iullus Cæſar di - xiſſe fer - tur, Multum eſſe Impe - ratori in - dulgendũ militi per quem vi - cit. ſeinen Officirern freundlich reden / (1.) Interim bliebe bey David das manet alta mente repoſtum tieff ſitzen / vnd ſchnit dieſen groben Exceß deß Joabs auff das alte Kerbholtz ſeiner vorigen groben Mißhandlun - ge / vnd Befahl ſeinem Sohn Salomon / daß er nach ſeiner Weißheit handeln vnd ſeine deß Joabs grawe Haar mit frieden nicht ſolte in die Grube kommen laſſen. 1. Reg. c. 2. Es gedencket zwar David dieſer That mit dem Abſolon in ſpecie nicht / ſondern der Mordthat die er an den tapffern Helden Abner vnnd Amaſa vnredlicher Weiſe begangen / Er ſetzet aber vorhin vnd ſagt zu Salomon / du weiſt wol / was mir gethan hat Joab der Sohn Zeruia / ſolchem nach ziehet er ferner an / was er Joab gethan habe / den jetzgemelten beyden Hauptleuthen Abner vnd Amaſa / Bekahm alſo Joab ſeinem verdienten Lohn / da er beym Altar vom Leben zum Todt hingerichtet ward.

Der Generalen / Obriſten / hoher vnd anderer Officirer auctori - taͤt vnd reſpect, daran die Kriegs diſciplin vnnd alle gute progreß im Krieg hafften kan nicht beſtehen / es werde dann ſcharff vber jhre Ordre vnd Commando gehalten. Als Jonathas der Macchabeer Heerfuͤhrer gefangen / getoͤdtet vnd ſein Bruder Simon zum General Feldhaupt - man der Armee wieder vorgeſtellet war / erklaͤrten ſie ſich einhellig / rieffenvnd349Von dem Weltlichen Stande. vnd ſagten / du ſolt vnſer Hauptman ſeyn an Judas vnd Jonathas dei - ner Bruͤder ſtatt / vnſern Krieg zu fuͤhren / vnd wir wollen dir gehorſam ſeyn in allem / das du vns heiſſeſt. 1. Macchab. c. 13. v. 7. & ſeqq. geſtalt ſei - ner ſo bald darauff ertheilter Ordre von jhnen allenthalben Folge gelei - ſtet worden. ibid. v. 10. & ſeqq.

AXIOMA CLXVII. Auff verhofften guten ſucceß, wann ſich ſchon eine gute Occaſion mit dem Feinde zuſchlagen præ - ſentiret, ſoll doch ein Officirer oder Soldat wieder Ordre nicht thun.

ALs Judas Macchabeus von ſeinen betrangten Bruͤdern vmb Huͤlff vnd Rettunge gar beweglich angelanget ward / theilete er ſei - ne Armee in drey Theil / mit einem Hauffen von 8000. Mann zo - he er in Galaad / die Belagerte auff der Burg Datheman zu entſe - tzen / mit dem andern Hauffen commendirte er ſeinen Bruder Simon in Galileam / den dritten Hauffen ließ er in Judea daheim zu deß Landes Defenfion vnd Verwahrunge / ſetzte daruͤber Joſeph den Sohn Zacha - ria vnd Azaria zu Hauptleuthen / hinterließ jhnen daneben dieſe expreſſe Ordre vnd Befehl / ſie ſolten daß Volck regieren vnd nicht außziehen die Feinde anzugreiffen biß er wieder kaͤme. Als aber dieſe liebe Hauptleu - the vernahmen / daß Judas vnd Simon gute progreß vnd groſſe Thaten in Galaad vnd Galilea gethan / die Belagerten entſatzt vnd vnterſchiede - ne Victorien erhalten / wurden ſie Vermeſſen vnd Ehrgeitzig / wolten auch Ehreinlegen / ſetzten jhre empfangene Ordre auff die Seiten / botten jhre Voͤlcker auff vnd zogen gen Jamnia / wurden aber von Gorgia mit Verluſt 2000. Mann repouſſirt, in die Flucht geſchlagen vnnd biß ins Land Juda gejaget / ſtehet in der Hiſtoria dieſe Vrſache darbey / nehm - lich darumb / daß ſie jhres Feldherꝛn Juda vnnd ſeines Brudern Ordre vnd Befehl zuruck geſetzet / vnnd ſich auß eygener Vermeſſenheit vnter - ſtanden einen Ruhm zu erjagen / ſo ſie doch nicht die Leuthe waren denen Gott verliehen hatte / daß Jſrael durch ſie geholffen wuͤrde. 1. Macchab. c. 5. von dem 18. Verß biß zu dem 62. Jns gemein gehet es vbel auß / wenn man ſeiner von Gott vorgeſetzten Obern / Generaln vnd BefehlhaberX x x iijAnord -350Das ander Buch /Anordnunge vnd Befehl verachtet. Wie ſcharff vnd ernſtlich die Roͤ - mer vber ertheilte Ordre vnd Kriegs diſciplin gehalten / wird von Vale - rio Maximo lib. 2. c. 7. mit vielen Exempeln beſtaͤrcket / ſo gar daß Man - lius Torquatus, ſeinen Sohn / welchen der Geminius Metius der Tuſcula - norum Heerfuͤhrer zum ſchlagen obligiret, ohnerachtet er eine herꝛliche Victori / vnd ſtattliche Beuthe erhalten / dannoch gefaͤnglich annehmen / vnd wie Valerius ſchreibet in modum hoſtiæ zum Todt vervrtheilen vnd hinrichtẽ laſſen / ſatius eſſe judicans, patrem forti filio, quam Patriam mi - litari diſciplina carere, das iſt / es waͤre beſſer / daß ein Vatter vmb einen tapfferen Sohn / als das Vatterland vmb die Kriegs diſciplin vnd Or - dre kaͤhme. Haben alſo die Weltweiſe Koͤnig / die Kriegs diſciplin, der Liebe der Eltern gegen jhre Kinder vorgezogen. (1.)

(1.) Diſciplina, inquit, Caſtrorum, antiquior fuit parentibus Romanis, quam Charitas libe - rorum 1. poſtliminium §. filius, ff. de Captiv. & poſtlim. reverſ. ubi not. Budæ. Et Cicero, quod patria ſit parens antiquior, & ei major quam parenti debeaturgratia, lib. de Repub. videatur et - iam Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 18. §. 1.
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AXIOMA CLXVIII. (1.) Licet Bellum ex juſta cauſa ſuſcipia - tur, ſi tamẽ modus & ordo bel - landi exce - datur, in - juſtum il - lud cenſe - tur. Cal - der. conſil. 95. n. 6. Cardin. Tuſch. pract. con - cluſ. 34. n. 22 lit. B. ſunt enim Belli ſicut pacis jura eaq́ue non minus juſtè quam fortiter gerenda, Liv. lib. 5. Bey guter gerechter Sache muͤſſen auch gute proce - duren gefuͤhret / der Debitus belligerandi modus oder die geziehmende Art vnd Weiſe zu Kriegen nicht vberſchritten / ſondern gute Ordnunge vnd di - ſciplin obſervirt vnd gehalten wer - den. (1.)

QUod juſtum eſt ſpricht Moſes / juſtè exequaris, was recht vnnd bil - lig iſt / das ſoll man auch durch billige Mittel vnd Wege volfuͤhren / vnd kan die beſte Sache malè agendo, oder wann man ſich darbey nicht Gottſelig vnd kluͤglich gouverniret vnd vorhelt / boͤſe vnnd vngerecht werden. Worbey dann vor allen Dingen gute vnnd ſcharffe militariſche Diſciplin vonnoͤthen / damit durch der Soldaten vbeles hauſſen vnd gott - loſes Weſen / der gerechte Gott nicht erzuͤrnet / vnd damit auß einer gu - ten Sache eine boͤſe gemachet / vnd das Glück in Vngluͤck verwandel: werde. (2.)Diſciplina militaris acriter retenta, Romanum Imperium ortum è Romuli caſa, totius terrarum orbis fecit columen. Per illam enim ab hoſtibus ſuis reportarunt victoriam: autem ſpretâ non Bellum geritur, ſed latrocinium exercetur, non utilitas Reipub. & populi ſalus pro - curatur, ſed ejuſdem pernicies ac ruina acceleratur Lipſi. juſt. Bonæ fid. in ſtrictur. ad juſt. Lipſ. epiſtol. n 10. Valerius Maxim. diſciplinã militarem, præcipuum decus & ſtabilimentum Romani Imperii, in cujus ſinu ac tutela ſerenus tranquillusq; beatæ Pacis ſtatus acquieſceret, aſſerit lib. 2. c. 7. in princip.

Dahin353[351]Von dem Weltlichen Stande.

Dahin ziehlet die Jnſtruction deß Herꝛn / die da beſchrieben ſtehet Deutern. 23. v. 9. Jmgleichen Num. 2. da Gott ſelber die Ordnunge machet / wie die zwoͤlff Staͤmme Jſrael marchiren vnnd vffziehen / wie ſich ein jeder im Feldlager mit ſeinem Panir / Faͤnlein vnd Heer / vnter jhren Hauptleuthen fuͤr vnd vmb der Stiffts-Huͤtte ſich lagern vnnd in guter Ordnunge halten ſolten. Dann wo keine Ordnunge iſt / da iſt Confuſion vnd kan nichts beſtehen / noch ein guter Außgang erfolgen.

Derowegen alle Chriſtliche Feldherꝛn vnd Kriegs Obriſten / wañ ſie ſonſten Gottes Beyſtand vnd gluͤckliche Succeſſus, im Kriege zuha - ben / vnd ein gut Gewiſſen zubehalten gedencken / ſchuldig vnd gehalten vor allen Dingen gute Krieges diſciplin vnnd Ordnunge bey jhren Ar - meen zu halten / vnd den Krieg nicht weniger mit warer Gottſeligkeit / als Heroiſcher reſoluter Tapfferkeit zu fuͤhren.

Es wird bey dem Hortled. vol. 2. p. 190. erzehlet / daß der loͤbliche ſtreitbahre Kayſer Carolus V. vber ſein rauberiſches Soldaten Geſind - lein zu klagen vnd zuſagen pflegen: Sollen wir noch von Gott ein Vn - gluͤck kriegen / ſo wird es vns gewiß vmb dieſer Leuthe willen wieder - fahren.

Axioma CLXIX. Soldaten ſollen ſich an jhrem Sold gnuͤgen laſſen / vnd ſonderlich in Freunde Lande aller Thaͤtlig - keit enthalten. (1.)

(1.) Vid. Fabrit. Quęſt. 1. & præſertim Quæſt. 2. Add. eund. q. 14. p. 192. add. Grot. lib. 3. c. 17. fol. 501.
24

ALs ſich zu dem Wunderman Johann dem Taͤuffer allerhand Leu - the thaten / vnd eine Jnſtruction jhres Lebens vnnd Wandels zu - wiſſen begehrten / funden ſich auch bey jhme die Soldaten vnd Kriegs Leuthe / wolten auch informiret ſeyn / was ſie dann thun ſol - ten; darauff bekamen ſie dieſe Reſolution: Thut niemand Gewalt noch Vnrecht / vnd laſſet euch begnuͤgen an ewren Solde. Luc. c. 3. v. 14. (2.).

Dieſes war zwar ein kurtzer / aber doch ein vollſtaͤndiger guter arti -culs(2.) Quiſ - q́ue militum ſua annona ſit contentus, de præda hoſtis non de lachrimis provincialium habeat: Nemo pallium alienum rapiat: ovem nemo contingat, uvam nullus auferat, ſege - tem nemo deterat, oleum, ſal. lignum nemo exigat, annona ſua contentus ſit. Am - mian. lib. 18. 354[352]Das ander Buch /culs Brieff / bey deſſen obſervantz die Soldaten eine gute Gott nicht mißfaͤllige Ritterſchafft uͤben / Glauben vnd gut Gewiſſen vor Gott / vnd einen ehrlichen Namen bey der Welt behalten koͤnnen.

Eben dieſe Jnſtruction hat GOtt der Herꝛ ſelber vorhin dem Jſ - raelitiſchen Kriegsvolck gegeben vnd es mit dieſen Worten exprimiret Wann du auß dem Lager geheſt wieder deine Feinde / ſo huͤte dich fuͤr al - lem boͤſen. Deutern. c. 23. v. 9.

Daruͤber dann auch Kayſer Aurelianus ſteiff gehalten vnd ſeinen Soldaten ernſtlich eingebunden alle Thaͤtlichkeit / rauben vnd pluͤndern einzuſtellen / vnd ſich an jhrer Gage vnd Commiß gnügen zu laſſen.

Wie ſchlecht aber dieſer von Gott ſelber ertheilter vnd S. Johan - ne renovirter Articuls Brieff bey dieſem Leydigen Teutſchen faſt 23. Jaͤh - rigen Krieg obſerviret, das iſt leider mehr als zu viel bekant / deteſtiren vnd bezeugen es die hin vnnd wieder annoch von Thraͤnen-Blut vnnd Fewr rauchende rudera, vnd wird die jetzige vnnd nachkommende Welt vnd Poſteritaͤt noch daran zu deploriren vnd zu klagenfinden. Es ſeind die ſchoͤnſte herꝛlichſte Lande vnd Provintzien deſolirt jhrer Einwohner / Leuthe / Mannſchafft vnd alles Vermoͤgens beraubet / gewaltige Volck - reiche Staͤtte / Flecken vnd Doͤrffer in die Aſche geleget / in einen wüſten Steinhauffen gefallen / zur Einoͤde / elenden ſpectacul vnd frembden Na - tionen zur Außbeute geworden.

Der Mansfelder fieng es erſt an ohne Mittel vnnd Geld Armeen zu richten vnd Krieg zu fuͤhren / theilete anderer Herꝛn ſo nicht in Ver - faſſunge waren vnnd es wehren koͤnten / jhre Lande auß zu Lauff-Sam - mel vnd Muſterplaͤtzen / gabe allenthalben wo er koͤnte frey Quartir / vnd machete an ſtatt Lauffgeides vnd Solds ſeinen Soldaten alles Preiß / daß ſie rauben pluͤndern brennen / brandſchaͤtzen die Leuthe vmb Geld / peinigen vnd nach jhrem belieben handeln moͤchten. Es war darbey kein Vnterſchied / ob einer Freund oder Feind war / ſondern hieß es da Tros Tyriuſq́ue mihi nullo diſcrimine agetur, Ja wer am beſten pluͤndern / brennen / vnd der vnſchuldigen armen Leuthe Schweiß vnd Blut / durch pochen vnd peinigen außpreſſen koͤnte / war der tapfferſte Soldat vnd ein je der der noch etwas hatte muſte der Feind ſeyn / fuͤhreten auch wol dieſe maxime, daß der Brand den Krieg zierte / wie das Magnificat die Ve - ſper.

Dieſem folgeten bald andere hoͤhere Standes Perſonen nach / ha - bens auch die ſo es billig an andern ſtraffen ſolten imitiret, an ſtatt ge - woͤhnlichen Solds alles auff die Quartier geſchlagen / die Soldaten dar - auff vertroͤſtet / ſich ſelbſten auff die Weiſe bezahlt zu machen. Wann dar -uͤber355[353]Von dem Weltlichen Stande. uͤber wie billig geklaget / aſſecurationes, Verſicherunge vnd gegebene p[a]- rola, Hand vnd Siegel angezogen / iſt alles mit der Neceſſitaͤt entſchuͤl - diget / vnd daß die nothleidende Soldateſca jhren Vntergang haben / vnnd man nehmen muͤſte da etwz were entſchuͤldiget / dardurch iſt alle Kriegs diſciplin vnd reſpect bey der Soldateſca gefallen / vnd durch dieſelbe bey Feinden vnd Freunden vber Barbariſch vnd ſo vbel gehauſet vnnd alles verwuͤſtet worden / daß wol gantze Buͤcher darvon zuſchreiben waͤren.

Welches ſo wol mit der alten Roͤmer vnd aller vernuͤnfftigen Voͤl - cker Kriegs-Rechten auch der alten Teutſchen Reuter Beſtallunge vnd Kriegsverfaſſungen nicht vbereinſtimmet Vid. R. A. zu Speyer de An. 1570. in præfat: der Reuter Beſtallunge ibi in verbis:

Als wir vns auff gegenwertigem vnſerm Reichstage / neben den erſcheinenden Churfuͤrſten / Fuͤrſten vnd Staͤnden / vnnd der abweſenden Geſandten Raͤthen vnd Bottſchafften / bey Berathſchlagung deß Arti - culs gemeinen Friedens / vnter andern zu bedaͤchtlichem Kayſerli - chem Gemuͤth gefuͤhret / wie vorzeiten die Teutſche Kriegsleuthe ſich aller Maͤnlichen Tugend / Redligkeit / vnd Ehrbarkeit befliſſen / gute Kriegs - Ordnunge vnd Diſciplin gehalten / dardurch ſie bey allen Nationen ge - ruͤhmet / vnd aber es nunmehr dahin kommen / daß die alte Teutſche Frey - heit in Kriegszuͤgen viel mißbrauchet / die vnſchuldige arme Leuthe al - lenthalben beſchwehret / beleidiget / alle ehrbare diſciplin vnnd Ordnunge deß Reuter vnd Kriegs Rechten in vergeß oder auch in veracht gerathen will / daß wir demnach zu Erhaltunge beſſer Kriegs Regiment vnnd Pflantzunge der alten Teutſchen Zucht / Ehrbar-vnd Redlichkeit in Kriegsleufften vns mit Churfuͤrſten / Fuͤrſten gemeinen Reutters Be - ſtallunge deß Articuls Brieff / wie dieſelbige neben vnſerm auch dieſem Reichstage auffgerichten Kayſerlichen vnnd deß Heiligen Reichs Ab - ſchied / ins Reich publiciret, vnd in Truck gegeben werden ſoll / vergli - chen / ꝛc. (3.) (3.) Quid bello no - ſtro peti - tur, niſi præda? nec hoſtem ſed ſocium decus eſt exſpoliaſſe bonis.

Es muͤſſen aber die Herren vnd jhre Generalen den groſſen Herꝛn / der jhnen das Kriegs Schwerd anvertrawet vnd in die Hand gegeben / darvon ſchwere Rechenſchafft thun / wird ſichs mit der nothleidenden Soldateſca vnnd ſelbſt vervrſachter Neceſſitaͤt nicht alſo verantworten laſſen.

Die hohen vnd andere Officirer / auch gemeine Soldaten wollen ſolches damit entſchuldigen / daß ſie kein Geld bekommen / es moͤchtens jhre Zahlherꝛn / denen ſie dienen / verantworten / aber was koͤnnen die ar - me vnſchuldige Leuthe darzu / die haben jhnen nichts zugeſagt / ſie haben auch keine Action an ſie / ein jeder muß ſich halten an deme der jhme et -Y y ywas356[354]Das ander Buch /was verſprochen vnd ſchuldig iſt nimbt mans aber einem andern ab / ſo handelt man ja wieder die H. Zehengebott Gottes vnnd wieder die Liebe deß Nechſten. Es wird darumb Gott ſolche Entſchuldigunge nicht an - nehmen vnd auff die Herren ſehen / ſondern einen jeden ſtraffen nach ſei - nem Verbrechen / wieder ſeine Gebott / vnd heiſt die Apoſtoliſche Regula: Noſtrum unuſquiſq́ue de ſe ipſo reddet rationem, das iſt / Ein jeder muß vor ſich ſelbſt Rechenſchafft geben / vnd wird es eben ſo wenig die Entſchul - digung mit der nothleidenden Soldateſca außmachen.

Es haben auch theils Officirer auch wol gemeine Soldaten bey dieſem Teutſchen Kriegen faſt vor nichts achten / ja wol ſich damit belu - ſtigen wollen / daß ſie Chur-Fuͤrſten vnd Staͤnden deß Reichs / auch dero vornehmen Bedienten allerhand Affront vnd Schimpff erwieſen / die - ſelbe in jhren eygenen Landen vnd Reſidentzen / ob ſie ſchon keine Feinde geweſen / braviren, dero Vnterthanen betrüben / plagen vnnd niederma - chen helffen. Ohne iſt es zwar nicht daß Gott der Gerechte / die Teutſche Fuͤrſten damit ſtraffen wollen / dann er / ſpricht der Koͤnig David / ſchuͤt - tet Verachtunge auff die Fuͤrſten. Pſalm. 107. v. 40. aber darumb blei - ben die vngerechtevnd boͤſe Executores juſtæ voluntatis divinæ nicht ent - ſchuldiget.

Als Gott den Koͤnig David ſeines Ehebruchs vnd Todſchlags hal - ber heimſuchete / daß er von ſeinem Koͤniglichen Thron auff ſtehen vnnd fuͤr ſeinen Sohn Abſolon fliehen ins Elend gehen muͤſte / meinete der hei - loſe Simei er muſte bey ſolcher Occaſion auch Ritter an ſeinen Koͤnig vnd Herꝛn werden / lieff neben jhn an / warff denſelben mit Steinen / ſchalt jhn einen Bluthund vnd loſen Man. 2. Samuel. 16. v. 5. & ſeqq. Vnd wiewol David hierbey Gottes Hand erkante / vnd ſeinem Hauptman Abiſai nicht geſtatten wolte / daß er hingienge vnd dieſen Calumnianten den Kopff abrieſſe / ſagende: Laſſet jhn fluchen / denn der Herr hats jhm geheiſſen dannoch ward es jhm nicht geſchencket / ſondern es befahl Da - vid ſeinem Sohn Salomo in ſeinem Teſtament / daß er Simei nicht ſol - te vnſchuldig ſeyn laſſen / weil er jhme ſo ſchaͤndlich in ſeinem Exilio fron - tiret, braviret vnd gefluchet / muſte derowegen Simei ſolchen frevel ent - lich mit dem Kopff bezahlen / im erſten. Buch der Koͤnig. c. 2. v. 8. & ſeqq. junct. v. 36. & ſeqq.

Auß einer alten geſchriebenen Pommeriſchen Chronic iſt mir eine hierauff wol quadrirende Hiſtoria erzehlet / vnd iſt ſonſten auß den Teut - ſchen Geſchichtſchreibern bekant / was maſſen zwiſchen den Haͤuſſern Brandeburg vnd Pommern in vorigen Jahren viel Kriege vnd Jrrun - gen geweſen / biß entlich das Pactum mutuæ & reciprocæ ſucceſſionis,Confra -357[355]Von dem Weltlichen Stande. Confraternitatis, oder Erbverbruͤderunge erhandelt / vnnd als es eins - mahls zu den Waffen kommen / hat ſich einer bey der Brandenburgiſchē Parthey gefunden / nahmens Jſeborn / derſelbe hat ſich vor andern in Pommern mit rauben vnd pluͤndern weitlich gebrauchet. Als es aber endlich zum Friede kommen vnd ſich beyde Herꝛn verglichen gehabt / be - gegnet Jſeborn einsmahls dem Hertzog in Pommern auffm Jagen im Walde / fraget der Hertzog / woher Jſeborn? wie ſtehen wir mit einander? Jſeborn antwortet / Gnaͤdiger Herꝛ / ich weiß nicht anders als wol / der Hertzog ſprach weiter / warumb haſtu meinen Bawren jhre Kuͤhe vnnd Speck genommen? Jſeborn ſprach / damahls wars Krieg / jtzo iſt es Frie - de; der Hertzog ſagte / Jſeborn es iſt noch kein Friede zwiſchen dir vnd mir: Vnter deſſen ward Jſeborn mit deß Hertzogen Reutterey vmbgeben / fieng an vnd ſprach / gnediger Herꝛ wird mir Leyd wiederfahren / das werden meine Freunde raͤchen. Darauff antwortet der Hertzog nicht / ſondern zog einen Hundes ſtrick auß dem Ermel / machete eine Schleif - fe darin / zeigete Jſeborn vnd ſagte / harre Kumpe / kucke mir einmahl durch das Loch / ich mag mich mit deinen Freunden vertragen wie ich kan / vnd der Hertzog ließ ihn an einen Baum hencken / vnd damit ward zwi - ſchen dem Hertzog in Pommern vnd Jſehorn auch Friede vnd der Han - del geſchlichtet. Dieſes iſt zwar eine Pommeriſche aber doch ſehr Re - merquable Hiſtoria vor die / welche bey wehrenden Kriege weder Gott oder hohe Haͤupter Chur-Fürſten achten / denſelben vnnd jhren Vnter - thanen alles gebrante Leid / Schimpff vnd Spott erweiſen / vnnd geden - cken nicht daran / wann es einmal Friede wird / daß Jſeborns proceß ge - gen ſie auch koͤnte formiret werden. Eadem ſemper in mundo agitur fa - bula, & cuivis ac cidere poteſt quod cuiquam accidit.

AXIOMA CLXX. Es gibt auch Gottſelige fromme Generals Perſo - nen / hohe vnd andere Officirer vnd Soldaten im Kriege.

EIn ſolcher Gottſeliger Heerfuͤhrer war Abraham / welcher wie er die Aſſyriſche Koͤnige verfolgte / eine herꝛliche Victori / darzu jh - me der Koͤnig vnd Prieſter Melchiſedech ſonderlich gratulirte, er - hielte / ſeinen gefangenen Vettern Loth erledigte / vnd allen RaubY y y ijvnd358[356]Das ander Buch /vnd Haabe denſelben wieder abjagte / begehrte er doch von allem deme / was dem Koͤnig zu Sodom abgenommen war / nicht einen Faden / noch einen Schueriemẽ / ſondern ließ einem jeden von dem abgejagtem Raub das ſeinige wieder abfolgen. im 1. Buch Moſ. c. 14. Joſua war ein Got - tes fuͤrchtiger General / deß gleichen Gideon / Jephtha / Baruck / David vnd andere mehr / wie ſolches die Bibliſche Hiſtoria bezeuget.

Ein frommer Soldat iſt geweſen Julius der Vice Admiral oder Schiff Capitain von der Kayſeriſchen Schaar / deme S. Paulus als ein gefangener gelieffert war / jhn nach Rom zubringen / derſelbe hielt ſich freundlich gegen Paulum / erlaubte jhn zu ſeinen guten Freunden zuge - hen vnd ſeiner zupflegen / wie jhme deſſen S. Lucas Zeugnuß giebet / in den Geſchichten der Apoſtel. c. 27. v. 3.

Ein guͤtiger vnnd wolthaͤtiger Cavallier iſt geweſen Publius der Gouverneur vnd Obriſter in der Jnſel Malta, welcher Paulum vnd ſeine Gefehrten / nach dem ſie auff dem Meer Schiffbruch gelitten vnd an der Jnſel Malta jhr Leben ſalvirt gutwillig auffgenommen vnnd drey Tage freundlich beherbergei vnd tractiret, in den Geſchichten der Apoſtel / c. 28. v. 6. Cornelius, ein Hauptman zu Cæſarien von der Schaar der Wel - ſchen / iſt ſampt ſeinem Hauſe Gottſelig vnd Gottfuͤrchtig / daneben mit - leidentlich vnd gutthaͤtig geweſen / der dem Volck viel Allmoſen gegeben vnd fleiſſig zu Gott gebetet / daß jhm Gott durch ein Engliſch Geſicht diß Zeugnuß gegeben: Dein Gebet vnd deine Almoſen ſind hinauff kom - men in das Gedaͤchtnuß fuͤr Gott / in den Geſchichten der Apoſtel c. 10. v. 1. & ſeqq. Er hat auch Gottes fuͤrchtige Soldaten vnd Kriegsknech - te vnter ſich gehabt / deren einer von dem Engel geruffen. Jn bemelt. cap. v. 7.

Dem Hauptman zu Capernaum ſprach vnſer Herꝛ vnd Heyland ſelber das Lob / daß er einen ſolchen Glauben in gantz Jſrael nicht gefun - den / wie beym Matth. c. 8. v. 10. zu leſen. Wiewol die heutige Officirer vnd Soldaten ins gemein ſehr ruchloß / auff Gott / ſein Wort vnnd die Chriſtliche Liebe wenig achten / ſo iſt doch nicht zu zweiffeln / daß dan - noch auch viel Gottſelige fromme Officirer vnd Soldaten vnter denſelben zufinden.

AXIO -359[357]Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CLXXI. Fruchtbahre Baͤume ſoll man im Kriege / auch in Feinde Lande verſchonen / vnd davon man zu beſſerer Providirung der Armee / oder ſonſten Profit vnd Nutzen haben kan / nicht verwuͤſten.

D Geſetz hat Gott ſelber in den Articuls Brieff / ſo er Moſe vnd ſeinem Volcke im Kriege zuhalten befohlen / vorgeſchrie - ben / wann ſie vor einer Statt lang liegen muͤſten wieder ſie zu ſtreitten vnd zuerobern / ſo ſolten ſie die fruchtbare Baͤume / da - von ſie eſſen koͤnten / nicht verderben / weil es kein Feind vnnd jhnen nicht ſchaͤdlich waͤre. Deutern. c. 20. v. 19. Wiewol ein Abſatz oder Exception von dieſer Regul im andern Buch der Koͤnige am 3. c. v. 19. zufinden / da Gott zulaͤſſet alle der Moabiter gute Baͤume zufaͤllen / vnnd allen guten Acker mit Steinen zuverderben. Aber dieſe Exceptio ſonder bahrer Ver - ordnunge hebet obenangemelten gemeinen Articuls Brieff vnd Regu - lam nicht auff / ſondern hat ſolches Gott auß ſonderbahrer gerechter de - teſtation Straffe dero von den Moabitern oͤffentlich begangener oder jhme wolbekandter Laſter / alſo geſtattet (1.)

(1.) Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 12. n. 2. Factũ eſt, inquit, hoc, non odio ho - ſtili, ſed in juſtam de - teſtationẽ Facinorũ quæ aut publicæ e - rant co - gnita, aut Deo Iudi - ce tanti æſtimata.
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AXIOMA CLXXII. Krieger vnnd Soldaten koͤnnen leichtlich Actiones zur Reutter Zehrung vnd ſonſten finden / welche dann zuweiln mit beſſerm Nutzen gereichet / als abgeſchlagen wird.

ALs David vor deß Koͤnig Sauls Tyranney vnnd Verfolgung fluͤchtig war / vnd allerhand Geſindlein / Panckrottirer / die in Roth vnd betruͤbtes Hertzens waren / 1. Samuel. c. 22. v. 2. ſich zu jhm ſchlugen / die jhren Vnterhalt manu militari ſuchen vnd zuweilen nehmen muſten da ſie es nicht hingeleget. 1. Samuel. c. 27. v. 8. ſich be -Y y y iijgab360[358]Das ander Buch /gab daß der reiche Lauſer Nabal ein Schaffſcherẽ anordnete / hielte David vnd ſeine Reutter dar vor / es gebuͤhrte jhnen bey ſolchen Schaffſcheren auch ein Reutterzeh runge; das medium concludendi war / daß ſie ſeiner Heerde keinen Schaden gethan vnd jhme das ſeine gelaſſen haͤtten; Hie moͤchte aber einer ſagen / daß dem David auß ſolchem medio concluden - di, daß er Nabals ſeiner Heerd kein Leyd gethan vnnd jhme das ſeine ge - laſſen / keine Action competiret, vnd er alſo wider Recht eine Forderunge vnd prætenſion an den Nabal angeſtellet / zumahln er ſeine deß Davids Soldaten vor Herꝛnloß Geſind lein angeſehen / da er geſagt / es werden jetzt der Knechte viel die ſich von jhren Herren reiſſen. d. cap. 25. v. 10. 1. Samuel. Dannoch hat David bey ſich beſchloſſen vnd geſchworen / deß - wegen daß Nabal jhme ſolche Reutterzehrunge abgeſchlagen / ſein gan - tzes Hauß mit der Schaͤrffe deß Schwerds außzurotten / ſo gar / daß dem Nabal nicht ſolte eins vberbleiben der an die Wand piſte.

Mit dieſem Exempel vnterſtehen ſich wol etzliche / die auch zuweilen keinen gewiſſen Herrn haben / vnd wo ſie ſich einer Landſchafft bemaͤchtig - ten / darin alles vor das jhre halten vnd preiß machen / auch Reutterzeh - runge auff freyer Straſſen oder in den Haͤuſſern / erpreſſen / zu behelffen.

Es iſt aber hierbey zumercken / daß ein groſſer Vnterſcheid darbey ſey / dann erſtlich hat David ſchon damahls / wie er fuͤr dem Saul flüchtig war / mit ſeinen zuſammen gebrachten Trouppen / die Feinde deß Vol - ckes Gottes verfolget vnd bekrieget / vnd wie jhm die Schrifft Zeugnüß giebet / ſchon damahls die Kriege deß Herꝛn gefuͤhret. 1. Samuel. c. 25. v. 28. Vor das ander haͤtte Nabal wiſſen ſollen / daß / ob ſchon der David deß Koͤnigs Sauls ſeiner Tyranney vnd Verfolgunge weichen / vnnd ſeinen Vnterhalt bey den benachbarten Vnglaubigen die deß Volcks Gottes Feinde waren / ſuchen muͤſſen / er dannoch allbereit zum Koͤnige vber das Volck Jſrael deſigniret, von dem Samuel darzu geſalbet / vnd jhme alſo Scevter vnd Cron deß Koͤnigreichs zugeeygnet war / derowegẽ von dem David als dem Geſalbten deß Herꝛn / vnd ſeinem auff dem Ab - gang deß Gottloſen Koͤnigs Sauls von Gott verordneten Koͤnig vnnd Herꝛn / zur vngebuͤhr ſentiret, laͤſterlich geredet / vnd denſelben fuͤr einen Herꝛnloſen Geſellen / der ſich ohne Noth von ſeinem Herꝛn geriſſen ge - ſcholten. Welches dann ſein / deß Nabals verſtaͤndiges Weib die Abi - gail / vnd theils ſeiner Diener beſſer verſtanden / vnd derowegen ſie die Abigail dem David entgegen gezogen / jhres vnbeſonnenen vnd heilloſen geitzigen Ehemans / begangenen groben Fehler depreciret, vnd mit bey ſich genommenen Proviand / Geſchencke vnd Gaben deß erzuͤrneten Da - vids Gemuͤth beſaͤnfftiget vnd das groſſe Vngluͤck / ſo David vber deßNabals361[359]Von dem Weltlichen Stande. Nabals gantze Hauß beſchloſſen / avertiret vnd abgewendet auch den Da - vid vor den Geſalbten Gottes / vnd daß jhme derowegen beſſer zu begeg - nen waͤre / erkand. Vber das hatten David ſeine Reutterey vnd Knech - te nicht allein keinen Schaden deß Nabals Heerde zugefuͤget / ſondern dieſelbe auch für frembde ſtreiffende Rotte behuͤtet / welches Nabals ſei - ne eygene Knechte jhnen Zeugnuß gegeben / daß ſie jhnen ſehr nuͤtze Leu - the / ja jhre Mawren vmb jhre Heerde im Felde geweſen. 1. Samuel. c. 25. v. 15. 16. daneben jhn nurent freundlich vmb etwas Provtand / was ſeine Hand finden wuͤrde / bitten vnd anlangen laſſen / iſt aber bey dieſem Geitz - vnd Scharhalſe / wie ins gemein bey dergleichen Leuthen zu ſein pfleget / keine diſcretion oder reſpect, vielweniger iſt er ein Politicus vnnd Welt - man geweſſen / daß er auff das Zukuͤnfftige acht gegeben ſolem orien - tem haͤtte zu veneriren gewuſt / wie ſein verſtaͤndiges Weib thate / vnnd deſſen auch guten genoß empfand / koͤnnen derowegen Herꝛnloſe Reut - ter / Gardenten Knechte vnd Beutmacher / welche den Reiſenden vnnd andern Reutterzehrunge abpreſſen / mit dieſem Exempel ſich nicht behelf - fen / iſt auch ſolches in deß H. Reichs Conſtitutionen vnnd Satzungen bey hohen Straffen verbotten.

Sonſten thut auch ein Vernuͤnfftiger nicht vbel / wann er vom Soldaten vnd zuſammen rottirten Partheyen vnnd Geſindlein ange - ſprenget vnd vmb eine Reutterzehrunge angeſprochen wird / daß er eben nicht ſo genaw auff das vnrecht vnd vnfugſame Forderunge / als darauff ſehe / wie er ſolchen Leuthen pro redimenda vexa, vnd zu Verhuͤtung groſ - ſern Vnheils / nach Gelegenheit etwas reiche vnd ſie vom Halſe ſchaffe / wiewol bey jetzigen Zeiten jhnen ins gemein mit Reuterzehrunge nicht gedienet / ſondern nehmen lieber alles was vorhanden iſt / vnd ſie mit fort - bringen koͤnnen / als daß ſie eine Reuterzehrunge acceptiren ſolten.

Jmgleichen wo ſich ein Kriegsheer naͤhert thut ein Heꝛr vnd Land - ſchafft weißlich / ob ſie es ſchon nicht ſchuldig ohne Entgelt zuthun / daß ſie Proviand vnd andere Notturfft herbey ſchaffen / daß ſie keine Action machen vnd zehenmahl mehr Schaden Landen vnd Leuthen thun / als wann man jhnen gutwillig vnd mit guter Ordre etwas herbey geſchaffet.

Die von Suchoth vnd Pnuell verweigerten gar vnvorſichtig dem Gideon etwas von Proviand / zu Refriſchirung ſeiner matten Soldate - ſca / dadurch bekame er eine ſtarcke Action, vnd wie er nach erhaltener Vi - ctoria wieder ſeinen Feind den Zalmuna wieder zuruck kahm / ließ er die Obriſten vnd Aeltiſten ſolcher Statt vbel tractiren, den Thurn Pnuel. zubrechen vnd die Leuthe erwuͤrgen im Buch der Richter c. 8.

AXIO -362[360]Das ander Buch /

AXIOMA CLXXIII. Wo ein Capo oder Haupt ſich findet zum Krieg / da finden ſich bald Krieger von allerhand ſorten.

WIe ſich die Kinder Jſrael wider Moſen auff vngleichen Be - richt etzlicher Kundſchaffter / die das Land Canaan be ſichtiget / empoͤreten / mangelte es jhnen nurent an einem Capo vnnd ſprachen / laſſet vns einen Hauptman auff werffen 4. Moſ. c. 14. v. 4.

Als ſich Abimelech der Sohn Jerubaal zum Haupt vffwarff / vnd das Volck jhm zu etwas Mitteln vnd Werbgeldern verhalff / finden ſich bald loſe leichtfertige Leuthe / die ſich von jhnen werben vnd beſtellen lieſ - ſen. Judic. c. 9. v. 4.

Als Jephtha der tapffer Held fliehen muſte vor ſeinen Bruder in das Land Tob / haben ſich zu jhme als einen ſtreitbahren Haupt bald loſe Leuthe geſamblet / die mit jhme ſeind außgezogen in Streit. Judic. c. 11.

Als der Held David vor deß Koͤnigs Saul Tyranney entweichen vnd in der frembde ſich auffhalten muͤſte / ſiehe da verſambleten ſich zu jhme allerley Maͤnner / Banckrottirer die in Noth vnd Schuld vnnd be - truͤbtes Hertzens waren / vnd er war jhr Obriſter. 1. Samuel. 22.

So bald Mathathias der Macchabeerſich zum Haupte erklaͤhrete / durch die Statt Jeruſalem gienge vnnd außrieffe / daß wer vmb das Ge - ſetz eyffern vnd den Bund halten wolte / jhm folgen ſolte / bekahme er bald einen groſſen Zulauff / damit er ſich hernach in Verfaſſung ſtellete / vnnd wiederſetzete der Tyranney deß Antiochi Hauptleuthe. 1. Macchab. c. 2. deßgleichen ſein Sohn Judas Macchabeus c. 3. v. 9. da die Hiſtoria mel - det / daß alle vntertruckte im Lande ſich zu jhm geſellet. Nicht weniger als nach dieſes / Abgang Jonathan das Generalat vbernahm vnnd er ein et - was Gluͤck hatte / lieffen mehr Leuthe / wie die Schrifft meldet zu jhm / daß er ſtaͤrcker ward / im 1. Buch der Macchab. c. 9. v. 66.

Es ſeind gleichwol dieſe Exempla theils heroiſche Facta vnd Tha - ten / die durch ſonderbahre Regierunge vnnd Schickung Gottes geſche - hen / derowegen auch nicht von einem jeden zuimitiren vnnd nachzuthun ſtehen / dann es ſonſten mit denen / die ſich wieder jhre ordentliche Obrig - keit zu einem Haupt auffwerffen / einen Anhang vnd Auffſtand machen /einen363[361]Von dem Weltlichen Stande. einen ſchlechten Außgang zunehmen pflegt / wie das Exempel Abſolons 2. Samuel. c. 18. vnd deß heilloſen Auffruͤhrers Seba deß Sohns Bichri 2. Samuel. c. 20. vnd andere mehr bezeugen vnnd einen jeden zum Ab - ſchew vnd Warnung fuͤr Augen ſtehen ſollen.

AXIOMA CLXXIV. An einem guten Haupt vnd Generaln iſt im Krieg ſehr viel gelegen. (1.)

SO lange Joſua das Generalat bediente vnnd die Jſraeliti -(1.) Quan - tum in Du - cum forti - tudine & prudentia ſitum, o - ſtendit Charias Lacedæ - monius, inquiens: malle ſe Exercitum oviũ Leo - ne Duce, quã Leo - num. ove Duce, Andr. Knich. de Autorat. Rom. im - per. n. 146. Wilhelm. Ferdinãd. ab Effern. in Manual. Politic. lib. 5. punct. ſche Armee fuͤhrete vnd ſeine Soldaten ſampt dem gantzen Jſ - raelitiſchen Volck zur wahren Gottesfurcht / Tapffer vnd Ehr - barkeit anwieſe / gieng es gluͤcklich hernach vnd erhielten eine herꝛliche Victori nach der ander: Als aber Joſua todt war / vnnd andere Regenten kamen / ward alles Krebsgaͤngig. Joſ. c. 24. v. 30. Et Judic. c. 2. v. 7. & ſeqq.

So lange David deß Sauls Armada außfuͤhrete wieder die Phi - liſter / lieff es gluͤcklich ab. 1. Samuel. c. 18. & 19. Von Juda der Mac - chabeer General-Feldhauptman meldet die Schrifft / daß er auffgezogen in ſeinem Harniſch wie ein Held / vnnd ſein Heer geſchuͤtzet mit ſeinem Schwerd. Er war frewdig wie ein Loͤwe / kuͤhne wie ein Junger bruͤl - lender Loͤwe / ſo er etwas jaget / vnd hat groſſe Ehr dem Volck erlanget / wordurch er ſeinen Feinden einen ſolchen Schrecken eingejaget / daß ſie allenthalben fuͤr jhn geflohen / vnd er hatte Gluͤck vnd Sieg. 1. Macchab. c. 3. v. 3. & ſeqq. Nach deſſen toͤdtlichen Hintrit / bekahm das Judiſche Volck ein gutes Haupt vnd Hertzog / an ſeinen Bruder den Jonathan / der ſiegte offt wieder jhre Feinde / vnd hatte denſelben einen ziemlichen Schrecken eingejaget; So bald aber derſelbe mit Liſt vnnd Betrug von dem Tryphon gefangen vnd vmbgebracht war / zeuget die Hiſtoria / daß alle Heyden angefangen das Volck zu pochen / vnd zu plagen / ſprechende: Sie haben kein Haupt vnd kein Schutz mehr / nun wollen wir ſie vber - ziehen vnd außrotten / vnd jhren Namen auff Erden vertilgen. im 1. Buch der Macchab. c. 12. v. 53. 54. Ein Volck vnd Kriegsheer ohne Haupt / iſt wie ein Leib ohne Geiſt oder Seele. (2.) Es iſt auch in viel Wege beſſer /(2.) Exer - citus ſine capite, eſt corpus ſi - ne Spiritu, Zevecot. daß eine Armee von einem qualificirten Haupt / als von verſchiedenenZ z zcommen -364[362]Das ander Buch /commendiret vnd gefuͤhret werde / darvon der Kriegserfahrene Ritter Philippus Cominæ. ſchreibet / daß ſeinem ermeſſen nach / ein Kriegsheer von zehen tauſend Mann / ſo eines Generals Commendo vntergeben / mehr zu fuͤrchten / als zehen Confœderirte / deren ein jeder abſonderlich ſechs tauſend zu Felde bringet / dann ehe dieſelbe einer Meynunge werden(3.) Comi - . lib. 2. Hiſtor. Mea in - quit, ſen - tentia ſic eſt, ut exi - ſtimem eum, qui ſolus in poteſtate habet de - cem mil - lia magis eſſe me - tuendum, quam decẽ confœ de - ratos qui finguli ſe - nis milli - bus præ - ſunt. Nam quia nul - lius hic eſt præcipua & ſingula - ris aucto - ritas, mul - ta quoti - die in di - ſceptatio - nem ante - quam ali - quid con - ſtituatur, prætereũt fere occa - ſiones. vnnd ſich vergleichen iſt offt die beſte Occaſion auß handen gangen. (3.) Als Anno 1620. der Marcheſe Spinola die Burgundiſche Armee an Rheinſtrom brachte vnd darbey allein das Commendo hatte / richtete er damit viel mehr auß / als der Vnion Kriegsheer / welches mit verſchiede - nen Haͤuptern verſehen war.

AXIOMA CLXXV. Es iſt nicht allemahl nuͤtzlich vnd der gemeinen Wol - fart vortraͤglich / daß ein Koͤnig oder Kriegsherꝛ / in oͤffentlichen Feldſchlachten oder andern gefaͤhr - chen occaſionen, ſeine Perſon hazarti - re vnd in Gefahr ſetze.

ALs der Koͤnig David wider ſeinen Sohn Abſolon ſeine Armee in drey hauffen in Bataille geſtellet / in der Perſon der Feldſchlacht bey wohnen vnd dieſelbe fuͤhren wolte / hat das Volck ſolches nicht zu - geben vnd geſtattet / mit andeuten / daß er der Koͤnig / mehr waͤre / als jhrer zehen tauſend. Dann da ſie in die Flucht ſolten geſchlagen wer - den / vnd er / jhr Koͤnig vbrig bliebe / haͤtten ſie einen der ſich jhrer annehme / aber wann der Koͤnig als das Haupt ſiehle / waͤre es alßdann mit jhnen geſchehen / vnd wuͤrde Abſolon das Koͤnigreich behalten vnnd ſie / als Da - vids Adhærenten, außrotten / im 2. Buch Samuel c. 18. v. 1. & ſeqq.

Als hernacher in einem andern Krieg wieder die Philiſter David mit ſeinen Knechten zum Streit außzohe / vnd durch ſein langwuͤhriges ritterliches fechten / ſich ermuͤdet / hat Jeſbi zu Nob / einer von den Fein - den ſolches advertiret, iſt mit ſeinen groſſen Sper auff jhn zugetrungen / der Meynung den Koͤnig nieder zu machen / waͤre auch wol geſchehen / wann nicht der Held Abiſai den Koͤnig ſecundiret vnd den ſtarcken Phi - liſter erleget / worauff die Maͤnner David ſeine Generalen vnd hohe Of - ficirer jhme geſchwohren vnd geſaget: Du ſolt nicht mehr mit vns auß -ziehen365[363]Von dem Weltlichen Stande. ziehen in den Streit / daß nicht das Liecht in Jſrael erleſche. 2. Samuel. c. 31. v. 16. & ſeqq. Daran iſt gewiß viel gelegen / daß derjenige Potentat vnd Herꝛ der Krieg fuͤhren muß / ſelber auff alle momenta, wie nemblich alles mit vorſichtiger / kluger anſtalt in gute Verfaß vnd Ordnunge zu - ſtellen / fleiſſige acht habe vnd bedencke. Dieſes iſt aber ſehr gefehrlich / auch nicht allemahl noͤtig vnd nuͤtzlich / daß er perſoͤnlich ſich im Felde præſen - tire, mit Gefahr der Armee vnd gantzen Sache / ſich dem zweiffelhafften mißlichen Gluͤck vnd Vnglück vntergebe / vnnd eine vngewiſſe Schantze wage.

Abimelech der Sohn Gideon war anfangs gluͤcklich / ſiegete wie - der die Sichemiter / gewann die Statt / erwürgete das Volck / bemaͤch - tigte ſich auch deß feſten Thurns durch angelegtes Fewr / vnd ſpielete da - ſelbſten den Meiſter; Als er aber ſeine Fortun vnd Victori zu verfolgen für die Statt Thebetzruͤckete / dieſelbe eroberte vnnd den feſten darin gele - genen Thurn / darin die Maͤnner vnd Weiber geflohen / gleich wie den Thurn zu Sichen perſoͤhnlich mit Fewr aͤngſten / die Leuthe verderben vnd auff gleiche Weiſe obſiegen wolte / warff ein Weib ein ſtuͤck vom Muͤhlenſtein Abimelech auff den Kopff vnnd zerbrach jhm den Schedel / vnd nahm ſein Regiment damit ein Ende / im Buch der Richter c. 9.

Der Koͤnig Saul bliebe auch in der Schlacht / wieder die Philiſter. im 1. Buch Samuel. c. 31. Abſolon muſte in der Schlacht auch ſein Le - ben laſſen / vnnd war damit ſein Anhang geſtillet / vnd die gantze Sache verlohren. 2. Samuel. c. 18. Der Koͤnig Achab bekahm auch ſeinen reſt / vnd ward der Koͤnig Joſaphat der jhme in dieſem Feldzuge Geſellſchafft leiſtete / toͤdlich verwundet. im 1. Buch der Koͤnige c. 22.

Der fromme Koͤnig Joſia hatte von Gott die Vertroͤſtunge / daß er zu ſeinen Vaͤttern in das Grab mit Frieden ſolte geſamblet werden / im 2. Buch der Chronic c. 34. v. 28. Dannoch als er ſich vermeſſentlich in Kriegesgefahr begab / wieder Pharao / ward er von deſſen Schuͤtzen im Treffen toͤdlich verwundet / darvon er zu Jeruſalem Tods verfahren / im folgenden 35. c. v. 23.

Ohne iſt es nicht daß eines Koͤnigs vnd Herꝛn / der den Krieg fuͤh - ret / gegenwart / reſpect vnd Auctoritaͤt / ſonderlich wañ er daneben gluͤck - lich vnd beliebet iſt / ſehr viel im Krieg vermag / wie die Exempla Alexan - dri, deß groſſen / Julii Cæſaris vnd anderertapfferer Potentaten bezeu - gen / (1.) aber hingegen iſt die Gefahr / die von dem Verluſt deſſen Per -(1.) Non omnia Fe - licium & Fortunatorum Heroum exempla in conſequentiam trahenda. Etſi Principes, opum largos eſſe decet, vitæ tamen Prodigos eſſe haut quaquam par eſt, Anton. de Guevar. in Horolog. Princip. lib. 3. c. 6. n. 470.Z z z ijſon der366[364]Das ander Buch /ſon der gantzen Sache / der gemeinen Wolfarth auch Landen vnnd Leu - then zuwachſen kan / mehr vnd hoͤher zu æſtimiren als eine Victoria, dar - mit nicht allemahl der Feind debelliret oder getilget / ober wol fuͤr daß mahl im Felde erleget.

Als Judas der Macchabeer Hertzog den Aſſyriſchen Groß-Fuͤr - ſten Nicanor in einem blutigen Treffen erlegte / meldet die Hiſtoria / daß ſo bald ſein Kriegsheer ſolches inne worden vnd geſehen / ſie jhre Waffen weggeworffen vnd geflohen. 1. Macchab. c. 7. v. 43. So bald Gideon beyde Koͤnige Seba vnnd Zalmuna in der Schlacht gefangen bekahm / meldet die Hiſtoria / daß dardurch jhr gantzes Kriegsheerin Schrecken vnd Flucht gerathen / im Buch der Richter c. 8. v. 12.

Wann eines Kriegenden Potentaten Staat dahin geriethe / daß er alles auff eine Schlacht ſtellen / vnd da dieſelbe vbel ablieffe / die gantze Sache vnd alles verlohren waͤre / ſolches falß ſeind viel Politici der Mey - nunge / daß ein Herꝛ beſſer thue / daß er ſelber bey der Armee ſeye / ritterlich mitfechte / ſeine Soldaten vnd Officirer zur loͤblichen manhafften Nach - folge animire vnd durch einen glorwuͤrdigen Heldentodt / groͤſſerem Vn - gluͤck vorkomme / als ſich gefangen oder ins Elend treiben laſſe.

Als obgemelter Nicanor den betewreten Frieden / welchen er mit gemeltem Juda dem Macchabeer auffgerichtet / trewloſer Weiſe brach / dieſem nach Leib vnd Leben ſtunde / darzu ſeine Hand wieder den Heili - gen Tempel außgereckt vnd geſchwohren / wann ſie jhm Judam nicht ge - fangen vberliefferten / er den Tempel ſchleiffen / den Altar abreiſſen / vnnd dem Bacho eine Kirche an die Statt ſetzen wolte vernehmen lieſſey[n]. Macchab. c. 14. v. 33. aber auff ſolche Weiſe deß Judas Perſon / weil der - ſelbe zeitlich gewichen / ſich nicht ermaͤchtigen koͤnte / reſolvirte er mit ei - nem Kriegsheer Judam zuſuchen / wo er zufinden / brachte Judas in eyl zuſammen von ſeinem Volcke / was er konte / formirte ein klein Corpo, vnd wiewol kein proportion zwiſchen beyderſeits Macht war / dannoch weil die gantze Sache darauff ſtund / daß ſie ſchlagen oder ſich fangen vnd gantz verjagen laſſen müſten / zu deme / wie die Hiſtoria meldet / ſtund die Statt Jeruſalem / der Gottesdienſt vnnd der Tempel in Gefahr / ſambt Weib vnd Kindern / Bruͤdern vnd Freunden / welches Judas im Kriegs-Rath ſeinen Officirern vnd Kriegsvolck repræſentirte vnd vor Augen ſtellete / worauff ſie Gott angeruffen / vnd dahin einhellig geſchloſ - ſen / ſie wolten kein Laͤger ſchlagen / ſondern weil bey dem Verzug groͤſſere Gefahr / ſtracks an die Feinde ziehen / ſie maͤnlich angreiffen der Sache vnd Betrangnuß damit ein Ende machen / welches jhnen auch gluͤcklich gelungen / wie zu leſen im 2. Buch der Macchabeer c. 15. vnd ſonderlich v. 17. 18.367[365]Von dem Weltlichen Stande. 17. 18. Wann aber ſumma rerum nicht eben auff einer Schlacht ſtehet / iſt es nicht allemahl rathſamb. Jacob. Zevecot. in Suetonii Cajum Jul. - ſar. c. 62. meldet / daß es der Cron Franckreich noch auff den heutigen Tag ſchaͤdlich ſeye / daß Koͤnig Franciſcus der erſte in der Schlacht in Jta - lia gefangen / Kayſer Carolo dem fuͤnfften in die Haͤnde gerathen / vnnd mit der Cron Nachtheil accordiren muͤſſen / vnd es alſo der Cron in viel Wege nitzlicher geweſen eine Schlacht / als den Koͤnig ſelber zuverlieh - ren. Hingegen haͤtte hoͤchſt ermelter Kayſer Carl weißlich gehandelt / als er in der Barbarie nach Eroberunge der Statt Guletta mit dem Feinde treffen muͤſſen / daß er auff deß Alphonſi Vaſtii Verwarnunge ſich der Schlacht entzogen / wiewol ſonſten in andern Kriegen dieſer Kayſer gern mit darbey geweſen / vnd viel in eygener Perſon zu Felde gezogen. Wey - land Kayſ. Ferdinand der ander glorwuͤrdigſter recordation, hat gewal - tige groſſe Kriege geführet vnd treffliche Victorien erhalten / iſt auch vi - ctorios geſtorben / aber niemahls in Perſon mit zu Felde kommen.

Der Sieghaffte vnd Streitbahre Koͤnig in Schweden Guſtavus Adolphus hat dießfals deß groſſen Alexandri Magni Fußſtapffen erfuͤl - len wollen / iſt ſelber nicht allein mit zu Felde gangen / ſondern ich auch bey allen occaſionen gern fornen geweſen / mit feiner Tapfferkeit ſeinen Soldaten ein Loͤwenhertz gemachet vnd dardurch gewaltige in vielen ſe - culis vnerhoͤrte ſchleunige progreſſus gehabt / vielmahls obgeſieget vnnd anſehentliche veſte Oerter emportiret. Aber weil die Tapfferkeit nicht allemahl das Gluͤck auff jhrer Seiten hat / noch an ſich ſufficient, einer vngluͤck / ichen Stunde zuwieder ſtehen / ward dieſer ſtreitbahre Koͤnig in der Luͤtzer Schlacht den 6. November. Anno 1632. vnverſehens vberey - let vnd Tod gefunden / wiewol die Victoria auff ſeiner Seiten bliebe / dar - uͤber dieſer Verß auff denſelben gemachet / auch auff etzliche Muͤntzen ge - praͤget:

Stans, orans, pugnans, vincens, moriensq́ue triumpho

Dieſes iſt wol ein rares vnd ſeltzames / wann der Koͤnig oder Krieges - Herꝛ ſelber das Leben einbuͤſſet / daß dannoch die Victoria auff ſeiner Sei - te faͤlt wiewol nicht zu zweiffeln / daß die Cron Schweden lieber dieſe vnd noch mehr Schlachten / als jhren Koͤnig darin verlohren haͤtten / weil ſumma rerum nicht eben auff dieſer Schlacht vnd Victoria beſtanden.

Z z z 3AXIO -368[366]Das ander Buch /

AXIOMA CLXXVI. Ein Feldhauptman vnd andere hohe Officirer muͤſſen vigilant, Allert vnd ohnverdroſſen ſeyn.

DIeſes Lob wird dem tapffern Held Joſua in der Schrifft bey - gelegt / daß er in occaſionen, vnd wann er einen Anſchlag vnnd impreſſa wider ſeine Feinde vorgehabt / er nicht die gantze Nacht vnd biß an den hellen Tag ſicher geſchlaffen / ſondern daß er ge - pflegt deß Morgens fruͤhe ſich auffzumachen / vnd alles zeitlich zur Bat - taglie in gute feine Ordnunge zuſtellen (1.) wie er gethan bey Erobe -(1.) Vigi - lantibus otiam For - tuna vigi - lat, & dor - mientibus dormit. Die Mor - genſtunde pflegt zu tragen das Gold im Mun - de. Ut Muſis ita & Mar - ti aurora amica eſt. Turpe Duci to tam ſomno conſumere noctem. Et de Æneæ vigilantia canit Maro: 1. Æneid. At pius Æneas per noctem plurimavolvens, Ut primum lux alma data eſt exire, locoſq́ue Explorare novos, quas vento acceſſerat oras. Wann ein Fuͤrſt vnd Feldherꝛ nicht warker iſt / ſo wird nichts darauß D. Luther. in. Geneſ. c. runge der Statt Jericho. Joſ. c. 6. v. 12. & ſeqq. Jmgleichen / wie er vor die|Statt Ai mit ſeinem Kriegsheer ruͤcken wolte / ſagt die Schrifft daß er die Nacht nicht in ſeine Schlaff-Cammer oder Gezelt zu guter Ruhe gangen / ſondern im Feldlager geblieben vnter dem Volcke / deß Mor - gens frühe vffgebrochen / das Volck in gute Ordnunge geſtellet / vnd mit den Eltiſten Jſrael fuͤr dem volcke her gen Ai / belagerte die Statt / ſtelle - te Voͤlcker im Hinterhalt / vnd als der Koͤnig Ai ſich ſolcher vorſichtigen klugen Anordnunge nicht verſahe / vnd einen vnvorſichtigen Außfall tha - te / ward er geſchlagen vnd die Statt mit Fewr verbrand. Joſ. c. 8. v. 10. & ſeqq. Als der ſtreit bahre Held Gideon / nach dem der Geiſt deß Herꝛn jhn angezogen / die Medianiter bekriegen wollen / iſt er deß Morgens fruͤhe auffgebrochen vnnd alles Volck mit jhme gar vor deß Feindes Schildwacht gerathen / denſelben in ruhigem Schlaff vnd Sicherheit gefunden / vnverſehens vberfallen / in groſſe Confuſion gebracht / daß ſie ſelber vntereinander umbgebracht Jud. c. 7.

Der liebe David ſchlieff auch die Nacht nicht / wie Saul jhn ver - folgte in der Wuͤſte Siph / ſondern er war wachtſam vnd bey dem Saul wie er mit ſeinen Officirern vnd Soldateſca in beſter ſicherer Ruhe lage vnd ſchlieff / vnd haͤtte / wann ergewolt / ſich jhrer wol bemaͤchtigen koͤn - nen. 1. Samuel. c. 26.

Von369[367]Von dem Weltlichen Stande.

Von Juda dem Macchabeer Heerführer / meldet die Hiſtoria / daß er mehrentheils ſeine Anſchlaͤge bey der nacht zuwerck geſetzet / vnd ſeine Feinde vnverſehens in jhrer Ruhe vberfallen vnd geſchlagen / im 2. Buch der macchab. c. 8. v. 7.

Als Gorgias einen Anſchlag machete mit einer ſtarcken anzahl außcommendirten Volckes der Juden Lager vnverſehens zu vberfal - len / vnd deß Nachts in der ſtille daran ruͤckete / meldet die Hiſtoria / daß ge - dachter Judas Macchabeus allert geweſen / jhme mit ſeinen beſten Trouppen zuvorkommen / vbereylet vnd geſchlagen. 1. Macchab. c. 4. v. 1. & ſeqq.

Wie Antiochus die Macchabeer mit einer groſſen Menge vberzo - gen vnd eine Feldſchlacht gelieffert / iſt e deß Morgens fruͤhe vor Tage auff geweſen / die Schlchtordnunge machen laſſen / in guter Ordre vnnd Vorſicht auff ſeinen Feind im Blachfelde angezogen. 1. Macchab. c. 6. v. 33. & ſeqq.

Der Feldhauptman Amaſa hatte von David Ordre / daß er gantz Juda auff den dritten Tag beruffen / ſich ſelber auch in ſolchem termino darbey ſiſtiren, wieder den Seba zu Felde ziehen / vnnd jhn eylig / ehe er ei - nen feſten Fuß ſetzete / verfolgen ſolte / als aber Amaſa das tempo nicht genaw obſerviret, vnd vber die beſtimpte Zeit auß bliebe / muſte David wieder ſeinen Willen den Abiſai vnd Joab darzu gebrauchen / vber wel - cher Victoria dieſer ſo uͤppig geworden / daß er hernach den Amaſa vmb - gebracht / 2. Samuel. c. 20.

Der Groſſe Alexander haͤtte in ſo kurtzer Zeit ſo einen groſſen Theil der Welt nicht beherꝛſchen koͤnnen / wann er nicht ſo vigilant, wacker vnd ſelber allenthalben mit an vnd darbey geweſen.

Axioma CLXXVII. Wann die Armee in Noth / Gefahr oder Mangel be - griffen / thun die Herren vnd Generalen wol / daß ſie ſich auch gedulden / vnd durch jhr eygen Exempel den gemeinen Soldaten ſtandhafftig vnd behertzt machen.

SEhr vbel ſtunde es / wann die Soldaten am Hungertuch nagen / vnd in Gefahr ſtehen / daß die Generals Perſonen vnnd Officirer pan -cketiren370[368]Das ander Beuch /cketiren vnd in Wolluſt leben wolten / haͤtten daran ſchlechten Troſt vnd koͤnten leichtlich zur Vngedult vnd Meutenation bewogen werden.

Als einsmahls David in der Burg war / vnnd der Philiſter Volck zu Bethlehem lage / ward er luͤſtern einen Trunck auß dem Brunnen zu Bethlehem zuhaben / vnnd ſprach: Wer will mir zutrincken hohlen auß dem Brun zu Bethlehem vnter dem Thor / da reſolvirten ſich drey Helden jhrem Koͤnig einen Willen zuthun vnd jhre Courage vnnd Hel - denmuth zu remonſtriren, giengen ins Lage der Philiſter vnnd ſchoͤpffe - ten deß Waſſers auß dem Brunn zu Bethlehem vnter dem Thor vnnd trugens vnd brachtens David. Aber er wolte nicht trincken / ſondern goß es dem Herꝛn vnd ſprach: daß laß der Herꝛ fern von mir ſeyn / daß ich das thue / iſts nicht das Blut der Maͤnner die jhr Leben gewagt haben vnd dahin gangen ſind? vnd wolts nicht trincken / wie zu leſen im 2. Buch Samuel. c. 23. v. 15. wormit David ſeine Liebe vnd Affection gnugſamb conteſtiret, daß er das zu ſeinem plaiſir vnd Dienſte ſazardirte Helden - blut nicht ſo geringe ſchaͤtzete / daß er damit ſeinen Luſten büſſen moͤchte / da er zur Notturfft an andern Waſſer kein mangel gehabt.

Als Johannes vnnd Judas der Macchabeer Fuͤrſten mit jhrem Kriegsheer vnd reiſſigem Zeug dem Centebno, welcher viel einen maͤch - tigern reiſſigen Zeug gehabt / im Blechfelde begegneten / vnd eine Bach zwiſchen beyden Heeren war / hat Johannes ſich gleich gegen den Feind præſentiret, nach dem Bach zu avanciret vnd mit ſeiner Armee durchſe - tzen wollen. Wie er aber vermercket / daß ſeine Soldateſca das Waſſer geſchewet vnd ſich furchtſam bezeuget / hat er ſich zu erſt ins Waſſer ge - waget / ſeine Soldaten dardurch animiret, vnd mutig gemachet / daß ſie jhm Hertzhafft gefolget / vnnd nach gemachter Schlachtordnunge den Feind angegriffen / in die Flucht gebracht vnd deren viel erleget. Die Ve - ſtunge darin der Reſt geflohen in Brand geſtecket / wiewol Judas Jo - hannes Bruder auch verwundet worden. 1. Macchab. c. 16. v. 4. & ſeqq.

Von dem Kayſer Julio Cæſare ſchreiben die Hiſtorici, wann er ge - mercket / daß ſein Feind ſtarck vnd in guter poſtur geſtanden / vnd die For - tuna deß Obſiegs zweiffelhafft geweſen / habe er alle Mittel außreiſſen demſelben benommen / vnd damit ſeine Soldaten beſſeren muths weh - ren / ſeine eygene Pferde vnd Handroſſe abgeſchaffet vnd fortgeſchicket. Sueton. in vit. Cai. Jul. Cæſ. Iacob. Zevecot. in not. Politic. ibid. c. 60.

Als der juͤngſt verſtorbene Tuͤrckiſche Kayſer mit einem vberauß groſſem Heer fuͤr weniger Zeit in Perſien zohe / die Statt Babylonien zu erobern / auff der langen Reiſe aber viel boͤſes Weges antraffe / ſeine Armee auch offt Mangel vnd Noth erlitten / hat er ſeinen Soldaten nichtallein371[369]Von dem Weltlichen Stande. allein ein Hertz eingeſprochen / ſondern iſt zu weilen / da es am beſchwehr - ligſten vber zu kom̃en geſchienen / ſelber vom Pferde abgeſeſſen / mit ſeiner Ruͤſtunge vnd Gewehr vor der Armee hergangen / vnd ſie dardurch ſehr animiret.

Der ſtreitbahre vnd Sieghaffte Koͤnig in Schweden Guſtavus Adolphus hat den Soldaten / ſonderlich bey Mangel vnnd gefaͤhrlichen Zuſtand / nicht allein freundlich zugeſprochen / keine Arbeit vnd Gefahr geſchewet / ein Stuͤck zuweilen in die Hand genommen / auß der Hand geſſen / vnd einem gemeinen Soldaten wol einen particul mit darvon ge - ben / wordurch er die Soldaten offt beſſer contentiret, als wann er jhnen etzlich Monat reſtirenden Solds gezahlet.

AXIOMA CLXXVIII. Durch ein tapffere That kan zuweilen ein reſolvirter Soldat im Krieg hoch ankommen.

ALs der Koͤnig David nach Sauls Todt / zu Hebron zum Koͤnig v - ber Jſrael angenommen vnd gefalbet ward / einen Bund daſelb - ſten mit dem Volcke vnd dardurch ſein Regiment ferme gemachet vnd ſtabiliret hatte / wandte er ſeine diſſeing auff Jeruſalem / (1.) das iſt Jebus / weil die Jebuſite daſelbſten im Lande wohneten / die(1.) Jeru - ſalem iſt erbawet von Mel - chiſedech / nach Er - ſchaffunge der Welt / im Jahr 1841. nach der Suͤnde fluth An. 184. wie es die Chro - nologi außrech - nen / dahe - ro auch die Schrifft Melchiſedech / einen Koͤnig von Salem nennet / im 1. Buch Moſ. c. 14. v. 18. dieſen Namen Salem / hat ſie behalten / biß ſie von den Jebuſitern / Jebus oder Jebus Salem geheiſſen / hernacher als ſie von dem Koͤnig David erobert / hat ſie den Namen Civitas David oder Davids Statt / vnd entlich Jeruſalem / erhalten biß auff den heutigen Tag. Vid. Altſted. in Chronolog. antiquiſſim. urb. Tit. 29. David verachteten vnd ſich jhme wiederſetzeten / ließ er nach Eroberung der Bug Zion das iſt Davids Statt in ſeinem Lager bey der Armee außblaſen: Welcher die Jebuſiter am erſten ſchlagen wuͤrde / der ſolte ein Haupt vnd Obriſter ſeyn / worauff Joab der Sohn Zeruia ſich ritterlich reſolvirt vnd ſie am erſten erſtiegen / woruͤber er Hauptman|worden. 1. Chron. c. 12. v. 6. 2. Sam. c. 5. v. 5.

David ſelber kahm durch eine Heroiſche durch Gottes Hand ge - ſegnete That im duel an den grawſamen Rieſen den Goliath zu ſo groſ - ſen Ehren vnnd reſpect, daß in Saul zum Obriſten vber die Kriegs. Knechte geſetzet / vnd die Toͤchter Jſrael auß allen Staͤtten jhme entge - gen gangen vnd ein Triumph Liedlein zu ehren gedichtet / intoniret vnnd geſungen / mit Paucken / Geigen vnd Reigen / 1. Sam. c. 18. Je groͤſſer dieA a a aGefahr372[370]Das ander Buch /Gefahr vnd Muͤhe bey einer tapfferen vnd ruͤhmlichen Action iſt / je groͤſ -(2.) Quò conſiliis honeſtis plus eſt adiunctũ laboris & periculi, majus decus & pretium eſt. Busbe - qui. Epiſt. 2. rer. Tur - cic. ſer Lob / Ehr vnd Reputation erlanget der ſo dieſelbe zu Werck ſetzet. (2.)

AXIOMA CLXXIX. Wann man nicht baſtand / der Feind gar zu ſtarck iſt / oder zu groſſen Vortheil in hat / iſt es beſſer daß man ſich etwas reterire vnnd in ſeinem Vortheil halte / als gefaͤhrlich ſchlage. (1.)

(1.) Res plena peri - culi dimi - care præ - lio pro - pter in - certiſſi - mum evẽ - tum. Phi - lip. Co - min lib. 2. Commẽt. Conſilia cauta po - tius cum ratione, quam pro - ſpera ex caſu am - plectenda. Tacib. lib. 18. Oportet ſemper fortunam ſuam in conſilio habere, qui de a - liena deliberat. Curt. lib. 4.
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ES ſtehet ſehr viel auff einer Feldſchlacht / vnd hanget offt ſumma - rei daran / derowegen wol zu bedencken / ob mans darauff ſtellen ſoll.

Als Lyſias deß Antiochi Feldhauptman vernahm / daß deß antiochi Kriegsheerin Judea geſchlagen / vnd er mit ſeiner vnterhaben - den Armee ſich nicht baſtand befand / dem ſiegenden Judiſchen Kriegs - heer die Stirn zu biethen vnd mit jhnen zu treffen / wolte er dieſelbe nicht hazardiren, ſondern brach auff / quittirte mit Hinterlaſſunge der Pagage ſein Lager vnd retirirte ſich gar weißlich 1. Macchab. c. 6. v.

Jmgleichen / als Antiochus eine friſche vnnd gewaltigere Armee mit trefflicher Kriegsbereitſchafft wieder die Juden ſchickete / vnnd ſie wahrnahmen / daß ſie einer ſolchen groſſen Macht zuwiederſtehen nicht gefaſſet / ſind ſie bey ſeits gewichen vnd den Feind in Judeam gehen laſ - ſen / in gemeltem 6. c. v. 47.

Mit einer ſehr weißlichen Anſtalt vnd Manier reterirten ſich deß Demetrii Hauptleuche auß jhrem Lager / wie ſie darvor hielten / daß ſie dem Jonathan nicht wuͤrden gewachſen ſeyn. 1. Macchab. c. 12. v. 28.

Wie Judas vnd ſein Bruder Simon mit verſchiedenen Kriegs - heern wieder die Heyden zu Felde giengen / befahl er denen zur Defenſion heimbgelaſſenen Hauptleuthen / daß ſie jhre Poſten wol verwahren / vnd nicht auß ziehen ſolten / die Feinde anzugreiffen. Als ſie ſich aber darwie - der opiniaſtrirten vnd auch Ehr einzulegen auß jhrem Vortheil ſich be - gaben / wurden ſie geſchlagen. 1. Macchab. c. 5. v. 19. Et v. 56. cum. ſeq. (2.)Temeritas in omm Duce procul abeſſe debet, qui nullo loco, niſi quantum Neceſſitas co - git, ſe committere deber Fortunæ. Livi lib. 21. Imſipientis Belli Ducis eſt, non ſuis, non hoſtium viribus, ut par eſtæſtimatis, in prælium ruere, prudenter monuit Auger. Busbeq. rer. Turcic. epiſt 4.

Nach373[371]Von dem Weltlichen Stande.

Nach dem der Koͤnig Demetrius Bericht erlauget / daß ſein Aſſyri - ſcher Groß-Fuͤrſt Nicanor mit ſeinem Heer von Juda geſchlagen vnnd er ſelber im Treffen vmbkommen / ſandte er Bacchidem vnd Alcimum ſambt ſeinem beſten Kriegsvolck vnd Leib-Regimentern gen Jeruſalem zwantzig tauſend Mann zu Fuß vnd zwey tauſend zu Roß / deme zohe Ju - das vnter Augen mit drey tauſend Mann / wie aber die Juden advertir - ten vnd ſahen / daß zwiſchen jhnen vnd dem anziehenden maͤchtigen Fein - de gantz keine proportion, vnd dieſe jhnen weit vberlagen / erſchracken ſie vnd theils flogen gar davon / hielte Judas mit den vbrigen / die bey jhme geblieben waren Kriegs-Rath / die Majora oder mehrere Stimme gien - gen dahin / weil ſie die Juden dem Feinde nicht gewachſen / vnd es nicht muͤglich mit einem ſo geringen Volcke etwas gegen den maͤchtigẽ Feind zu ſchaffen vnd ſtand zu halten / ſondern man ſolte ſich fuͤr ds mahl mit guter Ordre reteriren vnd abziehen / immit telſt jhre gewichene Bruͤdere wieder herbeybringen ſich verſtaͤrcken / vnd als dann wieder an die Feinde(1.) Deus agit per media, niſi velit agere per mira - cula, de quibus ſi non con - ſtet, me - diorum ad quemvis actum de - ſtinatorũ obſervan - dus ordo, & propor - tio, pru - denterque non teme - , ac ſi fa - to res hu - manæ vol - verentur, in rebus arduis maximè bello, pro - cedendũ, aut in acie verſandū. ziehen / aber Judas war gar zu reſolut, wolte dieſen Rath nicht folgen / ſagte: das ſey ferne / daß wir fliehen ſolten / iſt vnſere Zeit kommen / ſo wollen wir ritterlich ſterben vmb vnſere Bruͤder vnnd vnſere Ehr nicht laſſen zuſchanden werden / (1.) ließ darauff zu Felde blaſen vnd zohe dem Feind vnter Augen / recognoſcirte, in was poſtur ſeine Bataille war / fand dieſelbe in drey Hauffen abgetheilet. Jn der avantgarde oder Vor - trab ſtunden die Schuͤtzen / vnnd die beſten Krieger. Den rechten Fluͤgel fuͤhrete der Feldhauptman Bacchides vnd gienge ſampt den lincken Fluͤ - gel in ſolcher Ordnunge auff Judam zu / der griff den Vortrab ritterlich an / vnd that eine Schlacht von Morgen an biß auff den Abend / daß die Erde bebete von ſolchem Getuͤmmel / avancirte darauff ferner auff deß Bachidis rechten Fluͤgel / chargirte denſelben mit ſolchem Helden - muth / daß er ſie in Schrecken vnd in die Flucht brachte / jagte jhnen nach biß an den Berg Aßdod / darauff gienge jhme der lincke Fluͤgel / der noch in keiner Action geweſen war in die Flancke / daß er ſich gegen dieſe wie - der wenden muſte / defendirte ſich lange vnd hielte ſich Manlich / daß viel vmbkamen vnd verwundet wurden auff beyden Seiten / aber weil der Juden gar zu wenig vnd bereit durch die vorgangene travaille abgemat - tet waren / Judas ſelber auch daruͤber bliebe / nahmen die vbrigen die Flucht vnd machete Bachides nach erhaltener Victori / weil kein Wie - derſtand da war in Judea zu Jeruſalem vnd in andern Staͤtten was er wolte / wie zuleſen im 1. Buch der Macchab. c. 9.

Der tapffere Held Judas haͤtte hie beſſer gethan / daß er ſeiner Of - ficirer Rath gefolget / vnd weil gar kein proportion zwiſchen 3000. vndA a a a ij22000.374[372]Das ander Buch /22000. Mann waren / daß er ſich ſalviret, ſeine Armee geſtaͤrcket / in ſei - nem Vortheil gehalten / vnd auff gute occaſion die im Krieg viel vermag gewartet haͤtte / als daß ers auff einen hazard vnd ſeine Perſon / daran(2.) Non rarò qui meticulo - ſ[è]aliquid faciunt & pavidè, melius fe - ſuis re - bus pro - ſpiciunt & ſæpius vincunt, quam illi qui faſtuo - ſè & ſuper - progre - diuntur. Comin. lib. 2. Commẽt. dem Judiſchen Volck ſehr viel gelegen / in Gefahr ſetzete / (3.) wordurch daſſelbe in groß Jammer vnd Noth geriethe / im 1. Buch der Macchab. cap. 9.

Eine vorſichtige retirada iſt an einem Feld-Herꝛn nicht weniger ruͤhmlich als eine zweiffelhaffte mißliche Schlacht. Jm Krieg kan es ein Fehler außmachen vnd ſtehet nicht wieder zu redreſſiren vnd zu endern was einmahl verſehen. (3.) Jn dieſen Leidigen Teutſchen Kriegen hat es die Erfahrunge offters geben daß ein General durch eine vorſichtige kluge retirada ſeinem Feinde offters weit mehr geſchadet / in deme er den ſelben dardurch auß ſeinem vortheilhafftigen Poſto vnd an andere Orte gezogen da er beſſer ſtand faſſen koͤnnen vnd dem Feind zufolgen die Le - bens oder andere Mittel gemangelt / als wann er jhn durch eine Victori auß dem Felde geſchlagen. Bey mißlingender Feldſchlacht iſt vnter andern auch dieſe Beſchwerde vnd Gefahr / daß darauff ins gemein groſ - ſe Enderunge erfolget; der obſiegende Theil erlanget einen groſſen Vor - ſprung an Ehr / reſpect vn̄ Vortheil / kan alles zu ſeiner avantage, Dienſt vnd Nutzen / auch ſeine Soldateſca allenthalben zu willen vnnd bereit ha -(3.) Boni Imperato - ris eſt non minus fu - giendi quā vincendi artem te - nere, Turpiuſq́ue & pernicioſius eſt, nulla neceſſitate cogente temerè ſe ſuoſq́ue diſcrimini ex - ponere quam cunctari, ſecundo bello Punico docuit Fabius Cunctator. Jacob. Zevacot. in nott. Politic. ad Sueton. C. Jul. Cæſ. c. 60. Hinc verſuſ: Unus homo (Fabius) nobis cunctando reſtituit rem. ben: Hingegen der vberwndene Theil der das Feld raumen muß / ver - leuret ſeine Authoritaͤt / Favor vnd Vortheil in viel Wege / hat vnwillige gequetſchte / jhrer paggage vnd Vermoͤgens beraubete malcontente Soldaten / dieleicht zur Meutenation kommen / oder ſonſten zum Feind vberlauffen / geſtalt ſolches die taͤgliche Erfahrunge / nicht weniger als die Geſchichten vnd Hiſtorien bezeugen.

AMIOMA CLXXX. Der Belagerten vnvorſichtige Außfaͤlle ſeind gefähr - lich vnd jhnen offt ſchaͤdlich.

ALs Joſua der Jſraeliter General auff Gottes Befehl die Statt Ai gar ſtarck belagerte / daß nur ein Thal war zwiſchen jhm vnd Ai / thatder375[373]Von dem Weltlichen Stande. der Koͤnig Ai / mit all ſeinem Volcke einen geſchwinden vnvorſichtigen Außfall vnd entbloͤſete die Statt; wie nun Joſua einen guten Hinter - halt von 500. Mann / zwiſchen Bethel vnd Ai verſtecket zu ruck gelaſſen / reterirte er ſich gar weißlich / die Außgefallene aber meineten er floͤhe vor ſie / rieffen die vbrige Maͤnner auß der Statt zu ſich / daß keine Mann - ſchafft darin bliebe / lieſen die Statt bloß vnd offen ſtehen / jagten Joſua nach / vnd meineten er haͤtte das Feld geraumet vnd ſie die Victori ſchon in Handen / als aber Joſua dem bedeckten Hinterhalt / ein Zeichen gab / eylete derſelbe nach der Staet / die keine Beſatzunge hatte / eroberten die - ſelbe ohne Schwerdſtreich / ſtecketen ſie eylends in Brand / worauff die Außgefallene wieder zur Statt jhre Zuflucht genommen / Joſua aber ſich gewand / ſie verfolget auff den verlaſſenen Hinterhalt getrieben / da ſie vmbgeben vnd auffs Haupt geſchlagen Joſu. c. 8. v. 11. & ſeqq.

Gaal der Sichemiter Statt Obriſter vbereilete ſich auch mit ei - nem vnvorſichtigen Außfall / ward von Abimelech vnnd ſeinem Hinter - halt vmbfangen / geſchlagen vnd biß in die Statt Thor getrieben / vnd wie ſie deß andern Tages wider ſtarck außfiehlen zogen ſie abermahl den kuͤr - tzern / wurden von Abimelech erleget vnd die Statt / die ſonſten wann ſie jhre Voͤlcker behalten / ſich noch lange darin defendiren vnnd halten koͤn - nen / in der erſten Furi, Schrecken vnd Confuſion der Einwohner / erobert / zerbrochen vnd mit Saltz beſaͤet im Buch der Richt. c. 9. Es müſſen zwar zuweilen Außfaͤlle geſchehen / ſeind auch offt den Belagerten ſehr nutz - lich vnd vortraͤglich / aber wie angezogene Exempla zeigen / wann darbey keine Vorſichtigkeit gebrauchet vnnd die Beſatzungen geſchwaͤchet wer - den / ſeind ſie hochſchaͤdlich / ſonderlich wann die Belagerten ſo bald nicht zu entſetzen vnd mit friſchem Volck wieder zu verſtaͤrcken ſind: Sinte - mahl jhre Rolle dardurch allezeit geringer wird / der aber ſo fuͤr einen Ort lieget / kan ſich fort vnd fort wieder verſtaͤrcken. Hiervon ſchreibet der Kriegs erfahrene Ritter Philipp. Cominæ. lib. 3. Commentar. alſo: Eru - ptiones obſeſſorum, tametſi neceſſariò fiant aliquando: Valde tamen ſuntiis, qui obſidentur periculoſæ. Nullam enim iſti faciunt tam parvam jacturam, quin eis & propter paucitatem ipſorum, & ſimul propter difficultatem recuperandi nova præſidia, longè maxi - ma videri debeat.

A a a a 3AXIO -376[374]Das ander Buch /

AXIOMA CLXXXI. Wann man eine Haupt-Action vornehmen vnd mit dem Feind treffen will / iſt es gut / daß man die Weiber / Kinder / Troß vnd Paggage an ſichere Oerter ſchaffe.

ALs Joſua vber den Jordan mit Heersmcht in das Gelobte Land vnd zum Streit gehen vnd die Rubenniter / Gadditer vnd den hal - ben Stamm Manaſſe zu huͤlffe nehmen wolte ertheilte er dieſe Or - dre / daß ſie jhre Weiber / Kinder vnd Viehe im Lande auff der an - dern Seiten deß Jordans laſſen / die ſtreitbahren Maͤnner aber mit zu Felde vnd in den Streit gehen ſolten im Buch Joſu. c. 1. v. 14.

As Timotheus deß Antiochi General / Judas dem Macchabeer Heerfuͤhrern eine oͤffentliche Feldſchlacht zu lieffern vorhabens war / mel - det die Hiſtoria / daß Timotheus / wie er Kundſchafft erhalten / daß Ju - das wieder jhn im Anzuge / Weib vnd Kind / vnnd was nicht im Krieg tauchte / in einen Flecken Carnion genand / welches im engẽ Gebirg gele - gen / daß mans nicht belaͤgern konte / zuruck geſchicket. im 2. Buchder Macchab. c. 12 v. 21.

Es iſt gewiß in viel Wege gut / vnd wird es von klugen Generals Perſonen noch heut zu Tage mit groſſem Nutzen practiciret, daß ſie jhren Troß / Weiber vnd Kinder vnd was nicht zum Fechten dienlich ſambt der paggage hinter ſich an ſichere Oerter ſchicken. Dann die Erfahrunge offteres geben / daß dardurch die Soldaten an tapfferen fechten gehindert / wann ſie mehr auff jhre Weiber vnd das jhrige jhre Gedancken geſchla - gen / als auff jhres Feindes Actiones. Dahero der Tuͤrckiſche Kayſer / wann er zu Felde ziehet / keine Weiber / vnd nurent einen geringen Troß mit ziehen laͤſſet / wordurch er viel eilender vnd leichter ſeinen Heerszug fortſtellen vnd ſeinem Feind einen Vortheil abgehen kan. Jn deß H. Roͤm. Reichs Reutter beſtallunge iſt auch ſehr wol vnd weißlich ver - ordnet daß man keinen groſſen Troß / wann man zu Felde gehet / geſtatten ſoll.

AIXO -377[375]Von dem Weltlichen Stande.

Axioma CLXXXII. Ehe es zum Treffen kombt / pflegt der Feldherꝛ eine Loſe zu geben.

ALs Antiochus Eupator ſambt ſeinem Vormund vnnd Obriſten Rath Lyſias mit hundert vnnd zehen tauſend Griechiſcher Fuß Knechte vnd fuͤnff tauſend dreyhundert zu Roß vnd 22. Elephan - ten wieder Judas den Macchabeer ſich zu Felde begabe / zohe jhm dieſer entgegen / lagerte ſich bey Modin vnd gab ſeinem Kriegsvolck dieſe Worte zur Loſung: Gott giebet Sieg / darnach / machte er ſich bey Nacht auff mit den beſten Kriegs-Knechten vnd fiehl dem Koͤnig ein ins Lager vnd erſchlug bey vier tauſend Man. im 2. Buch der Macchab. c. 13. v. 15.

Alß Gideon der Midianiter vnd Amalekiter Kriegsheer eine offe - ne Feldſchlacht lieffern wolte / gab er ſeinen Soldaten auch eine gewiſſe Loſe vnd ſprach: Wann ich die Poſaune blaſe / vnd alle die mit mir ſind / ſo ſolt jhr ſprechen: Hie Herꝛ vnd Gideon / wiewol dieſes / wie auch die nachfolgende Worte: Hie Schwerd deß Herren vnnd Gideon viel mehr ein Feldgeſchrey als eine Loſe gewefen.

AXIOMA CLXXXIII. Victoria / Sieg vnd Gluͤck kombt von dem Herꝛn.

ROſſe werden zum Streit tage bereittet / aber der Sieg kombt von dem Herꝛn / ſpricht die Schrifft. Proverb. c. 21. v. 31. der Sieg kombt vom Himmel vnd wird nicht durch groſſe Menge erlan - get / ſagt Judas der Macchabeer 1. Macchab. c. 3. v. 19. vnd Gott iſt es der den Koͤnigen Sieg Pſalm. 144. v. 10. vnnd ſeinem Hauffen den Muth giebet. im 2. Buch der Macchab. c. 10. v. 1.

Die Prophetin Debora vnd Barack ſingen vnd ruͤhmen in jhrem Triumph Lied nach erhaltener herꝛlicher Victori wieder jhren Feind den Siſſera: Vom Himmel ward wieder ſie geſtritten / die Sterne in jhrenlaͤufften378[376]Das ander Buch /laͤufften ſtritten wieder Siſſera / der Bach Kiſon waltzet ſie / der Bach Kedumim / der Bach Kiſon; im Buch der Richter im 5. c. v. 20. das iſt wie es die Sachſen-Weimariſche Theologi in jhrem Paraphraſi geben: Der Herꝛ erſchreckte Siſſera vnd ſein Heer vom Himmel herab mit Vuge - witter / daß die Sonne ſie geblendet mit jhren Stralen / vnnd der Wind jhnen den Staub vnter die Augen getrieben mit Fewrballen / ſchrecklichen Donner vnd Blitzen / ꝛc. Muͤſſen alſo die Elementa / Wetter / Wind / Waſſer / das Geſtirn / denen ſo nach Gottes Willen Kriegen zu Dienſt vnd Vortheil den Sieg zu erlangen / jhren Feinden aber zu Schaden vnd Nachtheil ſeyn. Dann Gott ruͤſtet die Creaturen zur Rache vber die Feinde / ſpricht die Weißheit Salamonis c. 5. v. 18. Das groſſe wunder - ſame Liecht die liebe Sonne muſte zu Erhaltunge guter Victori dem Joſua zu Dienſte einen gantzen Tag jhren ſchnellen Lauff ſiſtiren vnnd ſtille ſtehen / im Buch Joſ. c. 10. v. 12. & ſeqq.

Dahin ziehlet der Heydniſche Poet Claudianus, wann er von deß Kayſ. Honorii wieder die Gethen erhaltene treffliche Victori ſchreibet / vnd ſpricht:

O Nimium Dilecte Deo, cui fundit ab antris
Æolus armaras hyemes, cui militat Æther
Et conjurati veniuntad Claſſica venti.

Item.

Te propter gelidis Aquilo de monte procellis
Obruit adverſas acies: revolutaque tela.
Vertit in auctores & turbine reppulit haſtas.
In Panegyr. 1. de tert. Honorii Conſulatu dicto.

Als der Ertzvatter Abraham eine gewaltige Schlacht wieder die Aſſyriſche Koͤnige erhalten / gienge jhme entgegen Melchiſedech der Koͤnig zu Salem vnnd Prieſter Gottes gratulirte jhme / ſegne - te vnnd ſprach: Gelobet ſey GOtt der hoͤheſte der deine Feinde in deine Hand beſchloſſen hat / Geneſ. c. 14. v. 20.

Als Moſes ſeine verzagte vud kleinmuͤtige Jſraelitern wieder die grawſame Macht deß Pharaonis auffrichtete vnd troͤſtete / ſprach er / der Herꝛ wird fuͤr euch ſtreitten vnnd jhr werdet ſtille ſeyn. Exod. c. 14. Num. c. 21. v. 34. Ioſ. c. 6. v. 2. & c. 8. v. 1. c. 10. v. 8. Judic. c. 1. v. 4. c. 3. v. 10. c. 4. v. 14. c. 12. v. 3. c. 20. v. 35.

Als Saul wieder die Ammoniter ſiegete / ſagte er: der Herꝛ hat heut Heyl gegeben in Jſrael. 1. Samuel. c. 11. v. 13. & 1. Sam. c. 17. v. 46. deßgleichen that David. 2. Sam. c. 5. v. 20. & ſeqq. Jtem / im erſten Buch der Chronic. c. 15. v. 11. ſpricht er: Gott hat meine Feinde durch meineHand379[377]Von dem Weltlichen Stande. Hand zertrennet / wie ſich das Waſſer zertrennet. Auß angezogenen vnd viel andern mehr Orten der Schrifft iſt zu ſehen / wann das Volck Gottes gerechte Kriege nach ſeinen Willen fuͤhret / daß er / der Herꝛ jhre Feinde in jhre Haͤnde gegeben vnd fuͤr ſie geſtritten habe. 2. Chron. c. 13. v. 16. Et c. 14. v. 11. 12. 13. & c. 6. v. 8. c. 20. v. 6. 7. Et c. 24. v. 24. vnnd werden deß Koͤnigs Davids herꝛliche Victorien der gewaltigen Hand Gottes zugeſchrieben. 1. Chron. c. 19. v. 6. dann der Herꝛ / ſtehet allda geſchrieben / halff David wo er hinzoge. junct. v. 13. Das remonſtrirte auch der Mann Gottes dem Koͤnig Amazia / daß allein bey Gott ſtuͤnde die Krafft zu helf - fen vnd fallen zu laſſen / 2. Chron. c. 25. v. 8. Von dem Gottloſen Koͤnig Ahas meldet die Schrifft / daß der Herꝛ jhn ſeiner Vbertrettunge halber habe gegeben in die Hand deß Koͤnigs zu Syrien / daß ſie jhn geſchlagen vnnd ein groſſen Hauffen von den ſeinen gefangen hinweg gefuͤhret. 2. Chron. c. 28. v. 5. junct. v. 9. & c. 36. v. 17. Nehem. c. 9. v. 24. Jm 44. Pſalm bekennet David rund zu / daß ſein Volck vnd Vaͤtter das gelobte Land nicht eingenommen durch jhr Schwerd / vnnd jhr Arm haͤtte jhnen nicht geholffen / ſondern Gottes Rechte / ſein Arm / vnd das Liecht ſeines Ange - ſichts. v. 4. vnd folgends v. 7. ſagt er: Jch verlaſſe mich nicht auff mei - nen Bogen vnd mein Schwerd kan mir nicht helffen / ſondern du Herꝛ hilffſt vns von vnſern Feinden vnnd macheſt zu ſchanden die vns haſſen. Jtem / im 60. Pſalm. Schaffe vns Beyſtand in der Noth den Menſchen Hülffe iſt kein nuͤtz. Mit Gott wollen wir Thaten thun er wird vnſere Feinde vntertretten v. 13. 14. dann die Rechte deß Herꝛn behelt den Sieg. Pſalm 188. v. 15. Er iſt es allein der den Koͤnigen das Schwerd abguͤr - tet / Eſaiæ. c. 45. v. 1. Er iſt es der den Kriegern den Muth nimbt. Eſai. c. 19. v. 3. Der das Hertz der Helden in Edom machet / wie das Hertz einer Frawen in Kindesnoͤthen Jerem. c. 49. v. 22. daß ſie verzagt die Flucht geben / in Aengſten vnd Schmertzen ſeyn ibid. v. Er iſt es der den Streit - tenden das Hertz feig machet / daß ſie ein rauſchend Blat jaget / daß ſie darfuͤr fliehen als jaget ſie das Schwerd 3. Moſ. c. 26. v. 36. Er iſts der ſie durch einen Oſtwind zerſtrewet / der jhnen den Ruͤcken vnd nicht das An - geſicht zeiget / wann er ſie verderben will fuͤr jhren Feinden. Jerem. c. 18. v. 16. 17. wie geſchehen mit Zedekia bey ſelbigen Propheten. c. 21. v. 5. 6. 7. der jhnen den Bogen zerbricht. Jerem. c. 49. v. 35. daß jhre Schuͤtzen nicht ſchieſen / vnnd jhre Geharniſchten ſich nicht wehren koͤnnen Je - rem. c. 51. v. 3. der jhre Pallaͤſte in deß Feindes Haͤnde giebet. Klaglied Jerem. c. 2. v. 7. & ſeqq.

BbbbAXIO -380[378]Das ander Buch /

AXIOMA CLXXXIV. Bey erzeigender guter Fortuna ſoll man ſich mit pluͤndern der Erlegten vnd jhrer Paggage(1.) Sæpè contẽptus hoſtis cruentum certamen edidit & inclyti Po - puli Re - gesq́ue perlevi momento victi ſunt, Livius. Et, Sæpius in - cautæ no - cint victo - ria turbæ. Claud. nicht vbereilen. (1.)

ALs Judas Macchabeus die Heyden vnter der conduite deß Gorgias in die Flucht auß jhrem Vortheil / vnd bey drey tauſend todgeſchlagẽ / gab er Ordre, geboth feinen Voͤlckern vnd ſprach: Jhr ſollet nicht pluͤn - dern / denn wir müſſen noch eine Schlacht thun / Gorgias vnd ſein Hauf - fe / iſt noch fuͤr vns im Gebuͤrge. Darumb bleibet in der Ordnunge vnd wehret euch / darnach ſo jhr die Feinde geſchlagen habet / koͤnnet jhr ſicher vnd ohn Gefahr pluͤndern / vnd wie ſich der Feind auß dem Gebuͤrge her - fuͤr thaͤte ſahe er Judam in guter Ordnunge vnd zur Bataglie bereit ſie - hen / wie zu leſen 1. Macchab. c. 4. v. 16. & ſeqq.

Als die rebellirende Moabiter wieder den Koͤnig Joram vnd Jo - ſaphat mit Heersmacht auffgezogen vnd an jhr Feldlager kommen / ha - ben ſie ſich gar zu frůhe auß einer vnrichtigen Anzeige vnnd Kundſchafft die Victori einge bildet / vnd jhr Heer alſo angeſchrien: Hui Moab / mache dich nun zur Außbenthe / woruͤber ſie in Confuſion geriethen vnnd von Jſrael geſchlagen vnd ver folget waren im andern Buch der Koͤnig. c. 3. v. 22. 23. & ſeq. Durch vnzeitig pluͤndern ehe der Feind auffs Haupt erle - get / iſt vielmahls das Gluͤck vnnd ſich wol erzeigender Sieg verhin - dert vnd dem Feinde der ſich dero auß ſolcher Pluͤnderunge entſtehender Confuſion bedienet vnd wieder Muth gefaſſet / in die Hande geſpiehlet / wie ſolches die taͤgliche Erfahrunge vnd Hiſtorien bezeugen. Wann aber der Feind gantz geſchlagen vnnd in die Flucht gebracht kan man ſicher pluͤndern vnd den Raub außtheilen. Als Joſua deß Koͤnigs Aiſeine Armet gantz geſchlagen / vnd die Einwohner durch das Schwerd er - wuͤrget hatte / da machte er erſt Beuthe vnd ließ den Raub vnter Jſrael außtheilen. Joſ. c. 8. v. 27.

AXIO -381[379]Von dem Weltlichen Stande.

Axioma CLXXXV. Bey groſſem Sieg vnd Gluͤck ſoll man ſein Hertz nicht erheben. (1.)

(1.) Deſi - nat elatis quiſquam confidere rebus Inſtabiles - q́ue Deos ac lubrica Numina diſcat. Prudent. Hinc ele - ganter Cominæ. lib. 2. - ment. à Victoria præſtanti, quadam opus eſt modera - tione ac temperan - tia, ne quis proſpero Fortunæ curſu fiat inſol en - tior, & ea deinde - ſilia ſequa - tur, quæ ad præcipi - tium de - ducunt, id quod non paucis florentiſſimis viris accidiſſe conſtat.
25

ALs Amazia der Koͤnig in Juda eine herꝛliche Victori wieder die Edomiter im Saltzthal erlanget / vnd deren zehen tauſend geſchla - gen. 2. Reg. 14. v. 7. auch der Kinder Seir zehen tauſend lebendig gefangen / vnd mit denſelben grewlich vmbgeſprungen / hat ſich vber ſolche Victori ſein Hertz erhoben / iſt vermeſſen worden / Vrſache zum vnnoͤthigen Krieg an Joas den Koͤnig in Jſrael geſuchet / jhme einen Herold geſchicket / vnd vnter dem ſchimpfflichen Vorwand / als wann er ſich mit jhme beſehen wolte / den Krieg ankuͤnden laſſen / vnd wiewol er fleiſſig durch den Propheten / ſeinen Seelſorger auch dem Koͤnig Juda verwarnet / keinen ohnnoͤtigen Krieg anzufahen vnnd nach Vnglůck zu ringen / halff ſolches doch nicht / ſondern Amazia zog vermeſſentlich zu Felde / ward aber geſchlagen / ſeine Reſidentz Statt Jeruſalem occupiret, der Koͤnigl. vnd Kirchenſchatz weggefuͤhret / die Mawren zum theil ein - geriſſen / vnd ſeinen Sohn zu einem Geiſel mit genommen. 2. Chron. 25. Jſt endlich auch ſelber nicht natürlichen Tods geſtorben / ſondern elendig vmbkommen. 2. Reg. 14. v. 19. & ſeq. Gott ſetzet die Hochmuͤtigen auff das ſchlipffrige / vnd ſtuͤrtzet ſie zu bodem / daß ſie ploͤtzlich zu nichte werden vnd nehmen ein Ende mit Schrecken. Pſalm. 73. v. 18. & ſeqq. (2.)Solet Fortuna quos plurimis beneficiis ornavit ad duriorem caſum reſervare. Cæſar. l. 3. de Bell. Civil. neq́ue ad ultimum temeritati ſufficit. Curt. lib. 4. Et lædit quibus cum luſit. Lipſ.

Wer ſich im Gluͤck erhebet / deme iſt das Vngluͤck gewiß nicht fer - ne / nach dem gemeinen Sprichwort:

Wanns Gluͤck am meiſten bricht herfuͤr /
Helt ſchon das Vngluͤck fuͤr der Thuͤr.

(3.)Fortuna magna non caret formidine, Nec ſplendor eminens, vacat periculo, Et quic - quid altum eſt, haud tutum diu manet, Apollod.

Als Gott ſo wunderbarlicher Weiſe den Koͤnig Hißkia von der groſſen Macht deß Sanheribs auch ſeiner ſchwehren Kranckheit erret - tete / erhub ſich ſein Hertz auch vnd fing an ſtoltz zu werden / darumb der Zorn deß Herꝛn kam vber jhn / Juda vnd Jeruſalem / wiewol er bald wie -B b b b ijder382[380]Das ander Beuch /der Pœnitentz thate / vnd dem zornigen Gott in die Ruthe fiehle. 2. Chron. c. 32. v. 24. & ſeqq.

AXIOMA CLXXXVI. Sieg vnd Gluͤck erwecket Neid vnnd Miß -(1.) Virtu - tis Comes invidia. -- Quis ignem Surgere ventoſi videt abſq; volumine fumi Infelix ca - ret invi - dia. gunſt. (1.)

WAnns einem wol gehet das verdreuſt ſeinem Feind / wañs aber vbel gehet ſo weichen auch die Freunde von jhm ſpricht Syrach c. 12. v. 9.

Als der Held Gideon durch Gottes wunderſame Hand vnd Beyſtand die Midianiter vnnd Amalekiter mit wenigem Volck / nehmlich 300. Mann in jhrem Vortheil vnd Lager angriffe vnd obſie - gete / verdroß das gleich den Ephraimitern / daß ſie nicht mit zum Streit erfordert vnd jhre Tapfferkeit darbey ſehen laſſen / zanckten ſie hefftig mit Gideon / daß er gnug zuthun / mit gütiger gelinder Antwort jhre ver - haſſete neidiſche Hertzen vnd Gemuͤther zu beſaͤnfftigen vnnd zur Ruhe zu bringen / im Buch der Richter c. 7. & 8.

Auff gleichen ſchlag empoͤreten ſich gedachte Ephraimiter wieder Jephtha / daß er ohne jhr Zuthun / wiewol er ſie zum Streit erfordert / wieder die Ammoniter geſieget / wolten ſich auch mit guten Worten gar nicht abweiſſen laſſen / griffen zu dẽ Waffen / wurden aber geſchlagen / daß jhrer zwey vnnd viertzig tauſend in der Schlacht blieben / im Buch der Richter c. 12.

David hatte einen gar gnaͤdigen Herren an den Koͤnig Saul / ſo bald jhme aber Gott bey verſchiedenen gefaͤhrlichen occaſionen Gluͤck vnd Sieg verliehe verwendete ſich die groſſe Gnade in die groͤſſeſte Vn - genade / wie die Hiſtoria von dem verfolgten David bezeuget.

Als Judas der Macchabeer Heerfuͤhrer / durch ſeine Mann-vnnd Tapfferkeit vermittelſt Goͤttlichen Beyſtandes Glück vnd Sieg wieder ſeine Feinde erhielte / meldet die Schrifft / daß ſolches vielen Koͤnigen verdroſſen / wiewol es dem Hauſe Jacob eine Frewde vnd immer ein ewi -(2.) Invi - dia mole - ſta eſt, multò vero moleſtius eſt, nihil habere ad invidendum. Hinc Taubmann. Infelix quem nemo odit|pulcherrima virtus Invidiam Comitem ſemper in orbe trahit. ger Ruhm vnd Ehr geweſen 1. Macchab. c. 3. v. 6. 7. (2.)

AIXO -383[381]Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CLXXXVII. Die obſiegende Potentaten pflegen die Vberwun - dene gantz zuvertilgen / ſich vnterthan oder ſon - ſten verwandt / Schatzpflichtig / Zinß-vnd Dienſtbahr zumachen.

DAs Jus Victoris (1.) oder Recht vnd Gewalt deß Obſiegenden(1.) I[u -]re Victoriſ in vi[ctoſ]vid. Albe - ric. Gentil. de jur. Belli lib. 3. c. 2. & ſeqq. beſtehet darin / daß er dem Vberwundenen oder ſich Ergebendẽ Geſetze gebe / oder nach ſeinem Belieben mit jhnen gebahre vnd ſtatuire. Geſtalt dann das Volck Gottes bey dem Nehemia vber die Koͤnige der Voͤlcker / die ſie vberwunden klaget vnnd ſaget: Sie herꝛſchen vber vnſere Leibe vnd Viehe / nach jhrem Willen Nehem. c. 9. v. 37. Solches gaben die Gibeoniter ſelber dem Joſua zuverſtehen da ſie ſagten: Siehe wir ſeind in deinen Haͤnden / was dich gut vnnd recht duͤncket vns zuthun das thue / im Buch Joſ. c. 9. v. 25.

Als Joſua wieder den Koͤnig zu Ai ſiegete / ließ er die Statt Ai ver - brennen / einen Steinhauffen darauff machen vnd jhren Koͤnig an einen Baum hencken. im Buch Joſ. c. 8. v. 26. & ſeqq. deßgleichen that er den fuͤnff Koͤnigen / die wieder Gibeon ſtritten / welche er in der Hoͤhle / darin ſie ſich nach erlittener Niederlage verkrochen / verſperrete / hernacher her - auß thun / jhre Haͤlſe mit Fuͤſſen tretten vnnd an fuͤnff Baͤume hangen ließ / Joſ. c. 10. v. 22. & ſeqq. Gleicher geſtalt procedirte er mit Makeda / Libna / Lachis vnd andern Cananitiſchen Koͤnigen vnd Voͤlckern / die er alle mit der Scherffe deß Schwerds ſchlug / außrottete vnd verbannete / in gemeltem Buch Joſ. c. 10. c. 11.

Als aber die Gibeoniter mit Geſchwindigkeit vnd Liſt an Joſuam ſich ergaben vnd einen Bund erhielten / machete er ſie nach entdecktem Betrug dienſtbar / daß vnter jhnen nicht auffhoͤreten Knechte die Holtz hawen vnd Waſſer tragen ſolten zum Hauſe deß Herꝛn Joſ. c. 9. v. 23.

Als nach Joſua abſterben Juda die Statt Beſeck gewan vnd jhren Koͤnig Adonibeſeck in der Flucht ergriffe / ließ er jhme die Daumen an Haͤnden vnd Fuͤſſen verhawen / im Buch der Richter c. 1. v. 5.

Wie Gideon ſich der Statt Suchoth vnnd Pnuel bemaͤchtigte / ließ er jhre Obriſtẽ mit Doͤrnern auß der Hecke ſtreichen / Judic. c. 8. v. 16.

B b b b iijAls384[382]Das ander Buch /

Als Abimelech der rebellirenden Sichemiter Statt eroberte / er - wuͤrgete er das Volck das darinnen war zubrach die Statt vnd ſaͤet Saltz darauff / im Buch der Richter. c. 9. v. 45. 46.

Wie Benhad ad der Koͤnig in Aſſyrien eine gewaltige Schlacht wieder Achab den Koͤnig in Jſrael verlohr / er auch alſo vmbgeben war / daß er nicht entkommen koͤnte vnd von einer Cammer in die andere flo - he / hielte er ſelber darvor / daß er ein Mann deß Todtes waͤre / kahme mit einem Sack angethan vnnd vmbguͤrtet mit einem Strick ſambt ſeinen Knechten zu Ahab / bath vmb Perdon vnd ſprach lieber laß meine Seele leben / 1. Reg. c. 20.

Der Cananitiſche Koͤnig Jabin machete die Kinder Jſrael Dienſt - bar 20. Jahr / im Buch der Richter c. 4. v. 3.

Deßgleichen thaten jhnen die Philiſter / vnd Kinder Ammon 18. Jahr / daſelbſten / c. 10. v. 8.

Wie die Kinder Ephraim ſiegeten / macheten ſie Zinßbar die Ca - naniter zu Gaſer / Joſ. c. 16. v. ult. im Buch der Richter c. 1. 28. 29.

Als David die Koͤnige ſo vnter Hadad Eſer waren durch ſeine ſieghaffte Waffen debelliret vnd beſtritten / machete er ſich dieſelbe vn - terthan. 2. Samuel. c. 10. v. 19. von der vberwundenen Philiſter Hand nahm er den Dienſt-Zaum / vnd von den beſtrittenen Moabitern ließ er zwey Theil toͤdten / vnd einen Theil bey Leben. 2. Samuel. c. 8. v. 1. 2.

Der Koͤnig Salmanaſſer vberzohe Hoſeam den Koͤnig in Jſrael vnnd machete denſelben jhme Vnterthan vnd Schatzpflichtig / im 2. Buch der Koͤnige c. 17. v. 1. & ſeqq. Als er aber wieder abtruͤnnig ward von Salmanaſſer / belagert er Samariam / gewann ſie / vnd fuͤhrete Jſ - rael gefaͤnglich hinweg in Aſſyrien vnnd ſetzte ſie Haloh vnd Habar am Waſſer Goſſan. im 2. Buch der Koͤnig. c. 18. v. 10. 11. Wie die Fuͤrſten deß Heers deß Koͤnigs zu Aſſur wieder den Koͤnig Manaſſes Sieg er - hielten / nahmen ſie jhn gefangen mit Faͤſſeln / bunden jhn mit Ketten vnd brachten jhn gen Babel / im 2. Buch der Koͤnig. c. 33.

Nach erlangtem Sieg fuͤhrete der Koͤnig Nebucadnezar den Koͤ - nig Jojachim / deſſen Weiber / Mutter / ſeine Caͤmmerer / darzu die Maͤch - tigen im Lande / von Jeruſalem gen Babel / vnd ſatzte Zedekia zum Koͤ - nige / ließ ſich Huldigen vnnd machte jhn ſich vnterthan / im 2. Buch der Koͤnig. c. 24.

Demnach aber dieſer Zedekia wieder ſeine thewr geleiſtete Huldi - gungs-Pflichte / revoltirte vnnd abtruͤnnig ward / belagerte jhn Nebu - cadnezar in Jeruſalem / biß ins ander Jahr / gewann die Statt / jagte dem fluͤchtigen Zedekia nach / bekahm jhn gefangen / ließ vorhin ſeine Kinderfuͤr385[383]Von dem Weltlichen Stande. fuͤr ſeinen Augen ſchlachten / hernacher jhm beyde Augen außſtechen / mit Ketten binden vnd ſambt dem Jſraelitiſchen Volck in die Babylo - niſche Gefaͤngnuß fuͤhren / im 2. Buch der Koͤnig. c. 25.

Ad jus Victoris oder deß obſiegenden Potentaten Gewalt vnnd Macht gehoͤret auch / daß er der Gefangenen oder zum wenigſten der vornehmſten Namen endere / alſo ließ der Koͤnig Nebucadnezar / deß Propheten Dantels vnd ſeiner dreyen Geſellen Namen wandeln / den Daniel Belſazer / Hanania Sadrach / ꝛc. heiſſen. Daniel. c. 1. v. 7. Die Roͤmer haben jhren gefangenen Knechten wann ſie dieſelbe frey gelaſſen auch andere Namen gegeben. Jns Gemein haben die ſelbe die vberwun - dene Voͤlcker vnd Staͤtte entweder Zinßbar gemachet / oder vertrieben / vnd andere dahin geſetzet / welches ſie Colonias geheiſſen / oder durch jhre Præſides vnd Landvoͤgte wie eine Provinciam beherꝛſchen vnd regieren laſſen. (2.) (2.) Romani Regiones vel Civitates expugnatas, fecerum Tributarias, Colonas, vel provin - cias: Tributarias, quando relictis inhabitatoribus, tributum imperitabant: Colonas, quando pulſis habitatoribus, alios introduxerunt: Provincias quando Præſidem ſive præfectum ad ho - mines regendos & reditus colligendos mittebant, notat, Thom de Aquin. ad lib. 1 Boëtii. idq; latè proſequitur Iuſt. Lipſius De Admirand ſive magnitud Rom. Tit. de Coloniis.

Axioma CLXXXVIII. Bey Obſiegunge wieder ſeine Feinde / ſollman keine groſſe Crudelitaͤten oder Grawſamkeiten mit nieder - hawen / ſonderlich der vnbewehrten Einwohner vnd Landleuthe / Frawen / Jungfrawen / Kin - der vnd Geſindes veruͤben. (1.)

(1.) Pugua ſuum fine cum jacet hoſtis ha - bet.
27

ALs Amazia wieder die Edomiter vnd Kinder zu Seyr geſieget / vnd in der Schlacht wol zehen tauſend deren lebendig gefangen / hat er gewaltig crudeliſiret, dieſelbe auff die Spitze eines Felſen fuͤhren vnd jaͤmmerlich herunter ſtuͤrtzen laſſen / daß ſie zerborſten vnnd elendig geſtorbẽ 2. Chron. 25. erward aber vmb ſolcher Crudelitaͤt / Stoltz vnd Abgoͤtterey halber bald hernach / von dem Koͤnig in Juda wieder auß dem Felde geſchlagen / ſeine Reſidentz außgeplündert vnd ſein Sohn ge - gefaͤnglich weggefuͤhret / wie in Axiom. mit mehrem angezogen.

Wie Achas der Koͤnig in Juda gegoſſene Bilder machete / demBaalim386[384]Das ander Buch /Baalim raucherte im Thal Himnon vnd verbrandte ſeine Soͤhne mit Fewr nach dem Grewel der Heyden / da gab Gott ſolcher Sünde halber dea Achas in die Haͤnde deß Koͤnigs Jſrael / daß ſie eine groſſe Schlacht an jhn gethan. Dann Pekas der Sohn Remalia ſchlug in Juda auff einen Tag hundert vnnd zwantzig tauſend die alle redliche Leuthe waren / darumb daß ſie den Herꝛn jhrer Vaͤtter Gott verlieſſen. Vnd wiewol die Schrifft allhie meldet / daß Gott die vom Stamm Juda jhrer Abgoͤt - terey halber in die Hand deß Koͤnigs in Jſrael gegeben / dannoch weil die Jſraeliten gegen die Gefangene groſſe Crudelitaͤt geuͤbet / auch jhre Weiber Soͤhne vnd Toͤchter darzu groſſen Raub weg vnd nach Sama - ria gefuͤhret / ſiehe da iſt der Prophet Obed hervor getretten vnnd jhnen eine ſcharffe Geſetz-Predigt gethan vnd geſagt; Siehe weil der Herꝛ ewer Vaͤtter Gott vber Juda zornig iſt / hat er ſie in ewre Haͤnde gegeben / jhr aber habt ſie erwuͤrget ſo grewlich daß es in den Himmel reichet 2. Chron.[(]2[.]) Etiam[ubi]juſtitia[cau]ſæ hoc[exi]git, ſæ -[][t]amen[con]venit[bon]itati,[con]venit[mo]deſtiæ,[con]venit[anim]o ex -[celſo], ut[mod]eratè[agat]ur. [Hug]Grot. [de][ju]r. bell. [lib. 3. c.]11. [n. 7. u]bi ex[Saluſt.]ad[dit ign]o[- scendo auxiſſe populi]Romani magnitudinem. & ex Cicer. viri fortis eſt qui de victoria conten - dunt eos hoſtes putare: qui victi ſunt, eos homines judicare, ut poſſit bellum fortitudo minuere,[pacem]humanitas augere: Quò pertinet illud: parcere ſubjectis & debellare ſu - perbos. 28. v. 6. & ſeqq. (2.)

Ob wol Gott die Kinder Jſrael jhrer Suͤnde halber dem Koͤnig zu Babel vbergeben / vnd ſie in rechtmeſſige Dienſtbarkeit gerathen waren / dannoch draͤwet er den ſtoltzen Babyloniern vnnd ſpricht: Da ich vber mein Volck zornig war / vnd entweihete mein Erbe / vbergab ich ſie in dei - ne Hand / aber du beweiſeſt jhnen keine Barmhertzigkeit / auch vber die Alten macheſtu dein Joch / darumb wird vber dich ein Vngluͤck kommen / vnd ein Vnfall auff dich fallen den du nicht ſuͤhnen kanſt. Eſai. c. 47. v. 6. & ſeqq. (3.)Seriò crudelitatem vetare, debent hi qui inutiliter fuſi ſanguinis rationem reddituri[ſunt][ei][,]cujus vice gladium gerunt. Groti. lib. 3. c. 11. in fin. Vnd bey dem Propheten Jeremia c. 30. v. 16. darumb ſpricht er / alle die dich gefreſſen haben / ſollen gefreſſen werden / vnd alle die dich geaͤngſtet haben / ſollen geaͤngſtet werden / vnnd die dich beraubet haben / ſollen beraubet werden / vnd alle die dich gepluͤndert haben / ſollen gepluͤndert werden. (4.) tibi qui ſpolias, quoniam ſpoliaberis ipſe.

Sehr vbel vnd grawſam handelte Antiochus bey Eroberunge der Statt Jeruſalem / da er die Ordre ſeinen Soldaten gabe zu erwuͤrgen ohne vnterſchied / durch einander Jung vnd Alt / Mann vnd Weib / Kin - der vnd Jungfrawen / ja auch die Kinder in der Wiegen / daß alſo in dreyen Tagen achtzig tauſend erwuͤrget / viertzig tauſend gefangen vnndbey387[385]Von dem Weltlichen Stande. bey achtzig tauſend verkaufft worden / im 2. Buch der Macchab. c. 5. v. 13. welches Gott alſo verhenget der Juden Suͤnde halber / in gemeltem cap. v. 17. 19.

Es ſeind zwar Exempla verhanden / da Gott der Herꝛ ſelber befoh - len / alles nach erhaltener Victori zu verbannen / auch zuweilen deß im - bellis ſexus & ætatis, Weiber vnd Kinder nicht zu verſchonen / wie zu le - ſen von den vberwundenen Midianitern im 4. Buch Moſ. cap. 31. v. 17. aber ſolches iſt auß ſonderbaren Vrſachen wieder die Gottloſen Midia - niter Cananiter vnd andere Vnglaͤubige / deren Hertzen Hertigkeit vnnd daß ſie kein gut thun / vnnd dem Volck Gottes nurent zum Fall vnnd Strick / zum Anſtoß vnd Verfuͤhrunge jhrer Abgoͤtterey ſeyn wuͤrden / von Gott ſonderlich verhenget / welches auſſer ſolchem ſonderbahren Befehl / bevorab vnter Chriſten nicht nachzufolgen / derowegen Anno 1631. bey Eroberung der Statt Magdeburg gar Vnchriſtlich vnd graw - ſamblich / wieder Weiber / Jungfrawen / Kinder vnd Geſinde / mit Schwerd vnd Fewr verfahren worden. Sonſten hatte Gott verordnet / daß bey denen Staͤtten vnnd Voͤlckern / die den angebottenen Frieden nicht annehmen wolten / man dannoch der Weiber vnnd Kinder ſchonen ſolte / Deutern. c. 20. geſtalt dann Gott der Herꝛ der Niniviter ſonderlich auch darumb geſchonet / daß darin mehr den hundert vnnd zwantzig tau - ſend Menſchen geweſen / die nicht gewuſt was Recht oder Linck geweſen. Jonæ c. 4. in fin.

Als Judas Macchabeus Boſor Maſpha vnd andere Staͤtte die das Juͤdiſche Volck hart betrenget vnnd geplaget hatten / mit ſturmen - der Hand eroberte / hat er zwar alle Mansbilder darin erſte chẽ / die Staͤt - te pluͤndern vnd in Brand ſtecken laſſen / aber doch deß imbellis ſexus oder Frawen Zimmers verſchonet / im 1. Buch der Macchab. c. 5. v. 28. & ſeq.

Als ſein Bruder Simon die Statt Gaza belagerte / ſturmete vnnd einen Thurn eroberte / lieffen die Einwohner mit Weib vnd Kind auff die Mawren vnd bathen vmb gnade / jammerte es Simon daß er ſie nicht toͤdtete / ſondern gab jhnen perdon vnd ließ ſie abziehen / im 1. Buch der Macchab. c. 13. v. 43. & ſeqq. Jmgleichen als er die Heydniſche Guarni - ſon auff der Burg zu Jeruſalem lang vnd hart belagert / vnd ſie auß man - gel Proviands ſich nicht laͤnger halten koͤnnen vnd vmb Gnade bathen / erzeigte er jhnen Gnade / vnd ließ ſie abziehen / im ſelbigen c. v. 50.

Jn Kayſer Maximilian deß andern vnd deß H. Roͤm. Reichs zu Speyr Anno 1570. auffgerichteter Reutterbeſtallunge / iſt dieſer Articul / welcher in der Zahl der LXX. zu befinden: Es ſoll keiner alte erlebte Leuthe / Prieſter / Prediger oder Weibsbilder / die auff keiner Wehr ge -C c c cfunden /388[386]Das ander Buch / funden / deß gleichen keine vnmuͤndige Kinder zu tod ſchlagen / bey Sraf - fe Leibes vnd Lebens.

AXIOMA CLXXXIX. Es iſt ein alter vnd guter Gebrauch / daß man die Ge - fangene im Krieg gegen einander außwechſele.

ALs Judas Macchabeus deß Timothei Kriegsheer in die Flucht vnd Confuſion gebracht / vnd Timotheus ſeinen deß Macchabei Hauptleuthen dem Doſitheo vnd Soſipater in die Haͤnde gerie - the / vnd ſie wieder jhn / als einen trewloſen Friedbrecher / jure vi - ctoris, oder nach Siegs-Kecht / verfahren koͤnnen / hat er ſehr vmb ſein Leben gebethen / mit andeuten / daß jhrer Bruͤder viel bey den jhrigen ge - fangen waͤren / welche auch ſterben muͤſten / wann er getoͤdtet wuͤrde / er - bott vnd verbuͤrgete ſich / ſo bald er loß kaͤme / alle gefangene Juden auff freyen Fuß zuſtellen / worauff ſie jhn vmb jhrer Bruͤder Erledigunge / das Leben geſchenckẽt vnd loß gelaſſen. im 2. Buch der Macchab. c. 12. v. 24. vid. Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 14. §. 9.

AXIOMA CXC. Nach erlangtem Sieg / ſoll der obſiegende Herꝛ vnnd Potentat gegen die Vberwundene nicht ſæviren, ſon - dern vielmehr jhnen gute conditiones geben / ſich ſanfftmuͤtig vnd guͤtig erzeigen / ſie nach thunlichen Dingen bey jhren alten Sitten vnnd Freyheiten laſ - ſen / Gericht vnd Gerechtigkeit handhaben / vnd dardurch auch die Gemuͤther der Vber - wundenen gewinnen.

ES haben viel Gottſelige / ja auch Heydniſche Regentem / wann ſie - herꝛliche Victorien wieder jhre Feinde vnd Rebellen erhalten / zu de -ro vn -389[387]Von dem Weltlichen Stande. ro vnſterblichem Lob vnd Glori / bey aller Welt ſich mitleidentlich vnnd guͤtig erwieſen / vnd deß Juris Belli, oder ſtrengen Kriegs-Rechtens ſich nicht eben bedienet. (1.) (1.) Ro - mulus ur - bis & Im - perii Ro - mani Con - ditor, in - quit Clau - dius, apud Tacitum, tantum ſa - pientiâ va - luit, ut pleroſq́ue eodèm die hoſtes, de - inde cives habuerit. lib. Annal. 5. Et Sene - ca: Quid hodiè eſſet Imperiũ, niſi ſalu - bris provi - dentia, vi - ctos per - miſcuiſſet victoribus. lib. 2. de jra c. 34.

Als der gewaltige Koͤnig in Aſſyrien Nebucadnezar den rebelli - renden Koͤnig Joiakim vberzog / vnd ſich ſeiner Perſon vnd vornembſten Officirer bemaͤchtiget fuͤhrete er zwar den Koͤnig ſambt allen Obriſten vnd Gewaltigen / als welche ſich der Rebellion mit beypflichtig gemachet / ſo dañ alle Bawmeiſter Schmiede / jhnen dardurch die Mittel zum ne - wen Auffſtand ſo viel do mehr zu benehmen (damit das Koͤnigreich de - muͤtig bliebe / wie der Prophet Eſaias meldet. c. 17. v. 13. & 14.) hinweg / erzeigte aber doch darbey groſſe Gnade dem Volcke vnnd gantzen Lande / ſetzte nicht an ſtat Jojakim einen Frembden vnd Außlaͤndiſchen / ſondern deſſen Vettern Mathania / ſo hernacher Zedekia genand / an ſeine ſtat zum Vice Re oder Koͤnige / der nach vorigen Statuten, Sitten / Landes Freyheit vnd Religion (2.) zu regieren gehabt / ſein Kriegsvolck daneben abgefordert / vom Lande abgefuͤhret / daß jederman das ſeinige wieder mit Kuhe vnd erwuͤnſchtem Friede beſeſſen / vnd deß Koͤnigs Nebucadnezars gluͤckliche Regierunge vnd alle hoͤchſtgeſegnete Koͤnigliche Felicitaͤt zu bitten vnd zu beten Vrſache gehabt. 2. Reg. 24. (3.)Ut victis relinquatur ſuum Imperium, non tantum humanitatis eſt, ſed ſæpè & conſilij rectè monet Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 3. c. 15. n. 7. ubi plura de hoc argumento. Difficilius eſt provincias obtinere quam facere: viribus parantur jure obtinentur, inquit Flor. Latius ſemper patere debent Charitatis quam juris ſummi Regulæ Groti.

Als Pharao Necho der Koͤnig in Egypten den Joachas Koͤnig in Juda vberzogen / ſich ſeiner bemaͤchtiget / hat er jhn gefaͤnglich in Egypten gefuͤhret / aber den Statum deß Koͤnigreichs nicht geendert / auch nicht ei - nen Frembden / ſondern deß Joachas ſeinen Bruder / deſſen Namen er geendert vnd jhn Jojakim genand / zum Koͤnige / ohnerachtet ſein Vat - ter Joſias ſich ohne Noth vnd Vrſache zu jhme genoͤtiget / eingeſetzet. 2. Reg. 23. v. 30. Et 2. Chron. 36. v. 3.

Als Evilmerobach Koͤnig zu Babel worden / hat er das Haupt / deß von ſeinem Vorfahren Nebucadnezar gefangenen Koͤnigs in Juda Jo -(3.) Indul - gentiæ pars eſt, avitæ Re - ligionis u - ſum victis niſi per - ſuaſis non eripere: quod ut victis per gratum, ita victoribus innoxium, probat Agrippa oratio - ne ad Cajum. Et apud Joſephum, tum ipſe Joſephus tum Titus Imperator Rebellibus Hieroſo - lymitis obiiciunt, quod Romanorum beneficio ſacris ſuis tanto cum jure uterentur, ut templo alienigenas arcere poſſent etiam capitis periculo Groti. de jur. Bell. d. c. 15. n. 11. & n. 12. ubi ait, poſtrema hæc eſt cautio ut in imperio etiam pleniſſimo & quaſi herili victi clementer habean - tur, Et ita, ut eorum cum victoris utilitatibus ſocientur. iachin erhoͤben / jhn auß dem Gefaͤngnuß gelaſſen / freundlich mit jhme ge - redet / ſeinen Stul vber anderer Koͤnige Stüle geſetzet / die bey jhme zu Babel waren / die Kleider ſeiner Gefaͤngnuß gewandelt / vnnd jhn ſtaͤts ſein Lebenlang an ſeiner Tafel eſſen laſſen Jerem. c. 52. v. 31.

C c c c ijDerglei -390[388]Das ander Buch /

Dergleichen Exempla findet man viel in Heydniſchen Hiſtorien / vnd kan ein Potentat in keinem Dinge Gott aͤhnlicher werden / als durch durch die Clementz vnd Sanfftmuth / nach deß Poeten Claudiani Verß:

Sola Deos æquat Clementia nobis.

Wolte Gott daß deß vnglaubigen Koͤnigs Nebucabnezars vnnd andere Exempel auch Chriſtliche hohe Haͤupter vnnd Herꝛſchafften nachfolge - ten / bey zeitten Friede macheten / vnd dem zerfallenen Juſtici Weſen wie - der auff die Beine helffen / wuͤrde der verderblicher alles deſtruirender Krieg nicht ſo lange vmb ſich gefeſſen / vnd herꝛliche Lande zur Einoͤde ge - machet haben.

Von dem Koͤnig David meldet die Schrifft / daß er nach erhalte - nen Victorien ſich hoͤchlich angelegen ſeyn laſſen / daß Gericht vnnd Ge - rechtigkeit gehandhabet wuͤrde bey all ſeinem Volck. 1. Chron. c. 19. wor - von David mehr Ehr vnd Segen von Gott erlanget / als wann er zeitli - cher Reputation vnd anderer reſpectẽ halber den grawſamen Krieg con - tinuiret vnd die Juſtitiam, welche in wehrendem Kriege Noth leidet / an Nagel gehenget vnd vergeſſen haͤtte.

Von Simon der Macchabeer Regenten wird auch geruͤhmet / daß nach gefuͤhrten ſchweren Kriegen / er das Land Juda zur Ruhe gebracht / ſehr wol regieret / gute Ordnung gehalten / die Commercia vnd gemeine Nahrung gefordert. 1. Macchab. c. 14. v. 4. 9. & ſeqq.

AXIOMA CXCI. Was man im rechtmeſſigen Krieg mit dem Schwerd(1.) Cyr. apud Xe - nophont. 5 de inſtit. Cyr. Lex eſt, inquit, ſempiter - na inter homines, captâ hoſtium urbe, eorundem res atq́ue pecunias victori cedere. Et Plat. delegibus. Bona quæ victus habuit, omnia victoris fieri. vid. plura apud Groti. de Jur. Bell. l. 3. c. 6. vid. etiam Alber. Gentil. Romani Samnitibus, Bello ab ipſis occupata repoſcentibus reſponderunt: maximum probrũ foret, quæ virtute & fortitudine quæſita ſunt, ea per formidinem aut ſtuporem amittere. Et in reſponſo ad Aruncos: Nos Romani ita arbitramur, quæ hoſtibus erepta virtute quæſivimus, ut propria optimo jure ad poſteros tranſmitti. Et ad Volſcos ſimilia petentibus: Non induci poſſ u - mus, ut ſtulta facilitate deleamus, virtutis monumenta, ſi res belli lege captas reddamus iis, qui - bus ſemel perierunt. Halicarnaſſ lib. 6. & 8. Vid. Beſold. de arte jureq; bell. Diſſertat. c. 8. n. 3. gewinnet / das kan man mit gutem Gewiſſen behalten / haben vnd beſitzen. (1.)

DEr Ertzvatter Jacob verſchaffete in ſeinem Teſtament dem Jo - ſeph / ein Prælegatum vnd Vorzug vor andere ſeine Kinder / vnd ſprach: Jch habe dir ein ſtuͤck Landes geben auſſer deinen Bruͤ - dern / das ich mit meinem Schwerd vnd Bogen auß der Handder391[389]Von dem Weltlichen Stande. der Amoriter genommen habe. Geneſ. 48. v. ult. add. Joſ. 24. v. 8.

Einen groſſen Raub bekamen die Kinder Jſrael / nach erhaltener Feldſchlacht wieder die Midianiter / vnd ward auff Moſis Befehl die ſtattliche Außbeute / vnter die Prieſter / vnter die / ſo mit zu Felde gezogen / vnd vnter die heimgebliebene gemeine getheilet / im 4. Buch Moſ. c. 31. v. 22. & ſeqq.

Alſo gewannen die Jſraeliten mit dem Schwerdie die Lande vnnd Staͤtte der Koͤnige Sihon vnd Og Num. 4. c. 21. Deutern. c. 3. vnnd als der Ammoriter Koͤnig hernacher ſich vnterſtunde / ſolche belli jure vber 300. Jahre ruhig erſeſſene Lande wieder zu recuperiren, ordnete Jephtha zwey Bottſchafften an denſelben ab / ließ jhme opponiren die Exceptio - nem juris belli, daß die Jſraeliten ſolche Lande durch rechtmeſſige Waf - fen vnd Gottes Verleihung erhalten / vnd von Gott damit erblich inve - ſtiret vnd belehnet waͤren. Daneben dreyhundert Jahr in ruhiger Poſ - ſeſſion vnd Gewehr gehabt / vnd alſo plus quam immemorialis temporis præſcriptione geſichert weren / im Buch der Richter c. 11. Pſal. 135. v. 12.

Es hat Gott ſelber durch Moſen diß Geſetz gegeben / daß die Kinder Jſrael in denen mit dem Schwerd eroberten Staͤtten / alles was darin zufinden vnd nicht auß trucklich verbannet geweſen / zum Raub vnd Auß - beuthe vnter ſich außtheilen ſolten. v. 14.

Als Joſua nach geendetem Krieg dem Stamme Ruben vnnd Gad / vnd dem halben Stamm Manaſſe abdanckte / vnd ſie wieder ziehen ließ / gedachte er gegen ſie der ſtattlichen Beuthe die ſie bekommen / befahl er jhnen ſonderlich / daß ſie den Raub jhrer Feinde als ein wolgewon - nen Guth vnter jhre Brůder daheim außtheilen ſolten Joſ. c. 22. v. 8.

Was fuͤr ſtattliche Beuthe an Silber / Gold vnd andern koſtbah - ren Sachen der Koͤnig David von den vberwundenen Philiſtern / Moa - bitern / Ammonitern / Edomitern / Syrern vnd andern darvon gebracht / vnd zum Theil zu den kuͤnfftigen Tempelbaw zu Jeruſalem deſtiniret vnd verordnet / ſolches iſt zu leſen 1. Chron. c. 19. Et c. 20. Et c. 27. v. 27.

Welcher geſtalt auch David vorhin ehe er Koͤnig worden / nach de - me er die Amalekiter welche in ſeinem abweſen Ziklag erobert / außge - pluͤndert vnd verbrand / wieder verfolget / geſchlagen / ſtattliche Beuthe er - obert / nicht allein vnter ſeine Soldaten ſo wol die zuruck gebliebene als die im Streit geweſene / ſondern auch vnter die Eltiſten in Juda vnnd ſeine Freunde außgetheilet / ſolches iſt zu leſen im 1. B. Samuel. c. 30. v. 24. & ſeqq. Zum Raub fuͤhrete Salmanaſſer jure belli das Volck Jſ - rael gefaͤnglich in Aſſyrien vnd beſetzte die Reſidentz Statt Samaria mit andern Einwohnern. 2. Reg. c. 17. & c. 18. v. 10.

C c c c iijWie392[390]Das ander Buch /

Wie der gewaltige Koͤnig Nebucadnezar das Volck Gottes mit Heersmacht vberzogen / Jeruſalem erobert hat er alle Schaͤtze vnnd guͤl - dene Gefaͤſe im Hauſe deß Herꝛn / vnd ſonſten das gantze Jeruſalem / alle Obriſten / Gewaltigen / zehen tauſend Gefangene / alle Zim̃erleuthe vnd Schmiede weggefuͤhret vnd nichts vbrig gelaſſen denn wenig Volck. 2. Reg. c. 24. v. 13. & ſeqq.

Als der Koͤnig Aſſa durch Gottes Hülffe eine gewaltige Victo - riam wieder die Mohren erhalten / meldet die Schrifft / daß er einen groſ - ſen Raub darvon gebracht. 2. Chron. c. 14. v. 13. Es iſt aber bey der Beu - the dieſer Vnterſchied zu mercken / daß die eroberte Lande Provincien nicht in die gemeine Beuthe kommen / ſondern dem Kriegs Herren / Po - tentaten / Koͤnigen / Fuͤrſten vnd Republiquen, ſo den Krieg fuͤhren oder fuͤhren laſſen / zukommen / der vbrige Raub aber / welchen man fort bringen oder abtreiben kan / den hohen vnd andern Officirern auch gemei - nen Soldaten verbleiben. Dieſen Vnterſchied machet GOtt ſelber bey dem Propheten Ezechiel c. 29. Jch will / ſpricht er / Nebucadnezar dem Koͤnige zu Babel gantz Egypten Land geben / daß er alle jhr Guth weg - nehmen / ſie berauben vnd pluͤndern ſoll / daß er ſeinem Heer den Sold ge - be / aber das Land Egypten will ich jhme geben fuͤr ſeine Arbeit die er darzu gethan / denn ſie haben mir gedienet. Jn dem Reichs Abſchiede de Anno 1542. §. wie haben vns auch / iſt eine Verſehunge bey damahligem Tuͤr - cken-Kriege beſchehen / was von Schloͤſſern / Staͤtt vnd Flecken / auß deß Tuͤrcken Handen gewonnen vnd genommen wůrden / ſo vorhin der Cron Hungern / in Zeitten Koͤnig Ladislaen vnd Ludwigen nicht zugehoͤrig ge - weſen / die ſollen dem Kriegs-Herren zuſtehen vnd bleiben / was aber darin von Geſchuͤtzen dergleichen auch in Stuͤrmmen erobert wuͤrde / das ſoll dem Herꝛn deß Kriegs zum halben / vnd den zum andern halben Theil dem Obriſten Feld-Hauptman zuſtehen d. §. wir ha - ben vns auch / ꝛc.

AXIO -393[391]Von dem Weltlichen Stande.

Axioma CXCII. Was man im Kriege den Feinden ſeiner Freunde de - nen man aſſiſtiret, von jhrem der Freunde Gut wider abnimbt / das kan man nicht jure belli, oder vermoͤg Kriegs-Rechts behalten / ſondern muß billig ſeinem rechten Herꝛn wieder wer - den.

DIeſe Maxima vnd Schluß hat einen guten Grund in der Ver -Ius Belli non niſi contra ho - ſtes exer - cetur, & ut belli jure occupata noſtra fiant re - quiritur, ut hoſtium fuerint: Nam quæ res apud hoſtes quidem ſunt, puta in oppidis corum, aut intra præſidia, ſed quarũ Domini nec hoſtiũ ſunt ſubdi - ti, nec ho - ſtilis ani - mi, , Bello acquiri non poſſunt. Nam & ratio deficit, & jus hoc mutandi pervim Dominij, odio ſius eſt, quam ut extendi debeat per tradita Hugon Grot. de jur. Bell. lib. 3. c. 6. n. 5. & 26. Indeq́; nec hoſtiles cenſeri omnes res, in hoſtium navibus repertas, niſi præſumptione juris, quæ probatio - nem in contrarium admittit ibid. n. 6. Quamobrem ſi ab hoſtibus capta, ab his, quorum partes fovet rei capta Dominus, recuperentur, aut alio modo ex hoſtium poteſtate evadant, ſi mobilia[ſint] nunfft / in der verſtaͤndigen Voͤlcker Kriegs Rechten vnd auch in hetliger Goͤttlicher Schrifft. Als Abraham berichtet / daß ſein Vetter Loth in dem Kriege / welchen Kedor Laomor vnnd ſeine Ad - hærenten wieder die Koͤnige in Sodom / Gomorra / ꝛc. gefuͤhret / neben vielen andern gefaͤnglich hinweg gebracht / wapenete er ſeine Knechte drey hundert vnd achtzehen / zog damit zu Felde / jagete jhnen nach / vberfiel ſie vnverſehens in der Nacht / ſchlug ſie / brachte alle Haabe wieder darzu - auch Loth mit ſeiner Haabe / auch die Weiber vnd das Volck. Wie wol nun der Koͤnig zu Sodom ſich gegen Abraham erklaͤrete er ſolte jhme die Leuthe geben / die Guͤter vnd Beuthe aber ſolte er behalten / ſo hat doch Abraham ſolches nicht vor billig gehalten / vnd zu dem Koͤnig in Sodom geſagt / ich hebe meine Haͤnde auff zu den Herꝛn den Hoͤchſten Gott / der Himmel vnd Erden beſitzet / daß ich von allem das dein iſt / nicht einen Fa - den noch Schuriemen nehmen will / außgenommen was die Juͤnglinge geſſen haben. Geneſ. c. 14. Auß deme zu Regenſpurg Anno 1542. auff - gerichtetem Reichs-Abſchiede / §. wir haben vns auch / ꝛc. iſt eben daſſel - be zuſehen / in deme darin verordnet / daß die Schloͤſſer / Staͤtte vnnd Fle - cken / ſo der Cron Hungern in Zeiten Koͤnig Ladißlai vnd Koͤnig Ludwig zugeſtanden inter acquiſita belli, oder eroberte Beuthe nicht zu achten / ſondern ſelbiger Cron verbleiben ſollen.

AXIO -394[392]Das ander Buch /
ſint ſtatim jure poſtliminij fiũt Domini, cujus erant prius l. poſtliminium in pr. de captiv. & poſt - liminiũ revers. l. ab hoſtibus. 12. ubi Bald. Salicet. eod. tit. ſi verò immobilia ſint, fugato hoſte, confeſtim ad corum priores Dominos revertuntur. l. ſi captivus 20. §. expulſis ff. eod. tit. Ex quo textu Sebaſtian. Nævi. in remiſſ. ad d l. ita infert: Hoſtibus ex agris amicorum & confœdera - torum expulſis, Dominia agrorum ad priſtinos redeant Dominos, nec prædæ loco victoribus cedant, poſt Didac. Covarr. in c. peccatum part. 2. §. 11. n. 7. de Reg. jur in 6. Caſp. Anthon. The - ſaur. Quæſt. Forenſ. 98. n. 1. lib. 2. 98. n. 1. lib 2. ſocietatis & fœderum jura non admittunt, ut ſo - cia arma ſociis damno cedant. hæc enim Leonina eſſet ſocietas, juxta Ulpian. in l. ſi non fuerint. 29. §. Ariſtot. 2. ff. pro Socio. Bacchovi. in Comment. Inſtitut. ad §. Item ea quæ ex hoſtibus de Rer. diviſ. ubi dicit, hoc jus Belli pertinere ad occupationem rerum hoſtilium: Nam quæ no - ſtræ (vel quod perinde eſt ſociorum noſtrorum) ante fuerunt & jus poſtliminij habent, non cenſentur hoſtiles hactenus, eoq́ue priſtinis Dominis ſunt reſtituendæ per l. 2. de captiv. Vid. et - quæ noviſſimè hac de re annotavit Carpzov. in jurisprud. Forens. part. 4. Conſtitut 35. defin. 8. & ſeq. Et ex hoc capite Magnus Sueciæ Rex Guſtavus Adolphus potuit nec voluit in Megapoli & aliis Fœderatorũ ditionibus, quibus auxiliaria arma tulit, etiamſi ex Ligæ Catholicæ manibus eripuiſſet, Gentium aut Civili jure. Belli jus obtendere. Uti nec Ligiſtæ aut Uniſtæ poſſunt cum jura illa non pertinent ad inteſtina bella ubi ſtatus, qui ſub uno ſummo capite vivunt, inter ſe bella gerunt, & in mutua viſcera ſæviunt; quia pace facta reſtituenda occupata, niſi fortè injuſtè laceſſitus Expenſarum intuitu quædam pignoris vel proprietatis jure retineat.
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Axioma CXCIII. Der liebe Friede iſt der alleinige Zweck / das edle wehrte pretium vnd Ende aller rechtmeſſi -(1.) Pax & tranquilli - tas omniũ legum hu - manarum finis. Lu - ther. in Geneſ. ad c. 13. fol. 158. & fol. ſeq. ubi ex Auguſtin. addit Quod Pax & Charitas ſit moderatrix & diſpenſatrix omnium virtutum. Pax plenum virtutis opus, Pax ſumma laborum, Pax belli exacti pretium eſt, pretiumq; pericli. Sidera pace vigent, conſiſtunt terrea pace. Nil placitum ſine pace Deo, non munus ad aram Cum cupias offerre probat, ſi turbida fratrem. Mens impacati ſub pectoris oderit antro. Prudenti. in Pſychomachia. gen Kriege. (1.)

KAn man ohne Krieg Friede haben vnd behalten / hat man nicht noͤthig zu kriegen. Præſente fine ceſſant media ad finem ducen - tia ſagen die Philoſophi. Gott hat ſeinem Volck ſelber befohlen / wann ſie fuͤr eine Statt zoͤgen / die ſelbe zu beſtreitten / ſo ſolten ſie jhr den Frieden anbiethen / vnd wann ſie jhr friedlich antworten / keine Ge - walt vben / Deutern. c. 20. v. 10. & ſeqq. Friedens halber / vnnd daß er ſei - nen gefangenen Vettern Loth auß dem Vnfrieden in Frieden ſetzete wieder zu dem ſeinigen brechte / armirte Abraham ſeine 318. Knechte / vnd zohe damit wieder die Syriſche Koͤnige zu Felde / Geneſ. c. 14.

Als395[393]Von dem Weltlichen Stande.

Als der Adonizedeck ſampt ſeinen Bundsverwandten den Gibeo - nitern den Krieg ankündete / vnnd ſie darumb / daß ſie mit Joſua Friede gemacht vberziehen vnd befehden wolte / muſte Joſua die Gibeoniter bey Friede vnd Sicherheit zu conſerviren, wieder jene / einen Krieg anfahen vnd durch Krieg den Frieden erwerben. Joſ. c. 10.

Friede zu erlangen vnd ſeinen Koͤnigl. Thron / durch Friede vnnd Gerechtigkeit zu befeſtigen / muſte David wieder Jſboſeth das Hauß Saul zwey Jahr Krieg fuͤhren. 2. Samuel. 2. v. 9. 10. Et 2. Sam. 3. v. 16. Friede zubehalten ruͤſtete ſich David wieder die Philiſter / die jhme denſel - den nicht goͤnnen / ſondern mit Heersmacht / jhn vberziehen wolten 2. Samuel. c. 5. v. 18. & ſeqq.

Den Edlen Landfrieden zu erhalten vnnd die Straſſen von Raub vnd Abnahm zu ſichern / auch beſorgende Auffruhr zuverhuͤten / ſtellete ſich Abimelech in Kriegsbereitſchafft wieder die Sichemiter / gewann die Statt vnd zerſtoͤrete das Raubneſt / im Buch der Richter c 9.

Wie die Koͤnige vnter Hadad Eſer ſahen / daß ſie geſchlagen wa - ren fuͤr Jſrael / macheten ſie Friede mit David vnd ſeinen Knechten. 2. Sam. c. 10. v. 18. 19.

Als Athniel wieder den Koͤnig zu Syrien Cuſan Riſathaim eine Victori erhalten vnd jhn geſchlagen / hat er dardurch dem Volck Got - tes viertzig Jaͤhrigen Frieden erworben / im Buch der Kichter cap. 8. v. 10. 11.

Als die Prophetin Debora vnd Barack deß Cananitiſchen Koͤ -N. Viertzig Jaͤhriger Friede / wann er ſonſten erbahr / ſicher vnd billig / iſt nicht auß - zuſchlagẽ. nigs Jabins Feldhauptman den Siſſera vnnd ſeine Armee erſchlagen / habẽ ſie auch dardurch einen viertzig jaͤhrigen Frieden erlanget / im Buch der Richter c. 5. v. 31.

Nach Vberwindung ſeiner vnd deß Jſraelitiſchen Volcks Feinde brachte der ſtreitbahre Held Gideon auch einen viertzigjaͤhrigen Frieden zuwegt / im Buch der Richter c. 8. v. 28.

Durch Krieg vnd erhaltenen Sieg / ſchaffete Samuel Frieden dem Volcke Gottes vnd verſicherte jhre Graͤntzen. 1. Samuel. c. 7. v. 13.

Als Judas der Macchabeer Fuͤrſt / eine gewaltige Victori wieder deß Antiochi Generalen Lyſias erhielte vnnd jhn in die Flucht brachte / præſentirte jhme Lyſias den Frieden an / mit guten annehmlichen Con - ditionen vnd beſtaͤttigte hernacher der Koͤnig den Accord vnd auff gerich - tete Articul im 2. Buch der Macchab. c. 11. v. 13. Jmgleichen / als dieſer Held wieder die Araber ſiegete vnd ſie vmb Frieden mit ziemlichen offer - ten vnd Erbiethen bathen / gab er jhnen denſelben / gedachte es moͤchte die angebottene Huͤlffe der Araber jhnen noch wol ſonſten nutz werden im 2. D d d dBuch396[394]Das ander Buch /Buch der Macchab. c. 12. v. 11. 12. Muß derowegen der Edle / von Got - tes reichen Segen trieff ender Friede / das Ende aller Gerechten Kriege ſeyn vnd bleiben / er iſt der liebliche Sonnenſchein nach dem groſſen Vn - gewitter deß grawſamen Krieges / dardurch der Leuthe Klagen in einem Reigen verwandelt / der Sack deß Jammers außgezogen / vnd ſie wieder mit Frewden vmbguͤrtet werdẽ. Als der hochloͤbliche Churfuͤrſt zu Sach - ſen / eine ſonderbahre Geſandſchafft nach Wien an die domahls regi - rende Kayſerliche Mayeſtaͤt wegen Reſtabilirunge deß Friedens Anno 1630. gethan / haben dieſelbe vnter andern den 13. Maij dieſe motivam in jhrer Propoſition zum Beſchluß angezogen / daß die Wiederbringunge deß werthen Friedens Gott wolgefaͤllig / den Menſchen erfrewlich / allen Regimentern nutzlich| / dem hochbetruͤbten in agone liegendem Roͤm. Reich noͤthig / vnd ſtunde doch darauff ſumma rerum terrenarum felici - tas & vera Regiminis ſecuritas, wie ſolches in actis publicis Lundorp. im dritten Theil. fol. 37. col. 1. zu leſen.

AXIOMA CXCIV. Jnnerliche Kriege werden am beſten vnnd ſicherſten durch Verſoͤhnunge vnd Vergeſſenheit deren Dinge ſo darbey vvrgangen / welches die Griechen Amni - ſtiam genandt / auch ſonſten durch billiche vnnd nicht zu hochgeſpannete Conditiones, an fuͤgligſten(1.) Nun - quam erit firma Pax, niſi veris ſolidiſque rationibus congluti - netur. Non eſt perpe - tuũ quod terroribus miniſque conficitur. Non eſt firmum quod humanis technis obliquiſque conſiliis texitur, uti eleganter monet Eraſm. Roterd. in præfat. Paraphraſ. in Matth. circ. fin. vnd beſten tranquilliret vnd geſtil - let. (1.)

O B wol zwiſchen dem Hauſe Saul vnd David nach jenes abſter - en die innerliche Vnruhe lang anhielte / weil Jſboſeth noch die Koͤnigl. Reſidentz Statt Jeruſalem vnd einen ziemblichen An - hang / ſonderlich den tapffern Held vnd Feldhauptman Abner auff ſeiner Seite hatte / dannoch als Jſboſeth von ſeinen vntrewen Hauptleuthen Baena vnd Rechob in ſeiner Schlaffkammer ermordet / hat David ſich mit den vbrigen Staͤmmen Jſrael / die dem Hauſe Saul noch angehangen / verſoͤhnet / eine univerſalem Amniſtiam ſanciret, alleswas397[395]Von dem Weltlichen Stande. was vorgangen in profundum oblivionis verſencket / ein gutes Verneh - men zwiſchen ſich vnd ſeine Reichs Staͤnde vnd Vnterthanen durch bil - liche leidliche Conditiones Pacis geſtifftet einen Bund vor dem Herꝛn oder einen gemeinen durchgehenden Frieden mit denſelben gemachet / wie zu leſen 2. Samuel. c. 3. 4. 5. (2.) Deß gleichen als David. ſeinen Rebelli -(2.) Gra - ves inimi - citiæ ita demum ſolidè diſ - ſolvuntur, ſi modera - tis & æquis conditio - nibus ho - ſtis recon - cilietur, & pax non æ - qua, neq́ue danda ne - q́ue acci - pienda, ſi diuturna eſſe de - beat. Thu - cyd l. 4. Tolerabi - li condi - tione bel - la finien - da, dixit Livius. Memora - bile illud. Tacit. Egregios eſſe bellorum fines, quoties ignoſcendo tranſigitur. Et illud Dicta - toris - ſaris: Hæc nova ſit vic cendi ratio, ut miſericordia & liberalitate nos muniamus. ſchen Sohn Abſolon mit ſeinen Adhærenten vberwunden / hat er die ſo jhn verfolget / perdonirt, vnd eine Amniſti ergehen laſſen / 2. Samuel. cap. 19.

Als in dem Volcke Gottes zwiſchen den Haͤuſern Juda vnnd Jſ - rael ein ſcharffer innerlicher Krieg entſtande / Pekah / der Sohn Remalia eine blutige Schlacht erhielte / vnd auff einen Tag in Juda hundert vnd zwantzig tauſend niedermachete / daneben zweymahl hundert tauſend von jhren Bruͤdern / Weibern / Soͤhnen / Toͤchtern / ſampt einem groſſen Raub gen Samaria fuͤhreten / hatte Gott daran keinẽ Gefallen / ließ jhnen durch den Propheten Obed zur mitleidentlicher Verſoͤhnligkeit vnnd durchgehender Amniſti ermahnen / deme dann auch die Jſraeliten alſo Folge geleiſtet / alle Gefangene loß gelaſſen / allẽ Raub ablata reſtitui - ret, die Entbloͤſſete wieder bekleidet / ſie mit notturffeigẽ Proviand verſe - hen / auch die Krancken vnd Verwundeten fort zubringen Eſel hergeben / alles was geſchehen vergeſſen / vergeben vnd ein gutes Vernehmen dar - durch wieder vnter ſich geſtifftet. 2 Chronic. c. 28. Als Simon der Mac - chabeer Fuͤrſte bey Demetrio den Frieden erlangte / ſchrieb Demetrius an jhn / gab jhme gute Conditiones, daß er vnd ſein Volck alle Veſtun - gen die ſie gebawet behalten / mit fernerem vermelden: vnd vergeben euch / was jhr mit lerzeit wie der vns gethan habt: Die Cronſtewr vnd andere Schoß / ſo Jeruſalem hat geben muͤſſen / erlaſſen wir euch vnd welche vns dienen wollen / die wollen wir annehmen / vnnd ſoll zwiſchen vns guter Friede vnd Einigkeit ſeyn im 1. Buch der Macchab. c. 13. v. 39. & ſeq.

AXIOMA CXCV Man kan ehe zum Krieg als zum Friede ge - langen. (1.)

(1.) Bellum facilè inci - pit, diffi - culter de - ſinit.
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ES haben die Heiligen Gottes im Alten Teſtament offt daruͤber ge - klaget / geſeufftzet vnd geſaget: O du Schwerd deß Herꝛn wann wil -D d d d ijtu doch398[396]Das ander Buch /tu doch auffhoͤren? fahre doch in deine Scheide vnd ruhe vnd ſey ſtille Je - rem. c. 47. v. 6. vnd im vorhergehendem 4. c. v. 19. 21. klaget vnd-ſeufftzet dieſer Prophet vnd ſaget: wie iſt mir ſo hertzlich wehe / mein Hertz pochet mir im Leibe / dann meine Seele hoͤret der Poſaunen Hall / vnnd einen Mordgeſchrey vber den andern. Wie lange ſoll ich doch das Panir ſehen / vnd der Poſaunen Hall hoͤren?

Die Vrſache warumb der Krieg ſo lange wehret / daruͤber die Hei - ligen Gottes viel geklaget / vnd jtzo Teutſchland auch wol klagen mag / iſt in Gottes Wort genugſam zufinden. Wolte mein Voſck mir gehorſam ſeyn vnd Jſrael auff meinen Wegen gehen / ſo wolte ich jhre Feinde bald dempffen / ſpricht der Herꝛ Zebaoth durch den Koͤnig vnd Propheten David / Pſalm. 81. v. 14.

Der Prophet Ezechiel beſchreibet auch die Vrſache der langwuͤrig - keit deß Kriegs / wann er ſpricht: Der Herꝛ hat ſie offt gezuͤchtiget / was hats geholffen? es will der boͤſen Kinder Ruthe nicht helffen / darumb ſoll das Schwerd zweyfach ja dreyfach kommen / ein Wuͤrge-Schwerd / ein Schwerd groſſer Schlacht / ꝛc. Ezech. c. 21. v. 13. & ſeqq. Werdet jhr ſpricht Gott der Herꝛ in meinem Satzungen wandeln vnd meine Gebot - te halten / ſo will ich Friede geben in ewrem Lande / daß jhr ſchlaſſet vnd euch niemand ſchrecke / werdet jhr aber nicht gehorchen ſo ſollet jhr geſchlagen werden von ewren Feinden / vnd die euch haſſen ſollen vber euch herꝛſchen im dritten Buch Moſ. c. 26. v. 1. 6. 17. Deuternom. c. 28. v. 7. 49. & ſeqq.

Sehr hefftig klagen die Kinder Korah vber den langwuͤhrigen Krieg / ſehr aͤngſtiglich ſeufftzen ſie zu dem Herꝛn jhren Gott / daß er doch einmahl ſeinem Volck wieder Frieden zu ſagen / vnd ſie dardurch erqui - cken wolte / im 85. Pſal. Ja wann ſie ſchonin ſolcher beharꝛlichen Kriegs - plage vnd Vngluͤcke nach Wiederbringunge deß Friedens ſeufftzen / vnd Frieden Frieden ſprechen werden / ſo werde doch der Friede nicht ſeyn / Je - rem. c. 6. v. 14. Da werden ſie Friede ſuchen vnd wird doch nicht da ſeyn bey dem Propheten Ezech. c. 7. v. 26. Jerem. c. 4. v. 10. Es ſey dann vor - hin ware ewe vnd Buß erfolget / dann der Gerechtigkeit Frucht wird Friede ſeyn / vnd der Gerechtigkeit nutz wird ewige Stille vnd Sicherheit ſeyn / daß man in ſicheren Wohnungen / Haͤuſern deß Friedens vnd ſtol - tzer Ruhe ſitze / ſpricht der Prophet Eſaias c. 32. v. 17. Gott iſt es der vn - ſern Graͤntzen Friede ſchaffet / Pſalm. 147. v. 14. Gott iſt es der Jſrael zerſtrewet / vnd es wider ſamblet vnd jhrer huͤtet wie ein Hirt ſeiner Heer - de Jerem. 31. v. 10. Dieweil dann Gottes durch vnſere Sünde ergrim - meter Zorn leichtlich anbrennet / aber der beharlichen Vnbußfertigkeitvnd399[397]Von dem Weltlichen Stande. vnd Boßheit halber / ſo bald nicht wieder zu ſtillen / ſoll man nicht ſo leicht zu den Waffen greiffen Krieg anfahen. Jn einer Stunde kan ſich ein Krieg anſpinnen der viel vnd lange Jahr wehret. Ploͤtzlich vnnd gleich - ſam in momento warffen etzliche Boͤhmiſche Herꝛn den lange gewehr - ten Edlen Frieden Europæ Anno 1618. auff dem Koͤniglichen Schloß zu Prage zum Fenſter herauß / in deme ſie etzliche Kayſerl. vnd Koͤnigliche Raͤthe miniſtros feneſtrirten, wie die Boͤhmiſche Apologia redet / oder zum Fenſter herauß ſtuͤrtzeten / aber was hat es gekoſtet an Guth vnnd Blut / vnd was koſtet es noch denſelben wieder zu redreſſiren vnd auffzu - pflantzen / vnd das liebe Vatterland von endlich er ruin vnd deſolation zu retten. Jn deſſen Haͤnden / der den Krieg anfaͤhet / ſtehet es gar nicht den - ſelben auffzuheben / ſondern muß ſo lange kriegen als ſein Wiedertheil will vnd Mittel darzu hat. Viel leichter iſts / das Schwerd auß der Schei - de zu reiſſen als wieder einzuſtecken. (2.) Der Koͤnig David klaget auch(2.) Ignem tectis inii - cere, & in - jectis ſpa - tium mo - dumque ſtatuere non eſt in ejuſdem manu, Fa - mian. Stra - da de Bell. Belgic. lib. 2. p. 84. hefftig vber die Friedenſtoͤhrer im 120. |Pſalm. da er ſpricht: Es wird meiner Seelen lange zu wohnen bey denen die Frieden haſſen. Jch halte Friede / aber wann ich rede ſo fahen ſie Krieg an. v. 6. & 7.

Notæ Hiſtoricæ Von Veranlaß-vnd Verfaſſunge der Vnion / vnd Ca - tholiſchen Liga / darauß entſtandenen langwuͤrigen blutigen / Boͤhmiſchen vnd Teutſchen Krieges.

ALs ein zeithero nach dem vffgerichteten Religion Frieden / aller - hand gravamina ſonderlich aber auch wegen der Kayſerlichen Hoff - Proceß / von den Proteſtirenden auff Reichs vnd andern Zuſam - menkunfften vnnd ſonſten bey der Kayſerl. Mayeſt. vorgebracht / vnd daruͤber geklaget / haben deren Theils ſich etwas enger zuſam̃en ge - than / vnd ſub dato den 18. Februarij Anno 1601. an Kayſer Rudolphum II. geſchrieben / vnd folgents im Monat Auguſto eine Legation abgehen laſſen; Die Contenta dieſer gravaminum ſeind zu finden bey dem Nicol. Bell. in dem Oeſterreichiſchen Lorbern Crantz / lib. 1. fol. 4.

Dieſes Werck mit mehrerm Ernſt vnd hefftiger zutreiben / iſt zu Heydelberg die Anſtellunge eines General Raths / der Evangeliſchen / ſoD d d d iijſich400[398]Das ander Buch /ſich wie gemeldet zuſammen gethan / Anno 1604. gemachet / vnd den 18. Martij auff das kuͤrtzeſte verfaſſet worden / deren Contenta zufinden in Act. Public. Lundorpij Tom. 1. lib. 1. in ingreſſ.

Anno 1608. iſt ein Churfuͤrſtentag zu Fulda gehalten / darbey Chur Sachſen / ſo wol wegen etzlicher gravaminum, ſonderlich gar zu enger Einſperrunge der Kayſerlichen Juriſdiction, als auch wegen der vorweſenden newen Vnion / von Chur-Pfaltz vnd andern / ſo ſich zu v - niren gemeinet / diſcrepiret vnd der Vnion wieder rathen. Darvon zu - ſehen bey dem Lundorp. d. Tom. 1. lib. 1. fol. 5. Jn dieſem 1608. Jahr iſt die Vnion zu Aſchauſſen auffgerichtet / vnnd ſeind die vnirte / Staͤnde in folgenden Jahren vnterſchiedlich zuſam̃en kom̃en / ſich einer gemeinen Huͤlffe verglichen vnd dieſelbe gewilliget / vid. Nicol. Bell. d. lib. 1. fol. 6.

Es haben obbemelte zur Vnion inclinirende Fuͤrſten vnd Staͤnde(1.) Hæc Commi - natio in ef - fectu nihil aliud fuit, quam fu - turi belli. quod An. 1618. - pit hujuſq crudeliter geſtum & adhuc du - rat, Denũ - ciatio. So - lent enim ejuſmodi formulæ in bellorẽ denuncia - tione gen - tium more uſurpari. Anton. Fab in prę - ſat. ad - ſultat. de Ducat. Montisfer - rat. in princ. Anno 1609. ſich ferner zuſammen gethan vnd eine hochanſehentliche Le - gation, deren Caput Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt geweſen nach Prage an Kayſer Rudolphum ſpediret, vnd die Erledigunge der gravaminum, ſonderlich aber der Kayſerlichen Hoff Proces, hefftig urgiren laſſen / mit dem Anhange / daß ſie auff den wiedrigen Fall / mit Rath vnd That zu ſammen ſetzen / vnd an deme darauß entſtehenden Vnheil entſchuͤldiget ſeyn wolten / welche Propoſition verbotenus bey dem Lundorp. Tom. 2. Actor Public. lib. 1. fol. 23. zu finden. Solches auch hernacher in Replica mit noch hefftigern Worten repetiret ibid. fol. 27. Was die Vnirten zu ſolcher Reſolution animiret darvon beſiehe d. Tom. 2. Act. Pub. lib. 1. fol. 270. (1.) Hierauff haben die Catholiſche jhre Ligam auffgerichtet. Vid. Nicol. Bell. lib. 1. fol. 10. Col. 2.

Als der Churfuͤrſt / Pfaltzgraff Friedrich / im Jahr 1613. wieder auß Engelland kommen / hat derſelbe mit den Herren Staden in Hol - land auff Ratification der ſambtlichen Vnirten den 16. vnd 26. Maij ei - ne Buͤndnuß tractiret. Vid. Nicol. Bell. d. lib. 1. fol. 6. & ſeqq.

Als hernacher Anno 1614. der Adminiſtrator der Churfuͤrſt Pfaltz / die Fuͤrſten vnnd Staͤnde deß Nieder Saͤchſiſchen Crayſes zur Vnion zutretten erſuchet / haben dieſelbe in gemeiner Crayßverſamblunge dar - uͤber Rath gehalten / vnd in einer Antwort ſub dato Halberſtatt den 26. Martij Anno 1614. die Vnion wiederrathen vnd ſich deßwegen ent - ſchuͤldiget / Vid. Lundorp. Tom. 2. Actor. Publ. lib. 1. fol. 68.

Kayſer Matthias hat an Chur-Pfaltz als Directorem der V - nion / ſub dato Prag den 3. Aprilis Anno 1617. geſchrieben vnd erinnert / bey der Vnion daran zu ſeyn / daß dieſelbe auffgehoben wuͤrde / Jhre Kay - ſerl. Majeſtaͤt wolten hinwieder beſchaffen / daß die Catholiſche Ligagleich -401[399]Von dem Weltlichen Stande. gleichfals abgeſtellet caſſiret werden ſolle / darzu ſie dañ auch erbiethig waͤren. Vid. Nic. Bell. d. lib. 1. fol. 10. col. 2. in fin. & fol. ſeq.

Ein gleichmaͤſſiges Schreiben iſt an die Reichs Staͤtte ſo in der Vnion geweſen abgangen ſub eod. dato ibid. fol. 11.

Die Vnirten haben hierauff auß Heilbrunn den 7. April. Anno 17. Kayſer Matthiam beantwortet / vnd Vrſachen angezogen worumb ſie auff der Catholiſchen Erbiethen / jhre Vnion nit abſtellen koͤnten / ad - ductis Diverſitatis Rationibus variis.

Dieſes ſeind die Semina vnnd Præparatoria deß erfolgten blutigen Kriegs / vnnd iſt dem nach den 23. Maij 1618. die erſchreckliche Feneſtra - tio wie es die Boͤhmen in jhrer groſſen Apologia genand / oder die Stuͤr - tzung durchs Fenſter / der Kayſerlichen Raͤthe vnnd darauff der Boͤhmi - ſche Krieg angangen / was nun derſelbe nicht allein Boͤhmen vnnd Teutſchland / ſondern auch faſt vberal in gantz Europa fuͤr motus vnnd Vffſtaͤnde / Lande vnd Leuthe Verwuͤſtunge / Jammer vnd Elend / mit Erwuͤrgunge vieler hundert tauſend Chriſten erreuget vnd nach ſich ge - zogen ſolches iſt mehr dann zuviel bekand vnnd wird ſich die Poſteritaͤt o - der nachkommende Welt daruͤber verwundern muͤſſen.

Axioma CXCVI. Der Friede bawet das Land vnd Staͤtte / der Krieg zerſtoͤret dieſelbe. (1.)

(1. Sine Pa - cis & tran - quillitatis Bono, ne - mo bona ſua novit, nemo poſ - ſidet. Mar - ſolar. tra - ctat. de Legat. in Dedicat. Et Thebæ ſteterant, altaq́ue Troja fuit.
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SEhr viel Staͤtte vnnd Veſtungen bawete der Koͤnig Salomo weil er in Ruhe vnd Frieden wohnete. 2. Chronic. cap. 8. v. 3. & ſeqq.

Wie der Herꝛ dem Gottſeligen Koͤnig Aſſa Friede vnnd Ruhe gab / daß das Land ſtill vnnd kein Streit wieder jhn war / ließ er Staͤtte bawen / Mawren darumb fuͤhren / Thuͤrne / Thuͤr vnd Riegel ma - chen. 2. Chron. c. 14. So lange Vſia Gott ſuchete vnd Friede hatte / ba - wete er auch herꝛliche Veſtungen vnd Staͤtte 2. Chron. c. 26. deß gleichen ſein Sohn Jotham 2. Chron. c. 27.

Als Simon der Macchabeer Regent Friede erlangete / bawete vnd befeſtigte er verſchiedene Staͤtte / im 1. Buch der Macchab. c. 14. v. 33. & 34. zu Friedens Zeiten werden die Schwerdter zu Pflugſcharen / vnnd Spieſe zu Sichele gemacht / wie der Prophet Eſaias von dem GeiſtlichenFrieden402[400]Das ander Buch /Frieden propheceyet / vnd auff den Weltlichen gar fuͤglich gezogen wer - den kan c. 2. v. 4. Die groſſe vnd herꝛliche Nutzbarkeit deß Edlen werthen Friedens / deſſen ſich das Volck Gottes nach lange außgeſtandener blu - tigen Kriegen vnd darauff erfolgter Babyloniſcher Gefaͤngnuß zugetroͤ - ſten beſchreibet ſehr ſchoͤn vnd weitlaͤufftig der Prophet Jeremias c. 33. v. 6. & ſeqq. Welcher geſtalt aber der Krieg zerſtoͤre vnd alles verwuͤſte / meldet die Schrifft vberall / es bezeugets auch die leidige Erfahrung / deſ - ſen oben in Aximate 4. auch gedacht / vnd vberfluͤſſig / darzu ſonderbahre Exempel anzuziehen. Gott der Herꝛ ſelber bezeuget ſolches bey dem Pro - pheten Eſaia gnugſam / wann er ſpricht vnd warnet: Haſtu aber nicht ge - hoͤret / daß ich in vorzeiten alſo gethan habe / vnnd von alters ſo gehandelt / vnd thue jetzt auch alſo / daß veſte Staͤtte zerſtoͤret werden zu Steinhauf - fen? Vnnd jhre Einwohner geſchwaͤchet vnd zaghafft werden vnd mit Schanden beſtehen vnd werden zu Feldgraß vnd zu grünem Kraut / ꝛc. im 37. c. v. 26. daß jhre Herren heiſſen muͤſſen / Herren ohne Land / vnd alle jhre Fürſten ein Ende haben / vnd werden Dornen wachſen in jhren Pal - laͤſten / Neſſeln vnd-Dieſteln in jhren Schloͤſſern vnd wird eine Behau - ſung ſeyn der Drachen vnnd Weide fuͤr die Strauſſen / ꝛc. Bey ge - meltem Propheten Eſaia c. 34. v. 12. 13. &c.

Der Krieg verwüſtet das Land vnd verbrennet ſeine Staͤtte / daß niemand darin wohnet Jerem. c 2. v. 15. & cap. 4. Von deß gantzen gelob - ten Landes Verwuͤſtunge / weiſſaget dieſer Prophet Jeremias weiter c. 33. v. 10. So ſpricht der Herꝛ von dieſem Ort darvon jhr ſaget / Er iſt wuͤ - ſte / weil weder Leuthe noch Viehe in den Staͤtten Juda / vnnd auff den Gaſſen zu Jerſualem bleiben. Von Verſtoͤrunge deß Egypten Landes weiſſaget dieſer Prophet auch c. 46. der Philiſter c. 47. der Moabiter vnd jhrer Staͤtte c. 48. da er ſpricht; Der Verſtoͤrer wird vber alle Staͤt - te kommen / daß nicht eine Statt entrinnen wird v. 8. Wieder die Am - moniter Damaſcon vnd andere c. 49. So meldet auch die Bibliſche Hi - ſtoria / daß zu den Zeiten der Macchabeer / die Statt Jeruſalem wuͤſte geſtanden / vnd kein Buͤrger mehr daſelbſten gewohnet / 1. Macchab. c. 3. v. 45. Sie iſt auch hernacher zu Zeiten Kayſers Veſpaſiani gantz deſolirt vnd raſiret worden / daß kein Stein mehr vber den andern nach der Weiſ - ſagunge Chriſtiblieben / wie bey Joſepho vnd andern Geſchichtſchreibern zu leſen; Da doch der Herꝛ von Jeruſalem hat ſingen vnd ſagen laſſen: Jeruſalem iſt gebawet daß es eine Statt ſeye / da man zu ſammen kom - men ſoll. Da die Staͤmme hinauff gehen ſollen / nemblich die Staͤmme deß Herren / zu predigen dem Volck Jſrael / zu dancken dem Namen deß Herren Pſalm. 122. v. 3. & ſeqq. vnd hat Alſtedius in ſeiner Chronolog. obſervi -403[401]Von dem Weltlichen Stande. obſerviret Tabell. 29. fol. 258. daß dieſe Statt vermoͤge Bibliſcher vnd anderer Hiſtorien XXIII. mahl eingenommen vnd endlich das letztemahl / wie gemeldet von Tito Veſpaſiano auß dem Grunde vmbgekehret wor - den. Welcher geſtalt bey vnſern Zeitten Anno 1631. den 10. Maij die herꝛliche Handel-vnd Anſeeſtatt Magdeburg / nach gewaltſamer Erobe - rung / mit Fewr vnd Schwerd zerſtoͤret / verheeret vnd in die Aſche gele - get / ſolches ruhet einem jeden in friſcher Gedaͤchtnuß / vnnd bezeugen es annoch die von Blut vnd Brand rauchende / vor Augen liegende rudera Steinhauffen / vnd ſeind darin in wenig Stunden etzliche vnd zwantzig tauſend Seelen an Mann / Weib / Kinder vnd Geſinde / der vernuͤnffti - gen Voͤlcker Sitten vnd Gewonheit / auch Kayſer Maximillan deß an - dern ins Reich publicirter Reuter Beſtall-vnnd Kriegsordnunge zu Speyer Anno 1570. auffgerichtet Artic. LXX. zu wieder / durch das Schwerd / Waſſer vnd Fewr von der grawſamen Soldateſca hingerichtet vn derwuͤrget.

Es iſt Magdeburg eine ſolche Statt geweſen / die dem Roͤmiſchen Reich in Kriegsgefahr wieder den Erb-vnd andere Feinde zur Roth ein gantz Regiment werben / auff die Beine vnd zu Felde bringen koͤnnen / a - ber jtzo iſt es ein buſtum vnnd jaͤmmerlich Spectakel. Viel andere Staͤt - te in Teutſchland vnſerm geliebten Vatterlande / auch Fuͤrſtenthüm - mer / Graff vnd Herꝛſchafften / ob ſie wol nicht alle auff die Weiſe crude - liter vmbgekehret / ſeind ſie doch auch alſo deſoliret vnnd zu Grunde ge - richtet / daß ſie jhre vorige florirende Geſtalt gantz verlohren / vnd an ſtatt jhres alten Geſchmucks Ornats, mit einem ſcheußlichen Sack / Jam - mers vnd Elendes angethan / daß man mit Sacharia wol ſagen mag / das edle Land iſt gar zur Wuͤſtunge gemachet Sachar. c. 7. v. 14. O Elend vber alles Elend / wo hat derleidige Krieg dich Edles Teutſchland hinge - bracht. Dieſe materi zu beſchlieſſen / ſo wolle der Herꝛ Zebaoth / der den Kriegen ſtewret in aller Welt / der Bogen zubricht / Spieſe zuſchlaͤgt vnd Wagen mit Fewr verbrennet / Pſalm. 46. ſich deß groſſen Jammers er - barmen / nach deme ſo lange gewehrten Vngewitter deß verderblichen / alles deſolirenden Krieges / die liebliche alles erfrewende Friedens Son - ne dermahl eins hervor blicken / vnd dem Edlen gleichſam in den letzten Verderbens-Zügen / begriffenem Teutſchlande Frieden zu ſagen / daß wieder Ehre darin wohne / daß Guͤte vnd Trewe einander begegnen Ge - rechtigkeit vnd Friede ſich kuͤſſen / daß Trewe auff Erden wachſe vnd Ge - rechtigkeit vom Himmel ſchawe / vnd das Land wieder ſein Gewaͤchs ge - be / wie die Kinder Korah mit der Kirchen Gottes in jhrem Vngluͤck zu Gott geſeufftzet vnd gebetet im 85. Pſalm.

E e e eVon402Das ander Buch /

Von Duellen vnd Bal - gereyen.

AXIOMA CXCVII. Die blutige Duella vnnd Balgereyen ſind in Got - tes Wort / Geiſtlichen / Natuͤrlichen vnd gemeinen be - ſchriebenen Rechten nicht zugelaſſen / noch vn - ſerm Chriſtenthumb gemeß?

BEy dieſem Axiomate iſt anfaͤnglich zu erwegẽ / daß daſſel - be auff vnſer Chriſtenthumb gerichtet / vnd derowegen al - le Heydniſche facta, Handlungen / vnd andere der Vn - glaubigen dißfals gefůhrte Actiones vnnd motiven dar - bey hindan zuſetzen ſeye.

Es beſtehet aber vnſer Chriſtenthumb Hauptſachlich in dieſen zweyen Stuͤcken / im Geſetze vnd Evangelio. Das Geſetz iſt die Norm vnd Richtſchnur deſſen was wir thun oder laſſen: Das Evangelium a - ber deſſen / was wir glauben oder nicht glauben ſollen. Was mit dieſen beyden Haͤuptſtuͤcken vbereinſtimmes / das iſt vnſerm Chriſtenthumb ge - meß / was aber darwieder ſtreittet / iſt vnchriſtlich / vnd demſelben zu wider. Ehe man nun zu dem erſten ſchreitet / ob nemlich nach dem Geſetze Got - tes die Duella vnd Balgereyen zulaͤſſig oder verbotten / ſo findet ſich auß der Hiſtori der Schoͤpffung / daß Gott den Menſchen nach ſeinem Eben - bild zu dem Leben vnd nicht zum Todt geſchaffen / vnd durch deß Teuffels der da ein Moͤrder iſt von Anbegin / Liſt vnd Betrug der zeitliche vnnd ewige Todt in die Welt kommen / ſo gar / daß der Menſch dergeſtalt durch die Suͤnde corrumpirt vnd geſchwaͤchet / daß er nicht allein von Natur / wann die natuͤrliche Kraͤffte durch zufallende Schwachheiten hohen403Von dem Weltlichen Stande. hohen Alter abnehmen / ſterben vnd dieſe Welt geſegnen muß / ſondern iſt der leydige Teuffel als der Vrheber deß bittern Todes ſehr vnmuͤſſig vnd geſchaͤfftig / wie er der Menſchen von Gott geſetztes Ziel zu ſterben / durch Mordt vnd andere Suͤnde vnd Laſter verruͤcken / vnd durch Gottes ver - haͤngniß einen auff dieſe / den andern auff eine andere weiſe / ehe ſein na - tůrliche Sterbſtunde kompt / in Gefahrſeiner Geſundheit Leibes / ja bey vorgehender Vermeſſenheit zugleich mit vmb das Ewige bringen / vnd zu ſeiner Hoͤlliſchen Geſellſchafft ziehen / vnnd in die ewige Verdamniß ſtuͤrtzen moͤge. Dieſe Tragœdi hat der leydige Teuffel nicht heut oder ge - ſtern / nicht vor zehen oder hundert / ſondern vor etliche tauſend Jahren / gleich in der erſten Welt zu agiren vnd zu ſpielen angefangen / vnd zwar zwiſchen den erſten Bruͤdern Cain vnd Abel / da er jenen vorhin zu Hoch - muth / Ambition vnd Vppigkeit / vnnd ſolchem nach zum Brudermord verleittet / daß er ſeinen frommen gerechten Bruder der per rerum natu - ram noch viel vnd lange Jahr leben / vnd den jhme von Gott geſetzten Ziel erreichen koͤnnen / clendig erwürget / vnnd ſeine Haͤnde mit Men - ſchen Blut beſudelt.

Was vor ein groß Mißfallen aber der fromme GOtt daran ge -I. Gen. c. 4. habt / ſolches iſt auß der erſchrecklichen darvber gefaͤlleten Sententz vnnd Vrtheil / auff die vorgangen Anklage in ſelbiger Hiſtori zu ſehen. Der Anklaͤger dieſes Bruder Mords iſt geweſen das vnſchuldig vergoſſene Blut / dann ſo ſpricht Gottder Herꝛ: Die Stimme deines Bruders Blut ſchreyet zu mir von der Erden. Bey dieſer Anklage iſt gravitas vnd atrocitas ſceleris, das iſt / die groͤſſe vnd Abſchewligkeit der That / vmb ſo viel deſto mehr abzunehmen / daß deme auff die Erde verſchůttetem Blut deß gerechten / die Wuͤrckung einer zu Gott ruffenden Stimme beygele - get / die Sententz aber lautet alſo: Verfluchet ſeyſtu auff der Erden / die jhr Maul auffgethan / vnd deines Bruders Blut von deinen Haͤnden empfangen / ꝛc. Jtem vnſteth vnd fluͤchtig ſoltu ſeyn auff Erden. Vnd demnach damahls keine Policey geweſen / iſt es bey dieſen / wiewol ſehr er - ſchrecklichen außgelaſſenen Vrtheil vnd Execution gelaſſen.

Nach der Suͤndflut hat Gott ſein Mißfallen gleich wieder erholet / mit dieſem ernſten Geſetze / vnd angehaͤngtem durchgehenden Blut Vr - theil: Wer Menſchen Blut vergeuſt / deß Blut ſoll durch MenſchenII. Gen. c. 9. vergoſſen werden / Vrſache / Gott hat den Menſchen zu ſeinem Bilde ge - macht. Jn den heiligen zehen Gebotten / iſt es mit kurtzen Worten auff dem Berge Sinai / nochmahls widerholet / vnd durch den Finger Gottes auff die Steinerne Taffel geſchrieben Non occides, Du ſolt nichtIII. Exod. 20. v. 13. toͤdten.

E e e e ijAuß404Das ander Buch /

Auß dieſem iſt nun abzunehmen 1. Daß der Mench von Gott zum Leben erſchaffen 2. Daß es per Regulam & Legem pœnalem & mora - lem allen vnd jeden Menſchen verbotten / ſeinen Naͤchſten vorſetzlich vnd wiſſentlich zu toͤdten / oder demſelben nach Leib vnd Leben zu trachten. 3. Daß in der gantzen Goͤttlichen Schrifft von dieſer Regul vnnd Geſetze nirgend privata Duella vnd Balgereyen excipiret vnnd außgenommen / oder jemand verlaubet / auß privat ambition, Ehrgeitz / Haß oder Neyd ſeinem Nechſten Duell anzubieten / vermittelſt deren nach Leib vnd Leben trachten / vnd darumb zubringen. Das Evangelium weiß davon gantz nichts / ſondern weiſet vns allenthaͤlben auff die Liebe Gottes / vnnd deß Nechſten / nicht allein deſſen der vns liebet / ſondern auch deſſen der vns haſſet vnd beleydiget / vnnd will gar nicht zugeben / daß einer ſein eygen Richter ſey / wann er beleydiget ſelber die Rache vben / ſondern Gott / deſ -IV. Deu - tero. c. 32. v. 35. V. Rom. 12. v. 19. VI. Gen. 9. v. 6. Matth. 26. v. 52. ſen die Rache iſt vnd der Weltlichen Obrigkeit / dero zu ſolchem ende das Schwerd angeguͤrttet / die ſelbe befehlen ſol / von deme aber ſo ſelber das Schwerd zur Rache außziehet / das Vrtheil ſpricht / wer das Schwerd nimbt / der ſoll durchs Schwerd vmbkommen.

Auß dieſen præmiſſis wird dieſer ohnbeweglicher Schluß gema - chet:

Alles was dem Geſetz Gottes vnd dem Evangelio zu wider leufft / das ſtreitet mit vnſerm wahren Chriſtenthumb / vnd iſt alſo nicht Chriſt - lich noch erlaubet. Die privat Duellen vnd Balgereyen ſeynd dem Ge - ſetz Gottes vnd dem H. Evangelio zu wider / darumb ſo ſtreitten ſie auch mit vnſerm Chriſt enthumb / ſeynd vnchriſtlich vnd vnzulaͤſſig.

VII. 1. ad Cor. 3. v. 6. & 2. c. 6. v. 36.
30

Ferꝛner lehret vns das Evangelium / daß ein widergeborner Menſch oder Chriſt / ſey ein Tempel vnd Wohnung Gottes / vnd ſeines heiligen vnd werthen Geiſtes / ja der gantzen hochgelobten Dreyeinigkeit. Wer nun auß privat Haß / Neyd vnd Ehrgeitz einen zum Duell fordert / vnnd denſelben vmb das Leben bringet / der zerſtoͤret den Tempel Gottes / vnnd die Wohnung der hochgelobten Dreyfaltigkeit / er verletzet damit die Ma - yeſtaͤt deß Allerhoͤchſten / er vernichtet das thewre Verdienſt JEſu Chri - ſti / der ſichs ſo viel koſten laſſen den Menſchen zuerloͤſen / vnd betruͤbt denIIV. 1. ad Cor. 3. c. v. 17. H. Geiſt. Wer nun den Tempel Gottes verderbet vnd zerſtoͤret / den will Gott wider verderben / 1. ad Corinth. 3. c. v. 17. Gar wol iſt zumercken / daß der Gerechte Gott bey dem Geſetz vnd angehaͤngter obengemelter gefaͤl - leter Blut Vrtheil vom Todſchlage / ſelber dieſe Vrſache geſetzet / daß Gott den Menſchen zu ſeinem Bilde gemachet.

Eine groſſe Vermeſſenheit were es / wenn einer ſeines Koͤniges / Landes Fuͤrſten vnd Herꝛn auff Holtz oder Papier gemahltes Bild / wel -ches405Von dem Weltlichen Stande. ches doch nur deß Menſchen vnd Mahlers Haͤnde gebildet / darin weder Leben / Blut oder Empfindligkeit verhanden / vnd durch Menſchen Haͤn - de wieder repariret werden kan / wider deß Koͤniges-Fuͤrſten vnnd Herꝛn publicirte mandata auß eytelem Ehrgeitz / Ambition oder Neyd / zu ſeiner Vermeinter Ehrennotturfft vnd reputation darnieder würffe / zerreiſſe vnd zerſtoͤrete / wuͤrde es auch ohne Straffe nicht thun / ſondern deren ge - wiß erwarten muͤſſen: Wie viel groͤſſer iſt dann dieſe Vermeſſenheit / Gottes deß Allerhoͤchſten / als Koͤnigs aller Koͤnige vnd Herren aller Her - ren lebendiges / mit Leib vnd Seele erſchaffenes / durch Chriſti Blut be - ſprengtes / vnd damit ſo thewr erkauffetes Bild / welches durch Menſchen nicht kan reſtauriret werden / mit veraͤchtlicher Hindanſetzunge / deß Schoͤpffers / Erloͤſers vnd Heiligmachers nieder zu reiſſen / vnnd zu zer - ſtoͤren. Gott iſt ein eyfferiger Gott / deſſen Zorn brennet biß in die vnter - ſte Helle hinein / er kan vnd will ſolche an ſeinem Geſchoͤpffe veruͤbte Vn - ehr vnd Blutſchuld nicht vngeſtraffet laſſen.

Jmgleichen lernen wir auß dem Evangelio / daß alle Chriſten durch die Tauffe auff genommen ſeyn in den Bund Gottes / vnd alſo da - durch Gottes Bundsgenoſſen worden. Nun iſt expoliticis bekant / daß ein getrewer Bundsgenoſſe die jenige Schmach / die ſeinem Bundsge - noſſen vnbilliger weiſe zugezogen wird / gleichſamb vor die ſeine haͤlt / vnd dieſelbe nach beſtem vermoͤgen vindiciren vnd andern hilfft / Solte dann der getrewe vnnd gerechte Gott / die an ſeine Bundsgenoſſen veruͤbte Schmach vngerochen laſſen?

Siehet man nun nechſt Gottes Wort auff die natuͤrliche Rechte / ſo findet man / daß die Natur ſelber eine allgemeine Cognation vnnd ver - wandniß zwiſchen allen Menſchen geſtifftet vnnd deroſelben zuwider - leufft / daß ein Menſch den andern ſoll deſtruiren. Natura enim abhorret à deſtructione. Die Natur hat ein abſchewens daran.

Siehet man ferꝛner auff dervernuͤnfftigen Voͤlcker Recht / ſo fin -IX. l. unic. C. de gla - diator. lib. 11. X. Erneſtus Cothman - nus Reſp. 2. n. 73. & ſeqq. cum ibi allega - tis Cano - nibus & Authori - bus jurio. det man nicht / daß die privata Duella darin durchgehend erlaubet.

Die beſchriebenen Kayſerl. Rechte laſſen gantz keine Duella pri - vata vnd digladiationes zu:

Die Jura Canonica oder Geiſtliche Rechte inhibiren dieſelbe ſub pœna Excommunicationis bey Straffe deß Kirchenbans / ſchlieſſen die Duellanten vnd Balger auß von der gemeinſchafft der Heiligen / vom Gehoͤr Goͤttliches Worts / vnd dem Gebrauch der hochwuͤrdigen Sa - cramenten / ſtatuiren vnd ordnen daneben / daß denen ſo im Duell todt bleiben / honeſta Sepultura, das iſt / eine Ehrliche vnd Chriſtliche Begraͤb -E e e e iijniß406Das ander Buch /nuͤß zuverweigern / vnd ſchreibet Carolus Scribanus in ſeinem Politico Chriſtiano lib. 2. cap. 41. Defunctorum in duello Cadavera, Magiſtratus aut inſepulta volucribus relinquet, aut Canum. Sepulturâ donabit: à ſa - cratis verò locis omnino excludet. Bona. etiam omnia utriuſque partis Fiſco addicet.

Die erſte Kirche vnd die Heilige Alt Vaͤtter haben die Duella vor Vnchriſtlich gehalten / ſie ſeynd auch auff verſchiedenen allgemeinenXI. vid. Frid. Bal - duinum de Caſibus Conſcien - tiæ lib. 4. c. 1. caſ. 12. Conciliis damniret. Die jetzige Kirchen Lehrer / Theologi vnnd Predi - ger thun dergleichen / vnd ſchlieſſen einhellig dahin / daß die Duella wieder Gott vnd ſein Gebot / vnd derowegen in der Chriſtenheit von der hohen Obrigkeit keines weges zugeſtatten / ſondern die Duellanten ſie ſeyn A - ctivi oder paſſivi, ſie ſeyn die Außforderende oder Außgeforderte ernſtlich zubeſtraffen.

Die Roͤm. Kayſer / viel Chriſtliche Potentaten / Koͤnige / Chur - Fuͤrſten vnd Herren / haben an jhren Hoͤfen / in jhren Erb. vnnd Wahl - Landen die Balgereyen vnd Duellen als vnchriſtlich bey Leib vnd Lebens Straffen / auch verluſt Ehr / Haab vnd Gut mehrmahls verbotten / wie die alte von dem Goldaſto colligirte Kayſ. Edicta vnnd Conſtitutiones beſagen / vnd hat Weyl. der fromme Kayſer Matthias glorwürdigſten Andenckens zeit ſeiner Kayſerl. Regierunge Anno 1617. auff dem Koͤ - niglichen Schloß zu Prage dergleichen publiciren laſſen / wie nach dem nachfolgenden Axiomate geſetzet. Ludwig der XI. Koͤnig in Franck - reich hat dergleichen gethan. Vnnd hat der tapffere Koͤnig in Franckreich Henricus IV. Anno 1602. dergleichen Edict publicirt, da - von ebener maſſen auß dem Thuano eine Abſchrifft hiernach ge - druckt.

Der Tuͤrcke / ob er ſchon ein barbariſch vnd Tyranniſch Regiment fuͤhret / auff Mannheit vnd Tapfferkeit ſeiner Leuthe hochhaͤlt / vnd ſeinen gantzen Tyranniſchen Statum vnd Dominatum darauff ſetzet / ſo befindet er doch nicht thunlich / die Duella in ſeinen Landen vnnd Gebieten vnter den Tuͤrcken zu geſtatten. Ein mercklich Exempel erzehlet Augerus Buſ - bequius, Kayſer Ferdinand deß erſten an der Türckiſchen Porte zu Con - ſtantinopel eine geraume Zeit geweſener Geſandter / daß nehmlich zwey tapffere / vnd in Ritterlichen bey den Tuͤrcken manierlichen exercitiis ge - uͤbte Soldaten auffeinander æmuliret, vnd ſo weit kommen / daß der eine den andern zum Duell begehret / deß wegen der provocirende Theil vor die Baſchen / als hoͤchſte Officirer erfordert / vnd wie Busbequius in Epiſt. 3. referiret, nachfolgender maſſen zu rede geſetzt worden: Tune Commili -toni407Von dem Weltlichen Stande. toni tuo ſingulare Certamen denunciare auſus es? deerant quippe Chri - ſtiani in quos pugnares, vivit uterque veſtrum pane noſtri Imperatoris, nihilominus inter vos de vita decernere parabitis. Quo jure quonam Exemplo? an ignorabitis, utercunque veſtrum cecidiſſet, imperatoris damno caſurum? Quo dicto duci eum in Carcerem juſſerunt, in quo multis menſibus maceratus, vix tandem liberatus eſt, exiſtimatione valde diminuta. Das iſt / wer hat dich ſo verwegẽ gemacht / daß du deinen Cam - meraden oder Spießgeſellen zum Duell fordern doͤrffen? Hat es euch an Chriſten gemangelt / wider welche jhr ewre Tapfferkeit hettet ſollen ſehen laſſen. Jhr lebet beyde von vnſers Tuͤrckiſchen Kayſers Sold / vnd doͤrf - fet euch doch vnterſtehen vmb ewer Leben vnter andern zu fechten. Mit was vor Recht / vnd aͤrgerlicher Conſequentz? Wiſſet jhr nicht welcher ewrer darauff gangen waͤre / daß es zu ewres Keyſers Nacht heil Scha - den geſchehen waͤre. Worauff der provocante ſo den andern gefordert / ins Gefaͤngnuͤß geworffen etliche Monat darin elendig enthalten / kaum mit dem Leben davon kommen / vnnd an ſeinen guten Namen groſſen verluſt erlitten. Æſtimiren vnd halten die Barbariſche Tůrcken darvor / daß es nullo jure vnd malo Exemplo geſchehe / daß durch privat Duell der Tuͤrckiſche Kayſer eines tapffern Mannes / der wieder deſſen Feind noch gute Dienſte leyſtẽ koͤnte / dardurch beraubet werden koͤnte / warumb ſolten wir Chriſten auß der acht laſſen / daß durch die Vnchriſtliche Duell ein redlicher tapffer Mann / der zuforderſt ſeinem Chriſto / ſeinem Kay - ſer / Koͤni / Chur-Fürſten vnd Herren / ſeinem geliebten Vatterlande / ſeinen Eltern / Freunden / auch zu weilen Weib vnd Kindern dienen koͤn - te / auß privat Eyffer / Ehrgeitz vnd Rachgier auß dem Mittel geraͤumet / vnd elendig vmb ſein Leben / deſſen Gott allein / vnnd an deſſen ſtatt die Weltliche Obrigkeit auff gewiſſe maſſe ein Herꝛ iſt / zu bringen.

Die jenige ſo die Duella zu behaupten ſich vnterſtehen / geben vor / daß es eine tapffere Heroiſche Reſolution ſeye / ſonderlich die ſich Caval - lieri nennen / ſein Leib vnd Leben geringer als ſeine Reputation zu achten (welches denn in ſeinen terminis vnd wann es nicht wider Goͤttliche vnd Weltliche Rechte geſchiehet / billig zu loben ſtehet) vnd daß kein beſſer Mittel ſeye / wann einer ſich vber den andern offendirt befinde / als mit dem Degen oder Piſtolen außzufuͤhren; Diß klingt zwar in vieler Oh - ren wol / hat auch erſten anſehen nach einen ziemlichen Schein / aber in keinen Rechten einigen grund / vnd Fundament / auch gantz keinen Troſt eines guten Gewiſſens mit Gott. Dann was wider Gott vnd alle Rech - te / vnd wider die grundfeſte vnſers Chriſtenthumbs laͤufft / wie kan daſſel - be beſtehen / oder bey Chriſten gut geheiſſen werden / vnd ein gut Gewiſ -ſen er -408Das ander Buch /ſen erhalten. So iſt auch auß Gottes Wort bekant / daß bey demſelben kein reſpectus oder anſehē der Perſonen ſo viel ſeine Gebott anbelanget / vnd alſo auch zwiſchen denen ſo ſich Cavallieri nennen / vnd andern / wañ er als der Richter aller Welt ſein Gericht dermahl eins haͤlt / keinen vn - terſcheid machen wird.

Es iſt auch dieſer Modus eine ſtreittige Sache / auß zutragen / nicht allein wider Gott / die Natur vnd alle Rechte / ſondern hat bey dieſem Außtrag keiner ſich eines rechtmaͤſſigen eventus oder Außgangs / viel weniger Goͤttlichen beyſtandes zu getroͤſten. Dann was ſolte das vor eine Gerechtigkeit ſeyn / wann ein frecher frevelhaffter vnd blutdurſtiger Menſch / einen andern zum hefftigſten mit Worten vnd der That offen - dirte, an Ehre vnd Leib kraͤnckte / der Beleydigte aber keine andere Mittel ſeine Ehre vnd Reputation zu retten haben ſolte / als durch ein Blutig Duell, dann darbey kan geſchehen / daß der Offendens den offendirten v - ber vorige zugefuͤgte vnverantwortliche Schmach noch ferner an ſeinem Leibe vnd Gliedern beſchaͤdige / oder wol gar vmb ſein Lebenbringe / vnnd alſo eine Jnjuriam mit einer noch groͤſſern haͤuffe vnd ohne Straffe auß - gehe. Ob auch wol die Duellanten zu ſagen pflegen / Gott ſtehe der guten gerechten Sache bey / vnd daß es nach dem alten Reim heiſſe:

Eine gute Sache / fuͤhrt mit ſich Gottes Rache.

So verſtehet ſich doch ſolches dahin / wann eine gerechte Sache nach Got - tes Wort / vnd dazu verordnete Rechtliche Mittel perſequiret vnd getrie -XII. Deut. c. 16. v. 19. in edit. vulg. latin. Hieron. XIII. Rom. c. 13. ben wird / dann ſo ſpricht Gott der Herꝛ ſelber: Juſtum quod eſt, juſtè perſequeris, das iſt / was recht iſt / das verfolge auch mit Rechte / nemlich durch ordentliche Mittel vnd Wege.

Nun hat aber Gott zu dem ende die hohe Obrigkeit eingeſetzet / vnd derſelben das Schwerd an die Seyte geguͤrtet / daß dieſelbe ſeyn ſoll eine Raͤcherin zur Straffe / vber den der boͤſes thut / daß ſie den Frommen vor vnrecht Gewalt ſchuͤtzen / den Vbelthaͤter ſtraffen ſoll / wer auß dieſen Schrancken gehet / einenandern Weg erwehlet / der verſuchet Gott / verachtet ſeine Ordnunge / handelt wider ſein Gewiſſen / greiffet der ho - hen Obrigkeit in jhr Ampt / vnd wandelt auff dem Wege der Gottloſen vnd Spoͤtter / ſo bezeuget auch die Erfahrung daß in den Duellen ſo bald der offendirte vnd vnſchuldige als der ſchuldige getroffen wird.

Ja ſpricht einer / die Cavallieri koͤnnen nicht Rechten / es ſtehe jhnen beſſer an / daß ſie es mit der Fauſt außtragen: Aber lieber beweiß mir / daß Gott denen die ſich Cavallieri nennen / ein eygen Recht vnd Geſetz / oder dieſelbe von ſeinem offenbahrtem Geſetz befreyet / vnnd jhnen in eygener Sache / vnd zu vermeinter jhrer Reputation Menſchen Blut in Friedenzuver -409Von dem Weltlichen Stande. zuvergieſſen / vnd jhren Nechſten zuerwuͤrgen / oder vmb ſeine Glieder vnd Geſundheit zu bringen / erlaubet. Man muß ſo lange bey der Regul ſtehen / biß die Exemptio oder Exceptio erwieſen. Auſſer zweyffel hat Cain auch ein Cavallier ſeyn wollen / vnd darvor gehalten / es waͤre jhme als dem aͤltiſtem Bruder ſchimpfflich vnd wieder ſeine Reputation / daß ſei - nes frommen juͤngern Bruders Opffere von Gott / der das Hertz anſihet / angenommen / ſeines aber verſchmaͤhet / derwegen eine ſolche vermeinte tapffere vnd Heroiſche Reſolution ergriffen / vnd ſeinen frommen Bru - der erwuͤrget. Man will den Cavallieri diß einige darwieder opponiren: Wer ſeine eygene ſich vorgebildete Reputation die doch in der Warheit keine Reputation ſondern eine lautere Vanitaͤt vnd eytele Thorheit iſt / hoͤher als ſeinen Gott vnd deſſen heilige Gebott æſtimirt, der handele wi - der das erſte Gebott / iſt ein Goͤtzendiener / ziehet ſeine eytele Reputation / Gottes Ehre vor / vnd iſt verfluchet / dann ob wol Gott ſelber befohlen / XIV. Matt. 10. c. v. 11. daß man Vatter vnd Mutter ehren vnd lieben ſoll / dennoch wer dieſelbe mehr liebet als Gott / der iſt ſeiner nicht werth / ſpricht Chriſtus. Es koͤn - nen etliche Duellanten zwar wolſcheinlich davon diſcuriren, aber ſie wer - dens dermahl eins erfahren / wenn ſie vor dem ſtrengen Richterſtul Got - tes erſcheinen / ob ſolche Diſcurß wider ſein Wort / Geſetze vnd Gebotte / ſie von dem Fluch der Vbertrettung befreyen werden / oder ob man nicht viel mehr dahin zu ſehen / was der Mund der Warheit ſaget: DasXV. Iohan. c. 12. v. 48. Wort (nemlich non occides, du ſolt nicht toͤden) das Jch geredet habe / wird ſie richten am juͤngſten Tage.

Sie ſprechen ferꝛner / die Rechts gelehrten fuͤhren doch ſelber dieſe maxima vnd Regul / Quod vita & fama pari paſſu ambulent, das Leben vnd die Ehre deß Menſchen gleich zu achten. Nun iſt aber erlaubet zu Rettunge ſeines Lebens einen zu toͤdten / ſo wil folgen / daß auch zu rettun - ge der Ehren ein gleichmaͤſſiges erlaubet / aber liebe Herꝛn Jhr werdet bey keinem Chriſtlichen vernuͤnfftigen Rechts gelaͤhrten dieſe Regul al - ſo vnd in ſolchem Verſtande finden. War iſts / daß ein ehrlicher Mann / der nach Ehr / Tugend vnd Tapfferkeit trachtet / eben ſo lieb vnd viel lieber an ſeinem Leben / als an ſeiner Ehre periclitiren, vnd lieber jenes als die - ſes verlieren ſolt / daß er ſich aber darumb von ſeinem Gott wenden / ſeine heilige Gebott verachten / vnd mit deme der jhme an ſeine Ehre greiffet / wieder Gottes Gebott / die Natur / vnd alle Rechte in Duell begeben / ſein Leib vnd Leben daruͤber er doch nicht / ſondern Gott ein Herꝛ iſt / hazardi - ren, in die Schantze ſchlagen / oder ſeinen Widerſacher deſſen berauben / ja was noch mehr iſt / ſich beyde vmb die ewige Seligkeit / daran vorſetzliche Duellanten vnd Todſchlaͤgere kein Theil behalten / wann ſie ſolcher vn -XVI. JnF f f fchriſtlichen410Des ander Buch /der 1. Epiſt. Ioh. am 3. Cap. v. 35.chriſtlichen Furi ein Ende mit Schrecken / Ach vnd Wehe nehmen / brin - gen ſollen iſt in einen Rechten verordnet / vnnd eben ſo wenig verant - wortlich / als wañ einer ſelber Hand an ſich leget / mit Eyſen oder Strang das Leben nimbt / oder wie der verzweifflende Saul / es einem andern zu - muthet / oder denſelben dazu noͤthiget vnd veranlaſſet. 1. Sam. c. 31. Wel - ches wie wol bey den vnglaͤubigen Heyden zuweilen gelobet / bey den Chri - ſten aber jederzeit vor ein Grewl gehalten worden. Vnnd ob wol zwiſchen dem zeitlichen Leben vnd zeitlicher Reputation noch eine Vergleichunge vnd proportion in ſuis terminis zu machen ſtuͤnde / ſo iſt doch ratione æ - terni wegen deß ewigen / (Oewig ohne Ende / wie ſchwer wird das fallen) welches doch principaliter hierunter pariclitiret, gantz keine Verglei - chunge / was waͤre doch dem Menſchen die gantze Welt (mit aller jhrer Ehre vnd eyteler eine geringe Zeit wehrender Reputation) wann er ſolte Schaden nehmen an ſeiner Seele / ſpricht Chriſtus ſelber Matth. 16. v. 26. Momentaneum eſtquod delectat, Æternum eſt quod cruciat. Wie der alte Kirchenlehrer ſaget. Man ſehe auff die alte vnd friſche Exempla deren ſo in Duellen toͤdtlich / verwundet vnd darvon muͤſſen / in was fuͤr Angſt / Noth vnd Schrecken ſie ſich befinden / vnd wenn ſie auff Gott ge - dencken ſollen / jmmer von jhrem Widerſacher reden / vnd ſich ſchwerlich oder gar nicht troͤſten laſſen wollen. Es kan mit ſolchen Leuthen ſchwerlich anders heiſſen / als wir in dem Kirchen geſange ſingen:

Jch foͤrcht fuͤrwar die Goͤttliche Gnad / die ſie ſo frech verach - tet han / wird ſchwerlich ob ſie ſchweben. Kan doch ein ehrlicher Mann / der keine vnredliche boͤſe That begangen / durch eines Calumnianten vnd Ehrendiebs Laͤſter vnd Schmaͤhungen ſeinen wolhergebrachten ehrlichen Namen nicht verlieren / ob erzwar dardurch graviret wird / darwieder jh - me gleichwol das Recht vnd Obrigkeitliche Hülffe offen ſtehet / er kan auch den Calumnianten mit Recht peinlich oder ſonſten beſprechen / vnd es dahin bringen / daß derſelbe an Ehr / Leib / Haab vnd Guth / nach geſtal - ten Sachen geſtraffet vnd in deme der Schmaͤher einen andern ehrlichen Mann an ſeinen Ehren / durch ſein Laͤſter vnd Schmaͤhe Maul oder ſon - ſtẽ mit der That zu graviren ſich vnterſtehet / die juſtiſſimã talionis pœnam vber ſich ziehen / vnd zu einem Vnman / darzu er einen andern machen wollen / werden. Dieſe revange trifft den Calumnianten ſcharff / iſt Got - tes Wort vnd den Rechten gemeß / derwegen ſich ein jeder daran genuͤ - gen zulaſſen / vnd in kein Duell, deſſen blutiger event den vnſchuldigen treffen kan / ſich zu begeben befugt.

Vber das ſo kan obig angezogene Rechts Regul vmb ſo viel deſto weniger auff die Duella gezogen werden / alldieweil auch ſonſten auſſereiner411Von dem Weltlichen Stande. einer hoͤchſtabgetrungener Nothwehre / da der vberfallene anderer geſtalt nicht / als dadurch ſein Leben / ſalviren kan / keinem erlaubt zu Rettunge ſeines Lebens einen andern zu toͤdten / als zum Exempel wann einer den Hunger zuvertreiben / vnd darvber ſein Leben zu bergen einen andern vmb das Leben bringen (wie man leyder hoͤret / daß es in den Oberlan - den eine zeitlang alſo hergangen) vnd damit das ſeine retten wolte / were ſolches keines Weges erlaubet ſondern ernſtlich zubeſtraffen. Jſt es nun nicht erlaubet daß ein Menſch den andern zu Rettunge ſeines Lebens / wegen antringender euſſerſten Hungersnoth / welche in andere Wege gleichwol nicht abzuhalten / erwuͤrge / ſo viel weniger iſt zugelaſſen vnnd vor Gott zu verantworten / ſolches zu vorgebildeter Reputation vnd auß Rachgier zu thun / zu mahln in andere Wege durch rechtliche Mittel vnd die hohe Obrigkeit darzu / vnd ad juſtam honoris vindictam zugelangen.

Schließlichen / haben nicht allein die Heiligen Vaͤtter / Kirchen - Lehrer / vernuͤnfftige Politici, Rechtsverſtaͤndige / vnd andere Gottſelige Chriſtliche Hertzen jeder zeit darvor gehalten / wie noch / daß die Duella durch deß Teuffels Liſt vnd Geſchwindigkeit / zu der Menſchen zeitlichen vnd ewigen Todt vnd verderben erfunden / vnd von denen geliebet vnnd vorſetzlich auß Hochmuth / Stoltz vnnd Vppigkeit zur Hand genommen werden / welchen der leydige Teuffel als ein Moͤrder von anbegin zum Vorfechter vnd Fuͤhrer ſich præſentiret, den Hochmuth deſſen Sold / den zeitlichen vnd ewigen Todt in die Welt gebracht: Sondern es haben auch die vernuͤnfftige Heyden ſolche improbiret vnd recuſiret, es thun es auch noch auff den heutigen Tag die Barbariſche Türcken / vnnd andere vnchriſtliche Voͤlcker / ſo gleichßfals einen Abſchew daran haben.

Axioma CXCVIII. Chriſtliche Potentaten / Kayſer / Koͤnige / Chur-Fuͤr - ſten vnd andere hohe Obrigkeiten koͤnnen die Duella vnd Balgereyen an Jhren Hoͤffen / in jhren Landen vnd Gebieten mit gutem Gewiſſen nicht zugeben / geſtatten / vnd wann es geſchiehet / vor Gott ſchwerlich verantworten.

A deme was bey Eroͤrterunge vorigen Axiomatis angefuͤhret / iſt ohnſchwer dieſem der Außſchlag zugeben. Dañ was da diametraliterF f f f ijvnd412Das ander Buch /vnd ſchnurſtrack mit vnſerm wahren Chriſtenthumb / Gottes heiligen Gebotten vnd Evangelio / auch natuͤrlichen Geiſt vnd Weitlichen Rech - ten ſtreittet / vnnd ad perniciem ac deſtructionem generis humani von dem leydigen Teuffel zur Bahn gebracht / ſolches kan keine Chriſtliche hohe Obrigkeit / welche von Gott zu Huͤtern vnd Waͤchtern geſetzet / daß ſie ſeyn ſollen Cuſtodes utriuſque Tabulæ, das iſt daß ſie vber beyde Taf - feln deß Geſetzes Gottes Hut vnd Wacht halten ſollen / daß darwieder nicht es vorgenommen / gehandelt / oder von einigem Menſchen eingebro - chen werde / viel weniger es ſelbſt thun vnd geſtatten / zu welchem Ende deroſelben von Gott auch das Geſetzbuch ſonderlich anvertrawet / juxtaI Deute - ron. c. 17. v. 19. Ioſuæ 1. v. 8. Gemeine Inſtructiō der hohen Obrig - keit. illud: Rex leget in libro omnibus diebus vitæ ſuæ, & non deflectet ab ea ſed faciet ſecundum omne quod ſcriptum eſt in eo. Das iſt / der Koͤ - nig / Fürſt / oder ander hohe Obrigkeit ſoll leſen in dem Geſetzbuch deß HErꝛn ſeines Gottes ſein Lebenlang NB. Daß er halte alle Wort dieſes Geſetzes / ꝛc. Vnd nicht davon weichen weder zur Lincken noch zur Rech - chten / auff daß er weißlich handele in allen was er thun ſoll / vnnd Aller - dinge darnach thun. Dieſe Inſtruction hat der Allweiſe Gott den kuͤnff - tigen Koͤnigen ſeines Volcks etliche hundert Jahr vorher / ehe daſſelbige von Koͤnigen beherꝛſchet worden durch ſeinen hocherleuchteten Mund - botten Moſen / der es auß ſeinem Goͤttlichen Munde empfangen / vnnd deſſen getrewen ſubſtituten Joſuam alſo allen Koͤnigen vnd Regenten zu einer ohnfehlbahren Richtſchnur auffzeichnen laſſen vnd hart eingebun - den. Nun ſaget aber Gottes Geſetz du ſolt nicht toͤdten / derowegen auch ein Chriſtliche Obrigkeit / wann ſie ein getrewer Cuſtos Huͤter vnd Waͤchter deß Jhro ſo hoch von dem Gerechten Gott zu trewen Handen anvertraweten Geſetzbuches ſeyn / vnd deme in Caſum Contraventionis angetrohentem Fluche zu entgehen gedencket / die Duella privata vnd Balgereyen darauß Mord vnd Todſchlag entſtehet / keines Weges ge - ſtatten ſoll oder kan Ob auch wol die Notwehr / rechtmaͤſſige Kriege vnd Obrigkeitliche Executiones in malefiz Sachen / Todſchlaͤge nach ſich zie - hen / welche die Obrigkeit nicht allein zulaſſen / ſondern krafft tragenden Ampt zu weiln verfuͤgen vnd anordnen muß / ſo ſeynd dieſe Caſus in Got - tes Wort außtruͤcklich à Regula excipirt, vnd impliciren keine Vbertret - tunge deß Geſetzes. Weil aber die Duella privata, ſo auß privat Eyffer / Rachgier vnd Ehrgeitz / vnd ad privatam vindictam angetretten vnnd v - bernommen werden / in heiliger Goͤttlicher Schrifft nirgend à Regula ex - cipiret, ſo bleiben ſie vnterm fuͤnfften Gebott / das da heiſt / Du ſolt nicht toͤdten / ohnverruckt begriffen. Es wird zwar das Duellum zwiſchen Da - vid vnd Goliath in heiliger Schrifft nicht improbitet, ſondern geruͤh -met /413Von dem Weltlichen Stande. met / aber ſolch Exempel reimet ſich auff ſolche Duella vnnd Balgereyen nicht / darvon man jtzo redet. Dann 1. Jſt es ein factum Heroicum, ge - ſtalt es dann pro facto Heroico in der H. Schrifft celebriret wird / vnnd der wegen nicht ad Conſequentiam zuziehen. 2. War es keine privat Sache zwiſchen David vnnd Goliath / deren keiner mit dem andern in privato zu ſchaffen / ſondern Cauſa publica, weil Goliath wegen der Phi - liſter / ſo deß Koͤniges Sauls Feinde waren / dem Zeug Gottes vnndII. 1. Sam. c. 17. den Kindern Jſrael Hohn ſprach / dahero David nicht auß privat Eyf - fer / noch vmb ſeiner Ehre / ſondern vmb Gottes Ehre / vnnd vmb Abwen - dung der Schmach von dem Volcke Gottes / vnd zwar publica Regis Authoritate & juſſu ſich zum Duell eingelaſſen / gleich wie heutiges Ta - ges einer auff Ordre ſeines Obriſten / ſeinen Feind in particulier angreif - fet / vnd denſelben chargiret, geſtalt er dann zu dem Goliath geſaget: Du kompſt zu mir mit Spieß / Schwerd vnd Schild / ich aber komme zu dir im Namen deß HErꝛn Zebaoth / deß Gottes deß Zeuges Jſrael / den du gehoͤnet haſt. Vnd heutiges Tages wird dich der HErꝛ in meine Haͤnde vberantworten / ꝛc. Worauß denn Gottes ſonderbahrer Beruff zu ſehen / die Vberwindung auch deß groſſen vngehewren Rieſen mira culosè durch die Schleuder erfolget / inmaſſen dann auch diß Exempel ein vor - bild deß Herꝛn Chriſti geweſen / welcher den Hoͤlliſchen Goliath erwuͤr - get / kan ſich derowegen keiner mit fuge darauff ziehen.

Jn der Roͤmiſchen Hiſtoria findet man das Exemplum Trigemi - norum, welche vor deß gantzen Vatterlandes Wolfarth / vnd zu Verhuͤ - tunge groͤſſern Kriegs vnd Blutvergieſſens ritterlich publica auctorita - te gefochten / welches aber auff die privata Duella nicht zu ziehen. Dionyſ. Halicarnaſſ. lib. 3. Antiquitat Roman. Es ſeynd zwar auch Exempla verhanden / daß Kayſer / Koͤnige vnd andere heroiſche Leuthe ſich zu Duel - len reſolviret, vnd darauff jhre wiederwertige durch Cartelle provociret, geſtalt dann noch in vorigem Seculo der Tapffere Kayſer Carol der fuͤnff - te den Koͤnig in Franckreich Franciſcum zum Duell erfordert / wie bey dem Sleidano lib. 6. zu befinden. Jmgleichen gedencket Albet. Krantz in Saxon. lib. 1. cap. 4. daß Roe ein Koͤnig in Dennemarck mit Hindingo einem Koͤnig in Sachſen in Duell ſich begeben / denſelben auch ſo weit vberwunden daß dieſer jhm entweichen vnnd das Feld raumen muͤſſen. Vnd ſeynd noch andere mehr dergleichen Exempel verhanden / Ja es wird ſolches in theils benachbarten Landen / vnd ſonderlich Holſtein / vor ein Privilegium Nobilitatis vnd wolhergebrachte Gewonheit gehalten / daß wann einer von dem andern im geringſten offendiret, oder nicht al - ſo / wie es der ander haben will / angeſehen vnd gegrüſſet wird / er beſugt ſeyF f f f iijdenſel -414Das ander Buch /denſelben zum Duell zu provociren, vnd impunè vmb ſein Leben zu brin - gen. So iſt doch hierauff zu antworten / daß man nicht nach Exempeln die in Gottes Vort vnd den Rechten verbotten / ſondern nach Gottes Gebotten vnd guten Geſetzen zu vrtheilen. David war ein loͤblicher Koͤ - nig / vnd daneben ein Mann nach dem Hertzen Gottes / wer kan aber ſein Exempel mit Vrie Brieff / der Batſabe Liebe / vnd vppiger Zehlunge deß Jſraelitiſchen Volckes gutheiſſen / vnd wann man auff die Exempla ge -III. Hiob. c. 15. VI. Eſa. c. 8. het / heiſt es wie der Apoſtel ſaget: in multis labimur omnes vnd iſt auch keiner vnter den Heiligen Gottes ohne Tadel. Derowegen man ad Re - gulam, ad Legem & Teſtimonium, weil geſchrieben ſtehet / qui non dixe - rit ſecundum verbum hoc, ipſi non erit Lux matutina, werden ſie darnach nicht fragen / ſo werden ſie die Morgenroͤthe nicht haben / zuſehen / vnd nicht ad Exempla zu provociren. Zu deme iſt zwar die provocatio vom Kayſer Carolo geſchehen / aber doch nicht zum effect wuͤrcklichen Duell kommen. Auff das Exempel von dem Koͤnig Roe wird geantwortet. 1. Daß er ein vnglaͤubiger Heydniſcher Koͤnig geweſen. 2. Hatte er nicht als ein privatus cum privato decertiret, ſondern iſt als ein Koͤnig in Dennemarck / mit gemeltem Koͤnig in Sachſen als ein offenbahrer Feind zu Felde gezogen / ſich beyderſeits mit jhren Armeen vnnd Kriegsheeren gegen einander ſiſtiret, deß Vorhabens deſummâ rei nicht privata ſon - dern publica authoritate zu fechten / vnd ſich beederſeits belieben laſſen die Fortun der Schlacht auff jhrer beyden Mann-vnd Tapfferkeit zu ſtellen. 3. So iſt dieſes keine privata ſondern publica cauſa geweſen. 4. Haben es keine privati, ſondern zwey Souvereine Koͤnige vnd Potentaten / die kei - nen Richter / ſondern Gott vnd das Schwerd pro ſuperiore erkant / mit einander zu thun gehabt / derowegen die Privati auff ſolche Exempla, die auch nicht vnter Chriſten vorgangen / ſich nicht zu beruffen haben. Man kan auch Exemplis Exempla opponiren. Kayſer Auguſtus iſt ja auch ein tapfferer Held geweſen / von deme Cornelius Tacitus ſchreibet / quod ſo - lo vultu & aſpectu Actiacas Legationes terruerit, dennoch wird memori - ret, daß wie er von Marco Antonio provociret ſolches abgeſchlagen vnd geantwortet / ſatis multas illi ad Interitum vias patere, vnd werden vom Erneſto Cothmanno in Reſp. 2. vol. 5. der Exempel mehr anzogen.

Die angezogene Gewonheit vnnd Privilegia koͤnnen auch Gottes Geſetz nicht ſchwaͤchen oder auffheben. Das iſt ein vnwandelbahr Ge - ſetz / du ſolt nicht toͤdten / darwieder kan kein Privilegium oder Gewonheit auffkommen / oder von einem Chriſtlichen Regenten geſtattet werden / cum inferior non poſſit tollere Legem ſuperioris. So wird auch keine Nation eygene Brieffe auffzulegen / daß ſie wieder Gottes Gebot privile -giret,415Von dem Weltlichen Stande. giret, ſondern iſt vielmehr ſolches Nationis alicujus inveteratum vitium, darvon der alte Hiſtoricus Arnoldus Abbas in Continuat. Chron. Schla - vorum. lib. 2. c. 32. ſchreibet: vnnd ſchreibet Carol. Scribanus in Politio. Chriſtiano von dergleichen Gewonheit alſo: Barbaram hanc Conſuetu - dinem, quis crederet inter Chriſtianos, Chriſti Sanguine lotos, æternita - ti natos reperiri. Zu deme iſt gewiß daß Kayſer / Koͤnige / Potentaten / Fuͤrſten vnd Herꝛn ſeynd Gottes Statthalter / vnd ſeines Reichs Ampt - leute / wie ſie die Weißheit Salomonis im 6. cap. neñet / wie nun Koͤnige / Potentaten vnd Regenten jhren Statthaltern / vnd Amptleuten bey An - trettung jhrer Bedienunge / eine gewiſſe vnd gemeſſene Jnſtruction vor - ſchreiben / die ſie pro norma & Regula aller jhrer Actionen vnd Verrich - tungen halten muͤſſen / vnd da ein Bedirnter wieder ſeine Jnſtruction vnd Beſtallungs-Brieffe handelt / muß er gewertig ſeyn / daß er ſeines Dienſtes entſetzet / vnd ſonſten in andere Wege beſtraffet werde. Ebener - maſſen hat Gott Koͤnigen / Fuͤrſten vnd Regenten das Geſetz-Buch an ſtatt einer Jnſtruction vorgeſchrieben / vnd ernſtlich befohlen darvon we - der zur Rechten noch zur Lincken abzuſetzen / ſondern allerdinge darnach zu thun / wie oben angefuͤhret / derowegen der groſſe Eyferige Gott jhnen ſo wenig wird gut heiſſen / als ſie jhren Ampt-Leutnn vnd Bedienten zu - geben koͤnnen / daß ſie auß jhrer Jnſtruction ſchreiten / daruͤber vnd wider handeln / noch etwas connivendo auß einer Politiſchen Conſideration vnd vnbegruͤndeter motiva nachſehen / vnd geſtatten / ſo dem Geſetze Got - tes Schnurſtrack zu wieder leufft.

Dieweil nun der Todtſchlag in aller Regenten Jnſtruction / nem - lich im Geſetze Gottes verbotten / ſo koͤnnen ſie darwieder nichtes / vnd al - ſo auch keine Duella, davon Todſchlag entſtehet / toleriren vnd geſtatten / ſondern ſeynd vermoͤge deß erſten vnnd aͤltiſten moral Geſetzes / nach der Suͤndfluth / welches heiſt / wer Menſchen blut vergeuſt / deß Blut ſoll auch durch Menſchen vergoſſen werden / weil Gott den Menſchen zu ſeinem Bilde gemachet / ſchuldig vnd gehalten / ſolche Duellanten vnd Vbertret - ter deß Geſetzes / gladio ultore, das iſt / mit dem Schwerd vnd ſonſt ernſt - lich zu ſtraffen / vnd weil ſie Blut im Friede vergoſſen / jhr Blut wieder vergieſſen zu laſſen / vnd wo es nicht geſchiehet / ſo bleibet nicht allein das Blut auff dem Lande / ſondern wird es Gott von jhren Haͤnden fordern. Er wird / ſpricht die Weißheit in gedachtem 6. Cap. fragen wie ſie han - deln / vnd forſchen was ſie ordnen / vber die Maͤchtigen wird ein ſtarck Gericht gehalten / vnd die Gewaltige gewaltig geſtrafft werden / wann ſie nicht halten vber Gottes Ordnunge als jhrer gemaͤſſenen ohnfehlbarenJnſtru -416Das ander Buch /V. in Ca - pit. facta. cauſ 9. quæſt. 3.Jnſtruction. Der Papſt Anterus hat gar weißlich vnd wol geſagt: Fa - cta ſubditorum judicantur à nobis, noſtra autem judicat Deus.

Von dem friedfertigen vnd loͤblichen Koͤnig in Engelland Jacobo VI. wird geſchrieben / daß er die Homicidia hoch deteſtiret, vnd als eins -VI. Ex ſup - plemento Hiſtor: Belg. de An 1615. refert Ioh. Hering. in Diſcurs. de Homicid. atrocitate n. 36. VII. 1. Reg. c. 20. v. 40. mahls einer jaͤmmerlich vmbs Leben gebracht worden / ergeſaget: Die groſſe Vbelthat ſoll geſtrafft werden / damit die Tropffen deß vnſchuldi - gen Bluts nicht an meinem todten Kleyde hangen bleiben. Die Goͤttli - che Schrifft ſtimmet hiemit vberein / denn ſo ſpricht der Herꝛ zu dem Koͤ - nige Achab, darumb daß du haſt den verbanneten Mann von dir ge - laſſen / wird deine Seele vor ſeine Seele ſeyn / vnnd dein Volck fuͤr ſein Volck. Geſtalt dann alle vorſetzliche Todſchlaͤger / darunter die Duellan - ten, ſo jemand vmbs Leben gebracht / zurechnen / in Gottes Wort verban - net vnd zum Todt verdammet / vnd nicht anders als durch gleichmaͤſſige der Obrigkeit anbefohlene Vergieſſung jhres Bluts außzuſoͤhnen / noch zu toleriren ſeyn / Es hat Gott jederzeit ein Grewel an den blutgierigen gehabt / wie der 55. Pſalm ſaget: Nun wird ja kein vorſetzlich Duellum oh - ne Blutgierigkeit vnternommen / derowegen auch alle Duella lauter Grewel in den heiligen vnd gerechten Augen Gottes ſeyn / vnd die Re - genten ſo die Duella toleriren, ſich ſolcher Grewel mit theilhafftig ma - chen. Es iſt vber das mit der Duel: oder Balgeſucht gleich wie mit an - dern Laſtern / die je laͤnger je mehr belieben / bewandt / vnd wann einer einē alſo auff die Seele genommen / bleibts es nicht dabey / ſondern heiſt wie man im Sprichwort ſaget: Daß der Hund ſo einmahl Blut gelecket / al - le Wege nach Blut durſtig ſeye. Es ſeynd auch Exempla, daß es man - cher auff 2. 3. 4. ja wol 5. vnd mehr Homicidia per Duella gebracht / wollen ſich deſſen noch dazu ruͤhmen / vnd darumb bey jhren Herꝛn als tapffere Leuthe Ehr vnd Reputation / deren ſie doch / als im Geſetze Gottes ver - bannete Blutſchuldige nicht würdig / haben. Worbey eine Chriſtliche Obrigkeit aber mahl zubedencken / wann ſie einen ſolchen Duellanten vnd Todſchlaͤger vmb die erſte That / vermoͤge Goͤttlicher obangezogener In -VIII. Re - ferente Ca - merar, in Hor. ſub - ciſiv. Cent. 1 c. 100. Hering in Diſcurſ. de atrocit. Homicid. dolos, n. 35. ſtruction nicht ſtraffet / zu den nachfolgenden Toͤdtſchlaͤgen vrſache mit iſt / vnd die Sententz die dem Koͤnig Achab geſprochen iſt / Quoniam dimi - ſiſti virum dignum morte, erit anima tua pro anima ejus, auch erwarten muͤſſen. Es hat jener Narꝛ einem Koͤnige in Franckreich recht geant - wortet / als derſelbe gedacht daß einer den dritten vmb das Leben gebracht. Es waͤre das erſte Homicidium von ihm begangen / dann die beyde nach - folgende hette derKoͤnig ſelber begangen / weil er das erſte nicht geſtraffet.

Es ſeynd auch wol Leute die ſich in den gedancken befinden / man habe gleichwol wider angezogene Goͤttliche Geſetze Raiſonablc einwen -dungen /417Von dem Weltlichen Stande. dungen / wollen von vnſerm HErꝛn Gott einen Courtiſan vnd Hoffman machen / vnd nach jhren Menſchlichen verderbten Affecten von ſein en vnwandelbahren Willen / Geſetzen vnd Gerechtigkeit vrtheylen / haben wider ſolche Gebott Menſchen Blut nicht zuvergieſſen erhebliche Exce - ptiones, jhrer eygenen Reputation / eingebildeter Tapfferkeit vnd der glei - chen / deren droben in der erſten Frage gedacht / aber weit gefehlet / Men - ſchen Gedancken ſeynd nicht Gottes Gedancken. Es heiſt bey dem Pro - pheten wie vorhin gemeldet. Qui non dixerit ſecundum verbum hoc, ipſi non erit lux matutina. Dem Koͤnig Saul mangelts an keiner Einre - de / wie er wider Gottes Gebott ſeiner eygenen Diſcretion nach handelt / IX. 1. Sam. c. 13. v. 12. & ſeqq. vnd dieſe ſcheinbare Einwendunge brachte: Neceſſitate compulſus obtu - li holocauſta Domino. bekam aber die Antwort / ſtultè egiſti, quia non cu - ſtodiſti mandata Domini Dei tui.

Als der hocherleuchte Koͤnig David ſeinen weiſen Sohn Salomon inſtruirte, vnd demſelben gewiſſe Regiments Regulen vorſchrieb / ſprach er vnter andern: Dann wirſt du glückſelig ſeyn / wann du helteſt dasX. 1. Chrō. 23. v. 13. du thuſt nach den Gebotten vnd Rechten die der Herꝛ gebotten hat. Wor - auß zu ſehen / daß Gott keinen Hoffman agiren vnd ſolche Exceptiones wider ſeine vnwandelbare Gebott vnd Gerechtigkeit / admittiren vnd gut - heiſſen werde / Er laͤſſet ſich nicht ſpotten. Hoch iſt zu loben daß die Wey - land Koͤnigl. May. in Dennemarck Norwegen / ꝛc. Chriſtianus IV. wel - che an den Hollſteiniſchen Duellen groſſen Mißfallen vorlengſt getra - gen / vnd denſelben nach Moͤgligkeit durch ernſte Verordnunge gewehret / dem vermeinten Privilegio vnd angezogener Gewonheit obgemeltes viel aͤlteres / allen Menſchen von Gott ſelbſten ertheiltes Privilegium de non effundendo Sanguine humano, nemlich kein Menſchenblut zuvergieſſen opponiret; vnd hat Cyprianus wol geſaget; Quod conſuetudo erroris non faciat errori patrocinium: Et quod ante multa ſecula injuſtum fuit, nemo hodie juſtificare poteſt. Jm Teutſchen Sprichwort heiſt es: Hundert Jahr vnrecht / iſt kein Jahr recht. Der Koͤnig von Franck reich haͤlt ſo ſteiff daruͤber / daß er auch der Herren vom Koͤniglichen Gebluͤt darin nicht verſchonet / wie die friſche Exempla vnd erfolgte Executiones ſolches bezeugen / auch die ſo von den Duellanten durch die Flucht davon kommen / hefftig verfolget / vnnd deren ſo ſich mit der Flucht ſalviren, Bildnuͤſſen vnd Nahmen zu jaͤhrer Schmach offentlich an die juſtiz an - haͤngen laͤſſet.

Zum Beſchluß iſt nicht vndienlich / was offtermelter Scribanus in ſeinem Politico-Chriſtiano c. 41. in dieſen Terminis von der Obrigkeit die jhr Ampt wider die Duellanten nicht verrichten ſchreibet: Quis DeusG g g gPrin -418Das ander Buch /Principi hanc culpam condonabit? quàm vereor, ne à manu illius ſuorum exigat ſanguinem? Siſtere hunc Princeps debuit, & potuit, non ſtitit: fuſi ſanguinis reus ſtabit. Quis eripiet tanti ſanguinis reum? aut quod flu - men purgabit hoc crimen? Dicet, non potuiſſe? quo illi ferrum & pœnæ? Dicet, noluiſſe? non opus alio judice. Dicet parcere voluiſſe? parceret Re - gno: & in unius pœnam multorum Sanguinem ſiſteret &c. Das iſt / wie kan Gott dieſe Nachlaͤſigkeit dem Fuͤrſten vnnd Regenten gut heiſſen? Jch ſorge er werde das Blut der ſeinigen von jhren Haͤnden fordern. Sie haͤtte ja ſolch Blutſtuͤrtzen verhuͤten koͤñen / weil ſie es aber nicht gethan / haben ſie ſich deß ſchüldig vnnd theilhafftig gemacht. Wer wird ſol - chen Blutſchuldigen erretten / oder jhn davon reinigen. Wuͤrden ſie ſa - gen ſie haͤttens nicht thun koͤnnen? Zu welchem Ende iſt jhnen das Schwerd angeguͤrtet / vnd das Straff Ampt anbefohlen? Wolten ſie ſa - gen ſie haͤttens nicht gewolt / weren ſie jhre eygene Richter / vnnd doͤrffen keines andern. Wolten ſie ſagen ſie haͤtten dieſer Leute ſchonen wollen / warum haben ſie dann das Regiment angenommen?

Jſt demnach diß Axioma nicht weniger als das vorige negativè zu reſolviren, daß nemlich Chriſtliche Kayſer / Koͤnige Chur-Fuͤrſten vnnd andere Regenten mit gutem Gewiſſen an jhren Hoͤffen / in jhren Landen vnd Gebieten keine Duella zugeſtatten / viel weniger dieſelbe gut zu heiſ - ſen / ſondern als Gottes deß allerhoͤchſten Statthalter vnnd Amptleute vermoͤge ſeines Geſetzes als jhrer Ampts Jnſtruction dieſelbe nach vie - ler Loͤblichen Chriſtlichen Kayſer / Koͤnige / Potentaten vnd Regenten Exempel durch offene Patenta bey Leib vnd Lebensſtraffe / verluſt jhrer Gnaden / haben den Dienſten vnd andern ernſten Straffen / zuverbieten / entſtehende Jrrungen vnd Mißverſtaͤnde durch andere dienlich vor Gott vnd in den Rechten verantwortliche Wege in guͤte vergleichen / oder durch Recht entſcheidẽ laſſen / alle Occaſion dardurch Menſchen Blut vergoſſen vnd ein gantz Land verunreiniget vnd mit Blutſchulden befle - cket werden kan / ſorgfaͤltig verhuͤten / vnd durch die Duella, darin zuweiln ein einiger Sohn / vnnd der letzte ſeines Geſchlechtes dem Lande vnd ge - meinem Weſen entzogen / oder ſonſten ein redlicher trewer Diener / der noch viel. Jahr gute Dienſte leiſten koͤnte / getoͤdtet oder ſeiner Glieder vnd Geſundheit beraubet wird / in keine Gefahr zeitliches Lebens vnd ewiger Wolfarth ſetzen ſoll. Wann dann wie am Kayſerl. vnd ande - rer Potentaten Hoͤffen / Koͤnigreichen / Landen vnd Gebieten braͤuchlich / daß die Duellanten geſtraffet / an Hoͤffen / in Dienſten vnd Landen nicht toleriret, wurden viel Homicidia verhůtet / das Land vom Blutſchul - den rein behalten / vnd die hohe Obrigkeit deßwegen dem gerechten Gott vor ſolche per illicita vnd prohibita Duella beſchehene eygen-vnnd muth -willige419Von dem Weltlichen Stande. willige Stuͤrtzunge Menſchlichen Bluts antworte zugeben befreyet ſeyn.

Folgen zwey Edicta verbottener Duellen, das 1. Weyland Kayſers Matthiæ. 2. Henrici IV. Koͤnigs in Franckreich / ꝛc.

WIr Matthias von Gottes Gnaden / Erwoͤhlter Roͤmiſcher Kayſer / zu allen Zeiten / mehrer deß Reichs / ꝛc. Fuͤgen hiermit allen vnd jeden / was Würden vnd Standes die jmmer ſeyn / keinen außgenommen / die ſich an vnnd vmb vnſer Hofflaͤger auch vnſern Erb-Koͤnigreichen vnd Landen anjetzo befinden / oder ins kuͤnfftig befinden moͤchten / auß Kayſerl. Gnaden zu wiſſen / was maſſen vns je laͤnger je mehr empfindlich fuͤr kompt / daß ſich allerhand deß Adels vnd anderer Perſonen hindangeſetzet alles / ſo wol Goͤttlicher als auch Kayſ. vnd Koͤnigl. Reſpects, ja offtmahls nechſt vnnd in vnſern Kayſ. vnd Koͤnigl. Hoff vnd Wohnung / auch gleichſam vnter vnſerm Ange - ſichte vnterſtehen duͤrffen / verbottene Kampff Duell vnnd Balgereyen anzuſtellen / vnd hiezu als wann ſie vber jhre offt von geringer Vrſachen herruͤhrende Haͤndel / keine Obrigkeit erkenneten / Waffen vnd Wehren / Zeit vnd Stunde / Wahlſtatt vnd Kampffplatz zubeſtimmen / vnnd Pa - tronen vnd Beyſtande zu bitten / vnd in Summa zwiſchen jhnen ſelbſt ein gantz vnzeitiges vnrechtmaͤſſiges / vermeſſenes Blutiges Selb. Ge - richte vnd eygenwilligen Außtrag jhrer Haͤndel anzuordnen.

Weil wir dann dieſem Vnweſen lang zuzuſehen keines Weges bedacht / auch tragenden hoͤchſt Obrigkeitlichen Amptshalber / vns ſchuͤl - dig / dergleichen Frevel / welcher in allen Goͤttlichen Geiſt-vnnd Weltli - chen Rechten / an Kayſ. vnd Koͤnigl. Satzungen vnd Statuten in vnd auſ - ſer deß Roͤm. Reichs gaͤntzlichen verbotten iſt / wuͤrcklichen abzuſtellen / fintemahl hiedurch Gott der Allmaͤchtige (deſſen Stelle wir dißfals ver - ſehen) hoͤchlichen beleidiget / vergieſſung vnſchuldiges Bluts vnnd vieler Seelen Mord / darumb wir Rechenſchafft zugeben ſchuldig / geſtifftet / Adelicher Geſchlechter vnd anderer tapfferer Perſonen / vnzeitige Ver - tilgung / deren Conſervation vns billig angelegen / verwehret / die Ge - richts vnd Obrigkeiten / auch allegute Policey vnd Ordnungen / ob wel - chen wir zu halten verflichtet / gaͤntzlich verachtet / vnd doch durch diß alles das Ziel vnd Ende der Ritterlichen vnd Adelichen Tugenden / auch al -G g g g ijen420Das ander Buch /ten Teutſchen Redligkeit / welche in dieſen Exceſſen gar nicht / ſondern in der Erbarkeit vnd erlaubten Dapfferkeit beſtehet / wie auch dieſelbe viel - mehr in ſolchem gebuͤhrlichen Stande fortzupflantzen / als zu ſperren be - dacht ſeyn / mt nichten erhalten / ja nichts mehrers als noch mehrer Mordthaten vervrſachet werden.

Demnach vnd zu wuͤrcklicher Vollziehung obangedeuteter heylſa - men Statuten Rechten haben wir hiemit alle jede Duella, Kampff / vnd fuͤrſetzliche angeſtelte Balgereyen / jetzo vnd ins kuͤnfftige allerdings eingeſtellet / inhibirt vnd verbotten / vnd ſtellen auch dieſelben hiermit ein / bey Leib vnd Lebens Straffe / alſo vnd dergeſtalt / daß auſſer der Ordentli - chen in Rechten erlaubten Nothwehr vnnd Nachſtreich zur Defenſion / darzu einer in continenti euſſerſt genoͤthiget wird / ſich nicht allein Maͤn - lichen alles Schwerdzuͤckens vnnd aller gewaffneten Handanlegung / ſondern auch vnd noch viel mehr aller Außforderung vnd Beſtimmung der Duell vnd Balgens / auch der Außgeforderte aller Erſcheinung / die angeſuchte Patroni vnd Beyſtand / aller Rath-vnnd Thathandlungen / Beywohnungen vnd Beyſtandes gaͤntzlichen enthalten / vnd ſolches hie - mit / auch jetzo als dann / vnd dann als jetzt allen vnd jeden Perſonen wie obgemelt / gaͤntzlich vnterſagt / vnd verbotten ſeyn ſolle / alles bey vnſerer hoͤchſtẽ Vngnade / auch obangezogener Leib Lebensſtraffe / alſo / daß der Vbertretter dieſes Verbotts / vom Leben zum Tode durch das Schwerd hingerichtet werden ſolle / darumb keine Obrigkeit nach Gelegenheit der Sachen erfundenen Beſchaffenheit / einige Milderung auſſer vnſer außdruͤcklichen Bewilligung fuͤrnehmen / ſondern gegen denſelben die ſich vnter jhrer vnter gebenen Jurisdiction ſolcher geſtalt vergreiffen / al - ſobald nach der Strenge verfahren ſolle. Damit aber alle Injurien vmb ſo viel mehr verhütet bleiben / vnd der Billigkeit vnd verdienen gemaͤß ernſtlich abgeſrafft werden / wollen wir hiemit alle Obrigkeiten ermahnet haben vnd befehlen / zum Fall dergleichen injuri Klagen / auß welcen die Außforderungen jhren Vrſprung nehmen / bey jhnen fuͤrkommen vnnd anbracht werden ſolten / daß ſie alßbalden ohne einigen Verzug mit Zu - ziehung ſchiedlicher Leute die Mißverſtaͤnde alsbald vergleichen / vnnd hinlegen / oder aber daruͤber Summariſſimo proceſſu erkennen / damit den injurien vnd Beleydungen gebuͤhrende Satisfaction, auffs ſchleinig - ſte widerfahre.

Zum Fall aber vielleicht die Partheyen vnnd Sachen etwa der Wichtigkeit waͤren / alsdann der Beleydigte ſeine Klage bey vnſerm Hoff-Marſchalcken oder vns ſelbſten für-nd anbringen / darauff alsbal - den guͤtliche Vergleichung / oder doch ſchleiniger Außtrag vnd Erkaͤnt -niß /421Von dem Weltlichen Stande. niß / wer recht oder vnrecht / nach geſtalt der Sachen gebuͤhrende Satisfa - ction erfolgen ſolte / vnd das meynen wir ernſtlich / wollen auch hie durch maͤnniglichen vor vnaußbleiblicher Straffe vnd Schaden auß Kayſerl. vnd Koͤnigl. Gemůth verwarnet haben. Geben auff vnſerm Koͤnigli - chen Schloß Prage Anno 1617. vnſerer Reiche deß Roͤmiſchen im ſech - ſten deß Hungariſchen im neunten / vnd deß Boͤhemiſchen im ſiebenden.

Von Koͤnig Henrici IV. in Franckreich publicirten vnd vom Parlament approbirten Edicto de Duel - lorum prohibitione ſchreibet Jacobus Auguſtus Thuanus lib. Hiſtoriarum 129. ſub Anno 1602. nachfolgender maſſen.

DUm Rex Bloeſis eſſet, quærim oniæ ex omnibus Regni Provin - ciis allatæ ſunt de Duellorum licentiâ, quæ ad Numinis contu - meliam, & legum auctoritatem labefactandam ſpectabunt, nec minore omnium Ordinum & publicæ tranquillitatis diſcrimine cottidie exercebantur; de ea refrenanda vix tandem Edictum conditum fuit quo duella vetabantur, & tam qui ad Certamen provocabant, quam provo - cati, ſi ad ea irent, gravi atque adeo capitali pœna coercebantur, illi item qui provocationis libellum ferebant, aut ſecundariam in illis operam ſeu provocanti ſeu provocato navabant, addictis in fiſcum bonis, ſine veniæ aut gratiæ ſpe, quantum ad vitam & bona, quovis prætextu impetrandæ eo amplius ſancitum, ut qui offenſionem ad decus pertinentem ſe acce - piſſe cauſſarentur, aut qui ad certamen, quod detrectare, manifeſtæ tur - pitudinis inter nobiles & arma tractanteis eſſe cenſebatur, provocati eſ - ſent; ad magiſtrum equitum, aut equitum ribunos, atq́ue adeo provin - ciarum præfectos quærimonias ſuas, aut provocationem deferre tene - rentur, qui partibus vocatis, & auditis interdicta omni armorum vi de in - juria reſarcienda exæ quo & bono ſtatuerent, quorum judicio utraque pars ſtare jubebatur.

Si aliter faceret in Regni indignationem incurreret, & aula ac pro - vincia exularet, aut alia extra ordinem pœna plecteretur. In occiſos item in illis duellis, tanquam læſæ majeſtatis reos extraordinario judicio age - retur. Edictum in ſenatu publicatum, exceptioneaddita, ne propterea aut præfecti provinciarum cognitionem ullius criminis aut delicti præterG g g g 3ea quæ422Das ander Buch /ea quæ ad decus inter nobiles pertinere exiſtimantur, ſibi ſumerent, aut edicto illis attributa cenſeretur. Id actum menſe Iunio, &c.

Jus Fœde - rum Bibli-cum.
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Von Buͤndnuſſen.

AXIOMA CXCIX. Buͤndnuſſen ſeind in Goͤttlicher vnd aller vernuͤnffti - gen Voͤlcker Rechten zugelaſſen.

DIe Natur / welche der Schoͤpffer aller Dinge / dem Geſchoͤpffe ins Hertz gepflantzet / hat vnter allen Menſchen in der Welt / eine ſolche Cognation, Verwād oder gemeine Buͤndnuß geſtifftet / daß je einer dem andern / zu gutem Gedeyen vnd Wolfart dienen vnd die(1.) Natu - ra, quam cum ipſo genere hu - mano, Di - vina pro - videntia prodidit, cognatio - nem quan - dam inter omnes ho - mines - ſtituit, per text in l. 3. ff de juſtit. & jur. jun - cto §. ſin - gulorum inſtitut. de Rer. diviſ. Indeque inteeſt, hominis benefioio, hominem affici. inquit Jctus Papinianus in l. ſervus 7. ff. de ſerv. exportand. Hand biethen ſolle. (1.) Jn der erſten Welt vor der Suͤndfluth / hat ſich dieſelbe abgetheilet in zwey Hauffen. Der groſſe vnnd gewaltige Hauffe / war von vnd vnter dem Cain vnd ſeinen groſſen Nachfahren: Der klei - neſte Hauffe aber / poſterirte von dem frommen Seth-Enos vnnd jhren getrewen Nachkom̃en / die in jhre Fußſtapffen tratten: Dan noch weil die Natur an vnd fuͤr ſich ſelber / keinen vnterſchied in Wel. Haͤndeln / zwi - ſchen Glaubigen vnd Vnglaubigen machet / meldet die Schrifft daß die Kinder Gottes / das iſt / der Heiligen recht glaubigen Vaͤtter Nachkom - men / die in wahrer Gottesfurcht aufferzogen / nach den Toͤchtern der Menſchen / vnd wie ſie ſchoͤn waren ſich vmbgeſehen / mit denſelben be - freundet / vermaͤhlet vnd verbunden / welches der bloſſen Natur nach / die wie gemeldet / angeregte Verwand-vnd Buͤndnuß vnter alle Menſchen geſtifftet / nicht zu wieder / aber doch Gottes Willen / der / nach deme die Natur durch den Suͤndenfall verderbet / einen Vnterſchied zwi - ſchen Glaubige vnd Vnglaubige gemacht / vngemeeß geweſen wie hier - von zu leſen / im 1. Buch Moſis c. 4. v. 17. & ſeqq. cap. 5. & c. 6. Die H. Schrifft423Von dem Weltlichen Stande. Schrifft iſt vberauß kurtz in Beſchreibunge der erſten Welt; Andere Hi - ſtorien melden davon nichtes / vnd nehmen alle jhren Anfang von den Haͤndeln / ſo nach der Suͤndfluth ſich begeben / wie wolfaſt nicht zu zweif - feln / daß auch in der erſten Welt Kriege / vnd alſo auch offentliche Ver - bündnuſſen vorgangen. Die erſte Buͤndnuß deren die Schrifft geden - cket iſt geweſen deß Abrahams mit der Amorriter Koͤnigen Eſcol vnnd Aner / deren er ſich in Rettunge ſeines gefangenen Vettern Loths auß der Hand deß Koͤnigs Kedor Laomor vnd ſeiner Adhætenten vnd Bun - desverwandten ohne zweiffel bedienet im 1. Buch Moſ. c. 14. v. 13. Jm - gleichen hat Abraham einen Bund gemachet / mit dem Koͤnig Abimelech vnd denſelben zu Berſaba / das heiſt ſo viel wie es D. Luther verteutſchet / bey dem Schwer oder Eydbrunnen / mit einem Eyd vntereinander be - ſtettiget / in ſelbigem Buch c. 21. v. 22. & ſeqq. Jacob machere auch einen Bund mit ſeinem Schwieger. Vatter Laban / welchen ſie auch beyder - ſeits beſchworn im 1. Buch Moſ. c. 13. Alſo richtete Joſua einen Bund auff mit den Gibeonitern / welcher von den Obriſten deß Volckes mit ei - nem eydſchwur beſtaͤrcket worden Joſ. c. 9. v. 15. Die Koͤnige Regen - ten im Volcke Gottes haben nachgehents verſchiedene Buͤndnuͤſſen vn - ter ſich vnnd mit andern auffgerichtet; Der Koͤnig Salomon war in Buͤndnuß mit dem Koͤnig Hiram im 2. Buch der Chronic. c. 8. v. 18. vnd im 1. Buch den Koͤnig. c. 5. v. 12. Aſſa der Koͤnig in Juda verband ſich mit Benhadad den Koͤnig in Aſſyrien im 1. Buch der Koͤnig. c. 15. v. 18. 2. Chronic c. 16. v. 2. junct. v. 7. Joram der Koͤnig Jſrael alliirte ſich mit Joſaphat vnd den Koͤnig Edom / im 2. Buch der Koͤnig. c. 3. v. 7. & ſeqq. Die Macchabeer ſeind mit den Roͤmern in Buͤndnuß getretten vnnd Huͤlffe bey jhnen geſuchet im 1. Buch der Macchab. cap. 8. v. 17. welchen Bund ſie hernacher renoviret. ibid. c. 12. v. 1. Et c. 14. v. 16. Jtem mit den Spartanern c. 12. v. 7. Jmgleichen mit Demetrio c. 11. v. 25. 33. 44. Ge - wiß iſt es wann Buͤndnuſſen / in gerechten Sachen / kluͤglich vnnd vor - ſichtig / ſonderlich mit den Benachbarten / wie angefuͤhrte Bibliſche Exempla guten Theils bezeugen / auffgerichtet werden / daß ſie jhren ſtat - lichen / tapfferen erſprießlichen Nutzen haben / vnd es dem Sprichwort nach heiſt / Es iſt beſſer ein guter Nachbar an der Wand / als ein groſſer Freun d ferꝛne vber Land. Dann wie der Mond mehr Wuͤrckunge hat in alle jrꝛdiſche natuͤrliche Dinge / als das merſte ander Geſtirne / nicht zwar eben darumb / daß der Mond an vnnd ſich mehr Tugend vnnd Krafft haͤtte / ſondern weil er den irꝛdiſchen Coͤrpern vnnd Dingen naͤher iſt / alſo hat es auch eine Beſchaffenheit mit der Benachbarten alliirtē vnd Bundes-Verwandten / wie Famian. Strada in ſeiner Hiſtoria de BelloBelg. 424Das ander Buch /Belg. lib. 4. p. 147. darvon mit nachfolgenden Worten ſchreibet: Ingens Potentiæfirmamentum, vicinorum Principum Amicitia: Quemadmo - dum in terræ ac maris orbem, Luna plus agit quam pleræque ſtellarum, non quia vicinior: Ita & de finitimorum vi cenſendum eſſe.

AXIOMA CC. Buͤndnuſſen werden vornehmlich zwiſchen Potenta - ten / Fuͤrſten vnd Herꝛſchafften auffgerichtet / ſich bey ihrem Stat vnd gemeinem Weſen / auch Ruhe vnnd Fried zu erhalten / vnd zu ſichern / oder den Krieg wie - der andere / mit geſambter Hand zu fuͤhren / vnnd ſich zu ſchuͤtzen / auch wol die gemeine Commercia zubefoͤrdern / vnd gute Nachbarliche Corre - ſpondentz zu ſtifften vnd zu conſer - viren.

ALſo trat der Koͤnig Aſſa mit gantz Juda vnd Benjamin / ſeinen Vn - terthanen zuſammen fuͤr den Herꝛn / in einen Bund / den Herren jhrer Vaͤtter Gott von grund jhres Hertzen vnnd von gantzer See - len zu ſuchen vnnd die wahre Religion zubeſchirmen im 2. Buch der Chron. c. 15. Dahin war auch der Anno 1531. zu Schmalkalden auff - gerichtete Bund zwiſchen den Evangeliſchen Chur-Fuͤrſten vnd Staͤn - den angeſehen / darvon Sleidanus ſchreibet / darzu Koͤnig Chriſtian in Dennemarck Anno 1538. ſich auch bekant.

Als Baeſa der Koͤnig in Jſrael / zu Aſſa / dem Koͤnig Juda ſich noͤ - tigte wieder jhn auß zohe / Rama befeſtigte / vnd den Paß verſperrete / ſchi - ckete Aſſa eine Ambaſſade an Benhadad den Koͤnig in Aſſyrien mit ſtat - lichen præſenten, ſollicitirte vmb Huͤlff vnnd mchete einen Bund mit dem ſelben / vermoͤge deſſen Benhadad ſeine Hauptleuth mit einer Ar - mada, dem Koͤnig Aſſa zu Huͤlfe ſchickete / ließ die Staͤtt Jſrael Sion / Dan / Abel / Beth-Maecha vnd andere Oerter vberziehen / die Staͤtte oc - cupiren vnd das Land verderben biß an Naphthali / vnd machete damit eine ſolche diverſion daß Baeſa von ſeinem Vornehmen abſtehen vnnd den Baw zu Rama verlaſſen muͤſte im 1. Buch der Koͤnig. c. 15. v. 17. &ſeqq. 425Von dem Weltlichen Stande. ſeqq. der Koͤnig Achab confœderirte ſich mit dem Koͤnig Joſaphat / wie - der die Syrer / die vorhin dem Achab abgenommene Statt Ramoth in Gilead wieder zu recuperiren im 1. Buch der Koͤnig. cap. 22. v. 3. & ſeqq. Als Meſa der Moabiter Koͤnig / von Joram den Koͤnig Jſrael abfiehl vnd jhme trewloß ward / trat Joram mit Joſaphat in Buͤndnuß vnd er - ſuchete denſelben vmb Huͤlff vnd aſſiſtentz, die jhme Joſaphat verſprach vnnd leiſtete im 2. Buch der Koͤnig cap. 3. v. 6. & ſeqq. Eine Aſſiſtentz Buͤndnuß war die / ſo die Macchabeer mit den Roͤmern wieder Deme - trium vnd ſeinen Anhang eingiengen / daß die Roͤmer ſie in Schutz neh - men wolten / als Freunde vnd Bundesgenoſſen im 1. Buch der Maccha - beer. Vermoͤge ſolcher Buͤndnuß / welche hernacher mit Jonathan / reno - viret ward / ſchrieben die Roͤmer an die Koͤnige vnd andere Herꝛſchafften vnd ſchickten jhre Protectoria vnd Salvaguardien, daß ſie nichtes wieder die Juden thun ſolten / ſie vnd jhre Staͤtte vnnd Lande nicht vberziehen / auch niemand wieder ſie helffen wolten 1. Macchab. c. 15. Geſchiehet alſo die aſſiſtentz nicht allein mit wuͤrcklicher conjunction vnd manu militari, ſondern auch durch Interponirunge der Alliirten hohen Reſpects vnnd Authoritaͤt / die bey andern formidabel iſt / vnnd offt viel mehr / als ein Kriegs-Herꝛ im Felde æſtimiret vnd gefuͤrchtet wird. Krafft auffgerich - teter Buͤndnuß ſchickete Simon der Macchabeer Fuͤrſt dem Antiocho zu Huͤlffe zwey tauſend Mann / außerleſen Volck / viel Silber / Gold vnnd Waffen / wiewol Antiochus keinen glauben hielte 1. Macchab. c. 15. v. 26.

Als Demetrius wieder den Koͤnig Alexander Antiochi deß Edlen Sohn / in Krieg geriethe / ſuchete Demetrius mit groſſen ſtatlichen Ver - heiſſungen der Macchabeer Freundſchafft vnd Buͤndnuß damit ſie ſich nicht ſeinem Feinde Alexandro conjungirten, deßgleichen that dieſer auch / der dann die aſſiſtentz vff gewiſſe maſſe erhielte 1. Macchabeer c. 10. gute Freundſchafft / Nachbarliche correſpondentz, auch die Navigation vnd Commercia zubefoͤrdern / ſtunden David vnd ſein Sohn Salomon in Buͤndnuß vnd gutem vernehmen mit dem Koͤnig Hiram im 1. Buch der Koͤnig c. 5. v. 12. vnd im 2. Buch der Chron. c. 8. v. 17. gute Freund - ſchafft zuerhalten ordneten die Macchabeer eine Geſandſchafft an die Spartanern / den alten Bund mit jhnen zu renoviren, ſchrieben an ſie nachfolgenden Jnhalts: Wie wol wir nun jetzt nicht frembder Huͤlffe be - dürffen / vnd Troſt haben an Gottes Wort / das wir taͤglich leſen. Doch gleichwol ſenden wir Bottſchafft zu euch / die Bruderſchafft vnd Freund - ſchafft zwiſchen vns zuvernewen vnd zubeſtaͤttigen / daß wir derſelben nicht vergeſſen / denn es iſt nun eine lange Zeit / daß jhr zu vns geſchickt habt. Darumb wiſſet / daß wir allezeit an Feyertagen vnd allen andernH h h hTagen /426Das ander Buch /« Tagen / ſo man opffert / in vnſerm Gebette vnd Opffer / ewer gedencken / « wie ſich den gebuͤhret der Brüder zugedencken / vnd ewre Ehre vnd Wol - « farth iſt vns eine Frewde. Aber wir haben Mittlerzeit groſſe Noth gelit - « ten / vnd ſchwere Krieg gehabt mit den Koͤnigen vmbher. Wir haben a - « ber euch vnd andere vnſere Freunde vnnd Bundgenoſſen nicht bemuͤhen « wollen in dieſen vnſern Kriegen: Denn wir haben Huͤlffe vom Himmel « gehabt / vnd Gott hat vns geſchuͤtzet wieder vnſere Feinde / vnd die Feinde « vnterdruckt. Dieweil wir aber jetzt dieſe vnſere Botten / Numenium « den Sohn Antiochi / vnd Antipatrum den Sohn Jaſonis / zu den Roͤ - « mern ſenden / die Freundſchafft vnd Buͤndniß mit jhnen wiederumb zu - « vernewen / haben wir jhnen dabey befohlen / daß ſie auch zu euch ziehen ſol - « ten / vnd euch vnſern Gruß ſagen / vnd dieſen Brieff vberantworten / vn - « ſer Bruderſchafft zuvernewern / bitten vmb Antwort. Diß aber iſt die « Abſchrifft deß Brieffes / welchen Arous der Koͤnig zu Sparta vns etwa « geſand hatte: Areus der Koͤnig zu Sparta entbeut Onie dem Hohen - « Prieſter ſeinen Gruß. Wir finden in vnſern alten Schrifften / daß die « von Sparta vnd Juden Bruder ſind (die weil beyde Voͤlcker von Abra - « ham herkommen.) Nach dem wir nun ſolches wiſſen / bitten wir / jhr « wollet vns ſchreiben / wie es euch gehet / vnd ſo es euch gefaͤllet / ſo ſoll vnſer « Vieh / Haab vnd Guth / vnd was wir vermoͤgen / ſeyn / als waͤre es ewer « eygen / vnd das ewer ſoll ſeyn als waͤre es vnſer eygen / diß haben wir be - « fohlen euch anzuzeigen / im 1. Buch der Macchabeer c. 12. v. 9. & ſeqq.

AXIOMA CCI. Buͤndnuß werden auff gewiſſe Maß abgeredet / zu weilen vernotult vnd verbrieffet / ſich allerſeits do beſſer haben darnach zuachten.

ALs Achab den Koͤnig Joſaphat / zur Buͤndnuß wieder die Syrer diſponirte vnd brachte / war dieſes die Abrede vnd Joſaphats Er - klaͤrunge gegen Achab: Jch will ſeyn wie du / vnd mein Volck wie dein Volck / vnd meine Roſſe wie deine Roſſe im 1. Buch der Koͤ - nig c. 22. v. 4. Mit gleichen formalibus ward die Buͤndnuß zwiſchen den Koͤnig Joram vnd Joſaphat abgehandelt vnd geſchloſſen 2. Reg. c. 3. v. 7. dieſes waren Buͤndnuſſen / welche æquo jure, wie die Politici reden / auffgerichtet werden. Auff andere Weiſe verband ſich der Koͤnig Achasmit427Von dem Weltlichen Stande. mit dem Tiglath Pilleſer Koͤnig in Aſſyrien / ließ nachfolgender maſſen mit jhme. Durch ſeine Geſandten Capituliren: Jch bin dein Knecht vnd dein Sohn / komm herauff vnd hilff mir auß der Hand deß Koͤnigs in Syrien vnd deß Koͤnigs in Jſrael ſchickete jhm daneben viel Gold vnd Silber im 2. Buch der Koͤnig c. 16. v. 7. & ſeqq.

Als vermittelſt einer anſehentlichen Geſandſchafft / Judas Mac - chabeus einen Bund mit den Roͤmern auffgerichtet / ſeind die contenta vnd Bunds Articul auff Meſſinge Taffeln geſchrieben vnd gen Jeruſa - lem geſchicket / deſſen Formula lau tet wie folget: Gott gebe den Roͤmern vnd den Juden Gluͤck vnd Freide zu Lande vnd zu Waſſer / vnd behuͤte ſie fuͤr Krieg vnd Feinden ewiglich. Wo aber die Roͤmer Krieg haben wuͤr - den zu Rom / oder in jhren Landen vnd Gebiethen / ſo ſollen die Juden den Roͤmern getrewlich Huͤlffe thun / darnach es die Noth fordert / vnnd ſollen der Roͤmer Feinden nicht Speiſe / Waffen / Geld / Schiff vnnd an - dere Ding zuſchicken / dieſes fordern die Roͤmer von den Juden / vnd ſol - len die Juden ſolche Stuͤck trewlich halten / ohn allen Betrug vnd Auß - zug / da gegen auch / ſo die Juden Krieg haben wuͤrden / ſollen jhnen die Roͤmer getrewlich helffen / darnach es die Noth fordert / vnd ſollen der Juden Feinde nicht Speiſe / Waffen / Geld / Schiff / oder andere Ding zuſchicken. Das ſagen die Roͤmer zu / vnd wollen ſolchen Bund trew - lich vnd ohn Betrug halten. Alſo iſt der Bund zwiſchen den Roͤmern vnd den Juden auffgerichtet. So aber hernach / dieſer oder jener Theil bedaͤch - ten mehr Stuck darzu zuſetzen / oder etwas zu endern / vnd davon zu thun / das ſoll jeder Theil macht haben / vnd was ſie dazu ſetzen / oder davon thun werden / ſoll alles ſteth vnd faͤſt gehalten werden. Daß auch der Koͤnig Demetrius an den Juden Gewalt vbet / davon haben wir jhm geſchrie - ben / alſo: Warumb plageſtu vnſer Freunde vnd Bundgenoſſen? Wo ſie weiter vber dich klagen werden / ſo můſſen wir ſie ſchuͤtzen / vnnd wollendich zu Land vnd Waſſer angreiffen im 1. Buch der Macchab. c. 8. v. 23. & ſeqq.

H h h h 2AXIO -428Das ander Buch /

Axioma CCII. Jn Auffrichtunge der Buͤndnuſſen hat man die Per - ſon / Staat vnd Gluͤckſeligkeit deſſen / mit deme man ein zutretten reſolviret, in gute ob - acht zu haben.

DIeſes hat reifflich vnd wol erwogen Antiochi deß Edlen Sohn Alexander / als er mit dem Koͤnig Demetrio in offene Fede vnd Krieg gerieth / vnd bey Jonathan der Macchabeer Fürſten vnd ſeinem Volcke eine auffrechte Buͤndnuß / zu gemeiner Aſſi - ſtentz vnd Huͤlffe ſuchete / in deme er darbey / die Heroiſche tugendhaffte loͤbliche Thaten deß Jonathans vnd ſeiner Bruͤder zu wolbedaͤchtigen Gemuͤthe vnd Conſideration gezogen / vnd wie ſolche Buͤndnuß in Be - rathſchlagunge kommen / dieſen Außſchlag gegeben / deß redlichen Mañs / nemblich Jonathans / gleichen findet man nicht / darumb wollen wir jh - me ſchreiben / daß er vnſer Freund vnd Bundgenoß werde / ſchrieb jhme auch alſo: Wir hoͤren dich preiſen fuͤr einen trefflichen Mann vnnd werth daß du vnſer Freund ſeyeſt / darumb ſolt du deß Koͤnigs Freund heiſſen / vnd dich trewlich zu vns halten vnd vnſer bleiben im 1. Buch der Macchab. c. 10. v. 15. & ſeqq. Als vorhin Judas Macchabeus / wegen de - ro / je mehr vnnd mehr antringender Verfolgunge ſeines Volckes von den Heyden mit ſeinen Bruͤdern Raths ward / die Roͤmer vmb Huͤlff anzulangen vnd mit jhnen ſich in Buͤndnuß einzulaſſen / fuͤhrete er in conſilio dieſe motiven an / daß ſie die Roͤmer ſehr maͤchtig weren / (1.)(1.) Poten - tiores in fœderibus colendi. frembde Voͤlcker die Huͤlffe bey jhnen ſucheten / gern in Schutz nehmen vnd daß ſie Trewe vnd Glauben hielten / daß ſie ehrliche Thaten wider die Gallos gethan / ꝛc. wie mit mehrerm zu leſen im 1. Buch der Macchab. cap. 8.

(2.) In re - bus ad Sta - tum perti - nentibus, ſuo non alieno - ſilio potiſ - ſimum u - tendũ eſt.
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Jn Summ hat man ſich in einem Dinge kluͤglich zu gouverniren vnd auff die momenta rerum zuforderſt ſeines eygenen Staats (2.) vnnd dann hernacher deſſen Potentaten / damit er ſich conjungiret, gute vor - ſichtige circumſpection vnd genawe Achtunge zugeben / ſo iſt bey Erhand - lunge eines Bundes hochnoͤtig / zumahlen gar offt geſchiehet / daß bey vnvorſichtigen alliancen vnd Zuſammenſetzunge der eine vnnd vnſchul - diger deß andern vnd ſchuldigen Fehler mit buͤſen vnd tragen muß / derfromme429Von dem Weltlichen Stande. fromme Koͤnig Joſaphat verband ſich gar vnbedachtſam / vnnd ohne Noth mit dem Gottloſen Koͤnig Achab / zohe mit demſelben zu Felde / ge - rieth in der Feldſchlacht in Leibes vnd Lebensgefahr / ward mit einem Pfeil getroffen vnd were bald gar / wann jhn Gott nicht ſonderlich erret - tet / mit Achab vmbs Lebens kommen / vnd alſo dieſes Fehler vnnd Miß - handlunge mit genieſſen müſſen / im 2. Buch der Koͤnig. c. 38. Der from - me Koͤnig Joſia hatte zwar von GOtt die Verheiſſunge daß er zu ſeinen Vaͤttern in ſein Grab mit Frieden ſolte geſamlet werden / dannoch weil er gar vnweißlich denen von Carchemis wieder Necho den Koͤnig in E - gypten ſich conjungirte vnd jhnen zu Huͤlffe kam / vnnd ſich gar nicht da - von abrahten laſſen wolte / muͤſte er jhrer Fehler mit entgelten / ward in der Battaglia bey Megiddo / geſchoſſen vnd toͤdlich verwundet / daruͤber er auch ſeinen Geiſt auffgegeben im 2. Buch der Chron. cap. 35. v. 20. & ſeqq. Der Koͤnig Aſſa begienge auch einen ſtarcken Fehler bey der Vnion mit Benhadad den Koͤnig in Syrien / vnd ward deßwegen mit beharꝛli - chen Krieg geplaget im 2. Buch der Chronic. c. 16.

Es wird von Weyland Pfaltzgraff Wolffgang von Zweybruͤcken referiret, ob er wol der Augſpurgiſchen Confeſſion eyfferig zugethan dan - noch groß bedenckens gehabt in den domahligen Schmalkaldiſchen Bund ſich mit zubegeben / (3.) weil ins gemein in Buͤndnuſſen man(3.) Verba ejus ita re - feruntur: Optimum & firmiſſi - mum - dus eſſe, juſta & ne - ceſſaria modeſtè agere, tali - bus enim Deum ipſum - fœderatũ exiſtere: Et in - deribus plerumq; alienorum erratorum pœnas u - endas eſ - ſe, ab agnato Principe Friderico Electore graviſſime monitum, vid. Tract meum de Regim. Sec. & Eccleſ lib. 2. Claſ. 3. c. 3. n. 35. poſt. edit. frembde Schuld vnd Fehler mit buͤſen muſten / deſſen er von ſeinē Herꝛn Vettern / Weyland Pfaltzgraff Friedrichen Churfuͤrſten wolbedaͤchtig erinnert Chytr. in Saxon. lib. 6. 22. in vit. Wolffgang. Palatin. Mit den Gewaltigſten vnd Gluͤckſeligſten Potentaten ſich zu verbinden / hat ſtat - liche vnd erhebliche motiven, die weiln dieſelbe jhrer groſſen Macht vnnd Felicitaͤt halber / bey andern geringern formidabel, vnd offt mit jhrem bloſſen reſpect mehr vermoͤgen / als eingeringerer vnd vngluͤcklicher / mit einem Kriegsheer thun moͤchte / aber wie es ſonſten heiſt nach deß Poeten Mantuani Außſpruch: Omnis commoditas ſua fert incommoda ſecũ, Et fato appendix eſt illæ tabilis omni.

Vnd wo in der Welt etwas iſt / da an ſich ſelber ein Nutzen bey zu - gewarten / kan auß Zufaͤllen Menſchlicher Vnbeſtaͤndigkeit vnd deß wan - ckelbaren kugel runden Gluͤcks / ein groͤſſere incommoditaͤt vnd Schaden leichtlich auff folgen / weil ins gemein wie man zuſagen pfleget / der Knuͤ - pfel bey dem Hunde henget / alſo iſt es auch mit den Buͤndnuſſen der Ge - waltigen / die ſeind in viel Wege nutzlich / aber der Erfahrunge nach / ſehr gefaͤhrlich. Dann 1. je groͤſſer vnd gewaltiger ein Potentat iſt / je mehr erH h h h iijdarauff430Das ander Buch /darauff gedencket / wie er ſeine Macht vnd Hoheit quocunque modo vn - term Schein Freundſchafft / Bündnuß oder offenen Krieg ergroͤſſere vund keine darzu ſich erzeigende Occaſion auß Handen gebe / wañſ hon die Bundes-Verwandten daruͤber leiden ſolten. 2. So befinden die Ge - waltige ſich in der Meynunge / daß bey jhnen ſtehe die Buͤndnuſſen zu interpretiren vnd zu deuten / nach deme es jhrem Staat vnnd Diſſein ge -(4.) Po - tentiores plerumq; ſunt inter - pretes derum. Hinc De - moſthe - nes: Qui rerum in - quit, po - tiuntur imbecil - lioribus jus inter - pretãtur & definiunt. meeß / es laute auch die Abrede wie ſie wolle. (4.) 3. Wollen die Poten - tiores nicht allein bey allen Handlungen vnnd Impreſſen alles allein jh - rem Abſehen nach dirigiren, ſondern da auch bey ſolcher conjunctur gu - ter Succes erfolget / die Reputation / Ehr profit allein haben vnnd ſich zu eygnen / vnd muß vor wie nach / der Geringere die verſprochene Subſi - dien Gelder / es gehe auch wie es wolle zur Hand ſchaffen / darvon der Auctor deß Froſchmeußlers lib. 3. c. 5. alſo ſchreibet:

Es iſt ſelten gut Gluͤck darbey
Wo ſich geſellt vngleich Parthey
Die Starckenregiren alle Sachn /
Vnd vbervortheilen den Schwachn.

Eine ſehr fein Gleichnuß fuͤhret angeregter Auctor deß Froſch - meußlers lib. 3. cap. 6. von einer Parthey vnnd Vnion / darin ſich der Fuchs / Eſel vnd Loͤwe / befunden ein / wann er ſchreibet:

Vnd geht alſo / wie man will ſagn /
Daß mit einander wolten jagn /
Der Fuchs / der Eſel vnd der Loͤw /
Auff gleiche Beut / Gefahr vnd Trew.
Vnd da ſie viel zuſammen bracht /
Gab der Loͤw dem Eſel die Macht /
Daß er den Raub außtheilen ſolt /
Wies ſich billig gebühren wolt.
Der Eſel legt drey gleiche Hauffn /
Vnd ſprach / man laß das Loß nun lauffn /
Wers erſt oder ander wird ertappn
Gleich Bruͤder tragen gleiche Kappn.
Der Loͤw ergrimt / vnd grieff zur Stund
Den Eſel bey der Naß vnd Mund /
Zwang die mit ſeinem Maul zuſamm /
Daß kein Luͤfftlein herauſſer kam /
Biß er elendiglich erſtickt /
Die Haut er jhm vom Kopff abtruͤckt /
Daß er war allenthalben bloß /
Das431Von dem Weltlichen Stande.
Das Blut haͤuffig herunter goß /
Vnd ließ jhn ſo liegen fuͤr Todt /
Mit Zorn dem Fuchs zu theilen gebott /
Der Fuchs fuͤr ſich ein wenig nahm /
Trug das ander alles zuſam /
Vnd ſprach: das gehoͤrt ewer Staͤrck /
Jhr habt angefangen das Werck /
Vnd die groͤſte Arbeit gethan /
Dem Arbeiter gebuͤhret ſein Lohn /
Wie die Heilige Schrifft ſelber ſpricht /
Darzu darff man deß Loſens nicht.
Der Loͤw lacht dem Fuchs freundlich an /
Vnd ſprach: Du allerliebſter Mann /
Deine Theilung iſt lobens werth /
Lieber wer macht dich ſo gelehrt?
Ein Doctor in der rohten Muͤtzen /
Als er fuͤr euch muſt niederſitzen /
Sagt der Fuchs.

Autor deß Froſchmeußlers lib. 3. c. 6. Bey dem Æſopo geſelten vnd vnirten ſich auch mit einander ein Loͤwe / junger Ochs / Ziege vnnd Schaffe / vnd wie ſie eine gute Beuthe erhielten / ward dieſelbe in 4. Theil partiret vnd geſetzet. Der Loͤwe ſprach das erſte gehoͤrt mir wegen meines Vorzugs: Das ander will ich auch nehmen vmb meiner Staͤrcke willen: Das dritte gebuͤhret mir wegen meiner Muͤhe vnd Arbeit: wer das vier - de nehmen will der ſoll wiſſen daß er mich zum Feind habe. Behielte al - ſo der Loͤwe den Raub allein / dann haͤtte ſich der andern Geſellen einer gereget / derſelbe auch nit weniger als im vorhergehendem Apologo vom Eſel gemeldet deß Loͤwen præda oder Beuthe geworden / alſo machen es gar offt die Potentiores fœderati auch / heimbſchen ſich alle acquiſita allein zu / vnd nehmen den Geringern zuweilen pro acquiſito ſelbſten mit. (5.) Hier von handelt weitleufftig Newmayr von Buͤndnuſſen c. 4. vnnd(5.) Piſcis minor eſca majoris Der ſtaͤr - ckere ſchie - bet den Schwaͤ - chern in Sack. iſt droben Axiomate 137. frembde Huͤlffe iſt mißlich / ꝛc. auch weit leuffti - ger hiervon gehandelt / verbindet man ſich aber mit einem der nicht maͤchtig iſt / ſo iſt ſolche conjunctio bey dem wieder Theil gar nicht conſi - derabel, vnd deme der ſolche Huͤlffe erlanget / wenig vortraͤglich daß es al - ſo bey Bündnuſſen wol heiſſen mag / ubicunque tangitur uicus eſt; Es iſt nicht ohne Gefahr / man greiffe es an wie mans wolle. Derowegen alle Herren / ſonderlich die geringert / bey Errichtunge Buͤndnuſſen / ſich vndjhren432Das ander Buch /jhren Staat, vnnd eygene Macht woll vnd ſorgfaltig in acht zunehmen.

AXIOMA CCIII. Bey Auffrichtunge der Buͤndnuſſen muß auch auff die Sache deſſen mit deme man ſich verbindet geſe - hen / vnd Buͤndnuſſen zu keinen vnbilligen Din - gen mißbrauchet werden.

DIe Buͤndnuſſen / wie ſie an vnnd fuͤr ſich ſelbſten in Gottes Wort / der Natur vnd der geſunden Vernunfft gegruͤndet / al - ſo ſeind ſie auch zulaͤſſig vnd ruͤhmlich / ſo lang ſie zu billichen zulaͤſſigen Dingen / genutzet vnd gebrauchet werden / dann wie alle Menſchliche Actiones vnd Handlungen / ex fine & ſcopo, oder dem Zweck / dahin ſie ziehlen vnd gerichtet ſeyn / æſtimiret werden / alſo auch die Buͤndnuſſen: Jſt der Zweck ehrbar / billich vnnd gerecht / ſo ſeind(1.) Ad in juſta bella nulla obli - gatio Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 2 c. 15. §. 13 Et c. 25. §. 9. auch die Actiones oder das Werck ſelber preißlich oder zulaͤſſig / vnd es dahero billich heiſt: Fœdera non debent eſſe vincula iniquitatis, das iſt Buͤndnuſſen ſollen kein Band oder Verkoplunge zur Vngerechtigkeit ſeyn / daruͤber Gott bey dem Propheten das Wehe ruffet vnd ſpricht We - he denen die ſich zuſammen koppeln mit loſſen Stricken vnrecht zu thun Eſai. c. 5. v. 18. dahero auch der gerechte GOtt ſo wol den Helffern vnnd Helffers helffern / als denen ſo ſolche Huͤlffe ſuchen vnd annehmen / |das Verderben antrohet / wann er ſpricht: der Herꝛ wird ſeine Hand außſtre -(2.) Poſſu - mus enim hoc quod juſtè quod honeſtè poſſu - mus, uti habet vul - gata juris regula. Et Boni, non mali cauſa iniriſolet ſocietas, ut alibi nota vit Groti. - cken / daß der Helffer ſtrauchele vnd dem geholffen wird falle / vnnd alle mit einander vmbkommen / bey demſelben Propheten Eſaia c. 31. v. 3. Wie in den Kriegen / allezeit auff die Sache vnnd deren Gerechtigkeit zuſehen / alſo auch vnd viel mehr / in Bündnuſſen / dann zur Vngerechtigkeit iſt kei - ne Verbindligkeit (1.) kan ſich auch keiner darzu obligiren (2.) dahero dann die Frage leichtlich zur oͤrtern / wann einer zweyen oder mehrern al - liiret vnd verbunden / welchem er helffen vnd zuziehen ſoll / nemblich de - me / der die gerechteſte vnd beſte Sache hat / wie ſolches Groti. alleg. loc. c. 25. § 13. mit mehrerm außfuͤhret / derowegen die jenige es ſchwer zuver - antworten / ſo ohne vnterſchied der Sachen bloß der Buͤndnuſſen halber / vnd auß der motiva, daß ſie jhre Bundesverwandten nicht laſſen noch denſelben abhanden gehen koͤnten / wann ſchon dieſelbe / wieder Trew vnd Glauben / wieder Eyd vnd Bund / wieder pacta conventa & jurata offent -lich433Von dem Weltlichen Stande. lich vnd bekandlich handeln vnd die Waffen ergreiffen vnd fuͤhren / dan - noch aſſiſtiren. Damit werden auß den fœderibus vincula iniquitatis ſo der Prophet Eſaias wie oben angefuͤhret heiſſet eine Verkoppelun - ge von loſen Stricken / vnrecht zuthun d. c. 5. (3.) wer einem in einer(3.) Injuſta vincula, divina diſ - rumpit ju - ſtitia, per allegat. text Eſai. c. 31. v. 3. vngerechtẽ Sache beyſtehet / der machet ſich ſolcher Vngerechtigkeit theil - hafftig ja er machet ſie gleichſamb ſein eygen / vnd muß mit deme wel - chen er hilfft / daferꝛn Gott vnd ſein Wort warhafft / wie es dann iſt vnd in Ewigkeit bleiben wird / vnter vnd zu grunde gehen wie in gemeltem 31. cap. v. 3. deß Propheten Eſaiæ zuleſen. Die Niniviter verlieſen ſich auch in jhrer Vngerechtigkeit auff jhre Bundesverwandten / die jhnen auch darin zu aſſiſtiren bereit geweſen / darwieder aber der Prophet Nahum c. 3. v. 9. alſo weiſſaget: Mohren vnd Egypten (Bundesverwandten) war jhre vnzehliche Macht / Put vnd Lybia waren deine Huͤlffe / noch hat ſie muͤſſen vertrieben werden vnd gefangen weg ziehen / ꝛc. (4.)

(4.) Deus, nec dicta, nec jcta fœdera, uec potentiam, nec potentum conſilia moratur, ſed de - ridet. Waremund. ab Ehrenberg de Fœderib. lib. 1. c 2. n. 53.
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AXIOMA CCIV. Mit Vnglaubigen oder die vnſerer wahren Religion nicht zugethan / iſt gefaͤhrlich / bevorab zur ge - meinen Huͤlffe / ſich zuverbinden.

ES hat zwar die Natur welche wie droben Axiom 78. gemeldet / eine gemeine cognation vnd Verwandnuß vnter alle Menſchen / ohne Anſehen der Religion geſtifftet / (1.) keinen / aber Gott hat(1.) Ius Naturæ omnibus ita com - mune eſt, ut Reli - gionis diſ - crimen admittat. Hug. Gro - ti. de jur. Belli & Pac lib 2. c. 15. n. 8. nach dem Suͤndenfall / einen groſſen Vnterſcheid gemachet / vn - ter Glaubige vnd Vnglaubige / vnter Recht-vnd Vnrechtglaubige / vnd ſeinem glaubigen Volcke / ſcharff gebotten eingebunden / mit den Vn - glaubigen oder Abgoͤttiſchen auch jrriger Religionverwanden / keinen Bund zu machen im 2. Buch Moſ. c. 23 v. 33. Et c. 34. v. 15. Joſu. c. 23. v. 12. & ſeqq. vnnd hin vnd wieder an andern hierunten angezogenen Orten der Schrifft mehr / auch durch ſeine Propheten / die Koͤnige vnd Regen - ten / welche wieder dieſe Gebotte ſich mit Heyden vnd Vnrechtglaubigen in Buͤndnuß zu gem einer Huͤlffe eingelaſſen / ernſtlich warnen ſtraf - fen laſſen im 2. Buch der Chronic. c 16. v. 7. c. 19. v. 2. vnd ruffet Gott ſel - ber bey dem Propheten Eſaia das Wehe vber ſein Volck / die EgyptiſcheJ iiiHuͤlffe434Das ander Buch /Huͤlffe geſuchet / vnd ſich geſtaͤrcket mit der Macht Pharao / vnnd ſich be - ſchirmet vnter dem Schatten Egypti / Eſai. c. 30. v. 1. 2. ꝛc. vnd c. 31. v. 1. 2. 3. vnd bey dem Propheten Hoſea ſpricht er: Ephraim iſt wie eine verlo - ckete Taube / die nichts mercken will / jtzt ruffen ſie Egypten an / denn lauf - fen ſie zu Aſſur c. 7. v. 11. & c. 8. v. 9. im Newen Teſtament verbent S. Paulus daß man nicht ſoll ziehen an frembden Joch mit dem Vnglaubi - gen vnd daß der Glaubige kein Theil habe mit dem Vnglaubigen / wel - ches er dann weiter außfehret 2. ad Corinth. c. 6. v. 14.

Es ſeind zwar Exempel verhanden / daß fromme Glaubige / mit Vnglaubigen vnd jrriger Religion Zugethanen / ſich in Buͤndnuß bege - ben / vnd dieſelbe zu Huͤlffe geruffen. Der Ertz Vatter Abraham war im Bunde mit Aner vnd Eſcol / im 1. Buch Moſ. c. 14. v. 13. wie auch mit der Philiſter Koͤnig Abimelech / im 1. Buch Moſ. c. 21. v. 23. deßgleichen machte Jſrael einen Bund mit demſelben c. 26. v. 26. & ſeqq. der Ertz - Vatter Jacob / confœderirte vnnd verband ſich mit ſeinem Abgoͤttiſchen Schwieger Vatter dem Laban c. 31. v. 43. der Koͤnig David machte nicht allein gute Verſtaͤndnuß mit dem vnglaubigen Koͤnig Achis / ſondern er war auch bereit mit demſelben wieder Saul vnnd das Volck Gottes zu Felde zuziehen / vnd zuſtreiten / vnnd ſeine Truppen zu conjungiren, im 1. Buch Samuel c. 27. & 29. Aſſa der Koͤnig in Juda alliirte ſich mit Ben - hadad den Koͤnig in Aſſyrien / kam denſelben zu Huͤlffe / wieder Baeſa den Koͤnig in Jſrael / der doch einer Religion vnd Geſetzes war mit jhme / im 1. Buch deri Koͤnig c. 15. Achas der Koͤnig in Juda fertigte eine Bott - ſchafft ab an Tiglath Pileſſer / den Koͤnig zu Aſſyrien vnd ließ jhm ſagen: Jch bin dein Knecht vnd dein Sohn / kam herauß vnd hilff mir / auß der Hand deß Koͤnigs in Syrien vnd deß Koͤnigs in Jſrael im 2. Buch der Koͤnig c. 16. v. 7. Joſaphat befreundete ſich mit dem Abgoͤttiſchen Baals Diener / dem Koͤnig Achab vnd zohe jhme zu Huͤlffe im 2. Buch der Chro - nic. cap. 18. Hoſea ſandte Botten zu So / den Koͤnig in Egypten vnd be - gab ſich in Buͤndnuß mit demſelben wieder den Koͤnig zu Aſſyrien im 2. Buch der Koͤnig. c. 17. v. 4. Die Macchabeer machten Freundſchafft vnd conjungirten ſich mit den Nabatheern / wieder andere Heyden jhre Feinde im 1. Buch der Macchab. c. 5. v. 25. & ſeqq. Sie ſandten auch nachgehents eine anſehentliche Ambaſſade nach Rom / lieſſen mit den Roͤmern einen Bund auffrichten wieder alle jhre Feinde im 1. Buch c. 8. Jmgleichen kamen ſie dem Demetrio / vnd nachgehents dem Antiocho Alexandri Sohn zu huͤlffe / in ſelbigem Buch c. 11. waren auch in allian - ce mit den Spartanern c. 12. v. 6. Es ſeind auch viel Exempla verhanden daß Chriſtliche Potentaten ſich mit dem Erbfeind Chriſtlichen Namensdem435Von dem Weltlichen Stande. dem Groß Tuͤrcken in Buͤndnuß / auch gar wieder Chriſten vnd jhre ey - gene Religions Genoſſen ſich eingelaſſen / auch noch auff den heutigen Tag mit demſelben in guter Verſtaͤndnnß vnd Liga ſtehen / deren vnter - ſchiedliche alte vnd friſche Exempel anziehet Johan Wilhelm Newmayr in ſeinem Buch von Bündnuſſen vnnd Ligen c. 9. vnter andern aber iſt ein mercklich Exempel / daß in vorigem Scculo Koͤnig Franciſcus I. in Franckreich / ſich mit dem Tuͤrcken wieder Kayſer Carl dem 5. verbun - den / deſſen Sleidan. gedencket in ſeinem 15. Buch / wie auch deſſen in deß Reichs Abſchiede de Anno 1544. §. So achten wir cum §. ſeq. gedacht wird / da Koͤnig Franciſcus deßwegen nicht weniger als der Tuͤrck / fuͤr ei - nen gemeinen Feind deß Chriſtlichen Namens declariret vnnd gehalten worden. Die Koͤnigin Eliſabetha in Engelland / vnd die jenige Frantzo - ſen / ſo jhr bey pflichteten / machten eine Alliance mit dem Groß-Tuͤrcken Amurathe, wieder Philippum den Koͤnig in Hiſpanien / vnnd begehrten von jhm / erſolte den Koͤnig auff den Meercuͤſten mit Krieg angreiffen / Newmayr. d. c. 9. Wie aber deme / kan ich bey mir nicht ermeſſen / daß dieſe angezogene vnd andere mehr dergleichen Exempla alſo gethan / daß ſie wieder die Goͤttliche Regul vnd Gemeine / ſo offt wieder holete Gebot - te eines Chriſtlichen Potentaten vnd Volckes Gewiſſen / genugſam ver - ſichern / vnd beruhigen koͤnnen / ohne vnterſchied mit Türcken / vnd an - dern Vnglaubigen / oder auch wiederwertigen Religion zugethanen Po - tentaten / Fuͤrſten vnd Voͤlckern ſich in Bündnuß / ſonderlich zu gemei - ner Huͤlffe / vnd wider Chriſten einzulaſſen vnd ſich deren zubedienen. Ehe ich nun adſpeciem komme / iſt noͤthig verſchiedene Species der Buͤndnuſ - ſen vorher zuſetzen.

Erſtlich iſt eine art von Buͤndnuſſen / die man heiſt matuæ & reci - procæ Securitatis, oder de non offendendo ſeinvicom, das iſt ein Siche - rungs Bund / daß einer vor den andern ſicher / ohn moleſtiret in Ruhe vnd bey dem ſeinigen bleibe / vnd keiner von dem andern beleidiget werde. Ein ſolcher Bund iſt geweſen / darin Abraham mit den Amorrittern / Aner vnd Eſcolgeſtanden Gen. c. 14. So giebet es auch die Formula o - der Abrede / deren zwiſchen Abraham vnnd der Philiſter Koͤnig Abime - lech auffgerichteten Vnion / daß dieſelbe auff bloſe Sicherung gerichtet / geſtalt deß Koͤnigs Worte zu Abraham alſo lauten: Gott iſt mit dir in allem was du thuſt: So ſchwere mir nun bey Gott / daß du mir noch mei - nen Kindern / noch Neffen / kein Vntrewe erzeigen wolleſt / ſondern die Barmhertzigkeit / die ich an dir gethan habe / an mir auch thuſt vnd andem Lãde / da du ein Frembdling in biſt / ꝛc. Jm 1. Buch Moſ. c. 21. v. 22. & ſeqq. dahin war auch dieſes Koͤnigs Verbuͤndnuͤſſe mit Jſaac gerichtet / weilJiii ijderſel -436Das ander Buch /derſelbe mit ſehenden Augen geſehen / daß der Herꝛ mit Jſaac geweſen / daß er jhme keinen Schaden thaͤte / gleich wie er Jſaac nicht angetaſtet vnd jhme alles gutes gethan haͤtte in gemeltem 1. Buch c. 26. v. 26. der Bund zwiſchen Jacob vnd Laban war dahin gerichtet / daß keiner vnter jhnen ſolte fahren vber das Mahl oder Graͤntzen / die ſie geſetzet / zu be - ſchaͤdigen / auch daß Jacob ſeine Labans Tochter nicht beleidigen / oder an - dere Weiber darzu vber ſeine Toͤchter nehmen ſolte im 1. Buch Moſ. c. 31. v. 43. & ſeqq. vnd iſt alſo dieſes ein Pactum & fœdus Finium regundo - tum, ſive de obſervandis & non turbandis Finibus, & de non offenden - do geweſen.

Vor das ander werden auch Buͤndnuſſen geſtifftet / nicht allein gute Correſpon dentz vnnd Nachbarſchafft zu pflantzen vnnd zuerhalten / ſondern auch die gemeine Commercia zu Waſſer vnnd Lande zubefoͤr - dern / ſichere Trafiquen zwiſchen allerſeits Vnterthanen zu geſtatten. Ein ſolcher Bund war zwiſchen den Koͤnig David vnnd nachgehents zwiſchen ſemem Sohn Salomon / vnd den Koͤnig Hiram / im 1. Buch der Koͤnig c. 5. v. 12. vnd 2. Chron. c. 8. v. 17.

Zum dritten werden auch Buͤndnuſſen geſtifftet ſich wieder allen vn - billichen Gewalt bey ſeinem Gottesdienſt / Jnhabungen / Landen / Leu - then / Rechten vnd Sitten dobeſſer zuſchuͤtzen vnd zu ſichern / dahin waren gerichtet der Macchabeer Buͤndnuſſen mit den Roͤmern vnnd Griechen deen oben gedacht.

Zum vierdten werden Buͤndnuſſen geſuchet vnd eingegangen / ei - nen andern mit geſambter Hand vnd Huͤlffe zubekriegen. Alſo ſuchte vnd erhielte Koͤnig Alexander Antiochi Sohn Bůndnuß von den Mac - chabeern damit er den Demetrium do beſſer bekriegen vnd herunter brin - den moͤchte / wie gleichfals vorhergedacht.

Zum fuͤnfften werden conjunctiones vnd Ligen geſuchet vnnd ge - machet / das jenige was einem abgenommen wieder zu recuperiren vnd zuerlangen / alſo kahm Joſaphat zu Huͤlffe dem Koͤnig Achab Ramoth in Gilead auß der Hand deß Koͤnigs in Syrien zuretten im 1. Buch der Koͤnig c. 22. vnnd was ſonſten fuͤr Vrſachen darumb man Krieg erreu - get vnd fuͤhret / mehr ſeynd. Nun ſeind / wie hierauß zuſehen alle Buͤnd - nuſſen nicht gleich vnd einer Art / dahero auch nicht alle / mit allen Vn - glaubigen ohne vnterſcheid verbotten.

Dem Volck Gottes waren ins gemein alle Buͤndnuſſen ohne vn - terſchied / mit den Einwohnern deß Landes deren Voͤlcker Gott ſelber ſie - ben / nemblich Hethiter / Gergeſiter / Ammoriter / Cananiter / Phereſiter / Heviter vnd Jebuſiter in ſpecie erzehlet / verbotten im 5. Buch Moſ. c. 7. v. 1. im 2. Buch Moſ. c. 34. v. 12 ſo gar daß ſie jhnen gar keine Gunſt vnndFreun437Von dem Weltlichen Stande. Freundſchafft erzeigen / noch Gluͤck oder gutes wuͤnſchen ſollen / jhr Le - benlang ewiglich / im 5. Buch Moſ. c. 23. v. 6. aber die Edomiter vnnd E - gypter wie wol dieſelbe auch Abgoͤttiſch / hat Gott ſelbſten darvon außge - nommen / daß ſie das Volck Gottes nicht fuͤr Grewel halten ſolten / im 5. Buch Moſ. c. 23. v. 7. dannoch nicht alle Buͤndnuſſen mit den Egyptern / wie zuſehen Eſai c. 30. vnd 31. Hoſe. c. 7. v. 11. & c. 8. v. 9. gut geheiſſen / ge - ſtalt Hoſea der Koͤnig Jſrael darumb geſtraffet. Die ob angezogene Ex - empla vnd ein jedes abſonderlich zubeſehen vnd zwar das erſte / nemblich den Bund Abrahams mit den Amorrherren / ſo laͤſſets ſich auß dem con - textu anſehen / daß ſolcher nurent ein Fœdus beneficum wie es Hug. Gro - ti, de jur. Bell. lib. 2. c. 15. n. 9. nennet / oder mutuæ ſecuritatis de ſe invi - cem non offendendo, wie oben gemeldet / geweſen / welches auſſer deren 7. Voͤlckern deß Landes Canaan, denen GOtt in ſpecie kein Gunſt vnnd Freundſchafft zuerweiſen gebotten / nirgends verbotten / vnd koͤnnen noch heutigen Tages Chriſtliche Koͤnige / Potentaten vnnd Voͤlckern mit Tuͤrcken / Tartarn Vnglaubigen / auch ſonſten in der Chriſtlichen Re - ligion diſcrepirenden, ſich in der gleichen Buͤndnuß gar wol einlaſſen / daß einer fuͤr den andern Fried / Ruhe vnd Sicherunge haben / geſtalt dann verſchiedene Roͤm. Kayſer / wie auch die jtzo Regirende Kayſerl. Mayeſtaͤt / mit dem Groß Tuͤrcken Paciſicationes vnd pacta mutuæ Se - curitatis vnter einander auff gerichtet / vnd noch continuiren, deßgleichen der Koͤnig in Polen / mit dem Tuͤrcken / Tartarn andern Vnglaubigẽ auch thut. Alſo iſt bey diſcrepirender Religion / zwiſchen den Catholiſchẽ vnd Evangeliſchen / welche die Catholiſche doch fuͤr Ketzer vermeintlich halten wollen / der Paſſawiſche Vertrag Anno 1552. vnnd nachgehends Anno 1555. der tewre werthe Religion Frieden / als ein fœdus beneficum & mutuæ ſecuritatis, auffgerichtet / auch von Kayſern zu Kayſern / in der Capitulationen beſchwohren / in deß Reichs Satzungen / auch noch auff deme juͤngſt zu Regenſpurg auff gerichtetem vnd publicirtem Abſchiede de Axiom. 1641. tanquam Germaniæ Palladium unicum, ſtabiliret, per - petuiret vnd beſtaͤttiget worden / welches kein rechtſchaffener Chriſt ta - deln oder improbiren kan / zumahlen alle Chriſten von dem Apoſtel S. Paulo dahin ernſtlich ermahnet vnd erinnert werden: So viel muͤglich vnd an vns iſt / mit allen Menſchen Frieden zu haben vnd zu halten / an die Roͤm. c. 12. v. 18. ja gegen jederman dem Frieden nach zu jagen / der Author der Epiſt. an die Hebr. c. 12. v. 14.

Fuͤr das ander kan man auch nicht eygentlich auß dem contextu ſehen daß dieſe deß Abrahams obgemelte Bundes verwandten gar vn - glaubig vnd Abgoͤttiſch geweſen / wie es dann etzliche fuͤrnehme TheologiJiii iijdarun -438Das ander Buch /darunter auch D. Luther vnd D. Paræus ſeynd / darfuͤr halten / ſonſten ſie dem Abraham nicht ſo viel hoſpitalitaͤt / Ehr / Gunſt vnnd Freundſchafft wuͤrden erweiſen / vnd jhme ſo Leutſelig begegnet haben / er auch als der Vatter aller Glaubigen / ohne zweiffel nit muͤſſig bey jhnen geſeſſen / ſon - dern ſie zur Erkantnuß ſeines wahrẽ Gottes / mit Fleiß wird vnterrichtet haben. Eine gleichmaͤſſige Beſchaffenheit hat es auch mit Abrahams vnd ſeines Sohns Jſaats Bündnuͤs / mit der Philiſter Koͤnig Abime - lech / der ſich nicht als ein Vnglaubiger ſondern als ein Gottesfuͤrchti - ger Koͤnig bey verſchiedenen Occaſionen gegen dieſe beyde Patriarchen erzeiget / auch allenthalben ſolche Reden gegen ſie gefuͤhret / daß kein an - ders darauß zu muthmaſſen. Dann daß er Abrahams Glaubens gewe - ſen vnd den waren Gott erkant. Ein ſolcher Bund de non offendendo war auch deß Ertz-Vatters Jacob mit ſeinem Schwieger dem Laban / wie oben gemeldet.

Das Exempel Davids mit dem Koͤnig Achis iſt von mehrerm nach - dencken. David ward von dem Gottloſen Saulverfolget / muſte fluͤch - tig ſeyn vnd bey Frembden ſich auffhalten / da jhn dann auß ſonderbahrer Schickunge Gottes der vnglaubige Koͤnig Achis auffnehmen vnd ſchuͤ - tzen müſſen / auch eine ſolche gute confidentz zu jhme gefaſſet / daß er jhn mit ſeinen Voͤlckern an ſich ziehen / vnd wieder den Saul zu Felde fuͤhren wollen / David ſich auch darzu offeriret vnd erbotten / ſo hat es doch der allweiſe Gott / alſo geſchicket daß die Fuͤrſten deß Koͤnigs Achis ein Miß - trawen in jhn geſetzet / vnd nicht darfuͤr gehalten / daß es jhme ernſt ſeyn wuͤrde / wieder ſein Volck zu ſtreitten 1. Samuel. 29. dieſes muß man a - ber hierauß ſchlieſſen / daß David entweder gar nicht / oder vbel vnd wider ſein Gewiſſen neben dem Koͤnig Achis / ſein Volck vnd Erbtheil deß Her - ren wuͤrde beſtritten haben. So ſeind auch nicht alle facta vnd Veruͤbun - gen Davids in der H. Schrifft geprieſen. Daß er Uriam den Hethiter auff die Fleiſchbanck / durch Liſt vnd Tuͤcke liefern vnd maſſacriren laſſen / mit deſſen Weib Bethſaba Ehebruch begangen / auß Vppigkeit vnnd Hochmuth das Volck zehlen laſſen / wird ſehr an jhm getadelt / vnd be - zeuget die Schrifft / daß er deß wegen von Gott hart geſtraffet vnd ſchwe - re pœnitentz thun muͤſſen / vnd es dißfals wie ſonſten heiſt / Non exem - plis, ſed legibus judicandum, daß nicht nach den Exempeln ſondern nach den Geſetzen zu vrtheilen. Weil aber dieſes Falß Gottes klare Gebotte von verſchiedenen Zeiten / in ſeinem Worte bey Moſen vnnd den Pro - pheten klar zufinden / muß man diß Exempel ein Exempel ſein laſſen / vnd darumb die durchgehende Regul Goͤttlicher Verordnunge nicht auff -heben439Von dem Weltlichen Stande. heben vnd in zweiffel ziehen. (a) Das angezogene Exempel Aſſa deß(a) De Sanctorũ factis & exemplis eleganter D. Luther. in Com - mentar. ad Geneſ. c. 19. fol. 230. fac. 2. San - ctorum, inquit, o - pera & Ex - empla - tra Regu - lam & Le - gem ſunt quaſi mi - racula, & à nobis ad - miranda non imitanda, veluti quando Abraham bis exponit Saram periculo. Loth offert filias ſtupro; ſic miramur Petrum ambulantem in mari, Chriſtum & Moſem jejunantem 40. diebus, non autem imitamur: Quæ autem facta ſanctorum plane excuſari non poſſunt, ſicut concubi - tus Loth cum filiabus &c. ea ſunt peccata quæ à nobis fieri omninò non debent. Sic Heroica facta & exempla, ſi quis imitari vellet, turpiter impingeret, &c. ubi id pluribus perſequitur. Koͤnigsin Juda mit Benhadad den Koͤnig in Aſſyrien / thut gar nichtes zu Behauptunge der Buͤndnuſſen mit den Vnglaubigen. Dann ob wol Aſſa ſolchen Bund geſuchet vnd erhalten / ſo hat er doch daran vnrecht ge - than / geſtalt Gott den Propheten Hanani deß wegen zu jhn abgeferti get / jhme ſolches ernſtlich verweiſſen vnd alſo ſagen laſſen: Du haſt thoͤr - lich gethan / darumb wirſtu auch von nun an Krieg haben im 2. Buch der Chron. c. 16. v. 7. & ſeqq. Jmgleichen hat Gott kein Gefallen gehabt an der conjunction deß Koͤnigs in Juda Ahas / mit den Koͤnigen von Aſſur / iſt jhme auch nicht wol gelungen / wie zuſehen im 2. Buch der Chronic c. 28. v. 16. & ſeqq. deß Koͤnigs Joſaphat Buͤndnuß mit dem Abgoͤttiſchen Koͤnig in Jſrael Achab / hat Gott ſtarck geeyffert / ſchickete jhme / zu ſeiner Wiederkunfft nach Jeruſalem den Propheten Jehu zu einem ſcharffen Geſetz vnd Bußprediger zu / ließ jhme ſagen / ſoltu ſo dem Gottloſen helf - fen / vnd lieben die den Herꝛn haſſen / vnd vmb deß willen / iſt vber dir der Zorn vom Herren. Aber doch iſt was gutes an dir funden im 2. Buch der Chronic c 29. v. 2.

Der Macchabe er Exempel betreffent / iſt es erſtlich an deme / daß die Buͤcher der Macchabeer von den alten Kirchen Vaͤttern auch noch nicht von der Kirche / fuͤr Canoniſche Buͤcher denen infallibilis auctoritas beygeleget / æſtimiret vnd gehalten werden / zumahlen darin auch quoad fidem hiſtoricam, etzliche Wiederwertigkeiten ſich erreugen / auch der Macchabeer Thaten vnd Handlungen nicht alle in der Schrifft geprie - ſen / noch derſelben in allem gemeeß gehalten werden.

2. Haben die Macchabeer der Roͤmer vnnd Griechen Huͤlffe nicht wieder jhre Glaubens genoſſen / ſondern wieder die Heyden geſuchet.

3. Findet ſich nicht daß jhnen die Roͤmer wuͤrckliche Huͤlffe zuge - ſchickt / ſondern bloſe Protectoria vnd Schutzbrieffe publiciret, geſtalt dann 4. ſie die Macchabeer in jhrem an die Spartaner abgelaſſenem ſchreiben ſich außtrucklich erklaͤren / daß ſie dero Zeit keiner frembden Huͤlffe beduͤrffen / vnd troſt hetten an Gottes Wort im 1. Buch der Mac - chab. c. 12. v. 8. 9. So hat auch 5. der eventus oder Außgang es nicht be - ſtaͤttiget / daß die Macchabeer nach errichteten ſolchen Buͤndnuſſen mit den Roͤmern vnnd andern ſonderlich Gluͤck im Kriege gehabt / ſondern bald darauff in vorgangenen Schlachten den kuͤrtzern gezogen /(2.) der440Das ander Buch /(2.) Iudas Maccha - bæus, ubi aliena prę - ſidia & Romanas confœde - rationes captare cepit, mox concidit, Scribit Conrad. Heresb. de Princip. educat. lib. 2. c. 5.(2.) der tapffere Held Judas Macchabeus jhr Fuͤrſt / bliebe ſelber in ei - ner Occaſion wie zu ſehen 1. Macchab. c. 9. v. 6. & ſeqq. wie dann ſeine Bruͤder Jonathan vnd Simon auch jaͤmmerlich vmbkommen. Es tha - ten zwar 6. Jonathan vnd die Macchabeer als alliirte dem Koͤnig Deme - trio ſtattliche Huͤlffe / wie er durch eine Rebellion vnnd Auffſtand zu An - tiochia in groſſer Gefahr ſtanden / aber ſo bald er wieder Friede vnd Si - cherheit bekahm / meldet die Hiſtoria / daß Demetrius deren Dinge keines / die er dem Jonathan verſprochen / gehalten / ſich gantz von jhme gewand / vndanckbar fuͤr ſeine Wolthaten geworden / vnd jhme alle Vntrewe er - zeiget / in gemeltem c. 11. v. 53. das angezogene Exempel deß Koͤnigs in Franckreich Franciſci vnd was deſſen mehr verhanden / koͤnnen auch die Geſetze vnd Gebotte Gottes nicht auffheben / oder miltern / werden auch von gewiſſenhafften Chriſtlichen Politicis vnd Weltleuthen ins gemein improbiret vnd gethadelt / vnd wird danebeu referiret, daß Koͤnig Fran - ciſcus ſolche mit dem Tuͤrcken gemachte Buͤndnuß / wieder den Chriſtli - chen Kayfer / auff ſeinem Todtbette / ſehr betrauret vnd berewet / vnd deß - wegen nicht geringe Anfechtunge bey jhme verſpühret worden. Johan. ((b) Gra - tianus Va - lenti pa - truo opem petenti re - ſcripſit: Fas non eſſe ſocia - lia arma jungere cum eo qui Dei ſit hoſtis, ex Zonar. re - fert Groti. de jur. Bell lib. 2. c. 15. in annota - tis ad §. 9. in fin. Sleidan. d. lib. 15. (b)

Schließlich meine ohnvergreiffliche Gedancken vnnd Sentiment vber dieſe wichtige Frage herauß zu laſſen / halte ich darvor / daß die fœde - ra benefica oder reciprocæ ſecuritatis, gemeiner Ruhe vnd Sicherheit / den Glaubigen mit den Vnglaubigen in Gottes Wort / auſſer den ſieben Voͤlckern deß Landes Canaan / mit denen Gott ſeinem Volck auß ſonder - bahren Vrſachen alle correſpondentz, converſation vnd Freundſchafft außtrucklich verbotten / (welches aber jtzo weil dieſe Voͤlcker nicht mehr verhanden / in keine conſideration kompt) nicht verbotten / auch den Chri - ſten mit Tuͤrcken / Tartaren vnd Heyden erlaubet / wie imgleichen auch die Bündnuſſen / ſo wegen Befoͤrderunge der Navigation, Trafiquen, Handels vnd Wandels halber geſchehen / darwieder gleichwol nicht jrret / daß Joſaphat auff Gottes Befehl durch den Propheten Elieſer geſtraf - fet / daß er mit Ahaſia dem Koͤnig in Jſrael vereiniget eine geſambte Flotte zur See die Commercia zubefoͤrdern / anzurichten / die Schiffe auch zerbrochen vnd zuriſſen / daß ſie nicht auffs Meer kommen im 2. Buch der Chron. cap. 20. v. 35. dann ſolches nicht darumb daß man mit Gottloſen Leuthen nicht trafiquiren, Handel vnd Wandel treiben moͤgen welches nirgent verbotten / ſondern darumb daß Joſaphat ſich zu ſehr in(3.) De hoc caſu plu - ra ſcribit Hug, Groti. de jur. Bell lib. 2. c. 15. ſub n. 9. verſ. Hoc non venire ex natura fœderis &c. Freundſchafft vnd Converſation mit dieſem Koͤnig vertieffet / (3.) vnnddardurch441Von dem Weltlichen Stande. dardurch deſſen Gottloß thun vnd weſen approbiret vnnd gut geheiſſen / vnd kan diß vnzulaͤſſiges ſtraffbahres accident, deß Koͤnigs Joſaphats gar zugroſſer Familiaritaͤt vnd Vertieffunge / auch der ſonderbahrer eyffer Gottes wieder den Ahaſia deme an ſich ſelbſten zulaͤſſigen Commercio, mit allen Menſchen / nicht bey gemeſſen / noch das per ſe licitum propter incidens illicitum getadelt wurden / wie die Rechts lehrer hiervon reden / Quod utile per inutile non vitietur, & illicitum licito adiectum, pro non adjecto habendum eſſe: (4.) Aber darin hafftet die groͤſſeſte Difficultaͤt /(4) Vid. Andr Geil. obſerv. 4. n. 5. & ſeqq. lib. 2. latius Caſpar Anth, Theſaur. Quæſt. Forens. 69. part. 1. ob ſich Chriſtliche Potentaten / mit Tuͤrcken / Tartarn / Vnglaubigen o - der denen die jhrer wahren Religion nit zugethan / wieder Chriſten oder Vnglaubige mit reinem vnverſeertem Gewiſſen conjungiren, vor einen Mann ſtehen / verbunden vnd bey ſolcher deren Hülffe / von Gott ſicheren guten Succeſs zuerwarten / vnd ſich deſſen zugetroͤſten haben. Bey ſol - chem Caſu conſcientiæ oder Gewiſſensfall / iſt es gar nicht ſicher / auff bloſe Exempel / die theils in jhren vmbſtaͤnden ſehr variiren, vnnd nicht gleich ſeyn / auch theils außtruͤcklich verworffen vnnd geſtraffet werden / wieder die Regul vnd Gebott Gottes zu fuſen vnnd Gewiſſens ſicherun - ge zuerheben. Die obengeſetzte Regul vnd Verbott / iſt in den Büchern Moſis / der Koͤnig Chronicken vnd bey den Propheten gar offt wieder holet / daß man mit Vnglaubigen keine Ligas zu gemeiner Huͤlffe machẽ vnd darauff ſeines Staats Sicherunge vnnd conſervation ſetzen ſolle: Darumb ſpricht der Herꝛ bey dem Propheten Eſaia cap. 7. aliis, c. 8. v. 6. weil diß Volck verachtet das Waſſer Sihloha / das ſtille gehet / vnnd troͤſtet ſich deß Rezin vnd deß Soyns Remalia / ſiehe ſo wird der Herꝛ v - ber ſie kommen laſſen / ſtarcke vnd viel Waſſer deß Stroms / nemblich den Koͤnig zu Aſſyrien vnd alle ſeine Herꝛligkeit / daß ſie vber alle jhre Baͤche fahren / vnd vber alle jhre Vfer gehen / vnd werden einreiſſen in Juda / ꝛc. vnd ruffet Gott das Wehe vber dieſelbe bey ſelbigen Propheten Eſaia c. 30. v. 1. & ſeqq. & c. 31. v. 1. & ſeqq. vnd bey dem Propheten Ho - ſea c. 12. v. 1. Ephraim weidet ſich vom Winde / vnd laͤufft dem Oſtwinde nach / ſie machen mit Aſſur einen Bund / vnd bringen Balſam in Egyp - ten / ꝛc. Es wollen zwar etzliche darfuͤr halten / daß auff den euſſerſten Nothfall / wann einer auch von einer Chriſtlichen Gewalt ohne Vrſache geaͤngſtet / betraͤnget vnd mit Heersmacht vberzogen werden wollen / vnd wegen ſeines gantzen Staats Lande vnd Leuthe in pericul vnnd Gefahr ſtehe / vnd ſonſten zu niemand ſeine Zuflucht zunehmen wiſſe / daß jhme nicht zuverdencken / bey guter Sache / Huͤlffe bey dem Tucken vnnd Vn - glaubigen zuſuchen / vnd mit denſelben ſich zuverbinden / als aber mein Vorhaben iſt eine Bibliſche Policey zu ſchreiben / vnd ich dieſe exceptionKkkkvon442Das ander Buch /von oben gemelter Regul deß Goͤttlichen Verbotts / nirgents in der Bi - bel geleſen / die angezogene Exempla auch nicht alſo gethan / daß ſie eine ſolche exception à Regula dardurch das Gewiſſen ſo nicht viel ſcrupel leidet / eines Gottſeligen Regenten zu tranquilliren vnd zuverſichern / ſo kan ich bey mir nicht befinden / wie ein Gewiſſenhaffter Theologus oder Politicus, einem Chriſtlichen Regenten / ohne Verletzunge deß Gewiſ - ſens zu ſolcher Buͤndnuß ſicher rathen koͤnne. Keine Noth iſt ſo groß daß ſie Gottes Moral Geſetze auffhebe / es ſeye dann daß Gott ſelber die ex - ception vnd Außnahm in ſeinem Wort offenbahret vnnd gut geheiſſen. Der Koͤnig Saul gebrauchte einen ſolchen Behelff wie er deß Herꝛn ſei - nes Gottes Gebott vbergangen / vnnd ſagte zu dem Propheten Samuel der an jhn abgefertiget war / daß er / auß / fuͤr Augen ſtehender Gefahr vnd Noth / es gewaget vnnd Brandopffer geopffert: bekahm aber von Samuel die Antwort: Du haſt thoͤrlich gethan / vund nicht gehalten deß Herren deines Gottes Gebott: denn er hatte dein Reich beſtaͤttiget vber Jſrael fuͤr vnd fuͤr / aber nun wird dein Reich nicht beſtehen / ꝛc. 1. Sam. c. 13. v. 12. & ſeqq. Ward alſo Saul ſampt ſeinen Nachkommen / der Koͤniglichen Wuͤrde vnd Throns / wiewol er mit dem Nothfall ſich be - helffen wolte / darumb priviret, daß er von den Gebotten deß Herren ab - gewichen / derowegen es ein ſehr ſchwerer Caſus conſcientiæ vnd Gewiſ - ſensfall iſt / auch in euſſerſter Noth von dem klaren Wort vnd Gebott Gottes ab-vnd pro Status Ratione, ſeinem Verſtande Gutduͤncken nach neben auß zutretten vnd das zarte Gewiſſen zu graviren. Beſſer vnd verantwortlicher iſt es / Gott vertrawen vnnd Gewalt / wann es je nicht zu endern ſtehet zu leiden / als vnrecht zuthun / vnnd wieder Gottes(5.) Tole - randa po - tius mala, quam con - tra expreſ - ſam Dei prohibi - tionem fa - cienda. Tolerare malum patientiæ eſt, facere malitiæ, ideoque fæpe pati debemus malum, ne faciamus peccatum. c quod ſacris X quod mer. cauſ. c. ſicut. trib. ſeqq. 32. quæſt 4. Et pro Regula tenendum: propter neceſſit atem delinquere non opor - tere Geil. obſ 102 n. 13. Gebott ſolche Mittel zu ergreiffen. (5.) Als Anno 1531. zu Franckfurt die Proteſtirende Fuͤrſten mit den Reformirten Schweitzern / in Hand - lunge ſtunden / einen Bund auffzurichten / hat der Churfuͤrſt zu Sach - ſen / ſeine Geſandten auch dahin geſchicket / vnnd durch dieſelbe vorbrin - gen laſſen / daß er wol wuͤſte / wie hoch der Schweitzer Zuſammenſetzun - ge / jhrer Macht vnd Gewalt halber / den Proteſtirenden noͤtig vnnd er - ſprießlich / ſo koͤnte der Churfuͤrſt doch bey ſich nicht befinden / wie er we - gen der groſſen Diſcrepantz in der Religion / ſich uniren vnnd verbinden koͤnte / damit darauß nicht ein betruͤbter Außgang / welchen die Schrifft denen ankuͤndet / die ſich ſolcher Buͤndnuſſen zu jhrer Sicherunge ge - brauchet erfolgete / Johan. Sleidan. lib. 8. Weyland Landgraff Philips zu Heſſen der Großmuͤthige / war zu ſolcher conjunction mit denSchwei -443Von dem Weltlichen Stande. Schweitzern ſehr geneiget es ward aber demſelben ſolches nicht allein von D. Luthern / ſondern auch von Philippo Melanthone vnnd Brentio, in einem außfuͤhrlichen Schreiben / welches dieſe beyde abgehn laſſen vnnd bey dem Cæleſtino in Hiſtor. Aug. Confeſſ. verbotenus zufinden / ſtarck wiederrathen. Jch will jetzo geſchweigen / der groſſen Gefahr / vnd Aergernuß / ſo auß Vermiſchunge der Glaubigen mit den Vnglaubigen auch diſcrepirenden im Glauben entſtehet / darfuͤr GOtt ſein Volck ſo ernſtlich gewarnet im 2. Buch Moſ. c. 34. v. 12. 15. Joſ. c. 23. v. 12. & ſeqq. Obad. c. 1. v. 7.

Es iſt keine Gott wolgefaͤllige Gemeinſchafft deß Lichts mit der Finſternuß / oder Belials mit Chriſto 2. Corinth. c. 6. das boͤſe klebet all - zeit dem Menſchen ehe an als das gute / vnd wer Pech angreiffet der beſu - delt ſich damit wie die Schrifft redet. Ein mercklich Exempel hat man an dem Koͤnig Ahas / der ſich mit dem Koͤnig in Aſſyrien zugemeiner Hülffe alliirte vnd mit demſelben nach Damaſcon zohe / dieſelbe Statt belagern vnd einnehmen halff ſahe er daſelbſten ein new Modell / eines Heydniſchen Altars / welches jhm gleich gefiehl vnd ließ jhme der Koͤnig von Aſſyrien einen Abriß darvon machen / vnd ſchickte Ahas denſelben gleich ſeinen Hoffprediger / den Prieſter Vria / der auch den Mantel nach dem Winde zu hangen wuſte / nach Jeruſalem / mit Befehl / ſo bald einen Altar darnach zu bawen / worauff er zu ſeiner Wiederkunfft wieder Got - tes Gebott / Brand-vnd Danckopffer geopffert im 2. Buch der Koͤnig. c. 16. Wie gefaͤhrlich auch die Sarracener vnd Tuͤrcken / wann ſie Chriſten zu Huͤlffe kommen vielmahls gehandelt vnnd durch ſolche Occaſion der Buͤndnuß vnd geleiſteter Huͤlffe / ſich deren Lande vnd Leuthe / denen ſie zuhülffe kommen bemaͤchtiget / iſt auß der Erfahrunge vnd Hiſtorien be - kant / geſtalt dann das Tuͤrckiſche Kayſerthumb guten Theils zu ſo groſ - ſem Wachsthumb vnd Gewalt kommen / in deme die Orientaliſche Kay - ſer vnd Fuͤrſten / wie ſie vnter einander in die Haar gerathen / vnnd ein Theil ſich deß Tuͤrcken Huͤlffe bedienet / er ſie entlich mit einander herun - ter / gantz Griechenland vnnd was mehr zum Oſtiſchn Kayſerthumb ge - hoͤrig / vnter ſeine Beherꝛſchunge gebracht darvon Bodin. lib. 5. de Repub c. 5. mit mehrerm handelt.

Das Juͤdiſche Volck hat auch dardurch / daß ſie die Aſſyrier / Meder / Babylonier / Egypter in jhren Kriegen die ſie vnter ſich vnd mit andern gefuͤhret / zu Huͤlffe geruffen vnd jhnen den Weg ins gelobte Land gezei - get / Anlaß gegeben ſie hernach vnter jhre Herꝛ ſchafft zubringen / darvon droben De jur. Bell. Axiom. 18. weitleufftiger geſchrieben / in ſo weit aber hielte ichs nicht vnverantwortlich / wann ein Chriſtlicher Potentat vomKkkk ijTuͤrcken444Das ander Buch /Tuͤrcken betraͤnget vnd vberzogen wuͤrde / daß man ohne verletzten Ge - wiſſens ſich wol bearbeiten koͤnte / Tartarn vnd andere Vnglaubige wie - der jhn zuerreugen vnd auffzubringen / die jhnen wieder ins Land fiehlen vnd eine gute Diverſion macheten / zumahlen die Rationes ſo bey wuͤrck - licher conjunction vnnd Zuſammenſetzunge im Wege ſtehen / dißfals nicht verhanden. Von dieſer Frage habe ich hiebevor in meinem tractatu de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 2. Claſ. 3. c. 3. n. 45. & mult. ſeqq. auch mit mehrerm gehandelt.

AXIOMA CCV. Buͤndnuſſen muß man nicht zu viel trawen / noch ſich zu ſtarck darauff verlaſſen.

BVndnuſſen ſeind wol gut / aber offt gefaͤhrlich / ſie werden mit Menſchen auffgerichtet / die offt viel ein anders im Hertzen vnd Sinn haben / als ſie mit dem Munde ſinceriren vnnd ſprechen Daniel. c. 11. v. 27. die ſeind vnbeſtaͤndig / wanckelbar / ſo eygener Ehr / Nutzen oder Staats halber ſich leichtlich endern vnd andere Ge - dancken faſſen / ja wol gar auß Freunden / Feinde werden koͤnnen. Solches hat Gott ſelber durch den Propheten Obadia ſeinem Volck anſagen vnd verkuͤnden laſſen / mit nachfolgenden Worten:

Alle deine eygene Bundesgenoſſen werden dich zum Lande hinauß ſtoſſen / die Leuthe auff die du deinen troſt ſetzeſt / werden dich betriegen vnd vberwaͤltigen / die dein Brod eſſen werden dich verrathen ehe du es mer - cken wirſt Obad. cap. 1. v. 7. vnd bey dem Propheten Ezechiel ſpricht der Herꝛ: die dir jtzt hofieren / werden dich verachten / ſie werden dir nach dem Leben trachten c. 4. v. 30. Ein jeglicher warnet dieſer Prophet fer - ner / huͤte ſich fuͤr ſeinem Freunde / vnd trawe auch ſeinem Bruder nicht / denn ein Bruder vndertrucket den andern vnnd ein Freund verraͤth den andern c. 9. v. 4. Ja es ſitzen offt zwey Koͤnige vber einen Tiſch / reden freundlich mit einander / aber jhr Hertze gedencket / wie einer dem andern Schaden thue Daniel. c. 11. v. 26. & 27.

Hieruͤber klaget der Koͤnigliche Prophete David in Perſon deß Herꝛn Meſſiæ, wann er ſpricht: Auch mein Freund deme ich mich ver - trawete / der mein Brod / tritt mich vnter die Fuͤſſe Pſalm. 41. v. 10. add. Dan 11. v. 26. der Koͤnig Demetrius gab dem Macchabeer FuͤrſtenJonathan445Vom Weltlichen Stande. Jonathan ſehr gute Worte / wie die zu Antiochia wieder jhn auff ſtunden vnnd rebellireten / machete auch einen Bund mit jhme: Darauff dieſer jhme mit einem Kriegsheer zu huͤlffe kam / bemaͤchtigete ſich der Statt / er - legte die Auffruͤhrer / vnd erhielte den Koͤnig bey ſeiner Cron vnd Thron / aber es meldet die Hiſtoria / daß wie Demetrius wieder zu Ruhe vnd re - ſpect kommen / er den Macchabeern deren Dinge die er verſprochen keins gehalten 1. Macchab. c. 11. v. 42. & ſeqq. Dahero auch als Alexander An - tiochi deß Edlen Sohn / die Statt Ptolomais eroberte vnnd daſelbſten ſeine Regierunge anſtellete / dem Demetrio ſeine Macht vnd gluͤcklicher progreſs formidabel, vnd jenen zubekrtegen nicht allein ein groß Kriegs - heer ſamlete / ſondern ſuchete auch deß Jonathans vnnd deß Juͤdiſchen Volcks Freundſchafft vnd Buͤndnuß / erledigte nicht allein Jſrael von hochbeſchwerlichen Betrangnuſſen / gab jhre vorhin angenommene Gei - ſel loß / præſentirte daneben die allerbeſten Conditiones die ſie wuͤnſchen moͤchten / aber weil jhnen Demetrius vorhin nicht eingehalten / was er zu - geſaget / vnnd verſprochen / ſie daneben mit grauſamer Tyranney ge - truͤcket / wolten ſie jhme nicht trawen noch in voriger Buͤndnuß ſtehen bleiben im 1. Buch der Macchab. c. 10. v. 3. & ſeqq. v. 46.

Axioma CCVI. Bundesverwandten / koͤnnen auß Vrſachen die jh - nen pro Status ſui ratione zugeſtoſſen / den Bund auff kuͤnden vnd davon ab - tretten.

ES waren die Macchabeer vorhin mit dem Koͤnig Demetrio in Buͤndnuß getretten vnd hatten jhme wieder ſeine Feinde ſtatli - chen Succurs vnd huͤlffe geleiſter / als aber derſelbe ſeine gegebene Parola hindan ſatzte / vnd jhnen nicht hielte / was er verſprochen / hernacher aber mit dem Koͤnig Alexandro Antiochi deß Edlen Sohn in Krieg geriethe / ſuchete Demetrius renovation vnd Ernewerunge vo - rigen alliantz, thaten ſich die Macchabeer nicht allein gantz ab von vori - gem deß Demetrij Bund / (1.) ſondern unirten vnd conjungirten ſich(1.) Fran - genti fidē, fides frangatur eidem. Fruſtra ſibi fidem quis poſtulat ab eo ſervari, cui fidem à ſe p̄ſtitā, ſervavit c. 75. de Reg. jur. in 6. Confer. Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 15. §. 15. ubiſi pars una fœdus violaverit, poterit altera à fœdere diſcedere. nā capita fœderis ſingula vim cōditionis habent, & ibid. ex Thucy did. ſi vel tantillum, ex dictis pars alterutra tranſgrederetur, rupta fore pa[et]a. K k k k iijmit446Das ander Buch /mit ſeinem Feinde Alexandro / vff deſſen anſuchen / vnd ziehen jhme mit Heersmacht zu Huͤlffe den Demetrium zu bekriegen im 1. Buch der Macchabeer c. 10. v. 46. & ſeqq. Jmgleichen als dieſes Demetrii Sohn / der junge Demetrius mit Tryphon obgemelten Alexandri Sohn Krieg fuͤhrete / zohe jener Jonathan die Macchabeer mit ſtattlichen offerten vnd Verheiſſungen an ſich / erließ die Juden deß Schoſſes / ertheilete jh - nen anſehentliche Syncerations Brieffe / vnnd erwieſe jhnen ſehr groſſe Gnade / worauff ſie jhme 3000. Mañ zuſchickten / vnd wider ſeine Feinde die Victori erhielten / wie er aber nach erhaltenem Sieg vnd anblickender Fortuna, ſolcher getrewen Huͤlffe vnnd beſchehener Synceration vergaß vnd es nicht beſſer machete / als ſein Vatter / blieben ſie auch nicht beſtaͤn - dig im Bunde ſondern ſchlugen ſich zu deß Antiochi Parthey wieder Demetrium vnd ſeinen Anhang im 1. Buch der Macchab. c. 11. v. 43. & ſeqq.

Es werden wie in præcendenti Axiom. gemeldet Buͤndnuſſen mit Menſchen die wanckelbar vnd vnbeſtaͤndig in jhrem Weſen / gemachet vnd ſiehet ein jeder auff das euſſerliche Gluͤck vnd ſeinen Staat vnd Nu - tzen am meiſten / Es iſt nichtes mißlichers / als der Ruff / einer Gewalt / die bloß an frembder Huͤlffe vnd Buͤndnuſſe hafftet / vnd nicht auff eyge - ner Macht / darumb auch Buͤndnuſſen reſpectirect vnd erhalten werden /(1.) Fœde - ra humana ut plurimũ præter no - men nihil habent. mit ruhet (1.) Kayſer Maximilian der erſte / Koͤnig Ludwig der zwoͤlffte vnnd Papſt Julius, haben dero Zeit eine ſtarcke Alliance vnter ſich ge - ſchloſſen / welche fœdus ſacrum genennet / darüber vnd daß ſolches ſo viel do beſtaͤndiger vnd veſter obſerviret vnd gehalten wuͤrde / dieſe drey Po - tentaten das hochwůrdige heilige Abendmahl empfangen / vnd darbey ei - ne conſecrirte oblate in drey Theil vnter ſich ſollen haben auß theilen laſ - ſen vnd genoſſen / aber es hat die Erfahrunge gelehret / daß dieſe Religio - ſa Liga vnd ſacra conjunctio nicht vber ſechs Monat gewehret / wie D. Luther in ſeinem Comment. ad Geneſ. c. 15. fol. 181. fac. 2. bezeuget. Leon - hard Hemus ſchreibet ſeine Venetianern ruͤhmlich nach / daß ſie kluͤglich jhrem Staat zu nutzen innerhalb zwey Jahren / zwey mahl die Kayſerli - che / vnd dreymahl die Frantzoͤſiſche Parthey / vermittelſt auffgerichteter Buͤndnuß genommen / vnd in ſo kurtzer Zeit ſo offt in fœdere changiret vnd abgewechſelt / Jacob Zeveco. in obſervat politic. ad C. Sueton Jul. Cæſar. c. 14. Welcher geſtalt auch durch eines theils abſterben / Verflieſ - ſunge der veraccordirten Zeit / Auffkuͤndigunge / Vntrewe / Verlaſſun - ge / daß ein Bundesverwãdter bey ſolcher Conjunction, mehr auff ſein eygen Nutzen als die gemeine Sache / darumb man ſich conjungiret ſehe / vnd ſonſten andern mehr Vrſachen / die Buͤndnuſſen zergehen vnd diſſol -viret447Von dem Weltlichen Stande. viret werden / darvon handelt weitleufftig Johann Wilhelm Newmayr in ſeinem Buch / von Buͤndnuͤſſen cap. 10. vnd iſt zum Beſchluß dieſes Axiomatis auß dem Cominæo dieſes wol zumercken: Wann ſich ver - ſchiedene wieder einen maͤchtigen Potentaten ver alliren vnd verbinden / ſich aber auß Hoffnunge / Furcht oder anderem Abſehen ſepariren vnnd trennen laſſen / daß ſie ſolchem nach allgemach vnd einer nach dem andern vberzogen vnd beſchaͤdiget werden lib. 2. Commentar. deſſen hat man ein friſches Exempel Anno 1621. gehabt an der correſpondirenden Union, vnd andern dergleichen Verbuͤndnuſſen die nachgehents erfolget / vnd wieder zergangen.

Von Beſandten.

Jus Lega - tionum Biblicum.
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AXIOMA CCVII. Geſand - vnd Bottſchafften ſeind bey allen Voͤlckern / auch dem Volck Gottes vblich geweſen / vnd dardurch viel hohe vnd wichtige Sachen zwiſchen Ab - weſenden gehandelt.

DEr Allerhoͤchſte Gott hat ſelber ſeine Engel vnd andere Bott - ſchafften an die Ertz Vaͤtter vnnd andere ſeine Heilige ablegi - ret, von ſeinen Magnalibus vnd andern hohen wichtigen Sa - chen zu den Zeiten alten vnd newen Teſtaments / wie hin vnnd wieder in der Heiligen Schrifft zuleſen / anbringen vnd vortragen laſſen.

Als der Ertz-Vatter Abraham / alt vnd wolbetaget / darneben von Gott reichlich geſegnet ward / war er fuͤr ſeines Sohns Jſaacs Heyrath Sorgfaltig / wolte demſelben keine von Toͤchtern der Cananiter freyen / gleichwol ſeine Gelegenheit vnd Zuſtand nicht zugabe / daß er ſelber deß - wegen in Meſopotamiam reiſſete / forderte er ſeinen aͤltiſten Knecht vnndHauß -448Das ander Buch /Haußvoigt / den Eleazar fuͤr / inſtruirte vnnd beeydigte denſelben / vnnd ſchickte jhn als ſeinen Geſandten nach Meſopotamiam, in ſein Vatter - land zu ſeiner Freundſchafft / vnd ließ daſelbſten vmb die Rebecca Be - thuels Tochter fuͤr ſeinen Sohn werben / im 1. Buch Moſ. c. 24. v. 1. & ſeqq. Moſes ordnete eine Geſandſchafft zu der Edomiter / Moabiter vnd Amoriter Koͤnigen / vmb einen ohnſchaͤdlichen Paß durch jhre Lande zu ſo llicitiren im 4. Buch Moſ. c. 20. & 21. Joſu. c. 11. v. 17. & ſeqq.

Eine anſehentliche Ambaſſade, darunter Pinehas der Sohn Elea - zar deß Prieſters / Caput Legationis war / ſambt zehen Obriſten Fuͤrſten auß jeglichem Stamm Jſrael / ſpedirte vnd ſchickte Joſua / der Regente deß Volcks Gottes / mit deren Rath vnd zuthun / in Gilead zu den beyden Ruben Gad vnd dem halben Stamm Manaſſe / wegen deß am Jordan new erbawten Altars / ließ ſie in gůte jedoch ernſtlich dardurch beſprechen vnd zu Rede ſtellen / was es damit fuͤr eine Meynunge haͤtte / vnd da es et - wann auff eine ſchaͤdliche Tren vnd Spaltunge in der wahren Religion angeſehen / ſolchem beginnen zeitlich mit gutem Rath vnd tapfferer Re - ſolution zu remediren vnd zu begegnen wie zuleſen im Buch Joſua c. 22. v. 12.

Alſo ſchickte Jephtha zum zweyten mahl anſehentliche Bottſchafft zu dem Koͤnig der Kinder Ammon vnnd ließ denſelben trewlich abmah - nen vnd verwarnen / keinen vnnoͤthigen vngerechten Krieg wieder jhn anzufahen im Buch Joſua c. 11. v. 12.

Als der Koͤnig David verſchiedene herꝛliche Victorien wieder die Philiſter / Moabiter vnd Hadad Eſer erhielte / vnd Thogu der Koͤnig zu Hemath deſſen berichtet / that er eine ſonderbahre Abſchickunge darunter ſein Sohn war / an David / ließ jhn nach abgelegten Curialien gratulie - ren vnnd ſegnen / wegen erhaltenen Siegs im 1. Buch der Chronic. c. 19. v. 9. Als David erfuhr daß ſein Benachbarter friedfertiger Koͤnig der Ammon / der ſich gegen jhn wol comportiret, vnd in ſeinem Exilio gutes erwieſen / Tods verfahren / ordnete er eine Legation an deſſen Sohn / ließ demſelben ſeine Condolentz daruͤber conteſtiren vnd das Leyd klagen / wiewol es vngleich auffgenommen worden im 2. Buch Samuel. c. 10.

Wie der Koͤnig Salomo auff Gottes befehl ſich reſolvirte den gewaltigen Tempelbaw zu Jeruſalem vorzunehmen / that er durch ſeine Anſehentliche Abgeſandten darvon dem Koͤnig Hiram zu Tyro apertur, vnd ließ jhme ſein Vorhaben entdecken / auch den mit ſeinem Vatter David gehabten Bund gute Correſpondentz vnd Vertrawlichkeit er - neweren / begehrte von jhme zu ſolchem groſſen Wercke kunſtreiche Ar - beits Leuthe vnd allerhand rare Materialia, im Buch der Chronic c. 2.

Als der Gewaltige Koͤnig zu Babel / Merodach / Baladan ver -ſtaͤndi -449Von dem Weltlichen Stande. ſtaͤndiget / daß der Koͤnig Hißkias mit Schwachheit befallen vnd ſchwer - lich darnieder gelegen aber durch ſonderbare Goͤttliche Huͤlffe darvon wieder eluctiret vnd geneſen / hat jener die Humanitaͤt vnnd Leutſeligkeit gebrauchet / daß er durch eine Geſandſchafft ſich deſſen erkuͤndiget vnnd dieſem wegen wieder erlangter Geſundheit / Gluͤck vnd Heil anwůnſchen laſſen / Eſaia c. 39. v. 1. Jm 2. Buch der Koͤnig c. 20. v. 12.

Als Koͤnig Alexander Antiochi Sohn / ſeinen æmulum Regni den Demetrium in einer Bataglie vnd offener Schlacht erleget / obgeſieget vnd ſeinen Koͤniglichen Thron verſichert / ward er Raths ſich mit deß Koͤnigs in Egypten Ptolomæi Tochter Cleopatra zuvermaͤhlen ließ ei - ne ſtatliche Geſandſchafft dahin gehen / ſeine Freundſchafft dem Ptolo - mæo anbiethen vnd vmb gemeltes Koͤnigliches Fraͤwlein werben / mit erbiethen ſich gegen jhn als ein Eydam zubezeigen danckbar zu ſeyn vnd ſeiner Tochter eine Koͤnigliche Leibzucht oder Widdums Sitz zuverord - nen im 1. Buch der Macchab. c. 10. v. 51. & ſeqq.

Auß dieſen vnd andern Exempeln der Schrifft iſt genugſam zuſe - hen / daß zu allen Zeiten vnd bey vernuͤnfftigen Voͤlckern / die Geſand - ſchafft in Friedens vnd Kriegs Zeiten / in Liebs-vnnd Leidfaͤllen gewoͤhn - lich geweſen / vnd gebrauchet worden. Groſſe Herren ſeind ins gemein weit von einander entſeſſen / koͤnnen nicht wol Perſoͤnlich / ſo offt es die Ehren-oder andere Notturfft erfordert / fuͤglich zuſammen kommen / iſt auch auß vielen erheblichen Vrſachen groſſer Herren Abweſenheit von Landen vnd Leuthen nicht nuͤtzlich / darvon droben lib. 2. Axiom. 39. et - was gemeldet auch nicht allemahl rathſam / daß dieſelbe in der Perſon zuſammen kommen / darvon gar fein der Ritter Cominæus lib. 3. Com - mentar. diſcurriret vnd es mit der Zuſammenkunfft / ſo zu ſeiner Zeit / zwiſchen Koͤnig Ludwig den XI. in Franckreich / vnnd ſeinem domahli - gen Herꝛn / Hertzog Carl von Burgund vorgangen / auch andern fri - ſchen Exempeln beſtaͤrcket / lib. 3. (1.)

(1.) Verba Cominæi quæ pro regula quaſi ponit ita habent: imprudenter faciunt princi - pes, æquali Potentia præditi, ut non ſemel antea dixi, quod in Collocutionem ipſi deſcendant: niſi forte ſint ætate, ut præter Jocos & ludum, nihil ſpectent aliud. Nam poſt quam gran - diores evaſerunt, & æmulatio aliqua cæpit inter eos oriri, quod ferè fit, non eſt conſultum, ut ipſi congre diantur: ac longè præſtat ut controverſias & quicquid eſt negotiorum, curent per Legatos, viros bonos & prudentes componi, additis ibidem ex multo rerum uſu compertis ex - emplis, tandem concludens hiſce verbis: ſic igitur exiſtimo, debere principes abſtinere à con - greſſibus, modo ſalvam eſſe velint & integram amicitiam, &c.
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Jn was Gefahr gemelter Koͤnig Ludwig wie auch ſein gantz Koͤ - nigreich gerathen / wie er vorgedachten Hertzog Carl von Burgund zuL l l lPerona450Das ander Buch /Perona befuchet vnnd dieſer von deß Koͤnigs ſonderbahren Anſchlaͤgen die er durch ſeine Geſandten mit ſeinen offenbahren Feinden den Lütti - chern / wieder jhn den Hertzog vorgehabt part vnd gewiſſe Kundſchafft er - langet / ſolches beſchreibet dieſer herꝛlicher Auctor Cominæ. mit mehrerm auß fuͤhrlich. Es iſt auch Koͤnigen / Fuͤrſten / Republiquen vnd Herꝛſchaff - ten in viele Wege erſprießlich / daß ſie jhre Ambaſſaden nach Gelegen - heit der Leuffte zu den vornembſten Potentaten abordnen / vnnd was zu Verſicherunge jhres Staats / zu Abwendunge Feindlicher Vorhaben / auch beſſerer Erforſchunge / was an hohen Orthen vor Conſilia obhan - den / die jhnen vortraͤglich oder ſchadlich / abſchicken vnnd darnach jhre Actiones vnnd Rathſchlaͤge anſtellen dann die Geſandten ſeind groſſer Herren Augen dardurch ſie viel Dinges ſehen / vnd jhre Ohren dardurch ſie ſolche Sachen hoͤren / die jhnen ſonſten auſſer deme wol nicht zu Ohren oder Wiſſenſchafft gelangeten. (2.)

(2.) Legati ſunt Oculi Regnorum, Principum & Rerumpublicarum Guicciardin. lib. 15. Hi - ſfor. Vox Regum, lingua ſalutis, fœderis Orator, Pacis via, terminus iræ, ſemen amicitiæ, belli fuga, litibus hoſtis. Ceu Poeta vetuſtus Legatum deſcribit.
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Auß dieſen vnd andern Vrſachen hat der Papſt zu Rom bey dem Kayſerlichen / auch aller Catholiſchen Koͤnige vnnd Potentaten Hoͤffe / faſt fort vnd fort / ſeine Nuncios Apoſtolicos vnd Legatos à Latere, wel - che auff Sachen / ſo bey den Hoͤffen / Koͤnigreichen vnd | Republiquen paſ - ſiren, genawe animadvertentz haben vnd deß Stuels zum Rom Hoheit / Macht / Gewalt vnnd Nutzbarkeit auch der Roͤmiſchen Kirche Erweite - runge beobachten von allem / bey den Ordinari Poſten / referiren. So finden ſich auch ins gemein am Roͤmiſchen Hoffe / viel Koͤnigliche vnnd andere Geſandten / die dergleichen thun / weil auch die Venetianer den beſten Nachbarn an den Groß Türcken nicht haben erfordert jhr Sta - tus, daß ſie dafelbſten allezeit einen Ordinari Geſandten oder Re - ſidenten haben / der auff alle Occa ſiones vnd rerum momen - ta acht hat vnd darvon adviſiret.

AXIO -451Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CCVIII. Geſandten ſeind bey allen Voͤlckern ehrlich ge - halten vnd vor aller Thaͤtligkeit geſichert worden.

DEmnach zwiſchen hohen Haͤuptern / Potentaten vnnd Herꝛ - ſchafften bey Friedens oder Kriegszeiten beſſer durch Geſand - ten vom Frieden / Krieg / Buͤndnuſſen Heyrathen / Correſpon - dentz vnnd Vertrawligkeit zuhandeln als durch Brieffe / wel - ch es nicht allemahl bequem / die Geſandſchafften aber zutraͤglicher / als hat die geſunde Vernunfft / bey den vernuͤnfftigen Voͤlckern / die Ge - ſandſchafften / deren Recht vnd Sicherheit / welches der Heydniſche Weltweiſe Mann Cornel. Tacitus Sacra Legationis & fas gentium, nen - net lib. 1. Annal. wolbedaͤchtig geſtifftet (1.) damit das Commercium(1.) Jus Le - gationum inquit Ci - cero, hu - mano di - vinoque vallatum eſt præſi - dio. Hoc divina quadam providen - tia immu - tabile jus & omnibus conſtitutum, gentibus etiam Barbaris manifeſtum Alberic. Gentil. de Legation. lib. 2. c. 1. Indeque ſanctum & ſacrum dici meruit Gentil ibid. omnium ſacratiſſimum & hono - ratiſſimum apud Romanos Legatos fuit. Poteſtatem & vim habens Imperantis, inviolabilita - temque & venerationem ſacerdotis, inquit Dionyſ Halicarnaſſ. lib IX. antiquit Rom. Menſchlicher Societaͤt / vnd das gemeine Weſen / in Entſtehunge ſolches heilſamen Mittels nicht nothleiden oder gar durch vnauffhoͤrliche Krie - ge wann ſie ohne Hoffnunge einiger Zuſammenſchickunge in infinitum ſich erſtrecken ſolten / gar deſtruiret vnd zerriſſen wuͤrde / dahero die Vor - ſorge fuͤr die gemeine Wolfarth / dieſes den Voͤlckern an die Hand gege - ben / vor Geſandten eine allgemeine Sicherheit einzufuͤhren / daß ſie bey Feinden vnd Freunden / auff gewiſſe Maſſe vnd erlangte Geleidsbrieffe ſicher reiſen / ab vnnd zuziehen auch ehrlich vnnd wol gehalten wuͤrden / (2.) zumahlen die Geſandten deren Stelle vnnd Wuͤrde repræſentiren vnd vertretten / von welchen ſie außgeſchicket / vnnd alſo billich mit glei - chem reſpect honoriret vnd verſehen werden / (3.)

(2.) Hominum inter ſe Commercium mutui boni & beneficii cauſa extra injuriam omnes ponunt: Sed Legatio Commerciorum eſt Commercium ſanè inter mortales, cum tol diſſidio - rum atque bellorum cauſæ ſint & vi omnia videantur agi poſſe, inveniri jus debuit, quod quie - tem inſtaurar et, quod pace veſtiretur & inviolabile prorſus eſſet, ſed quod læſum ſeveriſſimè a - pud omnes, & quodam velut conſenſu omnium vindicaretur. Hæc Legatio eſt Frideric. de Mar - ſelaer in eleganti ſuo Tractatu de Legato lib 2. Diſſert. 13.
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(3.) Legatus nihil aliud quam es & facies ejus à quo miſſus, cujuſque ob id perſonam ſuſtine - re exiſtimatur, Alberic. Gentil. in Præfat. de Advocat. Hiſpan.
30L l l l ijAls452Das ander Buch /

Als deß Ertzvatters Abrahambs Abgeſandter in Meſopotamiam kam / vnd Bethuel deſſen berichtet war / hat ſein Sohn Laban das Hauß geraͤumet / vnd fuͤr den Geſandten / deſſen Suite vnd Camele, die Loga - menter vnd Stallunge zugerichtet / iſt jhme entgegen gegangen / denſel - ben freundlich mit domahls gewohnlichen Ceremonien vnnd Comple - menten empfangen / in ſeines Vatters deß Bethuels Hauß gefuͤhret / auffs beſte accommodiret, vnd nach abgelegter Werbunge in reſpect ſei - nes abſchickenden Herꝛn deß Ertz-Vatters Abrahams auffs beſte tra - ctiret, mit gewuͤriger Reſolution vnd guten Contento wieder abgeferti - get im 1. Buch Moſ. c. 24. v. 28.

Als deß Koͤnigs zu Babel Morodach-Baladan / Legaten bey dem Koͤnig Hißkia anlangeten vnnd ſich mit jhren Creditiv Brieffen vnnd Geſchenck bey demſelben angemeldet / wegen wieder erlangter Geſund - heit zu gratuliren vnd Gluͤck zuwünſchen / er wieſe jhnen Hißkias groſſe Ehre vnd Courteſie, tractirete ſie wol vnd war froͤlich mit jhnen / zeigete jhnen das gantze Schatzhauß / Silber / Gold / Spetzerey / ſeine Ruͤſt - Cammer vnd was ſonſten zuſehen / ſo gar daß er auch darin ſich zu vp - pig erzeigete vnd den Sachen zu viel thate im 2. Buch der Koͤnig c. 20. v. 12. & ſeqq. Eſaiæ c. 39. v. 1. Gar vbel aber vnnd wieder der vernuͤnfftigen Voͤlcker Rechte handelte der Ammoniter junge Koͤnig Hanon auff ſei - ner vnweiſſen Raͤthe boͤſe Verleitunge wieder deß Koͤnigs Davids Ab - geſandten / die er fuͤr Spions vnd Verraͤthers tractirte, hoͤhnete ſie vnnd ließ jhnen den Bart halb abſchehren / die Kleyder auch halb abſchneiden / biß an den Guͤrtel / vnd ſchickten ſie mit ſolcher offentlich Beſchimpffun - ge wieder zuruck / welchen affront vnd Schimpff David ſo hoch empfun - den / als wann er jhme ſelber in der Perſon begegnet vnd geſchehen waͤre / ſo gar daß er deßwegen mit Hanon in offene Fehde geriethe / denſelben mit Heersmacht vberzoge / groſſe hoſtilitaͤten in ſeinem Koͤnigreich ver - vbte / vnd die ſeinen Geſandten zugefuͤgter Schmach rechmaͤſſig vindi - cirte im 2. Buch Samuel. c. 10.

Als die Benachbarte Koͤnige vnd Landſchafften deß Koͤnigs Ne - bucadnezars Bottſchafften etwas ſchimpfflich abwieſſen / vnnd ſie mit Schanden wieder heimbziehen lieſſen / da hat ſich der Koͤnig Nebucadne - zar ſehr entruͤſtet / bey ſeinem Koͤniglichen Stuel vnd Reich ge - ſchworen / daß er ſich an allen ſolchen Landen raͤchen wolte / im Buch Judith c. 1. v. 10. 11.

AXIO -453Von dem Weltlichen Stande.

AXIOMA CCIX. Geſandten thun wol vnd weißlich daß ſie jhre Wer - bungen bey nuͤchtern Muthe ablegen / vnd ehe ſie zur Taffel ſich ſetzen / jhre negotiation vnd Handel vornehmen.

EIn ſehr angenehmer vnd willkommener Geſandter war Eleazar deß Abrahams Diener / der von dem Bethuel vnd ſeinem Sohn Laban nicht allein ſtatlich empfangen vnnd mit ſeinem Comitat wol accommodiret, ſondern auch gleich zur Mahlzeit genoͤtiget worden / aber Eleazar / meldet die Schrifft / ſprach: Jch will nicht eſſen / biß ich meine Sache geworben habe / im 1. Buch Moſ. c. 24. v. 23. Dieſer E - leazar giebet allhie allen Geſandten ein trefflich Morale vnd Inſtruction, wie ſie mit jhrer Propoſition vnd Handlunge darumb ſie abgeſchicket ver - fahren / vnd ehe ſie ſich zur Taffel / darbey es ins gemein einen ſtarcken Trunck giebet / begeben / vorhin jhre Werbunge ablegẽ / auch alle wichtige negotia vor vnd nit nach der Taffel abhandeln ſollen. Deßgleichen wird von Xenocrate der Athenienſer Geſandten referiret welcher zu dem Anti - patro abgeſand etzliche Gefangene zuerledigen vnd loß zumachen / vnd vor abgelegter ſeiner Werbunge zur Mahlzeit erfordert / er ſich entſchul - diget vnd vorgewand / daß jhme eſſen vnd trincken nicht anſtuͤnde / biß er ſeiner gefangenen Landesleuthe Erledigunge halber gehoͤret / vnnd ge - wuͤrige Reſolution erlanget / (1.) welches ein Poet in gewiſſe Verſe(1.) Vid. Alberic. Gentil. de Legation lib 3. c. 13. (2.) Quis cupiat cir - ce prudens vel ſanior unquam, ſuſtineat bibere atq; cibum gu - ſtare, priuſquam ſolvantur ſocij, mihi vel reddantur ad unum. gebracht (2.) Als der junge Tobias zu Raguel kam vorhabens vmb ſei - ne Tochter Sara zu werben / vnd er ſambt ſeinem Gefaͤhrden genoͤthi - get ward zu Tiſche zu ſitzen: Sprach er ich will heut nicht eſſen oder trin - cken du gewehreſt mich dann einer Bitte / vnd ſage mir zu Saram deine Tochter im Buch Tob. c. 7. v. 10. Es iſt gewiß daß wichtige ſchwehre Sachen ſich beſſer in der Fruͤſtunde ehe man ſich mit Speiß vnnd Tranck vberladen abhandeln vnd außarbeiten laſſen / als nach der Mahlzeit da man zu allen Sache traͤg vnd nicht ſo wol diſponiret iſt. (3.)Conſultationes quæ à prandio fiunt inter decreta non eſſe, referenda, monet prudenter Cominæus. Wann ein Geſandter bezechet kan er nit mit ſolcher Manier / Circumſpection, Vor -L l l l iijſichtig -454Das ander Buch /ſichtig - vnd Verſchwiegenheit / welches alles gleichwol einem Geſandten hochnoͤtig / verfahren / als wann er nůchtern. Man findet zwar etzliche wenig Leuthe die wol Sauffen / vnd doch nichts do weniger in gutem Ce - rebell bleiben / aber ſolches iſt ſehr wenigen vnd nicht allen gegeben / vnnd proſtituiret ſich mancher verſtaͤndiger Mann beym Truncke / welches er nuͤchtern Muthes mit Ehr vnd Reputation wol|verrichten koͤnnen (4.) (4.) Enor - me & o - dioſum nomen Ebrietas, quę omni - bus vitan - da, ſed in primis Le - gato, cu - jus omnis actio ſedu - litate, mẽs Conſilio, pectus fide, os Silentio, obſignari debet: Frideric. de Marſelaer de Legat. lib. 1. diſſertat. 17. Paucis omnino conceſſum eſt& bibere & ſapere ſimul cum vinum ſen - ſim capiti illapſum oppugnet, expugnet & totum hominem in jus ſuum rapiat idem Marſel. d. loc. Es gedencket Cornelius Tacitus in ſeinem Buͤchlein de Moribus Ger - manorũ, daß es den Teutſchen gleichſam von Natur angebohren / daß ſie von wichtigen Sachen / Frieden / Buͤndnuſſen vnd dergleichen inter po - cula oder beym ſtarcken Truncke zu tractiren vnd zuſchlieſſen pflegen / weil dardurch die Gemuͤther trewhertzig / auch zu hohen Dingen vnd reſolu - tionen erhitzet wuͤrden / aber es iſt eben bey dieſem andern Auctoribus zuleſen / wie offt die Teutſchen durch die Trunckenheit jhre Schan - tze verſehen / vberfallen / geſchlagen / in groſſe Noth vnd Ge - fahr gerathen ſind.

Ende deß andern Buchs.

[455][456]1

Das dritte Buch / Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA I. Der Hauß-vnnd Eheſtand / iſt von GOtt / vor dem Fall vnſer erſten Eltern / im Paradieß - Garten eingeſetzet.

DIe Schrifft redet hievon alſo / daß nach Erſchaf - fung deß erſten Menſchen Adams / im Rath der Hoch - gelobten heiligen Dreyfaltigkeit dieſer Schluß gema - chet. Non eſt bonum hominem, eſſe ſolum, faciamus ei adjutorium. Es iſt nicht gut daß der Menſche allein ſey / wir wollen jhme einen Gehuͤlffen machen / die vmb ſey / Genes. C. 2. v. 18. Hiermit hat GOtt den Statum Oeconomicum oder Hauß - Standt geſtifftet / welcher ſonderlich nach dem Fall / durch einen Menſchen nicht fůglich eingerichtet vnd beſtellet werden koͤnnen. So iſt auch GOtt ſelber der Paranymphus oder Brautfuͤhrer geworden / vnd hat dem Adam ſeine Gehuͤlffin zugefuͤhret / vnd getrawet Genes. C. 2. v. 22. auch den Seegen Creſcite & multiplicamini / ſeit frucht bar vnd mehret euch / vnd fuͤllet die Erde dar - uͤber geſprochen / Genes. C. 1. & 2. Hierauß iſt zuſehen / warumb der heilige Ehe - ſtandt von GOtt eingeſetzet / nemblich daß der Menſch einen trewen Gehuͤlffen habe / in aller ſeiner Arbeit / vnnd daß zwey ein Fleiſch ſeyn / Kinder ziehlen / vnd das Menſchliche Geſchlechte vermehren moͤgen: Vnd wiewol Adam in dem Stande der Vollkommenheit / die Huͤlffe deß Weibes nicht eben ſo hoch geduͤrfft / ſondernazur Ver -2Das dritte Buch /zur Vermehrunge vnd Kinderzucht / ſo iſt doch nunmehr ein trewes Weib / dem Manne auch in der Haußhaltunge eine groſſe Gebuͤlffin / in zuſtehenden Wider - wertigkeiten vnnd Schwachheiten / ein trefflicher Troſt vnnd Haußſchatz. Als Manoahs vber die Erſcheinunge deß HErren Engels ſehr erſchrack / vnd nicht anders meinete / er vnd ſein Weib muͤſten deß Todts ſterben / weil ſie den HErꝛen geſehen / da ward er von ſeinem Weib getroͤſtet vnd wider auffgerichtet / die zu ihm ſagte: Wann der HErr luſt hette vns zu toͤdten / ſo hette er das Brandtopffer vnd Speißopffer nicht genommen / von vnſeren Haͤnden / ꝛc. Jm Buch der Richter C. 13. v. 23.

Nach dem Suͤnden Fall iſt auch die dritte Final vrſache darzu kommen / nemb - lich die Vermeydunge der Vnzucht / vnd alſo der Eheſtandt ein heylſames Reme - dium oder Artzney der vnkeuſchen Brunſt worden darvon S. Paulus ſchreibet 1. ad Corinth. C. 7. vmb der Hurerey willen / habe ein jeglicher ſein eigen Weib / vnd eine jegliche habe jhren eigen Mann (D. Lutherus in Comment. ad c. 2. Genes. fol. 26. Conjugium inquit in Paradiſo eſt inſtitutum ad officium, videlicet genera - tionis, poſt peccatum autem quoque ad remedium: itaque cogimur hoc ſexu uti ad vitandum peccatum: Hoc quidem penè turpe dictu eſt: Pauciſſimi enim ſunt, qui tantum propter officium uxores ducunt.) GOtt hatte zwar vnſern erſten El - tern im Stande der Vollkommenheit / eine reine / keuſche vnnd erbahre Begierde eingepflantzet / daß ſie nach dem Geiſte Kinder zeugen ſolten zu dem Ebenbilde GOttes / das iſt wie es S. Paulus außleget / in rechtſchaffener Gerechtigkeit vnnd Heyligkeit / an die Epheſer Cap. 4. Vnd hette wol keine heyligere vnd groͤſſere Liebe vnd Wolluſt erdacht werden koͤnnen / als durch Eheliche Beywohnunge / GOttes Ebenbilde for zu pflantzen vnd das Menſchliche Geſchlecht zu ſeinen Ehren zuver - mehren / welches dann wie D. Luther. in ſeinem Commentar in Genes. C. 2. fol. 23. fac. 2. ſchreibet / ohne einige Schewe vnd Schame offentlich geſchehen were / nicht weniger als wann Mann vnd Weib mit einander eſſen / trincken vnd ſonſten vmb - gehen. Geſtalt dann nach dem Fall vnſerer erſten Eltern / erſt Schuͤrtzen von Feigen Blaͤttern geflochten vnd damit die Geburts gliederbedecket / Genes. 3. v. 7. Dann ſo bald nach dem Fall hat ſich die ſündliche Begierde gereget / die auff alle Nachkommẽ gerathen / daß die Eheliche Beywohnunge / nit ohne Schame / Schewe vnd ſündli - cher Brunſt iſt / derowegen auch die Zucht vnnd Erbarkeit / auch vnter Eheleuthen nicht zugiebet / daß die Eheliche Beywohnunge offenbahr / ſondern in geheimb ge - ſchehe.

Welcher geſtalt die Weiber gegen die Maͤnner / vnd hinwieder die Maͤnner gegen die Weiber ſich verhalten ſollen / das beſchreibet S. Paulus in ſeiner Epiſtel an die Epheſer C. 5. Daß die Weiber ſollen vnterthan ſeyn jhren Maͤnnern als dem Herꝛen. Dann der Mann iſt des Weibes Haupt / vnd die Maͤnner ſollen lieben jhre Weiber / gleich wie Chriſtus die Gemeine geliebet hat / darfuͤr er ſich ſelber ge -geben.3Von dem Hauß-vnd Eheſtande. geben. Ja die Maͤnner ſollen jhre Weiber lieben als jhre eigene Leiber. Vor dem Fall ſchreibet Lutherus (vid. Luth. ad d. Cap. 2. Genes. ) waͤredas Weib dem Mann gleich vnnd nicht vnterthan geweſen / aber nach dem Fall weil das Weib ſich zu erſt von dem Teuffel betriegen laſſen / iſt dem Weiblichen Geſchlecht ſolches vnter andern mit zur ſtraffe aufferleget / daß ſie den Maͤnnern vnterthan ſeyn / vnnd nicht in allem jhren freyen Willen / viel weniger die Herꝛſchafft vber die Maͤnner haben / vnd auß Vorwitz oder Vnverſtandt dieſelbe ferner in Noth vnd Gefahr ſtuͤr - tzen. Wie Evaden Adam / die Suͤnde / ſpricht Syrach / kompther von einem Weibe / vnd vmb jhrer willen muͤſſen wir alle ſterben. C. 25. v. 32. Daß aber die Weiber den Maͤnneren vnterthan ſeyn ſollen / iſt auch mit gewiſſer Maaß vnnd Beſcheydenheit in Chriſtlichen Erbahren vnd billigen Dingen / zuverſtehen / vnd ſeynd die Weiber den Maͤnnern nicht auff die weiſe vnterthan wie die Maͤgde den Frawen / die Knechte jhren Herꝛen / (Non eſt cum uxore agendum, ſicut cum ſerva, ſedutcum ſocia. Ariſtot. 8. Ethic. c. 10. & ſeqq. 1. Polit. c. ult.) vnd Vntertha - nen jhrer Obrigkeit / ſondern wann den Weibern gebotten jhren Maͤnnern vnter - than zu ſeyn / iſt ſo viel / daß ſie jhren Maͤnnern / mit ſchuͤldiger Ehr / Reſpect / Liebe vnd Beſcheydenheit begegnen / ſie wie Paulus in gedachten fuͤnfften Capittul v. ult. ſaget / fuͤrchten / jhnen folge leiſten / vnd denſelben nicht wider bellen / oder ſich wider ſetzen: Den Mann vor jhr Haupt vnd Haußherꝛen halten / wie Sara den Abra - ham jhren Herꝛn genant / vnnd geehret / es iſt zwiſchen Mann vnd Frawen ein ſon - derbahre vnzertrenliche Gemeinſchafft / ſie ſeynd Duo in carneuna, Zwey in einem Fleiſche worden / vnnd eines dem andern zu Ehelicher Pflicht / Liebe / Trewe vnnd Schuldigkeit verbunden / ſo gar / daß das Weib / jhres Leibes nicht maͤchtig / deſſelben gleichen der Eheman auch nicht maͤchtig / ſeines Leibes 1. Corinth. C. 7. (ut ameris amabilis eſto. Amot vices exigit. Plin. in Panegyr. Et Fel quod amarum eſt, amor mel faciet, Plaut. Et duriſſimus eſt, quem redamare piget prius amantem. Auguſtin. de Catechum.) Vnd haben die jenige gute Gedancken / die da ſchrelben daß GOtt das Weib nicht gemacht / auß dem Haupt deß Mannes / damit ſiekeme Herꝛſchafft affectire, auch nicht auß den Fuͤſſen / damit der Mann ſie nicht vnter die Fuͤſſe lege / ſondern auß der Mitte deß Leibes nemblich auß der Rippe / daß ſie gleichſamb Col - lateralis vnd Socia ſeye. Lombard. lib. 2. ſentent. diſtinct. 18. Vnd gleich wie die Seite vnd Rippen von den Armen bedecket vnnd geſchuͤtzet werden: Alſo muß das Weib vnter vnnd in den Armen jhres Mannes jhren Troſt / Schutz vnnd Huͤlffe haben. Perer. lib. 4. in Genes in C. 1. v. 22. q. 4. Plutarchus hat auch gar wol erinnert daß die Herꝛſchafft deß Mannes vber das Weib / ſeye gleich der Herꝛſchafft der Seelen vber den Leib / welche in einer ſonderbahren natuͤrlichen Liebe vnd Benevo - lentz mit einander verinuͤpffet / derogeſtalt wann dem Leibe wol oder wehe geſchie - het / mache ſich deſſen die Seele mit theilhafftig. Alſo da dem Weibe Vngemacha ijvnd Vn -4Das dritte Buch /vnnd Vngluͤck zuſtoſſet / das trifft einen frommen Mann mit / als geſchehe es jhm ſelber / vnd alſo im Gegenſatz.

AXIOMA II. Der Eheſtandt iſt dem gantzen Menſchlichen Geſchlechte / vnd alſo dem Geiſt-Welt - vnd Haͤußlichen Stande / keinen außgenommen / zu guten vnnd zu Troſt eingeſetzet.

VNſere erſte Eltern Adam vnd Eva / ſeynd der Stambaum / deß gantzen Menſchlichen Geſchlechtes / haben daſſelbe im Paradieß-Garten repræ - ſentiret / als GOtt der Herꝛ ſie zuſammen gefuͤhret vnd in jhrer Perſon den H. Eheſtand / vor ſie jhre Nachkommenen / ohne Vnterſchied eingeſetzet. Ohne Vnterſchied haben auch die Heyligen Gottes alten Teſtaments / vor / nach der Suͤndfluth / die Patriarchen / Ertzvaͤtter / Hohe vnd andere Prieſter / Propheten vnd Schawer nicht weniger als andere Staͤnde ſich deſſen bedienet vnd darein be - geben / (in matrimonio ſumma caſtitas, dixit Paphnutius.) Ein heyliger Mann war Henoch Adams Enckel / Seths Sohn / deme die Schrifft Zeugnuß giebet / daß er im fuͤnff vnd ſechtzigſten Jahr ſeines Alters gezeuget habe Methuſalah / ſeye ge - blieben in einem Goͤttlichen Leben dreyhundert Jahr / vnnd habe gezeuget Soͤhne vnnd Toͤchter: Vnnd die weil er auch im Eheſtande ein Goͤttlich Leben gefuͤhret / hat jhn GOtt lebendig hinweggenommen / daß er hernach nicht mehr geſehen wor - den Genes C. 5. Seine Nachkommenen Methuſalem / Lamech / Noach / der Prediger der Gerechtigkeit / Sem / vnd andere haben auch im Eheſtande gelebet. Abraham der Vatter aller Glaubigen wie auch andere Ertzvaͤtter Jſaac / Jacob vnd jhre hei - lige Nachkommenen / haben nach GOttes Willen geheurathet vnd nichtesdo we - niger / dem lieben GOTT im Geiſtlichen wie auch in dem Haußſtande gedienet. Moſes war ein gewaltiger Prophet / Aaron ſein Bruder war zum Hohenprieſter von GOtt geordnet / der in Sancto Sanctorum im Allerheyligſten / vor dem Altar ſtehen / vnd den GOttesdienſt verꝛichten muſte / Exod. C. 29. haben nichtes do we - niger im Eheſtande gelebet / wie imgleichen Aarons Sohne vnd Nachkommenen denen von GOTT das Hoheprieſterthumb zugeeignet. Der Prophet Nathan hat auch Soͤhne verlaſſen / darunter Aſaria vber die Amptleuthe vnnd Sabud deß Koͤnigs Salomo Freund geweſen 1. Reg. C. 4. v. 5. Der Prophet Ezechiel hat auch ein Weib gehabt / Ezechiel. C. 24. v. 16. Vnd were zu viel alle ſolche Exempla einzu -fuͤhren.5Von dem Hauß-vnd Eheſtande. fuͤhren. Jm newen Teſtament iſt der Eheſtand auch keinem Stande oder Men - ſchen verbotten / ſondern freygelaſſen. (S. Auguſtinus. Conjugii Bonum Dominus in Evangelio confirmavit, non ſolum, quia prohibuit dimittere uxorem, niſi ex cauſa fornicationis, ſed etiam, quia venit invitatus ad Nuptias. Honoravit hunc ſtatum Deus Pater primos conjuges copulando Gen. 2. Honoravit Deus Filius ſuâ præſentiâ Nuptias Cananæas ornando. Johan. 2. Honoravit Spiritus Sanctus illum in ſcripturis celebrando. Honorarunt ſancti Angeli piis conjugibus aſſiſtendo & ſobolem defendendo Matth. 18. v. 10. Honorarunt Prophetæ & Apoſtoli qui ſæpius illum commendarunt & ipſi elegerunt. Meiſner. in Homil. 2. poſt Epiphan.) Dem alten Prieſter Zacharias vnnd ſeiner Eliſabeth iſt dieſer Stand an jhrer Gottſeelig / vnd Heyligkeit gar nicht hinderlich / ſondern vielmehr befoͤrderlich ge - weſen / die groſſe Thaten GOttes / die er jhnen darin erzeiget zuerkennen / zu loben vnd zu preiſen Luc. C. 2. Die Prophet in Hanna hat ſieben Jahr mit jhrẽ Mann im Eheſtande gelebet / nach jhrer Jungfrawſchafft / vnnd iſt nichtes do weniger eine Gottſelige hochgeprieſene Matron geweſen Luc. d. C. 2. v. 36. Der HErr Chriſtus hat zum H. Apoſtel Ampt / ſo wol Verheurathete / als nicht Verheurathete beruffen / geſtalt S. Petri ſeiner Schwieger / die der HErr Chriſtus geſund gemachet / gedacht wird / vnd er alſo ein Verehlichter geweſen ſeyn muß Matt. C. 8. v. 14. Als S. Pauli Gefehrten gen Cæſarien in das Hauß Philippi deß Evangeliſten kommen / meldet die Schrifft / daß derſelbe vier Toͤchter gehabt ſo Jungfrawen geweſen / vnd geweiſ - ſaget in Geſchichten der Apoſtel c. 21. v. 9. Ja es ſchreibet S. Paulus an ſeine Cor - nither nachfolgender maſſen: Haben wir nicht auch macht eine Schweſter zum Weibe mit vmbher zufuͤhren / wie die andere Apoſtel vnnd deß Herꝛn Brüder vnd Cephas 1. Corinth. c. 9. ſeynd alſo auch vnter den Apoſteln geweſen welche bey Verkuͤndunge deß H. Evangelij / jhre Weiber mit herumb gefuͤhret. Von einem Biſchoffe ſchreibet S. Paulus / daß er ſol vnſtraͤfflich ſeyn eines Weibes Mann / der ſeinem Hauſe wol vorſtehe / vnd gehorſame Kinder habe 1. ad Timoth. C. 3. Die erſte vnnd alte Chriſtliche Kirche nach hat der Apoſtel Zeiten in verſchiedenen Seculis, dem Geiſtlichen Standt oder einigem Menſchen nicht verbotten Ehelich zu werden: Vnd als auff dem groſſen Concilio oder Kirchen Rath zu Nicea, vmb das Jahr Chriſti 326. vorkommen / daß man dem Geiſtlichen Stande verbieten wollen Ehelich zu werden / iſt Paphnutius ein trefflicher gelaͤhrter Mann / wiewol er ſelber auſſer dem Eheſtande gelebet / auff geſtanden / ſolche Meynunge widerſpro - chen / auß GOttes Wort widerleget vnd dardurch ſo viel zu wege gebracht / daß den Prieſtern durch den Schluß dieſes allgemeinen Concilij die Ehe frey gelaſſen vnd vergoͤnnet worden / maſſen ſolcher Schluß in jure Canonico mit vnter die Canones geſetzet oder Canoniſiret / in c. Nicena Synodus, diſtinct. 31. Vnd weil dieſer Canon ſehr denckwuͤrdig / vnd deß H. Eheſtandes Wuͤrdigkeit ſtattlich beſtettiget / habe ich denſelben hierbey zu ſetzen nicht vndienlich ermeſſen. (Nicænaa 3Synodus,6Das dritte Buch /Synodus, corrigere volens hominum vitam in Eccleſiis commorantium, poſuit leges quas Canones vocamus, in quorum tractatu videbatur aliquibusintroducere legem, ut Epiſcopi, Presbyteri, Diaconi & Sub-Diaconi cum conjugibus, quas ante conſecrationem duxerant, non dormirent. Surgens autem in medio Paphnu - tius Confeſſor, & contradixit, honorabiles confeſſus nuptias, & Caſtitatem eſſe dicens, cum propria conjuge concubitum: Suafitque Concilio, ne talem poneret legem; gravem eſſe aſſerens cauſam, quæ in ipſis aut eorum conjugibus occaſio fornicationis exiſteret. Et hæc quidem Paphnutius, (licet nuptiarum eſſetinex - pertus) expoſuit: Synodusq́ue laudavit Sententiam ejus: & nihil ex hac parte ſanciuic, ſed hoc in uniuscujusque voluntate, non in neceſſitate dimiſit.) D. Ca - lixtus in ſeinem Tractatu, de conjugio Clericorum ziehet viel Exempelan / auß der Kirchen Hiſtori / verehelichter Prieſter vnnd Biſchoffe wie darauß der lenge nach zuerſehen. Ohne iſt es nicht daß es bey offentlichen Verfolgungen der Kirche / auch zu Zeiten der Apoſtel / welche beruſſen waren daß ſie gehen ſolten in die gantze Welt / es beſſer vnd bequemer Paulo vnd andern / die keine Weiber gehabt / gewe - ſen / bey ſolchen Verfolgungen vnnd weiten Reiſen vmbher zuziehen / als denen ſo Weiber gehabt: ſo ſeynd doch die verehelichte Apoſtel deßwegen nicht auß ge - ſchloſſen / noch jemand ehelich zu werden verbotten / dahin S. Paulus ziehlet wann er an die Corinther ſchreibet / er wolte lieber alle Menſchen weren wie er / 1. ad Corinth. C. 8. v. 7. bekennet aber darbey / daß ein jeglicher nicht die Gabe habe / die er vnnd daß es dannoch beſſer ſeye / mit etwas Vnſtarten vnd Vngelegenheit heura - then / als Brunſt leyden / cod. C. v. 10. vnd v. 28. ſchreibet er: So du freyeſt ſuͤndigeſt du nicht / ſo eine Jungfrawe freyet / ſuͤndiget ſie nicht / doch werden ſolche leibliche Truͤbſal haben / das iſt mehr Beſchwerunge vnd Vngelegenheit / nemblich wann ſie ſchwanger werden / mit Schmertzen Kinder gebehren / vnnd dieſelbe mit Gefahr vnd Vngemach mit ſich fuͤhren muͤſſen / dargegen auch eben bey ſolchen Beſchwer - ligkeiten GOtt auch ſonderliche Ergetzligkeit vnd Troſt den Verehelichten goͤnnet vnd giebet.

AXIOMA III. Angleiches Standes Perſonen ſich zuverheura - ten iſt am bequemſten.

GLeich vnd gleich / ſaget man im Sprichtwort / geſellet ſich am beſten. (Si qua vis aptè nubere, nube pari.) Die Natur an ſich ſelbſten / machet zwar keine Vnterſchied. Als Adam hacket / vnd Eva ſpan wo war da der Edelman.

Von7Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

Von dieſem Stambaume poſteriren vnnd kommen alle Menſchen / ohn Vnterſchted / ſie ſeyen Keyſer / Koͤnige / Fuͤrſten / Herꝛen / Edle / Buͤrger oder Baurẽ / welche die Natur ins gemein / mit Gleichheit zur Heyrath verſehen. Vnter dem Volck GOttes war auch kein ſonderlicher Vnterſchied. Die Koͤnige Jſrael haben jhre Toͤchter / jhren vornehmſten Bedienten / Beampten vnnd anderntapf - fern Leuthen vermaͤhlet / vnnd zur Ehe gegeben. Alſo verſprach der Koͤnig Saul dem David / der vom Hirtenſtabe kam / nach ſeiner / wider den Goliath verꝛichteten Heldenthat / ſeine aͤlteſte Tochter Merob / vnnd wie wol er jhn damit taͤuſchete vnd dieſelbe nach gehents / auß tuͤckiſchem Gemuͤthe einem andern gabe / vermaͤhlte er jhme dannoch bald hernacher ſeine andere Tochter / die Michal / damit David die Ehe wuͤrcklich vollzogen vnd das Ehebette beſchritten / wiewol es jhm ſawer genug ward / 1. Samuel. C. 18. & ſeq. Alſo hat der Koͤnig Salomon ſeinem Amptman vber die Herꝛſchafft zu Dor / dem Thaphat / eine Tochter zur Ehe gegeben / ingleichem hat Ahimaas Amptman in Naphthali Salomons Tochter Baſtenach zum Wei - be gehabt / im erſten Buch der Koͤnig C. 4. v. 11 & v. 14. Der Prieſter Jojada / hat deß Koͤnigs Jorams Tochter Ahaſias Schweſter Joſabeath im Ehebett gehabt / 2. Chronic. C 22. v. 12. Joſeph der Zimmerman / hatte ſich mit der zarten Jungfrawen Maria / welche vom Hauſe Juda auß Koͤniglichen Gebluͤte entſproſſen war / Ehe - lich verlobet. Matth. C. 1. Der Großmaͤchtige Koͤnig Ahaſuerus vermaͤhlte ſich an das geringe Maͤgdlein Eſther im Buch Eſther Cap. 1. Huldrich der 21. Hertzog in Boͤhmen / hat ſich an ein ſchoͤn Bauermaͤgdlein verliebet / welches er am Bach waͤ - ſchen ſehen / vnd als jhm ſolches widerꝛathen / hat er geſaget: Es iſt vmb eine Nacht zu thun / ſo ſol das Bauren-Maͤgdiein ein Fuͤrſtlich Weib ſeyn. Jn der Tuͤrckey iſt auch in Heurathen kein Vnterſchied wegen der Ankunfft vnd Geſchlechts / vnd wie Busbequius, vnd andere gedencken / ſo kan eines Hirten vnd Bauren Sohn / wann er durch tapffere Thaten vnd Tugendhaͤffte Bezeygunge zu Ehren vnd Di - gnitaͤten gelanget / vnd etwa ein Baſla wird deß Türckiſchen Keyſers Tochterman werden / Busbequi. epiſt. 1. Rer. Turcic. welches dann in der Tuͤrckey da gantz kein Vnterſchied der Ankunfft Geſchlechter angeſehen vnd gehalten wird / alſo bleiben kan: Als aber in der Chriſtenheit / auch bey den alten Roͤmern / vnd andern Erbah - ren Heyden / zu Erhaltunge beſſerer Harmon vnnd Ordnunge / verſchiedene Staͤnde / Keyſer / Koͤnige / Chur-Fuͤrſten / Graffen / Herꝛen / Edle / Geehrte / Buͤrger vnd Bauten / von GOtt geſetzet vnd geordnet / ſchicket es ſich am beſten / daß ein jeder nach ſeines gleichen freye. Der Venetianer Geſetze wollen zwiſchen Adelichen / vnd gemeinen Leuthen / Buͤrgerlichen Standes / die Heurathen nicht geſtatten / es ſeye dann / daß an der einen ſeiten der mangel Adelicher Ankunfft / durch groſſen Reichthumb erſetzet / vnd dardurch einer zuruck gekommenen Familiæ vnd Geſchlechte / wider auff geholffen werde / Jacob. Zevecoti in Obſervàt. Politic. ad Sueton. C. Jul. Cæſar C. 1. Als Regnardus der Graff von Geldern / in Schuldevnnd8Das dritte Buch /vnnd Duͤrfftigkeit gerathen / hat er eines reichen Kauffmans / genandt Bertoldt von Mecheln / einige Tochter Mariam geheuratet / vnd durch deren reichen Braut - ſchatz / ſeine verpfaͤndete vnnd vereuſſerte Aempter wider eingeloͤſet wie zu leſen bey dem Froſſard. lib. 3. Hiſtor. Jſt das Weib von hoͤherer vnd groͤſſer Ankunfft / als der Mann / mußer ſolches taͤglich auffm Brodt eſſen / daß er nicht ſo gut / ſo Edel vnd ſo Hochgebohren als ſie. Dieſes hat der hochverſtaͤndige Fuͤrſt / Landgraff Wilhelm zu Heſſen der aͤlter / Weyland Landgraff Philipſen Sohn / in ſeinem Teſtament auch wol erwogen vnd ſeinen Sohn / Landgraff Moritzen / mit nachfolgenden Worten inſtruiret: Es ſol vnſer Sohn nach Rath vnſerer freundlichen lieben Bruͤder vnd ſeiner Raͤthe / nach einer ehrlichen Heurath vnd Chriſtlichem Ehegemahl trachten / vnd in ſeinem verheurathen / mehr auff GOttſeeligkeit vnd Erbarkeit der Perſon / dann auff die Schoͤne / welche nicht lange weret / vnnd mehr auff gute troͤſtliche Freundſchafft / dann auff hohe Heurath / denen er den Schulſack muͤſſe nach tragen ſehen. Jn alle wege aber huͤte er ſich eine zunehmen / ſo ſeiner Religion nicht iſt; Dann GOTT verbeuts nicht vergeblich / ſo ſiehet man auch auß vielen Exempeln was vor Gluͤck dabey iſt / ꝛc. Wie man nun wol thut / daß man nicht zu hoch freyet vber ſeinen Stand / alſo iſt auch nicht wenig bedencklich / auch wol verkleinerlich / daß man gantz ohne Vnterſchied Standes vnnd herkommens ehelichet. Es meldet Jacobus Zevecotius an angezogenem Ort / daß es nicht die geringſte Vrſache geweſen / daß Koͤnig Erich zu Schweden / der dritte / vmb ſei - nen Koͤniglichen Reſpect vnd von Landen vnd Leuthen kommen / daß er vnerhoͤrter weiſe / eines Haͤſchers oder wie andere melden ſeines Trabanten Tochter die er vorhin fuͤr eine Concubin gebrauchet / hernacher ſich ehelichen laſſen. Thuan. lib. 43. Mann findet auch viel Exempla in Teutſchland / bey dem Hauſe Oeſterꝛeich / Beyern / Heſſen / Baden vnnd ſonſten daß Fuͤrſtliche Perſonen / ſonderlich wann ſie vorbin Erben gehabt / vnnd Wittiber worden / wol Adelich auch Burgerliche Perſonen mit gewiſſen Pactis vnd Gedinge / welche in den Lehnrechten Pacta ad Morgenaticam genant worden / ſich trawen laſſen vnd ſolche jhre Eheliche Kinder / etwan als Graffen / Herꝛen / oder von Adel erziehen vnnd tractiren laſſen / dieſelben mit Guͤtern verſehen / den erſten aber die Landes Regierunge vnd Fuͤrſten Stand verlaſſen. C. un. & ibi Matth. de Afflict. Alvarot. Schenck Baro de filiis natis ex matrimon. ad Morgenat Beſold. de Succeſſ. Regn. Diſſert. 9. in fin.

AXIO -9Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA IV. Es iſt keine geringe Sache eines Koͤnigs Eydam oder Tochterman zu ſeyn.

ALs David den vngehewren groſſen Rieſen Goliath / der dem Zeug GOttes Hohn geſprochen / erleget / vnnd der Koͤnig Saul dahero jhn zum Obriſten wider die Philiſter declariret vnnd gemachet / er David ſich auch bey verſchie - denen Occaſionen wider die Philiſter heroiſch vnnd vnerſchrocken erzeiget / vnd victoriſiret / dahero die Weiber auß den Staͤdten Jſrael in jhrem Triumph - lied / jhme die Ehre deß erhaltenen Siegs vornemblich bey geleget / vnnd geſungen / Saul hat tauſent geſchlagen / aber David zehentauſent / 1. Sam. Cap. 18. v. 6. & 22. verſprach jhme Saul / wiewol auß betrieglichem falſchem Hertzen / erſtlich ſeine Tochter Merob / hernacher die andere Tochter Michal / vnd ſaget die Schrifft / daß David zu den Knechten Sauls / die deßwegen mit jhme zu reden befehlicht / ge - ſprochen: Duͤncket euch das ein geringes / deß Koͤnigs Eydam zu ſeyn / 1. Samuel. Cap. 18. v. 23. & verſ. 26. Hat derowegen dem David die Sache gedaucht gut zu ſeyn / daß er deß Koͤnigs Eydam wuͤrde.

AXIOMA V. Jn heurathen iſt es gut / ſich an ſeine Religions - verwandten zuvermaͤhlen.

WIe einerley Religion / in dem Weltlichem Stande die Gemuͤther viel veſter vnter ſich verknuͤpffet / vnnd beſſere Einigkeit erhaͤlt / wie ich im erſten Buch Axom. 13. mit mehrerm angefuͤhret; Alſo iſt es auch im Eheſtande / da Mann vnd Weib / den einigen wahren GOTT / in einem wahren ſeeligmachenden Glauben / eintraͤchtig im Geiſt vnd in der Warheit / mit Mund vnnd Hertzen ehren vnd anruffen / vnnd wie ſie auff dieſer Welt durch das vnzertrenliche Ehebandt ein Leib worden / alſo auch die gewiſſe Hoffnung haben / im jenem Leben / als eingeleibte Glieder deß Haupts Chriſti / deß ewigen ſeeligen Lebens miteinander faͤhig zu werden. Hingegen wie Zwiſpalt vnd Mißhelligkeitbder10Das dritte Buch /der Religion in dem Weltlichen Regiment / viel Vnheils / Mißtrawen / Vneinig - keit vnd endlich Krieg erwecket / alſo gehet es auch in dem Hauß-Regiment zu / da leichtlich Zanck vnd Zwitracht der Religion halber / wann ein jeder Ehegat / ſeine Religion vor die beſte vnd rechte haͤlt vnnd daruͤber vnter ſich ſtreitten vnd zweyen: Vber das kan der Rechtglaͤubige Ehegatte / durch den Jrꝛigen leichtlich verleitet vnd auß Liebe / die er zu ſeinem Ehegemahl traͤget / oder auß Furcht Vnwillens vnd den Ehefriede zuerhalten / in Jrꝛthumb verleytet vnd gebracht werden. Welcher geſtalt die Gottloſe Jeſebel / eine Tochter deß Heydniſchen Koͤnigs zu Zidon / jhren Gemahl den Koͤnig Achab in Jſrael zu den Baalitiſchen Greweln jhrer Abgoͤtti - ſchen Religion verleitet / ſolches iſt zu leſen im erſten Buch der Koͤnig. Cap. 16. v. 31. & Cap. 10. & Cap. 21. v. 25. all da die Schrifft meldet / daß den Achab ſein Weib Jeſebel / alſo vberꝛedet zu groſſen Greweln vnnd Goͤtzen dienſte. Deß Frommen Koͤnigs Joſaphat vngerathener Sohn Joram / ward Koͤnig an ſeine ſtatt / ver - maͤhlete ſich an deß Abgoͤttiſchen Koͤnigs Achabs Tochter / ließ ſich durch dieſelbe auch zu dem Goͤtzen-Dienſt verleyten / that was dem HErren vbel gefiehl / denn Achabs Tochter / ſpricht die Schrifft / war ſein Weib / im andern Buch der Koͤnig. Cap. 8. v. 18. 2. Chronic. Cap. 21. v. 6. Der allerweiſeſte vnd klugeſte Koͤnig / ſo in der Welt gelebet / Salomon ließ ſich auch durch die Heydniſche Weiber in ſei - nem hohen Alter bethoͤren vnd zur Abgoͤtterey verleyten / im erſten Buch der Koͤnig / Ca. 11. vnd iſt auß dieſem / wie auch vnſerer erſten Mutter Eva Exempel zu mercken / daß die Maͤnner ehe vnd mehr von den Weiberen / als dieſe von jenen vberꝛedet zum Abfall / Abgoͤtterey vnnd ſonſten verleytet worden vnnd noch werden. Als der fromme Eſra berichtet worden / daß ſein Volck / ſampt Prieſter vnnd Leviten ſich mit den Heydniſchen Voͤlckern der Cananiter / Hethiter / ꝛc. verhey - rathet / den heyligen Samen gemein gemachet / vnd jhren Greweln nachgehangen / ha er ſeine Kleider zerꝛiſſen / vnnd ſeinen Rock vnnd ſeine Haar auß gerauffet vnd GOtt vmb Verzeyhung wegen ſolcher groſſen Miſſethat angeruffen Eßra / Ca. 11. v. 1. & ſeqq. Deßgleichen thaͤt auch Nehemia wie er von deß Koͤnigs Arthaſaſta Hoff das andermahl nach Jeruſalem kam im Buch Nehem. Cap. 13. dann ſolches hatte GOtt ſeinem Volcke / wie er ſie in das Land Canaan fuͤhrte / vorhin ernſtlich verbotten vnd geſaget: Du ſolt dich mit jhnen nicht befreunden / ewre Toͤchter ſolt du nicht geben jhren Soͤhnen / vnd jhre Toͤchter ſollet jhr nicht nehmen ewren Soͤh - nen. Denn ſie werden ewre Soͤhne mir abfaͤllig machen / daß ſie andern Goͤttern dienen / im 5. Buch Moſ. Cap. 7. v. 3. 4. Daß es in Engelland groſſe Jaluoſie, Diffi - dentz, vnd endlich innerlich Auffſtand vnd motus ereugen helffen / weil die Koͤnigin einer andern Religion zugethan vnnd viel dafuͤr halten wollen daß jhre Religions Verwandten dardurch einen beſſeren Zutrit bey Hofferhalten / iſt bekandt: Ob jhnen aber darũb gebuͤhret ſo weitreichende gefaͤhrliche extremitaͤten zuergreiffen das wird GOttrichten. Bey allen Auffſtaͤnden vnd Kriegen wird der Prætextus Religionis,der Frey -11Von dem Hauß-vnd Eheſtande. der Freyheit vnd Privile gien vorgeſchuͤtzet / vnnd ſonderlich dem gemeinen Mann ſcheinlich imprimiret vnnd vorgebildet / ob ſchon viel eine andere intention vnd ab - ſehen bey denen die Krieg ereugen verhanden / gleichwol thut ein kluger Regent wol / daß er all ſolche Dinge / darauß dergleichen prætext vnnd ſemina gemeinen Auff - ſtandes boßhafftig ergrieffen werden vorſichtig meyde vnd verhuͤte.

AXIOMA VI. Zu nahe ins Gebluͤt ſol man nicht heyrathen.

SO bald GOtt der HErr die Juͤdiſche Policey nach dem Außgang auß Egypten in der Wuͤſten ſtabilirte vnd durch Moſen mit gewiſſen Geſetzen verſahe / hat er auch dieß Geſetze gegeben: Niemand ſol ſich zu ſeiner nechſten Blutsfreundin thun / jhre Scham zu bloͤſen / denn ich bin der HErꝛ. Jm dritten Buch Moſ. Cap. 18. v. 6. & ſeqq. woſelbſten ſechzehen Perſonen erzehlet werden / welche in Blutſfreundſchafft oder Schwaͤgerſchafft / ſo nahe verwandt / daß ſie mit einander nicht heurathen moͤgen. Es werden auch vnder den Namen deren in dieſem vnd folgendem 20. Cap. außtruͤcklich benanter Perſonen / auch die jenige verſtanden / welche in ebenmaͤſſigem Grad der Sipſchafft / Blutfreundſchafft oder Schwaͤgerſchafft verwandt ſeyn / ob ſie ſchon nicht ſpecifi - cirt, vid. Paraphras. der Jeniſch. Bibel. vber dieſen Text. Die Rechtslehrer ſagen ubi eadem eſt ratio ibi eadem quoque juris diſpoſitio, & identitasrationis, inducit identitatem juris. Et caſus, quos nectit Paritasæquitatis & identitas rationis, quoad juris diſpoſitionem ſeparandi non ſuntl. illud ff. Ad L. Aquil. l. à Titio ff. de verb. obl. Coler. de Proceſſ. Executiv. part. 4. c. 1. n. 32. Bey dem Propheten Ezechiel eyffert vnnd klaget GOtt der HErꝛ ſehr vber die Blutſchaͤnder / die wider dieß Geſetz handlen / vnnd daß ſolche Blutſchande / die vornembſte Vrſache ſeye / warumb er ſein Volck mit Krieg vnd andern Hauptplagen ſo ſtarck heimgeſuchet / ſie treiben ſpricht er vnter einander Freund mit Freunds Weibe Greweln / ſich ſchaͤnden jhre eigene Schnur / mit allem Mutwillen / ſie Nothzuͤchtigen jhre eigene Schweſtern / jhres Vatters Toͤchter Ezech. Cap. 22. v. 11. Die Blutſchande iſt eine vnter den Sünden die in den Himmel ſchreyen vnnd heiſt es clamitatin cœlum vox Sanguinis & Sodomorũ, &c. Die erbahre Heyden / haben auß dem Liecht der Natur / ohne Erkantnuß deß offenbahrten / gleich wol in aller vernuͤnfftigen Menſchen Hertzen gepflantzten vnnd geſchriebenem Geſetz Gottes / einen Eckel vnd Abſchewe daran gehabt / zu nahe ins Gebluͤt zu heurathen wie auß den Roͤmiſchen vnnd andern Hiſtorien / vnnd Geſetzen / deren man ſich zum theil noch in der Chriſtenheitb ijgebraucht /12Das dritte Buch /gebraucht / zuſehen / darvon in nachgeſetztem Axiomate etwas mehr ge - dacht.

AXIOMA VII. Die ſo in der auff-vnnd abſteigenden Lini vnter ſich an Eltern oder Kinderſtatt ſeynd / koͤnnen ohne Blutſchande / vermoͤge Goͤttlicher vnd Weltlicher Rechte / ſich nicht mit einander verheu - rathen.

DIeſe vnnd dergleichen Grad ſeynd in Gottes moral Geſetz außtruͤcklich verbotten / im dritten Buch Moſis / Cap. 18. v. 12. mit dieſen Worten / du ſolt deines Vatters Schweſter Scham nicht bloͤſen / denn es iſt deines Vatters nechſte Blutsfreundin. Du ſolt deiner Mutter Schweſter Scham nicht bloͤſen / denn es iſt deiner Mutter nechſte Blutsfreundin / ꝛc. Vnd im ſelben Buch / Cap. 20. v. 19. waß nun von der Mutter oder Vatter Schweſter im Geſetze ſtatuiret, das findet propter rationis identitatem auch platz in der Mut - ter Bruder / Schweſter oder Bruder Tochter. Weil es ein Gradus, vnnd eine Vrſache deß Goͤttlichen Verbotts hierbey vorhanden iſt. Es ſeynd auch dieſe Gradus nicht ſchlecht verbotten / ſondern es wird auch eben an ſelbigen Ort auß GOttes Munde pronunciiret, daß die Heyden vnd Jnwohner deß Cananæiſchen Landes / welche GOtt der HErꝛ deßwegen von den Kinderen Jſrael außſtoſſen woͤlle / ſich in dieſem allem (was nemblich in vorſtehendem Contextu verbotten) verunreiniget haͤtten / v. 24. & v. 27. d. Cap. 18. Ja es hat GOtt ſeinem Volck ſolche Conjunctiones vnnd Vermaͤhlung gleich andern Greweln der Heyden ver - botten / auff daß ſie das Land nicht außſpeye gleich wie die Cananiter vmb ſolcher vnd dergleichen Suͤnde / ſolten außgeſpeyet vnnd jhre Seelen außgerottet werden / von jhrem Volck / ibid. v. 26. 27. 28. 29. welche Goͤttliche Gebott / weil ſelbige von Natur in der Menſchen Hertzen eingepflantzet vnnd moral, auch deren Vbertret - tung von GOtt an den Heyden geſtraffet ſeynd / obligiren vnnd verbinden ſie nicht nurꝛent die Kinder Jſrael / ſondern alle Menſchen / hohes vnd niedern Standes in jhrem Gewiſſen / angeſehen von ſolchen Geſetzen. Dardurch GOtt das gantze Menſchliche Geſchlecht verbinden wollen / ſeynd nicht allein den Juden / ſondern auch den Heyden gegeben / vielmehr aber den Chriſten / vnnd gehoͤren nicht zu denLegibus13Von dem Hauß-vnd Eheſtande. Legibus Ceremonialib. vnd Forenſibus, ſo den Juden gegeben vnd durch das newe Teſtament auff gehoben. vid. Hugon. Grot. de jure Belli lib. 2. Cap. 5. n. 13. David Chytræ. in Levitic. C. 18. & 19. fol. m. 593. Die gemeine Keyſerliche beſchriebene / wie auch die Canoniſche vnnd Paͤbſtliche Rechte ſampt allen Chriſtlichen Kirchen Ordnungen ſtimmen damit allerdings vber ein. So haben auch die ehrbahre ver - nünfftige Heyden / auß obangeregtem eingepflantzeten Liecht der Natur die Ver - heuratungen in dieſen gradibus vor abominabel, abſchewlich vnd der natuͤrlichen Rechten zu wider gehalten. wie ex Corn. Tacit. lib. 12. Annal. zuerſehen. (Jure gen - tium inceſtum committit, qui ex gradu aſcendentiũ vel deſcẽdentiũ uxorẽ duxerit, ſpricht der Heydniſche Rechs Lehrer l. jure gentium 68. ff. de rit. Nupt.) Als Keyſer Claudius ſeines Brudern Tochter die Agrippinam ſich vermaͤhlen zu Hauß fuͤh - ren wollen / iſt ſolches dẽ Roͤmiſchen Volck / ſehr frembd vnd vngewoͤhnlich vorkom - men / geſtalt Tacitus an angezogenem Orte darvon ſchreibet: Nullo exemplo, dedu - ctam fratris filiã, in patrui domum. Ja er nennet daſelbſten ſolche Conjunction vnd Vermaͤhlung einen inceſtum oder Blutſchande vnd amorem illicitũ mit fernerem vermelden / daß vber ſolche Heurath deß Keyſers Claudij / das Roͤmiſche Volck alſo beweget vnnd ſchwuͤrig worden / daß man ſich faſt eines gemeinen Auffſtandts zu Rom dahero befahret / deme aber vorzukommen / Keyſer Claudius, ein Decretum à Senatu durch ſeinen Gewalt erhalten / nachfolgenden Jnhalts: Ut in poſterum, juſtæ Nuptiæ inter patruos, fratrumque filias ſtatuerentur: Daß nemblich ins kuͤnfftig erlaubet ſeyn ſolte / ſeines Bruders Tochter zu heyrathen / vnnd zeiget Tacitus gar denckwuͤrdig darneben an / daß die Roͤmer dannoch ſo ehrbar vnnd die veneratio Conjuncti Sanguinis ſo groß von Natur bey jhnen geweſen / daß nurꝛent ein einiger Talledius, Severus genant / der Keyſerin zu complaciren vnnd den Fuchsſchwantz zuſtreichen dieſes gefolget / vnnd ſeines Brudern Tochter geheura - thet. Es haben aber hernacher die Heydniſche Keyſer Coccejus, Nerva vnnd an - dere / propter Reverentiam Sanguinis vnter ſo nahen Blutsfreunden die an El - tern vnd Kinderſtatt / vnter ſich ſeynd / durch widrige Geſetze auff gehoben vnd der - gleichen Ehe verbotten. Worauß dann zuſchlieſſen / daß dieſe in Levitico verbot - tene gradus, auch de jure Naturæ vnnd ex ſanæ rationis dictamine vor vnzimblich gehalten vnd der Regul nach heiſſet: Lex Natura, Lex Dei.

Wann man auch auff die Vngluͤckſeelige eventus vnnd Straffen GOttes die auff dieſe deß Claudij / Agrippinæ vnd dergleichen conjunctionen in Hiſtorien befindliche exempla ſiehet / hat GOTT ins gemein ein Mißfallen daran / vnd ſeynd nicht wol gerathen.

Dann auff deß Claudij vnnd Agrippinæ, Vermaͤhlung iſt erfolget. 1. Daß ſie die Agrippina auß groſſer Begierde zu regiren vnnd zu herꝛſchen / jhren Herꝛn vnd Ehegemahl den Roͤm. Keyſer / mit Gifft hinrichten laſſen. 2. Jſt auß ſolcher Ehe der abſchewliche Tyrann Nero, der Recht vnd wol portentum generis humanib iijgenant /14Das dritte Buch /genant / gebohren. 3. Hat derſelbe auß Mißtrawen vnd Regierſucht ſeiner eigenen Mutterder Agrippinæ verſchiedentlich nach dem Leben getrachtet / auch ſie entlich durch die Kriegsknechte auff jhrem Bette erwuͤrgen laſſen / da ſie dann wie ſie ver - mercket daß ſie denſelben nicht mehr entkommen koͤnte / den Moͤrdern jhren Leib vorgezeiget vnnd Hertzhafft geſprochen dieſen Leib durchſtoſſet / der ein ſolch Monſtrum oder Vngehewer zur Welt getragen / worauff ſie nach vielen empfan - gen Wunden / jhr vppiges mit Blutſchulden beſudeltes Leben / elendig beſchloſſen / (Verba Agrippinæ apud Tacitum, ita habent: Nam in mortem Centurioni ferrum diſtingenti protendens uterum, ventrem feri exclamavit, rogans miniſtrum, ut utero dirum enſem conderet, adiiciēns: hic eſt, hic eſt fodiendus ferro, monſtrum qui tale tulit. Poſt hanc vocem cum ſupremo mixtam gemitu, animam tandem triſtem, poſt fera vnlnera reddidit. Ictibus enim multisque vulneribus confecta eſt. lib. 14. annal.) 4. Hat Nero nach viel vnd groſſer veruͤbten Tyranney auch ſelber ein erſchrecklich Ende genommẽ. Sueton. in Nerone. Ein ander Tragœdiſch Exem - pel erzehlet D. Gerhard. in Loc. de Conjug. §. 351. p. 522. Was nun von der nahen Blutfreundſchafft gemeldet / das hat vermoͤge Goͤttlichen Geſetzes auch Geiſt-vnd Weltlicher Rechten / ſtatt in naͤher Schwaͤgerſchafft: Vrſache / weil Mann vnd Weib ein Fleiſch / Genes. 2. v. 24. Matth. 19. v. 6. Wie nun einer ſeine Blutfreundin nicht nehmen darff / dero er an Vattersſtadt iſt / als nem blich ſeines Brudern oder Schweſter Tochter / alſo darff er auch nicht ſeines verſtorbenen Weibes Schweſter oder Bruders Tochter / weil dieſelbe ſeinem Weibe die mit jhm ein Fleiſch worden an Kindes ſtadt geweſen / heurathen / (Qui gradus in Conſanguinitate, illi etiam in Affinitate prohibiti cenſentur C. Propinquis 35. quæſt. 2. auß obiger Regul / dar - auß auch dieſer Schluß folget: So nahe meines Weibes Blutfreunde jhr im Grad der Blutfreundſchafft / ſo nahe ſeynd ſie auch mir im Grad der Schwaͤger - ſchafft verwandt / vnd zu ehelichen verbotten. Hievon iſt in der Fuͤrſtl. Mecklenbur - giſchen Kirchen Ordnung de Anno 1557. alſo diſponiret: Alle Blutsfreunde deß Manns / ſeynd ſeinem Weibe geſchwaͤgert / dergeſtalt / in welchem Grad der Blut - freundſchafft / ſie dem Mann zugethan / in ſelbigem Grad ſeynd ſie dem Weibe mit Schwaͤgerſchafft verwand / vnnd deme nach wie weit ſich die Prohibition in der Blutfreundſchafft erſtrecket / alſo weit erſtrecket dieſelbe ſich auch in der Schwaͤger - ſchafft. Dann gleicher geſtalt wie ſich einer von ſeinen Blutsfreunden enthalten ſol / alſo weit iſt er auch ſchuldig von ſeines Weibes Freunden ſich zuenthalten. Als Anno 1625. ein vornehmer Fuͤrſt deß Reichs: ſeiner verſtorbenen Gemahlin Schweſter Tochter zu heurathen vorhabens war / bin ich neben andern deſſen Geiſt - vnd Weltlichen Raͤthen daruͤber mit befraget worden / ob ſolche Vermaͤh - lung zulaͤſſig / da hat man einfaͤllig auß obigem vnd andern mehr angefuͤhrten Vr - ſachen negativè geantwortet / daß ſolches ohne Vberſchreytung Goͤttlicher vnnd Weltlicher Gebott vnnd Geſetze / auch ohne Gefahr habender Lehen nicht ge -ſchehen17[15]Von dem Hauß-vnd Eheſtande. ſchehen koͤnte / iſt auch darauff ſolche Vermaͤhlung / wiewol ſie ſonſten nutzlich vnnd erſprießlich / auch den Perſonen angenehm geweſen waͤre / verblieben vnnd einge - ſtellet worden.

AXIOMA VIII. Seines verſtorbenen Bruders vnberuͤhrte vertrawte Braut / oder ſeiner verſtorbenen Braut Schweſter / zu heurathen iſt in GOttes Wort vnd den Rechten nicht verbotten / dahero auff vorgangene der Sachen Erkantnuß vnnd Diſpenſation, zulaͤſſig.

ALs David der Sohn Jſai / durch GOttes Gnade / gluͤcklich ſiegete wider die Philiſter / ward er mit des Koͤnigs Sauls aͤltiſten Tochter Merob verlobet / aber hernacher von Saul getaͤuſchet / vnnd ſeine vertrawte Geſponß einem andern beygeleget. Nichtes do weniger ward David von Michol / der vorigen Braut Schweſter geliebet / von Saul dem David verſprochen vnnd von dieſem zu groſſem Danck acceptiret, geheurathet / in das Ehebette genommen / vnd vor keine geringe Sache æſtimiret, 1. Samuel. Cap. 18. v. 17. & ſeqq. welches David vmb ſo viel do mehr ohne bedencken thun koͤnnen / all dieweil in den Goͤtt - lichen Rechten / dieſes nicht mit vnter die erzehlte darin verbottene gradus vnd Per - ſonen geſetzet / denen vnter ſich zu heurathen nicht erlaubet / Jm 3. Buch Moſ. Cap. 18. v. 6. & ſeqq. welches dann nicht verblieben / wann es alſo wie in den an - dern Faͤllen GOttes Wille geweſen. Dann ob wol dieſes gewiß / Quod con - ſenſus & non Concubitus nuptias faciat, wie die Rechte ſprechen / daß nemblich durch der Eltern vnnd beydertheil Conſens vnnd Einwilligung / vnnd nicht durch den Beyſchlaff oder Fleiſchliche Vermiſchung eine Ehe geſtifftet vnd zwiſchen de - nen alſo ohne gedinge purè verlobten / ein vnauffloͤßliches Band worden / ſo ent - ſtehet doch darauß / vor Vollziehung der Ehe / vnnd Beſchreytung deß Ehebetts / oder Fletſchlicher Vermiſchung / keine Affinitaͤt vnd Schwaͤgerſchafft / eigentlich vnd den Rechten nach darvon zureden / ſondern eine Præparatio vnd Vorbereytung / zu erfolgenden wuͤrcklichen Schwaͤgerſchafft / derowegen die Regula juris Divini: Nullus ad Carnem Carnis ſuæ (videl. uxoris) accedat, ad revelandum nuditatem ejus, dieſes Falles nicht ſtatt findet / angeſehen Braut vnnd Braͤutigam / die ſichnicht16Das dritte Buch /nicht fleiſchlich erkandt / auch noch nicht ein Fleiſch worden / vnnd alſo deß verſtor - benen Bruders Vertrawte / ſeinem noch lebenden Bruder mit keiner carnali affi - nitatis conjunctione, dardurch Mann vnd Weib ein Fleiſch werden / (warumb zwiſchen beyderſeits naͤchſten Freunden / die Ehe in gewiſſen gradibus nicht weniger als vnter Blutsfreunden verbotten) verwand vnd zugethan / geſtalt dann im Ge - genſatz eine Schwaͤgerſchafft / zu Hinderung der Ehe auch auß vnehelichem Bey - lager vnd Vermiſchung entſtehet / daß einer / der ein Weibsperſon / auſſer der Ehe fleiſchlich erkandt / deren nahe Freundin nicht heurathen mag / (C. diſcretionem c. Fraternitati, & tot. tit. x. de eo qui cognov. conſanguin. ux. ſuæ Ant. Fab. in Cod. rer. in Sabaud. judic. lib. 5. tit. 3. defin. 2. n. 9. Nicol Boër. deciſ. 318. n. 5.) Vnd folget nicht / die Ehe wird Conſenſu geſtifftet / daher folget auch daß gleich eine rechte Schwaͤgerſchafft / welche die Ehe in verbottenen gradibus zu hindern pfleget / auch ex nudo conſenſu entſtanden: Dann das Fundament dieſes Verbotts ruͤh - ret her ex unitate carnis, daß Mann vnnd Weib ein Fleiſch worden / welches ohn leibliche Vermiſchung nicht geſchiehet / geſtalt dann die Paͤbſtliche Rechte dahin ſchlieſſen / daß anderer geſtalt nicht / Mann vnd Weib ein Fleiſch werden / als durch das eheliche Beylager vnnd fleiſchliche Vermiſchung / (Benedictus Papa in c. Lex Divinæ Conititutionis 27. q. 2. Non aliter inquit fieri poſſe, virum & mulierem unam carnem, niſi carnali copula ſibi cohæreant. Propinquitas enim Sanguinis, verbis quidem dicitur, ſed non verbis efficitur. Et ex Auguſtino, Statuitur in c. Non eſt dubium d. Cauſ. 27. q. 2. Illam mulierem non pertinere ad matrimonium, cum qua commiſtio ſexus non docetur fuiſſe, & in c. ſeq. Confer Gerhard. de coniug. §. 361. p. 537.) vnd hat es in den Keyſerlichen Rechten keine andere Meinung (L. non facile §. affines ff. de grad. Farinac. de delict. Carn. quæſt. 149. n. 157. ibique allegati, Covar. Clar. & alij.) Hierwider moͤchte aber eingewand werden die bekante Rechts Regul: In conjunctionibus, ſemper ſpectandum eſſe, non ſolum quid liceat, ſed etiam quid honeſtum ſit (Modeſtin. Ictus in l. ſemper de reg. jur. junct. l. non omne 144. ff. cod. tit. ) das iſt / im heurathen / habe man nicht allein darauff zuſehen / was erlaubet / ſondern auch was an ſich erbahr vnnd ruͤhmlich iſt / dahero von Theologen vnd Canoniſten auch andern Rechts-Lehrern / darvor gehalten wird / daß dannoch / durch bloſe deſponſation vnnd Ehegeluͤbd / publica honeſtas oder eine ſolche Erbarkeit entſpringe / welche bey ehelichen Vermaͤhlungen billich zuerwegen vnnd nicht auſſer acht zulaſſen / auß welcher Conſideration, etliche Paͤbſte die Ehe zwi - ſchen deß verſtorbenen Braͤutigams Vertrawte / vnd deſſen Bruder præciſè ver - botten (Alexander III. Papa in c. ad audientiam x. de ſponſal. & matrim. julius Papa in c. Si quis uxorem deſponſaverit, junct. Cap. præcedenti. 27. q. 2. vid. Gerhard. de Conjug. §. 362.) als aber doch eine ſolche Ehe / wie obengemeldet / weder in Gottes Geſetz / noch in den Keyſerlichen beſchriebenen Rechten nirgents verbotten / ſo kan die angefuͤhrte motiva publicæ honeſtatis, vor ſich allein / ohne beyfall der Rechte /vnnd17Von dem Hauß-vnd Eheſtande. vnd Goͤttlicher Geſetze / dergleichen Matrimonium vnd Vermaͤhlung / der Chriſt - lichen Freyheit zu wider nicht auffheben / in maſſen dann viel vornehme Theologi, vnnd Rechtsgelahrten / auß ob eingefuͤhrten vnnd mehrern Fundamentis dahin ſchlieſſen / als Chytræ. Hemming. vnd andere ſo von D. Gerhardo an oberwehnten Ort p. 539. angezogen. Es hat auch Hieron. m. Treutlerus, ein beruͤhmter Rechtesgelahrter / als er in dergleichen Fall / einer Adelichen / an jhres verſtorbenen Braͤutigams Bruder wider vertrawten Braut / befraget / alſo pro matrimonio in einem außfuͤhrlichem Concilio oder Bedencken / gerathen Conſil. 6. vol. 1. da er vnter andern auß Eraſm. Sarcer. von Eheſachen part. 5. fol. 326. anziehet daß D. Lutherus / wie er befraget / ob einer deme ſeine Braut ſtirbet ehe er ſie heim gefuͤh - ret / dannoch jhre Schweſter hernacher zum Weibe nehmen moͤge / es mit ja beant - wortet / vnd der Paͤbſte obangezogene darwider ſtehende decreta widerleget / vnnd fuͤhret Treutlerus in angeregtem Conſilio darneben ein altes Exempel ein / deß Keyſers Honorij, welcher ſeiner verſtorbenen Braut Schweſter ſich vermaͤhlen laſſen / wie dann auch ein friſches Exempel in Niederlauſintz / in deme der alte Al - brecht Kindler / geweſener Cantzler daſelbſten / als jhme ſeine zuvor vertrawte Braut eben am Hochzeits Tage geſtorben / jhre Schweſter mit willender Freund - ſchafft geheurathet. Ein ander Exempel referiret David Chytræus in ſeiner Saxonia, daß Hertzog Johan / Hertzog Magni zu Mecklenburg Herꝛ Bruder / wie er ſich an Hertzog Erici 2. zu Pommern Tochter / Bogislai X. Schweſter / Fraͤwlein Sophiam verlobet / aber nachgehents an der Peſt ableibig worden / deſſen vberle - bender Bruder Hertzog Magnus, dieſelbe geehelichet. (Ch træ in Saxo. lib. 1. fol. 40. edit. poſt in Megapolitan. verſ. Excellnit autem, &c.) Anlangent die obangezogene Canones vnd Paͤbſtliche Satzungen; iſt bekandt / daß dieſelbe in der Evangeliſchen Koͤnigl. Chur-Fürſtlichen vnd andern Conſiſtoriis, weiter nicht in Conſideration vnd Erwegung kommen / als in ſo weit dieſelbe mit den Goͤttlichen Geſetzen / denen Principiis juris naturalis auch der geſunden Vernunfft vnnd andern Rechten vber - ein ſtimmen / vnd ſonſten auß freyem Willen / durch Gewohnheit vnd Statuten an - genommen / approbiret vnd genehm gehalten / (Matth. Steph. de jurisdict. lib. 3. p. 1. Cap. 3. n. 23. Baſil. Monner. in tractat. de matrimon. part. 3. Cap. 4. Cothman. Conſil. 28. n. 70. vol. 1. vid. tractat meum de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 2. Claſ. 2. Cap. 7. n. 5. & ſeqq. ubi plures.) Nun ſeynd aber die oban gezogene widrige Cano - nes, weder in GOttes Wort gegruͤndet / noch in den Evangeliſchen Conſiſtoriis approbiret, auch nach den principiis Naturalis juris, keine wahre Affinitaͤt vnnd Schwaͤgerſchafft quoad effectum impediendi Matrimonii, anderer geſtalt als durch wuͤrckliche leibliche Vermiſchung entſtehet / welches auch die vorhin ange - zogene alte Canones behaupten / derowegen man den widrigen Paͤbſtiſchen decre - ten GOttes Geſetze / die Keyſerl. Rechte vnnd Robur Chriſtianæ Libertatis mit Hemmingio vnnd andern Theologis entgegen ſetzet: Hierbey moͤchte man ein -cwenden /18Das dritte Buch /wenden / daß es dannoch ein Calus Conſcientiæ oder Gewiſſens Werck were welches nicht viel Scrupel leydet / derowegen ſicherer zuvnterlaſſen / als zu rathen ſtuͤnde / worauff aber kuͤrtzlich zu antworten / daß das Gewiſſen allein dardurch verſehret vnd beſchweret werde / wann ein Chriſt / wider GOttes Wort vnd deſſen Geſetz handelt / wo aber ſolches nicht geſchiehet / hat man auch vor den Augen GOttes ſich kein Gewiſſen zu machen / ſondern viel mehr auff die Lehr S. Pauli zuſehen: ſeelig iſt / der jhme ſelbſt kein Gewiſſen machet / Roman. Cap. 14. v 22. vnd iſt das nurꝛent Suͤnde / vnd alſo wider das Gewiſſen / was nicht auß dem Glauben kompt / ibid. v. ult. Der Glaube aber beſtehet allein in den Schrancken der Prophenſchen vnnd Apoſtoliſchen Schrifften. So iſt auch GOtt allein / als der Schoͤpffer der Seelen / der ohnmittelbahre HErꝛ vnnd Richter vber das Gewiſſen. GOTT wil vnd wird vns aber anders nicht richten / als nach dem Wort das er geredet hat / Johan. Cap. 12. v. 48. das iſt nach den Schrifften Moſis / der Propheten vnd Apo - ſtel / was nun denen nicht zuwider leufft / daruͤber hat man ſich ſelbſt kein Gewiſſen zu machen / noch einen zornigen Richter zugewarten. Weil aber jedoch in der Chriſtlichen Gemein alles ordentlich / gebuͤhrlich dahergehen vnnd alle Ergernuß / wider die Liebe deß Naͤchſten verhuͤtet werden muß / maſſen dann S. Paulus in ob - angezogenem 14. Cap. an die Roͤm. fleiſſig erꝛinnert / ob wir ſchon vnſers Glaubens gewiß ſind / dannoch dahin ſehen ſollen / damit vnſere ſchwachglaubige einfaltige Neben-Chriſten nicht ſcandaliziret vnnd geaͤrgert werden / ohnerachtet man ſich ſonſten der Chriſtlichen Freyheit ohnverletzten Gewiſſens zu gebrauchen haͤtte / ſol - ches aber nach Muͤglichkeit behutſamblich zuverhuͤten wird ins gemein von den Theologen vnnd gewiſſen hafften Rechtsgelahrten vor rathſam vnnd dienlich er - meſſen / auch inden Chur Saͤchſiſchen vnd andern Conſiſtoriis alſo obſerviret, daß in ſolchen Faͤllen / bey der hohen Obrigkeit vmb diſpenſation vnd Verguͤnſtigung vorhin angeſuchet vnnd præviâ cauſæ cognitione darbey verfahren werde / wie in dieſen terminis bey verſchiedenen Auctoribus zu ſehen / (vid. Beuſt. de Sponſalib. p. 2. q. 54. D. Gerhard. de Conjug. §. 363. Melchior. Kling. de cauſ. Matrimon. Impedient. Rubr. 10. p. 60. Hieron. Treutl. Conſil. 6. n. 30. Kitzel. in Synops. Matrim. Cap. 3. Theorem. 12. gloſſ. c. Carpzovi. in Juriſprud. forens. p. 4. Conſtit. 24. defin. 13.) vnd ſolches vmb ſo viel do mehr / weilje zu weilen Braut vnd Braͤu - tigam groſſer Freyheit / nicht allein mit Worten / Geberden / ſondern auch mit Wer - cken / ſo vnter Eheleuthen zugeſehen pflegen / ſich vnterfangen / welches Falls nach eines theils toͤdtlichen Abgang / es hochbedencklich fallen / vud das zarte Gewiſſen / ſehr vulneriten vnnd verletzen wuͤrde / ſich an deß verſtorbenen naͤchſtes Blut zu verheurathen / deſſen man ſich vor der Diſpenſation zuerkuͤndigen vnnd die vorhin vertrawte Perſon / mit Ruͤhrung deß Gewiſſens ernſtlich zubefragen hat. Daß aber auch ſchließlich die hohe Obrigkeit dieſes Falles wol diſpenſiren koͤnne vnnd moͤge / wird von Theologen vnnd Rechtsgelahrten ſtatuiret, weil hierin GOttesGebott19Von dem Hauß-vnd Eheſtande. Gebott nicht im Wege ſtehet / da dann nachfolgende Regul ſtatt findet: Quod circa ea, quæ tantum propter publicam honeſtatem introducta, jurisque poſitivi & non divini ſunt, à Magiſtratu ſuperiori diſpenſari, ſine conſcientiæ læſione poſſit (c. re - ferente ibique Panormit. n. 3. x. qui fil. ſint Legit. Petr. Gregor. in Syntag. jur. univer. lib. 8. Cap. 11. n. 23. cum ſimilib. alleg. à Treutler. d conſil. 6. n. 31. D. Gerhard. d. §. 363. Dedeken. vol. 3. Conſil. Theolog. ſect. 2. De Gradib. Affin. n. 6.) Bey meiner Zeit vnnd Fuͤrſtl. Heſſiſchen Dienſten haben ſich dergleichen Faͤlle zwey in Heſſen begeben / einer zwiſchen vornehmen Adelichen Perſonen darin ich neben andern mit befraget vnd alſo reſpondiret, der ander zwiſchen Burgerlichen Standes Per - ſonen / vnd hat in beyden Faͤllen die Landes Fuͤrſtl hohe Obrigkeit nach eingenom - menen Bericht diſpenſiret, Anno 1627. vnd 1631. wie auch ein Caſus in Mecklen - burg da auff gutachten deß Conſiſtorii die Hertzogen zu Mecklenburg Anno 1633. dergleichen gethan. So haben auch die Scabini Lipſenſes ad conſultationem Phi - lippi Hoͤjers zu Kindelbruck Anno 1630. im Monat Novembr. alſo geſprochen / wie Carpzovius in Juriſpr. for. p. 4. conſt. 24. defin. 13. bezeuget.

Hie wil ich ein Exempel anhangen / da ein Vatter zwey nach einander ſei - nem Sohn verlobte Braͤute geheurathet. Koͤnig Philippus II. in Hiſpanien / hat ſeinem aͤltiſten Sohn Carolo, deß Koͤuigs Henrici II. in Franckreich Tochter Iſabellam freyen vnd ehelich verſprechen laſſen / hernacher aber ehe dieſer Junger Printz recht erwachſen / anders ſinnes worden / ſie ſelber geheurathet vnnd ins Ehe - bette genommen. Dieſem nach aber / jetzt gemelten ſeinen Sohn Carolum, an Keyſer Maximilian deß andern Tochter Princeſſin Annam / ehelich verſaget. Als aber dieſer Carolus Infant vnnd Printz in Hiſpanien / bey ſeinem Herꝛn Vattern Philippo in Vngnade gerathen / ein Zeitlang gefaͤnglich enthalten / vnnd in der Cuſtodia durch Gifft oder gewaltige Hand / wie vornehme Hiſtorici ſchreiben Todts verfahren / ſeine erſte Braut vnd hernach gewordene Stieffmutter Jſabella / auß Franckreich / wenig Monat nach jhme Carolo, nicht ohne Verdacht / als haͤtte gemelter jhr Stieffſohn / vnd erſt vertrawter Braͤutigam / mit jhr etwas freyer / als ſichs gebuͤhren wollen / converſiret vnd vmbgangen / auch verſtorben / hat der Herꝛ Vatter Koͤnig Philippus ſeines Sohnes zweyte vertrawte Braut / Annam Keyſer Maximilians Tochter / ſich abermahl ins Ehebette heimfuͤhren laſſen / wie ſolches vnter andern beſchreibet / Famianus Strada ein Jeſuiter, in ſeiner Hiſtoria de Bell. Belgic. lib. 7. p. 360. vnd p. 104 da er nachfolgender maſſen ſetzet. Interea in Belgium venit Anna, Maximiliani Imperatoris filia, quæ poſt Caroli Hiſpaniarum Principis mortem, cui deſtinata conjunx fuerat, Philippo Patri, deſponſa, per Belgium in Hiſpaniam Anno 1570. deducta, perpetuo Caroli fato, ut uxores ſibi deſignatas, Pater vel vivo præriperet, autin mortui locum duceret: Das iſt: Es ſey dieſer Carolus Printz von Hiſpanien darin gar vngluͤcklich geweſen / daß die jhme ver - maͤhlte Princeſſinnen / entweder bey ſeinem Leben / von ſeinem Herꝛn Vatter vor -c ijentzogen20Das dritte Buch /entzogen / oder nach ſeinem Todt / an ſeine ſtatt beygeleget worden. Was nun hiervon zuhalten / ſtelle ich zu eines jeden Vrtheil / vnd zwar ſo viel die erſte Heurath mit der Jſabella anlanget / wird dieſelbe mit den Goͤttlichen vnd Canoniſchen oder Geiſtlichen Rechten ſchwerlich zu concordiren oder auß denſelben zubehaupten feyn: Die Keyſerl. Rechte wollen auch Quod neque Matrimonium, neque ſpem Matrimonii turbare fas ſit, oder daß es ſich nicht geziehmet weder eine vollzogene / oder durch vorgangene Verloͤbnuß gehoffete Ehe zuverſtoͤhren / vielweniger aber ſeines Sohns ehelich verſprochene Braut / dero deß Braͤutigams Vatter / durch die Verlobung an Vatters / vnnd ſie jhme an Tochterſtart / vnnd alſo gleichſamb Eltern vnd Kinder worden / ſonderlich bey deß Sohns Leben zu heurathen / zulaͤſſig. Jn den Keyſerlichen Rechten iſt eine ſolche Heurath verbotten / darvon Ulpianus lib. 26. ad Sabinum alſo ſchreibet: Inter me & ſponſam patris mei Nuptiæ contrahi non poſſunt: quanquam Noverca proptiè non dicatur. Sed & per contrarium NB. Sponſa mea patri meo nubere non poteſt: quamvis nurus non propriè dicatur. text. in. l. ſi qua mihi §. 1. & 2. ff. de rit. Nupt. junct. l. adoptivus in fin. ff. eod. tit. worauß dann zuſehen wie hoch die vernuͤnfftige Heyden / die honeſtatem publicam vnd ſanguinis verecundiam etiam per conjunctionem nondum verè mixti, æſtimi - ret vnd erwogen / vnd muß dieſes etwan auch deß Stuls zu Rom diſpenſationes, die man an ſelbigem Hoffe / in Ehe - vnd andern Sachen auch wider Gaͤttliche / Geiſt - vnd Weltliche Rechte außzugeben pfleget / auß bekanten Præſup poſitis, S. Peters Binde vnd Loͤſeſchluͤſſels / oder auch per ſtatus Rationem, darnach die Potentaten offt mehr / als nach der Perſon buhlen / vnnd dahero jhr Idolum oder Abgott genant wird / geſchehen ſeyn / wie im 2. Buch oben Axiom. 37. von mir weitleufftiger ange - fuͤhret vnd auch den Goͤttlichen Gebotten vnd allen andern Geſetzen / Rechten vnd Reſpecten offters vorgezogen / juſtificirt vnnd vor der Welt entſchuͤldiget werden. Was aber die andere Braut Keyſer Maximilianus Tochter anreichet / weil dieſelbe nach jhres verlobten Printzen Todt / deß Ehelichen Verſpruchs vnnd Bandes er - lediget worden / iſt noch nicht ſo bedencklich / wiewol dergleichen wegen der Reverentz zwiſchen Eltern vnd Kindern / auch propter publicam honeſtatem oder der gemei - nen offentlichen Erbarkeit halber / welche in heurathen ſonderlich in der auff vnnd abſteigender Linea / fuͤr allen Dingen zu beobachten / zu keiner Nachfolge zuziehen / vnd dieſes Falls non exemplis ſed legibus zu pugniren. Viel Dinge ſeynd geſche - hen vnd begeben ſich noch / ſonderlich bey den Groſſen in der Welt / die beſſer vnnd erbahrer vnterlaſſen als in exemplum vnnd zu Nachfolge gezogen. Magnis multa licent ſecundum affectus humani cupidine talem, quæ tamen ſecundum rectæ rationis honeſtatem, minimè decent, & quidem malè.

AXIO -21Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA IX. Wann ein Perſon ſich mit zweyen nach einander / Ehelich einläſſet / muß ſie den letzten / wann ſchon Res nicht mehr integra, vnnd das Beylager erfolget / quittiren / vnd der erſten folgen.

ALs der Koͤnig Saul auß Tyranniſchem Blutduͤrſtigem Gemuͤthe ſeinen Tochterman / den David auffs euſſerſte verfolgte / vnd er dahero ſein Leben zu ſalviren / von Hoff weichen vnnd ſeine Gemahl die Michal zuruck laſſen muſte / vermaͤhlte Saul dieſelbe hernacher / an den Phalti den Sohn Lais von Gallim / der ſie auch heimbgeführet / vnnd jhr als ein Eheman beygewohnet / 1. Samuel. Cap. 25. v. ult. wie aber David nach Sauls Todt zu Koͤniglicher Cron kam / fertigte er eine Geſandſchafft ab / an Jßboſeth Sauls Sohn / vnd begehrte er ſolte jhme ſein Weib Michal / die er ſich mit hundert Vorhaͤute der Philiſter vertra - wet haͤtte / wider abfolgen laſſen / worauff Jßboſeth ſie von dem Phalti nehmen laſ - ſen / der jhr auch das Geleydt gegeben vnnd hinter jhr geweinet / biß gen Bahurim / da jhn der Feldthauptman Abner zu ruck gewieſen / 2. Samuel. Cap. 3. v. 14. & ſeq. hat alſo der Koͤnig David darfuͤr gehalten / daß das Eheliche Band zwiſchen jhme vnd der Michal / durch die anderweite widerꝛechtliche Vermaͤhlung deß Sauls an den Phalti / vnd darauff etliche Jahr erfolgtes Beylager / nicht getrennet / ſondern ſie vor wie nach ſein Weib geblieben / den letzten Freyer / zu quittiren vnd jhme zu folgen ſchuldig vnd gehalten waͤre / geſtalt er ſie auch ſein Weib nennet. Dieſes hat einen feſten vnbeweglichen Grund in der geſunden Vernunfft / Goͤttlichen / Geiſt-vnnd Weltlichen Rechten / dann in deme ſich zwey mit einander ehelich ver - lobet / verſprochen vnd verbunden / werden ſie dardurch mit einem vnzertrenlichen Bande verknuͤpffet vnnd gefaſſet / derogeſtalt daß ſie nichtes als der Todt / vnnd die in GOttes Wort vnnd den Rechten geſetzte / vnnd in der Chriſtlichen Gemein ob - ſervirte vnd vblich hergebracht Vrſachen (nemblich Ehebruch Matth. Cap. 19. vnd boßhaffte Verlaſſung / 1. ad Corinth. 7. v. 15.) von einander ſcheyden vnd trenn[t]en koͤnnen / (Quando quis duas per verba de præſenti, diverſo tempore deſponſavit, tunc primam in uxorem habere, (modo illa velit) tenetur, etiamſi ſecundam prius carnaliter cognoverit. text. in cap. ſi inter 31. x. de Sponſal. c. duo pueri 12. x. de de - ſponſat. Impub. c. lcet, & c. fin. x. de ſpons. duor. c. ex literis x. de matrim. contract. contra Interd. Eccleſ. Geil. 2. obſ. 55. n. 12. Covarruv. de matrimon. Tom. 1. part. 1. c 3Cap. 4.22Das dritte Buch /cap. 4. §. 1. n. 15. Schneidvvin. ad Tit. inſtitut. de Nupt. part. 1. n. 17. & ſeqq. ) in mehrer Erwegung / ſo lange das erſte Band haͤlt vnd waͤhret / das zweyte nicht hafften oder Wuͤrckung haben kan / (Ex quo enim prius vinculum ligat, poſterius nullius eſt momenti, itaque non pro conjugio ſed potius pro adulterio & ſtupro habenda conjunctio carnalis, cum poſteriore: Matth. Weſenbeci. in Notis ad Schneidvvin. allegato loco. ) ohngeachtet man ſich mit einer andern Perſon nicht allein mit Worten verlobet / ſondern auch auff vorhergangene Copulation Bey - lager gehalten / (Text. in c. ſi inter 31. x. de ſponſal. ubi Gregor. ix. ita reſcripſit: Si inter virum & mulierem legitimus conſenſus interveniat de præſenti, ita quod unus alterum, mutuo conſenſu verbis conſuetis ex preſſo, ſive ſit juramentum interpo - ſitum ſive non, non licet alteri ad alia vota tranſire: Quod ſi fecerit, ſecundum matrimonium de facto contractum, etiamſi ſit carnalis copula ſubſecuta, ſeparari debet, & primum in ſua firmitate manere. add. c. accepiſti. c. licet. c. ult. x. de ſpons. duor. vid. Henric. Nebelbrae deciſ. 14.) welches fuͤr keine Eheliche ſondern fuͤr eine vnzulaͤſſige leichtfertige Vermiſchung zuhalten / angeſehen das theil ſo ſich obge - melter maſſen einmahl verlobet vnnd verbunden / keine freye Haͤnde mehr hat / auch ſeines Leibes nit mehr maͤchtig / denſelben anderweit zu ehelichem Gebrauch pflicht - bar zumachen / ſondern iſt vnnd bleibet durch das vnauffloͤßliche Band vorhin ver - ſprochener Ehe feſt verſtricket / wuͤrde ſonſten in eines theiles bloſſen Willen ſtehen / durch fleiſchliche Vermiſchung mit einem andern / ſich von dem erſten vnauffloͤß - lichen Ehebande ſelbſt maͤchtig loß zuwuͤrcken / (vid. D. Gerhard. in loco de conjug. §. 146. quæſt. 7.) da es doch heiſt nach der bekanten Rechts Regul: Conſenſus non concubitus Nuptias facit, das iſt nicht der Beyſchlaff ſondern der Conſens, Ver - ſpruch oder Verlobung / eine rechtmaͤſſige Ehe ſtifften vnd das eheliche Band wuͤr - cken / vnd wird dieſe Meynung ſo wol von den Rechtsgelehrten als Theologen ins gemein beſtettiget / auch in den Conſiſtoriis offters alſo geſprochen / (vid. Beuſt. de matrimon. part. 1. Cap. 15. in fin. Conſult. Saxon. Tom. 1. part. 1. in append. de matrimon. Cap. 7. in fin. ) worbey gleichwol dieſes zumercken / daß die jenige ſo ſich nach ehelicher Verloͤbnuß mit andern fleiſchlich vermiſchen den Ehebrechern gleich geachtet / (inſponſa etiam adulterium committitextus eſt in l. 13. §. 3. & 8. ff. ad L. Jul. de adult. l. 7. C. eod. Et de jure divino Deuternom. Cap. 22. v. 23. ubiſponſa ſtuprata uxor vocatur & utrisque ordinaria adulterii pœna dictatur. Siquidem ſponſa de præſenti, pro vera uxore habetur, quantum vis carnaliter cognita non ſit, per allegat. text. Matth. 1. v. 20. Cap. 2 & aliquot ſeqq. Cajus. 27. quæſt. 2. add. Jul. Clar. lib. 5. Sentent. §. adulterium. ) dahero der vnſchuldigen Perſon frey ſtehet / ob ſie die ſchuldige wider zum Ehegemahl annehmen vnnd jhro den begangenen Fehler zu gut halten / oder ſich deßwegen mit Recht von derſelben ſcheyden laſſen wil / (Text. in c. 25. x. de jure jur. ) vorigen Falls iſt die ſchuldige Perſon gehalten / ſich von der letzten / der beſchehenen fleiſchlichem Vermiſchung ohnerachtet / abzuthunvnnd23Von dem Hauß-vnd Eheſtande. vnnd zu der erſten ſich wider zu wenden / kan vnnd muß auch von der Chriſtlichen Obrigkeit darzu durch gehoͤrige Mittel compelliret vnnd angeſtrenget werden / (præter ſupra allegatos Coler. diciſ. 3. ubi docet, ſponſum, qui deſponſatâ ſibi prima & poſtea imprægnata, ſecundam carnaliter cognoſcit & in facie Eccleſiæ ſibi prima & poſtea imprægnata ſecundam carnaliter cognoſcit & in facie Eccleſiæ ſibi copulari fecit, ad primam tanquam deſertam redire cogatur) welches ob es wol hart ſcheinet dannoch den Geiſt - vnd Weltlichen Rechten gemeß / vnnd bezeuget es obiges Exempel deß Koͤnigs Davids / der ſein Gemahl die Michal ohnerachtet ſie einem andern ein Zeit lang beygelegt geweſen / als ſein Weib wider vindiciret, ſie auch alſo genant vnd darfuͤr tractiret vnnd gehalten. D. Lutherus in ſeinem Buch von Eheſachen ſchreibet hiervon alſo: Wann nach dem offentlichen Ver - loͤbnuß / ſich einer mit einer andern verlobet / vnd ſie darauff beſchlaͤfft / in Meynung die andere zu ehelichen / vnd das erſte Verloͤbnuß zu zerꝛeiſſen / das ſol ein Ehebruch geachtet werden. Welcher geſtalt aber dieſelbe welche ſich derogeſtalt verlauffen von der Obrigkeit zubeſtraffen / das iſt bey dem Beuſtio vnnd andern Rechtsgelahr - ten zufinden.

AXIOMA X. Schoͤnheit / ſonderlich an Weibesbildern / iſt eine Gabe GOttes / wird in der H. Schrifft geruͤhmet / jedoch muß man in heurathen darauff allein nicht ſehen.

EIn ſchoͤn Weib / das from bleibet / iſt wie die helle Lampen auff dem heyligen Leuchter ſpricht Syrach in ſeinem Buch / Cap. 26. v. 22. Jtem / eine ſchoͤne Frawe erfrewet jhren Mann / vnd ein Mann hat nichts liebers / wo ſie dar - zu freundlich vnd from iſt Syrach Cap. 37. v. 24. & ſeq. wegen jhrer Schoͤn - heit werden in der Schrifft geruͤhmt Sara / Genes. c. 12. v. 11. imgleichen Rebecca / daß ſie eine ſehr ſchoͤne Dirne von Angeſicht geweſen / Genes. c. 24. v. 16. Rahel daß ſie huͤbſch vnd ſchoͤn geweſen / Genes. 29. v. 17. Abigail / 1. Samuel. c. 25. v. 3. Thamar. 2. Samuel / Cap. 13. v. 25. die Eſther im Buch Eſther / Cap. 2. Suſanna vnd andere mehr. So wird auch an den Maͤnnern in der Schrifft die Schoͤnheit gelobet / als an Joſeph / daß er ſchoͤn vnd huͤbſch von Angeſicht geweſen / Genes. c. 39. v. 6. Moſes iſt ein fein Kind geweſen / Actor. c. 7. v. 20. von Saul wird gemeldet / daß er ein junger Mann vnnd kein feiner vnter den Kindern Jſrael geweſen / eines Hauptslenger22[24]Das dritte Buch /lenger denn alles Volck / 1. Samuel. Cap. 9. von David / daß er braͤunlicht mit ſchoͤ - nen Augen vnd guter Geſtalt geweſen / 1. Samuel. Cap. 16. v. 12. von Abſolon / daß in gantz Jſrael kein Mann ſo ſchoͤn geweſen als er / vnd daß er fuͤr allen daß Lob ge - habt / daß von ſeiner Fußſohlen an / biß auff ſeine Scheyttel / nicht ein Fehl an jhme geweſen / 2. Samuel. Cap. 14. v. 24. Daniel vnd ſeine Geſellen / Dan. Cap 1. v. 9. Es iſt aber die Schoͤnheit ein ſolche Gabe / die Guten vnd Boͤſen gemein iſt / wie ob - geſetzte Exempel vnnd die Erfahrung bezeuget die auch durch ploͤtzliche Zufaͤlle ſich verliehren vnd endern kan. (Forma bonum fragile eſt,) Der Koͤnig David ſaget: Wann GOtt einen zuͤchtiget der Suͤnde willen / dann wird ſeine Schoͤne verzehret wie von Motten / Pſalm. 38. v. 12. Helena die Schoͤne vmb welcher Willen der zehenjaͤhrige Trojaniſche Krieg gefuͤhret was iſt ſie geweſen / was iſt ſie geworden? Staub Koth / Aſche vnd Erde / wo iſt wol die liebe Seele als der edleſte Theil hinge - fahren? Oerowegen in heurathen nicht bloß auff die euſſerliche Schoͤnheit / ſon - dern vielmehr auff die innerlichen Gaben / GOttesfurcht / Tugend / Haͤußligkeit / Zucht vnd gute Sitten zuſehen / vnnd heiſt es offt / iſt der Apffel Roſen roth / ſo iſt der Wurm darin / laß dich nicht betriegen daß ſie ſchoͤn iſt / vnnd begehre jhrer dar - umb nicht / vermahnet Syrach Cap. 25. v. 28. was ſchoͤn iſt da vergaffen ſich viel an / vnd ſeynd der Schoͤnheit halber auch fromme Weiber in Gefahr gerathen / wie die Sara in Egypten / Genes. Cap. 12. Rebecca bey Abimelech der Philiſter Koͤnig / Genes. Cap. 26. Suſanna vnd andere mehr. Die Rahel wird auch beſchrieben in der Schrifft / daß ſie huͤbſch vnd ſchoͤn geweſen / Lea aber daß ſie nicht ſo fein vnd ein bloͤd Geſicht gehabt dahero der Ertzvatter Jacob die Rahel viel lieber gehabt als die Lea / dannoch hat GOtt dieſer der Lea Ehebette hoͤher geſegnet als der Rahel / in deme darauß der Juda gezeuget / auff welchen das Recht der erſten Geburt deß Koͤnigreichs kommen / der Meſſias vnd Heyland der Welt entſproſſen vnd geboh - ren / 1. Moſ. Cap. 29. v. 17. & ſeqq. Lieblich vnd ſchoͤn ſeyn iſt nichtes / ein Weib das den HErꝛen fuͤrchtet ſol manloben / in den Sprichtwoͤrt. Salomonis / Cap. 31. v. 30. weme ein Tugendſam Weib beſchehret iſt / die iſt viel Edler denn die koͤſtlichſt. Per - len. Jhres Mannes Hertz darff ſich auff ſie verlaſſen / vnd Nahrung wird jhme nicht mangeln in ſelbigem Cap. v. 10. & ſeqq. darumb warnet Salomon im 6. Cap. v. 25. gemeltes Buchs vnd ſpricht / huͤte dich fuͤr der glatten Zungen vnnd laſſe dich jhre Schoͤne nicht geluͤſten in deinem Hertzen. Dann ein ſchoͤnes Weib ohne Zucht / iſt wie eine Saw mit guͤldenen Spangen / im ſelbigen Buch Cap. 11. Die ſchoͤne Geſtalt der Bathſeba machete den Koͤnig David zum Ehebrecher vnnd Moͤrder / 2. Samuel. Cap. 11. & ſeqq. Die ſchoͤne Geſtalt der Außlaͤndiſchen Weiber bethoͤrete den allerweiſeſten Koͤnig Salomon / daß er frembden Goͤttern dienete / 1. Reg. Cap. 3 ſchoͤne Weiber / ſpricht Syrach / haben manchen bethoͤret / Cap. 9. v. 9. vnd muſte es Holofernes mit dem Kopff bezahlen / im Buch Judith / Cap. 12.

AXIO -25Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XI. Schmincken / mit Farben / Olitaͤten ſeine Geſtalt vnd Angeſicht zu ziehren / ſtehet Gottſeeligen vnd frommen Frawen vnnd Jungfrawen nicht wol an.

ES iſt nichts newes in der Welt daß ſich das Frawenzimmer ſchminckt / GOtt der HErꝛ klaget daruͤber vnterſchiedlich bey den Propheten bey dem Eſaia ſpricht er: Darumb daß die Toͤcher Zion ſo ſtoltz ſeynd / vnnd gehen mit auff gerichtetem Halſe / mit geſchminckten Angeſichten / ꝛc. wolle er den Scheitel der Toͤchter Zion kahl machen vnnd jhr Geſchmeide wegnehmen Eſai. Cap. 3. v. 16. als Jehu von GOtt zum Koͤnig geſetzet vnd zu Jeſreel einzoge / meldet die Schrifft / daß die Gottloſe Koͤnigin Jeſabel jhr Angeſicht geſchmincket vnnd jhr Haupt geſchmucket / aber ſie ward gar bald vber Halß vnd Kopff / mit jhrem ge - ſchmincktem Angeſicht / zum Fenſter herauß geſtuͤrtzet / vnnd jhr Aaß ſo jaͤmmerlich zugerichtet / wie das Koth / daß man nichtes mehr davon gefunden als die Scheitel im andern Buch der Koͤnig. Cap. 9. v. 30. & ſeqq. Hat nun GOtt die Toͤchter Zion darumb geſtraffet / ſo wird ers andern nicht ſchencken. GOtt hat einem jeden eine Geſtalt gegeben wie er gewolt. Du wahreſt / ſpricht David zu dem HErꝛen / vber mir in Mutterleibe / daß ich wunderbarlich gemachet bin. Meine Gebeine wa - ren dir nicht verholen / da ich im verborgen gemachet ward / da ich gebildet ward vnten in der Erde Pſalm 139. Hat nun GOtt einen jeden Menſchen im verborgen vnd in Mutterleibe gebildet wie er ſeyn ſol / ſo iſt gewiſſe / daß der ſo ſich anders durch Schmincke vnd dergleichen Dingt ziehren vnd ſchmuͤcken wil / ſeinen Schoͤpffer zu reformiren gedencket / welches nicht von GOtt ſondern von dem leydigen Teuffel / der da GOttes Affe iſt vnd in allem gern nach gaffen wil vmb die Leuthe von GOtt jhrem Schoͤpffer ab vnd an ſich zuziehen / herꝛuͤhret. Es iſt auch ein leichtfertig Gemuͤthe darauß zuſpuͤhren / daß man durch falſchen gemachten Schein / jemande zu vnkeuſcher Brunſt reitzen vnd bewegen wil. Ja ſie verderben entlich damit jhre natuͤrliche ſchoͤne Haut vnd Haar / inficiren vnnd vergifften gleichſam jhren geſunden Leib daß ſie endlich gar heßlich vnnd vngeſund werden / wie ſolches die Er - fahrung bezeuget. (Color arte compoſitus, inquinat corpus, non mutat. ) vid. Drexeli. in Triſinegilt lib. 3. de corpor. cult. Cap. 5. ubi multis. diſlerit. Daß ſich das Frawenzimmer / reinlich / net vnnd ſauber haͤlt / aber doch ſeine euſſerliche Geſtaltdlaͤſſet26Das dritte Buch /laͤſſet wie ſie GOtt geſchaffen hat / das iſt ruͤhmlich vnd GOtt wolgefaͤllig / alſo hat ſich Eſther ſchoͤn geſchmuͤcket wie ſie zum Koͤnig Ahaſueros gehen wollen im Buch Eſther am 5. Cap. v. 1. Wie die Judith zu dem Holofernes gienge / hat ſie ſich gewa - ſchen / mit koͤſtlichem Waſſer geſalbet / jhre Haar geflochten vnnd ſich geſchmuͤcket / jedoch nicht auß Vorwitz vnd Hochmuth / ſondern GOttzu Lob. Jm Buch Judith am 10. Cap. v. 5.

AXIOMA XII. Jn heurathen ſol man nicht allemahl auff Reichthumb / ſon - dern viel mehr die Perſon / dero Ankunfft vnnd Quali - taͤten ſehen. (Dos eſt magna parentum virtus, & metuens alterius viri, certo fœdere Caſtitas: Horat.)

WAnn das Weib den Mann reich machet / ſo iſt da eytel Hader / Verach - tung vnd groſſe Schmach Syrach / Cap. 25. v. 29. (Interdum imperant mulieres benè dotatæ; quia dotata regit virum coniunx inquit Horat. lib. 3. ode 24. Ideoque perniciosè peccant, qui dotem non uxorem quæ - runt. Geil. 2. obſ. 95. n. 21.) Reichthumb vnd Guͤter erben die Eltern / aber ein quali - ſicirt vnd vernuͤfftiges Weib kompt vom HErrn in den Sprichwoͤrt. Salomon. Cap. 19. v. 14.

Dieſes hat Mattheſius in ſeiner wolbeſchriebenen ehelichen Haußhaltung in nachfolgende kurtze Reime gebracht:

Von Eltern Erbt man Geld vnd Gut /
Ein fromms Weib Gott beſchehren thut.
Das groͤſſeſte Gut / vnd Morgen-Gab
Jſt / daß ſie Zucht vnd Tugend hab.

Der Hoheprieſter vnd Macchabeer Fuͤrſt Simon hat ein ſonderlich abſehen darauff gehabt / daß der Hauptman / vber das Land Jericho mit Namen Ptolo - mæus, der Sohn Abobi / ſehr reich war / (Matrimonium inter aurum & arcam, eſt divortium inter Deum & animam, dixit Auguſtin. ) vnnd deßwegen vmb ſo viel do ehe ſich dahin diſponiren laſſen / daß er jhme ſeine Tochter zur Ehe gegeben / woruͤber dieſer ſtoltz worden / vnnd darnach getrachtet / wie vnter dem Schein deß Hohen - prieſters Freund - vnnd Schwaͤgerſchafft / er das Regiment vnnd Herꝛſchafft imLande27Von dem Hauß-vnd Eheſtande. Lande an ſich braͤchte / vnnd ſeinem frommen Schwaͤher Simon / ſampt ſeinem Samen / mit Liſt vnd Tuͤcken auß dem Mittel thaͤte / bat ſie freundlich zu Gaſte / vnd ließ ſie bey ſolchem Banquet / da ſie froͤlich / gutes Muthes vnnd etwas beraͤuſchet waren / durch ſeine Landes Knechte / jaͤmmerlich maſſacrirem vnnd vmb das Leben bringen im 1. Buch der Macchab. Cap. 16. v. 10. & ſeqq.

Als Themiſtocles der Griechen hochberuͤhmter Fuͤrſt eins mahls zu Rath gefraget worden / ob es beſſer waͤre / an einen frommen armen taͤuglichen oder einen reichen vngeſchickten Mann / eine Tochter zu verſprechen vnnd zuvermaͤhlen / hat er gar weißlich geantwortet: Malo virum, qui pecuniâ, quam pecuntam quæ viro egeat, referente Cic. lib. 2. offic. Das iſt ich halte mehr von einem Mann / deme es an Geld mangelt / als von Gelde / deme ein Mann mangelt. Ein Mann der ein reiches / aber boͤſes Weib freyet / muß es taͤglich auff dem Brode freſſen / daß er ein Pracher geweſen / nichts gehabt / vnd von deß Weibes Gut lebe vnnd zum Mann worden. Fuͤr ſolchem Haußcreutze vnnd Haußrauche behüte GOtt alle fromme Maͤnner. Keyſer Carolus der fuͤnffte war ſehr geſchaͤfftig vnnd bemuͤhet daß er ſeinen Sohn Philippum den andern dieſes Namens Koͤnig in Hiſpanien / nach abſterben ſeiner erſten Gemahlin / einer Koͤniglichen Princeſſin auß Portugal / che er zu den Hiſpaniſchen Koͤnigreichen vnnd Erblanden kommen / an Mariam Koͤnigin in Engelland vermaͤhlete / der Andacht vnnd Meinung dardurch Engel - land an Spanten zubringen / weil aber nach deß Koͤnigreichs Engelland Sitten vnnd Rechten ſie die Koͤnigin die Cron Erbin vnnd Jhro das Regiment war / haben die Engellaͤnder den Koͤnig Philippum gar ſchlecht reſpectiret / viel Paß quille auff jhn gemachet / vnnd wie Famian. Strada gedencket lib. 1. de Bell. Belg. p. 17. jhn nicht einen Koͤnig ſondern Regnæ mari - tum das iſt Koͤnigin Mann ſchimpff - lich genandt.

d 2AXIO -28Das dritte Buch /

AXIOMA XIII. Die Matrimonia ſeynd fatalia, oder wie man zuſagen pfleget: Die Ehe werden im Himmel gemacht / ohne Vnterſchied der Nationen vnd Voͤlcker.

ALs der Patriarch Abraham ſeinem aͤltiſten getrewen Diener den Eleazar / in Meſopotamien, gen Nahor zu ſeines Vatters Hauſe vnd ſeinem Geſchlech - te abgefertiget / ſeinem Sohn Jſaac ein Gemahl zu ſuchen vnnd zu freyen / ſchicket es GOtt wunderlich / daß dieſem Abgeſandten / die von GOtt dem Jſaac verſehene Braut / bey dem Waſſerbrunn begegnet / jhme einen Trunck auß jhrem Kruge præſentiret / vnnd jhme dardurch gleichſam ein Zeichen geben muſte / daß ſie die waͤre / die von GOtt ſeines HErꝛen Sohn / dem Jſaac beſchehret / vnd daß die Ehe zwiſchen jhnen beyden / im Himmel ſchon gemachet waͤre / im 1. Buch. Moſ. Cap. 24.

Als Moſes fuͤr Pharao fliehen muſte / vnnd im Land Midian bey einem Brunnen ſeine Huͤtte auffſchluge / kamen eines mahls deß Prieſters in Midian Toͤchter / Waſſer zuſchoͤpffen / fuͤlleten die Rinnen / daß ſie jhres Vatters Schaffe traͤncketen / wie jhnen aber von Hirten ſolches gewehret vnnd ſie gehindert werden wolten / nam ſich Moſes jhrer an vnnd aſſiſtirte jhnen / welches ſie jhrem Vatter referiret vnd den Mofen zum beſten recommendiret / der dardurch bewogen worden Moſen zu ſich zu laden / vnnd jhme ſeynd Tochter Zipora zum Weibe zugeben im 2. Buch Moſes / Cap. 2. v. 16. wer ſiehet nun nicht daß dieß Matrimonium fatale, oder im Himmel / durch GOttes ſonderbahre Schickung gemachet / der es durch deß Moſis Flucht / Wohnung bey dem Brunnen / vnnd andere hierbey ſich erzeigete Vmbſtaͤnde alſo ſonderlich gefuͤget. Durch gleichmaͤſſige Occaſion daß Jacob zum Brunnen kam vnnd den Stein von dem Loch deſſelben / da Labans Toͤchter jhres Vatters Schaffe trencken wolten / welzete / gerieth er in Kundtſchafft mit ſei - ner kuͤnfftigen Gemahl der huͤbſchen Rahel im 1. Buch Moſis / Cap 29. v. 10. 11. 12. Joſeph war von ſeinen Brüdern in Egypten verkaufft / vnd kam durch dieſe Occa - ſion ſingulari fato, ſeu providentia Dei, daſelbſten zu Heurath / dann Pharao gab jhm ein Weib Aßnath / die Tochter Potiphera deß Prieſters zu On. Jm 1. Buch Moſ. Cap. 41. v. 45. Von dem weiſen Werckmeiſter vnd Kuͤnſtler / welchen der Koͤnig Hiram dem Salomon Zuerbawung deß Tempels vberlaſſen / meldet die Schrifft /daß er29Von dem Hauß-vnd Eheſtande. daß er ſey geweſenein Sohn eines Weibes auß den Toͤchtern Dan / vnd ſein Vat - ter ein Tyrer / ſeynd alſo dieſer Tyrer vnnd Dannitiſche Tochter durch ſonderbahre Schickung GOttes Eheleuthe geworden / im 2. Buch der Chronick. Cap. 2. verſ. 14.

Die Ehe zwiſchen dem maͤchtigen Koͤnig Ahaſueros vnnd dem geringen ſchlechten Maͤgdlein Eſther / war wol auch fatal vnnd im Himmel gemachet / denn dardurch GOtt ſein Volck / von deß grawſamen Hamans wider ſie beſchloſſene Blut Vrtheil / wunderbahrlicher weiſe erꝛettet / die Eſther auß dem Staub hervor gezogen / der Koͤniglichen Cron / Scepters vnd Throns faͤhig / vnnd zu einer gewal - tigen Koͤnigin gemachet / im Buch Eſther Cap. 2. Laban vnnd Bethuel muſten ſolches gegen obgemelten deß Ertzvatters Abrahams Abgeſandten den Eleazar be - kennen vnnd auff ſeine vorgebrachte Werbung / wegen der Rebecca ſich reſolviren vnd ſagen: Das kompt vom HErꝛen / darumb koͤnnen wir nicht es wider dich re - den / weder boͤſes noch gutes / da iſt Rebecca fuͤr dir / nim ſie vnnd zeug hin daß ſie dei - nes Herꝛen Sohns Weib ſeye / worzu ſie auch ohne einiges bedencken willig vnnd bereit / auch aller mit intereſſirter vnnd angehoͤriger Gemuͤther darzu von GOtt diſponirt geweſen / wie mit mehrerm zu leſen in gemeltem 24. Ca. deß erſten Buchs Moſis. Ja die heyligen Engel muͤſſen darzu helffen vnd Brautfuͤhrer ſeyn / wie Abraham bezeuget im jetzt gedachtem 24. Cap. v. 7. vnnd das Exempel deß jungen Tobiæ deſſen Vermaͤhlung auch im Himmel beſchloſſen vnd durch den Engel deß HErren geſtifftet vnd befoͤrdert worden / im Buch Tobiæ Cap. 6. 7. 8. wie nun Chriſtlich vnd recht geſaget wird / daß frommer Leuthe / erbahre Chriſtliche Ehen im Himmel gemachtet / alſo kan auch von der leichtfertigen Conjunction vnd Zuſam - menlauffung geſaget werden / daß ſie in der Hoͤlle geſtifftet vnd berathſchlaget wer - den. Den Vnterſchied aber hiervon zumachen / muß man darfůr halten / daß deren Ehegeluͤbden im Himmel beſchloſſen / die ſich nach Gottes Gebott / vnd guter Ord - nung / mit rath vnd vorwiſſen der Eltern / Freunde vnd Vormunder in Zucht vnd Erbarkeit vermaͤhlen: deren aber / ſo wider Gottes Gebott vnnd Ordnung / ohne jhrer Eltern wiſſen vnd Willen heimblich auß vnkeuſcher Brunſt vnnd Begierde / gleich dem vnvernünfftigen Viehe zuſammen lauffen / vorgehende Vermaͤhlung in der Hoͤllen gemachet / dann GOtt iſt ein GOtt guter Ordnung: Der Teuffel aber ein Stiffter aller Vnordnung / Vnzucht vnd Gottloſen Weſens. (Eleganter Johann. Oldendorp. Claſ. 4. act. 26. verſ. Multominus. Non omnes inquit, qui conjuncti ſunt Deus conjuxit. Eos enim Deus conjungit, qui ſecundum præcepta legum conſenſu parentũ nuptias contrahunt, quia leges ſunt ordinationes Dei, Ro. 13. Qui autem contra legum ordinationem, invitis parentibus coeunt, eos ſatan conjungit. Et ejuſmodi conjugia rectius dicuntur fatualia, quam fatalia, uti rectè monuit D. Gerhard. in Aphoriſm. 53. Cap. 6.) Daß nun in dieſem Axiomate die nach GOttes Providentz Willen vnnd Ordnung gemachet Eehen Fatalia genantd iijwerden /30Das dritte Buch /werden / dardurch werden die Fata ſtoica vnd bruta, damit ſich die Gottloſen behelf - fen wollen / wann ſie ohne GOtt / ohne Rath vnd Ordnung zuſammen lauffen zu behelffen pflegen / vnd wann es vbel gehet ſprechen es iſt mir alſo beſchehret vnd ver - ſehen / außgeſchloſſen: Dann ſolche Fata lauffen Gottes Wort vnd ſeiner H. Ord - nung zu wider wie auch deren Phantaſey / die nach deß Himmelslauff vnd Stern - kunſt / die Ehe einrichten wollen / dem Chriſtenthumb nicht gemeß / (Fatui ſunt qui fato aſtriſue adſcribunt Connubia. Niſi cor tuum eſſet fatuum, fatum non crederes, inquit Auguſtinus. Solus Deus conjungit animos, ut homo diſiungerenon debeat Matth. 29. v. 6.)

AXIOMA XIV. Vnkeuſche Liebe / je groͤſſer vnnd hefftiger ſie Anfangs gegen ein Weibsbild iſt / je gehäſſiger oder verhaſter wird hernacher dieſelbe. (Illiciti amoris ſequela odium.)

AMmon deß Koͤnigs Davids Sohn / war vber die maſe in vnkeuſcher Liebe / gegen ſeine Stieffſchweſter / die Thamar / Abſalons vollbuͤrtige Schweſter / entbrand / ſo gar daß er deßwegen an ſeinem Leibe abgenommen / mager wor - den vnd elendig außgeſehen / nach deme er ſie aber mit Liſt vnd Geſchwindig - keit / vnterm Vorwand daß er kranck were vnnd ſie jhme ein ſonderlich Eſſen zurich - ten ſolte / in ſeine Schlaffkammer gebracht / ſie vberwaͤltiget / genothzuͤchtiget vnnd geſchwaͤchet / iſt er jhr vberauß gram worden / daß der Haß groͤſſer als vorhin die Liebe war / ſo gar daß er ſie auch nicht mehrſehen oder bey ſich gedulden wollen / ſon - dern ſie hinauß vor die Thuͤr geſtoſſen / vnnd dieſelbe hinter jhr zuſchlieſſen laſſen / dieſes war das Final, ſo groſſer vnkeuſcher Brunſt / wie zu leſen / im andern Buch Samuel. Cap. 12. Es gehet noch heutiges Tages bey vielen alſo / die da ſagen wann ſie der Fruͤchte einmahl genoſſen / achten ſie deß Baums / oder Stamms nicht mehr / haſſen / neyden vnd meyden die Geſchwaͤcheten vnd Geſchaͤndeten auff das euſſerſte / moͤgen nicht darvon hoͤren.

AXIO -31Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XV. Vorwitz machet Jungfrawen thewer.

A Vorwitz gieng Jacobs Tochter die Dina / ein Maͤgdlein von vngefehr 12. Jahren wie es die Theologi vnnd Chronologi außrechnen / ſpatziren die Toͤchter Sichem vnd deß Landes zuſehen / kam aber nicht wider zu Hauß / wie ſie hienauß gangen / ließ jhren Jungfraͤwlichen Ehrenkrantz zu rucke vnnd ward von Sichem Hemors Sohn / einem Fuͤrſten deß Landes zu Fall gebracht vnd geſchendet / Genes. C. 34. Es iſt ein altes vnd nutzliches Sprichwort ſonderlich bey dem Frawenzimmer: Es war außgehen nicht ſo gut / innen bleiben war beſſer. Es hatte Dina bey ſolcher Verſamlung vnnd etwan angeſteliem Tantze der Toͤchter Sichem nichtes zuſchaffen / haͤtte bey jhren Eltern billich verbleiben vnd ohne deren Erlaubnuß / vor ſich allein zu keiner frembden Geſellſchafft gehen ſollen / aber Vor - witz / der ſonderlich dem Frawenzimmer beywohnet / hat ſie darzu getrieben. Sie hat ohne zweiffel wiſſen wollen / wie ſich das Frawenzimmer deß Orts faſſonirte, was ſie vor Ceremonien / Sitten vnd mode Kleyder truͤgen / wie ſie ſich beym Dantz hielten / vnd ob vnter denen auch ſchoͤnere Dames weren als ſie / aber was brachte ſie zu Hauß / Schand vnd Spott / betruͤbte jhre Eltern vnd entſtunde endlich darauß Mord vnd Todtſchlag / weil jhre Bruͤder Simeon vnd Levi deßwegen / in deme ſie auß vnzeitiger Rachgier / wider gegebene Parola, Trew vnnd Glauben / alles was maͤnlich warneben Sichem vnd Hemor erwuͤrget / Genes. d. Cap. 34. auß Vorwitz / gleichſam waͤren keine Maͤnner mehr in der Welt / die Samen erwecken koͤnten / verlohren die beyde Toͤchter Loth / jhre Jungfrawſchafft / in deme ſie eine nach der ander jhren alten hochbekuͤmmerten Vatter / truncken machten / vnd ſeiner vnwiſ - ſent Blutſchande mit jhme begiengen vnnd ſich ſchwaͤngern lieſen. Genes. Cap. 19. v. 31.

Vnſere erſte Mutter Eva die allerſchoͤnſte vnnd vnbefleckte Jungfrawe / verlohr auß Vorwitz / kluͤger vnnd GOtt gleich zu werden / auch jhren ſchoͤnſten Jungfrawlichen Krantz deß Ebenbildes GOttes / vnnd geriethe daruͤber in deß Teuffels Tantz / vnd muſte bald darauff an ſtatt deß Ehrenkrantzes / Feigenblaͤtter zuſammen ſuchen / vnd damit jhre Schande verbergen. O Vorwitz kluger zu werden / wohin haſtu das gantz Menſchliche Geſchlecht gebracht: Dann ſo meldet die Schrifft daß Eva von dem verbottenen Baum geſſen weil er klug machete / Genes. Cap. 3. v. 6. Der Vorwitz iſt bey dem Frawenzimmer jetzo nicht geringer / ſondern groͤſſer. Sie gehen auch gern zum Tantz / da ſie offt nicht hinbeſcheyden /ſie wollen32Das dritte Buch /ſie wollen auch wiſſen wie ſich andere tragen / was ſie vor Alamode Kleyder haben vnd wie ſie Complemente machen / was vor Cavallier es deß Orts gebe / wie ſie mit dem Frawenzimmer extraordinari courteſiren vnnd ſich præſentiren koͤnnen / aber ſie kommen auch nicht alle wider heimb als ſie außgangen / vnd heiſt es mit jhnen auch offters alſo:

Dina gieng zum Dantz / vnd verlohr daruͤber / jhren Jungfraͤwlichen Krantz. Der Teuffel als ein vnreiner garſtiger Geiſt / iſt dem keuſchen Jungfrawen Stand / ſonderlich zu wider / trachtet demſelben mit allem fleiß nach / ſo ſeynd ſie auch ſchwacht Gefaͤſſe / koͤnnen ſich leicht verfuͤhren vnnd betriegen laſſen / zumahlen der Vorwitz groß bey jhnen. Derowegen ſie dieſe Regul wol in acht zunehmen: Außgehen war nie ſo gut / heim bleiben war beſſer / welches nicht von allem / ſondern von vnnoͤ - tigen vnd vorwitzigen außgehen zuverſtehen.

AXIOMA XVI. Es iſt ein zart vnnd gefaͤhrlich Werck / vmb die Jungfrawſchafft.

WIe bald es vmb die Jungfrawſchafft geſchehen / weiſſet das vorige Axio - ma in angezogenem Exempel deß zarten jungen Maͤgdleins der Dina auß: ſie verſpatzirte dieſelbe im zwoͤlfften Jahr jhres Alters ſo gar lieder - lich / ehe ſie es gemeinet oder gedacht. Deß Koͤnigs Davids Tochter / die ſchoͤne Thamar / die hatte zwar nichtes boͤſes im Sinn / muſte auff jhres Herꝛn Vatters Befehl / zu jhrem ſich kranck geſteltem Bruder / dem Ammon gehen / vnd jhme ein Gemuͤß zurichten / kam daruͤber vmb jhre Jungfrawſchafft vnd ward von jhrem eigenen Bruder geſchaͤndet vnd hernach verſtoſſen / 2. Samuel. Cap. 13. vnd iſt ſolcher Verluſt weder per reſtitutionem in integrum oder andere juris & Artis remedia zu redintegriren oder zuerſetzen. Dahin deß Propheten Gleichnuß ziehlet / wann er ſpricht: Die Jungfraw Jſrael iſt gefallen / daß ſie nicht wider auff - ſtehen wird / ſie iſt zu Boden geſtoſſen vnd iſt niemand der jhr auff helffe / Amos Ca. 5. v. 2. worin aber die Jungfrawſchafft beſtebe / vnnd was es eygentlich ſeye / darvon haben die Medici, Phyſici vnd Anatomici viel opiniones vnd diſcurs, die ich dahin ſtelle. Meines theils halte ich / es beſtehe dieſelbe in keuſchem Hertzen vnd zugleich in keuſchem von Maͤnnlicher Vermiſchung vnberuͤhrtem Leibe vnd Gliedern / oder die mit der hochgebenedeyten Jungfraw Maria ſagen vnd ſprechẽ kan: weil ich von keinem Manne weiß / Luc. Ca. 1. (Virgo eſt quæ virum non cognovit. Et virginitas,eſt ſtatus33Von dem Hauß-vnd Eheſtande. eſt ſtatus intactus ſeu incorruptus, ex Ricchard. not. Kornman. de virginit. Cap. 2. aliter tamen Auguſtin. lib. de Nupt. virginitas, eſt, in quit, in carne corruptibili, in - corruptionis perpetua meditatio, id eſt quod virgo debet gerere in propoſito, aut in hoc per ſeveret perpetuo. Et ex hoc patet, quod integritas carnis, non eſt de eſ - ſentia virginatis, ſed eſt quidam decor ejus accidentalis, extrinſecus exiſtens, qui perdi poteſt ſine diminutione virginalis virtutis vid. princ. & c. tolerabilis Caus. 32. q. 5.) Ob man aber vnd durch was euſſerliche Zeichen dieſelbe zuerkuͤndigen vnd zubeweiſen / darvon diſputiren die Medici vnd Phyſici auch viel / welches hieher nicht dienet / die meiſten halten darvor / zeigen auch bey der Anatomi der Weibsbilder etliche Carunculas, welche ſich bey dem Eingang Weiblichen Glieds erzeigen / vnd mit einer membranula, duͤnnen Haͤutlein vberzogen ſeyn ſollen / welches Hymen genant wird ſo aber jhrer Meynung nach / durch andere Zufaͤlle / ohne Vnkeuſchheit vnd Vermiſchung Maͤnnlichen Leibes verletzet werden koͤnne / derowegen darauff keine Gewißheit zuſetzen / weil meines ermeſſens / ohne Vermiſchung mit einem Manne / die wahre keuſche Jungfrawſchafft nicht kan verlohren werden. Meinem Vorhaben nach / auff die Bibliſche Policey zukommen / finde ich daß bey dem Judi - ſchen Volck GOttes / gebraͤuchlich geweſen / wann eine Dirne einem Mann fuͤr Jungfraw zugefuͤhret / daß deren Eltern vnd nechſte Freunde / ein leinen Kleyd jhr vntergeleget / vnnd deß Morgens daſelbe mit einem gewiſſen Merckmahl auffgeho - ben gezeiget / daſſelbe auch wol verwahret / vnd wann dieſelbe etwa von jhrem Mann / daß ſie keine Jungfrawe geweſen beſchuldiget worden / zum Bewelßthumb ſolches Tuch fuͤr den Aeltiſten der Stadt außgebreitet vnd geſaget: Hie iſt die Jungfraw - ſchafft meiner Tochter / im 5. Buch Moſ. Cap. 22. v. 13. worauff der Mann geſtraffet vnd das Weib von aller Aufflage frey erkant worden.

Auſſer dem Volck GOttes vnd der Judiſchen Policey / die nach transla - tion vnd Verwendung deß Scepters Juda / auffgehoͤret / iſt auff dieſe Probe dar - von man dieſer Zeit auch kein Geſetz oder Gewißheit hat kein Fundament zuſetzen. Von GOTT muß man ein keuſches Hertz vnd vnbefleckten Leiberbitten / geſchie - het das nicht / ſo iſt es ſehr mißlich / vnd kan der allerklugeſte vnd ſpitzfindigſte damit betrogen werden. Wie dann auch auff der Hebammen vnnd anderer Weiber Vrtheil vnnd Kundtſchafft dieſes Falls auch kein beſtendig Fundament zuſtellen / wie auß denen hierbey geſetzten Notis vortrefflicher gelaͤhrter Leuthe zuſehen. (Nulla certa ſunt deflorationis ſigna: Virginitas Naturâ tegitur, & arte occulta - tur, inquit Medicus inſignis Capivacci. Cap. 4. prax. Medicin. An ſit virgo, eſt in difficili & penè impoſſibili, nec hujus rei legitur unquam delatum obſtetricibus ar - bitrium ſcribit Cuiaci. 17. obſerv. 27. cum manus obſtetricum & oculos ſæpiſſime falli moneat Cyprian. ad Pomponi. de virginib. ſcribens. vid etiam Henric. Korn - manni ex Kircheina integr. Ttactat. de virginitat. & præſertim Cap. 30. ubi ita ſcribit: verum Ambroſius Paræus, Regius ille Chirurgus tanquam Fabulam & fig -ementum34Das dritte Buch /mentum quicquid veteres de Hymene cantarunt reiicit, cum ipſe in tot virginum & puellarum anatomiis, nullum invenerit ſignum. Sanguiniſque profuſionem in primo concubitu, ex anguſtia & fractione tenuium venarũ oriri, cum in adultis vir - ginibus, nullus dolor, neque ſanguinis effuſio in primo concubitu advertatur. Sed & ſummi Medici & Philoſophi, etiam quidam Jurisconſulti prodidêre nullum eſſe Hymen. ut Cujacius & diligentiſſimè omnium ſententiis expoſitis Alber. Gentil. lib. 7. de Nupt. ſcribit.

AXIOMA XVII. Nicht zu jung / vnd nicht zu alt / gibt die beſte Heurathen.

ES iſt in der H. Schrifft / keine gewiſſe Zeit / wann man zu Heurathen bequehm / vorgeſchrieben / noch deßwegen ein Gebott gegeben. Die Exempel aber ſeynd vngleich. Die Dina deß Ertzvatters Jacobs Tochter / hatte kaum jhr zwoͤlfftes Jahr / wie es die Chronologi vnd D. Lutherus / in ſeinem Commentario vber das 34. Cap. deß erſten Buchs Moſts / außrechnet / erꝛeichet / wie ſie von Sichem / dem Sohn Hemor / geſchaͤndet / zur Ehe begehret / vnd verſprochen worden. Von Sa - lomon wird berichtet / daß er im 10. oder 11. Jahr ſeines Alters / ſeinen Sohn Ro - boam / imgleichen Achas Ezechiam / (ex Hieronym. in epiſt. ad Vital. Præsbyt.) Item Phareß Judæ Sohn / im 9. Jahr ſeines Alters / den Eßron gezeuget / wie ſolches auß Computation der Jahren / daß nemblich Judas in Zeit 44. Jahren / von ſeiner Schnur der Thamar 2. Enckeln vnd von dem andern 2. pronepotes oder Enckels Soͤhne / gezeuget. Arniſæ. de jur. Connub. Ca. 2. n. 8. 9. Kornman. de virgin. Cap. 6. Tiraquell. de Legib. Connubil. leg. 6. n. 37. da er auch auß dem Alberico, Roſate, anziehet / daß ein Maͤgdlein von neun Jahren / ein Kind zur Welt geboh - ren / imgleichen auß dem Gregorio, daß ein Knabe von neun Jahren / ſeine Seug - Amme beſchlaffen. Es gedencket Bußbequius / daß bey den Colchis, die Maͤgd - lein ſich gar zeitig verheurathen vnd habe er viel Muͤtter von zehen Jahren geſehen. Paucas ſchreibet er / invenire eſt adultas, quæ ſint virgines. Oſten duntur pleræque matres anno ætatis decimo, quod cum mirere neque propter corporis parvitatem credas, juſſæ infantem proferunt, grandi rana haut multò majorem, cum alioquin gens procera, & formâ membrorum egregiâ ſit, in epiſt. 3. Rer. Turc. Die Roͤmiſche Keyſerliche Rechte / halten ein Maͤgdlein vor Mannbar vnd zum Heurathen be - quehm / wann es zwoͤlff Jahr / einen Juͤngling aber / wann er 14. Jahr alt iſt / worbey die Roͤmiſche Geſetzgeber / mehr darauff geſehen / was etwan der Natur lauff nachſeyn /35Von dem Hauß-vnd Eheſtande. ſeyn / als was mit Nutzen der Freyenden geſchehen koͤnte. Sintemahl auß der Erfahrung bekandt / daß die ſo nurent 12. oder 14. Jahr alt / noch ſehr Kindiſch / vnd ſo wenig zur Haußhaltung / als zur Kinderzucht geſchicket / ſo iſt auch / ein vberauß groſſer Vnterſchied vnter den Perſonen Weiblichen vnd Maͤnnlichen Geſchlech - tes: Etliche ſeynd im zwoͤlfften vnd 14. Jahr jhres Alters viel ſtaͤrcker / verſchla - gener vnd capabler, als andere die viel mehr Jahr haben / daß man alſo hierbey nicht allezeit bloß auff die Jahre / ſondern zugleich vnnd vornemblich mit auff die Leibes conſtitution, Staͤrcke / auch Vernunfft vnnd Verſtandt zuſehen / ſonderlich aber bey den Maͤgdleins / ob ſie von Leibes Kraͤfften vnnd Gliedern alſo diſponiret / daß ſie die Schmertzen die GOtt den Schwangern vnd Gebehrenden nach dem Suͤn - denfall aufferleget / außſtehen koͤnnen / damit nicht bald nach der Hochzeit / das Hertzeleyd / beyds den Eltern vnd Freyenden zu Hauſe komme. Es haben die Griechen / jhre vnd andere Philoſophi / in Setzung der Jahre ſehr variiret / vnd ver - ſchiedene Jahrszeiten geſetzet.

Meiner Einfalt nach halte ich darfuͤr / daß hierin der Eltern vnd Freunde Rath / nach Befindung der Perſonen / billich in acht zu haben / vnnd gefellet mir Herꝛn D. Lutheri Meynung vber angeregtem 34. Cap. deß 1. Buchs Moſ. nicht vbel / daß ins gemein ein Maͤgdlein von 17. oder 18. Jahren / zum Heurathen be - quehm. Jedoch da auß gewiſſen erheblichen Vrſachen / es die Eltern vnd Freunde ehe rathſam ermeſſen / vnd ſonſten den Freyenden vortraͤglich / hat man auch auff dieſe determination nicht zuſehen.

Es hat Nicephorus, vnd auß dem ſelben D. Chriſtophorus Helvicus, in ſei - ner Chronologia verzeichnet / daß die hochgebenedeyt Jungfraw Maria / die Mut - ter deß HErꝛen im 25. Jahr der Regierung Keyſers Auguſti / oder im 3933. Jahr von anbegin der Welt gebohren aber in dem 41. Jahr ſelbiger Regierung / vnd alſo im 17. Jahr jhres Alters / den HErꝛn Chriſtum zur Welt gebracht / vorhin aber / vor jhrer wunderbarlichen Vberſchattung / deß H. Geiſtes vnd Empfaͤngnuß / ſchon dem Joſeph / da ſie etwan 16. Jahr erꝛeichet / vertrawet geweſen / worauß ſo viel ab - zunehmen / daß dero Zeit / ein Maͤgdlein von 16. Jahren bequehm gehalten / an ei - nen Mann zu verloben / auch der H. Geiſt dieſe Jahr zu Empfaͤngnuß vnd der Ge - burt deß Sohns GOttes genug geachtet.

Hierbey iſt auch dieſes nicht auß der Acht zu laſſen daß alle Geſetzgeber / vnd die davon geſchrieben / mehr Jahr an einem Jüngling / als einer Jungfrawen er - fordern / in Anſehung / das Weibliche Geſchlecht / von Natur ehe auffwaͤchſt / ver - ſchlagener vnnd zum Heurathen bequehmer / vnnd hinwider wegen der Jahre / viel ehe wider vnbequehm zu gebehren wird / vnnd ſelten nach dem 45. vnd 50. Jahre gebehret / da hingegen viel Maͤnner / nach dem 60. biß in das 70. Jahr auch bey vn - ſern Zeiten Kinder zeugen.

Der Ertzvatter Abraham / iſt zehen Jahr aͤlter geweſen als ſeine Sara / wiee ijer ſie36Das dritte Buch /er ſie geheurathet im 1. Buch Moſ. Cap. 17. v. 17. Nach Sarai toͤdtlichem Hintrit / hat der alte Abraham / der 140. Jahr auff dem Ruͤcken gehabt / mit der Kethura noch ſechs Kinder gezeuget / in ſelbigem 1. Buch Moſ. Cap. 25. da doch Sara wie ſie neun - tzig Jahr alt / bekandt / daß es jhr nicht mehr ginge nach der Weiber weiſe / vnnd ſie dahero zum Kinder zeugen nicht mehr tauglich waͤre / Cap. 18. v. 11. Jſaac hat im 40. Jahr ſeines Alters / ſeine Rebeccam / ſich beylegen laſſen / im 1. Buch Moſ. Cap. 25. v. 20. Wie alt aber Rebecca geweſen / findet ſich nicht / iſt aber wol glaublich / daß ſie juͤnger geweſen / als Jſaac. Eſau hat auch im viertzigſten Jahr erſt gefreyet / Cap. 27. Noch aͤlter iſt geweſen der Ertzvatter Jacob / weil er viel Jahr nach Eſau / der mit jhm gleichbuͤrtig war / zur Ehe geſchritten Cap. 28. Ein ſolches Alter aber kan vns in dieſen Zeiten keine Regul geben / darnach wir vns eben zu richten / noch zum Exempel angezogen werden / ſintemal bekandt / daß zu der Ertzvaͤtter Zeiten / vnd nachgehents / die Conſtitution der Leuthe / viel ſtaͤrcker / lebendiger vnnd tawer - haffter geweſen / wie Caleb von ſich zeuget / ſagende: Jch bin heut 85. Jahr alt / vnd bin noch heutiges Tages ſo ſtarck / als ich war deß Tages da mich Moſe außſandte / wie meine Krafft war dazumahl / alſo iſt ſie auch jetzt zuſtreitten / vnd auß vnd ein zugehen / im Buch Joſua Cap. 14. v. 11. Es advertiret D Lutherus in ſeinem Commentar. in Genes. vber das 12. Cap. daß dero Zeit / neben deß Leibes kraͤfften / auch die Schoͤnheit der Menſchen laͤnger gewehret / geſtalt dann die Sara / da ſie ſchon vber 70. Jahr hinter ſich geleget / dannoch in ſolchem / dieſer Zeit hoͤchſtem Alter / ſo ſchoͤn von Geſtalt geweſen.

Daß ſich der Koͤnig Abimelech an jhr verliebet / vnnd ſich dieſelbe vermaͤhlen wollen / in gemeltem 12. Cap. (Sireſpiciamus noſtrum ſeculum, profecto quadra - ginta annis impletis, paulatim vigor animi & vires corporis deficiunt. Adeo pro - pter peccatum de generavit natura D. Luther. in Genes. ad d. Cap. 12. Es hat ſich auch der Menſchen Leben domahls viel laͤnger vnnd weit vber hundert Jahren er - ſtraͤcket / da mans jetzo ſelten an das 60. oder 70. vnd mehr Jahr bringet / vnd wann die 40. Jahr voruͤber / hat einer / wie man zuſagen pfleget / ſeine beſte Spruͤnge ſchon gethan / vnd nehmen allgemach alle Kraͤffte bey einem ab / derowegen einer der jetzi - gen Zeit ſich zuverheurathen vorhabens / nicht weißlich thun wůrde / wann ers auff die 40. Jahr ankommen lieſe / vnnd ein jung Maͤgdlein ehelichen wolte.

Der weiſe Koͤnig Salomon erinnert / daß man ſich frewen ſol deß Weibes ſeiner Jugent / in den Sprichwoͤrt. Cap. 5. v. 18. Nun hat aber vnſer Jugent wann es an die viertzig Jahr kompt ein Ende / vnd trit allgemach das kalte vnfreundliche Alter herbey / welches zu freundlicher / ehelicher Beywohnung nicht ſo bequehm als die frewdige leuthſelige Jugent.

(Militat in teneris annis, Amor hoſpes amœnus. Aſt in canitie ridiculoſa Venus. Et Virgil. lib. 3. Georg. Frigidus in venerem ſenior, fruſtraque Iaborem,ingratum37Von dem Hauß-vnd Eheſtande. ingratum trahit: & ſi quando ad prælia ventum eſt. Ut quondam in ſtipulis, magnus ſine viribus ignis, In caſſum furit.)

Solches bezeuget die betagte Sara genugſam / dann als ſie hoͤrete / daß ſie in jhrem Alter noch einen Sohn gebehren ſolte / hat ſie nicht allein daruͤber ge - lachet / ſondern dieſe motiva darbey angezogen: Nun ich alt bin ſol ich Wolluſt pfle - gen vnd mein Herꝛ auch alt iſt / Gen. C. 18. v. 12. hat damit ſo viel zu erkennen gegebẽ / daß der Alten thun nit mehr ſey eheliche Wolluſt zupflegen / vnd Kinder zu zeugen.

Dem alten Prieſter Zacharias kam es auch etwas befrembt vor wie jhme der Engel ankuͤndete daß ſeine alte Eliſabeth jhme noch einen Sohn gebaͤhren vnd zur Welt bringen ſolte / movirte alſobald dem Engel dieß Dubium: worbey ſol ich das erkennen? Denn ich bin alt vnd mein Weib iſt betaget / Luc. Cap. 1. v. 18. Dieſes hat auch erwogen jene gute Frawe / welche nachfolgende / denckwuͤrdige wie wol ſchlecht geſetzete Reime forn in jhr Betbuch geſchrieben:

David vnd Salomon /
Das waren GOttes Maͤnner.
Sie hatten die Weiber lieb
Vnd ziehleten viel Kinder
Da ſie aber kamen ins Alter
Da machten ſie Pſalter
Als ſie nicht mehr künten
Hielten ſie es vor Suͤnde
Darumb iſt mein getrewer Rath
Es liebe ein jeder weil ers im vermoͤgen hat /
Dann es jhm hernacher wol vergeht
Wann jhm der Handel nicht mehr anſteht.

Ein gar mißliche vnd gefaͤhrliche reſolution iſt es / wann ein alter Greiſer ein gar junges Maͤgdlein / im Ehebett haben wil / dann zwiſchen ſolchen iſt keine pro - portion der Jahre vnnd deß Leibes kraͤffte / vnd kan ſchwerlich ſeine Schüldigkeit vnnd eheliche Pflicht / darzu er gehalten / ablegen / auch da er ſich vber vermoͤgen an - greiffen wil debilitiret er ſeine vorhin vom Alter erſchoͤpffete Kraͤffte vnd Glieder. (Puella ducta à ſene, poteſt tutò feretrum deferre ſecum, pro tumulando marito, ex Bernhardin. refert Nevizan. in ſylv. Nupt. Cap. An ſeni Nubendum) dardurch das annoch vbrige humidum radicale ſampt dem nativo calore geſchwechet vnnd er taͤglich zur Todtenbahr præpariret vnd bequehm gemachet wird. (Senes dum ju - venculas ducunt, in vivum ſepulchrum properare, & equam quærere, quâ vehantur ad cœlos, ut vulgo dicitur. Arnis. de Conjug. C. 2. v. 16.) Koͤnig Heinrich der vierdte in Franckreich / hat eins mahls wie er geſehen / daß ein Alter mit einem gar jungen Maͤgdlein Hochzeit gehalten darzu geſaget; Dieſe wuͤrde dem Alten eine gute be -e iijquehme38Das dritte Buch /quehme Saͤnffte geben / damit er allgemach ſanfft gen Himmel reiſen koͤnte / ande - rer Vngelegenheit wann die gute Alten nicht mehr ſolvendo ſeyn / vnd andere Ex - promiſſores ſich inſinuiren / welche fuͤr ſie zahlen vnd daneben zu cornuten machen wollen / zugeſchweigen / (Aut aliis ducis, ſterili vel conſeris agro, conjuge nec frue - ris, nec frueris ſobole.) Darbey zum Beſchluß ſich deß guten Mattheſij / in ſeiner wolgefaſſeten Haußhaltung / befindliche Reime nicht vbel ſchicken. Die alſo lauten:

Ein harte Nuß / ein ſtumpffer Zahn /
Ein junges Weib / ein alter Mann /
Zuſammen ſich nicht reimen wol
Seines gleichen ein jeder nehmen ſol
Eines alten Buhlers jederman
Spott / wil an jhm ein Narꝛen han.

(Turpe ſenex miles, turpeſenilis amor. Ovid. Et ſenectus tantum eſt apta Nuptiis, quantum bruma meſſibus NeviZan. in ſylv. d. loc.)

Keyſer Carolus deß 5. natuͤrliche Tochter Margaritha / welche hernacher gu - bernantin in der Niederlanden worden / iſt anfangs wie ſie gar jung geweſen / an ei - nen Groß Hertzog von Florentz ſo ziemblich bey Jahren / vnd bald ableibig worden / vermaͤhlet / hernacher wie ſie zu jhren manbahren Jahren kommen hat jhr Herꝛ Vatter jhr Hertzog Octavium von Parma einen jungen Herꝛen von 13. Jahren bey - gelegt / daruͤber ſie nachgehents ſelber zu ſchertzen vnd zuſagen pflegen: Jhre Heu - rathen hetten jhr nicht wol paſſen vnd fugen wollen. Dann wie ſie ein Fraͤwlein von 12. Jahren geweſen / hette ſie einen beſtandenen Herꝛen nehmen muͤſſen / wie ſie aber nach deſſen abſterben jhre rechte Jahr erꝛeichet / hette man ſie einem jungen Herꝛlein von 13. Jahren beygeleget wie ſolches Famian. de Strada de Bell. Belgic. lib. 1. p. 46. beſchreibet / worbey dann dieſes zumercken daß zwiſchen Potentaten / Koͤniglichen / Fuͤrſtlichen vnd andern groſſen Herꝛen gar offt vnnd faſt ins gemein / nicht eben auß Liebe vnd bruͤnſtiger Affection vnd Neygung gegen die Perſon / ſon - dern vielmehr auß Vrſach jhres Staats / vnnd wie derſelbe dardurch zuergroͤſſern / zuvermehren vnnd zuverſichern / es ſeye da Liebe oder inclination deß einen zu dem andern oder nicht / geſchloſſen vnnd verabredet werden / wie wol angezogener Strada in gedachtem erſten Buch p. 25. gedencket: Quod ejusmodi firmamenta amicitiæ, videlicet inter Principes, manſura, quam diu annuerit dominandi Libido, cui tena - cius nubent Reges, das iſt daß dieſe Freund ſchafft auch ſo lange wehret / ſo lange es die Status Ratio oder Begierde zu herꝛſchen geſtattet. Wornach die groſſen Herꝛn mehr als nach den Perſonen buhlen vnnd freyen. Vnnd weiſſaget der Prophet Daniel von den Potentaten der vierdten vnnd letzten Monarchi / daß ſie wol nach Menſchen Gebluͤt / das iſt durch Heurathen vnd Schwaͤgerſchafft / vnter einander mengen / in Meynung jhr Reich dardurch zuſtaͤrcken / aber ſie werden doch nicht aneinander39Von dem Hauß-vnd Eheſtande. einander halten / das iſt es wird mit ſolcher Buͤndnuß vnnd Freundſchafft kein Be - ſtand haben wie es die Jeniſche Paraphraſis außleget / Daniel. Cap. 2. v. 43. Es erzehlet auch Johannes Barclajus in ſeiner Argenide lib. 3. daß ein Koͤnigl. Fran - tzoͤſiche Princeſſin / wie mir jhr von Heurath Sachen geredet / ſich alſo herauß ge - laſſen: Das Gluͤck waͤre nurent gemeiner vnd privat Leuthe / daß ſie auß Liebe vnd ehelicher Zuneigung freyeten vnd ſich vermaͤhleten / ſie vnnd jhres Standes Fraͤw - lein vnd Dames / muͤſten ſich ſolcher Gluͤckſeligkeit vnd Leu[t]hſeligkeit entſchlagen. Dann vnter Koͤniglichen / Fuͤrſtl. vnnd andern hohen Standes Perſonen / wuͤrden offt die zuſammengefuͤhret / die ſich feind vnnd ſonſten vnannehmlich / gebrechlich vnd vngeſchickt waͤren / vnnd muſte offters der Liebſte ſeyn / welcher der maͤchtigſte / vnnd zu Vermehrung deß Gewalts vnnd Macht am bequehmſten vnnd gelegener waͤre.

Ja es pflegeten zu weilen Koͤnige jhre Toͤchter oder Schweſtern / an die zu - bringen / welche ſie vnterm ſchein der Freund - vnnd Schwaͤgerſchafft gedaͤchten beſſer zu hintergehen vnd vmb Lande vnd Leuthe zubringē / deſſen wir dann ein merck - liches Exempel in der Schrifft habẽ / an dem Ptolomeo welcher darumb dem Koͤnig Alexandro ſeine Tochter Cleopotram zufreyte / daß er ſein Koͤnigreich an ſich riſſe / welches er auch dardurch erhalten / im 1. Buch der Macchab. Cap. 11. vnnd vnten Axiom. 23. mit mehrerm eingefuͤhret.

AXIOMA. XVIII. Die Prieſterliche Copulation, Benediction vnnd Einſe - gung Braut vnnd Bräutigams iſt eine feine Chriſtliche Ce - remonia vnnd kan nunmehr allgemeinen Kirchen Gebrauch nach ohne verweiß vnd Ergernuß nicht wol vor dem ehelichen Beylager vnterlaſſen werden / gehoͤret aber doch nicht zu der Subſtantz vnnd Weſen der Ehe.

DIeſes iſt zwar auß GOttes Wort offenbahr vnd bekandt / daß GOtt als Stiffter der Ehe vnſere erſte Eltern Adam vnnd Eva ſelber zuſammen gefuͤhret / copuliret vnnd den Goͤttlichen Seegen / creſcite & multiplic a - mini, wachſet vnd mehret euch vber dieſelbe geſprochen. Genes. Ca. 1. & 2. Daß40Das dritte Buch /Daß aber deßwegen einig Geſetz vnnd Gebott in den Bůchern altes vnnd newes Teſtaments vorhanden ſeyn ſolte / findet ſich nicht / dahero es auch fuͤr kein Subſtan - tial oder weſentlich Stuͤcke der Ehe zu halten / noch auß deſſen Vnterlaſſung Man - nes vnd Weibes eheliche Verpflicht - vnd Beywohnung fuͤr vnehelich zu achten. Welcher geſtalt die Matrimonia vnnd Ehen fuͤr der Suͤndfluth contrahiret vnnd geſtifftet findet man keine fernere Nachrichtung / als daß die Maͤnner Weiber ge - nommen vnd dieſelbe erkandt / Soͤhne vnd Toͤchter gezeuget / Genes. Cap. 4. & 5. Nach der Suͤndfluth biß auff die Levitiſche Geſetze findet man auch nicht anders / vnd ſaget die Schrifft von Abraham vnnd ſeinem Bruder Nahor daß ſie Weiber genommen / Genes. Cap. 11. v. 29. Als dem Jſaac ſeine Rebecca auß Meſopotamia zugefuͤhret / meldet die Hiſtoria / daß er ſie in die Huͤtten ſeiner verſtorbenen Mutter Sara gefuͤhret / ſie zum Weibe genommen vnd lieb gewonnen / Genes. Ca. 24. v. 67. Jacob begehrte an Laban daß er jhm ſeine vertrawte Rahel beylegete worauff er ein Hochzeitsmahl angeſtellet / aber die Lea jhme ins Ehebett gebracht / Genes. Cap. 29. Jn den Levitiſchen Geſetzen findet ſich deßwegen nichts / auch nichts im newen Te - ſtament oder der erſten Apoſtoliſchen Kirche / es bezeugen aber die Hiſtorici daß der Pabſt oder der 12. Roͤmiſche Biſchoff Soter welcher im Jahr Chriſti 173. dem Aniceto ſuccediret dieſe Verordnung gemachet daß die ehelich Verlobte vnd Ver - ſprochene bey Chriſtlicher Verſamblũg durch deß Prieſters Hand copulirt, zuſam - men gegeben vnd eingeſegnet / wie ſolches auß dem Volat. Johan. Carion. in ſeiner Chro. lib. 3. bezeuget. Weil dann durch dieſer Roͤmiſchen Biſchoff guter Wolmey - nung / zu beſſerer Ordnung dieſe Solennitaͤt der Copulation erſt eingefuͤhret / alſo iſt ſie auch heylſamblich vnd wol in der Chriſtenheit biß auff dieſe Zeit behalten / wie - wol dieſelbe kein weſentlich Stuͤcke noch de eſſentia der Ehe iſt / dann ſonſten folgen wolte daß alle Ehen ſo fuͤr dieſes Pabſts Conſtitution geſtifftet vnnd vollzogen in den weſentlichen Stuͤcken defectuos vnd mangelhafft geweſen: Es wird auch der Eheſtand ad jus Gentium oder zu der vernuͤnfftigen Voͤlcker Recht referiret vnnd demſelben zugeſchrieben / geſtalt dann bey den vernuͤnfftigen Heyden ein wahrer vollkommener Eheſtand geweſen / vnnd das Ehebette bey jhnen nicht weniger als bey Chriſten bey Vermeydung ſchwerer Straffen rein vnd vnbe - fleckt gehalten werden muͤſſen / vnd die darauß gezeugte Kinder biß auff dieſe Stunde fuͤr ehelich æſtimirt gehalten worden vnd noch werden.

AXIO -41Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XVIII. Der Mann muß das Haupt vnd Herꝛ im Hauſe ſeyn / wanns wol zugehen ſoll.

DEmnach die ſchoͤne / aber auffgeblaſene ſtoltze Vaſthi / jhren Koͤnig / Herꝛen vnd Gemahl auß Vppigkeit vnd Hochmuth verachtete vnd auff beſchehenes erfordern / dem Koͤnig vnd ſeinen eingeladenen Gaͤſten zu ehren vnd Reſpect nicht erſcheinen wolte ſondern denſelben verſchmaͤhere vnnd veraͤchtlich hielte / kam dem Koͤnig ſolche Beſchimpffung ſo ſchwer vor / daß er deßwegen ſeinen Fuͤrſten / Ge - heimbden vnd vornehmſten Raͤthen zu Rath anſagen vnd jhnen dieſe Frage in ple - no zu berathſchlagen proponiren vnnd fürtragen ließ / was man wider die ſtoltze Koͤnigin Vaſthi ſtatuiren vnnd vornehmen ſolte / worauff Memuchan einer auß den vornehmbſten Raͤthen dahin votiret, daß die Koͤnigin Vaſthi nicht allein an dem Koͤnig vbel gethan / ſondern auch an allen Fuͤrſten / vnd an allen Voͤlckern in allen Landen deß Koͤnigs / es waͤre der Conſequentz vnnd nachfolge halber Respeſſi - mi exempli vnnd hochaͤrgerlich / weil ſolche That der Koͤnigin wuͤrde außkommen zu allen Weibern / daß ſie jhre Maͤnner verachten fuͤr jhren Augen. Es wuͤrden die Fuͤrſtinnen in Perſen vnd Meden auch ſo ſagen zu allen Fuͤrſten deß Koͤnigs / vnd wird ſich Verachtens vnnd Zorns genug erheben / derowegen billich die Vaſtht zuverſtoſſen vnnd ein allgemein Koͤniglich Edict vnnd Gebott zu publiciren / daß alle Weiber jhre Maͤnner in Ehren halten / beyde vnter Groſſen vnd vnter Kleinen welches von den Fuͤrſten vnd andern Raͤthen auch beliebet / von dem Koͤnig genehm halten / der darauff in alle Lande Brieffe außgehen vnd dieß Geſetz geben laſſen: Daß ein jeglicher Mann der Oberherꝛ in ſeinem Hauſe ſeye / im Buch Eſther C. 1. Dahin informiret vnnd weiſet auch S. Paulus ſeine Corinther in der 1. Epiſtel Capittel 7. wie oben Axiomate 1. mit mehrerm außgefuͤhret. Der weiſe Mann Syrach warnet alle Maͤnner vnd giebet jhnen dieſe Lehr: Laß deinem Weibe nicht Gewalt vber dich / daß ſie nicht dein Herꝛ werde / Cap. 9. v. 2. (In jure aliquando uxor Domina appellatur in l. Titia §. Qui Marco, ff. de ann. Legat. l. 1. Rer. amot. fac. text. in l. 1. §. ſi vir ff. de Sc. Vellei. Sed iſte Dominatus non debet extendi ultra colum, penſum & fuſum, ut eleganter notat Andr. Geil. 2. obſ. 144. n. 3.) Es iſt ſo wol den Weibern ſelbſt als den Maͤnnern verkleinerlich / wann wider Got - tes Ordnung / die Natur vnd aller vernuͤnfftigen Voͤlcker Sitten die Weiber den Huth auff ſetzen vnd jhre Maͤnner vntuͤchtig machen wollen / vid. Bodin. de Repub. lib. 1. Cap. 3.

fAXIO -42Das dritte Buch /

AXIOMA XIX. Ein vernuͤnfftig Weib / kan wol zu Verhuͤtung Vnglimpffs vnnd Schaden jhres Mannes vnwiſſent / dem - ſelben vorkommen.

DIe Abigail wird in der Schrifft beruͤhmet / daß ſie ſeye ein Weib geweſen gu - ter Vernunfft vnd ſchoͤn von Angeſicht / jhr Eheman aber Nabal von Caleb / war hart vnnd Boßhafftig / vnnd wie man jetzo redet ein grober Toͤlpel / ein Geitz - Halß.

Als nun dieſer eins mahls ein Schaffſcheren vnnd Mahl angeſtellet / ſchickte David / wie er in ſeinem Exilio vmbherzoge hin vnnd ließ jhn vmb etwas proviand was ſeine Hand finden wuͤrde vor ſich vnd ſeine Knechte anſprechen / welches dieſer grobe Socius der die Naſe auch mit Wein begoſſen mit vnhoͤfflichen vnd ehrenruͤh - rigen Worten abgeſchlagen vnd Davids ſeine Leuthe hoͤhniſch gehalten / daruͤber David ſich ſehr commoviret vnd entruͤſtet / ſeiner Knechte vierhundert armiret vnd geſchwohren den Nabal vnnd ſein Hauß mit der Scherffe deß Schwerdes ſolcher Schmach halber heimbzuſuchen daß auch nicht vber bleiben ſolte der an die Wand piſſete / demnach aber Abigail als eine verſtaͤndige vnd diſcrete Dame / von ſolcher vnbeſcheydenen Abfertigung Davids abgeordneten Pahrt bekommen / vnnd ſich Vngluͤcks beſorget / iſt ſie mit jhrem vnverſtaͤndigen boßhafften Munn nicht viel zu Rathe gangen was zu thun / ſondern hat / weil der Verzug nicht ohne Gefahr war / vor ſich eine Reſolution ergrieffen / zweyhundert Brod / zwey Laͤgel Weins / fuͤnff gekochte Schaffe / fuͤnff Scheffel Mehl vnd hundert ſtuͤcke Roſin vnd zweyhundert ſtuͤcke Feygen zuſammen gebracht / vnnd iſt damit dem entrůſteten vnd offendirten David / davon gleichwol wie die Hiſtoria meldet ſie jhrem Mann nichtes geſaget / entgegen gezogen / vnnd wie ſie ſeiner gewahr worden / eylend von jhrem Eſel abge - ſtiegen / dem David einen Fußfall gethan vmb Audientz angeſuchet vnd gebetten er moͤchte ſein Hertz nicht ſetzen wider dieſen Nabal jhren heylloſen Mann / dann er waͤre ein Narꝛe wie ſein Name heiſſe / ſie aber haͤtte ſeine Juͤngling nicht geſehen oder geſprochen / vnnd alſo durch jhre vernuͤnfftige Rede vnnd Bezeygung das vor geweſene groſſe Vngluͤck nicht allein vber jhren Mann ſondern das gantze Hauß kluͤglich avertiret vnd abgewand wie zu leſen / 1. Samuel. Cap. 25. v. 18. & ſeqq. vnd hat hierin Abigail nichtes wider den Reſpect gethan / ſie dem Nabal als jhrem Haupt vnd Eheherꝛn wann er verſtaͤndig geweſen / zu leyſten ſchuldig / weil er aberein Narꝛ43Von dem Hauß-vnd Eheſtande. ein Narꝛ vnd heylloſer grober Eſel geweſen / der durch ſeine Vnbeſcheydenheit nicht allein ſich / ſondern auch ſein Tugentſam Weib vnd gantzes Hauß in die euſ - ſerſte Gefahr ſtuͤrtzen wollen / hat er ſich ſeines Reſpects vnfaͤhig gemachet vnnd iſt deſſen nicht werth geweſen. Es muß gar offt ein Tugentſam Weib vnd ver - ſtaͤndige Abigail / die an einen vnverſtaͤndigen vnwiſſenden Mann gerathen viel Dinges / was derſelbe vnrecht gemacht / durch jhren Verſtand vnnd Sanfftmuth redreſſiren vnd wider zu recht bringen.

AXIOMA XX. Eheleuthe moͤgen wol ohne Verweiß mit einander ſchertzen.

ALs Jſaac mit ſeiner ſchoͤnen Rebecca im Lande Gerar wohnete war er auß Menſchlicher Schwachheit auch ſorgfaltig es moͤchten die Einwohner deß Landes ſich an jhr verlieben vnd jhme deßwegen nach dem Leben ſtehen / weil ſie ſchoͤn von Angeſicht war / nahm ſich derowegen an / ob waͤre ſie ſeine Schweſter / vnnd bekahm der Koͤnig Abimelech ſelber zu dieſer Schweſter einen ſolchen appetit, daß er gedachte vnnd reſolvirt ward Jſaacs Schwager zu werden / vnnd die Schweſter zu heurathen / immittels ſahe Abimelech der Philiſter Koͤnig durchs Fenſter / vnnd ward gewar / daß Jſaac ſchertzet mit ſeinem Weibe Rebecca.

Genes. Cap. 26. v. 8. Es iſt aber dieſer Schertz ein ſolcher Schertz geweſen / der nurent Eheleuthen zuſtehet darauß Abimelech ſo bald gemercket daß Rebecca nicht Jſaacs Schweſter / ſondern ſeine Ehefrawe geweſen / ſintemahl Abimelech ſo bald darauff den Jſaac erfordert / jhn zu Rede geſtellet / vnnd jhme verwieſen wie er darzu kommen / daß er ſeine Hertzliebſte ſchoͤne Rebeccam vor ſeine Schweſter auß gebe / da er doch ſo viel durchs Fenſter geſehen / daß ſie nicht auff die Weiſe / vnd Manier wie es Schweſtern vnd Bruͤdern zuſtuͤnde / ſondern als Eheleuthe mit ein - ander geſchertzet / d. c. 26. v. 9. & ſeqq. was es aber vor ein Schertz geweſen ſolches meldet die Schrifft nicht; Zum wenigſten muß Jſaac mit der Rebecca Schurtz - Tuch geſpiehlet / oder dergleichen Schertz getrieben haben / welches ſonſten niemand als Eheleuthen zuſtehet vnd verantwortlich iſt / vnnd iſt hierbey etwas ſonderlichs daß in obgemelten Worten / vnnd Jſaac ſchertzet / ꝛc. ein rechter Vers, Hexameter genant ſtecket vnd alſo ſcandiret werden kan / dergleichen wol in der gantzen Bibel nicht zufinden.

f ijEs44Das dritte Buch /

Es ſeynd viel Leuthe / Maͤnnlichen vnd Weiblichen Geſchlechtes ſonderlich in den groſſen Staͤdten / welche gar von keinem hoͤfflichen Schertz hoͤren oder wiſ - ſen wollen / ſondern ſitzen wie die Holtzboͤcke / wollen jhre Gravitaͤt ſehen laſſen / wie der Toͤlpiſche reiche Nabal / lachen nicht einmahl / es gehe dann ein Dorff vnter / von einem ſolchen Sawertopff hat ein Weib wenig Frewde / vnnd ein Mann wenig Troſt. Jſaac vnd Rebecca haben freundlich mit einander geſchertzet vnd damit jhr Hauß-Creutz / das ſie in frembden Landen gehabt erleichtert. Syrach ſaget:

Ein freundlich Weib / erfrewet jhren Mann / vnnd wenn ſie vernuͤnfftig mit ihmevmbgehet / erfriſchet ſie jhme ſein Hertz / Cap. 26. v. 17. Es iſt nicht zu zweiffeln wann vnſere erſte Eltern in jhrer anerſchaffenen Heyligkeit vnnd Gerechtigkeit deß Ebenbildes GOttes geblieben vnd nicht ſo ſchwer gefallen waͤren / daß auch die eheliche Pflichte vnnd Beywohnung / ohne alle Beſchaͤmung vnnd Ergernuß / wie droben Axiom. 1. gemeldet / nicht weniger als andere natuͤrliche Actiones vnnd Handlung / eſſen / trincken / ruhen vnnd dergleichen ohne Schew vnnd Scham vor - gehen vnd geſchehen koͤnnen / (Nullus (ante lapſum) erat in corpore motus, cui verecundia deberetur: nihil putabat homo velandum, quia nihil ſentiebat refrenan - dum, Ex Auguſtin. 11. de Gen. ad. lit. c. 1. refert D. Gerhard. in Aphoriſm. Cap. 8. Aphoriſm. 21.) davon D. Luth. in Comment. ad Genes. Cap. 2. ſchreibet / welches dann mit dem Text. Genes. Cap. 2. v. fin. gar wol zu behaupten / daſelbſten gedacht / daß Adam vnd Eva nach beſchehener Trawung vnd Heimbfuͤhrung beyde nacket geweſen / der Menſch vnd ſein Weib / vnnd ſich nicht geſchaͤmet / iſt alſo die Scham - hafftigkeit vnd Bedeckung der Geburts-Glieder / erſt nach dem Fall entſtanden / wie zuleſen im folgenden dritten Capittel v. 7. da ſie erſt gewar worden / daß ſie nacket geweſen / vnnd jhre nach dem Fall erkandte Schame vnd Bloßheit zu bedecken / Feygenblaͤtter zuſammen geflochten vnd Schuͤrtzen darvon ge - machet.

AXIO -45Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XXI. Lachen / leugnen vnd hoͤfflich liegen iſt bey dem Frawenzimmer ein altes.

LAchen iſt an ſich ſelber eine Eygenſchafft der Menſchen / vnnd ein mittel Ding / welches zu gutem vnnd boͤſen geſchiehet. Als der Sohn GOttes bey dem Abraham in Geſtalt eines Wandermanns vnd Gaſts / ſampt ſei - nen beyden Gefaͤhrten / auff ſeine Bitte eingekehret / iſt Abraham Gaſtfrey vnd geſchaͤfftig geweſen / hat alles in der Kuͤche beſtellet / vnnd wie er mit ſeinen Wundergaͤſten zu Tiſch geſeſſen / hat Sara auch gern wiſſen wollen / was es für ein Geſpraͤch zwiſchen jhrem Herꝛn vnnd den Gaͤſten abgeben moͤchte / wie dann die Weiber ins gemein begirig / etwas zu hoͤren zu wiſſen / iſt ſie zwar nit mit zu jhnen gangen / ſondern hinter der Thuͤr der Huͤtten herbey geſchliechen vnnd gelauſtert / was vor Diſcurs vorgingen / da dann der Herꝛ nach Sara / vnd wo ſie waͤre gefraget / vnd darauff ſeine vorhin dem Abraham gethane Verheiſſung widerholet vnnd be - tewerlich geſprochen: Jch wil widerkommen / ſo ich lebe / ſiehe ſo ſol Sara dein Weib einen Sohn haben / welches die Sara hoͤniſch gehalten / bey ſich ſelbſt gelachet vnd geſprochen: Nun ich alt bin (dann es jhr nicht mehr nach der Weiber weiſe gangen) ſol ich noch Wolluſt pflegen / vnnd mein Herꝛ auch alt iſt. So bald aber Sara hieruͤber von dem Herꝛn zu Rede geſetzet / vnnd jhr remonſtriret ward / daß dem Herꝛn kein Ding vnmuͤglich / kam ſie auff das Terentianum, ſi feciſti nega, entſchuldiget es nicht / ſondern leugnets / widerſprach dem Herꝛn vnd ſagte / ich habe nicht gelachet / der Herꝛ aber ſprach es iſt nicht alſo / du haſt gelachet. Genes. Cap. 18. Dieſes klebet noch ins gemein bey dem Frawenzimmer auch den Frommen an / daß ſie leichtlich einen Fund herbey bringen vnd gern leugnen / wann etwas vorgangen / das ſie nicht gern gethan haben wollen / ob es ſchon von keiner Erhebligkeit vnnd ſie es ohne Verweiß wol ſagen koͤnten: Aber jhr Humor bringt es ſo mit / daß ſie jenes lieber thun.

Hiebey moͤchte aber einer einwenden / daß Sara nicht allein / ſondern Abra - ham ſelber vber dieſe jhme von GOtt vorhin beſchehene Verheiſſung gelachet im vorhergehenden 17. Capitt. deß erſten Buchs Moſis v. 17. d a alſo ſtehet: Abraham fiehl auff ſein Angeſicht / nemblich nach geſchehener Verheiſſung / vnnd lachet vnd ſprach in ſeinem Hertzen: ſol mir hundert Jahr alt ein Kind gebohren werden / vnd Sara neuntzig Jahr alt gebaͤhren.

f iijHat46Das dritte Buch /

Hat nun GOtt dem Abraham das Lachen vor gut gehalten / worumb wird dann Sara daruͤber zu Rede geſetzet vnnd geſtraffet? ſolte dann GOtt bey deme keine anſehen der Perſonen iſt / den Maͤnnern mehr als dem Frawenzimmer zu gute halten. Hierauff iſt 1. zu anwortten das Lachen / wie oben gemelt / ein mittel Ding / vnd an ſich nicht boͤſe / aber nach deß Menſchen Intention Vorſatz / vnd Hertzen / gut aber boͤſe ſeyn kan.

Deß Abrahams Lachen / iſt ein Frewden-Lachen geweſen / ſo auß hoch erfrew - tem Hertzen / vnd nicht auß Mißtrawen geſchehen / nach deß HErren Chriſti Zeugnuß / Abraham ſahe meinen Tag vnd frewet ſich / (D. Luther. in Commentar. in Genes. ad illum locum: Abrahami, inquit, riſus, fuit geſtus animi exultantis, jux - ta illud ſalvatoris: Abraham vidit diem meum & gaviſus eſt. Et non dubitantis; Saræ vero riſus fuit dubitantis, ideoque reprehenſus à Spiritu Sancto. ) aber der Sara lachen / kam auß einem zweiffelhafften mißtrawendem Gemüthe / ſie trawete dem Wort deß HErren nicht gleich / vnnd gieng mit jhrer Vernunfft zu Rath / weil es jhr nicht mehr gieng nach der Weiber weiſe / hielte darvor / wann der Baum nicht mehr bluͤhete / koͤnte er nach dem gemeinen Lauff der Natur / auch keine Fruͤchte mehr bringen / vnd vergaß daß GOtt vber die Natur / vnd jhme kein Ding vnmuͤ - glich war / auch dem Abraham wol auß dem Stein Kinder erwecken koͤnte. Vors ander hatte Abraham auch vor ſeine Perſon keine Vrſache zu mißtrawen / weil er ſchon eine gute Probe an der Hagar erwieſen / daß er nicht vnfruchtbar ware / geſtalt er auch nach der Sara Abſterben / mit der Kethura noch 6. Kinder gezeuget / Genes. Cap. 25. wann das Frawenzimmer mit lachen vnnd leugnen allein nicht fort kom - men koͤnnen / ſo kommen ſie zum dritten L. vnnd bedencken einen Fund oder kleinen Lug.

Als der Ertzvatter Jacob / auff Gottes Befehl von ſeinem wunderlichen mur - ꝛiſchen Schwieger-Vatter dem Laban ab - vnd in ſein Vatterland reiſete / war Rahel vorwitzig / ſtahl jhres Vatters Goͤtzen / vnnd nahm denſelben heimblich mit / daruͤber der fromme Jacob von dem Laban Diebſtahls beſchuͤldiget / der ſich aber redlich verantwortet / vnnd Laban erlaubet / daß er nach ſuchen moͤchte / vnd weil er nicht wuſte / daß ſeine liebſte Rahel dieſe Thorheit begangen / faͤllete er eine ſcharff Vrtheil / vber den / bey welchem der Goͤtze gefunden wuͤrde / daß der vor ſeinen Au - gen ſterben ſolte / wie nun Rahel ſahe daß die Reige an jhre Huͤtte auch kam nahm ſie die Goͤtzen vnd legte ſie vnter die Strewe der Camel / vnd ſatzte ſich darauff / vnd wie jhr Vatter Laban die gantze Huͤtte durch ſuchte vnnd zu jhr kam / war jhr nicht wol darbey / leugnete nit allein die Abnahm der Goͤtzen / ſondern bedachte geſchwind einen Luͤg vnd ſprach: Mein Herꝛ / zuͤrne nicht / ich kan nicht auffſtehen gegen dir / dann es gehet mir nach der Frawen weiſe / kam alſo mit leugnen vnnd liegen dar - von / Genes. Cap. 31. v. 19. & ſeqq. die Michal Davids Gemahlin / wie ſie gewiſſe Kundſchafft von Hoff hatte / daß jhr Herꝛ Vatter der Koͤnig Saul / jhren Hertz -liebſten47Von dem Hauß-vnd Eheſtande. liebſten wolte hinrichten laſſen / warnet ſie jhn nicht allein trewlich / vnnd ließ jhn durchs Fenſter hernieder / ſondern ſie erdachte darzu noch einen Fund / nahm ein Bilde vnd legts ins Bette / vnd ein Zigenfaͤll zum Haͤupten / deckets fein mit Kley - dern zu / vnd wie Saul ſeine Botten ſandte den David abzuholen / taͤuſchete ſie die - ſelbe vnd ſagte / er lege im Bette vnd waͤre kranck / als aber Saul nichts do weniger ſeine Tyranniſche Blut Diener den David ab zuholen commendirte / da hat es ſich anders befunden / vnnd die Michal von jhrem Vatter deß wegen ſtarck zu Rede ge - ſetzet / warumb ſie jhn alſo betrogen hat ſie bald ein andere Ehren vnd Nothluͤgen be - dacht ſich auß geſchwaͤtzet vnd vorgeben David haͤtte zu jhr geſagt / laß mich gehen oder ich toͤdte dich / hat alſo damit jhren zornigen Vatter wider beruhiget / vnd jhren Liebſten von der Gefahr / durch ruͤmblichen Weiber Liſt erꝛettet wie zuſehen / 1. Samuel. Cap. 19.

AXIOMA XXII. Wann das Frawenzimmer auff etwas ſtewret / ſo wollen vnnd muͤſſen ſie es haben / ſolten ſie auch mit Schaden viel ein beſſers dargegen fahren laſſen.

ZWiſchen den beyden Schweſtern Lea vnd Rahel Jacobs Weibern war offt - mahls groſſe Æmulation vnd Gezaͤnck / wie dann / da zwey einen lieben leicht - lich eine Jalouſie vnd Eyffer entſtehen kan / vnnd hat ſichs einmahl begeben / daß Ruben der Lea Sohn / in der Erndte Zeit / zu ſeinem Vatter ins Feld gangen / ein anmuͤthig Gewaͤchs / Dudaim genant / angetroffen vnd ſeiner Mutter Lea heimgebracht. Als Rahel deſſen gewahr worden / hat ſie zu ſolchen Dadaim luſt bekommen vnd ein Theil von jhrer Schweſter darvon begehret / die jhr aber eine ſehr harte antwort darauff ertheilet vnd geſaget: iſt es nicht genung daß du mir meinen Mann genommen haſt / vnnd wilt auch die Dudaim meines Sohns neh - men? Aber Rahel war ſo ſehr verſtewret auff dieſen Dudaim daß ſie ſich nicht hat wollen damit abweiſſen laſſen / ſondern præſentirte der Lea / daß ſie die Nacht an jhre ſtatt bey Jacob ſchlaffen ſolte / welchen außwechſel die Lea willig vnnd gern ac - ceptiret, der Rahel die Dudaim gelaſſen / vnnd gegen Abend / wie jhr Mann Jacob von ſeiner gewoͤhnlichen Feld arbeit kommen / jhme entgegen gangen vnnd dieſen Außtauſch angekuͤndet / ſagende; bey mir ſolt du liegen denn ich habe dich erkaufft vmb die Dudaim meines Sohns / wormit Jacob auch zu frieden geweſen / ſich zuder Lea /48Das dritte Buch /der Lea / die darvon auch ſchwanger worden geleget / vnd dieſen zwiſchen ſeinen bey - den Weibern getroffenen Accord vnd Außwechſel genehm gehalten / im erſten Buch Moſ. Cap. 30. Nun iſt wol zuverwundern / daß dieſe heylige vnnd verſtaͤndige Ma - tron auff eine ſo geringe Schleckerey derogeſtalt ſich vergaffet / daß ſie davor die cheliche Beywohnung vnd Beyſchlaff jhres Mannes hingeben vnd den Eheſegen / darumb ſie doch jhre Schweſter geneydet / verſchertzen wollen. Es hat ohne Zweiffel Jacob zu Erhaltung deß lieben Haußfriedens / die eheliche Beywohnung alſo ver - theilet daß auff eine gewiſſe Zeit er zu Lea / vnnd auff eine gewiſſe Zeit zu der Rahel eingekehret / geſtalt dann der Text giebet / daß die Ordnung eben domahls an der Rahel geweſen / vnd Jacob bey jhr ſchlaffen ſollen / geſtalt dann Rahel jhr habendes Jus oder Recht do mahligen Beyſchlaffs der Lea cediret vnnd vber laſſen / dieſe es auch acceptiret vnd darauff dem Jacob zeitlich vnter Augen gangen damit er nicht zu der Rahel / ſondern zu jhr einkehrte vnd ſie jhres Juris quæſiti oder wol erlangten Rechtens genieſſen lieſe / welches auch geſchehen vnd mit einem ſtattlichen Pfande eines jungen Sohns beſtaͤttiget worden.

Es iſt vmb ſo viel do mehr vmb dieſe der Rahel Naſcherey ſich zu verwundern / weil die heylige Weiber altes Teſtaments wegen deß verſprochenen Weibes Sa - men vberauß begierig zur Leibes Frucht vnnd Kinderzucht geweſen / vnnd wann es daran gemangelt ſich fuͤr vnſelig gehalten vnnd ſehr gegraͤmet / geſtalt eben die ſelbe Rahel nicht lange vorhin auß beſchwertem Mißmuthe zu Jacob geſaget: Schaffe mir Kinder / wo nicht ſo ſterbe ich / in beſagtem 30. Cap. v. 1. vnd iſt vermuthlich daß Jacob darauff ein Zeit lang zu der Rahel ſich gehalten / welches dann auß der Jnſtantz vnd Verweiß der Lea / da ſie zu Rahel geſaget / haſtu nicht genug daß du mir meinen Mann genommen haſtꝛc. d. Cap. 30. v. 15. guter maſſen abzunehmen. Was aber Dudaim eygentlich vor ein Gewaͤchs geweſen / kan man nit wiſſen / etliche meinen es ſeye ein Gewaͤchs geweſen / wie die Juden - Kirſchen / Brumbern / oder Himbern / es ſeye nun wie jhm wolle / ſo muß es ein ſchoͤne vnnd anmuͤthige Frucht geweſen / ſeyn / weil es die Rahel ſo thewer an ſich erhandelt.

AXIO -49Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XXIII. Newe angehende Ehemaͤnner ſol man Anfangs mit Heerszug vnd andern Beſchwerden / in etwas verſchonen.

DIeſes hat GOtt in der Juͤdiſchen Policey außtruͤcklich verordnet / vnnd durch Moſen dieß Geſetz geben laſſen: Wann jemand newlich ein Weib genommen hat / der ſol nicht in die Herfarih ziehen vnnd man ſol jhme nichts aufflegen / er ſol frey in ſeinem Hauſe ſeyn ein Jahr lang / daß er froͤlich ſeye mit ſeinem Weibe / daß er genommen hat / im 5. Buch Moſis Cap. 24. v. 5. deßgleichen ſtehet von Vertrawten im ſelbigem Buch / Cap. 28. v. 7. welcher ein Weib jhme vertrawet hat / vnd hat ſie noch nicht heimb geholet / der bleibe daheimb / daß er nicht im Kriege ſterbe vnd ein ander hohle ſie heimb.

Dieſes Geſetz hat billiche Vrſachen vnd koͤnte auch wol den jungen Eheleu - then zu mehrerm Troſt vnnd beſſerem Auffkommen / in der Chriſtenheit obſerviret vnd gehalten werden / welches aber doch nicht geſchiehet.

AXIOMA XXIII. Schwaͤger ſind nicht allemahl die beſten Freunde.

MAn ſaget im Sprichtwort: So mancher Schwager / ſo mancher Knebel - Spieß. Laban vnd der Ertzvatter Jacob waren die naͤchſte Schwaͤger weil dieſer deß Labans beyde Toͤchter zu Ehe hatte / dannoch erzeygte La - ban dem Jacob ſchlechte Freundſchafft / mißgoͤnnete jhme den Seegen GOttes vnd muſte dieſer endlich ſeinen Stab fortſetzen / im 1. Buch Moſ. Cap. 30. & 31. Zwiſchen Simſon vnd ſeinem Schwaͤher vnd Schwaͤgern war ſehr ſchlechte Verſtandnuß / im Buch der Richter Cap. 15. & 16. Saul wolte ſeinen Schwieger Sohn den David mit einem Spieß an die Wand ſpiſſen vnd alſo die Schwaͤger - ſchafft mit dem Knebelſpieß beſtertigen / 1. Samuel. Cap. 19. v. 10. Sehr vbel gienge der Koͤnig Ptolomeus vmb mit ſeinem Schwieger Sohn Koͤnig Alexandro / ingdeme50Das dritte Buch /deme er mit Liſt vnnd Betrug dieſes ſeines Eidams Koͤnigreich an ſich riſſe / zohe vnterm ſchein Schwiegerlicher Freundſchafft mit einem ſtarcken Comitat vnnd Kriegs Volck in Syrien / vnd hatte Alexander an alle Staͤnde Ordre vnd Befehl abgehen laſſen ſeinem Schwaͤher Ptolomeo entgegen zu ziehen / herꝛlich zu empfa - hen vnd die Staͤdte vnd Veſte zu oͤffnen / ſo bald aber jener in die Staͤdte kam ver - ließ er bey ſeinem Abzug darin eine ſtarcke Beſatzung / biß gen Seleucia am Meer / ließ darauff mit Demetrio durch Geſandten tractiren daß er ſeine Tochter Cleo - patram, deß Alexandri Gemahl jhme Demetrio anderweit vermaͤhlen vnnd dane - ben zu dem Koͤnigreich verhelffen wolte / geſtalt er ſie demſelben auch gegeben / vnnd wie er nach Antiochien kommen / beyde Cronen deß Reichs Egypti vnnd deß Reichs Aſiæ auffgeſetzet / den Alexander in einer Schlacht vberwunden / in Arablen verjagt / all da Zabdtel der Araber Koͤnig / wider das Gaſtrecht den Ptolomæum der wegen ſeiner Macht formidabel war / zum Freunde zu behalten / jenem den Kopff abhawen / vnnd zu einem ſonders angenehmen præſent zuſchicken ließ / im 1. Buch der Macchab. C. 11. der Land Hauptman zu Jericho Ptolomeus ſprang gar vbel mit ſeinem Schwaͤger Simon der Macchabeer Fuͤrſten / vnd beyden Schwaͤ - gern Mathathia vnnd Juda vmb / ludt ſie zu ſich in ſeine Burg empfing ſie herꝛlich vnnd richtete ein ſtattlich Banquet vnnd Mahl an / hatte aber Kriegs Volck heim - lich verſtecket / vnnd da ſein Schwaͤger Simon vnnd beyde Schwaͤger froͤlich wa - ren vnnd wol getruncken hatten / grieffe er mit ſeinen Knechten zu den Waffen / brachte ſeinen Schwaͤgern eine boͤſe Mummenſchantze vnnd erwuͤrgte ſie ſampt jhren Knechten / im 1. Buch der Macchab. Cap. 16. v. 11. vnnd wie er dieſes ver - ꝛichtet ſchickte er auch Moͤrder / die dem dritten Schwager Simon auch den Halß brechen ſolten / in ſelbigem Cap. v. 19.

AXIOMA XXIV. Die Kinderzucht iſt die vornembſte vnnd muͤhe - ſambſte Hauß Arbeit / getrewer Eltern.

DIe Kinder ſeynd eine thewre vnnd werthe Beylage / die GOtt der All - maͤchtige den Eltern gleichſamb zu trewen Haͤnden concrediret vnnd an - vertrawet / daß ſie dieſelbe in der Zucht vnd Vermahnung deß Herꝛen zu allem guten auffziehen wie S. Paulus an die Epheſer / Cap 6. v. 4. imgleichen Syrach Cap. 30. weitleufftig lehret / vnd auß jhrem Hauß vnd Pflantz -Garten /51Von dem Hauß-vnd Eheſtande. Garten / zuͤchtige gute Pflaͤntzlein dem HErꝛn Chriſto / zu Geiſtlichem vnd Welt - lichem Regiment / auch zum Haußſtande herauß geben vnd lieffern koͤnnen. Die lieben Kinder ſeynd ja eine Gabe GOttes / vnd Leibes Frucht iſt ein Geſchenck deß Allerhoͤchſten Pſalm. 127. v. 4. Als GOtt der HErꝛ durch den Propheten Ezechiel / den Kindern Jſrael / die Grewel jhrer Abgoͤtterey / ſonderlich aber dieſes vorꝛuckete daß ſie den Goͤttern jhre Kinder geſchlachtet vnd geopffert / nennet er jhre Kinder / ſeine Kinder / ſprechent / meinſtu daß es ein geringes ſeye vmb deine Hurerey / daß du mir meine Kinder ſchlachteſt / vnd laͤſſeſt ſie denſelben verbrennen. Ezech. Cap. 16. v. 21. ſeynd nun vnſere Kinder GOttes Kinder / ſo iſt billich vnnd hochnoͤthig / daß fromme Eltern damit als mit der edleſten Gabe GOttes vmb gehen / ſie wol erzie - hen / daß ſie GOtt zu Ehren vnnd dem Nechſten zu Dienſt vnnd Nutzen erwachſen moͤgen.

Dem Abraham giebet GOtt das Zeugnuß guter Education vnd Kinderzucht / verheiſt jhme auch darauff den Seegen wann er ſpricht; Denn ich weiß er wird befehlen ſeinen Kindern vnnd ſeinem Hauſe nach jhme / daß ſie deß Herꝛen wege halten / vnd thun was recht vnd gut iſt / Genes. Cap. 18. v. 19. ſolche Inſtruction guter Kinderzucht / hinterließ auff GOttes Befehl Moſes den Jſracliten / daß ſie nemblich jhren Kindern vnd Kindes Kindern / kuͤndt thun ſolten / die groſſen Tha - ten GOttes / ſeine Geſetze / Rechte vnnd Sitten vnd ſie darin wol informiren vnnd erziehen / Deutern. Cap. 4. v. 10. & ſeqq. Etc. 6. v. 20. & ſeqq. Eine ſehr gute Inſtruction gabe der alte Tobias ſeinem Sohn in ſeinem letzten / da er jhme befahl / er ſolte ſein Lebelang haben GOTT vor Augen vnd im Hertzen / ſeine Mutter Eh - ren vnd den Armen gutes thun / Tobiæ Cap. 4. Die fromme Hanna nach deme ſie jhren Sohn Samuel von GOtt erbetten vnnd entwehnet hatte / war ſie vor nichts mehr vnnd hoͤher ſorgfaltig / als daß derſelbe in der Furcht GOttes wol vnterꝛichtet vnnd informiret wuͤrde / brachte jhn zur Schuhle in das Hauß deß Herꝛn zu Silo / zu dem Prieſter Eli / recommendirte vnnd befahl jhme denſelben auffs fleiſſigſte / vnd that darauff ein ſehr inbrünſtig Gebett vnnd Lobſpruch zu dem Her: en / 1. Samuel. Cap. 1. v. 24. & Cap. 2. v. 1. & ſeqq. S. Paulus war erzogen zu den Fuͤſen Gamalielis, Actor. Cap. 22. Die Eltern deß HErꝛen Chriſti füh - reten denſelben wie er zwoͤlff Jahr alt worden nach Jeruſalem zum GOttes Dienſt / Luc. C. 2. v. 41. & ſeqq. Es ſeynd die zarte Kinder dem weichen Wachs gleich / welches ſchoͤne vnnd heßliche Geſtalt annimbt / was man darin truͤcket das bleibt / vnd gehet es offt damit nach dem Sprichwort; was die Alten ſungen / das pfiffen die Jungen. Jtem jung gewohnt / alt gethan / vnd da das boͤſe einmahl die Wurtzel bey der Jugent geſetzet / iſt es ſchwer wider außzureuthen vnnd kan allhie der Medicorum Regula ſehr wol applicirt werden: Quod vitium in prima concoctione contractum, non corrigatur in cæteris. Thorheit / ſpricht Salomon ſtecket dem Knaben im Hertzen / aber die Rutheg ijder52Das dritte Buch /der Zucht wird ſie fein von jhme treiben / in den Sprichtwoͤrt. Cap. 22. v. 15. zu mah - len das tichten vnnd trachten deß Menſchlichen Hertzens nur boͤſe iſt von Jugent auff / Genes. Cap. 6. v. 5. Et c. 8. v. 21. dahero die Jugent allezeit auß verderbter Na - tur / Capabler vnd fertiger iſt / das boͤſe als das gute zu apprehendiren vnd zu faſſen. Die Natur vermacht zwar viel zum argen / es kan aber dieſelbe durch gute Zucht ge - lencket vnd gebeſſert werden. Derowegen eine fleiſſige vnnd ernſte Zucht vnd Vnterꝛicht / hoch vonnoͤthen. Mit was vor ernſt die Eltern die Kinder ziehen vnd darzu die Ruthe / die GOtt ſonderlich darzu geſegnet / mit gebrauchen ſollen / dar - von ſchreibet der weiſe Mann Syrach außfuͤhrlich / Cap. 30. Salomon in ſeinen Sprichwoͤrtern / Cap. 13. v. 24. c. 22. v. 15. Et c. 23. v. 13. welche Capittul alle Hauß - vaͤtter vnd Haußmütter fleiſſig leſen vnnd vor eine gewiſſe Inſtruction der Kinder - zucht halten vnd gebrauchen ſollen.

Fromme Eltern ſollen vnnd muͤſſen jhre Kinder hertzlich lieben / aberderen Liebe / der Liebe GOttes nicht vorziehen / welches ſie thun / wann ſie keinen Ernſt ſe - hen laſſen in der Zucht vnd Ermahnung zu dem HErꝛen. (Debent Parentes boni diligere filios; Sic tamen, ut amorfiliorum, non impediat amorem Dei Bellar - min. de ſept. 1. Chriſti verb. in Cruc. lib. Cap. 1.) Bey dem Ernſt den die Eltern gegen die Kinder gebrauchen / gehoͤret auch gute Moderation vnd Sanfftmuth da - mit die Kinder nicht vbertaͤubet vnd Schewe gemachet werden / welches S. Pau - lus an ſeine Epheſer ſchreibet wann er ſie vermahnet: Jhr Vaͤtter reitzet ewre Kinder nicht zu Zorn / Cap. 6. v. 4. vnd an ſeine Coloſſer Cap. 3. v. 21. Jhr Vaͤtter erbittert ewre Kinder nicht / auff daß ſie nicht ſchew werden. D. Luther hat von der Kinderzucht pflegen zuſagen: Mann můſſe alſo ſtraffen daß der Apffel bey der Ruthe ſeye; Jſt derowegen eine ſchwere Kunſt / vnd groß Werck Kinder recht zu - zichen / den Sachen nicht zu viel oder zu wenig thun / vnd muß ſolche Gnade vnnd das Gedeyen von dem lieben GOtt erbetten / vnnd erlanget werden. Sonderlich muͤſſen die Vaͤtter darbey das meiſte thun / weil ins gemein die Muͤtter den Kin - dern zu weich ſeyn / vnd weil ſie viel mit jhn vmbgehen die Authoritaͤt vnnd das An - ſehen nicht haben / dahero Ariſtoteles. Der weiſe Philoſophus recht ſaget Matrum eſt nutrire, Patrum erudire liberos. Das iſt die Muͤtter můſſen die Kinder nehren / jhrer pflegen vnnd warten / die Vaͤtter aber dieſelbe ziehen vnd informiren. Hiervon iſt droben lib. 2. part. 1. Axiom. 9. auch etwas gehandelt.

AXIO -53Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XXV. Zaͤrtlinge / Mutter Soͤhn - vnnd Toͤchterlein / pflegen ſelten am beſten zu ge - rathen.

DIe Hagar hat jhren Sohn Jſmael ohne zweiffel auch zaͤrtlich erzogen / dar - uͤber er ein Spoͤtter worden vnd ſampt ſeiner Mutter / ſeines Vatters Abra - hams Hauß raumen vnd weichen muͤſſen Genes. Cap. 21. v. 9.

(Mater tenerius liberos adamat patre:

Quia Mater eſſe ſcit ſuos, Pater autumat. Menand.)

Eli verwehnte / vnd zertaͤlte ſeinen Soͤhnen auch / aber ſie wurden dardurch boͤſe Buben / die weder nach dem HErꝛn / oder nach dem Recht der Prieſter frage - ten / derowegen GOtt nicht allein dieſelbe durch die Scherffe deß Schwerds fallen ſondern auch den Vatter / weil er alle ſolche Bubenſtuͤcke wol gewuſt / dieſelbe nicht geſtraffet / ja nicht einmahl / wie die Schrifft ſaget / ſawer darzu geſehen / von ſeinem Stuhl herunter ſtuͤrtzen vnnd den Halß brechen laſſen / 1. Samuel. Cap. 1. 2. 3. 4. Derowegen Syrach alle Eltern trewlich warnet vnnd ſie alſo anredet: Ein ver - wehnet Kind wird muthwillig / wie ein wildt Pferdt. (Blanda patrum ſegn esfacit indulgentia natos. Qui in Roſis & purpura ſerpunt, raro virtutibus inflamme - ſcunt.) Zaͤrtle mit deinem Kinde / ſo wirſtu dich hernach fuͤr jhm fuͤrchten. Spiehle mit jhme / ſo wird es dich hernach betruͤben. Beuge jhm den Halß weil er noch jung iſt / &c. Cap. 30. v. 8. & ſeqq. Wann man dem Kinde ſeinen Willen vnd alles gut ſeyn laͤſſet was vnſer Toͤchterlein thut / das iſt dann ein gewiß Huͤtlein ſpricht D. Luth. in Comment. ad Genes. Cap. 34.

Hette Lea beſſer Obacht auff jhre Tochter Dinam gegeben / daß ſie im Hauſe blieben vnd nicht zu frembder Geſellſchafft ſpatziret waͤre / haͤtte ſie der Sichem nicht vnter die Fuͤſſe gebracht vnd geſchaͤndet / Genes. Cap. 34. deßwegen Syrach aber - mahl fleiſſig warnet vnd alſo lehret: Jſt deine Tochter nicht ſchamhafftig / ſo halt ſie hart / auff daß ſie nicht jhren Muhtwillen treibe / wenn ſie ſo frey iſt. Wenn du merckeſt daß ſie frech vmb ſich ſiehet / ſo ſiehe wol darauff. Wie ein Fußgaͤnger der duͤrſtig iſt / lechzet ſie / vnd trincket das nechſte Waſſer / das ſie krieget vnd ſetzet ſich / wo ſie einen Stock findet / vnd nimbt an was jhr werden kan / Syrach Cap. 26. v. 13. 14. 15. Jmgleichen haͤtte Hemor ſeinen Sohn Sichem beſſer erzogen / denſelben nicht in Wolluͤften leben / ſondern in guten Studiis vnd Exercitien vben laſſen / waͤre der - ſelbe auch nicht ſo ieichtfertig zugefahren / vnd einem vornehmen Mann ſein Kind / annoch in der zarten Jugent geſchaͤndet / Genes. d. Cap. 34.

g iijAXIO -54Das dritte Buch /

AXIOMA XXVI. Wann Eltern jhren Kindern nach ſehen vnd ſie auß Lieb vnd Affection nicht bekuͤmmern wol - len / ziehen ſie damit denſelben offt groͤſſer Vngluͤck zu.

DAvid hatte zeitlich gemercket / daß ſein Sohn Adonia / wider ſeine nach GOt - tes Willen gemachete / vnnd durch einen allgemeinen Reichſchluß beliebte Verordnung mit ſeinem Sohn Salomon wegen der Nachfolge in der Koͤnigli - chen Regierung auffruͤhriſche Actiones vnnd Conſpirationes ob handen gehabt: dem deſignirten vnnd acceptirten Koͤnig Salomon die Cron zu præripiren vnnd zu entziehen / aber der gute alte Vatter David / wolte / wie die Schrifft meldet / ſei - nen Sohn Adonia nicht bekuͤmmern bey ſeiner Zeit / daß er haͤtte geſaget: Warumb thuſtu alſo? im erſten Buch der Koͤnig. Cap. 1. v. 5. & 6. Es haͤtte aber David beſſer fuͤr ſeinen Sohn gethan daß er bey Zeiten Einſehens gehabt / mit Vaͤtter - lichem Ernſt vnd Reſpect denſelben darvon abgemahnet / vnnd das boͤſe Vorhaben wie es noch in der Aſche geglimmet / gedaͤmpffet / waͤre es vielleicht ſo weit nicht kommen / daß der Adonia hernacher ſeines Auffruhrs vnnd verletzter Majeſtaͤt hal - ber zum Todt verurtheilet / vnnd in ſeinen beſten Jahren mit geſundem Hertzen ſterben muͤſſen.

Es gehet noch viel alſo daher / daß Eltern jhre Kinder nicht wollen mit ernſt ſtraffen / vnd bekuͤmmern / ſehen jhnen durch die Finger / heiſſen jhre Vnthaten gut vnd muͤſſen bernacher wol erfahren / daß ſie dem Nachrichter in die Haͤnde kommen oder in ander Vngluͤck gerathen / dardurch ſie hundert mahl mehr ſampt den Eltern vnd gantzer Freundſchafft bekuͤmmert vnd geſtrafft werden. Es hat der gute alte David auch angeſehen daß der Adonia ein ſehr ſchoͤner Mann / von einer Koͤniglichen Tochter gebohren war welchen er gezeuget nechſt nach Abſalon / d. Cap. 1. v. 6. Dem Prieſter Eli vnd ſeinen verzaͤrtelten Soͤhnen bekam es ſehr vbel / wie in vorhergehendem Axiomate gemeldet.

AXIO -55Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XXVII. Wann Eltern ein Kind vor das ander zu viel hervor ziehen erwecken ſie leicht Neyd vnnd Vn - einigkeit zwiſchen den Geſchwi - ſtrigen.

GLeich heit erhaͤlt Friede / Liebe vnnd Einigkeit / ſonderlich vnter Geſchwi - ſtrigen / es geſchtehet aber doch daß Eltern ein Kind mehr als das ander lieben / auch eins vor dem andern hervor ziehen / zaͤrter halten vnnd beſſer kleyden.

Der Ertzvatter Jacob hatte zwar alle ſeine Kinder lieb / aber ſeinen Sohn Joſeph zoge er allen andern vor / darvon redet die Schrifft alſo: Jſrael aber hatte Joſeph lieber denn alle ſeme Kinder / darumb daß er jhn im Alter gezeuget hatte / vnd machet jhm einen bunden Rock. Als nun ſeine Bruͤder ſolches advertiret vnd geſehen ſeynd ſie jhme Spinne ſeind daruͤber worden / daß ſie jhm kein freundlich Wort mehr zuſprechen koͤnnen / ja es ward dieſe Jalonſie vnd Bruder Neyd ſo groß daß ſie Raths wurden vnnd per majora vota dahin ſchloſſen / jhn zu erwürgen vnd in eine Grube zu werffen / waͤre auch ſolcher Rathſchluß an Joſeph exequiret vnnd vollbracht worden / wann nit ſein aͤltiſter Bruder einen andern Vorſchlag gethan / deß vnſchuͤldigen Bruder Bluts zu ſchonen vnd jhn in eine Grube zuwerffen. So bald nun der zarte fromme Joſeph zu ſeinen Bruͤdern auff ſeines alten Vatters Befehlins Feld kam / ſtach jhnen ſein bunder Rock in die Augen / muſte zu erſt her - halten / zohen jhme denſelben auß / warffen jhn in eine Grube vnnd verkaufften jhn den Jſmaelitiſchen Kauffleuthen vmb zwantzig Silberlinge / den bunden Rock aber beſudelten ſie mit Ziegen Blut / vnd brachten denſelben jhrem Vatter wider zu ruck mit vorwand als wann jhn ein reiſſend Thier zuriſſen / Ganes. Cap. 37. Dieſer bunder Rock / ſonderbahre Liebe vnd Hervorziehung / brachte dem alten Jacob groß Hertzleydt daß er nicht anders meinete / als daß ſein Sohn todt waͤre / vnnd haͤtte der leydige Teuffel gern ein aͤrger Spiehl darauß gemachet / wann nicht der liebe GOTT gewachet vnd den Joſeph durch ſeine gewaltig wunder Hand erꝛettet / in den Geſchichten der Apoſtel / Cap. 7. v. 9. Zu zeiten deß alten Teſtaments ſind die bunden Roͤcke eine ſonderliche vnnd keine gemeine Tracht geweſen / vnnd meldet die Schrifft daß Koͤnigs Toͤchter bunde Roͤcke getragen / wie von der Thamar DavidsTochter56Das dritte Buch /Tochter zuleſen / 2. Samuel. Cap. 13. v. 18. Es hat zwar Jacob den Sachen nicht zu viel gethan / daß er den Joſeph ſeiner Frommigkeit vnnd hervor geleuchteter tu - genthaffter Qualitaͤten halber / auch daß er jhn im Alter gezeuget fuͤr andern gelie - bet / auch als ein kluger Mann wol mercken koͤnnen / daß GOtt etwas ſonders vor - haͤtte / jhn zu einen gewaltigen Fuͤrſten machen / ſeinen Brudern nicht allein vor - ziehen / ſondern gar vber ſie ſetzen wuͤrde / wie auch geſchehen / Genes. 43. & ſeqq. derowegen er auch nicht vnrecht gethan daß er jhme einen ſonderlichen vnd bunden Rock machen laſſen / welches Anfangs vbel zu letzt aber doch wol außgangen vnnd gelungen.

Es haben je vnnd allezeit Eltern gewiſſe Vrſachen daß ſie ein Kind vor das ander lieben / wie wol ſie offt darin fehlen / alſo daß die vorgezogene vnnd mehr geliebte vielmahls vbeler als die zuruck geſetzete gerathen. Weißlich aber thun ſie / wann ſie eins in jhrem Hertzen vnnd Gemuͤthe mehr lieben / daß ſie ſolches gegen die andere Neyd / Haß / Schlaͤgerey vnd gar Mord vnd Todtſchlag zuverhuͤten ſich nicht eben mercken laſſen.

AXIOMA XXVIII. Kinder ſollen jhre Eltern ehren in allem / ſo nicht wider GOtt / das Recht vnd Er - barkeit iſt.

DAs erſte hat GOtt in ſeinen heyligen zehen Gebotten mit ſeinem Finger geſchrieben / Exod. Cap. 26. v. 12. vnd den Menſchen gleichſam in jhr Hertz gepflantzet / vermoͤge deſſen auch die vernuͤnfftige Heyden auß deme von Natur eingepflantztem Liecht der Erbarkeit / ſolches erkant / daß die Kin - der den Eltern zum Gehorſam / Ehr vnd Reſpect gehalten. Ein Sohn ſpricht GOTT bey dem Propheten Malach. ſol ehren ſeinen Vatter / vnnd ein Knecht ſeinen Herꝛen / Cap. 1. v. 6. Ehre Vatter vnd Mutter ſpricht S. Paulus / denn das iſt das erſte Gebott das Verheiſſunge hat / vffdaß es dir wol gehe vnd du lange lebeſt auff Erden / an die Epheſ. Cap. 6. Wie nun dieſes in der andern Taffel Goͤttlicher Gebotte / feſt gegruͤndet / auch mit vielen Exempeln / geſegneter / gehorſamer / vnnd hinwider verfluchter vngehorſamer / hochgeſtraffter Kinder / in der Schrifft vnnd Erfahrung beſtaͤttiget / alſo hat das ander in der erſten Taffel vnnd zwar im erſten Gebott ſein vnbewegliches Fundament / welches alle Menſchen dahin weiſet vnnd verbindet / daß man GOtt vber alles ehre / liebe vnd jhme vertrawe. Worbey danndieſe57Von dem Hauß-vnd Eheſtande. dieſe Regul in acht zu haben / wann die Gebotte der andern Taffel etwas gebiethen / ſo den Gebotten erſter Taffel zu wider lieffe / daß dann die letzte billich der erſten weiche.

Dieſes hat der Gottſelige Koͤnig Aſa gar wol in acht genommen / dann wie derſelbe nach Abſterben ſeines Gottloſen Vatters Abia zum Regiment kam / eine Reformation in der Religion anſtellete vnnd darbey wahr nahm / daß ſeine Abgoͤt - tiſche Mutter Marcha dem Abgott Miplezeth ein eygen Ampt im Hayne / vnnd darbey jhr Abgoͤttiſch Weſen angeſtellet / hat er ſie von ſolchem Ampt abgeſetzet / jhren Miplezeth außgerottet vnnd mit Fewer im Bach Kidron verbrandt / vnnd alſo vermoͤge der erſten Taffel / GOtt mehr als ſeine Mutter geehret vnnd ge - fuͤrchtet / 1. Reg. Cap. 15. v. 12. 13. Et 2. Chronic. Cap. 15. v. 16. Gleicher geſtalt that der tapffere Held Gideon / der zerbrach den Altar Baals ſeines Vatters vnnd handelte damit nicht wider das vierdte Gebott / im Buch der Richter Cap. 6. v. 25. Als der Koͤnig Saul ſeinen frommen Sohn Jonathan zu einem Meuchelmoͤrder an dem vnſchuldigen David machen wolte / vnnd jhn dazu reitzete / hat Jonathan GOtt mehr als ſeinen Vatter gefuͤrchtet / vnnd ſich an vnſchuͤldigem Blute nicht verſuͤndigen wollen / 1. Samuel. Cap. 19. Der HErr Chriſtus ſpricht ſelber: Wer Vatter vnnd Mutter mehr liebet / denn mich / der iſt mein nicht werth / vnnd wer Sohn vnnd Tochter mehr liebet denn mich / der iſt mein nicht werth / Matth. Cap. 10. v. 37. Luc. Cap. 14. v. 26.

AXIOMA XXIX. Kinder thun ruͤhmlich vnnd wol / daß ſie jhrer Vaͤtter Ver - ordnungen / Vertraͤge vnnd Geſchaͤffte auch nach deren toͤdtlichen Hintrit in gebuͤhrender Veneration halten vnd dar - wider nicht handeln.

WAs fuͤr einen Reſpect der Allerhoͤchſte den Eltern beygelegt vnnd wie er dieſelbe von den Kindern geehret haben wil / ſolches iſt in vorhergehen - dem Axiomate angezogen / vnnd ſonſten auß GOttes Wort vnnd der geſunden Vernunfft bekandt / der Herꝛ wil / ſpricht Syrach / den Vatter von den Kindern geehret haben / vnnd was eine Mutter die Kinder heiſt wil er ge - halten haben / Cap. 3. v. 2. Daß auch nicht allein bey der Eltern Leben / ſondern auchhnach58Das dritte Buch /nach jhrem Abſterben den Kindern wol vnnd ruͤhmlich anſtehe / jhrer Vaͤtter Ver - ordnung vnd Gebotte mit Kindlicher Reverentz in gutem Befehl zu haben vnd zu behalten / ſolches hat GOtt der HErꝛ ſelber mit dem Exempel der Rechabiter / dem Jſraelitiſchen Volcke / durch den Propheten Jeremiam vorhalten laſſen / daß die - ſelbe vnd jhre Kinder jhres Vatters Jonadab Gebott / daß ſie nimmermehr keinen Wein trincken ſolten / ſteiff vnd feſt gehalten / vnd den Rechabitern durch gemelten Propheten Jeremiam dieſen herꝛlichen Seegen ankuͤndigen laſſen: So ſpricht der HErꝛ Zebaoth / der GOtt Jſrael: Darumb daß jhr dem Gebott ewers Vatters Jonadab habt gehorchet vnd alle ſeine Gebotte gehalten / vnnd alles gethan waß er euch gebotten hat / darumb ſpricht der HErꝛ Zebaoth / der GOtt Jſrael alſo: Es ſol dem Jonadab dem Sohn Rechab nimmer fehlen / es ſol jemand von den ſeinen allezeit für mir ſtehen / Jerem. Cap. 35. v. 1. & ſeqq. & v. 18. 19. Denn deß Vatters Seegen bawet den Kindern Haͤuſer / aber der Mutter Fluch reiſſet ſie nieder. Sy - rach in gemeltem 3. Cap. v. 10. Der Egyptiſche vice Re oder Koͤnigl. Stadthalter Joſeph / hat ſo bald ſein lieber Vatter Jacob den Weg aller Welt gegangen war / ſich in Soͤhnlicher Obſervantz erinnert / was er jhme vnnd ſeinen Bruͤdern / wegen ſeiner Leichbegaͤgnuß vnnd Vberbringung ſeines verblichenen Coͤrpers zu ſeiner Vaͤtter Erbbegraͤbnuß / in der zweyfachen Hoͤhle gen Mamre im Lande Canaan / befohlen / vollſtreckte ſolches mit allem fleiß / im 1. Buch Moſ. Cap. 50. Eine treff - liche Regierungs Inſtruction verließ der Koͤnig David / ſeinem an der Cron ſuc - cedirendem Sohn Salomon / befahl jhme wie er ſich in einem vnnd andern zuver - halten / deme er allenthalben mit groſſem Ruhm vnnd Nutzen gebuͤhrende Folge geleyſtet vnnd ſich wol darbey befunden / im 1. Buch der Koͤnig Cap. 2. ſtehet derowegen frommen Kindern wol an / haben auch von GOtt Seegen zuerwar - ten / wann ſie jhrer verſtorbenen Eltern bevorab beeydigte Geſchaͤffte vnnd Ver - ordnung / wol obſerviren vnnd denſelben ſchuldige Folge leyſten. (Viri juſtè jurantis poſteritas benè habebit, dixit Plaut. in Ciftell. Der recht ſchwehret vnnd ſolches haͤlt / deſſen Nachkommen wird es wol gehen.)

AXIO -59Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XXX. Wann der Obrigkeit vnnd Elterlichter Reſpect / Befehl oder Verordnung concurꝛiren oder wider einander ſtoſſen behaͤlt der Obrigkeitliche den Vorzug.

KVrtz vorher Axiom. 28. iſt gemeldet / wie man ſich zu comportiren / wann GOttes vnnd der Eltern Gebott wider einander lauffen / darauff folget dieß Axioma, vnd iſt es an deme / daß GOTT / beyds der hohen Obrigkeit / als ſeinen Geſalbeten / Reichs Amptleuthen / Stadthaltern vnnd erhoͤhe - ten Schilden auff Erden / wie auch nicht weniger den Eltern jhren gehoͤrigen Re - ſpect beygeleget / vnd wil daß der Obrigkeit von den Vnterthanen / den Eltern von den Kindern mit gebuͤhrender Reverentz vnd Veneration, gleich wol alles in guter Harmoni vnnd Ordnung begegnet / vnnd dieſelbe beyde in hohen Ehren gehalten werden / wie ſolches jedes an ſeinem Ort vorhin auß der Schrifft angefuͤhret. Hier - bey faͤlt nun dieſe Frage vor / wann GOtt einen Sohn / zu Keyſer / Koͤniglichen / Chur - oder Fuͤrſtlichen Wuͤrden vnd Hoheit / zu weilen auch auß einem geringern Hauſe vnd Familia erhebet / welcher Reſpect dießfals dem andern weichen / vnnd ob der Sohn ſeinen Vatter oder Mutter / der Koͤniglichen oder anderer hoͤhern Wuͤrde hindangeſetzt / den Vorſitz vnd Vorzug goͤnnen vnd geben ſolle. Als Bathſeba deß Koͤnigs Salomo Fraw Mutter eine Collect oder Vorbitte fuͤr jhren Stieff - ſohn / dem Adonia bey Salomo einlegen wolte / vnnd zur Audientz geſtattet worden / meldet die Schrifft / daß der Koͤnig von ſeinem Koͤniglichen Thron auff geſtanden / der Fraw Mutter entgegen gegangen / vnnd ſie angebettet / das iſt jhr gebuͤhrende Soͤhnliche Ehr vnnd Veneration erwieſen / aber gleichwol ſie nicht genoͤthiget auff den Koͤniglichen Thron zuſitzen / ſondern ſich gleich ſelber darin geſetzet / die Fraw Mutter etwas ſtehen / vnnd jhr einen Stuhl zu ſeiner Rechten ſetzen laſſen / im 1. Buch der Koͤnig Cap. 2. v. 19. worauß dieß Morale zufaſſen / daß Salomo ſeiner Fraw Mutter mit Soͤhnlicher Ehrerbietung begegnet / in deme er auff geſtanden / jhr entgegen gangen / ſie freundlich empfangen vnnd jhr auch einen Stuhl ſetzen laſſen / aber darbey doch ſeiner Koͤniglichen Eminentz vnnd Vorzug / in deme er vor - hin den Koͤniglichen Thron ſelber bekleydet / vnnd darmit den Vnterſchied deß Koͤ - niglichen Soͤhnliche Reſpects / als ein hochweiſer Herꝛ gezeyget. Vor das anderh ijaber60Das dritte Buch /ob er wol auff die vorgangene Complemente vnnd Vnterbawung ſeiner Fraw Mutter / jhre kleine Bitte anzuhoͤren vnd jhr Angeſicht nicht zubeſchaͤmen / ſich her - auß gelaſſen / auch ſie darauff vertroͤſtet / dannoch wie der Koͤnig vernahm daß jhr Suchen wegen deß Adonia / ein weiters ſehr nachdenckliches Außſehen hatte alſo gethan war daß vnter ſolchem Prætext vnd Schein / ein anders verborgen / vnnd wann er ſolcher Vorbitt ſtatt gebe / leichtlich ſein gantzer Staat / Koͤnigliche Cron vnd Thron / darnach mit Betrug / Liſt vnnd Tuͤcken / Adonia vorhin vnd eben durch dieß Suchen getrachtet in Gefahr gerathen koͤnten / ließ Salomon abermahl die Koͤnigliche Hoheit / der Soͤhnlichen Affection prævaliren vnnd vorgehen / ſprach ſeiner Fraw Mutter mit einem Verweiß faſt ernſtlich zuſagend: Warumb bitteſtu vmb Abiſag von Sunem / dem Adonia? Bitte jhme das Koͤnigreich auch / dann er iſt mein groͤſter Bruder / vnnd hat den Prieſter Abiathar vnnd Joab an der Hand / ſchlug alſo der Koͤnig jhr nicht allein dieſe gefaͤhrliche / Scepter vnnd Cron touchirende Bitte / wiewol er ſie vertroͤſtet jhr Angeſicht nit zubeſchaͤmen / rund ab / ſondern ſchwur daneben / daß Adonia ſolches wider ſein Leben ſolte geredet haben / in ſelbigem Cap. 2. v. 22. 23.

Als die hochgebenedeyte Mutter deß HErren auff der Hochzeit zu Cana in Galilæa / etwas fruͤe zettig jhren Sohn / den Schoͤpffer aller Dinge / vnd Heyland der Welt ſein hohes Wunder Ampt ſehen zulaſſen / vnnd die bekümmerte Geſponſen / denen es an Wein gebrach / durch ſeine Allmacht erfrewen / die Stralen ſeiner Goͤttlichen Majeſtaͤt hervor blicken laſſen vnnd Wein verſchaffen moͤchte / bekam ſie darauff anfangs eine faſt verweißliche vnd dieſe Antwort: Weib was habe ich mit dir zuſchaffen / meine Stunde (nemblich meine Goͤttliche Majeſtaͤt vnd Wunder-Hand ſehen zulaſſen) iſt noch nicht kommen / Johan. 2. Cap. v. 3. 4. Jn der Roͤmiſchen Hiſtoria findet man auch feine Exempel / deren Aul. Gellius lib. 2. Noct. Attic. Cap. 2. gedencket / vnnd ſonderlich deß / Q Fabii Maximi, der Burgermeiſter zu Rom worden / als jhme einsmahls ſein Vatter entgegen ge - ritten kommen / er demſelben durch einen Stadt Diener anzeygen laſſen / er moͤch - te vom Pferde abſitzen / welches der Vatter gar nicht vbel auffgenommen / ſondern vielmehr dem Sohn gratuliret, daß er die jhme von dem Roͤmiſchen Volck / als Herꝛſchern der Welt / auffgetragenẽ hoͤchſten Obrigkeitlichen Gewalt vnd Wuͤrde / mit Auctoritaͤt vnd Anſehen / zufuͤhren vnd daſelbe in acht zu haben wuͤſte vnnd ver - ſtünde / vnd ſich daran den Vaͤtterlichen Reſpect nicht irꝛen lieſe. Jmgleichen er - zehlet Gellius, als einsmahls der Roͤm. Stadthalter oder Præſident in der Jnful Creta / mit ſeinem Vatter nach Athen zu dem Philoſopho Tauro kommen / vnnd anfangs nur ein Stuhl bey der Hand geweſen / hat der Philoſophus den Vatter erſt zuſitzen genoͤthiget / der ſich entſchuͤldiget / auff den Sohn gezeyget vnd geſaget / laſſe dieſen meinen Sohn vorhin ſitzen / dann er iſt deß Roͤmiſchen Volcks Magi - ſtratus vnnd hohe Obrigkeit: Der Philoſophus replicirt / es ſolte der Vatter ſichnurꝛent61Von dem Hauß-vnd Eheſtande. nurꝛent ſo lange nieder ſetzen / biß die Frage eroͤrdert / weme von Rechswegen vn - ter jhnen beyden / Vatter vnd Sohn der Vorſitz gebuͤhrete / worauff ſich der Vatter wie auch der Sohn geſetzet / ſolchem nach der Philoſophus Taurus die Frage alſo reſolviret vnd erklaͤret / daß in Publicis muneribus. bey offentlichen Ampts Ver - ꝛichtungen einer Obrigkeit / die Jura Parentum oder Elterlicher Reſpect in etwas quieſciren vnd ruhen / auſſer deme aber / vnd in privato / muͤſten die publici honores auch etwas ceſſiren vnd der Sohn dem Vatter welchen. Wann im Roͤm. Reich einer von Adel auch wol geringern Standes / zu hohen Ertz - vnnd Stifftern vnnd dardurch gar zu Churfuͤrſtlicher oder Fuͤrſtlicher Dignitaͤt gelangete / wuͤrde es ſich nicht ſchicken / wann ein Churfuͤrſt als ein forderiſt Glied vnnd Hauptſenle deß Roͤm. Reichs / oder ein Fuͤrſt offene Taffel hielte / oder ſonſten offentlich auff - vnd einzoͤge / daß der Sohn dem Vatter als einem Privato bey der Taffel oder ſonſten in publico actu die Oberſtelle vnnd Vorzug geben wolte / ſondern muͤſte darbey vielmehr ſeine Churfuͤrſtliche oder Fuͤrſtliche Præeminentz vnd hohen Staat beob - achten / die Oberſtelle nehmen vnnd behalten / wann aber der Vatter zu dem Sohn der ein Churfuͤrſt oder Fuͤrſt waͤre in ſein Cabinet oder Cammer kaͤme vnnd ſie allein in privato bey einander waͤren / ſtuͤnde es als den dem Sohn nicht vbel an / daß er ſeinem Vatter die Oberſtelle oder rechte Seite lieſe. Zu Behauptung ange - regten Thematis, vnd darbey gemachten Vnterſchieds iſt auch dieſes zuerwegen / daß der Elterliche Reſpect zu dem Hauß - der hohen Obrigkeit Auctoritaͤt aber zu dem Regenten Stande gehoͤre / welcher jenem ſeiner Hochheit halber vorgehet / vnd kan ein Herꝛ vnd Regente auff gewiſſe Maſſe Vatter vnd Sohn ſeyn / (vid. Petr. Mattyr. in Commentar. ad lib. Reg. c. 2. fol. 18.) dann alle Regenten werden Vaͤt - tern verglichen / vnd dahero offters Vaͤtter deß Vatterlandes genennet / auch ge - buͤhret dem Regenten Stande / dahero billich der Vorzug / weil der Haußſtand ſeinen Schatten / Schutz vnd Conſervation vom Regenten Stande hat / vnd ohne dieſen / jener nicht einen Tag ſicher ſeyn vnnd beſtehen koͤnte / wie droben im 2. Buch Axiom. 1. mit mehrerm gemeldet.

Belangent nun das ander Theil dieſes Axiomatis, wann nemblich Obrig - keitliche vnd Vaͤtterliche Gebott / Befehle vnd Verordnung contrari vnnd wider einander lieffen / was als dann eim Sohn zu thun? Kan auß deme was im erſten Theil dieſes Axiomatis zu deſſen Deciſion angefuͤhret weiter gar wol eroͤrtert vnnd der Schluß genommen werden. Dann gehet der Obrigkeitliche Stand vnnd Gewalt vber den Hauß - vnd Elterlichen ſo muß auch billich der Obrigkeit Gebott / præponderiren vnnd vorgehen / weil dieſelbe dem Vatter nicht weniger als dem Sohn zugebiethen vnnd zubefehlen hat / vnnd das Cede majori allhie Platz findet. Zum Exempel wann eine Obrigkeit einen Sohn auß deß Vatters Hauſe vor ſich zur Verhoͤr oder ſonſten erfordert / der Vatter jhm ſolches verblethen wolte / muͤſte der Sohn billich der Obrigkeit Gebott vnnd nicht dem Vatter gehorſamen / welchesh iijaber62Das dritte Buch /aber auch mit dieſem Vnterſchied zuverſtehen / dafern der Obrigkeit Befehl nicht wider GOtt / die Liebe deß Nechſten vnd das Gewiſſen lieffe / dann widriges Falls iſt man der Obrigkeit keinen Gehorſam zu leiſten ſchuͤldig / wie droben im 2. Buch Axiom. 25. weit leufftig auß der Schrifft behauptet / vnnd waͤre auch ſolches Falles frommer Eltern trewe Warnung den Obrigkeitlichen Befehlichen vorzuziehen. Als der grawſame wuͤtrige Tyrann Antiochus die ſieben Brüder Macchabeer in Gegenwart der Mutter martern / peinigen vnd darumb toͤdten ließ / daß ſie nicht wider Gottes Geſetz vnd jhr Gewiſſen handeln vnnd jhme darin Gehorſam leyſten wolten / ſeynd ſie von der Mutter wider deß Tyranniſchen Koͤnigs Gebott ſtrack animirt, getroͤſtet vnd mit dieſen Worten ermahnet: Jch bin ja ewre Mutter vnd habe euch gebohren / aber den Athem vnnd das Leben habe ich euch nicht gegeben / noch ewre Gliedmaß alſo gemachet / darumb ſo wird der / der die Welt vnnd alle Menſchen geſchaffenhat / euch den Athem vnnd das Leben gnaͤdiglich wider geben / wie jhrs jetz vmb ſeines Geſetzes willen waget vnnd fahren laſſet / im 2. Buch der Macchab. Cap. 7. v. 22. in dieſem Fall haben die Soͤhne recht vnd wol gethan / daß ſie der Mutter Vermahnung den Gottloſen Gebotten deß Koͤnigs vorge - zogen.

AXIOMA XXXI. Auſſer der Ehe erzeugete Kinder / gerathen ins gemein vbel / zu weilen aber auch wol.

WEil der Eheſtand von GOtt vornemblich zur Kinderzucht vnnd Ver - mehrung deß Menſchlichen Geſchlechtes eingeſetzet / hat er auch denſel - ben vnnd darauß entſtehende Prolification vnnd Kinderzucht ſonderlich geſegnet / vnnd haſſet hingegen alle vnordentliche Vermiſchungen / dero - wegen darbey kein Seegen noch gutes Gedeyen zuerwarten. Hiervon redet die Weißheit Salomonis alſo: Was auß der Hurerey gepflantzet wird / das wird nicht tieff wurtzeln / noch gewiſſen Grund ſetzen. Vnd ob ſie eine Zeitlang an den Zweigen gruͤnen / werden ſie / weil ſie gar loſe ſtehen / vom Winde beweget / vnd von ſtarcken Winden außgerottet. Dann die Kinder ſo auß vnehelichen Beyſchlaff gebohren / müſſen zeugen von der Boßheit wider die Eltern / wann man ſie fraget / im Buch der Weißheit Cap. 3. dahero auch in dem Levitiſchen Ceremonial Geſetze / die Huren Kinder auß der Gemein der Prieſter geſchloſſen auch nach dem zehenden Glied. Jm 5. Buch Moſ. Cap. 23 v. 2. Wie aber deme / ſo bezeugen die ExempelH. Schrifft /63Von dem Hauß-vnd Eheſtande. H. Schrifft / vnd anderer Hiſtorien / auch die taͤgliche Erfahrung ſelber / daß die Vnehliche allein darumb / daß ſie auſſer der Ehe gezeuget von GOtt nicht gehaſſet vnd verworffen noch zuverachten / ſondern zu weilen / wann ſie nicht in jhrer Eltern leichtfertige Fußſtapffen getretten / ſondern GOtt vor Augen gehabt / ſich von ſei - nem Geiſt regieren laſſen / wol qualificirt vnd tugenhaffte geſchickte Leuthe worden. (Auguſti. lib. de bono conjug. cap. 16. Undecunque homines naſcantur, ſi paren - tum vitia non ſectantur, & Deum rectè colant, honeſti & ſalvi erunt. Semen enim hominis ex qualicunque homine, Dei creatura eſt, & eo male utentibus malè erit, non ipſum aliquando malum erit. Refertur in jure Canon. Cap. Uundecunque deſtinct. 56. Hieronym. in epiſt. ad Simmach. Naſci de adulterio, inquit, non eſt ejus culpa qui naſcitur, ſed illius qui generat. Item non in ſeminibus, ſed in volun - tate naſcentis, cauſa vitiorum eſt atque virtutum. Canoniſatur in c. Naſci dict. diſtinct. 65.)

Dann obwol GOTT der Ehelichen Prolification vnnd Kinderzucht / ſon - derlich den Seegen verheiſſen / ſo iſt er doch daran nicht gebunden / geſtalt dann auch die Eheliche Kinder anderer geſtalt ſich deſſen nicht zuerfrewen / als wann ſie in Gottes Wegen wandeln vnd ſeine Gebotte halten. Dann ſo wenig die vn - gerathene Gottloſe Kinder jhrer Eltern vnnd ehelicher Ankunfft ſich zu ruͤhmen / vnd dannenhero jhr Laſterhafftes Leben beſchoͤnen vnd verdecken moͤgen / ſo wenig kan denen auſſer der Ehe erzeugten / Gottesfuͤrchtigen Tugenthafften Kindern jhrer vnerbahren leichtfertigen Eltern Laſter zur Vngebuͤhr vorgerucket vnd bey - gemeſſen werden / (Natus ex meretrice & adultera, ſi propria virtute decoretur, parentum ſuorum non dedecoratur oppropriis, Non eſt omnino nec de virtute nec de vitio parentum aut laudandus aliquis aut culpandus: nemo inde verè aut obſcurus aut clarus eſt, &c. Chryſoſtom. Relatus in c. Nunquam dict. diſtinct. 56. Nullum patris delictum innocenti filio pœna eſt, inquit Ulpian. in l. 2. §. nullum ff. de Decur. ) dann es heiſt Filius non portabit iniquitatem patris, ſed anima quæ peccavit, morietur, das iſt der Sohn ſol nicht tragen die Miſſethat ſeines Vattern / ſondern welche Seele geſuͤndiget / die ſol ſterben / darvon ich weitleufftig gehandelt Axiomate 30. Jephtha war ein Huren Sohn / dannoch weil er ſich wol qualificirte vnd ein ſtreitbahrer Held war / iſt er allen ehelich gebohrnen Jſraeliten vorgezogen vnd zu jhrem Regenten / Herꝛen vnd einigen Oberhaupt erwehlet / der auch tapffere Helden Thaten gethan / vnd wider die Feinde deß Volckes GOttes geſieget vnnd ſehr wol regieret / im Buch der Richter Cap. 11. 12.

Es hat auch der HErr Chriſtus ſelber nicht geſchewet / in ſein Geburt Re - giſter kommen zu laſſen die jenige ſo auß vnehelicher Samen zur Welt kommen / geſtalt dann auß der vnehelichen Conjunction Juda vnnd Thamar der Hur / Pha - retz vnnd darvon in abſteigender Linientlich Jſai vnnd David entſproſſen / darmit an zu zeygen / daß er allen Menſchen auch den vnehelichen zu gutem Menſch vnndaller64Das dritte Buch /aller Welt Heyland worden / vnd alſo auch die Vnehelichen / wann ſie an jhn glau - ben gerecht vnnd ſeelig machen wollen darvon Hieronymus feine Gedancken hat / wie nach geſetzt (Dominus noſter Jeſus Chriſtus voluit, non ſolum de alieni - genis, ſed etiam de adulterinis Commiſtionibus naſci, nobis magnã fiduciam præ - ſtans, ut qualicunque modo naſcamur, dum tamen ejus veſtigia imitemur, ab ipſi - us corpore non ſeparemur, cujus per fidem membra effecti ſumus. Judas Patri - archa concubuit cum Thamar nuru ſua, & inde nati Phares & Zaran: Inde poſtea Salmon, qui fuit dux in deſerto: inde Obeth, inde quoque Booz, inde poſtea Iſai qui fuit Pater David. Exilla ergo progenie, origo ducitur Chriſti, qui verusſa - cerdos eſt, ideoque ſi filij ejus ſumus, quæ ipſe fecit nos imitari debemus. Hiero - nymus, & in c. Dominus noſter diſtinct. 56.) Die groſſe Suͤnderin Maria Mag - dalena hatte ſich ſehr in fleiſchlichen Luͤſten vertieffet / dannoch hat der HErr Chriſtus ſich in Gnaden zu jhr gewand / vnnd wie ſie Buſſe gethan vnd dem Evan - gelio geglaubet / jhrer Suͤnde ledig vnnd loß geſprochen / Luc. Cap. 7. v. 37. Moab vnnd Ammon darvon die Moabiter vnnd Ammoniter / zwey gewaltige Voͤlcker poſteriren vnd herkommen / waren von Loth vnd ſeinen beyden Toͤchtern in Blut - ſchulden auſſer der Ehe gezeuget / im 1. Buch Moſ. Cap. 19. v. 37. darunter viel ſtreitbare tapffere Leuthe gefunden die groſſe Kriege gefuͤhret / vnnd weil ſie von Abrahams Gebluͤt waren / hat GOtt den Jſraeliten / wie ſie in das gelobte Land ziehen ſolten / verbotten / die Moabiter vnnd Ammoniter nicht zu beleydigen / im 5. Buch Moſ. Cap. 2. v. 19. Es ſeynd auch viel andere alte vnnd friſche Exempel / vn - ehelich Gebohrner / die zu den hoͤchſten Ehren vnd Dignitaͤten in Geiſt - vnd Welt - lichen Stande kommen / deren einen zimblichen Catalogum oder Anzahl Gabriel Palæottus in ſeinem Tractatu de Nothis & Spuriis, Cap. ult. recenſiret vnd anziehet darunter verſchiedene Roͤmiſche Keyſer / Fuͤrſten / Hertzogen / Paͤbſte / Cardinaͤle / Biſchoffe / auch vornehme gelaͤhrte Leuthe zufinden / die nicht ehelich gebohren. Ro - mulus der Vhrheber deß Roͤmiſchen Reichs iſt von der Rhea Sylvia ſo eine Heyd - niſche Cloſter Jungfraw geweſen auſſer der Ehe zur Welt kommen / Flor. lib. 1. Cap. 1. Rer. Roman. Der gewaltige Keyſer Carl der V. hat zwey natuͤrliche Kinder verlaſſen / die ſehr Tugenthafft geweſen vnnd wol gerathen. Das erſte war die Margaritha / welche er vier Jahr vor ſeiner Vermaͤhlung von einer Adelichen Da - men auß Niederland / Margarethen von Vangeſt erzeuget welche von deß Key - ſers Schweſter Maria Koͤnigin in Hungern erzogen / ſich gleich zu allen Tugenden qualificirt vnd eine hochverſtaͤndige Princeſſin worden / vnnd iſt anfangs an den Großhertzog von Florentz / nach deſſẽ Todt aber an den Hertzog von Parma vermaͤh - let / vnd entlich von jhrem Bruder Koͤnig Philippo in Hiſpanien zur Gouvernan - tin der Niederlande gemachet / welche ſie mit ſonderbahrem hohen Verſtande etliche Jahr alſo regieret / daß nach jhrem Abzug vnnd deß Hertzogen von Alba Ankunfft Sie dieſelbe wider gewuͤnſchet vnnd an theils Orthen da jhr Wapen geſtanden /wann65Von dem Hauß-vnd Eheſtande. wann die Leuthe vorůber gangen / jhr zu Ehren / die Huͤthe abgenommen vnd damit jhre Liebe vnnd Affection conteſtiret, geſtalt ſie dann deß von Alba vorgenommene Tyranney in den Niederlanden nicht allein zum hoͤchſten improbiret, ſondern in einem außfůhrlichen Schreihen dem Koͤnig widerꝛathen / wie ſolches beyds von Famiano Strada in Hiſtor. Bel. Belgic. lib. 1. & 6. in fin. mit mehrerm zuleſen.

Nach ſeiner Gemahlin Todt vnd im Wittiben Stand hat Keyſer Carl von einer Adelichen Damen Barbara von Blomberg zu Regen - ſpurg Anno 1547. einen gezeuget / welcher Don Johannes de Auſtria ge - nant / ein fuͤrtrefflicher tapfferer Held worden / der ſeinem Bruder Koͤnig Philippo in Hiſpanien ſtattliche vnd nutzliche Dienſte in verſchiedenen Kriegen gethan / ſonderlich in dem Africaniſchen Kriege da er mit reſol - virtem Heldenmuth die gewaltige Tuͤrckiſche Flote im Ægeiſchen Meer Anno 1571. angegriffen / geſchlagen vnd das Koͤnigreich Thunis eingenõ - men / hernacher in den Niederlanden zu einem Gubernatorn beſtellet / da er dann auch den Krieg kluͤglich vnd mit gutem Succeſs gefuͤhret / weil er aber deßhalben bey dem Koͤnigl. Spaniſchen Hoffe vnd daß er zu groß moͤchte / verdaͤchtig worden / hat er im 31. Jahr ſeines Alters kranck werdẽ vnd ſterben muͤſſen / wie ſolches gemelter Famian. Strada in ſeinem zehen - den Buch Niederlaͤndiſcher Kriegs Beſchreibung / mit mehrem anfuͤh - ret vnd darbey meldet daß nach ſeinem Todt / an ſeinem Leibe Gifftflecken gefunden / da er dann auch dieß Politicum Machiavellicum ſetzet / Princi - pem ſive Regem Hiſpaniarum, cui tuta quæ ſuſpecta, cavere voluiſſe ne continuato apud eundem armorum imperio, Potentiam aliquando (vid. in Belgio) irrevocabilem firmaret. Es ſetzet auch Nicol. Reuſner. in ſeinem Opere Genealogico, dieſe beyde natuͤrliche Kinder mit in die Genealogi Keyſer Carls ohne zweiffel jhrer Tugent vnnd Tapfferkeit halber. Bartolus ſo der Rechtsgelaͤhrten Dux oder Heerfuͤhrer genant / iſt ein Baſtard, wie auch der vberauß gelaͤhrte Eraſmus Roterodamus ein Fuͤndling / der von ſeinem Vatter oder Mutter nichtes gewuſt / dahero auch Deſiderius geheiſſen worden / vnd weil die alte Roͤmiſche Geſetzgeber vnnd nachgehents die Roͤm. Keyſer / dergleichen auſſer der Ehe kom - mender / aber ſich zu allem guten anſchickender Leuthe ruͤmblicher Tu - genthaffter Inclination vnnd Bezeugung mit Abthuung ſolcher vnver - ſchuldeten durch die bloſe Geburt angeſprengter Macul oder Fleckens vor ſich oder durch vornehme wol meritirte Leuthe / denen ſie ſolche Ge - walt concredirt vnnd vertrawet / welche man Palatii Cæſarei Comites nennet / zu ſtatten kommen vnnd durch vorgehende actus Legitimationis daruͤber derogeſtalt diſpenſiren wollen / daß vermittelſt deroſelben /iſolche66Das dritte Buch /ſolche Macul vnnd Vermaͤhligung von jhnen gaͤntzlich auffgehoben / ab - gethan vnd vernichtet / vnd ſie in die Ehre vnd Wuͤrde deß ehelichen Stan - des geſetzet vnnd erhoben / daß jhnen weder in oder auſſerhalb Gerichts / noch ſonſten in kein ander weiß zu keiner Schmach noch Schand fuͤr - geruͤcket / ſondern vor ehelich gehalten / zu allen Ehren / Wuͤrden / Aem - ptern / Zunfften / Handwerckern / gleich andern ſo von Vatter vnnd Mutter ehelich gebohren vnnd ſonſten zu allen Erbſchafften mit zuge - gelaſſen werden / welches der H. Schrifft gemeß vnd nicht zuwider / weil oben gemeldet / ſonderlich ad marginem auß den Patribus notiret, daß GOTT nicht auff die Geburt / ſondern auff das Hertz vnnd Gemuͤth der Perſon ſehe / vnnd einem jeden vergelte nach ſeinem Weſen / Thun vnnd Wercken. Den Jephtha hat GOtt ſelber legitimiret die Macul vnehelicher Geburt abgethan / vnnd zu einem Regenten ſeines Volcks wie oben gedacht / erhoben. Deßgleichen hat er die Nachkommen deß Pa - triarchen Juda / von der Thamar gebohren / Natalibus reftituiret, daß ſie wuͤrdig worden / in das Geburt Regiſter ſeines Sohns deß Heylands aller Welt zukommen / wordurch dann alle vnehelich Gebohrne / wann ſie ſich der Geburt Chriſti im Glauben vnnd wahrer Buſe erfrewen vnnd theilhafftig machen nach Ehrn vnnd Tugent ſtreben / de jure divino & ex Chriſti merito, pro legitimatis ad hæreditatem Regni cœleſtis zu halten.

AXIOMA XXXIII. Es iſt beſſer ohne Kinder ſterben denn Gottloſe Kinder haben.

DIeſes iſt ein Spruch deß weiſen Manns Syrach / Cap 16. v. 4. Ein vngezogener Sohn / iſt ſeinem Vatter ein Vnehre / vnnd ein vnvernuͤnfftige Tochter bekuͤmmert jhren Vatter / lehret er weiter / Cap. 22. v. 3. 4. darumb bate der Koͤnig David vnnd ſprach / GOtt gib dein Gericht dem Koͤnig / vnnd deine Gerechtigkeit deß Koͤnigs Sohn / daß er dein Volck bringe zur Gerechtigkeit / vnnd den Elenden rette / Pſalm. 72. v. 1. 2. dem Prieſter Eliwaͤre es beſſer geweſen / er haͤtte keine als vngezogene / vnartige Kinder gehabt / weil er vnnd ſein gantzes Hauß darumb von GOtt hart geſtraffet worden / 1. Samuel. Cap. 3.67Von dem Hauß-vnd Eheſtande. Cap. 3. v. 13. 14. Da GOtt der HErꝛ ſaget vmb der Miſſethat Eli willen / daß er wuſte wie ſeine Kinder ſich ſchaͤndlich hielten / vnnd nicht einmahl ſawer darzu ſahe / habeich dem Hauß Eligeſchworen / daß die Miſſethat ſeines Hauſes nicht ſol verſühnet werden.

Beſſer waͤre es auch dem Propheten Samuel geweſen / keine Kinder zu haben als daß ſeine vngerathene Soͤhne durch jhr vbeles ver - halten Vrſache zu groſſer Enderung gegeben im Volcke Gottes / 1. Sa - muel. Cap. 8. Beſſer waͤre es geweſen / Adam haͤtte den Cain nicht gezeu - get / als daß er ein Bruder Moͤrder ward. So hatte auch David an ſei - nen Soͤhnen Abſolon / Ammon vnd Adonia / nichtes als Hertzeleyd.

AXIOMA XXXIV. Fromme vnd vornehme Eltern haben offt vnge -Heroum Filii No - . rathene boͤſe Kinder.

ADam vnd Eva ob ſie ſchon in die Suͤnde gefallen / waren ſie dan - noch fromme Gottſeelige Leuthe / aber jhr erſt gebohrner Sohn Cain / war ein Bruder Moͤrder. Gen. Cap. 4. Deß gerechten Noahs Sohn Ham / war ein Spoͤtter / Gen. 5. 9. deß gleichen Jſ - mael Abrahams Sohn / Gen. Cap. 21. die Dina deß Ertzvatters Jacobs einige Tochter verſpatzierte jhren Jungfrawlichen Krantz vnnd ward jhme zur Huren / Gen. Cap. 34. ſein Sohn Ruben beſtieg ſeines Vattern Bette vnnd begienge Blutſchande / Gen. Ca. 35. Aaron der Hoheprieſter hat auch vngerathene Soͤhne / welche wider GOttes Ordnunge / frembd Fewr brachten fuͤr den HErrn / deß wegen ſie mit Fewr verzehret wur - den / im 3. Buch Moſ. Cap. 10.

Samuel war ein frommer vnd von GOtt hochbeliebter Mann /Plerosque omnes fi - lios Paren. tibus eſſe deteriores vix ullos meliores dixiſſe fer - tur Home - rus teſte Froſſ. lib. 1. Hiſt. in pr. der Jſrael recht richtete / der niemandes Ochſen oder Eſel genommen / der niemand gewalt vnd vnrecht gethan / der von keines Hand Geſchenck genommen / noch ſich die Augen blenden laſſen / ſondern vnparteiſch Recht einem jeden gedeyen vnnd widerfahren laſſen / 1. Samuel. Cap. 12. v. 3. aber ſeine beyde Soͤhne Joel vnnd Abia die er zu Richtern vber Jſrael in Berſaba ſatzte / wandelten nicht / wie die Schrifft redet / in ſeinem Wege / ſondern neygten ſich zum Geitz / nahmen Geſchenck vnnd beugten dasi ijRecht /68Das dritte Buch /Recht / dahero das Volck zum Auffſtand bewogen vnnd einen Koͤnig haben wollen / 1. Samuel. Cap. 8. v 3. & ſeqq. da hat es wol recht geheiſſen wie Tertullian ſagt. Liberi ſunt amariſſima voluptas. Die Kinder ſind die allerbitterſte Wolluſt / nemblich wann ſie vbel gerathen oder ſonſten zu Vngluͤck vnd Vnfall kommen.

Eli der Prieſter war vor ſich ſelber ein frommer Mann / aber ſei - ne beyde Soͤhne Hophni vnd Pinehas waren boͤſe Buben / 1. Samuel. Cap. 2. v. 12. Gideon der ſtreitbahre Held / war ein frommer geliebter vnd gelobter Mann / aber ſein Sohn Abimelech war ein Gottloſer Tyrann / Judic. c. 9. Der David hatte verſchieden vngerathene Kinder. Ammon nothzuͤchtigte vnnd ſchaͤndete ſeine eigene Schweſter vnnd Koͤnigliches Fraͤwlein die Thamar / 2. Samuel. Cap. 13. Abſolon erwuͤrgete dieſen ſeinen Bruder bey angeſtelleter Gaſterey / d. c. 13. trachtete ſeinem Vat - ter David nach Scepter vnnd Cron / vertrieb jhn von ſeiner Koͤniglichen Reſidentz Zion / 2. Samuel. Cap. 15. Adonia ward ein Auffruͤhrer / em - poͤrete ſich wider ſeinen Brudern den Koͤnig Salomon / 1. Reg. Cap. 2. Dieſer hochweiſe Koͤnig Salomon verließ einen vnweiſen Sohn Reha - beam / 2. Reg. Cap. 12. dem Gottſeeligen frommen Koͤnig Hißkia folgete im Regiment ſein Gottloſer vngerathener vnnd Abgoͤttiſcher Sohn Manaſſe der ließ ſeine Soͤhne durchs Fewer gehen / im Thal Hinnon / wehlete Tage / achtete auff Vogel geſchrey vnnd zauberte / 2. Reg. C. 20. & 21. & 2. Chronic. Cap. 33. v. 2. & ſeqq. Deß frommen Koͤnigs Joſa - phats aͤltiſter Sohn Joram / ward nach jhme Koͤnig / aber ein Gottloſer Tyrann vnnd Bruder Moͤrder / welcher ſo bald er zum Regiment kame / alle ſeine Brüder mit dem Schwerdt / darzu auch etliche Obriſten in Jſrael hinrichten ließ / vermaͤhlete ſich an deß Gottloſen Koͤnigs Achabs Abgoͤttiſcher Tochter vnnd wandelte in den Greweln jhres Vatters / 2. Chronic. Cap. 21.

AXIO -69Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

AXIOMA XXXV. Von Gottloſen Eltern kommen zu weilen fromme tugenthaffte vnnd wolgeratheneEdvardus ejus nomi, nis tertius, Angliæ Rex, opti - mus peſſi - mi Paren - tis fuit fili teſte Froſ. lib. 1. Hiſt. in princ. Kinder.

SAul war ein Gottloſer Tyran / hatte doch einen tugenthafften tapfferen auffrichtigen Sohn / den Jonathan / deſſen Hertz ſich mit David verband / vnnd wolte ſeines Tyranniſchen Vatters vngerechten Befehl an jhm nicht vollbringen / 1. Samuel. Cap. 19. Cap. 20. & 23. Abiam war ein Gottloſer Koͤnig / von welchem die Schrifft meldet / daß er gewandelt in allen Suͤnden ſeines Vatters / vnd kein rechtſchaffen Hertz zu GOtt ſeinem HErꝛn gehabt / 1. Reg. Cap. 15. v. 3. dannoch hat er einen frommen Gottfuͤrchtigen Sohn / den Aſſa ver - laſſen / welchem die Schrifft Zeugnuß giebet / daß er gethan was dem HErꝛn wolgeftehl / darzu ſeine eigene Mutter Maecha abgeſetzet vom Ampt daß ſie dem Abgott Miplezeth gemachet hatte im Hain / denſelben außgerotter vnd verbrandt / in ſelbigem Capit. 1. Reg. 15. v. 12. Ein guter vnd frommer Sohn / eines Gottloſen Vatters / war der Koͤnig Hißkias der nicht trat in die Abgoͤttiſche Fußſtapffen ſeines Vatters / ſondern thaͤte ab die Hoͤhen vnnd zerbrach die Seulen / vnnd rottete die Hainen auß / 2. Reg. Cap. 18. v. 1. & ſeqq. 2. Chronic. Cap. 29. Deß Gottſeeligen loͤblichen Koͤnigs Joſia Vatter Ammon / thate was dem HErꝛn vbel ge - fiehl / dienete den Goͤtzen vnnd bettet ſie an / Joſias aber als er im achten Jahr ſeines Alters / zum Regiment kame / finge er an wie er noch ein Knabe war / zu ſuchen den GOtt ſeines Vatters Davids / vnd im zwoͤlff - ten Jahr ſeines Alters finge er an zu reinigen Juda vnnd Jeruſalem / von den Hoͤhen / Hainen vnd Goͤtzen vnnd gegoſſenen Bildern / ꝛc. 2. Chronic. 34. v. 1. & ſeqq. 2. Reg. Cap. 22. v. & ſeqq.

i 3AXIO -70Das dritte Buch /

AXIOMA XXXVI. Dieerſte Geburt / hat in GOttes Wort vnnd von Natur / in vieler Voͤlcker Rechten / ſonder - bahren Vorzug vnnd Begnadi - gung.

(1.) Corne - lius à Lapi - de in - ment. Gen. ca 26. v. 31. Jus primo - geniti in - quit. Lege naturæ fu - iſſe primũ, quod erar Princeps fratrũ co - rũq; quaſi Pater & Dominus, adeò ut coram co ſe fratres inclinarēt, ut patet Gen. c. 27. v. 29. ſuc - cedebat e - nim Pri - mogenitus in Patriam dignitatem hoc eſt, in regnum & Patriarcha. lem hono - rem.
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JN der Judiſchen Policey / iſt die erſte Geburt ſonderlich hervor - gezogen vnnd begnadet / deren Præeminentz vnnd Wuͤrde vnter andern vornehmlich in nachfolgenden dreyen Stücken beſtanden / 1. Daß die erſtgebohrne Soͤhne / dem Vatter in primatu, Ehre vnd Wuͤrde ſuccediret vnd gefolget / derogeſtalt / daß die vbrige juͤngere Bruͤder vnd Geſchwiſter / nach toͤdtlichen Abgang deß Vatters / den aͤlti - ſten mit Ehrerbietung / ſonderbahrem Reſpect vnnd Veneration an deß Vattern ſtatt / begegnet vnnd denſelben tanquam Caput Familiæ hono - tiret. Dieſes Recht legte Jſaac dem Jacob / (welcher die Erſtegeburt von ſeinem aͤltiſten Bruder Eſau erhandelt / vnnd exjure ceſſo erlanget /) ſelber bey / da er alſo diſp onirte: Sey ein HErꝛ vber deine Bruͤder / vnnd deiner Mutter Kinder muͤſſen dir zu Fuß fallen / verflucht ſey wer dir flu - chet / vnd geſegnet ſey / der dich ſegnet / im 1. Buch Moſ. Cap. 27. v. 29. (1.) Von Ruben ſagte zwar der Ertzvatter Jacob / daß er Vermoͤge der Erſtengeburt / der Obriſte im Opffer / vnnd der Obriſte im Reich ſeyn ſollen / aber weil er auff ſeines Vatters Lager geſtiegen / ſeine beyde naͤch - ſte Bruͤder Simeon vnnd Levi aber / Moͤrderiſche Waffen ergriffen / haͤtten ſie ſich deſſen vnfaͤhig gemachet / vnnd transportirte Jacob in ſei - nem Vaͤtterlichen Teſtament / ſolche Ehr vnnd Wuͤrde auff Judam ſei - nen quartogenitum oder vierdten Sohn / vnd ſprach: Juda du biſts / dich werden deine Bruͤderloben / fuͤr dir werden deines Vatters Kinder ſich neygen / Cap. 49. v. 3. & ſeqq. darin er dann auch ein Vorbild geweſen deß HErꝛen Chriſti / welcher auch genant wird der Erſtgebohrner vor allen Creaturen / nach ſeiner Gottheit / in der Epiſtel an die Coloſſer C. 1. v. 15. vnd nach ſeiner Menſchheit / der Erſtgeborner vnter vielen Bruͤdern / an die Roͤmer / Cap. 8. v. 29.

2. Jſt das Recht der Erſtengeburt darin beſtanden daß der Erſt -gebohrner /71Von dem Hauß - vnd Eheſtande. geborner / in judicio Familiæ herciſcundæ oder Theilung der Vaͤtterli -(2.) Zeppe. delegib. Moſai. li. 1. c. 7. §. Pri - mogenitu - Lex Ty - raquell. de jure Pri - mogeni. in Præfat. n. 2. & ibi allegati quam plurimi. chen Erbſchafft / zwey portiones vnd Erbtheil gehabt / (2.) derogeſtalt wann drey Bruͤder die Vaͤtterliche Verlaſſenſchafft vnter ſich gethei - let / dieſelbe in vier Portionen geſetzet / darvon der Erſtgebohrne zwey / die vbrige Bruͤder die andern beyde Theile zu ſich genommen. Deuteron. Cap. 21. verſ. 17. Alda ſtehet daß der Vatter dem erſten Sohn ſol geben zwiefaltig / denn derſelbe iſt ſeine erſte Krafft / (3.) vnd der Erſtengeburt Recht iſt ſeyn.

(3) Principium Roboris, hoc eſt, Primogenitus eſt prima columna Domus. Dawird einer ein Haußvatter / ita Luth. explicat ad cap. 49. Comment. in Genes. Et in Bibliis - plutenſibus. Principium Roboris pro Principio liberorum explicatur.
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Der Ertzvatter Jacob hatte das Recht der Erſtengeburt / ſeinem(4.) Joſeph iſt ein dup - pelt Kind. tantum ac - cepit, quantum alii Duo. Luth. d[o]lo. fol. 649. fac. 2. vierdten Sohn dem Juda / (weil die drey aͤltiſte vor dieſē gezeugete Soͤh - ne / durch Vberfahrung ſich deſſen vnfaͤhig gemachet) wie ſchon gemeldet / ſo viel die Herꝛſchafft / Primat oder Fuͤrſtenthum anreichet in ſeinẽ Teſta ment verſchaffet / weil aber doch Judaden Joſeph mit verkauffen / vnnd ein plagium committiren helffen / hat er jhme das volle Recht der Primo - genitur nicht gelaſſen / ſondern den Kindern Joſeph das zweyfache Erb - theil / zugewand / (4.) im erſten Buch der Chron. Cap. 6. v. 1. 2.

3. Jſt dieſem Rechte anhaͤngig geweſen die Prærogativ oder Wuͤrde deß Prieſterthums / wie auß deme oben angezogenen / 27. Cap. v. 9. deß 1. Buchs Moſ. zuſehen / in Anſehung deſſen hat der Erſtgebohrne in offent -(5) Tiraq. in præfat. tractat. de jure Pri - mog. n. 12. ubiex glo. alleg. & a - liis reſert, Quod Pri - mogenitu - ra apud Hebræos fuerit, quaſi q[u][m]privilegiũ, prærogativa atque dignitas, ut natu maximus cæteris eſſet hon oratior, ut qui præ cæteris offe - reb at ſacriſicia, ſedebatque ad dextram patris. Et ex Bald. inl decernimus in 2. notab. C. de SS Eccleſi. quod filius Regis Ptimogenitus debet ſedere à dextris Regis. Idem Tyraquel. in d[e]prafat. n. 17. ex Hoſtienſ. & aliis notat: Primogenitos habuiſſe veſtem quam dam ſpecia -lem, lichen Zuſammenkunfften / mit einem Prieſterlichen Habit angethan / die andere Bruͤder geſegnet vnnd nach der Suͤndfluth das Opffer ver - richtet / biß das Levitiſche Prieſterthumb auffkommen / da die Leviten an ſtatt aller Erſtgebohrnen in Jſrael / zum Prieſterthumb verordnet / im 4. Buch Moſ. Cap. 3. v. 12. (5.) welcher geſtalt GOtt die Erſtegeburt / ſind der Zeit / er alle Erſtegeburt in Egypten geſchlagen / von Menſchen biß auff das Vieh / ſo ein Maͤnnlein war vnd die Mutter gebrochen / auß - geſondert vnd geheyliget / ſolches iſt zuleſen / im andern Buch Moſ. Cap. 13. v. 12. 13. & Cap. 22. v. 30. & Cap. 34. v. 19. 20. im 4. Buch Moſ. C. 3. v. 13. im 5. Buch Moſ. Cap. 21. v. 19.

Auß80[72]Das dritte Buch /
lem, aut ut in quibuſ - dam lodi - cibus legi - tur, ſpiritu alem quã in ſacrifi - ciis tantũ induebant coſque in ſolennitatibus & conviviis benedicere ſolitos, fratrib. natu minorib. Et n. 21. fuiſſe Dominos Fratrum. Breviter & compendioſe Drexeli. in tractat. de Chriſt. naſcente par. 1. c. 6. §. 5. Octo inquit inter Hebræos erant prærogativæ Primogenitorum, etiam ante conſtitutas leges Moſ. 1. primogeniti erat Sacerdotem agere. 2. in menſa primo recumbebat loco, eique majot quā reliquis portio dabatur. 3. Primogeniti veſtitus erat pretioſior. 4. Imperium in fra - tres alios habebat qui ſe illi ſummittebant cumque venerabantur. 5. ſuis fratrib. benedicebar. 6. geminã partem facultatum paternarum accipiebat. 7. oblatus Deo Primogenitus quin - que ſiclis redimebatur. 8. à moribundo patre fingulariter benedicebatur.
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Auß welchem vnd andern mehr genugſamb zuvernehmen was ſonderbahren Ehren vnd Wuͤrden die Erſtgeburt bey dem Volck GOt - tes auch andern vernuͤnfftigen Voͤlckern geweſen. Die Moabiter haben hierin den Jſraeliten gefolget vnnd dem Erſtgebohrnen die Koͤnigl. Wuͤrde vnd Regierung zugewand / im 2. Buch der Koͤnig / Cap. 3. v. 17. allda gemeldet wird / daß Moab ſeinen erſten Sohn / der an ſeine ſtatt Koͤnig werden ſollen geopffert.

Daß bey den Egyptern die Erſtegeburt fuͤr andern hochgehalten / erſcheinet darauß genugſamb daß ſie GOtt mit Schlagung der Erſten -(4.) Hero - dot. lib. 7. apud uni - verſos in - quit, ho - mines ſta tutũ eſt, ut Maximus natu libe - rorum ob - tineat Principatum. Et Juſtin. lib. 2. Aratabazanes ait: Filius Darii natu Maximus ætatis Privilegio regnum ſibi vindicabat, quod jus & ordo naſcendi & natura ipſa gentibus dedit. Cu - jac. in Tit. 9. lib. 1. Feud. Jurisgentium eſſe dicit, ut majori natu cedat regnum. geburt / von dem erſten Sohn Pharao der auff ſeinem Stuhl ſaß biß an den erſten Sohn der Magd / vnnd alle Erſtegeburt vnter dem Viehe ſon - derlich heimbgeſuchet / im Buch Moſis Cap. 11. v. 11. Ja es iſt der Vor - zug / der Erſtengeburt bey den Griechen / Macedoniern / Perſen / Meden / Syrern / Parthen / Teutſchen / Frantzoſen / Hiſpaniern / Engellaͤndern / Schotten / Hungern / Arabern / Gothen / Wenden / vnnd andern mehr Voͤlckern / darvon Tyraguel in angeregter Præfation vnnd andere weit, leufftig ſchreiben / im Gebrauch vnd Vbung geweſen. (4.)

Die gemeine beſchriebene Keyſerl. Rechte machen keinen Vnter - ſchied / vnter die Erſt - vnd Nachgeborne / ſondern theilen gleichen Bru -(5) Inter fi - lios G. Fa - mil. erciſe. dern gleiche Cappen vnnd Portiones Vaͤtterlicher Erbſchafft zu / (5) ermahnet auch die Eltern darzu daß ſie nach Muͤglichkeit Streit vnnd Vneinigkeit zuvermeyden / gleiche Außtheilung zumachen / wiewol jhnen das Arbitrium dividendæ hæreditatis dardurch nicht benommen / wann nurꝛent einẽ jeden / ſein in den Rechten verordnete Legitima ohngeſchme -(6) L. Parẽ. tibus C. de in offic. Teſtamen. lert honorabili hæredis titulo verſchaffet vnd gelaſſen wird. (6.) Dieſes kan alſo inter privatos wol obſerviret vnd gehalten werden / aber in hohen Koͤniglichen / Chur - vnd Fuͤrſtlichen auch Graͤffl. Haͤuſſern / vnd Herꝛn Standes Kindern / wird ins gemein dem Eltiſten das Regiment / Fuͤr - ſtenthumb / Lande / Leuthe vnnd deren Regierung vermoͤge herkommenszugewand /73Von dem Hauß - vnd Eheſtande. zugewand / (4) die andern aber mit einem Deputat vnd ehrlichem Stan -(4) Noſtris quoque temporib. apud o - mnes gen - tes, con - ſuetudo eſt & ea quidem à jure ap - probata, utin his quæ ſunt dignitatis, primoge - nitus - teris præ - feratur Tyraquel. in d. Præfati. n. 35. Petr. Gregori. de Repub. lib. 7. Cap. 5. Conſuetudo inquit, jam regulariter obſervat, ut non tantum regna, ſed etiam Ducatus, Marchionatus, ſimilesque dignitates non dividantur ſed primogenito vel proximiori deferantur c. 1. §. præterea, de pro - hib. Feud. alien. Frider. Duo itaque fundamenta ſtabiliunt primogenituræ jus, Natura & Lex. Natura, quia coipſo quoquis primo loco, primusætate, primus ſtirpe interfratres conſtituitur ipſa velut natura pro co ſtipulante prærogativam habet. Lex ſive ſtatutum ſive conſuetudo huncnaturæ ductum adeò venerata eſt, ut prorogativam naturæ approbet. Confer Arnold. Engelbrecht / de ſucceſſ, in Elector. in princip. desmaͤſſigen Vnterhalt verſehen.

Jn den Chur-Haͤuſern kompt die Churfuͤrſtl. Dignitaͤt / Stimme vnnd Wahl-Recht / auch die Regierung der Chur-Lande auff den Erſt - gebornen Sohn / vnd deſſen Nachkommen / vermoͤge der Guldenen Bul - le / Keyſer Carl deß IV. Ca. 24. Welches dann in vielen Fuͤrſtl. Haͤuſern / auch alſo hergebracht / geſtalt ich darvon in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccleſiaſtic. lib. 1. Claſ. 4. Cap. 17. etwas weitleufftiger geſchrieben / da dann auch verſchiedene Motiven vnd Vrſachen angezogen / warumb es nicht nutzlich / ſondern den Reichen / Chur-Fuͤrſtenthumben / Graff - vnd Herꝛſchafften hoch ſchaͤdtlich vnnd entlich verkleinerlich waͤre wann dieſelbe / nach gemeinem Erbgangs Rechte / in viel Particulen verthei - let / zerꝛiſſen vnd vergeringert wuͤrde.

AXIOMA XXXVII. Das Recht der Erſtengeburt / kan einer vor ſich vnd ſeine Nachkommenen / durch Verbrechen / oder gutwillige Begebung ver - liehren.

ES war zwar Cain der Erſtgebohrner / aller Erſtgebohrnen von Menſchen / der von Natur vnnd Rechtswegen der Verheiſſung ſich zuerfrewen gehabt / daß von jhme vnnd ſeiner abſteigender Li - nea poſteriren vnnd kommen ſolte / der Schlangen Tretter / der Schilo vnnd Held / der das jenige widerbraͤchte was ſeine Mutter die Eva vernaſchet vnd verlohren / darzu ſie jhmebey der Geburt / wiewol zukfruͤzeitig /74Das dritte Buch /fruͤzeitig / das Prognoſticon ſtellete vnnd gratulirte / ſprechende / Jch habe den Mann den HErꝛen; Als er aber ſich darauff verließ / vppig / hochmuͤthig / vnnd entlich ein Moͤrder ſeines frommen gerechten(1) Chry - ſoſtom. Homi. 10. ſuper Ge - nes. Quæ - rens cur Caini Ge - nealogia prætermiſ. ſa, Sethi natu mi - noris, re - cenſetur ſacra ſcriptura, reſpondit, quia Cain primatum ſibi â Natura datum, hoc eſt, primo - genituræ dignitatem, ſuæ voluntatis malitia dehoneſtarat, & ipſe & qui ex co nati ſunt, Ca - talogo eiiciuntur; Seth vero quod ſibi Natura negatum erat, id mentis dexteritate conſe - quitur, nempe in ſe transferens jus primogenituræ. Bruders Abels ward / verlohr er dieß hohe Regale / Wuͤrde vnd Herꝛlich - keit vor ſich vnd alle ſeine Erben / vnnd kam ſolch Recht ordine naſcendi, auff den heyligen Seth vnnd ſeine Nachkommene / im 1. Buch Moſis Cap. 4. (1) Von dieſem Seth ſeyn entſproſſen die heiligen Vaͤtter / Enoch / Noah / Sem / Abraham / Jſaac / Jacob / Juda / vnnd der ver - ſprochene Weibes Samen Chriſtus; Von Cain aber ſeynd poſterirt die Gewaltigen in der Welt / Gen. Cap. 6. v. 4. Jtem Geiger vnd Pfeif - fer / Cap. 4. v. 21. vnd iſt deß Cains gantze Race vnnd Poſteritaͤt / in der Suͤndfluth zu grunde von der Erden vertilget worden / Gen. Cap. 7.

Dem Eſau hatte die groſſe Mutter / die Natur / in ipſo Nativitatis momento, das Recht der Erſtengeburt / vor ſich vnd ſeine Nachkomme -(2) Caſp. Anthon. Theſaur. Quæſt. Forens. l. 1. quæſt. 34. n. 32. ubi veriorem & receptiorem opinionem eſſe dicit, Primogenituræ iuri renunciari poſſe, imo illud donari & vendi poſſe, adducens ibid. iura & Dd. & notabile exemptum inter Filios Caroli Magni, Bernhardum & Ludovicum factâ ceſſione per Pipinum, Italiam recipiendo ex Petr. Gregor. de Republ. lib. 7. cap. 10. ne beygeleget vnd gegeben / er hat aber daſſelbe ſo geringe æſtimiret, daß ers ſeinem Juͤngern Bruder Jacob / vmb ein ſchlecht Linſen-Gericht abgetretten vnd verkaufft / vnnd alſo ſich vnnd ſeine Kinder darumb ge - bracht / Genes. Cap. 25. ad jura ſemel renunciata non datur regreſſus, ſprechen die Rechte / einmahl vergeben ewig verlohren. (2)

Ruben / Jacobs Erſtgebohrner Sohn / hat durch ſein Verbrechen vnd Blutſchulde ſich vnd ſeine Nachkommene vmb dieß Recht gebrach - ten / Gen. Cap. 49. Solchem nach waͤre daſſelbe nach der Geburts Ord - nung auff Simeon vnd folgends auff Levi kommen / weil aber dieſe beyde ſich auch verlauffen / vnd Moͤrderiſche Waffen / wie im vorigem Axio - mate gedacht ergriffen / ſeynd ſie deſſen ſuo facto & culpâ vor ſich vnd jhre Kinder verluſtig worden / vnd iſt es an Judam den Vierdten in der Ord - nung gelanget / in gemeltem 49. Cap. geſtalt in vorhergehendem Axio - mate ſchon gedacht; Adonia, Davids aͤltiſter Sohn haͤtte auch ein naͤher Recht zu dem Koͤnigl. Thron gehabt / als ſein juͤngſter Bruder Salo - mon / weil aber jener Auffruhr anfinge / vnnd bey Leben ſeines Vattersnach75Von dem Hauß - vnd Eheſtande. nach der Koͤniglichen Cron vnd Scepter trachte / ward er vorbeygangen /(3) Adonias Davidis Filius natu Major, Salomone, non eſt adeptus regnum jure primogenituræ, quia ut ait Pineda de reb. quæſt. Salom. lib. 2. inſolentiâ & more impatientis ingenii, depravatione & culpâ meruit a - mittere, quod Salomon animi moderatione & ſobrietate obtinere meruit, ad ſe translata pri - mogeniti tlignitate, Ambroſ. Apolog. 1. de Davide. uſque in quit præcavit David, ut cum Adoniam filium ſuum, Regnum ſibi uſurpare comperiiſſet & gerere conventus, non cum qui præripere geſtiebat, ſed cum qui expectare eligeret. vnd Salomon hervor gezogen / im 1. Buch der Koͤnig Cap. 1. (3)

Die Vrſache / warumb die Erſtgebohrne / die Vermoͤge Goͤttlicher vnd der Voͤlcker Rechte / ja von Natur den Vorzug haben / dannoch off - ters am vbelſten gerathen / iſt auß der H. Schrifft vnd andern Exempeln(4) Cain, inquit D. Lutherus, ſine dubio primo lo - co & in de - litiis fuit habitus. Habel au - tem non i - ta gratus noc in tan - ta ſpe fuit, ſicut ipſa nomina oſten dunt. Cain voca. tur quaſi eſſet repa - raturus o - mnia. - tra Habel ſignificat vanitatem & quod nihili ſeu abjectum eſt; ſed miſerè fefellit ſpem primorum Pa - rentum homicida Cain, in Comm. ad Gen. Ca. 4. fol. m. 55. fac. 2. ubi conſiderandum hic manet mirabile Dei conſilium. A principio mundi Primogenitura fuit maxima Res, non ſolum in populo Dei, ubi jus Primogenituræ ab ipſo inſtitutum & commendatum eſt, ſed etiam inter Gentes: Et tamen præſertim in populo Sancto oſtendit Res & experientia, primogenitos fe - felliſſe ſpem Parentum & poſt genitos in eorum locum & Dignitatem ſucceſſiſſe. Et ad c. 36. fol. 489. Mira perfecto, in quæ Res eſt, quod fere in tota ſacra Scriptura Primogenti ſunt in fe - liees. In Ægypto omnes Primogeniti occiſi ſunt. Videtur hæc cauſa eſſe, quialex eſt Condi - tionalis, & quihabent legem plerumque ſunt peiores; quia ſuperbiunt propter legem, quaſi propterea data ſit ut alat ſuperbiam primogenituræ &c. Et Nicet. Choniat. rectè dixit: Natu - ra quidem ſuum ſequens ordinem primum honorat. At Deus non ſemper in maximis Privile - giis huic inſiſtit ordini, refert Hug. Groti. de jur. Bel. lib. 2. c. 7. in Anno tat. ad. §. v. 1. ohn ſchwer zu erheben / vnd hafftet theils an den Eltern / die ins gemein die Erſtgebohrne als die Liebſte verzaͤrtlen / vnd zu weilen groͤſſere Hoffnung von denſelben ſchoͤpffen / als es die folgende Bezeygung im Wort erfuͤl - let; theils an den Erſtgebohrnen ſelber / als die ſich der Eltern Jndulgentz vnd fruͤzeitiger Hoffnung mißbrauchen / vnd wegen ſolches jhnen ange - bohrnen Vorzugs Rechtens / vppig vnd vbermuͤthig werden / daneben die andere verachten / GOtt iſt aber ein GOtt der den Demuͤthigen Gnade giebet / aber den Hoffartigen widerſtrebet / nach der Schrifft. Hinc illæ lacrymæ. Daſtecket der Haſe im Pfeffer / daß es zuweilen heiſſet; Major ſerviet Minori, der Groͤſſere wird den Kleinere dienen / Gen. Ca. 25. v. 13. in der Epiſt. an die Roͤm. Cap. 9. v. 12. Cain als der Erſtgebohrne / ward von ſeiner Mutter gleich bey ſeiner Geburt hoch reſpectiret / vnnd der Mann der Herꝛ genant der jhrer Meynung nach Salvator Mundi der Heyland ſeyn ſolte / ſein Bruder Habel aber ward vor einen einfaͤltigen Geſellen reputiret / muſte ein Hirt / Cain aber ein Cavallier vnd vorneh - mer Landherꝛ ſeyn aber weit gefehlet / Habel vnd ſein demuͤthiges Opf - fer war GOtt angenehmer als deß Cains reputirlicher Staat. (4)

k ijVnd76Das dritte Buch /

Vnd gibt es noch offters die Erfahrung / daß die Kinder / die von Eltern vnd andern gering geachtet / auch wol gar verachtet werden am beſten gerathen / dann GOtt ſiehet nicht an die Perſon / vnnd euſſerliche Qualitaͤten / ſondernden Abgrund der Hertzen vnd Gemuͤths.

AXIOMA XXXVIII. (1) L. id q[o]noſtrũ eſt de reg. jur. cum ſimi - libus. Ein Vatter kan das Recht der Erſtengeburt / ohne deß Erſtgebohrnen Willen oder Verbre - chen nicht verꝛucken vnd einem(2) Poſt Bald. conſ. 360 clegã - ter firmat Carl. Mo - linę. in - ſuet. Pariſ. tit 1 § glo. 3. n. 7. Her - cul. Mare - coſt. 2. Va - riar. reſol. 120. n. 16. ubi ita fu - iſſe divisũ in concilio Neapoli - tano inter perſonas illuſtres te. ſtatur. De hiſce & ſi - milibus vi - deri poteſt Joh. Joac. â Ruß - dorff in Vindiciis Cauſæ Pa - latinæ c. 4. 5. & ſeq. juͤngern Sohn zu - wenden.

HIevor ſtehet im Geſetz Moſis alſo geſchrieben; wann die Zeit kompt daß ein Vatter ſeinen Kindern das Erbe außtheilet / ſo kan er nicht den Sohn der Liebſten zum Erſtgebohrnen Sohn machen / fuͤr den Erſtgebohrnen Sohn der Feind ſeeligen / ſondern er ſolden Sohn der Feindſeeligen fuͤr den erſten Sohn erkennen / daß er jhme zwiefaltig gebe / alles das fuͤrhanden iſt / denn derſelbe iſt ſeine erſte Krafft / vnd das Recht der Erſtengeburt iſt ſein / im Buch Moſis Cap. 21. v. 16. 17. was maſſen Eſau ſeine Erſtegeburt an ſeinen Bruder vereuſſert / vnd ſich dieſes Rechtens begeben / Cain / Ruben / vnd andere durch Ver - brechen ſich ſelbſt deſſen vor ſich vnnd jhre Nachkommene verluſtig ge - machet; iſt in vorbergehendem Axiomate mit mehrerm eingefuͤhret / auſ - ſer deme kan vermoͤge Moſaiſchen Geſetzes / der Vatter durch Teſtament oder ander Geſchaͤffte daſſelbe nicht verꝛucken; Dieſes hat auch ein gut Fundament in den Rechten / Quod jus hoc velut: Natura ipſa ſtipulan - te, aclege adjuvante quæſitum, nemini ſine facto ſuo vel culpa auferri poſſit & debeat. (1)

Zumalen weil dieß Recht nicht iſt ein Beneficium oder Gabe deß Vatters / ſondern der Natur vnnd deß Geſetzes / oder Gewohnheit. (2) Es were dann Sache / daß durch Recht oder Gewonheit in hohen vnnd andern Haͤuſſern ein anders hergebracht / welches ich mit verſchiedenen Exempeln in meinem Buch de Regimine Sec. & Eccleſiaſ. lib. 1. Claſſ. 4. c. 7. n. 58. & aliquot ſeqq. Et n. 84. & ſeqq. beſtaͤrcket.

AXIO -77Von dem Hauß - vnd Eheſtande.

AXIOMA XXXIX. Die Eltern koͤnnen jhren Kindern vnnd Nach - kommenen / durch gute / vorſichtige / oder boͤſe / vnd vnvorſichtige Handlung / wol vnd wehe thun.

VNſere erſte Eltern Adam vnnd Eva / waren mit dem edleſten Kleinoth / deß Ebenbildes GOttes / nemblich der Heyligkeit vnnd Gerechtigkeit / vor ſich vnnd die gantze wehrte Poſteritaͤt vnd Nachkommene / ex munifica benigniſſimi Creatoris manu inveſtiret vnd belehnet / vnnd mit Vnſterbligkeit angethan / demnach ſie aber dem Befehl GOttes contraveniret, darvon abgewichen / vnd an den verbottenen Fruͤchten / ſich ſo liederlich vernaſchet / haben ſie die groͤſſeſte Feloniam, wider die hoͤchſte Majeſtaͤt jhres Schoͤpffers begangen / nicht allein ſich / ſondern zugleich jhre Nachkommenen / ſolches herꝛlichen Klei - nodes vnd Belehnung / zu ewigen Zeiten vnwuͤrdig vnd verluſtig gema - chet. Gen. Cap. 3. Welcher geſtalt / Cain / Eſau / Ruben vnd andere / durch jhre reſpectivè Vnvorſichtigkeit vnnd Vberfahrung / jhre Kinder vmb das Recht vnnd Vorzug der Erſtengeburt / auß der Herꝛſchafft / in die Knechtſchafft / vnd Dienſtbarkeit Jacobs gebracht / iſt in den vorher - gehenden Axiomatibus angefuͤhrt / vnd gedencket deſſen die Epiſtel an die Hebre. Cap. 12. v. 16. Saul verſchertzte durch ſein Gottloß Weſen / ſeinen Nachkommenen das Koͤnigreich Jſrael / Scepter vnd Cron / 1. Samuel. Cap. 15. vnd giebet es die taͤgliche Erfahrung / welcher geſtalt viel Eltern / durch Verbrechung / Vnbedachtſam: vnd Vnvorſichtigkeit / auch vppiges Gottloſes Weſen / jhren Kindern / vbel vorſtehen / ſich vnd dieſelbe / vmb Würde / Hochheit / Lande / Leuthe vnnd andere Haabſeligkeit bringen.

Wie viel Koͤnige vnd Fuͤrſten haben jhrer gantzen Poſteritaͤt / ſuo facto & culpâ in jure, in ſpe quæſito, præjudiciret, vnd dieſelbe vmb jhre Anwartung / vnd Jus ſuccedendi gebracht / wie vorangezogene vnnd an - dere vielmehr Exempel der Schrifft ſolches vor Augen ſtellen / vnd ſeyndk iijdie78Das dritte Buch /die Weltliche Hiſtorien deren erfuͤllete. Hat nicht Hertzog Heinrich zu Sachſen der Loͤwe genant / ſeiner gantzen Poſteritaͤt in jure quæſito, deß Churfuͤrſtenthumbs Sachen / deß Hertzogthumbs Beyern / vnnd der Obern Pfaltz / deß Hertzogthumbs Engern vnnd Landes zu Hollſtein / der Stadt Luͤbeck vnd andere Oerter / welche alle ex proviſione & providen - tia Majorum auff ſeine Kinder vnnd Succeſſores kommen waͤren / wann er deren / ſuâ culpâ & facto nicht waͤre verluſtig worden / mercklich præju - diciret, wardurch die Chur-Gerechtigkeit / ſampt dem Hertzogthumbs Sachſen / auff Fuͤrſt Bernharden von Anholt / Beyern vnd die Obern - Pfaltz / auff Pfaltzgraff Ottengenant von Wittlinßbach / von deme die jetzige Hertzogen zu Beyern vnnd Pfaltzgraffen poſteriren, das Hertzog - thumb Engern an den Ertz-Stifft Coͤlln / vnd die vbrige Lande an andere(1) Cuſpin. in vit. Frid. Barbaros; Philipp. Melanch. in Chroni. lib. 4. in Fride. Bar - baroſ. de - ſcript. Gethard. Præpoſit. Stedebe. in Hiſt. Hen. ric. Leon Beſold. in Synops. Hiſt. uni - verſ. in Fri - deri. Barb. Poſſeſſorn kommen / (1) hernacher hat er durch ſonderbahren Accord das Land zu Braunſchweig vnd Luͤneburg / wider bekommen / den obgemelten ſtattlichen Finſterthumben / wie auch der Chur-Gerechtigkeit vor ſich / ſeine Erben vnd Nachkommene renunciret vnd ſich deren begeben muͤſ - ſen / welche es auch darbey bewenden laſſen / vnd mit dem Jure ex pacto & proviſione Majorum quæſito, ſich nicht behelffen / oder etwas dardurch wider erlangen koͤnnen. So ſeynd noch friſche Exempel im Reich verhanden / welche weil ſie odios vnnd vorhin auß vorigen vnnd jetzigen Seculis bekant / billich præteriret werden.

Es wil auch GOTT der HErr in conſtitutionibus, translatio - nibus, auctionibus vnd diminutionibus, Imperiorum & Principatuum, die freye Hand behalten / damit er den Seegen nach eines jeden Bezey - gung vnd Verhalten / auch den frommen Kindern / jhrer frommen Got - tes fuͤrchtigen Eltern halber beyleger / mehren auch mindern / dardurch zu ſeiner Furcht die Regenten ſo viel domehr zu alliciren vnnd zufuͤhren / dann ſo ſpricht der HErr von Abraham: Wie kan ich Abraham ver - bergen was ich thu? Sintemahlen er ein groß vnnd maͤchtig Volck ſol werden: Dann ich weiß / er wird befehlen ſeinen Kindern vnd ſei - nem Hauſe / nach jhm / daß ſie deß HErꝛen Wege halten / vnnd thun was recht vnd gut iſt / im 1. Buch Moſis Cap. 18. Ein Gerechter ſpricht Salomon der in ſeiner Frommigkeit wandelt / deſſen Kindern wirds wolgehen / in den Sprichtwoͤrt. Cap. 20. v. 7. Wol denen der den HErꝛen foͤrchtet / der groſſe Luſt hat zu ſeinen Gebotten / deß Same wird gewaltig ſeyn auff Erden / das Geſchlecht der Frommen wird geſegnet ſeyn / ſinget David im 112. Pſal. v. 1. 2. vnd im 103. Pſal. Die Gnade deß HErren waͤret von Ewigkeit zu Ewigkeit vber die ſojhn79Von dem Hauß - vnd Eheſtande. jhn fuͤrchten vnnd ſeine Gerechtigkeit auff Kindes Kind / bey denen die ſeinen Bund behalten.

Als deß jungen Tobiæ Stamb-Vaͤtter Gabel von Rages in Me - den / zu deſſen Hochzeit auff beſchehene Einladung erſchien / wuͤnſchete er jhm Gluͤck vnd Seegen zu ſeiner Hochzeit / vnd ſprach: Es ſegne dich der GOTT Jſrael / zohe dieſe Vrſache dabey an / denn du biſt eines Frommen / Gerechten vnnd Gottfůrchtigen Mannes Sohn / der den Armen viel gutes gethan hat / im| Buch Tobiæ Cap. 9. v. 9. Auſſer deme iſt es wol vergeblich / daß man durch Menſchliche Proviſiones, Witze vnnd Diſpoſitiones, wiewol dieſelbe an ſich loͤblich / vnnd in jhrem hohen Valor zu halten / der Goͤttlichen Allweiſen Providentz vorgreiffen / vnd ſolche Verordnung machen wolte / daß nullo facto vel pacto paren - tum & de Præceſſorum, den Kindern / ex Majorum ſuorum ſollicitudine & proviſione, ordine tamen ſucceſſivo quæſita jura, vnd Anwartungen nicht konten verꝛucket / vnd nach Gottes gerechtem Gerichte vnd Willen / wegen der Eltern ſelbſt eigener vbeler Gubernir: vnnd Bezeygung gar entzogen / oder doch auff ein Zeitlang der Ordo Succeſſionis, ſuſpendi - ret vnd geendert werden. GOtt wil ehren oder hoch erheben die jhn ehe - ren / wer jhn aber verachtet / der ſol wider verachtet werden wie er von dem Prieſter Eli / vnd ſeinen verzaͤrtelten vbelgezogenen Soͤhnen / redet im 1. Buch Samuel. Cap. 2. v. 30. GOTT wil ſeinen Seegen nicht an die hohen Familien vnd Geſchlechter / ſondern dieſelbe an ſeine Furcht ver - binden / es fuͤhret hiervon der vortreffliche Theologus vnnd Hiſtoricus David Chytræ. einen denckwuͤrdigen / vnd anmuͤthigen Diſcurs mit Er - zehlung gewaltiger groſſer Enderung der Regimenter / ſo ſich in den vorigen nechſten Seculis zugetragen / in der Vorꝛede ſeines Buches Saxonia genant.

AXIO -80Das dritte Buch /

AXIOMA XL. Kinder muͤſſen offt jhrer Eltern Schuld vnd Vngerechtigkeit mit ent - gelten.

AAls das Judiſche Volck mit jhrer Abgoͤtterey vnnd andern grew - lichen Suͤnden / es gar vbermachet / daß GOtt ſie durch den Koͤnig von Aſſyrien vberziehen vnd in die Babyloniſche Gefaͤngnuß fuͤh - ren vnnd enthalten laſſen / haben die Gefangene vnnd jhre Kinder vberall dieſe Klage gefuͤhret: Vnſere Vaͤtter haben Herlinge geſſen / aber den Kindern ſind die Zaͤhne darvon ſtumpff worden / Ezech. Cap. 18. v. 2. Jerem. Cap. 30. v. 29. Das iſt / vnſere Vaͤtter haben geſuͤndiget / vnd ſind nicht mehr fuͤrhanden / vnd wir muͤſſen jhrer Miſſet hat entgelten / in den Klagliedern Jerem. Cap. 5. v. 7. Hiob bezeuget ſolches auch wann er ſpricht / GOtt behaͤlt deß Gottloſen Vngluͤck auff ſeine Kinder / wenn ers jhnen vergelten wird / ſo wird mans inne werden / Hiob Cap. 21. v. 19. Der Gottloſen jhrer Kinder Erbgut kompt vmb vnd jhre Nachkomme - nen muͤſſen verachtet ſeyn: Die Kinder muͤſſen klagen vber den Gott - loſen Vatter / denn vmb ſeinentwillen ſind ſie verachtet ſaget Syrach Cap. 42. v. 9. Der Heydniſche Poet Claudianus ſchreibet hiervon alſo:

In prolem dilata ruunt perjuria patris,
Et pœnam merito filius ore luit:
Et quas fallacis collegit lingua Parentis
Has eadem nati lingua refundit opes.

Dieſes hat der gerechte GOtt bey Publicirung der heyligen zehen Gebotte auff dem Berge Sinai durch Moſen ſeinem Volck ankünden laſſen. Daß er ein eiff eriger GOtt waͤre / der da heimſuchete der Vaͤtter Miſſethat an den Kindern / biß in das dritte vnnd vierdte Glied deren die jhn haſſen / im andern Buch Moſis. Cap. 20. v. 5.

Als der Gottloſe Koͤnig Saul deß HErꝛen Gebotte vberginge / 1. Samuel. Cap. 15. ward die Koͤnigliche Crone vnnd Scepter / nicht allein von jhme / ſondern ſeinen Nachkommenen entwendet / vnnd muſte der fromme Gottsfuͤrchtige Jonathan / ſeines Vattern Vbertrettungauch81Von dem Hauß - vnd Eheſtande. auch entgelten wie er mit jhme in einer Schlacht vmbkame / 1. Samuel. Cap. 31. 1. Chron. 11. v. 2.

Dieſem iſt gleichwol zuwider daß GOtt der HErꝛ ſelber obange - fuͤhrte der gefangenen Juden Klage bey dem Propheten Ezechiel C. 18. ſtarck widerſprochen / wie er ſagete / alle Seelen ſind mein / deß Vatters Seele iſt ſo wol mein / als deß Sohns Seele / welche Seele ſuͤndiget die ſol ſterben / in gemeltem 18. Capit. v. 4. vnd folgends v. 20. der Sohn ſol nicht tragen die Miſſethat deß Vatters / vnnd der Vatter ſol nicht tra - gen die Miſſethat deß Sohns / ſondern deß Gerechten Gerechtigkeit ſol vber jhm ſeyn. Vnd deß Vngerechten Vngerechtigkeit ſol vber jhm ſeyn. Dann ſeine Augen ſtehen offen vber alle Wege der Menſchen Kinder / daß er einem jeden gebe nach ſeinem Wandel vnnd nach der Frucht ſeines Weſens / Jerem. Ca. 32. v. 19. vnd einem jeden vergilt nach ſeinem Verdienſt / Pſalm. 28. v. 4. vnd nach ſeinen Wercken / 1. Petr. 1. v. 17. Apocalypſ. Cap. 2. v. 23. Es iſt aber doch auß der Bibliſchen Hiſtoria bekant daß nicht allein die Gottloſen Juden / ſondern auch viel fromme darunter der Prophet Daniel / Sadrach / Miſach / Abednego / vnd andere mehr mit gefangen geweſen / Daniel. Cap. 1. imgleichen ſeynd die Pro - pheten Baruch vnd Ezechiel / wie ſie ſelbſten bezeugen in die Babyloni - ſche Gefaͤngnuß gerathen. Als Achan ſich vergriffe an das Verbannete / ward nicht allein er / ſondern zugleich ſeine Soͤhne vnd Toͤchter vnd alles waß er hat verdammet vnnd mit Fewer verbrand / Joſu. Cap. 7. v. 24. Die Kinder der erſten Welt muſten alle ohne Vnterſchied in der Suͤnd - fluth mit jhren Gottloſen Eltern erſauffen vnd vmbkommen / auſſerden wenigen Seelen die in der Archa Noah waren / Gen. Cap. 7. v. 12. Das gantze Hauß Pharaonis ward ſeinethalben geplaget / Gen. Cap. 12. v. 17. imgleichen das Hauß deß Koͤnigs Zedekias deſſen Kinder der Koͤnig Nebucadnezar / neben allen Fuͤrſten Juda vor ſeinen Augen toͤdten laſ - ſen / Jere. 39. v. 6. Von Aſſur vnd deſſen vbermachter Suͤnde vnnd Vp - pigkeit / weiſſaget / der Prophete Eſaias; Richtet zu daß man ſeine Kin - der ſchlachte vmb jhrer Vaͤtter Miſſethat willen / daß ſie nicht auff - kommen noch das Land beſitzen / noch den Erdboden voll Staͤdte machen / vnd ich wil vber ſie kommen ſpricht der HErr Zebaoth / vnd zu Babel außrotten jhr Gedaͤchtnuß / jhre vbrige Neffen vnnd Nachkommenen / vnd mit einem Beſem deß Verderbens außkehren / ꝛc. Cap. 14. v. 21. 22. & ſeqq. Die Amalekiter deren Weiber / Kinder vnnd Saͤuglingen hat GOtt dem Koͤnig Saul durch den Propheten Samuel zu toͤdten anbe - fohlen / 1. Samuel. Cap. 15. v. 3. 8. Das Hauß deß Koͤnigs Baeſa deme Gottgetrohet / wer von ſeinem Hauſe ſtuͤrbe in der Stadt daß denſelbenldie82Das dritte Buch /die Hunde freſſen / vnd wer auffdem Felde ſtürbe denſelben die Voͤgel deß Himmels freſſen ſolten / 1. Reg. Cap. 15. & 16. Das Hauß Joram / deſſen Kinder vnd Weiber / GOtt zu plagen jhme angekuͤndiget / 2. Chronic. Cap. 21. v. 14 15. Das Hauß Sauls deß Bluthundes / 1. Samuel. Ca. 21. v. 16. 8. & 9. Die Nachkommenen Gideons / im Buch der Richter Cap. 8. v. 27. & Cap. 9. v. 5. welche GOtt vmb jhrer Vaͤtter Miſſethat heimge - ſuchet.

Dergleichen Exempel finden ſich mehr vnd ſonderlich das Exem - pel der Niniviten darunter mehr dann hundert vnnd zwantzig tauſent Menſchen geweſen / die kein Vnterſchied gewuſt / was recht oder linck dennoch alle / wann die Alten in viertzig Tagen keine Buſe gethan / mit denſelben vnnd der gantzen groſſen Stadt zu grunde gehen ſollen beym Propheten Jona / Cap. 3. & Cap. 4. Ob nun wol dieſe vnd andere mehr Exempel das Anſehen haben moͤchten / als wann ſie dem klaren Goͤttli - chen hoch betewrtem eydlichem Außſpruch / Ezech. Cap. 18. v. 4. & v. 20. vnd andern dahin ziehlenden Spruͤchen der Schrifft / daß ein jeder em - pfahen ſol nach ſeinen Wercken / wie er gehandelt bey Leibes leben / zu wider lieffen / gleichwol GOTT in ſeinem Wort ſich nicht zuwider / auch in ſeinen Gerichten gerecht / ſo muͤſſen bey Eroͤrterung dieſes Axioma - tis nachfolgende Erklaͤrung conſideriret vnd nach der Schrifft in acht ge - nommen werden.

Erſtlich daß ein Vnterſchied zwiſchen Gottloſer Eltern / Gottloſe / in deren Fußtapffen trettende / vnd denn der Gottloſen Eltern fromme Kinder zumachen. Daß der fromme gerechte GOtt / fromme Gott - ſeelige Kinder / allein jhrer Eltern ſchwerer Vbertrettung halber eygent - lich zureden / mit zeitlicher / viel weniger mit ewiger Straffe belegen ſolte / ſolches leufft obangezogener / bey dem Leben deß HErꝛn ſelbſt beſchwor - ner Warheit / vnd vnwandelbahrer Gerechtigkeit Gottes zu wider / vnd iſt auß dem geoffenbahrten Wort / nicht zu behaupten. Dem Koͤnig Jojakim ließ Gott durch den Propheten Jeremiam alſo ſagen: Jch wil jhn vnd ſeinen Samen / vnd ſeine Knechte heimbſuchen / NB. vmb jhrer Miſſethat willen. Jerem. Cap. 36. v. 29. Obangezogene Exempel ſeynd in jhren Vmbſtaͤnden ſehr vngleich / derowegen darvon mit Vnterſchied zu vrtheilen.

Dann ob wol der tapffere Gottes fuͤrchtige Held Jonathan / in eben derſelben Schlacht / darin ſein Gottloſer Vatter Saul vmbkom - men / ſo iſt doch ſolches eygentlich darvon zu reden in Jonathans Per - ſon keine Straffe zu nennen / ſintemahl Jonathan als ein Held fuͤr Gottes Volck vnd ſein Vatterland Ritterlich gefochten / vnd in ſeinemrecht -83Von dem Hauß - vnd Eheſtand. rechtmaͤſſigen Beruff ſein Leben Lobwuͤrdig vnd Gottſelig geendet / (1)(1) Dulce & decorum eſt pro Pa - tria mori. Item pro lege & Grege, pro aris & fo - cis. vnd in das ewige ſeelige Leben verſetzet / vnd kan ein ſolcher Todt eben ſo wenig dem Jonathan als andern Gottſeligen Helden vnnd tapfferen Soldaten die vor Gottes Ehr vnd jhr Vatterland ſtreitten / wie Judas Macchabæus vnd andere mehr / zur Straffe / ſondern vor GOtt vnnd der Welt zu vnverwelcklichem Nachruhm vnd Ehren gereichen. Auff eine andere weiſe blieb ſein Gottloſer Vatter Saul der als ein von Gott ver - worffener Tyrann vnd Bluthund / auß Deſperation vnd Verzweifflung in ſein eygen Schwerdt fiehle / ein Ende mit ſchrecken nahm / vnnd zum Teuffel fuhr / der jhme wenig Tage zuvor durch eine Hexin die er gefraget / die Herberge ankuͤnden laſſen / 1. Samuel. Cap. 28. Et Ca. 31. vnd meldet die Hiſtoria im erſten Buch der Chron. Cap. 11. v. 13. daß Saul geſtorben ſey in ſeiner Miſſethat / die er wider den HErꝛen gethan habe / an dem Wort deß HErꝛen / das er nicht gehalten / auch daß er die Warſagerin gefraget.

So hat GOTT den frommen Jonathan in ſolcher Ritterlichen ruͤmblichen Occaſion lieber vor dem Vngluͤck hinweg raffen wollen / als daß er das groſſe Elende / ſo GOtt vber ſeines Vatters Hauß / vnd theils deſſen Gottloſe Kinder verhenget ſehen vnd erleben moͤchte. Dann denen die GOtt lieben / muͤſſen alle Dinge / vnnd alſo auch der zeitliche Todt zum beſten dienen / Epiſt. ad Rom. Cap. 8. v. 28. Die Koͤnigl. Cron hat GOtt zwar dem Saul auß milter Hand auffgeſetzet / als er aber durch ſeine Vbertrettung ſich deren vnfaͤhig vnnd vnwuͤrdig gemachet / hat GOtt dieſelbe / dem David als einem Mann nach ſeinem Hertzen zugewand / dann er ſetzet die Koͤnige der Welt nach ſeinem Wolgefallen ein / er ſetzet ſie auch wider ab / Daniel. Cap. 2. vnd haben Sauls fromme Nachkommenen ſolches eygentlich fuͤr keine Straff in jhrer Perſon hal - ten koͤnnen. Aliud enim eſt beneficium non conferre, aliud vero pœna affici.

Als Jerobeam / welchen GOtt von geringer Ankunfft zum Koͤnig vber die zehen Staͤmme Jſrael erhoben / er aber durch ſeine Abgoͤtterey ſich der Cron vnwuͤrdig machete / vnnd Gott beſchloſſen ſein gantzes Hauß außzufegen / wie man Koth außfeget / hat er vorhin ſeinen Sohn Abiam mit Kranckheit heimgeſuchet vnnd gar vor dem Vngluͤck ſterben laſſen / darumb daß etwas gutes an jhme iſt erfunden für dem HErꝛn / derowe - gen er allein von dem gantzen Hauſe Jerobeam von Jſrael beklaget vnd begraben worden / 1. Reg. Cap. 14. v. 13.

Daß auch wegen vbermacheter Sünde deß Judiſchen Volcks nicht allein die Gottloſe / ſondern auch fromme Kinder vnnd darunterl ijDaniel /84Das dritte Buch /Daniel / ſeine Geſellen vnd Propheten neben andern in die Babyloniſche Dienſtbarkeit gefuͤhret / ſo kan doch ſolches in jhrer Perſon auch nicht eigentlich eine Straffe wegen jhrer Eltern Suͤnde / ſondern vielmehr eine Vaͤtterliche Zuͤchtigung / dardurch GOttes Allmacht noch mehr an jhnen offenbahr wuͤrde / genant werden / dann eben in dieſem Exilio vnnd Dienſtbarkeit verliehe GOtt dem Daniel vnd ſeinen Geſellen Gnade / daß ſie am Koͤniglichen Hoffe vor andern hervorgezogen / von ſeiner Taffel Fürſtlich vnterhalten vnd in Kuͤnſten vnnd Sprachen wolange - fuͤhret werden ſolten / Daniel Cap. 1. Seine Geſellen Sadrach / Meſach vnd Abednego / wurden zwar hart bey dem Koͤniglichen Hoffe verklaget / daß ſie Crimen læſæ Majeſtatis begangen / weil ſie dem guͤldenen Bilde keine Goͤttliche Ehre erwieſen / auch entlich verurtheilet / gebunden vnnd in den Fewrigen Offen geworffen aber durch die gewaltige Hand Got - tes / darauß / mit groſſer deß Koͤnigs Verwunderung erꝛettet / vnd Gottes Name dardurch geprieſen / Daniel. Cap. 3. vnd ob wol Daniel auch auß gleichmaͤſſigen Vrſachen / den grimmigen Loͤwen vorgeworffen / iſt es jhme doch zu keinem Schaden gereichet / Daniel. Cap. 6. Als Chriſtus den Blindgebohrnen ſehent machte / begerten ſeine Juͤnger zu wiſſen / ob derſelbe oder ſeine Eltern geſuͤndiget / bekamen aber dieſe Antwort: Es hat weder dieſer geſuͤndiget oder ſeine Eltern ſondern daß die Wercke GOttes offenbahr wuͤrden an jhm / Johan. Cap. 9. v. 3. Jeſ. 21. v. 19. Ad Philip. 1. v. 20. von ſich ſelbſten ſchreibet der Prophet Jeremias / daß der Koͤnig Nebucadnezar ſeinem Hauptmann Nebuſar Adan befohlen von Jeremia vnd geſaget: Nim jhn vnd laß dir jhn befohlen ſeyn / vnnd thu jhm kein leydt / ſondern wie ers von dir begehret ſo machs mit jhme / Jere. Cap. 39. v. 11. & 12. dahingegen dem abtruͤnnigen Gottloſen Koͤnig Ze - dekia / nach deme vorhin ſeine Kinder in ſeiner Gegenwart getoͤdtet ſeine Augen auß geſtochen worden / eod. Cap. v. 6. Alſo weiß der Allmaͤchtige auch in gemeinen Verfolgungen / vnd Elende die Frommen wunderlich zu fuͤhren / zu troͤſten vnd zu erꝛetten.

So viel das Exempel Achans anlanget ſo meldet die Schrifft gar nicht / daß ſeine Soͤhne vnd Toͤchter jhres Vatters Vbertrettung halber zum Todt verurtheilet vnd verbrand worden / ſondern wird Joſua als ein gewiſſenhaffter verſtaͤndiger Richter / der in dieſer Sache / ſo fleiſſige in - quiſition vnd Erkůndigung aller Vmbſtaͤnde / auch deß Corporis delicti, angeſtellet / befunden haben / daß Achans Kinder mit jhrem Vatter in pari Reatu geweſen vnnd ſich deß verbanneten Raubs mit theilhafftig gemachet / ſonſten wann er dieſelbe vnſchuldig oder deß Alters von Jah - ren befunden / daß ſie darin nit geheelen oder ſich ſolcher That theilhafftigmachen85Von dem Hauß - vnd Eheſtande. machen koͤnnen er die Vnſchuͤldige mit den Schůldigen nicht wuͤrde wider die Gerechtigkeit toͤdten laſſen / (2) dann als Kohrah / Datan vnd(2) Ubi eſt culpa i - bi ceſſat pœna. Ea - que de re eleganter reſcripſe - rũt Impe - ratores Ar. cadius & Honori - us: Sanci - mus ibi eſ - ſe pœnam, ubi & no - xia eſt. Propin - quos, no - tos, fami - liares pro - cul à calũ - nia ſub - movemus, quos Reos ſceleris ſo - cietas non facit. Nec enim affi - nitas vel a - micitia crimen ad mittunt. Peccata i - gitur ſuos teneant auctotes, nec ulteri - us progre - diatur me - tus, quam reperiatur delictum, in l. ſanci - mus C. de pœnis. Abieram mit jhrem gantzen Anhang wegen jhrer Rebellion vnnd Auff - ſtandes / wieder GOtt vnd Moſen / als Rei Majeſtatis verdammet vnnd lebendig von der Erden verſchlungen worden / im 4. Buch Moſ. Cap. 16. ſeynd doch die Kinder Kohrah / ohne zweiffel weil ſie vnſchuldig geweſen / vnd ſich jhres Vatters Miſſethat nicht mit theilhafftig gemachet / vbrig geblieben vnd nicht mit von der Erden verſchlungen worden / wie zu leſen in gemeltem 4. Buch Moſ. Cap. 26. v. 11. Ohne iſt es auch nicht / daß die Kinder der erſten Welt deren viel hundert tauſent geweſen / die noch kein Vnterſchied gewuſt / was recht oder linck geweſen / mit jhren Gottloſen Eltern in der Suͤndfluth erſoffen / aber darbey muß meines Erachtens ein Vnterſchied gemachet werden / vnter denen die von Gottſeeligen Eltern ſo rechte Gliedmaſſen der wahren Kirche Gottes noch geblieben (dafern deren vber den Noah vnd ſein Hauß noch etliche vbrig geweſen) vnd vnter denen ſo von Gottloſen Eltern gebohren vnnd extra Eccleſiæ Dei gremium auſſer der Kirche geweſen. Von dieſem kan man mit Paulo vrtheilen vnd ſagen / was gehen vns die an / die drauſſen / nemblich auſſer der Kirche GOttes ſind.

Jene aber ob ſie wol zu gleich mit den Gottloſen hingeraffet / ſo ſind ſie darumb nicht verlohren oder verdammet / ſondern durch den zeitlichen Todt in das ewige Leben hienein getrungen / vnd kan es bey denſelben ey - gentlich keine Straffe ſeyn / weil alle Menſchen klein vnd groß Suͤnder / vnd alſo dem lieben GOtt den Todt / welcher iſt der Suͤnden Sold / ein - mahl ſchuldig ſeyn.

Wo aber / wann vnd welcher geſtalt / auch in welchem Alter vnnd Jahren GOtt die ſeinigen von dieſer ſchnoͤden Welt nach ſeinem al - lein heyligen weiſen Rath vnnd Willen abfordern wil / iſt ſein eygenes Reſervatum vnnd ſtehet bloß in ſeinen Haͤnden: Wann er ein Koͤnig - reich vnd Land mit Schwerdt / Hunger vnnd Peſtitentz ſtraffet / faͤnget er wolan in der Stadt / die nach ſeinem Namen genennet / Jerem. 25. v. 29. vnd darin vom Hauſe deß Gerechten / 1. Petr. 4. v. 17. Jn Eroberung der Stadt Magdeburg / Anno 1631. im Majo ſind viel tauſent fromme vor der Welt vnſchuͤldige Leuthe / Weiber / Kinder / Saͤuglinge / ja die noch in Mutter Leibe verſchloſſen waren / auch Geſinde / Knechte vnnd Maͤgde durch das Schwerdt / Fewer vnnd Waſſer / daß es erſchrecklich war anzuhoͤren / vmbkommen. Erſchrecklich iſt auch vor Menſch - lichen Augen vnd Ohren geweſen / die Blutige Execution deß Herodis an die vnſchuͤldige Kinder zu Bethlehem / Jerem. 31. v. 15. Matth. 2. v. 18. l iijdardurch86Das dritte Buch /dardurch GOTT ohne zweiffel / auch zugleich der Eltern Vber - trettung geſtraffet / aber ſolcher Todt iſt in den Augen GOttes thewer vnnd werth geweſen / vnnd an den vnſchuͤldigen Kindern fuͤr keine Straffe zuhalten / weil ſie dardurch wie die Kirchen Lehrer reden Flos & primitiæ Martyrum die Blume vnnd Erſtlinge der H. Maͤrtyrer newen Teſtaments worden / vnnd vor andern in dem Reiche GOttes wie die allerſchoͤnſte Bluͤmlein vnnd Roͤßlein hervor leuchten werden in perpetuas æternitates, in alle ewige Ewigkeit. Auß obangeregten vnd andern Exempeln / iſt auch genug abzunehmen / ob wol fromme Kinder allein vmb jhrer Vor - vnd Eltern / Vbertrettung / eygentlich zu reden von GOTT nicht geſtraffet werden / daß ſie jedoch zu weilen / derentwe - gen vielem Creutz vnnd Truͤbſalen vnterworffen ſeyn / vnnd in zeit - lichen Dingen zu weilen jhrer Eltern Miſſethat entgelten muͤſſen. Wegen der groſſen Vbertrettung deß Prieſters Eli wurde ſeinen Nach - kommenen allerley Creutz vnnd Widerwertigkeit angekuͤndet / daß ſie zwar noch bey dem Prieſterlichen Ampt bleiben gleichwol nicht lange leben vnnd alt werden / ſondern wann ſie zu jhren Maͤnnlichen Jahren kommen ſterben / im 1. Buch Samuel. Cap. 2. v. 33. auch in Armuth vnd Duͤrfftigkeit leben wuͤrden / ibid. v. 36.

Alſo war deß Koͤnigs Davids Soͤhnlein von der Bethſeba / wegen ſeines Vattern Ehebruch vnnd Todtſchlag / gleich nach ſeiner Geburt mit Schwachheit geheimbſuchet vnd muſte ehe er den achten Tag erꝛeichet ſterben / 2. Samuel. 12. v. 14. dann darumb ſprach der Prophet Rathan zu David / daß du die Feinde deß HErꝛen / durch dieſe Geſchich - te haſt laͤſtern gemachet / wird der Sohn der dir gebohren iſt deß Todts ſterben / du aber wirſt nicht ſterben in vorhergehendem 13. verſicul.

Der fromme Koͤnig Joſia hatte das Zeugnuß / daß ſeines gleichen vor jhm kein Koͤnig geweſen / der ſo von gantzem Hertzen / von gantzer Seelen ſich zu dem HErꝛn bekehret auch ſeines gleichen nach jhme nicht auffkommen / 2. Reg. Cap. 23. v. 25. hat dannoch wegen ſeines Großvat - ters Manaſſes vnd Vatters Ammons Abgoͤtterey / ſein Creutz gehabt / daß GOttes Zorn damit er vber Juda erzoͤrnet war / vmb alle die Rei - tzung willen / damit jhn Manaſſe gereitzet hatte / von jhme ſich nicht gantz gekehret / in ſelbigem Cap. v. 26. alſo daß er im Kriege hart verwundet vnd darvon geſtorben / ibid. v. 29. 2. Chron. Cap. 35. v. 23. Dieſes iſt aber auſſer allem zweiffel / daß Gott die Suͤnde der Vaͤtter an denen Kindern / die jhrer Eltern Gottloſe Fußſtapffen erfuͤllen jhnen in jhrer Suͤnde nachfolgen heimbſuche ins dritte vnd vierdte Glied wie Exod. Ca. 20. v. 5. & c. 34. v. 7. Num. 14. v. 18. Pſal. 37. v. 28. Eſai. 65. v. 7. vnd andern mehrOrthen87Von dem Hauß - vnd Eheſtande. Orthen geſchrieben. Vmb vnſer erſten Eltern Suͤnde willen die ſie auff alle Nachkommenen geerbet werden ſie alle geſtraffet. Rom. Cap. 5. v. 12. Wie dann auch noch taͤgliche Exempel vorkommen / daß Gott der Herꝛ vornehme anſehentliche Familien vnnd Geſchlechter / zu grunde richtet / andere vnd geringere wider empor hebet vnnd auffrichtet / darvon auch der Prediger Salomon ſchreibet: Ein Geſchlecht vergehet / das ander kompt / Cap. 1. v. 4. vnd muß bey Beſchluß dieſes Axiomatis auch viel Gottes gerechtem Gerichte vnnd ſeinem allweiſen vnerforſchlichen Rath heimbgeſtellet / vnd der Vernunfft nach nicht allemahl geurtheilet werden / (3) weil ſeine Gedancken nit Menſchen Gedancken / ſeine Wege(3) Judicia Dei multa ſunt oc - culta, nulla tamen in - juſta. Nequaquã ſufficit ſẽ - ſus carnis, ut ſecreta penetret Majeſtatis Gregor. in Cap. 9. Job. vnbegreifflich / ſeine Gerichte aber doch allezeit gerecht ſeynd / vnd wann der Gottloſen Eltern Gottloſe Kinder / deren Suͤnde nachfolgen / heiſſen ſie dieſelbe gleichſam gut vnd wolgethan / machen durch jhre Complacentz ſich deren mit theilhafftig / ſuͤndigen frey mit auff das alte Kerbholtz / dero wegen auch GOtt gereitzet wird jhrer Vaͤtter / durch die Nachfolge ge - heuffte vnd gut geheiſſene Vbertrettung / ſo viel do ſchaͤrffer an den Kin - dern zu ſtraffen / damit die Eltern / die auß angebohrner vnd eingepflantz - ter natuͤrlicher Liebe / jhrer Kinder Plage vnnd Straffe nicht gern ſehen / ſo viel do mehr bewogen werden GOtt zu fuͤrchten vom boͤſen abzuſtehen gutes zu thun / damit es jhren Kindern wolgehen vnd dieſelbe von GOtt geſegnet ſeyn moͤgen. De hac quæſtione videatur Dn. D. Feurborn, in Faſcicul. Diſſertation. Theologic. diſp. 5. per tot.

Wie nun GOtt der HErꝛ der Vaͤtter Suͤnde auch bey den Gott - loſen Kindern heimbſuchet / alſo vnnd vielmehr ſegnet er der geſegneten Eltern fromme Kinder vnnd Nachkommene. Dann ſo ſprach GOtt der HErꝛ zu Jſaac: Jch wil deinem Samen alle dieſe Laͤnder geben / da - rumb daß Abraham meiner Stimme gehorſam geweſen / vnnd gehalten meine Rechte vnd meine Geſetze / 1. Moſ. Cap. 26. v. 5. 6. vnd verſ. 24. Jch wil dich ſegnen vnnd deinen Samen mehren / vmb meines Knechts Abrahams willen / vnd wird ſolches an vielen Orthen der Schrifft von deß Davids Nachkommenen geſaget / daß ſie darumb auch von GOtt geſegnet.

AXIO -88Das dritte Buch /

AXIOMA XLI.Omne So - lum forti patria eſt, ceu piſci - bus unda. Ein frommer Gottſeeliger Hauß-Vatter / muß zu weilen nach GOttes Willen vnd Beruff / mit den ſeinigen ſeinen Stab fortſetzen vnd von einem Ort zum andern ziehen.

SO bald vnſere erſte Eltern auß dem Paradiß-Garten damit ſie als jhrem beſtaͤndigen wahren Erbgut inveſtiret vnnd beleh - net waren relegiret vnnd verwieſen worden / ſind ſie gleichſam Frembdlinge vnnd Pilgram in der gantzen Welt worden / vnd fieng ſich mit anderem Elende / jhre vnd jhrer Nachkommenen Wander - vnd Pilgramſchafft an / welches der Koͤnig David damit genugſam an - zeyget wann er ſich nennet einen Frembdling vnd Gaſt auff Erden / 2. Chron. Cap. 20. v. 15. darvon die Epiſtel an die Hebreer Cap. 11. v. 13. mit mehrerm handelt / deſſen hat vns GOtt an dem Ertzvatter Abraham vnd andern ein ſonderbahr Exempel vorgeſtellet / der verließ auff GOttes Beruff ſein Vatterland / vnd zog mit ſeiner Familia von Vr in Chaldea auß gen Haran / im 1. Buch Moſ. Ca. 11. v 31. von dannen muſte er ſeinen Stab ferner fortſetzen in das Land Canaan gen Bethel / Cap. 12. v. 8. von Bethel iſt er weiter gewichen gegen den Mittag / ibid. v. 9. vnd als daſelbſt im Lande eine Thewrung entſtund muſte er auß mangel nothduͤrfftigen Proviands nach Egypten mit ſeinem gantzen Hauß-Weſen ſich begeben vnd alſo auß Aſia in Africam / ein weite Wanderſchafft vornehmen / da - ſelbſten als ein Frembdling ſich halten / vnd gerieth noch darzu ſeine zarte vnd ſchoͤne Sara daſelbſten in groſſe Gefahr jhrer Keuſchheit / in ſelbi - gem Buch Cap. 12. v. 10.

Auß Egypten wanderten ſie wider mit jhrer Familia, Geſinde / Viehe vnnd anderer Baarſchafft in das Land Canaan gen Bethel an jhren vorigen Ort. in ſelbigem Buch Cap. 13. v. 1. 3. Ferner haben ſie jhre Haußhaltung transferiren vnnd fortſetzen muͤſſen / gegen Mittag daſelb - ſten Abraham zwiſchen Sur vnnd Kades gewohnet / vnd abermahl einFrembd -89Von dem Hauß - vnd Eheſtande. Frembdling worden zu Gerar in der Philiſter Lande / Cap. 20. v. 1. EtAbraham Dei amic Gottes Freũd vid. Luther. in Gen. ca. 13. v. 10. Cap. 21. v. ult. gerieth darzu mit ſeiner Sara wider in vorige Gefahr in bemeltem 20. Ca. v. 2. wegen eingefallener Thewrung muſte Jſaac auch ſein Domicilium endern / gen Gerar vnter den Philiſter Koͤnig ziehen vnnd daſelbſten als ein Frembdling ſich auff halten / im 1. Buch Moſ. Cap. 26. muſte aber doch wegen Neyd vnnd Mißgunſt der Philiſter den Ort wider quittiren vnd gen Berſaba ſich begeben in gemeltem Cap. 26. Der gute Jacob muſte wegen ſeines Bruders Eſau Verfolg vnd Be - trohnung zeitlich das Beneficium migrandi an die Hand nehmen / ſeines Vatters Hauß valediciren vnd ſich nach Meſopotamien begeben / da er viel Jahr ſeinem vngerechtem murꝛiſchen Schwaͤger Laban ſchwere Dienſte geleyſtet / entlich Vndanck zum Lohn ſeiner groſſen Muͤhe erwor - ben / geneydet / verfolget / vnnd darzu genoͤthiget daß er mit ſeinen Wei - bern / Kindern vnnd groſſen Comitat ſein Hauß-Weſen verꝛucken / vnd ſich in das Land Canaan wider begeben / auch entlich in ſeinem hohen Alter wegen thewrer Zeit in Egypten verꝛeiſſen vnnd daſelbſten als ein alter Pilgrim / die Wanderſchafft ſeines mühſeeligen Lebens beſchlieſ - ſen / wie zu leſen im 1. Buch Moſ. Cap. 26. vnd in vielen nachfolgenden Capittuln. Vrtheilen derowegen die Leuthe nicht recht / welche von denen die auff rechtmaͤſſigen durch GOttes Schickung jhnen zukommenden Beruff auch wegen anderer Leuthe Neyd Mißgunſt vnd Verfolgung / geſtalt der HErr Chriſtus ſelber gezeuget daß kein Prophet in ſeinem Vatterland etwas gelte / mit jhrer Familia vnd Haußhaltung von einem Ort auffbrechen vnnd an einen andern Ort / oder auß eines Herꝛen Dienſten / in eines andern ſich begeben / einiger Jnconſtantz oder Leicht - ſinnigkeit inculpiren vnnd bezuͤchtigen / weil es jhnen ſo wenig als dem Abraham / Jſaac / Jacob vnd andern frommen Leuthen / an jhrer Exiſti - mation, Fam vnd guten Namen nachtheilig ſeyn noch vbel gedeutet wer - den kan / zumahlen wann einer ſein vnnd der Seinigen beſtes dardurch befordere / auch Gott vnd dem gemeinen Weſen / ſo wol an einem als an - dern Ort dienen kan. Vnnd keiner wann er auff ſolche Vocation vnd Weiſe nach Gottes Willen das Plus ultra, ſich vnd den Seinigen zu gutem / betrachtet / in vngutem zu verdencken GOtt iſt gleich einem Gaͤrtner der einen groſſen weitleufftigen Garten / vnd darin viel Felder / Fruͤchte vnd Baͤume hat / der nimbt offters ſeinem guten freyen belieben nach / einen Baum vnnd Gewaͤchs auß dem einen Felde in das Suͤden / ſetzet denſelben in das Norden / einen andern auß dem Oſten vnd ſetzet jhn in das Weſten vnnd hinwider vice verſa, alſo machet es GOtt der groſſe Gaͤrtner auch / deſſen Garten die gantze Welt iſt / geſtalt dann die -mſelbe90Das dritte Buch /ſelbe bey dem Propheten Ezechiel Ca. 31. v. 8. ein Garten Gottes genant wird / vnnd alle Menſchen Cives mundi oder Buͤrger / Einwohner der Welt ſeynd / der nimbt einen auß dieſer Ecke ſeines groſſen Gartens der Welt / vnd verſetzet jhn in eine andere / vnd alſo fort vnd weiter / dann je - dermans Gaͤngekommen vom HErꝛen / welcher Menſch verſtehet ſeinen Weg / inden Sprichtwoͤrt. Salom. Cap. 20. v. 24. vnd zeiget GOtt da - mit / daß die gantze Erde ſein ſeye / der Erdbodem ſampt allen Menſchen die darauff wohnen / Pſalm. 24. v. 1. vnnd daß alles zu ſeiner all einigen freyen Diſpoſition vnd Willen ſtehe.

Er herꝛſchet von einem Meer / von den Waſſern biß zu der Welt Ende Pſalm. 72. darumb gehoͤren wir allenthalben zu Hauß / vnd ſeynd Pflantzen deß Himmliſchen Gaͤrtners / ſintemahl deß Menſchen Thun nicht ſtehet in ſeiner Gewalt / noch in eines Mannes Macht / wie er wandele oder ſeinen Gang richte wie der Prophet Jeremias lehret / Cap. 10. v. 23. vnd begiebet ſichs noch ſehr offt / daß GOtt zu manchem ſaget / wie er zu Abraham ſagte: Gehe auß deinem Vatterland vnnd von dei - ner Freundſchafft vnd deines Vatters Hauſe / im 1. Buch Moſis Ca. 12. Dahero ein jeder Gottſeliger Menſch mit dem Koͤnig David betten vnd ſeufftzen muß Notam fac mihi Dominc viam in qua ambulem, HErr thu mir kund den Weg den ich wandeln ſol / Pſal. 143. v. 8. welches dann der liebe GOtt auch den Seinigen verſpricht wann er ſaget: Jch wil dich vnterweiſen vnnd dir den Weg zeigen den du wandeln ſolt / Jch wil dich mit meinen Augen leyten / Pſalm. 32. v. 8.

Jn Summa nach deme wir auß vnſerem rechten Vatterlande / dem Paradieß-Garten wie oben gemeldet einmahl außgewieſen / muͤſ - ſen wir Exulanten in dieſer Welt bleiben / vnd gehoͤren alle in S. Jacobs Wanders-Ordnung / biß wir wider in den Himmliſchen Paradieß - Garten verſetzet / vnd als dann mit dem Poeten ſagen:

Tendimus in patriam, ſedes ubi fata quietas,
Oſtendunt, illic fas noſtra reſurgere regna.
(1) Arbor ſæpius transplan - tata facile[a]reſcit: Fa - milia ſæpi -[u]s transla - ta raro au - geſcit.
31

Ein anders iſt es aber mit den Leuthen / die ohne rechtmaͤſſigen vorhergehenden Beruff / ohne Noth vnd redlichen erheblichen Vrſachẽ / bloß auß Vnbeſtaͤndigkeit jhres Gemuͤths / vnd daß ſie wie man ſaget: Den Mercurium in pedibus & podice haben / gern endern vnd von einem Ort zum andern mit jhrem vnnd jhrer Haußhaltung groſſen Vnſtatten ruͤtſchen / ſich von jhrer Nahrung vnd Haabſeligkeit bringen / (1) oder ſich ſonſten mit andern redtlichen Leuthen nicht comportiren koͤnnen / jhrer paſſionirten affecten halber / ſich nirgents ſtallen vnnd alt werdenkoͤnnen /91Von dem Hauß - vnd Eheſtande. koͤnnen / bey denen heiſt es dann nicht vbel: Miſerius nihil eſt, incerta ſede vagari.

AXIOMA XLII. Ein Chriſtlicher vorſichtiger Haußvatter / vnnd ſonſten einjeder / kan wol mit gutem Gewiſſen / bey gefaͤhrlichen Kriegs vnnd Sterbens Laͤufften / dem Vngluͤck etwas weichen.

EIn Witziger ſpricht Salomon / ſiehet das Vngluͤck vnd verbirget ſich / aber die Albern gehen durch vnnd leyden Schaden / in den Sprichtwoͤrt. Cap. 27. v. 12. Der Thewrung vnd Hungers Noth ſeynd auß dem Wege / vnd auß Canaan gar in Egypten gezogen / Abraham mit ſeiner Sara / im 1. Buch Moſ. Cap. 12. v. 10. Jſaac mit ſeiner Rebecca nach Gerar in der Philiſter Land / Cap. 26. v. 1. Moſes ſuchete auch das raumeſte / daß er dem Vngluͤcke / ſo jhme von Pharaone vorgeſtanden / entrinnen moͤchte / im 2. Buch Moſ. Ca. 2. Der verfolgter David / iſt nicht ein / ſondern etliche mahl deß Sauls Tyranney entwi - chen / vnd hat ſich mit der Flucht ſalviret, im 1. Buch Samuel. Cap. 19. & ſeqq. imgleichen fuͤr ſeinem Sohn Abſolon / im 2. Buch Samuel. Cap. 15. v. 16. & ſeqq. Der Prophet Elia flohe auff die angekuͤndete Betrohung / der Abgoͤttiſchen Koͤnigin Jeſebel / in die Wuͤſten vnnd verbarg ſich / im 1. Buch der Koͤnig. Cap. 19. Joſeph vnd ſeine Vertrawte / die hoch gebenedeyte Mutter deß HErren / muſten auff ſonderbahre Offenbahrung GOttes / deß Herodis Blutduͤrſtigen Vorhaben / mit dem Heyland der Welt / von Bethlehem in Egypten weichen. Matth. Cap. 2.

Der HErr Chriſtus ſelber wie er gehoͤret / daß die Herodias Jo -Chriſti a - ctio eſt no - ſtra inſti - tutio. hanni dem Taͤuffer das Haupt abgetantzet / iſt er von dannen gewichen / in einem Schiffe / in die Wuͤſten alleine / Matth. Cap. 14. v. 13. Luc. Cap. 6. v. 31. Wegen der Phariſeer Verfolgung hat er ſich nach den Graͤntzen Tyri vnnd Sidon begeben / Matth. Cap. 15. v. 21. Johan. Cap. 7. v. 1. Jtem wie die Phariſeer vnnd Herodis Diener auff jhn gehalten / iſt erm ijgewichen92Das dritte Buch /gewichen an das Meer. Luc. Ca. 3. v. 6. 7. Durch den Propheten Jeremiam hat GOtt die zu Jeruſalem ſelber fuͤr das bevorſtehende Vngluͤck war - nen ſie fliehen heiſſen vnd alſo zu jhnen ſagen laſſen: wer in dieſer Stadt /(1) Reſpõ - ſum Impe - ratoris Turcici i - ta refert Busbequi - us epiſt. 4. Rer. Turc. Quid mihi vellem, aut quo cogi - tarem? an - ne ſcirem poſtilen - tiam Sagit - tas Deieſ - ſe, quæ à propoſito ſcopo non aberrarẽt? ubi, ubi deliteſce - rem, ut ab ejus teli jactu, tutuſ eſſem? Si me percuſ - ſum vellet, nihil fugã, nihil late - bras pro futuras. Fruſtra vi - tari, quod evitari poſſet. Et paulò poſt addit Bus - bequius: Turcas à peſte ſecuros, ſed non tutos præſtat opinio, quâ mortis tempus & genus, unicu juſque fronti à Deo inſcriptum perſuaſum habent. Si mori fatum ſit fruſtra declinari: Sin contra, ſtultè metui. Itaque veſtes & lintea quibus peſte ægri animam exhalarunt, etiam - num à mortifero ſudore madentes contrectant, imò iis perfricant faciem. Si Deo inquiunt viſum eſt ut ſic moriar, fieri neceſſe eſt; Sin minus, obeſſe non poterit: Sic contagioni latus fit aditus, totæque interdum familiæ emoriuntur. (nemblich Jeruſalem) bleibet / der wird durchs Schwerdt Hunger vnd Peſtilentz ſterben muͤſſen / wer aber hinauß gehet / zu den Chaldeern / der ſol lebend bleiben / vnd wird ſein Leben wie eine Beuthe darvon bringen / Jerem. Cap. 38. v. 2. Jtem Cap. 21. v. 9. wird ſolches widerholet. Jſt derowegen auß dieſem Goͤttlichen Befehl / vnnd obangezogenen Exem - peln heyliger / hoch erleuchter Leuthe / ja deß HErrn Chriſti ſelber / genug zu vernehmen / daß man mit gutem Gewiſſen vnd ohne Verweiß / einiger Kleinmuͤhtigkeit / Geſtalten / kluͤglich vnnd wol erwogenen Leuff - ten vnnd Vmbſtaͤnden nach / vor weſender Gefahr / da man ſonſten / Ampts Pflichte / vnnd Ehren halber / daran nicht verhindert / wol ent - weichen / vnd an andere Orte ſich begeben moͤge.

Es ſchreibet Bußbequius (1) geweſener Keyſerlicher Ambaſſador an der Tuͤrckiſchen Porte zu Conſtantinopel / daß einsmahls / Zeit ſeiner Anweſenheit / die Peſt vnnd Infection ſtarck daſelbſten eingeriſſen / vnd graſſiret, vnnd erden Ort vnd Lufft zu endern eine Nothturfft ermeſſen / gleichwol ſolches ohne Vorwiſſen vnnd Conſens deß Tuͤrckiſchen Key - ſers nit thun moͤgen / dahero denſelben durch den Viſir Baſen / Ruſtan / darumb erſuchen vnd vmb Erlaubnuß anſprechen laſſen / der aber dem Bußbequio ſolches verdacht / als wann er ein ſo ſchwach glaubiger Chriſt waͤre / vnd ſeinem Chriſto nicht zu trawete / daß er jhn in ſolcher Peſtilentz Gefahr zu Conſtantinopel nicht weniger als am andern Ort / wol retten vnd erhalten koͤnte.

Die Peſt wer nicht anders als GOttes Pfeile / die deß vorgeſetz - ten Ziehls nichts verfehlen / noch ein Menſch an einigem Orte ſich dar - fuͤr ſchuͤtzen oder verbergen koͤnte. Vmb ſonſt vnter ſtuͤnde man ſich / daß zuvermeyden / was nicht zuvermeyden waͤre. Sein deß Groß Tuͤrcken eygener Pallaſt / were nicht rein von der Infection, dannoch begehrte er ſeine Reſidentz nicht zuverꝛucken. So weren auch die Tuͤrcken in der Meynung / daß einem jeden die Zeit ſeines Abſterbens / vnd an was fuͤr einer Schwachheit er ſterben ſolte / von GOtt fuͤr der Stirn geſchriebenſtuͤnde.93Von dem Hauß - vnd Eheſtande. ſtünde. Dahero ſie dero an der Peſt verſtorbenen Kleyder Bettuͤcher / gar nicht meideten / ſondern damit das Geſicht rieben / ſagende: iſt es GOttes Will daß ich an der Peſt ſterbe / ſo muß es geſchehen / wo nicht kan es mir nicht ſchaden / woruͤber dann gantze Familien außſterben vnd der Infection weiter zu graſſiren anlaß gegeben werde. Dieſes ſtreit - tet aber mit obangezogenen Spruͤchen der Schrifft.

AXIOMA XLIII. Je beſſer fruchtbahrer Land / je aͤrgere Leuthe.

VOn der Gegent Sodoma vnd Gomorꝛha meldet die Schrifft / daß ſie geweſen Waſſerꝛeich vnd Fruchtbar / wie ein Garte deß HErren / im erſten Buch Moſ. Cap. 13. v. 10. wo haben wir aber ein Exempel in der Schrifft / daß aͤrgere Buben vnd Gott - loſere Menſchen gelebet / als eben zu Sodom vnnd Gomorꝛha / deren grawſame abſche wliche Suͤnde in den Himmel geſchrien / im erſten Buch Moſ. Cap. 18. v. 20. deßwegen GOtt Schwefel vnd Fewer vber ſie regnen / die Staͤdte ſampt der Gegent mit Fewer verbrennen / vnd ver - derben ließ / in ſelbigem Buch Moſ. Cap. 19. v. 24. wordurch das Edle fruchtbare Land / zur vnfruchtbaren Einnoͤde worden / daß darin weder Graß / Kraut oder ander Gewaͤchs mehr auffgangen / im 5. Buch Moſ. Cap. 29. v. 23. Eſaiæ Cap. 13. v. 19. Jerem. Cap. 50. v. 40. Die Philiſter wohneten in einer herꝛlichen fruchtbaren Gegent / an dem Mitlaͤndi - ſchen Meer / in den ſchoͤneſten Marſchlaͤndern / wie mans dieſer Oerther nennet / hatten daneben ſtattliche Seehaaffen daß ſie hin vnd wider ver - mittelſt der Navigation jhren Handel vnnd Wandel treiben vnnd trafi - quiren koͤnten / ſie waren aber Gottloſe Leuthe / die dem Volck GOttes das gebrande Leyd anthaten / vnnd jhnen immerfort ein Dorn in den Fuͤſſen vnd ein Stachel in den Augen waren / wie im Buch der Richter vnd der Koͤnige hin vnd wider zu leſen.

Jn was fuͤr einer herꝛlichen Situation zu Waſſer vnnd Lande / die gewaltige Handelſtadt Tyrus / auch in was fuͤr groſſem Vberfluß dieſelbe ſich befunden / ſolches beſchreibet der Prophet Ezechiel weitleufftig imm iij27. Cap.94Das dritte Buch /27. Cap. daß ſie nemblich mit vielen Jnſulen der Voͤlcker gehandelt vnd die allerſchoͤneſten geweſen / vnd jhre Graͤntzen mitten im Meer ge - habt / v. 3. 4. herꝛliche koſtbahre Gebaͤwde auffgefuͤhret / praͤchtige groſſe Schiffe vnd Flotten zur See gehen laſſen / vnd vberauß groſſe weitleuff - tige Kauffmanſchafften vnnd Vmbſchlaͤge in allerley koſtbahren Wah - ren gehabt / mit allerhand Edlenſteinen jubiliret, &c. v. 7. & ſeqq. ja gar ein Luſtgarten GOttes ſo mit allerley Edlenſteinen geſchmuͤcket / nemb - lich mit Sarder / Topaſer / Demanten / Turckis / Onychen / Jaſpis / Sa - phir / ꝛc. bey ſelbigem Propheten Cap. 28. v. 13. aber ſie ſeynd durch ſolche Gluͤckſeeligkeit Gottloß / vppig vnnd ſtoltz worden / daß ſie jhr Hertz vber GOtt erhoben. v. 2. 3. 4. 5. 6. alſo daß ſie inwendig voll Frevels wor - den fuͤr jhrer groſſen Handthierung vnnd ſich an GOtt verſuͤndiget| / derowegen ſie entlich geſtuͤrtzet herunter gebracht / verheeꝛet vnd verſtoͤh - ret worden / wie bey gemeltem Propheten weitleufftig zu leſen.

Dieſes bezeuget noch auff den heutigen Tag / auch in dieſen Landen die Erfahrung / welche durch taͤgliche Exempel fuͤr Augen ſtellet / daß in den guten feyſten vnd herꝛlichen Marſchlaͤndern viel mehr Todt - ſchlaͤge / Ehebruch / Hurerey vnd andere Leichtfertig - vnd Vppigkeiten veruͤbet werden / als auff der magern duͤrꝛen Geiſt oder Sand - vnd Heyd - landen / dann alldieweil jene beſſere Mittel haben ſo befleiſſigen ſie ſich auch viel mehr deß Muͤſiggangs / Freſſen Sauffens / darauß ein vnor - dentliches Gottloſes Weſen / Todtſchlag vnd andere Schand vnd Laſter erfolgen.

Mehr Vppigkeit vnd Vbermuth veruͤbten droben in guten Frie - dens Zeit die in der feyſten Wetterawiſchen Gegent wohneten / bey jhren delicaten Wetterawiſchen Kuchen / Alandsbiehren vnnd Wein / als die Vogelsberger vnnd jhre Heſſiſche Nachbaren bey jhrem ſauren Kaͤß / Brodt vnnd kalten Brunnen Waſſer. Es gehet ins gemein alſo / wie man ſpricht: Wann dem Eſel zu wol iſt ſo gehet er auff das Eiß vnd bricht ein Bein. Das gelobte Land Canaan / wie es noch von den Gott - loſen Abgoͤttiſchen Cananitern beſeſſen / war ein herꝛlich Land / das von Milch vnnd Honig gefloſſen / wie GOtt ſelbſten dieſem Lande das Lob ſpricht vnnd die von Moſe auß geſchickten Kundtſchaffter reportiret, vnter andern aber auch dieſes remarquiret vnd berichtet / daß der Edle Weinſtock im ſelbigen Lande alſo geſegnet / daß zwey an einer Wein - traube getragen / im 4. Buch Moſis Cap. 13. & Cap. 14. wiewol es jetzo nach dem Fluch GOttes ein oede / vnfruchtbar vnd ſteinigt Land ſeyn ſol / wie die jenige atteſtiren ſo darin gereiſet. Wie viel herꝛliche Lande werden von den Mahometiſten / Tuͤrcken vnd Perſiern beherꝛſchet. Dasgewaltige95Von dem Hauß - vnd Eheſtande. gewaltige groſſe Koͤnigreich China wie auch andere reiche vnnd frucht - bahre Lande in Oſt vnd Weſt Jndien / werden mehrentheils von lautern Vnglaubigen bewohnet / beſeſſen vnd genutzet.

AXIOMA XLIV. GOttes Seegen vnd ordentlich Haußhalten foͤrdern den Haußſtand.

DEr Seegen GOttes fleuſt daher / wie ein Strom / vnd trencket die Erde wie eine Suͤndfluth / ſpricht Syrach Cap. 40. v. 27. Da Jſaac als ein Frembdling im Lande Gerar wohnete / mel - det die Schrifft / daß ſeine Saatgebracht habe hundertfaͤltige Frucht / Vrſache weil jhn der HErꝛ geſegnet / im 1. Buch Moſ. Cap. 26. v. 12. derohalben jhn auch die Philiſter zwar geneydet / aber doch GOttes geſegnete Wunderhand darbey erkant / gegen jhn ſich alſo expectoriret: Wir ſehen mit ſehenden Augen / daß der HErr mit dir iſt / du biſt nun der Geſegnete deß HErrn / im ſelbigen Cap. v. 30. Vnd GOtt kan ſeinem Seegen gebiethen / daß ein Jahr dreyer Jahr Getraͤyde bringe / im 1. Buch Moſis Cap. 25. v. 21. Er kan deß Himmels Fenſter auff thun / vnd Seegen herab thun die fuͤlle Malach. Cap. 3. v. 10. An GOttes Seegen iſt alles gelegen / vnd wo der nicht iſt / da heiſt es wie der Prophet Hagai ſaget: Jhr ſaͤet viel vnnd bringet wenig in / jhr eſſet vnnd werdet doch nicht ſatt / vnnd wer Geld verdienet der legt es in einen loͤcherten Beutel / Cap. 1. v. 6. Cap. 2. v. 17. Den Frommen gibt GOtt Guͤter die da bleiben / vnd was er beſchehret das gedeyet immerdar / Syrach Ca. 11. v. 24. & ult. aber den Gottloſen muß alles vnter der Hand zerꝛnnen Ma - lach. Cap. 3. v. 9. Ein jeder Haußvatter kan vnd ſol mit dem Koͤnig David betten vnd ſprechen: HErr hebe du an zu ſegnen das Hauß deines Knechtes / denn was du HErr ſegneſt / das iſt geſegnet ewiglich im 1. Buch der Chron. Cap. 18. v. 27.

Der Seegen deß HErrn muß aber wol angeleget vnd ordent - lich damit vmbgangen werden / dann durch ordentlich Haußhalten / wer - den die Cammern voll allerley koͤſtlicher lieblicher Reichthumb / Salom. in den Sprichtwoͤrt. Cap. 24. v. 4. Ob ſchon der guͤtige vnd wolthaͤtigeGOtt96Das dritte Buch /GOtt einen reichlich ſegnet / derſelbe aber damit nicht recht vmbgehet / ſelbigen vergeudet vnd ſeine Haußhaltung nicht ordentlich diſponiret vnd einrichtet / iſt alles vergebens vnnd vmb ſonſt. Zuſehen iſt das beſte im Spiel / vnd verſehen iſt auch verſpielet. Getrewe Auffſicht iſt alle wege fruͤe vnd ſpat noͤtig / es heiſt: Oculos Domini ſaginat eqnum. Deß HErren Auge fuͤhret das Roß / ꝛc.

AXIOMA XLV. GOttes Seegen gibt Krafft der Speiſe.

ALs der gewaltige Koͤnig in Aſſyrien Nebucadnezar / nach Erobe - rung der Stadt Jeruſalem / vnter andern den Propheten Daniel mit ſeinen Geſellen / gen Babel gefaͤnglich fuͤhren / vnd die feinſte Knaben der Kinder Jſrael / von Koͤniglichen vnnd Herꝛen Kin - dern / ſo nicht gebrechlich / ſondern vernuͤnfftig / weiſe / klug vnd geſchickt waren / außſondern ließ / auff zuwarten / an dem Koͤniglichen Hoffe / vnd zu lernen Chaldeiſche Schrifft vnnd Sprache / befahl er ſeinem Ober - Caͤmmerern Aſpenas daß man ſie taͤglich von ſeiner Taffel ſpeiſen / vnd von ſeinem Mund-Wein / den er ſelber tranck / reichen ſolte / Danicl. 1. v. 3. & ſeqq. worbey ſich aber Daniel deß Geſetzes GOttes / vom Vnterſchied der reinen vnd vnreinen Speiſe / im 3. Buch Moſis Cap. 11. v. 2. erinner - te / deren vngeachtet die Chaldeer die auch von den vnreinen im Geſetz verbottenen Thieren aſſen / vnnd darvon / wie auch jhrem Wein den Ab - goͤttern opfferten / ehe ſie dieſelbe genoſſen / derowegen ohnverletzten Ge - ſetzes vnd Gewiſſens / auch ohne Ergernuß ſeiner mit gefangener Jſrae - liten / ſolche von der Koͤnigl. Taffel kommende Speiſe vnd Tranck / nicht genieſſen koͤnnen / hat er bey dem Ober-Caͤmmern darfür gebetten / daß er ſich nicht damit verunreinigte / der ſich aber mit Vorwendung Koͤni - glicher ernſter Ordre, entſchuldigte vnnd beſorgte / da ſie mit keiner nied - lichen delicaten Speiſe verſehen / leichtlich an jhrer ſchoͤnen Geſtalt ſcha - den nehmen / vnd er deßwegen als ein vberfahrer Koͤniglichen Gebotts / an Leib vnd Leben periclitiren moͤchte / vnnd ſich darauff abſchlaͤglich er - klaͤret / Daniel aber doch deß Ober Caͤmmerers nachgeſetzten Haußvogt ſollicidiret vnd dahin beredet / daß ers nurent auff zehen Tage mit jhme vnd ſeinen Geſellen verſuchen / jhnen Zugemuͤſe vnnd andere ſchlechte Speiſe reichen vnd Waſſer zu trincken geben ſolte / der es darauff diezehen97Von dem Hauß - vnd Eheſtand. zehen Tage verſuchet / da dann wie die Schrifft bezeuget es ſich nach den zehen Tagen befunden / daß ſie ſchoͤner vnd baß bey Leibe gewefen / dann alle Knaben die von deß Koͤnigs Speiſe aſſen / auch wie ſie fuͤr den Koͤnig gebracht / weder an Geſtalt oder Geſchicklichkeit ſo gar kein Mangel an jhn befunden / daß ſie es allen andern damit / weit zu vor gethan / wie in gemel - tem 1. Cap. deß Propheten Daniels mit mehrerm zu leſen. Worauß dann dieß Morale zufaſſen / daß das Gedeyen vnd Krafft nicht in Nied - lichkeit herꝛlicher koſtbahrer Speiſe vnd Tranck / ſondern bloß in Gottes tauſentreichen / milten Seegen / beſtehe / geſtalt es dann noch die taͤgliche Erfahrung gibt / daß manches Bauren oder armen Burgers Kind / ſo von Waſſer-Suppen / Gruͤtze / Ruben / Kraut vnd Mohr-Wurtzeln / ſeine Nahrung haben muß / offters nicht allein von Gliedern zarter / von Geſtalt ſchoͤner / ſondern auch innerlich zehenmahl geſunder / als groſſer Herꝛen / Edlen vnd anderer reichen / zart / weichlich vnd nietlich erzogene Kinder ſeynd / auch viel kluger / geſchickter vnd aͤlter werden. Ja es muſ - ſen alle koͤſtliche Speiſen / die nicht mit Danckbarkeit genoſſen vnd durch GOttes Hand zum Gedeyen geſegnet werden / den Vppigen vnd Gott - loſen in bittere Galle verwandelt / vnd darauß lautere ſchaͤdliche Humo - res vnd Cacochymiæ werden. im 2. Buch Moſ. Cap. 23. ſpricht GOtt der HErr alſo: Dem HERREN ewren GOTT ſolt jhr dienen / ſo wird er dein Brodt vnd dein Waſſer ſegnen / vnd ich wil alle Kranckheit von dir wenden / vnd dich laſſen alt werden.

AXIOMA XLVI. Vnrecht Gut gedeyet vnd nutzet dem Geitzigen nicht.

WEhe deme der ſein Gut mehret mit frembden Gut / wie lange wirds wehren? ſpricht der Prophet Habacuc. Cap. 3. v. 6. wie ein Vogel der ſich vber Eyer ſetzet vnnd bruͤtet ſie nicht auß / alſo iſt der ſo vnrecht Gut ſamblet / denn er muß darvon wann ers am wenigſten achtet vnd muß doch zuletzt Spott darzu haben / ſpricht der Prophet Jeremias Cap. 17. v. 9. Er muß die Guͤter wider auß - ſpeyhen die er verſchlungen hat / vnnd GOtt wil ſie auß ſeinem Bauchnſtoſſen /98Das dritte Buch /ſtoſſen / Hiob. Cap. 20. v. 15. Schrecken vberfaͤlt jhn wie Waſſer / deß Nachts nimbt jhn das Vngewitter hinweg / ibid. Cap. 27. v. 18. & ſeqq. derowegen der weiſe Mann Syrach alſo warnet: Auff vnrecht Gut ver - laß dich nicht dann es hilfft dir nicht wenn die Anfechtunge kommen wer - den / Cap. 5. v. 10. Der Gottloſen Guͤter verſiegen wie ein Bache / wie ein Donner verꝛauſchet im Regen / Cap. 41. v. 13. Auff ſolche weiſe ginge es dem reichen lauſer Nabal der ſaß auch vber ſeinem vngerechtem Mam - mon wie ein Vogel oder Henne vber die Eyer ſitzet / wann ſie bruͤtet / kon - te darvon gantz nichtes zu einer geringen Reuterzehrung fuͤr den ver - folgten David / ſeinen deſignirten kuͤnfftigen vnd allbereit von GOTT geſalbeten / Koͤnig entbehren / der doch neben Vermeldung ſeines freund - lichen Gruſes / ſolches gar hoͤfflich an jhn geſinnete vnd ſeiner Diſcretion heimbſtellete / was ſeine Hand finden wuͤrde / zu Refrichirung ſeiner mat - ten Knechte zu reichen / GOTT ſtraffete jhn aber bey ſolchem groſſen Gut ploͤtzlich / daß ſein Hertz in ſeinem Leibe erſtarb wie ein Stein daß er alles vnverſehens hinter ſich laſſen vnnd die Welt mit dem Rucken anſe - hen muͤſte / im 1. Buch Samuel. Cap. 25. Jener Reicher bey dem Evangeliſten Luca / vermeinte er haͤtte ſich vnnd ſein Hauß ſehr wol pro - vidirt vnnd verſorget / wie er ſeine Schewre ergroͤſſert dieſelbe von vnten biß oben vollgemacht vnnd ſeiner Seelen vnnd Leibe die groͤſſeſte Gluͤckſeeligkeit vnnd Wolluſt auff viel Jahr ſtipulirte vnnd verſprach / muſte aber von GOTT die ohnvermuthete herbe vnnd jhme gar nicht anſtendige Sententz vnnd Vrtheil anhoͤren: Du Narꝛ dieſe Nacht wird man deine Seele von dir fordern vnnd wes wirds ſeyn daß du bereytet haſt / Luc. Cap. 12. v. 16. & ſeqq.

AXIO -99Von dem Hauß - vnd Eheſtande.

AXIOMA XLVII. Kraͤmer vnnd Kauffleuthe achten alle Ver - fortheilung fuͤr einen rechtmaͤſſigen Gewinn.

DEr Kauffman ſpricht der Prophet Hoſea / hat eine falſche Wage in ſeiner Hand vnd betreugt gerne / Cap. 12. v. 7. Dieſes hatte GOtt in ſeinem Geſetze hoch verbotten vnd befohlen / daß man nicht zweyerley Gewichte / groß vnd klein / auch nicht zwey - erley Scheffel im Hauſe haben / dann ſolches GOtt ein Grewel iſt / im 5. Buch Moſis. Cap. 25. v. 13. Proverb. Cap. 11. v. 1. Cap. 20. v. 10. Jhr ſollet nicht vnrecht handeln mit der Elen / ſondern rechte Wage / rechte Pfunde / rechte Scheffel / rechte Kanden ſol ein jeder haben / im 3. Buch Moſ. Cap. 19. v. 35. Ezech. 45. v. 10. Der weiſe Mann Syrach beſchreibet weiter die Kraͤmer vnd Kauffhandler / wann er lehret / ein Kauffman kan ſich ſchwerlich hüten fuͤr Vnrecht / vnnd ein Kraͤmer fuͤr Suͤnden / denn vmb deß Guts willen thun viel vnrecht: Wie ein Nagel in der Mauren zwiſchen zweyen Steinen ſticket / alſo ſteckt auch Sünde zwiſchen Kaͤuffer vnnd Verkaͤuffer / Cap. 27. v. 1. dahero der HErr Chriſtus ſelber die Verkaͤuffer vnd Kaͤuffer auß dem Tempel getrieben / vnd einen Grewel an jhrer Finantz gehabt.

Ob wol der Kauffhandel fuͤr ſich ſelber ein erbahr / nutzlich / dem ge - meinen Weſen hoch erſprießlich auch in ſocietate Civili vnentberlichImpiger extremos currit Mercator ad Indos Per mare pauperiẽ fugiens, pro Saxa perignem Horat. lib. 1. Epiſt. 1. Werck iſt / ſo ſtecket doch darin ein groß Finantz vnnd Betrug / zumahlen weil ins gemein / die ſo da handeln vnd kraͤmmern / keinen andern Scopũ, Zweck oder Ziehl virtutis, gloriæ, Honoris, ſondern bloß daß ſie damit Gelt vnd Gut erwerben / groß vnd reich werden / ſich vorgeſetzet haben / dardurch ſie leichtlich fallen in viel Stricke deß Satans vnnd Verſu - chung / der Liebe deß Nechſten vergeſſen vnd allen Gewin fuͤr nutzlich vnd billich erachten. War iſt es / daß ohne Gewin kein Handel ſeyn vnd erhalten werden kan / auch die Natur vnd Eygenſchafft dieſes Contracts kauffens vnd verkauffens alſo gethan vnd beſchaffen / daß wer da kaufft / gern das wenigſte geben / der Verkauffer aber allemahl das meiſte vnd ſon ijhoch100Das dritte Buch /hoch er immer kan ſeine Wahr außbiethen vnd verkauffen wolte / dahero auch in den Roͤmiſchen Geſetzen zubefinden. Quod in pretio emptionis venditionis, naturaliter (hoc eſt ex natura illius Contractus) liceat con - trahentibus le circum venire Vipian. in l. in cauſæ 16. §. 4. ff. de minorib. nemblich daß es gleichſam die Natur vnd Eygenſchafft dieſes Contracts mitbringe daß einer ſeinen Vortheil darbey bevor habe / es muß aber ſolcher Gewin / nach der Erbar - vnd Billigkeit proportionirt vnnd der Naͤchſte / ſonderlich der einfaͤltige nicht zur Vngebuͤhr vberſetzet vnd ver - fortheilet werden / welches S. Paulus ſeinen Theſſalonichern ernſtlich gebeut / daß es der Wille GOttes ſeye / daß niemand zu weit greiffe / noch ſeinen Bruder verfortheile im Handel / in der 1. an die Theſſalon. c. v. 6. gleichwol die wenigſten Kraͤmer bedencken abſonderlich werden in derVid. Strac. de Mercat. part. 1. n. 29. & ſeqq. Schrifft die Vorkaͤuffer vnd Monopoliſten / die Korn / Wein / vnd andere Victualien vnd Wahren heuffig an ſich kauffen / zu ruck vnd auff Thew - rung halten vnd darvon ehe nichtes verkauffen wollen / the es auff hoͤchſte kommen / darvon Salomon ſchreibet: Wer Korn inhaͤlt dem fluchen die Leuthe / aber Seegen kompt vber den ſo es verkaufft / in den Sprichwoͤrt. Cap. 11. v. 26. Noch aͤrger ſeynd die welche ex Compacto oder vnter ſich gemachter Verſtaͤndnuß / die Wahren in Greß an ſich bringen / hernacher vnter ſich vergleichen / daß ſie ſo hoch vnd nicht geringer als ſie es geſetzet / abgehen ſollen / dahero offters geſchiehet / daß was einen Thaler gegolten / in kurtzer Zeit auff zwey biß in drey geſteigert wird / auff ſolche vnd andere mehr Weiſe vnd Griffe bringen die Kauffleuthe / Fuͤrſten / Herꝛen / Adel / Vnadel / Burger vnd Bauren in jhre Contribution, ſetzen jhnen gleich - ſamb Zollen vnd Tribut, auff alle Wahren nach jhrem belieben / vnd ge - nieſſen dieſer jhrer eygenmaͤchtigen Inpoſten weit hoͤher / als die Poten - taten / Fuͤrſten / vnd Herꝛen jhrer Zoͤlle / welche jhre vornehmſte Regalia vnd Hoheiten ſind / darvon offters die Handels-Leuthe groſſe Lamenta - tiones vnd Querelen machen / aber nicht erwegen daß jhre Auffſaͤtze vnnd Financerey weit hoͤher kompt / vnnd gelangen dardurch die groͤſſeſten Reichthumer der Welt an die Kauffleuthe / daß deren Theils ſich nicht Adelich / ſondern faſt Fuͤrſtl. halten vnd tractiren laſſen / daruͤber GOtt der HErꝛ ſelber klaget bey dem Propheten Ezechiel / Cap. 27. & 28. beſiehe oben das Axioma, Je beſſer fruchtbahrer Land / ꝛc.

AXIO -101Von dem Hauß - vnd Eheſtande.

AXIOMA XLIX. Ein Haußvatter ſol in Bawen behuͤtſam ſeyn vnnd ehe er anfaͤngt den Vberſchlag mit dem Beutel machen.

ALs der HErr Chriſtus die Phariſeer einmahl informirte ge - brauchte er dieß Gleichnuß: Wer iſt vnter euch der einen Thurn bawen wil / vnd ſitzet nicht zuvor vnnd vberſchlaͤget die Koſten / ob ers habe hinauß zufuͤhren? Auff daß nicht wo er den Grund gele - get hat / vnd kans nicht hinaußfuͤhren / alle die es ſehen / fahen an ſein zu ſpotten / vnd ſagen dieſer Menſch hub an zu bawen vnd kans nicht hinauß fuͤhren / Luc. Cap. 14. v. 28. & ſeqq. hiermit werden alle Haußvaͤtter / hoͤ - hern / mitlern vnd geringern Standes / von Chriſto erinnert / daß ſie vor - ſichtig im bawen ſeyn / vnd ſolches nach jhrem vermoͤgen proportioniren vnd anſtellen.

(1) Ædifi - care do - mos & pa - ſcere cor - pora mul - ta Ad pau - pertatem proximus eſt aditus Bawen iſt ein Luſt / ohne daß es viel Geld koſt. Davids Armuth.
31

Bawen iſt wol eine feine Luſt / aber gar koſtbahr / vnd hat ſich man - cher vnvorſichtiger Haußvatter damit vertieffet / in Verderben / Schuld vnd Vngelegenheit geſetzet / wie es die taͤgliche Erfahrung bezeuget / (1) wann man aber vbrigen Vorꝛath / auch die Materialia bey der Hand hat / dann laͤſt es ſich am beſten zur Nothturfft auch wol zur Luſt bawen. Als der Koͤnig David vorhabens war den Tempel GOttes zu Jeruſalem auffzufuͤhren / meldet die Hiſtoria, daß er vorhin einen groſſen Vorꝛath an Gold Silber vnd andern Materialen herbey geſchaffet. Vnd wie GOTT es nicht haben wolte daß David als ein Kriegsmann / der viel Bluts vergoſſen ſondern ſein Sohn Salomon ſolches thun ſolte / ani - mirte David denſelben darzu vnd ſprach: Siehe ich habe in meiner Ar - muth verſchaffet zum Hauſe deß HErren hundert tauſent Centner Goldes / vnd tauſent mahl tauſent Centner Silbers / darzu Ertz vnd Ei - ſen ohne Zahl auch Holtz vnnd Stein / ꝛc. Chron. Cap. 23. v. 14. & ſeqq. Welcher geſtalt der Koͤnig Salomo vber dieſen von ſeinem Herꝛn Vattern hinterlaſſenen Vorꝛath / ſich noch ferner darumb beworben den Koͤnig Hiram durch eine anſehentliche Legation vmb Cedern / Tennen vnd Hebenholtz vnd andere koſtbahre Materialien, auch Kuͤnſtler / Werck -n iijmeiſter102Das dritte Buch /meiſter vnd Zimmerleuthe erſuchen laſſen / ſolches wird im 2. Buch der Chron. Cap. 2. v. 3. & ſeqq. beſchrieben. Als Joſaphat durch GOttes Seegen viel Vorꝛaths zuſammen gebracht / hat er in Juda anfaugen zu - bawen Schloͤſſer vnd Korn-Staͤdte / 2. Chron. Cap. 17. v. 12. imgleichen meldet die Schrifft von dem Koͤnig Hißkia / daß er ſehr groſſen Reich - thumb / vnd Schaͤtze von Silber / Gold / Edelſteinen / ꝛc. gehabt vnd her - nach Staͤdte vnd Kornhaͤuſſer gebawet / 2. Chron. Cap. 32. v. 26. & ſeqq. Wer derowegen ohne Nachtheil vnnd Verderben bawen wil / der muß nach der Lehr Chriſti erſt mit dem Beuthel zu Rath gehen / das bawen nach ſeinem Vermoͤgen vnnd nicht weiter erſtrecken auch darauff ge - dencken wie er gehoͤrige Materialia, gute Werckmeiſter vnnd Arbeits - leuthe zur Handſchaffe. Die Ertzvaͤtter vnd jhre erſte Nachkommenen haben keine Palatia gebawet ſondern ſich in Huͤtten beholffen / biß ſie in das gelobte Land kommen da ſie Staͤdte gefunden vnnd hernach ſelber gebawet / wie die Hiſtoria allenthalben bezeuget.

AXIOMA L. Jn Buͤrgſchafften ſoll man ſich nicht vertieffen / vnd wann einer Buͤrge worden / ſich deren zeitlich wider loß machen.

BVrge werden hat viel reiche Leuthe verderbt vnd hin vnd wider geworffen / wie die Wellen im Meer / es hat groſſe Leuthe ver - trieben daß ſie in frembden Landen muſten in der Jrꝛe gehen ſpricht Syrach / Cap. 29. v. 21. & ſeqq. Wer für einen andern Buͤrge wird / der wird Schaden haben / wer aber ſich fuͤr geloben huͤ - tet der iſt ſicher. in den Sprichwoͤrt. Salomon. Cap. 11. v. 15. Es er - fordert zwar die Liebe deß Naͤchſten vnnd das Vinculum ſocietatis Ci - vilis, deß einer dem andern in Noͤthen beytrette / aber man muß darbey vorſichtig vnnd ſicher gehen / keiner iſt ſchuͤldig ſeinen Naͤchſten mehr lieben als ſich ſelber / welches er gleichwol thun wuͤrde / wann er ſich durch vnvorſichtige Buͤrgſchafft ſelber vmb das ſeine braͤchte vnnd ins Verderben ſtuͤrtzete.

Es iſt103Von dem Hauß - vnd Eheſtande.

Es iſt keiner ſchuͤldig den Dorn auß eines andern Fuß zuziehen vnd wider in ſeinen Fuß zuſtecken / (1) man erfaͤhret es taͤglich ſonderlich(1) Ordi - nata Cha - ritas inci - pit à ſe i - pſa, & plus diligit ſe i - pſam in planta pe - dis, quam proximum in vertice capitis, di - xit Bald. bey den Gerichten vnnd Cantzeleyen / wie viel guthertzige Leuthe durch Buͤrgſchafften herunter vnnd vmb alle das Jhrige kommen. Sey nicht bey denen / warnet Salomon / die jhre Hand verhefften vnnd fuͤr Schuld Buͤrge werden. Denn wo du es nicht haſt zubezahlen / ſo wird man dir dein Bette vnter dir wegnehmen / Cap. 22. v. 26. Es heiſt Buͤrgen ſol man wuͤrgen. (2) Ein frommer Mann ſpricht Syrach wird Buͤrge fuͤr ſeinen Naͤchſten / aber ein Vnverſchaͤmbter laͤſt ſeinen Naͤchſten ſtecken. Der Gottloſe bringt ſeinen Buͤrgen in Schaden / vnnd ein Vndanckbahrer laͤſſet ſeinen Erloͤſer ſtecken / Cap. 29. v. 17. & ſeqq. wann aber einer keinen Vmbgang nehmen koͤnnen fuͤr einen andern Buͤrge zuwerden / ſo muß er darbey allert, Vigilant vnd keines weges ſicher ſeyn / ſondern immerfort / ſonderlich wann er keine genug -(1) Hinc il - lud Auſon. ecce dici - mus Lati - id eſt: Sponde noxa tibi præſto eſt. Per mille poſſũ cur - rere Exem. pla ut pro - bem, Prædes, vadeſque pœnitudi - nis Reos. Inde eſt quod faci - le fide ju - bens dica - tur verge - re ad in opiam & re ſua malèſe uti Geil. 2. obſ. 83. 11. 1. 5. ſame Ruͤck - oder Schadloß Buͤrgen hat darauff gedencken / wie er ſich ſolcher Buͤrgſchafft vnnd Verſpruchs wider entbinden vnd loß wuͤrcken moͤge.

Es heiſt bey den Rechtsgelaͤhrten / Vigilantibus jura ſcripta ſunt. Das iſt / den Wachenden vnnd nicht den Schlaffenden / kommen die Rechte zuſtatten. Der Koͤnig Salomon gibet dießfals allen Buͤrgen ein herꝛliche Inſtruction wann er lehret: Mein Kind / wirſtu Buͤrge fuͤr deinen Naͤchſten / vnd haſt deine Hand bey einem Frembden verhaͤfftet / ſo biſt du verknuͤpffet vnnd gefangen mit der Rede deines Mundes: So thu doch mein Kind alſo / vnd erꝛette dich: Denn du biſt deinem Naͤchſten in die Haͤnde kommen / eyle / draͤnge vnd treibe deinen Naͤchſten. Laß deine Augen nicht ſchlaffen / noch deine Angen Glieder ſchlummern / Pro - verb. Cap. 6. v. 1. & ſeqq. Es ſeynd auch in den Rechten Mittel verordnet / wann der Schuldener ſeinen Buͤrgen ſtecken laſſen vnnd entheben wil daß der Buͤrge ſich mit Recht loß machen vnnd den Schuldener ad ſe vi - dendum ſeliberari fuͤr Gericht citiren vnd beſprechen kan / vid. Geil. 2. obſerv. 29. Hartman. tit. 30. obſ. 6.

AXIO -104Das dritte Buch /

AXIOMA LIII. Eltern vnnd Haußvaͤtter thun weißlich daß ſie bey jhrem Leben von jhren Guͤtern alſo mittheilen daß ſie Herꝛen daruͤber bleiben / vnnd hernacher andern nicht in die Haͤnde ſehen doͤrffen.

ELtern vnnd Haußvaͤtter ſollen zwar jhre Bruͤnlein flieſſen laſſen / aber doch alſo daß ſie ſelber Herꝛ daruͤber bleiben / in den Sprich - woͤrtern Salomon. Cap. 5. v. 16. 17. Der weiſe Mann Syrach warnet alle darfuͤr / wann er lehret / laß dem Sohn / der Frawen / dem Bruder / dem Freunde nicht gewalt vber dich / weil du lebeſt / vnnd vbergib niemand deine Guͤter / daß dichs nicht gerewe vnd muͤſſeſt ſie da - rumb bitten.

Die weil du lebeſt vnnd Adem haſt / vntergib dich keinen andern(1) Nullus affectus vincit pa - ternũ l. fin. C. de Cur. Furios. Et parentes magis a - mare cen - ſentur per - ſonas libe - rorũ quam proprias ſ. 8. in fio. ff. quod met. Cauſ. vult. 1. conſil. Marp. 29. n. 78. & 94. Menſchen / Cap. 33. v. 20. Mann muß ſeinen Kindern vnd Naͤchſten alſo helffen daß man ſelber bey Brod vnnd Nahrung bleibe / die ordentliche Liebe fuͤhret von ſich ſelber an / vnd thut alſo einem andern gut / daß ſie jhr ſelber daruͤber nicht vergeſſe. Es pflegen gar offt Eltern auß ſonder - bahrer zu weilen gar zu groſſer Lieb vnnd Confidentz gegen jhre Kinder / denſelben bey lebendigem Leibe jhre Guͤter zu vbergeben vnnd hernacher jhnen in die Haͤnde zuſehen / aber es hat ſolche Vnvorſichtigkeit viele ge - rewet / vnnd haben ſich gar ſehr darbey betrogen gefunden. Die Liebe / ſprechen die Philoſophi iſt ex genere gravium, ſie ſteiget mehr abwerts von den Eltern auff die Kinder / als auffwerts von den Kindern auff die Eltern. (1)

Ein Vatter kan viel Kinder ernehren / aber vielen Kindern wird es ſchwer vnd ſawer einen Vatter zu vnterhalten. Etliche Eltern handeln vorſichtiger / daß ſie zwar jhre Guͤter den Kindern vbergeben / behalten ſich aber ein Reſervat oder Außzug bevor / wiewol ſolches auch nicht alle - mahl / wie ich der Faͤlle viel erlebet / gerathen vnd deßwegen groſſer Streitzwiſchen105Von dem Hauß - vnd Eheſtande. zwiſchen Eltern vnd Kindern erwachſen / (2) das beſte vnd ſicherſte iſt /(2) Vid. Hartman. Piſtor. ob - ſerv. 21. ſo lange einer kan / daß er ſelber Herꝛ vber das ſeinige bleibe vnnd die Kinder gebuͤhrlich außſtewre / vnd jhnen ſelbſt nach ſeiner Gelegenheit gutes thue.

Keyſer Carl der V. hat nicht allein ſeinem Herꝛn Bruder Koͤnig Ferdinando I. das Keyſerthumb / Anno 1556. ſondern auch ſeinem Sohn Philippo Hiſpanien vnnd andere Koͤnigreiche vnnd Erblande / ſampt den Niederlanden bey geſundem Leibe / abgetretten / welches jhne hernacher bald ſol gerewet haben. Vnd gedencket Famian. Strada in ſeiner Beſchreibung deß Niederlaͤndiſchen Kriegs / lib. 1. p. 10. 11. wie der Cardinal Granvellanus ſo vorhin deß Keyſ. hernacher deß Philippi Koͤnigs in Hiſpanien geheimbter Rath geweſen / den Koͤnig erinnert daß am ſelben Tage die Jahrzeit waͤre daß jhme ſein Herꝛ Vatter das Re - giment vber ſo viel Koͤnigreiche vnnd Lande eingeraumet / der Koͤnig ſo bald darauff geantwortet: Es waͤre auch eben denſelben Tag ein Jahr / daß es ſeinen Herꝛn Vatter gerewet / daß ſolches geſchehen. Erzehlet auch darbey wie ſo gar ſchlechte Auffwartung / nemblich zwoͤlff Diener / ein Pferdtichen vnnd ſonſten geringe Bereitſchafft vnnd Mit - tel dieſer gewaltiger ſieghaffter Keyſer nach quittirter ſo groſſer Re -(3) Caro - lus V. ab - dicando Imperium & magna Orbis terrarum parte ſe ſpoliando, edidit ignotum Principum & aulæ Prodigiũ: Ut cum poſſetimperare, Deſiſteret. Strad. d. loc. p. 6. gierung behalten / worbey gemelter Sttada verſchiedene Vrſachen ſol - cher Abtrettung / ſo wol zu leſen / erzehlet. (3)

Jch erinnere mich auch daß Anno 1626. ein vornehmer Fuͤrſt deß Reichs ſein Fuͤrſtenthumb / Graff vnnd Herꝛſchafften / ſampt der Lan - des Fuͤrſtlichen Regierung / ſeinem aͤltiſten Herꝛn Sohn auß ſonder - bahren Motiven vnnd Vrſachen cedirt vnnd vberlaſſen / welches jhne wo nicht denſelben / dannoch den folgenden Tag gerewet vnnd er hernacher daruͤber offt wunderlich vnd vnmuthig geweſen.

AXIO -106Das dritte Buch /

AXIOMA LIV. Daß die Stambguͤter / bey einer jeden Familia im Gebluͤt verbleiben / vnnd darbey erhalten werden / gereichet zum Auffnehmen vnnd beſſerem Flor der Ge - ſchlechter.

ALs der Koͤnig Achab / den Naboth anſprach daß er jhme ſeinen nechſt an deß Koͤnigs Pallaſt gelegenen Weinberg vmb Geld verkauffen oder vmb ein Æquivalens oder beſſeren Weinberg ver - tauſchen ſolte / wande er dieſe Entſchuldigung ein / daß es ein Stamb Gut / vnd ſeiner Vaͤtter Erbe waͤre / dahero er denſelben nicht wolte in frembde Haͤnde kommen laſſen / im 1. Buch der Koͤnig. Cap. 21. v. 1. & ſeqq. Solches hatte ſeinen Grund in dem Moſaiſchen Geſetze / da GOTT der HErr verordnet / daß das Erbtheil der Kinder Jſrael nicht ſolte fallen von einem Stamb zu andern / ſondern ein jeglicher vnter den Kindern Jſrael / ſolle anhangen an dem Erbe deß Stambs ſeiner(1) Confer Zepper. ad leges Mo - faicas, Fo - renſ. lib. 1. ca. 8. & lib. 4. ca. 23. Vaͤtter / (1) dahero auch vnnd daß durch die Heyrathen / die Stamb - Guͤter nicht zerꝛiſſen vnnd von einem Stamb auff den andern gebracht / ferner verordnet / daß ein jeglicher in ſeinem Stamb heyrathen ſolte / im 4. Buch Moſ. Cap. 36. v. 7. welches gleichwolwegen deß letzten / nemb - lich der Verheyrathung nicht ſo genawe gebotten geweſen vnnd in acht genommen worden / wie ſolches die Exempel bezeugen. Aaron der Hoheprieſter war auß dem Stamb Levi / hatte aber doch zum Weibe Eliſeba Aminadabs auß dem Geſchlechte Juda Tochter / Exod. Cap. 6.(2) Ex Chytræ. notat D. Oſiander in gloſ. ad cap. Num. 36. lit. a. v. 23. (2)

Die hochgebenedeyte Jungfraw Maria / poſterirte auß der Wur - tzel Jeſe vnd Stam Juda / die doch eine Verwandtin war der Eliſabeth deß Prieſters Zachariæ Ehefrawen / Luc. Cap. 1. Wegen obiger Moſai - ſcher Verordnung der Stamb-Guͤter daß dieſelbe bey dem Naͤchſten Blut nach Muͤglichkeit erhalten werden moͤchten / war auch den Naͤchſt - geſtepten eines jeden Stammes erlaubet der Naͤherkauff / Jus prothi -miſeos107Von dem Hauß - vnd Eheſtande. miſeos oder Retractus wie man es nennet / derogeſtalt wann ein GutJus prothi - miſeos ſi - ve Retra - ctus Naͤ - herkauff Abtrieb. auß Nothverkauffet oder ſonſten vereuſſert worden / der naͤchſte Freund in den Kauff eretten vnd es an ſich ziehen koͤnnen / wie zu leſen im 3. Buch Moſ. Cap. 25. v. 25. daſelbſten alſo geſchrieben: Wann dein Bruder verarmet vnd verkaufft dir ſeine Haab / vnd ſein naͤhiſter Freund kompt zu jhme / daß ers loͤſe / ſo ſol ers loͤſen / was ſein Bruder verkauffet hat / Vid. Ruth. Cap. 4. v. 4. & ſeqq.

Alſo botte der Hanameel / ſeinem Vettern dem Propheten Je - remias den Vorkauff ſeines Ackers an vnnd ſprach: Lieber kauffe du meinen Acker / zu Anathod / dann du haſt das naͤheſt Freund-Recht dar - zu / Jerem. Cap. 32. v. 7. 8. Jſt alſo der Abtrieb oder Naͤherkauff wegen deß Gebluͤts in den Moſaiſchen Geſetzen gegruͤndet / geſtalt dann auch faſt vberall in der Chriſtenheit durch Gewohnheit derſelbe eingefuͤhret vnd habe ich darvon in meinem Tractatu de Retractatu Conſanguini - tatis außfuͤhrlich gehandelt / Quæſt. 1. & ſeqq.

AXIOMA LV. Ein vorſichtiger Haußvatter thut wol daß er vor ſeinem Abſterben / bey gutem Verſtande / durch Auffrichtung ſeines letzten Willens ſein Hauß beſchicket.

ES iſt faſt bey allen vernuͤnfftigen Voͤlckern / wie auch dem Volcke GOttes die Teſtamenti Factio, oder letzte Willens Verordnung vnd Geſchaͤffte vblich geweſen / ja es hat GOTT der HERR ſelber dem Koͤnig Hißkia / durch den Propheten Eſaia befehlen vnd alſo anſagen laſſen: Beſtelle / oder beſchicke / dein Hauß / denn du wirſt ſterben vnd nicht lebendig bleiben / Eſai. Cap. 38. v. 1. der Lateiniſche Text lautet: Diſpone donui tuæ, quia morieris, welches dann nicht allein dem Hißkia / ſondern allen die ſich der Sterbligkeit erꝛinnern muͤſ - ſen / vnd fuͤr jhre Poſteritaͤt Hauß vnd Nachkommenen ſorgfaltig ſeyn / anbefohlen / dann alles was in der H. Schrifft auffgezeichnet / iſt allen zur Lehr vnd Troſt geſchehen. Exempel der H. alten Teſtaments /o ijſeynd108Das dritte Buch /ſeynd genug verhanden. Abraham beſchickete gar zeitlich / bey geſundem Leibe vnd Verſtande ſein Hauß / per diſpoſitionem paternam, durch eine Vaͤtterliche Verordnung / in deme er ſeinen Sohn Jſaac zu einem Univerſal Erben einſetzte / vnd jhme all ſein Gut verſchaffte / den andern Kindern aber ſo von den Kebs-Weibern gebohren / hat er gewiſſe Legata vnnd Geſchencke vermachet / vnd hat ſie von ſeinem Sohn Jſaac ziehen laſſen / weil er noch lebete gegenden Auffgang in das Morgenland / im 1. Buch Moſis. Cap. 25. v. 5. 6. Wie der Ertzvatter Jacob mit ſterbens Gedancken / in ſeinem hohen Alter vmbgienge / wolte er nicht Inteſtatus oder ohne Teſtament von der Welt abſcheyden / ſondern war vor ſein Ertzvatterlich Hauß vnd Kinder ſorgfaltig / erꝛinnerte ſich darbey zu forderſtder groſſen Kindlichen Trewe / die ſein wolgerathener liebſter Sohn Joſeph / in Hungersnoth vnd Thewrung an jhm vnd ſeinem gan - tzen Hauſe gethan / vnd ſolches mit Vaͤtterlichen Dancknemigen Willen zuerkennen / adoptirte er oder nahm an Kindes ſtatt an / Joſephs beyde Soͤhne / Ephraim vnnd Manaſſe / vnnd vermachte jhnen Kindes Theil / bey Außtheilung deß gelobten Landes / gleich ſeyn wie Ruben vnnd Si - meon / verſchaffte daneben auch dem Joſeph ein anſehentlich Prælega - tum, im 1. Buch Moſ. Cap. 48. v. 5. & v. 22. hernacher berieff er ſeine vbrige Soͤhne vor ſein Todt-Bette / exprobirte vnd warff dem Ruben / als Erſtgebohrnem fuͤr ſeine Vberfahrung / wie imgleichen dem Simeon vnnd Levi jhre Moͤrderiſche Schwerdter / privirte vnd entſetzte den Ru - ben deß Rechtens Primogenituræ oder Erſtengeburt / wie auch die beyde jhm nachfolgende Bruͤder Simeon vnd Levi vnd gab es ſeinem vierdten Sohn Juda / vnd weiſſagete daß das Scepter von Juda nicht ſolte ent - wendet werden / noch ein Meiſter von ſeinen Fuͤſen / biß daß der Held komme / im 1. Buch Moſis Cap. 49. den andern ſeinen Soͤhnen ſprach er auch den Seegen vnd weiſſagete von jhnen / ſchließlich befahl er auch wie es mit ſeinem hinterlaſſenen Todten Coͤrper zuhalten / vnd daß der - ſelbe ſeiner Vaͤtter Erbbegraͤbnuß in der Hoͤhle auff dem Acker Ephron deß Hethiters in der zweyfachen Hoͤble / die gen Mamre ligt im Lande Canaan gebracht / vnd daſelbſten mit gewoͤhnlichen Ceremonien beyge - ſetzet werden ſolte / in gemeltem 49. Cap.

Als Moſi die anzeyge von GOtt geſchahe / daß er nicht wuͤrde vber den Jordan kommen / vnd daß er ſich zum Abſchiede ſchicken / vnnd dieſer Welt abdancken ſolte / war er fuͤr ſein Volck vnnd Gemeine ſorgfaltig / ſtellete jhnen Joſuam zum kuͤnfftigen Regenten fuͤr / wie der HErꝛ zu jhme geredet hatte / im 5. Buch Moſis Cap. 31. Als die Zeit herbey kam daß der Koͤnig David den Weg alles Fleiſches gehen ſolte / erforderte erſeinen109Von dem Hauß - vnd Eheſtand. ſeinen Sohn Salomo / als den verordneten Cron-Erben / animirte vnd erꝛinnerte jhn zur Mannhafftigkeit vnd ſprach: So ſey getroſt vnnd ſey ein Mann / vnd warte auff die Hut deß HErren deines GOttes / daß du wandelſt in ſeinen Wegen / vnnd halteſt ſeine Sitten / Gebott / Rechte / Zeugnuſſen / ꝛc. gab jhme gute Regiments Regulen / das boͤſe zu ſtraffen vnnd das gute zu belohnen / Jnſonderheit ſchaffete er wie Sa - lomo mit den vntrewen Joab vnnd Simei verfahren vnnd jhnen einen Proceß ſeiner Weißheit vnd hocherleuchtem Verſtande nach formiren / die Kinder deß getrewen Barſillat deß Gileathiters recompenſiren vnnd begnaden ſolte / im 1. Buch der Koͤnig Cap. 2. v. 1. & ſeqq. Ein ſchoͤn vnnd herꝛlich Teſtamentum nuncupativum machete der alte Tobias / lange fuͤr ſeinem Ende / gab ſeinem Sohn dem jungen Tobia darbey eine treffliche Lehr / wie er ſich gegen GOtt / ſeine alte Mutter / ſeinem Naͤch - ſten verhalten / nemblich daß er demſelben thun ſolte / wie er wolte daß man jhm thaͤte vnnd dann das liebe Armuth nicht vergeſſen / danebenalle Laſter / ſonderlich aber die Hoffart als ein Anfang alles Verderbens meyden / vnnd in ſeinem Hertzen nicht herꝛſchen laſſen ſolte / vber das le - girte er jhme zehen Pfund Silbers / ſo er geliehen hatte Gabel in der Stadt Rages in Meden / vermoͤge deſſen Handſchrifft die er bey ſeiner Verlaſſenſchafft finden wuͤrde / im Buch Tob. Cap. 4. Welches billich ein jeder fleiſſig zu leſen.

Er hat auch als er nach ſolcher Verordnung viel Jahr gelebet / kurtz vor ſeinem Abſterben / abermahls teſtiret / ſeinen Sohn Ninive zuver - laſſen gewarnet / vnnd daß man ſein Weib neben jhme in ſeinem Grabe beyſetzen ſolte / Tob. Cap. 14. v. 12. Matthias der Macchabeer wie er im ſechs vnd viertzigſten Jahr ſeines Alters zu ſeinen Vaͤttern ſolte geſamb - let werden / ließ er ſeine Soͤhne fuͤr ſich kommen / machete ein Teſtament / befahl jhnen zu forderſt die Hut vnnd Bewahrung deß Geſetzes / daß ſie daruͤber eyfern / feſt halten vnnd jhr Leben fuͤr den Bund jhrer Vaͤtter wagen ſolten / darnach ordnet er ſeinen Kindern ſeinen aͤltiſten Sohn Simeon zum Vormund / weil er weiſe war / Judam Macchabeum weil er Starck vnnd ein Held war / wachete er zum Feld-Hauptmann vnnd ſprach jhnen allen den Seegen / im 1. Buch der Macchab. Cap. 2. v. 49. & v. 64. & ſeqq.

Der HErr Chriſtus hat ſelber nicht Inteſtatus zum Todt deß Creutzes gehen wollen / ſondern hat vorhin das H. Abendmahl welches iſt das newe Teſtament / in ſeinem Blut alen Menſchen zu gutem einge - ſetzet. Matth. Cap. 26. v. 26. Marc. 14. v. 22. Lur. 25. v. 19. 1. ad. Corinth. 11. v. 25. Ja wie er ſchon am Creutz hinge hat er ſeiner lieben hochbetruͤbteno iijMutter110Das dritte Buch /Mutter ſeinen liebſten Juͤnger Johannem zu einem Pfleger vnnd Vor -(1) Teſta - mentum eſt actus qui in vita ſolet eſſe extremus, ſcribit D. Luther. in Gen. c. 23. fol. 301. fac. 2. mund geſetzet. Johan. Cap. 19. 27. (1) Welcher geſtalt bey den Roͤmern die Teſtamenta vnd deren Auffrichtung vblig vnd ein herꝛlich Recht ge - weſen / ſolches iſt nicht allein au den Hiſtorien offenbahr / ſondern auch auß den Roͤmiſchen Rechten / die gar weitleufftig von herꝛlichen / ziehr - lichen Teſtamenten / Codicillen, Legaten, Fideicommiſſen vnd andern letzten Willens Verordnungen diſponiren.

Es iſt gleichwol ein groß Beneficium vnnd Freyheit / daß ein freyer Menſch / der ſeines wolgewonnenen Gutes ein Herꝛ iſt / darvon bey ſei - nem Leben ſolche Verordnung machen kan vnd mag / (2) die nach ſei - nem Todt nicht weniger als ein Geſetz zu achten vnd zu halten / wie der Keyſer Juſtinianus ſetzet: Diſponat Teſtator & erit Lex in Novell. 22. (2) Nihil enim eſt, quod ma - gis homi - nibus de - beatur, quam ut ſupremæ voluntatis, poſtquam jam aliud velle non poſſunt, li - ber ſit ſty - lus, & lici - tum, quod non redit arbitrium, ita reſcribente Imperatore Conſtantino Auguſto, ad populum, in l. 1. C. de SS. Eccleſ. Eſt que ſolatium haut exiguum fati, ultra fatum diſponere teſte Lipſio. Cap. 2. vnd iſt ſolches bey den Griechen in den Legibus XII. Tabularum, oder Geſetzen der zwoͤlff Taffeln vorhin / mit nach folgenden Worten be - grieffen geweſen. Uti quisque Paterfamilias, Rei ſuæ legaſſit, ita jus eſto, das iſt / was einer in ſeinem Teſtament ordnet / das ſol ein Recht vnd Geſetz ſeyn / es haben auch die Teſtamenta ſonderlich der Eltern vnter die Kinder / weil ſie durch den Todt beſtaͤttiget / jhre ſonderbahre Veneration vnnd Wuͤrckung / zumahlen wann darin nicht allein von Guͤtern vnnd Haabſeeligkeit geordnet vnnd dieſelbe / kuͤnfftigen Streit vnd Vneinig - keit zu verhüten vertheilet / vnnd einem jeden ſeine Portion vnd Beſchey - dentheil / aſſigniret werden / ſondern auch rectè vivendi Regulæ, wie ſie ſich gegen GOtt / gegen jhre Obern vnd Maͤnniglich zuverhalten haben / vorgeſchrieben vnd mit Vaͤtterlichem Ernſt injungiret werden / wie die obangezogene Exempel der Patriarchen deß Koͤnig Davids an ſeinen Sohn Salomon / deß alten Tobiæ vnd andere mehr bezeugen.

Es hat Weyland der tapffere Fürſt Landgraff Philipps zu Heſſen der aͤlter / nicht allein ein herꝛlich vnnd hochweiſes Teſtament / dergleichen wol nicht viel zufinden in Schrifften verlaſſen / vnd darin ſei - nen hinterlaſſenen vier Herꝛen Soͤhnen treffliche vivendi vnd bene gu - bernan di Principatus, Maximas vorgeſchrieben / ſondern als einsmahls ſein aͤltiſter Sohn Landgraff Wilhelm fuͤr ſein Todt-Bett kommen / auch muͤndtlich teſtiret vnd jhn nachfolgender Geſtalt angeredet vnnd ermahnet haben ſol: Mein Sohn wirſt du vber GOttes Wort halten / die ſeeligmachende Lehr deß Evangelij befoͤrdern / ſo wird dich GOtt anLand111Von dem Hauß - vnd Eheſtande. Land vnd Leuth vnd an deinem eygenen Samen vnd Geſchlechte ſegnen / vnd mit ewiger Seeligkeit / wirſt du ber ſolches nicht thun / ſo wirſt du an Land vnd Leuthen abnehmen / mit deinem Samen vnnd Geſchlecht verflucht / auch ewig verlohren vnd verdambt ſeyn.

Dieſes erzehlet auß Weyland Landgraff Wilhelms deß aͤltern / durch Stracken gehaltener Leich-Predigt D. Johan. Steuberus in Wey - land Landgraff Ludwigs zu Heſſen / deß Jüngern meines in GOTT ruhenden lange geweſenen lieben vnnd gnaͤdigen Herꝛen zu Marpurg gehaltener Leich-Predigt / ſo in dieſes hochloͤblichen Fuͤrſten Ehrenge - daͤchtnuß die ſiebende Predigt in der Zahl iſt / fol. 177. Adamus Contz. in Hiſtoria Regis Abiſſini, beſchleuſt dieſelbe / mit deſſen auffgrichteten Teſtament / darin er ſeine Soͤhne alſo vermahnet: ante omnia Deum amate, ab eo initia, progreſſum exitum rerum expectate, per eum Reges regnant. Hinc pia, tuta, ſolida, efficacia conſilia, ducetis. Jam vobis valedico, dilectiſſimi filij: non in longum tempus: breve eſt quicquid ævi ſupereſt. Præeo, ſequimini. Das iſt: Lieben Soͤhne / vor allen Dingen liebet GOtt / von demſelben erwartet den Anfang Fortgang vnd gluͤcklichen Außgang aller ewrer Anſchlaͤge vnnd Handel: Dann durch jhn herꝛſchen die Koͤnige / von jhme kommen alle gute / Gottſeelige / heylſame Rathſchlaͤge. Hiemit gebe ich euch das Valet, doch nicht auff eine lange Zeit. Es iſt eine kleine Weile die jhr noch zuleben. Jch gehe vorher / folget mir nach.

Frommer Eltern Ermahnung vnnd Seegen / kan bey Got - tes fuͤrchtigen gerathenen Kindern ohne Nutz vnd Frucht nicht bleiben / denn deß Vatters Seegen bawet den Kindern Haͤuſer / aber der Mutter Fluch reiſet ſie wider nieder ſpricht Syrach / Cap. 3. v. 11. Einen herꝛlichen Seegen ſprach der Patriarch Jacob ſeinen Enckeln Ephraim vnd Ma - naſſe / in ſeinem letzten / mit auffgelegten Haͤnden: GOTT vor dem meine Vaͤtter Abraham vnd Jſaac gewandelt haben / GOtt / der mich mein lebelang ernehret hat biß auff dieſen Tag / der Engel der mich er - loͤſet hat von allem Vbel / der ſegne die Knaben daß ſie nach meinem vnd meiner Vaͤtter Abraham vnnd Jſacc Namen genennet werden / daß ſie wachſen vnd viel werden auff Erden. im 1. Buch Moſis. Cap. 48. v. 15. Die letzte Worte eines verſtaͤndig ſterbenden Gottſeligen Menſchen / kommen bey allen vernuͤnfftigen frommen Hertzen / in gute Conſidera - tion vnd Nachdencken / nach der Lehr S. Pauli an die Galat. Cap. 3. v. 15. verachtet man doch eines Menſchen Teſtament nicht wann es beſtaͤtti - get / vnd thut auch nichtes darzu bevorab weil es mit dem Todt verſiegelt vnnd beſtaͤttiget wird / auch nicht ehe eine Geſtalt vnnd WuͤrckungTeſtament -112Das dritte Buch /Teſtamentlicher Diſpoſition haben vnnd erlangen kan / wie ſolches die Epiſtel an die Hebreer nachfolgender Maſen beſtaͤrcket; Wo ein Teſta - ment iſt da muß der Todt geſchehen / deß / der das Teſtament machet / denn ein Teſtament wird faͤſt durch den Todt / anders hat es noch nicht Macht / wenn der noch lebet der es gemachet hat / an die Hebreer Cap. 9. v. 16. & ſeqq. dann ſo lange der Menſch lebet / hat er macht ſeinen Willen zuendern / darvon die Keyſerliche Rechte / alſo reden / Quod ultima ho - minis voluntas ambulatoria ſit uſque ad extremum vitæ halitum, vnnd(3) Teſta - mentum eſt volun - tatis no - ſtræ juſta ſententia, de eo quod quis poſt mortem ſuam fieri velit. l. 1. ff. Qui teſtament. fac. poſ. beſchreibet auch der Recht Lehrer Modeſtinus ein Teſtament alſo / daß es ein rechtmaͤſſiger Will vnd Verordnung ſehe / deſſen was einer nach ſei - nem Todt gethan haben wil.

Jch wil hierbey nicht anziehen / vieler Roͤm. Keyſer / Koͤnige / Potentaten / Fuͤrſten vnnd Herꝛen / bey allen Nationen vnnd Voͤlckern auffgerichtete vnnd verlaſſene Teſtamenta welche ſonſten hin vnd wider zufinden / auß deme aber / was kürtzlich oben angefuͤhret / erhellet genug - ſam / daß die Freyheit vnd das Recht Teſtament zu machen / ſeinen letzten vnd liebſten Willen gebuͤhrender Maſen / nach GOttes Wort vnd Ver -(4) Debet enim Te - ſtator di - ſponere ut, dignum (hoc eſt jure & le gibus ſentaneū) eſt: Et ſit Lex ejus voluntas inquit Imperat. Juſtin. Novell. 22 Cap. 2.) Nemo enim poteſt facere ne Leges in ſuo Te - ſtamento locum habeant, ut habet vulgata juris Regula. ordnung der Rechten / (4) in Schrifften zuverfaſſen / auch nuncupando außzuſprechen / nicht allein in Gottes Wort / der vernuͤnfftigen Voͤlcker / Griechen / Roͤmer vnd anderer / auchd en beſchriebenen Keyſerlichen vnd andern Rechten gegruͤndet / ſondern auch die Beſchickung vnnd Beſtel - lung vnſers Hauſes von GOtt ſelber befohlen / vnd dahero billich keinem freyen Menſchen / die Macht vber ſein Hauß vnd Guͤter zu ordnen / zu - nehmen / wiewol an etlichen Orthen durch ſonderbahre Geſetze / alle Teſta - menta vnd letzte Willens Verordnung gantz abgethan vnnd verbotten / bey denen es dann heiſſen muß) etiamſi lex dura eſt, tamen ſcripta eſt.

Schließlich hat ein jeder Teſtirender bey guter Zeit / vnverꝛuckten Vernunfft vnnd wo muͤglich bey zimblicher Leibes Wollmacht / nicht allein darauff zugedencken ſondern wann er ſelber der Rechte nicht er - fahren / mit vertrawten Freunden vnd Leuthen die der Rechte deß Orths / da man ein Teſtament zu machen gedencket / kuͤndig vnd es wol verſtehen / ſich wol zuberathen vnd zuſprechen / damit es hernacher nicht geſtritten / vnd auß mangel einer oder mehr erforderten Ziehrligkeit / ſolcher Rechte /evertiret113Von dem Hauß-vnd Eheſtande. evertiret vnd vmbgeſtoſſen werde. Es ſeynd die vigilirende vnd wach - ſame Geſetzgeber / bey Auffrichtung der Teſtament ſehr behutſam vnnd ſorgfaltig geweſen / allen Betrug / Vnterſchleiff vnd Gefaͤhrde / ſo von loſen Leuten offtmahls bey den Sterbenden vortheilhafftig practiciret vnd geſuchet werden / vorzukommen vnnd alſo den Teſtiren den ſelbſt zu gutem vnd Erhaltung letzten Willens Geſchaͤffte / ſonderbahre Solennia vnd Requiſita darbey in acht zunehmen vorgeſchrieben. Ein gar vnzimb - liches / vnchriſtliches Beginnen iſt es deren / die ſich befleiſſigen die Sterbenden zu hintergehen vnd ein falſches Teſtament zu ſupponiren, welches die Rechte Captatorias voluntates nennen / geſtalt dann jener Officirer / ſeinem ſterbenden ſchon Sprachloſen Haußwirth in Heſſen / die Hand vnter das Hauptkuͤſſen geleget / etlicher ſeiner Soldaten zu ſich geruffen vnnd denſelben angezeyget / welcher geſtalt ſeines ſterbenden Wirths letzter Will vnd Meynung maͤre / daß et nach ſeinem Todt / weil er wol bey jhme menagiret vnnd Hauß gehalten / ſeine vier Pferde vnnd andere Bereitſchafft haben ſolte / vnd allemahl wann er den Wirth ge - fraget / ob es nicht ſein Will waͤre / daß er die Pferde vnd andere Sachen haben ſolte / das Hauptküſſen auffgehoben gleichſam thaͤte der Wirth mit Neygung deß Haupts / weil jhme die Sprache allbereit vergangen / ge - nugſam ſeinen letzten Willen beſtaͤrcken / ſolches auch etliche mahl alſo gethan / vnd die Soldaten daruͤber als Teſtaments Zeugen requirirt vnd erſuchet.

Quid non mortalia | pectora cogis, Auri ſacra fames.

Jmgleichen thun auch ſehr vbel vnd vnverantwortlich / die der Verſtorbenen letzten Willen / wider Recht vnnd Vngebuͤhr beſtreiten vnd vbern hauffen werffen wollen / vber welche GOtt / der die Teſtament zumachen ſelber angeordnet vnnd befohlen / auch der Menſchen Teſta - ment wann ſie beſtaͤttiget / gehalten vnd nicht verachtet haben wil / als der gerechte Richter / ein ſcharpff Vrtheil ſprechen wird. Sonderlich aber ſollen Kinder der Eltern gute wolbedaͤchtige Geſchaͤffte nicht anfechten vnd denſelben zu wider handeln / wollen ſie ſonſten den Seegen der Kin - der Jonadab deß Sohns Rechab erwerben darvon bey dem Propheten Jeremia zu leſen / Cap. 35. v. 1. & ſeqq. & v. 18. 19. darvon auch droben Axiom. 29. gehandelt. Welcher geſtalt man ſich in Auffrichtung eines Teſtaments zuerhalten darvon meldet auch Praxis Pietatis D. Ludwig Bacli, Biſchoffen zu Bangoot / Cap. 33.

pAXIO -114Das dritte Buch /

AXIOMA LVI. Durch Gottloß vnordentlich Weſen / auch Ver - meſſenheit kan der Menſche das geſetzte(1) Deus conſtituit hon ini terminum, quem præterire non poteſt, ita tamen moderatur vitæ humanæ curſum atque exitum Divina Providenria, ut cauſas ſecundas nec excludat, nec ad eas ſit alligata. Acterminus vitæ certus quidem eſt, nec tamen Parcarum quadam Lege & Stoica neceſſitate abſolutus D. Gerhard. Aphoriſm. Theol. 51. 52. & 54. Cap. 6. Ziehl ſeines Lebens ver - ꝛuͤcken. (1)

DIeſes iſt zwar gewiß / daß ein jeder Menſch ſeine beſtimbte Zeit habe / vnd die Zahl ſeiner Monde bey GOtt ſtehen der einem jeden ſein Ziehl geſetzet / das er nicht vber gehen wird / nach dem Außſpruch Hiobs / Cap. 14. v. 5. Syrach Cap. 37. Er hat alle vnſere Tage auff ſein Buch geſchrieben / Pſalm. 139. v. 16. keiner kan darvon noch darzu thun. Vnd vnſere Zeit ſtehet in ſeinen Haͤnden / Pſalm. 31. v. 15. Dannoch iſt fuͤrs erſte GOtt ſelber daran nicht gebunden der die Tage der Gottſeligen verlaͤngern / vnd ſie mit langem Leben ſaͤtti - gen kan vnd wil nach dem 91. Pſalm. v. ult. geſtalter dann dem Koͤnig Hißkia auff ſein einbruͤnſtiges Gebett / fuͤnffzehen Jahre zugeſetzet vnd das geſteckte Ziehl weit er fortgerucket / im 2. Buch der Koͤnig. Cap. 20. v. 6. Gaſi Cap. 38. v. 5. Die Furcht deß HErren mehret die Tage / aber die Jahre daß Gottloſen werden verkuͤrtzet / lehret Salomon in ſei - nen Spricktwoͤrtern Cap. 10. v. 27. Ja GOtt verkuͤrtzet die Zeit jhrer Jugend. Pſalm. 89. v. 4. 6. Alſo ward Ger deß Juda aͤltiſter Sohn ſeiner Boßheit vnnd vbelen Verhaltens halber in ſeiner Jugendt von dem HErꝛn getoͤdtet vnd ſein geſetztes Ziehl / welchem nach er lange leben koͤnnen verkuͤrtzet / 1. Moſ. Cap. 38 v. 7. vnd muͤſſen die Blutgierigen vnd Falſchen jhr Leben nicht zur helffte bringen / Pſal. 55. v 24.

Dahero der Koͤnig David vmb Verlengerung ſeines Lebens GOtt anruffet / vnd ſpricht; Jch wil HErr ruffen zu dir / dem HErren wil ich flehen / was iſt Nutz an meinem Blut wann ich todt bin? Pſal. 30. v. 9. 10.115Von dem Hauß-vnd Eheſtande. 30. v. 9. 10. vnd das Gebett erlaͤngert das Leben / Pſalm. 21. v. 5. Fuͤrs ander kan auch ein Menſch das von GOtt jhme geſetzte Ziehl durch wuͤſtes vnmaͤſſiges Leben / Freſſen / Sauffen / Huren / Buben-Gottloß Weſen ſelber auch durch Sicher - vnd Vermeſſenheit verꝛuͤcken / dann viel haben ſich zu Todt gefreſſen / wer aber maͤſſig iſt der lebet deſto laͤnger / bezeuget der weiſe Mann Syrach Cap. 38. v. 34. imgleichen ſpricht er im 30 Cap. v. 26. Eyffer vnd Zorn verkuͤrtzen das Leben / vnd Sorge machet alt fuͤr der Zeit. So koͤnnen auch andere zufaͤllige Affecten vnd ſonderlich groſſe Betruͤbnuß deß Lebens Kraͤfft ſchwechen / manchem ſo viel do ehe forthelffen vnd zum Todt befoͤrdern.

Mein Leben ſpricht David / hat abgenommen fuͤr Truͤbnuß / vnd meine Zeit fuͤr Seufftzen / Pſalm. 31. v. 11. Worauß dann erſcheinet / daß GOtt zwar einem jeden Menſchen ſeine Zeit beſtimmet / wie lange er leben vnd wann er ſterben ſol die er auch nicht vber gehen mag / aber ſolches nicht ex fato ſtoico, abſoluto decreto oder durch einen bloſen ohnwan - delbahren Rathſchluß / noch ohne einige Prænotion vnd Vorſehung deß Menſchen Natur / Complexion, Leben vnd Wandels / auch anderer Zu - faͤlle / darzu er ſelber Vrſach geben / vnnd die von GOtt vnnd der Natur jhme gegebene gute Leibes Diſpoſition vnd Wollmacht debilitiren, oder gar eines ohnnatuͤrlichen gewaltſamen Todts / durchs Schwerdt / Strang / Waſſer vnnd Fewer / wegen ſeines Verbrechen oder groſſer Vnvorſichtigkeit vnnd Vermeſſenheit fruͤe zeitig von der Welt kommen(2) Antici - pare dies poteris, producere nunquam vnd das Ziehl ſo jhme vermoͤge guter Leibes Diſpoſition, weiter hinauß geſetzet vnnd der Natur Lauff nach viel laͤnger leben moͤgen / anticipiret vnd ſich gleichſam ſelber vmb das Lebenbringet. (2)

Prolongare Dei eſt, abbreviare tuum.
Kuͤrtzen kanſt du das Leben dein /
Verlaͤngern kans GOtt allein.

Welcher geſtalt die Tuͤrcken ſich in der Meynung befinden daß einem jeden die Zeit ſeines Sterbens / imgleichen an was fuͤr einer Schwachheit vnd welchen Todts erſterben werde / ex abſoluto decreto & fato ſtoico, (3) gleichſamb fuͤr der Stirn angeſchrieben / deſſen er ſich /(3) Eſt fa - tuum Fa - tum fatui qui fata ſequun - tur. er thue boͤſes oder gutes / er lebe vorſichtig oder vnvorſichtig / er meyde die Gefahr oder nicht / keines weges entziehen koͤnne oder moͤge / dahero auch die Peſt vnd andere Infection nicht ſchewen / ſolches iſt droben Axiom. 42. Auß dem Busbequ. epiſt. 4. Rer. Turcicar. angezogen / welches GOttes Wort zu wider.

Der allweiſen Providentz vnd Verſehung GOttes iſt zwar allesp ijgegen -116Das dritte Buch /gegenwaͤrtig vnd nichtes kuͤnfftiges oder vergangeues / vermoͤge deren iſt jhme eines jeden Conſtitution vnd Natur / Leben / Wandel / boͤſes oder gutes Verhalten bekandt / in welcher Erwegung er einem jeden die Zahl ſeiner Jahr vnd Monden abgetheilet / in ſein Buch geſchrieben / vnd das Ziehl geſtecket: Den jenigen die Vermoͤge deß vierdten Gebotts jhre El - tern ehren / hat er in Anſehung ſolchen Gehorſambs / dafern es jhnen nu - rent ſonſtein an Leib vnd Seel nuͤtzlich iſt / die Jahr vnd Monden erſtrecket / den vngerathenen Kindern / auch den Blutgierigen vnnd Falſchen aber / laͤſſet er die Tage / die in Anſehung jhrer guten Conſtitution / der Natur Lauff nach / jhnen zuſtuͤnden / vnd ſie wol erꝛeichen koͤnnen / nicht zur helff - te bringen / wie oben gemeldet.

Die Vermeſſenheit breicht manchem den Halß / der noch lange liebe Jahre / zu Erꝛeichung ſeiner von der Natur jhme gegoͤnneten Zeit vnnd Monden vor ſich / vnnd zu leben gehabt / wie es die taͤgliche Erfah - rug genugſam bezeuget / dahero kompt es daß dem Sprichwort nach / die beſten Schwimmer erſauffen / vnnd die beſten Fechter erſtochen werden. Die Vrſache iſt leicht zufinden / weil ſie ſich auff jhr Fechten vnd Schwimmen verlaſſen vnd darumb vermeſſen werden. Mancher gibet ſich ohne Noth in Waſſers - vnd andere Gefahr / mit denen heiſt es billich / wer Gefahr liebet / der kompt darin vmb / ob ſchon ſonſten ſein ge - ſetztes Ziehl noch weit hinauß geſtellet geweſen.

Als S. Paulus mit ſeinen Gefaͤhrdten auff der See / in groſſe Gefahr geriethe / vnnd die Schiff-Leuthe den Kahn nieder lieſen in das Meer / die Flucht zu ſuchen / immittelſt vorgaben ſie wolten die Ancker forn auß dem Schiff laſſen / gab Paulus dem Vnterhauptman vnnd Kriegs Knechten ſolches zuverſtehen / mit dieſer Verwarnung / wann jene nicht wuͤrden im Schiff bleiben ſo koͤnten ſie nicht beym Leben blei - ben. in der Apoſtel Geſchicht Cap. 27. v. 31. Haͤtte nun der Vnterhaupt - man vnnd ſeine Kriegs-Knechte dieſem guten Rath Pauli nicht ge - folget / vnd die Schiff-Leuthe mit dem Kahn darvon gelaſſen / waͤre jhnen das Ziehl ſchon im Meer geſtecket / vnnd haͤtten ſie alle erſauffen müſſen / weil ſie aber Pauli Rath nicht verachtet / ſeynd ſie alle bey Leben erhalten vnd daſelbe biß zu dem vorgeſetzten Ziehl gefriſtet.

Der Prophet Jeremias zeygete denen zu Jeruſalem von der Ba - byloniſchen Gefaͤngnuß vbergebliebenen Einwohneren auff GOttes ſonderbahren Beſehl an / wer allda bleiben wuͤrde / der ſolte durch das Schwerdt / Hunger vnd Peſtilentz ſterben / wer aber hinauß zu den Chal - deern gienge / der wuͤrde ſein Leben wie eine Beuthe darvon bringen. Jerem. Cap. 38. v. 2. Jt. Cap. 21. v. 9.

Worauß117Von dem Hauß - vnd Eheſtande.

Worauß zuſehen daß denen zu Jeruſalem Verbliebenen welche deß Propheten Rath verachtet / jhr Lebens Ziehl / vnd daneben durchs(4) Soa prænotio rerum e - venientiū & futura - rum, non eſt cauſa illarum. Die bloſe Vorſehung vnd Wiſſenſchafft kuͤnfftiger Dinge / iſt keine Vrſache deren. Die Aſtrologi haben vor tauſent vnd mehr Jahren / den Mond / Tag vnd Stunde / wann eine Finſternuß eines jeden Jahres an Sonn vnnd Mond geſchehen ſol vorhergeſehen / welche jhre Prognoſtica oder Vorſehung keine Vrſache der Finſternuß ſeyn / ſondern haben dieſelbe jhre bekante natuͤrliche Vrſachen. Schwerdt / Peſtilentz vnd Hunger zu ſterben geſetzet / aber nicht abſolutè ſondern in Vorſehung jhresVngehorſambvnd groſſer Halß - ſtarꝛigkeit. (4)

Waͤren dieſe auff deß Propheten getrewe Warnung gewichen / ſo waͤre jhne das Ziehl auff die Weiſe nicht geſtecket / hingegen wann die Außgewichene / mit den Halßſtarꝛigen verſtockten Juden zu Jeruſalem verblieben / ſo waͤre jhnen das Ziehl mit dieſen ſchon geſtecket geweſen / vnd haͤtten ſie jhr Leben nicht wie eine Beuthe darvon gebracht.

Es hat hiervon ſehr feine Gedancken der Graͤffl. Oldenburgiſcher Prediger H. M. Henricus Schwartze in ſeiner Chriſtlichen Todts Be - trachtung in der dritten Predig darauß ich einen Paß dieſem Axiomati zu inſeriren dienlich ermeſſen / der alſo ſaget: GOtt der Allmaͤchtige hat einem jeden Menſchen ein Ziehl geſetzet / wie lange er leben / vnnd wann er ſterben ſol / nicht auß bloſem Rathſchluß / ohn einige Betrachtung deß Menſchen Natur / thun vnd laſſen / vnnd andern Zufaͤllen / ſo jhme be - gegnen koͤnnen: ſondern er hat geſehen auch eines jeden Complexion, vnd Leibs Beſchaffenheit; Jtem / auff ſein wol oder vbel Verhalten / vnd andere zufaͤllige Stuͤcke: Darnach hat er ſeinen Schluß gemacht / vnd einem jeden die Zahl ſeiner Jahr vnd Monden ins Buch geſchrieben. Verſteheſt dus nicht / ſo wil ich dirs deutlicher ſagen: Vnſer HErr GOTT hat nicht bey ſich beſchloſſen vnnd geſagt / hoͤre Menſch / ſo vnd ſo lange ſolt du leben / du habeſt gleich eine gute oder boͤſe Complexion, ein ſtarcken oder ſchwachen Leib / du thuſt was du wolleſt; Du ſeyſt from oder Gottloß: Du begebeſt dich in Gefahr oder nicht: So ſolt du gleich wol (zum Exempel zuſagen) ſiebentzig oder achtzig Jahr alt werden. Nein / ſo hat er geſchloſſen / der Natur wil ich jhren Lauff laſſen / haſt du nun von deinen Eltern einen ſtarcken geſunden vnnd geraden Leib / ſo warte ſeiner / lebe maͤſſig / brauch zu rechter Zeit Artzney / ſo ſolt du ſo vnd ſo alt werden.

Jtem / wirſt du from ſeyn / GOtt fuͤrchten vnd deine Eltern ehren / ſo ſolt du ein ehrlich Alter erleben: Wirſt du aber Gottloß ſeyn / ſo ſolt dup iijdein118Das dritte Buch /dein Leben nicht zur helffte bringen. Wirſt du dich für Gefahr hůten / ſo ſolt du auch wol beym Leben bleiben / ſo lange biß dein natuͤrliches Sterbſtuͤndlein kompt / wirſt du dich aber muthwillig in Gefahr begeben / ſo ſolt du darin vmbkommen / wilt du dich ſelber vmbs Leben bringen / ſo werde ichs laſſen geſchehen / aber ich habs nicht alſo geordnet / ſondern du haſts alſo wollen haben.

Daß dem alſo ſey iſt auß H. Schrifft gar ſchoͤn zubeweiſen; Vnd zwar erſtlich / daß vnſer HErr GOTT auß eines jeden Menſchen Natur vnd Complexion geſehen / vnd nach derſelben das Ziehl geſtecket / iſ vnlaugbar dahero / weil der GOtt / der die Natur geſchaffen / dieſelbe auch in jhrem natuͤrlichen Lauff erhaͤlt / vnnd ohne Noth kein Wunder - werck darinnen beweiſet; Nun muß ein jeder vnter vns mit Hiob ſagen / HErr du haſt mir Haut vnnd Fleiſch angezogen / mit Beinen vnnd Adern haſt du mich zuſammen gefuͤget / Leben vnd Wolthat haſt du an mir gethan / vnd dein Auffſehen bewahret meinen Odem / Cap. 10. v. 11. Jtem du muſt geſtehen daß wahr ſey / was der H. Apoſtel Paulus ſchrei - bet / in der 1. an die Corinth. 15. v. 38. daß vnſer HErr GOTT nicht nur am Juͤngſten Tag nach Aufferſtehung der Todten / einem jeden geben werde; ſondern auch erſtlich in der Geburt gegeben habe / einem jeglichem einen Leib wie er wil / der eine iſt von Natur ſtarck / der ander ſchwach; einer geſund / der ander kranck / einer groß / der ander klein / vnd ſo fort an: Wann du nun haſt einen ſtarcken geraden vnd geſun - den Leib / der natuͤrlicher Weiſe in die ſtebentzig oder achtzig Jahr leben kan / ſo hat das vnſer HErr GOTT von Ewigkeit her gewuſt / vnnd hat dir das Ziehl deines Lebens darnach geſetzet / vnnd iſt wol zu - frieden / (wann du dirs nur nicht ſelber verkuͤrtzeſt /) daß dus zu Ende bringeſt vnnd ſolch Alter erꝛeicheſt: Hergegen haſt du einen ſchwachen gebrechlichen Leib / du faͤngeſt allbereit im dreyſigſten oder viertzigſten Jahr oder wol eher an zu krancken / zu ſichen vnd auß zu dorꝛen / dein Safft vertrocknet / das Leben verſchwindet: So wil auch vnſer HErr GOTT darumb kein Wunderzeichen thun / ſondern er laͤſt dich ſterben nach dem Ziehl deiner Natur / das er lang zuvor geſehen / vnd dirs deß - wegen alſo verordnet hat: Es ſey dann / daß er dirs etwa verlaͤngere vmb deines Gebetts willen / wie dem Koͤnig Hißkia / deme er fuͤnffzehen Jahr zugeſetzet / Eſai. Cap. 38. verſ. 5. oder vmb anderer Leuthe willen / denen du noch dienen kanſt auff Erden: wie dem Apoſtel Paulo vnd andern frommen Leuthen / die er bißweilen andern zum Troſt zuerhalten pflegt.

Daß119Von dem Hauß-vnd Eheſtande.

Daß er aber auch geſehen / auff das wol oder bel verhalten / das ſagt er ſelber mit klaren Worten / vnd die Exempel vberzeugen vns; Jm 2. Buch Moſis Cap. 23. verſ 25. ſagt[GOtt] der HErꝛ alſo. Dem HErrn ewrem GOTT ſolt jhr dienen / ſo wird er dein Brodt vnd dein Waſſer ſegnen / vnd ich wil alle Kranckheit von dir wenden / vnd dich laſſen alt werden. Jm 5. Buch Moſis Cap. 30. verſ. 20. ſagt Moſe alſo; Jch nehme Himmel vnd Erden zu Zeugen; Jch habe euch Leben vnd Todt / Seegen vnd Fluch fuͤrgeſtellet / daß jhr den HErrn ewren GOTT liebet / vnd ſeiner Stimme gehorchet / vnd jhme anhanget / dann das / ſpricht Er (nemblich / die GOttes Furcht /) iſt dein Leben vnd langes Alter. Salomon ſagt / in ſein Spruͤchen / Cap 3. v. 1. 2. Mein Kind vergiß meines Geſetzes nicht / vnnd dein Hertz behalte meine Gebott / denn ſie werden dir langes Leben / vnnd gute Jahr vnd Friede bringen. Beym Propheten Eſai. Cap. 1. v. 19. ſpricht der HErr / wolt jhr mir gehorchen / ſo ſolt jhr deß Lands Gut genieſen / wegert jhr euch aber / vnd ſeyd vnge - horſamb / ſo ſolt jhr vom Schwerdt gefreſſen werden. Jerem. Cap 18. v. 7. ſtehen dieſe nach denckliche Wort / ploͤtzlich rede ich wider ein Volck / vnnd Koͤnigreich / daß ichs außrotten / zerbrechen vnd verderben wolle / wo ſichs aber bekehret von ſeiner Boßheit / darwider ich rede / ſo ſol mich auch rewen das Vngluͤck / daß ich jhm gedacht zu thun. Vnd ploͤtzlich rede ich von einem Volck vnd Koͤnigreich / das ichs bawen vnnd pflantzen woͤlle. So es aber boͤſes thut fuͤr meinen Augen / daß es meiner Stimme nicht ge - horchet / ſo ſol mich auch rewen das gute / das ich jhm verheiſſen hatte zu thun. Jn der 1. Epiſt. an dem Timoth. Cap. 4. v. 8. ſpricht der Apoſtel Paulus gar verſtaͤndiglich / die Goͤttſeeligkeit iſt zu allen Dingen nutz / vnd hat Verheiſſung dieſes vnd deß zukuͤnfftigen Lebens. Hergegen die Blutgierige vnd Falſchen ſollen jhr Leben nicht zur helffte bringen / laut deß 55. Pſal. v. 24.

Das iſt das helle vnd vnbetriegliche GOttes Wort / das ſagt außtruͤcklich / daß die GOttes Furcht das Leben verlaͤngere; das Gott - loſe Weſen aber daſſelb verkuͤrtze; Vnd alſo GOtt der HErꝛ dem Menſchen ſein Ziehl nach geſetzt / nach deme er ſich wol oder vbel wuͤrde verhalten.

AXIO -120Das dritte Buch /

AXIOMA ULTIMUM LVII. Alle Menſchen / in allen Staͤnden muͤſſen entlich vor Gericht erſcheinen / vnd dem Richter aller Welt / wie ſie in jhrem Beruff / Ampt vnd Stande gehandelt / Rechen - ſchafft geben.

MIt dieſem Axiomate oder Schluß-Rede / habe ich dieſe meine Bibliſche Policey beſchlieſſen wollen / weil aller Welt Be - ſchluß alſo heiſt: Dem Menſchen iſt einmahl geſetzet zu ſter - ben / darnach aber das Gerichte / in der Epiſt. an die Hebr. Ca. 9. v. 27. Jn welchem Gericht vnnd letzten Todtes Stunde / GOtt einem jeglichen vergilt / wie ers verdienet hat Syrach Cap. 11. v. 28. vnd wann der Menſch ſtirbet als dann erfehret er erſt wie er gelebet hat / Syrach Ca. 11. v. 29. Gedencket nun ein Menſch / er ſey in welchem Stande vnd Be - ruff daß er wolle / in ſeiner letzten Todtes Stunde / das Gericht zum Leben vnd ewiger Seeligkeit zuerlangen / ſo muß er ſein Leben in ſeinem Be - ruff / alſo nach GOttes Willen anſtellen / daß er allezeit auffrichtig wan - dele vnd fuͤr GOtt trewe / welches an einem jeden Haußhalter erfordert wird / in der 1. an die Corinth. Cap. 4. v. 2. erfunden werde / damit vnd wann er vnverſehens fuͤr Gericht citirt vnd gefordert wird / ſein vollfuͤhr - tes Leben / mit einem ſeeligen Final vnd Ende beſchlieſſen moͤge. Es heiſt Ende gut / alles gut.

Dann wie der Baum faͤllet / er falle gegen Mittag oder Mitter - nacht / auff welchen Ort er faͤllt / da wird er liegen / in dem Predig. Salom. Cap. 11. v. 3. vnd ſo bald der Menſch ſtirbet / faͤhret er dahin da er ewig blei - bet / in ſelbigem Buch Cap. 12. v. 5.

Es wird aber vber alle Menſchen zweyerley Gericht ergehen / ein abſonderliches vnd geheimes / vnd dann ein offentliches vnd allgemeines. Das abſonderliche geheimbde Gericht ergehet vber einen jeglichen in ſeiner letzten Todtes Stunde / ſo bald Leib vnd Seel / als die tewerſte lieb - ſte Freunde / von einander ſcheyden / da bekompt gleich in dem Augenblickein jeder121Von dem Hauß-vnd Eheſtande. ein jeder ſeine ohnwandelbahre Sententz vnd Vrtheil / wie es jhme in alle(1) Ulei - mus vitæ dies, (imo ultimum momentū horæ,) de ſingulis fert ſen - tentiam ex Plut. uot. Drexel. in eleganti lib. de Tribun. Chriſt. lib. 1. Cap. 1. § 2. & §. 3. ubi ex Auguſt. addit: valde ſalubriter & Rectiſſime credi, judicari animas, cum de corporibus exierint, antequam veniant ad illud ju dicium, quo eas oportet jam redditis corporibus judicari, Tom. 7. lib. 2. de Anim. & ejus orig. Cap. 4. Dann iſt das Marckt auß Duld (oder Jnduld) vnd Meß ſeynd fuͤruͤber. monet Drexel. d. tractat. lib. 2. Cap 4. ewige Ewigkeit ergehen werde / zum ewigen Leben oder zum ewigen Todt / ob er ſeelig oder ewig verlohren oder verdammet ſey / ob er mit GOtt vnd ſeinen heiligen Engeln zu der Himmliſchen Schaar / oder mit dem Satan vnd ſeinem verfluchten Hauffen zu der Helliſchen Geſellſchafft kommen vnd daſelbſt in alle ewige Ewigkeit Helliſcher Pein vnd Quaal ergeben ſeyn werde. (1)

Jſt alſo der Todts Tag eines jeden Menſchen / Gerichts Tag / vnd die letzte Todts Stunde / eines jeden Gerichts Stunde / da gleich der Stecken gebrochen vnnd keine Appellation oder Hoffnung zur Gnade mehr vorhanden / wie ſolches die vorher angezogene vnd mehr Spruͤche der Schrifft bezeugen.

Dieß abſonderliche erſte Gericht wird in der Schrifft auch das Seelen Gericht genant / Sapient. 3. v. 13. Wann dieſe letzte Stunde gut vnd ſeelig iſt / wird ſie gleich die ewige Seeligkeit bringen / daß man alles Leydes vnd Creutzes / ſo man in dieſem Leben gehabt vergeſſe / vnd nicht werth halte der offenbahrten Herꝛligkeit: Jſt ſie boͤſe wird ſie bey den Gottloſen ewige Betrübnuß erwecken / daß ſie aller Wolluͤſte / die ſie in dieſer Welt gehabt vergeſſen. Da wird es heiſſen wie Syrach ſaget / eine boͤſe Stunde machet / daß man aller voriger Frewde vergieſſet / Cap. 11. v. 29. (2) Vnd demnach an dieſer einen Stunde / ja an dieſem einen Augenblick / der Scheydung Leibes vnd der Seelen / das ewige wol vnd wehe hafftet / hat ein jeder Chriſt groſſe Vrſache alle Stunde / (deren gleichwol im Jahr acht tauſent / ſiebenhundert) vnd ſechzig ſeynd) ſeines(2) Mors tranſitus eſt non ab eſſe ad non eſſe, ſed à vita fragili, in vitam aliam. In vitam aut mortem æternam, divino judicio pro meritis cuique conſtitu - tam. Adam. Contzen de Stat. Magnat. & aulic. Cap. 7. §. 1. Mors piorum eſt ipſis veræ vitæ principium & janua, ad Paradiſum: malorum autem mors non eſt malorum terminus, ſed antecedentium & ſequentium Copula; tranſeunt hi de morte prima, ad mortem ſecundam D. Gerhard. Meditat. 43. circ. fin. gantzen Lebens auff dieſe eine Stunde zugedencken vnd daſſelbe / in ſeinem Beruff / darin jhn GOtt beruffen hat /aRecordatio vocationis ſemper eſt ſtimulus rectæ diſpenſationis. alſo einzurichten / daß er in dieſer Stunde auff dem rechten Wege ergriffen / vnd in dieſem ſeinenqGerichts122Das dritte Buch /(3) Tota vita no - ſtra, præ paratio eſt ad illam juridicialē diſcepta - rionem, & bonam ſpem præ - bet, ſi rectè traduca - tur, ſi ma - , exiguā. Adam - tzen de ſtat. Ma - gnat. & Aulic. cap. 71. §. 1.Gerichts Tage fuͤr GOtt beſtehen vnnd eine gute Sententz erlangen moͤge. (3) So bald der fromme Habel von ſeinem Blutduͤrſtigen Bruder Cain vnſchuͤldig erſchlagen / dieſe Welt verließ / ward er ſo bald in dem Gericht GOttes / gerecht befunden / vnd in den ſeeligen Stand verſetzet darin er ewig bleibet / Gen. Ca. 4. So bald Cains Gottloſe Nachkomme - nen vnd Adhærenten in der Suͤndfluth vmb kamen / iſt der Stecken vber ſie gebrochen geweſen / vnd ein jeder an den Ort kommen / da er ewig ſeyn wird / Gen. Cap. 1. Wie Loths Weib wider deß Engels Befehl ſich vmb - geſehen vnd zur Saltz-Seule worden / hat ſie damit jhre Sententz erlan - get / vnnd iſt in den Stand (ohne zweiffel der Seeligen) darin ſie ewig bleibet verſetzet / Gen. Cap. 19. v. 26. dann ob ſie wol auß Vorwitz vnd Menſchlicher Schwachheit / ſich vmbgeſehen / vnd deßwegen ein ſo ploͤtz - lich - vnd nachdenckliches Ende genommen / ſo muß man doch / weil ſie GOttes Wort getrawet / glaubig geweſen vnd dem Loth gefolget / auch ſonſten keines Gottloſen Weſens in der Schrifft beſchuͤldiget wird / das beſte hoffen / daß ſie zwar zeitlich am Leibe vnd Leben geſtraffet / jhre Seele aber mit eingeſchloſſen / in das Gebuͤndtlein der Lebendigen / geſtalt dann(4) Hu - manū ali - quid paſſa eſt uxor Loth, dum ad horribiles iſtos fragores contra Angelorum mandatum reſpexit, cujus inobedientiæ temporalem fert pœnam. Sunt enim talia exempla multa in ſacris literis, quod Deus Sanctos ſuos variis affligit pœnis, ut non pereant cum hoc mundo juxta illlud Pauli: Dum judicamur, à Domino corripimur, 1. ad Corinth. 11. Correpta igitur eſt uxor Loth & non damnata. Sic filii Aaron, qui offerebant alienum ignem, caſtigati & non damnati ſunt, in ſignum aliis. Idem de Propheta judico, qui à Leone interfectus eſt, Corpus ibi eſt paſſum propter inobedientiam, animæ nihil accidit. Ut ſcilicet admoneremut, de timore Dei, & cu - ſtodiremus ſeverè mandata Domini: Sic ſtatua hæc vere eſt condimentum & ſal ſapientiæ, quo admonemur non eſſe reſpiciend um ſed perdurandum & ſicut Paulusloquitur tendendum in anteriora, Hactenus Luther. D. Luther. vber dieß Capittel ſeine Gedancken in Commentario ſuper Geneſ. gefaſſet. (4)

So bald dem Pharao vnd ſeinem Tyranniſchen Hauffen im ro - then Meer das Waſſer vber den Kopff zuſammen ſchluge vnd ſie jhre wuͤ - terige Seelen auß peyen muſten / bekam ein jeder ſein Sententz / vnd er - fuhr wie es jhm ewig ergehen wuͤrde. So bald Saul in ſein Schwerdt fiehl vnd darvon ſtarb / empfand er die Execution ſeiner / vorigen Tages jhme allbereit durch den Teuffel in Samuels geſtalt angekuͤndeten Vr - theils / daß er folgenden Tages bey jhme / nemblich / in der Hoͤlle ſeyn wuͤrde / 1. Samuel. Cap. 28. Der Schaͤcher am Creutze hatte die Gnade / daß jhm noch vor ſeinem Todt das Gericht gehalten vnnd jhme wohin er kommen ſolte angekuͤndet ward / Luc. Cap. 23. v. 43. S. Stephanus volldeß123Von dem Hauß-vnd Eheſtande. deß H. Geiſtes / ſahe auch kurtz fuͤr ſeiner Steinigung / den Himmel offen / die Herꝛligkeit GOttes vnd JEſum ſtehen zur Rechten GOttes / vnd wuſte ſchon was fuͤr ein Gericht vber jhn ergehen wuͤrde. in der Apoſt. Geſch. Cap. 8. v. 55. & ſeqq. deſſen ſich dann auch alle Rechtglaubige mit Stephano verſichert wiſſen vnd halten koͤnnen. Dieſes iſt nun das par - ticular vnd Seelen Gericht / darin ein jeder gleich nach ſeinem toͤdtlichen Hintrit zum ewigen Leben oder zum ewigen Todt vervrtheilet vnnd ge - richtet wird.

Das ander allgemeine Gericht wird geheget werden / nach Auffer -(3) Quod ſibi quisq; ſerit præ - ſentis - pore vitæ, Hoc ſibi meſſis erit, cum dixe - rit, ITE, VENITE. Hi verſus leguntur in Cœno - bio Dob - bertnenſi in Mega - pol. Et in hoc Exa - mine erit Veritas in inquiſitio - ne, Nudi - tas in pu - blieatio - ne, ſeveri - tas in Exe - cutione, Meiſn. in Hom. Do - min. 9. poſt Trinit. ſtehung der Todten / beyds der Gerechten vnd der Vngerechten / in der Apoſt. Geſch. Cap. 24. v. 16. darfuͤr am Juͤngſen Tage wann Leib vnd Seele wider vereiniget / alle Menſchen / Glaubige vnd Vnglaubige / Boͤſe vnd Fromme erſcheinen werden / Rechenſchafft zugeben / deme / der bereit iſt zu richten die Lebendige vnnd die Todten / in der erſten Epiſt. Petr. Cap. 4. v. 5. allda ein jeder offentlich ſeine Sententz anhoͤren wird. Dieſer Tag wird genant der groſſe vnd offenbahrliche Tag deß HErꝛen / in der Apoſtel Geſchicht Cap. 2. v. 20. da GOtt das Verborgene der Menſchen richten wird an die Roͤmer Cap. 2. v. 16. daſelbſten muͤſſen wir alle offenbahr werden fuͤr dem Richter-Stuhl Chriſti / auff daß ein jeglicher empfahe nach dem er gehandelt hat bey Leibes Leben es ſey gut oder boͤſe / (3) in der 2. an die Corinth. Cap. 5. v. 10. an die Roͤm. C. 14. v. 10. Allda wird GOtt alle Wercke fuͤr Gericht bringen / das verborgen iſt / es ſey gut oder boͤſe / ſpricht der Prediger Salo. zu ende deß letzten Capittels / vnd wird ein jeglicher fœr ſich ſelbſt Rechenſchafft geben muͤſſen / an die Roͤm. C. 14. v. 13. Das wird ſeyn der Tag welchen der HErr geſetzet hat / auff welchem er richten wil / den Creiß deß Erdbodens mit Gerechtigkeit / durch einen mann in welchem ers beſchloſſen hat / in der Apoſtel Geſchi. Cap. 17. v. 71.

Da werden jhme dienen tauſent mahl tauſent / vnd zehen hundert mahl tauſent vor jhme ſtehen / vnd werden die Bücher auff gethan werden / Daniel. Cap. 7. v. 10. in der Offenbahr. Johann. Cap. 20. v. 12. Als nemblich 1. das Buch deß Lebens an die Philipp. Cap. 4. v. 3. in gemelter Offenbahr. Johann. Cap. 3. v. 5. Cap. 13. v. 8. Et Cap. 21. v. 26. Welcher Namen darin nicht geſchrieben / die ſeynd verdammet / vnd werden ge - worffen in den fewrigen Pfuhl in der Offenbahr. Cap. 17. v. 8. Cap. 20. v. 15. 2. das Buch der Allwiſſenheit GOttes / dero nichts verborgen iſt / Pſalm. 139. 3. das Buch der Schrifft oder GOttes Worts / welches alle Menſchen richten wird an dieſem groſſen Tage / Johann. 12. 48. q ij4. das124Das dritte Buch /(4) In ex - tremo ju - dicio ape - rientur li - bri, & inter hos Liber Conſcien - tiæ, in quo coram to - to mundo, exarata grandibus literis con - ſpicientur ſingula hominum delicta, quæ per veram - tritio - nem, per fidem ac vitę emen - dationem in hoc ſe - culo non - dum ſunt delera. D. Gerhard. in Enchir. conſol. Mort. In hoc judi - cio nihil erit ocultū nihil ma - nebit inul - tum. 4. das Buch deß Gewiſſens (4) Rom. 2. v. 15. von dem andern Buch ſinget man in vnſern Kirchen alſo:

Darnach wird man ableſen bald.
Ein Buch darin geſchrieben
Was alle Menſchen Jung vnd alt
Auff Erden han getrieben /
Da denn gewiß ein jederman
Wird hoͤren was er hat gethan
Jn ſeinem gantzen Leben.

Zum fuͤnfften wird ſich auch auffthun / das Buch der Creatur / dann der Himmel wird jhre Miſſethat eroͤffnen / vnd die Erde wird ſich wider ſie ſetzen / Hiob Cap. 20. v. 27.

Wie nun den Gottloſen deren Ende das Verdamnuß iſt / an die Philipp. Cap. 4. v. 15. dieſer groſſe vnd gewaltige Offenbahrungs Tag erſchrecklich vnnd grewlich ſeyn / vnd alle jhre Boßheit an das Liecht ge - bracht werden wird / deßwegen ſie auch wuͤnſchen vnnd ſprechen werden / jhr Berge fallet vber vns / jhr Huͤgel bedecket vns / Luc. 23. v. 30. fuͤr dem Angeſicht deß / der auff dem Stuhl ſitzet / vnd fuͤr dem Zorn deß Lambs / in der Offenbahrung Johann. Cap. 6. v. 16. Alſo haben ſich deſſen alle Fromme / die in wahren Glauben vnnd Vertrawen an Chriſtum abtru - cken / (b) zuerfrewen / ja jhre Seelen ſeufftzen vnd ſehnen ſich darnach / daß jhre gute Wercke offenbahr / vnnd jhre Leiber mit der Seele zu der ewigen Glori vnd Herꝛligkeit wider vereiniget werden / in der Offenbar. Johan. Cap. 6. v. 10. vnd ſie die froͤliche Stimme jhres gerechten Richters moͤgen anhoͤren / kommet zu mir jhr Auſſerwehlten / ꝛc. alle jhre begangene Menſchliche Fehler / wird der HErr der vnſer Gerechtigkeit iſt / Jerem. Cap. 33. verſ. 17. mit ſeinem in Weinbeer Blut gewaͤſchenem Mantel / Gen. Cap. 49. v. 11. zudecken / Pſalm. 32. v. 1. vnd aller jhrer Vbertrettung in Ewigkeit nicht mehr gedencken / vnd was die Schrifft darvon redet / daß ein jeder von allen begangenen Sünden / ja allen boͤſen Gedancken vnd vnnuͤtzen Worten werde ſchwere Rechnung / an dieſem groſſen Tage geben muͤſſen / ſolches kan nicht auff die Glaubige vnd Gerechten / ſo dem(b) In quo ſtatu quē - que inve - nerit ſuus noviſſimus mortis di - es, in hoc cum comprehendet noviſſimus mundi dieſ: quoniam qualis quisque in die illo moritur, talis in die hoc judicabitur Auguſt. Tom. 2. Epiſt. 50. Evangelio geglaubet / vnd in wahrem Glauben an Chriſtum abgetrucket / ſondern die Vnglaubige vnd Verdambte / welche deß Geſetzes Fluch ergrieffen / vnd wie ſolche Rechnung erfordert / gezogen werden / deren Rechenſchafft durch die Gewiſſens Tortur / ohne auffhoͤren / ewig wehrenwird /125Von dem Hauß-vnd Eheſtande. wird / weil jhr Wurm nicht ſterben noch jhr Fewer verleſchen wird. Obi - ges betewret der HErꝛ Chriſtus ſelber mit einem doppeltem Eyde wann erſpricht / Warlich / Warlich ich ſage euch / wer mein Wort hoͤret vnd glaubet deme der mich geſandt hat / der hat das ewige Leben / vnd kompt nicht in das Gerichte / Johann. 5. v. 24. vnd wer an jhn glaubet der wird nicht gerichtet / Johan. 3. v. 18. Werden nun die Glaubigen nicht gerichtet / noch in das Judiciū diſcuſſionis, oder das Gericht da man Rechenſchafft thun muß / kommen / ſo werden auch jhre Fehler nicht vorkommen oder ſie darvon Rechenſchafft zu thun angehalten werden. Dann alle jhre Suͤn - de ſeynd durch deß Lambs Blut vertilget / Eſai. 43. v. 25. in der Apoſt. Geſ. Ca. v. 19. ſie ſeynd jhnen erlaſſen / ſie ſeynd gedaͤmpffet vnd in die Tieffe deß Meers geworffen / Mich. C. 7. v. 18. 19. Gott hat jhnen jhre Miſſethat vergeben vnd wil jhrer Suͤnde nicht mehr gedencken / Jerem. Ca. 31. v. 34. Es ſol aller jhrer Vbertrettung / ſo ſie begangen nicht mehr gedacht wer - den / Ezech. Cap. 18. v. 22. Chriſtus hat die Handſchrifft ſo wider vns war / deßwegen wir Rechnung thun ſolten außgetilget / abgethan vnnd an das Creutz gehefftet S. Paulus an die Coloſſ. C 2. v. 14. Hat nn Chriſtus durch ſein Verdienſt / vollkommene Satisfaction vnd Genugthuung / alle der Glaubigen Suͤnde vertilget / in die Tieffe deß Meers verſencket / wil auch jhrer Vbertrettung nicht mehr gedencken / wie ſolte er dann dieſelbe am Juͤngſten Tage wider hervor bringen / was vollkomblich vergeſſen vnd vergeben / ja in die Tieffe deß Meers verſencket / fūr Gericht ziehen / vnd die Glaubigen / die durch deß Lambs Blut vberwunden / die jhre Kleyder darin weiß gewaͤſchen / mit reiner ſchoͤner vnd weiſſer Seyde an - gethan in der Offenbahr. Joh. C. 19. v. 8. & 14. vnd alſo ohne Flecken vnd Macul erſcheinen werden / in gemelter Offenbahrung S. Johan. Cap. 7. Et Cap. 3. verſ. 4. 5. deßwegen noch beſchaͤmen vnd Rechnung von jhnen fordern.

S. Paulus verſichert ſeine Glaubige Corinther / daß Chriſtus ſie werde feſt behalten / biß an das Ende / daß ſie vnſtraͤfflich ſeyn / auff den Tag vnſers HErꝛen JEſu Chriſti / 1. an die Cor. C. 1. v. 8. werden nun die Glaubige durch Chriſtum vnſtraͤfflich ſeyn auff dieſem Gerichts Tage / ſo werden ſie auch ohne Schuld vnd Fehler ſeyn. Dann wo keine Straffe vnd Verweiß iſt / da iſt auch keine Schuld oder deren echenſchafft vnd Verantwortung. Dieſes iſt zwar vnd bleibet ohnbeweglich / daß am Juͤngſten Tage / eines jeden Wercke auch die verborgene werden offen - bahr werden / daß ſie GOtt alle wird fuͤr Gericht bringen / es ſey gut oder boͤſe / auch ein jeglicher empfahen nach dem er gehandelt hat / vnd daruͤber ſeine Sententz vnd Vrtheil offentlich anhoͤren / aber auff maß vnd weiſe /q iijwie126Das dritte Buch /wie der Herꝛ Chriſtus ſelber die formulam Sententiæ bey dem Matthæo allen Menſchen zu Troſt vnd Warnung beſchrieben: Nemblich wann er kommen wird in ſeiner Herꝛligkeit vnd alle Heylige mit jhme / vnd fuͤr ſeinem Richter Stuhl alle Voͤlcker verſamblet werden / wird er ſie von einander ſcheyden / wie ein Hirte die Schaffe von den Boͤcken; Jene zu ſeiner Rechten / dieſe zur Lincken vnd zu denen zu ſeiner Rechten ſagen: Kompt her jhr Geſegneten meines Vatters / ererbet das Reich / das euch bereitet iſt von Anbegin der Welt. Denn ich bin hungerig geweſen / jhr habt mich geſpeiſt / Jch bin duͤrſtig geweſen / vnd jhr habt mich getraͤncket / ꝛc. zu denen aber zu der Lincken wird er ſagen: Gehet hin von mir jhr Ver - fluchten in das ewige Fewer das bereitet iſt dem Teuffel vnnd ſeinen En - geln: Jch bin hungerig geweſen / vnd jhr habt mich nicht geſpeiſſet: Jch bin duͤrſtig geweſen / vnd jhr habt mich nicht getraͤncket: Jch bin nacket geweſen / ꝛc. Matth. C. 25. v. 31. Jn dieſer Formul wird nurent der Gerech - ten guten vnd gar keiner boͤſen Wercke vnd Fehler / deren ſie / weil kein Menſch gerecht / auch vnter ſeinen Heyligen keiner ohne Tadel geweſen / Hiob. Cap. 15. v. 15. dannoch ſehr viel begangen / gedacht. Dieſe vnd keine andere Formulam vnd Außſpruch der Vrtheil wird der Herꝛ Chriſtus gebrauchen am Juͤngſten Tage / nach ſeiner Lehre bey dem Evangeliſten Joh. Cap. 12. v. 48. Das Wort das ich geredet habe (nemblich in meinem Evangelio vnnd kein anders) wird euch richten am Juͤngſten Tage. Jmgleichen wie der guten Wercke welche die Vnglaubigen dem Geſetze nachgethan haben gantz nit / ſondern nurent der Boͤſen / deß Vnglaubens halber gedacht wird / alſo wird auch der Vbertrettung ſo die Glaubigen begangen / nicht gemeltet werden / dahin dann der Prophet Ezechiel C. 18. v. 21. 22. ziehlet. S. Paulus leget auch / in gemeltem andern Cap. an die Roͤmer. v. 7. obangezogenen Spruch alſo auß / daß zwar einem jeglichen werde gegeben werden / nach ſeinen Wercken / aber Preiß vnd Ehre vnd vndergaͤngliches Weſen / denen / die mit Gedult in guten Wercken trach - ten nach dem ewigen Leben / den Vngerechten aber Vngnade vnd Zorn. Wo nun Preiß vnnd Ehre gegeben wird / da ſind keine Fehler mehr ver - handen / die Gerechten werden nit als Rei adhuc abſolvendi, ſondern als abſoluti, Chriſti Juſtitia coronati & triumphantes erſcheinen / denen we - gen jhrer geuͤbten vnd vollbrachten guten Ritterſchafft / das Venite Be - nedicti oder kompt her jhr Geſegneten zum Palmario gegeben vnd die vn - verweßliche Cron der Gerechtigkeit beygeleget werden wird: Ja ſie wer - den Aſſeſſores oder Mitrichter ſolches groſſen Gerichts Tags ſeyn / wie S. Paulus an die Corinther ſchreibet vnd ſaget: wiſſet jhr nicht / daß die Heylign die Welt richten werden. Jtem die Welt ſol von euch gerichtetwerden127Von dem Hauß - vnd Eheſtande. werden in der erſten Epiſt. Cap. 6. v. 2. Sie werden mit ſitzen auff ſeinem Stuhl / in der Offenbahr. Joh. C. 3. v. 21. Werden derowegen die Gerech - ten zu keinem andern Ende in dieß Offenbahrungs Gericht kommen / als daß jhr Glaub vnd Wercke / auch daß ſie vorhin ſchon bey dem erſten Seelen Gericht abſolvirt vnd loß geſprochen / allen offenbahr werde. Ohne iſt es auch nicht / daß vnter den Gerechten vnd Seeligen gewiſſe Gradus vnd Vnterſchied / in deme ſtyn wird / daß einer fuͤr dem andern mehr Ehr vnd Preiß / wegen ſeiner guten Thaten / nicht zwar auß Verdienſt ſondern lauter auß Gnaden empfangen werden / wieder Prophet Dauiel bezeu - get / Ca. 13. daß die ſo vnter der Erden ſchlaffen / auffwachen werden / etliche zum ewigen Leben / etliche zu ewiger Schmach vnd Schande. Die Lehrer aber werden leuchten wie deß Himmels Glantz / vnd die ſo viel zur Gerech - tigkeit weiſen / wie die Sternen immer vnd ewiglich. Es wird aber doch die Seeligkeit an ſich ſelber ohne Vnterſchied allen Gerechten gemein vnd ſie alle GOtt von Angeſicht zu Angeſicht ſchawen / welches ſehr wol in nachfolgendem Vers gefaſſet:

Una ſalus communis erit,
Sed gloria diſpar.
Et Paulin. Omnes, quiſque ſuo radiabunt lumine Sancti,
Diſſimili fulgore pares.

Jedoch wird ſolches alſo zugehen / daß der jenige welcher geringere Klar - heit haben wird / denn der mit einer groͤſſern vnd herlichern Klarheit vber - ſchuͤttet vnd begabet / es nicht wird mißgoͤnnen / wie jetzo die H. Engel den Ertz Engein jhre Præeminentz vnd Vorzug nit mißgoͤnnen / vnd ſaget Auguſt. Sic itaque habebit donum alius aliominus, ut hoc quoque donū habeat, ne velit amplius. Auguſt. ſub fin. oper. de civit. Dei. Jmgleichen wird auch ein Vnterſchied vnter der Verdamptē Straff vnd Quaal ſeyn:(5) Quem - admodum in cœlo a - lius alio glorioſior, ita in infer. no alius a - lio mi ſeri - or Aug in Enchrid. Cap. 3. & ex eo Gerhar. in Apho - riſm. The - olog. C. 23. Aphoriſm. (5) Dann ob ſit wol alle von GOttes heyligem Angeſicht ewig verſtoſſen ſeyn / ſo werd doch einer fuͤr dem andern nach dem er gehandelt vnd Vbels gethan bey Leibes Leben / haͤrter vnd ſchwerer geſtraffet werden / mehr Schmach vnd Schande leyden muͤſſen / geſtalt der HErꝛ Chriſtus ſelber ſolches von den Schrifft gelehrten beſtaͤttiget / wann er ſpricht: Sie freſ - ſen der Wittwen Haͤuſer / vnd wenden lange Gebett fuͤr. Die werden deſto ſchwerer Verdamnuß empfahen. Luc. 20. v. 47. Vber etliche Juͤ - diſche Staͤdte ruffet er auch das Wehe vnd ſaget / Wehe dir Chorazim / Wehe dir Bethſaida / weren ſolche Thaten zu Tyro vnd Sydon geſche - hen / als bey euch / ſie haͤtten vor Zeiten im Sack vnd in der Aſche Buſe gethan / doch ſage ich euch es wird Tyro vnd Sydon ertraͤglicher ergehen am Juͤngſten Gerichte denn euch / Matth. Cap. 11. v. 21. 22. Jtem vonCapernaum. 57.128Das dritte Buch /(3) Augu. lib. 4. con - tra Dona - tiſt. Ca. 19. Nec dubi - tandum eſt, ipſas pœnas quibus cruciabuntur qui Regnum Dei non poſſidebunt, pro diverſitate criminum, eſſe diverſas & alias aliis acriores, ut in ipſo igne æterno pro diſparibus ponderibus peccatorum, ſint diſparia tormenta pœnarum. Et lib. 4. contra Julian. Pelagian. Cap. 11. Minus Fabritius quam Catilina punietur, non quia iſte bonus, ſed quia ille magis malus, & minus impius quam Catilina Fa - britius. D. Calixtus de Bon. perfectè ſummo p. 68.Capernaum / die biß in den Himmel erhaben / daß es doch der Sodomer Lande am Juͤngſten Gerichte ertraͤglicher werde ergehen als jhnen / im ſelbigen Capit. 23. 24. Die Koͤnigin von Mittage wird aufftretten fuͤr dem Gerichte mit dieſen Leuthen / vnd wird ſie verdammen / ꝛc. Die von Ninive werden aufftretten fuͤrdem Gerichte / vnd werden ſie verdammen / Luc. Cap. 11. v. 21. 22. (6)

ENDE.

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About this transcription

TextBiblische Policey
Author Theodor von Reinkingk
Extent804 images; 268111 tokens; 34785 types; 1836961 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationBiblische Policey Das ist: Gewisse/ auß Heiliger Göttlicher Schrifft zusammen gebrachte/ auff die drey Hauptstände: Als Geistlichen/ Weltlichen/ vnd Häußlichen/ gerichtete Axiomata, oder Schlußreden Sonderlich/ mit Biblischen Sprüchen vnd Exempeln/ auch andern bestärcket/ in allen Ständen nützlich/ dienlich vnd anmühtig zu lesen Theodor von Reinkingk. . [30] Bl., 119, 454, 128 S. : Kupfert. PorschKämpferFrankfurt (Main)1653.

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HAB Wolfenbüttel HAB Wolfenbüttel, A: 189.16.1 Theol.Dig: http://diglib.hab.de/drucke/189-16-1-theol/start.htm

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Gesellschaft; Gebrauchsliteratur; Gesellschaft; core; ready; china

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  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-09T17:34:04Z
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Holding LibraryHAB Wolfenbüttel
ShelfmarkHAB Wolfenbüttel, A: 189.16.1 Theol.
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