Nevtralitas
Ivstitia.
Diligentia.
Veritas.
Experientia.
Libertas.
ES iſt faſt eine gemeine Sage / vnd hat ſchon der hoch - weiſe Koͤnig Salomon / Zeit ſei - ner Koͤniglichen Regierung / dar - uͤber geklaget / daß deß Buͤcher - machens kein Ende ſey / Jm Pre - diger Cap. 12. v. 12. zeiget es auch die taͤgliche Erfahrung / daß darbey / wie ſonſten bey andern an ſich ſelbſten nutzbaren Dingen / in der Welt ein groſſer Mißbrauch vorgehe / vnd ich dahero wol Vrſach gehabt / auch dieſes mein Vorhaben ein - zuſtellen.
Als ich aber durch ſonderbare Schickung deß Allerhoͤchſten / vnd ordentlichen rechtmaͤſſigen Be - ruff / zu Ew. Koͤnigl. Majeſt. Dienſten / wie ſie noch die Ertzſtifftiſche Bremiſche Regierung hochruͤhm - lich gefuͤhret / Anno 1636. gnaͤdigſt erfordert / vnd zu dero Cantzlern beſtellet / / auch offters dero Hochfuͤrſt - lichen Taffel gnaͤdigſt digniret worden / habe ich mit ſonders erfrewetem Hertzen vnd Gemuͤhte Ew. Koͤ - nigl. Majeſt. Chriſt-Fuͤrſtliche / hochverſtaͤndige Di - ſcurß / die ſie auß heiliger Goͤttlicher Schrifft / als der* iijeini -DEDICATIO. einigen rechten Quelle aller Weißheit / nicht allein von Glaubensſachen / ſondern auch von Politiſchen Welthaͤndeln / in allen Staͤnden mit ſtattlichen Fun - dament fuͤrgebracht / vnd dieſelbe offters mit Bibli - ſchẽ Exempeln / ſehr wol à propos beſtaͤrcket / wie auch dieſes vernommen / daß Ew. Koͤnigl. Majeſt. mehr - mals gedacht / Sie / gern einen Auctorem haben moͤchten / der eine Politicam auß der Bibel / vnd de - ren Exemplis zuſammen getragen / mir aber ſolcher / wie Ew. Koͤnigl. Majeſt. denſelben deſideriret, nie - mals zuhanden kommen / habe ich meine vor vnnd nach / von vielen Jahren in Leſung der H Schrifft / zu meinem Privatgebrauch annotirte obſervatio - nes politicas, herfuͤr geſuchet / vnd darauff zuden - cken angefangen / wie ich dieſelbe in eine gewiſſe Ord - nunge bringen nach Gelegenheit augieren / vnd end - lich / Ew. Koͤnigl. Majeſt. als auß dero Fuͤrſtl. Taffel - Reden / ich nicht wenig advertiret, vnd darzu veran - laſſet / zu vnterthaͤnigſten Ehren / wie auch andern Gottes Wort liebhabenden Leuten / in allen Staͤn - den / in diß Buch bringen / vnd in offenen Druck ge - ben moͤchte / wiewol es ſonſten / der Welt Lauff nach / vielen nicht eben recht gemacht ſeyn wird. Es haͤt - ten mich auch wol meine viefaltige obliegende ſchwaͤ - re Amptsgeſchaͤffte / darvon abſchrecken ſollen / als ich aber / wie ſchon gemeldet / die Materialia vorlaͤn - geſt vnter der Hand / auß der Schrifft angemercket /binDEDICATIO. bin ich ſo viel do eher dazu bewogen worden / vñ wann ich von andern Geſchaͤfften in etwas entmuͤſſiget / wie auch bey eingefallenen Feyertagen / nach verrichtetem Gottesdienſt / an ſtatt andern Zeitvertreibs / mich hieran gemacht / vnd vermittelſt Goͤttlicher Huͤlffe / es ſo weit / als bey Beengung der Zeit / vnd inmit - telſt eingefallener Enderung geſchehen koͤnnen / abſol - vieret.
Es wird ohne Zweiffel mancher ſich finden / der mir verweißlich nachrede / was ich vnd andere Politi - ci mit der Bibel zuſchaffen / ſondern dieſelbe / vnd darauß etwas zuverfaſſen den Theologis laſſen ſol - len / aber dieſes hat mich nicht gejrꝛet / weil die Bibel allen Menſchen / in allen Staͤnden / nicht allein in Glaubensſachen / die einige bewerthe Grundveſte iſt / ſondern auch einem jeden weß Stands oder Weſens er ſeye / die beſte Norm vñ Richtſchnur iſt / ſeinen Be - ruff vnd alle Actiones weißlich / gluͤcklich / ordent - lich / nach Gottes Willen / mit gutem von GOTtes geſegnetem Succeß vnd Nachdruck zufuͤhren / dahe - ro Gott nicht allein den Leviten im Alten Teſtament / ſein Geſetzbuch / ſondern auch allen Menſchen / ſon - derlich aber den Koͤnigen / Regenten vnd Herꝛſchaff - ten / die da ſeynd / vnd ſeyn ſollen / Cuſtodes utrius - que Tabulæ, Huͤter vnd Waͤchter vber beyde Taf - feln deß Geſetzes / zum hoͤchſten commendiret vnd ernſtlich anbefohlen / vnd durch Moſen / vnd JoſuamdenDEDICATIO. den kuͤnfftigen Koͤnigen deß Volcks Gottes / laͤnger als dreyhundert Jahr vorhin / ehe ſie einen Koͤnig be - kommen / vnnd ins gemein / allen Koͤnigen / Fuͤrſten vnd Regenten es nachgeſetzter Maſſen / in der Bibel „ auffzeichnen vnd publicieren laſſen; Wann der Koͤ - „ nig ſitzen wird auff dem Stuel ſeines Koͤnigreichs / „ ſoll er diß Geſetz von den Prieſtern nehmen / vnd auff „ ein Buch ſchreiben laſſen: Das ſoll bey jhm ſeyn / vnd ſol darinn leſen ſein Lebenlang / (hie folget der Zweck) auff daß er lerne foͤrch - ten / den Herren ſeinen GOtt / daß er halte alle Wort dieſes Geſetzes vnd dieſe Rechte / daß er darnach thue / vnd ſol nicht weichen von den Gebotten / weder zur Rechten noch zur Lincken / auff daß er ſei - ne Tage verlaͤnge / auff ſeinem Koͤnig - reiche / er vnd ſeine Kinder. Jm 5. Buch
Moſ. cap. 17. v. 18. & ſeqq. „ Welches Joſua hernacher widerholet / vnd fer - „ ner ermahnet: Laß das Buch dieſes Geſetzes nicht „ von deinem Munde kommen / auff daß du weißlich „ handeln moͤgeſt / in allem das du thun ſolt / ſondern „ betrachte es Tag vnd Nacht / als dann wird dir gelin - „ gen in allem / was du thuſt / vnd wirſt weißlich han -
delnDEDICATIO. deln koͤnnen / ꝛc. Joſ. cap. 1. v. 7. & 8. worauß dann ge - nugſam zuſehen / wie hoch GOtt den Koͤnigen vnd Regenten / als ſeines Reichs Amptleuten vnd Statt - haltern auff Erden / Jm Buch der Weißheit cap. 6. verſ. 5. das Geſetzbuch / das iſt / die gantze heili - ge Schrifft / zu einer richtigen Jnſtruction / in dem Regiment nach ſeinem Willen / weißlich vnnd gluͤck - lich zufuͤhren / vnd darvon weder zur Rechten oder zur Lincken abzuweichen anbefohlen. Jſt es nun alſo / daß das Geſetzbuch oder die H. Goͤttliche Schrifft / vnd deren fleiſſige Betrachtung vnd Obſervantz / die einige gewiſſe vnd vnfehlbare Richtſchnur / oder Jn - ſtruction aller Gottſeligen frommen Regenten iſt vnd bleiben muß / ſo folget / daß darinn die rechte / Gott wolgefaͤllige / heylſame Policey zufinden / vnd darauß die rechte Regiments-Reguln / oder Regier-Kunſt / zulernen / vnd kan nicht vnrecht ſeyn / daß man dar - auß eine Policey / oder Axiomata Politica formi - re, vnd in eine Ordnunge bringe.
Machiavellus vnnd andere ſeine Nachfolger / beſchreiben die Regier-Kunſt gar anders / ſetzen dieſe von GOtt gegebene Jnſtruction deß Geſetzbuchs / gar auff die Seite / vnd nehmen an deſſen ſtatt ein an - der Principium, welches ſie Rationem Status, o - der Raiſon de Eſtat, oder auch wol gar die Betrieg - Kunſt deß Staats halber / vnd zu deſſen Nutzen / an - dere zubetriegen nennen / vnd ſeynd in der Meynung /**daßDEDICATIO. daß Koͤnige vnd Regenten / dieſe pro norma halten / alle jhre Conſilia vnd Actiones, ſie ſeyn Chriſtlich oder vn-Chriſtlich / billich oder vnrecht / ſie ſeyn auff - richtig oder tuͤckiſch / ſie ſeyn wahrhafft oder falſch / wann nurent dieſelbe jhrem Staat vortragen / vnd nuͤtzlich ſeyn koͤnnen / dahin wenden / vnd ſich darnach regulieren ſollen / dahero dann auch obgemelter Ma - chiavellus ſich nicht geſchewet / in die Welt zuſchrei - ben / daß den Jenigen / ſo es im Politiſchen Weſen vnd Regierſtand hoch zubringen gedencken / ſey die Kunſt zubetriegen hoch noͤhtig: Durch die Kunſt ha - be Johannes Galeacius das Hertzogthumb Mey -(1) Verba - ejus ita habent: Id mihi ſigni ficare vi - detur Xe - nophon, quod ne - ceſſaria, ſed ars quædam decipien - di, ſi altũ faſtigium aſccndere, & inſignes aliquos progreſſus efficete velis Hac arte Jo - hannes Galeaceus Principatum Mediolanenſem Bernhardo avonculo ſuo eripuit, addens: Fraudem neceſſariam putamus omnibus quicunq; ex parvis initiis creſcere, & ad magnum quoddam faſtigium conſcenderẽ conantur, quæ ranto minus turpis eſt, quando quis magis illam poterit occultate & honeſto aliquo prætextu regere Machiavell lib. 2. diſp. de Repub. c. 13. circ. med & fincm. Et cum allegans Drexel. in ſuo Phaetonte de vit. lingu c. 22. notat, magnum hunc fallaciarum artificem, auſum fuiſſe hanc orbi geſtem propinari, nec erubuiſſe chartis mandare. land an ſich gebracht / vnd ſeiner Mutter Bruder (1) darvon verſtoſſen. Er Machiavellus haͤlt darvor / daß Argliſt / Betrug / Tuͤcke vnd boͤſe Stuͤcke / denen / die von geringen auff-vnd zu groſſen Dingen kom - men wollen / ſehr noͤhtig / dieſelbe auch vmb ſo viel do weniger verweißlich ſeyn / wann man den Schalck verborgen / vnd die Tuͤcke mit einem euſſerlichen ehr - baren Schein bedecken vnd verkleiſtern koͤnne. So iſt auch auß ſeinem deß Machiavelli außſtaffiertem Principe, vnd wie er denſelben beſchreibet / ſolches mit mehrem vnd vnter andern auch dieſes zubefinden /daßDEDICATIO. daß die Gottſeligkeit einem Regenten nicht ſo hoch - noͤhtig / ſondern genug ſeye / wann er ſich alſo fuͤr den Leuten ſtellen koͤnne / daß er fuͤr Gottesfoͤrchtig an - geſehen vnd gehalten werde / zumalen die Leute mehr durch den Schein / als die Gottſeligkeit ſelber ſich movieren vnd bewegen laſſen / darwider gleichwol andere Politici hefftig / vnd vnter andern Caſparus Barlæus eine feine Diſſertationem de Bono Prin - cipe geſchrieben. (2) Aber das Geſetzbuch Gottes(2) Adam. Contz en in Epiſt. Dedic. ci - vil. Doctr. ita ſcribit Pſeudo - politici ad inf anda deflectũt: pro vittu - te ſimula - tionem, atq; adeo vitia ipſa docent. Nunquã tam felix ævum fuit ut tales deeſſent, verum a - vorũ me - moria ab - ominatam ſectam il - luſtravit Nicolaus Machja - vellus, qui tamen Valentinum Borgiam diſcipulum inſaniente ſapientia dedit exitio, & quotquot ejus conſilia factaq́ue ſecuti ſunt, calamitoſos exitus habuere. Hactenus Contzen. inſtruiret die Regenten weit anders / als Machia - vellus: Jenes lehret / daß GOtt nicht das euſſerli - che Weſen / ſondern das Hertze anſehe vnd forſche / Rom. 8. v. 27. Jn den Sprichwoͤrtern cap. 17. v. 3. vnd erfordere ein rechtſchaffen Hertz / im 1. Buch der Koͤni - ge cap. 15. v. 3. & v. 14. Das Geſetzbuch weiß von kei - ner arte decipiendi, oder Machiavelliſchen Be - triegkunſt / ſondern lehret alſo: Das Regenten Lip - pen ſollen nichts vnrechts reden / vnd jhre Zunge ſoll keinen Betrug ſagen /(3)Non decetin labiiis verſari lubrica Regum. Hiob cap. 27. v. 4. vnd daß GOtt feind ſeye dem verkehrten Munde / Prov. c. 8. v. 13. Ja / Er bringet die Luͤgner vmb / vnd hat Grew - el an den Blutgierigen vnd Falſchen / Pſalm 5. v. 7. Der Herr ſuchet alle Hertzen / vnd verſtehet aller Gedancken tichten. Jm 1. Buch der Chron. cap. 29. ** ijv. 9.DEDICATIO. v. 9. vnd kennet die loſe Leute Hiob cap. 11. v. 11. Das Geſetzbuch erfordert die Gottſeligkeit / welche zu allen Dingen / vnd alſo auch zur Regierkunſt gut iſt / vnd hat die Verheiſſung zeitlicher vnd ewiger Gluͤckſelig - keit / 1. ad Tim. c. 4. v. 8. Es erfordert die Warheit / Auffrichtigkeit vnd Froͤmmigkeit / dann fromb vnd warhafftig ſeyn / behuͤten den Koͤnig / vnd ſein Thron befiehet durch Froͤmmigkeit / Salom in den Sprich - woͤrt c. 20. v. 28. Es erfordert die Liebe Gottes vnd deß Naͤchſten / daran das gantze Geſetz hafftet. Das Ge - ſetzbuch lehret vnd informiret die Regenten / daß al - le Regimenter vnd deren Gluͤckſeligkeit ſtehet in Got - tes hand / Syracid. 10. v. 4. Daß Er Koͤnige einſetze vnd wider abſetze / Daniel c. 2. v. 21. Daß Er der Koͤ - nige vnnd Fuͤrſten Hertzen in ſeiner Hand habe / vnd dieſelbe leyte / wie die Waſſerbaͤche / Prov. cap. 21. v. 1. Das Geſetzbuch Gottes bringet den Regenten lan - ges Leben / gute Jahr vnd Frieden / Jn den Sprichw. Salom. c. 3. v. 2. Ja groſſen Frieden / Pſal. 119. v. 165. Es machet klug in ſelbigem Pſalm v. 104. Es mehret die Tage derſelben cap. 10. v. 27. Eſai. c. 38. v. 1. & ſeqq. Es bringet Gunſt vnd Klugheit / die Gott vnd Men - ſchen gefallen / im ſelbigen c. v. 4. Segen vnd Sieg / im 5. Buch Moſ. cap. 3. v. 16. Es preiſet ſelig die Sanfft - muͤhtigen / vnd verſpricht denſelben (vnd nicht den Ty - rannen) daß ſie das Erdreich ſollen beſitzen / vnd be - herꝛſchen Matth. cap. 5. v. 5. Das Geſetzbuch gibt dierechteDEDICATIO. rechte Weißheit / dardurch die Koͤnige / Fuͤrſten vnd Regenten auff Erden herꝛſchen / vnnd die Rahtherꝛn das Recht ſetzen / im ſelbigen Buch cap. 8. v. 15. Es gibt GOtt dardurch den Weiſen jhre Weißheit / vnd den Verſtaͤndigen jhren Verſtand Dan c. 2. v. 21. Der Koͤ - nig Hißkia hielte trewlich am Geſetzbuch deß Her - ren / zuſuchen ſeinen GOtt von gantzem Hertzen / darumb ſpricht die Schrifft: Hatte er auch Gluͤck? im 2. Buch der Chon. c. 31. v. 21. vnd darumb / daß ſein Hertz ſich demuͤhtigte vor GOtt / kam der Zorn deß Herren nicht vber Jſrael / weil Hißkia lebete / im ſel - bigen Buch c. 32. v. 26. Darumb / vnd daß er ſein Hertz auff GOtt vnd ſein Wort gewand / vnd trewlich fuͤr Jhm gewandelt / mit rechtſchaffenem Hertzen / erlan - gete ex Verlaͤngerunge ſeines Lebens / vnd wurden ſei - nen Tagen noch 15. Jahr (4) zugeſetzet / Eſai. c. 38. v. 1.(1) Quin - decim an - nosgran - de motra - lis ævi di - cit ſpatiũ. Cornel. Tacit. in vit, Jul. A - gric. & ſeqq. im 2. Buch der Koͤnige cap. 20. v. 2. & ſeqq. Der Koͤnig Jothan hielte das Geſetzbuch pro Sta - tus ſui ratione, vnd richtete ſeine Wege fuͤr dem Her - ren ſeinem GOtt / dardurch ward er Maͤchtig / ſiegte wider ſeine Feinde die Kinder Ammon / vñ machte ſich dieſelbe zinßbar vñ vnterthan / im 2. Buch der Chron. c. 27. v. 5. & 6. Dann die Hand vnſers Gottes iſt zum beſten vber alle die Jhn ſuchen / vnd ſeine Staͤrcke vnd Zorn vber alle die Jhn vnd ſein Geſetzbuch verlaſſen / im Buch Eſra c. 8. v. 22. So lange Vſia vber das Ge - ſetzbuch hielte vnd den Herren ſuchete / ließ jhme Gott** iijge -DEDICATIO. gelingen / im 2. Buch der Chron. c. 26. v. 5. Auß dem Geſetzbuch gab der Koͤnig David ſeinem Sohn dieſe Koͤnigliche Regenten Regul vnd Vaͤtterliche Jnſtru - „ ction: Diene Gott mit gantzem Hertzen vnd mit wil - „ liger Seelen / wirſtu Jhn ſuchen / ſo wirſtu Jhn finden / „ wirſtu Jhn aber verlaſſen / ſo wird er dich verwerffen „ ewiglich / im 1. Buch der Chron. c. 29. v. 9. vñ weil Sa - lomon ſolcher ſeineshocherleuchten Gottſeligen Vat - ters trewlichen Jnſtruction nachſetzete / ward er in ſei - nem Reich bekraͤfftiget / vñ der Herꝛ ſein Gott war mit jhme / vnd machete jhn jmmer groͤſſer / im 2. Buch der Chron. cap. 1. v. 1. bekame auch darauff nicht allein fuͤr ſich / ſondern auch fuͤr ſeine Nachkommen / eine herꝛli - che Verheiſſunge / doch nicht ohne / ſondern mit die - » ſem Gedinge: So du wirſt fuͤr mir wandeln / wie » dein Vatter David gewandelt hat / daß du thuſt alles » was ich dich heiſſe / vnnd haͤlteſt meine Gebott vnd » Rechte / ſo wil Jch den Stuel deines Koͤnigreichs be - » ſtaͤttigen / wie Jch mich deinem Vatter Davld ver - » bunden habe / vnd geſaget: Es ſoll dir nicht gebrechen » an einem Mann / der vber Jſrael Herꝛ ſey. Werdet jhr » euch aber vmbkehren / vnd meine Rechte vnd Gebott / » die Jch euch fuͤrgeleget habe / verlaſſen / vnnd hingehen » vnd andern Goͤttern dienen vnd ſie anbeten / ſo werde » Jch ſie außwurtzeln auß meinem Lande / das ich jhnen » gegeben habe / vnnd diß Hauß / das Jch meinem » Namen geheiliget habe / werde Jch von meinemAn -DEDICATIO. Angeſicht werffen / vnd werde es zum Sprichwort « geben / vnd zur Fabel vnter allen Voͤlckern. «
Wann nun ein Chriſtlicher Regent dieſes / was jetzo angezogen / vnd ſonſten in Gottes Wort hiervon zuleſen / fleiſſig vnd wol betrachtet / auch / daß GOtt in ſeinem Wort wahrhafftig / vnnd nicht laͤuget / ſo wird er leichtlich den Schluß finden / daß das Geſetz - buch Gottes / die darauß herflieſſende Gottſeligkeit / Auffrichtigkeit / Trew vnd Wahrheit / vnnd nicht die Machiavelliſche ars decipiendi, oder Betriegkunſt / Tyranney / Liſt vnnd Tuͤcke / welche GOTT einen Schalcksraht nennet / bey dem Propheten Nahum. 1. v. 11. die alleinige ſichere Regni ſive ſtatus ſtabili - endi & conſervandi Ratio, baſis vnd Teſtamen - tum ſeye / vnd wann es endlich wol zugehen ſolle / auch bleiben muͤſſe: Man findet eben wol in der Bibel auch ſolche Machiavelliſche Kuͤnſte / niche zwar per re - gulam oder Geſetzweiſe / ſondern in exemplis, die gleichwol auch nicht zur Nachfolge / ſondern zur War - nunge darinn auffgezeichnet / Per Rationem Status vnd wegen zeitlicher Reputation, brachte Cain ſei - nen frommen Bruder Abel vmb / damit dieſer / wegen feines von GOtt angeſehenen Opffers / nicht hoͤher in der Welt reſpectiret, vnd er Cain an ſeiner vorge - bildeten Grandeſſa vnnd Reputation periclitiren moͤchte / im Buch Moſ c. 4. Per eandem Status Ra - tionem ſein Koͤnigreich / wegen der zunehmenden Menge deß Volcks Gottes / vermeyntlich zuſichern / trachtete der Koͤnig Pharao darnach / wie er durchDEDICATIO. Liſt vnd Tyranney die Jſr aeliten duplicando late - res plagen / vnd jhrer weniger machen moͤchte / befahl darneben den Hebammen in ſeinem Koͤnigreich / alle Jſraelitiſche Knaͤblein inn - vnd bey der Geburth zu - toͤden / vnd fuͤhrete die Machiavelliſche Maximam: Sapienter, hoc eſt, callidè & Tyrannicè, oppri - mamus eos, oder wir wollen ſie / wie es zu Teutſch gegeben / mit Liſt daͤmpffen / daß jhrer nicht zuviel wer - den / im 2. Buch Moſ. c. 1. v. 10. & ſeqq. Auß ſolcher Klugheit vnd Machiavelliſcher Regierkunſt / ließ Je - robeam die guͤldene Kaͤlber zu Bethel anrichten: A - thalia allẽ Koͤniglichen Samen auſſer den verſteckten Joas erwuͤrgen: Herodes die vnſchuldige Bethlehe - mitiſche Kinder ermorden / dergleichen Exempel ich im 2. Buch Axiom. 36. vielmehr angezogen / wie da - ſelbſten zuleſen.
Auß welchen vnd andern mehr / auch bey den weltlichen Geſchichtſchreibern auffgezeichneten Ex - empeln / man ſo viel ſiehet / daß viel Tyrannen duꝛch ein ſolche Machiavelliſche Regierkunſtdie da beſtehet / in calliditate & crudelitate, in Gewalt vnd Argliſtig - keit / welche beyde Schweſtern / gern beyeinander ſeyn / vnd die Rationem Status conſtituiren vnd erhal - ten / zu groſſer Hoheit / Regiment / Macht vnd Ge - walt / kommen / aber man ſiehet auch darbey / daß ſie / wie Tyrannen zu Grund gangen / Pſ. 82. v. 6. 7. daß ſie auff das ſchlipfferige geſetzet / Pſ. 73. v. 18. geſtuͤrtzet vñ gefallen Pſ. 9. v. 4. ſie werden abgeriſſen / wie vnzeitigeTrau -DEDICATIO. Trauben / vom Weinſtock / vnd jhr Zweig wird nicht gruͤnen / ſie gehen mit Vngluͤck ſchwanger / vnd gebaͤ - ren Muͤhe / vnd Fehl / ſpricht Hiob c. 15. v. 32. & ſeqq. Die Augen deß Herren ſehen auff ein ſuͤndiges Koͤ - nigreich / daß ers vom Erdbodem gantz vertilge / beym Propheten Amos c. 9. v. 8. vnd behaͤlt GOtt auch offt jhr Vngluͤck auff jhre Kinder / Hiob c. 21. v. 19. Er ſtuͤr - tzet der gottloſen Regenten Stuel zu Bodem / Pſ. 89. v. 45. vñ ſpielet offt mit jhnen das depoſuit. Er wirfft ſie von dem Stul herunter / vnd ſetzet die Demuͤhtige darauff. Syr. c. 10. v. 17. Der Herr iſt es / der den ho - hen Baum nidriget / vñ den nidrigen Baum erhoͤhet / Ezech c. 17. v. 24. Vnd die Guͤter / ſo die Tyrannen vnd Gottloſen verſchlungen / muſten ſie wider außſpeyen / Hiob c. 20. v. 15. Gott laͤſſet die Machiavelliſche Welt - Weißheit vñ KLugheit zu Grund gehen / daß der Ver - ſtand jhrer Klugen verblendet werde / Eſai. c. 29. v. 14. Sie machen zwar Anſchlaͤge / aber ſie koͤnnen ſie nicht auß fuͤhren / Pſal. 21. v. 12. Jhr Raht iſt ein Schalcks - raht / wie droben auß dem Propheten Nahum ange - zogen: Was gilts / ſpricht GOtt bey dem Propheten Obadja / Jch wil zur ſelben Zeit die Weiſen zu Edom zu nichte machen / vnd die Klugheit auff dem Gebirge Eſau cap. 1. Eſa. c. 29. v. 14. Wider GOtt vnd ſein Ge - ſetzbuch hilfft kein Weißheit / Raht oder Verſtand / ſpricht Salomon in den Sprichw. c. 21. v. 30. Er weiß den Tyrannen einen Rinck in die Naſe zu werffen / vn ein Gebiß ins Maul zulegen / daß ſie nit weiter kom -***menDEDICATIO. men koͤnnen / Eſai c. 37. v. 29. Er iſt es / der den Koͤnigen das Schwerd abguͤrtet / Eſai. c 45. v. 1. der die Welt - weiſen erhaſchet in jhrer Liſtigkeit vnd Klugheit Job c. 5. v 13. 1. ad Cor. 3. v. 19. Er weiß / daß der Weiſen Gedancken eytel ſind / Pſ. 94. v. 11. d. c. 3 ad Cor. v. 20. Er lachet vnd ſpottet jhrer Pſ. 2. vnd ſtuͤrtzet ſie endlich gar zu Bodem / daß ſie ein Ende mit Schrecken neh - men / vnd wie der wuͤtrige Antiochus, mit Ach vnd Wehe darvon muͤſſen / 1. Macchab. c. 6. v. 10. & ſeqq. Der Cain vnd ſeine Nach kommen wurden groß / aber was war es / er ward von ſeinem eygen Gewiſſen ver - folget / vnd geplaget / vnd hatte die Sententz hinweg / vnſtaͤt vnd fluͤchtig ſoltu ſeyn auff Erden / vnd der A - cker ſoldir fort kein Vermoͤgen nicht gebẽ / im 1. Buch Moſ. c. 4. v. 12. & 14. Pharao meynete / er haͤtte ſeinen Statum durch ſein Sapienter opprimamus illos, oder Tyranney vnnd Liſt auff Machiavelliſch ſehr weißlich gefaſſet vnd verſichert / vermeynete / er wolte den Kindern Jſrael / wie er ſie mit einem gewaltigen Kriegsheer verfolgete / das Garauß machen / vnd ſie vertilgen / aber er ward geſtuͤrtzet / vnd verſencket im rohten Meer mit aller ſeiner Macht / Exod. c 14.
Jerobeam hatte die Rechnung gemacht / er haͤtte durch Liſt vnd eygene Weißheit / bey Anrichtunge deß newen Gottesdienſts vnd Kaͤlbert antzes zu Bethel / vnd Abhaltung deß Volcks vom Gottesdienſt zu Je - ruſalem / ſeinen Statum oberwehnter maſſen / vor ſich vnd ſeine Poſteritaͤt alſo gefaſſet vnnd verſichert / daßesDEDICATIO. es nicht fehlen koͤnte / Gott ließ jhn auch eine Zeitlang darbey / aber jhme durch den Propheten Ahia nach - folgendes Prognoſticon ſtellen: So ſpricht der Herr der GOtt Jſrael: Jch habe dich erhoben auß dem Volck / vnd dich zum Fuͤrſten vber mein Volck Jſrael geſetzet / du aber biſt nicht geweſen / wie mein Knecht David / ꝛc. Darumb ſiehe / Jch wil Vngluͤck vber das Hauß Jerobeam fuͤhren / auch den der an die Wand piſſet / vnd wil die Nachkom̃en / deß Hauſes Jerobeam außfegen / wie man Koht außfeget / biß gantz mit jhm außſeye / wer von Jerobeam ſtirbet in der Statt / den ſollen die Hunde freſſen / wer aber auff dem Felde ſtir - bet / den ſollen die Voͤgel deß Himmels freſſen / ꝛc. Jm 1. Buch der Koͤnige c 14. v. 7. & ſeqq.
Eine ſolche ſchaͤdliche herbe Gall vnd Wermuht - tragende Wurtzel / wie die Schrifft in ſimili redet - im 5. Buch Moſ. c. 29. v. 18 iſt die Ratio Status, ver - knuͤpffet mit Vngerechtigkeit / in der Apoſtel Ge - ſchicht / c. 8. v. 23. deren Gifft auch die Nachkommen toͤdet / vnd außrottet / vnd iſt dieſes wol ein mercklich Exempel / daß ein gottloſer Regent / per ejuſmodi Status, oder diaboli rationem, mit Liſt vnd Tuͤcken / eine Zeitlang ſeine Gewalt erhalten / aber wider jaͤm - merlich mit allen ſeinen Nachkommen kan geſtuͤrtzet werden / dann die Blutgierigen vnd Falſchen (durch dieſe beyde wird Status ratio ſtabilirt) bringen jhr Leben nicht zur Helffte / Pſ. 55. v. 24. Vnd die Tage der Gottloſen werden verkuͤrtzet / Sprichw. Salom. c. 10. *** ijv. 27.DEDICATIO. v. 27. durch Blut wolte die Athalia jhren Statum fir - miren, gienge ihr auch auff eine Zeit an / aber es haͤtte nicht lang Beſtand / Blut muſte ſie wider außſpeyen / am kalten Eyſen ſich zu tod freſſen / vnd ein Ende mit Schrecken nehmen / im 2. Buch der Koͤnige c. 11. v. 16. 20. Alſo herꝛſchet zu Zeiten ein Menſch vber der an dern zu ſeinem eygenen Vngluͤck / ſpricht der Prediger Salom c. 8. v. 9. Herodes vermeynte / er haͤtte ſein Koͤ - nigreich durch den vnſchuldigen Bethlehemitiſchen Kindermord / dergeſtalt wider den newgebornen Koͤ - nig der Juden aſſecuriret, daß es jhm gar nicht fehlen koͤnte / aber er konte hernacher keine Sicherheit ſeines Leibs / fuͤr das ſchlechte abſchewliche vnd verachtetes Vngezieffer der Laͤuſe haben / die waren die Armatæ cohortes, die gewaltige Cuͤraſſirer / die jhm der new - geborne Koͤnig / vber den Halß ſchickete / die muſten wider jhn zu Felde liegen / vnd wegen daß vnſchuldi - gen Bluts / das er vergoſſen / ſein Blut mit langwuͤ - riger Marter / Pein vnd Elend wider außſaugen / wie die Hiſtorici darvon ſchreiben. Antonius vnd Ju - lius Cæſar vnterſtunden ſich auch per Status ratio - nem groſſer Dinge / nahmen hohe vnd ſchwaͤre Sa - chen vor / vermeynten / ſie haͤtten das Spiel in jhrer Hand / es koͤnte jhnen nicht fehlen / der gantzen Welt Herꝛſchafft koͤnte jhnen nicht entſtehen / ließ ſich auch Anfangs alles darzu wolan / wurden aber mit jhren hohen Staats Gedancken vnd Anſchlaͤgen zu nichte. Antonius toͤdet ſich ſelbſt / Julius Cæſar ward auffdemDEDICATIO. dem Rahthauß zu Rom mit 23. Wunden hingerich - tet / da er ſich deſſen zum wenigſten verſahe. Dieſer Exempel koͤnten noch viel auß der Schrifft vnnd an - dern Hiſtorien angezogen werden / es wuͤrde aber zu - viel / vnnd habe ich in dieſem erſten Buch Axiom. 7. wie auch im andern Buch Axiom. 36. de Status ra - tione etwas weitlaͤufftiger gehandelt / dahin ich mich dann referire, vnd iſt gewiß / daß vnter Hunder - ten / die jhr Regiment durch Blut / Tyranney / Liſt / vnd Betrug erlanget vnd beſtaͤttiget / kaum einer zu - finden / der es ruͤhig vnd lange erſeſſen / auffden dritten Erben / vnd ad ſeram poſteritatem gebracht / finde derowegen kein beſſere vnd ſichere Status rationem, keine beſtaͤndigere Regierkunſt / als das Geſetzbuch Gottes / davon ich in beſagtem andern Buch Axiom. 36. & 38. auch in etwas gehandelt.
Ewer Koͤnigl. Majeſt. hoͤchſtſeligſter / Herꝛ Vat - ter / weyland Koͤnig Chriſtian der Vierdte zu Denne - marck Norwegen / mein auch in Gott ruhender aller - anaͤdigſter Koͤnig vnd Herꝛ / hat das Geſetzbuch deß Herren / ſein thewres vnd werthes Wort / Zeit dero glorwuͤrdigſt gefuͤhrten Koͤniglichen Regierung / pro unica & certiſſima Regii Status ſui ratione, nor - ma & amuſſi gehalten / vnd darauß das ſchoͤne recht Koͤnigliches Symbolum genommen / REGNA FIRMAT PIETAS. Welches in dero Palatiis allenthalben zufinden / darumb hat auch GOtt Jhre Koͤnigl. Actiones mit Segen vnnd Wolſtand getroͤ -*** iijnet /DEDICATIO. net / dero Koͤnigreiche vnnd Lande bey verſchiedenen ſchweren Kriegen bey jhrer Gewalt / Macht vnd Hoh - heit wider vielfaltige Anſtoͤſſe vnd Adverſitaͤten con - ſerviret. Darumb hat der Herr Zebaoth in deſſen Haͤnden / Leben vnd Todſtehet / Jhr. Koͤnigl. May. Tage verlaͤnget / denſelben zugeſetzet / daß ſie vnter al - len getroͤnten Haͤuptern vnd Potentaten in Europa, in dieſem Seculo dero Zeit der Eltiſte geworden / auch die Proſperitaͤt vnd Wolſtand jhrer Reiche / in allen Staͤnden getroſt / vnd in der Forcht Gottes mit freu - digem Hertzen angeſchawet / Kirchen / Hohe-vnd an - dere Schulen geſtifftet / Koͤniglich dotiert vnd loͤblich erhalten.
Von dieſem hoͤchſt-Edlen Koͤnigl. Stammbaum / deſſen Wurtzeln an den Bruͤnlein vnd Baͤchen Jſrae - lis tieff geſetzet Jerem. cap. 17. v. 7. deſſen Blaͤtter nicht verwelcken / ſeynd Ew Koͤnigl. May entſproſſen / vnd hat ja ein ſolcher herꝛlicher / am Bach deß HerrenAn die Roͤm. c. 11. v. 16. veſt gepflantzeter Baum / keine andere / als gute / durch herꝛliche Chriſtliche Education vñ hoͤchſtgeehrte Vaͤt - terliche Auffſicht vnd Jnformation / von allen argen Zufaͤllen mit Koͤniglicher Sorgfalt præſervirte, ed - le / nach dem Stam̃ vnd Wurtzel artende Frucht brin - gen koͤnnen / von deroſelben ſeynd E. Koͤn. May. zufor - derſt zu dem Geſetzbuch deß HErren gefuͤhret / zu al - len Hochfuͤrſtl. Tugenden vnd dapfferen Ritterlichen dero hohen Stand wolanſtehenden Exercitiis in jh - ren jugendlichen Jahren angewieſen / daß ſie zu einemloͤb -DEDICATIO. loͤblichen hocherleuchtem Regenten vñ Koͤnig gewor - den / Sie auch Gottes wunderliche Hand vnd gnaͤdi - gen Beyſtand ſchon in vielen bey dieſen ſo truͤbſeligen gefaͤhrlichen Laͤufften zugeſtoſſenen Occurrentien vñ Begegnuͤſſen / im Werck verſpuͤret / Ew. Koͤn. May. haben bey dero Fuͤrſtl. Ertzbiſchofflichen Bremiſchen Regierung / zu der Ehre GOttes deß Allerhoͤchſten / vnd Fortpflantzung ſeines heiligen / reinen allein ſelig - machenden Worts vñ dero vnſterblichen ewigen Lob / in dero Baſilica vnd hohen Thumbkirche zu Bremen / darinn bey Menſchen Gedencken kein Gottesdienſt geuͤbet / faſt oͤde vnd vervnreiniget worden / nach dem Exempel Hißkia / Joſia vnd anderer Gottſeligen Re - genten ein offenes Exercitium reiner Evangeliſcher Lehr / vngeenderter Augſpurgiſchen Confeſſion vnd der heiligen hochwuͤrdigen Sacramentsuͤbungen / zu vieler tauſend lange darnach geſeufftzeter Chriſtenſee - len / Troſt vnd Gewiſſens Erquickunge / herꝛlich / wie - wol mit groſſer verdrießlicher Muͤhe eingefuͤhret / vñ das auß dem Geſetzbuch deß Herren erlangtes Klei - nod / Quærite primum Regnum cœlorum, cete - ra deinde adjicientur vobis, an jhren Fuͤrſtl. Re - giments Hut damals veſt gehaͤfftet / vnd dahero nicht zuzweiffeln / ſo lang ſie das Kleinod daran / vnd das Geſetzbuch deß HErren in jhrem Chriſtlichen Koͤn. Hertzen bewahren: Es muͤſte vñ werde geſegnet ſeyn / dero Außgang vnd Eingang / es werde geſegnet ſeyn der Vorraht / Sie werden genieſſen vom Taw deßHim -DEDICATIO. Himmels / vnd Fettigkeit der Erden / es werden geſeg - net vnnd groß ſeyn dero Nachkommen / auff Erden. Der HErr wird ſie erhoͤren in jhrer Noht / der Gott Jacob wird ſie ſchuͤtzen / Er wird heiligen Muht / gu - ten Raht vnd rechte Werck ſchaffen / Er wird jhro ge - ben / was jhr Hertz wuͤndſchet / vnnd Koͤnigl. Mund von dem HEren bittet / die Tage dero zeitlichen Lebens erſtrecken / vnd nach demſelben deß him̃liſchen ewigen Reichs theilhafftig machen: Womit ich beſchlieſſe / vnd Ew. Koͤnigl. May. gnaͤdigſter Koͤniglicher Hul - de / mich ſampt den Meinigen vnterthaͤnigſt vñ trew - lichſt empfehle / gehorſambſt bittend / E Koͤnigl. May. dieſe meine Arbeit / ob ſie ſchon von keiner ſolchen Per - fection iſt / daß ſie dero hocherleuchtem von Gott be - gabten Verſtand / in allem Satisfaction geben kan / dannoch auff meine hierbey gefuͤhrete habende gute Intention, Jhrer angebornen Koͤnigl. Æquanimi - taͤt nach / mehr / als auff das Werck ſelber ſehen / vnd mein vnd der Meinigen allergnaͤdigſter Koͤnig / Lau - desfuͤrſt vnd Herꝛ ſeyn vnd bleiben wolle.
DAs Objectum principale vnd immediatum deß Geiſt - lichen Standes / iſt die Verſeh-vnd Verrichtung deß Gottes-Dienſtes / darumb der Weg zur Warheit / See - ligkeit / vnd rechtem eintzigen ſummo Bono, das iſt / zum ewigen vnſterblichen Gut getzeiget wird / dahero ſie Got - tes oder Chriſti Diener vnd Haußhalter vber Gottes Geheimnuß genand werden 1. ad Corinth. 4. v. 1. ſo da wachen vber die Seelen vnd dafuͤr Rechenſchafft geben Hebr. C. 13. v. 17. Sie ſeind gleichſam Geſandten vnd Bottſchafften an Gottes ſtatt. 2. ad Corinth. 5. v. 20. deren Fuͤſſe lieblich ſindauff den Bergen / den Frieden vnd Heyl zuverkuͤndigen Eſai. Cap. 52. v. 7.
So viel nun das Reiche Gottes vnd das ewige Leben / diß Zeitliche vber - trifft / ſo weit vnd hoch gehet auch der Geiſtliche Stand vber das Weltliche Ampt. A(Præſtant2Das erſte Buch(Præſtant æterna caducis.) Jenes bringet vnd giebet ewige Gerechtigkeit / ewigen Friede vnd ewiges Leben / wie S. Paulus ſolches hoch preiſet 2. Corinth. c. 4. Aber das Weltliche Regiment erhelt zeitlichen vnd vergaͤnglichen Frieden / Recht vnd Leben / wie D. Luther in einer Sermon an die Prediger von den Schulen Anno 1530. darvon ſchreibet vnd redet.
So iſt auch / der Kirchen: oder Lehr. Stand der aͤlteſte / vnd vor andern Staͤn - den gleich im Paradießgarten / da Gott der Herꝛ nach Erſchaffung deß erſten Men - ſchen Adams / ehe Eva war / ſelber das Lehr vnd Prediger Ampt gefuͤhret / vnd jh - me gebotten / du ſolt eſſen von allerley Baͤumen im Garten / aber von dem Baum deß Erkantnuſſe gutes oder boͤſes / (Arborſcientiæ erat hominis Ara atque Tem - plum, cujus fructibus abſtinendo, debitum erat, exhibendum creatori obſequium. D. Gerhard. Aporiſm. Theolog. 59. cap. 8.) ſoltu nicht eſſen / eingeſetzet. Geneſ. 2. cap. v. 16. welches dann auch D. Lutherus in ſeinem Commentario in Geneſin bey dieſem Text notirt (Facta fuit, inquit, inſtitutio Eccleſiæ, antequam eſſet œcono - mia & politia. Poſt inſtitutam Eccleſiam etiam Oeconomia conſtituitur, cum ad - ditur ſocia Heva. Politia autem ante peccatum nulla fuit, neque enim ea opus fuit, cum ſit remedium neceſſarium naturæ corruptæ. Siigitur homines non eſſent per peccatum mali facti, politiâ nihil fuiſſet opus, ſed Adam cum poſteris vixiſſet in ſumma tranquillitate, & plus effeciſſet, moto uno digito, quam nunc omnes gladii, cruces & ſecures efficiunt.
So muͤſſen auch die vbrigen Staͤnde in Gewiſſens vnd Geiſtlichen / jhre Seel vnd Seeligkeit betreffenden Sachen / dieſem Geiſtlichen Lehr-vnd Kirchen Stande / auff gewiſſe in Gottes Wort gegruͤndete Maaß vnd Weiſe ſich ſubmit - tiren, vnd iſt die Poteſtas Clavium, oder die Gewalt der Schluͤſſel zu loͤſen vnd zu binden / dem ſelben anvertrawet Matth. c. 16. v. 19. Iohan. c. 20. v. 22. dahero dann auch Gott beym Propheten Eſaia ſpricht von der Kirche; Koͤnige werden vor dir niederfallen zur Erden c. 4. v. 23. Jtem Koͤnige werden dir dienen. Eſai. c. 60. v. 10.
Der Koͤnig David hat ſich willig vnd gern dem Propheten Nathan als ſei - nem geiſtlichen Vatter vnd Seelſorger ſubmittiret, demſelben ſeine Suͤnde be - kant / vnd darauff die troͤſtliche Abſolution empfangen 2. Sam. c. 12.
Der Koͤnig Hiskias ſuchte auch Troſt bey dem Propheten Eſaia / vnd vnter - gab ſich demſelben in ſeiner Verfolgung vnnd Schwachheit. 2. Reg. c. 19. & 20. Nennet die Leviten ſeine Soͤhne 2. Chron. 29. v. 11.
Der Koͤnigin Jſrael Ioas honorirte vnd beſuchte den Propheten Eliſa in ſeiner Schwachheit / nant jhn zweymahl ſeinen Vatter vnd weinete vor jhm. 2. Reg. c. 13. v. 14. & ſeqq.
Der Koͤnig Aſa gehorchte gern der Ermahnung deß Propheten Obeds / dar - uͤber gieng es jhme wol. 2. Chron. 15. wie er aber hernach deß Propheten Sanani Vermahnung verachtete / vnd denſelben ins Gefaͤngnuß warff / ſchwehrete es jhmezu den3Von dem Geiſtlichen Stande. zu den Fuͤſſen herauß vnd muſte ers mit dem Podagra buͤſſen vnd daranſterben. 2. Chron. c. 16. der Prieſter Jojada war ſo hoch gehalten / daß jhme deß Koͤniges Jo - rams Tochter zum Weibe gegeben 2. Chron. c. 22. v. 11. Werden derowegen dieſelbe billich geehret / ſonderlich wann ſie die Waffen jhres Ampts vnſtraͤfflich fuͤhren / wie die Weiß heit Salomonis von Moſe zeuget c. 18. v. 21.
Es gedencket Pater Leimermannus in vitâ Weil. Kayſers Ferdinandi II. hoͤchſt loͤblichſter Recordation. c. 9. daß ſeine Kayſerl. May. ſich vernehmen laſſen wann dero zugleich ein Engel vnd Prieſter begegnete / Sie dem Prieſter zuvor / herna - cher dem Engel Ehr erweiſen wolten. (Formalia ejus ita habent: Auditus eſt non ſine admiratione occurtentibus ſibi eodem loco actempore Angelo & Sacerdote, ſe primum ſacerdoti, deinde Angelo honoris officium perſoluturum; item ordini deberi multa, quæ perſonæ non debentur, ibid.)
Welches ich gleichwol an ſeinen Orth ſtelle / dieſes findet man in Goͤttlicher Schrifft / daß die Prieſter Engel deß Herꝛn genant werden. Malach. c. 2. v. 7. da der Prophet außtrucklich den Prieſter einen Engel deß Herꝛn nennet / imgleichen Apocal. 3. v. 1. allda der Prieſter ein Engel der Gemein zu Sardis genant. (Simile non eſt idem. Zu wenig vnd zuviel verdirbet alle Spiel.)
Jn was hohem Reſpect der Tuͤrckiſche Kayſer ſeinen Mufti oder Mophthi helt / davon geſchiehet vnten Axiom. V. Meldunge. Die Heyden ſind jhren Sacer - dotibus oder Prieſtern auch mit groſſer veneration begegnet / ſie inviolabel geachtet vnd von aller Thaͤtligkeit geſichert / wie bey dem Halicarnaſſ. lib. 11. zufinden / da er ſchreibet: Eſt omnium ſacratiſſimum & honoratiſſimum Legatus: poteſtatem & vim habens imperantis, inviolabilitatemque & venerationem Sacerdotis.
Es iſt aber ſolches nicht dahin zuverſtehen daß darumb der geiſtliche Stand / mit einem herꝛſchenden Gewalt uͤber den Weltlichen / Kayſer / Koͤnige / Fuͤrſten / Herren / vnd Republiquen geſetzet / vnd vber dieſelbe vnd andere dominiren ſolte / wieder die Lehr S. Petri in 1. Epiſt. c. 4. v. 3. (Eleganter admodum Eraſmus in præfat. paraphras. Novi Teſtament. ut non decet in quit, Laicum ſeditiosè rebellare pres - byteris ſuis, ne confundatur ordo, quem Paulus vult eſſe in corpore Chriſti: Ita nõ decet Sacerdotes exercere Tyrannidem in gregem: alioqui iis erit imputanda ſe - ditio. Ergo quoties paſtores funguntur officio ſuo reverenter funt audiendi tan - quam Angeli Dei, per quos nobis loquitur Chriſtus.
Oder daß derſelbe dieſem in Weltlichen Dingen nicht ſolte vnterthan vnd gehorſamb / ſondern davon gantz exempt ſeyn / wie die Canoniſten ins gemein da - von ſchreiben / vnd Adamus Conzen in ſeiner newen Politica weitleufftig behau - pten will lib. 6. c. 3. ſondern bleibet dieſe prærogativa oder Vorzug reſpectu præ - ſtantioris objecti, vnd dahero ruͤhrender ſchuldiger veneration, vnd iſt nicht weiter zu extendiren.
Dahero nichts do weniger der Geiſtliche Stand vnd Cleriſey / der Weltli -A ijchen4Das erſte Buch /chen hohen Obrigkeit in billigen Sachen Gehorſam zu leiſten ſchuldig bleibet.
Der Koͤnig Joſias als er die groſſe herꝛliche Reformation vorhatte / ſaget die Schrifft / daß er dem Hohen-Prieſter Hilkia vnd andern Prieſtern nach der Ord - nung gebotten vnd befohlen wie ſie die Reformation anſtellen ſolten. 2. Reg. C. 23. v. 4.
Der Herꝛ Chriſtus hat es ſelber alſo geordnet / daß die Apoſtel vnd in dieſer Welt ſtreitende Kirche der Weltlichen Obrigkeit in geziemenden Sachen ſolten vnterthan ſeyn. Actor. 25. Rom. 13. 1. Pet. 2. Als der Prieſter Abjathar ſich in Welt - liche Haͤndel vnd Vffruhr gemiſchet / iſt er von dem Koͤnig Salomon degradiret, ſeines Prieſters Ampts entſetzet / vnd zu ſeinem Acker gen Anathot relegiret. 1. Reg. 2. verf. 26.
Die heiligen Apoſtel ſonderlich Paulus haben ſich vor der Weltlichen Ob - rigkeit offters ſiſtiret, ſo wol Jhrer Lehr als guten ehrbaren Wandels / Rede vnd Antwort gegeben / vnd keine Exceptiones fori declinatorias eingewand / wie auß den Geſchichten der Apoſtel an verſchiedenen Orten zu finden / vnd ſonderlich C. 25. da Paulus das verdaͤchtige Geiſtliche Conſiſtorium zu Jeruſalem declinirte, vñ ſich auff den Roͤm. Kayſer berieff / ſprechende: Jch ſtehe fuͤr deß Kayſers Gerichte / da ſol ich mich laſſen richten. Haͤtte nun de Jure divino die Weltliche Obrigkeit keine cognition vber die Cleriſey / ſo haͤtte S. Paulus das außerwehlte Rüſtzeug Gottes / der ſeine Principia Theologica vnd Kirchenrecht im dritten Himmel / wie man in der Kirchen redet / ſtudiret vnd gelernet / ſeinem Orden vbel vorgeſtanden / daß er mit ſeiner Lehr vnd eigenem Exempel an den Roͤm. Kayſer / als die hoͤchſte Weltliche Obrigkeit ſich beruffen / incompetentem Jurisdictionem prorogiret, vnd der Chriſtlichen Kirchen ſo ſtarck præjudiciret.
ZVr Zeit als dem Seth Enos gebohren war / ſagt die Schrifft / hat man an - gefangen zu predigen von dem Namen deß Herꝛn. Gen. 4. v. fin. welches dann nicht die Meynunge hat / als wann vorhin Adam gar nicht von dem Namen deß Herꝛn geprediget / ſondern daß ſolches etwann nicht in ſo ſtarcker vnd ſolenner Verſamblung geſchehen / wie heutiges Tages auch wol zu geſchehen pfleget / daß auß einfallenden Verhindernuſſen ein Haußvatter ſeinem Haußge -ſinde5Von dem Geiſtlichen Stande. ſinde auß einer Poſtille oder andern feinem Buche vorlieſet / wie auch an denen Orten / da die Chriſtliche Kirche in Betruck vnd Verfolgung iſt vnd keine oͤffent - liche Predigten geduldet werden.
Lutherus in ſeinem Commentario in Geneſ. ſchreibet davon alſo ad Cap. 25. verſ. Retinemus autem hoc loco, &c.
Tempore Enoscœptum eſt invocarinomen Domini, id eſt, tum primum habitæ ſunt conciones. Man hub an zu predigen. KARA. propriè ſignificat, ruf - ſen / nennen / vocare, appellare, legere exlibro, prædicare, indeputo Mahometum Titulum feciſſe Alcoranum libro ſuo quod ſit Collectorium ſeu Doctrinale, ſeu Biblia ipſius. Accipimus igitur hoc loco pro docere aut legere in concione publi - ca, ſi modo habuerunt libros. Fuit autem illa prædicatio in nomine Domini, daß man von vnſerm Herꝛn Gott geprediget hat. Fuit Doctrina de Deo. Hactenus ille.
Jm gleichen lieſet man daß der Patriarch Abraham geprediget von dem Na - men deß Herꝛn zu Berſabah Gen. C. 21. v. 33. (Idem Luther. ad C. 10. Gen. ſcribit: Quis de illo dubitabit, quin ſancti Patres habuerint, ſemper cœtus ſuos & conven - ticula ſua ubi docerent juventutem, ubi concionarentur, orarent, prophetarent, laudarent Deum? Non enim Eccleſia ſine aſſiduo verbi uſu exiſtere poteſt, ſic Abel & Cain ad Sacrificia à patre aſſuefacti, ſacrificabant.)
Deß gleichen Jſaac Gen. C. 26. Nach deme Gott der Herꝛ ſich dem Prophe - ten Samuel offenbahret hatte / meldet die Schrifft / daß er offentlich angefangen zu predigen / dem gantzen Jſrael 1. Samuel. C. 2. v. 21. 22. Jſt alſo Predigen von dem Namen deß Herꝛn. Ein Prædicat der vhralten Kirche vnd heiligen Gottes / vnd der Predicanten ſo wenig als deß Predigampts mit fugen darumb vbel zu geden - cken. Diß Prædicat iſt ſonderlich dem Noach beygeleget in der Schrifft / daß er ein Prediger der Gerechtigkeit genand / Jn der 2. Epiſtel S. Petr. Cap. 2. v. 5. Ja Gott ſelber hat dem Moſi geprediget von deß Herren Namen 2. Moſ. C. 34. v. 5.
ES iſt ein altes Sprichwort / wo Gott eine Kirche bawet / da will der Teuffel gleich ſeine Capelle dabey haben.
Sobald Gott ſeine Kirche im Paradieß Garten ſtifftete / vnd anfieng vn - ſerm erſten Vatter Adam zu predigen / von dem Baum deß ErkandnußA iijgutes6Das erſte Buchgutes vñ boͤſes / mit angelegtẽ ſcharffen Gebott / darvon nit zu eſſen / bey Verluſt deß Lebens / war bald der Teuffel da / vnd fieng gleich an vnſer erſten Mutter der Eva auch zu predigen / vnd ſie mit liſtigen luͤgenhafftigen Worten zu vberreden / Gott haͤtte nicht verbotten von dieſem Baum zu eſſen / ſie wuͤrden auch mit nichten deß Todtes ſterben / ja gar den warhafften Gott zum Zeugen ſeiner Luͤgenpredigt an - geruffen vnd darzu geſchwohren / wann ſie davon eſſen wuͤrden / ſo wuͤrden jhre Au - gen vffgethan werden / vnd wuͤrden ſeyn wie Gott Gen. c. 3. Gott hatte dem Abra - ham befohlen ſeinen Sohn zu opffern / dem er auch gehorſamblich nach zu kom - men bereit vnd gefaſſet war. Dieſem affete der boͤſe Feind nach / verleytete nicht allein die Heyden darzu / daß ſie dem Abgott Molech oder Saturno jhre Kinder opf - ferten vnd durch das Fewer gehen lieſen / ſondern brachte auch darzu das Volck Gottes / daß ſie jhre Soͤhne vnd Toͤchter den Teuffeln opfferten Pſalm. 106. v. 37. geſtalt dann der Koͤnig Manaſſe ſelber / dieſe Abgoͤtterey getrieben / ohne erachtet es Gott in ſeinem Geſetze ſo hoch verbotten 3. Moſ. cap. 18. v. 21. vid. ibid. Luth. in not. marginalib. Der Koͤnig Ahas thate dergleichen / verbrandte ſeine Soͤhne mit Fewr nach dem Grewel der Heyden im 2. Buch der Chron c. 28. v. 3. Dieſe Tra - gœdiam hat der Lugenhaffte Prediger von anbegin der Welt / biß hieher geſpie - let / vnd was zu dem wahren Gottesdienſt verordnet / zu ſeiner Abgoͤtterey nachge - aͤffet / wie dann die Heyden jhre Abgoͤtterey mit vielen Opffern / Feyertagen vnd andern Ceremonien, welche zum wahren Gottesdienſt verordnet waren / durch dieſes Affen deß leydigen Teuffels anſtifften geſchmuͤcket vnd jhme gedient. Gott hatte verordnet / daß ein ſtetswehrendes Fewr auff dem Altar zu den Opffern ſeyn ſolte / Levit. 6. cap. Nun iſt auß den Heydniſchen Hiſtorien bekant / wie ſehr der Teuf - fel hierin Gott nachgeaffet / vnd wie viel weſens er mit dem Igne Sacro in Heydni - ſchen Fanis vnd Delubris getrieben / auch noch wol im Chriſtenthumb zu vben an theils Orten vnterſtehet. Vnd helt Lutherus darvor / daß Vr in Chaldæa Abra - hams Vatterland / von ſolchem Igne Sacro, welches zur Abgoͤtterey allda gebrau - chet / den Namen bekommen / weil Vr in Chaldeiſcher Sprache ſo viel heiſt als Fewr. in Comment. ad Geneſ. cap. 11. in fine.
Als GOtt der Herꝛ in ſeinem Raht beſchloſſen die Kinder Jſrael auß dem Dienſthauſe Egypti zu retten / ſchickete er vorhin den Moſen vnd Aaron verſchie - dentlich zu dem Pharaone, vnd ließ jhm nicht allein mit Worten / ſondern durch verſchiedene miracula vñ Wunderthaten warnen / ſein Volck ziehen zu laſſen / ward der Teuffel gleich wieder Gottes Affe / verſchaffete / daß die Egyptiſche Zaͤuberer mit jhren beſchwehren nachaffeten / vnd mit dergleichen Zeichen dem Pharaoni die Augen blendeten Exod. c. 7. v. 12. & ſeqq. & c. 8.
Als es aber Gott nicht mehr zugeben wolte / konte der Teuffel durch alle ſeine geſchwohrne Vaſallen, mit allen ſeinen Kuͤnſten / das ſchlechte Vngeziefer der Laͤuſe nicht zu wege bringen / in gemeltem anderen Buch Moſ. cap. 8. darvon dieWeißheit7Von dem Geiſtlichen Stande. Weißheit Salomonis alſo redet: Das Gauckelwerck der Schwartzkunſt lag auch darnieder / vnd das ruͤhmen von jhrer Kunſt ward zu ſpott / cap. 17. v. 7. vnd muſte da ein rechter Affe / affectu, abſque effectu ſeyn vnd bleiben.
Als der Prophet Jeremias auff ſonderbahren Befehl deß Herren ein Joch machete / an ſeinen Halß hengete / vnd es den 5. Koͤnigen / in Edom / Moab / Ammon / Tyro vnd Zidon zuſchickte damit jhr vorſtehendes Vngluͤck / Captivitaͤt vnd Weg - fuͤhrunge / an zu künden / ward abermahls der Teuffel Gottes Affe / brachte einen falſchen Propheten Sanania auff die Bahn / der prediget vnd prophezeyet das Wiederſpiel / daß Gott das Joch deß Koͤnigs zu Babel zerbrechen werde gleich wie er das Joch Jeremiæ jhme abgenommen vnd zubrochen Jerem. c. 27. & 28. Ja es iſt der leidige Satan as ſo vnverſchambt vnd begierig geweſen Goͤttliche Ehr zu affectiren, daß er ſich nicht geſchewet dem Sohn Gottes / ſeinem Schoͤpffer anzu - muthen / daß er vor jhme niederfallen vnd jhn anbeten ſolte. Matth. c. 4.
DAß ein Gott / ein Ens Entium, ein vnendliches ewiges Weſen ſey / von deme alle andere Entia vnnd erſchaffene Dinge dependiren, regieret vnnd beherꝛſchet werden / haben Ariſtoteles, Plato, Cicero, Sene - ca, vnnd andere vernuͤnfftige Heyden vnnd Voͤlcker ex connato Na - turæ lumine, auß eingpflantztem vnnd gleichſamb in jhr Hertz von Natur ge - ſchriebenem Geſetz erkant vnd bekant / ſo gar das Cicero geſchrieben / Nul - lam gentem tam feram & barbaram, fuiſſe, quæ non aliquam Divini Numi - nis notitiam habuerit. (Deum rerum omnium cauſam, conſenſu gentium traditum, aſſeverat Maximus Tyrius, & ex eo refert Hug. Grot. de veritate Relig. Chriſti lib. 1. p. 30. Plutarchus in lib. adverſ. Colot. Et ſi terras ob eas invenire po - tes Urbes muris, literis, Regibus, numiſmate &c. neſcias: Urbem templis Diiſque carentem, quæ precibus, jurejurando, oraculo non utatur, non bonorum cauſa ſa - crificet, non mala ſacris avertere nitatur, nemo unquam vidit. Epictet. Enchirid. c. 38. ubi ſcribit: Religionis erga Deos immortales præcipuum illud eſt, rectas de iis habere opiniones: ut ſentias & eſſe Deos, & benè juſteq́ue adminiſtrare univerſa:paren -8Das erſte Buch /rendum eſſe iis & omnibus iis, quæ fiant, acquieſcendum & ſequenda ultro, ut quæ à mente præſtantiſſima regantur. Sic enim nec incuſatis eos unquam, nec ab eis negligi te conquereris, Luth. in Geneſ. ad Cap. 17. fol. 198. fac. 2. ſcribit. Hunc ſen - ſum naturali inſtinctu etiam gentes habent, quod ſit aliquod ſupremum Numen, quod colendum, invocandum, ad quod in omnibus periculis confugiendum. Sic - ut Paulus. dicit. Rom. 1. Gentes agnoviſſe Deum naturâ Similiter notitia iſta planta - ta eſt in omnium hominum animis, Deum eſſe auxiliatorem beneficum, etſi in eo errent, quiſnam ille Deus, & quomodo coli velit. Seneca Epiſt. 95. Primus eſt Deorum cultus, Deos credere: dein de reddere bonitatem, ſine qua nulla Majeſtas eſt. Et Epiſt. 97. Deos eſſe inter alia ſic colligimus quod omnibus de Diis opinio inſita eſt: nec ulla gens uſquam adeo eſt contra leges moreſque projecta, ut non a - liquos Deos credat.)
Dieſes bezeuget der Apoſtel S. Paulus gnugſamb in ſeiner Epiſtel an die Roͤmer / C. 1. v. 20. & ſeqq. & 2. v. 14. & ſeqq. daß die Heyden ſich darumb am juͤng - ſten Gericht nicht werden entſchuldigen koͤnnen / weil deß Geſetzes Wercke ſeyn be - ſchrieben in jhrem Hertzen / vnd ſie von jhrem Gewiſſen vberzeuget.
Die Athenienſer haben den Philoſophum Diagoram darumb jhrer Statt verwieſen / daß er ſich vnterſtanden in die Welt zu ſchreiben / daß er gezweiffelt ob ein Gott oder Goͤtter ſeynd? Wann dieſelbe waͤren / was Weſens oder Qualitaͤten ſie waͤren? Val. Maximus.
Als Ariſtoteles, wie er in den letzten Zuͤgen gelegen / ein goͤttliches ewiges Weſen in ſeinem Hertzen / vnd dahero ruͤhrende Vnſterblichkeit der Menſchlichen Seele erkant / ſoll er in dieſe Wort herauß gebrochen ſeyn: Ens Entium miſerere mei. Welches ſo viel geſaget / der Schoͤpffer aller Dinge / der eine Vrſache iſt aller Vrſachen / ein Weſen ohn beginnen / ein Anfang ohn Ende / oder das Alpha das Omega, ſey mir gnaͤdig. Die Tuͤrcken glauben auch daß ein einiger ewiger Gott ſey / der Himmel vnd Erden / Laub vnd Graß / Menſchen vnd Viehe erſchaffen / die - ſelbe auch erhalte / daß nach dieſem Leben ein newes vnd ſeeliges Leben ſey / darinn das gute reichlich belohnet / das boͤſe aber ſcharff geſtraffet werde. (vid. Gabriel. Sio - nit. De Urb. & morib. Oriental. cap. 14.
Hierem. Drexel. Ieſuit. de Tribunal. Chriſti lib. 1. C. 2. per tot. ubi ex Plato - ne & aliis Gentilium ſcriptis hoc multis oſtendit.)
Halicarnaſſeus ein Heyde behauptet die Vnſterbligkeit der Seelen vnd die Belohnunge deß Guten in jenem Leben / dahero: wann das Weſen der Seelen gleich mit dem Leibe vergienge / koͤnte man ja die Tapffere Tugendhaffte frommer Leuthe nicht ſeelig preyſen / die auff dieſer Welt keine Belohnunge Jhrer Tugend erlanget vnd der Tugend halber vmbkommen. Schleuſt derowegen daß noch ein ander Leben ſeyn muͤſſe / da das Gute belohnet werde. lib. 8. (Si corrupto corpore, ſimul etiam animæ Subſtantia quæcumq́ue tandem ea eſt, interiret, haud videoquomo -9Von dem Geiſtlichen Stande. quomodo beatos credere debeam, qui nullo ex virtute fructu percepto, etiam propter eam pereunt. Quod ſi immortales ſunt noſtræ animæ, ut quidam exiſti - mant, aut poſt relictum corpus aliquanto durant tempore bonorum virorum lon - giſſimo, malorum contra perbrevi, non contemnendum præmium virtutis ſtudio - ſos ſequitur, etiamſi fortuna uſi ſunt parum propitia, videlicet benè audir eà viven - tibus, & frui diuturna ſui memoria d. lib. Et Iuvenal. Poeta ſi rectè mensini ſpiran - teſque crocos & in urna perpetuum ver, pollicetur beatis.)
Seynd demnach drey Buͤcher darauß Gott zu erkennen / als 1. das Buch der Natur / davon S. Paulus an gemeldetem Ort redet / in dict. Epiſt. ad Rom. cap. 1. v. 20. Sapient. c. 13. v. 1. & ſeqq. Syracid. cap. 43. per tot. da er ſolches weitleufftig außfuͤhret / Eſaiæ cap. 40. v. 26. Das ander iſt das Buch der Creatur oder deß Ge - ſchoͤpffs Gottes / davon auch Paulus redet. Dahero David recht ſaget Pſalm. 19. die Himmel erzehlen die Ehre GOttes / vnd die Veſte verkuͤndigen ſeiner Haͤnde Wercke.
Das dritte Buch iſt Scripturæ, oder das Buch der heiligen Goͤttlichen Schrifft welches vns die rechte Wiſſenſchafft von Gott / vnd allein den Weg zur Seeligkeit durch Chriſtum zeiget 2. ad Timoth. cap. 3. v. 15. & ſeqq. Ein Liecht in der Finſternus / vnd ein Leuchte vnſern Füſſen auff vnſern Wegen Pſalm. 119. 2. Petr. 1. v. 19. darvon vnten Axiomate XX. ein mehrers angefuͤhret.
Jſt derowegen auß den beyden erſten Buͤchern nemblich der Natur vnnd Creatur allen Menſchen ſo viel offenbahret vnd ins Hertz gleichſamb geſchrieben / daß ein GOtt ſey / aber die Lehr von Chriſto / ſeiner Perſon vnd Mitler Ampt / vnd daß er der Welt Heyland vnd vnſere Gerechtigkeit iſt / kan allein auß dem Buch der H. Schrifft / wor durch das Geheimnuß offenbahret / das von der Welt hero verborgen geweſen iſt Rom. 16. v. 25. & 26. erlernet vnd erkand werden.
ES iſt zwar die Religion eine Verwandnuß vnd Pflicht eines jeden Men - ſchen gegen Gott als den Schoͤpffer vnd Erhalter aller Dinge. (Religio eſt jus hominis cujusvis erga Deum, per naturam omnium cordibus quaſi in - ſcriptum l. 1. in fin. & l. 2. ff. de juſt. & jur. adde Rom. cap. 1. v. 19. & ſeqq.)
Vnd dahero ein Bonum Commune aller Menſchen / in allen Staͤnden / de - ren ewiges Gut concernirend vnd betreffend / derowegen vnſer Axioma alſo ge - ſetzet / daß der Geiſtliche Stand vornehmlich damit occupiret ſey / dann ſonſt allenBMenſchen10Das erſte Buch /Menſchen / vnd einem jeglichen zuſtehet vnd oblieget / ſeinem Gott zu dienen / ſo ſeind aber doch nicht allein in der Kirche Gottes / ſondern auch bey den Heydniſchen Voͤlckern gewiſſe Perſonen / Orden / vnd Collegia geſtifftet / welche den oͤffentlichen Gottesdienſt als Prieſter vnd Lehrer verrichtet / alſo waren bey den Roͤmern die Pontificcs, Flamines, Augures, Aruſpices, Veſtales &c. vid. Halicarnaſs. lib. 1. & 2. Rittershuſ. in Nov. p. 1. c. 1. n. 3 Liv. l. 1.
Als Gott der Herꝛ durch Moſen vnd Aaron die Juͤdiſche Policey / Kirchen vnd Regiment beſtellete / ward der Stamm Levi zum Gottesdienſt / vnd auß dem - ſelben Aaron vnd ſeine Soͤhne / zu dem Hohenprieſter Ampt erwehlet vnd ſonder - lich eingeweihet Exod. 28. & 29. Num. 18. v. 20. & ſeqq. Deut. cap. 18. v. 1. & ſeqq. Levit. c. 8.
Nach der Lehr deß Propheten Malachiæ Cap. 2. v. 2. deß Prieſters Lippen ſollen die Lehre bewahren / daß man auß ſeinem Munde das Geſetz ſuche / dann er iſt ein Engel deß Herꝛn Zebaoth. Das Geſetz / ſpricht der Prophet Ezechiel / muß man bey den Prieſtern / vnd den Raht bey den Alten ſuchen. Ezech. Cap. 7. v. 26. junct. cap. 22. v. 26.
Die Tuͤrcken halten auch den Geiſtlichen Stand fuͤr einen abſonderlichen / vnd darin das Haupt deſſelben / welche ſie Muffti oder Mophti nennen / ſehr hoch / derſelbe hat die Inſpection vber jhren vermeinten Gottesdienſt / nach beſage deß Tuͤrckiſchen Alcorans, vnd jhres groſſen Propheten deß Mahomets Satzungen / iſt daneben bey dem Tuͤrckiſchen Kayſer in groſſem Anſehen / wird zu allen Rath - ſchlaͤgen vnd wichtigen Sachen gezogen / vnd muß darauff achtnehmen / daß nichts im Raht vorgehe / wieder Mahomets Geſetze vnd jhre Religion / hat allezeit / ſo offt jhme beliebet / einen freyen offenen Zutritt zum Tuͤrckiſchen Kayſer / vñ weil er pro M[a]hometis vicario gehalten wird / vnd deſſen Perſon repræſentiret / beweiſet jhme der Tuͤrckiſche Kayſer groſſe Ehre / vnd wann er zu jhme kompt / ſtehet er von ſeinem Thron auff / leget die Hand vff die Bruſt / buͤcket ſich mit dem Haupt zur Erden / vnd veneriret jhn / welches er ſonſt keinem Menſchen thut. Dieſer hat ſeine gewiſſe Zu-vnd Nach geordnete / die haben verſchiedene gradus vnd Verrichtungen / haben auch jhre gewiſſe Ordens-Leuthe vnd Muͤnche / die ſich gleichſamb der Welt abge - than / vnd allein jhre Sacra tractiren, darunder Bettel-vnd andere Orden ſeynd. (Iohan. Cotovic. in Itinerar. Hieroſolym. & Syriac. cap. 7. Auger. Busbequ. Le - gationis Turcicæ Epiſt. 4. ubi de ſingulari impoſtura alicujus Monach. Turc. hiſto - riam facetam quam ipſe vidit, refert.)
Die Perſer haben jhre Prieſter Magos genennet / vnd ſeynd bey denſelben auch in groſſem Anſehen geweſen / wie bey den Hiſtoricis, vnd ſonderlich Ammian. Marcellin. lib. 23. zuſehen.
WO keine Religion iſt / da iſt auch keine Gottesfurcht / kein Gewiſſen / kein diſcrimen turpium & honeſtorum, oder vnterſcheid der Laſter vnnd Tu - genden / ſondern lebet man wie das vnvernuͤnfftige Viehe / da iſt auch keine beſtendige Policey oder Regiment. (Religio & Timor Dei ſolus eſt, qui cuſtodit hominum inter ſe ſocietatem, in quit Lactant. lib. de Ira c. 12. Adam. Contzen. lib. 10. Politic. c. 20. §. 7. Nec unquam aut uſquam Reſp. ſtetit, ſine ſpecie aliqua Religionis Iuſt. Lipſ. in lib. adverſ. Dialogiſt. in cap. 2. lib. 4. polit. ubi addit ex Plutarch. Orbem citi us ſine ſole, quam Rempubl. ſine opinione de Diis, aut conſtitui, aut conſtitutam ſervari poſſe. Eam enim eſſe velut vinculum ſive coagu - lum omnis ſocietatis, & juſtitiæ firmamentum. Conf. Scriban. in politia Chriſtia - na lib. 2. c. 19. Religionis & Politicæ gubernationis magnam eſſe affinitatem, alia e - nim aliam trahit ſcricit Adam. Contz. Politic. lib. 9. c. 10. §. 7. in Legum Conſti u - tione primum eſt & maximum de Diis Opinio, inquit Plutarch. Fulcrum Legum. Plat.) Welches Romulus deß Roͤmiſchen Reiches Vhrheber vnd ſonderlich ſeine Succeſſores Numa Pompilius, Tullus Hoſtilius vnnd andere wol war genommen / vnd vor allen Dingen dahin getrachtet / daß das Volck zu einer Religion vñ Furcht der Goͤtter angewieſen / auch zu ſolchem Gottesdienſte gewiſſe Ceremonien, Feſte / vnd andere Solennitaͤten verordnet / vnd ſteiff daruͤber gehalten. Worbey aber zu mercken / daß in dieſem Axiomate die Religion nicht eben von dem wahren Got - tesdienſt / ſo allein in dem ohnfehlbahrn Wort Gottes gegruͤndet / ſondern vor die von Natur in der Menſchen Hertzen eingepflantzete allgemeine Wiſſenſchafft Gottes / vnd dahero ruͤhrende ven eration vnd Furcht deſſelben / wie auch deß vnter - ſchieds deß boͤſen vnd guten / deſſen was ehrbar vnnd vnehrbar / der Laſter vnd Tugend / vnd daß jenes zuſtraffen / dieſes zu belohnen ſey / zuverſtehen (Singulorum animis dictorum ac factorum conſcientiam inſcripſit generis humani auctor, ele - ganter dixit Henſi. de Laud. Aſin. in fin. Dicta autem Conſcientia, quaſi cordis ſcientia. ) wie Keckerman. in ſeinen præcognitis Politicis vnd ander mehr diſtin - guiren. (Etiam vana Religio frænum hominum animis iniicit Lipſ. d. loc. imo ſu - perſtitio plerumq́ue fortius mentem invadit, quam vera Religio. Illa autem nihil aliud eſt, quam humanarum mentium ludibrium. Lipſ. in Exemp. Politic. lib. 1. 1. 3. ubi plura de ſuperſtitione ejuſq́ue operatione, effectu & exemplis. Non maleB 2Cicero12Das erſte Buch /Cicero: Pietate adverſus Deos ſublatâ, fides etiam & ſocietas humani generis, & una excellentiſſima virtus, iuſtitia tollatur neceſſe eſt. Hinc Annibal Scot. in Com - ment. ad Tacit. lib. 1. fol. 86. Tria inquit ſunt vincula, quæ hominem à malefacien - do detertent: Religio, Pudor & Pœna: hoc ultimum quod à Legibus imponitur, infirmius eſt ceteris duobus. Religionẽ humanæ Societatis fundamentum & Magi - ſtratus Propugnaculum Plat. 4. de Republ. Cic. 1. de Nat. Deor. ſcripſit, adeoque Religionem ſolam rarò mutavêre Civitates & Reſpub. ſed quoties mota eſt ſacra hæc Anchora, toties fluctuavit Reipublicæ Navis. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 72.) Dahin dann auch S. Paulus zielet in der Epiſt. an die Roͤmer im 1. vnd andern Cap. daß die Heyden wiſſen daß ein Gott ſey auß dem Geſchoͤpffe vñ Wer - cken Gottes / vnd ſie deßwegen keine Entſchuldigung haͤtten / daß ſie denſelben nicht geprieſen als einen Gott.
Jtem / das Geſetz ſey geſchrieben in der Heyden Hertz / vnd ſie durch jhr Gewiſ - ſen vberzeuget.
Dem Juͤdiſchen Volck vnd deſſen Regenten hat GOtt das Geſetz Buch / darin die Religion vnd Policey enthalten / hoch vnd ernſtlich zu halten / anbefoh - len / vnd ſo lang Gluͤck / Segen vnd Heil verſprochen / ſo lange ſie darüber feſt vnnd vnbeweglich halten wuͤrden Joſ. 1. Cap. Pſalm. 2. Sap. 6. dahin gehet deß Koͤnigs David Anweiſung / wann er ſpricht: So laſſet euch nun weiſen jhr Koͤnige vnd laſ - ſet euch zuͤchtigen jhr Richter auff Erden / dienet dem Herꝛn mit Furcht / vnd frewet euch mit zittern / kuͤſſet den Sohn / ꝛc. Pſalm. 2. Worauß dann der Weltlichen ho - hen Obrigkeit Recht vnnd Gefuͤgnuß in Religionsſachen / wieder die jenige die es deroſelben gantz entziehen wollen / genugſamb zubehaupten vnd es der gemei - nen Schlußrede nach billich heiſt: Cujus eſt Regio illius etiam eſt Religio, h. e. Di - ſpoſitio de Religione, ejus Cuſtodia, Inſpectio & Reformatio. Das iſt wer ein Herꝛ vnd Regent iſt vber Lande vnd Leuthe / der hat auch die Diſpoſition vnnd An - ordnunge vber die Religion / deren Bewahr-vnd Enderunge / Auffſicht vnd Hand - hab / welche dann auch vermoͤge deß in Anno 1555. auffgerichten Religion-Frie - dens / der Territorial Superioritaͤt vnd Landes Fuͤrſtl. oder hohen Obrig - keit / anhaͤngig vnd davon in ſo weit jhre Depen - dentz hat.
REligio vnd Ratio ſtatus fangen beyde vom R. an / vnd ſtecket in dieſen beyden das groͤſſeſte arcanum Reip. ſonderlich wann ein newes Reich vnd Regiment ſtabiliret werden ſoll. (Hac ſpecie Nimrod quoq́u texit conſilia, ut haberetur pius, clemens, Reipubl. utilis & Eceleſiæ neceſſarius, ideo non ſimpliciter dictus robu - ſtus venator, ſed coram Deo, h. e. habitus eſt pro religioſo ſive ſacerdote, qui una cum Politia Eccleſiam conſtitueret, ut not. Luther. in Comment. ad Cap. 10. Gen. Romulus ut libitum Romanis imperitavit: Dein Numa Relligionibus & Divi - no jure Populum devinxit. Tacit. lib. 3. annal. Religionis patrocinium & tutela Legum, vera Regnorum firmamenta. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 1.)
Als Jerobeam die zehen Staͤmme / nach Salomonis Todt von dem Koͤnigl. Hauſe David an ſich gezogen / vnd die Verſicherung ſeines ſtatus erwogen / hat er ſich in der Meynunge befunden / wann dieſe zu jhme getrettene Staͤmme / Jaͤhr - lich / vermoͤg Gottes Verordnung nach Jeruſalem zum oͤffentlichẽ Gottesdienſt vñ Opffer ſich verfuͤgen vnd einſtellen wuͤrden / koͤnte leichtlich geſchehen / daß ſie ſich zu jhrem angebohrnen Herꝛn vnd Koͤnig / Rehabeam wendeten / hielte er mit etzlichen ſeiner guten Confidenten Raht / ſuchet einen andern Prætext ſolche Reiſen nach Jeruſalem zu hindern hervor / gleichſamb waͤre es dem Volck zuviel / vnd zu weit nach Jeruſalem zu ziehen / erinnerte ſich deß Kaͤlber tantzes / welchen Aaron auff der Kinder Jſrael Anhalten in Abweſenheit Moſis in der Wuͤſten angeſtellet Exod. 32. v. 8. ließ auch 2. guͤldene Kaͤlber machen das Volck dadurch von dem Gottes - dienſte im Tempel zu Jeruſalem abzufuͤhren vnd ſprach / Siehe da ſeind deine Goͤt - ter Jſrael r. Reg c. 12. v. 26. & ſeqq. der Text lautet alſo: Jerobeam aber gedachte in ſeinem Hertzen / das Koͤnigreich wird nun wieder zum Hauſe David fallen / ſo diß Volck ſoll hinauff gehen Opffer zu thun in deß Herꝛn Hauſe zu Jeruſalem / vnd wird ſich das Hertz deß Volcks wenden zu jhrem Herꝛn Rehabeam / dem Koͤ - nig Juda vnd wird mich erwuͤrgen / vnd wider zu Rehabeam dem Koͤnig Juda fallen / vnd der Koͤnig hielte einen Raht / vnd machte zwey guͤldene Kaͤlber / vnd ſprach zu jhnen / es iſt euch zu viel hinauff gen Jeruſalem zu gehen / ſihe da ſeind deine Goͤtter Jſrael die dich auß Egypten gefuͤhret haben / vnd ſetzte eines zu Bethel /B iijvnd14Das erſte Buch /vnd das ander thaͤt er gen Dan / vnd das gerieth Jſrael zur Suͤnde: Dann das Volck gieng hin / fuͤr dem einen biß gen Dan.
Daß aber Jerobeam eben den Ort Bethel zu Anrichtunge deß newen Got - tesdienſtes erwehlet / darzu hat jhm auch Ratio ſtatus ein ſtattlich Fundament an die Hand gegeben / in deme er gedacht / die Kinder Jſrael moͤchten darvor halten / Gott haͤtte den Tempel zu Jeruſalem zu ſeiner Heiligen Wohnunge an ſtatt der Stiffts-Huͤtte gewidmet / da hat er zu wohnen / ſeinen Herd vnd Fewrſtette zuha - ben verſprochen / da iſt die Bundslade / ꝛc. darumb moͤchte das Volck davon nicht wol zu bringen ſeyn / man erwehlete dann einen ſolchen Orth / der nicht weniger von den Ertzvaͤttern heilig geprieſen waͤre / derowegen dieſen liſtigen Anſchlag erfunden / daß er Bethel erwehlen wolte. (Doli non doli ſunt, niſi aſtu colas, inquit Plaut. in Captiv. Act. 2. Scen. 1. Doli aſtu tractantur, artificio cœlantur Adam. Contz. de ſtat. aulic. cap. 29. §. 1. Imò noyum regnum capeſſentibus & affectantibus, Religio obtentui habetur, eaque pro temporis opportunitate, ſumitur juxta ac deponitur. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 9.) Dann Bethel war der Ort / da Jacob im Traum die Himmelsleiter / daran die Engel Gottes auff vnd nieder geſtiegen ſa - he / vnd da jhme der Herꝛ erſchienen war / daß Jacob in dieſen Worten herfuͤr bricht. Wie heilig iſt dieſe Staͤtte? hie iſt nichts anders den Gottes Hauß vnd hie iſt die Pfort deß Himmels Gen. 28. Dadurch hat er das Volck ſo viel do ehe von Jeru - ſalem abwenden koͤnnen / daß Bethel das alte Gottes Hauß die Pforte deß Him - mels / da die Leiter / daran die Engel Gottes auff vnd nieder ſtiegen / ſtunde.
Welches Gott den Nachkommen ſtarck verweiſſet / bey dem Propheten Ho - ſea Cap. 12. v. 4. bey Bethel hatte Abraham ſeine Huͤtte geſchlagen / da hatte er ein Altar gebawet / da hat er geprediget den Namen deß Herren 1. Moſ. Cap. 13. von Bethel ſagt der Herꝛ ſelbſt Jch bin der GOtt zu Bethel / da mir Jacob den Stein geſalbet vnd ein Geluͤbd gethan 1. Moſ. Cap. 31. v. 13. darumb auch Jacob allda ei - nen Altar gebawet / vnd die Staͤtte geheiſſen El Bethel / das iſt Gott zu Bẽthel / wie es D. Luther auß dem Hebreiſchen deutet / daß Jhme daſelbſten Gott offenbah - ret war / 1. Moſ. 35 v. 7. koͤnte vnd muͤſte alſo nicht anders ſeyn / Bethel muͤſte pro Ratione ſtatus, heiliger / GOtt angenehmer vnd zum Gottesdienſt bequemer ſeyn / als Jeruſalem. So ſchoͤn weiß Ratio ſtatus den Potentaten vnd Groſſen / Abgott / jhre Abgoͤtterey auß der Schrifft vnd Vernunfft zuſchmuͤcken. (Confer. Luther. in Commentar. in Geneſ. cap. 18. fol. mihi 395. Etidem ad cap. 12. fol. 147. Ex Pro - phetis patet inquit hanc occaſionem arripuiſſe idololatras, ut in Bethel templum & altare erigerent. Fuit enim auguſtum nomen Bethel, quia ſignificat Domum Dei, itaq́ue idololatræ opportunum judicabant cultibus Divinis, ſicut Ierobeam ibi vi - tulorum cultum erigit.)
Damit auch Jerobeam dieſen zu Befeſtigunge ſeines newen Reiches ange - ſtelten Gottesdienſt do beſſer behaupten vnnd denſelben in gang bringen moͤchte /machete15Von dem Geiſtlichen Stande. machete er jhme die Rechnunge / es waͤre nicht genug den Gottesdienſt zu endern / ſondern es muͤſte auch das miniſterium vnd die Prieſter geaͤndert werden / ſchaffte per eandem ſtatus rationem die Prieſter vom Stamm Levi abe / vertrieb ſie vnd machte Prieſter vom geringſten im Volcke / die nicht von den Kindern Levi waren / (Quando ordo alicujus Dignitatis contemni debet, tunc viles in eum aſſumendi Homines, & de plebe, & quidem numero plures. Vileſcunt enim honores & no - mina multitudine & ignobilitate Candidatorum, ceu in ſimili notavit Forſner. in Not. Polit. ad Cornel. Tacit. lib. 2. pag. mihi 156.) ſtellete eigene Feſte an / bawete Hoͤhen / ließ opffern auff den Altarn den Kaͤlbern vnd Feld Teuffeln d. c. 12. 2. Chron. 11. v. 14. & c. 13. v. 9. ward alſo die Superſtitio oder Aberglaube propter ſta - tus rationem, pro Religione an ſtatt deß waren Gottesdienſt eingeſühret / vnd mu - ſte die Religio der boß hafften Begierde vnd Regierſucht / famuliren vnd dienen. (Nil aliud promptius ad imperia diſcutienda, quam ubi pietas & Deus, magna No - mina, præfiguntur impiæ ambitioni. Religio ſanctus Titulus praværei: ſub hujus Aquilis, ſcœleſtiſſima quæque cœleſtis zeli & valoris laude contigit celebrari & graſſari. Frideric. de Marſelaer de Legat. lib. 2. cap. 21. Uſque adeò Religione abu - tuntur ij, quibus ſua demum Utilitas Deus eſt. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 3.)
Mahomet der Vhrheber vnd Anfaͤnger deß Tuͤrckiſchen Regiments vñ Ma - hometiſchen Religion / ein frecher vermeſſener Menſch auß Arabia buͤrtig / von ge - ringer vnd ſchlechter Ankunfft / als er vermeſſentlich nach dem Regiment trachtete / nahm er ſich ſonderbarer Heiligkeit an / gabe vor er waͤre ein Prophet von Gott ge - ſand / einen ſonderbahren newen Gottesdienſt in der Welt anzurichten / vnd weiln er von den Juden vnd Chriſten ziemliche Wiſſenſchafft der Religion vnd geiſtli - chen Sachen erlanget / auch ſonſten liſtigen vnd verſchlagenen Gemuͤths geweſen / vnd vorgegeben / daß jhme Gott den Engel Gabriel pro informatore zu geordnet / auff deſſen Eingeben er alles thaͤte / auch ſolche Geſetze gegeben / die dem gemeinen Manne nicht vnannehmlich geweſen / hat er Religionis prætextu, dardurch das Regiment in Orient, anfangs mit Liſt / hernach mit Gewalt an ſich gezogen / vnd vff ſeine Nachkommen gebracht / welche alſo Aſiam vnd faſt gantz Africam / vnd ei - nen guten Theil Europæ beherꝛſchen. Johan. Cotovic. Ultrajectin. in itinera - rio Hieroſolym. & Syriac. (Religionem & libertatem ſemper obtenduunt nova regna occupantes, notat Scriban. in Politic. Chriſt. lib. 2. cap. 19. Hinc illud:
Primordia Regni Mahometis fuerunt humilia, ſucceſſus feliciſſimi. Tres autemfuerunt16Das erſte Buch /fuerunt & adhuc ſunt præcipui nervi illius Regni Mahometici: Doctrina Legis Naturæ, ex judaiſmo & Chriſtianiſmo conflata: Ceremoniæ plauſibiles, & Diſci - plina militaris ſeveriſſima. De qua etiam quam refert Busbcqu. ocularis teſtis rer. Turc. epiſt. 4. pag. mihi 250. 256. & ſeq. Hug. Groti. de veritat. Relig. Chriſtian. lib. 6. ſcribit quod hæc Religio ad fundendum ſanguinem facta, multum gaudeat ritibus, credique ſibi vult, nulla inquirendi libertate, unde & librorum quos ſanctos habent, lectio publicè interdicta quod ipſum ſtatim manifeſtum indicium eſt ini - quitatis. Merito enim ſuſpecta merx eſt, quæ hac lege obtruditur, ne inſpici poſſit.
Edoar. Brerevvod. Anglus in Scrutin. Religion. cap. 3. p. in. 32. ſequentes ad - fert rationes aucti Mahumemiſmi 1. Tot proſperas victorias, dum victi ſemper Victoris Religionem ſequi coacti ſint. 2. Quod omnis de Religione diſputatio ſub pœna Capitis inhibita. 3. Suppreſſio ſtudiorum Philoſophiæ, per quam maxi - ma potiorum ſuperſtitionum Mahumedanæ pars detegi potuiſſet. 4. Carnalibus voluptatibus fruendi & plures uxores ducendi licentia, cui ſimilium oblectatio - num in Paradyſo futuræ vitæ promiſſa accedunt.
Als nach Abſterben deß glorwuͤrdigen Koͤnigs Stephani in Polen die Reichs-Staͤnde auff einem Reichstage zuſammen waren / hat ſich der damahliger Tartar Cham auch dabey angemeldet / ſeine Macht vnd Gewalt / vnd wie er mit ſo groſſer Menge Volckes dem Koͤnigreich Polen zu huͤlffe kommen koͤnte / vnd wie er daneben ſparſam / vnd ſich mit einem ſtuͤcke Pferdefleiſch wol koͤnte erſaͤttigen laſ - ſen / geruͤhmet. So viel aber die Religion an langet / darvon er vernehme / daß man viel diſputirens machete / ſolte jhr der Polen Papſt auch ſein Papſt vnd Luther auch ſein Luther ſeyn / damit anzudeuten / wann er nur die Polniſche Crone bekaͤme / wol - te er ſein Religion vnd Gottesdienſt gern zuruck in der Tartarey laſſen / vnnd mit den Paͤpſtiſchen Polen gut Paͤpſtiſch / mit Lutheriſchen gut Lutheriſch ſeyn. Iuſt. Lipſ. in Exempl: Politic. lib. 2. c. 5. in fin. (Ubi de acquirendo firmandoque Impe - rio præſertim novo agitur, non uſque adeo Religionis habendam eſſe Rationem, ex Schola Machiavellica conſtat, vid. Famian. Strad. de Bell. Belg. lib. 2. p. 9.
Alſo ſahen die Hohenprieſter vnnd Eltiſten der Juͤden zu Jeruſalem mehr auff die Rationem vnd Conſervationem jhres ſtatus, als auff die Religion vnd Warheit;
Dann als der Herꝛ Chriſtus / durch viel vnd groſſe miracula vnd Wunder - wercke ſich herꝛlich erzeigete / ſonderlich wie er den im Grabe gelegenen vnd albereit ſtinckend wordenen Lazarum von den Todten erwecket / vnnd groſſen beyfall deß Volckes bekame / verſambleten die Hohenprieſter geſchwinde einen Raht / brachten diß Thema vnd Frage vor: Was thun wir? dieſer Menſch thut viel Zeichen. Laſſen wir jhn alſo / ſo werden ſie alle an jhn glauben / ſo kommen dann die Roͤmer vnd neh - men vns Lande vnd Leuthe / derowegen dann Caiphas per rationem ſtatus ſein vo - tum ohne Weitleufftigkeit dahin rund eroͤffnete / es waͤre jhnen beſſer ein Menſchſtuͤrbe17Von dem Geiſtlichen Stande. ſtürbe vor das Volck / dann daß das gantze Volck verduͤrbe. Joh. 11. v. 48. & ſeqq (Quò pertinet illud Epicteti: Ubi utilitas, ibi etiam eſt pietas. in Enchirid. c. 38.
Da muſte die Warheit vnd Gerechtigkeit Rationi Status weichen / vnnd der vnſchuldige Chriſtus leiden / vnd iſt hierauß gnugſamb zu ſehen / daß die hohen Prie - ſter vnd Schrifftgelehrten in jhrem Hertzen vnnd Gewiſſen gnugſamb vberzeuget waren / daß Chriſtus Gottes Sohn / der wahre Meſſias vñ Heyland der Welt war / weil kein Menſch ſolche Zeichen vnd Wunder thun koͤnte / die er in Erweckung deß Lazari vnd ſonſten gethan / dannoch præponderirte bey jhnen die ratio ſtatus (Eraf - mus Roterod. in præfat. ad Lector. ante Paraphras. in Evang. Matth. inquit: Quam enim aliam ob cauſam tam gravis erat Phariſæis & Scribis Chriſtus, cujus doctrinâ nihil erat æquius, cujus, vitâ nihil innocentius, cujus poteſtate nihil beneficenti - us? Nimirum jam illi regnum quoddam poſſidebant. Honorabantur ut docti, adorabantur ut ſancti, ditabantur affatim, cupiebant eum STATUM eſſe perpe - tuum. qui tamen erat ſceleratiſſimus. Et ideo non ferebant lucem Evangelicæ veri - tatis, per quã videbant auctoritatis ſuæ ſcenam diſcutiendam. ) darin ſie gleich gewe - ſen dem Demadi Athenienſi, welcher / wie die Athenienſer dem Alexandro Magno in ſeiner hoͤchſten Gluͤckſeligkeit / divinos honores oder Goͤttliche Ehre zu erweiſen gar zu viel difficultaͤten macheten / vnd ſich zu ſehr vmb die Religion bekuͤmmerten / er zu den Athenienſern geſaget vnd ſie gewarnet / videte, ne dum cœlum cuſtoditis, terram amittatis: Habt acht daß in deme jhr gar zuviel deß Himmels oder der Reli - gion vnd Gottendienſtes warnehmet / die Erde / das iſt Lande / Leuthe / vnnd ewere zeitliche Wolfahrt daruͤber nicht verſchertzet. Valer. Max. lib. 7. c. 2.
Dergleichen Exempla ſeyn vnzehlig viel vorhanden / gehen auch noch wol taͤg - lich vor / daß viel deß Zeitlichen halben / jhre Religion verendern / vnd dem Mandel nach dem Winde hengen.
Sie haben aber jhr Vrtheil ſchon / welches heiſſet / wer mich verleugnet fuͤr den Menſchen / den will ich wieder verleugnen vor meinem himm - liſchen Vatter. Matth. c. 10. v. 33.
DEſſen haben wir ein mercklich Exempel in Herode dem Kindermoͤrder. Dann als die Weiſen auß Morgenlande dem wunderbahren Stern / der jhnen als ein ohn fehlbar Zeichen deß newgebornen Koͤnigs vnd Heylan - des aller Welt erſchienen vnd den Weg gezeiget hatte / zu Jeruſalem die groſſen Thaten Gottes verkuͤndiget / vnd nach dieſem Wunderkinde vnd Heylan - de geforſchet / iſt Herodes daruͤber erſchrocken / hat von der Schrifftgelehrten Be - richt erfordert / an welchem Orth nemblich der verſprochene Koͤnig der Juden ſolte gebohren werden / vnd als ſie jhm den Orth Bethlehem genant / auch die Weiſen auß Morgenland vor ſich beſchieden / vnd mit Fleiß von jhnen erlernet / wann der Stern erſchienen waͤre / vnd ſie darauff nach Bethlehem gewieſen vnnd ermahnet fleiſſig nach dem Kindlein zu forſchen / vnd wann ſie es funden jhme wieder zu ſa - gen / damit er auch hin kaͤme vnd das Kindelein anbetete. Matth. c. 2. v. 1. & ſeqq. (Herodes quamvis unicè hoc ageret, ut in recens natũ Chriſtum ſæviret, & propter ſtatus ſui rationem eum è medio tolleret, veritus ne ſibi regnum eriperet, tamen impię crudelita ipietatis ſpeciem prætexuit, injungens Magis, ut ſibi renuncient de recens nato puero, quo & ipſe veniens, adoret eum. Matth. c. 2. v. 8. Eraſm. in Para - phras; fol. 11. & vid. fol. 12. lin. 10. Fruſtrà verò nititur aſtutia humana contra con - ſilia divina fol. 13. circ. fin. Vid. etiam Drexel. de Rect. intent. lib. 1. cap. 11. ubi de uno ſermone adorandi re cens natum Jeſum, diverſiſſima tamen intentione Magorum & Herodis eleganter diſſerit. Quo pertinet, quod in hymno cani -mus:19Von dem Geiſtlichen Stande. mus: Quid times Hoſtis impie. Non eripit terreſtria Qui regna dat Cœleſtia.
Dieſer Bluthund wie er die Geburt dieſes Kindes gehoͤret / iſt er deſſen nicht erfrewet / wie die Weiſen auß Morgenlande / ſondern nach der Tyrannen Art / de - nen alles verdaͤchtig iſt von Hersen erſchrocken / vnnd ſo bald gedacht / ſolte dieſer newgebohrner Koͤnig der Juͤden / darauff jhre Vaͤtter vnd ſie ſo lange vertroͤſtet vnd gehoffet / auff - vnd zu Jahren / ſiehe ſo wirſt du vnd deine Poſteritaͤt vmb das Koͤnigreich kommen / machet bey ſich gleich den Blutrahtſchluß / ſo bald er nur von den Weiſen in jhrer Ruckreiſe die Gewißheit erlangete / wo vnd welches das Kind - lein waͤre / denſelben per ſtatus rationem hinzurichten / vnnd dardurch ſich ſeines Staats zuverſichern. Er hat aber als ein geſchwinder liſtiger Fuchs / ſolche ſeine blutige diſſein vnd Vorhaben den Weiſen nicht entdecket / ſondern damit ſie gewiſ - ſe wieder kaͤmen / ſeiner heilloſen crudelitaͤt vnd Tyranney / einen Schein der Gott - ſeligkeit vorgewand / nemblich daß er hinkaͤme vnd auch gleich wie ſie vorhabens waren / das Kindelein anbetete. Da hat es wol geheiſſen / wie wir in vnſern Kir - chen zu ſingen pflegen.
Aber es wieß ſich hernacher auß / wie er die vnſchuldigen Kindlein vnd Knaͤb - lein / ſo vnter zwey Jahren waren / alle zu Bethlehem hinrichten vnd erwuͤrgen lieſ - ſe / deren wie etzliche Theologi darvor halten 14000. geweſen. Drexel. allegat. ſupr. ad marg. loco. wie gut ers gemeinet / wiewol vmb ſonſt / weil diß Kindlein nach Gottes Verordnung ſchon in Egypten gewichen vnnd beym Leben erhalten ward / alſo kan aller Tyrannen Liſt vnd Geſchwindigkeit / Macht vnd Gewalt / wider Got - tes Raht vnd Verordnung nichts machen. Confer. Eraſm. in paraphraſi ad 2. cap. Evang. Matth.
Wie der Gottloſe Abſolon ſeinem Vatter David nach Scepter vnd Crone trachtete / durch ſeine Adhærenten vñ Kundſchafften hin vnd wider bey den Staͤm - men Jſrael vnterbawet hatte / wann er nach Hebron kaͤme / daß ſie jhn daſelbſten offentlich vor einen Koͤnig ſalutiren vnd publiciren ſolten / wande er auch zum ſchein ſeiner Reiſe nach Hebron die Gottſeligkeit vor / zeigete ſeinem Vatter an / daß er dem Herren ein Geluͤbd gethan / wie er zu Geſur in Syria gewohnet / ſprach denſel - ben vmb Erlaubnuß an / ſein Geluͤbde zu Hebron zuerfüllen vnd den Gottesdienſt zuverrichten / aber dieſes war ein falſcher Prætext, darunter er die Einfaͤltige ſo jh - me nachgefolget verleitet / der rechte Scopus vnd Zweck aber war / daß er ſich zu Hebron zu einem Koͤnig auff werffen vnd publiciren lieſe 2. Samuel. cap. 15.
Deß gleichen hat Davids Sohn Adonia bey Lebzeitten ſeines Vatters wie er wieder ſeinen Willen den Koͤniglichen Thron affectirte, durch Auffruhr ſich ſel - ber zum Koͤnige machen wolte / den Prieſter Abiathar vnnd den Feldhauptman Joab nebẽ andern auff ſeine Seite gebracht / wolte er ſolches ohne Schein offentli -C ijchen20Das erſte Buch /chen Gottes dienſtes nicht fortſetzen / ſtellete zu ſolchem Ende ein offentlich Opffer an / ließ darzu viel Schaffe / Rinder vnd gemaͤſtet Viehe ſchlachten vnd hielt ein groß Pancquet. 1. Reg. c. 1. v. 9.
DAß alle Voͤlck er vnd vernuͤnfftige Menſchen je vnnd allezeit / wie noch davor gehalten / daß ein Gott ſey / (Jerem. cap. 2. v. 11.) vnd daß derſelbe vmb Verleyhung deß guten vnd Abwendung deß boͤſen anzuruffen / zu veneriren vnd zu ehren ſey / iſt oben allbereit angezeiget / dahero dann auch ohnfehlbahr vnd gewiß / daß bey allen Voͤlckern / auch den Vnglaͤubigen eine opi - nio Religionis, cultus Divinus oder Gottes dienſt / vnd Verehrung / eines / jedoch den Vnglaͤubigen nach ſeinem Weſen vnnd Willen vnbekandten / Gottes ſey. Rom. 1. & 2. cap. Sie haben auch ſolches nicht bloß in opinione behalten / ſondern jhren Eyffer vnd Devotion in der Religion mit euſſerlichen Ceremonien vnd ſon - derlich manch erley Opffern bezeuget / darvon in Weyland Kayſer Carlen deß 5. Anno 1548. den Chur-Fuͤrſten vnd Staͤnden deß Reichs vbergebener Erklaͤrunge wegen der Religion vnter der Rubric. vom Opffer der Meſſe / zu deren mehrer Be - hauptunge vnd Antiquitaͤt / nachfolgenden Jnhalts zufinden: Gleicherweiſe als die Natur die Religion hat eingefuͤhret / ohne welche keine Heyden leben / alſo auch die Ceremonien / ohne welche die Religion nicht kan vollbracht werden. Vnd vn - ter den Ceremonien haben die Heyden zu allerzeit / das Opffer / als das fuͤrnembſte gehalten / in vielen ſtuͤcken dem natuͤrlichen Geſetz gefolget / vnd als die Werckzeu - ge der Verſoͤhnunge behalten / vnd ſeind in deme Gottesdienſte / als Viehe zu Opf - fern / das Feiſt anzuzuͤnden / vnd auff die Kirchen zu gieſſen / für Gott ein Geluͤbd zu thun / vnd zu beten / welches die Natur den Menſchen eingepflantzet / vnd GOtt vom Himmel in aller Menſchen Gemuͤth gemein gemachet hat / beharret / vnd ha - ben alſo Heyden diß in gemein / als waͤre es jhnen in jhr Hertz gehefftet / feſt gehal - ten / daß ſie eiuhelliglich geachtet haben / daß allein Gott gebuͤhre der Dienſt eines euſſerlichen Opffers. N. Dieſe Kayſerl. Erklaͤrung iſt dem Reichs Abſchied de Anno 1548. angehenget / da ſie zufinden. Es hat auch ſolche Meynunge von den Opffern vnd deren Ceremonien ſo viel do mehr bey den Heyden wurtzeln koͤnnen / weil ſie von Noachs Soͤhnen / Cham vnnd Japhet poſteriren, welche jhres Vat -tern21Von dem Geiſtlichen Stande. tern Opffer / ſo er ſonderlich nach verlauffener Suͤndfluth auff deme new erbawten Altar / von allerley reinem Viehe / vnd reinem Gevoͤgel / Gott zu Lob Ehr vñ Preiß verrichtet Geneſ. c. 8. v. 2. geſehen / vnd alſo auff jhre Nachkommen / perpetua tradi - tione gebracht / wie dann auch nicht zu zweiffeln weil Cain ſelber auch geopffert / daß auch ſeine Gottloſe Nachkommen / den Gebrauch zu opffern behalten vnd da - mit bey Gott vnd Menſchen geſehen ſeyn wollen / videatur Auguſtin. de Civit. Dei, lib. 10. c. 6. Ja es iſt vnterweilen die Erkantnuß deß wahren Gottes vnd die wahre Religion mit Aberglauben abgoͤttiſchen Ceremonien vnd Goͤtzendienſt durch ein - ander vermiſchet worden / (vid. Hunn. in tractat. de Eccleſ. Romana &c. c. 7. Va - ler. Maxim. lib. 1. c. 1. 2. 3. & ſeqq. ubi de Deorum cultu, Religione, auſpiciis &c. E - pictetus in Enchirid. cap. 38. Libandum, inquit, & ſacrificandum Diis, & offe - rendæ primitiæ ſunt, unicuiq́ue ritu patrio: caſtè, non luxurioſè, nec indiligenter, nec ſordidè, nec ſupra facultates. ) wie ſolches der in Abweſenheit deß Moſis / vnter der Direction deß Hohenprieſter Aarons angeſtelter Kaͤlbertantz vnd das gegoſſe - ne guͤldene Kalb bezeuget / Exod. c. 32. welches hernacher der Koͤnig Jerobeam reaſſumirte, vnd war nicht zu frieden mit einem / ſonder ließ 2. guͤldene Kaͤlber ma - chen zu Bethel / vnnd ſprach: da ſeind deine Goͤtter Jſrael / die dich auß Egypten gefuͤhret. 1. Reg. c. 12. v. 26. & ſeqq.
Nun iſt wol auſſer zweiffel / daß ſo wol die Kinder Jſrael in der Wüſten ſampt dem Aarone als nachgehends zu Bethel / nicht ſo toll vnnd Wahnſinnig ge - weſen / daß ſie die gegoſſene guͤldene Kaͤlber vor den wahren Gott der Himmel vnd Erden gſchaffen hat / veneriret vnd angebetet / ſondern ſie haben in modo cultus geirret vnd denſelben auff eine ſolche Weiſe / vnnd mit dieſen euſſerlichen Ceremo - nien / die er jhnen doch nicht gebotten / verehren vnd anruffen wollen / vid. Gloſ. O - ſiand. utroq́ue loco. Wann die Kinder Jſrael dem Molech jhre Kinder geopffert / haben ſie ſolches vnter Gottes Namen / Gott damit zu dienen / gethan / gleich wie Abraham da er ſeinen Sohn Jſaac opfferte / welches jhnen Gott nicht gebotten / ſondern auß truckiich verbotten 3. Moſ. c. 18. v. 21. & ibi. Luth. in Not. Jm gleichen meldet die Schrifft / daß die Heyden vnd mit denſelben ohne zweiffel auch die vber - gebliebene Jſraeliten den Herꝛn gefuͤrchtet / vnd doch daneben den Goͤttern gedie - net nach eines jeglichen Volckes Weiſe 2. Reg. c. 17. v. 32. & ſeq. & v. 41. ſtehet / daß die Heyden den Herꝛn gefuͤrchtet vnd auch gedienet den Goͤtzen. Daß ſie bey dem Herꝛn geſchworen / vnd zugleich bey Malchom Zephan. ca. 1. v. 5. wordurch der wah - re Gottesdienſt / bey dieſen kundlich vermiſchet worden / daruͤber Elias eine ſchwere Klage fuͤhret wann er ſpricht zu ſeinem Volcke: Wie lange hincket jhr auff beyden Seiten. Jſt der Herꝛ Gott ſo wandelt jhme nach / iſts aber Baal ſo wandelt jhme nach im 1. B der Cron. cap. 18. v. 21. Es haben auch die Koͤnige Juda denen die Schrifft Zeugnuß giebet / daß ſie gethan haben was dem Herꝛn wolgefiel / wie jhr Vatter David / dannoch den Gottesdienſt nicht allerdings rein behalten / in demeC iijſie die22Das erſte Buch /ſie die Hoͤhen nicht abgethan / wie zu leſen von Aſſa im 1. B. der Koͤnig c. 15. v. 11. & 14. von Joſaphat. c. 22. v. 43. 44. von Joas im 2. B. der Koͤnig. c. 12. Amazia c. 14. vñ ſonſten. Als Micha der Jſraeliter einen Abgoͤttiſchen Leviter bekahm / der jhme ſeinen Goͤtzẽdienſt verrichtete / fuͤllete er jme die Hand / vermeinte er haͤtte nun einẽ gnaͤdi - gen Gott vnd ſprach: Nun weiß ich daß mir der Herꝛ wird wol thun / weil ich einen Leviten zum Prieſter habe / im Buch der Richter cap. 17. da es doch lauter Abgoͤtte - rey vnd Gott mißfaͤlliger Dienſt war. Es haben auch die vernuͤnfftige Heyden erkant / daß ſo wol in dem Regierſtande / als allem Menſchlichen Thun vnnd We - ſen / das gute von Gott / vnd auff die komme / die jhn fuͤrchten / geſtalt dann der Heyd - niſche Koͤnig Cambyſes ſeinen Sohn ermahnet: Dei eſto amicus, in eundem pius, nihilq́ue aggrediaris, niſi Dei Numine implorato, das iſt ſey Gottes Freund / fuͤrch - te denſelben / thu nichts / du habeſt denn zuvor Gott angeruffen. Scriban. in Polit. Chriſtian. lib. 2. c. 19.
Wie nun die Glaubigen den wahren Gott nach ſeinem Weſen vnd Willen / auß ſeinem geoffenbarten Wort erkennen / ehren vnd anruffen / alſo ehren die Vn - glaubigen einen vnbekanten Gott / in den Geſchiechten der Apoſtel cap. 17. v. 23. nach jhrem eigenen Wahn vnd Duͤnckel / aber nicht in Warheit vnnd Gerechtig - keit / wie es Gott haben will Eſai. 48. v. 2. bleiben in der Fuͤnſternuß / wollen Gottes Wort nicht hoͤren vnd annehmen / wiederſtreben demſelben / vnd gehen bloß jhrer Vernunfft nach.
Schließlich hierbey zu mercken / vnnd habens die vernünfftige Heyden auß dem Buch der Natur ſo in jhr Hertz geſchrieben wol wahr genommen / auch auß der Erfahrunge erlernet / daß der von jhnen alſo erkanter / aber doch vnbekanter GOtt / deme ſie vnwiſſent Gottesdienſt gethan / wie S. Paulus bezeuget / in den Geſchich - ten in gemeltem 17. Cap. v. 23. vnd denſelben in den Creaturen / Sonn / Mond / vnd deß Himmels / auch mit Menſchen Haͤnden geſchnitzeten oder gegoſſenen Bildern vnd Goͤtzen jrrig determiniret, geſuchet vnd verehret / wie darvon weitleufftig zu le - ſen im Buch der Weißheit Cap. 13. dannoch fuͤr ein ſolch gerechtes heiliges We - ſen gehalten / ſo die Gottesfurcht / vnd dahero ruͤhrendes diſcrimen turpium & ho - neſtorum genaw in acht nehme die Ehrbarkeit / mit gutem belohne / das Gottloſe ruchloſe Weſen / aber / Vnehrbarkeit / Schande vnd Laſter ernſtlich nicht allein in dieſem Leben / ſondern vnd viel mehr hernacher an der Seelen / durch die Furias in - fernales, pallentes Erebiumbras, in triſti profundo, wie der Virgilius vnd andere darvon reden / abſtraffe / dahero dann auch Lactantius geſchrieben daß die Heyden ſummum hominis officium das iſt jhren Gottesdienſt wie wol nicht in der War - heit / dannoch propoſito oder in Vorſatz gehabt vnd getrieben / deme dann auch in Warheit alſo (Rectè Groti. de jure. Bell. lib. 2. cap. 13. §. 12. ſed & ſi quis per falſos Deos juraverit, obligabitur; quia quam vis ſub falſis notis, generali tamen comple - xione Numen intuetur; ideoque Deus verus ſi peieratum ſit, in ſuam injuriam idfactum23Von dem Geiſtlichen Stande. factum interpretatur. Exemplum eſt in Iacobo & Labane Geneſ. cap. 31. Hine Au - guſtinus: Et qui per lapidem jurat, ſi falſum jurat, periurus eſt. Et deinde: Non te audit lapis loquentem, ſed punit Deus fallentem, citatur in Iur. Canon. in cap. movet, Cauſ. 22. quæſt. 1. Die Heydniſchen Einwohner zu Lyſtra / müſſen in jhrer Heydniſchen Abgoͤttiſchen Religion gar devot vnd eyfferig geweſen ſeyn / dann als S. Paulus einen lahmen Mann in jhrer Gemeinde / durch wenig auß geſprochene Worte curirete vnd wieder auff geſunde Fuͤſſe ſtellete / haben ſich ſich ſehr daruͤber verwundert / vnd geſprochen: Die Goͤtter ſeind den Menſchen gleich worden / vnd zu vns hernieder kommen / vnd nenneten Barnabam Iupiter, vnd Paulum Mercu - rius, die weil er das Wort fuͤhrete / (Eraſmus Roter. in paraphr. ad hoc cap. 14. ſcri - bit. Hæcperſuaſio magis inſederatanimis Lycaonum ob fabulam de Jove & Mer - curio, quum homines eſſe videren tur, à Lycaone excepti hoſpitio, unde Nomen ſortiti videntur Lycaones. Barnabam itaque, qui ſingularem quandam auctoritatẽ præ ſe ferebat, Jovem: Paulum vero Mercurium, quod is eſſet Dux ſermonis, pro - pterea quod gentes crederent, Mercurium eſſe Deorum Nuncium & Eloquentiæ Præſidem. ) er d Prieſter aber Jupiters, der fuͤr jhrer Statt war / brachte Ochſen vnd Kraͤntze fuͤr das Thor vnd wolten opffern / ſampt dem Volcke / deme aber Bar - nabas vnd Paulus hefftig wiederſprochen / jhre Kleider zerriſſen / vnd ſie dem wah - ren Gott der Himmel vnd Erde erſchaffen / vnd das Meer vnd alles was darinnen iſt / nach ſeinem Wort vnd Evangelio zu dienen angewieſen. Jn den Geſchichten der Apoſtel Cap. 14. v. 8. & ſeqq. vnd iſt jhnen gleich wol von den Apoſteln ferner an - gemeldet / ob wol Gott in vergangenen Zeiten / alle Heyden / wandeln laſſen / jhr ei - gene Wege / ſo habe er ſich doch ſelbſt nit vnbezeuget gelaſſen / jhnẽ dz gute / jhre Ehr - barkeit vnd Furcht Gottes / mit zeitlichen Gaben vergolten / viel gutes gethan / vnd vom Himmel Regen vnd fruchtbare Zeiten gegeben / jhre Hertzen erfuͤllet mit frew - den / im gemelten Cap. 14. v. 16. 17. 18. vnd jederman Leber / Odem vnd alles gegeben in folgendem 17. Cap. v. 25. Worbey Gottes guͤte vnd Langmuͤthigkeit zuerſehen / daß er in der Finſternuß der Heyden / das in jhrem Hertzen von Natur angeſtecktes Liecht der Wiſſenſchafft / durch die gute Bezeugung vnd reichen Segen / zeitlicher Guͤter vnd Wolthaten / vermehren / vnd ſie dardurch zu beſſer er vnd wahrer Erkant - nuß reitzen vnd fuͤhren wollen / deſſen S. Paulus auch in der Epiſtel an die Roͤmer gedencket vnd weiter auß fuͤhret / daß die Heyden Gott loben vmb der Barmhertzig - keit willen Cap. 15. v. 9. dahero auch Auguſtinus in der Meynung ſich befunden / daß das Roͤmiſche Reich dannenhero ſo gewaltig zugenommen / vnd vermehret / weil die Roͤmer eyfferiger in jrer wie wol Heyniſcher vñ Abgoͤttiſcher Religion geweſen vid. Grot. de jur. Bell. lib. 2. c. 20. in fin. welches zwar kein ſolcher actus ſpecialis gra - tiæ oder Goͤttlicher ſonderbahrer Gnade iſt / dardurch Gott die auß warer Erkant - nuß vnd Glauben herruͤhrende Gottſelig-Erbarkeit vnd gute Wercke lauter auß Gnaden / (Nil Deus in nobis præter ſua donacoronat. ) auff-vnd annimbt / dieſelbeauch24Das erſte Buch /auch mit herꝛlichen Gaben zeitlicher Gluͤckſeligkeit / ſegnet / ſondern ein Actus der allgemeinen Guͤtigkeit deß Allerhoͤchſten / wie die Theologi reden / damit er auch die jenige Heyden / die Anfangs auß deme in jhr Hertz geſchriebenem Buch der Na - tur / vnd hernacher auß dem Buch der Creatur vnd Goͤttlicher Bezeigunge / erkant daß ein Goͤttlich Weſen vnd daſſelbe zu fuͤrchten vnd zu ehren ſeye / auch darumb man ſich eines ehrbaren Lebens vnd Wandels zubefleiſſen / vnd alſo Wercke deß Geſetzes auß Antrieb der Natur gethan / mit zeitlichen Guͤtern vergolten / dahin zie - let auch Eraſmus Roterodamus in ſeinem paraphraſi vber gemeltes Capitel der Apoſtel Geſchichte / wie es ſeine hernachgeſetzte formalia geben. (Quanquam Gentiles à vero Deo per errorem alieni eſſent, varia rerum ſimulachra pro Deo, aut res conditas pro conditore colentes, tamen non ſtatim in illos exeruit juſtam ultionem, nec deſtitit illos, perpetua ſua beneficentia ad ſui cognitionem & amo - rem provocare. Et hæc beneficia non debentur Diis, Jovi, Cereri, aut Libero, quos hactenus coluerunt, ſed Deo, quem Apoſtoli illis prædicarunt. Hactenus Eraſ - mus alleg. loc.
Alsdem Gottloſen Koͤnig Achab die ſchwehre zeitliche Straffe ſo er vber jhn / ſein gantzes Hauß vnd Nachkommen beſchloſſen / vnd daß er dieſelbe außrotten wolte / auch den der an die Wand piſſet / vnd daß die Hunde ſein Gemahl Jſebel freſſen ſolten an der Maur Jeſreel von dem Propheten Eſaia ins Geſicht an - gekuͤndiget ward / ſchlug er in ſich vnd ließ eine euſſerliche Buß vermercken / zerriß ſeine Kleider vnd legte einen Sack an / faſtet vnd ſchlieff im Sack vnnd gieng jaͤm - merlich einher / daß daruͤber das Wort deß Herꝛn zu Elia kahm vnd ſprach: Haſtu nicht geſehen wie ſich Achab fuͤr mir buͤcket? welche Buſe ob ſie wol nicht beſtaͤn - dig ſondern auff eine geringe Zeit wehrete / hat doch Gott die zeitliche vnbeſtendi - ge Buſe nicht vnvergolten gelaſſen / dann alſo ſpricht der Herꝛ: Weil er ſich nun fuͤr mir buͤcket / will ich das Vngluͤck nicht einfuͤhren bey ſeinem Leben / aber bey ſei - nes Sohns Leben wil ich Vngluͤck einfuͤhren / wie davon zu leſen im 1. Buch der Chron. c. 21. v. 21. biß zu Ende. Daß aber Achabs Buſe nicht beſtaͤndig geweſen oder geblieben / iſt gleich auß dem nachfolgenden 22. Cap. zuſehen auß ſeiner Vermeſſenheit vnd Tyanney / die er an den Propheten vnd Mann Gottes Micha veruͤbete.
DEr Bruder Moͤrder Cain ließ bey ſeinem heucheliſchen Opffer einen groſ - ſn Eyffer ſehen / ſo gar daß er ſeinen frommen Bruder Habel darumb / daß ſein Opffer bey Gott angenehmer war / er wuͤrgete im 1. Buch Moſ. cap. 4.
Als Saul ſich von Gott gewand / denſelben verließ / gar in Verzweiffelung geriethe / vnd ſeinem Waffentraͤger zumuhtete / daß er jhn erſtechen ſolte / præten - dirte er die Religion vnd ließ darbey / weil er deß Sacraments der Beſchneydunge theilhafftig worden / einen Eyffer in der Religion mercken / ſagend: Zeug dein Schwerd auß vnd erſtich mich / damit nicht dieſe Vnbeſchnittene kommen vnd mich erſtechen vnd treiben einen Spott auß mir / 1. Samuel. 31. v. 4. 1. Chron. 11. v. 4. hat alſo verhuͤten wollen / daß die ware Religion vnd der Bund der Beſchneidunge / darvon er doch abtruͤnnig worden / in ſeiner gottloſen Perſon / dannoch niche ſolte verlaͤſtert vnd verſpottet werden.
Der Gottloſe Koͤnig Zedekia verfolgete vnd kerckerte den Propheten Jere - miam / wolte aber doch haben daß er fuͤr jhn beten ſolte vnd ließ jhme ſagen / bitte den Herꝛn vnſern Gott fuͤr vns Jerem. c. 37. v. 3. vnd wie er jhn lange gefaͤnglich gehalten / ließ er jhn holen vnd fragete / jhn heimblich: Jſt auch ein Wort von dem Herꝛn fuͤrhanden im ſelben. cap. v. 17. da er doch deß Herꝛn Wort verfolgte.
Bey dem Jerobeam das Volck Jſrael ſuͤndigen machete durch ſeinen an - geſtelleten Kaͤlberdienſt / zu Dan vnd zu Bethel / war gleichſamb ein brennender Eyffer. 1. Reg. c. 12. v. 26. & ſeqq. ſo gar / daß er auch den Propheten Gottes wolte greiffen vnd toͤdten laſſen. 1. Reg. c. 13. v. 4. & ſeq. Ja es iſt dieſer Abgoͤttiſchen Heuchler Eyffer ſo groß worden / daß ſie jhrer eygenen Kinder nicht geſchonet / ſon - dern dieſelbe durchs Fewr gehen laſſen / vnd bey jhnen gleichſam ein Sprichwort war / wer die Kaͤlber kuͤſſen will / der ſoll Menſchen opffern / Hoſea cap. 13. v. 2.
Ein ſehr groſſer Eyffer war bey Achab vnd ſeiner Abgoͤttiſchen Gemahl der Jeſabel / die auß ſelbigem Kaͤlberdienſt den Baalitiſchen formiret. 1. Reg. c. 16. ver - folgten die Prieſter deß Herꝛn ſo hart / daß auch der Prophet Elias meinete / er waͤre allein vbrig blieben / welchen Achab auch in allen Koͤnigreichen ſuchen ließ. 1. Reg. c. 18. & 19. Die Juden lieſſen bey deß Herꝛn Chriſti Paſſion vnd Creutzigung einen ſonderlichen Eyffer mercken / ſo gar / daß der Hoheprieſter daruͤber ſeine Kleyder zerriſſe Matth. 26. v. 65. Jm gleichen bey deß Maͤrterers S. Stephani SteinigungDActor.26Das erſte Buch /Actor. c. 7. S. Paulus gibt ſeinen Judensverwandten das Zeugnuß / daß ſie eyf - fern vmb Gott / aber mit Vnverſtand / in der Epiſt. an die Roͤm. cap 10. v. 2.
Der Abtruͤnnige Kayſer vnd Chriſtenfeind Julianus Apoſtata genand / wann er zu Felde gezogen / hat er den Heydniſchen Goͤttern / zu Conteſtirunge ſeiner de - votion vor den Heyden ein ſonderbar Geluͤbd gethan. (Baron. ſub Anno 363. p. 24. ubi dicit: Julianus Apoſtata in Bellum procedens vota fecit Divis. Nicol. Hunn. in Tract. de Eccleſ. Rom. &c. n. 98. p. 111. Quin imo Nero ſceleribus per - actis, grates Deo egit. Teſte Cornel. Tacit. lib. 14.
Alſo gehet es mit den Aberglaubigen Heuchlern vnd Werckheiligen ins ge - mein / die nehmen ſich groſſer Devotion, Eyffer vnd Andacht vor den Leuthen an / vnd iſt doch das Hertz voll Heucheley / Tyranney / crudelitaͤt vnd boͤſes / daruͤber der Prophet klaget Hoſee. C. 7. v. 6. & ſeq. Jhr Hertz ſpricht er iſt in heiſſer Andacht wie ein Backoffen / wann ſie opffern vnd die Leuthe betriegen / vnd iſt doch keiner vnter jhnen der Gott anruffe.
Die Abtruͤnnigen / wann ſie von der wahren in den Prophetiſchen vnd Apo - ſtoliſchen Schrifften gegruͤndeten Religion abfallen / vnd etwann vmb groͤſſere Ehr zu erlangen / oder dz Zeitliche zu conſerviren, ſich zu einer andern Lehr accom - modiren vnd bequemen / laſſen ins gemein einen ſehr groſſen Eyffer ſehen vnd ſpuͤ - ren / wollen gleichſam wie ein heiſſer Backoffen von Andacht berſten / damit ſie dar - durch bey jhren newerwehlten Religionsverwandten / in groß Credit kommen / vnd jhrer Heucheley einen ſcheinlichen Mantel vmbhengen / ſie laſſen es auch darbey nicht / ſondern ſie werden| ſtarcke Verfolger jhrer vorigen wahren Religionsgenoſ - ſen / vnd iſt das alte Sprichwort an jhnen war / Omnis Apoſtata eſt perſecutor ſui ordinis. Man hat ſolches in vorigen vnd newlichen Zeiten erfahren / wie gewaltig ſich die Abtrunnige in angeſtelleten perſecutionen, Verfolgungen vnd Reforma - tionen gebrauchen laſſen / ſelber Commiſſiones vnd Executiones auff ſich außge - beten erhalten vnd mit groſſen vehementz vñ Beſchwerunge jhrer vorigen Glau - bensgenoſſen effectuiret, vnd die ſchaͤrpfeſte inſtrumenta perſecutionis worden.
So bald Jerobeam abtruͤnnig ward vnd einen newen Gottesdienſt erwehle - te verfolgte vnd verjagte er gleich die Prieſter vñ Leviten / ſein vorige| Glaubens ge - noſſen / wie obgemeldet. Vnd ob ſchon ſie die Abtruͤnnige vorhin ehrbare / gutthaͤti - ge vnd liebreiche Leuthe geweſen / ſo ſiehet man doch / wann ſie die wahre einmahl er - kante Religion endern vnd verleugnen / daß Gott die Hand von jhnen abziehe / vnd es bey jhnen heiſſe / ex optimis fiunt peſſimi, vnd wie man ſonſten im Sprichwort ſaget: Wann ein Engel ein Teuffel wird ſo wird er gar boͤſe. (Luther. in Geneſ. cap. 31. fol. 429. ubi addit Diabolum ex eo quod expræſtantiſſima & angelica na - tura degenerarit, factum eſſe corruptiſſimum & peſſimum.
Sic virgo pudica poſtquam ſemel pudicitiam proſtituit, nihil veretur amplius, ſed perfricat frontem adquaslibet turpitudines.
Sic27Von dem Geiſtlichen Stande.Sic ex Chriſtiano ſi fiat Apoſtata, non erit alius infenſior hoſtis Eccleſiæ & pietatis.
Huc etiam pertinet illa Phyſicorum & Medicorum Regula: Quo res nobi - lior eſt in ſuo eſſe, eò deterior ſit in ſui corruptione.)
Es hat ſolches auch der Abtruͤnnige Kayſer Julianus nach dem er die Chriſt - liche Religion verlaſſen / mit angeſtelter Verfolgung gnugſamb erwieſen.
DIeſes iſt auß Gottes Wort bekant / geſtalt die Exempla deß Juͤdiſchen Volckes hin vnd wieder bezeugen. Exod. cap. 32. Iudic. c. 2. v. 11. & ſeqq. Judic. 3. v. 5. & ſeqq. Jud. cap. 8. & 9. it. cap. 10. cap. 17. cap. 18. Samuel. c. 3 1. Reg. 12. v. 28. item cap. 15. c. 16. & paſſim.
Vnd ſonderlich klaget Gott daruͤber beym Propheten Jeremia c. 2. v. 9. Jch muß mich jmmer mit euch vnd ewren Kindern ſchelten / gehet hin vnd ſchawet / ob die Heyden jhre Goͤtter endern / wiewol ſie doch nicht Goͤtter ſeind / vnd mein Volck hat doch ſeine Herꝛligkeit verendert vmb einen vnnützen Goͤtzen. Vnd im 11. c. v. 13. ſpricht er: ſo manche Statt ſo manche Goͤtter haſtu Juda / vnd ſo manche Gaſſen zu Jeruſalem ſind / ſo manchen Schanden Altar habt jhr auffgerichtet / dem Baal zu raͤuchern. Es bezeugen ſolches auch die obangezogene Exempla Ierobeams, Achabs vnd jhrer Nachkommen / neben andern / mehr als zuviel.
DIeſe Chriſtliche Religion hat jhren Vrſprung im Paradißgarten / da Gott der Herꝛ nach dem Fall / dem Menſchlichen Geſchlechte / das troͤſtliche Evangelium angekuͤndiget / daß deß Weibes Samen / nem - lich Chriſtus der Schlangen den Kopff zertretten ſolte. Gen. c. 3. v. 15. den Namen aber / von Chriſto Jeſu / Gottes vnd der hochgebenedeye - ten Jungfrawen Marien Sohn / welcher gleich nach dem Fall / wie gemeldet / als der einige Heyland der Welt / vnd gebenedeyter Weibes Samen / dem Menſchli - chen Geſchlechte verſprochen / von den Ertzvaͤttern vnd glaubigen Gottes im alten Teſtamente / in Hoffnung vnd gewiſſer Zuverſicht erwartet / in wahrem Glauben ergrieffen / vnd in der fülle der Zeit von der heiligen reinen keuſchen Jungfrawen Maria wahrer Menſch auff dieſe Welt gebohren / erlanget. vid. Drexel. in elegan - ti libello de Ieſu Naſcente per c. 1. & ſeqq.
Es iſt auch vnter den Heyden / Juden / Tuͤrcken vnnd andern Vnglaubigen ohnlaͤugbar vnd auß den Hiſtorien zu ſehen / daß ein Menſch Chriſtus Jeſus Na - zarenus genand / bey zeiten Kayſers Auguſti gebohren / bey Regierunge Kayſers Tiberi[u]n Jndea gelebet / gelehret / viel Zeichen vnd Wunder gethan / vnnd einen groſſen Beyfall in der Religion bekommen / von Pilato| dem Landpfleger in Judea auff faͤlſchlich Angeben der heilloſen Juͤden zum ſchmaͤhlichen Todt deß Creutzesverdam -29Von dem Geiſtlichen Stande. verdammet / vnd die jenige ſo vor vnd nach ſeiner ſchmaͤhlichen Creutzigunge / ſeine Lehre angenommen / von dieſem Chriſto durch die gantze Welt von ſelbiger Zeit an biß auff die gegenwertige / Chriſten genand / wie ſolches nicht allein die Juͤdiſche vnd Chriſtliche Hiſtorienſchreiber nechſt der heiligen Schrifft / ſondern auch die Heydniſche / als Suetonius, Tacitus, Plinius junior vnd andere mehr bezeugen. (Tacit. lib. 15. Annal. ubi ſcribit. Chriſtiani appellati ab auctore Nominis Chri - ſto, qui Tiberio imperitante per Procuratorem Pontium Pilatum ſupplicio affe - ctus erat. Repreſſaq́ue in præſens exitialibilis ſuperſtitio, rurſus erumpebat, non modo per Iudæam originem ejus mali, ſed per urbem etiam, quo cuncta undiq́ue atrocia aut pudenda confluunt. Conf. Hug. Groti. de veritate Religion. Chri - ſtian. lib. 2.
Der Juͤdiſche Hiſtorien ſchreiber Flavius Joſephus ſchreibet lib. 18. c. 4. von alten Geſchichten von Chriſto nachfolgender maſſen. Es hat auch zur ſelbigen Zeit (nemlich wie Kayſer Tiberius regieret) gelebet / Jeſus / ein ſehr weiſer Mann ſo ſich anderſt ziemet / daß man jhn einen Mann nennet / dann er viel Wunderwerck gethan / vnnd ein Lehrer deren geweſen / ſo die War - heit gern annahmen / vnd hat beydes von Juden vnd Heyden ſehr viel Nach - folger gehabt / dieſer war Chriſtus / welchen hernach / auff Anklage der Vornembſten vnter vnſerm Volck Pilatus zum Creutz vervrtheilet hat / doch ſeind die ſo jhne ernſtlich angefangen recht lieb zu haben / mit nichten von jhme abgefallen / dann er jhnen am dritten Tage / wie dann die Propheten von jhme nach Goͤttlicher Einge - bunge / beyde dieſes vnd ſonſten viel wunderbahrliches Dinges geweiſſaget haben / widerumb lebendig erſchienen iſt / vnd wehret auch noch auff den heutigen Tag der Chriſten Geſchlechte / welche von jhm alſo genand worden. (Von dieſem Chriſto oder Jeſu von Nazareth ſpricht der Apoſtel Petrus / zeugen alle Propheten / daß durch ſeinen Namen / alle die an jhn glauben / Vergebung der Suͤnden empfahen ſollen / in den Geſchichten der Apoſtel. cap. 10. Eſai. 53. Jer. 31. Ezech. 34. Daniel. 9. v. 25. da deß Herꝛn Chriſti namhafftig gedacht wird / cum ſimilibus.)
Es melden etliche alte Kirchen Hiſtoriei / wie auch Baronius neben an - dern / daß vmb die Zeit / da der Herꝛ Chriſtus gebohren das oraculum Delphicum dardurch der Teuffel vnterm Namen deß Abgotts Apollinis zu antworten / vñ von zukuͤnfftigen Dingen zu weiſſagen pflegen / auffgehoͤret vnnd zu letzt dieſe Antwort gegeben: Hebræus jubet me Deus beatis imperans, hanc domum deſerere, & ad Tartara reverti. Welches in die geſetzte Verß gebracht.
(Vid. Drexeli. in deliciis Gentis human. de Jeſu Naſcente part. 1. cap. 2. )Me puer Hebræus ſuperum Rex, linquere tectaHæc jubet, atq́ue atras Ditis remeare ſub umbras:Ergo ſilens aris tu nunc abſcedito noſtris.
Das iſt /
Es ſoll ſich auch zu Rom in den Annalibus, eine Epiſtola oder Relation ge - funden haben / welche P. Lentulus ein Landpfleger in Judea an den Raht zu Rom abgehen laſſen / von Chriſti Wandel / Leben / Zeichen / Wunder / Perſon / Statur vnd ſonderbaren Tugenden / vnd weil dieſelbe denckwuͤrdig / vnd ſonſten nicht gemein / habe ich ſie hierbey wollen referiren. (Temporibus Octaviani Cæſaris Auguſti cum ex diverſis mundi partibus, hi qui per S. P. Q. R. præerant provinciis ſcriberent Senatoribus qui Romæ erant novitates, quæ ſuccurrebant per mundi climata, P. Lentulus Iudææ præſes Epiſtolam hanc ſcripſit: Apparuit temporibus noſtris, Et adhuc eſt homo magnæ virtutis, cui nomen eſt Chriſtus Jeſus, qui dicitur à genti - bus, Propheta veritatis, quem ejus Diſcipuli vocant Filium Dei: ſuſcitans mor - tuos, & ſanans languores. Homo quidem ſtaturâ procerus & ſpectabilis, vultum habens venerabilem, quem intuentes poſſunt diligere & formidare, capillos ha - bens nucis avellanæ præmaturæ & plano ferè ſitu uſq́ue ad aures, ab auribus verò criſpos, aliquantulum ceruliores & fulgentiores ab humeris ventilantes: Diſcrimen habens in medio capitis juxta morem Nazarenorum, frontem planam & ſereniſſi - mam, cum facie ſine ruga & macula aliqua, quam rubor moderatus venuſtat, naſi & oris nulla reprehenſio, barbam habens copioſam & capillis concolorem, non longam, ſed in medio bifufurcatam, aſpectum ſimplicem & maturum, oculis glau - cis, variis & claris exiſtentibus: Increpatione terribilis, & admonitione placidus & amabilis, hilaris ſervatâ gravitate, qui nunquam viſus eſt ridere, flere ſæpius: manus habens & brachia viſui delectabilia: In colloquio gravis, rarus & modeſtus: ſpecio - ſus forma præfiliis hominum.
Hæc Epiſtola in Annalibus Romanorum comperta eſt.
Die Tuͤrcken / ob ſie wol Erbfeinde ſeind der Chriſtenheit / dannoch befindet man in jhrem Alcoran vnd andern Büchern / (Gabriel. Sionit. alleg. loc. cap. 17. ex Surat Anneſa, notat: Quod Iſa ſeu Jeſus, filius Mariæ, miſſus ſit Dei, & verbum ejus collocatum in ipſa, ac ſpiritus de ipſo hoc eſt de Deo. Item, eum eſſe verum Pro - phetam natum de virgine, virum non cognoſcente, & à Gabriele Angelo annun - ciatum. Porro ob talem tantamq́ue Chriſti dignitatem, atq́ue arctam cum Deo familiaritatem, quodq́ue Propheta inſignis & omni virtutum genere afflueret, ſce - leſtiſſimorum hominum ludibriis cum exponere & cruci affigi, bonitate Dei indi - gnum eſſe, ſed alium in Chriſti ſimilitudinem & formam mutatum, Deum veròChri -31Von dem Geiſtlichen Stande. Chriſtum ad ſe tranſtuliſſe, qui in die judicii teſtis futurus ſit ſuper eos. Et ob hæc Moſelmanni ſeu Mahometani tali opprobrio atq́ue infamia crucem habent, ut eam miſeros Chriſtianos adultos, qui ad Mahometæam legem tranſeunt ter pedi - bus conculcare, terq́ue conſpicuere cogant, Cæteros verò Chriſtianos impruden - tiæ atq́ue ſtupiditatis arguunt, qui Chriſtum probra, & Crucis ignominia acer - bam tarpemq́ne mortem perpeſſum eſſe affirmant. Hactenus ille.
In eandem ferè ſententiam Iohan. Cotovic. alleg loc. ſunt etiam inquit, qui Chriſtum ipſius Mahometis teſtimonio verbum, virtutem, ſapientiam, animam & Cor Dei, itemq́ue Meſſiam promiſſum Judæis & divino afflatu è ſpiritu Sancto conceptum, ex Mariâ Virgine ſine patre generatum atq́ue omnis mendacii & pec - cati immunem affirment, ita ut ſibimet contrarii ſuo ſe gladio ingulent. Tanta nempe & vis veritatis & virtus eſt, ut| eam ſæpè hoſtes & ab ipſa extorres obtorto velut collo, velint nolint, proferre & fateri compellantur. Porro è cœlo ori - ginem traxiſſe, Converſatione ſanctum, Doctrinam rectam docuiſſe, eam - q́ue miraculis illuſtraſſe. Mortuum autem & revixiſſe, cum Manichæo negant & Chriſtianos ſtupiditatis arguunt, quod Chriſtum probra Crucis, mortem acerbam & ignominioſam perpeſſum ſibi perſuadent & credant. Cœleſte namq́ue cor - pus eum aſſumpſiſſe, eoq́ue virginis uterum penetraſſe, ac morti obnoxium mini - mè fuiſſe exiſtimant, ſed immortalem ac vivum aſſumptum in cœlos in monte Oli - varum, in tanta enim apud Deum eum fuiſſe gratia ferunt, ut cum Judæi in eum conſpirarent, Judam Proditorem in Chriſti ſimilitudinem (cum in horto quære - retur) mutatum, ejus loco captum ac cruci affixum. Deniq́ue Chriſtum nunc co - ram Deo in cœlis in carne vivere, & Anti-Chriſtum, ubi advenerit gladio ſuæ vir - tutis interfecturum, ac in extremo judicio Deo proximum aſſeſſurum & judicatu - rum ſuæ legis homines perhibent. Propterea Chriſti nomen, non minus quam ipſius Mahometis execrantes acriter puniunt, honeſtiores pœna pecuniaria, hu - miliores flagris. Neq́ue Chriſti ſolum ſed & Mariæ nomen blaſphemantes caſti - gant. Sic enim lege cautum eſt: Si quis, ſive Chriſtianus, ſive Turca, vel Maurus vel Arabs Chriſtũ illud verbum Dei quem virtute Spiritus Sancti à Maria procrea - tum credimus, vel etiam ipſam virginem, quam Deus omnibus creaturis puriorem fecit & excellentiorem blaſphemaverit, præter mulctam pecuniariam, ſexaginta fu - ſtuarii plagas ſuſtinebit. Cujus legis exactiſſimam apud Turcas eſſe obſervationem teſtatur Cotovic. d. loc. addens, Turcas Chriſtum extollere ſupra omnes Prophe - tas. Gabriel. Sionit. d. loc. cap. 15. Mahomedem vero in mandatis habuiſſe, ut non amplius Chriſti exemplo, humilitate, precibus, ſuaſionibus ac monitis ad legis ob - ſervationem homines induceret, aſt ferro ac bellis fidei reſiſtentes invaderet, & tanquam divinæ juſtitiæ vindex ſicarius iſte in tranſgreſſores animadverteret, per - tinaces ac perfidos pro tanto ſcelere ulciſceretur. Vid. etiam Hugon. Groti. de verit. Relig. Chriſtian. lib. 6.) daß ſie Chriſtum vor den fuͤrnembſten vnd groͤſſeſtenPro -32Das erſte Buch /Propheten / der jemals von Gott in die Welt geſand / halten / daß er auch von der Jungfrawẽ Maria vff vorgangene Verkuͤndigung deß Engel Gabriels / ohne Zu - thun eines Mannes gebohren / groſſe vnd Goͤttliche Wunder gethan / Blinden ſe - hend / Lahmen gehend / vnd die Außſaͤtzigen rein gemachet / derowegen auch in jhrem Alcoran vnd Mahometiſchen Geſetzen außtrucklich verbotten / von Chriſto vnd ſeiner Mutter der heiligen Jungfrawen Maria nichtes laͤſterhafftes zu reden / vnd daß die ſo es thun / am Leib vnd ſonſten ernſtlich zu beſtraffen / auch wann Juden ſich zu der Mahometiſchen Religion begeben / dieſes vnter andern angeloben muͤſſen / daß ſie Chriſtum vnd ſeine heilige Mutter nicht laͤſtern vnd blaſphemiren wollen / Ja dieſe / (wiewol jrrige) Lehr vnd Meynunge von Chriſti Leiden vnd Sterben in jhrem Alcoran vnd Buͤchern fuͤhren / daß Gottes Guͤtigkeit wegen der hohen Wuͤr - de / naͤhern Gemeinſchafft mit dem Goͤttlichen Weſen vnd vielen groſſen Tugen - den / damit er als der groͤſſeſte Prophet auß geruͤſtet vnd begabet geweſen / nicht zu - geben oder geſtatten koͤnnen / daß er dergeſtalt von den gottloſen Juͤden verſpeyet / verſpottet / vnd an das verfluchte Holtz deß Creutzes ſolte gehenget vnd getoͤdtet ſeyn / ſondern haͤtte Gott die Juden verblendet / vnd einen andern boͤſen Menſchen oder Judam den Verraͤhter in Chriſti geſtalt repræſentiret, welchen ſie alſo gehoͤnet vnd getoͤdtet / dahero dann auch kompt / daß ſie den Chriſten / ſo zu der Mahometi - ſchen Abgoͤtterey ſich begeben / wann ſie erwachſen / vnter andern Ceremonien vor - hin ein Creutz vorlegen / welches ſie dreymahl anſpeyen vnd mit Fuͤſſen tretten muͤſſen / anzudeuten der Chriſten Verblendung vnd Einfalt / gleichſam ſolte Chri - ſtus der groſſe Prophet Gottes / ans Creutz geſchlagen ſeyn. (Hugo Groti deverit. Relig. Chriſti lib. 6.) Weil aber Chriſtus zur Demuht / Gedult / Leyden / Creutz vnd Verfolgung / ſeine Juͤnger die Chriſten angewieſen / vnd dieſelbe dahero verfolget vnd vbel tractiret worden / haͤtte Gott einen andern behertzten Propheten / nemblich den Mahometh / welchen ſie auch wol den verheiſſenen Paracletum nennen / geſchi - cket / der nicht mit Demuth / bitten / vnnd ſanfften Worten / ſondern mit dem Schwerd vnd Krieg die jenigen ſo ſich dem Geſetz widerſetzeten / vnd ſeinem Volck widerſtrebeten / zum Gehorſamb bringen vnd beſtreiten ſolte. Wie ſolches bey dem Gabr. Sionita. vnd Ioan. Aeſronit. de oriental. urbib. & indigen. Relig. ac morib. c. 14. 15. & ſeqq. mit mehrem zu beſinden / vnd extracts weiſe zu mehrer nachricht hie - her geſetzt / item Johan. Cotovic. Ultraject. in itinerario Hieroſolymit. & Syriac. c. 3.
So hoch ſich nun die Tuͤrcken vnnd Juden aͤrgern an dem Creutze Chriſti / darüber S. Paulus in ſeiner erſten Epiſtel an die Corinther klaget vnd ſaget: Wir predigen den gecreutzigten Chriſtum den Juden ein Aergernuß / den Griechen / das iſt allen Heyden / eine Thorheit cap. 1. v. 23. ſo hoch haben wir Chriſten vns deſſen zu getroͤſten vnd mit dem Chriſtlichen Poeten zuſagen: Crux Chriſti noſtra Corona eſt. Es iſt das Wort vom Creutz Chriſti eine Thorheit / denen die verlohren wer - den / vns aber die wir ſelig werden eine Gottes Krafft / S. Paul. in gemelt Epiſt. an die Corint. c. 1. v. 17.
Darvon33Von dem Geiſtlichen Stande.Darvon auch Eraſmus Roterodamus in ſeiner ſchoͤnen Paraphraſi vber die ander Epiſtel S. Pauli an den Timotheum alſo ſchreibet: Nil glorioſius Cruce Chriſti, quæſalutem dedit orbi, quæ Diaboli tyrannidemfregit, quæ nobis im - mortalitatem peperit. Chriſti Crux noſtra eſt Gloria. Dahin gehoͤren auch nach - folgende feine Chriſtliche Reime:
Am Creutz iſt bezahlt der Chriſten Schuld /Jm Creutz ſtehn ſie in Gottes Huld /Jm Creutz ein jeder wird erkentDer ſich nach dem Creutz Chriſti nentWann er ſein Creutz ohn Zorn vnd RachChriſti Creutz traͤgt geduldig nachAls dann ſein Creutz jhm bringt kein LeydDurch Chriſti Creutz kompt ewig Frewd.
ES waͤre wol ein ſtuͤck der groͤſſeſten Gluͤckſeligkeit auff dieſer Welt / weil nu - rent ein Herꝛ / ein Glaube / ein Tauffe / ein Gott vnd Vatter aller / der da iſt vber vns vnd in vns ad Epheſ. 4. v. 5. & 6. vnd ein Weg zu dem ewigen ſeligen Leben iſt. Actor. 15. v. 11. & ſeq. 1. Reg. 18. v. 21.
Das auch nurent eine Religion / darin man unum verum Deum, den eini - gen wahren Gott / una lege & cultu, nach einem Geſetz / mit einerley Gottesdienſt venerirte vnd verehrete / auff der Erde waͤre / geſtalt dann der Allerhoͤchſte ſolches im Paradieß-Garten ſelber alſo angeordnet: Aber die alte liſtige Schlange / der boͤ - ſe Feind hat es dem Menſchlichen Geſchlechte nicht gegoͤnnet / ſondern gleich ſeinEVnkraut34Das erſte Buch /Vnkraut vnter den reinen Samen Goͤttliches Wortes geſaͤet / vnnd vnſern erſten Eltern in ipſo ſalutis horto, eine falſche Religion im primiret vnd beygebracht / vnd wiewol dieſelbe durch Gottes ſonderbare Gnade vnd Barmhertzigkeit / wider auff den rechten Weg gebracht / ſo iſt doch der Teuffel bey den Nachkommen Adams geſchaͤfftig geblieben / den Cain vnd ſeine Poſteritaͤt guten theils zu ſeinem Dienſt vnd falſcher Religion gebracht.
Als Gott der Herꝛ nach gehents die Juͤdiſche Policey angeordnet / vnd beſtel - let hat er darin eine Religion / einen Tempel vnd Gottesdienſt wiſſen vnnd haben wollen / alle frembde Canaitiſche vnd Baalitiſche Religion bey hoͤchſter Straffe inhiberet, auch die falſche Propheten zu toͤdten gebotten. Deutern. c. 13. v. 1. & ſeqq. & c. 17. v. 5. & c. 18. v. 20.
Weil jedoch die Welt im argen lieget / vnd der leidige Satanas ſein Vnkraut / ſonderlich zu dieſen letzten Zeiten / darvon Chriſtus ſelber geweiſſaget / daß viel Ke - tzereyen ſeyn wurden (oportet eſſe hæreſes) allen thalben vnter den reinen Weitzen ſpargiret vnnd ſaͤet / muß eine Chriſtliche Obrigkeit ſehr behutſamb vnnd ſorgfaͤltig darbey ſeyn / vnd dieſes pro norma haben. I. Wann ſie ein ruhig wolgefaſſetes Regiment / vnd darin nirgend eine vnd zwar die wahre / in den Prophetiſchen vnnd Apoſtoliſchen Schrifften / als dem einigen Fundament vnſer Seeligkeit / wie dar - unten Axioma XX. weiter angefuͤhret / gegruͤndete Religion hergebracht | / iſt ſie ſchuldig nach Gottes Befehlich vnd Verordnung / daruͤber veſt zu halten / vnd alle widrige jrrige vnd Abgoͤttiſche einreiſſende Lehre / nach dem Exempel David / Jo - ſaphat / Hiskia / Joſia vnd anderer gottſellgen Regenten abzuſchaffen / vnd das Vnkraut ehe es recht wurtzelt / außzureuten / wann aber 2. das Regiment | vnru - hig / das Vnkraut zu tieff radiciret vnd eingewurtzelt / vnd ohne groſſe Vnruhe vnd beſondere Enderung deß gantzen Geiſtlichen vnd Weltlichen Standes vnd Regi - ments / nicht außzureuten alsdann kan eine verſtaͤndige Obrigkeit die Regul Chri - ſti obſerviren: ſinite creſcere zizania, laſſet das Vnkraut wachſen mit dem Wei - tzen / biß zur Zeit der Erndte Matth. c. 13. v. 29. & ſeq. vnd iſt dennoch beſſer das Vn - kraut zu toleriren, als mit demſelben auch den reinen Weitzen zu vernichten. Me - lius eſt aliquam veram, quam nullam in Republ. eſſe Eccleſiam. (Deus fert piſces bonos & malos Matth. c. 13. v. 47. tolerat lupum & agnum, pardum & hœdum Eſai. c. 11. v. 6.) Deſſen Exempel haben wir auch bey Gottſeligen Regenten alten| Teſta - ments: Dann ob wol Joſua außtrucklich befehl von Gott gehabt / alle Abgoͤttiſche Cananiter auß zurotten Joſ. c. 6. & c. 8. dannoch weil er den Vnglaubigen Gibeo - nitern / wiewol ſie jhn betrieglich hintergangen Glauben zugefaget / hat ers jhnen trewlich gehalten / ſie nicht allein in ſua Republica toleriret loſ. cap. 9. ſondern als ſie hernacher von Adonizedeck vnd andern deſſen Confœderirten angefeindet wor - den / iſt er ſie zu ſchuͤtzen / mit Heersmacht zu Felde gezogen vnd jhre Feinde erleges / welche Feldſchlacht Gott der Herꝛ mit einem ſonderbahren Wunderwerck / in demedie35Von dem Geiſtlichen Stande. die Sonne am Firmament ſtill geſtanden / vnd einen gantzen Tag nicht vntergan - gen Joſ. cap. 10. herꝛlich gemachet vnd geſegnet / welches Gott nicht gethan / wann er einen Mißfallen daran gehabt haͤtte / daß Joſua die Gibeoniter / die doch nicht ſei - ner wahren Religion zugethan vnter ſich geduldet. Als der Koͤnig David der Phi - liſter / Moabiter vnd Ammoniter ſich bemaͤchtiget vnd ſie Schatzpflichtig gemacht / 2. Samuel. c. 8. hat er ſie der Religion halber nicht vertrieben oder belaͤſtiget noch auch Salomon. 1. Reg. c. 4. noch Darius Dan. c. 4. Muß derowegen eine Chriſtli - che Obrigkeit vernünfftig vnd behutſamb ſich bey einreiſſenden verſchiedenen Re - ligionen bevorab da dieſelbe keines Jrꝛthumbs auß Gottes Wort vber fahren / oder in einem rechtmaͤſſigen Chriſtlichem Concilio verdammet / gouverniren, den Sa - chen nicht zuviel auch nicht zuwenig thun / ſonderlich da ſie einen Religion Frieden gemachet / vnd ſich darauff in jhrer Capitulation verpflichtet. (De hac quæſt. vid. D. Gerhard. in loc. de Magiſtr. Politic. c. 5. ſect 5. membr. 1. Frider. Balduin. de Caſib. Conſcient. lib. 2. c. 6. caſ. 3. Juſt. Lipſ. deun. Relig. Azor. Inſtitut. Moral. lib. 11. c. 6. verſ. An Rex tuta Conſcientia &c. part. 2. Wilhelm. Ferdin. ab Effern in Manual. Polit. ſive de Rat. Stat.
DAß die Chriſtliche Gemeinde ohne Spaltunge gleich zu der Apoſtel Zeit - ten vnd in der erſten Kirche nicht geweſen / viel weniger in dieſen letzten Zeiten ſeyn vnd bleiben werde / iſt auß der Hiſtoria newes Teſtaments / deß Herꝛn Chriſti ſelbſt eigener Prophezeyung / den Kirchen Legenden viel entſtandenen Ketzereyen gnugſamb bekandt. Meinet jhr / ſpricht Chriſtus zu ſeinen Juͤngern / daß ich kommen bin Friede zu bringen auff Erden? Jch ſage Nein / ſon - dern Zwietracht: Dann von nun an werdẽ fuͤnff in einem Hauſe vneins ſeyn / drey wieder zwey / vnd zwey wider drey. Es wird ſeyn der Vatter wieder den Sohn / der Sohn wider den Vatter / die Mutter wieder die Tochter / vnd die Tochter wi - der die Mutter / die Schwieger wider die Schnur / ꝛc. Luc. c. 12. v. 51. & ſeqq. Matth. c. 10. v. 34. & ſeqq.
Das Evangelium iſt zwar vor ſich ſelber die liebliche Friedens Poſaune vnd Bottſchafft / welche die himmliſche Heerſcharen bey der Geburt Chriſti den Hirten vnd allen Menſchen intoniret vnd angekuͤndiget / aber der Menſchen Boßheit / dieE ijſich36Das erſte Buch /ſich darwider mit allerhand fcheinbaren prætext. Dentelley vnd Heucheley erhebet / der Evangeliſchen Warheit widerſtrebet / vnd von dem Geiſte Gottes ſich nicht will regieren laſſen / verwandelten dieſen holdſeligen Frieden in bittere Galle vnd Wermuht / darauß dann endlich erwaͤchſet Mißtrawen / Zwietracht / Vneinigkeit / Krieg vnd Blutvergieſſen. (Eraſm. Roterodam. in Paraphraſ. ad Nov. Teſtam. An putatis, quod venerim ut in terris ſeram pacem inter homines? Longè ſecus habet, imò non veni, ut ſeram pacem & concordiam, ſed gladium & bellum etiam inteſtinum acdomeſticum, non modo civile. Cùm enim Evangelica Doctrina ple - riſq́ue ſit inviſa futura & hæctam ardens ſui ſtudium requirat, ut oporteat omnes humanos affectus quantumvis impotentes cedere, fieri non poteſt, quin magna diſſidia inter conjunctiſſimos etiam exoriantur, dum & ij, qui mundum deamant, citius ſævient in ſui chariſſimos, quam vitia, quibus aſſueverunt, relinquant: & quos ſemel attigit ardor Evangelicæ charitatis, nullis affectibus ſe patientur avelli ab eo, quod cæperunt amplecti. Sed felix diſſidium quod ſincera provehit, puttia reſecat: felix gladius, qui noxias cupiditates omnes ab animo recidit. Hic tumultus mihi imputetur, non vobis, qui dato Pharmaco corpus omne perturbarim, ſed ita, ut qui belligerantur adverſus affectus ſuos odio nominis mei, ſibi debeant imputare, non mihi. Nam ipſis æmulari licebat, quos perſequantur. Omnibus offero ſalutem, quam ſi amplectantur omnes, nullum erit diſſidium. Per ſe quidem Evangelium res eſt pacifica, ſed aliorum vitio concitatur ſeditio. Ut Pharmacũ perſe res eſt ſalutife - ra, ſed interim in corpore movet tumultum, dum conſulit omnium membrorum tranquillitati. verum expedit amputari noxia, quo magis inter pueros conſtet vera fanctaq́ue concordia.
Hunc igitur gladium defero in terram, qui dirimat concordiam inter filium & patrem, qui diſſecet naturæ conjunctiſſimum vinculum interfiliam & matrem qui diſtrahat concordiam inter ſocrum & nurum. Nullus eſt naturæ aut amicitiæ nexus tam tenax, quem hic gladius non queat dirumpere. Quos domeſtica con - ſuetudo fecera homini conjunctiſſimos, hos Evangelii gladius inimicitia ſubita divellet.) So bald der Stamm Ruben vnnd Gad ſampt dem halben Stamm Manaſſe in jhrer Ruckreiſe anfingen bey dem Jordan einen ſchoͤnen newen Altar zu bawen / erweckete ſolches bey den vbrigen Staͤmmen der Kinder Jſrael ein groſ - ſes Mißtrawen / ſo gar / daß ſie ſich deßwegen anfingen zum Kriege zu ruͤſten / vnd wann ſich jene gegen dieſer Abgeſandien nicht ſo wol erklaͤret / waͤre es zum offenen Krieg gerathen Joſ. c. 22. v. 10. & ſeqq. Was vor groß Mißtrawen / Vneinigket / Krieg vnd Vnruhe die ſpaltige Religon im H. Roͤm. Reich vnſerm geliebten Vatteriande ereuget vnd noch / das bezeugen die Annales, Acta Publica, Reichs - handlung vñ Abſchiede mit mehrem / vnd hat man im vorigen ſeculo vber 30. Jahr bellando vnd conſultando zugebracht / ehe man den wehrten lieben Religion-Frie - den erhandelt / vnd auff ſicheren / feſten Fuß eines hochbetewrten allgemeinen Fun -damen -37Von dem Geiſtlichen Stande. damental Reichsgeſetzes geſtellet / wie wol ſeit deme Leuthe ſich gefunden / die fort vnd fort darauff gedacht / wie man denſelben auff einmahl bey euſſerlich ſich in et - was erzeigender Fortuna, wieder caſſiren vnd auffheben moͤchte / wiewol mit ſchlech - tem jhrem eygenen vnd deß gemeinen Vatterlandes Nutzen.
ALs Gideon der Richter vnd Regent vber Jſrael eine herꝛliche Victoriam wider die Midianiter / vnd darbey viel Gold vnd Silber erhielte / gerieth er in eine Thorheit / ließ einen ſonderbahren Leibrock darauß machen / ſuͤhrete einen newen Gottesdienſt damit in ſeiner Statt Ophra ein / verfuͤhrte damit auch das Volck / vnd meldet die Schrifft / daß das gantze Jſrael ſich daran verhuret habe daſelbſten. Jm Buch der Richter cap. 8. v. 27.
Wie Jerobe am ſeinen Staat vermeintlich do beſſer zuverſichern die zehen Staͤmme Jſrael von Jeruſalem daſelbſten den Gottesdienſt wie vor alters geſche - hen / zu beſuchen abhielte / vnd den von Gott ſo hoch improbirten Kaͤlbertantz / Exod. cap. 32. zu Bethel vnd Dan einfuͤhrete / verbliebe die Religion nicht lange in jhrem vorigen Weſen vnd Statu, ſondern enderte ſich das Volck mit jhrem Koͤnig vnd Herꝛn / nahmen die Hoff. Religion mit an / vnd verſuͤndigten ſich an dem Herꝛn jh - rer Vaͤtter Gott 1. Reg. cap. 12. 2. Chronic. cap. 11. So bald der Koͤnig Rehabeam das Geſetz deß Herꝛ verließ / thut dergleichen das gantze Jſrael / im 2. Buch der Chronic. cap. 12. v. 1.
E iijDem -38Das erſte Buch /Demnach der Abgoͤttiſche Koͤnig Manaſſe der reinen von ſeinen Gottſeeli - gen frommen Vatter Hißkia wider eingefuͤhrten Gottesdienſt abſtellete / den Gre - weln der Heyden nachfolgete / vnd ſeine Soͤhne durchs Fewr gehen ließ im Thal deß Sohns Hinnon / enderte ſich auch der gantze Status Religionis im Koͤnigreiche Juda / verfuͤhrte zu ſeiner Abgoͤtterey Juda vnd die zu Jeruſalem. 2. Chron. c. 33.
Hingegen wann Gottſelige vnd der reinen Lehr zugethane Koͤnige regieret / haben dieſelbe die Abgoͤtterey abgethan / den wahren Gottesdienſt wider ange - richtet / vnd das Volck auch zugleich zu der wahren Religion geführet / wie ſolches die Exempla der Koͤnige Aſſa / Joſaphat / Hiskia / Joſia / vnd anderer mehr conte - ſtiren vnd bezeugen / in den Buͤchern der Koͤnige vnd Chronicken.
So bald der gewaltige Koͤnig Darius / mit deme ſich die andere Monarchi anfinge / durch den Propheten Daniel vnnd Gottes Wunderthaten zur wahren Religion vnd Erkandnuß der Goͤttlichen Warheit kam / ließ er ein oͤffentlich allge - mein Religions Edict publiciren vnd verkuͤnden / deß Jnhalts / daß man in der gantzen Herꝛſchafft ſeines Koͤnigreichs den Gott Daniels fuͤrchten vnnd ſchewen ſolte / weil er der lebendige Gott / der ewiglich bleibet / vnd ſein Koͤnigreich vnver - gaͤnglich / vnd ſeine Herꝛſchafft kein Ende haͤtte / ꝛc. wie zuleſen bey dem Propheten Daniel. Cap. 6 v. 26.
Es beſtaͤttigen ſolches auch die Exempla Conſtantini Magni, Juliani Apo - ſtatæ, Caroli Magni vnd anderer mehr. Jn Aſia / Perſia vnd Griechenland / iſt durch die / der Mahometiſchen Religion zugethane Regenten / die Gotteslaͤſterliche Mahometiſche vnd Muſalmanniſche Religion eingefuͤhret; vnd nun ſo viel hun - dert Jahr hero beſtaͤttiget vnd getrieben. Vnnd vnter andern Vrſachen auch da - hero ſo ſehr vberhand genommen / daß der Tuͤrck ſo gar offt durch Gottes Verhaͤng - nuß wieder die Chriſten geſieget vnd wie es ins gemein zugeſchehen pflegt. Die Vberwundene deß Vberwinders Religion anzunehmẽ genoͤthiget oder vmb zeitli - cher Ehr / Gunſt vnd Befoͤrderunge verleitet werden. Was fuͤr Enderungen in der Religion in den nechſten hundert Jahren in Europa / vñ ſonderlich in Teutſch - laud vorgangen / iſt bekandt. Durch Enderunge der Regenten vnd deren Religion hat ſich allein in der Chur Pfaltz die Religion auch bey den Vnterthanen faſt bey Menſchen gedencken uͤber vier vnd mehrmahl geendert. Ja es haben viel / auch wol an Landen vnd Leuthen geringe Herren vor dieſem eine Reputation darin geſu - chet / daß ſie eine newe raiſſonablere / oder kluge vnd hochvernünfftige Religion an - genommen / vnd wann ſie kaum einen Flecken oder ein paar Huͤt voll Bawren ge - habt / haben dieſelbe gleich mit jhrem Herꝛn / die reputirliche vnd der Vernunfft aͤhnlichere Religion annehmen vnnd mit jhrem Herren kluͤglich vnnd verſtaͤndig glauben muͤſſen / darzu gleich wie vnſere erſte Fraw Mutter Eva zu dem verbotte - nen Bawm / weil er lieblich vnd luſtig anzuſehen vnd klugmachete / Geneſ. c. 3. v. 6. ſo viel do ehe zu bereden / wie ſonderlich oben im Reich vor dieſem leidigen Krieg dieErfah -39Von dem Geiſtlichen Stande. Erfahrung es gegeben. Was die Hoff-Religion vor ſtarcke operation vnd Wuͤr - ckung bey dieſem Krieg / ſonderlich bey zunehmender Fortuna, gehabt / wie heuffig man ſich in hohen / mitteln vñ niedrigen Standes geendert / iſt gleichfals offenbar. (In omnibus aulis, omnibus ætatibus accidiſſe reſtantur Prudentes, Quod aulæ vo - luerint attemperari Religiones ad ſuas utilitates, & inventa levia ingenia inſervien - tia cupiditatibus Principum. Nunc gerit hanc, aliam ſpeciem induit anno Relligio ad Procerum ſenſa parata loqui. Weih. alleg. loc.) Damit auch ſolche Apoſtaſia vnd Enderungen durch ver - haſten Namen nicht vnwerth oder wiedrig gemacht werde / heiſſet mans bey Hoff ſich fein accommodiren, qual ficiren, bequemen vnd in die Zeit ſchicken. Es muſte auch ja niemand zweiffeln / daß der Hoff vnd Herꝛ / der ſo viel vortreffliche Weltwei - ſe / hocherleuchtete Leuthe vmb ſich hat / nicht die rechte wahre Religion haben vnnd zum Teuffel fahren ſolte. Dieſes klinget nicht vbel in aula terreſtri, wie es aber hiernechſt in curia Cœleſti, vnd da wir erſcheinen werden ad Tribunal oder für dem Richtſtul Chriſti lauten wird / ſolches hat er ſelber in ſeinem Wort offenbahret / dar - von etwas in Axiom. 27. Die drey Judiſche Maͤnner / Sadrach / Meſach vnd Abe - dnego / welche an deß Koͤnigs Nebucadnezars Koͤnigl. Hoffe hohe Aempter bedie - neten / waren anders geſinnet / lieſen ſich durch keine Betrohunge / noch den fuͤr Augen ſehendẽ gluͤenden Fewr-Ofen / darzu bewegen / daß ſie die new angeordnete vnd publicirte Hoff. Religion / deß Koͤnigs Nebucadnezars annehmen / vnd dem auff gerichtetem Abgoͤttiſchen Bilde / Goͤttliche Ehr erweiſen wolten / ſondern foͤrchteten den wahren Gott / der beyds Leib vnd Seele toͤdten kan / mehr / als der Koͤnig der nurent den Leib verderben koͤnte.
Es wird auß dem Euſebio referiret, welcher geſtalt derloͤbliche Kayſer Con - ſtantius einsmahl ſeine Hoff vnd andere Diener / auff die Probe ſetzen vnnd erfah - ren wollen / ob ſie auch in der Religion beſtaͤndig ſeyn oder zu einer newen Hoff-Re - ligion ſich bequemen moͤchten / ſtellete ſich / ob inclinirte er zu der Goͤtzen Opffern / ließ ein ernſtlich Mandat publiciren, daß alle ſeine Diener bey Verluſt jhrer Dien - ſte den Goͤtzen opffern vnnd ſich zu der newen Hoff-Religion qualificiren ſolten?
Hierauff ſeind etzliche bey der wahren Chriſtlichen Religion beſtaͤndig ver - blieben / lieber jhre Dienſte vnd deß Kayſers Gnade quittiren / als ſich|an jhrem Gott durch Abgoͤtterey vnd Goͤtzenopffer verſuͤndigen vnd abtruͤnnig werden wol - len / die meiſten aber haben den Mantel nach dem Winde gehangen / lieber GOtt verlaſſen / als die Hoff Gnade vnd jhre Dienſte verliehren wollen.
Der Loͤbliche Kayſer aber lernte darauß ſeine Diener kennen / ſchaffte die abtruͤnnige Heuchler ab / ließ jhnen ſagen / weil ſie jhrem GOtt nicht trew / vnd Bundbruͤchig an demſelben worden / wie ſie jhme trewe vnd ſeiner Dienſte werth ſeyn koͤnten? Die aber bey dem Chriſtlichen Glauben beſtaͤndig blieben waren / diehonorirte40Das erſte Buch /honorirte vnd beſchenckte er vnd ſagte er hielte ſie hoͤher dann den groͤſſeſten Schatz.
Dann das iſt gewiß daß die jenige jhrem Herren am trewſten ſind / die an Gott nicht vntrew werden wollen. Als der Herꝛ Chriſtus den Lazarum zu Bethania der Sohn 4. Tage im Grabe gelegen vnd ſtinckend worden / vom Todt erwecket vnnd andere Goͤttliche Wunder gethan / meldet die Evangeliſche Hiſtoria / daß der Ober - ſten deß Volcks viel an Chriſtum geglaubet / aber vmb der Phariſeer willen jhn nicht bekant / daß ſie nicht in den Ban gethan würden. Denn ſie hatten lieber die Ehre bey den Menſchen / denn die Ehre bey Gott / bey dem Evangeliſten Johan. cap. 12. v. 42.
ES haben die verſtockete Juͤden dem Propheten Jeremia vorgeworffen vnd geſaget: Wie wir noch Melechet deß Himmels raucherten vnd demſelben / neben vnſern Koͤnigen vnd Vaͤttern opfferten / in den Staͤtten Juda vnnd zu Jeruſalem / da hatten wir auch Brod gnug vnd gieng vns wol vnd ſahen kein Vngluͤck / ſint der Zeit wir haben abgelaſſen Melechet zu raͤuchern haben wirallen41Von dem Geiſtlichen Stande. allen Mangel gelitten vnd ſind durchs Schwerd vnd Hunger vmbkommen Jer. c. 44. v. 17. & ſeq.
Die Roͤmer da ſie von den Gothen wurden zerſtoͤret / wuſten auch niemand die Schuld zugeben / denn daß ſie Chriſten worden waͤren / darwider S. Auguſtinus ein groß Buch beſchrieben hat / de Civitate Dei. Der Herꝛ Chriſtus ſpricht ſelber: Jhr ſollet nicht meinen daß ich kommen ſey Friede (verſtehe den Jrꝛdiſchen) zu ſen - den auff Erden / ſondern das Schwerd / denn ich bin kommen den Menſchen zu erre - gen wider ſeinen Vatter / vnd die Tochter wider jhre Mutter vnd die Schnur wie - der jhre Schwieger / ꝛc. Matth. cap. 10. v. 34. & ſeqq. Luc. cap. 12. v. 51. vid. ſupra Axiom. 14.
Die jenigen ſo es nicht verſchuldet muͤſſen den Kelch zu erſt trincken Jer. 49. v. 12. Der verfluchte Bruder Moͤrder Cain vnd ſeine Poſteritaͤt / haben groſſe Staͤtte gebawet / ſeind Tyrannenge / waltige vnnd groſſe Herren in der Welt wor - den / Gen. cap. 4. v. 17. & c. 6. v. 4. welches aber von den frommen Gottſeligen Nach - kommen Adams nicht zu befinden / der Gottloſe Cham ward von ſeinem Vatter Noah verfluchet / erlangete aber doch das groͤſſeſte Theil der Welt / vnd kam auff ſeine Nachkommen die Aſſyriſche gewaltige Monarchi Geneſ. c. 10. hingegen die von Gott vnd jhrem Vatter geſegnete vnd fromme Kinder Noah Sem vnnd Ja - phet / wohneten in Huͤtten vnd waren dargegen ſchlechte dürfftige Leuthe / ut not. Luth. in Geneſ. cap. 9. verſ. Maledicitur Ham & ad cap. 10. Floruit, inquit eo tem - pore poſteritas Cham, quæ propagavit idololatriam in orientales regiones. Die Eccleſia malignantium, oder der gottloſe vnnd vnglaubige Hauffe iſt allezeit der groͤſſeſte vnd gluͤckſeligſte / wann man die Land-Carte vor ſich nimbt vnd machet ei - nen Vberſchlag was allein von Tuͤrcken / Tartarn / Perſern / den Koͤnigen in Oſt Jndien / dem Koͤnig zu China / im gleichen in America vnnd andern mehr Orten von den Vnglaubigen beherꝛſchet wird / werden die Chriſten vnd hinwieder vnter denſelben die recht glaubige vnd wahre Kirche / das wenigſte inhaben vnd beſitzen.
WIe der Herꝛ Chriſtus groſſe Zeichen vnd Wunder that / vnd mit ſo we - nig Brod vnd Fiſche ſo viel tauſend Mann ſpeiſete / hatte er groſſen Zu - lauff von viel tauſend Menſchen / die jhn auch haſſen vnd gar zum Koͤni -Fge ma -42Das erſte Buch /ge machen wolten. Johan. c. 6. Aber wie er auff vngeſtuͤmmes anhalten der heillo - ſen Juden durch den vngerechten Richter Pilatum zum ſchmaͤhlichen Todt deß Creutzes verdammet / waren ſehr wenig die ſich ſeiner annahmen. Jmgleichen wie er die Teuffel auß triebe / ward er nicht alleine ſelber hoch geruͤhmet ſondern auch ſeine Mutter die heiligeſte Jungfraw Maria zugleich mit ſeelig geprieſen / in deme ein Weib im Volck jhre Stimme erhub vnd ſprach / Selig iſt der Leib der dich getragen hat / vnd die Bruͤſte die du geſogen haſt Luc. c. 11. v. 27. Wie aber jhr hertzliebſter Sohn Chriſtus am Creutze in Schmertzen vnnd todtes Angſt hinge / vnd Maria darunten ſtund vnd weinete / hat ſie niemand ſelig geprieſen / niemand auſſer Johanne ſich jhrer angenommen / niemand hat ſie getroͤſtet: Alſo iſt die Chriſtliche Kirche auch in den Verfolgungen / die diſerta & amara Maria die ver - laſſene elende Maria / ein rechtes Jammer-Maͤgdlein / bleibet aber doch durch das Blut Chriſti gereiniget vnd jhme ewig vertrawet. Vid. Meiſner. in Homil. de ſe - cundo Chriſti verbo in Cruce. Quo ſe Fortuna eò etiam favor hominum incli - nat, ut dixit Auguſtin. Plerumque enim ad motum fortunæ ſe movere homines ſo - lent. Philipp. Cominæ. Ut quiſque fortunâ utitur ita præcellet, atque ex inde ſape - re eum omnes dicimus. Plaut. in Pſeud.
WIe der Herꝛ Chriſtus ſeiner Kleider entbloͤſſet / an das Creutz gehefftet war / be - kam ſein Rock viel competitores vnd anſprache von den Kriegsknechten / vnd weil ſie ſich darumb in gůte nicht vergleichen koͤnten / haben ſie das Looß daruͤber geworffen Matth. c. 27. v. 35. (Hoc Spectaculum orbi, hoc Chriſto ipſi objectũ. Eæ veſtes quarũ vel fimbria & extremæ oræ, quoſcũq; morbos ſanaverãt, velut latroni celeberrimo detractæ exuviæ, ſortiuntur & lacerantur in prædã & mercedem Car - nificū Drexeli. de Chriſto Morient. par[e]. 2. c. 9. §. 2. n. 4.) nach der Prophezeyunge / ſie habẽ meine Kleider vnter ſich getheilet / vñ vber mein Gewand haben ſie dz Looß geworffen / Pſalm. 22. v. 19. Aber vmb ſeinen Leichnam / vnnd wie derſelbe vom Creutz genommen vnd in das Grab geleget wuͤrde / bekuͤmmerte ſich allein der from - me Joſeph von Arimathia / der gieng zu Pilato vnd bat denſelben vmb den Leib Je - ſu vnd legete denſelben ins Grab d. c. 27. wiewol Nicodemus der vormahls bey der Nacht zu Jeſu kommen ward / ſich auch hernacher herbey gemachet / Myrꝛhen vnd Aloe darzu gebracht Johan. c. 19. v. 39.
Alſo43Von dem Geiſtlichen Stande.Alſo gehet es noch heut zu Tage auch zu / da ſich viel finden die ſich vmb den vngeneheten Rock Chriſti / das iſt / vmb die Geiſtliche Guͤter hoch bekuͤmmern / aber auff ſeinen Geiſtlichen Leichnam / das iſt auff ſeine Chriſtliche Kirche / die reine Lehr ſeines Worts / die Geiſtliche betrangte Gliedmaſſen ſeines Leibes vnnd vmb den Schaden Joſephs ſich wenig bekuͤmmern; darumb gehet es auch wie es kan / vnnd nicht wie es ſoll. Viel halten darvor wann ſie in jhren Regiſtern eine groſſe Ein - nahme machen koͤnnen / ſo ſeyn ſie gluͤckſelig / wann es ſchon vom Altar vñ der Can - tzel geriſſen / vnd gedencken nicht daran / daß die Rubric der vngerechten Einnah - me / die Rubric der Außgabe / alles Segens beraube / vnrichtig mache vnnd die Ein - nahme weit uͤbertreffe / nach der Prophezeyung deß Propheten Hagai. cap. 1. Jhr ſaͤet viel vnd bringet wenig ein / jhr eſſet vnnd werdet doch nicht ſatt / vnnd welcher Geld verdienet der legets in einen loͤcherten Beutel. Darvon ſtehet auch geſchrie - ben Deuteronom. 28. v. 38. & ſeqq. Mich. c. 6. v. 12. Jch habe noch keinen geſehen / der durch die Einnahme Geiſtlicher Guͤter / die Außgabe mit groſſem Segen vnnd / Nutzen verbeſſert / wie wol es viel meinen vnd darfuͤr halten / wann die Rubric der Einnahme von Geiſtlichen Guͤtern auß jhren Regiſtern vnd Rentkammer bliebe / ſie koͤnten jhren Stat / den doch jhre loͤbliche Vorfahren mit groͤſſerm Reſpect, Ehr vnd Reputation ohne ſolche Guͤter erhalten / nicht fuͤhren.
DEr H. Apoſtel Petrus weiſet alle Chriſten dahin wann er ſpricht: Wir haben ein veſtes vnd Prophetiſch Wort / vnd jhr thut wol daß jhr darauff achtet / als auff ein Liecht das da ſcheinet in einem dunckeln Orth. 2. Petr. c. 1. v. 19. vnnd Paulus an ſeine Epheſer Jhr ſeyd nun nicht mehr Gaͤſte vnd Frembdlinge / ſondern Burger mit den Heiligen vñ Gottes Haußgenoſſen / er - bawet auff den Grund der Apoſtel vnd Propheten / da Jeſus Chriſtus der Eckſtein / auff welchen der gantze Baw (nemblich der Chriſtlichen Kirche) in einander ge - fuͤget / ꝛc. ad Epheſ. c. 2. v. 19. & ſeqq. vnd S. Petrus ſchreibet an ſeine Gemein in Ponto / Galatia / ꝛc. Jhr ſeyd wiedergebohren auß vnvergaͤnglichem Samen / nemblich / auß dem lebendigen Wort Gottes das da ewiglich bleibet 1. Petr. 1. v. 23. & 2. Petr. 1. v. 19. vnd kan hieruͤber weiter alſo geſchloſſen werden / daß wornachF ijwir44Das erſte Buch /wir werden am Juͤnſten Tage gerichtet werden / daſſelbe allein vnd nichtes anders fuͤr das alleinige Principium vnnd die einige norma vnſers Glaubens vnd darauff gegruͤndeten Chriſtenthumbs. Nun wird vns aber nicht es anders als das Wort Gottes durch die Propheten vnd Apoſtel auffgezeichnet / am Juͤngſten Tage rich - ten / nach dem Außſpruch Chriſti Johan. cap. 12. v. 48. Rom. 2. v. 16. derowegen muß dieſes vnd kein ander oder neben Principium vnſers Glaubens / darnach wir wer - den gerichtet werden / ſeyn vnd bleiben.
Der Herꝛ Chriſtus hat vns ſelber dahin gewieſen / wie er geſagt: forſchet in der Schrifft denn ſie iſts die von mir zeuget / Joh. 5. v. 39. Die H. Apoſtel haben ſich ſelber auff nichts als auff Moſis vnd der Propheten Schrifften bezogen. Da der r[e]iche Schlemmer in der Helle lage / vor ſeine hinter laſſene noch vbrige 5. Bruͤder ſorgete vnd begehrete / daß einer von den Todten aufferſtehen vnd ſie warnen ſolte / bekame er dieſe Antwort. Sie haben Moſen vnd die Propheten / laß ſie dieſelbe hoͤren. Luc. 16. v. 29. Dahin weiſet vns auch der Prophet Eſaias / wann er lehret: Nach dem Geſetz vnd Zeugnuß / werden ſie das nicht ſagen / ſo werden ſie die Mor - genroͤthe nicht haben. Cap. 8. v. 21. So bezeuget auch Paulus in ſeinem herꝛlichen Geſpreche mit Agrippa, daß er nichts auſſer deme / was die Propheten geſagt haben / daß es geſchehen ſolte vnd Moſes lehre / geredet / in Apoſtel Geſchicht cap. 26. v. 22.
Weil aber Feſtus / ſo mit bey dieſem Geſpraͤche war / das groſſe Geheimnuß Gottes nach ſeiner Vernunfft ermeſſen wolte; ſprach er zu Paulo: Paule du ra - ſeſt / die groſſe Kunſt machet dich raſend.
Aber der Koͤnig Agrippas der etwas mehr auff Pauli Predigt vnd die Pro - pheten geachtet / als Paulus fragete / glaubeſtu Koͤnig Agrippa / ſprach er zu Pau - lo es fehlet nicht viel du vberredeſt mich daß ich ein Chriſt wůrde / worauß zu ſehen / daß Pauli Predigt mehr deß Koͤnigs Agrippæ Hertz / als deß Feſti geruͤhret / weil a - ber Agrippas das Wort Gottes nicht weiter geachtet / hat es auch nicht bey jhme ge - wurtzelt.
Der Landpfleger Felix ließ den Apoſtel Paulum auch offt zu ſich fordern / vnd hoͤrete jhn von dem Glauben an Chriſtum / vnd als Paulus jhme vorſagte von der Gerechtigkeit / Keuſchheit / vnd von dem zukuͤnfftigen Gerichte / bekame er die Ant - wort / er ſolte wider hingehen / er waͤre vor dißmahl vnmuͤſſig / wann er gelegene Zeit darzu haͤtte / wolte er jhn wiederruffen laſſen. Es zielete aber endlich Felicis con -verſatio45Von dem Geiſtlichen Stande. verſatio mit dem Paulo nicht dahin / daß er den rechten Weg zur Seeligkeit ler - nen / ſondern von Paulo pro redimenda vexa & carcere ein ſtuͤck Geldes erpreſſen vnd haben wolte. Actor. cap. 24. v. 24. koͤnte alſo das Wort Gottes bey Felice, der nicht Chriſtum / ſondern Geld bey dem gefangenen Paulo ſuchete / nicht hafften.
Die heilige Goͤttliche Schrifft / wie Athanaſius ſaget / iſt der einige Wagen / dardurch der hochwehrte heilige Geiſt in vnſer Hertz faͤhret. Heilbrun. in libr. di - cto Vncathol. Papſtum art. 15. c. 16.
Der Glaube kombt auß dem Gehoͤr Goͤttliches Worts. Rom. 10. v. 17. wor - durch Gott den Glauben vorhelt jederman / Actor. 17. v. 31. Ohne Glauben aber iſt es vnmuͤglich Gott gefallen Hebr. c. 11. v. 6.
Die Heyden vnd andere Vnglaubigen / halten vnd reden von Gott / bloß nach jhres Hertzen Gedancken / eygenen Wahn / ohne vnd auſſerhalb deß Worts Gottes vnd Verheiſſungen / darumb iſt jhre Erkantnuß vnd Gottesdienſt eytel vnnd kan jhnen zur Seeligkeit nicht dienen. Darumb laͤſſet ſie Gott in jhres Hertzen Dün - ckel daß ſie wandeln nach jhrem (vnd nicht nach Gottes) Rath / wie Aſſaph klaget in dem 71. Pſalm. v. 13.
Die Kirche Gottes aber / altes vnd newes Teſtaments / glauben / reden / halten mit vnd von Gott nach ſeinem Wort vnd Verheiſſungen / darin er ſich beyds nach ſeinem Weſen vnd Willen offenbahret / davon D. Lutherus in der Außlegung deß 51. Pſalms fol. 340. Wulffenbuͤttel Edition, mit mehrerm handelt ad Frid. Balduin. de caſibus conſcient. lib. 2. cap. 1. caſ. 4.
Zwiſchen der Menſchlichen Vernunfft vnnd vnendlichem Weſen Gottes / auch ſeiner hohen Mayeſtaͤt vnd Menſchlicher Schwachheit iſt gar keine propor - tion vnd Vergleichunge / es iſt jhr eine Thorheit vnd kan es nicht begreiffen / vnnd muß vber die Mayeſtaͤt erſtarren / ja je hoͤher ſie ſteiget / je tieffer vnd gefehrlicher ſie ſich ſtuͤrtzet. (Ratio noſtra, quantò plus graditur, tantò longinquius errat. inquit Chriſtian. Poet. Proſp.
Loqui volentes de Dei profundo merſi ſunt in profundum. Meiſn. Homil. 2. Advent Domin. Imò Scrutator Majeſtatis opprimetur à gloria ejus. Sciens Do - minus magnam confuſionem rerum futurarum in noviſſimis diebus, ideò man - dat, ut Chriſtiani volentes firmitatem accipere veræ fidei, ad nullam rem aliam fu - giant, niſi ad ſcripturas. Alioquin ſi ad alia reſpexerint, ſcandalizabuntur & peri - bunt, & incident in abominationem deſolationis, quæ ſtat in locis Eccleſiæ ſanctis Chryſoſt. in Matth. c. 24. Et rectè Luther. in Commentar. ad Geneſ. cap. 26. fol. 353. fac. 2. Aut loquimur, inquit, de Deo abſcondito, aut de Deo revelato. De Deo quatenus non eſt revelatus, nulla eſt Fides, nulla fcientia, & cognitio nulla, & ibi tenendum eſt, quod dicitur, Quæ ſupra nos nihil ad nos. Ejuſmodi enim cogi - tationes, quæ ſupra aut extra revelationem Dei, ſublimius aliquid rimantur, pror - ſus Diabolicæ ſunt, quibus nihil amplius proficitur, quam ut nos ipſos in exitiumF 3præci -46Das erſte Buch /præcipitemus, quia obiiciunt objectum imperveſtigabile, videlicet, Deum non re - velatum. Moſes etiam petebat ut oſtenderet ipſi Deus faciem ſuam, ſed reſpon - det Dominus: poſteriora mea tibi oſtendam, faciem autem meam videre non po - teris. Iſta curioſitas peccatum magnum, quâ ad Deum affectamus vam naturali ſpeculatione, Et ſic Adam horribiliter lapſus eſt. Hactenus Luther. Hinc Tacitus homo gentilis cautè monuit: Sanctius & reverentius eſſe de actis Deorum credere, quam ſcire, in lib. de Morib. German. Et Scaliger. Excerc. 365. ſect. 2. Deus nullis tam plenè indicatus intelligitur, quam illis quæ ignorationem noſtram prætendunt. Neque inconvenienter Plato, dixiſſe fertur, Rerum divinarum nihil ſciri, ſine divi - no oraculo.
DAnn ſo ſpricht Gott der Herꝛ ſelber: Alles was ich euch gebiethe das ſolt jhr halten daß jhr darnach thut / jhr ſolt nichts darzuthun noch darvon thun. Deut. c. 12. v. ult. Et Deuter. c. 4. v. 2. Alle Worte Gottes ſeind durchleutert. Thue nichts zu ſeinen Worten daß er dich nicht ſtraffe Pro - verb. 30. v. 6. vnd S. Johannes warnet darvor gar trewlich / ſagend: Jch bezeuge a - ber allen / die da hoͤren die Wort der Weiſſagung in dieſem Buch / So jemand dar - zu ſetzet / ſo wird Gott zuſetzen auff jhn die Plagen die in dieſem Buche geſchrieben ſtehen / in der Offenbahr. S. Johann. c. 22. v. 18. | Sintemahl die Schrifft eingege - ben von Gott / iſt nutz zur Lehre / zur Straffe / zur Beſſerunge / daß ein Menſch Got - tes ſey vollkommen / zu allen guten Wercken geſchicket. Jn der 2. Epiſtel an Ti - moth. c. 3. v. 16. 17. (Auguſtin. de Doctrin. Chriſt. lib. 2. c. 19. In iis inquit, quæ a - pertè in ſcriptura poſita ſunt, inve niuntur illa omnia, quæ continent fidem moreſ - q́ue vivendi. Et de Bon. viduit. c. 1. Sancta ſcriptura noſtræ Doctrinæ regulam fin - git, ne audeamus ſapere plus quam oportet. Eſtq́ue exactiſſima trutina, gnomon & regula. Chryſoſtom. homil. 13. in 2. ad Corinth. Diyina Statera Auguſt. lib. 2. con - tra Donat. Animæ pharmacum Chryſoſt. in c. 3. ad Coloſ. D. Gerhard. in Apho - riſm. Theolog. cap. 2. Aphoriſm. 19. 20.) Machet nun die Schrifft den Menſchen vollkommen zu allen guten Wercken / bleiben wir billig allein darbey / vnnd haben nicht vonnoͤthen vmb andere Vollkommenheit vnſerm eygenem verderbtemWahn47Von dem Geiſtlichen Stande. Wahn vnd Dunckel nach vns zu bekuͤmmern. Ob auch wol der Herꝛ Chriſtus viel Zeichen gethan / die nicht beſchrieben / daß wir glauben / vnd dardurch das Le - ben haben in ſeinem Namen / wie der Evangeliſt S. Johan. c. 20. v. 30. 31. zeuget / & c. ſeq. fin. v. ult. Jſt aber nun ſo viel beſchrieben / daß wir glauben vnnd dardurch das Leben haben / ſo koͤnnen wir ja das Ende deß Glaubens / nemlich der Seelen Seligkeit erlangen / vnd duͤrffen keine andere Wege vnd Mittel ſuchen / als darin zu finden / vnd von Gott ſelber gezeiget vnd gebotten (Deus nos ad ſcripturas aman - dat, & ut ei citra omnem vel adjectionem vel detractionem credamus, mandat: nuſpiam vero, ut aliquid extra ſcripturam pari Pietatis affectu ſuſcipiamus imperat. Schrôder. de Catechet. Chriſt. Doctrin. capitibus quæſt. 8.
ELeganter Lactant. lib. 6. inſtitut. Divin. c. 21. Num Deus, inquit, & mentis & vocis & linguæ artifex, diſertè loqui non poteſt? Imò verò ſumma providentia fuco carere voluit ea, quæ divina ſunt, ut omnes intelligerent, quod omnibus lo - quebatur.
Chryſoſtom. Homil. 3. in 2. ad Theſſal. Omnia clara ſunt & plana ex ſcripturis divinis, quæcunq́ue neceſſaria ſunt, manifeſta ſunt. Auguſtin. de utilit. credend. c. 6. Quicquid eſt, mihi crede in ſcripturis illis altum & divinum eſt. Ineſt omnino veritas, & reficiendis inſtaurandiſq́ue animis accommodatiſſima diſciplina, & pla - nè ita modificata, ut inde haurire nemo non poſſit, quod ſiòi ſatis eſt, ſi modo ad hauriendum, devotè ac piè acceſferit. Idem Chryſoſtom. Homil. 3. de Lazar. Pro - phetas & Apoſtolos, omnia manifeſtè & clare prodidiſſe, ut è ſola etiam lectione per ſe quiſq́ue diſcere poſſit, quæ dicuntur, & ne quis difficultatis poſſit obtendere excuſationem, ita temperaſſe, ut etiam publicani, piſcatores, opifices, & vidua mu - lier, & ſervus illiteratus. & omnium hominum in doctiſſimi ex lectione aliquid lu - cri, utilitatiſq́ue reportaret. Cyrill. lib. 7. cont. Jul. ait. Scripturas ut omnibus eſſent notæ, magnis ac parvis utiliter familiari ſermone eſſe commendatas, ita ut nullius captum tranſcendant. Fulgos. Sermon. de Confeſſ. comparat ſcripturas dulciſſi - mis ferculis, in quibus abundet, quod comedat perfectus; abundet et - iam quod ſugat parvulus. Et Gregor. lib. 20. Moral. comparat fluvio, in quo & E - lephas natare, & agnus ambulare poſſit.
Notabiliter Eraſmus Roterodamus in Præfat. Paraphraſ. in Matth. Evangel. Scripturæ,48Das erſte Buch /Scripturæ, inquit, ita proditæ ſunt, ut citius intelligantur ab idiota pio, modeſto - q́ue, quam ab arrogante Philoſopho. Hæ Doctis pariter ac indoctis, Græcis æquè ac Scythis, ſervis itidem ac liberis, quæ fæminis ſimul ac viris, quæ plebeis non mi - nus atq́ue Regibus proditæ ſunt. Quod docent, ex æquo ad omnes pertinet. Quod pollicentur pariter ad omnes pertinent &c. ubi hoc thema latius & per quam ele - ganter proſequitur. Et ſcriptura quod uno inloco verbis obſcuris proponit, id ſi non illico, alibi tamen clarioribus exponit, uti ex collatis ſcripturæ dictis brevibus demonſtrat Schrôder. de Capitib. Catechet. quæ. 11.
DEr Koͤnigl. Prophet David ſaget; dein Wort iſt meines Fuſſes Leuchte / vnd ein Liecht auff meinem Wege / Pſalm. 119. v. 105. Ein Liecht das da ſcheinet in einem dunckeln Orth / biß der Tag anbreche. 2. Petr. c. 1. v. 19. ja die vnüberſchwengliche Klarheit. 2. ad Corinth. 3. v. 9. & 10. vnd ob ſchon viel hohe vnd ſchwere Sachen in der H. Goͤttlichen Schrifft / ſonderlich den Pro - pheten enthalten / vnd wol ein Abgrund der Goͤttlichen Weißheit kan genand wer - den / ſo iſt doch das jenige / was einem jeden / ja dem allereinfaͤltigſten / auch den klei - nen Kindern zur Seeligkeit zu wiſſen vonnoͤthen / ſo deutlich vnd klar / daß wann ſie nurent glauben / dardurch zur ewigen Seeligkeit koͤnnen erbawet werden / wie nechſt der H. Schrifft die Patres Auguſtinus, Chryſoſtomus vnnd andere bezeugen. Darvon die Theologi mit mehrerm handeln auch dahin gehoͤrig.
GAr ruͤhmlich wird der Zuhoͤrer vnd Gemein zu Berrohen gedacht / daß ſie taͤglich in der Schrifft geforſchet haben / ob ſichs alſo verhielte / was jhnen S. Paulus auß Moſe vnd den Propheten geprediget / Actor. 17. v. 11. Der Kaͤmmerer vnnd Gewaltiger der Koͤnigin Candaces geriethe auff ſeiner Ruckreiſe von Jeruſalem / vber den Propheten Eſaiam / vnd laß denſelben / daruͤ - ber kame auff Befehl deß Herꝛn der Apoſtel Philippus zu jhme / vnd fragete / ob er auch verſtuͤnde was er lieſe / worauff er ſo viel berichts erlangte / daß er begehrte ge - tauffet zu werden / vnd vorhin die herꝛliche Bekantnuß thate. Jch glaube daß Je - ſus Chriſtus Gottes Sohn iſt Actor. 8. cap. haͤtte dieſer Cammerer nicht im Pro - pheten Eſaia geleſen / waͤre Philippus nicht zu jhme kommen / haͤtte auch keine Vr - ſache gehabt zu fragen / ob ers wol verſtuͤnde / was er lieſe. Hiervon ſchreibet Eraſ -mus49Von dem Geiſtlichen Stande. mus in vntengemelter Præfation gar denckwürdig alſo: Quid alienius à myſteriis Prophetarum, quam Eunuchus ille Candaces Reginæ, in Regia nutritus muliebri - bus obſequiis, deniq́ue Æthiops, qua gente vix ulla effœminatior: tamen dum, ut delicatus curru vehitur, legit Eſaiam de Chriſto vaticinantem. Non intelligebat ſcripturæ ſenſum homo profanus & idiota, & tamen quoniam pio ſtudio legebat, ſubitò mittitur illi Philippus interpres: vertitur Eunuchus in virum, tingitur aqua, & ater Æthiops niveo agni immaculati vellere induitur, ſubitoq́ue ex mancipio profanæ Reginæ, fit ſervus Jeſu Chriſti. Wie nun GOtt dieſem Cammerer das Verſtaͤndnuß geoͤffnet da er die Schrifft geleſen / alſo wird ers gewiß andern auch nicht verſagen.
Deß Herꝛn Chriſti Befehl iſt gemein / vnd gebeuth er ohn vnterſchied / for - ſchet in der Schrifft / denn ſie iſt die von mir zeuget was allen Menſchen zur Lehr / Troſt vnd Warnunge in der H. Goͤttlichen Schrifft offenbahret vnnd verzeichnet warumb ſolten ſolches auch nicht alle Leuthe leſen vnd betrachten. Confer D. Ger - hard in Aphoriſm. Theolog. cap. 2. Aphoriſin. 43. Eben daſſelbe Wort Gottes das in der Bibel verzeichnet vnd auffgeſchrieben / haben Moſes / die Propheten / Chriſtus ſelber vnd die Apoſtel / allen Menſchen ohne vnterſchied Geiſtlichen oder Weltlichen Standes vorgehalten vnd geprediget. So nun allen Menſchen gegoͤn - net vnd ſeynd ſie alle tuͤchtig gehalten das Wort Gottes / ſo hernacher beſchrieben / anzuhoͤren / warumb ſolten ſie dann auch nicht alle daſſelbe zuleſen verſtattet vnnd zugelaſſen werden.
Dahin ziehlet auch jtzt gemelter vortrefflicher Theologus Eraſmus Roter - dam. in ſeiner Præfat. ad Lect. in paraphras. Evangel. Matth. wann er ſetzet: Certè ſcripturarum ſuarum penum nulli pio claudit Chriſtus, etiamſi ſubulcus eſſet, qui quondam paſtoribus impartiit ſpiritum Propheticum, in hujus igitur libris verſen - tur omnes, qui venantur Chriſtianam Philoſophiam. Si ſuccedit, age gratias Deo: ſin minus, ne abiice animum protinus, quære, pete, pulſa. Quærenti continget ut inveniat, petenti dabitur pulſanti aperiat is qui habet clavem &c. Et in ſequenti - bus: Cupit Chriſtus Philoſophiam ſuam quamlatiſſimè propagari. Pro omnibus mortuus eſt, ab omnibus cognoſci deſiderat. Ad id conducet, ut illius libri vertantur in omnes omnium gentium lin - guas &c.
VMb ſonſt ehren die Menſchen Gott nach Menſchlichen Geſetzen / eygenen Wahn vnd Dunckel / wie der Herꝛ Chriſtus ſelber bezeuget Matth. 15. v. 9.
Als Moſes bey Gott auff dem Berge Synai war / vnd etwas verzo - he / tratten die Kinder Jſrael von den Wegen / die jhnen Gott gebotten hat - te / erwehlten einen newen Gottesdienſt / richteten ein gegoſſen Kalb auff / opfferten demſelben vnd ſagten / das ſeind deine Goͤtter Jſrael / Exod. 32. (Balthaſ. Meiſner. de Eccleſ. ſect. 4. c. 5. membr. 3. Quæſt. 3. ubi ſcribit: peſſimè depravatus fuit publicus cultus, dum Aarone conſentiente & procurante, erexerunt vitulum aureum & to - tus populus clamavit. Hi ſunt Dei tui Iſrael. Exod. 32. v. 4. ſecuti hac in parte Ægy - ptiorum mores, quibus ante aſſueti, in Civitate Regia Memphi colentibus Apin. h. e. bovem qui albam frontem, & parvas quaſdam maculas in cute habuit, cætera ni - ger exiſtens.) Was vor einen groſſen Mißfallen aber Gott darangehabt / vß was vor eine ſcharffe Execution derſelbe vber ſie verhenget / wann es nicht Moſes abge - beten / iſt daſelbſten zu ſehen. Denn Gott will nicht auff andere Weiſe vnd Manier noch durch andere Ceremonien vnd Gottesdienſt geehret ſeyn / als er ſelber verord - net / wann ſchon ſolches auß guter Intention vnd Einfalt geſchehe. (Bona intentio, & opus malum, exoſum Deo eſt ſacrificium. Drexel. de rect. intent. lib. 1. c. 6. ubi latè hac de re agit, Neq́ue bona Religio, neq́ue bona intentio juſtificant opera ma - la. Non enim facienda ſunt mala ut eveniant bona. in Actis Apoſt.) Die Soͤhne Aarons / Nadab vnnd Abihu tratten auch ab von Gottes Ordnunge fingen an zu raͤuchern mit frembden Fewr vor dem Herꝛn / vnd zwar ſolches keiner boͤſen Inten - tion, aber Gott hatte einen groſſen Eckel daran / daß er Fewr ließ herunter fahren vnd ſie ſo bald auff friſcher That vnnd in ipſo vani cultus loco mit Fewr verderben vnd toͤdten. Jm 3. Buch Moſ. c. 10.
Deſſen hat man auch ein denckwuͤrdig Exempel an Gideon / der das Ephod vnd ſelbſt erwehlete newe Ceremonien zum Gottesdienſte anrichtete / deßwegen er ſich an Gott verſuͤndiget / auch ſeine Kinder vnnd Poſteritaͤt daruͤber hart geſtraffet worden / wie zu ſehen im Buch der Richter im 8. vnd 9. c. Was ſoll mir ſpricht der Herꝛ bey dem Propheten Eſaia / die menge ewrer Opffer? Eſai. c. 1. v. 11. & v. 13. das Rauchwerck iſt mir ein Grewel / der Newmonden vnd Sabbath / da jhr zuſammen kombt / vnd Muͤhe vnd Angſt habet / der mag ich nicht. Meine. Seele iſt denſelbenfeind51Von dem Geiſtlichen Stande. feind vnd derſelben vberdrüſſig. Jmgleichen bey dem Propheten Jeremia / cap. 6. v. 20. was frage ich nach dem Weyrauch / der auß Reich Arabia / vnd nach den guten Zimmetrinden / die auß fernen Landen kommen? Ewre Brandopffer ſind mir nicht angenehme / vnd ewre Opffer gefallen mir nicht.
Gott helt allen Gottesdienſt / der ohne vnnd wider ſein Wort von Menſchen angeordnet wird / vor Abgoͤtterey vnd Aberglauben / vnd iſt jhme ein Grewel. Da - hero Luther. in Commentar. in Geneſ. recht ſchreibet: ſpecioſum opus contra ver - bum Dei ſuſceptum, eſt mera abominatio: Et ſcriptura infauſtis nominibus ariola - ri & idolatrare vocat, aliquid, ſine aut contra Dei verbum ſuſcipere. Vnd in notis marginalibus bey dem 3. Capitel deß Propheten Danielis v. 1. ſchreibet er: Gottes - dienſt / ohn Gottes Wort iſt allezeit Abgoͤtterey.
KEin Baw kan beſtehen / wann das Fundament verruͤcket oder gar entzo - gen wird / ſondern faͤllet vbern hauffen vnd bekombt eine andere geſtalt.
Nun dann auß vorigem Axiomate XX. offenbar / daß die wahre Kirche auff den Grund vnd Warheit Goͤttliches Wortes erbawet / kan ſie nicht beſtehen / wann ſie darvon abweichet.
Daß aber die Kirche Gottes jrren koͤnne / auch im alten vnnd newen Teſta - ment viel mahls an vielen Orten gejrret habe / iſt nicht zu zweiffelen. Wie Moſes vff dem Berge Sinai etwas lang verzoge / hat das gantze Juͤdiſche Volck ſampt jh - rem Hohenprieſter Aaron vnd den Leviten / wie ſie von Gottes Wort abgewichen / vnd ſich ſelbſten einen Gottesdienſt erwehlet / mit Auffrichtung deß guͤldenen Kal - bes / groͤblich gejrret / deßwegen ſie Gott der Herꝛ gantz außrotten vnnd vertilgen wollen. Exod. 32. Wie droben gemeldet.
Dergleichen Exempel findet man viel / als im Buch der Richter / da nach Jo - ſuæ Todt / die Kinder Jſrael abfielen vnnd Baalim dieneten / vnnd verlieſſen den Herꝛn jhrer Vaͤtter Gott / folgeten andern Goͤttern nach vnd beteten ſie an cap. 2. v. 7. 11. 12. & ſeq. Jud. 3. v. 5. & ſeq. cap. 4. v. 1. c. 6. v. 1. c. 8. v. 27.
G ijWelcher52Das erſte Buch /Welcher geſtalt die Jſraeliten als die Kirche Gottes / vnter der Koͤnige Ju - da vnd Jſrael Regierunge vielmahls im Gottesdienſt vnd der Lehr gejrret vnd ab - gefallen ſolches waͤre zuweitleufftig zuerzehlen / vnd iſt ſo wol ex hiſtoria ipſa, als auß der jederzeit lebenden Propheten / daruͤber gefuͤhrten Klage uͤberfluͤſſig vnnd gnugſamb zuſehen / ſonderlich zu Zeiten Jerobeams / Achabs vnd jhrer Succeſſo - ren / wie ſolches der laͤnge nach in ſpecie angezogen Balthaſ. Meiſner. in ſeinem Tractat. in Eccleſ. ſect. 4. c. 5. membr. 3. quæſt. 3. pag. 467. & ſeq. daruͤber klaget Gott der Herꝛ ſonderlich bey dem Propheten Jeremia c. 2. v. 21. ſagende.
Jch hatte dich gepflantzet zu einem ſuͤſſen Weinſtocke / ein gantz rechtſchaffe - nen Samen / wie biſtu mir dann gerahten zu einem bittern Weinſtock. Ad Eſai. c. 1. v. 3 4. 5. & ſeqq. cap. 2. v. 8. cap. 5. v. 4. cap. 10. v. 11. Es iſt zu weilen weder Geſetz bey den Prieſtern / noch Raht mehr bey den Alten geweſen / Ezech. 7. v. 26. & c. 22. v. 26. & 28. Oſeæ c. 1. v. 2. & cap. 2. v. 2. Amos. 2. v. 4. Zephan. 3. v. 4. Malach. 2. v. 8. cum ſi - milibus.
Es will aber von etzlichen darvor gehalten werden / ob ſolte ſolches von der Kirche newes Teſtaments nicht koͤnnen geſagt werden / weil Chriſtus derſelben verſprochen den Troͤſter den H. Geiſt / der ſie ſolte in alle Warheit leiten. Johan. 16. v. 13. Jtem Luc. cap. 22. v. 32.
Da Chriſtus den Petrum vertroͤſtet / daß er vor jhne gebeten / daß ſein Glau - be nicht auffhoͤre / darauß dann zu ſchlieſſen / daß das jenige / was der Heyland der Welt / als der Mund der Warheit / ohne gedinge ſeiner Kirchen verſprochen / das muͤſſe ohnfehlbar erfolgen. Nun habe er aber den Geiſt der Warheit alſo verſpro - chen / ꝛc. Aber hierauff iſt zu antworten 1. daß die Juͤdiſche Kirche nicht weniger als die Chriſtliche herꝛliche Verheiſſunge Goͤttlicher Gegenwart vnd Erhaltunge ge - habt / als Levit. 26. v. 11. Jch wil meine Wohnunge vnter euch haben vnd meine Seele ſoll euch nicht verwerffen. Pſalm. 132. v. 13. 2. Seind alle Promiſſiones vnd Verheiſſungen ſo der Juͤdiſchen vnd Chriſtlichen Kirchen geſchehen / conditiona - les vnd mit gewiſſem Bedinge erfolget / wann ſie nemlich werden / bleiben vnd wan - deln in den Wegen deß Herꝛn / wie ex allegatis locis vnd ſonſten Jerem. c. 7. v. 13. 2. Chron. 15. v. 2.
Es bezeuget es Chriſtus gnug Johan. 8. v. 31. Si manſeritis in ſermone meo, diſcipuli mei eritis. So jhr bleiben werdet an meiner Rede / ſo ſeyd jhr meine rechte Juͤnger. Johan. 14. v. 26. & cap. 15. v. 14.
Jhr ſeyd meine Freunde / ſo jhr thut was ich euch gebiethe in Epiſt. Johan. 1. cap. 2. v. 24. So bey euch bleibet was jhr gehoͤret habet / ſo werdet jhr auch bey dem Sohn vnd Vatter bleiben.
3. Weil Paulus von den Juͤden vff die Chriſten argumentirt, tanquam à Majori ad Minus, ſagend: hat Gott der natuͤrlichen Zweige nit verſchonet / ſo wird er deiner auch nicht verſchonen Rom. c. 11. v. 20. & ſeqq. Wie iſt es mit der Kirchevnd53Von dem Geiſtlichen Stande. vnd Gemeine Gottes zu Corintho / bey den Galatern / Coloſſern in Orient / vnnd Griechenland hergangen / hat ſich ſchon bey der Apoſtel Zeit hervor gethan / vnd iſt nachgehends aͤrger worden / davon weitleufftig handelt Meiſner. de Eccleſ. ſect. 4. c. 7. Membr. 2. Theſ. 4. p. 669. & ſeq. (Hieronym. in c. 2. Sophon. ait: Eccleſiam re - gnante Antichriſto, redigendam eſſe in ſolitudinem. Auguſtin. in Epiſt. 48. ad Vincent. Ipſa eſt Eccleſia quæ aliquando obſcuratur & tanquam obnubilatur ſcan - dalorum multitudine.) Vnd iſt auß dem 2. vnd 3. Cap. der Offenbahrung Johan. von den Aſiattſchen Kirchen gnug zu ſehen. So waͤren auch 4. alle Warnungen vor faſche Propheten ſo viele verfuͤhren wuͤrden / vmbſonſt geweſen / als Matth. 7. v. 15. Matth. 24. v. 11. & v. 23. Jtem Luc. 18. v. 7. Meinſtu / wann deß Menſchen Sohn kommen wird / daß er glauben finden werde. Johan. 4. v. 1. Pruͤffet die Gei - ſter ob ſie auß Gott ſeynd. Es ſamblet vnd behelt ſich aber doch Gott bevor ein klei - nes Haͤufflein hin vnd wieder in der Welt / welches auch bleiben wird / biß an den lieben Juͤngſten Tage / vnd werdens die Pfortten der Hellen nicht vberweltigen.
GOtt hat ſein Volck ernſtlich vnd trewlich warnen vnd durch Moſen jhnen gebieten laſſen: Weñ ein Prophet oder Traͤumer vnter euch wird auff ſte - hen / vnd dir Zeichen oder Wunder geben / vnd darauff ſagen / laſſet vns andern Goͤttern folgen die jhr nicht kennet / ſo ſoltu nicht gehorchen den Worten ſolches Prophet en vnd Traͤumers / dann der Herꝛ ewer Gott verſucht euch / daß er erfahre ob jhr jhn von gantzen Hertzen vnnd von gantzer Seelen lieb - habet. Deut. 13. 1.
Als ein Mann Gottes zu dem Jerobeam abgefertiget war / jhme ſeine Ab - goͤtterey vnd Vbertrettunge zu Bethel zu verweiſen / mit angelegtem außtruckli - chem Befehl / er ſolte daſelbſten kein Brod eſſen noch Waſſer trincken / vnnd nichtG iijwider54Das erſte Buch /wieder durch den Weg kommen den er gangen / er auch im Werck war / ohnerachtet[d]er Koͤnig Jerobeam jhn inſtendig zur Taffel eingeladen vnd Præſenten offeriret / ſolchem Befehl nach zukommen / laͤſſet er ſich doch hernacher auff der Ruckreiſe von einem alten Taͤuſcher / der ſich vor einen Propheten gehalten vnd vorgegeben / er waͤre auch ein Prophet wie er der Mann Gottes vnnd NB. ein Engel haͤtte mit jhme geredet durch deß Herꝛn Wort vnd geſaget: Fuͤhre jhn wieder mit dir heim daß er Brod eſſe vnd Waſſer trincke. Er log ihm aber / ſaget der Text. Vnnd wie der Mann Gottes ſich dardurch verfuͤhren laſſen / vnd noch vber Tiſch geſeſſen / be - kame er ſeine Sententz, daß er weder Brod eſſen noch Waſſer mehr trincken / auch ſein Leichnam in ſeiner Vaͤtter Grab nicht kommen ſolte / geſtalt dann ein grim - miger Loͤwe / zum Executore vnd Nachrichter verordnet / der jhn auff dem Wege vom Leben zum Todt hingerichtet. 1. Reg. c. 13. Alſo war der Teuffel ein falſcher Geiſt in vierhundert Propheten Munde deß Koͤnigs Achabs in Jſrael jhn zu vber - reden vnd zu verfuͤhren. 1. Reg. c. 22. Jſt derowegen dergleichen ſich angebenden Propheten / ja wann auch ein Engel vom Himmel kaͤhme / vnd einanders / auſſer Gottes Wort lehren wolte / nicht zutrawen.
Hiervon vnd daß man ſolchen Traͤumern / die ſich Engliſcher vnnd anderer Viſionen ruͤhmen / vnd die Leuthe damit von dem Wort Gottes abfuͤhren wollen / hat M. Jacobus Stolterfoth / ein begabter vortrefflicher Prediger in Luͤbeck ein fein Buͤchlein geſchrieben / Conſideratio Viſionum genand / welches wol zu leſen.
HErꝛlich wird ſie beſchrieben / bey dem Propheten Eſaia cap. 60. daß Koͤnige fuͤr jhr ſollen niederfallen vnd gebuͤcket zu jhr kommen / vnd die ſie vntertru - cket vnd gelaͤſtert haben / ſollen niederfallen zu jhren Fuͤſſen / vnd der Koͤnige Bruͤſte ſollen ſie ſaͤugen / daß ſie ſeye eine Statt deß Herren / ein Zion deß Heiligen in Jſrael / ꝛc. Jtem wie ein Statt die auff dem Berge lieget / die nicht ver - borgen ſeyn kan / Matth. 5. v. 15. Pſalm. 48. v. 2. Wie eine ſchoͤne luſtige Awe / Je - rem. c. 6. v. 2. Wie eine Statt Gottes die da feſt gegruͤndet iſt auff den heiligen Ber - gen Sion / darin herꝛliche Dinge geprediget werden. Pſalm. 87. Wie ein ſchoͤnesZweig -55Von dem Geiſtlichen Stande. Zweiglein deſſen ſich das gantze Land troͤſtet. Pſalm. 48. v. 3. Zion ſpricht der Pro - phet Eſaias / hat der Herꝛ gegruͤndet / vnnd daſelbſten werden die Elenden ſeines Volcks zuflucht haben c. 15. alias 14. v. ult. Sie iſt wie eine ſchoͤne Crone in der Hand deß Herren / vnd wie ein Koͤniglicher Hut in der Hand jhres Gottes Eſai. c. 62. v. 3. Vnterweilen aber wie ein verborgener Schatz im Acker den man ſuchet. Matth. c. 13. v. 44. Wie die verſtoſſene / vnd Zion / als eine / nach der niemand frage Jerem. c. 30. v. 7. wie eine verlohrne Herde / welche jhre Hirten verfuͤhret vnnd in der jrre ge - hen laſſen / daß ſie jhrer Huͤrten vergeſſen Jerem. c. 50. v. 6. vnd wie die Elende vnd troſtloſe daruͤber alle Wetter gehen. Eſai c. 54. v. 11. Zu Zeiten deß Prieſters Eli / ſpricht die Schrifft war deß Herren Wort thewr / vñ waren wenig Weiſſagungen in Jſrael 1. Samuel. cap. 3. v. 1. Bey dem Propheten Hoſea draͤwet GOtt ſeinem Volck / daß ſie lange Zeit ohne Koͤnig / ohne Opffer / ohne Altar / ohne Leibrock vnnd ohne Heiligthumb / das iſt ſine publico Religionis Exercitio, ohne offentlichen herꝛ - lichen Gottesdienſt ſeyn werden. Hoſeæ c. 3. v. 4. (D. Chryſoſtom. in Enarrat. Epiſt. ad Roman. Veniet, inquit, tempus triſte & luctuoſum, quo diſſipatis publi - cis Eccleſiæ cœtibus, pauci Exules ab aliquo mundi angulo trepidè convenient, & inter ſe communicabunt fragmenta cœleſtis Doctrinæ & pro his reliquiis Deo in - gentes gratias agent. Idem Chryſoſtom. homil. 49. oper. imperf. Tempore Anti - chriſti fideles latentes erunt, in locis quibuſdam ſecretioribus, Deo eos abſconden - te potius, quam loco, ſicut ſcriptum eſt: abſcondes in abſcondito vultus tui à con - turbatione hominum. Auguſt. Epiſt. 8. ad Vincent. Quando ſol obſcurabitur & Luna non dabit lumen ſuum & Stellæ cadent de cœlo, Eccleſia non apparebit, im - piis tunc perſecutoribus ultra modum ſævientibus.)
Alſo war es zu zeiten Eliæ vnter dem Gottloſen Koͤnig Achab / da der Pro - phet klaget / daß er allein vbrig geblieben / von denen die jhre Knie nicht gebeuget vor Baal / bekam aber die Antwort von Gott / daß er ſich deren noch 7000. vbrig behalten die es nicht gethan / welche dann ohnzweiffel latitiret vnd im verborgen ſich vffgehalten / ſo gar / daß auch der Prophet dieſelbe nicht erfahren oder gewuſt / vnd iſt alſo bey ſolchen 7000. die Kirche Gottes im verborgen geweſen. 1. Reg. 19. v. 10. 14. 18. welches S. Paulus applicirt auff die Kirche newes Teſtaments. Rom. 11. v. 4. & ſeqq.
Alſo muſten die Apoſtel nach der Aufferſtehunge Chriſti ſich verkriechen vnd in den Loſamentern verſchlieſſen auß Furcht vor den Juͤden. Joh. 20. v. 19. da ſie doch domahls die wahre Kirche waren. Nicodemus kam auch zu Chriſto in der Nacht geſchlichen Joh. 3. v. 2.
Hie moͤchte einer ſagen / wie iſts / muͤſſen dann die Chriſten nicht oͤffentlich herauß jhren Glauben bekennen vnd bezeugen? Ein anders iſt es / wann einer be - fraget / vnd ſeine Confeſſion zu thun / von einer Obrigkeit / oder denen ſo es zu thun befugt / erfordert wuͤrde / dann muß er dieſelbe ohngeſchewet thun / oder gewertigſeyn /56Das erſte Buch /ſeyn / daß ihn Chriſtus vor ſeinen himmliſchen Vatter wieder verleugnen werde. Matth. cap. 10. v. 32. Denn da heiſt es wie einer auß den alten Kirchen-Lehrern ſa - get: veritas non ſolum credenda, ſed etiam loquenda, das iſt: die Warheit muß man nicht allein glauben / ſondern auch bekennen. Confer Balduin. de Caſib. Conſcient. caſ. 13. ubi plurib. hac de re agit. Ob wol die verſtaͤndige fromme Ju - dith dem Holoferne gute Worte vnd viel ein anders als ſie im Hertzen vnnd Sinn vorgab / dannoch bekante ſie jhre Religion offentlich vnd ſprach: Ob ich wol zu dir bin kommen / ſo bin ich doch darumb nicht von Gott abgefallen / ſondern will mei - nem Gott noch dienen bey dir / vnd deine Magd wird hienauß gehen / im Buch Ju - dith cap. 11. v. 13.
Alſo thate Stephanus der es den Hohenprieſtern vnnd Schrifft gelehrten / wie er erfordert war von ſeiner Lehr vnd Bekantnuß / Rede vnd Antwort zugeben / ohngeſchewet herauß ſagte / daß ſie deß Gerechten / nemblich deß Herꝛn Chriſti Moͤrder worden waͤren / ohnerachtet ſie die Zaͤhne zuſammen bieſſen / vnnd Ste - phanus wuſte daß er ſterben muſte. Actor. 7. v. 52. Solches hat Chriſtus vorher ge - ſaget Matth. c. 10. v. 18. Man wird euch fuͤr Fuͤrſten vnd Koͤnige führen / vmb mei - net willen zum Zeugnuß vber ſie.
(Sanguine fundata eſt Eccleſia, ſanguine cœpitSanguine ſuccrevit, ſanguine finis erit.Der Kirchen Grund / muſt erſt von jhrem Blute flieſſen /Jhr Anfang blutig war / ſie wuchs mit BlutvergieſſenAlſo muß ſie zu letzt / mit Blut auch noch beſchlieſſen.Fortior ut ſurgit duro ſub pondere palmes,Sic magis excreſcit duris Eccleſia rebus.)
S. Paulus informiret vnd weiſet ſeine Roͤmer mit ernſt dahin an vnd ſchreibet. So du mit deinem Munde bekenneſt Jeſum / daß er der Herꝛ ſeye / vnd glaubeſt in deinem Hertzen / daß jhn der Herꝛ erwecket hat / ſo wirſtu ſelig. Denn ſo man von Hertzen glaubet / ſo wird man gerecht / vnnd ſo man mit dem Munde bekennet ſo wird man ſelig Rom. c. 10. v. 9. & 10. beſiehe oben hieruͤber Axiom. 15.
Ein anders aber iſt es / den Glauben Chriſti in Verfolgungen ohne Noth vnd Beruff nicht oͤffentlich bekennen / ſondern in ſeinem Hertzen in der ſtille vnnd Gedult bewahren / gleich wie die H. Apoſtel ſelber gethan / vnd andere H. Gottes in der erſten Kirchen / vnd noch jtzo viel Chriſten in Verfolgungen thun muͤſſen. Da muß ein verſtaͤndiger Chriſt nach Pauli Vermahnunge / ſich in die boͤſe Zeit ſchi - cken vnd erwarten der Huͤlffe vnd beſſern Zuſtandes in Gedult.
Wann einer frembde Lande zu ſehen / in Jtalien / Hiſpanien / zu Rom vnnd andern Oerten ſich auffhelt / hat er keinen Beruff darzu / hat es auch nicht vonnoͤh - ten / daß er allenthalben von ſeiner Confeſſion rede oder diſputire, noch einem je - den / bey deme er nichtes durch ſeine Bekantnuß bawen kan / davon Bericht thue;da er57Von dem Geiſtlichen Stande. da er aber angegeben / vnd deßwegen von denen die es zu thun befugt / befragt wuͤr - de / oder durch ſeine Confeſſion etwas gutes zu ſchaffen vermoͤchte / kan er alsdann mit gutem Gewiſſen nicht leugnen / ſondern muß die Warheit bekennen / oder ein Heuchler werden / nach dem Spruch S. Petri: Seit allezeit bereyt zur Verant - wortunge jederman der Grund fordert der Hoffnunge die in euch iſt. 1. Pet. cap. 3. v. 15.
Als David vor deß Sauls Tyranney in der Flucht war / vnnd zu dem vn - glaubigen Heydniſchen Koͤnig Achis zu Gath kame / fuͤhrete er nicht viel diſcurs võ ſeiner oder deß Koͤnigs Achis Religion / ſondern als er vermerckte / daß deß Achis ſeine Hoffleuthe eine diffidentz in jhn / als in einen renomirten vnnd beruͤhmbten Jſraelitiſchen Soldaten ſetzeten / fürchte ſich David / verſtellete ſeine Geberde / vnd ſtellete ſich an als wann er kollerte / ſtieß ſich an die Thuͤr am Thor 1. Sam. c. 21. v. 13. Dieſes war eine Prudentia Politica, darbey gleichwol David nichtes wider ſeine Religion gehandelt / noch deßwegen in der Schrifft getadelt worden.
Der Prophet Jeremias / wolte den Fuͤrſten deß Koͤnigs Zedekia / die jhme nach dem Leben ſtunden nicht offenbahren / was er dem Koͤnige von jhrem verder - ben propheceyet / ſondern ſimulirte vnd gab ein anders vor Jerem. c. 38. v. 24.
Die fromme Gottſelige Eſther hat in deß Koͤnigs Ahaßveri Frawenzim - mer vnd am Koͤniglichen Hoffe nicht gleich anfangs viel diſputirens von der Reli - gion gemachet / weder dieſelbe noch jhr Volck angegeben / ſondern vff Anrath jhres trewen Vettern vnd Vormunds Mardochai verſchwiegen. Jm Buch Eſther. c. 2. v. 10. & v. 20.
AVſſer Gottes Wort vnd der Heiligen Sacramenten ſo der Kirche Gottes vertrawet ſeynd / iſt keine wahre Erkantnuß Gottes / kein wahrer Gottes - dienſt / kein rechter Glaube / Hoffnung vnd Seeligkeit / wie auß vorhergehen - den Axiomatibus zu ſehen. Der Berg Zion / dz iſt die Kirche Gottes / iſt wie ein ſchoͤn Zweiglein / deß ſich dz gantze Land / oder alle Recht glaubigen troͤſten / ſingẽ vñ ſprechen / die Kinder Korah in dem 48. Pſ. v. 3. Dahero auß dem H. Auguſtino lib. 4. de Symb. c. 10. recht geſagt wird: Qui non habet in terris Eccleſiam matrem, is non habebit in cœlis Deum Patrem. Das iſt / wer die Kirche auff der Erden nicht hat zur Mutter / der wird Gott im Himmel nicht haben zum Vatter. Vnd gleichHwie in58Das erſte Buch /wie in der erſten Welt nichts von der Sündfluth errettet ward / das nicht in der Caſte Noah gebracht / ſo wird auch keiner ſelig der nicht ein Gliedmaaß die Chriſt - lichen Kirche worden / (Sicut nemo, niſi qui erat in Arca Noæ, à diluvio liberaba - tur: ita nullus niſi qui Eccleſiæ membrum, fuerit, ſalvabitur. Auguſt. quæſt. 65. ad Croſi. per Eccleſiæ enim ubera nutrimur. Eſai. 66. v. 11. Eccleſia S. Paulo deſcri - bente eſt cœtus & collectio Fidelium ſanctificatorum in Chriſto, die Verſamlung vnd Beruff der Geheiligten in Chriſto 1. ad Corinth. c. 1. v. 2.) wie Auguſtinus diß Gleichnuß auch gebrauchet. Das iſt; wer durch das Wort Gottes vnnd die heili - gen Sacramentanicht gebracht wird zur wahren Erkandnuß Gottes / zum wahren Glauben vnd Hoffnuuge / vnd dardurch zur Gemeinſchafft der Heiligen / ad gre - mium matris Eccleſiæ, demſelben mangeln vnd entgehen die Mittel zur Seligkeit. Dann ohne wahre Erkantnuß iſt kein wahrer Glaube / ohne wahren Glauben iſt es vnmuͤglich Gott wol gefallen.
Dahero die Kirche auch genand wird Columna veritatis Divinæ. eine Seule vnd Grundveſte der Goͤttlichen Warheit 1. ad Timoth. 3. v. 15. daran Gottes Wort vnd die heilige Sacramenta gleichſamb gehenget / vnd wie ein thewrer Schatz zu trewen Handen gelieffert / ſolches zu bewahren vnd Zeugnuß davon zugeben vnnd vor allem Sawrteig jrriger Lehr zu cuſtodiren.
Es ſeynd aber Glieder der Kirche / die durch Gottes Wort vnnd die Sacra - menta zu dem Erkantnuß vnd wahren Glauben an Chriſtum gebracht / vñ darbey beharren / (Hinc Beda in Levitic. Eccleſiam deſci ibit. Quod ſit corpus Chriſti ex multis membris, velut ex multis granis collectum, per legis & Evangelij molam - contritum, per aquam Baptiſmatis tinctum, & Spiritu S. ſolidatum. Et brevius. Caſſiodor. in Pſalm. 34. Quod ſit populus Chriſtianus rectæ fidei tenax, qui ampli - tudine ſua totius mundi ſpatia comprehendit. ) ſie ſeyn vff dem Lande oder vff dem Meer / ſie ſeyn in der Tuͤrckey / Perſien / Moſcow / Jndien / Japonien / oder wo es ſeyn moͤchte / ſie haben andere wenig oder viel Glaubige bey ſich / oder gar keine / ſie koͤn - nen zu gemeiner Verſamblunge der ſichtbarlichẽ Kirche oder dem Chriſten Heuff - lein kommen / oder ſeynd vnd bleiben abgeſondert / wann ſie nurent in dem Glauben vnd in der Lehr ſich von der Gemeinſchafft der Heiligen / nach Gottes Wort vnnd Glauben an Chriſtum / nicht abſondern / Quæ eſt Communio interna ſanctitatis & fidei. Der Herꝛ vnſer GOtt laͤſſet ſich finden wo man jhn mit getrewem Hertzen ſuchet an allen Enden der Welt 5. Moſ. cap. 4. v. 29. & ſeqq. Vnd demnach Chri - ſtus der Heyland iſt der gantzen Welt / ſamblet er hin vnd wieder etliche zu ſeiner Gemeinde. Den Schaͤcher am Creutz bekehret er durch das Wort ohne Tauffe in ſeinen letzten / Nicodemum aber wies er ernſtlich dahin daß er ſich tauffen lieſſe / weil er darzu gute Mittel hatte / vnd ſtecken in der Tuͤrckey vnd andern Oerten / da die Verfolgungen im ſchwange gehen / viel viel Rechtglaubigen / werden auch andere darzu geſamblet;
Jm59Von dem Geiſtlichen Stande.Jm alten Teſtament war dem Abraham vnd ſeinen Saamen die Verheiſ - ſunge deß gebenedeyten Weibes Saamen geſchehen / vnnd das Sacrament der Beſchneydung zu einem gewiſſen Siegel angehengt / dannoch ſeynd zu Abrahams Glauben kommen auß den Amorrheern / ſeine Bundsverwandten Aner vñ Eſcoi. Gen. c. 14. v. 13. auß den Hethitern Vrias 2. Sam. c. 11. auß den Cananitern vnter andern die Hure Rehab Joſ. cap. 2. v. 1. die Gibeoniter Joſ. c. 6. v. 3. auß den Jdu - meern Hiob vnd ſeine Freunde Hiob. c. 1. & 2. auß den Syrern Naeman 2. Reg. 5. v. 1. vnd andere vielmehr. Dahero ſchreibet D. Lutherus in Commentar. ad Gen. daß viel Heyden die den Abraham vnd die Propheten gehoͤret / den Gottesdienſt zu Jeruſalem geſehen / vnnd der Juden Gott allein vor den rechten wahren Gott er - kant / vnd an jhn geglaubet / ohne der Beſchneidunge / die da war peculiare ſigna - culum der Juden vnd deß Hauſes Abraham / ſelig worden (Conf. Luth. in Geneſ. ad cap. 17. fol. 193. fac. 2. ubi ſcribit, inde naſcitur caput Theologiæ, quod Deus ſit Deus Iudæorum & gentium, Dives in omnes etiam illo ipſo tempore, quo Lex & Circumciſio floruit. Nam aliæ Gentes audiverunt Abraham, audiverunt Prophe - tas, viderunt Hieroſolymis cultum, & Deum Iudæorum crediderunt ſolum & ve - rum Deum eſſe. Interim ſoli Judæi habuerunt ſignaculum circumciſionis, quo fulgebant inter gentes, & ſi gentes non circumciderentur, tamen eundem Deum coluerunt, qui per Circumciſionem Judæorum populo ſe patefecerat. Sic ſupra de Caini poſteritate dictum, qui etſi per peccatum à promiſſione exciderat, quæ in pium Seth translata eſt, tamen veriſimile eſt, multos ex poſteritate ejus conſocia - tos cum Seth ſalvatos eſſe, non quidem certa promiſſione, ſed, ut ſic dicam, vaga, addito Exemplo de Pharaone in Axiomate poſito. Et in eod. cap. fol. 197. fac. 2. Deus voluit Abrahamum hoc ſignum ferre pro ſemine, ſic tamen ut ad fidem per illud invitarentur gentes: Per Circum ciſionem enim, non potuerunt Gentes po - pulus Dei fieri, ſed per fidem in ſemen benedictum. Sic Regina Saba, ſic Hiram agnoverunt Deum Salom onis circum ciſi, & ſi hic maneret in præputio. Hic igitur eſt ſinus Abrahæ in quem colliguntur etiam gentes, Fides ſcilicet Abrahæ, qua ipſæ quoq́ue conſequũtur promiſſionem, etiamſi ſignum viſibile promiſſioni additum non conſequantur. Erat enim id non gentibus ſed Abrahæ ſemini imperatum. Hactenus Luth. Vid. etiam hac de re Hug. Groti. de jur. Bell. lib. 1. c. 1. §. 16. Ubi ex Joſepho, Maimonide & aliis notat, ex veteri Lege etiam citra circumciſionem. Deum rectè coli & propitium haberi potuiſſe ideoque qui Populi extra Jſraelitas circum ciſi ſunt, eos credibile eſt ab Iſmaele aut Eſavo aut ex Cethuræ poſterita - te, ex qua orti videntur Æthiopum illi quos circumciſis annumerat. Herodotus. Spartani in literis ad Macchabæos, gloriantur, ſe ex ſemine Abrahæ natos & pro - pterea ſe fratres judæorum appellant vid. 1. Macchab. c. 12. v. 21.)
Der Koͤnig Pharo hatte die Verheiſſunge nicht / die Jſaac vnd ſeine Nach - kommen hatten / dannoch weil er den Joſeph hoͤrete vnd deſſen Gott anrieff / iſt erH ijgerettet.60Das erſte Buch /gerettet. Der Koͤnig Abimelech / ſo mit Abraham im Bunde war / vnd deſſen Gote erkante der Koͤnig Hiram / die Koͤnigin Saba vnd andere viel ſeind per extra or - dinariam, oder / wie es Lutherus nennet vagam promiſſionem Dei zu wahrer Er - kantnuß Gottes kommen.
Der Koͤnig Nebucadnezar ein Heyde vñ Vnbeſchnittener / war extra Eccle - ſiam, vnd ward doch ohne Beſchneydunge durch den Propheten Daniel zu der Er - kantnuß deß einigen vnd wahren. Gottes gebracht. Dan. cap. 2. & 3. deßgleichen Cyrus, Ahaſuerus vnd andere.
Dahin iſt auch deß Koͤniges Salomonis Gebett gerichtet / da er bey Ein - weyhunge deß Tempels zu Gott gebeten / wañ er ſpricht; da auch ein Frembder der nicht deines Volckes Jſrael iſt kompt auß fernen Landen vmb deines Namens / vnd kompt daß er bete fuͤr dieſem Hauſe / ſo wolleſtu hoͤren im Himmel im Sitz dei - ner Wohnunge / vnd thun alles darumb der Frembde dich anruffet / ꝛc. 1. Reg. c. 8. v. 41. & ſeqq. Vnd von Jeruſalem die das Bilde traͤget der Chriſtlichen Kirche newes Teſtaments weiſſagen die Kinder Korah: Man wird zu Zion ſagen / daß allerley Leuthe darinnen gebohren werden. Pſalm. 87. v. 5.
Es bringet vnd erhelt der guͤtige Gott / weil ſeine Hand nicht verkürtzet / noch wunderlich manchen Jungen vnd Alten zu der Gemeinſchafft deß Glaubens vnd ſeiner Heiligen an allen Enden der Welt / da auch kein publicum exercitium Fidei im ſchwange gehet vnd tolerirt wird / wie zu Zeiten Eliæ / auch in der erſten Kirche / vnd bey andern Verfolgungen mehr geſchehen.
DIe troͤſtliche Verheiſſunge von der Heyden Beruff / iſt gleich nach der Sündfluth geſchehen / vnd weiſſaget darvon herꝛlich Noah der Prediger der Gerechtigkeit / bittet daneben Gott vnd wuͤnſchet / daß er wolle Japhet / (darvon die Heyden / auch wir Teutſchen die wir weiland Heyden gewe - ſen / poſteriren vnd herkommen) außbreiten vnnd wohnen laſſen in den Huͤtten deß Sems / im 1. Buch Moſ. c. 9. v. 27. Durch die Hütten Sems / wird die wahreKirche61Von dem Geiſtlichen Stande. Kirche vnd Evangeliſche Gemeinſchafft der Heiligen vnd Rechtglaubigen in die - ſer Welt verſtanden / (D. Lutherus in Commentar. ad Geneſ. ad hunc locum & cap. 9. ita ſcribit: Sem eſt velut Stirps ex cujus poſteritate ſeu Linea natus eſt Chri - ſtus: Eccleſia enim Judæorum eſt, qui habuerunt Patriarchas, Prophetas, Reges. Et tamen Deus oſtendit hic ipſi Noah, quod etiam miſeræ gentes habitaturæ fint, in tabernaculis Sem, hoc eſt venturæ ad Societatem bonorum, quæ filius Dei attu - lit in hunc mundum, remiſſionem ſcilicet peccatorum, Spiritum Sanctum & vitam æternam. Vaticinatur enim clarè, quod etiam Japhet, ſecundum nomen ſuum, audiet blandum ſermonem Evangelii. Et in ſequentibus de Germania inquit. Et - iamſi non ſimus de ſemine Abrahæ, tamen habitamus in tabernaculis Sem, & frui - mur promiſſionibus de Chriſto impletis, idque beneficio hujus Prophetiæ de Japhet, factum. Eodem ferè modo D. Brentius, A Japhet inquit: deſcendimus nos Germani per Aſcenas, ut multi ſentiunt. Quod idcirco obſervandum, ut ſcia - mus, ad nos quoq́ue Chriſtum pertinere, etiamſi non deſcendamus ex Patriarcha Sem, de cujus linea Chriſtus deſcendit. Dixit enim Noah Japhetum habitaturum in tabernaculis Sem, hoc eſt poſteros Japhet audituros Evangelium Chriſti & a - gnituros Chriſtum ſervatorem qui è Sem naſciturus erat. Oſiand. in gloſ. ad cap. 10. Geneſ. v. 1.) Dahin ziehlet auch die Weiſſagunge deß Propheten Eſai. c. 53. v. 15. wann er ſpricht: denen / welchen nichtes darvon verkuͤndiget / dieſelben werdens mit luſt ſehen / vnd die nichtes darvon gehoͤret haben / werdens mercken. Solches wiederholet der Apoſtel S. Paulus / ſeines Wortlichen Jnhalts vnd fuͤhret es wei - ter auß in ſeiner Epiſtel an[die] Roͤmer c. 15. v. 20. & ſeqq.
So bezeuget vnd erklaͤret es auch Gott ſelber bey gemeltem Propheten Eſa - ia ferner wann er ſpricht: Jch will jhnen in meinem Hauſe vnd in meinen Maw - ren einen Orth geben / vnd einen beſſern Namen / dann den Soͤhnen vnd Toͤchtern. (das waren die Juden /) einen ewigen Namen will ich jhn geben / der nicht verge - hen ſoll / vnd der Frembden Kinder (das waren die Heyden vnnd Judengenoſſen) die ſich zum Herꝛn gethan hatten / daß ſie jhm dienen vnd ſeinen Namen lieben / die - ſelbige will ich zu meinem heiligen Berge bringen / vnd will ſie erfrewen in meinem Bethauſe / ꝛc. c. 56. v. 5. & ſeqq. Et c. 60. per tot. c. 65. v. 1. Ieremi. c. 3. v. 17. Es Weiſ - ſaget auch darvon gar herꝛlich der Prophet Sacharia c. 8. v. 20. & ſeqq. vnnd bey dem Propheten Malachiæ ſpricht der Herꝛ: von Anfang der Sonnen biß zũ Nie - dergange / ſoll mein Nameherꝛlich werden vnter den Heyden / vnnd an allen Orten foll meinem Namen gereuchert vnd ein rein Speißopffer geopffert werden / Ma - lach. c. 1. v. 11. Zu Zion wird man ſagen / daß allerley Leuthe darin gebohren werden nach dem 87. Pſalm. v. 5. Dahin ziehlet auch der Herꝛ Chriſtus ſelber in ſeiner Weiſſagunge / wann er ſpricht: Es werde ein Heerde vnd ein Hirte werden / Joh. 10. v. 17. (Cyrill. lib. 7. in Johan. c. 6. Gentium inquit, adductione ad fidem, factum eſt unum ovile, ſcilicet Eccleſia credentiũ & unus Paſtor Chriſtus, nempe quaſi exH iijduobus62Das erſte Buch /duobus gregibus unum ovile efficit Chriſtus, quia judaicum & gentilem populum, in ſua fide coniunxit. ) das iſt wie es S. Paulus außleget / daß die Heyden / die weiland ferne geweſen von der Verheiſſunge / durch Chriſti Blut vnd Beruff ſind nahe worden / der auß beyden (nemlich Juden vnd Heyden) eines hat gemacht / vnd abgebrochen den Zaun der darzwiſchen war / in der Epiſtel an die Epheſer c. 2. v. 13. 14. (Eleganter Eraſm. in paraphraſi ſuper hunc locum: Simulatque efful - ſit Evangelii veritas, rerum vices invertit Chriſtus, efficiens ut vos qui quondam videbamini, nihil ad Deum pertinere: nunc ſitis illi conjunctiſſimi, non per circum - ciſionem præputii, ſed per ſanguinem Jeſu Chriſti, cujus pretio liberi à peccatis vi - tæ priſtinæ, Deo patri fuiſtis reconciliati. Antea diſſidium erat vobis cum judæis, diſſidium cum Deo: Ut Chriſtus autor Pacis & concordiæ, ſuſtulit omne diſcri - men, circum ciſi & incircum ciſi, ſuſtulit Moſaicæ Legis ceremonias, veluti Mace - riam quandam, gentium ac Judæorum dirimentem concordiam, ut jam duæ gen - tes, prius inter ſe disjunctiſſimæ coirẽt & in unum novum hominem Chriſtum coa - leſcerent, ſervatorem utriſque ex æquo communem. Hactenus Eraſm. ubi prolixius hoc perſequitur.) Alſo daß dardurch kein vnterſchied vnter Juden vnd Griechen / an die Galat. c. 3. v. 28. Sondern in allerley Volck wer Gott fuͤrchtet iſt angenehm worden / in der Apoſtel Geſchicht. c. 10. v. 33. & c. 10. v. 34. & 35.
Es wollen zwar etzliche ſich in der Meynung befinden / ob ſolte Chriſti Weiſ - ſagunge dahin gerichtet ſeyn / daß vor der Welt Ende noch alle Menſchen glaubig vnd zu Chriſto bekehret werden ſollen / welches mehr zuwuͤnſchen als zu hoffen we - gen der Prophezeyunge Chriſti / daß zu den letzten Zeiten / viel Jrꝛthumb einreiſſen werden / ſo gar wann es můglich auch die Außerwehlten verfuͤhret vnd verleitet wuͤrden Matth. 24. v. 24. Ja ſpricht er / meineſtu wann deß Menſchen kommen wird / daß er Glauben finden werde auff Erden Luc. c. 18. v. 8. Worauß offenbahr daß der wahre Glaube / ohne dene man zu Gott vnnd Verſamblunge ſeiner Heili - gen nicht kommen kan / zur Zeit der Ankunfft deß Herren Chriſti gar duͤnne wird geſaͤet vnd bey wenigen anzutreffen ſeyn.
Andere meynen es werden noch alle Juden zu dem Schaffſtall Chriſti ver - moͤge dieſes Spruchs / kommen / worzu gleichfals wegen der Juden vbergroſ - ſen Halßſtarrigkeit vnd Verſtockunge ſchlechte Hoffnunge erſchei - net / wie wol es jhnen wol zu goͤnnen waͤre.
DEr Herꝛ Chriſtus vergleichet ſelber die Kirche einem Netze oder Fiſchgarn das ins Meer geworffen iſt / darin allerley Gattunge Fiſche begriffen werden / gute vnd boͤſe. matth. 13. v. 47. die Heuchler vnd Maul Chriſten ſtellen ſich auch zu der Gemeinſchafft der Heiligen / gebrauchen die hochwuͤrdigen Sacramenta / vnd ſeind alſo mit in corpore Eccleſiæ, jedoch anderer geſtalt nicht als die boͤſen Fluͤſſe in corpore humano, ſo aber demſelben nicht nutz ſeynd / oder wie die Sprewer vnter dem guten Weitzen. Sunt in Eccleſia, ſed non de Eccleſia. Nicht alle die in der Ge - meine ſich finden / vnd Herre / Herre ſagen / werden in das Reich Gottes kommen ſpricht Chriſtus ſelber. (Auguſtinus in Epiſtol. Iohan. Mali ſic ſunt in corpore Chriſti, quomodo humores mali, qui quando evomuntur, tunc relevatur Eccleſia, Et adverſ. Donatiſt. ita dici, conſtat eſſe in domo, at non pertinere ad compagem domus, nec ad ſocietatem fructiferæpacificæq́ue juſtitiæ, ſicut eſſe dicitur palea in frumentis. Et lib. 5. de Bapt. Contra Donat. c. 28. Mali corporaliter cum bonis in Eccleſia videntur eſſe permixti, uſq́ue in diem judicii, quo etiam die corporaliter debitas ſeparentur ad pœnas. Ex eod. S. Auguſtino refert Bellarmin. lib. 1. de Ge - mit. Columb. c. 2. Quod mali pertineant ad Eccleſiam numero, non merito.)
Als Moſes mit dem Volck Gottes in der Wuͤſten wandelte / war daſelbſt die wahre Kirche Gottes / ſie warẽ aber nicht alle wahre recht ſchaffene Glieder der wah - ren Kirche / darvon S. Paulus alſo ſchreibet: Vnſere Vaͤtter ſind alle vnter der Wolcken geweſen / vnd ſind alle durchs Meer gangen vnnd ſind alle vnter Moſen getaufft / mit der Wolcken vnd mit dem Meer / vnnd haben alle einerley Geiſtliche Speiſe gegeſſen / vnd haben alle einerley Geiſtlichen Tranck getruncken: Sie trun - cken aber von dem Geiſtlichen Felß / der mit folget welcher war Chriſtus. Aber an jhr vielen hatte Gott kein wolgefallen / dann ſie ſind niedergeſchlagen in der Wuͤ - ſten / in der erſten Epiſt. an die Corinth c. 10. v. 1. & ſeqq. Zu der Koͤnigiſchen Hoch - zeit ſeind auff beſchehene Einladunge erſchienen Gute vnd Boͤſe / wie ſie ge - funden / mit vnnd ohne Hochzeitlichem Kleide / Matth. 22.
GOtt iſt ein Vhrheber vnd Liebhaber guter Ordnunge in omni ſtatu. Die Vnordnung aber kompt vom leidigen Teuffel her; Sol es nun im Geiſt - lichen / Weltlichen oder Haußſtande wol hergehen / ſo muß gute Ordnun - ge darbey gehalten vnd obſervirt werden. Das ordine & decerter hat viel auff ſich / nemblich recht meſſigen Beruff / gewoͤnliche Einſetzunge vnd Ordini - rung der Prediger / vbliche Chriſtliche Ceremonien. Actor. 13. v. 2. & ſeqq. vnd daß alles geſchehe ſuo loco & tempore, vnd was dergleichen mehr in den Chriſtlichen Kirchen Ordnungen vnd Agenden / Gottes Wort gemeeß zu befinden.
GOttes Wille iſt es daß ein jeder bieibe in dem Beruffe / darin er beruffen iſt 1. ad Corinth. 7. v. 20. ad Epheſ. 4. v. 1. iſt er zu dem Geiſtlichen Stande beruffen / ſo warte er deſſelben / vnd zwar in der Qualitaͤt vnd Verrichtun - ge darzu er geſetzet vnd verordnet d. c. 14. ad Corinth. v. 26. Nicht wol würde es ſtehen / wann ein Weltlicher Koͤnig / Fuͤrſt oder ſonſt jemand Weltliches Standes auff die Cantzel ſteigen / vor den Altar tretten / Predigen vnnd den Got - tesdienſt verrichten wolten. Wie der Koͤnig Vſia ſein Hertz erhube / vnd in den Tempel deß Herꝛn gieng zu reuchern auff dem Rauch Altar worzu Gott die Prie -ſter65Von dem Geiſtlichen Stande. ſter vnd Leviten verordnet hatte / wart er mit Auſſatz geſchlagen biß er ſtarb. 2. Chron. c. 26.
Als Vſa die Lade Gottes angriffe vnd halten wolte vnd darzu kei - nen Beruff hatte / ward er von Gott geſchlagen daß er ſtarb / wiewol ers guter Wolmeinung gethan daß die Lade nicht fallen ſolte. 2. Sam. 6. v. 6. 7. & 1. Chron. 13. v. 9. 10.
Als Saul ſich vnterfing in Abweſenheit deß Samuels Brandopffer vnd Danckopffer zu thun / bekame er einen ſtarcken verweiß von Sa - muel / daß er thoͤricht gethan / vnd nicht gehalten die Gebotte deß Herꝛn ſeines Gottes vnd ward jhm angekuͤndiget / daß darumb die Koͤnigliche Wuͤrde von jhme vnd ſeinem Hauſe genommen / vnd dem David als ei - nen Mann nach dem Hertzen Gottes ſolte gegeben werden. 1. Samuel. c. 13. v. 19. & ſeqq.
Wie der Koͤnig Joſaphat ein allgemein Viſitation in ſeinem Koͤ - nigreich anſtellete / vnnd alles in gute Ordnunge brachte / hat er das Weltliche Gericht von dem Geiſtlichen Synedrio oder Conſiſtorio vn - terſchieden / vnd damit die ſchaͤdliche Confuſion Geiſtlicher vnd Weltli - cher Haͤndel præcaviren vnd verhuͤten wollen. 2. Chron. 19. inſeratur text. à verſ. 5. uſq́ue ad 19. excluſivè.
Der Koͤnig David machte zwar die Verordnunge vnnd Anſtalt / daß die Bundslade deß Herꝛn auß deß Gethiters Obed. Edoms Hauſe in die Huͤtte gebracht wuͤrde / hat er aber ſelber nicht die Hand mit angele - get / ſondern befohlen / daß niemand als die Leviten welche darzu erwehlet die Lade tragen ſolten vnd jhme dienen ewiglich. 1. Chron. c. 16. v. 2.
Nach dem Salomon den herꝛlichen Tempel fertig gemacht / hat er bey Einweyhung deſſelben zwar angeordnet / daß die Lade deß Herꝛn in das Allerheiligſte ſolte getragen werden / aber ſolches durch nie - mand anders als die Prieſter thun laſſen. 1. Reg. c. 8.
S. Paulus ſchreibet vnnd befihlet ſeinen Corinthern / daß ſie die Weiber ſollen ſchweigen laſſen vnter der Gemeine / weil es jhnen vbel anſtehet darin zu reden. 1. ad Corinth. cap. 14. v. 34. & 35. vnd an ſeinen Timoth. in der erſten Epiſtel. cap. 2. v. 12. ſchreibet er: Einem Weibe geſtatteich nicht daß ſie lehre.
Jm alten Teſtament finden ſich gleichwol Exempla / daß Weiber oͤffentlich gelehret / Prophetiſch vnd Richter-Ampt gefuͤhret / geſtalt dann die Debora Richterin vnd Prophetin in Jſrael geweſen / auch wider den Siſſera mit einem Kriegsheer ſelber zu Felde gezogen / im Buch der Richter c 4. v. 4. & ſeqq. Zu Zeiten deß Koͤnigs Joſiæ / war die Prophe - tin Hulda in Jſrael / welche der Prieſter Ahikam fragete vnnd Gottes. Willen von jhr erforſchete 2. Reg. c. 22. v. 14.
Alſo war zu anfang deß alten Teſtaments die| Prophetin Hanna / eine Tochter Phanaels / welche geruͤhmet wird. Luc. c. 2. v. 36. Es ſeind a - ber dieſe Exempla ſonderbahr vnd irregular, vnd derowegen nicht zur Nach folge zu ziehen vñ ſonſt bey der Regul zu bleiben. Jnmittelſt iſt jh - nen nicht verbotten / im Hauſe jhre vnd andere Kinder zum Gebet vnnd Gottesfurcht / auch leſen vnd ſchreiben anzufuͤhren vnd zu vnterrichten / wie auch nicht / ſchoͤne Lob-vnd Danck Pſalm zuſingen. Alſo nahm Mi - riam die Prophetin Aarons Schweſter / nach deme Gott mit einer ſtar - cken maͤchtigen Hand Jſrael durchs rohte Meer gefuͤhret / vnnd den ſtol - tzen Pharao darin erſaͤuffet / die Paucke in jhre Hand / vnnd alle Weiber folgeten jhr nach hinauß mit Paucken am Reyen / vnd Miriam ſang jh - nen fuͤr: Laſſet vns dem Herꝛn ſingen denn er hat eine herꝛliche That ge - than / ꝛc. Exod. c. 15. v. 20. Jm gleichen haben die Jſraelitiſchen Weiber / GOtt vnnd dem David / wie er den Goliath vberwunden / zu Ehren ein. Triumphliedlein geſungen. 2. Samuel. c. 18. v. 6. 7.
Oh aber in Nothfaͤllen da man keines Predigers maͤchtig ſeyn kan /kleine67Von dem Geiſtlichen Stande. kleine krancke / in den letzten Zuͤgen begriffene Kinder tauffen moͤge / wird von etzlichen in Zweiffel gezogen / von etzlichen aber geſtattet / nach dem Exempel Zipora die jhren Sohn beſchnitten. Exod. c. 4. v. 25. Jmglei -Frider. Baldum de Caſib. Conſcient. lib. 4. c. 5. caſ. 11. chen die Macchabeiſche Weiber. 1. Macchab. c. 1. v. 63. vnd 2. Macchab. c. 6. v. 10. Welche Tauffe dann auch nicht oͤffentlich in der Kirche vnd ge - meiner Verſamblung / ſondern in den Haͤuſern in der ſtille / bey zuſtehen - der Noth pfleget verrichtet zu werden / wann aber ſolche Kinder vberle - ben / werden ſie nicht wider getauffet / man pfleget aber gleichwol dieſelbe hernach in die Kirche zu bringen / den Segen vnd Gebet durch den ordent - lichen Prieſter daruͤber ſprechen zu laſſen vnd es der Gemein anzuzeigen / daß eine ſolche Nothtauffe vorgangen / vnnd an deß Kindes Seeligkeit nicht zu zweifflen.
GLeich wie den Weltlichen nicht wol anſtehet die Cantzel zu be - ſteigen / alſo ſtehet den Geiſtlichen nicht wol an in der Rathsſtu - be in den Welthaͤndeln das Wort zu fuͤhren. Wiewol jtzo die meiſte vnd vornembſte Welthaͤndel / durch die Herꝛn Patres,Iuxta il - lud: Quic - quid agit mundus, Monachus vult eſſe ſecundus. Cardinaͤl / die doch Summi Pontificis fratres, proximi à latere & cardines Eccleſiæ genennet verrichtet werden / Ja bey den blutigſten Kriegen ſeind ſie auch gar Summi Belli Duces vnd Generaln / worbey das jenige was in jure feudali. 2. Feud. Tit. 109. geſchrieben: Miles Chriſti ſerviat Chriſto: milites ſeculi ſerviant ſeculo. Et 2. Feud. Tit. 21. Deſiit eſſe miles ſeculi, qui factus eſt miles Chriſti. beyſeit geſetzet wird. Wie S. Petrus der Apoſtel mit ſeinem Schwerd hervor wiſchete / vnnd deß Hohenprieſters lauſigtem Knecht Malcho nur ein kahl leichtfertig Ohr abhiebe / muſte er ſein Schwerd bald einſtecken / vnd bekame ſo einen gewaltigen Verweiß darzu / daß er nachgehends wol kein Schwerd mehr mit geführet / oder Schadẽ damit gethan: Wie viel tauſend aber werden jtzo vnter der Con - duite vnd Krieges Direction der Cardinaͤln vnd Geiſtlichen / in den blu - tigen Kriegen vnter den Chriſten ſelbſten / die auch gar einer Religion ſeynd / hingerichtet.
J ijDer68Das erſte Buch /Der Hoheprieſter Abiathar miſchete ſich in Welthaͤndel / ward darumb ſeines Ampts entſetzet / vnd auff ſeinen Acker verwieſen. 1. Reg. c. 2. Hiervon ſchreibet D. Luther in ſeiner Præfation vber die Buͤcher Salomonis alſo: Jederman iſt geneigt anders zu thun / denn jhme befoh - len iſt / vnd zu laſſen was jhme befohlen iſt. Wer im Geiſtlichen Ampt iſt der will klug vnd thaͤtig ſeyn im Weltlichen / vnd iſt hie der Klugheit kein ende. Wiederumb wer im Weltlichen Ampt iſt / dem wird das Haupt Zion enge fuͤr vbriger Kunſt / wie das Geiſtliche Ampt zu regieren / ſol - cher Narren ſind alle Lande / alle Staͤtte / alle Haͤuſer voll.
ALs Amazia der Koͤnig in Juda Kriegesleuthe auß Jſrael vmb den Sold werben ließ / vnd dieſelbe wieder die Edomiter zu Felde fuͤh - ren wolte / kam ein Prophet zu jhme vnd ſtraffet jhn darumb / daß er mit Verluſt der Werbgelder dieſelbe wieder muſte ziehen laſſen. 2, Chron c. 25. v. 7.
Jmgleichen / als Amazia wider die Edomiter geſieget / auß der Schlacht wider kommen / vnd die Goͤtter der Kinder Seir zur Beuthe mitgebracht / vnd denſelben zu raͤuchern vnd zudienen angefangen / iſt ſelbiger Prophet wider zu Amazia gangen / vnnd jhm ſolches ſtarck ver - wieſen / als aber der Koͤnig jhme ſchimpfflich geantwortet / wer jhn zu deß Koͤnigs Raht beſtellet haͤtte / thate jhm der Prophet dieſe Valet Predigt: „ Jch ſehe wol der Herꝛ hat ſich berathen dich zuverderben. d. c. 25. v. 14. & ſeqq. 2. Chron.
Wie der Prophet Nathan vernahm / daß wieder ſeines Koͤnigs Davids Intention, Willen / vnd vorhin auff offenem Reichs-Tage ge - machte Verordnũge / auch der Bathſeba / ſeiner Koͤnigin gethaner Zuſa -ge / deß69Von dem Geiſtlichen Stande. ge / deß Koͤnigs Sohn Adonia ſich erhub / nach Scepter vnnd Cron bey Lebzeiten deß Koͤnigs trachtete / Wagen / Reuter vnd Trabanten beſtel - lete / den Feld-Hauptman Joab vnnd den Prieſter Abiathar auff ſeine Seite brachte / mit denſelben Raht hielte / ein Opffer vnd Bancquet an - ſtellete / vnd ſich zu einem Koͤnig machete vñ darzu gratuliren lieſſe / konte vnd wolte Nathan ſolchem auffruͤriſchen Vnweſen vñ Beginnen nicht zu ſehen / gieng erſtlich zu der Koͤnigin Salomons Mutter / zeigte es der - ſelben an / vnd ſprach / haſtu nicht gehoͤret daß Adonia iſt Koͤnig / vnd vnſer Herꝛ David weiß nichts darumb / gab derowegen der Koͤnigin den Raht / daß ſie zu dem Koͤnige gehen vnd denſelben ſeines Eydſchwurs vñ Ver - ſpruchs / daß nemblich Jhr Sohn Salomo nach jhme auff dem Koͤnigli - chen Thron ſitzen ſolte / erinnere / deme aber zuwieder Adonia ſich ſelber zum Koͤnige machete / vnd wann ſie noch mit dem Koͤnig redete / wolte er hernach geſchlichen kommen / vnd vollends jhr Wort außreden / welches er auch gethan / vnd in deme die Koͤnigin noch geredet / iſt dem Koͤnige angeſagt / daß Nathan verhanden waͤre / worauff er zum Koͤnige geſtat - tet / vnd deß Adoniæ auffruͤriſch Vorhaben / vñ daß er ſich ein Koͤnig nennẽ lieſſe / mit mehrerm entdecket / wordurch der Koͤnig zu einer andern Ver - ordnunge bewogen / ſeinen Sohn Salomon auff den Koͤniglichen Thron bey ſeinem Leben zuſetzen / vnd hat Nathan damit groſſe Weitleufftigkeit vnd Vffſtand nach deß Koͤniges Todt verhuͤten helffen / woran er dann nicht zuviel oder wieder ſein Propheten Ampt gethan. Worbey aber doch zumercken / daß Nathan 1. nicht gleich zu dem Koͤnige gelauffen / ſon - dern es der Bathſeba erſt angezeiget. 2. daß er nicht als ein Rathgeber / darzu er nicht beſtellet war / vor dem Koͤnige erſchienen / ſondern hat nu - rent dem Koͤnige deß Adoniæ Vorhaben entdecket vnd gefraget ob ſolches auff deß Koͤnigs Befehl geſchehe. Es meldet auch die Hiſtoria nicht / daß der Koͤnig mit Nathan Raht gehalten / was zu thun / vnd wie dem Vn - weſen zu begegnen / ſondern hat nach eingenommenen Bericht / ſo bald die Koͤnigin ruffen laſſen / vnd gleich die Anordnunge gemachet / daß man ſeinen Sohn Salomo auff ſein Maul ſetzen / gen Gihon fuͤhren / zum Koͤnige ſalben / vnd oͤffentlich proclamiren ſolte.
So haben auch andere Propheten alten Teſtaments auff deß Volckes vnd der Koͤnige Haͤndel genawe acht geben / vnd wann dieſelbe von Gottes Wort abgewichen / ernſtlich geſtraffet. Jtz gemelter Prophet Nathan hat dem Koͤnige David ſeine Vbertrettung nicht verſchwiegen 1. Sam. c. 15. v. 30. & ſeqq. c. 18. diſtinct. 45. Eine eyfferige vnd ſcharffe Schloß-oder Hoffpredigt thate der Prophet Jeremias dem Koͤnig Ze - dekia / verkuͤndigte jhme ſeine Vbertrettunge / Gottes Zorn vnd erfolgen -J iijde Straf -70Das erſte Buch /de Straffe Jerem. cap. 22. v. 1. & ſeqq. Eben dieſer Prophet ſagte dem Koͤnig Jojakim frey ohnverholen ſeine Vberfahrunge. Jerem. 36. v. 29. vnd gab jhm guten Raht dem groſſen Vngluͤck zu entfliehen / deme er a - ber keine Folge leiſtete. Jerem. 37. & 38. Wie der Koͤnig Ahab dem Pro - pheten Elia mit lauterm Vnfug vorruckete / biſtu der Jſrael verwirret? ſchewete er gar nicht zu antworten / ich verwirre Jſrael nicht / ſondern du vnd deines Vatters Hauß / damit daß jhr deß Herꝛn Gebott verlaſſen habet vnd wandelt Baalim nach. 1. Reg. c. 18. v. 17. & ſeqq. Jmgleichen der Prophet Micha. 1. Reg. 22.
Als Joſaphat mit dem Gottloſen Koͤnig Achab ſich befreundet / vnd mit demſelben in den Krieg zohe / ſtellete jhn der Prophet Jehu deß - wegen ſtarck zu rede / laſe jhme einen guten Text / vnd ſprach: ſolteſtu ſo den Gottloſen helffen / vnd lieben die den Herꝛn haſſen / aber doch iſt etwas gutes an dir funden / daß du die Haine haſt außgefegt. 2. Chron. c. 19. v. 2. & ſeq.
Johannes der Taͤuffer hatte auch ein fleiſſig Auge auff deß Koͤ - nigs Herodis actiones, vnd da er ſeines Brudern Weib nahme hieß ers nicht gut / ſondern ſtraffete es oͤffentlich. Luc. 3. v. 19. & ſeqq. Matth. c. 14. v. 3. & ſeqq. Ambroſius hat den Kayſer Theodoſium nicht geſchewet / wie er ſo viel Menſchenblut im Kriege vergoß. Wann derowegen der Geiſtliche Stand verſpuͤrete / daß ein Koͤnig / Fuͤrſt / oder Obrigkeit ein vnnoͤthigen Krieg erheben / oder ſich demſelben ohn Noth immiſciren wol - te / iſt er nicht allein befugt / ſondern Ampts halben ſchuldig / darvon mit Chriſtlichen Schrifftmaͤſſigen Erinnerungen abzumahnen / vnd ſol - ches auch nach geſtalten Sachen in oͤffentlichen Predigten. Fromme / Gottſelige vnnd Gewiſſenhafft Regenten nehmen ſolches nicht allein zum beſten auff / wie der Koͤnig David / der dem Propheten Nathan ſei - ne Bußpredigt nicht verarget / wann er ſpricht: Der Gerechte ſchlage mich freundlich vnd ſtraffe mich / das wird mir ſo wol thun als ein Bal - ſam auff meinem Haupte. Pſalm. | 141. ſondern ſie pflegen in wichtigen ſchweren Conſciens-Faͤllen / jhrer Geiſtlichen vnd Kirchenraͤthe Beden - cken / vnd| Chriſtliche in Gottes Wort gegruͤndete Gutachten daruͤber zu - erforden vnd einzuholen.
Jm gleichen wann andere Laſter / als Hurerey / Ehebruch / Tod - ſchlaͤge / Balgereyen / Wucher / Schinderey / Auffruhr vnd dergleichen Seuche bey Herren Hoͤffe / in den Staͤtten vnd auff dem Lande vorgehen vnd nicht ernſtlich beſtraffet werden / als denn muͤſſen die Prediger jhre Stimme erheben wie eine Poſaune / getroſt ruffen vnnd nicht ſchonen. Eſai. c. 58. ſonſten wird Gott das Blut von jhren Haͤnden fordern /wiewol71Von dem Geiſtlichen Stande. wiewol ſolche Bußpredigten nicht allemahl zum beſten auffgenommen. Da heiſt es Tange montes & fumigabunt, Taſte die Berge an daß ſie rauchen Pſalm. 144. v. 15. Elias muſte fluͤchtig werden. 1. Reg. c. 19. Micha in den Kaͤrcker gehen / vnd ward mit Brod vnd Waſſer deß Trůb - ſaals geſpeiſſet 2. Reg. c. ult. v. 27. deß gleichen wider fuhr dem Propheten Hanani von dem Koͤnig Aſſa. 2. Chron. c. 16. v. 10.
Vria der Sohn Semaia von Kiriath Jearim / ein Prophet / ward auch ein Hoff. Bußprediger bey Jojakim / der ließ jhn darumb auß Egy - pten holen / dahin er geflohen / mit dem Schwerd hinrichten vnnd ſeinen Leichnam vnter den gemeinen Poͤbel begraben. Jerem. cap. 26. v. 20. & ſeqq. Jeremia ſelber lage im Vorhoffe deß Gefaͤngnuß Zedekia / Jerem. cap. 32. 33.
S. Johannes muſte mit dem Kopffe ſeine Bußpredigt bezahlen / wie vor jhm viele Propheten vnnd Heiligen Gottes mehr gethan. D. Luther. ſchreibet in Außlegung deß 101. Pſalms / ſtraffet man ſie ſo ſoll es Auffruhr heiſſen. Jch moͤchte auch ſchier ſagen wie jener Prediger / da er vom Haſenſtreiffen ſagte / daß der Kopff boͤſe zuſtreiffen (meinte aber die Fuͤrſten vnd Herren) ſtreiffe dich / ſprach er / der Teuffel. Vnd mel - det D. Luther vber ſelbigen Pſalm weiter / daß dahero groſſe Herꝛn Wil - praͤt im Himmel ſeyn werden. Vnter deſſen muß ein trewer Prediger nichtes doweniger ein Hertzfaſſen vnd ſolchen Kopff angreiffen / vnd mit dem Propheten Jeremia ſagen: Jch bin in ewren Haͤnden / jhr moͤgets machen mit mir / wie es euch recht vnd gut duͤncket. Doch ſolt jhr wiſſen / wo jhr mich toͤdtet / ſo werdet jhr vnſchuldig Blut laden auff euch ſelbſt / auff dieſe Statt vnd jhre Einwohner: Denn / warlich der Herꝛ hat mich zu euch geſand / daß ich ſolches alles fuͤr ewren Ohren reden ſoll Jerem. cap. 26. v. 15. 16.
Der Prieſter Vria / deß Koͤnigs Ahas in Juda Hoffprediger / wolte dieſen Haſenkopff gar nicht angreiffen / vielweniger ſtreiffen. Dann als jhme ſein Koͤnig einen Abriß eines zu Damaſco erſehenen Heydniſchen Altars gen Jeruſalem zuſchickte mit Befehl / nach ſolchem Model / daſelbſten einen Altar im Hauſe deß Herrenzu ſeiner Wieder - kunfft zuverfertigen / machete Vria daruͤber nicht viel ſcrupulirens / obs dem Geſetze Gottes gemeeß oder zu wieder waͤre / ſondern er wolte ſeinem Herꝛn das placebo ſpielen / gabe gleich den Mundkoͤchen / einen guten Mundprediger / geſtalt die Hiſtoria / melden daß der Prieſter Vria / alles gethan / was jhn der Koͤnig Ahas geheiſſen Jm 2. Buch der Koͤnig. c. 16. v. 10. 11. 12. 16. Dergleichen Mundprediger vnd Placentiner finden ſich nach viel die gar kein beliebens haben / den Haſenkopff zu ſtreiffen / laſſensgehen72Das erſte Buch /gehen wie es gehet / aber malè. Vber dieſelbe klaget GOtt bey dem Pro - pheten Eſaia / wann er ſpricht: Alle jhre Waͤchter ſind blind / ſie wiſſen al - le nichtes (das iſt ſie wollens nicht wiſſen vnd ſehen) ſtumme Hunde ſind ſie die nicht ſtraffen koͤnnen / es ſind aber ſtarcke Hunde von Leibe / ꝛc. cap. 56. v. 10. 11. Jerem. c. 6. v. 14.
ALs der Koͤnig Saul ſich an Gott verſündigte / wider deſſen expreſ - ſen Bofehlich dz Verbannete verſchonete / vñ darvon opffern wol - te / muſte der Prophet Samuel jhme das Geſetz predigen / daß jhn nemlich der Herꝛ verworffen vnnd er nicht mehr Koͤnig ſeyn ſolte ankuͤndigte / bekante Saul / daß er geſuͤndiget / begehrte aber an Samuel er moͤchte jhn doch ehren vor den Eltiſten ſeines Volckes vñ fuͤr Jſrael / vnd mit jhme vmbkehren / welches Samuel auch gethan. 1. Samuel. c. 15.(1.) Vid. C. cum Bea - tus diſt. 8. v. 26. & ſeq. (1.)
Ein Suͤndthaffte vnd Gottloſe Obrigkeit iſt vnd bleibet dennoch eine Obrigkeit. Alſo nante David den Saul in der groͤſſeſten Verfol - gunge ſeinen Herꝛn vnd Koͤnig / ſeinen Vatter / ja den Geſalbten deß Herren / wiewol er ſchon von Gott verworffen / vnnd David zum Koͤnig(2.) Etiãſi Legum Contem - ptor eſt, tamen pa - ter eſt, in - quit juſti - nian. Im - perat. in ſimili Nov. 12. c. 2. Et ſicut filio ſemper ſancta & honeſta videri debet Patris perſona. l. 9. de Obſequ. parentib. & patron. præſt. ita & ſubditis perſona Magiſtratus, etiam impii vid. infra part. 2. Axiom, 11. erwehlet war. 1. Sam c. 24. & c. 26. (2.)
Als der Prophet Nathan den Koͤnig David wegen begangenen Ehebruches vnd Todtſchlags an Vrias vnd ſein Weib ſtraffete / iſt ſol - ches nicht oͤffentlich geſchehen vor dem Volcke / ſondern iſt Nathan zu David gangen / jhme ſeine Vbertrettunge vorgehalten / ſeine Bekant - nuß gehoͤret / vnd darauff die Abſolution geſprochen / 2. Sam. cap. 12. DieStraffe73Von dem Geiſtlichen Stande. Straffe vnd reſpect koͤnnen auff gewiſſen maaſſe dannoch bey einander ſtehen. Man ſagt im Sprichwort / wann der Hirt nicht mehr Freyheit haͤtte als das Schaff / ſo muͤſte er auch Graß eſſen. Hierumb iſt aber dem Geiſtlichen Stande nichts doweniger erlaubet / in genere die publica deli - cta der Obrigkeit / vnd anderer oͤffentlich zuſtraffen / alſo predigte Da - niel ohne ſchew vnd ſagte: Ja Herꝛ / wir / vnſere Koͤnige / vnſere Fuͤrſten / vnſere Vaͤtter muͤſſen vns ſchaͤmen / daß wir vns in dir verſuͤndiget haben Daniel. c. 9. v. 7. & 8.
WEil Gott ſelber ein Stiffter vnnd Vhrheber iſt verſchiedener Staͤnde / alſo thut er einen jeden darzu / worzu er jhn haben vnd gebrauchen will / mit gehoͤrigen Gaben vnnd Geſchickligkeit außruͤſten / durch ordentliche Mittel darzu erfordern vnnd be - ruffen.
Moſes vnnd Aaron wurden zugleich aber nicht zu einerley Ampt vnd Verrichtunge beruffen. Dann Moſes ward geſetzet daß er ein Gott ſeyn ſolte vber Pharao / vnd Aaron ſolte ſein Prophete ſeyn / Exod. c. 7. v. 1. Jtem / daß Aaron ſolte Moſes Mund / vnd Moſes Aarons Gott ſeyn. Exod. c. 4. v. 16. vnnd kam dem Moſi ſein Entſchuͤldigunge nicht zu ſtat - ten / daß er nicht beredet waͤre / vnd eine ſchwere Zunge vnd Sprache haͤt - te / ſondern bekam die Antwort / daß Gott ſein Mund ſein wolte vnnd jhn lehren was er ſagen ſolte. Exod. c. 4. Es wird Aaronis herꝛlicher Beruff noch ferner beſchrieben. Exod. 28. v. 1. & ſeqq. vnd Hebr. c. 5. v. 5.
Hiervon handeln die Theologi in jhren Schrifften mit mehrerm / vnd gehoͤret dieſe materia eygentlich auch ad Forum Theologorum.
DIe Obrigkeit iſt zwar eine Beſchirmerin vnd Saͤugamme der Chriſtlichen Kirche / gleichwol aber ein Gliedmaß derſelben / vnnd hat ſich darüber keiner Herꝛſchafft oder Dominats anzu - maſſen. Es iſt ein groſſer Vnterſcheid vnter der Weltlichen Herꝛſchafft / vnd dem Reich Chriſti Joh. 18. der Beruff aber gehoͤret zu dem Reich Chriſti / vnd iſt ein munus totius Eccleſiæ nach deß Apoſtels Pauli Lehr. 1. ad Corinth. c. 3. v. 21. & ſeq. da er zu der Gemein ſpricht / es iſt alles ewer / derowegen die Prediger auch nicht Herren / ſondern Kir - chen Diener genennet werden. Wie aber in einem Menſchlichen Lei - be / nicht alle Glieder einerley Function oder gleiche Verrichtunge haben / ſondern wuͤrcket ein jedes nach ſeiner Art vnd Eygenſchafft / gleichwol dem gantzen Leibe zu troſt vnd frommen / dann das Auge huͤtet nicht al - lein ſich für Anſtoß / ſondern wachet vnd ſiehet auch fuͤr andere Glieder: Alſo iſt es auch in dem Geiſtlichen Leibe der Chriſtlichen Gemein / darin ſich der Geiſtlicher / Obrigkeitlicher vnnd gemeiner Haußſtand befindet. Der Geiſtliche Stand oder Predigambt muß forſchen nach deſſen / der zum Predigambt vnd Gottesdienſt beruffen werden ſoll / Lehr / Leben / Geſchickligkeit / ob er der reinen allein ſeligmachenden Religion zuge - than / ob er ſo viel gelernet vnnd ſtudiret / daß er tüchtig ſey die Gemeine Gottes / mit Lehren / Predigen vnnd Vbunge der heiligen Sacramente zuverſorgen / vnd demnach der Chriſtlichen hohen Obrigkeit die Cuſto - dia beyder Taffeln Goͤttlichen Geſetzes / vnd Vffſicht vber Kirchen vnd Schulen anbefohlen / ſie auch deren guͤtige Nutritores, Protectores vnd gleichſamb erhoͤhete Schilde / wie David redet vnter dem Volcke ſeind / ſo bleiben jhnen billich bey Beſtellung vnnd Beruff deß Miniſterii oder Predigampts vnd der Schulen / jhre hohe partes: Alſo wann von Geiſt - lichen die Perſonen ſo beſtellet werden ſollen / examiniret, vnd in der Lehr vnd Geſchickligkeit tuͤchtig befunden / decerniret der Magiſtratus Poli - ticus, daß derſelbe der gantzen Gemein ſoll vorgeſtellet / von deroſelben ge -hoͤret75Von dem Geiſtlichen Stande. hoͤret vnd vernommen / vnnd darauff wann dieſelbe nichts erhebliches darwieder einzuwenden / ordiniret, eingeführet / vnd confirmiret werden. Da dañ den gemeinen Zuhoͤrern auch jhre partes, nemlich die approba - tio vnd applauſus bleibet / vnd thut eine Obrigkeit nicht wol / wann ſie die Gemeine gantz vorbey gehet vnd jhnen wieder jhren Willen / ob ſie ſchon erhebliche Einrede haben / Prediger obtrudirt vnd vfftringet / zu welchen ſie hernacher keine Anmuth haben / vnd darüber die Kirche vorbey gehen vnd ruchloß werden. Vnd weil ich hiervon in meinem Tractatu de Re - gimine ſecul. & Eccleſiaſt. lib. 3. claſ. 1. cap. 6. weitleufftiger gehandelt / als beziehe ich mich darauff.
ESredet Gott der Herꝛ bey dem Propheten Eſaia von dieſem Vn - terhalt alſo: Die Koͤnige ſollen deine Pfleger / vnnd jhre Fuͤrſten deine Saͤugammen ſeyn. c. 49. v. 23. & c. 60. v. 16. du ſolt Milch von den Heyden ſaugen vnnd der Koͤnige Brůſte ſollen dich ſaͤu - gen. Suges lac gentium & de mamilla Regum lactaberis, ſagt der Latei - niſche Text.
Zu ſolchem Ende waren im alten Teſtament dem Prieſterlichen Stamm Levi / an ſtat jhres Antheils am gelobten Lande von Gott ver - ordnet die Zehenden vnnd primitiæ. Levitic. c. ult. Num. 18. Syracid. c. 7. v. 33. & ſeq. Jtem die Opffer deß Herꝛn vnd ſeyn Erbtheil ſolten ſie eſ - ſen / ſtehet im fuͤnfften Buch Moſes c. 18. v. 1. Num. 18. vnd hat Joſua bey Außtheilunge deß gelobten Landes den Prieſtern vnd gantzem Stamm Levi viel vnd an der Zahl acht vnd viertzig Staͤtte ſampt jhren Vorſtaͤt - ten zu jhrer bequemen accommodation vnd Wohnunge aſſigniret vnnd angewieſen im Buch Joſ. c. 21. S. Paulus ſaget / werdem Altar dienet / der ſoll auch von dem Altar ſeine Nahrung haben / ꝛc. Vnd demnach die Gewaltige / Kayſer / Koͤnige / Potentaten / Fuͤrſten / Herren vnd Origkei - ten die meiſte Guͤter dieſer Welt beſitzen / vnd dannoch nicht allein Glie - der / ſondern auch Nutricii vnd Saͤugammen der Chriſtlichen Kirche ſeyn / iſt ja billig weil ſie Geiſtliche Guͤter vnd Gaben von der Klrch vnndK ijPredig -76Das erſte Buch /Predigampt empfangen / daß ſie auch reichlich darzu ſtewren / vnnd dar - auff bedacht ſeyn / daß der Geiſtliche Stand nach Notturfft vnd ehrlich vnterhalten werde. Es kan kein Stand ohne ehrlichen Vnterhalt beſte - hen / vnd wo derſelbe mangelt / da iſt Armuht / vnd welches darauff fol - get Verachtunge: Solches haben die Koͤnige altes Teſtaments / Da - vid / Salomon / Hiskias / Joſias vnd andere mehr reichlich gethan / denen im Newen Teſtament Conſtantinus Magnus, Carolus Magnus vnd viel andere Gottſelige Kayſer / Koͤnige / Fuͤrſten vnnd Herren hochruͤhmlich nachgefolget / Kirchen vnd Schulen reichlich dotiret.
Es haben ja die vernuͤnfftige Heyden / weil ſie auß dem Liecht der Natur vnd Creaturen ſo viel erkant / daß ein Numen oder Goͤttlich We - ſen / vnd daß daſſelbe durch einen gewiſſen Dienſt / durch gewiſſe darzu verordnete Sacerdotes, Flamines, Pontifices, Veſtales zuverehren ſey / vñ derowegen zu jhrem Abgoͤttiſchen Goͤtzendienſt / reiche vnnd milte Ver - ordnunge gethan.
Jn Egypten Land haben die Prieſter jhr eygen Peculium, Aecker vnd Felder gehabt / vnd wie bey Joſephs Zeiten die langwuͤrige ſchwehre Tewrunge einfiehl / daß ein jeder auß Hungersnoth ſeine Feldguͤtter fuͤr Getraͤyde / dem Koͤnig Pharao in ſolutum an ſtat bahrer manglender Gelder geben muͤſte / meldet die Hiſtoria / daß der Prieſter Felder (weil dieſelbe als Geiſtliche Guͤter de jure gentium nicht in Commercio ge - weſen) auß genommen vnd nicht gleich andern veralienirt vnnd der Koͤ - niglichen Cammer incorporirt vnd zugeeygnet worden / wie zu leſen 1. Moſ. c. 47. v. 22. & ſeqq. Haben alſo die vnglaubige Egypter jhre Prie - ſter nicht allein mit Guͤtern verſehen / ſondern dieſelbe auch fuͤr inaliena - bel geachtet vnd extra omne commercium geſtellet.
Als Romulus nach ſtabilirtem ſeinem Regiment alles ordentlich anſtellete / theilte er das Land in drey Theile / einen zu den Heydniſchen Sa - cris vnd Goͤtzendienſt; den andern ad uſum Reip. zu der gemeinen Caſſa vnd Weſen; den dritten aber ad uſum privatum, ſo vnter die Buͤrger ver - theilet / wie darvon ſchreibet Dionyſ. Halicar. Antiquitat. Rom. lib. 2. Ha - ben das die Heyden jhrem vnbekanten Gott gethan / wie viel mehr ſolten Chriſten jhrem wahren vnd erkandten Gott zu ehren es thun / vnd den Geiſtlichen Stand nach Notturfft verſorgen. Hiervon habe ich mit mehrerm gehandelt in meinem Tractat. De Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 3. Claſſ. 1. c. 8.
WIe der Koͤnig David die ein zeitlang exulirende, vnd letzlich in deß Gethiters Obed-Edoms Hauſe reponirte Bundes La - de Gottes / durch die Leviten wider abholen / vnd in die Stiffts - Huͤtte bringen ließ / hat er in ſeiner darbey publicirten Kir - chen Ordnunge diß Geſetze gegeben: Taſtet meine Geſalbten nicht an vnd thut meinen Propheten kein Leyd. 1. Chron. cap. 17. v. 22. & Pſalm. 105. v. 15.
Als der Koͤnig Jerobeam ſeine Hand / wieder den Mann Gottes / der geſand war jhme das Geſetze zu predigen / außſtreckete / vnd denſelben wolte greiffen laſſen / verdorrete die Hand daß er ſie nicht wider zu ſich zie - hen konte. 1. Reg. c. 13. v. 4.
Wie ſcharff Gott die Prieſter vnd Propheten Moͤrder vnnd Ver - folger / ſampt jhrer Poſteritaͤt geſtraffet vnd geſtuͤrtzet / das bezeugen die Exempla Sauls / Achabs / Jeſebel vnd anderer Tyrannen.
DEr Weiſe Mann Syrach ſpricht: Wer die Schrifft lehren ſoll / der kan keiner anderen Arbeit warten. Wie kan der der Leh - re warten der pfluͤgen muß / vnnd der gern die Ochſen mit der Geiſſeln treibet / mit dergleichen Wercken vmbgehet vnd weißNavita de ventis, de tauris nar - rat arator. nichtes als von Ochſen zureden. Er muß dencken wie er ackern ſoll /K iijvnd78Das erſte Buch /vnd muß ſpaͤt vnd fruͤhe den Kuͤhen Futter geben. Sie koͤnnen den Ver - ſtand nicht haben die Schrifft zu lehren / noch das Recht vnnd Gerechtig - keit zu predigen: Sie koͤnnen die Sprůche nicht leſen / ſondern muͤſſen der zeitlichen Nahrung warten. Wer ſich aber darauff geben ſoll / daß er das Geſetze deß Hoͤchſten lerne / der muß die Weißheit aller Alten erfor - ſchen vnd in den Propheten ſtudiren / ꝛc. Syracid. c. 39. Wer dem Altar dienet ſoll davon / das iſt / von denen darzu gewiederten vnnd verordneten Mitteln / vnd nicht durch Bawren Arbeit vnterhalten werden. Als Gott der Herꝛ das gelobte Land vnter die zwoͤlff Staͤmme Jſrael außgethei - let / hat er dem Prieſterlichen Stamm Levi kein Erbtheil / ſondern an deſ - ſen ſtat den Zehenden im gantzen Lande vnd dem Prieſter Aaron vnd ſei - nen Nachkommen die Erſtlinge verordnet ohne zweiffel auß denen Vr -Vid. Di - dac. Co - varr. lib. 2. var. reſo - lut. c. 17. Azori. in - ſtit. Moral. lib. 7. c. 26. p. 1. ſachen / daß ſie mit dem Ackerbaw nichts zuthun / ſondern jhre freye He - bunge / dem Gottesdienſt ſo viel do beſſer abzuwarten haben ſolten / Jm 4. Buch Moſ. c. 18. im 3. Buch Moſ. c. ult. v. 30.
Darumb verordnete der Koͤnig Hißkias / den Prieſtern vnnd Levi - ten jhr Theil zu geben / auff daß ſie deſto haͤrter koͤnten anhalten am Ge - ſetz deß Herren 2. Chron. c. 31. v. Als den Leviten jhr Theil nicht gegeben / vñ ſie deßwegen dẽ Dienſt deß Hauſes Gottes verlieſſen / vñ jhren Acker ba - wen muͤſten / machete Nehemias deßwegen gute Anordnunge. Nehem. c. 13. v. 10.
HIerin hat der Koͤnig Joſaphat allen Gottſeligen vnd Chriſtlichen Regenten mit gutem Exempel vorgeleuchtet / in deme er nicht ein / ſondern mehrmahl in dem Koͤnigreich Juda durch das gantze Land in alle Staͤtte / ſeine Fuͤrſten / Leviten / vnd vornembſte Mi - niſtros auß geſand / Kirchen vnd Schulen viſitiren vnd das Geſetz Buch deß Herꝛn allenthalben zu obſerviren vnnd darůber zuhalten anbefehlenlaſſen.79Von dem Geiſtlichen Stande. laſſen. 2. Chron. c. 17. v. 7. & ſeqq. Ja er iſt auch ſelber mit auff der Viſita - tion im Lande herumb gezogen / Geiſt-vnd Weltliche Gerichte weißlich angeordnet vnd beſtellet. 2. Chron. c. 19. Solche Viſitationes wann ſie zu - weilen vnd etwann alle Jahr einmahl bey Kirchen vnnd Schulen ange - ſtellet / auff der Prediger / Kirchen vnd Schuldiener / wie auch Zuhoͤrer vnd Scholaren Lehr / Leben vnd Wandel der Kirchengütter vnd deren Rech - nunge / auch guter Kirchen vnd Schul Diſciplin geſehen vnnd daruͤber fleiſſig gehalten wird / bringet ſehr groſſen Nutzen / vnnd wo keine fleiſſige gute Jnſpection vnd Vffſicht iſt / da nimbt die Vnordnunge bald vber - hand / vnd thut ein jeder was er will. Zu beſſerer Fortſetzunge der Viſita - tionen ſeind an theils Oerten abſonderlich Viſitationes Raͤthe vnd Pro - tocolliſten / welche mit den Superintendenten auff die Viſitationes ziehen.
Hiervon habe ich auch in gedachtem Tractat. de Regim. Sec. & Ec - cleſiaſtico geſchrieben.
WElcher geſtalt der Geiſtliche Stand / auff gewiſſe Maaß / den Vorzug vnd die andere Staͤnde mit guter Lehr zu informiren vnd zu vnterrichten hat / iſt droben Axiomate I. angefuͤhret / Alſo ſtehet demſelben auch zu / daß er mit einem / der reinen Lehr / aͤhnlichen vnnd gemeeſem Leben vnd Wandel / den andern weit vorleuchte / vnd worzu ſie andere vermahnen ſelbſten in der That er fuͤllen / vnd nicht ſeyn / als die andern rpedigen / vnd ſelbſt verwerfflich werden in der 1. an die Corinth. c. 9. v. 27. (1.) ſich alles vppigen diſſoluten Lebens /(r.) Verba[n]movent exempla trahunt. Vel non doceto, vel doceto moribus. Nazianzen. Sic igitur cenſura, & ſic exempla parantur, cũ judex alios quod monet, i - pſe facit. Et illud Matheſii Regula virtutum pulcherrima, vita docentis. Laſter vnd grober Fehler dardurch jhre Gemeinde geaͤrgert wird / enthal - ten(2.)Nihil prodeſt verbis præferre virtutem, factis deſtruere veritatem Cyprian. in ſerm. de mortal. Non ſufficit adhibere rectos & ſalutares ſermones, ſed emendatæ vitæ exemplũ, ut ex ſervis de bonitate Domini, & ex actionibus, de Legis puritate judicium fiat Chriſti. de verit. Chriſti Religion. lib. 6. in fim. wie ſolches S. Paulus in ſeiner andern an Timotheum c. 3. v. 2. 5. auß fuͤhret / allda gar eygentlich vnd vmbſtaͤndiglich beſchrieben wird / wie ſich ein Geiſtlicher in ſeiner Verheurathunge / Eheſtand / Kinder -zucht80Das erſte Buch /zucht / Haußhalten / Lehr / Ampt vnd Wandel vnnd ſonſten zuverhalten / was er zu thun vnd zu meyden / welches Eraſmus Roterodam. in ſeiner Paraphraſi vber dieſe Epiſtel mit mehrerm außleget. Wer wol Lehret vnd vbel lebet / der reiſſet mit einer Hand herunter was er mit der andern bawet / vnd entziehet ſeiner Lehr alle Krafft vnd Beyfall / wie Nazianze -(2.) Quis enim cre - dit Docto - ri, cujus oratio pu - gnat cum vita? Quis feret incre - pantem, in quo videt aut eadẽ, aut etiam graviora flagitia? ut omnes in - tegri ſint, & inno - centes optari ci - tiùs poteſt, quam ſpe - rari. Certè magni re - fert, ut u - nus, à cu - jus magi - ſterio pen - der popu - lus, vacet omni cri - mine. O - portet il - lum præ - ſtare vigi - lantem Patrem familias, qui omnia in officio continet. Si liberos habet morigeros, dictoque audientes, ſi ſic inſtitutos ut ingenuo pudore, moribuſque compoſitis teſtentur, ſanctam educationem parentis, bona ſpes eſt, fore, ut publicam omnium curam gnaviter gerat, qui in adminiſtratio - ne rei domeſticæ, ſpecimen egregium ſui præbuerit Eraſm. Roterodam. in Paraphraſi ſuper e - piſtolam prior. Paul. ad Timotheum cap. 3. nus vnd Lactantius darvon ſchreiben. (2.) Ja ſie ſeind gleich denen / die an der Arca Noe baweten / ſelber aber nicht hinein kamen vnnd jhr Leben retteten: oder den Statuis Mercurialibus, die am Wege geſetzet / andern den Weg zwar zeigen / ſelber aber ſtehen bleiben. Ja ſie habẽ den Schluͤſ - ſel der Erkantnuß vnnd kommen doch nicht hienein Luc. c. 11. v. 52. Sie ſeind darvon Chriſtus ferner ſaget / Dicunt & non faciunt / Sie ſagens vnd thuns nicht. Dahero auch weil ſie mehr als andere durch boͤſes Le - ben aͤrgern / jhre Vberfahrunge auch ſo viel ſchaͤdlicher / ſtraffbarer vnd vnverantwortlicher iſt als jhrer Zuhoͤrer / maſſen dann auch im Geſetz Gottes / das Suͤndopffer / ſo wegen eines Prieſters begangener Vber - trettunge / darmit das Volck geaͤrgert dem Herꝛn geſchehen / vnnd er dar - durch verſoͤhnet werden muͤſte / viel koſtbahrer vnd mit mehrern offentli - chen Ceremonien fuͤr der Thuͤr der Stifftshuͤtten geſchahe / wie ſolches der lenge nach beſchrieben im 3 Buch Moſ. c. 4. v. 3. & ſeqq. Alſo auch ei - nes Prieſters Tochter / wann ſie gehuret viel ſchaͤrffer als andere geſtraf - fet vnd gar mit Fewr verbrand worden im 3. Buch Moſ. c. 21. v. 9. Sol - che aͤrgerliche vngerathene Gottloſe Lehrer vnnd Prediger werden von Gott / den Moͤrdern gleich geachtet / welche die Heerdejhrer Weyde vmb - bringen / derowegen auch bey dem Propheten Jeremia GOtt das wehe daruͤber ſchreyet: Wehe den Hirten / die jhr die Herd meiner Weyde vmbbringet vnd zerſtrewet Jerem. c. 23. v. 1. Ezechiel. c. 34. v. 2. Sie ſeind blinde Waͤchter ſtarcke Hunde von Leibe / die nimmer ſatt werden koͤn - nen Eſaiæ c. 56. v. 10. & ſeqq. daruͤber Gott bey dem Propheten Zephania alſo klaget: Jhre Propheten ſind leichtfertig vnd Veraͤchter / jhre Prieſter entweihen das Heiligthumb / vnd deuten das Geſetz frevemlich Zephan. c. 3. v. 4. Solcher ſtarcken Hunde findet man leider heutiges Tages auch viel / die nurent geitzen / mehr auff jhre Saͤwe vnd Kuͤhe / als auff die Schaaffe / jhrer ſo hoch anvertrawter Heerde ſehen / darauff der ProphetMicha81Von dem Geiſtlichen Stande. Micha ſchilt / ſagent: Jhre Prieſter lehren vmb Lohn / vnd jhre Propheten wahrſagen vmb Geld c. 3. v. 11. Jm gleichen der Prophet Malach. c. 1. & 2. vnd ſchreibet D. Luther in der Vorrede vber dieſen Propheten / daß der Geitz vnd Bauchſorge immer Schaden gethan / dem Wort vnd Dienſt Gottes vnd machet immer Heuchler auß Predigern. Aber ſie werdens dermahl eins ſehr ſchwehr zuverantworten haben. Es ſchreibet Adamus Contzen in ſeinem Daniele ſive de ſtat. Aulic. cap. 24. §. 4. auß den alten Kirchenlehrern / daß in der erſten Kirchen am Hoffe deß Kayſers Nero - nis, Adrianorum vnd Diocletianorum, mehr durch gute Exempel heili - gen ohnbefleckten Lebens vnd Wandels der Chriſten / als durch offentli - che Lehr zum Chriſtenthumb gebracht wie ſolches Tertullianus / Iuſtinus vnd andere bezeugen / vnd bey gedachten Adamo Contzen mit mehrerm zu leſen. Eines getrewen Lehrers Probe beſtehet auch darin nicht / daß er von Gott mit herꝛlichen Gaben auß geruͤſtet / Gelahrt vnnd in die heiligen Schrifft trefflich beleſen vnd ſtatliche Predigten thun kan / ein ſolcher be - gabter Man war der heuchliſcher Prophet Bileam. Der predigte vnnd weiſſagte gewaltig von dem Stern der auß Jacob auffgehen / vnd dem Scepter ſo auß Jſrael auffkommen wuͤrde / er wuͤnſchte das ſeine Seele moͤchte ſterben deß Tods der Gerechten / vnd ſeine Ende werden wie der heiligen Gottes / er ſprach dem Volck Jſrael einen koͤſtlichen Segen im 4. Buch Moſ. cap. 23. v. 10. & c. 24. v. 6. & v. 17. Dannoch iſt er vnter die Vngerechten gerechnet / denen behalten iſt ein tunckel Finſternuß in Ewigkeit in der andern Epiſt. S. Petric. 2. v. 15. 16. 17.
EIne herꝛliche Kirchen vnnd Prieſter Ordnunge hat Moſes auff Gottes Befehl publicirt, vnd dem hohen vnnd andern Prieſtern Aaron vnd ſeinen Soͤhnen wie auch den Leviten vorgeſchrieben vnd publicirt im dritten Buch Moſis c. 8. & ſeqq. JmgleichenLein82Das erſte Buch /ein Kirchen vnd Prieſterrecht / im ſelbigen Buch c. 20. Jtem / im 4. Buch Moſis / c. 4. Eine feine Kirchen Ordnunge machete der Koͤnig David / nicht lange vor ſeinem Toͤdlichen-Hintritt / verſamblete darzu alle Obri - ſten Jſrael / die Prieſter vnd Leviten / machete gewiſſe Claſſes an der Zahl vier vñ zwantzig darin er ſie collocirte, beſcheidete zu gewiſſen Aemptern / verordnete auch Saͤnger vnnd Muſicanten auß den Kindern Aſſaph / Jtem / Thorhuͤter / Amptleuthe / Auffſeher / Voͤgte vber die Intraden vnd Kirchen Guͤter / wie zu leſen der lenge im erſten Buch der Chron. c. 24. 25. 26. 27. Dieſe Kirchenordnunge hat nachgehents ſein Sohn der Koͤnig Salomo nach herꝛlicher Einweihunge deß Tempels renoviret, ernewert vnd publicirt, im andern Buch der Chronic. c. 8. v. 14. Jn der Kirche ſoll vnd muß alles ordentlich vnnd ehrlich gehalten werden 1. Corinth. c. 14. denn Gott iſt nicht ein Gott der Vnordnunge / ſondern der Einigkeit vnd deß Friedens / ſo bey Vnordnunge nicht beſtehen kan 1. ad Timoth. c. 3. Gute Kirchenordnunge aber beſtehet vornemlich in nach folgenden fuͤnff Hauptſtuͤcken 1. in Puritate Doctrinæ das iſt Pflantzunge der einigen wahren Lehre deß H. Evangelij / vñ rechten Gebrauch der Hochwuͤrdigen H. Sacramente / nach Chriſti Stifft-vnd Einſetzunge. 2. Jn Erhal - tunge deß Miniſterii vnd Kirchenampts / deren Beruff / Einſetz-Ordi - nir-Beſtellunge vnd Vnterhalt / wie auch der Conſiſtorien vnd Kirchen - gerichte / vnd darin gehoͤriger Cenſur in der Lehre wie auch guter Kirchen Diſciplin, Leben vnd Wandel. Jn ſo nutzlichen / Eintraͤchtigen / GOttes Wort gemaͤſen Ceremonien / mit Lection / Geſaͤngen / Feſten / ꝛc. im rech - ten Chriſtlichen Verſtande / ohne Aberglauben / alles zur Erbawunge. 4. Jn Vffſicht vnd Erhaltunge Chriſtlicher Schulen vnd Studien darvon vnten Axiom. 49. weitleufftiger tractiret. 5. Gehoͤret dahin die Verord - nunge vnd Vffſicht gewiſſer darzu gewidmeter Guͤter / deren richtiger Verwalt-vnd Berechnungen / damit die Prediger in Kirchen vnd Lehrer in Schulen / gebuͤhrliche Vnterhaltunge haben / nach S. Pauli Lehre. 1. Corinth. c. 9. Alſo hat er der Herꝛ geordnet daß die ſo das Evangelium verkuͤndigen / vom Evangelio leben / wie droben Axiom. 38. mit mehrerm gedacht / hiervon iſt in der Fuͤrſtl. Meckelburgiſchen Kirchenordnunge / die Weyland Hertzog Vlrich zu Meckelburg Hochſeliger Gedaͤchtnuß Anno 1602. publiciren laſſen / mehrere vnd gute Erinnerung geſchehen. Nicht weniger gehoͤret auch 6. zu der Obrigkeitlichen Inſpection vnd gu - ter Kirchen Ordnunge / die Cura vnd Vffſicht der Studien vnd darzu ge - widmeter Einkunfften. Als der Koͤnig Joas wahr genommen / daß die zu Beſſerunge deß Tempel-Bawes zu Jeruſalem eingeſamblete Gelder darzu nicht angewand vnd der Tempel in Baw vnnd Beſſerunge / wieſichs83Von dem Geiſtlichen Stande. ſichs gehoͤret nicht erhalten war / fordert er zu ſich den Prieſter Jojada ſampt andern: Verwieß jhnen daß ſie das Geld zu ſich genommen vnd darvon den Tempelbaw nicht gebeſſert / worauff Jojada einen Kirchen Kaſten machen / vnnd was zum Baw gereichet war darinn werffen ließ / wann dann ein Vorrath im Kaſten vorhanden war / haben die Prieſter denſelben fuͤr ſich allein nicht geoͤffnet / ſondern es iſt deß Koͤnigs Schrei - ber oder Rentmeiſter darzu deputiret daß er mit Zuziehunge deß Hohen - prieſters / den Kirchen Kaſten auffgemachet / das Geld gezehlet vnd vnter die Arbeiter auß getheilet / wie zu leſen im 2. Buch der Koͤnig v. 6. & ſeqq. Worauß dann zuſehen daß die Kirchen vnnd Structur Rechnunge zur Oberkeitlichen Inſpection mit gehoͤren / vnd mit Zuziehung der Geiſtli - chen ſolche Rechnunge abzuhoͤren.
ALs Moſes das Juͤdiſche Volck durchs rothe Meer in die Wuͤſte ge - bracht / vermeinte er anfangs / er wolte vnnd konte alle Geiſt - vnnd Weltliche Haͤndel vor ſich ziehen vnd allein ſchlichten vnd richten / aber ſein Schwaͤher Jethro / als er jhn in der Wuͤſten beſuchte / ſein Weib vnd ſeine beyde Soͤhne jhm zufuͤhrete / remonſtrirte dem Moſi in continenti, daß es jhme zu ſchwehr fallen vnd ers allein nicht verrichten / ſondern ſich nurent conſumiren vnd abmatten wuͤrde. Auff ſolche getre - we Er. nnerunge hat Moſes ein wol formirtes Gericht beſtellet. Exod. c. 18. Als aber creſcente multitudine populi die Haͤndel fort vnd fort mehr vnd Moſi allerhand beſchwerliche Quæſtiones vnd caſus conſcientiæ vor - geſtellet wurden / befand er ſich deſſen beſchwehret / klagete es GOtt ſelbſt vnd zohe ſein Vnvermoͤgen an / erlangte daruͤber ein gewuͤrige gute Reſo - lution / daß er ſich ſiebentzig Maͤnner vnter den Eltiſten Jſrael erwehlen / vnd durch dieſelbe ein Conſiſtorium, welches Synedrion oder Sanhedrin genand worden / anordnen vnd beſtellen ſolte| / fuͤr welches die wichtigſtenL ijHaͤndel84Das erſte Buch /Haͤndel in Geiſt-vnd Weltlichen Sachen gezogen vñ eroͤrtert werden ſol - ten. Es ſeind aber dieſe 70. Perſonen auß allen zwoͤlff Staͤmmen / vnnd alſo nicht allein auß dem Levitiſchen Prieſterlichem Stamme / ſondern auch den vbrigen vnd auß ſolchem die Geſchickligſte genommen / vnd diß groſſe Conſiſtorium vnd Gericht mit Geiſt-vnd Weltlichen Perſonen bekleidet / vnd ſolche erwehlete Perſonen vor die Stiffts-Huͤtte erfordert vnd von Gott darzu qualificirt vnd geſchickt gemacht worden. Jch will ſprach der Herꝛ / hernieder kommen vnd deines Geiſtes (welches dann nicht privativè ſondern cumulativè, wie auß dem Auguſtino zuſehen / zu - verſtehen) der auff dir iſt / nehmen / vnd auff ſie legen / daß ſie mit dir die Laſt deß Volckes tragen / daß du nicht allein trageſt / Num. d. c. 11. v. 17. ohnerachtet Joſua Moſe Diener vnd ſein Knabe darüber geeyffert vnnd es gern hindern wollen / gleichſamb wurd dardurch Moſi an ſeinem re - ſpect vnd folglich jhnen auch etwas an jhrer præminentz abgehen / ibid. verſ. 28.
Aber Moſes kehrete ſich daran nicht / ſahe daß ein Mißverſtand bey Joſua war / dann Gott hatte deßwegen deß Moſis ſeinen Geiſt vnd Gaben nicht gemindert / ſondern eben mit dem Geiſt vnd Gaben / damit(1.) Augu - ſtin. fuper lib. Num. quæſt. 18. Cum ita ſcriptum ſit, aufe - ram de ſpi - ritu, qui eſt ſuper te (juxta fon - tes Hebrai - cæ linguę) nec dictũ, de ſpiritu tuo, quod tamen eſt verſio vul - gata (fa - cilior eſt abſolutio quæſtionis, quia intelligimus nihil aliud Deum ſignificare voluiſſe, niſi ex eodem Spiritu gratiæ illos habituros adiutorium ex quo habebat Moſes: ut & iſti ha - berent quantum Deus vellet, non ut ideo Moſes minus haberet. Quate licet verſio diſcrepet, ſenſus tamen idem manet. Lutherus in Germanica verſione propius accedit ad Hebraicum fontem & genuinum intellectum. er Moſen außgeruͤſtet / hat er auch die 70. Maͤnner begabet / (1.) dieſelbe auch nicht in æmulationem oder Conſortium Moſis tragenden hohen Ampts / oder daß ſie mit jhme de prærogativa ſummæ poteſtatis compe - tiren, ſondern in partem ſollicitudinis zu Sublevirung der ſchweren jh - me obliegender Buͤrde / vnd daß ſie Moſi die Laſt deß Volckes ſolten tra - gen helffen / angeordnet: Alſo thut Gott noch heutiges Tages / wann er ei - nen ordentlich zu einem Ampte beruffet / ſo ruͤſtet er jhn auch darzu auß / mit gehoͤrigen Qualitaͤten / Hertz / Muth / vnnd Verſtande / ob ſich ſchon Leuthe finden die daruͤber eyffern vnd es nicht gerne ſehen.
Dieſes Conſiſtorium oder groſſe Rath / hat gewehret in die 1500. Jahr / biß zu den Zeiten Herodis Aſcolonitæ Antipatris Sohns / der es endlich abgeſchaffet / wie D. Chytræ. ad cap. 11. Num. vnd andere annoti - ren, von dieſem Raht wird auch verſtanden / wann der Herꝛ Chriſtus im Evangelio ſaget; wer ſeinen Bruder Racha heiſt / der iſt deß Rathsſchul -85Von dem Geiſtlichen Stande. ſchuldig / daß iſt / der hat vor dieſem Rath erſcheinen vnd ſeiner Sententz erwarten müſſen.
Als der loͤbliche Koͤnig Joſaphat auß dem blutigen Kriege / darin er mit dem Achab ſich begeben / gluͤcklich wider zu Landen vnnd Leuthen kommen / hat er nicht allein die Weltliche Gerichte wol beſtellet / vnnd die Richter mit ſtattlicher Jnſtruction vnd Gerichtsordnunge verſehen / ſon - dern hat auch das bey der Gottloſen Koͤnige Zeiten faſt zerfallenes Con - ſiſtoriũ oder Synedrion vnd Kirchen Rath auß Geiſt-vnnd Weltlichen Perſonen wider angerichtet / vnd den Prieſter Amaſiam zum Præſiden - ten geſetzet / darvon die Schrifft alſo redet: Auch beſtellete Joſaphat zu Jeruſalem auß den Leviten vnd Prieſtern / vnd auß den Obriſten Vaͤt - tern vnter Jſrael vber das Gericht deß Herren / vnd vber die Sachen / vnd ließ ſie zu Jeruſalem wohnen / ꝛc. 2. Chron. c. 19. v. 8.
Nach dieſem Exempe haben die Evangeliſche Chur-Fuͤſten vnnd Staͤnde / nachdeme durch den Paſſawiſchen Vertrag vnd darauff erfol - geten tewren Religion Frieden deß Stuhls zu Rom / Geiſtliche Juris - diction in jhren Landen vnd Gebiethen ſuſpendirt, auch allenthalben Conſiſtoria, Geiſtliche Gerichte oder einen Kirchen-Rath angeordnet / welches dann dem Worte Gottes vñ dem hohen Obrigkeitlichen Ampte nicht zu wieder / ſondern allerdings gemeeß.
Dann Gott hat allen Koͤnigen / Regenten / vnnd hohen Obrigkei - ten / die Cuſtodiam vnd Bewahrung deß gantzen Geſetzbuches vnnd alſo beyde Taffeln anbefohlen. Deuter. c. 17. Joſ. c. 1. (2.)
Zu der erſten gehoͤret nun der Gottesdienſt / deſſen Auffſicht vnnd gute Ordnunge. Alſo hat Joſaphat nicht zuviel / ſondern loͤblich vnnd wol gethan / daß er in ſacris gute Ordnunge vnd ein Geiſtlich Conſiftorium beſtellet vnd angeordnet / wie gemeldet.
Es iſt auch auß den Kirchen vnd andern Hiſtorien bekant / daß die erſte Chriſtliche Kayſer vnd Koͤnige ſich deß Kirchen Regiments ange - nommen / darin gewiſſe Verordnunge vnnd Geſetze gegeben / auch die Paͤpſte ſelben eingeſetzet vnd beſtettiget / darvon ich weitleufftiger gehan delt in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 3. Claſ. 1. c. 1. n. 9. & ſeqq.
Es haben aber der Paͤpſtliche Stuel zu Rom vnnd die Geiſtligkeit der Chriſtlichen Keyſer / Koͤnige vnd Regenten jemehr vnnd mehr die Geiſtlich Juriſdiction an ſich gezogen / vnd endlich der Weltlichen hohen Obrigkeit gantz nichts daran geſtatten / ſondern jhres gefallens damit al - lein diſponiren, ſchalten vnd walten wollen.
L iijAls86Das erſte Buch /Als aber durch Gottes Gnade verſchiedene Chriſtliche Koͤnige / Chur-Fuͤrſten / Herren vnd Republiquen ſich zu der Evangeliſchen Re - ligion bekant / haben ſie ſolche jhnen Vermoͤg deß von Gott anvertrawtẽ Geſetz Buches competirende Jurisdictionem Eccleſiaſticam, dem geof - fenbahrtem Worte Gottes zu wieder ſich nicht wollen entziehen laſſen - vnd iſt den Staͤnden deß Reiches durch obgedachten Paſſawiſchen Ver - trag vnd Religion-Frieden / das Kirchen Recht vnnd dahero růhrende Verordnunge Geiſtlicher Gerichten vnd Conſiſtorien nicht von newen indulgiret, ſondern haben ſie ſich deſſen proprio & quaſi poſtliminii jure vnternommen / vnd iſt angeregter Paſſawiſcher Vertrag vnnd Religion Frieden dißfals mehr nicht als ein allgemeines in vim pragmaticæ ſan - ctionis publiciertes Interdictum, uti poſſidetis, itapoſſideatis, vnnd ein hochverpoͤntes Reichs Geſetze allen dennen / die darwieder einigen Stand zu turbiren ſich vnterſtehen / entgegen geſetzet.
Es haben zwar die Patres Dillingenſes in jhrer Compoſitione pacis c. 6. q. 42. ſolche der Evangeliſchen Staͤnde Kirchen Recht vnnd Con - ſiſtorial Verordnunge anſtechen / vnd wieder die heitere klare diſpoſition deß Religion Friedens vnd darauff erfolgte 50. 60. 70. vnd mehr Jaͤhri - ge Obſervanz, vnd durch viel verſchiedene Præjudicata Cameralia erhaͤrte - te vnd beſtaͤrckete Poſſeſſion, ein wiedriges behaupten vnd der Welt vor - bilden wollen / es haben aber vermittelſt guͤtiger Verleyhung Gottes deß Allerhoͤchſten / die Evangeliſche Staͤnde ſich bey jhren Rechten vnnd ſo lange erſeſſenen freyen Vbunge deſſen / wiewol nicht ohne vielfaͤltige ſchwehre Anſtoͤſſe / biß hero manuteniret vnd gehandfeſtet.
Was vor Sachen eygentlich vor die Conſiſtoria der Evangeli - ſchen gehoͤren / vnd ſonſten darbey inacht zunehmen / darvon hab ich auch in gedachtem meinem Tractatu de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 3. claſ. 1. c. 10. etwas geſchrieben. Vid. etiam Erneſt. Gothofred. de jur. Conſi - ſtor. in Eccleſiis Auguſtan. Es muß ein vnterſchied vnter Conſiſtorial vnd andern Sachen allezeit in acht genommen vnd dieſelbe nicht fuͤr ein Gericht gezogen werden. Dieſes hat der Heydniſche Landvogt in Achaia Gallion vernünfftig erwogen / dann als die Juden den Paulum ſo hart bey dem ſelben nicht wegen Welthaͤndel oder Verbrechens / ſondern we - gen der Lehr vnd Glaubens Haͤndel anklagten / ertheilte Gallion causâ cognitâ, ein ſolche interlocutoriam oder Beſcheyd: Wenn es ein Frevel oder Schalckheit waͤre / lieben Juden / ſo hoͤrete ich euch billich. Weil es a - ber eine Frage iſt von der Lehre vnd von den Worten vnnd von dem Ge - ſetze vnter euch / ſo ſehet jhr ſelber zu / ich gedencke daruͤber nicht Richter zu ſeyn / in den Geſchichten / der Apoſtel c. 18. v. 14. 15. Worin Gallion einegute87Von dem Geiſtlichen Stande. gute Lehr vnd Exempel gibet allen Weltlichen Richtern / daß ſie in Reli - gions-Sachen ſich deß Richter-Ampts nicht anmaſſen ſie ſeyen dann Conſiſtoriales vnd ſonderlich mit darzu deputiret.
Hoch waͤre zu wuͤnſchen daß in denen Evangeliſchen Landen / da noch keine Conſiſtoria angerichtet / deren gleichwol meines Wiſſens we - nig / dieſelbe nochmals / angeordnet wuͤrden. Dann da keine Conſiſtoria vnd vermittelſt deren keine genugſame Vffſicht iſt / da machet ein jeder Prieſter / ſonderlich vff den Doͤrffern / was er will / vnd muß man derſel - ben vnordentliches / wüſtes / vnd theils gottloſes Leben / Vnfleiß vnd an - dere Gebrechen mit groſſem Vnmuth erfahren / vnd werden die jenigen / ſo es etwann jhres privati halber hindern / bevorab da der hochloͤblichſte Landes Fuͤrſt vnd deſſen Raͤthe vñ Bediente es gern befoͤrdert ſehen / ſehr ſchwehr zu verantworten / vnd an allem Vnweſen ſo darauß zu groſſem / vieler gottſeligen / frommen Hertzen Aergernuß entſtehet / ſchuldig ſey. (3.)
Es ſeynd aber die mala, ſo darauß kommen nicht zuerzeh - len / auch | theils alſo beſchaffen / daß man deren ohne Aergernuß nicht wol gedencken mag / dardurch einem gantzen Lande der Vn - ſegen / andere Straffen vnnd Landverderbliche Plagen zugezo - gen werden. Ewre Zeit iſt da ſpricht GOtt der Herꝛ beym Prophe - ten Haggai c. 1. daß jhr in getaͤffelten Haͤuſern wohnet / vnnd diß Hauß wuͤſte ſtehet (das iſt ſo viel geſaget; jhr nehmet euch deß Gottes dienſtes vnd Kirchenweſens nicht viel an / dencket nur auff ewer Hauß vnd priva - tim) nun ſo ſpricht der Herre / ſchawet wie es euch gehet. Jhr ſaͤet viel vnd bringet wenig ein / jhr eſſet vnd werdet doch nicht ſatt / ꝛc. vnd welcher Geld verdienet der legts in einen loͤcherichten Beuthel / jhr wartet wol auff viel / vnd ſiehe es wird wenig / vnnd ob jhrs ſchon einbringet / ſo zer - ſtaͤwre ichs doch / warumb das ſpricht der Herꝛ Zebaoth? Darumb daß mein Hauß / ſo wuͤſte ſtehet / vnd ein jeglicher eylet auff ſeyn Hauß. Darumb hat der Himmel vber euch den Taw verhalten / vnd das Erdreich ſeyn Gewaͤchs / ꝛc.
OB wol der groſſe vnbegreiffliche Gott an keinen Ort gebunden / welchen der Himmel vnnd aller Himmel Himmel nicht moͤgen verſorgen / wie der Koͤnig Salomon bey Einweyhung deß herꝛ - lichen Tempels zu Jeruſalem conteſtiret. 1. Reg. c. 8. v. 27. So hat es doch ſeiner Goͤttlichen vnendlichen Allmacht alſo gefallen / dem Menſchlichem Geſchlechte zu mehrerm Troſte / gewiſſe Oerter / Huͤtten / Tempel vnd Kirchen-Stifften zu laſſen / da ſeines Namens Gedaͤcht - nuß in oͤffentlicher gemeiner Volckreichen Verſamblunge hochheilig vnd herꝛlich celebriret vnd begangen / vnnd der oͤffentliche Gottesdienſt mit ſonderbahrer Devotion vnd Andacht verrichtet worden. Jn der er - ſten Welt vor der Sündflut findet man keine ſonderliche Nachricht auſ - ſer daß die Schrifft meldet / daß zu Zeiten Seths man habe angefangen zu Predigen von dem Namen deß Herren. Geneſ. c. 4. v. 5. welches dann dahin nicht zuverſtehen / als wann es vorhin zu Zeiten Adams gar nicht geſchehen / ſondern nicht in ſo groſſer Verſamblunge. Es haben ohne zweiffel Adam vnd andere Gottſelige Altvaͤtter jhren Familiis, Kindern vnd Geſinde in jhren eygenen Haͤuſern geprediget / vnd ſie auß Gottes Wort informiret. Deßgleichen hat Noah / Abraham / Jſaac vnd Jacob nachgehents damit auch alſo continuiret, wie oben Axiom. 6. allbereit gedacht.
Als die Kinder Jſrael in Egypten ſich ſtarck vermehret hatten / wolte Gott den oͤffentlichen Gottesdienſt herꝛlicher haben / ließ Pharao - niſagen durch Moſen vnd Aaron / ſein Volck ziehen zu laſſen daß es jhme ein Feſt hielte in der Wuͤſten Exod. c. 5. v. 1. & ſeqq. Et c. 8. v. 26. & ſeqq. vnd als auff Pharaonis beharliche verſtockte Verweigerunge / GOtt durch ſeinen gewaltigen ſtarcken Arm / ſein Volck auß Egypten in dieWuͤſte89Von dem Geiſtlichen Stande. Wuͤſte gebracht / vorhin das Paſſah mit ſeinen Ceremonien zu halten angeordnet / das Geſetz auff dem Berge Sinai gegeben / hat er eine frey - willige Stewre dem Volcke aufferleget / vnnd Moſi eine Form deß Ta - bernaculi oder Stiffts huͤtten / vñ alles ſeines Geraͤths zum Heiligthumb zu machen befohlen / vnd daß er ſonderlich von dem Orth jhme zeugen vnd mit jhme reden wolte. Exod. c. 25. & 26. & ſeqq. allda die Form der Stifftshuͤtte / das Geraͤth / Prieſterlicher Ornat vnd andere Ceremonien deß oͤffentlichen gemeinen Gottesdienſtes mit mehrerm beſchrieben wer - den.
Als GOtt dem Koͤnig David ſein Koͤnigreich beſtaͤttiget vnd jhme Ruhe gegeben hatte / ward er ſinnes dem Herren ein Hauß oder Tempel zu bawen / hat es Gott nicht gar ſich miß fallen laſſen / ſondern daß nicht er / David / ſondern ſein Sohn Salomo als der Pacificus oder Friedfertige daſſelbe thun ſolte ſich erklaͤret 2. Samuel. c. 7. Die Vrſache / warumb es David nicht thun duͤrffen / hat Gott der Herꝛ jhm ſelber vnd er herna - cher ſeinem Sohn Salomoni offenbahret; nemblich daß er David viel Blute vergoſſen auff die Erde vnd viel Kriege gefuͤhret / wiewol er einen groſſen Vorrath der Materialien dazu herbey geſchaffet / 1. Chron. c. 28. & c. 29. v. 3.
Vnd als Salomon darauff den koſtbahren groſſen vnnd kunſtrei - chen Tempel ſo nicht vnbillig inter præcipua mundi miracula zu referi - ren, auff Gottes Anraht vnd Befehl außgebawet / verfertiget / vnnd dem Herren eingeweihet / darbey auch ſonderlich gebeten / daß Gott das Ge - bet ſeines Volckes / wann es im Tempel geſchehe / bey Kriegsleufften / Pe - ſtilentz / Thewrunge vnd andern graſſirenden Landes Plagen / ꝛc. erhoͤren moͤchte / worauff nicht allein das Fewr von Himmel gefallen vnnd die Herꝛligkeit Gottes das Hauß erfuͤllet / ſondern Gott hat dem Salomo - ni auch geantwortet / daß er ſein Gebet erhoͤret vnd ſich dieſe Staͤtte zum Opffer Hauſe erwehlet. 2. Chron. c. 1. & ſeqq. uſq́ue ad 7.
Derwegen dann auch David vnd die Propheten dem Tempel / we - gen deß herꝛlichen Gottesdienſtes viel ſchoͤne prædicata beylegen / daß der Herꝛ zu Zion wohne / daß er ſeinen Heerd vnd Fewr allda habe / Jtem im 132. Pſalm. v. 13. der Herꝛ hat Zion erwehlet / vnnd hat luſt daſelbſten zu wohnen / vnd ſeindim Chriſtenthumb an allen Enden vnd Oerten / da der Gottesdienſt frey ohngehindert vnd oͤffentlich gevbet wird / von Zeiten der erſten Kirche biß hieher / viel ſchoͤne herꝛliche Kirchen vnd Srtucturen zu oͤffentlichen Gottesdienſte erbawet vnd erhalten worden.
Wiewol deren eine geraume Zeit her gar viel Injuria temporum, incuria Patronorum & avaritia Dominorum deſtruiret, verwuͤſtet / zuMZeug -90Das erſte Buch /Zeughaͤuſern / Kornhaͤuſern vnd Staͤllen gemacht / daß es wol heiſſen mag nach dem verſ.
Quas quondam Pietas noſtrorum ſtruxit avorum Ædes, Heredes devaſtant more luporum.
Aber was Gott von ſolcher Verwuͤſtung ſaget das iſt zu leſen bey dem Propheten Hagai. c. 1.
Die Schrifft bezeuget / wie Moſes eine gemeine Collect oder An - lage bey dem Volck Gottes zu Erbawung der Stifftshuͤtte verkuͤndiget / das Volck gar zu willig geweſen vnd mehr herbey gebracht als vonnoͤten war / ſo gar daß Moſes im gantzen Lager außruffen vnd verbieten laſſen / daß nie mand mehr darzu bringen ſolte. Exod. c. 39. v. 5. Dieſes darff man jtziger Zeit gar nicht / da mans auch von denen die wegen Jnhabunge der Kirchen Guͤter zur Structur vnd ſonſten jaͤhrliche Abgifft zu thun ſchul - dig / durch Obrigkeitliche Executiones extorquiren vnd herauß bringen muß: Ja wann man jtzo außruffen lieſſe / daß Kirchen-Guͤter vnter die Leuthe außzutheilen weren / wie willig ſolte da jederman zu lauffen vnd dahin bedacht ſeyn / wie er auch eine gute particul von dem vngeneheten Rock Chriſti ertappen moͤchte.
Die Heyden haben auch jhren falſchen Goͤttern zu Ehren Fana vnd Kirchen gebawet / deren in der Statt Rom bey wehrendem Heyden - thumb allein / vber 400. gezehlet worden / wie Lipſius ſchreibet. Ein ſehr koͤſtlich Tempel war zu Epheſo der Goͤttin Dianæ zu Ehren erbawet / deſ - ſen gedacht wird in den Geſchichten der Apoſtel im 19. cap.
Die Türcken verrichten jhren Gottesdienſt auch in oͤffentlichen Zuſammenkunfften / darzu ſie auch ſtatliche vnd ins gemein in die runde erbawete Kirchen (1.) haben. Zu Mecha in Arabia deſerta ſollen ſie eine ſchoͤne Kirche haben / darin jhr groſſer vermeinter Prophet Mahomet begraben lieget / wie darvon Munſter. in ſeiner Coſmographi vnd ande - re ſchreiben / vnd wird von etzlichen dieſe Statt auch Medina genand Gabr. Sionit. in deſcript. Arab. cap. 8.
ES ſeind vnnd bleiben zwar billich die Rath. Stuben oder Rath - haͤuſer wie auch die Boͤrſen vnd die Kirchen vnd Gottes-Haͤuſer ſeparata loca oder verſchiedene Oerter / dennoch iſt nicht vnchriſt - lich daß vor oder nach verrichtetem Gottesdienſt / vnd ohne Hin - derung deſſelben / man auch in der Kirche ſich zuſammen beſcheiden / vnd von angeregten Welthaͤndeln tractiren vnd reden moͤge.
Als der Prieſter Jojada das hohe Werck vorhatte / die Tyranniſche Koͤnigin Athalia auß dem Wege zu raͤumen / vnnd den durch ſein Weib Joſeba ſalvierten allein vbrigen Koͤniglichen Samen / den Joas als den rechten Stamm-Erben auff den Koͤniglichen Thron zu ſetzen vnd dem Volcke vorzuſtellen / ließ er die Obriſten deß Volckes / die Hauptleuthe vnd Trabanten in das Hauß deß Herꝛn zuſammen kommen / machete ei - nen Bund mit jhnen / vnnd nahm einen Eyd von jhnen im Hauſe deß Herren / præſentierte vnd zeigte jhnen deß Koͤniges Sohn / ordnete dem - ſelben eine armirte gewapnete Quardi zu im Tempel / gab den vbrigen Hauptleuthẽ vnd Knechten Spieß vnd Schilde / ſo deß Koͤnigs Davids geweſen / vnd im Hauſe deß Herren verwarlich gehalten worden / beſtelle - te daneben die Schild-vnd Hauptwachten die der Hut warteten im Hau - ſe deß Koͤniges / ließ deß Koͤnigs Sohn hervor kommen / ſetzte jhm im Tempel die Koͤnigliche Cron auff vnd proclamirte jhn zum Koͤnig / vnnd ließ die Tyranniſche Moͤrderin Koͤnigl. Samens hinauß fuͤhren vnd ſie toͤdten. 2. Reg. c. 11. vnd werden die Roͤmiſche Koͤnige vnd Kayſer / wie auch andere Chriſtliche Koͤnige vnd Potentaten ins gemein in den Kir - chen gekroͤnet / eingeſegnet vnnd geſalbet. Jmgleichen kan man von Chriſtlichen Verheyrathungen vnd andern Erbahren Sachen ſich in der Kirche wol zuſammen thun vnd darvon handeln.
Offentliche Craͤmer-vnd Mercomcerey / dabey viel Schweren /M ijBetrug92Das erſte Buch /Betrug vnd Vngerechtigkeit vorgeh et / wie auch andere leichtfertige Haͤndel ſoll eine Chriſtliche Obrigkeit in der Kirche nicht toleriren oder geſtatten.
ALs Moſes auff Gottes Befehl vorgemeltes Tabernaculum oder Stiffts-Huͤtte bawen ſolte / ſchriebe jhm Gott ſelber eine zierliche Form oder Model fuͤr / wie er dieſelbe bawen / mit ſchoͤnen Teppi - chen von Weiſer gezwirneter Seyden / von Scharlack vnnd Ro - ſinrot zieren / vnd daran kuͤnſtliche Cherubim / als Figuren machen vnnd anordnen ſolte / wie ſolches Exod. 25. & 26. c. vnd die Form deß Altars im folgenden 27. cap. weitleufftiger beſchrieben wird. Damit es auch Moſi an ſolchem von Gott vorgeſchriebenen Kirchen Ornat, vnd ſchoͤner zier - lichen Zubereitunge der Stifftshuͤtte nicht ermangelte / offenbahrte er jhme / daß er mit Namen beruffen Bezabeel den Sohn Vri vom Stamm Juda / vnd denſelben erfüllet mit dem Geiſt Gottes / mit Weißheit vnd Verſtand allerley Werck kuͤnſtlich zu arbeiten / an Gold / Silber / Ertz / Steine zu ſchneiden / einzuſetzen vnd kuͤnſtlich zu zimmern in Holtz / ꝛc. Exod. c. 31. Wie koſtbar vnd ſchoͤn der Tempel zu Jeruſalem auff Gottes Anrath vnd Eingeben von dem Koͤnig Salomon angeleget / erbawet / mit Gold / Silber vnd zweyen Cherubim gezieret / ſolches iſt mit groſſer Verwunderunge zuleſen. 1. Reg. c. 7. & ſeqq.
Vnd als der Koͤnigliche Prophet David im Ge iſt die Verwuͤ - ſtunge deß Tempels zu Jeruſalem vorher geſehen / beklaget ers ſehr im 74. Pſalm / vnd ſpricht: Man ſiehet die Aexte oben herblicken / wie man in einem Walde hawet / vnd zuhawen / alle ſeine Taffelwerck mit Beil vnd Barten.
Was nun der Allweiſe Gott ſelber zu ſeines hochheiligen NamensEhre93Von dem Geiſtlichen Stande. Ehre vnd Preiß angeordnet / das kan jhme an: vnnd vor ſich ſelber nicht mißfallen oder Chriſtliche Andacht hindern.
Der Herꝛ Chriſtus hat es mit ſeinem Exempel probieret, wie er zu Jeruſalem in den Tempel gangen vnd oͤffentlich darin gelehret / auch nachgehends die Wechſeler / Kaͤuffer vnd Verkaͤuffer darauß getrieben vnd denſelben von ſolchen Vnrath geſeubert.
Bey zunehmender Chriſtenheit haben Gottſelige Regenten / Kayſer / Koͤnige / Fuͤrſten vnd Herren hin vnd wieder auch ſchoͤne vnnd koſtbare Baſilicas, Kirchen vnd Capellen gebawet / dieſelbe herꝛlich gezie - ret / vnd wiewol allgemach Mißbraͤuche darbey / mit Schmůckunge vnd Verehrunge geſchnitzter / vnd gegoſſener oder gemachter Bilder eingeriſ -Abuſus non tollit verum u - ſum. Et ſanctis o - mnia ſan - cta. Poſt Ba - ron. refert Gualther. in Chron. Eccleſ. po - lit. ſub. dicto, An. p. m. 746. ſen / ſo kan vnnd muß doch ſolche. Mißbrauch / den wahren Gebrauch deß Kirchen Ornats nicht auffheben.
Daher dann Weyland Kayſer Carl der erſte vnd Groſſe / vor ohn - gefehr acht hundert Jahren / die ohnbeſonnene Bildſtuͤrmerey verdam - met vnd verbotten / wie in deme zu Augſpurg Anno 1530. auffgerichtetem Reichsabſchiede. §. Dieweil auch die Bildnuß Chriſti referiret wird: Solches auch hernacher auff dem Synodo zu Pariß Anno 825. gehalten inter Decreta deſſelben referiret worden.
ALs der Koͤnig David die ein zeitlang exulirende Lade deß Herꝛn von Kiriath Jearim auß dem Hauſe Obed Edoms / da ſie geſtan - den wieder abholen / vnd in die darzu erbawete Stifftshuͤtte ſolen - niter bringen vnd reponiren laſſen / hat er auß den Leviten etzliche zu Muſicanten vnd Saͤngern beſtellet / die mit Seytenſpielen / mit Pſal - tern / Harpffen vnd hellen Cymbelen / Gott mit Frewden loben vnnd laut ſingen muͤſſen / wie zu leſen. 2. Chron. 16. v. 16.
Geſtalt dann David ſeine geiſtreiche Pſalmen zur Muſic / zu troſtM iijvnd94Das erſte Buch /vnd Lobſaͤngen àptiret vnnd theils dem newen Koͤnig Chriſto zu Ehren zuſingen componiret vnd gemachet / wie Pſalm. 98. & 100. & ſeqq. vnnd vielen andern / auch den Inſcriptionibus vnd Vberſchrifften / auch ſeinen Pſalter endlich damit beſchleuſt / daß man ſoll den Herren loben in ſeinem Heiligthumb / in der Veſte ſeiner Macht / in ſeiner groſſen Herꝛligkeit / vnd zwar ſolches auch mit Poſaunen / mit Pſalter vnd Harpffen / mit Paucken / mit Seyten vnd Pfeiffen / mit hellen vnd wolklingenden Cym - balen / Pſalm. 150.
Der Gottſelige Koͤnig Hiskias / als er durch Trieb deß Geiſtes Gottes / den zerfallenen Gottesdienſt wider reſtaurirte / vnd die Thuͤr am Hauſe deß Herren auff gethan / die Prieſter wider eingefuͤhret / hat er ge - ſtellet die Leviten darin mit Cymbaln / Pſaltern vnd Harpffen / wie es David befohlen hatte / vnd Gath der Schawer deß Koͤnigs vnd Nathan der Prophet / vnd meldet die Hiſtoria weiter / daß die Leviten geſtanden mit den Seytenſpielen vnd die Prieſter mit Trompeten. 2. Chron. c. 29. v. 25. & ſeqq. Deß gleichen hat der fromme Koͤnig Joſias bey ſeiner vor - genommenen Reformation verordnet / daß die Saͤnger die Kinder Aſ - ſaph / nach dem Gebott David an jhren Ort zum Gottesdienſt geſtellet. 2. Chron. 35. v. 15. adde Pſalm. 81. v. 1. & ſeqq.
Es wollen ſich zwar etzliche / darunter auch Johannes Calvinus iſt / ſich in der Meynunge befinden / ob gehoͤre die Muſic vnd was darvon im alten Teſtament gemeldet vnd befohlen / zu den Juͤdiſchen Ceremonien / vnd da man im Chriſtenthumb auch mit der Muſica nachfolgen wolte / reimete dieſelbe ſich eben ſo wol zu vnſerm Gottesdienſt als wann man das Rauchwerck / die Lucernen / vnd dergleichen umbraslegis oder Schat - ten deß Geſetzes hervor ſuchen / vnd damit vnſern Gottesdienſt zieren wolte; wie zu ſehen in ſeinem Commentario vber den 33. Pſalm Davids(1.) Verba formalia Calvini ad. d. Pſal. 81. ita ha - bent: Quantum ad tympa - num, cytharam & nablum attinet, diximus alibi & poſtea dicendum erit, Levitas non abs re Muſicis inſtrumentis uſos fuiſſe ſub lege: quia tenerum adhuc & pueris ſimilem populum Deus talibus rudimentis docere voluit uſq́ue ad Chriſti adventum. Nunc ubi Evangelij claritas di - ſcuſſis umbris legalibus cultum Dei magis ſimplicem nobis commendat, ſtultè ac perperam i - mitaremur, quod Propheta non niſi ætati ſuæ præcepit, & ſimias eſſe, qui hoc ad ſe trans - ferant. v. 2. (1.) vnd vber den 81. Pſalm. helt ers vor eine Thorheit / daß man das jenige / was der Prophet vnd Koͤnig David von den Muſicaliſchen Jnſtrumenten vnnd Lobgeſaͤngen in ſelbigem vnd andern Pſalmen ge - beut / auff die Zeit deß Evangelij ziehen / vnnd bey der Warheit ſich deß Schatten bedienen wolte. Dahero dann auch Oecolampadius eins - mals in der Schweitz vor dem Magiſtrat mit einer Supplication ſich an -gemeldet /95Von dem Geiſtlichen Stande. gemeldet / vnd wie er zur Audientz geſtattet / erſtlich den Titul vnd hernach die contenta auff eine ſonderliche Melodey zu ſingen angefangen / vnnd wie er vber ſolche vngewoͤnliche Manier zu ſuppliciren gefraget / er ge - antwortet / daß er ſolches zu einem Beyſpiel thaͤte / dann eben wie jhnen dieſes ſeltzam vnnd Naͤrriſch vorkaͤme / alſo kaͤme es Gott auch vor / wañ man demſelben vnſere Noth vorſingen vnnd mit muſiciren ſuypliciren wolten.
Jch laſſe einem jeden ſeine Meynunge / gleich einem jeden Narren ſeine Kolbe die beſte ſeyn / ſehe aber nicht / daß die Muſica vocalis vnnd In - ſtrumentalis vnter die Juͤdiſche Schatten Geſetze eygentlich referiret vnd bey den Chriſten vnrecht ſeyn ſolte / in den Kirchen vnd Chriſtlichen Ver - ſamblungẽ darmit Gott zu loben vñ zu dienen / zumahlen der Apoſtel S. Paulus in ſeinem Sendebrieffe an die Epheſer dieſelbe darzu ermahnet / daß ſie vnter einander reden ſollen von Pſalmen vnnd Lobgeſaͤngen vñ Geiſtlichen Liedern / daß ſie ſingen vnd ſpielen ſolten dem Herren in jhrem Hertzen an die Epheſ. am 5. cap. Solte nun ſolches Spielen vnd Lobſin - gen zu dem Juͤdiſchen Schatten Geſetz gehoͤren / wuͤrde es den Verſtand haben / als ob der Apoſtel Paulus ſeinen Epheſern befohlen die Juͤdi - ſche Ceremonien wider hervor zu ſuchen / vnd GOtt in den abgeſtelten Schatten Geſetz zu loben vnnd zu dienen / welches doch die Meynunge nicht haben kan.
Derwegen ein beſtendiger Schluß zumachen / daß alles was im newen Teſtament wiederholet / nicht zum Schatten Geſetz gehoͤrig / vnd dem Chriſtenthumb nicht zuwieder. Der Geiſt Gottes iſt ein frewdi - ger Geiſt / will ein frewdig Gott vertrawendes Hertz haben / vnnd iſt die Muſica von Gott ſonderlich darzu geordnet / daß ſie deß Menſchen Hertz erfrewen ſoll.
Es haben die Alten Kirchen Vaͤtter die Muſic vnd Lobgeſaͤnge in der Gemein nicht improbiret, ſondern darzu ſchoͤne Hymnos vnnd Ge - faͤnge / ſonderlich auff die hohe Feſte ſelber componiret vnd gemachet / vn - ter welchen deß Ambroſij vnd Auguſtini / Te Deum laudamus ein herꝛlich geiſtreich Stuͤck iſt. Hiervon handelt vnd ſchreibet auch weitleuff - tig Johann Arnds vom wahren Chriſtenthumb im 2. Buch c. 41.
ES ſeind die Schulen gleichſamb kleine Kirchen / darin die liebe Jugend zum Gebet / zur Erkaͤntnuß Gottes / jhres Chriſten - thumbs / im leſen / ſchreiben / Sprachen vnd Freyenkuͤnſten infor - miret vnd vnterrichtet werden / damit ſie der Kirche vnnd gemei - nem Weſen ſo viel do beſſer dienen vnnd vorſtehen koͤnnen / dahero die Schulen ſeminaria Eccleſiæ & Reipubl. oder Pflantzgaͤrtlein der Kir - chen vnd Weltlichen Standes recht vnd wol genant werden.
Herꝛ D. Lutherus nennet die Schulen / amœniſſimum plantula - rum cœleſtium Paradiſum, den allerlieblichſten Paradeiß. Garten der Himmliſchenpflaͤntzlein / vnnd Churfürſt Johann zu Sachſen einen Vatter derſelben in einem Schreibẽ an hoͤchſtgemelten Churfuͤrſten / deſ - ſen datum ſtehet den 22. May Anno 1531. welches zuſinden bey dem Cæ - leſtino in Hiſtor. Auguſt. Confeſſ. fol. 47. Hierumb haben ſich die Pro - pheten vnd Kirchenlehrer ſonderlich der Schulen angenommen.
Nach Moſis Zeiten ſeind in allen Staͤtten Schulen angeordnet Actor. 15. v. 21.
Eine feine Schulen hatte Samuel zu Naioth in Rama 1. Sam. c. 19. v. 20. & ſeqq. Der Prophet Eliſæus zu Gilgal. 2. Reg. 4. v. 38. vnnd der Prophet Elias zu Jericho. 2. Reg c. 2. v. 5. & ſeqq. vnd ſeind die Scho - laren Propheten Kinder genant / wie in jtzt angezogenen vnnd andern mehr Oerten der Schrifft zuſehen. Der Alexandriniſchen Schulen ha - ben vorgeſtanden Pantenus, Origines vnd Clemens Balduin. d. loc. vnd bezeuget die Schrifft daß der Herꝛ Chriſtus ſelber vmbher gangen im Galileiſchen Lande vnd habe gelehret in jhren Schulen Matth. c. 4. v. 23. S. Paulus meldet / daß er in deß Gamalielis Schule vnd zu deſſen Fuͤſſen informiret vnd erzogen. Actor. c. 22. v. 3.
Es wird aber der Obrigkeitliche Stand von dem Schulweſen vnd deſſen Beſtallunge / guter Vffſicht vnd Vorſorgunge nicht außgeſchloſ - ſen / dann wie die Koͤnige vnd Fuͤrſten Nutricij vnnd Saͤugammen ſeyn der Kirchen vnd jhre anſehentliche partes haben bey Beſtellung deß Kir -chen97Von dem Geiſtlichen Stande. chen Stands / alſo bleiben jhnen nicht weniger dieſelbe bey dem Schul - weſen auch. Alſo hat der Koͤnig Nebucadnezar bey ſeinem Koͤniglichen Hoffe eine feine Schul gehabt / vnnd als er das Jſraelittſche Volck mit ſeinen Waffen beherꝛſchet vnd in die Babyloniſche Gefaͤngnuß gefüh - ret / hat er ſeinem Obriſten Cammerer Aſpenas befohlen / daß er auß den Kindern Jſrael vom Koͤniglichen Stamm vnnd Herren Kindern / wehlen ſolte / Knaben die nicht gebraͤchlich waͤren / ſondern ſchoͤne / ver - nuͤnfftige / weiſe vnnd kluge / die da geſchickt waͤren zu lernen vnd dieſelbe zur Schule halten / vnd in der Chaldeiſchen Schrifft vnd Sprachen vn - terrichten laſſen / daß ſie geſchickt waͤren zu dienen in deß Koͤnigs Hoff / darunter den Daniel vnd ſeine Geſellen mit geweſen. Es hat auch der Koͤnig ſolche Schule anſehentlich dotiret / vnnd verſchaffet / daß den ge - fangenen Studioſis taͤglich ſolte gegeben werden von ſeiner Speiſe / vnnd von dem Wein den er ſelber tranck / wie ſolches der Prophet Daniel ſel - ber beſchrieben. Daniel. c. 1.
Als das Roͤmiſche Kayſerthumb an Chriſtliche Potentaten ge - rathen / haben ſich dieſelbe vmb Stifft - vnnd Erhaltunge guter Schulen ſehr bemuͤhet / worin dann vor andern Kayſer Carl der erſte vnnd groſſe / zu ſeinem vnverwelcklichen Lob vnd Ehren / ſehr geſchefftig vnd hoch - preißlich ſich erwieſen / viel herꝛliche Ertz - vnd Stiffter auch Abteyen vnd Cloͤſter vnd darbey ſonderlich den Cathedralibus Eccleſiis anſehentliche Schulen geſtifftet / daran die Collegia Canonicorum jhre ſonderbare Partes vnd Officia gehabt / vnd ohne zweiffel deren theils dahero Schola - ſters oder Schola ſtici wegen ſonderbahrer functionen bey den Schulen / andere Sangmeiſtere oder Cantores, daß ſie die Muſicam in den Schu - len dirigiret, andere Decani, Seniores, Præpoſiti, Diaconi, Archidiaconi, Cuſtodes, Lectores. &c. genant worden / welches hernacher temporis tra - ctu vnd allgemach einreiſſender Vppigkeit vnd Vberfluß abgenommen / vnd bey den Canonicis nur die bloſſe Namen Scholaſticarum functionũ vbrig geblieben / wie darvon weitleufftig Althus. in orat. de Scholar. utili tate, neceſſitate & antiquitate ſchreibet.
Es haben ſich auch darin nachgehents vnnd ſonderlich im vorigen Seculo im H. Roͤmiſchen Reich Teutſcher Nation / Chur-Fürſten vnnd Staͤnde deſſelben ſehr ruͤhmlich erzeiget / herꝛlich providiret vnnd verſor - get / auch jhren Erben vnd Nachkommenin jhren Teſtamenten vnnd letz - ten Willens Verordnungen deren Vffſicht ernſtlich injungiret vnd vff - erleget.
Alſo hat Landgraff Philips zu Heſſen der aͤlter ſeinen Herren Soͤhnen die Inſpection der Vniverſitaͤt Marpurg mit ſonderbahrenNernſt98Das erſte Buch /ernſt in Jhr Fuͤrſtl. Gn. hinterlaſſenem Teſtament anbefohlen / mit nachfolgenden formalibus.
“Darauff ein gut auffſehens zu haben / daß rechte vnnd gelahrte « Profeſſores erhalten / kein eygener Nutz noch Freundſchafft angeſehen « vnd geſuchet / mit den Stipendiaten vnd Stipendiis gute Ordnunge ge - « halten / vnd denen gegeben werden / ſo gute Ingenia haben / auch ſonderlich « mit Ernſt vnd Fleiß darzu thun / daß in der Theologi viel Studenten « aufferzogen vnd rechtſchaffen vnterwieſen vnd erhalten / auff daß man « kuͤnfftig darauß rechtſchaffene Prediger / Schulmeiſtere vnnd Kirchen - « diener haben koͤnne / auch die Vniverſitaͤt bey jhren Guͤtern die ſie ein « haben bleiben laſſen ſolte.
Landgraff Wilhelm der aͤlter hochermeltes Herꝛn Landgraff Phi - lipſen aͤltiſter Sohn / hat es in ſeinem Teſtament auch nicht vergeſſen / ſondern Jhr Fuͤrſtl. Gnaden einigen Sohn Herren Landgraff Moritzen zu Heſſen / ꝛc. vnd deſſen Nachkommen ſtarck eingebunden / daß ſie dieſes « jhre vornembſte Sorge ſeyn laſſen ſolten / daß die Kirchen vnd Schulen « im Lande mit frommen Gottsfoͤrchtigen vnnd gelahrten Leuthen beſtel - « let / der Religion halber keine Trennunge / noch ichtwas newes eingefuͤh - « ret / ſondern die Lehrdeß H. Evangelij / vermoͤg Prophetiſcher vnd Apoſto - « liſcher Schrifften / heiligen dreyen Symbolen / auch der Augſpurgiſchen « Confeſſion rein vnd lauter getrieben / vnd alle die jenige ſo Schwerme - reyen vnd curioſas quæſtiones zu moviren, frembden Verſtand einzu - fuͤhren / vnd dardurch unitatem Eccleſiarum zu turbiren ſich vnterſtehen wuͤrden / bey zeitten abſchaffen / keinen weder zur Profeſſion oder Pfarꝛ - dienſte kommen laſſen / er thue denn Pflichte daß er obgedachten condi - tionibus trewlich nach kommen / ꝛc.
Hertzog Johann Albrecht zu Meckelburg / hat in Jhr Fuͤrſtl. Gn. Teſtament dero Soͤhnen die Vffſicht der Vniverſitaͤt Roſtock / mit nach folgenden Formalibus ernſtlich injungiret / daß ſie gemelte Vniver - ſitaͤt Roſtock / als das fuͤrnembſte Kleinod jhrer Lande vnd Fuͤrſtenthumb halten vnd darauff ſehen ſolten / daß die ſelbe jederzeit mit Chriſtlichen rei - nen / gelahrten / bewehrten vnd beruͤhmbten Lehrern der H. Schrifft / der Rechte / der Artzney / als der hoͤchſten dreyen Facultaͤten vnd der Freyen Kuͤnſte / auch in hohen Schulen vblicher Sprachen / zu guter notturfft « beſtellet vnd beſetzet werde / zu Betrachtunge NB. daß die Vniverſitaͤt « gleich einem Pflantzgarten vnd Werckſtaͤtte / darauß beyde Regiment / « Geiſtlich vnd Weltlich / in fuͤrnembſten Staͤnden verſorget vnd beſetzet « werden muͤſſen.
Landgraff Ludwig zu Heſſen der aͤlter hat mit nicht geringermFleiß99Von dem Geiſtlichen Stande. Fleiß nachfolgender geſtalt teſtando diſponiret, vnd Jhr. Fuͤrſtl. Gn. Erben ernſtlich anbefohlen.
Weil die Schulden Seminaria Eccleſiæ ſeynd / fleiſſige Vffſicht zu haben / damit dero Vniverſitaͤt zu Marpurg / wie auch die particular Schulen hin vnd wieder in Staͤtten / ſo einem oder dem andern vnter jhnen zu kommen werden / mit ſolchen Profeſſoren vnd Præceptoren die der wahren Religion / dero in Gottes Wort / den Prophetiſchen vnnd A - poſtoliſchen Schrifften gegruͤndeten in Anno 1530. Weyland Kayſer Carln zu Augſpurg vbergebenen Confeſſion, vnnd dero Apologi ver - wand vnd zugethan / vnnd keiner wiedrigen oder jrrigen Lehr anhengig ſeyn / beſtellet werden / damit es nicht etwa dem gemeinen Sprichwort nachgehe Morbida facta pecus totum corrumpit ovile. Mit nicht ge - ringerem Eyffer hat Weyland Landgraff Ludwig zu Heſſender Juͤngere / Darmſtaͤttiſcher Lini / mein geweſener in Gott ruhender hochlobſeliger gnaͤdiger vnd guͤtiger Herꝛ / Seiner Fuͤrſtl. Gn. im Regiment ſuccedi - rendem Herꝛn Sohn vnd Erben / die Verſorg-Vffſicht vnnd Foͤrderun - ge obgedachter Vniverſitaͤt Marpurg vnd anderer particular Schulen / vnd Pædagogien aufferleget vnd ſanctè fidei committirt.
Dieſes habe ich deßwegen auß verſchiedenen Fuͤrſtl. Teſtamentis angezogen / weil es ein Chriſtlich / hochnutzlich vnnd noͤtig Gottes reichen Segen bringendes Werck iſt / wann Schulen vnnd Vniverſitaͤten ge - ſtifftet / dotiret vnd in guter diſciplin vnd Ordnunge bey reiner Religion vnd lehr vnterhalten werden / vnd ſeind die angezogene Exempla ver - ſchiedener hochloͤblicher Fuͤrſten relatione & imitatione digniſſima.
Es iſt wol gewiß daß man der wahren Kirche an Erhalt vnd Fort - pflantzunge der reinen ſeligmachenden Lehre deß H. Evangelij / keinen groͤſſern Schaden vnd Hinderunge thun kan / als wann man die Schu - len als Seminaria vnd Ephebia derſelben abſchaffet / oder darin eine an - dere Religion vnd Lehre einfuͤhret.
Der Pater Leimermannus, Weyland Kayſers Ferdinandi II. hoͤchſt ſeligſter Gedaͤchtnuß / geweſener Beichtvatter / referiret es in de - ſcriptione vitæ Jhrer Kayſerl. Mayeſt. vnter dero vornembſte Lobwuͤr - digſte Thaten / daß ſie nicht allein viel Schulen / Gymnaſia, vnd Acade - mias geſtifftet / ſondern mit nicht geringerm Eyffer der Lutheraner vnnd Vncatholiſchen Schulen deſtruiret vnd abgeſchaffet / damit die Jugend in ſolcher Religion nicht erzogen wuͤrde / vnnd zu ſolchem Ende das be - ruͤhmbte auß der gemeinen Landſchafft Seckel vnterhaltenes Gymna - ſium zu Graͤtze / in ein heiliges Jungfrawen Clariſſen Cloſter verwan - delt / daſelbſt dero Fraw Mutter Coͤrper vnd Jhrer Kayſerl. May. HertzN ijbegraben100Das erſte Buch /begraben waͤren / vnd wie dieſes Conſilium von deß Herꝛn Patris Leimer - manni Societaͤt vnd jhren Weltweiſen Anſchlaͤgen herkommen / alſo hat(1.) Verba Patris Lei - mermanni ita habent in vit. Fer - dinand. 2. lib. 2. c. 27. Quoſtu - dio provi - dit, ne Gymnaſia adoleſcen - tibus, aut adoleſcentes Gymnaſiis deeſſent, ad ſanæ doctrinæ veræq́ue Religionis incremen - tum: eodem egit, ut Acatholicis Scholæ deeſſent, in quibus Hæreſin edocerentur. Aliquot fal - ſæ doct inæ Gymnaſia evertit: aliquot in meliorem uſum commutavit. Celeberrimum Gym - naſium ex communi Provinciæ ærario, ab Acatholicis Græciæ excitatum, in Monaſterium ver - tit, in quo integerrimæ virgines, piis S. Claræ inſtitutis inſiſtunt in eo & Matris corpus & Ferdi - nandi Cor ſepulta conquieſcunt. er nicht voruͤber gekont / es ſo hoch zu ruͤhmen. (1.) Worauß dann dieſes pro Morali zu faſſen / wann man eine Kirche vnnd Religion deſtruiren verfolgen vnnd mit der Wurtzel außreuten will / muͤſte man von den Schulen als den Seminariis anfangen / hingegen wann man eine Reli - gion erweitern / hin vnd wieder propagiren vnnd außbreiten will / muß man darzu die Schulen / als nutzbare erbawliche Pflantzgaͤrtlein wol be - ſtellen vnd die Jugend darzu informiren vnd erziehen. Dieſes ſtuͤcklein hat gemelter Pater leimermannus in der vorgangenen Reformation beneben andern ſeines Ordens geſellen / zu ſeiner boͤſen Intention ſtatlich zu practiciren gewuſt.
DEmnach vnſere erſte Eltern von Gottes Gebott abgewichen vnd dardurch ſampt allen jhren Nachkommen dem Todt / wel - cher iſt der Suͤnden Sold vnterworffen / hat jhnen GOtt der Herꝛ ferꝛner angezeiget / daß ſie wider zur Erden / darvon ſie ge - nommen / werden ſolten. Geneſ. c. 3. v. 19. gleichwol nicht auff ſolche wei - ſe / daß jhre Leibe ewig in der Erde ſeyn vnd bleiben werden / ſondern dero geſtalt daß dieſelbe / alles ein Depoſitum oder vertrawtes thewres Gut vnd Pfand / der Erde gleichſamb zu trewen Haͤnden geſtellet / welches Gott am Juͤngſten Tage wider abforderen / mit Adern / Haut vnd Beine wider zuſammen fuͤgen / mit der Seele vereinigen / Odem vnd Leben ge - ben Ezechiel. c. 37. v. 6. & ſeqq. vnd der ewigen vnverweßlichen Frewdevnd101Von dem Geiſtlichen Stande. vnd Herꝛligkeit mit theilhafftig machen wolle / wie Hiob bezeuget c. 19. v. 25. So ſeind auch der Menſchen verblichene Leiber / darumb ehrlich zu - beſtatten / weil ſie ſind geweſen ein Behauſunge der edlen vnnd vnſterli - chen Seelen Matth. cap. 10. v. 28. Luc. 12. v. 5. Ja der Heiligen Leiber ein Tempel deß H. Geiſtes worden. 1. Cot inth. 3. v. 17. c. 6. v. 19. 2. Corinth. 6. v. 16. Derowegen dann die Heiligen Gottes altes vnnd newen Teſta - ments jhre Todten ehrlich zur Erden beſtattet / auch wol geſalbet / ver - huͤllet / vnd die Todtengraͤber ehrlich vnd ſauber gehalten / vnnd ſolches vmb der ohngezweiffelten Hoffnunge der Aufferſtehung von den Todten. Ja es ſeind auch etzliche Heyden / welches nicht wenig zuverwundern in der Mynunge geweſen / daß nicht allein der Todten Leiber darumb ehrlich zur Erden zubringen weil ſie oarauß jhren Vrſprung gehabt / ſondern ob reviviſcendi ſpẽ wegẽ Hoffnunge der Aufferſtehũge / welches Democritus gelehret habẽ ſol teſte Plin. lib. 7. c. 35. Groti. de jur. Bell. lib. 2. c. 19. n. 2. Als dẽ Abraham ſeine Liebe Sara ſtarb / hat er als ein Frembdling zu Berſaba die Kinder Heth angeſprochen vnd ſie erſuchet / jhme ein Erbbegraͤbnuſ - ſe fuͤr ſeinen Todten vmb Geld zu vberlaſſen / die jhme geantwortet / er ſol - te als ein Fuͤrſt Gottes / in jhren ehrlichſten Graͤbern ſeinen Todten be - graben / welches aber Abraham nicht beliebet / ſondern den Acker zu Ephron / da die zwey fache Hoͤle geſtanden vmb vierhundert Seckel Sil - bers erkaufft / ſeine Seram dahin erheblich begraben / vnd von den Kin - dern Heth daſelbſten ſein Erbbegraͤbnuß beſtaͤttigen laſſen. Geneſ. c. 23.
Wie dem Jacob ſeine Rahel auff der Reiſe in Kindesnoͤthen blie - be / hat er ſie ehrlich begraben / an den Wege gen Ephrath / ſo nun Bethle - hem heiſt. Gen. c. 35. v. 19.
Als Jacob auch vermerckte / daß er den Lauff ſeiner Tage vollendte vnd er den Weg alles Fleiſches gehen wuͤrde / hat er vnter andern in ſei - nem Teſtament deponiret, vnd ſeinen Soͤhnen befohlen / gebotten vnnd geſagt: Jch werde verſamblet zu meinem Volck / begrabet mich bey meine Vaͤtter in der Hoͤle auff dem Acker Ephron deß Hethiters in der zweyfa - chen Hoͤle / die gegen Mamre lieget. Gen. c. 49. v. 29. & ſeqq. geſtalt dann Joſeph vnd ſeine Bruͤder / nach deme ſie den hinterlaſſenen Coͤrper jhres Vatters balſamieren vnnd ſalben laſſen / auß Egypten in das Land Canaan mit groſſem anſehentlichen Comitat gebracht / vnd in gedachter zwiefachen Hoͤle als ſeinem Erbbegraͤbnuß beygeſetzet. Gen. c. 50. deß - gleichen verließ Joſeph mit ſeinen Bruͤdern / nahm auch daruͤber einen Eyd von Jſrael / daß wann ſie Gott in Egypten wuͤrde heimbſuchen daß ſie ſeine Gebeine mit von dannen fuͤhren ſolten. Gen. c. 50. v. 24. wel - ches Moſes alſo inacht genommen. Exod. c. 13. v. 19. vnnd dieſelbe herna -N iijcher102Das erſte Buch /cher von den Kindern Jſrael zu Sichem auff dem ſtuͤcke Feldes das Ja - cob gekaufft von den Kindern Hemor deß Vatters Sichem vmb hun - dert Groſchen / nach deß Joſuæ abſterben begraben worden. Joſuæ c. 24. v. 32. Deß Moſis Todtengraͤber iſt Gott der Herꝛ ſelber worden / vnd jhn begraben im Thal / im Lande der Moabiter gegen dem Hauſe Peor. Deu - ter. c. 34. v. 6. Joſua iſt begraben in der Graͤntze ſeines Erbtheils. Joſ. c. ult. v. 30. vnter andern Vrſachen die der Alte / ſeinem Koͤnig getrewer Barſillai anzohe / warumb es jhme beſchwerlich dem Koͤniglichem Hoffe zufolgen / war auch dieſe / daß er vmbkehren vnd gern bey ſeines Vatters vnd ſeiner Mutter Grabe ſterben wolte 2. Sam. c. 19. v. 37.
Wie der gottſelige Koͤnig Joſias den Baalitiſchen von Jerobeam zu Bethel angerichteten vnd von ſeinen Nachkom̃en fortgeſetzeten Goͤtzen - dienſt auß fegete / die Altar zerbrechen / auch die Gebeine der Abgoͤttiſchen Baaliſten auß den Graͤbern hohlen vnd ſampt den Altaren verbrennen ließ / darbey aber jhme ein Grab deß Manns Gottes der ſolches vorhin dem Jerobeam verkündiget 1. Reg. c. 13. 30. gezeiget ward / ſprach er: laſſet jhn liegen / niemand bewege ſeine Gebeine. 2. Reg. c. 23. v. 16. & ſeqq.
Der Junge Tobias hat ſeinen alten Vatter ehrlich begraben zu Ninive im Buch Tob. c. 14. v. 2. Als der heilige Stephanus von den verblendeten heilloſen Juden geſteiniget worden / haben ſich Gottsfuͤrch - tige Maͤnner gefunden / die ſeinen verblichenen Leichnamb beſchicket vnd zur Erden beſtattet / in den Geſchichten der Apoſt. c. 8. v. 2.
Von den Gottloſen meldet aber die Schrifft / daß zur Zeit deß Zorns vnd Heimſuchung Gottes / man werde die Gebeine der Koͤnige Juda / die Gebeine jhrer Fuͤrſten / die Gebeine der Prieſter / die Gebeine der Propheten (verſtehe der Gottloſen) die Gebeine der Buͤrger zu Je - ruſalem auß jhren Graͤbern werffen. Jerem. c. 8. v. 1. Ja deren theils ſol - len weder beklaget oder begraben / ja ſollen Miſt werden auff dem Lande vnd jhre Leichnam ſollen der Voͤgel deß Himmels vnd der Thier auff Er - den Speiſe ſeyn. Jerem. c. 16. Solche Straffe ließ Gott dem Abgoͤttiſchẽ Koͤnig Jerobeam durch den Propheten Ahia ankuͤndigen / daß wer von Jerobeam in der Statt ſtuͤrbe / den ſolten die Hunde freſſen / wer aber auff dem Felde ſtuͤrbe den ſolten die Voͤgel deß Himmels freſſen / ſo gar daß keiner auß ſeinen Nachkommen zu Grabe kommen als allein ſein Sohn Abia / darumb daß etwas gutes an jhm funden fuͤr dem Herren im 1. Buch der Koͤn. c. 14. v. 11. 17. deßgleichen ward auch dem Achab vnd ſei - nem Weibe Jeſebel verkuͤndiget. 1. Reg. c. 21. v. 19. & ſeqq. welches auch alſo erfuͤllet. 2. Reg. 9. v. 33. der Gottloſe Koͤnig Joram ſtarb eines ab - ſchewlichen boͤſen Todtes / ward auch nicht gewuͤrdiget ſeiner Vaͤtter vndKoͤnigli -103Von dem Geiſtlichen Stande. Koͤniglicher Begraͤbnuß. 2. Chron. c. 21. v. 19. & ſeqq. Von dem Koͤ - nig Jojakim weiſſaget der Prophet Jeremias / daß er ſoll wie ein Eſel be - graben / zuſchleifft vnd hinauß vor die Thor Jeruſalem geworffen wer - den. Jerem. c. 22. v. 18. & ſeqq.
Der Rebelliſche vnd vngehorſame Abſolon / ward nicht in ſein Grab gebracht / ſondern zu ſeiner ewigen Schmach mit einem groſſen Steinhauffen bedecket im 2. Buch Samuel. c. 18. v. 17. Von dem Ab - truͤnnigen Jaſon der Juden Verfolgern meldet die Hiſtoria / daß wie er viel vnbegraben hingeworffen / alſo ſeye er auch hingeſtorben daß nie - mand vmb jhn Leyd getragen / vnd habe in der Frembde auch kein Grab haben moͤgen im 2. Buch der Machab. c. 5. v. 10. Der Gottloſen Gedaͤcht - nuß will Gott außrotten von der Erden Pſalm. 34. v. 17. Gleichwol auch heilige vnd Gottſelige Leuthe auff dem Meer / in gerechten Kriegen / oder durch Tyranney / Mord vnd andere Zufaͤlle nach Gottes Vaͤtterlichem Willen vnnd Verhaͤngnuß vmbkommen vnnd nicht gewoͤhnlich zum Grabe gebracht werden / iſt ſolches bey denſelben keine Straffe / ſondern ſeind vnd bleiben jhre Leiber in Gottes Hut vnd Wacht / der alle jhre Ge - beine verwahret vnd erhelt.
Aber die Graͤber der Heiligen werden einem Riche vnnd Schlaff - kaͤmmerlein vergliechen / darin ſich dieſelbe auff ein klein Augenblick ver - bergen / Eſaiæ c. 26. v. 20. Darauff hat ohne zweiffel der Reiche vñ from - me Joſeph von Arimathia ſein abſehen gehabt / als er ſich ein ehrlich Be - graͤbnuß in einem Felſen hawenlaſſen / darin er hernacher den vom Creutz abgenommenen Leichnam Chriſti geleget. Matth. c. 27. v. 59. Lazari(1.) Caro quæ fuit ſocia Cru - cis, erit et - iam ſocia gloriæ. Gregor. Barlæus in Poemati - bus. Cum nihil ipſe forem fecit tua dextra quod eſ - ſem: Colli - get hac ar - tus poſt mea fata meos. Leichnam war auch mit Grab-vnd Schweißtuͤchern bekleidet / vnnd ver - huͤllet vnd mit einem Stein verwahret. Johan c. 11. v. 41. & ſeqq. Die Leiber der Heiligen ſeind der Erde als ein zu getrewen Handen deponir - tes, ſequeſtrirtes oder vertrawtes Gut / darin der Herꝛ Chriſtus / ja die gantze hochgelobte Dreyfaltigkeit gewohnet / bey geſetzet / die ſolches am lieben Jüngſten Tage / wann die groſſe Poſaune Chriſti intoniren wird / wieder hervor bringen vnd außlieffern muß (1.) welches der Chriſtliche Poet prudentius in ſeinen Geiſtreichen Hymno ſehr troͤſtlich vnnd wol Gottes Wort gemeeß gegeben / hat / wann er die Erde alſo anredet.
Nunc ſuſcipe terra fovendumGremioq́ue hunc concipe molliHominis tibi membra ſequeſtroGeneroſa & fragmina trado.Animæ fuit hæc domus olimFactoris ab ore creatæFervens104Das erſte Buch /Fervens habit avit in iſtisSapientia Principe Chriſto,Tu Depoſitum tege CorpusNon immemor ille requiretSua munera fictor & auctorPropriiq́ue ænigmata vultus.Veniant modo tempora juſtaCum ſpem Deus impleat omnemReddas patefacta neceſſe eſtQualem tibi trado figuram.Hinc maxima cura ſepulchrisImpenditur, hinc reſolutosHonor ultimus accipit artusEt funeris ambitus ornat.Candore nitentia claroPrætendere lintea mos eſtAſperſaq́ue myrrha ſabæoCorpus medicamine ſervat.Nam quod requieſcere corpusVaccum ſine mente videmusSpatium breve reſtat ut alti,Repetant collegia ſenſus.Venient citò ſecula cum jamSocius cator oſſa reviſetAnimataq́ue ſanguine vivoHabitacula priſtina geſtet.Quæ pigra cadavera pridemTumulis putrefacta jacebantVolucres rapientur in aurasAnimas comitata priores.Sic corpora mortificataRedeunt melioribus annisNec poſt obitum recaleſcensCompago fatiſcere novit.Sic ſemina ſicca vireſcuntIam mortua jamq́ue ſepultaQuæ reddita ceſpite ab imoVeteres meditantur ariſtas.Non ſi carioſa vetuſtasDiſſol -105Von dem Geiſtlichen Stande.Diſſolverit oſſa favillisFuetitque ciniſculus arensMinimi menſura pugilli.Necſi vaga flumina & auræVacuum per inane volantesTulerint cum pulvere nervosHominem periiſſe licebit.
Dahin ziehlet S. Paulus als er an ſeine Corinther ſchreibet; Es wird geſaͤet verweßlich / vnd wird aufferſtehen vn verweßlich / es wird geſaͤet in Vnehre vnd wird aufferſtehen in Herꝛligkeit / es wird geſaͤet ein natuͤrli - cher Leib vnd wird aufferſtehen ein Geiſtlicher Leib. 1. ad Corinth. Cap. 15. Ja es muͤſſen vnſere nichtige Leiber aͤnlich werden dem glorificirtem vnd verklaͤrtem Leibe Chriſti / an die Philipp. Cap. 3. v. ult. Der alte Tobias wird in der Schrifft deß wegen geruͤhmet / daß er die von dem Tyrannen Senn aherib Erſchlagene vnd andere Todten begraben. Tob. Ca. 1. v. 20. Ja als er einmahl ein herꝛlich Mahl angerichtet / vnd er erfahren / daß ein Todter auff der Gaſſen gelegen / iſt er von ſeinen Gaͤſten vom Tiſch auff - geſtanden / den Todten in ſein Hauß gebracht / vnd die Nacht in der Stille begraben vnd betrawret / Tob. Cap. 2. Das heiſt wie Syrach ſaget / an den Todten ſeine Wolthat beweiſen / Cap. 7. v. 37. welches durch Chriſtliche vnd ehrliche Beſtattung zur Erden geſchiehet / darvon Prudentius in ob - angeregtem Hymno ſehr fein ſchreibet.
Sancti ſator ille TobiæSacer acvenerabilis HerosDapibus jam ritè paratisJus prætulit exequiarum.Jam ſtantibus ille miniſtrisCyathos & fercula liquitStudio q́ue accinctus humandi.Fleta dedit oſſa ſepulchro.
Es erfordert auch die Leuthſeeligkeit / der Natur vnd aller vernuͤnff - tigen Voͤlcker Rechte vnd Sitten / daß man nicht allein der Freunde ſondern auch der offentlichen Feinde Todten Coͤrper / wann ſie in Schlachten vnd Scharmuͤtzeln vmbkommen / vnter die Erde bringe / dar - von Groti. de jur. Bell. lib. 2. Cap. 19. weitleufftig ſchreibet / vnd ſonderlich §. 2. annotiret, quod officium ſepeliendinon tam homini, quam Huma - nitati, id eſt, Naturæ humanæ præſtari debeat. Denen aber die ſelber Hand an ſich legen / iſt ſo wol von Alters bey den Juden als der Chriſten eine ehrliche Begraͤbnuß verweigert / weil man denen ſo den gewaltſamenOTodt106Das erſte Buch /Todt fuͤr keine Straffe achten / keine andere Straffe anthun kan / wie wol ſie doch in die Erde gehoͤren.
Hie moͤchte aber einer ſagen / was hat man ſich viel vmb den Leib zu(2) Para - diſus ſive Eden verè fuit hortus delitiarum & volu - ptatis, ho - mini cum poſteritate deſtinatus, qui non anguſtus hortus ali - quot mili - arium ſpa - tio circũ - ſcriptus, ſed potior & melior pars terræ fuit. Et ego in quit Luther. judico hunc hortum manſiſſe uſque ad diluvium, & fuiſſe munitum à Deo ſicut Moſes dicit cuſtodia Angeli qui cum gladio flammeo cuſtodivit illum, ita ut notus fuerit poſteris Adæ, ſed tamen inacceſſibilis, donec per diluvium poſtea diſſipatus; quia diluvium omnia vaſtavit, vid. Luther. in Commentar. ad Genes. Cap. 2. fol. 19. 20. & 22. Vivunt omninò Henoch & Elias in Paradiſo, non terreſtri illo ſed cœleſti quem latroni pro - mittebat Chriſtus, Luc. 23. v. 43. Gerhard. Aphoriſm. 56. Cap. 8. bekuͤmmern / der iſt ein Madenſack vnd muß zur Erde werden / wann nu - rent die Seele verſorget / vnd wo kompt dieſelbe hin? darauff antwort GOttes Wort alſo: Die Seelen der Gerechten ſind in GOttes Hand / vnd keine Qnaal ruͤhret ſie an / Sapient. Cap. 3. v. 1. Deutern. Cap. 33. v. 3. vnd der Geiſt fehret ſo bald zu dem der jhn gegeben hat / da er ewig bleibet. Eccleſ. Cap. 12. Deß Lazari Seele / ward ſo bald durch die heylige Engel getragen in Abrahams Schoß / Luc. Cap. 16. der glaubige Schaͤcher am Creutz der ſein Lebtage ein boͤſer Bube vnd Moͤrder geweſen / wandte ſich kurtz fuͤr ſeinem Todte durch die Gnade deß H. Geiſtes in wahrer Rewe vnd Glauben zu dem Herꝛn Chriſto / erlangete ſo bald die Zuſage / daß er noch ſelbigen Tag mit Chriſto im Paradieß in ſeines Vatters Reich ſeyn ſolte. Luc. Cap. 23. Nicht zwar in dem irꝛdiſchen von GOtt anfangs erſchaffenen Paradieß / welcher in der Suͤndfluth da alles vberſchwem - met / auch mit zerſtoͤhret / ſondern in den Himmliſchen Paradieß der ewi - gen Frewd vnd Herꝛligkeit. (2)
Wir wiſſen ſpricht S. Paulus / ſo vnſer irꝛdiſch Hauß dieſer Hütten / (das iſt vnſer irꝛdiſcher Leib / welcher einer bawfaͤlligen Huͤtten gleich iſt /) zerbrochen wird (nemblich wann die Seele vom leibe / darin ſie wohnet geſchieden wird) daß wir einen Baw haben von GOtt erba - wet / ein Hauß nicht mit Haͤnden gemachet / das ewig iſt im Himmel / 2. an die Corinth. Cap. 5. v. 1.
Die Stimme vom Himmel ſprach zu Johanne: Schreibe / ſeelig ſeynd die Todten die in dem HErꝛn ſterben / von nun an / das iſt / wie im Lateiniſchen es Arethas Cæſarienſis gegeben. Amodò beatimortui, &c. oder alſo bald in dem Nun vnd Augenblick / wann ſie im HErꝛn verſtor - ben / im Buch der Offenbahrung S. Johannis Cap. 14. v. 13. Sie ſeynd bey dem HErꝛn Chriſto in der 2. Epiſt. an die Corinther. Cap. 5. v. 8. Seynd nun die Seelen der Rechtglaͤubigen in GOttes Hand / in Abra - hams deß Vatters aller Glaͤubigen Schoß / im Paradiß vnd bey Chriſto /in ſeines107Von dem Geiſtlichen Stande. in ſeines Vatters Reich / gleich nach jhrem Todt; ſeynd ſie ſeelig vnd von aller Sorge vnd Quaal frey / wollan ſo ſeynd ſie wol / vnd genieſen mit der ewigen Frewd vnd Herꝛlichkeit / vnd weiß die Schrifft von kei - nem andern Ort der Seelen der Gerechten mehr / welches abermahls Prudentius in mehr gedachtem ſeinem Hymno exequiali, fein ge - geben /
Sed dum reſolubile corpusRevocas Deus atque reformas,Quanam Regione jubebisAnimam requieſcere puram?Gremio ſenis abdita Sancti, (Abrahami)Recubabit ut illa LazariQuem floribus undique ſeptumDives procul aſpicit ardens.Sequimur tua dicta Redemptor,Quibus atra è morte triumphansTua per veſtigia mandasSocium crucis ire latronemPatet ecce fidelibus ampliVia lucida jam ParadiſiLicet & nemus illud adireHomini quod ademerat anguis.Illic precor optime ductorFamulam tibi præcipe mentemGenitali in ſede ſacrariQuam liquerat exul & erransNos tecta fovebimus oſſaViolis & fronde frequentiTitulumq́; & frigida ſaxaLiquido ſpargemus odore.
DEr weiſe Mann Syrach lehret. Cap. 38. v. 16. Mein Kind / wann einer ſtirbet / ſo beweine jhn vnd klage jhn / als ſey dir groß Leyd geſchehen / vnd verhuͤlle ſeinen Leib gebuͤhrlich / vnd beſtatte jhn ehrlich zu Grabe. Du ſolt bitterlich weinen / vnd hertzlich betruͤbet ſeyn / vnd Leyd tragen / darnach er geweſen. Dann der Todt ſeiner Heyligen iſt werth gehalten für dem HErꝛen / Pſalm. 116. v. 15. vnd das Gedaͤchtnuß der Gerechten bleibet im Seegen / Proverb. Salom. Cap. 10. v. 7.
Als dem guten Abraham in ſeinem Abweſen ſeine liebſte Sara / zu Hebron / in der Haupt-Stadt deß Landes Canaan / nach dem ſie 127. Jahr alt worden Todts verblichen / iſt er heimb kommen / hat ſie beklaget vnd beweinet. Gen. Cap. 23. Nach deme Jacob ſeinen letzten vnd liebſten Willen ſeinen Soͤhnen vermeldet / ſein Hauß beſchicket / vnd darauff ſeinen Geiſt auff gegeben hatte / meldet die Schrifft / daß nicht allein Jo - ſeph bey ſolchem toͤdtlichen Hintrit auff ſeines Vatters Angeſicht gefal - len vnd vber jhm geweinet / ſondern er neben ſeinen andern Bruͤdern vnd Angehoͤrigen bey der angeſtelten Volckreichen leich-Proceſſion an der Tennen Atad eine ſehr groſſe vnnd bittere Klage vber jhren verſtorbenen Vatter gefuͤhret / vnd ſieben Tage Leydt getragen / daß ſich auch die Ein - wohner deß Orts daruͤber verwundert / vnd den Ort einen Klagort ge - nant. Geneſ. Cap. 49. in fin. & Cap. 50. v. 9. & ſeqq. Als die Kinder Jſrael ſahen daß jhr Hoherprieſter Aaron dahin war / haben ſie jhn be - weinet dreyſſig Tage das gantze Jſrael / Num. Cap. 20. v. 29. Deß gleichen haben ſie den Moſem im Gefilde der Moabiter beweinet dreyſſig Tage / biß die Tage deß klagens vnd weinens vollendet / Deutern. c. ult. v. 8. Wie Samuel die Schuld der Natur durch einen ſeeligen ſanfften Abſcheydtbezahlet /109Von dem Geiſtlichen Stande. bezahlet / hat ſich das gantze Jſrael verſamblet / haben Leydt vmb jhn ge - tragen vnd jhn begraben in ſeinem Haufe zu Rama. 1. Samuel. Cap. 25. verſ. 1. & Cap. 28. verſ. 3. Ob wol Saul ein Gottloſer Koͤnig war / dan - noch haben die zu Jabes in Gilead / ſein vnd ſeiner Soͤhne hinterlaſſene Leichnam den Philiſtern abgejaget / jhre Gebein begraben vnter dem Baum zu Jabes / jhn betrawret vnd ſieben Tage gefaſtet. 1. Samuel. c. ult. in fin. Ja David hat ſelber ein ſchoͤn Klaglied gemacht / vnd damit ſeine Condolentz / ob wol Saul ſein Feind vnd Verfolger war / conte - ſtiret: Jhr Berge zu Gilboa / es muͤſſe weder thawen noch regnen vff euch / noch Acker ſeyn da Hebopffer von kommen: Denn daſelbſt iſt den Helden jhr Schild abgeſchlagen / der Schild Saul als waͤre er nicht geſalbet mit Oele.
Der Bogen Jonathan hat nie gefehlet / vnd das Schwerdt Saul iſt nie leer wider kommen von dem Blut der Erſchlagenen / vnd von dem Fett der Helden. Saul vnd Jonathan holdſeelig vnd lieblich an jhrem Leben. Jhr Toͤchter Jſrael weinet vber Saul / ꝛc. 2. Samuel. Cap. 1. v. 21. & ſeq. & Cap. 2. v. 5. Vmb die Heldin Judith / die dem Holoferni den Kopff abgeriſſen vnd das betrangte Jſrael von der Hand dieſes grawſa - men Tyrannen erloͤſet / hat das Volck ſieben Tage getrawret / im Buch Judith / Cap. 16. v. 29.
Als Judas der Macchabeer Heldt in der Schlacht bliebe / hat alles Volck Jſrael vmb jhn getrawret lange Zeit / jhn ſehr beklaget vnd ge - ſprochen: Ach daß der Held vmbkoͤmmen iſt der Jſrael geſchützet vnnd erꝛettet hat / im 1. Buch der Macchab. Cap. 9. v. 20. Deßgleichen beklagte das Judiſche Volck lange Zeit jhren tapfferen Feldthauptmann / den Jonathan im ſelbigen Buch Cap. 13. v. 26. Ein ſonderbahres war es / daß der Prophet Ezechiel ſein ploͤtzlich von GOtt abgefordertes Weib / nicht offentlich betrawren / beweinen vnnd einen Todte klag fuͤhren / ſon - dern nurent heimblich ſeufftzen durffte / Ezech. Cap. 24. verſ. 16. & ſeqq. Vber deß Lazari Todt haben nicht allein ſeine Schweſtern vnnd andere Juͤden / die bey jhnen geweſen / geweinet / ſondern es ſeynd auch dem HErrn Chriſto ſelber die Augen vbergangen. Joh. Cap. 11. v. 33. & ſeq. Von dem heyligen Stephano melden die Geſchichte der Apoſtel / daß Gottesfürchtige fromme Leuthe zu Jeruſalem eine groſſe Klage / vber ſeinen Todt gefuͤhret / Cap. 8. v. 2.
Als Jonathas / der Macchabeer Feldt-Hauptmann / ſampt ſeinen beyden zu Geiſel gegebenen Soͤhnen / von dem Tryphon trewloſer Weiſe maſſacriret / erwuͤrget vnd bey Baſchama begraben wurden / ſchickete ſein Bruder Simon hernacher hin / ließ die Leichen abholen vnnd einO iijſtattlich110Das erſte Buch /ſtattlich Epitaphium oder hohes Grab von gehawenen Steinen machen / ſeinem Vatter vnd ſeinen Bruͤdern / vnd ließ darauff ſetzen ſieben Seu - len / eine neben der ander / auch groſſe Pfeiler vmbher bawen / daran er jhren Harniſch haͤnget / zum ewigen Gedaͤchtnuß / vnd vber den Harniſch gehawene Schiffe / die man auff dem Meer ſehen koͤnte / welches Grab zu Modin lang geſtanden / im 1. Buch der Macchab. Ca. 13. v. 27.
Deß HErrn Chriſti am Creutz verblichener Leichnam / ward in rein leinwand gewickelt / in ein new im Felß gehawenes Grab beyge - ſetzet / Matth. Cap. 27. v. 60. Ob dann wol die Verordnung mit denVivit poſt funera vir - tus. Monumentis ein guter Wolſtandt iſt / ſo muß man gleichwol darauff nicht zu hoch achten / ſondern viel mehr auff deß Verſtorbenen Gottſeelig - keit / Tugent vnd Erbarkeit / welche das allerbeſte vnd beſtaͤndigſte Grab - Mahl vnnd Begraͤbnuß iſt ſehen / Pulcherrima ſepultura, Pietas & Virtus, Baſil. vnd hat Petrarcha recht geſaget: Virtutem cole dum vivis; Famam invenies in ſepulchro, das iſt / befleiſſige dich der Tugendt weil du lebeſt / ſo wirſt du ein gut Geruͤcht vnd Namen im Grabe finden. Ob erwehnte Epitaphia vnd Grab. Mahlen / ſeynd lengſt zergangen / zerfal - len / aber der gute Name / Tugent vnd Gottſeeligkeit deren welchen ſie ge - ſetzet / iſt vnd bleibet fort vnd fort.
DEr Ertzvatter Jacob hat ſeine liebe Rahel / wie ſie deß Benia - mins geneſen / vnd daruͤber das Leben einbuͤſen / muͤſſen an dem Wege gen Ephrat nicht allein ehrlich begraben / ſondern jhr zu Ehren vnd gewiſſer Hoffnung der Aufferſtehung / ein Epitaphlũoder111Von dem Geiſtlichen Stande. oder Grabmahl daſelbſten auffrichten laſſen. Gen. Cap. 35. verſ. 20. Der Prophet Jeremias gedencket auch der Grab-Zeichen vnd Trawer - mahl / Cap. 31. v. 21. Deß Lazari Grab iſt auch mit einem Monumento oder Grab-Stein verſehen geweſen / wie der HErr Chriſtus darzu kommen / Johann. Capit. 11. verſ. 41. & ſeqq. Jſt auch ſonſten ein alter Chriſtlicher Gebrauch / darvon Prudentius in offtgedachtem ſeinem Hymno Exequiali ſetzet.
Quidnam ſibi ſaxa cavataQuid pulchra volunt monumentaRes quod niſi creditur illisNon mortua ſed data ſomno.Hoc provida Chriſticolarum,Pietas ſtudet, utpote credens,Fore protinus omnia viva,Quæ nunc gelidus ſopor urget.Qui jacta cadavera paſſimMiſerans tegit aggere terræ,Opus exhibet ille benignumChriſto pius omnipotentiQuin lex ea dem manet omnesGemitum dare ſorte ſub unaConnata que funera nobisAliena in morte dolere.
Die Heyden haben auch zwar ſtattliche Monumenta vnnd Urnas jhren Verſtorbenen bereitet / aber ſolches ins gemein ohne Hoffnung der Aufferſtehung / vnd bloß zur irꝛdiſcher vergaͤnglichen Gedaͤchtnuß. Vnter den Heydniſchen Grabmahlen vnd Epitaphiis iſt wol das koſtbarſte vnd denckwuͤrdigſte geweſen / welches die Koͤnigin Artemiſia deß Landes Cariæ / jhrem verſtorbenen Herꝛn vnd Gemahl Mauſolo zum Gedaͤcht - nuß auffrichten laſſen welches 25. Ehlen hoch / vnd mit 26. herꝛlichen hohen Seulen vmbfangen geweſen / Mauſoleum genant / vnd wegen der ſonderbahren Kunſt vnd Koſtbarkeit vnter die ſieben Mira - cula oder Wunder der Welt gerechnet worden / Vid. Munſt. in Coſmogr. lib. 7. Ca. 7.
ES iſt ein alt Sprichtwort: De mortuis & abſentibus nil niſi bonum. Von den Verſtorbenen vnd Abweſenden ſol man nichts boͤſes ſagen / ſonderlich von eines verſtorbenen Chriſten Heyl vnd Seeligkeit. Denn dieſelbe dem Allwiſſendem Hertzen kuͤndiger / der nicht auff das euſſerliche ſiehet / ſondern das Hertz vnd deſſen Abgrund erforſchet vnd pruͤffet vnd ſeine Augen auff den Glauben wendet / allein(1) Oculi Domini reſpiciunt Fidem, Je - rem. cap. 5. v. 3. wiſſend vnd bekant / (1) auch denen / ſo dieſer Welt abgedancket / vnd zur ewigen Ruhe durch Chriſtum gelanget / weder nutzet noch ſchadet / man rede oder thue jhnen nach was man auch wolle.
Es haben die Alten recht geſaget: De propria ſalute judicandum ex Canone Fidei: De proximi verò ſalute, ex Canone Charitatis. Das iſt: Ein Chriſt muß von ſeiner Seeligkeit vnd deren gewiſſen Hoffnung vrtheilen nach der Richtſchnur deß Glaubens: Von ſeines Naͤchſten aber nach der Richtſchnur der Chriſtlichen Liebe. Das erſte hat ſeinen Grund in GOttes Wort / welches bezeuget / daß der Gerechte werde ſeines Glaubens leben / bey dem Propheten Habacuc. Cap. 2. verſ. 4. Rom. Cap. 1. v. 17. vnd werde ein jeglicher fuͤr ſich ſelbſten GOtt Rechen - ſchafft geben. Rom. Cap. 14. v. 12. Jmgleichen das ander; Sintemahl die Liebe nichts Arges gedencket / ſondern ſie glaubet alles ſie hoffet alles / ſie duldet alles. 1. ad Corinth. Cap. 13. v. 8. Sie decket alles zu. Prov. Cap. 10. v. 12. auch der Suͤnde Menge. 1. Petri Ca. 4. v. 8. vnd wer biſt du ſpricht Paulus / daß du einen frembden Knechtrichteſt? Er ſtehet oder faͤlt ſeinem Herꝛn. Rom. Cap. 14. v. 4. welcher wird ans Liecht bringen was im Finſtern verborgen iſt / vnd den Rath der Hertzen offenbahren. 1. ad Corinth. Cap. 4. v. 5.
Sollen derowegen billich von vnſern Mit - Chriſten / die auff Chri - ſtum getauffet / denſelben vor den Heyland der Welt erkant vnd bekant / ſich ſeines Verdienſtes / Leydens vnd Sterbens in jhrer letzten Todtes Stunde getroͤſtet / ob ſie ſchon im Wollſtande jhres Lebens / nicht in allenPuncten113Von dem Geiſtlichen Stande. Puneten der wahren Religion mit vns einig geweſen / oder ſonſten nicht eben das beſt Leben gefuͤhret / dannoch das beſte hoffen / reden / vnd das Vrtheil GOtt dem Richter aller Welt heimbſtellen. Wann Chriſtus am Stamme deß Creutzes ſelber dem bekehrten Schaͤcher das Zeugnuß nicht haͤtte gegeben / daß er ſelbigen Tages mit jhme im Paradieß / in ſei - nes Vatters Reiche ſeyn ſolte / wuͤrde es wol kein Menſch geglaͤubet / oder darvor gehalten haben / daß er als ein bekandter Gottloſer Moͤrder / der vorhin an Chriſtum nicht geglaubet / waͤre ſeelig geſtorben.
Nun koͤnnen nicht alle ſterbende bußfertige Suͤnder derglel - chen gegenwertiges Zeugnuß vor der Welt haben / vnd wiewol der H. Auguſtinus recht ſchreibet / daß er die Bibel vielmals durch vñ durch ver - leſen / aber auſſer dieſem kein Exempel mehr eines Ruchloſen Menſchen / der ein Gottloß Leben gefuͤhret / in ſeinen Letzten aber erſt bekehret / ge - funden.
So iſt doch gewiß / daß die Gnaden Hand deß HErꝛen / dardurch deß Schaͤchers Hertz in ſeinem Letzten geruͤhret / nicht verkuͤrtzet / daß ſie andern in den letzten Zuͤgen begriffenen abgeſchnitten / noch die Gnaden Augen deß gecreutzigſten Chriſti / damit er den Schaͤcher am Creutz an - geſehen / verdecket oder verhuͤllet / daß er ſie nicht eben ſo wol auff anderer derogeſtalt agoniſirender Seufftzen ſchlagen / ſie troͤſtlich anſehen vnd deß Paradieſes verſicheren ſolte. (2) (2) Pœni - tentia ve - ra nunquã ſera, quã - vis pœni - tentia ſera ratò vera.
Die Alten haben pflegen zuſagen / daß vieler Leuthe Namen im Calender geſchrieben ſtehen / welcher Seelen in der Hoͤllen ſeyn. Wide - rumb iſt das auch war / daß viel als Ketzer vnd Vnſeelig von Menſchen verdammet / auch gar hingerichtet / die mit Chriſto in ſeines Vatters Reich leben.
Was nun die in der Religion diſcrepirende anlanget / ſo muß man auch von denſelben / wann ſie durch die H. Tauffe der Chriſtlichen Kirche eingeleibet / damit den HErrn Chriſtum angezogen / vnd in den Bund eines guten Gewiſſens mit GOtt getreten / wie die Schrifft dar - von redet / daneben auch ein Chriſtliches Leben vnnd Wandel gefuͤhret vnd ein gut Ende genommen / ſaͤuberlich der Chriſtlichen Liebe nach / vrtheilen.
Dann ob man ſchon viel diſputirens von der Religion hat / da man eines theils die gute Wercke mit zu der Gerechtmachung eines armen Suͤnders vor GOtt hierbey ziehen / oder die verſtorbene Heyligen zu huͤlff nehmen / andern theils es bloß auff ein Abſolutum Decretum oder Rathſchluß GOttes / ohne Reflexion vnd Abſehen auff den Glauben ſetzen wil / ſo hat es doch bey vielen die Erfahrung gezeuget / daß wannPman104[114]Das erſte Buch /(3) Gerade zu giebet die beſte Ringren - ner. Hat Weyland Marg - graff Al - brecht zu Brande - burg zu ſa - gen pflegẽ dahin auchman auff das Siegbette gerathen / Leib vnnd Seele als die beyde beſte Freunde ſich ſcheyden vnd man mit dem Todt zum Hauptſtreich ſich an - ſchickẽ muͤſſen / daß alles das jenige warlich zu Hew / Stroh vñ Stoppeln / ſo durch das Fewer der Anfechtung verzehret / worden / worauff man ſich auſſer Chriſtum verlaſſen / 1. ad Corinth. Cap. 3. Vnd das gantze Funda - ment der Seeligkeit / vnd das Vertrawen allein auff Chriſtum / deſſen thewren Verdienſt / heylige Wunden vñ Roſinfarbes / vor alle Menſchen vergoſſenes Blut / geſetzet / vnd dardurch deß Todtes Bitterkeit vber - wunden / vnnd mit rechtem Heldenmuth in wahrem Glauben abge - trucket. (3)
nach geſetzter Vers ziehlet: Glorior in ſolo ſanguine Chriſte tuo. Item illud Auguſtini: Inter brachia Salvatoris mei & vivere volo & moti cupio.
Von Weyland dem gewaltigen Keyſer Carl dem V. ſchreibet Jacob. Auguſt. Thuan. in ſeiner Hiſtoria lib. 1. 21. wie derſelbe nach dem er die Reichs-Regierung feinem Bruder Keyſer Ferdinand reſignirt vnd abgetretten / vnd 2. Jahr hernacher auff das Todtbette gerathen / er ſich mit demuͤthigem Hertzen zu GOtt gewandt vnd offters geſprochen /(4) Gerſon in ſermo - ne de aſcẽ - ſione Do - miniita re - fert de S. Bernhar - do, cum jam eſſet moriturꝰ, ipſum non conſiſum ſuis armis, dignitate aut ſancti - tate, ſuis operibus& vitâ dutiter peractâ, ſed ſolum ad miſericordiam Dei confugiſſe, & jam agentem animam dixiſſe, O Domine non reperis in me bonum quod remuneres, tempus meum per - didi, quià perditè vixi, pro quo quid agam, non habeo niſi quod cor contritum & humiliatum Deus non deſpicies. er waͤre vnwuͤrdig durch ſeine Wercke vnd Verdienſt das Himmelreich zuerlangen / ſondern das haͤtte ſein HErr Chriſtus vnd Erloͤſer gethan / der / wie er auß dem Bernhardo, (4) welchen er fleiſſig geleſen / behalten / das Reiche GOttes auff zweyerley Recht beſitze / Primò jure Hereditatis proprio, durch Erbrecht / als wahrer GOtt mit dem Vatter vnd H. Geiſt von Ewigkeit. Secundò, Merito paſſionis ſuæ, durch Verdienſt ſeines bittern Leyden vnd Sterbens. Auff die erſte Weiſe behalte Chriſtus jhme den Himmel ſelbſten / auff die andere Weiſe habe er jhme denſelbi - gen erworben vnd mitgetheilet. Hierauff wolte er ſein feſtes Vertrawen ſetzen / vnd bey deme / in te Domine confido, auff dich HErr trawe ich / verbleiben. (5)Neque enim oleum Miſericordiæ, niſi in vaſe fiduciæ videlicerin Chriſto ponitur: Hanc hominis fiduciam eſſe à ſe deficientis & innitentis Domino ſuo, alioqui propriis meritis ſidere, non fidei, ſed perfidiæ eſſe, ulterius ex Bernhard. raticionatum & locutum eſſe mori - bundum Caiolum Cæſarem, teſtatur Thu. d. lib. 21. fol. 403. Jtem. Mein liebſter Erloͤſer bleibe du in mir / auff daß ich in dir bleibe / vnd darauff abgetrucket / wie ſolches Thuanus vnd andere es mit mehrerm beſchreiben.
Wer115Von dem Geiſtlichen Stande.Wer wolte nun darvon zweiffeln / daß dieſer lobſeeligſter Keyſer / nicht als ein rechter Evangeliſcher Chriſt / ſeelig geſtorben / wiewol ſein Beichtvatter Conſtantinus, daß er den Keyſer zu ſolchen guten Gedan - cken angewieſen / hernacher Ketzerey beſchuldiget vnd von Keyſer Caroli Sohn Koͤnig Philippo in Hiſpanien / verbrandt worden / wie gemelter Thuanus auch bezeuget in d. lib. 21. & 23. fol. 449.
Als Keyſer Maximilian der ander auff das Todtbette geriethe / ſein Stuͤndlein herbey nahete / vnd der Biſchoff von Newſtadt zu jhme fuͤr das Krancken-Bette wolte / hat er jhn nicht zu ſich laſſen wollen / er ver - hieß jhm dann zuvor / von nichts anders zu reden als von Chriſti Ver - dienſt / Leyden / Sterben / vnd deſſen Roſinfarben vergoſſenem Blut / wie Bucholtzer. hiervon in ſeiner Chron. pag. 648. ſchreibet. Von einer Fuͤrſtlichen hohen Frawen wird referirt, daß ſie auff jhrem Todtbette / wegen beſorgter erſchrecklicher Pein / deren man etlicher Leuthe Mey - nung nach im Fegfewer zugewarten / ſich nicht hat wollen troͤſten laſſen / die vmbher geſtandene Patres auch wol gemercket / daß ſo lange dieſer Scrupulus das Gewiſſen aͤngſten vnd plagen wuͤrde / ſchlechtes Vertra - wen zum ſeeligen Hintrit verhanden / haben ſie deß HErrn Chriſti kurtze Predigt / die er dem Schaͤcher am Creutz gethan / vnd das Hodie eris mecum in Paradiſo hervor geſuchet / das zaghaffte Gemuͤthe damit wider auff gerichtet vnd getroͤſtet / vnd was man vom Fegfewer ſagete / ſolches were nurent dahin angeſehen / die ruchloſe Welt-Leuthe zuſchre - cken vnnd von Suͤnden abzuhalten / weil aber dieſe Fuͤrſtliche Per - ſon ein Chriſtlich Leben gefuͤhret / waͤre es auff ſie nicht gemeinet. Ein ſterbender rechtglaubiger Chriſt / hat einen groſſen Troſt / wann er mit S. Paulo wünſchen vnd ſagen kan: Cupio diſſolvi & eſſe cum Chriſto, Jch begehre auff geloͤſet vnd bey Chriſto zu ſeyn / das iſt / durch den Todt / Jammer vnd Truͤbſal / in die ewige Frewde / da keine Quaal meine Seele mehr anruͤhret / wie die Schrifft redet / verſetzet zu werden / aber einen elenden troſtloſen Abſchied gebe es / wann einer alſo be - ſchlieſſen ſolte; Jch begehre abzuſcheyden / vnd nicht gleich bey Chriſto / ſondern an einem Ort groſſer langwuͤhriger Quaal vnd Schmertzen zu - kommen.
Der Prediger Salomon ſpricht: Wenn der Baum faͤllet / er falle gegen Mittag oder Mitternacht / auff welchen Ort er faͤllet da wird er liegen / Capit. 11. verſ. 3. dann der Menſch faͤhret hin da er ewig bleibet / im ſelbigen Buch Cap. 12. verſ. 5. Faͤhret nun der Menſch wann er ſtirbet dahin da er ewig bleibet / ſo muß kein dritter Ort ſeyn daP ijdie Seele116Das erſte Buch /die Seele auff eine gewiſſe Zeit arreſtiret, angehalten, purgiret, oder ver - ſtricket wird.
Eine Graͤffliche Perſon hat in jhrem Todt-Bette mit dem Ab - ſoluto Decreto nicht koͤnnen zur Ruhe kommen / oder ſich zu troͤſten gewuſt / biß man dieſelbegar darvon abgebracht / vnd auff die Univer - ſalem Dei miſericordiam, auff das Univerſale meritum Chriſti, nemb - lich / daß GOTT die gantze Welt geliebet / ſich aller Menſchen er - barme / daß Chriſtus vor alle gelitten vnd geſtorben / gefuͤhret vnd damit getroͤſtet.
Noch ein friſch / aber mercklich Exempel / wil ich hie zum Be - ſchluß anziehen / welches Nicolaus Bellus ein Catholiſcher vnd Keyſerl. Majeſtaͤt. Hiſtoriarum Secretarius in ſeinem Oſterꝛeichſchen Lor - beer-Krantz von Koͤnig Philippi deß dritten in Hiſpanien Abſchied im fuͤnfften Buch referiret, als nemblich der Koͤnig toͤdtlich Kranck ge - legen vnnd ſeine Geiſtliche vnd Leibliche Aertzte bey ſich gehabt / vnd mit den Geiſtlichen viel Vnterꝛedung gehabt / endlich angefangen: Werde ich aber auch die ewige Seeligkeit erlangen / vnnd ſich ſehr trawrig vnd geaͤngſtet erzeyget / vnd zum Beichtvatter geſprochen: Jhr habt biß - hero keine rechte Art zu curiren gehalten / habt jhr nicht ein ander Re - medium mir damit zuhelffen / welches der Beichtvatter von Leiblicher Artzney verſtanden / der Koͤnig aber geantwortet: Es iſt nicht vmb den Leib vnd die zeitliche Kranckheit / ſondern vmb die Seele zuthun / der Beichtvatter geſaget: Jch habe ſo viel an mir iſt / nach meinem Vermoͤgen gethan / das vbrige muß man der Goͤttlichen Barmher - tzigkeit vertrawen.
Deß Koͤnigs Hoff-Prediger Florentia hat hierauß leicht ad - vertiret, daß der Koͤnig noch fluctuant vnd auß deß Beichtvatters Zu - ſprechen / der etwan nicht gerade zu auff GOttes Barmhertzigkeit vnnd Chriſti Verdienſt ſeinen agonizirenden vnnd geaͤngſteten Koͤnig gewieſen / keinen gnugſamen Troſt vnnd Labnuß ſeiner Seelen gefaſſet / vnnd dahero weitleufftig von GOttes Barmhertzigkeit zu diſſeriren angefangen / aber doch mit eingeflicket vnd dem Koͤnig zu Gemuͤthe gefuͤhret / was derſelbe bißhero ſo ruͤmblich wegen der Chriſtlichen Re - ligion præſtiret, der Koͤnig aber / weil er das letzte auff das Verdienſt ſeiner loͤblichen Regierung geſetztes Fundament / nicht troͤſtlich ge - halten / ſondern vnter die Stoppeln ſo das Fewer der Anfechtung ſchon verzehret / gerechnet / hat darauff geſprochen: Ach wie ſeelig waͤre ich / wann ich dieſe 23. Jahr ſo ich regieret / in einer Wuͤſten vnnd Einoͤdezuge -117Von dem Geiſtlichen Stande. zugebracht haͤtte. Wordurch Florentia bewogen worden von deß Koͤnigs guten Wercken / darin deſſen mit dem Todte ringende be - trübte Seele keinen Troſt gefunden / auff einen andern vnnd rech - ten Weg zu dem gecreutzigten Chriſto zufuͤhren / ſagende; Es koͤn - ten jhre Majeſtaͤt auch jetzo GOTT einen angenehmen Dienſt ley - ſten / wann ſie alles Weltliche / das Koͤnigreich / deſſen Hoheit / ſich ſelbſt vnnd jhre Wollfarth zu den Fuͤſſen deß gecreutzigten Heylands JEſu Chriſti / vnd deſſen Goͤttlichen Willen ablegen wuͤrden. Der Koͤnig geſaget: Ja hertzlich gern wil ich ſolchem allen nachkommen / vnd lege hiemit alles ſo mir GOTT gegeben / mein Fuͤrſtenthumb / Gewalt vnnd eygenes Leben hiemit zu den Fuͤſen meines / vor mich gecreutzigten Heylandes JEſu Chriſti / deſſen Bildnuß er auch ſo bald einbruͤnſtig gekuͤſſet / vnnd weiter zu Florentia geſprochen: O wie ei - nen maͤchtigen Troſt habt jhr mir hie mitgetheilet / jhr werdet fortan die Vorſehung thun / daß dem Volck oͤffentlich vorgehalten werde / wie ich an meinem letzten Sterbſtuͤndlein erkennet vnnd bekennet / daß alles Weſen dieſer Welt eytel vnnd nichtes / auch die Koͤniglich Hoheit ſelbſt / welche im wehrenden Leben herꝛlich vnd lieblich / in der Todtsſtunde gantz bitter vnd beſchwerlich ſey / ꝛc.
Hierauß ſiehet man / wie die neben Wege auſſer Chriſtum bey den Sterbenden nichts ſchaffen / ſondern wie die Sprewer ſich verlieh - ren. Wer wolte nun bey ſolcher Letzten deß Koͤniges herꝛlichen vnd recht Evangeliſcher Bekandtnuß an deſſen Seeligkeit zweiffeln / ohn - erachtet bey deſſen 23. Jaͤhriger Regierung viel Evangeliſche / die eben dieſes in dem Articul von der Rechtfertigung deß Menſchen fuͤr GOTT geglaubet vnnd bekandt / an Blut vnnd Gut hefftig ver - folget / dann dafuͤr vnnd ſeine eygene Verfolger hat der HErr Chriſtus am Stamm deß Creutzes ſeinem Himmliſchen Vatter das erſte Wort geſprochen / iſt jhr Advocat vnnd Vorſprecher wor -(6) Crux morientis facta eſt Cathedra interce - dentis & Advocati pro hoſti - bus. Non poſſunt perire pro quibus filius Dei rogat, ne pereant, ſcribit Bernhard. Homil. 3. ſuper Evang. Nec debent deſperare pro quib. in cruce pendens Dominus diguatus eſt orare, ait Auguſt. tract. 31. in Johan. Balthaſar Meiſner. in Homilia de 1. Chriſti verb. in Cruce. den / iſt fuͤr dieſelbe mit geſtorben / vnnd die ſo zur Buſe kommen / zu ſich in ſein Reich geſamblet. vid. Bellarmin. de ſeptem verb. Chriſti in Cruce lib. 1. Cap. 1. (6) Was aber die Vnglaͤubigen die ſich zu Chriſto nicht bekennen vnnd keine Glieder der Chriſtlichen Kirchen ſeynd / anlanget / darvon koͤnnen wir mit Paulo ſagen: Was gehenP iijvns118Das erſte Buch /vns die an die drauſſen / das iſt / extra gremium Eccleſiæ, auſſer der Kirchen ſeynd. 1. ad Corinth. Capit. 5. verſ. 12. Welcher geſtalt der Vnglaubige Verfolger deß Volckes GOttes Antiochus ſein auff dieſer Welt gefuͤhrtes gluͤckſeeliges Leben mit Ach vnd Wehe in Ver - zweyfflung vnſeelig beſchloſſen / ſolches wird beſchrieben im 1. Buch der Macchabeer Capit. 6. verſ. 10. mit nachfolgenden Worten: Als er ſahe daß er fuͤr Kummer ſterben muſte / forderte er ſeine Freunde vnnd ſprach zu jhnen / ach wie hats ſichs ſo gar mit mir vmbkehret / ſo lange ich » regieret habe / habe ich Frewde vnnd Sieg gehabt / vnnd bin bey den » Meinen auch lieb vnnd werth geweſen. Aber nun bin ich ſo hertzlich » betrübet / vnd gedencke an das Vbel das ich zu Jeruſalem gethan habe / » da ich alle Guͤldene vñ Silberne Gefaͤß auß dem Tempel hinweg fuͤhrete / » vnnd ließ vnſchuldige Leuthe in Judea toͤdten. Daher kompt mir » jetzt alles Vngluͤck / vnd muß in einem frembden Lande von dieſer Traw - » rigkeit ſterben. (7)
Bey dieſem hat es recht geheiſſen wie der Heydniſche Poet Vir - gilius von einem andern ſchreibet:
Von ſolchen vnnd dergleichen Leuthen die in deſperation vnnd offent - licher Verzweifflung mit Ach vnnd Wehe ohne Troſt vnnd Glauben / dahin fahren / kan man nicht anders als nach der Schrifft vrtheilen / daß ſie ewig verlohren vnnd verdampt / daß jhr Fewer nicht verleſchen noch jhr Wurm ſterben werde. Wie Chriſtus ſelber auß dem Pro - pheten Eſaia / c. ult. v. ult. bey dem Marc. Capit. 9. verſ. 44. anziehet. Die den Todt ſuchen vnnd nicht finden / werden / begehren zu ſterben / vnnd der Todt wird von jhnen fliehen in der Offenbahrung Johann. Capit. 9. verſ. 6. ſie werden ein Grewel ſeyn allem Fleiſch / Eſai. Cap. 66. v. 24. mit ewiger Schmach vnd Schande / Jer. Cap. 23. v. 40. vnnd119Von dem Hauß-vnd Eheſtande. vnd einen ewigen Schlaff ſchlaffen / von deme ſie nimmermehr auff - wachen ſollen / Jerem. Capit. 51. verſ. 39. & verſ. 57. (8) in dem(8) Ita vi - vent da - mnati ut ſemper morian - tur: ita morientur ut ſemper vivant. In carne cruciabuntur per ignem, in anima per conſcientiæ vermem: Bernhard in med. de vot. Cap. 3. col. 193. Vita erit his, ſine ſine mori, & mors vivere pœnis. Paulinus in obit. Celſ. Pful der von Pech vnnd Schwefel brennet / in der Offenbahrung Johann. Capitel 21. verſ. 8.
Ende deß erſten Buchs.
S. Paulus ſagt? Es iſt keine Obrigkeit ohne von GOtt / wo aber Obrigkeit iſt / die iſt von Gott geordnet. Rom. Cap. 13.
Wann der Menſche nicht zu Fall kommen / waͤre der obrig - keitliche Stand nicht noͤthig / ſondern einer vor dem andern ge - ſichert geweſen / vnnd wuͤrde ſeine Gebuͤhr gegen den andern gutwillig auß Liebe / Trewe vnd Hulde verrichtet haben / demnach er aber zu Fall kommen / vnd darmit Tyranney / Vngerechtigkeit / Gewalt vnd Vnrecht mit her - vor gebrochen / hat Gott zum Schutz der Frommen / vnd Straffe der Boͤſen / die Obrigkeit verordnet / vnd deroſelben das Schutz-vnd Raach Schwerd angegür - tet / das Gute zu bewahren vnd das Boͤſe zu ſtraffen / dahero ſie auch in der Schrifft in Hebraͤiſcher Sprache Rephaim das iſt / wie es D. Luther. ad c. 14. Commentar. in Geneſin. deutet / Salvatores terræ, patriæ patres, Heylande / im Buch Nehemiæ Cap. 9. v. 27. da geſchrieben ſtehet / du gabeſt jhnen Heylande die jhnen halffen auß jhrer Feinde Hand. Jtem Vaͤtter deß Vatterlandes oder Medici Aertzte / qui ul - cera & peſt es corporum ſanant, genandt worden. Geſtalt dann gleich nach der Suͤndfluth / Gott die Beſtraffunge deß Todtſchlags / der Obrigkeit anbefohlen / vnd diß Blutvrthel allen vorſetzlichen Todtſchlaͤgern publiciret: Wer Menſchen Blut vergeuſt / deß Blut ſoll auch durch Menſchen vergoſſen werden. Gen. c. 9. v. 6. (D. Lutherus in Comment. ad Geneſ. in c. 9. Hic. locus, inquit, diligenter notandus, quo Deus conſtituit Magiſtratum, & ei gladium dat in manus ut reſtringat licen - tiam & alia delicta, & hunc fontem eſſe, ex quo manet jus gentium & civile. fol. 112. Aafac. 2.)2Das ander Buch /fac. 2.) Dann ſie traͤget das Schwerdt nicht vmbſonſt / ſie iſt Gottes Dienerin / eine Raͤcherin zur Straffe uͤber den der boͤſes thut / ſpricht Paulus d. C. 13. deme ſtimmet S. Petrus zu in der 1. Epiſt. Petr. C. 2. v. 13. Gott ſetzet Koͤnige ein vnd ſetzet Koͤnige ab Daniel. 2. v. 21. Er machet etliche zum groſſen Volck / vnd bringet ſie wider vmb. Er breittet ein Volck auß vnd treibet es wider weg. Hiob Cap. 12. v. 23. Er iſt der Herꝛ der den hohen Baum niedriget vnd den niedrigen erhoͤhet. Ezech. 17. v. 24. durch jhn regieren die Koͤnige / herꝛſchen die Fuͤrſten vnd alle Regenten auff Erden / Prov. C. 8. v. 18. & ſeq. ſie ſind ſeines Reichs Amptleute / Sapient. C. 6. v. 5. ja Goͤtter oder Gottes Stadthalter. Pſal. 81. v. 6. (Reges ſunt CHRISTI DOMINI. 1. Reg. 24. v. 11. hoc eſt à Deo uncti & ſignati, ut inviſibilem Deum, ſpecie viſibilium repræſentent in terris, Cauſſin. Jeſuit. in Diſſertat. ad Libros Reg. Diſſert. 1.) Diß Axioma iſt an ſich einem jeden bekandt / vnd hat keiner weitern Außführung noͤ - thig / habe auch darvon in meinem Tractatu de Regimine Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſ. 1. c. 2. etwas weitlaͤufftiger gehandelt: wil nurent dieſes was D. Luther in ſei - nem Sermone an die Prediger Anno 1530. geſchrieben / anhaͤngen: das weltliche Regiment ſpricht er / iſt eine herꝛliche goͤttliche Ordnunge vnd eine treffliche Gabe Gottes: es erhaͤlt einem jeglichen ſeinen Leib / daß den nicht jederman erwuͤrgen muͤſſe / es erhaͤlt jeglichem ſein Weib / daß nicht jederman daſſelbige nehmen vnd ſchaͤnden muͤſſe / es erhaͤlt jeglichem ſein Kind / Tochter vnd Sohn / daß jhme daſſel - bige nicht jederman entführen noch entwenden muͤſſe / es erhaͤlt jeglichem ſein Hauß vnd Hoff / daß nicht ein jederman hinein brechen / noch darinnen freveln muͤſſe; es erhaͤlt jeglichem ſein Acker / Viehe vnd allerley Guͤter / daß dieſelbigen nicht ein jederman angreiffen / ſtehlen / rauben / beſchaͤdigen muͤſſe / welches alles vnder den Thieren nicht iſt / vnd wuͤrde auch vnder den Menſchen nicht ſeyn / wo weltlich Regiment nicht waͤre / ſondern wuͤrden gewißlich auß Menſchen eitel Thiere werdẽ. Biß hieher D. Lutherus. (Quod Solin firmamento, hoc eſt Rexin imperio, à Deo conſtitutus eſt, ut terrori ſit improbis, bonis præſidio. Cauſſin. de Regn. Dei. Diſſert. 65.) Sehr uͤbel gienge es in Jſrael / im Geiſtlichen-Weltlichen - vnd Haußſtande zu / in denen Zeiten / da kein Koͤnig / Regent / oder Obrigkeit war / vnd ein jeder that was jhm dauchte gut ſeyn / im Buch der Richter Cap. 17. v. 6. Abgoͤtterey / Hurerey / Buͤberey / Raub / Gewalt vnd Vnrecht giengen uͤberall im Schwange / vnd war niemand deß Seinigen / auch nicht ſeines Leibes vnd Lebens geſichert / wie in angezogenem 17. Cap. vnd nachfolgenden biß zu Ende deß Buchsder Richter zu leſen / vnd ſonderlich im letzten Capitel vnd Verſicul.
ALs der Koͤnig Hiram berichtet / daß GOtt Salomo auff ſeines Vatters Da - vid Koͤnigl. Thron geſetzet / denſelben befeſtiget / vnd jhn mit groſſer Weißheit vñ Verſtand zur Regierung begabet / hat er als ein benachbarter correſpondiren - der Koͤnig mit dem Hauſe Juda / dem newen Koͤnig Salomoni ſchrifftlich vnd durch eine eygene Ambaſſada darzu gratuliret, vnd ſonderlich mit dieſen Worten ſeine vnd deß Jſraeliſchen Volcks Felicitaͤt geprieſen vnd geſaget; darumb daß der Herꝛ ſein Volck liebet hat er dich uͤber ſie zum Koͤnige gemacht 2. Chron. C. 2. v. 11. & ſeq. Die Koͤnigin auß Reich Arabia gab dem Salomon auch ſolch Zeugnuß vnd ſprach zu jhme: Es macht / daß dein Gott / Jſrael lieb hat / daß er jhn ewiglich auff - richte / darumb hat er dich uͤber ſie zum Koͤnig geſetzet 2. Chron. Cap. 9. v. 8. Dann ein kluger Koͤnig iſt deß Volcks Gluͤck / ſpricht die Weißheit Salomonis Cap. 6. v. 26. So lange Moſes Joſua vnd andere gottſelige fromme Regenten vnd Koͤnige das Volck Gottes vor dem Herꝛn auß vnd eingefuͤhret / regieret vnd gerichtet / haben ſie Gluck vnd Sieg wider jhre Feinde gehabt / vnd iſt es jhnen ſehr wol gangen / wie in den Buͤchern Moſis / Joſuæ / der Richter der Koͤnige vnd Cronicken der laͤnge nach zuleſen vnd zu finden. Weil Aſſa ein gotts foͤrchtiger Regent war / gab jhm der Herꝛ Fried vnd Ruhe / daß das Land ſtill / vnd kein Streit wider jhn war / vñ er veſte Staͤd - te in Juda bawen koͤndte 2. Chron. C. 14. Solange der from̃e gottsfoͤrchtige Koͤnig Joſia lebete / wichen die Jſraeliren nicht von dem Herꝛn jhrer Vaͤtter GOtt / vnd gieng jhnen wol 2. Chron. C. 34. Durch vorſichtige Regierung vnd ſiegreiche Waf - fen / brachte Simon der Machabeer hochpreißlicher Regent das Land Juda zur Ruhe / vnd / wie die Hiſtoria meldet / bliebe guter Friede ſo lange Simon lebete vnd regierte ſehr wol[/]im 1. Buch der Machab. Cap. 14. v. 4. Dahero auch der Prophet Dauiel den groſſen Koͤnig zu Babel Nebucadnezar / einem gewaltigen Baum vergleichet / vnder deſſen Aeſten vnd Schatten ſeine Vnderthanen Ruhe vnd Si - cherheit haͤtten Daniel. Cap. 4.
DAnn heiſt es wie Gott ſaget durch Moſen; die euch haſſen ſollẽ uͤber euch herꝛ - ſchen im 3. Buch Moſ. Cap. 26. v. 17. vnd bey dem Propheten Hoſea; Dedi tibi Regem in furore meo, ich gab dir einen Koͤnig in meinem Zorn. Cap. 13. v. 11. vnd bey dem Propheten Ezechiel Cap. 7. v. 11. Der Tyrann hat ſich auffgemacht zur Ruthen uͤber die Gottloſen / daß nichts von jhrem Volck noch von jhrem Hauffen Troſt habe. Ja Gott laͤſſet ſelber uͤber ſie regieren einen Heuchler das Volck zu trengen Hiob Cap. 34. v. 30. Ja / er laͤſſet zu weilen einen vngeachteten / deme die Ehre deß Koͤnigreichs nicht bedacht war / darzu kommen vnd daſſelbe einnehmen / wie der Prophet Daniel von dem Antiocho Epiphane weiſſaget Cap. 11. v. 21. dar - von Luther in gloſſ. notirt, daß derſelbe beſſer zum Buben als zum Koͤnig geſchickt geweſen.
Bey dem Propheten Eſaia Cap. 3. trohet er ſeinem abtrinnigen Volcke / daß er jhnen Juͤnglinge zu Fuͤrſten geben / vnd daß kindiſche ſollen uͤber ſie herꝛſchen. Vnd klaget Gott ferner im ſelbigen Capit. daruͤber v. 12. wann er ſpricht / Kinder (Temeritas Adoleſcentiæ eſt proprietas, Cat. de Senect. ) ſind Treiber meines Volcks / vnd Weiber herꝛſchen uͤber ſie / worauß dann offenbahr / daß Kinder vnd Weiber Regiment eine Straffe der Vnderthanen von Gott. Wehe dem Lande deſſen Koͤnig ein Kind iſt / ſpricht der Prediger Salomon Cap. 10. v. 16. (Nulla ma - iori clade Deus affligere poteſt populum, quam ſi Principem ei præficiat ſtolidum, dici enim non poteſt, quam multa hinc eveniunt incommoda. Philip. Cominæ. lib. 3. Hiſtor.) Als der fromme Regent vnd Richter deß Volcks Gottes Joſua / neben den Elteſten / die mit jhnen waren vnd lange nach jhm gelebet / zu jhren Vaͤttern verſamblet worden / iſt ein ander Geſchlecht auffgekommen / ſo den Herꝛn vnd die Wercke Gottes / die er an Jſrael gethan / nicht erkandt / verlieſſen den Herꝛn vnd wurden dahero den Heyden zum Raube außgeſtellet vnd preiß gegeben. Jud. c. 2. v. 8 & ſeqq. Die zehen Staͤmme Jſrael / wie ſie von dem Hauſe David abfiehlen / be - kamen ſie Jerobeam einen Abgoͤttiſchen Koͤnig / der ſie ſuͤndigen machte / daruͤber ſie geſchlagen vnd hart geſtraffet worden 1. Reg. c. 14. v. 5. Achabs Abgoͤtterey verur - ſachete daß Jſrael mit Hungersnoth vnd Doͤrre geplaget worden. 1. Reg. c. 17.
Als das Suͤndenmaaß der Kinder Jſrael voll war / bekamen ſie zur Straffeden5Von dem weltlichen Stande. den gottloſen Koͤnig Hoſeam / welcher vntrew ward an Salmanaſſer dem Koͤnig in Aſſyrien / daruͤber Jſrael bekrieget vnd weggefuͤhret worden. 2. Reg. c. 17 (Ea mente qua Deus ad inferna diſponit Dæmones, improborum tormenta, diſpen - ſat etiam in terris feros homines, quibs vel ſuorum virtutem exerceat, vel puniat malitiam. Cauſſmus in Diſſertat. ad libros Reg. Diſſ. 4.)
ZZu weilen kompt wol das Regiment durch Erbrecht / eine Wahl / oder ſonderba - re Heldenthaten oder ſonſt billiche Wege / auff das weibliche Geſchlecht / wie et - liche vnden angezogene Exempel anzeigen / worauff eben dieſes Axioma nicht ge - richtet / ſondern auff die ſo durch Liſt vnd Tyranney nach dem Regiment greiffen / inmaſſen dann auß vorigem Axiomate zuſehen iſt / daß Gott einem Volcke / das er zu ſtraffen trohet / Kinder vnd Weiber wolle zu Regenten ſetzen.
Dann Gott hat das Weib gemeinem Lauff nach vnd per Regulam nicht zur Herꝛ - ſcherin / ſondern dem Mann zur Gehuͤlffin vnd Kinderzucht erſchaffen / vnd nicht dem Weibe / ſondern dem Manne auch in dem Haußweſen die Herꝛſchafft uͤber das Weib vnd alle Creaturen beygeleget / Geneſ. c. 2. & 3. 1. Petr. c. 3. 1. ad Timoth. c. 2. v. 12. 1. ad Corinth. c. 11. v. 3. & c. 14. v. 34 Zu dem hat Gott vnd die Natur (Gy - næcocratia, Naturæ legibus inimica: quæ viris prudentiam, robur, animi magnitu - dinem & vim imperandi dedit. Bodin. de Republ. lib. 6. c. 5. Et Euripid. in Medea
auch das maͤnnliche Geſchlecht ins gemein mit groͤſſerer Weißheit / Verſtand / Leibes Staͤrcke vnd Tapfferkeit verſehen vnnd daſſelbe zum Regiment vor den Weibern qualificiret vnd bequem gemacht / den Weibern aber die verecundiam vnd pudorem, Zucht vnd Schamhafftigkeit gebotten. Dahero auch bey den wei - ſen Roͤmern vnd Roͤmiſchen Geſetzgebern / die Weiber von allen Aemptern vnd offentlichen Bedienungen in der Republic vnd gemeinem Weſen außgeſchloſſen (l. Fœminæ ff. de Reg. jur. l. cum prætor. ff. de judic. l. 1. ff. de poſtul. ) vnd vor gar vn - gereimbt vnd vnhoͤfflich gehalten worden / wann ſich die Weiber in Manushaͤndel vnd Verſamblungen gemiſchet vid eingeflochten. Sehr frembd iſt dem RathAa iijzu Rom6Das ander Buch /zu Rom vorgekommen / hat ſie auch nicht wenig in jhren guten GEdancken jrꝛ ge - macht / daß der Keyſer Heliogabalus, ſeine Fraw Mutter mit in den ſitzenden Rath gefuͤhret / nicht zwar daß ſie eben Stimme vnd Stand bey den Rathſchlaͤgen ha - ben / ſondern nurent die Wuͤrde vnd Herꝛligkeit deß Roͤmiſchen Senats anſcha - wen moͤchte.
Es iſt aber das Weiber Regiment zweyerley: Erſtlich / wann ein Weib vor ſich ſelbſten auff Maſſe vnd Weiſſe wie vorgedacht regiert; vors ander / wann ſie jhren Eheherꝛn vnd Gemahl / der das Regiment fuͤhret / regieret / vnd denſelben in Regimentsſachen zu jhrem Willen vnd diſpoſition hat. (Cato dicere ſolitus, nos imperamus hominibus cunctis, uxores vero nobis. Et de Themiſtocle legitur: Athenienſes imperant Græcis, Themiſtocles Athemienſibus, Themiſtocli uxor, Plutarch. in vit. Themiſtocl.) Vor ſich ſelbſten regierte die Koͤnigin Athalia, die war nicht allein Gottloß / ſondern vnderſtund ſich jhr Regiment mit Blut zu beſtaͤtti - gen / in deme ſie allen Koͤniglichen Samen jhres eygenen leiblichen Sohns Aha - ſia Kinder / jhre Enckeln im Hauſe Juda vmbbrachte. 2 Reg 9. v. 1. & 2. Chron. 22. v. 10. Die Koͤnigin Jeſebell regierte zwar nicht ſelber / aber durch jhren Herꝛn vnd Gemahl den Koͤnig Achab fuͤhrete ſie ein Tyranniſch Regiment / in deme ſie jhn nicht allein zu jhrem Baalitiſchen Gottesdienſt verleitete / vnd Jſrael ſuͤndigen machte / 1. Reg. C. 16. v. 31. ſondern ſie rottete auch die Propheten deß Herꝛn auß. 1. Reg. C. 18. v. 4.
(Wehe jmmer wehe einem ſolchen Mann /Der ſeinem Weibe die Herꝛſchafft gan /Drumb wiltu wol fahren am EndSo gib keinem Weibe das Regiment.)
Als ſie den frommen Naboth vmb ſeinen Weinberg bringen wolte / ſchrieb ſie Brieffe vnder Achabs Nahmen / vnd verßegelt ſie mit ſemem Pittſchter / ließ ſalſche Zeugen wider Naboth auffſtellen vnd dieſen vnſchuldigen Mann als haͤtte er Gott vnd den Koͤnig gelaͤſtert / ſteinigen vnd jaͤmmerlich hinrichten 1. Reg. C. 21. v. 8. & ſeqq. Alſo daß durch jhr dominium Achabaͤrger regieret uͤber alle die vor jhm ge - weſen. 1 Reg. C. 16. v. 30. dann ſein Weib Jeſebell / ſaget die Hiſtoria, uͤberredet ihn darzu. 2. Reg. 21. v. 25. daruͤber Achab ſambt ſeinem gantzen Hauſe vnd Poſteritaͤt auß gerottet worden. 2. Reg. C. 21. & ſeqq. & 2. Reg. C. 9. Simſon derſtarcke / Salo - mon der weiſe lieſſen ſich auch zu letzt durch Heydniſche Weiber bethoren / im Buch der Richter C. 14. & 16. 1. Reg. C. 11. (Wein vnd Weiber bethoͤrẽ die Weiſen.) Sein Hertz / ſpricht Syrach von Salomon / hienge ſich an die Wetber vnd ließ ſich bethoͤ - ren / vnd hienge ſeiner Ehr einen Schandflecken an Cap. 47. v. 21. Der Roͤnig Jo - ram Joſaphats aͤlteſter Sohn / ward auch von ſeinem abgoͤttiſchen Weibe / Achabs Tochter regieret / daß er gottlos ward / vnd alle ſeine Bruͤder / auch etliche Obriſten in Jſrael mit dem Schwerdt erwürgen ließ. 2. Chronic. C. 21. Adam ließ ſich auchvon7Von dem weltlichen Stande. von ſeiner Eva zum Abfall bewegen. Gen. C. 3. Cornelius Tacitus ſchreibet von dem Claudio, quod coniugum Imperio fuerit obnoxius, daß er ſich von Weibern regie - ren laſſen / wie er dann auch endlich durch ſeiner Gemahlin Agrippina Anſtalt zum Danck / daß er ſich dem Weiber Regiment vndergeben / mit Gifft getoͤdtet worden. Tacit. lib. 1. Annal. in princip. & circ. fin.
Die Heydniſche Poeten ſchreiben viel von jhrem ſtreitbahren Helden dem Hercule, daß er alle ſeine Feinde Ritterlich uͤberwunden; als er aber in das Frawen - zimmer gerathen / ſey ſeine Mannliche Tapfferkeit durch Frawen Liebe in Thotheit verwandelt. Einehat jhme den Schleyer auffgeſetzet; die ander den Rocken vnd Spindel in die Hand gegeben / vnd er hat auß groſſer Liebe an ſtatt ſeines Caßkets oder Sturmbhauben einen Schleyer auff dem Kopff haben vnd ſpinnen vnd an ſtatt ſeiner groſſen beruͤhmten Keule damit er viel Heldenthaten verrichtet / die Spindel in der Hand fuͤhren muͤſſen. Hiervon ſchreibet D. Luther uͤber den 101. Pſalm. alſo: Jch glaube nicht daß Hercules geſponnen habe / ſondern die Poeten haben es alſo gemahlet / vnd vorgebildet / daß wann einen weitlichen Fuͤrſten oder Mann ſonſt kein vngehewer Wunder kan uͤbertenben / vnd wann er alle Feinde uͤberwunden / wie Hercules, ſo kaner doch zu letzt nicht den Haußteuffel vnd ein - heimiſchen Feind uͤberwinden / ſondern das trawte Fraͤwlein vnd ſchoͤne Koͤnigin Qmphale / mit jhrem ſchoͤnen Angeſicht vnd glatten Zungen ſetzet dem thewren Herculi den Schleyer vff vnd heiſſet jhn ſpinnen / da ſitzet dann der hohe Siegs - mann vnd Held / der alle Loͤwen zerriſſen / den hoͤlliſchen Hund gefangen / die Cen - tauros vnd Lapithas geſchlagen / den Drachen erwuͤrget / vnd was ſie mehr Wun - der von jhme ſchreiben / da ſitzet er / ſage ich / vnd laͤſſet ſeine Keule fallen / nimbt die Spindel in die Hand / vnd ſeine ſchoͤne Omphale draͤwet jhm mit der Ruthen / wo er nicht ſpinnet. Biß hieher Lutherus. Mit dieſem Poetiſchen Beyſpiel kompt uͤber - ein die Hiſtoria im 3. Buch Eſther Cap. 4. v. 28. allda deß Koͤnigs Darii. Caͤmme - rer Serubabel / ſein thema, daß nemblich die Weiber uͤber alles ſeynd / weitlaͤufftig behauptet / vnder andern aler dieſes Exempel einführet vnnd ſaget: Jſt nicht der Koͤnig groß in ſeiner Macht? dannoch ſahe ich jhn vnd die Apemen die Tochter deß Bertaſi deß trefflichen Mannes / deß Koͤnigs Kebsweib ſitzen / zu der Rechten deß Koͤnigs. Die nahm die Cron dem Koͤnig vom Haupt vnd ſetzte ſie jhr ſelbſt auff / vnd ſchlug den Koͤnig mit der lincken Hand. Gleichwol gaffte / ſie der Koͤnig mit offenen Munde an; lachet ſie / ſo lachet er auch: ſiehet ſie jhn ſawer an / ſo ſchmetchelt er jhr biß ſie wider zu frieden geſtellet wird. Sind dann nicht die Wei - ber zum maͤchtigſten / weil ſie das thun / ſo weit Eſra; Hieher gehoͤret der teutſche Rem in dem Reinecke Fuchs:
Jch wolt gern wiſſen wieder hieß /Der ſich von Frawen nicht narren ließ.
Sie wollen vom Regiment mit participiren vnd haben / es geſchehe gleich clam, vi,vel8Das ander Buch /vel precario, das iſt heimblich / mit Gewalt / oder Bittweiſſe / durch gute Worte. Wann Koͤnige / Fürſten vnd Regenten ſo weit am Frawenzimmer ſich verlieben / daß ſie jhren vorwitzigen Gemahlinnen den Zuͤgel erſt in die Haͤnde geben / dann bleiben ſie deß Regiments nicht mehr maͤchtig / ſie ligen jhnen Tag vnd Nacht in den Ohren / daß wann ſie Frieden haben wollen / jhnen in allem zu Willen ſeyn muͤſſen.
Die Semiramis erhielte durch jhre Liſt vnd Geſchwindigkeit bey jhrem Ehe - gemahl / daß er jhr nurent auff einen Tag das Scepter vnd Regiment vertrawte / gebrauchte ſich aber deſſen alſo / daß ſie jhren Herꝛn Gemahl ſelbigen Tags toͤdten ließ / vnd ſich darauff in den Koͤniglichen Thron ſetzete. Hiervon handelt Bodinus mit Einführung vieler Exempel weitlaͤufftig in ſeinem Buch / de Republic. lib. 6. cap. 5. (Bodin. de Repub. lib. 6. c. 5. Quemadmodum familiæ, inquit, pertur - bantur, in quibus fœminæ maritis imperant, ſic & Reſpub. diſturbatur quæ fœmi - næ dominatu tenetur, etiamſi prudentiæ famam aſſecuta fuerit.)
Was vor groß Vnheyl die Sigbritta deß Koͤnigs Chriſtierni II. in Denne - marck Schweden vnd Norwegen / ꝛc. Concubinen der Columbulæ Mutter in den Koͤnigreichen durch jhre heylloſe Impreſſiones angerichtet / in dem ſie deß Koͤnigs zu allem Vorhaben maͤchtig geweſen vnd damit ſo viel zuwegen gebracht / daß der Koͤnig ſich alle Staͤnde zu wider gemacht / drey Koͤnigliche Cronen verſchertzet / 9. Jahr vertrieben geweſen / vnd 27. Jahr im Gefaͤngnuß außhalten / vnd endlich darin elendigſterben muͤſſen / ſolches iſt in Dennemarck bekandt / vnnd beſchreibet es Johan. Meurſi. in Hiſtor. Dan. lib 3. (Verba Meurſij ita habent: Sigbritta poſt filiæ Columbulæ mortem, ita ſe in Regis pariter ac Reginæ gratiam inſinuavit, ut conſilia de graviſſimis regni rebus Rex cum e[â]communicaret, ac ſententiam quo - q́ue eius ante ſenatores poneret. Quâ elata benevolentia, fœmina anibitioſa eò tandem eſt progreſſa, ut in poteſtate ſua Regem haberet; & negotia cuncta regni, quamvis maximaſola gereret, & cuncta pro libidine agitaret, ac Proceribus quoq́; quibuſcunq́ue & ordinibus inſultaret: omnia hæc probante Rege aut ferente & connivente.
Es iſt zwar das weibliche Geſchlecht argliſtig / geſchwind vnd verſchlagen / wie Athalia, Jeſebell / Agrippina, Semiramis vnd andere mehr dergleichen geweſen. (Natura quidem fœminis fortitudinem ac vim negavit, ſed dolo illas munivit. Se - nec. in Octav.) Aber Argliſtigkeit vnd Tuͤcke ſind keine Klugheit / wie Syrach Cap. 19. v. 19. ſchreibet. Die Ehr - vnd Regierſucht ſambt dem Vorwitz ſind bey jh - nen zu groß / daß ſie jhre Affecten vnd Begterde nicht wol beherꝛſchen oder in etwas arreſtiren koͤnnen / vnd dieſes haben ſie von der erſten Mutter Eva geerbet / welche auß Vorwitz vnd Ehrſucht / kluger vnd Gott gleich zu werden / jhr beſtes Braut - ſtuͤcke das edle Ebenbilde Gottes verſchertzete / ſich vnd das gantze menſchliche Ge - ſchlechte ins Verderben ſtuͤrtzete: das Weib / ſpricht die Schrifft / ſchawete an / daßvon9Von dem weltlichen Stande. von dem Baum gut zu eſſen waͤre / vnd lieblich anzuſehen / daß ein luſtiger Baum waͤre / eil er klug machte. Geneſ. c. 3. v. 6. Die Ehrſucht vnd Vorwitz plagete auch Salome die Mutter der Kinder Zebedei / wie ſie jhre beyde Soͤhne Jacobum vnd Johannem dem Herꝛn Chriſto zufuͤhrete vnd von jhm bath / erſolte ſie in ſeinem Reich hoch erheben / den einen zu ſeiner Rechten / vnd den andern zu ſeiner Lincken ſetzen. Matth. Cap. 20. v. 20. Es war auch kein geringer Vorwitz / daß die Koͤni - gin auß Reich Arabia auß jhrem Koͤnigreiche von Landen vnd leuthen einen ſo weiten Weg / mit ſehr groſſem Zeug / Camelen vnd Reichthumb gen Jeruſalem gezogen / den Koͤnig Salomo mit Raͤtzeln zu verſuchen / vnd ſeine groſſe Herꝛligkeit vnd Weißheit zu ſchawen 1. Reg. c. 10. 2. Chron. c. 9. Wie leicht haͤtte es in jhrem Koͤnigreich vnd Landen vnderdeß bund daher gehen koͤnnen / weil die Abweſenheit eines Regenten von ſeinen Vnderthanen / Landen vnd Leuthen gar leicht viel Vn - raths vnd Boͤſes cauſſiren vnd veranlaſſen kan / wie vnden in einem abſonderlichen Axioma. 39. weiters angefuͤhret. Es mag auch wol Salomons Weißheit nicht die alleinige Vrſach der koſtbahren / gefaͤhrlichen vnd weiten Reyſe geweſen ſeyn / ſie wird ohne Zweiffel wol vernommen haben / daß Salomon ein Liebhaber deß Frawenzimmers vnd ein trefflicher Courteſan geweſen / ſiebenhundert Weiber zu Frawen / vnd drey hundert Kebsweiber gehabt / vnd alſo dem Frawenzimmer gu - tes Contento geben koͤnnen / geſtalt dann etliche Egyptiſche Koͤnige / die ſich Jſra - eliten ja Davids vnd Salomonis Nachkommen / nennen / jhre Ankunfft von ge -[m]elter Koͤnigin Saba vnd dem Koͤnig Salomon dahero deduciren vnd rechnen; wie Bodin. de Republ. lib. 6. c. 5 ſchreibet / vnd Adamus Contzen in Hiſtoria Abiſſi - ni Regis, ſive method. civil. Doctrin. cap. 3. weitlaͤufftiger außfuͤhret / vnd ſolche deß Koͤnigs Salomons vnd der Koͤnigin Sabæ coniunction oder Beylager vnd die von den Egyptern geruͤhmte Poſteritaͤt defendiret, auch daß ſolches von Salomon nicht weniger erlaubter Weiſſe geſchehen / als wenig der Herꝛ Chriſtus vnrecht ge - than daß er dieſe Koͤnigin geprieſen / weil dem Koͤnige frey geſtanden viel Wei ber zu haben / welches ich gleichwol an ſeinen Orth ſtelle vnd nicht behaupte / dann ſie eben hierumb von Chriſto nicht geruͤhmet. Zu dem ſo iſt das weibliche Geſchlecht ſehr hitzig / wollen alles ohne Verzug per poſta gethan haben / auch mehr als das maͤnnliche zubitterem Zorn geneigt / dardurch in Regimensſachen man ſich leicht - lich uͤbereilen / verſtoſſen / vnd dem gemeinen Weſen vnwiderbringlicher Schade zugezogen werden kan. Vom Weiber Zorn ſchreibet Syrach alſo; Es iſt kein Zorn ſo bitter / als der Frawen Zorn: ich wolte lieber bey Loͤwen vnd Drachen woh - nen / als bey einem boͤſen Weibe / Cap. 25. vnd Salomon in Sprichwoͤrtern Cap. 21. v. 19. vnd wann man ſonſten ein boͤſen Zorn beſchreiben wil / ſagt man in gemei - nem Sprichwort: es iſt ein Weiber Zorn. Es ſchreibẽ die Poeten ſehr viel von dem vnverſoͤhnlichen Zorn der Goͤttin Juno, den ſie daruͤber / daß der Eris mit dem gul - denen Apffel ſie vorbeygangen / vnd denſelben der Veneri zugeworffen gefaſſet
BbVirg. 10Das ander Buch /(Virg. lib. 1. Æneid. & lib. 5.
Junonis gravis ira & inexſaturabile pectus.Et Mantuan.Aut ardenteramat, aut te capitaliter oditFœmina— Continuò ſic collige, quod vindictâNemo magis gaudetquam Fœmina.
Muliebre eſt, inquit Seneca, furere in ira, lib. de Clement. Regem autem non de - cet, ſæva & inexorabilis ira, idem, ibid.) Wie ſchaͤdlich der Zorn beym Regiment ſeye / hat der hochverſtaͤndige Heyde Seneca mit dieſem Gleichnuß zuverſtehen ge - ben / in deme er lib. 1. de Clement. ſchreibet / daß die Biene zornige vnd ſtreitbahre Thiere ſeyn / es haͤtte aber die Natur der Bienen Koͤnig den Stachel entzogen / auß Vrſachen / daß eine Biene / wann ſie auß Zorn einen ſticht / ſolches mit Verluſt deß Stachels vnd nachfolgends deß Lebens thue. Damit nun der Bienen Koͤnige an deſſen cõſervation vñ Erhaltunge der gantze Bienẽſchwarm hafftet / durch Zorn auch nicht vmb ſeinen Stachel vnd demnach vmbs Leben kaͤme / vnd alſo der gantze Schwarm mit jhme zu Grund gienge / waͤre derſelbe mit keinem Stachel verſehen. Wann neben dieſen bey dem Frawenzimmer ſonderlich prævalirenden Affecten, etwan Fraw Venus mit jhrem gefaͤhrlichen jungen Boden Schuͤtzen / welches bey ſo groſſer Licentz, Vppigkeit vnd Libertaͤt / gar ſelten verbleibet / mit darzu kompt / kan darauß noch mehr Vnraths im Regiment vnd ſonſten entſtehen. (Valde diffi - cile & penè divinum eſt, in ſumma Fortuna non abripi licentiæ ventis. Lipſi.)
Es ſind zwar in heiliger Schrifft vnd ſonſten in weltlichen Hiſtorien vnd Geſchichten Exempla vorhanden / daß auch Weiber loͤblich regieret / aber dieſelbe ſind ſeltzam vnd rare, darauß keine regula zu formiren iſt.
Zu Zeiten der Richter deß Volcks Gottes / vnd wie daſſelbe ſich ſo ſchwerlich verſuͤndigte / vnd deßwegen den benachbarten außwaͤrtigen zum Raub vnd Pluͤn - derung außgeſtellet wurden / erweckte Gott die Prophetin Deboram / ein Eheweib deß Lapidoth, die war Richterin in Jſrael / vnd ſtellete ein Defenſion weſen an / zo - ge mit dem Barack wider Syſſera zu Felde / erhielte durch Gottes Gnade den Sieg / triumphierte mit einem herꝛlichen Lobgeſange / im Buch der Richter Cap. 4. & 5. So iſt auch dieſes nicht dahin zuverſtehen wann das Regiment durch Erb - recht / nach eines Reichs Geſetzen / Sitten vnd Herkommen / auch eine Wahl an Weibesperſonen gelanget wie Eingangs gedacht / deren auch viel tapffere Thaten gethan vnd wol regiert.
Die Margretha / Koͤnigin in Dennemarck / Schweden vnd Norwegen / wie auch Eliſabetha Koͤnigin in Engelland. (De Elizabetha Angliæ Regina ſequentesrefert11Von dem weltlichen Stande. refert verſus Alberic. Gentil. in præfat. tractatus ſui de Legationibus:
haben groß Gluͤck im Regiment gehabt wie auch die junge Koͤnigin in Schwe - den groſſen Krieg mit groſſem Succeſs vñ Gluͤck gefuͤhret. Aber dieſe Exempla ſind gar duͤnn geſaͤet. Man muß aber in allen Geſetzen vnd Satzungen das Abſehen darauff wenden / was ins gemein vnd nicht was ſelten geſchiehet / vnd wie die vitia ſexus ins gemein nicht allen Individuis vnd Perſonen beyzumeſſen / alſo koͤnnen auch die virtutes vnd ſonderbahre Exempla ſehr weniger Weibsperſonen / kein uni - verſal prædicat deß Frawenzimmers vnd weiblichen Geſchlechts geben / oder ins gemein das Weiber Regiment wider die goͤttliche / gemeine / vnd natuͤrliche Ver - ordnunge ſtabiliren vnd behaupten.
MOſes iſt wol ein trewer Regent geweſen / der es mit ſeinem Volckſehr trewlich vnd wol gemeynet. Dann als Aaron vnd die Kinder Jſrael durch Abgoͤtterey deß gegoſſenen guͤldenen Kalbes ſich hart an Gott ver - ſuͤndiget / vnd Moſes beſorget / Gott wuͤrde ſie alle vertilgen / bath er Gott / jhnen ſolche Suͤnde zu vergeben / wo nicht / jhn auß dem Buch deß Lebens zu tilgen / welches jhm aber abgeſchlagen vnd zur Antwort worden / ich wilden auß meinem Buch tilgen der an mir geſündiget. Exod. Cap. 32. v. 32. & ſeqq. Hat alſo Gott die - ſen frommen Regenten vmb deß Volcks Vngehorſamb nicht ſtraffen wollen. Hingegen als der Koͤnig Pharao ſein Hertz verſtockete / ſandte Gott darumb aller - ley Plagen uͤber gantz Egypten / dardurch nicht allein der Koͤnig Pharao / ſondern auch ſeine Vnderthanen vnd gantzes Koͤnigreich geplaget vnd geſtraffet worden. Exod. C. 5. 6. 7. uſque ad C. 10. vmb Sauls willen / vnd vmb deß Bluthauſes wil - len / daß er die Gibeoniter getoͤdtet hatte / ſchickte Gott eine dreyjaͤhrige Thewrung auch nach ſeinem Todt / 2. Samuel. Cap. 21. v. 1.
Als der Koͤnig David ſein Hertz erhub / auß Hochmuth vnd Vermeſſenheit das Volck zehlen ließ / ſtraffte Gott ſeine Vbertrettung / vnd ſchickete Peſtilentz in Jſrael / dardurch ſiebentzig tauſend Mann von Dan biß gen Berſeba von der Er -Bb ijden12Das ander Buch /den vertilget vnd weggeraffet wordẽ / welches dann David ſo ſehr vnd ſchmertzlch zu Gemuͤth gangen daß er zu Gott geruffen vnd geſagt: Jch habe geſuͤndiget / ich habe die Miſſethat gethan / was haben dieſe Schaff gethan? laß deine Hand wider mich vnd meines Vatters Hauß ſeyn. 2. Samuel. Cap. 24. 1. Chron. Cap. 22. Als er auch vorhin in dem 51. Pſalm. ſeine Suͤnde berewet / hat er ſich ſehr gefuͤrchtet vnd beſor - get / es moͤchte die Straffe uͤber das gantze Koͤnigreich vnd alle Vnderthanen kom - men / derowegen vmb Erhaltung deß Kirchenſtandes vnd Policey deß Juͤdiſchen Volcks inbruͤnſtig gebetten / wie er geſprochen: Gedencke Herꝛ an Zion nach dei - ner Gnaden / ꝛc. v. 20.
So bald ſich der Koͤnig Salomo durch ſeine Heydniſche Weiber verleiten / vnd eine Hoͤhe Molech dem Grewel der Ammoniter / vnd Chamos dem Grewel der Moabitter erbawen ließ / erweckte Gott jhme vnd dem Koͤnigreiche Feinde. 1. Reg. Cap. 11. Wie Jerobeam zu Bethel den Abgoͤttiſchen Kaͤlbertantz angerichtet vnd darbey verharꝛete / auch ſich vom Krieg nicht wolte abmahnen laſſen / meldet die Schrifft / daß Jſrael uͤbergeben ſey vmb der Suͤnde willen Jerobeam 1. Reg. Cap. 14. v. 16. geplaget vnd deren viel tanſend in der Schlacht von Abia dem Koͤnig in Juda erleget worden. 2. Chron. Cap. 13. So bald der Koͤnig Hiskia ſein Hertz er - hub vnd ſich an Gott verſuͤndigte / kam dardurch der Zorn uͤber jhn / vnd uͤber Juda vnd Jeruſalem / 2. Chron. Cap. 32. Darumb daß Manaſſe alle der Heyden Grewel gethan / ſagte Gott / daß er wolte Vngluͤck bringen uͤber Jeruſalem vnd Juda / daß / wer es hoͤren wuͤrde / dem ſollen ſeine beyde Ohren gellen. 2. Reg. Cap. 21. Vnd bey dem Propheten Jeremia ſpricht der Herꝛ / vmb der Suͤnde Manaſſe willen / wil ich ſie in allen Koͤnigreichen hin - vnd hertretben / ich wil ſie mit der Wurffſchauffel zum Lande hinauß wurffeln / viel Wittwen vnd Weyſen machen. Jerem. Cap. 15. v. 4. & paſſim per tot. Die Edomiter vnd Philiſter thaten dem Judiſchen Volck groß Leyd / die Vrſach wird in der Schrifft darbey geſetzet: Dann der Herꝛ demuͤthiget Juda vmb Ahas willen deß Koͤnigs Juda 2. Chron. Cap. 28. v. 19. Jn Summa / es weiſet die Hiſtoria vnd Geſchichtbeſchreibung der Koͤnige Jſrael vñ Juda auß / daß wañ ein Koͤnig gottloß vnd abgoͤttiſch geweſen oder wordẽ / daß bald darauff das Jſ - raelitiſche Volck / mit Krieg / Schwerdt / Peſtilentz / Hunger vnd andern Plagen ge - ſtraffet worden / wie zuſehen in den Buͤchern der Koͤnige vnd Chronicken / daß alſo der alte Poet recht vnd wol geſaget:
Oder /
Wann ſich die Heren rauffen / ſo müſſen die Vnd erthanen die Haar herge - ben. Oder / Was die Herꝛen ſündigen / das muͤſſen die Bawren buͤſſen.
WAnn man das Regiſter der Regenten deß Volcks Gottes durch ſiehet / iſt dieſer Satz leichtlich mit Exempeln zu beſtaͤrcken.
Das Buch der Richter vorbey vnd nurent in die Buͤcher der Koͤ - nige vnd der Chronicken zugehen / ſtehet ſo bald vor Augen / daß gegen einem guten Koͤnig gar viel boͤſe zufinden / die da gethan / was dem Herꝛn uͤbel ge - fallen / wie der Text redet / vnd das Regiſter der Koͤnige Juda vnd Jſrael bezeuget.
Der erſte Jſraelitiſche Koͤnig Saul uͤberſchritte Gottes Befehl bald / opffer - te vom Verbanneten. 1. Sam. Cap. 15. trachtete dem frommen David tyrannt - ſcher vnd tuͤckiſcher Weiſe nach Leib vnd Leben. 1. Samuel. Cap. 18. & ſeq. ließ auff einen Tag fuͤnff vnd achtzig Prieſter deß Herꝛn / die leinen Leibroͤck getragen / graw - ſamblich / ohne Verſchulden / erwuͤrgen. 1. Sam. Cap. 22. wendete ſich endlich gantz von Gott zur Hexen vnd Wahrſagerin. 1. Sam. Cap. 28. vnd ward ein Moͤrder an ſeinem eygenen Leibe. 1. Sam. Cap. 31. Jerobeam Kam von geringer Ankunfft zu Koͤniglicher Wuͤrde vnd Hoheit / liebete aber das zeitliche Glück vnd die eingebilde - te Rationem Status hoͤher als ſeinen Gott vnd Herꝛn / ward Abgoͤttiſch / ordnete zu Bethel den Kaͤlbertantz an / vnd machte das gantze Volck ſuͤndigen / derowegen er mit ſeinem gantzen Hauſe außgerottet worden. 1. Reg. Cap. 12. 13. & 14.
Rehabeam der Koͤnig in Juda machte es nicht viel beſſer. d. Cap. 14. verließ das Geſetz deß Herꝛn vnd gantz Jſrael mit jhme. 2. Chron. Cap. 12. v. 1. & ſeqq. ſein Sohn Abia Koͤnig in Juda tratt in die Fußſtapffen ſeines Vatters vnd wandelte in allen Suͤnden. 1. Reg. Cap. 15. Nadab der Sohn Jerobeam ſolgete ſeinem Vat - ter im Regimente vnd zugleich in allen ſeinen Laſtern vnd Sünden / derowegen er mit ſeinem gantzen Hauß / vnd was davon den Athem hatte von Baeſa außgetil - get / vnd dieſem die Cron Jſrael wider auffgeſetzet ward. 1. Reg. Cap. 15. v. 29. & ſeqq. Baeſa war gleich gottloß / ward auch ſambt ſeiner gantzen adhærentz mit gleicher Straffe heimbgeſucht. 1. Reg. Cap. 5. vnd ſein im Koͤnigreich ſuccediren - der Sohn Ella ſambt der Poſteritaͤt von Simri exſtirpirt. 1. Reg. Cap. 16. dieſerBb iijKoͤnig -14Das ander Buch /Koͤnig-Moͤrder ward von dem Feldhauptman Amri / in Tirza belaͤgectt / verbrand - te ſich ſelbſten auß deſperation im Koͤniglichen Pallaſt im ſiebenden Tage ſeines Regiments 1. Reg. Cap. 16. Amri ward Koͤnig an ſeine ſtatt / war aͤrger als alle die vor jhme geweſen. 1. Reg. Cap. 16. ſein Sohn Achgb folgete jhm im Regiment vnd gottloſen Weſen / war ein beſchreyter Tyrann vnd Propheten Moͤrder. 1. Reg. Cap. 16. 17. & ſeqq. der Koͤnig Ahaſia Achabs Sohn / fienge es an dem Orth an / wo es ſein Vatter gelaſſen / dienete Baalim vnd wandelte in dem Wege ſeines Vat - ters vnd Mutter 2. Reg. Cap. 1. dieſes Sohn Joram machte es zwar ein wenig beſ - ſer / that aber doch was dem Herꝛn uͤbel gefiehl. 2. Reg. Cap. 3. Joſaphat Koͤnig in Juda war zwar ein loͤblicher guter Regent / aber wie er die Augen zuthat / kam ſein Sohn / auch Joram genandt / vnd nach jhm ſein Enckel Ahaſig zur Koͤniglichen Cron / vermaͤhlete ſich mit deß Koͤnigs Achabs Tochter / erfuͤlleten die gottloſen Fußſtapffen Achabs 2. Reg. Cap. 8. Jehu ward zwar auß dem Volck hervor gezo - gen vnd durch einen Propheten auff Gottes Befehl zum Koͤnige in Jſrael geſal - bet / das Hauß Achabs vnd Jorams heimzuſuchen vnd zu vertilgen / deme er auch nachkommen vnd Joram ſambt ſiebentzig Soͤhnen Achabs vnd was ſonſten dar - an noch uͤbrig geweſen / wie ingleichem viertzig Bruͤder Ahaſia erwuͤrgen laſſen. 2. Reg. Cap. 9. & 10. ließ aber doch endlich ſelber den Hund hincken / vnd wandelte in den Suͤnden Jerobeams / vnd ließ nicht abe von den gülden Kaͤlbern zu Bethel vnd zu Dan / darumb auch ſein Stuhl vnd Koͤniglicher Thron nicht weiter als auff die vierdte generation oder Glied von Gottbeſtaͤttiget worden. 2. Reg. d. Cap. 10. Der Koͤnig Ahas Amaziæ Sohn war Abgoͤttiſch / ſo gar daß er ſeine Soͤhne nach Heydniſcher Art durchs Fewer gehen vnd verderben ließ. 2. Reg. Cap. 16. Nahme dem Koͤnige zu Aſſyrien zu gefallen Aenderung vor im Tempel eod. Cap. circ. fin. Sacharia / Sallum / Menahem / Pekahia / Hoſea nach einander ordine ſuc - ceſſivo ſeyn Koͤnige in Jſrael geweſen / haben uͤbel regiert / vnd alle gethan / was dem Herꝛn uͤbel gefiehl. 1. Reg. Cap. 15. & 17. Manaſſe Koͤnig in Juda wandelte in den Heydniſchen Greweln / ließ ſeine Soͤhne auch durchs Fewer gehẽ im Thal Hin - non / achtete auff Vogelgeſchrey / zauberte vnd ſtifftete Wahrſager vnd Wahrſa - gerinnen. 2. Chron. c. 33. & 2. Reg. C. 21. Der Koͤnig Joiakim vnd nach jhm ſein Sohn Jojachim waren auch gottloß vnnd regierten uͤbel. 2. Reg. C. 23. in fin. & C. 24. Zedekia war auch gottloß / ward meyneydig vnd fiehl ab von dem Koͤnig Nebu - cadnetzar / deß wegen er gefangen / ſeine Kinder in ſeinem Angeſicht geſchlachtet / jh - me ſeine Augen geblendet vnd er in Eyſen vnd Ketten geſchlagen / gefaͤnglich nach Babel gefuͤhret worden 2. Reg. C. 25. 2. Chron. C. 36. Jerem. C. 39. v. 6. & ſeqq. & C. 52 v. 10. & ſeqq.
Wann man nun diß Regieſter der boͤſen gottloſen Koͤnige gegen die Zahl der loͤblichen vnd from̃en haͤlt / ſo ſind dieſer ſehr wenig gegen jene / vnd iſt in andern Welthiſtorien dergleichen viel mehr zufinden / dahero jener Keyſer ſehr wol geſagt:Omnium15Von dem weltlichen Stande. Omnium bonorum Principum imagines in uno annulo ſculpi poſſe. Das iſt; Daß man aller frommen Koͤnige vnd Regenten Bildnuß wol in einen Ringe graben vnd abbilden koͤnne / dahin dann auch D. Lutherus ziehlet / wann er ſchrei - bet / daß groſſe Herꝛn Wildpraͤth im Himmel ſeyn werden.
VIel Koͤnige / Fuͤrſten vnd Regenten haben ſich Anfangs vor vnd nach an - getrettener jhrer Regierung / loͤblich vnd wol gouverniret vnd bezeiget / ſind guͤtig vnd ſanfftmuͤthig geweſen / haben Recht vnd Gerechtigkeit ge - liebet / aber mit der Zeit durch das groſſe Gluͤck / Licentz vnd Herꝛligkeit jh - rer Gewalt ſich allgemach von Gott gewandt / die Gottesforcht vnd Ehrbarkeit zu - ruͤck geſetzet / jhren herꝛſchenden Begierden vnd Affecten den Zügel gelaſſen / vnd allgemach in grewliche Tyrannen degeneriret, ſehr uͤbel regieret / auch ein ſchlechtes Ende genommen. Der Koͤnig Saul ließ ſich im Anfang ſehr wol an / GOtt gabe jhm ein ander Hertz / ſo gar daß er vnter die Propheten geriethe vnd durch den Geiſt Gottes weiſſagte. 1. Sam. Cap. 10. 11. 13. war guͤtig vnd ſanfftmuͤthig gegen die ſo jhn verachtet vnd beſchimpffet. 1. Sam. C. 10. v. fin. & C. 11. v. 13. ließ ſich aber endlich durch die Koͤnigliche Licentz vnd Hoheit bethoͤren / daß er Gottes Wort nicht ach - tet. 1. Sam. Cap. 13. v. 13. vnd wie darumb Gott ſeine Hand wider von jhme abthate / fiehl er auß einer Suͤnde in die ander / vnd ward je laͤnger je aͤrger / wie ſolches ſeine Res geſtæ, Tyranniſche Proceduren vnd elender Beſchluß ſeines Lebens vnd Re - giments im erſten Buch Samuelis bezeuget. Der Koͤnig Rehabeam hielte An - fangs an dem Geſetze / da aber ſein Koͤnigreich beſtaͤttiget vnd bekraͤfftiget war / ver - ließ er das Geſetz deß HErꝛn vnnd gantzes Jſrael mit jhme im 2. Buch der Chron. Cap. 12. v. 3.
Aſſa regierte im Anfang loͤblich / thaͤte was recht war vnd dem Herꝛn ſeinem Gott wol gefiehl. 2. Chron. Cap. 14. v. 1. verbandt ſich aber hernacher mit dem Koͤnig in Aſſyrien / ſetzte ſeine Zuverſicht auff menſchlichen Arm / ward endlich Tyran - niſch / vnd ließ den Propheten Hanani / darumb daß er jhm deß Herꝛn Willen ver - kuͤndete vnd ſeine Vbertrettung verwieſe / ins Gefaͤngnuß legen. 2. Chron. Ca. 16. v. 11. vnd wie er das Podagra bekam / oder wie die Hiſtoria meldet / an ſeinen Fuͤſſen kranck war / vnd dieſe Schwachheit zunahm ſuchte er nicht den Herꝛn ſondern die Aertzte in ſelbigem Cap. v. 12.
Joas16Das ander Buch /Joas that im Anfang ſeiner Regierung was dem Herꝛn wol gefiehl / conti - nuirte auch damit ſo lang der Prieſter Jojada lebete / ſo bald aber dieſer die Augen zuthate / ließ er den Hund hincken. 2. Reg. Cap. 12. ward tyranniſch vnd vndanck - bar / ließ deß Prieſters Jojada Sohn erwuͤrgen / vnd gedachte nicht an die Barm - hertzigkeit die Jojada ſein Vatter an jhm gethan. 2. Chron. Cap. 24. Vſia regierte auch viel Jahr wol / ſiegete wider die Philiſter vnd Araber / zerſtoͤhrete viel jhrer Staͤdte / bawete in Juda Staͤdte vnd beveſtigte Jeruſalem / da er aber maͤchtig worden war / erhub ſich ſein Hertz zu ſeinem Verderben / grieff in ein frembd Ampt der Prieſter vnd wolte raͤuchern auff dem Rauchaltar darumb er mit Außſatz ge - ſchlagen worden. 2. Chron. C. 26. & 2. Reg. C. 14. Der Koͤnig Cyrus war durch den Propheten Eſaiam / dem Volck Gottes ſonderlich verſprochen / regierte Anfangs gar gelind vnd mit Sanfftmuth / mit der Zeit ward er grawſamb vnd endlich gar tyranniſch / Adam. Contzẽ. in ſuo Daniel. ſiv. de ſtar. aulic. Cap. 5. §. 1. in fin.
Der Roͤm. Keyſer Nero war ein verſtaͤndiger hochbegabter Keyſer / regierte Anfangs in die fuͤnff Jahr wol vnd war ſanfftmuͤhtig vnd gelinde / ſo gar / wann er ein Blutvrthel / wie es damahls braͤuchlich war / vnderſchreiben ſollen / er wol ge - ſagt: Mallem me neſcire literas: Jch wolte daß ich nicht ſchreiben koͤndte. Erhub ſich aber nach gehends / ward frech / Crudel vnd ein ſolcher grawſamer Tyrann / der - gleichen nicht viel geweſen / ſo gar daß er einsmahls gewuͤnſchet / daß alle Buͤrger zu Rom einen Halß haͤtten / vnd alle Aexte eines waͤren / damit auff einmahl aller Haͤlſe abgehawen werden koͤndten. (Bodinns de Repub. lib. 4. C. 1. hac de re ita ſcribit. Ipſa imperandi Natura ſæpiſſimè ex hominibus probis improbos, è ſapien - tibus inſanos, è ſtrenuis ignavos, ex humilibus ſuperbos efficit. Quid enim Nero - nisquinquennio, quid Adoleſcentia præclarius? Quid Tyberii principio modera - tius? paulo minus, quam privatum egit: Dominus appellatus à quodam, denun - tiavit, ne ſe amplius contumeliæ cauſa nominaret; adverſus convitia & famoſa de ſe carmina ſubinde jactabat, in libera Republica liberas oportere eſſe linguas: Hoctamen confirmatis lmperii opibus & potentia, nemo crudelior uſquam aut libidinum inaudita fœditate turpior exſtitit. Sic Herodem ſcribit Philo, ſex annos iuſtè imperaſſe, triginta duos crudeliſſimam in omnes tyrannidem exercuiſſe, de qua re plura Bodin. d. loc. de Tyberii ſimulatione vid. etiam Tacit. lib. 1. Ann. Quan - tum mutatus ab illo.
Dem Keyſer Veſpaſiano giebet Cornelius Tacitus das Lob / daß er allein von allen Keyſern die vor jhme regieret / nach angetrettener Regierung beſſer vnd nicht aͤrger worden. (Veſpaſianus, ſolus omnium ante ſe Principũ in melius mutatus. Ta - cit. Annal. lib. 10.
Vnder den Koͤnigen Juda kompt mir jetzo auch nur das Exempel Manaſſe zur Hand / welcher ſein Regiment uͤbel angefangen / nach den Greweln der Hey - den / ſich der Zauberey beflieſſen / auff Vogelgeſchrey / Wahrſager vnd Zeichendeu -ter ge -17Von dem weltlichen Stande. ter geachtet / viel vnſchuldiges Blut vergoſſen / vnd eine tyranniſche Regierung ei - ne geraume Zeit gefuͤhret / gleichwol hat er ſich noch zu letzt zu Gott bekehret / die frembde Goͤtter vnd Goͤtzen auß dem Hauſe deß Herꝛn / vnd alle Altar die er ge - bawet hatte / abgethan / deß Herꝛn Altar zugerichtet vnd darauff geopffert dem Herꝛn Danckopffer vnd Lobopffer / vnd alſo ſein voriges gottloſes Weſen mit ei - nem guten final oder Beſchluß geendet. 2. Chron. C. 33. & 2. Reg. C. 21. vnd iſt dieſer Manaſſes allein nach David zufinden / ſo ſich von Boͤſem ab-vnd rechtſchaffene Buß gethan. Nicol. Cauſſin. in Diſſertat. ad Libr. Reg. Diſſert. 94.
Hierbey iſt aber wol zumercken; wann Manaſſe nit waͤre von dem Koͤnig in Aſſyrien / ſeiner grewlichen Suͤnde halber mit Heeresmacht uͤberzogen / gefangen / mit Feſſeln vnd Ketten gebunden nach Babel gebracht / vnd daſelbſten in der Angſt vnd Noth in ſich geſchlagen vnd durch die Anfechtung zur Demuth vnd Er - kandtnuß gerathen / (vexatio dat intellectum. ) ſondern bey ſeiner Koͤniglichen Wuͤrde / Licentz Freyheit vnd Vppigkeit geblieben / er waͤre ſchwerlich zur emenda - tion kommen / weil es ſonſten ſchwer iſt / alte Hunde / wie das Sprichwort lautet / bendig zumachen.
Achab ließ ſich auff die ſtarcke Straffpredigt deß Propheten Eliæ / etwas an zur Buß vnd Bekehrung / legte einen Sack an ſeinen Leib / ſchlieff darin / faſtete / vnd gieng jaͤm̃erlich daher / daß er auch in etwas Gnade von Gott erhielte. 1. Reg. C. 21. v. 27. aber es war kein Grund darbey / er gieng gar bald wider loß / verließ den Pro - pheten Eliam / ſamblete vier hundert Baals Propheten vnd folgete jhrem Rath vnd ließ den Propheten Micham in den Kercker legen / mit Brod vnd Waſſer deß Truͤbſals ſpeiſen / kam aber in der Schlacht vmb / vnd war ſein Blut von den Hunden gelecket. 1. Reg. Cap. 22.
MOſes hatte das Lob / daß er getrew geweſen im gantzen Hauſe deß Herꝛn / Num. C. 12. v. 7. H br. C. 3. v. 2. dennoch geriethe er auch einsmahls in diffidentz vnd Mißtrawen an Gottes Allmacht / wie er den Felſen ſchlug. Num. C. 11. v. 27. & C. 20. v. 12. & C. 27. v. 14. Deutern. C. 3. v. 26. vnd jhme etliche Wort entfuhren / Pſal. 106. v. 32.
David war zwar ein Mann nach dem Hertzen vnd Willen Gottes / er be - gieng aber nicht ein / ſondern mehr vnd grobe Fehler durch den Ehebruch mit der Bathſeba / deß vnſchuldigen Uriæ Hinrichtung / vnd vermeſſener Zehlung deß Volcks. 2. Sam. C. 11. & C. 24. 1. Chron. C. 22. Salomon war von GOtt mit aller Weißheit uͤber alle Koͤnige auff Erden hoch begabet / hat ſich doch an Gott verſuͤn - diget / daß er ſich nicht allein an gar zu viel Weiber gehaͤnget / 1. Reg. C. 11. welches Gott dem Koͤnig außtruͤcklich verbotten Deut. C. 17. wann er durch Moſen ſpricht der Koͤnig ſoll nicht viel Weiber nehmen; ſondern er vertieffte ſich auch durch die Heydniſche Weiber / die ſein Hertz neygeten zu frembden Goͤttern. 1. Reg. C. 11. Der Koͤnig Aſſa war gottsfoͤrchtig / vnd that was dem Herꝛn ſeinem Gott wol gefiehl / verließ ſich aber doch zu letzt zu viel auff die Aſſyriſche Huͤlffe vnd Buͤndnuß / vnd legte den Propheten Hanani / darumb daß er jhme auff Befehl Gottes ſolches ver - wieſſe / ins Gefaͤngnuß; verließ ſich auch zu viel in ſeiner Schwachheit auff ſeine Leib. Medicos vnd Aertzte vnd ſuchte den Herꝛn nicht. 2. Chron. C. 14. & C. 16. Jo - ſaphat war fromb / ließ Kirchen vnd Schulen viſitiren, beſtellte die Gerichte vnd Conſiſtoria, vnd erlangte durch Gottes Gnade groß Anſehen ber den außwaͤrtigen Koͤnigen / befreundete ſich aber doch vnd haͤngete ſich mit vnhüpſcher Buͤndnuß an den gottloſen abgoͤttiſchen Achab / 2. Chron. C. 18. & C. 19.
Uſia19Von dem weltlichen Stande.Uſia wolte gar zu heilig ſeyn / grieff in das Hoheprieſterliche Ampt / gleng in das Heiligthumb zu raͤuchern auff dem Rauchaltar. 2. Chron. C. 26.
Hiskias ſuchte zwar den Herꝛn mit bußfaͤrtigem Hertzen / erhielt Sieg vnd Gnade / auch durch ſein Gebett 15. Jaͤhrige Verlaͤngerung ſeines Lebens / ward aber bey gutem Gluͤck auch uͤppig / vnd wie die Babyloniſche Geſanden kahmen jhn zu beſuchen / prangete er mit ſeinem Schatz / vnd zeigete jhnen das gantze Schatz - hauß / Silber / Gold / Specerey vnd ſeine Zeughaͤuſſer vnd Rüſtkammern / verſuͤn - digte ſich damit an Gott / darumb jhme der Prophet Eſaias ein ſcharpffe Predig thun muſte. 2. Reg. C. 19. & 2. Eſai. C. 39. Joſia war auch gottsfuͤrchtig / wandelte in den Wegen ſeines Vatters Davids / bekam die Zuſage von dem Herꝛn / daß er jhn wolte ſamblen zu ſeinen Vaͤttern / daß er in ſein Grab mit Frieden ſolte kommen / vnd ſeine Augen das vorhandene Vngluͤck nicht ſehen ſolten. 2. Chron. C. 34. be - gab ſich aber vermeſſentlich in einen vnnoͤthigen Krieg / mit Necho dem Koͤnig in Egypten / verſuͤndigte ſich an Gott / ward toͤdtlich verwundet / ſtarb daran / vnd ward nicht in Frieden geſamblet zu ſeinen Vaͤttern. 2. Chron. Cap. 35. 1. Reg. Cap. 10. 2. Chron. C. 9.
MOſes war ein trefflicher Regent / er war aber an dem Koͤniglichen Hoff Pharaonis in Egypten durch deß Koͤnigs Schweſter wol erzogen / die jhn ſtudieren vnd in aller Weißheit der Egypter informiren vnd vnder - richten laſſen / daß er maͤchtig in Worten vnd Wercken worden / wie jhme deſſen der H. Stephanus Zeugnuß gibt in der Apoſtel Geſchicht am 7. Cap. v. 22. Exod. Cap. 2. v. 10. Sein Succeſſor Joſua war von Moſe auch wol angefůhret / der auch die Haͤnde auff jhn geleget / daß er erfuͤllet worden mit dem Geiſt der Weiß - heit. Num. C. 27. Deut. C. 34 v. 9. Der fromme vnd kluge Richter Samuel / ward zeitlich zu dem Geſetzbuch Gottes deß Prieſters Eli inſtitution vndergeben. 1. Sam. Cap. 2. Der Koͤnig Salomo iſt in ſeiner zarten Jugend dem Propheten Nathan zu guter education vnd Aufferziehung vnder die Hand gebracht. 2. Sam. Cap. 12. v. 25. der ward hernacher ein hochgeprieſener erleuchtigſter Koͤnig deßgleichen nichtCc ijgeweſen.20Das ander Buch /geweſen. Als dieſer Koͤnig / welchen ſein Vatter David wie er auff ſeinem Tode - betthe lage / weiter informirte wie er gottſelig weißlich vnd wol die Regierung fuͤh - ren ſolte / vnd ſprach: Jch gehe hin den Weg aller Welt. So ſey getroſt vnd ſey ein Mann / vnd warte auff die Hut deß Herꝛn deines Gottes / daß du wandelſt in ſeinen Wegen / vnd halteſt ſeine Sitten / Gebott / Rechte / Zeugnuß / wie geſchrieben ſtehet im Geſetz Moſe / im 5. Buch Cap. 17. v. 16. auff daß du klug ſeyeſt in allem was du thuſt vnd wo du dich hinwend ſt. Auff daß der Herꝛ ſein Wort erwecke / das er uͤber mich geredt hat vnd geſagt: Werden deine Kinder jhre Wege behuͤten / daß ſie fuͤr mir trewlich vnd von gantzem Hertzen wandeln / ſo ſoll von dir nimmer gebrechen ein Mannauff dem Stuhl Jſrael / im 1. Buch der Koͤnig. Cap. 2. v. 1. & ſeqq. Von den Koͤnigen in Egypten / die ſich Jſraeliten nennen / vnd jhre Ankunfft von dem Koͤnig Salomo vnd der Koͤnigin Saba auß Reich Arabien / die den Koͤnig Salo - mo einsmahls beſuchet / deduciren wollen / ſchreibet Bodin. lib. 6. de Repub. Cap. 5. daß deren junge Herꝛſchafft vnd Kinder auff dem hohen Berg Anga genandt / in einem veſten wol verwahrten Schloß erzogen / in den freyen Kuͤnſten / Sprachen vnd andern tugendhafften Exercitien vnderrichtet vnd angeführet werden. So bald nun der Koͤnigl. Thron durch Todtsfaͤlle erlediget / wird der tugendhafftigſter vnd geſchicklichſter auß den Koͤniglichen Kindern / den andern vor / vnd zum Regi - ment gezogen. Wie nun eine gute education vnd Kinderzucht / viel gutes wuͤr - cket / alſo ſchaffet eine boͤſe Aufferziehung viel uͤbels. Gar ſtarck ließ GOtt der Herꝛ ſeinem Volck durch den Propheten Ezechiel verweiſen / die uͤbele education vnd Aufferziehung jhrer Koͤnige / daß ſie von jhren Můttern / gleich den Loͤwinnen vnder den jungen Loͤwen / das iſt zu aller Crudelitaͤt vnd Tyranney erzogen / ſo die Leuthe zerriſſen vnd gefreſſen / die Staͤdte verwuͤſtet / daß das Land vnd was darin - nen iſt fuͤr der Stimme jhres Brüllens ſich entſetzet / Ezech. Cap. 19. v. 2. 3. 4. 7. Da - hero Gott die Heyden uͤber ſie geſchickt / die jhnen Gruben gegraben / ein Netz uͤber ſie geworffen / gefangen / ſie in ein Gatter geſtoſſen vnd zum Koͤnig in Babel ge - fuͤhret v. 8. 9. & ſeqq.
Von Ahaſia dem Koͤnig in Juda Jorams jüngſten Sohn meldet die Schrifft daß er gewandelt in den Suͤnden deß Hauſes Achabs / die Vrſache pravæ educationis wird dabey geſetzet / weil ſeine Mutter vom Hauſe Achab jhn darzu ge - halten / erzogen vnd Rath darzu gegeben / daß er gottloß worden. 2 Chron. C. 22. v. 3. & 4. Es iſt die Jugend hohes vnd geringern Standes gleich einem Wachs wie Baſilius Magnus erinnert / was man einmahl darin trucket das bleibt wol /
auch gleich einem newen Haffen oder Geſchirꝛ / was einmahl darin infundiret, dar -von21Von dem weltlichen Stande. von es den Geſchmack an ſich nimbt / denſelben behaͤlt es wol eine gute Zeit vnd iſt ſchwer darauß zubringen.
Der loͤbliche Fuͤrſt Weyland Hertzog Johann Albrecht zu Mecklenburg / iſt in Vffrichtung ſeines Teſtaments ſehr ſorgfaͤltig geweſen wegen ſeiner beyden jun - gen Herꝛn guter Aufferziehung / ſetzet darbey / daß gute education in der jungen Fuͤrſten gantzes Leben vnd kuͤnfftige Regierung ſich erſtrecke / auch nicht weniger daran / als einem ſchweren Bawe / an der Grundfeſte / gelegen.
Was bey den wildeu Thieren / Loͤwen / Baͤhren / Elephanten vnd andern die education vnd Anweiſung thut / ſolches bezeuget ja die taͤgliche Erfahrung / wel - ches der kluge Lycurgus ſeinen Buͤrgern mit einem ſolch n Exempel vorgeſtellet / daß er zwey junge Hunde von einer Art vnd Zucht erzogen / den einen zum Jagen abgerichtet den andern aber nurent zum Fraas bey den Fleiſchtoͤpffen gewehnet / hat ſie beyde hernach im Theatro zum Vorſchein vnd Probe gebracht / zwey Fleiſchtoͤpffe vffgeſetzet / vnd daneben einen lebendigen Haſen lauffen laſſen / da dann der Kuchenhund gleich zum Fleiſchtopff / der abgerichtete aber dem Haſen nachgelauffen. Philippus Cominæus ſchreibet von Koͤnig Ludwig in Franck - reich dem Eylfften / daß die gute education, am Burgundiſchen Hoff / da erſechs Jahr in ſeiner Jugend ſich vffhalten muͤſſen / viel zu ſeiner guten qualification ge - than lib. 1. Comment. (Verba Cominæi allegato lib. 1. ita habent. Mea quidem hæc eſt ſententia, ut arbitrer, eam ſolicitudinem & moleſtiam, in qua juvenilibus annis fuit Ludovicus Rexquo tempore deſerto patre vixit apud Philippum Burgundiæ Ducem, per annos ſex plurimum ei profuit. Nam in eo rerum ſtatu cogebatur ac - commodare ſe & ſervire plurimorum affectibus & providere, ne, quorum opera carere non poterat, eos offenderet, & hoc quidem boni attulit ei fortunæ incle - mentia. Quod ſi fuiſſet educatus ita ut hodiè pleriq́ue Nobiles per Galliam, arbi - tror eum ex illis tempeſtatum fluctibus non fuiſſe emerſurum: Sic enim hodiè complures inſtituuntur, quaſi ad ludum eſſentfacti & jocum: in veſtitu & ſermo - ne nihilfaciunt moderatè aut prudenter: literarum nullam cognitionem habent: viris bonis atque peritis non patet ullus ad eos aditus, &c. Tandem concludit, in - dubitatum eſſe, eos, qui in ulla re unquam excelluerunt, maturè puerilibus an - nis ad eam remacceſſiſſe. Totum hoc conſiſtere primum in benefi - cio Dei, proximè in educatione.
MOſes / wie im vorigen Axiomate gemeldet / war ein trefflicher hochgeprie - ſener Regent / er hatte aber das Zeugnuß in der Schrifft / daß er gelehrt geweſen ſey in aller Weißheit der Egypter / in den Geſchichten der Apo - ſtel / Cap. 7. v. 22.
Die Heldin vnd Richterin Debora ſambt dem Barack ruͤhmen vnd ſingen in jhrem Triumphlied hiervon alſo: Von Machir ſind Regenten kommen / vnd von Sebulon Regierer worden / durch die Schreibfeder / das iſt / ſie ſind wie Moſes / gelehrte / geuͤbte vnd verſtaͤndige Leuthe geweſen im Buch der Richter am 5. Cap. v. 14. vnd wegen jhrer Geſchickligkeit vnd Wiſſenſchafft deß Geſetzes zum Regi - ment kommen / wie es die Sachſen Weimariſche Theologi in jhrer paraphraſi über dieſen Text außlegen.
Samuel vnd Salomon ſind auch gelehrte / in den ſtudiis ſapientiæ wol in - formirte loͤbliche Regenten geweſen / wie gleichfalls in præcedenti Axiomate ge - dacht / vnd bezeugen ſolches Salomonis ſeine herꝛliche Sprichwoͤrter vnd andere Buͤcher. Jn ſeinem Prediger ſpricht er / ich lernete Weißheit / Thorheit vnd Klug - heit Cap. 1. v. 17. Der erſte Roͤmiſche Keyſer Julius Cæſar iſt ein gelehrter beredter vnd erfahrner Herꝛ geweſen / hat ſeine Annales Geſchichte vnd Heldenthaten ſel - ber beſchrieben / mit herꝛlichen moralibus, der nachkommenden Welt / zu guter in - formation geziehret / ſo noch auff dieſe Zeit von Regenten vnd kriegenten Herꝛn vnd Officirern mit groſſem Nutzen geleſen werden / Auguſtus, Titus, (welcher Deli - cium generis humani genandt) Adrianus, Antoninus Philoſophus, Alexander Se - verus, Conſtantinus Magnus, Theodoſius Magnus, Carolus Magnus, ſind gelehrte Herꝛn geweſen vnd haben wolregiert.
Es wil zwar von etlichen darvor gehalten werden / es ſey Koͤnigen / Fürſten vnd Regenten nicht nutz oder reputierlich daß ſie viel ſtudieren / haltens fuͤr Schul - fůchſerey / vnd ſind gleichwol auch alte vnd friſche Exempla vorhanden / daß gelehrte Fuͤrſten vnd Herꝛn Anfangs zwar eine gute / aber endlich eine boͤſe vnd vngluͤck - liche Regierung gefuͤhret. Wie in Nerone der in Sprachen vnd freyen Kuͤnſten von ſeinem Præceptore dem Weltweiſen Seneca uͤberauß wol vnterrichtet / vnd Anfangs ſehr wolregiert / auch andern alten vnd friſchen Exempeln zuſehen vndzumercken.23Von dem weltlichen Stande. zumercken. Nero hat ſeine Kunſt zur Tyranney vnd Boßheit mißbrauchet / deß - gleichen haben gethan / Gallienus, Julianus vnd andere: vid. Theatr. Zwinger. vol. 5. l. 1. p. 1197. Aber hierauff iſt leicht die Antwort zu finden / daß die Geſchickligkeit vnd Wiſſenſchafft an vnd vor ſich / keinen Regenten zu vnloͤblicher Regierung vnd Thaten veranlaſſe / angeſehen die ſtudia einem jeden / was gut oder boͤß / was loͤblich oder thadelhafft / wie andere Regenten von Anbegin der Welt regieret / worůber ſie gelobet oder gethadelt worden / was ſie Gutes zur Nachfolge / vnd Boͤſes zur Ab - ſchew verlaſſen / vor Augen ſtellen: daß aber etliche gelehrte Herꝛn uͤbel regiert / kompt ex Accidenti, iſt ein Mißbrauch vnd kan den loͤblichen ſtudiis nicht beyge - meſſen werden / (Doctrina omnibus mortalious honori eſt. Neand.) Man muß al - lenthalben den Mißbrauch von dem rechten Gebrauch vnderſcheiden. Was gutes in Kuͤnſten lernen vnd recht gebrauchen hat noch keinem geſchadet oder zu Schan - den gemacht / ſondern vielen genutzet vnd herꝛlich gemacht. Jns gemein aber kompt der Mißbrauch daher / daß die Herꝛn nicht das Quod decet, ſondern das / Quod li - bet, licet, vorziehen vnd bey ſich prævaliren laſſen / vnd dann daß ſie auff jhre eygene Wiſſet ſchafft vnd erudition gar zu viel ſich verlaſſen / vnd meynen / ſie wiſſen es vor ſich allein alles beſſer als jhre Raͤthe / verachten dieſelbe vnd werden ſtoltz / darauff er - folgte dann Gottes Straff vnd Verblendung in Rathſchlaͤgen vnd Handlungen / da heiſt es dann / wie Syrach lehret vnd ſpricht: Gott wirfft die hoffaͤrtige Fuͤrſten vom Stuhl herunder vnd ſetzet demuͤthige drauff. Syr. Cap. 10. v. 17.
Vnd habe ich hiervon mit mehrerm in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccle - ſiaſt. lib. 2. claſ. 1. cap. 4. n. 6. & ſeqq. uſque ad n. 14. Hierbey iſt gleichwol dieſes zu ad - vertiren, daß es nicht eben ſo hoch vonnoͤthen / daß ein junger Herꝛ / ſich lang mit der Grammatic vnd andern Schulſachen ſchleppe / oder ſelber gar Grammaticen ſchreibe / vnd damit ſeinen zu hoͤhern Geſchaͤfften von Gott verliehenen Eſprit, Ver - ſtand / vnd die edle Zeit verbringe; (Nolointerim Principem, cui multa incum - bunt ſe totum & omnibus ſtudiis dare. Teneat cum Agricola exſapientia modum, & ex Præcepto citati Euripidis, non omnia ſciat, ſed quæ civitati & muneri ſuo utilia ſunt. Sufficiuntilla quæ eum commendant & iuvent. Ariſtot. 5. Politic. c. 11. & ex eo eleganter Jacob. Levecot in obſervat. Politic. ad Sueton. Cai. Jul. Cæſ. vid. & Tacit. lib. 12. Annal.) ſondern ſolchen ſtudiis oblige / darauß er deren Dinge Wiſſenſchafft zuſchoͤpffen vnd zulernen / die einem verſtaͤndigen Regenten / zu loͤb - licher weiſer Regierung bey Friedens vnd Kriegszeiten / in ſeinen Handlungen ein Liecht geben / nutzlich vnd noͤthig ſeyn koͤnnen / daß er nemblich verſchledene Spra -chen wiſſe /24Das ander Buch /chen wiſſe / in Hiſtorien vnd Geſchichten wol beleſen ſeye / (Hiſtoria teſtis tempo - rum, lux veritaris, Magiſtra morum & frænum improbitatis. ) dann auß denen Dingen / die vorhin wol oder uͤbel in der Welt außgangen / kan man ſich in gegen - waͤrtigen Zuſtaͤnden vnd occurrentien weißlicher vnd alſo gouverniren, daß man auch das kuͤnfftige vnd was bey dergleichen Begebenheit geſchehen oder erfolgen koͤnne / erwege vnd in guter diſpoſition ſtelle / darzu der Koͤnig Cyrus bey dem Xeno - phonte ſeine Soͤhne auff ſeinem Todtbeth ermahnet. Jmgleichen verſtaͤndiger Politicorum ſcripta durchlauffen / auch in Matheſi ſich etwas uͤben / vnd darauß die Baw - vnd fortification-Kunſt lernen / die in viel Wege bey Frieden vnd Krieg ei - nem Regenten ſehr erſprießlich vnd wol anſtehet.
Alexander Magnus hat den Homerum, wann er ſchon zu Felde gezogen mit ſich gefuͤhret; Carolus V. hat deß Philippi Cominæi Commentarios ſehr fleiſſig ge - leſen / auch offt bey ſich gehabt / vnd wie Thuanus meldet / zuſagen pflegen / ſepruden - tiſſimi equitis Cominæi lectione maximoperè delectatum fuiſſe. lib. 14. Hiſtor. circ. fin.
DIß Axioma hat auch ſeinen richtigen Grund / gleich dem vorigen in der Epiſtel S. Paulian die Roͤmer Cap. 13. in dem er ohne Vnderſcheid ſetzet / daß keine Obrigkeit boͤſe oder gut ſey / ohne von Gott; welche univer - ſalis negativa keinen Abſatz geſtattet / vnd iſt gewiß daß vmb ſelbige Zeit / wie S. Paulus die Epiſtel geſchrieben / keine Chriſtliche / ſondern Heydniſche vnd Abgoͤt - tiſche Obrigkeit / der grewliche Tyrann Nero vnd ſeines gleichen uͤber die Chriſten geherꝛſchet vnd dieſelben hart verfolget / dannoch derſelben Gehorſamb zu leyſten / nicht allein vmb der Straffe ſondern auch deß Gewiſſens willen / gebotten Dahin ziehlet auch S. Petrus in ſeiner 1. Epiſtel Cap. 2. v. 13. wann er lehret: Seyd vnder - than aller menſchlichen Ordnung / vmb deß Herꝛn willen / es ſeye dem Koͤnig / ꝛc.
Es iſt auch auß vielen Exempeln ſolches offenbahr. Ob wol das Volck Gottes vurecht thate vnd wider Gottes Willen / daß ſie einen Koͤnig begehrten. Nach dem mahl aber jhnen GOtt den Saul zum Koͤnig gegeben vnd beſtaͤttiget hatte / wurden die jenige die wider Saul geredt hatten / fuͤr Rebellen / Verletzer der hohen Majeſtaͤtt vnd ſolche loſe Leuthe gehalten / die deß Todts wuͤrdig waren. 1. Sam.25Von dem weltlichen Stande. 1. Sam. Cap. 9. v. 27. & Cap. 11. v. 13. Den abgoͤttiſchen Koͤnig Nebucadnezar / ohn - erachtet er das gelobte Land uͤberzogen / den Tempel zu Jeruſalem auß gepluͤndert / die zum Gottesdienſt geheiligte Gefaͤſſe hinweg gefuͤhret / die jenige ſo ſein abgoͤt - tiſches Bild nicht anbetten wolten in den fewrigen Offen werffen laſſen. Daniel. Cap. 3 hat Gott dannoch ſeinen Diener genennet / Jerem. Cap. 25. v. 9. & Cap. 27. v. 6. vnd durch den Propheten Baruch dem Juͤdiſchen Volck befohlen / vor jhn vnd die Seinigen / daß jhm Gott eine gluͤckliche Regierung geben wolle / zu bitten vnd zu betten / Baruch Cap. 1. v. 11. & ſeq. Der Prophet Jeremias nennet den gottloſen Koͤnig Zedekiam ſeinen Herꝛn. Jerem. 37. v. 20. David nennet den gottloſen / vnd allbereit von Gott verworffenen Koͤnig Saul in der groͤſſeſten Verfolgung den Geſalbten deß Herꝛn / item / ſeinen Herꝛn Koͤnig vnd Vatter. 1. Sam. Cap. 24. v. 7. 9. 11. &. 12. Et Cap. 26. v. 9. (Eraſm. Roterd. in paraphraſi ad ca. 13. Epiſt. ad Rom. Poteſt as illa inquit, à Deo proficiſcitur. Proinde qui Principi aut Magiſtratui etiam impio & Ethnico ſuo fungentiofficio reſiſtit, is non reſiſtit homini fungenti, ſed Deo à quo proficiſcitur omnis auctoritas. Et qui perturbant hunc ordinem, Deo auctori repugnant, & qui repugnant Deo, merito pœnas luent. Nec publicus ſta - tus poteſt ſubſiſtere niſi Magiſtratibus ſua deferatur auctoritas ob communem Reip. neceſſitatem.)
Pilatus war ein vngerechter Richter / dannoch erſchiene Chriſtus fuͤr jhme zu Gerichte / vnd gab jhme noch das Zeugnuſſe / daß er von Gott ſeinem himmli - ſchen Vatter die Gewalt haͤtte jhn zu verurtheilen. Der Apoſtel Paulus appellirte von deß Landpflegers Feſti vngerechtẽ Vrthel an den Keyſer Neronem, ſo / wie ge - meldet ein gottloſer Tyrann war / welchen er damit in cauſa civili vor ſeinen Herꝛn / Oberhaupt vnd Richter erkandt. Actor. 25. v. 11. Fromme gottſelige Obrigkeit iſt zwar hoch zu wuͤnſchen vnd von Gott zu bitten / gleichwol eine jede vnd auch die wunderliche zu toleriren, zu dulden vnd jhro Gehorſamb zu leiſten. 1. Per. Cap. 2. v. 18. (Boni Principes voto quidem expetendi, qualeſcunq́ue autem tolerandi ſunt. Cornel. Tacit. lib. 20. Annal. Quò pettinet illud Juſtiniani Imperat. dicentis: Et - iamſi Legum contemptor eſt, tamen pater eſt. Novell. 12. c. 2. in fin. cum quo con - cordat text. in his terminis. 1. Sam. Cap. 24. v. 12. Den gottloſen gefangenen Juͤdi - ſchen Koͤnig beklaget der Prophet Jeremigs dannoch ſehr beweglich / wann er ſpricht: Der Geſalbte deß Herꝛn der vnſer Troſtwar / iſt gefangen worden / daß wir vns troͤſteten / wir wolten vnder ſeinem Schatten leben vnder den Heyden. in den Klaglied. Jerem. Cap. 9. v 20. Dieſes iſt zwar gewiß / daß Gott aller Tyranney vnd Vngerechtigkeit feind vnd kein Gott / als der Gott deß Gerechten iſt. Deut. Cap. 33. v. 26. ſo laͤſſet ers doch geſchehen / ſchickets vnd ordnets auch offt alſo / wann er ein Koͤnigreich / Land vnd Leuthe ſtraffen wil / daß er in ſeinem Zorn einen wuͤtri - gen vnd tyranniſchen Koͤnig vnd Regenten ſchicket. Hoſeæ. Cap. 13. v. 11. Dedi tibi Regem in furore meo. Daß zuweilen Kinder Treiber ſeines Volcks ſind / vndDdWeiber26Das ander Buch /Weiber uͤber ſie herꝛſchen. Eſai. Cap. 3. v. 12. Dannoch obſchon der gerechte GOtt / ſolch der Tyrannen auch vntuͤchtiges Kinder vnd Weiber Regiment / zu weilen zur Straff verhaͤnget / damit er durch ſolche Regenten ſeinen gerechten Willen vnd Raach vollbringe / (Deus prout vult aliquam gentem affligere, tribuit illis Princi - pem. Cominæ. lib. 7. Comment. circ. fin. Nec ulla maioriclade affligere poteſt po - pulum, quam ſi Principem præficiat eiſtolidum. Idem Comin. lib. 3. laͤſſet er ſich doch die Tyranney vnd andern vnordentlichen Gewalt vnd Regiment nicht ge - fallen / wie er ſelber bezeuget bey dem Propheten Eſaia / da er ſpricht: O wehe Aſſur / der meines Zorns Ruthe / vnd jhre Hand meines Grimmes Stecken iſt. Cap. 10. v. 5. Sie ſind Flagella vnd Ruthen Gottes. Jere. Cap. 7. v. 11. welche er / nach dem er ſie zur correction gnugſamb gebrauchet / ins Fewer wirfft / vnd mit ewigem hoͤl - liſchen Fewer endlich verbrennet. Hiervon hab ich mit mehrerm gehandelt in Tractat. de Regimine Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 1. c. 3. vid. ſupr. Axiom. 3.
MOſes ward von Gott ſelber zu einem Hertzog / Führer vnd Richter deß Volcks Jſrael erwoͤhlet. Exod. 3. & 4. Cap. wie er vermerckte daß er ſei - nen Lauff vollendet / hundert vnd zwoͤlff Jahr hinder ſich geleget hatte / er - woͤhlete er auff Gottes Befehl zu ſeinem Succeſſoren am Regiment den ſtreitbahren Helden Joſuam. Deut. Cap. 21. Nach Joſua ward Juda von GOtt zum Richter vorgeſchlagen vnd von dem Volck einhellig acceptirt vnd angenom - men. Judic. Cap. 1. vnd ſind hernacher die nachfolgende Richter ins gemein von den Kindern Jſrael auff ſonderbahre Offenbahrung vnd beliebte Wahl zu jhrer Ob - rigkeit erwoͤhlet / vnd angenommen worden / wie im Buch der Richter zu finden. Als nun die Kinder Jſrael der Richter muͤde waren / den frommen Samuel ver - warffen vnd nach der Voͤlcker vnd Heyden Weiſe einen Koͤnig vnd Regentenhaben27Von dem weltlichen Stande. haben wolten. 1. Samuel. Cap. 8. erwoͤhlete jhnen Gott ſelber durch Samuel zum Koͤnig den Saul / der war / wie die Schrifft redet / ein junger feiner Mann / vnd war kein feiner vnder den Kindern Jſrael / eines Haupts laͤnger dann alles Volck. 1. Samuel. Cap. 9. & C. 10. als aber dieſer Anfangs hochgeprieſener Koͤnig / Gottes Gebott vnd Rechte auß den Augen ſatzete / vnd tyranniſch ward / verwarff jhn Gott. 1. Sam. Cap. 15. vnd erwoͤhlete den Sohn Jſai / David / vnd ließ denſelben durch Samuel zum Koͤnig ſalben. 1. Samuel. Cap 16. Hiemit hat das freye Wahl - recht dero Zeit bey dem Volck Gottes ein Ende genommen: Dann als David / alt / kalt / vnd Lebens ſatt war / ſchrieb er einen Reichstag auß / recommendirte den Reichsſtaͤnden ſeinen Sohn Salomo. 1. Chron Cap. 29. v. 8 rieff kurtz fuͤr ſeinem Ende den Prieſter Zadack / den Propheten Nathan / vnd den Feldhauptman Be - naia / ließ ſeinen Sohn Salomo auff ſein Leib-Maul ſetzen / zum Koͤnig ſalben vnd durch Poſaunen Schall proclamiren. 1. Reg. Cap. 1. v. 33. & ſeqq.
Dieſem ſuccedirte gleichſamb durch Erbrecht ſein Sohn Rehabeam / ver - darbes aber mit dem Volck durch vngnaͤdige viel zu rawe Erklaͤrunge / dahero ze - hen Staͤmme Jſrael von jhm abfiehlen / nahmen durch eine offene freye Wahl den Jerobeam zu jhrem Koͤnig an. 1. Reg. Cap. 12. vnd ſind nachgehends mehrentheils die Koͤnige Juda vnd Jſrael durch Erbrecht zu dem Koͤniglichen Thron gelanget / wie in den Buͤchern der Koͤnige vnd Chronicken zuſehen. Durch eine frey willige Wahl / haben die Maccabeer den Simon wegen ſeiner Frommigkeit vnd Trewe die er dem Volck erzeiget hatte / zu jhrem Herꝛen / Haupt vnd Regenten erwoͤhlet im 1. Buch der Machab. Cap. 14. v. 35. wie auch vor jhm ſeine Bruͤder Judam vnd Jonathan. Durch die Waffen ſind auch viel zum Regiment / Koͤnigreichen / Lan - den vnd Leuthen kommen. Darbey aber dieſer Vnderſcheid in acht zunehmen / ſind die Waffen gerecht / das iſt / wann dieſelbe auß Gottes Befehl / auß rechtmaͤſſigen Vrſachen von einem Koͤnig Fuͤrſten vnd Volck die das jusarmorum oder Befuͤg - nuß deren haben / wider einen andern der jhnen darzu Vrſach gibt / ergrieffen / als - dann kan der Victor vnd obſiegender Herꝛ / die beſtrittene / vnd erſtrittene Lande vnd Leuthe ſich vnderthan vnd ſchatzbar machen / vnd alſo jhr Herꝛ vnd Regent wer - den vnd ſeyn / (ut hoſtium vita ſic & bona in poteſtate victorum ſunt, qui iuſto bel - lo vicerunt. Thom. Henrici de Bell. c. 21. vid. Alber. Gentil. vid. Groti. de jur. Bell. lib. 3. cap. 4. & aliquot ſeqq. Cauſſinus dicta Diſſertat. 5.) Auff GOttes Befehl hat uͤberzogen Joſua die gottloſen Koͤnige Canaan / vnd machte durch ſeine ſiegreiche Waffen ſich deren veſte Staͤdte / Land vnd Leuthe vnderthan. Joſ. C. 6. & ſeqq.
Durch gerechte Waffen beherꝛſchete der Koͤnig David die Moabiter den Hadadeſer vnd die Syrer / daß ſie jhme vnderthaͤnig wurden vnd den Tribut geben muſten. 2. Samuel. Cap. 8. wie ingleichem die Ammoniter. 2. Samuel. Cap. 10. Durch reſpect ſeiner Waffen vnd groſſer Gluͤckſeligkeit machte Salomon die uͤbri - ge Voͤlcker / die ſich noch widerſetzt gehabt / zinßbahr. 1. Reg. Cap. 9.
Dd ijJnglei -28Das ander Buch /Jmgleichen wann ein Koͤnigreich vnd Volck ſich ſeinem Koͤnige vnd Herꝛn widerſetzet / iſt derſelbe befugt / ſie mit den Waffen zum Gehorſamb zu bringen / darvon in ſpecie gehandelt vnderm Titul vom Bibliſchen Kriegsrecht / Axiom. 133.
Sind aber die Waffen vngerecht / da einer mit Liſt / lauter Gewalt vnd Betrug / allein per rationem ſtatus ein Koͤnigreich / Volck / Land vnd Leuthe an ſich ziehen wil / ſo kan dieſer modus keine ordentliche Obrigkeit geben / wie in nach folgendem Axiom. 14. geſetzet / vnd vnder gemeldtem Titul vom Bi - bliſchen Kriegsrecht Axiom. 143. etlicher maſſen gehandelt. Es waͤre dann / daß die mit Liſt vnd Gewalt bezwungene Vnderthanen endlich in eine ſolche Obrigkeit verwilliget / derſelben Gehorſamb zuleiſten verſprochen / vnd ſich dero mit Hulden vnd Pflichten verwandt gemacht. That derowegen Joia - kim der Koͤnig in Juda vnrecht / daß er von dem Koͤnig Nebucadnezar / der jhn mit den Waffen beherꝛſchet vnd ſich Pflichtbahr gemacht / daß er wider Trewe vnd Pflicht abtruͤnnig ward / deßwegen er von newem gefangen vnd gen Ba - bel gefuͤhret. 2. Reg. Cap. 24. vnd als der Koͤnig Zedekia an ſeine ſtatt kahme / vnd auch wider geleiſteten Eyd abtruͤnnig ward / gienge es jhme nicht beſſer / ſon - dern noch aͤrger. d. Cap. 24. & 25. & 2. Chron. Cap. 36. v. 10. Jerem. Cap. 39. & 52. Obwol Abimelech durch Tyranney vnd Brudermord das Regiment ergrieff vnd nachgehends die Sichemiten in ſeine Regierung verwilligten / ſind Gaal vnd die zu Sichem nicht vngeſtrafft blieben / daß ſie wider jhn rebelliret vnd vffgeſtanden / ſondern hat Abimelech durch GOttes Verhaͤngnuß den Gaal vertrieben / die Sichemiten erwuͤrget / die Stadt zerbrochen vnd Saltz darauff geſaͤet. Judic. Cap. 9. wiewol er ſelber bald den Lohn ſeiner Tyranney bekame. eod. Cap. Hiervon hab ich etwas mehr geſchrieben in meinem Tractat. de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 1. cap. 5. n. 13. & ſeqq.
VOn dem Koͤnig Joſaphat meldet die Schrifft / daß er ſeinen Sohn Jo - ram / weil er der erſtgebohrner geweſen das Koͤnigreich gegeben / den an - dern Soͤhnen aber ein Deputat gemacht / von vielen Gaben / von Silber /Gold29Von dem weltlichen Stande. Gold vnd Kleinodien / mit feſten Staͤdten in Juda. 2. Chron. Cap. 21. Von dem Recht der Erſtengeburth vnd welcher geſtalt dieſelbe den Vorzug habe / iſt mit mehrerm gehandelt im dritten Buch vom Haußſtande. Axiom. 36. & ſeqq. David erwoͤhlete zum Koͤnigreich auß allen ſeinen Soͤhnen / deren er viel gehabt / wie er ſelber auff dem Reichstage conteſtiret. 1. Chron. Cap. 29. v. 51. den Salomo allein / vnd præſentirte denſelben dem Volck / wiewol er nicht der aͤlteſte war. 1. Chron. d. Cap. 29. Der Koͤnig Rehabeam erwoͤhlte auß allen ſeinen Soͤhnen deren er 28. ge - habt den Abta / den Sohn Mancha zum Haupt vñ Fuͤrſten vnder ſeinen Bruͤdern / daß er nach jhme Koͤnig würde. 2. Chron. Cap. 11. v. 22. Abraham vermachte ſein Gut dem Jſaac / den andern Kindern gab er Geſchencke vnd ließ ſie von Jſaac zie - hen weil er noch lebete. Geneſ. Cap. 25. Die Zertheil - vnd Zerſtuͤcklung der Koͤnig - reich / Land vnd Leuth / bringet viel Vngelegenheit / der reſpect wird geringer / kan auch bey Vermehrung der Regenten innerliche Zwytracht in Religion - vnd Pro - phan-Sachen vnd endlich Krieg entſtehen. Als Saul / David vnd Salomon uͤber das gantze Jſraelitiſche Volck allein regierten / war das Koͤnigreich in groſſem An - ſehen / ſonderlich bey Salomons Zeiten / ſo bald aber nach deſſen Todt es ſich zer - theilte vnd die zehen Staͤmme von Rehabeam vnd dem Hauſe Juda abfiehlen / ward nicht allein der reſpect geringer / ſondern erfolgete darauff Enderung in der Religion vnd Ceremonien wie auch jnnerlicher Krieg. 1. Reg. Cap. 12. & ſeqq. 2. Chron. C. 11. & ſeq. vid. Tractat. meum de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 1. claſſ. 4. c. 17.
ES haben die Politici gar wol advertiret, vnd bezeugen es auch die Bibliſche vnd andere Hiſtorien vnd Geſchichte / daß faſt die groͤſſeſte Monarchien, Reiche vnd Gewaͤlte durch Liſt / Tyranney vnd vngerechte Waffen auff - kommen / ſtabilirt vnd erhalten worden / daher dem Propheten Daniel / dieDd iijvier30Das ander Buch /vier Monarchien in Geſtalt vier grawſamer grimmiger Thier / als Loͤwen / Baͤh - ren / Parthen vnd in anderer vngehewren Thiers Geſtalt / mit Adlers Fluͤgeln / groſ - ſenlangen Zaͤhnen vnd grawſamen Eygenſchafften im Geſicht repræſentiret vnd vorgebildet wordẽ (geſtalt ſie dann auch ins gemein ſolche grawſame Thier in jhren Wapen führen /) ſonderlich aber das vierdte Thier / dardurch die vierdte gewaltigſte Monarchi angedeutet / daß es grewlich / ſchrecklich vnd ſehr ſtarck / mit groſſen ey - ſern Zaͤhnen / vmb ſich gefreſſen / zumalmet vnd das uͤbrige mit ſeinen Fuͤſſen zu - tretten / welches hernacher der Prophet deutet / daß dieſes Reich maͤchtiger ſeyn wuͤrde / dann alle Reich / es wuͤrde alle Land freſſen / zutretten vnd zumalmen. Da - niel. Cap. 7. Dahero dann die gewaltige Koͤnigreiche / Aſſyrien / Babylon vnd E - gypten in dem 76. Pſalm. v. 5. Raubeberge / wie es D. Luther recht außleget / genandt werden / welche die vmbligende Land mit Streit vnd Waffen an ſich gebracht vnd geraubet.
Gleich in der erſten Welt trachtete der verwieſene gottloſe Cain darnach / wie er veſte Staͤdte bawete / vnd mit Gewalt vnd Vnrecht einen Dominat vnd Herꝛſchafft anrichtete. Gen. 4. v. 17 vnd wurden ſeine Nachkommen allgemach Ty - rannen vnd Gewaltigen in der Welt. Gen. 6. v. 4.
Nach der Sündfluth poſterirte auß der radice oder Wurtzel deß verfluchten Chams der Nimroth / (Nimrodus, id eſt, amarus Dominator.) (Nemo unquam imperium flagitio quæſitũ bonis artibus exercuit Tacit. lib. 17. annal. ) der riß alles mit Tyranney an ſich vnd fieng an ein gewaltiger Herꝛ zuſeyn auff Erden / vnd ein gewaltiger Menſchenjaͤger. Gen. Cap. 10. Mit Gewalt machte Eglon der Moabi - ter Koͤnig die Kinder Jſrael ſich vnderthan. Judic. Cap. 3. Durch Tyranney ergrieff Ahimelech Gideons Sohn das Regiment in Jſrael vnd ließ ſiebentzig ſeiner Bruͤ - der vnſchuldig erwuͤrgen Jud. Cap. 9. Gleicher geſtalt trachtete Simri der Obriſte deß Koͤnigs Ella nach dem Koͤnigreich Jſrael / nahm der occaſion wahr / da ſein Koͤnig wol beraͤuſcht vnd truncken war im Hauſe Arza deß Vogts zu Tirza / gieng er zu jhm hinein vnd brachte denſelben vmb. 1. Reg. Cap. 16. Alſo that auch Sallum der Sohn Jabes / der machte einen Bund wider den Koͤnig Sachariam / ſchlug jhn vor dem Volck vnd ward Koͤnig an ſeine ſtatt. 2. Reg. Cap. 19. Durch Mord vnd Vertilgung deß Koͤniglichen Saamens ergrieff die tyranniſche Koͤnigin A - thalla das Regimentim 2. Buch der Koͤnig. Cap. 11.
Der Meuchelmoͤrder Jſmael der Sohn Nethania auß Koͤniglichem Stam̃ erlangete auch durch Mord deß Gedalia vnd anderer Jſraeliten einen Dominat uͤber dieſelbe. Jerem. Cap. 41. Durch Liſt vnd Tyranney iſt Antiochus genandt der Edle / nach dem er auß Rom heimblich entrunnen / Koͤnig worden / darvon D. Lu - ther in ſeiner Vorrede uͤber den Propheten Dantel alſo ſchreibet: Das iſt der letzte Koͤnig darvon Daniel ſchreibet / das edle fromme Kind / das alles mit Liſten vnd Tuͤcken / Luͤgen vnd Triegen / nicht als ein Koͤnig / ſondern als ein loſer Bube han -delt /31Von dem weltlichen Stande. delt / daß er auch nach keinem Schein der Ehren fragete / trachtete ſeiner Schweſter deß Koͤnigs in Egypten Soͤhne / vnderm Schein Vormundſchafft nach Land vnd Leuthen / brachte auch deren mit Betrug theils an ſich / wie in gemeldter Vorrede Lutheri weiter zuleſen.
Mit Liſt vnd Tyranney brachte Ptolomeus ſeines Tochtermanns deß Ale - xandri Koͤnigreich / Land vnd Leuth an ſich. Jm 1. Buch der Maccab. Cap. 11. v. 1. & ſeqq. Betruͤglicher liſtiger weiſe fuͤhrete Tryphon den jungen Antiochum hin vnd her im Land / biß er jhn heimblich toͤdtete vnd ſetzte hernach die Cron auff ſein Haupt im 1. Buch der Maccab. Cap. 13. v. 3.
ALs nach Eroberung der Stadt Jeruſalem vnd gefaͤnglicher Abfuͤhrung deß Koͤnigs Zedekia der victoriſirende Koͤnig Nebucadnezar den Gedaliam auß dem Volck Gottes zum Regenten uͤber daſſelbe geſetzet / hat er ſein Volck / alſo angeredet: Fuͤrchtet euch nicht vnderthan zuſeyn den Chaldeern / bleibet im Lande vnd ſeyd vnderthaͤnig dem Koͤnig von Babel / ſo wirds euch wol gehen. 2. Reg. Cap. 25. v. 24. Jerem. Cap. 40. v. 9. Als Siſack Jeruſalem einahm vnd pluͤnderte / war GOttes Befehl / daß ſie demſelben vnderthan. ſeyn ſolten. 2. Chron. Cap. 12. v. 8.
Als auff Gottes Befehl der Prophet Jeremias den Abgeſandten der fuͤnff Koͤnige in Edom / Moab Ammon / Tyro vnd Zidon ein Joch præſentirte, daneben jhren Herꝛn Principaln zur newen Zeitung anzubringen begehrte / daß der Groß - maͤchtige Aſſyriſche Koͤnig zu Babel / Nebucadnezar durch ſonderbahre Verhaͤn - gnuß Gottes ſie uͤberziehen vnd beherꝛſchen wuͤrde / hat er auch dieſes als ein ohn - fehlbahr prognoſticon verkuͤndet: welch Volck vnd Koͤnigreich dem Koͤnig nit die - nẽ wuͤrde / vnd wer ſeinen Halß nit wuͤrde vnder das Joch deß Koͤnigs zu Babel ge - ben / ſolch Volck wolte der Herꝛ heimſuchen / mit Schwerdt / Hunger vnd Peſti - lentz / biß daß er ſie durch ſeine Hand vmbbraͤchte / welch Volck aber ſeinen Halß er - geben wuͤrde vnder das Joch deß Koͤnigs zu Babel / das wolte er in ſeinem Landelaſſen /32Das ander Buch /laſſen / daß es daſſelbe bawe vnd bewohne / ſpricht der Herꝛ Jerem. Cap. 27. v. 8. & ſeqq.
ALs der vngerathene Sohn Abſolon ſeinem Vatter / Koͤnig vnd Herꝛn / dem David nach der Koͤniglichen Cron trachtete / vnd das Koͤnigreich an ſich reiſſen wolte / machte er ſich deß morgends fruͤhe auff / vnd trattan den Weg beym Thor / gab acht auff die Leuthe / die eine Sach bey dem Koͤnig fuͤr Ge - richt anzubringen hatten / ſprach jhnen freundlich zu / ließ ſich von allen Vmbſtaͤn - den informiren, vnd berichten / ſymcerirte vnd ſagte zu einem jeden: deine Sach iſt Rechtẽ vnd ſchlecht / aber du haſt keinẽ Verhoͤrer vom Koͤnige O wer ſetzt mich zum Richter im Lande / daß jederman zu mir kaͤme der eine Sach hat / daß ich jhm zum Rechtẽ huͤlffe / vnd wañ jem and ſich zu jhm thaͤte / daß er jhn wolte anbetten / ſo recket er ſeine Hand auß / ergrieff jhn vnd kuͤſſet ihn. Auff ſolche Weiſe that er dem gantzen Jſrael / wann ſie kamen fuͤr Gericht zum Koͤnige / vnd ſtahl alſo das Hertz der Maͤnner Jſrael. Wie er nun auff ſolche Weiſe die Gemuͤther deß gemeinen Man - nes vorhin gewonnen / vnd an ſich gezogen / gab er vor / daß er ein Geluͤbd ſo er dem Herꝛn gethan / zu Hebron außzurichten / vnd ließ durch Poſaunenſchall ſich zum Koͤnige außruffen. 2. Sam. Cap. 15.
Sanherib der gewaltige Koͤnig zu Aſſur / zohe nicht allein mit groſſer Heeres - macht / offentlicher Hoſtilitaͤt vnd Grawſambkeit wider den Koͤnig Hiskia die Stadt Jeruſalem zu emportiren, zu erobern / vnd gantz Juda vnder ſeinen Domi - nat vnd gewaltiges Joch zubringen / ſondern er gebrauchte darzu auch Liſt vnd Be - trug / ließ durch ſeine Knechte / deß Hiskia gefuͤhrte Koͤnigliche actiones vnd Re - gierung beneben ſeiner Perſon odiôs vnd verhaßt machen / welcher geſtalt derſelbe uͤbel bey dem Volck Juda gehandelt / bey angetrettener Regierung jhre Hoͤhen vnd Altar weg gethan / die Religion geaͤndert / vnd zu Juda vnd Jeruſalem geſaget: Fuͤr einem Altar ſollet jhr anbetten vnd darauff raͤuchern: ſyucerirte daneben durch ein offentlich manifeſt gantz Juda ſo zu Jeruſalem war / daß jhr Koͤnig ſie uͤberredẽ /auffſe -33Von dem weltlichen Stande. auffſetzen / vnd in den Todt / Hunger vnd Noth bringen wolte / ſolten derowegen von jhrem Koͤnig abſtehen / vnd ſich Sanherib ergeben. 2. Chron. Cap. 32. Es hat Sanherib durch dieſe manifeſtirte Synceration ſo viel dem Volck wollen zu verſte - hen geben / wann ſie ſich gutwillig ergeben / ſie nicht allein einen guten accord er - halten / ſondern einen beſſern Koͤnig an jhm haben / der jhnen die Vbung voriger Religion vnd Gewiſſens-Freyheit verſtatten / die von Hiskia zerſtoͤhrte Hoͤhen vnd Altaͤre wider auffzubawen / jhren vorigen Goͤtzendienſt darbey haben zu continui - ren, geſtatten wuͤrde.
ES bezeugens zwar Geſt - vnd Weltliche Hiſtorien / daß die Monarchien / Koͤnigreich / Herꝛſchafften vnd Gewaͤlte auff Erden / jhren Vrſprung durch Gewaltſambkeit der Waffen / Vberfall / Invaſion vnd Vberziehung Land vnd Leuthe genommen / auch durch die Waffen ſtabilirt vnd beſtaͤtti - get worden / welches Bodinus vnd andere Politici der Laͤnge nach auß fuͤhren / (vid. Bodin. de Republ. lib. 4. c. 1.) dahin ich mich remittire, vnd wil nurent meinem pro - pos nach / etliche Exempel auß der Bibel anziehen. Mit Blutvergieſſen vnd Ty - ranney kam Abimelech Gideons Sohn zum Regiment uͤber das Volck Jſrael / nahm aber ein ſchlecht Ende / in deme er von einem Weib mit einem ſtück vom Muͤhlſtein getroffen / vnd durch ſeinen eygenen Knaben erſtochen ward. Judic. C. 9. Abſolon der vngerathene Sohn / trachtete ſeinem Vatter David mit Behend - vnd Scheinheiligkeit nach der Cron / reyſete gen Hebron vnderm prætext eines Ge - luͤbds / ließ ſich aber daſelbſten zu einem Koͤnig proclamiren, treibet ſeinen Vatter von der Koͤniglichen Reſidentz zu Jeruſalem / daß er ſich zu Fuß in die Flucht bege - ben vnd ſalviren muß / verfolget jhn darneben mit einem Kriegsheer / vnd wil ſeine Herꝛſchafft vnd Dominat mit den Waffen befeſtigen / blieb aber an einer Eychen haͤngen / vnd ward mit Spieſen durchrandt / da er noch lebete / an der Eychen. 2. Samuel. Cap. 15. & Cap. 18.
Der heylloſe Seba wolt es gleich gern dem Abſolon nachthun / bließ die Po -Eeſaunen /34Das ander Buch /ſaunen / wolte das Volck vnd damit das Koͤnigreich an ſich ziehen / es waͤhrete aber nicht lang / ward zu Abel belaͤgert / vnd ſein Haupt dem Joab uͤber die Mawren zu - geworffen. 2. Samuel. Cap. 20. Der Koͤnigmoͤrder Simri kam durch Mord vnd Blut zum Regiment / aber es waͤhrete nur 7. Tage / da verbrandte er ſich ſelber in / vnd mit dem Koͤniglichen Pallaſt. 1. Reg. Cap. 16. Auff gleiche Weiſe kam auch Sallum auff den Koͤniglichen Thron / ſaß aber eine geringe Zeit darauff / ward von Menahen wider erwuͤrget. 2. Reg. Cap. 15. Mit blutigen Haͤnden grieff die Kindermoͤrderin Athalia zum Scepter deß Koͤnigreichs / regierte zwar eine Zeit - lang / muſte aber das vnſchuldig vergoſſene Blut wider außſpeyen vnd mit jhrem Blut bezahlen. 2. Reg. Cap. 11. Antiochus Epiphanes, deme die Ehre deß Koͤnig - reichs nicht bedacht war / wie der Prophet redet / nahm zwar das Koͤnigreich mit ſuͤſſen glatten Worten ein / Daniel. Cap. 11. v. 21. muſte ſich aber endlich zu todt graͤ - men / vnd in einem frembden Land ſeinen Geiſt mit Ach vnd Wehe auffgeben. Jm 1. Buch der Macchab. Cap. 6. v. 11.
Ptolomeus der Koͤnig in Egypten / brachte das Reich ſeines Tochtermans Alexandri mit Betrug vnderm Schein guter Freundſchafft / deß wegen man jhme alle Staͤdte geoͤffnet / an ſich / verjagte Alexandrum in Arabien / da er auß Furcht deß Ptolomei von dem Zabdiel enthauptet vnd ſein Haupt dem Ptolomeo zugeſchicket worden / aber dieſe Regierung waͤhrete nicht lang / am dritten Tag hernach muſte er auch ſterben / vnd wurden alle ſeine Guarniſonen vnd Kriegsknechte / die er vnderm Schein Freundſchafft in die Staͤdte gebracht / von den Einwohnern niederge - macht vnd erwuͤrget. Jm 1. Buch der Macchab. Cap. 11. v. 1. & ſeqq. vnder hunder - ten die auff ſolche Weiſe zum Regiment kommen / wird man kaum einen in Hiſto - rien finden / deme es wol gelungen.
Der Vrheber deß Roͤmiſchen Keyſerthumbs vnd erſter Roͤm. Keyſer Julius Cæſar ergrieff das Roͤm. Regiment / durch die jhme anvertrawte Waffen / Tapf - ferkeit / Gluͤck vnd Sieg im Krieg / auch ſehr kluger / vorſichtiger Gouvernirung ſei - ner Actionen wider deß Raths Willen / vnd wie er meynete / es waͤre ſein Status vnd die præſidia Dominationis alſo gefaſſet vnd geſichert / daß ſich niemand dar - wider ſetzen doͤrffte / ward er von etlichen Roͤmern auff dem Rathhauſt daſelbſten erſtochen vnd bekam 23. Wunden.
DIe Begierde zu herꝛſchen / war bey dem Lucifer ſo groß / daß er ſeinen Schoͤpffer zu rück vnd ſeinen Stuhl uͤber denſelben ſetzen wolte. Auß Begierde zu herꝛſchen trachtete Eſau ſeinem Bruder Jacob nach Leib vnd Leben. Geneſ. Cap. 27. v. 41. & ſeqq. Obwol Moſes vngern zum Re - giment kam / vnd wegen deß halßſtarrigen verſtockten Volcks ein ſehr geplagter Menſch uͤber alle Menſchen auff Erden geweſen / wie die Schrifft zeuget. Num. Cap. 12. v. 3. dannoch war bey der Rotte Korah / Datan vnd Abiram / die Begierde zu herꝛſchen ſo groß / daß ſie Moſe nach dem Regiment / vnd Aaron nach dem Prie - ſterthumb grieffen / vnd ſich wider Gottes Geſetz vnd Ordnung empoͤren vnd re - gieren wolten / daruͤber ſie in groſſe Gefahr geriethen vnd mit jhrem Anhang von der Erden lebendig verſchlungen worden. Jm 4. Buch Moſis Cap. 16. Ja Moſis ſein eygener Bruder vnd ſein Weib Miriam bekamen dieſe Seuche auch / woruͤber ſie die Miriam mit Auſſatz geſchlagen. Num. Cap. 12. Auß Begierde zu herꝛſchen ſatzte Ahimelech das fuͤnffte Gebott zuruͤck / ward ein Brudermoͤrder vnd ließ 70. ſeiner Brüder erwuͤrgen / ward aber ſelber wider erwuͤrget. Judic. Cap. 9. & ſeqq. Bey Abſolon war die Begierde zu herꝛſchen ſo groß / daß er deß vierdten vnd ſech - ſten Gebotts vergaß / ſeinem leiblichen Vatter nach Scepter vnd Cron grieff vnd ſeine Kebsweiber offentlich ſchaͤndete. 2. Samuel. Cap. 15. & 16. Adonia war ſchon gewarnet / dannoch war die Begierde zu herꝛſchen bey jhme ſo groß / daß er ſein Le - ben in die Schantze gab / vnd auff eine andere Weiſe dem Koͤnig Salomo nach dem Reich trachtete / vnd daruͤber das Leben laſſen muſte. 1. Reg. Cap. 1. & 2. Begierde zu herꝛſchen war bey der Koͤnigin Athalia ſo vnmenſchlich / baß ſie der natuͤrlichen muͤtterlichen Liebe / gegen jhre leibliche Enckel jhres Sohns Kinder vergaß / vnd dieſelbe damit ſie allein das Regiment haͤtte / alle / biß vff den verſtockten Joas er - wuͤrgen vnd vmbbringen ließ. 2. Reg. Cap. 11.
Als der Agrippinæ, ſo hernacher Keyſers Claudij Gemahlin worden / der Nero gebohren / hat ſie jhme die Nativitaͤt ſtellen laſſen / vnd zuwiſſen begehret / oberEe ijauch36Das ander Buch /auch herꝛſchen vnd zum Keyſerthumb kommen würde / vnd wie die Chaldeiſche Aſtrologi geantwortet / er wuͤrde zwar herꝛſchen / aber ſeine Mutter vmbbringen / iſt die Begierde zu herꝛſchen bey jhr ſo groß geweſen / daß ſie geſaget: Occidat dum imperet, er mag mich jmmer hin toͤdten wann er nurent Keyſer wird / welches er hernacher auch redlich gehalten / vnd ſeine Mutter im Beth durch Soldaten er - mordẽ laſſen / (Humanus animus poſtquam regnandiaffectu corruptus eſt, natu - ram violat & ultra beſtiarum ingenium efferatur. Cain in fratrem, Abſolon in pa - trem, Ptolomæi in fratres, ſimul & patres, imò & matres ſæviunt: Antoninus Ca - racalla parentem nonſemel occidere anniſus eſt, vincente naturam regnandi libi - dine. Adam. Contzen de Stat. Magnat. atq́ue aulic. cap. 14. §. 4.) wie beyds bey dem Tacito zu leſen. lib. 14. Annal.
ALs der Held Gideon wider die Midianiter / vermittels ſonderlichen goͤttlichen Beyſt andes einen herꝛlichen Sieg erhalten / wolten etliche in Jſrael jhn vnd ſeine Poſteritaͤt zu einem Erbherꝛn vnd Koͤnig uͤber ſich ſetzen / welches er aber in Betrachtung / daß er an denen vorhin ſich offendirt befundenen Ephra - imitern vnd andern / ſtarcke Opponenten haben / vnd ſolche dignitaͤt zu maintiniren jhme ſchwer fallen wuͤrde / ſehr weißlich abgeſchlagen / vnd geſagt: Jch wil nicht Herꝛ ſeyn uͤber euch / vnd mein Sohn ſoll auch nicht Herꝛ ſeyn uͤber euch / ſondern der Herꝛ ſoll Herꝛ ſeyn uͤber euch. Judic. Cap. 8. v. 22. Aber Abimelech der Sohn Gideons war gar anders geſinnet vnd geartet wie ſein Vatter / der wiegelte ſich ſelber auff / Koͤnig zu werden uͤber Jſrael / haͤngete loſe leichtfaͤrtige Leuthe an ſich / vnd ward alſo durch Liſt vnd Tyranney Koͤnig / haͤtte aber beſſer gethan / er waͤre ge - blieben wie ſein Vatter / dann jhn Gott darumb hart geſtraffet / daß er elendig vmb - kommen vnd das Koͤnigreich auff ſeine Erben nicht verſtammet. Jm Buch der Richter Cap. 9. v. 53. Sehr weißlich vnd vernuͤnfftig hatte ſein juͤngſter Bruder gethan / es erwogen / wie gefaͤhrlich / muͤheſelig vnd mißlich es ſeye / nach Koͤnigl. Wuͤrde zuſtreben / vnd es mit einem ſchoͤnẽ Apologo vnd Gleichnuß vorhin adum - briret vnd vor Augẽ geſtellet in angezogenem 9. Cap. v. 7. & ſeqq. im B. der Richt.
Moſes / ob er wol von Gott ſelbſten ohne Mittel beruffen war / daß er ein Her - tzog vnd Fuͤrſt uͤber die Kinder Jſrael ſeyn / vnd die Macht vnd Gewalt eines Koͤ -nigs37Von dem weltlichen Stande. nigs haben / vnd ſie durch Gottes gewaltige Hand auß Egypten fuͤhren ſolte / hat er doch vngern daran gewolt / ſeine Entſchuldigung nicht allein excipiendo, ſon - dern auch duplicando darwider eingewandt / vnd ſich mit der offerirten Dignitaͤt demuͤthigſt zu verſchonen / gebetten. Exod. Cap. 4. Wie der Koͤnig Saul ſchon von dem Propheten Samuel auff Gottes Befehl zum Koͤnig in Jſrael ernandt vnd geſalbet vnd es an deme war daß er dem Volck offentlich vorgeſtellet vnd zum Koͤ - nig publicirt werden ſolte / iſter ſo modeſt vnd ſittſamb geweſen daß er ſich vnder die Faſſe verſtecket. 1. Samuel. Cap. 10. v. 22. worbey D. Luther. an dem Rand dieſe Lehr giebt: Ehre ſoll man fliehẽ vnd ſich darzu tretben laſſen. Ja es waͤre dem Saul weil er ſich der Koͤnigl. Wuͤrde mißbrauchte an Leib vnd Seele beſſer geweſen daß er nie darzu kommen / weil er vorhin ein vnthadelhaffter guter Mann geweſen / aber durch die Koͤnigliche Ehr vnd Gewalt aͤrger vnd endlich zum Tyrannen worden.
Solches hat der Herꝛ Chriſtus ſelber mit ſeinem Exempel beſtaͤttiget / dann wie das Juͤdiſche Volck die Magnalia Dei vnd ſeine groſſe Wunderthaten ſahen / ſonderlich wie er mit ſo wenigem Brodt vnd Fiſchen fuͤnff tauſend Mann in der Wuͤſten geſpeiſet / haben ſie darvor gehalten / daß der Herꝛ Chriſtus als ein ſolcher milter freygebiger Herꝛ / ſich wol zu jhrem Koͤnig ſchickte / vnd ſie reichlich verſorgen vñ ernehré koͤnte / auch daß er kein ſchlechter Menſch / ſondern der vorlaͤngſt verſpro - chene Schiloh vnd Held ſeyn muͤſte / haben ſie jhn haſchẽ vnd zu einem Koͤnig machẽ wollen / er aber hat ſolches nicht acceptiret, ſondern iſt dem Volck entwichen. Joh. 6.
Nach toͤdtlichem Hintritt Keyſer Albrechts / vmb das Jahr 1440. iſt die Koͤ - nigliche Wahl auff Landgraff Ludwigen zu Heſſen / genandt den Friedfaͤrtigen / ge - fallen / es hat aber derſelbe auß hohem Verſtand die Keyſerliche Cron refuſiret vnd abgeſchlagen / vnd damit Hertzog Friederichen in Oeſtereich zuwaͤhlen / Vrſach ge - geben. Dillich. in der Heſſ. Cron. ſub anno 1440. Helvic. iu Theat. Hiſtor. in Serie Landgraviorum Haſſiæ.
Als nach Abſterbẽ Keyſer Maximilian deß erſten / auff dẽ Wahltag zu Franck - furt An. 1519. diſcrepirende vota vnd Meynungen vorlieffen / ward im Churfuͤrſtl. Collegio auff den loͤblichen Churfuͤrſten Friedrichen in Sachſen geſtimmet / der es gleichfalls abgeſchlagen / darvon Joh. Schleidan. lib. 1. alſo ſchreibet.
Ad Fridericum Saxonem pridiè fuerat delatum imperium, ſed is ingenti ani - mo recuſabat & ſuo ſuffragio Carolum deſignabat & oblatam eo nomine ma - gnam pecuniæ vim à Caroli Legatis reiecit, & ſuis, ne vel ter-untium acciperent, mandavit.
Die Boͤhmiſche Directores offerirten jhre Cron Anno 1618 vnd 1619. ver - ſchidentlich / iſt aber wie der Eventus bezeuget / von etlichen weißlicher recuſirt als angenommen.
Es iſt eine groſſe Sach eine Cron anzunehmen / ſonderlich darauff andere Potentaten zu prætendiren, vnd jura quæſita & radicata vor ſich haben.
SAul war ein gottloſer Tyrann / der die Propheten deß Herꝛn toͤdten ließ / den frommen David allenthalben verfolgete / vnd jhme nach dem Leben ſtunde / vnd wiewol Gott den Saul vnd ſein Hauß wegen ſeines Vnge - horſambs vnd Tyranney verworffen / vnd den David wider zum kuͤnffti - gen Koͤnig ſalben laſſen / hat dieſer doch an jenem / wiewol er ſich zweymahl ſeiner Perſon in der Hoͤhle der Wuͤſten Engede / vnd in der Wuͤſten Siph / bemaͤchtigen vnd jhn toͤdten koͤnnen / auch von ſeinen Maͤnnern darzu ermahnet / nicht Hand an - legen wolten / vnd ſich entſchuldiget / mit Anziehung folgender motiva: Das ſey ferne von mir / daß ich meine Hand legean meinen Herꝛn den Geſalbten deß Herꝛn / dann er iſt der Geſalbte deß Herꝛn. 1. Samuel. Cap. 24. v. 7. 11. vnd als Abiſai / Da - vids Hauptleuthe einer / dem Saul mit ſeinem eygenen Spieß im Schlaff den Reſt geben vnd erſtechen wolte / verbotte jhme David ſolches ernſtlich vnd ſprach / wer |wil die Hand an den Geſalbten deß Herꝛn legen vnd vngeſtrafft bleiben? ſchwuhr darzu / ſo wahr der Herꝛlebet / wo derſelbe jhn nicht ſchlüge / oder ſeine Zeit kaͤme daß er ſtuͤrbe oder im Streit vmbkaͤme / wolte der Herꝛ fern von jhm ſeyn laſ - ſen / daß er ſeine Hand ſolte legen an den Geſalbten deß Herꝛn. 1. Samuel. Cap. 26. v. 8. & ſeqq. Worauß dann erhellet / daß das gemeine Sprichwort / Trew Herꝛ / Trew Knecht / wider die ordentliche / von Gott vorgeſetzte Obrigkeit / auch die wun - derliche vnd tyranniſche / nicht anzuziehen / noch ein Vnderthan wann er ſich der - ſelben mit der That widerſetzet / damit fuͤr Gott oder der Welt zuſchuͤtzen / vnd da diß Sprichwort / dieſes Falls vnd alſo gebrauchet würde / waͤre es ein gottloſer vnd auffruͤhriſcher Außſpruch. David war ein trewer wolverdienter Knecht vnd Vn - derthan / Saul aber war jhme vntrewe / trachtet jhme auff vielerley Weiſe nach dem Leben / belohnete deß Davids getrewe / tapffere / vnd dem gantzen Volck Gottes ge - leiſtete hocher ſprießliche Dienſte / mit Vntrewe / dannoch war vnd verbtiebe jhme der David / wie jetzo gemeldet getrew / biß in ſein deß Sauls Todt / erwieſſe / dieſelbeauch39Von dem weltlichen Stande. auch noch nach ſeinem Ableben / 2. Samuel. Cap. 2. Stellet derowegen dieſes Ex - empel allein genugſamb fuͤr Augen / daß Saul durch ſeine Tyranney vnd Vn - trew / den Koͤniglichen vnd Obrigkeitlichen Reſpect nicht verlohren / ſondern von David nach wie vor für ſeinen Koͤnig / ſeinen Herꝛn / ſeinen Vatter in ipſo perſe - cutionis actu vnd Geſalbten deß Herꝛn gehalten / vnd daß niemand Hand an den - ſelben legen vnd vngeſtrafft ſeyn koͤnte / derowegen auch eine gottloſe vnd tyranni - ſche Obrigkeit / wann fie einmahl ordentlich zum Regiment gelanget / Gottes Ord - nung / vnd bey allen Vnderthanen inviolabel verbleibet / welches S. Petrus ge - nugſamb beſtaͤrcket / wann er in ſeiner erſten Epiſtel Cap. 2. v. 18. ſchreibet: Fuͤrchtet Gott / ehret den Koͤnig / ſeyt vnderthan mit aller Furcht den Herren / nicht allein den guͤtigen vnd gelinden / ſondern auch den wunderlichen / dann das iſt Gnade ſo je - mand vmb deß Gewiſſens willen zu Gott das Vbel vertraͤget vnd leydet das Vn - recht. (Sæpe debemus pati mala, ne committamus peccatum c. quod Sacris X. Quod met. cauſ. c. ſicut cum trib. ſeqq. Cauſ. 32. q. 4.) Folget demnach hierauß wei - ter / daß obiges Sprichwort / trew Herꝛ / trew Knecht / dieſes Falls bey bloſſen Vn - derthanen nicht Gottes / ſondern deß Teuffels Wort ſey / welcher allezeit Gottes Ordnung vmbzukehren vnd uͤbern hauffen zuwerffen allerhand Vorſchein ſuchet. Jn Lehenſachen zwiſchen Lehen Herꝛn vnd Lehenmann / findet diß Sprichwort / je - doch auff gewiſſe Maſſe ſtatt / dahero es auch ſeinen Vrſprung genommen / auß Vrſachen daß der Lehen Herꝛ vnd Lehenmann ex conventione & pacto, oder ge - machtem Gedinge / zu einer reciptocirten Trew gegen einander verobligiret / de - rogeſtalt / wie der Lehenmann ſeinem Herꝛn wegen empfangenen Beneficii oder Lehens / getrew / alſo auch der Lehen Herꝛ ſeinem Vaſallen vnd Lehenmann / wegen ſeiner getrewen geleiſteten oder erwartender Dienſte Trewe zu erweiſen ſchuldig vnd gehalten / nach Art vnd Eygenſchafft der Lehenrechte / vid. Feudiſtas & inter il - los Vultei. de Feud. lib. 1. cap. 10. n. 37. & ſeqq. Viel eine andere Beſchaffen heit hat es mit Vnderthanen / welche nicht Pactsweiſe noch in reſpect eines Lehenguts / ſondern ohne Vnderſchied vermoͤg Gottes heiliger Ordnung vnd ernſten Be - fehls / viel verbuͤndlicher vnd ſtaͤrcker / zur Trewe vnd Gehorſamb / wann es nicht wider Gott vnd ſein Wort / ohne Widerrede verpflichtet. vid. Tractat. meum de Regim. Sec. & Eccleſ. lib. 1. Claſſ. 1. cap. 4. & 5.
ALs Saul in der Schlacht von den Philiſtern auff dem Gebirge Gilboa hart gedrenget / daß er auch auß Verzweiffelung / damit er nicht lebendig den Vn - beſchnittenen zu Theil wuͤrde / in ſein eygen Schwerdt gefallen / vnd ſich ſelber vmbs Leben brachte / kam ein Amalekiter zu David vnd ruͤhmete ſich / daß er auff erſuchen vnd begehren deß Koͤnigs Sauls der ſich ſchon auff ſeinen Spieß ge - lehnet / jhme vollends vom Leben zum Todt geholffen / ließ jhn David ſo bald auff die Bekandtnuß hinrichten. 2. Samuel. Cap. 1. (Divino enim, Gentium & ſuo quaſi jure Reges & Principes inviolabiles & quodammodo Sacroſancti cenſendi ſunt, eorumq; ſanguis adeò ſanctus æſtimandus, ut profundere nefas ſit. Richard. Dicter. de Sum. Imp. poteſt. concluſ 214.) Sauls Sohn Jſboſeth hatte nach ſeines Vatters Todt noch einen ziemblichen Anhang vnd den Abner zum Beyſtand / wie aber Jſboſeth dieſen gantz vnvorſichtig offendirte, vnd er daruͤber zu David gien - ge / wolten deß Jſboſeths ſeine beyde Hauptleuthe / Baena vnd Rechob auch bey dem Koͤnig David ſonderlichen Danck verdienen / erwuͤrgeten jhren Herꝛen Meu - chelmoͤrdiſcher weiſe in ſeiner Cammer vnd auff ſeinem Lager / vnd brachten Da - vid ſein Haupt / aber David ſprach uͤber dieſe vntrewe Buben ſo bald ein gerecht Blutvrthel / vnd ließ ſie wider vom Leben zum Todt bringen. 2. Reg. Cap. 4. So bald der Koͤnig Amazia zum Regiment kam / ließ er die Knechte ſeines Vatters Joas die denſelben getoͤdtet / wider hinrichten. 2. Reg. Cap 14. Der Koͤnig Sacha - ria ward von Sallum vmbgebracht. 2. Reg. Cap. 15. dieſen ließ aber Menahem wi - der toͤdten. ibid. d. G. 14. v. 15. Die Knechte deß Koͤnigs Ammon deß Sohns Ma - naſſ / machten einen Bund wider jhn / vnd toͤdteten jhn in ſeinem Hauſe: wiewol nun Ammon ein gottloſer abgoͤttiſcher Koͤnig war / thaͤt doch das Volck zuſam - men / vnd ſchlugen alle die den Bund wider den Koͤnig gemacht vnd denſelben ge - toͤdtet hatten. 2. Chron. Cap. 33. v. 24. 25. Alſo ließ der Keyſer Vitellius, ſo bald er zur Regierung kam / die Keyſermoͤrder / welche ſeinen Anteceſſorn Galbam maſſacri - ret vnd ermordet / oder ſich deſſen nur geruͤhmet hatten / erforſchen / vnd ſie wider toͤdten / nicht zwar Galbæ zu Ehren / ſondern zu ſeiner Verſicherung vnd Schrecken. Cornel. Tacit. lib. 17. annal. (Vitellius, inquit Tacitus, d. loco omnes quive verè quive falsò, ut pulchrum & memorabile facinus iactabant, conquiri & interfici,non41Von dem weltlichen Stande. non honore Galbæ, ſed tradito Principibus more, munimentum in præſens in po - ſterum ultionem. Item ſceleris huius ultor eſt, quisquis ſucceſſit. Et propter Exem - pla ne quidem Tyranni & improbi Regestemerè dericiendi. Froſſard. lib. 3.) Der boͤſen Nachfolge halber / nehmen ſich Potentaten auch tyranniſcher vnd gottloſer Regenten vnd Koͤnige an / deſſen ein Exempel bey dem Froſſard. lib. 1. Hiſtor. zu fin - den. Cornel. Tacit. lib. 17. Annal. vid. quæ ſcripſi in Tractat. meo de Regim. Sec. & Eccleſiaſt. lib. 1. claſſ. 1. c. 5. n. 94. & mult. ſeqq. edit. 2.
ALs Saul ſeinen ſtreitbahren vnd frommen Sohn Jonathan / wegen ſeines vnbedachtſamen Geluͤbds / davon doch Jonathan nichts gewuſt vnd ſelbigen Tag eine Heldenthat verrichtet hatte / mit Vnvernunfft toͤdten wolte / hat das Volck oder vielmehr die Elteſten vnd Vorſteher bey dem Koͤnig ſich in - terponiret, vnd geſchwohren / ſolches keines wegs zu geſtatten vnd dardurch dem Jonathan ſein Leben gerettet. 1. Samuel. Cap. 14. Wie Jeremias auff Gottes Befehl / dem Koͤnig Joiakim vnd dem Jſrgelitiſchen Volck jhre Vbertrettung verkuͤndigte / vnd der Koͤnig ſambt ſeiner Cleriſey dahin ſich reſolvirten, denſelben zu toͤdten / ſind die Fuͤrſten vnd Elteſten in Jſrael auffgeſtanden / dem Koͤnig vnd ſeinen vermeynten Propheten / Patribus vnd Cleriſey eingeredet / vnd mit nichten geſtatten vnd zu geben wollen / daß ſolch der Cleriſey / in jhrem vermeynten con - ſcientz Rath gemachtes concluſum vnd Blutvrthel / wider Jeremiam exequiret vnd vollzogen werden ſolte. Jerem. Cap. 26.
Als Rehabeam nach ſeines Vatters Salomo Todt / die Koͤnigliche Regie - tung anzutretten / das gantze Jſrael nach Sichem beſchrieben / erſchienen zwar die Staͤnde vnd gantze Gemein neben Jerobeam vor jhm gehorſamblich / proponirten aber jhre gravamina wegen vieler bey ſeines Vatters Salomo Lebzeiten auff ſie ge -Fflegter42Das ander Buch /legter vnertraͤglicher newerlicher Impoſten, Licenten, Conſumption vnd Auffla - gen / begehrten deme zu remediten vnd wegen Milterung auff gewiſſe Maſſe zu ca - pituliren, wie aber der Koͤnig Rehabeam / nach genommenen Bedacht wider ſeines Vatters geweſenen alte Raͤthe / trewe Verwarnunge ſolches nicht allein gantz vn - beſonnener Weiſe refuſitte vnd verweigerte / ſondern auch auff vnzeitiges Einge - ben der vnerfahrnen ſungen Raͤthe die onera, Vffſaͤtze vnd Conſumptions Impo - ſten zu ergroͤſſern vnd zu vermehren ſich vnvorſichtig herauß lieſſe / daneben antro - hete / daß ſein kleinſter Finger dicker ſeyn ſolte / als ſeines Vatters Lenden / vnd da jener ſie mit Peitſchen gezuͤchtiget / dieſer ſie mit Scorpion züchtigen wolte / tratten die zehen Staͤmme Jſrael ab von Rehabeam / wolten jhme nicht huldigen / ſondern nahmen Jerobeam vorjhren Koͤnig auff / vnd wurden dardurch die zehen Staͤmme Jſrael vom Hauſe Juda / ſo lang dieſelbe geblieben / getrennet. 1. Reg. Cap. 12. 2. Chron. Cap. 10. Dergleichen Exempel hat man in den Welt-Hiſtorien viel / daß ſich die Ephori, Proceres, vnd im Roͤm. Reich die Churfuͤrſten vnd andere Staͤnde bey gemeinen Reichs - vnd Collegial-Taͤgen interponiret, auch wol opponiret, vnd auff Enderung / die doch nicht leichtlich vorzunehmen / auch ohne groſſe Bewegung / Gefahr vnd Zerſchmetterung deß groſſen Gebaͤwes corporis Reipubl. nicht wol geſchehen kan / gedacht. Die Einfuͤhrung particularium Exemplorum gehoͤret nicht zu dieſem Vorhaben Bibliſcher Policey / werden bey andern Scriptoribus zufinden ſeyn.
WAnn Moſes etwas wichtiges vorgehabt / hat er das Volck oder deren O - briſten vnd Elteſten zuſammen gefordert / vnd jhnen Gottes Willen vnd Verordnung vorgehalten / wie hin vnd wider in den letzten 4. Buͤchern Moſis zuleſen. Sein Succeſſor oder Nachfahr am Regiment Joſua / als er die Stifftshuͤtte zu Silo wolte auffrichten laſſen / hat er die gantze Gemein der Kinder Jſrael dahin beſchrieben / vnd ſolches mit jhrem Vorwiſſen vnd Beliebnuß gethan. Joſu. Cap. 18. v. 1. wie er ferner alt / betaget / vnd wegen einer guten Kirchen - Ordnung vnd Policey / ſorgſaͤltig war / hat er ein Parlament vnd allgemeinenLand -43Von dem weltlichen Stande. Landtag außgeſchrieben vnd darzu beruffen das gantze Jſrael / jhre Elteſten / Haͤu - pter / Richter vnd Amptleuthe / vnd darauff ſeine herꝛliche hoch weiſe Propoſition, von Erhaltung deß wahren vnd reinen Gottesdienſts abgelegt / Joſu. Cap. 23. welches er bald hernacher auff einem andern vnd ſeinem letzten Parlament vnd Landtage / welchen er nach Sichem auß geſchrieben / erwiedert / vnd daruͤber der ge - ſambten Staͤnde vnd Volcks Verwilligung vnd Verpflichtung-erhalten / vnd ei - nen Landtags Abſchied daruͤber auffgerichtet / Joſu. Cap. 24.
Als der Koͤnig David nach eingenommener Huldigung von dem gantzen Jſrael. 2. Samuel-Cap. 5. v. 1. vnd Eroberung der Stadt Jeruſalem die Lade deß Bundes Gottes / von Kiriath Jearim / wider abholen wolte / ſchrieb er ein Parla - ment oder Reichstag auß / vnd hielt einen Rath mit den Hauptleuthen uͤber tau - ſend vnd uͤber hundert / vnd mit allen Fuͤrſten / vernahm daruͤber vnd andere Pro - poſitions puncta, der Staͤnde ſentiment vnd vnderthaͤnigſt Gutachten / vnd wie ſie mit jhme einig / machte er mit einhelligem Rath vnd Zuthun der Staͤnde ein Concluſum, holeten darauff die Bunds. Lade mit geſambder Hand ab / wie zule - ſen 1. Chron. Cap. 14. Ferner war der Koͤnig David auch ſorgfaͤltig vnd geſchaͤfftig dem Herꝛn einen Tempel zu bawen / darin die Bunds-Lade niedergeſetzet / vnd der offentliche Gottesdienſt herꝛlich verrichtet werden ſolte / jhme aber als einem Kriegsman der viel Blut vergoſſen / ſolches von Gott abgeſchlagen / vnd auff ſeinen friedfertigen Sohn Salomon der Baw verwieſſen / hat er deßwegen wider einen Reichstag außgeſchrieben / ſolches / wie auch ſonſten proponiret, was er auß Milte vnd Freygebigkeit von dem Seinigen an Gold / Silber / Edelgeſtein / Eyſen / Ertz / Marmelſtein / ꝛc. darzu geſtewert / mit Ermahnung / daß die Staͤnde vnd das Volck beyſtewern moͤchten / welches ſie auch reichlich vnd gern gewilliget / zeigete daneben in publico an daß Gott ſeinen Sohn Salomon nach ſeinem Todt zum Koͤnig er - woͤhlet / præſentitte denſelben offentlich zum Koͤnig / worauff derſelbe zum andern - mahl vor einen Koͤnig angenommen / vnd das gantze Jſrael jhm gehorſamb wor - den. 1. Chron. Cap. 29. & Cap. 30. Wie Salomon den herꝛlichen Tempelbaw voll - brachte vnd die Bunds-Lade deß Herꝛn / auß Zion / der Stadt David in den Tem - pel tranſportiren vnd bringen laſſen wolte / ſchrieb er auch eine Reichsverſamblung auß / berieff darzu die Elteſten in Jſrael / alle Oberſten der Staͤm̃e vnd Fuͤrſten der Vaͤtter vnder den Kindern Jſrael. 1. Reg. Cap. 8. Als der gottſelige Koͤnig His - kias die Regierung angetretten vnd gemercket wie ſo gar der Gottesdienſt zuruͤck geſetzet vnd zu wider Auffpflantzung deſſelben eine allgemeine Reformation in Kirchen vnnd Schulen hochnoͤthig / hat er ſolch hohes Werck nicht allein vor ſeinen Kopff angeordnet / ſondern Botten geſandt zum gantzen Jſrael vnd Brieffe ge - ſchrieben an Ephraim vnd Manaſſe / vnd ſie nach Jeruſalem erfordert / mit den Obriſten vnd der gantzen Gemein zu Jeruſalem Raths zu werden / wie das Paſſah zuhalten vnd der Gottesdienſt zu reformiren vnd in beſſern Stand zuſetzen / imFf ij2. Buch44Das ander Buch /2. Buch der Chronick. Cap. 30. Als Joiada der Vormund deß jungen Koͤnigs Jo - as / denſelben als den einigen rechten Cron Erben deß Koͤnigreichs Juda / auff den Koͤniglichen Thron ſetzen vnd außruffen laſſen wolte / hat er die Obriſten Vaͤtter / Hauptleuthe vnd gantze Gemein zuſammen ruffen laſſen / vnd mit geſambtem Rath vnd Zuthun darin verfahren. 2. Reg. Cap. 9. v. 4. & 2. Chron. Cap. 23. v. 1. & ſeqq.
Es iſt ſehr viel daran gelegen / wann ein groſſer Herꝛ vnd Regent etwas wich - tiges vornimbt / vnd anfaͤhet / daß er ſeiner Staͤnde einhelligen Willen vnd Bey - fall hat / weil es ſehr ſchwer faͤllt / wie man im Sprichwort ſagt / mit vnwilligen Hun - den das Wild zu hetzen vnd zufangen. (Difficile eſt, invitis canibus venatum ire.) Gideon der Regent vnd Richter in Jſrael / that ein Auffbott in Jſrael wider die Midianiter vnd Amalekiter / zohe zu Felde vnd erhielt einen herꝛlichen Sieg wider die Feinde / nichts do weniger ward der Stamm Ephraim jhme ſehr auffſetzig / wol - ten faſt wider jhn auffſtehen / vnd expoſtulirten mit jhm hefftig daruͤber / daß er ſie præterirt vnd nicht mit darzu gezogen / wie er den Krieg angefangen vnd zu Felde gegangen / alſo daß Gideon / ohnerachtet Gott nicht haben wollen / daß er ſtarck zu Feld zoͤge vnd ſelber die Muſterung anordnete / genug zuthun hatte / daß er ſie mit guten Worten vnd Sanfftmuth ſtillete vnd Vffſtand verhuͤtete / im Buch der Richter Cap. 7. & Cap. 8.
ALs der Koͤnig David ſeinen letzten Reichstag / deſſen auch in vorhergehendem Axiomate gedacht / gen Jeruſalem außgeſchriebẽ / vnd darzu alle Obriſten in Jſrael / nemblich die Fuͤrſten der Staͤmme / die Fuͤrſten der Ordnunge / die auff den Koͤnig warten / ꝛc. erfordert / vnd denſelben ſeinen Sohn Salomo welchen Gott vor allen ſeinen Soͤhnen erwoͤhlet / daß er ſitzen ſolte auff dem Stuhl deß Koͤnigreichs deß Herꝛn uͤber Jſrael / zu einem kuͤnfftigen Regenten ſeinen Reichs-Raͤthen vnd Staͤnden recommendiret, meldet die Schrifft / daß ohner - achtet ſeines hohen Alters / der Koͤnig auff ſeinen Fuͤſſen geſtanden / vnnd den Staͤnden zu Ehren vnd reſpect die herꝛliche Koͤnigliche Propoſition ſtehend ge - than. 1. Chron. Cap. 29. v. 1. 2. & ſeqq. Seinen getrewen Landsſtand vnd Vnder - thanen den Barſillat hat David auch nicht allein geliebet vnd geehret / ſondern alser ſich45Von dem weltlichen Stande. er ſich mit jhme geletzet vnd das Valet geben / jhn gekuͤſſet vnd geſegnet / vnd darmit ſeiner Koͤniglichen Clementz Liebe vnd Hulde verſichert. 2. Samuel. Cap. 19. v. 39. aber ſein Enckel Rehabeam / Salomons Sohn that nicht alſo / hielte die Fuͤrſten vnd Staͤnde in Jſrael in ſchlechtem reſpect, ſtoßte dieſelbe vnvorſichtig vor den Kopff / erweckte damit einen Vffſtand vnd Separation der Staͤnde / zu ſeinem vnd ſeiner Nachkommen vnwiderbringlichen Schaden. 1. Reg. Cap. 12.
HIe gilt die Apoſtoliſche Regul: Man muß GOtt mehr gehorchen als den Menſchen. Die Potentaten / Koͤnige / Fuͤrſten / Herꝛſchafften vnd alle Ob - rigkeiten ſind Gottes Stadthalter vnd ſeines Reichs Amptleuthe ja Got - tes Knechte / wie David im 116. Pſalm. v. 16. bezeuget / wann er ſpricht: O Herꝛ ich bin dein Knecht / deiner Magd Sohn. Sie ſind ſelbſten Gottes Gebott vnderworffen / ja deren Cuſtodes vnd Huͤrer / derowegen ſie nicht befugt / etwas wi - der Gott vnd ſeine Gebott anzuordnen oder zu mandiren. Thun ſie es aber / ſo ſeyn die Vnderthanen nicht ſchuldig zu gehorſamen / wann ſie auch deßwegen in Vn - gnade / ja Leibs vnd Lebens Gefahr gerathen ſolten. (Non utiq́ue contemnis, ſi eli - gis Maiori ſervire, nec hinc debet minoriraſci, ſi Maior prælata eſt. Illa carcerem, hæc gehennam minatur, refertur in jure Canon. in c. qui reſiſtet. 97. Cauſ. 11. Quæſt. 3.
Der Herꝛ Chriſtus giebet ſelber den Außſchlag hieruͤber wann er ſpricht: Fuͤrchtet euch nicht fuͤr denen die den Leib toͤdten / ſondern vielmehr vor deme / ſo Leib vnd Seel verderben mag in die Hoͤllen. Matth. Cap. 10. v. 28.
Alſo thaten die Egyptiſchen Wehemuͤtter recht / daß ſie Gott fuͤrchteten / deß Koͤnigs Pharaonis gottloſen Befehl von Erwuͤrgung der Hebraͤiſchen Knaͤblein bey der Geburth / keine Folge leiſteten / vnd Gottes Gebott; du ſolt nicht toͤdten /Ff iijmehr46Das ander Buch /mehr reſpectirten als deß Koͤnigs Befehl / darumb jhnen Gott guts gethan vnd Haͤuſer gebawet. Exod. 1. v. 16. & ſeqq. Den alten Tobiam ſtraffeten ſeine Freunde daß er wider deß Koͤnigs Sanheribs Befehl der Heiligen verſtorbenen Leichnamb ſich annahm vnd dieſelbe zur Erden beſtattete / vnd ſprachen: Jetzt newlich hat dich der Koͤnig vmb ſelbiger Sache heiſſen toͤdten / vnd biſt kaum darvon kommen / noch begraͤbſtu die Todten: Aber Tobias fuͤrchtete Gott mehr als den Koͤnig. Tob. Cap. 2. v. 8. 9. vnd Cap. 1. v. 22. (Eraſm. Roterd. in Paraphraſ. Evangel. Matth. Cap. 10. Publicis, inquit, Magiſtratibus in omnibus obtemperandum eſt, niſi cum præſcri - bunt impia: vocant in ius, eundum eſt: exigunt rationem, redden da eſt: ſin iubeant immolare ſimulacris, ſi imperent ceſſare à prædicando nomine Domini, nequa - quam eſt obtemperandum. Nec ſunt tamen convitiis irritandi, ſed ſobriè reddenda ratio, cur magis deceat obtemperare omnium Principi Deo, quam humanæ pote - ſtati, æquum enim eſſe ut præſcripta Dei præſcriptis hominum præponderent.) Balack der Moabiter Koͤnig / noͤthigte den Propheten Bileam ſehr durch verſchie - dene Abordnung dem Volck Gottes zu fluchen / Bileam aber / ob er ſchon auff ſein Erfordern ins Lager kommen war / ſprach: Wie kan ich etwas anders reden dann das mir Gott in den Mund giebet / das muß ich reden Num. Cap. 22.
Als der Koͤnig Saul in ſeinem vngerechten Zorn vnd Grimme ſeinen Tra - banten befahl / daß ſie den Prieſter deß Herꝛn Ahimelech ſambt andern vier vnd achtzig Prieſtern deß Herꝛn toͤdten ſolten / verachteten ſie deß Koͤnigs Befehl / vnd wolten jhre Hand nicht an dieſelbe legen / vnd ſind deßwegen keine Rebellen vnd Vngehorſame geweſen / wiewol der Fuchsſchwaͤntzer Doeg ſich ſelber gutwillig darzu offerirte, vnnd fuͤnff vnd achtzig Propheten auff die Fleiſchbanck liefferte. 1. Sam. Cap. 22. v. 15. & ſeq.
Als die Philiſter wider Saul den Sieg erhielten / befahl Saul ſeinem Waf - fentraͤger / daß er ſein Schwerdt außziehen vnd jhn erſtechen ſolte / damit die vnbe - ſchuittene Philiſter nicht einen Spott auß jhme machten / aber der Waffentraͤger verweigerte es recht. 1. Sam. Cap. 31.
Als der groſſe Monarch vnd Koͤnig Nebucadnezar / bey Leibes vnd Lebens Straffe in ſeinem Koͤnigreich das Gebott hat publiciren laſſen / daß man ſein Bild ſolte anbetten / hat doch der H. Geiſt ſolchen Gehorſamb der Fürſten vnd deß Volcks verdammet / vnd allein den Vngehorſamb der dreyen Maͤnner Sadrach / Meſach vnnd Abednego / die deß Koͤnigs Gebotten nicht pariret, geprieſen. Daniel. Cap. 3.
Der Prophet Daniel war auch kein Rebell oder vngehorſamer Vnderthan / darumb daß er wider deß Koͤnigs Darii Gebott ſeinem GOtt offentlich vnd ohne Schew dienete / vnd wiewol er darumb den grimmigen Loͤwen in die Grube vorge - worffen / hat jhn doch Gott darvon errettet. Daniel. Cap. 6. (Præſtat Deum habere propitium: quam mundum benevolum, ſive in carcere ſis cum Johanne & Jo -ſepho47Von dem weltlichen Stande. ſepho, ſive in lacu cum Jeremia, ſive in fornace cum tribus viris, ſive in medio Le - onum cum Daniele, ſive in vinculis cum Petro, ſive inter manus carnificis cum Ste - phano. Meiſner. in Homil. 3. Dominic. Advent. Doctrin. 1.
Der gottsfoͤrchtige Hoffmeiſter Obadias wolte nicht allein die Propheten deß Herꝛn auff ſeiner Koͤnigin Jeſabell