PRIMS Full-text transcription (HTML)
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JUDAS
Der Ertz-Schelm / Fuͤr Ehrliche Leuth / Oder: Eigentlicher Entwurff / vnd Lebens - Beſchreibung deß Iſcariotiſchen Boͤßwicht. Worinnen vnterſchiedliche Diſcurs / ſittliche Lehrs-Puncten / Gedicht / vnd Geſchicht / auch ſehr reicher Vorrath Bibliſcher Concepten. Welche nicht allein einem Prediger auf der Canzel ſehr dien - lich fallen / der jetzigen verkehrten / bethoͤrꝛten / verſehrten Welt die War - heit vnter die Naſen zu reiben: ſondern es kan ſich auch deſſen ein Privat - vnd ein - ſamer Leſer zur erſprießlichen Zeit-Vertreibung / vnd gewuͤnſchten Seelen-Hail gebrauchen.
Der Vierdte Thail.
Cum Gratia, & Privil. S. G. M. ſpeciali, & Permiſſu Superiorum.
Saltzburg /gedruckt vnd verlegtbey Melchior Haan / Einer Loͤblichen Landſchafft / vnd Stadt-Buchdruckern vnd Handlern.ANNO M. DC. XCV.

Dem Hochwuͤrdig: in GOtt Wohl-Edel - gebohrnen vnd Hochgelehrten Herꝛn / Herꝛn RAYMUNDO, Deß Loͤbl: Stuͤffts vnnd Kloſters Altenburg Abbten / Der Roͤm: Kayſerl: Majeſt: Rath / vnnd Einer Loͤbl: N. O. Landtſchafft Wolerkiſten Herꝛn Außſchuß / ꝛc. Weinem Vnaͤdigen Herrn.

WEil ich Ordinis Eremitarum bin / ſo kan ich nicht anderſt / als nachzufolgen den gruͤnen vnnd Schatten-reichen Waͤldern / ob ſchon in denſelben auch das vnartige Schlegel-Holtz wachſet / ſo haben ſie doch vnter andern gleich dieſe hoͤltzene Hoͤfflichkeit / daß ſie gar nicht wollen noch koͤnnen vndanckbar ſeyn / ſondern wann man einem Wald oder dicken Gehoͤltz etwas ſpendiert / ſo giebt er ſolches vnverzuͤglich wieder / ja zuweilen gar doppelt: ſchreye ich in den Wald hinein Willkomm! ſo be -) (2dancktDEDICATIO. danckt er ſich alſobald durch ſeine gewoͤhnliche Wald - Stimm den Echo, vnd ſchreyt zuruck / Willkomm / vnd damit man ſehe / daß nicht lauter vngeſtudierte Trun - ci in dem Wald ſeyn / wann jemand demſelben durch helle Stimm ein DEO Gratias ſpendirt / ſo wird er ſolches mit aller Vollkommenheit wiederhollen DEO Gratias, ja man wird nicht einmahl an der Stimm ein Catharꝛ vermercken / da er doch Tag und Nacht im Wind und Re - gen ſtehet.

Dißfalls folge ich nach den gruͤnen Waͤldern gern vnd billich. Jch habe mehrmahlen bey mir erwegt / die groͤſte und haͤuffige Gnaden / welche ich vnwuͤrdigiſt von dem Heiligen vnnd Welt-beruͤhmbteſten Benedictiner - Orden empfangen / forderiſt aber von der Hochanſehn - lichen Schull zu Saltzburg / allwo ich vor etlich vnnd dreyſſig Jahren mein weniges Studium erhollt / vnd iſt es meinen eigenen Unfleiß zuzumeſſen / daß ich bey den ſpitzigen Doͤrnern Benedicti nicht bin ſpitzfindiger wor - den / das Saltz zwar verhindert die Faulle ob aber Saltz - burg dazumahl der unbedachtſamen Jugend die Faul - keit gewendt habe / zweiffle ich ſtarck: Seye ihm wie ihm wolle / das wenige vnd wintzige / was ich kan / thue ich nach dem Allerhoͤchſten niemand zuſchreiben als der Be - nedictineriſchen Lehr und Lehrer. Dahero die groͤſte Schuldigkeit mich dahin veranlaſt / daß ich / den grunen Waͤldern gleich / ſoll geben / was ich empfangen / weil ich aber in Sorgen ſtehe / daß dieſes ſchlechte Buch moͤch - te bey der Hochanſehnlichen Schull gar zu nieder ſeyn vnnd mir folgſamb hierdurch zu Saltzburg mehrer dieSup -DEDICATIO. Suppen verſaltzen / darum hab ich an ſtatt Deroſelben Euer Hochwuͤrden vnnd Gnaden / als ein ſo be - ruͤhmbtes Mitglied vnd Wuͤrdigſten Abbten deß Welt - beruͤhmten Benedictiner-Ordens erkieſet / deme ich die - ſe wenige Blaͤtter demuͤthigſt dedicire, hierdurch in et - was zu bezahlen / was ich ſonſt dem gantzen Heiligen Or - den ſchuldig bin; ich verſichere mich gantz gutmeynend / daß Euer Hochwuͤrden vnd Gnaden deſſen ange - bohrne Demuth dem gantzen Oeſterreich / vnd nachmals auch mir ſattſamb bekandt / dieſes geringe Werckel nicht werden verwerffen. Jſt doch Benedictus der Heilige Patriarch gern mit Raben vmgangen / von Dero Bruet noch heutiges Tags auff dem Berg Caſſino zwey Raben niſten / vnd taͤglich von den Haͤnden der Benedictinern daſelbſt die Nahrung abholen / Laur. in adnot lib. 1. c. 1. Chron, Caſſinens. Wann nun dieſe insgemein ge - nannte Galgen-Voͤgel nicht verworffen werden / ſo laſſen ja Eu. Hochw. vnd Gnad. den gegenwaͤrtigen Ertz - Schelm auch etwas gelten.

Es iſt zwar der Titul dieſes Buchs nicht gar fein / aber man find doch zuweilen / daß in einer ſ. v. ſchmutzigen Sau-Blattern auch gute vnd gewichtige Ducaten an - zutreffen ſeyn. Ein Eſel fuͤrwahr iſt ein ſchlechter Ar - cadiſcher Klepper gleichwohl hat man demſelben ein Ehr angethan / vnd ihme in dem Einritt zu Jeruſalem die Kleyder auf den Weeg gelegt / woruͤber er paſſiret / weil er nemblich vnſern HERRN getragen. Ein ſchlechter Geſell vnd ſchlimmer Boͤßwicht iſt dieſer Judas / weil er aber mit geiſtlicher Lehr / mit Bibliſchen Concepten / mit) (3ſitt -DEDICATIO. ſittlichen Unterweiſungen angefuͤllt / ſo glaub ich wohl / Euer Hochwuͤrden vnd Gnaden werden denſelben mit guͤnſtigen Augen noch empfangen.

Jch ſchaͤme mich zwar vor Eu. Hochw. vnd Gn. wie auch dem beruͤhmten Kloſter Altenburg mit ſo gerin - gen Concepten vnd plumper Feder zu erſcheinen / indem es allbewuſt iſt / daß allda die Scientzen vnd Wiſſenſchaff - ten ihr gewoͤhnliche Einkehr nehmen / vnd mit der Geiſt - lichen vollkommenen Zeit ſich ſtattlich vergleichen: Dar - umb jenem beruͤhmten Cloſter Altenburg Benedictiner - Ordens in Flandern vnweit Oſtende, wo der Heil. Abbt Guerinus gelebt / im Namen zwar gleichet / in andern a - ber vmb den Vorzug ſtreitet; weil ich aber weiß / daß GOtt im Alten Teſtament ſo gar die Gaiß-Haar nicht verworf - fen. Exod. 35. Alſo hoffe ich ebenfalls / daß ſich dieſes ge - ringe Werckel darff blicken laſſen / worinn vielleicht gantze Boͤck anzutreffen ſeyn. Befilche mich alſo Euer Hoch - wuͤrden vnnd Gnaden als meinem wertheſten Pa - tron / vnd forderſt vnſers Wienneriſchen Hoff-Cloſters Mildhertzigiſten Gutthaͤter zu beharꝛlichen Gunſt vnd Gnaden.

Ewer Hoch Wuͤrden und GnadenWienn den 2. Febr. An. 1695.Demuͤthigiſtes Fr. Abraham à S. Clara.

PRIVILEGIUM CÆSAREUM.

WJr Leopold der Erſte / von GOttes Gnaden Erwoͤhlter Roͤm. Kayſer / zu allen Zei - ten Mehrer deß Reichs / in Germanien zu Hungarn / Boͤheimb / Dalmatien / Croa - tien vnd Sclavonien ꝛc. Koͤnig / Ertz-Hertzog zu Oeſterreich / Hertzog zu Bur - gund Steyer / Kaͤrndten / Crain / vnd Wuͤrtenderg / Graff zu Tyroll / ꝛc. Bekennen offentlich mit dieſem Brieff / vnd thun kundt Allermaͤnniglich / daß Uns vnſer lieber vnd ge - treuer Melchior Haan Buchdrucker vnd Buchbandler zu Saltzburg in Unterthaͤnigkeit zu vernemmen geben / was maſſen P. Abraham à S. Clara Ordinis Fratrum Eremitarum Diſ - calceatorum Sancti Auguſtini, den Vierdten Theil ſeines Tractats vnter dem Titul Judas der Ertz-Schelm / oder eigentlicher Entwurff vnd Lebens-Beſchreibung deß Jſcariothiſchen Boͤßwicht / ꝛc. Nunmehr auch zuſammen gebracht / vnd ſolchen ihme Haan alleinig zu dru - cken erlaubt habe. Weilen er aber nicht ohne Urſach mehrmahlen befahren muͤſte / daß andere auß unzulaͤſſiger Begierd vnd zeitlichen Gewinns ſich unterſtehen doͤrfften auch dieſen vierd - ten Theil zu ſeinem groͤſten Nachtheil vnd Schaden nachzudrucken. Als hat Uns er aller vn - terthaͤnigſt angeruffen vnd gebetten / Wir ihme uͤber dieſen vierdten Theil ebenfalls Unſer Kai - ſerl. Privilegium Impreſſorium zu ertheilen allergnaͤdigſt geruheten. Wann Wir dann gnaͤ - diglich angeſehen / jetzt angedeute gantz billiche Bitt: Auch die muͤheſambe Arbeit dieſes zu Befoͤrderung Chriſtlicher Andacht abziehlenden Wercks; Alſo haben Wir demſelben die Gnad gethan vnd Freyheit gegeben / daß er Melchior Haan / oder deſſen Erben / ſolchen Vierd - ten Theil deß obgedachten Buch in offenen Druck ausgeben / hin vnd wider außgeben / feyl ha - ben vnd verkauffen laſſen / auch ihme denſelben niemand〈…〉〈…〉 16 zehen Jahren / von dato dieſes Brieffs anzurechnen ohne ſein oder Seinigen Conſens vnd Wiſſen im H. R. Reich vnd Unſern Erb-Koͤnigreichẽ / Fuͤrſtenthumb und Landen / weder in Quarto noch in groͤſſerem oder kleinerem Format / nachdrucken und verkauffen / viel weniger mit frembden Titul bekleyden ſol - le und moͤge. Vnd gebieten darauff allen vnd jeden Unſern und des Heil. Reichs Vatertha - nen / vnd Getreuen / inſonderheit aber allen Buchdruckern / Buchfuͤhrern / Buchbindern / vnd Buchverkauffern / bey Vermeydung Zehen Marck loͤthigen Golds / die ein jedwederer / ſo offt er freventlich hierwider thaͤte / Uns balb in Unſer Kayſerl. Hoff-Cammer / vnd den andern halben Theil obermeldten Melchior Haan / oder ſeinen Erben ſo hierwieder beleydiget wur - den / vnnachlaͤßlich zu bezahlen verfallen ſeyn ſolle / hiemit ernſtlich befehlend vnd wollen / daß ihr noch einiger auß euch ſelbſt / oder jemand von eurentwegen obangeregten Theil deß Ein - gangs erwaͤhnten Buchs keinerley Form noch Art / als ihr das erdencken moͤcht / nachdrucket / noch auch nachgedruckt / diſtrahirt, ſeyl habet / vmbtraget / oder verkauffet / noch andern ver - ſtattet / in kein Weiß / alles bey Vermeydung Unſer Kayſerl. Ungnad / und Verliehrung deſſel - ben eures Drucks den obbenandter Melchior Haan oder ſeine Erben / auch deren Befehlſha - ber mit Huͤlff und Zuthun eines jeden Orts Obrigkeit / wo ſie dergleichen bey euer jeden fin - den werden / alſo gleich aus aignem Gewalt ohne Verhinderung Maͤnnigliches zu ſich nem - men / vnnd damit nach ihrem Gefallen handlen und thun moͤgen ꝛc. Mit Urkhund dieſes Brieffs / beſtegelt mit Unſerm Kayſerl. auffgedruckten Secret-Jnſiegel / Geben in Unſerer Stadt Wienn den 21. Februarii / Anno 1695. Unſerer Reich deß Roͤm. im 37. deß Hungar. im 40. vnd deß Boͤhmiſch. 39. Jahr.

LEOPOLDUS. (L. S.) Vt. Gottlieb Graff zu Windiſchgraͤtz. Ad Mandatum Sac. Cæſ. Majeſt. proprium. Frantz Wilderich von Menßhengen.

) () (CEN -

CENSURA. Reverendiſſimi Metropolitici Conſiſtorii Salis - burgenſis.

OLim Proditores Patriæ, & Læſæ Majeſtatis Rei Quadrigis diſcerpebantur: hodie per varia ſup - plicia è vita ſublati in quatuor Partes ſecantur iis - dem in viis publicis ſuſpenſis. Hinc eſt, quòd Pro - ditor Judas ab Authore citra irregularitatis notam in quatuor Partes ſectus ad terrorem aliorum non palo, ſed ty po in fixus exiſtat, ſicque versùs quatuor mundi plagas ſuſpenſus remaneat Plagiarius iſte, qui ſciens dolô malô hominem DEUM vendidit, ut ſaltem hiſce ſuppliciis correctus nequam viatores doceat.

Diſcere Juſtitiam monitos, nec prodere quem - quâm.

SEBASTIANUS MAYR, SS. Th. & SS. Can. Doct. Celſiſſimi ac Reverendiſſimi Principis &c. &c. Conſiliarius Conſiſtorialis, nec non Collegiatæ B. V. M. ad Nives Canonicus.

FACULTAS. Admodum Reverendi Patris Provincialis.

TAmetſi impius Architenebrio Judas conticeſcat in tenebris, quis triginti argenteis Lucem ven - didit, & tandem laqueô ſibi ipſi extinxit lumen, ni - hilominùs cum Cenſores ad hunc finem deputati fidem faciant, hunc Tenebrionem non fore tenebri - coſum, ſed totum lucidum ſtudiô & calamô noſtri R. P. Abrahami à St. Clara Concionatoris Cæſarei, &c. &c. Conſenſum præbeo & lubeas concedo, ut revertatur de tenebris ad lucem. Dabam Viennæ in Conventu noſtro Aulico Cæſareo. S. P. Auguſti - ni die 1. Auguſti 1694.

Fr. ANSELMUS à S. Chriſtophoro Fratrum Eremit. Diſcalc. S. Auguſtini per Germaniam Bohemiámq; Prioris Provincialis.

APPROBATIONES Theologorum.

HOc quartum Volumen à R. P. Abrahamo à S. Clara Concio - natore Cæſareo compoſitum ex Commiſſione Admodum R. Patris Anſelmi à St. Chriſtophoro Provincialis attentè per - volvi, in quo infelicem finem Judæ laudabili claudens epilogo, ſicut anatomizando membra impii Corporis pium Medicum egit, ita moralizando ſolertiſſimum ſe Doctorem profeſſus eſt. Adeoq́ue cum fidei Orthodoxæ non contradicat, illud publico committendum prælo digniſſimum Cenſeo.

F. NARCISSUS à S. Leopoldo Definitor Pro - vinciæ & Magiſter Novitiorum.

APPROBATIONES.

JUdas Ilſcariothes, qui nequam in folio, in quarta Parte ad Quartum reducitur, operâ & induſtriâ R. P. Abrahami à S. Clara Concionatoris Cæſarei, &c. Quam ex Commiſſione Ad - modum R. P. Anſelmi à St. Chriſtophoro Provincialis attentè perlegi, & quia in hoc quarto nullam fidei Orthodoxæ diſſuni - tatem, ſed potius Chriſtianæ Veritatis Doctrinam ut octo per - fectam reperi, ut in publicum prodeat judicavi.

Fr. JOANNES JACOBUS à S. Adalberto SS. Theologiæ Lector & Profeſſorii Græcenſis Magiſter.

Judas1

Judas Jſcarioth hat nichts verſchweigen koͤnnen.

WJe unſer gebenedeyter Heyland auf dem Berg Thabor ſein uͤberſchwaͤngliche Glory wolte zeigen und offenbahren / da hat er niemand anderen mit ſich genommen / als Petrum, Jo - annem und Jacobum, die anderen Apoſtel muͤſten unterdeſſen unter dem Berg verbleiben / und ſeiner war - ten / welchs dem Judas ſchier ein wenig verſchmacht / als der ihm ſtoltzmuͤtig eingebildet / er ſeye der beſte aus ihnen / und alſo ſolle ohne ſeiner nichts geſchehen / ꝛc. Es hat aber derenthalben der Goͤttliche Meiſter nur dieſe benannte drey zur ſolcher herꝛ - lichen Actian gezogen / weil er wolte / daß ſolches ſolte verſchwie - gen bleiben biß nach ſeiner Glorreichen Urſtaͤnd. Aus allen aber glaubte er / daß dieſe drey zum beſten kundten das Maul hal - ten: Gewiß iſt es / daß der Iſcarioth, dafern er waͤre gegen - waͤrtig geweſen / ſolches nicht haͤtte verſchwiegen / ſondern es al - lenthalben in den Geſellſchafften und heimlichen Zuſammen - kunfften der Hebraͤer geploderet und ausgeſchwaͤtzt: auch eben der Urſach halber hat der HERR denen Apoſtlen befohlen / ſie ſolten ihm ein Ort zu Jeruſalem zurichten / allwo er mit ih - nen koͤnne das Oſterlamm eſſen / die Behauſung aber / und den Patron, bey dem er wollen die Einkehr nehmen / hat er nicht ent -Pars IV. Adecket;2Judas Jſcarioth /decket; dann Judas / ſo dazumahlen gegenwaͤrtig ware / ſolches ohne langen Verſchub denen Hebraͤern kundtbar gemacht haͤtte /Orig. in Cat. Div. Thom. maſſen neben allen andern Untugenden und Laſtern er nichts ver - ſchweigen koͤnnen.

Dædalus ein Kuͤnſtler / Glaucus ein Kuͤnſtler / Polycle - tus ein Kuͤnſtler / Phydias ein Kuͤnſtler / Bonarota ein Kuͤnſtler / Xeuxes ein Kuͤnſtler / Parrhaſius ein Kuͤnſtler / Albertus Düre - rus ein Kuͤnſtler / Joannes Guttenberger ein Kuͤnſtler / und un - zahlbare andere mehr / ꝛc. Jſt dann das nicht ein Kunſt / ſo mit unſterblichem Lob erfunden hat Joannes Guttenberger ein Teutſcher / durch deſſen groſſen Witz die Buchdruckerey iſt auf - kommen? Jſt das nicht ein Kunſt / die Albertus Dürer dazumahl erwieſen hat zu Nuͤrnberg / als er mit freyer Hand ein Craiß ge - macht mit einer Kohlen / den man mit einem Circklnicht kundte beſſer verfertigen? Jſt das nicht ein Kunſt / wie der beruͤhmte Xeuxes gemahlen hat ein Weinbeer / daß ſo gar die Voͤgel zuflo - gen / und darein gebeckt haben? Jſt das nicht ein Kunſt / Parrha - ſius einen Vorhang gemahlen alſo natuͤrlich / daß ſo gar Xeuxes ſelbſt verlangt / man ſolle den Vorhang hinweg ziehen / auf doß er das Kunſt-Stuck ſehen moͤge? Dieſe und alle andere ſeynd ſchoͤ - ne Kuͤnſten / herꝛliche Kuͤnſten / beruͤhmte Kuͤnſten / aber Still - ſchweigen iſt ein groͤſſere Kunſt / als mahlen / als ſchnitzlen / als drucken / als ſtechen / als hauen / als gieſſen / als ſchneiden / als praͤ - cken.

Man lehret zwar den Menſchen dieſe Kunſt von der Kind - heit an / aber der tauſende faſſet ſie nicht alſo / daß er deſſenthalben kundte kunſtreich genennet werden; dann ein Kind in der Wie - gen / in dieſem wanckelmuͤthen Bethlein / ſo es auch erſt etliche Tag die Welt angeſehen / wird von der Mutter / oder Kinds - Weib / durch das Eja pupeja zum Stillſchweigen ermahnt. Die Natur ſelbſt vergunnet dem Menſchen ehender das Sehen / das Hoͤren / das Riechen / das Schmecken / das Fuͤhlen / ja ſo gar das Gehen / als das Reden / zumahlen das Reden bey denenKin -3hat nichts verſchweigen koͤnnen.Kindern faſt die letzte Wuͤrckung; wordurch mir von der Natur gleichſam zum Stillſchweigen veranlaſſet werden. Aber gleich - wol Stillſchweigen iſt ein rare Kunſt. Der Patriarch Abra - ham bekommt von GOtt dem Allmaͤchtigen ein Befehl / er ſolle ihm ſeinen einigen Sohn Jſaac auf dem Berg aufopffern: da - zumahl ware Jſaac 24. Jahr alt. Abraham ohne weitern Ver - zug reiſt bey naͤchtlicher Weil von ſeinem Ort Barſabea genannt hinweg / und eylt den geraden Weg ſamt dem Sohn und Dienern nach dem Berg Calvaria, allwo ihm GOtt durch ein feurige Saͤulen hat angedeut / daß daſelbſt das Ort ſeye / wo ſolches Opf - fer ſolle vollbracht werden.

Es hat ja der fromme Patriarch hiervon der Sara als ſeiner liebſten und werthiſten Frau Gemahlin alle Nachricht geben / und ihr ſein vorhabende Reiß / und dero Urſach umbſtaͤndig geoffen - bahret? Nein / nein / ſie wuſte nicht im geringſten etwas / er ſagte ihr gar nichts von ſolchem hohen Geſchaͤfft; dann er gedachte / daß er ein geheime Sach niemand ſoll vertrauen / noch ausſchwaͤ - tzen. Aber der Sara wohl / dann ſie iſt dein Weib mein Abra - ham / ihr ſollſt du es ja entdecken? Weib hin / Weib her: Sie iſt gar fromm / fromm hin / fromm her: Es wird ihr nit ein wenig ver - ſchmachen: Verſchmach hin / verſchmach her. Warum aber die - ſes Abraham? Sie haͤtts nit koͤnnen verſchweigen / antwortet er / ſie haͤtt das Maul nit koͤnnen halten / dann die Weiber verſtehen ſich nit auf die Opera Taciti.

O! mein heiliger Patriarch / duhaͤtteſt ja ihrs ſcharpff koͤn - nen auferlegen / daß ſie ſolches keinem einigen offenbahre / da geredt / laß bey leib nicht weiter kommen / ꝛc. ja wohl da ge - redt / die Sara haͤtt es ihrem liebſten Sohn nicht koͤnnen ver - bergen: aber da geredt / mein Kind / haͤtt ſie geſagt; Jſaac haͤt - te es vermuthlich einem aus dem Geſind ihme vertrautiſten ge - offenbahret / aber da geredt mein Kerl / damit es nit weiter komme / dieſer haͤtte in der Still einer Dienſt-Magd / etwan der Cammer - Jungfrau / ſo er vor andern gern ſihet / dieſe neue Zeitung beyge -A 2bracht /4Judas Jſcariothbracht / aber da geredt / mein Jungfrau / daß nit weiter komme / das Menſch haͤtte nit koͤnnen ſo lang ſchweigen / als die Glocken am Charfreytag / ſondern haͤtte es allenthalben ausgebreitet; da waͤre aus einem da geredt / ein allenthalben geredt / und folg - ſam unter der Nachbarſchafft und Freundſchafft das gantze Ne - gotium ruchbar worden / welche dann in allwegen ſolches Opffer zu hintertreiben / Gelegenheit und Urſach geſucht haͤtten. Alles dieſes Ubel zuvermeyden / wolte es Abrahamb keinem einigen Menſchen vertrauen / ſondern die Sach mit Stillſchweigen ver - huͤllen. Und dieſes iſt ein Kunſt.

Von dem Heil. Aldebrando, von dem Heil. Guthla - ra, von dem Heil. Aſſiſiſchen Franciſco, von dem Heil. Gan - dolpho iſt bekandt / wie daß ſie mit denen Schwalmen zugebie - ten gehabt / ihnen dieſe Voͤgerl auch den Gehorſamb geleiſtet ha - ben: aber niemand hat von dieſen Haus-Schwaͤtzern alſo gelit - ten als der Tobias im alten Teſtament / da er ſich einmahl vor lauter Mattigkeit in ſeinem eignen Haus auf die Banck gelegt / iſt ihme aus dem Schwalben-Neſt das warme Koth in die Au - gen herunter gefallen / worvon er gantz ſtock-blind worden iſt. Ein ſo groſſes Ungluͤck iſt durch die Schwalm / durch dieſe Haus - Schwaͤtzer verurſachet worden. Aber es werden noch taͤglich ſehr viel Unheil allerſeits in der Welt nicht durch die Haus - Schwaͤtzer / wohl aber durch die Aus-Schwaͤtzer zugericht und ausgeſchmidet.

Samſon ware allein ſo ſtarck / daß er mit einem duͤrren Eſels-Kuͤhnbacken tauſend Philiſtaͤer erlegt / und dieſe ſeine Staͤrcke hatte er von GOtt dem Allmaͤchtigen / und nit wie etli - che / ſo ihre Staͤrcke / jedoch nur auf ein Zeit von dem Teuffel zu leihen nehmen; dergleichen Anno 1626. ſehr viel Baurn in Ober-Oeſterreich geweſt / deren an der Zahl uͤber 60. tauſend ſehr vermeſſene Ubermuth / die groͤſte Unruhe in dieſem Land ge - macht / Kloͤſter / Staͤdt und Maͤrckt mit ungezaͤhmter Furi ein - genommen und gepluͤndert / ſich allein verlaſſende auf ihre Staͤr -cke /5hat nichts verſchweigen koͤnnen.cke / maſſen der meiſte Theil durch Sataniſche Beyhuͤlff ſich alſo gefrohren gemacht / wie man insgemein pflegt zu nennen / daß weder Piſtollen-noch Mußquetten-Kugel ſeynd eingangen / biß man endlich Geiſtliche Mittel erfunden / wordurch deß Satans Mittel zu Waſſer worden / und der Bauern ihr Haͤut aus dem Leim gangen. Samſon hatte alſo weit anderſt ſeine Staͤrcke / maſſen dieſe von GOtt / und nicht von dem boͤſen Feind / der we - gen keiner Staͤrcke pralen kan; weil man ihn mit einem Blaſer vertreibt und in die Flucht jagt / ſo unter andern Ceremonien bey Tauffung eines Kinds geſehen wird. Samſon ein Held / ein Obſieger / ein Schrecken der Philiſtaͤer / ein Kriegs-Fuͤrſt ein Feld-Herꝛ / ein Glory deß gantzen Volcks Jſrael / iſt worden / was? ein Gefangener: was mehr? ein blinder Mann / was mehr? ein elender Tropff / was mehr? ein Sclav ſeines Weibs / was noch? es waͤre das genug / aber dannoch noch mehr / was dann? ein Narꝛ. Der iſt weit kommen. Vorhero ein Uber - winder / nachmahlen ein Blinder. Pfuy! Vorher von jeder - man gelobt / nachmahlen von jederman gevopt. Pfuy! Vor ein Streiter / nachmahlen wie ein anderer Bernheiter. Pfuy! Vorher alles und alles wegen ſeiner Haar / nachmahlen muſte er ſeyn gar ein Narꝛ / dann nit anderſt tractirten ihn die Fuͤrſten der Philiſtæer. Pfuy! Pfuy! und abermahl Pfuy! Woher dann alles dieſes Ubel? daher: Er hat das Maul nicht koͤnnen halten / er hat die Geheimbnus wegen der Staͤrcke ſeiner & Cætera Dalila entdecket und offenbahret / aber da geredt: mein Engel / laß bey dir allein: mein Hertz / daß nit weiter komme: mein Schatz / aber zwiſchen uns zwey geſagt: mein Leben. O Samſon wie thorecht! weiſt du dann nit / daß ein Weib leichter trage einen Centner Bley / als drey Loth Ge - heimbnus? weiſt du dann nit / daß ein Weib ſo viel Geheimbnus halte / als ein Raiff-loſes Vaß Waſſer? weiſt du dann nit / daß ein Muͤhl-Rad leichter zu arreſtieren ſeye / als ein Weiber - Zung? ſo bald ein Wort bey einem Weib zu den Ohren hineinA 3gehet /6Judas Jſcariot /gehet / ſo klopfft es alſobald bey der Maul-Thuͤr an / und verlange den Durchpaß. Schweigen iſt ein Kunſt / die find man ſo bald bey den Weibern nit. Nemini dixeritis. So ſeynd dann ge - heime Sachen auch dem eignen Weib / auch der Allerliebſten nit zuvertrauen? Nemini, auch dem nechſten Anverwandten nit? Nemini, auch dem beſten Freund nit? Nemini, auch dem ſonſt vertrautiſten Bruder nit? Nemini, dann wie willſtu / daß es ein anderer ſoll bey ſich behalten / der du es ſelbſt bey dir nicht behalten kanſt? wie begehreſt du / daß ein anderer dir ſoll treu ſeyn / da du dir ſelbſt nit treu biſt? wie glaubeſt du / daß ein anderer es ſoll ver - ſchweigen / indem du es ſelbſt nit verſchweigen kanſt? Nemini, Petrus hat die gantze Nacht gefiſchet / hat ſo viel Stund aneinan - der gefiſcht / hat oben / hat unten / hat in der Mitt gefiſcht / hat da gefiſcht / hat dort gefiſcht / hat hinumb gefiſcht / hat herumb gefiſcht / hat lincks gefiſcht / hat rechts gefiſcht / hat vor Mitternacht ge - fiſcht / hat nach Mitternacht gefiſcht / aber nichts gefangen / weder groſſe / weder kleine / weder mittelmaͤſſige gefangen / nit ein graͤdl Fiſch. nihil.

Bey jetziger Zeit iſt der Fiſch-Fang weit gluͤckſeeliger / und gehet weit beſſer von ſtatten. Wann ein Herꝛ von dem Rath nach Haus kommt / da fangt die Frau bald an zu fiſchen / ob es ſchon kein Faſttag / Kind / ſagt ſie / wie lang ſeyd es heunt mehr geſeſſen? mit derweil wird man euch die Hoſen mit Blech fuͤt - tern / damit ſie nicht alſo zerriſſen werden / es ſeynd gewiß mehr Hebammen Charge vacierend / daß ihr ſo langſamb mit umb - gehet. Mein Hertz / fiſcht ſie weiter / wie biſtu ſo feindſeelig gegen mir; andere Maͤnner haben weit ein groͤſſers Vertrauen zu ih - ren Weibern / unſer einer weiß weniger / als ein Koͤſtenbraterin auf der Gaſſen / und bin doch ein Raths-Frau. Sie fiſcht nit lang / ſie fangt bald / was? das und das. Biſt nit wunderlich / ſagt er / es iſt heunt im Rath vorgenommen worden / was zu thun / (aber da geredt / als wie in der Beicht) weil ein H. Mann pro - phezeyet / daß heuer ein ſolcher grauſamer Winter werde ſeyn /daß7hat nichts verſchweigen koͤnnen.daß auch die Seufftzer / ſo aus dem Hertzen ſteigen / unterwegs werden gefruͤhren / da geredt / verſteheſt mich? Es ſtehet nit ein Viertelſtund an / da hat man in dem gantzen Marckt / welcher Groͤſſe und Schoͤnheit halber wenig Staͤdten weichet / nichts an - derſt geredt / als von Boͤltzen / dergeſtalten / daß in einem halben Tag zweyen Kuͤrſchnern nit ein Spannlang Wahren uͤberge - blieben; dann ſie / dieſe Rath-Frau / ſolches ihrer Gevatterin in Geheimb vertrauet / dieſe einer andern / aber alles in Vertrauen / die dritte kundte auch nicht lang ſchwanger gehen mit dieſem Ge - heimbnus / daß alſo in einer ſo kurtzen Zeit auf allen Plaͤtzen dieſe ſo kuͤhle Prophezeyung vernommen worden.

Zu wuͤnſchen waͤre es / daß ein jeder Raths-Verwandter alſo beſchaffen / und nit gleich alle Sachen / ſo im Rath vorkommen / ſeinem Weib zu Haus thaͤt auf die Naſen binden / ſondern ihr vielmehr den Vorwitz mit einem dergleichen Gedicht daͤmpffete; weil nemblich ſo mannigfaltige Schaͤden aus ſolcher Offenbah - rung entſpringen; dann ihnen faſt unmoͤglich ſcheint ein Sach / forder iſt wanns vor geheimb geſagt wird / zuverſchweigen. Man weiß kein Veſtung / die ſo ſeltzam und wunderbarlich iſt erobert worden / wie die Stadt und Koͤnigl. Reſidentz-Platz Jericho; dann dieſe hat der beruͤhmte Kriegs-Fuͤrſt Joſue nit mit Carthau - nen / ſondern mit Poſaunen eingenommen / da er 6. Tag nach einander aus Befelch GOttes hat laſſen alle Tag einmahl die Archen deß HErꝛn / oder den H. Bunds-Kaſten durch die Prie - ſter umb die Stadt tragen: darneben waren 7. andere Prieſter / deren jeder ein Poſaunen geblaſen / vor gedachter Archen daher gangen: anbey aber ware das ſcharpffe Verbott / daß dieſe 6. Tag hindurch kein Menſch ſoll ein Wort reden / aber den 7. Tag ſollen alle zuſammen ſchreyen. Bey dieſem Volck Jſrael ware ein groſſe Menge der Weiber / und dieſe ſollen 6. gantzer Tag ſtillſchweigen? 6. Tag kein Wort reden? Mein lieber Feld - Herꝛ Joſue / das ſcheint unmoͤglich / das wird kein Menſch / es ſeye wer er wolle / zuwegen bringen. 6. Tag? wann ſie 6. Stunddas8Judas Jſcariothdas Maul hielten / ſo kundte mans vor ein Miracul und Wun - derwerck ausſchreyen / 6. Tag kein Wort reden? das iſt mit ei - nem Wort bey denen Weibern nit moͤglich. Es wird vonnoͤ - then ſeyn / daß man vor ein jedes Maul ein Schloß mache / es werden die Wort gleichwohl auf der Seiten einen Ausfall ten - tiren. Sylvayra ſchreibt / daß nach Ausſag der Hebraͤer / Jo - ſue habe alle Weiber von der Armee hinweg geſchaffe / und an - bey die Ordre geben / daß ſie am 7. Tag ſich wiederumben ſollen einfinden / maſſen derſelbe Tag werde ſeyn dies vociferationis, ein Geſchrey und Jubel-Tag; dann er glaubte ſelbſt unmoͤglich zu ſeyn / daß die Weiber ſo lang ſolten ſchweigen; weil aber der 7. Tag mit allem Fleiß zum Schreyen und Jubilier-Feſt geſtellt ware / alſo hat er die Weiber darzu beruffen / der Meynung / es werde ſolchen Tag niemand helffen beſſer celebriren als die Weiber.

Wann dann dieſem Geſchlecht das Stillſchweigen ſo gar nit natuͤrlich / wie ohnbeſunnen thun dann alle dieſelbe / ſo ih - nen einige Geheimbnus vertrauen / wie ungereimbt / ſcheint es / wann die Weiber ehender einen Rathſchlag wiſſen / bevor die Sach werckſtellig gemacht wird. Dahero mehrmahlen geſchicht / daß durch dererley Offenbahrung viel Sachen den Krebs-Gang nehmen / ja von dem Gegentheil oͤfftern hintertrieben werden. Nemini dixeritis. Sie iſt aber / ſagſt du / mein beſte vertrau - tiſti Freundin / das thut alles nichts / ſag ich; dann es kans die Zeit geben / daß ſie dein Feindin wird / ſo dann wird alles an Tag kommen / was du ihr ein und allemahl haſt anvertraut. Wer hatte den Joſeph lieber als deß Putiphars ſein Frau? der war ihr einiger Augapffel / der war ihr einiger Zweck ihrer Gedancken / der war ihr einiger Auffenthalt ihres Hertzens. Jhr Schauen war auf den Joſeph / ihr Reden war von dem Joſeph / ihre Ge - dancken waren von dem Joſeph / ihr Traumen war von dem Jo - ſeph. Nachdem ſie aber auf ihr vermeſſenes Begehren ein ab - ſchlaͤgige Antwort erhalten / und ihr der Mantel / nit aber dieUnſchuld9hat nichts verſchweigen koͤnnen.Unſchuld deß Joſephs in Haͤnden blieben / da iſt das ſchoͤne Wetter in ein truͤbes veraͤndert worden / da iſt die Ruthen Moyſes in ein Schlangen verkehrt worden / da iſt ſie die abgeſagtiſte Fein - din worden / und wann ſie Mordthaten haͤtte gewuſt von dem Joſeph / ſo haͤtte ſolche Wahr muͤſſen auf den Marck. Es ge - ſchicht wol oͤffter / daß in Geheimb anvertraute Sachen / die viel Jahr und Zeit verborgen / verdeckt / vermaͤntlet / verſchwiegen ge - weſt / auf dieſe Weiß entdeckt werden / worvon nachmahls der groͤ - ſte Haß / ein unausloͤſchlicher Grollen / ein unerſaͤttliche Rachgie - rigkeit / und allerley erdenckliche Ubel entſpringen / deſſentwegen entſprungen. Dahero ein groſſe und nutzbare Kunſt iſt das Stillſchweigen.

David iſt von dem Schaffbeltz zu dem Koͤniglichen Pur - pur gelangt / das iſt viel: hat den Hirtenſtab mit dem Scepter ver - tauſcht / das iſt viel: hat die Schmerkappen in ein Kron veraͤndert / das iſt viel: wann einer kommt von den Schaafen zu dem ſchaffen / und zwar zuſchaffen uͤber ein gantzes Koͤnigreich / das iſt kein ge - ringe Sach / wann einer kommt von den Huͤtten / zu dem huͤten / und zwar huͤten Land und Leut / das iſt kein ſchlechte Sach; wann einer kommt von der Heerd zum Herꝛſchen / und zwar uͤber Staͤdt und Provintzen / das iſt kein gemeine Sach. Vorher wa - re er arm / und iſt nachmahls ein Herꝛ einer gantzen Armee / vor - her ein Hirt auf dem Feld / nachmahlen gar ein Feld-Herꝛ / vor - her ein gemeiner Menſch / nachmahlen ein Haupt der gantzen Gemein Es kommt mir ſchier vor / als wann ein Chymicus Kupffer in Gold verwandlet / als wann ein gemeines Schaaf-Fell zu Pergament wird / worauf Paͤbſtliche Bullæ und Kaͤyſerliche Patenten geſchrieben werden / es iſt ſchier nit anderſt / als wann ein ſchlechter / tumperer / und ſtinckender Nebel von der Erden aufſtei - get / und nachmahlen in ein ſchoͤn glaͤntzende Wolcken verkehrt wird / mit einem Wort: David iſt hoch kommen / aber wenig iſt abgangen / gar wenig / daß er nit alles wiederumb verlohren / Kron und Thron / Land und Stand / Leuth und Beuth / alles iſt aufPars IV. Bden10Judas Jſcarioth /dem Spitz geſtanden. Er hat ſeine eigne Reſidentz-Stadt muͤſ - ſen verlaſſen / und zu Fuß darvon lauffen| / das gantze Volck wa - re auf deß Abſalons dieſes Ehrſuͤchtigen nicht aber ehrlichen Menſchen Seithen / als der durch den Fuchs-Schweiff bey einem Haar waͤre zum Scepter kommen. Aber aus was Wurtzel ein ſolches uͤbles Kraut? aus was Brunnen ein ſolches truͤbes Waſſer? Von was Hammer iſt ein ſolches groſſes Jammer ge - ſchmidt worden / alles dieſes Elend und all dieſer gemein Aufruhr hat kein andern Urſprung gehabt / als die Offenbahrung ge - heimbder Sachen. Dann wie der David ſeinem Feld-Herꝛn Joab ein Staffeta geſchickt / worinn er ihme in aller Geheimb an - befohlen / er ſolle gewiſſer Urſachen halber den Uriam an dem Spitz der Armee ſtellen / damit er bald den Reſt bekomme / ſo hat Joab ſolchen Brieff einem ſeiner Vertrautiſten gezeigt / doch aber er ſoll die Sach bey ſich behalten / der ander hat wiederumb einem guten Freund / doch ſub Roſa, vertrauet / dieſer auf gleichen Schlag mehrmahlen einem andern / doch aber damits nit weiter komme / iſt als ein kleine Zeit angeſtanden / daß ſolches unter der gantzen Armee iſt lautmaͤhrig worden / welches dem vermeſſenenRabbi Sa lamon a pud Ly - ran. in lib. 3. Reg. 2. Abſalon ein gewuͤnſchter Handel geweſt; dann er hierdurch dem Volck gezeigt / was ſie vor einen ſaubern Koͤnig haben / und die Sach ſo weit gebracht / daß faſt jederman ihme anhaͤngig worden und den David verlaſſen.

Nemini dixeritis. Jn einer vornehmen Stadt in Oe - ſterreich iſt eines wolhabenden Handelmanns Frau mit Tod ab - gangen / das Dienſt-Menſch / ſo eine geraume Zeit im Haus / wuſte das ſchoͤne Vermoͤgen ihres Herꝛn / und kundte beynebens leicht erachten / daß er zur andern Ehe ſchreiten werde / zumahlen er in beſten Jahren / und der Haus-Wirthſchafft allein vorzu - ſtehen nicht maͤchtig waͤre; ließ ihr als einfallen / daß es nicht uͤbel ſtuͤnde / wann ſie auf dieſem Marck kundte die beſte Wahr er - dappen. Weil ihr aber die eigene Armuth alle Hoffnung abge - ſchnitten / als gedacht ſie die Sach mit einem Fund und Argliſtdurch -11hat nichts verſchweigen koͤnnen.durchzutreiben / iſt demnach da / und vertritt bey naͤchtlicher Weil die Stell eines Geiſts / macht zuweilen ein Getoͤß / laſſet klaͤgliche und tieffe Seufftzer hoͤren / welches dem guten viel frommen Wit - tiber mehrmahlen den Schlaff benommen / und nicht in geringer Forcht und Beſtuͤrtzung geſtellt / ſo gar / daß er auch die Sach weiter gebracht / und hierinnfalls ein Rath geſucht bey denen Geiſtlichen / welche dann ihne mit allerley geweichten und heili - gen Sachen verſehen / auch anbey fuͤr gut und rathſam geſchloſ - ſen / er ſolle nach verrichter vollkommener Beicht und Commu - nion ohne Scheu und Entruͤſtung den Geiſt fragen / wer er ſeye? was er verlange? welchen allen der gute Mann fleiſſig nachkom - men / und ſo bald hierauf bey der Nacht der Geiſt ſich wiederumb angemeldt / fragt er / ob zwar nit ohne Zittern / wie leichtlich zuer - kennen / wer er ſeye? Ach! ware die Stimm und Antwort deß Geiſts / ach! ich bin dein ohnlaͤngſt verſtorbene Ehegemahlin. Ob ihr zu helffen? und wie? fragt er weiter: Ach freylich! ich leide in jener Welt unermeßliche Pein und Quaal meiner begangenen Suͤnden halber / und kundte leicht durch die grundloſe Guͤtigkeit GOttes aus dieſem ſo peinlichen Kercker erlediget werden / wann du in deinem kuͤnfftigen Heyrath nit wurdeſt anſehen die ſchnoͤde Reichthumben / und das zergaͤngliche Geld / ſondern vielmehr die liebe Tugend / welche forderiſt in deinem Dienſt-Menſch gefun - den wird / dann ihr wohlmeinendes Hertz und gutes Gewiſſen bey GOtt dem Allmaͤchtigen in groſſem Werth und Wolgefal - len. Ach! Ach! Hiemit verſchwind der Geiſt. Dem from - men Mann ware nichts mehrers angelegen / als die Erloͤſung ſeiner verſtorbnen Frauen / zumahlen ſie in groſſer Liebe / und un - zertrennter Einigkeit miteinander gehauſt; hat ſich als deß andern dritten und vierdten Tag dahin reſolviret / daß er ſein eignes Menſch freyen wolte / lieſſe ſich auch durch keinen andern Wider - Rath uͤberreden. Die Gewißheit ware nun beederſeiths / und hatte nun alles nach Wunſch auf Seithen deß Menſches ausge - ſchlagen / wann ſie nur ihr Maul / ſo ein uͤbler Gaul / haͤtte imB 2Zaum12Judas Jſcarioth /Zaum gehalten. Dieſe geheime Sach druckte und aͤngſtigte ihr Bruſt mehrer / als ein ſtarcker Steck-Catharꝛ / es ware ein Me - diein / die nur uͤber ſich treiben wolte / das Hertz kundte dieſes ſo gu - te Beſcheid-Eſſen allein nit verzehren / ſondern lude zu Gaſt auch die Zungen ein. Es ſteht nicht lang an / ſie vertraut ſolchen ihren geheimben Argliſt ihrer beſten Freundin. Dieſe / obſchon die Schweſter Fidelitas ſelbſt ſcheinte / kundte es gleichwol nicht ver - ſchweigen / etwan aus Neyd / daß ihr Mitgeſpanin zu ſo groſſen Gluͤck ſolle erhoben werden / bringt die Sach bey mehrern an / daß alſo die gantze Comædi an Tag kommen / und ſie nit allein ihr ſo gewuͤnſchten Heyrath verlohren / ſondern auch den Dienſt verlohren / den guten Namen verlohren / alles verlohren; das ei - nige ach! ach! wormit ſie ihren guten Herꝛn wolt uͤberfortlen / iſt ihr vor ihr Heyrath-Gut zuruck gegeben worden. So iſt dann Schweigen ein Kunſt / die wir ſo gar nicht koͤnnen erlernen / abſon - derlich die Weiber.

Es iſt ein gemeine Ausſag der Lehrer / daß unſer lieber HErꝛ hat wollen / daß ſein glorreiche Auferſtehung ſolle allenthalben ausgebreit werden / und zwar bald und ohne lange Verweilung; dahero er zur Offenbahrung dieſer groſſen Geheimbnus keine Maͤnner ſonder Weiber erwaͤhlet / benanntlich die H. Frauen / ſo das Grab beſucht; dann er glaubte ſelbſt / daß ſolche Zeitung nit kundte ehender unter die Leuth kommen / als durch die Wei - ber. Kayſer Sigismundus, umb weilen ſeine Frau Gemahlin eine gewiſſe guldene Muͤntz hat bereiten laſſen / mit einer ihme mißfaͤlliger Uberſchrifft / hat derenthalben ihr einen kleinen Ver - weiß geben / welches nit einen geringen Verſchmach verurſachet / dahero andere Meineydige eine Hoffnung geſchoͤpfft / dieſe Kay - ſer in Maria auf die Seithen zubringen / auch deſſenthalben der - ſelben ihr Vorhaben entdeckt / zu dem ſie nit allein ihren Willen ertheilt / ſondern noch mit Rath und That an die Hand gangen / wie daß ſelbe bey Naͤchtlicher Weile zum allerbequemiſten den Kayſer / wann er bey ihr ſchlaffe / koͤnnen aufreiben. Die ver -meſſene13hat nichts verſchweigen koͤnnen.meſſene Rebellen waren derenthalben guten| Muths / glaubten auch ihr boͤſes Vorhaben werde zu einem erwuͤnſchten Zweck ge - langen. Unterdeſſen war aber ihr Geheimbnus der Kayſerin entdeckt / ſo gleich Generis Fœmini, und hat den gantzen Ver - lauff dem Kayſer (wie dann dißfalls gar recht geſchehen) umſtaͤn - dig geoffenbahret. Als nun bey der Nacht die Gewiſſenloſe Ge - ſellen ihr moͤrderiſch Stuͤck wolten vollziehen / da war der Kay - ſer nit mehr im Beth / und ſeynd ſie bey anbrechendem Tag gleich zu gebuͤhrender Straff gezogen worden.

Obſchon erſt erwehnte Kayſerin ſehr Lobwuͤrdig und Ge - wiſſenhafft gehandlet in Offenbahrung dieſer geheimbden Nach - ſtellung / ſo erhellet doch klar / daß der jenige / ſo ein Sach will in der Geheimb halten / er es keinem ſoll vertrauen; dann ſo bald ein Ding ihrer Zweyen bekandt / ſo ſtehet es ſchon in Gefahr. Wie der beruͤhmte Kriegs-Fuͤrſt die Ausſpeher nacher Jericho geſchickt / da haben ſie ihr Einkehr genommen bey der Rahab / ſo da ein Weib de communi non Virginum, ſo unehrlichen Wandel als ſie gefuͤhrt / hatte ſie dannoch ein Mitleiden mit die - ſen Maͤnnern / und wann ſie nit geweſt waͤre / und mit ihrem Weiber-Liſt die gute Leuth verborgen / ſo waͤre es mit ihrem Leben aus geweſt: wie ſie nun durch dero Huͤlff aus der Gefahr geſtellt worden / und ſie zuvor ſchon mit ihr den Pact eingangen / daß ſie in Eroberung der Stadt / dieſem ihrem Haus / und allem / was darinn / wollen verſchonen / ſo haben ſie es mehrmahlen widerholt: Jm Fall du uns aber wirſt verrathen wollen / und dieſe Red unter die Leuth bringen Joſue 2. So wollen wir un - ſern geſchwornen Eyd und Parola auch nit halten. Es haben dieſe gute Leuth ſattſam erfahren die Treuhertzigkeit der Rahab / die Lieb dieſes Weibs / dero groſſe Huͤlff / und ſondern Beyſtand in der groͤſten Gefahr / warumb fragen ſie dann wiederumb / ob ſie die Sach wolle in Geheimb halten? Abulenſis antwortet / daß / ohnangeſehen ſie ſo viel Guts von ihr empfangen / ſo ſtunden ſie gleichwol noch an / ob ſie es werde verſchweigen koͤnnen. AlsB 3waͤre14Judas Jſcariothwaͤre es ſchier unmoͤglich einem Weib das Maul zu halten. Seye ihm / wie ihm wolle / beſſer iſt es doch / wann man ihnnen ge - heime Sachen / an denen viel gelegen / nit anvertrauet. Joann. Herold in ſeinem Sermonario, deßgleichen auch Valerius Ve - net: in ſeinem Prato Fiorito fol. 321. erzehlt / daß in einem gewiſſen Jungfrau-Cloſter einmahl die Rede waͤre von der Beicht / was Geſtalten dieſelbe ein ſehr heilig - und heilſames Werck ſeye / aber beynebens ein Sach / die nicht gar leicht / und ab - ſonderlich bey denen Geiſtlichen und GOtt gewidmeten Jung - frauen / wann ſie alle dero Verbrechen und menſchliche Schwach - heiten einem Beicht-Vatter muͤſſen entdecken / worbey die ange - bohrne und gleich-genaturte Schamhafftigkeit nicht wenig leide. Es waͤre ja beſſer und rathſamer / daß ſie uutereinander kundten beichten und Beicht hoͤren / damit folgſam dero Maͤngel denen Maͤnnern nit wurden offenbahr / ja ſie glaubten / wann man die Sach ernſtlich bey dem Paͤbſtlichen Stuhl ſolle vorbringen / daß unfehlbar unſer heiligſter Vatter dero gerechte Bitt werde erhoͤ - ren. Die Sach wurde ſo lang unter ihnen getriffert / biß ſie endlich einhellig geſchloſſtn / daß zwey aus ihrem Capitel ſollen durch geſammte Stimm erwaͤhlet werden / ſo da gedachtes Nego - tium zu Rom inſtaͤndig ſollen treiben / wie dann bald dergleichen zwey / bey denen mehrer Verſtand und Wolredenheit gefunden worden / zu dieſer Verrichtung erkieſen / welche dann ohne Ver - weilung ihr Reiß nacher Rom genommen / daſelbſt die Sach bey dem H. Stul angebracht / auch ſo gar Jhro Paͤbſtliche Heiligkeit das Negotium muͤndlich vorgetragen / woraus der Pabſt leicht erachtet / daß ſolches eine Verſuchung deß Satans ſeye / und dieſem Geſchlecht angewachsner Vorwitz / gibt ihnen doch ein gnaͤdigſte Antwort und anbey ein verſperꝛte oder verſchloſſene Schachtel / mit dem Verbot / ſie ſollen dieſe bey Leib nit eroͤffnen / ſonder fruͤhe Morgens ihme wiederumb verſperter uͤberantworten / alsdann ſeye er willig und urpietig dero Begehren zu befuͤrdern. Die 2. fromme Schweſtern nehmen nit ohne| ſondern Troſt ihren Weganch15hat nichts verſchweigen koͤnnen.nach Haus / wo ſie ein Zeithero logiret / aber es ware deß beyder - ſeits fragen und fragen / forſchen und fiſchen / was doch moͤg in der Schachtel ſeyn? die eine ſagt / machen wir ſie auf / und laſſen uns ſehen / was doch darinn kein gemeine Sach kans nit ſeyn / ach nein / widerſetzt die andere / laͤppiſche Schweſter / die Sach laſſe ſich nit thun / weil es uns der Pabſt ſelbſt verbotten. Der Vor - witz tribe ſie beede alſo lang / alſo ſtarck / daß ſie endlich die Schach - tel eroͤffnet / und ein kleines Voͤgerl / ſo darinn verſchloſſen war / Augenblicklich ausgeflogen; woruͤber ſie nit ein wenig beſtuͤrtzt worden / muſten demnach Noth halber den andern Tag bey Jhro Heiligkeit ihre Schuld bekennen / welcher dann ihnen ihre Schwachheit / und Weiblichen Vorwitz genugſam unter die Au - gen geſtellt / anbey ihr unbedachtſames Begehren verlacht / wis daß ſie nit faͤhig ſeyen Beicht zu horen / maſſen ſie nichts kundten verſchweigen / und wann eine der andern ſolte beichten / nachmah - len aber ein Uneinigkeit zwiſchen ihnen entſtunde / da muͤſten alle Geheimbnuſſen heraus / daß es nit allein das gantze Cloſter wu - ſte / ſondern auch durch die gantze Stadt lautmaͤhrig wurde. Mit ſolchem Beſcheid wurden die gute Schweſtern abgewieſen / den ſie auch ins Cloſter zuruck gebracht / die Eroͤffnung aber der Schach - tel ein Zeitlang verſchwiegen / endlich doch auch zu ihrer eigenen Schand ſolche entdecket. Nemini dixeritis. Es gibt aber ebenfalls auch viel Maͤnner / die nichts verſchweigen koͤnnen Con - ſilium, hat ſonſten den Namen von ſileo oder Stillſchweigen; aber leider! Es werden nit wenig Conſiliarij angetroffen / wel - che zum groͤſten Nachtheil und Schaden eines gantzen Koͤnig - reichs / Lands und Provintzien / einer gantzen Gemein offt die ge - heimbde Sachen entdecken. Wie viel Unheil waͤre etlich Jahr nacheinander vermeidet worden / was gluͤckliche Progreſſen in dem Krieg wurden dieſer Zeit bey uns geweſen ſeyn / wann nicht dergleichen meineydige Zungen und Feder dem Feind alle unſere Vorhaben und Anſchlaͤg haͤtten entdeckt! Es iſt nit allein ſchul - dig der Beicht-Vatter zuſchweigen alle ihme vertraute Suͤnden /und16Judas Jſcariot /und kan ſo gar der Roͤmiſche Pabſt / auch die Catholiſche Kir - chen dißfalls nicht diſpenſiren / ja er iſt ſchuldig ehender tauſend und tauſend bitterſte Marter und Todt auszuſtehen / als nur das allerwenigſte zu offenbahren. Dahero gar heilig gethan Joannes Nepomucenus zu Prag in Boͤheimb / welcher auf alle Weiß von dem boͤhmiſchen Koͤnig Wenceslao angeſtren - get worden / daß er doch moͤchte offenbahren / was die Koͤnigin / dero Beicht-Vatter er geweſen / ihme gebeicht; indem er aber ſol - ches in allweg geweigert / iſt er durch deß gottloſen Koͤnigs Be - felch umbgebracht / und in den Fluß Moldau geſtuͤrtzt worden / welcher aber durch Goͤttlichen Willen alſobald / wo der H. Mann hingefallen / ausgedrucknet / und jederman einen freyen Zugang vergunnet / damit der H. Leib nach Wuͤrde moͤchte begraben wer - den. Nicht allein ſag ich / iſt ein Beicht-Vaeter verpflicht in allen ihme entdeckten Dingen zu ſchweigen / ſondern auch ein jeder Rath / und verſuͤndiget ſich ein ſolcher ſchwer / wann er ein und an - dere Sach / ſo im Rath abgehandelt worden / jemand ander auſ - ſer deſſelben offenbahret / ja aller Haß / Neyd / Zorn / Grollen / Schaden und andre Ubel / ſo hieraus entſpringen / werden ei - ner ſolchen Schwaͤtz-Zungen zugemeſſen / und muß ein ſolcher dem gerechten Goͤttlichen Richter zu ſeiner Zeit die genauiſte Rechnungſchafft geben. Alle Secretarien ſeynd unter groſſer Suͤnd ſchuldig die in Geheimb geſchloſſene Ding beſtermaſſen zuverhuͤllen / und keinen hiervon etwas zuſagen / wann ſie ſehen / daß durch dergleichen Offenbahrungen einem und andern Theil einiger Schaden ſolte zuwachſen. Nemini dixeritis. Schwei - gen iſt ein Kunſt / aber dieſe verderbt gar offt der Wein. Das Wort Wein fangt von dem Buchſtaben W. an / und iſt nur gar zu wahr / daß das meiſte Wehe von dem Wein entſpringt / wann ſelber unmaͤſſig gebraucht wird. Wie der gute und ge - rechte Alt-Vatter Noe zu tieff in den Krug geſchaut / und ſich uͤberweint / da iſt er ſpoͤttlicher Weiß von ſeinem vermeſſenen Sohn entbloͤſt / und alſo was die erbare Natur ſelbſt zuverhuͤllenver -17hat nichts verſchweigen koͤnnen.verlangt ſchaͤndlich entdeckt worden. Es geſchicht wol oͤffter / daß der Wein die ſchon lang verborgne Sachen entbloͤſt. | Wann die Muſchlen und Auſtern ein Hitz vermercken / ſo ſperren ſie gleich das Maul auf: Wann der Menſch von dem uͤbrigen Wein-Trincken erhitzt wird / da ſtehet Hertz und Mund offen. Wann der Wein in dem Faß anfangt zu arbeiten und girren / da muß alles / was auch zu unterſt am Boden / zum Spundloch hin - aus; wann der Wein in dem Menſchen anfangt zu wuͤrcken / da treibt er alle Secreta und geheimbde Sachen zum Maul hinaus; wann das Muͤhl-Rad nit naß hat / ſo ſtehet es ſtill / wanns aber ſtarck drauf rinnt / ſo fangts an zu gehen / und macht ein groſſes klappern. So lang der Menſch nuͤchtern iſt / ſo ruͤhret ſich die Zung wenig / wann man aber wacker Wein drauf gieſt / ſo ſteht ſie nit ſtill / und ſchweigt nit ſtill / klappert ſo lang / biß alle Ge - heimbnus heraus gebeutlet ſeyn; dahero kein beſſere Folter / als der Wein / wordurch die Leut ohne ſondere Muͤhe zu aller Be - kantnus gebracht werden. Es kratzt wol oͤffter fruͤhe Morgens einer hinter den Ohren / umb weil er deß Tags zuvor beym Glaͤß! Wein zuviel geredt hat.

Vor dieſem in alten Teſtament muſte aus Befelch GOttes Arca die Archen deß Bunds mit ſehr viel Vorhaͤngen im Taber - nackl verdeckt ſeyn / damit ſie nit ein jeder kundte ſehen. Bey der Zelten ſolten von Rechts wegen Arcana wie Arca auch bedeckt und verhuͤllt ſeyn: aber der Wein iſt ſo vermeſſen und ohnver - ſchambt / daß er auch 100. Vorhaͤng thut hinweg reiſſen. Sam - ſon hat in der Stadt Gaza die Porten hinweg tragen / daß al - ſo die Stadt offen geſtanden / der Wein iſt nicht umb ein Haar ſchwaͤcher / dann er nur gar zu offt die Thuͤr von Hertzen und Maul hinweg nimmt / und folgſam beyde nit ohne groſſen Scha - den offen ſtehen. Schweigen iſt ein Kunſt / und dieſe ſollen forde - riſt auch lernen die Religioſen und Ordens-Perſohnen. Ein Cloſter ſoll beſchaffen ſeyn wie ein Bienen-Korb / worinn dieſe klei - ne Hoͤnig-Voͤgerl immerzu in der Arbeit begriffen ſeyn / und inPars IV. Cſolche18Judas Jſcarioth /ſolche ſchoͤne Ordnung in ihrer Regterung haben / daß auch die beſte Republic von ihnen noch kundte lernen. Jhrem Koͤnig erweiſen ſie den groͤſten Reſpect, dergeſtalt / daß ſie auch den - ſelben / wann er wegen langen fliegen muͤd wird / gar auf ihren Rucken tragen / ſie bauen ihme in mitten deß Korbs eine ſondere ſchoͤne Reſidentz / welche an Groͤſſe und Zierde die Wohnungen der andern weit uͤbertrifft; er hat ſtets umb ihne etliche / welche als eine wachtſame Leibguardy ſeine Hochheit begleiten / und von allen Ubel defendiren / ohne ſeine Erlaubnus darff keine extra Clauſuram ſich wagen / die meiſte Zeit viſitiret er die Zellen du anderen / und gibt genaue Achtung / damit keine dem Muͤſſiggang ergeben: ſind ſich jemand unter ſeinen Unterthanen / welcher die Arbeit flicht / oder wenigſt ſelbe ſehr ſaumſeelig verricht / ſo wird ſie ohne Verweilung zur Straff gezogen. Jhre Todte tragen ſie in ſchoͤnſter Ordnung aus dero Wohnung / und begleiten dieſelbe mit einem Traur - und Klag-Lied / ſo da beſteht in einem humbſen und murren. Alle Bienen haben nach Ausſag auch der Heil. Lehrer / eine ewige Jungfrauſchafft / maſſen unter ihnen weder Maͤnnl noch Weibl / wuͤſten auch von Natur umb keine Ver - miſchung / ſondern ihre Junge er zeigen ſie ohne einige Befleckung / in Summa die Goͤttliche Weißheit und Allmacht laſt ſich faſt in den groͤſten Thieren nit alſo ſehen / wie in dieſen wintzigſten klei - nen Thierlein. Abſonderlich haben ſie ein Lobwuͤrdige Manier und Gewonheit unter ihnen / daß ſie ihr Thun und Laſſen nie - mand laſſen ſehen; ja ſo gar hat einer aus Vorwitz dero Wandel zu ſehen / laſſen ein glaͤſſernen Bienkorb verfertigen / welche aber die beſcheidte Thierl inwendig mit lauter Wax uͤberzogen / und alſo hierinnfalls ihme eine waͤchſine Naſen gedraͤhet. Es wollen alſo dieſe auf keine Weiß / daß andere ſollen wiſſen / wie und was Geſtalten es bey ihnen hergehehe. Auf gleiche Weiß ſoll ein je - deß wohlgeordnetes Cloſter und Convent beſchaffen ſeyn / und auch dero Thun und Laſſen fein zwiſchen den vier Mauren ver - bleiben / und forderiſt die Maͤngel / deren zuweilen auch in Cloͤſternkein19hat nichts verſchweigen koͤnnen.kein Abgang / ſollen auf keine Weiß unter Weltliche grbracht werden / maſſen hierdurch groſſe Aergernus entſtehen / und ein Orden und Religion nit ein wenig verſchwaͤrtzt wird / wann der - gleichen Cloſter-Fehler unter die Weltliche getragen werden. Es waͤre zu wuͤnſchen / daß alle Religioſen eine Natur und Tugend haͤtten wie der Heil. Ægidius, ſo ihme oͤffters gewunſchen / daß er ein ſo langen Hals haͤtte wie ein Kranich / damit ihme nur die Wort nit ſo bald moͤchten ausbrechen. Gut waͤre es / wann die Religioſen und Ordens-Leuth mit dem Moyſe kundten ſagen / tardioris linguæ ego ſum: ſchoͤn waͤre es / wann ein jede Clo - ſter-Perſohn kundte ſagen / was einmahl geſagt hat Euripides als man ihne befragt / warumb er ſo ſtarck aus dem Maul ſchme - cke? gab er zur Antwort / weil viel Geheimbnus in ſeinem Maul verfaulet. Schweigen iſt eine Kunſt / und dieſe ſollen nach Moͤglichkeit lernen die Dienſtbotten / welche nit alles ſollen aus dem Haus tragen / was ſie ſehen oder hoͤren / ſondern vielmehr die Maͤngel deß Hauß vertuſchen. An einem Sambſtag hat unſer lieber HErꝛ einen Stock-Blinden Menſchen angetroffen / und hatte dieſer elende Tropff den Zuſtand von Mutter-Leib; wie ſolches die Apoſtel geſehen / fragen ſie gleich den Heyland / Rab - bi, ſprachen ſie / wer hat geſuͤndiget? dieſer oder ſeine Eltern? daß er blind gebohren? die gute Juͤnger haben verhofft / der HErꝛ werde alles heraus ſagen / und offenbahr machen den gantzen Wandel / den deß Blinden Eltern gefuͤhrt. Sie haben glaubt / er werde ſagen / wie daß die Eltern dieſes Menſchen ſehr Laſter - hafft gelebt / der Vatter ſeye ein lauter Partitymacher / die Mut - ter ein lautere Kupplerin / der Vatter ſeye zwar kein Fuhrman / aber er koͤnne gleichwol jederman hinter das Liecht fuͤhren: die Mutter ſeye zwar keine Tiſchlerin / aber ſie wiſſe gleichwolden Nechſten aufs aͤrgſte zuverleimbden; der Vatter ſeye zwar kein Soldat / aber mit Krieg gehe er allezeit umb: die Mutter ſeye zwar keine gute Wirthin / aber ſie wiſſe doch ſtattlich die Leuth durch die Haͤchel zu ziehen: der Vatter habe einen guten StilumC 2in10[20]Judas Jſcariot /in anderer Leuth Beutel / die Mutter habe gar gute Inventiones auf ungekehrten Baͤncken: in Summa, der Vatter ſeye nit weit her / und die Mutter habe nit weit heimb: darumb ſeynd ſie mit ei - nem Stockblinden Kind geſtrafft worden. Dergleichen Ant - wort hofften die Apoſtl auf ihr fragen / aber der HErꝛ hatte es nit im Brauch anderer Leuth Maͤngel offenbar zu machen / und ſelbe in ein boͤſes Geſchrey zu bringen / gab demnach die Antwort: Ne - que hic, &c. Weder er der Blinde / weder ſeine Eltern haben ge - ſuͤndiget / ſondern damit hierdurch die Werck GOttes offenbahr wurden Joan. c. 9. Deßgleichen hat er auch gethan / wie er mit der Samaritanin bey dem Brunnen geredt hat / und ihren Laſter - hafften Wandel unter die Augen geſtellt / da wolt er nit / daß die Apoſtl darvon etwas wiſſen ſolten: dahero dieſelbige in die Stadt geſchickt / mit dem Vorwand / daß ſie umb etliche Lebens-Mittel ſollen umbſehen; unterdeſſen hat er ihr einen Beicht-Spiegel ab - geben / die Warheit geſagt wegen deß gefuͤhrten ſchlimmen Wan - dels. Was muͤſſen andere Leuth wiſſen / gedacht er / wie dieſes Weib beſchaffen. Joan. 4. Alſo ſollen abſonderlich beſchaffen ſeyn die Dienſtbotten / welche niemahlen ſollen die Maͤngel und Unvoll - kommenheiten / ſo ſie in dem Haus ſehen / allenthalben kundtbar machen / und folgſam ihr Herꝛſchafft in ein uͤbles Geſchrey brin - gen / ſondern vielmehr aus Chriſtlicher Liebe die Schwachhtit deß Naͤchſtens / nach Moͤglichkeit verdecken; dann dergleichen Schwaͤtz-Zungen / ſo alles aus dem Haus tragen / und nichts koͤnnen verſchweigen / mehrmahlen eine Urſach ſeyn groſſer Uneinigkeiten.

Judas21

Judas der verzweiffelte Verraͤther unnd Hencker ſeiner eigner Perſon / hat eine ſchlechte Begraͤbnus.

NAchdem dieſer verruchte Iſcarioth das Zeitliche Leben durch den Strang geendet / und nachgehends ein Anfang gemacht dem ewigen Ungluͤck ſeeligen / ſo niemahl ein End; bald hier auf iſt der verdammte Coͤrper / als er vorhero ſchen das graußliche Jngeweid den Raben zu einem Confect geſpendiret / auch von dem Baum / woran er ſich erhenckt / herunter gefallen / aber von keinem / auch ſeinen vertrautiſten Freunden / die letzte Ehr / wie man pflegt zuſagen / gehabt / der ihn nur zur Erden haͤtte deſtaͤttiget / oder wenigſt in eine Gruben geworffen / welche doch zuweilen einem verreckten Vieh zu Theil wird. Papias Ecume - nius und Hiſtorica Eccleſiaſtica melden / daß von dieſem Iſcario - thiſchem Aas ein ſolcher Geſtanck ſeye gangen / daß kein Menſch daſelbſt kundte gehen / viel weniger wohnen / ja das Vernunfftloſe Vieh habe in ſelbiger Gegend ſich geweigert die Weid zunehmen. Gleichwie nun der allmaͤchtige GOtt die Graͤber ſeiner Heiligen meiſtens gar Glorreich und herꝛlich macht / alſo pflegt er hingegen auch die Graͤber der Gottloſen und verdammten Menſchen ſehr veraͤchtlich zu machen.

Ey ſo friß / ey ſo friß! Zu Zeit deß H. Macarij iſt einer ge - weſt / dem alle Tag ein Faß Wein / und ſo viel Brod / als man aus drey Metzen Meel kan bachen / nicht recht gekleckt hat. Zu Zeiten deß ſeeligen Macedonij iſt ein Weib geweſt / ſonſt aus Syria gebuͤrthig / welche alle Tag dreyſſig Hennen verzehrt. Der Heilige Guilelmus aus meinem Heiligen Orden / be - vor er durch den H. Bernardum iſt bekehrt worden / hat auf einmahl allezeit mehrer Speiß und Tranck zu ſich genommen / als ſonſten acht ſtarckeſte Kerl kundten darmit erſaͤttiget werden. Ey ſo friß! aber alle dieſe Fraß halber uͤbertrifft die Zeit / dieſeC 3ver -22Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.verzehrt Stein und Bein / verzehrt Leuth und Beuth / verzehrt Plaͤtz und Schaͤtz / verzehrt Felder und Waͤlder / verzehrt Buͤcher und Tuͤcher / verzehrt Lantzen und Schantzen / verzehrt Scheurn und Gemaͤur / verzehrt Speiſen und Eiſen / verzehrt Kron und Thron / verzehrt alles. Wie viel herꝛliche / maͤchtige / groſſe / reiche / weite / ſtarcke / ſchoͤne und Volckreiche Staͤdt ſeynd geſtanden / und ſtehen nimmermehr? wieviel ſtattliche / kuͤnſtliche / koͤſtliche / theure / treffliche / praͤchtige Pallaͤſt und Gſchloͤſſer ſeynd geſtanden / und ſtehen nimmermehr / wieviel beruͤhmte / wiepiel anſehnliche / wie viel koſtbahre / wieviel wunderſchoͤne Tempel und Kirchen ſeynd geſtanden / und ſtehen nimmermehr! ſondern an ſtatt der ſtar - cken Mauren wachſen Maurachen / an ſtatt der Pallaͤſt ſicht man etwan ein Moraſt / an ſtatt der ſchoͤnen Gaſſen ein oͤde Straſ - ſen / an ſtatt der Gebaͤu ein Einſiedlerey. Alles dieſes hat die Zeit verzehrt und aufgefreſſen: und dannoch unter ſo viel blutigen Kriegen / und ſo grauſamen Verhoͤrungen / unter ſo vielen Ver - folgungen iſt von der Zeit nicht verzehrt worden / iſt uͤberblieben nicht ohne groſſes Mirackl / das aufgemaurte Grab Chriſti deß HErꝛn. Wann ſolches Heil. Grab ſtunde unter Mitte der Chriſten / ſo waͤre das Wunder nicht ſo groß; weil es aber in dem Gewalt deß Chriſtlichen Erbfeinds / in den Haͤnden der Heyden / ſo in allweg ſuchen und verſuchen CHriſti Namen / Ehr und Lehr und Gedaͤchtnus auszutilgen / ſo iſt unter andern Wunder - wercken / welche der allmaͤchtige GOtt von Anbegin der Welt biß auf dieſe Zeit gewuͤrckt / dieſes nicht das geringſte / daß ſein H. Grab in Mitte ſeiner Feinde unverletzt bleibe.

Wo iſt ein Zung / die ausſprechen kan / wo iſt ein Feder / die beſchreiben kan / wo iſt ein Gedaͤchtnus / die mercken kan alle Wunder und Wunderwerck / ſo ſchon uͤber tauſend 600. Jahr gewuͤrckt worden bey dem H. Grab CHriſti deß Heyland? Die Erd umb das Grab CHriſti / der Lufft umb das Grab CHriſti / der Schatten umb das Grab Chriſti / der Staub umb das Grab Chriſti / die Gegend umb das Grab CHriſti haben bißheroWun -23hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Wunderwerck ſehen laſſen / was iſt dann erſt zu hoffen von dem H. Grab ſelbſten? Ohnangeſehen es in denen Haͤnden unſerer Feinden / iſt doch kein Koͤnigreich / kein Land / kein Provintz der Welt / woraus nit einige Andacht halber reiſen zu dem H. Grab deß HErꝛn. Nazaret, O wie Heilig! Bethlehem, O wie Heilig! Jeruſalem, O wie Heilig! der Oelberg / O wie Heilig! der Garten Gethfemani, O wie Heilig! Thabor, O wie Hei - lig! Calvari-Berg / O wie Heilig! aber alle dieſe H. Oerther uͤbertrifft das Grab CHRJSTJ / nach Ausſag deß Heiligen Bernardi.

Baronius ſchreibt / daß Anno 313. ein vornehme Dama mit Namen Coſmiana habe einmahl an einem Sonntag bey Naͤchtlicher Weil wollen das H. Grab beſuchen und verehren / es ſeye aber der Eingang von der Mutter GOttes / ſo ihr ſicht - barlich erſchienen / verbotten worden / umb weil dieſe edle Frau ein Ketzerin war; alſo gezieme ſich nit / daß ein ſolche Perſohn ſolle ein ſo heiliges Orth betretten.

Deßgleichen ſetzt erſtgemeldter Author hinbey / daß ein Fuͤrſt in Paleſtina habe ebenfalls in das H. Grab wollen hinein gehen / ſeye aber mehrmalen von einem groſſen Widder abgetrieben worden / als welcher mit ſeinen Hoͤrnern dem Fuͤrſten den groͤſten Gewalt angethan / biß endlich dieſer in ſich ſelbſt gangen / ſeinen Fehler erkant / den wahren Catholiſchen Glauben angenommen / und ſeine Suͤnd bereuet hat.

Mein Heil. Vatter Auguſtinus betrachtet einerſeits die Herꝛlichkeit deß Jungfraͤulichen Leibs Mariæ, anderſeits er - wegt er die Glory deß Grabs Chriſti / und weiß ſchier ſelbſt nicht / wem er aus beyden den Vorzug ſolle geben! endlich bittet er dig Mutter GOttes demuͤthigſt umb Vergebung / umb weil er diß - falls den Ausſpruch thue auf Seiten deß Grabs: gebenedeyes und herꝛlich / herꝛlich und gebenedeyet / ſpricht er / iſt der Leib Ma - riæ; weil in demſelben gelegen der wahre Heyland JESUS: ſo iſt aber eben dieſer Welt Erloͤſer gelegen in dem Grab aus die -ſem24Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.ſem aber iſt er unſterblich herfuͤr gangen / aus dem Jungfraͤuli - chen Leib aber ſterblich. Wie er kame aus dem Leib Mariaͤ / da hat er gleich andern geweint / wie er kommen aus dem Grab her - vor / da hat er gelacht / und wegen ſeiner Urſtaͤnd die gantze Welt erfreuet. Jſt demnach eins Theils das Grab Chriſti herꝛlicher als der Jungfraͤuliche Leib Mariaͤ.

〈…〉〈…〉Rupertus Tuitenſ. l. 8. de Offic. Divi. vermerckt / daß in der groſſen Stadt Leyden / daſelbſt in dem Cloſter S. Lau - rentij, am H. Sambſtag in der Char-Wochen ſich dieſes Wun - der habe zugetragen; als dazumahl die Religioſen bey dem Heil. Grab die Antiphonarn geſungen: Mulieres ſedentes ad mo - numentum, und etwan ein Religios was wenig gezweifflet an der glorreichen Urſtaͤnd Chriſti aus ſeinem Grab / da ſeye ihme / gedachten Religioſen / augenblicklich die Guͤrtl vom Leib auf die Erde geſprungen / und wie er ſich mit ſolcher wiederumb wolte um - guͤrten / da find er / daß der Knopff nit aufgangen / hoͤrte anbey die - ſe Wort:

Sic potuit clauſo Chriſtus prodire ſepulchro.

Der H. Evangeliſt Joannes beſchreibt es umbſtaͤndig / wie daß Magdalena ſammt andern Gottſeeligem Frauen-Zimmer ſeye in aller Fruͤhe zu dem Grab deß HErꝛn kommen / cûm ad - huc tenebræ eſſent, da es noch dunckel war / und dannoch ſahe ſie / daß der Stein vom Grab hinweg geweltzt ware / ja ſo gar ſa - he man die leinerne Tuͤcher ligen / ſie ſahen die zwey Engel bey dem Grab: auſſer deß Grabs ware es noch gantz dunckel / und folg - ſam im Grab / darinnen ware es ſtockfinſter: ſo hatten ſie auch weder Liechter noch Zacklen / wie kans dann ſeyn / daß ſie alles ſo neto geſehen? Der H. Gregor. Nyſſen. loͤſet dieſen Zweiffels - Knopff auf / und ſagt / daß es zwar noch gantz ſtockfinſter gewe -Orat. to. de Re - ſurrect. ſen / aber das H. Grab ſeye inwendig voller Liechter geweſen / alſo zwar / daß die Stein und Marmel wie die ſchoͤnſte Morgenroͤthe geſchienen / und haͤtte dazumahl der Diamant muͤſſen mit allem leinem Liecht zuruck ſtehen.

So25hat eine ſchlechte Begraͤbnus.

So iſt dann glorioß und herꝛlich geweſt / und iſt noch / und wird bleiben / das Grab CHriſti; dahero hoͤchſt Lobwuͤrdig die Andacht der eiffrigen Chriſten / welche mit ſondern Jnbrunſt die H. Graͤber beſuchen / und geſchicht ſolche Andacht forderiſt mit all - gemeiner Auferbaulichkeit bey dem Allerdurchleuchtigſten Haus von Oeſterreich / bey dieſem annoch gluͤcklich regierenden Roͤmi - ſchen Kayſer / welcher alle Jahr ein halben Tag zu Fuß in Be - ſehung der Graͤber zubringt: auch hat dißfalls die Haupt-Stadt Wien den Preiß / ja bey der gantzen Welt den Vorzug / maſſen alle Jahr viel 1000. fl. Unkoſten aufgehen allein in Aufrich - tung und Erbauung der wunderſchoͤnen Graͤber in unterſchledli - chen Kirchen / welche Andacht neben andern auch dem Allerhoͤch - ſten ſo wohlgefaͤllig iſt / daß er vermuthlich in Anſehen deſſen die Stadt Wien mehrmahlen aus den groͤſten Gefahren errettet hat / ja immerfort derſelbe noch mehrer aufhilfft / daß ſie alſo der herꝛlichen Gebaͤu halber keiner Stadt der Welt viel nachgibt. Glorreich iſt auch das Grab der uͤbergebenedeyten Mutter GOttes Maria / welches auf den heuntigen Tag nit allein von den Chriſten / ſondern ſo gar auch von den Tuͤrcken ſelbſt und un - glaubigen Saracenern in groͤſten Ehren gehalten wird / von der Zeit an / da dieſe Himmels-Koͤnigin in Begleitung aller Apoſtlen / ſo dazumahl durch ſondere Allmacht GOttes auf ein Stund von allen Orthen der Welt dahin verſammlet worden / auſſer deß Thoma / zum Grab getragen worden / worinn ſie ein kleine Zeit verblieben / und bald mit Leib und Seel gantz glorreich in Himmel gefahren. Von Zeit dieſer an hat man die Mirack / und Wunderwerck bey dero Grab nie vergraben koͤnnen; ja ſo gar hat ſich dieſes Wunder ereignet / da dieſe uͤbergebenedeyte Jungfrau auf den Achslen der Apoſtlen mit voͤlliger Muſic der Englen zum Grab getragen worden / daß ein vermeſſener Jud ſich unterfangen / die Toden-Bahr von den Achſeln auf die Erde zu werffen / worauf er alſobald wegen ſeiner begangenen| Frechheit geſtrafft worden / maſſen die Hand von dem Arm gewichen / undPars IV. Dan26Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.an der Baar hangen blieben / biß er endlichen ſolchen Muthwillen bereuet / Vergebung ſeiner Mißhandlung von der Mutter GOttes gebetten / und wiederum die Hand erhalten. Von die -Fr, Ama - deus in Apocal. ſer Zeit macht ber allmaͤchtig GOTT noch das Grab ſeiner heiligſten Gebaͤhrerin beruͤhmt / mit ohnzahlbaren Mirackel und Wunderwercken.

Eine aus den vornehmſten Wallfahrten der Chriſtenheit iſt zu Valentin in Spanien / insgemein de Puche genannt / all - wo ein Wunderthaͤtiges Maria Bild von Stein verehret wird /A tlas Marian. inm. 2. fol. 913. und ſchon zu Zeiten der Apoſtlen dahin gebracht worden / dieſe heilige Bildnus haben die Engel ſelbſt verfertiget aus dem Stein ſo auf dem Grab der Mutter GOttes gelegen / worvon bey Franciſco Poilo neben ohnzahlbaren vielen Miracklen ein meh - rers zuleſen.

Sepulchrum Pulchrum.

Ein Nußbaum wird von jederman mit Pruͤglen gegruͤſt / deßgleichen Petrus; ein Weintrauben muß grauſam leiden un - ter der Preß / deßgleichen Paulus; ein Traid wird erbaͤrmlich ge - troſchen / deßgleichen Petrus; ein Flachs wird offt durch die Haͤ - chel gezogen / deßgleichen Paulus; ein Faß wird allerſeits gebun - den / deßgleichen Petrus; ein Trummel wird meiſtens geſchlagen / deßgleichen Paulus; ein Pfeffer wird aller zerſtoſſen / deßgleichen Petrus; ein Erde wird mit Fuͤſſen getretten / deßgleichen Pau - lus; ein Straus muß harte Brocken ſchlicken / deßgleichen Pe - trus; ein Ball wird hin und her geſchlagen / deßgleichen Paulus; Petrus und Paulus ſeynd umb CHriſti Willen auf der Welt verhoͤnet worden / verſpottet worden / veracht worden / verlacht worden / verfolgt worden / vertriben worden / verklagt worden / ver - wund worden / ermord worden. Aber was nach dem Tod? da hat ſich das Blaͤtl umgewend / das Wetter veraͤndert / das Con - cept umbkehrt; die man vorhero mit Fuͤſſen getretten / jetzt beugt man ihnen die Knye / die man vorhero in eiſenen Ketten und Banden geſchlagen / jetzt wird ihnen Silber und Gold geopffert /die27hat eine ſchlechte Begraͤbnus.die man vorhero in finſtere Kercker geworffen / jetzt baut man ih - nen Tempel und Kirchen auf / die man vorhero aus der Stadt verwieſen / jetzt thut man ihnen ſtattliche Ehr beweiſen / die man vorhero verlacht hat / jetzt weint man bey ihrer Bildnus / |die man vorhero vor Lappen gehalten hat / jetzt brennt man ihnen zu Eh - ren Lampen / denen man vorhero das Leben genommen / jetzt ver - ehrt man dero Graͤber / uͤber die vorhero die Tyrannen verbeint geweſen / jetzt ehrt man dero Beiner. Mauſoli Grab iſt ſchab ab / Alexandri Grab iſt ſchabab / Agamemnonis Grab iſt ſchab - ab / Pompeij Grab iſt ſchabab / Auguſti Grab iſt ſchabab / Ne - ronis Grab iſt ſchabab / Trajani Grab iſt ſchabab / aber das Grab Petri, das Grab Pauli gilt zu Rom mehr als alles Gold / was man aus der Erde graben kan: das Grab Petri / das Grab Pauli iſt zu Rom heilſamer als alle Wurtzlen / die man aus der Er - den graben thut / das Grab Petri das Grab Pauli iſt zu Rom in ſolchem Werth / daß man dero Abbildung in Silber / in Gold / in Kupffer / in Ertz graben thut.

Sepulchrum Pulchrum

Solte jemand ein Chartel haben / groͤſſer dann ein Ochſen - Haut / ein Feder / wolberedter als die Zung deß Demoſthenis, ein Alphabeth, kuͤnſtlicher weder jenes / deſſen ſich der gebrau - chet / welcher den gantzen Paſſion auf einen Reichsthaler ge - ſchrieben / ſo erkleckete dannoch dieſes alles nicht / zuverfaſſen jene Grabſchrifft / welche von der gantzen Welt verdienet hat der groſſe Blutzeug und Juͤnger Chriſti Bartholomæus, welcher ihme gleichſamb mit ſeiner Hand und Handſchrifft ſeines heili - gen Lebens und Marter ein unausloͤſchliches Lob verdienet / auch in der geſammten Chriſtenheit billichſten ſolte roth geſchrieben ſeyn / da der |allmaͤchtige GOtt ſelbſt ſein Grab annoch auf der Welt herꝛlich gemacht / beforderiſt dann in Aſia, allwo beſagter H. Apoſtel Bartholomæus, die Marter Kron erhalten / da die Chriſten wegen neu entſtandener Verfolgung ihr Zuflucht ge - nommen zu ſeinem Grab / welches den unglaubigen Heyden alſoD 2ſchimpff -28Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.ſchimpfflich vorkommen / daß ſie den H. Leib ausgraben / denſelben in ein bleyenen Sarg gelegt / und in das tieffe Meer verſenckt / mit dem hoͤniſchen Vorwurff / daß er nunmehr ihr Volck nichtGreg. Turon. l. 1. de Glor. Mart. c. 34. koͤnne verfuͤhren. Aber GOtt / der auch zu Eliſæi Zeiten hat gemacht das Eiſen ſchwimmen / hat ebenfalls wollen / daß auch der bleyene Sarck wie ein Schiffel auf dem Meer daher geſchwum - men / und endlich in die Jnſel Lipparis mit Namen / angelendt / allwo die Jnnwohner ihne mit hoͤchſten Freuden empfangen / mit unbeſchreiblichen Pracht begraben / auch uͤber das Grab ein ſehr herꝛlichen Tempel gebauet / woſelbſt ſtaͤte Wunderwerck geſehen werden.

Sepulchrum Pulchrum.

Dismas ein Haupt Boͤßwicht / und langwuͤriger Moͤrder und Rauber / hat endlich auch den Himmel geraubt / nachdem er als ein Henckermaͤſſiger Geſell an den Galgen deß Creutzes kom - men / aber wie hat er die Sach angriffen? Die Fuͤß hat er nicht brauchen koͤnnen / damit er haͤtte koͤnnen Wallfahrten gehen / die Haͤnd / ſo ihme gebunden geweſt / hat er nicht koͤnnen brauchen in einem Spittal / damit den armen Leuten zu dienen / oder ſonſt mit denſelben haͤuffiges Allmoſen auszutheilen; ſeine Lenden hat er nicht koͤnnen auf eine bußfertige Art mit rauhen Cilicien umb - guͤrten. Was Vortheil hat er dann erfunden? Er hat das Creutz zu einer Cantzel gemacht / er hat ein Prediger abgeben / er hat ſeinen Mit-Camer aden angefangen eyffrig zu ermahnen / da - mit er von ſeinem Gottslaͤſtern ſolle abſtehen / und glauben an JEſum Chriſtum / der unſchuldiger Weiß zwiſchen beyden han - gete. Dieſes Werck hat dem HErꝛn und Heyland alſo wol gefal - len / daß er ihn derenthalben lebendig canoniciret. Alſo lehret der H. Chryſoſt.

Hat nun der ſuͤſſeſte JEſus dieſem offentlichen Moͤrder ſolches gute Werck alſo vergolten / indeme er doch mit ſei - ner Ermahnung nichts gefruchtet / wie wird dann erſt der guͤtigſte Heyland belohnt haben jene Heilige / welche mit ihrerLehr29hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Lehr und eiffriger Ermahnung ſo viel zu dem wahren GOtt ge - bracht haben? unter welchen forder iſt zuzehlen der heilige Marty - rer und Blutzeug Sebaſtianus, als der von freyen Stucken oh - ne Forcht deß Tyranniſchen Kayſers / die Chriſten / ſo allbereits wegen ohnmenſchlicher Peinigung zu wancklen angefangen / zu frommer Beſtaͤndigkeit ermahnt und angefriſcht / alſo zwar / daß ſie mit freudigen Gemuͤthern und lachenden Mund / mit Lauten und lautern Freuden und Jubel-Schall zum Tod gangen: be - lohnt hat ihn derenthalben der allguͤtigſte GOtt nit allein mit ei - ner ewigen Kron / ſondern auch auf der Welt mit einem uͤber - reichen Grab.

In actis SS. wird geſchrieben / daß ein Prieſter aus Aquita - nia ſeye nacher Rom gereiſt / allwo er / Vermoͤg ſeines Eyffers / alle heilige Oerther daſelbſt beſucht / unter andern ein abſonder - liche Andacht verricht bey dem Grab deß Heil. Sebaſtiani, da - ſelbſt auch ein wenig Erde und Staub von dem Grab mit ſich nacher Haus getragen: unter Wegs aber hat ſich zugetragen / daß er Mattigkeit halber unter einen Baum ſich niedergelegt / zu - vor aber in einem kleinen Binckerl die beſagte Erde auf den Un - ter-Aſt gehenckt; Nachdem er nun ein gute Zeit ein ſanfften Schlaff vollbracht / wolte er ſein vermeinten Schatz wiederumb von dem Aſt herunter nehmen. Es zeigte ſich aber der gruͤne Aſt dermaſſen Halsſtarrig / daß / ſo offt er nach den Reliquien langte / der Aſt allemahl von ihm gewichen / deßgleichen auch ſei - nem Cammeraden wiederfahren / ſo alle umbſonſt und vergebens nach dem Aſt griffen. Solches Wunder wird alſobald laut - maͤhrig / daß folgſam die gantze Nachbarſchafft zuſammen gelof - fen / und keiner aus ihnen kundte den Aſt / an dem die Heilthumber hangten / auf alle angewendte Weiß erdappen / wordurch| die fromme Leuth veranlaſt worden / daß ſie allda eine ſchoͤne Kirchen dem H. Sebaſtiano zu Ehren aufgericht / allwo noch auf heunti - gen Tag ſehr groſſe Wunderwerck geſchehen.

D 3Se -30Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.

Sepulchrum, Pulchrum

Der groſſe Mann GOttes Elias iſt mit Roß und Wa - gen in Himmel gefahren / welches noch keinem einigen Heiligen wiederfahren; dem auf freyen Feld ein feuriger Wagen ſammt feurigen Pferden erſchienen / auf welchen er ſich| geſetzt und folg - ſam durch einen Sturm (mercks wohl per turbinem in - lum) durch einen Sturm in Himmel gefahren. Dieſes ſoll ein Troſt ſeyn allen betrangten / und mit Creutz beladenen Men - ſchen / die ſo manchen Sturm muͤſſen ausſtehen / daß nemblich dieſes die rechte Weiß ſeye in Himmel zukommen. Elias kommt durch ein Sturm-Wind in Himmel / aber Stephanus durch ein Rißel und Schaur. Andere durch Schauer und Stein-Rißel grathen in Zeitliches Verderben / aber Stephanus durch ſeine Stein iſt Steinreich worden / maſſen er hierdurch das Himmel - reich erworben. Wie der Sathan unſern HErꝛn und Heyland in der Wuͤſten verſucht / hat er neben andern auch begehrt / er ſoll aus Stein ein Brod machen. Dem Teuffel iſt damahl die Sach nit angangen: aber wie Stephanus verſteiniget worden / da hat ihme der HErꝛ JEſus die Stein nit in Brod / ſondern gar in Zuck er verwandlet: Lapides illi dulces fuerunt; maſſen die ſe ihme gantz Zuck erſuͤß vorkommen / in Erwegung der Glory / ſo ihme derenthalben der guͤtigſte GOtt ertheilen werde. Es hat aber der Allmaͤchtige dem H. Ertz-Martyrer Stephano nit al - lein die unendliche Glory deß Himmels gegeben / ſondern auch ſein Grab auf dem Erdboden herꝛlich und glorreich gemacht. Wie der H. Leib deß groſſen Ertz-Martyrers Stephani hat ſollen in ein anders Grab uͤberfuͤhrt werden / und man ſolchen Schatz auf ein Wagen gelegt / ſo von zweyen Maul-Thieren geſpannt ware / ſo ſeynd dieſe nit weiter gangen als an das Ort Conſtantinus genannt / allwo ſie beyde ſtill geſtanden; als man ſie aber mit harten Streichen weiter zugehen angetrieben / da hat eins aus beſagten Maulthieren mit Menſchlicher Stimm dieſe Wort in Gegenwarth deß Roͤmiſchen Pabſtens und deßge -31hat eine ſchlechte Begraͤbnus.geſammten Volck geredt / quid nos cædis! hic Sanctus eſt collocandus. Was ſchlagſt du uns? es muß der Heilige hierSurius in Aug. verbleiben. Uber ſolches unerhoͤrte Wunder hat maͤnniglich die Haͤnd gen Himmel gehebt / und GOtt den Allmaͤchtigen ge - benedeyet und geprieſen / auch hat bald hernach der Kayſer ein ſehr ſchoͤne Kirchen dem H. Stephano zu Ehren dahin aufrich - ten laſſen.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Cathar. V. M.

Den Ehrſuͤchtigen Koͤnig zu Sichem / mit Namen Abime - lech, nachdem er ſeine Haͤnd mit dem Blut ſeiner nechſten Anverwandten gewaſchen / und andere mehr dergleichen Mord - Thaten begangen / hat ihn GOtt endlich mit gleicher| Muͤntz be - zahlt; weil er aus purer Ehrſucht 70. Maͤnner auf einem Stein erwuͤrgt / alſo iſt ihme nachmahls auch mit einem Stein den Reſt gegeben worden. Aber wie? Abimelech wolte den feſten Thurn zu Thebes ſtuͤrmen / wohin ſich ſehr viel Leuth / Mann - und Weibs-Perſonen reterirt / als er nun in voͤlligem Werck begriffen / da wirfft ihme von oben herab ein Weib ein groß Stuck von einem Muͤhlſtein auf den Schedel / und zerbrach ihme das Hirn: confregit cerebrum ejus, das hat den ſtol -Jud. 9. tzen Geſellen alſo geſchmertzt / indem ihm ein Weib das Hirn zerbrochen / daß er alſobald ſeinen Waffentraͤger befohlen / er ſol - le ihne mit dem Schwerd umbbringen / damit man nicht heut oder Morgen ſagen koͤnne / ein Weib habe ihme den Reſt geben. O uͤbermuͤthiger Geſell / es iſt gleichwol zu einem ewigen Spott der gantzen Welt kundbar worden / daß dir ein Weib das Hirn zer - brochen. Aber das iſt bey weiten nit ſo viel / als was Catharina ein zarte Jungfrau gethan / daß dieſe nit nur einen / ſondern gar 50. Maͤnnern und beruͤhmbten Weltweiſen das Hirn zerbrochen; dann dieſe meſſen ihnen zu die groͤſſeſte Weißheit der Welt: es hat aber dieſe zarteſte Heldin in einer offentlichen Diſputation dero beygebrachten Lehr alſo widerlegt / daß ſie ſelbſt ſich vor uͤberwun - den bekennet / und den wahren Glauben JEſu Chriſti angenom -men32Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.men. Es hat demnach der allerhoͤchſte GOtt dieſe ihme werthiſte Braut wegen ihres ſo groſſen Heldenmuths und Beſtaͤndigkeit / abſonderlich in dem Leiden und blutigen Tod nicht allein ſtattlich belohnt in der ewigen Seeligkeit / ſondern ſo gar auch ihr Grab auf der Welt beruͤhmt gemacht.

Der Leib der H. Jungfrauen und Martyrin Catharina iſt durch die Engel begraben worden auf dem Berg Sinai, allwo noch auf heutigen Tag ſehr groſſe Wunder zu ſehen. Unter andern iſt daſelbſt ein ewiges Mirackel anzutreffen; dann alle Jahr in der Vigil oder Abend vor dem Feſt der H. Catharinæ ein ohnzahlba - re Menge der Voͤglen / als Raaben / wild Tauben / Storchen / Kranichen / Alſtern / und andere daſelbſt ankommen / und ein jeder Vogel traͤgt in dem Schnabel ein Oel-Zweigel mit Oliven / wel - ches ſie auf dem Thurn allda niederlegen / worvon die GeiſtlicheManda - villa cap 66. fol. 74. daſelbſt ſo viel Oel preſſen / daß ſie nit allein fuͤr ihr Haus-Noth - durfft genug haben / ſondern damit auch die Lampen erhalten / wel - che vor dem hoͤchſten Gut / und bey dem Grab der H. Martyrin und Jungfrau brennen.

So wird auch daſelbſt auf dem Berg Sinai das groſſe Wun - derwerck erzehlt / ſo ſich mit dem Biſchoff Sabino und Caſſinen - ſiſchen Abdten Theodoro zugetragen / als ſolche das Grab der H. Catharinæ wolten beſuchen / und bereits bey dem Berg Sinai ankommen / hat ſie ein Arabiſche Parthey angegriffen / dero Ca - meraden alle ermordet / dem Biſchoff aber ſammt dem Abbten die Ohren / Naſen / Zung / Haͤnd und Fuͤß abgeſchnitten / damit ſie alſo nach und nach ſchmertzlicher ſterben ſolten. Dieſe beyde aberMante - gaza lib. 1. de iti - ner. Je - ruſſ. ungeacht alſo geſtimmlet und verwundet ſeynd nach aller Moͤg - lichkeit zu dem Grab der Heil. Catharinæ krochen / allwo ſie durch dero Vorbitt wunderbarlich in einem Augenblick an allen Glie - dern friſch und geſund aufgeſtanden. |

Sepblchrum, ſed Pulchrum S. Stanislai Ep. Cracovi:

Jn der Apothecken ſeynd unterſchiedliche Spiritus anzutref - fen / benanntlich Spiritus Vini, Spiritus Vitrioli, SpiritusTar -33hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Tartari, Spiritus Salis, Spiritus Sulphuris, Spiritus Ma - tricalis, Spiritus Hyſtericus, und viel dergleichen andere mehr / welche alle unter der Medicin gebraucht werden. Aber ein Spi - ritus iſt in der Apothecken beym rothen Creutz / welcher gar wi - derwaͤrtig einzunehmen forderiſt von groſſen Herren / dann er bewegt ihnen gemeiniglich die Gall / dieſen Spiritum hat der ge - treutzigte JEſus verſprochen zu ſchicken; cûm autem venerit Paracletus, quem mittam vobis Spiritum veritatis: die - ſer Spiritus wird genennet der Geiſt der Warheit / ſolcher er - weckt den groſſen Herren meiſtens die Gall / daß ſie nit ein wenig erbittert werden / wann man ihnen die Warheit ſagt. Joannes der Tauffer hat es erfahren / vor ihm der Prophet Michæas, der Prophet Iſaias, der Prophet Jeremias, der Prophet Amos, und viel andere mehr. Was GOtt der HErꝛ und Heyland einmahl der wohlmeinenden Magdalena nach ſeiner glorreichen Urſtaͤnd geſagt / noli me tangere, ruͤhre mich nit an / das muß gar offt die liebe Warheit hoͤren von groſſen Herren. Die Pla - centiner haben groͤſſern Zutritt bey Hoff / als die redliche Vero - neſer, ja dieſe werden offtermal gar aus dem Weg geraumt. Al - ſo iſt es ergangen dem Heil. und eyffrigen Biſchoff Stanislao zu Cracau / welcher mehrmahlen den gottloſen Koͤnig Boleslaum in Pohlen ermahnt / daß er doch von ſeinem Laſterhafften Wan - del wolle abſtehen: gleichwie nun der Spiegel wol oͤffter einbuͤſt / wann er einem ungeſtalten Geſicht und Larven die Warheit zeigt / alſo hat es auf gleichen Schlag der Apoſtoliſche Mann er - fahren; dann neben andern vorhero ſchon angethanen Unbilden hat ihn der Koͤnig bey dem Altar laſſen ermorden / und ſo gar deſſen Leib zu viel Stuck und Trimmer zerfetzen / ſelbe auf ſeinen Feldern hin und her ausgeſtreuet / damit ſie von Hunden und wilden Thieren verzehrt wurden. Aber Stanislaus thaͤte be - reits ſchon genieſſen die verdiente Kron deß Himmels: neben dem wolte GOtt nit zulaſſen / daß der Leib deß Heil. Martyrs ſolle alſo entunehrt verbleiben / und ohne Grab / ſondern ſchafft alſo -Pars IV. Ebalden34Judas der verzweiffelte Vetraͤther / ꝛc.balden vier groſſen Adleren / welche die hin und her zerſtreute Glieder dergeſtalten beſchuͤtzt / daß kein einiges wildes Thier die - ſelbe doͤrffte angreiffen / wordurch viel Geiſtliche und andere ge - wiſſenhaffte Leut veranlaſſet worden / daß ſie dieſelbe mit aller Ehrenbietſamkeit an ein Ort zuſammen getragen / ſolche nach Ge -Martin. hom. de rebus polon buͤhr zu begraben. Aber GOtt wolte mit einem neuen Wunder den Heiligen beruͤhmt machen; maſſen dann vor jedermaͤnnigli - chen Augen alle dieſe zerhackte Gliedmaſſen ſich alſo vereiniget / daß ein gantzer vollkommener Leib wiederumb daraus worden / und nachmahlen / wie noch zu ſehen / mit einem herꝛlichen Grab verehrt worden.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Elifij Mart.

Unſer HErꝛ laſt ihme gar nichts umbſonſt thun / er belohnt auch das Wenigſte / was man ihme erweiſt. Als er einmahl bey Geneſaret ein groſſe Menge Volcks angetroffen / ſo alle eyff - rig ſein Predig erwartet / da iſt er in das Schiffel Petri getretten / daſſelbe in etwas von dem Land gezogen / und nachmahlen ſein heilige Lehr dem Volck vorgetragen. Nach vollendter Predig befilcht er dem Petro, er ſoll das Netz auswerffen / ſo auch geſche - hen / und hat er ein ſolche Menge Fiſch gefangen / daß auch das Netz zerriſſen / und weil ſie ſolchen Zug allein nit kunten verrich - ten / annuerunt Socijs, ſo haben ſie anderen ihren Mit-Came - raden gewuncken / daß ſie ihnen hulffen. Warumb aber ge - wuncken? haͤtten ſie dann nicht koͤnnen das Maul aufthun und ſchreyen? annuerunt: ſie gedachten / daß es ſich nit ſchicke und reime / wann unſer HErꝛ gegenwaͤrtig / daß man ſoll reden / viel weniger ſchreyen (merckt das ihr Menſchen) in der Kirchen / wo GOttes Sohn gegenwaͤrtig / geziemt es ſich nit zu reden / auch was nothwendig / viel weniger ſchwaͤtzen / und allerley neue Zeitun - gen zuerzehlen. Weſſenthalben aber hat der Heyland JEſus dazumahl dem Peter mit einem ſo groſſen Fiſch-Zug regaliret. Daß auch zwey Schiffel darmit dergeſtalten ſeynd ein - und ange - fuͤllet worden / daß ſie ſchier ſchwere halber verſuncken. Darumbant -35hat eine ſchlechte Begraͤbnus.antwortet Theophilactus, GOTT der HErꝛ laſt ihme nichts umbſonſt thun; weil ihme Petrus ſein Schiffel hat geliehen an ſtatt einer Cantzel / ſo hat ſich der Heyland gleich wiederum danck - bar wollen einſtellen. Wann nun der guͤtigſte Erloͤſer die aller - wintzigſte ihme erwieſene Gutthat alſo belohnet / wie wird er erſt belohnet haben die Heil. Martyrer und Blut-Zeugen / welche ſeinetwegen ſo Heldenmuͤthig alle erdenckliche Peinen ausgeſtan - den / und zu letzt gar das Leben gelaſſen? vergolten hat er ſolches nit allein mit einer unendlichen Glory / ſondern auch auf der Welt mit herꝛlichen Begraͤbnuſſen; wie unter andern von dem Heil. Martyr Elifio zu leſen.

Wie erſtgedachter Chriſtliche Held durch den Sententz deß abtrinnigen Tyrannen Juliani zum Tod verurtheilt worden / ſo hat er noch zu einer Gnad begehrt / man wolle doch ſeinen Leib an einen ehrlichen Orth begraben / worauf Julianus befragt / wo es ihme dann beliebig ſeye? darauf Elifius ſeine Angen in die Hoͤhe gehebt / und auf einen hohen Berg gedeutet / dort ſolle und wolle er ſein Ruhe-Bettel haben biß auf den Tag der allge - meinen Auferſtehung. Julianus der Tyrann hat alſobalden zu mehrer Pein deß Martyrs einen ernſtlichen Befehl ergehen laſſen / daß man auf keine Weiß deſſen Leib ſolle begraben; ſchimpffe noch anbey / er wolle gern ſehen / ob ihne ſein Chriſtus werde dorthin tragen / wohin er verlangt? nachdem Elifio das Haupt iſt abgeſchlagen worden / ſihe Wunder; da ſtehet der Leib von freyen Stucken auf / nimmt ſein Haupt in beyde Haͤnd / geht den geraden Weg in Begleitung der Engliſchen Muſic zu dem Berg / ſteigt ohne Verweilung biß zu den hoͤchſten Gipffel hinauf / legt ſich auf einen Schneeweiſſen Felſen / welcher alſo - balden wie ein lindes Wax gewichen / und ihme ſolcher Geſtalten ein herꝛliches Grab abgeben.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Dympnæ Virg.

Wer GOtt dient / deme dient er wiederum / wer GOtt ver - ehrt / den verehrt er wiederumb / wer GOtt gibt / dem gibt er wie -E 2derum.36Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.derumb. Die buͤſſende Magdalena hat vor allen andern den Fuͤſſen deß HErꝛn ein groſſe Ehr angethan / indeme ſie dieſelbe mit ihren haͤuffigen Zaͤhren gewaſchen / und ſolche Thraͤnen nit anderſt als koſtbarliche Orientaliſche Perl uͤber die heiligſte Fuͤß hinab gekuglet / auch nachgehends mit ihren eignen Haaren / die vorhero ſattſam zur Eitelkeit gedient / ſelbe abgedrucknet: alſo zu gleich die Fuͤß und ihre Suͤnden abgewaſchen. Dieſe groſſe Ehr wolte auf keine Weiß der Heyland unvergolten laſſen / ſondern bey ſich alſobald beſchloſſen / weil ſie ihme ſeine Fuͤß alſo verehret / ſo wolle er gleichmaͤſſig ihren Fuͤſſen auch eine Ehr an - thun. Aber wann? dazumahl wie er glorreich von Todten auf - erſtanden / da hat er aus allen die Magdalena erwaͤhlt / daß ſelbe ſolle hingehen / und allerſeits / befoͤrderiſt aber ſeinen Apoſtlen dieſe gluͤckſeeligſte neue Zeitung bringen. Da haben hierdurch der Magdalenæ Fuͤß die groͤſte Ehr bekommen / alle Schritt und Tritt in dieſem Gang ſeynd hoͤchſtens gluͤckſeelig geweſt. Iſa. 5.Pulcherrimi ſunt Pedes Evangelizantium bonum, der GOtt verehrt / den verehrt er wiederum. Solches iſt abſonderlich zuſehen in der Heil. Dympna einer Koͤniglichen Princeſſin in Jrꝛland / um / weil ſolche wider allen Willen deß abgoͤttiſchen Vatters den Glauben JESU Chriſti umfangen / auch ſich dem himmliſchen Geſpons durch ein Geluͤbd der ewigen Jungfrauſchafft verbun - den / und auf keine Weiß in die Blutſchaͤnderiſche Heurat ihres eignen leiblichen Vatters wolte einwilligen; alſo hat ſie dieſer grauſame Ohn-Menſch ſelbſt mit dem Schwerd hingerichtet. Worauf GOtt der HErꝛ ſie nicht allein ewig belohnt / ſondern auch mit der Zeit dero Jungfraͤulichen Coͤrper mit einem herꝛli - chen Grab begnadet.

Nachdem wunderbarlicher Weiß beſagter Jungfrauen und Martyrin Leib iſt gefunden worden / da haben die Ghelen - ſeriſche Jnnwohner erſtgedachte H. Reliquien ſammt dero ſteine - ren Sarch wollen in ihr eigne Kirchen uͤberſetzen / kunten aber auf keine Weiß / auch nach aller angewendter Muͤhe und Arbeitder37hat eine ſchlechte Begraͤbnus.der ſtaͤrckiſten Leuth den Heil. Leib bewegen / und gedunckte ſelber gleichſam ein bleyener Berg zu ſeyn / welches die gute Leuth nicht ein wenig befrembd / ja die meiſte gar beſtuͤrtzt gemacht. Eben zu ſelbiger Zeit erſcheint erſterwehnte Heilige einem frommen al - ten Muͤtterl / wie daß ſelbe ihr erſtgefallenes Kalb ſoll in den Karn ſpannen / und darmit ihren Leib in die Kirchen fuͤhren. Die gute fromme Haut befilcht alſobalden fruͤhe Morgens ihrem Sohn / daß er ſolle ohne fernern Verzug das Kalb an das be - ſtimmte Ortbringen / zu dieſem Ende / damit ſelbes den H. Leib Dympnæ in die Kirchen fuͤhren ſolle. Der Sohn lacht die Mutter aus / und rathet ihr / ſie ſolle doch ſolches Narren-Stuck nit begehren / es moͤchte hieraus ihrer gantzen Freundſchafft ein ewiger uͤbler Nachklang erwachſen; weil die Mutter den Unge - horſam ihres Sohns geſehen / ſo iſt ſie ſelbſt ſammt dem Kalb da - hin kommen / aber nicht ohne allgemeinem Gelaͤchter und groſſen Aushoͤnung deß gemeinen Poͤfels / in Erwegung / daß die alte einfaͤltige Matratzen mit einem jungen Kalb wolte fuͤhren / was ſtarcke Maͤnner und Pferd nicht kundten zuwegen bringen: nach - dem ſie aber mit ſo beweglichen Worten ein geraume Zeit gebet - ten / und ihr endlich zugelaſſen worden / da hat ſie mit ſchlechterSurius in vita c. 8. Muͤhe die ſteinerne groſſe Sarg auf den Karren geladen / das 3. Wochen alte Kalb eingeſpannt / und folgſam ohne einige Beſchwaͤrnus in die ſo benannte Kirch uͤbergefuͤhrt / ſo wohl mit hoͤchſter Verwunderung als allgemeinem Troſt: an welchem Ort ſie noch mit groſſen Wunderwercken leuchtet.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Amati Confeſs,

GOtt iſt ſo gut / ſo gut iſt GOtt / daß er ſo gar auch das je - nige / was ihme ſeine Vernunfftloſe Geſchoͤpff guts erweiſen / nit unvergolten laſſet. Unſer gebenedeyter Heyland hat ein abſon - derliche Ehr empfangen in dem Fluß Jordan / allwo er von ſei - nem Vorlauffer Joanne getauffet worden: maſſen dazumahl der Himmel ſich eroͤffnet / der Heil. Geiſt als die dritte Perſohn in ſichtbarlicher Geſtalt einer weiſſen Tauben auf ihne herabgeſtie -E 3gen /38Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.gen / die Stimm deß Himmliſchen Vatters thaͤte offentlich er - ſchallen / welche JEſum fuͤr einen Goͤttlichen Sohn und Welt Erloͤſer erklaͤret. Alles dieſes hat ſich begeben bey dem Waſſer / in dem Waſſer / ober dem Waſſer deß Fluß Jordans. Nun ge - dachte der guͤtigſte Heyland / daß er bey nechſter Gelegenheit ſich gegen dem Waſſer wiederumb einſtellen wolle / uud die ſo groſſe er - zeigte Ehr beſter maſſen erwiederen; welches auch bald hernach geſchehen / als er nit im Feuer / in dieſem ſo hoch ſchwebenden Ele - ment / nit im Lufft / in dieſem ſo aufgeblaſenen Element / nit in der Erden / in dieſem ſo goldreichen Schatz-Kaſten / und anbey ſo nie - dertraͤchtigen Element / das erſte ſichtbare Miracul und Wun - derwerck auf dieſer Welt gewuͤrckt / ſondern im Waſſer / und zwar zu Cana Galilæa, woſelbſt er bey der Hochzeit das Waſ - ſer in den beſten Wein / und wie die meiſte Lehrer ausgeben / in den beſten rothen Wein verkehrt und verwandlet; hierdurch zu - vergelten die Ehr / ſo ihme der Fluß Jordan angethan. Wann dann der guͤtigſte GOtt ſolche Ding nit unvergolten laſt / ſon - dern auch belohnt / was ihme die verſtandloſe Creaturen / die doch alles freyen Willen beraubt / erweiſen thun / was werden nit erſt zugewarten haben die fromme Diener GOttes / welche Tag und Nacht den Allmaͤchtigen benedeyen und loben? unter ſolche ab - ſonderlich zu zehlen iſt der Heil. Beichtiger Amatus zu Salude - rio, einem Marck-Fleck in dem Ariminiſchen Gebieth / durch welchen GOtt ſehr viel und groſſe Wunderwerck / in Anſehung ſeiner groſſen Verdienſten gewuͤrckt hat / alſo zwar / daß er auch ſeine Kleider an die Sonnenſtrahlen / wie an den ſtaͤrckſten Na - gel gehenckt. Es wolte aber der Allerhoͤchſte auch ihne mit ei - nem herꝛlichen Grab begnaden; dann wie die Stadt Arimini ſeinen Heil. Leib hat wollen von dem Marck-Fleck Saluderio zu ſich nehmen / und bereits die Heil. Gebein auf dem Wagen gefuͤhrt worden / da iſt der Wagen bey der Haupt-Kirchen erſt - benennten Orths alſo unbeweglich geſtanden / daß er auch nach al - ler angewendter Moͤglichkeit nit weiter kunte gebracht werden /und39hat eine ſchlechte Begraͤbnus.und als der Baur / deme der Wagen zugehoͤrig / ſeinen hoͤltzenen Stecken in die Erde geſteckt / unterdeſſen zu ſehen / was doch der Fuhr moͤchte verhinderlich ſeyn / da hat alſobald dieſer ausgedorte Stab in maͤnniglicher Gegenwarth angefangen zu gruͤnen / zuPagat. tom. 1. fol. 396. n. 3. bluͤhen / und auch Frucht zu tragen / daß er / uneracht faſt jederman von ihme rupfft und zupfft / noch auf heuntigen Tag zuſehen / all - wo er auch ſehr ſtattlich begraben worden / und annoch mit vielen Wunderwercken leuchtet.

Sepulchrum ſed Pulchrum S. Thomæ Abbatis.

Wie Chriſtus der HErꝛ eineſt wegen ſeiner Heil. Predi - gen eine groſſe Menge Volcks nach ſich gezogen / und allbereit wahrgenommen / daß die gute Leuth vom Hunger nit ein wenig geplagt wurden / da hat er anbefohlen / daß ſie ſich alle ſollen nie - derſetzen / es waren deren etlich tauſend / ſo wohl Manns-als Weibs-Perſohnen / nachmahls theilt er die fuͤnff Gerſten-Brod / und die 2. Fiſch / ſo ein Knab dazumahl bey ſich hatte / unter das geſammte Volck aus / und ſaͤttigte dieſelbe dergeſtalten / daß noch 12. Koͤrb von lauter uͤbergebliebenen Brod angefuͤllt worden. Es wird eine Frag auf die Bahn gebracht / wer dazumahl das Brod unter die Leuth ausgetheilt? es iſt aber der meiſten Auſſag / daß ſolches mit Chriſto alle ſeine Apoſtel gethan / und obſchon die Schrifft nit meldet / daß bey dieſem groſſen Wunderwerck die Mutter JEſu ſeye gegenwaͤrtig geweſen / ſo iſt doch ſehr vermuth - lich / daß ſie ſich auch darbey habe eingefunden / und zwar das Brod unter die Weiber habe ausgetheilt / gleichwie die Apoſtel unter die Maͤnner: daß aber die Apoſtel das Brod nit haben doͤrffen unter die Weiber austheilen / wolte der HErꝛ und Hey - land hierdurch andeuten und zuverſtehen geben / daß auch Heilige und vollkommene Maͤnner mit den Weibern nit ſollen viel Ge -Nyſſ. Dom. 1. poſt Epi - pha. 37. meinſchafft haben; maſſen der ſcelige General Jordanus zuſagen pflegte / daß die Erde gut ſeye / und auch das Waſſer gut ſeye / wann ſie aber beyde zuſammen kommen / ſo werde gleichwohl ein Koth daraus.

Daß40Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.

Daß hat neben andern beobacht der ſeelige Abbt Tho - mas; nachdem ſolcher wegen gewiſſer Geſchaͤfften ſeines Cloſters nach Theopolim verreiſt / da iſt er zu Daphne mit Tod ab - gangen / allwo er als ein unbekandter Frembdling / denen gemei - nen Leuthen gleich / begraben worden. Den andern Tag hier - auf hat man gleichfalls ein armes Weib eben in dieſes Grab ge - legt / ſo aber in der erſten Nacht wiederumb heraus geworffen worden / und wie ſolche auch das anderemahl hinein gelegt wor - den / da hat mehrmal die unwillige Erd den Coͤrper mit groſſem Gewalt heraus geſchuͤtt: uͤber welches ſich faſt jederman verwun - dert / jedoch aus der Sach noch nit viel gemacht. Es geſchahe aber / daß etlich Tag wiederumb ein verſtorbene Weibs-Per - ſohn auf dem Abbt Thomas in ſein Grab gelegt worden / welche aber gleich der andern durch unſichtbaren Gewalt muſte das Ort raumen; wordurch dann erſt an Tag kommen die Heiligkeit deßPrat. Spirit. c. 88. Abbts Thomaͤ / welcher auch todter nicht wolte leiden ein Weib bey ſich. Uber alles dieſes iſt nachgehends beſagter Heil Leib mit ſondern Pracht an ein anderes Orth / allwo viel Heilige Leiber der Martyrer gelegen / ſehr ſtattlich begraben worden / all - wo noch der allmaͤchtige GOtt wegen deß heiligen Wandels / ſo dieſer Abbt auf Erden gefuͤhrt / ſehr viel und groſſe Wunderwerck wuͤrcket.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Hedvvigis.

Nachdem der Jacob mit der ſchoͤnen Rachel ſich in die Flucht begeben / maſſen er wegen ſeiner treugeleiſten Dienſten wenig Danck darvon getragen / und faſt von Tag zu Tag die Ge - ſparſamkeit deß Labans mehrer erfahren / da hat in der Still die Rachel die guldene Goͤtzenbilder ihrem Vatter entfrembd / und ſolche mit ſich genommen. Warumb ſie ſolches gethan / ſeynd unterſchiedliche Meynungen. Pererius glaubt / ſie habe es nit gethan / als thue ſie die Goͤtzenbilder lieben und verehren / inde - me ſie an den wahren GOtt geglaubt / ſondern wegen deß Golds / aus dem ſolche Goͤtzen gemacht waren; dann gedachte ſie / daß ſieohne41hat eine ſchlechte Begraͤbnus.ohne das wenig Erbtheil oder Heyrath-Gut darvon trage / alſo wolle ſie an ſtatt deſſen dieſe Bilder zu ſich nehmen / und die Ge - ſellen in den Schmeltz-Ofen logiren / das Gold taug anderwerts hin: derenthalben koͤnnen die meiſte / guldene Weiber genennet wer - den / weil wenig ſeynd / die das Gold nit lieb haben. Aber auf weit ein beſſere Manier hat die H. Hedvvigis das Gold lieb gehabt / maſſen ſie neben andern ſchoͤnen unſer lieben Frauen Bil - dern ein kleines gehabt von purem Gold / welches ſie Tag und Nacht nie aus der Hand gelaſſen / ſo gar wie ſie eines ſeeligen Tods geſtorben / kundte man gedachte Bildnus mit keinem Gewalt ihr aus den Haͤnden reiſſen / derenthalben auch darmit begraben worden. Es wolte aber GOtt der HErꝛ / daß die jenige / wel - che ſeine gebenedeyte Mutter alſo in Ehren gehabt / auch ſolteIn vita 15. | Oct. mit einem beſſern Grab verehret werden. Als man nun nach 25. Jahren den Heil. Leib erhebt / da hat man gefunden / daß der gantze Leib verſehrt worden / auſſer der jenigen Fingern / mit denen ſie die guldene Marianiſche Bildnus gehalten / woraus ihre Hei - ligkeit noch mehrer kundtbar worden / und derentwegen mit einem herꝛlichen Grab verſehen.

Sepulchra, ſed Pulchra diverſorum Sanctorum.

Der bloſſe Staub von dem Grab deß Heil. Biſchoͤffs Hed - di. Beda l. 5. Hiſtor, Eccl. Deß Heil. Biſchoffs Nicetij. Surius in vita: Deß Heil. Propheten Jeremiæ. S. Epiphan. Deß Heil. Biſchoffs Martini. Gregor. Turon. Deß Heil. Biſchoffs Piturigij. Idem. Deß H. Martyrs Juliani. Idem Deß Heil. Einſiedlers Gerlaci. Boll. 5. Jan. Deß Heil. Koͤ - nigs Osvvaldi. Baron. An. 642. Der Heil. Roſæ Pervanæ. In act. Deß Heil. Joannis Evangel. Ex Hiſtor. Eccleſ. Deß Heil. Joannis à S. Facundo unſers Ordens. In vit. Deß Heil. Geneſij Franziot. Deß Heil. Raymundi. In act. Ca - non. Deß Heil. Franciſci de Paula Bzovi: In vit. Deß Heil. Biſchoffs Rigoberti. In vita: Hat die Krafft unnd Wuͤrckung allerley Menſchliche Preſten und Kranckheiten zuPars IV. Fwen -42Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.wenden. Aus dem Grab deß Heil. Martyrs Baudilli iſt wun - derbarlicher Weiß ein ſchoͤner Lorbeerbaum gewachſen. Greg. Turon. l. 1. Aus dem Grab deß Heil. Martyrs Urſicini ein Palmbaum mit drey Aeſten. Ferr. 19. Jun. Aus dem Grab deß Heil. Athanaſij ein Cypreß-Baum. Sur. 3. April. Aus dem Grab und forder iſt aus der Hirnſchahl der Heil. buͤſſenden Magdalena ein Weinſtock. Id. 22. Jul. Aus dem Grab deß Heil. Pubuculi ein unbekandter Baum. Halloix in vit. Aus dem Grab jenes heiligen Ciſtercienſer ein Baum mit lauter Blaͤttern / worauf dieſe Wort ſtunden: Ave Maria, gratia plena. Cantiprat. l. 2. ap, Aus dem Grab der Heiligen Nazarij und Celſi Martyrer ein wunderſchoͤner Birn-Baum. Greg. Turon. l. 1. Aus dem Grab deß Heil. Biſchoffs Torquati einMajol. l. 6. Oelbaum. Dero Blaͤtter / oder Bluͤhe / oder Fruͤchten heilſame Mittel geweſt ſeyn fuͤr allerley Kranckheiten.

Das Grab deß Heil. Biſchoffs Vitalis zu Saltzburg hat ein Wunderſchoͤne Lilgen hervor bracht / ſo gar durch den harten Marmel durchgedrungen. Deßgleichen das Grab deß ſeeli -Radcrus gen Ugloni de Cortona aus unſerm Orden. Das Grab deß ſeeligen Gandulphi die ſchoͤnſte Gelſomin-Blumen: Ann. Mun. 1260. Das Grab deß H. Martyrers Alexandri die ſchoͤn - ſte Roſen. Benal. in vit. Das Grab Ven. Franciſci Ovarij die lieblichſte Feiglen. Ibid. Das Grab der Heiligen Marty - rer Acifeli und Victoriæ zu Corduba die edleſte Roſen gar zur Winters-Zeit. Pag. 407. tom. 1, Welche Blumen alle den armen krancken und preſthafften Leuthen vor die beſte Pflaſter und Medicin gedient haben. Aus dem Grab der Heil. Jungfrauen und Martyrin Catharinæ, deß H. Martyrs Di - metrij, deß H. Beichtigers Fantini, deß H. Evangeliſten Lu - , deß H. Biſchoffs Perpetui, deß H. Abbts Percharij, der ſeelige Roſæ zu Viterbo, deß Heil. Apoſtels Andreæ, deß Heil. Biſchoffs Nicolai, der H. Wallburgæ zu Aychſtaͤtt / deß H. Biſchoffs Quirini zu Tegernſee in Bayrn / der H. Seraphi -ſchen43hat eine ſchlechte Begraͤbnus.ſchen Jungfrau und Mutter Thereſiæ, Venerab. Bartholomæ Ulyſponenſis unſers Ordens / ꝛc. Und vielen tauſend andern mehrer Graͤber der Heiligen iſt gefloſſen / und fluͤſſt noch Manna / Oel und Waſſer / ſo zur Abwendung allerley Menſchlicher Zu - ſtaͤnden ſeynd gebraucht worden. Gleichwie nun GOttes Guͤ -Pag. tom 2. fol. 458. te und Weißheit ſeine Diener und Dienerin faſt allezeit verſehen hat mit einem ehrlichen und herꝛlichen Grab / alſo laſſet ſeine Goͤttliche Gerechtiıgkeit gar vielfaͤltig zu / daß der Gottloſen Men - ſchen Leiber nach dem Tod auch nicht wuͤrdig ſeyn eines ehrlichen Ruhe-Beths in der Erd / ſondern es heiſt.

Grab / Echo, Rab.

Der Heil. Einſiedler Onuphrius pflegte dieſe Fabel oder Gedicht auf die Bahn zu bringen / damit er ſeine Untergebene moͤchte zu der Demuth anfriſchen. Die Baͤumer haben ſich auf ein Zeit ſehr wehemuͤthig beklagt / wie daß die Menſchen ſo Tyranniſch mit ihnen verfahren / auch derenthalben einen allge - meinen Land-Tag oder Zuſammenkunfft ausgeſchrieben / damit durch allgemeinen Rath-Schluß ſolches Ubel moͤchte vermittlet werden. Endlich iſt eines jeden Gutachten und wolgegruͤndte Meynung angehoͤrt worden / forderiſt aber ſeynd die mehriſte beygefallen dem witzigen Ausſpruch eines Hoch - und Wohlge - bohrnen / oder vielmehr wohlgewachſenen Ceder-Baum von dem Berg Libano, welcher fernern Ubel vorzubiegen / dieſen Rath - Schlag gegeben / daß inskuͤnfftig kein Baum mehr ſolle ein Holtz ſpendiren / woraus man ein Hackenſtill machen kuͤnne / folg - ſam werde auch das Baͤum umbhauen ein End nehmen: faſt al - le ſtimmten dieſer Meynung zu / auſſer einer ſchlechten nidrigen Stauden / welche mit gnaͤdigſter ertheilter Erlaubnus dieſe weni - ge Wort aus ihrer Einfalt / wie ſie vorgab / geredt hat: gnaͤdige Herꝛn / man kundte euch dißfalls huͤltzene Limml / und knopffete Phantaſten heiſſen; indeme ihr glaubt / daß auſſer der Holſtha - cken ihr kein Schaden zu foͤrchten habt / da ihr doch durch oͤfftere Erfahrnus wiſt / daß auch die groſſe Sturm-Wind und erſchroͤck -F 2liche44Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.liche Hagel-Wetter nit ſelten haben den Hals brochen. Aber mein weniger Rath waͤre / daß ihr nit ſo hoch thaͤtet wachſen / ſo dann wurdet ihr in ſolcher Sicherheit ſtehen / gleich wie ich alte betagte Stauden ein ſo geraume Zeit hero genoſſen.

Wahr iſt es / daß GOtt gleichſam nichts mehrers thut / als die Hochmuͤthige zu ſtutzen / das ſupra regiert bey GOtt einen ſtaͤten Accuſativum, darumb hat er auch den erſten Menſchen aus der Erden / ſo ein demuͤthiges und nidertraͤchtiges Element / erſchaffen / nit aber aus dem Waſſer / welches ſich mehrmahlen in die Wellen aufbaumt: nit aus dem Feuer / ſo von Natur in die Hoͤhe ſteigt / nit aus dem Lufft / ſo fuͤr ſich ſelbſten ein aufgeblaſe - ner Kerl / ſondern aus der Erden / damit der Menſch aus limo erſchaffen / nit ſolle ſublimis werden. Jſt aber jemand / der flie - gen will / ſo wirdeinem ſolchen Hochmuͤthigen der Hoͤchſte gemei - niglich die Feder rupffen / wormit man nachmahls ſchreiben kan; DEus ſuperbis reſiſtit, humilibus autem dat gratiam, das hat ſattſam erfahren jener ungeheuere Geſell und ſtoltze Großſpedel Goliath.

Wegen ſo haͤuffiger Sieg die beſagter Riß und Fleiſch - Thurn von ſeinen Feinden getragen / war er alſo ſtoltzmuͤthig worden / daß er glaubte / ſeines gleichen finde man nit auf Erden; dahero den David wegen ſeiner geringen Perſohn nur veracht / und gedacht / er wolle ſeine Haͤnd nur in Sack ſchieben / und noch zugleich den David mit. Aber GOtt / ſo in allweg den Hoch - muth dempffet / hat auch ſolche freventliche Hoffart nit ungeſtraff - ter gelaſſen / ſondern gemacht / daß der Hoche iſt unterlegen / und der Untere uͤber ſich kommen. David uͤberwind den Goliath / macht ihn umb ein Kopff kuͤrtzer / der ſich gar zu hoch geſchaͤtzt: und war die Straff noch nit beyſammen / ſondern GOtt wolte1. Reg. c. 17. nit / daß dieſer groſſe Geſell ſolte begraben werden / welches meh - rentheils ein groſſe Straff auf dieſer Welt / wol aber / daß ſein ſtinckender Coͤrper den wilden Thieren und den Raaben zu Theil worden / vermoͤg der Goͤttlichen Schrifft: Dabo cadaver ca -ſtro -45hat eine ſchlechte Begraͤbnus.ſtrorum Philiſtim hodie volatilibus cœli & beſtijs terræ.

Grab / Echo Rab.

Jn Oeſterreich / unweit der Kayſerl. Reſidentz-Stadt Wien iſt ein Orth und ſchoͤne Pfarꝛ / ſo genannt wird Heiligen - Stadt. Woher ſolcher Nam urſpruͤnglich herruͤhre / iſt mir ei - gentlich nit bekandt; dieſe Heiligenſtaͤtter verdienen allerſeits ein groſſes Lob / werden auch von jederman faſt in groſſen Ehren ge - halten / aber alle ihre Soͤhne (es iſt ein wunderliche Sach) ſeynd lauter uͤble / rauhe / harte / duͤrmiſche / ſcharpffe / unglimpffliche Ge - ſellen / die nicht ein einigmal gut ausſehen / nichts als ſaure Geſich - ter machens / beiſſen und reiſſen alles was ſie erdappen / und haben gleichſam nicht ein Ader von ihrem Vatter. Der Vatter heiſt Heilignſtaͤtter / der Sohn heiſt Ubelſtaͤtter. Wie kommt dieſes? durch den Namen Heiligenſtaͤtter muß man hier nit verſtehen ei - nen Jnnwohner deſſelben Orths / ſondern den Wein / welcher dort ſehr trefflich und preißwuͤrdig waͤchſt. Nun iſt ohne das bewuſt / daß der Eſſig ein Sohn deß Wein ſeye / welcher aber weit einer wildern Natur als der Vatter; iſt demnach dieſer Auslegung nach recht geſagt: die Heilignſtaͤtter ſeynd gut / aber ihre Soͤhn ſeynd gar uͤbel. Gleichwie nun der Eſſig ein uͤbler Sohn eines guten Weins / alſo geſchicht nit ſelten / daß ein heiliger Vatter ei - nen boͤſen und ungerathenen Sohn erzeige: unter andern hat ſol - ches mit ſeinem Hertzenleid erlebt der fromme und Gotsfuͤrchti - ge Koͤnig David, deſſen uͤbelgeſittner Sohn Abſolon, alſo weit von der Vaͤtterlichen Sanfftmuth und Demuth abgewichen / daß er letztlich von dem Ehrgeitz gantz verblendt / ſich unterfangen hat mit allen Gewalt die Kron zu ſich zu ziehen / und ſeinem eig - nen Herꝛn Vatter den Seepter Tyranniſch aus der Hand zu - reiſſen. Aber GOtt hat die Karten anderſt gemiſcht / indem der Abſolon nicht dem Koͤnig ſondern dem Aichelbuben zu ſeinem Verderben in die Haͤnd gekommen. O wohl ein verruchte Un - danckbarkeit eines Kinds gegen ſeinem Vatter! gleichen DanckF 3hat46Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.hat mehrmalen die liebe guldene Sonn / welche offt und viel - mahlen einen ſchlechten / gemeinen / groben / und ſtinckenden Dampff aus der Erden in die Hoͤhe zieht / und wann dieſer ſchlech - te Kerl empor ſteigt / ſo uͤbernimmt er ſich alſobald / ſammlet ſich in ein truͤbe Wolcken zuſammen / unterſtehet ſich ſo gar das helle Liecht der lieben Sonnen als ſeinen beſten Freund und Gutthaͤ - ter zuverfinſtern / ja mit Donner und Hagel macht er alle erdenck - liche Ungelegenheit dem jenigen / von deme er ſein Aufkommen hat. O Schelm! faſt gleichen Danck hat der Gottſeeligſte Monarch in Jſrael von ſeinem Sohn Abſalon erlebt / der gutePſalm 127. gekroͤnte Harpffeniſt hat von andern guten Eltern / welche da GOtt vor Augen haben / prophezeyet - Filij tui ſicut novellæ olivarum in circuitu menſæ tuæ, deine Kinder werden ſeyn wie junge Oelzweige umb deinen Tiſch / Ja wol Oelzweig / Ab - ſalon ware kein Oelzweig ſondern ein Hoͤllzweig / ſo faſt uͤber maͤſſige Schmertzen und Bedrangnus dem Vatter angethan: ader die Rach blieb nicht aus / maſſen er durch Verhaͤngnus der Goͤttlichen Gerechtigkeit an einem Aichbaum / oder Ach! Baum / hangen geblieben / und der zu hoch wolte ſeyn / muſte in die Hoͤhe das Leben laſſen. GOTT ware mit dieſer angefuͤgten Straff noch nit befriediget / ſondern hat ihme auch kein ehrliche Begraͤb - nus vergonnet.

Uneracht der Koͤnigliche Printz Abſalon unglaublichen Unkoſten noch bey Leb-Zeiten angewendet in Erbauung und Aufrichtung eines ſehr herꝛlichen und praͤchtigen Grabs / ſo iſt ihm ſolches nicht zu Theil worden / ſondern der Leib muſte wie ein wildes Viech in die tieffe Gruben / unweit der Stadt Jeruſalem gleich bey dem Ort / allwo der Prophet Jſaias durch ein hoͤltzene Saͤg die Marter-Kron erlangt / ſpoͤttlicher Weiß geworffen / und nachmals mit einem groſſen Stein-Hauffen zugedeckt werden / wie dann noch auf heutigen Tag die vorbeygehende / ſo wohl Tuͤr - cken als Chriſten einen Stein hinunter werffen / als waͤre es diß -falls47hat eine ſchlechte Begraͤbnus.falls ein Geſatz zu einer verruchten Gedaͤchtnus / umb weil er ſei -Andri - com, fol. 19. nem eignen Vatter abtrinnig und undanckbar worden.

Grab / Echo, Rab.

Nachdem der Job die Prob / und endlich das Lob deß aller - gedultigſten Menſchens auf Erden von GOTT ſelbſt erhalten / ſo hat dieſer ihne nach gehends in den beſten / reichiſten und gluͤck - ſeeligſten Stand geſetzt; unter andern ihme auch gegeben drey Toͤchter / dero Schoͤnheit und Wolgeſtalt alle Weibs-Bilder uͤbertroffen hat in dem gantzen Land: Stirn halber die ſchoͤnſte / Augen halber die Schoͤnſte / Naſen halber die Schoͤnſte / Wangen halber die Schoͤnſte / Maul halber die Schoͤnſte / Haar halber die ſchoͤnſte / Hals halber die Schoͤnſte / Haͤnd halber die Schoͤnſte / deß gantzen wolgeſchaffenen Leibs halber die Schoͤnſte. Haben ſie aber auch Muſch und Mucken im Geſicht tragen wie jetziger Zeit im Brauch? das wol nit / dieſe hat der Beelzebub als Fliegen Teuffel aufgebracht. Haben ſie auch ein ſo hohe Hauben von Fontaſch auf dem Kopff tragen / wie dermahlen im Brauch? das noch we - niger. Dieſe Bluntzen haben die Teuffel gemacht / wie ſie mit Erlaubnus deß HErren ſeynd in die Schwein gefahren. Ha - ben ſie dann auch ein Anſtrich gebraucht / wie dermalen gemein bey mancher Thok? das gar nit; dann das Wort Thok / ſo es zuruck geleſen wird / heiſt Koht / und was / und zu was Ende ſolle man dieſes mit einer ſchoͤnen Farb anſtreichen? Die unſer lieben Frauen-Bilder / welche der H. Lucas gemahlen hat / werden in der gantzen Chriſtenheit fuͤr Miraculos gehalten / und ſeynd allerſeits voller Wunder: aber die Frauen-Bilder / welche der Teuffel mahlt mit dem Anſtrich / die ſeynd nichts als Maculoß / und uͤber und uͤber voller Blunder. O wol ein freche Thor - heit der Adams-Kinder / welche das Angeſicht / ſo der allmaͤchti - ge GOtt erſchaffen / wollen verbeſſern / und den hoͤchſten GOtt in ſeinen Wercken corrigiren! dieſe Vermeſſenheit bleibt gar offt auch auf dieſer Welt nicht ungeſtraffter / wie in der ſtoltzen Jezabel zuſehen. Dieſe ware deß Koͤnigs Achab ſein Gemahlin /ein48Judas der ver zweiffelte Verraͤther / ꝛc.ein Laſterhafftes Weibsbild / forderiſt aber dem Hochmuth und ſtinckenden Hoffarth ergeben / dergeſtalten / daß ſie auch in Au - genſcheinlicher Todts-Gefahr / ihr Angeſicht mit dem Anſtrich uͤbermahlt / welches dem Allerhoͤchſten alſo mißfallen / daß er ſie durch den Jehu vom hohen Fenſter herab ſtuͤrtzen laſſen / und un - geacht ſie eines ſo hohen Haus und Stammen ware / hat GOtt nit wollen znlaſſen / daß ihr verdammter Coͤrper ſolt ehrlich begra - ben werden / ſondern durch ſeine Goͤttliche Verhaͤngnus haben die Hund dieſes angeſtrichene Fleiſch zerbiſſen / zerriſſen / und auf - gezehrt / alſo zwar / daß nichts als etliche wenige Beiner von ihr ſeynd geuͤbriget worden.

Grab / Echo Rab.

So bald der von GOtt erleuchte Joſeph in der Gefaͤng - nus von dem Mund-Becken deß Koͤnigs Pharao vernommen / daß ihme getraumt / als trage er drey Koͤrb Brod / und aus dem obern korb / worinnen die beſte Mund-Semmel / freſſen ſelbes und verzehren allerley Voͤgel / ho! ho! ſagt Joſeph / Kerl / Heyl und Seil wird bey dir eins ſeyn / Gluͤck und Strick wird bey dir zu - gleich ſeyn / gehenckt fuͤr geſchenckt wird bey dir fuͤr gewiß ſeyn / wie es dann auch alſo geſchehen / und gar recht: warum hat er das ſchoͤne Brod / ſo er von ſeinem Herꝛn empfangen / ſo liederlich den Voͤglen geſpendirt.

Wir pflegen insgemein zureden / wann einer bey guten Mittlen und huͤbſcher Haabſchafft / er habe ein ehrliches Stuck Brod / und ſolches hat er von niemand anderſt als von GOtt al - lein. Aber leyder! wie offt geſchicht es / daß mancher ſolches Brod nicht den Armen ſpendirt / welche doch GOttes Perſohn vertretten / ſondern ſelbes liederlich anwendt / und den Voͤglen vergonnet / mit Spey - und Spott-Voͤgel allerley Luder-Leben daſſelbe verzehrt: aber dergleichen werden ſelten entgehen der ſcharpffen Ruthen deß Goͤttlichen Richters.

Unter ſolchen Gewiſſenloſen Geſellen iſt nit der wenigſte noch geringſte geweſt jener Spanier / von dem Hieronymus deFlo -49hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Florentia erzehlet / welcher zwar einen offnen Helm fuͤhrte im Wappen / aber zugeſchloſſene Haͤnd gegen den Armen / trefflich an Mitteln / aber ſchlecht in Mitleiden / von einem guten Blut / aber nit ein redliche Ader in ihm / von einem guten Haus / aber mit dem Gewiſſen war es verhauſt. Ein jedes Luder war ſein Bruder / deme er das Seinige angehenckt. Nachdem er mit Tod abgangen / und von der Adelichen Freundſchafft ſehr praͤch - tig zu Grab getragen worden / hat ſich unverhoffter ein erſchroͤck - liches Wetter erhebt / daß alle Noth halber ſich muſten nach Haus begeben / und weilen der Coͤrper wegen deß unleidentli - chen Geſtanck hat muͤſſen unter die Erde kommen / alſo haben ſolchen drey gemeine Todten-Graͤber mit Stricken in die Ca - pell geſchleppt / wo der gantzen Freundſchafft Begraͤbnus ware. Kaum daß ſie ihn dahin gebracht / da hat alſobald ein erſchrockli - cher Donner-Keyl alle Wappen und Schild der Freundſchafft von der Maur mit groͤſtem Gewalt herunter geſchlagen / den ver - dammten Coͤrper alſo verzehrt / daß eines fernern Begraͤbnus nit mehr vonnoͤthen geweſt / ſondern ſein Grab ware gleich dem rei - chen Praſſer / welcher laut der Evangeliſchen Warheit in der tief - fen Hoͤll begraben worden.

Grab / Echo, Rab.

Man ſagt / daß auf eine Zeit das Papier und Pergament ſeyen hart untereinander kommen / und nach langen gehabten Widerwillen / endlich in ein groſſen Zanck gerathen / eines dem andern viel Schmaͤh-Wort unter die Naſen gerieben / und wofern die Schreiber / Buchdrucker und Buchbinder nit haͤtten Fried ge - macht / und ſich darein gelegt / ſo waͤre es ohne blutiges Rauffen nit abgeloffen. Das Papier prallte nit wenig wegen ſeines al - ten Herkommens / und ſagte / daß es derenthalben charta ge - nennt werde / weil ſein erſtes Aufkommen ſeye geweſt in der Welt-beruͤhmten Stadt Chartago, das Pergament wolte diß - falls nit ein Haar nachgeben / weil es ebenfalls von einer vorneh - men Stadt herkomme / benanntlich von der Stadt Pergamo inPars IV. GWelſch -50Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.Welſchland. Das Papier ſetzte hinwieder / wie es gebraucht werde zu der Heil. Schrifft / zu allen Lehrer-Buͤchern: und wann ich nit waͤre / antwortet das Pergament / und thaͤt nit allezeit uͤber dich ein Deck - und Schutz-Mantel abgeben / wie gegenwaͤrtige Herren Buchbinder ſelbſt bezeugen / ſo waͤreſt du wegen deiner Schwachheit ſchon zu Grund gangen: Zu deme ſo laſſe ich mich gebrauchen zu Kayſerlichen und Hoch-Fuͤrſtlichen Patenten / da unterdeſſen aus dir nur gemeine und gar offt verdruͤßliche Aus - Zuͤgel gemacht werden. Wann ſchon / ſagt das Papier / ſo bin ich doch weit eines beſſeren Wandels / und fuͤhr ein friedſames Le - ben / da du doch auf die Trummel geſpannt wirſt / und nichts als blutige Schlachten verurſachen thuſt. Ho! ho! ſagt das Per - gamen / dein Lob will ich mit kurtzen Worten einſchrancken: du kommſt von Hadern und Lumpen her / und macheſt auch das meiſte Hadern und Zancken / wie / auch die aͤrgſte Lumpenhaͤndel. Das muſt du mir probieren / ſchreyt das Papier / oder ich will dir den Hals brechen. Gar gern / ſagt das Pergament: Was ſeynd die Spiel-Karten als Papier / welches von denen Lateinern charta genennt wird? Und was verurſachet mehrer Hader / Zan - cken und Schlaͤg / was macht mehrer Ubel und Lumpen / Sachen / als die Karten? hierauf muſte das Papier das Maul halten.

Es iſt zwar / wie es leicht zuereignen / dieſes ein Fabel und Gedicht / gleichwol ein verdeckte Warheit; dann ja kein Wur - tzel iſt / woraus mehr Ubel und Unheil wachſet / als aus dem Spie - len / maſſen mit dergleichen Geſchicht die gantze Welt voll / unter welchen folgende nit die Geringſte.

Jn einem Dorff / unweit Regenſpurg / ware ein vermeſſener Baur / welcher neben andern Untugenden auch dem Spielen ſehr ergeben geweſt; weil er aber in ſolchem oͤffters den Kuͤrtzern gezo - gen / alſo hat er durch Anleitung deß boͤſen Feinds allerhand unzu - laͤſſige Mittel geſucht / ſein Gluͤck in Spielen zu befuͤrdern. Un - ter andern hatt der verruchte Geſell die Allerheiligſte Hoſtien in ſein Fuß eingeheilt / damit hiedurch ſein Spielen beſſer von ſtattengienge51hat eine ſchlechte Begraͤbnus.gienge / in ſolchem Laſter iſt der Gottloͤſe Menſch mit Todt ab - gangen / und ſein ungluͤckſeelige Seel den verdienten Lohn bekom - men. Der Leib wird im Freydhoff nechſt der Kirchen begraben / zumahl dieſe ſeine Boßheit und Unthat nit kundtbar geweſt: aber GOtt wolte nit zulaſſen / daß ein ſo verruchtes Geſchoͤpff ſolte an einem ſo ehrlichen Orth begraben ligen; dahero geſchehen / daß alle Jahr der Donner eingeſchlagen / und zwar an kein anders Ort / als auf das Grab deß beſagten Boͤßwichts. Die Jnn - wohner deß Dorffs kunten gar nit wiſſen / warumb doch alle Jahr der feurige Donner-Keyl nur dieſes Orth / und kein anderes be - ruͤhre; ſo gar kundten ſie nit faſſen / warum die Flam̃en voͤllig al - lemahl in die Tieffe deß Grabs hinein dringe. Biß endlich jemand ſich verlauten laſſen / wie daß der jenige Baur / ſo allda begraben ligt / ihme habe offenbahrt / daß er das Allerheiligſte Sacrament in dem Fuß habe eingeheilt. Nachdem nun ſolches mehr und mehr Leuth beſtaͤttiget / da hat man den verdammten Coͤrper aus - graben / die Sach alſo / wie vorgeben worden / befunden / und dar - auf denſelben auf den Scheitterhauffen verbrennt / und den Aſchen zerſtraͤuet / uͤber welches nachmahlen der Donner nit mehr / wie zuvor / eingeſchlagen.

Grab / Echo, Rab.

Aus Befelch deß Kayſers Auguſti muſten alle Leuth in der Welt beſchrieben werden / welchem Gebot auch wolte nach - kommen Joſeph / ein Geſpons Mariæ, dahero zu ſolchem Ende mit erſtgedachter H. vermaͤhlten Jungfrauen ſich nacher Beth - lem begeben / daſelbſt allerſeits ein Einkehr geſucht / aber keine ge - funden / dann es waren ſchon alle Haͤuſer mit Volck angefuͤllt / und nach Auſſag deß Evangeliſten Lucæ, Non erat eis locus in diverſorio c. 2. So ware vor JEſu / Maria / Joſeph kein Platz noch Orth im Wirths-Haus / und die ſeeligſte Mutter ware dazumahl ſchon auf der Zeit / da ſie JEſum ſolte gebaͤhren / aber fuͤr ſie ware kein Platz im Wirths-Haus / muſten demnach Noth halber in einem armen Stall bey Ochs und Eſel die Her -G 2berg52Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.berg nehmen / weil fuͤr ſie kein Platz im Wirths-Haus. Die Warheit zubekennen / glaube ich / daß unſer lieber HErꝛ bey den wilden Thieren lieber die Einkehr genommen / als im Wirths - Haus / dann mehren Theils an dergleichen Orthen nit allein die Leuth / ſondern auch die Laſter logiern / und heiſt offt ein Wirths - haus beym weiſſen Creutz / da doch der Teuffel daſelbſt ſein Tum - mel-Platz hat / und ſolches forder iſt wegen der Spiel-Leuth / wel - che zu allerley uͤppigen tantzen und ſpringen haͤuffige Anlaß ge - ben / gewiß iſts doch / daß die Spiel-Leuth mehrentheils beſſer ſeyn / in Saiten als in Sitten / dahero ſie nit allein das Springen und Hupffen verurſachen / ſondern machen auch / daß man zugleich die Erbarkeit mit Fuͤſſen tritt.

Cantipratanus ſchreibt / daß in Flandern ſeye geweſt ein Spielmann oder Pfeiffer / welcher an einem vornehmen Feſttag die junge Leuth mit Pfeiffen und unzuͤchtigem Singen / wie der -l. 2. ap. c. 57. gleichen Lotter-Geſindel zu thun pflegt / zu allerley Tantzen und Muthwilligkeiten angereitzt; dahero GOttes Straff nit mehr hat koͤnnen verweilen / ſondern hat dieſen durch einen erſchroͤckli - chen Donnerſtreich zu Boden geworffen / und den rechten Armb gaͤntzlich von dem Leib abgetrennt / worauf alſobalden zwey groſ - ſe Kohlſchwartze Hund den Armb mit ſich geſchleppt / und nach - mahlen verſchwunden. Aber GOtt wolte auch nit vergonnen dem vermeſſenen Geſellen ein ehrliche Begraͤbnus / deſſen Seel ſchon gebrunnen in der Hoͤll. Wie nun deß andern Tags auf vielfaͤltiges erſuchen und bitten / faſt wider den Willen deß Pfarꝛ - Herꝛn beſagter Coͤrper in ein geweıchtes Orth begraben wor - den / ſo iſt ſolcher unſichtbarer Weiß durch die boͤſe Feind hinweg genommen worden / daß man alſo nichts anders / als das laͤhre Grab gefunden.

Grab / Echo, Rab.

Es glaubte Petrus, daß er ein groſſes Lob werde darvon tragen / wie er dem Malcho ein Ohr abgehauen / aber an ſtatt deß preiſen hatte er ein verweiſen / ja es iſt ihme von dem Heylandbefoh -53hat eine ſchlechte Begraͤbnus.befohlen worden / daß er den Saͤbel alſobald ſolle einſtecken / als wolte der HERR JEſus ſagen / daß er an ſtatt deß Degens als Roͤmiſcher Pabſt ein anders Gewehr werde brauchen / benannt - lich die Excommunication und Geiſtlichen Bann / wordurch auch der Ubermuth mancher gekroͤnten Haͤupter gedaͤmpfft wor - den. Der Heilige Gundiſalvus Amarantius aus dem be - ruͤhmten Dominicaner-Orden / wolte auf eine Zeit in ſeiner Pre - dig denen gemeinen Leuthen zuverſtehen geben / was groſſe Wuͤrckung in ſich habe ein rechtmaͤſſig gefaͤllte Excommunica - tion, und wie daß ſolche auf keine Weiß zuverachten ſeye / alſo hat er einen groſſen Korb voll mit Schneeweiſſen Semmlen ex - communiciret / worauf beſagte Semmel alſobald in Kohl - ſchwartzes Brod verkehrt worden / ſo bald er aber nachmahls ſol - chen Bann wiederumb aufgehebt / und abſolviret / iſt das ſchwartze Brod wiederumb in die ſchoͤnſte Semmel verwandlet worden.

Forderiſt aber hat ſolches erfahren ein Soldat in der Ca - turcenſiſchen Diœces, welcher von der Excommunication noch nit entbunden / mit Tod abgangen / und ohne Wiſſen deß Biſchoffs daſelbſt in der Kirchen deß Heil. Petri begraben wor - den / deß andern Tags aber iſt der Coͤrper gantz nackend auſſer| dem Grab gelegen / man hat ſolchen mehrmahlen an beſagtes Orth gelegt / und das Grab mit einem groſſen Stein bedeckt / und zwar fuͤnffmahl nacheinander / aber niemahlen hat die Erde dieſen ver - dammten Brocken koͤnnen verdaͤuen / ſondern allezeit von ſich ge - worffen; Woraus maͤnniglich hat unſchwer abnehmen koͤnnen / daß er eines ehrlichen Grabs nit werth ſeye / dahers anderwerts den Leib hingeworffen / wo er etwan den Raaben zu Theil wor - den.

Grab / Echo Rab.

Jhr Kothbutten / ihr Miſt-Confect, ihr gefirneiſte Erd - Schrollen / ihr muffende Kraut: Toͤpff / ihr glantzende Maden - Saͤck / ihr gemahlte Saͤutroͤg ihr uͤberzogne Waidſchwamen / ihrG 3pollier -54Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.pollierte Luder / ihr verzuckerte Aas / ihr vermaͤſcherte Elendhaͤut / ihr verſilberte Eyterbotzen / ihr verwuͤſter Wuſt (euch verſtehe ich hoffaͤrtige Weiber) und zwar die jenige / welche mit der von Goͤttlicher Allmacht ertheilter Bildnus nicht zufrieden / ſondern ſelbes mit allerley erdencklichen Mittlen ſuchen zuverbeſſeren / ihr ſolt euch ſpieglen an dem Wunderthaͤtigen Maria-Bild am Ne - ckar / welches neben andern unzahlbaren Miraculen auch dieſes wuͤrckt / daß es ſich von keinem Mahler / ſo ſchon oͤffters geſchehen / laſt renoviren / oder mit Farben uͤberziehen / ſondern behalt alle - mahl die vorige Geſtalt. Aber macht euch nur mit frembden Anſtrich / roth / der Teuffel wird es euch zu ſeiner Zeit braun ge - nug machen.

Das hat mit ihrem ewigen Untergang erfahren jene / von der Pagat, to. 2. fol. 508. n. 16. erzehlet / welche abſonderlich faſt alle Tag ihr Angeſicht mit frembden Anſtrich uͤbermahlt / und nach viel ergangenen Ermahnungen von ſolcher verruchter Ge - wonheit nit abgeſtanden / ſondern noch freventlich ſich hoͤren laſ - ſen / es ſeye ihr nit ſo viel an GOttes Angeſicht gelegen / ſie moͤg daſſelbe ſehen oder nicht / als an ihrem: ȍ beſtia! nachdem ſolche mit Tod abgangen / iſt ſie Zweiffels ohne wegen der ehrlichen Freundſchafft an ein gutes Ort begraben worden? aber die Er - de - ſo ſonſt kein Unflat weigert / wolte dieſes Aas durch ſondern Willen GOttes nit in ihrer Schoos leiden / ſondern hat ihn mit aller Gewalt wieder von ſich geworffen. Der Vatter / ſo dazu - mahl noch im Leben / hat ſie nachmahlen laſſen mit dem Sand zudecken am Ufer deß Meers: aber dieſer wolte auch nicht ein Deckmantel abgeben dieſer Beſtienſt; weil endlich der Vatter ge - ſehen und wahrgenommen / daß dieſe ſeine ungluͤckſeelige Tochter keines Grabs werth / alſo iſt er in dieſe Wort ausgebrochen: weil der Teuffel die Seel hat / ſo kan er den Leib auch nehmen; wor - auf in Gegenwarth Maͤnniglichen der verdammte Coͤrper ver - ſchwunden / und Zweiffels ohne von denen Hoͤlliſchen Larven hinweg gefuͤhrt worden.

Grab55hat eine ſchlechte Begraͤbnus.

Grab / Echo, Rab.

Unſer HErꝛ und Heyland traff auf ein Zeit ein Samari - taniſches Weib an bey dem Brunnen Waſſer zuſchoͤpffen / ſonſt find man mehrer Weiber beym Wein / als beym Waſſer. Nach - dem er mit ihr ein kleine Zeit ein Anſprach gehabt / und ihr nicht ein wenig das Gewiſſen geruͤhrt / ſo ſchafft er ihr / voca virum tuum, ſie ſolle ihren Mann herzu ruffen: unſerm gebenedeyten Erloͤſer / vermoͤg ſeiner Goͤttlichen Allwiſſenheit ware gar wol bekandt / daß dieſer nit ihr rechter Mann ſeye / ſondern daß ſie mit ihme in ſteten Ehbruch lebe / wan dann dem alſo / warumb ſagt der Heyland nicht: voca adulterum tuum: Ruffe deinen Ehebrecher? dein unzulaͤſſigen Beyſchlaff / dein Huſtentreiber. Darum gibt die Antwort Dion. Carthuſ. darumb nennte er dieſen Geſellen ihren Mann / und nit einen Et Cætera; weil er ſo gar nit den bloſſen Namen der Unzucht wolte ausſprechen. O GOtt! O Himmel! ein jeder Prieſter vertritt GOttes Stell auf Erden / und alſo ſoll er dergeſtalten einen reinen und keuſchen Wandel fuͤhren / daß ihme ſo gar kein ungereimbtes Wort von der Zungen ſolle kommen. Aber leyder! man ſicht und ſpuͤhrt zuweilen das Wiederſpiel / und find ſich zu Zeiten unter dieſer ge - ſalbten Schaar auch etwas geſchmirbtes / ja die nit allein fremd - des Feur mit jenen zweyen Leviten Nadab Abiu, zu dem Al - tar bringen / ſondern gar mit dem ſchaͤdlichen / ſchaͤndlichen Ve - nus-Feuer entzuͤndet ſeyn.

Von einem dieſes Geliffters ſchreibt der Heil. Cyrillus ſolcher Geſtallten / wie das in einer Kirchen bey Tag und Nacht ein ſtaͤter Tumult und erſchroͤckliches Getoͤß gehoͤrt worden / wel - ches den guten Leuthen nit einen geringen Schrecken eingejagt / zu - mahl auch die Peſt nit wenig die Stadt betruͤbt. Als nun auf ein Zeit der Biſchoff daſelbſt mit dem geſamten Volck eyffrigſt in dem Gebett begriffen / und die Haͤnd aufgehebt zu dem aller - hoͤchſten GOtt umb abwendung dieſes Ubels / ſo dann iſt der H. Hyronimus in groſſer Glory erſchienen / und anbey geoffen -bahrert /56Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.bahret / wie daß in gegenwaͤrtiger Kirchen ein Prieſter begraben lige / welcher ein laſterhafften und unzuͤchtigen Wandel gefuͤhrt /Cyrill. in Epiſt. ad Auguſt. de laud. Hieron. werde alſo ſo lang und ſo viel das Ubel kein Ende nehmen / biß ſol - cher verruchter Coͤrper aus der geweichten Erde geworffen wer - de. Worauf dann unverzuͤglich ſolches werckſtellig gemacht / und der Leib zu Aſchen verbrennt worden.

Grab / Echo Rab.

Wol recht fangt das Woͤrtl Geld von dem Buchſtaben G. an / das iſt ſo viel als Ge. G. Was Ubel ſchmiedet das Geld? G. Was Unheil kochet aus das Geld? G. Was Narren macht das Geld? G. Was Seelen ſtuͤrtzt das Geld? G. Was Au - gen verblend das Geld? G. Was Gemuͤther verfuͤhrt das Geld? G. Was Hertzen bethoͤrt das Geld? G. Was Scha - den macht das Geld? das Geld iſt rund und macht doch viere - ckete Narren / das Geld iſt von Silber und Gold / und hat doch eyſene Kraͤfften / das Geld iſt klein / und wuͤrckt doch groſſe Ding. Von Simone Mago ſchreibt Anaſtaſius Nicenus, daß er ein groſſe Menge der Leuth habe nach ſich gezogen / und auf ſein Seiten gebracht; viel Maͤnner / viel Weiber / viel Kinder / viel alte / viel junge / viel reiche / viel arme / zogen mit ihm / glaubten an ihm / hieltens mit ihm / was ware dann deſſen eigentliche Urſach / daß er ein groſſes Volck bethoͤrt hat? obberuͤhrter Author gibt die Antwort / wie daß Simon Magus neben andern| Zauber-Kuͤn - ſten / und Teuffliſchen Verblendungen ſich habe oͤffters in lauter Geld verkehrt / und oͤffters vor dem Volck / wie ein von Gold ge - goſſene Statuta, oder Bildnus geſtanden / und dieſes ſey die mei - ſte Urſach / warumb ſo viel Leuth mit ihm ſeyn gewandert; dann die Menſchen das Geld weit kraͤfftiger ziecht / als der Magnet das Eiſen. Neben unzahlbaren Geſchichten iſt folgende nit die Geringſte / woraus abzunehmen / g g g g g g / was Seelen das Geld ſtuͤrtze!

Der H. Gregorius Pabſt ſchreibt ſelbſt mit ſeiner allzu - warhafften Feder / daß ein Weibsbild geweſt ſeye / welche unterdem57hat eine ſchlechte Begraͤbnus.dem Schein der Andacht ſtaͤts die H. Oerther / ſon von Wunder - Thaten beruͤhmt waren / beſucht habe / und folgſam bey dem ge - meinen Volck in ſolchen Ruhm kommen / daß ſie faſt von Maͤn - niglich vor Heilig gehalten worden. Unterdeſſen aber brachte ſie ein groſſen Schatz von Geld zuſammen / und ware ihr ver - maͤntlete Andacht nur dahin gericht / wie ſie moͤchte viel Geld zu - ſammen raſplen / ihren unerſaͤttlichen Geitz hierdurch zu ſpeiſen. Nachdem ſie viel und lange Jahre die verdammte Geldſucht hinter dem Fuͤrhang der Heiligkeit verborgen / und endlich das Zeitliche verlaſſen / ſo hat ſie kurtz zuvor allen ihren Schatz in die Erde ver - graben / ihr Seel aber auf ewig dem Sathan eingehaͤndiget. Die gute Meynung von ihrer aͤuſſerlichen Heiligkeit hat ver - moͤcht / daß ſie ſehr ſtattlich mit Begleitung deß haͤuffigen Volcks zur Erden beſtaͤttiget worden. Aber der gerechte GOtt wolte nit zulaſſen / daß ein ſolcher Leib ſolte in einem ehrlichen Grab ligen / deſſen Seel ſchon brinnt in dem ewigen Feuer / dahero ge - ſchehen / daß nach ihrem Tod ein erbaͤrmliches Geſchrey aus dem Grab gehoͤrt worden / und zwar dieſe deutliche Wort: Es brennt / es brennt / es brennt mich. Wie man leylich das Grab eroͤffnet / und die Toden-Truchen abgedeckt / hat man geſehen / daß ein Teuffliſches Geſpenſt ihr immer zu zerlaſſenes Gold in das MaulIn Dial. und Rachen gegoſſen / welches ein genugſame Urſach geweſen / daß ſie nachmahls deß ehrlichen Grabs beraubt worden.

Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.

D Judas ein Dieb geweſen / iſt bereits bey uns ein wahr - haffter Glaubens-Articul / maſſen ſolches das H. Evan - gelium klar und deutlich beſtaͤttiget: Fur erat. Allein iſt zu wiſſen / daß ſein Diebſtall kein gemeines Verbrechen gewe - ſen / wie bey mehrern Henckermaͤſſigen Geſellen zuſehen / ſondern er iſt ein Ober-Haupt geweſt aller Kirchen-Rauber / ein Raͤdel - Fuͤhrer aller der jenigen / ſo an Geiſtlichen Guͤtern wider allenPars IV. HFug58Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Fug und Gerechtigkeit / gewaltthaͤtige Haͤnd anlegen / und zwar aus doppelter Urſach: dann erſtlich hat er diebiſcher Weiß ent - frembd das Geld / welches unſerm HErꝛn und Heyland / dann auch dem H. Apoſtoliſchen Collegio gehoͤrig geweſt / nachmah - len hat er die dreyſſig Silberling / umb die er das allerhoͤchſte Gut verkaufft / von denen Hohenprieſtern der Juden angenom - men / welches Geld / zumahlen es aus dem Tempel ware / weder die Gewiſſenloſe Prieſterſchafft kundte geben / weder der Gottlo - ſe Geſell kundte annehmen. Es hat aber der verruchte Boͤß - wicht Judas in dieſer ſeiner Ohnthat ſehr viel Nachfolger und Diſcipel.

Unſer lieber HErꝛ und Heyland hat in ſelbſt eigner Per -Joan. c 2. ſohn zu Jeruſalem alle die jenige / ſo mit Tauben gehandlet / zum Tempel hinaus gepeitſcht. Den Adam ſammt ſeiner Mit-Con - ſortin hat GOtt aus dem Paradeiß gejagt durch einen Engel: Die Amoræer hat GOTT aus ihrem Vatterland vertrieben durch Mucken und Wepſen: Das gantze Aſſiriſche Kriegs - Heer hat er zu Boden gelegt durch einen Engel: Aber wie er die leichtfertige Taubenhaͤndler im Tempel hat angetroffen / da wol - te er ſolche Boͤßwicht nit ſtraffen durch andere / ſondern er ſelbſt macht aus den Stricken / wormit Staͤnd / Butten / Kraͤxen / und Tiſch gebunden waren / ein Geiſſel / und jagt die Gewiſſens - loſe Geſellen zum Tempel hinaus ſammt ihren Tauben. Hat nun der gebenedeyte Heyland ſo gar die Tauben nit wollen ge - dulten in ſeinem Tempel / wie viel weniger kan er darinn leiden die Raub-Voͤgel / deren doch ſehr viel geweſt / und noch ſeyn / welche Kirchen-Schaͤtz und Geiſtliche Guͤter mehrmahlen zu ſich zie - hen / aber ſelten / ja faſt nie ohne ſondere Goͤttliche Straff darvon kommen.

Balthaſar der Babyloniſche Koͤnig / als er ſeinen Vatter / jenen groſſen Nabuchodonoſor, nachdem er todt / in drey - hundert Stuck zerhauen laſſen / damit er nit mehr vom Toden erwecket wurde / dieſer Balthaſar ſtellte eineſt ein ſehr groſſes undſtatt -59Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſtattliches Panquet an / worbey der hoͤchſte Adel / das vornehm - ſte Frauen-Zimmer / und ein groſſe Menge der Kebs-Weiber er - ſchienen. Nachdeme nun der Wein dem Koͤnig in den Kopff geſtiegen / hat er alſobald den Befehl ertheilt / man ſolle alle gul - dene und ſilberne Geſchirꝛ / die ſein Vatter aus dem Tempel zu Jeruſalem geraubt / herbey bringen / und dar aus alle gegenwaͤrti - ge Gaͤſt wacker Beſcheid thun. Aber GOttes Straff kundte nicht lang ausbleiben / in Anſehung deß groſſen Kirchen-Raubs; dann obſchon beſagter Koͤnig ſolchen Kirchen-Schatz nicht ge - raubt / ſondern nur ſein Vatter: weil er aber dieſen unrechtmaͤſſig behalten / und nit wiederumb dem Tempel erſtattet / alſo iſt er ebenfalls als ein vermeſſener Kirchen-Rauber beſchuldiget wor - den / und folgſam der Goͤttlichen Raach unterworffen: maſſen noch bey waͤhrender dieſer Mahlzeit ein Hand ohne Armb an der Wand erſchienen / und ihme den Untergang angedeut / ſo noch in ſelbiger Nacht vollzogen worden; dann etliche Stund hernach die Perſianer mit groſſer Macht die Stadt Babylon eingenom - men / erſtbenannten Koͤnig erwuͤrget / alles Frauen-Zimmer nie - dergehaut / Fuͤrſten und Grandes gefangen genommen / und folgſam das gantze Koͤnigreich in frembde Haͤnd gerathen. Sol - che Straff verdiente der Kirchen-Raub.

Wie Petrus ſammt wenig andern auf dem Befehl Chri - ſti / ſo dazumahl gegenwaͤrtig ware / den groſſen Fiſchzug gethan / da hat er vermerckt das Netz moͤchte ihme zu ſchwer ſeyn / und folg - ſam ohne Lebens-Gefahr nit ablauffen / weſſenthalben ſie etlichen andern Fiſcheren / ſo nit weit von ihnen / mit den Haͤnden gewun - cken / ſie ſollen ihnen diß falls beyſpringen / und einige Huͤlff lei -Luc. 5. ſten / annuerunt Socijs, wie kommts aber / daß ſie nit geſehryen / oder pfiffen haben / wie der gleichen Leuth zu thun pflegen? etwan ſeynd die andere Gehoͤrloß geweſt / daß nit / das wol nit: ſondern ſie haben derentwegen kein Geſchrey gemacht / noch weniger ein ungereimtes Pfeiffen vollbracht / weil ſie gedacht / daß der glei - chen Sachen ſich nicht geziemen an einem Ort / wo der HErꝛ undH 2Hey -60Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.Heyland gegenwaͤrtig iſt. Dion. Carthuſ. in Luc. Geziemt ſich das nit - und ſcheint gar ungebuͤrtig / an einem Ort zuſchreyen / wo Chriſtus gegenwaͤrtig / wie viel weniger reimbt ſich / ja wie viel ſtraͤfflicher iſt es / wann jemand ſo gar zu ſtehlen und rauben ſich vermeſſet aus dem Tempel / allwo GOTT ſelbſt gegenwaͤrtig. Dergleichen Frevel wird ſelten ungezuͤchtiget gelaſſen.

Zu Bilbai in Spannien iſt ein Wunderthaͤtige Bildnus der Mutter GOttes Maria / allwo ſich neben vielen| andern dieſes denck wuͤrdig zugetragen. An. 1523. hat bey naͤchtlicher Weil ein vermeſſener Dieb die H. Bildnus voͤllig beraubt / und ſehr koſtbahre Kleynodien darvon getragen. Endlich wolte er auch die guldene Kron von dem Haupt nehmen / welches aber die Mutter GOttes / als ein Koͤnigin Himmels und der Erden nit wolte zulaſſen / ſondern die Hand dieſer hoͤltzenen Bildnus hat der geſtalten den Arm deß Diebs gehalten / daß er von ſolchem Raub muſte abſtehen: Gleichwol iſt der Gottloſe Menſch hier - durch nit in ſich gangen / ſondern mit dem andern Raub darvon gangen / aber nit nach ſeinen Wunſch oder Verlangen; dann als er bey einer groſſen Schaaf-Heerd wolte vorbeygehen / da hat ſich ein groſſer Widder hervor gemacht / den Dieb mit ſeinen Hoͤrnern der geſtalten beaͤngſtiget / daß er endlich von dieſem Duell gantz matt muſte den Ruck-Weg nehmen. Wie er nun einen andern Weg geſucht / und mehrmahlen ein groſſe Kuh-Heerd angetroffen / da hat ſich alſobald ein Ochs hervor gemacht / und den Dieb dermaſſen beunruhiget / daß er wiederumb dem hart - neckigen Ochſenkopff muſte den Sieg laſſen / und anderwerts ein Weg ſuchen / aber auch dißmal in ſeiner Hoffnung betrogen worden; dann als er wolte durch ein ſehr angenehmes Waͤldlein / ſo| ihme vorhin nur gar wol bekant / mit guter Gelegenheit durch - paſſiren / hat er daſſelbe alſo mit Geſtraͤuß und Dorn-Hecken ver - wachsner gefunden / daß ihme unmoͤglich mehr geweſen weiter zugehen / muſte alſo Mattigkeit halber ſich niederlegen und ſchlaf - fen. Unterdeſſen in der benachbarten Kirchen / allwo er denRaub16[61]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Raub begangen / haben von freyen Stuͤcken ohne einige Hand Anlegung eines Menſchen die Glocken ſich ſelbſt geleut / wordurch Maͤnniglich veranlaſt worden in die Kirchen zu lauffen / und ſo bald ſie daſelbſt die ſpolirte Maria Bildnus geſehen / haben ſie unſchwer koͤnnen abnehmen / daß die Glocken den Kirchen-Rau -Atlas Marian, Imag. 229. ber wollen verrathen / wie auch bald geſchehen / maſſen ſie ihne un - ter einen Baum ſchlaffender gefunden / und nicht lang hernach zur verdienter Straff gezogen. Bleibt alſo der Kirchen-Diebſtahl ſelten ohne Straff.

Wie bey naͤchtlicher Weil der Patriarch Jacob die Leyter geſehen / an welcher die Engel auf - und abgeſtiegen / und oberhalbGen. 28. GOtt ſelbſten die Leyter gehalten / da iſt er uͤber alle maſſen hier - uͤber erſchrocken / ja ſo gar aufgeſchryen / wie erſchroͤcklich iſt dieſes Orth. Aber was iſt doch die Urſach geweſt ſolches Schreckens? dieſe und kein andere. Es iſt ihm dazumahl geoffenbahret wor - den / daß an dieſem Ort ins kuͤnfftige der ſchoͤne Salomoniſche Tempel ſolle gebauet werden / woruͤber er ſich auff alle Weiß ent - ſetzt hat / in erwegung / daß er an einem ſolchen Orth geſchlaffen und folgſam wider den gebuͤhrenden Reſpect gehandlet / an wel - chem Ort ein kuͤnfftige Wohnung GOttes ſolte werden. Ly - ran. in hunc loc. Hat ſich derenthalben der fromme und Gotts foͤrchtige Jacob geforchten-weil noch nit wuͤrcklich daſelbſt ein Tempel geſtanden / ſondern erſt inskuͤnfftig ſolle aufgericht werden. Wie kuͤnnen ſich dann freventlich unterfangen einige Gewiſſenloſe Leuth / ſo bey naͤchtlicher Weil gar die Tempel be - ſtehlen und ausrauben? gewiß iſt es / daß ſolche Unthat faſt nie ungerochnet bleibt.

Jn Sabaudia nicht weit von Cantuſia iſt ein ſehr ſchoͤne Kirch / ſo von alten Zeiten hero dem H. Pancratio gewidmet / allwo auch erſtgedachten Heiligen Martyrs Reliquien und Heilthumber aufbehalten werden Jn dieſem Tempel wegen der groſſen Verdienſten deß Heil. Parcratij geſchehen uͤber alle maſſen viel Miracul und Wunderwerck / unter denen nit das ge -H 3ringſte /62Ju das ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ringſte / ſo ſich mit einem zugetragen hat. Dieſer fuͤhrte ein ehr - lichen Handel / und nahme meiſtentheils ſeinen Weg bey ſolcher Kirch vorbey. Einsmahls manglete ihm ein Stecken / wormit er ſeinen Saͤmeſel kunte beſſer antreiben / machte ihm derowegen keinen ſondern Scrupel / ſondern nimmt aus beſagter Kirchen ein Krucken / deren ein groſſe Anzahl daſelbſt gehangen / uud braucht ſolche an ſtatt deß Steckens; kaum aber / daß er ein Vıertelſtund von dem Ort kommen / da iſt ihme Augenblicklich durch ein un - ſichtbare Hand und Gewalt der Hals dermaſſen ummgerieben worden / daß ihme daß Angeſicht auf dem Rucken geſtanden / auch ſo lang verblieben / biß er ſolche Frechheit genugſam bereuet /Cantin. Bollan. in 12. Maj. und dem H. Martyrer Pancratio allemahl / ſo offt er werde vor - bey reiſen / zwey Pfund Oel verſprochen / woruͤber er zu voriger Geſundheit gelangt.

Zu dem Abraham kommen auf ein Zeit drey Engel in Ge - ſtalt der Frembdling / und nehmen bey ihm die Einkehr / zumahl er ſehr freundlich gegen allen Gaͤſten. Da er ſie nun wol tra - ctiret / und den guten Willen ſammt dem Werck erwieſen / da brin - gen ſie ihme die Zeitung / daß ihme ein Mannlicher Erb werde gebohren werden / welches der Sara / ſo dazumahl aus Weiblicher Vorwitz hinter der Thuͤr zugeloſt / ein Urſach geben / daß ſie hier - uͤber gelacht / und geſchmutzt hat / zumahlen ſie bereits eines ho - hen Alters / welches ſie ſelbſt bekennt / ſo ſonſten andre Weiber niemahlen recht bekennen / ſondern allezeit fuͤr juͤnger wollen ange - ſehen ſeyn. Der Engel wirfft es alſobald dem Abraham vor / warumb die Sara gelacht habe / als muͤſte ein Mann als das Ober-Haupt Rechenſchafft geben von allem Thun und Laſſen ſei - nes Weibs? aber ſoll dann ein wenig Lachen ein ſo groſſes Ver - brechen ſeyn? Das Tractament daſelbſt ware ein Sinnbildnus deß hoͤchſten Altars Geheimbnus / das Tentorium oder Huͤt - ten aber ein Tempel; dahero wolte der Engel zuverſtehen geben / daß es ſich gar nicht gebuͤhre an einem ſolchen Orth im wenigſten zulachen. Procop. apud Cornel. à Lapide. Kan nun der all. maͤchti -63Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.maͤchtige GOtt an einem ſolchen Ort das Lachen nit leiden / wie mißfaͤllig wird es dann ihme fallen / wann man daſelbſt raubt und ſtihlt. Allen ſolchen verruchten Leuthen kan die Goͤttliche Straff nit lang ausbleiben.

An einem Orth / Schoͤnfeld genannt / hat ſich ein kecker Dieb unterfangen / aus der Kirchen deß H. Æthelberti einen| ſchoͤ - nen und koſtbaren Teppich zu rauben / maſſen er durch die Maur zur ebner Erde ein Loch gemacht / wodurch er gar leicht / und ohne einige Beſchwernus hat koͤnnen hinein ſchlieffen: wie er aber mit der reichen Beuth wiederumb wolte den Ruck-Weg nehmen / und bereits mit dem halben Leib unter dem Loch begriffen / da hat ſich durch ſondere Verhaͤngnus GOttes die obere Maur alſo auf ſei - nen Rucken geſenckt / das er weder fuͤr ſich / noch hinter ſich kunte / und ſo lang muſte verbleiben / biß deß andern Tags maͤnniglich zu dieſem Spectacul kommen. Wie nun der Gottloſe Kirchenrau - ber vor allem Volck zuſchanden worden / da hat ſich wunder bar - lich die Maur wider in die Hoͤhe gehebt / und der vermeſſene Dieb gar leicht ſeinen Ausgang gewonnen.

O verruchte / verfluchte Hand Malchi! welche ſich ſo weit vermeſſen / daß ſie ſo gar dem Goͤttlichen Angeſicht CHriſti deß HErꝛn / welches alle Engliſche Geiſter mit ſo groſſer Ehren - bietſamkeit anbeten / ein harten Backenſtreich verſetzt: ſoll dann nit Donner und Hagel dieſe Schmach gerechnet haben? ſoll dann nit Feuer und Flammen ſich ihres Erſchoͤpffers ang enommen ha - ben? ſoll dann die Erd dieſen Boͤßwicht nit lebendig verſchlickt ha - ben? ſoll dann der Lufft haben dieſe Unthat ungerochner laſſen|? ſoll dann das Waſſer / ob es ſchon eines weichmuͤthigen Her - tzens / nit hart verfahren ſeyn mit dieſem vermeſſenen Boͤßwicht? nichts iſt geſchehen / geſchehen iſt nichts weiter / als daß der ſanfft - muͤthigſte Heyland in dieſe kurtze Wort ausgebrochen: Cur me cædis? Warumb ſchlagſt du mich. Entgegen unterſtehet ſich einmahl der Koͤnig Jeroboam den Propheten deß HERRN in dem Tempel zu fangen / und ſo bald er nur die Hand ausgeſtrecktge -64Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.gegen erſtbenannten Diener GOttes / da ware ſchon die Goͤttliche3. Reg. c. 13. Straff gegenwaͤrtig / maſſen die Hand alſobald voͤllig verdorret / todt / unbrauchbar worden. Allmaͤchtiger GOtt! warumb wird Malchi Hand nit geſtrafft / welche ein weit groͤſſere Unthat begangen / als die Hand Jeroboam? darumb ſagt der Welt - kuͤndige Pacenſiſche Biſchoff / darumb ſagt dieſer Hocherleuchte Cerda, darumb / weil der Malchus ein Schmach CHriſto dem HErꝛn angethan / Jeroboam aber dem Tempel / die SchmachTom. in Judith c. 4. aber deß Tempels hat GOtt hoͤher und haͤrter angezogen / als die ſeinem eingebohrnen Sohn angethane. Wann GOtt ſolche Gewaltthaͤtige Haͤnd nit kan gedulten in ſeinem Tempel / wie viel weniger wird er leiden die Rauberiſche.

Guilelmus mit dem Zunamen Ruffus der Rothſchedel / hat umb das Jahr Chriſti 1100. einen elenden Todt genommen / dann als er ſich auf ein Zeit mit einer Jagd erluſtigte / und einem Cavalier mit Namen Walthero Tyrell ernſtlich befohlen / er ſolle einen Hirſchen / ſo unweit von ihme geſtanden / ſchieſſen / ſihe! da iſt der Pfeil zuruck geproͤllt / und dem Koͤnig das Hertz voͤllig durchdrungen / worvon er Augenblicklich todt niedergeſuncken. Weil dazumahl niemand gegenwaͤrtig als ein armer Kohlbren - ner mit einem ſchlechten Karꝛn / worein einiger alte Schimmel ge - ſpannt war / alſo muſte dieſer den Coͤrper deß Koͤnigs / welcher al - ſobald mehrer erſchwartzet / als alle Kohlen / in dieſer ſeiner Kohl - kreintzen in die Stadt fuͤhren. Wie er nun in die groͤſte Koth - Lachen kommen / da iſt / ungezweifflet durch ſondere Verhaͤngnns GOttes der Karꝛn voͤllig zerbrochen / daß alſo der Koͤnigliche Coͤrper im Koth und Wuſt biß uͤber die Ohren gelegen. Jn der - ſelben Stund hat der vornehme Graf Nortumbriæ ebenfalls auf der Jagd einen groſſen ſchwartzen Gayß-Bock / worauf der Koͤnig geritten / angetroffen / und als ſolcher in dem Namen der allerheiligſten Dreyfaltigkeit beſchwohren worden / was dieſes be - deute! hat dieſer die Antwort geben / wie daß er ein Teuffel aus dem Abgrund der Hoͤllen ſeye / und fuͤhre den rothkoͤpffeten Koͤ -nig65Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.nig Guilelm zum Goͤttlichen Gericht. Dieſer ware Koͤnig in Engelland und regierte 13. Jahr. Dieſes ſeines zeitlichen und ewigen Untergangs iſt kein andere Urſach geweſt / ſpricht Matth. Pariſienſ als der groſſe Raub / den er von den Kirchen Guͤtern gezogen.

Ehrvergeſſene / Lehrvergeſſene / Gottloſe / Gewiſſenloſe / boßhaffte / ſchalckhaffte / verruchte / verfluchte Geſellen und Boͤß - wicht ſeynd die Juden geweſt / welche in allweg den Heyland JEſum nicht anderſt verfolgten / als wie die Woͤlff und Schaaff / wie die Geyr ein Tauben / wie die Hund ein Haſen. Ein Licht ware Chriſtus / dieſes Licht haben hoͤchſter maſſen gehaſſt die Ju - diſche Nachteulen; ein Roſen war Chriſtus / dieſe Roſen haben nit koͤnnen leiden die Juͤdiſche Koth-Kefer: Ein Meer / und zwar grundloß in der Guͤtigkeit ware Chriſtus / und dieſes Meerhaben die Hebraͤiſche Wind nie mit Ruhe gelaſſen. Alle ihre Gedan - cken waren / wie ſie doch kunten den HErꝛn aus dem Weg rau - men / alle ihre Wort waren / wie ſie moͤchten JEſum Nazare - num fangen / und ſolche Gelegenheit haben ſie nie beſſer gehabt / nie bequemer gehabt als indem Tempel / und dannoch / mercks wol / und dannoch haben ſie ihne im Tempel mit Fried gelaſſen: Quo - tidiè apud vos eram in templo, & non tenuiſtis me. So ſeynd dann alle Kirchenranber gottloſer und vermeſſener / als da - zumahl alle Hebraͤer und Juden / zumahlen vor ſolchen Chriſtus der HErr ſammt ſeinem Hausrath nit ſicher in der Kirchen. Aber wehe / wehe ſolchen.

Drey boßhaffte Geſellen ſeynd bey eitler Nacht in die Kir - chen deß H. Vincentii ein geſtiegen / und daſelbſt nicht allein den gantzen Kirchen-Ornat ſammt den beſten Meßgewaͤndtern geraubt / ſondern ſo gar den Tabernacul aufgebrochen / und das guldene Gefaͤß / worinn das hoͤchſte Gut aufbe-alten worden / entfrembd; wie ſie aber mit ſolcher Beuth ſich wiederum wolten aus der Kirchen machen / da kundten ſie auf keine Weiß einen Ausgang finden. Nachdem ſie bereits die halbe Nacht in derPars IV. JKirchen66Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Kirchen herum gezogen / hat ſich einer mit allem Gewalt in die Hoͤhe begeben / aber alſobald einen ſo ungluͤckſeeligen Fall gethan / daß ein Fuß oberhalb in dem Fenſter / der andere Leib aber ſammt dem Kopff gegen der Erden hangen geblieben Der andere Dieb dappte ſo lang in der Kirchen herum / biß er endlich zu dem Grab des H. Vincentii gerathen / woſelbſt ſehr viel Ketten und Fußeyſen gehangen / der erledigten Gefangenen / welche dann alſo bald den Dieb dergeſtalten angefeßlet / daß er ſich weder hinter ſich noch fuͤr ſich kunte wenden. Der dritte mit ſeinem ſteten dap - pen und taſten hat endlich nur ein wenig den Strick des Sacri - ſtey Gloͤckels beruͤhret / woꝛvon ein ſolcher Klang durch das ange - baute Muͤnchs-Cloſter erſchollen / daß hierunter alle vom SchlaffBallan. 13 Jan. aufgeweckt worden / und folgſam dieſe 3. gewiſſenloſe Kirchen - rauber in wuͤrcklicher That erdappt.

Chriſtus der HErr nach ſeiner glorreichen Urſtaͤnd iſt auf eine Zeit denen Apoſteln erſchienen am Geſtad des Meers / gleich dazumahlen / als ſie in wuͤrcklichen Fiſchzug beſchaͤfftiget waren / und nachdem er ſie angeredt / ob ſie nichts zu eſſen haben? da er - kandte der liebſte Joannes aus der Stimm / daß es unſer lieber HErr und Heyland ſeye / deutet es demnach gleich dem Petro an / welcher alſobald in ſeinen langen Rock geſchloffen / dann er ware bloß von oben biß an den halben Leib: Petrus geſchwind / geſchwind legt den Rock an / wirfft ſich ins Meer und ſchwimmt zu unſerm HErrn. Aber dieſes iſt ja zu verwundern / daß er die Kleider angelegt. Andere / wann ſie wollen durch das Waſſer waden oder ſchwimmen / ziehen vielmehr die Kleider aus. Aber Petrus gedacht / es ſchicke ſich gar nit / gantz und gar nit / daß er halb bloß vor unſerm HErrn erſcheine. Dieſes ſollen fein mer - cken etliche uͤppige Schleppſaͤck / welche mehrmalen ſich getrauen faſt halb nackend vor GOtt in der Kirchen zu ſeyn. Wann nun Petrus dafuͤr gehalten / daß man in Gegenwart Chriſti die ge - ringſte Ohnmanier nicht ſolle begehen / wie ſtraffmaͤßig handlen dann alle die jenige / welche nit ſich vor unſerm HErrn in der Kir -chen /67Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.chen / ſondern ſo gar den HErrn ſelbſt und ſeinen Altar der Kley -Joan. 21. der berauben. O Miſſethat / welche nie ohngerochen bleibt.

E duardus der dritte Koͤnig in Engelland / wie er Schott - land mitfeindlicher Macht uͤberfallen / und neben andern auch die heilige und Gnadenvolle Capell unſer lieben Frauen daſelbſt insgemein / die weiſſe Capellen gaͤntzlich ausgeraubt / iſt derge - ſtalten von der goͤttlichen Gerechtigkeit geſtrafft worden / daß alle Schiff / worinnen etwas von dieſem Kirchenraub geweſt / er - baͤrmlich zu Grunden gangen. Einer / welcher dem Gnadenbild der Mutter GOttes die koſtbare Kleynodien von dem Hals ge - riſſen / und mit ſolchen in Mitte der Kirchen geprangt / iſt von ei - nem groſſen geſchnitzleten Crucifix-Bild / ſo von oben herabgefal - len / dergeſtalten getroffen worden / daß ihme die Hirnſchal mittenBoeth. l. 15. voneinander zerſpalten. Dieſes iſt geſchehen Anno 1355. nit weit von Sandintoun.

Ein anderer Dieb / ſo bey der Nacht in die Kirchen des H. Felicisſimi eingebrochen / und daſelbſt alle koſtbare Sachen ent - frembd / hat vermeint / weil er ſtarck gangen / daß bereits 3. Meil ſchon von der Kirchen entlegen: Aber in der Fruͤhe in Beyſeyn des gantzen Volcks hat er ſich bey der Kirchenthuͤr ſammt ſeinenFerra〈…〉〈…〉 16. Jul. Raub befunden.

Der Prophet Iſaias c. 6. v. 2. hat auf ein Zeit die Goͤtt - liche Majeſtaͤt in dem Tempel geſehen mit groſſer Herrlichkeit umgeben. Unter andern ſtunden daſelbſt die Seraphim / dieſe ſo vornehme Engliſche Geiſter / deren jeder 6. Fluͤgel hatte / und mit zweyen bedeckten ſie das Angeſicht / mit zweyen thaͤten ſie flie - gen / und mit zweyen Fluͤgeln verhuͤllten ſie die Fuͤß. Aber war - um die Fuͤß? Sie hatten ja keine ſo unflaͤtige Fuͤß / wie manche Baurn-Trampel / ſo durch alle Kothlacken treſchen? freylich nit. Aber weil doch die Füß ein veraͤchtlicher Theil des Leibs / alſo wa - ren ſie ſo Ehrenbietig im Tempel / daß ſie ſich nit getrauten / ſolche bloſſer zuzeigen. Dieſe waren hoͤffliche Engel / aber zu Zeiten gibts grobe Pengel / die ſo gar mit diebiſchen Fuͤſſen in der Kir -J 2chen68Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.chen erſcheinen / ja gar bey der Nacht dieſelbige beſteigen und gaͤntzlich ſpoliren und rauben.

Baronius erzehlt / daß Anno 937. ein vermeſſener Unger habe wollen die Kirchen deß Heil. Baſoli berauben / aber von GOtt gleich wund erbarlich geſtrafft worden. So bald der boß - haffte Geſell die erſte Hand an den Altar gelegt / da iſt ſolche durch Goͤttliche Wuͤrckung dem Stein dergeſtalt anklebt / daß er mit keinem. Gewalt ſolche mehr kunte von dem Stein ziehen / biß endlich einer ſeiner Mit Cammeraden um die Hand ringsherumFrodoar apud Ba - ron. den Stein hinweg geſtemmt; haben gleich wol nit verhindern koͤn - nen / daß der gottloſe Menſch nit waͤre geſtrafft worden / maſſen er ein zimliches Trum von beſagten Altar-Stein die Zeit ſeines Lebens muſte an der Hand herum tragen.

Ein Prieſter ſo gar hat ſeines Gewiſſens vergeſſen / und aus der Gnaden Capellen unſer lieben Frauen de Madia ge - nannt / guldene Armbaͤnder von beſagten Miracul-Bild hinweg geraubt / aber alſobald die Rach des Himmels erſahren / maſſen er bey dem helliechten Tag die Kirchthuͤr nicht mehr kunte ſin - den / ſondern in der Kirchen hin und her / um und umgangen / gleichwol keinen Ausgang gefunden. Als endlich der Sacriſtan vermeint / der gute Geiſtliche habe einigen Mangel an den Au - gen / oder ſeye etwan gar blind / hat er ihn bey der Hand genom - men / damit er ihn moͤchte zu der Kirchenthuͤr bringen / aber nach - mahls nach aller angewendter Muͤhe haben beyde die Thuͤr nitPagat. [50]n. 2. f. 301. n. 29 koͤnnen treffen / biß endlich der vermeſſene Prieſter in ſich ſelbſt gangen / das entfrembde Gut wiederum auf den Altar gelegt / em ſo hartes Verbrechen bereuet / nach ſolchem hat er unſchwer den Ausgang gefunden.

Alle Kirchen pflegt man gegen Orient oder Aufgang der Sonnen zubauen / die Urſach deſſen ſoll ſeyn nach Auſſag / Moy - ſis Parcephæ, weil das irrdiſche Paradeis in Orient iſt / und in dem Aprill grad oder dem Paradeis die Sonn aufgehet; alſo beten wir gegen Orient / damit wir wiederum dahin kommen /wo69Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.wo wir ſammt dem Adam ſeynd ausgetrieben worden. In Com - ment. de Paradiſ. P. 1. c. 13 Auf ſolche Weiſe ſollen wir alle in der Kirchen gegen Orient ſchauen / aber leider! viel ſchlimm und Ehr-vergeſſene Leut ſchauen in der Kirchen gegen Untergang / indem ſie wegen der vermeſſenen Diebſtaͤll / ſo ſie im Tempel und Gottshaͤuſern begehen / zeitlich und ewig untergehen.

Von unſer lieben Frauen-Kirch zu Augſpurg werden wunderbarliche Ding gantz glaubwuͤrdig ausgeben / wie daß faſt kein eintziger Diebſtall / ſo daſelbſt begangen wird / ohngerochner bleibe. Unter andern wird erzehlt / daß einer etwas weniges in beſagter Kirchen entfrembdt / aber gleich darauf gantz unſinnig worden / ſich ſelbſten raſend alſo angefallen / biſſen und zerriſſen / ſo lang biß er endlich verreckt.

Ein anderer daſelbſt hat ein Buch mit Silber beſchlagen geraubt / und nach mahl um ſolches ein Pferd eingehandelt / ſprechend / das Pferd koͤnne er weit beſſer brauchen als das Buch / dann er doch weder Doctor noch Pfaff werde ſeyn. Als ihme aber ſein Gewiſſenhafftes Weib deſſenthalben einen ernſtlichen Verweiß geben / mit Vorwendung der groſſen Straff / deren ſel - ten die Kirchenrauber befreyt ſeyn. O Raͤrrin! ſagt er / ſchau du auf die Kuͤhe / mich gehen die Roß an / taͤſchlet hieruͤber das Pferd und ſtreichts uͤber den Rucken / voll der Freuden / daß er ein ſo guten Klepper mit ſo leichter Muͤhe bekommen; aber ſiehe Wunder! mitten unter dem Taͤſchlen ſchlaͤgt das Pferd ihn gantzIn vit. S. Udalrici. mauß todt. Ob er nun in die Hoͤlle gefahren oder geritten / will ich es nit diſputirlich machen.

Wie der Koͤnig Saul in der Schlacht das kuͤrtzere gezo - gen / und bereits ſein Gluͤck den Koͤhrans geſungen / da hat er dem Ama'echer befohlen / er ſolle ihne umbringen / dann ihne ſo groſſe Aengſten uͤberfallen / daß er lieber todt als lebendig wolle ſeyn. Was muͤſſen dieſes vor A〈…〉〈…〉 noſter gewiſen ſeyn? der wer - the Sylphar a zieht es aus dem Hebraiſchen Text / und ſagt / daß hulaͤngſt vorhero der Saul den Tempel GOttes ausgeraubtJ 3habe /70Judas eiu Dieb Geiſtlicher Guͤter.habe / und alle deſſen Prieſterliche Ornat und Kleidungen un -2. Reg. c. 1 Sylv. l. 3. 430. ter ſeine Soldaten ausgetheilt; ſolcher Kirchenraub habe ihme ſo groſſe Beſtuͤrtzungen und Hertzens-Wehemut verurſachet / daß er nit mehr wolte leben. Wehe aber und wehe allen Kirchen - Dieben!

Keyſer Leo hat einen ſehr koſtbaren guldenen Kelch / mit vielen theuren Steinen verſetzter nacher Littig geſchickt / durch ei - nen ſeines Erachtens gar getreuen Menſchen / welcher daſelbſt in Namen Jhro Majeſtaͤt ſolle der Kirchen offeriren / der Bott oder Traͤger dieſes koſtbahren Geſchencks iſt ohngefehr unter Wegs zu einem verſchmitzten Gold-Schmid gerathen / welcher alsbald den Gottloſen Einſchlag geben; Er wolle einen andern Kelch von Silber / doch ſchoͤn vergolt verfertigen / und ebenfalls mit dieſen ſteinern Zieraden / den guldenen aber wollen ſie beyde in gleicher Portion miteinander theilen. Der Gottloſe Anſchlag war alſobald beyderſeits fuͤr genehm gehalten: An ſtatt des gul - denen Kelchs ein ſilbernen geopffert. Wie der| uͤbeꝛtrager aberGreg. Turon. de glor. Confeſs. c. 63. ſein Ruckreiß wieder zu beſagten Goldſchmid genommen / und das Gold bereits wollen theilen / da iſt die goͤttliche Rach uͤber ſie ge - ſtiegen / maſſen durch eine gaͤh entſtandene Erdbidem / die Erde ih - ren weiten und tieffen Grund aufgeſperrt / und beyde Boͤßwicht lebendig verſchlickt.

Es iſt zwar ein jedes Ort in der Welt bequem und taug - lich daſelbſt GOtt zu loben / und zubeten / wie dann Elias auf einen hohen Berg / Joſue in einem tieffen Thal / Jeremias in einer alten Ciſtern / Daniel in der Loͤwen-Gruben / die drey Knaben in dem Babyloniſchen Ofen / Jonas im Wallfiſch / Job auf dem Miſthaufen / Suſanna in Mitte zweyer alten Schelm gebetten / aber doch eigentlich iſt ein Kirchen ein Bethaus; maſ - ſen der Heyland ſelbſten in ſeinem rechtmaͤſſigen Zorn / als er die Hebraͤer zum Tempel hinaus geſpeitſcht / geſagt hat: Domus mea. Mein Haus iſt ein Bethaus. Aber leider! dieſes Bet - haus machen viel Kirchenrauber / zu einem Bettelhaus / wiedann71Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.dann vor kurtzen Jahrendie Frantzoͤſiſche Soldaten in dem Roͤ - miſchen Reich dergleichen in Himmel ſchreyenden Kirchenraub und Tempel - Pluͤnderung genugſam veruͤbet haben.

Anno 1690. den 6. April iſt ein wahrhaffter Bericht ein - geloffen / daß die Frantzoſen in dem Chur-Pfaͤltziſchen / unweit Philippsburg gelegnen Staͤdl Bruch‘all / als die PP. Capu - ciner dazumal die Procesſion gehalten / und daß Hochwuͤrdi - ge Gut auf dem Altar ausgeſetzt ſtunde / ohnverſehens etliche Hund ſtarck ankommen / in die Kirchen / allwo man noch in dem Ampt der H. Meß begriffen / mit Feuer und Stroh ohne allen Reſpect und Ehrenbietung des allerhoͤchſten Guts gantz grim - mig eingetretten / den Altar / die Kirchen ſammt dem Cloſter ſo gaͤh in Brand geſteckt / daß der Prieſter / ſo das Hochwuͤrdige aus denen Flammen erretten wollen / vom Feuer bald waͤre verzehrt worden / wie er dann am Kopff / Geſicht / Haͤnden und andern Theilen des Leibs ſehr uͤbel zugericht worden / dannoch aber die Monſtrantzen / ſammt dem allerhoͤchſten Gut den Frantzoſen zum Raub uͤberlaſſen muͤſſen: Ja in einer andern Capuciner Kirchen / hat mir ein glaubwuͤrdige Obrigkeit deſſen Ordens erzehlt / nach dem die Frantzoſen das vergulte Ciborium aus dem Taberna - cul geraubt / haben ſie nachmahls in Mitte des Tabernacul ein Feuer gemacht / und alſo das ſchoͤne GOttshaus in Aſchen gelegt. Jch bin verſichert / daß wofern dieſe verruchte Kirchenſchaͤnder noch nit von dem gerechten GOtt zur Straff gezogen worden / doch bald die ſo hoch beleidigte Goͤttliche Majeſtaͤt die Geifel er - greiffen werde / und dieſe Frantzoͤſiſche Mordbrenner in dem Ab - grund bey den verdammten Nero und Attila vergraben werde.

Drey Finger ſeynd an der Wand erſchienen / welche das Ur - theil und Sententz geſchrieben und gefaͤllt wider der Kirchenrau - beriſchen Koͤnig Balthaſar: Dieſe drey Finger haben bedeut die drey Goͤttliche Perſonen / benanntlich GOtt Vatter / GOTT Sohn / GOtt H. Geiſt; dahero der Kirchenraub ein ſolche Miſ - ſethat iſt / daß ſo gar die allerheiligſte Dreyfaltigkeit dergleichenUbel -72Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Ubelthaͤter verdammet. Gewiß iſt es / daß zuweilen die Grund - loſe Guͤtigkeit GOttes einige Diebſtall auf der Welt verduſch - ter laſt / und ſelbe erſt in jener Welt nach Verdienſten ſtrafft / aber ſobald man die Gottshaͤuſer angreifft / und dem Tempel des HErꝛn nit verſchont / da wird ſelten / ja gar niemalen derglei - chen Frech heit ohngerochner bleiben.

Was kan doch vermeſſener ſeyn / als was ſich vor ohnge - fehr 18. Jahren hat zu getragen in einer Kirchen gewiſſer Or - dens-Perſohnen / dero Ramen derentwegen in der Feder verbor - gen bleibt / weil es ihnen in etwas ſchimpfflich ſcheint. Einſchoͤ - nes GOtteshaus in den Kayſeı lichen Erblaͤndern ligend / ernehrt ein abſonderliche Andacht zu einem gewiſſen Heiligen / deſſen Al - tar mit Silber / Gold / und Kleynodien nicht wenig gezieret iſt. Jn dieſer Kirchen hat ſich bey der Nacht ein frecher Dieb ver - ſperren laſſen / worbey etwan einige Fahrloſigkeit des Sacriſtan unterloffen / und beſagte Bildnus voͤllig gepluͤndert: Es glaubte der gottloſe Dieb / daß fruͤhe Morgens die Kirchenthuͤr ehen - der werde eroͤffnet werden / als daß man die Gnaden-Capell wer - de beſuchen. Es iſt ihme aber dißfalls der Handel nicht angan - gen / maſſen der gute Sacriſtan gleich Anfangs in die Capellen getretten; allwo er nit ohne groſſe Beſtuͤrtzung den voͤllig gepluͤn - derten Altar angetroffen / gedachte alſo / daß noch bey geſperrter Kirchenthuͤr der Dieb in einem Winckel muͤſſe verborgen ſeyn. Da ſolches der Kirchen-Rauber vermerckt / das ihme aller Weg zum Fliehen abgeſpannt / hat er ſich des Argliſts gebraucht / und alſobald ſo klaͤglich lamentiert / auch die Haͤnd und Fuͤß derge - ſtalten zuſammen gebogen / daß er ſcheinte / am gantzen Leib er - krummt zu ſeyn / ſeht! ſagt er zum Sacriſtan, ſeht das groſſe Mi - racul / welches ſich mit mir zugetragen / indem ich mich freventlich unterfangen die Capell und deſſen Altar zuberauben / da hat mich GOtt geſtrafft / das mir Haͤnd und Fuͤß erkrummt / und folgſam alle Glieder unbrauchbar worden / geht demnach hin mein lieber Frater, und zeugt ſolches euer Obrigkeit an / damit ſolchesWun -75[73]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Wunderwerck aller Orten lautmaͤhrig gemacht werde. Der from̃e Frater vermerckt hierinfalls den wenigſten Betrug lauft voller Freuden zu der Obrigkeit hinauf uͤber drey Stiegen; un - terdeſſen hat ſich der vermeſſene Schelm ohngeſaumt zu der Sa - criſtey hinaus gemacht / dem auch der Portner / weil ihme die Co - mœdi noch nit bewuſt / gern die Thuͤr eroͤffnet. Wie nachmah - len die meiſte Geiſtliche in die Kirchen geloffen / der Meinung den krumpen Dieb zuſehen / ware der Ertzvogel durch ſein erdachten Argliſts ſchon ausgeflogen / doch das Miracul hinterlaſſen / Scili - cet, daß er aus einem krumpen gerad worden. Wer hat doch mit der Guͤte GOttes koͤnnen vermeſſner umgehen / als dieſer ſchalckhaffte Boͤßwicht? und ja hoͤchſt zu verwundern / daß Gott nit alſobald ſolche Frechheit geſtrafft: Aber der Hoͤchſte hat zu weilen einige Gedult / und erwarte die Zeit / da er nachmals mit der bißhero eingeweichten Ruthen beſſer darein ſchlagt / wie dann beſagter Ertz-Rauber wegen anderer begangenen Diebſtaͤll nicht lang hernach unter des Henckers Haͤnden die ſchon laͤngſt ver - diente Straff hat muͤſſen ausſtehen.

Endlich laſſen wir denen Kirchen das Jhrige / ſagt mani - cher / aber den Pfaffen thut es wohl / wann man ihnen wacker ſchrepfft / warum ſollen ſie alſo reich ſeyn? ihr Leben ſoll Apoſto - liſch ſeyn / ja wol Apoſtoliſch / vielmehr Aproſtoliſch: die Apoſtel haben weder Pfenning noch Heller bey ſich getragen / ja die gan - tze Welt ausgereiſt / allenthalben das wahre Chriſti Evange - lium ausgearbeitet / und dannoch weder Batzen noch Groſchen in allen ihren Vermoͤgen gehabt / ſo gar nit einmal einen Sack oder Beutel mit ſich getragen. Aber der Zeit ſind man nir gends wo mehr Geld und Reichthum als bey denen Geiſtlichen. Vor dieſem und zwar bey Anfang deß Catholiſchen Glaubens fande man bey denen Geiſtlichen ein rauhes Leben / jetzt aber ein rei - ches Leben. Wolrecht hat die reiche Silber-Gruben im Koͤ - nigreich Boͤheim von einer Pfaffen Kutten ihren Ramen / und wird Kuttenberg genennt / dann ja das meiſte Silber und GoldPars IV. Kbey74Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.bey denen Geiſtlichen anzutreffen. Jn Spannien / ſchreibt Pe - trus de Avitis. Haben die Religioſen jaͤhrlich uͤber zwey Mil - lion Ducaten Einkommens. Was erſt ſo viel Ertzbiſchoff und Biſchoffen? der eintzige Clerus zu Toleto nimmt jaͤhrlich hun - dert und zwantzig tauſend Ducaten ein. Der Ertz-Diacanus daſelbſt gibt ſein jaͤhrliches Einkommen nit um funfftzig tauſend Ducaten. Was Reichthumben beſitzen nicht die Geiſtliche in Teutſchland? es heiſt alſo nit mehr ſine baculo & pera, wie bey denen Apoſtlen Zeiten / ſondern cum baculo & perna; dann wo ſeynd feiſtere Renten und Einkommen / als bey denen Geiſtlichen? wann ich ein Land Fuͤrſt waͤre / ſo wollte ich dieſen Kuttambulis die Platten ſchceren. Wann man einem die er - ſte Weich gibt / ſo ſagt er / Dominus pars hæreditatis meæ, und ſchneid man ihme derenthalben die Haar ab / damit er nit ein Haar mehr ſoll nach der Welt Reichthumen ſtreben; Aber es heiſt dermahlen Domus pars hæreditati meæ. Halts Maul einmalmein Schmaͤhler / und laſſe mich auch reden. Daß die Apoſtel arm geweſen und nit ein Heller Geld in ihrem Ver - moͤgen gehabt / iſt alles war / und kan in kein Abred gezogen wer - den / aber ſie kunten ſich gleichwol erhalten / maſſen faſt jederman ihnen nothwendige Lebens-Mittel vor ihr geſtreckt: ſo thaͤt auch Authoritaͤt durch ſolche Armuth nit leiden / maſſen ſie wegen der Wunderwerck / ſo ſie gewuͤrckt / bey Maͤnniglichen in groſſen An - ſehen. Aber dermahlen ſeynd andere Zeiten und Leut. Der Welt-Menſchen Freygebigkeit wurde ſich ſo weit nit einlaſſen / daß ſie die gantze Cleriſey ſolte erhalten: ſo wurde es ſich auch nit reimen / daß ein Pabſt / ein Ertzbiſchoff / ein Biſchoff / ein geiſt - liches Ober-Haubt ſollte in einem leinenen Kuͤttel von Haus zu Haus das Allmoſen ſuchen: thaͤte doch ſolcher Geſtalten in kur - tzer Zeit die Authoritaͤt der Catholiſchen Kirchen gaͤntzlich wurm - ſtichig werden / ja wohl gar zu Boden fallen. So gibt es auch der Augenſchein / daß die Geiſtliche ihre Mittel und Reichthum - ben nit in Wolluͤſten und Ubermuth verſchwenden / ſondern mei -ſtens75Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſtens anwenden zur groͤſſern Ehre GOttes / zu Erbauung der Kirchen / und dero Zierd und Ornat, deßgleichen auch zu Rutzen des Nechſtens; dann wo ſinden die arme Leut mehrer Huͤlff / als bey den jenigen Cloͤſtern / ſo mit jaͤhrlichen Renthen und Ein - kommen verſehen ſeynd: Zumalen bekandt iſt / daß vor dieſem die Benedictiner Cloͤſter wegen dero Hoſpitalitaͤt die Leut in ſol - cher Menge zu ſich gezogen / daß nachmalen gantze Staͤdt zu ih - nen gebaut worden. Bey jetziger Welt-Lauff iſt der gemeine Ruff / daß die PP. Jeſuiter in groͤſten Reichthumbern ſitzen / wel - ches doch meiſtens mit groͤſtem Unfug von ihnen der gemeine Neyd ausgibt. Und geſetzt / damit ich dem Schmaͤhler in etwas an die Hand gehe / geſetzt / die Hochloͤbliche Societaͤt ſeye mit rei - chen Mittln verſehen / welches ihnen viel mit Ungrund einbilden / wie thut ſie dann ihre groſſe Mittel anwenden? etwan in Hal - tung koſtbarer Taflen und Tractamenten? daß gar nit; dann die 3. Speiſel / ſo ſie genieſſen / waͤren zuweilen einem Kotzenweber zu wenig: Jhre Kleidung meines Erachtens vertheuret auch Sammet und Seiten im wenigſten nit. Wo ſtecken ſie dann das Geld hin? Schaue jemand dero herrliche Tempel und Kir - chen / in denſelben den ſo ſtattlichen Ornat, die ſo annehmliche Muſic / Jtem die groſſe Schulen und Seminaria, worinnen die haͤuffige Jugend muͤhſam / jedoch zu groͤſten Nutzen der Chriſten - heit erzogen wird / ſodann wird er darhinter kommen / weil ſie das jenige / ſo ihnen der Segen GOTTes gibt / anwenden. Du ſchmaͤhlſt weiter / ich merck dirs an der Naſen an / daß Geiſtliche gefunden werden / welche ihr Geld und Einkommen nit alſo an - wenden / ſondern das groſſe Einkommen durch koſtbare Mahl - Zeiten / durch unzuſtaͤndigen Pracht / auch ſo anderſt / lauto, læto, & luteo modo (du verſteheſt mich ſchon) verdiſtilliren / viel aber / die Geiſtliche Renten durch ihre Verwandten und Freundſchafft austheilen / und aus Baurnbuben / und Kirſchner - Geſellen / vornehme Edelleuth ſchnitzlen / welches alles klar zuwi - der dem Tridentiniſchen Conſilio, worinn vernuͤnfftig undK 2hei -76Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.heilig geſchloſſen worden / daßdurch Geiſtliche Guͤter die Freund - ſchafft nit ſolle bereicht werden: Ne ex redditibus Eccleſiæ ſtudeat quis conſanguineos & famliares augere, cũapo - ſtolorum Canones prohibeant, ne res eccleſiaſticas, quæTrid. ſeſſ 25. c. 1. de Reform. Dei ſunt, conſanguineis donent. Ob zwar hierinnſalls die Theologi unterſchiedliche Meynungen auf die Bahn bringen / ja auch einige ſich hoͤren laſſen / daß die Geiſtliche Einkom̃en auch den Anverwandten koͤnnen zu Theil werden / ſo iſt doch wahr / daß Adrian9 der vierdte / Leo der eylffte / Urban9 der ſiebende / In - nocentius der eylffte Roͤm. Pabſt / nachdem ſie zu dieſen hoͤch - ſten Dignitaͤten ſeynd erhebt worden / nichts haben wollen wiſſen um ihre Freundſchafft. Andernfals aber weiß man auch / daß Maria die uͤbergebenedeyte Mutter GOttes ſeye vor allen an - dern ihrer Befreundin und Baaß Eliſabeth an die Hand gangen. Wann demnnch ein reicher und wohlhabender Geiſtlicher ſchul - dig iſt den Armen zu helffen / warumben nit ehender ſeinen ar - men Befreundin? Helffen iſt recht / aber reich machen iſt ein an - ders. Geſetzt nun mein geſchwaͤtziger Smalophile, es ſeynd etliche Geiſtliche anzutreffen / welche ihre reiche Mittel und Hab - ſchafften / uͤbel anwenden / ſoll man dann derenthalten der gantzen Cleriſey und Geiſtlichkeit die Saͤck raumen? wie manchesmahl thut man den Wein mißbrauchen / ſoll man dann darumben allen Faͤffern den Boden einſchlagen? es moͤgen dich die Reichthumen der Geiſtlichen in die Augen ſtechen noch ſo ſtarck / ſo muſtu doch wiſſen / daß GOtt nit will / das ſeinen Geiſtlichen ein Haar ſoll verwend werden / viel weniger ein Heller.

Ein ſehr maͤchtiger Eavalier und Hof-Miniſter in Franck - reich hatte ein lange Zeir ein ſchweren Zanck mit einem Bene - dictiner Abbten / wegen etlicher dem Cloſter rechtmaͤſſig zugehoͤ - riger Guͤter: Ja die Sach iſt endlich in ſolche Weitlaͤufftigkeit ansgebrochen / daß obbedachter Edelmann mit bewaffneter Hand den Abbten anzugreiffen beſchloſſen / wie er dann bereits mit groſ -ſer77Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſer Mannſchafft erſchienen. Der Abbt / wie billich / wollte das Seinige beſter maſſen defendiren / und ob ſich ſchon ſehr vie Weltliche eingefunden / ihm Behuͤlff zu leiſten / auch die Waf - fen ergriffen / ſo wolte aber der fromme Vorſteher dero Aſſiſtenz nit annehmen / ſondern ſetzt ſich ſamt allen ſeinen untergebenen Geiſtlichen zu Pferd / der Standar ware ein Crucifix-Bild / die Muͤnchs-Kappen an ſtatt des Caſtget, das Seapulier der Har - niſch; marchiert alſo dieſe Geiſtliche Compagnia in guter Ord - nung wider den Feind / welcher in Waffen / in Mannſchafft un - vergleichlicher uͤberwachſen / kaum haben dieſe Benedictineri -Lyræus l. 5. de ch Pat. c. 9. ſche Soldateſca erblickt / ſo hat ſie ein ſolche Forcht uͤberfallen / daß alle von ihren Pferden unverzuͤglich abgeſtiegen / ſich auf die Knye niedergeworffen / und die Victori dem Abbt / und ſeinem Gonvent überlaſſen.

Etliche Jaͤger eines vornehmen Edelmanns / mit Namen Adelardi, haben ſich unterfangen an einem Ort / ſo denen Be - nedictineren zu Floriac gehoͤrig / mit Gewalt etwas von Getreid zu nehmen / welches ſie mahlen laſſen / und darmit ihre Hund geſpeiſt / weil ſie dazumahl kein andere Unterhaltung ge - habt: Aber GOttes Straff hat nit lang verweilt / maſſen in fol - gender Nacht hierauſ alle Hund verreckt. Ein anderer Sol - dat hat wider allegegebene Vermahnung fuͤr fein Pfeꝛd ein Gꝛaß abgeſchnitten von der Wieſen / ſo erſtgedachten Cloſter zugehoͤ - rig / mit dem ſchimpfflichen Vorwand / es thuts den Pfaffen wol /rudolph flor. l. 5. de Mir. S. Benedict c. 3. ſie ſeynd bey guten Mitteln: Aber Benedictinus wolte den Sei - nigen nichts nehmen / oder wenigſten nit ungeſtrafft laſſen; dann kaum hat das Pferd das entfrembde Graß verzehrt / ſo iſt es alſo - bald mauß todt niedergefallen und dem frechen Geſellen zugleich den Fuß aebrochen.

Es gibt der geſtalten Gewiſſenloſe Leut / die es nit mehr vor ein Suͤnd oder Ubelthat halten / wann ſie die Geiſtliche uͤber - fortelen / oder ihnen etwas abtragen / ja ſie alaubẽ / es ſeye cerent - wegen nichts unrechts / weil die Pfaffen ihr Geld (ſo ungeſchlif -K 3ſen /78Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſen reden ſie) mit ſo leichter Muͤhe gewinnen. Aber gedenckt ihr vermeſſner Guͤter / gedenckt / daß der David ſo hart ge - ſtrafft worden / um weil er nur den Saul / als einem geſalbten Koͤnig ein Flecket von dem Mantel geſchnitten / wie der Aller - hoͤchſte werde verfahren mit denjenigen / ſo der geſalbten und geweichten Prieſterſchafft nit nur ein Fleck / ſondern zuweilen gantze Wieſen / Acker und Grund-Stuck abſchneiden. Was kan geringer und ſchlechter ſeyn / als etliche Scheiten / die einen Cloſter enttragen worden / und dannoch hat GOtt ſolches nit ohn gerochner gelaſſen.

Wadingus, ſchreibt / daß ein Weib in der Stadt Caſſel habe auf ein Zeit Brandewein gebrennt / und wollen mit dem aqua vit, wie ſie dann kein anders Gewerb hatte / ihr Stuͤckel Brod ferners gewinnen / ſo ſeye aber mit hoͤchſter Verwunde - rung an ſtatt des Brandeweins lauter Milch aus dem Kolben gefloſſen; dahero ein groſſer Zulauff der Leut entſtanden. Rach - dem ſolches Wunder iſt lautmaͤhrig worden / hat man mit allem angewendten Fleiß alles durchſucht / ob nit hierinnfalls einiger Betrug verborgen ſtecke / gleichwol die Urſach deſſen nit koͤnnen finden: biß endlich das Weib beſtanden / daß ſie die Scheitten / welche ſie zu dieſen Feur gebraucht / habe dem nechſt entlegenen Franciſcaner-Cloſter entfrembdet. Sihe Wunder! ſo baldIn. ann. Min. An. 1381. n. 4 man dieſe hinweg gezogen / und anders Holtz herbey gelegt / da hat ſich alſobald die Milch verlohren / und iſt der pure Brandewein herunter gefloſſen.

Vor dieſem / im alten Teſtament / wie im Buch Levitici ge - ſchrieben ſtehet c. 7. Wann ein Prieſter im Tempel ein Schlacht - Opffer verricht / ſo hat ihm aus Befelch GOttes die Haut zu - gehoͤrt von dem Vieh / ſo geſchlachtet worden. Aber dermahlen iſt es ſchon bey vielen ſoweit kommen / daß ſie lieber den Geiſtli - chen die Haut ſelber moͤchten abziehen. Jn einem Marck Bas - liſcher Diœces, haben die PP. Dominicaner ein Convent, allwo hart angebaut worden ein groſſes Haus oder Wohnung /fuͤr59[79]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.fuͤr die jenige Leut / ſo im Weingarten arbeiten; weilen dieſen aber ein Brunn abgangen / und ſie kein taugliches Ort gefunden / alſo haben die Raths-Herrn beſagten Marcks ſich in Handel ge - legt / und wider alles proteſtiren der benanten Religioſen / ihnen einen Winckel von ihrem eignen Platz mit Gewalt hinweg ge - nammen / und folgſam einen tieffen Brunnen gegraben / den ſie mit lauter groſſen Quaterſtucken ausgefuͤttert. Kaum daß ſol - cher verfertiget / da hat eingemeiner Menſch mit einem Amper wollen Waſſer daraus ſchoͤpffen / deme aber gleich der Amper aus den Haͤnden gewichen / und hinunter gefallen. Obbemelte Weingartner / ſo bald ſolches ihnen zu Ohren kommen / haben alſobald einen aus ihrer Geſellſchafft hinunter gelaſſen / ſo aber gleich erſtickt; nachdem ſolcher heraus gezogen worden / muſte ein anderer ſein Stell vertretten / der aber auch gleich dem erſtẽ elend zu Grund gangen. Wie es nun der dritte gleichfalls wolte pro - bieren / und kaum zwey Klaffter hinunter gelaſſen worden / da hat er ein ſolches erbaͤrmliches und ungeheures Geſchrey verbracht / daß ſie genoͤthiget worden / ſolchen auch bereits halb todten Ge - ſellen wieder zuruck zuziehen. Wor aus maͤnniglich leicht kunteNider. in formic. l. 4. c. 8. ſchlieſſen und abnehmen / daß ſolches ein Augen ſcheinliche Straff von GOtt ſeye / um weilen / ſie dieſen Platz den Geiſtlichen wider alles Recht mit Gewalt hinweg genommen.

Olwie viel und aber viel ſeynd / deren zu finden in dem wer - thiſten Teutſchland / welche wiſſentlich Gruͤnd und Guͤter beſi - tzen / ſo dieſen und dieſem Cloſter zugehoͤrig geweſt / aber durch das eingeſchlichene Lutherthum unter ihren Gewalt kommen; anbey aber muͤſſen ſie mit ihrem hoͤchſten Unwillen erfahren / daß der gleichen der Geiſtlichkeit entzogne Guͤter niemahlen mit den Segen GOttes verſehen ſeynd / ja faſt das jenige wuͤrcken / wann ſie auch andern gerechten Guͤtern beygeruckt werden / was da von den Adlers Federn vorgeben wird / welche / wann ſie zu den Tau - ben Federn gelegt werden / dieſelbe gaͤntzlich verzehren. Unter andern hat ſolches Augenſcheinlich erfahren der ungluͤckſeeligſteKoͤnig90[80]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Koͤnig in Engelland Henricus der Achte / welcher allein uͤber tauſend Cloͤſter aus gepluͤndert / allen dero Schatz und Kirchen - Gut an ſich gezogen / alles dero Einkommen ſeiner Koͤniglichen Kammer zugewidmet / ſo gar das Kupffer und Bley / wormit die Kirchen bedeckt geweſen / ums Geld verkaufft / worauf man glaubte / daß der Koͤnig viel Million jaͤhrlich mehrer Einkom - men genieſſen werde / und folgſam die Steuer den gemeinen Un - terthanen um ein merckliches werde abſteigen; Aber er iſt nir al - lein nit reicher worden / ſondern hiedurch in ſolche Armuth ge - rathen / daß faſt alles Silber und Gold aus dem gantzen Koͤnig - reich verſchwunden / ſo gar endlich ein kupfferne Muͤntz hat muͤſ - ſen gepraͤckt werden / die Contribution aber der Unterthanen ſo hoch geſtiegen / daß es nie alſo geweſen vor vier / und wol fuͤnffSander. deSchiſ - mat An - gl. 1543. hundert Jahren unter einem Koͤnig / deren Bettler und armen Leuth Anzahl ſo groß gewachſen / daß wo vorhero einer geweſt / ſobald man die Geiſtliche Guͤter gewaltthaͤtig angetaſt / nach mals ſeynd zwantzig gezehlt worden.

So vergonnet man auch mehrmalen der Geiſtlichkeit den Zehend nit / ja es ſuchen etliche 1000. Vorthel / wie ſie koͤnnen und moͤgen demſelbigen die Feder rupfftn / da es doch ſchon im alten Teſtament ein Gebuͤhr geweſt. Abraham der groſſe Patriarch iſt derenthalben ſehr von GOtt dem HErrn belohnet worden / dann wie eꝛ die vier Koͤnigen herrlich uͤberwunden / und als ein glorreicher Obſiger aus dem Feld zuruck gekehrt / hat er von ellen den Seinigen / was eꝛ als ein rechtmaͤſſigeꝛ Herꝛ thaͤte beſitzen / demGen. 15. Div. Chryſ. apud Li - pom. Hohen Prieſter Melchiſedech den Zehend geben / welches dem allmaͤchtigen Gott der geſtalten wohlgefaͤllig geweſt / daß er hier uͤber dem Abraham erſchienen / und ihme angedeutet / er wolle ſich ſeiner hinfuͤran gaͤntzlich annehmen / und alles beſtermaſſen ver - gelten: Ego Protector tuus ſum & merces magna ni - mis.

Viel ſeynd / die dißfalls nit tretten in die Fußſtapffen des Patriarchen Abrahams / aber ſie ſollen anbey wiſſen und beken -nen81Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.nen / daß der mit Vorthel oder Unfug entzohene Zehend meiſtens von GOtt noch auf der Welt geſtraffet werde.

Jn dem Leben des H. Anſelmi Ertzbiſchoff zu Candelberg liſt man / wie das einer mit Namen Balivus den Zehend von den Fruͤchten nit habe geben / ſondern alles Traid in die Scheurn oder Stadl eingefuͤhrt ohne gebuͤhrende Ablegung des Zehend. Wie nun der H. Ertzbiſchoff wahr genommen / daß ſelbiges Jahr die Scheuren nit gar halb voll / ja noch daruͤber hat er geſehen / daß der boͤſe Feind auf dem Traid in abſchenlicher Geſtalt gefeſſẽ / fꝛag - te er den Balivum deſſen Urſach / welcher die Antwort geben / daß er ſich ſelbſt derenthalben nit ein wenig verwundere / indeme doch andere Jahr die Scheuren gantz angefuͤllt worden / dieſesmahl aber kaum halben Theil / da doch auch der Zehend dabey; wor - uͤber der H. Mann alſo bald befohlen / den Zehend darvon zu neh -Hiſtor. Eccleſ. in vit. men / und an gebuͤhrenden Orten abzuſtatten. Kaum das ſolches geſchehen / iſt die Scheurn mit dem Traid biß an den Gipffel des Tags angefuͤllt worden.

Nit weit von Avenion iſt ein groſſer See / worvon die um - liegende Bauren wegen des Fiſch-Fang nit einen geringen Ge - winn genieſſen. Rachdem ſie aber vom Geitz verblend worden / und den gebuͤhrenden Fiſch-Zehend dem Cloſt er bey St. Andre / allwo der Heil. Pontius Abbt ware / ferners zu geben geweigert / indeme es doch ein uraltes Herkommen geweſt / da ſeynd alſobald durch den Fluch beſagten Heil Abbtens alle Fiſch auf dem Gſtatt umb und umb tod gelegen: worauf das grobe und hartnaͤckige Bauren-Geſind noch nit wolte witzig werden / ſondern ein groſſe Menge Fiſch anderſtwo her genommen / und in beſagten See ein - geſetzt / ſo aber auch des andern Tags gleich den vorigen todter ge - funden worden / welches dann die vorhin unglimpffliche Pengel ſo weit veranlaſt / daß ſie den begangnen Fehler bereuet / deſſent - halben den Heil. Abbt Pontium um Vergebung gebetten / anbey mit kraͤfftigen Schwur verſprochen / daß ſie ins tuͤnfftig den Zehend nach aller Gebuͤhr dem Cloſter wollen abſtatten / erPars IV. Lmoͤge82Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenmoͤge nur ſo guͤtig ſeyn / und den ergangnen Fluch uͤber den See wiederum zuruck nehmen; durch welches der Heil. Abbt alſo be -In actis SS. Mart. tom 1. in eont. Bollan. ſaͤnfftiget worden / daß er ſammt allen ſeinen Geiſtlichen ſich zu dem See hinaus begeben / die todte und abgeſtandne Fiſch in das Waſſer geworffen / ihnen den Heil Seegen ertheilt / worüber ſie alle lebendig worden / und hinfuͤr an den Cloſter ſeinen gebuͤhren - den Fiſch-Zehend genoſſen.

Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſi - gen Eſſen und Trincken ergeben.

D der Iſcarioth ein heimlicher Mauſer geweſen / und in die Caſſa des Apoſtoliſchen Collegii einen manchen ohnguͤltigen Griff gethan / iſt nit allein auſſer allẽ Zweifl / ſondern ſo gar ein vorgeſtellter Glaubens-Artieul. Wohin er aber das entfrembde Geld angewend habe / entſtehen derenthal - ben bey den Lehrern unter ſchiedliche Meynungen / und ſeynd ei - nige der Auſſag / worunter forderiſt zu zehlen mein Heil. Vatter Auguſtinus, das Judas das geſtohlne Geld habe ſeinem Weib und Kindern auch angehenckt / welches leider! bey unſern Zeiten nit gar ungemein; Dann manchen in ſeinem Amt das Serve nequam ſpielet / damit er den Pracht ſeines Weibs und der Kinder ferners unterhalte. Andere und zwar die meiſte halten darfuͤr / als habe der ſchlimme Kerl mit der gemeinen Tafel nit vor Lieb genommen / wie die andere Apoſtel / ſondern immerzu aus der Caſſa nach Belieben einiges Geld abgetragen / und um daſ - ſelbe da und dort in heimlichen Wincklen gute Jauſen ange - ſtellt / und ſeiner Wampen mit Eſſen und Trincken gar treulich abgewartet. Dißfalls hat Judas unzahlbare viel Bruͤder und Schweſter. Sylvaira, Pontius, Turrecremata, Ludol - phus.

Wir Voͤgel insgeſammt / als von GOtt und dem Hünmel ſehr geſegnetes Gefluͤgelwerck fuͤhren eine Klag / man wird unshoffent -83Eſſen und Trincken ergeben.hoffentlich erhoͤren. Wir Tauben / die wir die groſſe Ehr ge - habt / daß eine aus uns von dem gerechten Alt-Vater Roe ein Geſandten Stell vertretten / und aus der Archen geſchickt wordẽ auch das aufgetragene Negotium mit maͤnniglichen Conten - to vollzogen: wir Tauben die wir die groſſe Ehr vom Himmel gehabt / daß ſo gar die dritte Perſon in der GOttheit / benannt - lich der H. Geiſt in unſerer Geſtalt ober dem Fluß Jordan erſchie - nen / wir fuͤhren eine Klag / wir Lerchen / die wir ſo gutthaͤtig undAnn. Min. An. 1226. Ehrenbietig geweſt / und dem Seraphiſchen Franciſco, da er in ſeinem gluͤckſeligen Sterbſtuͤndel begriffen / in groſſer Anzahl ober ſeiner Zell gantz lieblich muſicirt / biß ſein gebenedeyte Seel zu GOtt geflogen / wir fuͤhren eine Klag. Wir Treſchel und Cronawetvoͤgel / die wir ſo huͤlfflich und barmhertzig geweſt / und den H. Biſchoff Blaſium in der Wuͤſten / da er ohne einige Le -Mirul. l. 2. c. 4. bens Mittel wegen der Diocletianiſchen Verfolgung verborgen gelegen / ein zimlche Zeit hindurch mit nothwendiger Speiß ver - ſehen / wir fuͤhren eine Klag.

Wir Rebhuͤnnl / die wir ſo gehorſam ſeynd geweſt dem H. Nicolai Tolentinati aus dem Auguſtiner Eremiten Orden / daß ſo gar eins aus uns voͤllig ſchon gebratner auf ſein BefelchIn vit. 10 Sept. wiederum von der Schuͤſſel hinweg geflogen / wir fuͤhren eine Klag.

Wir Capauner und Haanen / die wir allezeit gut Chriſt - lich geweſt / und nicht allein einer aus uns dem Petro den erſten Hoff-Prediger abgeben / als er Chriſtum verlaugnet / ſondern auch in der vornehmen Stadt Bononien ſo wohl Petri als for - deriſt Chriſti Ehr defendiert; Dann wie daſelbſt ein brattner Haan auf die Tafel tragen worden / und einer denſelbigen zu viel Stuͤcken zerſchnitten / ſich auch anbey hoͤren laſſen / daß Petrus dieſen Haan nit mehrkoͤnne lebendig machen / ja wol / ſagte ein anderer / ja wohl Petrus / das waͤre auch Chriſto unmoͤglich. Kaum daß ſie dieſe Gottslaͤſterliche Wort ausgeſp ochen / da hupft der Haan in die Hoͤhe / ſpitzt dieſe zwey vermeſſene GeſellenL 2mit84Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenVincent. l. 25. in Specul. hiſt. mit der Suppen in das Angeſicht / worvon ſo wol ſie / als alle dero Nachkoͤmmlingen / Kinder und Kinds-Kinder ein erbliches Sieg - thum bekommen. Wir fuͤhren eine Klag.

Wir Wild-Aenten / die wir ſo Cortes| geweſen / und der H. Abbtiſſen Brigidæ zu Kildarn / auf ihr einiges Begehren / auf die Hand geflogen / und nit mehr Wild-Aenten / ſondern heim - lich worden. Wir fuͤhren eine Klag.

Contin. Bollan.

Wir Hennen / die wir nit die geringſte ſeynd unter dem Gefluͤgelwerck / auch vor allen andern die übergebenedeyte Mut - ter GOttes verehren / zumahlen eine aus uns in dem Hertzog - thum Bayrn drey Meil von der Haupt - und Reſidentz-StadtPagat. tom. 2. f. 284. n. 8. Muͤnchen zwey Ayer gelegt / worauf die Bildnus der Seeligſten Jungfrauen mit einem Stern entworffen war / und der Zeit noch an ſelben Ort / insgemein Taͤxa genannt / und ein Cloſter der Auguſtiner Barfuͤſſer zu ſehen / groſſe Miracul und Wunder - wercken geſchehen / wir fuͤhren eine Klag.

Wir Voͤgel insgeſammt / ſo wol groſſe und kleine / ſuͤhren ein billige Klag wider A. einen Schl Ampen / wider E. einen Schl Enckel / wider I. einen SchlIffel / wider O. einen SchOl - derer / wider U. einen SchUrcken. Wer iſt aber dieſer? Wir Thier auf Erden / die wir durch ſondere Allmacht GOttes der Welt zu Nutzen erſchaffen worden / fuͤhren ein gar billige Klag und ſeynd der gaͤntzlichen Hoffnung und Zuverſicht / man werde uns als in einer ſo gerechten Sach erhoͤren. Wir Ochſen / die wir in allweg bey dem Allmaͤchtigen in ſondern Gnaden geſtan - den / auch wie GOttes Sohn auf der Welt gebohren / und ſeine arme Herberg genommen in dem Stall zu Bethlehem, da iſt einer aus uns ſo weit kommen / daß er mit ſeinem warmen Athem dem neugebohren Meſſiæ muſte den groſſen Froſt und Kaͤlte wenden. So wird auch bekannt ſeyn / daß der Heil. Abbt Jechi - nus einem ſeiner frommen Diener / Paſtolia befohlen / er ſolle die Kuͤhe melcken / damit die Bruͤder ein gebuͤhrende Unterhaltung und Speiß haben / die fromme Einfalt Paſtolius iſt zu allererſtzu85Eſſen und Trincken ergeben.zu einem Ochſen kommen / welcher ihme (maſſen GOtt die from -Colgan. in vit. me Einfalt nit veracht) ſo haͤuffige Milch geben / als ſonſten ſieben andere Kuͤhe. Wir Ochſen fuͤhren ein Klag.

Wir Kuͤhe / die wir ſo gar im alten Teſtament gewuͤrdiget worden die H. Bunds-Kaſten / oder die Archen des HErrn zu fuͤh - ren. So wird man auch in dem Leben des H. Cadocileſen / daß einer / welcher dem Koͤnig Arturo drey Soldaten erſchlagen / auf Vorbitt des beſagten / H. Manns / vor einem jeden Soldaten ſoll 3. Kuͤhe geben / jedoch mit dem Beding / daß alle 9. Kuͤhe ſollen gleichfarbig ſeyn / und zwar der fordere Theil des Leibs ſoll roth ſeyn / der hintere aber weiß / wo aber nehmen ſolche? Der Heil. Cadocus erbarmet ſich uͤber den Thaͤter und Schuldner / laſt al - ſobald 9. Kuͤhe von unterſchiedlichen Farben herbey treiben / undBolland. 24. Jan. gibt alſobald durch das Heil. Creutz Zeichen ihnen die verlangte Farben. Wir Kuͤhe alſo fuͤhren ein Klag.

Wir Schaaf und Laͤmmer / die wir allzeit bey dem Aller - hoͤchſten in groſſen Anſehen / ja ſo gar der eingebohrne Sohn GOttes und Heyland der Welt durch den Mund ſeines Heil. Vorlauffers und Tauffers Joannis wolte ein Lamm GOttes ge - nennt werden: Ja es iſt auch allen faſt bewuſt / daß der Heil. Se - raphiſche Franciſcus ein Laͤmml gehabt / welchen ſchneeweiß an der Farb / und ihme über alle maſſen an genehm / dieſes hatte unter andern den loͤblichen Brauch / daß es allemahl in dir Kirchen / ſo offt man das hoͤchſte Gut auf gewandlet / auf ſeine Knie niderge -Ann. Minor. fallen / und dieſen ſeinen Schoͤpffer angebett / und verehrt. Wir fuͤhren ein Klag.

Wir Saͤu und Schwein / ob wir ſchon einmal durch Zu - laſſung GOttes / die Teuffel und hoͤlliſche Gaͤſt fuͤr Jnwohner gehabt / ſo haben wir doch anderwaͤrtig ein Lob darvon getragen / deſſen Zeugnus kan geben der Heil. Martyr Vincentius, deſ - ſen Heylthumber zu Ulysſibonæ aufbehalten werden; dann ne - ber andern Wunder / ſo ſich durch Huͤlff deß beſagten H. Mar - tyrs zugetragen / iſt nit das wenigſte / was ſie mit einem armenL 3Weib86Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenWeib ereignet / als ſolche von dem Koͤnig 10. Ducaten bekom - men / wormit ſie ihren gefangenen Sohn moͤchte erloͤſen / ſelbigeDeMira - cul. S. Vincent. Ulyſſibo - . aber durch Unachtſamkeit verlohren / da hat ſie ihre eigene Zu - flucht genommen zu dem H. Vincentio, durch deſſen Veyhuͤlff geſchehen / daß ihr ein kleines Haus-Schein alſobald entgegen geloffen / und die verlohrne 10. Ducaten aus dem Maul fallen laſſen. Wir fuͤhren auch eine Klag.

Wir Hirſchen / die wir zwey und zwantzigmal in Goͤttli - cher Heil. Schrifft citiert werden / auch nit nur einmal / ſondern oͤffter zu GOttes Dienſten uns brauchen laſſen / zumahlen der Heil. Ægidius, der Heil. Euſtachius, die Heil. Genovefa mit Hirſchen gemahlt werden. Deßgleichen hat in Ungarn nach er - haltner Victori denen zweyen Bruͤdern Uladislao und GeiſæBonfin. l. 3. dec. 2. einer mit brennender Fackel auf dem Geſtirn das Ort gezeigt / wo ſie der Mutter GOttes die verſprochne Kirchen ſollen bauen. Wir führen ein Klag.

Wir Haaſen / und wir unter allen Thieren den Menſchen den wenigſten Schaden zufuͤgen / ja auch vielfaͤltig von Gott und ſeinen Heiligen wunderbarlicher Weiß vor unſern Feinden ge - ſchuͤtzt werden / wie es dann nit nur einmahl geſchehen / daß demGodfrid. Monach in vit. l. 3. c. 7. Heil. Bernardo, da er auf der Reiß begriffen / die arme Haͤ - ſel eilends zugeloffen wann ſie von den Hunden verfolgt worden / und ihre Zuflucht bey ihme genommen: Wir fuͤhren auch eine Klag.

Wir Gaͤmbſen / die wir in der groͤſten Einoͤde unſere Le - bens-Mittel ſuchen / auch niemand ſich wegen unſerer beklagen kan / daß er Schaden von uns leide: Ja unſerſeits ſeynd wir mehr geneigt dem Menſchen zu helffen / als ihme die mindeſte Unbild anzuthun / wie dann zu leſen in dem Leben eines Heil. Einſiedlers / von dem Moſchus c. 84. in Prat. Spirit. Meldung thut / als ein benachbarter Abbt ſammt etlichen ſeinen Geiſtlichen wolte be - ſagten Einſiedlers Heil. Leib in ſein Kirchen transferiren / den - ſelben aber viel Stund umſonſt geſucht auf einem hohen Berg /da87Eſſen und Trincken ergeben.da hat ein Gaͤmbß mit dem Fuͤſſen die Erden aufgeſcharrt / und die Heil Reliquien offenbahrt. Wir fuͤhren ebenfals ein billi - che Klag.

Ja wir alle Thier auf Erden klagen wider A. einen L Aurn / wider E. einon L Ecker / wider I. einen L Immel / wider O. einen L Otters geſellen / wider V. einen L Vderer. Wer iſt aber dieſer?

Wir Fiſch im Waſſer / die wir durch ſondere Freyheit der Vermaledeyung / nie ſeynd unterworffen geweſen / ja unſer lieber HErr hat mit uns nit nur ein / ſondern mehr Wunderwerck ge - wuͤrckt / wie da geſchehen mit dem Wallfiſch Jonæ, mit dem Fiſch Tobiaͤ / mit dem Fiſch Petri, mit denen Fiſchen / wormit er ſo viel tauſend geſpeiſt. So iſt auch ſchon offt und vielfaͤltig von der Cantzel gepredigt worden / daß der wunderthaͤtige Antonius Pa - duanus, weil die ſaubere Arimineſer das Wort GOttes von ih -In Ann. Min. me anzuhoͤren geweigert / wir an ſtatt deren im Meer zuſammen gerott / und ſeiner Apoſtoliſchen Predig zugehoͤrt.

Wir Hechten / die wir alle Inſtrumenta des Paſſions und Leiden JEſu Chriſti im Kopff tragen / und unſern ſchnellen Gehorſam dem allmaͤchtigen GOTT in allweg erweiſen / wie dann zu Prag bey denen Præmonſtrattenſern genugſam be - kannt / daß einmahl an einem Mittwochen der ſeelige Mann Luhelius zu ſelbigen Zeit noch Novitius im beſagten Cloſter / bey dem Fiſch-Teich ſpatzieren gangen / und ſich hoͤren laſſen / daß er denſelbigen Tag ſo gern moͤchte faſten; Als ſolches die Umſte - hende vernommen / ſagten ſie ſchimpffweiß / dem Herrn wird GOtt gleich mit Fiſchen aufwarten. Kaum daß ſolches ge - redt worden / da ſpringt alſobald ein groſſer Hechten aus dem Teich heraus / und wirfft ſich dem Lohelio zu Fuͤſſen. WirIn vic. fuͤhren ein billiche Klag.

Wir Saͤlbling / die wir unter die geringſte Fiſch nit ſollen gezehlt werden / und noch allemahl in groſſen Ehren geſtanden / wie dann von uns nit ein geringes Lob ausſpricht Henriquez, als er ſchrifftlich vortragt / daß einmal auf dem Befelch des H. Mala -88Judas der Ertzſcheim iſt dem uͤbermaͤſſigenMalachiæ iſt in einem Waſſer gefiſcht worden / worinnen kein einiger Fiſch ſonſten geſehen / ſobald aber gedachter Heil. MannIn faſci - cul. de S. Malach. Epiſ. Hi - bern. hat laſſen in dem Namen GOttes das Netz werffen / hat men alſobald 12. ſchoͤne und groſſe Saͤlblingen herausgezogen / wor - mit die Gaͤſt / benanntlich drey fromme Biſchoͤff ſeynd geſpeiſt worden. Wir fuͤhren ein groſſe Klag.

So gar wir Haͤring / die wir durch die gantze Welt / ausge - fuͤhrt werden / und uns niemand mit Fug eines Unverſtands kan beſchuldigen / zumalen wir mit Saltz gar wolverſehen; ſo kan man uns auch keine Untugend vorrupffen / weil auch die H. Leuth uns ein Ehr angethan / Geſtalten in dem Leben des H. Thomæ von Aquin gemeld wird / das beſagter Engliſcher Do - ctor in ſeiner ſchweren Kranckheit von den Medicis befragt wor - den / ob er etwan nit einen Luſt haͤtte zu einer Speiß / worauf der H. Mann geantwortet / daß er moͤchte einen friſchen Hering eſſen wie ſie zu Pariß verkaufft werden; weil er aber dazumal von die - ſer Stadt weit entlegẽ / und nach Auſſag des Medici ſelbſt unmoͤg - lich an dieſem Ort dergleichen Fiſch zu finden / alſo hat beſagter Artzt einen andern Fiſch einkaufft / welcher aber in ſeinen Haͤnden wunderbarlich in einen Haͤring veraͤndert worden. Wir Haͤ -In vita. ring gleichfalls beklagen uns nicht wenig /

Wir Kaͤrpffen / die wir die bekantiſte Fiſch in Teutſchland / und unſer meinſte Reſidentz haben im beruͤhmten Koͤnigreich Boͤ - heim / auch noch alle mal in dem Augen GOttes wol angeſehenRaynald A. 1523. geweſen ſeyn; wie dann unſerer einer aus dem beruͤhmten Elbfluß die Kirchen-Schluͤſſel dem Heil. Biſchoff Bennoni wiederum gebracht hat. Wir beklagen uns gleichfalls nit ein wenig.

Wir Krebſen / die wir ebenfalls gar nit zu verachten / zu - mahlen wir in dem Zodiaco oder Himmels. Kreiß / auch ein Ort haben / desgleichen kan man uns nit viel Ubels nachſagen; dann wann wir zu weilen jemand zwicken / geſchicht ſolches darum / weil wir de Jure Naturali unſer Leben defendiren. So wird der hunderte / der eine Scheer traͤgt / nit ſo Scrupulos und Ge -wiſſen -89Eſſen und Trincken ergeben.wiſſenſchafft ſeyn / wie wir. Zumahlen einer aus uns das CreutzJoan. zu - ſebius l. 1. de Hi - ſtor. c. 21 ſammt der Bildnus Chriſti / welches der wunderthaͤtige Xave - rius in das Meer geworffen / deſſen Ungeſtuͤmme hierdurch zu ſtillen / dem Heil. Mann widerum eingehaͤndiget. Wir bekla - gen uns ſo gut als andere.

Jn Summa wir alle / die wir dem Waſſer leben und ſchwe - ben / fuhren eine groſſe Klag A, wider ein DAlcken. E. wider ein DElpel. I. wider ein DIlldapp. O. wider ein DOllhanſen. V. wi - der ein DVmbshirn. Wer iſt aberdieſer?

Dieſer iſt / ſagen und klagen die Voͤgel im Lufft / dieſem iſt / ſagen und klagen die Thier auf Erden / dieſer iſt ſagen und klagen die Fiſch im Waſſer / dieſer iſt / ſagen und klagen die Fruͤcht auf Er - den / forderiſt der Weinſtock. So beklagt ſich dann auch der Weinſtock? was dann:

Jch Weinſtock ſammt meinen Reben / der ich keinem Ge - waͤchs auf Erden viel nach gieb / ich / der ich im hoͤchſten Anſehẽ bey der Goͤttlichen Majeſtaͤt bin geweſt / und ferners noch hoffe in meinem guten Concept zuverbleiben / ich / der ich zu dem hoͤchſten Opffer des Altars erkieſen worden / und zu Cana Galilea durch das erſte Miracul meiner gantzen Freundſchafft die groͤſte Ehr begegnet / ich klage gleichfalls nit ein wenig wider dieſen. Wer iſt aber dieſer?

Dieſer allerſeits beklagte Boͤßwicht heiſt Wampelius Zehrer / wohnhafft zu Schlemmerau / ein gebohrner Frißlaͤnder / verſtehe hierdurch den Fraß und Fuͤllerey / des Menſchen ſeine unerſaͤttliche Wampen / zu dero dienen die Voͤgel im Lufft / die Fiſch im Waſſer / die Thier auf Erden / in Summa alles verzehrt wird zum hoͤchſten Schaden und Rachtheil der Seelen.

Wampelius ſtifft alles Ubel.

Poſt diem Jovis ſequitur dies Veneris, gar recht / dann wann man gut Jovialiſch iſſt und trinck / da iſt Venus nit weit darvon: Eſſen und Vermeſſen ſeynd Befreund. Jm A. B. C. nach dem S. folgt das T. Teufl. Taffel und Teuffel ſeynd diePars IV. Mnechſte99[90]Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigennechſte Anverwandte / Bolus und Diabolus, die zwey nechſte Bruͤder / Speiß und Geſpaͤß ſeynd die vereinigſte Cammeraten / Venus und Vinum verſtehen ſich gar wol miteinander Bacchus der ſonſten auch Pater Liber genennt wird / fuͤhrt die Libertaͤt an der Hand. Gula und Geilheit ſind gemeiniglich beyeinander wie Feur und Rauch. David ein Mann nach dem Hertzen GOttes / ſo ſtarck / daß er auch die Loͤwen ums Leben gebracht / ſo kuͤnſtlich / daß er auch mit der Zittern die Teuffel hat zitteren ge - macht / ſo ſanfftmuͤthig / daß er auch des Sauls Ubelthaten mit Gutthaten vergolten / ſo hoch verſtaͤndig / daß er ein Prophet und Poët zugleich geweſen / ſo Geiſtreich / daß er im Tempel ein Exempel alles Eyffers ſich erzeigt / ſo guthertzig / daß er dem Jona - thæ Gut / Muth und Blut geſchenckt. David Heilig / wie er ein Hirt geweſt / Heilig wie er ein Muſicus geweſt / Heilig / wie er ein Soldat geweſt / Heilig / wie er ein Koͤnig geweſt / aber doch einmahl / grob / grob / grob / ſein Lob / ſein Prob verſchertzt / ja gar ein Ehebrecher worden / aus einem Oberhaupt ein Haupt-Suͤn - der worden / pfuy! aus einem Helden ein Hoͤll worden / pfuy! aus einem Führer ein Verfuͤhrer worden. Pfuy! wer iſt doch Ur - ſach dieſes ſo groſſen / ſo ſchweren / ſo ſchaͤndlichen / ſo ſchaͤdlichen / ſo abſcheulichen Falls? Wer? ich ſags / ich klags / wer niemand an - derſt als der ſaubere Wampelius Zehrer von Schlemmeran / dieſer nichts nutzige Frißlaͤnder. Riemand anders hat den Da - vid geſtuͤrtzt als ſein uͤbermaͤſſiges Eſſen und Trincken / nach wel - chen er die Berſabea erſehen / und nachmahls ſich ſo ſchwer ver - ſuͤndiget. Dahero er nachmahls in ſeinen Pſalmen ſo fleiſſig Gott den Herꝛn gebettẽ / er wolle ihn doch erledigen à Dæmonio Meridiano, von dem Mittag-Teuffel / welcher ſich meiſtens an - meldet nach dem Mittag-Eſſen. Gewiß iſt es / daß ein Menſch / wann er zwey Capauner verzehrt / ein gantze Brattſchwein zu ſich nimmt / ein Kaͤlberen Schlaͤgel zuſammen raumbt / zwey dutzet Speck Knoͤdel in Magen wirfft / vier Maß Wein auslaͤhret / gewiß iſt es / daß er nachmals viel leichter im Gewicht / als vordem91Eſſen und Trincken ergeben.dem Eſſen / und ſolches verurſachen die durch das Eſſen vermehrte Lebens-Geiſter / und Spiritus vitales. Nachdem Eſſen iſt der Menſch Leichter als zuvor / das iſt wahr: Aber nach dem Eſſen iſt der Menſch auch Leichtfertiger als zuvor / das iſt auch wahr / und forderiſt / wann man den Eſel uͤberfuͤttern thut.

Wir unſer lieber HErr nit weit von der Stadt Geraſa kommen / da ſeynd ihme zwey beſeſſene Perſonen entgegen gan - gen / deren ein gantz blutnackend / maſſen die boͤſe Feind nit ein Faden am ihme gelitten. Dieſer zwey elender Tropffen hat ſich der HErr erbarmet / und alſobald den hoͤlliſchen Jnnwohnern be - fohlen / ſie ſollen ohne weitern Verzug die Herberg raumen; wor - auf die Teuffel den HErrn bittlich erſucht / er wolle ſie doch nit in die Hoͤll ſchicken / ſondern freyen Paß ertheilen in die Heerd Schwein / ſo dazumahl auf dem Feld ihr Waid ſuchten / und in der Anzahl 2000. waren / unverhinderlich zufahren / welches dann der Heyland verwilliget / ſobald aber die verdammte Geiſter in die Schwein kommen / haben ſelbige ſich gleich in der Furi und Ungeſtuͤmme in das Galilæiſche Meer geſtuͤrtzt / und dar - inn erſoffen.

Daß die Teuffel in die Saͤu gefahren / iſt dazumal geſchehen als der HErr JEſus 31. Jahr alt ware / dem 22. May / aber der - mahl geſchicht es faſt alle Tag / daß die Teuffel in die unmaͤſſige Saͤu-Maͤgen fahren / und dieſes ſeynd meiſtens die Unzucht Teuf - fel; maſſen ein feiſte Materi das Feuer leicht an ſich zieht / ſo weiß man auch / daß das Loͤffel-Kraut gern in feiſten und feuchten Grund wachſe. Wie Moyſes ſich ſo lang auf dem Berg auf - gehalten / und nachgehends in dem herabſteigen geſehen / daß das muthwillige Volck ſteiff geſſen und getruncken / da hat er ſich nit lang beſonnen / ſondern durch rechtmaͤſſigen Zorn die Taffel / worauf die 10. Gebot geſchrieben / auf die Erde und Felſen nie - dergeworffen / daß ſie voͤllig zertrimmert! dann er gedachte / wo man friſt und ſaufft / da achte man die Gebot GOttes wenig: ja es iſt wol zu mercken / daß beſagtes Volck Jſcael / nachdem es dieM 2Wam -92Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenWampen wol angefuͤllt / gleich um das guldene Kalb herum gehupfft; dann gemeiniglich nach dem Freſſen und Sauffen pflegt man auf Kaͤlber Arth zu ſchertzen / worbey ein manches unbe - hutſames Gemuͤth / auch die Ehr verſchertzt; dann gewiß iſt es / daß ſich ein Schwein im ausgedoͤrrten Koth nit waltze / wol aber im naſſen und feuchten. Haͤtte Luther die Kandel nit ſo ſehr ge - liebt / ſo waͤre ihme die Caͤtherl nit eingefallen. Die Lateiner nennen es ein Fluß Papier / Cartam bibulam, das verſoffene Papier / aber man ſicht es ja / ſo offt dieſes Papier ſaufft / ſo offt macht es eine Sau; darum in dem Wort Sauffen / die erſteMatth. c. 21. Syllben ein Sau. Die Lehr unſers Heylands ſelbſten iſt / wann der unreine Geiſt (mercks wol) der unreine Geiſt / wann er vom Menſchen ausfaͤhrt / ſo wandelt er durch duͤrꝛe Oerther / und ſucht Ruhe / und find ſie nit / ꝛc. Sihe in duͤrren Orthern find der unreine Geiſt keine Platz noch Herberg. Jm Duͤrren und durch Faſten und Abbruch ausgemerckleten Leuten find der un - reine Geiſt keine Wohnung / wol aber in Feiſten / die Tag und Nacht die Wampen / wit ein Pilgrambs-Rantzen anfuͤllen. Wann ſich Sodoma ſammt den andern Staͤdten nicht alſo wol haͤtte tractiern laſſen / ſo waͤre es von GOTT nit alſo uͤbel tra - ctierrt worden; dann der ſchaͤndlichen Laſterthaten daſelbſt ware niemand andere Urſach / als der Frißlaͤudiſche Wampelius. Man ſicht es in unſerm werthen Teutſchland / wann Eſſen und Trincken im geringen Preiß und alle Victualien wolfeyl / daß auch anbey der Mutwillen in groͤſtem Schwung ſeye / wann ent - gegen die Kuͤchel nit raucht / ſo zuͤnd ſich das Venus-Feuer we - nig an. Mitten im Feuer / mitten in Flaͤmmen / mitten in Fun - cken / mitten in der Glut / mitten im angezuͤndten Ofen zu Baby - lon waren die drey Knaben aller Hitz befreyt; nit ein Faden / ja wol Faden / nit ein Haar / ja wol Haar wurde verletzt von dem Feuer. Wie kommts aber? dahero: dieſe drey Knaben haben vorhero gefaſt / haben ſich der guten und koſtbahren Bißlein / ſo von der Koͤniglichen Taffel kommen / gantz nichts geacht / deſſent -wegen93Eſſen und Trincken ergeben.wegen hat ihnen das Feuer verſchont. Wer dem Faſten / der Maͤſſigkeit ergeben / hat nichts zu foͤrchten von dem Baberliſchen oder Barbariſchen Feur / wol aber / der mit dem Wolff in die Koſt gehet / wol aber / wer nach dem Beeren nach guten Bißlen trachtet / wol aber / der mit der Katz nach dem Speck ſchnappet. Mir iſt mit aller Warheit von einem jungen Bauren Geſellen / erzehlt worden / welcher in einem Marck in Unter-Oeſterreich die - ſen laͤcherlichen Boſſen getrieben. Er lieſſe in dem Wirthshaus Anfangs wohl auftragen / und nachdem die Kuchel das ihrige ge - ſpendiert / ſo daun muſte der Keller nit minder das ſeinige thun / und zwar hat er ſo viel Glaͤſer begehrt / als in dem Haus zu finden / wie ihme dann etliche zwantzig auf dem Tiſch geſetzt worden / ſo er alle ſauber / der unſaubere Sau-Nar ausgelaͤhrt / jedoch mit dieſer angehaͤngter Hiſtory / oder vielmehr Comœdi. Er ga - be einen jeden Glaß einen gewiſſen Namen / er aber vertratte die Stell ſeines Pflegers oder Verwalters. Wolan / ſagte er zum erſten Glaß / Hanns Obermayr / warum Schelm biſt verwich - nen Montag nit die Robath kommen? (im Reich pflegt mans Scharwerck zu nennen) warum biſtu ſo vermeſſen geweſt? fort mit dir in Kotter hinein: und ſaufft hiemit das Glaß aus. Er macht ſich uͤber das andere Glaß / huy ſagt er Lentz Kentzauer / warum haſtu leichtfertiger Vogel nechſten das Holtz nit helffen dero Herrſchafft ſuͤhren? fort mit dir Kerl in Kotter hinein / es hilfft nichts darfuͤr / und ſaufft alſo daß andere Glaß aus. Zum dritten ſprach er / nun Joͤrg Dulbinger treffen wir einmal einan - der an / wo hat dich der Hencker gehabt / daß du nit biſt beym Heu ein fuͤhren geweſt? haͤ! fort / nur fort mit dir in Kotter ohne alle Barmhertzigkeit / und ſtuͤrtzt alſo das dritte Glaß aus. So ſagt er zum vierdten Glaß ſo mein Baͤrthel Rußkern / ſo wilſt du dich auch ſchon von der gemeinen Arbeit ausſchraufen / du Ehrvergeß - ner Maußkopff / biſt erſt eine kurtze Zeit bey der Herrſchafft / fort mit dir uͤber Hals und Bein in Kotter hinein / du ſollſt mir ſobald nit hinaus kommen / und laͤhrt alſo das vierdte Glas aus. Es iſt. M 3grad94Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤffgengrad recht / ſprach er zum fuͤnfften Glaß / daß du mir / du ſauberer Hieſel Muͤller heut unter die Augen kommſt / ich will dich lernen der Herrſchafft Dienſt verrichten / geſchwind / geſchwind / und ſag nit ein Wort / geſchwind in Kotter mit dir / und ſaufft hiemit das fuͤnffte aus. Jch hab mir wol eingebildt / ſagt er zum ſechſten Glaß / du bucklegter Flegel (es ware ein unterſetztes Glaß oder Roͤmerl) du wirſt mir einmal ins Garn gehen / ich will dir ein Herrn zeigen / und wirſt du mehrmal ſolche Haͤndel anfangen / ſo ſchlag ich dich in Eıſen und Band / vor dieſesmal in Kotter mit dir / trinckt alſo das ſechſte aus; ſolcher Geſtalten hat der ſchlim - me Geſell etlich und zwantzig Glaͤſer ausgeſoffen. Der Kell - ner / ſo daſelbſt gegenwaͤrtig / kunte ſich nit genug uͤber dieſen ſo laͤcherlichen Weinſchlauch verwundern / wolt aber diſer Comœ - di auch von den ſeinigen etwas zuſetzen / nimmt demnach ein Glaß von der Taffel / welches der andere Zapff nit vermerckt / und nach - dem er ſelbes mit Eſſig eingefuͤllt / ſetzt ers gantz behutſam zu En - de der Taffel. Wie nun der obbenente Schlemmer bereits alle in Kotter / oder wol gar ins Narrn-Haͤuſel geworffen / erblickt er erſtbeſagtes Glas / was iſt das? ſagt er / du liederlicher Tropff / du meinſt gewiß ich kenne dich nicht / du biß gewiß nicht der Lucas Droßler / du Schelm / weiſt dich ſchuldig im Gewiſſen / weil du alſo von weiten ſteheſt / gehe her Vogel / warumen haſt du ſchon zwey - mal deine Ochſen laſſen im Geſchloß-Garten zu Schaden ge - hen? du biſt nit ein Haar beſſee als andere / fort mit dir in Kotter. Wie er nun das Glaß faſt halb ausgetruncken / indem es mit Eſſig angefuͤllet ware / ſo ſetzt er ein wenig ab / und ſagt / du Bern - heiter machſt noch ſaures Geſicht machen / ſo hilfft doch nichts darfuͤr / du wilſt oder wilſt nit / ſo muſt du doch in Kotter hinein / trinckt alſo auch dieſes aus; worvon dann der unmaͤſſige Wein - ſchlauch dergeſtalten bezecht worden / daß er von allem Verſtand kommen / und kurtz um / ja mit allem moͤglichen Gewalt / mit dem an der Wand leinenden Mehl-Sack wollen tantzen / ja ihme gar die Ehe verſprochen; weil er der Meinung geweſt / es ſeye dieMagd95Eſſen und Trincken ergeben.Magd im Haus / ſo ihme anvor wohl bekannt. O Beſtia! aus dieſem folgt / daß Kandel und Antel nit weit voneinander. Das Potare und Putana ſich bald vergleichen / das Weinbeer und Weiber einander wol verſtehen. Nachdem Holofernes ſich mit Eſſen und Trincken wol angeſchopt / da ware ſein einiger Gedan - cken die Judith, aber der Tantz iſt nit angangen / nachdem der Loth ſich uͤberweint / da ſeynd ſeine Toͤchter zu ihrem gewuͤnſch - ten Ziel gelangt; Fraß und Fuͤllerey vergleicht ſich ſo wenig mit der Keuſchheit / als Lucifer mit dem Michaël, als der Wolff mit dem Laͤmmel / als der Koth-Kefer mit der Roſen / als der Storch mit der Schlangen / als das Feur mit dem Waſſer / als der Stoß Vogel mit der Tauben / ꝛc.

Was ſtifft Wampelius noch mehr?

Der Heil. Dominicus hatte eineſt in die Predig unter ſeinen Zuhoͤrern ein beſeſſene Weibs-Perſon / welche er nach vol - londtem Wort GOttes von der Sathaniſchen Tyranney erle -In vit. l. 2 diget. Sobald aber dieſe verdammte Larven von der armen Perſon gewichen / alsdann hatte ſie neben andern Unflat ein groſ - ſe Menge der ſchwartzen Kohlen ausgeworffen.

Delrio ſchreibt von mehrern beſeſſenen Leuten / welche da oͤffters aus dem Magen und Mund Ayrſchallen / Buͤſchel Haar / alte Huff-Naͤgel / Schuſter-Ahln Glaß-Scherben / alte Fetzen / und Lumpen ſogar / ſalvâ veniâ, Roß-Feigen / Saͤu-Koth / und allerley Unflat / durch Wuͤrckung des boͤſen Feinds / haben ausge - worffen. Bey den uumaͤſſigen Sau-Maͤgen thut ſolche ſaubere Prob noch alle Tag der Freß - und Sauff Teuffel / durch deſſen Wuͤrckung die wilde Zech-Bruͤder allerley unflaͤtige Wort und Spruͤch von der aͤrgerlichen Goſchen laſſen fallen. Von dem reichen Praſſer ſagt die H. Schrifft / wie er durch einen Schlag oder Steck-Catharꝛ des gaͤhen Tods geſtorben / und den gera - den Weg zum Teuffel gefahren / daß er nichts mehrers beklagt habe / als ſeine Zung / auch derenthalben ein Memorial ablauf - fen laſſen zu dem Abraham / er moͤchte doch dem Lazaro in ſeinerSchoß96Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenSchloß die Erlaubnus geben / daß er ihme ſein brinnende Zung nur mit ein wenig Waſſer kunte erquicken. Gewiß iſt es / das erſtgedachter Praſſer nit allein ſich verſuͤndiget habe mit der Zung ſondern auch mit dem gantzen Leib: ſich verſuͤndiget mit denen Augen / die er von dem armen Bettler ſo unbarmhertzig abge - wendt: ſich verſuͤndiget mit den Ohren / in die nit nur einmahl / ſondern oͤffters gehoͤrt das Weheklagen des elenden Tropffens / und ſich dannoch hierdurch nit erweichen laſſen: ſich verſuͤndiget mit den Haͤnden / in denen man Tag und Racht faſt nichts an - ders geſehen als Pocal und Glaͤſer: ſich verſündiget mit dem Hertzen / in welchem niemand anderſt reſidirte als Bacchus und Venus; gleichwol empfande er am gantzen Leib nicht ſo groſſe Peyn und Qual als auf der Zung; ſo muß dann folgſam ſolche ſich mehr / als der gantze uͤbrige Leib verſuͤndiget haben? freylich / was dann / daran iſt gar kein Zweiffel; dann ſolche ſich nit allein ſtets und immer hat brauchen laſſen zum Freſſen und Sauffen ſondern beynebens allerley Schand - und Spott-Reden gefuͤhrt / wodurch die Gaͤſt erluſtiget / Lackey und Aufwarther zum Gelaͤch - ter bewegt worden.

Zu Venedig ſchreibt Paciuchelli de mal. Conſuet. iſt auf ein Zeit ein Baur / ſo dazumal was wenigs auf dem Marck verkaufft / bey einem vornehmen Specerey Gewoͤlb vorbey gan - gen / gaͤhling aber in Ohnmacht zur Erden nieder geſuncken / und gleichſam alle Lebens-Geiſter von ihme gewichen. Die Umſte - hende thaͤten ſich aus Chriſtlicher Lieb / wie billich / des armen Manns erbarmen / und einer da / der andere dorten mit wolrie - chenden Waſſer und koſtbaren Balſam zu Huͤlff kommen: Aber es folgte hierdurch die wenigſte Beſſerung nit / ſondern es hatte das Anſehen / als wolte ihne der Lebens-Athem gaͤntzlich ver - laſſen; biß endlich ſein Weib zu dieſem Handel kommen / mit ih - rem groben Fuͤrtuch alle wohlriechende Matery von der Naſen und Schlaͤffen wol abgerieben / und nachmahl ein friſches Sau - Koth (welches ſich faſt nicht reimbt zuſchreiben) ihme wol umdie97Eſſen und Trincken ergeben.die Naſen geſchmirbt / worvon ſich der Bauer geſchwind erhohlt / und bald mit dieſer Verwunderung ſriſch und geſund aufgeſtan - den / ware alſo ſeiner Natur weit tauglicher der Geſtanck / als der gute Geruch.

Die Zech-Bruͤder insgemein / ſammt allen denſelbigen / ſo ihr Ergoͤtzlichkeit ſuchen in Eſſen und Trincken / ſeynd meiſtens alſo genaturt / daß ſie die einige Freud ſchoͤpffen an aller Un - flat / dahero ſolche Schand-Reden fuͤhren / ſolche Spott-Woͤrter ausgieſſen / ſolches unflaͤtiges Geſpraͤch halten / daß hiervon alle ehrliche Ohren hoͤchſtens beleidiget werden. Wehe! euch Wuͤr - then und Gaſt-Gebern / Wehe euch! die ihr eines verruchten Ge - winns halber dergleichen Laſterzulaſt. Wehe! euch Eltern / die ihr bey dem Eſſen und Trincken auch dieſes Sau-Confect biß - weilen auftragt / worvon die unbehutſame Jugend / ſo wie ein Schwammen alles an ſich ziehet / gantz ſchleunig zum Verderben angeleitet wird.

Der Apocalyptiſche Engel Joannes ſahe einmahl in ei - nem Geſicht folgende Begebenheit / Jch ſahe / ſpricht er / ein Thier aus dem Meer heraus ſteigen / das hatte ſieben Koͤpff und zehen Hoͤrner / und auf ſeinen Hoͤrnern waren zehen Kronen / und auf ſeinen Koͤpffen waren Namen der Gottslaͤſterungen / ꝛc. Dieſes erſchroͤckliche Thier / laut Heiliger Schrifft / handlet mitApocδ 13. Cap nichts anderſt / als mit lauter Gottslaͤſterungen. Aber woher hatte es ſeinen Urſprung? Vom Meer. Das ware ein naſſer Urſprung. Bey dermahlen elenden Zeiten entſpringen auch ſolche Beſtien / ja Beſtialiſche Leuth / voll mit Gottslaͤſterungen aus der Naͤſſe / zwar nicht vom Waſſer / wohl aber vom Wein; dann wo melden ſich mehrer Gottslaͤſterige Zungen / als eben beym Sauffen und Schlemmen?

Wie Chriſtus der HErꝛ als das unſchuldigſte Lamm durch der Hebraͤer unmenſchliche Verfolgung zum Tod verurtheilt worden / da ware eine loͤbliche Gewonheit / ſo vom Koͤnig Salo - mon eingefuͤhrt worden / daß man denen zum Tod condem -Pars IV. Nnirten98Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigennirten einen ſuͤſſen und ſtarcken Wein zu trincken gegeben / auf - daß ſie die bevorſtehende Straff und Leibs-Quaal deſto leichter ausſtehen kunten. Dieſes hat man auch an dem HErꝛn JEſu nit ermanglen laſſen; maſſen die fromme Matronen / und das allezeit mitleidende Frauen-Zimmer ſehr ſtattlichen Wein bey - geſchafft dem HErꝛn JEſu von Nazareth zu einer Erquickung: aber die Gottloſe Geſellen haben ſolchen beſten Wein ſelbſt gantz unmaͤſſig ausgetrunken / und den gebenedeyten Heyland einen an - dern Trunk mit Gallen und Myrrhen zugericht / ſie aber durch den ſtarcken Wein alſo berauſcht worden / daß ſie die gantze Nacht hindurch geſoffen / und anbey allerley verruchte Lieder und Ge -Tauler. c. 48. ſaͤnger uͤber JEſum von Nazareth geſungen / auch zugleich in alle erdenkliche Gottslaͤſterungen ausgebrochen / daß dieſelbe Nacht dem gebenedeyten Heyland ſchmertzlicher geſallen / als die gantze Zeit ſeines Leidens.

Jn der vornehmen Stadt Loͤven in Braband hat auf ein Zeit ein ſehr frommer und Gottsfoͤrchtiger Burger daſelbſt etli - che Leuth auf der Gaſſen angetroffen / welche alle mit weinenden Augen ſehr groſſes Mitleiden getragen gegen einem am gantzen Leib verwundten Menſchen / ſo mitten unter ihnen geſtanden / und als er befragt / welcher Boͤßwicht ihme ſolches Ubel ange - than? auch die Antwort vernommen / daß er ſolches gelitten von dreyen jungen Buͤrſchlein / ſo im nechſt-gelegenen Wirths-Haus beym Sauffen und Spielen ſtets Gottslaͤſtern und fluchen: alſoThom. Cantipr. l. 2. apoc. c. 49. P. 9. 10. hat er ſich unverweilt dahin begeben / und beſagten Geſellen ihr unmenſchliches Verfahren ernſtlich vorgerufft / welches ſie aber nicht allein gelaugnet / ſondern noch mit ihme zu ernennten und allerſeits verwundten Menſchen gangen / auch ihne befragt / ob dann ſie ihme einiges Leyd zugefuͤgt? Wie er nun ſolches bejahet / iſt er augenblicklich verſchwunden: woruͤber dieſe gantz bußfertig in ſich felbſt gangen / und anbey erkennet / daß ſie mit ihren Gotts - laͤſtern den Heyland JEſum unter dem Sauffen und Spielen auf ein neues gegeißlet und gemartert.

Joan -99Eſſen und Trincken ergeben.

Joannes mit dem Z unahmen Fauſt / insgemein der Do - ctor Fauſt genannt / ſonſt von Gundlingen gebuͤrtig / der nun der gantzen Welt faſt bekandt wegen ſeiner Zauberey / und groſſen Pact / den er mit dem boͤſen Feind gehabt. Dieſer ſaubere Geſell hat ſeine Teuffels-Kunſt zu Cracau in Pohlen gelernet; dann zur ſelben Zeit wurde beſagte ſchoͤne Kunſt (ſcil. ) daſelbſt offentlich dociert. Wie dieſer einmahl ungefehr in ein Haus gerathen / allwo dazumahl ein ſtattliche Mahlzeit ware / und die geſammte Gaͤſt bereits tieff in die Kandel geſchaut / dahero mit oͤffter wie - derholten Bitten den Magiſter Fauſt erſucht / daß er ihnen zu ei - ner Gnad etwas von ſeinen ſo beruͤhmten Stuͤcklen moͤchte ſehen laſſen. Joannes auf ſo groſſes Verlangen wollte der naſſen Burſch endlich ſolches nicht abſchlagen / fragt aber zugleich / was ihnen moͤgte beliebig ſeyn? worauf die berauſchte Geſellen einhel - lig begehrt / daß er ihnen an ſtatt deß Confects ſolle gantze friſche Weinbeer aufſetzen / es war dazumahl die rauhe Winters-Zeit. Der Fauſt verſpricht dieſes / jedoch mit dieſem Beding / daß keiner ein Wort ſolle reden / biß er ihnen werde ſchaffen die Weintrau - ben abzuſchneiden; wofern aber einer das geringſte Wort ſolle hoͤren laſſen / ſo moͤchte es ſeinen Halß gelten. Wie ſie nun alle ſolches angelobt / da hat er dieſe bezechte Kerl dergeſtalten ver - blendt / daß einer vermeint / als ſtehe vor ſeiner der ſchoͤnſte Wein - ſtock mit friſchen und gantz zeitigen Trauben / worauf dann ein je - der das Meſſer ergriffen / und auf die Wein-Trauben gehalten / gantz begierig erwartend die Erlaubnuß abzuſchneiden. Da er ſie ein Weil in dieſer Verblendung gelaſſen / da hat er gemacht / daß alles Augenblicklich verſchwunden / ein jeder aber das Meſ - ſer auf ſeiner Naſen gehalten / daß wofern er den Befehl nit haͤtte gehalten / er ihme ſelbſt ſeinen Schmecker haͤtte abgeſtutzt. DasMajol. in c. 455. ware eine Mahlzeit / wo bey einem Haar einem jeden waͤre die Naſen abgeſchniten worden / es waͤre gewiß ein ſchaͤdliches ſchnei - den geweſt; aber doch die Naſen abſchneiden ſcheint nit ſo ſchmerz - lich als die Ehr abſchneiden / welches doch beym Eſſen und Trin -N 2cken /100Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigencken gantz gemein; dahero mein H. Vatter Auguſtinus / als er zu Hippone Biſchoff ware / allezeit bey ſeiner Taffel / wo er ſpeiſen thaͤte / ein Taffel hangen gehabt / auf welcher dieſe Wort mit groſ - ſen leßlichen Buchſtaben geſchrieben geweſt:

Es ſoll und muß mein Taffel meiden /
Der andern will die Ehr abſchneiden.

Unter andern Plagen / die GOtt durch ſeine Diener Moy - ſen und Aaron dem hartneckigen Koͤnig Pharaoni zugefuͤgt / ware nit die wenigſte / die Froͤſch / deren Menge ſo groß / daß kein Orth mehr noch Winckel im gantzen Koͤnigreich zu finden / wo dieſe Gruͤn Hoͤßler nit herum gehupfft! abſonderlich aber waren ſie beym Eſſen und Trincken uͤberlaͤſtig; dann kaum ein Schuͤſſel aufgedeckt worden / da iſt alſobald ein ſolcher Lackendreſcher hin - ein geſprungen: Wann man den Loͤffel zum Maul gehalten / da iſt unverſehens ein ſolcher großmauliger Capriolſpringer darinn ge - weſt. Sonſt pflegen dieſe Rohr-Hocker in Pfitzen und Waͤſſern ihr Reſidentz zu haben / aber dazumal bey der Taffel / deß Koͤ - nigs forderiſt. Der Mund-Becher ware nicht ſicher / daß nit zu vor ein ſolcher Koth-Tantzer darinn gebadet: an ſtatt der Tafel - Muſic ware dieſes verdruͤßliche Acht / Acht / Acht: allen Diſcurs / und freundliche Geſpraͤch verderbte dieſes ſo uͤberlaͤſtige Acht / Acht / Acht. Kaum daß Pharao ein Wort geredt / da zehlten dieſe verdrießliche Schmarotzer ſchon Acht / Acht / Acht / das ware ein Plag uͤber alle Plagen.

Aber ſag mir einer / wo dermahlen ein Mahlzeit / ein Tra - ctament / ein Eſſen und Trincken / wo ſich nicht dergleichen ge - ſchwaͤtzige Froͤſch hoͤren laſſen. Sie ſchreyen zwar nit Acht / Acht; aber ſie geben Acht auf eines jeden Thun und Laſſen. Man tranchirt nicht allein die Speiſen / ſondern auch eines manichen ehrlichen Namen: man halt nicht allein den Loͤffel beym Still / ſon - dern man ſtihlt vielen auch darbey die Ehr; man iſſt nit allein Ca - pauner / ſondern man ſchreyt darbey zuweilen einen fuͤr ein Hahnrey aus: Man hat nit allein einen gebrattenen Haaſen aufdem101Eſſen und Trincken ergeben.dem Thaͤller / ſondern es muß noch dieſer und jener ein Haaſen - Hertz und Letfeigen ſeyn: Man trinckt nicht allein ein Rhein - Wein / ſondern man ſagt dieſe und dieſe fuͤhre ein unreines Leben: man ſaufft nit allein einen Luttenberger / ſondern man zeigt noch dieſen und jenen / daß er ein Luderberger ſeye. In Summa Con - vivium und Convitium, Eſſen und Ehrvergeſſen / Faß und Nefas, ſitzen beyeinander / und wird man niemal frecher / als bey dem Becher.

Wo! wann? Wie iſt der Koͤnigliche Printz Amnon ums Leben kommen? Jch antworte bey der ſtattlichen Mahlzeit die Abſolon ſein Herꝛ Bruder auf einem groſſen Mayerhoff hat angeſtellt / und zwar dieſe Freſſerey iſt dazumal zugericht worden / wie Abſalon ſeine Schaaff hat laſſen ſcheeren; dann mit dieſen Worten hat er Jhre Majeſtaͤt den Koͤnig David ſelbſt / als ſeinen Gnaͤdigſten Herꝛn Vatter eingeladen. Sihe / ſprach er / man ſcheert die Schaaff deines Knechts / ich bitte / der Koͤnig2. Reg. c. 13. wolle mit ſeinen Knechten zu ſeinem Diener kommen. Das Schafſcheeren / und das Eſſen und Trincken ware dazumahl bey einander: Die Gaͤſt haben ihnen laſſen wol geſchehen / die arme Thierl haben muͤſſen die Woll laſſen / man hat allerſeits wohl geſ - ſen / aber die unſchuldige Laͤmmlein haben muͤſſen ihr Woll ver - geſſen: Man hat uͤber und uͤber wohl getruncken / und die arme Tropffen ſeynd um ihr Woll kommen. Ein artliches Tracta - ment / wobey Loͤffel / Meſſer und Gabl / auch die Scheer muß ſeyn. Daß geſchicht aber wohl oͤffter / wo man tapffer iſſt und trinckt / daß zugleich die Unſchuldige muͤſſen von der Scheer leiden / die ihnen zwar nit die Woll / welches noch zu erdulten waͤre / ſon - dern gar die Ehr abſchneidet; da muͤſſen alle verborgene Unvoll - kommenheiten deß Nechſtens geoffenbahret werden / da muͤſſen die Goͤtzenbilder der Rachel hervor. Da macht man die kleine Maͤngel großmaͤchtig / da ſeynd die Leuth im gelobten Land ſo groſſe Rieſen / daß ſie andere freſſen koͤnnen / wie zu Joſue Zeiten; do legt man eine Sach uͤbel aus / und muß der hinterlaſſeneN 3Man -102Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenMantel deß Joſephs ein Zeiger und Zeichen ſeyn deß angemaſten Ehebruchs. Da muß mancher beſcheidne Mann vor einen lau - teren Narren gehalten werden / wie der Samſon bey denen Phi - liſtaͤern. Da muß manche fuͤr ein Et Cætera gehalten werden / gleichwie die keuſche Judith von dem Aſſyriſchen Volck nit an - derſt verargwohnt worden. Da wird das allergeringſte der Geiſt - lichen und Religioſen auf die Bahn gebracht / und bleibt auch die Unterlaſſung der Haͤnd Waͤſchung unter denen Apoſtlen nit un - beſchnarcht. Da werden meiſten Theil die Zungen / forderiſt wann ſie im Wein wol eingebeitzt ſeyn / in lauter biſſigen Schlan - gen verwandlet / wie vor dieſem die Ruthen des Hohenprieſters Aarons im Angeſicht des Egyptiſchen Koͤnigs.

Jch wollte meines theils die Sauffer lieber Knoͤpff als Roſen heiſſen / maſſen ihnen dieſes Prædicat beſter maſſen an - ſtaͤndig / aber dermahlen will ich ſie Roſen tituliren / nicht zwar zu ihrem eignen Ruhm oder Glory / ſondern derenthalben Roſen / deßgleichen auch die Lilgen thun; weil die Roſen das Maul nie weiter auffreiſſen / als wann die warme Sonne ſcheint / alſo die Sauffer / ſobald ſie von dem Wein erhitzet werden / ſodann eroͤff - nen ſie die Goſchen / und muß alles heraus / was ſonſt ſobald nit waͤre an Tag kommen. Voll macht Laͤhr. Wie iſt das zu verſtehen? der durch den Wein voll iſt / ſoll man verſtehen / der wird leicht das Hertz auslaͤhren / und alle Geheimbnuſſen offen - bahren.

Der H. Moͤnch Sylveſter / der aber nicht allein / unſer H. Joannes à S. Facundo, auch dieſer nicht allein / der H. Vatter Benedictus / auch der nicht allein / der Heil. Seraphiſche Franciſ - cus / dieſer ebnermaffen nicht allein / der Heil. Abbt Bernardus / auch ſolcher nicht allein / der Heil. Dominicus Stiffter deß Pre - digers-Ordens / auch ſelber nicht allein / der Heil. Thomas von Aquin von beſagtem Orden / auch dieſer nicht allein / der Heil. Franciſcus de Paula / der gleichfalls nicht allein / der Heilige Fran - ciſcus Xaverius / auch dieſer nicht allein / mein Heil. Cajetanus /auch103Eſſen und Trincken ergeben.auch eben dieſer nicht allein / der Heil. Joannes Dei, auch ſo gar dieſer nicht allein / die Heil. Thereſia / Coleta / Juliana / Brigitta / dieſer gleicher Geſtalten nit allein / ſondern noch viel andere Heilige haben die Gnad von GOtt gehabt / daß ſie die allergeheimſte Gedancken / die verborgneſte Anſchlaͤg deß Menſchens gewuſt und erkennt haben. Aber ich getraue mir gar offt / und zwar ohne Miracul / wormit meiſtens die H. Leut operiren / ich getraue mir ohne uͤbernatuͤrliche Wunderwerck / ſolches zu wegen zu bringen. Laſſe nur aͤuftragen und nicht zetten / laſſe nur einſchencken und nit ſchuͤtten / laſſe nur wacker trincken und nit pauſiren / ſodann wirſtu alles heimliches an das Liecht locken / alle Secreta ohne ei - nigen Deckmantel vor dir liegen. Solches beſtaͤttiget der H. Geiſt ſelbſt in Goͤttlicher Schrifft: Nullum Secretum eſt, ubi re gnat ebrietas. Prov. 31. Wo die Trunkenheit regiert / da iſt nichts heimliches.

Jn dem Hertz deß Heiligen Antiocheniſchen Patriarcher Jgnatii hat man mit guldenen Buchſtaben geſchrieben gefunder den fuͤſſeſten Nahmen JEſus. Jn dem Hertz der Heiligen The - reſiaͤ hat man unterſchiedliche Heilige Geheimnuß gefunden. Et - liche die Geißlung deß HErrn JESU / andere die Kroͤnung deß Heylands / dieſe die Creutzigung Chriſti / jene ſeine glorreiche Urſtaͤnd / ꝛc. Jn dem Hertz der Heiligen Clara de Monte Fal - conis aus meinem Orden hat man ſichtbarlich geſehen alle Jn - ſtrumenta und Waffen deß Leidens Chriſti: Jn dem Hertz der Heiligen Magdalenaͤ de Pazzis hat man gantz wohl gezeichneter angetroffen das Wort Amor: Jn dem Hertz der Heiligen Ger - trudis hat man ein Wunden gefunden / ſo von einem Strahl deß gecreutzigten JEſu eingebrennt worden. Aber bey allen beſagten Heiligen hat man ſolches erſt nach ihrem Tod und ſeeligen Hin - tritt gefunden. Entgegen aber durch den Wein kan man noch bey Lebs-Zeiten ſehen / finden / erfahren / was einer im Hertzen trage. Nullum Secretam, ubi regnat ebrie - tas.

Hart104Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigen

Hart ware in die Archen Noe / in dieſes groſſe Schiff zu kommen / maſſen es GOtt der HEr: ſelbſt verſchloſſen. Hart waͤre der beruͤhmte Held Joſue in die Rings herum verſchloßne Stadt Jericho eingedrungen / wann nicht dero Rings-Mauren durch Goͤttliche Hand waͤren umgeſtoſſen worden. Joſ. 6. Hart waͤre der kuͤhne Soldat Martinus Schenckius Anno 1588. in die ſtarcke verſperꝛte Stadt Bonn eingetrungen / wann er nicht in die lererſt erfundene Pedarden oder ſtarcken Pulver-Sack an das Thor gehaͤngt haͤtte. Aber die Veſtung Hertzburg / ob ſie ſchon noch ſo ſtarck verſchantzt / und ſo gar mit beinenen Paliſaden um - geben / einzunehmen / braucht nicht ſo viel Gewalt / wenig Pulver Unkoſten; ſondern an ſtatt der Pedarden / ein gute Flaſchen Wein / mit dieſer wird Thuͤr und Thor eingeſprengt / und find man alles / was darinn verborgen.

Die Welſche nennen die Suppen Brodo, und bey denen La - teinern heiſt Prodo ich vorrathe. Alles gar wohl / gieb nur Brodo, ſo wirſtu das Prodo haben / wiſch dieſem und jenem nur das Maul aus / und ſchmir ihm die Gurgel / da wird er alles ver - rathen.

O! wie offt iſt dieſes ſchon geſchehen? O! wie offt geſchicht es noch? O! wie offt wird es noch geſchehen?

Ein Zaunduͤrrer Fuchs hat ſich in eine wol angefuͤllte Speiß - Kammer hinein practiciret / welches ein Maus daſelbſt wahrge - nommen / und alſo nit wollen Hoͤfflichkeit halber ihnezu gruͤſſen unterlaſſen: Willkomm / ſagt ſie / willkomm / mein hochgeehrter Beltz-Kramer / wie treffen wir allhier einander an / erfreue mich ſeiner guten Geſundheit: Aber wann ich darff fragen / ſagt fer - ner die Maus / als ein arger Maußkopff / bitte um Verge - bung / daß ich mich unterſtehe zu fragen / wie iſt er in dieſes Speiß - Gewoͤlb herein kommen? Herein / antwortet der Fuchs / bin ich kommen durch ein gar enges Loch / vermittelſt meiner Magrig - keit. Aber in was Geſchaͤfften juſt daherein? hat er etwan ein Commiſſion / ſagt weiter die Mauß / von dem gantzen Gefluͤ -gel -105Eſſen und Trincken ergeben.gelwerck / und allen Hennen insgemein? O Nein / widerſetzt der Fuchs / ich hab mich einig und allein herein gedrungen / damit ich mir ein Weil gute Taͤg moͤge anthun / und wiederum am Leib zu - nehmen. So / ſagt die Maus / Adio! dein Balg iſt hin. Der Fuchs hat ſich dergeſtalten mit Speiſen angefuͤllt / daß ihme der Bauch auseinander gangen / wie ein aufgeblaſene Sackpfeiffen. Als nun der Koch in dem Speiß-Gewoͤlb den Hennen-Dieb erdappt / wol - te ſolcher unverzuͤglich durch das vorige enge Loch den Ausfall nehmen / kunte aber wegen der angeſchoppten Wampen nit / mu - ſte demnach elend und gantz fruͤhzeitig um ſein Balg kommen: in ſeiner Marter gedachter noch an der Mauß Prophezeyung / aber zu ſpat; erſuhr alſo mit hoͤchſtem Schaden / daß er laͤnger gelebt haͤtte / wann er nicht das Wohlleben geſucht.

Es iſt wahr / und bleibt wahr / daß das unmaͤſſige Eſſen und Trincken / die meiſten Menſchen ins Grab befuͤrdere. Derjenige junge Geſell / deſſen die Frau Mutter eine reiche und wolhabende Wittib geweſt in der Stadt Naim / iſt in den beſten Jahren und bluͤhendem Alter von dem Tod hingeriſſen worden / aber die Ur - ſach ſeines ſo fruͤhezeitigen Tods war ſein liederliches Leben; weil er als ein einiger Sohn durch die zu groſſe Uberſehung der Mut - ter ein nichtsnutzigen Wandel gefuͤhrt / nicht allein der dazumahl frechen Magdalena muthwilliger Galan geweſt / ſondern noch mit anderer naſſen Burſch Tag und Nacht dem Luder-Leben ob - gelegen / und mit ſtetem Freſſen und Sauffen die Zeit anworden /Luc. c. 7. Sylvair. in id. welches dieſes junge Blut / wie leicht geſchehen kan / dergeſtalten erhitzt / daß er in ein groſſes Fieber gerathen / worvon er auch ge - ſtorben; nachmahls aber in Anſehung der betruͤbten Mutter von dem HErꝛn JEſu zum Leben erwecket worden.

Gewiß iſt es / daß durch die Bratſpieß mehrer erlegt wer - den / als durch den Degen; gewiß iſt es / daß bey den Kuchelhoͤfen mehrer zu Grund gehen / als in dem Meerhafen; gewiß iſt es / daß bey denen Paſteten mehrer bleiben / als auf den Paſteyen; gewiß iſt es / daß der Krug mehrer hinricht / als der Krieg; gewißPars IV. Oiſt106Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigeniſt es / daß per Lances mehrer umkommen als per Lanceas; ge - wiß iſt es / daß die meiſte Todten-Graͤber heiſſen Calixt, und ihre Weiber Intemperantia.

Rebecca deß Iſaacs Weib / ein Tochter Bathuels deß Sy - rers von Meſopotamia / Labans Schweſter / durch ſondere Gnad GOttes wird groſſes Leibs; maſſen ſie vorhero unfruchtbar ge - weſen; aber es iſt ihr gar ſeltzam nachmahl ergangen / dann ſie hatte zwey Kinder im Leib / die machten ihr eine groſſe maͤchtige Ungelegenheit; weil ſie nemlich in dem Leib miteinander zancktGen. 25. und geraufft haben. Dieſe zwey waren Jacob und Eſau. Beyde eines befondern Humors.

Viel Leutlamentiren / ſagen und klagen / daß ſie ſo groſſe Un - gelegenheit haben / von dieſer und jenen Kranckheit / ſelten ein rech - te / gerechte / geſunde Stund / Tag und Nacht das Auwe: Es iſt alles wahr / es gibt faſt unzahlbare Kranckheiten / und Unpaͤß - lichkeiten in der Welt / ja dieſe ſcheint faſt ein allgemeines Spittal zu ſeyn. Zu Jeruſalem ware ein Schwem-Teich / worinnen zu gewiſſen Zeiten die Krancke und Preſthaffte wunderbarlich curi - ret worden / bey dieſem Schwem-Teich war ein Gebaͤu mit fuͤnff Porticus oder Schupffen. Wann man in Teutſchland ſollte ein Gebaͤu fuͤhren / worunter alle Krancke ihre Unterkommen ſolltenJoan. 5. c. haben / ſo muſte nothwendig dieſes Gebaͤu nit nur mit 5. Schupf - fen / ſondern wol 5000. ja gar mit 5. mal hundert tauſend verſehen ſeyn; maſſen ein unglaubliche Anzahl der Krancken.

Ein mancher ſicht ſo gelb aus / als haͤtte ihn ein Buchbin - der in Pergament eingebunden: ein mancher hat ſo truͤffende Augen / daß bey ihme beym ſchoͤnen Wetter das Tachtrauff ge - het: Ein mancher hat ein ſo rothes Geſicht / daß ihme auch die Starn und Troͤſchel nachfliegen / der Meynung / als wachſeten Vogelbeer auf ihme: Ein mancher hat ſo ſchwartze Zaͤhne / als haͤtte er von Jugend auf lauter Cardebon geſſen: ein mancher hat ſo krumpe Finger / als haͤtte ſich ſeine Mutter an einer Beiß - Zang erſehen; Ein mancher hat eineu aufgeblaͤhten Bauch / alswoll -107Eſſen und Trincken ergeben.wollte er zu ſeiner Zeit lauter Regiments-Trummel gebaͤhrn: Ein mancher thut immerzu Huſten / als ſtecke ihme ein Jaͤger-Horn im Halß: Ein mancher hat ſo einen ſtinckenden Athem / als haͤtte er deß Teuffels Blaßbalg geſchlickt: ein mancher beſteht ſo elend auf den Fuͤſſen / daß auch dieſe Saͤulen kaum ein Stroh-Dach moͤchten ertragen: Ein mancher zittert / als wollte er auf der groſ - ſen Orgel zu Ulm den Tremeland ſpielen / ein mancher klagt den Sand / als haͤtten ſeine Voreltern mit dem Volck Jſrael in Ae - gypten muͤſſen Ziegel brennen: Ein mancher klagt den Stein / und wuͤnſchet es moͤchte mit ihme werden / wie mit dem Tempel zu Je - ruſalem / allwo kein Stein auf dem andern geblieben: Ein anderer hat den Schwindel dergeſtalten / daß er glaubt / wann er nur uͤber ein Stiegel ſteigt / er muͤſſe dem Stephans-Thurn zu Wien den Knopff aufſetzen: Ein anderer klagt den Magen / daß er ein ſchlechter Magiſter / ꝛc. Aber woher ruͤhren dieſe und jene andere dergleichen uͤble Leibs-Zuſtaͤnd? Woher? Kuͤbel / Echo uͤbel. Verſtehet mich? Von uͤbermaͤſſigen Eſſen und Trincken. Ge - dencke nur / haben in dem Leib der Rebecca ihrer zwey / weil ſie unterſchiedlichen Humors / benannt Jacob und Eſau miteinan - der gezanckt; was werden erſt in deinem Leib / in welchem zuwei - len zwantzigerley Speiſen / und eine jede faſt eines andern Hu - mors / anfangen und anheben? dort kan ſich ein Rebhuͤnnel mit dem Saufleiſch nit vergleichen / dort muß ja ein geſaltzner Haͤring mit der ſuͤſſen Dorten Haͤndel anfangen / dort kan ja ein Ayrkoch mit den Schnecken nit uͤbereins kommen / da kan ja das Bier mit dem Tyroller nit gut Freund ſeyn / und ſolcher Zanck und einhei - miſcher Krieg kan nichts anders als lauter Kranckheiten ausbruͤ - ten: Eccl. 27. In multis enim eſcis erit infirmitas.

Was Maͤnge deß Volks Jſrael iſt nicht geblieben in der Wuͤſten / wie Moyſes ſelbſt erzehlt. Denen Sau-Maͤgen hat das koſtbare Manna nicht geſchmeckt / ſondern ihnen waſſer - ten die Zaͤhn nach den Melaunen / nach den Zwiflen / nach dem Knoblauch ſo ſie in Egypten alle Tag gehabt. Endlich kommtO 2ihnen108Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenihnen der Viehiſche Appetit / daß ſie auch Fleiſch begehrt. GOtt / der wol oͤffter ein ſchaͤdliches Begehren erhoͤrt / hat ihnen Speck - feiſte Wachtlen geſchickt / welche ſie gefangen / gerupfft / gebraten / geſſen / aber nit verdaͤuet / maſſen ſie unter dem Eſſen ſeynd todt dahin gefallen / und alle in demſelben Thal begraben worden / da hero Moyſes dieſes Orth genennt hat Sepulchra concupiſ - centiæ, Graͤber der Begierlichkeiten.

Gehe du mir forderiſt in Teutſchland auf alle Freudhoͤff und Gotts-Aecker / abſonderlich zu Wien / beſuche daſelbſt die Graͤber / beſuche die Grabſtein / liß die Grabſchrifft / ſo wirſtu fin - den / daß ſehr viel Sepulchra concupiſcentiæ heraus kom - men. Warum iſt dieſer geſtorben / und zehlte kaum dreymal 10. in ſeinem Alter? troͤſt ihn GOtt / er hat zu viel ſchweinen Fleiſch geſ - fen / und weiſſes Bier drein truncken / das hat ihm den Garaus gemacht. Warum dieſer im beſten Jahren hat muͤſſen unter die Erden kommen? troͤſt ihn GOtt / er hat zu viel Ungariſchen Wein getruncken / und von einem hitzigen Fieber uͤberfallen worden / das hat ihme den Lebens-Faden abgeſchnitten. Warum iſt dieſer in Bluͤhender Jugend verwelckt? troͤſt ihn GOtt / er hat 100. Auſtern geſſen / und ſuͤſſen Wein darein getruncken / das hat ihm den Reſt geben. Warum iſt dieſer ſo bald heimgangen? troͤſt ihn GOtt / er hat alle Tag gefruͤhſtuckt / und das hat ihme zum Tod geholffen. Jn Summa faſt allenthalben Sepulchra con - cupiſcentiæ, Graͤber oder Grabſtaͤtt der Begierigkeit. Entge - gen iſt die Maͤſſigkeit eine Mutter der Geſundheit / und eine Verlaͤngerung deß Lebens / wie alt iſt Adam worden? 930. Jahr. Das iſt ein ſchoͤnes Alter. Wie lang hat Seth gelebt? 807. Jahr: das iſt ein ehrliches Alter. Wie lang hat der Enoch ge - lebt? 905. Jahr: das heiſt ein ſchoͤne Zeit gelebt. Wie alt iſt Cainam worden? 900. Jahr: das iſt eine lange Zeit. Wie lang iſt Malaleel auf der Welt geweſt? 890. Jahr: das heiſt gelebt. Wann iſt dann der Noe geſtorben? Jm 9. hundert und fuͤnfften Jahr: das heiſt gelebt / und dieſem hat nie der Kopff wehe gethan /dieſe109Eſſen und Trincken ergeben.dieſe haben nie den Magen geklagt / dieſe haben nie einen Doctor gebraucht / dieſe haben um kein Apothecken gewuſt / dieſe haben kein Ader gelaſſen. Warum? darum. Sie haben weder Geſottnes noch Gebrattnes fuͤr ein Speiß gehabt / ſie haben weder Fiſch noch Fleiſch geſſen / ſie haben niemahlen einen Rauſch gehabt / ſon - dern die Kraͤuter waren ihre Speiß / das Waſſer ihr Tranck.

Zu Genua in dieſer ſchoͤnen Welſchen Stadt hat ſich ein reicher Herr befunden / welcher aber neben allen ſeinem groſſen Vermoͤgen niemahl die gewuͤnſchte Geſundheit gehabt / und ab - ſonderlich ware er in derſelben Zunfft / denen das verdrießliche Podagra die Glieder aus dem Angel hebt. Als erſt-gedachter reiche Handels-Mann eineſt auf dem Meer ſich befunden / iſt er in das groͤſte Ungluͤck gerathen / daß er von denen Tripolitani - ſchen Tuͤrcken und Meer-Raubern gefangen worden / ja Jahr und Tag dieſe Gefangenſchafft muͤſſen ausſtehen / biß die begehrte Rantzion erfolget iſt. Als er nun von ſolcher Sclavitaͤt zuruck kommen / und zu Genua auf dem Platz gleich einem jungen fri - ſchen Geſellen ſpatzieren gangen / welcher doch zuvor meiſtens in einem Seſſel / wie ein Taſchen-Meſſer zuſammen gekruͤmpet / ge - tragen worden / ſo hat ſolches faſt jederman / forderiſt die Bekand - te / in groſſe Verwunderung gezogen / alſo zwar / daß einige Po - dagriſche Kruͤppel ihn befragt / mit was Mittel er die uͤberlaͤſti - ge Kranctheit vertrieben / ja die meiſte thaͤten ihn bittlich erſuchen / er wolle doch aus Chriſtlicher Liebe ihnen das Recept com - municiren. Nachdeme ſich ſolcher anfaͤnglich geſtellt / als haͤtte er fuͤr beſagten Zuſtand ein ſonders Arcanum, hat er endlich ſelbes zu ſondern Gnaden entdeckt. Jch / ſagte er / habe nichts anderſt gebraucht / als ſolgende drey Stuck / benanntlich alle Tag 24. Streich von einem Bruͤgel / 2. Um ein Creutzer Brod. 3. ein Kruͤgel Waſſer / del reſto niente, und ſonſt nichts. Dieſes hat mich vom Podagra geholffen; dann ſo lang er zu Haus die gute und wolbeſetzte Taffel genoſſen / ſo lang hat er dieſen un - werthen Gaſt bey ſich gehabt; ſobald er zu der ob ſchon gezwung -O 3ner110Judas der Ertzſchelm iſt den uͤbermaͤſſigenner Maͤſſigkeit kommen / iſt er dieſes Laſts entladen worden. Worauf folgt / daß kein groͤſſerer und abgeſagter Feind der Ge - ſundheit ſeye / als der liederliche Frißlaͤndiſche Wampelius Zehrer zu Schlemmerau.

Ein ſaubere Comoͤdi hat der Adam angefangen im Pa - radeiß in dieſem irrdiſchen Luſtgarten / ein Comoͤdi / die das gan - tze und geſammte Menſchliche Geſchlecht in das Verderben ge - ſtuͤrtzt / eine Comoͤdi / allwo drey Perſohnen geſpielt / nemlich Adam / Eva / der Teuffel / aber anbey all unſer Heyl verſpielt: ein Comoͤdi / allwo zwar geweſen das allerſchoͤnſte / und von Goͤtt - lichen Haͤnden ſelbſt verfertigte Theatrum / aber die Action ware deß Teuffels / eine Comoͤdi / die zwar nit lang gewehrt / aber der Schaden / ſo dardurch geſchehen / wehrt lang genug: ein Co - moͤdi / die ſo viel gekoſt / daß auch ſo gar GOttes Sohn hat muͤſ - ſen daran zahlen: ein Comoͤdi / welche der Sathan zu unſerm groͤſten Nachtheil componiert: Ein Comoͤdi / wo man nit die Præmia, wie pflegt in den Schulen zu geſchehen / unter die Ju - gend austheilt / ſondern dabey das Præmium deß ewigen Lebens entfrembdt worden; dieſe Comoͤdi war das comedi: dedit mihi de ligno & come, ſagte Adam / Serpens decepit me, & comedi, ſagte Eva / das ware die ſaubere Comœdi. Aber ſehe jemand / wann ſich Adam nackend und bloß erkennet? vor dem Eſſen nit / wol aber nach dem Eſſen / das iſt wol zu mercken / daß das Eſſen den erſten Menſchen entbloͤſt.

Viel tauſend / und tauſend Menſchen / wohl rechte Adams - Kinder / die ſeynd offt aller Mittel entbloͤſt / kaum ein Fetzen / wormit ſie den elenden Leib in etwas verhuͤllen / allerſeits Bettel - arm. Wie kommts? woher kommts? frag nit lang / der ſaubere Wampelius bringts um das ihrige. Das unnuͤthige Freſ - ſen und Sauffen ſtuͤrtzt ſie in die Armuth. Der verlohrne Sohn / dieſes muthwillige Buͤrſchel / iſt bey ſtattlichen Mittlen ge - weſt / hat trutz einem Edelmann koͤnnen leben / die Bediente im Hauß haben ihn ihr Geſtreng geſcholten / ſein Hut prangte miteinem111Eſſen und Trincken ergeben.einem weiſſen Federbuſch / das Kleid ware von Sammet und Seiden / ein Laggey / aufs wenigſt einer folgte ihme auf dem Fuß nach / der beſte Klepper im Stall ware ihme allezeit zu Dienſten / in Summa / als ein Galanthomo kundte er bey allen Geſell - ſchafften erſcheinen. Nachdem er aber in die Laͤnder verreiſt / und um ſein Hoffmeiſter / wann er doch einen gelitten / nit viel ge - fragt / ſondern in Frechheit gelebt / in Freuden gelebt / ſein meiſte Andacht in den Wirths-Haͤuſern verricht / die verdaͤchtliche Wei - ber und beſchreyte Schlepp-Saͤck ſtaͤts mit Freſſen und Sauf - ſen ausgehalten / da hat angefangen der Beutel die Schwind - ſucht zu bekommen / da hat das Geld den Reißaus genommen / da ſeynd die Mittel nacheinander verſchwunden / und er ein ſol - cher armer Narr worden / daß ſein Kleid / wie Filogran-Arbeit durchbrochen / bey ſeinen Schuchen die groſſe Zehen zum Fenſter hinaus geſchaut / das Geſicht eingefallen / wie ein Baurn-Kreß / ſo aus der Stoͤrck gangen / und er in einen ſo elenden Stand gera - then / daß er gewunſchen bey denen Schweinen mit einer kalten Schalen vor Lieb zu nehmen. Luc. 15.

Hans Biberacher / du biſt vorhero ſo wol geſtanden / Hauß und Hoff gehabt / der Vogel Habich hat bey dir ein ſtetes Neſt gehabt / wie kommts? daß du anjetzo ſo miſerabel und elend / und ohne Geluͤbd den Mendicanten Orden biſt eingetretten? Jch bin / ſagt er / in Ungluͤck kommen / und zwar wie diejenige Knaben / ſo den Propheten Eliſaͤum haben ausgeſpott / dieſe haben die wilde Baͤeren zerriſſen / mich aber hat das Wirths-Haus beym ſchwartzen Baͤeren in der Vorſtadt alſo zugericht. Das glau - be ich.

Georg Schlickendorffer / du haſt von deinen Eltern ein ſchoͤnes Geld ererbt / bey deinem erſten Heyrath haſt du gleichfalls einen guten Rogen gezogen / was iſt doch die Urſach / daß du in ſolche Armuth gerathen? bey dir iſt anjetzo allezeit Quatember / deine Kinder ſehen aus wie deß Samſonis ſeine Duſaͤcken. (Jſt ein duͤrrer Eſels-Kinbacken geweſt) die Urſach iſt dieſe ſagt er /mir112Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenmir iſts gangen / wie dem Prophet Jonaͤ / ihme hat die Sonn auſſer der Stadt Ninive die Kuͤrbes-Blaͤtter ausgedoͤrꝛt / ich aber bin durch das Wirthshaus bey der guldenen Sonn verdorben. Das glaub ich.

Michael Zechmayr / ich hab dich noch gekennt / wie du etliche 1000. fl. von deinem Herꝛn Vetter / als Pfarrer zu Sparꝛnbach haſt geerbt / und dazumahl der Mond bey dir im Aufnehmen ge - weſt / wie kommts / daß er jetzt ſchon im letzten Viertel? Du haſt zwar noch gute Augen / und haſt der Bruͤllen noch gar nit vonnoͤ - then / aber du ſiehſt gleichwol nichts im Haus. Du und das dei - nige iſt beſchaffen wie die Philiſtaͤiſche Treidfelder / welche der Samſon in Aſchen gelegt. Da kommts her / ſagt er / daher. Mir iſt faſt geſchehen / wie dem Mund-Becken deß Koͤnigs Pharaonis / ihme haben die Voͤgel das Brod! aus dem Korb gefreſſen / mich aber hat das Wirthshaus beym ſchwartzen Adler um das Mei - nige gebracht. Das glaub ich.

Job hat Gut verlohren / hat Blut verlohren / hat Rinder verlohren / hat Kinder verlohren / hat Schatz verlohren / hat Platz verlohren / ſo gar endlich auf den Miſt-Hauffen kommen; aber aus allen ſeinen Trangſalen / und Widerwaͤrtigkeiten / mit denen ihne der boͤſe Feind uͤberladen / iſt die groͤſte geweſt / wie er vernommen / daß das Haus / worinn dazumahl alle ſeine Kinder verſammlet / ſeye durch ein gaͤh entſtandenen Sturm-Wind zu Boden geworffen worden / und folgſam alle Soͤhn und Toͤchter zu Tod geſchlagen. Es iſt aber wol in Acht zu nehmen / wann / und was Zeit / mit was Umſtaͤnden das Haus zu Grund gangen / nemlich dazumahl / wie dieſe Soͤhn und Toͤchter bey der Mahlzeit geſeſſen / wie ſie ſteiff geſſen und getruncken / wie ſie wohl auf und guter Ding geweſt / dazumal iſt das Haus zu Grund gangen: Fi - liis tuis & filiabus veſcentibus & bibentius, &c.

Es ſeynd gar viel zu finden / die vorhero bey den groͤſten Mittlen geweſt / auf allen Seithen gnug gehabt / mit Geld undGelds -113Eſſen und Trincken ergeben.Geldswerth uͤberhaͤuffig verſehen geweſt / und dannoch endlich zum Bettler worden. Zu Wien zehlt man dieſes Gliffters nit wenig / die von 20. und 30. tauſend Gulden in ſolche euſſerſte Schwindſucht der Mittlen kommen / daß ſie nachgehends haben muͤſſen / wie andere arme Schlucker bey denen Kloͤſtern die Sup - pen ſuchen. Aber worvon ſeynd ſie in ſolches Verderben gera - then? rath nichtlang. Es iſt ihnen geſchehen / wie denen Kindern Job; weil ſie Tag und Nacht gefreſſen und geſoffen / ſo iſt ihnen Haus und Hoff zu Grund gangen.

Wann zuweilen die Weiber ungefehr zuſammen kommen / oder zu Wien auf dem Kohlmark einander antreffen / da fangt eine um die andere wegen ihres Manns zu klagen. O! mein Frau Margreth / ſagt die erſte / mein Mann und ich leben wie Hund und Katzen; dann ich kan nit / daß GOtt ſeys klagt / darzu ſchweigen / wann er gar alleweil im Wirths-Hauß mit andern Sauff-Bruͤdern iſt / ich und die Kinder haben offtermahl das Brod nicht zu eſſen / er verthut alles / ich hab ihm erſt nechſt beym Tiſch vorgeworffen / wie er zu End der Taffel noch zwey Maß Wein ausgeſtochen / er ſoll doch ſeine Geſundheit in obacht neh - men / der Magen ſeye ſchon geſchloſſen / und folgſam vom Sauffen abſtehen: So ſagt er mir / er wiſſe gar wol / daß der Magen ge - ſchloſſen / ich ſolle ihme mit dergleichen Predigen nit kommen. Wann dann / ſagt ich darauf / der Magen ſchon geſchloſſen / wo kommt dann dieſer Wein hin. O Naͤrrin! gab er zur Antwort (das iſt mein ordinari Prædicat) Naͤrrin; weil der Magen ge - ſchloſſen / ſo rinnt dieſer Wein beym Schluͤſſel-Loch hinein. Jetzt gedenkt nur / mein Frau wie unſer eins ſo hart hauſſen thut / wir haben nicht einmahl den Hauß-Zins bezahlt / und Michaeli iſt ſchon vor der Thuͤr. Ach ja! ſagt die Frau Margreth / andere Weiber klagen / daß ihre Maͤnner ſo grob / das kan ich bey meiner Treu von meinem Mann nicht ſagen / er iſt wohl ein rechter Hoff - mann / aber ich danks dem Teuffel; ein Hoffmann iſt er: Dann er ſteckt ein gantze Zeit im Maͤtſchacker-Hoff / im Seitzerhoff / friſtPars IV. Pund114Judas der Ertzſchlm iſt dem uͤbermaͤſſigenund ſaufft / und ich muß zu Hauß Wirthſchafften. Jch hab ihm ſo ſchoͤne Sachen zubracht / aber es iſt ſchon alles hin / es ſeynd mir Schuͤſſel und Teller nit ſicher / daß er ſie nit verſetzt / was er die gantze Wochen gewinnt / das verſaufft er / und verfriſt es wieder am Sonntag; wann er mich gleichwol auch zuweilen thaͤt mit - nehmen / ſo thaͤt ich ihms ſo ſehr nicht vor Ubel haben / unſer eins iſt halt auch nicht von Waſſerburg gebuͤrtig.

Deß Menſchen Gurgel hat eine enge Straſſen / und jagt offt mancher Hauß und Hoff dardurch / und ſolches abſonderlich unter den Teutſchen. Wie unſer lieber HErꝛ unweit dem Ty - beriſchen Meer fuͤnff tauſend Mann mit fuͤnff Gerſtenbrod und zwey Fiſch wunderbarlich geſpeiſt und geſaͤttiget / alſo zwar / daß von dem uͤbergebliebnen Brod noch zwoͤlff Koͤrb angefuͤllt wor - den / maſſen einem jeden das Brod in den Haͤnden gewachſen; dazumahl ware JEſus 32. Jahr / 3. Monath / und 12. Tag alt. Solches Wunderwerck iſt geſchehen den 13. April / zum Rom bey S. Gioan. Laterano wird etwas von dieſem Brod und Fiſch ſehr Ehrenbietig auf behalten. Orat. delle 7. chieſe. Wie dazumahl unſer HERR ſo viel 1000. wunderbarlicher Weiß ge - ſaͤttiget / ſo liſt man doch nit / daß er ihnen auch haͤtte einen Trunck darzu geben. Es beweiſen wohl einige Scribenten / daß Chri - ſtus dazumahl auch aus einem harten Felſen habe zu Dienſten deß Volcks ein klares Bronnquell erweckt / welches ſehr muth - maßlich; man kan hierdurch leicht erkennen / daß unter demſelben Volk kein Teutſcher geweſen ſeye / ſondern lauter Galilaͤer; dann wann ein Teutſcher bey dieſem ſo wunderbarlichen Tractament ſich haͤtte eingefunden / ſo haͤtte er warhafftig unſern lieben HEr - ren auch um ein Trunck Wein angeſprochen / und iſt wolzu glau - ben / daß ihme ſolches der liebſte Heyland nit geweigert haͤtte; maſſen er in den Kruͤgen zu Cana das Waſſer in den beſten ro - then Wein verkehrt / allein die Unmaͤſſigkeit und Uberfluß deß Weins / wie auch der Speiſſen ſeynd GOtt mißfaͤllig / und dieſe hindern und mindern die Wirthſchafft dergeſtalten / daß aus demWort115Eſſen und Trincken ergeben.Wort Gula, durch den Buchſtaben-Wechſel ein Gaul wird / auf deme man Sporn-Streich nacher Bethlehem und Leyden rei - ſen thut. Jſt demnach der ſaubere Wampelius, dieſer Frißlaͤndi - ſche Geſell die meiſte Urſach / daß man in die Armuth gerathe. Weil dann alles klagt wider den unmaͤſſigen und verſchwenderi - ſchen Wampelium von Schlemmerau / auch genugſame und wolgegruͤndte Prob vorhanden ſo viele von ihme begangener La - ſterthaten / und Unheyl / dahero beſagter Boͤßwicht / damit denen Klaͤgern hierdurch einige Satisfaction geſchehe / muß und ſoll zur gebuͤhrender und wolverdienter Straff gezogen werden; und zwar erſtlich ſolle er Wampelius hinfuͤran allezeit Freytag und Sambſtag / deßgleichen auch an Vigilien und Quatember / wie auch forderiſt von Aſchermittwoch an biß auf den Heil. Oſtertag zum Faſten condemnirt ſeyn / auch mit ihme auf keine Weiß hierinnfalls noch koͤnne noch ſolle diſpenſirt werden / auſſer der Zeit einiger Kranckheit / allwo der Medicus und Beichtvatter ein behutſames Urtheil ſollen ſchoͤpffen / und wohl in acht nehmen / damit ihr eignes Gewiſſen nie einen Schiffbruch leide. Es ſolle offtgemeldter Wampelius wiſſen / daß das Faſten nicht ein neue und unlaͤngſt aufgebrachte Sach ſeye / ſondern von Chriſto ſelbſt und ſeiner Gebenedeyten Mutter und Jungfrau ſchon laͤngſt zu unſerm Exempel und Nachfolg obſervirt worden. Zumahlen aus dem Evangelio genugſam bekandt iſt / was Geſtalten der HERR und Heyland 40. gantzer Tag die ſtrenge Faſten ohne ei - nige Speiß und Tranck vollbracht: So weiß man auch / wie es ſattſam bezeugt der Heil. Vincentius Ferr. Daß der gebene - deyte JEſus die gantze Zeit / da er auf Erden gewandlet / niemahl habe Fleiſch geſſen / auſſer deß Oſterlamms wegen deß Juͤdiſchen Geſetzs / auch die 33. Jahr auf Erden hat er niemahls oͤffter als einmahl im Tag ein Speiß / und dieſe noch in geringer Maaß / zu ſich genommen.

Von der ſeeligſten Mutter GOttes Maria ſchreibt Greg. Turon. l. 2. de Virg. Daß von der Zeit an / als ſie im TempelP 2auf -116Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenaufgeopffert worden / niemalen ihren allerunſchuldigſten Leib ha - ben ohne Cilicio gelaſſen / auch kein anderes Bett gebraucht / als die bloſſe Erd und harte Bretter / gar offt etliche Tag ohne einige Speiß verblieben. Von denen Apoſtlen ſchreyen und ſchreiben alle Buͤcher / wie ſehr ſie dem Faſten ergeben geweſt.

Wann GOtt dem Allmaͤchtigen das Faſten nicht ſo ange - nehm waͤre / ſo haͤtt er es ſelbſt nit mit ſo vielen Miraculen und Wunderwerken beſtaͤttiget. Durch das Faſten haben die Kin - der Jſrael Victori und Sieg erhalten wider die Philiſtaͤer. 3. Reg. 4. Durch das Faſten ſamt dem Gebet hat Judith die Stadt Be - thuliam vom Feind erloͤſet. Jud. 8. Durch das Faſten hat Eſther den Untergang deß Juͤdiſchen Volks verhindert. Durch das Fa - ſten haben die drey Knaben im Babyloniſchen Ofen das Feur ge - daͤmpfft. Dan. 1. Durch das Faſten und Beten hat Anna von GOtt dem HErrn einen Sohn erhalten. Durch das Faſten ſamt andern Bußwercken ſeynd die Niniviter bey GOtt dem HErꝛn wiederum zu Gnaden kommen.

Wann GOTT dem HErꝛn das Faſten der Menſchen nit wohlgefaͤllig waͤre / ſo haͤtte der Heil. Eremit. Conradus an ei - nem Freytag einen Schweinen Schunken nicht in ein Fiſch ver - kehrt. Ferr. 19. Febr. So waͤren dazumahl / als ſehr viel Biſchoͤff denen kranken und ſchwachen Carthaͤuſern das Fleiſch-Eſſen eingerathen / und ſolches von Gratianopel kommen laſſen / das Fleiſch nit allerley Fiſch mit hoͤchſter Verwunderung verwand - let worden. Hermanus Ch. Serm. 27. So haͤtte die ſeelige Agnes Politiana in Gegenwarth deß Medici und der meiſten Kloſter-Frauen das aufgetragne Fleiſch nit koͤnnen in Fiſch ver - wandlen / damit ſie nur ihr gwoͤhnliche Faſten nicht breche. Es haͤtte gleichmaͤſſig der Heil. Nicolaus de Tolentino aus mei - nem Orden / als er aus Beſehl deß P. Priors wegen groſſer Un - paͤßlichkeit ein gebrattnes Rebhuͤnnel ſollte eſſen / nit koͤnnen mit dem bloſſen Creutz Zeichen ſo viel wuͤrken / daß der gebrattene Vo - gel waͤre wiederum darvon geflogen / welches doch geſchehen 10. Sept. Fer.

Jn117Eſſen und Trincken ergeben.

Jn |was groſſen Werth das Faſten ſeye / hat es auch mehr - mal die ſeligſte Mutter GOttes gnugſam dargethan. Jn der Stadt Meſſina iſt ein Jungfrauen-Kloſter S. Franciſci Ordens / welche in ihrem Tempel und Kirchen ein ſehr Gnadenreiches und Wunderthaͤtiges Maria-Bild haben. Es iſt aber deſſen eigent - liche Urſach und Urſprung geweſt das Faſten; dann ſelbiges hat ein Bildhauer mit Namen Joſeph auf ſondere Manier verferti - get / maſſen er in der Wochen die Arbeit der beſagten Statuen nur zweymal unter die Haͤnd genommen / benanntlich am Mittwoch und Freytag / aber allemahl ſo lang er in der Arbeit ware / denſel - ben Tag in Waſſer und Brod gefaſt / worvon dann kommen / daß nit allein obbemeldte Bildnuß Kunſt halber die allerberuͤhmtiſte worden / ſondern kaum daß ſie auf den Altar geſtellt / hat ſie alſo - bald mit groſſen Wunderwercken / wie dann noch auf heuntigen Tag geſchicht / zu leuchten angefangen.

Joannes Gritſch neben andern Scribenten verfaſt ein wunderlich Geſchicht / ſo ſich mit einem verwegenen Moͤrder und Straſſenrauber zugetragen / der viel Jahr in dieſem verruchten Wandel verharret / in dem allein gluͤckſeelig / daß er ein from - mes Weib gehabt / welche forderiſt der Andacht gegen der Mut - ter GOttes ergeben ware / dahero ſie ihme moͤglichſt eingerathen / weıl er doch ein ſo ſuͤndhafftes Leben fuͤhre / er wolle wenigſt dieſes einige gute Werk verrichten / und alle Sambſtag zu Ehren der ſeeligſten Koͤnigin deß Himmels faſten / welches er endlich auch gethan. Als er aber einmahl ungefaͤhr in ein Kirchen getretten / da ſicht er von dem gantzen Leibel deß JEſus-Kindlein haͤuffiges Blut herunter rinnen in den Schoß Mariaͤ / welches auch die Mutter nit gnugſam kunte abtrucknen / worauf er ſo keck / daß er gefragt / wer an allen dieſen ſchuldig? auch bald die Antwort er - halten / daß er ſelbſt der Thaͤter ſeye / und andere ſeines gleichen groſſe Suͤnder / die da alle gleich denen Juden / ihren liebſten Sohn auf ein neues creutzigen. O Mutter der Barmhertzig - keit! bitte fuͤr mich / ſagte er / welches ſie auch das drittemahl ge -P 3than /118Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenthan / aber allemahl ein abſchlaͤgige Antwort erhalten / biß ſie end - lich vor ihren gebedeyten Sohn auf die Knye niedergefallen / und dieſem laſterhafften Geſellen voͤllige Verzeihung ſeiner Suͤn - den erhalten / worauf er in ein Cloſter getretten / einen heiligen Wandel gefuͤhrt / und folgſam ein ſeeliges Ende genommen. Die - ſer kunte ſein gantzes Heyl niemand anderſt zumeſſen als dem Faſttag.

Wie verwerfflich aber in den Augen GOttes ſeye der je - nige / der nur ſeinem Viehiſchen Schmerbauch abwarth / und al - len ſinnlichen Anmuthungen den freyen Zaum laſt / mit dem Eſau um ein Linſenkoch / nachdem er ſo ſtarcken Appetit gehabt / kein Unkoſten ſpart / deß Magens all ſein Suppliciren mit dem Fiat umſcheidet / und mit einem Wort des Frißlaͤndiſchen Wampe - lii guter Bruder iſt / kan ſattſam aus der Straff / welche GOtt mehrmahlen uͤber dergleichen Menſchen verhaͤngt / abgenommen werden.

Bekandt iſt jene Geſchicht am 7. Capit. der Richter / was Geſtalten der tapffere Kriegs-Held Gedeon mit einer groſſen Mannſchafft wider die Madianiter ins Feld gezogen / als aber aus Befelch GOttes unter dieſem Kriegs-Heer ausgeblaſen worden / daß / wer zaghafft und forchtſam iſt / ſeinen Weeg nur ſolle nacher Hauß nehmen / da ſeynd gleichwol dergleichen Lett - Feigen zwey und zwantzig tauſend gezehlt worden / die alleſammt wieder zuruck gekehrt / die uͤberbliebne 10. tauſend Mann muſten noch zur Prob gefuͤhrt werden / und zwar zu einem Waſſer / da hat GOtt dem Gedeon als Oberhaupt anbefohlen / er ſolle dieſe 10. tauſend Mann / deren keiner ein Trunk werde weigern / aus dieſem Waſſer laſſen trincken / aber anbey wohl in Acht nehmen diejenige / ſo nur die Hand in das Waſſer werden ſtoſſen / und alſo aus der Hand ſuͤrpflen / die ſoll er auf ein Seiten ſtellen / die ſich aber auf den Bauch werden niederlegen / und mit dem Maul aus dem Fluß ſauffen / dieſe ſolle er auf die andere Seiten abſoͤn - dern: dieſer ſeynd 9. tauſend und 7. hundert geweſen / und habenalle119Eſſen und Trincken ergeben.alle den Abſchied bekommen / ſie ſollen hingegen / wo ſie ſeynd her - kommen. Deren andern hat man nur 300. gezehlt / mit denen nachmahls der ſtreitbare Gedeon den ſo ſtattlichen Sieg erhal - ten. Aus dieſem erhellet klar / daß GOtt dem Allmaͤchtigen die Maͤſſige angenehm ſeyen / die Unmaͤſſige aber verhaſt. Er ver - biet nit das Eſſen und Trinken / wol aber das Freſſen und Sauf - fen; er leidet diejenige gern / ſo die nothwendige Lebens-Nahrung mit Manier nehmen / er verwirfft aber alle dieſelbige / welche ganz und gar nur der Wampen und Luder-Bauch Dienſt leiſten / und um das Faſten nichts wiſſen wollen.

Jch will dißfalls nit beyrucken daß Anno 1584. zwey teut - ſche Soldaten / ſo dazumahl unter den Hollaͤndern gedient / einHort Paſt. Orat. 5. Pact gemacht in dem Wirthshaus ſo lang zu ſauffen / biß einem aus ihnen der Bauch zerſchnelle / als ſie aber in dieſem naſſen Streit zum beſten begriffen / da hat der Teuffel beyden den Halß umgetrieben.

Jch will nit anziehen / was dem heiligmaͤſſigen Camillo de Bellis, dieſem groſſen Diener GOttes begegnet; als dieſer zu RomIn vic. Ca - milli. l. 3. zu einem Sterbenden beruffen worden / hat er nicht allein mit allen ſeinen Ermahnungen nichts gefruchtet / ſondern noch von dem elenden Menſchen die Antwort bekommen / er fahre anjetzo zum Teuffel / und ſolle ihme deſſenthalben keine graue Haar laſſen wachſen. Dieſes ungluͤckſeeligen Menſchens gefuͤhrter Wandel ware nichts anderſt / als Tag und Nacht eſſen und trinken.

Neben tauſend andern iſt mir vor einem Jahr in Ober-Oe - ſterreich / da ich Reiß halber muſte in einem Wirthshaus die Ein - kehr nehmen / ſo wohl von dem Wirth / als allen Haus-Ge - ſind / daſelbſt glaubwuͤrdig erzehlt worden / wie daß eben in befag - tem Orth ein Jahr zuvor ein liederlicher Burger die gantze Faß - nacht hindurch im Wirthshaus verblieben / allda ein ſchlemme - riſch Leben / und mehr als auſ Viechart gefuͤhrt / worvon ihn nie - mand / maſſen er dazumahl Verwittibt ware / abgemahnt / als der Wirth / ſo doch allem Anſehen und Muthmaſſen nach ſein Pre -dig110[120]Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigendignicht gar ernſthafft geweſen / weil dergleichen Leuth nur nach dem Gewinn ſchnappen und tappen. Als nun der Aſchermitt - woch vorhanden / und er von ſeinem Bacchus-Tempel noch nit wollte weichen / vorgebend / das Faſten ſeye ein aufgebrachte Sach der Pfaffen / ſetzte freundlich hinzu / wann Petrus der erſte Papſt waͤre ein Fleiſchhacker oder Metzger geweſen / ſo haͤtte er auf kein Weiß das Faſten eingeſetzt; weil er aber ein Fiſcher wa - re / ſo kunte er nit anderſt als ein Faſten erdenken / damit er ein An - wehrung haben moͤchte ſeiner Fiſchen. Begehrte demnach der Luder-Geſell eine Bratwurſt / oder ſonſt was vom Fleiſch / ſo aber der Wirth in allweg geweigert und abgeſchlagen / auch noch hieruͤber gedrohet / wann er mit Kraut und Haͤring nit wollt vor Lieb nehmen / ſo wolle er ihme den Weeg zeigen. Als nun dieſe anerbottne Faſten-Speiſen aufgetragen worden / da ſchmutz - te dieſer verwegene Sau-Magen / und laſt ſich hoͤren / daß er ſo gut wolle Miracul machen als die Heilige / und mit wenigen Ceremo - nien den Haͤring in ein Capauner-Buͤgel verwandlen; macht demnach das Creutz-Zeichen uͤber dieſen geſaltznen Fiſch mit dem Zuſatz etlicher poſſierlicher Wort / und zieht beynebens ein Capau - ner-Buͤgel aus dem Sack / wormit er den Abend zuvor ſich pro - viantiert / legt ſelbes auf das Kraut / den Haͤring aber grabt er unter das Kraut. Allo: ſagt er / das Miracul iſt fertig (aber auch ſchon die Straff GOttes) wie er nun den erſten Biſſen ins Maul geſteckt / da iſt er alſobald Steintodt zuruck uͤber den Stul gefallen / daß gantze Jngeweid / ſ. v. bey dem hintern Leib heraus geſprungen / und ein ſo abſcheulichen Geſtank von ſich geben / daß nach aller angewendten Saͤuberung einem gedunckt / als waͤre noch was uͤbriges von dieſem Sau-Balſam. Das Orth wird derenthalben nicht offenbahrt / weil von dieſem verruchten Luder - Sack ein Poſteritaͤt / und einige Freundſchafft vorhanden. Jetzt gehe hin und verachte das Faſten.

O Faſten macht Faſtidi, Faſtidi macht die Faſten! ſagt mancher / klagt mancher. Der junge Tobias reiſete mit ſeinemHuͤn -121Eſſen und Trincken ergeben.Huͤndel und kam zu dem Fluß Tygris / und wie er daſelbſt wollte ſeine Fuͤß waſchen / da ſchwimmt / ja ſtoͤſt gaͤhling auf ihne zu ein groſſer Fiſch mit aufgeſperꝛtem Rachen / woruͤber er dergeſtalten erſchrocken / daß er gantz erbleicht / und am gantzen Leib gezittert / auch zu dem Ertzengel Raphael / ſo da gegenwaͤrtig geweſt / aufge - ſchryen: HErꝛ er kommt auf zu / will mich freſſen / ꝛc. Tob. 6.

O! wie viel und aber viel gibt es dergleichen Leut / die ſich vor den Fiſchen foͤrchten / dem Beicht-Vatter und dem Medico zu - ſchreyen: die Fiſch bringen mich ums Leben / ſie koͤnnen nit faſten / der Magen ertragts nicht / die Natur thue ſich vor den Faſten - Speiſen voͤllig entſetzen / ſo ſeyen ihnen auch die Meel-Speiſen Fatal, ob ſchon Eliſaͤus mit dem Meel den bittern Kraut-Dopff der Propheten Kinder verſuͤſt / ſo ſeye aber ihr Magen kein Haff - ner-Arbeit / die Complexion zu ſchwach / die Verdaͤuung zu ring. Jn Summa / Faſten macht Faſtidi, Faſtidi macht Faſten. End - lich kan man den Beicht-Vatter und Medicum mit dergleichen Wolredenheit gar leicht bethoͤren / und hinter das Liecht fuͤhren. Aber was ſagt hierzu das Gewiſſen? was redet das Gewiſſen mit dem Bauch?

Es hat koͤnnen aus dem Orden deß Heiligen Franciſci die ſeelige Helena 3. Monath faſten ohne einige Speiß und Tranck: Es hat koͤnnen aus dem Orden deß Heiligen Franciſci de Paula die ſeeligſte Gratia de Valentia mehrmal 15. Tag aneinander faſten ohne einige Erquickung / und iſt doch 91. Jahr nie krank geweſt: Es hat koͤnnen aus dem Orden deß Heiligen Dominici die ſeeligſte Columba Peruſina zwey hundert Tag das Jahr hin - durch in Waſſer und Brod faſten. Viel tauſend dergleichen zar - teſte Weibs-Bilder / dero Zahl ein gantzes Buch anfuͤllen kundte / haben koͤnnen faſten gantze Tag / gantze Wochen / gantze Mo - nath / ja etliche / gantze Jahr / und ſeynd dannoch beynebens in unvergleichlicher Geſundheit geblieben / ein hohes Alter erreicht / und du / und die / und dieſe ſollen nicht koͤnnen ohne Fleiſch leben? das glaube / wers glauben will. Es werden Zweiffels ohne wolPars IV. Qetliche122Judas hat etliche gute Werck gethan /etliche bloͤde Maͤgen angetroffen / die faſt fich deß Juͤdiſchen Raths gebrauchen: Ducite eum cautè: Diefen will ich dermahlen das Faſten nit aufbuͤrden / weil ſie ſich weniger kunten darein ſchi - cken als David in den Harniſch deß Sauls. Aber der mehriſten ihr Entſchuldigung gruͤndet ſich auf dem Einſchlag und vermeſ - fenes Anbringen des Frißlaͤndiſchen Wampelii, deme hiemit an der Straff nichts ſolle nachgelaſſen werden / ſondern es bleibt bey dem erſten Urtheil und Ausſpruch.

Judas hat etliche gute Werck gethan / de - renthalben er auch belohnt worden.

DBſchon Rupertus der gaͤntzlichen Meynung und Aus - ſag / als waͤre Judas Jſcarioth von Jugend auf allezeit ein Schelm und nichtsnutziger Boͤßwicht / ja ſo gar da - zumahl / als er in das Apoſtoliſche Collegium aufgenommen worden / noch ein laſterhaffter Geſell verblieben / und nit aus gu - ter Meynung ein Apoſtel des HErꝛn worden / ſondern damit er nur dem Faulentzen moͤge abwarten / und ſein taͤgliches Aus - kommen kunte deſto ſicherer haben; weil er geſehen / daß der HErꝛ JEſus wegen haͤuffiger Miracul und Wunderwercken von dem Volck ſehr hoch geſchaͤtzt / und mit vielen Schanckungen begabt worden. Es wollen aber die mehriſte Lehrer dieſen Sententz nicht vor genehm halten / ſondern mit gruͤndlichen Urſachen be - haupten / daß Judas im Anfang ſeines Apoſtel-Ampts einen frommen / und gleich andern ein untadelhafften Wandel gefuͤhrt / derenthalben ihne auch der HERR ſehr lieb und werth gehal - ten; obſchon ſeinen Goͤttlichen Augen nit verborgen geweſt / daß dieſes gruͤne Graß bald werde zu Heu werden; Weil aber der HErr dazumahl nur nach dem aͤuſſerlichen Leben und Wandel wollte urtheilen / alſo hat er das Wolverhalten des Jſcarioths nit wollen unvergolten laſſen / ſondern ihne bald zu dem Ampt einesPro -123derenthalben er auch belohnt worden.Procuratoris oder gar eines Zahlmeiſters erhoben / auch nach - mahls ihme / da er ſchon ein wuͤrcklicher Dieb und untreuer Be - dienter geweſt / ſehr viel Guts erwieſen / damit er alſo die einige von Juda begangne gute Werck wenigſt mit zeitlicher Belohnung moͤge erſtatten; weil er doch hat vorgeſehen / daß dieſer zur ewiger Belohnung nicht werde gelangen. Es iſt demnach gewiß / daß GOtt ihme auch das aller geringſte nit laſt umſonſt thun / und erwidert ſolches entweder in dieſer Welt / oder belohnt es in der ewigen Glory.

Nichts umſonſt.

Gleich von Anfang / da GOtt der Allmaͤchtige aus dem Nichts die Welt erſchaffen / und alles in der Welt aus nichts er - ſchaffen / wolte er ſchon ihme nichts umſonſt thun; dann als er von dem im ſtarcken Schlaff vertiefften Adam ein Rippen ge - nommen / woraus er nachmahl die Eva formiert, hat er gleich das Ort / wo die Rippen geſtanden / mit Fleiſch erfuͤllt / wollte ſo gar ein ſchlechtes Bain nit umſonſt haben / ſondern Fleiſch dar - fuͤr geben / Replevit carnem pro ea. Das iſt ja wol bezahlt. GOtt macht es weit beſſer als die Metzger oder Fleiſchhacker / dieſe geben fuͤr Fleiſch die Beiner / aber er giebt fuͤr Beiner ein Fleiſch. Der Jacob hat dem Laban 7. Jahr gedient / 7. Jahr die Schaaf gehuͤtt / 7. Jahr treu und redlich geweſt. Jn 7. Jah - ren laſt ſich viel lauffen / viel ſchnauffen / vil gehen / vil ſtehen / vil bor - gen / viel ſorgen / viel ſchwitzen / viel ſitzen. 7. Winter nit viel ſchlaf - fen iſt viel / 7. Sommer nit viel ruhen / iſt viel / 7. Herbſt nit vil fey - ren / iſt viel / 7. Fruͤhling nit vil ligen / iſt viel / auf dem Feld und zu Haus nie muͤſſig / bey Tag und Nacht nie muͤſſig / fruͤhe und ſpat nie muͤſſig ware Jacob. Wann die Schaaf reden kunten / aber ſie blerren nur / wann die Woͤlff reden kunten / aber ſie heulen nur / wann die Hund reden kunten / aber ſie bellen nur / ſo wurden ſie ſagen / wie embſig der Jacob geweſt / ſo wurden jene bekennen / wie fleiſſig Jacob geweſt / ſo wurden die erſte bezeugen / wie wacht - ſamb der Jacob geweſt in ſeinen Dienſten / und dieſer Dienſt hatQ 2ge -124Judas hat etliche gute Werck gethangewehrt 7. Jahr. Aber was Lohn hat Jacob davon getragen? Stattlich iſt er belohnt worden / nicht beſſer haͤtte er koͤnnen be - lohnt werden / nicht reicher haͤtte er koͤnnen belohnt werden (ſcili - cet) wie die Bauren die Spieß tragen / er hat um die ſchoͤne Ra - chel gedient / und Laban hat ihne mit der ſchaͤndlichen Lia bezahlt / ſo macht es die Welt: Aber GOtt weit anderſt / er laſt ihme gar nichts umſonſt thun. Magdalena hat das Grab Chriſti be - ſucht vor allen andern / in Willens den heiligſten Leichnam nach Juͤdiſchen Brauch mit koſtbaren Specereyen zu ſalben. Das ware nicht umſonſt / er hat ihrs treulich belohnt / maſſen er ihr vor allen andern Apoſtlen zum erſtenmal nach ſeiner Glorrei - chen Urſtaͤnd erſchienen / ja ſie zugleich zu einer Apoſtlin gemacht / daß ſie ſolle dieſes groſſe Geheimnus allenthalben verkuͤndigen und ausbreiten.

Petrus mit dem Zunamen Telonarius genannt / war ein ſolcher karger Geſell / ein ſolcher Geitzhalß / daß man ehender in einer Juden-Kuchel ein Speck geſunden / als bey ihme ein All - moſen; als er auf ein Zeit neben ſeinem Maulthier / ſo mit lauter Brod beladen geweſt / daher gangen / und von einem Bettler mit ſolcher ungeſtuͤmme um ein Allmoſen erſucht worden / daß er hier - durch in groͤſten Zorn gerathen / und damit er dieſes uͤberlaͤſtigen Geſellen nur loß moͤchte werden / hat er ein Laibl Brod aus dem Sack gezogen / dem Bettler mit groſſem Gewalt auſ den Buckel geworffen / daß ſelber kaum den Athem kundte erhohlen. Wann das ein groſſes gutes Werck iſt / ſo weiß ich nicht! und dannoch ware es nicht umſonſt; Dann in Anſehung deſſen hat GOtt ihne zur Beſſerung gebracht / daß er nachmals Heilig ge - ſtorben. Maſſen er 3. Tag hernach in ein toͤdtliche Kranckheit gefallen / und bereits von denen boͤſen Feinden dem Goͤttlichen Richter vorgeſtellt worden / allwo auf ein Wagſchaalen alle ſei - ne bißhero veruͤbte Laſter-Thaten gelegt worden: etliche aber in weiſſen Aufzug bekleidete Juͤngling waren dazumahl gegenwaͤr - tig / kunten aber nit ein einiges gutes Werck hervor bringen / ſo ſieauf125derenthalben er auch belohnt worden.auf die andere Wagſchalen legen moͤchten / biß endlich einer aus ihnen dasjenige Laibl Brod / welches er vor 3. Tagen aus Unge - dult dem Bettler in Buctel geworffen / hervor gezogen / und auf die Wag gelegt; weil aber ſelbiges gegen den haͤuffigen Laſtern viel zu ring / alſo hat ihme der Goͤttliche Richter ernſtlich anbefoh -Metaph. in vic. Joa[n]Eleemoſ. len / er ſolle mehr dergleichen auflegen / oder er wolle ihne dieſen hoͤl liſchen Mohren uͤberantworten / woruͤber Petrus erwacht / und zu ſich kommen / all ſein Haab und Gut unter die Armen ausgetheilt / und ſich ſelbſt fuͤr einen Leibeignen Knecht verkaufft / und das Geld denen Beduͤrfftigen geben.

Nichts umſonſt.

Wie der Koͤnig Pharao vermerckt / daß die Jſraeliter in ſeinem Egyptiſchen Reich ſo ſtarck vermehren / zumahlen nur 70. Seelen in daſſelbige kommen / und doch innerhalb 200. Jah - ren alſo gewachſen / daß dero etliche hundert tauſend worden; weil dazumahl ihre Weiber auf einmahl zwey / drey / vier / auch noch mehr Kinder gebohren. Als nun der Heydniſche Mo - narch wahrgenommen / daß der Juden Anzahlzu groß werde / al - ſo hat er ein ernſtliches Decret, und ſtarcken Befehl durch das gantze Koͤnigreich ergehen laſſen / daß die Hebammen in der Nie - derkunfft der Hebraͤiſchen Weiber ſollen alle neugebohrne Knaͤ - bel erwuͤrgen und um das Leben bringen / die Maͤgdel aber le - ben laſſen. Dieſem tyranniſchen Befelch ſeynd die Aegyptiſche Hebammen aus angebohrner Weichhertzigkeit und Mitleiden nicht nachkommen / ſondern die Knaben alle beym Leben erhalten. Als nun ſolches dem Koͤnig zu Ohren kommen / und derentwegen beſagte Hebammen in ſtrenge Frag gezogen worden / haben ſie ſich mit friſch erdichter (ſalv. ven.) Lugen entſchuldiget / wie daß der Hebraͤer Weiber ſelbſten Hebammen abgeben / und ſie hierzu nicht beruffen werden; dahero geſchehe es / daß die Knaͤbel beymExod. c. 3. Leben bleiben. Dieſe Weiber ob ſie ſchon ihr Barmhertzigkeit mit der Unwarheit verſieglet / haben es dannoch nicht umſonſt ge - than / maſſen ſie der Allmaͤchtige GOtt / unangeſehen ſie ſolchesQ 3Werck126Judas hat etliche gute Werck gethan /Hugo Cardin. Werck nit wegen GOtt gethan / auf der Welt belohnt / und ihnen ihr Haab und Gut Augenſcheinlich mit hoͤchſter Verwunderung der Leuth alſo vermehret / daß ſie in Reichthumben allen andern uͤberwachſen.

Das Heil. Evangelium Matth. am 20. Cap. regiſterirt von einem ſehr wackern Haus-Vatter / welcher neben andern gu - ten Haabſchaffte und Wirthſchafften auch ein ſehr reiches Wein-Gebuͤrg beſeſſen; dahero in aller Fruhe ausgangen / pri - mo manê, hat nie geſchlaffen ſo lang / biß die Sonne dorthin ge - ſchienen / wo die Berg-Knappen das Schurtzfell tragen / in aller Fruͤhe iſt er ausgangen / Arbeiter zu ſtellen in ſein Weingarten / ja er iſt gar fuͤnffmahl in einem Tag auf den Marck gangen / und alldorten die Leuth / worunter freylich wol viel faule Schliffel / die nur auf dem Marck ſtehen / die guldene Zeit umbſonſt verzehren / und dieſem und jenem die Ehr abſchneiden / gar freundlich ange - redt / dort muß das Robathen und Scharwachen nit im Brauch ſeyn geweſt / wie bey der Zeit / da der arme Mann ſeiner Herꝛ - ſchafft bald alles muß umbſonſt verrichten; dann er der Haus - Vatter hat ihnen den gebuͤhrenden Lohn verſprochen. Wie nun der Abend herzu kommen / und die gute Leuth ihr Arbeit in dem Wein-Garten verricht / ſo ſagt dieſer Herꝛ deß Weingartens dem Schaffner oder Hausmeiſter / voca Operarios, er ſolle die Arbeiter ruffen / und ihnen den Lohn geben; noch denſelben Abend hat er ſie laſſen auszahlen / er iſt ſelbſt gegenwaͤrtig ge - weſt / wie einem jeden ſein Geld iſt dargezehlt worden. Viel hat er dem Hoffmeiſter / oder wer er geweſt iſt / nit getrauet! dann dergleichen Leuth pflegen zuweilen mit ſolchem Geld umbzuge - hen / wie der Ammonitiſche Koͤnig Hanon mit denen Abge -2. Reg. 10. cap. ſandten des Davids / denen er die Baͤrth halb und halb abge - ſchoren. Alſo thun zu Zeiten die Bediente wider den Willen der Herꝛſchafft die Glaubigen halb und halb barbieren / brechen ih - nen ein zimliches ab / und dieſes gehoͤrt nachmahls in ihren Saͤ - ckel. Darumb iſt der Haus-Herꝛ ſelbſt bey der Auszahlunggegen -127derenthalben er auch belohnt worden.gegenwaͤrtig geweſt. O! tauſend und aber tauſend Lob hat die - ſer liebſte Herꝛ verdient / daß er ſo gern ausgezahlt / und zwar noch denſelben Tag auf den Abend. Jetzt iſt leyder bey vielen weit ein anderer Brauch / wann die Handwercker / Kauffleuth / ꝛc. kommen / und ſich umb die gebuͤhrende und hoͤchſt noͤthige Be - zahlung anmelden / da heiſt es Morgen / Ubermorgen: ſage ihnen ich ſeye nit zu Haus; wie es dann einem dergleichen widerfahren / der gleichwohl dazumal den Herꝛn hat ſehen zum Fenſter hinaus ſchauen / er ſolle ein andersmahl ſich anmelden / der Zeit ſeye der Herꝛ nit zu Haus. Das muß ſeltzam ſeyn / ſagt dieſer / und ſetzt hinzu dieſe Wort: mein Laggey ſagt ihr eurem Herꝛen / wann er einandersmahl ausgehet / ſo ſolle er ſeinen Kopff mit ſich neh - men. Ein mancher armer Tropff laufft ein halbes Jahr mit dem Auszigel / aber fangt ſo viel / als Petrus / der die gantze Nacht gefiſcht / und nichts gefangen / ja er hat wol Geſtraͤuß und allerley Miſt im Netz gefunden / ſonſt nichts. Ein mancher bekommt auch an ſtatt der Bezahlung etliche Bruͤgl / wenigſt trohet man ihme mit dergleichen huͤltzenen Confect: oder wann daß die Sach gar wohl ausſchlagt / ſo muß er mit der Helffte vor Lieb nehmen / und diefes noch in verdorbnen Traid oder Eſſigfeeligen Wein / der auch bey dem Gebaͤu deß Babyloniſchen Thurns fuͤr das Malter anmachen zu ſchlecht geweſt. Dieſes heiſt bey der Zeit ein Wirthſchafft / bey Leib nenne es keiner ein Diebſtall. Wie viel Kauffleuth gehen deſſentwegen in defecit, wie viel Handwercker muͤſſen derenthalben in Noͤthen und Armuth le - ben / ſie ziehen wol mit der Muſicaliſchen Noten Sol auf: der und der ſoll umb dieſe ausgenommene Wahren geben / ſoll umb die verfertigte Arbeit bezahlen / ꝛc. Aber man ſingt ihnen wieder entgegen die andere Muſicaliſche Noten La, La, es iſt nichts da / es iſt laͤhr / man ſoll Gedult tragen. Der aͤltere Tobias hat ſei - nen Sohn ein andere Unterweiſung gethan: mein Sohn / ſagt er / mein liebes Kind / widerholt er / merck es wol / und laſſe dirs geſagt ſeyn / wann dir einer wird etwas gearbeitet haben / demgebe128Judas hat etliche gute Werck gethan /gebe gleich den Lohn / ꝛc. Gleich / nit erſt uͤber ein Jahr / gleich / und nit erſt nach dem Tod / gleich / und nit viel in die Schuldbuͤcher eintragen. Aber leider! es muß mancher umſonſt arbeiten: ſo bezablt die Welt. Aber der guͤtigſte GOtt weit anderſt / der laſt ihme gar nichts umſonſt thun.

Baronius ſchreibt / daß Leo auf eine Zeit ungeſaͤhr einen ar - men blinden Bettler auf der Straſſen angetroffen / welcher aus Mangel deß Geſichts abweegs gangen und geirret / deſſen hat er ſich alſobald erbarmet / denſelben wiederum auf die gangbare Straſſen gebracht / und ihne einen ziemlichen Weg bey der Hand gefuͤhrt; Weil aber erſtgemeldter armer Tropff den Durſt ſehr geklagt / ſo wollte auch dißfalls der Leo dem armen Mann an die Hand gehen / lauft demnach in den nechſt entlegnen Wald hin und her / und ſuchte einen Brunn fuͤr den durſtigen Bettelmann. Die - ſes wollte der Allerhoͤchſte nit laſſen umſonſt thun / ſondern wollte es hier und dort zeitlich vergelten; maſſen ihme die Mutter GOt - tes ein Brunn gezeigt / auch anbey befohlen / er ſolle mit dem zet - ten beſagten Brunnens dem Blinden die Augen beruͤhren / wor - von er die Geſundheit / und das verlangte Geſicht wurde erhalten / welches auch alſo geſchehen. Leo hilfft dem Blinden / Leo giebt dem Blinden ein kalten Trunck Waſſer / Leo macht den Blinden fehend / Leo wird derenthalben bezahlt auch zeitlich; dann Leo da - zumal die Zeitung vom Himmel bekommen / daß er ſoll Roͤmiſcher Kayſer in Orient werden.

Nichts umſonſt: Petrus ſagt zu unſerm HErꝛn: Tu es Filius DEI vivi. Du biſt ein Sohn deß lebendigen GOttes / Matth. 16. c. Nichts umſonſt. Unſer HErꝛ macht ihn derent - halben zum Roͤmiſchen Papſt: Et ego dico tibi, &c. Und ich ſag dirs / du biſt Petrus / und auf dieſen Felſen will ich mein Kir - chen bauen. Der Schaͤcher am Creutz / auf welches er verdien - ter maſſen als ein Moͤrder und Straſſen-Rauber gehenckt wor - den / ſagte dieſe wenige Wort: Domine memento mei, &c. HERR gedencke doch meiner / wann du in dein Reich kommſt. Nichts129derenthalben er auch belohnt worden.Nichts umbſonſt: Chriſtus gibt ihme deſſenthalben ein gewiſſe Ex - pectanz.

Nichts umbſonſt.

Wie der Heyland JESUS den ſchweren Creutz-Baum auf den Berg Calvariœ getragen / und die Juden in Forchten geſtan - den / er moͤchte unter Wegs unterliegen / und wegen vorhin erlitte - nen unglaubigen Peynen den Geiſt aufgeben; damit ſie ihne dann noch Lebendiger kunten auf das Creutz naglen / als haben ſie einen mit Namen Simeon / ſonſt von Cyrene aus Lybien gebuͤrtig / ſo dazumal ungefehr von ſeinem Mayer-Hoff und Wirt hſchafft ge - kommen / ernſtlich angeſtrengt / daß er ſolle dem JESU von Nazareth das Creutz helffen tragen / welches er zwar nicht gewei - gert / aus Forcht / es moͤchten ihme die ohne das muthwillige Sol - daten ein groͤſſers Ubel anthun; aber dannoch ware ihme nicht wol bey der Sach / und iſt wohl zu glauben / daß er dieſen Dienſt gar ungern verricht / auch vermuthlich / daß er zu weilen von dem Lot - ters-Geſind ein Beitſchen uͤber den Rucken bekommen; nichts de - ſtoweniger wolte GOTT nicht / daß er ſolches ſolte umbſonſt thun / ob er ſchon darzu gezwungen worden; dann ihn nochmahls GOTT der HERR uͤberhaͤuffig derenthalben belohnet / maſſen er ihne erleucht / daß er bald darauf bekehrt worden / mit dem Hei - ligen Petro helffen das Evangelium predigen / und nach deme ſei - ne zwey Soͤhne Rufus und Alexander die Marter-Cron erhal -Lucius Dexter. in Ann. 101. ten / iſt er Simeon als ein groſſer Heiliger zu Jeruſalem geſtorben.

GOTT laſt ihme nichts umb ſonſt thun. Jener Baum / von deme die Hebraͤiſchen Knaben die Palm-Zweig zu dem trium - phirlichen Einritt CHRJSTJ nach Jeruſalem gebrochen / hat es auch nicht umbſonſt gethan / zumahlen wie Jeruſalem von Ti - to gaͤntzlich zerſtoͤhrt worden / und kein Stein auf dem andern blie - ben / und alles Gehoͤltz in der Gegend umbgehauen / ſo iſt doch be - ſagter Baum durch ſondern Goͤttlichen Willen zu einer Vergel - tung etliche hundert Jahr unverſehrt geblieben. Baron. ad An. 34. Pars IV. RGOtt130Judas hat etliche gute Werck gethan /GOTT laſt ihme gar nichts umbſonſt thun; Aber die Welt wol.

Wie manchesmal wird ein armer Dienſtbott wegen ſei - ner treugeleiſten Dienſten ſchlecht belohnt? bey dem Herꝛn Vat - ter des verlohrnen Sohns iſts noch gut zu dienen geweſt; dann ſolches hat das ſaubere Buͤrſchel / wie ihm das Waſſer ins Maul geronnen / ſelbſt bekennet mit dieſen Worten: wie viel Tag -Luc. c. 15 loͤhner ſeynd in meines Vattern Haus / welche Brod im Uberfluß haben / ich aber ſterbe allhier vor Hunger / ꝛc. Der Herꝛ muß ſeine Bediente wol tractirt / und ſie mit einer guten Tafel ver - ſehen haben; dann unter dem Wort Brodt / verſtehet man aller - ley Nahrungs-Mittel. Aber man gehet mehrmaln mit den Dienſt-Botten umb / daß ſie ſagen und klagen: ihr Haus ſeye be - ſtellt wie der Himmel / wo man weder iſſet noch trincket. Jch hab mir laſſen erzehlen von einem ſehr verſchlagnen Diener / deſſen Frau nach meiſter Weiber Art / ſehr klug / karg / oder (recht ge - redt) geitzig / daß ſolcher einmal ein Spagat umb die Suppen - Schuͤſſel gebunden / und ſolche langſam durch die Stuben gezo - gen gegen der Kuchel; als die Frau deſſen Urſach befragt / gab er zur Antwort: Er habe ſein Lebtag gehoͤrt / daß man die Blinde fuͤhren muͤſſe; dann es war die Suppen ſo ſchlecht geſchmaltzen / daß man nicht ein Aug durch dreyfache Brillen darauf hat ſehen koͤnnen. Das heiſt ja freylich / die Dienſt nicht belohnen. Es geſchicht wol auch offt / daß man den Lidlohn gar zuruck haͤlt / und ſolche in Himmel ſchreyende Suͤnd mit dem Vorwand will ver - maͤntlen / als waͤr etwas im Haus verloren worden / oder ſo gar muß zu Zeiten ein armes Dienſt-Menſch das geringſte gebrochene Haͤfferl / ſo vorhin ſchon in Zuͤgen gelegen / bezahlen / wehe / und aber wehe allen den jenigen / welche ſo uͤbeibelohnen!

Unendlich beſſer bezahlt GOtt / dieſer guͤtigſter HErꝛ / ja er laͤſt ihme gar nichts umbſonſt thun.

Es iſt ſich hoͤchſt zu verwundern uͤber das jenige / was da ſchreibt Petra Sancta cap. 16. tom. 3. Daß nemlich zu Sta -rea -131derenhalben er auch belohnt worden.reamone in Portugall umb das Jahr 1240. in dem Dominica - ner-Cloſter daſelbſt ein frommer Sacriſtaner geweſen / Namens Bernhardus de Morlens, welcher zwey kleine Knaben nicht al - lein in aller Gottesforcht auferzogen / ſondern auch dieſelbige ſo weit unterrichtet / daß ſie beyde kunten bey dem Altar dienen. Nun hatten dieſe zwey unſchuldige Kinder den gebrauch / daß ſie allemal zu Eſſens-Zeit ihr weniges mit ſich in ein Privat-Capellen allda mitgenommen / und daſſelbe verzehrt. Es ware aber in erſtgedach - ter Capellen ein groſſes geſchnitzletes Maria-Bild mit dem Kind - lein JEſu auf dem Arm / welches Kindlein mehrmal herunter geſtiegen / und die Collation mit den unſchuldigen zweyen Buͤb - lein eingenommen. Wie ſie ſolches einmal dem Gottſeeligen Mann Bernhardo, als ihrem Ober-Herrn und Magiſter erzeh - let / ſo ſagt er ihnen / wie daß ſie ſollen das allernechſte mal das Kindlein / den lieben Gaſt erſuchen / er ſolle ſie und ihren Magiſter auch einmal regaliren / und zu ſeines Vattern Taffel einladen. Wie nun mehrmal das JESUS Kindlein mit beſagten zweyen Sacriſtey-Knaͤblein wolte das Mittag Mahl einnehmen / da wa - ren ſie ſo einfaͤltig gehorſam / daß ſie ohne Scheu geſagt haben: Du iſſeſt ſchon oͤffter mit uns / lade uns auch einmal ein mit unſerm Magiſter zu der Tafel deines Vatters. Worauf das Kindlein gleich mit dem Ja geantwortet / ſie ſollen auf die nechſt herankom - menden Feſt-Tag / als am Himmel-Fahrt des HErꝛn erſcheinen / und ihren Magiſter mit ſich nehmen. Wie nun erſtgedachte So - lemnitaͤt eingeſallen / und der H. Bernhardus die Heilige Meß celebrirt / worbey die zwey Buͤberl nach Gewohnheit miniſtrirt, da ſeynd nach vollbrachter Meß-Opffer alle drey Augenblicklich verſchieden / und in ein Grab geleget worden / welches man nach - gehends An. 1277. eroͤffnet / und alle drey Leiber unverſehrter gefun - den / ſo dann noch mit vielen Wunderwercken leuchten. Alſo ſchrei - bet Paradiſ. Pueror. p. 3. c. 1. Niernberg. c. 16. und andere mehr. Das wenige Eſſen iſt wohl bezahlt worden. GOtt laſt ihme halt gar nichts umb ſonſt thun.

R 2Nichts132Judas hat etliche gute Werck gethan /

Nichts umbſonſt.

Wie Pilatus durch Ungeſtimme des Volcks / welches von denen Hohen-Prieſtern ſtets angefriſchet worden zu ſolcher Boß - heit / ſolte und wolte JESUM von Nazareth zum Tod verur - theilen; maſſen dann maͤnniglich nur geſchryen / man ſolte JEſum creutzigen / den Barrabam aber auf freyem Fuß ſtellen. Wie die - ſer Landpfleger bereits auf dem Richter-Stul geſeſſen / ſo von den Hebraͤern Lithroſtatos, genannt war / und allgemach zum Urtheil ſchreiten wollen / da kommt unverhofft ein Secretari von des Pila - ti ſeiner Frau Gemahlin / welcher im Namen ihrer dem Pilato angedeut / er ſolle doch in allweg dahin trachten / damit er dieſen gerechten Menſchen frey und loß laſſe / zu malen ſie die gantze Nacht hindurch einen ſeltzamen Traum von ihme gehabt. Solches ge - reicht doch zum ewigen Lob denen Weibern; dann die gantze Zeit des Leydens hat ſich kein einiger Menſch des HERRN JEſu an - genommen / als dieſe Frau / ſo ſie ſchon Fruchtloß abgeloffen / hatCornel. à Lapide c. 27. de 2. Matth. ihme GOTT nicht laſſen umb ſonſt thun; dann ſie nachmals durch Goͤttliche Erleuchtung zu dem wahren allein ſeeligmachen - dem Glauben bekehrt worden / als eine Heilige gelebt / und als ei - ne Heilige geſtorben; ihr Namen ware Claudia Procula / welche Paulus und Thimotheus in groſſem Werth gehalten.

O was Dienſt muß mancher der Welt umbſonſt thun! Es ſitzt bey der Kirchen-Thuͤr ein armer Bettler / der hatte nur einen Arm / und darumb iſt er doppelt arm / ſein Kleid war nicht anderſt beſchaffen / als wie die Laͤmmlein des Labans / denen Jacob mit ei - nem Vortheil lauter Fleck angehenckt / das Geſicht war faſt alſo beſchaffen / wie der Mund-Becher des Samſons / dieſer iſt ein duͤr - rer Kinbacken geweſen. Der Stecken / den er in der Hand hat / iſt weit anders / als jenes Holtz / welches Moſes in das Waſſer ge - worffen; dann dieſes Holtz machte das bittere Waſſer ſuͤß / jenes aber kommt ihme ſauer gnug an / weil es ein Bettel-Stab iſt / ꝛc.

Dieſen133derenhalben er auch belohnt worden.

Dieſen armen Tropffen fragte ich / wie er umb den Arm kom - men? oder ob er alſo die Natur fuͤr ein Stieff-Mutter ſolle aus - ſchreien? Pater! antwortet er / ich bin vor dieſem ein wackerer und friſcher Kerl geweſen / hab ein und zwantzig Jahr einen Soldaten abgegeben / ich bin bey der Schlacht zu Gran in Ungarn geweſt / ich hab helffen dieſe und jene Veſtung einnehmen / ich hab offt acht Tag keinen biſſen Brod geſehen. Mein beſte Mahlzeit war zu Zeiten ein Geſtoͤſſenes / dann ohne Stoͤß iſt es ſelten abgangen / bey Ofen hab ich mich verbrennt / daß ich den Arm verlohren. Der Nam| Soldat kommt / hoͤre ich / vom Sold her / aber ich hab wenig geſehen / ich hab mehrentheils muͤſſen die Cappuciner-Re - gul halten / dann ich faſt allezeit ohne Geld geweſen. Wohin iſt dann ein ſo groſſe Summa Gelds von der Kayſerlichen Cammer und Zahl-Ampt kommen? ô Pater! ſagte dieſer Bettler / die He - braͤer und Phariſaͤer haben auf ein Zeit bey unſerem HERRN ſei - ne Apoſtel anklagt / daß ſie ihre Haͤnde nicht waſchen / wann ſie Brod eſſen. Wir kundten uns wohl billicher beklagen uͤber die Haͤnde etlicher Officirer / daß ſelbige ſo unſauber / ja gar voller Bech; wann ein Regiments-Geld darein kommt / ſobleibt ſehr viel picken. Der Koͤnig Pharao hat ſeinen Mund-Becken hencken laſſen / umb weil er das Brod nicht recht gebachen / was haͤtte man nicht erſt ſollen den jenigen thun / welche uns das Brod (auf Hoch - Teutſch /) gar abgeſtohlen? Das Geld wormit ein Regiment haͤt - te ſollen bezahlt werden / hat viel ein andere Natur als die Donau / dieſer Fluß / je weiter er gehet / je groͤſſer er wird: Aber unſer Geld / wann es von Oben herab kommt / wird immerzu weniger / es kommt in gar viel Haͤnd / wie die Donau in viel Arm / und das hab ich jetzt davon / daß ich bin ein Bettler worden. Mein Pater! ſol - te es einem dann nicht hart geduncken / wann einer ſo viel Jahr die - net / und alle Dienſt umb ſonſt thut?

O mein Allmaͤchtiger GOtt! deine unendliche Guͤte iſt weit anderſt beſchaffen / maſſen dieſelbe ihr gar nichts laſt umbſonſt thun / nicht einen Schritt umb ſonſt / wie es der Heilige Job ſelbſt bekennt /R 3tu134Judas hat etliche gute Werck gethantu quidem greſſus meos dinumeraſti. Es iſt auf eine Zeit ein ſehr ſchoͤner und praͤchtiger Tempel aufgebauet worden / und wie ſelbiger in voͤlliger Vollkommenheit geſtanden / da wurden alle nothwendige Anſtalten gemacht / dieſe neue Kirchen mit ſonderer Solemnitaͤt und herꝛlichem Pracht zu weyhen. Als nun das ge - ſammte haͤuffige Volck ſich eingefunden / und bereits die vorgenom - mene Sach den Anfang nehmen ſolte / da erſcheint ob der groͤſſern Porten der Kirchen ein unſichbare Hand / welche mit guldenen Buchſtaben dieſe kurtze Wort geſchrieben: Sophia mefecit. Die Sophia hat mich gebaut. Solches hat maͤnniglich zur billicher Verwunderung gezogen / forderiſt aber die vornehme Herren / wel - che die meiſte Mittel zu dieſem ſo ſtattlichen Gebaͤu dargeſchoſſen / noch kundte man auch nicht finden den Namen Sophia unter al - len Gutthaͤtern / welche einige Bey-Steuer und Geld-Huͤlff zu die - ſer Kirchen beygeruckt / maſſen ſolches alles genau aufgeſchrieben worden. Endlich nach vielem Umbfragen / hat man in Erfahr - nuß gebracht / daß ein armes Weib / mit Namen Sophia / vor - handen / welche dann alſobald gantz umbſtaͤndig befragt worden / ob ſie dann auch etwas zu dieſem ſchoͤnen Gebaͤu geſpendirt habe? Dieſe wendete vor ihr Unmoͤglichkeit / wie leicht zu glauben ware / und daß ſie ſelbſtden Abgang der gnugſamen Lebens-Mittel leyde / allein wiſſe ſie ſich zu erinneren / daß ſie mehrmalen den Roſſen und Ochſen / ſo zu dem Kirchen-Gebaͤu alle Nothwendigkeiten gefuͤh - ret / ein Buͤſchel Heu habe dargereicht / damit das arme Viech de - ſto beſſer ziehen moͤchte / und folgſam das Gebaͤu einen ſchleinigen Fortgang nehme. Woraus unſchwer ein jeder hat ſchlieſſen koͤn - nen / daß GOTT dem HERRN der gute Willen dıeſes ar - men Weibs ſo wolgefaͤllig geweſt / daß er das ſchlechte und wenigeVam. Horn. d. B. Virg. Heu nicht hat woͤllen umbſonſt laſſen ausgeben / ſondern ſie de - renthalben / als ein Fundaterin des gantzen Tempels geoffen - bahret.

Nichts135derenthalben er auch belohnt worden.

Nichts umbſonſt.

Petrus hat die gantze Naͤcht gefiſcht / hat gearbeit von 8. biß auf 9. Aber umbſonſt. Von 9. hat er ſich bemuͤhet biß auf 10. Aber umbſonſt. Von 10. biß auf 11. hat er ſich befliſſen. Aber umbſonſt. Von 11. biß auf 12. hat er das Netz gezogen / daß ihme die Armb wehe gethan / aber umbſonſt. Von 12. biß auf 1. hat er geſchwitzt / daß kein truckner Faden an ihme ver - blieben / aber umbſonſt. Von 1. biß auf 2. hat er die Haͤnd nie in Sack geſchoben / aber umbſonſt. Von 2. biß auf 3. hat er nit ein Augenblick gefeyrt / aber umbſonſt. Von 3. biß auf 4. iſt er im - merzu in Handel geweſt / aber umbſonſt. Von 4. biß auf 5. hat er gar kein Muͤhe geſpart / aber umbſonſt. Wie der Tag ange - brochen / da hat Petrus geſehen / daß er die gantze Nacht gefiſcht / aber nichts gefangen / und alſo umb ſonſt gearbeit / das moͤcht einen recht verdruͤſſen.

Es ſuchte auf ein Zeit ein wolverſtaͤndiger Geiſtlicher ei - nen reichen Geſellen in ſeiner gefaͤhrlichen und zwar toͤdtlichen Kranckheit heim / zeigt ein hertzliches Mitleyden / daß er denſel - ben in ſo ſchlechten Stand muß ſehen / ſagt anbey / daß er bey ſol - cher Lebens Gefahr wolte meiſtens ihme der Seelen Heyl laſ - ſen angelegen ſeyn / vorderiſt aber denen jenigen daſſelbige Geld wiederumb erſtatten / welches er ihnen durch Wucher und mit hoͤchſtem Unfug abgedruckt; das nit / antwortet der Kranck / das kan ich gar nit thun; dann es wurde ſolcher Geſtalt meinen Kin - dern wenig uͤberbleiben / maſſen ich mich etlich dreyſſig Jahr Tag und Nacht geplagt / biß ich das wenige habe zuſammen gebracht / wormit die Kinder Standmaͤſſig leben koͤnnen. So wolt ihr dann / ſetzt hinwider der Geiſtliche / wegen der Kinder ewig brin - nen / ewig im Feuer ſitzen wegen der Kinder / die doch all euer aus - geſtandene Arbeit und Fleiß im wenigſten werden vergelten? nach vielen andern Reden ſagt der Geiſtliche / weil der Krancke an einem Bruſt-Apoſtem gelitten / habe er von einem ſehr be - ruͤhmten Medico vernommen / wie daß zu Erledigung nichtsbeſſers136Judas hat etliche gute Werck gethan /beſſers ſeye fuͤr dieſen Zuſtand / als ein gantz friſche Menſchen-Fei - ſte / und ſo es auch nur drey Tropffen waͤren; ware demnach ſein Rath / er wolte ſeine Kinder dahin bereden / daß eines oder das andere den Finger ſo lang uͤber das Liecht moͤchte halten / biß et - wan dergleichen Tropffen moͤchten herunter ſchwitzen.

Der Krancke aus Begierd einer laͤngern Lebens-Friſt / rufft den groͤſſeren Sohn / und bitt den lieben Hans Carl / er wolte ihme doch dieſes nicht abſchlagen. Der aber ſchuͤttelte den Kopff / und nimmt Urlaub. Es ſoll der Frantz Antoni kommen / das wird auch von ihme begehrt / aber ſolcher entſchuldiget ſich / er koͤnne dergleichen Hitz nicht ausſtehen. Was gilt es / die Ma - ria Andel wird mir es nicht abſchlagen; die buckt ſich hoͤflich / es ſeye ihr nicht moͤglich / der Herꝛ Vatter ſolle in andern mit ihr ſchaffen / was er wolte. Nach deme die Kinder alle abgetretten / da zeigt ihme der Geiſtliche / was er fuͤr einen ſaubern Lohn umb all ſein ſo lange haͤuffige Arbeit von der Welt habe / ja nicht allein umbſonſt ſo viel Jahr ſich bemuͤhet / ſondern noch darfuͤr die Hoͤl - le zu gewarten habe; dann keines aus allen den Kindern wolle ſeinet wegen nur eine halbe Stund den Finger in das Liecht halten / und und er wolle ihrenthalben ewig brinnen / brinnen Ewig. Mit die - ſen hat er den elenden Tropffen wiederumb auf den rechten Weeg ge - bracht. O! wie offt und manches mal muß man der Welt etwas umbſonſt thun / aber GOTT dem HErꝛn nicht das Geringſte / ja ſo man ſeinet wegen nur einen Strohalm von der Erden aufhebt / ſo laſt er ſolches nicht umbſonſt geſchehen.

Die Kinder Jſrael muſten unter dem hartneckigem Koͤnig Pharao / in dem Egypten wegen des wahren GOTT / maſſen der Pharao ein Heyd ware / ſehr viel leyden und ausſtehen; un - ter anderem haben ſie muͤſſen faſt alle weil mit groſſer Arbeit den Laimb graben / Ziegel machen / und Ziegel brennen / das ware kein geringe Sach an ſich ſelbſt. Aber GOTT wolte ſie nicht laſſen ſolches umbſonſt thun. Eins mals gienge Moyſes auf eine Hoͤhe / mit ihme Aaron / Nadab / Abiu / und ſiebentzig andere der Elti -ſten137derenthalben er auch belohnet worden.ſten von Jſrael / und dieſe ſahen den GOtt Jſrael. Aber wie? Sie ſahen unter ihm ein Stein-Werck von lauter Saphir. Bar -Exod. 24. Barrad. in Exod. id. radius verdolmetſchet / daß ſie eine unglaubliche Menge der Ziegel - Stein unter den Fuͤſſen GOttes geſehen / ſo aber alle in lauter Sa - phir / in dieſe koſtbare Edelgeſtein verwandlet worden; wodurch ihnen GOtt wolte andeuten / daß ſie ſeinetwegen in Egypten nicht umbſonſt die Ziegelſtein gemacht / ſondern ſolche ſeynd anjetzo in lauter Edelgeſtein verkehrt worden / und werde er ihr ausgeſtandene Arbeit tauſend und tauſendfaͤltig belohnen.

Zu Orleáns lebte einer / der ſich mit ſchlechten Kram / den er meiſtens auf dem Arm in einen Korb herumb getragen / kuͤm - merlich erhalten. Gleichwol ſeynd ihme oͤffters die Gedancken kommen / daßer auch gern ein Weib haͤtte / zumalen er den gan - tzen Tag muſte hauſiren / und doch zu Haus niemand ware / der ihme eine Suppen kochete; weil ihm aber das Heyrathen kein ſchlechte Sach dunckte / alſo hat er ſolches Werck ohne GOTT auf kein Weis wollen anfangen / ſondern dieſes ſein Vorhaben dem Allerhoͤchſten befohlen / auch zugleich GOTT dem HERRN verſprochen / daß er ihme zu Ehren alles Geld / was er den erſten Tag nach der Hochzeitwerde loͤſen / unter die arme Leut wolle aus - theilen. Es geſchicht / daß gleich den erſten Tag nach der Hoch - zeit einer ſich angemeldt / welcher den gantzen Kram zu kauffen willens geweſt. Der Nagelneue Ehe-Mann kratzte derenthal - ben hinter den Ohren; dann gedachte er / wann er alle ſeine Wahren / die doch nicht gar viel geweſt / auf einmal hinweg gibt / ſo bleibe ihme gar nichts / maſſen das geloͤſte Geld / vermoͤg ſeines Verſprechens / denen armen Leuten gehoͤrig: gibt ers aber nicht / ſo handlet er nicht redlich mit ſeinem GOtt. Endlich verlaſt er ſich auf GOtt / in Erwegung / daß er ihm gar nichts umbſonſt laſſe thun / verkaufft die Wahren / theilt die Loſung unter die Armen aus / ihm und dem Weib bliebe nichts. Aber der Aller - hoͤchſte wolte nicht den Namen haben / daß Jhme einmal einer haͤtte etwas umbſonſt gethan / belohnet alle Merces mit Mer -Pars IV. Scede,138Judas hat etliche gute Werck gethan /Nieque - tius l. 2. c. 11. de Pax. cede, fangt mit etlichen Gulden / die er zu leihen genommen / wie - derumb zu handlenan / und iſt er durch den Seegen GOttes al - ſo begluͤckt worden / daß er aus einem armen Kraͤmerl / der ſein gantzes Handel-Gewoͤlb auf dem Buckel getragen / nachmals ein Mann bey viel tauſend und tauſend Guwen geſtorben.

GOtt laſt ihm gar nichts umbſonſt thun / er belohnt nicht alle in das haͤuffige Silber und Gold / welches der Heilige Nico - laus denen drey armen Heyrathmaͤſſigen Toͤchtern eingelegt / ſondern auch den geringſten Pfenning / den man ſeinetwegen den armen Leuten gibt. Er belohnt nicht allein das ſtrenge Faſten des Henigen Joannis Baptiſtæ, der ſich nur mit Kraͤutern / Wur - tzeln und wildem Hoͤnig erhalten / ſondern auch den allergering - ſten Biſſen / von dem ſich jemand ſeinetwegen enthaltet. Er be - lohnt nicht allein das ſo langwuͤrige eifrige Gebet des H. Anto - nii / der alle Nacht in dem Gebet verharret / biß die Sonn iſt auf - gangen / ſondern ſo gar auch das geringſte Vatter unſer / ſo zu - weilen auch unaufmerckſam verrichtet wird. Er belohnt nicht allein die groſſe Gedult des Jobs / ſo er auf dem Miſthauffen aus - geſtanden / ſondern auch den allergerinſten Muck enſtich / den je - mand ſeinetwegen leidet. Er belohnt nicht allein die immerweh - rende Betrachtung des Leydens Chriſti in der Heiligen Clara de Monte Falco, in der Hertz nach dem Todt alle Inſtrumenta des Leydens Chriſti angetroffen / ſondern auch / ſo jemand nur den Hut rucket vor einem Cruciſix. Er belchnt nicht allein die haͤuf - fige Zäher Magdalenæ / mit denen ſie auch den Fuͤſſen des Hey - lands ein Bad zugericht / ſondern er belohnt auch den allergering - ſten andaͤhtigen Seufftzer.

Nichts umbſonſt.

Rar und ſelten iſt der Recompens auf der Welt; wenig ſeyn zu zehlen / welche ſich alſo danckbar einſtellen / wie der Cardi - dinal Beſſarius; als dieſem eineſt bey Faßnacht Zeit der vermaß - kerte Antonius Campanus mit dem Lauttenſchlag etliche Lob - Vers ſeiner Eminenz zugeſellt / da hat beſagter Cardinal demReim -139derenthalben er auch belohnt worden.Reim-Dichter ſo viel Ducaten geſpendieret / wie viel Vers er geſungen. Wie nachmals dieſer Poët die Faſchings-Kleider ab - gelegt / und in ſeinen gewoͤhnlichen Kleidern ſich bey dem Car - dinal wieder umb eingefunden / ſagte dieſer dem Campano, meinFnrnus in vit. Gampan. lieber guter Freund / wo ſeynd die Finger / mit denen du ſo viel Lugen von mir geſchrieben? nimmt ihn zugleich bey der Hand / und ſteckt ihm einen guldenen Ring an / ſo wegen des koſtbaren Diamant-Steins auf 70. Ducaten geſchaͤtzt worden. Wenig ſeynd wie die Bertha, Kaͤyſers Henrici Quarti Frau Gemahlin / welche ein Tag Reiß von der Stadt Padua von einem armen Bauern Weib ein Kneil Garn zu ſchencken bekommen / ſo der Kaͤyſerin der geſtalten wolgefallen / daß ſie ihr zu einem Recom - pens ſo viel Grund erlaubt und geſchenckt / wie viel ſie mit die - ſem Faden kan umbfangen / worvon dann das Adeliche Haus Montagnona ihren Urſprung genommen / und noch in groſſem Flor. Wenig ſeynd / die alſo die kleine Gutthaten oder Ga - ben ſo reichlich bezahlen; maſſen der Danck dir GOtt bey der Welt noch das erſte Kleid an hat / und dieſes noch Nagel neu / dann es gar wenig ſtrappaziert wird: GOtt aber laſt ihme gar nichts / gaͤntzlich nichts umbſonſt thun. So gar vergilt ers auch den groͤſten Suͤndern als ſeinen Feinden.

Lucas am 16. Cap. hat einen ſehr uͤblen und Laſterhafften Geſellen mit guten Farben entworffen / dieſer ware ein reicher Vogel / und panquetirte die gantze Zeit / ſein gantzer Wandel be - ſtunde in der Kandel / ſein gantzes Leben ware bey der Reben / als haͤtte ihme Eſſen und Trincken und anders guts Leben ſein Herꝛ Vatter zum Heyrath Gut geben / quotidie: Und das war alle Tag. Am Montag war er rauſchig / am Dienſtag war er nit nuͤchtern / am Mitwoch war er bezecht / am Donnerſtag wol zu - deckt / am Freytag uͤberweint / am Sambſtag Sternvoll / am Sonntag hat er gar nit gewuſt / was er thut. Solches ſchlem - meriſches Leben fuͤhrte er etliche Jahr / bey ihme war nie kein Ab - gang / er war allezeit friſch und geſund / beym Adel im groſſem An -S 2ſehen /140Judas hvt etliche gute Werck gethan /ſehen / beyn Kauffleuten lieb und werth / dann er verzehrte ein ehr - liches Geld / beyn Weibern nicht uͤbel angeſehen; dann vermuth - lich er ohne dergleichen wildes Gefluͤgel-Werck nicht wird geweſen ſeyn; dann Lucas der erbare Evangeliſt nur ſchrifftlich verfaſſet / daß er Tag und Nacht in Praſſen gelebt / das andere ſeye leicht in ein Conſequenz zuziehen / zumalen der Syllogismus in Friſiſo - morum mit den in Barbara zimlich kan vertragen: Bey der Nacht aber / da er zuvor dem Baccho zimlich geopffert / fallt ihm ein gaͤh - linger Steck-Catharꝛ / und anbey ein Accidens von einem Schlag / das hat ihm geſchwind den Garaus gemacht / und iſt er dem gera - den Weeg zum Teuffel gefahren. Der Kerl hat vorher nichts als Gluͤck uͤber Gluͤck gehabt / und hat wol geheiſſen / je groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck.

Lazarus entgegen ein armer und elender Bettler hat vor der Thuͤr des beſagten reichen Praſſers die aͤuſſerſte Noth gelitten / ſo gar nicht koͤnnen theilhafftig werden der Broͤßlein Brodt / ſo von der Tafel dieſes reichen Geſellen gefallen / er ware von Maͤnnig - lich verlaſſen / biß er endlich / Zweiffels ohne vor groſſer Hungers - Noth geſtorben / aber von den lieben Englen gleich in den Schoos Abrahæ getragen worden; dieſen hat der verdammte Geſell aus der Tieffe der Hoͤll erblickt / und demnach geſchwind ſein Stimm gantz flehentlich zu dem Vatter Abraham erhebt / er wolte doch zulaſſen / daß Lazarus nur ihme einen eintzigen Tropffen Waſſer moͤchte ſpen - diren. Abraham ſchlagt ihms rund ab / es kan nicht ſeyn / es wird nicht ſeyn / es ſoll auch nicht ſeyn; Fili recordare, ſagt ihme die Urſach / daß er das Gute ſchon in der Welt empfangen; Reci - piſti.

Hugo Cardinalis legt dieſe Wort aus / als habe der reichs Mann ſeinen Lohn ſchon auf der Welt empfangen und eingenom - men / dann ob er ſchon einen ſehr laſterhafften und gottloſen Wan - del gefuͤhret / ſo hat er doch etwan eines oder das andere gute Werck gethan / und ſolches das ewige Leben nicht verdient / ſo hat GOtt ihme es mit Zeitlichen Guͤteren und anderm Wolergehen belehnt. Dann141derenthalben er auch belohnt worden.Dann GOTT laſt ihme von keinem etwas umbſonſt thun: auchHugo in Luc. & Beda. Tuͤrcken und Heyden belohnt er wenigſt auf dieſer Welt / wann ſie nur etwas Guts thun.

David hat ſich ſelbſt nicht ein wenig verwundert uͤber das Gluͤck und Wolergehen der boͤſen und Eottloſen Leut / und bekla - get ſich ſchier deſſen bey dem Allmaͤchtigen / daß / je groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck. Quia zelavi ſuper iniquos, pa - cem peccatorum videns, in labore hominum non ſunt, &c. Pſalm. 72. Mit den David thut manche nicht pſolliren / ſon - dern gar lamentiren / ich weiß nicht / ſagt ſie / wie doch GOTT ſo ſeltzam / dieſe und dieſe hat nichts als gute Taͤg / bey ihr hangt der Himmel alle Tag voller Geigen / ſie iſt auf allen Seiten gluͤck - ſeelig / daß ihr nicht gar die Ochſen kaͤlbern / ſonſt wuſte ich nicht / was ihr moͤchte abgehen / ſie hat was ihr Hertz verlangt / ich glaub / St. Felicitas ſeye ihr verwandt: Jch vermein / wann ſie auch die Haus-Thuͤr ſolte verriglen / ſo thaͤt ihr das Gluͤck beym Fenſter einſteigen; unſer eins aber iſt ſo ungluͤckſeelig / ich ſchaue ins Stuͤbel oder Kuͤbel / ſo finde ich nichts als Ubel: Es thaͤt mich nicht wundern / wann ich erſt ein leichtfertiges Leben thaͤt fuͤhren / wie dieſe. Es iſt halt noch wahr: je groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck. O! halts Maul / daß dich / ꝛc. Hoͤre mich auch an.

Der groſſe Patriarch Abraham / als er in das hohe Alter kom - men / und bereits wahrgenommen / daß ſeines zeitlichen Lebens Ende allgemach herzu nahe / hat wegen ſeiner zeitlichen HaabſchafftGen. c. 25 ein richtige Diſpoſition gemacht / und zwar dergeſtalten: den Jſaac als ſeinen rechten leiblichen Sohn hat er fuͤr einen Univerſal Er - ben eingeſtellt / den andern Kindern aber / die er von denen Kebs - Weibern erzogen / gab er Schanckungen.

Auf ſolchen Schlag und auf eben ſolche Weis macht es der allmaͤchtige GOTT mit denen Menſchen / welche alle Kinder GOtte koͤnnen benamſet werden / maſſen er alle erſchaffen / aber die Gottloſe ſeynd unehrliche Kinder / und gleichſamS 3Baſtar -142Judas hat etliche gute Werck gethan /Baſtarten: nun aber macht der aller hoͤchſte GOtt alle fromme Chriſten als liebſte Kinder zu Erben ſeines himmliſchen Reichs / denen Gottloſen aber gibt er andere Schanckungen / weil ſie kein Theil an dieſer Erbſchafft haben / und dieſe Schanckungen beſte - hen in einer zeitlichen Gluͤckſeeligkeit / daher kommts / daß meh - rern Theils die boͤſe und Laſterhaffte Leut in beſſerm Wolſtand leben / als die Fromme; daher kommts / daß Tuͤrcken und Hey - den in weit groͤſſern Reichthumen ſitzen / ein laͤngers und geſun - ders Leben daben / als die wahre / fromme / rechtglaubige Chri - ſten: Daher kommts / daß mancher Koͤnig und Monarch / der ſonſt eines unloͤblichen Wandels / mit viel Gluͤck / Seegen / Vi - ctori und Sieg von GOtt begnadet wird / weil nemlichen GOtt der HErꝛ ihme einige gute Werck mit zeitlicher Belohnung ver - gelten thut / zumalen er vorſicht / daß er die ewige nicht zuge - warten hat. Wann du alſo wahrnimmſt / daß je ſchlimmer der Menſch / je beſſer das Gluͤck / ſo habe mehrer ein Mitleiden mit ihme / als daß du ihne derenthalben ſolleſt benedeyen / zumalen er ein gar zergaͤnglichen Recompens hat; wann du aber beyne - bens erfahreſt / daß die Fromme mit einer und andern Truͤbſal und Trangſal beladen werden / ſo thue dich auch deſſenthalden nicht befrembden / maſſen kein Menſch ſo fromm / daß er nicht einige kleine Unvollkommenheiten an ſich hat / weſſenthalben ih - ne GOtt der HERR hier zeitlich ſtraffet / damit er ihme dort ewig verſchone.

Nichts umbſonſt.

Den Adam hat GOtt der HERR mit lauter Obſt und Kraͤutern tractirt / zumalen er ihm: und den Seinigen kein an - dere Speis verordnet. Wie aber nach dem Suͤndfluß der Noe dieſer gerechte Alt-Vatter GOtt dem HERRN ein Altar hat aufgericht / und ihme einige Opffer demuͤthigſt abgelegt / ſo wolte ihme der Allerhoͤchſte dieſen Dienſt gar nicht laſſen umſonſt ihun / ſondern er hat dem Noe alſobald voͤlligen Gewalt geben / daß er hinfuͤran nit allein Obſt und Kraͤuter fuͤr ſein taͤgliche Nahrung und Unterhaltung haben ſolte / ſondern ihme alles Fleiſch / allesFeder -143derenthalben er auch belohnt worden.Feder-Wildbraͤe / ſo gar auch alle Fiſch zur Speis erlaubt. AlſoGen. c. 9. bezeugt es ſelbſt die Goͤttliche Schrifft. Und alſo verdolmetſcht es der H. Chryſoſt. hom. 26.

Daß Herodes ein ſchlechte Sach theurer bezahlt / und umb einen Tantz eines uͤppigen Maͤgdels ein halbes Koͤnigreieh anerbotten / wundert mich ſo faſt nicht / weil er damals einen ſtarcken Dampff im Kopff gehabt / und vor den Wein nicht recht geweſt / was er thut; wann es endlich geſchehen waͤre / und die ſaubere Taͤntzerin die Helffte des anerbottenen Reichs haͤtte an - genommen / glaube ich wol / er haͤtte des andern Tags hinter den Ohren gekratzt; dann der Menſchen Freygebigkeit ſich ſo weit nicht einlaſt: aber GOtt laſt ihme nichts umbſonſt thun / ja umb ein Pferdt hat er gar ein Kaͤyſerthum geſpendirt / welches ſchon uͤber 400. Jahr florirt.

Rudolphus Grav von Habſpurg ritte eineſt von der Jagd nach Haus / und traffe einen Prieſter an / der mit dem hoͤchſten Gut bey ſehr unluſtigem Wetter / und ſchluͤpfferigem Weg zu einem Krancken eilte in das naͤchſt entlegene Dorff / da iſt er alſo - bald von dem Pferd herunter geſtiegen / und den Prieſter (nach - dem er das heiligſte Sacrament verehrt) mit dieſen Worten an - geredt: Es iſt nie recht / daß ich reite / und der Diener und Traͤger meines HErꝛn zu Fuß gehe. Gibt ihme / dem Prieſter hier auf das Pferd / ja ſchenckt ihme ſolches gaͤntzlich / und anbey ein Stuck Geld zu deſſen Unterhalt. Wie des andern Tags gedachter Grav Rudolph in dem Cloſter Farre / zwiſchen Zuͤrch und Baa - den gelegen / ein alt erlebte Cloſter-Frau / ſo ſeine Baas geweſen / heimgeſucht / hat ſolche ihne aus einem Prophetiſchen Geiſt mit dieſen Worten bewillkommt: ich verkuͤndige euch / daß euch wegen deſſen / was ihr geſtern gethan / GOtt und alle Heilige wol wol - len: und verſpreche euch vor eure Frommkeit und frey willigen GOttes-Dienſt / euch / ſage ich / und euren Nachkoͤmmlingen die hoͤchſte Ehr und Wuͤrde der Weſt / und groſſen Reich thumen. Guillimannus Habs. l. 6. c. 4. Der Ausgang dieſer Prophe -zeihung144Judas hat etliche gute Werck gethan /zeihung iſt bald darauf erfolgt / maſſen Rudolphus Roͤmiſcher Kaͤy - ſer worden / und den Anfang gemacht der unſterblichen Oeſterrei - chiſchen Glory. Umb ein Pferd ein Kaͤyſerthum geben / das heiſt ja nichts umbſonſt.

Nichts / gar nichts umbſonſt.

Zachæus ein Ertz-Partiten-Macher / ein Ober-Haupt der Wucherer / ein offner Suͤnder / einer / der den Stylum reich zu werden / vor allen gelernet (verſtehe ſtihl umb) hat weiters nichts Guts gethan in ſeinem gantzen Leben / als daß er den HERRN JESUM in ſein Haus hat willfaͤhrig aufgenommen / und ſel - ben nach Moͤglichkeit tractirt: Aber der guͤtige HERR und Hey - land wolte die Zech von Zachæo nicht umbſonſt haben / ſondern hat ihme ſolche uͤbermaͤſſig bezahlt / maſſen Er ihme ſammt dem gantzen Haus-Geſind zum wahren Glauben bekehrt / auch nach dem Hei - ligen Jacob der vierdte Biſchoff zu Jeruſalem worden / und wird von ihme als einem Heiligen den 23. Tag Auguſt-Monat in dem Roͤmiſchen Martyrologio Meldung gethan. Der Baum auf welchen er geſtiegen / damit er den Heyland wegen Menge des Volcks deſto bequemer kunte ſehen / ſoll noch auf heutigen Tag ſie - hen / wie es Mantegazza beſchreibet. GOtt laſt ihm halt gar nichts umbſonſt thun.

Die ſeelige Thereſia de la Cerda, pflegte die jenige Altar - Leinwath / worauf die allerheiligſte Hoſtien gelegt / und in ge - mein das Corporal genennt wird / mit ſonderm Fleiß zu waſchen; wann ſie nun dieſelben an der Sonne / oder ſonſt auf ein andere Weis trucknete / ſo wieche ſie niemal darvon / ſondern thaͤte auf das genaueſte verhuͤten / damit weder Fliegen noch Mucken daſſel - be moͤchten beſudlen. Soll dann dieſes auch belohnt werden von GOTT? Maſſen es gar ein geringe Arbeit iſt / eine halbe Ellen Leinwath zu waſchen. Nichts umbſonſt. Es erſchiene ihr der liebreichſte JESUS in Geſtalt eines kleinen holdſeeligſten Kinds / ſetzt ſich auf das Corporal, ja wicklet ſich endlich gantz darein. P. Joan. Mar. in Hiſtor. ad St. Domini. Das heiſtbelohnt /145derenthalben er auch belohnt worden.belohnt / das heiſt freylich belohnt. Ey! ſo will ich fuͤren GOtt allein dienen / ihme mit Franciſco Seraphico den Schweiß auf - opffern / Er belohnet einen derenthalben tauſend und tauſendmal / Er laſt ihme gar nichts umbſonſt thun. Aber die Welt pflegt mei - ſtens die ihr offt und lang Treu geleiſtete Dienſt mit des Teuffels Danck zu bezahlen.

Judas hat kein gute Meynung / ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel ge - ſchienen.

WJe unſer gebenedeyter Heyland zu Bethania in dem Haus Simonis Phariſæi zum Nachtmahl eingeladen worden / und auch Magdalena, dero Haus an des erſtgedach - ten Simonis / als ihres Vettern Hertz / gantz angebauet ware / dazumal ſich eingefunden / dem HERRN JEſu mit haͤuffigen Thraͤnen die Fuͤß gewaſchen / und mit ihren Haaren abgetruͤck - net / auch nachgehends mit ſehr koſtbahren Salben das Haupt JESU balſamirt / da hat uͤber ſolches der Jſcarioth gemurret / und auch die andere anweſende Apoſtlen gemurret / und alſo bey - de dem aͤuſſerlichen Schein nach unruͤhmlich gehandlet. Aber dero Meynung war ſehr weit von einander entfernet / dann Ju - das hat es wie ein Schelm und Dieb gemeint / in deme er ge - ſagt / und ſich verlauten laſſen / es waͤre weit beſſer geweſen / wann man die Salbe haͤtte umb das Geld verkaufft / und nachmals ſel - biges Geld unter die Armen ausgetheilet. Dem Schelmen ware aber weit anderſt umb das Hertz / er hat ſolches gar nicht aus Lieb zu den Armen geredt / ſondern ihme iſt nur wegen des diebiſchen Intereſſe geweſen / dann er haͤtte dißfalls bey ſolchem Geld den ge - woͤhnlichen Zehend genommen. Die andere Apoſtel aber / ob ſie einige unbeſonnene Wort haben ausgeſtoſſen / ſo meynen ſie es gar nicht uͤbel; dann ſie wuſten bereits die Demuth und groſſe Tu - gend ihres HErꝛn / als der gar nichts achtete dergleichen koſtbarePars IV. Tund146Judas hat keine gute Meynung /und theure Complementa, vermeinten alſo / es waͤre faſt Rathſa - mer geweſen / daß man an ſtatt dieſer Salben waͤre denen armen Leuthen beygeſprungen. Alſo legt es neben andern aus der Heilige Cyrillus lib. 8. in Joan. c. 7. O! wie viel gibt es Judas Bruͤder / denen die gute Meynung manglen thut. Petrus der Heil Pabſt hat ſich zu Anfang ger Kirchen ein Weil zu Joppen / unweit der Stadt Jeruſalem auſgehalten / und ſein Herberg genommen bey ei - nem Lederer oder Gerber / der auch Simon genannt war. Jch Jch will gar nicht zweifflen / dieſer gute ehrliche Mann habe auch mit Cordabon gehandelt / dann GOtt und allen ſeinen Heiligen nichts werther und lieber iſt / als Cordahon: Das Wort aber iſt Lateiniſch / und heiſt auf Teutſch / ein gutes Hertz / ein redliche Meynung / welches allein der Allerhoͤchſte ſucht bey denen Men - ſchen / wenig achtend das aͤuſſerliche Werck.

Das Faſten iſt bey GOTT dem HERRN ein ſehr ange - nehmes Werck / dann Elias durch das Faſten ſo viel verdient / daß er in einem Feurigen Wagen iſt in das irꝛdiſche Paradeiß ver - zuckt worden. Judith durch das Faſten ſo viel verdient / daß ſie dem Holofernem ſieghafft uͤberwunden / und folgſam die betrang - te Stadt Bethuliam in die gewuͤnſchte Sicherheit geſetzt hat. Ni - nive durch das Faſten ſo viel verdient / daß / in Anſehung deſſen der erzuͤrnte GOTT beſaͤnfftiget worden / und die angedrohete Straff barmhertzigſt zuruck gehalten. Franciſcus der Seraphi - ſche Patriarch hat auf dem Berg Alvernia durch das Faſten / welches er zu Ehren des Heiligen Ertz-Engels Michaels verricht / ſo viel verdient / daß ihme ein gecreutzigter Seraphim die ſuͤnff Wunden mahl des Heylands JESU CHRJSTJ eingedru - cket / worvon Franciſcus ein lebendiges Contrafet worden unſers gebenedeyten Heylands / und koͤnnen wir beſſer anjetzo ſagen / was vor dieſem voller Wunder / der hochmuͤthige Koͤnig Nebu - chodonoſor ſich hoͤren laſſen / als er in dem Feuerfllammenden Ofen zu Babylon hinein geſchaut / daß er nemlich nicht nur die drey Knaben / ſo durch ſeinen Befehl hinein geworffen worden /mit147ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.mit Augen geſehen / ſondern er thate darbey wahrnehmen / daß auch der Vierdte unter ihnen ſeye / und zwar als ſehe dieſer dem Sohn GOTTES gantz gleich: Video quartum ſimilem, &c. Viel fugſamer koͤnnen wir ſagen / wann wir die Bildnus des Hei - ligen Franciſci unter das Geſicht bringen / daß wir einen ſehen / der dem Sohn GOTTES JESU Chriſto an aͤuſſerlicher Ge - ſtalt gantz gleich und aͤhnlich ſeye. Dieſe groſſe Gnad der heilig - ſten Wundmahlen hat der Heilige Franciſcus zu wegen gebracht durch das Faſten. Es iſt GOTT dem Allmaͤchtigen nicht allein werth und angenehm / wann man ſich in ſtrenger Faſten uͤbet / ſon - dern wann man ſich auch mit ſchlechten und geringen Speiſen be - friediget; dahero hat er dem Daniel in der Loͤwen-Gruben nicht ge - ſchickt ein aufgeſetzte Paſteten / nicht geſchicht einen gebratenen Kaͤl - bern Schlegel / nicht geſchickt einen feiſten Jndianiſchen Haan / nicht geſchickt einen geſpickten Haaſen / nicht geſchickt eine gute Schuͤſſel voll Reb-Huͤnner / nicht geſchickt einen wohlgeſchmackten Auer-Haan / nicht geſchickt eine ſtattliche ſuͤſſe Dorten / das gar nicht / nicht geſchickt eine groſſe Schuͤſſel voll Auſtern / ꝛc. ſondern ein ſchlechtes Koch / welches der Habacuc vor die gemeine Schnit - ter auf dem Feld hat zugericht / ein ſchlechtes Koch / worinnen we - nig Saltz und Schmaltz zu finden war / dieſes hat GOTT dem Daniel geſchickt; Woraus dann ſattſam erhellet / daß GOTT dem HErrn angenehm ſeye / wann man mit geringen Speiſen die Natur unterhaltet.

O! was Glory und Gnaden wird ihme bey GOTT dem HERRN nicht ſammlen der Herꝛ Sigmund Slahzieg ein reicher Herꝛ zu Wien / deſſen faſt gantzes Leben ein immerwehrendes Fa - ſten war / ich kenne ihn ſchon viel Jahr / daß er nie gnug geeſſen: wann er ſechs oder ſieben rockene Nudel hatte / wormit man dieſer Orthen die Capauner ſchoppt / ſo haͤlt ers vor eine gute Mahl-zeit; Gewaͤſſerten Taffet hab ich wol nie unter ſeinen Kleidern geſehen / wol aber gewaͤſſerten Wein bey ſeiner Taffel; dann er alſo maͤſſig lebte / daß ihm auch ein Zeiſel kundte beſcheid thun / Linſen ſeyndT 2die148Judas har keingute Meynung /die ordinari Tracht auf ſeinem Tiſch / welche ſo ſchlecht zugericht / daß auch dem Eſau der Appetit vergieng. Der Heilige Alto hat in der gantzen Gegend / wo er ſeine Wohnung gehabt / die Alſtern verbanneſirt / aber dieſer Herꝛ kan gar kein einiges Gefluͤgelwerck leyden bey ſeiner Tafel. Von dem Heiligen Elphego Cantua - rien ſiſchen Ertz-Biſchoff wird geſchrieben / daß er ſich alſo durch die vielſaͤltige und ſtrenge Faſten habe ausgemerglet / daß man ih - me hat koͤnnen / wann er das hoͤchſte Gut in dem Meß-Amt auf - wandlet / voͤllig durch die Arm ſehen / wann die Sonn geſchienen. Dieſer Herꝛ Sigmund Slahzieg / umb weil er faſt nie gnug iſſet und trincket / hat ein ſo magern und ausgedorten Leib / daß man ihn durch ein Brenn-Glaß gar leicht kunte anzuͤnden. Jn Sum - ma / ſein Quadra iſt ein ſtete Quadrageſima. O! was groſſe und haͤuffige Glory wird er dann wegen ſo beharꝛligen Faſtens von dem Allmaͤchtigen GOTT zu gewarthen haben? Nicht ein Haar groß hat er eine Belohnung zu hoffen; Erfaſtet zwar / ja; er iſſet ſo viel als Nichts / ja; er kaſteyet ſich ſtarck / ja; aber das Hertz iſt inwendig weit anderſt beſchaffen; Er iſt nicht Cordebo - niſch; Er faſtet nur aus lauter Geitz / damit er das liebe Geld er - ſpahren kan / darumb heiſt er Sigmund Slahzieg / welches letzte Wortzuruck geleſen Geitz-Hals lautet / er iſt ein lauterer Judas - Bruder / der unter dem Schein der Maͤſſigkeit den unerſaͤttlichen Geitz verhuͤllet.

Denen Geiſtlichen / welche in freywilliger Evangeliſcher Ar - muth leben / einige Allmoſen und Huͤlff reichen / iſt ein ſehr groſ - ſes und verdienliches Werck in denen Goͤttlichen Augen; Gleich - wie es der Allmaͤchtige GOtt der frommen und guthertzigen Wit - tib zu Sarepta ſtattlich vergolten / als ſie den erſten Carmeliter E - liœ ein geringe Jauſen zugerichtet / alſo bezahlt GOtt hundertfaͤl - tig allhier auf Erden / und dort in jener Welt unendlich allen den jenigen / welche denen armen Religioſen / als rechten ihme gewid - meten Dienern etwas Guts thun.

Jn dem Lemovicenſiſchen Gebieth hat gar ein fromme Frau den Mindern Bruͤdern Sancti Franciſci viel Gutes gethan / undals149ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.als ſie auf ein Zeit ihnen allerley Nahrungs-Nothdurfften auf dem Marckt eingekaufft / und derenthalben etwas zu ſpath nach Haus kommen / da iſt der eyfferſichtige Mann alſo hart mit ihr verfah - ren / daß er ſie durch das gantze Haus dergeſtalten bey den Haa - ren gezogen / daß er ihr alle aus dem Kopff gerauffet / und die arme Haut einen voͤlligen Eliſæiſchen Glatz-Kopff bekommen / welches der Troͤpffin nicht einen geringen Schmertzen verurſacht / ſorderſt in Erwegung / daß ſie die voͤllige Zierde ihres Haupts / (auch fromme Weiber wollen halt auch ſchoͤn ſeyn) ſo ſchmaͤh - lich verlohren; Dahero die Mindere Ordens-Genoſſen S. Fran - ciſci, worunter dazumal der beruͤhmte Antonius Patavianus wa - re / demuͤthigſt erſucht / ſie wollen doch / in Anſehung ſo vieler ih - rem Cloſter geleiſten Gutthaten / GOtt den HErꝛn fuͤr ſie bit - ten / damit ſolcher ihr entbloͤſtes Haupt wiederumb moͤchte bede - cken. Sihe Wunder! GOtt wolte nicht unbelohnter laſſen dieAnn. Mi - nor. 2231 Gutthaten / ſo dieſe Frau denen Geiſtlichen gethan / ſondern hat alſobalden durch ein groſſes Wunderwerck gemacht / daß ihr alle Haar wiederumb auf dem Kopff geſtanden / und nicht das geringſte Haͤrl in Verlurſt gangen.

Von dem Sem, als einen Sohn des Patriarchen Noë wird von denen Dollmetſchern Goͤttlicher Schrifft regiſtrirt / was Ge - ſtalten derſelbe noch auf der Welt etlich hundert Jahr im groͤſten Gluͤckſtand habe gelebt; und als der Patriarch Abraham derent -Vega Dom. 6. poſt Pen. halben ihne befragt / wie er doch ſolches umb GOtt verdienet ha - be / gab er zur Antwort: Wie daß er in der Archen ſeines Vatters Noë alle Tag denen Thieren die Speiß ausgetheilt / damit ſie nicht vor Hunger verderben; in Anſehung deſſen habe ihn GOtt alſo ſtattlich auch auf der Welt begluͤcket.

Wann dann der Allerhoͤchſte Gott nicht unvergolten laſt das Futter / ſo man denen vernunfftloſen Thieren darreicht / wie wird Er erſt belohnen die Gutthaten / ſo ſeinet wegen denen Religioſen erwieſen werden? Es iſt ein Herꝛ / der heiſt Ferdinand Trof / gar ein uͤberaus guter Mann / der ſchickt / wo nicht alle Tag / wenigſt alleT 3Wochen150Judas hat keine gute Meynung /Wochen ein reiliches Allmoſen in ein gewiſſes Cloſter / die Geiſtliche heiſſen ihne ihren Bonifacium, der iſt ihr anderter Fundator und Stiffter / ihr beſter Curator und Procurator, was der Joſeph denen Egyptern geweſen / das iſt er dieſen Geiſtli - chen. Den Habacuc hat ein Engel bey dem Schopff genommen / und gleichſam mit Haaren darzu gezogen / daß er dem hungerigen Daniel das Koch gebracht / aber dieſer Herꝛ iſt ein freywilliger Gutthaͤter dieſer Religioſen. Der Raab hat dem Eliæ bey dem Bach Carith nur allezeit ein Stuͤcklein Fleiſch und ein Brod ge - bracht / aber dieſer Herꝛ ſchickte gantze Ochſen und Kaͤlber in das Cloſter / das gibt beſſer aus. O! was groſſe Verdienſten ſammlet ihme dieſer bey dem allerhoͤchſten GOTT! der auch verſprochen / daß Er einen Trunck-Waſſer nicht wolle unbelohnter laſſen; Die - ſer Herꝛ Ferdinand Trof wird ungezweiffelt bey dem Heiligen Mar - tino / der auch denen Armen zu Nutzen ſeinen Mantel zerſchnitten / in der ewigen Glory ſitzen. Das wol nicht / wegen ſo haͤuffigen Allmoſen kommt er nicht ein Spann hoͤcher in Himmel / und dar - umb / weil er nicht gut Cordeboniſch / weil ers nicht gut gemeint. Er heiſt Ferdinand Trof / dieſer Zunamm zu ruck heiſt Fort: Er wolt gern fortkommen / zu einem hoͤhern Ambt ſteigen / beſſer und weiter promovirt werden / und weil er weiß / daß einer oder der andere Geiſtliche viel bey Hof vermag / alſo bedient er ſie beſter maſſen / ſpart kein einige Unkoſten; wann das nicht waͤre / geden - cket er: Jch wolt den Pfaffen nicht umb einen Creutzer werth anhaͤn - gen. Der iſt ein ſauberer Judas-Bruder / der unterm Schein des Allmoſens und Freygebigkeit ſein Ambition und Ehrſucht verbir - get. GOTT dem HERRN iſt faſt kein Tugend angenehmer / als die Demuth / in welcher er ſich / nach dem Er die Menſchheit hat angenommen / je und allezeit geuͤbt / abſonderlich aber ware ſein einige Ergoͤtzlichkeit / wann Er bey gemeinen und gerinnen Stands-Perſonen ſich konte einfinden / wie Er dann gleich nach ſeiner Geburt nicht groſſe Fuͤrſten / nicht Adeliche Haͤuſer / nicht Hoch - und Wohlgeborne zu ſich beruffen laſſen / ſondern gemeineHirten151ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.Hirten auf den Feldern zu Bethlehem / deren nach Ausſag Rey - nandi vier geweſen / benamtlich Michael / Acheel / Cyriacus / und Stephanus / welche dazumal / weil unverſehens der Schnee zergangen / und die Erden Augenbluͤcklich die ſchoͤnſte Blumen her -S. Benav. de 5. Fe - ſtis de Puero Je - ſu. vor gebracht / auch die Baͤumer mit denen haͤuffigen Blaͤttern be - kleidet worden / beſagte Blumen und Blaͤtter denen Laͤmmlen umb den Hals gebunden / und ſelbe Fußfallender dem neugebornen Meſ - ſiæ geopffert.

CHriſto dem HERRN iſt in ſolcher Demuth nach gefolgt der wunderſchoͤne Printz Abſalon / ein Sohn des groſſen Monar - chen in Jſrael / maſſen ſolcher offtermals ſich unter die Haupt - Porten der Koͤniglichen Burg geſtellt / und nicht allein alle ankom - mendi Land-Saſſen / auch die Bauern und Tag-Wercker freund - lich bewillkommet / ſondern dieſelbe ſo gar auch gekuſt. Es kommt ein Bauer mit einem verwirꝛten gewiſpleten Bart zu der Burg: Guten Morgen / ſagt der junge Hertzog / mein lieber Bauer / ich merck dirs aus dem Geſicht an / daß es dir nicht allerſeits gut geht: Gelt du haſt ein Klag uͤber deinen Pfleger? Gnaͤdigſter Herꝛ / habt es juſt errathen; Ach daß ſeynd ſchlimme Geſellen / die ſagen alle - zeit: Die Bauern und Meel-Saͤck haben eine Natur / wann ſchon ein Meelſack ſcheint / als ſeye er laͤhr / ſo man aber mit Bruͤgel dar - an und darauf ſchlaͤgt / ſo ſtaubt er gleichwol / ꝛc. O mein Bauer! Jch wolte von Hertzen wuͤnſchen / es wurde dir hierinnfals geholf - fen / und gibt ihme hierauf einen Kuß. Es kommt ein anderer Jſ - raelitiſcher Bauer / den gruͤſt der Abſolon gar freundlich / fragt an bey / ob er nicht ein Klag einreiche? Ja / antwortet der Bauer: Jch klag uͤber die Soldaten / das Quartier iſt halt ein deibliſch Thier / jetzt erfahre ich es: Jch hab einen Soldaien im Haus / der mich ne - ben dem / daß ich ihne in allem befriedige / noch mit harten Strei - chen tractirt: Ein Solat und ein Soldat ſeynd faſt einander gleich im Namen und im Werck / ein Solat ſchmirbt das Maul / und ein Soldath ſchmirbt den Buckel. Ey! ey! ſagt der Hertzog Abſalon / das ſoll man auf keine Weiß geſtatten / GOTT gebs /daß152Judas hat kein gute Meynung /daß du armer Tropff eine Ausrichtung bekommeſt / und gibt ihme auch einen Kuß. Es kommt ein Handwercker nach Hoff / den empfangt der Printz Abſalon gantz freundlich: Willkomm / mein lieber Meiſter / was Neues? Nichts Neues / guͤtigſter Herꝛ / ant - wortet er / ſondern etwas Altes; Jch hab ein alte Schuld von dieſem und dieſem Edelmann zu prætendiren / und ich kan gar nicht zur Bezahlung kommen / ich bin meines Handwercks ein Schmid / beſchlage ihme ſeine Pferd ſchon etliche Jahr / wie ich Vorgeſtern das Geld begehrt vor das Beſchlagen / ſo ſchlagt er mich die Stie - gen hinunter / das iſt ja ein unbilliges Verfahren? Freylich / mein Meiſter / geſchicht euch hierinnenfalls ein groſſe Unbild / GOtt gebs / daß man euch von Hof und Gericht aus an die Hand gehe / und gibt ihme auch einen Kuß. Es kommt mehrmal einer mit ei - nem ſchrifftlichen Memorial, den gruͤſt der Abſalon gantz freundlich: Was iſt euer Anbringen / mein lieber Menſch? Gnaͤdigſter Herꝛ / antwortet dieſer / es geht mir gar nicht wohl / es geſchicht mir wie dem Eſel / der mit dem Wolff iſt vor Gericht geſtanden; weil der Wolff etlichen Laͤmmlen den Beltz abgezogen / und mit dem Fleiſch ſein Freß-Wampen gefuͤllt / iſt er loß und frey geſprochen worden / der Eſel aber / umb weil er einem Bauren ein Stroh aus dem Schuh gezogen / iſt zum Todt gefuͤhrt worden; Man thut halt die groſſe Dieb perdoniren / und die kleine ſtranguliren. Jch hab nur das und das gethan / da haben ſie mich aͤrger gerupfft / als der Geyer eine Henne. Jch hab ein hertzliches Mitleyden mit euch / ſagt der junge Hertzog / wuͤnſche auch / daß euch moͤchte der erlit - tene Schaden erſetzt werden / und gibt ihme hierauf auch einen Kuß. Und das hat der holdſeeligſte Printz allen und jeden gethan / wodurch er bey maͤnniglich / wegen ſolcher Demuth / alſo beliebt worden / daß ein jeder in gantz Jſrael ſein Leben haͤtte fuͤr ihn ge - laſſen. Eine ſolche Demuth wird auch ohne Zweiffel in den Au - gen GOttes einen groſſen Werth gefunden haben? Nicht ein Haar groß / nicht das geringſte Wolgefallen hat GOtt dem HErꝛn ein ſolche Demuth verurſacht / aus Urſach ber boͤſen Meynung; dannAbſalon153obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.Abſolom hat ſich derenthalben alſo gedemuͤthiget / damit er das Volck auf ſein Seiten bringe / und der Ehrgeitzige Geſell deſto leichter zu der Cron gelange / wie er dann ſolcher Geſtalten ein allgemeinen Aufſtand in dem gantzen Koͤnigreich erweckt hat. P. Deſiderius iſt etliche Jahr im Cloſter / verricht alle Obſervantz und Ordens-Satzungen / iſt neben ſeiner groſſen Scientz und Wiſ - ſenſchafft ſo demuͤthig / daß er mit dem aller geringſten Geiſtlichen gern umbgehet / es iſt ihme wol nichts / oder gar wenig auszuſtel - len: Jch glaube auch der Mann ſammle ihme einen groſſen Schatz im Himmel. Es geſchicht aber zuweilen / daß die Meinung weit anderſt im Hertzen / als das aͤuſſerliche Werck an ſich ſelbſt zeigt. Wann P. Deſiderius ſich derenthalben ſo wol haͤlt / ſich darumben ſo demuͤthiget / damit er einmal durch einhellige Stimm zu der Prælatur moͤge ſteigen und erhoben werden / wann er / P. Deſide - rius, deſidero deſiderat Prælaturam, und das Aſcende Superius bey dem Evangeliſten Luc. am 14. Cap. erwartet / ſo dann iſt all ſein Demuth nicht ein Heller werth / dieſe boͤſe Meinung ſtuͤrtzt das gantze Werck.

Das Predigen iſt gleichſam ein Goͤttliches Werck / und ver - dienen die Apoſtoliſche Maͤnner / ſo mit ſonderm Eifer dem Volck das Wort GOttes vorgetragen / ein groſſe Vergeltung und Cron im Himmel. Der rechte Schaͤcher Diſmas hat ſo unverhofft ein Lad-Schreiben bekommen von dem Heyland JESU / welcher ihme noch ſelben Tag das Paradeiß verſprochen / was muß der Menſch doch haben guts gethan? das iſt ſattſam bekannt / daß er ſein Lebenlang ein Ertz-Schelm und laſterhaffter Boͤswicht gewe - ſen / dort auf dem Creutz / auf welches er / als auf einem wolver - dienten Galgen gehenckt worden / hat er die Fuͤß nicht koͤnnen brau - chen zum Wallfahrten gehen / dort hat er die Haͤnd nicht frey ge - habt / wormit er etwan denen Krancken im Spittal haͤtte koͤnnen dienen / dort hat er weder Geld noch andere Mittel gehabt / die er unter die Arme haͤtte koͤnnen haustheilen / dort hat er nicht Zeit oder Gelegenheit gehabt den Leib mit harten Cilicien zu caſteyen;Pars IV. Vwas154Judas hat kein gute Meinungwas hat er dann vor ein gutes Werck geuͤbt / weſſenthalben ihne der Heyland unter die Auserwaͤhlte geſtellt hat? der Heilige Chry - ſoſtomus ſpricht: wie daß offtbenannter Diſmas kurtz vor ſeinem Todt habe einen Prediger abgeben / das Creutz / worauf er gehan - gen / an ſtatt der Cantzel gebraucht / ſeinem Mit-Cammeraden moͤglichſt zugeredt / daß er ſolle von ſeinen Gottlaͤſtern abſtehen / und gedencken / daß er alle dieſe Straffen rechtmaͤſſig verdienet ha - be / entgegen der HERR JESUS von Nazareth gantz un - ſchuldig dieſes leide / ꝛc. Dieſe kurtze Predig hat dem Erloͤſer ſo wol gefallen / daß er in Anſehen derſelben dem Diſmas das Him -Nomil. de Cruce & Latr. melreich verheiſſen. Aliorum utilitatem cogitabat, & Magiſter pendebat in cruce, & ſanis perſuaſionibus alium invitabat ad vitam.

Wann das Predigen nicht ein ſo herꝛliches Werck waͤre / ſo haͤtte Paulus / als er in dritten Himmel verzuckt worden / nicht mehr zuruck gekehrt; weil er aber vermerckt / daß ſein Predigen der Welt noch laͤnger vonnoͤthen / alſo hat er Himmel laſſen Himmel ſeyn / und wiederumb gantz ſchleunig auf den Erdboden herunter geſtiegen / damit er ferners das heilige Evangelium und die Lehr Chriſti moͤchte ausbreiten.

Der Heilige Joannes erzehlet / wie daß Petrus bald nach der glorreichen Urſtaͤnd Chriſti / nach ſeiner alten Gewonheit ſeye ſi - ſchen gangen / und mit ihme andere Juͤnger auch / aber nach aller angewendter Arbeit nicht ein Graͤtl gefangen / woruͤber der HErꝛ JESUS ihnen erſchienen / und befohlen / ſie ſollen das NetzJoan. 21. einmal in ſeinem Namen auswerffen / welch es ſie auch urbietig voll - zogen / und ein ſolche Menge der Fiſch gefangen / daß ſie gar das Netz nicht kunten erziehen / darauf ihnen der Heyland geſagt; bringet von den Fiſchen her / die ihr gefangen habt: Afferte, &c. Nicht allein die Apoſtel / ſondern alle Prediger ſeynd von GOTT beſtellte Seelen-Fiſcher / denen am juͤngſten Tag bey der Ver - ſammlung des geſammten Menſchlichen Geſchlechts der Goͤttli - che Richter ſagen wird zu ihrer hoͤchſten Glory: Afferte; Bringtvon155obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.von denen Fiſchen her / die ihr geſangen habt / da wird Petrus er - ſcheinen mit dem gantzen Juden-Land / welches er durch das Pre - digen zum wahren Glauben gezogen hat / da wird ſich Andreas ſtellen mit dem gantzen Land Achaja / welches er zum wahren Liecht gebracht hat; da wird Johannes mit gantz Aſien aufziehen / wel - ches durch ſein Lehr das Geſatz CHriſti angenommen; da wird Thomas mit den haͤuffigen Jndianern aufziehen / welche er mit Worten und Wercken bekehret hat / ꝛc. Da wird Antonius Paduanus erſcheinen mit einer unglaublichen Menge Volcks / die er alle mit ſeiner Apoſtoliſchen Lehr zur Seeligkeit gebracht hat / als der ſo eiffrig geprediget / daß ihme auch die Fiſch im Meer ha - ben zugehoͤrt: Da wird Bernardus Senenſis prangen mit unzahl - baren Seelen / die er alle durch ſein langwuͤriges Predigen auf den rechten Weeg gefuͤhret hat / da wird es ihme zu groͤſter Glory ge - reichen / daß er zuweilen in ſeinen Predigen auch etwas luſtiges ein - geſprengt / dardurch die Adams-Kinder beſſer zu fangen; wie dann von ihme geſchrieben wird: Cùm jucundus ſuâ ipsâ naturâ eſſet, quàm multa ſtudio etiam graviſſimis ſententiis ſuis jucundi -Contin. Bolland. in vita 20 May. tatis & facetiarum plena ſæpius intermiſcebat, ut faſtidioſos aliàs audientium animos talibus, quaſi dulcibus pabulis re - crearet, recreatòsque proinde ita etiam attentiores effice - ret, &c.

Da wird ein Vincentius Ferrerius ſich laſſen ſehen mit fuͤnff - und zwantzig tauſend Juden allein / die er durch ſein Apoſtoliſches Predigen in Spanien bekehrt; mit acht tauſend Mahumetaner / die er zum allein ſeeligmachenden Glauben gezogen / mit vier tau - ſend offenen Suͤndern und bekannten Laſters-Leuten / die er alle durch ſein Predigen zur Buß und Beſſerung gebracht: mit un - zahlbaren andern mehrern / die er mit dem Wort GOtt geſpeiſt: Da wird ein Xaverius aufziehen mit einer halben Welt und zeigen: daß er auch die Mohren habe koͤnnen weiß machen und waſchen: da wird ein Heiliger Joannes à St. Facundo aus unſerm Orden / ein Seeliger Sanctus à Cora aus unſerer Religion mit einer groſ -V 2ſen157[156]Judas hat keine gute Meinung /ſen Anzahl der Menſchen erſcheinen / die ſie alle durch ihre Predi - gen von dem ewigen Untergang erhalten / ja bißweilen ſo Wun - derwuͤrckend geweſt / daß ſie in Mitte des Platzregens geprediget / und doch niemand / obſchon unter dem freyen Himmel von einem Tropffen benetzet worden / ꝛc.

Dort wird man ſehen / daß nicht allein Moyſes aus einem harten Felſen ein Brunn-Quell erwecket hat / ſondern ſo viel Pre - diger mit ihrer eifrigſter Zungen gantze Thraͤnen-Baͤch geleckt aus den vorhero hartneckigen Suͤndern: dort wird an Tag kommen / daß nicht allein Ezechiel ein gantzes Feld voll Todten-Beiner mit wenig Worten zum Leben erwecket / ſondern auch die Prediger mit ihrer Apoſtoliſchen Stimm gantze Laͤnder vom ewigen Todt zum immerwaͤhrenden Leben gezogen. Dort wird ſich Sonnen klar weiſen / daß nicht allein der HERR JESUS zu Cana das Waſſer in Wein vewandlet / ſondern auch die Prediger mit ihrer beweglichen Wolredenheit manche Gottloſe Adams-Kinder in die froͤmmſte Diener GOttes verkehret. Ein Kertzen / damit ſie andern ein Liecht ſpendire / aufdaß ſie nicht in ein Gruben fal - len / verzehrt ſich ſelbſt / und verſchwend ihre eigene Kraͤfften; Ein Feil / damit ſie von dem Eiſen den ſchaͤdlichen Roſt abwetze / ſchwaͤcht ſich ſelbſt / und ſchadet ihrer eignen Weſenheit; ein Waſ - ſer / damit es andere reinige / und von ihnen allen Wuſt und Un - flat bringe / beſudlet ſich ſelbſt / und ſchlaͤgt ſein eigne Lauterkeit in die Schantz; ein Brucken / damit ſie andere uͤber den geſaͤhrli - chen Fluß verhelffe / verſchiffert ſich ſelbſt / und gehet nach und nach zu Grund. Alſo die Prediger / damit ſie mit dem Evangeliſchen Weibel den verlornen Groſchen finden / damit ſie mit dem guten Hirten das irrende Schaͤfel wieder zuruck bringen / damit ſie mit dem Joanne dem Vorlaͤuffer zur Buß und Pœnitentz ermahnen / verzehren ſich ſelbſt / ſchwaͤchen ihre eigne Kraͤfften / mindern ihre eigne Geſundheit durch ſtudiren und componiren / durch ſchrei - ben und ſchreyen / durch wachen und Schlaff brechen; weſſent - halben ſie als ſorgfuͤltige Seelen-Hirten / als unverdroſſene Ar -beiter157obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.beiter in dem Weingarten der Catholiſchen Kirchen / als embſige Mithelffer GOttes von dem Allerhoͤchſten abſonderlich werden be - lohnt werden.

Es iſt ein Prediger / der bereits viel Jahr mit hoͤchſtem Ruhm ein vornehme Cantzel verſicht / ſein Stimm iſt nicht viel un - gleich dem Poſaunen-Schall des Kriegs-Fuͤrſten Joſue / mit dem einigen Unterſchied / daß dieſer die Stadt Jericho eingenommen / jener aber alle Hertzen. Unter der Predig des Heil. Pauli hat einer geſchlaffen / und folgſam von oben herab ſich zu todt gefallen / denAct. 20. nachmals der Heilige Apoſtel wiederumb zum Leben erwecket. Aber unter dieſes Manns ſeinen Predigen wird hart einer ſchlaf - fen / nicht daß ers ſoll beſſer machen als Paulus / aber ſein Wolre - denheit hat ein ſo Magnetiſche Wuͤrckung / daß ſie alle Gemuͤ - ther an ſich ziehet. Wie der Heilige Ravennatiſche Biſchoff Ray - noldns bey dem Fluß Padum ein Predig gehalten / und die Froͤſch mit ihren verdruͤßlichen Quaͤkitzen ihme nicht wenig uͤberlaͤſtig wa - ren / da hat er ihnen alſobald befohlen / ſie ſolten das Maul halten / welches auch unver zuͤglich geſchehen. Jch muß bekennen / ſo langIn vit. ich noch dieſen Prediger / wie es dann bereits etliche Jahr ſeynd / zuhoͤre / habe ich niemalen wahrgenommen / daß einer ein Wort unter der Predig geredt / ſo aufmerckſam iſt das Volck / dann er ja ein Manier hat / daß er auch trutz dem Orpheo moͤcht die Stein hupffend machen. Die Traͤidt-Saͤck / wormit des Patriarchen Jacobs Soͤhn in Egypten-Land gereiſt / und von Joſeph ſeynd angefuͤllt worden / die haben ſehr viel gefaſt / aber die Gedaͤchtnuß dieſes Predigers faſſet weit mehrer: aber wie ich hoͤre / ſo iſt er ſehr embſig und unverdroſſen im ſtudiren. Unſer HERR JEſus hat von Petro und andern ſeinen Cammeraden verlangt / ſie ſol - len nur ein Stund waͤchen / dieſer Mann aber ſchlaͤfft offt ein halbe Nacht nicht / er ſtrappezirt die Buͤcher aͤrger / als der Prophet Baalam ſein Eſelin. Es thut ihme offt vor lauter ſtudiren der Kopff faſt ſo wehe / wie dem Abimelech / da ihme ein keckes Weid ein Trumm von einem Muͤhl-Stein auf den Schedel ge -U 3worf -158Judas hat keine gute Meinung /worffen: des Loth ſein Weib iſt in ein Saltz-Saͤulen verkehret worden / umb weil ſie die ſuͤndige Stadt angeſchaut / ich muß es ſagen und bekennen / daß die ſtattliche Concept, ſo dieſer Mann mit groſſem Fleiß zuſammen fuͤgt / ſatiſam an Tag geben / daß ih - me an Saltz und hohem Verſtand nichts mangle. O! was groſ - ſe Belohnung wird er zu ſeiner Zeit von dem Allerhoͤchſten zugewar - ten haben; Zweiffels ohne wird er in der ewigen Glory auf der Do - ctors-Banck im Himmel ſitzen / er wird nicht ein geringere Cron haben / als der Heilige Remigius, der in Franckreich geprediget / als der Heilige Bonifacius, der in Teutſchland geprediget / als der Heilige Auguſtinus, der in Engelland geprediget / als der Heili - ge Adalbertus, der in Pohlen und Moſcau geprediget / ꝛc. Wann er allen Fleiß und Arbeit hat angewendt pur und allein wegen Got - tes Ehr / und des Naͤchſten Heyl / ſo bleibt ihme derenthalben die ewige Belohnung nicht aus. Wann er aber geſucht hat auf La - teiniſch / was der Bettler auf Teutſch im Wammes findt / wann er darumb ſo embſig geſtudiert / damit er bey Maͤnniglichen ein groſſes Lob erhaſche / und man aller Orten von ihme rede / und mit Fingern auf ihne deute / wann er mehrer auf das Preiſſiſch Leder gangen / als auf gut Cordebon, ſo gib ich ihm ſo viel umb ſein Belohnung / als Petrus mit dem fiſchen durch die gantze Nacht gefangen: Nihil. So iſt dann die boͤſe Meinung ein ſol - cher Schaur / der alles gute Gewaͤchs zu Grund richtet / die boͤ - ſe Meinung iſt ein ſolcher Donner-Keyl / der alle fruchtbare Baͤu - mer zerquetſchet / und in Aſche leget / die boͤſe Meinung iſt ein ſol - cher Wurm / der auch die gruͤne Kuͤrbes-Blaͤtter Jonœ unver - hofft abnagt.

Streiten wider die unglaubige und abgeſagte Erb-Feind der Catholiſchen Kirchen / Haſſer und Widerſacher der Ehr und Lehr Chriſti / iſt ein ſonderes wolgefaͤlliges Werck; Jch glaub auch / daß der HErꝛ und Heyland dem Petro haͤtte keinen Ver - weiß geben / auch ihme den entbloͤſten Saͤbel ins Leder zu ſtecken nicht befohlen / als er ihne ſo Heldenmuͤthig wolte ſchuͤtzen / indemer159obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.er den Malchum zwiſchen die Ohten gehaut / ich glaube der HERR haͤtte ſolchen Eifer und Guraſchy vielmehr gelobt / und hervor geſtriechen / wann Petrus kein Geiſtlicher waͤre geweſen / deme weit beſſer anſtaͤndig das Brevier / als das Rapier. Hoͤchſt - loͤblich iſt es / wann man Chriſti-Namen und Glory auch mit dem Degen in der Hand wider die Feind der Kirchen tapffer und Hel - denmuͤthig verfeehtet. Carolus Magnus der Welt-beruͤhmte Kaͤy - ſer hat dreyſſig gantzer Jahr ein ſcharpffen Krieg gefuͤhrt wider die Sachſen / ſo dazumal im blinden Jrꝛthum lebten / und die Goͤ - tzen angebetet / er hat auch bey Herresburg Miraculoſer Weis den Sieg wider dieſelben erhalten / als er den abgoͤttiſchen Tempel Her - menſaul genannt / zu Boden geſchleiffet / und an ſtatt deſſen dem wahren GOtt einen Tempel aufgericht.

So iſt auch nicht weniger bekannt jener tapffere Soldat inRegino lib. 2. Spanien / der aus Eifer der Chriſtlichen Religion wider die Moh - ren geſtritten; dieſer ware ſonſt ein Teutſcher / und von der Stadt Bonn unweit Coͤlln gebuͤrtig / mit Namen Henrich / wel - cher aus heiliger Meinung als ein gemeiner Soldat in Belaͤgerung der Stadt Olisspon wider die unglaubige Mohren unter der Spa - niſchen Armee gedient / auch in waͤhrender Belagerung daſelbſt das Leben verlohren / nicht aber das ewige / ſondern GOTT wolte ſcheinbarlich zeigen / wie werth und wolgefaͤllig ihme ſeye ge - weſen das fechten dieſes Soldaten / maſſen bey ſeinem Grab die Stumme und Taute ihre gewuͤnſchte Geſundheit erhalten; ſo gar iſt aus ſeinem Grab wunderbarlicher Weis ein Palmbaum auf - gewachſen / deſſen Zweigel und Blaͤtter ein Mittel vor alle Kranck - heiten worden. Niernberg. Theopol. p. 2. l. 1. c. 2. Es ſtreicht auch mit ſonderm Lob hervor der Heilige Paulus alle tapffere Hel -ad Hebr. c. 11. den des alten Teſtaments / wie da waren Gedeon / Parac / Sam - ſon / Jephte / David / ꝛc. umb weilen ſelbe ſoritterlich geſtritten wider die Philiſteer / Ammoniter / Changeer / Madianiter / ꝛc. und andere Feind der Goͤttlichen Geſatz.

Solcher160Judas hat kein gute Meinung /

Solcher Geſtalten werden auch viel / die in dieſem langwuͤri - gen Krieg wider den Chriſtlichen Erb-Feind hertzhafft geſtritten / und ihr einiges Leben / ſo des Menſchen meiſter Schatz auf Erden / gantz unerſchrocken in die Schantz geſchlagen / viel aus dieſen in Anſehung ſo ritterlichen Thaten / werden ungezweiff let bey GOtt ein groſſe Glory beſitzen / ja viel / das iſt wol zu vermuthen / aber auch viel nicht. Es iſt einer geweſt mit Namen Martialis Neman / ein Officier von unglaublicher Couragy. Was Da - vid gethan bey der Veſtung Sion / das hat dieſer zeigt bey Ofen / was Joab gethan bey der Belagerung Jebuſa, das hat dieſer gethan bey Belagerung Erlau / was Jonathas gethan wider die Phili - ſteer / das hat dieſer gethan wider die Tartern / was Joſue gethan bey der Stadt Haſor, das hat dieſer gethan bey Selanchement, man ſahe nichts als Wunder und Wunden an ihme / er hat alle - zeit gefochten wie ein Loͤw / er hat geſtritten / wie ein Held / er hat gekaͤmpffet wie ein Ritterlicher Soldat / jetzt wird er derentwegen Lohn und Cron im Himmel haben / jetzt wird er deſſenthalben ſeyn in der Geſellſchafft den heiligen Machabæeren / die auch behertzte Helden ſeyn geweſen / jetzt wird er nicht weit in der Glory ſchwe - ben von dem Heiligen Soldaten Sebaſtian / ꝛc. Nichts derglei - chen / mein Leſer! Sein gantze Belohnung traͤgt nicht ein Ouin - tel ſchwer. Er iſt nicht in das Feld gezogen wider den Tuͤrcken / als wolle er den Glauben Chriſti verfechten / und ſeine Feind ver - tilgen und ausrotten / ſondern damit er ihme einen Namen mache bey der Welt / dahero heiſt er Martialis Neman / welches Wort zuruck geleſen; Namen lautet / er hat darumb ſo ritterlich gefoch - ten / damit man aller Orten von ihme rede / damit er ein Fuß ſetze zu hoͤhern Dignitaͤten und Wuͤrden / und alſo eine Belohnung bey der Welt verdiene / nicht aber bey GOtt. Das macht alles die uͤble Meinung.

Wallfahrten gehen / iſt GOtt dem HErꝛn und allen ſeinen Heiligen ein ſehr wolgefaͤlliges Merck / und iſt nicht ein neue Pa - piſtiſche Invention / wie unſere Glaubens-Widerſacher ausge -ben /161obſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.ben / ſondern ein loͤblicher Brauch / ſo ſchon vor der Gloreichen Auffahrth Chriſti her ſeinen Urſprung genommen. Es iſt zwar allenthalben gut beten; Dann ſo gar das Gebet des gedultigen Jobs auf dem Miſthauffen eines guten Geruchs geweſen. Gleich - wol aber hat der Allerhoͤchſte GOtt ihme und ſeinen Heiligen et - liche Orth ſonderlich erkieſen / allwo Er forder iſt denen beduͤrfftigen Adams-Kindern ſeine Gnaden zu ſpendiren entſchloſſen. Das haben neben unzahlbaren andern wol gewuſt der Heilige Godri - cus, der Heilige Babo, der Heilige Guthlacus, der Heilige Ge - reus, der Heilige Effrendus, der Heilige Geraldus, der Heilige Albertus, der Heilige Peregrinus, der Heilige Richardus, Koͤ - nig in Engeland / der Heilige Canutus Koͤnig in Dennemarck / der Heilige Wılıbaldus, nachmals Biſchoff zu Aychſtett / der Heili - ge Rochus, der Heilige Nicolaus, &c. Deßgleichen aus dem Weiblichen Geſchlecht die Heilige Kayſerin Helena, die Heilige Eudoxia, die Heilige Melania, der Heilige Paula, die Heilige Brigitta, die Heilige Hildegundis, die Heilige Wiborada, die Piſaniſche Jungfrau Bona, &c. Deren etliche nach Jeruſalem / etliche nacher Rom / etliche anderwerts hin an Heilige Oerther Wallfahrten gangen / auch mit bloſſen Fuͤſſen / auch in Cilicien und haͤrinen Kleidern / und hat es GOtt mehrmahls mit Wun - derwercken beſtaͤttiget / wie wohlgefaͤllig ihme das Kirchfahrten ge - hen. Gefallen hat es denen Goͤttlichen Augen / wie der groſſe Welt-Monarch Carolus, der maͤchtigſte Kayſer mit einem Pil - grams-Maͤntelein und ſchlechten Stab nacher Rom Wallfahr -Brun. in Excnb. ten gangen. Gefallen hat es dem Allerhoͤchſten / wie Hertzog Al - brecht aus Sachſen Anno 1476. (dazumal regierte der Doctor Lautter / und nicht todte Luther) mit noch zwey Fuͤrſten und an - deren Edel-Leuthen nacher Jeruſalem Wallfahrten gangen. Ge - fallen hat es dem gantzen Himmel / wie Hertzog Willhelm ausBeyrlin. de Pereg. Bayern mehrmal in ſchlechten und gemeinen Aufzug ſammt ſeiner frommen Frauen Gemahlin Wallfahrten zu Fuß gangen / von ih - rer Reſidentz-Stadt Muͤnchen aus biß nacher Alten-Oetting. Pars IV. XGe -162Judas hat kein gute Meynung /Gefallen hat es dem Allmaͤchtigen GOtt / wie mehrmal Leopol - dus annoch gluͤcklich regierender Roͤmiſcher Kayſer / die andaͤchti - ge Wahlfahrt verrichtet hat zu Maria Zell in Steyermarckt / allwo noch das haͤuffige Silber / Gold und Edel-Geſtein ſo wohl den Oe - ſterreichiſchen Eiſſer / als dero Bodenloſe Freygedigkeit an Tag geben. Wann das Wallfahrten nicht ein Heiliges und hellſames Werck waͤre / ſo haͤtte jener Bauer nicht augenblicklich den Fuß verlohren / welcher annoch zu Freyſing in Bayern in der groſſen Thumb-Kirchen daſelbſt gezeigt wird / umb weil er mit der Pro - ceſſion nicht wolte Wallfarthen gehen naher Freyſing / ſondern ſich ſchimpfflich verlauten laſſen / er wolte ihme nicht ein Fuß zu Freyſing wuͤnſchen / woruͤber augenblicklich der Fuß vom Leib ſich zertheilt / und von einem Hund dahin getragen worden.

Wann das Wallfahrten nicht ein rechtes und an ſich ſelbſten ein loͤbliches Werck waͤre / ſo haͤtten jene zwey Capucciner | ſolche groſſe Gnad nicht gehabt / von den da ſchreibet Lyræus in Triſag. Mari. l. 7. Als auf ein Zeit zwey fromme Religioſen, aus ge - dachtem Orden mit Erlaubtnuß ihrer Otern nach Maria Loreto in Jtalien / Wallfahrten gangen / weil ſie aber von der Nacht uͤber - fallen worden / und ſie bereits in einem groſſen Wald und dicken Gehoͤltz befunden / alſo haben ſie ſich entſchloſſen / ihre Herberg und Ligerſtatt unter einem Baum zu nehmen: Da aber ein unver - hofftes Ungewitter entſtanden / und ein haͤuffiger Platzregen gefal - len / muſten ſie noth halber ein Dach ſuchen / worunter ſie der Un - geſtaͤmme des Himmels moͤchten entgehen / wie ſie dann in Mitte des Walds bald ein ſehr ſchoͤne und herꝛliche Behauſung angetrof - fen / allwo ſie nicht allein von der Haus-Frauen freundlich empfan - gen / ſondern anbey gar wohl / und mit groͤſter Lieb tractirt worden; Da nun in aller Fruͤhe die gute Religioſen ferners ihre Reiß wolten fortſetzen / und ſich der groſſen empfangenen Gutthaten halber be - danckten / da gab ihnen die Frau einen Brieff / welcher in ein anders Papier eingewicklet war / daß ſie denſelben wolten zu Loreto an ge - hoͤriges Orth uͤberliefferen. Wie nun die zwey Geiſtliche etliche Schritt von dem Haus geweſen / da wolten ſie ſehen / wohin undan163ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.an wem dann der Brieff ſolle uͤberantwortet werden / finden aber keine Uberſchrifft / deßgleichen auch ohne Jnſigel / glaubten alſo / die gute Frau habe ſolches wegen Eilfertigkeit ihrer Reiß vergeſſen / kehrten demnach ſchleinig wieder umb / der Frauen / als einer ſo groſ - ſen Gutthaͤterin dieſes anzudeuten; Es kunten aber zwey Capucci - ner das Haus / welches ſie nur etliche Schritt nach ihnen gelaſſen / auf keine einige Weiß mehr finden / und da ſie die benachtbarte Oer - ther ſolches Hauſes halber befragt / wuſte niemand aus allen umbli - genden Dorffſchafften / daß einmal ein Haus waͤre in dem Wald geſtanden. Jndem ſie endlich den Brieff eroͤffnet und geleſen / ſo ware dieſer Jnnhalt. Ehrwuͤrdiger Pater, ich hab mit ſonderem Wohlgefallen dein Lieb und Andacht er - kennt zu meinem Lauretaniſchen Haus / und weil dir iſt abgangen das jenige / was zu Erhaltung des Menſchlichen Lebens noͤthig iſt / als habe ich dich nicht wollen verlaſſen / und werde auch niemal dir meine Huͤlff weigern / wo es die Zeit und Noth er - fordert. Maria Jungfrau.

Aus welchem die vor Freuden faſt zerfloffene Religioſen ſatt - ſam kundten abnehmen / daß ihnen die Mutter GOttes ſelbſt ſol - che Gutthaten erwieſen / in Anſehung ihrer vorgehabten Wall - ſahrt. Der Pater hat ſolches erſt in ſeinem Tod-Bettel geoffenba - ret / den Brieff dem P. Provincial Venetianiſcher Provintz einge - haͤndiget / dieſer aber denſelben der Fuͤrſtin von Camerino als groͤ - ſten Gutthaͤterinn ihres Ordens verehret / Krafft deſſen bereits viel Wunderwerck ſich zugetragen.

So iſt dann das Wallfahrten nicht allein ruͤhmlich / ſondern auch hoͤchſt nutzlich und verdienſtlich / beforderſt wann man alle Ungelegenheiten / die auf der Reiß nie abgehen / mit Gedult uͤber - tragt / alles gern wegen GOtt und ſeiner Heiligen leidet / und die Zeit mit eifferigen Gebet / und wohl auch zu weilen mit GeiſtlichemX 2Ge -164Judas hat kein gute Meynung /Geſpraͤch anwendet / wie es gethan die Heilige Brigitta Koͤnigin in Schweden / welche mit groſſer Caſteyung ihres Leibs ſammt ih - rer Tochter Catharina / nacher Jeruſalem / nacher Rom / ja na - her Compoſtell / ein harte / groſſe / lange Wallfahrt verricht / und ihre Verdienſte bey dem Allmaͤchtigen GOtt hierdurch abſonder - lich vermehrt und vergroͤſſert.

Thereſia / ein lediges Menſch ſtehet alle Jahr aus ihrem Dienſt aus / damit ſie nur mit der Proceſſion koͤnne gehen nacher N. ſo ein ſehr beruͤhmte Wahlfarth / ſechs Tag bringt man gar wohl zu auf dieſer Reiß / hohe Berg und tieffe Thal / die hat man ſtets vor Augen / und muͤſſen die Fuͤß auf Muſicaliſche Arth immerzu auf und abſteigen / worbey faſt auch die mehriſte Suſpiria ſich einfinden. Die Thereſia gehet gleichwohl muthig zu Fuß / und ſteigt gantz munter die hohen Berg und Felſen hin - auf / jedoch nicht ohne haͤuffigen Schweiß / ſo ihr das Jungfraͤuli - che Angeſicht wie ein edler Fuͤrneiß beglantzet / Zweiffels ohne ſam - len die unſichtbare Engel das mindeſte Troͤpfflein dieſes Schweiß zuſammen / und werden es am Juͤngſten Tag in einer gantz gulde - nen Schalen oͤffentlich zeigen. Wann zuweilen ein Regen-Wet - ter einfaͤllt / und die von Bergen abgeſchoſſene Waſſer den gang - baren Gehſteig uͤberſchwemmen / da gibt die Thereſia ein Barfuͤſ - ſerin ab / verletzt aber mehrmalen die unſchuldige Fuͤß an den un - hoͤfflichen Stein-Schropffen / daß ihr das Blut die weiſſe Fuͤß ver - maͤrmlet / und ſchier ſcheinet / als haͤtte ſie muͤſſen durch einen E - gyptiſchen Bach waden / dazumal / wie alle Gewaͤſſer unter dem Pharaone in Blut verwandelt worden. Wer ſolt es nicht glau - ben / daß der geringſte Tropffen Blut / den ſie auf waͤhrender die - ſer Reiß vergieſt / in denen Augen GOttes nicht ſollen koſtbar ſeyn / als der allerbeſte Rubin? Weilen die Menge des Volcks nicht kan mit Bether verſehen werden / alſo beginnet ſich die There - ſel mit einem ſchlechten Stroh / ſo etwan ſchon einmal den Roſſen und Kuͤhen im Stall fuͤr ein Unter-Beth gedlent hat. Die Ra - chel hat unter dem Stroh die guldene Goͤtzen-Bilder des Labans ver -borgen165ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.borgen gehabt / da find man zuweilen was anders / ꝛc. Alles die - ſes leidet die Thereſel mit freudigem Muth / es wird aber ſchon einmal an Tag kommen / ob ſie nicht mehrer Verdienſt hierdurch bekommen / als ein ſtrenger Ordens-Mann / der Regel halber mit dem Stro-Sack muß verlieb nehmen. Bekanndt iſt jene Ge - ſchicht / das ein Engel alle Schritt gezehlet / die ein Eremit von ſeiner Clauſen zu einem Bruͤnnlen gethan / und ſolche Gedult dem HERRN aufgeopffert. Wird es alſo niemand widerreden / daß nicht dieſe Jungfrau ſolcher barten Wallfahrt halber und langen Wegs bey GOTT dem HERRN ein groſſe Summa der Ver - dienſten / bey der Mutter GOttes ein Menge der Gnaden werde geſammlet haben. So viel als nichts / gar nichts hat ſie von ei - nem Recompens zu gewarten vom Himmel / wanu ihre Ver - dienſten in Haberkernlein verwandelt wurden / ſo haͤtte ein junger Spatz nicht einmal ein Collation davon / die Urſach iſt / weil ſie nicht Cordeboniſch / ſie hat die Wallfarth nicht aus guter Mey - nung verricht / das Ziel und Ende ihrer Kirchen-Farth ware / damit ſie mit der lieben Geſellſchafft ihr Hertz moͤchte in etwas kuͤh - len. Zu Haus hat die Frau bald mehrer Augen als ein Cloſter - Suppen; Jch moͤchte hundert Jahr bey ihr ſeyn / ich kundt nicht einmahl mit einen jungen Geſellen reden / aber bey ſolcher Kirchen - Fahrt wird man bekandt / und haben ſchon mehrer Menſchen auf der Kirch-Fahrt das Gluͤck gehabt / daß ſie eine Heyrath bekom - men / koſt es mich doch nicht viel / des Loͤbzelters Baͤberl wird auch alle Jahr Zaͤhrung frey gehalten von dieſem und dieſem / ꝛc. Eine ſolche verwechslete Intention und Meynung ſchaͤndet das gantze Werck / macht fruchtloß die voͤllige Wallfarth / und da an - dere Kirchfaͤhrter von GOtt einen Lohn / da hat ſie einen Hohn zu gewarten. Petrus hat den HERRN und Heyland oͤffentlich genennet einen Sohn des lebendigen GOttes / und iſt wegen ſol - cher Bekanntnus von CHriſto ſehr beruͤhmt worden / die Teuffel haben deßgleichen aus einer beſeſſenen Perſon geſchryen / und den HERRN vor GOTTES Sohn ausgeruffen / und dannochX 3deren -166Judas hat kein gute Meynung /derenthalben nicht gelobt worden / ſondern der HErꝛ hat ihnen noch ernſthafft befohlen / ſie ſollen das Maul halten. Warumb aber dieſes? Petrus und die Teuffel haben gut geredt / haben gleich geredt / aber nicht gleich gemeint; dann Petrus hat es von gantzen Hertzen gemeint / die boͤſen Geiſter aber das Widerſpiel. Und GOtt erwoͤgt nur / was gut und recht Cordeboniſch.

Ceſarius verzeichnet ein wunderbarliche Geſchicht. Der boͤſe Feind nimmt auf ein Zeit an ſich die Geſtalt eines ſehr wackern Juͤnglings / und meldet ſich an bey einem vorhin geweſten Kriegs - Officier / ſo dazumal ein kleines Gut auf dem Land beſeſſen / bey demſelben in Dienſt zu tretten. Des Juͤnglings gute Geſtalt und wohlgeſchaffene Geberden haben gleich ein Wohlgefallen verur - ſachet / daß er vor allen andern iſt an - und aufgenommen worden / und ſich nachgehends ſo treu und embſig verhalten / daß mehr - mal der Herꝛ ſich verlauten laſſen / als habe er bißhero dergleichen guten und anſtaͤndigen Dienſtbotten nicht gehabt. Nach etlichen Jahren hat ſich zugetragen / daß der Herꝛ von ſeinen abgeſagten Feinden der geſtalten verfolget worden / daß er auch muſte ſich mit der Flucht ſalvirn; Well aber ein groſſer Waſſer-Strohm ihme die fernere Flucht eingeſtellt / zugleich aber der nach ſtellende Feind ihme auf den Rucken nahete / alſo wuſte er nicht / wie er dieſer aͤuſſerſten Lebens-Gefahr kundte entrinnen. Der Diener aber hatte ſich alſo bald urbietig erzeigt / den Herꝛn ohne Schaden durch das Waſſer zu ſalviren / ſo auch geſchehen / und der nach - kommende Feind ſich nicht ohne hoͤchſte Verwunderung beſtan - den / daß er natuͤrlich der Tieffe des Waſſers nicht ſeye entrunnen / ſondern der lebendige Teuffel muͤſſe ihme hinuͤber geholffen haben / welches auch alſo ware / jedoch ohne ſeinen Wiſſen und Willen. Ein geraume Zeit hernach erkrancket auch toͤdtlich dieſes Herꝛn Gemahlin dergeſtalten / daß ihres Aufkommens die wenigſte Hof - nung nicht geweſen / biß endlich mehrbeſagter Diener eingera - then / daß dieſem gefaͤhrlichen Zuſtand zu wenden kein gewiſſers und bewerthers Mittel ſeye / als ein friſche Milch von einer Loͤ -win /167ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.win / und die getraue er ihme in einer halben Stund zu wegen bringen / welches Verſprechen auch der Ausgang beſtaͤttiget. Es muſte aber Wunder halber der Herꝛ fragen / wo er doch in ſo kur - tzer Zeit die Milch abgeholt? Deme der Diener geantwortet: daß er ſelbige aus dem etlich hundert Teutſche Meilen entlegenen Ara - bien habe bekommen / allwo er ein Loͤwin bey ihren Jungen in ei - ner finſtern Hoͤſten gemolcken / und folgſam ſchleunig den Zuruck - Weg wieder genommen.

Aus deme kundte der Herꝛ unſchwer vermuthen und abneh - men / daß ſolches nicht koͤndte natuͤrlich ſeyn. Wer er dann ſeye? Jch / ſagte der Diener / bin ein Teuffel / und einer aus denen jeni - gen / ſo mit dem Lucifer aus dem hohen Himmels-Thron verſtoſ - ſen worden. Wann dem alſo / verſetzt hinwieder der Patron, wie kommt es dann / daß du mir mit ſolcher Treu ein ſo langwuͤrige Zeit gedienet haſt? Darumb war die Antwort / weil ich mein Auffenthalt gern bey denen Menſchen habe. Worauf der Herꝛ ihme den Dienſt aufgeſagt / jedoch mit freywilligem Anerbieten / er ſolle was begehren / wegen ſeiner bißhero ſo lang und treu gelei - ſten Dienſts / welches er auch danckbarlich angenommen / und fuͤr alle ſeine bißhero erzeigte Gutthaten nichts anders verlangt / als et - liche Gulden / umb welche man ein Gloͤckel koͤnne kauffen / fuͤr die nechſt entlegene Kirchen auf dem Feld / damit die arme benach bar - te Leuth wiſſen / wann allemal der Heilige GOttes-Dienſt an - fange. Der Teuffel iſt halben Theil heilig geweſen. Der Kerl / ob er ſchon unter die Hoͤlliſche Larven gehoͤrig / verdient ein Lob - Predig. Ein Gloͤckel zu ſtifften / wodurch die Leut zum GOt - tes-Dienſt und Predig beruffen werden / iſt kein geringer Eyffer; Dieſer Teuffel kan von Rechts wegen kein boͤſer Feind benambſet werden / umb weiln er ein ſo gutes Werck uͤbet. Der Teuffel wird hoffentlich in der Hoͤllen keinen Platz haben / maſſen er fromm / tu - gendſam und hoͤchſtens befliſſen der Ehre GOttes. Dieſem Teuf - ſel muß man an ſtatt der Hoͤrner einen Schein auf den Kopff〈…〉〈…〉 ellen. Nur das nicht / nichts weniger als dieſes / der Teuffel iſtein168Judas hat keine gute Meynung /ein Schelm / niemal recht Cordeboniſch noch redlich. Dem aͤuſ - ſerlichen Schein nach kan man ſugſam dieſes Werck nicht ſchimpf - fen oder verwerffen / aber ſeine Meynung iſt weit anderſt. Dieſe arme Kirchen und Gotteshaus hatte wegen Mangel des Gelds kein Glocken / darumb die Leut / weil ſie nicht gewuſt / wann der Got - tes-Dienſt anfange / meiſtentheils ein halbe Stund ehender kom - men / und unter deſſen ihr Gebet verricht / biß die Heilige Meß ih - ren Anfang genommen; dem Teuffel hat das lange Gebet des from - men Baurn-Volcks nicht wenig Verdruß gemacht / gedachte demnach eine Glocken zu ſtifften / der gaͤntzlichen Verſicherung / es werde nachmals kein Bauer die Kirchen drucken / biß man das an - dermal oder gar zuſammen leutet.

Die drey Weiſe Koͤnig aus Orient, nemlich aus Arabia / als benanntlich Melchior ſechszig Jahr alt / Balthaſar viertzig und Caſpar zwantzig ſeynd durch Begleitung eines ſtrahlenden Sterns in die vierzehen hundert Welſche Meil biß nacher Beth - lehem gereiſt / daſſelbſt den neugebornen Meſſiam und Heyland angebetet / und ihne mit unterſchiedlichen ſchoͤnen Opffern be - ſchencket. ; Dieſes Werck iſt dem Himmel hoͤchſt gefaͤllig geweſen. Herodes der Koͤnig zu Jeruſalem hat beſagte Weiſe hoͤfflich erſucht / ſie wollen ihme doch die Freundſchafft thun / und in ihrer Zuruck - Reiß die Nachricht geben / ob Meſſias gebohren ſeye / damit er auch der Gebuͤhr und hoͤchſter Schuldigkeit gemeß denſelben koͤn - ne anbeten und verehren. Das ware ja auch ſo heilig als immer geweſen der Heiligen drey Orientaliſchen Koͤnig? Ja wohl nicht: Die drey haben es von Hertzen gut gemeynt; Herodes hat zwar in Reden mit ihnen uͤbereins geſtimmet / im Hertzen aber hat er es Schelmiſch gemeynt / maſſen er willens geweſen / den neugebor - nen Meſſiam aus dem Weeg zu raumen. So iſt dann die boͤſe Meynung eine Feuer-Flamm / welche auf einmal alles verzehrt und in die Aſchen legt / ſo iſt ſie dann ein kleiners Steinl / welches die gantze groſſe Bildnuß des Nabuchodonoſor zu Boden wirff / und zu Scherben macht / ſo iſt dann ein Scheer - oder Maulwurff /welcher169obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.welcher ein gantzes Blumen-Bettel untergrabt / und verwuͤſtet / ſo iſt ſie dann ein Dieb / welcher zum hoͤchſten Schaden und Nach - theil alles pluͤndert und hinweg ſtihlt.

Den Leib muß man nicht zaͤrtlen weder glimpflich tractiren / bey leib nicht. Dem Leib muß man nicht ſchoͤn thun / noch ſchmeichlen / bey leib nicht. Dem Leib muß man nicht in allen ſeinem Begehren willfaͤhrig ſeyn / bey leib nicht. Die Juriſten und Rechte-Gelehrten pflegen ihr Buch / worinnen alle ihre Satzungen und Regul verfaſſt ſeyn / Corpus Juris zu nennen. Wir Menſchen koͤnnen gar fuͤglich unſern uͤberlaͤſtigen Leib Cor - pus in juriæ heiſſen / dann ja niemand iſt / deme der Leib nicht ein Unbild zufuͤgt / darumb das Woͤrtl Leib im Buchſtab-Wechſel Jbel lautet / auch das Lateiniſche Wort Corpus, annagram - maticè, Porcus iſt. Darumb nichts neues / daß man mit dem Leib ein Sau aufhebt: in Erwegung deſſen / haben die heilige und eyffrige Diener GOttes den Leib mit allen erdencklichen Buß - wercken ſehr uͤbel gehalten / und hart tractirt / und ſeynd ſie gleichſam mit demſelben verfahren / wie die Hebraͤer mit dem Heyland JEſu / da ſie ſammentlich auf geſchryen: Reus eſt, &c. Er hats verdient / crucifigatur, fort mit ihme auf das Creutz: nicht anderſt ſeynd umbgangen die fromme Diener GOttes mit ihrem Leib / crucifigatur, da hat es geheiſſen / fort mit ihme aufs Creutz / Geißl und Beitſchen her / Cilicium und eiſene Ketten umb ihn / Faſten und Abbruch herzu / Hunger und Durſt herbey / Mortification und Caſteyung uͤber ihne / Reus eſt: Er hats nit anderſt verſchuld.

Jn dem Saltzburger Land neben andern mercklichen Din - gen iſt forder iſt zu ruͤhmen das ſtattliche Caſtey-Bad / welches da wegen ſeiner wunderbarlichen Wuͤrckungen ſehr viel ſchwehre Kranckheiten und gefaͤhrliche Leibs-Preſten abwendet; dahero daſſelbige nit viel ungleich dem Schwemmteich zu Jeruſalem / maſſen auch allhier multitudo languentium, ein Menge der krancken Leuthen anzutreffen iſt. Die Caſteyung des Leibs iſt ſo geſund als das Caſtey-Bad / dann faſt kein bewerthers undPars IV. Yheil -170Judas hat kein gute Meinung /heilſames Mittel wider allerley Seelen-Zuſtaͤnd als das Ca - ſteyen. Jener einfaͤltige Phantaſt und Schalcks-Jodel hat end - lich ſo ungereimt nicht geredt / als ihm einer durch gewoͤhnliches Voppen gedrohet / er wolle ihn umbbringen / er aber ſolchen bey der Herꝛſchafft angeklagt / dieſe entgegen dem Lappen die Antwort geben / daß ſie den Kerl / wofern er ihne ſolle nieder - machen / ohnfehlbar nachmals wolle hencken laſſen. Herꝛ! ſagt dieſer zum Fuͤrſten diß verlang ich nicht / ſondern mein Bitt ware / du ſolteſt ihn ein Tag zuvor / ehe er mich umbbringt / laſ - ſen hencken.

Der Leib iſt ein thummer und muthwilliger Geſell / drohet immer zu und zwar in Ernſt der Seel den Todt / dahero es gantz Rathſam iſt / daß man ſolchen uͤbermuͤthigen Boͤswicht ehender den Reſt gebe / bevor er ſolches Ubel ſtifft und vollbringt / und die - ſes geſchicht durch die heylſame und hoͤchſtnoͤthige Caſteyung und Mortification / wormit die Heilige GOttes als mit dem be - ſten Pantzer bewaffnet allezeit den Sieg erhalten wider die La - ſter und ſchaͤdliche Anmuthungen des Leibs. Etliche Lehrer ſeynd der Ausſag / daß GOtt der Allmaͤchtige den erſten Men - ſchen Adam / wie er ihne von Laim geſtaltet / im Creutz erſchaf - fen habe / das iſt / er habe ihn mit ausgeſtreckten Haͤnden oder Armen auf der Erd formirt / und nachmals erſt den Lebens - Geiſt eingeblaſen; ſeye deme wie ihm wolle / gewiß iſt es doch / daß nie ein guter Geiſt oder frommes Leben in den Menſchen kom - me / es ſeye dann / daß derſelbe den Leib durch ſtete Caſteyung auf oder in das Creutz lege. Wann man die Erd nicht immer zu mit Pflugeiſen / Hauen und Krampen zwifftet und plagt / und der Himmel nicht bißweilen mit einem ſtarcken Regen ihr den Kopff waͤſchet / ſo thut ſie nicht viel Guts. Dahero die Heilige Æmi - lia aus dem Orden St. Dominici ihr Leib nicht ihr Gnaden ge - weſt / ſondern ihr Geſtreng; indem ſie ein gantzes Jahr hindurch neben andern gebottenen Kirchen-Faſttaͤgen alle Freytag und Samſtag in Waſſer und Brodt zugebracht / auch ſtaͤts ein har - tes Cilicium an dem bloſſen Leib getragen.

Wann171obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.

Wann man das Eiſen auf dem Amboß nicht wacker knillt / und ihme mit dem Hammer nicht oͤffters eins auf den Buckel gibt / ſo wird nichts rechtſchaffenes daraus; dahero die H. Jutta Wit - tib aus Thuͤringen mehrmal vierzehen Tag nach einander ohne Speis und Tranck gelebt / auch anbey mit Cilicien und oͤfftern Geißl-Streichen den Leib unbarmhertzig zerfleiſcht / und ihmeCont. Bollan 5. Maj. noch die bloſſe Erde fuͤr ein Bett kuͤmmerlich vergonnt / wel - ches GOTT dem HERRN alſo wolgefaͤllig geweſt / daß ſie lang nach ihrem Todt / als ſie angeruffen worden / die Au - gen eroͤffnet.

Wann man das Buch nicht in die Preß ſperrt / und es alſo zuſammen zwingt / daß es moͤchte / dafern es kunte / MordioContin. Bolland. 1. Maj. ſchreyen; wann man ſolches nicht mit dem ſcharpffen Rundhob| alſo barbiert / daß ihme moͤchten die Augen uͤbergehen / ſo wird ein plumpes Weſen daraus: darumben die Heilige Mathildis, ſo von etlichen Mechtildis geſchrieben wird / und einen ſehr hei - ligen Wandel in dem Obern Hertzogthum Baͤyern gefuͤhrt / we - der Fleiſch noch Wein genommen oder genoſſen / und noch dar - uͤber den Leib mit einer eiſeren Ketten alſo eingefeſſlet / und har - ten Geißlen mehrmalen empfangen / das faſt nie ein Stieffmut - ter im Brauch gehabt.

Wann man die Leinwath nicht mit einer ſcharpffen Laugen zwagt / und ihr mit dem Waſchbley nicht oͤffters einen guten Puff auf den Schedel gibt / auch ſie dergeſtalten hin und her ſchlingt / daß ihr moͤcht die Haut ſchauren / ſo wird ſie die weiſſe Reinigkeit ſo bald nicht anziehen; dahero die Heil. Bona von Piſis aus He - truria ihren / obſchon unſchuldigen Leib dergeſtalten durch Ca - ſteyung uͤbel tractirt / daß er warhafftig einen Leibeignen mu - ſte abgeben / ſo tragte ſie beynebens am bloſſen Leib einen eiſeren Guͤrtel zur groͤſſerer Abtoͤdtung ihres Fleiſches / als man ſolchenIbidem. Guͤrtel / wie ſie ſelbſt verlangt / nach dem Tod wolte zu einem Crucifix ſchmieden / und ſie aus dem Feuer auf den Amboß gezo - gen / auch bereits die Haͤm̃er in die Hoͤhe geſchwungen / da iſt ſolcher Augenblicklich in ein wolgeſtaltes Crucifix verwandlet worden.

Y 2Wann172Judas hat keine gute Meynung /

Wann man die Brenneſſel nit ſcharpff mit den Haͤnden antaſt / und ihre Blaͤtter nicht grob und hart reiben thut / ſo er - faͤhrt man bald ihr duͤckiſche Natur / und hinterhaltenen hitzigen Zorn. Derenthalben die Heilige Joanna ein Koͤnigliche Prin - zeſſin aus Portugal noch zu Hof unter dem ſeidenen und gulde - nen Kleider-Pracht ein ſcharpffes haͤrines Hemmet getragen /Ibid. 12. Maj. auf dem harten Boden ihr Ligerſtatt genommen / und halbe Naͤchte auf bloſſen Knyen im Gebet zugebracht.

Wann man den Weinſtock nicht immer zu die gruͤne Federn ſtutzt / ihme auch oͤffters das ſcharpffe Rebenwaſſer zu koſten gibt / daß ihme die helle Zaͤher herunter rinnen; wann man denſelben nit anbindet wie ein Ubelthaͤter und arreſtirten Boͤßwicht / ſo wird er nie gut thun. Deſſentwegen die Seelige Geradeſca auch / von Piſis gebuͤrtig / mit ihrem Leib alſo ſtreng verfahren / daß ſie ihme nit ein Biſſen Brod vergonnet / biß er taͤglich ſechs hundertmal die Knye in der Kirchen gebogen / nachmahls warIbid. 9. Maj. ſein gantzes Tractament, neben dem ſtetigen Cilicio ein wenig Brod in Waſſer gedunckt.

Nicht anderſt haben ihren Leib caſteyet Magdalena de Paz - zis, Thereſia à Jeſu, Catharina Senenſis, Clara von Aſſis, Clara de Monte Falco, meines Ordens / Luthgardis, Aga - tha de Cruce, Eliſabeth Suena, und unzahlbare andere mehr / wodurch ſie dann CHRJSTO JESU dem Himmli - ſchen Braͤutigamb das hoͤchſte Wolgefallen verurſacht / und derenthalben ein ſondere Cron und uͤberſchwenckliche Glory im Himmel erlangt.

So wird dann nit weniger ein beſondern Lohn und ewige Vergeltung zugewarthen haben ein gewiſſe Dama, ein hoch-A - deliches Frauen-Zimmer N. welche gleichmaͤſſig ihren Leib zim - lich hart caſteyet; Dann erſtlich tragt ſie ein ſo enges mit ſtarcken Fiſch-Bein eingezaͤuntes Leibſtuck / daß es ihr die zarte Haut zu - ſammen zwaͤngt / und offt uͤberlaͤſtiger iſt / als ein rauhes Cili - cium, nachmahls pflegt ſie faſt nicht mehr zu eſſen als ein jungerSpatz /173ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.Spatz / der vor drey Tagen noch in der Eyrſchallen logirt hat / ſie enthaͤlt ſich gaͤntzlich des Weins / unangeſehen / der Keller mit dem edleſten Reben-Safft haͤuffig verſehen / ſie mortificirt die zarte Fuͤß mehrer / als die Jſraeliter / wie ſie viertzig gan - tzer Jahr durch die Wuͤſten und ungangbahre Wildnus ſeynd gemarſchiert: Sie leid Froſt und Kaͤlten / und ſpielt faſt oͤffter auf der Zittern / als David auf der Lauten: ſie iſt dem Wa - chen alſo ergeben und zugethan / daß ſie vor Mitternacht nie - mahl ſich zur Ruhe begiebt. Fuͤr alle dieſe Caſteyung wird ihr Zweiffels ohne der gerechte GOTT bezahlen / wie er bezahlt hat Æmiliam die Heilige / Juttam die Heilige / Mathildem die Heilige / Bonam die Heilige / Joannam die Heilige / Gerar - deſcam die Heilige / ja / ja / wann alles dieſes ihr Leyden und Mortificirung waͤre geſchehen aus guter rechter Meynung / und heiliger Intention wegen GOTT / ſo haͤtte ſie einem ziemli - chen Schatz der Verdienſten bey einander; Unterdeſſen aber / weil ſie ſchlecht Cordeboniſch / hat ſie ſo viel Lohn / und Cron und Thron zu hoffen / als man Speck find in einer wol aufge - raumbten Juden-Kuchel / ich will ſagen / nichts / und aber nichts / und wiederumb nichts. Solche koͤnnen ſagen: Propter te (ô diabole!) mortificamur totâ die.

Daß ſie ihren Leib hart gehalten / und denſelben compen - dioſer Weiß zuſammen gezwungen / iſt darumb geſchehen / damit ſie gantz rahn herſehe / und nit etwan einem Boͤhmiſchen Hopffen - Sack verwandt ſeye / ſondern die Dicke eines Zuck erhuts nit uͤber - treffe. Daß ſie ſo gemaͤß in dem Eſſen geweſt / iſt darumb ge - ſchehen / damit ſie nicht in ein unangenehme Feiſte gerathe / und nachmahls einer nobilitirter Schmaltz-Doͤſen gleich und aͤhnlich ſeye: daß ſie ſich des Weins enthalten / iſt darumb geſchehen / da - mit hierdurch die allzu groſſe Roͤthe in den Wangen vermeidet / zugleich auch denen herfuͤr dringenden Weber-Granat| der Paß verſperꝛt werde: daß die Fuͤß in einen ſo ſtrengen Orden getretten / und die Zehen uͤber einander gewicklet wie ein Trutten Fuß / iſtY 3dar -174Judas hat keine gute Meinung /darumben geſchehen / damit die kleine Schuͤchel einen lidernen Zeugen ſollen abgeben / daß ihre Fuͤß ſo zart und klein / wie die Fußſtapffen eines Bachſteltzens: daß ſie mehrmal groſſe Kaͤlte und Froſt ausgeſtanden / iſt darumb geſchehen / damit ihren Schneeweiſſen Orientaliſchen Perlfarbigen Hals alle koͤnnen ſehen / und loben / darumb iſt ſie nackend umb den Hals gan - gen: daß ſie die halbe Nacht mit wachen zugebracht / iſt darumb geſchehen / damit ſie dem papiernen Duel des Pamphili koͤnne beywohnen / in Summa: Gelitten hat ſie gleich andern Heili - gen Jungfrauen und Frauen / deren Namen im Buch der Le - bendigen verzeichnet; weil ſie aber nicht aus guter Meinung ge - litten / wie dieſelbige / alſo bleibt ihr des Teuffels Danck.

Die Frembde beherbergen / iſt unter den guten Wercken ei - nes aus den vornehmſten / welches wol gewuſt hat der Heilige Patriarch Abraham / der nicht allein alle ankommende Gaͤſt auf das freundlichſte empfangen und tracirt / ſondern er iſt ſelbſt auf die Straſſen hinaus gangen / hin und her ſeine Augen gewen - det / ob nicht einige reiſende Frembdling vorbey gehen / die er in ſein Herberg kundte an - und aufnehmen. Auf ein Zeit ſahe er daher kommen drey Engel / die er aber vor Frembdling gehalten / und nicht erkennet / dieſen iſt er alſobald und gantz ſchleunig ent - gegen geloffen / ſelbe demuͤthig bewillkommet / und ihnen ſein Haus und gantzes Vermoͤgen in Kuchel und Keller freundlichſt anerbotten / und da ſie Anfangs die Einkehr weigerten / hat er dieſelbe bey den Haͤnden und Kleidern gleichſam mit einem hoͤfli - chen Gewalt mit ſich gezogen. O mein GOTT! wie wenig ſolche Abraham findt man der Zeit auf der Welt; man laufft ei - nem nicht allein nicht entgegen / ſondern er muß noch ein halbe Stund an der verſperꝛten Thuͤr faſt wie ein Baum-Haͤckel pe - cken und klopffen / biß endlich ein zottiger Fleck Haſpel aus dem Fenſter ſchreyt / es ſeye Herꝛ und Frau nicht zu Haus / da doch ſolche unterdeſſen mit ſchmutzigem Maul bey der Tafel ſitzen. Abraham hat ſeine liebe Gaͤſt ſtattlich tractirt / ſo hat ſich auch derentwegen der Sara ſein Gemahlin ſehr wacker in der Kuchelherumb175obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.herumb getummlet / ſo man ſonſten bey der hunderten nicht er - fahrt; dann ſie gemeiniglich Geſichter ſchneiden / wie ich ſelb - ſten wahrgenommen / daß auch die Bauren vor ſolcher Finſter - nuß moͤchten die Brunnen zudecken. Solcher Hoſpitalitaͤt und Freygebigkeit gegen denen Gaͤſten halber iſt der fromme und Gottsfoͤrchtige Patriarch ſattſam belohnt worden; maſſen ih - me in Anſehung deſſen wider alles Verhoffen in ſeinem erwach - ſenen Alter ein Maͤnnlicher Erb verſprochen worden / deſſen Saamen und Stammen den gantzen Erden-Kreiß ſolte an - fuͤllen.

Loth iſt nicht geringer geweſen in der Liebe gegen den Fremb - den; als er deren zwey auf ein Zeit erblickt / hat er ſie nicht allein / wie er gewoͤhnlich pflegte zu thun / hoͤflichſt complimentirt / ſondern anbey auch demuͤthigſt erſucht / ſie wollen doch die Ein - kehr bey ihme nehmen / und ſeine Armuth nicht verſchmaͤhen; als ſie aber beyde ſich deſſen bedanckten / und ſich verlauten laſſen / daß ſie ſchon wollen die Nacht hindurch unter dem freyen Himmel vor lieb nehmen / wolt ſolches der gute Loth auf keine Weis zulaſſen / ſondern wie er vermerckte / daß ſein hoͤfliches Einladen nichts vermag / da hat er ſie beyde beym Fluͤgel ge - nommen / und kurtz umb in ſein Behauſung gefuͤhrt / compulit illos &c. Es waͤre zu wuͤnſchen / daß mehrer wie Loth geſitt oder geſinnet waͤren / aber das Widerſpiel erzeigt ſich oͤffter. Jch hab vor vielen Jahren / weil das Tag-Liecht mich bereits verlaſſen / muͤſſen umb ein Herberg bitten bey einem Geſchloß / welches ich unterdeſſen will Ubelhofen tauffen! dann unmoͤglich ſcheinte / daß ich mein Reiß ferners kunte wegen einbrechender Nacht fortſetzen. Jn Abweſenheit der Herꝛſchafft war die Au - dientz bey dem Dorff-Barbierer (vulgò Pfleger) gar ſchlecht / maſſen ſolcher ſich entſchuldigte / daß ihme die Herꝛſchafft in ſei - ner Reittung keine Unkoſten geſtatte einiger Gaͤſte / ſo laſſe es auch ſein Vermoͤgen nicht zu / dergleichen Leut aus eignem Beu - tel zu tractiren. Es ware dazumal die Oeſterliche Zeit / aber auf ſolchen Beſcheid iſt mir wenig Alleluja eingefallen. DieFrau176Judas hat kein gute Meinung /Frau Pflegerin ſcheinte eines beſſern Humors, in Erwegung de - ſo ſpaten Abends / und hat mit ihrer Haus Eſoquenz ſo viel aus gericht / daß ich und mein Geſpann unter das Tach ſeyn ein - gelaſſen worden / allein weil es dem Geſtrengen Herꝛn Pflege - ro nicht allerdings wolgefaͤllig geweſen / alſo iſt das Nachtmahl zimlich in dem abnehmenden Mond kocht worden; jedoch die Frau Patientia hatte gute Zaͤhn / womit ſie das alte Kuͤh - Fleiſch / wol hat koͤnnen zermahlen: allein das Zimmer / wor - ein uns der loſe Pfleger mit allein Fleiß logirt hat / ware faſt un - ertraͤglich / maſſen es die gantze Nacht hindurch ein Turnir - Platz aller Teuffels-Geſpenſter geweſen. Keiner aus uns kun - te ein Aug zu thun / es ſcheinte / als thaͤte der Tyranniſche Ne - ro alle Romaniſche Pferd in dem Zimmer herumb tummlen: uns iſt geweſen / als ſitzen wir in einem Diocletianiſchen Bad / ich glaubte kraͤfftig / dieſes Ort muͤſte des Obriſten Lucifers Muſter-Platz ſeyn. Wir waren zwar mit Creutz verſehen / wie ein Better-Kramer / in Anſehung dieſes ſo heiligen Zeichen wir auch den mindeſten Schaden empfangen / allein der Hoͤlliſche Randevois hat uns dermaſſen abgemattet / daß wir den bleichen Wax-Kertzen nicht ungleich geſehen / und welches das Ubel noch vergroͤſſert / iſt geweſen des Pflegers mehrmals vernommenes Gelaͤchter / als der ſich hoͤren laſſen / es thuts denen Pfaffen wol / und habe vermeint / dergleichen geweichtes Geſindel ſoll ſich vor dem teuffliſchen Raub-Voͤgeln nicht entſetzen. Jch hab mich fruͤh Morgens gar bey anbrechendem Tag per Synopſin bedanckt / anbey aber gedenckt / wann ich der Patriarch Abra - ham waͤre / ſo wolte ich ihne auch hinwiederumb beherbergen.

Das Sunamitiſche Weibel iſt dißfalls weit hoͤflicher und barmhertziger geweſt / indem ſie dem Mann GOttes Eliſæo nicht allein die Herberg angeboten / ſondern ihme gar Haͤnd ange - legt / und nit weiter laſſen gehen / weſſenthalben ſie auch abſonder - lich von dem Allerhoͤchſten iſt belohnt worden. Was Natzen hat nicht jenes adeuche Haus noch / umb / weil es mit aller Liebden177ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.den Heiligen Franciſcum beherbergt? Jn dem Florentiner Ge - bieth iſt noch auf den heuntigen Tag ein Geſchloß zu ſehen / welches den Namen hat Montaut, und ein Wohnung iſt einer Hoch-Adelichen Familiæ. So offt jemand aus beſagtem Ge - ſchlecht ſtirbt / da erſcheinet allemahl ein geraume Zeit vorher ober dem Geſchloß ein ſichtbare Flammen in dem Lufft / mit dieſem Unterſchied; wann beſagte Flammen groß iſt / ſo be - deut es gewachſene und alte Leuth / da ſie aber klein herſicht / da bedeut es kleine Kinder / kan alſo ſolcher Geſtalten ein jedes aus dieſem Adelichen Haus ſich wol zum Tod bereiten / welches ein abſonderliche Gnad vom Himmel / und hat ſolche durch ſeine groſſe Vorbitt zu wegen gebracht der Heilige Franciſcus von Aſſis, umb weil er etlich mahl in offtbenanntem GeſchloßPetra Sanct. c. 27. die Herberg gehabt / und mit aller moͤglichſter Lieb gehalten worden. Mein Heiliger Vatter Auguſtinus hat durch die Gutthaten / die er allen Frembden durch das Herbergen erwie - ſen / die großmaͤchtige Gnad erhalten / daß GOTTES Sohn und der Welt Heyland ſelbſt in Geſtalt eines armen Pil - grams bey ihme die Einkehr genommen / und von ihme laſſen dieIn vita. Fuͤß waſchen.

Der Heilige Franciſcus de Paula, der Heilige Ivo, der Heilige Gregorius Magnus, der Heilige Leo, die Heilige Eli - ſabeth aus Ungarn / und unzahlbare mehr haben von GOTT ein abſonderliche Vergeltung bekommen / weil ſie die Frembde beherberget / und was Zachæus Chriſto dem HErrn gethan / wie er ihne in ſein Haus aufgenommen / was Martha dem Hey - land erwieſen / wie ſie ihn in ihrer Behauſung tractirt / was die zwey Juͤnger dem Seeligmacher er zeigt / wie ſie denſelben in die Herberg hinein gezogen / das thut ein jeder / welcher die Frembdling / und forder iſt arme Geiſtliche beherberget / und mit Lieb aufnimmt.

Der Heilige Biſchoff Fortunatus haͤt auf ein Zeit den boͤ - ſen Geiſt aus einer beſeſſenen Perſohn vertrieben / welches die hoͤlliſche Larven in allweg verdroſſen / auch allerſeits geſucht /Pars IV. Zwie178Judas hat keine gute Meynung /wie er dieſe angethane Unbild moͤchte raͤchen; zu ſolchem Ende vermaſchariert ſich der verdammte Geiſt in die Geſtalt eines ar - men Pilgrams und Frembdlings / und ziehet mit weinenden Au - gen und groſſen Wehe-Klagen in der Stadt herumb / vorge - bend / was die Stadt vor einen unbarmhertzigen Biſchoff ha - be / als der ihme / armen Tropffen / nicht einmahl ein Herberg vergonne / es ruͤhre aber alles her von ſeinem unerſaͤttlichen Geitz / als der bey den Pfaſſen ſo gemein / wie bey den Juden ein di - ckes Kroͤs / ſie predigen wohl / ſagt er / und ruffen andere zur GOttesforcht / aber wie die Glocken im Thurn / ſo andern in Kirchen laͤuthen / und kommen ſelbſt nicht darein / das ſeynd Impoſtores und nicht Paſtores, &c. Was gilts ein Welt - Menſch wird ſich ehender meiner erbarmen / und mir verlaſſe - nen Menſchen unter ſeinem Dach ein Winckel vergonnen / als dieſer Beiſt die Schaaf. Solches Wehe-Klagen und Lamen - tieren hat ein Burger / ſo gleich dazumahl ſammt Weib unnd Kindern beym Feuer geſeſſen / vernommen / und ihn alſobald freymuͤthig in die Herberg an - und aufgenommen: Jn dem ſie ein Weil mit einander geredet / da ergreifft dieſer vermaſcharierte Frembdling den kleinen Sohn des Burgers / und ſchmitzt ihn mit ſolchem Gewalt in das Feuer / daß er alſobald den Geiſt aufgeben / woruͤber er auch verſchwunden. O mein gerechter GOTT! warumb haſt du ſolches Ungluͤck uͤber dieſen ſo barm - hertzigen Burger verhaͤngt? Es iſt ja ein ſonders gutes / und dem Himmel wohlgefaͤlliges Werck / wie ſattſam zuvor bezeuget worden / wann man die Frembdling beherbergt? Ja freylich / was dann? Allein dißfalls ware es bey erſtgemeldten Burger kein gutes Werck / aus Urſach / weil er kein gute Meynung gehabt / dann er iſt die Zeit ſeines Lebens ein abgeſagter Feind der Geiſtlichkeit geweſen / deſſen Gliffter noch mehr vorhanden; weil er gehoͤrt hat den frembden Menſchen (ob er ſchon nit gewuſt / daß er der boͤſe Feind ſeye) daß er alſo ſchmaͤhe und uͤbel rede von den Geiſtli - chen / alſo hat er ihn gar gern in die Herberg aufgenommen / nicht aber aus guter Meynung / ſondern damit er etwas Neues ver -nehme179ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.nehme von den Pfaffen (alſo pflegen etliche Vernunfftloſe Phan -Gregor. l. 5. dia - log. taſten zu reden) weil dann dem Menſchen die gute Intention ge - manglet / alſo iſt auch das Werck den Augen GOttes mißfaͤllig geweſen.

Alſo thut der allwiſſende GOTT nit in Obacht nehmen / was der Menſch thut / ſondern wie ers thut / er ſchaut auf den Kern / und nicht auf die Schaͤln oder Hilſen / der Kern iſt die Meynung / die Schaͤln aber das Werck. Er ſchaut auf die Korn-Aehr / und nicht auf den Halm / die Aehr iſt die Meynung / der Halm aber das Werck; Er ſchaut an den Schatz und nicht die Truchen / der Schatz iſt die Meynung / die Truchen aber das Werck; Er ſchaut an den Degen / und nicht die Scheld / der De - gen iſt die Meynung / die Scheid aber das Werck. Was hilffts / wann die Scheid gut / und der Degen roſtig? Was nutzt es / wann die Truchen ſtattlich / und falſche Guldiner darinn? Was tragts / wann der Halm hoch und grad / und die Aehr laͤhr? Was bringts / wann die Schalen gut / und der Kern Wurm - ſtichig? Was Verdienſt / wann das Werck loͤblich / und die Meynung und Intention boͤß?

GOTT der HERR hat das hoͤchſte Wolgefallen an der Liebe und Einigkeit der Eheleuth / und wann ſolche wol mit einander uͤbereins ſtimmen / ſo wird der Teuffel ehender vertrie - ben / als durch die wohlgeſtimmte Harpffen des Davids. Wie der tapffere Kriegs-Fuͤrſt Joſue ritterlich gekaͤmpfft wider die Feind GOTTES / auch bereits in Mitte des Siegs begriffen / ihme aber der anbrechende Abend verhinderlich ſcheinte / die Victori fortzuſetzen / alſo hat er ſich aus purem Vertrauen auf dem wahren GOTT unterſtanden; der Sonnen / dieſem ſchnellen Tags - Liecht / ein Arreſt anzubiethen / ja er hat ernſtlich befohlen / ſie ſolle ſtill ſtehen / und ihren gewoͤhnlichen weitern Lauff innen hal - ten; desgleichen iſt er auch verſahren mit dem Mond / er ſoll ſich eben - falls nit ein Hand breit mehr bewegen / daß Joſue der Sonnen einen Stillſtand auferlegt / gehet hin / und waͤre ihr Liecht den Tag zu ver - laͤngern ſchon genug; aber aus was Urſach ſchafft er auch den Mond -Z 2Schein /180Judas hat keine gute Meynung /Schein / daß ſelbiger ſolle ſtill halten? Abulenſis giebt hierauf die Antwort / es waͤre in dem Himmel ein groſſe Unordnung geweſen / wann eines waͤre geſtanden / und das andere nicht / ſeye demnach rathſamer / wann eines gehe / daß auch das an - dere gehe / und wann eines ſtehe / daß auch das andere ſtehe / ꝛc. Was Sonn und Mond im Himmel / das ſeynd auch Weib und Mann im Haus / wie dann dem Egyptiſchen Joſeph nicht uͤbel getraumet / als er im Schlaf geſehen / daß Sonn und Mond ihne verehren und anbeten / wodurch Vatter und Mut - ter verſtanden worden; wann nun er die Sonn iſt als das groͤſſe - re Liecht / und ſie der Mond als das mindere Liecht / ſo ſtehet es uͤberaus wol / wann ſie beyde einhellig ſeyn / und wol zuſammen ſtimmen / was eins will / das woͤlle auch das andere / wordurch die GOTT gefaͤllige Lieb und werthe Einigkeit im Eheſtand er - halten wird.

Anno 1317. wurde zu Maͤyntz im Creutzgang der Thum - Kirchen begraben Heinrich / mit dem Zunamen Frauenlob / deſ - ſen Leichnam von ſeinem Haus biß zu beſagtem Ort lauter Wei - ber getragen / und ihne ſehr Wehemuͤthig beklagt / die Urſach ware / weil er in ſeinem Leben dem Weiblichen Geſchlecht zu Ehren und Ruhm viel ſchoͤne Lieder gedicht; unter andern Cere -Albertus Argent. monien ward ſo viel Weins auf ſein Grab gegoſſen / daß ſolcher durch den Creutzgang gefloſſen.

Dieſem ſeynd die Weiber hoch verpflicht geweſen / aber noch mehrer und weit mehrer dem Heiligen Paulo, dieſer Apo - ſtoliſchen Welt-Poſaunen / maſſen er viel dem Weiblichen Ge - ſchlecht zu Ehren und Nutz geſchrieben: unter andern dringetAd Eph. c. 5. und gibt er allen Ehe Maͤnnern folgende Lehr: Viri diligite Uxo - res veſtras, ſicut Chriſtus Eccleſiam, &c. Jhr Maͤnner liebet eure Weiber / wie Chriſtus ſeine Kirchen.

Solcher Lehr in fleiſſig nachkommen Herꝛ Laurentius Schlaf / vorhin ein geweſter Student und Præceptor, welcher ein ſehr reiche jedoch alte Handels-Frau zur Ehe genommen / mir der er in groͤſter Lieb und Einigkeit gelebt / unangeſehen / ſieden181ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.den Alt geſungen / und mit dem zitterenden Kopff den Tact ge - ben / unangeſehen / ſie den December in Haaren und Jahren gehabt / unangeſehen / ſie ein gefaltetes Geſicht gehabt / wie ein geſtaͤrcktes Bauren-Kroͤs / unangeſehen / ſie immerzu ge - huſt / wie ein beladener Kramer-Eſel / ſo hat er ihr gleichwol allezeit das Placebo Domine geſungen: Wie ſie pfiffen / ſo hat er getantzet / wie ſie geriſſen / ſo hat er gemahlen / wie ſie buch - ſtabiert / ſo hat er geleſen / zum Ja / hat er den Kopff geneigt / zum Nein / hat er den Kopff geſchuͤttlet / wann ſie gelacht / ſo thaͤt er ſchmutzen / wann ſie geweint / ſo thaͤt er ſich betruͤben / wolte ſie trincken / ſo ſchenckte er ein / wolte ſie paperlen / ſo legt er vor. O mein Hertz! ſagte er mehrmahl / mein Veroni - ca, es iſt mir mein Lebetag niemand ſo lieb geweſt / als du / GOTT und der Himmel iſt mein Zeug / daß ich lieber wolt das Koͤnigreich Neapl verlieren / als dich / lieber wolte ich mich ſelbſten in die Zunge beiſſen / als dich mit dem wenigſten unge - reimten Wort beleidigen / man glaubt mits nicht / aber es iſt doch wahr / wann du von Zucker waͤreſt / ſo haͤtte ich dir ſchon laͤngſt vor Lieb den Kopff abbiſſen: Aber das muſt du doch beken - nen / daß wir beyde bißhero / GOtt ſeye hoͤchſter Danck / in groͤ - ſter Lieb und Einigkeit die Zeit zugebracht.

O! was Verdienſten hat nicht dieſer junge Laurentius Schlaf geſammlet / daß er gleichwol mit einer alten und betag - ten Frauen die groſſe Gedult gehabt / und den lieben Frieden / ſo meiſtens in einem ungleichen Eheſtand zu trummeren gehet / un - verletzter gelaſſen? Abraham ein heiliger Ehemann / Noe ein heiliger Ehemann / Moyſes ein heiliger Ehemann / Jacob ein heili - ger Ehemann / Joſeph ein heiliger Ehemann / Leopoldus, Henri - cus, &c. H. H. Ehemaͤnner / ungezweifflet auch dieſer Herꝛ Lau - rentius Schlaf? bey leib nicht. Sein Zunamen Schlaf heiſt zuruck geleßner Falſch. Die Lieb / ſo er ihr gezeigt / ware nur ein vermaſcherte Lieb / ein anders iſt Ave Rabbi in Worten / ein anders Ave Raben-Viech in der Meynung: Er hat wol ge - ſagt / willkomm mein Schatz / aber hat ihm gedenckt / daß ſie derZ 3Bader182Judas hat kein gute Meynung / ꝛc.Bader kratz / er hat ſie ja freylich wol mit keinem Wort beleidiget / aber nicht aus Antrieb der ehelichen Liebe / ſondern aus Begierd der Verlaſſenſchafft / die er von ihr gehofft / und folgſam hat er hier - durch weder GOtt noch dem Himmel gefallen / weil er nicht recht Cordeboniſch / das machte die boͤſe Meynung.

Entgegen aber ein gute Meynung gibt allen Wercken das Leben / den Werth und den Preiß. Zu Jeruſalem haben die He - braͤer reichliches Allmoſen in den Opffer-Stock des Tempels ge - legt / ſilberne und guldene Muͤntz hinein geworffen / die Phari - ſaͤer forderiſt haben gantze Haͤnd voll Geld aus dem Sack gezo - gen / und damit den Stock angefuͤllt; ſo kame aber auch ein ar - mes Weibel daher / ſo Alters halber kein Zahn mehr im Maul gehabt / desgleichen faſt ſo viel Geld im Beutel / die arme Haut hatte ein abgeſchabenes Kuͤttlein an / daß einem iſt eingefallen / der Jeremias waͤre damit aus der Gruben gezogen worden / maſ - ſen die Heilige Schrifft ſagt / daß er mittler alter Fetzen ſeye er - lediget worden. Jhr geringer Aufzug gabe ſattſam an Tag / daß ſie in zimblicher Armuth und Beduͤrfftigkeit / auch faſt keine Zaͤhn mehr im Maul von noͤthen habe / zumahlen ſie nichts hatte zu nagen und zu beiſſen / ꝛc. Dannoch hat ſie zwey kupf - ferne Haller auch in Stock hinein geworffen / und alſo ihr Opffer verricht. Der gebenedeyte HERR und Heyland JESUS hat allen dieſen Ceremonien im Tempel zugeſchaut / und endlich dieſen Ausſpruch gethan / daß dieſes arme Weibl mehrer habe in Stock gelegt / und weit reichlicher geopffert / als alle andere / dann ſie hats gut gemeynt / und ſolchen guten Willen und aufrich - tige Meynung nimmt GOtt an Statt des groͤſten Wercks an.

Judas483[183]

Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andere Apoſtlen groſſe Miracul nnd Wunderwerck.

OB ſchon dieſer verruchte Boͤswicht in ſeinem unmenſchli - chen Hertzen bereits die verraͤtheriſche Gedancken gehabt / JESUM das unſchuldige Lamm auf die Schlacht - Banck zu lieſern / ſo hat gleichwol der guͤtigſte Heyland / unan - geſehen ſolcher grundloſen Boßheit / ihme / wie andern Apoſtlen ertheilt die ſondere Gnad / allerley groſſe Miracul und Wunder in ſeinem Namen zu wuͤrcken; wie er dann / nach Auſſag Hierony - mi und Anaſtaſij, und vieler andern Heiligen Lehrern / nit allein die Ausſaͤtzige gereiniget / ſondern ſo gar die Todte zum Leben erwe - cket hat: Ja andere wollen / daß er auch dem Petro gleich / mit ſei - nem Schatten die Kranckheiten gewendt habe.

Vielen kommt es ſehr frembd / und zwar ungruͤndlich vor / abſonderlich denen gemeinen Leuthen / dero Witz durch die Theo - logiſche Lehr nicht iſt abgeſchliffen / wann man ihnen vortraͤgt / was Geſtalten auch ein laſterhaffter und boͤſer Menſch koͤnne Miracul und Wunder wuͤrcken / ſo aber gleichwohl ein wahrer Ausſpruch iſt bey allen Schrifftgelehrten; dann wohl zu mercken / daß die Miracul und Wunderwerck nicht anderſt geſchehen / als durch Goͤttliche Krafft / und auf zweyerley Weiß: Entweders zur Bekraͤfftigung der Evangeliſchen Warheit ſeines Goͤttlichen Worts / und des allein ſeeligmachenden Glaubens / oder aber zur Offenbahrung eines Menſchens Heiligkeit und Tugenden. Auf die erſte Weiß kan auch ein boͤſer Menſch / wann er ſteiff und warhafftig in Chriſtum glaubt / und ſeinen allerheiligſten Namen anrufft / bißweilen Wunderwerck wuͤrcken / welches doch GOTT gar ſelten zulaſt / und iſt glaublich nach Auſſag Petri Damiani, daß ſolches moͤchte von Anfang der Catholiſchen Kirchen geſchehen ſeyn / allwo die Goͤttliche Allmacht auch durch nicht heiligePer -184Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern ApoſtelnPerſonen offt Wunder-Werck und Zeichen gewuͤrcket / damit der noch ſchwach-gegruͤndete Glauben deſto feſtere Wurtzel faſſe.

Erſtlich iſt zu wiſſen / daß niemand auſſer GOtt des All - maͤchtigen koͤnne Miracul wuͤrcken; dann ob ſchon aus den Ge - ſchichten und Lebens-Verfaſſungen der Heiligen kundbar iſt / daß viel Heilige groͤſſere und mehrer Wunderwerck an Tag gebracht / als Chriſtus der HErr ſelbſt / zumahlen Petrus ſo gar mit ſei - nem Schatten Miracul gethan / Gregorius Taumaturgus einen groſſen Berg von einer Seiten zu der andern geſchafft. Xave - rius weit mehr er Todte zum Leben erwecket / als der HERR JEſus / als welcher nur der Tochter des Fuͤrſtens der Synagog, dem Sohn der Wittiben zu Naim, dem Lazzaro einem Bru - der Magdalenæ und Marthæ das Leben wieder ertheilet / und bloß dieſe drey von Toden er wecket. Wann ſchon dieſe und viel andere Heilige mit mehrern und groͤſſern Miraculn geleucht / als Chriſtus ſelbſt / ſo iſt doch zu wiſſen / daß ſie ſolche Wunderwerck nit gewuͤrckt durch eigne Krafft und Vermoͤgen / wie der Hey - land / ſondern durch den Gewalt GOttes in dem Namen JEſu; dahero ſie allemahl / bevor ſie ein Wunderzeichen ſehen laſſen / den allmaͤchtigen GOtt angeruffen / weſſenthalben nicht ihnen / ſondern GOtt dem HErrn allein der Gewalt und die Macht / Miracul zu wuͤrcken / zuzumeſſen iſt.

Die plumpe Welt / und etliche dero Witzloſe Menſchen machen gar offt aus einer Sachen ein Miracul und Wunder - Werck / da es doch in der Warheit nit alſo ſolt benambſet wer - den / ſondern traͤgt vielmehr den Namen eines Wunders / als eines Wunderwercks; Wie dann ein gemeiner Schmuzius ge - weſt / deme in dem Wirthshaus / allwo er die Einkehr genom - men / die Maͤus faſt die halbe Hoſen verzehrt / woruͤber fruͤhe Morgens er ſich nit gnugſam kunte verwundern / ja ſo gar uͤber - laut auf geſchryen: Miracul! Miracul! wie da? fragt der andere ein Mitgeſpan / die Maͤus / antwortet er / haben mir die Hoſen gefreſſen. Du Phantaſt / ſagt der hinwider / das iſt kein Miracul:aber185Groſſe Miracul und Wunderwerck.aber wann die Maͤus waͤren von Hoſen gefreſſen worden / das waͤre ein Miracul / und ſonders Wunderwerck. Alſo ſeynd nit wenig / die ein jede ſeltzame Sach / ſo ihnen frembd vorkommt / ein Miracul tauffen / da doch ſolches Ding von denen verborg - nen Wuͤrckungen der Natur herruͤhret.

Daß die Ruthen / ſo man insgemein / die Wuͤnſch Ruthen nennet / ſich von freyen Stucken und naigen an demſelben Orth / wo Geld und Silber-Adern verborgen ſeynd / iſt kein Miracul / noch weniger ein Zauberey.

Daß grauſame Wind / und ungewoͤhnliche Sturm Wet - ter entſtehen / wann ſich jemand ſelbſt erhenckt / iſt kein Mira - cul / wie Majolus beſtaͤttiget / in dieb. Canic. fol. 448.

Daß ein Magnet durch unbekandte Buhlerey alſo in das Eyſen verliebt / und ſelbes ſo wunderlich an ſich zieht / iſt kein Miracul / ſondern ein Eigenſchafft der Natur.

Daß einem wieder alles Verhoffen das Blut gaͤhling aus der Naſen ſchwaiſt / und an beeden Haͤnden vil gelbe Fleck oder Mail auffahren / wann ſein Bruder oder Anverwandten in frembden und weitentlegnen Land mit Todt abgehet / iſt kein Miracul.

Viel tauſend dergleichen verborgene Griffel werden in natuͤrlichen Wuͤrckungen gefunden / die doch der gemeine Mann von Wunderwercken ausſchreyet. Jch will ſelbſt ma - chen / daß in einem finſtern Zimmer aller anweſender Koͤpff wie die Eſelskoͤpff mit langen Ohren behaͤngter herſehen / wann ich nur ein Lampen anzuͤnde / worinn ein gewiſſe Materi ſeyn muß / ſo gar leicht zu bekommen / und iſt doch kein Miracul / ſon - dern ein purer Effect der Natur.

Natuͤrlich iſt es und kein Miracul / daß ein kleines Fiſchel im Meer / Remora genannt / ein großmaͤchtiges Schiff auch in dem ſtaͤrckiſten Sturmwind aufhalten kan / wann es ſich nur an das Schiff anhaͤngt.

Natuͤrlich iſt es und kein Miracul / daß ein Baum in Jn -Pars IV. A adien186Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlen.dien Pudica genannt / die Naͤſt zu ſich zieht / wann jemand den - ſelben will anruͤhren.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / daß ein Leinwath von dem Hanff Asbeſto gemacht / im Feuer nit kan verzehrt werden.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / wann man ein gewiſſe Wurtzel in einem Hafen oder Topff wirfft worvon alles zer - hacktes Fleiſch wieoerum zuſammen wachſet.

Natuͤrlich iſt es und kein Mıracul / wann der Donner ein Kind in Mutterleib verzehret / ohne Verletzung der Mut - ter: der Fiſcher Netz im Waſſer zu Aſchen macht / und der obe - re Theil auf dem Waſſer gantz bleibt: das Schnuͤrl durch den gantzen Roſenkrantz verbrennt ohne Schaden der Grallen: alle Tauffeln des gantzen Faß vernichtet / und doch der Wein nit abrinne.

Petrus Meſſ. p. 1.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / daß ein Brunn in So - ria, wann man ſtillſchweigt / und das Maul haltet / gantz klar verbleibe; ſo man aber anfangt zu reden / gleich wild und truͤb werde als mache er derenthalben ein finſteres Geſicht.

Prieti. de Mirab. Gall. p. 2.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / wann zu Granobl in Delphinat ein gewiſſes Waſſer brennende Ding ausloͤſcht / und hingegen ausgeloͤſchte anzuͤnde.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / wann man ein gewiſ -Majol. 2 9. in Can. ſes Kraut auf die Glut legt / biß ein Rauch davon in die Hoͤhe ſteige / ſo kommen einem alle Baͤum und Traͤum in Zimmer vor wie die grauſame Schlangen / ſolches bezeugt ſelbſt der H. Thom. von Aquin.

Unzahlbare der gleichen Ding mehr / worvon gantze Buͤ - cher kunten verfaſt werden / zeugt die Natur in ihren heimli - chen Wirckungen / woruͤber ſich billich jederman verwundert / aber denſelben den Namen eines Miraculs oder Wunder - wercks gleichwol nit kan geben / doch aber anbey den allmaͤch - tigen GOtt in ſeinen Geſchoͤpffen preiſen und loben / als derauch187groſſe Miracul und Wunderwerck.auch dem geringſten Soñen-Staͤubel ein gewiſſe Krafft und Tugend vergonnet hat.

Desgleichen verdient auch nit den Titl eines Miraculs alles das jenige / was da der boͤſe Feind / oder durch deſſen Bey - huͤlff die Zauberer und Hexenmeiſter wuͤrcken.

Wunderlich iſt es geweſen / aber kein Wunderwerck / wie Simon Magus mehrmahlen mit zwey Geſichtern erſchienen / wie es denen von hartem Stain ausgehauenen Statuen und Bild nuſſen das Leben erthailet / daß ſie gleich andern Men - ſchen gangen und geſtanden / und geſeſſen ſeynd: wie er ſich gar offt in ein Gaiß oder Lamm verwandlet / wie er bey denen Mahlzeiten gemacht hat / daß die Schuͤſſel ohne eines eintzigen Menſchens-Huͤlff ſich auf den Tiſch geſetzt / die Thaͤler ſich ſelbſt gewechslet / die Glaͤſſer ſich ſelbſten eingeſchenckt / dıe Seſ - ſel und Stuͤll ſich ſelbſt nach Wunſch und Nothdurfft geruckt / wie er ſich nicht nur einmahl in lauter Gold verkehret hat / ꝛc. Und viel andere der gleichen mehr.

Wunderlich iſt geweſen / aber kein Wunderwerck / wie der Behmiſche Zyto zu Prag gar offt in einem von zweyen Go - ckel-Hahnen geſpannen Wagen herum gefahren / wie er bey vornehmen Gaſtereyen die Haͤnd der Gaͤſt in Ochſen-Fuͤß verkehrt / daß ſie alſo nit haben koͤnnen in die Schuͤſſel greiffen / wie er etliche Buͤſchel Heu in ſchoͤne gemeſte Schwein ver - kehrt / und ſelbe umb bares Geld verkaufft: wie er vor dem Koͤ -Dubra - vius lib. 23. nig / ſo diſen Zauberer gar wohl leiden moͤgen / ſich augenblick - lich in ein andere Geſtalt verſtellt / ꝛc.

Wunderlich iſt geweſt / aber kein Wunderwerck / wie Mi - chaël Sicitiſch ein Haupt-Zauberer zu Conſtantinopel ge - macht hat / daß ein Schiffmañ alles erdene Geſchirr / wormit das Schiff gantz und gar beladen geweſt / zu vil hundeꝛt Trim̃er mit dem Ruder zerſchlagen / dann es gedunckte ihne / daß ein groſſe Schlang hin uñ her krieche / ihne ums Leben zu bringen / weſſenthalben er alſo hin und her geſchlagen / daß endlich keinA a 2Ge -188Judas Jſcarioth wirckt gleich andern ApoſtlenGeſchirꝛ mehr gantz gebliben / worauf die Schlang verſchwun - den / und beſagter Zauberer hiervon nit einen geringen Ge - ſpais geſchoͤpfft.

Alle dergleichen Teuffels-Poſſen koͤnnen nit unter die Mi - racul gezehlt werden / zumahlen der Sathan ſamt allem ſeinem Anhang eigentlich kein Miracul wuͤrcken kan / maſſen ſolches allein der Goͤttlichen Allmacht vorbehalten; wol aber kan di - ſer verdambte Geſell die Augen der Umbſtehenden alſo ver - blenden; oder aber geſellt er die natuͤrliche Kraͤfften der Ge - ſchoͤpff alſo kuͤnſtlich zuſammen / d ſie einen wunderlichen Effect an Tag bringen / und folgſam uns gar wunderlich vor - kommt / weil wir nit alſo kuͤndig ſeyn der Eigenſchafft der Na - tur / wie diſer verdamte Boͤßwicht / als der alle und jede Men - ſchen in natuͤrlicher Wiſſenſchafft weit uͤbertrifft.

Man thut ſo gar den Namen Miracul mißbrauchen / daß bißweilen auch die alte Zahn - und Zaumloſe Weiber / wollen mit Miracul prangen / welches ſie maiſtens mit ihrer Aber - glauberiſchen Kram zuwegen bringen. Jch habe ſelbſt ein ſol - che alte Haus-Doctorin kennt / welche mit dem Zettel / worauff diſe folgende Wort geſchrıben waren / und der Patient an Hals gehengt / das Fieber gewendt hat.

Fieber hin / Fieber her /
Laß dich blicken nimmermehr:
Fahr derweil in ein wilde Au /
Das ſchafft dir ein alte Frau:
Sonſt muſtu fahren in Kuttelfleck /
Sihe alsdañ / wie dir die Herberg ſchmeckt /
Amen.

Daß zu Zeiten durch dergleichen aberglaubiſche Mittel ein Kranckheit koͤnne gewendt werden wunderbarlicher weis / will ich es dermahlen nit widerſprechen / aber ſolcher Effect iſtkeines189groſſe Miracul und Wunderwerwerck.keinesweegs diſen ungereimten Reimen zuzuſchreiben / ſon - dern vilmehr dem argliſtigen boͤſen Feind / und laidigen Sa - than, welcher zuweilen durch Goͤttliche Zulaſſung denen Men - ſchen mit natuͤrlichen Mittlen / jedoch auff unſichtbare Weiß den Zuſtand wendet / damit er nur hierdurch die unbehutſame Adams-Kindern in ihrem Affterglauben ſtaͤrcke / und zuweilen gar in teufliſchen Paet und Bund einfuͤhre.

Viel Ketzer und im blinden Jrꝛthum verdunckelte Leuth wollen ebenfahls ihnen einige Miracul zumeſſen / welche aber mehrenthails einen ſchlechten Ausgang genommen.

Der Heilige Joannes Capiſtranus hat vil Wunderwerck ſehen laſſen in unſerem weꝛtheſten Teutſchland / forderiſt in den Oeſterꝛeichiſchen Erb-Koͤnigreichen und Laͤndeꝛn / wordurch er ſein Heiligkeit nit wenig bey maͤñiglichen beſtaͤttiget; es waren ihme aber derenthalben die Ketzer ſehr haͤſſig / und auffſetzig / ſuchten auch anbey allerley gottloſe Mittel / wie ſie doch moͤch - ten ſeinen Namen und Ruf / wo nit gaͤnzlich veꝛnichten / wenigſt ſchmelern und verſchwaͤrtzen. Unter andern haben ſich einige Huſſiten zuſammen gerott / welche einen Boͤßwicht aus ihrer Sect dahin mit Geld vermoͤgt / daß er ſich fuͤr todt geſtellt / und nachmahls mit ſonderm Pracht zum Grab getragen worden; zugleich aber auch den H. Joannem gantz inſtaͤndig erſucht / er wolle doch Krafft ſeiner groſſen Vermoͤgenheit den todẽ Juͤng - ling zum Leben wiederum erwecken. Joannes durch goͤttliches Liecht vermerckt alſobald diſer Ketzer freche Boßheit / bricht de - rohalben in diſe erſchreckliche laute Wort aus vor jedermaͤñig - lichen: Diſer habe ſein Theil mit denen Todten / Ewig! E - wig! Uber welches die Huſſiten ſchimpflich gelacht / mit vielen hoͤhniſchen Wortẽ ſein Heiligkeit beſchnarchet / und ſich verlau - ten laſſen daß unter ihrer Zunft groͤſſere Heılige gefunden wer - den / wie ſie dann alſobald einem aus ihrer Geſellſchafft den Befelch geben / er ſolle zu der Todten-Sarch hinzu tretten / und den Verſtorbnen zum Leben erweckẽ / welches er ganz ſchleinigA a 3voll -190Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtelnvollzogen / und mit heller Stimm aufgeſchryen: Peter / ich ſa - ge dırs / ſtehe auff: Es wolt ſich aber der Peter an dieſe Wort nit kehren. Der ander widerholt ſeine Wort / ſchreyt / daß ihme ſchier das Maul aus dem Angl gangen / aber der Peter zaigt ſich ſtuͤtzig / und wolte ſeine Perſohn recht vertretten. Endlich zieht ihn der Geſell bey der Naſen / da find er bald / daß er ein rotziges Miracul begangen / zumahlen der Kerl in der Warheit Steintodt geweſen. Woruͤber jedermann mit auffgehebten Haͤnden GOtt und ſeine Allmacht gepriſen / die Raͤdelfuͤhrer aber diſer Tragœdi haben ſich ohne Verzug zu den Fuͤſſen des Heil. Manns geworffen / den wahren allein ſeeligmachenden Glauben urbiethig angenom̃en / und nachgehends ſich nacherAn. Mi - nor An. 1552. Rom begeben / daſelbſt die gantze Geſchicht allerſeits verkuͤndi - get. Die Stadt Preßlau in Schleſien / wann ſie will ihr altes Archivium durchblaͤttern / kan hiervon die beſte Zeugnus gebẽ.

Dergleichen Mackel und nicht Miracul kunte man die Menge beybringen / ſo aber allzu ſehr bekant / oder etwann dem Leſer moͤchten mehrern Verdruß / als contento verurſachen. Es iſt ſchon ſattſam hieraus abzunehmen / wie daß die warhaff - te Wunderwerck die Goͤttliche Allmacht allein wuͤrcke durch die Rechtglaubige / nit aber durch die boͤſe Feind / noch durch dero gewıdmete Zauberer / oder hartneckige Ketzer.

Es faͤhlen aber auch viel fromme / auch anbey Gottsfoͤrch - tige Chriſten / wann ſie gleich ein jede ſeltzame Sach mit dem Miracul-Klaid anlegen; dann zuweilen geſchicht es / daß ein laͤcherlicher Ausgang erfolget / wodurch nachmahlens unſere Glaubens-Widerſacher in ihrem Jrꝛthum geſtaͤrckt werdẽ / uñ folgſam die wahre Wunderwerck ein kleinen Glauben gewin - nen: ich kenne ſelbſt einen Geiſtlichen Medicanten-Ordens / welcher in ſeiner gewoͤhnlichẽ Traidſamlung von einer Baͤurin etwas zu eſſen begehrt / die aber neben aller Chriſtlichen Will - faͤhrigkeit ſich entſchuldigt / daß ſie gantz uñ gar nichts zu Haus habe: er bittet ferner / wenigſt nur um ein Ayrſchmaltz: auch nitein191groſſe Miracul und Wunderwerck.ein Ay / ſagt ſie hinwider / habe ſie dermahlen in ihrem Gewalt. Der halt weiter an / und zwar nur umb ein Brocken Schmaltz welches ſie guthertzig erthailt; worauf er gleich das Schmaltz in ein Pfann geworffen / ſelbe uͤber das Feuer geſetzt / welchem allem die arme Haut wol zugeſchaut / nur begierig des ſeltzamen Ausgangs. Der Geiſtliche verweilte nit lang / ſondeꝛn ſchraufft den Knopff von ſeinem Stecken hinweg / ſagt zugleich / GOtt werde ſchon helffen / und ſchut ein Menge des Ayrdotters in die Pfannen / daß ein haͤuffiges aufgebaͤmtes Ayrſchmaltz daraus worden / welches der Baͤurin ſo wunderbarlich vorkommen / daß ſie geglaubt / es ſeye eins aus den groͤſten Miraculen / kunte auf kein Weiß faſſen / wie der Dotter in den Stab kommen / mit dem er ſich kurtz vorher proviantiret; und da man ihr doch die gantze Sach umbſtaͤndig erwiſen / ſo hat ſie gleichwol nit gelaſſen / daß ſie nit zuweilen die Pfannen ausgeleckt / das ver - mainte Miracul dardurch zu verehren.

Warum aber / fragt ein Naſopodius, daß der Zeit ſo we - nig Miracul und Wunderwerck geſchehen / da doch bey Anfang der Chriſtenheit faſt alle Tag und Stund an allen Orthen groſſe Wunderwerck zu ſehen geweſt? deme iſt wol nit anderſt; ja die Erſtlingen des Chriſtlichen Glaubens haben faſt alle Miracul gewuͤrckt; Schuſter und Schneider / Tagwercker / und Baursleut haben ſolche Gnaden von GOtt gehabt. Ein manicher Haydniſcher Schmid-Geſell und Amboß-Bruder / ſo bald er getaufft worden / und den Hayland JEſum Chri - ſtum geglaubt / hat alſobald denen Apoſtlen gleich allerley Sprachen geredt / und offt mit Auflegung der ruſſigen Hand die ſchwartze Teuffel ausgetrieben / ꝛc. Wie es mit mehrern be -Cap. 10. zeugt Juſtinus contra Triphon. Tertullianus in Apologia, &c, So gar auch die Geſchichten der Apoſtlen.

Warum dann geſchehen dermahlen keine ſolche Miracul zu Wienn / wie zu Zeit des H. Severini, zu Augſpurg / wie zu Zeiten des H. Udalrici, zu Saltzburg / wie zu Zeiten des Heil. Virgi -192Judas Jſcharioth wuͤrcket gleich andern ApoſtlenVirgilii und Ruperti, zu Muͤnchen / wie zu Zeiten des Heil. Marquardi, zu Regenſpurg / wie zu Zeiten des H. Emerammi, zu Straßburg / wie zu Zeiten des Heil. Solarii, zu Wuͤrtzburg / wie zu Zeiten des Heil. Burchardi, &c.

Allhier antworten die H. H. Lehrer / worunter forderiſt gezehlt werden Auguſtinus mein Heil. Vatter / Gregorius der H. Papſt / ꝛc. Daß bey Anfang der Chriſtenheit ſolche Mi - racul und Wunderwerck ſeyen vonnoͤthen geweſt; dann durch das bloſſe Predigen waren die Hayden und Unglaubigen ſehr ſchwer zum Chriſtlichen Glauben gezogen worden / wann ſie nit durch dergleichen uͤbernatuͤrliche Zeichen waͤren geſtaͤrcket worden; weil aber dermahl der allein ſeeligmachende Glaub faſt allerſeits der Welt feſt gegruͤndet; alſo ſeyen der Zeit der - gleichen Wunderwerck nit mehr ſo nothwendig / gleichwie man pflegt den jungen und kleinen Pflantzen das oͤfftere Spritzwaſ - ſer zu ſpendiren / bis ſie wohl gewurtzlet ſeyn / nachgehends aber ſolches begieſſen unterlaſt. Auf ſolchen Schlag wolte anfangs der Welt Hayland ſeinen Glauben / ber bey vielen noch ſehr ſchwach / und unkraͤſtig ware / mit vilen Miraculen ſtaͤrcken / in - dem aber ſolcher nunmehr auf dem gantzen Erdboden feſt und taurend ſtehet / ſo zeiget er ſich billich geſparſamer in denen Miraculen / aufdaßanbey der Glaub hoͤher und mehrer in den Verdienſten ſteige.

Damit aber mein Naſopodius gleichwol wiſſe / daß an - noch bey dieſen unſern Zeiten kein Abgang der Miraculen ſey / alſo zeige ich ihm noch faſt taͤglich und ſtuͤndlich Wunderwerck / welche ihme nit allein den Glaubes-Wanckel gaͤntzlich beneh - men / ſondern ihne noch zu groͤſſerer Forcht GOttes / und Nachfolg der Heiligen anſporen ſollen.

Zu Caſtilverd in Spanien iſt ein ſchoͤne Kirch der Mut - ter GOttes zu Ehren auf einen hohen Berg gebauet / allwo alle Jahr in dem Monath Martio oder Mertzen am Freytag aus dem Meer drey Liechter empor ſteigen / nachmahls in Gegen -wart193Groſſe Miracul und Wunderwerck.wart jedermaͤnniglich durch die verſchloſſene Kirchen-FenſterMarin, Sicul. lib. 5. rer. Hiſpan. hinein dringen / und daſelbſt alle Lampen anzuͤnden. Dis ge - ſchicht noch alle Jahr.

Zu Attrebat ın der Thum-Kirchen wird ein Kedtzen auf - behalten / ſo von der Mutter GOttes ihren zweyen nemb - lich Iterio und Normanio eingehaͤndiget worden / welche Kertzen / ob ſie ſchon vilfaͤltig brinnt / ja von dero Abtroͤff-War vil andere Kertzen gemacht worden / gleichwol nit ein Nadel - ſpitz abnihmt / ſondern immerzu in ihrer Groͤſſe und Gewicht verharret. Fereolus an. M. C. V. Ein taͤgliches und ewiges Miracul.

Jn Jndien / allwo der Heil. Apoſtel Thomas die Mar -Greg. Turon. lib. 1. de Glor. Mart. c. 32. ter-Cron empfangen iſt ihme zu Ehren ein gar ſchoͤne Kirchen aufgericht worden / darinn durch ein immerwehrendes Mira - cul ſtets ein Lampen brinnt ohne Oehr / auch ſo gar das Daͤch - tel nit im geringſten gemindert wird.

Jn Spanien iſt ein Benedictiner-Cloſter / allwo der Fr. Koch / ſonſt gar ein frommer Religios, urdrieſſig worden / daß er alle Tag muſte den Aſchen von ſo haͤuffigem Feuer aus der Ku - chen tragen; dahero die Sach der Mutter GOttes beſter maſ - ſen anbefohlen / ſie wolle doch durch ihre groſſe Vermoͤgenheit ſolches vermittlen; woruͤber dann geſchehen / daß nit allein da - zumal der Aſchen nit mehr gewachſen / ſondern noch auff heu -Hiſt. Ben. c. 4. ad ann. 94. tigen Tag / da man auch ſolt hundert Klaffter Holtzverbren, nen / der Aſchen gleichwol niemal zunihmt. Ein ewiges Wun - derwerck.

Die Seelige Cunegundis ein Koͤnigin aus Pohln / nach. mahls ein Clariſſerin / ſtoſte einen Stecken in einen / nicht weit von dem Cloſter entlegnen Flus oder kleinen Waſſerſtrohm / zo - ge nachmahls den Stecken hinterwerts nach Haus den Berg hinauff. Siehe Wunder! das Waſſer folgt dem Stecken nachwading. in annal. An. 1333. wider ſein Natur / und flieſt noch auff dieſe Stund Berg auff. Ein ewiges Miracul.

Pars IV. B bDie194Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlen.

Die jenige rothe Erd / aus welcher Adam unſer erſter Vat - ter auff dem Damaſceniſchen Feld erſchaffen worden / wird vonPorchar - dus p. 1. c. 7. denen Saraceneren in der Menge ausgegraben / uñ in Egipten umbs Geld verhundlet / gleichwol durch ein immerwehrendes Miracul ſpuͤrt man nit / daß ſolche Erde auch ein Gand brait haͤtte abgenommen.

Das jenige Orth zu Läer in Weſtphalen / allwo die zwey Heli. Evvaldi aus Eegeland ſeynd ermordet worden / bleibt auf diſe Stund noch allezeit gꝛuͤn / und kan ihme ſolche Farb we -Petr. Sanct. c. 23. der groſſe Hitz / noch Kaͤlte nehmen / auch ſo man diſe Erd ſucht umbzuackern / ſo flieſt allemahl das helle Blut hervor. Ein e - wiges Miracul.

Zu Rom in dem Mamertiniſchen Kercker / hat der Heil. Petrus wunderbarlicher Weis ein Brun erweckt / wormit er Proceſſum und Martinianum getaufft. Dieſer Brunn iſt noch auf diſe Stund zu ſehen in einem hollen Stain / moͤcht uͤber ein halben Emmer Waſſer nit halten / gleichwol kan er auff kein ei - nige weis ausgeſchoͤpfft werden; wie man dann es mehrmhalBaron. An. 68. num. 24. probiert / gantzes groſſes Faß Waſſer daraus geſchoͤpfft / dan - noch nit ein Finger abgenommen / auch niemahlen ein Tropff Waſſer uͤbergangen / da er doch uͤber ein Spann nit tieff. Ein angenſcheinliches ewiges Miracul.

Es iſt ein Orth in Jrrland mit Namen Uſenach, alwo der Heil. Patritius vonzweyen Bruͤdeꝛn an ſeinem Kirchen Gebaͤu verhindert worden / weſſenthalben er alle Stein daſelbſt ver - flucht: worvon dann kommen / daß von ſelbiger Zeit an kein Stain allda zum Gebaͤu tauglich iſt / ja ſo man heut ein Maur von gedachten Stainen auffricht / Morgen ligt ſolche widerum auff der Erden / auch da man erſtgemelten Stain in ein WaſſerIn vita. c. 100. wirfft / ſo pflegen ſie nicht gleich andern zu pflumpffen / ſondern verſincken ohne einigen Hall / ꝛc. Ein ewiges Miracul.

Wie der Heil. Biſchoff Nicolaus einmahl auff der Raß etliche Bauren angetroffen / ſo dazumal dem Acker-Bau abge -wart195groſſe Miracul und Wunderwerck.warth / und ſelbe um den rechten und kuͤrtzern Weg befragt / da haben die guten Leuth den Heil. Mann gar hoͤflich tractiert / uñ ihme mit aller Lieb den rechten Weeg gewiſen / welches dem Heil. Biſchoff alſo wolgefallen / daß er GOtt dem Allmaͤchtigen gebetten / er wolle doch ihnen die ewige Gnad geben / daß ihre Pflugeiſen nimmermehr verzehrt wurden. Siehe Wunder!Beatil. in vit. S. Nic in Inſul. Caliſta. ſolche Pflugeiſen dauren ſchon etliche hundert Jahr / und ob ſie ſchon alleweil gebraucht werden / ſo wird doch nit eınes Haars groß an ihnen verzehrt.

Zwey Meil von der Koͤniglichen Hanpt-Stadt Prag ligt ein Ciſtercienſer-Cloſter Koͤnigſaal genant / allwo etliche Geiſtliche und Religioſen / deſſẽ Ordens von denen Ketzern auf einen Lindenbaum gehenckt worden; von derſelbẽ Zeit an tꝛagtHenr. 14. May. erſtgemelter Baum biß auf diſe Stund ſolche Blaͤtter wie die Capuccen der Ciſtercienſer. Ein immerwehrendes Miracul.

Jn des groſſen Maiſters Capellen der Malteſer wird ein Dorn auffbehalten aus der Cron|Chriſti des HErꝛn / welcher alle Jahr am Heil. Charfreytag von ſreyen Stucken anfangtBoſius in Hiſt. p. 2. lib. 7. zu gruͤnen und zu bluͤhen. Ein ewiges Miracul.

Wie der Heil. Vatter Benedictus ſich auff dem Berg Caſſinum verfuͤgt / da haben ihme 3. Raaben das Glaid ge - ben / welche nachmahls in dem nechſt beym Cloſter entlegnen Wald ihre Noͤſter gemacht / uñ vom Cloſter ihre Unterhaltung gehabt. Auf den heutigen Tag ſeynd noch einige Raaben von denenſelben Geſchlecht vorhanden / ſo taͤglich aus dem Wald zum Cloſter fligen / und allda ihre Nahrung ſuchen. Ein ewi -Lauretus in annot. l. 1. c. 1. ges Wunder.

Wo die Heil. Jungfrau und Martyrin Catharina be - graben ligt / fliegen alle Jahr noch an ihrem Tag allerley Voͤgel zu ihrem Gꝛab / und ein jeder opffert daſelbſt ein gruͤnes Zweigel ſambt der Frucht / ſo er in Schnabel traͤgt. Ein ewi - ges Miracul. Joann. de Monte Villa. lib. 1. de Peregrin.

B b 2Zwey196Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſteln

Zwey Meil von der groſſen Stadt Bononien iſt ein ſchoͤne Kirch unter den Titl der Mutter Gottes Maria / in diſe Kir - chen kommen jaͤhrlich ein groſſe Menge der gefluͤgleten Amei - ſen / und zwar / an keinem andern Tag / als in der Vigil unſer lie -Maſin. in deſcript. Mirab. Bonon. ben Frauen Geburts-Tag zu der erſten Veſper: ſolche Thierl begeben ſich alle auff den Altar der Mutter GOttes woſelbſt ſie das Leben laſſen / und diſes wird noch auff diſe Zeit beobacht. Ein augenſcheinliches Miracul.

Jn dem Hertzogthum Bayrniſt ein Dorff mit Namen Haßlach / worin ein Kirchen der Mutter GOttes und der 14. Nohthelffer / welche von dem Heil. Otto ſoll dediciert ſeyn worden / umb diſes GOttshaus iſt weder Maur noch Zaun / dannoch wird auff etlich Schritt kein einiges Thier hinzu na -Fornerus de Sacel. Hasla -〈…〉〈…〉 enl. hen / und ſo fern ein Roß / Kuh / Ochs / oder Gaiß hinzu gehet / ſo wird es alſobald Stockblind oder verreckt den Augenblick / welches vil hundertmal ſchon probiert worden. Ein ewiges Wunderwerck.

Zu Oſem in Luſitanien iſt ein Tauff Stain / welcher gantz laͤhr / und alle Jahr von dem Biſchoff daſelbſt in Gegenwart des gantzen Volcks am Antlas-Pfingſtag verſigilliret wird / ſo bald man aber ſelben am Oſter Sambſtag eroͤffnet / da find man ihn voll mit Waſſer / dergeſtalten / daß ſich das WaſſerGreg. Turon. de glor. Mart. c. 24. Spann hoch in die Hoͤhe baͤme / wie man pflegt das Traid zu meſſen / und doch nie ein Tropffen herab flieſt. Ein ewiges Mi - racul. Nachdem die Leuth ſolches nach Haus hauffen weis getragen ſo dann verſchwind es / und waiß man nit wie.

Zu Deckendorff in Bayrn / auff den Heil. Berg Andex, zu Bruͤſſel in Niderland / zu Seefeld in Tyrol / zu Ferraria in Welſchland / zu Augſpurg / in Schwaben / zu Paris in Franck - reich / zu Florentz in Hetruria, und in vielen andern Orthen / findet man durch ein ewiges Wunderwerck noch conſecrierte Hoſtien / worinnen das wahre Blut abnehmen kan.

Zu197groſſe Miracul und Wunderwerck

Zu Neapl in der Kirchen des Heil. Gregorii wird mit groͤ - ſter Reverenz auffbehalten in einem Chryſtallinen Geſchirr das Blut des Heil. Joannis Baptiſtæ; und ſo offt man bey dem - ſelben ein Heil. Meß liſt / und der Prieſter in dem Canone zu der Conſecrirung kommt / da fangt allemahl durch ein ewigesPetr. Sanct. in Mirac. perpet. c. 15. Miracul / das Blut zerflieſſen / ja gantz girig in die Hoͤhe zu ſteigen / als wollte Joannes auf ein neues ſprechen / ſihe das Lam GOttes / welches hinweg nihmt die Suͤnd der Welt.

Was kan wunderbaꝛlicher ſeyn / als das Blut der Heil. Claræ auf dem Berg Falco, welches ob ſchon gantz ausgedor - ret / gleichwol augenſcheinlich zerflieſt und ſich bewegt / ſo offtThom. Boz. lib. 15. c. 10. dem Welſchland einiges Ubel oder Ungluͤck herzunahet / ſo auch dazumal geſchehen / wie der Tuͤrck das Candia unter ſeine Macht bekommen.

Zu Barellos in Luſitania ligt auſſerhalb der Stadtmauer ein Kirchel / ſo den Namen hat beym guten JEſu / alldort ſicht man ein ewiges Wunderwerck im Sand; dann alle Jahr am Tag Creutz Erfindung und Creutz Erhoͤhung / wie auch amPeta. Sanct. in Mirac. perpet. c. 13. Heil. Charfreytag erſcheinen daſelbſt viel 1000. Creutz in dem Sand in Gegenwart eines unbeſchreiblichen Volcks / uñ ſeynd ſolche ſo gut und wohlgeſtaltet / daß ſie auch der beſte Mahler nit beſſer koͤnte zaichnen.

Jn der Kirchen des Heil. Sixti zu Rom iſt ein Bild der Mutter GOttes / ſo der H. Lucas gemahlen / dieſes Bild ver - aͤndert alle Jahr am Charfreytag die Farb / und pflegt gantzMartin. de Imag. S. Sixti. zu erbleichen. Ein ewiges Miracul.

Die Bildnus unſer Lieben Frauen zu Carbonarii in Welſchland / zu Rottenburg in Teutſchland / zu Grienthal in Sicilia, zu Czeſtochou in Pohln / zu Caſſiani in Apulia, und auch in vilen andern Gnaden-Orthen / koͤnnen durch ein ewiges Wunderwerck von keinem Mahler renoviert oder er - neuert werden / maſſen es vielfaͤltig probirt worden / und alle - mahl die Farb nit gehalten / oder gleich verſch wunden / oder wolB b 3gar198Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern ApoſtelnGump. de Imag. Mirac. gar die Hand des Mahlers gaͤntzlich erſtar ret / und unbrauch - bar worden.

Zu Venedig in der Kirchen der Cloſter-Jungfrauen S. Claræ zeigt man einen Heil. Nagel / wormit die Fuͤß unſers Haylands JEſu an das Creutz gehefftet worden: in diſem Na -Zillottus in libr. Mont. Cæl. gel ſeynd etliche rothe Macul abzunemmen / welche aber alle Jahr durch ein ſtettes Wunderwerck am H. Charfꝛeytag gantz friſch und gleichſam wie ein lebendiges Blut ſcheinen.

Jn Sabaudia iſt ein Cloſter S. Mauritii zu Agauni, in wel - chen ein kleiner Teich oder Weyer / worinn aber nit mehr Fiſch auffbehalten werden als Muͤnch in Cloſter ſeynd. Nun iſt bis -Baldeſſa - nus in Hiſt. 8. Mauritii. hero ſchon durch ein immerwehrendes Miꝛacul geſchehen / daß ſo offt ein Fiſch in der Hoͤhe ſchwim̃t / und bereits abſtehet / zu - gleich etliche Tag hernach ein Geiſtlicher mit Tod abgehe.

Wie der Heil. Wenceslaus von ſeinem gottloſen Bruder Boleslao iſt jaͤmmerlich ermordet worden / und das Blut haͤuf -In vit. 8. Wencel ſig an die Wand geſpritzt / ſo kan man noch auf heutigen Tag durch ein ewiges Wunderwerck beſagtes Heil. Blut auff kein Weis von der Wand bringen.

Aus dem Grab der Heil. Jungfrau und Martyrin Ca - tharinæ auff dem Berg Sinai, &c. Aus dem Grab der Heil. Walpurgæ zu Aichſtett; auß dem Grab des Heil. Quirini, zu Degern-See / aus dem Leib der Heil. Seraphiſchen Mutter Thereſinæ, aus dem Kopff des Heiligmeſſigen Bartholomæi Villisponenſis unſers Ordens flieſſet immerdar ein wunder - barliches Oehl / welches allerley Kranckheiten wendet / ꝛc. Ein ewiges Miracul.

Der Leib des Seeligen Ugolini, Joannis Chiſii, Eliſabeth Ardiſi, Antoniiab Aquila, der Seeligen Zittæ, Helenæ Uti - nenſis Chriſtinæ Spoletanæ, Andreæ in Monte Regala, An - conii Monticiani, Antonii de Amandula, Clara de Monte Falconis, der Seeligen Rittæ, und endlichen unſers Heilig - meſſigen Joannis à S. Guilelmo zu Battiniani in Hetruria, alleunſers197[199]groſſe Miracul und Wunderwerckunſers Ordens ſeynd ſo viel Jahr und Zeit durch ein ſtettes Wunderwerck unverſehrt; zu geſchweigen vil tauſend anderer aus andern Heil. Orden und Staͤnden / deren Anzahl faſt un - zahlbar ſcheint. Es muß jemand einen groben und gar Ketze - riſchen Cathar haben / wann er zu Padua nit riechet den uͤber - natuͤrlichen lieblichen Geruch / ſo da gehet von dem Heil. Grab und Leib des wunderthaͤtigen Antonii Paviani, &c.

So muß dann ein frecher Naſopodius nit vorgeben / daß bey diſen unſern Zeiten keine Miracul uñ Wunderwerck mehr geſchehen; indem die Menge derſelben kunte auf die Bahn ge - bracht werden. So will ich auch dermalen umgehen die groſſe Wunder / ſo im̃erzu geſehen werden zu Loreto in Welſchland / zu Zell in Steyꝛmarckt / zu Alten-Oetting in Bayrn / zu Einſidel in Schweitzerland / zu Czeſtochou in Pohln / ꝛc. Woraus Sonnenklar erhellet / daß der allmaͤchtige GOtt noch nit auf - hoͤrt Miracul uñ Wunderwerck zu wuͤrckẽ zu mehrer Glori ſei - ner Heiligẽ / forderiſt ſeiner uͤbergebenedeyten Mutter Mariæ.

Wir Menſchen aber und geſambte Adams, Kinder muͤſſen ohne aͤuſſerſte Noth von GOtt keine Miracul begehren / noch einige Wunderweꝛck hoffẽ / ſo lang die menſchliche Huͤlff etwas auswuͤrcken kan / dann er gar nit will / daß wir die Haͤnd in den Sack ſchieben / uñ ſem Goͤttliche Allmacht uns ſolle durch lau - ter Miracul erhalten; maſſen er gantz erbiethig iſt unſerer Schwachheit beyzuſtehn / nit aber in uns die Faulheit zu ziglen.

Nöe der Heil. Altvatter ſchickt Anfangs einen Raaben aus der Archen / damit diſer ſchwartze Geſell ſolle den Aviſo uñ Nacht icht einhollen / ob die Waſſer des Suͤndftuts im auf oder abnemmen ſeyn. Der Hedræiſche Text lautet gantz klar / daß diſer Galgen-Stiglhitz ſeye wieder zuruck kommen / aber von dem Nöe nit mehr in die Archen eingelaſſen worden. Entge - gen aber / ſo bald die ausgeſandte Tauben ihren Ruckweeg ge - nommen / da hat ſie der Nöe mit den Haͤnden ergriffen / und wi - derum in das groſſe Schifflogiert. Es ſcheint hierinfahls / alswaͤre200Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlen.waͤre der gute fromme / alte Vatter gar zu Partheyiſch geweſt / daß er ſich gegen der Tauben ſo willfaͤhrig und guthertzig erwi - ſen / den Raben aber zu ſcharpff und unguaͤdig: aber deme iſt nit alſo ſondern GOtt wolte hierdurch zaigen / daß / wer durch ſei - nen aignen Fleiß und Muͤhwaltung ſich kan ernaͤhren / ihne GOtt durch kein Wunderwerck nit wolle erhalten. Der Raab hatte Toden-Aas genug / ſo hin uñ her auf dem Waſſer ſchwum - men / daheroſchaue er ihme gleichwol umb ſeine Nahrung / aber die arme Taub hatte nichts / wormit ſie ſich kunte erhalten / da - hero ſie GOtt wiederumb durch die Haͤnd deß Nöe in der Ar - chen geſpeiſt.

Wer friſche und geſunde Glider hat / wer bey guten Leibs - Kraͤfften iſt / der muß nit den gantzẽ Tag in der Kirchen hocken / der muß nicht allen Weichbrunn ausſchlecken / und nachmahls warten / biß ihm GOtt / durch ein Wunderwerck die taͤgliche Unterhaltung ſchicke / das nit / das gar nit / ſondern er muß ſich ſelbſt umb ein Stickel Brod bewerben / allen Fleiß anwenden / wie er ſich ehrlich ernaͤhꝛe. Die Apoſtel ſelbſt / ſeynd von Chriſto dem HErrn in die gantze Welt ausgeſand worden / das heilige Evangelium auszubraitten / man weiß aber nit / daß ſie waͤren durch Engliſche Haͤnd / oder andere Wunderwerck geſpeiſt und ernaͤhrt worden / ſondern Paulus bekent es ſelbſt / daß / wann er habe wollen eſſen / habe er vorhero muͤſſen arbeiten / und etwas verdienen / Operantes manibus veſtris. &c.

Es iſt nit ein geringe Frag / wie ſich doch der 12. jaͤhrige JEſus die 3. Tag zu Jeruſalem erhalten / als er in dem Tempel gelehrt? es iſt gar nit glaublich / daß ihn die Rabiner haben zu Tiſch geladen: dañ die maiſte aus ihnen ſchambten ſich / daß ein ſolcher junger Knab mehrer verſtehe als ſie: desgleichen ſagt auch das Evangelium, daß die Anverwandte und Befreunde ſich ſeiner nit haben angenommen. Es geſchicht wol oͤffter / daß einer von Landfrembden ehender ein Gutthat empfanget / als von ſein en aignen Blutsverwandten. Die maiſte Lehrer ſeyndder201Groſſe Miracul und Wunderwerck.der Auſſag / daß er von Haus zu Haus habe das Brod gebett - let / und ſich alſo erhalten. Freylich haͤtte er leicht koͤnnen dem Himmel befehlen / daß er ihme ein Manna ſchicke / gleich denen Jſraelitern in der Wuͤſten / aber weil er ſich natuͤrlich kunte er - halten / ſo wolte er zu keinem Miracul ſchreitten / uns zu einer ſonderer Lehr / ſo lang wir uns koͤnnen durch menſchliche Emb - ſigkeit durchbringen / daß wir uns auf keine Miracul ſollen ver - laſſen.

Hundert und hundert Exempel koͤnnen beygebracht wer - den / wie GOtt der Allmaͤchtige durch ſondere Miracul und Wunderwerck die arme Geiſtliche / Auguſtini, Dominici, Fran - ciſci, &c. Und andere Ortens geſpeiſt hat; es ſeynd mehr - mahlen die Engel vor die Porten kommen / und gantze Koͤrb voll Speiſen abgelegt / es iſt offt Kuchel und Keller fuͤr ſich ſelbſt angefuͤllt worden / es iſt nit ſelten das Brod gewachſen bey der Taffel / ꝛc. Aber dergleichen Miracul ſeynd niemal ge - ſchehen ohne die groͤſte Noth. Wie lang die Geiſtliche haben koͤnnen durch gewoͤhnliches Bettlen das Allmoſen ſuchen / und gute Patron aller Orthen finden / ſo lang hat GOtt keine Mi - racul gewuͤrckt; dann ſein allerweiſeſte Vorſichtigkeit alſo der Menſchen Wandel regiert / daß ſie memahlen unſere moͤgliche Mitwuͤrckung ausſchlieſt / ꝛc.

Der allmaͤchtige Gott hat die Jſꝛaeliter 40. gantzer Jahr in der Wuͤſten durch ein ſtettes Wunderwerck erhalten / der frey - gebige Him̃el hat ihnẽ das herꝛliche Manna geſpendirt / 40. gan - tzer Jahr iſt nit ein Faden miraculoſer Weiß an ihren Klaidern zerriſſen / ꝛc. So bald ſie aber aus der Wuͤſten kommen / und in ein gutes bewohnliches Land gerathen / da hat GOtt mit ſeinẽ Miraculen aufgehoͤrt / da hatsgehaiſſen / helfft euch ſelber / an - ietzo ſeynd menſchliche Mittel ſchon moͤglich ietzt flick ein jeder ihme ſein Joppẽ ſelbſt / oder ſchaue gleichwol / wo Schneider uñ Schuſter anzutreffen / ietzt treib ein ieder ſein ehrlichs Gewerb / und ſchaffe ihme ſelbſt das Brod ins Haus / dann die GoͤttlichePars IV. C cMira -202Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern ApoſtelnMiracul finden ſich nur dazumahl ein / wann Menſchen Huͤlff unmuͤglich

Dem groſſen Mann Eliæ hat GOtt der HERR in der Wuͤſten und Einoͤde einen wunderlichen Koſtherrn beſtellt / dann aus ſeinem Befelch muſten die Raaben alle Tage ihme zweymahl Brod und Fleiſch bringen. Diſes ware eins aus dem groͤſten Wunderwercken; maſſen der Raaben Natur iſt / lieber und ehender ſtehlen als geben / gleichwol muſten die Galgen - Voͤgel diſes Contralor-Ambt verrichten. Aber liebſter GOtt / weil dein Guͤte doch ſo groß / daß du deinen Diener Eliam mit der taͤglichen Tafel verſiheſt / worfuͤr tauſend und abermal tau - ſend Deo gratias, aber wo bleibt der Trunck? das Fleiſch iſt ſchon recht / aber wo bleibt die Flaſchen? naſchen ohne Flaſchen getaͤuet nit wol. Hoͤre mich / GOtt der HErꝛ hat geſehen / daß menſchlicher Weis Elias in diſer erſchroͤcklichen Wuͤſten / wo nichts als Baͤumer / Hecken / uñ Stainklippen keine Nahꝛungs - Mittel hat haben koͤnnen / alſo hat er ihn durch ein Miracul er - naͤhrt aber umb den Trunck hat er ihm ſelbſt koͤnnen ſchauen / dann er war nit weit von dem Bach Carith, da Waſſer ſatt und gnug

Wann alſo der Menſch durch aignen Fleis / Arbeit und Muͤhe kan bekom̃en und erwerben / daß muß er auff kein Weis durch Miracul ſuchen. Ein ſolches Weib / welches ſcheint / als waͤre ſie mit lauter Heiligkeiten gefuͤttert / wann ſie den gantzen Vormittag in der Kirchen verharret / und ſo eifrig bettet / daß ihr die Zaͤhn rogl werden / unterdeſſen aber glaubt / daß die En - gel werden die Stuben auskehren / und das Kraut einbreñen / thut unloͤblich und unrecht / zumahlen ſie ohne Noth GOtt den Allmaͤchtigen will verſuchen / und zu einem Miraculzwingen.

Es hat bey erſter Erſchaffung der Welt GOtt der HErꝛ dem Erdboden befohlen / er ſolle Augenblicklich allerley Pflan - tzen und Fruͤchten hervor bringen / ſo auch geſchehen; diſe ſeine Allmacht iſt noch nit ausgeſchoͤpft / uñ was er dazumal gethan /das203groſſe Miracul und Wunderwerck.daß in ihme allzeit moͤglich / allein er thuts nit / ſondern will / daß auch der Menſch ſeinen Fleis und Arbeit daꝛzu geſelle; noch hat er befohlen / daß wir durch lauter Pater noſter, und Ave Maria den Acker ſollen bauen / ſondern ſein Gaͤttlicher Will iſt / daß wir auch den Pflug und harte Arbeit ſollen an die Hand nem - men. Wann Gedeon haͤtte koͤnnen mit Betten das Traid aus - treſchen / ſo haͤtte er den Flegel oder Driſchel wohl ligen laſſen; wo Menſchen-Mittel etwas richten koͤnnen / da muß man bey GOtt nit umb Miracul anklopffen.

David hat ſich bey der Hoff-Stadt des Koͤnigs Achis in der groͤſten Gefahr befunden / was thut er / damit er das Leben ſalviere? er hat ſich gantz naͤhꝛiſch geſtellt / und hat aller Maͤuler gemacht / wie die Griechiſchen Buchſtaben / und hat Geſichter geſchnitten / als waͤre er 3. Jahr bey einen Maul-Affen in die Schul gangen / er iſt hın und her trampelt / als haͤtte er einen Bauren-Kirchtag celebriert / er hat ſich in allen naͤrriſch und anbrenntzaigt / und mit ſolcher Weis das Leben ſicher durchge1. Reg. 21. v. 13. bracht.

Wie daß aber David, der in ſo groſſen Gnaden und Anſe - hen bey GOtt geſtanden / ihn nicht gebetten / daß er ihne durch ein Miracul aus der groſſen Gefahr errettet / und etwan einen Engelſchicke / der ihn gleich dem Habacuc an ein anders Orth uͤbertrage? Abulenſis antwortet hier gar weislich / daß David mit gutem Gewiſſen nit hat koͤnnen ſich auff ein Wunderwerck verlaſſen / ſo lang er natuͤrlicher Weis ihme ſelbſt hat koͤnnen helffen.

Anno 1683. haͤtte Gott durch einen Engel / wie zu Zeiten des Sennacherib gar leicht koͤnnen die gantze Tuͤrckiſche Armee bey Wienn erſchlagen; er haͤtte koͤnnen einer einigen Wepſen befehlen / daß ſie einen jeden Tuͤrcken nur ein Stich auff die Stirn verſetze / worvon er unſinnig wurde; er haͤtte koͤnnen ma - chen / daß alle ihre ausgeſchoſſene Kugel / und alle abgedruckte Pfeil in ihre aigne Bruſt waͤren zuruck gekehrt; er kunte nochC c 2machen204Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlenmachen / daß wir gleich dem Petro das Waſſer moͤchten tretten / ja mit truckenen Fuͤſſen uͤbeꝛ den Sauflus paſſiren: er kunte gaꝛ leicht machen / daß alle Paſteyen und Veſtungs-Werckeꝛ zu Bel - grad oder Griechıſchweiſſenburg thaͤten niederfallen / wie die Mauren zu Jericho; aber er macht ohne Noth kein Miracul und Wunderwerck / ſondern er will / daß wir die Waffen ergreif - fen / allen erdencklichen Kriegs Ernſt an die Hand nehmen / ein beſtens mondierte Armee auf die Fuͤs ſtellen / die erfahrneſte Feld-Herren und Kriegs-Obriſte erkieſen / die Proviant-Haͤu - ſer allerſeits wohl anfuͤllen. In Summa, alle moͤgliche Mittel er - greiffen: wann wir dergeſtalten werden thun / was wir koͤnnen / ſo dann wird GOttes Mithuͤlff nit manglen. Wann aber dir menſchliche Mittel und aller natuͤrlich angewendter Fleis nichts wuͤrcken kan / ſo dann kommt GOtt maiſtens mit einem Wunderwerck zu Huͤlff.

Nachdeme Lazarus als ein Bruder Magdalenæ und Marthæ durch Chriſtum den HErrn vom Todt aufferweckt worden / hat er ſich alſobald zu den Juͤngern des HErrn geſellet / und ſo lang er gelebt / nimmer mehr gelacht / ſondern allezeit mit groͤſtem Eifer das Evangelium geprediget; weſſenthalben er auch zu Maſſilien Biſchoͤff erwaͤhlt worden / daſelbſt einen ſehr Heil. Wandel gefuͤhrt / und nachgehends ſeelig verſchiden / da - hero erbey der Catholiſchen Kirchen als ein Heiliger verehret wird / ꝛc. Bey dieſes Lazari vom Toden Erweckung haben ſich vil denckwuͤrdige Sachen begeben. Unter andern iſt ſich nit ein wenig zu verwundern / daß unſer lieber HErr durch ein ſonders Miracul ihm vom Toden erweckt; anbey aber ſeinẽ anweſendẽ Juͤngern befohlen / ſie ſollen ihme / dem Lazaro die Brandt und Leinwath / worein er gewickelt worden / nach Brauch der He - bræer / aufloͤſen / und gaͤntzlich frey machen. Hat der gebene - deite HErr koͤnnen ihme durch groͤſtes Wunderwerck wieder - umb das Leben ertheilen / ſo haͤtt er auch / und weit leichter ihne koͤnnen loß machen von ſeinen Banden / aber ſolches darum nitgethan /205groſſe Miracul und Wunderwerck.gethan / ſondeꝛ es den Juͤngeꝛn anbefohlen / uns zu einer ſondeꝛn Lehr / daß man das jenige / was denen Menſchen muͤglich iſt zu thun / von GOtt durch ein Miracul nit ſoll ſuchen.

Wilſtu ein gelehrter Mann werden / ſo thue neben deinem eifrigen Gebet auch fleiſſig dem Studieren obligen / und warth nicht / daß dir GOtt Miraculoſer Weis die Doctors Kappen auffſetze.

Wilt du dein Weib und Kinder ehrlich ernaͤhren / ſo muſt nit allein alle Tag ein Heil Meß hoͤren; und dein gantzes Haus - weſen GOtt dem HErrn allein uͤberlaſſen / ſrndern auch in deinem Gewerb und Arbeit kein Fleis ſparen; dann Mira - culoſer Weis wird dir das Brod nicht in das Haus kommen / wann du dir ſelbſt helffen kanſt.

Wilſtu von deiner Kranckheit wiederum geneſen / und die gewuͤnſchte Geſundheit haben / ſo iſt es nit genug / daß du de - renthalben etliche Wahlfahrten verſprecheſt / und bey GOtt embſig anhalteſt / ſondern es wird auch erfordeꝛt / daß du natuͤr - liche Mittel ergreiffeſt / und nit gleich die Miracul ins Beth citiereſt.

Wilſt du / daß dein Haus / indeme des Nachbauren ſeines ſchon in voͤlligen Flam̃en ſtehet / ſolle vom Feuer befreyt ſeyn / ſo iſt zwar gut und lobwuͤrdig / daß du die Haͤnd zu GOtthe. beſt / aber du muſt zugleich die Haͤnd anlegen / und dich nit ver - laſſen / daß durch ein Miracul das Feuer die Krafft verliehre / wie in dem Babyloniſchen Ofen. Wohl ſpricht Rupertus: Ibi tantùm Divinam præſtolemur Potentiam, ubi humanam conſtat deficere induſtriam; Dazumal muß man durch einIn Evan - gel. de Lazar. Miracul GOttes Macht erwarthen / wo Menſchen Huͤlff und Fleis zu ſchwach iſt.

C c 3Judas206Judas der Gewiſſenloſſe Boͤßwicht

Judas der Gewiſſenloſſe Boͤtzwicht hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.

DEr da ſolchen nichtswertigen Menſchen einem Eſel ver - gleichet / hatte ſattſame Urſach hierzu / ich aber halt diſen gottloſen Geſellen gleich einem Pferdt / und zwar jenem Trojaniſchen / welchen von Holtz ſehr kuͤnſtlich verfertiget / ab - ſonderlich / aber wegen ſeiner ungeheuren Groͤſſe hoͤchſt zu ver - wunderen. Die gute / und dißfals in etwas einfaltigẽ Trojaner hielten ſolche Machina fuͤr ein Sieg-Zeichen / und glaubten / es werden ſolche ihrer ohne das beruͤhmten Stadt fuͤr ein ewige Gedaͤchtnus dienen eines unſterblichen Triumphs; wuſten a - ber nit / daß diſe groſſe hoͤltzerne Stueten tragend ſeye / nicht zwar mit einem Fuͤllel / wohl aber mit vielen bewaffneten und Hertzhafften Soldaten / ſo nachgehens bey naͤchtlicher Weil in aller ſtill heraus geſtigen / und der edlen Stadt den Unter - gang verurfachet.

Gut / fromm / redlich / heilig / zuͤchtig / treu / gewiſſenhafft / eifrig / Apoſtoliſch ſcheinte Judas Iſcarioth die gantze Zeit / ſo gar auch noch bey den Fuͤswaſchen / und letzten Abendmahl; den andeꝛn Apoſteln iſt der mindeſt Gedancken nit eingefallen / daß einer unter ihnen ſoll ein Schelm ſeyn / nichts deſto weni - ger hat der HErr JEſus ſchon geſehen / daß der Sathan und boͤſe Feind das voͤllige Hertz Judæ eingenommen / und er in Ge - dancken ein zimliche Zeit hero ſchon beſchloſſen / diſes Goͤttliche Lam den unerſaͤttlichen Hebræiſchen Woͤlffen zu uͤberantwor - ten: dahero Gedancken halber / und verruchten Willenshalber er dazumahl ſchon als ein Veꝛraͤther / gefuͤndiget / und des Tods Chriſti JEſu ſchuldig; wann auch nachmahls der Sohn Got -Jocn. 13. v. 2. tes nit waͤre an das Creutz gehefftet worden. Cùm diabolus jam miſiſſet in cor, ut traderet eum Judas.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch ſitzen viltauſend207hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.tauſend Rechtglaubige beym Teuffel / die kein Laſter began - gen.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch ſeynd vil tauſend Catholiſche Chriſten in der Hoͤll / die nichts boͤſesge - than.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch ſeynd vil und aber viel ewig verdambt / die nichts Ubels gethan.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch iſt ein großmaͤchtige Anzahl der jenigen / welche ſein Goͤttliches An - geſicht auffewig nit werden anſchauen / die gleichwol kein Ubel begangen.

Daß Cain beym Teuffel / iſt kein Wunder / dann er hat ein Todtſchlag begangẽ / daß Achan in der Hoͤll / iſt kein Wunder / dann er hat geſtohlen / daß Pharo ewig verdambt / iſt kein Wunder / dañ er hat die falſchen Goͤtter angebettet / daß Holo - fernes ewig verlohren / iſt kein Wunder / dañ er hat ſich voll ge - ſoffen / daß Jezabel in dem Abgrund / iſt kein Wunder / dann ſie hat die Propheten des HErrn verfolget. Aber daß vıel / und leyder! gar vil ewig verlohren / ewig verdam̃t / ewig ungluͤckſee - lig / die doch nichts boͤſes gethan / das iſt ein Wunder.

Welche das Silber an ſich gezogen / wie der Magnet das Eiſen / fuͤr diſe gehoͤrt die hoͤlliſche Schmidten; welche immerzu panquetiert / und gleich denen Fieder-Maͤuſen geweſt / ſo aus der Nacht ein Tag machen / diſe gerathen billich in die aͤuſſeꝛſte Finſternus; welche ungerecht geurtheilt / und ein Aug zuge - kruckt / wie die jenige / ſo durch das Perſpectiv ſchauen / die habẽ verdient / daß ſie das Goͤttliche Angeſicht ſollen ewig beraubt werden; welche ſtoltz geweſt / uñ ſich auff geblaͤet / wie ein Froſch im Fꝛuͤhling / die werdẽ billich geworffẽ in die hoͤlliſche ſtincken - de Kothlachen; welche ſich zornig gerechnet / wie ein Breñeſſel / die man ſchier nit darff anruͤhrẽ / die werden rechtmaͤſſig zu dem verdammten Unkraut gebunden; welche dem Fleiſch nachge - ſchnapt / und nachdapt / wie der Raab den ſtinckenden Aaß / diegehoͤ -208Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwichtgehoͤrẽ recht unter die hoͤlliſche Galgen-Voͤgel. Aber die nichts deꝛgleichen gethan / und dannoch unter dem Veꝛdambten / Ver - lohrnen / Verfluchten / Verſtoſſenen / Vermaledeitẽ ſitzen / das ſcheint ſeltzam: und iſt doch wahr und bleibt wahr / daß vil der - gleichen gezehlt werden. Dann es iſt zu wiſſen / daß nit allein die jenige Gottlos handlen / ſich hoch verſuͤndigen / die Gebott Gottes uͤbertretten / ſo etwas unrechts thun / ſondern auch die - ſelbige / ſo etwas unrechts thun wollen; dann ob ſie ſchon die Goͤttliche Majeſtaͤt mit dem Werck ſelbſten nit belaidigen / ſo offendieren ſie doch dieſelbe mit den Willen / worvon dann herruͤhret / daß viel tauſend und tauſend in den hoͤlliſchen Ab - grund gerathen / nit wegen der boͤſen Werck / noch weder der boͤ - ſen Wort / ſondern wegen der boͤſen Gedancken. Und du / O verblendter Menſch! ſchnitzleſt dir noch die Freyheit / als ob die Gedancken Zoll frey waͤren.

Unſer gebenedeyter HErr und Hayland / nachdem Er mit fuͤnff Brod und 2. Fiſch fuͤnff tauſend Menſchen wunderbar - licher weis geſaͤttiget / ſo ſolches Brod ſo erklecklich geweſt / daß noch zwoͤlf Koͤrb vol der Brocken geuͤbriget worden: nach allen dieſen / da das geſambte Volck ihne zum Koͤnig und Oberhaubt erwaͤhlen wollen / hat er ſowol andern Leuthen als foderiſt de - nen Apoſtlen vorgetragen / wie daß ſein Fleiſch und Blut ihnen werde zur Speis und Tranck werden. Ob welcher Red die Zwoͤlffe nit ein wenig geſtutzt. Endlich gab er es ihnen gantz deutlich zu verſtehen / wie daß etliche aus ihrem Collegio ſehrJoan. 6. v. 23. ſchwach uñ wanckelmuͤthig im Glauben waͤren / ja es ſeye einer aus ihrem Gremio gar der Teuffel / und vermainte hierdurch den Iſcarioth.

O mein Erloͤſer / ſoll dann Judas ſchon ein ſolcher Schelm ſeyn? weiß man doch von keinem Laſter / võ keiner Unthat / er iſt ein wuͤrckliches Mitglid des Heil. Collegii, er wird gleich an - dern Apoſtlẽ verehrt / es gehet ihme ja nichts ab / als der| Schein ſonſt waͤre er Heilig / kuͤſſen ihne doch die kleine Kinder auff derGaſſen209hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Gaſſen die Haͤnd / und halten ihn vor einen groſſen Diener Gòttes / und er ſoll nichts nutz ſeyn? ja nit allein nıchts nutz / ſagt der Hayland / ſondern er iſt der Teuffel ſelbſt. So gibts dann rothe Teuffel auch / mein Herꝛ? ja / Iſcarioth iſt ein ſolcher / und zwar darum; dann er hat in Sinn den Sohn GOttes zu verrathen / er hat es zwar noch nit werckſtellig gemacht / aber er hats im Sinn / und deſſentwegen iſt er ein Teuffel. So hoͤre ich wohl / ſo machet einen auch ein boͤſer und gottloſer Gedan - cken zu einen Teuffel / und verdamten Menſchen. Wıe thor - recht ſeyn dann jene Adams-Kinder / welche die Gedancken fuͤr Zollfrey halten!

Ein manche kom̃t in Beichtſtuhl / nachdem ſie etliche Un - vollkommenheiten dem Pater in die Ohren geſagt / fangt an ein geſpitztes Maul zu machen / als wann ſie wolte Federmeſſerl ſpeien / ſagt gantz ſtill / ſtill / damits die Canaribruth nit erſchroͤ - cke / gantz ſtill / ſie habe etliche Gedancken gehabt / weiter nichts / das andere bleibt hinter der Spaniſchen Wand. Was fuͤr Ge - dancken? etwann von dem Laͤmel / ſo der gute Huͤrt auff ſeinen Achſelen tragt? es laͤmlet ſich nichts / aber es bloͤcket ſich wol: et - wann hat ſie ein ungebuͤhrende Lieb getragen / gegen einen an - dern / und im Siñ gehabt ihrem Ehe-Herꝛn ein Lateiniſche Yp - ſilon auff die Stirn zu machen? etwas dergleichen / ja / aber es iſt nit geſchehen / es ſeynd einige Verhindernus darhinter kom - men. Weiß ſie was? ſie iſt ein Ehebrecherin. Holla Pater, nit einmal ein Ehebiegerin / weniger ein Ehobrecherin / das falt meiner Ehr ſehr ſchimpflich / indem man mich einer ſolchẽ La - ſteꝛthat bezichtiget; wañ ich ſchon dergleichẽ Gedanckẽ hab ge - habt / was iſt es mehr? mit den Gedancken beiſt man einem kein Ohr ab / mit denen Gedancken ſchlagt man die Fenſter nit ein / mit denen Gedancken ſtoſt man dem Faß dam Boden nit aus / ꝛc. Jch wider holls es / ſie iſt ein Ehebrecherin / und hat die Ehe gebrochen in ihrem Hertzen / und wann ſie in diſem Gewiſ - ſenſtand waͤre geſtorben / ſo waͤre ſie zweıffels ohne ewig veꝛdor -Pars IV. D dben210Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwichtben. Sie wird ja Chriſtum JEſum als die ewige Warheit nit Lugen ſtraffen / ger da geſagt hat bey den Evangeliſten Matth. c. 5. Et ego dico vobis, &c. Jch aber ſage euch / daß ein jegli - cher / der ein Weib anſihet / ihrer zu begehren / der hat ſchon die Ehe gebrochen mit ihr in ſeinem Hertzen: desgleichen iſt von ei - nem Weib zuverſtehen / die ihre Gedancken auff einem andern Mann ſetzet.

Dahero boͤſe Gedancken auch ohne Werck einen koͤnnen in die Verdamnus ſtuͤrtzen / aber die Werck ohne boͤſe Gedan - cken koͤnnen es nit.

Stengelius erzehlt ein faſt laͤcherliche Geſchicht. Es waren in einẽ Doꝛffzwey Nachbauꝛn / die aber beyde nur ein Scheuꝛn oder Stadl hatten worin ſie ihr Korn oder Keml aufbehalten. Diſe erſtgemelte Bauren hatten an ſich gar ungleiche Sitten / maſſẽ einer gar ein arger und karger Vogel / der in allwegs da - hin getracht / wie er aus frembden Haͤnden moͤchte Riehmen ſchneiden: der andere aber ein einfaͤltiger / anbey aber ſehr ge - wiſſenhaffter Mann / deme nichts als die Redlichkeit im Buſẽ geſteckt / wider das gemeine Sprichwort: die Baurẽ ſeynd Lau - ren / ſo lang ſie dauren. Der erſte als ein eıgennutziger Geſell hat bey ſich beſchloſſen / dem andern als ſeinem Nachbaurẽ den Traidhauffen zu rupffen / erwaͤhlte aber hierzu kein bequemere Zeit als die Nacht / ſo maiſtens aller Dieb ein Mettermantel uñ Deck mantel muß abgebẽ; damit eꝛ aber beyd finſtern Nacht wiſſe / welches das Seinige / uñ des Nachbaurẽ Traid ſeye / alſo hat er gegen den Abend ſeinen alten Rock oder Joppen auf dẽ Traidhauſẽ des Nachbaurn gelegt / damit er nachmals bey an - brechender finſtern Nacht von demſelbẽ ſtehlen koͤnte. Es ge - ſchah aber / Zweiffels ohne durch ſondern Goͤttlichen Willen / daß auch diſer arme Schlucker noch denſelben Abend / uñ zwar etwas ſpat den Traidkaſten beſucht; und wie er des Nachbauꝛn Rock auf ſeinem Korn gefunden / kunte er ſich nit gnugſam daꝛ - uͤber verwundern / wie aber alle gute redliche Gemuͤther ſich ſoleicht211hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.leicht nit in boͤſen Argwohn entlaſſen / alſo auch ſoꝛderiſt er / ja er urtheilte noch / aus diſem die groſſe Lieb und Wolgelvogenheit ſeines Nachbauren. Was / ſagt er bey ſich ſelbſt / mein Nach - baur maint es ſo gut und treuhertzig mit mir / daß er ſo gar ſein aignes Traid in die Gefahr ſetzt / und das Meinige mit ſeinen Klaidern zuhuͤllt / damit es von dem eintringenden Regen nit moͤge Schaden leiden. Ey ſo will ich mich disfahls in Guttha - ten nit uͤberwinden laſſen / ſondern will lieber ich ſeinen Nutzen mehrer befoͤrdern als den Meinigen: nihmt zugleich den Rock, und deckt des andern Traid nach Moͤglichkeit darmit zu. Bey Stock finſtern Nacht ſteiget der loſe Geſell in aller ſtill auf den Traidkaſten / dapt hin / dapt her / bis er endlich den Traidhauffẽ angetroffẽ / worauf der Rock gelegen; und weil er der Meinung geweſen / als gehoͤre ſolcher ſeinem Nachbaurẽ / zu / alſo hat er ei - nen groſſen Sack davon angefuͤllt / und voller Freuden / nach Diebs Art / in der ſtill ſich davon gemacht / nachmahls aber nit ohn Schamroͤthe erfahren / daß er von ſeinem aignen Traid ge - ſtohlen. Sag her Theologe, und Schrifftgelehrter / ob dieſer ein Dieb ſeye / oder nit? Freulich / iſt die Antwort / freulich iſt er ein Dieb / er hat einen rechten Diebſtall begangen / er hat Gott den HErrn toͤdlich beleidiget / er hat die Hoͤll verdient / wann er dazumahl waͤre ohne Buß mit Tod abgangen / da haͤtte er die Herberg beym Teuffel gehabt / ꝛc. Hat er aber doch dem andern nichts entfremt / ſondern von ſeinem aignẽ den Sack angeſuͤllt: was ſchadt alles diſes / er hat im Sinn gehabt / dem andern zu nehmen. Sein Gedancken iſt geweſt / dem Naͤchſten zu ſtehlen / und ob ihm ſchon ſolches nit gelungen / ſo hat ihme doch der aig - ne Gedancken zu einen Dieb gemacht. Fahrt alſo ein manicher mit dem boͤſen Gedancken und Willen ohne boͤſes Werck zum Teuffel. Wie ſollen dann die Gedancken Zollfrey ſeyn.

Ein anderer thut dem aͤuſſerlichen Schein nach ein boͤſes Werck / aber ohne boͤſe Gedancken; weſſenthalben er den all - maͤchtigen GOtt nit belaidiget / noch ſein Gewiſſen beſchwert. D d 2Von212Judas der Gewlſſenloſe Boͤßwichtvon dem Lamech ſchreıben etliche / daß er alſo dem Jagen und Hetzen ergeben geweſt / daß er auch ſolches in dem hoͤchſten Al - ter nit laſſen koͤnnen. Was thut nit die Gewonheit? das groſſe Alter hatte bereits ihme das Geſicht alſo geſchwaͤcht / daß er ohn Fuͤhrer und Weiſer keinen ſicheren Schritt kunte thun. Einmal ſticht den alten Gecken der Luſt / daß er von freyen Stucken den Bogen ſelbſt geſpannt / mit ſeinen Buben in die gruͤne Au hinaus gangen / zuſehen um ein Wild-Braͤt; kaum daß er in die dicke Hecken und gruͤne Gebuͤſch kommen / da ver - merckt er ein Geraͤuſch / and glaubt / es ſeye ein Wildſtuck / ein muthiger Reh Bock / oder ein erwachſener Hirſch; ergreifft demnach alsbald ſein Bogen / zihlt mit demſelben durch Huͤlff ſeines Buben an das Orth / wo er das Geraͤuſch wahrgenom - men / truckt / ſchieſt / trift / aber was? nit ein Wildſtuck / wol aber etwas wildes / nit ein Sau / wol aber etwas ſaͤuiſch / nit einen Haaſen / wol aber etwas Haaſenhertzig / nemlich den Cain, ſei - nen nechſt Anverwandten und Befreunden; erlegt alſo und bringt umb nit ein Beſtia, wol aber einen beſtialiſchẽ Menſchen. Ob disfahls der Lamech geſuͤndiget / fragſtu; dann Cain hat geſuͤndiget / umb weil er den Abel hat er mordet / ſo hat ja nit minder gethan der Lamech, als er den Cain erlegt? die Frag wird beantwortet / daß der ſchlimme und Gottloſe Cain habe geſuͤndiget / weil er im Sinn hat gehabt den Bruder zu ermor - den / der alte und betagte Lamech aber hat es nit im Sinn ge - habt / hat nie einen Gedancken gehabt den Cain zu erlegen / und derenthalben hat er nit geſuͤndiget. So ruͤhret dann die gantze und voͤllige Bosheit einer That von denen boͤſen Gedancken her / und koͤnnen folgſam boͤſe und ſuͤndhaffte Gedancken ſeyn ohne das Werck; da hingegen das Werck nit kan boͤß und ſtraͤff - lich ſeyn ohne die Gedancken: und ſollen noch ſo uͤbermuͤthige Welt Kinder gefunden werden / welche auch den laſterhaffti - gen Gedancken wollen den freyen Paß ohne Scrupl und Ge - wiſſens-Wurm vergonnen?

Wie213hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.

Wie der HErr JEſus in einem Schiffel hinuͤber gefah - ren / und in ſein Stadt kommen / da haben ſie ihme alſobald ei - nen Gichtbruͤchtıgen herbey gebracht / welchẽ der Hayland gaꝛ ſanfftmuͤthig und freundlich angeredt / auch zugleich ihme ſeine Suͤnden vergeben: nach ſolchen hat er ſich zu denen Schrifft - gelehrten / ſo dazumal gegenwaͤꝛtig waren / gewendet / und ihnen einen guten Verweis geben / ſo ihnen nit ein wenig / weıl ſie ohne das Naſen witzig / in die Naſen gerochen. Aber mein HErꝛ / diſe ſeynd vornehme Doctores, und beyjedermann in groſſen Anfe - hen / die Doctors-Kappen achtet ſich des Filtz nit viel. Dieſe ſeynd ohne das gelehrte Leuth / die ſich auf him̃liſche Ding wol verſtehen / und alſo haben ſie nit gern / daß man ihnen ſoll den Planeten leſen / diſe leſen vorhin eingantze Zeit die Capitlin der Schꝛift / uñ alſo verlangen ſie gar nit mehrer Capitl ꝛc. U was noch mehrer / hat doch keiner aus ihnen ein Maul auffgethan / und warumb ſoll man ihnen uͤber das Maul fahren? keiner aus ihnen hat etwas boͤſes gethan / und warum ſoll man boͤß mit ih - nen verfahren? unangeſehen alles diſes / hat der HErꝛ und Hay - land ihnen ein Verweis geben / und ihr Bosheit unter die Na - ſen geriben / ob ſie ſchon nichts uͤbel geredt / wahr iſt es; ob ſie ſchon nichts uͤbels gethan / iſt mehrmal wahr / ſo haben ſie aber uͤble Gedancken gehabt / dann ein jeder aus diſen Sarifftgelehr - ten hat gedenckt / und im Hertzen gehalten / Er / der Hayland nemlich / ſeye ein Gottslaͤſteꝛer / darum er ſie billich angefahren: ut quid cogitatis mala in cordibus veſtris? Warum gedencktMatth. 9. c. vt 4. ihr boͤſes in euren Hertzen.

Man ſuͤndigt weit mehr mit denen Gedancken / als mit denen Wercken. Ein Religios im Cloſter lebtunter dem Ge - horſam / und iſt faſt gleich einer Saag / die man hinter ſich / und fuͤr ſich zieht; er lebt in der Evangeliſchen Armuth / und beſitzt ſo vil / als das Netz Petri, wie er die gantze Nacht gefiſcht hat / woꝛ - in das Fiſchel Nihil nnr allein gefunden worden; er lebt in ſtet - tem Faſten und Abbruch; dann man glaubt / daß ein hungrigerD d 3und214Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwichtund ausgemergelter Leib tauglicher ſeye zum pſalliren / als ein faiſter und ausgemeſter zumahlen auch die bloſe Haut uͤber ein Trummel gezogen / einen hellen Schall von ſich gibt / ſo aber gaꝛ nit geſchehe / wann ſie mit Fleiſch und Fette gefuͤttert waͤre: Er lebt wie ein Fiſch im Waſſer / wie ein Liecht in einer Latern / wie ein Kern in einer Schalen / er iſt verſpert / verſchloſſen / vermau - ret / verriglet / verborgen / verdeckt: kein Weib / weder jung noch alt / kein Weib / weder klein noch groß / kein Weib / weder ſchoͤn noch ſchaͤndlich iſt bey ihm / ꝛedt mit ihm / ſchmutzt mit ihm / lacht mit ihm / ſchertzt mit ihm; und dannoch kan er eben die jenige Suͤnd begehen / die David begangen mit der Berſabea, durch bloſſe Gedancken.

Ein GOtt gewidmetes Frauen-Zimmer in dem Cloſter / was iſt es anders / als ein koſtbares Schneeweiſſes Perl? ſo de - rentwegen eingefaſt iſt / damit es nit verlohrẽ werde: was iſt es anders als ein Schneeweiſſe Lilgen? ſo derenthalbẽ eingezeunt iſt / damit ſie nit abgebrochen wrede: was iſt es anders / als ein Spiegel? ſo derenthalber mit einer Rahm umfangen / damit er nit zu Trimmern gehe: was iſt es anders als ein reiner Butter? ſo deſſenthalbẽ mit Krantpletſchen verhuͤllet wird / damit er nit zerſchmeltze; was iſt es andeꝛs als ein Buch? ſo deꝛentwegen ein - gebunden / und mit Clauſuren veꝛſehen iſt / damit kein Sau oder Eſels-Ohr darein komme: ſie iſt wie ein Allabaſtrine Balſam - Bichſen / ſo deſſentwegẽ zugedeckt iſt / damit der gute Geruch nit ausgehe. Man find alles in ihrem Cloſter / auſſer ein Mann nit. Man gehet Tag und Nacht in ein Chor / auſſer nit ein mañ mit: man gehet zu Mittag und Abends zu Tiſch / aber mit einem Mañ nit: man bettet / man liſt / man fingt / man redt / man geht / man arbeitet / man ſeufftzet / man knyet / man weint / man buͤſt / man iſt fꝛom uñ heiligin einem Noñen-Cloſter / aber es iſt gleich wol kein Mañ darin / alles Mañ / und dannoch kein Mann / ꝛc. Nichts deſtoweniger kan ein ſolche ebenfals jene Laſterthat be -gehen215hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.gehen / die da begangen hat daſſelbige Weib / ſo die Hebræer zu dem HErrn Chriſto in dem Tempel gefuͤhrt / damit ſolche ver - moͤg des Moyſaiſchen Geſatz verſteiniget werde; und diſes kan ſie mit dem bloſſen Gedancken.

Eine / welche von der Natur / von der Statur gaͤntz verlaſ - ſen / kurtz von Leib / als haͤtte ſie ihr Muter an einem Starmtzel erſehen / hochrucket und mit einer Retroquardi wol verſehẽ / die uͤbrige Leibs-Geſtalt ſehr ſchlecht und abgeſchoſſen; ja / wann ſchoͤn iſt ein alte Hobelbanck / ſo ıſt ihr Stirn auch ſchoͤn / wann ſchoͤn iſt ein roſtiges Fenſter in einer alten Juden Synagog, ſo ſeynd ihre Augẽ auch ſchoͤn / wann ſchoͤn iſt ein alte Pippen an einem ungewiſchten Bier-Faß / ſo iſt ihꝛ Naſen auch ſchoͤn / wañ ſchoͤn iſt ein ſchmutziger Schoͤpffleffel / ſo iſt ihꝛ Maul auch ſchoͤn / wañ ſchoͤn iſt einzuſam̃en geſchnurpffte Saublattere / ſo iſt ihr Halß auch ſchoͤn / ꝛc. Und dañoch diſe ob ſchon Ungeſtalt und mangelhafft kan ſo ſtoltz und hoffaͤrtig ſeyn in den bloſſen Gedancken / als ein verdamte Jezabel im alten Teſtament.

Ein armer Bettler / der mit krumpen Fuͤſſen den geraden Weeg zum Elend gehet / die in zerriſſenen Klaidern gantz erar - met / den mit bloſſen Fuͤſſen allezeit der Schuh truckt / der ohne einiges Haus / ſich von Haus zu Haus erhaltet / der auff dem Stroh ligt / da doch die Armuth ſchon laͤngſt bey ihm zeitig / der laͤhr im Sack / aber voller Truͤbſahl / der nit ein Creutzer / aber Creutz genug. Ein ſolcher armer / elender / beduͤrfftiger / zerriſſe - ner / verlaſſener / noͤthleidender Tropff kan ſo wol ſich mit dem Geitz verſuͤndigen / als ein Judas Iſcarioth, durch die bloſſe Gedancken.

Ein Krancker im Beth / deſſen gantzer Leib ein lautere Baindrexler-Arbeit / deſſen Augen ſo tieff in Kopff / daß ſie ihr aignes Elend ſelbſt nit mehr moͤgen anſchauen / deſſen Haͤnd ſo ſchwach / daß ſie auch mit einem Floh nit kuntẽ duelliren / deſſen Fuͤß ſo ſchlecht / daß ſie auch Biſcotten-Taig kuͤm̃erlich kunten nidertretten / deſſen Athem ſo ſchwach / daß er auch das Blaͤtl -Gold216Judas der Gewiſſenloſſe BoͤßwichtGold nit kunte zitterend machen / deſſen Red ſo bloͤd / daß ſie auch ein Fiſch moͤcht uͤberſtimmen / ꝛc. Ein ſolcher krancker / ſchwacher / und krafftloſer Tropffkan ebenfahls ein ſo grau -S. Joan. Chryſoſt de lect. peccat. tom. 5. ſame Mord That begehen / wie da begangen der Cain an ſei - nem Bruder / durch die bloſſe Gedancken. Cor cogitando te - netur in crimine, libet corpus immune vigeatur ab opere; reus eſt enim animus, ſi cogitavit, licet corpus ſit immune ab opere, quod non fecit.

Ein Juͤngling in Engelland fuͤhrte gar kein Engliſchen Wandel / ſondern lieſſe dem jungen Blut ſeinen freyen Zaum / und lebte nit loͤblicher / als der ſaubere Geſell im Evangelio / ſo das ſeinige im Luder-Leben / verſchwendt. Es geſchicht / daß erſtgedachter Geſell in ein toͤdtliche Kranckheit gerathen / wo - ran er auch nach kurtzer Zeit geſtorben / jedoch mit vollkom̃ner Beicht / hertzlicher Reu und Laid / daß alſo maͤnniglich aus den Anweſenden an ſeiner Seelen Hail gar nit gezweiflet. Bald nach ſeinem Todt erſcheinet er in gantz feuriger Geſtalt einem ſeiner nechſt Anverwandten / mit vermelden / er ſey nunmehr ewig verdamt und verlohren; der Befreunde kunte ſich nit gnug hieruͤber beſtuͤrtzen / abſonderlich weil er ſelbſt gegenwaͤr - tig geweſen iſt / wie diſer ſo groſſe Reu gezeugt uͤber ſeine began - gne Suͤnden und Miſſethaten. Wahr iſt es / ſetzt hin wider diſer Ungluͤckſelige / daß ich ein vollkom̃ene Beicht verꝛicht / woduꝛch ich widerum GOttes Gnad und Huld erhalten; weil ich aberRotafol. 1337. fer. 6. Dom. 3. qua - drag. kurtz vor meinem Hinſchaiden ein unzuͤchtigen Gedancken ge - habt / auch mich darein verwilliget / alſo bin ich von deın geꝛech - ten Goͤttlichen Richter auf ewig verſtoſſen worden. Jetzt ſage jemand mehr / die Gedancken ſeyen Zollfrey.

Raulinus Buniacenſis erzehlt ein gleichmaͤſſige Geſchicht von einer jungen Wittib / welche ihrer Tugend halber / und for - deriſt wegen der Gutthaͤtigkeit gegen den Armen bey dem Bi - ſchoff als ihrem Beichtvatter in ſehr groſſen Ruhm geweſen; diſe hat eineſt unbehutſame Augen geworffen auff einen ihrerBe -217hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Bedienten / und anbey einen uͤblen Gedancken gehabt / worzu der Will ſich nit geweigert / ob ſchon die That darauf nit erfol - get / unangeſehen das Gewiſſen mehrmahl ſie deſſenthalben er - mahnt / ſo hat ſie gleichwohl aus Geſchaͤmigkeit ſolchen gehab - ten Gedancken nie in der Beicht entdeckt / auch in diſem Stand das Leben geendet / und mit ſonderm Gepraͤng als ein heilig - maͤſſige Wittib in die Kirchen begraben worden. Bald nach ihrem zeitlichen Hıntꝛitt hat gedachter Biſchoff bey naͤchtlicheꝛ Weil das Grab diſer ſeiner Bekandtẽ ſehen uͤber und uͤber bꝛin - nen / ja das Weibsbild ſelbſt buf einem gluͤhenden Roſt / worun -Iter Pa - rad. Pau - liniSerm 11. dePœ nit. ter die boͤſe Feind gantz haͤuffig die Kohlen geſchirt. Uber ſol - ches kunte ſich der gute und fromme Mann nicht gnug verwun - dern / deme ihr ſo tugendſamer gefuͤhrter Wandel gar zu wohl bekandt war; es lieſſen ſich aber dieſe ungluͤckſeelige Seel bald vernehmen / wie daß ſie nur bloß in einem unzuͤchtigen Gedan - cken haͤtte eingewilliget / ſolchen aber nit gebeicht / und ſeye ſie derenthalben ewig verdammt. Gehe hin und laſſe dir trau - men / daß die Gedancken Zollfrey ſollen ſeyn.

O! wie recht und weißlich hat jener offne Suͤnder in dem Tempel gehandlet / als er nit ohne widerholte Seufftzer auf die Bruſt geſchlagen; nit hat er auf die Augen geſchlagen / welche ihme doch mehꝛmahl glaͤſerne Kuppler abgeben zu ungebuͤhren - den Luͤſten; nit hat er auf die Ohren geſchlagen / die er doch viel - faͤltig denen unzuͤchtigen Liedern vergoñt; nit hat er aufs Maul geſchlagen / ſo doch nit ſelten einen Amboß abgeben / worauf al - lerley Ehrenruͤhriſche Reden geſchmidt worden; nit hat er auf die Fuͤß geſchlagen / die ihn doch oͤffter ins Wirthshauß oder andere verdaͤchtige Oerther getragen / ſondern er hat auf die Bruſt und Hertz geſchlagen / weil er geweſt / daß von dannen ur - ſpruͤnglich alles Ubel durch die Gedancken herruͤhre.

O GOtt! ſagt jemand / wann die Gedancken ſollen unter die Suͤnden gezehlt werden / was muß ich dann anfangen? in Egypten hat es vil Mucken geben zu Zeit deß Koͤnigs Pharao /Pars IV. E eich218Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwicht /ich mach mir bey Tag und Nacht viel mehꝛer Muckem Zu Jeꝛi - cho hat es viel Einfaͤll geben zu Zeiten deß Joſue / mir fallen im - merzu wol mehꝛer Sachen ein: in der Landſchafft Huß zu Zeitẽ deß Jobs hat es viel Miſt geben / bey mir melden ſich wol gaꝛſti - gere Gedancken an: in der Malteſiſchen Jnſul zu Zeiten Pauli hat es viel Schlangen geben / ich hab mehrer gifftigere Gedan - cken: in dem Tyberiſchen Meer hat es viel friſche Fiſch geben zu Zeiten Petri, aber ich gehe offt in meinem Hertzen mit gar viel faulen Fiſchen umb. Jn Summa / deß Tobiaͤ Hund hat bey Sommers Zeit nit ſo viel Floͤh gehabt / als ich eine gantze Zeit Gedancken. Gedancken / bald von einem Haus / bald von einem Schmauß / Gedancken / bald von Brein / bald von Wein / Ge - dancken / bald von Zillen / bald von Spielen / Gedancken / bald von Rauffen / bald von Sauffen / Gedancken / balb von einer Jagd / bald von einer Magd / Gedancken / bald von Klauben / bald võ Glaubẽ / Gedanckẽ / bald võ Zechẽ / bald võ Ehebrechen / Gedancken / bald von Modi / bald von Kleynodi / Gedancken / bald von Luͤgen / bald von Betruͤgen Gedancken / bald von Ga - loniſiren / bald von Verfuͤhren / Gedancken / bald von der Su - ſanna, bald von der Marianna, Gedancken / bald von Wilde - rich / bald von Friderich / Gedancken / bald Hohniſch / bald Arg - wohniſch / ꝛc. Wann ich / ſo hab ich die Gedancken auf der Schuͤſſel / wann ich lig / ſo ſeynd mir die Gedancken unterm Kuͤß / wann ich gehe / ſo marſchieten die Gedancken mit mir / wann ich beth / ſo find ich die Gedancken am Schnuͤrl / oder liß ſie aus dem Buch: und zwar allerley boͤſe Gedancken / neidige Gedancken mit dem Cain / hoffaͤꝛtige Gedancken mit der Jetza - bel / geitzige Gedancken mit dem Jſcarioth / argwoͤhniſche Ge - dancken mit dem Juden / zornige und rachgierige Gedancken mit dem Eſau / unzuͤchtige Gedancken mit dem Holoferne. &c. So gar fallen mir boͤſe und ungereimbte Gedancken ein / wann ich dashoͤchſte Gut ſihe von dem Priſter bey dem Altar auf - wandlen; ja was noch mehrer iſt / wild und unflaͤtige Gedantenmelden219hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.melden ſich auch dazumahl an / wann ich das wahre Lam̃ GOt - tes in der Com̃union auf die Zung nimme. Mit einem Wort / ſo wenig die Roſẽ ohne Doͤrner / ſo wenig das Feur ohne Rauch ſo wenig der Acker ohne Diſtel / ſo wenig das Wein-Faß ohne Eleger / ſo wenig der Jahrmarckt ohne Dieb / ſo wenig bin ich ohne boͤſe Gedancken. Ach GOTT!

Der Heil. und groſſe Partriarch Benedictus hat einmahl zu Rom ein Weib geſehen / als er noch geſtudieret / ein ſchaͤndli - ches und ungeſtaltes / und wildes und buckletes Weib; und diſes hat ihm ſolche ſpoͤttliche Gedancken verurſacht / daß er derent - halben den Leıb auch mit aller erdencklicher Caſteyung kaum kunte pendigen und im Zaum halten. Wie ſoll es dañ mir ſeyn / der ich alle Tag in der Geſellſchafft mich befinde / wo ſo viel ſchoͤ - ne Geſichter / ſo viel junges Blut / ſo vieler liebkoſender Creatu - ren? ich beſtehe es / wann ſo viel heilige Leuth von ſchlim̃en Ge - dancken angetaſt werden / was ſoll ich dann erſt von meiner oh - ne das ſchlipffrige und ſchwacher Menſchheit reden? ich laugne es nit / ich wils auch nit laugnen / ich kans nit laugnen / ohne Ge - dancken / und zwar meinſtens ohne boͤſe Gedancken bin ich nie - mahl / oder wenigſt gar ſelten / ꝛc. Was ſoll ich dañ anfangen?

Nit ſo kleinmuͤthig / mein lieber Chriſt: du muſt und ſollſt wiſſen / daß auch die alleraͤrgſte / gottloſeſte und abſcheulichſte Gebancken kein Suͤnd ſeyn / wann du an denſelben kein Wol - gefallen ſchoͤpffeſt / noch weniger deinen Willen darzu gibeſt. Solche boͤſe Gedancken ruͤhren von niemand anderſther / als von dem boͤſen Feind; und eben darum gib ihme / dieſem veꝛdam̃ - ten Widerſacher kein Gehoͤr / laß den Hund bellẽ / er kan nit beiſ - ſen / laß ihn locken / er kan nit zwingen / laß ihn greiffen / er kan nichts nehmen / laß ihn fechten / er kan nit verwunden / laß ihn ſtoſſẽ / er kan nit ſtuͤrtzen / laß ihn ſchnaltzen / erkan nit fahren / laß ihn fiſchen / er kan nichts fangen / laß ihn klopffen / er kan nit aufwachen / laß ihn reden / er kan nicht uͤberreden / ohne deinen Willen. Ja wann ſolche Sathaniſche GedanckenE e 2dich220Judas der gewiſſemoſſe Boͤßwicht.dich wider deinen Willen jagen / plagen / zwagen / ſo haſt du de - renthalben von dem gerechten GOtt / ſo alle dergleichen Ob - ſiger belohnt ein ſondere Vergeltung zu gewarten.

Der Engliſche Lehrer Thomas von Aquin, von Gut und Blut ein adelicher Juͤngling / ware gantz allein verſch loſſen bey einem frechen Weibs-Bild; dieſe ware wol bekleidt| / aber ein ſchlechter Feſten / ware ſchoͤn im Geſicht / aber ſchaͤndlich in Ge - baͤrden / ware ſtattlich in Augen / aber auf nichts guts angeſe - hen / ware Roſenfaͤrbig in Lefftzen / aber nit ſchamroth / ware bloß am Hals / aber ein verdeckter Teuffel / ꝛc. Dieſes war ein Keder / woran der David gebiſſen / dieſes war ein Feuer / an dem ſich der Abſalon gebreñt / dieſes war ein Schlang / die auch den Samſon vergifft, bey denen Barbaren iſt man ſicherer / als bey einer ſolchen Barba, bey denen Saraceneren iſt man ſicherer / als bey einer ſolchen Sara; ſo gar bey der Hoͤll iſt man ſiche - rer / als bey einer ſolchen Helena. Andere ſchliffern / ja / andere ſtolpern / ja / andere fallen / ja / bey ſolcher Gelegenheit / aber Thomas von Aquin nit: dieſe war Teuffliſch / wann ſchon: das Verſuchen war Teuffliſch / wann ſchon: die Gelegenheit war Teuffliſch / wann ſchon: die Gedancken waren Teuffliſch / wann ſchon: esbliebe dannoch der Thomas Engliſch; dann ihme dem irꝛdiſchen Engel die haͤuffige / hefftige / verdammte / und unverſchambte Gedancken nit allein keinen Schaden zu - gefuͤgt / als denen er beſter maſſen widerſtrebt / ſondern derent - halben hat er im Him̃el ein ſondere Cron erworben / derenthal - ben haben ihme die andere anverwandte Engel wegen erhalte - nen Sieg hertzlich Gluͤck gewunſchen und gratulirt.

Was ſchlimme Gedancken ſeynd nit eingefallen einem H. Macario? Macarius, der wegen ſtaͤter Caſteyung und Abbruch ware nichs / als Haut und Bein / und dañoch ſeynd ihme fleiſch - liche Gedancken eingefallen / Macario, der alle Tag mit haͤuffi - gen Buß-Thraͤnen ſein Gewiſſen geſaͤubert / ſeynd gleichwol unſaubere Gedancken eingefallen: Macario, deme wegen ſeinerHei -221hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Heiligkeit auch die wilde Thier ſchoͤn gethan / ſeynd dannoch wilde Gedancken eingefallen: Macario, der ein lauterer Die - ner GOttes war / ſeynd dannoch unlautere Gedancken einge - fallen: Macario, der wie ein unſchuldiges Laͤmml gelebt / ſeynd gleichwohl Sauiſche Gedancken eingefallen: Macario, deme kein anders Kleid ware / als ein rauher haͤriner Sack / ſeynd gleichwol von einem muthwılligen Schleppſack Gedancken eingefallen: Macario, der ein Mann GOttes ware / ſeynd gleichwol weibliche Gedancken eingefallen; weil er aber dem boͤſen Feind die Feigen gezeigt / alſo hat er deſſenthalben ein herrliche Frucht darvon getragen; weil er dem leidigen Sa - than den Willen geweigert / alſo iſt derentwegen bey GOtt noch mehrer Willkomm geweſt; dann ein ſolche Belaͤgerung zeigt / wer der Commendant iſt / ſolche tobende Wellen zeigen / werder Schiffmann iſt.

O wie heilig Paulus! er iſt gleichwol nit ſicher geweſt vor ſolchen heilloſen Gedancken. O wie vor ſichtig Paulus! er iſt gleichwol nit befreyt geweſt von dem blinden Venus-Buben: O wie wunderthaͤtig Paulus! er iſt dannoch nit loß geweſt von ſolchen blunderthaͤtigen Gedancken: Er hat wegen ſolches Verſuchen / GOtt demuͤthigſt erſucht / aber nicht erhalten / als allein die Antwort / er ſolle mit dieſem Krieg zufrieden ſeyn /S. Bernh. de Dom. inter. c. 19. mit GOttes Schutz ſeye ihm dieſer Streit viel Nutz. Quod reſiſtentem fatigat, vincentem coronat.

Wann dañ der hoͤlliſche Phantaſt auch die Phantaſeyen der heiligen Leuten mit boͤſen abſcheulichen Gedancken ange - fochten / ſo wird er dir noch weniger verſchonen. Allein heiſt es / Burſch ins Gewehr / vnd thue ihm ein Widerſtand; mache es / wie der groſſe Patriarch Abraham / welcher auf ein Zeit GOtt dem HErꝛn ein Kuhe und Widder aufgeopffert und geſchlach - tet; als aber die Voͤgel immer zu auf das Fleiſch wolten ſi - tzen / und ſelbiges ſuchten zu verzehren / da hat ſie der H. Mann moͤglichſt abgetrieben. Abigebat eas Abraham. Wann dieGen. cap. 15. hoͤlliſche Raub Voͤgel dein Hertz / als ein Gott gewidmetesE e 3Opf -222Judas der Gewiſſenloſſe Boͤßwicht /Opffer ſtets umbfloderen / und durch allerley gottloſe Gedan - ken und Eingebungen ein Zutritt ſuchen / ſo treib ſie hinweg / nit mit Bruͤgl / die acht er nit / nit mit Stecken / die foͤrcht er nit / nit mit Peitſchen / die ſcheucht er nit / ſondern ſchuͤttle nur allein dẽ Kopff / ſo fliegen ſie hinweg wie die Mucken: kom̃en ſie wieder - umb / ſo ſchuͤttle den Kopff mehrmahl / kom̃en ſie hundertmahl / ſo ſchuͤttle ſo offt den Kopff / ſag allezeit Nein / ſolches Nein ver - brennt ihnen der Brein ſag allezeit Nolo, ſolches Nolo hengt den Narren hundert Nolas und Schelln an. So bald ſolche Gedancken kommen / gedencke du gleich auch das Kopffſchuͤtt - len / verweile gantz und gar nicht; dann ein kleines Aufhalten / iſt ſchon ſein unterhaltung / ein wenige Audienz zieht nach ſich ein ſchaͤdliche Conſequenz. Zu diſer ernſtlicher Warheit taugt dir ein Fabl und Poëten-Gedicht. Die Schwalm hat ſich vor diſem gleich angern Voͤglen in Waͤldeꝛn und Feldern aufgehal - ten / als ſie aber wahrgenommen / daß ein Baur auf einem groſ - ſen und breiten Acker der Hanff-Saamen ausgeworffen / da hat ſie ſich unverzuͤglich zu denen geſammten Voͤglen begeben / und ihnen treuheꝛtzig gerathen / ſie ſollen allen moͤglichſten Fleiß anwenden / wie ſie doch moͤchten den Saamen / als ihnen eine hoͤchſt ſchaͤdliche Sach hinweg bringen / es koſtete nit mehrer Muͤhe / als daß ein jeder Vogel ein oder zwey Koͤrnl mit dem Schnabl hinweg tragen. Die Voͤgel lachtẽ die Schwalm aus / als ein Einfalt / ja etliche haltẽ ſie gar ein uñútzige Schwaͤtzeꝛin / als die den gantzen Tag hindurch mit Plaudern zubringe / und ſolgſam nit wenig Lugẽ einmiſche; maſſen noch bey denen Leu - then ein teutſches Sprichwort / wañ man einen gar hoͤfflich Lu - gen ſtrafft / ſo ſagt man / er ſchwaͤlmet / ꝛc. Die gute Schwalm muſte ſolche Unbild uͤbertragen; dañ ſie ſahe wol / daß unter den Voͤgeln gꝛoſſe Flegel ſeyn / kundte es aber aus Gutheꝛtzigkeit nit laſſen / daß ſie nicht nach etlichẽ Tagen ihren guten Rathſchlag wiederholt; ja ſie hat es ihnen wolmeynend zu verſtehen geben / wie daß der Hanff wuͤꝛcklıch aufwachſe / und folgſam noch Zeitwaͤre /223hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.waͤre / ſolchen mit geringer Muͤhe auszut auffen; weil aber die gute Voͤgel hieꝛuͤber fliegende Gedanckẽ gemacht / uñ die Sach weder reifflicher entoͤrthert / noch weniger zu einem Schluß ge - bracht / alſo hat die vorſichtige Schwalm fernern Ubel zu ent - gehẽ / gaͤntzlich entſchloſſen / dero Geſellſchafft hinfuͤran zu mei - den / und ſo dañ ihr Neſt nit mehr in Hecken und Geſtraͤiß ge - macht / ſondern ſich ſehr weißlich in die Haͤuſer ſalvirt / wie man es noch der Zeit wahrnimmt. Unterdeſſen iſt der Hanff faſt Mañs hoch aufgewachſen / auch zur voͤlliger Zeitung kommen / daß alſo derſelbe nach ausgeſtandener Duͤrre / Breche / in der alten Weiber Haͤnd gerathen / und zu einem Fadẽ nıt ohne oͤff - ters leckẽ promovirt worden / woraus endlich ein groſſes / lan - ges / breites Garn geſtrickt / mit welchen nachmals viel 1000. Voͤgel auf unterſchiedliche Manier gefangen worden. Jn ſol - chem aͤuſſerſten Elend haben die uͤbꝛige Voͤgel ihre Zuflucht ge - ſucht bey der Schwa'm / und ſelbige demuͤthigſt beꝛathſchlaget / wie doch fernerer Gefahr und Nachſtellungen vorzubiegen ſeye? worauf aber die Schwalm geantwortet / daß es nunmehꝛ viel zu ſpat ſeye / und haͤtte man ſolchen nach ihrer Einrathung den Saamen aus dem Weg raumen.

Haſt es gehoͤrt Menſch? alle boͤſe / verruchte / und leichtfer - tige Gedancken / ſo dir im̃erzu einfallen / ſeynd nichts anders / als ein Saamen / welchen der leidige Sathan in den Grund deines Hertzens beginnt einzuwerffen; aber gib umb GOttes Willen acht / gib acht / daß ſo fern nur ein einiges Kerul darein falltt / daß du ſolche ohne einige Verweilung wiederumb aus - roteſt / ſonſt wachſt es in einem Vatter unſer lang ſo ſtark aus / daß es dich nachmahls umb das ewige Vatterland bringe.

Jene zwey Schim̃el und Lim̃el / denẽ noch der kleine Spitz - bub Cupido durch ihre alte / zaͤhe / und faſt wie Pfundleder ver - harte Haut / ſeine Pfeil eingeſchoſſen / haͤtten niemahlen in dem Luſtgarten verbottenen Luſt und Liſt gaſucht / haͤtten ſich nie - mals hinter die gruͤne Spalier verborgẽ / die weiſſe KeuſchheitSuſan -224Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwicht /Suſannæ zu ſpolieren / waͤren nimmermehr ſo frey und frech geweſen / und Suſannem als ein zaꝛteſte Lilgen in diſem Earten mit ſo unverſchaͤmten Haͤnden angetaſt: wann ſie die ſchlimme Gedancken / ſo ihnen der liſtige Sathan / und Geiſt der Unrei - nigkeit eingeben / haͤtten bey Zeiten / als ſie noch im Saamen uñ erſten Aufſchuß waren / ausgerott.

David als Koͤnig in Jſrael / waͤre nie von der Sau geſtochẽ worden in ſeinem Spiel / haͤtte nie ein ſo grobe und Sauiſche Action begangen / haͤtte nie in ſeiner gekroͤntẽ Hochheit einen ſo aͤrgrelichen Schandfleck angehenckt / wañ er die erſte boͤſe Ge - dancken / ſo ihme von der ſchoͤnen Berſabea ſeynd eingefallen / haͤtte fruͤhezeitig aus geſchlagen.

Jene ſaubere Madam waͤre dem keuſchen Joſeph mit dem taͤglichen Ladſchreiben nit ſo uͤberlaͤſtig geweſen / ſie haͤtte mit den 10. Buchſtaben Dormi mecum nicht geſucht die 10. Gebot zu brechen / ſie waͤre ihm nie im Mantel gefallen / mit deme ſie nachmal ihre Boßheit hat wollen vermantlen; wann ſie bey Zeiten die Funcken / ſo ihr der Sathan eingeworffen / haͤtte ge - daͤmpfft / und alſobald die unzulaͤſſige Gedancken abgewieſen; dann ſo bald der boͤſe Feind durch dergleichen Gedancken an - klopfft / ſo muß man geſchwind ſagen / man laſſe nit ein: ſo bald er anfangt zu ſingen / ſo muß man ihm gleich klopffen: ſo bald er ſeine Wahren feil bietet / ſo muß man ihm geſchwind antwor - ten / man kauffe nichts: ſo bald er vor die Veſtung ruckt / ſo muß man die die Porten zuſchlieſſen: dann hierinnsfalls allezeit periculum in mora.

Wie der gerechte Joſeph wahr genom̃en / daß ſein werthe - ſte Geſpons Maria ſchwanger gehe / wolte er zwar an dero un - befleckter Reinigkeit nit zweifflen / doch ſeynd ihme derentwe - gen gleichwol ſeltzame / ob ſchon fliegende Gedancken / eingefal - len bey Naͤchtlicher Weel. Aber ſihe! kaum daß ſolche Gedan - cken in ſein Hertz ſeynd geſtigen / da ſchickt GOtt alſobald einen Engel / ſo ihme erſchiene im Schlaff / der da ſprach / Joſeph du Sohn David foͤrchte dich nicht / Mariam dein Eheweib zu dirzunehmen225hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.men / dann was in ihr gebohren iſt / das iſt von dem H. Geiſt / ꝛc. Warumb hat GOtt der HErr (moͤcht jemand fragen) dem gu - ten alten nit ſeinen Schlaff vergunnt? dann wann ſolcher ein - mahl unterbrochen wird / ſo laſt er ſich ſo leicht nit mehr locken; es haͤtt der Engel in der Fruhe / nach vollendtem Schlaff / ihme / dem frommen Joſeph ſolche Poſt koͤnnen bringen; wie daß es gleich hat muͤſſen geſchehen / als ihme die Gedancken kommen? Adhuc eo cogitante, &c. Hier antwortet der groſſe Heil. Matth. 1.Pabſt Gregor. daß ſolches GOtt habe gethan zu unſerer ſonde - rer Lehr und Unterricht / wie wir nemblich die Gedancken / wann ſie ſchon nit recht boͤß ſeyn und ſcheinen / gleich und alſo - bald ſollen mit moͤglichſten Fleiß aus dem Weg raumen / undS. Greg. in Matth C. 1. gaͤntzlichausſchlagẽ. Dann nit zu glauben iſt / was Ubel / Scha - den / und Ungelegenheit daraus entſpringt / ſo man ihnen auch die geringſte Audienz und Gehoͤr vergonnt.

Ninus ein Koͤnig der Aſſirier hat ſich alſo vergafft in die ſchoͤne Geſtalt der Semiramidis, daß er ſelbige / unangeſehen ſie võ keinem hohẽ Haus / ſondern einer niedern Baurnhuͤtten / mit hoͤchſtem Begnuͤgen geheiliget. Als Semiramis vermerckt / daß ſie wegen ihrer unermeßlichen Schoͤnheit faſt ein Goͤtzen-Bild ſeye aller Gedancken deß Nini, ſo hat ſie eineſt von ihrem gul - denen Schatz (verſtehe Ninum) eine Gnad begehrt / und ſtun - de ſolche in dem / daß er ihr nur moͤchte einigen Tag die voll - maͤchtige Herꝛſchung uͤberlaſſen. Ninus, wol recht Aſinus, ver - williget es / gedachte / was wolt ein Tag / ein ſo kurtze Zeit ſeyn. Was geſchicht? ſo bald Semiramis zu ſolcher / ob ſchon kurtz waͤh - tender Regierung und Vollmacht gelangt / hat ſie alſobald be - fohlen / man ſolle geſchwind und ohne einigen Veꝛzug den Nino als ihren Gemahl / den Kopffzwiſchen die Fuͤß legen / ſo auch geſchehen /

Seye du / wer du im̃er biſt Geiſtlich oder Weltlich / Weib - lichen oder Maͤñlichen Geſchlechts / wann dir einige unformli - che Gedancken einfallen / von denen niemand befreyt / ſo laſſe ih -Pars IV. F fnen226Judas der gewiſſenloſſe Boͤßwichtnen die Oberhand nit / auch die allwenigſte Zeit. O Pater! es ſeynd fliegende Gedancken / laͤcherliche Phantaſeyen / und nur naͤrriſche Coppeyen / man weiß es ſchon / daß man die Original - Stuck muß mit frieden laſſen. Ein kleine Zeit / ein kurtze Weil / wird ihnen ſo bald die Feder nit laſſen wachſen. Wer diſer Mey - nung iſt / dem wird nit um ein Haar beſſer gehen / als dem Nino. Wer denen boͤſen Gedancke nur eine kleine Herꝛſchung eꝛlaubt / wann ſolcher ſchon nit umb das Haupt kommt / ſo verlihrt er doch ein Haupt-Sach / nemblich / die Gnad GOttes: maſſen deß Menſchen Willen auch von einem geringen Stoß gleich Berg abfallt: und iſt ihme gar leicht zu pfeiffen / der ohne das zum Tantzen geneigt.

Ein armes Haͤſel hat ſich bey rauher Winter-Zeit einmal in ein Loch eines holen Felſens reterirt / damit es gleichwol un - ter diſem ſtemernen Dach eine linde Ruhe moͤchte genieſſen. Es ſtunde aber nit lang an / da kame der Jgel / deme ebenfalls das grobe Wetter gꝛoſſe Ungelegenheit gemacht / uñ batte das Haͤſel garſchoͤn / und hoͤfflich umb ein Herberg. Mein Haͤſel ſprach er / es iſt maͤnniglich bekañt / daß du nit allein groſſe Ohren / ſondern auch groſſe Lieb gegen dem Nechſten tꝛageſt; weil mich dañ das harte / und faſt unertraͤgliche Wetter uͤber faͤllen / alſo vergonne mir doch ein kleines Winckeꝛl in deiner Wohnung / ſolche Gnad werd ich die Zeit meines Lebens nicht in Vergeſſenheit ſtellen: ja kuͤnfftigen Herbſt / wills GOtt / will ich mich mit einer But - ten Aepffel danckbar einſtellen / und die empfangene Gutthat in etwas erwideren. Das Haͤſel ſchaut ſich hin und her / und vermeꝛkt wol / daß der Platz zimlich eng; gleichwol auf ſo freund - liches Erſuchen und Anhalten / hat es verwilliget. der Jgel macht ſich alſobald und ohne lange Verweilung in das Haſen - Zim̃ert / ſteht aber nicht lang an / da fangt er nach und nach ſei - ne Spitz unb Stachel von ſich zu breiten. Das einfaͤltige Haͤſel glaubtte erſtlich / es ſtechen ihne die Floͤch / wie der Jgela - ber mit voͤlligem Gewalt alle ſeine Waffen ausſtreckt / da hatweder227hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.weder bitten oder ermahnen etwas geholffen / ſondern es muſte das arme Haͤſel die voͤllige Herberg dem leichtfertigen Scheim uͤberlaſſen / ſo doch zuvor nur umb ein kleines Winckerl ange - halten.

Wann du wilſt / aber ich rath es nit / dem Teuffel durch die Gedancken das kleinſte Plaͤtzel in deinem Hertzen erlauben / ſo wirſt erfahren / daß er mit voͤlligen Gewalt darein platzen thue: wann du wilſt / aber ich hoffe nicht / dem Sathan das geringſte Winckerl vergonnen durch die bloſſe Gedancken / ſo verſichere dich / daß der Will gar kein Winckelmaß weꝛde halten: Wann du wilſt / aber ich glaube nicht / denen boͤſen Gedancken nur ein kurtze Zeit zulaſſen / ſo ſeye verſichert / daß du an deinem Seel - Heil verkuͤrtzet werdeſt: erlaubſt du ihme ein biſſerl / ſo wirſt du ſchon võ dieſem hoͤlliſchen Cerbero oder Hoͤllhund ein Biß em - pfinden / der dir ein toͤdtliche Wunden verſetzt: vergoñſt du ihm das geringſte Loſament / ſo wird kein loſerer Menſch werdẽ als du: ſchaffſtu ihne nit alſo bald ab / ſo haſtu zuſchaffen / daß du nit in das ewige Verderben geratheſt. Wann alle Verdam̃te und ewig Ungluͤckſeelige ſolten aus der Hoͤll zur Frag geſtellt wer - den / warumb ſie in dieſen Abgrund ſeyn geſtoſſen worden? ſo wurde ein jeder den Anfang und Grund ſeines Unheils an Tag geben / und bekennen / daß ſie derenthalben in den ewigen Ver - lurſt gerathen; umb weil ſie die neidige / geitzige / rachgieꝛige / ehr - fuͤchtige / hoffaͤrtige / geile und unzuͤchtige Gedancken nit gleich haben ausgeſchlagẽ / ſondern denenſelben einige Aufenthaltung erlaubt / wodurch ſie folgſam in die gꝛoͤſte und abſcheulichſte La - ſtergefallen; dañ von den boͤſen Gedancken / als von einem Ur - ſprung flieſſen alle Suͤnden her: von den boͤſen Gedancken / als von einer Mutter werden alle Laſter gebohren: von den boͤſen Gedancken als von einer Wurtzel / ſtam̃en alle Miſſethaten her: von den boͤſen Gedancken als von einem Eiſen werden alle Un - thaten geſchmidet; von boͤſen Gedancken als von lauter Schai - ten wird das hoͤlliſche Feur angeyuͤndt.

F f 2Wie228Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwicht /

Wie iſt aber allem diſem Ubel zu helffen|? zumahl alle / auch ſo gar heilige Leuth / vor boͤſen Gedancken kein Salva Guardia ha - ben. Mein Rath iſt / mein Rath iſt geweſt / mein Rath wird ſeyn / du ſollſt als ein trutziger Chriſt dich von Teuffel nit viel laſſen foppen / ſondern wacker drein ſchlagen. Aber wie kan man diſe verdammten Larven ſchlagen / zumahl er ein lauterer / ob ſchon ein lauterer Geiſt iſt? ſo weiß man auch aus folgender Geſchicht / daß das Teuffel ſchlagen / nit habe allezeit gut ausge - ſchlagen.

Wie der Heil. Vincentius Ferrerius einmahl geprediget / uñ unter anderm auch vorbracht / was Geſtalten die Heilige Mar - garita den boͤſen Feind / ſo ihr in Menſchlicher Geſtalt erſchie - nen / mit groſſer Furi angegriffen / denſelben zu Boden geworf - fen / und einzimliche Zeit hart gepeimget: ſo war eben dazumahl in der Pꝛedigein einfaͤltiger jedoch from̃er Juͤngling aus Lom - cardia gebuͤrthig / welcher durch ſolches angezognes Exempel ein beſondern Muth gefaſt / auch einmal den Teuffel ſteiff abzu - pruͤgeln; zu ſolchem Ende Gott den HErꝛn oͤffter gantz inbruͤn - ſtig gebetten / er wolle ihm doch den hoͤlliſchen Gaſt in Menſch - licher Geſtalt zuſchicken / an dem er ſein Fauſt recht probieren; und ſein Muth kuͤhlen moͤge. Wie nun auf ein Zeit gedachter Einfalt in das nechſt entlegene Staͤdel oder Marckt-Fleck wol - te und muſte gehen; da hat er unter Wegs ein altes baufaͤlliges Gebaͤu / ſo viel Jahr ohne Dach geſtanden / an der Straſſen angetroffen / worinn er faſt ein halbe Stund / als abgeſondert von den Leuthen / ſein Gebet verricht / und anbey GOtt den all - maͤchtigen mehrmahl eiffrigſt gebetten / daß er doch die Gele - genheit kunte haben / mit dem Teuffel zu rauffen; als er dann in Mitte deß Gebets begriffen / da geth ein altes / armes / vor Hunger ausgemergletes / elendes Weib mit einer Sichel in der Hand hinein / deß Willens daſelbſt das Graß / ſo haͤuffiger als anderwaͤrts gewachſẽ / abzuſchneiden. Kaum daß er ſolcher an - ſichtig worden / da hat er ſich ab dero Ungeſtalt in etwas ent -ruͤſt /229hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.ruͤſt / auch ſich in ein Winckel reterirt / gleichwol das Heꝛtz ge - faſt / und ſie befragt was ihr Abſehen und Thun allhier in diſem Orth ſeye? weil aber die arme Haut von Mutter-Leib gantz Stumm und Redloß / alſo hat ſie mit zornigen Gebaͤrden und entſetzlichen Geſchꝛey oder Kuͤrꝛen ihme wollen zu verſtehen ge - ben / er ſolle das ſo ſchoͤne daſelbſt aufgewachſene Graß nit ſo liederlich nieder tretten; der gute Menſch verſtunde diſes ſtum - me Regiſter nit / ſondern glaubte gaͤntzlich daß GOTT ihn er - hoͤꝛt / und in diſer ſolcher Geſtalt den Teuffel zugeſchickt habe; dahero die elende Troͤpffin mit allem Gewalt angegriffen / zu Boden geworffen / erbaͤrmlich zerſchlagen / und zerkratzt noch darzu gefrolocket / daß er einmahl den Teuffel kan alſo abgoſchẽ / der ihme mit ſo vielẽ und ſchaͤdlichen Gedancken alſo mañigfal - tig nachgeſtellt. Baͤff / baͤff noch eines / baͤff / baͤff / du verruchter Teuffel / ſagte er / du pralleſt / als waͤre dir niemand gleich / baͤff / baͤff / ꝛc. Jetzt biſt du mir unter meine Hand kom̃en; indem er al - ſo mit dem armen / alten Weib gleichſam unmenſchlich verfah - ren / da ſeynd einige benachbarte Leuth wegen deß groſſen Ge - ſchrey beygeloffen / den Juͤngling alseinen Moͤrder zum Rich - ter gefuͤhrt / das arme und halb tode Weib in die Herberg / auch zugleich den Heil. Vincentio ſolches kundbar gemacht / welcher dann alſobald bey GOtt dem Allmaͤchtigen durch ſein viel ver - moͤgendes Gebet ſo viel gewuͤrckt / daß ihr durch ein Wunder - werck die Red und Sprach kommen / und ſie nach vollkommne -Prato. fiorit. fol 485. P. 2. ner abgelegter Beicht in GOtt ſeelig verſchieden / deß Juͤngling Einfalt aber / weil ihn der Richter zum Strang wolte verur - theilen / beſter maſſen entſchuldiget.

Auf ſolche Weiß gibt es dañ nit bald die Zeit / und Gelegen - heit den Teuffel zuſchlagen: nichts deſtoweniger iſt mein einigeꝛ Rath / daß man diſen verdammten / verruchten Boͤßwicht nit anderſt ſoll tractiren als mit Schlaͤgen. Drauf geſchlagen oh - ne Erbarmnus / drauf geſchlagen ohne Aufhoͤꝛen / drauf geſchla - gen / biß kracht / drauf geſchlagen / biß er in die Flucht gehe. F f 3Diſes230Judas / ꝛc. hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Diſes Schlagen beſtehet in nichts anders als im Ausſchlagen der Gedancken / im Schlagen auf die Bruſt / durch ſolche Stoͤß wird der Teuffel verſtoſſen.

Der Evangeliſt Matth. am 9. Cap. regiſtiert / was Geſtal - ten ein Obriſter zu Chriſto dem HErꝛn getretten / und ihme wehemuͤthig geklagt / wie daß ſein Jungfrau Tochter (dazumal hat mans noch nicht Freyla genennt) ſeye mit dem Tod abgan - gen / worauf alſobald der Heyland mit ihme ſich in ſein Behau - ſung begeben / wie er aber daſelbſt die Kerl angetroffen / ſo mit groſſem Getoͤß die Schallmeyẽ geblaſen / Recedite &c. Da hat er diſes Geſindel alſobald aus dem Haus geſchafft. Die Teuf - fel und verfluchten Geiſter ſeynd noch aͤrger Blaſer; dann ſie nit in die Schalmeyen blaſen / aber lauter Schelmerey einbla - ſen durch die boͤſe Gedancken; dannenhero kein beſſers Mittel / als daß man dieſelbe trutzig abſchaffe / zum Haus hinaus peit - ſche / und das Hertz allein dem allerliebſten JEſu fuͤr ein Woh - nung aufbehalte.

Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apo - ſtel-Ampt gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.

NAch der wunderbarlichen Himmelfart Chriſti deß HErꝛn hat der H. Petrus, als ein Oberhaupt der Ca - tholiſchen Kiꝛchen / die Apoſtel / wie auch die 72. Juͤnger zuſam̃en beruffen / worbey auch die uͤbergebenedeyte Mutter GOttes erſchienen ſam̃t etlichen andern / uñ nach kurtzer Pre - digt von dem ungluͤckſeeligen Fall deß Jſcarioths eyfferig vor - getragen / daß ſie nunmehr zu Nutzen der Kirchen und zu Be - foͤrderung der Seelen Heyl wollen zu der Wahlſchreiten eines neuen Apoſtels / an ſtatt deß entfuͤhrten Laſterhafften Judaͤ / Wie ſie nun alles insgeſammt / deren gegen hundert ung zwan -tzig231gelangt durch einhellige Wahl der H. Mathias.tzig beyeinander / ein geraume Zeit ihr inbruͤnſtiges Gebet ver - richt / haben ſie endlich Canonicé ihrer zwey erwaͤhlt / benannt - lich Joſephum Barſabam, der eine Bruder war Jacobi Mıno - ris, und ein Befreundter Chriſti und Mariæ, wie dann auch Matthiam, ſo von Bethlehem gebuͤrthig / ein beſtaͤndiger Juͤn - ger Chriſti deß HErꝛn geweſen; beyde ſehr fromme / heilige / uñ verſtaͤndige Maͤnner. Damit aber GOTT der gantzen Welt zeige / daß man in Ertheilung der Aempter / forderſt der Geiſt - lichen Dignitaͤt / nicht ſoll anſehen das Blut und Verwandt - ſchafft / ſondern vilmehr die Tauglichkeit / und die Verdienſten / alſo iſt Matthias durch einen vom Himmel geſandten Stꝛahlen zur Apoſtoliſcher Hochheit erkiſen worden / worzu ihme das gantze Collegium ſammt allen anweſenden Chriſten von Her - tzen gratulirt / und anbey GOTT den HErꝛn gelobt und ge - prieſen / daß durch ſeine Gnad an ſtatt deß Ertz-Schelm Ju - daͤ ein ſo werther Mann erwaͤhlt worden.

Wahl nicht allezeit Wol.

Wie Julius der Dritte / Pius der Vierdte / Gregorius der Neundte / Innocentius der Dridte / Fabianus und andere zu Roͤmiſchen Paͤbſten erwaͤhlet worden / da hat der H. Geiſt in ſichtbarer Geſtalt einer Schneeweiſen Tauben / ſolche Wahl gut geheiſſen. Deßgleichen iſt auch geſchehen mit dem Heil. Po - lycarpo, Mauritio, Hilario, Eurutio, Marcellino, Marcello, und mehrer andern / wie ſie zur Biſchofflicher Hochheit erhe: bet worden. Wann ſchon nicht allemahl dergleichen Wunder - werck geſchicht / ſo iſt doch nit in Zweiffel zu ſetzen / daß nicht unſichtbarer Weiß der Heil. Geiſt in ſolchen Wahlen mitwuͤr - cke: was anlangt bie Wahl eines Roͤmiſchen Pabſtens und O - berhaupt der Catholiſchen Kirchen will ich dermahlen nichts beyruͤcken / indeme ohne das bekandt / daß erſt genañte Kirchen nit auf einen moraſtigen Grund / ſondern auf einen unbewegli - chen Felſen gebauet ſeye / auch jenige feurige Zungẽ / ſo uͤber dieApoſtel232Jn deß abtruͤnnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptApoſtel kommen / noch in den Nachkoͤm̃lingen ihre Wuͤrckung haben. Aber bey diſer bethoͤrten und verkehrten Welt wird nit ſelten einer zur Geiſtlichen Dignitaͤt gelangen / der nit dignus iſt / wurd gar offt zu groſſen Wuͤrden kommen / der es doch nit iſt; da heiſt es / da ſagt man / da hoͤrt man / es iſt bey der Wahl / und mit der Wahl / nit gar wol her gangen.

Die Wahl geſchicht nit wol / wann man einen Jdioten erwaͤhlt.

Wie die Philiſtaͤer die Arch deß HErrn von den Jſraeli - teꝛn erobert / und in ihre Hand bekom̃en / da haben ſie ſolche alſo - bald in ihren Tempel gefuͤhrt; kaum aber / daß diſe durch die Porten oder Thuͤr hinein gebracht worden / da iſt ihr Abgott der Dagon genant / von dem Altar herunter gefallen / den ſie den andern Tag wiederumb mit ſonderer Solemnitaͤt an ſein Orth geſtellt / diſer aber iſt mehrmahl durch Goͤttlichen Gewalt von dem Altar herunter geſtuͤrtzt worden / daß er alſo den Kopff und1. Reg. 5. Haͤnd verlohren: Porrò Dagon ſolus truncus remanſerat, und nichts anders verblieben / als eie gemeiner Stock und Block; gleichwol haben die Philiſtaͤer ihn noch verehrt / und angebet - tet. Wir ſeynd der Zeit / GOtt ſeye Lob / keine unglaubige Hey - den und verblendte Goͤtzen Anbeter / wie diſe / aber dannoch ge - ſchicht es / daß wie zuweilen muͤſſen einen verehrẽ und gleichſam anbeten / der kein Kopff hat / und ein lauterer Truncus, wie der Dagon. Ja Cornelius à Lapide ſchreibt / daß beſagtes Goͤtzen - bild halb Menſch und halb Fiſch ſeye geweſt: wann ſchon. Es kom̃t zu Zeiten einer zu einem Ampt / der gar ein lauteꝛer Stock - fiſch / und wir muͤſſen ihme gleichwol verehren. Aber ein ſolche Wahl ſteht nie wol.

Wie unſer HErr den Lazarum von Tod en erwecket hat / ſo iſt ſolches den Hohen-Priſtern nıe ein wenig in die Naſen ge - rochen / in Erwegung / daß duꝛch dergleichen Wunderwerck die - ſes Zim̃ermans Sohn (alſo nennten ſie ihn) das meiſte Volckwerde233gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.werde nach ſich ziehen / und folgſam ihnen das Intereſſe zimb - lich geſchmaͤhlert weren; haben demnach diſe Hohe-Prieſter / diſe Hochwuͤrdige Herꝛn einen Rath verſammlet / und allerley Anſchlaͤg auf die Bahn gebracht / wie doch fernerm Ubel vorzu - biegen ſeye. Wie ſie nun im beſten Diſcurs begꝛiffen / und glaub - ten ihres Sinns / daß ſie ſehr beſcheid und weißlich geredet ha - ben / da richtet ſich der Caiphas auf / welcher deſſelbigen Jahrs der hoͤchſte Prieſter war / und ein Oberhaupt der Synagog und voͤlliger Geiſtlichkeit / und ſprach nit ohne Grollen und Wider - willen / Vosneſcitis quidquam, Jhr wiſſet nichts.

O pfuy / pfuy! wie ſchaͤndlich ſteht es / wie ungereimbt iſt es / wann jemand in hohem Ampt und Geiſtlicher Wuͤrde ſich be - findet / und den Namen und Titul tragt Jhr Hoch-Wuͤrden / Jhr Gnaden / Jhr Excellenz, &c. und man ihnen ebenfals vor - werffe / was Caiphas denẽ Hohen-Prieſtern / ihr wiſſet nichts / Vos neſcitis quidquam: Jhr ſeyd nit gelehrt / wol aber gelaͤert / ihr ſeyd kein Doctor, wol aber ein Doc-thor / ihr ſeyd nit gra - dirt / wol aber radirt: ihr ſeyd mehrer Lutteratus als Litteratus: ihr ſeyd gleicher einem Stoloni als Soloni: ihr ſeyd aͤhnlicher ei - nem Stallmann / als einem Salamon: ihr ſeyd ein beſſerer Mat - to, als Mathematicus, ihr wiſſet mehrer aus einem Plano, als einem Becano; doch iſt bekandter der Gaymann / als der Lay - mann / ihr ſeyd ein ſchlechter Canoniſt, wohl aber ein guter Kandeliſt: Vos neſcitisquidquam, &c. Die ſchoͤne Rachel hat Stroh unterm Leib gehabt / wie ſie die Goͤtzenbilder ver - borgen / ihr aber tragt Stroh im Kopff; der Samſon hat mit einem Eſels-Kinnbacken tauſend Philiſtaͤer erlegt / ihr koͤndt mit einem gantzen Eſels-Kopff nichts richten: deß Joſephs Bruͤder haben Korn und Weitzen in den Saͤcken gehabt / ihr aber habt Habern im Kopff / und ſeyd gar ein Haber-Narꝛ: in dem obern Garn der Archen Noe ſeynd allerley Voͤgel ge - weſt / bey euch aber iſt oberhalb ein gantzes Gimpel-Neſt /Pars IV. G gpfuy!234Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Ampt.pfuy! ihr ſeyd Conſultiſſimus & neſcitis quidquam, und wiſ - ſet nichts.

Joannes hat alles golten bey unſerm lieben HErꝛn / ihn hat der Heyland mehrer geliebt und gelobt / als alle andere Apoſtel / er hat die Bruſt Chriſti vor einen Polſter gehabt / ſolche Gnad iſt keinem andern begegnet / er hat die Gerhabſchafft uͤber die Mutter GOttes gehabt / und iſt allezeit ein Lilgenreine Jung - frau verblieben / er war ſo gar ein Vetter deß HErꝛn / und dan - noch hat ihn Chriſtus zu keinen Pabſt gemacht / ſondern Pe - trum zu diſer hoͤchſten Wuͤrde erkieſen; warum aber diſes? dar - umb. Ehe und bevor der Heyland diſe Dignitaͤt und hohe Geiſt - liche Wuͤrde conferiert / hat er ein Examen angeſtellt / und der zum beſten werde beſtehen / der ſoll zu diſem hoͤchſten Ampt ge - langen. Erfragt demnach einen umb den andern / und gibt al - len insgemein die Quæſtion auf: Quem dicunthomines, &c. Was ſagen die Leuth von dem Sohn deß Menſchen / wer er ſeye? da ſprachen ſie / etliche ſagen / er ſeye Joannes der Tauf - fer / etliche aber / er ſeye Elias, andere aber / er ſeye Jeremias, oder einer aus den Propheten; uͤber ſolches wird Petrus auch exa - miniret der aber alſobald friſch heraus geſagt; Tues Chriſtus, &c. Du biſt Chriſtus / der Sohn deß lebendigen GOttes / ꝛc. Wie der Heyland hat wahr genommen / daß Petrus in dieſem Concurſu zum beſten beſtanden / und ſich als einen gelehrten Theologum gezeigt / da hat er gleich und ohne einigen Verzug ihm zum Pabſten erwaͤhlt / du biſt Petrus / und auf diſen Felfen will ich mein Kirch bauen. Dardurch uns ein Lehr zu geben / daß wir in einer Wahl die Stimmen nit ſollen werffen auf ei - nen Idioten, der ein ſchlechte Wiſſenſchafft hat / ſondern auf einen Gelehrten und Wohlerfahrnen. Jn der Wahl eines Biſchoffs / eines Prælaten, eines Abbts / eines Probſten / eines Priors, eines Guardians, &c. und was immer ein Geiſtliche Wuͤrde mag genennet werden / wohl dahin trach - ten und zielen / damit ein Gelehrter erwaͤhlt werde; dann wokein235gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.kein Doctrin, dort iſt gemeiniglich ein Ruin, und ſtehet nichts ſpoͤttlichers / als wann man ſolchen kan verwerffen das neſci - tis, ihr wiſſet nichts.

Unſer HErꝛ mit ſeinem Goͤttlichen Mund hat bey dem Evangeliſten Matthaͤo ſehr ſchoͤn und wol beſchrieben / wie ei - ner ſoll beſchaffen ſeyn / der ein Ampt zu verſehen hat: Fidelis & prudens, quemconſtituit Dominus ſuper familiam ſuam, er ſoll nehmlıchtreu und verſtaͤndig ſeyn. Es iſt an dem allein nit gelegen / daß er from̃ und Gottſeelig iſt / daß er im̃erzu im Chor ſteckt / uñ bald die Zeit mehꝛer mit Knyen als mit ſtehẽ zubringt / daß er faſt alle Tag mit ſeinem Buckel umbgeht / wie der Pro - phet Baalam mit der Eſelin / daß er wegen ſtrengen Bußwerckẽ ſeinem Leib ein Stieff-Vatter abgibt / es iſt nit genug / daß er ein guts Gewiſſen hat / ſondern es wird auch erfordert / daß er ein gutes Wiſſen habe / Fidelis & prudens.

Judas ein Hauptſchelm / und Petrus ein Oberhaupt der Ca - tholiſchen Kirchen / Judas ein Urſacher deß Tods Chriſti / und Petrus hat ſich anerbotten umb Chriſti Willen den Tod auszu - ſtehen / Judas hat unſerm HErꝛn aus der gemeinen Caſſa das Geld geſtohlen / und Petrus hat fuͤr unſern HErꝛn den Zinnß - Groſchen zu Capharnaum bezahlt. nichts deſtoweniger hat der HErꝛ und Heyland dem Judaͤ nie einen ſo harten Filtz und Verweiß geben / wie dem Petro. Wie der Iſcarioth ihn durch einen falſchen Kußverrathen / da hat ihn der gebenedeyte Mei - ſter noch einen Freund geheiſſen Amice, &c. Den Peter aber hat er gar einen Sathan und Teuffel genennt / und zwar da - zumahl / als Petrus vernommen / als ſolle er / benanntlich Chriſtus / eines bittern Tods ſterben zu Jeruſalem / da hat er ſich deſſen erffrig angenom̃en / abſit: bey Leib nit HErꝛ / ſprach Petrus, diſes ſeye weit von dir; worauf der ſonſt ſanfftmuͤthig - ſte Erloͤſer ein finſters Geſicht gemacht / und den Peter einen Teuffel geſcholten / Vade &c. Gehe von mir du Sathan / ꝛc. G g 2Gab236Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptGab aber gleich die Uꝛſach diſes ſo harten Prædicats, non ſapis ea, quæ DEI ſunt, &c. Du verſteheſt nit was GOttes iſt.

Auf ſolche Weiß hat Chriſtus ein groͤſſere Gedult gehabt mit dem gottloſen Juda / als mit dem Peter / ſo dazumahl einen Ignoranten abgeben; ſo gar kan GOtt nicht leyden / wann ein Geiſtliche Obrigkeit nichts verſtehet / abſonderlich wann ſie nit verſtehet / was GOttes iſt / wann ſie keiner einigen Geiſtlichen Wiſſenſchafft kuͤndig; wann ſie beſſer und mehrer weiß umb die Nuß / als umb das Jus, wann ſie aus Mangel der Wiſſen - ſchafft alles denen Miniſteren und Bedienten uͤberlaſt / ſo nach - mahl mit der Juſtiz verfahren / wie die Bruͤder mit dem Joſeph / den ſie umb das Geld verkaufft; wañ ſie ſich in der Rath-Stu - ben nur mit dem Ja buckt / wie die Maͤntel in einem Haus-Krip - pel. Pfuy!!

Ein Eſel / und Meiſter Lang-Ohr hat auf eine Zeit wahr - genommen / wie ein kleines Huͤndel mit Namen Bellamor ſehr viel gelte bey ſeinem Herꝛn / umb weil es mehrmahl mit den Fuͤſ - ſen an den Herꝛn aufſpringt / und allerleyſchmeichleriſche Ge - baͤrden zeigt; da gedachte der grobe Trampel / er wolte es dem luſtigen Bellamor / nachthun / und aller gleicher Geſtalt beſſer bey ſeinem Patron in Gnaden zu kommen / und etwan kuͤnfftig im Fuͤtter ein doppelte Portion zuerhalten / weil er doch bißhe - ro im ſchlechten Convict geweſt. So bald aber der Aſſiatiſche Phantaſt die fordere zwey Fuͤß dem Herꝛn auf die Achſel ge - legt / und mit den langen Spitzohren die Baroquen herunter gehebt? da hat ſich der Herꝛ diſes ſo groben Liebkoſens bedankt / und ſolche Corteſie mit einem Bruͤgel beſter maſſen erwidert. Die Fabel will nichts anders ſagen / als / es ſoll ein jeder blei - ben / wer er iſt / und wann ein Eſel ſich ſchon befleiſt eines andern ſein Thun und Laſſen nachzuaͤhnen / ſo ſteht es ihme gantz nit an / und wird allemahl als ein Eſel erkennet.

Waͤnn ein Idiot ein plumper Ignorant durch unvorſich -tige237gelangt durch einhellige Wahl | der H. Matthias.tige Stimmen und Wahlzu einer Dignitaͤt erhoben wird / ſo wird er zwar in allweg trachten / wie er es moͤge andern nach - thun / er kleidet ſich gleich andern / und muß der doppelte Taffet den einfachen und einfaͤltigen Tropff bedeckẽ / er laſt den Barth nach der Modi refomirẽ / der ohne das Raſus genug iſt / er ſchickt ſich allgemach in die Reputation, und ſinge den Alt / der vorher ein ſo niedern Paß geſungen: aber es will ihn doch nichts anſte - hen / aus denen Worten und Wercken merckt man / daß der hoͤl - tzerne Klepper / auf dem die muthwilligen Soldaten auf dem Platz muͤſſen reiten / ſein nechſter Verwandter ſeye: aus ſeinem Diſcurs thut man wahrnehmen / das am Palmtag ſein vor - nehmbſtes Feſt ſeye / und bleibt in allweg ein Eſel / woꝛvon nach - mahls der Reſpect bey denen Untern in Verlurſt gehet / man - cher verſchmitzter Geſell uñ arger Vogel ihn hinter das Liecht fuͤhrt / der gemeine Poͤfel ihn verhoͤhnet / das Ampt ſpoͤttlich veꝛricht wird / uñ das gantze Gebaͤu unrer einem ſolchen Stꝛoh Dach Schaden leidet; Ignorantia enim eſt erroris Mater.

Jch hab von einem der gleichen Ignoranten geleſen / was Geſtalt er durch die groſſe Willfaͤhrtigkeit ſeines Koͤnigs zu ei - ner Geiſtlichen Wuͤrde ſeye erhoben worden / unangeſehẽ er die Schwind-Sucht im Hirn gehabt. Es iſt ihm gangen wie der Muſic, welche aus allen Noten das La zu hoͤchſt ſetzt / ut, re, mi, fa, ſo, la; alſo gelangt auch mancher La Laͤhrer Kopff / La Lapp / La Laller / La Lauſer / La Lackendreſcher / ꝛc. durch blin - des Gluͤck in die Hoͤhe; weil erſtgedachter Idiot zu dem unver - dienten Ampt kommen / und andere Wolverſtaͤndige und Ge - lehrte das kuͤrtzere gezogen / alſo haben ſie dem Koͤnig mıt artli - cher Manier ſolche Eſels-Promotion zuverſtehen geben; und weil ſie wuſten daß er in etlich Tagen das Hochampt muſte gaꝛ ſolemniter vor dem Koͤnig halten / ſo haben ſie in aller Still in dem Meß-Buch zwey einige Buchſtaben ausgekratzt / in der Collectèn fuͤr dem Koͤnig / nemblich das Fa, da famulo tuoG g 3Regi,238Judas / ꝛc. hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Regi, &c. Weſſenthalben ihr neue Hoch-Wuͤrden / die ohne das auf der Lateiniſchen Schuler. Banck wenig Schifer einge - zogen / gantz hell und klar gefungen: Da-mulo tuo Regi; Woraus der Koͤnig ſattſam kundte abnehmen / wie uͤbel er den Idioten in ſolches Ampt geſetzt. Dahero lamentirt der weiſe Salamon gar recht mit diſen Worten: Es iſt ein Un - heil / daß ich unter der Sonnen geſehen hab: was fuͤr ein Un - heil? daß nemblich ein Narꝛ hoch ſitzt in groſſen Wuͤrden. Wol ein groſſes Unheil.

Ein Wahl geſchicht nit wol.

Wann man einen boͤſen und tadelhafften Menſchen er - waͤhlt: Ein leichtfertige Krott / ein verdambtes Gefluͤgelwerck / ein verruchte Kitteltauben / ein vermaledeytes Vieh / ein nobi - litirte Vedel / ein adeliche Beſtia / ein Teuffliſche Tantzerin iſt Herodias geweſt / welche mit ihrem Hupffen und Springẽ den Herodem alſo eingenom̃en / daß er ihr das halbe Koͤnig reich de - renthalben zu einer Schanckung anerbottẽ / ſie aber / uneracht der Weiber Siñ auf den Gewinn gehet / und Dıvitiæ generis Fœminini, auch das Weibel im Evangelio das gantze Haus ausgekehrt / damit ſie nur den verlohrnen Groſchen wiederumb moͤchte finden (ſein Lebtag thaͤt ſich ein Mann deſſenthalben nicht ſo vil bemuͤhen) unangeſehen der Geitz in Weiber-Kleider daher gehet / ſo hat doch diſe Herodias auch ſo gar das halbe Koͤ - nigreich geweigert und in Wind geſchlagen / ſondern allein be - gehrt von dem berauſchten Herode Caput Joannis &c. das Haupt Joannes deß Tauffers. Warumb aber / O verfluch - tes Zifer! das Haupt? wann du und dein ſaubere Mutter hat doch wollen verhindern / daß hinfuͤran der Joannes nit mehr zu Hoff mit ſeiner Predig euch verdruͤßlich ſeyn / ſo haͤt - teſt ja koͤnnen bey dem Koͤnig auswuͤrcken / daß ihme die Zung waͤre ausgeſchnitten worden: nichts anders / ſagt diſe / ver - lange ich / als das Haupt Joannis. Dieſen Anſchlag hat derTeuffel239gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.Teuffel ihr geben; dann / gedacht er / wann das Haupt hin iſt / ſo iſt alles hin.

Diſe hoͤlliſche Larven braucht noch auf heutigen Tag ſol - chen Argliſt / und befleiſt ſich nur wie ſie dem Haupt in einem Land / in einer Diæces, in einer Stadt / in einem Cloſter / in ei - ner Gemein koͤnne ſchaden / und daſſelbe zum Fall bringen; da - hero ſitze er gar offt in Mıtte einer Rath-Stuben / und wendet allen moͤglichſten Fleiß an / wie er die Stimmen moͤge auf einen Laſterhafften kupplen: ob ſchon / ſagt er / diſer N. etliche Untu - genden an ſich hat / ſo iſt er doch anbey ein ſtattlicher Wirth / in groſſem Anſehẽ / beyjederman / ein Perſon von einer Authori - tæt, &c. und wann er wird zu diſer Dignitaͤt und Ampt gelan - gen / ſo dann wird er ſich beßer in Obacht nehmen / ꝛc. Siſi, da mihi Caput, &c. Hab ich einmahl / denckt der Sathan / das Haupt / denandern Leib will ich gar leicht zu Boden werffen; dann ein ſchlimme Obrigkeit hat ſelten fromme Untergebne; wann in einem Haus oberhalb einregnet / ſo leiden die untere Zimmer ebenfals Schaden.

Unſer lieber HERR und Heyland iſt meiſtens bey dem Volck im guten Namen und Anſehen geweſt / diſes iſt ihm in ſol - cher Menge nachgefolgt / daß er gezwungen worden die Predig zu halten / nur auf groſſen Feldern / unter dem freyen Himmel: zumahlen die Tempel und Synagog weit zu eng warẽ: ja ſo gar muſte er wegen deß groſſen Getraͤngs in ein Schiffel ſteigen / und von dañen als einer wanckendẽ Cantzel die Predig verrich - ten / und das Goͤttliche Wort vortragen. Was noch mehr / ſie / benañtlich das Volck hat ihn kurtzumb wollen zu einem Koͤnig erwaͤhlẽ / ſo weꝛth uñ angenehm war er bey dem Volck. Gleich - wol aber haben ſie ſich weit veraͤndert / und nachmals vor dem Pallaft deß Pilatı uͤberlaut aufgeſchryen / Crucifige, &c. Creutzige Jhn / creutzige Jhn. O ihr Schelmen! wie bald wird ein Gꝛaßzu Hen? eure Gemuͤther ſeynd dem Apiill-Wetter be - freund / ihr ſeyd ſo beſtaͤndig / wie ein Schneeballen in einerKoͤſten -240Jn deß abtruͤnnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptKoͤſten-Pfannen: vorher ſo gut / und jetzt wolt ihr Blut / vor - her habt ihr geſchryen gebenedeyen / jetzt laſt ihr hoͤren verma - ledeyen / Maledictus, qui pendet in ligno. Vorher lauter Freund deß HErꝛn / jetzt lauter Feind deſſelben. Wie kommts? daher kommts. Sie ſeynd ja allezeit Chriſto wol geneigt gewe - ſen / ıhn ſehr lieb und werth gehalten; wie ſie aber haben wahr - genommen / daß ihre Geiſtliche Obrigkeit ihn ſuchen aus dem Weg zur aumen / ſo ſeynd ſie gleich auch in dero Fußſtapffen ge - tretten / ihres Geliffters worden. Dahero ſucht der boͤſe Feind nur / wie er einen Laſterhafften kan in die Hoͤhe bringen / und zu einer Obrigkeits-Stell promoviren; dann ihme gantz wohl bekandt / daß wann das Haupt Schaden leydet / der gantze uͤb - rige Leib nit wol ſtehe.

Merckts wol ihr Geiſtliche Obrigkeit / ihr ſeyd ein Saltz der Erden / ſpricht unſer lieber HErꝛ / ein Saltz und kein Sultz / kein Schweinene gar nit; dann euer Wandel ſoll rein ſeyn und nit Saͤuiſch. Jhr ſeyd ein Liecht der Welt / ſagt der Heyland / ein Liecht / und kein Liechtbutzer / der andere butzen und ſaͤuberen will / und ſteckt ſelbſt voller Unflat. Jhr ſeyd Schaaf-Hirten / ſagt der Heyland / Schaaf-Hirten und keine Schlaff-Hirtẽ / die mit ihrer Saumſeeligkeit die Untergebne zum Verdeꝛben brin - gen. Jhr ſolt ſeyn wie ein Nebel / wañ ſolcher in die Hoͤhe ſteigt / da wird er fein ſchoͤn glaͤntzend: wie ein Nebel / ſage ich / nit wie ein Nebulo, der mit Aergernuß die Untergebne zur Nachfolg ziehet. Jhr ſolt ſeyn wie ein Waͤchter uͤber das Volck / wie ein Waͤchter / ſprich ich / und nit wie ein Wachtel / die voller Gail - heit ſtecket / und nur den Leib zu meſtẽ ſich befleiſſet. Jhr ſolt ſeyn wie ein Spiegel / woriñen ſich alle koͤndten erſehen / und die Tu - genden erlernen / wie ein Spiegel / ſage ich / und nit wie ein Spi - gelfechterey / dadurch das Volck verblendt und betrogen wird.

Jch weiß ein Orth / wo einer durch mehrere Stimmen / je - doch unverhofft iſt zu einem Ampt und Dignitaͤt erwaͤhlt wor -den /241gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.gen / da doch andere in Qualitaͤtten und Verdienſten ihn weit uͤberſtiegen; als ich einen und den andern derenthalben befꝛagt / bekam ich zur Antwort: er koͤnne den Trunck wol uͤbertragen / und perfect ſauffen; weil ohne das ſelbiges Ort von den Gaͤſtẽ uͤberloſſen wird / alſo haben ſie ihn vor den tauglichſten erkeñt. Das kame mir ſeltzam vor / abſonderlich weil ich gewuſt / daß Moyſes vom Waſſer ſein Promotion bekommen / diſer aber vom Wein.

Erſtgedachter Moyſes iſt ein rechtſchaffene Obrigkeit ge - weſt; als diſer mit den Tafflen der Goͤttlichen Geſatzen den Berg herab geſtiegen / und zugleich wargenommen / wie das muthwillige Volck ein guldenes Kalb fuͤr einen GOtt anbette / da hat er alſobald durch gerechten Zorn die ſteinerne Taffel zer - truͤm̃ert / das guldene Kalb mit allem Ernſt geſtuͤrtzt / und es zu lauter Pulver verbre〈…〉〈…〉 u Es iſt ſich dißfalls hoͤchſt zu verwun - deren / daß unter ſo viel tauſend vermeſſene Jſraeliteꝛn / worun - ter vil und viel Hauptſchelmen geweſen / keiner ein Maul aufge - than / da ſie doch ihr meiſtes Gut zu ſolchen Goͤtzen geſpendirt. Wie kommts / daß nicht einer oder der andere dem Moyſi in die Armb gefallen / oder wenigſt hart zugeredet / daß er mit ſolchem koſtbaren Metall ſo uͤbel verfahre: und wann diſer Kaͤlberne GOtt doch ſoll ſo ſpoͤttlich tranchirt werden / ſo waͤre es ja beſ - ſer / daß man die guldene Scherm oder Truͤmmer wieder dem Volck laſſe zukommen / und folgſam die Weiber wieder einige Armbaͤnder und Ohrengeheng konten machẽ laſſen / ſonſt wer - den neue Unkoſten aufgehen / und wo nehmen und nit ſtehlen? die Weiber wollen geziert ſeyn: ja was alles Wunder vergroͤf - fert / iſt diſes / daß kein einiges Weib / zumal unter ſo viel tauſend viel boͤſe werden geweſen ſeyn / ihme / dem Moyſi, derenthalben bat ein boͤſes Maul angehengt: ich haͤtte es dem Moyſi nicht ge - rathen / daß er ſolches zu Wien auf dem Graben haͤtte probirt. Weder Weib noch Mann aus einem ſo haͤuffigen Volck iſt dem Moyſi zuwider geweſt / ſondern alle insgeſam̃t gantz zuͤchtig ge -Pars IV. H hſtan -242Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amtſtanden wie er ihr guldenes Kalb alſo zernichtet / war umb die - ſes? darumb / wol gemerckt / ihr Obrigkeiten / darumb. Diſer groſſe Mann GOttes hatte dazumahl wegen der Anſprach / ſo er auf dem Berg mit GOtt gefuͤhrt / einen Glantz und Schein auf dem Kopff / und darumb iſt das Volck ſo zuͤchtig gewe - ſen.

Wann die Obrigkeit und Vorſteher einen Schein haben / wann ſie fromm und heilig leben / ſo iſt kein Zweiffel / daß nicht auch Zücht und Erbarkeit bey denen Untergebenẽ werde ſeyn. Wie Chriſtus der HERR in das Haus Zachaͤi eingetreten / da hat er ſich alſobald verlauten laſſen / diſem Haus ſeye dermahl Heyl wiederfahren. Man weiß aber nur von der Bekehrung / Zachaͤi / nach Laut der Evangeliſten / in ihme aber iſt das gantze Haus nit beſtanden / wird alſo mehrer Leuth und Bediente ver - muthlich gehabt haben / die ihme zu ſeinen Partiten nit ein we - nig an die Hand gangen. Vieler Lehrer Meynung iſt es / daß ſich alle im gantzen Haus bekehrt haben; dann wie ſie geſehen / daß Zachaͤus ihr Haus-Herꝛ / Patron uñ Obrigkeit zum Cꝛeutz kriecht / ſo haben ſie unſchwer demſelben nachgefolgt; dann ge - meintglich nach dem Original der Obrigkeit ſeynd die Unter - gebne abcopirt. Weſſenthalben der aͤuſſerſte Fleiß anzuwen - den in einer Wahl / damit doch ein From̃er und Tugendſamer moͤge erwaͤhlt werden.

Samuel ſoll aus Befelch GOttes einen aus den Soͤhnen Jſai zum Koͤnig ſalben in Jſrael / aber was fuͤr einen? der erſte / ſo herzukommen / war der Eliab / ein groſſer / ein ſchoͤner / ein wackerer / ein junger / ein friſcher / ein prafer Kerl; darum glaub - te der Prophet ſchon / diſer ſeye von dem Allerhoͤchſtẽ zur Cron erkieſen / nim̃t demnach das Geſchirꝛ / woriñ das Oehl war / und wolt ihn zum Koͤnig ſalben / aber nit ein Tropffen wolt heraus flieſſen / er kehrt es unter ſich / uͤber ſich: aber das ſonſt flieſſige Oehl war ſo haltzſtaͤrrig / daß es auf kein Weiß flieſſen wolt; Samuel bekommt zugleich einen Bericht von GOtt / wie daßdiſer243gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.diſer nit erwaͤhlt ſeye / und er ſoll nit anſehen die groſſe Statur, dieComo. 2. fol. 197. geſunde Natur / dıe ſchoͤne Poſtur diſes Menſchen / ſondern viel - mehr die gute Tugenden.

Gute Tugenden / ein heiliger Wandel / unſtraͤffliche Sittẽ / ein vollkom̃enes Leben / ſollen einem die Staffel ſeyn zu hohen Dignitaͤten. Die Laiter Jacob hat GOTT der Allmaͤchtige ſelbſt gehalten: aber wann jeman Laſterhaffter in die Hoͤhe ſteigt / da halt der Teuffel die Laiter. Die Obrigkeiten ſollen fein beſchaffen ſeyn / wie jener Biſchoff zu Metz. Jn diſer be - ruͤhmbten Stadt / ſoll in der vornehmſten Kirchen daſelbſt ein Tafel ſeyn / welche ein Engel vom Himmel dem erſten Biſchoff deſſelbigen Orts gebracht hat / auf ſelber ſeynd die Namen aller Biſchoͤffen / ſo alldorten geweſen ſeyn / und noch ins kuͤnfftig werden ſeyn / jedoch mit einen einigẽ Buchſtaben / und zugleich mit diſem Unterſchied / daß ein Buchſtaben zuweilen mit Gold geſchrieben / einer mit Silber / etliche wol auch mit Metall / ja ſo gar mit dumpern Bley; aus welchem ſattſam abzunehmen / was ein jeder werde fuͤr ein Wandel fuͤhren. Als nun Theodo - ricus deß groſen Kayſers Otto Anverwandter zu obgedachtem Metz in ein Biſchoff erwaͤhlt wordẽ / in beſagter Prophetiſcher Taffel aber ſein Nam gefunden mit Silber geſchrieben / ſo hat er ſich ernſthafft verlauten laſſen / daß er diſes Biſchoffliche Ampt dergeſtalten embſig adminiſtriren und verwalten wolle /Manci - nus 862. daß Maͤnniglich ihne werde wuͤrdig ſchaͤtzen / daß ſein Nam ſol - le mit guldenen Buchſtaben geſchrieben werden.

Ein ſolcher und kein anderer ſoll in einer Wahl die mehreſte Stimmen haben / der fein guldene Sitten und Tugenden an ih - me hat: da ſoll man nit anſchauen / umb weil einer von einem gu - ten Haus / und nachmahls thut uͤbel hauſen; was nutzt es? wañ einer etlich hundert Jahr iſt geweſen im Herꝛnſtand / und weiß nicht einmahl zu herꝛſchen uͤber ſein Gemuͤths-Anmuthun - gen und Sinnlichkeiten. Was frucht es? wann einer auch 6. offene Helm im Wappen fuͤhrt / und anbey wie ein offenerH h 2Suͤn -244Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptSuͤnder lebt. Was traͤgts ein? wann einer ſchon von guten Gebluͤt / und ſchambt ſich doch nicht Ubels zu thun. Unter de - nen erſten / ſo von Chriſto zur Apoſtolıſcher Dignitaͤt ſeynd er - hoben worden / ſeynd in der Warheit wenig Edelleuth geweſt; ſo fern aber ein adeliche Perſon gute und dem Adel ſonſt billich anſtaͤndige Tugendẽ hat / iſt es recht und loͤblich / daß ein Haus der Huͤtten vorgezogen werde. Zumahl bekandt / daß ſo viel tauſend heilıge Biſchoffen / Abbten / Prælaten und andeꝛe Geiſt - liche Vorſteher ſehr gute von Adel geweſen ſeyn.

Die Wahl geſchicht nicht Wol / wann man eınen Faulen und Saumſeeligen erwaͤhlt.

Bey denen Alten iſt es gantz gewoͤhnlich geweſt / daß man hat pflegen auf die Kırchen-Daͤcher / oder Kirchen-Thurn ei - nen Hahn von Eiſen oder Kupffer zu ſetzen / ein Hahn ſpꝛich ich / der wachtſam iſt / und die Dienſtbotten und das Hausgeſind aufmuntert / ein Hahn / ſag ich / und nit einen Gimpel / der alles laſt gehen wie es gehet / wann er nur mit ſeinen Dickſchnabel kan unter den Hanff-Kernl herumb ſchmauſiren. Der in ein Geiſtliche Dignitaͤt geſetzt wird / der zu einem vornehmen Kir - chen-Ampt erwaͤhlt wird / muß die Art und Wachſamkeit eines Hahns an ſich haben / und alle moͤglichſte und erdenckliche Sorgfalt tragen uͤber ſeine Untergebne.

Jch hab noch allezeit gehoͤrt / daß man die Obrigkeiten Vorſteher nennet / Vorſteher und nit Vorlieger. Faule und Saumſeelige taugen nicht vor ſolches Ampt. Petruß als ein Obrigkeit und Haupt deß Apoſtoliſchen Collegij, hat in dem Garten ſambt andern zweyen Apoſtlen geſchlaffẽ / weſſenthal - ben ihme der HErꝛ einen kurtzen Verweiß geben / Simon dor - mis? Schlaffſtu Sımon? ſo haſtu nıt koͤnnen mit mir ein einige Stund wachen? pfuy Simon! Aber eins muß ich doch fragen den gebenedeyten HErꝛn und Heyland / warumb er dasmahlihn245gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.ihr nit Peter nennt / und warumb Simon? er hat ja ſchon von ſeinem Goͤttlichen Mund den herlichen Tıtul Peter erhalten? freylich wol / aber dasmahl iſt er nit werth / daß man ihn ſolt Pe - ter ſchelten; nichts Peter, ja wohl Peter, dasmahl gar nit Peter; dann diſer Nam will ſo viel ſagen / als ein Haupt und Obrigkeit der Kirchen; weil er dann dazumahl ſo ſchlaͤfferig geweſen / ſo ware er nit werth / daß man ihn haͤtt ſollen ein Obrigkeit nen - nen; alſo ſoll ein Obrigkeit immerzu wachtſam ſeyn.

Wie GOttes Sohn aus der unbefleckten Jungfrau Ma - ria geborẽ zu Bethlehem / da haben ſich ſehr vil Wunder-Ding zugetragen. Erſtlich iſt ein unzahlbare Anzahl der Engel vom Himmel herab geſtiegen / uñ das neugeborne guldene Goͤttliche Kind mit allerley lieblichen Geſaͤngeꝛn an ſtatt deß Aja Pupeja verehrt: nach mahls iſt der zimlich tiffe Schnee in ſelbiger Ge - gend Augenblicklich verſchwundẽ / und erſchienen die Baͤumer mit Bluͤhe und Blaͤttern / die Erd aber mit den ſchoͤnſten Blu - men bekleidet / und gleichſam geſchmuͤckt: worvon die Hirtẽ deſ - ſelbigen Orths / nechſt dem Thurn Hader genannt / allerley Kraͤntzel und Biſchel gebunden / ſolche ſammt etlichen jungen Laͤmmlein dem neugebohrnen Meſſiæ demuͤthigſt uͤberreicht. Nach Auſſag Reinaudi ſollen nur vier Hirten geweſen ſeyn / benañtlich Miehaël, Achaël, Cyriacus und Stephanus. War - umb daß der gebenedeyte Heyland / gleich als er auf die Welt kommen / nur diſe Hirten zu ſich gezogen / waꝛumb nicht andere? es waren dazumal zu Jeruſalem wol vornehmere Paſtores und Hirten / nemblich die Hohe-Prieſter / welche ſo gar Seelen. Hırten abgeben / ſo glaublich weit mehrer zu achten / als die Schaaf-Hirten: Es hat ja wenigſt ein einiger Engel ſollen de - nenſelben ſolche hochwichtige neue Zeitung uͤberbringen und andeuten; aber der neugebohrne Heyland hat ihrer gantz und gar nichts geacht / aus Urſach / die ſeynd dazumahl alle in ihren Feder-Bethern gelegen / haben geſchlaffen wie die Ratzen; aber obbemelte vier Hirten in der Eegend Bethlehem ſeynd wacht -H h 3ſam246Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amptſam geweſen: Erant Paſtores in eadem Regione vigllan -Luc. 2. tes, &c.

Wachbare Hirten ſeynd wackere Hirten / ſolche will GOtt haben / nachlaͤſſige Hirten ſeynd nicht zulaͤſſige Hirtẽ / ſolche will GOtt nit haben; dahero pflegt man den jenigen / ſo in derglei - chen Geiſtlichen Aemptern ſtehen / allezeit in der Uberſchrifft deß Brieffs zuzuſchreiben: Abbati, Prælato, Priori, Guardia - no, &c. vigilantiſſimo: das heiſt / Paſtores in eadem Regio - ne oder Religione vigilantes.

Die erſte ſo der HErꝛ Chriſtus zu dem Apoſtel-Ampt / welches ein hohe Geiſtliche Dignitaͤt iſt / beruffen hat / waren Petrus und Andreas, beyde Bruͤder / beyde Fiſcher / und beyde dazumahl in wuͤrcklicher Arbeit begriffen / in dem Galilaͤiſchen Meer / welches wol in Obacht zunehmen / ſpricht der H. Chry - ſologus Serm. 28. Er hat zu diſem Officium und Ampt keine ſchlaͤfferige Leuth / keine Zaͤrtling und Polſter-Huͤter / keine Stubenhocker und Faulentzer erwaͤhlt / ſondern die er in wuͤrck - licher Arbeit angetroffen / die der harten Arbeit ſchon gewohnt / damit ſie alſo deſto beſſer die Apoſtoliſche Charge, woriñ nichts als Muͤhe und Wachtſamkeit / vertretten moͤchten.

Es iſt einer geweſt / ſchreibt der H. Vincentius Ferrerius Dom. 9. poſt. Pent. c. 2, Der lange Zeit hat geſucht und alles verſucht / wie er doch moͤge zur Biſchofflicher Dignitaͤt und Wuͤrde gelangen. Er hat endlich ſo lang gefiſcht / biß er den Hechten Kopff erdappt; als er nun offentlich in Gegenwarth vieler Umbſtehendẽ befragt worden / ob er noch geſiñt ſeye Bi - ſchoff zu werden? was dañ / war die Antwort: es wurde ihme fer - ners / wie pflegt zu geſchehen / vorgetragẽ / ob er wolle am juͤng - ſtẽ Tag Rechenſchafft geben von allẽ ſeinen Untergebnen See - len? Nolo, ſagt er / ich will nicht: die Anweſende ſagten ihme / er wiſſe die Ceremonien nit recht / er ſoll ſprechen / Volo, ich will / nein / gab er mehrmal zur Antwort / ich will aber nit / und ſchuͤtt - let den Kopff / als waͤre ihme ein dutzet Wepſen drauf geſeſſen;warumb247gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.warumb er aber mit ſolcher Muͤhe und Sorgfaͤltigkeit ſolche Wuͤrde geſucht habe? iſt weitir die Frag geweſen / darauf er ge - antwortet / daß er nit gewuſt habe / daß ſolches Ampt ſo ſchwer Laſt auf ſich habe: ich / ſagt er / bin der Meinung geweſt / es gehoͤ - re nichts mehrers darzu / als gut Eſſen und Trincken / ꝛc.

Jch bin ebenfalls der Meynung / daß zu einer Geiſtlichen Wuͤrde nichts weiters erfordert werde / als Eſſen und Trinckẽ / Eſſen / und zwar einzimliche Portion. Der Jonas / diſer unge - horſame Prophet / war eim Wallfiſch ein zimlicher Pꝛockẽ / aber ein ſolche Obrigkeit / muß noch groͤſere ſchluͤcken / wann er dem Ampt doch will recht und unſtraͤfflich vorſtehẽ: deß Trinckens hat er den Uberfluß / und muß er im̃erzu Beſcheid thun aus dem Kelch / welchen Chriſtus der HErꝛ denen zweyen Zebedaͤiſchen Soͤhnen Joañi und Jacobo / als ſie / mittels ihrer Mutter / um ein Ampt ſupplicirt; es war aber ein Kelch deß Leydens. Ab - ſonderlich aber ſollen alle die jenige / ſo in der gleichen Obrig - keit-Stellen ſitzen (hat wollen ſagen / ſchwitzen) neben andern guten Bißlein den Fenickel / Fœniculum auf Lateiniſch; zu - mahlen die Medici und Artzney Erfahrne vorgeben / daß nichts beſſeꝛs und heilſamers vor die Augen ſeye / als der Fenickel / wel - cher das Geſicht uͤber alle maſſen klar und ſcharpff macht. Wer ſoll und muß dann beſſere Augen haben / als die Obrigkei - ten / welche zu allen Zeiten muͤſſen offenſtehen / und wann ſie die wenigſte Maͤngel der ihrigen mit Fleiß oder auch Saumſeelig - keit uͤberſehen / ſo muͤſſen ſie derenthalben Rechenſchafft ge - ben am juͤngſten Tag.

Jener Moͤrder / ſo begangener Miſſethaten halber auf der Seiten Chriſti an das Creutz gehefft wordẽ / hat ihme ſelbſtnit getrauet ſeelig zu werden / wann er ſoll ſeinem Mit-Cammera. den etwas unrechts uͤberſehen; dahero wie ſelbıger Boͤßwicht / verſtehe den lincken Schaͤcher / Gottslaͤſterliche Wort geredet / da hat er / nemblich der Dißmas / ihme derenthalben einenVer -248Jn des abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptVerweiß geben / und von ſolchen Ubel abgemahnt / und ihne darumb geſtrafft / Nequetu, &c. Du foͤrchteſt auch GOtt nit.

Wie weniger kan ein Obrigkeit ſeelig werden / wann ſie den jenigen etwas uͤberſicht / uͤber welche ſie / als ein Seelenhirt ge - ſetzt worden. Solche muͤſſen wiſſen / daß das Wort Superior von dem Super herruͤhre / und|nit von der Suppen / Super aber regiert einen Accuſativum, und wer wird am juͤngſten Tag mehrer accuſirt und angeklagt werden / als die Superiores und Obrigkeiten / denen der Heyland JEſus ſeinen Seelen / als ei - nen koſtbaren Schatz anvertraut?

Der gerechte Loth iſt durch die Engel aus der ſuͤndigẽ Stadt Sodoma ſammt Weib und Toͤchtern gefuͤhrt worden / damit er nit mit denen Laſterhafften Jnnwohnern zu Grund gehe. Als ſie nun auf einen Berg gelangt / und die Engel die gute Leut in ein Sicherheit geſtelt / da wolt der from̃e Loth noch nit trau - en / und laſt ſich vernehmen / er moͤge in der Hoͤhe nicht bleiben / er foͤrchte / daß er ebenfalls zu Grund gehe. Nonpoſſum in monte ſalvari, &c. Viel und aber viel vollkommene Maͤn - ner haben mehrmahlen die anerbottene Dignitaͤten und Wuͤr - den moͤglichſter Weiß geweigert; dann ſie haben ihnen nicht ge - trauet mit dem Loth in der Hoͤhe ſalvirt zu werden / weil Super einen Accuſativum regiert. Cæleſtinus der Fuͤnffte / nachdem er etlich Monath Roͤmiſcher Pabſt geweſen / und diſe hoͤchſte Wuͤrde auf Erden eine kleine Zeit geweſen / hat gantz frey - willig diſes Goͤttliche Ampt von ſich gelegt / und das Einſidle - riſche Leben wieder angetretten / er hat ıhme nicht getraut in der Hoͤhe ſalvirt zu werden. Clemens der Vierdte Roͤmi - ſche Pabſt und Stadthalter hat dem Engliſchen Thomaͤ von Aquin das Neapolitaniſche Ertzbiſtumb ernſtlich angetra - gen / ſo aber auf alle Weiß mit allem Fleiß / als ein gar ſchaͤd - liche Speiß geweigert / er getrauete ihm nicht in der Hoͤhe ſalviert zu werden. Der Heilige Moͤnch Ammonius iſt zu Rom gleichſam gezwungen woꝛden ein Biſtumb anzunehmen /wel -249gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.welches er aber nicht allein abgeſchlagen / ſondern ihme ſelbſt ein Ohr abgeſchnitten / damit er untauglich zu diſem Ampt moͤ - ge erkennet werden; dann er foͤrchte / daß er in der Hoͤhe nicht moͤchte ſalvirt werden. Der Heil. Syriſche Ephraim, wie er wahrgenommen / daß er von dem geſam̃ten Volck zur Biſchoff - lichen Wuͤrde geſuchtwurde / hat ſich gantz naͤrriſch geſtellt / und wie ein Unſinniger auf den Platz herumb geloffen / er trau - ete halt nit in der Hoͤhe ſalvirt zu werden. Narren gibts bey der Zeit gnug / aber wenig ſolche: Non poſſum in monte ſalvari. Der Heilige Nilammon ſolte kurtzumb Biſchoff zu Geras wer - den; weil er aber des einſamben Lebens ſchon gewohnt / und viel Jahr in ſeiner Zell verſchloſſen geweſen / gleich einem Seiden - Wurmb / der ihme ſelbſt ein Kerckerl verfertiget / auf daß er Fluͤgel bekommt / wormit er in die Hoͤhe koͤnne fligen; alſo wolt der Heil. Mann ſich ſo bald auf diſe angetragne Wuͤrde nit er - klaͤren / ſondern bittet umb ein Verſchub auf drey Tag: unter ſolcher Zeit aber hatte er unaufhoͤrlich GOtt erſucht / er wolle doch ſich ſeiner erbarmen / und ihme lieber das Leben nehmen / als diſe Dignitaͤt geben; worauf ihm auch GOtt erhoͤrt / und als den dritten Tag die Leuth widerumb mit groſſer Ungeſtuͤmme ihne zum Biſtumb geſucht / da haben ſie den Heil. Mann todter gefunden. So voller Gefahr iſt die Wuͤrde und Stell derSozom. lib, 8. c. 9. Obrigkeit. Gewiß iſt / gewiß bleibt es / daß die wenigſte in der Hoͤhe ſalvirt werden: gewiß iſt es / deß ſehr viel Obrigkeiten e - wig verlohren gehen. Der Heil. Joann. Chryſ. drohet noch ſchaͤrpffer / in dem er ſpricht: Miror, ſipoteſt ſalvari aliquis Re - ctorum. Diſer groſſe Heil. Lehrer will zuverſtehen geben /Homil. 34. ad Hebr. col. B. daß die meiſte von der Hoͤhe in die Niedere kommen / und ewig zu Grund gehen. Was hat doch den Jacob / welcher ſo lan - ge Jahr einen treuen / embſigen / und ſorgfaͤltigen Hirten ab - geben bey dem Laban, was hat diſen reich gemacht? nichts anders / als die Ruthen / welche er ins Waſſer geſtellt. Was macht aber die mehriſte Obrigkeiten und Seelen -Pars IV. J iHir -250Jn des abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptHirten ſo arm / ja ewig armſeelig? was anders / als man gar keine Ruthen bey ihnen finde / keinen Ernſt / noch Straff / wor - mit ſie die Ubertretter zuruck halten / ſondern viel Faͤhler und Mißhandlungen uͤberſehen / und mit dem Politico ein Aug zutrucken / da ſie doch mehrer mit dem Argo hundert haben ſollen.

Der maͤchtige Koͤnig in Syrien Antiochus, iſt mit einer Ar - mee von dreymahl hundert tauſend zu Fuß / zweymahl hundert tauſend zu Pferd wider die Roͤmer gezogen. Wer ſoll nit glau - ben / daß Antiochus, mit einer ſolchen Kriegs-Macht werde vi - ctoriſiren? ſo der iſt darumb / weil der Roͤmiſchen Soldaten An - zahl vil geringer / und dero Macht weit ſchwaͤcher: nichts deſto - weniger haben diſe letztere das Feld erhalten / den Antiochium auf das Haupt geſchlagen / und voller Triumph und Sieg na - cher Haus gekehrt. Daß aber diſer Syriſche Monarch das kuͤr - tzere gezogen / ware folgende Urſach. Den ſelbigen Tag / als die Schlacht hat ſollen geſchehen / hat es von Fruͤhe an biß auf die Nacht an einander geregnet / worvon die Sennen der Sy - riſchen Schieß-Boͤgen dergeſtalten erweichet / daß ſie untaug - lich und unkraͤfftig worden / die Pfeil abzutrucken. Diſes ware die gantze Urſach eines ſo groſen Verlurſts: laſt euchs geſagt ſeyn / ihr Obrigkeitẽ / daß euer ſo vil mit ſam̃t denen Untergeb - nen ewig verlohren gehen / iſt auch kein andere Urſach / als weil die Sennen der Boͤgen gar zu weich ſeyn: ihr ſeyd zu weich / und ſtrafft nit / ihr ſeyd zu ſchlaͤfferig / und ermahnt nit / ihr ſeyd zu nachlaͤſſig / und verbeſſert nichts; die Woͤlff freſſen die Schaaf / das Unkraut wachſt unter dem Weitzẽ / der gute Saamen wird von denen Voͤgeln aufgezehrt / der Wein-Garten leydet Scha - dẽ von denen Fuͤchſen / die koͤſtliche Margariten wirfft man ins Koth / die Braut Chriſti wird anderwerts verkupplet / die See - len gehen zu Grund / und die Obrigkeit iſt ein Hund / ſo da nit bellet / iſt ein Hirt / ſo nicht huͤtet / iſt ein Uhr / ſo nit zeigt / iſt ein Glocken / ſo nit klinget / iſt ein Waͤchter / ſo nit aufſchauet / iſt einGart -251gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.Gartner / ſo nit ausrott / iſt ein Buch / ſo nit beſchrieben / iſt ein Chor-Regent / ſo kein Tact gibt / iſt ein Meſſer / ſo nit ſchneidet / iſt ein Fackel / ſo nit leucht / iſt ein Ochs / ſo nit zieht / iſt ein Degẽ / ſo nit fecht / iſt ein Stuck / ſo nit geladen / iſt ein Hammer / ſo nit ſchlagt / iſt ein Hahn / ſo nit kraͤhet / ꝛc. O wehe ſolchen ſchlaͤffe - rigẽ Hirten! es waͤre tauſend und tauſendmal zu wuͤnſchen / daß die Obrigkeiten dem Teuffel moͤchten nachfolgen. Wie da? di - ſer verlangt nichts anders / ſucht nichts anders / begert nichts anders / als die Seelen: Da mihi animas, cætera tolle tibi.

Es geſchicht gar offt in einer Wahl / daß die mehreſte mit ihren Simmen auf den jenigen zielen / ſo ein guter Mann / wel - cher laſt das krumpe grad ſeyn / ein from̃er Columbus, der kein Gall hat / in Calender / in dem kein truͤbes Wetter / ein Garten / in dem kein Brenneſſel. Es iſt ihme wie jenem Bauren / der gar ein ſchoͤne junge Tochter gehabt / daß ſich ſo gar ein Loͤw da - rein verliebt / und ſelbige zu heurathen begehrt. Der Baur erſchrack / nit ein wenig ob ſolchem Anbringen / und getrauete ſich nit diſem ſo erſchroͤcklichen Thier / vor deme alle andere er - zittern / ein abſchlaͤgige Antwort zu geben / verſpricht demnach beſagtem Loͤwen die Tochter / jedoch mit dem Beding / daß er ihme laſſe die Zaͤhn ausbrechen / und die Klauen abzwicken / da - mit die Tochter nit erſchrecke. Wie nun der verliebte Loͤw al - len diſen nachkommen / und ſich alsdann bey einem Bauren ein - gefunden / da hat ſolcher den geſchwaͤchten und Waffenloſen Loͤ - wen mit Bruͤgeln alſo empfangen / daß ihme alle Gedancken zu heurathen gaͤnzlich veꝛſchwunden. Manchesmal erwaͤhlt man einen nur darumb / weiler gantz gut iſt / weil er keinem weiß die Zaͤhn zuzeigen / weiler laſt mit ihme umbgehen / wie man will / kein Ernſt, ſondern ein lauterer Lambert, darumb kom̃t er zum Brett / weiler keinen weiß abzuhoblen / ꝛc.

Aber hoͤret ihr / die ihre ſolche Gewiſſenloſe Stimmen ei - nem gebt / der kein Stimm hat wider die Laſter zuſchreyen / undJ i 2ſelbige250[252]Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amptſelbige abzuſtraffen. Der Hohe-Prieſter im alten Teſtament muſte aus Goͤttlichem Befelch an dem Braͤm / oder untern Theıl deß Rocks guldene Schellen tragen / keine Fuchs - Schweiff / ſondern guldene Schellen / damit er von Maͤnnig - lichen gehoͤrt wurde. Ein Obrigkeit muß nit ſchmeichlen / noch zu allen Dingen ſtillſchweigen / ſondern ſich hoͤren laſſen / das Maul aufthun / und das Boͤſe corrigiren und abſtraffen. O wie viel tauſend liegen in dem Abgrund der Hoͤllen / und in der ewigen Verdammnus / nicht darumb / weil ſie uͤbel gelebt ha - ben / ſondern weil ſie die Untergebne nit ermahnt haben / nicht geſtrafft haben.

Die Wahl geſchicht nicht Wol / wann man einen harten und groben erwaͤhlt.

Man irret / wann man nit ein Manier brauchet. Ein Obrigkeit muß ein Uhr ſeyn / die dazeigt / und nit ſchlaͤgt. Der Giezi hat den todten Knaben mit dem Staab nicht koͤnnen zum Leben erwecken / wol aber der Eliſæus mit einer Manier. Noch hab ich nie gehoͤrt / nie geſehẽ / nie geleſẽ / daß der gute Hiꝛt in deın Evangelio haͤtte mit einem Staab / oder Steckẽ / oder Geißl / oder Bruͤgel / das gefundene Laͤmml in der Wuͤſtẽ vor ſeiner ge - trieben; wol aber / daß erſolches arme Troͤpffel auf den Achſeln getragen. Unſer lieber HErꝛ hat die Apoſtel / und folgſam alle die jenige / ſo ins kuͤnfftig in Geiſtlichen Dignitaͤten und Wuͤr - den werden ſeyn / nie anderſt genennt / als ein Liecht der Welt; Vos eſtis Lux mundi, und nicht Lucius mundi; dann ein O - brigkeit muß nit ſeyn wie ein Hechten / der ſo grauſam / daß er auch ſein eigne Jungen freſſen thut. Sie muß allein umbkehrt grob ſeyn; dann das Woͤrtl Grob / wann mans umbkehrt / oder zuruck lieſt / ſo heiſt es Borg. Borgen muß ſie / und nicht gleich drein ſchlagen. Der Moyſes hat gar nit recht gehandlet / ja er hat derenthalben einen zimlichen Verweiß von GOtt bekom - men / umb weiler die Rüthen gebraucht / und auf den Felſen zu -geſchla -253gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.geſchlagen / indem er haͤtte das Waſſer / diſem Chriſtallinen geſegne GOtt / leicht durch Wort koͤnnen erhalten.

Wann Superior und Superare verwandt ſeyn / wann ein Oberer ſoll eigentlich eroberẽ die Gemuͤther der Unterthanen / ſo muß er in die Fußſtapffen tretten deß beruͤhmbten Kriegs - Fuͤrſten Joſue, welcher mit wunderlicher Manier die Stadt Je - richo erobert / und eingenom̃en: da hat man nit gefochten / nit gehaut / nit geſtochen / nit geſchlagen / nit geworffen / nit geſtoſſe / nit geſchoſſen / und gleichwol die Stadt eingenom̃en. Da hat man kein Degen zuckt / kein Saͤbel entbloͤſt / kein Lantzen ausge - ſtreckt / kein bogen geſpañt / kein Mauerbrecher angelegt / kein Mine graben / und dannoch iſt die Stadt erobert worden. Es iſt keiner verletzt worden / keiner verwundet wordẽ / keiner geſchla - gen worden / keiner troffen worden / keiner ermordet worden / und dannoch iſt die Stadtuͤbergangen. Aber wie? nicht durch Arma, ſondern durch Harmoniam. Das Hebraͤiſche Volck hat geſungen und jubiliret / die Prieſter haben die Poſaunen gebla - ſen / und durch ſolche Weiß ſeynd die Mauren rings herumb zu Boden gefallen / und die Stadt in deß Joſue Gewalt kom̃en.

Wann ein Obrigkeit will die Gemuͤther der Untergebnen voͤllig einnehmen / auch bißweilen Steinharte Koͤpff / und ver - beinte Hertzen bezwingen / ſo muß er den Kriegs-Fuͤrſten Joſue dißfalls noch folgen / nit brauchen ein Grobheit / ſondern eine Freyheit / nit mit Spieſſen / ſondern mit Fuͤſſen drein gehen / nit mit Streichen ſondern mit Weichen / die Sach richten: ja man richt offt mehrer mit einem guten Wort / als wann man ſagt / ſcher dich fort: offt mehrer / wannman ſagt / mein Engel / als wann mann ſagt du Pengel / offt mehrer mit der Geigen / als mit der Feigen; dann ein ſanffter Wind biegt die Naͤſtel / ein wilder Sturmbricht ſie gar.

Die Tuͤrcken haben einmahl verkundſchafft / daß die meiſte Guarniſon zu Sigeth ſeye ausgangen / worauf ſie in aller EylJ i 3in254Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amptein groſſe Mañſchafft verſammlet / im Willens / diſes Ortun - verſehens zu uͤberrumplen; ſeynd auch bereits in der Still vor die Veſtung geruckt / und aller Orten die Leiter angeleint / die Mauren zu uͤberſteigen. Die Jnnwohner ſo wohl der Mañ - ſchafft als Waffen entbloͤſt, wuſten in diſer aͤuſſerſten Noth ih - nen faſt nit zu rathen / biß endlich einer an die Hand geben / es ſoll ein jeder / Klein und Groß / Jung und Alt / Weib uñ Mañ / einen Binnen-Korb nehmen (maſſen an diſem Ort die Men - ge) und dem Feind / und aufſteigenden Baꝛbaren auf den Kopff ſchuͤtten: welches auch geſchehen / und einen gluͤcklichen Aus - gang genommen. Dann ihnen das ausgegoſſene Hoͤnig Haar und Barth alſo zerkleppet / und die Augen zerblendt / daß ſie nichts mehr geſehen / ja einer nach dem andern uͤber die Leiter herunter geſtolpert / und die Veſtung verlaſſen. Wer haͤtte ihm ſein Lebtag traumen laſſen / daß man ein Sadt mit Hoͤnig ſoll defendiren.

Die Obrigkeit kan auch mehreſten Theil etwas richten mit ſuͤſſen Worten / mit guter Manier / mit Hoͤnig / als mit bittern Wermuth / oder verbitterten Greinen und Zancken. Wie Pe - trus Chriſtum den HErꝛn ſo ſpoͤttlich verlaugnet / auch derent - halben einen falſchen Schwur gethan / da haͤtte er ja 99. Capi - tulverdient / aber der ſanfftmuͤtige HErꝛ hat ihn nit geheiſſen einen meineydigen Mam̃elucken / einen Glatzkopffeten Maul - macher / eine Haſen-Hertzige Lettfeigen / einen verlognen Apo - ſtel / einen nichtswerthigen Juͤnger / einen falſchen Fiſcher / einẽ unredlichen Nachfolger / ꝛc. ſondern er hat ihn nur deſſentwegẽ angeſchaut / wodurch das Hertz Petri alſo erwaicht worden / daß nachmahls ſeine Augen zu einem diſtillier-Kolben worden / welches wenige Waſſer ihme mehrer Nutzen gebracht / als das gantze Meer / worinn er vorhero Tag und Nacht gefiſchet hat.

Wann den Koͤnig Saul der Teuffel geplagt / wann er ge - bruͤllt wie ein Loͤw / wann er gegꝛombt wie ein Sau / wañ er ge -kuͤrret /255gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthlas.kuͤrret / wie ein Tieger / wann er geheult wie ein Wolff / wann er geblaſen wie ein Wißl / wann er gemurret wie ein Beer / wann er gepfiffen wie ein Schlang / wann er gantz unſiñig getobt / da hat man ihn nit in eiſene Band geſchlagen / nit mit Strick und Ketten gebunden / nit mit Keuchen und Kercker verſperꝛt / ſon - dern der David hat mit der Harpffen geſpilt / etliche gute liebli - che Stuͤcklein aufgemacht / wordurch der Saul wieder zu recht gebracht wordẽ / ꝛc. Geſchicht es / daß ein Untergebner nit gantz weiß iſt / ſondern wie die Schaaf deß Labans allerley Fleck hat: iſt es / daß einer wie die Archen Noë beſchaffen / worinn nit lau - ter Laͤm̃l geweſt / ſondern auch Woͤlff; ſolls ſeyn / daß einer gena - turt / wie der Acker deß Evangeliſchen Hausvatters / auf deme nit allein Weitzen / ſondern auch Unkraut aufgewachſẽ / ſo muß ein Obrigkeit nit gleich verfahrẽ / wie der Samſon mit den Phi - liſtæern / deren er ſo vil mit einem Eſels-kiñbacken erſchlagen / nit auf der Harpffen ſplelen / ſondern mit dem David auf der Harpffen / da wird der gute Mann Manſuetus mehrer rich - ten / als ihr Hoch-Wuͤrden (Titl) Herꝛ Severinus, &c.

Wann man will ein irꝛdiſch Geſchirꝛ / etwan einen Hafen flicken / da zieht man gantz ſubtil den Drad durch / man zwickt denſelbẽ gantz lind und heiglich zuſam̃en / man klopfft ſo gering mit einem Haͤm̃erl / daß man kaum einen Floch daͤrduꝛch umbs Leben braͤcht: und geſchicht ſolches gar weiſlich; dann ſo fern man ſoll ſtarck darauf klopffen / ſo wurde das Geſchirꝛ nitge - flickt noch verbeſſert / ſondern gar zerbrochen / und zertrim̃ert werden. Geſchirꝛ uñ zwar gar gebrechlich von Erden ſeynd die Menſchen / wañ nun ſolche einige Maͤngel an ſich haben / ſo iſt es ein Schuldigkeit der Odern / däß ſie ſelbige verbeſſern / aber nit mit einer ungeſchlachten Grobheit / nit mit Tyrrañi - ſcher Verfahrnng / ſondeꝛn nit einer Manier; maſſẽ die Erfah - renheit gibt / ein unglimpffliche Schaͤrpffe mehrer Schaden als Nutzen ausbruͤtte. So gar ſchreibt Plinius, daß nicht weit von Harpeſo eine Stadt in Aſia ein großmaͤchtiger Stein ge -funden256Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amptfunden werde / ſo diſe wunderliche Natur an ſich hat / wañ man mit allen Kraͤfften denſelben will weltzen oder bewegen / ſo iſt alle angewendte Muͤhe umſonſt / wolaber / wol aber laſt er ſichl. 2, c. 96. mit einem eintzigen Finger regieren. Deßgleichen ſeynd ſehr viel Leuth geſittet uñ geſinnet / die man mit guter Manierumb ein Finger gleichſam winden kan / ſo man aber ſelbige mit Geiß - len treiben will / und in allem mit Schaͤrpffe verfahren / ſo wer - den ſie ſtutziger und haltzſtaͤrriger / als wie die Camel in Africa, welche ſtarck beladẽ auf dem Weg alſobald ſtill ſtehen / ſo ſie nurLeo. Afr. einen Stecken / Bruͤgel oder Ruthen erblicken / wol aber gehen ſie ſchleunig fort / da man ihnen luſtig zuſingt.

Der Eſau hat gar wenig bey GOtt dem HErꝛn golten / dann er war ein ſchlim̃er Geſell / und voller Untugenden / unter andern ware er der erſte grobe Prior, nach laut der H. Schrifft:Gen. 25. Qui Prior exivit, erat hiſpidus, &c. Alle rauhe und grobe Ob - rigkeiten ſeynd bey dem Allmaͤchtigen in ſchlechtem Anſe - hen. Der Heil. Antonius Paduanus, diſer ſo wunderthaͤtige Diener GOttes / hat einmahl auch ein ſcharpffe und undiſcre - te Obrigkeit gehabt: diſe hat ihn einmahl zu Meſſana vor allen Geiſtlichen in Mitte deß Refectorij beruffen / allwo ſie ihme eine Sach vorgeworffen / an die er ſein Lebtag nit gedenckt hat - te; nachdeme nun dem Heil. Antonio der Kopff grob uͤber grob gewaſchen worden / und er ſich aus Befehl der Obrigkeit von der Erden aufgehebt hat / da iſt der Ziegel / auf dem er geknyet / alſobald beweglich / oder / wie man pflegt zu ſagen / loß und roglPagat. 154. tom. 1. wordẽ / dergeſtalt / daß weder er / noch ein anderer durch einige Kunſt hat koͤnnen feſt gemacht weꝛden; wie man es dañ noch auf heutigen Tag ſehen kan / als welches Ort mit einem eiſenen Gaͤtterl uͤberzogen / nit allein ein ewiges Denck-oder Kennzei - chen der Demuth Antonij, als der Grobheit ſeiner Oberen iſt.

Ein ſoſche Obrigkeit ſoll ein in das 15. Capitl der Offen - bahrung Joannis hinein ſchauen / allwo zu leſen / wie diſer Heil. Chro -257gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.Chroniſt GOttes eınmal ein gantzes glaͤſernes Meer geſehen / worauf die Leuth die wunderbarliche Werck GOttes / gelobt und geprieſen / ꝛc. Die Leuth ſeynd auf ſolchem glaͤſernen Meer geſtanden / das iſt nit ein geringes Wunder. Ein ſolches glaͤſer - nes Meer iſt die Welt / wer auf diſem ſtehet / iſt ein Wunder; dann wenig ſeynb / die nit ſchlipffern / die nit ſtolpern / die nit fallen; darumb ſollen die Vorſteher ein hertzliches Mitleiden tragen mit ihren Untergebnen / wann ſie ſtolpern / zumahl das Ort / wo ſie ſtehen / gar zu ſchlipfferig.

Mit vilen Obrigkeiten verhengt der gerechte GOtt / daß ſie gleichfalls ſpoͤttlich fallẽ / umb weil ſie mit der Gebꝛechlichkeit ihrer Unterthanen kein Mitleiden haben / und begegnet ihnen nit vil anderſt / als jenem Niderlaͤnder / deſſen Namen zwar Eli - gius Roſſeel wonhafft zu Uladbeel. Wie deſſen Ehe-Weib Eli - ſabeth groſſes Leibs gangen / und kurtz vor der Geburth ſchwe - re / und faſt unertraͤgliche Schmertzen gehabt ſo hat nit allein der Mann kein einiges Mitleiden ſpieren laſſen / ſondern ſie noch hieruͤberſtarck ausgeſpoͤttlet und ausgehoͤnet / welches der armen Haut alſo zu Hertzen gangen / daß ſie ihme gleiches Elend uͤber den Hals gewunſchẽ / ſo auch der Allerhoͤchſte wun - derbarlich verhengt / maſſẽ diſem Eligio der Leib nach und nach gewachſen / biß er endlich nit ohne hoͤchſtẽ Wehetagẽ ein Kınd /Maſen. fol. 257. und zwar ein Knaͤbel gebohrn / ſo aber nach empfangnem H. Tauff bald verſchieden / er aber nachmahls in einem eiſenen Pantzer offentliche Buß gethan; wie dann noch an beſagtem Ort ein jaͤhrliche Gedaͤchtnus deß Eligij gehalten wird.

Was dem Eligio geſchehen iſt / begegnet ebenfalls vilen Ele - ctis und Obrigkeiten / umb weil ſie ſo hart und grob mit den ih - rigen verfahren / laſſet der allwiſſende GOtt gar offt zu / daß ſie mit dem Jacob auch hinckẽ / mit dem Peter auch ſinckẽ mit dem Latzaro auch ſtincken / damit ſie fein erfahren / daß ſie auch gleich andern Menſchen ſeyn. Chriſtus der HErꝛ hat derent - wegen keinen gantz Heiligẽ Apoſtel zum hoͤchſten PabſtthumbPars IV. K kpro -258Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amptpromoviert / ſondern einen ſolchen / der ſpoͤttlich gefallen / grob geſuͤndiget / und ſtraͤfflich gehandlet / damit der gute Pabſt Pe - trus auch nachmahls wiſſe ein Mitleyden zu tragen mit den ſei - nigen / wann ſie etwan aus Gebrechlichkeit fallen. Wer dem - nach will regieren / der muß auch corrigiren / aber ſolches cor - rigiren muß nichts anders ſeyn / als Cor-regieren; und wann endlich auch ſoll ein Schaͤrpffe erfordert werden / ſo muß doch ſolche gleich dem bittern Cichori-Salat mit der milde verzu - ckert werden; dann ob ſchon der Heyland die Tauben-Haͤnd - ler zum Tempel hinaus gepeitſcht / ſo hat er hierzu keine Stuhl - Fuͤß / noch Latten Trimmer genommen / ſondern etlich weni - ge kleine Strickel / ſo nicht einmahl durch die dicke Juden-Roͤck getrungen.

Die Wahl geſchicht Wol / wann man bloß die Verdienſten und Tauglichkeiten aufchaut.

Joannes und Jacobus, zwey Soͤhn deß Zebedæi haben umb hohe Dignitaͤten und Aempter angehalten / aber das Kuͤr - tzere gezogen / und dermal nicht promovirt worden. Einer be - gehrte zu der rechten Hand deß HErꝛn zu ſitzen / der andere zu der lincken / ꝛc. Aber beyde ſeynd zwiſchen zweyen Stuͤhlen nie - dergeſeſſen und ſauber nichts erhalten; die Urſach ware / weil ſie durch ein Weıb als ihr eigne Mutter / ſeynd recommendirt worden. Zum andern ſeynd ſie befreund geweſen / uns zu einer Lehr und Nachfolg / daß wir in einer Wahl nicht ſollen anſchau - en die Verwandſchafft / ſondern vilmehr die Verdienſt. Drit - tens / ſeynd ſie noch junge unerfahrne Leuth geweſen / und folg - ſam zu ſolchen Aemptern gar nicht qualificirt; haben demnach einen widrigen Beſcheid / und ein abſchlaͤgige Antwort bekom - men / welches fuͤrwar in allen Wahlen ſoll beſtens beobachtet werden / daß man doch untaugliche Leuth zu Dignitaͤten und Wuͤrden nit ſoll erheben.

Der259gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.

Der Thron Salomonis ware ein Abbildung einer guten und rechten Wahl / diſer weiſſeſte Koͤnig machte einen groſſen Thron von lauter Helffenbein / und uͤberzoge denſelbẽ mit pu - ren und feinen Gold; ſolcher Thron hatte zwey Haͤnd / ſo beyder - ſeits den Sitz hielten / obenher ſtunden zwey groſſe guldene Loͤ - wen / unterhalb auf den ſechs Stafflen zwoͤlff kleine und juͤngeꝛe Loͤwen: Duo Leones ſtabant juxta manus ſingulas, & duode - cim Leunculi ſtantes ſuper ſex gradus, &c. Ein ſchoͤne und ordentliche Austheilung ware in dieſem Thron / die man in allẽ Wahlen ſoll vor Augen ſtellen. Obenher ſtunden zwey groſſe Loͤwen / unterhalb zwoͤlff kleine; groſſe / anſehnliche / wackere / beſcheide / tugendhaffte Leuth die gehoͤren hinauf / die muß man zu hohen Dignitaͤten erwaͤhlen / Leunculi, Junge / Unerfahꝛne / Unverſtaͤndige / die muͤſſen heꝛunter bleiben. Man muß mehꝛer halten auf ein Roſẽ / als auf ein Knopff / mehrer auf ein guldene Schalen / als auf ein irꝛdenen Topff / mehrer auf ein Lemoni / als auf ein Ruben / mehrer auf ein Mann / als auf ein Buben / mehrer auf ein Laib Brod / als auf ein Broͤſel / mehrer auf ein Roß / als auf ein Eſel / mehrer auf ein Pergamen / als auf Pap - pir / mehrer auf ein Wein / als auf ein Bier / mehrer auf ein Wa - gen / als auf ein Karꝛen / mehr auf einen Doctor, als auf einen Narꝛen / ꝛc. Leones droben / Leunculi drunten. Jn der Archẽ Noe diſes gerechten Alt-Vatters waren drey Garten / der er - ſte obere fuͤr die Voͤgel / der mittlere fuͤr die Menſchen / der un - tere fuͤr die andere Beſtien, worunter Ochs / Eſel / Buͤffel / ꝛc. Die jenige / ſo gut in der Feder ſeyn / die gelehrt uñ hochverſtaͤn - dig / ſoll man billig in die Hoͤhe promoviren; gute Menſchen / fromme Leuth / Chriſtliche Gemuͤther eben deßgleichen: aber Gottloſe Beſtien / unverſtaͤndige Ochſen / plumpe Eſel / unge - ſchickte Buͤffel ſoll man billich unten laſſen / und ihrer in keiner Wahl gedencken.

Die Statuta und beruͤhmbt Bildnus deß Koͤnigs Nabu - chodonoſor iſt gar wol und ordentlich verfertiget worden; dañK k 2dero260Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Amptdero Haupt ware von puꝛem Gold / die Schuldeꝛn von Silber / der Leib von Metall oder Crtz / der unter ſie Theil von Erden; gar recht und aber recht was ſchlecht iſt / nit weit her iſt / garſtig und irꝛdiſch iſt / kan ſchon untenbleiben aber guldene Leut / ſtatt - liche Maͤnner / treffliche Subjecta taugen zu einem Haupt / fol - len allemahl zu Dignitaͤten und Wuͤrden erwaͤhlt werden.

Jn einer rechten und gewiſſenhaffter Wahl ſoll man abſon - derlich nit anſehen die Verwandſchafft / wann nit zugleich die Tugendẽ und Wiſſenſchafft befreund ſeyn. Unſer lieber HErꝛ und Heyland hat ſeine Vettern nit gar hoch geacht; dañ wie er zu Jeruſalem mit 12. Jahren verlohren worden und ihn nach - mals ſein gebenedeyte Mutter Maria / uñ der wertheſte Nehꝛ - Vatter Joſeph unter den Bef: eunden daſelbſt geſucht / ſo habẽ ſie ihn gar nit gefunden; ein jeder Vetter / ein jede Baaß oder Maimb gar zu Antwort / daß er in ihr Haus niemal ſey kom̃en: dey den liebſten Heyland thet es ſich gar wenig Vettern. Aber bey der Welt ſchaut man offt / wie nur die Vettern promovirt koͤnnen werden / wann er ſchon dem Blut nach ein Vetter iſt / und dem Gut nach ein Fretter iſt wañ er nur ein Bruder iſt / und anbey ein Luder iſt / promoveatur; wann er nur ihnen be - freund iſt / ob ſchon bey Gott verfeind iſt / promoveatur. O wie vil ſitzen in der Hoͤll / ſchwitzen in der Hoͤll / hitzen in der Hoͤll; vmb weil ſie ihre Befreundte / als untaugliche und unwuͤrdige Leuth zu Aemptern und Dignitaͤten erhoben haben / ꝛc.

Es waͤre zu wuͤnſchen / daß manchesmal bey der Wahl kei - ne Ochſen Koͤpffthaͤten ſitzen / wol aber Kuͤhe-Koͤpff / wie jene geweſen / welche bey denen Philiſtæern dıe Archen deß Bunds gezogen. Die Philiſtæer kundten nit wiſſen / was doch die Ur - ſach waͤre der groſſen Widerwerdigkeitẽ und Elend / ſo da hauf - fen weiß uͤber ſie kom̃en / und glaubten ſchier etliche / als waͤre es die verarreſtirte Archen / ſo ſie denen Jſralitern / als dem GOtt gewidmetẽ Volck haben weggenom̃en; damit ſie demnach hin -ter -261gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.ter die rechte Warheit moͤchten kom̃en / ſo haben ſie zwey Kuͤ - he / deren jede noch ein ſaugendes Kalb hatte / in einen Karren geſpannt / darauf die Archen gelegt / und beyde ohne Fuhr: oder Glaitsmann alſo fortziehen laſſen. Dafern nun ſolche werden gerad den Weg nehmen zu denen Jſraelitern / und das Ge - ſchrey ihrer eıgnen Kaͤlber nit achten / ſo dann wollen ſie glau - ben / daß der wahre GOtt der Jſraeliter ſolche haͤuffige Straf - fen uͤber ſie verhengt habe / wo aber nit: ſo koͤnne man ſolches einer verborgnen natuͤrlichen Urſachen zuſchreiben / ꝛc. Sihe Wunder! beyde Kuͤhe / uneracht|ihre eigne Kaͤlber uͤber alle maſſen geſchryen / ſeynd grad durchgangen / und nit einmahl umgeſchaut zu dem Stall / woriñ ihr Kaͤlber verſperꝛet waren.

Von Rechtswegen ſoll man in einer jeden Wahl alſo hand - len / und weder das Blut / noch die Anverwandte anſchauen / ſondern mitten durchgehen / die Stimm dem jenigen geben / der tauglich iſt / nit der befreund iſt / nit anhoͤren das blerren der Kaͤlber / das bitten der Freund / ſondern mitten durch / gerad durch / erwaͤhlen denſelben / der dawuͤrdig iſt / nit weiler ver - wandt iſt. Der H. Udalricus Biſchoff zu Augſpurg ware ein Exempel und Exemplar aller Heiligkeit / hatte Todte erwecket / ſo heilig war er / hat Fleiſch in Fiſch verkehrt / ſo heilig war er / hat ein Creutz vom Himmel bekommen / ſo heilig war er / hat wunderbarlicher Weiß die Hunnen uͤberwunden / ſo heilig war er / hat die Ratzen verbannifirt / ſo heilig war er / ꝛc. Gleichwol hat er muͤſſen die zeitliche Straff des Fegfeuers ausſtehen / ei - nig und allein darum / und weil er ſeinen Vatter Adalberonem einen frommen und vollkom̃enen Mann zum Biſthumb pro - movirt hat. Wohin waͤre dann erſt Udolricus kommen / wann er einen ſchlim̃en und untauglichen Verwandten haͤtte zu einer Dignitaͤt gebracht / ob zwar dißfalls auch einige erheb - liche Urſachen koͤñen unterlauffen / weſſenthalbẽ man in Anſe - hung der Verwandſchafft / kan diſen und jenen zu hohen Aemp - teren bringen / ſo iſt es doch weit ſicherer / wann man mit demK k 3David262Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Aboſtel-AmtDavid ſingt: Libera me de ſanguinibus, &c. Wie es Adria - nus der VI. Innocentius der XI. und vil andeꝛe Roͤmiſche Paͤbſt gethan. Hierinnfals iſt doch zu mercken / daß / wann dıe Be - freundte anbey mit anſehnlicher Tugenden und loͤblichen Qua - litaͤten begabt ſeyn / man mit gutem Gewiſſen ſolche koͤnne an - dern vorziehen / wie hiervon mehr ſchreiben.

Von dem Berg Sinai / allwo die H. Jungfrau und Mar - tyrin Catharina begraben worden / werden vil denckwuͤrdige Sachen geſchrieben; unter andern meldet auch Stephanus Mantegazza, daß allda der Kaiſer Juſtinianus ein ſchoͤne Kir - chen unter dem Namen Salvatorıs erbaut habe / woꝛzu er auch ein Cloſter der Baſilianer Muͤnch geſtifft / und ſeynd ſchon uͤber die 9. tauſend daſelbſt begraben. Jn dieſem Ort iſt ein ſtetes und immerwaͤhꝛendes Wunderweꝛck zu ſehen; dann ſo bald der Abbt und Voꝛſteher obbenañten Convenis mit Todt abgehet / ſo loͤſchet die gꝛoſſe Lampẽ bey dem Gꝛab deꝛ H. Catharinaͤ allda von ſich ſelber aus: ſo bald aber ein andrer wiederumb erwaͤhlt wird / ſo zuͤndet ſich die Lampen ohne einige Hand-Anhebung auch ſelbſt an / wann ein Fꝛommer / Verſtaͤndiger und Wol-Me - ritirter in die Wahlkom̃t. Jſt es aber / daß ſie einen ſchlechten und Untauglichen erwaͤhlen / ſo zuͤndet ſich weder die Lampen an / weder kan ſie von andern angezuͤndt werden. Woraus Sonnenklar abzunehmen / daß es GOtt / und allen ſeinen Hei - ligen mißfaͤllig und hoͤchſt zuwider wann jemand unwuͤrdiger Weiß zu einem Ampt und Dignitaͤt erhoben wird.

Dannenhero kein Wahl unvorſichtig / gaͤch / und nur ober - hin ſoll geſchehen / ſondern mit groſtem Fleiß und moͤglichſter Obacht; zumahlen von Anbegien der Welt GOtt ſelbſt allen Fleiß hat angewendet / wie er den erſten Voꝛſteher und Herꝛ - ſcher deß Erdbodens den Adam erſchaffen; dann dazumahl haben ſich alle dꝛey Goͤttliche Peꝛſonen / GOtt Vatter / Sohn / und Heil. Geiſt unter einander berathſchlagen / als ſie den eꝛſten Preſidenten uͤber alle Thier geſtellt / Faciamus, &c. Ut263gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.Ut præſit, &c. Laſſet uns einen Menſchen machen nach un - ſerm Bild und Gleichnus / der da herꝛſche uͤber die Fiſch deß Meers / uͤber die Voͤgel deß Himmels / ꝛc. O lieber GOtt / hatGen. 1. v. 26. es ſo viel Ceremonien braucht mit der erſten Obrigkeit / ſo doch nur Fiſch und Voͤgel und andere Thier unter ſich gehabt; ſo iſt dann kein ſchlechte Sach / wann man erwaͤhlen ſoll ein Obrig - keit / nicht uͤber Fiſch / ſondern uͤber die Menſchen / worunter wolaͤrger Fiſch / Thier und Voͤgel zuweilen anzutreffen.

Judas der Gottloſe Geſell verehrt das Alter nit.

SO bald der gebenedeyte Heyland von dem begierigen Hebraͤiſchen Lotters Geſind und Henckers-Knechten gefangen und an Ketten und Strick gefeßlet worden / ſo hat man ihn den geradẽ Weg zu dem Annas geſchleppt / als dem aͤlteſten Hohenpriſter / ſo bereits gantz Schneeweiß auf dem Kopff ware. Dem Jſcarioth war ſolches gar nicht recht / ſon - dern ſein voͤlliger Anſchlag und gaͤntzlicher Antrieb iſt geweſen / daß man JEſumgleich zu dem Caiphas ſoll fuͤhren / weil ſol - cher daſſelbige Jahr das Oberhaupt der Prieſterſchafft ware; der alte Geck der Annas habe hirinnfals keine Vollmacht ja er liege bereits in Pflaumen und Feder-Beth / und werden ſie bey dem alten Schaaf-Kopff zur finſterer Nachtzeit ein langſame Audienz gewinnen / ꝛc. Es lieſſe aber der Caiphas / ob ſchon der hoͤchſte in dem Clero, durch die ſeinigen andeuten / daß man auf kein Weiß den alten Herꝛn ſoll præteriren; dann er nenn - te den Annas nur ſeinen Herꝛn Vatter / und thaͤte gaͤntzlich nichts ohne ſeine Meynung und Rathſchlag: und wann end - lich der Seeligmacher waͤre den geraden Weg zu der Behau - ſung deß Caiphæ gezogen worden / ſo haͤtte der Jſcarioth da - ſelbſt den Peter angetroffen / deme er vorhin nicht guͤnſtig ge -weſt /264Judas der Gottloſe Geſellweſt / und folgſam denſelben ebenfalls verꝛathen / auch in all - weg geſucht / wie er den Alten zugleich in die Gefaͤngnus kund -Sylveira l. 8. c. 4. Quæſt. 1. te bringen / und aus dem Weg raumen. O Iſcariothiſche Beſtia! ſo biſt du dem Alter ſo abhold / wilſt du nit alt werden / ſo laß dich junger hencken.

Das Alter ſoll man verehren / weil ſolches unſer lieber HErr ſelbſt verehrt hat. Zu Jeruſalem war ein alter und lie - ber Taͤtl / mit Namen Simeon / von hundert und zwoͤlff Jah - ren: ein Prieſter / ein Doctor und Ausleger der H. Schrifft / dieſer wolte einmahl ſeinen Scholaren und Zuhoͤrern den Text des Propheten Jſaiaͤ erklaͤren: Virgo concipiet & pariet, &c. Es wird ein Jungfrau empfangen und gebaͤhren / ꝛc. gedachte ihme aber / daß uͤber ein ſolche unmoͤgliche Sach ſeine Schola - ren wurden ein Scrupl nehmen / iſt derentwegen da / und loͤſcht das Wort Virgo, oder Jungfrau / aus / und ſetzt an ſtatt deſſen Puella, ein junge Tochter; weil er aber vermerckt / daß Augen - blicklich ſein Schrifft verſchwunden / und das Wort Jung - frau wiederumb vorhanden / alſo hat er das anderte / ſo gar auch drittemahl diſes Woꝛt ausgeloͤſcht / und dafuͤr Puella, oder junge Tochter geſetzt: aber allezeit nit ohne hoͤchſte Verwun - derung erfahren / daß ſeine Schrifft nichts golten / ſondern der vorige Text beſtaͤndig verblieben; weſſenthalben er ſich zu GOtt dem Allmaͤchtigen gewendet / und hieriñfalls einige Er - leuchtung demuͤthigſt geſucht. Worauf ihm GOtt der HErr geoffenbahret / daß er noch vor ſeinem Tod werde ſehen dieſel - bige Jungſrau / welche ohne Verletzung der Jungfrauſchafft werde einen Sohn gebaͤhren / und zwar den rechten Meſſiam und Heyland der Welt. Wie nun die ſeeligſte Jungfrau Maria ihren gebenedeyten Jeſulum im Tempel aufgeopffert / da iſt der alte Simeon ſamt der Anna Phanuelis, ſo bereits in 84. Jahr geweſt / und den Tempel nim̃ermehr verlaſſen / alsbald auf die Knyenidergefallen / das goͤttliche Kind angebettet / und ſelbi - ges mit Troſt auf ſeine Armb genom̃en / und ihme tauſendher -tzige265verehrt das Alter nit.tzige Seuffzer und Lieb-Aeugel geſchenckt. Allhier ereignet ſich die einige Frag / weil der alte Simeon und die alte Mutter Anna ſo heilig und gerecht vor den Augen GOttes geweſen / warumb daß der allmaͤchtige ſie nit auch gen Bethlehem zu dem Krippel / gleich denen Hirten / und drey weiſſen Koͤnig / gezogen / damit ſie dem neugebohrnen Koͤnig und Meſſiæ auch haͤtten koͤnnen die ſchuldigſte Viſita geben? Haimon und Damianus antworten / daß / weil dieſe beede ſo liebe alte und betagte Leuth geweſen / ſo habe GOtt ſie nit plagen wollen mit der Reiß von Jeruſalem nacher Bethlehem (die Hirten ſeynd ſtarcke Geſellen geweſen / die Koͤnig ſeynd auf Cameelen geritten) ſondern GOtt habe ſelbſt / dem lieben Alter zu Ehren / zu ihnen wollen kommen / uns gefam̃ - ten Adams-Kindern zu einer ſondern Lehr / wie wir das Alter ſol - len verehren / und mit demſelben ein Mitleiden tragen.

Das Ort / allwo unſer HErr 40. Tag und Nacht gefaſtet / fuͤnff Meil von Jeruſalem entlegen / iſt ein erſchroͤckliche und unbewohnliche Wuͤſten / allwo nichts als die duͤrre Felſen / er war allein der Brunn des Lebens: nichts als Hecken und Doͤr - ner / er allein die Roſen: nichts als Baͤeren und Woͤlff / er allein das wahre Lamm GOttes. Alldorten iſt der leidige Sathan / ſo nichts als das gute haſſet / und forderiſt das Faſten / zu ih - me getretten / und ihne verſucht / aber in was Geſtalt? etwan wie ein Holtzhacker in einem rupffenen Kleid / und paar ſchmutzi - gen Stifflen / mit einem Hut / der die Fluͤgel henckt / wie ein abge - ſtochenes Schwalmneſt / oder aber iſt er erſchienen wie ein Edel - mann in einem Frantzoͤſiſchen Kleid / mit einer langen gekrau - ſten / geſchneckleten Baroquen, ſo dergeſtalten eingepulvert / daß man ihme ſagen kunte: Memento Homo, Gedenck / O Menſch! daß du Staub und Aſchen biſt / und daß dein Kopff zu einem Narren wird / ꝛc. oder etwan iſt der Sathan aufgezogen wie ein Jaͤger mit einem gruͤnen Kleid / mit einem Jaͤger-Horn auf der Seithen / mit einer gefaͤltleten Waidmanns-Ta -Pars IV. L lſchen /266Judas der Gottloſe Geſellſchen / mit einer Flinten auf der Achſel / und mit tauſend Acker - ment im Maul nichts dergleichen / gar nichts dergleichen / ſon - der Lyranus ſpricht / der Teuffel ſeye erſchienen wie ein Eißgrauer Mann / wie ein Schneeweiſſer Tatl / mit einem langen rauhen Rock biß auf die Erden / und in Geſtalt eines lieben alten Ein - ſidlers und Eremiten / ꝛc. Soll aber dieſes dem Alter ein Ehr ſeyn? daß der boͤſe Feind derogeſtalten angenommen? was dann: er gedachte / ich muß ein Geſtalt an mich nehmen / daß er Urſach habe mich anzubetten; ich aber kan kein beſſere Geſtalt an mich nehmen als eines alten Manns; dann das Alter wird er verehren / dem Alter wird er glauben / die weiſſe Haar wird er in allweg reſpectiren / ꝛc. Er iſt ein beſcheider / frommer und Gottsfuͤrchtiger Mann (dann der boͤſe Feind glaubte nicht daß Chriſtus zugleich GOtt ſeye) alſo wird er mich verehrẽ. Ge - wiß iſt es / daß / wann es nicht der vermaͤſcherte Sathan / waͤ - re geweſen / ſondern ein anderer guter alter Taͤtl und erlebter Menſch / ſo haͤtte ihm der liebſte Heyland ein Ehr angethan / ih - ne laſſen niederſitzen / ihne / ſo es etwan vonnoͤthen geweſen / duꝛch Engel / oder auf ein andere Weiß / laſſen ſpeiſſen und bedienen / maſſen er das Gebot geben. Du ſolleſt vor einem weiſſen Haupt aufſtehen / und verehren die Perſon eines Alten: Coram cano Capite conſurge, & honora Perſonam Senis, &c.

Wie Chriſtus der HErr durch den freywilligen Todt wolte von der Welt ſcheiden / da hat er an ſtatt ſeiner Goͤttlichen Per - ſon beſchloſſen einen Vicari auf Erden zu ſetzen / deme er kunte geben die hoͤchſte Vollmacht zu binden und zu loͤſen: aber wer ſoll dieſer ſeyn? Zweiffels ohne Joannes? ja wol nit / ob er ſchon ein Aug-Apffel war des HErrn / ob er ſchon bey dem letz - ten Abendmahl auf ſeiner Bruſt gelegen / ob er ſchon eine reine Junfrau / ꝛc. So iſt ihme doch der Peter vorgezogen worden. Joannes ein reiner junger Geſell / Petrus aber verheyrath / Joañes ein verſtaͤndiger Juͤnger deß HErrn / Petrus aber mein -eydig /267verehrt das Alter nit.eydig / den Gockel Hahn umb Bericht / Joannes hat den Na - men deß liebſten deß HErrn / Petrus iſt gar ein Teuffel titulrtHilde - bertus. Cenom. lib. 8. c. 6. worden / und dannoch iſt Petrus Pabſt worden / Joannes aber nit: und war keine andere Urſach als dieſe; Weil Chriſtus der Welt gleichſam kein Aergernis wolte geben / und den Jungen ei - nen Aeltern vorziehen: er wolt der gantzen Welt zeigen / wie man die alte Leuth ſoll verehren: Detulit igitur ætatinon meritis, nec prætulit conjugatum Virgini; ſed provectiorem Juveni.

So bald GOttes Sohn durch Uberſchattung des Heil. Geiſts zu Nazareth in die reiniſte Schoos Mariaͤ der Jung - frauen geſtiegen / und daſelbſt die Menſchheit angenommen / wel - ches geſchehen iſt den 25. Martij an einen Freytag / hat ſich erſt - gedachte ſeeligiſte Jungfrau gleich herauf / benanntlich den 1. Aprill auf die Reiß uͤber das Gebuͤrg / und in 4. Tagen nacher Hebron gelangt in das Haus Zachariaͤ / daſelbſt ihr liebſte Maimb oder Baaß / Eliſabeth heimgeſucht / und in die zehen Wochen gedienet / als die dazumahl mit Joanne im ſechſten Mo - nath ſchwanger gienge / und dieſes nur darumb / weil ſie gewuſt / daß Eliſabeth ſchon ſehr alt und betagt waͤre / alſo iſt / Maria nemlich / die noch nit 15. Jahr hatte / kommen / das Alter zu verehren / und das Alter zu bedienen.

Wann dann nun GOtt / und GOttes Mutter das Alter ver - ehren / die graue Haar beobachten / die lang erlebte Taͤg reſpe - ctirn / ſo ſoll ſich ja billich ſchaͤmen ein mancher kleiner Witz - beutl: billich ſoll ſich ſchaͤmen ein mancher junger Spitz-Bub / ſo mit der Naſen noch die Aermel anſpieglen: billich ſoll ſich ſchaͤmen ein unzeitiger Maul-Aff / dem noch das Buͤrſchen Jn - tereſſe in der Haut ſteckt / daß er dem Alter ſo ſchlechte und ſel - tene Ehr anthut / demſelben auch gar nicht den Hut rucket / ja wol oͤffter daſſelbe noch auszuhoͤhnen und zu ſchimpffen pflegt. Schaͤm dich du undanckbahres Kind! der du die Gottloſe Klag fuͤhreſt / als gehe dir dein alter Vatter im Weg umb / ſchaͤmL l 2dich268Der Gottloſe Geſelldich du junger Grindſchuͤppel / die du ſo ſaure Geſichter macheſt gegen der alten Schwieger-Mutter / und ihr alle Stund die letz - te wuͤnſcheſt / auch wol mit altem Hexen-Titl und Gabl-Prædi - cat entunehreſt / ꝛc.

O! wie vielen Alten begegnet das jenige / was dem Poëten Æſchylo wiederfahren. Der Adler naſchet uͤber alle maſſen gern dıe Schildkrotten; weil ıhm aber zum ſolche Aufbeiſſen gar zu hart / alſo ergreıffet er dieſen Fund: er fuͤhr dieſelbige mit ſei - nen Klauen in alle Hoͤhe / und ſtuͤrtzet ſie nachgehends auf einen harten Felſen herunter / worvon ſie zerſchmettern / und folgſam dem Krottenfreſſer zu Theil werden. Obgedachter Æſchylus ſuchte einsmahls ein wenige Ruhe in dem Graß / worinnen er ſeinen abgematten Leib niedergelegt; weil aber gleich dazumahl ein Adler mit ſolchem Raub in der Hoͤhe ſchwebte / und auf dem alten Glatz Kopff / der Meynung es ſeye ein Stein / die Schild - Krott herab geworffen / alſo hat er hiervon muͤſſen ſterben / und elendiglich das Leben laſſen. O wie offt wird ein Alter von ei - ner Krott umbgebracht!

Ein alter Vatter uͤbergibt zuweilen dem Sohn die gantze Haabſchafft und Wirthſchafft / dieſer heyrath ein junges Maͤgdl / die noch nit weiß den Unterſchied zwiſchẽ einer Bruͤhe und Sup - pen / die nichts kan als eine Spitz klecklen / ſo mehrgleich einem Fiſcher-Netz; die einen Faden ſpinnet / den ein ſtarcke Spickna - del kaum durch ein Leinwath ziehet / ꝛc. Dieſer iſt der alte Rotzer (ſo iſt ihr Sprichwort) gaͤntzlich zu wider / den gruͤſſet ſie wie ein Spanni er den Frantzoſen / den tractirt ſie wie ein Ketten Hund einen Bettler / dem wuͤnſcht ſie / was ein Jud der Speckſchwar - ten / ꝛc. Solches nimbt ihm mehrmahl der gute alte Taͤtl zu Hertzen / entruͤſtet ſich deſſenthalben im Gemuͤth / daß er hier - uͤber erkrancket und ſtirbt. Wer hat ihn umbgebracht? wer? ein Schildkrott / oder beſſer geredt ein Scheltkrott / dieſe jun ge Krott / dieſe nichtsnutzige Krott / dieſe neidiſche und unver - ſchambte Krott / die nit weiß / noch will das Alter verehren / diehat269verehrt das Alter nit.hat ihme dem Reſt geben / den Garaus gemacht / das Liecht aus - geloͤſcht / ꝛc. O verfluchte Krott!

Das Alter ſoll man verehren / weil es weit erfahrner / und verſtaͤndiger als die Jugend; wann ein Alter ſchon weiß auf dem Kopff / ſo muſt du wiſſen / daß Weiß und waiß nur ein Buchſta - ben voneinander: wann er ſchon dunckel in den Augen / ſo iſt er deſto mehrer erleucht in dem Verſtand / wann er ſchon keine Zaͤhn im Maul / ſo iſt ihme doch kein Frag zu hart: wann er ſchon mit dem Kopff zittert / ſo iſt er doch beſtaͤndig in der Wiſ - ſenſchafft; wann er ſchon ſchwach in Fuͤſſen / ſo gehet er doch grad durch; wann er ſchon einen gebogenen Rucken / ſo iſt er doch kein Achſeltager / wann er ſchon einen Stecken an der Hand / ſo ſeynd doch ſeine Anſchlaͤg nit hoͤltzen; wann er ſchon naß unter der Naſen / ſo ſagt er doch die Warheit gut trucken; wann er ſchon voller Faltẽ / ſo ſagt er doch die Sach gar glat heraus; wañ er ſchon glatzet auf dem Kopff / ſo weicht er doch Verſtand halber einem nit ein Haar; wann er ſchon wenig Kraͤfften / ſo hat er doch viel Erfahrenheit; wann er ſchon ein lauterer Krippel / ſo muſt du wiſſen / daß bey dieſem Krippel kein Ochs noch Eſel / ſondern die Weißheit ſtehe.

Der Apocalyptiſche Engel Joannes hat auf ein Zeit in dem offnen Himmel geſehen GOTT ſitzen auf einem hohen Thron voll mit Goͤttlichem Glantz / umb dieſen ſtunden gleicher Weiß vier und zwantzig Stuͤhl / worauf eben ſo viel alte Maͤnner geſeſſen / deren jede eine guldene Cron auf dem Haupt truge / ꝛc. Die Ausleger Goͤttlicher H. Schrifft titulirn beſagte alte Maͤn - ner GOtt des HErrn ſein Conſiliarios und Rahts-Herrn / nit darumb / als haͤtte der allwiſſende GOtt ihrer vonnoͤthen / ſon - dern uns zu einem Beyſpiel und Lehr / daß / wann wir in ſchwe - ren Sachen und hohen Geſchaͤfften / ſollen den guten Rath ſu - chen bey denen Alten / zumahl bey denſelben der Verſtand und Erfahrenheit weit groͤſſer / als bey der Jugend.

L l 3Ein270Judas der Gottloſe Geſell

Ein alter Wein iſt doch geſunder als ein neuer / ein altes und duͤrres Holtz iſt doch beſſer / als ein neues und gruͤnes / ein altes Silber iſt doch beſſer / als das neue / ein alter Tach-Ziegel iſt beſ - ſer / als ein neuer / ein alter Kaͤß iſt geſunder als ein neuer / ein al - tes Gemaͤur haͤlt doch ſtaͤrcker als ein neues / ein altes Stam̃en Haus iſt edler als ein neues / ein alter Fuhrmann wirfft weniger umb als ein neuer / in einer alten Kirchen bey alten Bildnuͤſſen geſchehen mehrer Miracul / als bey neuen / ein alter Doctor ver - ſtehet mehrer als ein neuer.

Mein / wer iſt beſſer geweſt unter den zweyen / die Noe der gerechte Vatter hat aus der Archen gejagt / damit ſie ordentlich und mit Warheit ein Aviſa ſollen bringen / ob der Suͤndfluß bereits im Abnehmen ſeye oder nicht? dieſe zwey gefluͤglete Bo - then waren der Raab und Tauben. Der Raab hat dißfalls ſehr unverſtaͤndig und unbedachtſam gehandlet; weil er nit mehr in die Archen kommen / die Tauben aber war ſo verſtaͤndig / daß ſie mit einem Oehl Zweigel im Schnabel zuruck gekehrt / und alle - ſammt in der Archen nit ein wenig aufgemuntert und getroͤſt. Der Raab iſt ein gaͤntzlicher Entwurff der ſchlipfferigẽ Jugend / welche meiſtens den leiblichen Anmuthungen / und Viehiſchen Sinnlichkeiten den freyen Paß vergoͤnnet / und ſchier allemahl ſehr unbeſunnen handlet; aber die Tauben iſt ein rechtes Sinn - bild des Alters / weil man zu ſagen pflegt / der alte Taͤtl iſt wie ein Tauben ſo weiß; dieſem iſt der Verſtand weit groͤſſer und voll - kommener / als bey denen Jungen.

Noch hat es allemahl einen ſchlechten und ungluͤckſeeligen Ausgang genom̃en / wann man den Rath der Alten nich gefolget hat. Ein junger Fuchs hat etlichmahl wahrgenommen / wie die Voͤgel in der Hoͤhe hin und her fliegen / ſo geſchwind wie der Wind / der nicht ſichtd / er iſt blind; ſagt demnach zum alten Fuch - ſen / Vatter ich will fliegen / du junger Phantaſt / ſetzt hinwi - der der Alte / was ſticht dich vor ein Vorwitz? Vatter / ich will fliegen / wiederholt der kleine Narr: du unbeſunnes Fletſchmaul /ſagt271verehrt das Alter nit.ſagt mehrmahl der Alte / haſt du doch kaum ſoviel Haar am Schweiff / daß du ein A. B. C. Taͤfferl koͤnneſt abſtauben / und willſt dannoch fliegen / wo die Fluͤgel nehmen? Vatter / ich will fliegen / umb die Fluͤgel laſſe du dir kein graues Haar wachſen; zwar du biſt ohne das ſchon weiß. Jſt alſo der junge Kehrwiſch da / macht ihme ein paar Fluͤgel von denen Hennen Federn / de - ren ein Menge daſelbſt gelegen / ſteigt auf einen hohen Thurn / ſpringt zum Fenſter hinaus / fliegt / aber gar nit gluͤckſeelig; dann gleich dazumahl ein Haͤchelmacher unterthalb feil gehabt / auf deſſen ſpitzfindige Waar er mit ſolchem Gewalt gefallen / daß ih - me allerſeits das haͤuffige Blut herunter geronnen: worauf der alte Fuchs alſobald gefragt / Buͤrſchel / wie kom̃t dich das Fliegen an? das Fliegen / war die Antwort / hat mich ſchon ſanfft ge - dunckt / aber das Niederſitzen hat der Teuffel geſehen. Geſchicht dir recht / warum willſtu den Alten nit folgen / warum verachteſt du den Rath der Alten / ſo weit verſtaͤndiger als die Junge. Wie offt und manches mahl hat es ſchon mißlungen ein ange - fangnes Werck / wann man den Rath der Alten in Wind ge - ſchlagen? mann findet deſſen ein klares Exempel in Goͤttlicher Heil. Schrifft. Der Koͤnig Roboam wolte ſein Regierung in guten Stand bringen / verſammlet derentwegen die alte Con - ſiliarios und Raths-Herren ſo noch bey ſeinem Herrn Vatter Salomon in groſſem Anſehen geweſen / und traͤgt ihnen eines und das andere vor; weil ſie ihm aber das Placebo nicht geſun - gen / ſo hat er dero weiſen Rathſchlag in Wind geblaſen / und ſich an junge Leuth gehengt / die mit ihme gewachſen / dero unzeitiges Gutachten angehoͤrt und ihren Ausſpruch gefolgt. Aber mein GOTT wie ſchaͤndlich ſteht es / wann das Ey will mehrer wiſſen als die Hennen / wann die Stauden will mehrer gelten als der Baum / wann das Kitzel will hoͤher ſteigen als die Gayß / wanß der Buͤhel will mehrer pochen als der Berg / ꝛc. Wie uͤbel ſteht es / wann die Jugend will witziger ſeyn als das Alter; Roboam hat ihme hierdurch ein ſolche Aufruhr imReich272Judas der Gottloſe GeſellReich verurſachet / daß alles Volck ihme abgefallen / und er in die aͤuſſerſte Noth gerathen. So geht es / wann man denen Alten nit folgt / bey denen doch ein weit groͤſſere Erfahrenheit / als bey denen Jungen. Joannes hat in ſeiner Offenbahrung geſehen bey dem hoͤchſten Thron GOttes vier Thier / die hatten hinten und forn ſehr viel Augen. Die junge Leuth haben nur vornher Augen / ſehen wol etwas / aber nit gar weit hinaus / die Alte aber haben auch auf dem Rucken Augen / ſchauen und den - cken zuruck / was und wie es vor dieſem geſchehen / und in ſolcher Geſtalten iſt ihr Rathſchlag und Vortrag weit feſter als der Jungen.

Leontius ein Biſchoff zu Antiochia war ein abgeſagter Feind der Arrianiſchen Ketzerey; weil er nun gantz alt und Schnee - weiß ware / und bißhero mit Apoſtoliſchen Eyffer und un - ermatter Wachtſamkeit beſagte Kirchen beſtens verfochten / ſo hat er doch kuͤnfftige Gefahren nach ſeinen Tod / und weit aus - ſehende Anſtoͤß ſehr weißlich vorgeſehen; dahero einmal die Hand auf ſeinen alten Kopff gelegt / und anbey ſich hoͤren laſſen / wann dieſer Schnee einmal zergehet / ſo wird es ein groſſes Koth abge - ben: Hac nive linquefactâ, multum erit luti, als wolt er ſpre - chen / wann er einmahl werde die Augen zutrucken / und mit Todt abgehen / da werde die Sach in ſchlechten Stand gerathen.

Wie offt hoͤrt man reden / wie vielfaͤltig iſt der Diſcurs / ſeit - hero der alte Herr geſtorben / ſeithero die alte Frau nicht mehr / lebt / da gehet es ſehr ſchlecht und unordentlich her / der Schnee iſt zergangen / jetzt ſicht man das Koth haͤuffig; von der Zeit / da die Junge beym Breth ſitzen / hat ſich alles verkehrt / wañ der alte Herr ſolte wiederumb auferſtehen / er thaͤt ſich fuͤrwahr nit mehr erkennen / es ſeynd halt junge Leuth / die verſtehen es noch nit / ꝛc. Freylich wol iſt das Alter verſtaͤndiger / als die Jugend: die Alt - Stadt zu Prag gilt mehrer als die neue. Vor dieſem muſten die alte Leuth die Richter-Stell vertrettẽ / und bey gemeiner Stadt -Pforten273verehrt das Alter nit.Pforten ſitzen / uͤber aller Sachen Beſchaffenheit urthlen / undDeut. 22. den Schluß fehlen. Ein alter Schiffmann ſcheitert nicht ſo leicht als ein Junger. Jonathas hat ſich berathſchlaget mit den Aeltiſten / wie er koͤnne in Juͤdiſchen Land Veſtung bauen. EinMach. 12 alter Both weiß den Weg beſſer als ein Junger. Der Koͤnig Saul hat ſo garden alten Samuel wieder von der andern Welt laſſen zu ſich citiren / damit er koͤnnte recht der Sachen Ausgang erforſchen. Der alte Kalch iſt beſſer und gibt mehrerGen. 24. als der neue: Der Patriarch Abraham hat dem aͤltiſten Die - ner ſeines Haus alles anvertraut. Alte Geigen haben einen beſ -1. Reg. 3. ſern Klang als die neue. GOtt hat wollen / daß der junge Knab Samuel ſolle lernen von dem alten Prieſter Heli. Der Roͤmer Macht und allherꝛſchende Potenz hat ſich meiſtens geſteuert auf die alte Leuth / ſo im Rath geſeſſen; dahero Sena - tor á Senio den Namen ererbt. Chriſtus der HErꝛ als die e - wige Weisheit ſelbſt hat im zwoͤlfftẽ Jahr ſeines Alters ſich zu Jeruſalem in Tempel begebẽ / daſelbſt unter dẽ aͤltiſtẽ Schꝛifft - Gelehrten ſich eingefunden / und mit dero hoͤchſter Verwunde - rung ſeine Weisheit ſpuͤren laſſẽ; aber nit allein hat er gelehret / ſondern auch zugleich einige Frag vorbracht / damit er der Ju - gend zeige / daß ſie noch allemal von dem Alter koͤnne etwas ler - nen.

Die Sonn / diſes ſtrahlende Him̃els-Liecht / hat ſich auf ein Zeit gaͤntzlich entſchloſſen / zu heyrathen; nachdem auch bereits das Verſprechen vorbey gangen / da wurden alle gehoͤrige An - ſtalten gemacht zu einer pꝛaͤchtigen Hochzeit / in Anſehung / daß diſer Planet der Fuͤrſt iſt aller geſambter Him̃els-Geſtirn; da - hero die Ladſchreiben geſchicktworden / an alle lebendige Ge - ſchoͤpff der Erden / zumahlen ſolche alleſamt deꝛ Soñen-reichen Gnaden und Freygebigkeit genieſſen. Wie unter andern die junge Froͤſch vernom̃en / daß ſie zu der Hochzeit und herrlichen Ehren-Feſt der Soñen eingeladen worden / da waren ſie voller Freuden und Frolocken / ſie kunten kaum den Tag und Zeit er -Pars IV. M mwar -274Judas der Gottloſe Geſellwarten; Allegro, ſprachen ſie untereinander / da werden wir luſtig ſeyn / da werden wir ein gutes Muͤthel haben: Mutter / du muſt uns neue gruͤne Hoſen machen laſſen / da wollen wir dantzen daß ſich alle daruͤber verwundern werden / dann wir hupffen ohne das gern / luſtig / Allegro. O ihr Fratzen! ſprach der alte Froſch / als ihr Mutter zu ihnen / es iſt wol Schein / daß der Verſtand nit vor der Zeit komme / ihr denckt nicht ſo weit hinaus / was Ubel ſolcher Heyrath in kuͤnfftig nach ſich ziehe; ihr ſollt in dem Fall mehrer wainen als lachen. Ge - denckt nur / daß bißhero nur ein Sonn am Himmel geweſen / und ſolche manchen Sommer die Strahlen alſo hitzig von ſich geworffen / daß die mehriſte Lacken / worinn wir uns arme Froͤſch aufhalten / hiervon außgetruͤcknet. Was wird erſt ge - ſchehen / wann die Sonn heyrath und folgſam durch ſolchen Eheſtand mehrer Sonnen herfuͤr kommen.

Es iſt zwar dieſes ein Poeten Gedicht / und will ſich nicht wol ſchicken unter die Heilige Schrifft / ſo oͤffters in dieſer mei - ner Verfaſſung citirt wird; allein zeigt es doch die gruͤndliche und unverfaͤlſchte Warheit / gleichwie aus dem ſchlechten E - ſels-Kinnbacken des Samſons ein klarer Brunn-Quell ge - floſſen. So hat aus ein Raab / ſonſt ein unwerther Galgen - Vogel / gleichwol dem Eliæ ein Brod gebracht; alſo kan eben - falls ein Poetiſche Fabel ein Unterweiſung laiſten. Dieſe Fa - bel zeigt es ſattſam / daß der Verſtand ſelten vor der Zeit kom - me / und daß ſolcher weit reiffer und ausgeſchliffener ſeye bey dem Alter / als bey der Jugend. Gewiß iſt es / daß ein alter Soldat weit erfahrner als ein Junger; darumb ſchlaͤgt es oͤffter nicht gut aus / wann ein Junger den Regiment-Stab fuͤhrt / und ein Alter die Mußqueten traͤgt. Gewiß iſt es / daß ein alter Raths-Herr mehrer verſteht / als ein Junger / darumb ſtehet es mehrmahl nicht wol / wann die Junge den Vorſitz gewinnen / und die Alte bey der Thuͤr ſitzen. Gewiß iſt es / daß ein alter Religios verſtaͤndiger / als deme unlaͤngſt die Kappen an Hals gebracht worden; Dahero nicht ſelten ein ſchlechteRegie -275verehrt das Alter nicht.Regierung / wann ein Junger / ſo gleich einem neuen Wein - Moſt noch nicht vergiehret / zum Ambt erhoben wird / und der Alte auf die Seiten geſetzt wird.

GOtt der Allmaͤchtige / wie er geſehen die weiſſe Haar auf dem Haupt Joſue / hat alſo zu ihme geſprochen / Nunc, quia ſe - nuiſti, &c. weil du nunmehr alt und betagt / ſo theile das Land aus unter die Stammen / ꝛc. als wolt er ſagen / du haſt zwar das Land erobert / da du noch bey jungen Jahren geweſt / anjetzo aber / weil du bereit alt worden / theile das Land aus / worzu einJoſ. 13. 1. groſſer Verſtand erfordert wird / welchen du vorher nicht ge - habt haſt. So iſt demnach das Alter zu verehren / weil es ein groͤſſe Erfahrenheit hat / als die Jugend.

Es hat noch allemal der gerechte GOtt den Muthwillen der jungen Leut geſtrafft / wann ſelbige das lieb Alter entuneh - ret haben; wie dann ſolches klar zu erſehen in dem 4. Buch der Koͤnigin. Als der alte betagte Mann GOttes Eliſæus den Weeg eineſt genommen gegen der Stadt Bethel / da ſeyndc. 2. v. 2[4]. ihme entgegen geloffen zwey und viertzig unerzogene Buben / welche den lieben alten Taͤtl auf allerley Weis ausgehoͤhnet / und geſpoͤttlet: unter andern nennten ſie ihn ein Glatz - kopff / Aſcende Calve, &c. Es wolte aber der Allerhoͤchſte nit zulaſſen / daß ein liebes Alter ſoll beſchimpfft und veracht wer - den; dahero durch ſeine Verhaͤngnuß alſobald zwey wilde Datz - beeren aus dem naͤchſt entlegnen Wald hervor geſprungen / und dieſe muthwillige Spitzbuben ſamentlich in Stucken zer - riſſen. Die uͤppige und all zu freche Jugend iſt bey dieſen un - ſern Zeiten nit um ein Haar beſſer / als obgedachte boͤſe Buben und unerzogene Rauppen / zumalen alles Alter dermaſſen ver - acht wird / daß ein altes Weib faſt keinen andern Titl hoͤret / als du alte Hex / du altes Raabenvieh / du alte Gablfahrerin / du alter Kerwiſch / du alte Runckgunggel / du alte Fechhauben / du alte Zebethkatz / du alte Daͤntlerbutten / du altes Raffelſcheid / du alter Stiffel-Balck / du alter Doppelhacken / du alterM m 2Schim -276Judas der Gottloſe GeſellSchim̃el / du alte Zahnlucken / du alte Huſten / du alte Unhold / du alte Wettermacherin / du alte Falten-Kraͤmerin / ꝛc. ich glaub wol / daß die Juden / als ungebaͤrtige Lotters-Geſellen / dergleichen Wort haben gebraucht / oder wenigſt gedenckt / wie das alte Weibl zum Opffer gangen / und zwey Heller in den Stock gelegt: aber unſer lieber HErr hat ſich alſobald des al - ten Muͤtterl angenommen / und ſelbes mehr gelobt und her - vor geſtriechen / als alle andere.

Zu Coſæ in Luſitania in eine vornehme und ſehr beruͤhmte Kirchfahrt Unſer Lieben Frauen / welche ihren Urſprung ge - nommen von einem alten Weib / ſo da Armuth halber einmal Wald-Holtz zuſammen klaubt / ungefehr aber ihren Haus - Schluͤſſel verlohren / welchen Schaden ſie nicht ein wenig be - dauret / und die Sach der Mutter Gottes beſtens anbefohlen / welche dann alſobald der alten Caͤtherl (dieſes war ihr Name) ſamt der heil. Martha erſchienen / den verlornen Hausſchluͤſ - ſel wiederum eingehaͤndiget / ſo gar ıhr das Holtz helffen zuſam - men ſuchen / und nachmahls mit Beyhuͤlff des alten Muͤttetl ein wuͤſten Brunnen ausgeraumet / und zugleich geoffenbaret / daß ſolches Waſſer durch dero Vorbitt alle Preſten uñ Kranck - heiten werde abwenden und heilen. Das alte Muͤtterl hat die - ſes nach Moͤglichkeit geprediget / und allerſeits lautmehrig ge - macht / aber nichts anders erhalten / als ein Gelaͤchter; ja et - liche wolten / man ſolt die alte Hex und zauberiſche Wahrſage - rin gar in Kotter ſtecken: ja einige waren ſo frech / daß ſie der alten Holtztragerin gar den Scheiter-Hauffen vergoñten. Es ſeynd aber alle dieſelbige / welche das alte Muͤtterl uͤbermaͤſſig geſchimpfft / nicht allein wunderbarlich geſtrafft worden / ſon - dern auch bald hernach groſſe Wunderwerck bey beſagtemVaſcon - cell. l. 5. c. 81. Brunnen geſchehen / daß man gleich eine ſchoͤne Kirchen auf - gericht / und GOtt der HErr das alte Weib in ſolchen Ruhm und Anſehen gebracht / daß ſie von der gantzen Gemein reich - lich ernaͤhret worden: ja es ſchaͤtzte ſich jemand gluͤckſeelig / wañ er nur einen alten Fetzen von der armen Caͤtherl kunte haben.

Wie277verehrt das Alter nit.

Wie der Job bereits hundert Jahr erreicht / und alſo ſchon unter das alte Eiſen gehoͤrt / da hat er von freyen Stucken ſein Leben verglichen mit einẽ Schiff: Meine Tage / ſprach er / ſeynd ſchneller vorbey geloffen / als ein reiten der Both / ſie ſeynd voruͤ - ber gerunnen / wie ein Schiff auf dem Waſſer. Warumb aber / daß der gute Alte ſich einem Schiff vergleichet? Jch glaube / es ſey kein andere Urſach als dieſe; gleichwie ein Schiff viel tragen muß / alſo muͤſſe ein alter Mañ viel uͤbertragen: Nit al - leinallerley Kranckheiten / Schwachheiten / Gebꝛechlichkeiten / ſondern auch allerley Spott und Schimpff von der unbe - dachtſamen Jugend; dañ Juventus und Juvencus ſeynd Na - mens halber etwas befreund / uñ ſeynd beyde muthwillig. Das hat erfahren der H. Jacobus Niſſibenus Biſchoff / welcher auf ein Zeit etliche junge Menſchen bey einem Bach angetroffen / ſo daſelbſt ſich in dem friſchen Waſſer abgekuͤhlet und allerley Muthwillen getrieben / unter andern auch den H. alten Mann mit frechen Augen angeſehen / in unterſchiedliche Schertzwort ausgebrochen / und ſich unverſchambt verlauten laſſen / wañ er nit ein ſo alter Geck waͤre / ſo wolten ſie nit umbſonſt bey ihme anſchantzen: den alten Taͤtl thaͤte ſolcher Muthwillen zu einem billigẽ Raach veranlaſſen / hebt demnach ſeine Augen zu Gott / und bittet umb eine verdiente Straff / ſo da alſobald erfolget; maſſen die junge / ſchoͤne / friſche und wolgeſtalte Toͤchter alſo - bald in uhralte (haͤtte bald geſagt Huralte) Weiber verkehrt worden: Die ſchoͤne gelbe Haar / und dem Gold aͤhnliche Haar in ein alte Schim̃el-Paroquen verwandlet / die Stirn wie ein Hackbredel zerruntzlet / die Wangen wie ein altes Cameel-Le - der verdorren und das gantze Geſicht einer baufaͤlligẽ Waſſer - Crotta gleich woꝛden. Da ſolt jemand gehoͤrt haben das Seuff - tzen diſer ſiebentzig jaͤhrigen alten Weiber: indem ſie uͤber Wil - len den Alt muſten ſingen / ſie kunten ſich nit genug veꝛwundern / daß ihnen ohne gehabten Sorgen die graue Haar gewachſen / ſie wolten ſich vor niemand ſehen laſſen / umb weil ſie in ſo bluͤ -M m 3hender278Judas der Gottloſe Geſell verehrt das Alter nit /hender Jugend in ein ſo veraͤchtliche Spittal-Waar verkeh - ret worden; ſie kunten es nicht faſſen / daß eine friſche Semmel ſo bald kunte verſchimmlen / ſie muſten endlich es fuͤr ein augen - ſcheinliche Straff GOttes annehmen / weil ſie das liebe Alter alſo entunehret. Theodoretus in Philotheo. So laſſe ihm dann ein jeder die Lection, welche GOtt ſelbſt vorgeſchrieben / anbefohlen ſeyn: Coram cano Capite conſurge, & honoraLevit. 19. cap. Perſonam Senis, &c. Du ſolſt vor einem weiſſen Haupt auf - ſtehen / und verehren die Perſon eines Alten.

Judas ſtihlt das Geld aus der Caſſa des Apoſtoliſchen Collegii, und giebt es ſeinem Weib / und Kin - dern.

DEr Heilige Vatter Auguſtinus, Lyranus, Dionyſius Carthuſianus, uñ viel andere mehr ſeynd der Maynung und Auſſag / gleichwie in dem Erſten Buch Meldung geſchehen / daß Judas ſeye verheyrath geweſen / und Weib und Kinder gehabt; weil aber ſelbe etwañ bey geringen Mittlen wa - ren / oder aber er gegen ihnen ein ſo hefftige Lieb getragen / alſo hat er das meiſte / was er Diebiſcher Weiß an ſich gebracht / ſeinem Weib und Kindern angehenget. Dieſer Maynung iſt der gelehrte P. Thomas Le Blanc. in Pſalm. 108. v. 9. art. 4. O! wie viel giebt es dergleichen Judas-Bruͤder? Signore auff Welſch / Domine auff Lateiniſch / Narꝛ auff Teutſch / ich hab mit dir zu reden. Du biſt wie ein Meer / ſo allzeit will mehr / ob es ſchon ſo viel tauſend Jahr alle Fluͤß und Waͤſſer des Erd - Bodens an ſich gezogen / und an ſich geſogen / ſo hat es dannoch noch nit genug; du biſt wie ein Ciſtern / ſo ſich nur mit fremb - den Waſſer bereichet; du biſt wie ein Schwamm / ſo auch des Nechſten Schwaiß und Blut an ſich ziehet; du biſt wie ein Henn / ſo ſich unterſtehet auch auf frembden Miſt zu kratzenund279und giebt es ſeinen Weib und Kindern.und Nahrungs-Mittel zu ſuchen; du biſt wie ein Opffer - Stock / ſo Tag und Nacht das Maul aufreiſt / das Geld zu ſchlicken; du biſt wie ein Krebs / ſo auch dem Nechſten zum groͤ - ſten Schaden umb ſich friſt; du biſt wie ein Dornhecken / die ſo gar ein Heu-oder Stroh Wagen / der vorbey faͤhret / nicht un - geropffter laſt; du biſt wie ein reiſſender Fluß / der auch diebi - ſcher Weiß frembden Grund untergraͤbt / und folgends hınweg zwickt. Du ſchwitzeſt mehr als ein Poſtklepper / du lauffſt mehr als ein Land-Both / du wackeſt mehr als ein Goggel - hahn / du grabſt mehr als ein Maulwurff / du ſambleſt mehr als ein Omeiß (beſſer geredet) du ſtihlſt mehr als ein Raab: Narꝛ / Narra, ſo ſag mir aber zu was Ziel und End du ſol - ches ungerechtes Gut zuſammen raffleſt? darumb antwor - teſt du / darumb / damit Heut oder Morgen / mein Weib und Kinder ein guts Stuͤckel Brod / und ein ehrliche Unterhaltung haben. O bethoͤrter Tropff! du irreſt weit / du muſt wiſſen / daß du ſolcher Geſtalten deinem Weib und Kindern das Brod vom Maul wegnehmeſt; dann das ungerechte Gut / hat bey den Erben kein groͤſſere Beſtaͤndigkeit / als der Butter an der Sonnen.

Die Kinder Jſrael ſeynd wunderbarlicher Weiß in der Wuͤſten von GOtt dem HErrn geſpeiſt worden / und zwar mit dem edleſten Himmel-Brodt oder Manna / welches ſie alle Tag geſammlet / jedoch mit dem Geding / daß ſie uͤber NachtsExod. 16. nichts darvon ſollen aufbehalten: Quidam ex eis, &c. Etli - che aber aus ihnen / verſtehe geitzige Narꝛen / ſeynd ſolchem Gebott nicht nachkommen / ſondern einiges Manna in ge - wiſſe Geſchirꝛ / in Kiſten und Kaͤſten eingeſperꝛt / und aufbe - halten / aber was Nutzen iſt daraus entſproſſen: Scatere - pit vermibus, &c. Es iſt alles verfault geweſt / ſtinckend wor - den / und voller Wuͤrm. Da ſehe einer / was unrecht aufge - hebt wird / das verdirbt / das kan man nicht genieſſen.

Sigismundus Ignatius von Reichershauſen / Herꝛ zu Furtenberg und Diebing / ꝛc. Jſt mit denen Unterthanen umb -gan -280Judas ſtihlt das Geld aus der Caſſa. gangen wie der Bauer mit den Feldern / hat ein Kaͤyſerlichen Dienſt gehabt / aber der Caſſa oͤffter Antimoni eingeben / und erbaͤrmlich dieſelbe purgiert / ſein beſter Wirthſchaffter oder Haus-Verwalter / hat der Modus geheiſſen / der kan ſich in al - le Sachen ſchicken / wie ein Schampedeſi-Hut / der kan und weiß â parte etwas zu gewinnen; von à parte kommen die Partiten her ꝛc. Dieſer iſt geſtorben / und hat der Frau / wie auch denen Kindern ein großmaͤchtige Baarſchafft hinterlaſ - ſen; ein ſolche Menge der Ducaten / daß man dem Taͤchel zu Jnſprugg kunte einen Bruder ausſtaffiren / Hauß und Hof ſo voll mit ſtattlichen Mobilien / daß man die Archen Noe haͤtte koͤnnen mit ausfuͤllen. Es iſt aber kaum drey Jahr angeſtan - den / da iſt aus der Menge ein Maͤngel worden / da iſt das Haus zu einem Aus worden / da iſt der Beutel ſo eitel worden / daß jetzunder die Wittib als ein Hausarme die Prediger plagt / ſie ſollen ein gewiſſe nothleydende Perſohn verkuͤnden / die Zuhoͤ - rer umb eine Chriſtliche Beyſteur ermahnen / das Geld nur in Weyhbruñ-Kaͤſſel legen / ꝛc. Und zwar gar Beſcheid / damit es der Teuffel auch nicht hole / gleich wie das andere / ꝛc. Ein Sohn dieſes reichen Herrn hat in wenig Wochen das Seinige ver - ſpielt / und zu Carthago im Spital geſtorben; der andere iſt Meßner worden / GOtt gebe / daß ihme nicht ein anderer Strick zu Theil wird: Die Tochter zieht herumb / und ſchaͤtz - te ihrs ein abſonderliches Gluͤck / wann ſie koͤnte ein Maußfal - len-Cramer heyrathen / dann ſie des Specknaſchen ſchon ge - wohnt / ꝛc. O mein GOtt / und mein HErꝛ! wo iſt dann ſo groſſes Haab und Gut ſo bald hinkommen? wohin?

Frag nicht / verwundere dich nicht / Scatere cœpit vermi - bus, &c. Was unrecht aufbehalten wird / das verdirbt / wie das Maña der Jſraeliter. Ein ungerechtes Manna / ein unge - rechter Mam̃on gehet zu Grund offt uͤber Nacht / es bekombt Fluͤgel / und fliegt aus / niemand weiß / wohin? es entwiſcht und ſchlipffert aus / wie ein Aal-Fiſch aus den Haͤnden; es verdorret uñ gantz gaͤh / wie die Kuͤrbes-Blaͤtter des Jonæ; es verſchwindwie281und gibt es ſeinem Weib und Kindern.wie das Queck ſilber / oder Gehweck. Silber / im Feuer; einge - meiner Bach bereicht ſich zuweilen mit frembden Waſſer / ſo er bey groſſem Regen-Wetter an ſich bekombt / aber verliehrts bald widerum; der Mond-Schein ſtihlt das Liecht von der Soñen / pralt aber ein kurtze Zeit mit dem Schein / und wird bald widerum gantz mager / wie ein Sigel. Ein manicher ſchabt durch Wucher und Ungewiſſen vil Gelt zuſam̃en / ver - laſt ſelbiges denen lachenden Erben / aber diſe genieſſen es ein kurtze Zeit / nachmal verſchwindet alles / und nim̃t noch den ge - rechten Pfenning mit ſich; gleichwie ein alter fauler Baum / ſo im Wald von groſſem Sturmwind um geworffen wird / auch mit ſich einen gruͤnen jungen Stammen zu Boden ſchlagt.

Der Achen hat durch Gewiſſenloſen Vorthl / und unzu - laͤſſige Weiß die Seinige wollen bereichen / und alſo ſeinem Hauß uͤber ſich helffen / aber nit allein umb all das Seinige kommen / ſondern iſt noch mit der gantzen Freundſchafft inJoſue 7. Aſchen aufgangen und im Feuer verbrennt worden / der in Stehlen und Rauben nit gefeyrt hat.

Der Saul hat wider den ausdrucklichen Befelch des Sa - muel ſehr ſtattlichen Raub von denen Amalecitern an ſich ge - bracht / und geglaubt / durch ſolche Mittel / ob ſchon unzulaͤſſi -1. Reg. c. 5. ge / ſein gantze Freundſchafft reich und maͤchtig zu machen: er hat aber hierdurch ſich und die Seinige in das aͤuſſerſte Ver - derben geſtuͤrtzt.

Der Achab hat einen einigen Weingarten durch Unbil - lichkeit dem Naboth abgetruckt; es iſt ihm aber der Wein / ſo darinn gewachſen / zu einem ſolchen ſcharpffen Eſſig worden / daß er ihme nit allein das Leben abgefreſſen / ſondern ein ſolche4. Reg. c. 10. Cholica oder Reiſſen unter ſeinigen ſiebentzig Kinder verur - ſacht / daß ſie alle / und das Jhrige alles inner 15. Jahren der - geſtalten verzehrt worden / daß nit ein Vetter weder Fetzen mehr uͤbergeblieben.

Ein Weib hat ſich auf ein Zeit auch unterſtanden nebenPars IV. N nandern282Judas ſtihlt das Gelt aus der CaſſaIn act. SS. Febr. to. 1. Boll. andern Kirchfaͤhrten dem Heil. Venantio ein ſchoͤnes / wolge - arbeites Schaaf-Fell zu opffern; aber als ſie ſolches wolt auff den Altar legen / da iſt Augenblicklich alle Woll verſchwunden / und das Fell einem kahlen Pergament gleich geſehen: woruͤber ſie offentlich bekennt / daß ſie ſolches Laͤmbl / worvon das Fell geweſen / entfrembt hette.

Ein geſtohlne Woll verſchwindet / das mercke ein jeder. Ein mancher ſchart und ſpart vil Gut und Gelt zuſammen / welches er dem Nechſten durch allerley ungerechte Griffel ab - getragen / und glaubt / es werde ſein Weib und Kinder hiervon wol ſtehen / wol leben / ſich wol erhalten: aber ich verſichere ihn / daß diſes Wol / wie die obige Wol unverhofft verſchwin - de; dann ein ungerechtes Gut pflegt durchzugehen / wie der Maul-Eſel deß Abſolons. Das Woͤrtl Manſſen hat zweyer - ley Außdeutung. Mauſſen haiſt ſo vil als ſtehlen / ſo will auch Mauſſen ſo vil ſagen / als die Federn verlihren / und gleichſam bloß werden / wie man ins Gemein zu reden pfleget / die Hen - nen mauſt / der Vogel mauſt / ꝛc. Wer auff die erſte Weiß mau - ſen thut / und ungerechtes Gutan ſich bringt / der iſt ſchon ver - gewiſt / daß er auch ebenfalls auff die andere Weiß mauſen muß / wo nicht er / wenigſt ſeine Erben / ſo da wunderbarlicher Weiß umb das Jhrige kom̃en / und letzlich ſo gar entbloͤſt wer - den / daß ſie mit der Zeit kaum ein Fetzen anzulegen haben. Wir ſehen oͤffter / wir erfahrens taͤglich / wir hoͤren ſo vilmahl / was Guͤter uñ Haabſchſchaften gleichſam Augenbliklichverſchwin - den / wie die Glori auff den Berg Thabor, deſſen aber kein an - dere Urſach / als weil frembdes Gut darbey. Wer nun unge - rechtes Gut und Reichthumb ſeinem Weib und Kindern hin - ter laſſet / der gibt ihnen nichts als ein Vatter / ſondern nimbt ihnen als ein Tyrann und Rauber; dann hierdurch gerathen ſie in die groͤſte Noth / und mainſtens gar am Bẽttel Stab; weil ein ungerechter Pfenning auch einen gerechten Groſchen friſt und verzehrt. Geſetzt aber (welches doch ſelten geſchicht) daß283und giebt es ſeinem Weib und Kindern.daß ein ſolches ungerechtes Gut bey Weib und Kindern und ferners bey Erben des Hauſſes beſtaͤndig verbleibe / und die gan - tze Freundſchafft hier durch in gewuͤnſchten Wolſtand verhar - re. Was hilfft es dich / der bethoͤrter Tropff! wann es ihnen wol gehet / du aber deſſentwegen ewig / merck es doch umb Got - tes Willen / ewig in der Hoͤll brinnen und braten muſt? Jſt es dir dañ ein Troſt / wann dein hinterlaſſenes Weib in einer herꝛ - lichen Behauſſung wohnt / du aber in den hoͤlliſchen Kercker an gantz gluͤende Eiſen und Ketten angefeßlet biſt? iſt es dir dann ein Erquickung / wann deine Soͤhn ein ſtattliches Panquet um das andere halten / und das mit Unrecht von dir erſparte Gelt verſchwenderiſch anbringen / du aber mit zerlaſſenen Pech dei - nen Schlund muſt laſſen durchbrennen? hilfft es dich dann / wann dein Tochter Gelt halber zu dinem vornehmen Heyrath gelangt / und an jetzt ein Gnaͤdige Frauworden / dir aber der - mahlen die Gnad GOttes auff ewig verſagt iſt? bringt es dann dir eine Freud / wann Weib und Kinder im beſten zeitlichen Wolſtand ſeyn / du aber ewig / ewig verlohren? O Narren / die Weib und Kind halber zum Teuffel fahren!

Deß Tyranniſchen Kayfers Nero Frau Mutter / auß an - gebohrnem Ehrgeitz hette ſo gern moͤgen ſehen / das ihr Sohn Nero, als Kayſer zu Rom kunte herꝛſchen / derenthalben hat ſie auch die Chaldæiſche Wahrſager umb Rath gefragt / wie daß ihr Sohn zu diſer hoͤchſten Dignitet werde gelangen / aber ſie werde von ihme ermordet werden. Worauff Agrippina (ſo war ihr Nahmen) alſobald in diſe Wort außgebrochen: Occi - det, dummodò imperet. Laſſe gefchehen / laſſe ermorden / wann er nur promoviert wird. O elende Agrippina! dazu - mahl ſeynd dir andere Gedancken eingefallen / ja du biſt ſo gar in ein unſinnigen Zorn außgefahren / wie er dir den blutigen Todt hat angekuͤndet.

Herr / ihr muͤſt es mir vergeben / daß ich etwas zu offenher - tzig mit euch rede: das Gelt / welches ihr mit Wucher / mitN n 2Dieb -284Judas ſtihlt das Gelt aus der CaſſaDiebſtall / mit Betrug zuſammen ſcharꝛt / das wird zwar ſo vil vermoͤgen / d eur Sohn hoch kom̃e / ein Edelmann / ein Land - mann / ein vornehmer Herꝛ werde / aber ihr fahrt derenthal - ben zum Teuffel. Was hoͤre ich vor ein Antwort? er ſchweigt ſtill / verharꝛet aber zugleich in voriger Boßheit / gibt das ge - ſtohlne Gut nit mehr zuruck; das iſt eben ſo vil / als thaͤte er mit Agrippina ſprechen. Occidat, dummodò imperet: wann nur mein Sohn hoch kom̃t und reich wird / ſoll ich auch derenthal - ben ewig verlohren werden. O unermaͤßliche Thorheit! an - derſt wird man reden / wann man ſchon vertieffer ſitzt in denen ewigen Flammen. Dort wird man vermale deyen die Stund / da ſolche Kinder gebohren / derenthalben ſie in der Hoͤll / ſitzen; man wird vermaledeyen den geringſten Pfenning / den ſie un - gerechter Weiß wegen der Kinder zuſammen gebracht: man wird vermaledeyen den Stand / indem ſie die Kinder mit ſol - chen Mittlen geſtellt haben: man wird vermaledeyen Haab und Gut / ſo ſie denen Kindern hinterlaſſen: man wird verma - ledeyen GOtt und den Himmel ſelbſt / umb weil ſie diſe weniger geacht / als ihre Kinder: man wird vermaledeyen die aigue Seel / weil ſie ſich mehrer befliſſen auf das zeitliche Wolergehen der Kinder / als auf ihr ewiges Hayl.

O! wie recht redet ſolche unbeſonnene Kinder-Narꝛn an / der Apoſtoliſche Mann Salvianus: Solche / ſprich ich / der Kin - der halber verdambt werden. Amate, non obſiſtimus, amate filios veſtros, ſed tamen ſecunde à vocis gradus; ita illos di - ligite, ne vos ipſos odiſſe videamini, inconſultus namque & ſtultus amor eſt alterius memor, ſui immemor. Liebet eure Kinder / wider diſes hat niemand was / liebet ſie / aber euch voran / liebet ſie dergeſtalt / daß ihr euch ſelbſten nithaſſet; dann ein unbedachtſame und thorechte Lieb iſt die jenige / ſo an ande - re gedenckt / und ſeiner ſelbſt vergiſt / ꝛc. Soll dann mehrer ge - legen ſeyn an dem zergaͤnglichen Wolſtand eures Weibs / Kin -der /285und gibt es ſeinem Weib / und Kindern.der / Vettern / oder Befreundten / als an eurer aignen Seel? liebet ſie in GOttes Namen / diſem widerſprich ich nit / aber lie - bet ſie ſolcher geſtalten / daß ihrethalben euer Seel nit in Ver - lurft gehe: ſuchet dero zeitliches Heyl / aber daß euer ewiges nit in die Gefahr komme.

Aber hoͤre / der du in frembden Gut ſteckeſt / wie ein Zwifel in den Haͤuten / und ein ſo hartẽ Magen haſt / daß dich niemand advomitum kan bewegen / damit nur deine Kinder wolſtehen / warum liebeſtu ſie dergeſtalten daß du ihrethalben wilſt ewig verlohren werden / indem ſie dich ſo wenig lieben / ja kaum er - warten koͤñen / bis du die Augen zutruck eſt / und ſie die gewuͤnſch - te Erbſchafft erlangen koͤnnen? Nach dem der Jacob die zwey Schweſtern / nemlich die Lia und Rachel geheyrath / und ſich in dem Hauß des Schwigervatters ein geraume Zeit aufgehal - ten / da wolt er widerumb in ſein liebes Vatterland Chanaan raiſen; voran aber beyde Weiber befragt / ob ſie Luſt haͤtten mit ihme zu gehen? worauf ſie alſobalden geantwortet / ja gar ger - ne; dann unſer Erbs Portion haben wir bereits ſchon empfan - gen / und kuͤnfftiger Zeit nichts mehr zu hoffen / das uͤbrige faͤllt alles auf unſere Bruͤder. Nunquid habemus reſidui aliquidGen. 31. v. 14. in hæreditate Patris noſtri! So / hoͤre ich wol / ihr Krotten / unangeſehen euer Vatter und Mutter alt und betagt / und bey ſolcher Zeit euer Huͤlff und Beyſtand wol vonnoͤthen / ſo verlaſt ihr ſie dannoch; weil ihr nemlich von ihnen nichts mehr zu hof - fen / und das Eur geſchon bekommen? ſo ſihe ich wol / daß ihr eure Eltern nur lieb habt wegen der Erbſchafft? was dann: das iſt gar nichts neues. Aber daß ein Vatter will der Kinder halben zum Teuffel fahren / das iſt etwas neues.

Gantz gemein iſt jene Geſchicht / ſo ſich mit einem reichen Wucherer zugetragen: wie diſer toͤdtlich erkrancket / und bereits kein Hoffnung mehr eines laͤngern Lebens / da hat er alſobald / und zwar gar ſorgfaͤltig ein Teſtament aufgericht / worinn er ſein Weib und Kinder zu Univerſal Erben eingeſetzt. Ein ver - ſtaͤndiger Pater, ſo dazumal gegenwaͤrtig geweſt / hat ihme mitN n 3ernſt -286Judas ſtihlt das Geld aus der Caſſaernſtlichen Worten eingerathen / er ſolle ſein Seel und Seelig - keit in Obacht nem̃en / und vilmehr im Teſtament verſchaffen / damit das ungerechte Gut moͤchte erſtattet / und zuruck geben weꝛden den jenigen / denẽ ers Gewiſſenloß abgenom̃en. Wahꝛ iſt es / gab hier auff der reiche Geſell zur Antwort / wahr iſt es / daß hart ſeye die Hoͤll außzuſtehen / aber herentgegen geduncke ihn nit weniger hart / Weib / und Kinder in Armuth zu ſtuͤrtzen; dañ ſo fern alles / was ungerecht / ſolt zuruck gehen / ſo wurde gar ein klein Portion uͤberblieben. Der Pater hielte noch inſtaͤndiger an / diſen irrenden Tropffen auff den rechten Weg zubringen / aber ſein Arbeit und Muͤhe iſt ſo Fruchtloß geweſen / als hette er eine gantze Zeit einen Raaben gewaſchen. Endlich durch deß Paters geheimen und ſchlauen Anſchlag trage der Medicus und Artzt vor / wie das dem guten Herrn noch kunte geholffen werden / wann jemand aus ſeiner nechſter Bluts-Fꝛeundſchafft moͤchte nur ſo lang den Finger uͤber ein Glut heben / biß zwey oder drey Tropffen theten herunter ſchweiſſen / wormit die Bruſt geſchmirt kunte werden / und ſolches diſes das werthe - ſte / und zwar ein unfehlbares Mittel ſeyn des voͤlligen Auff - kom̃ens. Den Geſellen kitzlete noch die Hoffnung eines weite - ren Lebens / und laſt alſobald ſein Weib zu ſich ruffen / bittet ſie beſter maſſen umb diſe Lieb; da behuͤt mich GOtt / ſagt diſe / das mag ich nit / das kan ich nit: er halt ferner bey ſeinen Soͤhnen und Toͤchtern an umb diſe Liebe: ein jedes aber auß ihne ſchuͤtt - lete den Kopff / und nahm den Abſchid. Auff ſolches hat ſich der Pater mit einem ſondern Eyffer und Ernſt zu dem Krancken uñ halb Todten gewendet: da ſehet ihr / elender und ungluͤckſeeli - ger Tropff / ſprach er / eurentwegen wie weder Weib noch Kin - der nur eine viertel Stund ein einigen Finger uͤber das Feur halten / und ihr wolt wegen ihrer mit Leib|und Seel auff ewig in dem hoͤlliſchen Feur brinnen? mit diſer Pedarden hat er endlich das harte Hertz deß reichen Wuchers uͤbergewaͤltiget / daß ſelbiger nicht mehr angeſehen das Blut der Seinigen /ſon -287und gibt es ſeinem Weib / und Kindern.ſondern / das Teſtament gaͤntzlich veraͤndert / einem jeden / den er falſch hintergangen / und umb das ſeinige gebracht / wider be - fridiget / Weib und Kinder aber der Goͤttlichen Voꝛſichtigkeit / von der auch die geringſte Wuͤrml und Kefer ihr Nahrung ha -Specul. Exempl. ben / beſter maͤſſen uͤberlaſſen und anbefohlen.

Geſetzt aber (O unerhoͤrte Thorheit! geſetzt es findet ſich jemand / der alſo in Weib und Kinder verliebt / daß er ihrenthal - ber will ewig verlohren gehen (ich kan das gar nit faſſen) ſo iſt doch diſe kein rechte Vaͤtterliche Lieb / ſondern vilmehr ein un - verantwortliche Grauſamkeit gegen den Seinigen; dann in - dem er dieſelbe als Erben eines ungerechten Guts eingeſetzt / ſo ſetzt er ſich zugleich in die augenſcheinliche Gefahr deß ewigen Verderbens; dañ ſie mit guten Gewiſſen ohne hoͤchſte Belay - digung GOttes ein ſolches nit koͤñen beſitzen / ſondern ſchuldig ſeyn bey Haller und Pfenning zuruck zugeben.

Heꝛab hat es gehaiſſen bey dem Zachæo, herab mit dir vom Baum / ſolcher iſt mit vorbehalten; ich wird einmahl zu Troſt und Hayl der gantzen Welt auff den Creutzbaum ſteigen / her - unter dann mit dir / heut werd ich dein werther Gaſt ſeyn / und die Einkehr bey dir nem̃en. Wie nun Chriſtus dahin gelangt / da ware ſein erſte Red / Hodie, Heut iſt diſem Hauß Hayl wie - derfahren. Warum nennt der Herr das Hauß / warum nicht vilmehr den Hauß-Herrn? diſes iſt gar wol zu mercken / daß nit allein ein groſſes Hayl widerfahren den Zachæo als Hauß - Herrn / der durch die Einkehr Chriſti bekehrt worden / und folgſam das Entfrembte zuruck geben / ſondern auch dem gan - tzen Hauß / Weib / und Kinder; dann ſo fern ſie das ungerechte Gut hetten beſeſſen / ſo waͤre ſie ebner maſſen zum Teuffel gefah - ren. Darum gar recht: Salus huic domo, und nit Domino. Auß allen diſem iſt nur klar abzunehmen / und Handgreiff - lich zuſchlieſſen / daß der jenige Kletzemrucker ein Diocleti - anus ſeye / welcher den Kindern ein ungerechte Haabſchafft hinterlaſſet / maſſen ſolches ihnen ein eigentliche Urfachihres288Judas ſtihlt das Geld aus der Caſſaihres ewigen Verderbens; dann aus tauſend Kindern und Er ben kaum einer anzutreffen / welcher ſich zu der Reſtitution bequembt.

Cantipratanus ſchreibt / daß ein junger Menſch nit lang nach dem Todt ſeines Vatters in eine ſchwere Kranckheit ge - rathen / die von Stund zu Stund dergeſtalten zugenommen / daß man an ſeinem Aufkommen gezweiflet; dahero die nechſto Freund und Anverwandte beſtermaſſen ihn ermahnten / er ſol - le und wolle doch ſeiner Seel nit vergeſſen / und ſich beraiten in die Ewigkeit. Diſes ware dem jungen Blut ein ſo ſchwere wi - derwaͤrtige Zeitung / daß er hieruͤber faſt erſtarꝛet: entſchul - diget ſich endlich / daß er dermahl die H. Sacramenta zu em - pfahen ſich nit allerſeits tauglich befinde / bitte alſo umb ein kleinen Aufſchub. Die Kranckheit aber iſt ſo hefftig gewachſen / daß er von einem Lethargo, oder Schlaffſucht uͤberfallen wor - den / woriñ er gantz Siñloß gelegen. Endlich hebt er ſich gantz gaͤh und unverhofft aus dem Bett auf / reiſſet auf ein abſcheuli - che Weiß die halb feurige Augen auf / ſchreyt mit erſchroͤcklicher Stimm: Juvate, juvate, Helfft / helfft / kom̃t mir zu Huͤlff: dann mein verſtorbner Vatter mit einer groſſen Anzahl der bewaff - neten Teuflen kom̃et / und eilt herzu / mir das Leben zunehmen / umb weil ich in ſeine Laſterhaffte Fußſtapffen getretten / und daß von ihme durch Wucher und Betrug zuſammen gebrachte Gut beſeſſen habe / helfft / helfft. Unterdeſſen bekombt er einen Api - bus l. 7. c. 14. harten Straich / wovon er Augenblicklich todter nidergefallen / und alſo ſambt ſeinem Vatter in den hoͤlliſchen Flammen der Zeit brinnt / und noch ewig brinnen wird. Allmaͤchtiger GOtt! wie werdẽ diſe ewig einander anſchauen? ewig wird es heiſſen / du verfluchter Sohn / wegen deiner lig ich in diſer Peyn / ewig wird zu hoͤren ſeyn / du verfluchter Vatter / durch dich bin ich hieher gerathen / ewig wird es heiſſen / du verfluchtes Kind / es waͤre beſſer geweſſen / ich haͤtte Atter und Schlangen / als dich erzeuget: ewig wird zu hoͤren ſeyn / du verfluchter Vatter / einBlut -291[289]und gibt es ſeinem Weib und Kindern.giriges Tigerthier waͤre mir ein beſſerer Vatter geweſen als du / ewig wird der Vatter als ein biſſiger Hund den Sohn em - pfangen / ewig wird der Sohn als ein reiſſender Wolff mit dem Vatter umbgehen / ꝛc. Nun ſihet man die Thorheit der je - nigen / welche durch Unfug / durch Partiten / durch Wucher / und andere unzulaͤſſige Weiß ihr Weib / und Kinder begehren zubereichen; maſſen ſolches ihnen nit allein die fruͤhzeitige und unverhaffte Schwindſucht der zeitlichen Haabſchafft verur - ſachet / ſondern noch beyderſeits den ewigen Untergang. O Vatter / Vatter! wann das haiſt die Kinder lieben / ſo will ich Panterthier und Crocodill umb Rath fragen.

Es iſt zwar nit ohne / daß ein Vatter ſchuldig und verpflicht ſeye denen Seinigen die moͤgliche Lebens-Mittel zuverſchaf - fen / und ihnen auch nach den Todt etwas zu uͤberlaſſen; dañ al - ſo liſet man in dem Buch Gen. Daß der Jacob ſambt Weib undcap. 30. Kinder von dem Laban hinweg geraiſt / deme er ſo vil Jahr die Haußwirthſchafft getriben / und als ſolches der Laban nit gern geſehen / und lieber mit einem ſolchen treuen Menſchen noch laͤnger waͤre verſehen geweſen; da hat ſich Jacob, wie billig und recht entſchuldiget / wie daß er auch einmahl ſein Haußweſen muͤſte beſtens eınrichten / und zu ſeiner aignen Wirthſchafft ſchauen / damit heut oder Morgen Weib und Kinder ein ehrli - ches Stuͤckel Brod und Auskom̃en moͤchten haben / ꝛc. Juſtum eſt, ut aliquando provideam etiam domui meæ, &c. Das Geſatz der Natur legt es dem Vatter auff / daß er der Kinder nit ſoll vergeſſen / aber laſt es auch einmahl vor allemahl geſagt ſeyn: nur kein ungerechtes Gut / lieber drey Gulden gerecht / als dreyſſig tauſend Gulden ungerecht. Diſes holt der Teixel / jenes ſegne GOtt / der da nichts als gut iſt.

Der Tobias im alten Teſtament hat einen einigen Sohn gehabt / der ware ſein voͤlliger Augapffel dem blinden Mann / nach GOtt iſt ihme nichts liebers noch werthers geweſen als ſein Sohn / aber mit ungerechtem Gut wolt er denſelbẽ kurtzumPars IV. O onit290Judas ſtihlt das Geld aus der Caſſanit berichten; als er / der Vatter einmal nach Hauß kom̃en / und im Stall ein Gaißbock queckitzen gehoͤrt / holla / ſagt der Alte / was iſt das? dann er wuſte nit / daß ſein Weib durch die Arbeit ſolchen verdient / der Gaißbock iſt villeicht entfreınbt worden?Tob. 1. v. 21. wann dem alſo / ſo gebt denſelben geſchwind widerum ſeinen Herꝛn. Videte, ne fortè furtivus ſit, reddite, &c. Als wolte er ſagen / ich moͤchte nit gern einen Strohalm in / und an mei - ner alten Huͤtten haben / der einem andern zugehoͤret / ich will meinem Sohn nit einen geſtumpfften Beſen uͤberlaſſen / der nit mein iſt / ꝛc. O mein lieber Sohn! ſprach er einmahl zu ihm: Pauperem quidem, &c. Wir ſeynd zwar arm / und wann ich auch gute Augen hette / ſo thaͤt mich das Silber und Gold nit blend[e]n; aber ſeye du deſſenthalben nit kleinmuͤthig / das weni - ge was wir haben / ıſt gerecht / und ſo wir anbey werden GOtt foͤrchten / Multa bona habebimus, &c. Da werden die Guͤter nit außbleiben. Der Alte iſt ein Prophet geweſen; dann nit lang hernach der juͤngere Tobias, ſein Sohn / einen ſtattli - chen Heyrath getreffen / wodurch er zu einer uͤberaus groſſer Erbſchafft gelangt. Wie ſegnet doch GOtt einen gerechten Pfenning?

Wolan dann Signore, lieb dein Weib und Kinder / aber nit wie Judas, der das Gelt geſtohlen / diebiſch abgetragen / und ſol - ches den Seinigen angehengt: Liebe Weib und Kinder / aber be - reiche dieſelbige nit mit frembden Gut / wodurch ſie mehr in Ar - muth gerathen: liebe Weib und Kinder / aber ſchlag ihrenthal - ben dein aignes Seelen-Hayl nit in die Schantz: liebe Weib und Kinder / aber laſſe denenſelben kein ungerechten Pfenning / der ſie nachmahls auch in die Verdambnuß ſtuͤrtze: liebe Weib und Kinder / aber gedencke / daß dir das Hemmet naͤher als der Rock / die Seel lieber / als die Blutsverwandſchafft: liebe Weib und Kinder / aber beleidige GOtt den HErꝛn hierdurch nicht: liebe Weib und Kinder / aber verlaſſe ihnen keine unge - rechte Mittel / lieber gar nichts / ſondern GOtt allein zu einemFreund /291und gibt es ſeinem Weib / und Kindern.Freund / der die arme Ruth zu Mittlen gebracht / die arme ver - waiſte Eſther zu Reichthumb erhoben / der kan und wird auch ihr Vatter ſeyn / ſo ihnen das taͤgliche Brod verſchafft.

Die dreyſſig Silberling / umb welche der Iſcarioth Chriſtum den HErrn verrathen / ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.

WJe Judas den gefaͤhlten Sentenz und blutige Urtheil uͤber Chriſtum in dem Palaſt deß Pilati vernom̃en / da hat ihn alſobald das boͤſe Gewiſſen als ein einhaimbi - ſcher Hencker dergeſtalten peiniget / und gleichſam Tiranni - ſcher Weiß gefoltert / daß er gleich einem raſenden und tobendẽ Menſchen uͤber die Gaſſen geloffen / die Hoheprieſter und Fuͤr - ſten der Synagog allenthalben geſucht / und da er die maiſten derſelben im Tempel angetroffen / welche fuͤr die herzunahende Oeſterliche Zeit allegehoͤrige Anſtalten machten / hat er ihnen das empfangene Blut-Gelt wider zuruck geben / und anbey of - fentlich bekennt und außgeſagt / daß JEſus unſchuldig ſeye: in - deme ſie endlich ſolches Gelt gewaiger tanzunem̃en / hat er ſol - ches ihnen fuͤr die Fuͤß geworffen / und nachmals ſich auß dem Augen gemacht / dañ er ſchambte ſich wegen ſolcher unerhoͤrter Laſterthat vor ehrlichen Leuthen / deren doch damahlen wenig waren / zu erſcheinen: die Geiſtliche Herꝛen und Vorſteher der Synagog thaͤten ſich alſobald berathſchlagen / zu was beſagtes Geld moͤcht angewendet werden / haben endlich ſam̃entlich be - ſchloſſen / daß man hiervon einen Acker-ſolle kauffen / wor innen kuͤnfftige Zeit die Frembde moͤchten begraben werden. Diſes waͤre ein ſtattliches Mittel und gluͤckſeeliger Vorſchub gewe - ſen / ſpricht mein Heil. Vatter Auguſtinus, daß ſolche gottloſe Hohe-Priſter hetten leicht koͤnnen zur Goͤttlichen Gnad undO o 2Nach -292Die dreyſſig SilberlingNachlaß der Suͤnden kommen / wann ſie nur haͤtten wollen / Invenit tandemmens cœca remedium. Dann unſerm lieben HErrn faſt nichts werthers und wolgefaͤlligers iſt / als wann man ſich der Todten annimbt / und forderiſt der Abgeſtorbe - nen Chriſtglaubigen ſich erbarmet / welche in jener Welt noch die harte und ſchwaͤre Straff deß Fegfeurs haben außzuſtehen. Jch glaube zwar wol / daß diſe wenige meine Schrifften auch den jenigen unter die Augen kommen / welche das Fegfeur fuͤr ein Æſopiſches Gebaͤu halten; ich waiß mich aber gleichwol zu entſiñen / daß ich ſelbſt vor etlich dreyſſig Jahren zu Ulm einen ehrlichen Mann nach langer Anſprach gefragt / ob ſein Vat - ter noch bey Leben ſeye? der mir aber faſt ſeufftzen der geant - wort mit Nein / ſondern ſein lieber Vatter (troͤſt ihn GOtt) alſo pflegte er zu ſagen / ſeye bereits vor acht halb Jahren mit Todt abgangen; nun gedachte ich bey mir zu was diſer Wunſch (troͤſt ihn GOtt) dienen ſolle; dann ſo er in der ewigen Gluͤck - ſeeligkeit / als dann ſcheint unnoͤthig ihme ſolches zu wuͤnſchen / maſſen er diſe allbereit beſitzt: iſt er aber in der ewigen Ver - dambnuß / ſo iſt der Wunſch ebenfalls Fruchtloß und ohne Nutzen: urtheilet alſo / daß ſolcher loͤbliche Wunſch einen Ur - ſprung muͤſte haben von uralten Zeiten her / da man noch an dem Fegfeur nicht gezweiflet. Zu deſſen beſſeren Liecht ſetze ich anbey diſe groſſe Fackel der Kirchen meinen heiligen Vatter Auguſtinum, deſſen feuriges Hertz jederzeit ein hertzli - ches Mitleiden getragen gegen den armen Seelen im Fegfeur.

Ciet293ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.

Ciet extincta tumultum.

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NImiæ impudentiæ eſt, negare animas interdum ad nos redire, Deo jubente vel permittente, habemus enim Teſtimonium gra - viſſimorum Autorum. lib. de cura pro Mort. Pag. 15.

Es ſpricht unſer Heil. Vatter Auguſtinus: Daß jemand ſehr frech und unverſchambt ſeye / der da laugnen darff / daß bißweilen die Seelen durch Befehl oder Zulaſſung GOttes widerumb zu uns kommen / und uns erſcheinen koͤnnen / zumahlen ſolches von den bewertheften Lehrer beſtaͤttiget wird.

ES iſt zwar nicht ohne / daß bey dergleichen Erſcheinun - gen gar offt vil Betrug unterlauffe / entweders durch dẽ boͤſen Feind / welcher den Tuͤck und Argliſt / womit er Anfangs die Eva uͤberfortlet / noch im̃erfort bey den unbehut - ſamen Adams-Kindern ſpuͤhren laſt / oder aber durch ſchlimme und vermeſſene Leuth / welche unter dem Schein der Erſchei - nungẽ nicht ſelten einige Boßheit ſuchen oder vermentlẽ / ſo ge - ſchicht auch offt daß unſer einbilderiſche Phantaſeyen / oder ſchwache und verwirrte Sinn / bißweilen ſeine Geiſt-Erſchei - nungen von freyen Stucken ihnen ſelbſt ſchnitzlen; dergleichen geſchicht in einer ſolchen Menge / daß man gantze Buͤcher koͤn - te damit anfuͤllẽ: Es hat unlaͤngſt ein ſolcher eingebildter Geiſt etichel Leut auß der Stubẽ hinauß dergeſtalten gejagt / daß ei -O o 3ner294Die dreyſſig Silberlingner uͤber dẽ andeꝛn trippelweiß uͤber die Stiegẽ hinunteꝛ gefal - len / und als man hernach die Sach weiters erwegt / und beſſer nachgeſucht / ſo war der Geiſt nichts anders als ein gebratner Apffel in dem Ofen-Rohr / ſo wegen der Hitz angefangen zu feufftzen und zu pfeiffen. Unangeſehen / viler ſolcher Phanta - ſtiſchen Einbildungen / oder andern frechen Bubenſtuͤck / wor - durch zuweilen vermeſſene Leuth andere ſuchen zu erſchroͤcken / das zu ihrem boͤſen Vortheil zugebrauchen / kan ohne groſſe Thorheit nicht widerſprochen werden / daß nit mehrmal der - gleichen warhaffte Eeſcheinungen der Geiſter ſich begeben.

Kayſer Ferdinandus, ſeeligſter Gedaͤchtnuß / hatte ſtets bey ſich / und umb ſich einen geheimen Secretari, deme ſeine Ma - jeſtaͤt als einem allertreueſten Diener alles anvertrauet / nach - deme ſolcher auch die Schuld der Natur bezahlet / und durch den zeitlichen Hintritt in die Ewigkeit paſſiret / iſt er nit lang hernach dem Kayſer / als ſeinem zuvor aller gnaͤdigſten Herꝛn gantz ſichtbarlich erſchienen / welchen dann der fromme Kayſer mit unerſchrockenem Gemuͤth angeredet und umb die Urſach ſeiner Ankunfft aus jener Welt befraget / weil aber hieruͤber keine Antwort erfolget / ſondern an ſtatt deß der Geiſt Jhro Majeſtaͤt ſeine Hand dargereicht / welche der unerſchrockene Monarch auch nit gewaigert / aber wegen uͤbermaͤſſigen Hitze ſeine Hand alſobald muſte zuruck ziehen / worauff auch der GeiſtJoh. Nic. Ex. 154. verſchwunden / und nit mehr nachmals eꝛſchinen / weil der mild - hertzigſte Kayſer ſehr vil heilige Meſſen fuͤr ihn hatte leſen laſſen.

Nachdeme der Heil. Eliſabeth einer Koͤniglichen Tochter in Ungarn / ihr Frau Mutter mit Todt abgangen / iſt ſie ein - mahlen bey der Nacht beſagter ihrer Tochter in ſchwartzem Aufzug / und betruͤbtem Angeſicht erſchinen / ſich zu dero Fuͤſſen geworffen / liebſte Tochter ſprach ſie / ſeufftzte ſie: ich beſchwoͤre bich / daß du mit deiner betrangten Mutter wolleſt eın Mitley - den tragen / dann ich leyde unermaͤßliche Qualen und Tormen - ten in dem Fegfeuer / dieweil ich etlichmal lau und nachlaͤſſiggewe -295ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.geweſen in dem Dienſt Gottes! O Tochter! O Tochter! ich klopffe mehrmahl an die Portẽ deiner Barmhertzigkeit ich bitt / ıch bitt / ich bitt / ꝛc. Wie nun die H. Eliſabeth hieruͤber ſich zu dem Gebett begeben / und mit vilen untermaͤngten Zaͤhren / mit tieffen Hertzen-Seufftzer die Goͤttliche Milte umb ErloͤſungJacob. Mont. in Vit. cap. 23, ihrer Frau Mutter erſucht / iſt ſie nit lang hernach in ein ſanff - tes Schlaͤffel gerathen / woriñ ſie geſehen / daß ihr liebſte Mut - ter / vermoͤg ihres Gebetts / gantz frolockend aus ſolchem feu - rigen Kercker in ewige Seeligkeit uͤbertragen worden.

Unzahlbare ſolcher Erſcheinungen findt man ſchier in al - len Buͤchern / ja es ſtreicht mehrmahl nicht ein Jahr vorbey / in welchem nicht da und dort dergleichen Begebenheiten ſich ereignen / allein begegnet hierinfalls eine Beſchwaͤrnuß und harte Frag / wie und was Geſtalten man erkennen kan / ob ſo - thane Erſcheinung warhafftig ſey / oder aber grundloß / und mit Spiegelfechterey gefuͤttert.

Wann erſtlich die Perſon / ſo dergleichen Erſcheinung vorgibt / einen frommen und unſtraͤfflichen Wandel fuͤhret / ſo muß man doch dero Erzehlungen ein willkuͤriges Ohr ver - gonnen / und ihre Wort nicht gleich in Wind ſchlagen.

Wann nachmahls ein ſolche Perſon hindurch kein |Inter - eſſe, oder zeitlichen Gewinn ſuchet; dann gar offt ein gemeine Dienſtmagd mit ſolchen Erſcheinungen auffzieht / dadurch bey ihrer Herrſchafft beſſer in Gnaden zukommen / und fol - gends mehrer belohnt zu werden.

Wañ das Begehren deß Geiſts in billigen Sachen beſte - het / und nicht einige Andachten unter miſcht / worinnen vil A - berglauben ſich anhaͤnckt / wie nicht unlaͤngſt ein Geiſt ſoll be - gert haben / man ſolle ſeinetwegen / biß nacher Alten-Oettin - gen Wallfahrten gehen / aber mit ſolchen Schuchen / mit de - nen man niemal uͤber ein Freydhoff / oder Gottsacker gangen.

Wann der Geiſt erſcheinet in Menſchlicher Geſtalt / und nicht in Geſtalt der wilden Thier / als Katzen / Hund / Beeren /Woͤlff396[296]Die dreyſſig SilberlingWoͤlff oder andern Beſtien / maſſen ſolche Erſcheinungen mehr dem boͤſen Feind / als den guten Geiſtern zugemeſſen.

Wañ der Geiſt kein Scheuen tragt ob dem heiligen Creutz - Zeichen / an dem ſuͤſſeſten Namen JEſu und Maria / heiligen Reliquien / Walhwaſſer / Agnus DEI, &c.

Wann der Geiſt zufriden iſt mit dem / was er Anfangs be - gehrt / und allbereith fuͤr ihn ſchon verricht worden / dann ſo fern er nach Abſtattung der verlangten guten Wercken noch fernere Ungelegenheit im Hauß / und der Perſon machet / kan dißfalls gar leicht ein Betrug und Falſchheit des boͤſen Feinds / oder auch der Perſon vermuthet werden.

Wann endlich der Erſcheinung des Geiſts Anfangs ei - nen Schroͤcken verurſachet / und ſich der Natur darob erſtlich entſetzt / nach gehends aber ein ſonder Hertzens-Troſt entſteht / ſo ſcheint es ein gewiſſes Kennzeichen eines guten Geiſt / der da Huͤlff ſucht zu ſeiner Erloͤſung: ſoll aber der Geiſt zu Anfang das Gemuͤth mit Troſt erfuͤllen / zuletzt aber Angſt / Forcht / und allerley Entruͤſtungen verurſachen / ſo kan man gar leicht abnehmen / diſes ſey ein boͤſer Geiſt / und zwar nicht allemahl ein verdambte Seel / ſondern mainſtens der boͤſe Feind / und Sathan ſelbſt / welcher vil Oerther ſolcher Geſtalt aus Goͤttli - cher Verhaͤngnuß pflegt zu beunruhigen.

Rathſam und heylſam iſt es / ſo offt man naͤchtlicher Weil ein unnatuͤrlich Getoͤß oder Klopffen ſpuͤhren thut / wie ich es ſelbſt erfahren / da in Gegenwarth meiner und eines andern Geſpan / eine unſichtbare Hand alle groſſe eyſene Leuchter zur Metten-Zeit / in dem Chor ordentlich an ihr Ort geſtellt / ꝛc. Gut iſt es / daß man bey dergleichen Zufaͤll ohne weitern Ver - zug das heilige Gebett ergreifft / und ſolches GOtt dem All - maͤchtigen aufopfferte fuͤr jene Seel / ſo da aus Zulaſſung Got - tes auff ſolch Weiß Huͤlff verlangt / wie dann wir auch gethan vor den Pater, ſo deß vorigen Tags mit Tod abgangen.

Gleichwie auch in der Charwochen nach Ausloͤſchung derKertzen297ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.Kertzen auff dem dreyeckigten Leuchter / pflegt ein Getoͤß und Schlagen zu geſchehen / worvon die Metten den Nahmen ſchoͤpffet die Pumper Metten / alſo geſchichts mehrmahlen / wann unſer Freund und Anverwandten mit-Todt / abgehen / und gleichſam wie die Kertzen außloͤſchen / daß nachmahls im Haus ein Tumult zuweilen geſpuͤhrt wird / welches meiſtens dahin deutet / daß wir ihnen in jener Welt ſollen ein Huͤlff leiſten.

Non niſi Spicula torquet.

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HIc ignis, etſi non ſit æternus, miro tamen modo gravis eſt, ſu - petat enim omnem pœnam, quam homo unquam paſſus eſt in hac vita, vel pati poteſt.

Es ſpricht der H. Vatter Auguſtinus, daß jenes Feur / ob es ſchon nicht ewig / doch auff ein wunderliche Weiß ſchwer ſey / ja es uͤbertreffe alle Peyn und Marter / die ein Menſch aufder Welt einmahl gelitten hat / oder leyden kan. S. P. Auguſtinus Serm. de igne purgat.

NAch deme Jonas ſein Buß-Predig zu Ninive vollendet / begab er ſich auß der Stadt hinauß / und ſetzte ſich un - weit derſelben auf einen Huͤgel / den Außgang zu er - warten / was doch der Stadt moͤchte widerfahren / machte ihm auch anbey ein kleine Lauber-Huͤtten / damit ihm die Sonnen-Hitze nicht ſo hart koͤnte zuſetzen / auch lieſe der all -Pars IV. P pmaͤchti -298Die dreyſſig Silberlingallmaͤchtige GOtt ein Kuͤrbes auffwachſen / deſſen groſſe brai - te Blaͤtter dem Propheten einen angenehmen Schatten ge - macht / woruͤber er ſich nicht ein wenig gefreut / aber ſolche Be - gnuͤgung hatte ein kleinen Beſtand / maſſen auß Befehl deß allerhoͤchſten in aller Fruͤhe / noch vor Auffgang der Morgen - roͤth ein kleines Wuͤrmel den Kuͤrbes zerbiſſen / worauff er alſo - bald verdorret / und nachmahls den brennenden Sonnen - Strahlen freyen Paß auff das Haupt deß Propheten geben / welches ihme ſo groſſen Verdruß verurſachet / daß er vor lauter Zorn und Ungedult ſich gegen GOtt nicht ein wenig beklagt / ja ſo gar ohne Scheu ſich hoͤren laſſen / daß er auff ſolche Weiß lieber todt als lebendig wolle ſeyn.

Ey du ungedultiger Jonas! ſo kanſt du nicht leyden kleine Sonnen-Hitz? ſo machen die Sonnen-Strahlen ſo groſſe Qualen? aber du biſt nicht allein ſo haicklich / deines gleichen find man / ſicht man / hoͤrt man unzahlbahre Adams-Kinder / welche die allergeringſte Hitze nicht koͤnnen außſtehen / wann ſie von einem einigen Tropffen Pettſchierwax getroffen wer - den / ſo muß das auwe hundert und neun und neuntzigmal wi - derholt / wann ſie nur mit bloſſen Haͤnden ein Liecht butzen / ſo ſchnellen ſie mit den Fingern / als haͤtten ſie den Feurſpeyen - den Berg Ætna in den Buſen griffen / wann ſie mit einem heiſ - ſen Leffel Suppen das Maul verbrennen / ſo jammern und la - mentiren ſie / daß auch die Augen derentwegen / in die Schwem̃ reiten / O GOtt! O Himmel! wie wird euch dann das Feg - feur ankommen / gegen deſſen Schmertzen / alle Pein der Welt nur fuͤr ein Schertzen zu halten.

Ein Truck unter der Preß ſagt / ich leyde; ein Haar oder Flachs durch die Haͤchel / ſagt / ich leyde; ein Amboß unter dem Hammer ſagt / ich leyde; ein Brett unter dem Hobel fagt / ich leyde; ein Weyrauch auff der Glut ſagt / ich leyde; eın Bra - tẽ an dem Spieß ſagt / ich leyde; ein Erd unter dem Pflug ſagt / ich leyde; ein Traidkoͤrnel unter dem Muͤhl-Stein ſagt / ichleyde;299ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.leyde; ein jeder Menſch / ſo geplagt wird / ſagt / ich leyde / ich ley - de: Aber hoͤrt ein wenig / macht die Ohren auff / wañ man euch ſagt / daß all euer Leyden nur Fꝛeuden ſeyn gegen dem Fegfeur.

Laß dir mit gluͤenden Pfrimen außſtechen die Augen / diſe glaͤſerne Kuppler; laß dir mit gluͤenden Meſſer abſchneyden die Naſen / diſer pollierten Rauchfang; laß dir mit gluͤender Schaͤr abſchneyden die Ohren / diſe zwey Audienz-Zimmer; laß dir mit gluͤenden Schnitzer außſchneyden die Zung / diſen ſo kuͤnſtlichen Sprachmeiſter; laß dir mit gluͤendem Zangen außbrechen die Zaͤhn / die helffenbainene Zuſchroder; laß dir mit gluͤendem Beyl abhauen die Finger / die ſo ſpitzfindige Kuͤnſtler; laß dir mit gluͤenden Stemmeiſen abhacken die Ze - hen / diſen ſo ſteiffen Fußboden; laß dir mit gluͤendem Scher - meſſer Riemen ſchneyden auß ger gantzen Haut / auß diſem ſo haicklichen Uberzug / ſo iſt doch alles diſes / nur ein Schatten mehr nicht als ein Schatten / weiter nichts als ein Schatten gegen der mindeſten Peyn im Fegfeuer.

Alles auwe wegen deß Augenweh / alles auwe wegen deß Zahnweh / alles auwe wegen deß Halsweh alles auwe wegen deß Bruſtweh / alles auwe wegen deß Ruckenweh / alles auwe wegen deß Seitenweh / alles auwe wegen deß Hertzweh / alles auwe wegen deß Miltzweh / alles auwe / ſo der Menſch am Leib / im Leib / umb dem Leib erlitten hat / und noch leydet / und fer - ners leyden wird / iſt / iſt / iſt / was? iſt nur ein Einbildung / ein Gedicht / nur ein gemahltes Weſen gegen dem Fegfeur.

Wie iſt dir Jeremias geweſen in der Gruben? uͤbel / das glaubt man. Wie iſt dir Joſeph geweſen in der Gefaͤngnuß? uͤbel / das glaubt man. Wie ıſt euch Burgern geweſen in der Brunſt zu Sodoma, und Comora? úbel / das glaubt man. Wie iſt der Achan geweſẽ unter dem Stainhauffen? uͤbel / das glaubt man. Wie iſt dir Abſalon geweſen an dem Aichbaum? uͤbel / das glaubt man. Wie iſt dir Samſon geweſt / da du an Haͤnd und Fuͤß gebunden worden? uͤbel / das glaubt man. WieP p 2iſt300Die dreyſſig Silberlingiſt euch armen Seelen in Fegfeur? uͤbel / uͤbel! Aber das will kein Menſch glauben / und kans kein Menſch glauben / O GOTT!

Die Coſtnitzer Chronic regiſtriert ein wunderſeltzame Geſchicht / ſo ſich nach Chriſti Geburth Anno 1134. ſoll zuge - tragen haben. Herꝛ Albrecht Freyherꝛ von Zimmern bedien - te mehrmals den Hoff deß Herzogs Friderich in Schwaben / einsmahls begleitete er den Hertzog / ſambt dem Fuͤrſtlichen Hoff biß nacher Monheimb zu dem Graffen Ehringer / allwo neben andern Luſtbarkeiten auch eine Jagt wurde angeſtelt / maiſtens darumb / weil in dem nechſt entlegenen Wald von vielen Jahren her / ein Hirſch von einer ungeheuren Groͤſſe / ſo aber niemahl von den Jegern konte erdappt werden. Als nun der Fuͤrſt mit dem haͤuffigen Adel in wuͤrcklicher Jagt begriffen / und Herꝛ Albrecht von Zimmern hirein nit der min - deſte ſeyn wolt / hat ſich ungefehr zugetragen / in dem beſagter Cavalier auff die Seiten in etwas gerıtten / daß ihme der groſ - ſe Hiꝛſch unter die Augen kommen / dem er mit allem Eyffer und moͤglichſten Fleiß nach geſetzt / dergeſtalten / daß er ſich von der Hoff-Statt gaͤntzlich verlohren / und als er vermainte den Hirſchen ſchon zu haben / da iſt an ſtatt deſſen ein groſſer Mann vor ihm geſtanden / worvon der ſonſt unerſchrockene Cavalier ſich nicht ein wenig entruͤſt / endlich redet ihn dıeſer Geıſt folgender Geſtalten an / foͤrchte dir nit Albrecht / dañ ich habe einen beſondern Befehl von Gott dir etwas hochwichti - ges anzudeuten / reite mit mir / ſo wird ein unerhoͤrte Sach geoffenbahret werden. Albrecht von Zimmern / weil er von GOtt gehoͤrt / waigerte ſolches gar nicht / folgte ohne weitere Forcht dem Geiſt / biß ſie endlich zu einem herrlichen Pallaſt gelangt / in deſſen Mitte ein ſehr koſtbahrer Saal zu ſehen war / darinn ein groſſe Taffel voller hochanſehnlicher adelicher Gaͤſt / welche alle ſich zaigten / jedoch mit hoͤchſten Stillſchwei - gen / als thaͤten ſie eſſen / wie nun Herꝛ Albrecht / alles genauebeſich -301ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.beſichtiget und ſich nicht genug hieruͤber konte verwundern / bekombt er von dem Geiſt ein Befehl / daß er ſich wider auf den Zuruckweeg ſolle begeben / welches auch ohne fernern Verzug geſchehen / der Geiſt aber fꝛagte ihn / was er von diſer Sach hal - te / und was er vermeine / wer diſe ſeyn? als ſolches der Freyherꝛ mit nein beantwort / ſo dann offenbahrte ihme der Geiſt / wie daß ſolches ſeine Freundſchafft ſeye / ſo ſchon vor vilen Jahren mit Todt abgangen / anjetzo aber wegen gewiſſen Suͤnden / noch in zeitlicher Straff lige / und unglaubliche Peynen beyde / woruͤber diſer Geiſt auch verſchwunden. Herr Albrecht wolte noch einmahl umſchauen / und den wunder ſchoͤnen Palaſt noch einmahl anblicken / ſicht aber / daß ſelbiger in voͤlligem Feur und Flammen / mit erſchroͤcklichen Praßlen deß Schwebel und Bechs / dann auch ein wehmuͤthiges Schreyen und Lammenti - ren / woruͤber er dergeſtalten erſchrocken / daß uneracht er ein Cavalier von etlich dreyſſig Jahren / am gantzẽ Kopff Schnee - weiß worden wie ein eißgrauer Mann / welches den Heꝛzog und die geſambte Heff-Statt in hoͤchſte Verwunderung geſtellt;Chronic. Canſtan. bald hernach iſt zu Troſt der verſtorbenen Chriſtglaubigen / forderſt ſeiner Freundſchafft / ein ſchoͤne Kirchen ſambt einem Jungfrau-Cloſter dahin gebaut worden.

Reden laſt ſich viel / aber nit genug / erzehlen laſt ſich viel / aber nit genug / mahlen laſt ſich viel / aber nit genug / ſchreiben laſt ſich viel von dem Fegfeur und deſſen groͤſten Peyn / aber nit genug / nie genug; gleich wie nun ein Jgel uͤber und uͤber voller Spitz und Spieß / und gaͤntzlich nichts linds an ihm / ſondern alles nur zum verwunden und beleydigen / alſo iſt in jenem zeitli - chen Kerckernichts zu ſehen / zu hoͤren / zu riechen / zu koſten / zu fuͤhlen / als lauter weh / weh / weh.

P p 3Pro -302Die dreyſſig Silberling

Proſperè ſi properè.

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FEſtinate orare pro Defunctis Eccleſiæ. S. Pater Auguſtinus. Serm. 44. ad ffr. in Erem:

Eylt / eylt zu betten fuͤr die verſtorbene Chriſtglaubige / ſpricht der Heil. Vatter Auguſtinus.

NAchdeme die uͤbergebenedeyte Jungfrau Maria durch Uberſchattung deß Heil. Geiſts / GOttes Sohn in ih - rem rein eſten Leib empfangen / hat ſie ſich alſobald auff die Raiß gemacht / ihre liebſte Maim und Baaß Eliſabeth, ſo dazumahl im ſechſten Monath groß Leibs gangen / zu beſuchen und folgſam zu bedienen / ſie hat aber ſolche Raiß in aller Eyl vollzogen / maſſen ſie den erſten Tag deß Aprils an einem Frey - tag / (wie Colvenerius zeugt) außgangen / uñ am Montag ſchõ bey Zeiten in das Haus Zachariæ, ungeacht deß groſſen und harten Gebuͤrgs ſich eingefunden / alſo in ſo wenig Tagen 95. Waͤlliſche / das iſt 19. Teutſche Meil gemacht / welches an dem ſo zarten Jungfraͤulein hoͤchſt zuverwundern / wie dann ſolches der Evangeliſt ſelbſt umbſtaͤndig beſchreibet. Daß ſie nemb -Luc. 1. 40. verſ. lich eylends gegangen uͤber das Gebuͤrg in die Stadt Juda, &c. Weil ſie wuſte / daß durch ihre Ankunfft der kleine Jo - annes noch in Mutter-Leib von dem Band der Erbſuͤndſolte303ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.ſolte loß gemacht werden / alſo hat ſie ſoche Raiß ohne einigen Auffenthalt / auffs allerſchleunigſte vollzogen / gantz eylends / uns zu einer ſonderbahrer Lehr; wann wir doch wollẽ dermah - len unſerm Nechſten auß einem Elend helffen / daß wir ſolche Huͤlff im geringſten nicht auffſchieben / ſondern ohne weitern / Verzug unſere barmhertzige Haͤnd daꝛreichẽ / eylends / eylends.

Nichts Tyranniſcher und grauſamer kan erdacht werden / als wann wir die Huͤlff gegen den abgeſtorbenen Chriſtglaubi - gen auff ſo lange Banck ſchieben. Wañ ein Todtfall geſchicht / iſt mainſtens das erſte Schicken zum Schneider / damit die Klag-Kleyder ohne Hinternuß verfertıget werden / unterdeſ - ſen bratet und brinnet er; man ſchickt zuzwey oder drey Tiſch - ler / welcher umb leichtern Werth die Druchen mache / unter - deſſen bratet er / und brinnet er; man deutet es der Obrigkeit an wegen der gewoͤhnlichen Sper / unterdeſſen bratt er / und brint er; man thut es der gantzen Freundſchafft zu wiſſen / unter deſ - ſen bratet er / und brint er; mit harter Muͤhe deß folgenden Tags wird ein oder andere M geleſen. Die Pia Legata koͤn - nen dermahl nicht abgeſtattet werden / dann das Teſtament hat ein Clauſel / auß welchen vermuthlich ein Proceß geſchmi - tet wird / der ſich aber vor Jahr und Tag nicht enden wird / un - terdeſſen bratet er / und brint er. Kurtz vorſeinem Todt / hat mir mein Vatter aufferlegt / ich ſolt diſe Schuld bezahlen wel - ches auch / geliebts GOtt / geſchehen ſoll / aber ich will erſt war - then in was fuͤr einem Preiß heur das Traid werde kommen / unterdeſſen bratet er / und brinnet er: die Kirchfahrt die er na - cher Marien-Zell verlobt / ſoll ich ſo bald es nur moͤglich / an ſtatt ſeiner verrichten / aber dermahl weil es Herbſtzeit / und der Wein Garten ein wachſames Aug braucht / kans nit ſeyn / will ſehen / wie es ſich im Fruͤhling wird ſchicken / unterdeſſen bratet / und brint er. O Grauſamkeit eines ſolchen Tyger - Hertzen / eines ſolchen ſtainharten Gemuͤths;

Wie der verlohrne Sohn wieder auß den Laͤndern / undElen -304Die dreyſſig SilberlingElenden kom̃en / und dem alten Vatter zu Fuͤſſen gefallen / wie der Vatter geſehen / daß er vor Hunger ſo außgemergelt / uñ ſo wenig Fleiſch / als deß Samſons gebrauchter Eſels Kiñbacken; wie er wahr genom̃en / daß er ſalvà ven kein Schuch an Fuͤſſen / und nur zum Kraut-Eintretten gericht / der als ein Unkraut gelebt; wie er vermerckt / daß ſein Rock ſo voller Loͤcher / als het - ten die Erdmaͤuß darinnen ihren Tummelplatz; wie er geſehen den elenden Auffzug und muͤhſeeligen Stand ſeines Sohns / da hat er / der liebe Vatter befohlen / citò, proferte, &c. geſchwind / daß man ihme ein neues Kleid anlege / citò, geſchwind / daß man zu der Kuchel ſchaue / und ein Mittagmahl zurichte / citò, geſchwind und eylends / ꝛc. Mein Vatter / laſt lieber den ſaubern Geſellen noch etliche Tage in ſeinen Hadern herum ſchlam - pen / villeicht bulen die Papiꝛmacher um ihn / laſt ihn einige Zeit faſten / er hat ohne das zu viel geloͤffelt / laſt ihn noch eine Weil leyden / damit es ihme eine Witzigung ſeye: Ach nein / ſagte der Vatter / ich kunt es uͤber mein Hertz nicht nehmen / er iſt mein Fleiſch und Blut: ich kan nit auch nur ein viertel Stund mehr zuſehen / daß er ſolche Noth ſoll leydet / Citò, Citò.

Luc. 15.

Wie koͤnt dann ihr Kinder umb GOttes-Willen / wie koͤnt ihr ein ſo ſtachelhaꝛtes Hertz haben / und zulaſſen / daß euer liebſte Eltern nit nur eine viertel Stund leyden / ſondern ſo viel Jahr und Zeit; dann erwegt nur / daß ein einige vieꝛtel Stund / an welcher ihr die heilige Meß / das Allmoſen aufſchiebt / ihn vil Jahr gedunckt zu ſeyn. Nur gar zu bekant iſt jene Geſchicht / ſo ſich mit zweyen from̃en und Gottſeeligen Religioſen zuge - tragen / welche als vertrauteſte Freund unter ihnen diſen Pact gemacht / daß / weder vor dem andern werde mit Todt abgehen / vor den ſoll der Lebendige alſobald das heilige Meßopffer ver - richten / uñ zwar ohne den geringſtẽ Verzug / welches auch alſo vermoͤg deß Verſprechens geſchehen / aber nach vollendter H. Meß erſcheinet der Todte / dem Lebendigẽ / ropffte ihme vor ſei - ne Nachlaͤſſigkeit / daß er ſeinem Schwur / uñ ſo treuẽ Verſpꝛe -chen305ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.chen nicht nachkommen / umb weil er grauſamber Weiß ihn zwantzig gantzer Jahr im Fegfeuer gelaſſen: mit nichten / ant - wort der Lebendige / deme ſey nicht alſo / es ſeye erſt ein halbe Stund daß er todts verblichen / und den Augenblick gleichſambBiga ſo - lut. ſer - mo. de Senct. nach ſeinem Hinſcheiden habe er die Heil. M angefangen. Wann deme alſo / ſagt hierwider der Todte / ſo muß man beken - nen / daß einem im Fegfeur ein einige halbe Stund vorkom - me wie 20. gantzer Jahr.

Citò, Citò, wolan dann barmhertzige Gemuͤther / ver - weylet nicht einen Augenblick denen Verſtorbenen zu helffen / ſchiebt es nicht ein viertel Stund auff vor ſie zu beten / laß doch umb GOttes Willen nicht hoͤren / das Morgen / das Uber - morgen / das ein andermahl / ſondern gleich jetzt / jetzt / da die Seel von Leib geſcheiden / werfft ein Allmoſen in die Haͤnd der Armen / jetzt / da der Coͤrper noch warm / ſchickt in die Kir - chen / und Gotts-Haͤuſer zu betten / jetzt / da man ihm die Au - gen zutruckt / erhebt eure Augengen Himmel / und ſeuffzet umb Barmhertzigkeit bey dem allmaͤchtigen GOtt.

Citò, Citò. Wann deß Nechſten Haus brint / und alles im Feuer ſtehet und ſteckt / iſt doch niemand der nicht laufft und ſchnaufft / und ſucht zuloͤſchen / und wir ſolchen koͤnnen zuſehen / daß etliche Tage / etliche Monat / ja viel Jahr und Zeit unſere Eltern / unſere Freund und Anverwandte / ſollen im Feuer und Flammen liegen? Ach nein / das ſoll man von eines Menſchen Hertzen nicht vermuthen.

Abraham, Abraham, der Gottsfoͤrchtige Patriarch / macht nun vil zu Schanden. Er hat auf ein Zeit drey frembde Maͤñer erblickt / denen er nicht allein engegen gangen / ſondern geloffen / cucurrit, ſelbe demuͤthigſt erſucht / ſie wollen doch die Einkehr bey ihme nehmen / er ſeye erbiethig ihnen die Fuͤſſe zu waſchen / und ſie mit einem biſſen Brod zu bedienen: Das war noch nicht genug / Abraham, eylte in die Huͤtten zu der Sara, eyle / ſagt er / und bache geſchwind ein weiß Brod fuͤr die Leuth /Pars IV. Q qer306Die dreyſſig Silberlinger aber lieff zum Viech und hlote das beſte Kalb / gabe es den Knaben / und diſer eylte / und kochte es / Gen. 18. Wer ſeynd doch diſe geweſen / weſſenthalben ſie zu bedienen man allerſeitsOrig. To. 4. in Gen. eylte in dem Haus deß Abrahams? Abraham currit, Uxor feſtinat, Puer accelerat, &c. Frembde ſeynd ſie geweſt / die der Abraham nie geſehen noch gekent.

Pfuy der Schand bey uns! Abraham ſpringt den Fremb - den ſo eylends bey / und wir unſern Nechſtẽ Bluts Verwandtẽ in jener Welt ſo lau und langſam; er ſpendirt ihnen alſobald ein weiſſes Brod / und wir laſſen offt etliche Tag und Wochen ver - ſtreichen / biß wir ihnen ein biſſel vergonnen und vorlegen von dem Schneeweiſſen Brod der Engeln. Jch will / ſagt mancher / wol etliche heilige M leſen laſſen / aber ich muß vorhero wiſ - ſen / ob es die Verlaſſenſchafft außtraͤgt / was fuͤr Schuldner ſich nach und nach werden einfinden / damit ich mit der Welt nicht mit lauter Meß-Opffer das Meinige auch auffopffere: unterdeſſen haiſt es ſo vil / als laß ihn brinnen / und braten. O eyßkalte Hertzen? habt ihr doch ein Mitleyden / wañ ein Hund mit einem Stein geworffen wird / und durchs Geſchrey und Wimbſeln ſein Zuflucht zu euch nimbt: wie koͤnt ihr dañ zuſehẽ / zulaſſẽ / zuhoͤrẽ / daß eure eigne Beſꝛeundte / oder beſte Bekandte / ſo lang warthen muͤſſen im Feuer und Flammen euer Huͤlff! Ci - to, Cito, ach eylet eylet doch umb GOttes Willen ihnen zu helf - fen / und feyret nicht ein Augenblick wegen deß unbeſchreiblichẽ Feuer / nehmet dißfalls die Schnelle deß Hirſchen an euch / da - mit ein jeder zu ſeiner Zeit mit dem Pſalmiſten David ſprechen koͤnne: Perfecit pedes meos tanquam Cervo - rum. Pſal. 17. Er hat meine Fuͤßden Hirſchen gleich geſetzt.

Acci -307ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.

Accipit & reddit.

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OHomo, ut tui miſereatur Deus, fac ut preximo miſerearis in purgatorio; nam tantum tibi miſerebitur Deus, quantum tu miſereberis proximo, Ora ergopro Defunctis. S. P. Auguſtinus Serm. ad FFr. in Eremo.

Wilſt du O menſch / ſagt der Heil. Vatter Auguſtinus, wilſt du / daß GOTT ſich deiner erbarme / ſihe zu / daß du imgleichen deinem im Feg - feuer ligenden Naͤchſten Barmhertzigkeit erweiſeſt / dann in ſo viel wird GOTT dir in ſeiner Erbarmung mittheilen / wie viel du dich uͤber deinen Naͤchſten wirſt erbarmet haben; ſo bitte dann fuͤr die Abgeſtorbene.

WJe Anno 1683. der Ottomaniſche Erb-Feind durch ſondere Verhaͤngnus GOttes / mit einer ſo groſſen Kriegs Macht / den meinſten Thail deß Unter-Oeſter - reichs uͤberſchwembt / und auff grauſame Weiß mit den Chri - ſten verfahren / da haben ſich etliche zu Solenau / ein Ortgegẽ fuͤnff Meil von Wien entlegen / umb weilen ihnen aller Weeg zum fliehen / abgeſchnitten war / reterirt in das Todtenbein - Haus / auff den Freydhoff / worinn ſie / ungeacht ſo vil und man - nigfaltiger Nachſtellung etliche Wochen ſich auffgehalten / uñ nur zuweilen bey naͤchtlicher Zeit behutſam herauß gekrochen / da und dort einige Lebens-Mittel geſucht / und ſolche wiederQ q 2mit308Die dreyſſig Silberlingmit ſich in die Todten-Retirada genommen: nach deme endlich der Ottomaniſche Mondſchein ein Finſternuß gelitten / und di - ſer Chriſtliche Erbſeind hat muͤſſen das Ferſen-Geld geben / ſeynd obgedachte nicht ohne ſondern Troſt auß ihren Todten - Hauß hervor gangen / GOtt dem Allmaͤchtigen hoͤchſtens ge - danckt / umb weil ſie die Todte das Leben erhalten.

Das zeitliche Leben iſt endlich nit ſo hoch zu achten / zu - mahlen es nur ein verdruͤßlicher Arreſt der Seelen / in dem wilten Kercker deß ſterblichen Leibs iſt: entgegen iſt mit hoͤch - ſtem Fleiß auff alle erdenckliche Weiß dahin zutrachten / wie wir koͤnnen das ewige Leben erwerden / ſo aber gewiſſer und ſi - cherer nicht geſchehen kan / als durch die Todten / da wir nemb - lich uns der Todten annehmen / und den verſtordenen Chriſt - glaubigen in jener Welt / einige Huͤlffreichen werden.

Dann zu wiſſen / daß / wann wir alle unſere gute Werck den armen Seelen in Fegfeur ſchencken / ſolche auff kein Weiß in Verlurſt gehen / ſondern noch dopplet / ja hundertfaͤltigen Nu - tzen hirauß ſchoͤpffen: und geſchicht es auff gleiche Weiß wie mit den Bruͤdern deß Joſeph. Diſe ſaubere Gaͤſt wurdẽ durch die harte Hungers Noth dahin gezwungen / daß ſie muͤſten gar in Egypten raiſen / daſelbſt umb das baare Gelt Traid ein zu - handlẽ / es geſchahe aber / daß gleich dazumal das voͤllige Gou - verno deß gantzẽ Koͤnigreichs ihr Bruder Joſeph fuͤhrte / den ſie ſchon laͤngſt fuͤr Todt gehaltẽ / oder wenigſt glaubten ſie / daß er etwan zu End der Welt S. V. einen Sau-Hirten abgebe / Jo - ſeph erkante diſe ſchlim̃e Geſellen alſobald / ſich aber gab er nicht zu erkennen / ſondern ließ ſie ſauber unter dem Schein als waͤ - ren ſie Verraͤther und Außſpeher in die Keuchen werffen (auff ſolche Koͤpff gehoͤrt kein andere Laug) endlich verwilligt er neber. Darlegung deß Gelds / daß man ihnen das Traid ſol - le laſſen folgen / befilcht aber in der geheime / man ſolle ei - nem jeden ſein Geld ohne dero Wiſſen in Sack hinein le - gen / ſo auch geſchehen: wie ſie nun nach langer Raiß nacherHauß309ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.Hauß kommen / und ihr Traid bereits außgeſchuͤtt / da haben ſie mit hoͤchſter Verwunderung wahr genommen / daß ein je -Geneſ. 42. der ſein Geld / ſo er außgeben / wider zuruck bekommen / ſambt einen reichen Vorrath vom Traid.

Auff gleiche Weiß begegnet allen den jenigen / welche all ihr Andacht und gute Werck den armen Seelen in Fegfeur ſchencken / Heil. M ſchencken / Heil. Ablaß ſchencken / Heil. Allmoſen ſchencken / Heil. Faſten ſchencken / Heil. Eommunio - nen ſchencken / Heil. Wahlfahrten ſchencken / ꝛc. alles diſes / was ſie dermahlen auß mitleydenden Hertzen den armen Verſtor - benen ſpendiern / bekommen ſie gleich nach ihrem Todt wider - umb / und noch dabey einen groſſen Vorrath der Goͤttlichen Barmhertzigkeit. Maſſen der Allerhoͤchſte in Anſehen ſolcher Lieb deß Naͤchſten nit anderſt kan / als auch ſie ihrer erbar - men. Dahero ſpricht mehrmahl unſer Heil. Vatter Augu - ſtinus: Igitur pro mortuis ſemper orandum eſt, & ſic mala morte perire non poterimus S. P. Auguſt. in Pſalm. 40. Wir ſollen in allweeg und allezeit fuͤr die verſtorbene Chriſtglaubi - ge betten / dann ſolcher geſtalten koͤnnen wir einen boͤſen und ungluͤckſeeligen Todt nit nehmen.

Die Heil. Jungfrau Gertraud umb weilen ſie auß purem Mitleyden gegen den armen Seelen alle ihre gute Werck ihnẽ uͤberlaſſen / thaͤte ſich nit ein wenig bekuͤmmern in ihren Todt - betl / auß Forcht / ſie moͤchte etwan ſelbſt wegen Mangel der guten Werck Noth leyden / in dem ſie nun in ſolchen Aengſten begriffen / erſcheinet ihr Chriſtus der HErꝛ / und redet ſie troͤſt - lich alſo an / damit du ſeheſt und fattſam erkenneſt / wie werth und angenehm mir dein milthertzige Liebe ſeye geweſen / welche du gegen den armen Seelen in Fegfeuer getragẽ / ſo laß ich hie -Dioniſ. Carthuſ. lib. de San. mit alle Straffen nach / die du hetteſt ſollen in denſelben auß - ſtehen / und weil ich fuͤr die Werck der Barmhertzigkeit habe hundertfaͤltige Belohnungen verſprochen / alſo will ich dich nit allein ungeſtrafft laſſen / ſondern noch anbey dein Glory der Ewigkeit vermehren.

Q q 3Je -301[310]Die dreyſſig Silberling

Jener Religios von deme Baronius regiſtriert / hat es ge - nugſam erfahren / daß ſich Gott eines ſolchen erbarme / der ſich auch uͤber die armen Seelen erbarmet hat / maſſen dieſer nach ſeinem zeitlichen Hintritt mit vielen andern Seelen / ſo gleich dazumahl in der ſelbigen Stund von ihnen abgeſchiden / vor dem Goͤttlichen Richterſtuhl geſtelt / und von den boͤſen Gei - ſtern dermaſſen hart angeklagt worden / daß bereits uͤber ihn ſolte gefaͤllt werdẽ das Urtheil der ewigen Verdamnuß. Weil er aber ſein Lebtag ein ſonderbahrer Liebhaber der armen See - len geweſt / und ſelbiger in ſeinem Gebett nie vergeſſen / alſo hat GOtt in Anſehung diſer Lieb zu den verſtorbenen Chriſtglau -Tom. 9. ad ann. 716. bigen / auch vermittels der Vorbitt der armen Seelen / ihn ver - ſchonet / und beynebens anbefohlen / er ſolle widerum zum Le - ben kehren / und noch genugſame Buß auff der Welt wuͤrcken.

Wer in Himmel will kom̃en hinauff / der ſchicke den armen Seelen einige Huͤlffe hinunter; wer erhalten will das ewige Le - ben / der vergeſſe nit der Todten; wer gelangen will zur Seelig - keit / der helff den armen Seelen auß der Muͤhſeeligkeit; wer kom̃en will zu dem ewigen Abendmahl / der faſte fuͤr die armen Seelen im Fegfeur; wer will / daß er ewig ſoll brinnen in der Liebe GOttes / der loͤſche den armen Seelen das Fegfeur auß; wer will / daß ihme GOtt ſolle die Suͤnden nachlaſſen / der ſchencke den armen Seelen einen Ablaß; wer gelangen will zu dem himmliſchen Vatterland / der ſpendiere offt denen armen Seelen einige Vatter unſer; wer will kommen zu dem ewigen Liecht / der fuͤhre die armen Seelen auß der Finſternuß; wer will / daß ſich GOtt ſeiner dazumahl ſoll erbarmen / der erbar - me ſich dermahlen der armen Seelen im Fegfeuer.

Unmoͤglich ſcheint es / daß jemand / ſo ein Mildhertziger / Huͤlffreicher der armen Seelen iſt / koͤnne ewig verlohren wer - den / zumahlen ſolche Seelen unauffhoͤrlich ihre Gutthaͤter zu GOtt dem Allmaͤchtigen ſchreyen und ſeuffzen: es gibt der Ex - empel genug / daß ſolche Seelen ihre Liebhaber bey naͤchtlicherWeil311und giebt es ſeinen Weib und Kindern.Weil auß dem Schlaff aufferweckt / und ſie ihres herbeynahen - des Steꝛbſtuͤndleins erinnern: es gibt der Exempel vil / daß ſol - che Seelen ihrer Patronen auß augenſcheinlicher Todts: Ge - fahr errett / damit ſie nit im Stand einer Todtſuͤnd moͤchtẽ ſter - ben: es gibt der Exempel nit wenig / daß ſolche Seelen Gutthaͤ - terin in ihrem Sterbſtuͤndlein beygeſtanden / und ihnen in ſol - chen letzten Streit haben helffen victoriſiren. Binetus ſchrei - bet ſelbſt von einem / der ſonſt eines untadelhafften Wandels war / daß er in ſeiner toͤdtlichen Kranckheit / nit allein von dem Leibs-Schmertzens / ſondern forderiſt von dem Gewiſſens - Scrupel alſo geplagt worden / daß er bereits in der Gefahr der Verzweifflung geſtanden / aber bald ſahe er einige Heilige vom Himmel ſteigen / welche ihme in deſſen harten Kampff beyge - ſtanden / mit verlauten / ſie ſey die jenige / die er mıt ſeinem Ge - bett und guten Wercken auß dem Fegfeur zum Himmel befoͤr - dert habe / anjetzo wolle ſie auch ſolche Gutthat erwidern / undde ſtau animar. c. 1. ihn den geraden Weegzum ewigen Leben fuͤhren.

Gleich wie nun das jenige Traid / ſo in den obern Muͤlka - ſten geſchuͤtt wird / nicht in Verlurſt gehet / ſondern es kombt wider unterhalb heꝛvor / und zwar weit beſſer / ſchoͤner und nuͤtz - licher / Geſtalten es in das beſte Mehl verwandelt worden; deß - gleichẽ ſeynd alle unſere gute Werck / ſo wir denen armen See - len im Fegfeur ſchencken / und ſchicken / nit umſonſt hinweg ge - worffen ſondern wir finden die wieder in jener Welt / und weit beſſer / wegen der Lieb zu unſern Nechſten / Kꝛafft ſolcher GOtt auch unſer erbarmet / und uns das jenige guͤtigſt er - theilt zu dem wir ihnen verhuͤlfflich geweſen ſeynd.

Major312Die dreyſſig Silberling

Major conceditur, negatur minor.

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ILlo tranſitorio igne, de quo paulò ante Apoſtolus, ipſe autem ſal - vus erit, tamen quaſi perignem; non Capitalia, ſed minuta pecca - ta purgantur. S P. Auguſtinus Serm. 41. de Sanctis.

Durch diſes zeitliche Feur / von deme kurtz vorhero der Heil. Apo - ſtel Meldung gethan / der wird ſeelig werden / gleichwol dergeſtalt / durch das Feuer / I. ad Corinth. 13. Werden nicht die groͤſte Haupt - oder Todtſuͤn - den / ſondern die kleine und laͤßliche Suͤnden gereiniget / alſo ſpricht unſer Heil. Vatter Auguſtinus.

JN der Schwediſchen Unruh / benantlich umb das Jahr Chriſti 1631. zoge von Jngolſtadt hinweg der ſehr ge - lehrte Mann / und beruͤhmbte Profeſſor daſelbſt / Pater Adamus Tanner, ein Prieſter der Societet JEſu / kame na - cher Paſſau / von dañen ſetzte er ſein Raiß weiter in Tyrol / als in ſein Vatterland / es zog ihm aber auch nach der Todt / und traff ihm an in einem Dorff / mit Nahmen Umken / da ſtarbe er Gottſeelig / und ware ein ſehr groſſe Red von ihm / daß er bey Lebzeiten ein ſehr gelehrter Mañ ſey geweſen: in deme aber ſeine Kleyder außgeſucht worden / fand man bey ihme ein Microſco - pium, oder kuͤnſtliches ſauber gefaſtes Mucken-Glaͤßl / welches die kleinſte Ding ſo darin verſchloſſen werden / groß macht / undauß313ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.auß einer Mucken einen Elephanten / wie man pflegt zu reden: dazumahl war gleich ein Floth darinn eingeſpeꝛt / die gute ein - faͤltige Zuſeher wuſten nit was diſes Bixlein und Glaß moͤchte ſeyn / gaffen doch darein / und ſehen ein hariges abſcheuliches Thier mit ein ungeheurigen Schnabel / erſchroͤcken hieruͤber nit wenig / und werden letzlich eins / daß muͤſte der lebendige Teuffel ſeyn / den diſer Jeſuiter mit ſich herumb gefuͤhret habe / darumben gar kein Wunder / daß er ſo ein gelehrter Mañ gewe - ſen / als der einen ſchwartzen Engel fuͤr einen Lehrmeiſter ge - habt / wolten alſo deß guten Paters, als eines vermeinten Zau - berers Leichnam nit in das geweichte Erdreich beſtatten. Di - ſer Ruff kam alſobald weiter / und gar nacher Paſſau zu den Ohren eines vornehmen Manns / der ein ſonderer Freund war deß Pater Tanners, welcher dann ohne einige Verweilung ſich auffgemacht / die gute Bauren beſſer zu berichten / kombt auff Uncken / fangt ihnen an zu ſagen / wie daß diſes kein Teuffel / ſon - dern ein armer gefangener Floch / der doch zehenmahl groͤſſer ſcheine als er von Natur ſey / und diſes auß Mathematiſcher Kunſt; ſchitt hierauß nit ohne Schroͤcken der umbſtehenden Bauren / den eingebilten Teuffel herauß / welcher doch nichts anddrs ware / als ein bloſſer Floch / laſt ihme hernacher einẽ an - dern Floch herbey bringen / den die einfaͤltige Leuth ſelbſten ge - fangen / ſchlieſſet ſolchen in das Glaß / Microſcopium genant / hinein / und befilcht ihnen darauff alles wol zu beſichtiden: daP. Ott. in Rom. glor. 30. lachte aber ein jeder diſes unruhigen herumb hupffeden Teuf - fels / als der mehrmal zehenfach groͤſſer ſcheinte als zuvor / wor - uͤber das Spiel ein End / und wurde der fromme und wackere Mann mit ſonderm Gepraͤng und zulauffen begraben.

Jch muß bekennen / daß dergleichen laͤcherliche Poſſen nit ſollen zu ernſtlichen Sachẽ geſellet werdẽ / allein iſt ſolches hie - her geſetzt worden / zuſehen die wunderliche Kunſt / und ſeltzame Griff der Mathematic, als welche meiſterlich waiß kleine Sa - chen groß zu machen. Wir unbehutſame Adams-Kinder ma -Pars IV. R rchen314Die dreyſſig Silberlingchen unſere taͤgliche / ja ſtuͤndliche Maͤngel und Unvollkom̃en - heiten allezeit klein / die leßliche Suͤnden haben bey uns den or - dinari Titul / und werden kleine Poſſen und Narredey benah - met / aber bey GOtt dem Allmaͤchtigen werden ſie fuͤr groß gehalten / und ſolche Mucken fuͤr Elephauten angeſehen / auch derentwegen in jener Welt / durch das Fegfeur unermeßlich geſtrafft.

Mahomet der andere / hat einen auß ſeinen Edel-Knaben laſſen lebendig auffſchneiden / umb weil er einen verbottenenFulgos. lib. 9. Apffel auß ſeinem Hoff-Garten entfrembt. Ein Hertzog von Mayland / ſchreibet Corius, hat einen Prieſter laſſen Hunger ſterben in der Gefaͤngnuß / weil ſolcher ihme vorgeſagt / daß er nur 9. Jaͤhr werde regiern. Wenceslaus Koͤnig in Boͤhmen hat ſeinen Koch laſſen lebendig am Spieß braten wie ein Jndi - aniſch Stuck / weil ſolcher ihme die Speiſe nicht nach ſeinem Guſto hat zugerıcht: aber der gerechte GOte zuͤchtiget die klei - ne Verbrechen / weit ſchaͤrpffer in jener Welt.

Andonius de Monte, einer von den erſten Capuccinern zu Rom / eines ſehr from̃en Wandels / ſtunde auff ein Zeit bey der Nacht auff / und gienge in die Kuchel / daſelbſt ein Liecht anzu - zuͤnden / merckt aber vvn fern in derſelben ein gꝛoſſes Feur / weſ: ſenthalben er ſich nicht genug koͤnte verwundern / umweilen zu ſolcher Zeit nicht gewoͤhnlich / ein Feuer zu breñen / als er nun in die Kuchel getretten / da erblickt er alſobald ein erbaͤrmliches Spectackel / benantlich zwey Kohlſchwartze Mohren / welche zwey Capucciner-Bruͤder ſo umlaͤngſt zuvor mit Todt abgan - gen / an gantz gluͤenden Spieſſen gebraten; der|fromme Pater, nachdem er ſich wegẽ groſſen Schroͤckẽ in etwas erholt / befragt diſe zwey / als vorhin ſeine gute bekante / was doch diſes bedeu - te? ob ſie dann in das ewige Feuer oder aber in das Zeitliche ver - urtheilt worden? worauff ſie geantwort / daß ſie zwar durch die grundloſe Barmhertzigkeit GOttes dem Ewigen entgangen / leyden aber dıſe erſchroͤckliche und unermaͤßliche Peyn / derent -halben /315ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.halbẽ / was glaubt man hier / was ihr Verbrechen geweſen ſey? etwañ haben ſie ihre ſtrengen Regul-Faſten nicht nach Pflicht und Schuldigkeit gehalten? das nicht: villeicht ſeynd ſie ıhrem Pater Guardian rebelliſch geweſen / und ihn als ein rechte und vorgeſetzte Obrigkeit veracht / oder andere Spott angethan? das noch weniger: etwann haben ſie ihr von dem Orden vorge - ſchriebnes Gebett Jahr und Tag nicht verricht / oder wenigſt ſelbſt halbeirt? das gar nicht: villeicht ſeynd ſie wegen ſtrenge des Ordens abtrinnig worden / etliche Jahr in der Apoſtaſia verharret / und endlich wegen nagenden Gewiſſens-Wurm wi - der zuruck kehrt / aber fuͤr ſolches ſchwere Verbrechen nicht ge - nugſame Buß gewuͤrckt? diſes auff kein Weiß: ſondern GOtt macht auß einer Mucken ein Elephanten: darumb ſeynd ſie auff etliche Jahr in diſe grauſame Peyn verurtheilet worden /Annal. Capuc. pag. 212. weil ſie zu Zeiten bey dem Herdt unnuͤtze Wort geredet / und manche Stund mit laͤhrem Geſchwaͤtz zugebracht.

Joſeph in Egypten muſte zwey Jahr liegen in der Keu - chen / unter der Erden / der doch mehrer Engliſch gelebt als irr - diſch: Joſeph muſte liegen in Eiſen und Band / welcher doch geweſt iſt Gemuͤth halber gantz gulden; Joſeph muſte verhafft ſeyn in der Finſternuß / der doch jedermañ mit einem guten Ex - empel vorgeleicht; Joſeph muſte gefangen ligen / der ſich von einem leichtfertigen Weib nicht hat fangen laſſen; Joſeph mu - ſte dergeſtalten leyden am Leib / der nicht hat leyden woͤllen an der Unſchuld: warumb aber zwey Jahr diſe ſo harte Straff? der Heil. Vatter Auguſtinus ſpricht: daß GOtt den Joſeph uͤber ein oder zwey Tag nicht hette in der Gefaͤngnuß gelaſſen / weil er aber einen fehler begangen / hat ihn der AllerhoͤchſteSerm̄ 82. de lemp. derentwegen ſo ſcharff gezuͤchtiget.

Was hat dann Joſeph geſtifft? villeicht hat er einem den Halß brochen? nichts dergleichen: villeicht hat er geflucht und gewunſchen / der Teuffel ſoll ſein Fraͤu holen / derenthalben er in das Ungluͤck gerathen? nichts der gleichen: ſondern er hat einR r 2Laͤß -316Die dreyſſig Silberlinglaͤßliche Suͤnden begangen / als er ein gar zu groſſes Vertrau - en geſetzt hat auf den Mundſchenck / mit ſolchem Memento hat er ſich verſuͤndiget. Ein ſo ſchlechte Sach / wird ſo hart geſtraf - fet / das haiſt ja auß einer Mucken ein Elephanten machen.

P. Jacobus, Rem, ein Jeſuiter eines Gottſeligen Wan - dels / iſt nach dem Todt einen andern gantz lebhafft erſchinen /Annal. Ingolſt. 1618, jedoch in wilder Kleydung / und ſehr verſteltem Angeſicht / als er aber derenthalber befragt worden / gabe er diſe Antwort: er leyde harte Peyn in dem Fegfeur / umb weil er ohne Wiſſen ſei - ner Obrigkeit habe Diſciplin gemacht und ſich gegaißlet.

Vor 23. Jahren in unſerm Eloſter Maria-Brunn / un - weit Wienn / war ein alter Ley-Bruder / den wir wegen der kleinen Statur nur den frommen Thomerl genennt / ſein Leben war gar einfaͤltig / jedoch fromm und andaͤchtig / und konte man ihme wenig außſtellen / auſſer daß er zuweilen in der Kuchel unter den Abſpuͤhlen gemurꝛt; nachdeme diſer mit Todt ab - gangen / hat das gantze Convent etliche Nacht nacheinander hoͤren abwaſchen / und kaum daß man mit Veꝛwunderung hal - ber die Kuchel eroͤffnet / und nachmahls wider geſperꝛt / hat das abwaſchen und Schiſſel-ſetzen mehrmahls ſeinen Anfang genommen; nachdeme aber etliche Andachten / forderiſt Heil. Meß-Opffer vor ihn verricht worden / iſt ihm wenigſten nichts mehr zu hoͤren geweſt.

Noch recht hat der Alexandriniſche Macarius gethan: Als diſer H. Mann eineſt im Gebett begriffen / und ihn unver - ſehens ein Webſen geſtdchen / hat er ſich / wie menſchlich gaͤh erzuͤrnt / und die Webſen umbgebracht / nachmahls aber in ſich ſelbſten gangen / und gedacht / GOtt moͤchte ihn diſer Ungedult halber in jener Welt ſtraffen / und auß einer Webſen einen Ele - phanten machen / dahero ihme diſe Buß ſelbſten auferlegt / undSerius in rita. blutnackend durch 6. gantzer Monath geſtanden auff den Sciti - ſchen Feldern / und von den Webſen / deren allda ein unzahlba - re Anzahl / ſich alſo zurichten laſſen / daß man ihn nit mehr fuͤr einen Menſchen hat angeſehen.

O ge -713[317]ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.

O gerechter GOtt! wie wird es dann den jenigen ergehen / die nicht ein laͤßliche Suͤnden / ſondern mehrer als ſie Haar auff dem Kopff zehlen / begangen? Weh den jenigen / die ſo groſſe und haͤuffige Todt-Sunden gethan / fuͤr welche ſie offt in der Beicht zu einer Buß etliche Vatter unſer zu betten ge - waigert. Wann Religioſen und Ordens-Leuth ſambt ihrem ſtrengen Leben noch ſo hart leyden muͤſſen in dem Fegſeur / was haben dann dieſelbige zugewarten / die immerfort in Freuden und Ergoͤtzlichkeit ihr Leben zubringerng.

Pauci Electi.

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NIhil ſic probat amicum, quemadmodum oneris amici ſupporta - tio. lib. 12. S. P. Auguſtinus.

Nichts probirt und pruͤfet alſo einen guten Freund / ſpricht der Heil. Vatter Auguſtinus, als wann er ſeines Freunds Laſt hilfft tragen.

FReund gibts genug / aber die da ſeynd / wie der Aal - Fiſch / welcher meiſtens außſchluͤpffert / und den Reiß - aaß nimbt / wann man vermaint ihn zum beſten zu halten.

Freund gibts genug / aber die da ſeynd wie das Queckſil - ber / ſo bald diſes zum Feur geſtelt wird / und ſolche Feurs-NothR r 3erblickt /318Die dreyſſig Silberlingerblickt / ſo nimbt es geſchwind wie der Wind das Valete, und wird auß einem Queckſilber ein Geweck-Silber.

Freund gibts genug / aber die da ſeynd wie die Schwalben: ſo lang die luſtige und annehmliche Sommers-Zeit taurt / ſo lang bleiben ſie bey uns / gleich aber da es anfaͤndt kalt zu wer - den / und kuͤhl herzu gehen / da nehmen ſie mehrentheils hinter der Thuͤr Urlaub.

Freund gibts gnug / aber die da ſeynd wie die Sonnen - Uhr / welche ſich ſo lang dienſtlich zeigt / wie lang die guldene Sonn pflegt zu ſcheinen / ſo bald aber diſe den Untergang nimbt / alsdann iſt bey ihr den Dienſt auch auß.

Freund gibts gnug / aber die da ſeynd wie die Egel / welche ſo lang einem anhangen / und nicht von der Haut kom̃en / biß ſie ihr Wampen gefuͤlt / nachgehends ſchaͤmen ſie ſich nicht / ob ſchon voller Blut / den Kehrauß zu nehmen.

Freund gibts gnug / aber die da ſeynd wie die Maͤuß / wel - che ſo lang im Hauß verbleiben / ſo lang es in einem guten Stand iſt / ſo bald ſie aber vermercken / das ſelbes allgemach zu Grund will gehen / und zu Boden fallen / ſo dann verlaſſen ſie es / und rederiren ſich anderwerts hin.

Freund gibts gnug / aber die da ſeynd / wie die Voͤgel deß Nabuchodonoſeris-Baums / auf den ſie mit ſtettem Singen und Pfeiffen ihr Wohnung hatten / ſo bald aber diſer auß dem Befelch / deß Allerhoͤchſten iſt umgehauet worden / da haben ſich die ſaubere Voͤgel auch verlohren.

Freund gibts gnug / aber die da ſeyn wie die Melaunen / auß denen faſt die mehreſte außwendig gut ſcheinen / wann man ſie nachmahls aber ein wenig beſcheuet / ſo iſt kaum auß zehen einer etwas nutz.

Freund gibts gnug / aber die da ſeind wie ein Bach / bey deme immerzu ein guter Rauſch anzutreffen / ındeme von allen Bergen die Waſſer zulauffen / und mit ihme in gutem Rauſch leben / wann aber die groͤſte Hitz iſt / da find man man nichs -mahl319ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.mahl einen Tropffen Waſſers: O wie vil gıbts dergleichen Freundſchafften! wie offt hoͤrt man / diſer und diſer iſt geſtor - ben / er iſt mein guter Freund geweſt / wir haben offt ein guten Rauſch miteinander gehabt / troͤſt ihn Gott: mit diſen iſt die gantze Freundſchafft bezahlt / jetzt da er in der groͤſten Hitze / in groͤſten Quaͤlen des Fegfeur / da aller Rauſch ein End hat / iſt nit ein Freund / der ihme ein Tropffen ſpendirt bey diſer Hitz.

Solche Freund ſeynd keine gute und rechte Freund / die nur bey freundlichen Zeiten wollen Freund ſeyn / und nur bey guten Zeiten wollen Gute Freund ſeyn.

Wie auß der Stad Naim, ein Todter zum Grab getragen worden / und zwar ein einiger Sohn einer reichen Wittib / da war ein groſſe Menge der Leuth bey diſer Leich / uͤberauß vil Herren / uͤberauß vil Frauen / uͤberauß vil wackere junge Geſel - len / ꝛc. Aber der Evangeliſt ſagt / daß ſie nicht den Todten haben beglaitet / ſondern die rechte wolhabende Wittib / welche beyLuc. 7. ſtattlichen Mıttelen / ꝛc. Turba Civitatis multa cumilla. Vil Volcks auß der Stadt war mit ihr. Es hatte ja der Verſtor - bene auch gute Freund gehabt? Ja / ja / nur gar vil / mit denen er Tag und Nacht luſtig und guter Ding geweſt / und eben de - renthalben ihme daß Leben abgekuͤrtzt / jetzt aber / da er mit Tod abgangen / haiſt es nicht mehr mit ihm / ſondern mit ihr; die Freundſchafft hat ein End / weil er todt iſt; aber ein ſolche Freundſchafft iſt ſchlecht / und nit recht / thut nichts gelten / fon - dern iſt zu|ſchlechtẽ / verdient kein Lob / weil ſie ſo geringe Prob.

Eın guter Bruder / ſoll ſeyn wie ein Ruder / diſes braucht man maiſtens / wann ein uͤbler Wind iſt: ein guter Geſpan〈…〉〈…〉 / ſoll ſeyn wie ein Span / diſer iſt zum leuchten noͤthig / wann es finſtere Zeit iſt: ein guter Cam̃erad / ſoll ſeyn wie ein Rad / wel - ches forderiſt bey dem uͤblen Weeg / em Beſtaͤndigkeit erweiſt; dann ein guter Freund forderiſt in der Noth prodiert wird.

Luc. am 11. Capitel / erzehlt unſer gebenedeyter Heyland ſelbſt / ein guter Freund / ſagt er / kom̃bt bey naͤchtlicher Weil fuͤrdie320Die dreyſſig Silberling.die Thuͤr / klopfft an / macht ein Tumult (da jederman in dem erſten Schlaff / ſchreye / ſagt / klagt / und bitt den andern Freund / der in der Ruhe iſt / er wolle ihm doch die Freund - ſchafft erweiſen / und ihme drey einige Laibel Brod leyhen / der zwar / wei es einen ſchlaͤfferigen Menſchen bald begegnet / wird hieruͤber ungedultig / weil aber der ander nicht aufhoͤrt zu klopffen / und zugleich ſein guter Freund iſt / ſo will er ſo grob und unfreundlich nicht ſeyn / daß er nicht alsbald aufſtehe / und den guten Freund aus der Noth helffe.

Es geſchicht gar offt / und aber offt / daß mancher bey der Nacht / wo alles ſtill / alles in der Ruhe / der Himmel voller Stern / etwas hoͤrt; ein Tumult / ein Getoͤß / ein Klopffen / ſicht doch weiter nichts als ein finſtern Schatten / aber die Haar ſtehen ihm gen Berg / es ſchaurt ihm die Haut / es klopft ihm das Hertz / es rinnet ihm der kalte Schwaiß uͤber das Angeſicht herunter / er waiß nicht wer da / wer diſer / wer klopfft? wol auff mein guter Menſch / du doͤrffts deſſenthalben kein ſolchen Schroͤcken faſſen / waiſt dann nit / wer diſer iſt? Amicus Tuus, es iſt dein guter Freund / er iſt vor wenig Zeit mit Todt abgan - gen / er muß ein erſchroͤcklich Straff in dem Fegfeuer außſtehẽ / er hat nirgends wohin ſein Zuflucht / als zu dir / weil du je und allemahl ſein guter Freund wareſt / deßwegen klopffter bey dir an / begehrt von dir ein Huͤlff und glaubt / daß du ſein Freund auch nach den Todt in diſer groͤſten Noth werdeſt ſeyn.

Mir hat einer glaubwuͤrdig erzehlt / auß einem ſehr beruͤhm - ten Orden / auch mit einem Schwur beſtaͤttiget / ſo annoch im Leben / und eines guten Wandels: als er bey der Nacht dem Studiern obgelegen / umb weilen ihme die Verhindernuſſen beym Tag zu haͤuffig / habe ihme zwey Nacht nacheinander / ein unſichtbare Hand immerzu die Bibel / oder H. Schrifft vor ſeinem umgeblaͤttert / welches er anfangs fuͤr natuͤrlich gehaltẽ / der Maynung / als wurdẽ die Blaͤtter von einem kleinen Wind beruͤhrt: nachdeme er aber einſt den beynenẽ Streicher / als einSigna -321ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.Signaculum in die Bıbel geſteckt / da hat er wahr genommen / daß jemand denſelben unſichbarer herauß gezogen und in Ge - genwaꝛth ſeiner in ein anders Orth in beſagtem Buch gelegen / welches ihme wie billich / eine Grauſen verurſacht / weilet ſich aber an diſen auch nıcht viel kehren wolte / da hat endlich ein un - ſichbare Hand widerum den beynenden Streicher herauß ge - nom̃en / und mit ſolchem Gewalt auf den Tiſch geſchlagen / daß er vor Schroͤcken faſt in Ohnmacht gefallen deß andern Tags wolte er / weil ihme je mehr und mehr Gedancken eingefallen / die Bibel wol beſchauen / find aber den Streicher widerum da - rin / und darzu mit dem Reißbley / auff der Seiten deß Blats ein gemachtes Creutzel / ſo ihm nicht wenig befrembdet / mai - ſtens darumb / weil auch ein NB. dabey geſetzt ware / welches ihn dann veranlaſt hat weiter zuſehen / und zu leſen / was dañ je - ne Zeil in ſich halte / ſo mit dem Creutzel bezeichnet / find endlich den kurtzen Text / deß Heil. Evangelij. Dixit ad Philippum, un - de ememus panes? Er ſprach zu dem Philipp / wo werden wir dann Brod nehmen Joann. am 6. Capitel / diſes hat ihme alſo - bald die Gedaͤchtnuß bewegt / daß er nichts anders gedacht / als daß ſein beſter Freund mit Nahmen Philipp / der vor 14. Tagẽ mit Todt abgangẽ / noch fernere Huͤlff von ihme verlange / und foderiſt ein und andere Heil. M. Jn welchen das Brod der Engeln auffgeſetzt wird / welches auch nachmahls geſchehen / worauff er nichts mehr geſpuͤrt.

So ſoll man dann niemals ſeines guten Freunds vergeſſẽ / abſonderlich / wann ſolcher in jener Welt in harten zeitlichen Peynen noch leyden / und ıhme ſelbſt nit helffen kan / da ſoll uns das NB. ſtets vor Augen ſeyn: NB. wie offt ſeynd wir luſtig bey einander geweſt / NB. wie offt hat er mir etwas zugefallen ge - than / NB. er hat nicht ein halben Tag koͤñen ohne meiner ſeyn. NB. Er hat mehrmahl nicht ein biſſen Brod gahabt / den er mit mir nicht getheilt / NB. er waͤre fuͤr mich in ein Feur gan - gen / ꝛc. So iſt dann billıch / daß ich ihn auch in dem erſchroͤckli -Pars IV. S schen322Die dreyſſig Silberlingchen Feur nicht laſſe / ſo ſeye es. Alle Heil Meſſen die ich hoͤre / alle Heil. Comunion die ich verrichte / die Heil. Ablaß ſo ich gewinne / das Allmoſſen ſo ich gibe / alle gute Werck die ich uͤbe / ſollen ihme geſchenckt ſeyn / biß er erloͤſt wird.

Luemus, ſi non abluemus.

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PRiùsin hoc ſæculo per Dei Jultitiam vel miſericordiam amariſi - mis tribulationibus ſunt excoquendi, &c. aut certè longo igne Purgatorij cruciandi ſunt, ut ad vitam æternam ſine macula perve - niant. S. P. Auguſt. in Epiſt. ad Aurel.

Die jenige / ſo laͤßliche Suͤnden begangen / oder |fuͤr die gebeichte Todt-Suͤnden noch nicht genugſame Buß haben gewuͤrcket / ſpricht der Heil. Vatter Auguſtinus, die muͤſſen entweder auff diſer Welt durch die allerbitterſte Truͤbſal außgekocht werden / oder aber in jener Welt ſeynd ſie durch langes Feuer zu creutzigen / damit ſie alſo ohne Macul / zum ewigen Leben eingehen.

NJemahl / ich ſage allezeit / niemahl ich ſchreibs allezeit / niemahl ich bekenns allezeit / niemahl iſt in der Welt einſolches Gebaͤu geſtanden / wie da war der Tempel Salomonis, maſſen zu denſelben allein achtzig tauſend Stein - hauer gebraucht worden: Unkoſten auff diſes ſo herꝛlich Gebaͤu ſeynd auff gangen in Gold tauſend ſechshundert und drey Mil - lion / ſammt achtmahl 100000. Ducaten in Silber / aber uͤbertau -323ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.tauſend / 200. und neun Million: Villa pand. ın Exzech. das war ein Gebaͤu! Das wunderbahrlichſte aber bey diſem Welt - beruͤhmteſten Fabrica war diſes / daß in wehrender Auff ich - tung deß gantzen Tempels niemahl ein Straich von einem Hammer oder Beyl / Stemeyſen / oder eines andern Jnſtru - ments gehoͤrt worden. Die Urſach ware / weil alles Holtz zu -3. Reg. c. 6. vor auff den Berg Libano auff das allergenaueſte zugericht / und alle Stein dergeſtalten palliert / und præpariert worden / daß faſt nicht ein Haar abgangen.

Ein gleiche Beſchaffenheit hat es mit dem Himmel / mit dem obern Jeruſalem ſo wir wollen zu denſelben als Lebendi - ge / und durch das Blut Chriſti ſo theur erkauffte Stein gelan - gen / iſt vonnoͤthen / daß wir auch vorhero auff das beſte palliert werden / es muß die allergeringſte Maeul an uns nicht gefun - den werden / dann der allergeringſte Maͤngel / wintzigſte Fleck kan nicht eingehen in das Reich GOttes.

Wie die Apoſtel ſich einmahl in einen kleinen Zanck einge - laſſen / da ſie nehmlich von der præcedenz im Himmel diſpu - tierten / da hat unſer lieber HErꝛ / gleich in Mitte derſelben ei - nen kleinen Knaben geſtellt / und ſich anbey verlauten laſſen / daß wann ſie nicht werden ſeyn wie die kleine Kinder / ſo wer - den ſie in das Himmelreich nicht eingehen. Dazumahl haͤtten ſich die Apoſtel wie die maiſte heilige Lehrer außgeben / laͤßlich verſuͤndiget / umb weilen ſie in einen geringen Zanck gerathen / alſo wolt ihnẽ der HErꝛ JEſus andeuten / daß ſie mit diſen klei - nen Verbrechen das Reich GOttes nicht koͤnnen beſitzen / ſon - dern ſey nothwendig / daß ſie darvon gereiniget / entweder auff der Welt / oder nachmahls in Fegfeur / ja wer in die ewige See - ligkeit will eintretten / muß ſeyn ſo rein und unſchuldig / wie ein kleines Kind / ſicut pueri, id eſt puri.

Hannon der Ammoniter Koͤnig hat deß Davids / der es ſo treuhertzig vermaint / geſandte Bottſchaffter / ſehr ſpoͤttlich tractieret / nachdem daß er ihnen die lange Roͤck biß auff dieS s 2Lende324Die dreyſſig SilberlingLende abſchneiden laſſen / und folgſam ſpoͤttlich entbloͤſt / weil dazumahl die Weltliche nicht pflegten Hoſen zu tragen / neben diſem Schmach / hat er ihnen laſſen den Barth halb abſchnei - den / welches zur ſelben Zeit ein groſſe Schand ware / nachdem ſolches dem David kundbar worden / hat er alſobald ihnen ent - gegen geſchickt / und ſagen laſſen / ſie ſollen zu Hoff ſo lange ver - bleıben / biß ihnen der Barth wider waͤchſt / theils darumb / da - mit ſie nicht vor jederman zu Schanden wurden / theıls auch / damit ſie nicht mit einer ſolchen Ungeſtalt vor dem Angeſicht deß Koͤnigs erſcheinen.

Hat nun David als ein Jrꝛdiſcher Monarch nicht wollen zulaſſen / daß jemand ſolle vor ihme mit einer Ungeſtalt ſich ſe - hen laſſen / wie vil weniger laſſet ſolches der Allerhoͤchſte zu. Dahero nothwendig / daß alle Mayl und Macul / ohne die auch die groſſen Heiligen nicht Leben / entweders auff Erden durch2. Reg. Cap. 10. ſtrenges Buß-Leben / oder aber in dem Fegfeur muͤſſen gerei - niget werden.

Jn der Capuciner Chronie / wird regiſtriret / daß Anno 1602. eines ſehr heiligen Lebens ein Lay-Bruder mit Todt ab - gangen / acht Tag aber nach ſeinem zeitlichen Hintritt dem Pater Prediger erſchienen / und mit ſehr lamentirlicher Stim̃ ihn alſo angeredet: O Theologe, Theologe, warum befleiſt du dich nicht auff die Lieb deß Nechſten / der Prediger gab die Antwort / wie daß er zwar kein Meß vor ihn habe geleſen / aber er ſeye der Meynung geweſt / als waͤre er wegen eines ſo from - men Wandels von Mund auff gegen Himmel gefahren / wor - auff der Verſtorbene: Anderſt ſeynd die Urtheil deß Men - ſchen / anderſt die Urtheil Gottes / der auch die allermindeſte Suͤnd nicht ungeſtrafft laͤſt / und von der allergeringſten Ma - cul die Himmels-Thuͤr verſperrt.

Die ſchoͤne Suſanna zu Babylon / wolte ſich bey heiſſer Sonnen Zeit in etwas erfriſchen in ihrem aignen Garten / nimbt derenthalben zwey Cammer-Menſcher mit ſich / fchaffteihnen /325ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.ihnen / ſie ſollen Oel und Seiffen mit ſich nehmen / damit ſie ſich bey dem Brunn koͤnte waſchen / und reinigen: Afferte mihiDan. 13. oleum & ſmigmata, &c. Die Seuffe womit ſich Suſanna, und all anders Frauen-Zimmer waſcht / die geht hin / und macht keine Schmertzen / aber jene Seiffen / mit der GOtt die veꝛſtor - bene Chriſtglaubige im Fegfeur waſcht und reiniget / und die geringſte Macul außbringt / iſt er ſchroͤcklich / und iſt deſſen Schaͤrffe nicht zu beſchreiben.

Vdalricus, Biſchoff zu Augſpurg / lebte gantz heilig / wuͤr - cket groſſe Miracul / und Wunderwerck / hat Fleiſch in Fiſch verwandelt hat gemacht / daß er durch den Fluß Lech umweit Augſpurg paſſiert / und nicht von einen Tropffen benetzt / da doch ſein Geſpan uͤber und uͤber auf den halben Leib naß wor - den; er hat gemacht / daß keine Ratzen in dem gantzen, Cloſter Ottobeur / auf ewige Zeit ſich ſehen laſſen / ja ſo einer dahin ge - tragen wird / muß er alſobald verrecken / vil andere dergleichẽ hat der Allmaͤchtige gewuͤrcket durch diſen Heil. Biſchoff we - gen ſeiner Verdienſten / aber weil ein einige kleine Macul an ihme / benantlich / weil er ſeinen Vettern Adalberonem zu ſei -In Vit. nem Nachfolger benennet / da hats gehaiſſen / Seiffen her / und muſte derenthalben im Fegfeur gereiniget werden.

Die Schweſter deß Heil. Domiani ſtarb in groſſem Con - cept der Heiligkeit / und weil ſie ein ſo unſtraͤfflichen Wandel fuͤhrte / auch glaubte man / daß ehender ein Schnee ein Schwaͤrtze / als an ihr ein Macul zu finden waͤre / weil ſie aberSpebul - Exempl. deſt. 9. einmahl auß Vorwitz einer luſtigen Muſic zugehoͤret / hats ge - haiſſen / Seiffen her / und muſte 15. Tage im Fegfeur von diſer Macul gereiniget werden.

Ein Knab mit 9. Jahren / hatte einem andern neun Haͤller entfrembt / und weil er mit diſer Macul als ungebuͤſter geſtor - ben / ſo hats gehaiſſen / Seiffen her / maſſẽ er ſeiner Mutter ganz feurig erſchienen / uñ Huͤlff verlanger / dañ ſagt er / daß gaͤntzlich nichts Unreins im Him̃el gehe / und komme ihm ſolches reini -S s 3gen326Die dreyſſig Silberlinggen haͤrter an / als wann aller Kohlbrenner der gantzen Welt ihre Kohlen auff ihme brennen thaͤtten.

Die Heil. Jungfrau Gertraud / hat auff ein Zeit ein Seel im Fegfeur geſehen / wie ſolche mehrmahl das Angeſicht Chri - ſtigeflohen / da doch diſer him̃liſche Braͤutigamb ſelbe freund - lichſt zu ſich geladen / fragte auch derenthalben die Urſach / wor - auff ſie Antwort von der Seel erhalten / wie daß ſie noch eim -Bloſ. in Mon. Spri, cap. 13, ge kleine Macul an ſich habe / deſſentwegen ſie ſich ſcheue vor GOtt zu ſtehen / ja wann ihr ſchon der Allerhoͤchſte die See - ligkeit wolte vergonnen / ſo moͤcht ſie doch ſolche waigern / ſo lang biß ſie gaͤntzlich gereiniget werde / dann es ſich nit gezieme / daß etwas unreines und bemacklet von dem Goͤttlichen Braͤu - tigamb umbfangt werde.

Manet altâ mente repôſtum.

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CAdit Aſinus, & omnes eum ſubievare feſtinant: ſed clamat in tor - mentis fidelis, clamat Pater, clamat filius, clamat uxor, maritus amicus, & non eſt qui reſpondeat: S. Pater. Auguſtinus Serm. 44. ad Hil.

Es fallt ein Eſel / und alle eylen ihm auffzuhelffen / entgegen ſchreyt in den Peynen deß Fegfeurs der Chriſtglaubigen; Es ſchreyet Vatter / es ſchreyet der Sohn / es ſchreyet das Weib / es ſchreyet der Mann / und iſt faſt niemand / der ſie erhoͤrt / alſo ſpricht der Heil. Vatter Aug.

WJe David duꝛch ſondere Schickung Gottes zu der Crõ gelangt / da hat er gleich ein Knopff an ein Tuͤchel ge -macht /327ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.macht / da war ſein ernftlicher Befelch: geht / ſchaut / fragt / ſuchet ob nicht etwan noch jemand von der Freundſchafft / und Haus deß Sauls vorhanden / demſelben will ich nach Muͤg - lichkeit Guts thun wegen meines beſten Freunds Jonatha, deſ - ſen mir erwiſene Gnade ich nim̃ermehr vergeſſen will und als endlich heraußkom̃en / daß deß Jonathæ noch leıblicher Sohn mit Namẽ Miphiboſeth im Leben / ein armer Tropff / der an Haͤnd und Fuͤſſen krumb / da muſte ſolcher alſobald vor den Koͤ - nig gefuͤhrt werden / und neben andern ware ihme die Gnad er - theilet / daß er allezeit bey der Koͤniglichẽ Taffel doͤꝛffte ſpeiſen.

Zuwuͤnſchen waͤre / daß die gantze Welt alſo beſchaffen / wie der David / ſo wurde manche Seel auß dem Fegfeur nicht alſo aufſchreyen! Oblivioni datus ſum tanquam mortuus à corde. Jch bin gleich einem Todten auß dem Hertzen vergeſſen wor - den. Pſ. 30. Dann je nichts ehender wurmſtichig wird / als die Gedaͤchtnuß der Menſchen / und vergeſſen wir ſo bald der je - nigen / die von uns in jene Welt den Abſchied genom̃en / da wir doch ſo groſſe / und manche Gutthaten von ihnen empfangen. Hatte jener Mundſchenck bey dem Hoff deß Koͤnigs Pharao - nis ein Knopffan das Tuͤchel gemacht / welches gar wol hette ſollen geſchehen / ſo waͤre Joſeph nit zwey Jahr in ſo harter Ge - faͤngnuß verblieben. Wann mancher ihme thet oͤffter in Ge - daͤchtnuß fuͤhren / wer ihme Guts gethan? wer Urſach ſeines Gluͤcks? wer ihme nach GOtt zu einen ſtuͤckel Brod geholf - fen? ſo wurde er ſo leicht nicht der verſtorbenen Gutthaͤter ver - geſſen / und wuͤrden dife weit ehender ihres feurigen Aꝛreſts ent - laſſen werder.

Von Pio dem fuͤnfften ſeeligen und heiligen Pabſt / wird geſchrieben; daß ſolcher / lang vorhero / ehe er zur Paͤbſtlichen Wuͤrde erhoben woꝛden / habe eins mahls bey eytler Nacht von Pergamo auß die Flucht genom̃en / umb weileinige ihme nach dem Leben geſtrebt / und den Weeg nacher Meyland genom - men / endlich Noth-halber / da er von der finſtern Nacht uͤber -fallen /328Die dreyſſig Silberlingfallen / die Einkehr genommen / bey einen Bauren / von wel - chem er gar wol / ob ſchon unbekandter / gehalten und tractiret worden / ſo verurſacht hat / daß Pius ein Knopff an das Tuͤchel gemacht / zu zaigen / deß er ſeiner auch nit wolle vergeſſen / wie nun mitler Zeit Pius zum hoͤchſten Ambt der Kirchen erkiſen / und von Laterano auß / offentlich getragen worden / da hat der fromme Herꝛ / auß ſo viel tauſend Perſonen / ſo diſer Solemni - taͤt halber zugeloffen / den gedachten Bauren erkennt / ungeacht er denſelben nur bey der Nacht geſehen / ſich deß gemachten Knopffs erinnert / denſelben zu ſich laſſen ruffen / uñ zum Danck und Vergeltung / ſeinen zwey Toͤchtern 2000. ihme aber fuͤr ſein Nothdurfft 500. Ducaten angeſchafft.

Diſen ware ein loͤbliche Danckbarkeit / und wolte GOtt / es waͤren mehr dergleichen Pij zu finden / ſo waͤre auch nicht die ſo groſſe Vergeſſenheit einſchleichen in den menſchlichen Hertzen: offt mancher gedencket doch / wer er vorhero geweſt / vorhero ſo vil gehabt / als Petrus in ſeinem Netz / da er die gantze Nacht ge - fiſcht / Nihil; Jetzt aber voller Gold / wie das Kalb in der Wuͤ - ſten / ſo die Hebræer angebett: vorhero ſo ſchlecht / daß er muͤſte mit den Stroh verlieb nem̃en / wie die Goͤtzen-Bilder des La - bans / jetzt aber ſo wol eingericht / daß er auch mit einem Egy - ptiſchẽ Joſeph nit wolte tauſchẽ; vorhero ſo gering / daß er faſt die verlohrne Eßlin mit dem Saul hat muͤſſen ſuchen / jetzt aber ſo vornehm / daß er wie ein Mardochæus beym Brett ſitzt; vor - hero ſo arm / daß er mit der Samaritanin muſte das Brunn - Waſſer ſchoͤpffen / jetzt aber ſo vermoͤglich / daß ihme die Keller mit Wein angefuͤllt / wie die Kruͤg zu Canauſq; ad ſum̃um, &c. Er gedenckt aber / wer ihm zu allen diſem nach dem Allmaͤch - tigen GOtt / verhuͤlfflich geweſt? wer? diſer und diſer / wann er nicht geweſt waͤre / ſo waͤre ich ſo weit nicht kommen; wann dem alſo / ſo ſchau doch / was der Knopff beweiſt an deinem Tuͤ - chel / nemlich / du ſolſt der empfangenen Gutthaten nicht ver - geſſen; diſe deine Gutthaͤter ſeynd ſchontodt / ſeynd in einemStand /329ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.Stand da ſie ihnen ſelbſt nicht helffen koͤnnen / ſitzen und brin - nen und braten im Feuer und Flammen / und erwarten alle Augenblick auff deine Danckbarkeit.

Wie GOttes Sohn auf die Welt kom̃en / und auß der un - befleckten Jungfrau Maria gebohren zu Bethlehem / da waren gegenwaͤrtig ein Ochs und Eſel / welche / wie Thomas de Villa nova bezeigt / beyde ihre Knie gebogen / und den HErꝛn ange - bett / und ſollen ſich derenthalben etlich nicht wenig ſchaͤmen / daß Ochſen und Eſels-Koͤpff hoͤfflicher ſeyn / als ſie; der Eſel ſtellte ſich abſonderlich freundlich gegen den neugebohrnen Meſſia, als den er mit dem ſtetten keuchen erwaͤrmet / und von dermahligẽ Kaͤlte defendiert / der kleine JEſus machte (alſo zu reden) dazumahl ein Knopff an die Windlein / als woll er deß E - fels nicht vergeſſen / ſondern zu ſeiner Zeit vergelten / und ſo er am Palmtag / da er wolte triumphirend in die Stadt Jeruſa - lem einreitten / hat er hierzu ein ſolches Thier erwaͤhlt / ja ſo gar bedeckten die Juden den Weeg mit ihren Klaydern / wo der Heyland geritten / ſolche Chriſt dem Eſel niemal widerfahren.

Jſt nun der gebenedeyte Heyland danckbar geweſt gegen einẽ Eſel / ſo loͤſche ich den erſten Buchſtabẽ in diſem Woꝛt auß / ſo bleibt Seel / und hoffe du werdeſt nicht in Veꝛgeſſenheit ſtel - len / die ſo mannigfaltıge Gutthaten / die du von diſer und diſer Seel / als ſelbige noch in dem Leib auf der Welt wanderte / em - pfangen. Dem Tobias hat der Raphaël viel Guts erwieſen / das aber hat er nit vergeſſen; der Ruben hat den Joſeph viel Guts gethan / das hat er wol nit vergeſſen; Jethor hat vom Moyſe in Egypten vil Guts empfangen / das koͤnte er gar nit vergeſſen; Joſue hat ein zimliche Gutthat erhalten von der Rahab, das wolt er nie vergeſſen; Naam Syrus, hat von Eliſæo vil Guts empfangen / das wolt er auff kein Weiß vergeſſen; die Ruth, hat von der Booz ſehr vil Gutthaten erfahren / das wolt ſie nimmermehr vergeſſen; Elias hat von der Wit - tiben / die ihn erhalten / vil Guts empfangen / das koͤnte erPars IV. T tkurtz330Die dreyſſig Silberlingkurtz umb nicht vergeſſen. Jch / du und er / wir / und die / ha - ben ſehr viel Guts empfangen von diſem und jenem / der ſchon laͤngſt mit Todt abgangen / ſo laſt uns dann ſeiner nicht ver - geſſen / es ſolt kein Tag vorbey gehen / daß ich nicht ein Ave Ma - ria hinunter ſchickte / es ſolt die Sonne nicht untergehen / daß ich ihme nicht das ewige Liecht wuͤnſche / es ſollen nicht 24. Stund verfliehen / daß ich ſeiner ſoll nicht gedencken / ſo lang ich lebe / ſo will ich das biſſel Brod mit ihm theilen / unb das oͤff - tere Almoſſen welches ich dem Armen gebe / ihm uͤberlaſſen / troͤſt ihn GOtt / das will ich allezeit geben / GOtt geb ihm die ewige Ruhe / des will ich allzeit reden / GOtt ſey ihm gnaͤ - dig / das will ich allzeit ſprechen.

Ein Knopff an das Tuͤchel machen / forderiſt die Religio - ſen / welche nach der Evangeliſchen Armuth leben / und von Allmoſen ihr Unterhaltung haben / diſe vergeſſen niemahl der verſtorbenen Gutthaͤter / ſondern faſt in allen ihren Zuſam̃en - kunfften und Gotts-Dienſten iſt man eingedenck derſelben. Jn unſer Reformirten Religion, bettet man nicht allein beyal - len Conventual-Capitel / Provincial-Capitel / General-Ca - pitel / fuͤr die verſtorbenen Gutthaͤter wie auch jedesmal nach dem Chor / ſondern ſo gar endet ſich kein Tiſch noch Taffel / wo man nicht dergleichen Beſcheid-Eſſen ſchickt denen verſtorbe - nen Chriſtglaubigen / ſo zuvor einige Gutthaten den armen Geiſtlichen erwiſen; und iſt ja recht und billich / maſſen ſo gar die Juden nicht ſo ungeſchlacht geweſen. Nachdem der HErr JEſus mit fuͤnff Brod / und zwey Fiſch / fuͤnfftauſend Perſonen geſpeiſt / ſo haben ſie Jhn zu einen Koͤnig wollen auffwerf -Pon. fen / und ihme die Cron auffſetzen; Alſo iſt unſer Verpflicht und Schuldigkeit / daß wir an alle empfangene Gutthaten gedencken / und forderiſt denjenigen verſtorbenen Gutthaͤtern helffen zu der ewigen Cron / von welchen wir einige Lebens-Mittel bekom - men.

Sol -331ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.

Solvendo ſalvabimur omnes.

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SCio miſericorditer operatam (Matrem meam) & ex corde dimi - ſiſſe debita debitoribus ſuis, demite illi & tu debita ſua, ſic qua etiam contraxit per tot annos poſt aquam ſalutis. S. P. Auguſt. lib. 10. Confeſſ. c. 13.

Jch weiß wol / daß ſie (mein Mutter) ſich ſehr barmhertzig gegen je - derman verhalten / und ihren Schuldnern dıe Schuld nachgelaſſen habe / derohalben O GOtt vergib derſelben gleichfalls ihre Schulden / die ſie nach dem heiligen Tauff von ſo vielen Jahren her etwann gemacht habe.

FOrt mit dir in die Keuchen / ſagt das Evangelium / es ſey dir geſagt / Amen / es ſey dir geſchworen / du wirſt von dannen nicht heraus kommen / biß du den letzten Heller bezahleſt. Diſes alles gehet die arme Seelen im Feg -Matth. 5. v. 26. feur an / welche ihre gemachte Schulden in jenem feurigen Ker - cker bey Heller und Pfenning bezahlen muͤſſen / aber wo neh - men? Qui non habet in ære luat in pelle, Da haiſt es / der nit bey Mittel iſt / der bezahle es mit der Haut / oder ein anderer aus Mitleyden und Barmhertzigkeit bezahle fuͤr ihn / maſſen der gerechte Richter nicht einen Heller nachlaſſet.

Seltzam iſt was von einem Schwediſchen Hauptmann Mancinus vorbringet / weil diſem Soldaten ſo viel Monath -T t 2Sold -332Die dreyſſig SilberlingSold ausſtaͤndig / zumahl von Sold der Soldat den Nahmen geſchoͤpfft / hat er endlich die Sach vor den Koͤnig Carolum ſelbſt gebracht / und verlangte unterthaͤnigſt die ihme außſtaͤn - dige 600. Reichsthl: / was ſagte der dazumahl ungedultige Koͤ - nig? dir 600. Reichsthl:? an ſtatt diſer will ich dir 600. Teufel auf den Kopff wuͤnſchen: das ſchmertzte nit ein wenig den gu - ten Officier / kunte aber dermahlen wider den Strohm nicht ſchwim̃en / und muſte dermahl die liebe Gedult anzıehen / unter - deſſen wachſen ſeine Schulten nit ein wenig im Wirthshauß / alſo zwar / daß ſolche bereits auf 300. Reichsthl. ſich beloffen / welches Gelt die Frau Wirthin in baarer Bezahlung forderte / woruͤber aber der beſagte Hauptmañ / ein ſehr ſauers Geſicht gemacht / was? ſprach er 300. Thaler? an ſtatt deren / ſolt ihr 300. Teuffel auf den Kopff haben / ſolche freche Antwort ver - anlaſte die Wirthin / daß ſie gar die Sach nacher Hoff brachte / und kame die ernſtliche Beſcheidung / der Officier ſoll erſchei - nen / deme dann unter groſſer Leibs-Straff auferlegt worden / er ſolle bezahlen / wor auff der Soldat geantwort: wie daß er ſie bereits mit Koͤniglicher Muͤntze baar contentiert / dañ ihme unlaͤngſt der Koͤnig auf Erforderung 600. Thaler / 600. Teuf - fel habe geben / und weil er ihr der Wirthin nicht mehr als 300. Thaler / vermoͤg der gemachten Rechnung ſchuldig ſeye / alſo habe er ſie mit 300. Teufel abgefertiget / man werde hoffentlichCap. 840. hierinnfalls des Koͤnigs Muͤntze nit verachten / ꝛc. Auf ſolche Weiß laſt ſich der goͤttliche gerechte Richter nit bezahlen / ſon - dern es muͤſſen die arme verſtorbene Chriſtglaubige / die noch mit einem Schulden-Reſt von der Welt geſchiedẽ / ihn conten - tiren / biß auff den letzten Haͤller / aber wo nehmen? umb GOt - tes Willen wo nehmen? ſie haben nichts / dahero werden ſie ar - me Seelen geneñt / und eben weil ſie nichts haben / wormit ſie den Allmaͤchtigen befridıgen koͤnnen / muͤſſen ſie darfuͤr lange / groſſe / ſchwere / harte / ſtrenge und unbeſchreibliche Payn und Tormenten ausſtehẽ oder / oder / oder / welches ihr einiges bit -ten /333ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.ten / bitten / und ſeufftzen / und ſchreyen iſt / oder / jemand anderer auß uns muß auß Mitleyden fuͤr ſie bezahlen / damit doch ein - mahl der allmaͤchtige GOtt / ein Creutz mache durch das Schuld-Buch; aber wo nehmen? das ſage nur kein Menſch.

Petrus ließ ſich wol einmahl verlauten / da er von einem Bettler bey der Kirchthuͤr umb ein Allmoſen angeſprochen worden / daß er weder Pfenning noch Haͤller / wenıger etwas von Gold habe / ꝛc. Aber dieſe Entſchuldigung koͤnnen wir auff keine Weeg vorſchuͤtzen / Gelt gnug / Gelt ohne Abgang / Gelt ſo viel man verlangt / und zwar die beſte Maria-Groſchen / iſt ein Gelt / ſo der Zeit im Schwung geht / durch dieſe Maria - Groſchen kan man verſtehen das H. Ave Maria, und folgſam gar den H. Roſenkrantz / womit die groſſe Schulden im Feg - feuer koͤnnen bezahlt werden.

Der ſeelige Alanus de Rupe erzaͤhlt / daß ihme ſehr viel Bruͤder und Schweſtern aus der Ertz-Bruͤderſchafft des H. Roſenkrantz geſagt habẽ / auch mit einem Ayd betheurt / daß ih - nen gar oft / da ſie den H. Roſenkrantz andaͤchtig gebettet / ſeyen Seelen aus dem Fegfeur erſchienen / dero Stirn mit einem ro - then Creutzlein bezeichnet geweſen / welche ſehr groſſen Danck ablegten umb dieſes heilige Gebett / auch anbey ermahnten / ſie ſollen ferners in diſer Andacht fortfahren / maſſen nach dem Heil. Meß - Opffer kein kraͤfftigers Mittel ſey ihre Payn zu mindern / und die Schulden fuͤr ſie zu bezahlen als den H. Ro - ſenkrantz / deßgleıchen in Surio zu leſen / daß des Koͤnigs Phi - lippi in Franckreich leibliche Tochter und Hertzogin in Bra - band / der H. Ludgarden erſchienen / und ihr angedeutet / daß ſie nit lang im Fegfeur verblieben / vermittels des H. Roſenkrantz / den ſie taͤglich bey Lebzeiten andaͤchtig gebettet. Wañ die Ro - ſen-Kielen wie aller Medicorum Auſſag iſt / ſo wundert mich nicht / daß die mit groſſer Hitz geplagte Seelen / in jenem zeit - lichen Kercker alſo trachten nach dem Heil. Roſenkrantz.

Von der ſeeligen Eliſabeth aus Aragonia wird geſchrie -T t 3ben:334Die dreyſſig Silberlingben: daß ſie einsmahls durch Goͤttliche Eingebung ein Kir - chen-Gebaͤu / deſſen Abriß der Himmel ſelbſt gemacht / habe angefangen / wie nun zur Abends Zeit die Arbeiter nacher Hauß gangen / gab ſie jeden eine Roſen / in dem beſtunde der Taglohn; weil die gute Leuthe nur wohl erkennt / die groͤſte Heiligkeit dieſer Eliſabeth / alſo haben ſie derowegen kein wi - driges Geſicht gezeigt / ſondern die Roſen mit Danck ange - nommen / ſolche wegen ihres guten Geruchs an die Naſen ge -In| annal. Min. 1131. halten / und gleichſam darum gedanckt; Aber ſih Wunder! da ſie die Roſen in Handen hielten / ſeynd ſolche augenblicklich in groſſe guldene Pfenning veraͤndert worden.

Was dazumahlen geſchehen / geſchicht noch oͤffter / daß nem - lich die Roſen zu Gelt werden / ſolches umb Bericht die arme Seelen im Fegfeur / die es mit groſſen Danck beſtehen / daß ein Roſenkrantz / ſo man fuͤr dieſe arme Tropffen GOtt aufopf - fert / das angenehmſte Geld ſeye in den Augen GOttes / und nicht ein wenig von ihren Schulden abzahle.

Zu Capharnaum wurde der Peter angeredt / er ſolle dem Zinß Groſchen zahlen / wo nehmen? Unſer HErr befilcht ihm / er ſolle den Angel ins Meer werffen / dem nechſten Fiſch / denMatth. 17. v. 26. er werde heraus ziehen / ſoll er ins Maul greiffen / da werde er ſchon Geld finden / wie es dann auch geſchehen.

Wir wolten gern fuͤr die arme Seelen in Feegfeur die Schuld bezahlen / aber wo Geld nehmen? Geld genug / zu Ca - pharnaum hat ein Fiſch Geld geſpendirt / jetzt aber gibt uns der Fiſcher Geld. Beſchauejemand / alle Ablaß-Brieffe / ſo nun von dem Paͤbſtl. Stul kom̃en / ob ſelbe nicht von Fiſcher? ein jeder wird von Fiſcher-Ring beſtaͤttiget / ſub annulo Piſcato - ris; Ein ſolcher Ablaß iſt an ſtatt des beſten Gelts / womit die Schulden der armen Seelen bezahlt werden.

Anno 1308. iſt ein Edelmañ / ſambt ſeinen Beambten nach dem Kirchel Portiuncula geraiſt / allda den vollkom̃enen Ab - laß zu gewinnen / in der Zuruckraiß wurde dieſer Beambte er - krancket / und ſchriebe ſolchen ſeinen Zuſtand keiner andernSach335ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.Sach zu / als der groſſen und langen Raiß / murrte derentwe - gen nicht ein wenig / worauff der Edelmann ihn getroͤſt / er ſoll eines guten Muths ſeyn / den Raiß-Unkoſten wolle er bezah - len / ja ſo gar auch ihn auf ſeinem eigenem Pferdt / biß nacher Hauß liffern / wann er den heiligen Ablaß / den er vermuthlich gewunnen / ſeinem ſchon laͤngſt verſtorbenen Bruder wolle uͤberlaſſen / gar gern / ſagt hinwiederum der andere / der gern / wann ich nur reiten kan: deß andern Tags erſcheint dieſem Edelmann ſein laͤngſt verſtorbener Bruder in gantz glorreicher Geſtalt / mit Meldung / daß er / GOtt ſey Lob / ver -Chròn. Min. mittels deß ihme uͤberlaſſenen heiligen Ablaß / aller Peyn ſey loß worden / und anjetzo in die ewige Seeligkeit eingehe.

Dieſer Seel iſt Portiuncula weit beſſer zu Nutzen kom -Luc. 15. men / als jenem verlohrnen Sohn ſein Erb-Portion. Da mi - hi Portionem, &c. Ablaß-Pfenning ſeynd bey den armen Seelen weit beſſers Geld / als alle Ducaten / ꝛc. O! wer iſt doch dißfalls reicher / und mit Gelt verſehen / als die Bruͤder und Schweſter in der Ertz-Bruͤderſchafft der Todten allhier zu Wien bey uns P P. Auguſtinern / laſſen ein gantzes Jahr hindurch ſie mit ſo haͤuffigen Ablaß verſehen / wormit ſie als mit dem beſten Geld / und Himmliſcher Muͤntz der armen ver - ſtorbenen Chriſtglaubigen / forderiſt deren in GOtt entſchlaf - fenen Bruder und Schweſter-Schulden koͤnnen bezahlen / und alſo durch das Schuld-Buch ein Creutz mache / zumahlen der mittere Creutz Altar von dem Paͤbſtlichen Stull mit der gleichen Gnaden bereicht iſt.

Oſtium336Die dreyſſig Silberlrng

Oſtium pandit Hoſtia.

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POnite hoc Corpus ubicumque nil vos ejus cura conturbet: Tan - tum illud vosrogo, ut ad Altare Domini memineritis mei ubi - cumque fueritis. S. P. Auguſt. lib. Confeß. 9. c. 11.

Legt diſen meinen Leib / ſagte die Heil. Monica, als ein Mutter Au - guſtini, legt ihn hin wo ihr immer wolt / doͤrfft euch denſelben wenig laſ - ſen angelegen ſeyn / noch derenthalben vil Kummer machen / aber mein ei - nige Bitt iſt nur / daß ihr meiner in dem Heil. Meß-Opffer wollet ein - gedenck ſeyn alſo ſchreibt ſelbſt der Heil. Vatter von ihr.

DAzumahl iſt dem Peter das Concept nicht angangen / wie er auf dem Berg Tabor, allwo der gebenedeyte HErꝛ und Heyland ſein Glory in etwas entworffen / dem Moyſi, dem Eliæ, und forder iſt dem HErꝛn / wolte drey Tabernacul bauen / Facimus hic tria Taburnacula, &c. Aber bey uns kan nichts heilſamers geſchehen / als wann wir den armen Seelen / in jener Welt Tabernacul ſchencken; verſte - he aber die Tabernacul in der Kirchen und GOttes-Haͤuſern / in welchen das hoͤchſte Gut aufbehalten wird / welches auß allen Mitteln das wertheſte und beſte iſt / die in jenem zeitli - chen Kercker verhaffte Seelen zuerloͤſen.

Die Gartner ſuchen und forſchen / und ſehen / ſehen wol /ſorgen337ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.ſorgen vil / ſuchen ſtaͤts / was fuͤr ein Zeichen in Mond ſeye / ob er im Auffnehmen / oder Abnehmen / ob er im erſten oder letz - ten Viertel / ob Neumond oder Vollmond / ꝛc. Dann die mei - ſte Influenz des Monds iſt in die Erd-Gewaͤchs. Die arme Seelen im Fegfeur / die ſchauen auf nichts ſo ſehr als auf den Mond / ſie ſeufftzen nach nichts ſo ſtarck als nach dem Mond / ſie dencken auff | nichts ſo ſtarck als auf den Mond / und zwar auf halben Mondſchein / welcher in der guldenen Mon - ſtrantzen das hoͤchſte Gut haltet / diſes Brod der Engeln / diſes Goͤttliche Manna, dann von dieſem iſt aller Gnaden und Barmhertzigkeit einige Influenz.

Jn unſerm werthen Teutſchland / iſt faſt ein gemeiner Brauch / daß bey Marck-Zeiten ein guter Freund dem andern ein Jahr-Marck kaufft / ja mancher ſpendirt nicht wenig / der zieht den Beuthel zimlich / es fliegen vil Denari auß damit er nur ſeiner Liebſten einen angenehmen Jahrmarck einkauf - fe. Das Bitten der armen Seelen zu uns / das Schreyen der armen Verſtorbenen zu uns / das Seufftzen der Bekanten und Anverwandte aus dem Fegfeur zu uns / iſt mehrentheils nur umb ein Jahr-Marck / aber man muß es alſo verſtehen; in groſſen vornehmen Handels-Staͤdten wird ein Jahr - Marck ein Meß genennt / benanntlich Franckfurther Meß / Leipziger Meß / ꝛc. Aber die verſtorbene Chriſtglaubige ver - langen kein ſolche / ſondern ein heilige Meß / |in welcher nicht zeitliche Waaren / ſondern die Goͤttliche Waar / welche der vermeſſene Judas / umb ein ſo geringen Preyß / benanntlich nur umb dreyſſig Silberling verhandelt / das wahre Fleiſch und Blut JEſu Chriſti in dem Heil. Altar-Opffer.

Anno 1667. in der Stadt Straubing in dem Herzog - thum Bayrn / hat ein frommes paar Ehe-Volck bey finſterer Nacht an einem Sambſtag ein andaͤchtiges Geſpraͤch gehal - ten / wie daß ſie nemblich den morgigen Tag auch wollen er -Pars IV. V uſcheinen338Die dreyſſig Silberlingſcheinen in der General-Communion bey den PP. Jeſuitern / da ſie nun ein kleine Weil von diſem ſo heiligen Vorhaben ge - redet / da hoͤren ſie etwas klopffen in der Cammer / endlich ſeuff - tzen / und diſe Wort außſprechen / Date & mihi micam, laſt doch / ach / laſt doch mir auch einen Proſen zukom̃en. Als wolt gleichſamb diſer Geiſt ſagen / ihr habt ſo offt ein ſtattliches Panquet / umb welches / wann es moͤglich waͤr / auch die Engel euch ſolten benedeyen / ihr habt mehrmahl ein Tractament / daß auch GOtt ſelbſt mit aller Allmacht nichts koſtbahrers kan aufſetzen / und wir leyden allhier ein ſo unausſprechlichen Hunger / ſchickt uns doch umb GOttes Willen auch ein we - nig ein Beſcheid-Eſſen / vergunt uns nur als euren Bluts - Freund / als den allerverlaßneſten Tropffen nur ein Pr[o]ſen / von diſer Goͤttlichen Taffel / ihr koͤnt ja nit ein ſo Stain hartes Hertz haben / wie jener reicher Praſſer: der dem armen Lazaro vor der Thuͤr nicht den wenigſten Biſſen hat laſſen zukom̃en / dann diß allein iſt das allerkraͤfftigſte uns zu helffen / diſes zer - trennt unſere Eyſen und Bande / an die wir gefeſſelt ſeynd / di - ſes eroͤffnet den Kercker in dem wir gefangen liegen / diſes ver - ſuͤſſet unſere Bitterkeiten / mit denen wir allerſeits umbgehen.

Lippomannus ſchreibt den 22. April von dem Heil. Prie - ſter Gregorio, wie diſen Theodorus in der Gefaͤngnuß wolte verſehen mit dem heiligſten Fronleichnamb / zuvor aber die Waͤchter und Soldaten gebetten / daß ſie ihn aus den Eyſen und Banden nur ſo lang wolten ſchlagen / biß er das heilige Werck vollzogen. Als er aber von diſen unbarmhertzigen Ge - ſellen nichts erbitten konte / ſo hat er gleichwol die heil. Com - munion ihme dargereicht / ſihe aber Wunder! kaum hat Theo - dorus dem heiligen Mann die heiligſte Hoſtien auf die Zun - gen gelegt / da ſeynd alsbald von Gregorii Haͤnd und Fuͤſſen die Bande und Ketten abgeſprungen / und folgſam der heilige Mann aller Banden befreyet worden.

Wann nun diſes hoͤchſte Panquet ſolche Band aufgeloͤſtſo339ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.ſo iſt es nicht weniger kraͤfftig auch jene feurige Ketten / an de - nen die armen Seelen im Fegfeur gefangen ligen zu zerbre - chen. Wann jene Speiß / welche der Prophet Habacuc dem Daniel in die Loͤwen-Gruben getragen / ihme ſo erſaͤttlich ge - weſt iſt / wie wird erſt den armen Seelen ſeyn / das Hochwuͤr - digiſte Sacrament des Altars? wann den Propheten-Kin - dern / denen Eliſæus mit wenig weiſſen Meel hat koͤnnen den bittern Kraut-Topffverſuͤſſen / was wird dann erſt fuͤr Krafft haben / der unter der Geſtalt des weiſſen Brods verhuͤllte Heyland ſelbſt? wann ein Engel hat koͤnnen den im Gefaͤng - nuß verhafften Peter auf freyen Fuß ſtellen / was wird nun thun koͤnnen GOtt ſelbſt / ſo den armen Seelen in dem aller - heiligſten Sacrament wird zugeſchickt?

Auß dem Ciſterienſer Orden zu Claraval war ein Ley - Bruder / welcher kein anders Ambt hatte / als die Schaaf zu huͤten / dann vor dieſem in dergleichen Cloͤſtern keine weltliche Leuthe gebraucht worden / ſondern alle Hand-Arbeit / ſo gar ackern / ſaͤen / ſchneyden / und treſchen / die Geiſtliche muſten verrichten; als beſagter Ley Bruder eineſt bey ſeiner Heerd Schaaf ſich befunden / da erſcheint unverſehens vor ſeiner ein Menſch / den er alſobald und ohne Schrocken befragt / wer er ſeye? woher er komme / ich / ſagte diſer / bin dein Vetter / bin vor wenig Zeiten mit Todt abgangen / bin von dem gerechten GOtt in das Fegfeur verurtheilet worden / woriñen ich uner - meßliche Peyn und Schmertzen leyde / alſo bitte ich dich umb Gottes Willen / halte bey deiner Obrigkeit an / daß ſie mir drey H. Meſſen ſchencken / vermoͤg diſer wird Gott mein zeit iche Stroffenden: Nachdem nun ſolches Heil. Opffer fuͤr diſe ar - me Seel verrichtet worden / ıſt ſie mehrmahl in Gegenwarth anderer erſchienen / und ſich gantz glorreich gezaigt / auch of - fentlichen Danck abgelegt / um diſe ihre ſo groſſe gelaiſte Huͤlff.

Warumb aber / moͤcht einer ſagen / ſoll man mehr Meſſen leſen fuͤr einen Verſtorbenen? in dem doch ein einige H. MeßV u 2genug340Die dreyſſig Silberlinggenug iſt das gantze Fegfeur außzulaͤren: hierauff wird geant - wort: wann man anſicht das jenıge / was ın dem Heil. Meß - Opffer auffgewandelt wird / ſo iſt ſelbiges eines unendlichen Werths / maſſen es der wahre Heyland JEſus ſelbſt / und die - ſer iſt freylich genug / nicht allein außzuloͤſchen ein Fegfeuer / ſondern unzahlbare; ſo man aber betracht den Effect und Frucht der Heil. Meß / ſo iſt dieſer nicht unendlich / ſondern der Hoͤchſte hat durch ſeine Goͤttliche Weißheit beſchloſſen / es ſoll ein heiliges Meß-Opffer ſo und ſo vil gelten / ſo und ſo vil laͤß - liche Suͤnden außloͤſchen / ſo und ſo vil Schulden bezahlen / und nicht mehr; was aber eigentlich fuͤr einen Preiß / oder Werth der Allmaͤchtige geſetzt hat auf ein ſolches heiliges Opffer / iſt dermahl uns Menſchen nicht bekant / wird auch in Goͤttlicher H. Schrifft eigentlich hiervon kein Meldung gethan / noch ha - ben wir deſſen durch einige Offenbahrung ein Wiſſenſchafft.

Es laſt ſich mehrmahl jemand hoͤren / wann ein vornehmer Herꝛ mit Todt abgebt / wann ein reiche adeliche Dama ſtirbt / fuͤr welche etliche tauſend H. Meſſen geleſen werden / ſo kommt ja ein ſolche Seel bald auß ihren Schulden in jener Welt / da unterdeſſen ein armer Tropff / der keine Mittel hinterlaſſen / muß ſeine Schulden ſo langſam und ſo theur bezahlen; allhier iſt die Antwort / daß ſolcher Geſtalten wenig Edel-Leuth im Fegfeur waͤren; es iſt aber zu wiſſen / daß ſolche Heil. Meſ - ſen und andere gute Werck nicht allezeit den jenigen zukom - men / fuͤr welche ſie verricht werden / dann wann ſolche bey Lebzeiten nie / oder gar ſelten / der armen Seelen im Fegfeur ſeynd eingedenck geweſt / ſo nimbt ihnen GOtt gleichſam ſolche heilige Werck vor dem Maul weg / und theilt ſie unter andere beduͤrfftige Seelen auß / die ſonſten aller Huͤlff entbloͤſt ſeynd; wol aber laſt der guͤtigſte GOtt den jenigen die ſie verrich - te Suffragia zukommen / ſo vorhin auch mitleydent geweſt bey Lebszeiten gegen den armen verſtorbenen Chriſtglaubi - gen. Non omnibus Defunctis proſunt. Suffragia infalli -biliter,314[341]ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.biliter, ſed aliquibus qui meruerunt in hac vita, & ii cenſen -Ita Caje - tanus ex S. P. Au - guſt. Opus. 1. c. 16. Q. 2. art. 1. tur eſſe animæ eorum, qui in hac vita habuerunt ſpecialem devotionem circa animas Purgatorii.

Gaudent proximiora magis.

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INſpira Domine Deus meus, inſpira ſervis tuis, Fratribus meis, Fi - liis tuis, Dominis meis, quibus & voce & corde & litteris ſervio, ut quotquot hæc legerint, meminerint ad Altare tuum Monicæ fa - mulæ tuæ cum Patricio quondam ejus conjuge, per quorum carnem introduxiſti me in hanc vitam. S. P. Auguſt. lib. 9. Confeß. c. 13.

Verſchaffe mein HErr und mein GOtt / ſeufftzte der heilige Vat - ter Auguſtinus, verſchaffe in deinen Dienern / meinen Bruͤdern / deinen Kindern / meinen HErrn / welchen ich mit Wort und Schrifften / mit Hertz und Mund zu Dienſten bin / auf daß alle / die diß leſen werden / deiner Dienerin Monicæ, ſambt ihren Ehegemahl Patricio, durch wel - che ich diſes zeitliche Leben empfangen hab / bey dem Altar gedencken wol - len.

EJn vornehmer Edelmann aus Franckreich wurde von dem Vorwitz angetrieben / daß er eine Luſt bekommen / die neue Welt / von der ein ſo groſſer Ruhm und Ruff / zu ſehen / zu welchem End er ein ſtattliche Schiffarth dahin an - geſtellt / deme auf alle Weiß auch nach allem Widerrathen / ſein erwachſene Schweſter die Geſellſchafft gelaiſt / ein Fraͤule vonV u 3wun -342Die dreyſſig Silberlingwunderſchoͤner Geſtalt / und Leibs-Beſchaffenheit. Nach an - dem befand ſich auch auf gedachtẽ groſſen Schiff ein ander ſehꝛ adelicher Cavalier / welcher nach und nach ein Aug geworffen in des Schiffherꝛn ſeine adeliche Schweſter (im Wuͤrffelſpielẽ ſeyn vil Augen gut / und bringt Gluͤck / aber in diſem Fall ſeynd die Augen meiſtens ſchaͤdlich) ſeine Lieb wachſte ſo weit / daß er auch ein Gegenlieb erworben / ja ſo gar haben ſich beyde in ein eheliche Verloͤbnuß eingelaſſẽ / doch ungeacht habẽ des Schiff - herꝛns / deme hirvon das wenigſte vertraut wordẽ / aus Forcht / er moͤchte als ein hochtrabender Herꝛ der Sach einen Rigel ſchieſſen: der kleine ſchlecker Bub Cupido hat nit gefeyret / biß endlich auch bey gluͤcklicher Schiffarth die Ehe zwiſchen diſen beyden geſcheitert / welches der hernachwachſende Leib verra - then / woruͤber ſich der Schiffherꝛ nit ein wenig entruͤſtet / auch gaͤntzlich bey ſich beſchloſſen / diſe vermeſſene That zu raͤchnen / uñ zu Vermaͤntlung ſeines Vorhabens zeigte er ſich / als waͤre er ihr Verehligung nit zu wider / biß er endlich bey einer kleinẽ unbekanten Jnſul die Ancker geſenckt / des Verlauts / als wolle er einen Raſttag nemen / und zugleich mit friſchem Waſſer ſich verſehẽ / da dañ neben andern diſes paar Liebſte auch ausgeſti - gen / nachdeme er etliche Sachen / als Pulver / Bley / Feurzeug und einige Speiſen auf das Land laden laſſen / befilcht er bey finſter Nacht in aller Still abzuſegeln / und das neue paar Ehe - volck in der Jnſul zu laſſen / ſo auch werckſtellig gemacht wor - den. Bey aufgehender Morgenroͤth ſahen ſich dieſe zwey gantz allein / und von maͤñiglich verlaſſen: das Schreyen / das Bıttẽ / das Weynen war umſonſt / und alles Fruchtloß: nachdem ſie nun aller menſchlicher Huͤlff beraubt warẽ / muſten ſie ſich end - lich in die Noth ſchicken; aber außzuſprechen iſt nit / was Angſt und Truͤbſal / ſie diſer Ort / allwo mehr Wildnuß uñ wilde Thieꝛ zu ſehen / außgeſtanden; mit etlichen Geſtraͤuß und Stauden / bauten ſie endlich / diſes edle und ſo zart auferzognes paar Ehe - Volck / ein ſchlechte Huͤtten; er gienge taͤglich auf die Jagt / undverſahe343ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.verſahe nach Moͤglichkeit die arme Kuchel; ſie ſparte nicht we - niger ihren Fleiß / und grabte mit ihren zarten Haͤnden / die ſich vorhero faſt vor der Seyden ſcheueten / die Wurtzel aus der Erden; aus ſonderm Seegen des Himmels / hat ſie gleichwol ein friſches Bruñquell / welches ihnen beſſer als der reicheſte Hof-Keller gedient. Nach etlichen Monat wie dann ein Elend dem andern auf dem Fuß folget / erkrancket der Herr und ſtirbt; maſſen ein Abgang war aller Mittel: muſte alſo die Frau allein tragen / was zuvor beyden ſchwer genug ankom̃en; |und diſes Elend daurte uͤber ein gantzes Jahr nach dem Todt ihres Herꝛn; kein Augenblick / wie ſie es nachmahlens beſtanden / iſt nicht verfloſſen / daß ſie nicht / als von jederman verlaſſen / ihre Augen gewendet auf das weite und bꝛeite Meer / und geſchaut / ob nit etwan ein Schiff daher ſeegle / und ſie aus diſer Noth er - loͤſe / ſtunde alſo ihr gantzes Leben nur in Hoffnung; endlich doch iſt ein Frantzoͤſiſch Schiff ſo vom Ungewitter an beſagte Jnſul geworffen worden / ihr zu Huͤlff kommen / und ſie mit elenden zerriſſenen / und zerfaulten Kleidern in faſt wilder / und abſcheulicher Geſtalt mit ſich genommen / und erlediget.

Jn groſſem Elend war diſe / ein Elend / wo mehrer Noth als Brod iſt; ein Elend war diſe / wo mehrer Leyd als Freud iſt; ein Elend / wo mehrer Froſt / als Troſt iſt. Da war Kam̃er und Jammer ein Ding / da war Ach und Tach ein Ding; da war Hauſen und Grauſen ein Ding; iſt das nicht ein Elend?

Alles diſes Elend / und menſchlicher Weiß / groſſe Trang - ſal / iſt gar nicht zu vergleichen denſelben / was da in jener Welt leyden die im Fegfeur verhaffte arme Chriſtglaubige: allein indem findet ſich eine Schattirung / daß ſie gleich dieſer be - truͤbten Wittib ſtaͤts und immer zu ihre Angen werffen in die - ſem bittern Meer hin und her / wann doch einmahl ein Schiff ſich blicken lieſſe / ſo ihnen Huͤlff leiſte und ſie erloͤſete: aber zu wem haben dieſe troſtloſe und verlaſſene Geiſter ihre meiſte Hoffnung? Zweiffels ohne zu ihrem nechſt Anverwandten /und344Die dreyſſig Silberlingund Befreundten; dann ſie gar wol wiſſen / daß ein Brunn im Feld / ein Brunn im Garten zwar alles befeuchte aber doch zu allererſt die jenige Pflantzen / das jenige Graß / welches ihnen nahet iſt; alſo / wann wir mitleydige Chriſten gegen Maͤnnig - lich ein Barmhertzigkeit tragen / ſo iſt ja recht / und rathſam / daß wirchender ein Huͤlff leiſten den jenigen / die uns nechſt anver - verwandt ſeynd und an Blut befreund.

Als man einem Gichtbruͤchtigen zu unſerm HErꝛn getra - gen / und demuͤthigſt erſuchet / Er wolle doch ſich ſeiner erbar - men / und ihme die gewuͤnſchte Geſundheit ertheilen / da hat der gebenedeyte Heyland ſolche Gnad auf kein Weiß wollen ab - ſchlagen / ſondern ihn alſobald geſund gemacht / ihme aber an - bey befohlen / er ſoll ſein Beth nehmen / und in ſein Hauß ge - hen. Surge, tolle lectum tuum, & vade in domum tuam. Warumb aber der HErr JEſus ihme gebotten / daß er ſich ſolle nacher Hauß den geraden Weeg begeben / ware die Ur - ſach / ſpricht der Heil. Joan. Chryſoſtomus in cap. 6. Hom. 30. damit er den Leuthen daſelbſt andeute die groſſe Wunderwerck Chriſti / und damit ſie ihre Jrrthum verlaſſen / und an den wah - ren Meſſiam glauben. Wann deme doch alſo / warumb den gerathen Weeg nach Hauß und ſeiner Wohnung? und warum nicht anderwerts hin? die Urſach iſt dieſe / weil er doch hat ſollen und wollen den Leuthen etwas Guts thun / und zu der Nachfolg des HErꝛn Chriſti anfriſchen / ſo hat es ſich gebuͤhrt / daß er geſchwind und den gerathen Weeg nach Hauß genom - men / dann allda waren ſeine Befreundte / ſeine Anverwandte / ſeine Geſchwiſtrige / ſeine Bekandte: dann wann ſich jemand der Armen erbarmet / und ihnen begehrt Huͤlff zu leiſten / ſo ziemt ſich / daß er vor allen andern den Blutfreunden helffe.

Heylig iſt / heylſam iſt / Liebwuͤrdig iſt / Lobwuͤrdig iſt / wann ſich ein Chriſtlicher Menſch der armen Seelen im Fegfeur an - nim̃t / aber er ſoll vor allen andern den jenigen Huͤlff reichen / die da in ſeiner Freundſchafft; zu allererſt den lieben verſtorbenenEltern /345ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.Eltern / weil die forder iſt ihr Hoffnung ſetzen auf die Huͤlff der hinterlaſſenen Kinder; nach dem Exempel meines heiligen Vatters Auguſtini, welcher jedermann erſuchet / und inſtaͤn - dig gebetten / ſie wollen doch in ihrem Gebett / und abſonderlich die Prieſter in ihrem heiligen Meß-Opffer ſeiner verſtorbe - nen Mutter Monicæ, und ſeines Vatters Patritii eingedenck ſeyn.

Es hoffen die liebe Eltern auf ihre Kinder / daß ſie werden nachfolgen dem Sambſon / welcher denjenigen Hoͤnigfladen / ſo er in dem Rachen des erwuͤrgten Loͤwens gefunden / nit al - lein fuͤr ſich behalten / ſondern davon ein gute Portion ſeinen Eltern zugebracht; alſo werden ſie auch ihnen laſſen zu kom̃en das Goͤttliche Manna, und ſuͤſſeſte Himmel-Brod des Altars.

Es hoffen die Kinder auff ihre annoch lebende Eltern / daß ſolche werden nachfolgen der Agar, welche aufkein Weiß konte ertragen / daß Iſmael ihr Sohn ſolte vor Durſt ſterben / ſondern ſie hat den ſo lang bey dem Himmel ſuppliciert / biß GOtt einen Engel geſandt / der ihr ein klares Brunnquell ge - wiſen hat in der Wuͤſten: alſo werden ſie auch ihnen verhuͤlff - lich ſeyn / damit ſie doch einmahl gelangen zu dem jenigen / wel - cher der Samaritanin geſagt hat / daß er ſeye der Brunn des ewigen Lebens.

Es hoffen die Geſchwiſtrige auf ihre hinterlaſſene Bruͤder und Schweſter / daß ſie werden nachfolgen der ſorgfaͤltigen Martha, welche alle Haußgeſchaͤfften beyſeits gelegt / und in aller Eil (hat ſo gar der Magdalena nichts darvon angedeut) dem HErꝛn JEſuentgegen geloffen / und ihren verſtorbenen Bruder recommendiert / wie dann bald der Beſcheid ergan - gen / Reſurgetfrater tuus, Dein Bruder wird auferſtehen; al - ſo werden ſie ebenfalls ihrer oͤfter gedencken / und bey dem goͤtt - lichen Heyland das ewige Leben ihnen zuwegen bringen.

Es hoffen die verſtorbene Eheweiber auf ihre hinterlaſ - ſene Weiber / und hinwider die Ehemaͤnner auf ihre annoch imPars IV. X xLeben340[346]Die dreyſſig SilberlingLeben verbliebene Maͤnner / daß ſie werden nachfolgen der be - ſcheidenen und beſcheidenen Abigail, welche alle Mittel ange - wendt / kein einigem Unkoſten geſpart / damit ſie nur das Ubel von ihrem obſchon groben Mann moͤchte abwenden / ſo ihme von David gedrohet waͤre; alſo werden ſie gleicher Geſtalten in allweg ſuchen / wie doch das groſſe Elend / worinn ſie allbe - reits ſtecken / einmahl von ihnen koͤnnen wenden.

Cedunt candida nigris.

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COnfilio inito emerunt ex illis agrem figuli in Sepulturam pere - grinorum, &c. Invenit tandem Mens cæca remedium, S. P. Au - guſt. Serm. 121. de Temp.

Sie funden aber keinen Rath (verſtehe die Juden wegen des Gelts / mit dem der Heyland verkaufft worden) und kaufften darum eines Haff - ners Ackers / zur Begraͤbnuß der Frembden / ꝛc. Matth. 28. Dißfalls ha - ben die verblendte Geſellen gleichwol noch etwas gefunden / ſpricht der Heil. Vatter Auguſtinus, wormit ſie ſich aus allem Ubel / dafern ſie nur gewolt haͤtten / haͤtten koͤnnen herauß helffen.

DEr erſte Willkomm / welchen der Engel den dreyen an - daͤchtigen Frauen hat geben / als ſie mit koſtbahren Sal - ben das Grab des HErrn beſuchten / war diſer: NoliteMatth. 28. timere, Foͤrchtet euch nicht / ꝛc. Allen den jenigen / ſo die Graͤ - ber der verſtorbenen Chriſtglaubigen verehren / und der Tod -ten341[347]ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.ten ſich annehmen / ſey es fuͤr einmahl und allemahl auch ge - ſagt: Nolite timere, Foͤrchtet euch nicht / maſſen euch nichts uͤbels kan widerfahren / dann gleichwie in dem Wuͤrffeln viel ſchwartz werffen / ein ſonder Gluͤck iſt / alſo hat nicht weniger Gluͤck auf der Welt / (maſſen von der ewigen Belohnung vor - hin ſchon Meldung geſchehen) zu hoffen und zugewarthen / derſelbige / deme die ſchwartze Farb beyfallt / verſtehe hier - durch die Todte. Dann durch die Todte ſchon mehrmahl den Lebendigen groſſe Huͤlffe gelaiſt worden.

Die Hohe-Prieſter der Juden / ſeynd ſo wohl ja mehrer / als der Iſcarioth Urſach geweſt / an dem bittern Todt des HErrn JEſu / dann kein Tag ware / da ſie nicht den Untergang diſer Goͤttlichen Soñen ſuchten; kein Nacht ware / da ſie nit ſich be - muͤhten diſes goͤttliche Liecht auszuloͤſchen; wie die Woͤlff ver - folgtẽ ſie diſes Lamb Gottes / wie die Geyer und Raub-Voͤgel die unſchuldige Tauben / wie tobende Sturmwind diſes Schif - fel deß Heyls / biß ſie endlich diſe blutgirige Egel / und unmenſch - liche Tyger-Gemuͤther den Heyland an das Creutz gebracht; uñ folgſam mehrer verſchuldet / als der Judas Iſcarioth. Dan - noch aber auf der Welt nicht alſo geſtrafft worden / wie er / nit eines ſo ungluͤckſeeligen Tods geſtorben / wie er; nit der gantzẽ Welt zu Schand und Spott worden / wie er; warum? die Ur - ſach war diſe / ihre Wuͤrffel habẽ viel ſchwartz geworffen / ſie ha - ben ſich der Todten angenommen / dann ſie umb jenes Blut - Gelt / wormit das hoͤchſte Gut verkaufft worden / einen Acker eingehandelt / der da zu allen Zeiten ſoll ſeyn ein Freyhoff und Begraͤbnuß der Frembdling / in Sepulturam Peregrinorum. Wie dann von beſagtem Acker ſehr vil Erd nach Rom uͤber -Matth 27. bracht worden / und wird das Orth genannt Capo Santo, all wo noch aufheutigen Tag diſe Erd nur die Leiber der Fremb - den behaltet / der Jnwohner aber gleich wider außwirfft.

Gar gewiß haͤtt ſie ſelbſt der Teuffel lebendig hingefuͤhrt / oder der Donner in Aſche gelegt / oder die Erdlebendig ver -X x 2ſchluckt /348Die dreyſſig Silberlingſchluckt / oder den wilden Thieren zum Raub worden / weil ſie ſich aber der Todten haben angenommen / ſo konte ſie kein zeit - liches Ungluͤch beruͤhren. Nolite timere, So foͤrchtet euch dann nicht / alle Liebhaber der armen Seelen im Fegfeur / es kan euch ſo bald kein Ungluͤck uͤber den Hals kommen / die Todten helffen den Lebendigen.

Es wird geſchrieben von einer armen Wittib zu Genua, wie daß ſelbe ihren garungerathenen Sohn von der Galee erledi - gen wolte / hierzu aber eine Sum̃a von 300. Thaler erfordert wurde / ſo vil aber in ihrem gantzen Vermoͤgen nit zu finden / iſt demnach von der Noth gezwungen worden / das Geld zu bet - teln / und bey wolhabenden Leuthen nach und nach zu ſuchen; einsmahl wifft ſie einen Prieſter an mit einem ſehr ſaubern Aufzug / von deme ſie gar demuͤtig eine Beyſteur gebetten / der aber gar mitleydent geantwortet / daß er ſelber Noth leyde / und wiſſe nit / wo er etwan heut das Mittagmahl werde ein - nehmen / dann er ſchon lang in der Kirchen gewart / der Hoff - nung / es moͤchte jemand ein H. Meß beſtellen / ſeye aber all ſein Hoffnung lehr abgeloffen / und folgſam ihme nit ſo vil bahre Mittel / wormit er ſich koͤnne erhalten: die arme Haut erbar - met ſich ſeiner / und gibt ihm ein Geld / deſſen ſie weit mehrer beduͤrfftig / er ſoll dafuͤr ein H. M leſen fuͤr die Abgeſtorbene Chriſtglaubige. (O Frau / vil ſchwartz werffen in Wuͤrffel / bringt Gluͤck /) Nolite timere, Foͤrchtet euch nicht / die Todte werden euch nit verlaſſen / wie es auch geſchehen. Nach vol - lendtem H. Meßopffer ſucht die fromme Matron / ein andern Wolthaͤter / und find einen alten jedoch unbekandten Herꝛn / de - me ſie ihr gantze Noth geklagt / der ſie dañ alſobald getroͤſt / und ihr ein Zettel geben / welchen ſie zu diſem N. Kauffmann ſolle tragen / deme ſie auch alſo nach kommen: Der Kauffmann aber konte den Zettel nit gnug anſchauen / konte ſich nit genug ver - wundern / fragt die Frau / von wem ſie diſe Schrifft habe? Ob ſie ihn moͤchte keñen / wañ er ihr denſelben gemahlter thaͤte zei -gen?349ſeynd den Verſtorbenen zu Nutzen kommen.gen? warum nicht / ſagte ſie / ich habe ſeine Geſtalt gar wol ge - merckt: darauf fuͤhrt er ſie in einen groſſen Saal / worinnen beyderſeits ein lange Rey unterſchidlicher Bilder und Contra - feten hangten / ſie ſchaut / ſie ſieht / ſie zeigt mit den Fingern auf ein Bild / und ſagt / diſer ſeye geweſt / er ſehe ihm gantz gleich und aͤhnlich / worauf der Kauffmann geſeufftzt / ach! ſprach er / der iſt mein Vatter geweſt / und ſchon vor 10. Jahren mit Todt abgangen / und ſein Handſchrifft erkenn ich gar wol in diſem Zettel / ich will euch alſo gern das verlangte Geld zur Rantzion eures Sohns darſchieſſen / dann alſo verlangt es mein Vatter ſeeliger. Die Frau und alle die jenige / denen ſolches kundbahr worden / erkante gar leicht / daß diſes ein Danck der armen Seelen wegen der H. Meß / die ſie hat leſen laſſen.

Die arme Seelen in dem Fegfeur laſſen niemahl unvergol - ten die Gutthaten / ſo ihnen erwieſen werden / die Danckbarkeit iſt bey ihnen weit beſſer und beſtaͤndiger als bey uns wanckel - muͤthigen Adams Kindern. Die liebe Schutz-Engel kommen mehrmalen zu ihnen hinunter / und berichten ſie umbſtaͤndig was und wer ihnen etwas Guts thue; ja ſie nehmen ſolches auch maiſtens wahr / bey Linderung und Minderung ihrer Peyn / daß jemand fuͤr ſie bette / und einige Huͤlff leiſte / woruͤber ſie die Haͤnd mit tauſend Danck zuſammen ſchlagen / und verſpre - chen / ſolche Wolthat nim̃ermehr zu vergeſſen: wann dann die Schutzengel ihnen offenbahren / es ſeye diſer / es ſeye dieſe / von denen ſolches H. Meßopffer / und andere gute Werck uͤber - macht worden / ſa dann laſſen ſie nit immer und im̃er zu GOtt zu ruffen / und ſchreyen umb Wolfahrt ihrer Gutthaͤter / ja durch Zulaſſung GOttes und ſonderer Mitwuͤrckung des Al - lerhoͤchſten / ſeynd ſie mehrmahl ſichtbarlich erſchienen: und ihr Patron aus unterſchiedlichen Gefahren errettet; O wie viel haben erfahren / und erſahren es noch / daß ſie ſich nit ehen - der aus einer Gefahr oder Ungluͤck koͤnnen wicklen / als wann ſie den armen Seelen etwas ſchencken / oder wenigſt verſpre - chen zu ſchencken.

X x 3Die350Die dreyſſig Silberling.

Die Allerdurchleuchtigſte / und Tugendſambſte Kaͤyſe - rin Maria / Ferdinandi des III. wertheſte Gemahlin / hat die armen Seelen im Fegfeur maiſtens auf ihre Seithen gehabt / und in allen Noͤthen ihre Zuflucht zu denſelben genom̃en / maſ - ſen diſe ſo wol als dıe Heiligen in dem Him̃el in der Goͤttlichen Gnad beſtaͤttiget / und folgſamb auch faͤhig ſeynd fuͤr andere / nicht aber fuͤr ſich ſelbſten zu betten. Beſagte Allerdurchleuch - tigſte Frau war auff ein Zeit mit ihrem Herrn Gemahl dem Kayſer zu Regenſpurg / und befandten ſich beyde Majeſtaͤtten dazumahl mit Feinden umbgeben / ja die groſſe Kaͤlte war zu ihrem gewuͤnſchten Vortheil / maſſen die Donau alſo uͤber - frohren / daß ſie dem Feind zu einer Brucken gedient / wie dann ſolcher allbereiths in dem Anmarſch begriffen / da ſolches die andaͤchtigſte Kayſerin wahrgenom̃en / hat ſie alſobald ihr Zu - flucht geſchoͤpfft zu den armen Seelen im Fegfeur / ihnen 1000. Seel Meſſen verlobt / ꝛc. Sihe Wunder! in derſelben Nacht (Zweıffels ohne durch Huͤlff und Fuͤrbitt der armen Seelen) hat die Donauſtarck angefangen zu ſchmeltzen / daß alſo der im erſten Anzug begriffene Feind hat muͤſſen mit Schaden erfah - ren / daß all ſein Vorhaben zu Waſſer worden / maſſen derer - ber 1000. ertruncken. Fuͤrſten-Spiegel fol. 161. So bringt dañ ſchwartze Farb Gluͤck / und helffen die Todte den Lebendigen.

Ein bruͤllender Loͤw / hat den Propheten von Juda auf dem Weeg zerriſſen durch ſondere Verhaͤngnuß Gottes / maſſen er in etwas ungehorſamb war / alsſolches einem andern Pro - pheten / der ſonſt nit gar zu heilig / kundbahr worden / machte er ſich alſobald auf / raiſt vom Bettel hinweg / und findet den tod - ten Leichnamb des Propheten auf der Straſſen / neben ihm aber auch den Loͤwen ſtehen / mit noch feurigẽ Augen / und blu - tigen Rachen / uneracht alles diß / gehet er hin / nim̃t den todten Leib mit ſich / und begrabt ihn ehrlich. Aber wie hat ſich doch diſer getraut / in einer ſo groſſen und augenſcheinlichen Gefahr zu begeben? Toſtatus antwortet: der gute Mann habe ihmgaͤntz -351und gibt es ſeinem Weib / und Kindern.gaͤntzlich eingebildet / daß / wann er den Todten ein Lieb wer - de erweiſen / er kein Ungluͤck zu ſoͤrchten habe / In lib. Reg. 13. 3. Reg. 13.So bringt dann ſchwartze Farb Gluͤck / und helffen die Todten den Lebendigen.

Anno 1650. hat eln vornehmer Buchdrucker zu Coͤlln in ſeinem Hauß / bethligerig / und zwar in Augenſcheinlicher Tod - tes-Gefahr ſeine liebe Ehefrau / wie auch ſein kleinen Sohn / wuſte alſo nicht / wohin er ſich in ſolcher Trangſaal ſolte wen - den / begibt ſich demnach in die Kirchen / und fallen ihm die ar - men Seelen im Fegfeur ein / verſpricht derohalben / daß er den armen Seelen zu Nutz und Troſt / ein Buͤchlein von dem Feg - feuer / auff ein neues widerumb wolle unter die Preß nehmen / und deſſen hundert Exemplaria fuͤr den kleinen krancken Sohn /Nudaſi. n. 137. de ſign. præd. zweyhundert aber fuͤr ſeine krancke Frau umſonſt unter die ar - me Geiſtlichen außtheilen; die Sach iſt ihm alſo wohl augan - gen / daß gleich beyde von freyen Stucken ſeynd beſſer wor - den / und in wenig Tagen friſch und geſund.

Dergleichen Geſchichten ſeynd nicht allein in vilen andern Buͤchern zu finden / ſondern es gibts die taͤgliche Erfahrenheit / was Huͤlff einer zu hoffen habe von den armẽ Seelen im Feg - feur / wann man ihnen hilfft. Probiere es nur jemand / und laß ihnen die abgeſtorbene Chriſtglaubige befohlen ſeyn / ſo wird er Handgreifflich ſpieren / daß mehrer Seegen im Hauß / daß beſſer Gluͤck in der Wirthſchafft / daß ſicherer Fortgang ſeines Gewerbs / daß kraͤfftiger Widerſtand ſeiner Feinde / daß weni - ger Unhail in dem Zeitlichẽ / daß weniger Anſtoͤß in dem Amt / daß minder Trangfaal in dem Leben / daß geringer Unruhe in dem Gewiſſen / daß ſchlechtere Forcht in dem Hertzẽ; in Sum̃a / er wird es mercken / er wird es ſehen / er wird es greiffen / er wird es erfahren / daß / wer ein Patron iſt der armen Seelen / daß fuͤr ihn auch Himmel und Erd patrocinire. Requieſcant, ergò in pace. So gebe ihnen dann GOtt die ewige Ruhe. Amen.

Judas352Judas der verfluchte Geſell.

Judas der verfluchte Geſell wird von ei - nigen gottloſen Leuthen gar unter die Heyligen gezehlt.

MIchael Balbus ein Kayſer und abgeſagter Feind der Chriſten ſuchte in allweg den Nahmen JEſu zu vertil - gen / und allerſeits gaͤntzlich auszurotten / wie er dann die Bekeñer Chriſti / abſonderlich aber die Geiſtliche und Or - dens Perſonen durch grauſame Kercker und Martertheils aus dem Weeg geraumt / theils auch ins Elend verſchickt / entgegen aber denen Juden war er beſtermaſſenzugethan; unter andern gottloſen Puncten die er in ſeinem verſtockten Jrꝛthum gehal - ten / waren auch diſe / daß er erſtlich die Teufel fuͤr ein Fabel und Gedicht glaubt / der doch den groͤſten Teufelim Hertzen gehabt:Sigon. lib. 4. Regni Ital. Anderten hielt er alle Leichtfertigkeit und fleıſchlichen Muth - willen fuͤr rechtmaͤſſige Sacramenten / die GOtt ſelbſten ein - geſtellt; fordeꝛſt aber iſt der Auſſag und des unverwendlichen Glaubens geweſt / daß Judas Iſcarioth bereits unter der Ge - ſellſchafft der Heiligen ſey. Deßgleichẽ iſt auch ein anderer Ke - tzer Brut entſtanden / ſo ſie Cajanern genennt worden / diſe ha -Irenæus l. 1. cont. Hæres. cap. vet. Tertul. lib. de præſ. c. 47. ben die Laſterthat Judæ des Iſcarioths nicht allein entſchuldi - get / ſondern ſo gar deſſen verraͤtheriſches Schelmſtuck gut ge - heiſſen / als habe er aus puren Eyfer den HErꝛn JEſum verra - then / damit nur das menſchliche Geſchlecht durch ſeinen Todt moͤchte erloͤſt werden. So weit kom̃t es ſchon / daß man auch die Boßheit ſelbſt mit dem Mantel der Heiligkeit bedeckt.

Der David hat dem Koͤnig Saul nur ein Trumb vom Mantel geſchnitten / indem er ihme doch gar leicht den gantzen1. Reg. c. 24. Mantel haͤtte koͤnnen hinweg nehmen. Gleichwie es der lieben Tugend widerfahren. Diſe begab ſich einsmal nacher Hof in willens daſelbſt eine zeitlang zu verharꝛen / damit ſie auch alda in beſſere Bekandtſchafft moͤchte kommen / und bey den Hof -Leuthen353wird gar unter die Heiligen gezehlt.Leuthen in gutes Anſehen gerathen; aber die Sach hat wider alles Hoffen weit anders außgeſchlagen / in dem ſie nicht allein bey den wenigſten ein gutes Aug erhalten / ſondern noch in ſol - chen Unwerth und groſſen Haß gefallen / daß man ſie allerſeıts die Stiegen hinab geworffen / und ihr noch die Vorſteher den letzten Beſchaid mit dem Fußgeben an das Ort / wo die Azo - rier von GOtt ſeynd geſtrafft worden. Nach ſolchem unhoͤffli -1. Reg. c. 5. v. 6. chen Verfahren zu Hoff hat die liebe Tugend / ihr Melancho - ley und groſſe Gemuͤths-Entruͤſtung in etwas zu lindern / ſich in das gruͤne Feldthinauß begeben / und daſelbſt unter einem Schattenreichen Baum eingeſchlaffen / unterdeſſẽ iſt die Boß - heit / ſo gleich dazumahlen mit allerley ſchlim̃er Burſch alldort ſpatziren gangen; gantz Maͤuſel ſtill / ja gar wie ein Maußkopff hinzu geſchlichen / und der lieben Tugend unvermerckter ihren edlen ſchoͤnen Mandel geſtohlen / worvon darnach kombt daß auf den heutigẽ Tag die maiſte Laſter mie dem Tugend-Man - tel dahero prangen / und die Laſter von der Welt wie ein Gott - loſer Iſcarioth canoniziert werden.

Gewiß iſt es / und gar unlaugbahr / daß die muthwillige Hebræer / diß unverſchembte Lotters Geſind auff allerley er - denckliche Weiß mit Chriſto dem HErrn verfahren in ſeinem Leiden / dahero auch wol zu glauben / weil vil unter den Scher - ganten zimlich berauſcht geweſt / daß ſie die groͤbſte Zotten auff die Bahn gebracht / und allerley Schand-Wort hoͤren laſ - ſen; deren aber keiner auß allen vier Evangeliſten gedenckt / uns zu einer ſondern Lehr und Nachfolg / daß eines Chriſten Zung in ſolchem Wuſt ſich einmahlen ſoll einlaſſen / welches a - ber layder wenig beobacht wird / nach Auſſag deß heiligen Vat -Expos. 2. in Pſal. 18. ters Auguſtini? Tanto ſe putantlætiores, quantò fuerinttur - piores, &c.

Es iſt ſelten ein Mahlzeit / worbey ſich nit ein unverſchemb - ter Poſſen-oder Zottenreiſer einfindet / wenig Tꝛactament wer - den gefunden / worzu der Eſau nit auch ein Wildbraͤt / verſtehePars IV. Y y354Judas der verfluchte Geſellwilde Zotten ſpendiren thut. In Samaria, wie ſelbes der Siri - ſche Koͤnig Benadad belaͤgert / ſo ein ſolche Hungersnoth ent - ſtanden / daß ein Eſels-Kopff um 80. Silberling verkaufft wor - den / iſt noch kein Milchſuppen dabey geweſt: ja die Noth hat dergeſtalten uͤber hand genommen / daß man auch das Tauben - Kott umb theures Geld muſte bezahlen / quarta pars labſter -4. Reg. c. 6. c. v. 25. coris columbarum quinque argenteis, &c. Das war ein E - lend / da man ſo gar das Tauben-Koth fuͤr ein Speiß genoſſen: dermahlen GOtt ſeye hoͤchſter Dauck / iſt die Betrangnuß uñ Theurung nit ſo groß / aber gleichwol ſeynd vil anzutreffen / die immerzu Koth im Maul haben / welches noch einen abſchenli - chern Geſtanck hat / als der Tauben / ꝛc. Pfuy Teuffel! vor dem Lazaro ſpricht der Evangeliſt, habe ſeine aigne Schwe - ſter Martha die Naſen zugehalten / und ſich beklagt / daß er all - bereits ſtuncke / ꝛc. Jam fætet, &c. Wann man ſolt allemahl zu dem Geſtanck / ſo einem Zotten-Kramer ausdem Maul ge - het / die Naſen zuhalten / waͤre es rathſamer / daß man gar ein hoͤltzenes Futerall ließe daruͤber machen.

GOtt hat gantz weißlich dem gerechten Altvatter Noë die Archen angeben / zugleich auch befohlen / er ſoll forderiſt drey Gaden auſſer der unterſten Senckgruben machen / damit alſoGeneſ. 6. c. v. 16. das Viech und die Beſtien abgeſondert ſeyn von den Menſchen. Dann es will ſich gar nit ſchicken / gedachte Gott / daß ein wil - des Thier / ein Sau ſoll bey den Menſchen wohnẽ / ſo nach dem Ebenbild GOttes erſchaffen; wann dem alſo / ſo ſchickt es ſich noch weniger / ſo der Menſch gar ein Sau-Arth an ſich zieht / und mit dem Maul in ſtettem Koth und Unflat ſtecket.

Surius erzehlt ein wunderbarlich Geſchicht / wie daß der heilig Carilephus habe offentlich außgeſagt: daß kein Weibs - Bild auf ewig ſein Wohnung und Cloſter inwendig ſehen wer - de / ſolches hat bey einem frechen Weib mit Nahmen Garda ein ſo groſſen Vorwitz verurſacht / daß ſie ſich freventlich unter - ſtanden / Manns-Klayder anzuziehen / und vor dem Vorſte -her355wird gar unter die Heilgen gezehlt.her deß Orths umb die Erlaubnus gebetten / damit ſie doch moͤchten die heiligen Wohnung kuͤſſen und veneriren / kaum a - ber daß ſie die Porten erraicht / da iſt alſobald der Boͤſe und laydige Sathan in ſie gefahren / und ſelbe auff ein unaußſprech - liche Weiß geplagt und gepeiniget / unter andeꝛn zu einer ſon - dern Straff und Goͤttlichen Rach / hat ihr der boͤſe Feind den Kopff gar durch ihre Fuͤß durchgeſchwungen / daß ſie alſo hat muͤſſen kuͤſſen das Ort alles Unflats und menſchlichen Elends / umb weil ſie falſcher Weis die heilige Wohnung Carilephi hat Caput kuͤſſen wollen: enim illi ade git inter femora, ſicque fa - ctum eſt, ut quæ Sacratis liminibus falſa oſcula imprimereIn vitas. Cari. 1. Julij. tentaverat, immundas ſui Corporis partes oſculari, cogere - tur, &c. Pfuy tauſend! da kombt einen jeden das Granſen an; aber hoͤrt ein wenig / vil mehr ſoll dir grauſen / ein groͤſerer E - ckel ſoll dich anſtoſſen / wann du auff der Zung nichts als Ge - ſtanck und Unflat tragſt / nichts als garſtige Zotten / und muſ - fende Wort auff die Bahn bringſt und mit dem in alten Teſta - ment verachten und verworffenen Widhopff den Schnabel ſtaͤts in Wuſt und wilden Koth halteſt.

Wie Petrus mit dem Angel ein Fiſch auß dem Meer gezo - gen / in deſſen Maul er ein ſilberne Muͤntz gefundẽ / iſt es glaub - lich / daß er etwann ein Wuͤrml / ein Mucken / ein Grilln / ein Schnaken habe angekegert: es laſt ſich alſo wol zuweilen in ei - nem Geſpraͤch etwañ ein Schnaken oder andere luſtige Gril - len zu Eꝛgoͤtzung der Gemuͤther vorbꝛingen / wañ nur ſolche nit ſchmecken nach deß verlohrnen Evangeliſchen Sohns ſeinen Koſtgehern oder Mit-Convictores.

Ader ſagher Welt / wie haiſſeſt du einẽſolchẽ unverſchamb - ten Zotten-Zetter? wie taugſt du ihn? er iſt ja ein Unflat / ein Sau-Magen / ein Wildfang / ein Beſtia, ein Unmenſch / ꝛc. Ja wol nit / ſagt die Welt / ſondern ſie canoniziert ihn wie den Ju - das / ſie lobt ihn noch / er ſeye ein wackerer Kerl / er wiſſe ein gantze Compagnie auffzumunteren / es moͤchte einer alleweilY y 2umb356Judas der verfluchte Geſellumb ihn ſeyn / GOtt hat ihm die Gnad geben / daß ihm alles ſo wol anſtehet / ein uͤberauß lieber Menſch / ein Galant-Homo; & ſic laudatur peccator, & iniquus benedicitur, ſo weit kombt es ſchon / daß man auch der offentlichen Boßheit ein Tugend-Mandel anmeſſet.

Wie der Bruder der Heil. Lidvvigus mit Todt abgan - gen / und ſehr vil Schulden hinderlaſſen / auch ſolche zu bezahlen den Soͤhnen unmoͤglich ſcheinte / alſo hat die Heil. Lidvvig ih - re von der Frauen Mutter verſchaffte koſtbare Klaynodien al - le zu Gelt gemacht / wormit ſie ein groſſen Beutel angefuͤllt / alle Schuldner beſter maſſen befriediget / gleichwol hat das Gelt nit umb ein Pfenning abgenommen / welches ſie veran - laſſet / daß ſie den gedachten Bentel den JEſus-Beutel ge -Thom. dekemp. in vit. c. 20. nennt hat / und war ja wunderlich / in deme ſie ſo haͤuffig Allmo - ſen unter die Armen außgetheilet / ſo iſt doch das Gelt nie ge - mindert worden / jemehrmahlen unter den Zehlen gewachſen. Nit garzu vil JEſus-Beutel find man bey jetziger Welt / wol aber zimlich vıl Teuffels-Beutel worin zwar das Gelt wach - ſet / aber nit durch Goͤttliche Miracul / ſondern vilmehr durch den verdambten Geitz.

Jener Geſell hat ſich trefflich wolauff die Partiten ver - ſtanden bey den Hoff des groſſen Koͤnigs Nabuchodonoſor: zwar das ſtehlen bey Hoff haiſt jetzund proſperiren. Der Koͤ - nig hat ernſtlich befohlen / man ſolle dem Daniel, dem Anonia, dem Miſſal, dem Azari, mit Speiß und Tranck von der Koͤni - glichen Taffel verſehen / weil aber vermoͤg deß Hebræiſchẽ Ge - ſatz / dergleichen Speiß und Tranck verbotten waren / alſo ha - ben ſie ihren Taffeldecker oder Auffwarter erſucht / er moͤcht ihnen nur Arbes uñ Linſen geben / ſambt einen feiſchen Trunck Waſſer / ſo wolten ſie ſich darmit ſchon befridigen / gar gern / ſagt diſer Bediente / es iſt zwar unter Lebens-Straff verbot - ten / aber euch zugefallen / gar gern / (ey Dieb ſo lieg / nit ihnen ſondern deinem aigenen Nutzẽ zugefallẽ) hat demnach derargeGeſell357wird gar unter die Heiligen gezehlt.Geſell Speiß und Tranck von der Koͤniglichen Tafel allezeit genommen / aber fuͤr ſich behalten / oder gar gewiß durch alteDan. 1. c. v. 8. & ſeq. Weiber zu Gelt gemacht / ſeinen Beutel dardurch wolgeſpickt / diſen edlen Kindern aber gleichwol Arbes und Linſen vorge - ſetzt. Das geſchicht noch wol oͤffter bey groſſen Hoͤfen / wo man alles mit genuͤgen anſchaffe fuͤr die untere Bediente / aber etli - che die recht beym Brett ſitzen / behalten das beſte fuͤr ſich / und ſetzen das ſchlechtere auff / ja ſie laden noch den Herꝛn Bruñer / und die Frau Burgermeiſterin von Waſſerburg in die Kelle - rey / verkauffen die helffte deß Weins / und diſe zwey muͤſſen nachmahls Luckenbiſſer ſeyn / auff ſolche Weis kan man pro - ſperiren / und den Beutel ſchmiren / aber diſe ſeynd keine JE - ſus Beutel / ſondern Teuffels-Beutel / worin durch Geitz das Gelt vermehrt wird.

Jhr Gnaden N. N. gar ein reicher Herr zugleich / ſeynd einmahl in der Predig unſers lieben Herrn geweſt / da ſolcher mit ſeiner gebenedeyter Zungen die Herrlichkeit das Reich GOttes außgelegt / und weil ſolche Predig die maiſte Gemuͤ - ther bemaͤchtiget / alſo iſt nit weniger hierdurch beſagter Herr ebenfalls bewoͤgt worden / darumen ſich gleich zu Chriſtum ge -Luc. c. 18. wend / und mit demuͤthigen und faſt eyfferigen Worten denſel - ben angeredet; Magiſter Bone, &c. Mein lieber und frommer Maiſter / was iſt dañ vonnoͤthen zu thun / damit ich das ewige Leben erhaltelerſtlich muß man / ſagt der Heyland / die Gebott GOttes halten / nachgehends wañ du verlangſt mein Juͤnger und Nachfolger zu werden / ſo muſt du alles das deinige veꝛkauf - fen / und das Gelt unter die Armen außtheilen / ꝛc. Kaum daß ſolches unſer HErr außgeredet / da iſt der Kerl wie ein Wachr entblaicht / hat ein Stirn gemacht wie ein Hackbretel / hat die Naſẽ gerumpfft / als hette er dieſelbe in Holtz-Aepffel-Moſt ge - baitz / contriſtatus eſt, &c. Das Liedel hat ihm gar nit gefal - len / dañ ſein Natur war nur zum nehmen / und nit zum geben: ja er hoffe in die Geſellſchafft deß HErꝛn zu kom̃en / damit erY y 3durch358Judas der verfluchte Geſelldurch deſſen Miracul kunte ſein Gelt vermehren / oder wenigiſt Vice-Procurator deß Apoſtoliſchen Collegij werden konte. Da waͤren zwey ſaubere Schelmen zuſammen kommen / einer hette die Caſſa geſchaben / der ander geropfft / ꝛc. O wie viel ſeynd doch dergleichen verblendte Phantaſten anzutreffen.

Das Weibl im Evangelio hat den verlohrnen Groſchen geſucht mit groſſem Fleiß / mit ſonderer Muͤhe / ſie hat ein Liecht angezindet / noch mehrer; ſie hat dem Beſen in die Haͤnd genommen / noch mehrer; ſie hat Stuͤll und Seſſel auff die Seiten geraumbt / noch mehrer: ſie hat das gantze Haus oben und unten außkehret / noch mehrer: ſie hat das Kehr-Koth gar außgeſucht / biß ſie den Groſchen gefunden: dieſe iſt auff ein Groſchen gangen / aber mancher Narciſten-Kopff gehet gar auff einen Pfenning.

Jch kenn einen / der lebt noch / aber wo? der Koͤnig Nabu - godonoſor iſt in ſolches Elend gerathen / daß er gar wie ein Beſtia muſte das Gras freſſen / diſer nit weniger / dann er ſucht die verworffene Salat-Bletter / ſo die Dienſt-Menſcher in der Kehrbutten außtragen / fleiſſig zuſammen / und ſiedet ihme diſe / O che guſto. Der Jacob im alten Teſtament iſt auff der Erd gelegen / ſeynd ihme alſo die Haar in diſem Beth wenig fedrig worden / wie er die Laider gegen Himmel geſehen / diſer aber ligt auch nur auff den Stroh: aber wer waiß etwan wann er Zeitig wird! O che guſto! Sein Klaydt kunt faſt nicht ſchlechter ſeyn / gar ein ſchoͤne Antiquitaͤt / er iſt zwar zaͤch / aber ſein Klayd zimlich merb / und bin ſicher / wañ er bey dem prech - tigen Einritt deß HErrn nacher Jeruſalem hette mit dem Volck auch ſeinen Mantel auff die Straſſen gelegt / daß der Eſel etliche Loͤcher hette darein getretten: In Summa! er iſſet ſchlecht / er trinckt ſchlecht / er klaydt ſich ſchlecht / er ligt ſchlecht / er betragt ſich ſchlecht / iſt dannoch kein ſchlechter Narr / dann er ein Mann von etlich tauſend Gulden.

Sag her du Welt / was gibſt du diſen Geſellen fuͤr einenTitl?359wird gar unter die Heiligen gezehlt.Titl? er iſt ja ein Geitzhaiß / ein Geld-Narr / ein Judas Bru - der / ein Baatzen-Jaͤger / ein Beutel Vogt / bey Leib nit / ſagt die Welt / ſie canoniziert ihn wie den Iſcarioth, er iſt gar ein guter Wirth / ein geſparſamer Mann / er gibt fleiſſig auff das Seini - ge acht / er verhauſt wol nichts / O was gibt er ſeinen Kindern fuͤr einen guten Vatter ab / ꝛc. Et ſic lautatur Peccator, & Ini - quus benedicitur, &c.

Juſt iſt die Juſtitz bey der Welt / wie ein Spinnen-Geweb / welches an ein Hauß an dem vorgeſchoſſenen Dachſtull ange - haͤngt iſt / wann zuweilen ein unbehutſame Mucken oder Flie - gen darein gerathen / ſo bleibts ſchon hencken / ſo aber ein groſ - ſer Vogel etwann ein Spatz oder Schwalmb ſich darein ver - ſchieſt / ſo reiſt er das gantze ſubtile Netz von einander / und ge - langt wider aufffriſchen Fuß / alſo pflegt mainſtens die Welt - Juſtitz nur die arme und gemeine Leuth wegen begangener Ver - brechen dem Geſatz nach abzuſtraffen / die reiche aber und vor - nehme Leuth ſeynd faſt allemahl diſcenſiert; der Galgẽ gehoͤrt nur fuͤr die kleine Dieb / die vornehme aber thut man verehren.

Die Phariſeer ſambt andern Naſenwitzigen Schrifft-Ge - lehrten fuͤhren einmahl ein Weib in Mitte des Tempels / alwo unſer HErr dem Volck ein eyffrige Predig vorgetragen / und klagen dieſelbe an mit allem Ernſt / wie daß ſie in wuͤrcklichem Ehebruch erdappt ſeye worden / Modo deprehenſa, &c. Fra - gen alſo Chriſtum den HErrn / ob dañ ſolche vermoͤg deß Mo -Joan. c. 8. ſaiſchen Geſatz ſolle verſtainiget werden? hoͤrt ein wenig ihr ſaubere Geſellen / wañ ihr beſagtẽ Schleppfack in wuͤrcklicher Schand-Thatt erdappt hat / wo iſt dann er gebliben? warumb fuͤhrt ihr denſelben Ehebrecher nit ebenfalls zu Chriſtum, zu - mahlen das Geſatz Moyſis beyder zu gleicher Abſtraffung ver - dambt? Ho, ho, ich kenn euch Voͤgel aus dem Geſang; der Thaͤ - ter und Ehebrecher war reich / eines vornehmen Stands (diſer Maynung iſt auch Liranus:) er hat in der Stadt ein vor - nehmes Ambt zu verwalten gehabt / und darum hat hat manmuͤſſen362[360]Judas der verfluchte Geſellmuͤſſen durch die Finger ſehen / man hat muͤſſen etwas uͤbriges thun / aber das Weib war eine arme Haut / etwañ ein Waͤſche - rin oder ein Naderin / oder ſonſten dergleichen ſchlechten Stands / ꝛc. Dahero nur ſie zur Stꝛaff gezogen worden / dañ die Gebott und Geſetz muͤſſẽ nur die gemeine Leut halten mit den Reichen und Vornehmen / hat es im letzten Capitul ein andere Außlegung. O elende Juſtitz! du biſt wurmſtichiger als das auf - behaltenen Manna der Jſraeliter; du hinckeſt aͤrger als der Miphiboſeth bey dem David: du biſt mehrer verwundt als der Raiſende von Jeruſalem nach Jericho, du biſt mehrer geſtuͤrtzt als die Davidiſche Geſandten von dem Hanon!

Du Fluß Nile in Egypten biſt zu Zeiten Pharaonis deß Ægyptiſchen Koͤnigs natuͤrlich beſchaffen geweſt / wie dermahl die Juſtitz / der Moͤrdeꝛiſche Monarch iſt ein offentlich Gebott durch gantz Egyptẽ außbraitẽ / daß man unter Lebens-Straff alle neugebohrne Hebræiſche Knaͤbel ſoll in den Fluß Nilum werffen: O wie vil unſchuldige dergleichen Tꝛoͤpffel hat der un - erſaͤttliche Nilus ertraͤnckt. Wie vil unmuͤndige Kinder haben in diſem Bad das unlaͤngſt empfangene Leben muͤſſen laſſen / auſſer eines nit / benanntlich der kleine Moyſes, mit diſen hat der Fluß Nilus ein Diſcretion, gebraucht / aber warum? es ware ja der allgemeine Befehl / der Nilus ſolle alle Hebræiſche Knaͤbel extraͤncken? freulich / warum nit auch den Moyſes? Ge - mach mit der Sach / da hat es ein anders Außſehen / daß die andere Kinder vermoͤg deß Koͤniglichen Mandats ſeynd er - traͤnckt worden / warkein Wunder / da es nur gemeine Kinder geweſt / dero Eltern als Ziegler in dem Laimb gearbeitet / aber der Fluß Nilus gedacht / der Moyſes wird einmahl ein vorneh - mer Herr werden / ein halber GOtt auf Erden / er wird mit denen Waͤſſeren zu gebiethen haben / und ſo gar das Meer mitBaſirius Selen. Or. 9. der bloſſen Ruthen von eınander theilen / Holla ſo muß ich da wol ein Aug zutrucken / muß laſſen Geſatz / Geſatz ſeyn / und ein Manier brauchen. Vexat cenſura Columbas, &c.

Jhme361wird gar unter die Heiligen gezehlt.

Jene ſaubere Madam deß Ægyptiſchen Putiphars iſt vol - ler Leichtfertigkeit geweſt / der gute Herꝛ glaubte / ſein Fꝛau ſeye ein lautere Suſanna, aber das Anna außgelaſſen ſo bleıbt Sus; er het Leib und Seel verpfaͤndt / daß ſie ihme treu ſeye / aber er hat Putiphar gehaiſſen und ſie Putana, er glaubte / er ſeye allein Hahn in Korb / aber! einmahl hat das lang verborgene Feur in ein offentliche Brunſt außgebrochen / und hat diſe von dem keu - ſchen Joſeph mit 10. Buſtaben begehrt: Dormimecum, was wider die 10. Gebot / ſo gar iſt ſie dieſem irꝛdiſchen Engei in den Mantel gefallen / und ihr Gottloſes Beginnen mit Gewalt ge - ſucht; der Lilien reine Juͤngling wuſte wol / daß in ſolchem Kampff und Streitt das Ferſen-Geld die beſte Muͤntz ſeye / laſ - ſet demnach den Mantel in den Haͤnden diſer unverſchamb - ten Krotten / damit er das Gifft von ihr nit an ſich ziehe / und gibt ſich in die Flucht: aus den beſten Wein wird gemeiniglich der ſchaͤrffeſte Eſſig: die Lieb hat ſich bald bey der Fettel in ei - nen Haß und Rach giꝛigkeit verwandelt / maſſen ſie mit zerriſſe - nen Haarẽ / mit verſteltem Angeſicht / mit guͤnnenden Maul zu ihrem Herrn geloffen / der Ehrvergeſſene Joſeph / diſer Sclav / auff den er bißheꝛo ſo vil gehalten / habe mit unerhoͤrter Veꝛmeſ - ſenheit ihꝛ wollẽ ein Gewalt anthun / uñ da ſeye noch ſein Man - tel / ꝛc. Der Herr als ein verſtaͤndiger Edelmann und der bey Hoff in groſſen Anſehen / konte unſchwer abnehmen / daß / wann der Juͤngling ihr hette wollen ein Gewalt anthun / ſo hett er den Mantel nit hintẽ gelaſſen; ſie war ein zahrtes Frauen-Zim - mer die kaum ein Gluffen oder Speñadel konte kruͤmpen / will geſchweigen ein ſo ſtarcken Juͤngling zu uͤbergewaͤltigẽ / und dẽ Mantel per force nehmẽ / der Signor Putiphar konte es Hand - greifflich abnehmen / daß der Joſeph recht / ſie aber ſein Frau unrecht / aber der Narr hatte einen guten Magen / Bon, huomo, und weil ſie ein Dama, ein vornehme Frau / wans auch ſolt unrecht haben / ſo muß man dannoch ihr dißfalls beylegen / ein Reſpect brauchen / den Joſeph aber als ein gemei -Pars IV. Z znen362Judas der verfluchte Geſellnen hergeloffenen Kerl in die Keuchen werffen / der Cana - glia weiter kein Gehoͤr geben / ꝛc. Ey dn ſaubere Juſtitz du ver - folgſt die Tauben / und verehreſt die Raben / ſo da rauben.

Aber mein Welt / ich moͤcht ſo gern wiſſen / wie du derglei - chen Juſtitiarios thuſt nennen / die nur mit den gemeınen Leu - then dem Recht gemaͤß ſo ſcharpff verfahren / die groſſe aber und vornehme Exempt machen? es ſeynd ja Schaͤnder der lie - ben Juſtitz / es ſeynd ja Blut-Eegel der Armen / es ſeynd Uber - tretter der Goͤttlichen Gebott / es ſeynd Widerſacher des Goͤttlichen Richters; es ſeynd Rauber des gemeinen We - ſens / ꝛc. Still / ſtill / ſagt die Welt mit dergleichen Stichreden / das Pferdt muß man anders ſattlen / das Kind muß man an - ders tauffen: ſolche Herꝛen ſeynd wackere Politici, ſie wiſſen ein Diſcretion zu brauchen / ſie wiſſen weißlich durch die Fin - ger zu ſchauen; ſie wiſſen ein Unterſcheid zu machen unter ei - nem Zobel / und unter einem Schaff-Fell; ſie geben dem Adel ſeinen gebuͤhrenden Reſpect, ſeyn wackere Leuth / die ſich in alle Ding ſo ſtattlich wiſſen zu richten. Et ſiclaudatur Pecca - tor, & Iniquus benedicitur: Auff ſolche Weiß wird ein Iſca - rioth canoniciert / und ein Judas heilig geſprochen.

Die Melancholey iſt des Teuffels ſein Schwieger Mutter / iſt eın Gifft des Menſchlichen Lebens / iſt ein Portnerin der Kranckheiten / iſt ein Kuplerin der Verzweifflung / iſt des Hen - ckers ſein Strick Verſilberin / iſt ein Abriß der Hoͤll: iſt ein Voreſſen der Verdamnuß / iſt ein Super Numerari. Stell der Narren / ꝛc. Darum ſoll der Menſch luſtig uñ allegro ſeyn. Der H. Abbt Antonius waͤr nit hundert Jahr alt worden / wann er nit allzeit waͤr luſtig geweſt; der H. Paulus erſte Einſidler haͤtte nit hundert und dreyzehen Jahr gelebt; wann er nit froͤ - lich und auffgemundert waͤr geweſt; der Heil. Romualdus Camaltulenſer haͤtt wol nit hundert und zwantzig Jahr er - raicht / wañ er nit luſtig und eines frolichen Gemuͤths waͤr ge - weſt; der Heil. Philippus Nereus waͤr kein ſo alter Taͤttel wortden /363wird gar unter die Heiligen gezehlt.den / wann er nit immer waͤr allegro geweſt ꝛc. Exultatio Virieſt longævitas; Die Freudigkeit eines Manns bringt ein langes Leben. Darum ſagt Coſmophilus, ſeynd wirEccleſ. c. 30. verwichen trefflich luſtig geweſt / es hat einzimbliches feucht Wetter abgeſetzt bey der guldnen Sonnen: ſich doch unſer lie - ber HErr ſelbſt gern trincken / dann zu Cana, nachdem die 6. Kruͤg Wein ſchon voͤllig außgelaͤhrt worden / hater dieſelbe mit Waſſer gantz eben voll laſſen angieſſen / und ſolches nach mah - len in den beſten und edleſten rothen Wein verwandlet; da iſt erſt das Sauffen angangen / da iſt erſt die Geſundheit des HErrn Spenditors ſteiff herumb geloffen / ꝛc. Coſmophile du redeſt zu vil / und muſt aus Chriſti Miracul kein Macul ma - chen: es iſt zwar nit ohne / daß der guͤtigſte HErr durch Inter - ceſſion ſeiner gebenedeyten Mutter das Waſſer in Wein ver - kehret / aber kein Evangeliſt thut Meldung / daß die Herren Gaͤſt den Wein haben gantz außgetruncken / vermuthlich iſt es wol / daß ein jeder etwann ein Glaͤßlein von diſem Wunder - Wein habe genoſſen / das uͤbrige aber haben ſie Portion Weiß außgetheilt / und ein jeder etwas darvon mit ſich nacher Hauß getragen zu einer ewigen Gedaͤchtnuß diſes groſſen Miracul / auch einem und dem andern guten Freund zu ſondern Gnaden ein oder zwey Tropffen darvon koſten laſſen.

Geſoffen haben wir / ſpricht Coſmophilus, daß die Seel in uns herumb geſchwummen / und das hat die gantze Nacht gewehret: Mein Coſmophile, bey den Mahlern ſeynd ſonſten die Nachtſtuck in groſſem Werth / aber diß gefallt mir gar nit; der Pſalmiſt David ſingt / daß bey der Nacht die Beſtien ıhrenPſalm. 103. Rath haben / Poſuiſtitenebras & facta eſt nox, in ipſa per - tranſibunt omnes Beſtiæ Sylvæ.

Wolrecht / ſagt Coſmophilus, hat auff den hoͤltzenen Reichs-Tag der Weinſtock Cron und Scepter gewaigert / uñ auf kein Weiß wollen Holtz-Koͤnig werden / dann er gedachte / daß er ohne das ein groſſer Herr ſeye / und faſt uͤber jedermañZ z 2herꝛſche;364Judas der verfluchte Geſellherſche; verwichen iſt in aller Warheit der Wein unſer Herr worden / wir haben im̃er zu die Glaͤſer Trippei Weiß außgeſof - fen / und ſeynd gar wenig Pauſſen unterloffen; der groſſe Lim - mel Goliath hat von den kleinen David eins an Kopff bekom - men / daß er hiervon zu Boden geſuncken; auß uns iſt wol keiner geweſt / der nit ebenfalls im obern Stock hat Schaden gelitten - der Wallfiſch konte den Jonas als ein harten Brocken gar nicht verdauen; auß uns hat ebenfalls das Maul geſtaubt / daß er hett moͤgen die Stadt Mauren zu Speier einwerffen / es muſte das nechſte beſte Schaaff ein Porcellon-Geſchirr abgeben: daß die Apoſtel unſeꝛn HErꝛn einmahl bey der Nacht fuͤr ein Geſpenſt gehalten / Putabant eſſe Phantaſma, iſt ein zimliche Jrrung ge - weſt; aber der Joan Plul hat ein Katz fuͤr ein Kehr-Beſem an - geſehen: der Ferdinand hat mit / der Zungen gar nit mehr koͤn - nen fortkommẽ / und nit anders geſtamblet / als hett er ein gan - tzen Garn-Haſpel geſchluͤckt / er hat ein Sprach geꝛedet / welche auch die Vaßzieher zu Calicut nit verſtanden hetten: der Phi - lipp hat an der Wand und Maur herumb gedappt / wie die ſau - bere Geſellen zu Sodoma, ſo bey dem Loth die Hauß-Thuͤr nit konten finden der Zacharias iſt ein Caſiſt worden / und hat eine Architectur die Stiegen hinab gemacht / in Summa der Echo von denſelben Feſtſteckt mir noch ein wenig im Kopff.

Sag an Welt / was halſt du von diſem Coſmophilo und ſeinen Cammeraden? ſie ſeynd ja Schlemmer / Sau-Magen / Weinſchlauch Troſt Buben / Luder / Lotters-Geſind / Beſtien und keine Menſchen / Vollſaͤuffer / Zech-Jodil / Kandel-Tre - ſcher / Vaß-Buͤrſten / ꝛc. Ey wol nit ſagt die Welt / luſtig / gut vertreulich / die beſte Bruͤder / recht wol auff / ein redliche Compagni, ein ehrlıcher Geſpaß / ein liebe Zeit Vertreubung / ein perfecte Recreation, &c. Et ſic laudatur Peccator, & Ini - quus benedicitur: Auff ſolche Weiß verguldt die Welt das Laſter und ſetzt dem Iſcarioth einen Schein auff.

Der Heil. Seraphiſche Franciſcus war auff eine Zeit einGaſt365wird gar unter die Heiligen gezehltGaſt bey einem Mittagmal / allwo noch mehrer gute Freund zu Gegend / unter andern Reden ſagte und klagte er / daß er et - liche Vaß Wein im Keler habe / welche / durch was Ungluͤck / ſeye ungewiß / gantz ſauer und faſt zu lauter Eſſig worden / ließ auch zu einer Prob ein Pocal von ſolchem Saurampffen herauff bringen / und da ſolchen der nechſte beſte gekoſt / hat er daruͤber die Naſen alſo gerimpft / daß man geglaubt / es ſeye ihm alle Le - bens-Geiſter in Eſſig gefallen / der Heil. Franciſcus nimbt ih - me den Becher Wein / macht daruͤber das heilige Creutz-Zeu - chen / und gibt ſolchen dem Herrn Joannes, als damahl Ca - pellan bey St. Caſſian, und der Nechſte / ſo auff ſeiner Sei - ten geſeſſen / diſer koſte nicht allein oben hin den ſauren Wein / ſondern trinckt|ihn rund auß / und bekennt / daß er ſein Leb - tag kein beſſern und ſtattlichern Wein habe genoſſen / ja allerVading. in annal, Min. 1213. n. 11. Wein im Keller hat die Saͤure verlaſſen / und gantz annehm - lich und guſtos worden / woraus man leicht konte wahrnem - men die groſſe Verdienſten und Willigkeit deß Seraphiſchen Franciſci.

Bey uns armen Mendicanten ſtunde ſolches Miraculoff - termahl gar wol / als die wir den Surium nit allein in der Bibli - othec, ſondern auch im Keller haben / aber dannoch wuͤnſchte ich mir von dem Allmaͤchtigen GOtt die Gnad / nicht ſauren Wein in ſuͤſſen zu verwandeln / ſondern nur faure Geſichter in ſuͤſſe und freundliche zu verkehren / das waͤre ein abſonderliches groſſes Wunderwercktes iſt einer geweſt mit Nahmen Aloy - ſius, aber ich glaub / er habe ſolchen Nahmen von den Alöe er - preſt / und weil ein anderer von ihme etwas unbehutſam gere - det / und ihme die Ehre und guten Nahmen nit zwar gaͤntzlich verſchwertzt / ſondern nur bloßhart ankaucht / woruͤber er der - geſtaltẽ erbittert wordẽ / daß er ihm nim̃ermehr ſuͤß angeſchau - et / ja der Grollen uñ Wider willen hat dermaſſen zugenom̃en in ſeinem Hertzen / daß er ſich endlich entſchloſſen / die angethane - ne Injuri und Schmach mit dem Degen zu rechen. Jch bemuͤ -Z z 3hete366Judas der verfluchte Geſellhete mich in allweeg das erbitterte Gemuͤth zu beſaͤnfftigen / konte aber das nit außrichtẽ was der groſſe Mañ Eliſæus, wel -4. Reg. 4. c. cher mit wenig Mehl das bittere Coloquinten-Kraut verſuͤſſt hat. Es werden unterſchiedliche Mittel wider die ungeſtuͤm̃e Wetter / wider den Donner und Hagel angetroffen / als wie zu diſem in dem Hertzogthumb Bayen die Haar der heiligen Mechtildis, ſo bald man ſelbige in Lufft hangt / ſo fangt der Him̃el an ein freundliches Geſicht zu machen; Engelhardus in vita c. 31. Die Glocken / ſo der heilige Benno geweiht hat / Rocca c. 21. Die zwey kleine Gloͤcklein / welche die Engel ſamt dem Heil. Hauß nacher Loreto getragen. Petra Sanct. c. 4. Marinus lib. 5.Das Creutz zu Carabac in Spanien / ibid. Die Creutz des H. Turbii in Aſturia. Pagat. 166. Die Anruffung der Heil. Euro - ſiæ einer Koͤniglichen Tochter auß Boͤheim / ſo in Spanien von den Mohren umb Chriſti Willen gemartert worden: Al - le diſe ſeynd im̃erwehrende Mittel wider die Wetter / aber der erzuͤrnte Aloyſius hat alſo gedoñert und gehagelt / daß ich gar kein Mittel angetroffen / ſolches ungeſtuͤmme Meer zu ſtillen. Jch trage ihm ernſtlich vor / daß Petrus nit ein geringen Ver - weiß und Capitul von dem HErrn empfangen / umb weil er auß guter Meinung zu ſeinem eignen Schutz den Saͤbel ge - zuckt; wie hoch wird er erſtbelaidiget werden / wann du Aloyſi ſolleſt den Degen umkehren in dem Blut deines Nechſten / fuͤr dem der HErr JEſus ſelbſt das vergoſſen. Moyſes hat ſo gar das Waſſer in Egypten nit wollen in Blut verkehren / ſondern hat ſolches ſeinen Bruder Aron uͤberlaſſen / dann er gedachte / daß es ſich gar nit wol ſchicke / wann er ſolte das Waſſer in Blut verwandlen / von welchen er doch in dem Fluß Nilo das Leben erhalten: und das heilige Tauff-Waſſer / worin du das Leben deiner Seelen bekommen / wolteſt du Aloyſi mit frembden und mit Rach-vergoſſnen Blut beſprengen? ſolſt du dann ein ſo groſſer Ignorant ſeyn / und an das Igno - ſce nit gedencken / welches der HERR JEſus am bitterenStam -367wird gar unter die Heiligen gezehlt.Stam̃en des heiligen Creutzes hat hoͤren laſſen: allwo er ſein gebene deyte Mutter Mariam, dero Jungfraͤuliche Milch er geſogen in ſeiner Kindheit / nur einem Menſchen benantlich dem Joanni recom̃endiert und anbefohlen / ſeine Feind aber / die ihn alſo biß in Todt verfolgt? gar ſeinem him̃liſchen Vatter ſelbſten; O weit mein Aloyſi biſt du entfrembt von dem groſ - ſen Gemuͤth des Kayſers Theodoſii, bey deme die Schmeich - ler und Ohren-Blaßer vorgebracht / daß einige vermeſſene Leuth ſich freventlich unterſtanden ſein aufgerichte Statuta oder Ehrn-Bildnuß mit Stainer zu werffen / worauff der mildeſte Monarch mit Hand uͤber das Geſicht gefahren / undBaron in annal. 324. n. 157. zugleich geſagt / er kenne weder Wunden noch Tippel / ſo gar keine blaue Mail in dem Angeſicht abnehmen / oder empfin - den / ꝛc. Wiſſe alſo nit warumb er ſich ſolle raͤchen /

Es hat ihme der Heyland ſelbſt von den Henckeriſchen Lot - ters-Geſind einen wilden und garſtigen Fetzen laſſen uͤber die Augen binden / damit erzaige / daß er nit verlange zu wiſſen die jenige / ſo ihme dergleichen harte Backenſtreıch verſetzen. UndMatth. c. 26. du wilſt noch die wenigen Unbild / ſo dir dein Naͤchſter ange - than / gar mit dem Blut bezahlet haben? aber mit aller meiner Abmahnung hab ich ſo viel gericht / als der jenige / ſo einen Mohren waſcht; ein Loͤw iſt wild / ein Beer iſt wild / ein Wolff iſt wild / ein Drach iſt wild; und doch den erſten hatzahm ge - macht die H. Thecla: den andern der H. Gallus, den dritten der H. Norbertus; den vierdten der Heil. Apoſtel Matthæus, aber ich hab nichts koͤñen richten. Das tobende und wuͤtende Meer hat Chriſtus der HErꝛ wunderbarlich geſtillt / aber ich hab den Zorn des Aloyſii nit koͤnnen ſtillen: diſer Egel wolt Blut haben; diſer Jgel wolt ſtechen und verwunden; diſer Straußſuchte Eyſen / wie es dann bald der Außgang gezaigt; dann wie er etlich Tag hernach ſeinen Gegentheil auſſer der Stadt angetroffen / hat er denſelbẽ mit unbendiger Furi ange - griffen / zu einem unvermutheten Blut-Kampff herauß geruf - ſen / und endlich ihme mehr als Tigerartig den Reſt gegeben.

Was368Judas der verfluchte Geſell

Was halteſt du Welt von einem ſolchen? er iſt Zweiffels ohne zu nennen ein Moͤrder / ein Todtſchlaͤger / ein Cains - Bruder / ein Unmenſch / ein Blutſchwam̃en / ein Thirann / ein Nero, ein Hoͤll Thier / ꝛc. Weit darvon / ſagt die Welt / zu dem Kopff gehoͤrt ein ſaubeꝛe Laugen / zu dem Wetter muß man an - dere Glocken leutten; Aloyſius iſt ein Kerl von einer Courag, Fama, Echo, Ama, das iſt / ein adeliche Revange, ein braffes Gemuͤth / ein Stuck eines Cavaliers / die Ehr muß durch keinẽ andern Bemſel / repariert werden als durch den Degen / ſolchen Geſellen / muß man den Spitz zaigen / Aloyſius hat recht ge - than / hat ein Lob verdient / ſonſt hett er muͤſſen Lettfeigen an ſtatt deß confect eſſen / er hat die Reputation ſeines gantzen Hauß erhalten / Vivat, &c. Et ſic laudatur Peccator; & Ini - quus benedicitur, &c. Alſo legt die Welt dem abſcheulichſten Laſter|einen ſchoͤnen Mantel an / alſo thut ſie die wildeſte La - ſter in Engliſches Tuch klayden / und folgſamb einen Iſcarioth canonizieren und Heilig ſprechen.

Anno. 1693. iſt zu Wieñ in Oeſterreich auff den Wochen - Marck eine außgeſtrichẽ worden / mit einem rothſam̃entẽ Beltz biß auf die Erd / auf dem Kopff aber war eın zwey Spann lan - ger Fantaſch oder Schopff / der ſich dañ zu einem jeden Straich deß Scharpff-Richters wacker gedumblet / und faſt gehupfft wie der Schwaiff einer Bachſteltzen. O mein GOtt / wie hab ich mich hieruͤber erfreuet / ich hab derenthalben dem Allerhoͤch - ſtẽ gedanckt / ich hab deß Stadts-Gerichts unverſehrte Juſtitz hervorgeſtrichen / ich hab in meinem Hertzen gantz Troſtvoll gefrolocket / dañ ich glaubte diſe Madam ſeye die Klayder-Mo - de, und ſie alſo mit Schand und Spott durch einen gantzen Schilling complementiert / ja gar zu der Stadt hinauß / und voͤllig außdem Landt geſchafft worden / mein Meinung ware / ſie werde zu Coſtanz auff Lateiniſch Canſtantiæ ein ewigẽ Ar - reſt haben / aber laider ich bin dermahlen in einer groſſen Jr - rung geweſt / dann es war nur eine die da anderer Verbrechenhalber369wird gar unter die Heiligen gezehlt.halber das Birckenkraut verkoſt / ja ich hab noch hieruͤber die Modi gantz frey und frech auff allen Gaſſen geſehen herumb ge - hen / welches mich nicht ein wenig geſchmertzt.

Gallilæa hat uns Salvatorum Mundi gebracht / und Gallia Inventorem Modi, O verruchte Modi / und verdammter Klei - der Pracht / der du noch immer zu im Wachſen und Aufneh - men biſt; das wollene Kleid / welches MARIA die uͤbergebe - nedeyte Mutter dem Fuͤnff-jaͤhrigen Chriſto mit eigenen Haͤn - den gemacht / iſt mit ihm aufgewachſen / und nach Auſſag Maſſeli, l. 5. in der Farb ſich immerzu geaͤndert nach Beſchaf - fenheiten der Feſttag im Tempel / wann daſelbſt der Ornat iſt rot geweſt / ſo hat ebenmaͤſſig der Rock deß HErꝛn die Purpur - Farb angezogen / iſt der auffbutz im Tempel blau geweſt / ſo dann iſt in gleiger Himmels-Farb das Klayd Chriſti / ꝛc. Jſt demnach das Kleid deß HErrn JESU / GOtt dem Allerhoͤch - ſten zu Ehren nie geweſt beſtaͤndig in der Farb / aber dermal hat der mutwillige Klayder-Pracht alſo uͤberhand genommen / daß er dem Teuffel zu Ehren nie beſtaͤndig iſt / in der Modi; ich bin bereits nunmehr ein ſchlechter Grammaticus, aber ich glaub gleichwol dieſer ſeye deß Lucifers Modus Imperativus: Ein manche die auch nicht Mittel hat / will ſich gleichwol in die Modi kleyden; aber wer zahlt die Modi? gar offt heiſt es / Modo deprehenſa eſt in adulterio, &c. Wie Unſer LieberJoſeph l. 2 deBel - lo Judai - co. c. 12. HErr gantz praͤchtig zu Jeruſalem eingeritten / indeme ihme ge - gen dreyſſigmal tauſend Menſchen entgegen gangen / ſo zwar nicht lauter Jnnwohner der Stadt geweſt / ſondern die meiſte aus dem gantzen Land / welche dazumal der Oeſterlichen Solenni - taͤt halber dahin kommen. Zur ſelben Zeit haben ſich die liebe Apoſtel gantz eyfferig und Ehrenbietig gegen den HErrn JE - ſu erzeigt / und ſo gar ihre eigene Kleider / verſtehe die Maͤntel und aͤuſſere Roͤck an ſtatt der Schabracken und Decken uͤber den Eſel / worauf der Heyland nachmals eingeritten / geſtreit / auf dieſen Kleidern iſt unſer Lieber HErr geſeſſen; aber auf den jetzi -Pars IV. A a agen370Judas der verfluchte Geſellgen Modi-Kleidern ſitzt der Teuffel / wann ſchon lengſt ein frommer Geiſtlicher zu Mayntz in der Kirchen geſehen / daß auf dem langen Schweiff einer Edelfrauen viel Teuffel in Geſtalt der Ratzen und Mohren getantzt und gefrolocket / auch durch ſeinCæſ. l. 5. Mir. c. 7. eiferiges Gebett ſo viel ausgewuͤrckt / daß ſolches das geſammte Volck gleichmaͤſſig war genommen. Wie viel tauſend hoͤlliſche Larven werden dann dermahln / wo der Pracht weit groͤſſer / als zur ſelben Zeit / tantzen / hupffen / ſpringen / ſpielen auf den jetzi - gen Modi-Kleidern / wann es GOtt der Allmaͤchtige zu lieſſe / daß wir ſolche verdammte Geiſter konten mit leiblichen Augen ſchen / ſo wurden wir ohne Zweiffel warnehmen / daß ſolche hoͤlliſche Mucken gleich einen Biennen-Schwarm auf den der - malen verfluchten Weiber-Hauben hangen / ich getraue mir gar leicht einen Spital mit drey tauſend armen Leuten ein Jahr hindurch reichlich auszuhalten / wann ich nur jenes Geld haͤtte / was in einem Jahr zu Wienn vor dergleichen Teuffels-Gipffel verſchwendet wird.

So lang Adam und Eva in der Unſchuld gelebt / und vor den Augen GOttes gebenedeyt geweſt / da ſeynd keine Doͤrner auf dem gantzen Erdboden gewachſen / ſo bald er aber ſammt ih -Gen. 3. rer ſo ſpoͤttlich geſtolpert / und das Goͤttliche Gebot uͤbertretten / da hat die vermaledeyte Erd die ſpitzige Doͤrner hervor ge - bracht. Die Welt iſt lang und ſo vıel gebenedeyt geweſtt / ſo lang ſie nichts umb die Spitz gewuſt / ſo bald aber ſolche verruch - te theure Tracht iſt aufkommen / ſo dann iſt ſie vermaledeyt: wie viel tauſend und tauſend Gulden werden nur umb dergleichen unnoͤthige Ding verſchwendet! aber gedencket an mich ihr elen - de Weibs-Bilder / wie hart dieſe Spitz nach dem Todt euch verwunden werden / und verſichert euch / daß ſie das Haupt unſers Heylandes JEſu nicht weniger beleydigen / als gethan hat die von ſpitzigen Doͤrnern geflochtene Cron! So ſtarck hat der leydige Kleider-Pracht eingeriſſen / daß aus tauſend Perſonen kaum eine derenthalben vor dem geheimen Richter-Sthul der Beichtſich371wird gar unter die Heiligen gezehlt.ſich anklagt / ſondern es wird dieſer Muthwıllen in den Kleide - ren bereits fuͤr kein Suͤnd oder Verbrechen gehalten: O GOtt! O Gewiſſen! weiß man doch biß dato noch kein andere Urſach / weſſenthalben der reiche Mann in dem Evangelio zum Teuffel gefahren / als weil er oͤfftere Mahlzeiten gehalten / und ſich mehr als Standmaͤſſig gekleidet hat. Der Heilige Franciſcus de Paula, mit ihm der Heilige Hyacinthus Prediger Ordens / mit ihm der Heilige Bernardinus Senenſis Franciſcaner Ordens / mit ihme der Seelige Hieronymus Recanatenſis Auguſtiner Ordens / mit ihme der heiligmaͤſſige Mann Matthæus à Baſcio, Capucciner Ordens / ꝛc. alle dieſe haben ihre Kappen oder Maͤn -Pagat. tom. 1. p. 129. tel auf groſſe Waſſer und tieffe Fluͤß gebreit / und auf denſelben als in den ſicherſten Schiffen gefahren. Denen haben ihre Kleider Gluͤck und Heyl gebracht / aber wehe allen den jenigen / ſo dem uͤbermaͤſſigen Kleider-Pracht ergeben! ihnen drohen der - gleichen Kleider nichts als das zeitliche und ewige Unheil: Jo - nas hat ſich ſehr beklagt / ja ſo gar hefftig erzuͤrnt uͤber den Wurm / der ihme die Schattenaͤchtige Kuͤrbes-Blaͤtter abge - biſſen / aber der Hoͤchſte GOtt hat ſich noch billicher zu erzuͤrnen uͤber den Seyden-Wurm / welcher manchem ſo gar das ewige Heyl und Seelen Seeligkeit hinweg friſt: es iſt nicht allein jene ſtoltze Frau zu Saona in Liguria anno 1560. in Gegenwarth deß Gelehrten Capucciners P. Angeli, der zuvor in der beruͤhmb - ten Schul zu Sarbona Doctor geweſen / vom Teuffel leben - dig hingefuͤhrt worden / umb / weil ſie eine neue Kleider-Modi in die Stadt gebracht / ſondern es fleıgen noch auf heutigen TagAnnal. c. viel tauſend Seelen in den Abgrund dieſer einigen Suͤnd halber / da doch leider ſolcher Mißbrauch ſchon den Nahmen einer Suͤnd verlohren.

Anno 1530. ſeynd zu Nuͤrnberg / Regenſpurg / Landshut / Eger / Bamberg und mehrer Orthen in Teutſchland gantz haͤuffige Creutz erſchienen auf den Kleidern der Maͤnner und Weibern / viel haͤuffiger aber auf den Kleidern der Weiber / mei -A a a 2ſtens372Judas der verfluchte GeſellCinturi - us in ap - pendice faſcic. temp. ſtens wegen der unmaͤſſigen Hoffarth / ſo ſie doch dazumal nur zu Fuß gangen / jetzt aber ſitzt ſie gar zu Pferd. Obſchon der Zeiten dergleichen Wunder-Creutz auf die ſtoltze verruchte Mo - di Kleider nicht fallen / ſo ſoll man doch glauben / daß die haͤuffige Creutz / mit denen dermalen die Welt betrangt / benanntlich Krieg / Peſt / Hunger / ꝛc. nichts anders von oben herunter ziecht / als der ohngeſchamte Kleider-Pracht. Hat der erzuͤrn - te GOTT vor dieſem ſchon gedrohet / durch den Propheten So - phonias ſeine Goͤttliche Straff / umb weil ſich die Fuͤrſten und groſſe Herren in frembde Kleider vergafft. Viſitabo ſuperSoph. 1. Principes, &c. Jch will ein Heımſuchung thun uͤber die Klei - der deß Koͤnigs / und uͤber alle dıe ſich mit frembden Kleidern / ꝛc. umb wie viel mehr hat der gerechte GOTT anjetzo Urſach zu ſtraffen / indem ſo gar der geringſte Grindſchippel und ſchlech - teſte Kuchelſchlamp in Frantzoͤſiſcher Modi daher prangt / es wird bald darzu kommen / daß man auch Schneider-Schulen und Academien wird muͤſſen aufrichten / damit der Witz und Schneider-Verſtand noch beſſere Kleider-Inventiones auf die Bahn koͤnne bringen. Dieſer Leuth iſt ein ſolche Menge zu Wienn / daß wann man alle dero Scheeren ſolte zu Harniſch ſchmidten / man gar leichtlich ein gantzes Couraſſir-Regiment koͤn - te ausſtaffiren.

Ecce, da geht eine daher / O wie ſtattlich und anſehentlich ziecht ſie auf! der Mando iſt Jndianiſch-Hoch-Zorn-Leib-Farb / die Elen verkaufft man zu Venedig gleich vom Arſenal uͤber / wo der Teuffel die Hackbrettel ſchleifft / umb 20. Thaler / das Ge - braͤm oder Gallonen ſo auf dem Rock ſtehen / ſeynd von einer Nagel-neuen Gattung / und ſeynd von Syracus ohnlaͤngſt per Staffeta durch Narrapolis biß nacher alt Aquileia gelieffert wor - den; von dannen durch die Handels-Leuth hieher gebracht: Dergleichen Hauben / wie ſie traͤgt / hat man allhier keine geſe - hen / und will man ſagen / daß die Modi ſeye kommen von der Principal-Jungfrau deß Groß-Tuͤrckiſchen Seraglio, dieBand373wird gar unter die Heiligen gezehlt.Band ſo dem Fontaſch unterſpicken / ſollen / glaub ich / gar aus Lugitania ſeyn geſchickt worden / wo die Seyden-Wuͤrm mit lauter Gold-Pulver gefuͤttert werden; die Schuech kennt man gleich / daß kein Teutſch Leder darbey / dann alle Fußpfa - den / ſo ſie in die Erd und Sand eindrucken / werden von den Hunden complementirt; das Kleid alles zuſammen / ich will die Kleynodien dermalen umbgehen / ſoll umb drey hundert Tha - ler kaum ſeyn kaufft worden: O mein GOTT! O bethoͤrte Welt! O Sorgloſes Gewiſſen! O hocher Himmel! was halteſt du darvon / CHriſtus JEſus in ſeinen Armen muß nackend und bloß aufziehen / und dieſer Miſt-Finck ſoll alſo mit Gold uͤberzo - gen ſeyn? Glaubt / glaubt ſicher / daß einmal die Zeit kommen wird / wo Seyden und Sammet ſich vor dem Angeſicht GOttes zu erſcheinen ſchaͤmen / entgegen ein ſchlechter Bettleriſcher Auf - zug den Vorzug haben wird.

Aber ſag her du runde Welt! und ſags rund heraus / was halteſt du von dieſer aufgebutzten Madam? ſie iſt ja deß Teuffels wolgeziertes Sattel-Pferd / ſie iſt ein Gewiſſenloſe Verſchwaͤn - derin; ſie iſt ein Copey der natuͤrlichen Hoffart; ſie iſt die Her - berg ſelbſt der Uppigkeit! ſie iſt ein Widerſacherin der Chriſtli - chen Demuth / ꝛc. Still! ſtill! ſagt die Welt / das Kind hat einen andern Nahmen / auf den Huet muß man andere Federn aufſtecken / der Wein verdient einen andern und beſſeren Zei - ger; ſie tragt ſich nach der Modi, das Kleıd ſtehet ihr inniglich ſchoͤn an / ſie iſt recht Gallant in dem Aufzug / ſie gehet recht ſauber / alles iſt Bizzar an ihr / die Tracht gibt ıhrer huͤbſchen Geſtalt erſt recht ein Garbo: iſt es halt ſchoͤn wann man ehrlich aufziecht / und nicht ſo ſchlampend wie ein Taͤndler-Butten: Et ſic laudatur peccator & iniquus benedicitur; ſolcher Ge - ſtalt wird ein jedes Laſter mit glaͤntzenden Fuͤrneiß angeſtrichen / und ſetzt die verruchte Welt den verdammten Iſcarioth noch in Litaney

Mir iſt was wunderbarliches verwichener Tagen begegnet /A a a 3als374Judas der verruchte Geſellals ich Geſchaͤfften halber bin ausgangen / und den Weg bey der Maut vorbey genommen / da hab ich geſehen / daß ein gan - tzer Wagen voll Wahren Contrabant worden / und mit denen Ballen und Kuͤſten in die Maut mit hinein gerathen / der Vor - witz hat mich doch in etwas gekuͤtzlet / forderiſt / weil mir die Her - ren Maut-Beampten nicht ohnbekandt / daß ich alſo hinein zuge - hen mich unterfangen / und war mein erſte Frag / was es fuͤr Wah - ren ſeyn? die Antwort iſt geweſt / daß der Handels-Mann fuͤr lauter Gewiſſen ausgab / Gewiſſen? Gewiſſen? ſagt ich / ıhr Herren / wanns lauter Gewiſſen iſt / ſo muß mans franco und frey paſſiren laſſen / maſſen der Allerhoͤchſte ſelbſt daß Ge - wiſſen frey gelaſſen: ſie eroͤffneten den erſten Ballen / da fanden ſie nichts anders als lauter Prætext; die Wahr ſagt ich gleich / kenne ich gar wohl / da iſt wohl kein Gewiſſen darbey / verſichere euch.

Abſalon bemuͤhet ſich auf alle erdenckliche Weiß die ge - ſammte Vaſallen deß Reichs auf ſein Seiten zu ziehen / wider ſei - nen lieben Herꝛn Vattern ein allgemeine Auffruhr und Auf - ſtand erwecken / den Vattern ſelbſt aus den Sattel zu heben / und ſeinen Strobel-Kopff / auf den er viel zu viel gehalten / die Cron ſelbſten aufzuſetzen. Der Prætext ware / das gemeine Weſen in beſſern Fortgang zu bringen / die Uuterthanen glimpff - licher zu halten / die Juſtiz beſſer zu befriedigen / aber wo iſt euer Gewiſſen?

Der Doeus war ein Kriegs-Fuͤrſt bey dem Koͤnig Saul / war das Haupt der gantzen Armee / anbey der vornehmbſte Mi - niſter zu Hof / die rechte Hand deß Koͤnigs / ꝛc. Wie dieſer Does den elenden Zuſtand deß Koͤnigs wahrgenommen / daß er mehrmal gantz unſinnig und raſend worden / da hat er den Rath geben / man ſoll den David, als ein gemeinen Schaaf-Hir - ten vom Feld nach Hof beruffen / derſelbe ſeye uͤber alle Maſſen erfahren im Harpffenſchlagen / wann er alſo vor Jhr Majeſtaͤt werde muſiciren / ſeye ohne Zweiffel / der Teuffel / ſo wohl diegeſtimmte375wird gar unter die Heiligen gezehlt.ſtimmte Saiten nicht leiden kan / werde ein Ruhe geben: ein ſchoͤ - ner / ein heiliger Rath / David du bleibſt dem Doeus ewig obli - girt / weil er dich aus einem Schaaf Hirten zu einem Hof-Mu - ſicum promovirt: Ja wohl nicht / die Sach verhaͤlt ſich weit anders / der Doesus war dem David ſpinnfeind / daß er ihn alſo na - cher Hof recommendirt / war nur ein ſchoͤner ſcheinender Præ - text; dann der Doeus glaubte / der Koͤnig werde in ſeinem ra - ſenden und ohnſinnigen Zuſtand dem David den Reſt geben / ſo auch geſchehen waͤre / wann der fromme David durch GOttes ſonderen Beyſtand nicht waͤre auf die Seithen gewichen / daß al - ſo die Lantzen deß Sauls in der Wand ſtecken geblieben. Aber mein Doeus, wo iſt das Gewiſſen.

Der Loͤw als ein Koͤnig aller Thier auf Erden / faͤllt ein - mal in ein toͤdtliche Kranckheit / die andere Thier / muſten Schuldigkeit halber ihn heimſuchen / es kommt auch der Fuchs / gibt ſich fuͤr einen Artzney-Erfahrnen aus / greifft dem Loͤwen die Pulß: potz tauſend Sack Geld; Jhr Majeſtaͤt haben ein ge - faͤhrliches Fieber / aber ich weiß ein ſtattliches Remedium und Mittel / durch welches Euer Majeſtaͤt bald wieder zu allgemei - nem Troſt in die gewuͤnſchte Geſundheit ſetzen wird / was da? Euer Majeſtaͤt laſſen dem Wolff die Haut lebendig abziehen / und machen ihnen einen Bruſtfleck daraus / da werden ſie Wun - der ſehen / wie der Magen / worinn das Fieber hafftet / ſich ſo geſchwind wird einrichten: Ein ſchoͤner Rath / der dem Koͤnig zur Geſundheit befuͤrderlich; aber es iſt ein lauterer Prætext, un - ter dieſem wolt der Fuchs machen / daß ihm der Wolff als ſein abgeſagter Feind und Widerſacher aus den Augen moͤchte kom - men. O wie offt zu Hof / wie offt bey einem Magiſtrat, wie offt ſo gar in einem Kloſter / geſchicht etwas unter einem guten Præ - text; Aber wo iſt das Gewiſſen.

Der Herꝛ Mautner machte ein anderen Ballen auf / da waren lauter Fuchs-Baͤlg darinn / er greifft hin und her / etwan ein Pagetl oder wenigſt ein Scarnitzel anzutreffen / wo ein Ge -wiſſen376Judas der verfluchte Geſellwiſſen darinn / aber ich ſagte alſobald / er ſoll ſich nicht umb ſonſt bemuͤhen / dann wo die Argliſtigkeiten gefunden werden / da ſeye ſelten ein Gewiſſen anzutreffen; wann man will in der Welt fortkommen / und ſein Intent erreichen / da muß ſich einer drein zu ſchicken wiſſen. Er muß ſeyn wie die Rachel / die ſich zwar auswendig ihrem Mann zu Lieb / als ein Hebraͤerin gezeigt / un - terdeſſen aber gleichwohl die Goͤtzen-Bilder unter dem Stroh verborgen.

Ein ſolcher der mit dem Lugner ſchneidt / und mit dem Zor - nigen reit /

Ein ſolcher der mit den Gaͤnſen ſchnadert / und mit den Ka - tzen hadert /

Ein ſolcher / der mit den Sauffern trinckt / und mit den Geilen ſtinckt /

Ein ſolcher / der mit den Hennen gacketzt / und mit den Froͤ - ſchen quacketzt /

Ein ſolcher / der mit den Luſtigen lacht / und mit den Stol - tzen veracht /

Ein ſolcher / der mit den Schaafen blaͤrꝛt / und mit den Ochſen raͤhrt /

Ein ſolcher / der mit den Brallern brallt / und mit den Schmahlen ſchmahlt /

Ein ſolcher Machiavellus, der wie ein Vellus Gedeonis iſt / ſo bald naß / bald trucken: Ein ſolcher Mann / der wie ein Manna iſt / ſo bald fuͤß / bald ſauer war / wie man es hat wollen ha - ben; Ein ſolcher / der ſich in allen in allen weiß zu accommodi - ren / der kommt fort.

Herodes erzeigt den drey weiſen Koͤnigen aus Orient alle Ehr: Courtes, gantz courtes gegen den Caſpar: Hoͤff - lich / gantz hoͤfflich gegen dem Melchior: Freundlich / gantz freundlich gegen dem Balthaſar, aber gegen allen dreyen war er nicht treue / damit er nun ſein blutiges Vorhaben moͤchte Werckſtellig machen / und den neugebohrnen Meſſiam aus demWeg377wird gar unter die Heiligen gezehlt.Weg raumen / was thut er? er nimmt den Fuchs-Balg / ſo meiſten Theil das Galla Kleid deß Wolffs iſt / er ſtellt ſich eben - falls gantz eifferig mit ihnen / ja er thut ſie alle drey noch freund - lich und hoͤfflich erſuchen / ſie wollen ihme doch in ihrer Wieder - kehr die gewiſſe Aviſo bringen / damit er ſeine hoͤchſte Schuldig - keit ebenmaͤſſig ablege / und den neugebohrnen Meſſia anbette / ut & ergo &c.

Es war ein Goͤtzen-Bild / worinnen / wie gewohnlich der boͤſe Feind ſein Wohnung hatte / nun hat ſich einer befunden / der dieſen Goͤtzen wenig Glauben geben / wolte demnach unter die ſichere Warheit kommen / ob dieſem hoͤltzenen Gott zu trauen ſeye / zu ſolchem End legte er einen langen Mantel umb / darun - ter er in der Hand einen lebendigen Spatzen gehalten / mit die - ſem Aufzug erſcheint er in dem Heydniſchen Tempel vor dem Abgott / und fragt gantz keck mit dieſen Worten / biſt du ein rechter Gott / ſo ſag / ob das Jenige / was ich verborgner in der Hand halte / lebendig oder todt ſeye? der arge Geſell gedachte / wann der Goͤtz wird ſagen / es ſeye tod / ſo zeige er geſchwind den lebendigen Spatzen; ſpricht er aber / daß es lebendig ſeye / ſo druckt er dem Spatzen geſchwind den Kopff ein / und zeige nachgehends den todten / auf ſolche Art und Weiß woll er das Goͤtzen-Bild leicht zu Schanden machen / aber ſolcher / der mit dem Teuffel gefuͤttert war / wuſte den Knopff leicht aufzuloͤſen / gabe alſo kein andere Antwort / als dieſe / wie du willſt / dann in der Warheit in ſeinem Willen geſtanden das Leben und der Todt deß armen Voͤgerls.

Der in dieſer ſchlauen Welt begehrt fortzukommen / und ſein gewuͤnſchtes Ziel zu erreichen / der muß nicht offenhertzig ſeyn / der muß das Hertz nicht in den Haͤnden tragen / wie man pflegt meinen H. Vatter Auguſtinum abzumahlen / ſondern muß die gantze Sach wiſſen unter dem Mantel zu halten / ſon - ſten wird ihm einer leicht die Spatzen ausnehmen / der muß den Fuchs-Balg fuͤr ein Spallier brauchen / darhinder er ſeinenPars IV. B b bSchild378Judas der verfluchte GeſellSchild haͤngt / damit ein anderer ſo leicht nicht erfahren kan was er im Schild fuͤhre; er muß ſeyn wie das Wirths-Haus beym weiſſen Laͤmmel / wo der Wirth Herꝛ Wolffgang heiſt: er muß ſeyn wie die Apothecker Pillulen / ſo von auſſen gantz ver - guldt / einwendig aber ein gallſuͤchtige Materi haben; er muß ſich wiſſen in alles zu ſchicken / wie ein Schambataſchy-Hut: Er muß ſich wiſſen hin und her zu lenden und wenden wie ein Go - ckel-Haan auf dem Thurn; er muß ſich aͤuſſerlich ſtellen / wie ein Abel / wann er ſchon einwendig iſt ein Nabal; er muß die Pſalm mit ſingen / obs ihm ſchon nicht von Hertzen gehet / wann er nur das Gloria recht erdappt: Er muß das Pater noſter mit beten / obſchon wider ſeinen Willen / wann er nur dardurch zum Credo oder Credit kommt: Er muß mit der Proceſſion ge - hen / obſchon nicht gern / wann er nur dardurch den Proceß ge - winnet: Er muß in der Kirchen die Knye biegen / ob es ihm ſchon hart ankommt / wann ihme nur hierdurch wieder auf die Fuͤß ge - holffen wird: Er muß aͤuſſerlich GOtt dienen / ob er ſchon den Teuffel im Hertzen tragt / wann er nur den Himmel erreicht / wo Gluͤck und Stern hafften.

Jn Engelland befand ſich ein Cavallier bey Hof zur Zeit der frommen und Gottſeeligen Koͤnigin Maria / welcher in ſehr groſſem Anſehen ware / maſſen er gleichfalls einen Catholiſchen Eiffer und gar auferbaulichen Wandel gezeigt / ſo bald aber an ſtatt dieſer Tugendſamſten Koͤnigin die Ketzeriſche Eliſabeth zur Cron gelangt / ſo hat beſagter Cavallier auch alſobald die Maſchera abgelegt / und einen offentlichen Ketzer angezogen / welches ihme dann ein ſtattlicher Vortheil war zu ErhaltungMenoc. P. 4. c. 16 ſeines Gluͤcks. Aber wo iſt das Gewiſſen? wie ſtehts mit dem Gewiſſen?

Der Mautner hat mehrmalen ein groſſen Ballen auf - gepackt / aber nichts gefunden als allerley Farben / nicht ein Quintel von einem Gewiſſen: O! ſagte ich / dieſe Wahr kanman379wird gar unter die Heiligen gezehlt.man haͤuffig verſilberen / dann bey der Welt gar wenig Ubel ge - ſchehen / denen man nicht ein Faͤrbl anſtreicht.

Herodes hat ein ſtattliche Mahlzeit gehalten / aber die aller - letzte Speiß kan er auf ewig nicht verdaͤuen / Herodes ſitzt bey dem herꝛlichen Panquet / aber bey dieſem iſt ſein Seelen-Heil pangerot worden; Herodes ſpeiſt trefflich wol bey der Tafel / aber was er in der letzten Schuͤſſel hat laſſen auftragen / das muß er bey GOtt noch ewig auf der Schuͤſſel haben; Herodes war luſtig / aber nicht guter Ding / weil er ein verruchte Ubelthat begangen; Herodes be - kommt ein Rauſch im Kopff / worvon dem Joannes das Haupt wehe gethan; Herodes laͤſſet ſeines Kebs-Weibs uͤppige Tochter vor ſeiner tantzen / und dem geilen Bock haben die Capriol ſo wol gefallen / daß er ihr mit einem Eydſchwur verſprochen zu geben / was ſie immer verlange / weil ſie aber durch Einrathen ihrer Gott - loſen Mutter das Haupt Joannis in einer Schuͤſſel begehrt / als wolt er ihr ſolches auf kein Weiß abſchlagen / ob er ſchon ungern und mit groſſer Entruͤſtung ſolches zugelaſſen; da hat es aber bald geheiſſen / die Farben her / dieſer Gewiſſenloſen Tyranney? und unverantwortlichen Mordthat muß man ein Faͤrbl anſtreichen / wie da? was da? Propter jus jurandum, der gute Herꝛ war ſcrupulos, und weil er ein Eyd geſchworen / ſo wolt er ſolchen nicht gern brechen / maſſen es groſſen Herren / vorderiſt den Koͤ - nigen ſehr uͤbel anſtaͤndig: Ey wol ein ſchoͤnes Faͤrbl.

Die Hebraͤiſche Prieſterſchafft und gantze Juͤdiſche Clerus wolt CHriſtum aus dem Weg raumen / der doch der wahre Weg deß Lebens ware / wolt dieſes Liecht ausloͤſchen / welches doch einen jeden erleucht in Goͤttlichen und Himmliſchen Sa - chen / wolt dieſes Laͤmmel toͤdten / ſo doch kommen iſt hinweg zu nehmen die Suͤnd der Welt; aus einigen Urſachen / weil durch ſeine neue Lehr / ihr Reputation die Schwind Sucht be - kommen / ihr Jntereſſe das Hinfallend bekommen / ihr Glory und Lob bey dem Volck die Doͤrꝛ-Sucht bekommen / ſo muſte dann bey dieſem die Unſchuld ſelbſt fuͤr ſchuldig erkenntB b b 2wer -380Judas der verfluchte Geſellwerden / O Vermeſſenheit! ſo muſte bey dieſem die Heiligkeit ſelbſt fuͤr Laſter und tadelhafft gehalten werden / O Thorheit! ſo muſte dann bey dieſem der Geber deß Lebens / das Leben ſelbſt laſſen / O Unthat! aber Farben her / ſchreyen die Hohen-Prieſter / ſchreyen die Schrifft-Gelehrte / ſchreyen die Phariſaͤer / Farben her / ſchrey - en alle dieſe / aber was fuͤr eine? gar eine ſchoͤne: Expedit, ſie wa - ren gar eifferige Seelſorger (Scilicet) ihnen war nichts uͤber den Tempel Gottes / alſo zu vermeiden / daß der Glaub dieſes Nazare - ners nicht weiter einreiſſe / und gar unter die Roͤmer gerathe / wel - che nachmals ihnen thaͤten ins Land fallen / den Tempel zerſtoͤren / die Opffer und Gottesdienſt verhinderen / ꝛc. Expedit, ſo iſt es beſ - ſer / daß er ſterbe / ꝛc. O wol ein ſchoͤne Farb.

Der Wolff moͤcht gern ein Laͤmmleſſen / ob es ſchon in ſei - nem Calender nicht Oſtertag / aber wie iſt die Sach anzugreif - fen / denckt der Wolff / die Mordthat wird mich allenthalben be - ſchreyt machen / ich werd bey allen in einen uͤblen Ruff gerathen / niemand wird hinfuͤhro mir immer wollen trauen / aber laß ſehen / ſagt er / wie waͤr es / wann ich die Mahler-Kunſt thaͤt lernen? Concluſum eſt, bey dem ſolls verbleiben / er trifft ein Laͤmml an / welches weit unterhalb deß abrinnenden Bachs mit zwey Fuͤſſen im Waſſer geſtanden / da iſt der grimmige Geſell alſobald da / laufft mit hoͤchſtem Zorn hinzu / reiſt / verzehrt das arme Thierl voͤllig: aber was fuͤr ein Faͤrbel hat er dieſer Ubelthat angeſtrie - chen? diß allein / daß es / das Laͤmml nemlich / den Bach truͤb ma - che / und alſo ſo wohl den Menſchen als Vieh den Tranck ver - derbe; was mehr / etliche alte Weiber / ſo dazumahl die Kirchen - Waͤſch gewaſchen / waͤren in ihrer heiligen Arbeit verhindert wor - den / ꝛc. Ey wol ein ſchoͤne Farb?

Jezabel wuſt mit dieſer Farb auch umbzugehen / Archi - tophel auch / Oza auch / Joab auch / Pharao auch / ꝛc. aber dieſe alle im Alten Teſtament / im Neuen kan man noch beſſer mit der Farb umbgehen / jetzt iſt ein guter Fuͤrneiß erfunden worden / der macht die Farb ſchoͤn glaͤntzend / jetzt kan man gantzeKrieg381wird gar unter die Heiligen gezehlt.Krieg fuͤhren mit der ſchoͤnen Farb / das man die Religion will fortpflantzen / und die Ketzerthumb ausrotten: Jetzt kan man gantze Biſthumer zu ſich reiſſen / mit der Farb daß es pro ſeye; die Simonia iſt ſchon laͤngſt Leim-trenckt geweſt / es iſt ihr leicht ein Farb anzuſtreıchen / ꝛc. Jetzt kan man in Cloͤſtern leicht dieſen und jenen aus dem Sattel heben / mit der Farb / er ſeye bereits einer ſchwachen Complexion, und alſo muͤſte man ihme den Laſt fernerer Aembter abnehmen / damit er deſto laͤngere Lebens-Friſt genieſſe / und der Religion mit reiffen und weiſen Rath beſſer bey - ſtehe / ej wol ein ſchoͤne Farb: auf die ſcheinbare Ehr-Sucht wird ein Faͤrbel geſtrichen; auf die offentliche Verfolgung wird ein Faͤrbel geſtrichen / auf die Handgreiffliche Unterdruckung wird ein Faͤrbel geſtrichen / aber wo iſt das Gewiſſen? wie gehts mit dem Gewiſſen? nun mein Welt vor einmal und allemal frag ich dich / was haͤlteſtu von dergleichen Leuten / welche mit allerley prætext mit allerley Vermaͤntelung / mit allerley Faͤrbel-Anſtreichung ihr Gluͤck und Vorhaben befoͤrdern? Sie ſeynd falſche Leut / Machiavelliſche Gemuͤter / vermaͤntelte Ertz-Schaͤlck / vermar - ſcherte Teuffel / Engliſche Beſtien / verzuckertes Gifft / angeſtriche - ne Mumien / gefirneiſte Betrieger / vergulte Boͤßwicht / untergra - bene Geſtoͤtten; Sodomitiſche Aepffel / Trojaniſche Roß / ver - fuͤhrende Nacht-Lichter / deß Teuffels verkederte Fiſch-Aengel / Hoͤlliſche Prothei, &c. Bey leib nicht / ſagt die Welt / zu dem Wetter muß man andere Glocken leuten / zu dem Tantz muß man ein anders Liedel aufmachen / zu der Orgel gehoͤren andere Blaß - baͤlg: alle dergleichen Leut ſeynd Politici, Politicus kombt vom Wort Pollio oder Polliren her / ſo nur mit den aͤuſſeren Glantz zu frieden iſt: politicus kommt von Wort Polus her / welches ein Himmel heiſt / der iſt ebenfalls nicht beſtaͤndig in der Farb. Po - liticus kommt von Wort Policeor her / ſo ſich allein mit Ver - ſprechen aushaͤllt: Politicus kommt vom Wort Poles her / ſo bey den Mahleren ein Farb iſt. Der Abgott Dagon hat zwar bey unſerem Allmaͤchtigen nicht viel golten / weil er halb MenſchB b b 3halb382Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenhalb Fiſch war; den Trunck auf dem bitteren Creutz-Bahn hat der HErꝛ JESUS geweigert zu nehmen / weil er halb Wein halb Gall geweſen; den Hebraͤern ſeynd die Kleider verbotten ge - weſt / die halb leinen halb wollen geweſt. Aber ein Politicus muß auf der Welt halb ſo und halb ſo ſeyn / wann er will fortkommen / und ſolche Leut ſeynd beſcheid und klug / die koͤnnen den Segel rich - ten nach dem Wind; die wiſſen die Feder zu ſchneiden nach der Schrifft; die wiſſen die Seyden zu ſpinnen nach der Modi: Ein - faͤltig gehet nicht bey der Welt; hat doch der Eliſæus ein doppel - ten Geiſt verlangt; mit denen Compoſitis richten die Herren Medici mehrer aus / als mit denen Simplicibus: Zu Wien iſt die Einfalt-Straſſen hinter der Herren-Gaſſen / ꝛc. Das iſt die ſchoͤn - ſte Modi die Welt zu regieren.

O Welt! O Welt! du biſt zwar ſchwaͤr mit Suͤnden / aber voller Leichtfertigkeit; du biſt ſchwer mit Laſtern / aber voller Leicht - ſinnigkeit; du biſt zwar ſchwer mit Unthaten / aber voller Leicht - glauben; du glaubſt / was dir der Sathan vorſchwaͤtzt / und mer - ckeſt nicht was Sathan zuruck heiſt / Id eſt natas: Du ſchwimmſt und biſt zu allernaͤchſt dem Untergang / weil du bereit in deiner Boßheit ſchon ſo weit kommen / daß du auch den Laſtern ein ſchoͤ - nen Tugend-Mantel anlegeſt / und den Judam Iſcarioth unter die Heilıgen zehleſt: Et ſic laudatur Peccator & iniquus be - nedicitur.

Judas Jſcarioth wegen der Leut jhrer Re - den thut das Gute unterlaſſen.

GEwiß iſt es / daß wie dieſer Geldgierige Geſell am Mitt - woch mit den Hohen-Prieſtern wegen der Verraͤthe - rey ſchon pactiret hat / daß ihme der gebenedeyte Hey - land noch allerley gute Gedancken eingeben / wordurch der gott - loſe Boͤßwicht haͤtte ſollen von ſeinem verdammten Voꝛhaben ab - ſtehen / daß er aber hierinn ſo halsſtarrig verblieben / hat ſolchesder383thut das Gute unterlaſſender leidige Satan / mit welchem er wie etliche darvor halten / wuͤrck - lich beſeſſen war / auf moͤgliche Weiß verhindert / unter andern ih - me vorgemahlt / daß wofern er ſein Verſprechen nicht ſolt noch wolt nachkommen / ſo wurde er bey den Leuten / forderiſt bey der geſamten Juͤdiſchen Cleriſey in ein ſchlechtes Concept gerathen / als die ihn fuͤr einen einfaͤltigen Scrupulanten werden halten: Ja etliche gar fuͤr einen ſchlechten Kerl / als der ſein Wort nicht halte / ꝛc. Jn Erwegungen deſſen hat er die Bekehrung unter - laſſen / und iſt der aͤrgſte Boͤßwicht worden.

Was leidet nicht wegen der Leut die Kirchen? was leidet nicht wegen der Leut die Tugend? was leidet nicht wegen der Leut die Seel? was leidet nicht wegen der Leut der Himmel? was lei - det nicht wegen der Leut GOtt gleichſam ſelbſten. Job leidet vom Teuffel / Pharao leidet von Froͤſchen / Schauer / Keffer / ꝛc. Herodes leidet von Wuͤrmen / die Knaben zur Zeit Eliſaͤi leiden von Baͤeren; Paulus leidet von Schlangen / aber unter den Leuten leidet faſt ein jeder wegen der Leut. Es iſt gantz gemein / daß man ſagt / ich wolt gern ſo und ſo leben / aber mir iſt nur wegen der Leut / was wurden dieſe ſagen? Ey ſo Leut!

Es iſt wol wahr / daß der Kleider-Pracht den Goͤttlichen Augen ſehr mißfalle / weſſenthalben Chriſtus der HERR Joan - nem in der Wuͤſten nicht ein wenig herfuͤr geſtrichen / umb weil er ein ſo ſchlechten Aufzug von Camellen-Haaren gehabt / ent - gegen iſt jene groſſe & cætara in Apocalipſi, verdammet wor -Apoc. 17 den / meiſtens wegen der Kleider-Hoffart. Es iſt wohl wahr / daß unſere erſte Eltern von dem Allmaͤchtigen GOTT ſelb - ſten ſeynd gekleidet worden / nicht aber in Sammet und Sey - den / welche doch dem Hoͤchſten nicht gemangelt / ſondern in ſchlech - ten Schaaf-Fellen. Es iſt wol wahr / daß auch gecroͤnte Haͤup - ter und groſſe Monarchen den aͤuſſerlichen Kleider-Pracht ge - haſt haben: Kayſer Aurelianus hat gar nichts von Seyden ge - tragen / weniger von Silber und Gold / auch ſolches zu tragenFlav. Vopis. der Kaͤyſerin ſelbſt verbotten. Carolus Quintus, dieſer unuͤber -wind -384Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenwindliche Hercuies der Welt / iſt in gemeinen wollenen Kleideren aufgezogen / dergleichen ſich der Zeit etwanein Burger ſchaͤmbte. Ludovicus IX. dieſer Sieghaffte Koͤnig in Franckreich / hat ſich ſo gemein in Kleidern gehalten / daß man ihn faſt nicht von dem Poͤfel konte unterſcheiden. Es iſt wohl war / daß eine von Gold geſtickte Schabracken oder Decken das Pferd nicht beſſer mache. Es iſt wahr / daß S. V. ein Miſthauffen im Winter nicht darumb mehrer iſt / weil er mit dem ſchoͤnen weiſſen Schnee verhuͤllt iſt. Es iſt wahr / daß ein Buch nicht deſſentwegen hoͤher zu ſchaͤtzen / weil es in Sammet eingebunden / und ein guldenen Schnitt hat / alſo folgſam dem Menſchen nicht mehrer Ehr zuwachſe / umb weil er in koſtbaren Kleidern daher prangt.

Jch muß bekennen / der ſtattliche und theure Procath thut dermahlen einem manchen armen Bettler einen guten Brocken abſtehlen; wegen der uͤberfluͤſſigen langen Roͤcken kommt jetzt mancher Bettler zu kurtz: die ſilberne und guldene Spitz ſtechen die arme Leuth nicht ein wenig: der Uberfluß der Kleider iſt ein Urſach deß groſſen Abgangs bey den Armen / ꝛc. Wie wird ſich einmal die Seyden ſchaͤmen! wann am juͤngſten Tag dıe ar - me Bettler Joppen ſie bey dem gerechten Goͤttlichen Richter wird anklagen.

Uber alles dieſes muß ich auch beſtehen / daß die zwoͤlff Apo - ſtel / obſchon zwoͤlff Fuͤrſten der Kirchen in gantz gemeinen Kleıde - ren aufgezogen / ja ſo gar der H Bartholomaͤus / ſo von Koͤnigli - chem Geſchlecht herſtammt / gantzer fuͤnff und zwantzig Jahr ein Kleid getragen. Der Heil. Eremit Paulus hatte keinenande - ren Mantel / als von Palmen Blaͤttern geflochten / nach deſſen Tod beſagten Mantel der H. Antonius in ſo groſſem Werth ge - halten / daß er denſelben nur an vornehmen Feſt-Taͤgen an ſtatt deß Gala Kleid gebraucht hat.

Jch weiß auch gar wol / daß / wie der Gottſeelige und Sieg - haffte Kayſer Heraclius das Heilige Creutz / ſo lange Zeit inPer -385thut das Gute unterlaſſen.Perſien geweſt / wieder nach Jeruſalem gebracht / und ſelbes auf ſeinen Achslen wollen auf den Berg Calvariaͤ tragen in einer ſtattlichen groſſen und Volckreichen Proceſſion / da hat der|gu - te Monarch bey der erſten Porten muͤſſen ſtill halten / und kondte durch ſonderliche Goͤttliche Macht nicht einen Tritt weiter thun / biß er den praͤchtigen Kayſerlichen Habit und Aufzug / ſo in Sam - met / Seyden / Gold / Kleynodien / ꝛc. beſtanden / hinweg ge - legt / und in einen rauhen haͤrinen Sack geſchloffen / mit welchem Kleid er nachmals ohne fernere Hinternus das heilige Creutz hin - auf gebracht. Officium St. Cruc. Aus welchem allen Son - nenklar erhellet / daß der Kleider-Pracht den Goͤttlichen Augen hoͤchſtens mißfalle; alles dieſes iſt wahr / alles dieſes weiß ich / und wolt ich von Hertzen gern in gemeinen Kleidern aufziehen / damit ich nur GOttes Gnade nicht verſchertze oder verloͤhre / aber wann ich nur ſolte in einem gemeinen Craͤueriſchen Zeug / oder ſchlechten Cronraſch daher gehen / was wurden die Leuth ſagen?

O laͤppiſche Forcht! laß die Hund bellen / laß die Gayß ge - mecketzen / laß die Schaaf blaͤrren / laß die Saͤu kuͤrren / laß die Gaͤns ſchnaderen / laß die Hennen gacketzen / laß die Tauben gu - rucketzen / laß die Katzen gemaucketzen / laß die Huͤnnl pipitzen / und laß die Leut reden: Jhr Reden ſticht dir die Augen nicht aus / wie der Heil. Luciæ: Jhr Reden ſchneid dir die Naſen und Oh - ren nicht ab / wie dem Heil. Martiali zu Corduba: Jhr Reden bricht dir die Zaͤhn nicht aus / wie der Heil. Apolloniæ: Jhr Re - den reiſſet dir die Zungen nicht aus / wie der Heil. Baſiliſſe zu Rom: Jhr Reden ſchlaͤgt dir den Kopff nicht ab / wie dem Heil. Paulo; Laß die Leuth reden / die Leuth werden am Juͤngſten Tag fuͤr dich nicht Antwort geben / die Leuth werden fuͤr dich nicht in die Hoͤll ſteigen: die Leuth werden fuͤr dich nicht ewig leiden / und warumb willſt du wegen der Leuth das Gute unter - laſſen / und das Boͤſe wuͤrcken? Wie der Heilige Franciſcus allen uͤppigen Kleider-Pracht hinweggeworffen / und einen rauchenPars IV. C c cſpiſ -386Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenſpiſſigen Sack angelegt / auch zu allen Zeiten barfuß gangen / da haben die Leuth auch geredt / etliche ſo gar haben ſeinen Wandel ausgehoͤnt und verlacht / aber dieſer Leut halber hat ſich Franciſcus nicht laſſen abwendig machen; ſein rauches Buß-Kleid hat er we - gen der Leut Reden nicht ausgezogen / obſchon ſolches dazumal von etlichen veracht worden / ſo iſt es doch der Zeit in ſo hohem Preiß / daß auch gecroͤnte Monarchen ſich gluͤckſeelig ſchaͤtzen / wann ſie nur etliche Faden von dem Kleid deß Seraphiſchen Vatters in ih - ren Haͤnden haben. Laß die Leut Leut ſeyn.

Schaͤndlich und ſehr uͤbel ſtehet es / wann man in den Kir - chen und Gottes-Haͤuſern ſich ohngebaͤrdig haltet / und unnuͤ - tzes Geſchwaͤtz verfuͤhret: Unſer lieber HERR iſt einmahl / als es Kirch-Weyhe war in dem Vor-Hof oder Vorgang deß Salomoniſchen Tempels hin und her ſpatzieren gangen: Ambu - labat in templo in porticu &c. konnt wol jemand fragen und ſa - gen: Warumb iſt CHRJSTUS nicht in den Tem - pel hinein gangen / und daſelbſt ſeine Andcht verricht? Aber hoͤ - re dieſe Urſach / der gebenedeyte Heyland hat ſchon / vermoͤg ſei - ner Goͤttlichen Allwiſſenheit vorgeſehen / daß die Hebraͤer ihme werden anreden / und allerley Geſchwaͤtz untereinander machen / darumb hat er ihrer vor dem Tempel heraus gewart / dardurch zu zeigen / daß man in in den Kirchen und Gottes-Haͤuſern nicht ſoll unnuͤtzlich ſchwaͤtzen und plaudern; Freylich ſtehet es nicht wohl / wann man in dem Haus GOttes von ſeiner eignen Haus-Wirth - ſchafft reden thut: Ubel ſtehet es / wann man in dem Tempel von ſauren Plempel ein Diſcurs fuͤhret: Ungereimt ſtehet es / wann man unter dem GOttes-Dienſt / von Dienſtbotten ſchwaͤtzen thut: Schaͤndlich ſtehet es / wann man an dem Orth / wo das ſchnee-weiſſe Lamm GOttes aufgeopffert wird / gar ein Bocks - Diſcurs fuͤhret / und buhleriſche Reden verbringt: Suͤndlich iſt es / wann man von der Taberna redet / wo GOTT ſeinen Tabernacul hat: Verdammlich iſt es / wann man in der Kir -chen387thut das Gute unterlaſſen.chen an ſtatt der Schluß-Gebettel / die Augen hin und her ſchieſ - ſen laſſet / umb zu ſehen / wo ein und anderer Gallus und Galan ſtehet / mit dem man die Zeit vertreiben kan. Schaͤndlich und mehr als ſchaͤndlich iſt es / wann einer nur eın Knie in der Kirchen biegt / und gleichſam ein Poſtur macht / als wolt er einen Haaſen ſchieſſen: Fuͤrwahr bey dem Evangeliſten Luca lieſet man / daß unſer lieber HERR auf dem Oelberg / als er das Gebet zu ſeinem Himmliſchen Vatter verricht / nicht habe nur ein Knie / ſondern alle beyde auf die Erd fallen laſſen / Poſitis genibus, &c. Der Heilige Paulus ſpricht ſo gar / daß zu dem Namen JESU die22. cap. v. 41. ad phil. c. 2. Verdammte und boͤſe Geiſter ihre Knie biegen in der Hoͤll: O - mne Genu flectatur, &c. Infernorum, &c. ja nach Auſſag deß Heil. Vincentij Ferrerii hat zu Rom ein Teuffel in ſichtba - rer Geſtalt einem jungen Kerl in der Kirchen ein harten Backen - Streich verſetzt / umb weil er bey der Aufwandlung deß hoͤchſten Guts nicht mit beyden Knien niederkniet / auch anbey ſich dieſer verdammte Geiſt vernehmen laſſen / wann Chriſtus aus tauſendDom. 16 poſt. SS. Trinit. und tauſend Gutthaten / die er euch Menſchen gibt / und geben hat / uns nur ein einige mittheilet / ſo wolten wir ihme Tag und Nacht unaufhoͤrlich auf den Knien aufwarten. Solcher Geſtalt kondt der Teuffel ſchon ein Kinder-Lehr halten.

Spoͤttlich / und mehr als ſpoͤttlich iſt es / wann einer ſich ſchamt einen Roſen-Krantz in der Kirchen zu tragen; ein ſolcher haͤlt wohl nicht ſo viel auf ſeinen Roſen-Krantz / als der fromme und heiligmaͤſſige Mann Antonius de Robes aus dem Orden deß Heiligen Franciſci / als dieſer auf ein Zeit nach der Stadt Vincentza gangen / unter Wegs aber von einem Platz-Regen uͤberfallen worden / und weder Haus / noch Baum vorhanden / wo er konte ſicher unterſtehen / da hat er ſeinen Roſen-Krantz aufAnnal. Min. an 1559. den Kopff gelegt / und alſo in den groͤſten Regen biß nacher Vi - renza kommen / gleichwol von keinem einigen Tropffen beruͤhrt worden.

C c c 2Wild388Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Reden

Wild und mehr als wild iſt es / wann einer ein gantze Zeit in der Kirchen herumb gafft / und folgſam den ausſchweiffigen Ge - dancken mit allem Fleiß ein Lad-Schreiben ſchickt. Cæſarius ſchreibt / daß einem ſolchen ein Crucifix-Bild / ſo vom Creutz her - unter geſtiegen / ein ſo harten Backen-Streich verſetzt / daß er hier - von den dritten Tag geſtorben / O mein GOtt! wann ein jeder der ſich ungebaͤrdig in der Kirchen haltet / ſolt ein Goſchen bekom - men / wie viel wurden mit blauen Augen geſehen werden. Der H. Arſenius hat alle Sambſtag von Abend an biß zur SonnenMarul. l. 2. c. 1. Aufgang auf gebogenen Knyen ſeine Augen ſtaͤts gegen Orient gewendt. O lieber GOtt! jetzt gibt es viel / die in der Kirchen nicht ein Vatter Unſer lang den Altar anſchauen.

Freylich ſoll ein rechter Chriſt in den Kirchen die Haͤnd zu GOtt aufheben / wie Moyſes auf den Berg / er ſoll an das Hertz klopffen / wie ein offener Suͤnder in dem Tempel; er ſoll zu dem Allerhoͤchſten ſeufftzen wie die Anna / Samuelis Mutter / er ſoll ſich auf ſein Angeſicht niederwerffen / wie JESUS der Heyland ſelbſt / procidit in faciem ſuam: Er ſoll mit ausgeſpannten Ar - men beten / wie Chriſtus om Creutz fuͤr ſeine Feind / dann wann das Gebet ein Pfeil iſt / ſo gegen Himmel abgedruckt wird / ſo reimt es ſich gar wohl / daß anſtatt deß geſpannten Bogen die Armen ausgeſpannt werden.

Freylich iſt alles diß gut / iſt recht / iſt loͤblich / iſt nutzlich / iſt heilig / ꝛc. aber ich bin ein junger Edelmann / wann ich derge - ſtalten mich in der Kirchen ſolt verhalten / was wurden die Leut ſagen? Sie wurden ſagen / ich ſeye ein lauterer Pfaff / ein lau - terer Monch / ꝛc. laß ſagen; Wann der Mond voll iſt / ſo pfle - gen gemeiniglich die Hund bey naͤchtlicher weil denſelben anzubel - len / aber derenthalben laſſet dieſes Himmels-Liecht weder den Schein noch ſeinen Lauff: Wann du voller Andacht biſt / und et - liche derentwegen uͤber dich ſchmaͤhlich reden / laß bellen / ein an - ders iſt bellen / ein anders iſt beiſſen; wann ſie ſagen / du ſeyeſt ein Pfaff / ſo ſagt der Echo, Aff / ein anderer ſoll ein Aff ſeyn / unddir389thut das Gute unterlaſſen.dir derenthalben nachfolgen; geſetzt / es ſagt einer oder der andere du ſeyeſt ein lauterer Bett-Bruder; ſoll dann diß ein Schand ſeyn? dem H. Franciſco von Aſſis, Franciſco Xaverio, Franciſco de Paula, Franciſco Borgia, Franciſco Sales, Franciſco Olimpio, Franciſco à puero JESU, Franciſco Senenſi, Franciſco Ticino, Franciſco Cicho, Franciſco Brixienſi, Franciſco Ovaris, Franciſco Fabriano, Franciſco Scoto, Franciſco Peræſio, Franciſco Alvaretio, Franciſco à Duratio, Franciſco à Canobio, Franciſco à Cruce, Franci - ſco de Stanno, Franciſco Mediolanenſi: die da alle lau - ter heilige und heiligmaͤſſige Maͤnner geweſt / ꝛc. iſt es nicht allein kein Schand geweſt / daß ſie in den Kirchen und Gotts-Haͤuſern inbruͤnſtig ihr Gebet verricht / ja in demſelben gar offt von der Er - den verzuckt worden / ſondern ſie werden derenthalben in allen Buͤ - chern / in allen Chronicken / auf allen Cantzlen ſehr gelobet und her - vor geſtrichen / iſt alſo dir Signor Franceſco mehrer ein Lob / als ein Unehr / wann etliche aus denen Leuten dich einen Bett-Bruder oder Moͤnch tituliren.

Das hoͤchſte Gut / als ein Goͤttliche Weg-Zehrung helffen begleiten zu den Krancken / iſt fuͤrwahr ein ſchoͤnes auferbauliches Werck; Matthaͤus hat 28. Capitel geſchrieben. Marcus hat 16. Capitel geſchrieben. Lucas hat 24. Capitel geſchrieben. Jo - annes hat 21. Capitel geſchrieben / alle dieſe in den meiſten Capiteln ihrer Evangeliſchen Verfaſſung geben ſchrifftliche Zeugnus / wie der HErꝛ JESUS auf Erden von einem Orth zum anderen gangen / und das Goͤttliche Wort allenthalben ausgebreitet / da ſeye jederzeit ihme eine groſſe Menge Volck Turba copioſa, zu - weılen etlich tauſend / nachgefolgt / und ihme das Gleit geben.

Nun mein GOtt! der jenige / den der Prieſter unter der Geſtalt deß Brods zu den Krancken traͤgt / iſt eben derſelbe derC c c 3im390Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenim alten Teſtament den Jſraelitern in feuriger Saul bey Naͤcht - licher Weil / den drey weiſen Koͤnigen aber aus Orient im Neuen Teſtament ein Stern fuͤr einen Weg-Weiſer geben hat: Jſt eben derſelbe / der im alten Teſtament das Waſſer in Blut: Jm Neuen Teſtament das Waſſer zu Cana in Wein verkehret hat: Jſt eben derſelbe / der die Jſraeliter wunderbarlich mit dem Manna im al - ten Teſtament / und im Neuen Teſtament mit fuͤnff Brod und zwey Fiſchen fuͤnff tauſend Menſchen geſaͤttiget hat / iſt eben der - ſelbe / der im alten Teſtament den Sohn der Sunamitin / und im neuen Teſtament den Sohn der Wittib zu Naim von Toden erweckt hat: Jſt eben derſelbe / der den Syriſchen Naam im alten Teſtament / und zehen andere im neuen Teſtament / deren neun das Deo gratias vergeſſen / vom Auſſatz gereiniget hat: Jſt eben derſelbe / der im alten Teſtament den Daniel aus der Loͤwen-Gru - ben / und im neuen Teſtament den Peter aus der Gefaͤngnus er - lediget hat; iſt eben derſelbe / der im alten Teſtament dem Wahl - Fiſch befohlen / daß er den Jonam ſoll geben / und im Neuen Te - ſtament dem Fiſch gebotten / daß er dem erſten Pabſten Petro das Geld ſoll ſpendiren: Jn Summa / der jenige / den der Prieſter unter der Geſtalt eines weiſſen runden Circkel zum Krancken traͤgt / iſt eben der ſelbe / der die runde Welt aus nichts erſchaffen / iſt unſer GOTT / unſer Schoͤpffer / unſer Erloͤſer / unſer Rich - ter / ꝛc. Ach wie kommt es dann / daß nach Ausſag der Evange - liſten dazumalen im Juden-Land ein ſo groſſe Menge Volck Tur - ba copioſa, allezeit mit ihm gangen / und dermal zuweilen kaum acht oder zehen Perſon ihme das Gleit geben / worunter meiſtens etliche alte Muͤtterl / die ſo kleine Proceſſion zieren.

Die Aſtrologi unter die Geſtirn deß Himmels ſetzen aller - ley Thier / benanntlich: Loͤwen / Krebſen / Fiſch / Stier / Wid - der / Steinbock / ꝛc. ich glaub wol / wann ſie das gewuſt haͤtten / wie Orlandinus ſchreibt / in Hiſtor. S. Je. l. 2. n. 27. was ſich zu Salzan einem Dorff / ohnweit Tarviſi in Welſchland zugetragen / ſie haͤtten dem Eſel auch ein Ort in dem Himmels-Creiß vergont:Es391thut das Gute unterlaſſen.Es hat in obbenennten Dorff einmal der Prieſter oder Seel-Sor - ger das allerhoͤchſte Altar-Geheimnus zum Krancken getragen / deme aber kein einiger Menſch das Gleit geben / als allein ıſt ihme ein kleiner Knab vorgetretten mit einem Gloͤckl / und brennenden Kertzen in der Latern / wie ſolcher Pfarrer / mit Namen Lauren - tius / ſeinen Weg genommen uͤber ein Feld / worauf ein gantze Heerd Eſel ihr Wayd ſuchten / hat ſich dieſes Wunder ereignet / daß ſich dieſe Langohrige Thier alſobald in zwey Schaaren aus - getheilet / und beyderſeits auf die Knye niedergefallen / biß der Prieſter nicht ohne hoͤchſte Verwunderung in mitte deren hin - durch gangen / nachmahls haben ſie ſich alſobald aufgericht / und das Allerhoͤchſte Gut begleitet biß zu deß Krancken Behauſung / allwo ſie vor der Thuͤr heraus ſtehend geblieben / ſo lang biß der Seel-Sorger den Krancken mit dieſer Himmels-Speiß verſehen / auch ſo gar das Haus nicht wollen verlaſſen / biß der fromme Geiſtliche ihnen die Benediction und Segen ertheilet / nachde - me ſie gleichſam voll mit Freuden zu ihrer vorigen Wayd gelof - fen. Jch muß bekennen / dieſe Eſel kondten uns wol ein Lection vorſchreiben / und doͤrfft ſich keiner ſchaͤmen / wann er ſie vor Præ - ceptores und Lehr Meiſter thaͤt aufnehmen / da heiſt es wol / was Job am zwoͤlfften Cap. v. 7. ſpricht: Interroga jumenta & do - cebuntte? Frag die unvernuͤnfftige Thier / die werden dich lehren. Andere pflegen ſonſt aus den Haͤnden / aber ich wolt ei - nem gar gewiß aus den Fuͤſſen wahrſagen; wann ich ſihe / daß je - mand gar eifferig gehet mit dem hoͤchſten Gut / ſo man es zum Krancken traͤgt / ſo will ich ihm gar gewiß ſagen und wahrſagen / daß er kuͤnfftig zeitliches und ewiges Gluͤck habe zu hoffen / ich will dermalen nicht wiederhohlen / was Geſtalten das Habſpur - giſche Haus ſein Aufnehmen / und der Oeſterreiſche Stammen fein Glorreiches Wachsthum von dieſer Andacht genommen habe.

Es iſt alles wahr / ſagt eine / daß es ſehr ohnloͤblich ſte - he / ja faſt aͤrgerlich ſcheine / wann der Prieſter mit unſerem wah -ren392Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenren GOtt in Begleitung nur drey oder vier alten Muͤtterl zu dem Krancken gehet / woruͤber unſere Glaubens-Widerſacher ſelbſt gar ſchmaͤhlich reden / ich bekenns / ich hab gar offt Zeit und Weil genug / und hindert mich nichts / daß ich nicht kondt dieſem meinem Heyland / den ich mir auch einmal barmhertzig wuͤnſche in meinem Sterb-Stuͤndlein / auf etliche Schritt / das Gleit geben / aber es iſt mir nur wegen der Leut / wie werden die Leut ſchauen / was wurden die Leut ſagen?

Sie werden etwan ſagen / ich ſeye ein Gleißnerin / ich kond - te unter der Zeit wol auf die Wirthſchafft ſchauen / und ſehen / daß unter die Knecht und Maͤgd kein Ritſcher komme / ꝛc. werden ſie das ſagen? ſo laß ſagen / diß Sagen wirfft dir Haus und Hof nicht zu Boden / wie dem Job geſchehen / laß ſagen: diß Sagen verderbt dir nicht die Traid-Felder / wie denen Philſtaͤern geſche - hen; laß ſagen / diß Sagen nimmt dir nicht Silber und Gold weg / wie denen Egyptiern geſchehen: laß ſagen / diß Sagen ſtuͤr - tzet dir nicht deine Schwein ins Meer / wie den Geraſenern ge - ſchehen: Was werden die Leut ſagen? Die Fromme wer - den dich derenthalben loben / ja GOTT wird dich deſſentwe - gen lieben / die Engel werden dir darumben beſſer beyſtehen / die Heiligen werden der Urſach halber dir mehrer gewogen ſeyn / der Himmel wird dich deſſenthalben beſſer ſegnen / deine Verdien - ſten werden umb deſto mehr wachſen / ꝛc. ſo werden dann nur et - liche bey denen das Liecht / wie den Nacht-Eulen zuwider iſt / wi - der dich etwas ſagen / ſo laß ſagen / was achteſt du etliche / ſeynd doch weit mehrer die dich derenthalben loben / ja viel / die etwan unge - reimt von dir reden / dencken weit anderſt im Hertzen / und muͤſſen uͤber Willen bekennen / daß du einen rechten Chriſtlichen Wandel fuͤhreſt.

Was hat man geredt von dem jetzt regierenden Koͤnig in Spanien / Carolo Secundo, wie er Anno 1685. am Feſt deß hei - ligen Martyrers Sebaſtiani wegen deß dazumal annehmlichen Wetters / Nachmittag ſich ſamt der meiſten Hof-Statt aus Ma -drit393thut das Gute unterlaſſen.drit begeben / einen friſchen Lufft zu ſchoͤpffen / als er wahrgenom - men / daß ein Prieſter ſamt einem Clerico das hoͤchſte Gut zu ei - nem krancken Gartner getragen / da iſt er alſobald aus ſeinem Leib-Wagen her aus geſprungen / dem Prieſter in allweg kniender ſeinen Wagen anerbotten / nachdem ſolcher nach vielen Weige - ren hinein geſeſſen / da hat Jhro Majeſtaͤt der Koͤnig ſelbſt das Thuͤrl zugemacht / neben demſelben Wagen zu Fuß gangen / mit bloſſen Haupt biß zu deß Gaͤrtners armen Huͤtten / allwo er mehr - malen eigenhaͤndig das Thuͤrl aufgemacht / dem Prieſter heraus geholffen / mit ihme zu dem Bett deß armen Gartners getretten / allda ſo lang auf der Erden mit den Knyen verharret / biß der Prie - ſter ſein Ampt vollkommentlich vollzogen / alsdann hat er dem Gaͤrtner ein reichliches Allmoſen mitgetheilt / und ihme verſpro - chen / nach dem Tod ſein einige hinterlaſſene Tochter mit einem ergeblichen Heyrath-Gut zu verſehen / uͤber ſolches dem Prieſter wieder in in ſeinen eignen Leib Wagen begleit: Was haben da - zumal die Leuth geſagt? Sie haben nichts koͤnnen ſagen vor lauter Weinen / maͤnniglich ſeynd die Augen im Waſſer geſtan - den / ein jeder hat mit aufgehebten Haͤnden ſich theils verwundert / theils GOtt geprieſen / daß ſie einen ſo frommen und auferbauli - chen Koͤnig haben; viel tauſend Perſonen haben dieſem Eiffer nachgefolgt / und auch dem unter der Geſtalt deß Brods verhuͤll - ten GOtt das Gleit geben.

Was wurden die Leuth reden? wie wurden die Leuth ſchauen? laß in GOttes Namen ſchauen / ihre Augen ſeynd keine Baſilisken-Augen / die dich moͤchten vergifften; ihre Au - gen ſeynd keine Brenn-Glaͤſer / welche dir thaͤten ein Blattern aufziehen: Laß ſchauen; ſchaut doch ein Kuh auch ein neues Stadel-Thor an / laß ſchauen / diß Schauen iſt kein Schauer / welcher dir alle Erd-Fruͤchten verderbt; laß ſchauen / diß Schauen iſt kein Schauffel / ſo dich unter die Erd grabt / laß ſchauen / und lebe du alſo fromm / daß du nach deinem Tod magſt GOtt ewig anſchauen.

Pars IV. D d dSich394Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Reden

Sich an ſeinem Feind / von dem man einen groſſen Af - front bekommen / nicht rechnen / iſt freylich wol ein groſſes und GOtt wohlgefaͤlliges Werck: wie der alte Jſaac bereits wahr - genommen / daß ſein Leben zum End gehe / da hat er noch ſei - nen Sohn Eſau erſucht / er wolle ihme doch die kindliche Lieb er - weiſen / und umb ein Wildbraͤt umbſchauen / er ſeye ohne dem ein guter Schuͤtz / alſo kein Zweiffel / daß er nicht bald einen Hirſchen oder Reh-Bock erhaſchen werde. Seye ihme wie ihm woll / fuͤr alte / und forderiſt krancke Leut / iſt das Wildbraͤt gar nicht geſund / ein Pannaͤtel / ein Gaͤrſtl / ein Suppen / ꝛc. taug - ten beſſer fuͤr dich mein lieber alter Taͤttel / als ein Wildbraͤt / aber Jſaac verlangte halt ein Wildbraͤt / und nichts anders / dann er ſich verlaſſen hat auf ſeinen guten Magen / und getrauete ihm gar wol ein Wildbraͤt / was es nur fuͤr eines moͤchte ſeyn / zu verdauen.

Gut iſt es / nutzlich iſt es / ja heilig iſt es / wann einer einen ſo guten Magen hat / daß er kan nicht ein Wildbraͤt / ſondern ein wilde Red verdauen / verkochen / und thut ſich nicht raͤchnen an demſelben / der uͤbel von ihme geredt hat / nach dem Exempel unſers gebenedeyten Heylands ſelbſten / welcher noch den verraͤ - theriſchen Judam nach empfangenem falſchen Kuß einen Freund benamſet hat / der hundertmal haͤtt ſollen ein Schelm geheiſſen werden: Amice ad quid veniſti.

Wie Moyſes der groſſe Mann GOttes die Jſraeliter durch die Wuͤſten gefuͤhret / da haben ſie einmal drey Tag kei - nen Tropffen Waſſer angetroffen / welches dem Volck faſt un - ertraͤglich vorkommen / ſie ſeynd zwar zu einem Waſſer kom - men / aber daſſelbe war ſo bitter / daß es kein Menſch kundte ge - nieſſen / weſſenthalben ein ſo groſſes Murren und Schmaͤhlen erſtanden wider den Moyſes / biß endlich dieſer ein gewiſſes Holtz bekommen / welches ihme GOTT der HERR ge - zeigt / ſobald er ſolches in das Waſſer hinein gelegt / da iſt ſol - ches gleich in das beſte und ſuͤſſeſte Brunn-Quell Waſſer veraͤn -dert395thut das Gute unterlaſſen.dert worden / alſo / daß maͤnniglich nach beſtem Begnuͤgen kondteEvod. c. 15. darmit den Durſt loͤſchen.

Es geſchicht nicht ſelten / daß einer von dieſem und jenem ſchimpfflich angegrıffen wird / und eine groſſe Unbild empfangt / woruͤber er / wie es daun Menſchlich iſt / ſich erzuͤrnt / und gantz erbittert wird / auch ihm vornimmt / ſich gaͤntzlich zu raͤ - chen / wann aber ein ſolches erbittertes Gemuͤth gedenckt an das Holtz / worauf der HERR JESUS ſelbſt fuͤr ſeine Feind gebetten / Pater ignoſce, &c. Vatter verzeihe ihnen / dann ſie wiſſen nicht / was ſie thun; dieſes Creutz-Holtz ſolte billich ein verbittertes Gemuͤth dergeſtalt verſuͤſſen / daß alle Rachgierigkeit verſchwinde.

Es ſolte einen freylich ſchroͤcken jenes / was Ceſarius re - giſtrirt / daß einer habe wollen aus Andacht die Wunden einesLib. de tentat. c. 29. Crucifix-Bilds kuͤſſen / weil er aber ein groſſe Feindſchafft gegen einem getragen / und in allweg dahin getracht ſich zu raͤchen / ſo habe das hoͤltzerne Bild die Arm vom Creutz herab geloͤſt / und dieſem einen ſolchen Widerſtand gemocht / daß er die H. Wunden nicht kuͤſſen kundte.

Unter allen guten Wercken iſt keines in ſo groſſem Werth / als ſeinem Feind verzeihen / dieſes gilt abſonderlich viel bey un - ſerem HERRN. Sonſt pflegen wir zu ſagen / daß Chriſtus der Heyland im Himmel ſitze zu der rechten Hand ſeines Himm - liſchen Vatters / aber wie der Heil. Ertz-Martyrer Stephanus gelitten hat / da iſt Chriſtus im Himmel aufgeſtanden: Video JESUM ſtandem; und zwar darumben / wann ein Comœdi iſt / pflegen die Leuth gemeiniglich zu ſitzen / ſo aber in derſelben ein abſonderliche ſchoͤne Action hervor komm / welche den Zuſe - hern beſſer gefallt / da ſtehen ſie meiſtentheils auf: wie dann Stephanus gelitten / und gleich dazumahl er fuͤr ſeine Feind / die ihn verſteinigt / gebetten / diß hat CHR Jſto dem glorreichen Heyland alſo wohlgefallen / daß er derenthalben im Himmel aufgeſtanden / der ſonſt auf der rechten Hand ſeines Himmli -D d d 2ſchen396Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenſchen Vatters geſeſſen iſt. So weiß ich auch / daß im alten Teſt ament der groſſe Mann Elias durch ſondere Goͤttliche Vor - ſichtigkeit iſt durch die Raben geſpeiſt worden in der Wuͤſten / es iſt doch viel / daß ein Galgen-Vogel ſo freygebig iſt? als aber ein andermal der H. Mann ſich muſte in die Wuͤſten reteriren / wegen Verfolgung der Gottloſen Jezabel / welche ein rechte Copty von einem Teuffel geweſt / er aber ihr dieſer Hoͤlliſchen Fury von Hertzen verziehen / da wolt mehrmal ein Rab den Eliam mit Speiß verſehen / aber dieſem hat gleich ein Engel vom Himmel auf den Schnabel geſchlagen / und an ſtatt ſeiner bey dem Elias einen Contralor abgeben / in Erwoͤgung / daß der Mann GOttes ſeiner aͤrgſten Feindin verziehen / und ſich nichtLib. 3. Reg. c 19 geraͤchet / dem ſonſt gar gern alle Elementen waͤren an die Hand gangen / die Beſtia zu zuͤchtigen.

Es iſt ſonſt bey den Leuten ein Gewonheit zu reden: Ver - zeih mirs GOtt! Jch hab erbaͤrmlich geſcholten / wie mich der Gutſcher umbgeworffen / und ich wie ein Haas im Pfeffer ge - legen / verzeih mirs GOtt! Verwiechen / als unſer etliche bey einander geweſt / da hab ich wohl zu viel geſoffen / verzeih mirs GOtt: Vor dieſem weil ich bin juͤnger geweſt / da hab ich wohl allerley Raͤnd angefangen / und bin bald auf Magdeburg / bald auf Frauenhoffen verreiſt / verzeih mirs GOtt! Wie ich noch geſtudiret hab / da hab ich zu Graͤtz in der Rauber-Gaſſen ein Condition gehabt / daß meinem Herꝛn offt der Beutel iſt aus dem Leim gangen / verzeih mirs GOtt! Die alte Rueppin hat mich vor dieſem etwas gelernt / daß ich mich hauptſaͤchlich gewuſt gefroren und veſt zu machen / verzeih mirs GOtt! Wir wollen halt / daß uns GOtt alle Laſter und begangene Miſſethaten ſoll verzeihen / und wann wir die geringſte Unbild von unſeren Naͤchſten leiden / da muͤſſen alſobald Baſtoni / und Spadi beyhanden ſeyn / da heiſt es / ich kan ihm es es nicht verzeihen / alle / alle (es waͤr einer ſchon genug) alle / alle fuͤhren mich hin / wann ich ihm das verzeih / wo ich ihn erdapp / da ſtoß ich ihm denDegen397thut das Gute unterlaſſen.Degen durch den Leib / ꝛc. Es iſt wol wahr / daß GOtt hat be - fohlen / man ſoll ſeinem Feind nicht allein verzeihen / ſondern demſelben noch Gutes thun: Es iſt wol nicht weniger / daß die hei - lige Martyrer noch fuͤr die jenige gebetten / die ihnen die groͤſte und unendliche Pein und Quaal angethan / ich laugne es nicht / daß nıcht die Rachgier ein groſſes Laſter ſeye in den Augen GOt - tes / und weiß auch daß jener Edelmann von Corduba mit Leib und Seel zum Teuffel gefahren / umb weil er im Todt-Bettl ſeinem Widerſacher nicht von Hertzen verziehen / aber / wann ich ſolt diß thun / und mich an dem Kerl nicht revangiren / Was wurden die Leut ſagen? Mir iſt es das meiſte wegen der Leut: ſo hoͤre ich wol der Leut Reden gilt mehrer / als GOttes Reden? die Leut moͤchten mich fuͤr ein Lett-Feigen halten / ſo mercke ich wol / daß Adam durch einen Apffel das Paradeiß verſchertzet / und du durch ein Feigen den Himmel? die Leut moͤgen ſagen / ich haͤtte kein Hertz / ſo vernimm ich dann / daß du durch die Hertz-Karten willſt dein ewige Seeligkeit verſpielen? O hoͤchſte Thorheit!

Weißlich uͤber weißlich hat jener armer Tropff gethan / der acht und dreyſſig Jahr bey dem Schwemm-Teich zu Jeruſalem krumm und lahm gelegen / endlich von CHriſto dem Heyland wunderbarlich die Geſundheit erhalten / der ihm aber auch an - bey befohlen / er ſoll ſein Beth mit ſich tragen / welches er auch gethan / ſo bald die Juden / abſonderlich die Hohe-Prieſter wahr - genommen / daß dieſer Menſch / ſo zuvor ein elender Krippel war / friſch und geſund daher gehe / und zugleich ſein Mattratzen auf dem Rucken trage / da haben ſie ſcrupulos ſcilicet, gleich ange - fangen zu ſchmaͤhlen / und ihme ein zimlichen Verweiß geben / daß er am Sabbath arbeite / denen aber hat er kein andere Antwort widerſetzt als dieſe: Qui me ſalvum fecit &c. Der mich geſundJoan. c. 5 v. 11. hat gemacht / der hat es mir befohlen / ꝛc. Er hat nicht ein Haar umb die Leut gefragt / er hat ſie laſſen reden.

Wolan dann / O Chriſt! folge nach dem Gebot deinesD d d 3Hey -398Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer RedenHeylands JESU / verzeihe nicht allein deinem Feind von Hertzen / ſondern erweiſe ihme noch alle moͤgliche Gutthaten wann etliche Leut derenthalben murren und etwan ungereimt re - den / daß du ein Haaſen-Hertz habeſt / und kein adeliches Blut in dir ſeye / ſo antwort du ihnen / wie jener Menſch: Qui me ſalvum fecit, ille mihi dixit: Der mich erſchaffen / der fuͤr mich Menſch worden / der fuͤr mich gelitten / der fuͤr mich geſtorben / der mir ſo groſſe Gnad und Gutthaten erzeigt! Ille mihi dixit: Der hat mir diß befohlen: Ego autem dico diligite inimicos veſtros, &c. Laß Leut / Leut ſeyn / GOtt iſt mehr und gilt mehr / und gibt mehrer / als die Leut / laß reden / das reden iſt kein raͤderen nicht / das reden iſt kein recken nicht / laß reden / einmahl am juͤngſten-Tag werden ſie mit hoͤchſter Beſtuͤrtzung weit anderſt reden: Nos in - ſentiati, &c, Dieſe ſeynd dieſelbige / die wir vormahls verlacht / und mit ſchimpfflichen Reden verhoͤhnet haben / wir unwitzige Leut hielten ihr Leben fuͤr ein Thorheit / und ihr Ende ohne Ehr / ſihe aber / wie ſeynd ſie unter die Kinder GOttes gerechnet / und haben ihr Theil unter den Heiligen. Auf ſolche Weiß und nicht anderſt werden ſie im Thal Joſaphat reden / da werden wir uns unendlich gluͤckſeelig ſchaͤtzen / wann wir dero Reden auf der Welt nicht geacht haben.

O wie gefaͤllt es halt dem Allerhoͤchſten ſo wol / wann man ſich der armen Leut annimmt! Ein Reicher ſoll von Rechtswe - gen ſeyn wie der Himmel / GOtt der HErꝛ hat Himmel und Erd erſchaffen / aber den Himmel weit mehrer bereicht als die Erd / in dem Himmel hat er geſtellt die guldene Sonn / den ſil - beren Mond / die ſchimmerende Stern / allerley reiche Geſtirn / ꝛc. Die Erd aber iſt ſehr ſchlecht / veracht / man tritt ſie mit Fuͤſſen / man ſchuͤtt ihr allerley Unflath uͤber den Kopff ab / ſie muß die groͤſte Gebaͤu auf den Rucken tragen / daß ihr moͤchten die Rip - pen krachen / und hat anbey nichts / als was ihr der Himmel ſpen - dirt / dieſer aber verſicht ſie reichlich mit heilſamen Regen / mit gu - len Influentzen / mit haͤuffigen Himmel-Thau / und verlaͤſt diearme399thut das Gute unterlaſſenarme beduͤrfftige Erd niemalen / auſſer GOtt verhaͤngt ſolches zu einer ſondern Straff / wie zu Eliaͤ Zeiten geſchehen. Der Reiche iſt gleich dem Himmel mıt Silber und Gold wol verſehen / es ſchimmert alles an ihm / Kıſten und Kaſten ſeynd voll / entge - gen iſt der arme Menſch / wie die nieder traͤchtige Erden / hat nichts / als wie er geht und ſteht / und wartet immer auf ein gnaͤdige In - fluenz von dem reichen Himmel: freylich ein Himmel und kein Limmel ſoll der Reiche und Wolhabende ſeyn / und ſeine Influenz und Huͤlff keinen armen Menſchen weigern.

Jener reiche Praſſer / von deme die Evangeliſten Mel - dung thun / iſt ein rechter Saumagen geweſt / aber ein Reicher ſoll von Rechts wegen wie ein Magen beſchaffen ſeyn / dann ob - ſchon dieſer alle Speiß und Tranck zu ſich nimmt / und die ande - re Glieder deß Leibs niemal eſſen oder trincken / ſo iſt er doch ſo gut / daß er faſt den beſten Safft und Krafft ausklaubt / und al - len anderen Gliedern moͤglichſter Weiß mittheilet: deßgleichen ſollen die reiche Leut / ſo groſſe Mittel von GOTT empfangen / nicht alles fuͤr ſich behalten / ſondern allzeit auch mit dem Noth - duͤrfftigen theilen. Wann bey dem Reichen das Do iſt / das Do bleibt / das Do gefunden wird / alsdann koͤnnen ſie fuͤr ge - wiß hoffen / daß am juͤngſten Tag der Goͤttliche Richter ſie zu ſich ruffen wird / Venite, Do her / wo die Auserwaͤhlte ſeynd / Do her / auf die rechte Hand / Do her / wo die Schaaf ſtehen; ja der Pſalmiſt David hat den Allmoſen-Geber ſchon auf der Welt / wider den Brauch der Catholiſchen Kirchen beatificiret und ſeelig geſprochen: Beatus qui intelligit ſuper egenum & pauperem, &c.

Jn dem vornehmen Stifft Cloſter-Neuburg in Oeſter - reich / ſo denen Herren Canonicis Regularibus zugehoͤrig / er - haͤlt man ſchon von deß Heiligen Leopoldi Zeiten hero etliche Hund zur ewigen Gedaͤchtnus / weil dieſelbe in der Jagd den Schlayr ſeiner Frauen Gemahlin noch unverſehrter gefunden / der doch ſo viel Jahr im Schnee und Ungewitter gelegen / an wet -chem400Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenchem Orth nachmahls der Heil. Marggrav ein Kirchen erbaut ſamt erſtgenannten Cloſter / in welchem ein ſtaͤte und je ein ſeltza - me Gewonheit iſt / daß man nemlich das Brod / ſo bald es aus dem Bach-Ofen genommen wird / alſobald mit kleinen Staͤblein pruͤg - let / und zwar ſo lang / biß die Rinden allerſeits herab fallt / wor - von dann beſagte Jagd-Hund erhalten werden: es iſt ſich doch zu verwundern / daß verwichenen 1683 ſte Jahr / da die Kaͤyſerli - che Reſidentz-Stadt durch die Tuͤrckiſche Waffen und groſſer Macht mit einer ſchwaͤren Belaͤgerung iſt beaͤngſtiget worden / und folgſam der Erb-Feind alle umbliegende Oerther gaͤntzlich verwuͤſt und in Aſchen gelegt / worunter auch geweſt iſt das Clo - ſter-Spital obbenennten Hohen-Stiffts: Wunderlich iſt es / daß dieſes Gebaͤu voͤllig im Rauch aufgangen / auffer deß ſchlechten Stalls / darinn die mehr gedachte Stifft-Hund geweſen / dieſes obſchon von Holtz iſt unver ſehrt verblieben / nachmals ſeynd dieſe Hund / nachdem ſie ſieben Tag ohne Speıß waren / an ein ande - res und ſicheres Orth gefuͤhrt worden. Es iſt alſo ein uralter und auch loͤblicher Gebrauch in dieſem vornehmen Stifft / daß man die Hund mit Brod verſicht.

Die nichtsnutzige Welt / ſo faſt zu allen hellen Tugenden ein finſteres Geſicht macht / und nur die Boßheit anlachet / pflegt unter anderen ungereimten Affter-Reden auch die arme Leuth Bettel-Hund zu nennen / die doch ſo wohl als die Reiche und Wolhabende nach dem Goͤttlichen Ebenbild erſchaffen ſeynd / aber hoͤrt ihr / und glaubt daß dieſe Bettel-Hund die beſte Jagd - Hund ſeynd / wie es pflegte der Heil. Amadæus Hertzog aus Savoya zu nennen / Jagd Hund ſeynd ſie / wann man dieſelbe / wie die Herren Cloſter Neuburger zu thun pflegen / fleiſſig mit Brod verſicht / ſo kan man zwar leicht GOtt und den Himmel darmit fangen: der einem armen krummen Bettler ein Allmoſen gibt / der iſt ſchon auf dem geraden Weg gegen den Himmel: Der eınem armen blinden Bettler ein Huͤlff leiſtet / der hat ſchon die Hoffnung / daß er vor den Augen GOttes gut ſtehe: der einenarmen401thut das Gute unterlaſſen.armen ſtummen Betler zu Huͤlff kombt / den wird GOtt am juͤng - ſten Tag mit dem Venite anreden; der einen armen Ausſaͤtzigen nit veracht / der macht ihme ſelbſt einen groſſen Zuſatz zu ſeinen Verdienſten: der die arme Hungerige ſpeiſt / der hat ſchon ein Lad - ſchreiben in Haͤnden zu dem himmliſchen Nachtmahl: der die ar - me Nackende bekleidt / der hat ſein hochzeitliches Kleid ſtattlich verbraͤmbt: der die arme Frembde beherbergt / dem ıſt ſein Quar - tier im Himmel angeſchrieben: der die arme Gefangene erloͤſet / der iſt von der ewigen Gefaͤngnus befreyet.

Jener Weın-Schlauch und Wampen-Vogt / nachdem er vom Schlag getroffen worden / und von der Taffel den geraden Weg zum Teuffel kommen / erhebte ſeine Augen in die Hoͤhe / und erblickt den Bettler Lazarum in groͤſter Glory auf der Schos deß Abraham / und weil ihn nichts mehrers quaͤlte als ſeine feurige Zung / die zuvor ſtaͤts in der Kandel geſchwummen / alſo hat er wehemuͤtig aufgeſchryen / und nur umb diß bittlich angehalten / daß der Lazarus nur das aͤuſſerſte ſeines Fingers in das Waſſer duncke / und ſeine Zung in etwas kuͤhle. O ewig ungluͤck ſeeliger Menſch! Etliche wenige Tropffen werden dir dein Ubel nit wen - den / aber zuvor haͤtteſt du mit einem Tropffen gar leicht koͤnnen die Hoͤll ausloͤſchen; dieſer Tropff iſt geweſt der Lazarus / ein ar - mer Tropff / ein elender Tropff; ein verlaſſener Tropff / wann du dich ſeiner haͤtteſt erbarmbt; ſo haͤtt ſich auch gewiß GOTT dei - ner erbarmbt.

Alles dieſes iſt nur gar zu wahr / ſagt einer / ich weiß daß nach Numero 7. das achte folgt / daß auf die ſieben Werck der Barmhertzigkeit unfehlbar folgen die acht Seeligkeiten / ich weiß daß zu Wienn der Heilige Severinus ſich der Armen ſtarck an - genommen: Merckts Wienner: Jch weiß / daß zu Praa der heilige Wenceslaus den Armen viel Guts gethan: Merckts Pra - ger: Jch weiß / daß zu Saltzburg die heilige Erntrudis auf dem Nonnberg faſt immer zu ſich bey den Armen aufgehalten / ſie ſoPars IV. E e edaß402Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redengar gewaſchen und geſaͤubert / merckts Salzburger: Jch weiß / daß zu Regenſpurg der ſeelige Fridericus allezeit den Armen geholffen / auch nicht ohne Mir acul: merckts Regenſpurger / ꝛc. Jch weiß / daß die arme Leut unſers HErꝛn ſeine Commiſſarii ſeynd: Jch weiß daß derſelbe / ſo die Bettler auf ſeiner Seiten hat / auch bey den Bethlehemiter in Gnaden ſtehen: Jch weiß / daß den jenigen / der den Bettlern ihre Saͤck fuͤllt / der Teuffel nimmermehr werde in Sack ſchieben: Jch weiß / daß der armen Leut Vergelts GOtt ein rechter Dietrich Schluͤſſel im Himmel iſt: Aber / wann ich ſolt den Bettlern die Fuͤß waſchen wie mein H. Vatter Auguſtinus, die Bettler zu meiner Tafel ſetzen wie St. Ambroſius, die Bettler auf den Rucken tragen / wie der H. Eduardus, Was wurden die Leut ſagen? Wann ich ſolt alle meine koſtbahre Spallier ver - kauffen / die umſonſt die Waͤnd bedecken / und darfuͤr Zeug / Tuͤ - cher / Leinwath einhandlen / womit ich die arme halbnackende Bett - ler thaͤte bekleiden: Wann ich ſolt die uͤbrige Pferd im Stall / die umbſonſt das Futter verzehren / auf die ſamt denen Bedienten ſaͤhrlichen groſſe Unkoſten aufgehen / abſchaffen / verkauffen / ver - handlen / und an ſtatt derſelben alle Monat einmahl das Spit - tal und arme Haus ſpeiſen: Wann ich ſolt das Spielen meiden / auf welches ich alle Jahr eine zimliche Summa Gelds ſpendire, und an deſſen ſtatt den Haus-Armen / Wittiben thaͤt ein Huͤlff reichen / ſo waͤre es freylich wol ein GOTT angenehmes Werck / und wurde ich einmal in meinem letzten Stuͤndel mit ſonderm Troſt und beſter Hoffnung von dieſer Welt ſcheiden. Aber was wurden die Leuth ſagen? Die Cavallier wurden mich viel - leicht fuͤr einen Phantaſten halten; die Damaſen wurden mich ein Strumpfflauſer nennen: Die Lackey wurden mich auslachen / und einen lauteren Spittal-Meiſter tituliren: Die Paggi wur - den mich fuͤr einen Beetel-Richter ausſchreyen; da thaͤt ich mich freylich ſchaͤmen / ꝛc. Schaͤmen? Ach! du ſollſt dich ſchaͤmen / we - gen deß ſchaͤmen / thuſt du dich ſchaͤmen deß Heylands JESU Chriſti? der ſich doch als hoͤchſter GOTT wegen deiner nicht ge -ſchaͤmt403thut das Gute unterlaſſen.ſchaͤmt hat alle erdenckliche Unbild / Hohn und Spott und Ver - achtung auszuſtehen: Sollſt du dich ſchaͤmen / daß du auf dem rechten Weg gegen Himmel biſt? bey Leib nicht.

Cæſarius Arelatenſis neben andern Urſachen / warumb man nicht koͤnne in das irꝛdiſche Paradeıß kommen / ſetzt auch dieſe; daß nemlich vier Haupt Fluͤß aus dem Paradeiß flieſſen und entſprin - gen / Phiſon / Nilus / Tygris und Euphrates / obſchon ſolche zuwei - len anderſt genennet werden; wann nun die Fluͤß / gleich andern ihren Lauff thaͤten nehmen / ſo kondt man leicht ſo lang gehen / biß man dero Urſprung erreichen thaͤt: Gleich als wann jemand von Wien aus neben der Donau ſolt immerzu aufwerts gehen / ſo wur - de er mit der Zeit nacher Donaͤſching kommen / allwo dieſer Fluß entſpringt / aber mit obben〈…〉〈…〉 ldten vier Haupt-Stroͤmen hat es weit ein andere Beſchaffenheit; dann ſo bald ſie aus dem irꝛdi - ſchen Paradeiß hinaus quellen / ſo verſchlieffen ſie ſich gleich unter die Erden / und kommen erſt in den Aſiatiſchen Landſchafften wie - der hervor / und diß iſt neben andern auch ein wichtige Urſach / wa - rumb niemand in das irꝛdiſche Paradeiß kommen kan. Paradi - ſus enim in veniri non poteſt, quia nullum illorum fluminum manifeſtè fluit deorſum, ſed à Paradiſo usque ad Aſiaticas Regiones ſubterranneis abſorbentur hiatibus, &c.

Weſſenthalben aber verſchlieffen ſich obbeſagte Fluͤß gleich unter die Erd / wann ſie aus dem Paradeiß kommen? Ach lieber Chriſt / wie gern wolt ich / daß du gleich ihme beſchaffen waͤreſt! ſie ſchaͤmen ſich / mercks wol! ſie ſchaͤmen ſich / und verſchlieffen ſich ſo gar aus Schamhafftigkeit unter die Erd / weil ſie nemlich vom Paradeiß hinweg gehen; alſo ſoll ſich der Menſch nur dazumal ſchaͤmen / wann er ſuͤndigen thut / und folgſam den Weg vom Pa - radeiß vom Himmel weg nimmt / nicht aber hat er Urſach ſich zu ſchaͤmen / wann er gute und GOtt wolgefaͤllige Werck thut / als wie da iſt auch / den Armen moͤglichſt beyzuſpringen / dann da geht er den geraden Weg gegen dem Paradeiß.

E e e 2Was404Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Reden

Was werden die Leut ſagen? Mein / was haben dazu - malen die Leuth geſagt / wie Margaritha Philippi deß dritten Koͤ -Joann. Roh. Witt. Hiſt. nigs in Spanien wertheſte Frau Gemahlin auf ein Zeit einen halb nackenden Bettler auf der Gaſſen erblickt / da hat ſie alſobald das beſte Tuch laſſen herbey bringen / durch den Schneider fuͤr den ar - men Tropffen ein Kleid laſſen zuſchneiden / welches ſie nachmahls mit eigenen Haͤnden hat ausgemacht. Was haben die Leuth zu dieſem geſagt? alles guts / Maͤnniglich hat ſich daruͤber verwun - dert / und dieſe groſſe Frau hoͤchſtens geprieſen.

Mein was ſagen die Leuth / daß Jhro Majeſtaͤt die jetzige Roͤmiſche Kayſerin Eleonora / Magdalena Thereſia mehrmal ſchon die arme Leuth tractirt / ihnen eigenhaͤndig die Speifen auf - getragen; auch ſolches ſchon oͤffter iſt geſehen worden an Jhro Majeſtaͤt dem Roͤmiſchen Koͤnig / mit was Demuth er den Ar - men bey der Taffel gedient? was ſagen die Leuth? nicht viel / dann ſie koͤnnen aus Wehemuͤtigkeit deß Hertzens kein Red zuſammen bringen / aber naſſe Augen hab ich derentwegen ſchon bey den meh - riſten wahrgenommen.

Mein was haben die Leuth geſagt; wie ſeeliger Gedaͤchtnus der verſtorbene Obriſte Burggraff im Koͤnigreich Boͤhmen Graf Martinitz Wochentlich ein und mehrmal ein armen Mann / ein ar - mes Weib / ſamt einem armen Kind bey der Tafel wol tractirt / ih - nen die Speiſen ſelbſt vorgelegt / die uͤbrige in gantz neue Geſchirꝛ eingeſchuͤtt / und ihnen ſamt einem Allmoſen von Geld eingehaͤn - diget? was haben die Leuth geſagt? ich meines thcils hab nichts als alles guts gehoͤrt / und hab mich gluͤckſeelig geſchaͤtzt / daß ich zuweilen hab doͤrffen gegenwaͤrtig ſeyn.

Sie lachen mich aber aus / laſt lachen / rechtſchaffene Leuth lachen dich nicht aus / und die andere muß man nicht achten: Gleichwie CHRJSTUS der HERR unſer Heyland gethan / wie er in deß Obriſten Haus kommen / da hat er dem Volck daſelbſtgeſchafft405thut das Gute unterlaſſengeſchafft / ſie ſollen abweichen / dann die Tochter ſchlaffe nur / und ſeye nicht todt / die aber alle lachten Chriſtum den HErꝛn nur aus / und treiben ein Roͤmiſch Geſpoͤtt dar aus / der Heyland aber hat de - renthalben kein einiges Wort verlohren / warumb? darumb / es war ein lauteres ſchlechtes Geſind / gemeine nichtsnutzige Kerl / Schallmeyer und Spielleuth / und dergleichen Lumpen-Geſellen / die hat er halt laſſen lachen / er aber die Tochter deß Obriſten von Todten auferweckt. Sie lachen mich aus / laſt lachen / diß waͤhret ein kleine / ein kurtze Zeit / nachmals werd ich ſie ewig auslachen / ja zu ihrem Untergang wird GOtt ſelbſt lachen: Ego quoque in Interitu veſtro ridebo.

Sonntag und Feyrtag in allen Calendern werden roth geſchri - ben / und ſeynd deſſen unterſchiedliche erhebliche Urſachen / ich glaub aber es ſey mein wenige Meynung nicht zu verwerffen / indem ich dafuͤr halt / daß derentwegen die Sonn und Feyrtaͤg in den Calen - dern roth gezeichnet ſeyn / weil ſie ſich ſchaͤmen / daß man ſie ſo ſchlecht haltet / ja an denſelben mehrer Laſter und Suͤnd-Thaten begangen werden / als an gemeinen Werck-Tagen.

Moyſes der groſſe Mann hat ſich billich koͤnnen erzuͤrnen / wie er von dem Berg / worauf er die ſteinerne Tafel der zehen Ge - bot bekommen / herab geſtiegen / und zugleich wider alles vermu - then geſehen / daß ſein Jſraelitiſches Volck an ſtatt / da es haͤtt ſollen dem wahren GOTT opfferen / ein guldenes Kalb aufge - richt / und muthwillig umb daſſelbige getantzt / ey ſo tantz! da mußExod 32 wol der Teuffel Spillmann geweſt ſeyn. Bey jetziger verkehr - ten Welt hat der Menſchen Boßheit alſo zugenommen / und iſt der Chriſtliche Eyffer dergeſtalten erloſchen / daß man ſolt die Sonn - und Feyr-Taͤg im Calender nicht mit rothen / ſondern mit braunen Buchſtaben drucken / dann allbereits die Leuth es an den - ſelben gar zu braun machen / und ſich nicht umb ein Haar beſſer halten / als die Gewiſſenloſe Jſraeliter / dann gleichwie dieſe an ſtatt der gebuͤhrenden Andacht haben ein leichtfertigen Tantz ge -E e e 3halten406Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenhalten beym guldenen Kalb / alſo wird man der Zeit an den heiligen Feſttagen an ſtatt deß Gebets und Kirchgang mehrmalen ein uͤp - pigen Tantz finden beym guldenen Ochſen / beym guldenen Roͤſ - ſel / beym guldenen Hirſchen / beym guldenen Baͤeren / beym gul - denen Laͤmmel.

Die Wirth muͤſten nicht weit her ſeyn / vermoͤg deß Heiligen Evangelii / worinn umbſtaͤndig beſchrieben wird / das erſte ſicht - bare Miracul und Wunder-Werck / ſo CHriſtus der HERR auf Erden gewuͤrcket hat zu Cana Gallilaͤa auf der Hochzeit / all - wo er nemlich das Waſſer in den beſten Wein verkehrt hat / wor - uͤber der Speiß-Meiſter den Braͤutigam zu ſich geruffen / und folgſam alſo angeredt: Jederman ſetzt zum erſten den guten Wein fuͤr / und wann die truncken worden ſeyn / alsdann ſetzt man einen geringern Wein vor / ꝛc. der Braͤutigam wuſte eigenthumlich der Wirth ihre ſaubere Stuͤckel / als die zu Anfang den Gaͤſten den beſten Wein auftragen / wann ſie aber ſehen / daß ſolche allbereits einen Tummel und Trummel im Kopff / und der Spiritus Vitrioli das obere Zimmer voͤllig eingenommen / da ſetzen ſie einen ſchlechten Daͤrm-Beiſſer auf / ja gar wol einen abgeſtan - denen Trunck fuͤr dieſe Truncos &c. Aber mit der Zech und Be - zahlung muͤſten beyde Weın Bruͤder ſeyn / und wann der erſte ſech - zehen Kreutzer gilt / ſo muß der letzte um vier Batzen bezahlt wer - den / der Wirth hat hierinn keinen Scrupel / obſchon wıder das Gewiſſen gehandlet worden / ſolche Leuth ſeynd bißweilen die Wirth: Aber eins muß ich doch von ihnen bekennen / daß nemlich niemand oͤffter auf GOTT und ſeine Heiligen dencke / als die Wirth; Wie da? Sie lauffen immerzu uͤber den Calender / und ſchauen und ſchauen / wie lang es noch auf Oſtern / auf Pfing - ſten / auf MARJAE Himmelfarth / auf Martini / ꝛc. Sie ſchauen und ſchauen ob Martini / Georgi / Jacobi / Michaeli; an einem Fleiſch-Tag fallen / oder an einem Faſttag / damit ſie hier zu die noͤthige Anſtalt machen in Kuchel und Keller; dann ſie wiſſen wol / daß bey ihnen der Feyertag nicht feyren laſſe: Sie wiſ -ſen407thut das Gute unterlaſſen.ſen wol / daß ſie an der gleichen Taͤgen zu deß Bacchi Gottesdienſt miniſtriren muͤſſen / ſie wiſſen wol / daß bey ihnen die Feſitag fei - ſte Taͤg machen / ſie wiſſen wol / wann man in die Kirchen mit al - len Glocken laͤutet / daß bey ihnen auch die Kandlen werden ſteiff kleſchen / und das heiſt die Feyertaͤg heiligen.

So Gottlos / ſo Heyllos / ſo Gewıſſenlos / ſo Ehrlos / ſo Treulos ſeynd die verſchalckte Hebraͤer geweſt / daß ſie ſo gar auch an einem vornehmen Feſt-Tag geſucht haben / den HERRN JESUM aus dem Weg zu raumen / und ihre Haͤnd in ſein unſchuldiges Blut zu wachſen / alſo zwar / daß er hat muͤſſen / weil ſein Zeit noch nicht vorhanden / ſich an ſolchem Feſttag in der Ge -Joann. 7 heim zu halte: Quærebant eum in die Feſto. Der Zeit leider! geſchicht ſolches auch / und zeigt es die oͤfftere Erfahrnus / daß GOtt an einem Feſttag mehr beleidiget wird als zu einer anderen Zeit; in Calendern wird man oͤffter finden wegen der Influenz der Himmels-Geſtirn die Andeutung der Zeit / da iſt offt zu leſen / heunt iſt gut ſchrepffen; heunt iſt gut Naͤgel abſchneiden / heunt iſt gut Pflantzen zu ſetzen. Man thut fuͤrwahr zu einem jeden Sonntag und Feyrtag wegen der bereits gar zu ſtarck eingewurtz - leten uͤblen Gewonheit auch hinzuſetzen; heunt iſt gut freſſen und ſauffen / heunt iſt gut tantzen und ſpringen / heunt iſt gut ſpielen und galaniſiren / ꝛc. Dann alles dieſes haͤlt man veſt an den Feſttagen.

O Pater! hat man doch auch bey der Hochzeit zu Cana Ga - lilaͤa wol geſſen und truncken / und gleichwol hat man ihnen die Zech nicht ſo hart aufgeſchrieben / als wie uns / wann ihr die gontze Wochen thaͤt den Hobel in Haͤnden fuͤhren / ſo wurd ihr gewiß am Sonntag auch dort einkehren / wo die Hobelſchaiten am Zeiger hangen: Wann ihr die gantze Wochen ſolt zum Gieſ - ſen / ſo wurd ihr am Feyrtag auch nicht weit von der Kandel ſeyn; wann ihr ein gantze Wochen ſolt Naͤgel ſpitzen / ſo wurd ihr euch auch meiſtens auf den Sonntag ſpitzen / ꝛc. Bruder Cal - lixt, du redeſt nicht uͤbel / wahr iſt es / daß man bey der Hochzeit zuCana408Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer RedenCana auf das Eſſen und Trincken kein Spott hat gelegt / aber du muſt anbey wiſſen / daß auch der HERR JESUS bey derſelben Tafel geſeſſen: Aber gehe du mir am Sonntag und Feyertag in ein Wırths-Haus / und ſchaue unter der gantzen Burſch / ſo bey dem Tiſch ſitzen / ob auch allda der HERR JESUS zu finden? das ſelten / das faſt nie / wol aber an ſtatt / ſeiner der boͤſe Feind / dann wenig wird man hoͤren wo nicht der Teuffel citirt wird, der Teuf - ſel holl mich / der Teuffel holl dich; der Teuffel danck dirs; der Teuffel traue dir; der Teuffel glaub dirs / der Teuffel ſpiel mit dir; der Teuffel wart auf dich; der Teuffel zahl ſo viel; der Teuffel ſauff den Wein; der Teuffel freß ſo theur; der Teuffel holl den Kellner / ꝛc. Da da / da findet ſich ja GOtt nicht ein / wo ſein abgeſagter Wıder - ſacher ſo viel gilt.

Es hat ſich einsmals zugetragen / als die Kinder Jſrael in der Wuͤſten waren / daß einer am Sabbath / welches bey ihnen ſo viel war / als bey uns der Sonntag ein kleine Buͤrde Holtz zu - ſammen geſammlet / etliche ſchlechte Pruͤgel fuͤr ſein Haus-Noth - durfft / woruͤber Moyſes ſich dergeſtalten erzuͤrnet / daß er denſel - ben alſobald in verhafft genommen / und nachmahls GOTT den HERRN demuͤthigſt befragt / wie man mit dıeſem Geſellen / der den Feyrtag nicht gebuͤhrender Weiß geheiligt / ſolle verfahren / worauf GOTT dem Moyſi ernſtlich auferlegt / er ſolle dem ver - meſſenen Boͤßwicht aus dem Lager hinaus fuͤhren / und daſelbſtNum. 15 ihne von dem geſammten Volck laſſen verſteinig-n / welches auch geſchehen / nur weil er am Feyertag etliche wenige Pruͤgel zuſam - men klaubet.

O mein GOtt und HErꝛ haſt du alſo ſcharpff gezuͤchtiget der am Feyrtag nur wenig Holtz geſucht / wie werden erſt deinen Goͤtt - lichen Augen mißfallen die jenige / ſo am Soñtag und Feyrtag von fruͤhe an biß auf die Nacht mit Holtz umgehen / und den ganzen Tag auch mehrmalen mit Verabſaumung deß Gottesdienſt mit Kegel - ſpielen umbgehen; wie man es leyder! an vielen Orten forderiſt in groſſen Vorſtaͤdten wahrnimmt /

Freylich409thut das Gut unterlaſſen.

Freylich ſagt mancher / iſt das nicht recht / ich hab mich auch nicht nur einmal / ſondern oͤffter bey dergleichen Muthwil - len eingefunden / aber faſt ohne meinen Willen / ich waͤre offt viel lieber in die Kirchen gangen / haͤtte dem heiligen Gottes - Dienſt beygewohnt / ich waͤre offt gern Nachmittag bey dem heiligen Roſen-Krantz geblieben / aber mir iſt nur wegen der an - dern geweſt / Was wurde die Burſch geſagt haben? Sie haͤt - ten geſagt / ich ſeye ein lauterer Bett-Bruder; ſie haͤtten geſagt: ich ſeye ein fidimirter Carthaͤuſer; ſie haͤtten geſagt: ich haͤtte mir zu Berchtolsgaden einen Schein angefruͤmbt; ſie haͤtten ge - ſagt: ich hielt umb ein Super Numerari Stell an in der Litaney aller Heiligen / ꝛc. Haͤtten ſie das geſagt? Was wolt dann diß ſagen fuͤr einen Schaden bringen? und wegen ſolcher Reden haſt du das Gute unterlaſſen / und das Boͤſe geuͤbt? O Thor - heit! ſo willſt du lieber GOtt deinen Schoͤpffer / GOtt deinen Erloͤſer / GOtt deinen Seeligmacher beleıdigen / auf die Sei - ten ſetzen / als die Menſchen? ſo willſt du mehre: die Leut foͤrch - ten / dieſe verwerffliche Erd-Wuͤrmel / als GOTT der da richten wird die Lebendigen und die Todten? ſo willſt du bloß we - gen der Leut den Himmel verſchertzen? und wegen der Leut zum Teuffel fahren / und wegen der Leuth ewig brinnen? O ---- Auf ewig und ewig thut ſein Thorheit verdammen und verflu - chen jener ungluͤckſeelige Soldat / von deme Valerius Venetus lib. 1. cap. 90. erzehlet: Dieſer hat ſich in unterſchiedlichen Schlachten mit dem Feind allezeit Ruhmwuͤrdig gehalten / und ſeinen Helden-Muth uͤberall bekannt gemacht / alſo / daß er auch deſſenthalben nicht einen kleinen aufgeblaſenen Geiſt bekom - men / und hat es ihm mehr als wohl gefallen / wann man mit Fin - gern auf ihn gedeut hat / und geſagt: Der Kerl traͤgt Bluma - ſchy und Couraſchy beyſammen / ꝛc. Auf ein Zeit iſt dieſer in ein gefaͤhrliche Kranckheit gefallen / auch bereits ihme von denen Medicis die Wieder-Geneſung und ferneres Aufkommen ver - ſagt worden / worauf die Geiſtliche ihn zu gehoͤriger Beicht und Buß moͤglichſt ermahnt haben / ſo aber kein andere Antwort er -Pars IV. F f fhalten /410Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenhalten als Nolo (ſolches Nolo verdienet ein Nolam) nolo beich - ten thue ich nicht / beichten will ich nıcht / beichten kan ich nicht / ꝛc. Er ſoll aber erwoͤgen / ſagten die Umbſtehende / er ſoll betrachten die unendliche Ewigkeit / zu der bereits die Schnallen in Haͤn - den / ꝛc. Er ſoll ihm vor Augen ſtellen die immerwaͤhrende Pein / wormit der Goͤttliche Richter die Gottloſen zu ſtraffen pflegt / ꝛc. Jch beichten? das thue ich nicht: Jch beichten? das will ich nicht: Jch beichten? das kan ich nicht: Warumb? darumb / was wurden die Leuth ſagen / denen mein Tapfferkeit und Coraggio ſattſam bekannt: was wurden meine Cammeraden ſagen / die umb mein Behertzhafftigkeit genugſam wiſſen: ſie wurden ſagen / ich haͤtte kein Hertz mehr / ich haͤtte die Schwindſucht bekommen an meiner Couraſchy; Jch brauch einen Haaſenbalg fuͤr einen Bruſtfleck; Sie wurden ſagen / ich foͤrchte mir vor dem Tod / den ich mein Leb - tag nie hab geſchiehen / deſtwegen beicht ich nicht: Woruͤber die boͤſe Feind und hoͤlliſche Larven ihme mit groſſem Getoͤß den Hals um - gerieben / und die ungluͤckſeelige Seel in den hoͤlliſchen Abgrund geſtuͤrtzt.

Weiſer und heiliger hat der gerechte Patriarch Noe gethan / nachdem ſolcher den Befehl von GOTT bekommen / daß er die Archen verfertigen ſolle / und alle gehoͤrige Anſtalt machen / zu ſal - viren der acht Menſchen / und aller anderer Thier / da hat man ſol - len hoͤren / wie die Leuth / und was die Leuth geredt haben / wie er angefangen hat zu hauen / zu ſchneiden / zu zimmern / zu ſtempen / zu naglen / ꝛc. Einer ſagte: Der alte Geck mache ihm ſelbſt ein hoͤltzerne Keuchen: Ein anderer ſagte: Der alte Kuͤrbes-Kopff woll ein Kauffmann werden / und mit Hobelſcheitten handeln. Da war einer der hielte den alten Taͤttel fuͤr ein Kind / ſo mit dilli dalli Haͤuſelb auen umbgehet. Dort ſtund einer / und hieß den Noe ei - nen alten Grillen-Vogt / als mache er ein hoͤltzenes Neſt / worin - nen Fantaſten koͤnnen zuͤglet werden. Etliche muthwillige junge Leuth lachen ihn aus / daß er ohne Urſach einen ſo groſſen Wan - tzen-Kobel mache. Einige waren zu finden / die ihn gar fuͤr thor -recht411thut das Gute unterlaſſen.recht und Verſtand-loß gehalten / und glaubten / der Alte ſeye ver - ruckt / und etwan rechte Holtzwuͤrm im Hirn bekommen. Es wer - den wohl etliche freche Schlepp-Saͤck ſeyn geweſen / die umb ſeine Baͤumer und Bretter getantzt / und allerley muthwillige Lieder ge - fungen / auch dabey ihn ausgevoppt / daß er / als ein falſcher Pro - phet / einen ſo groſſen Platz-Regen vorſage / indeme noch nicht ein finſtere Wolcken am Himmel zu ſehen / ꝛc. Tauſend der gleichen Ding haben die Leuth geredt / und das hat gewehrt hundert Jahr aneinander / ꝛc. Wie er / der Nom̃, endlich allerley Thier in die Ar - chen eingefuͤhrt / und ſich zuletzt ſelbſten mit den Seinigen einge - ſperꝛt / da hat das Reden und Lachen bey den Leuthen noch mehr - berhand genommen / da hats geheiſſen: Schauts mir den alten Ha - ber-Limmel an / der ſich freywillig in dieſe hoͤltzene Paſteten hat ein - geſchlagen: Sehet mir den laͤppiſchen Glatzkopff an / der bey Och - ſen und Eſel ſein Quartier gemacht. Viel tauſend dergleichen Schimpff-Wort / und Ausſpoͤttlen muſte der gerechte alte Vatter ausſtehen / aber / iſt er wegen der Leuth Reden / wegen der Leuth Schauen / wegen der Leut Lachen von ſeinem Vorhaben und heili - gen Werck abgeſtanden? Ja wol nicht / gantz und gar nicht / bey Leib nicht; Laſt reden was ſie wollen / wie ſie wollen / wann ſie wol - len / wo ſie wollen / gedachte er / ich unterdeſſen unterlaß das jeni - ge nicht / was mir mein GOTT und HERR hat anbefohlen und auferlegt / laß lachen / es wird ſchon die Zeit kommen / da ich werde lachen / und ſie werden weinen. Auf ſolchen Schlag ſollen es wir Menſchen machen.

Wahr iſt es / und bleibt wahr / daß die Gelegenheit viel U - bels verurſache / wir Menſchen ſeynd gar nicht wie die drey Kna - ben in dem Babyloniſchen Offen / ſo da gleich einer Salamandra in den feurigen Flammen unverletzt geblieben. Jn dem Ofen zu Babylon ſeyn / und bey einer Baͤberl ſeyn / und beyderſeits vom Feuer nicht leyden / iſt unter den groſſen Wunderwercken nicht das geringſte. Wir Menſchen ſeynd gar nicht wie das Purpur - Tuch im alten Teſtament / dazumahlen haben die Jſraeliter in derF f f 2Wuͤ -412Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer RedenWuͤſten das Feur / welches ſie zum Goͤttlichen Opffer gebraucht /Abulens in c. 3. Levit. allezeit eingewickelter getragen / in Purpur-Tuch / welches doch von dem Feur den wenigſten Schaden nicht gelitten.

Wir Menſchen ſeynd gar nicht wie Pfann oder Keſſel vol - ler Waſſer auf dem Feuer / ſolches Geſchirꝛ wird allemahl kuͤhl und kalt ſeyn unter ſich / da es doch naͤchſt beym Feuer iſt: Wir Menſchen ſeynd nicht ſtaͤrcker als die groſſe Statua oder Bildnus deß Koͤnigs Nabuchodonoſor, welche ein kleines Steinel zu Bo - den geworffen / und gaͤntzlich zu Pulver gemacht: Wir Menſchen ſeynd nicht beſſer als das Manna oder Himmel Brod der Jſrae - liter / ſo uͤber Nacht wurmſtichig worden. Wir Menſchen ſeynd nicht beſtaͤndiger als die Kuͤrbes-Blaͤtter deß Propheten Jonaͤ / welche durch den Biß eines wintzigen Wuͤrmels verdorret. Wir Menſchen ſeynd nicht beſſer als jener Feigen-Baum am Weg / deme der HERR und Heyland mit wenıg Worten die gruͤne Li - vre ausgezogen. Wir Menſchen ſeynd in ſtatu naturæ lapſæ, und haben allezeit rebelliſche Bauren im Quartier / deß Adams Erb-Portion / ſo wir von dieſem Vatter bekommen / bleibt immer - zu friſch und gantz / dahero die mindeſte Gelegenheit uns gleich einen mercklichen Schaden zufuͤgt.

Alexander ab Alexandro ſchreibt was Wunderliches / daß auf ein Zeit zwey Kriegs-Heer aneinander gerathen / wordurch ein ſo groſſe Schlacht vorbey gangen / daß man nicht Platz ge - nug gefunden / dıe ſo haͤuffige Coͤrper zu begraben; dahero die - ſelbige gleich den Scheitteren aufeinander gelegt / und vielen Holtz / Schaitten und Stauden geſucht zu verbrennen / es wol - te aber das Feur die blutige Coͤrper gar nicht angreiffen / weni - ger verzehren / biß endlich ein erfahrner Officier ſich angemeldt / mit Verſprechen; er wolle ſolches alles nach Wunſch / und zwar ohne Verzug vollziehen und werckſtellig machen / wie es dann auch alſo geſchehen / ſo bald er zu zehen Manns Coͤrpern alle - zeit eın Weibs-Coͤrper gelegt / weil dazumal ſehr viel Weibs - Bilder auch nieder gehaut worden / und etliche wenige Schait -ten413thut das Gute unterlaſſenten darzu angezuͤndt / da iſt gleich alles im Feuer und Flammen ge -Quadr. Gloriæ fol. 35. ſtanden und bald zu Aſchen worden.

Todte Manns-Leiber voller Blut / voller Eytter / voller Feuchtigkeit / empfangen Hitz und Feuer / wann ſie nahend ſeyn bey todten Weibs-Coͤrpern / wie ſoll ihme dann getrauen ein junger / ein friſcher / ein geſunder Menſch immerzu in der Geſell - ſchafft der Weiber zu ſeyn ohne Schaden? wo man noch mit den Augen ſpielt / mit den Worten ſchertzt / mit dem Maul lacht / ꝛc. Wer iſt der jenige / der ſich deſſen beruͤhmen kan? Occaſio eſt conſcientiæ occaſus; Occaſio. O wie viel ſeynd Caſus, die durch dich ſaubere Mutter ſeynd an Tag kommen! den David ein Heiligen hat ein einiger Blicker eines Weibs und noch etwas weiters darzu geſtuͤrtzt / und du willſt dich noch fuͤr einen kalten December ausgeben / wann du dich ſchon alle Tag faſt bey der Geſellſchafft einfindeſt?

Judas / nicht der Iſcarioth, ſondern ein Sohn deß groſſen Patriarchen Jacobs / gieng auf ein Zeit aus / ſeine Schaaf - Heer zu beſuchen / unter Wegs aber traff er ein Weibs-Bild an auf der Straſſen ſitzend / welche ihr Angeſicht mit einem Schlayr voͤllig bedeckt hatte / er unwiſſend / daß es die Thamar ſeines Sohns Weib ſeye / verliebt ſich / vergafft ſich / ver -Gen. 38. greifft ſich dergeſtalt in dieſe Madam, Concepit &c., daß ſie nach neun Monat Kinds-Mutter worden / ꝛc. Hat dıeſen ein Sonn ſo doch mit Wolcken uͤberzogen geweſt / koͤnnen hitzen / hat dieſen ein Weib / die doch das Angeſicht bedeckt und verhuͤllt gehabt / koͤnnen ſchaden / ſo ſollſt du ein Kaltenhauſer bleiben bey einer oͤffteren Geſellſchafft der Weiber / ſo nicht allein ihre po - lirte / poſſirte Geſichter nicht bedecken / ſondern noch den Hals und die halbe Nachbarſchafft bloſſer tragen? Wann deme alſo waͤre / ſo taugeſt du fuͤr groſſen Herꝛn Tafel zum Wein kuͤhlen / aber ich glaubs nicht.

Du wirſt kaum heiliger ſeyn / als jener Einſidler / der viel Jahr in der Wuͤſten und Einoͤde einen vollkommenen WandelF f f 3gefuͤhrt /414Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redengefuͤhrt / endlich von dem Fuͤrſten der Finſternus hinter das Liecht gefuͤhrt worden / als er ihme / wie ein alter betagter Eremit erſchie - nen und befragt: Wie es ihme gehe? Der gute Wald-Bruder klagte ſeine Noth / daß er aus Mangel einer Uhr nicht wiſſe / wie viel es an der Zeit ſeye / und folgſam gar unbequem ſeine Bettſtun - den thue austheilen; Deme iſt leicht zu helffen / ſagte der verma - ſcherte Eremit, ſchaue dir umb einen Gockelhaan / dieſer iſt der aller ſicherſte Stund-Ausruffer; Solchem Rath iſt der einfaͤltige Clauf - ner nachkommen. Uber eine Zeit kommt der alte Schalck mehrmal und fragt: Wie es dann jetzt mit ihme ſtehe? Faſt ſchlechter / gab er zur Antwort / als vorhero; dann der Gockel-Haan bleibt nie zu Haus / iſt alſo zu foͤrchtẽ / der Fuchs moͤchte mir einmal die Uhr auf - ziehen. Dieſem iſt gar leicht zu helffen / ſagt der verhuͤllte Sathan: dem Haan iſt halt die Weil lang / du muſt ihme eine Henne zugeſel - len / alsdann wird er das ausſchlencken ſchon unterwegen laſſen; Das iſt auch geſchehen / der Haan aber hat mit der Henne ſo viel junge Huͤnlein erzeigt / daß der gute Bruder wegen deß immerwaͤh - renden Pi, pi, pi, faſt nie kein Ruhe gehabt / und endlich bey dem Alt - vatter / ſo ihn mehrmalen beſucht hatte / ſich deſſen nicht ein wenig beklagt / worauf der Alte eingerathen / damit er dem H. Gebet koͤn - ne beſſer und eifferiger obliegen / ſo ſoll er ihme ein Magd beſtellen / die ſolchen jungen Gefluͤgelwerck abwarte / welches auch geſchehen / aber es iſt nicht lang angeſtanden / da iſt dem Bruder nicht ſo viel das Pi, pi, pi im Sinn gelegen / als das Pu, Pu Pu, Puella. Er hat oͤffters gedenckt auf das Diendel / als auf die Huͤnnel / zu der Uhr iſt ihm der Buchſtaben H. gewachſen / deſſen iſt aber kein Wunder / dann die Gelegenheit macht einen Dieb. Dieſer ſo heilige Mann iſt geſtolpert / iſt gefallen wegen der Geſellſchafft / und du ſollſt ſtaͤts der Grammatica ſeyn / ſo da Gener. Fœminini, und nicht an das Genitivum gedencken? und du ſollſt in der Geſellſchafft der Wei - ber allezeit Jovialiſch ſeyn / und dir ſoll nicht der Dies Veneris emfallen? und du ſollſt ſchon auf dieſer Welt die vier Dotes oderGaben415thut das Gute unterlaſſenGaben eines glorreichen Leibs im Himmel haben? das glaubt dir niemand.

Unſer lieber HERR vernimmt die Zeitung / daß Lazarus ſeye mit Tod abgangen; Lazarus ein Bruder Magdalenæ und Marthæ, uͤber ſolche Zeitung hat er ſich im wenigſten alterirt / wie er aber zum Grab deß Lazari kommen / da hat er bitterlich geweint; Warumb diß? Darumb / merck diß Concept, ein Sach die vor Augen iſt / bewegt hefftiger / als die weit von einem. Jetzt laß ich dir ſelbſt ein Lection ſchmiden / was ein Gegenwarth und Geſell - ſchafft der Weiber thue. Der Teuffel / deme faſt nichts verdruͤß - licher faͤllt / als das Faſten / hat CHRJSTUM verſucht in der Wuͤſten; in der Wuͤſten / und diß ſoll er nicht verſuchen in der Ge - ſellſchafft? wann dem alſo / ſo biſt du ſo gut als die Sonnen-Stra - len ſo durch ein Kothlachen gehen / und ſich doch nicht netzen und beſudlen.

Ein heiliger Abbt hat einen Juͤngling von Kindheit auf in der Wuͤſten und Einoͤde erzogen in aller Heiligkeit und Unſchuld / al - ſo / daß ſolcher ſein Lebtag keinen andern Menſchen hatte geſehen / als ſeinen Abbten. Dieſer fuͤhrte einsmahls den unſchuldigen En - gel in eine Stadt / allwo ihm etliche Weibsbilder unter die Au - gen kommen: Lieber Vatter / fragt er / was ſeynd dieſe fuͤr Thier? Mein Sohn / antwortete der Alte / es ſeynd Gaͤns. Seynd das Gaͤns? Wie ſie wieder in ihre Wuͤſten gelanget / da iſt der junge Bruder gantz melancholiſch worden / ja ſo gar angefangen bitter - lich zu weinen. Mein lieber Sohn / ſagt der Abbt / was iſt dir? Was manglet dir? Sags mein Kind. O mein lieber Vat - ter / ich moͤchte halt gern ein Gans haben / ein Gans gehet mir ab / ꝛc. Dieſer hat nur einmal ein Weib geſehen / und gleich - wohl in ſeinen ausgemergelten Adams-Gebein ſchon Feuer im Tach verſpuͤhrt / und du ſollſt in der ſtaͤten Geſellſchafft der Wei - ber ſeyn / und unverſehrt bleiben wie Daniel in der Loͤwen-Gru - ben? Wann dem alſo / ſo halt ich es fuͤr ein groͤſſeres Miracul / als mit der Heiligen Catharina Senenſis, geſchehen / welche ein -mahl416Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer RedenIn vitamahl in einer Verzuckung auf einem Saͤckel voller friſcher Eyer gelegen / und doch keines gebrochen / da doch ein Meſſinger Finger / Hut / ſo ebenfalls in dem Saͤckel wegen der Schwaͤre ihres Leibs zu drey Theil zertruͤmmert worden.

Es iſt wol wahr / ſagt einer / daß man die Gelegenheit ſolle meiden / dann niemand gern ſich in ein Graß legt / aus Forcht / es mocht ein Schlang darunter verborgen ſeyn. Niemand gehet gern auf einer untergrabnen Geſtetten / aus Forcht / er moͤchte fal - len. Niemand ſchertzet gern mit Tiger und Loͤwen / aus Furcht er moͤchte gebiſſen werden. Wie vielmehr ſoll man die Gele - genheit meiden / worinn das Gewiſſen in groſſer Gefahr ſtehet. JESUS zoge einsmahls in Galilaͤam / ſpricht der Evange - liſt Joannis c. 7. dann er wolt in das Juͤdiſche Land nicht ziehen / weil ihn die Juden ſuchten zu toͤdten / ꝛc. Alſo ſollen wir eben - falls die Gelegenheit fliehen / und der Gefahr nicht entgegen ge - hen / wo ſo viel ſchon einen ſchaͤdlichen Schiffbruch gelitten. Jch muß bekennen / ſagt jemand / ſo offt ich von dergleichen Geſell - ſchafft komme / ſo finde ich allezeit / daß mehrer Unkraut in mei - nen Waitzen geſchoſſen iſt; Jch finde allezeit / daß mein Gewiſ - ſen wie deß Jacobs Laͤmmel beym Bronnen ſchwartze Fleck be - kommen; Jch find allezeit / daß zu meinen Suͤnden mehrer Ziffer geſetzt ſeyn. Dahero wolt ich gern die Geſellſchafft meyden / und es waͤre fuͤr mich und meine Gebrechlichkeit ein ſehr Heiliges Werck / aber mir iſt nur wegen der Leut; was wurden die Leut ſagen? Sie wurden ſagen / ich ſeye gantz Leut ſchiech / ſie wur - den ſagen / ich ſeye wie ein Crucifix in der Charwochen / ſo gantz ver - huͤllt und zugedeckt / ſie wurden ſagen / ich ſeye wie ein Palm-Eſel / ſo im Jahr nur einmal ſich ſehen laͤſt; ſie wurden ſagen / ich ſeye wie ein Schwalm / ſo ihr Neſt in der Stuben macht; Sie wur - den ſagen / ich ſeye ein Duckendl / ſo ſich immer ſtaͤts verbergen thut; Sie wurden ſagen / ich ſeye wie ein Schneck / der ſich gar in ſein rotziges Loſament einmauret.

Ein frecher Spieler / nachdem er das ſeinige verlohren / hataus417thut das Gute unterlaſſenaus unbaͤndigen Zorn und Grimmen mit bloſſen Degen ein Lau -Penzon. l. 1. diſc. 1. q. 2. in Hiſt. Lauret. retaniſche MARIA Bildnus angetaſt / und dem JESUS Kin - del die untere Lefftzen voͤllig abgehaut / nicht lang hernach iſt dieſes Boͤßwichts Weib niederkommen / und ein Knaͤbel gebohren ohne den untern Lefftzen / welches ihme nicht allein uͤbel anſtaͤndig wa - re / ſondern er hat noch bey jederman keinen andern Namen ge - habt / als der Bub mit dem boͤſen Maul.

Freylich wohl gibt es nur gar viel dergleichen Leut mit boͤ - ſen Maͤulern / die wurden ſagen / wann ich nicht ordinari in die Geſellſchafft thaͤte gehen / es wachſe bey mir Stoltz auf dem Holtz / ich ſchaͤtze mich beſſer als ſie / die wurden ſagen / ich fuͤhre meine Gedancken durch die Wuͤſten / wie der Moyſes das Volck Jſrael: die wurden ſagen / ich ſchmarotze ein gantze Zeit bey der Frey-Tafel Joannis deß Tauffers in der Wuͤſten / wo man nur Heuſchrecken aufſetzt: die wurden ſagen / ich ſeye ein lautere Nacht-Eul / ſo ſich den gantzen Tag nicht ſchen laͤſt: die wur - den ſagen / daß ich vom Kaͤyſer ein Praͤdicat bekommen / und heiſſe anjetzo Herꝛ von Haffendeck: die wurden ſagen / ſo La - teiniſch koͤnnen / ich ſeye ein purer Petrus Cellenſis, und alſo wegen der Leut ihrer Maͤuler muß man oͤfftermals etwas gutes unterlaſſen.

Audi, exaudi, hoͤre mich an / oder ſchaue Magdalenam an / dieſe war kein gemeine Koͤſtenbraterin / kein ſchlechte Struͤmpff - Strickerin / ſondern ein Hochadeliche Dama von einem guten Haus / und dannoch hat ſie der Leut Reden / die boͤſe Maͤuler wenig geacht / auch deſſenthalben das gute nicht unterlaſſen / ſie iſt nicht in einem Winckel wo ſie niemand geſehen / nicht hin - ter einer dicken Hecken oder Geſtraͤuß / wo faſt keiner kundte zu ſchauen / nicht bey finſterer Nacht / wo die Menſchen meiſtens ſchlaffen / ſondern bey hellen liechten Tag in dem Haus Simonis bey offentlicher Mahlzeit / wo die Menge der Leut geſeſſen und geſtanden / zu CHriſto dem HErꝛn getretten / die theure Alaba - ſter Buͤchſen zerbrochen / und die koſtbahre Salben uͤber ſein hei -Pars IV. G g gliges418Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Redenliges Haupt ausgegoſſen / ungeacht die Umbſtehende mit Fingern auf ſie gedeutet / die mehreſte / ja faſt alle wider ſie gemurret / und ihr derenthalben allerley Spott-Woͤrter angehaͤngt: diß iſt gar nichts neues / wann jemand will fromm ſeyn und GOtt dienen / und ein gutes Werck uͤben / daß derenthalben einige2. Timot Leut uͤber ihn werden uͤbel reden: Aber laß reden / ſeynd wir doch ſchon von dem Heil. Paulo / derenthalben gemahnt worden: Omnes qui piê volunt vivere in Chriſto JESU, perſecutio - nem patientur.

Der Leut Reden hat nicht geacht der fromme Job / wel - chen doch die Leuth und mehreſten ſeine Nachbaren und Anver - wandten mit tauſenderley Schmach-Wort angetaſt / ſo gar ha - ben ſie ihme vorgeworffen / weil er voller Geſchwaͤr und Unflat / er handle mit Leoniſchen Wahren / und komme nicht anderſtwo her / als weil er in ſeiner frechen Jugend ſtarck depouſſirt / und luxurioſe, id eſt, mit Luxen Hetzen die Zeit vertrieben: Oſſa ejus implebuntur vitiis adoleſcentiæ ſuæ. Aller dieſer Spott - Reden halber hat der Job ſein Gemuͤth nicht veraͤndert / ſein gut -Job. 20. v. 11. und heiligen Spruch / der Name deß HErꝛn ſeye gebenedeyt / nicht unterlaſſen / ſondern in ſeinem frommen und unſtraͤfflichen Wandel allezeit verharret.

Wie der juͤngere Tobias zu dem Fluß Tigris gangen / deß Willens / daſelbſt ſeine Fuͤß zu waſchen / da iſt alſobald ein groſſer Fiſch gegen ihm geſchoſſen / und die Goſchen erſchroͤck - lich aufgeriſſen / alſo daß der gute Tobias hefftigſt hieruͤber er - ſchrocken / und zu dem anweſenden Engel Raphael uͤberlaut auf - geſchryen / dann er glaubte / daß er ihn werde freſſen / ꝛc. der EngelTob. c, 6 aber hat ihm ein Hertz gemacht / er ſoll ſich nicht foͤrchten / es ge - ſehehe ihm nichts.

Du mein frommer Chriſt! freylich / wann du den Fuß - Stapffen der Heiligen folgeſt; wann du Wandels halben mit Engeln umbgeheſt / wird mancher Stockfiſch hieruͤber das Maul aufreiſſen / und uͤber dich einige Spott-Wort ausgieſſen / aberfoͤrcht419thut das Gute unterlaſſen.foͤrcht dir nicht vor dieſen und dergleichen Maͤulern / laß reden / laß lachen / es gilt kein Kopff abbeiſſen; mach es lieber wie jener Blinde am Weg / als dieſer gehoͤrt / daß JESUS fuͤruͤber ge - he / da rufft er uͤberlaut: JESU du Sohn David / erbarm dich meiner / das Volck aber ſchalt ihn derenthalben aus / und iſt ihm nicht ein wenig uͤber das Maul gefahren / aber was thut dieſer? Er hat die Leut reden laſſen / und derentwegen von ſeiner AndachtLuc. 12 v. 15. und Zuverſicht nicht gewichen / ſondern noch viel mehrer geſchrien: Magis clamavi.

Laß lachen / GOtt wird ſie deſſenthalben ſchon finden / es iſt bereits ſchon der boßhafftigen Welt ihr Brauch / daß ſie die Tu - gend aushoͤnet / und der Frommkeit ein Naſen-Schneller gibt: Laß lachen / diß wird ihnen theur genug werden.

Vor etlichen Jahren iſt zu Metz in Lothringen ein Calviniſt in ein Catholiſche Kirchen gangen / und wie er daſelbſt wahrge - nommen / daß ein armer Menſch nach vollbrachtem eiffrigen Ge - bet etliche Eyr auf den Altar geopffert / hat er nicht allein uͤber ſol - ches hoͤniſch gelacht / ſondern noch beſagte Eyr mit ſich nacher Haus genommen / ihme ſelbſt und ſeinen Mit-Cammer aden ein Jauſen zugericht / als er aber den erſten Biſſen ins Maul genom - men / da iſt urploͤtzlich die Rach GOttes uͤber ihn kommen / und ihnPag. p. 6. 388. mit dem gaͤhen Tod geſtrafft.

Laß lachen / dieſes wird ihnen nicht Roſen tragen. Wie von Gregorio Magno dieſem ſo heiligen Pabſten Auguſtinus iſt in Engelland geſchickt worden / daſelbſt die Evangeliſche War - heit zu predigen und den Glauben Chriſti auszubreiten / da iſt er in Doroteſtria nicht allein ſchimpfflich von dem Volck ausge - lacht worden / ſondern einige ſeynd geweſt / die ihme dem Apo - ſtoliſchen Mann an ſeinen Kleidern zu mehrern Spott etliche Fuchs-Schweiff haben angehefft / aber GOtt hat ſie derent -Joan. Ma jor. l. 2, d rebus Scot. c. 〈…〉〈…〉 halben ſchon gefunden / maſſen alle die jenige / ſo aus ihrem Ge - ſchlecht herkommen / mit einem langen Schweiff zu End deß Ruckgrads geboren worden.

G g g 2Laß420Judas Jſcarioth wegen der Leut ihrer Reden

Laß lachen / diß Lachen wird der jenige / ſo ober uns iſt / ſchon revangiren. Als auf ein Zeit der Heil. Biſchoff Remi -Petrus de Natal. l. 9. c. 9. gius mit eignen Haͤnden das Traͤid auf dem Feld zuſammen ge - ſammlet / damit er bey der herzunahenden Hungers-Zeit kondte den Armen beyſpringen / iſt er deſſenthalben von den berauſchten Bauren nur ausgelacht worden / aber die Zech muſten dieſe Ge - ſellen theuer bezahlen / forderiſt weil ſie ihme das Traͤid in die A - ſchen gelegt: dann alle dieſe Boͤßwicht und alle ihre Nachkoͤmm - ling / was Maͤnnlichen Geſchlechts geweſt / haben Leib-Schaͤden bekommen / ihre Weiber aber alle ſamt dero Toͤchter im gantzen Dorff haben muͤſſen groſſe / dicke / wilde Kroͤpff (wol ungeformte Hals-Uhren) tragen.

Laß nur lachen / diß Lachen wird ihnen GOtt ſo wohl mer - cken / als der ſtoltzen Michol, wie ſie ihren Herꝛn und Koͤnig aus - gelacht / als dieſer aus Andacht vor der Archen GOttes getantzt hat. Ein Catholiſcher und ein Uncatholiſcher ſeynd auf ein Zeit miteinander gereiſt / und als ein unverhofftes groſſes Donner - Wetter entſtanden mit erſchroͤcklich - und entſetzlichen Blitzen / hat der Catholiſche das Zeichen deß Heil. Creutzes auf die Stirn ge - macht / wor auf ihn der Uncatholiſche nicht wenig ausgelacht / und anbey hinzu geſetzt / ob ihn dann die Mucken plagen / weil er alſo mit der Hand umb das Geſicht haſpelte? er hat aber kaum dieſe freche Wort ausgeſprochen / da hat ihn alſobald ein erſchroͤcklicher Donner-Keil zu todt geſchlagen.

Laß lachen / das Capital eines frommen und Gottſeeligen Chriſten hat auf der Welt kein anders Intereſſe zu hoffen / als das Lachen und Ausſpoͤttlen der gottloſen Leut / wegen dieſer ſoll ich das Gute unterlaſſen? das nicht; wegen dieſer ſoll ich die Gnad GOttes verſchertzen? das nicht; wegen dieſer ſoll ich den Him - mel verliehren? das nicht; wegen dieſer ſoll ich zum Teuffel fahren? das gar nicht; Laß lachen / daß ihnen auch das Maul moͤcht aus dem Angel gehen. Laß lachen / daß ſie auch die Au - gen in die Schwem reiten; ſo unterlaß du als ein eiffriger Chriſtderent -421thut das Gut unterlaſſen.derenthalben das Gute nicht / ſondern ſchaͤm dich vielmehr deß Boͤſen. Jn dem Fall ſoll man nicht nachfolgen dem Nicode - mo / welcher nur bey naͤchtlicher Weil ein Diſcipl und Nach - folger Chriſti abgeben hat; hingegen beym Tag hat er ſich von der Geſellſchafft deß HERRN abgeſchraufft / dann es ihme we - gen der Leut / und vorderiſt wegen ſeiner Freundſchafft geweſt iſt / wohl aber ſoll man tretten in die Fußſtapffen deß Koͤnig Davids / welcher ſich gantz nicht geſchiehen vor allem Volck ſein Andacht zu verrichten. Vota mea reddam coram omni populo ejus. Pſalm 15. In medio Eccleſiæ laudabo te. Pſ. 21. In me - dio multorum laudabo eum. Pſ. 108.

Judas hat den wahren Gott und Heyland an keinem andern Ort verrathen / als in einem Garten.

UNweit von Jeruſalem / gleich uͤber den Bach Cedron / waren vor dieſen die allerſchoͤneſte und herꝛlichſte Gaͤr - ten / worinnen die Vornehmen in der Stadt ihr Er - goͤtzlichkeit ſuchten / dieſer Gaͤrten ſtattliches Vorgebaͤu waren einander gantz aͤhnlich und gleich / alſo zwar / daß ſie von einan - der nicht kunten unterſchieden werden / als durch die Numero oder Zahl: Dahero auf einen Numero I. geſtanden / auf den andern Num. II. auf den dritten Num. III. und alſo fortan biß auf Num. VIII. Jn dieſem hat der HERRJESUS oͤffters bey naͤchtlicher Weil ſein Gebet verricht / beſagter Gar - ten ligt gleich unter dem Oel-Berg / allwo nachmahls der glor - reiche Heyland gegen Himmel gefahren / und ſolchen / nach Ausſag etlicher Lehrer / die erſte Eltern Adam und Eva / nach - dem ſie aus dem irꝛdiſchen Paradeiß verſtoffen / durch die Che - rubin an dieſes Ort ſeyn getragen worden / und zwar den er - ſten Fuß an demſelben Ort geſetzt / wo ſo lang hernach der ge - benedeyte Heyland / das ſo haͤuffige Blut geſchwitzt hat: WieG g g 3nun422Judas hat GOtt an keinem andern Ort verrathennun Chriſtus der HERR mit denen eilff Apoſtlen bey der Nacht zu dieſem Garten kommen / da lieſſe er achte derſelben alldorten ſitzen / und ſagt Moyſes Barcepha, daß es eben diß Ort geweſen / wo der Abraham ſeine Bediente hat warten laſſen / wie er auf den Berg hinauf geſtiegen / ſeinen Sohn aufzuopffern; von dieſem Ort hat ſich der HERR in den Garten begeben / und mit ſich ge - nommen den Petrum / den Jacobum und Joannem / und weil die Porten deß Gartens verſperꝛt und verſchloſſen ware / alſo hat ſich ſelbige durch Goͤttlichen Gewalt ſelbß eroͤffnet / nachdeme folgends der mit Tods-Aengſten uͤberhaͤuffte Heyland ſo viel Blut geſchwitzt / daß der gantze Erdboden daſelbſt benetzt worden / und ſagt der Engliſche Lehrer Thomas / daß Chriſtus allda durch ein Wunder-Werck das Blut habe wieder zu ſich genommen / damit er ſolches mehrmalen in der Geißlung und Croͤnung moͤch - te vergieſſen. Jn dem vornehmen Benedictiner-Cloſter / insge - mein der heilige Berg genannt / in dem Hertzogthum Baͤyrn / iſt ein halbes Tuͤchel oder Facilet, wormit der HERR JESUS in dem Garten ſein heiligſtes Angeſicht hat abgewıſcht; in die - ſem Garten hat der Gewiſſenloſe Judas / dieſer verruchte Boͤß - wicht die groͤſte Unthat begangen / indem er den Welt-Heyland verrathen / und ihn den blutgierigen Feinden uͤbergeben. O was Ubel geſchicht offt in Garten.

Der Evangeliſt Marcus ſchreibt in ſeinem ſechſten Cap. wie daß einmal fuͤnff tauſend Perſonen der eifferigen Predig zu - gehoͤrt / welche der HERR und Heyland in einer Wuͤſten ge - halten / nachdeme aber ſolches groſſe Volck etwas von Hunger geplagt worden / hat ſich unſer HERR ihrer erbarmt / ihnen allen miteinander befohlen / ſie ſollen ſich in das gruͤne Graß niederſetzen / nachdeme ſolches geſchehen / hat der HERR alle dieſe mit fuͤnff Brod und zweyen Fiſchen dergeſtalt geſpeiſt und geſaͤttiget / daß noch mit dem uͤberbliebenen Brod und Brocken zwoͤlff groſſe Koͤrb ſeyn angefuͤllt worden / nach ſel -chem423als in einem Garten.chem ſo wunderbarlichen Tractament hat der HERR ſeine Juͤnger genoͤthiget / daß ſie haben muͤſſen in ein Schiffel ſtei - gen / und gegen Bethania hinuͤber fahren: Coegit aſcendere in navim, &c. O mein HERR! warumb laſſeſt die gutev. 45. Leut / die ohne das matt und muͤde nicht ein wenig ruhen? Es iſt gar annehmlich nach dem Eſſen im gruͤnen Graß ſitzen / ver - goͤnne ihnen doch dieſen kleinen Geſpaß / und kurtze Ergoͤtzlich - keit / coëgit fort mit euch / hats geheiſſen / nur fein bald / pre - ſto, preſto, man haͤlt ſich umbſonſt auf / da iſt euer Bleibens nicht: Aber warumb HERR ſchaffeſt du ſie hinweg? ſie wol - len wohl lieber bleiben? warumb hat es muͤſſen ſeyn / es waren auch ſehr viel Weiber unter dem Volck / obſchon Andaͤchtige / die daſelbſt im Graß geſeſſen: Dahero der HERR ſo gar de - nen Apoſtlen nicht zugelaſſen / daß ſie ſolten beyn Weibern im Graß ſitzen / alſo ſpricht der gelehrte Cajetanus: Wann man unter frommen Weibern und Maͤnnern ein Unform foͤrchtet in der Gruͤne / was ſoll man erſt gedencken von frechen Leuten? O wie offt in der Gruͤne / im Garten muß das Gewiſſen ins Gras beiſſen. Malche! was haſt du verlohren in dem Garten? ich rede mit dem jenigen Malcho, welcher in Gegenwart deß Hohenprieſters Annaͤ ſammt andern vornehmen Fuͤrſten der Sy - nagog dem gebenedeyten Heyland einen ſolchen harten Ba - ckenſtreich verſetzt / daß hiervon die Zeichen der Finger in dem heiligiſten Angeſicht geblieben; wie noch in dem Schweiß-Tuch der Heil. Veronicæ zu Rom zu ſehen iſt; beſagter Streich war ſo grauſam und hart / daß der beſchmertzte Heyland gantz zu Bo - den geſuncken / und das Blut aus den Mund / Naſen und Oh - ren haͤuffig heraus geſchoſſen / ja ſo gar kein Bein im Leib / deren doch in einem jeden Menſchen 270. gezehlet werden / iſt ohne Quaal dazumal geweſt / unangeſehen dieſer verruchten Vermef -Cornel. à Lapide c. 27. in Matth. ſenheit ſoll nach Auſſag deß Heil. Methodii beſagter Malchus neben andern acht tauſend Juden / ſo bey der Creutzigung Chri - ſti gegenwaͤrtig geweſt / ſich noch bekehrt haben / und ſeye von dem Heil. Petro getaufft worden. Dich Malche! frag ich / washaſt424Judas hat Gott an keinem andern Ort verrathen /haſt du im Garten verlohren? Malchus antwort: er ſeye einer aus den erſten geweſt / welcher dem HErꝛn JEſu gewaltthaͤtige Haͤnd habe angelegt im Garten / und da hat ſich einer mit Na - men Petrus / der Sach angenommen / von Leder gezogen / und ihme ein Ohr abgehaut / ꝛc. So hat Malchus im Garten ein Ohr verlohren? ja ein Ohr / und zwar das rechte Ohr; aber wie viel verlieren im Garten nicht das rechte Ohr / ſondern die rechte Ehr? wie viel?

Cypreß-Baͤumer gibts in Garten / aber die Cypriſche Goͤttin Venus iſt auch nicht weit; Nuß gibts im Garten / aber die Aergernuſſen bleiben auch nicht aus; Roſen gibts im Gar - ten / aber die Roſæ mundæ ſtehen auch daſelbſt; Caſtaneæ wach - ſen im Garten / aber Caſtæ nicht allezeit; Schatten gibts im Garten / aber der Schaden iſt offt darbey; Salve gibts im Gar - ten / aber gar offt Salva venia, auch etwas anders. Hornaus gibts im Garten / aber gar offt etwas / das faſt gleich lautet: Ne - ſter gibts im Garten / und darumb manglen die ſchlimmen Voͤgel nicht / im Garten gehet es gar / gar / gar ſeltzam her offt.

Eine iſt geweſt nicht gar eines niederen Stands / aber gar eines minderen Verſtands / umb weil ſie nicht hat gewuſt oder et - wan nicht hat wollen wiſſen / wann die Gelegenheit dem Men - ſchen die Schnallen in die Haͤnd gibt / daß er gar leicht die Thuͤr aufmache zu allem Ubel / erſtgedachte Perſon war eine aus den wolgeſtalten und von der Natur huͤpſch erſchaffenen Weibs-Bil - deren / aber die ſchoͤne Geſtalt macht mehrmal ein Schau-Spiel biß zu letzt daraus wird ein Sau-Spiel / die ſchwartzen Augen auf den weiſſen Wuͤrfflen haben ſchon oͤffter ein Unheil verur - ſacht / an dieſem Ketter hat ſich auch ein edler Fiſch vergafft / und ſie nach etlichen vorgehenden freundlichen Anſprachen in ſeinen Garten eingeladen / mit Verſprechen / daß ſie ein ſonderes Be - gnuͤgen werde haben an den frembden Blumen-Gewaͤchs / an den mit allerley Fruͤchten prangenden Baͤumern / an den bu - ſchenden und ſehr Schattenreichen Spallieren / ꝛc. ja er hat ſichauch425als in einem Garten.auch gar urpietig anerbotten / den Wagen zu ſchicken / damit ſie ihre Fuͤß moͤchte ſpahren zum Spatzier-Gang deß Gartens / weil der Weiber Vorwitz deß Zuͤgels und Zaums nicht wohl gewoͤhnt / alſo bedient ſich dieſe der ſo guten Gelegenheit / den ſchoͤnen Garten zu ſehen. Wie ſie nun der Gutſcher wieder bey ſpaten Abend na - cher Haus gefuͤhrt / und ſie ihm ein Trinck-Geld dargereicht / da wolt er ſolches auf keine Weiß annehmen / ſondern er ſagte oͤffters: Er heiſſe Steffel. Er ſolls nehmen: Steffel heiß ich. Er ſoll nicht naͤrriſch ſeyn. Steffel iſt mein Nam Was ſeyd ihr fuͤr ein Fantaſt? Wie ich ſag: Steffel heiß ich / ꝛc. Dieſe wurde oͤffter mit dem Wagen in den Garten abgeholt / der Gutſcher an ſtatt deß Trinck-Gelds widerhollte oͤffter / daß er Steffel heiſſe. Endlich fragte dieſe den / ihres Geduncken nach ſo ſeltzamen Giſpel: Wa - rumb er allemahl dieſe Antwort gebe / daß er Steffel heiſſe? Darum mein ſchoͤne Dama, darumb: Es wird einmal die Zeit kommen / und etwan gar bald / da werdet ihr ſagen / in Erwegung der ver - ſchertzten Ehr: Mich hat wohl der Teuffel in den Garten gefuͤhrt ich wolte / ich haͤtte das Orth mein Lebentag nie geſehen / es hat mich wohl der Teuffel dahin gefuͤhrt; Jch aber / ſagt der Gutſcher heiß Steffel / und nicht Teuffel / dann ich hab ſie gefuͤhrt / und mein Herꝛ hat ſie verfuͤhrt ------ Es iſt alles wahr geweſt / was der Gutſcher geredt hat / und wann er haͤtte Lateiniſch verſtanden / ſo haͤtte er geſchryen: Hortus, Echo, Ortus.

Suſanna, ein Spiegel aller Tugenden / iſt allenthalben ſi - cher geweſen / auſſer im Garten. Dieſe Roſen haben nirgends die Koth-Keffer angetaſt / auſſer im Garten. Dieſer Tauben haben nirgends die Geyer nachgeſtellt als im Garten. Dieſem Laͤmbel haben nirgends die Woͤlff gedrohet als im Garten. Dieſer Schnee hat nirgends ſollen zergehen als im Garten. Dieſes Kley - nod hat nirgends ſollen ins Koth fallen als im Garten. Dieſe Blumen hat nirgends ſollen verwelcken als im Garten. Suſanna hat ſich wollen abkuͤhlen im Garten; aber waͤre bald erhitzt worden. Suſanna hat ſich wollen waſchen im Garten / aber waͤre bald meh -Pars IV. H h hrer426Judas hat GOtt an keinem andern Ort verrathen /rer bekottiget worden / Suſanna hat wollen einen Lufft ſchoͤpffen im Garten / aber ſie haͤtte bald ihr Ehr in Wind geſchlagen / wann ſie nicht die ſondere Gnad GOttes haͤtte behuͤt / Krafft welcher ſie die Schuldigkeit ihres Stands / die obligende Gebot deß Aller - hoͤchſten / den Verluſt deß Himmels / die Beleidigung deß Erſchoͤpf - fers / die Unbild ihres Ehebeths haͤtte betrachtet und erkennet. O ihr alte Schelmen zu Babylon / ihr muͤſt oͤffter im Garten nichts Guts geſtifftet haben / weil ihr auch dasmahl an dieſem Orth euer Gottloſes Beginnen ſuchet.

Jm Garten / thut man gar / gar offt einbuͤſſen. Adam / der erſte Menſch iſt aus einem reichen Herꝛn Dominamini, ein ar - mer und elender Schlucker worden. Adam iſt aus einem ſo geſun - den und wolgenaturten Mann / ein ſo muͤheſeeliger Krippel wor - den. Adam iſt aus einem allerweiſeſten Menſchen / aus einem Doctor gar ein unverſtaͤndiger Phantaſt worden / indeme er ihme hat eingebildet / er koͤnne den allſehenden Augen GOTTES entgehen / wie er ſich in dem Paradeiß verborgen hat. Adam iſt ſo arm worden / daß er und ſein Weib nicht einen Fetzen hat / wor - mit ſie ſich haͤtten koͤnnen bedecken / biß ſich endlich GOTT ihrer erbarmt / und ſie grad ſchlecht hin / wie ſie es nicht beſſer verdient / bekleidet hat. Adam iſt umb alles kommen / iſt verdorben / wie die Kuͤrbis-Blaͤtter Jonaͤ / ꝛc. Aber wo? aber wie? Frag nicht lang / das Comedit hat die Comœdi gemacht / weil Adam im Garten geſſen / darumb iſt er ſo hart niedergeſeſſen.

Viel ſeynd / bey denen es hergehet / wie es dem Koͤnig Pha - rao getraumbt / der hat im Schlaff geſehen / bey einem Fluß / ſie - ben ſehoͤne gantz fette Rind-Stuck / die haͤtte kein uͤbels Aug ſollenGenc. c. 41. anſehauen / alle Metzger und Fleiſch-Hacker haͤtten ſich darumb ſollen reiſſen / aber bald darauf hat er geſehen ſieben andere / die wa - ren Zaunduͤrꝛ / an denen nichts als Haut und Bein zuſehen. Et - liche Leuth / meiſtens in vornehmen Staͤdten / ſeynd Anfangs ſo wohl und gut geſtanden / bey ſo trefflichen Mittlen geweſt / und nachmals ſeynd ſie in Armuth gerathen / vorhero ein faiſte Wirth -ſchafft /427als in einem Garten.ſchafft / nachgehends ein zaunduͤrre Unterhaltung gehabt.

Wie Hertzog Fridrich der Vierdte / Herꝛ in Tyroll die Staͤdt in Helvetien verlohren / als die in ihrer eigenen Freyheit gar zu faſt erwarmet / ſich niemand anderen mehr wolten unterge - ben / alſo hat er / bey dem uͤbelgeſinneten Volck / den Namen be - kommen: Friderich mit der laͤhren Taſchen. Da ihme eineſt dißSpeeul. hon 445 zu Ohren kommen / hat er zu Trutz der Mißgoͤnner das Taͤchel zu Jnnsbruck laſſen vergulden / worbey zweyhundert tauſend Ducaten ſeynd aufgangen / ja nach ſeinem Tod hat man ein Mil - lion in paarer Muͤntz gefunden. Dieſem Fuͤrſten hat man un - recht ſolchen Schimpff-Namen gegeben. Aber in mancher Stadt gibt es viel Ferdinand mit der laͤhren Taſchen / viel Chriſtoph mit der laͤhren Taſchen / viel Peter mit der laͤhren Taſchen / viel Paul mit der laͤhren Taſchen / viel Andereaͤ mit laͤhren Taſchen / viel Jacob mit der laͤhren Taſchen / ꝛc. Viel gibts / bey denen die Wirthſchafft wurmſtichig worden / wie das Manna bey den He - braͤern / bey denen das Geld verſchmoltzen / wie das Gold deß Jſ - raelitiſchen Kalbs / bey denen die Mittel verſchwunden / wie dıe Glo - ry auf dem Berg Tabor. Mit einem Wort / ſie ſeynd halt Leuth mit der laͤhren Taſchen / haben nicht mehr ſo viel / wormit ſie Weib und Kinder moͤgen unterhalten. Woher kommt es? woher? das Eſſen im Garten hat den Adam umb das Seinige gebracht / die vielfaͤltige Mahlzeiten / das ſtaͤte Tractiren / die ſo haͤuffige Freſſe - reyen in den Gaͤrten haben ſchon manchen an Bettelſtab gebracht / ein Burger / ein Handwercksmann / ein Handelsmann / der nicht Sonn - und Feyer-Tag / ſondern auch oͤffter in der Wochen zur Sommers-Zeit die Gaͤrten heimſucht / und in denſelben mit der naſſen Geſellſchafft ſteiff laſt auf gehen / wie kan es anders ſeyn / als daß nicht der Vogel Hab-ich / hinweg fliege / und folgſam aus einem Fortunat / ein Fort du Narꝛ wird / welches dann mehr - mal ein Anlaß gibt / daß offt Weib und Kinder in Verzweifflung gerathen.

Jn Aquitania, hat ein Weib das unmaͤſſige Leben undH h h 2Taͤg -428Judas hat GOtt an keinem andern Ort verrathen /Taͤgliche Schwaͤrmen ihres Manns / in ein ſo ſtarcke Melancho - ley geſtuͤrtzt. Als ihr allerley verzweiffelte Gedancken eingefallen / forderſt weil ſie geſehen und war genommen / daß keine Lebens-Mit - tel mehr vorhanden / ja ſo gar der Haus-Rath umb den Wein - Wechſel verſchleudert werde / das muß ein Hals ſeyn / wo auch Stuhl und Seſſel durchrinnen. Jn ſolchem truͤben Waſſer wol - te der boͤſe Feind fiſchen / wie er dann beſagter armer Haut in Ge - ſtalt eines reichen und ſehr vermoͤglichen Herꝛn erſchienen / mit dem Vortrag / daß er ihr wolle beſtermaſſen an die Hand gehen / dafern ſie ihme nur wolle folgen. Sie / die arme Troͤpffin / be - gehrt hieruͤber einige Zeit / ſich recht zu bedencken. Der verdammte Schalck kame das andermal wieder / fuͤhret ſie aus der Stadt hinaus / und gibt ihr den Rath und Einſchlag / ſie ſolle mit ihm da - von reiten / er wolle ſie nach Begnuͤgen unterhalten. Das ſtatt - lich geſattlete Pferd war allbereits vorhanden; das Weib thut ſol - ches abſchlagen / und hat es darumben geweigert / es moͤchte das ſo ſtarcke Reiten der Frucht / wormit ſie dazumal ſchwanger gan - gen / ſehr ſchaͤdlich fallen. Der Teuffel / ſo bey den Melancholi - ſchen meiſtens ſeinen Gewinn ſuchet / hat ihr ferners anerbotten / weil ıhr doch das Reiten nicht wolgefaͤllig noch anſtaͤndig / ob ſie dann nicht zu Schiff mit ihme wolte fahren? welches ſie dann al - ſobald zugeſagt / auch den geraden Weg genommen zu dem Waſ - ſer / allwo ſchon das Schiff mit allen zugehoͤrigen Sachen vor Augen geſtanden / wie ſie in ſolches bereits wolte einſteigen / da war augenblicklich alles verſchwunden / maſſen es nur ein Teuff - liſche Verblendung geweſen / und iſt ſie biß an den Hals im Waſſer geſtanden / waͤre auch unfehlbar zu Grund gangen / wofern nicht eine unweit darvon geſtandene Dienſt-Magd ihr zu Huͤlff kom - men waͤre.

Dergleichen Begebenheiten weiß ich auch einige zu Wien / allwo das verthunliche Leben / das uͤbermaͤſſige Schlemmen deß Manns in allen Wincklen / und forderiſt in den Garten ein und an - ders Weib in ſolche Verzweifflung geſtuͤrtzt hat / daß ſie ihr ſelbſtden429als in einem Garten.den Todt angethan mit Nehmung eines Giffts / und auch aufEſt. c. 7. andere Weiß / ꝛc. Dem Aman iſt der Garten hoͤchſt ſchaͤdlich geweſen / worinn Aſſuerus ſpatzieren gangen. Dem David iſt2. Reg. c. 11. der Garten ſehr ungluͤck hafftig geweſen / indeme er die Bethſaba ergafft. Dem Jeroboam iſt der Garten ſehr nachtheilig geweſen / in welchem er die Goͤtzenbilder aufgericht / O was Unkraut wachſet offt in Garten!

Jm Garten / iſt Gar Gar offt nichts anders als Fluchen / Greinen / Rauffen / Schlagen / ꝛc. Bruder willſt mitgehen? ſagt eineſt der Cain / meinethalben / antwortet der Abel / ich bin wohl zu frieden. Der Abel gehet mit dem Cain / der Cain mit dem Abel / beede leibliche Bruͤder / und zwar die erſte Bruͤder auf der Erden / beede leibliche Soͤhne deß Adams und der Eva / und zwar die er - ſte Soͤhne auf Erden. Wer ſolt ihm haben eingebildet / daß bey dieſen zweyen nicht ſolte das Aiens ſeyn. Kaum / daß ſie an das ver - langte Orth kommen / da ergreiffte der boßhaffte Cain ſeinen Vor - thel / und ſchlagt den unſchuldigen Bruder Abel zu todt / welches Blut dann / wie billich / von der Erden hat Rach geſchryen / uͤber die grauſame Mordthat. Wo iſt aber alles diß geſchehen? Wo? im Garten / ſagt der Alexandriniſcher Lehrer Cyrillus lib. 1. Glaph. Der Cain habe auf dem Feld ein gar ſchoͤnen Garten gehabt / in demſelben allerley ſchoͤne Blumen / darzu er den A - bel eingeladen / und kan wohl ſeyn / wie ſich der Abel umb eine Blumen gebuckt / daß ihne hinterwarths der Cain mit einem Tremmel zum Kopff geſchlagen. Jm Garten iſt dieſes Ubel ge - ſchehen.

Die groͤſte Rauffhaͤndel und ſchaͤdlichſte Zwytrachten ent - ſtehen offt in Gaͤrten / und kommen daſelbſt offt die beſte Bruͤder aneinander in die Haar / und zwar meiſtens wegen deß Spielens. Luc. am 17. Capit. wird regiſtrirt / was geſtalten einmal unſer lieber HERR und Heyland zu einem Flecken hinein gangen / da ſeynd ihme zehen ausſaͤtzige Maͤnner begegnet / die von ferꝛn ſtun - den / und ihre Stimm erhebten: JESU / lıeber Meiſter / erbar -H h h 3me430Judas hat Gott an keinem andern Ort verrathen /me dich unſer / als der HERR ſie ſahe / ſprach er / gehet hin / und zeiget euch dem Prieſter / und es begab ſich / da ſie hingiengen / wur - den ſie alle rein. Einer aber aus ihnen / da er ſahe / daß er gereini - get ware / kehrte wider zuruck / und lobte GOTT mit lauter Stimm / und er ſiele bey den Fuͤſſen deß HErꝛn nieder / und dancket Jhn / dieſer war ein Samariter. JEſus aber antwortet / und ſprach: Seynd dann ihrer nicht zehen gereiniget worden? Wo ſeynd dann die Neune? Keiner iſt gefunden der widerkehrte und GOTT die Ehr gabe / dann dieſer Frembdling. Das ſeynd Neun grobe Geſellen geweſt / Neun unmanierliche Schliffel / neun ungehobelte Giſpel. Neun ſchlechte Limmel. Neun unſittliche Knoͤpff. Neun vergeſſene Maulaffen. Neun ungebaͤrdige Schlam - pen. Neun unerzogene Knollfincken. Neun ungeſchaffene Schlen - ckel / welche GOtt die Ehr nicht haben geben.

Hin und her in den Garten trifft man ebenfalls Neun an / bey den GOTT gar kein Ehr hat / Neun Geſellen und nicht Ein Lob GOttes. Neun Kerl und nicht Ein gutes Werck. Dieſe Neun ſeynd die Neun Kegel (haͤtte ſie bald anderſt genennt) mit denen manche Spil-Luder gantzen Tag in dem Garten verzehren. Bey dieſen Neun findet man ſo gar ſelten ein Ehr GOttes / wohl oͤffter aber ein Unehr / maſſen darbey das Fluchen und Schwoͤren / und folgends darauf das Rauffen und Schlagen meiſtentheil ſich finden laſt. Jch bin vor vielen Jahren einmal auſſer der Stadt Wien ſpatzieren gangen / hierdurch ein wenig einen friſchen Lufft zu ſchoͤpffen / und als ich bey einem groſſen Garten vorbey meinen Weg genommen / da hab ich ein erſchroͤckliches Schelten und Gottslaͤſtern wahrgenommen. Jch glaubte Anfangs es waͤre ein Diſputation de Sacramentis in communi in dieſem Garten / wie ich aber durch die Blancken den Augenſchein genom̃en / da hat ſich die Sach weit anderſt gezeigt / indem beede gantz grimmig einan - der angefallen / ein jeder an ſtaet deß Gewoͤhrs ein Kegel gebraucht / womit ſie dergeſtalten einander gegruͤſt daß die Tippel am Kopff / wie faſt junge Scher-Hauffen auf gefahren / kein zeitiges Obſt habich431als in einem Garten.ich dermalen im gantzen Garten nicht geſehen / auſſer dieſer hoͤltze - nen Ohrfeigen / und etliche blaue Zweſpen umb die Nachbarſchafft ihrer Naſen. Dıß war meinerſeits noch wohl zu verſchmertzen / allermaſſen mir von dieſem Schlag-Balſam nichts zu Theil wor - den. Aber das allzufreche Schwoͤren und Fluchen hat mir das Hertz durchtrungen / in Bedenckung / wie hoch dardurch die Goͤtt - liche Majeſtaͤt beleidiget werde / und was groſſer Schaden es der Welt zufuͤge.

Jener rechte Schaͤcher / ſo mit dem Welt-Heyland / zwar begangener eignen Miſſethaten halber auf dem Berg Calvariaͤ an das Creutz gehefftet worden / wie er vernommen / und in ſeine Oh - ren gehoͤrt / daß ſein Mit-Cammerad etliche Gottsiaͤſterliche Wort ausgeſprengt / gedachte bey ſich ſelbſt / daß er nicht koͤnne ſolches verantworten bey GOtt und folgſam kein Kind der See - ligkeit werden / wann er nicht ſeinen Mit-Geſpann von ſolcher Un - that ſolte abmahnen / und ihm ſeine veruͤbte Frechheit verweiſen. Die Wort deß Evangeliſten lauten alſo: Einer aber von den U -Luc. 23. belthaͤtern / die aufgehenckt waren / laͤſterte ihn / ꝛc. Der andere aber / ſtraffet ihn / und ſprach: Du foͤrchſt auch GOTT nicht / der du doch in gleicher Verdammnus biſt. Und wir zwar ſeynd bil - lich darinnen / dann wir empfangen / was unſere Thaten verdient haben. Mit was Gewiſſen kan dann ein ſolcher Wirth und Haus-Herꝛ / der mit Gaͤrten und Spill-Plaͤtzen ſeinen Gewinn ſu - chet / zu laſſen und zu hoͤren / wann einer und anderer in ſo entſetzli - che Gottslaͤſterung ausbrechen? er iſt ſchuldig bey Vermeidung der Goͤttlichen Ungnaden ſolche vermeſſene Geſellen moͤglichſt abzu - mahnen / oder gar aus dem Haus oder Garten zu ſchaffen.

Mich wundert / daß dergleichen Gewinnſichtige Leut / ſo wegen eines zeitlichen Intereſſe alles Ubel zulaſſen / und geſtat - ten / daß GOttes Ehr und Glory / und ſeiner heiligſten Sacra - menten / Werth und Krafft ſo ſehr verſchimpfft werde. Mich wundert abermal / daß ſie nicht betrachten / daß hierdurch ihre Wirth - und Habſchafft mehrer geſchmaͤllert werde / als daß ſie inein432Judas hat Gott an keinem andern Ort verrathen /ein Wachsthum und Aufnehmen komme: dann ein einiger boͤ - ſer und laſterhaffter Menſch kan offt einem gantzen Haus den Se - gen nehmen.

GOTT der HERR hat ſeinem auserwaͤhlten Kriegs - Fuͤrſten Joſue verſprochen / daß er ihme wolle ſeine Waffen beſtens Siegreich machen / wie dann erſtgedachter Kriegs-Fuͤrſt ſolches hauptſaͤchlich erfahren bey der Stadt Jericho / allwo durch ſonde - re Goͤttliche Beyhuͤlff die ſtarcke / dicke / feſte Mauer von freyen ſtucken ſelbſt zu Boden gefallen / und er ohne Verluſts eines eini - gen Manns die Stadt und Jnnwohner uͤberwunden. Wie er aber nachgehends mit ſeiner Macht vor das kleine Staͤdtel Hay ge - ruckt / welches kaum mit einer Ziegeldicken Mauren umgeben war / und faſt mit Schnee-Ballen / oder Schluͤſſel-Buͤxen haͤtte koͤn - nen bemaͤchtiget werden / da hat der Joſue nicht allein dieſes ſo ſchlechte Lumpen-Orth nicht bekommen / ſondern iſt mit ſamt den Seinigen noch ſpoͤttlich in die Flucht gejagt worden. Es kunte ſich deſſen aus allen niemand genug verwunderen / warum ſie das - mahl das Gluͤck verlaſſen? warumb ſie dasmahl ein auf Hoch - Teutſch ein Sau aufgehebt? Jofue fallt auf ſeine Knye nieder / er - ſucht GOTT mit weinenden Augen / umb die Urſach dieſes Un - ſterns: vernimmt endlich von dem Hoͤchſten / daß ein einiger ſchlim - mer Schelm die gantze Urſach ſeye dieſes Ubels / einer aus der gan - tzen Armee benanntlich der Achan, welcher wider das Goͤttliche Verbott zu Jericho einige Leuth habe niedergemacht. Gedencke jemand / ein Gottloſer Menſch hat ſo viel tauſend in Ungluͤck ge - ſtuͤrtzt. Betrachte jemand / ein laſterhaffter Judas hat gemacht / daß ſchier bey einem Haar das gantze Schiffel ſammt den Apoſto - len waͤre zu Grund gangen. Sihe jemand / ein Jonas hat verur - ſacht / daß ein Wetter und Ungeſtuͤmme ſchier alle im Schiff haͤtte zu Grund gericht. Einer! Einer.

Und alſo iſt es gar nichts neues / wann ein Wirth oder Haus-Herꝛ nur einen in ſeinem Haus / Garten / oder Woh - nung leydet / der da Gottlos und forderiſt ein Gotts-Laͤſtereriſt.433als in einen Garten.iſt: nichts neues iſt es / daß der Seegen vom Haus weiche / das Ungluͤck einziehe / die Wirthſchafft den Krebsgang nehme; der Beutel wurmſtichig werde / und auch das Zeitliche Wolergehen allerſeits die Schwindſucht bekomme.

Wann das ſchwartze und truͤbe Gewoͤlck den Himmel uͤber - ziecht bey naͤchtlicher Weil / wann Sturmwind und Ungewitter die Wolcken unter einander treiben: wann Blitzer und Donner ſich haͤuffig ſehen und hoͤren laſſen / da wird man wenig Stern am Himmel abnehmen. Alſo / wann in einem Haus nichts als fluchen / ſchwoͤren / Gottslaͤſtern / ja ſtaͤtes donnern und haglen zu allen Worten geſetzt wird / ſo wird man wenig Gluͤck unnd Stern erfahren. Robertus Koͤnig in Franckreich hat eineſt mitNic. Paer. 301. Sect. gebogenen Knien / mit auſgehebten Haͤnden gantz eifferig bey GOtt dem HERRN angehalten umb einen lieben und ge - wuͤnſchten Frieden in ſeinem Land / deme aber Chriſtus der HErꝛ ſichtbarlich erſchienen / und ihme dem Koͤnig Roberto angedeut / daß in ſeinem Reich kein Fried zu hoffen ſeye / biß er neben anderen Suͤnden vorderiſt das Gottslaͤſteren ausrotte. Weder Fried / weder Gluͤck noch Seegen / weder Nutzen noch Fortgang / weder Heyl noch Wolfahrt / weder etwas anderes gutes / was Namen es immer kan haben / wird bey dem jenigen ſeyn / der das Fluchen und Gottslaͤſteren zulaſt / deſſentwegen ſeyen gewarnet alle die je - nige / welche allerley unnuͤtze Burſch / abſonderlich die Spieler in ihren Gaͤrten aufhalten / bey denen das Gottslaͤſteren faſt niema - len ausbleibt.

Ungeacht / daß in dem Garten viel uͤbels mit dem Jſcarioth geſtifftet wird: Unangeſehen / daß in dem Paradeiß-Garten die boͤſe Schlangen ihr erſtes Gifft hat ausgoſſen / ſo ſoll man dieſe nicht gaͤntzlich verwerffen / als die da dem Menſchen zu einer nutz - lichen und zulaͤſſigen Ergoͤtzlichkeit dienen / zumalen auch bekannt iſt / daß GOTT der Allmaͤchtige ſelbſt im Garten ſpatzieren gangen / nach laut Goͤttlicher H. Schrifft / dann wie Adam ge - ſuͤndiget / und wider den Willen des Allerhoͤchſten gehandlet / da iſt GOtt im Paradeiß in kuͤhlen Lufft ſpatziren gangen. Gre -Pars IV. I i igorius434Judas hat GOtt an keinem andern Ort verrathengorius Nazianzenus, ein groſſer heiliger Lehrer hatte gar einem ſchoͤnen Luſt-Garten / und darinn einen annehmlichen Quell - Brunnen / ſamt einem Schatten-reichen Waͤldel / worinnen er / zu weilen pflegte ſpatzieren / und einen friſchen Lufft zu ſchoͤpffen / als ihme ſolches etliche Naſenwitzige Geſellen vorgeworffen / und faſt ein Aergernuß hieruͤber genommen / in Erachtung / daß er in ſo groſſen Ruhm und Ruff der Heiligkeit ſeye / ſo gabe er ihnen fol - gende kurtze Antwort: Quid? an ne reſpirare quidem, Chri - ſtianis licet? Was meint ihr? ſoll dann ein Chriſt nicht auch ein wenig verſchnauffen doͤrffen? Es iſt kein Tempel / der nicht einmal Kirchweyh hat: Es iſt kein Wochen / die nicht einmal Feyerabend hat: Es iſt kein Muſic / die nicht einige Pauſen hat: Es iſt kein Acker / der nicht einmal ein Brach feyret: Es iſt kein Feld-Stuck / das man nicht abkuͤhlen laſt: Es iſt kein Zittern noch Lauten / wo man nicht die Seiten nachlaͤſſet: Hat doch unſer Lieber HERR ſelbſten / weil er matt und muͤd geweſen / ſich bey dem Brunnen niedergeſetzt / daſelbſt einige Raſt und Ruhe genom - men / ja ſo gar von der Samaritanin einen friſcher Trunck begeh - ret / ſich darmit ein wenig zu ergetzen.

Sehr viel Wunder-Sachen haben ſich ereignet bey dem herꝛ - lichen Einritt CHriſti nacher Jeruſalem / welcher geſchehen iſt den 20. Martii an einem Sonntag; Erſtlich iſt ihme ein unglaubli - che Menge der Leut gegen einer halben Stund lang entgegen gan - gen / ſo alle mit unglaublichen Freuden ihn empfangen / worunter ſehr viel kleine Knaben / welche den Weeg mit Palm - und Oel - Zweigen beſtreuet / und ſolle nach Ausſag Menochii / ein Baum / worvon ſie dergleichen Zweige abgebrochen / auch nach der Ver - ſtoͤrung Jeruſalem uͤber hundert Jahr unverſehrter geblieben ſeyn / ſo gar laſt ihm GOTT von den Baͤumern nichts umb - ſonſt thun: Mehr hat die Eſelin / worauf der Heyland geſeſſen und geritten / ihre Fußſtapffen ſo gar in die harte Felſen / Marmor und Kiſel. Steiner eingedruckt. Mandavil. cap. 8. Jtem / wie der HERR abgeſtiegen / und in den Tempel eingetretten / da hat ſich die Porten des Tempels / die von lauter Cypreß-Holtz gemachtware /435als in einem Garten.ware / von freyen Stucken ſelbſt eroͤffnet. Villamont. ſect. 2. Jtem / ſo haben ſo gar die unmuͤndige Kinder / ſo etwan erſt etli - che Wochen alt / durch ein Wunder-Werck angeſangen zu reden / und uͤberlaut aufgeſchrien: Benedictus qui venit. Gebenedeyet iſt / der da kommt in dem Namen des HERRN / ꝛc. worauf der Prophet ſchon laͤngſt geziehlet hat: Ex ore infantiumSegal. fol. 31. & lactantium perfeciſti laudem tuam. Neben vielen anderen ſchreibt der Evangeliſt / daß Unſer HERR Jhme durch die Apoſtlen habe zufuͤhren laſſen ein Eſelin ſamt dem Fuͤllein / und iſt der meiſten Lehrer Ausſag / daß er auf beeden ſeye geritten / das iſt / auf einem / und nachmals auf dem anderen / aber warumb diß? indeme der Weeg von Bethania gar nicht weit von Jeruſalem / alſo haͤtt ihn die Eſelin gar leicht alleinig koͤnnen tragen: Freylich wol / aber der HERR hatte ein Mitleyden mit dem armen Thier / und darumb hat er es wollen verſchnauffen laſſen / und nicht zu ſtarck uͤbertreiben.

Wann nun unſer Menſehlicher Leib nach Ausſag des Helli - gen Pachomii und des Seraphiſchen Franciſci nichts anders iſt / als ein Eſel / der ſich zu dem Dienſt GOttes brauchen laͤſſet / ſo iſt auch billich / daß wir denſelben zuweilen laſſen verſchnauffen / iſt recht / ja nothwendig / daß wir ihme auch einige Raſt und zulaͤſ - ſige Ergoͤtzlichkeit vergonnen / legt ſich doch zuweilen ein Hund nieder / und ſtrecket alle viere von ſich / nachdeme er ein Weil mit und vor ſeinen Herꝛn geloffen / damit er nachgehends den uͤbri - gen Weeg noch vollbringen moͤge: Pflegt man doch einen Wa - gen / ſo Berg auf gezogen wird / von hinderhalb mit einem groſ - ſen Stein oder Pruͤgel arreſtiren und auſ halten / biß unterdeſ - ſen die Pferd oder Ochſen verſchnauffen: Warumben ſoll ihme der Menſch / deſſen Leib von keinem Marmel oder Eiſen / nicht auch einige Raſt vergoͤnnen / zumalen GOtt ſelbſten / nachdem er die Welt / und alles in der Welt aus nichts erſchaffen / ihme einen Raſt-Tag gemacht hat / vermoͤg der H. Schrifft / die da ſagt / und er ruhete am ſiebenden Tag von allem Werck / das GOttGen. 2. erſchaffen hat.

J i i 2Weil436Judas hat Gott an keinem andern Ort verrothen /

Weil ein groſſe Theurung eingefallen / alſo muſte nothwen - diger Weis der Jſaac in ein anders Land gehen / wie er ſich dannGen. 26. nacher Gerara zu dem Abimelech begeben / weil aber ſein Frau die Rebecca ein inniglich ſchoͤnes Weibs Bild ware / alſo hat er ſol - che fuͤr ſeine Schweſter ausgeben / aus Forcht / wann er ſelbe ſolt fuͤr ſein Weib halten / daß nicht etwan ein oder der andere ſaubere Geſell daſelbſt / ihme moͤchte den Reſt geben / damit ſie hernach - mals er bekommen koͤnte; was iſt doch fuͤr ein Elend mit einem Weib / iſt ſie ſchaͤndlich / wuͤſt und ungeſtalt / ſo moͤcht einem ſelbſt darvor grauſen ab einem ſolchen Schmier-Kuͤbel: Jſt ſie ſchoͤn und wolgeſtalt / ſo iſt er vor denen Acceſſiſten nicht ſicher. Jndeme ſich nun Jſaac eine Zeitlang zu Gerara hat aufgehalten / da hat der Abimelech zum Fenſter hinaus geſchaut / und wahr ge - nommen / daß der Jſaac mit ſeiner Rebecca gantz freundlich ge - ſchertzet.

Lyranus ſchoͤpſſet aus dieſer Geſchicht eine ſittliche Lehr / und ſpricht: daß durch den Jſaac der Geiſt / oder die Seel / durch die Rebecca aber Caro, das Fleiſch / oder der Leib koͤnne verſtanden werden / weil dieſe beede zuſammen gehoͤren / benanntlich Leib und Seel / weil ſie / wie Jſaac und Rebecca mit einander hauſen muͤſ - ſen / ſo gehet es ſchon hin / ja es geſchicht recht und wol / wann zu - weilen der Geiſt den Leib / gleichwie Jſaac der Rebecca / auch ſchoͤn thut / und ihn in etwas liebkoſet / welches da geſchicht durch ein zulaͤſſige Ergoͤtzlichkeit.

Wie die Apoſteln auf ein Zeit zu unſerm HERRN von ihren Verrichtungen wieder ſeynd zuruck kommen / und alles umb - ſtaͤndig erzehlet / was ſie guts geſchafft haben / da hat ſie unſer Lieber HERR an ein einſames Ort / wo alles ſchoͤn gruͤn und an - nemlich war / gefaͤhret / und ihnen anbey befohlen / ſie ſollen einMarc. 6. Weil ruhen / pauſiren / verſchnanffen und ſich erquicken: Veni - te ſeorſum & requieſcite puſillum. Allzubekannt iſt jene Ge - ſchicht mit dem Heiligen Evangeliſten Joanne / welcher ſich eine zimliche Zeit in der Wuͤſten und Einoͤde aufgehalten / und daſelbſt allerley wnnderbarliche Offenbarungen von GOTT gehabt;zu437als in einem Garten.zu dieſem iſt auf ein Zeit ein Edelmann kommen / welcher ſich in dem dicken Gehoͤltz wegen des Wildbraͤts vergangen / und als die - ſer bey ſeiner Ankunfft wahrgenommen / daß gleich dazumalen die - ſer Eremit mit einem Reb-Huͤnnel geſchertzt / daſſelbe etlichmal uͤber den Rucken geſtriechen / und allerley Geſpaͤß mit dem Thierl gehabt / alſo kunte er ſich deſſen nicht genugfam verwunderen / fragt endlich den einſamen Wald-Bruder / wer er ſeye? und als er verommen / daß er der Joannes / ſo kame ihm ſolches noch ſel - tzamer vor / ich / ſagte er / habe allezeit vermeint / Joannes ſeye ein eingefleiſchter Engel / ſeye ein pur lautere Heiligkeit / ſeye ein Abriß vom Himmel ſelbſt / aber jetzt ſinde ich / daß er ein Menſch ſeye gleich mir und andern / jetzt ſihe ich / daß er nicht allezeit bette / betrachte / leſe und verzuckt ſeye / ſondern auch mit einem Geſpaͤß die Zeit vertreibe: Worauf Joannes die gute Domination den Naſenwitzigen Juncker befragt / was er auf dem Rucken trage? Er antwortet einen Bogen / was er darmit mache? Er ſagt / daß er ihn brauche zum Wildbraͤt ſchieſſen / warumb er ſolchen nicht allezeit geſpannet habe? Bey leib nicht / ſprach er / er wurde mir gar zu ſchwach / und folgſam untauglich / alſo muß ihn zuweilen nachlaſſen / gut ſagt der Heilige Mann / gar recht wiederhohlte der Heilige Joannes; auf ſolche Art iſt auch der Menſch genaturt und beſchaffen / wann er allzeit und ohne Unterlaß ſolt arbeiten / betten / betrachten / leſen / ſchreiben / ꝛc. ſo wurde der aus Laim zuſammen gebapte Leib ſo ſchwach / daß er ins kuͤnfftige untuͤchtig wurde zu allen Sachen / alſo iſt vonnoͤthen / daß man demſelben auch einige Ergoͤtzlichkeit vergoͤnne / ihme zu weilen einen zulaͤſſi - gen Geſpaͤß nicht verſage / und zu ſeiner Zeit in etwas verſchnauſ - ſen laſſe.

Unter andern / aber ehrlichen Ergoͤtzlichkeiten iſt faſt die be - ſte und bequemſte der Spatzier-Gang in einem Garten / allwo man mit en unter den Grillen / kan die Grillen vertreiben; mein Heiliger Vatter Auguſtinus nennet ſolche Unterhaltung in der grune / Innocentes delectationes, in dem 40. Pſalm / Unſchul -J i i 3dige438Judas hat Gott an keinem andern Ort verrathen / ꝛc.dige und ſchulde Beluſtigungen: So lang unſchuldig / wie lang bey den Roſen keine grobe Knoͤpff ſich einfinden: So lang unſchul - dig / wie lang hinter den Spallieren keine Spolierer anzutreffen ſeyn. So lang unſchuldig / wie lang die Blumen-Bettel zu kei - nen Mittel werden / ſo lang unſchuldig / wie lang bey den Nuß - Stauden kein Aergernuß geſchicht: ſo lang unſchuldig / wie lang der Calabri ohne Raben-Viech iſt: So lang unſchuldig / wie lang die Grotten / ohne freche Krotten bleiben: ſo lang unſchuldig / wie lang die Luſt-Haͤuſer keine Laſter-Haͤuſer werden: ſolang un - ſchuldig / ſo lang die Stauden ohne Stucken ſeynd; ſo lang un - ſchuldig / wie lang der Garten kein Jrꝛ-Garten wird. Innocen - tes delectationes, ſolche unſchuldige Erluſtigungen koͤnnen ge - ſchehen in dem ſchoͤnen Garten zu Saltzburg / in dem ſchoͤnen Gar - ten zu Feldſpurg / in dem ſchoͤnen Garten zu Olmuͤtz / in dem ſchoͤnen Garten zu Berlin / in dem ſchoͤnen Garten zu Dreßden / in dem ſchoͤnen Garten zu Darmſtadt / in dem ſchoͤnen Garten zu Pozau, in dem ſchoͤnen Garten zu Durchlach / in dem ſchoͤnen Garten zu Weinmar / in dem ſchoͤnen Garten zu Schlackenwerth / in dem ſchoͤnen Garten zu Aichſtett / zu Barreuth / ꝛc. Abſon - derlich in ſo vielen ſchoͤnen Gaͤrten umb die herꝛliche Wienn Stadt / in allen dieſen iſt ein ehrliche Ergoͤtzlichkeit / ein mannierliche Zeit - Vertreibung / ein wolgeberdige Unterhaltung zulaͤſſig und er - laubt / wann man nur nicht darinn GOtt beleidiget / wie Judas in dem Garten.

Judas439

Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn / wo die andern Apoſtel / als ſo liebe und werthe Gaͤſt geſſen / einen groben und un - geſchickten Pengelium ab - geben.

ABigail, eine aus den wackeriſten Weibern im Alten Teſta - ment / als ſie den begangenen Fehler ihres Manns des Na - bals verbeſſert / und die von ihme gemachte Scharten wie - derumb ausgeſchliffen / den David wieder mit ihrer guter Manier beſaͤnfftiget / den vorhero ihr Mann / als ein grober Knopff zim - lich in Harniſch gebracht / die Abigail hat im Angeſicht und Ge - genwart des Davids ihren Mann einen Narren genennet: Secun -1. Reg. c. 25. v. 25. dum nomen ſtultus eſt. Wann ſie ihn zugleich haͤtt einen gro - ben Pengel geheiſſen / ſo haͤtt ſie ihme gar nicht unrecht gethan: David war ſo hoͤflich gegen ihm / und der Geſell war ſo Flegelan - tiſch gegen den David. Die gantze heilige Schrifft beſchreibet kei - nen ſo groben Limmel / als dieſen Rabal / ꝛc. Aber ich finde / daß Judas Jſcarioth umb etliche Pfund groͤber geweſt / abſonderlich wie Unſer Lieber HERR bey der Tafel geſeſſen / wo er bald her - nach das hoͤchſte Altar-Geheimnuß hat eingeſetzt / dazumalen wa - ren die andere Apoſtolen ſo modeſt und hoͤflich / daß ſie aus den Schuͤſſelen geſſen / ſo vor ihnen geſtanden; Unſer Lieber HERR aber hatte ein beſondere Schuͤſſel und Speis vor ſeiner / in welche / Erbarkeit halber keiner aus den anweſenden Apoſtlen hat grieffen / auſſer des Judas: Dieſer Ehrvergeſſene und Gewiſſenloſe Geſell war anbey ſo grob und unverſchaͤmt / daß er das Brodt in der Schüſſel des HERRN eingedunckt: Qui mittit manum in pa -Matth. c. 25. ropſide. Deßgleichen iſt er ſo grob und ungeſchliffen geweſt / daß er auch nach dem Eſſen das gewoͤhnliche Gebet nicht verricht / ſon - dern nur das Maul gewiſcht und darvon gangen. Der Evange - liſt ſchreibt / daß die Juden im Garten mit Schwerdtern undStan -440Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn /Stangen haben den HERRN angetaſt cum gladiis & fuſtibus: Es iſt aber ein Pengel auch darbey geweſt / ja der Pengel iſt vor den Stangen daher gangen / benanntlich der Jſcarioth. Judas hat viel grobe Bruͤder bey der Tafel.

Hanns Peter mit dem Zunahmen Borg / ſonſt ein Kauff - Mann der mit Holtz-Wahr handlet / vulgò Schlegel / hat dieſe ſtraͤffliche Unmanier an ihm und haͤßliche Gewonheit / daß er alle - mal pflegt zum Eſſen gehen / ohne vorhergehenden Tiſch Gebett / welches fuͤrwahr einem Chriſten ſehr uͤbel anſtaͤndig / zumalen Tuͤr - cken und Heyden / bevor ſie zur Tafel ſitzen / ihr gewiſſes Gebet verrichten: Dieſen Geſellen kenn ich / du auch / und er auch / ließ nur den Zunahmen Borg zuruck / ſo heiſt es Grob. Es iſt gewiß die erſte Grobheit / ſo man bey der Tafel begehet / wann das Ge - bet ausgelaſſen wird.

Jacquerius cap. 8. erzehlet von der Zuſammenkunfft der He - xen / wie dann in ſeiner Gegenwart ſehr viel haben ausgeſagt / wann ſie der boͤſe Feind tractirt / und ihnen ein Frey-Tafel hal - tet / bey der er gemeiniglich verblendte Speiſen aufſetzt / und mehrmalen von einer Raben-Geſtetten und Schinder-Platz ſei - ne Trachten hernimmt / ſo muͤſſen ſie doch allemal / vor und nach der Tafel ihr Gebet verrichten / welches zwar nicht beſtehet in ei - nem Lob GOttes / ſondern vielmehr in Preiſung und Verehrung ihres Liebſten des leidigen Satans. Wann nun ſolches der ver - dammte Lucifer von ſeinen Gaͤſten erfordert / die er doch uͤberaus ſchlimm tractirt / wie viel mehr gebuͤhret es ſich / daß wir unſere Haͤnd auf heben zu GOTT / und ihn eiferigiſt bitten umb die taͤgliche Nahrung / ihn bitten / daß er uns das jenige / was auf die Tafel getragen wird / wolle dergeſtalten ſegnen und bene - deyen / damit es uns zur Geſundheit und Leibs-Nahrung gedeyen moͤge.

Der Heilige Chryſoſtomus dieſer groſſe Lehrer / nachdem er viel heilſames gehandlet hat von dem Tiſch Gebet Hom. 2. de ann. ſetzt endlich dieſe Wort hinzu: Ubi Precatio & gratiarum actio, eo Sancti Spiritus advenit gratia, & abiguntur -mones,441einen groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.mones, &c, Wo man vor und nach dem Eſſen pflegt fleiſſig zu betten / dort findet ſich die Gnad des H. Geiſtes ein / und wer - den die boͤſe Feind vertrieben. Gewiß iſt es / daß mehrmal die boͤſe Feind offt gantz unſichtbar / mehrmal aber in Geſtalt der kleinen Mucken und Fliegen auf die Speiſen und Schuͤſſeln ſitzen / und in allweg ſuchen dem Menſchen zu ſchaden / wie dann der - gleichen Geſchichten in der Menge beyzubringen waͤren / da et - liche in einer Speis / andere in einem Tranck den lebhafften boͤ - ſen Feind haben in ſich genommen.

Der Heiligmaͤſſige Mann Thomas Kempenſis erzehlet ſelbſt / daß zu Kampen ein Weib mit einem groſſen Krug ſeye auf den Marckt gangen / und daſelbſt fuͤr ſich und die ihrige ein Milch einkaufft / wie ſie nun unterwegs nach Haus ein Durſt ankommen / ſo hat ſie ſich niedergeſetzt / des Willens / einen guten Trunck zu thun / als ſie aber zuvor das heilige Creutz-Zei - chen daruͤber gemacht / da iſt augenblicklich dem Krug mit groſ - ſem Krachen der Boden ausgebrochen / dergeſtalten / daß alle Milch auf die Erden gefallen / woraus man augenſcheinlich kon - te muthmaſſen und wahrnehmen / daß ſie gar gewiß / dafern das Creutz-Zeichen waͤre ausgelaſſen worden / haͤtte den boͤſen Feind hinein getruncken. Geſetzt aber / daß nicht allemal der ver - dammte Boͤswicht / zumalen es oͤffter die Goͤttliche Guͤtigkeit verbietet / durch die Speis und Tranck in den Menſchen ein - faͤhrt / ſo pflegt er doch meiſtens die Speiſen alſo verungeſun - den / daß ſie gar offt den Menſchen zu Leib und Seel ſchaͤdlich fal - len. Thom. 3. part. Serm. ad nov. Serm. Allem ſolchen Ubel vorzukehren / iſt nichts rathſamers als das Heilige Gebet vor dem Tiſch / abiguntur dæmones, Krafft deſſen ſolche Feind vertrieben / und all dero Macht vernichtet wird.

In Malleo Malefic. P. 2. C. 3. iſt zu leſen / daß eines ſehr reichen und wolhabenden Manns ſein Weib ein Hex geweſt / welche oͤffters bey naͤchtlicher Weil auf der Teuffels-Poſt zu ih - rem Tummel-Platz und Zuſammenkunfft gefahren / nachdemePars IV. K k kſolches442Jndas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn /ſolches der Mann mercklich wargenommen / und ihr ernſthafft getrohet / daß er ſie wolle bey gehoͤrigen Gericht andeuten / wo - fern ſie ihn nicht wolle mit ſich fuͤhren / dem ſie es auch / jedoch mit Erlaubnuß ihres ſchwartzen Geſpons / willfaͤhrig zugeſagt / auch gleich den andern Tag das ſchoͤne Fuhr-Werck angeſtellt / als nun der Mann an gedachten Ort angelangt / und gleich zu der ſtattlichen Tafel / als ein fremb der Gaſt / geſetzt worden / da hat ihme zwar die Menge der Trachten nicht uͤbel gefallen / allein es dunckten ihm die Speiſen mehriſten Theil gar abge - ſchmack zu ſeyn / begehrte demnach oͤffter ein Saltz / und ob es zwar dißfalls zimlich langſam hergangen / ſo iſt doch endlich ei - nes aufgeſetzt worden / worinn er alſobald mit dem Meſſer ge - griffen / und zugleich geſagt / GOtt ſey Lob / weil nur einmal ein Saltz vorhanden / kaum / daß er dieſe kurtze Wort ausge - redt / da ıſt alſobald alles verſchwunden / und er nackend und bloß auf einem aus gedorꝛten Huͤgel geſeſſen / als er nachmals ei - nige Hirten daſelbſt gefragt / an was fuͤr einem Ort er ſeye? be - kam er die Antwort / daß unweit darvon die Stadt Benevent in dem Koͤnigreich Neapel entlegen / und folgſam hundert welſche Meil von ſeinem Vatterland / ꝛc. dieſe ſchlimme Hex hat nachge - hends den verdienten Lohn empfangen.

Wann dann der boͤſe unnd hoͤlliſche Feind ſo gar die drey kurtze Woͤrtl / GOtt ſey Lob / nicht hat koͤnnen gedulten / ſon - dern ſich derenthalben in die Flucht begeben / wie viel weniger hat er ſtatt und Platz bey der Tafel / wo man eines und andere ſchoͤ - ne Tiſch-Gebet verricht / wo Vatter und Mutter / wo Soͤhn und Toͤchter / wo Diener und Ehehalten mit aufgehebten Haͤn - den umb den Tiſch ſtehen / und umb den Goͤttlichen Seegen mit lauter und heller Stimm bitten / da muß freylich des boͤſen Fein - des Gewalt aller zu Waſſer werden / da ſpendirt der Himmel von oben herab eben den jenigen Seegen / den er geben hat uͤber den Tiſch des Abrahams / wie er die drey Frembdling gaſtie - ret: Eben den jenigen Seegen / den er geben hat uͤber das Koch /mit443einen groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.mit deme der Habacuc den Daniel in der Loͤwen-Gruben geſpeiſt hat: Eben den jenigen Seegen / den er mitgetheilet hat dem Eliſæo / wie er ſeine Freund auf dem Acker mit Schlachtung zwey Maſt-Ochſentractirt hat / eben den jenigen Seegen / den er ge|chickt hat uͤber die fuͤnff Gerſten Brodt und zween Fiſchen / wormit der HERR JESUS fuͤnff tauſend Maͤnner ge - ſaͤttiget / da heiſt es eigentlich / Geſeng GOTT / Deus bene - dicat, conducat.

Majolus erzehlet ein gar artliches Geſchicht / einer mit Na - men Joannes Nolleus ſeines Stands ein vermoͤglicher Bauer / aber dem ſteten Schlemmen und Luder-Leben alſo ergeben / daß bereits ſein Haus-Wirthſchafft ein mercklichen Schaden gelit - ten / nachdem ſolcher auf eine Zeit etliche Tag mit der naſſen Burſch im Wirthshaus zugehracht / und zimlich berauſchter nacher Haus kommen / da wolt er / unangeſehen es ſchon ſpat in der Nacht / noch kurtzumb zu Eſſen haben / welches dann ihme das ungedultige Weib mehrers Ubel zu vermeiden / nicht abge - ſchlagen / als nun das Eſſen auf den Tiſch geſtanden / da wolt er in allweg / es ſoll Weib und Kinder zu ihm ſitzen / welches ſie aber ihm gaͤntzlich geweigert / mit Beyſetzung etlicher Schmaͤl-Wort / daß er mit ſeinem unmaͤſſigen Leben alles das Seinige anwehre und verzehre / wolt ihr nicht / ſagt er weiter / mit mir zu Nacht eſ - ſen / ſo kommen dann ſo viel Teuffel / als euer allhier in der Stu - ben ſeyn / und nehmen mit mir das Nachtmahl ein / kaum war das ausgeredt / ſo ſeynd alſobald ſieben hoͤlliſche Larven und ab - ſcheuliche boͤſe Feind bey dem Tiſch geſtanden / welche mit feurigen Augen den berauſchten Weinſchlauch angeſchaut / uͤber welches er dann faſt halb todt und gantz Redlos worden / nachdem er ſich wieder in etwas erholt / ſo fragt er gantz behertzhafft / was ſie hier zu thun haben? er bekommt die Antwort: daß ſie von ihme zu dem Nachtmahl geladen ſeyn / wolan ſagt er weiter / wann ihr doch Luſt habt zu eſſen / ſo waſcht aufs wenigiſt ihr grobe Flegel die Haͤnd / als die voller Wuſt und Unflath ſeynd / dieſe kommenK k k 2deme444Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn /deme alſobald nach / und ſetzten ſich folgſam zum Tiſch / und wolten allbereits in die Schuͤſſel greiffen / Holla! ſchreit der Bauer / ihr ungeſchliffene Toͤlpel / wiſt ihr dann nicht / daß man zuvor ſoll das Vatter unſer betten / welches unſer HERRMajol. in dieb. Ca - nic. f. 736 JESUS Chriſtus hat eingeſtellt / unterdeſſen hat das Weib / ſo dem gantzen Spectacul gegenwaͤrtig / inniglich zu GOtt ge - ruffen / daß er ihr Haus doch moͤcht von dieſen Gaͤſten frey ma - chen: Der Bauer begehrte mehrmal und oͤffter / ſie ſollen / wann ſie ja wollen vor lieb nehmen / das Vatter Unſer betten / welches der HERR JESUS vorgeſchrieben / oder ſie ſol - len ſich zum Haus hinaus keyen / woruͤber dann dieſe verdamm - te Geiſter / umb weilen der Namen JESUS und das Tiſch Gebet ihnen ſo offt zu Ohren kommen / gaͤntzlich verſchwun - den / auſſer einen der ſich hinder den Ofenretirirt / den aber der Baur ohn einige Forcht gantz trotzig angeredet / wie daß er ihn nicht geladen habe / daß er ſoll hinder dem Ofenhocken / ſondern er ſoll ſich zum Tiſch ſetzen / aber vorhero / wie es in ſeinem Haus gebraͤuchig / auch das Tiſch-Gebett verrichten / weil er aber hieruͤber kein Antwort konnt erhalten / alſo ſtunde der Baur auf / ergreifft die Gunckel ſeines Weibs und ſchlaͤgt auf den Teuffel zu / uͤber welches er dann auch verſchwunden / aber ei - nen unleidentlichen Geſtanck hinterlaſſen / daß Mann und Weib ein Zeitlang derentwegen ein groſſe Kranckheit muſten ausſtehen.

Aus allen dieſen iſt unſchwer abzunehmen / wie abhold der boͤſe Feind dem Gebet ſeye / welches die ſterbliche und menſchliche Adams Kinder vor dem Eſſen pflegen zu verrichten. Neben dieſem ſchreibt ferners obangezogener Heiliger Chry ſoſtomus:Fol. ut ſupr. Convivium quod à præcatione cepta in præcationem deſinit, nunquam deficit, ſed quovis fonte uberius nobis omnia affe - ret bona: Wann man das Eſſen mit dem Gebet anfangt / und mit dem Gebett endet / ſo wird man ſehen / daß uns GOTT ſeinen Seegen augenſcheinlich werde mittheilen; man wird ſpuͤhren / daß der Traͤidt auf dem Kaſten / der Wein in Kel -ler /445ein groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.ler / das Schmaltz in der Teſſen / das Saltz im Kuͤffel / das Brodt in der Schabladen / und benanntlich alle andere Lebens - Mittel werden laͤnger tauren und bleiben. So muß dann der - jenige wol ein grober Knopff ſeyn / der unſern lieben HErꝛn nicht vor dem Eſſen bittet / der uns ſo freygebig mit Speis und Tranck verſicht.

Hanns Morgenſau mit dem Zunamen / ein Leinweber zu Puͤffelshauſen hat ein zimlichen Vorrath von allerhand Lein - wath / aber lauter grobe / dieſer hat ein ſpoͤttliche Manier an ihm / daß er beym Tiſch allzeit der erſte in der Schuͤſſel / und nicht kan erſaͤttiget werden: Dieſen Schlencken kennen wir alle / und ihr alle / und ſie alle / er heiſt Hanns Cras Sus, und diß die andere Grodheit / Craſſities, die man bey der Tafel begehen kan. Wunder uͤber Wunder hat GOtt der Allmaͤchtige ge - wuͤrcket mit dem Volck Jſrael / wie er daſſelbe von der harten Dienſtbarkeit des Egyptiſchen Koͤnigs Pharaonis gezogen; Wunder uͤber Wunder! Wie dann beym Tag allezeit als ein Schattenreiche Wolcken ober ihnen thaͤte ſchweben / damit ſie nicht zu viel von der uͤbermaͤſſigen Sonnen-Hitz moͤchten leyden / bey der Nacht aber / wie ein feurige Wolcken voran gangen / und nicht anderſt / als ein Diener / als ein Laggey mit einer Tor - ſchen oder Fackel voran geleuchtet.

Wunder uͤber Wunder / indeme durch ſondere Goͤttliche Huͤlff gantzer viertzig Jahr dem geſamten Volck nicht ein Faden an den Kleidern zerriſſen; ſie brauchten viertzig gantzer Jahr keinen Schneider / viertzig gantzer Jahr keinen Schuſter / vier - tzig gantzer Jahr keinen Weber / viertzig gantzer Jahr keinen Kirſchner / viertzig gantzer Jahr keine Naͤderin / viertzig gan - tzer Jahr keine Waͤſcherin / dann alles bliebe ſchoͤn / ſauber / gantz / alſo daß der Haderlumper bey ihnen keine Wahren zu kauffen haͤtte / ja ſo gar die Kleider ſind mit den Kinderen ge - wachſen.

Wunder uͤber Wunder! wie Moyſes mit ſeiner ſo viel wuͤr - ckenden Ruthen aus dem harten Felſen ein ſo friſchen GeſengK k k 3GOtt446Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛnGOTT heraus gelockt / conſequente eos Petra, und iſt ſol - cher Felſen ſtets mit ihnen gemarſchiret / daß / wo ſie ſeynd an ei - nen Ort kommen / ſie allzeit mit einem friſchen Trunck verſehen geweſt.

Wunder uͤber Wunder! wie ihnen GOtt auf ihr muth - williges Begehren ein ſolche Menge der Wachteln geſchickt / daß unangeſehen deren drey Million / das iſt / dreyſſigmal hundert tauſend Menſchen geweſt / und ſo ein jeder alle Tag vier - und viertzig Wachteln haͤtte verzehrt / gleichwol ein gantzes Monat haͤtte kleckt.

Wunder uͤber Wunder! wie ſie nachgehends verſchuld - ter maſſen der gerechte GOtt mit ſo vielen Schlangen geplagt / und ſie von dero Biſſen dergeſtalten erhitzt worden / daß ſie vor Durſt muſten ſterben / ſo bald aber Moyſes von Metall oder Ertz ein Schlang gieſſen laſſen / und ſelbige erhoͤcht / ſo dazumal ſchon war ein Figur und Vorbildung des gecreutzigten JESU / ſo ſeynd alle Menſchen durch das bloſſe Anſchauen beſagter Schlangen wieder geſund worden.

Unter anderem Wunder dazumal in der Wuͤſten / war nicht das germgſte das ſo haͤuffige und wolgeſchmache Manna oder Himmelbrodt / mit deme ſie GOtt von oben herab geſpeiſt / und ſie ſolches alle Tag / den Sambſtag ausgenommen / in der Fruͤhe muſten ſammlen / und gar wunderlich iſt diß / daß etliche gefraͤſſige Geſellen ſo viel geſammlet / daß ſie glaubten / es ſeye mehr als ein Strich oder Land Metzen / etliche aber ſo wenig / daß ſie vermeinten / es ſeye kaum ein halbes Pfund / wann es aber zum Maͤſſen kommen / ſo haben ſie nicht ohne Verwunderung gefunden / daß einer ſo viel habe als der andere / ein jeder die Mas /Exod. 16. v. 32. benanntlich / Gomor / bey dieſer Mas muſten ſie bleiben: GOtt hat ihnen gern vergoͤnnt das Eſſen / hat es ihnen von Hertzen ge - ſegnet / aber das Manna muſte genoſſen werden mit einer Ma - nier / mit einer Mas / nicht mit einer Unmaͤſſigkeit.

Eſſen gehet hin / aber nicht alſo ſchlicken wie der Wallſiſch / ſo den Jonas auf ein Brocken zu ſich genommen: Trincken ge -het447einen groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.het hin / aber man muß nicht werden / wie dazumal der Himmel geweſt / als GOtt denſelben dem Abraham gezeigt: Numera Stellas, &c. Sihe hinauf gen Himmel / und zehle die Stern / wo du kanſt. Gen. c. 15. dazumalen war der Himmel Stern / voll. Eſſen gehet hin / aber nicht wie jene duͤrre Rinder in demGen. 41. Traum Pharaonis / ſo ſieben fette Ochſen auf einmal verzehrt haben. Trincken gehet hin / nicht aber wie jene Bediente bey der Hochzeit zu Cana Gallilæa / welche die Kruͤg alſo angeſuͤllt / uſque ad Summum, daß nicht ein Tropffen mehr hinein gan - gen. Eſſen gehet hin / aber nicht wie die Jſraeliter / welche ihre Wanderbindel in Egypten alſo angefuͤllt und angeſchoppt / daß ſie es kaum konten zubinden. Trincken gehet hin / aber nicht wieJud. 7. jene Soldaten des Kriegs-Fuͤrſten Gedconis / ſo ſich gar auf die Wampen niedergelegt / und aus dem Fluß getruncken. Eſſen gehet hin / aber nicht wie jene Schiffmacher zu Saltzburg / ſo von fruͤhe an / biß auf die Nacht allzeit ſchoppen / und darumben die Schopper genennt werden. Trincken gehet hin / aber nicht wie ein Muͤhlrad / ſo den gantzen Tag will naß haben. Eſſen gehet hin / aber nicht wie jenes wildes Thier / von dem Jonſtonus ſchrei - bet / welches ſich zwiſchen zweyen engen Baͤumen durchzwingt / und alſo den Unflath von ſich treibt / damit es wieder einen leeren Bauch zum Freſſen gewinne. Eſſen und Trincken gehet hin / aber alles mit Manier / mit Maß / mit Maß / mit Manier.

Wie Unſer Lieber HErꝛ die Apoſtel ausgeſandt hat / das H. Evangelium zu predigen / da hat er ihnen unter ſchiedliche Re - gel und Weis vorgeſchrieben / wie ſie ſich ſollen halten / unter an - deren gab er auch dieſe Lehr / wann ihr in ein Haus hinein gehet / und thut warnehmen / daß ihr angenehm und willkomm ſeyet / ſo eſſet / was man euch aufſetzt: Manducate, quæ opponuntur vobis, &c. Er hat ihnen nicht vorgeſchrieben / daß ſie lauter Kraut / Erbes oder Linſen ſollen eſſen / ſondern was man euch auf - ſetzt / wie es meinen Juͤngern / Apoſtlen und Nachfolgern wol anſtehet / wanns auch gute Schnapp-Buͤſſeln ſollen ſeyn; eſſet wie es meinen lieben Dienern wol anſtehet / ich vergoͤnne euchs /aber448Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛnaber mit Manier / mit einer Mas / was die Nothdurfft erfordert / was euch geſund und gedeilich iſt.

Ein Grobheit iſt es / wann einer ſo viel Speis in Bauch nimmt / als das Trojaniſche Pferd Speis im Bauch gehabt: Ein Grobheit iſt es / wann einem das Maul ſo ſchmutzig / wie das Wammes eines Fleckſieders: Ein Grobheit iſt es / wann einer Magen halber / kan eit. Magis[-]ter genennt werden: Ein Grobheit iſt es / wann einem das Maul beſchaffen / wie ein Margetaͤnter-Kuchel: Ein Grobheit iſt es / wann einer beede Backen zuricht / daß ſie zween Schmeerleib gleich ſehen: Ein Grobheit iſt geweſt / wie jener ein gantzen kaͤlberen Schlaͤgel auf ſeinen Teller heraus genommen / und wie ihm nachmals ſol - cher durch ſein ungeſchickte Weis unter den Tiſch gefallen / ſo hat einer aus den Gaͤſten aufgeſchrien / man ſoll acht haben / damit die Hund nicht daruͤber kommen / worauf dieſer Penge - lius alſobald geantwortet / es ſeye derentwegen kein Gefahr / dann er trette ſchon mit dem Fuß darauf. Ein Grobheit iſt ge - weſt / als man einen Butter auf die Tafel getragen / und der Meiſter gar manierlich etwas davon geſchnitten / welchem der Geſell gleich nachgefolget / und auf der andern Seiten / weil er ihme entgegen geſeſſen / auch ein Portion hinweg genommen / der Meiſter aber ermahnte ihn / er ſoll auf der Seiten abſchnei - den / wo er abgeſchnitten / es iſt nicht vonnoͤthen ſagte der Ge - ſell / wir wollen ohne das ſchon zuſammen kommen / ꝛc. er wolt halt den Butter gar verzehren. Ein Grobheit iſt es / wann man in die Schieſſeln und Speiſen faͤllt / wie die Laſterhaffte Hebreer Chriſtum den HErꝛn haben im Garten angefallen / wo ohne alle Ehr und Manier einer da / der ander dort mit Gewalt an - gegriffen.

Michael / mit dem Zunamen der Taurhafft / ſeiner Pro - feſſion nach ein Gauckler / hat die Art an ſich / daß er mehren - theils ſein Kunſt beym eſſen und trincken probirt / vorder iſt aber ziecht er allerley Sachen aus dem Maul heraus / bald ſpeyet der wilde Dieb ein Scheer / bald etliche Ellen Baͤndel / bald etlichehun -449einen groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.hundert Spenn-Nadlen und Gluffen / bald ein Brocken Bech / pfuy / ꝛc. Jch weiß wer dieſer iſt / Taurhafft / will ſo viel ſagen / als grob. Durch die Scheer verſtehe ich / Ehrabſchneideriſche Woͤrter. Durch die Baͤndel allerley Verknuͤpffung. Durch die Spennadel oder Gluffen / allerley Stich-Woͤrter. Durch das Pech allerley Zotten und wuͤſte Reden. Dergleichen Sachen aus dem Maul geben / iſt die dritte Grobheit bey der Tafel.

Bey der Tafel und einer ehrlichen Mahlzert das Fleiſch traͤn - ſchieren / geht noch hin / aber zugleich auch die Leut / wie es nur gar offt geſchicht / das iſt GOTT hoͤchſtens mißfaͤllig. Sam - ſon hat unweit der Stadt Tamnatha, naͤchſt an einem Wein-Gar - ten einen Loͤwen angetroffen / welchen er gantz behertzhafft / obſchon aller Wehr und Waffen entbloͤſt / alſobald angefallen / und ihme gleich einem jungen Kitzel oder Geiß-Boͤckel den Hals umbgerieben / wie er nachmals denſelben Weeg wieder zuruck genommen / da fan - de er einen Bienen-Schwarm in dem Mund des Loͤwens / und zugleich zimlich viel Honig / worvon er etwas gekoſt / einen Theil ſeinen Eltern mitgebracht / ſeiner Liebſten wird er nicht vergeſſen haben; dann die Weiber ſchlecken ohne das gern was ſuͤſſes. Als hernach Samſon bey einer Mahlzeit / die ihme ſein Vatter zu - richten laſſen / ſich eingefunden / worbey auch dreyſſig Philiſteer geſeſſen / ſo hat er dieſen ein Raͤthſel aufgegeben / mit dem Ge - ding / daß / wann ſie ihm ſolches innerhalb etlichen Tagen wer - den aufloͤſen / ſo wolle er ihnen dreyſſig Kleider ſpendiren / wo nicht / ſo hoffe er ſolche von ihnen zu bekommen. Gut; man iſt zu frieden / das Raͤthſel war dieſes: De comedente exivit cibus, &c. Judic. c. 14. v. 14.Von dem Eſſenden iſt ein Speis ausgangen / und eine Suͤſſigkeit iſt ausgangen von dem Starcken. Sie kundten das gar nicht faſſen / nicht mercken / nicht verſtehen / daß von einem Eſſenden koͤnne ein Speis ausgehen. Samſon aber verſtunde hierdurch das jenige / wie er nemlich in dem Mund des Todten Loͤwens ein Hoͤ - nig gefunden.

Das iſt gar nichts neues / das erfahrt man alle Tag / wenig Mahlzeiten ſeynd anzutreffen / wo nicht von den Eſſenden undPars. IV. L l lTrin -450Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn /Trinckenden ein Speis aus dem Mund gehet / de comedenti - bus exit cibus. Aber was fuͤr ein Speis? Bradwuͤrſt? Nein. Bafeſſen? Nein. Kraut? Nein. Ein Braͤtel? Nein. Speck - Knedel? Nein. Kuͤchel oder Krapffen? Nein. Fiſch oder Fleiſch? Nein. Nudel oder Stertz? Das gar nicht. Was dann? Es wirds hart einer errathen: de commedentibus exit cibus, &c. Jch ſage es endlich / und ſage die Warheit: exit cibus. Wo man iſſet und trinckt / da gehen gemeiniglich Fleck aus dem Mund. Fleck / ja Fleck. O wie manchen thut man bey der Tafel die Ehr abſchneiden / und haͤngt ihme einen Schand Flecken an. Keine Kudel-Fleck / ſondern Schand-Fleck kommen aus ſolchen Maͤulern.

Bey dem Evangeliſten Marco am 7. Capitel / ſeynd dieſe Wort zu leſen: Als er abermal aus den Graͤnitzen Tyri gieng / kam er durch Sydon an das Gallilœiſche Meer / mitten in die Graͤntzen der zehen Staͤdt; Und ſie fuͤhrten einen zu Jhm / der taub und ſtumm war / und baten Jhn / daß Er die Hand auf ihn legte / und er nahm ihn von dem Volck beſonder / und legt ihm ſeine Finger in ſeine Ohren / und Er ſpeyet aus / und beruͤhrte ſei - ne Zunge / und Er ſahe hinauf gegen Himmel / ſeufftzete / und ſprach zu ihm: Ephphata, das iſt: Thue dich auf / und alſobald wur - den ſeinen Ohren aufgethan / und das Band ſeiner Zungen wur - de los.

Das war ein groſſes Miracul / ein herꝛliches Wunder - Werck / ein ſtattliche That von unſerm lieben HERRN. Und ob er ihnen ſchon verbotten / ſie ſolten dieſes niemand ſagen / aber je mehr er es ihnen verbotten / je mehr haben ſie es ausgebreit / und allenthalben kundbar gemacht. Der Teuffel will meiſtens ein Aff ſeyn des Allerhoͤchſten / und ihme alles nachthun / abſonderlich erſt gedachtes Miracul. Wenig Taflen und Mahl-Zeiten werden anzutreffen ſeyn / wo nicht der boͤſe Feind oͤffter das Wort Eph - phata wiederholet / das iſt ſo viel / als thue dich auf. Wenig Ti - ſche ſeynd zu finden / wo er nicht auch die Band der Zungen los macht / aber Gottlos / Ehrlos / Gewiſſenlos; wenig Gaſtereyen wird man zehlen / wo man nicht allein das Fleiſch / ſondern auch dieLeut451einen groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.Leut thut tranchiren; Cambletes ein Koͤnig der Lydier hat ſein Weib umbgebracht / und dieſelbe in einer Nacht voͤllig geſſen und aufgezehrt. Obſchon dermalen ſolche Zeiten ſepn / wo ein Menſch den andern nicht pflegte fuͤr ein Speis zu genieſſen: aber bey Tra - ctamenten und Mahlzeiten wird es ſelten ablauffen / daß nicht einer dem andern unter die Zaͤhn kommet. Es iſt ein Kraut / das heiſt man Ochſenzungen / das iſt gut und heylſam. Es iſt ein anders Kraut / das man heiſt / Hirſch-Zungen / das iſt gut / und heilt die Wunden: Aber Menſchen-Zungen machen Wunden / und abſonderlich beym Eſſen. Jn einer jeden Waag findt ſich in der Mitten ein Zung / dieſe aber wird niemalen dorthin wenden / wo das wenigere und leichtere Gewicht iſt. Menſchen-Zungen ſeynd viel anderſt genaturt und beſchaffen / gemeiniglich werden ſie einen angreiffen / bey dem etwan ein Abgang und kleiner Mangel iſt / dieſe muͤſſen ſchon bey der Tafel leyden und herhalten / und glaubt man ſchon / das Eſſen ſeye nicht geſchmach / wo man nicht abge - ſchmach von andern reden thut.

Nicht weniger iſt es auch ein Grobheit / wann man bey der Tafel mit groben und aͤrgerlichen Worten und Zotten hervor bricht. Wild ware die Mahlzeit des verlornen Sohns / und ich haͤtte von ihm gewiß kein Beſcheid-Eſſen verlangt / wie er mit den Schwei - nen iſt in die Koſt gangen. Aber ein Tafel oder ein Gaſtmahl iſt nicht weniger Sauiſch / wo man ſo unflaͤtige und aller Ehrbarkeit zuwider geſetzte Reden / auf die Bahn bringt. Jn dem Haus Si - monis Leproſi war ein Mahlzeit / worbey auch Unſer Lieber HERR erſchienen / zu dieſer Mahlzeit hat Maria Magdalena ein ſo koſtbare und wolriechende Salben gebracht / daß hiervon das gantze Haus einen wunderſchoͤnen Geruch bekommen. Aber bey manchem Eſſen bringt man ſo beſchmirte Sachen vor / daß das gantze Zimmer darvon ſtinckt / und nicht ſelten der zarten Jugend einen Anlaß gibt zu allen uͤbel und boͤſen Anmuthungen.

Es ſeynd auch alle Stich - und Schmach-Reden bey einer ehr - lichen Tafel auf das muͤglichſte zu meiden / aus dem mehrentheils viel Zanck und Zweytracht zuentſtehen pfleget. Marci am 4. Ca -L l l 2pitel452Jndas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn /pitel ſtehet geſchrieben / daß ein guter Haus-Wirth ſeye auf ſeine Felder hinaus gangen zu ſaͤen / und indeme er faͤet / fiel ein Theil auf den Weeg / da kamen die Voͤgel des Himmels und fraſſen denſelben: Wann die Voͤgel des Himmels ſo groſſen Schaden thun / was werden wol die Galgen Voͤgel und Ertz-Voͤgel thun? Ein anderer Theil fiel auf einen ſteinigten und felſigten Grund / da es wenig Erden hatte / und darumb iſt es bald verdorret / kaum daß es aufgangen. Der dritte Theil des guten Saamens fiel un - ter die Doͤrner / dieſe erſtickten denſelben. Die Stich-Woͤrter / ſo etliche beym Eſſen und Trincken im Brauch haben / ſeynd natuͤr - lich wie die ſtechende Doͤrner / ſo auch viel Unheil verurſachen / und manchen / der Ehrſam iſt / nicht ein wenig beleidigen. An den flechenden Doͤrnern haben vielen keine Roſen getragen. Man ſagt ſonſt / der Stich blut nicht; aber man weiß doch / daß mehr - malen dergleichen Stich-Woͤrter die Schwerdter entbloͤſt haben / und viel Blut vergoſſen.

Jch weiß mich ſelbſten zu entſinnen / daß bey einer Tafel / allwo mehr ehrliche Gaͤſt waren / einer ſeinem Naͤchſten eines zu - gebracht / und ihn zugleich bey der Hand genommen / weil aber dieſelbe ihn etwas hart und grob gedunckte / alſo ſagte er: Bru - der! du haſt ſo grobe Haͤnd wie ein Dreſcher / worauf der andere geſchwind zur Antwort gab: Ja freylich / bin ich jetzt ein Dreſcher / dann ich halte den Flegel nun wuͤrcklich bey der Hand / und weil er den Geſellen zugleich bey der Hand gehalten / alſo vermerckte derſel - be wol / daß ſolches Bauern-Prædicat ihn angangen / dahero bald in ſolche Wort-Wechslung und Zweitracht gerathen / daß beede nicht ohne blutige Koͤpff nacher Haus gangen. Solchen a - der / die ihre Zunge zu einem Schwerdt machen / und eim und dem andern darmit verwunden / ſoll man ſagen / was da geſagt unſer HERR und Heyland dem Petro / wie er den Malchum zwiſchen die Ohren gehaut: Converte gladium tuum in locum ſuum. Steck das Schwerd an ſein Ort.

Chriſtoph Wacker / Veit Limmel / und Barthlme Ziegl ſitzen an einer Tafel beym Eſſen / aber es iſt einer ſo grob und peng -liſch453ein groben und ungeſchickten Pengelium obgeben.liſch wie der andere. Chriſtoph Wacker / iſt wol nicht wie ein Acker / dann dieſer iſt gleichwol danckbar / wann ihm der Bauers - Mann ein Koͤrnl Traidt ſpendirt / ſo bezahlt er ſolches mehr als dreyſſigfaͤltig wieder. Veit Limmel / iſt wol nicht wie der Him - mel / dann ſolcher rechtſchaffen danckbar iſt / ſo er etwan einige Daͤmpff und Feuchtigkeiten von der Erden bekommt / ſo erwiedert er es mit einem fruchtbaren Regen. Bartholomœ Ziegel / iſt wol nicht wie ein Spiegel / dann dieſer gar manierlich-danckbar / ſo man ihm etwas prœſentirt / ſo gibt ers wieder zuruck. Dieſe drey ungeberdige Schliffel werden woloͤffter zum Tafel gehen / und ſich nach gnuͤgen erſaͤttigen / aber ſie ſtehen allemal auf ohne einige Danckſagung oder Gebet / nicht ungleich den Schweinen / denen jemand die Aicheln von dem Baum ſchuͤttelt / ſie aber immerſort freſſen und naſchen / und doch nicht einmal in die Hoͤhe ſchauen / woher ihnen dieſes ſo werthe Confect kommet. O wie ſchaͤndlich und ungeformt ſtehet es / wann man gleich nach dem Tiſch nur das Maul wiſcht / und nicht einmal danckbar iſt umb die liebe Got - tes-Gab. Bey gar vielen Edel-Leuten hab ich wahrgenommen / daß zu End der Tafel nichts anders im Brauch / als dieſe Wort: Hebts auf / die Karten her / ꝛc. Der ſaubere Pamphilius / gelangt weit ehender zur Audientz / als das gebuͤhrende Deo Gratias.

Der Tarſenſiſche Prediger Paulus ſchreibt in der neundten Epiſtel zu den Hebreern / wie daß alles geſammte Volck Jſrael ſtaͤts ein guldenen Bunds Kaſten oder Archen mit ſich gefuͤhrt / worinnen die Tafeln der Zehen Gebot / die Wunder-Ruthen Aa - ronis / und das Manna oder Himmelbrodt in einem guldenen Ge - ſchirꝛ aufbehalten worden. Das Manna aber derenthalben / umb weilen ſelbiges ſie viertzig Jahr in der Wuͤſten genoſſen / damit ſie allzeit ſollen der Goͤttlichen Majeſtaͤt dancken / ſo ihn dieſes Him - melbrodt ſo ſteygebig geſpendiret hat / zumalen ſeinen Goͤttlichen Augen hoͤchſtens mıfaͤllet / wann man umb das taͤgliche Brodt und Nahrung nicht ſchuldigen Danck ſagt. Hat uns doch dißfalls der Heyland ſelbſt mit ſeinem Exempel ein Lehr geben / als welcherL l l 3nach454Jndas Jſcarioth hat bey der Taſel des HErꝛn /nach dem Eſſen und letzten Abendmahl mit ſingen und betten ſeinem Himmliſchen Vatter gedanckt / dahingegen der grobe und unver - ſchaͤmte Jſcarioth nur das Maul gewiſcht / und ohne Gebet von der Tafel gangen. Hymno dico, &c.

Nach dem Jacob die wunderbarliche Leiter gen Himmel geſe - hen / und zugleich unterſchiedliche Goͤttliche Geheimnuſſen / da hat er ſich derenthalben gegen dem Hoͤchſten demuͤthigiſt bedanckt /Geu. c. 21 und weil er ſahe / daß er noch einen weiten Weeg nacher Haus ha - be / alſo hat er ſich in den Schutz des Allerhoͤchſten GOttes beſter - maſſen befohlen / und anbey ſich alſo verlauten laſſen / ſo GOTT wird mit mir ſeyn / und mich behuͤten auf dem Weeg / darauf ich wandle / und mir geben Brodt zu eſſen / und Kleider anzuziehen / alsdann / O mein GOtt / will ich dir von allen / was du mir geben wirſt / den Zehenden opffern.

Jacob wolte nicht undanckbar ſeyn GOtt dem HERRN umb das Brodt / und taͤgliche Nahrung. Jſt doch eine Henne danckbar / und ſchaut nach einem Tropffen Waſſer / den ſie trinckt / gegen Himmel hinauf. Jſt doch ein Lerchen danckbar / und wird allemal vor und nach dem Eſſen ſich empor ſchwingen / und mit ih - rem annemlichen Feld-Flettel GOTT den HERRN bene - deyen und loben / und ſoll dann der Menſch / welcher alle Tag ſo haͤuffige Gutthaten von oben herab erhaͤlt / den der vorſichtigiſte GOTT taͤglich mit Speis und Tranck verſihet / ſo undanckbar koͤnnen ſeyn / und das Deo gratias, und hoͤchſtſchuldige Vergelts GOtt / vergeſſen.

Jener heiligmaͤſſige Capucciner Bernhardinus Aſtenſis, hatZach. Bo - ver. in an - nal. cap. an. 1554. es ſattſam erwieſen / wie man nach dem Tiſch betten ſolle / als er einsmal auf der Reiß bey einem Wirth die Einkehr genommen / und umb ein Nachtmahl gebeten / da hat ihn der Wirth ſehr wol und gut tractirt / aber nachmals die Zech zimlich hoch geſpannt / und kurtzumb die Bezahlung verlangt: Bernardinus ſchutzte im - merzu ſein Armuth vor / wie daß weder er noch ſein Geſpan eini - ges Geld habe. Weil aber der Wirth ſich mit der Ausrede nicht begnuͤgen laſſen / alſo ſagte dex fromme Mann: Der Wirth ſolleund455einen groben und ungeſchickten Pengelium abgeben.und wolle nicht ſo ſeltzam ſeyn / indeme er allbereits / ſeye bezahlt worden / ſchreibt als dann auf ein kleines Zettelein / das kurtze Ge - betlein / ſo bey allen Geiſtlichen / nach der Tafel / pflegt geſpro - chen zu werden: Retribuere dignate Domine omnibus nobis bona facientibus propter Nomen Sanctum tuum, vitam æter - nam, Amen. O HERR! gib allen denen / ſo uns etwas Gutes thun / wegen deines Heiligen Namens / das ewige Leben / Amen. Befilcht hierauf dieſes Zittelein auf die Waag - ſchaalen zu legen / auf die andere aber ſo viel Geld / als er vor die Mahlzeit fordert / der Wirth folgt endlich dieſem nach / vermerckt aber / daß das kleine Papierlein das Geld weit uͤberwoͤge / legt dem - nach auf weiters ſchaffen des Gottſeeligen Manns mehrer Geld / ſiehet aber / daß ſolches kurtze Tiſch-Gebetlein allemal im Gewicht ſchwerer ſeye / er erkennt anbey die Allmacht GOttes / und Krafft des Gebets / fallt dem Diener GOttes zu Fuͤſſen / und verſpricht zugleich / daß er hinfuͤran keinem Gaſt mehr wolle die Zech machen / noch weniger etwas von ihme verlangen / welcher nach dem Tiſch obangeregtes Gebetlein verrichten werde.

Danlel in der Loͤwen-Gruben / hat durch den Propheten Ha - bacuc ein Koch bekommen. Jch kan mirs leicht einbilden / daß es kein Eyer-Koch ſeye geweſen / kein Milch-Koch ſeye geweſen / kein Wein-Koch ſeye geweſen / kein Mandel-Koch ſeye geweſen / kein Koch von einem weiſſen Waitzen-Mehl / wol aber ein gemeines Koch / etwan ein harter ſperer Haber-Brey / wie die gemeine Bau - ers-Leut in Schwaben pflegen zu eſſen / oder etwan gar / wie ein Pumpernickel aus Weſtphalen / gewiß iſt es / daß es ein gemei - ne Speis fuͤr die Schnitter war / und gleichwol wie dem Daniel von GOTT dieſe Speis / unangeſehen er ein edler Juͤngling und vom Koͤniglichen Gebluͤt herſtammend geweſt / gleichwol umb dieſes ſchlechte Baurn-Tractament hat Daniel die Augen gen Him - mel gewendet / und dem Allmaͤchtigen GOTT Danck geſagt: Recordatus eſt enim mei Deus.

Wann wir offt alle Schlecker-Biſſen der Welt Poſtweis in den Magen werffen / und gantze Schuͤßlen von Calecutiſchen Con -fect456Judas Jſcarioth hat bey der Tafel des HErꝛn / ꝛc.fect auslehren; dann die Teutſche Speiſen gehoͤren nur fuͤr eine Bauren Hochzeit. Jetzt muͤſſen die Cappauner mit Piſtaͤtzen und Piſcoten gefuͤttert werden. Die Sardellen muͤſſen im Spaniſchen Wein gebeitzt werden / die Materien zum Dorten / muͤſſen aus den Canariſchen Jnſeln genommen werden / wo der Zucker-Candel an ſtatt der Eiszapffen von Daͤchern hangt. Wann wir den Lufft / die Erd / und das Waſſer wegen ihrer Jnnwohner zur Freß-Con - tribution gezwungen haben / und den Magen nicht anderſt ange - fuͤllt / als wie ein Materialiſten Gewoͤlb / ſo ſtehen etliche gleich - wol von der Tafel auf ohne Danckſagung / ja an ſtatt derſelten ran - tzen ſich etliche wie die Weber / wann ſie die Leinwath ausmeſſen: Bey etlichen gibt der Magen gar ein Bauren-Echo, den man durch zwey Zimmer hoͤrt / und iſt kaum einer / bey dem der Ver - gelts GOtt auf der Zungen Platz hat.

O was groſſer Unterſchied iſt nun zwiſchen den jetzigen und vergangenen Zeiten / vor dieſem / ſchreibt der H. Chryſoſtomus / haben die Eremiten und Moͤnch in der Einoͤde / nachdeme ſie ihr Eſſen vollbracht / ein langes Gebett und Danckſagen verricht / in - deme doch ihr gantzes Tractament in nicht anders beſtanden / als in einem trucknen ſchwartzen Brodt / und Kruͤgel Waſſer / der - malen ſchoppen ſich etliche an / daß auch faſt eiſene Reiff vonnoͤthen waͤren / die Wampen zu halten / und gleichwol iſt nichts duͤrrers und ungeſchmaltzner / als das Deo gratias; Mich wundert nicht / wann GOtt ſeine ſo freygebige Hand thaͤte zuruck ziehen / und ſolchen undanckbaren Leuten das Brodt ſchmaͤleren.

Judas457

Judas der Laſter-Menſch iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.

SChwaͤre Sachen leicht machen / das kan ich nicht. DerMaffeus in Hiſt. l. 2. H. Apoſtel Thomas hat in Jndien / etliche Meil von der Hauptſtabt Mellapor, naͤchſt in dem Meer-Port / ei - nen großmaͤchtigen Baum mit ſeiner Guͤrti gezogen / als wie ein geringes Naͤſt / den ſonſt viel Leut / ſo gar auch etliche Ele - phanten nicht konten bewegen.

Schwere Sachen leicht machen / das kan ich nicht; der groſ -Niceph. l. i 2. c. 14. ſe eiſerne Sarg / worinn der H. Leib des H. Apoſtels Matth - gelegen / iſt von Fulviano in Gegenwart des geſamten Volcks / in das Meer verſenckt worden / aber alſobald / wie ein geringes Holtz wieder in die Hoͤhe geſchwummen.

Sch waͤre Sachen leicht machen / das kan ich nicht: Etliche gefangene Chriſten in einem verbrennten Tuͤrckiſchen Schiff /Pede de Mirab. St. Cajetani. 181. wolten ſich gern mit ſchwimmen ſalviren / weil aber ihre Ketten und Eiſen erliche Zentner ſchwer / ſo haben ſie ihnen nicht getraut / nach dem ſie ſich aber dem H. Cajetano befolchen / und alſo voller Zuverſicht in das Waſſer geſprungen / da iſt alles Eiſen Feder ge - ring worden / und ober dem Waſſer geſchwummen.

Schwere Sachen leicht machen / das kan ich nicht; Was iſt aber ſchwerer als da ſchreiben und reden von der Prædeſtina - tion oder ewigen Vorwahl der Auserwehlten: Von der Præ - ſcientz oder ewigen Vorwahl der Verdammten: Von der Ge - nad die GOtt nach ſeinem Wolgefallen unter die Menſchen austheilet: ſchwer ſeynd alle dieſe Ding zu reden / ſchwer zu ſchrei - ben / ſchwer zu faſſen / und hat ſie noch kein Hoheſchul fuͤr leicht erkennet / und iſt es ein ſo hartes Brodt / daß es der Tauſende nicht beiſſen kan / will demnach gantz rathſam alle ſubtile und tieff-ſin - nige Materi umbgehen / dem Calvino die roſtige Brillen von der Naſen ziehen / und zeigen / daß der verruchte Judas ſein ewigesPars IV. M m mUngluͤck458Judas der Laſter-MenſchUngluͤck keinem anderen / als ihme und ſeinem freyen Willen ha - be zuzuſchreiben.

Jch weiß ein Dama ſo ſchoͤn / ſo ſchoͤn / dergleichen ihr und ich / ich und ihr unſer Lebenlang nicht geſehen haben / noch ſehen werden: Die Goͤttliche H. Schrifft bezeugt wahr / daß demJob. c. 42. Job / nachdem ihm GOtt wieder umb auf geholffen / ſeynd drey Toͤchter geboren / dergleichen ſchoͤne Weiber im gantzen Land nicht gefunden worden. Das muß ich glauben / und wills auch glauben / aber erſtgedachte Dama iſt unbeſchreiblich ſchoͤner: Helena hat ſo ſchoͤne Haar gehabt / daß ſich vor ihnen die ge - flochtene Gold-Faͤden geſchaͤmet haben / aber dieſe ſeynd nur gegen der meinigen wie ein zerruͤtteter Schuͤppel Hanff / wor - aus der Saͤuler einen groben Glocken-Strick macht. Cleopa - tra hat ein ſo ſchoͤnes Hirn oder Geſtirn gehabt / daß ſich der weiſſe Alabaſter vor einen rauchen Dufft-Stein haͤtt ſollen ver - kauffen laſſen / aber dieſes Geſtirn gegen der meinigen iſt wie ein alter Uberzug uͤber ein zwey hundert jaͤhrige Regiments Trom - mel. Lucretia hat ſo ſchoͤne Augen gehabt / daß ſie auch mit dem Diamant geſtritten / aber gegen der meinigen ſeynd ſie wie glaͤſerne Knoͤpff in dem Wammes eines Pfannen-Flickers. Penelope hat ein ſo ſchoͤne wolgeformte Naſen gehabt / daß ſie auch der beſte Kuͤnſtler Praxiteles nicht konte beſſer geſtalten / aber gegen der meinigen iſt ſie ein von groben Fließ-Papier ge - draͤhetes Starnitzel / welches ein jeder Pfeffer-Kraͤmer ohne Zirckel maͤchen kan. Zenobia hat ſo ſchoͤne Wangen gehabt / daß auch der Schneenicht ſo weiß / wann er auch ſiebenmal ſolt ins Bad gehen / auch der Purpur in das zarte Fell alſo einge - menget / als thaͤt die Aurora durch einen weiſſen Schlair heraus ſchauen / aber gegen der meinigen nicht viel beſſer / als ein Fuͤr - tuch eines ſchmutzigen Fleck-Sieders. Thargelia hat ſo ſchoͤne Lefftzen gehabt / als waͤren ſie des koſtbaren Rubins naͤchſte Bluts Verwandte / aber gegen der Meinigen ſeynd ſie wie ein Floſch eines vor dreyen Tagen abgeſtandenen Karpffens. Pan - thea hat ſo ſchoͤne Zaͤhn gehabt / als haͤtten die feineſte Orienta -liſche459iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.liſche Perl darzu contribuiret / aber gegen der meinigen ſeynd ſie ſolche Woͤlfferl / wormit ein alter Poſtklepper ſchon ſiebentzig Malter Habern zerkuͤfflet. Jn Summa aller Weiber Schoͤn - heit der gantzen Welt iſt nur eine grobe Schattierung gegen der Schoͤnheıt meiner edlen ſchoͤnen Dama.

Und was das mehriſte / und hoͤchſtens zu verwunderen / ſo iſt dieſe Hoch - und Wolgeborne Dama nicht allein nicht ſtoltz / ſondern ſo demuͤtig und freundlich / daß ſie einen jeden gruͤſt / einem jeden die Hand biet / auch dem geringſten Bettler / auch einem muffenden Stallknecht / auch einem ruſſigen Kohlbren - ner / auch einem kraͤtzigen Spittaler / allen thut ſie ſchoͤn / alle ladet ſie zu ſich / und muß wol ein grober und Puͤffelſichtiger Menſch ſeyn / der ihr nicht auch die Hand gibt: Dieſe wunder - ſchoͤne Dama heiſt Gratia Divina, Jhr Gnaden / das iſt / die Gnad GOttes / welche allen Menſchen und Adams-Kindern ſchoͤn thut / ihnen die Hand bietet / und begehret in die Seelig - keit zuziehen / alle / alle ins gemein verlangt ſie ſeelig zu machen / und der in Verluſt gehet / der muß ſeinen eigenen freyen Wil - len ſolches zuſchreiben / ihme ſelbſt ſolches zumeſſen / nicht aber dieſer edlen ſchoͤnen Dama / als die ihme gleich anderen / die Schneeweiſſe Braͤtzel gebotten / des Willens ihn zur Glory zu - ziehen / nach Lehr des H. Pauli: Vult omnes homines ſalvos fieri.

GOtt iſt wie die ſchoͤne guldene Sonn am Himmel / wel - ches Koͤnigliche Geſtirn und Oberhaupt aller Himmels-Liechter nicht allein ihre Strahlen wuͤrfft auf die praͤchtige Fuͤrſtliche Pallaͤſt / ſondern auch auf die veraͤchtlichiſte Baurnhuͤtten; nicht allein beglaͤntzt ſie ein wunderſchoͤnes und wolriechendes Blumen - bettel / ſonderu auch ſ. v. einen ſchlechten Miſthauffen: nicht allein ſpendirt ſie ihr Liecht denen hoch empor erhebten Bergen / ſon - dern auch denen tieff unterdruckten Thaͤlern: Nicht allein be - ſcheint ſie die ſo herꝛliche zugerichte Luſtgaͤrten / ſondern auch die wuͤſt-entlegene und rauche Einoͤde: Nicht allein ſchaut ſie an mit ihrem ſtrahlenden Angeſicht die klar Cryſtalline Brunnquellen /M m m 2ſon -460Judas der Laſter-Menſch /ſondern auch die ſumpffige Moraͤſt und ſtinckende Pfitzen: Alſo auch Jhr Gnaden / Gratia Divina, GOttes Gnad ſchauet al - le Menſchen und Adams-Kinder freundlich an / alle Suͤnder / ſo wol als die Gerechten: Alle Menſchen / die Juden ſo wol / als die Chriſten: Alle Leut / die Heyden ſo wol als die Rechtglau - bigen: Sie bietet dem Edelmann die Hand in dem Saal / dem Soldaten im Feld / dem Kauffmann im Gewoͤlb / dem Baurn auf dem Acker / dem Bettler vor der Thuͤr / ꝛc. und begehrt alle zu ſich zu ziehen / alle.

GOtt nennet ſich ein Feld Blum / Ego flos campi. Cant. 2. Aber warumb diß? warumb nicht vielmehr ein Garten-Blum? beede zwar ſind ehrliche Kinder der Erden / und genieſſen auf gleicher Portion die Gnaden der guldenen Sonnen / aber es fin - det ſich dannoch ein mercklicher Unterſchied zwiſchen ihnen / dann ein Garten Blum iſt gleichwol Wohnung halber ein Burgerin / da unterdeſſen ein Feld-Blum ein gemeines Gey-Gewaͤchs: Ein Garten-Blum wird mit ſonderm Fleiß gezuͤglet / und end - lich von einer zarten Hand eines edlen Frauenzimmers abge - brockt: Ein Feld-Blum wird gar offt mit Fuͤſſen getretten / und muß endlich unter anderem Unkraut verfaulen: Ein Garten - Blum kommt ſo hoch / daß ſelbige auch ein ſchoͤne Dama in ihre aufgebutzte Haar ſteckt / und ſcheint als wach ſen Blumen aus dieſem Grund / der zwar zimlich faul und geil: Ein Feld-Blum wird meiſtens von der Sichel einer Kuͤheſichtigen Baurn-Magd abgeſchnitten / und kommt endlich unter das gemeine Vieh-Fut - ter: Gleichwol vergleicht ſich GOtt einer Feld-Blumen / und nicht einer Garten-Blumen / Ego flos campi, &c. und zwar darumb / Er der allguͤtigſte GOTT will nicht ſeyn wie ein Garten-Blum / die allerſeits eingeſchraͤnckt / und mit Zaun und Mauren umbgeben / und derenthalben mehr dem Haus - Patron / oder wenigen andern zu Dienſten / ſondern Flos cam - pi, er will ſeyn ein Feld Blum / die ins gemein allen Leuten zu - gehoͤrig / die ein jeder / ein Edelmann und ein Bauer; Ein jederein461iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.ein Vornehmer und Gemeiner: Ein jeder / ein Freund oderS. Bonav. Serm. 2. in Reſur - rect. Feind kan anſchauen / kan abbrocken / und ſich darmit ergetzen. Flos horti clauſus eſt, flos campi communis eſt, ita Chriſtus communis eſt omnibus.

Jhr Gnaden / die ſchoͤne Dama, Gratia Divina, die Gnad GOttes gehoͤrt nicht einem zu / ſondern ſie liebkoſet jederman / kein Verdammter in der Hoͤll kan ausſagen / daß er von dieſer ſeye veracht worden / dem allerbarbariſten Scythen / ſo am End des Erdbodens / oder aber in einer von allen andern Menſchen unbewohnten Jnſul ſich aufhalt / dem wilden Vieh nicht viel ungleich / dieſem thut ſie ſich nicht weigern / ſo gar der groͤſte Welt-Wuſt / und unſers Erloͤſers abgeſagter Feind der Ante - Chriſt wird von dieſer Dama mit leiblichem Angeſicht und freund - lichen Blickern angeſchaut werden: Vult omnes homines ſal - vos fieri, Sie will halt / daß alle Menſchen moͤchten ſeelig wer - den.

Zur rauchen Winters-Zeit / da die Sonn uns kaͤum mit einem Aug hat angeſchaut; da der Himmel mit einem groben dicken Schlair das Angeſicht verhuͤllt hat; da die Berg ihre Koͤpff mit weiſſen Fetzen hatten eingebunden: da die Baͤumer gantz nackend in groͤſtem Froſt geſtanden und vor Kaͤlten gezittert: da die Felder voͤllig Glatzkoͤpffet mit dem haͤuffigen Schnee be - deckt waren: da die Fluͤß und Waſſer im harten Arreſt geſtan - den / und noch nit in Eiſen / weniger in Eiß geſchlagen worden: da die meiſten Voͤgel ohne Fede oder Paſſaport in andere Laͤnder gewandert: da die arme Schaͤfel / obſchon mit guten Peltzen verſehen / die meiſte Zeit muͤſſen zu Haus hocken / zu einer ſolchen rauchen / harten Winters-Zeit iſt GOttes Sohn und der Welt - Heyland zu Bethlehem in einem Stall gebohren / und kaum daß er geboren / da hat ihn Maria die Mutter / als noch eine un - verſehrte Jungfrau in arme Windel eingewicklet / und in die Krippen gelegt: Et pannis eum involvit, & reclinavit eumLuc, c. 2. in præſepio. Das kommt mir in der Warheit ſchier ein we - nig frembd vor / dann ich haͤtte glaubt / dieſe Goͤttliche Kindel -M m m 3Betterin /462Judas der Laſter-MenſchBetterin / indeme ſie vorder iſt ohne einige Schmertzen geboren / haͤtte das guldene Kind in ihren Armen behalten / und ihme die Nacht hindurch tauſend und tauſend Buſſerl verſetzt / daſſelbe mit ihren Engliſchen Wangen und Jungfraͤulichen Athem ge - waͤrmet / oder wenigſten auf ihrer Schoos behalten / als daß ſie ſelbiges auf das rauche ſpiſſige Heu gelegt / wo es von keiner anderen Waͤrme als von dem groben Kauchen des Ochſen und Eſels in etwas erquicket worden. Reclinavit eum in præ - ſepio.

Darumb / darumb / merckt es wol ihr geſamte Adams - Kinder / darumb iſts geſchehen / damit GOtt zeuge / daß er al - len zu gehoͤre / daß er wegen aller Menſchen Heyl ſeye kommen / alſo hat der Himmel der uͤbergebenedeyten Mutter befohlen / ſie ſoll ihn nicht in ihr Schoos / ſondern in die Krippen legen / wel - ches war ſo viel geſagt / als da habts Jhn / dieſer gehoͤrt euch allen zu / da koͤnnt ihr Engel ihn andeten / da kanſt Jhn Joſeph verehren / da koͤnnt ihr Koͤnige aus Orient ihme die Pflicht ab - legen / da koͤnnt ihr Hirten ihn finden / ja ſo gar wolt er ſich den zweyen Vernunfftloſen Thieren den Ochs und Eſel nicht wei -St. Guerri Abbas. Serm. 4. de Nati - vit. geren: Non ſolùm hominum ditas & beatificas menſas, ſed & fœnum factus, jumentorum reples Præfepia, ut tàm homines quàm jumenta, tàm ſpirituales quàm animales ſuo quemque gradu & ordine ſalves.

Jhr Gnaden die ſchoͤne Dama, Gratia Divina iſt dißfalls nicht partial, ſie begehrt alle Seelig zu machen / ſie gruͤſt alle / ſie rufft alle / ſie biet allen die Hand: Niemand iſt zu Aufgang der Sonnen: Niemand iſt zu Untergang der Sonnen: Nie - mand iſt gegen Mittag: Niemand iſt gegen Mitternacht: Nie - mand iſt in der Welt / den ſie nicht in Himmel einladet / dem ſie nicht die freundlichiſten Augen zeigt / und es gantz treuhertzig mit einem jeden Menſchen vermeint: Sie ſchaut keinen Stand an / kein Perſon an / kein Alter an / ſie hilfft einem jeden in Himmel / wann er nur wıll.

Mein H. Vatter Auguſtinus thut ſehr reiff erwegen / undſehr463iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.ſehr heilig betrachten jene Wort des H. Pauli, extrà portam paſlus eſt, warumb unſer HERR und Heyland hab wollen ſterben auſſer der Stadt Jeruſalem? Weil doch alle Schlacht - Opffer im Tempel ein Figur und Vorbedeutung ſeynd geweſt ſeines Leydens / warumb hat er nicht wollen ſterben im Tempel? Weil man ihm doch hat ſchimpfflich vorgeworffen / daß er ein Verfuͤhrer des Volcks ſeye / warumb hat er nicht wollen ſterben in Mitte der Stadt? weil er doch deren Hoherprieſter / ja der gantzen Judiſchen Synagog / und der geſamten Hebreiſchen Cleriſey ein Spieß in Augen geweſt / warumb hat er nicht wol - len ſterben auf dem vornehmſten Platz zu Jeruſalem / allwo die mehreſte Wohnung geweſt der Prieſterſchafft? Extra portam, Er der gebenedeyte Seeligmacher wolt deßwegen nicht in der Stadt ſterben / damit etwan die Welt ihr nicht moͤchte einbil - den / er ſeye vor die Stadt und dero Jnnwohner allein geſtor - ben / damit man nicht moͤcht gedencken / ſein Blut ſeye nur fuͤr Jeruſalem vergoſſen worden / darumb hat er wollen ſterben auf - ſer der Stadt / darumb auf einem hochen Berg / damit Maͤn - niglich ſehe und wahrnehme / daß er fuͤr alle ſterbe / alle erloͤſe /S. P. Ser. 130. de tempore. und folgſam alle verlange ſeelig zu machen. Proptereà enim extrà Civitatem & extrá Muros, ut intelligas, quoniam com - munis eſt hoſtia pro genere humano oblata.

Einige vornehme Contemplanten wollen behaupten / ver - moͤg der Wort des Pſalmiſten Davids: Operatus eſt ſalutem in medio terræ, Pſalm. 73. als waͤre das Creutz / worauf der Heyland JESUS geſtorben / ſeye geſteckt und aufgericht worden juſt an dem Ort / wo das Mittel-Punct des gantzen Erdbodens / als ſollen die fuͤnff heiligiſte Wunden nichts anders ſeyn / als fuͤnff reich flieſſende Fontanen / ſo den gantzen Erden - kreiß uͤbergieſſen / und alle Macklen abwaſchen: Als ſollen dieſe Goͤttliche Lampen oder Leuchter hangen in Mitte des groſſen Weltzimmers / damit alle Winckel dar von erleucht werden; Ja ſterben wolt er nicht durch die Hinabſtuͤrtzung / wie ihn die Hebre -er464Judas der Laſter-Menſcher auf einen Berg gefuͤhrt: ſterben wolt er nicht durch die Stei - ner / ſo die Nazarener Hauffenweis / einem groben Schauer nicht ungleich / uͤber ihn wolten werffen / ſondern ſterben wolt er an dem Creutz mit ausgeſpannten Armen / damit man ſehe / daß er nicht einen oder den andern / ſondern die gantze Welt wol - le umbfangen / und alle ſeines heiligſten Leydens theilhafftig ma - chen: Sterben wolte er mit dem Titul und Uber-Schrifft JESUS NAZARENUS REX JUDEORUM: JE - SUS von Nazareth / ein Koͤnig der Juden / aber dieſes in dreyerley Sprachen / benanntlich Hebreiſch / Griechıſch und Lateiniſch / unter welchen / als Haupt-Sprachen alle an - dere der gantzen Welt begriffen ſeynd / hierdurch zu zeigen / daß ſein Blut ſeye vergoſſen nicht fuͤr ein Volck allein / ſondern fuͤr alle geſamte Menſchen der Welt: Alle / alle begehrt er / was an ſeiner Seiten iſt / alle / alle ſeelig zumachen: Gratia Divina, die Goͤttliche Gnad thut nicht einem das Geſicht zeigen / dem an - dern den Rucken; Gratia Divina die Goͤttliche Gnad thut nicht einem die Speis reichen / und laͤſt den andern Hunger ſterben; Gratia Divina die Goͤttliche Gnad thut nicht einem dem rechten Weeg zeigen / und laſt den andern irꝛ gehen / ſondern gegen al - len willfaͤhrig iſt dieſe holdſeeligiſte Dama.

Umb dreyſſig Silberling / O Schelm! umb dreyſſig Sil - berlig / O Dieb! umb ein ſo Spott-Geld verkauffeſt du das hoͤchſte Gut / O verruchter Judas! Was diß fuͤr ein Geld ge - weſt / ſeynd unter ſchiedliche Meinungen / wie ich ſchon anderwaͤr - tig davon Meidung gethan. Baronius glaubt / es ſeyn drey tauſend Thaler geweſen / aber dieſen hat Baradius genugſam uͤberwieſen; Dionyſius Carthuſianus vermeint / es ſeynd ſechtzig Gulden geweſt / der aber kan mit keiner rechten Prob aufkommen; Rupertus, St. Thomas von Aquin, Ribera ſamt andern / ſeynd der Ausſag / es ſeye in allem nichts mehrers geweſt / als drey Ro - maniſche Scuta, welches ſo viel als ſechs Gulden / und vermuth - lich muß es gar wenig Geld ſeyn geweſt / weil der laſterhaffte Ge - ſell nichts austrucklich begehrt / noch ihn den HErꝛn JEſumumb465iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.umb ſo und ſo viel feil geboten / nicht hat er geſagt: Hochwuͤrdi - giſte und Gnaͤdige Herren / wann ihr mir in paarem Geld hun - dert Thaler oder hundert Cronen verſprecht zu bezahlen / ſo will ich euch dieſen Nazarener / dieſen Zimmer-Manns Sohn einhaͤn - digen / ſondern er hat es ihrer Willkuͤhr uͤberlaſſen; Quid vul - tis mihi dare? Was wolt ihr mir geben? welches ſo viel lau - tet / als ſage er / gebt mir / was euer guter Will iſt / es iſt umb ein Trinck geld zu thun / gewiß iſt es doch / daß es keine groſſe Summa geweſt / dann ob man ſchon in der Wienneriſchen Bib - lothec des Kaͤyſers / wie auch in der Gallaria des Cardinals Chiſii zu Rom ein dergleichen Silberling zeigt / welches eines zimlichen Werths / ſo folgt nicht / daß alle dergleichen geweſt ſeyn / dann in einem Opffer-Stock einer Kirchen findt man nicht lauter Guldiner / oder Fuͤnffzehner / ſondern wol auch Creutzer / Zweyer und Pfenning: Hat doch das alte Muͤtterl in den Stock des Tempels zu Jeruſalem nur zwey Heller hinein geworffen / weil nun das Gtld / wormit der Judas regalirt worden / aus dem Opffer Stock des Tempels kommen / ſo iſt vermuthlich / daß allerley Geld groß und klein unter einander geweſt / welches in allen dreyſſig Silberling ausgetragen / ſo da nach Ausſag Alciatil. de Ponderib. nicht mehrer macht / als ſechs Gulden: Seye ihme wie ihm wolle / ſo hat doch der Welt Heyland / dem Himmel und Erden zugehoͤrig / deſſen Wuͤrde und Werck unendlich und unermeßlich / wollen umb ein gerin - ges und ſchlechtes Geld verkaufft werden / nicht theuer / damit man nicht meine er gehoͤre fuͤr die Reiche allein / ſondern wolfeıl / damit Jhn ein jeder koͤnne bekommen: Vili vult æſtimari, utSt. Pauli - nus Epiſt. 4. ad Se - ver. ab omnibus ematur. Mit einem Wort / GOtt iſt fuͤr alle / keinen ausgenommen / GOtt ſpendit et allen ſeine Gnad / ver - acht niemand / GOtt haͤndiget einem jeden Menſchen (ich rede dermalen von den Erwachſenen) ſo viel Gnad ein / daß er darmit / wann er nur will ein Kind der Seeligkeit werden; am Juͤngſten Tag wird ſich niemand koͤnnen entſchuldigen / als ob er derenthalben ſeye verloren worden / weil ihm ihr GnadenPars IV. N n ndie466Judas der Laſter-Menſch /die ſchoͤne Dama, Gratia Divina, die Gnad GOttes nicht ſeye fa vorabel und guͤnſtig geweſt / maſſen dieſe einem jedem gnugſa - me Mittel ſpendiret / Krafft deren er unter die Seeligen kan kommen.

Immenſum & Infinitum Divini Luminis pelagus ſemper paratum eſt, & patet omnibus ad participandum. Areopagit. de Cœleſt. Hierarch. c. 9.

Amator hominum eſt noſter Deus, & vult omnes homi - nes Salvos fieri, propter quod & ſolem ſuum oriri facit ſuper bonos & malos, & pluit ſuper juſtos & injuſtos. St. Ignat. Epiſt. 6. ad Philadelph.

Hi qui non operantur bonum, judicium juſtum recipient Dei, quia non ſunt operati bonum cum poſſunt. Irenæ l. 4. c. 21.

Quantum attinet ad Deum ſalvæ fuiſſent omnes tribus Iſraël; imo & omnes mortales. Chryſoſtom. ſerm. 16. ad Rom.

Vult omnes Salvos fieri, ſi & ipſi velint, nullum excipit à Salute. St. Ambr. ad Cap. 1. ad Tim. 2.

In medio Templi miſericordia eſt, in communi poſita eſt, offertur omnibus & nemo illius expers, niſi qui renuit. St. Bernard. ſerm. 1. de Purif.

Wann nun der Allmaͤchtige GOtt einen jeden Menſchen ein genugſame Gnad und ſattſame Huͤlff reichet / wormit er kan ein Kind der Seeligkeit werden / warumb gehen dann ſo viel un - zahlbare Seelen in den ewigen Verlurſts? Acht Perſonen und mehrer nicht ſeynd in der Archen Noe errett worden / die uͤbe - rige alle alle zu Grund gangen / alſo wird die Anzahl der Seeli - gen weit geringer ſeyn / als der Verdammten / O mein GOtt! vier Perſonen und mehrer nicht ſeynd aus dem Schwebel-ver - miſchten Feutr-Regen zu Sodomo und Gomorrha ſalviret wor - den / die andere alle alle ſeynd in den Flammen zu Grund gan - gen / alſo werden weit mehrer in den hoͤlliſchen Feur-Grund ſtei -gen /467iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.gen / als zur ewigen Glory kommen; O mein GOtt! zwey Perſonen und mehrer nicht ſeynd in das gelobte Land angelangt / die andere Jſraeliter alle alle benanntlich ſechsmal hundert tau - ſend ſtreitbare Maͤnner / Weiber und Kinder gar nicht gerech - net / ſeynd ausgeſchloſſen worden / alſo werden wenig / wenig in das obere Vatterland kommen / die meiſten alle alle auf ewig verbanniſirt / O mein GOtt! Jn der Stadt Jericho iſt nur ein Haus und mehrer nicht / benanntlich das Haus der Rahab vor Feur befreyet / die andern alle alle in Aſchen gelegt worden / alſo werden gar wenig dem hoͤlliſchen Feuer entgehen / ſondern die mehriſte alle alle ewig brinnen: O mein GOtt! Eın Theil und mehrer nicht des guten Saamens bey dem Evangeliſchen Ackermann hat Frucht gebracht / die andere drey Theil ſeynd alle verdorben / und iſt nicht ein Koͤrnl darvon kommen / alſo werden gar wenig in das Reich GOttes eingehen / die mehri - ſten alle verloren werden! dem heiligen Einſidler Simeon iſt of - fenbart worden / daß aus 10000. Seelen kaum eine zum Ange - ſicht GOttes gelanget / O mein GOtt! wann du dann fuͤr alle biſt Menſch worden / fuͤr alle / wann du fuͤr alle gelitten / fuͤr alle: wann du fuͤr alle geſtorben / fuͤr alle: wann du alle ge - waſchen haſt in deinem koſtbaren Blut / alle: wann du begeh - reſt alle ſeelig zu machen / alle: und wann du allen genugſame Gnad hierzu giebſt / allen: warumb daß ſo wenig das ewige Heyl erreichen / warumb O GOtt! wird der Teuffel reicher an Seelen ſeynd / als du Erloͤſer? warumb wird die Hoͤll meh - rer Jnwohner und Burger haben als der Himmel? Hoc quæris, & quereris.

Vernimme mich ein wenig hieruͤber / und wiſſe / daß Jhr Gnaden die edel ſchoͤne Dama Gratia Divina einem jedwedern die Perlweiſſe Haͤnd darreicht / und will ihn zur Seeligkeit fuͤh - ren / aber zwingen thut ſie niemand / wann jemand ein ſo gro - ber Knopff iſt / und weigert ſolche erzeigte Hoͤflichkeit / ſo iſts ſein Schuld / perditio tua ex Te Iſrael. Jhr Hand allein thut niches / wann du nicht auch die deinige darreicheſt.

N n n 2GOtt468Judas der Laſter-Menſch /

GOtt hat zwar dich erſchaffen / ohne dich / er hat dein Mit - huͤlff und Mitwuͤrckung gar nicht vonnoͤthen gehabt / aber er will dich nicht ſeelig machen ohne dich / ſein Gnad kommt zwar von oben herab / wie das Liecht uͤber den Saul: Circumfulſit illumActor. c. 9 lux de cœlo. Sein Gnad iſt nicht anderſt / als wie der Stern / welcher die Orientaliſche Koͤnig zu dem vermenſchten GOTT nacher Bethlehem gefuͤhret hat: Sein Gnad iſt wie die Son - ne / vor deſſen Aufgang die drey fromme Matronen zu dem Grab des HERRN nicht ſeynd kommen; Sein Gnad er - leucht / erweckt / rufft / fuͤhret / weiſet / locket / ſtaͤrckt / ziehet / mah - net / aber zwingt nicht / ſondern der Menſch muß durch ſeinen freyen Willen mitwuͤrcken.

Mit zwey en Raͤderen faͤhret man in Himmel / eines iſt die Gnaͤd Gottes / das andere iſt die eigne Mitwuͤrckung des Men - ſchen; Mit zweyen Fluͤglen fliecht man in Himmel / eine heiſt Gratia Divina, die andere Cooperatio humana. Mit zweyen Schluͤſſeln macht man den Himmel auf / einen hat GOtt / den andernhat der Menſch. Zwey haben die groſſe Weintrau - ben durch die Wuͤſten getragen / einer voran / der andere nach ſeiner / die Seel kan nicht in die Schos Abrahæ getragen wer - den / es ſeye dann GOtt trage voran / der Menſch auch nach ſeiner: Des Jacobs Himmels Leiter hat zwey Theil gehabt / den obern Theil hat GOtt gehalten / der untere ıſt auf der Er - den geſtanden; Wer in Himmel will ſteigen / hat zweyer Huͤlff vonnoͤthen / erſtlich die Gnad GOttes / nachmals ſein eigne Mitwuͤrckung.

Der Menſchen Witz iſt gleichwol ſchon ſo weit kommen / daß er den hellen und ſchnellen Sonnen wunderlichen Lauff kan entwerffen auf einen Platz / ſo kaum etliche Spannen groß: Ein Uhr an einer weiſſen Wand / mit etlichen ſchwartzen Striechen und Tuͤpffel / thut alle Schritt und Tritt zehlen des groſſen Himmels-Rieſen der Sonnen; Ein kleiner Fleck einer weiſſen Mauer iſt an ſtatt eines Papiers / worauf der Zeiger als ein ei - ſene Feder / den gantzen Sonnen-Lauff abzeichnet / und nach die -ſem469iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.ſem richt ſich der Bauer / wann er ſoll gen Acker fahren; nach dieſem ſchickt ſich der Handwercks-Mann / wann er ſoll die Ar - beit anfangen / oder aber Feyerabend machen; Nach dieſem richt ſich der Schueler / wann er ſoll ſeinen Studenten-Zeug unter den Arm nehmen / und zu ſeiner Lateiniſchen Arbeit ge - hen; Nach dieſem bequemt ſich die Hausfrau / wann ſie ſoll die Speiſen fertig machen / damit umb eilff Uhr nicht zwoͤlff Kla - gen uͤber ſie kommen; Nach dieſem ſchickt ſich gar der Hirt / wann er ſoll das krumpe Horn an den Mund halten / und mit ei - nem kurtzen Kuͤhe Ruff das Vieh auf die Waͤid laden / ꝛc. Fuͤr - wahr es iſt ein gar gute und nutzliche Sach umb ein Sonnen-Uhr / aber damit ſolche recht und vollkommen ſeye / werden nothwen - dige zwey Ding erfordert: Erſtlich der Sonnen-Schein / nach - mals der Schatten / ſo von der eiſenen Stangen geworffen wird. Das Heyl der Menſchen / die Seeligmachung der Adams-Kin - der / haͤlt ſich faſt natuͤrlich wie ein Sonnen-Uhr / allwo Schein und Schatten muͤſſenbey einander ſeyn / eins ohne das andere iſt nichts / das Liecht oder Schein / iſt GOTT: Deus Lux eſt. Joan. 1. der Menſch iſt ein Schatten: Fugit, velut umbra. Job. c. 14. Es iſt nicht genug das Goͤttliche Gnaden - Liecht von oben herab / ſondern es muß auch darbey ſeyn der Schatten der Menſchlichen Mitwuͤrckung: Dahero ſprıcht der H. Paulus zu den Corinchern: Non ego, ſed Gratia DeiCap. 15. v. 10. mecum: Durch die Gnad GOttes / ſagt er / bin ich / wer ich bin / und ſeine Gnad iſt in mir nicht vergeblich geweſt / ſondern ich hab mehrer gearbeitet als ſie alle / nicht aber ich / ſondern die Gnad GOttes mit mir.

Wie zu Cana auf der Hochzeit der Wein abgangen / und deremwegen die Gaͤſt zimlich Melancholiſch da geſeſſen / umb weilen der Feyerabend unter die Glaͤſer und Kandeln kommen / und das truckene Wetter ſo gaͤch ein[g]efallen / daß ihnen faſt die Maͤuler geſtaubt / da hat die mildhertzige Mutter MARIA dazumalen ſchon ſehen laſſen / daß ſie die Menſchen in keiner Noth wolle ſtecken laſſen / darumb gleich ein ſtarcke InterceſſionN n n 3und470Judas der Laſter-Menſchund Vorbitt bey ihrem gebenedeyten Sohn eingelegt / worauf dieſer alſo bald den Leuten befohlen / Implete hydrias aqua, &c. ſie ſollen die groſſe ſteinen Kruͤg mit Waſſer anfuͤllen / und wie ſolches werckſtellig gemacht worden / da hat er diß Waſſer in den allerbeſten Wein verkehret. Leicht haͤtte er vermoͤg ſeiner Allmacht koͤnnen ohne das Waſſer den Wein erſchaffen / zuma - len er alles aus nichts erſchaffen; Leicht haͤtte er koͤnnen durch die Engel von anderwerts hero bringen laſſen den beſten Rebenſafft und Muſcateller / aber er wolt alles dieſes nicht allein thun / ſon - dern zugleich auch der Menſchen Arbeit und Mitwuͤrckung dar - bey haben / er wolt das Waſſer in Wein verwandlen / aber ſie ſollen das Waſſer ſchoͤpffen / das Waſſer tragen / das WaſſerSt. Ambr. l. 6. in Luc. eingieſſen: In nuptiis ex fontibus Vina, Miniſtris operantibus, colerantur, utraque enim altcrineceſſaria eſt, & in duſtria Gra - tiæ, & gratia Induſtriæ.

Die Jſraeliter ſeynd auf ein Zeit kaum in die Stadt Maſ - phat kommen / und daſelbſt wollen Pœnitentz und Buß thun ih - res veruͤbten Muthwillens halber und groſſer Laſter-Thaten / da ſeynd ihnen die Philiſteer / als abgeſagte Feind / gleich wieder auf den Rucken kommen / und die Stadt mit groſſer Kriegs - Macht umbgeben / und wuͤrcklich belaͤgert: Dieſer unverhoffte feindliche Uberfall hat unter ihnen den groͤſten Schrecken ver - urſacht / und wann alle haͤtten mit Karten geſpielt / ſo haͤtt doch keiner mit Hertz etwas gewonnen / wenig Spielleut waren un - ter ihnen / aber faſt alle haben auf der Zitter geſchlagen / auf die Orgel haben ſich wenig verſtanden / aber auf den Tremelanten die meiſten alle; unverzagt iſt ſonſt ein edel Haus in Oeſterreich / aber dieſem war keiner aus ihnen verwandt / wann man einem je - den ein Schreckſtein haͤtte ſollen anhaͤngen / wie bey uns den Kin - deren / ſo haͤtt man fuͤr dieſe Kinder Jſtael faſt ein gantzen Felſen muͤſſen zerſpalten / nicht zubeſchreiben ware die Forcht / ſo ſie wegen des Feinds hatten / dahero ihr einige Zuverſicht geſucht bey dem Samuel / ſo bey ihnen war / denſelben mit aufgerecktenHaͤn -471iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.Haͤnden erſucht / er wolle ſich doch ihrer annehmen / und bey GOtt wider dieſe ſo groſſe feindliche Kriegs-Macht gnugſame Huͤlff zu wegen bringen; Kaum daß ſich Samuel ſamt allem Volck in das eifrige Gebet begeben / und die Philiſteer in vollen Anmarch gegen der ſchlecht verveſtigten Stadt geweſen / da hat GOtt der HERR ein erſchroͤckliches Donnerwetter uͤber die Philiſteer erweckt / daß ſie hierdurch in groͤſten Schrecken gerathen / und alle gantz zaghafft worden / den Reisaus genom1. Reg. 7. v. 10. men / der Stadt den Rucken gezeigt / umb weil ihnen GOtt ein ſo zorniges Geſicht gewieſen / denen alſobald die Jſraeliter behertzhafft angehaut / und ein uͤberaus groſſe Anzahl des Feinds erlegt / und herꝛlich victoriſirt.

Ein Glaubens-Artickel iſt es / daß ſolcher Donner und Blitz nicht ungefehr im Himmel entſtanden / ſondern GOtt hat zu allem Fleiß dieſes ſo erſchroͤckliche canoniren wider die Phi - liſteer verurſacht; wann aber doch der Allmaͤchtige GOtt hat wollen den Feinden uͤber winden / die Stadt erledigen / warumb hat er nicht laſſen / welches Jh[n]e gar leicht waͤre geweſen / die - ſe feindliche Armee durch die feurige Donner-Keil zu Boden ſchlagen / ſo dann waͤre ihme die Victori allein zu geſchrieben wor - den / aus was Urſachen hat er wollen / daß auch die Jſraeliter ſollen von Leder ziehen / drein j[a]gen / drein ſchlagen / und den Feind verfolgen? Hoͤre deſſen Urſach von dem groſſen heiligen Pabſt Gregorio: GOtt iſt unſer HERR / und nicht unſer Diener; Er will nicht / daß er ſoll alles thun / und wir die Haͤnd in Sack ſchieben / ſondern er will / daß zu ſeiner Goͤttlichen Gnad auch der Menſch ſoll ſeinen Fleiß zugeſellen; Ohne Huͤlff dieſer ſo himmliſchen Dama kan der Menſch die Seeligkeit nicht erreichen / aber ſie will zugleich / daß ihr Beyſtand nicht in Him - mel helffe / ohne des Menſchen Mitwuͤrckung.

Jch thue das meinige ſagt GOtt zu dem Abraham und verſprich dir deinen Saamen zu vermehren wie die Stern am Himmel und den Sand am Uſer des Meers / aber thue auch dudas472Judas der Laſter-Menſchdas deinige / verlaſſe dein Vatterland und opffere mir deinen Sohn auf.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu dem Jacob / und will machen / daß dein Bruder Eſau das kuͤrtzere ziehe / und du das Majorat ſolſt antretten / aber thue du auch das deinige / und ſchau / wie du durch Huͤlff deiner Mutter kanſt den Seegen von Vatter erhalten.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu dem Kriegs Fuͤrſten Joſue / und verheiſſe dir gewiß / daß du die Stadt Jericho ſol - leſt in deine Haͤnd bekommen / aber thue auch das deinige / und gehe mir ſiebenmal mit der Proceſſion und klingenden Poſaunen - ſchall umb die Stadt herumb.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu der Rahab / und will machen / daß dein Haus ſicher bleibe vor aller Zerſtoͤrung / aber thue auch du das deinige / und haͤnge das rothe Strickel von Fen - ſter herab / damit ſolche Salveguarde die meinige Soldaten koͤn - nen wahrnehmen.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu allen Preſthafften Leuten bey dem Schwemteich zu Jeruſalem / aber thut ihr auch das eurige / und ſchaue ein jeder / daß er auf die Bewegung des Engels / der erſte im Waſſer ſeye.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu dem Noe / und will dich von dem allgemeinen Suͤndfluß ſalviren und erretten / dich und deine naͤchſte Verwandſchafft / aber thue auch du das dei - nige / und verfertige mit deinen Haͤnden ein groſſes Schiff oder Archen.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu dem Naam / und will dich durch meinen Propheten Eliſæum von Ausſatz gaͤntzlich rei - nigen / aber thue auch du das deinige / und bade dich ſiebenmal in dem Fluß Jordan.

Jch thue das meinige / ſagt GOtt zu dem Koͤnig Ezechia / und ich will dir noch dein Leben friſten auf 15. Jahr / aber thue auch du das deinige / und nimm das Pflaſter von Feigen / und leg es uͤber den Schaden.

Jch473iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner eigenen Verdammnuß.

Jch thue das Meinige / ſagt GOtt zu den zweyen Schwe - ſtern Magdalena und Martha / ich will euren verſtorbenen Bruder wieder zum Leben erwecken / aber thut ihr auch das eurige / und ſchaut / daß der groſſe Stein vom Grab geweltzet werde.

Jch thue das Meinige / ſagt GOtt zum Petro / und will dich zu Troſt der Kirchen aus den eiſenen Banden und Ketten / durch einen Engel erloͤſen / aber thue du auch das deinige / bekleide dich / lege die Schuch an / und gehe mit mir aus dem Kercker.

Jch thue das Meinige / ſagt GOTT zu einem jeden Men - ſchen / ich ſpendire deiner Seelen mein Goͤttliche Gnad / ich er - leuchte dieſelbige durch viel innerliche Eingebungen. Jch ermahne dich durch ſo viel Buͤcher und Prediger. Jch zeige dir die Fußſtapf - ſen ſo vieler heiligen Leut. Jch ſchicke dir ſo viel Plagen und Geiß - len / die dich vom Ubel ſolten erhalten. Jch hab dir zugeſellt einen be - ſondern heiligen Schutz-Engel / der dich immer zum Guten anzu - friſchen pflegt. Jch weiſe dir ſo viel Miracul und Wunder-Werck / krafft deren du ſolleſt augenſcheinlich erkennen / daß ein GOTT ſeye / daß ein Himmel ſeye / daß ein Straff ſeye / daß ein Beloh - nung ſeye. Jch thue alſo in allem das Meinige / thue aber du auch das Deinige / folge meiner Lehr / halte mein Geſatz / erwoͤge meine unendliche Liebe / foͤrchte meine Gerechtigkeit / meide die Suͤnd und Laſter. Wann aber diß nicht iſt / ſo gib die Schuld nicht mel - ner Gnad / die dir nicht abgangen / ſondern deinem eignen boͤſen Willen / der nicht hat wollen mitwuͤrcken.

Daß alſo ein groͤſſere Anzahl der Verlohrnen als der Auser - wehlten / ein groͤſſerer Hauffen der Boͤcke / als der Schaaf. Ein groͤſſeres Buch / wo die Verdammten geſchrieben ſeyn / als wo die Seelige. Jſt nicht Urſach der Allmaͤchtige GOTT / deſſen Guͤ - te und Barmhertzigkeit uͤber alle ſeine Werck / deſſen Milde und Vaͤtterliche Obſorg einen jeden Menſchen verſiehet mit genugſa - mer Gnad und Huͤlff / Krafft dero er kan ein Himmels-Burger werden; ſondern Urſach biſt du Menſch / weil du nemlich nicht wilſt mitwuͤrcken: Cum omnibus aditus pateat & à neminePars IV. O o opro -474Judas der Laſter-Menſch /prohibeatur, propria duntaxat malitia, ingredi recuſant.

Zu einem frommen und heiligen Eremiten iſt auf ein Zeit ein Herꝛ kommen / und ſich in ſein heiliges und eifferiges Gebet ſehr ſtarck befohlen / umb weilen er auf allen Seiten von Trangſalen und Widerwaͤrtigkeiten uͤberhaͤufft werde. Der fromme Wald - Bruder verſpricht / daß er in allweg ſein Gebet fuͤr ihn wolte ver - richten / bittet aber anbey umb ein Gnad. Was da? Herꝛ! ſagt er zu dieſem: Jch hab ſchon eine lange Zeit meinen Stroh-Sack nicht geluͤfftet / ich kan ihn gantz allein nicht zu der engen Zell hin - aus bringen / und in die Sonnen legen; thut mir ſo viel zu Ge - fallen / und helfft mir ſelben hinaus ſchleppen. Gar gern / ſagt der Herꝛ: warumb das nicht; und nimmt zugleich den Stroh - Sack mit beyden Haͤnden / des Willens / denſelben hinaus zu zie - hen / konte aber mit aller angewendter Muͤhe wenig ausrichten. Merckt aber endlich / daß der Eremit und Wald-Bruder mit bey - den Fuͤſſen auf den Sack geſtanden / und denſelben alſo zu ruck ge - halten. Holla! ſagt er zum Claußner: Jhr ſeyd ein ſeltzamer Mann / wann ihr wolt / daß ich den Sack hinaus bringe / ſo helffet mir tragen. Gar recht / ſetzt hinwieder der Eremit / wann ihr wolt / daß ich mit dem Gebet / euch aus aller Muͤheſeeligkeit helffe / ſo muͤſſt ihr auch mitbeten: Jch will faſten / aber ihr auch: Jch will mich der enthalben caſteyen / aber ihr auch / ꝛc. Deßglei - chen ſagt einem jeden / mein holdſeelige Dama / Gratia Divina, die Goͤttliche Gnad / ſie wolle einem jeden helffen / aber mit dem Geding / daß er auch nicht feyre: Cum Minerva manum ad - move, ſondern auch die Hand anlege / GOTT der HERR hat es alſo weislich angeſtellt / daß unſer Seeligmachung nicht voͤllig durch uns geſchehe / damit wir uns derentwegen nicht uͤber - nehmen / auch nicht voͤllig durch ihn / damit wir nicht traͤg und faul werden / ſondern durch ſein Goͤttliche Gnad und unſer Mit - wuͤrckung.

Genug von der Sach / ſagt einer / laß mich auch der Pater reden; Jhr ſtreicht mir dieſes Gnaͤdige Frauen-Zımmer ſehr ſtatt -lich475iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.lich hervor / und probirts mit mehrern / daß ſie ihrer angebornen Freundlichkeit halber / einem jeden die Hand reiche / keinen ausge - nommen / einen jeden zu ſich ziehe oder liebkoſe. Diß will ich weiter nicht in Abred ſtellen / aber wahr iſt es gleichwol / daß ſie einem ſchoͤner thut / als dem andern / laugnen kan es niemand / daß GOTT nicht einem mehr Gnad gebe als dem andern / und eben diß ſcheinet ein Urſach zu ſeyn / warumb ſo viel in ewigen Verluſt gehen. Es findet ſich gleichwol in ſolcher Geſtalt bey GOTT ein groſſe Partialitaͤt. Jn Mitten der zweyen Thier iſt er in der Krippen gelegen / das iſt wahr; Jn Mitten der zweyen Schaͤcher iſt er geſtorben / das iſt wahr; Jn Mitte der Apoſteln iſt er nach ſeiner Uhrſtaͤnd erſchienen / und ihnen den Frieden ge - bracht / das iſt wahr. Aber in Austheilung ſeiner Goͤttlichen Gnad gehet er nicht mitten durch / ſondern ſpendiret dieſem mehrer als jenem / darumb der letzte ſreylich wol ſchlecht beſchaffen iſt. Ej du elender Tropff / was redeſt du / wer biſt du / du verworffe - ner Erd-Wurm / daß du dich unterfangeſt wider den hoͤchſten GOTT zu ſchnarchen / wann GOTT einem jeden das je - nege gibt / was er ihme ſchuldig iſt / was gehet es ein elendes Ge - ſchoͤpff an / ſo er einem andern mehr ſpendieret / als dieſen. Was hat der Topff oder das Haͤfen zu ſchmaͤhlen wider den Hafner / umb weil er daſſelbige nicht zu einem Trinck-Geſchirꝛ gemacht hat auf eine Koͤnigliche Tafel? Nulla iniquitate agitur, ſi in ipſis quo -S. Proſp. de Vocat. Gen. c. 13. que fidelium populis non omnibus eadem, neque paria confe - rantur. Es iſt ja genug / daß GOTT einem jeden Men - ſchen ſo viel Huͤlff ertheilt / wormit er kan in die Anzahl der Seeligen kommen. Und woher haſt du die Nachricht / daß einer mehrer Gnad hat als der andere? Vielleicht hat Petrus mehrer Gnad / weil er froͤmmer und tugendſamer iſt / und Paulus weniger Gnad / weil er ſchlimmer und Gottloſer lebt? Aber hoͤre / wie ungereimt dieſe deine Ausſag / dann es ſeyn kan / daß ihrer zwey ein gantz glei - che Gnad beſitzen / und doch einer frommer lebt als der andere / die Ungleichheit aber des Wandels ruͤhret nicht von der Gnad her / als welche gantz gleich iſt / ſondern von der Mitwuͤrckung / weil nem -O o o 2lich476Judas der Laſter-Menſch /lich einer die Gnad wol braucht und anwendet / der andere aber ſel - be mißbraucht / und ihrer nicht viel achtet.

Mein Heiliger Vatter Auguſtinus ſtellet deſſen ein hellklares Exempel / es koͤnnen zwey eines gantz gleichen Temperament, einer gantz gleichen Natur und Complexion / und auch einer gan - tzen gleichen Gnad ſeyn / welche beyde ein wolgeſtaltes Wiebsbild anſchauen / einer aus ihnen verwilliget in ein ungebuͤrliche Be - gierd / der andere widerſtrebt / und erhaͤlt das Gewiſſen unverſehrt keiner anderer Urſach halber / als weil einer den freyen Willen uͤbel / und der andere wol angewendet. Ja es geſchicht nicht ſelten / daß einer mit weniger Gnad heiliger lebt / als der andere mit mehrer / nach Unterſchied des freyen Willens. So klag dann niemand die Goͤttliche Gnad an; als welche alle verlangt in die Seeligkeit zu bringen / ſondern die eigene Bosheit ſeines freyen Willens / dahe - ro ein jeder Verdammter in der Hoͤll ſagen kan / und bekennen muß: Ego ſum, qui peccavi, ego, qui in juſtè egi, ego, qui iniquè geſſi.

Der die Schuld auf die Gnad GOttes legt / als waͤre ſol - che nur Sufficiens, und nicht Efficax geweſt / und ſeye derenthal - ben verlohren gangen / der kommt mir vor wie jener boshaffte Or - ganiſt / welcher eine geraume Zeit einen Haß getragen gegen einem Schneider-Meiſter / und damit er ſich an demſelben rechnen moͤch - te / alſo hat er auf ein Zeit offentlich das Liedel / zwar ohne Ge - ſang auf der Orgel aufgeſpilt: Es kuͤffelt ein Schneider ein Geiß - ſuß ab / ꝛc. Diß war nicht allein in dem Haus GOttes ein groſ - ſe Ergernuß / ſondern zugleich dem ehrlichen Meiſter ein zimliche Unbild / ſolche gebuͤhrend abzuſtraffen / nimmt er einige Came - raden mit ſich / des Willens / ſolchen Muthwillen mit einem di - cken hoͤltzenen Concept abzutruͤcknen. Als aber der arge Orgel - Schmied ſolches wahrgenommen / iſt er alſobald mit einer Ent - ſchuldigung auf die Bahn kommen / mit Vermeldung / daß ſol - ches ſeiner Schuld gar nicht zuzumeſſen ſeye / ſondern den Cal - canten / und Blasbalgzieher / und muß er nur auf der Orgel ſchla - gen / was er ziehen thue / der einfaͤltige Meiſter nimmt dieſe grund - loſe Entſchuldigung an / und bezahlt den armen Calcanten mitder477iſt ſelbſt ſchuldig an ſeiner ewigen Verdammnuß.der Muͤntze / die ſonſten fuͤr den Organiſten gehoͤrig geweſt.

Laͤcherliche Sachen ſchicken ſich wol nicht gut daher / wo man von ſo hochwichtiger Materi / als da iſt die Gnad GOttes / hand - len thut; aber wahr iſt es gleichwol / daß ſehr viel unbedachtſame A - dams-Kinder die Schuld ihres Laſter-Wandels der ſo kleinen und ſchwachen Gnad GOttes zumeſſen / ſo doch mit dem groͤſten Un - fug geſchicht. Pharao kan das nicht ſagen. Eſaukan das nicht ſa - gen. Judas kan das nicht ſagen. Herodes kan das nicht ſagen. Pilatus kan das nicht ſagen / dann / daß alle dieſe ſamt unzahlbaren anderen verlohren gangen / iſt nicht daran Urſach GOttes Gnad / welche da gnugſam war / daß ſie darmit haͤtten koͤnnen die ewige Cron erwerben / ſondern Urſach war ihr eigner freyer Will.

Jhr fuͤnff thorrechte Menſcher / daß euch die Himmel-Thuͤr vor der Naſen iſt zugeſchlagen worden / ſeyd ſelbſt daran ſchuldig / warumb habt ihr bey rechter Zeit euch nicht mit Oel verſehen. Jhr ſaumſeelige Diener / daß man euch das Talentum und anvertrau - te Geld mit Schand und Spott wieder hinweg genommen / ſeyd ſelbſt daran ſchuldig / dann / indem ihr mit demſelben haͤttet ſollen Wirthſchafften / habt ihr es unter die Erden vergraben. Jhr ungluͤck - ſeelige Weingart-Knechte ſeyd ſelbſt daran ſchuldig / daß man euch hat darvon gejagt; dann als ihr haͤttet ſollen den Wein-Garten gut und fleiſſig bauen / habt ihr denſelben voͤllig verwachſen laſſen.

So bleibt dann Jhr Gnaden die Hoch - und Wolgeborne Dama, Gratia divina, die Goͤttliche Gnad / in ihrer Reputation / niemand kan ihr was Ubels nachreden / indem ſie gegen allen Men - ſchen freundlich und freygebig / und iſt ihr Gedancken niemalen / daß ein einiger ſoll verloren gehen. Daß Judas Jſcarioth zum Teuffel gefahren / iſt ſie gar nicht daran ſchuldig. Non perdidi ex eis quem - quam, &c.

O o o 3Judas478Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /

Judas ſparꝛt weder Muͤhe noch Arbett / da - mit er nur den HErꝛn JEſum in die Haͤnd der Feind lieffern moͤge.

NAchdeme der verfluchte Boͤswicht ihme ſchon veſt und kraͤff - tig vorgenommen / dieſes unſchuldige Laͤmmlein den ruchloſen Hebreern / als reiſſenden Woͤlffen / zu uͤber - antworten / alſo hat er allen erdencklichen Fleiß und Muͤhe ange - wendet / ſolches werckſtellig zu machen. Am Erchtag zuvor / noch wie er ſpat Abends mit dem HERRN JESU ſamt an - dern Apoſteln in dem Garten geweſt / und der HERR ſo wol ihn als andere zum eiferigen Gebet angefriſcht / da hat ſich der ſchlimme Geſell eine zimliche Zeit abſendirt / hin und her in den Garten gangen / als thue er das ihme vorgeſetzte Gedet verrichten; unterdeſſen aber hat er alle Gelegenheit des Orts ausgeſpehet / und gantz genau alles beobachtet / ob nicht etwan ein Winckel waͤre / oder ſonſt einiger Ausgang / wordurch ſich der HERR konte ſal - viren.

Des andern Tags / unter dem Vorwand / als haͤtte er etli - che Sachen zu Unterhaltung des Apoſtoliſchen Collegii einzukauf - fen / iſt er von einem zum andern geloffen aus den Hohen-Prieſtern / und ihnen allerley Rath-Schlaͤg an die Hand geben / wie ſie doch koͤnten dieſen Verfuͤhrer des Volcks in Verhafft nehmen / damit ihre Hoͤchloͤbliche Synagog nicht gar zu Grund gehe / er hat den gantzen Tag kaum ein Biſſen in ſein Maul genommen / ſtaͤts hin und her gangen und geloffen / und wie er durch gewiſſe Nachricht die Kundſchafft erhalten / daß die Hohen-Prieſter und Schrifft - Gelehrte bereits alle im Rath verſammlet ſeyn / das war am Mit - woch auf dem Abend / da iſt er alſobald dahin mehrer geloffen / und mit denſelben den Gottloſen Contract eingangen / wie daß er den - ſelben den naͤchſtfolgenden Tag bey naͤchtlicher Weil / damit kein Aufſtand unter dem Volck geſchehe / unfehlbar wolle einhaͤndigen /hoffe479damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.hoffe aber / ſie werden ihre Parola halten / und das verſprochene Geld und Recompens erlegen. Die gantze Nacht am Mitwo - chen / hat der leichtfertige Geſell nicht ein Aug zugeſchloſſen / und ſich hin und her mit allerley Gedancken abgemattet / wie er doch moͤge ſein verfluchtes Beginnen ins Werck ſetzen / dann er ſtunde in groͤſten Aengſten / der HERR moͤchte ihme entrinnen / und aus dem Garn gehen / weil er ſchon vorhin mehrmalen erfahren / daß er vor den Augen der Hebreer verſchwunden. Den Donner - ſtag darauf iſt er wieder in aller Fruͤhe an gehoͤrige Ort gangen / und alle moͤgliche Anſtalt gemacht / ſeine Verraͤtherey zu vollzie - hen / wie es dann endlich durch ſonderen Goͤttlichen Willen an - gangen / gewiß iſt es / daß Judas drey Tag und Nacht kein Raſt noch Ruhe gehabt / und ſich uͤber alle Maſſen geplagt / biß er ſein Gottloſes Ziel erreichet. Auf ſolche Weis iſt nicht wahr / was der Poet blaudert: Facilis deſcenſus averni, &c. Ein leichter Plünder / in die Hoͤll hinunter. Jch zeige das Widerſpiel / daß ein groͤſſere Strapaza ſeye zum Teuffel fahren / als in Himmel kommen.

CHriſtus der HERR gleicht das Himmelreich einem Sauer-Teig / Matth am 13. Capit. zu zeigen / daß einem ſauer genug ankomme / wann er daſſelbe will erwerben. CHriſtus der HERR legt die acht Seeligkeiten aus auf einem hohen Berg / zu weiſen / daß man ohne Muͤhe und vieles Schnauffen nicht hinauf gelange. CHriſtus der HERR hat auf dem Berg Thabor alle Glory auf einen Augenblick laſſen verſchwinden / umb weilen Pe - trus ſo unbedachtſam daſelbſt hat wollen bleiben / und alſo den Him - mel und deſſen Glory ohne Creutz und Leyden beſitzen. Jch will nicht ſagen / was Jaſon hat muͤſſen ausſtehen / ehe er in Thracia den Guldenen Fluß bekommen. Jch will nicht ſagen / was der Paris hat muͤſſen leyden / wegen der ſchoͤnen Helena. Maſſen die - ſes nur Fabeln und grundloſe Phantaſeyen der Poeten. Jacob weiß wol / daß er der ſchoͤnen Rachel halber vierzehen Jahr wenig Ruhe gehabte Joſeyh weiß wol / bevor er zum Brett kommen in Egypten Land / was fuͤr hartes Holtz er hat muͤſſen aushoblen. David480Judas ſparrt keine Muͤhe noch Arbeit /David weiß wol / biß er den Scepter in Jſrael bekommen / was ihm fuͤr Pruͤgel ſeynd unter die Fuͤß geworffen worden. So weiß man auch daß Elias in Turbine, in einem Sturm-Wind ins Paradeiß verzuckt worden / woraus nun klar erhellet / daß jemand ſo die Seeligkeit verlangt / muͤſte vorhero ein zimlichen Sturm ausſtehen.

Jch hab offt bey mir betracht / daß faſt kein Ding in der Welt ſeye / welches ſo gar vıel muͤſte ausſtehen / als die Leinwath. Erſtlich wird das arme Flachs - oder Haar-Koͤrnl gar in die Erden begraben / und zwar in das freye Feld hinaus / als waͤre es etwan in einer Excummunication geſtorben / kaum / daß es nachmals den Kopff wieder hervor hebt / und in dem beſten Stand zu ſeyn glaubt / da erfahrt er die Tyranniſche Haͤnd / ſo es mit Leib und Seel aus ſeinem Vatterland vertrieben / bald hernach macht man ihme ein ſolches Schwitz-Bad / als haͤtte der arme Tropff die Nea - politaniſche Galantri am Hals. Wann es nun die Duͤrꝛſucht - ber und uͤber bekommen hat / ſo muß es in die Brechel / worinnen es die gantze Haut muß laſſen / und bleibt allein das Haar uͤbrig / ſchindt doch ein Pfleger die Bauren nicht ſo hart. Nach ſolcher unerhoͤrter Strapaza zeigen ihme ſo gar die alte Zahnluckende Weiber gantz eiſerne Zaͤhne / und ziehen es durch ein Haͤchel / daß ein Elend iſt. Gleich darauf bind man den Haar an eine Gunckel mit Strick und Band / als haͤtte er das groͤſte Schelmen-Stuck began - gen. Es halten ihn offt die alte Weiber an das Maul / aber nicht daß ſie ihm ein Buſſerl oder Kuß wollen verſetzen / ſondern die wilde Huſten ſpeyen ihn gar ins Geſicht. Endlich muß er gar auf das Rad kommen / als wann etwann der unſchuldige Tropff haͤtte Vatter und Mutter umbbracht / kaum daß er ſolches hat ausgeſtanden / ſo thut man ihm mit einer ſcharpffen Laugen den Kopff waſchen. Bey dem bleibt es noch nicht / ſondern der We - ber bindet und haͤnget ihn zwiſchen die Baͤumer / als haͤtte der ar - me Narꝛ den Galgen verdient Nachdem er von dem Weber ein manches Creutz hat ausgeſtanden / zumalen alles Creutz-Weisgewuͤrckt481damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.gewuͤrckt wird / ſo gerad dieſe Leinwath erſt nach ausgeſtandener Bleich / ich glaub aus lauter Forcht thut ſie alſo erbleichen / weil ſie wieder in die Haͤnd der Weiber kommt / unter die Waͤſcherin - nen / welche alſo unbarmhertzig mit ihr umbgehen / daß darge - gen alles Stockſchlagen leicht zu ertragen / nachdem ſie den Hals der armen Leinwath offt und viel umbgerieben / ſo muß ſie wieder aufgehaͤngt werden / und iſt kein Wunder / daß ihr ein Tropffen umb den andern die Wangen herunter faͤllt / zumalen ſie ihr Elend nicht gnug kan beweinen. Endlich kommt der Schneider oder die Naͤderin uͤber ſie und ſchneidts / und ſtichts / und kloffts / und ziehts / und ſtreckts / daß wol ein rechtes Mit - leiden mit ihr zu haben. Aber warumb leydet die Leinwath ſo viel? warumb? Jch glaub darumb / weil ſie in Himmel gehoͤrt / dann der Chroniſt GOttes Joannes hat geſehen: Veſtiti linoApoc. 15. v. 6. mundi & candido: Daß die Engel im Himmel ſeynd angethan geweſt mit ſauberer und weiſſer Leinwath. Wann nun die Lein - wath muß leyden / ſo ſie will in Himmel kommen / wie vielmehr der Menſch: Regnum cœlorum vim patitur, & violenti (non vinolenti) rapiunt illud.

Jch glaube endlich ſchon / und weiche von dieſer Ausſag gantz und gar nicht / daß es Creutz und Leyden / daß es Muͤhe und Arbeit koſte / wann man will das obere Jeruſalem erwerben / aber glaub du mir / es koſt ſo viel / wo nicht mehr / wann jemand will zum Teuffel fahren.

Umb GOttes Willen! geſtern hab ich den Herꝛn Ilde - phons von Silberſtorff geſehen / wie gehet er ſo miſerabel da - her / hat er doch ein Kleıd / daß ſich auch ein Dorff-Schulmeiſter darinn ſchaͤmen ſolt / er hat zweyerley Schuch / ſo viel ich hab koͤn - nen abnehmen an ſeinen Fuͤſſen / welcher ihn aber druckt / das weiß ich nit / der Stecken / ſo er traͤgt / iſt wol kein ſpanniſch Rohr / aber er iſt mir gleichwol Spaniſch vorkommen / indem ich ſeinen Herꝛn Vatter ſeeligen gekennt / welcher ihme dieſen Ildephons ſo viel tauſend Gulden hinterlaſſen; wie kommt dann / daß erPars IV. P p pſetzt482Judas ſparꝛt weder Muͤhe noch Arbeit /ſetzt ſo arm und elend worden? hat er etwan ein langes Recht ge - fuͤhrt / und bey dem Gericht das ſeinige verlohren? O Nein / der Richter iſt nicht daran ſchuldig / aber ein richtige Meræ tricæ haben ihm die Armuth nicht ins Haus gebracht / aber Meretri - ces wol; die Donau hat ihm nicht Aecker und Wieſenhinweg ge - riſſen / wol aber die Donnæ: Kriegs Zeiten oder Bellona haben ihme nicht ſein Haab und Gut verſchwendt / ſondern dieſe undProverb. 19. cap. dieſe Bella, &c. alſo bezeugt es der weiſe Salomon: Qui nutrit Scorta perdit ſubſtantiam, qui paſcit Meretrices, diſperdit di - vitias. Sein Subſtantz hat er verlohren wegen des Adjectum, jetzt merck ich es ſchon.

Chriſtus der HERR iſt in ſeinem herꝛlichen Einzug nacher Jeruſalem geritten auf einer Eſelin / auf dieſen haben nicht allein die Apoſtel ihre Kleider gelegt / ſondern die andere Leut haben auch ihre Ober-Kleider ausgezogen / und ſelbige auf den Weeg ausgebreit / ſo iſt dann die Eſelin unten und oben mit Kleidern bedient worden; wer weiß wanns ein Eſel waͤre geweſt / ob ihme dieſe Ehr waͤr geſchehen / aber was Gener. fœminini, das will viel Kleider haben / mich umb Bericht / ſagt der Ildephons von Silberſtorff / mein Madam hat mich ein ehrliches gekoſt / alle Quartal iſt ein Kleid auf ſie gangen; das rothe Ey / der neue Jahrstag / der Jahrmarckt / der Namens Tag / der Nicolai Tag haben mir zimlich in Beutel geriſſen / es ſeynd noch einige Auszuͤgel von den Kauff-Leuten vorhanden / ſo nicht bezahlt ſeynd / ich haͤtt es mein Lebtag nicht glaubt / daß die Venus Mars upium ſoll alſo verfolgen / jetzt bin ich wol ein armer Schlu - cker / der dies Veneris iſt vorbey / jetzt liegt mein Wirthſchafft gaͤntzlich in Sabbatho.

Vor 10. Jahren ungefehr / bin ich bey den N N verheyra - then Herꝛn mehrmalen im Zimmer geweſt / da war alles in U - berfluß / von Schnuͤr Berl / was ſchoͤn Ring / was Arm-Baͤn - der / und Ohren-Gehaͤng von ſeiner Frauen / jetzt iſt nichts mehr vorhanden / wo iſt dann alles hinkommen? Wohin? ich darff esnicht483damit er JEſum in die Haͤnde der Feind liefern moͤge.nicht recht ſagen: aber durch ein Gleichnuß wol. Exod. am 32. cap. ſtehet geſchrieben / daß die muthwilligen Jſraeliten einen Verdruß haben gehabt an dem alten GOtt / merck mich wol / und dahero von dem Hohen-Prieſter Aaron kurtzumb einen neuen Gott verlangt; der alte GOtt war freylich wol ein guter GOtt / der ſie mit dem Manna geſpeiſt / aber alleweil einen GOtt -------- einmal einen andern / ſagten ſie / und ha - ben hierzu guldene Ketten / Arm-Baͤnder / Ohren-Gehaͤng und dergleichen Geſchmuck und Weiber-Zierd geſpendirt / und nachmals ein guldenes Kalb bekommen; jetzt weiß ich ſchon / wo der Geſchmuck des N. N. iſt hinkommen / dieſer hat ein Diver - ſion ſeines Affects / er bett einen neuen Goͤtzen an; der Alt iſt ihm ſchon zu ſchlecht / und da kommen diß --- und diß ---- und diß hin / daß nichts mehr vorhanden / was will das arme Weib darzu ſagen?

Dergleichen Geſellen werden offt ſo arm wegen ihres lie - derlichen Wandels / daß ſie endlich im Spital muͤſſen ſterben / die Armuth kommt ſie hart an / und verdienen dardurch die Hoͤll; den Heiligen Franciſcum von Aſſis iſt ſein freywillige Armuth leicht ankommen / alſo zwar / daß er ſolche ſein liebe Mutter ge - nennethat / und hat mit dieſer den Himmel verdient / ſo iſt dan - noch ſchwerer zum Teuffel fahren / als zu GOtt kommen.

Ammon der Koͤnigliche Printz des Davids iſt ſo dirꝛ und mager worden / daß er wie eın Ladſtecken hat ausgeſehen / er haͤtt koͤnnen mit den Ellenbogen gar leicht ein Loch durch ein aichenes Brett bohren / die Augen ſeynd ihme alſo tieff im Kopff geſteckt / daß man geglaubt in dieſen Gewoͤlbern ſeynd keine Aepffel / ſon - dern duͤrre Bieren oder Kletzen; beede Wangen waren derge - ſtatten eingefallen / daß es geſchienen / als haͤtte ein Buchbinder die Kinnbacken mit Pergamen uͤberzogen; die Farb im Ange - ſicht war dem zeitigen Stroh nicht ungleich / und haͤtte ſolches das naͤchſte beſte Brennglaß gar leicht koͤnnen anzuͤnden / aber es iſt alles dieſes kein ſo groß Wunder / dann er hat manche Nacht nichtP p p 2ein484Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /ein Aug zugedruckt / es hat ihm weder Eſſen noch Trincken ge - ſchmeckt / er hat offt ſo groſſe Seufftzen von Hertzen abgedruckt / wann ſolche haͤtten Schellen angehabt / haͤtt man ſie uͤber ein Viertelſtund weit gehoͤrt; die Melancholey hat ihn der geſtal - ten eingenommen / daß er offt nicht gewuſt / ob es Sommer oder Winter iſt / in ſeinem Calender war es immerzu truͤbes Wetter; in ſeiner Kuchel hat es allzeit geraucht; in ſeinem Gar - ten iſt nichts gewachſen als Saurampffer; in ſeiner Sonne war allzeit Finſternuß; in ſeiner Uhr war nichts als Unruhe; wann er geredet hat / ſo war alles hinter ſich fuͤr ſich; wann er ge - ſchaut hat / ſo war alles hin und her; wann er geeſſen hat / ſo war alles in Gedancken; wann er getruncken hat / ſo war al - les in Seufftzen; in Summa / wenig iſt abgangen / daß ihme nicht gar die Seel iſt ausgangen; ja wann die Seel haͤtt Federn gehabt / und ein jeder Seufftzer waͤre ein Feder geweſt / ſo waͤr die Seel ſo bloß worden / wie ein gerupffte Martins-Ganß. Was muß dem guten Herꝛn geweſt ſeyn? Jonadab hat ſelbſten den Printzen gefragt: Quare fic attenuaris maci? 2. Reg. cap. 13. Warumb er alſo am Leib abnehme? Dann er hat ſo uͤbel ausgeſehen / wie ein Eremit / der am gantzen Leib ſtaͤts ein haͤ - rines Kleid traͤgt / wann er ſolches wegen GOTT haͤtt ge - litten / ſo waͤre er einer unter die groſſen Heiligen zu zehlen ge - weſt / aber er hat ſolches gelitten wegen des Teuffels: Wie da? Er hat ſich verliebt in die Thamar / dieſe geile Lieb hat den Menſchen alſo elend zugericht / daß er ein ſtaͤter Martyrer ge - weſt / und mehrer ausgeſtanden / als ein ſtrenger Religios im Cloſter.

Es waͤren gantze Buͤcher zubeſchreiben / was mancher in eder und ſchnoͤder Lieb vertieffte Phantaſt muß ausſtehen / mir lallt dermalen in die Feder / was auf ein Zeit einem Gericht - Schreiber begegegnet / welcher in verbottener Lieb mit einer Muͤll - nerin gelebt hat / dieſer Schleppſack erinnerte allemal dem Schreiber die Abweſenheit ihres Manns / einmal hat ſich zuge - tragen / daß wie der Muͤllner ausgereiſt / ſie dem Schreiber einſtattliche485damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.ſtattliche Jauſen zugericht / welche da beſtunde in etliche junge Huͤnnel / Schuͤſſel Krebſen / Krapffen / Spargel-Salat / und anbey ein ſtattlicher Wein; Ein Student ſo dazumal in die Vacanz gereiſt / ſuchte da eine Herberg / welche ihme aber von der Muͤllnerin rund iſt abgeſchlagen worden / der arge Latiniſt war nicht ſo thun / daß er nicht etwas verargwohnt hat / dahe - ro durch ein Fenſter gantz wol geſehen und abgenommen / wie man den Schreiber ſo ſtattlich hat aufgetragen / aber da kaum alles auf den Tiſch iſt geſetzt worden / ſchlaͤgt der Muͤllner un - verhofft an die Haus-Thuͤr / dann er was nothwendiges zu Haus vergeſſen; auf die erſte Stimm war alles in groͤſtem Schroͤcken / die Muͤllnerin wiſcht geſchwind mit einer Speis untern Ofen / mit der andern unter das Bett / mit der dritten unter die Banck in einen Winckel; ihme aber den Schreiber rath ſie / er ſolle ſich geſchwind verbergen unter den Bachzuber / nachdeme ſolches geſchehen / ſo iſt dem Muͤllner die Thuͤr er - oͤffnet worden; der Student nicht langſam / und bitt den ehr - lichen Mann umb ein Nacht-Herberg / welche er ihme nicht verſagt / jedoch vermeldt / er werde ein ſchmahles Nachtmahl haben / dieweil ſein Weib ihm heunt gar nicht verhofft haͤtte; indem ſie ein Weil bey dem Tiſch geſeſſen / und von einem und dem andern geredt / ſo hat ſich der Student verlauten laſſen / daß er bereits ſo viel gelernet / daß er auch ohne Suͤnd und Be - leydigung GOttes koͤnne natuͤrlich Zauberen; der Muͤllner kont ſich nicht gnugſam deſſen verwunderen / und zeigt einen be - gierigen Vorwitz etwas von ſolcher rarer Kunſt zu ſehen / der Student thut ſich hieruͤber anerbieten / er wolle in aller Kuͤrtze ein gutes Nachtmahl herzu zauberen / das war dem Muͤllner eben nicht ungefaͤllig / fangt demnach an etliche Arabiſche Spruͤ - che zu reden: Arenigs, Ihrevreſt, Izort Ammelez, Oſtedet, Occasleurs, &c. Allo ein Schuͤſſel gebratene Huͤnnel vom Ofen hervor / der Muͤllner gehet / ſucht / bringt warhafftig ein Schuͤſſel Huͤnnel; woruͤber er ſich nicht gnug verwunde - ren konte; nach dieſem faͤngt der Studioſus mehrmal an / Odna -P p p 3qua,486Judas ſparꝛt weder Muͤhe noch Arbeit /qua, angilam Saggelmi Ottillanzairs, Elibantaz: Allo ein Schuͤſſel Krapffen unter dem Bett hervor; der Muͤllner ſucht / findt / und bringts mit hoͤchſter Verwunderung: Der Scho - lar faͤhret ferner fort / Lemachdus Crebiambes formatlach, gnebſamich, &c. Allo einen guten Spargel-Salath unter der Banck zu ſinden / ꝛc. Der Muͤllner ſchaut / ſindt / tragt und thut ſich faſt deſſenthalben vercreutzigen: Der Student weiter mit ſeiner laͤcherlichen Zauber-Kunſt / aber wie es der Frau / vordet iſt dem guten Gericht-Schreiber unter dem Bach-Zuber umbs Hertz geweſt / iſt nicht zu beſchreiben / der konte kaum ſchnauffen / er doͤrffte ſich nicht ruͤhren / das Huſten war ihm gar verbotten / der kalte Schweis benetzte ſein gantzes Angeſicht / alle Lebens-Geiſter waren bey ihm in einen halben Arreſt / Angſt und Sorg betrangten ſein Hertz dergeſtalten / daß ihm faſt der Bach Zuber zu einer Todten-Bahr worden / dann er ihme leicht konte einbilden / der Lateiniſche Zauberer werde ihn eben - falls errathen: Prognus Gnaballos, Wınglanſon Tranza - rieth, &c. ſagte der Student und ſchreit zugleich / eine gute Kan - del Wein aus demſelben Kaͤſtel / wo die alte Hand Tuͤcher ſeynd; Der Muͤllner gehet / machet auf / zieht heraus ein Kan - del voll mit dem edleſten Wein / wie ſie nun beyde ſolches wun - derbarliche Nachtmahl verzehrt / ſo fragt der Studioſus, ob er der Muͤllner wolle auch den Teuffel in Menſchen Geſtalt ſehen / ja / warumb das nicht antwort der Muͤllner / wann er nur der Satan nicht gar zu abſcheulich iſt / benè ſagt der Student / al - lo Lebztanti, Schnebitti Marcaſmosauthezion, &c. Huy Teuf - fel unter dem Bach-Zuber hervor / und packe dich eilends zum Haus hinaus / ſonſt wirſt du tauſend Pruͤzel zu gewarten ha - ben / der Bach Zuber fangt ſich an zu ruͤhren / dann der Arte - ſtirte daſelbſt wuſte ſchon / daß dieſer Befehl ihn angehe / der Muͤllner fangt gleich das heilige Creutz an zu machen / der Kerl aber ſaumt ſich nicht / kriecht hervor und nimmt mit hoͤchſter Forcht die Flucht / der Muͤllner ſchreyet alſobald auf / Allmaͤch - tig er GOtt! wie ſicht der Teuffel unſerm Gericht-Schreiberſo487damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.ſo gleich. Was Forcht / was Angſt / was Noth / was Sor - gen / was Trangfal dieſer Geſell unter dem Bach-Zuber ge - litten / iſt gar nicht zu beſchreiben / alſo zwar / daß er ſelbſt be - kennt / daß er lieber wolt ein Carthaͤuſer ſeyn / und das ſtrenge - ſte Leben fuͤhren / als mehrmalen ſich umb das verbottene Buh - len annehmen / gewiß iſt es / wann er ſolches haͤtte umb GOt - tes willen gelitten / daß er derenthalben ihme eine groſſe Cron im Himmel haͤtte geſchmidt

Herꝛ Doctor, was ſchreibt ihr ein Recept? Warumb ſo viel decoct? Warumb ſo viel ſeltzame Kraͤuter? Warumb Saſ - ſafras und Saſſaberil, was ſeynd das fuͤr Jndianiſche Dannen - Zaͤpffen? Pater, es gehoͤrt fuͤr einen / deme man das inficir - te Blut muß wieder reinigen / das Marck in Beinern wieder ſtaͤrcken / und die Neapolitaniſche Tragoner aus dem Quartier jagen / ſo dermalen in Franckreich uͤbergangen / es iſt halt Ve - nus und Venenum aus einem Ort gebuͤrtig / die Perſon darff ich nicht nennen / oder aber er muß bey ſich behalten / es iſt der und der / aber ſub Sigillo.

Herꝛ Barbierer / was iſt das fuͤr ein ſeltzames hoͤltzenes Gebaͤu? Es ſcheint / als waͤr es ein Moſcowitiſcher Kraͤmmer - Laden / das iſt ein hoͤltzenes Fuderall uͤber einen Menſchen; der Kopff ſchauet oben heraus / es ſicht ſchier her / als waͤr es ein kleines Modell von der Archen / allwo das Fenſter auch obenher geweſt? Pater, das iſt ein Verſchlag / worinn man ſchwitzen muß / das iſt ein zeitliches Purgatorium, das iſt ein rechtes Angſt-Stuͤbel / da muß man des Adams Fluch erfahren / In Sudore Vultûs tui, &c. es gehoͤrt fuͤr einem / der keinen Namen hat / doch der Pater tragts nicht weiter / es iſt der und der / ꝛc. ſub Roſa.

Mein Herꝛ Eberhard / wie ſicht der Herꝛ ſo ſchlecht aus / war doch vorhero nicht an dem Herꝛn als Milch und Blut / wie ſeynd dem Herꝛn die ſchoͤnen Haar alſo ausgangen / thut er doch aͤrger mauſſen als ein Brutt-Henn / wie wacklen dem Herꝛn dieKnie /488Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /Knie / zu einem Weber taugt der Herꝛ nicht mehr / der Herꝛ ſchaut aus / als haͤtt er Schwebel-Hoͤltzel geſſen / iſt er doch ſo bleich umbs Maul wie ein Amſel / ſo noch im Neſt ſitzt / hat der Herꝛ etwann alſo ſtreng gefaſt? oder Diſciplin gemacht? oder ein haͤrines und undiſcretes Cilicium getragen? Jſt der Herꝛ ein Moͤnch oder ein Einſidler geweſt in Palæſtina oder The - baide, oder in Egypten? Ach nein / ſagt dieſer / ich hab Cu - ram animalium gehabt / der Barbier und Bader haben mir die Planeten geleſen / woruͤber meiſtens die Venus geweſt / weiter will ich nichts ſagen / man kennt mirs an der Naſen an / als die ein ſo ſchlechten Falſet ſpeiſt / die Zaͤhn ſelbſt verrathen mich / ſeynd gantz ſchwartz / und gehen in der Klag wegen meiner ver - ſtorbenen Unſchuld / Patientia! Der Heilige Chryſoſtomus hat gar wol geredt: Non ſoli animæ ſed & corporiſunt noci - deliciæ, eo, quòd ex forti fit debile, ex ſano ægrotum, ex formoſo deforme, ex juvene veteroſum, &c. Ach GOtt! der Teuffel iſt mit ſeiner Waar viel theurer als GOTT / es iſt haͤrter und ſchwerer in die Hoͤll zu kommen / als in Himmel / es koſt mehrer Muͤh und Trangſal verdammt / als ſeelig zu wer - den / wann ein ſolcher das wegen GOTT thaͤte leyden / was er wegen des Teuffels / er waͤre der naͤchſte bey der Canoni - zation.

Der Heilige Paulus gibt ihme / ſamt andern Apoſtlen ein ſeltzames Prædicat, in der 2. Epiſtel zu den Corinthern: Nos ſtulti propter Chriſtum: Wir ſeynd Narren umb CHriſti willen; aber die Welt zehlet weit mehrer Narren umb Chriſtina willen / als umb Chriſtı Willen.

Nachdeme der Tyranniſche Abimelech hin und her / und forderiſt an ſeinen Bruͤdern groſſe Grauſamkeit geuͤbt / ſo iſt er endlich mit ſeiner Armee zu dem Thurn Sichem geruckt / weil er wol gewuſt / daß die meiſte Leut ſich dahin ſalvirt hatten / in -Jud. c. 9. deme er aber bereits den veſten Ort wolte beſteigen / da wirfft ein Weib ein groſſes Stuck von einem Muͤhl-Stein ihme auf den Kopff und hat ihme das Hirn zerbrochen. O wie offt ge -ſchicht489damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.ſchicht es / daß ein Weib einem das Hirn verruckt / und gar zu einem Narren macht.

Samſon hat verdient / daß alle Zungen ſollen von ihme reden / Samſon hat verdient / daß alle Federen ſollen von ihm ſchreiben / Samſon hat verdient / daß alle Wolredner ſollen ihm hervor ſtreichen: Nimrod ſtarck / Milo Crotoniata ſtarck / Polydamas ſtarck / Starchaterus ſtarck / Cleomenes ſtarck / Archydamus ſtarck / Crates Thebanus ſtarck / Artaxerxes ſtarck / Democrates ſtarck / aber Samſon weit ſtaͤrcker / weit: Loͤwen zerreiſſen / wie ein kleines Kitzel / das iſt viel / mit einem Eſels-K〈…〉〈…〉 abacken tauſend Philiſter erſchlagen / das iſt viel: Ein gantze Stadt-Pforten / wie ein Latern-Trum auf den Ach - ſeln tragen / das iſt viel: Ein groſſes Gebaͤu auf einmal nieder - werffen / das iſt viel: Drey hundert Fuͤchs fangen / und ihnen brennende Facklen an die Schweiff haͤngen / das iſt viel / das alles hat gethan der ſtarcke und Heldenmuͤthige Samſon: Ein Eichbaum iſt ihm geweſt wie ein Ladtſtecken / nicht anderſt: Ein Muͤhlſtein iſt ihm geweſt wie ein Ballen / nicht anderſt: Ein dicker Strick iſt ihm geweſt wie ein Zwirns-Faden / nicht anderſt: Ein eiſene Ketten iſt ihm geweſt wie ein Schuſter Dradt / nicht anderſt: Jhme hat man in aller Warheit den Titul koͤnnen ge - ben: Invictiſſimo, dem Unùberwindlichen / und gleichwol / O groſſer Fall! iſt dieſer Samſon ſo weit kommen / daß er auf die letzt hat muͤſſen einen Narren abgeben: Pfuy. Und in demJud. 16. v. 25. groſſen Tempel Dagon in Beyſeyn dreyer tauſend Menſchen / wie ein Narꝛ muͤſſen ſpielen: Sag und frag jemand / wer ihn doch in ſo groſſes Elend geſtuͤrtzt? So antwort ich / ein & - tera ein Dalila / ein Schleppſack / ein gemeiner Grindſchuͤppel / ein Schottenauerin / ꝛc. Es iſt aber gar nichts neues / daß man wegen der Weiber naͤrriſch wird.

Es iſt einer geweſt / der ſich alſo in ein Teutſche Helena ver - liebt hat / daß er alle Tag etliche Stund vor ihrem Controfehe iſt niederkniet / ja dero Namen hat er mit einem ſcharpffen Fe -Pars IV. Q q qder -490Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /dermeſſerl zimlich tieff auf ſein Bruſt geſchnitten / und meiſtens alle Tag mit Saltz getrieben / damit ſein verwundes Hertz allzeit ein friſche Gedaͤchtnuß mache ſeiner Liebſten: Schellen her / wann auch eine 100. fl. ſolle koſten.

Es iſt ein anderer geweſt / und zwar in der Stadt Wienn / war aber kein geborner Oeſterreicher / der hat ſich alſo in ein Weiber-Geſicht vergafft / daß er ſchier derenthalben unſinnig worden / den Speichel / ſo dieſes gefuͤrneſte Pfuy Deuhl aus - geworffen / hat er mit ſolcher Begierd aufgeleckt / daß ihme ſolcher weit lieber und ſuͤſſer geweſt / als ein Zucker aus Candia. Schellen her / und wanns auch ein gantzes Schlitten Gleit ſoll ſeyn.

Mehr iſt einer geweſt / welcher alſo thoͤrrecht verliebt war in ein ſolches Weıber-Geſpenſt / daß er der Waͤſcherin viel Geld geſpendirt / wann ſie ihme das Waſſer uͤberbracht / wor - inn der Leinwat-Zeug dieſer ſeiner Madam getaͤchtiet worden / ob er ſolches fuͤr ein Syrup getruncken / oder aber ſein Geſicht darmit gewaſchen / iſt mir eigentlich nicht bewuſt / aber gleich - wol Schellenher / und ſolle man ſie auch dꝛey Meil hinder Ca - lecut ſuchen.

Jn einem gewiſſen Hertzogthum des Teutſchlands / iſt bey den gemeinen Baurengeſellen das Buhlen / welches ſie das Fen - ſtern tauffen / alſo gemein / daß ſie mehrmalen bey Naͤchtlicher Weil / auch im rauchiſten Winter uͤber etliche Stund gehen / ein halbe Nacht den Kopff zum Fenſter hinein halten / und offt gan - tze Eiszapffen unter der Naſen zieglen / ein Teuffliſche Peris - thraſis, wo Hitz und Kaͤlten in einem Loſament. Schellen her / und ſollens auch ſo groß ſeyn / wie der Ober-Steyrer ihre Pferd am Hals tragen.

Mir hat ſelbſt einer bekannt / daß er in ſeiner unbehutſamen Jugend ſo Naͤrꝛiſch geweſt ſeye / daß er gar gern mit ſeiner Lieb - ſten waͤre in die Hoͤll gangen / ja er habe etliche Zeit dero Pan - toffel fuͤr ein Trinck Becher gebraucht / auch die abgeſchnittne Naͤgel von ihren Fingern und Zehen in einem Agnus Dei, oderBrevi591[491]damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.Brevi am Hals herumb getragen / und ſelbes Tag und Nacht verehrt. Schellen her / und nur fein bald / damit man dem Kerl ſein Kappen zieren kan.

Nicht ſo viel Unkoſten gehen darauf / es braucht nicht ſo viel Muͤhe / man hat weit weniger Sorgen / man erſparrt viel Kuͤmmernuß / es gibt weniger Arbeit / man darff nicht ſo har - te Brocken ſchlicken / wann man den Tugend-Weeg gehet / wann man GOTT dienet / wann man will ſeelig werden / als wann man will zum Teuffelfahren. O wie recht / ſpricht Sal - vianus, Quanto ſtudio infeliciſſimi hominum efficitis, ut mi - ſerrimi in æternum ſitis, quanto minori cura, minori ambi - tu, id vobis præſtare potuiſtis, ut ſemper beati eſſe poſſe - tis!

Jch verſichere / daß keiner in meiner reformirten Reli - gion / die doch uͤber alle maſſen ſtreng wegen ſo vieler Diſciplin und Geißlung / maſſen alle Wochen dreymal ein jeder ſeiner Haut ein ſolchen Fliegen-Wadel ſpendiren muß / ſtreng wegen der ſtaͤten Choͤr / ſtreng wegen ſo vieler Faſt-Taͤgen / ſtreng we - gen Hitz und Kaͤlte / gleich wol niemand in dieſem Orden wegen GOtt und ſeiner ewigen Belohnung alſo leydet / wie da leydt ein Hex oder Zauberin / ſo dem Teuffel und ſeinen Anhang die - net / umb einen ſchlechten und einbilderiſchen Wolluſts halber / de - nen dieſer hoͤlliſche Wuſt ihnen vorlegt / muͤſſen ſie / wie ihr eigne Ausſag oͤffters dargethan / dergeſtalten leyden / daß nit zubeſchrei - ben / er ſchlagts / er kratzts / er zwickts / er wuͤrffts / er wuͤrgts / er rauffts / er tractirt ſie wie Slcaven und Leibeigne / er erſcheint ih - nen gar offt wie ein wilder ſchwartzer Bock / und da muͤſſen ſie ihm an das jenige Ort einen Kuß geben / wo er zum meiſten boͤck - len thut / pfuy Teuffel! ja ſo gar muß ein jede von dem ſtincken - den Wind dieſes Bocks ein Kertzen anzuͤnden / und folgſam der teuffliſchen Solennitaͤt beywohnen / von eſſen und trincken will ich dermalen nichts ſagen / zumalen der Satan ohne das kein anders Speisgewoͤlb / als die Schind-Gruben. Das heiſt ja recht was der weiſe Mann an ſtatt ſolcher elenden Leut geredt:Q q q 2Laſſa -492Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /Laſſati ſumus in via perditionis, ambulavimus vias difficiles: Wir ſeynd muͤd worden auf dem Weeg der Ungerechtigkeit / und des Verderbens / und haben ſchwere Weeg gewandlet.

Die Unmaͤſſigkeit im Eſſen und Trincken kommt haͤrter an / als die Maͤſſigkeit. Was haben die erſte Elteren ins Elend gebracht? Was hat dieſes paar Ehe-Volck in ſolches Ungluͤck geſtuͤrtzet / daß ſie ſich nackend und bloß erkennt / und nicht ei - nen Fetzen gehabt / wormit ſie ſich konten bedecken? Die Schlang / ſagſt du / ich aber ſage / dieſe nicht allein / ſondern ein gewiſſer Buchſtaben aus dem A. B. C. derſelbe ſicht aus wie ein Schlang / benanntlich der Buchſtab S. Dieſes S. hat den Adam und ſein Weib in die aͤuſſerſte Armuth geſtoſſen / das ver - bottene Eſſen war ein Urſach ihres Verderbens; Eben das S. das unmaͤſſige Eſſen und Trincken bringt manchsmal einen an Bettelſtab: O mein Frau! wie gehet es euch ſo ſchlecht / euer Wirthſchafft iſt wurmſtichig worden / wie das Manna der Jſraeliter / euer Haab und Gut iſt verſchwunden / wie die Glo - ry auf dem Berg Thabor; euer Geld und groſſe Mittlen ſeynd verwelckt wie die Kuͤrbes-Blaͤtter des Propheten Jonæ: Euer Gluͤck iſt zuruck gangen / wie der Fluß Jordan; Eure Ki - ſten und Kaͤſten ſeynd leer wie die Ampeln der fuͤnff thorrechten Jungfrauen / allem Anſehen nach ſteckt ihr im groſſen Creutz / und warumb? Mein Pater darumb / ihr wiſt wol / daß im A. B. C. nach dem Buchſtaben S. der Buchſtaben T. gehet / ſo wie ein Creutz ausſihet / das S. das S. das ſtaͤte Eſſen und Trin - cken hat mich in dieſes Creutz und Elend gebracht / mein Mann war Tag und Nacht im Wirths-Haus / ſein ſtaͤte Diverſion in diverſorio hat mir mein voriges Gluͤck divertirt. Jch hab offt den Predigern nicht glaubt / wann ſie den Natur-Kuͤndiger Plinio citirt haben / hab manchesmal vermeint / ſie machen mit dem Plinio ein blindes fuͤr die Augen / aber dermalen muß ich es mit der Warheit beſtehen / was ſie mehrmalen gefagt haben / daß nemlich ein Strauß dieſer Feder-Kramer einen ſo ſtarckenMa -493damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.Magen habe / daß er auch Huf. Eiſen koͤnne verdaͤuen / jetzt ſpuͤre ich es / und nimm leider wahr zu meinem groͤſten Scha - den / daß auch ein Strauß koͤnne Haus und Hof verzehren / dann mein Mann war faſt taͤglich im Wirths-Haus beym guldenen Strauß / und daſelbſt hat er das ſeinige anworden: Ach GOtt!

Vor dieſem war zu Jngolſtadt in Baͤyern ein gewiſſe verſof - fene Studenten Rott / bey der einer dem andern den Namen ge - ben Brenner / da hat es taͤglich geheiſſen / Bruder! heunt wollen wır einander brennen da und da / ſie haben einander alſo gebrennt / daß auch das Geld im Beutel zerſchmoltzen / wel - ches die armen Eltern im Schweiß ihres Angeſichts muſtenge - winnen; dem Urheber dieſes Namens / Brenner / iſt es durch Goͤttliche Straff ſehr uͤbel gangen / maſſen er auf ein Zeit ſehr wol bezecht bey naͤchtlicher Weil bey dem Liecht eingeſchlaffen / welches / weiß nicht durch was Bewegung umbgefallen / ihme das Hemmet ergriffen / und folgſam lebendig verbrennt / da hat - te ſein ſchlemmeriſch brennen einen traurigen Ausgang: Sol - ches Brennen thut bey manchen Weinzapffen wol gar ſeyn Haus und Hof verzehren / daß nichts mehr uͤberbleibt / alles / ſo gar Silber und Gold; alles ſo gar Bley und Zinn / alles ſo gar Stachel und Eiſen / wird in die Aſchen gelegt / auſſer ein Holtz bleibt uͤber / benanntlich der Bettelſtab.

Der Evangeliſt Lucas ſchreibt am 10. Cap. daß einer von Jeruſalem nach Jericho ſeye gereiſt / es mag ſeyn / daß er ein reicher Handels-Mann geweſt / und in beſagter Stadt auf dem Marck ein ſchones Geld geloͤſt / wie er nun unter Weegs in ei - nen Wald und dickes Gehoͤltz kommen / da haben ihme einige ſchlimme Dieb und Straſſenrauber aufgepaſt / ihn biß auf das Hemmet ausgezogen und alles bey Pfenning und Heller / was er bey ſich gehabt / hinweg genommen: Wer muͤſſen dieſe ver - meſſene Boͤswicht geweſt ſeyn? Einige glauben / ſie ſeynd dort -Q q q 3her -494Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /herumb in der Nachbarſchafft zu Haus geweſt / dafern es nicht ein pure Parabel iſt.

Jch kenne ſelbſt einige / die umb all das Jhrige kommen ſeynd / ſie haben nicht mehr ein gutes Hemmet am Leib / der La - zarus ſchaut allenthalben zum Fenſter heraus / ihre Schuch ſeynd auf eine Ungariſche Modi mit eiſenen Naͤglen beſchlagen: Wer ſeynd aber dieſelbige geweſt / qui deſpolaverunt eum? die ihn alſo ausgeraubt / und umb das Seinige gebracht? Ant - wort: Es ſeynd Oeſterreicher geweſt / es ſeynd Tyroller geweſt / es ſeynd Francken geweſt / es ſeynd Steyrer geweſt / es ſeynd Tridentiner geweſt / ich verſtehe aber lauter Wein / ſo in dieſen Laͤndern gewachſen / dieſe / dieſe haben ihme das Seinige ge - nommen / das hat ſchon laͤngſt vor meiner der weiſe Salomon geſagt: Qui diligit epulas, in egeſtate erit, qui amat vinum & pinguia, non ditabitur.

Wie Titus Veſpaſianus die Stadt Jeruſalem belaͤgert / worinnen ſo viel hundert tauſend Juden verſchloſſen waren / da haben ſehr viel aus der Stadt die Flucht genommen / aber alle von dem Feind erdappt / und von ihnen ſehr grauſam tractirt worden / unter andern haben die Syrier und Arabier in einer Nacht zweyen tauſend Juden die Baͤuch lebendig aufgeſchnitten / und Geld darinnen geſucht / weilen ſie gar gewiſſe Nachricht er - halten / daß viel aus ihnen das Geld geſchlickt hatten. Philo in flavum de Legat. ad Cajum.

Wann man bey vielen ſoll fragen / wohin ihr Haab und Gut / ihr Geld und Gelds Werth ſeye hinkommen / ſo wuſte ihnen keinen andern Rath zu geben / als daß ſie ſollen dieſen Schlemmeren den Bauch aufſchneiden / dann alles iſt durch die Gurgel gangen / alles iſt dem Bauch geopffert worden / Charta bibula hat zu viel gekoſt / jetzt ſeynd ſie wegen der Unmaͤſſigkeit arme Tropffen / jetzt muͤſſen ſie Waſſer trincken / weil ſie zu viel Wein geſoffen. Ach GOtt! wann ſie nur die Helffte oder den halben Theil haͤtten GOtt geſchenckt / was fuͤr ein hohen Sitzund495damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.und Thron haͤtten ſie im Himmel zu hoffen / indeme ſie aber al - les dem Teuffel geben / ſo gibt er ihnen darfuͤr die Hoͤll / die Maͤſſigkeit vermehrt die Mittel / und promovirt noch in Him - mel; die Unmaͤſſigkeit ſchmaͤlert die Wirthſchafft / verhilfft zu der Armuth / und fuͤhrt in die Hoͤll.

Meiſter wie ſecht ihr aus? wer hat euch ein blaues fuͤr die Augen gemacht? habt ihr doch mehr Farben im Geſicht als ein Regen-Bogen / was iſt euch fuͤr ein Schneider uͤber die Naſen kommen? Jch glaub / ihr habt mit der Katzen duellirt: War - umb habt ihr den Kopff verbunden? Seyd ihr erſt gefirmbt wor - den / oder aber hat man euch ſonſt abgeſchmiert? Warumb tragt ihr den lincken Arm in der Schlingen / habt ihr etwann beym Doctor Fauſt eingekehrt? Jhr habt weniger Haar auf dem Kopff als zuvor / es hat ja der Kirſchner mit dem Staͤbel die Schaben nicht heraus geklopfft? der Hals iſt auch ſtarck ge - ſchwollen / wer hat euch das Pintzger Kreß geſpendirt? Bey was fuͤr einem Marckſchreyer habt ihr dieſen ſo groben Schlag - Balſam eingehandlet? Mich / ſagt der Meiſter / hat geſtern der Weın uͤbermeiſtert / bin deſſenthalben in ein Grein-Handel gerathen / hab erfahren / daß der Wein einen ſtarcken Einſchlag gehabt / ich hab des Geſtoͤſſens ſo viel genoſſen / daß ich auch ei - nem anderen haͤtte koͤnnen ein Beſcheid-Eſſen koͤnnen mittheilen / die Narren / glaube ich / haben mich fuͤr einen Amboß oder Feuerglocken angeſehen / daß ſie alſo un Chriſtlich drein geſchla - gen / endlıch haben ſie mich gar die Stiegen eingeworffen / das gar knopert und uneben Berg ab / ich kan bey meiner Treu heunt kaum ein Glied ruͤhren: Der Noe hat wegen ſeines Rauſch vom Cham gelitten / ich aber vom Kaͤmpel / dann ſie haben mich der - maſſen abkaͤmpelt / daß mir noch der Kopff ſauſt / als haͤtten mir die Zauberer des Koͤnigs Pharao ein gantzes Mucken-Neſt hin - ein practıcirt.

Was leide ich! O elender Tropff / ein Geiſtlicher im Clo - ſter leidet nicht ſo viel / ein Einſidler in der Wuͤſten leıdet nicht ſo viel / ein Diener GOttes leıdet nicht ſo viel / als ihr / und dannochwerden496Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /werden dieſe wegen ihres wenigen Leyden von GOtt belohnt / und ihr / wegen eurem viel Leyden / fahrt zum Teuffel. Der H. Ben - no hat nur einen einigen Backenſtreich empfangen wegen Gott / der H. Joannes Deinur einen / der H. Philemon nur einen / der H. Petrus Jeremias nur einen / die H. Antonina nur einen / ꝛc. und ſeynd doch derentwegen von dem Hoͤchſten wol gezahlt wor - den: Euch hat man die Haut voll angeſchlagen / und deſſenthal - ben koͤnt ihr den Recompens beym Teixel ſuchen.

Wann ich waͤre bey dem Schemmteich zu Jeruſalem ge - weſt / wo ein groſſen Menge und Anzahl der krancken und preſt - hafften Leut gelegen / und haͤtt einen und andern ſeines Zuſtands halber gefragt / da wurde ich unterſchiedliche Antworten vernom - men haben / einer haͤtte etwan geſagt / er habe die Gliederſucht / und glaube / es ruͤhre daher / weil er ſich ſo ſtarck erfroͤhret: Ein an - derer haͤtte geſagt / es habe ſich die Gall bey ihme ausgoſſen / und ſeye er der Meinung / daß er ſolche Kranckheit erblich habe von ſeinen Elteren: Der dritte haͤtte vielleicht vor geben / er ſeye ſonſt ſeines Handwercks ein Maurer / und ſey eineſt von einem hochen Geruͤſt herunter gefallen / weſſenthalben er gar auf kein gruͤnes Zweig koͤnne kommen; Aber hoͤrt ein wenig / dort liegt einer / der hat die Waſſerſucht / er hat einen Bauch wie ein Boͤhmiſcher Hopffenſack / neben ſeiner liegt ein anderer / der huſt immerzu / und wirfft aus / als haͤtte er gantze Laubfroͤſch im Magen / nicht weit von ihme erblicke ich auch einen / der kruͤmpfft ſich zuſammen wie ein Taſchenmeſſer / ihr drey leidet / allem Anſehen nach / er - ſchroͤckliche Schmertzen / wie ſeyd ihr zu dieſem elenden Zuſtand gerathen? Weil ihr nichts ſagt / ſo will ich reden / das ſaubere Luderleben / das unmaͤſſige ſchlemmen / die wiederhohlte Freſſe - reyen / das ſtaͤte ſauffen und panquetiren hat euch dieſe Kranck - heituͤbern Hals geladen / ſo muͤſt ihr ja ſelbſt bekennen / daß es leichter iſt / GOtt zu dienen / als dem Teuffel; Leichter iſt der Weeg der Tugenden / als der Weeg der Laſter / leichter iſt in den Himmel zukommen / als in die Hoͤll: Propter crapulam multiEccl. 36. obierunt.

Frau497damit er JEſum in die Haͤnde der Feind liefern moͤge.

Frau wie gehet es heut ihrem Herꝛn? ſchlecht / gar ſchlecht / er hat die gantze Nacht kein Aug zugedruckt / er hat geheult wie die Woͤlff umb Weyhnachten / er hat ſich zuſammen gebogen / wie ein Paſſauer-Kling / er hat geſchryen wie ein Nacht-Waͤchter / er hat geſchwitzt wie ein Poſt-Klepper / er hat geſtampfft wie ein Lein - weber / das macht alles die Colica, oder auf Teutſch / das Grim - men; dieſes iſt ein elender Zuſtand. Zu der Zeit / da Saul uͤber1. Reg. c. 13. Jſrael regierte / war kein einiger Eiſen-Schmied oder Meſſer - Schmied im gantzen Land / und folgſam kein Degen noch Spieß zu finden. Aber bey einem ſolchen / der an der Colica leidet / iſt faſt nichts als Degen und Spieß zu finden / dann es ſchneidt und ſticht im Leib / als waͤre ihm das Jngeweid auf den Marter-Platz gefuͤhrt worden. Jn dem Bauch des groſſen hoͤltzenen Pferd zu Troja / ſeynd lauter Soldaten mit Wehr und Waffen verborgen geweſen / bey dieſem iſt es ſo elend beſchaffen / als haͤtte er ein gantze Compagnia Pickenierer im Quartier.

Der Ammonnitiſche Koͤnig Hanon / hat Schimpffweis den Abgeſandten des Davids die Kleider biß auf die Lenden laſſen ab - ſchneiden; aber dem armen Tropffen iſt nicht anderſt / als ſchnei - de ihm einer alles Gedaͤrm von einander. Dem Koͤnig Saul ſpricht Flavius Joſephus hat ein Zauberin weisgeſagt / durch ei - ne Stimm / ſo von ihrem Leib gangen: Erat enim ventriloqua, aber bey dieſem armen Schelmen murret es eine gantze Zeit im Bauch / und verſtehet doch keiner die Sprach. Der Raphael hat dem jungen Tobiœ befohlen / er ſolle den Fiſch aufmachen / und die Gall heraus nehmen / dann ſolches ſehr gut ſeye vor das Augen-Wehe: Der elende Menſch hat ſo viel Gall im Leib / daß er gar leicht ein gantzes Spital koͤnte verſehen / wann auch alle ei - nen Zuſtand an Augen haͤtten. Das Erimmen plagt ihn derge - ſtalten / als haͤtte der grimmige Todt ſchon einen Fourier voran geſchickt / der ſeine Pfeil an ihm probire. Schmertzen hat er / die ſeynd nicht auszuſprechen. Schmertzen hat er / die ſind nicht zu beſchreiben. Schmertzen hat er / die ihm kein Menſch kan ein -Pars IV. R r rbilden /498Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /bilden / aber woher kommt ſolches? hat er etwan zu viel gefaſt wegen GOtt? oder zu viel in Gebet gewacht wegen GOtt? oder zu keuſch geweſt wegen GOtt? und GOtt leidt er ſolches nicht / ſondern wegen des Teuffels / dann er hat ſich alſo erzuͤr - net / daß ihme die uͤbermaͤſſige Cholera ſolche unermaͤßliche Cho - lica verurſacht:

Das Jahr / ſagt einer hab ich in meiner Wirthſchafft er - ſchroͤcklich eingebuͤſt / ich bin uͤber drey Monat im Arreſt geſeſ - ſen / mehrer Solitium und Einſamkeit ausgeſtanden als ein Moͤnch unter dem Pachomio oder Paphnutio, und ſolcher Zeit iſt mein Gewerb ins defecit kommen / daß alſo in meiner Gram - matica lauter Caret zu finden; unterdeſſen hat mein Weib den Frey-Herꝛn Stand angetretten / und hat ſich des Luffts bedient / die doch zuvor auf Schnecken-Art muſte zu Haus bleiben; dem Stadt Richter hab ich muͤſſen hundert Thaler geben / das Re - cipiſſe beſtund in einem Capitel / dergleichen auch der Heilige Paulus nie zu den Cretenſern geſchrieben hat; den Barbierer hab ich muͤſſen contentiren / daß ich wol erfahren / daß er meh - rer Zug-Pflaſter als Kuͤhl-Pflaſter gebraucht / ja wann ich ein ſolchen Wund-Artzten haͤtte gehabt / wie der Malchus / deme Unſer Lieber HERR das abgehaute Ohr hat umbſonſt ange - heilt / ſo waͤr ich freylich beſſer beſtanden / in Summa etliche hundert Gulden ſeynd dasmal darauf gangen / und hab keinen guten Biſſen darfuͤr genoſſen / aber wie da? Jch / ſagt er / hab mich erzuͤrnt / und in ſolchem unbaͤndigen Zorn meinem Die - ner ein Hand abgehaut / und ſonſt alſo mit ihm verfahren / daß er kuͤmmerlich mit dem Leben darvon kommen: O mein Kerl! mit aller dieſer Ausgab haſt du die Hoͤll verdienet / wann du aber die Heiffte deſſen haͤtteſt freywillig den Armen geſpendiret / ſo waͤr dir der Himmel gewiß geweſt / ſo iſt dann warhafftig die Hoͤll theurer als der Himmel / und der Weeg zu den Laſtern haͤrter als zu den Tugenden.

Jch hab vor ſechs Jahren in meiner Romaner Reis auf demFloren -499damit er JEſum in die Haͤnd der Feind lieſern moͤge.Florentiner Gebuͤrg unweit Radicophani einen wackeren Her - ren / ſo ſonſt aus Maͤyland gebuͤrtig / angetroffen / der da im Wirths-Haus einen gemeinen Haus-Knecht muſte abgeben / und bereits ſchon fuͤnff Jahr dieſes ſchlechte Ambt verrichten / ſo doch von einem guten Haus / und adelichen Gebluͤt herſtamm - te / ich fragte die Urſach ſeines Ungluͤcks / welcher mir dann al - les umbſtaͤndig erzehlet / was Geſtalten er vorhin in ſtattlichen Mitteln ſich befunden / deßgleichen auch nicht im geringen An - ſehen geweſt / und fernere groſſe Promotiones haͤtte zu hoffen ge - habt / weil er aber mit ſeinem leiblichen Bruder in einen Zanck und Zweyſpalt gerathen / auch ſelbigen im Zorn entleibt und umbgebracht / alſo habe er ſich derenthalben muͤſſen in die Flucht begeben / und weil man ihm maͤchtig nachgeſtellt / ſo hat er ſich in einen weit-entfernten Wald beſtermaſſen verborgen / keine an - dere Lebens-Nahrung genoſſen / als die unverdaͤuliche Aichlen / ſo ſonſt ein gemein Confect der Schweinen pflegt zu ſeyn / biß er endlich nach tauſend Gefahren / und ausgeſtandenen Muͤhe - ſeeligkeiten an dieſes Ort gelanget / und ſich noch alſo armſee - lich muͤſſe durchbringen: Was der Zorn nicht thut! Am juͤng - ſten Tag werden wir ſehen / daß ſolcher Geſtalten viel in der Hoͤll unter den Verdammten werden ſtehen / die da mehrer aus - geſtanden / als viel Heilige im Himmel: Viel und aber viel werden zehlt werden / die ſich mehrer bemuͤhet haben umb die Hoͤll als umb den Himmel / und gewiß iſt es / daß mehrer Ketze - rey und Ungelegenheit iſt in Ubung der Laſter / als in Ubung der Tugenden.

Kein Element thut groͤſſeren Schaden zufuͤgen in der Welt als das Feuer / und gedunckt es einer jeden Feder unmoͤglich zube - ſchreiben das Unheil / ſo von dieſem allerſeits herruͤhret. Die Catholiſche Kirchen pflegt uns den erſten Tag in der Faſten zu dem Aſchen / das Memento hinzuzuſetzen / Memento homo, gedenck Menſch / daß du Staub und Aſchen biſt / ꝛc. Wegen des Aſchen in dem die Cron Franckreich ſo viel edle und uhralte Staͤdt dieſe Jahr hindurch gelegt hat / haben wir ein ewigesR r r 2Me -500Judas ſparrt keine Muͤhe noch Arbeit /Memento, und Gedencken. Sonſten iſt der Artzten Ausſag / daß nemlich das Lilien-Oel gut und heilſam ſeye / wann ſich einer ge - brennt hat. Bey dieſen unſern Zeiten erfahren wir das Widerſpiel / indeme uns die Frantzoͤſiſche Lilien mehrer gebrennt / als abgkuͤhlt. Speyer / Wormbs und andere vornehme Oerter umb Bericht / ꝛc. Samſon hat / durch drey hundert Fuͤchs / die ſchoͤne Philiſteiſche Felder in die Aſchen gelegt. Die argliſtige Mord-Brenner haben ſo gar dem Koͤnigreich Boͤhmen nicht verſchonet / wie dann neben andern ſtattlichen Oertern Anno 1689. den 21. Junii die ſchoͤne Haupt-Stadt Prag durch ſolche gewiſſenloſe Leut einen unermeß - lichen Schaden gelitten / und neben vielen hundert Haͤuſern / ſo viel herꝛliche Kirchen und GOttes-Haͤuſer in Flammen aufgan - gen. Was Anno 1683. in Unter-Oeſterreich durch den Chriſtli - chen Erb-Feind mit Feuer verzehrt worden / koͤnnen es die waͤſſeri - ge Augen nicht ſattſam bethraͤnen.

Aber ungeacht des groſſen Schadens / welchen die Menſchen - Kinder von ſolchem feurigen Element leyden / iſt weit groͤſſer / das Unheil / ſo aus dem ſeurigen Zorn entſtehet. Wann mancher ſo kurtz angebunden / unnd gleich Feuer in dem Tach iſt. Derglei - chen Exempel hat man durch taͤgliche Erfahrnuß. Jch weiß mich zu entſinnen / daß vor zwantzig Jahren von mir zu Wienn an Si - monis und Judœ-Tag ein Predig gehalten worden / worinnen etwas wider die boͤſen Weiber / wie an dergleichen Tag meiſtens pflegt zu geſchehen / iſt eingefuͤhrt worden. Unter der zimlichen Anzahl der Zuhoͤrer / war auch ein ehrlicher und mir wolbekannter Mann / welcher ein kleine Lection aus der Predig / zu Haus ſei - nem boͤſen Weib bey dem Tiſch erzehlt hat / dieſe aber gleich einer Haus-Orgel / fangt an zu pfeiffen / und wird dergeſtalt zornig / daß ſie alſobald nach des Manns Geſicht avangiret / nicht allein auf Tiger-Art / ihme blaue Augen eingeſetzt / ſondern noch die un - tere Lefftzen des Manns zwiſchen die Zaͤhn gebracht / dieſelbe gantz unſinnig abgebiſſen / und hinunter geſchluckt / wordurch der Mann veranlaſt worden / indeme ſie mehrmalen dergleichen Un -ſinnig -501damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.ſinnigkeit im Zorn begangen / daß er ſie aus dem Haus vertrieben / und viel Jahr im Elend herumb wandern laſſen / biß ſie endlich ge - ſtorben iſt.

Jn was haͤuffiges Ungluͤck / ja gaͤntzlichen Untergang ſeyndAlt. Mar. 728, nicht mehrmalen die Spieler durch den Zorn gerathen? Zu Par - normi in Sicilien iſt ein Spieler in einen ſolchen unſinnigen Zorn ausgebrochen / nachdeme er das Seinige verlohren / daß er mit ei - nem Dolchen gegen der Bildnuß Mariœ der Mutter GOttes ge - loffen / und ſelbige biß auf das Blut verwundet; ſolcher Boͤswicht iſt alſobald durch das Gericht zum Strang verurtheilt worden / und zwar ſolte er hencken von der Kirchen gleich hinuͤber / wo er die - ſe Mıſſethat begangen / weilen aber dorten weder Baum noch ein anders Gericht gleich vorhanden / alſo iſt Augenblicklich durch ein Wunder-Werck / in Gegenwart vieler tauſend Perſonen / ein groſſer Stein von der Mauer / ohne einige Hand-Anlegung her - aus gantzen / an welchen dieſer Gottslaͤſterliche Spieler hat koͤnnen gehenckt werden.

Zu Bononien in Jtalien iſt ein Spieler / umb weilen er imFelix A - ſtolph. l. 11. Spielen ein mißguͤnſtiges Gluͤck gehabt / in einen ſolchen grimmi - gen Zorn gerathen / daß er einen Stein an die Bruſt der Mut - ter GOttes geworffen / ſo da ware an der Mauer gemahlt / und ſelbe gleicher geſtalt biß auf das Blut verwundet / aber die Rach Gottes iſt nicht auſſen geblieben / dann kaum hat dieſer Gottloſe Menſch den Fuß aus der Kirchen geſetzt / da ihn alſobald ein Don - nerſtreich dergeſtalten zur Erden niedergeſchlagen / daß ihme alles Jngeweid zum Leib heraus gefallen.

Zu Luca, ebenfalls in Welſchland / hat gleichermaſſen einDonati in lib. Im - prefl. ad 1657. Spieler / weil er nemlich umb alles das Seinige kommen / in dem unmaͤſſigen Zorn die Bildnuß der Mutter GOttes mit einem Stein geworffen / und gleich darauf von der Erden lebendig ver - ſchluckt worden.

Zu Amerung im Coͤllniſchen Gebiet / hat auch ein Spieler / nachdem er umb das Seinige kommen / aus verdammten Zorn / ein ſteinernes Bild mit einer Mußqueten geſchoſſen / und eben -R r r 3falls502Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeit /Gumpen - perg. 41 falls zum haͤuffigen Blut gebracht / woruͤber er unſinnig worden / und bald in ſolchem elenden Stand die ungluͤckſeelige Seele auf - geben.

Zu Maintz in der Chur-Fuͤrſtlichen Haupt-Stadt weiß faſt ein jedes Kind / was daſelbſt der vermeſſene Spieler mit Namen Schellkropff aus Zorn geſtifft hat; dergleichen Begebenheiten ſeynd faſt ohne Zahl und ohne Ziel in der gantzen Welt: Durch den Zorn wie viel kommen umb Haab und Gut: Durch den Zorn wie viel kommen umb Ehr und guten Namen: Durch den Zorn wie viel kommen umb ihre gewuͤnſchte Geſundheit: Durch den Zorn wie viel kommen umb Leib und Leben / woraus dann Sonnenklar erhellet / daß einem die Laſter haͤrter ankommen / als die Tugenden / daß man mehrer leydet wegen des Teuffels / als wegen GOtt / und daß einer muͤder und matter werde auf der Straſſen zum Hoͤll / als auf dem Weeg gegen Himmel.

Wann man den Namen einer Perſon nicht weiß / noch of - fenbaren will / ſo ſchreibt man gemeiniglich den Buchſtaben N. N. Wie heiſt der groͤſte Schelm zu Hof? jedoch mit Erlaubnuß / daß ich ſo grob geredt: Antwort N. N. Wie heiſt der ſchlimme Kerl / ſo aller Victori im Feld die Bruͤgel unter die Fuͤß wirfft? N. N. Wie heiſt der leichtfertige Geſell / ſo die Moͤnch und an - dere Ordens-Perſonen unter die andere verhetzt? N. N. Wie heiſt das Herꝛlein / ſo allen Cantzleyen die Dinten ſo bleich macht? N. N. Wie heiſt das Buͤrſchel / ſo unter allen Kuͤnſtlern die Freundſchafft zertrennt? N. N. Wie heiſt der verwegene Ge - ſell / ſo unter allen Hand-Werckern die Bruderſchafft aufhebt? N. N. Wie heiſt der Gottloſe Gaſt / ſo auch bey den Bauren in den Doͤrffern die groͤſte Ungelegenheit macht? N. N. Wie heiſt der nichtsnutzige Schlenckel / ſo auch in den Spitaͤlern die Sup - pen verſaltzt? N. N. Wie heiſt der ungeſchaffene Limmel / ſo auch in die geflickte Bettel-Saͤck groſſe Loͤcher macht? N. N. Was iſt aber das N. N.? Jch will es nicht mehr weiter verber - gen / er iſt der Neid / Neid / der erſte Willkomm zu Hof heiſt Neid; die erſte Parola im Feld heiſt Neid; das erſte Salve im Cloſterheiſt503damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.heiſt Neid; der erſte Gruß in der Cantzley heiſt Neid; der erſte Tritt herein bey den Kuͤnſtlern / heiſt Neid; die erſte Bekannt - ſchafft bey den Hand-Werckern heiſt Neid; die erſte Baurn-Sup - pen heiſt Neid; der erſte Bona dies im Spital / heiſt Neid; das er - ſte Bettler Privilegium heiſt Neid: und es macht der Neid / daß faſt jederman leydt.

Diocletianus iſt ein Tyrann geweſen / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Veſpaſtanus iſt ein Tyrann geweſen / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Trajanus iſt ein Tyrann geweſt / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Domitianus iſt ein Tyrann geweſt / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Quintianus iſt ein Tyrann geweſt / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Julianus iſt ein Ty - rann geweſt / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Numerianus iſt ein Tyrann geweſt / ich bin auch einer / ſagt der Neid: Maximia - nus iſt ein Tyrann geweſt / ich bin auch einer / ſagt der Neid / und plage / und quaͤle und peinige / und martere die Leut mehrer als an - dere Tyrannen; der Heilige Martyrer Probus hat am Kopff ge - litten; die Heilige Lucia hat an Augen gelitten; die Heilige Aqui - lina hat an Ohren gelitten; der Heilige Tharaccus hat an der Na - ſen gelitten; die Heilige Apollonia hat an Zaͤhnen gelitten; die Heilige Agatha hat an der Bruſt gelitten; der Heilige Adrianus hat an der Achſel gelitten; der Heilige Antiocheniſche Macarius hat an Armen gelitten; der Heilige Thyrſus hat am Rucken gelitten / der Heilige Andronicus hat am Bauch gelitten / der Heilige Gre - gorius hat an Fuͤſſen gelitten / aber ein Neidiger leydet am Her - tzen / diß iſt weit ein groͤſſere Marter.

Aaron und Maria haben einmal wider ihren Brudern Moy - ſen uͤbel geredt / und ihn durch die Hechel gezogen / GOTT kont hieruͤber nicht anderſt / als dieſe beyde derenthalben zu ſtraf - ſen / aber wie? vielleicht wie jener Prieſter von deme Cantipra - tanus ſchreibt / der wegen ſolchen Laſtern vor dem Todt ihme ſelbſt unſinniger Weis die Zung abgebiſſen? vielleicht wie jener vermeſſene Geſell / deme das Maul ſammt dem Hals erkrummt /weil504Judas ſparrt weder Muͤhe noch Arbeitweil er uͤbel geredt hat wider den heiligen Koͤnig Ludwig in Franck - reich? Nichts dergleichen / ſondern GOTT hat den Aaron und Mariam zu ſich geruffen / und in dero Gegenwarth den Moy - ſen uͤber alles gelobt und hervor geſtriechen / ſprechend: Hoͤret meine Wort: Jſt jemand ein Prophet des HERRN / dem will ich im Geſicht erſcheinen / oder ich will im Traum mit ihm re - den / aber nicht alſo mein Knecht Moyſes / der in meinem gantzen Haus der Allergetreueſte iſt / dann mit ihme redet ich von Mund zu Mund / ꝛc. Solches Lob hat die zwey neidige Leut alſo gebrennt / als haͤtten ſie ein Hand voll gluͤende Kohlen ge - ſchluckt / es hat ſie alſo geſtochen / als haͤtten ſie ſechs Dutzet Na - deln eingenommen: Es hat ihnen alſo wehe gethan / als waͤren ih - re Hertzen auf die Folter-Banck gelegt worden / ꝛc. Olea iſti ibi: Es iſt faſt kein Marter uͤber dieſelbige / was da ein Neider leidet / wann er ſiehet / daß es ſeinem Gegentheil wolgehet / darumb we - gen der innerlichen Schmertzen hat er ein Farb wie ein Schwe - bel / hat Augen wie ein alter Falck / hat ein Stirn wie ein Stif - felbalg / hat Lefftzen wie ein Bley / und ſeufftzet immerzu wie ein Pfau / ꝛc.

Auf ein Wort zu mir / du Teuffel / mein Kerl / ſage du mir? Was hat dir der fromme Job gethan / daß du ſo Tyranniſch mit ihm verfahren? Warumb alſo mit ihm? Warumb nicht mit Noe? mit Enoch? mit Elia? mit Moyſe? mit Abraham? mit Jſaac? mit Jacob? mit David? welche gleichfalls groſſe Diener GOttes / und in allen Tugenden beruͤhmte Maͤnner geweſen? Sag mir die Urſach / du verdammter Schelm wilſt mit der Sprach nicht heraus / wart / ich will dir ſolches ſelbſt in deinen Bocks-Bart reiben. Weiſt du dich noch zu entſinnen / woran kein Zweiffel / wie dich der Allmaͤchtige GOTT befragt hat / nachdem du den gantzen Erdenkreiß durchwandert / ob du nicht habeſt in acht ge - nommen ſeinen Knecht / den Job: Quod non ſit ei ſimilis in ter - ra, daß ſeines gleichen nicht ſeye auf dem gantzen Erdboden? Ja / ja / freylich. Was dann? Gar recht / ſagt der Teuffel / ich beſte -he505damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.he es / wie ich hab gehoͤrt / daß der Job alſo gelobt worden / daßD. Greg. l. 2. Mo - ral. c. 8. de Job. ſeines gleichen nicht ſeye / das hat mich alſo verdroſſen / das hat mir alſo wehe gethan / daß ich nicht hab gewuſt / was ich ſoll an - fangen / und darumb hab ich alle moͤgliche Mittel und Weis ge - ſucht / wie ich ihn koͤnne ſtuͤrtzen.

Was den Teuffel damalen geſchmertzet und gequaͤlet hat / daſſelbe leidet noch auf den heuntigen Tag ein jeder Neidhardt / ſag einer nur in Gegenwart etlicher Damaſen / welche ſich auch huͤbſch zu ſeyn / geduncken / daß Iſabella Joanneta von Weiſ - ſenegg die Schoͤneſte ſeye / und ihres gleichen nicht / das wird ei - ne und andere dergeſtalt verdrieſſen / als haͤtte ihr der allergroͤbiſte Schmied-Geſell mit dem groſſen Hammer Jackelio eines auf das Hertz geben; ſie wuͤnſehet der Jſabella / daß ſie ſo viel Wartzen im Geſicht moͤcht bekommen / wie viel Scheer-Hauffen auf einer Wieſen: Sie wuͤnſchet / daß ihr Geſicht moͤcht eine Farb bekom - men / wie der rothe Marmel-Stein von Saltzburg / ꝛc. Sag einer nur in Beyſeyn etlicher Kriegs-Obriſten und hochen Officier / daß Ludwig von Bravenheim ein ſtattlicher Soldat ſeye / von ei - ner unerhoͤrten groſſen Kriegs-Erfahrenheit und anſehnlicher Cou - rage; ja ſeines gleichen nicht! das wird einem und dem andern das Hertz alſo treffen / daß er zappelt und zittert wie der Fiſch / wel - chen der juͤngere Tobias aus dem Waſſer gezogen / man wird tau - ſend Calender machen / wie uͤber die Sonn ein Finſternuß zu brin - gen ſeye / man wird alle Schaufflen probiren / biß man dieſem ein Gruben grabt / man wird alle Waͤlder durchſuchen / biß man ei - nen Pruͤgel findet / den man ihn unter die Fuͤß werffe: O Neid! ſag einer nur / daß Heinrich Artenberger in Gegenward aller Mahler / der beſte Kuͤnſtler ſeye / und zwar der Zeit ſeye ſeines gleichen nicht; da wird es einem und dem andern nicht anderſt ſeyn / als haͤtt ihm ein Haͤchelmacher all ſein Wahr in Buſen ge - worffen / es wird ihm ein ſolche Roͤthe im Geſicht aufſtehen / daß er ſein Lebentag kein ſolchen Florentiner Lack gebraucht / er ſetzt ein gantz Dutzet Brillen auf die Naſen / damit er demſelben ei -Pars. IV. S s snen506Judas ſparꝛt weder Muͤhe noch Arbeit /nen Fehler koͤnne finden / das Hertz iſt ihm wie ein harter Reib - Stein / worauf der Teuffel ſchwartze Farb zuricht / den ande - ren nach Moͤglichkeit zu verſchwaͤrtzen. Sag einer nur in Beyſeyn etlicher Handels-Leut / daß Georg Zuckerhofer die be - ſte Wahr habe / abſonderlich nach dieſer Modi / und dermalen ſeye in der Stadt ſeines gleichen nicht; das wird einem und dem andern das Hertz dergeſtalt hupffet machen / als haͤtte der Teuffel einen Tantz aufgemacht / er wuͤnſchet ihm an ſtatt der Modi-Baͤnder lauter Strick / er wuͤnſcht ihn an ſtatt des Eng - liſchen Tuch lauter Teuffel / er wuͤnſcht ihm an ſtatt des ſeide - nen Zeigs lauter Buffi / er wuͤnſcht ihm an ſtatt der Ellen lau - ter Pruͤglen / ꝛc. O Neid! Sag einer unter etlichen Herren Doctores, der Doctor Curatius ſeye bey dieſen Zeiten der beſte / und findt man dermalen unter allen ſeines gleichen nicht; Hol - la / da wird einer und der andere mehr haben von der Gall / als von Galleno, einer wird ſagen / er wiſſe ſo viel als jene Medi - ci, denen das Weib / ſo am Blutgang gelitten / alles das ihri - ge angehengt / und doch nicht curirt worden / Matth. c. 9. Ein anderer wird ſagen / er habe von ihme ein Recept geleſen / das hat gelautet / & ſui eum non receperunt, &c. Vom dritten wird man hoͤren / er ſeye nur ein Paduaniſcher Doctor, aber mache weit weniger Wunder-Werck als Antonius von Pa - dua, &c. O Neid!

Sie eſſen nicht / ſie trincken nicht / ſie ruhen nicht / wer? die ſaubere Synagog Bruͤder / die Hebreeiſche Prieſterſchafft / ſie lauffen / ſie ſchnauffen / ſie fragen / ſie klagen / ſie ſchreiben / ſie trei - ben / ſie hoͤren / ſie thoͤren / ſie hetzen / ſie wetzen / ſie brennen / ſie rennen / ſie dichten / ſie ſchlichten / ſie leyden erſchroͤcklich / weder Oſtwind / weder Weſtwind / weder Nordwind / weder Sudwind koͤnnen auf dem Waſſer ſo viel Wellen erwecken / als truͤbe Ge - dancken in ihrem Hertzen / ein Loͤw beiſt grob / ein Leopard beiſt grob / ein Panterthier beiſt grob / ein Tygerthier beiſt grob / aber das was ſie leyden / beiſt ihnen gar das Hertz ab / und dieſes iſt der Neid / dann wie ſie geſehen / daß Chriſtus der HErꝛ ſo vielMira -507damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.Miracul wuͤrcket / daß bey ſeiner Predig ſo viel Zuhoͤrer / daß ſein Lehr bey jederman in ſo groſſem Ruhm / daß ſeines glei - chen nicht zu finden / das hat ſie faſt unſinnig gemacht / das hat ſie dergeſtalt geſchmertzt / daß ſie offt weder ſchlaffen / noch eſ - ſen / noch trincken konten; O ihr elende Narren / wegen des Teuffels leidt ihr ſo viel / es bleibt halt noch wahr / und klar / daß es nicht ſo viel Muͤhe koſte in Himmel zu kommen / als in die Hoͤll.

Herꝛ Reichard / ihr habt ein ſchoͤnes Neigl Geld bey ein - ander / GOtt vergoͤnns euch / ich hab den Herꝛn noch wol ge - kennt / wie ſein gantzer Kram in etlichen Ellen Baͤndlen be - ſtanden / weiß auch noch wol / wie er ſein gantz Handel-Gewoͤlb im Korb herumb getragen / und ein edles Mitglied geweſt der Sa - voiarden: Wahr iſt es / mein Pater! aber mit Faulentzen hab ich ſolches nicht erworben / es waͤre kein End / wann ich ſolt alles erzehlen / was ich hab ausgeſtangen: Jch bin viel Jahr von einem Marck zum andern gereiſt / und tauſend Ungelegenheiten aus - geſtanden / ich bin gar auf Leipzig gereiſt / aber dem Leib gar we - nig gut gethan; offt in dreyen Tagen kein warmen Biſſen zu mir genommen / und alſo den Blasbalg leicht erſparen koͤnnen: Jch hab unter den Uncatholiſchen wol doppelt Catholiſch gefaſt / und iſt bey mir wol doppelt Vigil geweſt: bey meiner Tafel hat ſich ſelten ein Fliegen ſehen laſſen / auſſer ſie hat einen Appetit gehabt nach Kaͤß und Brodt: der Wein iſt mir zu theuer geweſt / dahero mein meiſte Hoffnung in Brunn gefallen: Bey Winters-Zeit bin ich offt dergeſtalt erfroren / daß ich dem Teuffel ſelbſt nicht haͤtt koͤnnen ein Feigen zeigen / ꝛc. Einmal auf der Reiß nach Franck furth hat mich der Fuhrmann umgeworffen in Mitte einer Kothlacken / da hab ich mein Lebetag nicht ſo viel Pfeffer im Maul gehabt / hab mir zugleich die Achſel ausgefallen / und weil ein unerfahrner Wurmſchneider uͤber mich kommen / und nicht recht curirt / alſo leyde ich noch unermaͤßliche Schmertzen / und weiß ich es beſſer als alle Calendermacher / wann ein uͤbles Wet - ter wird einfallen: auf dem Weeg nacher Graͤtz bin ich unterS s s 2die508Judas ſpart weder Muͤhe noch Arbeitunter die Werber gerathen / und weil ich zu dem Mars keinen Luſt hatte / ſo iſt der Saturnus uͤber mich kommen / und mir der Bu - ckel alſo fidimirt worden / daß auch ein Fiſch aus Holland mit mir ein Mitleyden gehabt haͤtte. Auf der Potzner Reis / da hab ich gar viel ausgeſtanden / dann hinein iſt das Pferd mit mir gefallen / daß ich alſo drey Wochen hab muͤſſen bey dem Barbierer patien - tiren / der Phantaſt hat gleichſam nichts gethan als geſchnitten / ich glaub / er hat mich fuͤr einen Rabwiſch angeſehen / in der Zu - ruck-Reis / hab ich Ungluͤck auf dem Waſſer gehabt / und zu Muͤhldorff unter der Brucken geſcheitert / daß alſo nur ich und ein altes Weib darvon kommen / ſo ſich an mich gehalten / und bin alſo kuͤmmerlich mit dieſer Antiquitaͤt ans Geſtatt kommen. Zu Lintz den gantzen Marck hindurch hab ich das Fieber gehabt / und gleichwol ſtaͤts in der Huͤtten verblieben / es iſt bald Winter bald Sommer bey mir geweſt / und offt nicht gewuſt / ob die Hitz oder Kaͤlte werde das laͤngere ziehen. Zu Wienn allhier hauſe ich ſchon etlich und dreyſſig Jahr / und verſichere / daß ich allzeit der erſte auf bin / und der letzte zum ſchlaffen / im uͤberigen iſt mir der Strick am Bratter noch nie zerbrochen / und gehen ein gantzes Jahr in meiner Kuchel uͤber zwey Koch-Loͤffel nicht auf / ſolcher Ge - ſtalten hab ich mir ein Stuck Geld gemacht / und getraue mirs noch zu vermehren.

O mein HERR JESU! was ſtehet man nicht aus wegen eines zeitlichen Gewinns / was leidet man nicht wegen des Gelds; wie theuer kaufft man die Hoͤll; wie embſig dienet man dem Teuffel; nicht halben Theil ſo viel Muͤhe und Marter koſt der Himmel / wann ein Geitziger und Geld-Egel ſolt ſo viel wegen GOtt leyden / als wegen des Mammons / ſo wurde er unfehlbar ein groſſe Cron im Himmel haben.

Der boͤſe Feind bekommt von GOTT des Allmaͤchti - gen den Gewalt / daß er nach Belieben hat koͤnnen mit dem Job umbgeben / aber wie greifft er ihn an / damit er denſelben zu ei - ner Ungedult moͤge bringen? Er nimmt ihm Anfangs Haab und Gut / Haus und Hof / alle Haabſchafft und Wirthſchafft / undlaſt509damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge?laſt ihm nichts uͤbrig als ein boͤs Weib (ein lieber Schatz) nach - dem er geſehen / daß er auf ſolche Weis dieſe ſtarcke Saul der Ge - dult nicht kan umbwerffen / ſo erhaͤlt er von GOTT einen neuen Gewalt / daß er den Job hat doͤrffen an der Geſundheit an - greiffen / wie er dann folgſam alle erdenckliche Kranckheit ihme uͤbern Hals geſchickt / percuſſit Job ulcere peſſimo, &c. Job. cap. 2.

Mir kommt der boͤſe Feind vor / wie gar ein plumper Teuf - fel / warumb nimmt er nicht Anfangs gleich dem Job die Geſund - heit? es iſt ja dieſe weit mehrer werth als die Reichthum / ſagt doch der Poët Horatius: Si ventri benè eſt, capiti pedibusque tuis, nil

Divitiæ potuerunt regales addere majus.
Geld und Gut liebt man ſehr /
Aber die Geſundheit noch viel mehr.

Wann dem alſo / warumb thut dann der Satan den Job nicht gleich an der Geſundheit antaſten? Warumb geſchwind an den Reichthum? Hoͤre die Urſach / der boͤſe Feind hat glaubt / der Job ſeye wie andere geitzige Geld-Narren / welche da lieber ley - den am Leib / als an ihrem Reichthum / wann ein Geitziger kranck wird / und ihm der Doctor etwas von koſtbaren Medicinen / als von Bezoar, von auro potabili, von alexipharmaco und der - gleichen vorſchreibet / ſo wird er lieber einige Haus-Mittel wol - len brauchen / etwan ein Meſſer-Spitz voll eines verdorbenen Me - dritats / als dergleichen ſtattliche Mittel / will alſo lieber leyden am Leib / als am Beutel / ja ſo gar lieber Hunger leyden / Durſt leyden / Mangel leyden / Schmertzen leyden / als an Geld ley - den / ey ſo leyd!

Wegen GOTT leyd man bey weiten nicht ſo viel als wegen Gold / wie viel geben ſich deſſenthalben in die groͤſte und augen - ſchemliche Tods-Gefahr; zu Wienn hab ich ſelbſt geſehen / wie einer mit〈…〉〈…〉 aitern ſo von lauter Stricken gemacht war / zu hoͤchſt des Stephans Thurn von auſſen her hinauf geſtiegen / wann erS s s 3alſo510Judas ſparꝛt weder Muͤhe noch Arbeit /alſo den geringſten Fehltritt haͤtt gethan / oder waͤre ein einiger Stein von dem ſo alten Gebaͤu gewiechen / ſo waͤre nicht ein Glied an dem andern geblieben. Wie viel laſſen ſich von Zaube - rern und Teuffels-Kuͤnſtlern uͤberreden / daß ſie mit augenſehein - licher Lebens-Gefahr ſich unterſtehen / in den abſcheulichiſten Oertern und Speluncken Schaͤtz zu graben; bekannt wird ſeyn / was Cedrenus ſchreibt / was nemlıch Anno 1520. zu Baſel ein einfaͤltiger Schneider gethan / dieſer iſt daſelbſt in ein groſſe Hoͤhle hinein gangen / worvon der gemeine Ruff war / daß ein groſſer Schatz darinn verborgen liege / wie er nun mit der geweichten angezuͤndten Kertzen durch eine und andere eiſe - ne Porten / ſo ſich ſelbſt geoͤffnet / hinein kommen / und aller - ſeits erſchroͤckliche Geſpenſter angetroffen / endlich gelangte er in einen groſſen wunderſchoͤnen Garten / in deſſen Mitte ein herꝛlicher Pallaſt und Sommer Saal / worinnen ein uͤber alle maſſen holdſeelige Jungfrau mit einer guldenen Cron auf dem Haupt ihm begegnet / dero untere Theil aber wie eiſene Schlan - gen beſchaffen / welche ihn alſobald zu einer groſſen eiſenen Tru - chen gefuͤhrt / die von zweyen kohlſchwartzen Hunden gehuͤtet worden / und nachdem ſie ſolche beſaͤnfftiget / hat ſie erſtgemeld - te Truchen mit den Schluͤßlen / die ſie am Hals getragen / er - oͤffnet / und nichts als Silber und Gold darinn gezeigt / mit Verlauten / daß ſie an dieſes Ort verflucht ſeye / und koͤnne nicht erloͤſt werden / auſſer ſie empfange von einem gerechten Jungengeſellen drey Kuͤß / worfuͤr er zur Danckbarkeit dieſen Schatz zu erheben habe: Der fromme Einfalt hat ihr aus Be - gierd des Gelds allbereits zwey Kuͤß gegeben / ſich aber nicht ge - traut wegen des dritten / weil es geſcheint / daß ſie ihn aus lau - ter Freuden zerriſſen haͤtte / welches auch ohne Zweifel waͤre ge - ſchehen / wann nicht der Allguͤtige GOTT die Einfalt die - ſes Menſchen haͤtte angeſehen / zumalen dieſes alles ein pures Teuffels-Verblendung geweſt / welches aus dieſem abzuneh - men / weil etliche Jahr hernach ein anderer Burger zu Baſel aus Geld-Begier ſich in die Hoͤhlen hinein getraut / aber durchdie511damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.die Geſpenſter und todte Menſchen-Coͤrper alſo erſchrocken / daßStumph. in Chron. Helvet. & Ce - drem. in Hiſt. Mag er alſobald den Ruckweeg genommen / aber gleich von Sinnen kommen / und den dritten Tag das Leben gelaſſen.

Freylich / freylich ein Geitziger ſcheucht ſich vor keiner Ge - fahr / weigert kein einige Arbeit / er plagt ſich Tag und Nacht / wann er nur kan den Gewinn erhaſchen / nachdem ihme die Zaͤhn waͤſſeren / aber leg ihm ein Beicht-Vatter ein Buß auf / er ſoll ein einigen Tag im Waſſer und Brodt faſten / er ſoll zwey / drey Stund weit Kirchfahrten gehen / er ſoll drey heilige Meſſen nach einander hoͤren / da werden tauſend Reden und Entſchuldigungen zuvernehmen ſeyn / da wird man bald in al - len ein Unmoͤglichkeit ſchmieden / da wird man ſehen / daß we - gen des Intreſſe ein Peter die gantze Nacht hat koͤnnen arbeiten und fiſchen / und nicht ein Stund mit Unſerm Lieben HErꝛn im Garten wachen und beten: Ein gantze Butten voll Trava - lien tragt der Geitzige gern wegen eines oͤden und ſchnoͤden Ge - winns / aber etliche Quintel wegen GOtt / fallen ihm gar zu ſchwer / durch groſſes Creutz und Leyden geht der Geld, Lim - mel in die Hoͤll / da er doch mit leichterer Manier kont in Him - mel kommen / zu Waſſer und Land ſtehet er viel aus wegen Gold / und wegen GOtt iſt ihme ein jeder Fliegen-Biß ein Lantzen - Stich.

Die Hoffart iſt ebenfalls ohne Leyden nicht. GOtt der HErꝛ hat im Alten Teſtament gantz genau angeben / wie dasExod. 28. cap. Kleid des Prieſters Aaron ſolle gemacht werden / erſtlich ein langer Rock von Himmelblauer Seiden / aber unterhalb bey den Fuͤſſen muſten rings herumb Granat-Aepffel ſeyn von Him - melblauer Seiden / von purpur Seiden / und von zweymal ge - faͤrbter rother Seiden / und zwiſchen dieſen Granat-Aepffeln muſte allzeit ein guldene Schellen hangen / damit alſo der Klang gehoͤrt werde / wann der Prieſter zum Heiligthum eingehet. Uber dieſen wunderſeltzamen Aufzug ſeynd allerley gar ſchoͤne und hochweiſe Auslegungen deren ich dermalen allhier geſchwei - ge / aber in der Warheit bey der jetzigen muthwilligen Welt iſtein412[512]Judas ſpart weder Muͤhe noch Arbeit /ein ſo wunderlicher Aufzug in den Kleidern / daß man fuͤglich unten und ober koͤnne Schellen anhaͤngen / dann er kunt ja Naͤrriſcher nicht ſeyn / und dieſes macht alles die Hoffart.

Wie Unſer Lieber HERR zu Nazareth in der Synagog mit Maͤnniglicher Verwunderung die Heilige Schrifft ausge - legt / da haben ſich einige gefunden / welche von Jhm begehrten / er wolle und ſolle auch dergleichen Wunder-Werck in ihrer Ge - genwart und an ihrem Ort ſehen laſſen / wie er zu Capharnaum gewuͤrcket hat / auf ſolches Erſuchen aber hat der HERR ge - antwortet: Nemo Propheta acceptus eſt in Patria ſua, &c. War -4. lich ſag ich euch / kein Prophet iſt angenehm in ſeinem Vat - terland.

Bey jetzigen Zeiten kan man faſt von allen Dingen ſagen / ſo in unſerem Vatterland gefunden werden / non eſt acceptum in Patria, &c. Es iſt nicht angenehm Sammet und Selden / Sil - ber - und Gold-Stuck / Tuch und Leder / Spitz und Porten / ja alles was zur Menſchlichen Hoffart dienlich iſt / wann es noch ſo gut waͤre / ſo iſt es doch nicht angenehm / weil es in unſerm Vat - terland / in unſerem werthiſten Teutſchland gemacht / wol aber / wann es mit groſſem Unkoſten von anderwerts anhero gebracht wird / vorderiſt aus Franckreich / ꝛc. Die Weiber haben ſonſt den gemeinen Ruff / daß ſie fromm und andaͤchtig ſeyn / pro de - voto fæmineo Sexu, &c. aber ich gieb ihnen ſo gar das Lob / daß ſie Geiſtreich ſeyn / jedoch nach meiner Auslegung / dann die meiſten Weiber haben einen Geiſt / es mag aber wol Spiritus tar - tari ſeyn / ein Geiſt der Hoffart / ſo ſie durch den Kleider-Pracht ſattſam offenbaren: Nicht allein ſeynd ſie Geiſtreich / ſondern befleiſſen ſich auch auf die gute Werck / abſonderlich thun ſie gern die Frembde beherbergen / aber nur / verſtehe mich wol / fremb - de Kleider Modi / wann etwas frembdes in die Stadt Wienn kommt / da will ein jede die erſte ſeyn / die frembde Modi / den frembden Zeug in ihr Herberg aufzunehmen; aber es koſt viel / was ſchadet es / ſagt manche / ich will es lieber am Maul erſpah ren / wann ich nur kan ſauber daher gehen / ich will lieber ſchlechte513damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤgete Brocken genieſſen / wann ich nur einen ſchoͤnen Procath kan tragen; ich will lieber mit einer Waſſerſuppen verlieb nehmen / wann ich nur einen gewaͤſſerten Taffet am Leib habe; ich will lieber rockene Knoͤdel oder Knoͤpffle eſſen / wann ich nur ein ſauberen Rock kan haben / Gewiß iſt es daß viel Weiber einen Faſttag am Maul haben / damit ſie nur einen Feſttag in Kleidern haben / und folgſam den Leib mit Abbruch und Maͤſſig - keit caſteyen wegen des Teuffels; wann ſie es wegen GOtt thaͤ - ten / wurden ſie derentwgen von dem Allerhoͤchſten ein ſondere Cron darvon tragen.

Vor etlichen Jahren ware zu Wienn / in unſerer groſſen Hof - Kirchen ein bſondere Solemnitaͤt / bey welcher ein Menge des Volcks erſchienen / und folgſam ein ſtarckes Gedraͤng unter den Leuten / unter welchen ſich auch neben andern ein Weibs-Bild hat eingefunden / die da in einem ſehr praͤchtigen Aufzug daher gan - gen / weil nun bey ſolchem Gedraͤng die Dieb gemeiniglich den be - ſten Marckt haben / alſo hat es an dergleichen Boͤßwicht damal auch nicht gemanglet unter denen einer ſo freventlich geweſen / daß er in Mitte des Gedrengs beſagtem Weibs-Bild mit einer Scheer den gantzen Theil des ſchoͤnen Ober-Rocks von hinden her voͤllig abge - ſchnitten und ſolches ſie im geringſten nicht wargenommen / biß ſie nach einem kleinen Verlauff des Volcks zu der Kirchen-Thuͤr hin aus gangen und durch das ungeſtuͤmme Gelaͤchter des Volcks un - ter den Handelkom̃en / alle konten nicht gnugſam das Maul aufreiſ - ſen uͤber dieſe elende Hoffart / dann es ihr weit uͤbler angeſtanden als den Davidiſchen Geſandten / ſo faſt dergleichen Schmach von dem Amoniſchen Koͤnig erlitten / maſſen ſie / wie die Anweſende bekennt / ein ſo elendes Unter-Roͤckel getragen / daß man mehrer Fleck an demſelben gezehlt / als der Jacob an den Schaafen des La - bans: die allerſchlechtigſte Taͤndler-Buthen war mit beſſerer Wahr verſehen / als dieſes Unter-Kleid; die alten Lumpen / wormit der Pro - phet Jeremias aus der tieffen Gruben gezogen worden / waren bey weiten nicht ſo ſchlecht / wie dieſer Kuͤttel / zweiffels ohne / wann ſiePars IV. T t tbey514Judas ſpart weder Muͤhe noch Arbeitbey der Evangeliſchen Hochzeit in dieſem Aufzug waͤre erſchie - nen / ſie waͤre gleich dem andern zerriſſenen Lumpen-Hund in die aͤuſſerſte Finſternuß geworffen worden / ꝛc. Aus allen dieſen iſt leicht abzunehmen / daß ſie ſich zu Haus mit einer ſchlechten Tafel betragen / daß ſie des ſauren Krauts nicht genug gehabt / mıt der ſchlechten Waſſerſchnaltzen den Magen halb und halb befriediget / und mit einem Wort an dem Maul erſparꝛt / da - mit ſie nur in Kleidern koͤnne prangen / auf ſolche Weis muß man wegen der Hoͤll bald mehrer faſten / als wegen des Him - mels.

Adam und Eva die erſten Elteren / nachdem ſie ſo ſpoͤttlich das Goͤttliche Gebott uͤbertretten / und ſich nachgehends na - ckend erkennt / haben ſich das erſtemal mit Feigen-Blaͤttern be - deckt / beſtunde alſo der Schurtz oder das Kleid in Blaͤttern: ſolcher Aufzug hat der Zeit noch nicht abgenommen / dann vie - ler hoffaͤrtigen Leut Kleider beſtehen in lauter Blaͤtteren / gehe je - mand nur hin zu einem Kauff-Mann / und durchleſe ſeine Schuld - Buͤcher / da wird er dieſer und dieſer Perſon ſchoͤne ſeidene Klei - der in allen Blaͤttern finden / darumben kein Wunder / daß der Kauff-Mann ſie alle Tag uͤberlaufft / alle Stund beunruhiget / ihnen ein Auszuͤgel uͤber das andere in das Haus ſchickt / wel - ches ihnen nicht leichter vorkommt / als wann der Teuffel ihnen eine Staffeta thaͤte ſchicken: Das Buch Exodi oder des Aus - zugs hat Moyſes beſchrieben / und viertzig Capitel darınn ge - macht / aber der Kauff-Leut ihre Auszüg verurſachen nicht we - niger Capitel und Verweiſungen / dann ſie / wie billich und recht / bey allen Gerichtern und Stellen die Schuldner ankla - gen / und das ihrige ſuchen / wordurch dann ſolche Schuldner in Schand und Schaden gerathen / die Urſach aber deſſen iſt ihr Kleider Pracht / und ſolcher Aufzug derentwegen ſie nachmals alſo leiden muͤſſen / und ihnen ſolches Leyden zu keinem Ver - dienſt / ſondern werden vielmehr hierdurch elende Martyrer des Teuffels.

Mein Kammer-Jungfrau / ſie vergeb mirs / was liegt all - hier auf der Tafel? Es iſt das Mieder / ſagt ſie / fuͤr mein Ge -naͤdige515damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge?naͤdige Frau / ein Mieder? Allmaͤchtiger GOtt! iſt es doch ſo eng / daß ein Mader nicht kont durchſchlieffen / es heiſt wol recht Mieder / dann nicht ein geringe Muͤhe in dieſer Kleidung / ach wann der Leib kont reden / wie wurd er ſich beklagen / daß er all - zeit in ſolchen Aengſten muß leben / und mehr leyden als ein Car - thaͤuſer Moͤnch / ſo ſtehts ein rauhes Cilicium antragt / dieſer fleiſchige Zucker-Huet iſt alſo zuſammen gepreſt / daß der natuͤr - liche Athem mit harter Muͤhe wegen des engen Mieders durch - paſſiren kan. Sag ſie mir mein Jungfrau / warumb iſt diß Mie - der oberhalb ſo ſehr ausgeſchnitten? bedeckts doch kaum den hal - ben Buckel? Mich wundert / daß ſich die zarte Haut nicht beklagt / umb weil ſie bey harter Winters-Zeit ſo groſſe Kaͤlte muß ausſte - hen / deckt doch der Gaͤrter ein Miſt Bettel fleiſſig zu / damit es von der Kaͤlte nicht Schaden leyde / und der arme Hals muß unter den freyen Himmel ohne Dach ſtehen / und ſo groſſen Froſt leyden / daß auch das Norwegiſche Leder gegen ihm glimpffli - cher tractiert wird: Und fuͤr wem / ſag ſie mir / gehoͤren dieſe kleine geſpitzte Schuͤchel? ebenfalls / iſt die Antwort / fuͤr mein Genaͤdige Frau / potz tauſend Holler Stauden! So ſeynd die Zehen nicht anderſt beſchaffen / als wie die Verdammte in der Hoͤll / ſo gleich den Haͤringen auf einander liegen / ſo wollen ja die Weiber ſchon an den Fuͤſſen ſpitzfindig ſeyn / enge Schuch und weite Gewiſſen tragen / ey ſo leydt / ey ſo leydet? und ley - det nur wegen des Teuffels / es iſt wol der Muͤhe werth / wegen GOtt kan man ſo wenig leyden / und wird ein jedes Quintel fuͤr ein Centner ausgewogen / aber wegen der Hoͤll leydet der Hof - faͤrtige gern.

Kein Feder kan es beſchreiben / was ein Feder-Hanns leyden thut / verſtehe einen Ehrfuͤchtigen Menſchen / der gern fliegen moͤcht. Zu Jeruſalem war ein beruͤhmter Schwemm-Teich / worinnen die Schaaf und Laͤmmer wurden gewaſchen / ehe und bevor ſie in den Tempel geſchlacht und geopffert worden / dann unſer Lieber HErꝛ mag nichts unſaubers / darumb wundert mich ſehr / daß etliche Eltern / wann ſie ein krumpe / ein buckelte / einT t t 2ein -516Judas ſparrt keine Muͤhe noch Arbeit /einaͤugige Tochter haben / nur deswegen gleich darmit ins Cloſter eilen / als ſeyn ſie ſchon gut fuͤr unſern HERRN / weil ſelbige die Welt nicht acht. Bey beſagtem Schwemm-Teich war ein groſſeJoan. c. 5. Menge der krancken und preſthafften Leuten und Kruͤppeln / aus Urſachen / weil zu Zeiten / jedoch ungewiß der Tag und die Stund / ein Engel von dem Himmel geſtiegen / ſelbiges Waſſer bewegt / worvon geſchehen / daß der erſte / ſo ſich in benannten Teich hinein gelaſſen / von ſeiner Kranckheit voͤllig loß und frey worden. Da ſolt einer geſehen haben / wie die armen Tropffen ſich befliſſen ha - ben; Sie haben offt eine gantze Zeit nicht ein Augzugeſchloſſen / nicht ein viertel Stund lang geſchlaffen / nicht mit Ruhe einen Loͤf - fel Suppen geſſen / nicht mit einer Anſprach die Zeit vertrieben / ſondern ein jeder hat geſchaut / hat ſich befliſſen / hat Achtung ge - ben / wie er doch moͤchte Prior / der erſte ſeyn.

Die Welt iſt natuͤrlich ein ſolcher Schwemm-Teich / allwo ein groſſe Menge der Leut ſeyn / ſo unterſchiedliche Kranckheiten und Seuchen haben / adſonderlich ſeynd ihrer viel / welche an der Ehr-Sucht leyden / viel ſeynd deren / ein jeder will der erſte ſeyn und will den Vdrgang haben: Qui prior deſcendebat, &c. und hieran ſpahren ſie weder Muͤh noch Arbeit.

Jn der Ante-Camera eines ſehr groſſen Lands-Fuͤrſten / und zwar eines gecroͤnten Haupts / hab ich einmal zwey Budel-Hund angetroffen / denen ein jeder / ſo dahin kommen / dermaſſen ſchoͤn ge - than / daß ich mich hoͤchſt daruͤber verwundert. Der Tobias hat ſein Huͤndlein ſehr geliebt / aber beſagte zwey Hund waren in weit groͤſſeren Gnaden. Ja ich ſahe einen Cavallier / der ein gebratenes Cappauner-Biegel aus dem Sack gezogen / und dieſe beyde damit regaliert. Ein anderer hat ſie mit ſanffter Hand uͤber den Rucken geſtrichen / und iſt wenig abgangen / daß er ihnen nicht gar die Floͤch abgeſucht; Jch fragte aus Vorwitz den Thuͤr-Huͤtter: Was dieſe fuͤr Hund waͤren / und wie dero Namen? Hab endlich die Ant - wort erhalten / daß einer Avanzo der andere Apoggio heiſſe / wor - aus ich leicht konte abnehmen / das Ziel und End dieſer Hof-Her -ren /517damit er JEſum in die Haͤnde der Feind liefern moͤge.ren / als die in der Ante-Camera nichts anders ſuchten / als das Ante, benanntlich das Antecedere, und des Teuffels Gloria in Excelſis, woruͤber ein vornehmer Cavallier mich mit einer langen Anſprach begnadet / und dabey gantz umbſtaͤndig beſchrieben / was einer muͤſſe ausſtehen / biß einer zu Hof zu einer Apoggio gelangt. Er muß / ſagt er / lauffen wie Poſt-Klepper / er muß ſteigen wie ein Baum-Haͤckel / er muß ſich ducken wie ein Duck-Entel / er muß wachen wie ein Schnee-Gans / er muß ſchlucken wie ein Strauß / er muß tragen wie ein Eſel / er muß aufwarten wie ein Hund / er muß ſitzen wie ein Brud-Hennen / er muß ſchmeichlen wie ein Katz / er muß ſimuliren wie ein Fuchs / er muß unausſprechlich viel ausſtehen.

Luc. am 11. Cap. wird einer beſchrieben / der einen ſtummen Teuffel gehabt. Dieſen Zuſtand hat auch ein Hof-Herꝛ; und muß mehrmalen das Maul halten / und darff nicht reden / was er gern wolt.

Marci am 10. Cap. wird regiſtrirt / daß einer mit Namen Bartimus, ein blinder Bettler unweit Jericho am Weeg geſeſſen / wie der HERR JESUS porbey gangen. Dieſen Zuſtand hat auch ein Hof-Herꝛ / und muß gar offt thun / als wann einer ein Ding nicht ſehe.

Marci am 7. Cap. wird umbſtaͤndig verfaſt / daß naͤchſt dem Gallilæiſchen Meer ſeye ein Tauber und gehoͤrloſer Menſch zu unſerem HERRN gefuͤhrt worden. Dieſen Zuſtand hat auch ein Hof-Herꝛ; Er muß ſich gar offt ſtellen / als thue ers nicht hoͤren / was man auch uͤbel von ihm redet.

Luc. am 13. Capitel / wird mit mehrern Worten verzeich - net / daß an einem Sabaoth der Heyland in der Synagog ein Weib ungetroffen / welche achtzehen Jahr vom boͤſen Feind al - ſo gekruͤmmt ware gegen der Erden / daß ſie nicht konte uͤber - ſich ſehen / dieſen Zuſtand hat auch ein Hof-Herꝛ / er muß vorT t t 3lauter418[518]Judas ſpart weder Muͤhe noch Arbeit /lauter Reverentz machen / ſich alſo krumpen und bucken / daß er offt mit der Naſen bey den Knyen anklopfft.

Act. am 10. Cap. wird man finden / wie einmal ein groſſes leinenes Tuch von Himmel herab gelaſſen worden / voll mit Schlangen / Atteren / und anderen wilden Thieren / und anbey ein Befelch / Petrus ſoll alle Ding eſſen; diß muß auch ein Hof - Herꝛ thun / ja zuweilen wol groͤbere Brockenſchlicken.

Am 1. Buch der Koͤnigen am 5. Cap. wird gar deutlich vor - getragen / wie daß der Abgott Dagon vom Altar herunter ge - fallen / und folgſam den Hals gebrochen / ja gar den Kopff ver - lohren / aber gleichwol dieſer Truncus und ohne Kopff hat muͤſ - ſen von den Philiſteern verehrt werden: Ein Hof-Herꝛ muß nicht weniger diß thun / und mehrmal einen verehren / ja gleich - ſam anbeten / von deme er doch weiß / daß er keinen Kopff / oder wenigiſt gar einen ſchlechten hat.

Joan. am 20. Cap. wird gemeldet / nachdem Petrus und Joannes die troſtreiche Zeitung von Magdalena vernommen / daß der HERR ſeye von Todten auferſtanden / da ſeynd ſie bee - de nach dem Grab geloffen / aber Joannes præcurrit, der iſt vor - kommen: Ein Hof-Herꝛ muß nicht nur einmal mit groͤſtem Verdruß ſehen / daß ihme ein anderer / und offt ein Juͤngerer / vorgezogen werde und vorkomme.

Jm 1. Buch der Koͤnigen am 17. Cap. wird erzehlet / daß David / obſchon klein von Perſon / ſeye wider den ungeheuren Riſen Goliath ausgangen / aber denſelben zu uͤberwinden / hat er nothwendiger Weis muͤſſen in die Taſchen greiffen: Das muß ebenermaſſen ein Hof-Herꝛ thun / will er fortkommen und weiter ſteigen / ſo muß er wahrhafftig in die Taſchen greiffen / er muß da und dort wol ſpendiren / damit er dieſen und jenen auf ſein Seiten bringe / und alſo manirlich bezwinge.

Judic. am 5. Cap. iſt zu vernehmen / was Geſtalten der Samſon ſich an den Philiſteern gerechnet / und ihnen mit drey hundert Fuchs-Schweiffen groſſen Schaden in den Traͤid-Fel -dern519damit er JEſum in die Haͤnd der Feind liefern moͤge.deren verurſacht: Ein Hof-Herꝛ muß ſehen / wie er dergleichen Wuͤnſch-Ruthen von beſagten Hennen-Dieben bekommt / wor - mit er leicht andern einen Schaden / ihme aber ein Gluͤck und Promotion ſeines Vorhabens verurſacht.

Jn Summa / ein Hof-Herꝛ / ein ſolcher / der naͤch Ehren / Aembtern und Dignitaͤten trachtet / muß Centner Weis Muͤ - he und Arbeit anwenden / muß Klaffter Weis Verdruß und Disguſt ausſtehen / muß Butten Weis ſchmieren und ſpendi - ren / muß Tutzet weis ſich bucken und neigen / muß weit meh - res ſchwitzen / als ein Baumſteiger in Oeſterreich / an einem Kirch-Tag / ꝛc. O GOTT! wann er wegen deiner nur das Drittel thaͤte ausſtehen / ſo wurdeſt du ihme ſolches hundert und tauſendfaͤltig in dem Himmel vergelten / aber alles dieſes leydet er wegen ſeiner Ehr-Sucht; So iſt ja noch wahr / und bleibt wahr / daß der Teuffel theurer mit der Hoͤll / als GOtt mit dem Himmel / daß leichter ſey in die Glory zu kommen / als in die Verdammnuß / daß beſſer und ebener ſeye der Weeg zu den Tugenden / als zu den Laſteren / vermoͤg der Suͤnder Ausſag: Laſſati ſumus in via iniquitatis.

Judas wegen ſeiner groͤſter Laſter ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.

COrnelius à Lapide fuͤhrt nicht umbſonſt den Zunahmen von Stein / zumalen er wegen ſeiner ſo herꝛlichen Buͤ - cheren und Schrifften ein beſonderer Eck-Stein geweſt der Roͤmiſch Catholiſchen Kirchen / ja anbey ein Edelgeſtein der herꝛlichen und beruͤhmten Societaͤt Jeſu, &c. Dieſer hocher - leuchte Scribent ſchreibt unter andern in Auslegung des heili - gen Evangelii / ſo von Matthæo verfaſſet worden / daß Zweif - fels ohne der verraͤtheriſche und Gottsmoͤrderiſche Judas Jſcari - oth zum allertieffiſten in der Hoͤll ſitze / naͤchſt dem abtrinnigen Ertz -Teuffel520Judas wegen ſeiner groͤſten LaſternTeuffel Lucifer. Anno 1605. hat der boͤſe Feind zu Levenberg in Schleſien ein Maͤgdlein mit zwoͤlff Jahren beſeſſen / und mit derſelben gantz Tyranniſch verfahren / bald hat er ſie auf den Kopff geſtellt / daß ſie wie ein Lebloſer Stock geſtanden / bald ſtuͤrtzte er ſie auf die Erden / daß ſie Haͤnd und Fuͤß ſo ſtarr empor geſtreckt / daß ſie von keinem auch dem allerſtaͤrckeſten Menſchen konte bewegt werden; bald trieb er ihr die Augen aus dem Kopff / daß ſelbe wie zwey groſſer Huͤnner Eyer hervorgeſtanden / gar offt hat er ſie in die Hoͤhe hin und her geworffen wie einen Ballen / bißweilen ergrimmte ſie dergeſtalten / daß ſie mit den Zaͤhnen groſſe Stuck Steiner aus der Mauer geriſſen / zu Zeiten ſtrecke - te er die kohlſchwartze Zungen einer Spannen lang zu dem Mund hervor / und hupffte auf derſelben bald in der Geſtalt eines klei - nen Maͤusleins / bald eines Froſches. Dieſer verdammte Hoͤl - ſche Geiſt hat ſich unter andern verlauten laſſen / daß Judas / Pilatus und Herodes ſeine beſte Freund ſeyn / und zu vorder iſt ſitzen in der Verdammnuß: Gewiß iſt es / daß dieſer elende Menſch verdammt iſt / und ſtehet in dem die Frag: Ob es muͤglich ſeye in etwas zu entwerffen die grauſame Peyn / ſo wol des Judæ / als anderer Verdammten? Jch getraue mir ſolches nicht zu thun / bin nicht ſo kuͤnſtlich / ich laſſe aber an ſtatt mei - ner die ſieben freye Kuͤnſten reden / weil ich weiß / daß die ſieben Tod-Suͤnden meiſtens die Leut in die Verdammnuß ſtuͤrtzen.

Grammatica, was ſagſt du von der Hoͤllen? Jch / ſagte die erſte freye Kunſt / ich trage vor alle ſchoͤne Reglen / Krafft de - ren meine Diſcipul die Latinitaͤt ergreiffen / und keine Boͤck ma - chen / aber in der Hoͤll wird ich gar wenig geachtet / weil die Hoͤll voller Boͤck / nach Ausſag des Heylands JEſu ſelbſt / der da bey dem Evangeliſten Matthæo geſagt hat / daß des Menſchen Sohn am Juͤngſten Tag werde kommen zu richten die Lebendi - gen und die Tode / und folgſam die Schaaf / als ſeine Auser -Matth. c. 25. waͤhlte ſtellen zu der Rechten Hand / die Boͤck aber / als verlorne zu der Lincken. So iſt dann die Hoͤll voll mit ſtinckenden Boͤ -cken /521ſitzet zum allertieffſten in der Hoͤll.cken / wie kan es anderſi ſeyn / ſagt Gramatica, daß nicht grobe ſchaͤndliche Boͤcke heraus kommen / wann man nicht lehrnt decli - niren / Declina à malo & fac bonum.

O was fuͤr ein abſcheulicher Geſtanck iſt unter dieſen Boͤcken! Jn Goͤttlicher Schrifft und forderiſt im Evangelio findet man / daß die Weiber-Naſen ſehr haicklich ſeyn. Nachdeme Lazarus, ein Bruder Magdalenæ und Marthæ, mit Todt abgangen / und der Schuld der Natur bezahlt / denſelben aber der HERR und Hey - land wiederumb wolte zum Leben erwecken / da hat ſich alſo bald die Mattha mit dem Pfuy verlauten laſſen / Jam fœtet, &c. Pfuy! er ſtinckt ſchon / dann es bereits ſchon vier Tag / daß er im Grab ligt. Pfui! ein armer Bauer / der an ſtatt ber Marſchellen ein wenig Knoblauch zu ſich genommen / und in der Kirchen ſein An - dacht verricht / wann er etliche inbruͤnſtige Seufftzer gegen Him - mel ſchickt / kan leicht ſeyn / daß zu weilen der Koblauch ihnen biß halben Weeg das Geleit gibt. Aber was ſagt die Dama, die in dem naͤchſten Stull in dem Eyffer halb verruckt iſt? Pfuy! pfuy! ſagt ſie / und greifft alſo bald umb nach dem Balſam-Bixel / umb ein L’eaudela Reyne, oder Koͤnigin Waſſer / ſchmiert die Na - ſen / ja ſie eilt gar aus der Kirchen / dann ſie ſonſten in Ohnmacht thaͤte fallen. O mein haickliche Naſen / wie wirſt du den Geſtanck koͤnnen erdulten ſo vieller Millionen Boͤck in der Hoͤll? Zuma - len der heilige Bonaventura ſagt: Wann eines eintzigen ver - dammten Menſchen Coͤrper aus der Hoͤll in die Welt getragen wurde / ſo gebe er einen ſolchen Geſtanck von ſich / daß hiervon die gantze Welt inficirt wurde. Der Heilige Iſidorus, ſchreibt / daß ein gewiſſer Teich oder Weyher ſeye / woraus ein ſolcher ſtin - ckender Tampff empor ſteigt / daß davon die Voͤgel in der Lufft verrecken.

Der Roͤmiſche Tyrann Ezelinus hat zu Padua eine ſolche Gefaͤngnus aufgericht / dergleichen die Welt noch nie geſehen / dann dieſe ohne eintziges Liecht / ohne einigen Lufft ware. Jn ſol - chem erſchrecklichen Kercker ſeynd geweſt ein groſſe Maͤnge derPars IV. U u uLeuth /522Judas wegen ſeiner groͤſten LaſternLeut / ſo wol Weibs-als Manns-Perſonen / unter denen alle Tag etliche geſtorben / aber nicht / wie gewoͤhnlich iſt / begraben worden / ſondern daſelbſt unbegrabener alſo verfault; ſo muſte auch aller Unflath daſelbſt liegen bleiben / den da die Menſchliche Muͤheſeeligkeit von ſich gibt / worvon geſchehen / daß dieſe elen - de Gefangene in ſolchem Wuſt und abſcheulichen Moraſt biß uͤber die Knie geſtanden / und die allergeringeſte Bewegnuß da - ſelbſt einen ſolchen Geſtanck verurſacht / daß viel hierdurch Krafftlos niedergefallen und geſuncken: Nichts deſtoweniger iſt dieſe Gefaͤngnuß gegen der Hoͤlliſchen noch ein wolriechende Specerey-Kammer / ein lieblicher Blumen-Garten zu nennen / dann ein einiger Bock in der Hoͤll ein weit aͤrgeren Geſtanck von ſich gibt / als alle Todten-Aas in der gantzen Welt / als alle Schenck gruben in der gantzen Welt / als alle Staͤll und Miſt - pfuͤtzen in der gantzen Welt / als aller Wuſt und Unflath in der gantzen Welt.

Der Evangeliſt Matthæus regiſtriert / wie eineſt der HErꝛ JESUS die Teuffel ausgetrieben aus zweyen beſeſſe - nen Perſonen / dieſe hoͤlliſche Larven aber reichten ein Memo - rial uͤber und verlangten / es moͤchte der HErꝛ doch ſo guͤtig ſeyn / und ſie nicht in die Hoͤll hinunder ſchaffen / ſondern die genaͤdigiſte Erlaubnuß eꝛtheilen / daß ſie doͤrfften in die naͤchſte Heerd Schwein fahren / ſo fahrt fort / Fiat, ihr Sau-Narren / kaum aber daß ſol - che hoͤlliſche Larven in dieſe deruͤſſelte Herberg kommen / ſo hat ſich die gantze Heerd mit gꝛoͤſter Ungeſtimme in das Meer geſtuͤrtzt. Der H. Petrus Chryſologus gibt deſſen Urſach / und ſagt: daßSerm. 17. die Schwein / ob ſie ſchon die unflaͤtigiſte Thier ſeyn / und ſich nur mit Koth und Geſtanck erluſtigen / gleichwol aber den groͤ - ſten Geſtanck dieſer verdammten Jnnwohner nit leyden koͤnnen / ſondern ſich derentwegen in die Tieffe des Meers verſenckt.

Severus Sulpitius ſchreibt: Daß ein boͤſer Feind dem Heil. Biſchoff Martino erſchienen / und zwar in Geſtalt eines Maje - ſtaͤttiſchen Koͤnigs mit herꝛlichen Purpur / guldenen Cron und Scepter / anbey ſich verlauten laſſen / daß er Chriſtus der HErꝛſeye;523ſitzt zum allertieffeſten in der Hoͤll.ſeye; Martinus erkannte bald den Argliſt des Teuffels / machte weiter nicht viel Reverentz / ja zeigte ihm noch den Rucken / und ſagte / er habe noch nie einen ſo hoffaͤrtigen Chriſtum geſehen / ſondern derſelbe ſeye ihm mehrmalen erſchienen mit dem Creutz / mit einer doͤrneren Cron / ꝛc. ſolches hat dem Satan alſo ver - ſchmacht / daß er augenblicklich verſchwunden / aber einen ſol - chen Geſtanck hinderlaſſen / daß hierdurch der Heil. Martinus haͤtte das Leben verlohren / wofern ihn GOtt nicht haͤtte wun - derbarlicher Weis errettet. Jetzt Menſch erachte / was fuͤr ein Geſtanck muͤſſe ſeyn unter ſo vielen hoͤlliſchen Boͤcken / dero Zahl gleichſam unzahlbar ſcheinet. O ungluͤck ſeeligiſter Iſca - rioth, wie ſchmeckt dir diß / deme vorhero die koſtbare Salben der Magdalenæ mißfallen?

Rhetorica, was ſagſt du von der Hoͤll? ich ſagt dieſe in Beſchreibung der hoͤlliſchen Peyn kan meine Tropos und Figu - ras brauchen Metaphora, Synecdoche, Metonymia, Antono - maſia, Onomatopæia, Catechreſis, Metalepſis, Allegoria, Ironia, Periphraſis, Hyperbaton, alle dienen mir gar wol zum Entwurff der ewigen Verdammnuß / allein das Hyperbole., kan ich nicht brauchen. Wie Moyſes die Ausſpaͤher in das Ca - nanæiſche Land geſchickt / ſo ſeynd ſie gar mit einem groſſen Wein-Trauben zuruck kommen / aber auch mit einer groſſen Lug / dann einige aus ihnen thaͤten vorgeben / daß ſie Leut ha - ben geſehen einer ſo ungeheuren Groͤſſe von den Kindern Enac, daß ſie gegen ihnen anzuſehen wie die Heuſchrecken / Quaſi locu - ſtæ videbamur, &c. Numer. c. 13. Eſt Hyperbole nimia & mendax, ſagt Cornelius à Lapide, das iſt zu viel geredt / und gar uͤber die Schnur gehaut / aber von der Quaal der Ver - dammten kan man nicht zu viel reden / da iſt kein Hyperbole.

Der Heilige Chryſoſtomus nennt alle Peyn unnd Tor - menten der gantzen Welt nur Kinderſpiel und Docken-Werck gegen den Hoͤlliſchen. Hæc omnia ludicra ſunt & riſus ad illa ſupplicia. O GOTT! ſoll es dann nit moͤglich ſeyn / daß ichU u u 2auf524Wegen ſeiner groͤſten Laſtern /auf dem Theatro und Schau-Spiel dieſer Welt nicht etwas ſoll finden / welches der mindeſten Peyn alldorten moͤge gleichen? Der Roͤmiſche Kaͤyſer Diogenes, iſt von ſeinen eigenen Bedienten ge - fangen worden / welche ihme nachmals die Augen ausgeſtochen / am gantzen Leib verwundt / daß ihme endlich aus dem offenen und halb verfaullten Leib die haͤuffige lebendige Wuͤrme heraus gewach - ſen / und folgſam auf offentlicher Straſſen geſtorben und verdor - ben. Das iſt zwar viel / aber gegen den Hoͤlliſchen Peynen iſt es nur ein laͤcherliches Kinder-Spiel und Docken-Werck. Hæc o - mnia ludicra ſunt, &c. Nicht vor vielen Jahren iſt in Lombar - dia ein Edelmann von ſeinem Feind und Widerſacher gefangen / und lebendig eingemauert worden / mit einem kleinen Fenſterlein / dardurch ihm neunzehen gantzer Jahr Taͤglich nicht mehr gereichet worden / als ein Stuͤcklein Brods und wenig Waſſer. Nach neunzehen Jahren iſt dieſer gefunden worden mit gantz verfaulten Kleydern / mit einem Bart biß auf die Knie / die Fuͤß und der un - tere Theil des Leibs in einen lebendigen Wurmhauffen verwandlet / und weil das peinliche Orth gar zu nieder / deſſentwegen iſt er wie ein fleiſchener Ballen zuſammen gewachſen / daß er keinem Men - ſchen mehr gleichte. Das iſt zwar erſchroͤcklich / aber gegen den Peynen der Verdammten nur Schellen und Kinder-Rollen. Hæc omnia ludicra ſunt.

Jn Engelland iſt ſolgende Tyraney erdenckt worden. Man hat den Menſchen gantz embloͤſt / ihme Haͤnd und Fuͤß gebunden / nachmals auf den bloſſen Leib unter einem Barbier-Beck einen Ra - tzen oder Mauß gelegt / das Geſchier von oben her mit lebendiger Glut erhitzt worden / worvon beſagtes Thierlein gantz ergrimmt / und folgſam mit ihren geſpitzten Zaͤhnen in den lebendigen Leib hin - ein getrungen / alles Jnngeweid erbaͤrmlich durchnaget. Die - ſes iſt zwar entſetzlich / aber gegen den Tormenten der Hoͤllen lauter Schatten unnd Kinder-Spill. Hæc omnia ludicra funt, &c.

Ein erſchroͤcklicher Sentenz iſt gefaͤllt worden uͤber den jeni -gen525ſitzet zum allertiffeſten in der Hoͤll.gen Menſchen / welcher Henricum den Vierdten Koͤnig in Franck - reich umbgebracht. Erſtlich wurde er gantz ausgeſtreckt / und mit gluͤenden Zangen am gantzen Leib groſſe Stuͤck Fleiſch abgezwi - cket / nachmals in die Wunden zerlaſſenes Bley / Bech / Sali - ter eingegoſſen. Das Meſſer / wormit er den Koͤnig ermordet / muſte er uͤber ein Feuer halten / ſo von lauter Schwefel / alſo lang / biß nach und nach die Hand voͤllig zerſchmoltzen / und die bloſſen Bainer verblieben. Endlich wurde er mit vier Pferden zerriſſen / und nachgehends alles zu Aſchen verbrennt. Diß iſt zweiffels ohne grauſam und erſchroͤcklich / aber gegen der Hoͤllen und gegen der Peyn der Verdambten nur lauter Schertz und Taͤntlerey. Hæc omnia ludicra ſunt.

Kayſer Andronicus hat unglaublich viel gelitten / ihme ſeynd die Augen ausgeſtochen worden / nachmahls ſetzte man ihn hinter - werts auf einen Eſel / deſſen Schwaiff er an ſtatt des Sce - pters muſte in der Hand halten / ſolcher Geſtalten wurde er von dem muthwilligen Poͤfel und allermindeſten Lottergeſind mit Stein und Koth geworffen / endlich iſt er bey den Fuͤſſen aufgehenckt / zu Stu - cken zerhaut / und den Hunden / wie ein Lueder / vorgeworffen wor - den. Aber alles dieſes iſt gegen der Hoͤll nur ein Schatten / nur Kinderboſſen. Hæc omnia ludicra ſunt.

Jonæ, einem Martyrer und Blut-Zeugen Chriſti ſeynd erſtlich / nach Beſchreibung Baronii, die Finger alle abgeſchnit - ten worden / nachmals hat man ihme die Haut voͤllig abgeſchun - den / die Zunge aus dem Mund geriſſen / unb in heiſſen Bech ge - ſotten / endlich ſeine Gebein in einem Moͤrßner zerſtoſſen und zer - mahlmet worden. Dem Marco Arethuſio hat man alle erdenckli - che Peynen angethan; Dann erſtlich hat man ihn mit kleinen Lan - tzeten am gantzen Leib uͤber und uͤber verwundet / ſo dann mit haͤuf - figen Hoͤnig uͤberſtrichen / und ſolcher geſtalt an die Sonnen ge - henckt / daß er alſo nach und nach von den Mucken und Fliegen zu todt gehegt worden. Hæc omnia ludicra ſunt.

U u u 3Aber526Judas wegen ſeiner groͤſten Laſtern

Aber gleichwol iſt alles dieſes gegen der allergeringſten Peyn in der Hoͤll nur ein Schertz zu nennen.

Die Tyranney und Grauſamkeit Maximini in Affrica, Diocletiani in Palæſtina, Maxentii in Achaia, Herodis in Ju - dæa, Neronis zu Rom / Caligulæ in Welſchland / Ziska in Boͤhmen / Attilæ in Teutſchland / Dionyſii in Sicilien / Pha - laris in Egypten ſeynd nichts / nichts ſeynd ſie gegen der Hand GOttes ſo da zuͤchtiget in der Hoͤll.

Die Peſtilentz des Koͤnigs David / die Verſpottung und Dienſtbarkeit Samſons / die Angſt Danielis in der Loͤwen - Gruben / die Gefaͤngnuß Joſephi in Egypten / die Betrangnuß Jonæ im Wallfiſch / die Zerſtoͤrung der Stadt Jeruſalem / die Einaͤſcherung Sodomæ und Gomorrhæ; der Feuer-Ofen zu Babylon / die Schluͤckung des Dathan und Abiron / die Schlacht des Sennacherib / der Untergang Pharaonis in dem Meer / der Suͤnd-Fluß der gantzen Welt ſeynd noch ein Barm - hertzigkeit gegen dem jenigen / was da leyden die Verdammten in der Hoͤll.

Cæſareus ſchreibt / daß ein Doctor Juris durch Zulaſſung GOttes nach ſeinem Todt ſeye dem Biſchoff / als ſeinem vor - hin guten Freund / erſchienen / mit Feuer allerſeits umbgeben / und in dieſe erſchroͤckliche Wort ausgebrochen / Ach mir Arm - ſeeligen! Wiſſe / daß ich ewig verdammt bin / der Biſchoff fragt deſſen die Urſach / bekommt aber dieſe Antwort: Docui Leges Imperiales, & violavi divinas, Jch hab die Reichs-Sa - tzungen dociret / und die Goͤttliche violiret. So fragte ferner der Verdammte / wie die Leut anjetzo leben? Ob ſie noch einen ſolchen Wandel fuͤhren / wie zur ſelben Zeit / als er bey Leben geweſt? Der Biſchoff verwundert ſich der Frag / und weſſent - halben / ſagt er / wilſt du ſolches wiſſen? Jſt doch erſt vier Stund / daß du geſtorben biſt / was? vier Stund / ſetzt hin - wieder der ungluͤckſeelige / tauſend Jahr ſeynd ſchon / daß ich verdammt bin; Der Biſchoff ſagt weiter / daß ſein Leib noch unbegrabner ſeye / worauf der Verdammte / wehe mir Armſee -ligen!527ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll?ligen! Aus dem kanſt du abnehmen / was ich leyde / was ich lei - de / indem mir vier Stund wie tauſend Jahr vorkommen / ſo hab ich auch dich befragt / wie dermalen die Menſchen leben / dann mit mir ſo viel Seelen ſeynd in die Hoͤll geſtiegen / daß ich geglaubt / die gantze Welt habe bereits ein Ende. Jn Summa alle Peyn der Welt ſeynd nur ein Schatten gegen der Hoͤll / und diß iſt nicht allein ein Hyperbole.

Was ſagſt du Logica, von der Hoͤll? Jch ſagt ſie / findt bey den Verdammten das unendlich wiederholte Ergò, Ergò erravimus à via veritatis: Ergò ſeynd wir irꝛgangen vom Weeg der Warheit / Sap. c. 5. haben ſo liederlich verſchwendt das Ewi - ge umb das Zeitliche / und die falſche Wolluͤſten der ewigen Gluͤckſeeligkeit vorgezogen / haben mit dem Eſau die Primo - genitur umb ein ſchlechtes Linſen-Koch / ſo nur den Bauch auf - blaͤet / ſo ſpoͤttlich verſchertzt; abſonderlich aber find ich in der Hoͤll keine andere Syllogiſmos, als in Barbara und in Ferio. O wie Barbariſch und wild ſehen die hoͤlliſche Geſpenſter aus! Der Heilige Antoninus ſchreibt / daß einer aus ſeinen Religio - ſen habe den boͤſen Feind geſehen / und an deſſen Abſcheulichkeit dergeſtalt erſchrocken / daß er fuͤr todt dahin gelegen / nach - dem er aber die Lebens-Geiſter in etwas wieder erhohlt / ſo hat er freymuͤthig beſtanden / daß er lieber wolle ſich in einen feuri - gen Ofen ſtuͤrtzen / als die hoͤlliſche Larven nur einmal noch an - ſchauen.

Der Heilige Seraphiſche Franciſcus / nachdeme er durch Goͤttliche Zulaſſung eines verdammten Geiſts anſichtig worden / hat dem Fr. Ægidio bekennt / daß ein Menſch natuͤrlicher Weis muͤſte ſterben / wann er nur ein Ave Maria lang ſolt einen boͤ - ſen Geiſt anſchauen. Die Heilige Catharina Senenſis hat es beſtanden / nachdem ihr ein ſolche Larven unter die Augen kom - men / daß ſie lieber wolt biß auf den juͤngſten Tag in einem an - gezuͤndten Scheitter-Hauffen brinnen / als noch einmal ſolches hoͤlliſche Geſpenſt anſchauen.

Ludovicus Severus, einer aus dem Hoch-FuͤrſtlichenStam -528Judas wegen ſeiner groͤſten LaſterStammen-Haus Bayern / indem er einmal einen Brieff ſeiner Frauen Gemahlin Mariæ, welchen ſie Ruchoni einen vorneh - men Herꝛn geſchreiben / aber durch Jrꝛthumb des Bottens aufge - fangen / und den Jnnhalt des Brieffs nicht allerdings verſtanden / ſo iſt er alſo bald in einen boͤſen Argwohn gerathen / und ſetzte ihre ehrliche Treue in einen Zweiffel / als haͤtte ſie das jenige / an wel - ches ihre Unſchuld nie gedacht / begangen. Wie nun dieſes Fuͤr - ſten gefaſter Zorn je laͤnger je mehr uͤberhand genommen / ſo iſt erſtlich der arme Bott / als ein vermeynter Mitwiſſer enthaubt worden / nachmahls hat er zu Donawerth / allwo ſein Fuͤrſtli - che Reſidentz ware / den Burg-Graven laſſen umbbringen / weil er bey ihme verdaͤchtig / als haͤtte er ſeiner Gemahlin Untreu ver - maͤntlet / uͤber das laſt er die Burg-Graͤvin / ſo ebenfals ein ehrli - che Matron / wegen ſolches Verdachts von einem hochen Thurn herunter ſtuͤrtzen. Endlich hat ſeine Grauſamkeit alle Maß uͤber - ſchritten / in deme auch Maria ſeine Durchleuchtigiſte und un - ſchuldigiſte Frau Gemahlin muſte ihr Haupt dem Scharpffrich - ter darreichen. Als nun ſolches der gantze Fuͤrſtliche Hoff hoͤchſt beweinte und betaurte / hat Rucho / obgedachten Herrn / mit an - genſcheinlichen Beweiſungen / dargethan die Unſchuld Mariæ / woruͤber Ludovicus ſeinen ſo groben begangenen Fehler erkennet / gantz bußfertig nacher Rom zu dem Papſt Alexender den Vierd - ten gereiſt / und von ihme Nachlaß ſolcher Schuld erhalten / auch hieruͤber das ſtattliche Cloſter Fuͤrſten-Feld mit herꝛlichen Renten und Einkommen geſtifftet. Was aber das denckwuͤrdigſte an die - ſem Ludovico Severo geweſen. Jn der erſten Nacht / nach dem vollbrachten Todtſchlag / hat ihn der Geiſt Mariæ dergeſtalten ge -Bavar. Sanct. Rader. aͤngſtiget / daß er gantz weiß und Eißgrau worden / und einem Herꝛn von ſiehenzig Jahren gleich geſehen / der doch von jungen Jahren und Haaren geweſen.

Jetzt erwege jemand / wann ein eintziger und zwar ein Menſchlicher / unnd was noch mehr / der Geiſt ſeiner eigenen Frauen Gemahlin Ludovicum, alſo geaͤngſtiget / daß er ineiner529ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.einer Nacht Eißgrau worden / wie werden dann erſtaͤngſtigen und betraͤngen eine verdammte Seel die hoͤlliſche Geiſter / welche Gei - ſter und Geſpenſter in der Geſtalt ſeynd erſchroͤcklich / in der Grau - ſamkeit unbarmhertzig / in dem Gewalt vollmaͤchtig / in dem Wil - len tyranniſch / in dem Zorn grimmig / in dem Wuͤtten unverdroſ - ſen / welche Geſpenſter aus den Augen werffen Feuer / aus der Na - ſen riechen Schwebel / aus dem Maul ſpeyen Flammen / in den Haaren tragen Schlangen / in dem Athem haben Gifft / und ſol - che Geiſter ſeynd noch in der Zahl unzahlbar / und werden von den verdammten Menſchen nicht allein von auſſen geſehen / ſondern noch dergeſtalten von ihnen beſeſſen / wie das gluͤende Eyſen vom Feuer / in Summa nichts als Barbariſch.

Jn der Hoͤll iſt ein ſtaͤter Syllogismus in Ferio. Dann die Verdammte ſeynd allerſeits geſchlagen / forderiſt aber in dem / daß ſie ſehen die unermaͤßliche Glory der Auserwoͤhlten / und doch Ewig zu derſelben nicht gelangen werden. Sie ſehen den Pomp und Pracht der Patriarchen. Sie ſehen die Glaͤckſeeligkeit der Propheten. Sie ſehen die Belohnung der Apoſtlen. Sie ſehen die ſchoͤnſte Cronen der Martyrer. Sie ſehen die Freud und Er - goͤtzlichkeit der Beichtiger. Sie ſehen die groſſe Wuͤrde der Jung - frauen. Ein mancher ſiehet droben im Himmel einen Bettler wie einen Koͤnig gekroͤnet / den er allhier auf der Gaſſen nicht hat ange - ſchaut. Er ſiehet einen und andern droben glaͤntzen mehr als die Sonne / die er auf der Welt nur lauſige Bettel-Pfaffen genennet hat. Ein anderer ſiehet droben in unbegreifflicher Glory den jeni - gen / ſo er auf der Welt verfolgt / und fuͤr einen Fußhadern gehal - ten. Ein geweſte Dama ſiehet droben in aller Herꝛlichkeit ein Weib / die ſie vorhero fuͤr eine alte Hex und Wettermacherinn ge - halten. Ein macher Prælat ſiehet droben in einem uͤberſtattlichen Thron ſeinen Untergebenen / den er meiſtens als ein Simpel ver - lacht hat. Und ſolches Sehen und Auſehen erwecket einen ſo un - ausſprechlichen Neid / daß dieſer die Verdammte mehr quellet und peiniget / als alle andere Tormenten im gantzen hoͤlliſchen Abgrund.

Pars IV. X x xWie530Judas wegen ſeiner groͤſten Laſtern

Wie die Bruͤder des Joſephs wahrgenommen / daß er mehr bey den Eltern gelte / als ſie / ſo ſeynd ſie dergeſtalten vom Neid ein - genommen worden / daß ſie ſich untereinander beſchloſſen / denſel - ben aus dem Weeg zu raumen. Jn wem hat aber Joſeph mehrer gegolten? Einen ſauberen Rock hat ihme ſein Vatter machen laſ - ſen / und zu weilen einfreundliches Geſicht gezeigt / ſonſten nichts. O wie wird es dann den Verdammten umb das Hertz ſeyn / wann ſie ſehen / nicht ihren Bruder in groſſer Glory bey GOTT / ſon - dern wohl einen geringen Menſchen / den ſie vorhero nicht fuͤr gut gehalten. Wie wird ein Edelmann ergrimmen / wann er ſiehet / daß ſein Unterthan und Bauer / den er zuvor ohne Maß und Ge - wiſſen geſchulden / nunmehro mit aller unſterblicher Herꝛlichkeit / umbgeben iſt. Wie wird es einem Hochwitzigen und Gelehrten ſo peynlich fallen / wann er ſiehet / daß ein einfaͤlter Schaaſhirt / ein arbeitſamer Tagwercker in aller Herꝛlichkeit ſitzet. Wie un - leidentlich wird es fallen / einer Frauen in der Hoͤll / wann ſie ſehen muß / daß ihre Dienſtmagd / ſo ihr die Stuben ausgerieben / jetzt in dem Himmels-Saal der ewigen Freuden ſchwebe. Derglei - chen Ding erwecken einen ſolchen Neid / der die Hertzen der Ver - dammten / wie ein biſſige und gifftige Schlangen ſtaͤts durchnaget und plaget.

So bald der reiche Praſſer eines gehen Tods geſtorben / und den geraden Weeg zum Teuffel gefahren / da war ſein groͤſte Peyn unter anderen / daß er muſte anſehen den Lazarum in der Schoß Abrahæ, den Lazarum dieſen ſo elenden Bettler / der vor ſeiner Thuͤr gelegen / den Lazarum dieſen ſo Muͤheſeeligen Krippel / deme die Hund Melampus, Diana, Coridon, Soldan und Mo - pſel die Geſchwaͤr geleckt / den Lazarum, in der unſterblichen Glory ſehen / und er / als ein Cavallier, als ein Edelmann / ein Gnaͤdiger Herꝛ in dieſem ewigen Schwebel-Teuchſitzen / das hat ihn alſo geſchmertzt / und ſolcher Neid hat ihn mehrer gequellt als alle andere undenckliche Peynen in dem Abgrund. Eſt grave illis malum, & incendium non ferendum, quos hic habuêre con -temptui531ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.temptui, videre felices. Ideònon ſe ad Lazarum, ſed ad ſe La - zarum vult deduci. O ihr verdammte und ewig ungluͤckſeelige Geſchoͤpff / der Neid friſt euch umbſonſt das Hertz ab. Sehet ihr dann nicht / daß GOtt und Heilige euch nur auslachen und aus - ſpotten. Dominus irridebit illos.

Was ſagt Arithmetica von der Hoͤll? Jch / ſagte dieſe / ge - he meiſtens mit der Zahl umb / mit Zifferen und Rechnen verzehre ich die Zeit / aber ein einiges Nulla in der Hoͤll / das kan ich nicht ergruͤnden. Ex Inferno Nulla redemptio! O ein erſchroͤckliches Nulla! Sonſt acht man ein Nulla nicht viel / ſonderbar in den Neuen Zeitungen / eins mehr oder weniger ligt nicht viel daran / a - ber in der Hoͤll iſt ein Nulla, ob dem ich an Haͤnd und Fuͤß zittere: Nulla redemptio, kein Erloͤſung / ſondern Ewig / Ewig / Ewig / O JEſu Chriſte!

Obgedachter reiche Praſſer hat ein Memorial abgefertiget zu dem Vatter Abraham / deſſen meiſte Jnhalt ware; daß er doch wolte ſo gut ſeyn / und den Lazarum zu ſeinen Fuͤnff Bruͤdern ſchi - cken / damit er denſelben ſein Elend andeute / und zugleich als ein eifferiger Prediger ſie ernſthafft ermahne / damit ſie doch einen beſ - ſeren und froͤmmeren Wandel fuͤhren / auf daß ſie nicht auch in dieſen Abgrund und Untergang gerahten. Ne & ipſi veniant in hunc locum tormentorum, &c. Aber was iſt dieſes fuͤr ein thor - rechtes Begehren? Es fangt ja die Lieb von dem Ego an / es iſt ja das Hemmet naͤher als der Rock. Warumb halt er nicht umb ein Gnad an fuͤr ſeiue eigene Perſon? Warumb bitt er nicht den Abra - ham / wie der Joſeph in Egypten den Mund-Schencken / daß er bey GOTT ſo viel moͤchte auswuͤrcken: Ut educat me de iſto car - cere, &c. Damit er doch kont aus dem hoͤlliſchen Kercker erledi - get werden? Nichts dergleichen / gar nichts dergleichen hat der e - lende Geſell begehrt / dann er wuſte ſchon das Nulla. Nulla re - demptio, &c. daß auf ewig kein Erloͤſung. O Ewigkeit! O E - wigkeit! Die Hand zittert / wann ſie nur dieſes eintzige Wort ſchreibt.

X x x 2Wann532Judas wegen ſeiner groͤſten Laſtern

Waͤnn GOTT einer Ommaiſſen oder Mucken ſolte beſeh - len / daß ſie alle tauſend Jahr ein Troͤpfflein Waſſer erincken ſolte / biß ſie endlich alle Bruͤnnen der Welt / alle Baͤch / alle Fluͤß / alle Teich / alle See / ja das groſſe Meer ſelbſt auslehret / wie viel Mil - lion / Million / Million tauſend Jahr wurden vergehen / biß ſie nur die Donau thaͤten austrincken. Es wurden aber die Verdammte alle gern ſo lang leyden / biß alles Waſſer ausgelehrt wurde / dann es doch einmal ein End nehme / aber dieſes iſt ihnen rund abgeſchla - gen / ſondern Ewig / Ewig / Ewig.

Wann ich ſolte hinunter geſchickt werden in das Orth der Verdammten / mit dieſer neuen Zeitung: Jhr Verdammte hoͤret mich alleſammt an / jetzt in dieſem Augenblick wird ein Schneck / der doch aus allen Thieren das langſambſte iſt / anfangen zu krichen / und wird die gantze Welt durchmarſchieren / gantz Europa, gantz Africa, gantz Aſia, gantz America, alle Koͤnigreich / gantz Spa - nien / gantz Franckreich / gantz Teutſchland / gantz Welſchland / gantz Engelland / gantz Polen / uͤber alle Berg und Buͤchel / nach - mals gar biß in den Himmel hinauf / wohin es ſo weit / daß nach Ausſag des gelehrten Aſtrologi Alpharabii, ein Menſch haͤtte acht tauſend Jahr zu reiſen / nur allein biß ins Firmament. Nachdem nun der Schneck den gantzen Erdboden und alle Himmels-Kreiß wird durchkrochen haben / alsdann wird GOTT ſich euerer er - barmen. Ach! das waͤre den Verdammten ein gewuͤnſchte Zei - tung / da thaͤten ſie alle aus den Flammen die Haͤnde aufheben / und GOTT dancken. Aber umbſonſt / auch diß wird ihnen nicht geſtattet / fondern Ewig / Ewig / Ewig. O Allmaͤchtiger GOTT.

Wann ſolte die gantze groſſe Welt von lauter Stachel ſeyn / alle tauſend Jahr aber ein Engel mit einem Meſſer thaͤte einen Kra - tzer daruͤber machen / ſo wurde doch mit der Welt etwas abgekratzt werden / nach dem nun die gantze ſtachlene Welt-Kugel wird gaͤntzlich hinkratzt ſeyn / alsdann werd ihr Verdammte erloͤſt wer - den. O wie lang / Allmaͤchtiger GOTT! wurde es hergehen /und533ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.und gleichwol wurde dieſe Zeitung in den Ohren der Verdammten ein liebliche Muſic ſeyn / und thaͤten ſie vor Freuden und Jubel - Schall auffhupffen / aber umbſonſt / auch diß nicht / ſondern E - wig / nie kein Ende / ſondern Ewig / Ewig.

Judas iſt ſchon uͤber die ſechzehen hundert Jahr in dieſem Feu - er / Holofernes, etliche tauſend Jahr / in dieſem Schwebel-Teich. Pharao etlich tauſend Jahr in dieſem Brenn Ofen. Dathon und Abiron etlich tauſend Jahr in dieſem hoͤlliſchen Rachen. Jezabel etlich tauſend Jahr in dieſem Abgrund. Wann GOTT ſolte zu ihnen ſagen: Hoͤrt ihr Verdammte / wann ihr werdet weinen / und ſo viel Zaͤher vergieſſen / biß darmit der gantze Erdboden biß auf das Firmament hinauf angefuͤllet wird / alsdann will ich euch euer Feuer ausloͤſchen. O was Troſt thaͤt ſich nicht erheben in dieſen Gemuͤtheren / aber auch das wird nicht ſeyn / ſondern Ewig / E - wig / Ewig.

Wann ich doͤrffte hinunter ſteigen / in dieſes Marter-Haus / und ihnen ſolte ankuͤnden / daß ſie ſo viel Jahr werden brinnen und braten / wie viel da ein Schreiber Tipffel machen kan biß auf den Juͤngſten Tag / oder wie viel Sonnen-Staͤubel auf der gantzen Welt / oder wie viel Geſchoͤpff auf dem weiten und breiten Erdbo - den / diß waͤre ihnen ein Troſt uͤber alle Troſt / aber umbſonſt / umb - ſonſt / ſondern Ewig / Ewig / Ewig / nie kein Ende. Das Gu - te ſagt ihnen: Jch fliehe ewig von euch. Das Boͤſe ſagt ihnen: Jch bleibe ewig bey euch. O Ewigkeit! du biſt ein Geſang oh - ne Claußl. O Ewigkeit! du biſt ein Graben ohne Grund. O Ewigkeit! du biſt ein Meer ohne Geſtatt. O Ewigkeit! du biſt ein Nacht ohne Morgenroͤth. O Ewigkeit! du biſt ein Leben ohne Sterben. O Ewigkeit! du biſt ein Jrꝛ-Garten ohne Ausgang. O Ewigkeit! du biſt ein Maaß ohne Ziel. O Ewigkeit! du biſt ein Exordium ohne Epilogo. O Ewigkeit! du biſt ein verſperꝛ - ter Kercker / deſſen Schluͤſſel abgeworffen iſt in den grundloſen Ab - grund.

Hieronymus wohnet in einer rauchen Wuͤſten zwiſchenX x x 3und534Judas wegen ſeiner groͤſten Laſternund unter den wilden Thieren / ernaͤhrt ſich mit einem kleinen Stuͤckel Brodt / zerfleiſcht ſeinen Leib mit blutigen Geißlen / zer - ſchlagt ſein Bruſt mit hartem Kiſſelſtein / maͤrglet ſich dergeſtalten aus / daß er ein Copey des Todts ſelbſten: Hieronyme warumb diß? Ob Gehennæ metum, &c. ſagt er / wegen der Ewigkeit / die ich foͤrchte in der Hoͤll / O Ewigkeit!

Guilelmus ein Hertzog in Aquitania hat ſich nach ſeiner Be - kehrung neun gantzer Jahr in einer Gruben aufgehalten / der vor - hero in einem praͤchtigen Pallaſt geſeſſen / hat ſich in einen eiſenen Pantzer am bloſſen Leib laſſen einſchmiedten / der vorhero mit Sammet ſich nicht begnuͤgen laſſen / erhaͤlt ſich allein mit Waſſer und Brodt / und dieſes ſo maͤſſig / daß kaum ein Spatz darmit ge - ſaͤttiget wurde / der doch vorhero auf einmal ſo viel Speis zu ſich ge - nommen / als acht ſtarcker Maͤnner: Guilelme warumb diß? Ob Gehennæ metum, wegen der Ewigkeit / ſagt er / ſo ich foͤrch - tein der Hoͤll.

Carolus Quintus ein Glorwuͤrdigiſter Kaͤyſer aus dem Haus Oeſterreich / deme die halbe Welt unterthaͤnig / deme die Fortuna bottmaͤſſig unterworffen / ein Teutſcher Hercules, ein Oeſter - reichiſcher Alexander / legt etliche Jahr vor ſeinem Todt Cron und Scepter freywillig ab / verſchlieſt ſich ſelbſt in ein Cloſter / nimmt vor Lieb mit einer engen Zellen / dem vorhero gantze Koͤnigreich zu eng: Carole warumb diß? Ob Gehennæ metum, ſagt er / we - gen der Ewigkeit / ſo ich foͤrchte in der Hoͤll. O Ewigkeit / O Ewigkeit!

Noch eins / ihr ungluͤckſeelige Verdammte / das jenige Wuͤr - mel / welches aus Goͤttlichen Befelch dem Propheten Jonœ ſein Kuͤrbes abgebiſſen / daſſelbe wird alle Baͤumer / alle Waͤlder / alle Hecken / alle Stauden / alle Gewaͤchs der gantzen Welt abbeiſ - ſen / wie lang wird es zu thun haben mit einem Aich-Baum? wann es nun wird voͤllig mit ſeiner Arbeit fertig ſeyn / und alles Gehoͤltz zermahlen haben / alsdannn wird auch die Poſt kommen /daß535ſitzt zum allertieffſten in der Hoͤll.daß ihr erlediget werdet / ſeyd ihr zu frieden mit dieſer Gnad? O Freylich / O freylich / ſagen ſie / unendlich wolten wir umb dieſes dancken / aber wir wiſſen es / daß es nicht ſeyn kan / wann auch die Mutter GOttes ſelbſt / wann auch alle Heilige im Himmel / alle Engel im Himmel ſich zu den Fuͤſſen JEſu thaͤten niederwerffen / und ſolche Gnad fuͤr uns begehren / ſo wurde es doch GOtt nicht thun / Nulla redemptio, es iſt kein Erloͤſung auf Ewig / O er - ſchroͤckliches Nulla, O JEſu erbarm dich unſer.

Was ſagſt du Muſica von der Hoͤll? Jch / ſagt Muſica / find ein tieffen Paß in der Hoͤll / find ein erſchroͤckliches Geſang / benanntlich das Heulen und Zaͤhnklappern / find unendliche Su - ſpir, find einen grauſamen Tact, indem ein jeder Verdammter ſpricht: Manus Domini tetigit me; aber welches das aller - ſchmertzlich iſt iſt / ich finde in der hoͤlliſchen Muſic kein einige Pau - fa. Es iſt zwar die gantze Wochen dem Menſchen von GOtt zur Arbeit gegeben worden / aber gleichwol iſt kein Wochen ohne Pauſa und Feyerabend: Es plagt ſich der Scholar mit ſeiner Lateiniſchen Arbeit nicht ein wenig / und muß offt den Schlaff bre - chen / wann er etwas machen will / muß offt die Buͤcher leſen / wann er ſich von uͤbel erloͤſen will / aber gleichwol hat er ſeine Pau - ſa / und ſein gewiſſe Vacantz; Ein Zimmermann hat ein harte Arbeit / und muß manchem Baum die Haut abziehen / da er doch ſein Lebtag kein Pfleger wird / muß manches Haus auf baumen / wann er doch wol hauſen will / muß wider ſeinen Willen offt hoch ſteigen / da doch andere viel Geld ſpendiren / damit ſie ſolches erhalten / aber gleichwol hat er ſeine Pauſa / ſeine gewiſſe Stun - den des Tags / an denen er ſich mit einem Stuck Brodt erquickt / oder aber auf den harten Scheitten einen linden Schlaff ver - ſucht. Ein Schnitter auf dem Feld hat ein harte Arbeit / muß es machen wie der Todt / wann er doch will zu leben haben / er bu - cket ſich ein gantzes Jahr nie ſo ſtarck gegen der Erden / es iſt aber ein intreſſirte Reverentz / dann dazumal ſpendirt ſie die liebe Mutter zum̃ meiſten / der Schweis rinnt ihm uͤber das Angeſicht herab / dieſen Fuͤrneiß hat uns der Adam gemacht / aber dannochhat536Judas wegen ſeiner groͤſten Laſternhat der arbeitſame Schnitter ſein Pauſa, hat gewiſſe Zeiten des Tags / bey denen er ſich unter einen Schatten ſetzt / das gewuͤnſch - te Mittag-Mahl einnimmt / und iſt anbey verſichert / daß er uͤbern Stull nicht hinunter fallt.

Der Soldat auf der Wacht hat ein harte Arbeit / und wann andere bey Naͤchtlicher Ruhe die Augen zuſchlieſſen / muß er die Seinige zum beſten offen haben / muß in der groͤſten Kaͤlte Schild - wacht ſtehen. Ob das Wort Schildwacht von Schild oder Schel - ten herkommt / daß weiß ich nicht. Muß immerzu auf der hohen Paſtey ſeyn / da ihme doch dem hungerigen Tropffen lieber waͤre die Paſtetten / ꝛc. Aber gleichwol hat er ſeine Pauſa, wann die Stund und gewiſſe Zeit verfloſſen / ſo ſchreyet er alſo bald: Abge - loͤſt: Leint die Mußquetten an die Wand / begibt ſich in die Rauch - ſtuben oder Wachtſtuben / legt ſich nieder und ſchlafft / und ſchnei - det Bretter auf der Banck. Nichts iſt in der Welt / ſo nicht ein Pauſa, ſein unterſetzte Ruhe hat / aber in der Hoͤllen iſt kein einige Pauſa, in alle Ewigkeit nicht ein halbe viertel Stund ein Ruhe. O Allmaͤchtiger GOTT! Ewig brennen / und nicht einmal ein Viertel Stund ein Abkuͤhlung. Ewig verwunden / und nicht einmal ein Pflaſter. Ewig Hunger leyden / und nicht einmal ei - nen einigen Biſſen. Ewig Durſtleyden / und nicht einmal einen Tropffen Waſſer. Der erbitterte Hoͤlliſche Geiſter thun auf E - wig die Verdammten peynigen / ſchlagen / ſtechen / hauen / zwi - cken / brennen / droſſeln / werffen / preſſen / drucken / raͤderen / foltteren / binden / rauffen / ſchinden / ſtoſſen / tretten / ſieden / braden / bachen / ſtuͤrtzen / ſpiſſen / ſchneiden / ꝛc. Und werden doch weder muͤed noch matt.

Johannes der Apocalyptiſche Engel / hat auf eine Zeit geſe - hen / wie der Goͤttliche Richter am Jaͤngſten Tag wird erſchei - nen: Jch ſahe ihn / ſagt er / daß ſein Haupt geweſen / wie ein weiſſer Schnee / ſeine Augen waren wie Feuer-Flammen / ſeine Fuͤß / gleichwie ein glaͤntzendes Ertz / als wann es ware in einem feu - rigen Ofen / und ſeine Stimm / wie das Rauſchen vieler Waſſer /und521[537]ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.und er hatte ſieben Stern in ſeiner rechten Hand / und aus ſeinem Mund gieng ein ſcharpffes zweyſchneidiges Schwerdt heraus / und ſein Angeſicht war / als wann die Sonn ſcheinet in ihrer Krafft / ꝛc. Præcinctum ad mamillas zona aurea, unter andern hab ich Johannes auch geſehen / daß ſein Bruſt mit einer guldenen Guͤr - tel verſchloſſen; durch welches wurde angedeutet / daß am Juͤng - ſten Tag der Goͤttliche Richter / ſein vorhin ſo guͤtiges Hertz / voͤllig und auf ewig / den Verlohrnen / werde zuſchlieſſen / und nicht einmal auf einen Augenblick eroͤffnen / und nicht einmal ein Haar von ſeinem Sententz auf ewig nachlaſſen / nicht einmal mit der vorgenommenen Straff nur einen Augenblick diſpenſi - ren in alle Ewigkeit. O JESU Maria! gar kein Pauſa, gar kein einige Pauſa.

Es iſt nicht gar lang / daß ſich im Welſchland folgende er - ſchroͤckliche Geſchicht begeben. Ein Adeliche und reiche Frau fuͤhr - te ein ſehr frommen und auferbaulichen Wandel / war freygebig gegen den Armen / und dem Gebet und Andacht ſonderbar erge - ben; nach dem ſie mit Todt abgangen / hat ſie keinen anderen Erben hinterlaſſen / als ein einige Tochter / und zwar ein Kind / ſo nicht allein Geſtalt halber / ſondern vorderiſt Tugendhalber wol beſchaffen war / welche neben andern Gottſeeligen Wercken / auch ſehr gern fuͤr die Todte und Abgeſtorbene gebetet / inſonderheit aber fuͤr ihre liebſte Mutter. Als dieſe Tochter etliche Wochen nach dem Todt der Frau Mutter einmal gantz allein in der Stu - ben war / da erblickt ſie ein erſchroͤckliches Abentheuer bey der Thuͤr / ſo faſt gleich einer wilden und geſchundenen Sau / voller Geſtanck und Unflath; die Tochter thaͤt ſich billich hieruͤber hoͤchſt entruͤſten / und wolte die Flucht ſo gar vom Fenſter hinunter nehmen / aber das Geſpengſt redet ſie mit folgenden Worten an: Stehe ſtill / und wei - che nicht / O Tochter! ich bin dein ungluͤckſeelige Mutter / ob ich ſchon einen frommen und untadelhafften Wandel gefuͤhret auf Er - den / ſo bin ich gleichwol ewig verdammt / weil ich mit deinem Vat - ter etliche abſcheuliche Suͤnden begangen / die aus Schamhaff -Pars IV. Y y ytigkeit538Judas wegen ſeiner groͤſten Laſterntigkeit in der Beicht niemalen entdecket / nachdem die Tochter ſich in etwas erhohlet / ſo fragt ſie ihr ungluͤckſeelige Mutter nicht ohne haͤuffige Zaͤher was dann fuͤr Peyn in der Hoͤll ſeyn? worauf die Mutter / die Beraubung des Goͤttlichen Angeſichts / iſt die groͤſte Peyn / und darumb iſt bey den Verdammten ein immerwehrendes vermaledeyen und fluchen der Goͤttlichen Juſtitz: nachmals iſt ein unermaͤßliche Peyn / indem alle Verlorne gedencken und betrach - ten / daß ſie Ewig / Ewig / Ewig nicht mehr erloͤſt werden / Ewig nicht auf einen Augenblick nur ihr Feuer ausloͤſchen / Ewig nicht ein Untzen der Goͤttlichen Barmhertzigkeit zu hoffen haben / Ewig nicht die mindeſte Pauſa genieſſen in ihren Tormenten und Qualen / ꝛc. Seraphi - nus Raz - zius Pag. tom. 2. 528.Woruͤber ſie etliche Spruͤng uͤber Stuͤhl / Tiſch und Baͤnck ge - than / und allenthalben wie ein feuriges Eiſen tieffe Fußpfaden ein - gedruckt mit einem unleidentlichen Geſtanck / und folgſam von den boͤſen Feinden in den Abgrund geſtuͤrtzt worden. Die Tochter hat ſich alſobald in die Kirchen begeben / ſich mit dem dazumal be - ruͤhmten Faſten-Prediger unterredt / welcher dann nach eingenom - menen Augenſchein mit dero Erlaubnuß alles in der Predig geof - fenbaret / auch mit dieſer erſchroͤcklichen Geſchicht ſehr viel Suͤnder zur Buß und Beſſerung gezogen.

Was ſagſt du Geometria von der Hoͤll? Jch ſagt Geome - tria, bin immerzu beſchaͤfftiget mit dem Ausmeſſen des Erdbo - dens / aber es iſt mir nie heiſſer worden / als wie ich die Hoͤll / ſo in dem Mittel-Punct der Erden liegt / habe abgemeſſen. Wie Judas von einer groſſen Anzahl Teuffel in die ewige Verdamm - nuß hinunter gefuͤhrt worden / da iſt er zum allererſten kommen in einen groſſen Kercker des Erdbodens / allwo nichts anders geweſt / als ein duͤcke Finſternuß / von Feuer und Peyn ſahe er nichts / und hoͤrte auch nichts / und empfunde auch nichts / da fragte er alſo - bald / ob diß die Hoͤll ſeye? Ja wol die Hoͤll / antworten die verdammte Larven / diß iſt ein Paradeiß gegen der Hoͤll; dieſes iſt das Ort / ſo die Schoos Abrahams genennt wird / in dieſem Ort ſeynd arreſtirt geweſt die heiligen Alt-Vaͤtter / biß der Hey - land JESUS nach ſeinen bitteren Todt hinunter geſtiegen /und539ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.und ſie erloͤſt: Judas wied weiter hinunter gefuͤhrt / und kommt in ein andere Keichen / ſo von uns tauſend zwey hundert und zwey und fuͤnfftzig Welſche Meil Weegs in dem Erdboden entlegen / fragt dahero gleich wiederumb / ob dieſes die Hoͤll? Nichts von der Hoͤll / ſagen die Teuffel / diß iſt das jenige Ort / wo die unſchul - dige Kinder loſchiren / welche das Angeſicht Gottes zwar nicht ſe - hen / aber im uͤbrigen wenig leyden. Der Jſcarioth wird ohne Verzug tieffer hinunter geriſſen / und kommt an das dritte Ort / ſo zwey tauſend fuͤnff hundert und fuͤnff welſche Meilen in dem Erd - boden / da ſahe er gantz feurige Oefen / und in den Oefen die arme Seelen / er ſahe gantz feurige Roͤſt / und auf den Roͤſten die arme Seelen / er ſahe gantz feurige Fluͤß / und in den Fluͤſſen die arme Seelen / er hoͤrte weinen und weheklagen / er hoͤrte ſchreyen und bitten / er hoͤrte ſeufftzen und trauren; Ach! ſagte er / da / da / da iſt die Hoͤll / ja wol Hoͤll / war die Antwort / in der Hoͤll thut man GOtt vermaledeyen / aber allhier thut man GOTT bene - deyen / in der Hoͤll iſt ein Eingang ohne Ausgang / aber allhier iſt ein Eingang und auch ein Ausgang / in der Hoͤll thut man ſtu - chen / aber da thut man betten / dieſes Ort iſt ein Vor-Stadt des Himmels / und wird genennt das Fegfeuer. Weiter fort mit dem Juda / biß er endlich kommen iſt drey tauſend ſieben hundert und acht unnd funfftzig welſche Meil in der Erden / hier iſt die Hoͤll / hat es geheiſſen / unnd ſtoſſen ihn alſobald mit groͤſter Macht in den Abgrund; dieſen erſchroͤcklichen ewigen Kercker hab ich / ſagt Geometria, gantz genau gemeſſen / und gefunden / daß er gantz rund wie eine Kugel / und ſolgſam die Hoͤhe wie die Weite / und die Weite wie die Hoͤhe / benanntlich zwey tauſend fuͤnff hun - dert und fuͤnff welſche Meil / der gantze Umbkreiß aber des hoͤl - liſchen Kerckers ſieben tauſend acht hundert fuͤnff und ſibentzig waͤlſche Meil / in dieſem Ort haben gleichwol Platz viel tauſend Million der verdammten Seelen ſamt ihren Leiberen / dann ſie aufeinander werden liegen / wie die Ziegel in dem Brenn-Ofen / wie die Haͤring in der Thonnen / wie die Glut auf dem Heerd. Etlicher heiliger Vaͤtter Ausſag iſt / daß am Juͤngſten Tag dieY y y 2Hoͤll540Wegen ſeiner groͤſten Laſtern /Hoͤll werde groͤſſer werden / dann das Ort der Altvaͤtter oder Sinus Abrahæ, das Ort der Unſchuldigen Kinder / das Fegfeuer deßglei - chen / werden alle zuſammeu brechen und ein Hoͤll ſeyn. O was iſt das fuͤr ein tieffer Kercker.

Jm dem Koͤnigreich Neapel iſt ein Landſchafft ſo vor dieſem Peligri genennet worden / deſſen Haupt-Stadt Sulmona, in be - ſagter Landſchafft war ein Edelmann / der ſehr Tyranniſch und un - barmhertzig mit ſeinen Unterthanen umbgangen / einsmals hat es ſich zugetragen / daß einer aus denſelben einen Jag-Hund ſeiner Herꝛſchafft todt geworffen / und zwar wider ſeinen Willen / wor - uͤber der Edelmann dergeſtalten ergrimmet / daß er denſelben alſobald an eiſene Ketten hat feſſeln laſſen / und in den tieffeſten Kercker werf - fen / nachdem der betrangte Unterthan etliche Tag in dieſer abſcheu - lichen Gefaͤngnuß geſeſſen / und die ihme bevorſtehende Straff ſo ſtarck zu Hertzen genommen / iſt er in eine ſolche Melancholey und Verzweifflung gerathen / daß er den boͤſen Feind angeruffen umb Huͤlff und Beyſtand. Was geſchicht? der Kercker-Meiſter wolt nach Gewohnheit dem Gefangenen die Speiß / ob zwar wenig und ſchlecht genug / bringen / findet aber keinen einigen Menſchen / un - geacht die eiſene Band / und die wol verſperꝛte Keichen-Thuͤr unver - letzt waren / jedermann / vorderiſt die Herꝛſchafft / verwunderten ſich hoch uͤber dieſes / glaubten auch veſt / der Teuffel muͤſſe den Baurn geholt haben / nach dreyen Tagen hoͤrte man ein ungeheu - res Geſchrey unter der Erden / und zwar in derſelben Gefaͤngnus / und wie man hinunter kommen / findet man den Gefangenen wie zu - vor in eiſenen Banden geſchlagen / aber mit einer erbaͤrmlichen und entſetzlichen Geſtalt / als man ihn befragte / wo er geweſen ſeye? Gab er kein einige Antwort / ſondern ſtunde wie ein Seeloſe Statuen oder Bildnuß / endlich begehrte er mit der Herꝛſchafft zu reden / welches ihme auch verwilliget worden / daſelbſt hat er bekennt / daß ihn der boͤſe Feind in den Abgrund der Hoͤllen habe geſuͤhrt / welche ſo tieff / daß er glaubt / er ſeye uͤber tauſend Meil hinunter geſtiegen / da - ſelbſt habe er geſehen die unermeßliche Peyn der Verdammten /un -541ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.unter andern habe er viel erblickt / die in Samet und Seyden / in Silber und Gold aufgezogen; als er aber eines dergleichen Kleid nur ein wenig angeruͤhrt / ſeye ihme hiervon die Hand halb abge -Alexan - der ab A - lexandro l. 6. Gen. dicr. c. 21. brandt / ſo habe er auch geſehen das Ort / wohin ſein Edelmann werde geſtoſſen werden / wofern er nicht von ſeinem boͤſen Wandel werde abſtehen / und biß hab ihm einer gezeigt / ſo vorhin des Edel - mannsbeſter Freund geweſen / zum Zeugnuß deſſen / hab er ihme jenen geheimen Contract vertraut / den ſie beede einmal im Feld mit einander gemacht haben. Der Edelmann konte hieraus die Warheit ſchlieſſen / zumalen umb dieſe Sach kein Menſch auf Er - den gewuſt / auſſer die zwey / uͤber diß iſt der Unterthan frey und loos worden / aber wegen des erſchroͤcklichen vergeſtalten Angeſichts kaum von ſeinem Weib und Kindern erkennet worden; und ſo dieſe mit weinenden Augen befragt worden / wo er geweſt / ſo gab er faſt kein andere Antwort / als nur lauter tieffeſte Seufftzer / wie er dann etliche Tag hernach / nach dem er ſein Teſtament verfertiget / ge - ſtorben iſt.

Was ſagſt du Aſtronomia von der Hoͤll? Jch / ſagt Aſtro - nomia, mag mich nicht viel fretten mit irꝛdiſchen Dingen / ich halt mich meiſten theils in der Hoͤhe auf / beſichtige den Mond / welcher ſo hoch uͤber dem Firmament / daß er von demſelben acht und dreyſ - ſig tauſendmal / tauſend / achtmal hundert / ſieben tauſend / drey hundert und ſiebenzehen Teutſche Meil entlegen. Ober dem Mond beſchaue ich den Planeten Venus, ob der Venus, den Mercurium, ober den Mercurium, die Sonn / welche nach Ausſag Caſſonæi ein ſo ſchnellen Lauff hat / daß ſie in einer Stund zweymal hundert und ſechtzig tauſend Teutſche Meilen poſtirt / das heiſt geloffen. Ober der Sonnen betrachte ich den Planeten Mars, und ſchau / ob er noch gut Frantzoͤſiſch. Ober dem Mars beſuche ich den Jupiter / ober die - ſem den Saturnum, und verwundere mich uͤber deſſen Langſamkeit / ich will zwar Gott nicht einreden / aber meines Gedunckens haͤtte er beſſer gedaugt fuͤr einen Zimmermann / als fuͤr einen Planeten: Ober dem Firmament ſihet man ein blaues Gewoͤlb / ſo aber nur in lauterY y y 3Waſſer542Judas / ꝛc. ſitzet zum allertieffeſten in der Hoͤll.Waſſer beſteht / nach allen dieſem findt ich den Himmel / allwo GOtt in ſeiner Majeſtaͤt mit allen Auseꝛwehlten reſidiret / welcher ſo groß ſoll ſeyn wie Nierenbergius darvor haͤlt / daß er vier und zwantzig tauſend Million teutſche Meilen in der Laͤnge / und drey tauſend ſechs hundert Million in der Breite begreiffe / ja wann ein Voͤgerlein ſo ſchnell koͤnte fliegen / daß es in einem Ave Ma - ria lang den gantzen Erdboden zwantzigmal konte umbfliegen / ſo haͤtt es doch 24. Stund zuzubringen / wann es den Hımmel / wo die Heilige wohnen / wolt durchfliegen: Weil dann die gan - tze runde Welt-Kugel nichts anderſt iſt gegen dem Himmel all - wo die Wohnung der Auserwehlten / als ein Tiepffel / ſo ſchaͤ - men ſich die Verdammte in alle Ewigkeit / verfluchen ihre Thor - heit / daß ſie umb ein ſo wintziges Tipffel halber den ſo edlen Him - mel auf ewig verſchwendt / verſchertzt / vertaͤndlet. Ach wehe! ach wehe! ach wehe! und unendlich wehe! die ewige Glory / die ewige Freud / das ewige Liecht / den ewigen Frieden / das ewige Leben / die ewige Wolluſt / die ewige Erſaͤttlichkeit / die ewige Muſic / die ewige Ruhe / den ewigen Glantz / die ewige Wuͤrde / die ewige Lieblichkeit / die ewige Herꝛlichkeit / die ewige Vergnuͤ - gung / die ewige Gnad / die ewige Ergoͤtzung / den ewigen Wol - ſtand / die ewige Wohnung im Himmel / die ewige Geſellſchafft der Engeln / die ewige Freundſchafft der Heiligen / das ewige An - geſicht GOttes haben wir elende Geſchoͤpff verſchwendt umb ein zergaͤngliche Wolluſt: O vermaledeyt die Stund / an dero wir gebohren / vermaledeyt die Mutter ſo uns getragen / vermale - deyt der Tauff / den wir empfangen / vermaledeyt die Zeit / an dero wir zum Verſtand kommen / vermaledeyt den Stand / den wir angetretten / vermaledeyt GOtt der uns beruffen / vermal - deyt die Sacramenta / die wir mißbraucht / vermaledeyt der Himmel / den wir verlohren / vermaledeyt die Erd die wir ver - laſſen; vermaledeyt der Teuffel der uns verſucht / vermaledyt die Suͤnden / die uns anhero geſtuͤrtzt / ach Wehe! Ewig Wehe! Wehe Ewig! Ewig Wehe!

Leich -543

Leich-Predig Des verdammten Ertz-Schelm Judæ Iſcarioth.

Thema.

Maledictus Vermaledeyt. Gen. c. 3. Num. 22. Deut. 22. Joſu. 6. Judic. 21. 1. Reg. 14. Eccleſ. 28. Jerem. 11. Malach. 1. ad Gal - lath. 3. &c.

JHr Hebreer / wer iſt Judas Jſcarioth?
〈…〉〈…〉
Jehùda hammoſer meragh meodg.
Jhr Griechen / wer iſt Judas Jſcarioth?
〈…〉〈…〉
Jhr Lateiner / wer iſt Judas Jſcarioth?
Judas eſt peſſimus Nebulo.
Jhr Arabier / wer iſt Judas Jſcarioth?
Scherirelazli.
Jhr544Leich-Predig des verdammten Ertzſchelm
Jhr Perſianer: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Hharamzade.
Jhr Tuͤrcken: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Khara giii zlü.
Jhr Boͤhmen: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Gidass geſt ten neg horrssy Zradce.
Jhr Polacken / wer iſt Judas Jſcarioth?
Jud ieſt nai Vlietki Sdraizu.
Jhr Hüngarn: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Judas Dekilletlen em vver.
Jhr Crobaten: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Prokleti Judas mallo fridni Schlovik.
Jhr Jtaliener: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Giuda è gran Traditore.
Jhr Spanier / Wer iſt Judas Jſcarioth?
Judas el Major Traidor.
Jhr Franzoſen: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Judas eſt Vn archifripon.
Jhr Crainer: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Judash Scharioth, ie ta Vsrele Schellem.
Jhr Teutſche: Wer iſt Judas Jſcarioth?
Judas iſt ein vermaledeyter Ertz-Schelm.

Benè dicitis de Maledicto, Jhr ſagt gar gut / dann in der gantzen Anatomia, oder Ausgliederung des Judæ finde ich nicht / ſo da nicht waͤre vermaledeyt.

Ver -545Judœ Jſcarioth.

VErmaledeyt ſein Kopff; die Statua oder Bildnuß des Koͤnigs Nabuchodonoſors hat ein guldenes Haupt / aber Judas hat ein Teuffels-Kopff gehabt. Das Haupt des Menſchen iſt ein Sitz und Wohnung der vornehm - ſten Sinnen / und wann dieſes wol beſchaffen / ſo ſtehen die an - dere Glieder auch Allegro, iſt aber dieſes Mangelhafft unnd nichts nutz / ſo muß es der gantze Leib entgelten; in dem Kopff oder Haupt reſidiret das Hirn / welches ſo haͤuffig bey dem Men - ſchen / daß es dopplet ſo viel iſt als bey einem Ochſen / es liegt in dreyen Behaltnuſſen oder Cammern / und iſt in zwey Haͤutel eingewicklet / wordurch es beſchuͤtzt und verthaͤdiget wird / deren eins heiſt die harte / das andere die gute Mutter: bey dem Jſca - rioth aber finde ich gar wenig Hirn und in demſelben gar keinen Verſtand / maſſen er wie der groͤſte Narꝛ das hoͤchſte und un - ſchaͤtzliche Gut umb ein ſo Spott-Geld verkaufft / indeme doch der Aſſuerus umb zehen tauſend Talent die Juden nicht wolt ge - ben / der Stock Narr hat die Salben Magdalenæ umb drey hundert Gulden geſchaͤtzt / und JEſum den Welt-Heyland / deſ - ſen ſo haͤuffige Wunder-Werck er geſehen / verkaufft er umb dreyſſig Silberling: dem Judæ ſeynd alle die jenige gleich / wel - che GOtt und Gottes Gnad umb ein zergaͤngliche / ſchlechte / nichtige / verwerffliche / wilde / ſtinckende und falſche Wolluſt ver - taͤndlen / verſchwenden / verſchertzen.

Vermaledeyt die Haar auf dem Kopff Judæ. Die Haar werden von den Lateinern genannt Capilli, das iſt ſo viel als Ca - pitis Pili, dieſe ſeynd nichts anderſt als eine grobe natuͤrliche Feuchtigkeit / welche aus dem Haupt heraus gehet / und aus - wendig in Haar verkehrt und ausgetrucknet wird: Wann aber die Feuchtigkeiten nachlaſſen / alsdann muß das Haupt nothwen - dig kahl werden: weilen Judas einen zimlichen Stroblkopff ge - habt / und gar offt des Kaͤmpels vonnoͤthen / alſo ſteckte folgſam in dieſem Unflath ſehr viel Feuchtigkeit / wenigſt finde ich in ihme die aller geringſte Hitz nicht einer Goͤttlichen Liebe. Urſula Beni -Pars IV. Z z zcaſa546Leich-Predig des verdammten Ertzſchlemcaſa dieſe Heiligmaͤſſige Theatinerin ware alſo erhitzt in der Goͤtt - lichen Lieb / daß ihr das Hertz in Leib verbrunnen / und man nach ihrem ſeeligen Hintritt kein Hertz gefunden / ſondern an flatt deſ - ſen ein leeres angebrenntes Haͤutel. In act. Aber Judas der Ertz-Schelm hat weniger Hitz als der Monat Februarius. Der ſeelige Joannes aus meinem Orden / hatte unter dem Heiligen Meß-Opffer ein ſolche Hitz der Goͤttlichen Lieb empfunden / daß ihme mehrmalen ein groſſer Tampff und Rauch vom Kopff auf - geſtiegen. Auct. Feſt. Aber Judas der Galgen-Vogel hatte weniger Hitz gehabt / als Moſcau im Winter / allwo ein ſolche Kaͤlte / daß mehrmalen der Speichel ſo aus dem Mund geworf - fen wird / ehender gefrieren thut / als er auf die Erden kommt. Nicolaus Fator Ord. Minorum hatte eine ſolche Hitz der Goͤtt - lichen Liebe / daß er offt deßwegen ſich kuͤhlen muſte / in ein kal - tes Waſſer ſpringen / worvon aber das Waſſer nicht anderſt wor - den / als waͤre es ein lange Zeit bey dem Feuer geſtanden. In vit. Aber Judas der Stricks-Dieb hat noch weniger Hitz gehabt / als der Jnſul Meta / allwo das Eyß auf dem Meer gar offt zwan - tzig Klaffter dick gefunden worden. Olaus. lib. 7. O verruchte Creatur / die ſo viel Gnaden und Gutthaten von dem Hey - land JESU empfangen / der dir geweſt das / was ein Vateer ſeinem Kind geweſt iſt / das / was ein Artzt dem Krancken geweſt iſt / das / was ein Hirt dem Schaͤfel / der dich gemacht hat zu einem Juͤnger / noch mehr zu einem Apoſtel / noch mehr zu einem Procurator und vornehmen Beambten ſeines heiligen Collegii, der dich geliebt hat uͤber alles / unnd du verſtockter Tropff laͤſſeſt gleichwol nicht mercken gegen ihm ein kleinen Funcken der Gegen - Lieb. Es iſt kein Wunder / daß dein Kopff voller Haar / zu - malen in dir kein Hitz / ſondern nur ein ſtinckende Feuchtigkeit / wie dann auf einem faulen Grund das Gras ohne das gern wachſet.

Vermaledeyt die Augen und das Geſicht Judœ. Die Au - gen ſeynd die allerzarteſte / edleſte / hoͤchſte und nutzlichiſte Glie -der /457[547]Judœ Jſcarioth.der / und ſeynd der Seelen am allernaͤchſten / zumalen man gar offt aus den Augen die Paſſiones des Menſchen erkennen kan: mich wundert in der Warheit / wie der HERR und Heyland bey dem letzten Abendmahl ſich verlauten laſſen / daß ein Verraͤther unter ſeinen Apoſtlen ſeye; mich wundert / daß ſie gefragt haben / wer derſelbige ſeye? indem ſie leicht dem Judœ an den Augen haͤt - ten koͤnnnen anſehen / daß er ein Schelm in der Haut ſeye. Ver - maledeyt aber ſeynd meiſtens ſeine Augen nur derentwegen / weil ſie nicht einen einigen Bus-Zaͤher vergoſſen.

Magdalena wuſte wol / daß man zu Waſſer gar leicht in En - gelland komme / deßwegen hat ſie ſo haͤuffige Zaͤher vergoſſen / daß ſie darmit CHriſto dem HERRN ein Fuß-Bad zugericht / ſie zeigte ſich faſt wie ein Schnee / dieſe Schneeweiſſe Dama / dann gleichwie der Schnee bey ſtarcker Sonnen-Hitz zu Waſſer wird / alſo thaͤte ſie auch vor groſſer Hitz der Goͤttlichen Liebe faſt gantz zerflieſſen / ſie war nicht anderſt als ein Diſtillier-Kolm / deme ein Tropffen umb den andern herunter fallt wegen des untergelegten Feuers; Magdalena hat den Planeten Venus voͤllig verlaſſen / und ſich unter die Protection des Waſſermanns begeben: Mag - dalena hat dreyſſig gantzer Jahr keine truckene Augen gehabt; Ju - das aber hat mehrer geſuͤndiget als Magdalena / und dannoch nicht einen einigen Zaͤher vergoſſen / O Schelm!

Petrus war wol ein kuͤhler Tropff wie er beym Feuer ge - ſtanden / Petrus hat zu Hof einen ſchlechten Hof-Mann abgeben / wie er unſern HERRN verlaugnet. Petrus hat nicht gehal - ten das Sprich-Wort / ein Mann / ein Mann / ein Wort / ein Wort / wie er mit dem Weib geredt / nachdeme aber der gebene - deyte Heyland ihn mit beweglichen Augen hat angeſchaut / da iſt Petrus Petra worden / auf welchen Moyſes geſchlagen / und das haͤuffige Waſſer heraus gerunnen / Petrus hat ſeine begangene Suͤnd dergeſtalten beweint / daß er die Zeit ſeines Lebens allezeit naſſe Augen gehabt / ja die ſtaͤte Thraͤnen thaͤten ihme auf den Wangen zwey tieffe Furchen herab machen / unnd waren ſeineZ z z 2Augen548Leich-Predig des verdammten ErtzſchelmAugen immer zu roth / wie das rothe Fleiſch: Zu Rom bey Sanct Sebaſtian zeigt man noch einen Stein / der von den ſtaͤten Zaͤ - heren Petri voͤllig durchloͤchert worden / er muſte allezeit ein Tuͤ - chel an ſeinem Arm tragen / damit er konte die Thraͤnen abwi - ſchen / worvon die Gewonheit herruͤhret / daß der Prieſter in der H. Meß das Manipul am Arm tragt. Judas hat weit groͤſ - ſer gefehlt und geſuͤndiget als Petrus / und dannoch nicht einen einigen Zaͤher vergoſſen; O Schelm; Die Niniviter haben zwar einen liederlichen Wandel gefuͤhrt / bey ihnen hat das Fleiſch den Vorgang gehabt / der Geiſt muſte ein Leibeignen abgeben; das Fleiſch war beym Tiſch geſeſſen / der Geiſt / als ein ungela - dener Gaſt / hinder der Thuͤr; das Fleiſch iſt auf den Federn ge - legen / der Geiſt auf dem Stroh: Dieſe ſaubere Leut haben in Summa einen unſauberen Wandel gefuͤhrt / aber die PredigS. Ephr. hom, de Jona. Jonæ hat dergeſtalten ſie bewegt / dieſer Prophet hat mit ſeiner Stimm dergeſtalten gedonnert / daß bald hierauf ein groſſes Re - genwetter erfolgt / zumalen ſie dermaſſen ihre Suͤnden bereuet / uͤber dieſelbe ſo haͤuffige Zaͤher vergoſſen / daß bereits auf der Gaſſen ein groſſes Koth worden vor lauter Weinen / nicht an - derſt / als waͤre ein Regen von Himmel gefallen. Judas hat weit aͤrger geſuͤndiget / und gleichwol nicht einen einigen Tropf - fen vergoſſen; O Schelm! du biſt ein lange Zeit ein Ertzvogel geweſt / wenigiſt waͤreſt du ein Enten geweſt / und dich unter das Waſſer der Buß-Thraͤnen verborgen / ſo haͤtt dich der Teuffel nicht erdappt: Pharao iſt in dem Waſſer ertruncken und zu Grund gangen / deine Suͤnden und groſſe Laſter waͤren eben - falls zu Grund gangen in dem Waſſer der Buß Zaͤher / wann du nur haͤtteſt wollen / aber deine Augen ſeyn truckner geweſt / als der Berg Gelboë.

Vermaledeyt die Ohren und das Gehoͤr Judæ; Klein / aber ſehr kuͤnſtlich iſt das Gebaͤu eines Ohrs / und hat ſelbiges einen engen / und zugleich einen krumpen Eingang ins Haupt / nit viel ungleich einer Meermuſchel oder Sehnecken / in dem Ohr ſeynd vier kleine Kaͤmmerl / und in der andern Kammer oderBehalt -549Judas Jſcarioth.Behaltnuß ſeynd gewiſſe Beiner / deren eins einen Amboß / das andere einem Hammer gleich iſt / auch wird man in beſagten Ort zwey Fenſterl antreffen / durch welche die Stimm oder Getoͤß hinein gehet / und zugleich auch des Hirns Unflath heraus ge - trieben wird / zu welcher Arbeit meiſtens der kleine Finger her - halten muß: Vermaledeyet die Ohren Jndæ vorderiſt darumb / weil ſie ſo offt die Predig des Heylands JEſu angehoͤret ohne Frucht und Nutzen / dann es hat geheiſſen bey einem Ohr hinein / beym andern wider heraus.

Der HERR hat geprediget von dem Himmel und ewi - ger Belohnung / von dem gewiſſen Vergelts GOtt; und obſchon Paulus ſich verlauten laſſen in der vierdten Epiſtel zu den Corinthern / daß er und andere Diener GOttes auf dieſer Welt fuͤr Narren gehalten werden: Nos ſtulti propter Chri - ſtum, ſo beſtehet es doch dieſer Heilige Apoſtel / daß keiner Narꝛ umbſonſt ſeye / ſondern kein Aug hab es geſehen / kein Ohr hab es gehoͤret / in keines Menſchen Hertz iſt es kommen / wasMatth. 5 GOTT den jenigen bereitet hat / die ihn lieben; Freuet euch und frolocket / ſagt der HERR JESUS / dann euer Be - lohnung iſt ſehr groß in den Himmeln. Diß alles hat Judas gehoͤrt / aber bey einem Ohr hinein / beym andern wieder her - aus.

Der HErꝛ hat geprediget von der Hoͤll und ewigen Ver - dammnuß / hat umbſtaͤndig erzehlt den elenden Vntergang des reichen Praſſers / der ſo gaͤch von der Tafel zum Teuffel kommen / ſo geſchwind von den Pflaumen zu den Flammen kommen / ſo unverhofft von der Gaſterey zur ewigen Caſteyung kommen / ſo bald vom Rauſch auf den Roſt kommen / ſo ſchnell von der Wurſt zum Durſt kommen / daß er auch deſſenthalben den Abra -Matth. 8. ham fuͤr einen Leutgeb oder Kellnerbegruͤſt / prediget hat er / die Kinder des Reichs ſollen hinaus geworffen werden in die aͤuſſer - ſte Finſternuß / da wird Weinen ſeyn und Zaͤhnklappern. Die - ſes alles hat Judas angehoͤrt / aber bey einem Ohr hinein / beym andern wieder heraus.

Z z z 2Der550Leich-Predig des verdammten Ertzſchelm

Der HERR hat geprediget vom Geitz und Wucher / und daß leichter ein Camel durch ein Nadel-Loch durchgehe / dann daß ein Reicher zum Himmel-Reich eingehe: Das Allmoſen iſt ein Leiter in Himmel / an dieſer Leiter verlangte ihm der Geitzige nicht einen Spriſſel / maſſen der Dativus bey ihm ſo frembd / wie in Nordwegen die Schwalben; Das Allmoſen iſt ein Schluͤſſel im Himmel; der Geitzige halt nicht viel auf dieſen Schluͤſſel / ihm iſt ein Oietrich lieber / den alle Dieb brauchen / dann das Feſt St. Donati in ſeinem Calender nicht anzutreffen iſt. Das Allmoſen iſt ein Waſſer / welches die Suͤnden abwaſcht und reiniget / aber der Geitzige acht diß Waſſer gar nicht / ſondern er fiſcht nur gern auf der Banck / dann in ſeiner Karten wird man nie den DonariMatth 23 Do finden. Das Allmoſen iſt ein Brucken / woruͤber der Menſch kan paſſiren in das Land der Seeligkeit / aber der Geitzige iſt ver - blendt von Geld und Gold / darumb hat er den Schwindel / ge - traut ſich nicht uͤber dieſe Brucken / dann das geben bey ihm iſt ver - gebens. Alles dieſes hat Judas angehoͤrt / aber bey einem Ohren hinein / beym andern wieder heraus.

Der HERR hat geprediget vom Ubermuth und Hoffart / ſprechend / wer ſich ſelbſt erhoͤhet / der ſoll erniedriget werden / und wer ſich ſelbſt erniedriget / der ſoll erhoͤcht werden. Die Waag - Schaal ſo in die Hoͤche ſteigt / iſt ſchlechter / als die in der Niede - re bleibet; das Ey ſo in der Hoͤche ſchwimmt / wird minder ge - acht / als das ſo in der Tieffe liegt; der Fiſch ſo in der Hoͤche ſchwimmt / wird ehender abflehen / als der ſo in der Tieffe iſt; die Hoͤche thut kein gut / ſagt Icarus: die Hoͤche thut kein gut / ſagt mit Icaro Simon Magnus: die Hoͤche thut kein gut / ſagt mit Ica - ro und Simon ein Rageth; dann unſer Steigen hat den Fall vor der Thuͤr: Bey GOTT dem HERRN iſt das Flectamus genua vor dem Levate: bey CHriſto dem Heyland iſt das hin - unter ſteigen in die Vor-Hoͤll ehender als die Himmelfahrt; Bey dem Zachæo iſt das herunter ſteigen vom Baum ehender geweſt als die Einkehr des HERRN: Gut iſt fuͤr mich die Tieffe / ſagtder551Judœ Jſcarioth.der Keller / und das iſt wahr: Gut iſt fuͤr mich die Tieffe / ſagt die Wurtzel des Baums und das iſt wahr: Gut iſt fuͤr mich die Tieffe / ſagt das Fundament eines Gebaͤues / und das iſt wahr: Ecce! was das Ecce ancilla Domini nicht gericht bey MARIA der Jungfrauen! diß und dergleichen hat Judas gehoͤrt / aber bey einem Ohr hinein / bey dem andern wieder heraus. Dann er gleichwol bey dem Fußwaſchen der erſte wolte ſeyn.

Vermaledeyt die Naſen und der Geruch Judæ. Nares oder die Naſen wird alſo genennt quaſi Gnare, allweil ſie von Natur ab gericht iſt / den Geruch zu unterſcheiden / alſo daß die Naſen ben das Glied iſt / durch welches wir den Geruch unterſcheiden / und den Geiſt und Athem an uns ziehen / und die Uberfluͤſſigkei - ten des Hirns auslehren / dann die Naſen hat einwendig zwey Loͤ - cher / das eine reichet zu der Concavitet des Palati, darans wird der Uberfluß des Munds gereiniget: Das andere reichet hinauf biß zum Hirn / auf daß von dannen der Lufft geſchoͤpfft werde / und der Spiritusanimalis zu Vollendung des Sinns und des Riechens vom Hirn herab gezogen werde.

Die Hebreer in dem 34. Capitel Exodi ſchreiben / daß GOTT ein lange breite Naſen habe / welches ſie durch das Woͤr - tel Aph andeuten / ſo eben ſo viel thut lauten als latis naribus: hierdurch wollen ſie zn verftehen geben / daß GOTT gantz guͤ - tig ſeye / und ſich nicht bald zuͤrne / maſſen die jenige ſo lange und breite Naſen haben nicht leicht in ein Colera gerathen / weil nem - lich der Tampff von der Gall / ſo in das Haupt ſteigt / leichter durch ein groſſe Naſen ausraucht / als durch ein kleine / deßwegen die jenige Leut / welche kleine geſpitzte Naſen haben / meiſten Theil haͤrb und gaͤh zornig ſeyn. Niceph. Callixt. in Hiſt. S. l. 2. c. 23 ſchreibt von der Geſtalt der Mutter GOttes / und folg - ſam von CHriſto / weil beyde einander zum beſten gleicheten / daß ſie kein kleine Naſen / ſondern mittelmaͤſſig und langlechtig haben gehabt: Naſus longior, digiti longıores, &c. aber Ju - das Jſcarioth hat eine kleine und gedruckte Naſen gehabt / undeben553[552]Leich-Predig des verdammten Ertzſchelmeben darumb vermaledeyt / weil er ein gifftiger und zorniger Ge - ſell geweſt / maſſen er damalen als Magdalena mit gantz koſt - baren Salben den HERRN JESUM verehrt / er der - geſtalten ergrimmt und ihme die Salben alſo in die Naſen gero - chen / daß / wann es haͤtte ſeyn koͤnnen / er ihr die leere Alaba - ſter Buͤxen haͤtte an Kopff geworffen / von derſelben Zeit an hat er den gefaſten Grollen uͤber Chriſtum nimmermehr fallen laſ - ſen / ſondern den gebenedeyten Heyland bey den Hohen-Prie - ſtern und anderwaͤrts ſehr verkleinert / als waͤre er ein Mann der ſein Haut wol verſorge / und dem Leib keinen Stieffvatter ab - gebe: Rupertus in Matth. lib. 11. ſchreibt / daß Judas ihn all - weg geſucht habe / auch die andere Apoſtel in die Gefaͤngnuß und Haͤnd der Hencker zu bringen / und weil ihme ſolche Anſtalt mißlungen / habe er ſich dermaſſen hieruͤber erzuͤrnt / daß er ih - me ſelbſt das Leben genommen: Gewiß iſt es / daß er ein zorni - ger Geſell geweſt iſt / unangeſehen der HERR geſagt hat: Seelig ſeynd die Sanffmuͤthigen; Ein gifftiger Kerl iſt er ge - weſt / obſchon der HErꝛ geſagt: Diſcite à me: Lernet von mir / weil ich ſanfftmuͤtig bin / und eines demuͤthigen Hertzen: Ein grimmiger Boͤswicht iſt er geweſt / wann ſchon der HErꝛ ge - ſagt hat; vergieb uns unſere Schulden / gleichwie wir vergeben unſern Schuldigern: Ein rachgieriger Menſch iſt er geweſt / da doch der HErꝛ geſagt: Diligite, liebet euere Feind: Ein Ti - ger iſt er geweſt / indeme er doch an dem HErꝛn nichts als ein Laͤmmel Natur wahrgenommen.

Vermaledeyt die Zung Judæ / Lingua oder die Zung wird alſo genennt à lingendo, dann ſie iſt ein Inſtrument des Ko - ſtens und des Redens. Wenig guts hat Judas geredt / zumalen kein einiger Evangeliſt ſchreibet / daß er einmal etwas gutes haͤtte geſagt / wol aber war er der aͤrgſte Gottslaͤſterer / dann alſo no - tiret Janſenius in Concord. c. 128. daß er ſo ſpoͤttliche Reden wider den Heyland JESUM ausgegoſſen / daß ſo gar die E - vangeliſten ſich geſchaͤmbt haben ſolche aufzuzeichnen / abſonder - lich hat der verruchte Menſchuͤbel geredt / und Schandwort vor -ge -553Judaͤ Jſcarioth.gebracht / vmb weil der HErꝛ ſeine bloſſe Fuͤß hat laſſen anruͤhren von Magdalena / welche dazumahl bey jedermann in einem uͤb - len Geſchray ware.

O du vermaledeyte Zung! Du biſt nicht ungleich einem Ba - ſilisk welcher immerzu das haͤuffige Guͤfft gegen dem Himmel außſpeyet: du biſt nicht vngleich einem Berg Veſuvio / aus deme da ſtaͤths die praßlende Feuer-Flammen in die Hoͤche ſteigen: du biſt nicht vngleich einem ſchmutzigen Haſen beym Feuer / der alleweil den garſtigen Faimb auswirfft: Die Schaͤr Dalilaͤ / wormit ſie dem Samſon die Haar abgeſchnitten / iſt beſſer / als du: Der Saͤbel Petri / wormit er dem Malcho das Ohr abgehaut / iſt beſſer als du: Der Nagel Jahel den ſie dem Siſaraͤ in den Schlaff geſchlagen / iſt beſſer als du / du biſt aͤrger / aͤrger biſt du als die Schlangen / ſo dem Paulo an der Hand gehangen / du biſt ſchlimmer / ſchlimmer biſt du als die Beeren / welche bey Be - thel die zwey und viertzig Kinder haben zerriſſen; du biſt grau - ſamber / grauſamber biſt du als der Loͤw / ſo den Propheten er - wuͤrgt hat auf dem Weeg: Vermaledeyte Zung / wie traueſt du dir wider GOtt zureden? Wider GOtt der dein Erſchoͤpffer iſt / wider GOtt / der dein Erloͤſer iſt / wider GOtt / der dein Er - halter iſt / wider GOtt / der dein Richter iſt! Er iſt das Liecht / du der Schatten / vnnd du wider ihn? Er iſt das Leben / du der Todt / und du wider ihn? Er iſt die Reichthumb / du die Armuth / vnnd du wider ihn? Er iſt die Weißheit / du die Thorheit / vnnd du wider ihn? Er iſt die Warheit / du die Lugen / vnnd du wider ihn? Er iſt die Herꝛlichkeit / du ein Erdwuͤrmel / vnnd du wider ihn? Er iſt GOTT / du nichts / mercks wol / du nichts / vnnd du wider ihn?

O Feuer / warumb raͤcheſt du nicht die Schmach deines Er - ſchoͤpffers / waiß ich doch wohl / daß zur Zeit deß H. Philippi Be - nicii auff dem freyen Feld zwiſchen Bononia vnd Mutina das Feuer vom Himmel gefallen / vnnd etliche GOttslaͤſterer ſambtPars IV. A a a adem554Leich-Predig des verdambten ErtzſchelmBzovi, in an. 1285.dem Baum / under dem ſie geſeſſen / gaͤntzlich verzehrt und in A - ſchen gelegt.

O Waſſer / warumb raͤcheſt du nit die Schmach deines Er - ſchoͤpffers? Waiß ich doch wohl / wie eine Spaniſche Dama mit Namen Beatrix de Luena, etliche Gottslaͤſterliche Wort aus - goſſen / nachdem ſie vernommen / daß ihr Liebſter im Feld vmb - kommen / daß bald hierauf die Straff von oben herab kommen / und urplitzlich ein ſolcher Wolckenbruch und Waſſerguß entſtan -Manns. 512. lit. B. den / daß die gantze Stadt / ſo ihr zugehoͤrig / ſambt dem Hauß / all - wo ſie reſidirte / jaͤmmerlich zu Grund gangen.

O Lufft / warum raͤcheſt du nicht die Schmach deines Er - ſchoͤpffers? Waiß ich doch wohl / daß Anno 1623. ein Ketzer mit Namen Michael Thomas Houſslaii wegen begangner La - ſterthaten an das Hochgericht auffgehenckt worden / weil er aber kurtz vor ſeinem Todt etliche Gottslaͤſterliche Wort hoͤren laſſen / alſo iſt ihme auch die zeitliche Straff nit ausgeblieben / dann kaum daß er von dem Scharpffrichter von der Laitter herab geworffenCæſ. l. 4. c. 25. worden / iſt alſobald der Kopff von dem Leib gefallen / als waͤre er durch ein Schermeſſer abgeſchnitten / die Gottslaͤſterliche Zung a - ber / ſo halb Ellen lang herab gehengt / unverſehrt geblieben.

O Erd / warumb raͤcheſt nit die Schmach deines Erſchoͤpf - fers? Waiß ich doch wohl / daß Anno 1239. etliche muthwilligeIn vit. Greg. IX. Pont. und gewiſſen-loſe Bediente Friderici II. gantz Gottslaͤſterlich wider GOtt haben geredt / aber bald den Rach deß Allerhoͤchſten erfahren / indeme unverhofft die Erden ſich bewegt / einen groſſen Thurn zu Boden geworffen / worvon alle beſagte Gottslaͤſter zer - quetſcht und begraben worden.

Vermaledeyt das Maul / und die Lefftzen Judaͤ. Es hat der allerheiligiſte Leib deß Heylands JESU ein ſolche Krafft ge - habt / daß er durch das bloſſe Anruͤhren die Krauckheiten deß Leibs ſo wol / als der Seelen gewendet hat / darumb wie er na - cher Bethſaida kommen iſt / da ſeynd etliche Leuth mit einem blin - den Menſchen zu ihm getretten / unnd ihn gebetten / er ſolle ihnnur555Judaͤ Jſcarioth.nur anruͤhren / dann ſie wuſten ſchon durch die vorhergehende Wunderwerck / wie kaͤfftig bey ihme ſeye das Anruͤhren / ſo gar die bedrangte Matron / ſo etliche Jahr den ſchwaͤren Blutgang gelitten / hat ihr nur gewunſchen / daß ſie moͤcht den Saumb ſei - ner Klayder anruͤhren / wie ſie dann hierdurch ihr gewuͤnſchte Geſundheit erhalten. Sein Anruͤhren der Todtenbar zu Naim hat ſo vil gewuͤrckt / daß der betruͤbten Wittib einiger Sohn wie - der zum Leben erweckt worden. Ja etliche ſeynd der Mainung / daß der rechte Schaͤcher am Creutz darumb ſeye bekehrt worden / weil ihn der Schatten des gecreutzigten JEſu nur getroffen vnd angeruͤhrt: So muß dann kein roͤdlicher Tropffen Blut / kein rech - te Menſchliche Ader in dem Jſcarioth geweſt ſeyn / in deme er den Hayland ſo vilfaͤltig angeruͤhrt / ja viel hundertmal ſeine Leff - tzen in deſſen heiligiſtes Angeſicht gedruckt und gekuſt / zumahlen er bey den Apoſtlen der heilige Gebrauch ware / ſo offt einer zu dem HErrn kommen / oder aber von ihme gangen / daß er allzeit demſelben ein Kuß geben / gleichwie die Religioſen vnd Or - dens-Perſohnen die Benediction nemmen von ihrer Obrigkeit. O ihr vermaledeyte Lefftzen / ihr ſeyet haͤrter als die Stain / zu - mahlen alle Stain bey dem Bach Cedron / worauf der HERR JEſus getretten / ſich erwaichen laſſen / daß man alle Fußſtapf - fen darinn / wie in einem Wax eingedruckter / geſehen: Jhr ſeyet haͤrter als ein Marmor / zumahlen der Berg Thabor vorhero beſtanden von gantzen ſchwartzen Marmel / ſo bald aber der HErr ſelbigen mit ſeinen heiligiſten Fuͤſſen betretten / alsdann iſtCalliſt. Pap. Serm. 2. in 5. Ja. der ſchwartze Stain in einem Schneeweiſſen veraͤndert worden / wie er noch heutiges Tags zuſehen. Jhr verfluchte Lefftzen Ju - daͤ muͤſt von Eiſen vnnd Eiſen zuſammen geſchmiedet ſeyn / weil ihr von der Liebs-Brunſt Chriſti nit einen einigen Funcken gefan - gen. O barmhertzigiſter JEſu / was groſſe Gedult haſt du mit dem Suͤnder! Martha hat ſich beklagt uͤber ihr einigen Bru - der / wie daß er ſchon ſchmecke vnd vier Tag im Grab lige / vnd du laſſeſt dir noch die verruchte Lefftzen Judaͤ in dein allerheiligiſtesA a a a 2Ange -556Leich-Predig deß verdambten Ertz-SchelmAngeſicht trucken / da doch von diſem verdambten Maul ein vn - leidentlicher Geſtanck gangen / indeme wuͤrcklich ſein Athem ge - ſchmeckt vnnd geſtuncken nach dem hoͤlliſchen Geiſt / als der nach Nieſſung deß allerheiligſten Sacrament Perſoͤhnlich in ihn ge - fahren.

Vermaledeyt die Zaͤhn Judaͤ: Dreyerley Zaͤhn hat der Menſch im Mund / die erſten werden genennt Inciſores, diſe ſeynd breit und ſchneiden durch / vnd tranchieren die Speiſen; die andere werden genennt Canini, vnnd diſe ſeynd ſchaͤrpffer als die erſten / aber deren iſt auff einer jeder Seiten nur einer / die dritte haiſt man Molares oder Stock-Zaͤhn / diſe pflegen alles was hart zu beiſſen. Die erſte Zaͤhn haben nur ein Wurtzel / die andere zwey / die dritten aber drey: Ob nun der Jſcarioth zur Zeit ſeines Apoſtel-Ambts alle Zaͤhn noch gehabt iſt mir vnbe - wuſt / aber das waiß man wol / daß diſem Geſellen die Zaͤhn all - zeit gewaͤſſert haben nach guten Bißlen / zumahlen er mit der Maͤſſigkeit der Apoſtoliſchen Taffel gar nicht zufriden / ſondern da vnd dort in bekandten Schlieff-Winckel entweders geſchmarotzet / oder aber als ein Proprietatis die gemeine Caſſa angegriffen / vnd verbottene Jauſen gehalten: dann zur ſelben Zeit waren die maiſte Hebraͤer uͤber diſen Laiſt geſchlagen. Wie der HErꝛ vnd Heyland das Hebraͤiſche Volck durch ein abſonderliches Mira - cul vnd Wunderwerck mit Fiſch und Brod geſaͤttiget nach Con - tento, ſo war es ihnen gar recht / ja ſie beſchloſſen vnder einander diſen HErrn fuͤr einen Koͤnig auffzuwerffen / dann ſie gedachten / es wurde allezeit ſo wol hergehen / vnnd daß es endlich ein leichte Sach ſeye ein Predig anzuhoͤren / wann man hernach ſowol mit Eſſen vnnd Trincken tractiere. Sie glaubten auch / daß ins kuͤnfftig noch beſſere Biſſel werde abſetzen / nachdem ſie aber wahr - genommen / daß dergleichen Gaſtereyen außbleiben / alsdann hat ſich ebenfalls das Blaͤttel bey ihnen gewendt / vnnd hat ge - haiſſen / non habemus Regem, niſi Cæſarem. Ein ſolcher Freß-Narꝛ ware der Jſcarioth / vnd ſeynd wol einige der May -nung557Judaͤ Jſcarioth.nung / daß er darumben zu dem Dienſt des HErꝛn ſeye kommen / damit er ſein gutes zeitliches Außkommeu habe / vnnd vmb ſein taͤgliche Nahrung nicht vil Sorg doͤrffte tragen / wie zuweilen zu ſolchem Zihl vnd End etliche in ein Cloſter gehen. Weil nun di - ſer verruchte Geſell ſein Wampen wohl in Obacht genommen / alſo iſt es mehr ein Warheit / als ein Argwohn / daß er keinen gar keuſchen Wandel habe gefuͤhrt / ob ſchon die zuͤchtige Feder der Evangeliſten hierinnfalls kein Meldung thun / dann gemeiniglich bey dem uͤbermaͤſſigen Tractament / zuletzt das Kitzel-Fleiſch wird auffgetragen.

Daß deß Putiphars ſein Frau dem wohlgeſtalten Joſeph immerzu hefftig nachgeſtellt / ihme oͤffters gantz zuckerige Wort geben / die freundlichiſte Augen mehrmahlen auff ihn geworffen / vnd geſucht / daß dieſer Schnee moͤcht zerflieſſen / diſe Lilien moͤcht verwelcken / diſer Spiegel moͤcht anlauffen / iſt es kein ſo groß Wunder / weil nemblich ihr Herꝛ Obriſt Kuchelmaiſter geweſt zu Hoff bey dem Koͤnig Pharao / vnnd folgſamb die maiſte Zeit die beſte Biſſel nach Hauß geſchickt / dort ein Paſtetten / da ein Dorten / jetzt ein Phaſann / bald etliche Rebhuͤnnel / dahero der Tiſch zu Hauß allezeit fruhe vnd ſpat wohl geſpickt ware / vnd die ſaubere Dama dem Naſchen ohne das ergeben / auch ein Glaͤſel Wein nicht außgeſchlagen / ob ſie auff die letzt ein Roſſolis wie der Zeit bey vilen Herren Taffelen gebraͤuchlich / auch getruncken / iſt mir eigentlich nit bewuſt: weil ſie dann das Tractament in Uber - fluß gehabt vnnd zugleich kein andere Arbeit / als etwann das Spillen / ſo iſt es ſo gar kein groß Wunder / daß ſie auch der vnzu - laͤſſige Muthwillen angefochten / dann der Loͤffel beym Tiſch iſt dem andern Loͤfflen etwas anverwandt.

Vermaledeyt der Barth Judaͤ. Der Barth iſt ſonſt ein Zierd deß Angeſichts eines Manns / vnd ein Zaichen einer Staͤr - cke: Dahero die Natur nur den Maͤnnern einen Barth vergont / gleichwie bey den Thieren dem Loͤwen / dem Haanen / ꝛc. dardurch ihr Mannheit vnd Staͤrck zu erkennen zu geben: Den Wei -A a a a 3bern568[558]Leich-Predig deß verdambten Ertzſchelmbern aber hat ſie ſolche Zierde abgeſchlagen / theils weil ſie ſchwach vnd wanckelmuͤtig / theils auch weil ſie hart zu barbieren waͤren / dann ſie ſo gar das Maull nit koͤnnen halten / ob ſchon etliche vn - der dieſem Geſchlecht etwas haͤrtig ſeyn / ſo iſt dieſes ihnen mehrer ein Vnehr. Wann nun der Barth von der Natur ſelbſt fuͤr ein Zaichen der Mannheit vnd Staͤrcke gehaͤlten wird / ſo iſt darumb deß Jſcariths Barth vermaledeyt / weil er hierinnfahls ſo grob be - trogen / maſſen er die wenigiſte Staͤrcke / niemalen erwiſen / ob er ſchon Anfangs einen frommen vnd Gottsfoͤrchtigen Wandel ge - fuͤhrt / ſo hat er ſich dochbald von Teuffliſchen Anfechtungen uͤber - winden laſſen / er war nicht vil anderſt beſchaffen als wie die Bild - nuß Nabuchodonoſor / dero Haubt zwar von ſchoͤnen feinen Gold / aber die Fuͤß von Erden vnd Haffner-Arbeit: Judaͤ Leben ſcheinet Anfangs ſein / weil er aber / wie ein andere Lettſeigen / von dem Sathan uͤberwunden / ſo iſt zu letzt er gar ein Schelm wor - den: Judas iſt ein Weil mit deß Loths ſeinem Weib von dem fuͤn - digen Sodoma außgangen / ihr ein zimblichen Weeg das Glaͤlth geben / aber nachmahls ſpoͤttlich mit ihr zuruck gafft. Judas iſt ein Zeitlang geſtanden mit dem Fluß Jordan / biß die Archen durch paſſirt, aber bald hernach den vorigen Lauff genommen / vnd wider hoͤren laſſen die alte Leyren.

Die Tuͤrcken halten ſehr viel auff einen ſchoͤnen vnnd langen Barth / abſonderlich die eines vornemmen Standts oder Ambts ſeynd / dahero wann ſie eine Sach wollen hoch betheuren und be - kraͤfftigen / ſo ſchwoͤren ſie bey dem Barth ihres Vatters / oder gar deß Groß-Tuͤrckens: Auch zur Zeit deß Jſraelitiſchen Koͤ - nigs David ſeynd die groſſe Baͤrth in hochen Werth gehalten worden / dann wie Hanon denen Geſandten deß Davids ſo2. Reg. ſ. 10. ſpoͤttlich die Baͤrth halb abgeſchnitten / da hat er ihnen einen aig - nen Courier entgegen geſchickt / ſie ſollen derweil zu Jericho verbleiben / biß ihnen wieder der Barth wachſe. Wann der - gleichen Schimpff jetziger Zeit einem geſchahe / da konten die Bar - bierer gleichwol noch ein Baͤrthl zuſammen bringen / dann ſie ma -chens559Judaͤ Jſcarioth.chens oft ſo klein / als wann einem die Zwirnsfaden von der Na - ſen thetten heraus wachſen / oder offt ſiehet man nur ein Tuͤpffel von einem Barth / als wann in dieſem ſolle das Punctum ho - noris beſtehen. Bey den Alten aber hat man ſehr hoch geſchaͤtzt die groſſe Baͤrth / wormit die Philoſophi und Weltweiſen nicht ein wenig gebrangt: Aber der Barth Judaͤ iſt nicht ein Haar zu ſchaͤtzen geweſt / dann nicht ein redliches Haͤrls an demſelben ge - funden worden.

Jn Franckreich zu Geſede wird aufbehalten der Barth des Heil. Apoſtels Petri / allwo ſehr groſſe Wunderwerck geſche - hen / ja wann man mit demſelben nur die beſeſſene Perſohnen an -Mattioli, l. 4. tit. 4. ruͤhret / ſo muͤſſen alsbald die hoͤlliſche Larven weichen. Der Barth des H. Apoſtels Andreaͤ wird in hohen Ehren gehalten / zu Mar - ſilien in der Kirchen der PP. Dominicanern. Aber wo deßMante - gaza in itin. er. abtruͤnnigen Apoſtels Judaͤ Jſcarioth Barth ſeye / waiß ich der - mahlen nicht / ich glaub der Teuffel Aſmodaͤus hab einen Barth - wiſch daraus gemacht / wormit er in der Hoͤll die Baͤnck abkoͤh - ret / wo die alten Hexen ſitzen / oder aber der Teuffel Leviathan hab ein Penſel daraus gemacht / mit dem er der ſtoltzen Weiber Angeſichter uͤberſtreicht / die vorhero auf der Welt den Anſtrich gebraucht / ꝛc. dann er ja ein vermaledeyter Barth / weil er an ei - nem vermaledeyten Orth geſtanden: Jhm hette ſollen das geſche - hen / was einmahl einem andern Juden widerfahren.

Ein Chriſt vnd ein Jud lieſſen ſich auf eine Zeit in ein lan - ge Diſputation ein / und gelangten endlich auf dieſe Frag / wer mehrer Heilige koͤnne zehlen? Das Alte oder Neue Teſtament? Der Chriſt wolte das Neue behaupten / der Jud ſtunde hartnaͤ - ckig bey dem Alten / endlich gehen beyde den Contract ein / ſo oft einer einen Heiligen aus ſeinem Teſtament nennt / ſo ſoll er dem andern ein Haar aus dem Barth rauffen; Der Jud macht den Anfang und ſagt Abraham ein Heiliger / reiſſt zugleich dem Chriſten ein Haar aus dem Barth; dieſer ſagt Petrus / und thut desgleichen dem Juden / der ſagt wiederum Jſaac / nimmt mehr -mah -650[560]Leich-Predig deß verdambten Ertzſchelmmahlen ein Haar dem Chriſten / dieſer ſagt Paulus / und thut nit weniger / jener ſegt Jacob / dieſer ſagt Andreas / vnd alſo weiter / der Jud war ein Schalck vnd ſagt / die ſieben Machabaͤer / reiſſt damit dem Chriſten ein zimbliches Schuͤppel Haar auß / der Chriſt war nit weniger argliſtig / vnd ſchreyet St. Urſula mit den eilff tauſend Jungfrauen / vnd reiſſt zugleich dem Schelmen den gan - tzen Barth auß / das vnd noch mehr hette der vermaledeyte Barth deß Jſcarioths verdient.

Vermaledeyt der Halß Judaͤ. O wie offt hat dieſer ver - ſchalckte Boͤßwicht in ſeinen Halß hinein gelogen! der Teuffel hat Anfangs die liebe Warheit verfolgt / als er den erſten Elte - ren vorgeſchwaͤtzt nequaquam. Jhr werd nicht ſterben / dieſer iſt ohne das ein Vatter der Lugen. Die Hebammen in Egypten haben die liebe Warheit vertuſcht wegen der Hebraͤiſchen Knaͤ - bel. Zwar die Weiber tragen die Lugen im Sack. Der Aman hat die liebe Warheit bey der Naſen gezogen / als er bey dem Koͤnig Aſſuero ſo ſpoͤttlich wider den Mardochaͤum geredet / das iſt kein groß Wunder / dann bey Hoff die Lugen Salvum conductum haben. Die alte zwey Maußkoͤpff haben die liebe Warheit grob tractiert / indeme ſie ſo falſche Zeugnuß geben wi - der die keuſche Suſanna / das iſt aber nichts neues / dann ſie ſeynd Babylonier geweſt / wo ohne das die Zungen verderbt worden. Die Juden vnd Phariſaͤer haben die liebe Warheit gar mit Fuͤſ - ſen getretten / als ſie bey dem Volck vnnd aller andern Orthen außgeſprengt / daß JEſus von Nazareth ein Vollſauffer ſeye vnd ein Verfuͤhrer deß Volcks / zwar der Neid handlet ohne das mit Lugen. Ananias vnnd ſein Weib haben die Warheit mit dem Mantel zugedeckt / daß ſie ſchier erſtickt / als ſie dem Peter als ih - rem Oberhaupt vorgeſchwaͤtzt / daß ſie nicht mehrer Geld vm den verkaufften Acker geloͤſt haben; das haben die Geitzige / daß ſie die Lugen fuͤr den beſten Geld-Kupler brauchen. Die Bruͤder Joſeph haben die liebe Warheit durch groſſe Schaͤffler Hund laſſen hinweg beiſſen / wie ſie bey der Schaaff-Heerd die Lug er -dicht /561Judaͤ Jſcarioth.dicht / daß man ihrem Vattern Jacob ſoll vortragen / ein boͤſes Thier hat den Joſeph zerriſſen. Des Putiphars ſaubere Ma - dama hat die Warheit gar die Stiegen abgeworffen / wie ſie ih - rem Herꝛn angedeut / daß der freche Sclau Joſeph ihr habe wol - len Gewalt anthun. Jene Außſpaͤher des Jſraelitiſchen Volcks haben der lieben Warheit zimbliche Naſen-Schneller verſetzt / indeme ſie ſich verlauten laſſen / daß ſie Leuth haben geſehen ſo groß / daß ſie gegen ihnen wie Heuſchrecken geweſt / da waͤrs Pfeif - fen vonnoͤthen geweſt. Die Huͤtter und Waͤchter / deß Grabs Chriſti haben die Warheit gar ins Stock-Haus geſchafft / wie ſie bey dem Gericht haben ausgeſagt / daß die Juͤnger den Leichnam des HERRN haben geſtohlen. Aber niemand / ich ſag niemand / hat der lieben und werthen Warheit einen ſolchen Spott ange - than als Judas Jſcarioth / indem er mehrmalen dem Hayland JEſu ſelbſt gantz unverſchambt vorgelogen / dann dieſer vermeſ - ſene Boͤßwicht gar offt zu dem HEren getretten / ihme vorgetra - gen / wie daß er unterſchiedliche Geſchaͤfften habe zu verrichten; der Samuel ſeye ſehr uͤbel auff vnnd verlange ſein Perſohn gantz inſtaͤndig / der Zacharias auff dem Platz wolle ihm ein Allmo - ſen fuͤr das Collegium mittheilen / der Salomon in der Vor - ſtadt habe ein wenig einen Zweiffel an deß HERRN ſeiner Lehr / und alſo muͤſte er ihm die Knoͤpff aufloͤſen / ꝛc. Dergleichen Sa - chen vilmehr hat er der Goͤttlichen eingefleiſchten Warheit fuͤr - geſchwaͤtzt / ſo doch alles in Halß hinein nicht wahr war / ſondern diſer verwoͤgene Geſell iſt in andere Schlieff-Winckel hin und her gangen / allerley Partiten geſpillt / und das heilige Allmoſen lieder - lich verſchwendet.

Dem Pfleger Joscelino / weil er dem Abbten Reinero vor - gelogen / iſt auf einmal ſein groſſer Barth ausgefallen und ihme die Zeit ſeines Lebens kein Haͤrl mehr gewachſen: O wie recht! wann dem Jſcarioth nur allezeit ein einiges Haar waͤre gewichen / ſo offt er eine Lug gethan / ſo hett er bey Zeiten ein glattes Perga - ment umb das Maul bekommen.

Pars IV. B b b bVer -562Leich-Predig deß verdambten Ertz-Schelm

Vermaledeyt die Haͤnd Judaͤ. Die Haͤnd ſeynd ſonſt das beſte und fleiſſigſte bey dem Menſchen / die Haͤnd deß A - dams haben geackert / die Haͤnd der Eva haben geſponnen / die Haͤnd des Gedeon haben getroſchen / die Haͤnd des Samſon haben gemahlen / die Haͤnd der Sara haben gebachen / die Haͤnd des Noe haben Wein gepflantzt / die Haͤnd des Tubalcain ha - ben geſchmiedt / die Haͤnd deß Joſephs haben gezimmert / die Haͤnd des Nembrot haben gemauret / die Haͤnd der Jſraeliter haben Ziegel gemacht / die Haͤnd der Rebecca haben Waſſer geſchoͤpfft / die Haͤnd des Davids haben geſtritten / die Haͤnd Pe - tri haben gefiſcht / die Haͤnd Pauli haben Zelt gemacht / die Haͤnd Lucaͤ haben gemahlen / und die Haͤnd Judaͤ haben geſtohlen / wol ein ſchoͤnes Handwerck: Der erſte Finger an der Hand heiſt der Daumb / der andere der Zaig-Finger / der dritte der Mittel-Finger / der vierdte der Gold-Finger / der fuͤnffte der Ohren-Finger / aber bey dem Jſcarioth iſt ein jeder Finger ein Gold-und Geld-Finger geweſt; dann am Sonntag hat er geſtohlen / am Montag hat er geraubt / am Erchtag hat er Beſchores gemacht / am Mittwoch hat er Bain treyet / am Donnerſtag hat er genommen / am Frey - tag hat er entfrembt / am Sambſtag hat er bluͤndert / und folgſam die gantze Wochen ein Dieb geweſt.

Was hat Judas im Schild gefuͤhrt? Noë hat gefuͤhrt ein Tauben / emiſit columbam. Gen. c. 8. Elias hat gefuͤhrt ein Raben. 3. Reg. c. 27. David hat gefuͤhrt ein Loͤwen. 1. Reg. cap. 17. Tobias der juͤngere hat gefuͤhrt einen Fiſch. c. 6. v. 5. Abraham hat gefuͤhrt einen Widder. Gen. 22. Herodes hat gefuͤhrt einen Fuchſen. Luc. c. 13. Judas aber hat ge - fuͤhrt einen Greiffen: Ey ſo greiff / abſonderlich in ein fremb - den Beutel. So gehet es / wann einer ein wenig ein Ambtl be - kompt. Adam iſt in das Paradeyß von GOTT dem Allmaͤch - tigen geſetzt worden / jedoch nicht ohne Dignitaͤt / dann ihme der Titul iſt geben worden / Cuſtos ein Verwalter / allein es iſt keinDien -563Judaͤ Jſcarioth.Dienſtel ſo klein (ſo gar dazumahlen hat dieſe Cœremoni ſchon angefangen) ſo nicht des ſchencken werth iſt; Adam als der erſte Beampte hat einen Greiffen im Wappen gefuͤhrt / dann er ſich grob vergriffen / auf Hoch-Teutſch geſtohlen / das verbottene Obſt / vnd ſolgſamb aller Dieb Fundator geweſt. Judas iſt doch - ber alle Dieb / uͤber alle Diebs Dieb / uͤber alle Diebs Diebs Dieb / ja ein Haupt der Dieb / ein Original der Dieb / ein Fuͤhrer aller Dieb / ein Vatter aller Dieb / ein Quint-Eſſenz aller Dieb / und ein Zunfftmeiſter aller Dieb geweſt.

Wo ſich der verlohrne Sohn / von dem das Heil. Evange - lium vmſtaͤndig meldet / habe meiſtens aufgehalten / das weiß ich zwar nicht / ich glaube aber wol zu Magdeburg / vnd zu Schwein - furth / ein Schlemmer / ein Demmer iſt er geweſt / das iſt wahr / ein Sauffer / ein Rauffer iſt er geweſt / das iſt wahr: ein Vagant / Bachant iſt er geweſt / das iſt wahr / ein Brueder voller Lueder iſt er geweſt / das iſt er geweſt: Aber iſt doch ehrlicher geweſt / als Judas / dann wie er muſte aus hoͤchſt-dringender Noth die Schwein huͤetten / dieſelbe aus-und eintreiben / vnd gehoͤriger Maſſen fuͤetteren / ſo iſt er offt ſo hungerig geweſt / daͤß er ihme gewunſchen / wann er nur genug Treberen vnd Sau-Confect zu eſſen hette / & nemo illi dabat, aber niemand gab ihm ſolche / aber warumb hat er diſe nit ſelbſt genommen? Er hette ja koͤnnen allezeit den Schweinen an ihrer ordinari Portion abbrechen / und ſelbiges fuͤr ſich nemmen / es hett ihn deſſenthalben kein Eſau geklagt. Wahr iſt es / aber er gedachte doch / ob er zwar derma - len ein ellender zerriſſner Lumpen-Hund / daß er von ehrlichen El - teren ſeye gebohren / vnnd ihme zwar einen liederlichen Wandel wol koͤnne vorrupffen / aber kein Schelmen oder Diebsſtuck / und alſo woll er lieber vor Hunger ſterben / als ſeinem HErꝛn das ge - ringſte entwenden oder abſtehlen. Dieſer Meynung iſt der Heil. Hieronymus ſelbſt c. 2. ad Titum.

Das hette Judas wohl nicht gethan dieſer Haupt-Dieb / ich glaub ſo gar / daß er eins und das andere Schwein durch PartitenB b b b 2hett564Leich-Predig des verdambten Ertzſchelmhett verkhaufft / und zu Geld gemacht / vnd nachmals mit wohl geſtudirten Lugen ſeinem Herꝛn vortragen / daß ihme die Woͤlff ſolche hetten hinweg getragen: Da doch er als der Fuchs daran ſchuldig. Dieſem Haupt-Dieb hat jener Zimmermann nachge - folgt / der wegen groſſer Diebſtall ſolte gehenckt werden / vnd wie in waͤhrender Gefangenſchafft ſeine Freund zu ihm kommen / vnd einer geſage: Mein lieber Hannß Peter / wie kombſt du doch darzu / vnd kanſt ein ſo gutes Hand-Werck? Deme aber der Dieb geantwortet / freylich / hab ich bißhero ein gutes Handwerck getrie - ben / aber da ichs am beſten zutreiben verhofft / will man mirs ver - treiben.

Vermaledeyt das Hertz Judaͤ. Cor oder das Hertz wird alſo genennt à Cura, von Sorgen / weil nemblich alle Sorgfaͤl - tigkeit in ihme verbleibt / auch liegt es nahe bey der Lungen / da - mit wann es im Zorn entzuͤndet wird / durch die Feuchtigkeit der Lungen gemaͤſſiget werde: So iſt es auch wie eine Herꝛſchafft mitten im Leib / damit von dannen als von einem Cento die Le - bens-Geiſter moͤgen allen Gliedern geſpendiret werden: Das Hertz iſt von der Natur darumben obenher dick und braith / unten her aber geſpitzt / formirt worden / damit ſelbes auf das obere und ewige mehrer gedencke / als auff das untere zergaͤngliche / aber das vermaledeyte Hertz Judaͤ war gaͤntzlich umbkehrt / zumahlen in demſelben nichts anders reſidirte als der verdammte Geld - Geitz.

Judas hatte zwar das Vatter Unſer gelehrnt von Chriſto dem HErrn dieſem ſeinem Goͤttlichen Maiſter / ob er aber daſſel - be oͤffters gebett / zweiffle ich ſtarck / gewiß iſt es wol / daß er in ſeinem Hertzen nicht anderſt gebett hat / als folgender Geſtalten: Vatter vnſer / der du biſt im Himmel / geheiliget werde dein Nam / zukomme vns dein Reich / dein Will geſchehe / wie im Himmel / alſo auch auff Erden / gieb vns heunt nicht unſer Taͤgliches Brod / nicht vnſer Brod / ſonder das Brod meines Nech - ſten; Dann der verruchte Geitz hat ſein Hertz alſo eingenom -men /565Judaͤ Jſcarioth.men / daß er nur getracht hat / wie er einem anderen ſein Stuͤckel Brod moͤge nemmen / das haben zwar alle Geitzige / als ſeine emb - ſige Nachfolger.

Der unmaͤſſige Geld-Geitz in ſeinem Hertzen hat ſo vill ge - wuͤrckt / daß er auch ein Simoniacus worden / welches Laſter be - reits in der Chriſtlichen Kirchen ſchon ziemlich gemain iſt / alſo verliert es allgemach den Namen einer Suͤnd. CHRJSTUS der HErꝛ / ſo lang er auf der Erden gewandlet / hat ſich nur einmal erzuͤrnter zaigt / benanntlich dazumahlen / wie er die jenige zum Tempel hinaus gepeutſcht / ſo darinn Tauben umbs Geld ge - thaufft vnd verkhaufft haben: Der H. Geiſt wird allezeit vorge - ſtellet / die dritte Perſon / in Geſtalt einer Schneeweiſſen Tauben wie er dann bey der Tauff Chriſti in dem Fluß Jordan alſo er - ſchienen: Aber glaubſt du nicht / daß dieſe himmliſche Tauben gar offt auch vmbs Geld verhandlet werde? Jch ſage nicht allezeit / aber offt / und biete in diſer Materi meiner Feder einen Arreſt an: aber an ſtatt meiner leſe jemand den Heil. Ambroſium, vnndLib. de Dignit. Sacerd. c. 5. nachmals Petrum Damianum: Videas in Eccleſia paſſim, quos non merita, ſed pecuniæ ad Epiſcopatûs Ordinem provexerunt.

Was aber diß fuͤr ein Laſter ſeye / und wie dergleichen Si - moniaci in den Augen GOttes ſtehen / hoͤre derenthalben reden Petrum Damianum Epiſt. 16. c. 7. Immanitate cruenti ac ſceleratiſſimi criminis veſtri vincitis homicidas, exceditis raptores Sacrilegos, Inceſtos, Parricidas, atque omnium penè reorum flagitia ſuperatis, & adhuc parùm eſt, nam ſi res digna, ut eſt, exiſtimatè perpenditur, omnis prorſus hæretica pravitas, ipſaq́ue Judaica perfidia veſtris exceſ - ſibus non æquatur. Ein ſolcher Simoniacus iſt auch geweſt Judas / als der GOttes Sohn vmbs Geld verkaufft ſeines ver - ruchten Geitz halber / als der voͤllig uͤber ſein Hertz das Governo gefuͤhrt / wollte wuͤnſchen / daß hierinnfalls niemand thette tretten in die Fußſtapffen Judaͤ / , Sed, aber.

B b b b 3Ver -566Leich-Predig deß verdambten Ertzſchelm

Vermaledeyt der Magen Judaͤ. Der Magen iſt ein Mund vnd ein Thor des Bauchs / dann er nimmt die Speiſen zu ſich / den vnreinen Theil aber verkehrt er in Humores, durch wel - che der Leib ernoͤhrt wird / dann er fuͤhret und laitet ſie durch et - liche Adern zu den Gliedern. O vermaledeyter Saumagen Ju - daͤ / wie haſt du dich alſo freventlich underfangen fuͤr ein Speiß zu nemmen den Hayland JEſum / under der Geſtalt des Brods bey dem letzten Abendmahl? Jndeme doch dieſer Goͤttlichen Rei - nigkeit / und reiniſten Gottheit das allerſauberſte Ruheboͤthel ge - buͤhret. Wie die vbergebenedeytiſte Jungfrau Maria nacher Bethlehem geraiſt / ob ſie ſchon die groͤſte Liebhaberin der freywil - ligen Armuth geweſt / da hat ſie gleichwol mit den zartiſten vnd Schneeweiſſen Windlen verſehen / worein ſie nachmals den gul - denen Ieſulum eingewicklet: Sie hat den neugebohrnen Hey - land nicht gelegt auf wilde und garſtige Lumpen / nicht auf ſchaͤnd - liche zerriſſene Ziegeiner Fetzen / ſondern auff ſchneeweiſſe Wind - len / vnd du verruchter Judas / und du haſt denſelben in deinen ſtinckenden Saumagen einloſchiret; wehe dir und allen den jeni - gen / ſo unwuͤrdig communiciren.

Pfuy / pfuy was fuͤr ein wilder und graußlicher Zuſtand iſt der Ausſatz! welchen wir in vnſerem Teutſchland den Siech - thumb nennen / ſo ſchaͤndlich und entſetzlich iſt er / daß wir derglei - chen Spitaͤller und Siechhaͤuſer ſo gar nicht in Staͤdten / vnnd Maͤrckten gedulden / ſondern ſelbige von ihnen abſoͤnderen / und gleichwol nach Ausſag des H. Evangeliſten Matthaͤi hat unſer lieber HERR einen Ausſaͤtzigen angeruͤhrt / und denſelbigen ge - reiniget / extendent JEſus manum tetigit eum. c. 8. Der gelehrte Origenes aber ſchreibt hieruͤber / vnd ſpricht / daß diſer ausſaͤtzige Tropff dazumahl ſchon ſeye gereiniget worden / wie der HERR nur die Hand hat ausgeſtreckt / vnd folgſam iſt der Siechthumb entwichen / ehe und bevor der HErꝛ ihn angeruͤhrt: Dann diſer abſcheuliche Zuſtand gedachte / es gebuͤhre gar nicht / daß der HErꝛ JEſus etwas unreines ſolle anruͤhren. Vnd duver -567Judaͤ Jſcarioth.verdambter Judas / und du haſt denſelben gar in deinen wilden und entſetzlichen Saumagen hinein gezogen / wehe dir und allen den jenigen / die da unwuͤrdig communiciren.

Es iſt die Frag / wo unſer Lieber HERR und Hayland ſich hab aufgehalten / nachdeme erſchon glorreich von Todten auffer - ſtanden / und noch 40. Tag auf Erden geblieben / biß an die Zeit ſeiner Himmelfahrt / dann nach Lehr der Evangeliſten iſt er oͤff - ters den Apoſteln erſchienen / und zu ihnen kommen / aber woher kommen? Aus dem Meer / oder aus den Waͤldern? Oder vom Berg? Oder woher? der Heil. Vincentius ſagt / daß der Glor - reicheſte HErꝛ Jeſus ſich hab mit den Altvaͤttern in dem irꝛdiſchen Paradeyß unter dieſer Zeit aufgehalten / dann es waͤre auf Erden kein ſchoͤneres Orth und ſauberere Bleibſtadt / als diſer Luſtgarten Vinc. Ferrer. Ser. 2. Dom. in albis, und du vermaledeyter Ju - das / und du haſt denſelben gar in deinen wilden Saumagen ein - geſteckt / als in einem ſtinckenden Kercker / wehe dir / und allen den - jenigen / ſo da unwuͤrdig communiciren.

Der Heiligmaͤſſigen Joanne de Cruce, hat ein Engel eine conſecrirte Hoſtien gebracht / als ſie in dem Gebet begriffen / damit ſie ſelbige deß anderen Tags genieſſen ſolle zu Troſt und Nutz der armen Seelen im Fegfeuer; beſagter Engel hat ſich ver - lauten laſſen / daß er diſe Hoſtien gezogen aus dem Rachen ei - nes Suͤnders / dann GOtt nit hat wollen wohnen in der Senck - Gruben deß Sathans. In vita hujus, und du Laſterhaffteſter Judas / vnd du haſt denſelben gleichwol in deinen verdambten Saumagen hinein genommen / wehe dir / und allen denjenigen / welche da unwuͤrdig communiciren.

Zu Wienn in dieſer beruͤhmten unnd Volckreichen Reſi - dentz-Stadt / iſt ein Orth / das haiſt bey St. Salvator, und wie - derum ein anders Orth / das haiſt ein Sau-Winckel / aber die - ſe zwey Orth ſeynd weith von einander entlegen / aber du Gott - loſer Judas du haſt St. Salvator und den Sau-Winckel zuſam - men geſetzt / wie du in deinem verdammten und vermaledeytenSau -568Leich-Predig deß verdambten ErtzſchelmSaumagen den Hayland JEſum unter der Geſtalt des Brods am letzten Abendmahl genoſſen: Wehe dir und allen denjenigen / ſo da vnwuͤrdig communiciren.

Vermaledeyt die Leber Judaͤ. Die Leber iſt ein hitziges blutiges / holles vnnd ſchlipfferiges Glied / ligt an der rechten Sei - ten deß Magens / vnd iſt deſſelben Coadjutor vnd Mithelffer / ernaͤhrt die Glieder / verurſacht die Hitz / macht ein vollkommene Dauung / und erzeugt das voͤllige Blut. Vermaledeyt die Le - ber Judaͤ / dann ich find nicht / daß ein guter und ehrlicher Bluts - Tropffen in ihm geweſen / ja gar kein Blut / maſſen dieſer Gewiſ - ſen-loſe Boͤßwicht auch wegen ſeiner groͤſter Laſter-Thaten vnnd Buben-Stucken niemahlen Schamroth worden. Jn demſel - bigen Augenblick da der Heyland JESUS am bitteren Creutz - Stammen ſeinen Geiſt aufgeben / da iſt der groſſe rothe Fuͤrhang in dem Tempel mitten von einander zerriſſen / das iſt von oben biß hinunder / ohne einige Hand-Anhebung eines Menſchen / vnd glaubt Ephrem Syrus, daß ſolches der Heil. Ertzengel Mi - chael gethan habe / ſo bald diſer rothe Vorhang zerriſſen / da hat man alſobald ein Engliſche Stimm vernommen / Eamus hinc, laſt vns von dannen weichen; zugleich hat man auch wahrgenom - men / daß der Heilige Geiſt in Geſtalt einer Schneeweiſſen Tau - ben von dannen geflogen: So bald der rothe Vorhang zu Trim - mer gangen / ſo bald hat der H. Geiſt den Abſchied genommen. O wie wahr iſt / wann bey einem Menſchen der rothe Vorhang der Schamhafftigkeit zerreiſt / daß GOttes Gnad von ihm weiche / vnd nichts guts Guts mehr zu hoffen ſeye / ſo lang aber das Ange - ſicht ſich noch verpurpert / vnd Schamroth wird / ſo lang iſt noch die Krankheit zu curiren.

Jm Alten Teſtament hat GOTT der Allmaͤchtige befohlen ihme allerley Thier auffzuopfferen / in dem Tempel zu Jeruſa - lem / auſſer der Fiſch nicht / Tauben wol / aber keine Fiſch / Spatzen wol / aber keine Fiſch / ſo gar ein Gaiß-Haar / aber nur keine Fiſch / neben anderen Urſachen iſt auch dieſe eine / weil nemlich dieFiſch569Judaͤ Jſcarioth.Fiſch muſten von weiten hergebracht werden / und alſo ſchwehr moͤchten leben bleiben: Aber wie kennt man / ob ein Fiſch ſeye abgeſtanden? Koch wie? Koͤchin wie? beyde ſagen / man ſoll den Fiſch bey den Floſſen anſchauen / wann ſelbige ſchoͤn roth ſeyn / ſo iſt es gut / ſeynd ſie aber blaich / und nicht mehr roth / ſo iſt der Fiſch abgeſtanden / pfuy auf den Miſt mit ihm. So lang ein Menſch noch roth wird / ſo lang ihme die Aurora aus dem Geſicht ſcheint / ſo lang er unter dem Zaichen deß Krebſens iſt / ſo lang er den Ca - lender Feyertag uͤber die Stirn hat / ſo lang er ſich von Rothweil ſchreibet / ſo lang er die Rubrica citirt / da iſt es noch ein Anzeigen ſeiner Unſchuld / oder aber wenigiſt ein unfehlbare Hoffnung ſeiner Beſſerung. Wie ſolches in Magdalena zu ſehen war / als dieſe in dem Haus des Phariſaͤers zu Chriſto dem HErꝛn getret - ten / und ihme mit ihren Thraͤuen die Fuͤß gewaſchen / da hat ſie ſich aus Schamhafftigkeit nicht getrauet unter dem Angeſicht des HERRN zu erſcheinen / ſondern nach Ausſag des Evangeliſten Luc. cap. 7. Acceſſit retiro, ſtunde ſie von hinden an ſeinen Fuͤſ - ſen: Entgegen der verwoͤgene und Treuloſe Apoſtel Jſcarioth iſt gantz unverſchambt zu Chriſtum getretten / ihn angeredt / ja ſo gar ihn gekuſt und nicht einmahl roth worden. O Schelm! nun bleibſt du ewig ſchwartz geſchrieben.

Vermaledeyt die Lungen Judaͤ. Die Lungel iſt ein Wind - Waͤchel und ein Abkuͤhlung des Hertzens / ein Werckſtadt des Luffts / und ein Jnſtrument des Athems / die Lungel muß derent - halben auch ein Mutter genennt werden der Seufftzer: Aber von dem vermaledeyten iſt nicht ein einiger rechter Bußfertiger Seuffzer vernommen worden. Wie unſer Heyland aus dem Graͤntzen Tyri nacher Sydon an dem Gallilaͤiſchen Meer kom - men / da hat man einen tauben und ſtummen Menſchen zu ihm gefuͤhrt und gebetten / er wolle doch die Haͤnd auf ihn legen / worauf der HERR den armen Tropffen auf die Seiten ge - fuͤhrt / ihme die Finger in die Ohren gelegt / und mit dem Spaichel die Zung beruͤhrt / nachmahls gegen Himmel geſchautPars IV. Cc ccund570Judaͤ Jſcarioth.und geſeufftzet / Ingemuit, Marc. c. 7. Der Gottſeelige Beda ſpricht / daß unſer Lieber nicht deſſenthalben habe geſeufftzet / als haͤtte er das Seufftzen vonnoͤthen / wann er etwas von ſeinem himmliſchen Vatter begehre / ſondern uns zu einem Exempel und Nachfolg / wann wir im Stand der Suͤnden uns befinden / daß wir vnſere Augen ſollen gegen Himmel erheben und ſeufftzen / ſo - dann werde uns GOtt auch die allerlaſterhaffteſte Adams Kin - der erhoͤren. Gewiß iſt es / wann Judas haͤtte geſeufftzet wie Magdalena / haͤtte geſeufftzet wie der Schaͤcher am Creutz / daß er waͤre zu Gnaden kommen / aber aus dem verſtockten Men - ſchen kamme nicht ein Untzen eines Seufftzers / der doch Zeutner ſchwaͤr Suͤnden auf ihm gehabt.

Vermaledeyt der Bauch Judaͤ. Weil dieſer ein Uberzug alles Unflats / und in den Gedaͤrmen / welche ſibenmahl ſo lang als der Menſchliche Leib / nichts als Wueſt und Geſtanck / auch ſolches Jngewaid dem gehaͤngten Juda aus dem Bauch gehan - gen / alſo mag ich mich in dieſer Schinder-Gruben nicht auffhal - ten / ſondern ich ſchenck den Bauch mit allem was darinn iſt / als da iſt Epigaſtrum, Hypogaſtrium, Peritonæum, Epiploon, Ileon, Calon, Sphineter, Mezareon, Pancreas, vnnd mehrer dergleichen lumpen Wort und Orth / alles dieſes ſchencke ich demjenigen wegen der Muͤhewaltung / der den Judam in die Hoͤll gefuͤhrt.

Vermaledeyt die Fuͤß Judaͤ. Unangeſehen / der Heyland JESUS ſelbſt mit ſeinen heiligiſten Haͤnden / mit denen er Himmel und Erden verfertiget / die Fuͤß Judaͤ gewaſchen / unnd durch dieſe unermeſſene Demuth noch geſucht den Gottloſen Boͤß - wicht zu beſſeren Gedancken zu bringen / unangeſehen dieſes iſt der verſtockte Menſch noch zu den Feinden des HErꝛn mehrer geloſ - ſen als gangen / ja eben dieſelbige Fuͤß noch abgemattet / damit er JEſum in die Haͤnd des Hencker-Geſind moͤchte liefern. O Be - ſtia! der Hund des Tobiaͤ iſt beſſer geweſt als du / die Eſelin des Balaams iſt beſſer geweſt als du / der Rab Eliaͤ iſt beſſer geweſt alsdu571Judaͤ Jſcarioth.du / der Ochs Elifaͤi iſt beſſer geweſt als du / die Fuͤchs deß Sam - ſons ſeynd beſſer geweſt als du / der Loͤw des Davids iſt beſſer ge - weſt als du / die Schwalben des Tobiaͤ ſeynd beſſer geweſt als du. Bleibe dann Maledictus, ſo ſeye dann vermaledeyt Judas in Ewigkeit.

Vermaledeyet an Leib und Seele / vermaledeyet vor GOtt und der Welt / vermaledeyt von Himmel und der Erden / verma - ledeyt von dem Element des Luffts in dem er ſich erhenckt: Ver - maledeyt von der Erd / auff der er gewandlet / vermaledeyt von Feuer / in dem er nicht gehabt den wenigſten Funcken einer Lieb zu GOTT / vermaledeyt von Waſſer / weil dieſer hartnaͤckige Boͤß - wicht durch nichts ſich laſſen erweichen / vermaledeyt von den Voͤglen des Luffts / weil er ein Ertz-Vogel geweſt / vermaledeyt von den Thieren der Erden / weil er ein Beſtia geweſt iſt / vermale - deyt von den kriechenden Thieren / weil er ſo gar das Gifft gegen GOtt gebraucht / vermaledeyt von den Fiſchen / weil er mit faulen Fiſchen umgangen. Vermaledeyt von allen Zungen / vermale - deyt von allen Federn / vermaledeyt von allen Spra - chen. Maledictus.

Lector benevolus mihi ignoſcat, ſi de maledictio non bene dixi; de cætero omnia ea, quæ in levidenſi hoc volumine rudi calamo exaravi, Cenſuræ & Cynoſuræ S. Matris Eccleſiæ libens lubens ſubmitto & committo.

Ad Majorem DEI Gloriam, Deiparæ Ho - norem, S. Caietani Patroni mei Laudem, & Ani - marum Salutem.

C c c c 2Jnn -[572]

Jnnhalt aller merckwuͤrdigen Sachen des gegen - waͤrtigen Buchs.

  • AUfferſtehung Chriſti wirdet durch die Weiberkundbar. Pag. 12.
  • Auſteren leyden die Hitz nit. 17
  • Arca und Arcana ſollen gleich ſeyn. ibid.
  • Apoteggen habẽ allerley Spirit 9. 32
  • Aichbaumb iſt dem Abfalon in Ach - baum. 46
  • Auff zug der Weiber kombt von dem Teuffel. 47
  • Abraham gibt dem Prieſter den Ze - hendt. 80
  • Amon kombt bey der Mahlzeit des Abſalon um das Leben und war - umb. 101
  • Abraham vertreibt die Voͤgel von dem Opffer. 221
  • Arca Noë ein Ebenbild einer guten Wahl. 259
  • Altar das verehret GOtt. 265
  • Anna die Prophetin ſihet Chriſtum in dem Tempel. 265
  • Der Teuffel erſcheinet Chriſto in der Perſon eines alten Manns. 265
  • Alter das ſolleman ehren. 269
  • Abraham lehret uns denen Verſtor - benen zuhelffen. 306
  • Apoſtlen brauchen nur ein Klayd. 384
  • Ave Maria iſt die beſte Bezahl. 333
  • Andacht laſt ſich nit verhindern. 383
  • Aſtrologi ſetzen allerley Thier inden Himmel und warumb. 390
  • Armuth wird von Gott geliebt. 398
  • Arbeiten ſoll auch der Menſch mit GOtt. 469. 470. & 471
  • Ausſehen ein wildes haben die hoͤlli - ſche Geiſter. 527
  • Binnen-Regiment das beſte. 17
  • Blinder in dem Evangelio und ſeine Eltern. 20
  • Baum-Gedicht. 43
  • Bluts-Befreundten ſoll man zum erſten helffen. 344
  • Beutel wiꝛd mit ſtehlen geſpickt. 357
  • Teuffels-Beutel gibt es vill auf der Welt. 353
  • Bettler ſehen nit gern Kleiderpracht 384
  • Bettelhund nennet die Welt die ge - meinen Leut. 400
  • Auf die 7. Werck der Barmhertzig - keit folgen die 8. Seeligkeiten.
  • Ein Feld-Blum will GOtt genennet werden und warumb. 560
  • Conſilium kom̃t von dem Woͤrt - lein Sileo 15
  • Cloſter-Leut ſollen ſchweigen. 17
  • Chriſtus ſpeiſet das Volck in der Wuͤſten. 39
  • Caſteyen iſt ein treffliches Bad. 199
Cor -[573]Index Rerum.
  • Corrigieren ſoll man nicht gar zu ſcharff. 258
  • Communion alle Eiſen und Band. 338
  • Die Heil. Communion iſt die beſte Speiß vor die arme Seelen. ib.
  • Comoͤdi warum man bey der zu ſte - hen pflegt. 395
  • Caſus eſt occaſio. 413
  • Duꝛch Creutz und Leyden kombt man in Himmel. 481
  • Durch Creutz und Leyden fahren auch vil zum Teuffe. 482. & 483
  • Der Lieb kombt nichts hart vor. 484
  • Dienſtbotten ſollen verſchwigen ſeyn. 20
  • Danckbar iſt GOtt. 35. & ſeq.
  • David büſſet gaꝛein / da eꝛ dem Saul einen Fleck aus dem Mandel ge - ſchnitten. 78
  • Das Lob Davids. 90
  • Dienſtbotten mußman belohnen. 130
  • David ein Bild einer Obrigkeit. 255
  • Danckbar ſeynd die arme Seelen gegen ihren Gutthaͤtern 349
  • Diſcurs ſoll nit nach Unflath ſchme - cken. 355
  • D[r]incken ſicht Chriſtus gern aber nit zu vill. 363
  • Voll-Drincker ſeynd der Welt an - genehm. 364
  • Drincken und Eſſen ſoll man gemaͤſ - ſig. 447
  • Danckbar ſoll der Menſch ſeyn wie ein Henn. 454
  • Dancken ſoll der Menſch nach dem Tiſch. 456
  • Die ſchoͤnſte Dama unter denen Ere - aturen iſt die Gnad Gottes. 459
  • Eſſen ſchadet dem Menſchen. 90
  • Ehrabſchneyden iſt bey Malzei - ten der Brauch. 100
  • Eheleut ſollen einig ſeyn. 179
  • Erſcheint der Engel dem Heil. Jo - ſeph in dem Schlaff und warumb. 225
  • Ein Eſel iſt hoͤfflicher als der Menſch 329
  • Eßlen beglaiten den Pꝛieſteꝛ zu einem Krancken. 391
  • Ein Eſel iſt des Menſchens Leib. 435
  • Die groͤſte Ergoͤtzlichkeit iſt ſpatziren gehen. 437
  • Eſſen und trincken ſoll man mit Ma - nier. 447
  • Ehr abſchneider gibt es bey Mahl - zeiten. 449. & 459
  • Eſſen und Trincken unmaͤſſig bringt manche in Armuth. 492. 493. & ſeq.
  • An der Ehrſucht ligt die Welt krank 516. & ſeq.
  • FJſchen iſt unterſchidlich. 6
  • Fabel von denen Baumen. 43
  • Frauen-Zimmer. 47
  • Finger erſcheinen drey an deꝛ WandCc cc 3ſchrei -[574]Index Rerum. ſchreibend bey der Mahlzeit Bal - thaſeris und warum. 71
  • Fraß iſt ein greuliches Laſter. 98
  • Fließ-Papier iſt ein Auffenthalt der Saͤu. 92
  • Faſten vertreibet die Unzucht. 93
  • Froͤſch aus Egypten ſeynd annoch bey allen Mahlzeiten anzutreffen. 100
  • Freſſereyen bringen den Menſchen um. 105. & ſeq.
  • Faſten ſollen wir lehrnen von Chriſto und Maria. 115
  • Faſten iſt vielen zu wider. 121
  • Faſten iſt GOtt angehm. 146
  • Herrliche Predig an das Frauen - Zimmer. 164
  • Frembde ſoll man treuhertzig beher - bergen. 174
  • Feinchel gehoͤrt vor die Obrigk. 247
  • Freund gibt es genug / aber wie. 317 & ſeq.
  • Jn dem Fegfeur gibt es ſcharffe Saiffen ab. 324
  • Falſchheit hat den Vorzug. 376
  • Falſchheit promovieret den Men - ſchen. 377
  • Ein Faͤrbel ſtreicht die Welt denen Laſtern an. 379
  • Mit Farben kan ein jeder bey der Welt umgehen. 380
  • Falſchheit wird ein Politicus ge - nennet. 381
  • Dem Feind verzeihen iſt GOtt lieb. 394. & ſeq.
  • Feinden denen ſoll man auch guts thuen. 397
  • Fluͤß aus dem Paradayß verſchlief - fen ſich in die Erden und warumb. 403
  • Feyrtaͤg und Sonntaͤg werden roth geſchrieben und warum. 405
  • Feyrtaͤg ſoll man heiligen. 408
  • Fluchen bringt wenig Gluͤck. 433
  • Feyeren ſoll der Menſch nicht / wann GOtt arbeitet. 469. & ſeq.
  • GRab Chriſti verbleibt unver - ſehrt. 22
  • Grab Chriſti herrlicher als der Leib Mariaͤ. 23
  • Grab Mariaͤ iſt glorwuͤrdig. 25
  • Grab Petri und Pauli iſt ſehr herꝛ - lich. 26. & ſeq.
  • Grab Bartholomaͤi wunderlich. 27
  • GOttes Gegenwart ſoll man ehren 34. 60.
  • GOtt iſt danckbar. ibid & ſeq.
  • Geld verderbt die Welt. 55
  • Geiſtliche ſollen nicht reich ſeyn. 73 & ſeq.
  • Geiſtliche ſollen auch etwas haben. 76
  • Gulaper Anagramma ein Gaul. 115
  • GOtt laſt ihm nichts umſonſt thun. 129
Ge -[575]Index Rerum.
  • Gedancken boͤſe koͤnnen einen ver - dammen. 210
  • Gedancken boͤſe ſoll man vertreiben. ibid.
  • Gutthaten ſollen wir nicht vergeſſen 330
  • Gedancken ſeynd nit Zoll frey. 217
  • Gedancken kleine machen das groͤſte Vbel. 227
  • Geiſt / ob man einen erloͤſe ſolle / wie zu erkennen. 295
  • Geld das beſte zu bezahlen / iſt Ave Maria. 333
  • Geitziger gehet auf einen Pfenning. 358
  • Gerechtigkeit laſt groſſe Dieb lauf - fen / und die kleine hencken. 359
  • Gallia hat die Modi der Hoffart auf bracht. 369
  • Gewiſſen iſt Franco, 374
  • Gewiſſen gutes iſt eine rahre Sach. 376
  • GOtt haſſet den Klayderpracht. 383
  • Geſchwaͤtz unnutzes in der Kirchen iſt ſehr ſchaͤdlich, 386
  • Gebett heiliges iſt ein Pfeilſchuß. 388
  • Gehen mit dem hoͤchſten Gut / bringt Gluͤck. 391
  • Gut das hoͤchſtebeglaitten / iſt ein gu - tes Werck. 380
  • Guts thun ſoll man denen Feinden. 397
  • GOtt liebt die Armuth. 398
  • GOtt wird mehrer in den Feſt-Taͤ - gen belaydiget. 407
  • Gelegenheit iſt dem Menſchen ſehr ſchaͤdlich. 411
  • Gelegenheit iſt ein Dieb. 414
  • Gelegenheit boͤſer Geſellſchafft muß man fliehen. 414
  • Garten iſt der Eꝛbaꝛkeit ein Schand - fleck. 423. & ſeq.
  • Garten-Leben ſchmaͤlert die Mittel. 427
  • Garten in dem wird GOtt gelaͤſtert 431
  • Grobheit iſt es vor dem Eſſen nicht betten. 440
  • Diſch-Gebet boͤſtes iſt der Pamphili 453
  • Gnad GOttes iſt die ſchoͤnſte Dama 459
  • GOtt nennet ſich eine Feld-Blum / und warum? 460
  • Gnad GOttes hilfft / wann mans verlangt / in den Himmel. 462
  • Gnad GOttes zwinget keinen zur Seeligkeit. 467
  • GOtt will haben / daß der Menſch auch das ſeinige thue. 469, & ſeq.
  • Gold wegen leidet man mehrers / als wegen GOtt. 509
  • Geiſter in der Hoͤllen haben ein er - ſchroͤckliches Ausſehen. 527
  • Geitzigen bey den iſt das geben veꝛge - bens. 550
GOtt[576]Index Rerum.
  • GOtt hat eine braitte Naſen / aber warum? 551
  • HOchmuth thut nicht gut. 44
  • Heilingſtaͤdter Wein wer ſie ſeyn. 45
  • Hirſchen werden 22 mahl in der H. Schrifft citirt. 86
  • Haan / was er auf dem Thurn ſeye. 244
  • Hirten ſeynd die erſten bey Chriſto. 246
  • Himmel allein kommen die Kinder / und wir? 323
  • Hoffarth iſt der Klayder Pracht 369
  • Hertz ſoll allzeit verborgen ſeyn. 377
  • Himmel iſt allen fail. 465
  • Himmel wer kommen will / hat zway Huͤlff vonnoͤthen. 468
  • Hayl des Menſchens iſt ein Son - nen-Uhr. 469
  • Hoffarth der Weiber iſt groß 512 & ſeq.
  • Hoffherr muß vill ſimuliren / will er anderſt fortkommen zu Hoff. 516. & ſeq.
  • Hoͤlliſche Geiſter die ſehen erſchroͤck - lich aus. 527
  • Hoͤll in der gibts ein nulla. 531 & ſeq.
  • Jn der iſt kein Ruhe zu finden. 535
  • Hirn hat Judas ein ſchlechtes. 545 & ſeq.
  • Hoch ſteigt der fallt hoch. 550
  • Ju das kan nichts verſchweigen. I Jeſuitaͤ ſeynd reich. 75
  • Jobs Kinder werden unter dem Eſ - ſen und Trincken erſchlagen. 112
  • Judas hat nie nichts guts geredt. 552. & ſeq.
  • Juͤngling einer ſchmiert den Teuffel ab. 228
  • Joſue ein Eben Bild der Obrigkeit. 253
  • Junge ſollen das Alter verehrẽ. 267
  • Joſeph aus Egypten ein Ebenbild der Armen. 308
  • Joſeph warum ſo lang gefangen ge - legen. 316
  • Jahrmarck einen verlangen die ar - me Seelen. 337
  • Judices ſeynd Politici bey der Welt 362
  • Judas hat wenig Hirn. 545. & ſeq.
  • Judas Lieb gegen GOtt iſt gantz er - loſchen. 545. & ſeq.
  • Judas hat keine Ohren. 548
  • Judas hat nie keine Zaͤher vergoſſen. 547
  • Judas hat ein keine Naſen / und wa - rum. 551 & ſeq.
  • Kunſt welches die groͤſte ſeye. 2
  • Kirchen in der ſoll man nicht ſchwaͤtzen. 34
  • Kirchen-Raub wird von GOtt ge - ſtraffet. 59
  • Kirchẽ in der ſol man zuͤchtig ſeyn 62
Kir -[577]Index Rerum.
  • Kirchen-Rauber die ſeynd ſchlim - mer als die Juden. 65 & ſeq.
  • Kalb das guldene bricht Moyſes oh - ne Widerred des Volcks / und warumb. 141
  • Kleine Suͤnden ſcheinen vor GOtt ſehr groß. 314
  • Kloͤſtern in dem gibt es ſauren Wein und warumb. 365
  • Klayder-Pracht kan GOtt nicht anſehen. 383
  • Koͤgel 9. ſeynd die 9. Auſſaͤtzigen 430
  • Kirchen / in der ſchwaͤtzen iſt ſchaͤdlich 386
  • Kopff hat Judas ein ſchlechten. 545. & ſeq.
  • LOhnen muß man die Dienſibo - then. 130
  • Leib den muß man nit zaͤrtlen. 169
  • Laſter das wird ein Tugend genennt 353
  • Luſtig ſoll der Menſch jederzeit ſeyn. 362
  • Laſtern denen ſtreicht die Welt ein Faͤrbl an. 379
  • Leiden muß die Tugend vil. 383
  • Leiden muß der Menſch vil. ibid.
  • Liederliche Maͤnner ſchaden ihren Weibern. 428
  • Leib der muß raſten und verſchnauf - fen / warumb? 434. & ſeq.
  • Leib und Seel gehoͤrn zuſam̃en. 436
  • Leiden wegen faͤhrt mancher zum Teuffel. 495. & ſeq.
  • Leiden muß der Menſch wie die Lein - wath / wann er will ſeelig werden. 479. & ſeq.
  • Leiden thut viel ein Neidiger in dem Hertzen. 502. & ſeq.
  • Leiden thut man mehrer wegen Gold als wegen GOtt. 509.
  • Leiden thut die Welt an der Ehr - ſucht. 516. & ſeq.
  • MAgdalena ehret Chriſtum / und warum. 36
  • Maria ſpeiſet die Weiber in der Wuͤſten. 39
  • Malchus wird nicht geſtrafft ob dem Backenſtraich und warum 64
  • Mittag-Teuffel der wird von dem David verfluchet. 90
  • Menſch der iſt nach dem Eſſen ringer dann vor / und warum. 90
  • Moyſes zerbricht die Tafflen / und warumb. 91
  • Mahlzeiten ſeynd ſelten ohne Ehren - Tranchieren. 100
  • Maͤſſigkeit machet alt. 108
  • Maynung die thut alles. 156 & ſeq. usque ad
  • Miracul koͤnnen auch Boͤſe wuͤrken. 183
  • Moyſen wider den klagt niemand. 241
  • Miracul geſchehen nur in der Noth. 201
Pars IV. D d d dMeer[578]Index Rerum.
  • Meer das glaͤſerne bedeutet die Welt. 257
  • Maul das ſoll allzeit rein ſeyn. 354
  • Melancholey iſt des Menſchens Veꝛ - derben. 362
  • Menſch der muß ein Magen haben der viel verdaͤuen kan. 394
  • Moyſes macht mit einen Holtz das ſaure Waſſer ſuͤß / und warum? 394
  • Martyrer betten fuͤr ihre Feind. 397
  • Malzeiten haben im Garten / ſchmoͤl - leren den Beutel. 427
  • Menſch kan einer gantzen Gemain ein groſſes Ubel verurſachen. 432
  • Malzeit bey der pflegt man auch die Leut zu tranſchieren. 449
  • Malzeiten bey iſt dem Pamphili das beſte Gebett nachdem Tiſch. 453
  • Menſch ſoll auch das ſeinige thun / wann Gott das ſeinige thut. 469 & ſeq.
  • Marter und Pein alle auf der Welt iſt nur ein Schatten gegen der Hoͤll. 523. & ſeq.
  • Maͤuler wegen boͤſer ſolle man das gut nit unterlaſſen. 417
  • NAcht die vor der Creutzigung faͤllet Chriſto ſehr ſchwaͤr. 97
  • Nichts umſonſt. 138
  • Natuͤrliche Sachen ſeyn keine Wun - derwerck. 185
  • Neidiger muß viel leiden im Hertzen. 502. & ſeq.
  • Neidhard geduldet alles Neid halber 607 & ſeq.
  • Naſen haigliche haben die Weiber. 521
  • Neid groſſer der Verdambten. 529 & 530.
  • Naſen ein lange und breite hat Gott und warum? 551
  • Naſen klein ſeynd den Zorn unter - worffen. 552
  • Obrigkeit fromme macht from - me Unterthanen. 241
  • Obrigkeit muß grob ſeyn mit umge - kehrten Buchſtaben. Borg. 252
  • Ochſenkoͤpff ſoll man nicht bey der Wahl haben / ſondern Kuͤhekoͤpff. 360
  • Oeſterreich ſchreibt ſich von der An - dacht. 391
  • Occaſio eſt Occaſus. 431
  • Papier u. Pergament Streit. 49
  • Petrus leget ſeine Klayder an / und eylet zu Chꝛiſto / warum. 66
  • Prieſter hat im alten Teſtament von dem Schlachtopffer die Haut. 78
  • Praſſer der reiche beklagt die Zung. 96
  • Prodo der waͤlſche Suppan bringt das prodo zuwegen. 104.
  • Prediger ſeynd Seelen-Fiſcher. 154 & ſeq.
Per[579]Index Rerum.
  • Perſon macht keinen wuͤrdig / ſon - dern das Leben. 143
  • Petrus wird von Chriſto auf dem Oelberg / nit Petrus / ſondern Si - mon geheiſſen warum. 245
  • Petrus ein Spiegel der Obrigkeit. 157. 254.
  • Petrus wird Pabſt / weilen er alt. 266. & ſeq.
  • Polieren muß man ſich laſſen / wann man will in Himmelkommen. 323
  • Praͤtext unter einem guten ſtoͤckt oft ein groſſes Ubel. 375
  • Politicus kommt von Pollio. 381
  • Politicus muß halb und halb ſeyn. ib & ſeq.
  • Prieſter iſt ein Weegweiſer Chriſti. 389
  • Peyn der Verdambten iſt groß 524
  • Rachel entfrembdet dem Laban die guldene Goͤtzenbilder. 30
  • Reichthumen ſeynd nicht fuͤr Geiſt - liche. 73
  • Religion der ſtreicht man ein Faͤrbl. an. 381
  • Reden laſſen muß man die Leuth. 335
  • Rechen an dem Feind / iſt GOtt nicht an genehm. 394
  • Rachgierigkeit iſt ein groſſes Laſter. 397
  • Reden der Leuth gilt mehr als das Wort GOttes. 397
  • Reicher ſeyn wie der Himmel ſeyn. 389
  • Reicher ſoll ſeyn als wie ein Magen.
  • Red Judaͤ niemal nit gut. 552
  • STillſchweigen iſt die groͤſte Kunſt. 2
  • Stillſchweigen wird von dem Wein verderbt. 16
  • Samaritanin Wandel haltet Chri - ſtus in der Still. 20
  • Spiritus gibt es viel in der Apote - cken. 33
  • Spiritus veritatis was er ſeye. ib.
  • Spiegl der Warheit. ib.
  • Schwaͤtzen in der Kirchen / reimbt ſich nicht. 34
  • Spielleut ſeynd nicht viel nutz. 52
  • Saul verliehꝛt ſein Gluͤck wegen des Kirchen-Raub. 69
  • Samaritanin / warum Chriſtus zu ihr geſprochen / laſſe deinen Mann kommen? 55
  • Sodoma und Gomorra gehen durch das Schwoͤren zu Grund. 92
  • Sauffer gleichen denen Roſen. 102
  • Sohn der verlohrne. 111
  • Sohn zu Naim ein Ebenbild eines Freunds. 119
  • Suͤnder haben auch Gluͤck. 139 & ſeq.
  • Sonn und Mond ſeynd ein Zeichen der Ehe. 179
D d d d 2Schall -[580]Index Rerum.
  • Schallmayer werden von CHriſto abgeſchafft. 230
  • Super hat einẽ Accuſativum. 248
  • Silberling die 30. des Judaͤ ſeynd denen Verſtorbenen zu Nutzen kommen. 291.
  • Seelen den armen / ſoll man bald helffen. 305
  • Seelen arme erſtatten alle Guttha - ten denen / ſo ihnen was guts er weiſen. 308
  • Seelen arme iſt der Mondſchein das liebſte. 337
  • Seelen arme begehren von uns ein Geiſtlichen Jahrmarckt. 337
  • Seelen armen iſt die boͤſe Speis die H. Communion. 339
  • Stehlen zu Hoff haiſt jetzt proſpe - riren. 365
  • Stehen pflegt man bey Comoͤdien / warum? 395
  • Schamen ſoll ſich der Menſch / wann er ſuͤndiget. 403
  • Scrupulos ſeynd die Wirt nit. 406
  • Spiller unehrbare halten ſich in Garten auf. 430
  • Seel und Leib gehoͤren zuſamb / und warum? 436
  • Spazieren gehen iſt die groͤſte Freud 537
  • Stichwoͤrter geben bey deꝛ Zeit Blut 452
  • Seeligkeit vergunnet GOtt einem jeden Menſchen. 465
  • Spillen iſt ein Weg zur Verdamb - nus. 501
  • Simuliren muß der koͤnnen / wer zu Hoff will fortkommen. 516
  • Thot zuruck ſo viel als thot. 47
  • Teuffel werden von Chriſto in die Schwein verbant / und warum? 91
  • Thier des Apocalyptiſche mit 7. Koͤpfen gleichet denen Zoͤchbruͤ - dern / und Zottenreiſſern. 97
  • Thron Salomonis iſt ein Ebenbild einer guten Wahl. 259
  • Thier mit Augen vorn und hinten. 272
  • Tugend wird zu Hoff veracht. 353
  • Teuffel bringt die Modi auf. 369
  • Tugend muß viel leyden. 383
  • Teuffel dem zu Ehren ſteht man al - les Ubel aus. 507. & ſeq.
  • Verſchweigẽ kan nichts Judas. 1
  • Vnzucht ſoll man gar nit nen - nen. 55
  • Voll / machet laͤhr. 102
  • Vorſteher ſollen nit Vorlieger ſeyn. 244
  • Vnrechts Guet thut kein gut. 279
  • Verzeyhen denen Feinden hat Gott gern. 394. & ſeq.
  • Verdambt werden mehrer als ſelig. 466. & ſeq.
  • Venus und Venenum ſeynd ge - ſchwiſtert Kinder. 187
Vn -[581]Index Rerum.
  • Vnerſchroͤcklicher Geſtank der Veꝛ - dambten moͤgen die Teuffel ſelbſt nicht ſchmecken 521 & ſeq.
  • Die Weltliche Peynen ſeynd ein Schatten gegen der Verdamb - ten. 524. & ſeq.
  • Groſſer Neid der Verdambten ge - gen die Seelige / ſo ſie im Leben veracht. 529. & ſeq.
  • Die Verdambte haben keine Ruhe. 535
  • Weiber ſeynd geſchwaͤtzig. 3
  • Wein tauget nit zum Still - ſchweigen. 16
  • Waſſer das verdienet bey GOTT groſſe Ehr. 30
  • Weibsbilder die taugen nit zu denen Maͤnnern. 39
  • Weiber Pracht kommt vom Teuffel. 47
  • Weiber Ehrentitl. 53
  • Wachtlen ſeynd den Jſraeliteren ſehr ungeſund. 107
  • Welt-Lohn haiſſet zahl nichts. 127 & 132
  • Wahlfahrten iſt ſehr loͤblich. 162
  • Wunderwerck brauchen viel 186. & ſeq.
  • Wahl geſchehet nit allzeit wol. 232
  • Was und wer zur guten Wahl ge - hoͤret. 243
  • Wahl ſolt ſeyn von Kuͤhkoͤpffen. 260
  • Wuͤrffel ſeynd Gluͤcks-Zeichen. 347
  • Wein giebt es ſauren in Cloͤſtern. 365
  • Welt die liebt die Hoffarth. 373
  • Waaren des Gewiſſens ſeynd Fran - co. 374
  • Welt die braucht zu denen Laſteren. Farben. 379
  • Ein Wolff lehrnet mahlen. 380
  • Ein gutes Werck iſt es beglaiten das hoͤchſte Gut zu den Kranken. 389
  • Das ſaure Waſſer macht Moyſes mit einem Holtz gantz ſuͤß / und warum. 394
  • Gemeine Leut nennet die Welt Bet - telhund. 400
  • Wirth die ſeynd nit Scupulos 406
  • Wein der gut iſt ſetzt man zu erſten auf. 406
  • Weiber machen manchen zu einem Narren. 489
  • Weiber die ſtreben nach dem Geiſt der Hoffarth. 512
  • Warum die Weiber keinen Barth. 457. & ſeq.
  • Die Warheit wird faſt von jeder - man verfolgt. 460
  • Warum die Weiber ſo viel ſchuldig. 413
  • Welt iſt ehrſuͤchtig. 516. & ſeq.
  • Weiber die haben haickliche Naſen. 521
  • Zeit friſſet alles. 21
  • Zoͤchbruͤder lieben grobe Zotẽ 97
D d dd 3Zau -[582]Index Hiſtoriarum.
  • Zauberer thun keine Wunderwerk. 187
  • Zachaͤus bekehrt ſich mit dem gan - tzen Hauß. 142
  • Zeichen des Gluͤcks ſeynd die Wuͤrf - len. 357
  • Zottenreiſſer aͤſtimiret man bey der Welt. 355
  • Zorn ſucht immerzu Rach. 365
  • Zornige liebet die Welt. ibid.
  • Ein Zorniger ſoll allzeit an das Holtz deß Creutzs gedencken. 395
  • Zeit gibt es auch zur Ergoͤtzung. 437
  • Zungen der Menſchen werden bey Mahlzeiten vom Teuffel auffge - loͤſt. 450
  • Zorn der iſt ſchaͤdlicher und groͤſſer als das Feuer. 497. 498. ſeq.

Jnnhalt aller Hiſtorien / ſo in dieſem Buch begriffen ſeynd.

  • ABimelech ſtirbt imElend. 31
  • S. Ægidius wuͤnſchet ihm ei - nen langen Halß. 19
  • S. Amatus thut groſſe Wunder 38
  • S. Anſelmus fodert den Zehend. 81
  • Amon komt umb das Leben bey der Mahlzeit des Abſalon. 110
  • Allmoſen auch mit Unwillen gegeben machet heilig. 124
  • St. Antonius Paduanus bringt ei - nem Glatzkopffeten Weib die Haaꝛ 149
  • S. Alto verbañiſiꝛt die Alſteren. 148
  • S. Aemilia lebet heilig. 170
  • S. Auguſtinus waͤſchet Chriſto als einem Pilgram die Fuͤß. 177
  • Antiochus wird mit ſeiner groß - maͤchtigen Kriegs fuͤrgeſchlagen von denen Roͤmeren. 250
  • Aeſchylus der alte Poet wird voneiner Schildwacht umgebracht. 268
  • Ein altes Weib fangt ein Kirchfahrt an. 276
  • Der H. Amadaͤus nennet die Jag - Hund / Bettelhund uñ warum 400
  • Durch Anblick eines Weibs-Bild wird ein unſchuldiger Juͤn gling verfuͤhret. 414
  • Auslachen ſtraffet GOtt mit gaͤhen Todt. 419
  • Abel wird von ſeinem Bruder Cain zu Tod geſchlagen im Gaꝛten. 429
  • 9. Außſetzige werden von Chriſto ge - ailt und warumb. 430
  • Amon leydet Hunger wegen der Liebe. 483
  • BAlthaſar laſſet ſeinen Vattern den Nabuchodonoſor in 300. Stuck zerhauen. 58
Graͤber[583]Index Hiſtoriarum.
  • Graͤber H. Apoſteln wunderbarlich. 27. & ſeq.
  • Grab Bartholomaͤi wunderlich. ib. & ſeq.
  • Die Baͤumer halten einen wunder - lichen Rath. ib. & ſeq.
  • Benedietinern ſoll man nichts neh - men. 77
  • An ſtatt Brandwein wird Milch. 78
  • Ein Bauren-Knecht beghet ein fei - nes ſauffen. 93
  • Der Baum von welchem die Kna - ben die Zweig gebrochen / wiꝛd von Chriſto belohnet. 129
  • Bekehrung eines Geitzigen. 136
  • S. Bona Biſana ſehr heilig. 171
  • Herrliche Begraͤbnuß eines Manns von denen Weibern. 180
  • S. Benedictus ſihet ein wildes Weib an / und bekombt ſpoͤttliche Ge - dancken. 219
  • Ein ſeltzamer Biſchoff. 246
  • Brod begehrt ein arme Seel. 321
  • Beklayd wird ein Eydſchwur mit ei - ner Farb 379
  • Betten thun die Hexen vor dem Tiſch 440
  • Bernardinus Aſtenſis ein Capncci - ner zahlt die Zach mit dem Heil. Tiſch-Gebett.
  • Die Beraubung des Angeſichts Gottes iſt der Verdambten groͤ - ſte Peyn. 537
  • Cloſter-Frauen wollen Beicht hoͤren. 15
  • S. Catharina bricht vielen das Hiꝛn. 31
  • Campanus ein Poet bekommt von dem Cardinal Beſſario einen koſt - bar Recompens. 138
  • CapucciniPP. zween / weꝛden wun - derlich durch die Seeligſte Jung - frau erhalten. 163
  • Crucifix-Bild ein wunderſeltzames 172
  • Capucciner 2. Bruͤder werden nach dem Tod geſehen / wie man ſie an Spiſſen brathe. 315
  • Communion die heilige eꝛoͤffnet eines Gefangenen Feßl und Ketten 338
  • Chriſtum als das wahre Liecht will man ausloͤſchen. 379
  • Carolus II. Kayſ. begleithet zu Fuß das hoͤchſte Gut. 392
  • Chriſtus machet einen Krancken ge - ſund. 397
  • Couraggi verdambt einen Soldaten 409
  • Caroli V. groſſe Forcht der Hoͤllen. 534
  • David kommt wegen frembden Geſchwaͤtz in hoͤchſte Gefahr 9
  • Dismas der rechte Schaͤcher hat ein glorwuͤrdiges Grab. 28
  • Dympna S. verdienetein herrliches Grab. 30
Da -[584]Index Hiſtoriarum.
  • David ware gut / hat aber einen boͤ - ſen Sohn. 45
  • Dieb einer Kirchen wird geſtraft 60
  • Dominicaner erhalten wunderlich einen Cloſterbrunnen. 79
  • S. Dominicus erlediget ein beſeſſene Perſon. 95
  • Diſciplin machen / ohne Erlaubnuß / muß in dem Fogfeuer abgebuͤeſt / werden. 316
  • Dantzen thun die Teuffel auff einem Frauenzimmer Schwaiff. 370
  • Diſchgebet vertreibt den Teufl. 441
  • Daniel danckt GOtt umb die grobe Speiß. 455
  • Dieb ſchneidet einem Weibsbild den halben Rock ab. 513
  • Doctor Juris leydet groſſe Peyn in der Hoͤll. 526
  • ELifius bekommt ein herrliches Grab. 35
  • Excommunicationiſt maͤchtig. 53
  • Eduardus Koͤnig in Engelland wiꝛd wegen ſeines Kirchen-Raubs von Gott geſtrafft. 567. & ſeq.
  • Ehrabſchneiden verbietet der H. An - guſtinus bey ſeiner Taffel. 100
  • Elphegus S. iſt Zaunduͤrr. 148
  • Cliſabeth die heilige / erloͤſet ihr Frau Mutter aus dem Fegfeuer. 294
  • Edelknab des Mahomets wird le - bendig aufgeſchnitten. 314
  • Eßlen fallen vor das hochſte Gut ni - der auf ihre Knye. 391
  • Elias wird von einem Raben geſpeiſt und warumb? 396
  • FRaß eines erſchroͤcklichen Menſchens. 21
  • Franciſcaneren ſoll man nichts ent - ziehen. 78
  • Fiſch hoͤren die Predig S. Antonii Paduani. 87
  • Fauſtus Doctor zaubeꝛt Weintrau - ter. 99
  • Fuchs ein duͤrrer diſcurrirt mit einer Mauß. 104
  • Fleiſch wiꝛd in Fiſch verkehrt von un - derſchiedlichen Heiligen. 116
  • Faſten wegen thut ein Mariaͤ Bild Wunder. 117
  • Faſten ſehr vill Heilige. 121
  • Fadẽknoͤllel bringt großes Gluͤck. 139
  • Froͤſch ſchweigen bey der Predig S. Raynaldi. 157
  • Franciſcus S. belohnet die / ſo ihn be - herbergen. 177
  • Fortunatus St. jaget einen Teuffel aus. 177
  • Fieberkunſt einer alten / ꝛc. 188
  • Fuchs will fliegen. 271
  • Fegfeuer muß man das mindiſte abbuͤſſen. 324
  • Fegfeuer muͤſſen doch H. buͤſſen. 325
  • Franciſcus Seraphicus verſuͤſſt den ſauren Wein. 365
  • Falſchheit eines Fuchſens unter dem Praͤtext des guten. 375
  • Feindſchafft wegen kan einer dieWun -[585]Index Hiſtoriarum. Wunden Chriſti nicht kuͤſſen. 395
  • Feindſchafft wegen faͤhrt ein Edel - Mann mit Leib und Seel zum Teuffel. 397
  • Feuer greifft keinen todten Coͤrper an eines Mañs und warum? 412
  • Friederich Hertzog zu Jnſprugg laſt das Daͤchel verguldten / und war - umb? 427
  • Fluch / wo vill / dort iſt wenig Gluͤck. 433
  • Frau ein vornemme / erſcheint ihrer Tochter nach dem Tod in abſcheu - licher Geſtalt. 537
  • GRab Chriſti bleibt unverloͤtzt 22
  • Grab heiliges laͤſt ſich nit von Ketzeren beſuchen 23
  • Grab heiligen geſchicht ein Miracu - lum. 24
  • Grab deß rechten Schaͤchers iſt heꝛꝛ - lich. 28
  • Grab Eliaͤ wunderbarlich. 27
  • Grab S. Stephani wunderlich. 27
  • Grab S. Catharinaͤ wunderlich. 32
  • Grab der H. Dympnaͤ. 36
  • Graͤber unteꝛſchiedlicher Heiligen 41
  • Geitzhalß aus Spanien wird nach dem Todt von dem wilden Feuer verzehrt. 49
  • Geld verfuͤhrt die Leuth. 56
  • Gutlielmus Ruffus nimmet ein elen - des End. 64
  • Gaͤmbſen weiſen den Leichnamb ei - nes H. Einſidlers. 87
  • Geitziger wird wunderlich bekehret. 236
  • Gedancken bringet ein Weibsbild in die Hoͤll. 216
  • Geiſt welchem Kayſer Ferdinandus die Hand reichet. 294
  • Gertrudis ſchencket alle ihre gute Werck denen armen Seelen. 309
  • Eliſabetha aus Arogonia zahlt die Tagwercker mit Roſen aus. 33
  • Den H. Prieſter Gregorium erloͤſet Theodor 9 durch die H. Com̃union aus der Gefangenſchafft. 338
  • Goͤtzen-Bild loͤſet ein Zweiffels-Red auff. 377
  • Gegenwart und Weiber Geſelſchaft bringen ein uͤbels End. 415
  • Gebet bey Tiſch vertreibet den Teuf - fel. 441
  • GOtt Lob vertreibt den Teufel. 442
  • Gebet des Vatter unſers / wormit ein bezechter Bauer 7. Teuffel ver - jagt. 443
  • Geld-Begierd bringet einen Schnei - der in Lebens-Gefahr. 510
  • Guilelmus Hertzog in Aqvitania / tragt groſſe Foꝛcht gegen der Hoͤll 534
  • HEdwigis liebet Mariam nach dem Todt. 41
  • Henricus Koͤnig in Engelland und grauſamer Kircheurauber wird erſchroͤcklich geſtrafft. 80
Pars IV. E e e eHaan[586]Index Hiſtoriarum.
  • Haan zu Bononien zerſchnitten wiꝛd gantz. 88
  • Henner legen Eyer wunderlich in Bayrn. 48
  • Hirſchen zeigen ein Orth zu einer Kirchen der ſeeligiſten Mutter GOttes. 86
  • Haaſen nehmen ihre Zuflucht bey S. Bernardo. ibid.
  • Hoͤcht bieten ſich zu Prag dem H. Lohelio zu dienſten. 87
  • Haͤring ein ſeltzamber fuͤr dem Heil. Thomam Aquinatem. 88
  • Hertzen allerhand wunderliche 103
  • Hebammen in Egypten werden reich und warum? 126 Exodi〈…〉〈…〉 1.
  • Haar wachſen einen Weibs-Bild wunderlich. 149
  • Hirtẽ zu Bethlehem ihre Naͤmen 151
  • Huſſiten wollen einen Todten erwe - cken. 189
  • Haͤſel wird von dem Jgel vertriben. 227
  • Hoͤnig erloͤſet die Stadt Siget von der Tuͤrcken Sturm. 254
  • Himmel leidet kein Macul. 324
  • Herodes zaiget ſich vnder Falſchheit ſehr hoͤfflich. 376
  • Heraclius Kayſer kan das Creutz nit tragen wegen Klayder-Pracht. 384
  • Heroder laſt Joannem den Tauffer hinrichten warumb. 379
  • Hund werden zur Gedaͤchtnuß er - halten in einem Cloſter und war - umb. 339
  • Bettelhund ſeynd Jaghund und warumb. 400
  • Hexen betten vor dem Eſſen. 440
  • Heil. Hieronymi. groſſe Forcht der Hoͤllen. 533
  • JEricho mit Stillſchweigen ein - genommen. 7
  • Jud wird erſchroͤcklich in der Be - graͤbnuß Mariaͤ geſtrafft. 25
  • Jezabel von GOtt geſtrafft. 47
  • Judas ſchmauſiret heimblich umb das geſtohlne Geld. 82
  • Judas war Aufangs ſehꝛ fromb. 121
  • S. Jutta ſehr heilig. 171
  • S. Joanna ſehr heilig. 172
  • Judas thut Miracul. 183
  • S. Joannes Capiſtranus thut Wunder. 189
  • Juͤngling ſchmiehret den Teuffel ab. 228
  • Junge Menſcher werden aus Vor - bitt zu GOtt durch den H. Jaco - bum Niſſibenum in alte Wei - ber verkehrt. 277
  • Judas ſtillt das Geld aus der Apo - ſtoliſchen Caſſa. 278
  • Joſeph laſt lieber den Mantel im Stich als die Keuſchheit. 361
  • Jſaac geluͤſtet umb ein Wildbraͤth und warumb. 394
Joan -[587]Index Hiſtoriarum.
  • Joannes in der Wuͤſten ſchertzt mit einem Rebhuͤnel. 437
  • Juden reiſſt ein Chriſt den gantzen Barth aus. 559
  • Joſcelino einem Pfleger fallt wegen Lugen ſein Barth aus. 561
  • Judas bettet das Vatter unſer aber nicht recht und warumb. 564
  • Joanna de Cruce wird von einem Engel geſpeiſt. 567
  • Kuͤnſtler allerley. 2
  • Kirchen Dieb werden geſtrafft 63. & 65 & 67. & ſeq.
  • Kuttenberg ein Silber-Gruben in Boͤheimb. 73
  • Kuͤh veraͤndern wundeꝛlicheꝛ Faꝛb. 85
  • Kaͤrpffen bringen dem H. Benoni die Kirchen-Schluͤſſel. 88
  • Krebſen bringen das Creutz dem H. Xaverio widerumb aus dem Meer. 89
  • Krammer ein armer in Franckreich wird wunderlich reich. 137
  • Koch / Wenceslai Koͤnig in Boͤheim wird lebendig gebratten. 314
  • Durch einen Kuß wird ein Weibs - Bild beſeſſen. 355
  • Klaid Chriſti wachſt mit dem Alter. 369
  • Klayder ſchlechte bringen Gluͤck. 373
  • Klayder neuer Modi wegẽ fuͤhrt der Teuffel ein Frau hinweg. 373
  • Auf den Kleiderẽ erſcheinẽ Creutz ib.
  • Ketzerthum bringt einem Cavallier Gluͤck. 378
  • Der Teuffel gibt Ohrfeigen aus / weil man nit niederkniet. 387
  • Ketzer wegen auslachen ſtirbt des gaͤ - hen Todts. 419
  • Laͤmblein bettet das Hochwuͤrdi - ge Gut an. 85
  • Leo der Kayſer curieret einen Blin - den. 128
  • Groſſer Lohn eines Cardinals zu Rom. 138
  • Lauretaniſche Andacht hilfft zweyen Capuccinern aus groſſer Noth. 163
  • Loͤw will ſich mit einer ſchoͤnen Bau - ren-Tochter verheyrathen. 251
  • Leontius ein Biſchoff ſagt weiß. 272
  • Lieb ſchnoͤde muß man viel ausſtehen auf dem Meer. 341
  • Ludwigis nennet ihren Geld-Beu - tel JEſus-Beutel. 356
  • Lieb ſchnoͤde bringt manchen groſſe Forcht und Schaden. 484
  • Ludovico Severo Churfuͤrſten aus Bayrn erſcheint der Geiſt ſei - ner Ehegemahl. 528
  • MOrdthatt ein greuliche wird duꝛch dz Schwaͤtzen entdeckt 13
  • Maria ſtraffet einen Juden in ihrer Begraͤbnus. 25
  • Marianiſche Andacht S. Hedvvi - gis. 41
E e e e 2Mariaͤ[588]Index Hiſtoriarum.
  • Mariaͤ Bild an dem Neckar laſſet ſich renoviren. 54
  • Mariaͤ Bild wird beraubt aber nicht ungeſtraffet. 60
  • Mariaͤ Bildnuß auf einem Hennen - Ayr. 84
  • Melchen laͤſt ſich ein Ochs. 85
  • Mariaͤ Bild thut Wunder durch das Faſten. 118
  • Mahlzeit wird von Gott belohnet. 131
  • Montagnona Hauß-Urſprung komt von einem Kneylfaden her. 139
  • S. Mechtildis oder Mathildis ſehr hei - lig. 171
  • Mannsbild in Niderland Namens E - ligius Uladbeel wird wunderlich ſchwanger und gebaͤhret ein Knaͤb - lein. 257
  • Macarius laſſet ſich von Wepſen er - ſchroͤcklich ſtechen / nur dem Fegfeur zu entgehn. 316
  • Durch die H. Meß wird eines Leyen - Bruders Vetter von denen Pepnen des Fegfeurs erloͤſt. 346
  • Meß heilige bringt einer Frau groſſes Gluͤck. 348
  • Michael Balbus ein Kayſer vertilget erſchroͤcklich den Namen Gottes. 352
  • Madam ein vornemme wird aus der Stadt geſtrichen. 368
  • Mordthat Johannis wird mit einer Farb angeſtrichen. 379
  • Moyſes macht aus bitterem Waſſer ein ſuͤſſes. 394
  • Martino S. erſcheinet der Teuffel in Koͤ - niglicher Geſtalt. 522
  • NIcolaus Tolentinus S. machet ein gebrattnes Rebhun lebendig. 83
  • Ninus muß den Kopff laſſen. 225
  • Noe wird wegen Erbauung der Archen ausgelacht. 410
  • ONuphinus S. erzehlet ein Fabel. 43
  • Ochſen geben Milch. 89
  • PAncratius S. ſtraffet einen ſonder - lich. 62
  • Pauer zu Venedig wird artlich curirt. 96
  • Genua zu wird einem vornemmen das Podagra curirt. 109
  • Petrus Telonearius wird wunderlich heilig. 124
  • Pilati Haußfrau wird heilig. 132
  • Promotion wegen ſtellen ſich viel heilige naͤrriſch. 249
  • Prieſter wird von Hertzog zu Mayland erhuͤngert. 314
  • Pius V. gibt einem Baurn ein groſſe Verehrung. 328
  • Phaꝛao tꝛaumet von ſchoͤnen Rindvich / und warumb. 426
  • RAhab die verſchwigene iſt ein Welt - Wunder. 13 Joſue 2.
  • Reichthumen der Geiſtl. ſehr groß. 74
  • Rudolphus von Habſpurg wird Kaͤy - ſer und warumb. 143
  • Reynoldus machet die Froͤſch ſchwei - gend. 157
  • Regenwetter bringt den Roͤmern den Sieg. 250
  • Religios bekom̃t durch die arme Seelen Genad / wiederumb lebendig zu wer - den / und Buß zu thun. 310
  • Roſenkrantz haltet Regen auf. 387
  • Schwaͤtzen wird denen Voͤglen auff - gebotten. 4
  • Staͤrcke iſt nicht allzeit zu loben. 5
  • Samſon wird durch das Schwaͤtzen - berwunden. 5
Schwaͤ -[589]Index Hiſtoriarum.
  • Schwaͤtzen bringt den David in hoͤchſte Gefahr. 9
  • Schwaͤtzen entdeckt in Oeſterreich ein laͤcherliches Geheimbnuß. 11
  • Sigismundus der Kayſer wurd durch das Schwaͤtzen beym Leben erhalten. 12
  • Sebaſtiani Grab thut Wunder. 29
  • Stanislaus buͤſſet ein wegen der Waꝛ - heit. 33
  • Spieler wird in ſeinem Grab von Gott geſtrafft. 50 & ſeq.
  • Spielmann wird nach dem Todt ge - ſtrafft. 52
  • Simon Magus ein Zauberer. 56
  • Schwein ſpeyet Gold. 86
  • Salbing werden wunderlich gefangen. 87
  • Sauffer in Brabant gaißlen Chriſtum auf ein neues. 98
  • Sauffern zweyen reibt der Teufel den Kragen umb. 119
  • Sauffer in Oeſterreich ſtirbt elendig. ibid.
  • Simon Cyrenæus wird mit ſeinen zwey Soͤhnen heilig. 129
  • Suppen welche laͤcheꝛlich und blind. 130
  • Sophia bauet einen herꝛlichen Tempel. 134
  • Sem ein Sohn des Noe wird alt und gluͤckſeelig warumb. 149
  • Simon Magus ein Ertzzauberer. 187
  • Scitiſch ein Zauberer. ibid.
  • Schamhafftigkeit in dem Beichtſtul iſt toͤdtlich. 317
  • Semiramis wird aus einer Baurn - dirn ein Koͤnigl. Ehegemahel Nini. 225
  • Simeon der alte bekombt Verheiſſung Meſſiam zu ſehen. 246
  • Sonn wollte heyrathen. 274
  • Sohn bekommt von ſeinem verſtorbe - nen Vatter einen Straich / und ſtirbt elendig. 188
  • Seel arme erſcheint ihrem Freund / und beklagt ſich ob der langſamen Huͤlff. 305
  • Seelen arme ſtehen denen Sterbenden bey. 311
  • Seel arme meldet ſich wunderlich an. 321
  • Soldat zahlt ein Wirthin an ſtatt 300
  • Reichsthaler mit 300. Teufel aus. 332
  • Seelen arme muͤſſen alles bezahlen. ib.
  • Stephan der heilige bittet fuͤr ſeine Feind. 395
  • Soldat wird ohne Beicht verdambt. 409
  • Samſon gibt ein Raͤthſel auf. 449
  • Studenten eines und Muͤllnerin laͤcheꝛ - liche Geſchicht. 483
  • Spieler wird wegen Zorn gehenckt. 501
  • Thomas der heilige thut nach ſeinem Todt Wunder. 39
  • Thereſia S. de la Cerda wird von Gott hoͤchſtens belohnt. 144
  • Teuffel dienet einem Edelmann lange Jahr. 167
  • Teufel in Pilgrams Geſtalt wird von einem Burger beherbergt / und be - zahlt ſeinen Gaſtgeb ſehr uͤbel. 178
  • Thomas Aquinas uͤberwindet die Ge - legenheit zur Suͤnd. 220
  • Wunder-Tafel wird von dem Himmel gebracht dem erſten Biſchoff zu Metz. 243
  • Todtenhauß erhaltet lang die jene / ſo in dieſes fliehen. 307
E e e e 3Tan -[590]Index Hiſtoriarum.
  • Tannerus P. wird nach dem Tod fuͤr einen Zauberer unſchuldig erkennt. 312
  • Todte kom̃en den Lebendigen zu Huͤlff. 350
  • Tractat vom Fegfeuer erlediget ein Eh - frau und deſſen Sohn von ſchwaͤrer Kranckheit. 351
  • UNnutziger Prieſter wird nach dem Todt verbrennt. 55
  • Vollſauffen bringt den gaͤhen Todt. 119
  • Umbbringer ſoll man hencken. 170
  • Udalricus S. muß in das Fegfeuer we - gen Promotion ſeines Vetters A - dalberonis. 261
  • Vorwitz der Weiber wird von GOtt ſchwaͤrlich geſtrafft. 354
  • Umſchauen in der Kirchen ſtraffet Gott. 383
  • Verdamten groͤſte Peyn iſt die Berau - bung des Angeſicht GOttes. 537
  • Unterthan ſihet das Orth in der Hoͤll ſeiner Obrigkeit. 540. & ſeq.
  • WEin verderbt den Noe. 16
  • Weib wird von dem Teufel nach dem Tod weggeriſſen. 54
  • Weibsbild wird in dem Grab von ei - nem Teuffel gepeiniget. 57
  • Wildaͤndten werden bey der H. Bri - gitta haimiſch. 84
  • Weib glatzkopffetes bekommt wunder - licher Weiß ihre Haar. 149
  • Wahlfarther heilige und Gottſeelige viel. 161
  • Weiber begraben zu Mayntz einen Mann. 180
  • Wuͤrden ſcheichen die Heilige. 249
  • Wahl bey eines Abbten auf dem Berg Sinai geſchehen Wunder. 262
  • Wein ſaurer wird ſuͤß gemacht. 365
  • Weiber Gegenwart hat ſelten ein gu - tes End. 415
  • Weiber werden Gaͤnß genennt. 415
  • Weiber machen manche zu Narren. 490
  • Weib wird wegen Zorn von ihrem Mann elendiglich verlaſſen. 500
  • ZEhent ſoll man fleiſſig geben. 81
  • Zauberer thut ſeltzame Sachen. 187
  • Zyto ein Zauberer zu Prag. 187
  • Zorn macht aus einem vornemmen Herꝛn einen Haußknecht. 498
  • Zorn gaͤcher bringt ein Weibs Bild in ein Ungluͤck. 500
  • Zorn bringt einen Spieler an den Gal - gen. 501
  • Zungen der Gottslaͤſterer werden er - ſchroͤcklich geſtrafft. 554
  • Zimmermann wird wegen Diebſtahl gehenckt. 564
[591]

Zuſatz an den Guͤnſtigen Leſer wegen eines Schnar - chers zu Leipzig.

ES iſt mir unlaͤngſt ein Buech in die Hand kommen / ſo Anno 1689. zu Leip - zig gedruckt worden / deſſen Author und Auctor genennt wird Hierony - mus Picelius, welcher die Reichs-Geographiam des bekannten Scribenten Martini Zeillern continuirt; Unter andern ſchreibt er mit ſeiner weder witz - noch ſpitzfindiger Feder am 310. Blat / daß einer unter den Papiſten / Nah - mens P. Abraham ein Fabelhafftes Buch habe zu Muͤnchen in Druck heraus geben / von dem Gnaden-Orth und beruͤhmter Wallfarth Maria Stern im Taxa genannt ꝛc. Mich wundert erſtlich ſo ſehr nicht / daß beſagter Schnarcher meine wenige Schrifften durch die Haͤchel ziehet / indem er eben - falls im erſtbenannten Buch am 288. Blat / ſo gar dem Hoch-Bayriſchen Chur-Hauß ſelbſt nicht verſchont / und nach vielen grundloſen Affterzeilen ſel - biges mit einem ſchimpflichen NB. beſprengt. Was anbelangt mein Buͤchl von der Wallfarth Maria Stern / iſt ſolches ſo wohl zu Muͤnchen als Freyſing von der Wiſſen und Gewiſſenhafften hohen Geiſtlichkeit auf das genauiſte durchſe - hen und approbieret worden / und folgſamb keinen Geſchmack von Fabeln / we - der an ſich noch in ſich haltet. Aber daß dem guten Picelio die Strahlen dieſes Marianiſchen Sterns fuͤrkommen / wie das Liecht der Nacht-Eulen / kan ich nit darfuͤr. Mich haben bißhero ſeine Glaubens-Genoſſen noch allezeit unbe - ſchwaͤrtzt gelaſſen / da ich hingegen auch dero Federn nie getadelt / weil ohne das eine Menge der Controverſiſten vnſerſeits die Schluͤſſel Petri nicht verroſten laſ - ſen. Jch will zwar alle meine Buͤcher nicht beſſer achten / als die Arch Noe / in de - ro nicht lauter Nachtigall und Paradeiß-Voͤgel / ſondern auch Raaben und Gimpeln geweſt. So bin ich auch weit nicht ſo gut / als der groſſe Patriarch Abraham / deme GOtt gleichwohl die Poſteritaͤt verſprochen / nicht allein wie die hellleuchtende Stern am Himmel / ſondern auch wie den gemeinen Sand des Meers. Was iſt dann Wunder / daß ebenfalls nicht lauter hocherleuchte Concept / ſondern auch gemeine Gedancke in meinen wenigen / bißhero gedruck - ten Schrifften anzutreffen ſeyn. Aber was anbelangt die Ehr GOttes / und ſeiner uͤbergebenedeyten Mueter auch folgſamb aller Heiligen / weiß ich mich im wenigiſten nicht ſchuldig / daß meine Feder waͤre weder Eſopiſch noch Eſauiſch worden; Aber was braucht es viel / meine Henn zu Maria Stern im Taxa wird deſſenthalben mit ihrem Gagg Gagg Ga nicht ſtillſchweigen / wann ſchon ein anderer uͤbel-lautender Gu Gu Gu darein ſchreyt.

[592]
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About this transcription

TextJudas Der Ertz-Schelm/ Für Ehrliche Leuth/ Oder: Eigentlicher Entwurff/ vnd Lebens-Beschreibung deß Iscariotischen Bößwicht
Author Abraham a Sancta Clara
Extent604 images; 180819 tokens; 24420 types; 1226410 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationJudas Der Ertz-Schelm/ Für Ehrliche Leuth/ Oder: Eigentlicher Entwurff/ vnd Lebens-Beschreibung deß Iscariotischen Bößwicht Worinnen underschiedliche Discurs, sittliche Lehrs-Puncten/ Gedicht/ und Geschicht/ auch sehr reicher Vorrath Biblischer Concepten Der Vierdte Thail Abraham a Sancta Clara. . [6] Bl., 433 S., [11] Bl. : Fronisp. (Kupferst.), Tbl r&s. HaanSalzburg1695.

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HAB Wolfenbüttel HAB Wolfenbüttel, M: Lo 17:2 (2)

Physical description

Fraktur

LanguageGerman
ClassificationGebrauchsliteratur; Erbauungsliteratur; Gebrauchsliteratur; Andachtsbuch; core; ready; china

Editorial statement

Editorial principles

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.

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  • dta@bbaw.de
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  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
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ImprintBerlin 2019-12-09T17:34:23Z
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Holding LibraryHAB Wolfenbüttel
ShelfmarkHAB Wolfenbüttel, M: Lo 17:2 (2)
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