PRIMS Full-text transcription (HTML)
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JUDAS
Der Ertz-Schelm / Fuͤr Ehrliche Leuth / Oder: Eigentlicher Entwurff / vnd Lebens - Beſchreibung deß Iſcariotiſchen Boͤßwicht. Worinnen vnterſchiedliche Diſcurs / ſittliche Lehrs-Puncten / Gedicht / vnd Geſchicht / auch ſehr reicher Vorrath Bibliſcher Concepten. Welche nicht allein einem Prediger auf der Canzel ſehr dien - lich fallen / der jetzigen verkehrten / bethoͤrꝛten / verſehrten Welt die War - heit vnter die Naſen zu reiben: ſondern es kan ſich auch deſſen ein Privat - vnd ein - ſamer Leſer zur erſprießlichen Zeit-Vertreibung / vnd gewuͤnſchten Seelen-Hail gebrauchen.
Der Vierdte Thail.
Cum Gratia, & Privil. S. G. M. ſpeciali, & Permiſſu Superiorum.
Saltzburg /gedruckt vnd verlegtbey Melchior Haan / Einer Loͤblichen Landſchafft / vnd Stadt-Buchdruckern vnd Handlern.ANNO M. DC. XCV.

Dem Hochwuͤrdig: in GOtt Wohl-Edel - gebohrnen vnd Hochgelehrten Herꝛn / Herꝛn RAYMUNDO, Deß Loͤbl: Stuͤffts vnnd Kloſters Altenburg Abbten / Der Roͤm: Kayſerl: Majeſt: Rath / vnnd Einer Loͤbl: N. O. Landtſchafft Wolerkiſten Herꝛn Außſchuß / ꝛc. Weinem Vnaͤdigen Herrn.

WEil ich Ordinis Eremitarum bin / ſo kan ich nicht anderſt / als nachzufolgen den gruͤnen vnnd Schatten-reichen Waͤldern / ob ſchon in denſelben auch das vnartige Schlegel-Holtz wachſet / ſo haben ſie doch vnter andern gleich dieſe hoͤltzene Hoͤfflichkeit / daß ſie gar nicht wollen noch koͤnnen vndanckbar ſeyn / ſondern wann man einem Wald oder dicken Gehoͤltz etwas ſpendiert / ſo giebt er ſolches vnverzuͤglich wieder / ja zuweilen gar doppelt: ſchreye ich in den Wald hinein Willkomm! ſo be -) (2dancktDEDICATIO. danckt er ſich alſobald durch ſeine gewoͤhnliche Wald - Stimm den Echo, vnd ſchreyt zuruck / Willkomm / vnd damit man ſehe / daß nicht lauter vngeſtudierte Trun - ci in dem Wald ſeyn / wann jemand demſelben durch helle Stimm ein DEO Gratias ſpendirt / ſo wird er ſolches mit aller Vollkommenheit wiederhollen DEO Gratias, ja man wird nicht einmahl an der Stimm ein Catharꝛ vermercken / da er doch Tag und Nacht im Wind und Re - gen ſtehet.

Dißfalls folge ich nach den gruͤnen Waͤldern gern vnd billich. Jch habe mehrmahlen bey mir erwegt / die groͤſte und haͤuffige Gnaden / welche ich vnwuͤrdigiſt von dem Heiligen vnnd Welt-beruͤhmbteſten Benedictiner - Orden empfangen / forderiſt aber von der Hochanſehn - lichen Schull zu Saltzburg / allwo ich vor etlich vnnd dreyſſig Jahren mein weniges Studium erhollt / vnd iſt es meinen eigenen Unfleiß zuzumeſſen / daß ich bey den ſpitzigen Doͤrnern Benedicti nicht bin ſpitzfindiger wor - den / das Saltz zwar verhindert die Faulle ob aber Saltz - burg dazumahl der unbedachtſamen Jugend die Faul - keit gewendt habe / zweiffle ich ſtarck: Seye ihm wie ihm wolle / das wenige vnd wintzige / was ich kan / thue ich nach dem Allerhoͤchſten niemand zuſchreiben als der Be - nedictineriſchen Lehr und Lehrer. Dahero die groͤſte Schuldigkeit mich dahin veranlaſt / daß ich / den grunen Waͤldern gleich / ſoll geben / was ich empfangen / weil ich aber in Sorgen ſtehe / daß dieſes ſchlechte Buch moͤch - te bey der Hochanſehnlichen Schull gar zu nieder ſeyn vnnd mir folgſamb hierdurch zu Saltzburg mehrer dieSup -DEDICATIO. Suppen verſaltzen / darum hab ich an ſtatt Deroſelben Euer Hochwuͤrden vnnd Gnaden / als ein ſo be - ruͤhmbtes Mitglied vnd Wuͤrdigſten Abbten deß Welt - beruͤhmten Benedictiner-Ordens erkieſet / deme ich die - ſe wenige Blaͤtter demuͤthigſt dedicire, hierdurch in et - was zu bezahlen / was ich ſonſt dem gantzen Heiligen Or - den ſchuldig bin; ich verſichere mich gantz gutmeynend / daß Euer Hochwuͤrden vnd Gnaden deſſen ange - bohrne Demuth dem gantzen Oeſterreich / vnd nachmals auch mir ſattſamb bekandt / dieſes geringe Werckel nicht werden verwerffen. Jſt doch Benedictus der Heilige Patriarch gern mit Raben vmgangen / von Dero Bruet noch heutiges Tags auff dem Berg Caſſino zwey Raben niſten / vnd taͤglich von den Haͤnden der Benedictinern daſelbſt die Nahrung abholen / Laur. in adnot lib. 1. c. 1. Chron, Caſſinens. Wann nun dieſe insgemein ge - nannte Galgen-Voͤgel nicht verworffen werden / ſo laſſen ja Eu. Hochw. vnd Gnad. den gegenwaͤrtigen Ertz - Schelm auch etwas gelten.

Es iſt zwar der Titul dieſes Buchs nicht gar fein / aber man find doch zuweilen / daß in einer ſ. v. ſchmutzigen Sau-Blattern auch gute vnd gewichtige Ducaten an - zutreffen ſeyn. Ein Eſel fuͤrwahr iſt ein ſchlechter Ar - cadiſcher Klepper gleichwohl hat man demſelben ein Ehr angethan / vnd ihme in dem Einritt zu Jeruſalem die Kleyder auf den Weeg gelegt / woruͤber er paſſiret / weil er nemblich vnſern HERRN getragen. Ein ſchlechter Geſell vnd ſchlimmer Boͤßwicht iſt dieſer Judas / weil er aber mit geiſtlicher Lehr / mit Bibliſchen Concepten / mit) (3ſitt -DEDICATIO. ſittlichen Unterweiſungen angefuͤllt / ſo glaub ich wohl / Euer Hochwuͤrden vnd Gnaden werden denſelben mit guͤnſtigen Augen noch empfangen.

Jch ſchaͤme mich zwar vor Eu. Hochw. vnd Gn. wie auch dem beruͤhmten Kloſter Altenburg mit ſo gerin - gen Concepten vnd plumper Feder zu erſcheinen / indem es allbewuſt iſt / daß allda die Scientzen vnd Wiſſenſchaff - ten ihr gewoͤhnliche Einkehr nehmen / vnd mit der Geiſt - lichen vollkommenen Zeit ſich ſtattlich vergleichen: Dar - umb jenem beruͤhmten Cloſter Altenburg Benedictiner - Ordens in Flandern vnweit Oſtende, wo der Heil. Abbt Guerinus gelebt / im Namen zwar gleichet / in andern a - ber vmb den Vorzug ſtreitet; weil ich aber weiß / daß GOtt im Alten Teſtament ſo gar die Gaiß-Haar nicht verworf - fen. Exod. 35. Alſo hoffe ich ebenfalls / daß ſich dieſes ge - ringe Werckel darff blicken laſſen / worinn vielleicht gantze Boͤck anzutreffen ſeyn. Befilche mich alſo Euer Hoch - wuͤrden vnnd Gnaden als meinem wertheſten Pa - tron / vnd forderſt vnſers Wienneriſchen Hoff-Cloſters Mildhertzigiſten Gutthaͤter zu beharꝛlichen Gunſt vnd Gnaden.

Ewer Hoch Wuͤrden und GnadenWienn den 2. Febr. An. 1695.Demuͤthigiſtes Fr. Abraham à S. Clara.

PRIVILEGIUM CÆSAREUM.

WJr Leopold der Erſte / von GOttes Gnaden Erwoͤhlter Roͤm. Kayſer / zu allen Zei - ten Mehrer deß Reichs / in Germanien zu Hungarn / Boͤheimb / Dalmatien / Croa - tien vnd Sclavonien ꝛc. Koͤnig / Ertz-Hertzog zu Oeſterreich / Hertzog zu Bur - gund Steyer / Kaͤrndten / Crain / vnd Wuͤrtenderg / Graff zu Tyroll / ꝛc. Bekennen offentlich mit dieſem Brieff / vnd thun kundt Allermaͤnniglich / daß Uns vnſer lieber vnd ge - treuer Melchior Haan Buchdrucker vnd Buchbandler zu Saltzburg in Unterthaͤnigkeit zu vernemmen geben / was maſſen P. Abraham à S. Clara Ordinis Fratrum Eremitarum Diſ - calceatorum Sancti Auguſtini, den Vierdten Theil ſeines Tractats vnter dem Titul Judas der Ertz-Schelm / oder eigentlicher Entwurff vnd Lebens-Beſchreibung deß Jſcariothiſchen Boͤßwicht / ꝛc. Nunmehr auch zuſammen gebracht / vnd ſolchen ihme Haan alleinig zu dru - cken erlaubt habe. Weilen er aber nicht ohne Urſach mehrmahlen befahren muͤſte / daß andere auß unzulaͤſſiger Begierd vnd zeitlichen Gewinns ſich unterſtehen doͤrfften auch dieſen vierd - ten Theil zu ſeinem groͤſten Nachtheil vnd Schaden nachzudrucken. Als hat Uns er aller vn - terthaͤnigſt angeruffen vnd gebetten / Wir ihme uͤber dieſen vierdten Theil ebenfalls Unſer Kai - ſerl. Privilegium Impreſſorium zu ertheilen allergnaͤdigſt geruheten. Wann Wir dann gnaͤ - diglich angeſehen / jetzt angedeute gantz billiche Bitt: Auch die muͤheſambe Arbeit dieſes zu Befoͤrderung Chriſtlicher Andacht abziehlenden Wercks; Alſo haben Wir demſelben die Gnad gethan vnd Freyheit gegeben / daß er Melchior Haan / oder deſſen Erben / ſolchen Vierd - ten Theil deß obgedachten Buch in offenen Druck ausgeben / hin vnd wider außgeben / feyl ha - ben vnd verkauffen laſſen / auch ihme denſelben niemand〈…〉〈…〉 16 zehen Jahren / von dato dieſes Brieffs anzurechnen ohne ſein oder Seinigen Conſens vnd Wiſſen im H. R. Reich vnd Unſern Erb-Koͤnigreichẽ / Fuͤrſtenthumb und Landen / weder in Quarto noch in groͤſſerem oder kleinerem Format / nachdrucken und verkauffen / viel weniger mit frembden Titul bekleyden ſol - le und moͤge. Vnd gebieten darauff allen vnd jeden Unſern und des Heil. Reichs Vatertha - nen / vnd Getreuen / inſonderheit aber allen Buchdruckern / Buchfuͤhrern / Buchbindern / vnd Buchverkauffern / bey Vermeydung Zehen Marck loͤthigen Golds / die ein jedwederer / ſo offt er freventlich hierwider thaͤte / Uns balb in Unſer Kayſerl. Hoff-Cammer / vnd den andern halben Theil obermeldten Melchior Haan / oder ſeinen Erben ſo hierwieder beleydiget wur - den / vnnachlaͤßlich zu bezahlen verfallen ſeyn ſolle / hiemit ernſtlich befehlend vnd wollen / daß ihr noch einiger auß euch ſelbſt / oder jemand von eurentwegen obangeregten Theil deß Ein - gangs erwaͤhnten Buchs keinerley Form noch Art / als ihr das erdencken moͤcht / nachdrucket / noch auch nachgedruckt / diſtrahirt, ſeyl habet / vmbtraget / oder verkauffet / noch andern ver - ſtattet / in kein Weiß / alles bey Vermeydung Unſer Kayſerl. Ungnad / und Verliehrung deſſel - ben eures Drucks den obbenandter Melchior Haan oder ſeine Erben / auch deren Befehlſha - ber mit Huͤlff und Zuthun eines jeden Orts Obrigkeit / wo ſie dergleichen bey euer jeden fin - den werden / alſo gleich aus aignem Gewalt ohne Verhinderung Maͤnnigliches zu ſich nem - men / vnnd damit nach ihrem Gefallen handlen und thun moͤgen ꝛc. Mit Urkhund dieſes Brieffs / beſtegelt mit Unſerm Kayſerl. auffgedruckten Secret-Jnſiegel / Geben in Unſerer Stadt Wienn den 21. Februarii / Anno 1695. Unſerer Reich deß Roͤm. im 37. deß Hungar. im 40. vnd deß Boͤhmiſch. 39. Jahr.

LEOPOLDUS. (L. S.) Vt. Gottlieb Graff zu Windiſchgraͤtz. Ad Mandatum Sac. Cæſ. Majeſt. proprium. Frantz Wilderich von Menßhengen.

) () (CEN -

CENSURA. Reverendiſſimi Metropolitici Conſiſtorii Salis - burgenſis.

OLim Proditores Patriæ, & Læſæ Majeſtatis Rei Quadrigis diſcerpebantur: hodie per varia ſup - plicia è vita ſublati in quatuor Partes ſecantur iis - dem in viis publicis ſuſpenſis. Hinc eſt, quòd Pro - ditor Judas ab Authore citra irregularitatis notam in quatuor Partes ſectus ad terrorem aliorum non palo, ſed ty po in fixus exiſtat, ſicque versùs quatuor mundi plagas ſuſpenſus remaneat Plagiarius iſte, qui ſciens dolô malô hominem DEUM vendidit, ut ſaltem hiſce ſuppliciis correctus nequam viatores doceat.

Diſcere Juſtitiam monitos, nec prodere quem - quâm.

SEBASTIANUS MAYR, SS. Th. & SS. Can. Doct. Celſiſſimi ac Reverendiſſimi Principis &c. &c. Conſiliarius Conſiſtorialis, nec non Collegiatæ B. V. M. ad Nives Canonicus.

FACULTAS. Admodum Reverendi Patris Provincialis.

TAmetſi impius Architenebrio Judas conticeſcat in tenebris, quis triginti argenteis Lucem ven - didit, & tandem laqueô ſibi ipſi extinxit lumen, ni - hilominùs cum Cenſores ad hunc finem deputati fidem faciant, hunc Tenebrionem non fore tenebri - coſum, ſed totum lucidum ſtudiô & calamô noſtri R. P. Abrahami à St. Clara Concionatoris Cæſarei, &c. &c. Conſenſum præbeo & lubeas concedo, ut revertatur de tenebris ad lucem. Dabam Viennæ in Conventu noſtro Aulico Cæſareo. S. P. Auguſti - ni die 1. Auguſti 1694.

Fr. ANSELMUS à S. Chriſtophoro Fratrum Eremit. Diſcalc. S. Auguſtini per Germaniam Bohemiámq; Prioris Provincialis.

APPROBATIONES Theologorum.

HOc quartum Volumen à R. P. Abrahamo à S. Clara Concio - natore Cæſareo compoſitum ex Commiſſione Admodum R. Patris Anſelmi à St. Chriſtophoro Provincialis attentè per - volvi, in quo infelicem finem Judæ laudabili claudens epilogo, ſicut anatomizando membra impii Corporis pium Medicum egit, ita moralizando ſolertiſſimum ſe Doctorem profeſſus eſt. Adeoq́ue cum fidei Orthodoxæ non contradicat, illud publico committendum prælo digniſſimum Cenſeo.

F. NARCISSUS à S. Leopoldo Definitor Pro - vinciæ & Magiſter Novitiorum.

APPROBATIONES.

JUdas Ilſcariothes, qui nequam in folio, in quarta Parte ad Quartum reducitur, operâ & induſtriâ R. P. Abrahami à S. Clara Concionatoris Cæſarei, &c. Quam ex Commiſſione Ad - modum R. P. Anſelmi à St. Chriſtophoro Provincialis attentè perlegi, & quia in hoc quarto nullam fidei Orthodoxæ diſſuni - tatem, ſed potius Chriſtianæ Veritatis Doctrinam ut octo per - fectam reperi, ut in publicum prodeat judicavi.

Fr. JOANNES JACOBUS à S. Adalberto SS. Theologiæ Lector & Profeſſorii Græcenſis Magiſter.

Judas1

Judas Jſcarioth hat nichts verſchweigen koͤnnen.

WJe unſer gebenedeyter Heyland auf dem Berg Thabor ſein uͤberſchwaͤngliche Glory wolte zeigen und offenbahren / da hat er niemand anderen mit ſich genommen / als Petrum, Jo - annem und Jacobum, die anderen Apoſtel muͤſten unterdeſſen unter dem Berg verbleiben / und ſeiner war - ten / welchs dem Judas ſchier ein wenig verſchmacht / als der ihm ſtoltzmuͤtig eingebildet / er ſeye der beſte aus ihnen / und alſo ſolle ohne ſeiner nichts geſchehen / ꝛc. Es hat aber derenthalben der Goͤttliche Meiſter nur dieſe benannte drey zur ſolcher herꝛ - lichen Actian gezogen / weil er wolte / daß ſolches ſolte verſchwie - gen bleiben biß nach ſeiner Glorreichen Urſtaͤnd. Aus allen aber glaubte er / daß dieſe drey zum beſten kundten das Maul hal - ten: Gewiß iſt es / daß der Iſcarioth, dafern er waͤre gegen - waͤrtig geweſen / ſolches nicht haͤtte verſchwiegen / ſondern es al - lenthalben in den Geſellſchafften und heimlichen Zuſammen - kunfften der Hebraͤer geploderet und ausgeſchwaͤtzt: auch eben der Urſach halber hat der HERR denen Apoſtlen befohlen / ſie ſolten ihm ein Ort zu Jeruſalem zurichten / allwo er mit ih - nen koͤnne das Oſterlamm eſſen / die Behauſung aber / und den Patron, bey dem er wollen die Einkehr nehmen / hat er nicht ent -Pars IV. Adecket;2Judas Jſcarioth /decket; dann Judas / ſo dazumahlen gegenwaͤrtig ware / ſolches ohne langen Verſchub denen Hebraͤern kundtbar gemacht haͤtte /Orig. in Cat. Div. Thom. maſſen neben allen andern Untugenden und Laſtern er nichts ver - ſchweigen koͤnnen.

Dædalus ein Kuͤnſtler / Glaucus ein Kuͤnſtler / Polycle - tus ein Kuͤnſtler / Phydias ein Kuͤnſtler / Bonarota ein Kuͤnſtler / Xeuxes ein Kuͤnſtler / Parrhaſius ein Kuͤnſtler / Albertus Düre - rus ein Kuͤnſtler / Joannes Guttenberger ein Kuͤnſtler / und un - zahlbare andere mehr / ꝛc. Jſt dann das nicht ein Kunſt / ſo mit unſterblichem Lob erfunden hat Joannes Guttenberger ein Teutſcher / durch deſſen groſſen Witz die Buchdruckerey iſt auf - kommen? Jſt das nicht ein Kunſt / die Albertus Dürer dazumahl erwieſen hat zu Nuͤrnberg / als er mit freyer Hand ein Craiß ge - macht mit einer Kohlen / den man mit einem Circklnicht kundte beſſer verfertigen? Jſt das nicht ein Kunſt / wie der beruͤhmte Xeuxes gemahlen hat ein Weinbeer / daß ſo gar die Voͤgel zuflo - gen / und darein gebeckt haben? Jſt das nicht ein Kunſt / Parrha - ſius einen Vorhang gemahlen alſo natuͤrlich / daß ſo gar Xeuxes ſelbſt verlangt / man ſolle den Vorhang hinweg ziehen / auf doß er das Kunſt-Stuck ſehen moͤge? Dieſe und alle andere ſeynd ſchoͤ - ne Kuͤnſten / herꝛliche Kuͤnſten / beruͤhmte Kuͤnſten / aber Still - ſchweigen iſt ein groͤſſere Kunſt / als mahlen / als ſchnitzlen / als drucken / als ſtechen / als hauen / als gieſſen / als ſchneiden / als praͤ - cken.

Man lehret zwar den Menſchen dieſe Kunſt von der Kind - heit an / aber der tauſende faſſet ſie nicht alſo / daß er deſſenthalben kundte kunſtreich genennet werden; dann ein Kind in der Wie - gen / in dieſem wanckelmuͤthen Bethlein / ſo es auch erſt etliche Tag die Welt angeſehen / wird von der Mutter / oder Kinds - Weib / durch das Eja pupeja zum Stillſchweigen ermahnt. Die Natur ſelbſt vergunnet dem Menſchen ehender das Sehen / das Hoͤren / das Riechen / das Schmecken / das Fuͤhlen / ja ſo gar das Gehen / als das Reden / zumahlen das Reden bey denenKin -3hat nichts verſchweigen koͤnnen.Kindern faſt die letzte Wuͤrckung; wordurch mir von der Natur gleichſam zum Stillſchweigen veranlaſſet werden. Aber gleich - wol Stillſchweigen iſt ein rare Kunſt. Der Patriarch Abra - ham bekommt von GOtt dem Allmaͤchtigen ein Befehl / er ſolle ihm ſeinen einigen Sohn Jſaac auf dem Berg aufopffern: da - zumahl ware Jſaac 24. Jahr alt. Abraham ohne weitern Ver - zug reiſt bey naͤchtlicher Weil von ſeinem Ort Barſabea genannt hinweg / und eylt den geraden Weg ſamt dem Sohn und Dienern nach dem Berg Calvaria, allwo ihm GOtt durch ein feurige Saͤulen hat angedeut / daß daſelbſt das Ort ſeye / wo ſolches Opf - fer ſolle vollbracht werden.

Es hat ja der fromme Patriarch hiervon der Sara als ſeiner liebſten und werthiſten Frau Gemahlin alle Nachricht geben / und ihr ſein vorhabende Reiß / und dero Urſach umbſtaͤndig geoffen - bahret? Nein / nein / ſie wuſte nicht im geringſten etwas / er ſagte ihr gar nichts von ſolchem hohen Geſchaͤfft; dann er gedachte / daß er ein geheime Sach niemand ſoll vertrauen / noch ausſchwaͤ - tzen. Aber der Sara wohl / dann ſie iſt dein Weib mein Abra - ham / ihr ſollſt du es ja entdecken? Weib hin / Weib her: Sie iſt gar fromm / fromm hin / fromm her: Es wird ihr nit ein wenig ver - ſchmachen: Verſchmach hin / verſchmach her. Warum aber die - ſes Abraham? Sie haͤtts nit koͤnnen verſchweigen / antwortet er / ſie haͤtt das Maul nit koͤnnen halten / dann die Weiber verſtehen ſich nit auf die Opera Taciti.

O! mein heiliger Patriarch / duhaͤtteſt ja ihrs ſcharpff koͤn - nen auferlegen / daß ſie ſolches keinem einigen offenbahre / da geredt / laß bey leib nicht weiter kommen / ꝛc. ja wohl da ge - redt / die Sara haͤtt es ihrem liebſten Sohn nicht koͤnnen ver - bergen: aber da geredt / mein Kind / haͤtt ſie geſagt; Jſaac haͤt - te es vermuthlich einem aus dem Geſind ihme vertrautiſten ge - offenbahret / aber da geredt mein Kerl / damit es nit weiter komme / dieſer haͤtte in der Still einer Dienſt-Magd / etwan der Cammer - Jungfrau / ſo er vor andern gern ſihet / dieſe neue Zeitung beyge -A 2bracht /4Judas Jſcariothbracht / aber da geredt / mein Jungfrau / daß nit weiter komme / das Menſch haͤtte nit koͤnnen ſo lang ſchweigen / als die Glocken am Charfreytag / ſondern haͤtte es allenthalben ausgebreitet; da waͤre aus einem da geredt / ein allenthalben geredt / und folg - ſam unter der Nachbarſchafft und Freundſchafft das gantze Ne - gotium ruchbar worden / welche dann in allwegen ſolches Opffer zu hintertreiben / Gelegenheit und Urſach geſucht haͤtten. Alles dieſes Ubel zuvermeyden / wolte es Abrahamb keinem einigen Menſchen vertrauen / ſondern die Sach mit Stillſchweigen ver - huͤllen. Und dieſes iſt ein Kunſt.

Von dem Heil. Aldebrando, von dem Heil. Guthla - ra, von dem Heil. Aſſiſiſchen Franciſco, von dem Heil. Gan - dolpho iſt bekandt / wie daß ſie mit denen Schwalmen zugebie - ten gehabt / ihnen dieſe Voͤgerl auch den Gehorſamb geleiſtet ha - ben: aber niemand hat von dieſen Haus-Schwaͤtzern alſo gelit - ten als der Tobias im alten Teſtament / da er ſich einmahl vor lauter Mattigkeit in ſeinem eignen Haus auf die Banck gelegt / iſt ihme aus dem Schwalben-Neſt das warme Koth in die Au - gen herunter gefallen / worvon er gantz ſtock-blind worden iſt. Ein ſo groſſes Ungluͤck iſt durch die Schwalm / durch dieſe Haus - Schwaͤtzer verurſachet worden. Aber es werden noch taͤglich ſehr viel Unheil allerſeits in der Welt nicht durch die Haus - Schwaͤtzer / wohl aber durch die Aus-Schwaͤtzer zugericht und ausgeſchmidet.

Samſon ware allein ſo ſtarck / daß er mit einem duͤrren Eſels-Kuͤhnbacken tauſend Philiſtaͤer erlegt / und dieſe ſeine Staͤrcke hatte er von GOtt dem Allmaͤchtigen / und nit wie etli - che / ſo ihre Staͤrcke / jedoch nur auf ein Zeit von dem Teuffel zu leihen nehmen; dergleichen Anno 1626. ſehr viel Baurn in Ober-Oeſterreich geweſt / deren an der Zahl uͤber 60. tauſend ſehr vermeſſene Ubermuth / die groͤſte Unruhe in dieſem Land ge - macht / Kloͤſter / Staͤdt und Maͤrckt mit ungezaͤhmter Furi ein - genommen und gepluͤndert / ſich allein verlaſſende auf ihre Staͤr -cke /5hat nichts verſchweigen koͤnnen.cke / maſſen der meiſte Theil durch Sataniſche Beyhuͤlff ſich alſo gefrohren gemacht / wie man insgemein pflegt zu nennen / daß weder Piſtollen-noch Mußquetten-Kugel ſeynd eingangen / biß man endlich Geiſtliche Mittel erfunden / wordurch deß Satans Mittel zu Waſſer worden / und der Bauern ihr Haͤut aus dem Leim gangen. Samſon hatte alſo weit anderſt ſeine Staͤrcke / maſſen dieſe von GOtt / und nicht von dem boͤſen Feind / der we - gen keiner Staͤrcke pralen kan; weil man ihn mit einem Blaſer vertreibt und in die Flucht jagt / ſo unter andern Ceremonien bey Tauffung eines Kinds geſehen wird. Samſon ein Held / ein Obſieger / ein Schrecken der Philiſtaͤer / ein Kriegs-Fuͤrſt ein Feld-Herꝛ / ein Glory deß gantzen Volcks Jſrael / iſt worden / was? ein Gefangener: was mehr? ein blinder Mann / was mehr? ein elender Tropff / was mehr? ein Sclav ſeines Weibs / was noch? es waͤre das genug / aber dannoch noch mehr / was dann? ein Narꝛ. Der iſt weit kommen. Vorhero ein Uber - winder / nachmahlen ein Blinder. Pfuy! Vorher von jeder - man gelobt / nachmahlen von jederman gevopt. Pfuy! Vor ein Streiter / nachmahlen wie ein anderer Bernheiter. Pfuy! Vorher alles und alles wegen ſeiner Haar / nachmahlen muſte er ſeyn gar ein Narꝛ / dann nit anderſt tractirten ihn die Fuͤrſten der Philiſtæer. Pfuy! Pfuy! und abermahl Pfuy! Woher dann alles dieſes Ubel? daher: Er hat das Maul nicht koͤnnen halten / er hat die Geheimbnus wegen der Staͤrcke ſeiner & Cætera Dalila entdecket und offenbahret / aber da geredt: mein Engel / laß bey dir allein: mein Hertz / daß nit weiter komme: mein Schatz / aber zwiſchen uns zwey geſagt: mein Leben. O Samſon wie thorecht! weiſt du dann nit / daß ein Weib leichter trage einen Centner Bley / als drey Loth Ge - heimbnus? weiſt du dann nit / daß ein Weib ſo viel Geheimbnus halte / als ein Raiff-loſes Vaß Waſſer? weiſt du dann nit / daß ein Muͤhl-Rad leichter zu arreſtieren ſeye / als ein Weiber - Zung? ſo bald ein Wort bey einem Weib zu den Ohren hineinA 3gehet /6Judas Jſcariot /gehet / ſo klopfft es alſobald bey der Maul-Thuͤr an / und verlange den Durchpaß. Schweigen iſt ein Kunſt / die find man ſo bald bey den Weibern nit. Nemini dixeritis. So ſeynd dann ge - heime Sachen auch dem eignen Weib / auch der Allerliebſten nit zuvertrauen? Nemini, auch dem nechſten Anverwandten nit? Nemini, auch dem beſten Freund nit? Nemini, auch dem ſonſt vertrautiſten Bruder nit? Nemini, dann wie willſtu / daß es ein anderer ſoll bey ſich behalten / der du es ſelbſt bey dir nicht behalten kanſt? wie begehreſt du / daß ein anderer dir ſoll treu ſeyn / da du dir ſelbſt nit treu biſt? wie glaubeſt du / daß ein anderer es ſoll ver - ſchweigen / indem du es ſelbſt nit verſchweigen kanſt? Nemini, Petrus hat die gantze Nacht gefiſchet / hat ſo viel Stund aneinan - der gefiſcht / hat oben / hat unten / hat in der Mitt gefiſcht / hat da gefiſcht / hat dort gefiſcht / hat hinumb gefiſcht / hat herumb gefiſcht / hat lincks gefiſcht / hat rechts gefiſcht / hat vor Mitternacht ge - fiſcht / hat nach Mitternacht gefiſcht / aber nichts gefangen / weder groſſe / weder kleine / weder mittelmaͤſſige gefangen / nit ein graͤdl Fiſch. nihil.

Bey jetziger Zeit iſt der Fiſch-Fang weit gluͤckſeeliger / und gehet weit beſſer von ſtatten. Wann ein Herꝛ von dem Rath nach Haus kommt / da fangt die Frau bald an zu fiſchen / ob es ſchon kein Faſttag / Kind / ſagt ſie / wie lang ſeyd es heunt mehr geſeſſen? mit derweil wird man euch die Hoſen mit Blech fuͤt - tern / damit ſie nicht alſo zerriſſen werden / es ſeynd gewiß mehr Hebammen Charge vacierend / daß ihr ſo langſamb mit umb - gehet. Mein Hertz / fiſcht ſie weiter / wie biſtu ſo feindſeelig gegen mir; andere Maͤnner haben weit ein groͤſſers Vertrauen zu ih - ren Weibern / unſer einer weiß weniger / als ein Koͤſtenbraterin auf der Gaſſen / und bin doch ein Raths-Frau. Sie fiſcht nit lang / ſie fangt bald / was? das und das. Biſt nit wunderlich / ſagt er / es iſt heunt im Rath vorgenommen worden / was zu thun / (aber da geredt / als wie in der Beicht) weil ein H. Mann pro - phezeyet / daß heuer ein ſolcher grauſamer Winter werde ſeyn /daß7hat nichts verſchweigen koͤnnen.daß auch die Seufftzer / ſo aus dem Hertzen ſteigen / unterwegs werden gefruͤhren / da geredt / verſteheſt mich? Es ſtehet nit ein Viertelſtund an / da hat man in dem gantzen Marckt / welcher Groͤſſe und Schoͤnheit halber wenig Staͤdten weichet / nichts an - derſt geredt / als von Boͤltzen / dergeſtalten / daß in einem halben Tag zweyen Kuͤrſchnern nit ein Spannlang Wahren uͤberge - blieben; dann ſie / dieſe Rath-Frau / ſolches ihrer Gevatterin in Geheimb vertrauet / dieſe einer andern / aber alles in Vertrauen / die dritte kundte auch nicht lang ſchwanger gehen mit dieſem Ge - heimbnus / daß alſo in einer ſo kurtzen Zeit auf allen Plaͤtzen dieſe ſo kuͤhle Prophezeyung vernommen worden.

Zu wuͤnſchen waͤre es / daß ein jeder Raths-Verwandter alſo beſchaffen / und nit gleich alle Sachen / ſo im Rath vorkommen / ſeinem Weib zu Haus thaͤt auf die Naſen binden / ſondern ihr vielmehr den Vorwitz mit einem dergleichen Gedicht daͤmpffete; weil nemblich ſo mannigfaltige Schaͤden aus ſolcher Offenbah - rung entſpringen; dann ihnen faſt unmoͤglich ſcheint ein Sach / forder iſt wanns vor geheimb geſagt wird / zuverſchweigen. Man weiß kein Veſtung / die ſo ſeltzam und wunderbarlich iſt erobert worden / wie die Stadt und Koͤnigl. Reſidentz-Platz Jericho; dann dieſe hat der beruͤhmte Kriegs-Fuͤrſt Joſue nit mit Carthau - nen / ſondern mit Poſaunen eingenommen / da er 6. Tag nach einander aus Befelch GOttes hat laſſen alle Tag einmahl die Archen deß HErꝛn / oder den H. Bunds-Kaſten durch die Prie - ſter umb die Stadt tragen: darneben waren 7. andere Prieſter / deren jeder ein Poſaunen geblaſen / vor gedachter Archen daher gangen: anbey aber ware das ſcharpffe Verbott / daß dieſe 6. Tag hindurch kein Menſch ſoll ein Wort reden / aber den 7. Tag ſollen alle zuſammen ſchreyen. Bey dieſem Volck Jſrael ware ein groſſe Menge der Weiber / und dieſe ſollen 6. gantzer Tag ſtillſchweigen? 6. Tag kein Wort reden? Mein lieber Feld - Herꝛ Joſue / das ſcheint unmoͤglich / das wird kein Menſch / es ſeye wer er wolle / zuwegen bringen. 6. Tag? wann ſie 6. Stunddas8Judas Jſcariothdas Maul hielten / ſo kundte mans vor ein Miracul und Wun - derwerck ausſchreyen / 6. Tag kein Wort reden? das iſt mit ei - nem Wort bey denen Weibern nit moͤglich. Es wird vonnoͤ - then ſeyn / daß man vor ein jedes Maul ein Schloß mache / es werden die Wort gleichwohl auf der Seiten einen Ausfall ten - tiren. Sylvayra ſchreibt / daß nach Ausſag der Hebraͤer / Jo - ſue habe alle Weiber von der Armee hinweg geſchaffe / und an - bey die Ordre geben / daß ſie am 7. Tag ſich wiederumben ſollen einfinden / maſſen derſelbe Tag werde ſeyn dies vociferationis, ein Geſchrey und Jubel-Tag; dann er glaubte ſelbſt unmoͤglich zu ſeyn / daß die Weiber ſo lang ſolten ſchweigen; weil aber der 7. Tag mit allem Fleiß zum Schreyen und Jubilier-Feſt geſtellt ware / alſo hat er die Weiber darzu beruffen / der Meynung / es werde ſolchen Tag niemand helffen beſſer celebriren als die Weiber.

Wann dann dieſem Geſchlecht das Stillſchweigen ſo gar nit natuͤrlich / wie ohnbeſunnen thun dann alle dieſelbe / ſo ih - nen einige Geheimbnus vertrauen / wie ungereimbt / ſcheint es / wann die Weiber ehender einen Rathſchlag wiſſen / bevor die Sach werckſtellig gemacht wird. Dahero mehrmahlen geſchicht / daß durch dererley Offenbahrung viel Sachen den Krebs-Gang nehmen / ja von dem Gegentheil oͤfftern hintertrieben werden. Nemini dixeritis. Sie iſt aber / ſagſt du / mein beſte vertrau - tiſti Freundin / das thut alles nichts / ſag ich; dann es kans die Zeit geben / daß ſie dein Feindin wird / ſo dann wird alles an Tag kommen / was du ihr ein und allemahl haſt anvertraut. Wer hatte den Joſeph lieber als deß Putiphars ſein Frau? der war ihr einiger Augapffel / der war ihr einiger Zweck ihrer Gedancken / der war ihr einiger Auffenthalt ihres Hertzens. Jhr Schauen war auf den Joſeph / ihr Reden war von dem Joſeph / ihre Ge - dancken waren von dem Joſeph / ihr Traumen war von dem Jo - ſeph. Nachdem ſie aber auf ihr vermeſſenes Begehren ein ab - ſchlaͤgige Antwort erhalten / und ihr der Mantel / nit aber dieUnſchuld9hat nichts verſchweigen koͤnnen.Unſchuld deß Joſephs in Haͤnden blieben / da iſt das ſchoͤne Wetter in ein truͤbes veraͤndert worden / da iſt die Ruthen Moyſes in ein Schlangen verkehrt worden / da iſt ſie die abgeſagtiſte Fein - din worden / und wann ſie Mordthaten haͤtte gewuſt von dem Joſeph / ſo haͤtte ſolche Wahr muͤſſen auf den Marck. Es ge - ſchicht wol oͤffter / daß in Geheimb anvertraute Sachen / die viel Jahr und Zeit verborgen / verdeckt / vermaͤntlet / verſchwiegen ge - weſt / auf dieſe Weiß entdeckt werden / worvon nachmahls der groͤ - ſte Haß / ein unausloͤſchlicher Grollen / ein unerſaͤttliche Rachgie - rigkeit / und allerley erdenckliche Ubel entſpringen / deſſentwegen entſprungen. Dahero ein groſſe und nutzbare Kunſt iſt das Stillſchweigen.

David iſt von dem Schaffbeltz zu dem Koͤniglichen Pur - pur gelangt / das iſt viel: hat den Hirtenſtab mit dem Scepter ver - tauſcht / das iſt viel: hat die Schmerkappen in ein Kron veraͤndert / das iſt viel: wann einer kommt von den Schaafen zu dem ſchaffen / und zwar zuſchaffen uͤber ein gantzes Koͤnigreich / das iſt kein ge - ringe Sach / wann einer kommt von den Huͤtten / zu dem huͤten / und zwar huͤten Land und Leut / das iſt kein ſchlechte Sach; wann einer kommt von der Heerd zum Herꝛſchen / und zwar uͤber Staͤdt und Provintzen / das iſt kein gemeine Sach. Vorher wa - re er arm / und iſt nachmahls ein Herꝛ einer gantzen Armee / vor - her ein Hirt auf dem Feld / nachmahlen gar ein Feld-Herꝛ / vor - her ein gemeiner Menſch / nachmahlen ein Haupt der gantzen Gemein Es kommt mir ſchier vor / als wann ein Chymicus Kupffer in Gold verwandlet / als wann ein gemeines Schaaf-Fell zu Pergament wird / worauf Paͤbſtliche Bullæ und Kaͤyſerliche Patenten geſchrieben werden / es iſt ſchier nit anderſt / als wann ein ſchlechter / tumperer / und ſtinckender Nebel von der Erden aufſtei - get / und nachmahlen in ein ſchoͤn glaͤntzende Wolcken verkehrt wird / mit einem Wort: David iſt hoch kommen / aber wenig iſt abgangen / gar wenig / daß er nit alles wiederumb verlohren / Kron und Thron / Land und Stand / Leuth und Beuth / alles iſt aufPars IV. Bden10Judas Jſcarioth /dem Spitz geſtanden. Er hat ſeine eigne Reſidentz-Stadt muͤſ - ſen verlaſſen / und zu Fuß darvon lauffen| / das gantze Volck wa - re auf deß Abſalons dieſes Ehrſuͤchtigen nicht aber ehrlichen Menſchen Seithen / als der durch den Fuchs-Schweiff bey einem Haar waͤre zum Scepter kommen. Aber aus was Wurtzel ein ſolches uͤbles Kraut? aus was Brunnen ein ſolches truͤbes Waſſer? Von was Hammer iſt ein ſolches groſſes Jammer ge - ſchmidt worden / alles dieſes Elend und all dieſer gemein Aufruhr hat kein andern Urſprung gehabt / als die Offenbahrung ge - heimbder Sachen. Dann wie der David ſeinem Feld-Herꝛn Joab ein Staffeta geſchickt / worinn er ihme in aller Geheimb an - befohlen / er ſolle gewiſſer Urſachen halber den Uriam an dem Spitz der Armee ſtellen / damit er bald den Reſt bekomme / ſo hat Joab ſolchen Brieff einem ſeiner Vertrautiſten gezeigt / doch aber er ſoll die Sach bey ſich behalten / der ander hat wiederumb einem guten Freund / doch ſub Roſa, vertrauet / dieſer auf gleichen Schlag mehrmahlen einem andern / doch aber damits nit weiter komme / iſt als ein kleine Zeit angeſtanden / daß ſolches unter der gantzen Armee iſt lautmaͤhrig worden / welches dem vermeſſenenRabbi Sa lamon a pud Ly - ran. in lib. 3. Reg. 2. Abſalon ein gewuͤnſchter Handel geweſt; dann er hierdurch dem Volck gezeigt / was ſie vor einen ſaubern Koͤnig haben / und die Sach ſo weit gebracht / daß faſt jederman ihme anhaͤngig worden und den David verlaſſen.

Nemini dixeritis. Jn einer vornehmen Stadt in Oe - ſterreich iſt eines wolhabenden Handelmanns Frau mit Tod ab - gangen / das Dienſt-Menſch / ſo eine geraume Zeit im Haus / wuſte das ſchoͤne Vermoͤgen ihres Herꝛn / und kundte beynebens leicht erachten / daß er zur andern Ehe ſchreiten werde / zumahlen er in beſten Jahren / und der Haus-Wirthſchafft allein vorzu - ſtehen nicht maͤchtig waͤre; ließ ihr als einfallen / daß es nicht uͤbel ſtuͤnde / wann ſie auf dieſem Marck kundte die beſte Wahr er - dappen. Weil ihr aber die eigene Armuth alle Hoffnung abge - ſchnitten / als gedacht ſie die Sach mit einem Fund und Argliſtdurch -11hat nichts verſchweigen koͤnnen.durchzutreiben / iſt demnach da / und vertritt bey naͤchtlicher Weil die Stell eines Geiſts / macht zuweilen ein Getoͤß / laſſet klaͤgliche und tieffe Seufftzer hoͤren / welches dem guten viel frommen Wit - tiber mehrmahlen den Schlaff benommen / und nicht in geringer Forcht und Beſtuͤrtzung geſtellt / ſo gar / daß er auch die Sach weiter gebracht / und hierinnfalls ein Rath geſucht bey denen Geiſtlichen / welche dann ihne mit allerley geweichten und heili - gen Sachen verſehen / auch anbey fuͤr gut und rathſam geſchloſ - ſen / er ſolle nach verrichter vollkommener Beicht und Commu - nion ohne Scheu und Entruͤſtung den Geiſt fragen / wer er ſeye? was er verlange? welchen allen der gute Mann fleiſſig nachkom - men / und ſo bald hierauf bey der Nacht der Geiſt ſich wiederumb angemeldt / fragt er / ob zwar nit ohne Zittern / wie leichtlich zuer - kennen / wer er ſeye? Ach! ware die Stimm und Antwort deß Geiſts / ach! ich bin dein ohnlaͤngſt verſtorbene Ehegemahlin. Ob ihr zu helffen? und wie? fragt er weiter: Ach freylich! ich leide in jener Welt unermeßliche Pein und Quaal meiner begangenen Suͤnden halber / und kundte leicht durch die grundloſe Guͤtigkeit GOttes aus dieſem ſo peinlichen Kercker erlediget werden / wann du in deinem kuͤnfftigen Heyrath nit wurdeſt anſehen die ſchnoͤde Reichthumben / und das zergaͤngliche Geld / ſondern vielmehr die liebe Tugend / welche forderiſt in deinem Dienſt-Menſch gefun - den wird / dann ihr wohlmeinendes Hertz und gutes Gewiſſen bey GOtt dem Allmaͤchtigen in groſſem Werth und Wolgefal - len. Ach! Ach! Hiemit verſchwind der Geiſt. Dem from - men Mann ware nichts mehrers angelegen / als die Erloͤſung ſeiner verſtorbnen Frauen / zumahlen ſie in groſſer Liebe / und un - zertrennter Einigkeit miteinander gehauſt; hat ſich als deß andern dritten und vierdten Tag dahin reſolviret / daß er ſein eignes Menſch freyen wolte / lieſſe ſich auch durch keinen andern Wider - Rath uͤberreden. Die Gewißheit ware nun beederſeiths / und hatte nun alles nach Wunſch auf Seithen deß Menſches ausge - ſchlagen / wann ſie nur ihr Maul / ſo ein uͤbler Gaul / haͤtte imB 2Zaum12Judas Jſcarioth /Zaum gehalten. Dieſe geheime Sach druckte und aͤngſtigte ihr Bruſt mehrer / als ein ſtarcker Steck-Catharꝛ / es ware ein Me - diein / die nur uͤber ſich treiben wolte / das Hertz kundte dieſes ſo gu - te Beſcheid-Eſſen allein nit verzehren / ſondern lude zu Gaſt auch die Zungen ein. Es ſteht nicht lang an / ſie vertraut ſolchen ihren geheimben Argliſt ihrer beſten Freundin. Dieſe / obſchon die Schweſter Fidelitas ſelbſt ſcheinte / kundte es gleichwol nicht ver - ſchweigen / etwan aus Neyd / daß ihr Mitgeſpanin zu ſo groſſen Gluͤck ſolle erhoben werden / bringt die Sach bey mehrern an / daß alſo die gantze Comædi an Tag kommen / und ſie nit allein ihr ſo gewuͤnſchten Heyrath verlohren / ſondern auch den Dienſt verlohren / den guten Namen verlohren / alles verlohren; das ei - nige ach! ach! wormit ſie ihren guten Herꝛn wolt uͤberfortlen / iſt ihr vor ihr Heyrath-Gut zuruck gegeben worden. So iſt dann Schweigen ein Kunſt / die wir ſo gar nicht koͤnnen erlernen / abſon - derlich die Weiber.

Es iſt ein gemeine Ausſag der Lehrer / daß unſer lieber HErꝛ hat wollen / daß ſein glorreiche Auferſtehung ſolle allenthalben ausgebreit werden / und zwar bald und ohne lange Verweilung; dahero er zur Offenbahrung dieſer groſſen Geheimbnus keine Maͤnner ſonder Weiber erwaͤhlet / benanntlich die H. Frauen / ſo das Grab beſucht; dann er glaubte ſelbſt / daß ſolche Zeitung nit kundte ehender unter die Leuth kommen / als durch die Wei - ber. Kayſer Sigismundus, umb weilen ſeine Frau Gemahlin eine gewiſſe guldene Muͤntz hat bereiten laſſen / mit einer ihme mißfaͤlliger Uberſchrifft / hat derenthalben ihr einen kleinen Ver - weiß geben / welches nit einen geringen Verſchmach verurſachet / dahero andere Meineydige eine Hoffnung geſchoͤpfft / dieſe Kay - ſer in Maria auf die Seithen zubringen / auch deſſenthalben der - ſelben ihr Vorhaben entdeckt / zu dem ſie nit allein ihren Willen ertheilt / ſondern noch mit Rath und That an die Hand gangen / wie daß ſelbe bey Naͤchtlicher Weile zum allerbequemiſten den Kayſer / wann er bey ihr ſchlaffe / koͤnnen aufreiben. Die ver -meſſene13hat nichts verſchweigen koͤnnen.meſſene Rebellen waren derenthalben guten| Muths / glaubten auch ihr boͤſes Vorhaben werde zu einem erwuͤnſchten Zweck ge - langen. Unterdeſſen war aber ihr Geheimbnus der Kayſerin entdeckt / ſo gleich Generis Fœmini, und hat den gantzen Ver - lauff dem Kayſer (wie dann dißfalls gar recht geſchehen) umſtaͤn - dig geoffenbahret. Als nun bey der Nacht die Gewiſſenloſe Ge - ſellen ihr moͤrderiſch Stuͤck wolten vollziehen / da war der Kay - ſer nit mehr im Beth / und ſeynd ſie bey anbrechendem Tag gleich zu gebuͤhrender Straff gezogen worden.

Obſchon erſt erwehnte Kayſerin ſehr Lobwuͤrdig und Ge - wiſſenhafft gehandlet in Offenbahrung dieſer geheimbden Nach - ſtellung / ſo erhellet doch klar / daß der jenige / ſo ein Sach will in der Geheimb halten / er es keinem ſoll vertrauen; dann ſo bald ein Ding ihrer Zweyen bekandt / ſo ſtehet es ſchon in Gefahr. Wie der beruͤhmte Kriegs-Fuͤrſt die Ausſpeher nacher Jericho geſchickt / da haben ſie ihr Einkehr genommen bey der Rahab / ſo da ein Weib de communi non Virginum, ſo unehrlichen Wandel als ſie gefuͤhrt / hatte ſie dannoch ein Mitleiden mit die - ſen Maͤnnern / und wann ſie nit geweſt waͤre / und mit ihrem Weiber-Liſt die gute Leuth verborgen / ſo waͤre es mit ihrem Leben aus geweſt: wie ſie nun durch dero Huͤlff aus der Gefahr geſtellt worden / und ſie zuvor ſchon mit ihr den Pact eingangen / daß ſie in Eroberung der Stadt / dieſem ihrem Haus / und allem / was darinn / wollen verſchonen / ſo haben ſie es mehrmahlen widerholt: Jm Fall du uns aber wirſt verrathen wollen / und dieſe Red unter die Leuth bringen Joſue 2. So wollen wir un - ſern geſchwornen Eyd und Parola auch nit halten. Es haben dieſe gute Leuth ſattſam erfahren die Treuhertzigkeit der Rahab / die Lieb dieſes Weibs / dero groſſe Huͤlff / und ſondern Beyſtand in der groͤſten Gefahr / warumb fragen ſie dann wiederumb / ob ſie die Sach wolle in Geheimb halten? Abulenſis antwortet / daß / ohnangeſehen ſie ſo viel Guts von ihr empfangen / ſo ſtunden ſie gleichwol noch an / ob ſie es werde verſchweigen koͤnnen. AlsB 3waͤre14Judas Jſcariothwaͤre es ſchier unmoͤglich einem Weib das Maul zu halten. Seye ihm / wie ihm wolle / beſſer iſt es doch / wann man ihnnen ge - heime Sachen / an denen viel gelegen / nit anvertrauet. Joann. Herold in ſeinem Sermonario, deßgleichen auch Valerius Ve - net: in ſeinem Prato Fiorito fol. 321. erzehlt / daß in einem gewiſſen Jungfrau-Cloſter einmahl die Rede waͤre von der Beicht / was Geſtalten dieſelbe ein ſehr heilig - und heilſames Werck ſeye / aber beynebens ein Sach / die nicht gar leicht / und ab - ſonderlich bey denen Geiſtlichen und GOtt gewidmeten Jung - frauen / wann ſie alle dero Verbrechen und menſchliche Schwach - heiten einem Beicht-Vatter muͤſſen entdecken / worbey die ange - bohrne und gleich-genaturte Schamhafftigkeit nicht wenig leide. Es waͤre ja beſſer und rathſamer / daß ſie uutereinander kundten beichten und Beicht hoͤren / damit folgſam dero Maͤngel denen Maͤnnern nit wurden offenbahr / ja ſie glaubten / wann man die Sach ernſtlich bey dem Paͤbſtlichen Stuhl ſolle vorbringen / daß unfehlbar unſer heiligſter Vatter dero gerechte Bitt werde erhoͤ - ren. Die Sach wurde ſo lang unter ihnen getriffert / biß ſie endlich einhellig geſchloſſtn / daß zwey aus ihrem Capitel ſollen durch geſammte Stimm erwaͤhlet werden / ſo da gedachtes Nego - tium zu Rom inſtaͤndig ſollen treiben / wie dann bald dergleichen zwey / bey denen mehrer Verſtand und Wolredenheit gefunden worden / zu dieſer Verrichtung erkieſen / welche dann ohne Ver - weilung ihr Reiß nacher Rom genommen / daſelbſt die Sach bey dem H. Stul angebracht / auch ſo gar Jhro Paͤbſtliche Heiligkeit das Negotium muͤndlich vorgetragen / woraus der Pabſt leicht erachtet / daß ſolches eine Verſuchung deß Satans ſeye / und dieſem Geſchlecht angewachsner Vorwitz / gibt ihnen doch ein gnaͤdigſte Antwort und anbey ein verſperꝛte oder verſchloſſene Schachtel / mit dem Verbot / ſie ſollen dieſe bey Leib nit eroͤffnen / ſonder fruͤhe Morgens ihme wiederumb verſperter uͤberantworten / alsdann ſeye er willig und urpietig dero Begehren zu befuͤrdern. Die 2. fromme Schweſtern nehmen nit ohne| ſondern Troſt ihren Weganch15hat nichts verſchweigen koͤnnen.nach Haus / wo ſie ein Zeithero logiret / aber es ware deß beyder - ſeits fragen und fragen / forſchen und fiſchen / was doch moͤg in der Schachtel ſeyn? die eine ſagt / machen wir ſie auf / und laſſen uns ſehen / was doch darinn kein gemeine Sach kans nit ſeyn / ach nein / widerſetzt die andere / laͤppiſche Schweſter / die Sach laſſe ſich nit thun / weil es uns der Pabſt ſelbſt verbotten. Der Vor - witz tribe ſie beede alſo lang / alſo ſtarck / daß ſie endlich die Schach - tel eroͤffnet / und ein kleines Voͤgerl / ſo darinn verſchloſſen war / Augenblicklich ausgeflogen; woruͤber ſie nit ein wenig beſtuͤrtzt worden / muſten demnach Noth halber den andern Tag bey Jhro Heiligkeit ihre Schuld bekennen / welcher dann ihnen ihre Schwachheit / und Weiblichen Vorwitz genugſam unter die Au - gen geſtellt / anbey ihr unbedachtſames Begehren verlacht / wis daß ſie nit faͤhig ſeyen Beicht zu horen / maſſen ſie nichts kundten verſchweigen / und wann eine der andern ſolte beichten / nachmah - len aber ein Uneinigkeit zwiſchen ihnen entſtunde / da muͤſten alle Geheimbnuſſen heraus / daß es nit allein das gantze Cloſter wu - ſte / ſondern auch durch die gantze Stadt lautmaͤhrig wurde. Mit ſolchem Beſcheid wurden die gute Schweſtern abgewieſen / den ſie auch ins Cloſter zuruck gebracht / die Eroͤffnung aber der Schach - tel ein Zeitlang verſchwiegen / endlich doch auch zu ihrer eigenen Schand ſolche entdecket. Nemini dixeritis. Es gibt aber ebenfalls auch viel Maͤnner / die nichts verſchweigen koͤnnen Con - ſilium, hat ſonſten den Namen von ſileo oder Stillſchweigen; aber leider! Es werden nit wenig Conſiliarij angetroffen / wel - che zum groͤſten Nachtheil und Schaden eines gantzen Koͤnig - reichs / Lands und Provintzien / einer gantzen Gemein offt die ge - heimbde Sachen entdecken. Wie viel Unheil waͤre etlich Jahr nacheinander vermeidet worden / was gluͤckliche Progreſſen in dem Krieg wurden dieſer Zeit bey uns geweſen ſeyn / wann nicht dergleichen meineydige Zungen und Feder dem Feind alle unſere Vorhaben und Anſchlaͤg haͤtten entdeckt! Es iſt nit allein ſchul - dig der Beicht-Vatter zuſchweigen alle ihme vertraute Suͤnden /und16Judas Jſcariot /und kan ſo gar der Roͤmiſche Pabſt / auch die Catholiſche Kir - chen dißfalls nicht diſpenſiren / ja er iſt ſchuldig ehender tauſend und tauſend bitterſte Marter und Todt auszuſtehen / als nur das allerwenigſte zu offenbahren. Dahero gar heilig gethan Joannes Nepomucenus zu Prag in Boͤheimb / welcher auf alle Weiß von dem boͤhmiſchen Koͤnig Wenceslao angeſtren - get worden / daß er doch moͤchte offenbahren / was die Koͤnigin / dero Beicht-Vatter er geweſen / ihme gebeicht; indem er aber ſol - ches in allweg geweigert / iſt er durch deß gottloſen Koͤnigs Be - felch umbgebracht / und in den Fluß Moldau geſtuͤrtzt worden / welcher aber durch Goͤttlichen Willen alſobald / wo der H. Mann hingefallen / ausgedrucknet / und jederman einen freyen Zugang vergunnet / damit der H. Leib nach Wuͤrde moͤchte begraben wer - den. Nicht allein ſag ich / iſt ein Beicht-Vaeter verpflicht in allen ihme entdeckten Dingen zu ſchweigen / ſondern auch ein jeder Rath / und verſuͤndiget ſich ein ſolcher ſchwer / wann er ein und an - dere Sach / ſo im Rath abgehandelt worden / jemand ander auſ - ſer deſſelben offenbahret / ja aller Haß / Neyd / Zorn / Grollen / Schaden und andre Ubel / ſo hieraus entſpringen / werden ei - ner ſolchen Schwaͤtz-Zungen zugemeſſen / und muß ein ſolcher dem gerechten Goͤttlichen Richter zu ſeiner Zeit die genauiſte Rechnungſchafft geben. Alle Secretarien ſeynd unter groſſer Suͤnd ſchuldig die in Geheimb geſchloſſene Ding beſtermaſſen zuverhuͤllen / und keinen hiervon etwas zuſagen / wann ſie ſehen / daß durch dergleichen Offenbahrungen einem und andern Theil einiger Schaden ſolte zuwachſen. Nemini dixeritis. Schwei - gen iſt ein Kunſt / aber dieſe verderbt gar offt der Wein. Das Wort Wein fangt von dem Buchſtaben W. an / und iſt nur gar zu wahr / daß das meiſte Wehe von dem Wein entſpringt / wann ſelber unmaͤſſig gebraucht wird. Wie der gute und ge - rechte Alt-Vatter Noe zu tieff in den Krug geſchaut / und ſich uͤberweint / da iſt er ſpoͤttlicher Weiß von ſeinem vermeſſenen Sohn entbloͤſt / und alſo was die erbare Natur ſelbſt zuverhuͤllenver -17hat nichts verſchweigen koͤnnen.verlangt ſchaͤndlich entdeckt worden. Es geſchicht wol oͤffter / daß der Wein die ſchon lang verborgne Sachen entbloͤſt. | Wann die Muſchlen und Auſtern ein Hitz vermercken / ſo ſperren ſie gleich das Maul auf: Wann der Menſch von dem uͤbrigen Wein-Trincken erhitzt wird / da ſtehet Hertz und Mund offen. Wann der Wein in dem Faß anfangt zu arbeiten und girren / da muß alles / was auch zu unterſt am Boden / zum Spundloch hin - aus; wann der Wein in dem Menſchen anfangt zu wuͤrcken / da treibt er alle Secreta und geheimbde Sachen zum Maul hinaus; wann das Muͤhl-Rad nit naß hat / ſo ſtehet es ſtill / wanns aber ſtarck drauf rinnt / ſo fangts an zu gehen / und macht ein groſſes klappern. So lang der Menſch nuͤchtern iſt / ſo ruͤhret ſich die Zung wenig / wann man aber wacker Wein drauf gieſt / ſo ſteht ſie nit ſtill / und ſchweigt nit ſtill / klappert ſo lang / biß alle Ge - heimbnus heraus gebeutlet ſeyn; dahero kein beſſere Folter / als der Wein / wordurch die Leut ohne ſondere Muͤhe zu aller Be - kantnus gebracht werden. Es kratzt wol oͤffter fruͤhe Morgens einer hinter den Ohren / umb weil er deß Tags zuvor beym Glaͤß! Wein zuviel geredt hat.

Vor dieſem in alten Teſtament muſte aus Befelch GOttes Arca die Archen deß Bunds mit ſehr viel Vorhaͤngen im Taber - nackl verdeckt ſeyn / damit ſie nit ein jeder kundte ſehen. Bey der Zelten ſolten von Rechts wegen Arcana wie Arca auch bedeckt und verhuͤllt ſeyn: aber der Wein iſt ſo vermeſſen und ohnver - ſchambt / daß er auch 100. Vorhaͤng thut hinweg reiſſen. Sam - ſon hat in der Stadt Gaza die Porten hinweg tragen / daß al - ſo die Stadt offen geſtanden / der Wein iſt nicht umb ein Haar ſchwaͤcher / dann er nur gar zu offt die Thuͤr von Hertzen und Maul hinweg nimmt / und folgſam beyde nit ohne groſſen Scha - den offen ſtehen. Schweigen iſt ein Kunſt / und dieſe ſollen forde - riſt auch lernen die Religioſen und Ordens-Perſohnen. Ein Cloſter ſoll beſchaffen ſeyn wie ein Bienen-Korb / worinn dieſe klei - ne Hoͤnig-Voͤgerl immerzu in der Arbeit begriffen ſeyn / und inPars IV. Cſolche18Judas Jſcarioth /ſolche ſchoͤne Ordnung in ihrer Regterung haben / daß auch die beſte Republic von ihnen noch kundte lernen. Jhrem Koͤnig erweiſen ſie den groͤſten Reſpect, dergeſtalt / daß ſie auch den - ſelben / wann er wegen langen fliegen muͤd wird / gar auf ihren Rucken tragen / ſie bauen ihme in mitten deß Korbs eine ſondere ſchoͤne Reſidentz / welche an Groͤſſe und Zierde die Wohnungen der andern weit uͤbertrifft; er hat ſtets umb ihne etliche / welche als eine wachtſame Leibguardy ſeine Hochheit begleiten / und von allen Ubel defendiren / ohne ſeine Erlaubnus darff keine extra Clauſuram ſich wagen / die meiſte Zeit viſitiret er die Zellen du anderen / und gibt genaue Achtung / damit keine dem Muͤſſiggang ergeben: ſind ſich jemand unter ſeinen Unterthanen / welcher die Arbeit flicht / oder wenigſt ſelbe ſehr ſaumſeelig verricht / ſo wird ſie ohne Verweilung zur Straff gezogen. Jhre Todte tragen ſie in ſchoͤnſter Ordnung aus dero Wohnung / und begleiten dieſelbe mit einem Traur - und Klag-Lied / ſo da beſteht in einem humbſen und murren. Alle Bienen haben nach Ausſag auch der Heil. Lehrer / eine ewige Jungfrauſchafft / maſſen unter ihnen weder Maͤnnl noch Weibl / wuͤſten auch von Natur umb keine Ver - miſchung / ſondern ihre Junge er zeigen ſie ohne einige Befleckung / in Summa die Goͤttliche Weißheit und Allmacht laſt ſich faſt in den groͤſten Thieren nit alſo ſehen / wie in dieſen wintzigſten klei - nen Thierlein. Abſonderlich haben ſie ein Lobwuͤrdige Manier und Gewonheit unter ihnen / daß ſie ihr Thun und Laſſen nie - mand laſſen ſehen; ja ſo gar hat einer aus Vorwitz dero Wandel zu ſehen / laſſen ein glaͤſſernen Bienkorb verfertigen / welche aber die beſcheidte Thierl inwendig mit lauter Wax uͤberzogen / und alſo hierinnfalls ihme eine waͤchſine Naſen gedraͤhet. Es wollen alſo dieſe auf keine Weiß / daß andere ſollen wiſſen / wie und was Geſtalten es bey ihnen hergehehe. Auf gleiche Weiß ſoll ein je - deß wohlgeordnetes Cloſter und Convent beſchaffen ſeyn / und auch dero Thun und Laſſen fein zwiſchen den vier Mauren ver - bleiben / und forderiſt die Maͤngel / deren zuweilen auch in Cloͤſternkein19hat nichts verſchweigen koͤnnen.kein Abgang / ſollen auf keine Weiß unter Weltliche grbracht werden / maſſen hierdurch groſſe Aergernus entſtehen / und ein Orden und Religion nit ein wenig verſchwaͤrtzt wird / wann der - gleichen Cloſter-Fehler unter die Weltliche getragen werden. Es waͤre zu wuͤnſchen / daß alle Religioſen eine Natur und Tugend haͤtten wie der Heil. Ægidius, ſo ihme oͤffters gewunſchen / daß er ein ſo langen Hals haͤtte wie ein Kranich / damit ihme nur die Wort nit ſo bald moͤchten ausbrechen. Gut waͤre es / wann die Religioſen und Ordens-Leuth mit dem Moyſe kundten ſagen / tardioris linguæ ego ſum: ſchoͤn waͤre es / wann ein jede Clo - ſter-Perſohn kundte ſagen / was einmahl geſagt hat Euripides als man ihne befragt / warumb er ſo ſtarck aus dem Maul ſchme - cke? gab er zur Antwort / weil viel Geheimbnus in ſeinem Maul verfaulet. Schweigen iſt eine Kunſt / und dieſe ſollen nach Moͤglichkeit lernen die Dienſtbotten / welche nit alles ſollen aus dem Haus tragen / was ſie ſehen oder hoͤren / ſondern vielmehr die Maͤngel deß Hauß vertuſchen. An einem Sambſtag hat unſer lieber HErꝛ einen Stock-Blinden Menſchen angetroffen / und hatte dieſer elende Tropff den Zuſtand von Mutter-Leib; wie ſolches die Apoſtel geſehen / fragen ſie gleich den Heyland / Rab - bi, ſprachen ſie / wer hat geſuͤndiget? dieſer oder ſeine Eltern? daß er blind gebohren? die gute Juͤnger haben verhofft / der HErꝛ werde alles heraus ſagen / und offenbahr machen den gantzen Wandel / den deß Blinden Eltern gefuͤhrt. Sie haben glaubt / er werde ſagen / wie daß die Eltern dieſes Menſchen ſehr Laſter - hafft gelebt / der Vatter ſeye ein lauter Partitymacher / die Mut - ter ein lautere Kupplerin / der Vatter ſeye zwar kein Fuhrman / aber er koͤnne gleichwol jederman hinter das Liecht fuͤhren: die Mutter ſeye zwar keine Tiſchlerin / aber ſie wiſſe gleichwolden Nechſten aufs aͤrgſte zuverleimbden; der Vatter ſeye zwar kein Soldat / aber mit Krieg gehe er allezeit umb: die Mutter ſeye zwar keine gute Wirthin / aber ſie wiſſe doch ſtattlich die Leuth durch die Haͤchel zu ziehen: der Vatter habe einen guten StilumC 2in10[20]Judas Jſcariot /in anderer Leuth Beutel / die Mutter habe gar gute Inventiones auf ungekehrten Baͤncken: in Summa, der Vatter ſeye nit weit her / und die Mutter habe nit weit heimb: darumb ſeynd ſie mit ei - nem Stockblinden Kind geſtrafft worden. Dergleichen Ant - wort hofften die Apoſtl auf ihr fragen / aber der HErꝛ hatte es nit im Brauch anderer Leuth Maͤngel offenbar zu machen / und ſelbe in ein boͤſes Geſchrey zu bringen / gab demnach die Antwort: Ne - que hic, &c. Weder er der Blinde / weder ſeine Eltern haben ge - ſuͤndiget / ſondern damit hierdurch die Werck GOttes offenbahr wurden Joan. c. 9. Deßgleichen hat er auch gethan / wie er mit der Samaritanin bey dem Brunnen geredt hat / und ihren Laſter - hafften Wandel unter die Augen geſtellt / da wolt er nit / daß die Apoſtl darvon etwas wiſſen ſolten: dahero dieſelbige in die Stadt geſchickt / mit dem Vorwand / daß ſie umb etliche Lebens-Mittel ſollen umbſehen; unterdeſſen hat er ihr einen Beicht-Spiegel ab - geben / die Warheit geſagt wegen deß gefuͤhrten ſchlimmen Wan - dels. Was muͤſſen andere Leuth wiſſen / gedacht er / wie dieſes Weib beſchaffen. Joan. 4. Alſo ſollen abſonderlich beſchaffen ſeyn die Dienſtbotten / welche niemahlen ſollen die Maͤngel und Unvoll - kommenheiten / ſo ſie in dem Haus ſehen / allenthalben kundtbar machen / und folgſam ihr Herꝛſchafft in ein uͤbles Geſchrey brin - gen / ſondern vielmehr aus Chriſtlicher Liebe die Schwachhtit deß Naͤchſtens / nach Moͤglichkeit verdecken; dann dergleichen Schwaͤtz-Zungen / ſo alles aus dem Haus tragen / und nichts koͤnnen verſchweigen / mehrmahlen eine Urſach ſeyn groſſer Uneinigkeiten.

Judas21

Judas der verzweiffelte Verraͤther unnd Hencker ſeiner eigner Perſon / hat eine ſchlechte Begraͤbnus.

NAchdem dieſer verruchte Iſcarioth das Zeitliche Leben durch den Strang geendet / und nachgehends ein Anfang gemacht dem ewigen Ungluͤck ſeeligen / ſo niemahl ein End; bald hier auf iſt der verdammte Coͤrper / als er vorhero ſchen das graußliche Jngeweid den Raben zu einem Confect geſpendiret / auch von dem Baum / woran er ſich erhenckt / herunter gefallen / aber von keinem / auch ſeinen vertrautiſten Freunden / die letzte Ehr / wie man pflegt zuſagen / gehabt / der ihn nur zur Erden haͤtte deſtaͤttiget / oder wenigſt in eine Gruben geworffen / welche doch zuweilen einem verreckten Vieh zu Theil wird. Papias Ecume - nius und Hiſtorica Eccleſiaſtica melden / daß von dieſem Iſcario - thiſchem Aas ein ſolcher Geſtanck ſeye gangen / daß kein Menſch daſelbſt kundte gehen / viel weniger wohnen / ja das Vernunfftloſe Vieh habe in ſelbiger Gegend ſich geweigert die Weid zunehmen. Gleichwie nun der allmaͤchtige GOtt die Graͤber ſeiner Heiligen meiſtens gar Glorreich und herꝛlich macht / alſo pflegt er hingegen auch die Graͤber der Gottloſen und verdammten Menſchen ſehr veraͤchtlich zu machen.

Ey ſo friß / ey ſo friß! Zu Zeit deß H. Macarij iſt einer ge - weſt / dem alle Tag ein Faß Wein / und ſo viel Brod / als man aus drey Metzen Meel kan bachen / nicht recht gekleckt hat. Zu Zeiten deß ſeeligen Macedonij iſt ein Weib geweſt / ſonſt aus Syria gebuͤrthig / welche alle Tag dreyſſig Hennen verzehrt. Der Heilige Guilelmus aus meinem Heiligen Orden / be - vor er durch den H. Bernardum iſt bekehrt worden / hat auf einmahl allezeit mehrer Speiß und Tranck zu ſich genommen / als ſonſten acht ſtarckeſte Kerl kundten darmit erſaͤttiget werden. Ey ſo friß! aber alle dieſe Fraß halber uͤbertrifft die Zeit / dieſeC 3ver -22Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.verzehrt Stein und Bein / verzehrt Leuth und Beuth / verzehrt Plaͤtz und Schaͤtz / verzehrt Felder und Waͤlder / verzehrt Buͤcher und Tuͤcher / verzehrt Lantzen und Schantzen / verzehrt Scheurn und Gemaͤur / verzehrt Speiſen und Eiſen / verzehrt Kron und Thron / verzehrt alles. Wie viel herꝛliche / maͤchtige / groſſe / reiche / weite / ſtarcke / ſchoͤne und Volckreiche Staͤdt ſeynd geſtanden / und ſtehen nimmermehr? wieviel ſtattliche / kuͤnſtliche / koͤſtliche / theure / treffliche / praͤchtige Pallaͤſt und Gſchloͤſſer ſeynd geſtanden / und ſtehen nimmermehr / wieviel beruͤhmte / wiepiel anſehnliche / wie viel koſtbahre / wieviel wunderſchoͤne Tempel und Kirchen ſeynd geſtanden / und ſtehen nimmermehr! ſondern an ſtatt der ſtar - cken Mauren wachſen Maurachen / an ſtatt der Pallaͤſt ſicht man etwan ein Moraſt / an ſtatt der ſchoͤnen Gaſſen ein oͤde Straſ - ſen / an ſtatt der Gebaͤu ein Einſiedlerey. Alles dieſes hat die Zeit verzehrt und aufgefreſſen: und dannoch unter ſo viel blutigen Kriegen / und ſo grauſamen Verhoͤrungen / unter ſo vielen Ver - folgungen iſt von der Zeit nicht verzehrt worden / iſt uͤberblieben nicht ohne groſſes Mirackl / das aufgemaurte Grab Chriſti deß HErꝛn. Wann ſolches Heil. Grab ſtunde unter Mitte der Chriſten / ſo waͤre das Wunder nicht ſo groß; weil es aber in dem Gewalt deß Chriſtlichen Erbfeinds / in den Haͤnden der Heyden / ſo in allweg ſuchen und verſuchen CHriſti Namen / Ehr und Lehr und Gedaͤchtnus auszutilgen / ſo iſt unter andern Wunder - wercken / welche der allmaͤchtige GOtt von Anbegin der Welt biß auf dieſe Zeit gewuͤrckt / dieſes nicht das geringſte / daß ſein H. Grab in Mitte ſeiner Feinde unverletzt bleibe.

Wo iſt ein Zung / die ausſprechen kan / wo iſt ein Feder / die beſchreiben kan / wo iſt ein Gedaͤchtnus / die mercken kan alle Wunder und Wunderwerck / ſo ſchon uͤber tauſend 600. Jahr gewuͤrckt worden bey dem H. Grab CHriſti deß Heyland? Die Erd umb das Grab CHriſti / der Lufft umb das Grab CHriſti / der Schatten umb das Grab Chriſti / der Staub umb das Grab Chriſti / die Gegend umb das Grab CHriſti haben bißheroWun -23hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Wunderwerck ſehen laſſen / was iſt dann erſt zu hoffen von dem H. Grab ſelbſten? Ohnangeſehen es in denen Haͤnden unſerer Feinden / iſt doch kein Koͤnigreich / kein Land / kein Provintz der Welt / woraus nit einige Andacht halber reiſen zu dem H. Grab deß HErꝛn. Nazaret, O wie Heilig! Bethlehem, O wie Heilig! Jeruſalem, O wie Heilig! der Oelberg / O wie Heilig! der Garten Gethfemani, O wie Heilig! Thabor, O wie Hei - lig! Calvari-Berg / O wie Heilig! aber alle dieſe H. Oerther uͤbertrifft das Grab CHRJSTJ / nach Ausſag deß Heiligen Bernardi.

Baronius ſchreibt / daß Anno 313. ein vornehme Dama mit Namen Coſmiana habe einmahl an einem Sonntag bey Naͤchtlicher Weil wollen das H. Grab beſuchen und verehren / es ſeye aber der Eingang von der Mutter GOttes / ſo ihr ſicht - barlich erſchienen / verbotten worden / umb weil dieſe edle Frau ein Ketzerin war; alſo gezieme ſich nit / daß ein ſolche Perſohn ſolle ein ſo heiliges Orth betretten.

Deßgleichen ſetzt erſtgemeldter Author hinbey / daß ein Fuͤrſt in Paleſtina habe ebenfalls in das H. Grab wollen hinein gehen / ſeye aber mehrmalen von einem groſſen Widder abgetrieben worden / als welcher mit ſeinen Hoͤrnern dem Fuͤrſten den groͤſten Gewalt angethan / biß endlich dieſer in ſich ſelbſt gangen / ſeinen Fehler erkant / den wahren Catholiſchen Glauben angenommen / und ſeine Suͤnd bereuet hat.

Mein Heil. Vatter Auguſtinus betrachtet einerſeits die Herꝛlichkeit deß Jungfraͤulichen Leibs Mariæ, anderſeits er - wegt er die Glory deß Grabs Chriſti / und weiß ſchier ſelbſt nicht / wem er aus beyden den Vorzug ſolle geben! endlich bittet er dig Mutter GOttes demuͤthigſt umb Vergebung / umb weil er diß - falls den Ausſpruch thue auf Seiten deß Grabs: gebenedeyes und herꝛlich / herꝛlich und gebenedeyet / ſpricht er / iſt der Leib Ma - riæ; weil in demſelben gelegen der wahre Heyland JESUS: ſo iſt aber eben dieſer Welt Erloͤſer gelegen in dem Grab aus die -ſem24Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.ſem aber iſt er unſterblich herfuͤr gangen / aus dem Jungfraͤuli - chen Leib aber ſterblich. Wie er kame aus dem Leib Mariaͤ / da hat er gleich andern geweint / wie er kommen aus dem Grab her - vor / da hat er gelacht / und wegen ſeiner Urſtaͤnd die gantze Welt erfreuet. Jſt demnach eins Theils das Grab Chriſti herꝛlicher als der Jungfraͤuliche Leib Mariaͤ.

〈…〉〈…〉Rupertus Tuitenſ. l. 8. de Offic. Divi. vermerckt / daß in der groſſen Stadt Leyden / daſelbſt in dem Cloſter S. Lau - rentij, am H. Sambſtag in der Char-Wochen ſich dieſes Wun - der habe zugetragen; als dazumahl die Religioſen bey dem Heil. Grab die Antiphonarn geſungen: Mulieres ſedentes ad mo - numentum, und etwan ein Religios was wenig gezweifflet an der glorreichen Urſtaͤnd Chriſti aus ſeinem Grab / da ſeye ihme / gedachten Religioſen / augenblicklich die Guͤrtl vom Leib auf die Erde geſprungen / und wie er ſich mit ſolcher wiederumb wolte um - guͤrten / da find er / daß der Knopff nit aufgangen / hoͤrte anbey die - ſe Wort:

Sic potuit clauſo Chriſtus prodire ſepulchro.

Der H. Evangeliſt Joannes beſchreibt es umbſtaͤndig / wie daß Magdalena ſammt andern Gottſeeligem Frauen-Zimmer ſeye in aller Fruͤhe zu dem Grab deß HErꝛn kommen / cûm ad - huc tenebræ eſſent, da es noch dunckel war / und dannoch ſahe ſie / daß der Stein vom Grab hinweg geweltzt ware / ja ſo gar ſa - he man die leinerne Tuͤcher ligen / ſie ſahen die zwey Engel bey dem Grab: auſſer deß Grabs ware es noch gantz dunckel / und folg - ſam im Grab / darinnen ware es ſtockfinſter: ſo hatten ſie auch weder Liechter noch Zacklen / wie kans dann ſeyn / daß ſie alles ſo neto geſehen? Der H. Gregor. Nyſſen. loͤſet dieſen Zweiffels - Knopff auf / und ſagt / daß es zwar noch gantz ſtockfinſter gewe -Orat. to. de Re - ſurrect. ſen / aber das H. Grab ſeye inwendig voller Liechter geweſen / alſo zwar / daß die Stein und Marmel wie die ſchoͤnſte Morgenroͤthe geſchienen / und haͤtte dazumahl der Diamant muͤſſen mit allem leinem Liecht zuruck ſtehen.

So25hat eine ſchlechte Begraͤbnus.

So iſt dann glorioß und herꝛlich geweſt / und iſt noch / und wird bleiben / das Grab CHriſti; dahero hoͤchſt Lobwuͤrdig die Andacht der eiffrigen Chriſten / welche mit ſondern Jnbrunſt die H. Graͤber beſuchen / und geſchicht ſolche Andacht forderiſt mit all - gemeiner Auferbaulichkeit bey dem Allerdurchleuchtigſten Haus von Oeſterreich / bey dieſem annoch gluͤcklich regierenden Roͤmi - ſchen Kayſer / welcher alle Jahr ein halben Tag zu Fuß in Be - ſehung der Graͤber zubringt: auch hat dißfalls die Haupt-Stadt Wien den Preiß / ja bey der gantzen Welt den Vorzug / maſſen alle Jahr viel 1000. fl. Unkoſten aufgehen allein in Aufrich - tung und Erbauung der wunderſchoͤnen Graͤber in unterſchledli - chen Kirchen / welche Andacht neben andern auch dem Allerhoͤch - ſten ſo wohlgefaͤllig iſt / daß er vermuthlich in Anſehen deſſen die Stadt Wien mehrmahlen aus den groͤſten Gefahren errettet hat / ja immerfort derſelbe noch mehrer aufhilfft / daß ſie alſo der herꝛlichen Gebaͤu halber keiner Stadt der Welt viel nachgibt. Glorreich iſt auch das Grab der uͤbergebenedeyten Mutter GOttes Maria / welches auf den heuntigen Tag nit allein von den Chriſten / ſondern ſo gar auch von den Tuͤrcken ſelbſt und un - glaubigen Saracenern in groͤſten Ehren gehalten wird / von der Zeit an / da dieſe Himmels-Koͤnigin in Begleitung aller Apoſtlen / ſo dazumahl durch ſondere Allmacht GOttes auf ein Stund von allen Orthen der Welt dahin verſammlet worden / auſſer deß Thoma / zum Grab getragen worden / worinn ſie ein kleine Zeit verblieben / und bald mit Leib und Seel gantz glorreich in Himmel gefahren. Von Zeit dieſer an hat man die Mirack / und Wunderwerck bey dero Grab nie vergraben koͤnnen; ja ſo gar hat ſich dieſes Wunder ereignet / da dieſe uͤbergebenedeyte Jungfrau auf den Achslen der Apoſtlen mit voͤlliger Muſic der Englen zum Grab getragen worden / daß ein vermeſſener Jud ſich unterfangen / die Toden-Bahr von den Achſeln auf die Erde zu werffen / worauf er alſobald wegen ſeiner begangenen| Frechheit geſtrafft worden / maſſen die Hand von dem Arm gewichen / undPars IV. Dan26Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.an der Baar hangen blieben / biß er endlichen ſolchen Muthwillen bereuet / Vergebung ſeiner Mißhandlung von der Mutter GOttes gebetten / und wiederum die Hand erhalten. Von die -Fr, Ama - deus in Apocal. ſer Zeit macht ber allmaͤchtig GOTT noch das Grab ſeiner heiligſten Gebaͤhrerin beruͤhmt / mit ohnzahlbaren Mirackel und Wunderwercken.

Eine aus den vornehmſten Wallfahrten der Chriſtenheit iſt zu Valentin in Spanien / insgemein de Puche genannt / all - wo ein Wunderthaͤtiges Maria Bild von Stein verehret wird /A tlas Marian. inm. 2. fol. 913. und ſchon zu Zeiten der Apoſtlen dahin gebracht worden / dieſe heilige Bildnus haben die Engel ſelbſt verfertiget aus dem Stein ſo auf dem Grab der Mutter GOttes gelegen / worvon bey Franciſco Poilo neben ohnzahlbaren vielen Miracklen ein meh - rers zuleſen.

Sepulchrum Pulchrum.

Ein Nußbaum wird von jederman mit Pruͤglen gegruͤſt / deßgleichen Petrus; ein Weintrauben muß grauſam leiden un - ter der Preß / deßgleichen Paulus; ein Traid wird erbaͤrmlich ge - troſchen / deßgleichen Petrus; ein Flachs wird offt durch die Haͤ - chel gezogen / deßgleichen Paulus; ein Faß wird allerſeits gebun - den / deßgleichen Petrus; ein Trummel wird meiſtens geſchlagen / deßgleichen Paulus; ein Pfeffer wird aller zerſtoſſen / deßgleichen Petrus; ein Erde wird mit Fuͤſſen getretten / deßgleichen Pau - lus; ein Straus muß harte Brocken ſchlicken / deßgleichen Pe - trus; ein Ball wird hin und her geſchlagen / deßgleichen Paulus; Petrus und Paulus ſeynd umb CHriſti Willen auf der Welt verhoͤnet worden / verſpottet worden / veracht worden / verlacht worden / verfolgt worden / vertriben worden / verklagt worden / ver - wund worden / ermord worden. Aber was nach dem Tod? da hat ſich das Blaͤtl umgewend / das Wetter veraͤndert / das Con - cept umbkehrt; die man vorhero mit Fuͤſſen getretten / jetzt beugt man ihnen die Knye / die man vorhero in eiſenen Ketten und Banden geſchlagen / jetzt wird ihnen Silber und Gold geopffert /die27hat eine ſchlechte Begraͤbnus.die man vorhero in finſtere Kercker geworffen / jetzt baut man ih - nen Tempel und Kirchen auf / die man vorhero aus der Stadt verwieſen / jetzt thut man ihnen ſtattliche Ehr beweiſen / die man vorhero verlacht hat / jetzt weint man bey ihrer Bildnus / |die man vorhero vor Lappen gehalten hat / jetzt brennt man ihnen zu Eh - ren Lampen / denen man vorhero das Leben genommen / jetzt ver - ehrt man dero Graͤber / uͤber die vorhero die Tyrannen verbeint geweſen / jetzt ehrt man dero Beiner. Mauſoli Grab iſt ſchab ab / Alexandri Grab iſt ſchabab / Agamemnonis Grab iſt ſchab - ab / Pompeij Grab iſt ſchabab / Auguſti Grab iſt ſchabab / Ne - ronis Grab iſt ſchabab / Trajani Grab iſt ſchabab / aber das Grab Petri, das Grab Pauli gilt zu Rom mehr als alles Gold / was man aus der Erde graben kan: das Grab Petri / das Grab Pauli iſt zu Rom heilſamer als alle Wurtzlen / die man aus der Er - den graben thut / das Grab Petri das Grab Pauli iſt zu Rom in ſolchem Werth / daß man dero Abbildung in Silber / in Gold / in Kupffer / in Ertz graben thut.

Sepulchrum Pulchrum

Solte jemand ein Chartel haben / groͤſſer dann ein Ochſen - Haut / ein Feder / wolberedter als die Zung deß Demoſthenis, ein Alphabeth, kuͤnſtlicher weder jenes / deſſen ſich der gebrau - chet / welcher den gantzen Paſſion auf einen Reichsthaler ge - ſchrieben / ſo erkleckete dannoch dieſes alles nicht / zuverfaſſen jene Grabſchrifft / welche von der gantzen Welt verdienet hat der groſſe Blutzeug und Juͤnger Chriſti Bartholomæus, welcher ihme gleichſamb mit ſeiner Hand und Handſchrifft ſeines heili - gen Lebens und Marter ein unausloͤſchliches Lob verdienet / auch in der geſammten Chriſtenheit billichſten ſolte roth geſchrieben ſeyn / da der |allmaͤchtige GOtt ſelbſt ſein Grab annoch auf der Welt herꝛlich gemacht / beforderiſt dann in Aſia, allwo beſagter H. Apoſtel Bartholomæus, die Marter Kron erhalten / da die Chriſten wegen neu entſtandener Verfolgung ihr Zuflucht ge - nommen zu ſeinem Grab / welches den unglaubigen Heyden alſoD 2ſchimpff -28Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.ſchimpfflich vorkommen / daß ſie den H. Leib ausgraben / denſelben in ein bleyenen Sarg gelegt / und in das tieffe Meer verſenckt / mit dem hoͤniſchen Vorwurff / daß er nunmehr ihr Volck nichtGreg. Turon. l. 1. de Glor. Mart. c. 34. koͤnne verfuͤhren. Aber GOtt / der auch zu Eliſæi Zeiten hat gemacht das Eiſen ſchwimmen / hat ebenfalls wollen / daß auch der bleyene Sarck wie ein Schiffel auf dem Meer daher geſchwum - men / und endlich in die Jnſel Lipparis mit Namen / angelendt / allwo die Jnnwohner ihne mit hoͤchſten Freuden empfangen / mit unbeſchreiblichen Pracht begraben / auch uͤber das Grab ein ſehr herꝛlichen Tempel gebauet / woſelbſt ſtaͤte Wunderwerck geſehen werden.

Sepulchrum Pulchrum.

Dismas ein Haupt Boͤßwicht / und langwuͤriger Moͤrder und Rauber / hat endlich auch den Himmel geraubt / nachdem er als ein Henckermaͤſſiger Geſell an den Galgen deß Creutzes kom - men / aber wie hat er die Sach angriffen? Die Fuͤß hat er nicht brauchen koͤnnen / damit er haͤtte koͤnnen Wallfahrten gehen / die Haͤnd / ſo ihme gebunden geweſt / hat er nicht koͤnnen brauchen in einem Spittal / damit den armen Leuten zu dienen / oder ſonſt mit denſelben haͤuffiges Allmoſen auszutheilen; ſeine Lenden hat er nicht koͤnnen auf eine bußfertige Art mit rauhen Cilicien umb - guͤrten. Was Vortheil hat er dann erfunden? Er hat das Creutz zu einer Cantzel gemacht / er hat ein Prediger abgeben / er hat ſeinen Mit-Camer aden angefangen eyffrig zu ermahnen / da - mit er von ſeinem Gottslaͤſtern ſolle abſtehen / und glauben an JEſum Chriſtum / der unſchuldiger Weiß zwiſchen beyden han - gete. Dieſes Werck hat dem HErꝛn und Heyland alſo wol gefal - len / daß er ihn derenthalben lebendig canoniciret. Alſo lehret der H. Chryſoſt.

Hat nun der ſuͤſſeſte JEſus dieſem offentlichen Moͤrder ſolches gute Werck alſo vergolten / indeme er doch mit ſei - ner Ermahnung nichts gefruchtet / wie wird dann erſt der guͤtigſte Heyland belohnt haben jene Heilige / welche mit ihrerLehr29hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Lehr und eiffriger Ermahnung ſo viel zu dem wahren GOtt ge - bracht haben? unter welchen forder iſt zuzehlen der heilige Marty - rer und Blutzeug Sebaſtianus, als der von freyen Stucken oh - ne Forcht deß Tyranniſchen Kayſers / die Chriſten / ſo allbereits wegen ohnmenſchlicher Peinigung zu wancklen angefangen / zu frommer Beſtaͤndigkeit ermahnt und angefriſcht / alſo zwar / daß ſie mit freudigen Gemuͤthern und lachenden Mund / mit Lauten und lautern Freuden und Jubel-Schall zum Tod gangen: be - lohnt hat ihn derenthalben der allguͤtigſte GOtt nit allein mit ei - ner ewigen Kron / ſondern auch auf der Welt mit einem uͤber - reichen Grab.

In actis SS. wird geſchrieben / daß ein Prieſter aus Aquita - nia ſeye nacher Rom gereiſt / allwo er / Vermoͤg ſeines Eyffers / alle heilige Oerther daſelbſt beſucht / unter andern ein abſonder - liche Andacht verricht bey dem Grab deß Heil. Sebaſtiani, da - ſelbſt auch ein wenig Erde und Staub von dem Grab mit ſich nacher Haus getragen: unter Wegs aber hat ſich zugetragen / daß er Mattigkeit halber unter einen Baum ſich niedergelegt / zu - vor aber in einem kleinen Binckerl die beſagte Erde auf den Un - ter-Aſt gehenckt; Nachdem er nun ein gute Zeit ein ſanfften Schlaff vollbracht / wolte er ſein vermeinten Schatz wiederumb von dem Aſt herunter nehmen. Es zeigte ſich aber der gruͤne Aſt dermaſſen Halsſtarrig / daß / ſo offt er nach den Reliquien langte / der Aſt allemahl von ihm gewichen / deßgleichen auch ſei - nem Cammeraden wiederfahren / ſo alle umbſonſt und vergebens nach dem Aſt griffen. Solches Wunder wird alſobald laut - maͤhrig / daß folgſam die gantze Nachbarſchafft zuſammen gelof - fen / und keiner aus ihnen kundte den Aſt / an dem die Heilthumber hangten / auf alle angewendte Weiß erdappen / wordurch| die fromme Leuth veranlaſt worden / daß ſie allda eine ſchoͤne Kirchen dem H. Sebaſtiano zu Ehren aufgericht / allwo noch auf heunti - gen Tag ſehr groſſe Wunderwerck geſchehen.

D 3Se -30Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.

Sepulchrum, Pulchrum

Der groſſe Mann GOttes Elias iſt mit Roß und Wa - gen in Himmel gefahren / welches noch keinem einigen Heiligen wiederfahren; dem auf freyen Feld ein feuriger Wagen ſammt feurigen Pferden erſchienen / auf welchen er ſich| geſetzt und folg - ſam durch einen Sturm (mercks wohl per turbinem in - lum) durch einen Sturm in Himmel gefahren. Dieſes ſoll ein Troſt ſeyn allen betrangten / und mit Creutz beladenen Men - ſchen / die ſo manchen Sturm muͤſſen ausſtehen / daß nemblich dieſes die rechte Weiß ſeye in Himmel zukommen. Elias kommt durch ein Sturm-Wind in Himmel / aber Stephanus durch ein Rißel und Schaur. Andere durch Schauer und Stein-Rißel grathen in Zeitliches Verderben / aber Stephanus durch ſeine Stein iſt Steinreich worden / maſſen er hierdurch das Himmel - reich erworben. Wie der Sathan unſern HErꝛn und Heyland in der Wuͤſten verſucht / hat er neben andern auch begehrt / er ſoll aus Stein ein Brod machen. Dem Teuffel iſt damahl die Sach nit angangen: aber wie Stephanus verſteiniget worden / da hat ihme der HErꝛ JEſus die Stein nit in Brod / ſondern gar in Zuck er verwandlet: Lapides illi dulces fuerunt; maſſen die ſe ihme gantz Zuck erſuͤß vorkommen / in Erwegung der Glory / ſo ihme derenthalben der guͤtigſte GOtt ertheilen werde. Es hat aber der Allmaͤchtige dem H. Ertz-Martyrer Stephano nit al - lein die unendliche Glory deß Himmels gegeben / ſondern auch ſein Grab auf dem Erdboden herꝛlich und glorreich gemacht. Wie der H. Leib deß groſſen Ertz-Martyrers Stephani hat ſollen in ein anders Grab uͤberfuͤhrt werden / und man ſolchen Schatz auf ein Wagen gelegt / ſo von zweyen Maul-Thieren geſpannt ware / ſo ſeynd dieſe nit weiter gangen als an das Ort Conſtantinus genannt / allwo ſie beyde ſtill geſtanden; als man ſie aber mit harten Streichen weiter zugehen angetrieben / da hat eins aus beſagten Maulthieren mit Menſchlicher Stimm dieſe Wort in Gegenwarth deß Roͤmiſchen Pabſtens und deßge -31hat eine ſchlechte Begraͤbnus.geſammten Volck geredt / quid nos cædis! hic Sanctus eſt collocandus. Was ſchlagſt du uns? es muß der Heilige hierSurius in Aug. verbleiben. Uber ſolches unerhoͤrte Wunder hat maͤnniglich die Haͤnd gen Himmel gehebt / und GOtt den Allmaͤchtigen ge - benedeyet und geprieſen / auch hat bald hernach der Kayſer ein ſehr ſchoͤne Kirchen dem H. Stephano zu Ehren dahin aufrich - ten laſſen.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Cathar. V. M.

Den Ehrſuͤchtigen Koͤnig zu Sichem / mit Namen Abime - lech, nachdem er ſeine Haͤnd mit dem Blut ſeiner nechſten Anverwandten gewaſchen / und andere mehr dergleichen Mord - Thaten begangen / hat ihn GOtt endlich mit gleicher| Muͤntz be - zahlt; weil er aus purer Ehrſucht 70. Maͤnner auf einem Stein erwuͤrgt / alſo iſt ihme nachmahls auch mit einem Stein den Reſt gegeben worden. Aber wie? Abimelech wolte den feſten Thurn zu Thebes ſtuͤrmen / wohin ſich ſehr viel Leuth / Mann - und Weibs-Perſonen reterirt / als er nun in voͤlligem Werck begriffen / da wirfft ihme von oben herab ein Weib ein groß Stuck von einem Muͤhlſtein auf den Schedel / und zerbrach ihme das Hirn: confregit cerebrum ejus, das hat den ſtol -Jud. 9. tzen Geſellen alſo geſchmertzt / indem ihm ein Weib das Hirn zerbrochen / daß er alſobald ſeinen Waffentraͤger befohlen / er ſol - le ihne mit dem Schwerd umbbringen / damit man nicht heut oder Morgen ſagen koͤnne / ein Weib habe ihme den Reſt geben. O uͤbermuͤthiger Geſell / es iſt gleichwol zu einem ewigen Spott der gantzen Welt kundbar worden / daß dir ein Weib das Hirn zer - brochen. Aber das iſt bey weiten nit ſo viel / als was Catharina ein zarte Jungfrau gethan / daß dieſe nit nur einen / ſondern gar 50. Maͤnnern und beruͤhmbten Weltweiſen das Hirn zerbrochen; dann dieſe meſſen ihnen zu die groͤſſeſte Weißheit der Welt: es hat aber dieſe zarteſte Heldin in einer offentlichen Diſputation dero beygebrachten Lehr alſo widerlegt / daß ſie ſelbſt ſich vor uͤberwun - den bekennet / und den wahren Glauben JEſu Chriſti angenom -men32Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.men. Es hat demnach der allerhoͤchſte GOtt dieſe ihme werthiſte Braut wegen ihres ſo groſſen Heldenmuths und Beſtaͤndigkeit / abſonderlich in dem Leiden und blutigen Tod nicht allein ſtattlich belohnt in der ewigen Seeligkeit / ſondern ſo gar auch ihr Grab auf der Welt beruͤhmt gemacht.

Der Leib der H. Jungfrauen und Martyrin Catharina iſt durch die Engel begraben worden auf dem Berg Sinai, allwo noch auf heutigen Tag ſehr groſſe Wunder zu ſehen. Unter andern iſt daſelbſt ein ewiges Mirackel anzutreffen; dann alle Jahr in der Vigil oder Abend vor dem Feſt der H. Catharinæ ein ohnzahlba - re Menge der Voͤglen / als Raaben / wild Tauben / Storchen / Kranichen / Alſtern / und andere daſelbſt ankommen / und ein jeder Vogel traͤgt in dem Schnabel ein Oel-Zweigel mit Oliven / wel - ches ſie auf dem Thurn allda niederlegen / worvon die GeiſtlicheManda - villa cap 66. fol. 74. daſelbſt ſo viel Oel preſſen / daß ſie nit allein fuͤr ihr Haus-Noth - durfft genug haben / ſondern damit auch die Lampen erhalten / wel - che vor dem hoͤchſten Gut / und bey dem Grab der H. Martyrin und Jungfrau brennen.

So wird auch daſelbſt auf dem Berg Sinai das groſſe Wun - derwerck erzehlt / ſo ſich mit dem Biſchoff Sabino und Caſſinen - ſiſchen Abdten Theodoro zugetragen / als ſolche das Grab der H. Catharinæ wolten beſuchen / und bereits bey dem Berg Sinai ankommen / hat ſie ein Arabiſche Parthey angegriffen / dero Ca - meraden alle ermordet / dem Biſchoff aber ſammt dem Abbten die Ohren / Naſen / Zung / Haͤnd und Fuͤß abgeſchnitten / damit ſie alſo nach und nach ſchmertzlicher ſterben ſolten. Dieſe beyde aberMante - gaza lib. 1. de iti - ner. Je - ruſſ. ungeacht alſo geſtimmlet und verwundet ſeynd nach aller Moͤg - lichkeit zu dem Grab der Heil. Catharinæ krochen / allwo ſie durch dero Vorbitt wunderbarlich in einem Augenblick an allen Glie - dern friſch und geſund aufgeſtanden. |

Sepblchrum, ſed Pulchrum S. Stanislai Ep. Cracovi:

Jn der Apothecken ſeynd unterſchiedliche Spiritus anzutref - fen / benanntlich Spiritus Vini, Spiritus Vitrioli, SpiritusTar -33hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Tartari, Spiritus Salis, Spiritus Sulphuris, Spiritus Ma - tricalis, Spiritus Hyſtericus, und viel dergleichen andere mehr / welche alle unter der Medicin gebraucht werden. Aber ein Spi - ritus iſt in der Apothecken beym rothen Creutz / welcher gar wi - derwaͤrtig einzunehmen forderiſt von groſſen Herren / dann er bewegt ihnen gemeiniglich die Gall / dieſen Spiritum hat der ge - treutzigte JEſus verſprochen zu ſchicken; cûm autem venerit Paracletus, quem mittam vobis Spiritum veritatis: die - ſer Spiritus wird genennet der Geiſt der Warheit / ſolcher er - weckt den groſſen Herren meiſtens die Gall / daß ſie nit ein wenig erbittert werden / wann man ihnen die Warheit ſagt. Joannes der Tauffer hat es erfahren / vor ihm der Prophet Michæas, der Prophet Iſaias, der Prophet Jeremias, der Prophet Amos, und viel andere mehr. Was GOtt der HErꝛ und Heyland einmahl der wohlmeinenden Magdalena nach ſeiner glorreichen Urſtaͤnd geſagt / noli me tangere, ruͤhre mich nit an / das muß gar offt die liebe Warheit hoͤren von groſſen Herren. Die Pla - centiner haben groͤſſern Zutritt bey Hoff / als die redliche Vero - neſer, ja dieſe werden offtermal gar aus dem Weg geraumt. Al - ſo iſt es ergangen dem Heil. und eyffrigen Biſchoff Stanislao zu Cracau / welcher mehrmahlen den gottloſen Koͤnig Boleslaum in Pohlen ermahnt / daß er doch von ſeinem Laſterhafften Wan - del wolle abſtehen: gleichwie nun der Spiegel wol oͤffter einbuͤſt / wann er einem ungeſtalten Geſicht und Larven die Warheit zeigt / alſo hat es auf gleichen Schlag der Apoſtoliſche Mann er - fahren; dann neben andern vorhero ſchon angethanen Unbilden hat ihn der Koͤnig bey dem Altar laſſen ermorden / und ſo gar deſſen Leib zu viel Stuck und Trimmer zerfetzen / ſelbe auf ſeinen Feldern hin und her ausgeſtreuet / damit ſie von Hunden und wilden Thieren verzehrt wurden. Aber Stanislaus thaͤte be - reits ſchon genieſſen die verdiente Kron deß Himmels: neben dem wolte GOtt nit zulaſſen / daß der Leib deß Heil. Martyrs ſolle alſo entunehrt verbleiben / und ohne Grab / ſondern ſchafft alſo -Pars IV. Ebalden34Judas der verzweiffelte Vetraͤther / ꝛc.balden vier groſſen Adleren / welche die hin und her zerſtreute Glieder dergeſtalten beſchuͤtzt / daß kein einiges wildes Thier die - ſelbe doͤrffte angreiffen / wordurch viel Geiſtliche und andere ge - wiſſenhaffte Leut veranlaſſet worden / daß ſie dieſelbe mit aller Ehrenbietſamkeit an ein Ort zuſammen getragen / ſolche nach Ge -Martin. hom. de rebus polon buͤhr zu begraben. Aber GOtt wolte mit einem neuen Wunder den Heiligen beruͤhmt machen; maſſen dann vor jedermaͤnnigli - chen Augen alle dieſe zerhackte Gliedmaſſen ſich alſo vereiniget / daß ein gantzer vollkommener Leib wiederumb daraus worden / und nachmahlen / wie noch zu ſehen / mit einem herꝛlichen Grab verehrt worden.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Elifij Mart.

Unſer HErꝛ laſt ihme gar nichts umbſonſt thun / er belohnt auch das Wenigſte / was man ihme erweiſt. Als er einmahl bey Geneſaret ein groſſe Menge Volcks angetroffen / ſo alle eyff - rig ſein Predig erwartet / da iſt er in das Schiffel Petri getretten / daſſelbe in etwas von dem Land gezogen / und nachmahlen ſein heilige Lehr dem Volck vorgetragen. Nach vollendter Predig befilcht er dem Petro, er ſoll das Netz auswerffen / ſo auch geſche - hen / und hat er ein ſolche Menge Fiſch gefangen / daß auch das Netz zerriſſen / und weil ſie ſolchen Zug allein nit kunten verrich - ten / annuerunt Socijs, ſo haben ſie anderen ihren Mit-Came - raden gewuncken / daß ſie ihnen hulffen. Warumb aber ge - wuncken? haͤtten ſie dann nicht koͤnnen das Maul aufthun und ſchreyen? annuerunt: ſie gedachten / daß es ſich nit ſchicke und reime / wann unſer HErꝛ gegenwaͤrtig / daß man ſoll reden / viel weniger ſchreyen (merckt das ihr Menſchen) in der Kirchen / wo GOttes Sohn gegenwaͤrtig / geziemt es ſich nit zu reden / auch was nothwendig / viel weniger ſchwaͤtzen / und allerley neue Zeitun - gen zuerzehlen. Weſſenthalben aber hat der Heyland JEſus dazumahl dem Peter mit einem ſo groſſen Fiſch-Zug regaliret. Daß auch zwey Schiffel darmit dergeſtalten ſeynd ein - und ange - fuͤllet worden / daß ſie ſchier ſchwere halber verſuncken. Darumbant -35hat eine ſchlechte Begraͤbnus.antwortet Theophilactus, GOTT der HErꝛ laſt ihme nichts umbſonſt thun; weil ihme Petrus ſein Schiffel hat geliehen an ſtatt einer Cantzel / ſo hat ſich der Heyland gleich wiederum danck - bar wollen einſtellen. Wann nun der guͤtigſte Erloͤſer die aller - wintzigſte ihme erwieſene Gutthat alſo belohnet / wie wird er erſt belohnet haben die Heil. Martyrer und Blut-Zeugen / welche ſeinetwegen ſo Heldenmuͤthig alle erdenckliche Peinen ausgeſtan - den / und zu letzt gar das Leben gelaſſen? vergolten hat er ſolches nit allein mit einer unendlichen Glory / ſondern auch auf der Welt mit herꝛlichen Begraͤbnuſſen; wie unter andern von dem Heil. Martyr Elifio zu leſen.

Wie erſtgedachter Chriſtliche Held durch den Sententz deß abtrinnigen Tyrannen Juliani zum Tod verurtheilt worden / ſo hat er noch zu einer Gnad begehrt / man wolle doch ſeinen Leib an einen ehrlichen Orth begraben / worauf Julianus befragt / wo es ihme dann beliebig ſeye? darauf Elifius ſeine Angen in die Hoͤhe gehebt / und auf einen hohen Berg gedeutet / dort ſolle und wolle er ſein Ruhe-Bettel haben biß auf den Tag der allge - meinen Auferſtehung. Julianus der Tyrann hat alſobalden zu mehrer Pein deß Martyrs einen ernſtlichen Befehl ergehen laſſen / daß man auf keine Weiß deſſen Leib ſolle begraben; ſchimpffe noch anbey / er wolle gern ſehen / ob ihne ſein Chriſtus werde dorthin tragen / wohin er verlangt? nachdem Elifio das Haupt iſt abgeſchlagen worden / ſihe Wunder; da ſtehet der Leib von freyen Stucken auf / nimmt ſein Haupt in beyde Haͤnd / geht den geraden Weg in Begleitung der Engliſchen Muſic zu dem Berg / ſteigt ohne Verweilung biß zu den hoͤchſten Gipffel hinauf / legt ſich auf einen Schneeweiſſen Felſen / welcher alſo - balden wie ein lindes Wax gewichen / und ihme ſolcher Geſtalten ein herꝛliches Grab abgeben.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Dympnæ Virg.

Wer GOtt dient / deme dient er wiederum / wer GOtt ver - ehrt / den verehrt er wiederumb / wer GOtt gibt / dem gibt er wie -E 2derum.36Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.derumb. Die buͤſſende Magdalena hat vor allen andern den Fuͤſſen deß HErꝛn ein groſſe Ehr angethan / indeme ſie dieſelbe mit ihren haͤuffigen Zaͤhren gewaſchen / und ſolche Thraͤnen nit anderſt als koſtbarliche Orientaliſche Perl uͤber die heiligſte Fuͤß hinab gekuglet / auch nachgehends mit ihren eignen Haaren / die vorhero ſattſam zur Eitelkeit gedient / ſelbe abgedrucknet: alſo zu gleich die Fuͤß und ihre Suͤnden abgewaſchen. Dieſe groſſe Ehr wolte auf keine Weiß der Heyland unvergolten laſſen / ſondern bey ſich alſobald beſchloſſen / weil ſie ihme ſeine Fuͤß alſo verehret / ſo wolle er gleichmaͤſſig ihren Fuͤſſen auch eine Ehr an - thun. Aber wann? dazumahl wie er glorreich von Todten auf - erſtanden / da hat er aus allen die Magdalena erwaͤhlt / daß ſelbe ſolle hingehen / und allerſeits / befoͤrderiſt aber ſeinen Apoſtlen dieſe gluͤckſeeligſte neue Zeitung bringen. Da haben hierdurch der Magdalenæ Fuͤß die groͤſte Ehr bekommen / alle Schritt und Tritt in dieſem Gang ſeynd hoͤchſtens gluͤckſeelig geweſt. Iſa. 5.Pulcherrimi ſunt Pedes Evangelizantium bonum, der GOtt verehrt / den verehrt er wiederum. Solches iſt abſonderlich zuſehen in der Heil. Dympna einer Koͤniglichen Princeſſin in Jrꝛland / um / weil ſolche wider allen Willen deß abgoͤttiſchen Vatters den Glauben JESU Chriſti umfangen / auch ſich dem himmliſchen Geſpons durch ein Geluͤbd der ewigen Jungfrauſchafft verbun - den / und auf keine Weiß in die Blutſchaͤnderiſche Heurat ihres eignen leiblichen Vatters wolte einwilligen; alſo hat ſie dieſer grauſame Ohn-Menſch ſelbſt mit dem Schwerd hingerichtet. Worauf GOtt der HErꝛ ſie nicht allein ewig belohnt / ſondern auch mit der Zeit dero Jungfraͤulichen Coͤrper mit einem herꝛli - chen Grab begnadet.

Nachdem wunderbarlicher Weiß beſagter Jungfrauen und Martyrin Leib iſt gefunden worden / da haben die Ghelen - ſeriſche Jnnwohner erſtgedachte H. Reliquien ſammt dero ſteine - ren Sarch wollen in ihr eigne Kirchen uͤberſetzen / kunten aber auf keine Weiß / auch nach aller angewendter Muͤhe und Arbeitder37hat eine ſchlechte Begraͤbnus.der ſtaͤrckiſten Leuth den Heil. Leib bewegen / und gedunckte ſelber gleichſam ein bleyener Berg zu ſeyn / welches die gute Leuth nicht ein wenig befrembd / ja die meiſte gar beſtuͤrtzt gemacht. Eben zu ſelbiger Zeit erſcheint erſterwehnte Heilige einem frommen al - ten Muͤtterl / wie daß ſelbe ihr erſtgefallenes Kalb ſoll in den Karn ſpannen / und darmit ihren Leib in die Kirchen fuͤhren. Die gute fromme Haut befilcht alſobalden fruͤhe Morgens ihrem Sohn / daß er ſolle ohne fernern Verzug das Kalb an das be - ſtimmte Ortbringen / zu dieſem Ende / damit ſelbes den H. Leib Dympnæ in die Kirchen fuͤhren ſolle. Der Sohn lacht die Mutter aus / und rathet ihr / ſie ſolle doch ſolches Narren-Stuck nit begehren / es moͤchte hieraus ihrer gantzen Freundſchafft ein ewiger uͤbler Nachklang erwachſen; weil die Mutter den Unge - horſam ihres Sohns geſehen / ſo iſt ſie ſelbſt ſammt dem Kalb da - hin kommen / aber nicht ohne allgemeinem Gelaͤchter und groſſen Aushoͤnung deß gemeinen Poͤfels / in Erwegung / daß die alte einfaͤltige Matratzen mit einem jungen Kalb wolte fuͤhren / was ſtarcke Maͤnner und Pferd nicht kundten zuwegen bringen: nach - dem ſie aber mit ſo beweglichen Worten ein geraume Zeit gebet - ten / und ihr endlich zugelaſſen worden / da hat ſie mit ſchlechterSurius in vita c. 8. Muͤhe die ſteinerne groſſe Sarg auf den Karren geladen / das 3. Wochen alte Kalb eingeſpannt / und folgſam ohne einige Beſchwaͤrnus in die ſo benannte Kirch uͤbergefuͤhrt / ſo wohl mit hoͤchſter Verwunderung als allgemeinem Troſt: an welchem Ort ſie noch mit groſſen Wunderwercken leuchtet.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Amati Confeſs,

GOtt iſt ſo gut / ſo gut iſt GOtt / daß er ſo gar auch das je - nige / was ihme ſeine Vernunfftloſe Geſchoͤpff guts erweiſen / nit unvergolten laſſet. Unſer gebenedeyter Heyland hat ein abſon - derliche Ehr empfangen in dem Fluß Jordan / allwo er von ſei - nem Vorlauffer Joanne getauffet worden: maſſen dazumahl der Himmel ſich eroͤffnet / der Heil. Geiſt als die dritte Perſohn in ſichtbarlicher Geſtalt einer weiſſen Tauben auf ihne herabgeſtie -E 3gen /38Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.gen / die Stimm deß Himmliſchen Vatters thaͤte offentlich er - ſchallen / welche JEſum fuͤr einen Goͤttlichen Sohn und Welt Erloͤſer erklaͤret. Alles dieſes hat ſich begeben bey dem Waſſer / in dem Waſſer / ober dem Waſſer deß Fluß Jordans. Nun ge - dachte der guͤtigſte Heyland / daß er bey nechſter Gelegenheit ſich gegen dem Waſſer wiederumb einſtellen wolle / uud die ſo groſſe er - zeigte Ehr beſter maſſen erwiederen; welches auch bald hernach geſchehen / als er nit im Feuer / in dieſem ſo hoch ſchwebenden Ele - ment / nit im Lufft / in dieſem ſo aufgeblaſenen Element / nit in der Erden / in dieſem ſo goldreichen Schatz-Kaſten / und anbey ſo nie - dertraͤchtigen Element / das erſte ſichtbare Miracul und Wun - derwerck auf dieſer Welt gewuͤrckt / ſondern im Waſſer / und zwar zu Cana Galilæa, woſelbſt er bey der Hochzeit das Waſ - ſer in den beſten Wein / und wie die meiſte Lehrer ausgeben / in den beſten rothen Wein verkehrt und verwandlet; hierdurch zu - vergelten die Ehr / ſo ihme der Fluß Jordan angethan. Wann dann der guͤtigſte GOtt ſolche Ding nit unvergolten laſt / ſon - dern auch belohnt / was ihme die verſtandloſe Creaturen / die doch alles freyen Willen beraubt / erweiſen thun / was werden nit erſt zugewarten haben die fromme Diener GOttes / welche Tag und Nacht den Allmaͤchtigen benedeyen und loben? unter ſolche ab - ſonderlich zu zehlen iſt der Heil. Beichtiger Amatus zu Salude - rio, einem Marck-Fleck in dem Ariminiſchen Gebieth / durch welchen GOtt ſehr viel und groſſe Wunderwerck / in Anſehung ſeiner groſſen Verdienſten gewuͤrckt hat / alſo zwar / daß er auch ſeine Kleider an die Sonnenſtrahlen / wie an den ſtaͤrckſten Na - gel gehenckt. Es wolte aber der Allerhoͤchſte auch ihne mit ei - nem herꝛlichen Grab begnaden; dann wie die Stadt Arimini ſeinen Heil. Leib hat wollen von dem Marck-Fleck Saluderio zu ſich nehmen / und bereits die Heil. Gebein auf dem Wagen gefuͤhrt worden / da iſt der Wagen bey der Haupt-Kirchen erſt - benennten Orths alſo unbeweglich geſtanden / daß er auch nach al - ler angewendter Moͤglichkeit nit weiter kunte gebracht werden /und39hat eine ſchlechte Begraͤbnus.und als der Baur / deme der Wagen zugehoͤrig / ſeinen hoͤltzenen Stecken in die Erde geſteckt / unterdeſſen zu ſehen / was doch der Fuhr moͤchte verhinderlich ſeyn / da hat alſobald dieſer ausgedorte Stab in maͤnniglicher Gegenwarth angefangen zu gruͤnen / zuPagat. tom. 1. fol. 396. n. 3. bluͤhen / und auch Frucht zu tragen / daß er / uneracht faſt jederman von ihme rupfft und zupfft / noch auf heuntigen Tag zuſehen / all - wo er auch ſehr ſtattlich begraben worden / und annoch mit vielen Wunderwercken leuchtet.

Sepulchrum ſed Pulchrum S. Thomæ Abbatis.

Wie Chriſtus der HErꝛ eineſt wegen ſeiner Heil. Predi - gen eine groſſe Menge Volcks nach ſich gezogen / und allbereit wahrgenommen / daß die gute Leuth vom Hunger nit ein wenig geplagt wurden / da hat er anbefohlen / daß ſie ſich alle ſollen nie - derſetzen / es waren deren etlich tauſend / ſo wohl Manns-als Weibs-Perſohnen / nachmahls theilt er die fuͤnff Gerſten-Brod / und die 2. Fiſch / ſo ein Knab dazumahl bey ſich hatte / unter das geſammte Volck aus / und ſaͤttigte dieſelbe dergeſtalten / daß noch 12. Koͤrb von lauter uͤbergebliebenen Brod angefuͤllt worden. Es wird eine Frag auf die Bahn gebracht / wer dazumahl das Brod unter die Leuth ausgetheilt? es iſt aber der meiſten Auſſag / daß ſolches mit Chriſto alle ſeine Apoſtel gethan / und obſchon die Schrifft nit meldet / daß bey dieſem groſſen Wunderwerck die Mutter JEſu ſeye gegenwaͤrtig geweſen / ſo iſt doch ſehr vermuth - lich / daß ſie ſich auch darbey habe eingefunden / und zwar das Brod unter die Weiber habe ausgetheilt / gleichwie die Apoſtel unter die Maͤnner: daß aber die Apoſtel das Brod nit haben doͤrffen unter die Weiber austheilen / wolte der HErꝛ und Hey - land hierdurch andeuten und zuverſtehen geben / daß auch Heilige und vollkommene Maͤnner mit den Weibern nit ſollen viel Ge -Nyſſ. Dom. 1. poſt Epi - pha. 37. meinſchafft haben; maſſen der ſcelige General Jordanus zuſagen pflegte / daß die Erde gut ſeye / und auch das Waſſer gut ſeye / wann ſie aber beyde zuſammen kommen / ſo werde gleichwohl ein Koth daraus.

Daß40Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.

Daß hat neben andern beobacht der ſeelige Abbt Tho - mas; nachdem ſolcher wegen gewiſſer Geſchaͤfften ſeines Cloſters nach Theopolim verreiſt / da iſt er zu Daphne mit Tod ab - gangen / allwo er als ein unbekandter Frembdling / denen gemei - nen Leuthen gleich / begraben worden. Den andern Tag hier - auf hat man gleichfalls ein armes Weib eben in dieſes Grab ge - legt / ſo aber in der erſten Nacht wiederumb heraus geworffen worden / und wie ſolche auch das anderemahl hinein gelegt wor - den / da hat mehrmal die unwillige Erd den Coͤrper mit groſſem Gewalt heraus geſchuͤtt: uͤber welches ſich faſt jederman verwun - dert / jedoch aus der Sach noch nit viel gemacht. Es geſchahe aber / daß etlich Tag wiederumb ein verſtorbene Weibs-Per - ſohn auf dem Abbt Thomas in ſein Grab gelegt worden / welche aber gleich der andern durch unſichtbaren Gewalt muſte das Ort raumen; wordurch dann erſt an Tag kommen die Heiligkeit deßPrat. Spirit. c. 88. Abbts Thomaͤ / welcher auch todter nicht wolte leiden ein Weib bey ſich. Uber alles dieſes iſt nachgehends beſagter Heil Leib mit ſondern Pracht an ein anderes Orth / allwo viel Heilige Leiber der Martyrer gelegen / ſehr ſtattlich begraben worden / all - wo noch der allmaͤchtige GOtt wegen deß heiligen Wandels / ſo dieſer Abbt auf Erden gefuͤhrt / ſehr viel und groſſe Wunderwerck wuͤrcket.

Sepulchrum, ſed Pulchrum S. Hedvvigis.

Nachdem der Jacob mit der ſchoͤnen Rachel ſich in die Flucht begeben / maſſen er wegen ſeiner treugeleiſten Dienſten wenig Danck darvon getragen / und faſt von Tag zu Tag die Ge - ſparſamkeit deß Labans mehrer erfahren / da hat in der Still die Rachel die guldene Goͤtzenbilder ihrem Vatter entfrembd / und ſolche mit ſich genommen. Warumb ſie ſolches gethan / ſeynd unterſchiedliche Meynungen. Pererius glaubt / ſie habe es nit gethan / als thue ſie die Goͤtzenbilder lieben und verehren / inde - me ſie an den wahren GOtt geglaubt / ſondern wegen deß Golds / aus dem ſolche Goͤtzen gemacht waren; dann gedachte ſie / daß ſieohne41hat eine ſchlechte Begraͤbnus.ohne das wenig Erbtheil oder Heyrath-Gut darvon trage / alſo wolle ſie an ſtatt deſſen dieſe Bilder zu ſich nehmen / und die Ge - ſellen in den Schmeltz-Ofen logiren / das Gold taug anderwerts hin: derenthalben koͤnnen die meiſte / guldene Weiber genennet wer - den / weil wenig ſeynd / die das Gold nit lieb haben. Aber auf weit ein beſſere Manier hat die H. Hedvvigis das Gold lieb gehabt / maſſen ſie neben andern ſchoͤnen unſer lieben Frauen Bil - dern ein kleines gehabt von purem Gold / welches ſie Tag und Nacht nie aus der Hand gelaſſen / ſo gar wie ſie eines ſeeligen Tods geſtorben / kundte man gedachte Bildnus mit keinem Gewalt ihr aus den Haͤnden reiſſen / derenthalben auch darmit begraben worden. Es wolte aber GOtt der HErꝛ / daß die jenige / wel - che ſeine gebenedeyte Mutter alſo in Ehren gehabt / auch ſolteIn vita 15. | Oct. mit einem beſſern Grab verehret werden. Als man nun nach 25. Jahren den Heil. Leib erhebt / da hat man gefunden / daß der gantze Leib verſehrt worden / auſſer der jenigen Fingern / mit denen ſie die guldene Marianiſche Bildnus gehalten / woraus ihre Hei - ligkeit noch mehrer kundtbar worden / und derentwegen mit einem herꝛlichen Grab verſehen.

Sepulchra, ſed Pulchra diverſorum Sanctorum.

Der bloſſe Staub von dem Grab deß Heil. Biſchoͤffs Hed - di. Beda l. 5. Hiſtor, Eccl. Deß Heil. Biſchoffs Nicetij. Surius in vita: Deß Heil. Propheten Jeremiæ. S. Epiphan. Deß Heil. Biſchoffs Martini. Gregor. Turon. Deß Heil. Biſchoffs Piturigij. Idem. Deß H. Martyrs Juliani. Idem Deß Heil. Einſiedlers Gerlaci. Boll. 5. Jan. Deß Heil. Koͤ - nigs Osvvaldi. Baron. An. 642. Der Heil. Roſæ Pervanæ. In act. Deß Heil. Joannis Evangel. Ex Hiſtor. Eccleſ. Deß Heil. Joannis à S. Facundo unſers Ordens. In vit. Deß Heil. Geneſij Franziot. Deß Heil. Raymundi. In act. Ca - non. Deß Heil. Franciſci de Paula Bzovi: In vit. Deß Heil. Biſchoffs Rigoberti. In vita: Hat die Krafft unnd Wuͤrckung allerley Menſchliche Preſten und Kranckheiten zuPars IV. Fwen -42Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.wenden. Aus dem Grab deß Heil. Martyrs Baudilli iſt wun - derbarlicher Weiß ein ſchoͤner Lorbeerbaum gewachſen. Greg. Turon. l. 1. Aus dem Grab deß Heil. Martyrs Urſicini ein Palmbaum mit drey Aeſten. Ferr. 19. Jun. Aus dem Grab deß Heil. Athanaſij ein Cypreß-Baum. Sur. 3. April. Aus dem Grab und forder iſt aus der Hirnſchahl der Heil. buͤſſenden Magdalena ein Weinſtock. Id. 22. Jul. Aus dem Grab deß Heil. Pubuculi ein unbekandter Baum. Halloix in vit. Aus dem Grab jenes heiligen Ciſtercienſer ein Baum mit lauter Blaͤttern / worauf dieſe Wort ſtunden: Ave Maria, gratia plena. Cantiprat. l. 2. ap, Aus dem Grab der Heiligen Nazarij und Celſi Martyrer ein wunderſchoͤner Birn-Baum. Greg. Turon. l. 1. Aus dem Grab deß Heil. Biſchoffs Torquati einMajol. l. 6. Oelbaum. Dero Blaͤtter / oder Bluͤhe / oder Fruͤchten heilſame Mittel geweſt ſeyn fuͤr allerley Kranckheiten.

Das Grab deß Heil. Biſchoffs Vitalis zu Saltzburg hat ein Wunderſchoͤne Lilgen hervor bracht / ſo gar durch den harten Marmel durchgedrungen. Deßgleichen das Grab deß ſeeli -Radcrus gen Ugloni de Cortona aus unſerm Orden. Das Grab deß ſeeligen Gandulphi die ſchoͤnſte Gelſomin-Blumen: Ann. Mun. 1260. Das Grab deß H. Martyrers Alexandri die ſchoͤn - ſte Roſen. Benal. in vit. Das Grab Ven. Franciſci Ovarij die lieblichſte Feiglen. Ibid. Das Grab der Heiligen Marty - rer Acifeli und Victoriæ zu Corduba die edleſte Roſen gar zur Winters-Zeit. Pag. 407. tom. 1, Welche Blumen alle den armen krancken und preſthafften Leuthen vor die beſte Pflaſter und Medicin gedient haben. Aus dem Grab der Heil. Jungfrauen und Martyrin Catharinæ, deß H. Martyrs Di - metrij, deß H. Beichtigers Fantini, deß H. Evangeliſten Lu - , deß H. Biſchoffs Perpetui, deß H. Abbts Percharij, der ſeelige Roſæ zu Viterbo, deß Heil. Apoſtels Andreæ, deß Heil. Biſchoffs Nicolai, der H. Wallburgæ zu Aychſtaͤtt / deß H. Biſchoffs Quirini zu Tegernſee in Bayrn / der H. Seraphi -ſchen43hat eine ſchlechte Begraͤbnus.ſchen Jungfrau und Mutter Thereſiæ, Venerab. Bartholomæ Ulyſponenſis unſers Ordens / ꝛc. Und vielen tauſend andern mehrer Graͤber der Heiligen iſt gefloſſen / und fluͤſſt noch Manna / Oel und Waſſer / ſo zur Abwendung allerley Menſchlicher Zu - ſtaͤnden ſeynd gebraucht worden. Gleichwie nun GOttes Guͤ -Pag. tom 2. fol. 458. te und Weißheit ſeine Diener und Dienerin faſt allezeit verſehen hat mit einem ehrlichen und herꝛlichen Grab / alſo laſſet ſeine Goͤttliche Gerechtiıgkeit gar vielfaͤltig zu / daß der Gottloſen Men - ſchen Leiber nach dem Tod auch nicht wuͤrdig ſeyn eines ehrlichen Ruhe-Beths in der Erd / ſondern es heiſt.

Grab / Echo, Rab.

Der Heil. Einſiedler Onuphrius pflegte dieſe Fabel oder Gedicht auf die Bahn zu bringen / damit er ſeine Untergebene moͤchte zu der Demuth anfriſchen. Die Baͤumer haben ſich auf ein Zeit ſehr wehemuͤthig beklagt / wie daß die Menſchen ſo Tyranniſch mit ihnen verfahren / auch derenthalben einen allge - meinen Land-Tag oder Zuſammenkunfft ausgeſchrieben / damit durch allgemeinen Rath-Schluß ſolches Ubel moͤchte vermittlet werden. Endlich iſt eines jeden Gutachten und wolgegruͤndte Meynung angehoͤrt worden / forderiſt aber ſeynd die mehriſte beygefallen dem witzigen Ausſpruch eines Hoch - und Wohlge - bohrnen / oder vielmehr wohlgewachſenen Ceder-Baum von dem Berg Libano, welcher fernern Ubel vorzubiegen / dieſen Rath - Schlag gegeben / daß inskuͤnfftig kein Baum mehr ſolle ein Holtz ſpendiren / woraus man ein Hackenſtill machen kuͤnne / folg - ſam werde auch das Baͤum umbhauen ein End nehmen: faſt al - le ſtimmten dieſer Meynung zu / auſſer einer ſchlechten nidrigen Stauden / welche mit gnaͤdigſter ertheilter Erlaubnus dieſe weni - ge Wort aus ihrer Einfalt / wie ſie vorgab / geredt hat: gnaͤdige Herꝛn / man kundte euch dißfalls huͤltzene Limml / und knopffete Phantaſten heiſſen; indeme ihr glaubt / daß auſſer der Holſtha - cken ihr kein Schaden zu foͤrchten habt / da ihr doch durch oͤfftere Erfahrnus wiſt / daß auch die groſſe Sturm-Wind und erſchroͤck -F 2liche44Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.liche Hagel-Wetter nit ſelten haben den Hals brochen. Aber mein weniger Rath waͤre / daß ihr nit ſo hoch thaͤtet wachſen / ſo dann wurdet ihr in ſolcher Sicherheit ſtehen / gleich wie ich alte betagte Stauden ein ſo geraume Zeit hero genoſſen.

Wahr iſt es / daß GOtt gleichſam nichts mehrers thut / als die Hochmuͤthige zu ſtutzen / das ſupra regiert bey GOtt einen ſtaͤten Accuſativum, darumb hat er auch den erſten Menſchen aus der Erden / ſo ein demuͤthiges und nidertraͤchtiges Element / erſchaffen / nit aber aus dem Waſſer / welches ſich mehrmahlen in die Wellen aufbaumt: nit aus dem Feuer / ſo von Natur in die Hoͤhe ſteigt / nit aus dem Lufft / ſo fuͤr ſich ſelbſten ein aufgeblaſe - ner Kerl / ſondern aus der Erden / damit der Menſch aus limo erſchaffen / nit ſolle ſublimis werden. Jſt aber jemand / der flie - gen will / ſo wirdeinem ſolchen Hochmuͤthigen der Hoͤchſte gemei - niglich die Feder rupffen / wormit man nachmahls ſchreiben kan; DEus ſuperbis reſiſtit, humilibus autem dat gratiam, das hat ſattſam erfahren jener ungeheuere Geſell und ſtoltze Großſpedel Goliath.

Wegen ſo haͤuffiger Sieg die beſagter Riß und Fleiſch - Thurn von ſeinen Feinden getragen / war er alſo ſtoltzmuͤthig worden / daß er glaubte / ſeines gleichen finde man nit auf Erden; dahero den David wegen ſeiner geringen Perſohn nur veracht / und gedacht / er wolle ſeine Haͤnd nur in Sack ſchieben / und noch zugleich den David mit. Aber GOtt / ſo in allweg den Hoch - muth dempffet / hat auch ſolche freventliche Hoffart nit ungeſtraff - ter gelaſſen / ſondern gemacht / daß der Hoche iſt unterlegen / und der Untere uͤber ſich kommen. David uͤberwind den Goliath / macht ihn umb ein Kopff kuͤrtzer / der ſich gar zu hoch geſchaͤtzt: und war die Straff noch nit beyſammen / ſondern GOtt wolte1. Reg. c. 17. nit / daß dieſer groſſe Geſell ſolte begraben werden / welches meh - rentheils ein groſſe Straff auf dieſer Welt / wol aber / daß ſein ſtinckender Coͤrper den wilden Thieren und den Raaben zu Theil worden / vermoͤg der Goͤttlichen Schrifft: Dabo cadaver ca -ſtro -45hat eine ſchlechte Begraͤbnus.ſtrorum Philiſtim hodie volatilibus cœli & beſtijs terræ.

Grab / Echo Rab.

Jn Oeſterreich / unweit der Kayſerl. Reſidentz-Stadt Wien iſt ein Orth und ſchoͤne Pfarꝛ / ſo genannt wird Heiligen - Stadt. Woher ſolcher Nam urſpruͤnglich herruͤhre / iſt mir ei - gentlich nit bekandt; dieſe Heiligenſtaͤtter verdienen allerſeits ein groſſes Lob / werden auch von jederman faſt in groſſen Ehren ge - halten / aber alle ihre Soͤhne (es iſt ein wunderliche Sach) ſeynd lauter uͤble / rauhe / harte / duͤrmiſche / ſcharpffe / unglimpffliche Ge - ſellen / die nicht ein einigmal gut ausſehen / nichts als ſaure Geſich - ter machens / beiſſen und reiſſen alles was ſie erdappen / und haben gleichſam nicht ein Ader von ihrem Vatter. Der Vatter heiſt Heilignſtaͤtter / der Sohn heiſt Ubelſtaͤtter. Wie kommt dieſes? durch den Namen Heiligenſtaͤtter muß man hier nit verſtehen ei - nen Jnnwohner deſſelben Orths / ſondern den Wein / welcher dort ſehr trefflich und preißwuͤrdig waͤchſt. Nun iſt ohne das bewuſt / daß der Eſſig ein Sohn deß Wein ſeye / welcher aber weit einer wildern Natur als der Vatter; iſt demnach dieſer Auslegung nach recht geſagt: die Heilignſtaͤtter ſeynd gut / aber ihre Soͤhn ſeynd gar uͤbel. Gleichwie nun der Eſſig ein uͤbler Sohn eines guten Weins / alſo geſchicht nit ſelten / daß ein heiliger Vatter ei - nen boͤſen und ungerathenen Sohn erzeige: unter andern hat ſol - ches mit ſeinem Hertzenleid erlebt der fromme und Gotsfuͤrchti - ge Koͤnig David, deſſen uͤbelgeſittner Sohn Abſolon, alſo weit von der Vaͤtterlichen Sanfftmuth und Demuth abgewichen / daß er letztlich von dem Ehrgeitz gantz verblendt / ſich unterfangen hat mit allen Gewalt die Kron zu ſich zu ziehen / und ſeinem eig - nen Herꝛn Vatter den Seepter Tyranniſch aus der Hand zu - reiſſen. Aber GOtt hat die Karten anderſt gemiſcht / indem der Abſolon nicht dem Koͤnig ſondern dem Aichelbuben zu ſeinem Verderben in die Haͤnd gekommen. O wohl ein verruchte Un - danckbarkeit eines Kinds gegen ſeinem Vatter! gleichen DanckF 3hat46Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.hat mehrmalen die liebe guldene Sonn / welche offt und viel - mahlen einen ſchlechten / gemeinen / groben / und ſtinckenden Dampff aus der Erden in die Hoͤhe zieht / und wann dieſer ſchlech - te Kerl empor ſteigt / ſo uͤbernimmt er ſich alſobald / ſammlet ſich in ein truͤbe Wolcken zuſammen / unterſtehet ſich ſo gar das helle Liecht der lieben Sonnen als ſeinen beſten Freund und Gutthaͤ - ter zuverfinſtern / ja mit Donner und Hagel macht er alle erdenck - liche Ungelegenheit dem jenigen / von deme er ſein Aufkommen hat. O Schelm! faſt gleichen Danck hat der Gottſeeligſte Monarch in Jſrael von ſeinem Sohn Abſalon erlebt / der gutePſalm 127. gekroͤnte Harpffeniſt hat von andern guten Eltern / welche da GOtt vor Augen haben / prophezeyet - Filij tui ſicut novellæ olivarum in circuitu menſæ tuæ, deine Kinder werden ſeyn wie junge Oelzweige umb deinen Tiſch / Ja wol Oelzweig / Ab - ſalon ware kein Oelzweig ſondern ein Hoͤllzweig / ſo faſt uͤber maͤſſige Schmertzen und Bedrangnus dem Vatter angethan: ader die Rach blieb nicht aus / maſſen er durch Verhaͤngnus der Goͤttlichen Gerechtigkeit an einem Aichbaum / oder Ach! Baum / hangen geblieben / und der zu hoch wolte ſeyn / muſte in die Hoͤhe das Leben laſſen. GOTT ware mit dieſer angefuͤgten Straff noch nit befriediget / ſondern hat ihme auch kein ehrliche Begraͤb - nus vergonnet.

Uneracht der Koͤnigliche Printz Abſalon unglaublichen Unkoſten noch bey Leb-Zeiten angewendet in Erbauung und Aufrichtung eines ſehr herꝛlichen und praͤchtigen Grabs / ſo iſt ihm ſolches nicht zu Theil worden / ſondern der Leib muſte wie ein wildes Viech in die tieffe Gruben / unweit der Stadt Jeruſalem gleich bey dem Ort / allwo der Prophet Jſaias durch ein hoͤltzene Saͤg die Marter-Kron erlangt / ſpoͤttlicher Weiß geworffen / und nachmals mit einem groſſen Stein-Hauffen zugedeckt werden / wie dann noch auf heutigen Tag die vorbeygehende / ſo wohl Tuͤr - cken als Chriſten einen Stein hinunter werffen / als waͤre es diß -falls47hat eine ſchlechte Begraͤbnus.falls ein Geſatz zu einer verruchten Gedaͤchtnus / umb weil er ſei -Andri - com, fol. 19. nem eignen Vatter abtrinnig und undanckbar worden.

Grab / Echo, Rab.

Nachdem der Job die Prob / und endlich das Lob deß aller - gedultigſten Menſchens auf Erden von GOTT ſelbſt erhalten / ſo hat dieſer ihne nach gehends in den beſten / reichiſten und gluͤck - ſeeligſten Stand geſetzt; unter andern ihme auch gegeben drey Toͤchter / dero Schoͤnheit und Wolgeſtalt alle Weibs-Bilder uͤbertroffen hat in dem gantzen Land: Stirn halber die ſchoͤnſte / Augen halber die Schoͤnſte / Naſen halber die Schoͤnſte / Wangen halber die Schoͤnſte / Maul halber die Schoͤnſte / Haar halber die ſchoͤnſte / Hals halber die Schoͤnſte / Haͤnd halber die Schoͤnſte / deß gantzen wolgeſchaffenen Leibs halber die Schoͤnſte. Haben ſie aber auch Muſch und Mucken im Geſicht tragen wie jetziger Zeit im Brauch? das wol nit / dieſe hat der Beelzebub als Fliegen Teuffel aufgebracht. Haben ſie auch ein ſo hohe Hauben von Fontaſch auf dem Kopff tragen / wie dermahlen im Brauch? das noch we - niger. Dieſe Bluntzen haben die Teuffel gemacht / wie ſie mit Erlaubnus deß HErren ſeynd in die Schwein gefahren. Ha - ben ſie dann auch ein Anſtrich gebraucht / wie dermalen gemein bey mancher Thok? das gar nit; dann das Wort Thok / ſo es zuruck geleſen wird / heiſt Koht / und was / und zu was Ende ſolle man dieſes mit einer ſchoͤnen Farb anſtreichen? Die unſer lieben Frauen-Bilder / welche der H. Lucas gemahlen hat / werden in der gantzen Chriſtenheit fuͤr Miraculos gehalten / und ſeynd allerſeits voller Wunder: aber die Frauen-Bilder / welche der Teuffel mahlt mit dem Anſtrich / die ſeynd nichts als Maculoß / und uͤber und uͤber voller Blunder. O wol ein freche Thor - heit der Adams-Kinder / welche das Angeſicht / ſo der allmaͤchti - ge GOtt erſchaffen / wollen verbeſſern / und den hoͤchſten GOtt in ſeinen Wercken corrigiren! dieſe Vermeſſenheit bleibt gar offt auch auf dieſer Welt nicht ungeſtraffter / wie in der ſtoltzen Jezabel zuſehen. Dieſe ware deß Koͤnigs Achab ſein Gemahlin /ein48Judas der ver zweiffelte Verraͤther / ꝛc.ein Laſterhafftes Weibsbild / forderiſt aber dem Hochmuth und ſtinckenden Hoffarth ergeben / dergeſtalten / daß ſie auch in Au - genſcheinlicher Todts-Gefahr / ihr Angeſicht mit dem Anſtrich uͤbermahlt / welches dem Allerhoͤchſten alſo mißfallen / daß er ſie durch den Jehu vom hohen Fenſter herab ſtuͤrtzen laſſen / und un - geacht ſie eines ſo hohen Haus und Stammen ware / hat GOtt nit wollen znlaſſen / daß ihr verdammter Coͤrper ſolt ehrlich begra - ben werden / ſondern durch ſeine Goͤttliche Verhaͤngnus haben die Hund dieſes angeſtrichene Fleiſch zerbiſſen / zerriſſen / und auf - gezehrt / alſo zwar / daß nichts als etliche wenige Beiner von ihr ſeynd geuͤbriget worden.

Grab / Echo Rab.

So bald der von GOtt erleuchte Joſeph in der Gefaͤng - nus von dem Mund-Becken deß Koͤnigs Pharao vernommen / daß ihme getraumt / als trage er drey Koͤrb Brod / und aus dem obern korb / worinnen die beſte Mund-Semmel / freſſen ſelbes und verzehren allerley Voͤgel / ho! ho! ſagt Joſeph / Kerl / Heyl und Seil wird bey dir eins ſeyn / Gluͤck und Strick wird bey dir zu - gleich ſeyn / gehenckt fuͤr geſchenckt wird bey dir fuͤr gewiß ſeyn / wie es dann auch alſo geſchehen / und gar recht: warum hat er das ſchoͤne Brod / ſo er von ſeinem Herꝛn empfangen / ſo liederlich den Voͤglen geſpendirt.

Wir pflegen insgemein zureden / wann einer bey guten Mittlen und huͤbſcher Haabſchafft / er habe ein ehrliches Stuck Brod / und ſolches hat er von niemand anderſt als von GOtt al - lein. Aber leyder! wie offt geſchicht es / daß mancher ſolches Brod nicht den Armen ſpendirt / welche doch GOttes Perſohn vertretten / ſondern ſelbes liederlich anwendt / und den Voͤglen vergonnet / mit Spey - und Spott-Voͤgel allerley Luder-Leben daſſelbe verzehrt: aber dergleichen werden ſelten entgehen der ſcharpffen Ruthen deß Goͤttlichen Richters.

Unter ſolchen Gewiſſenloſen Geſellen iſt nit der wenigſte noch geringſte geweſt jener Spanier / von dem Hieronymus deFlo -49hat eine ſchlechte Begraͤbnus.Florentia erzehlet / welcher zwar einen offnen Helm fuͤhrte im Wappen / aber zugeſchloſſene Haͤnd gegen den Armen / trefflich an Mitteln / aber ſchlecht in Mitleiden / von einem guten Blut / aber nit ein redliche Ader in ihm / von einem guten Haus / aber mit dem Gewiſſen war es verhauſt. Ein jedes Luder war ſein Bruder / deme er das Seinige angehenckt. Nachdem er mit Tod abgangen / und von der Adelichen Freundſchafft ſehr praͤch - tig zu Grab getragen worden / hat ſich unverhoffter ein erſchroͤck - liches Wetter erhebt / daß alle Noth halber ſich muſten nach Haus begeben / und weilen der Coͤrper wegen deß unleidentli - chen Geſtanck hat muͤſſen unter die Erde kommen / alſo haben ſolchen drey gemeine Todten-Graͤber mit Stricken in die Ca - pell geſchleppt / wo der gantzen Freundſchafft Begraͤbnus ware. Kaum daß ſie ihn dahin gebracht / da hat alſobald ein erſchrockli - cher Donner-Keyl alle Wappen und Schild der Freundſchafft von der Maur mit groͤſtem Gewalt herunter geſchlagen / den ver - dammten Coͤrper alſo verzehrt / daß eines fernern Begraͤbnus nit mehr vonnoͤthen geweſt / ſondern ſein Grab ware gleich dem rei - chen Praſſer / welcher laut der Evangeliſchen Warheit in der tief - fen Hoͤll begraben worden.

Grab / Echo, Rab.

Man ſagt / daß auf eine Zeit das Papier und Pergament ſeyen hart untereinander kommen / und nach langen gehabten Widerwillen / endlich in ein groſſen Zanck gerathen / eines dem andern viel Schmaͤh-Wort unter die Naſen gerieben / und wofern die Schreiber / Buchdrucker und Buchbinder nit haͤtten Fried ge - macht / und ſich darein gelegt / ſo waͤre es ohne blutiges Rauffen nit abgeloffen. Das Papier prallte nit wenig wegen ſeines al - ten Herkommens / und ſagte / daß es derenthalben charta ge - nennt werde / weil ſein erſtes Aufkommen ſeye geweſt in der Welt-beruͤhmten Stadt Chartago, das Pergament wolte diß - falls nit ein Haar nachgeben / weil es ebenfalls von einer vorneh - men Stadt herkomme / benanntlich von der Stadt Pergamo inPars IV. GWelſch -50Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.Welſchland. Das Papier ſetzte hinwieder / wie es gebraucht werde zu der Heil. Schrifft / zu allen Lehrer-Buͤchern: und wann ich nit waͤre / antwortet das Pergament / und thaͤt nit allezeit uͤber dich ein Deck - und Schutz-Mantel abgeben / wie gegenwaͤrtige Herren Buchbinder ſelbſt bezeugen / ſo waͤreſt du wegen deiner Schwachheit ſchon zu Grund gangen: Zu deme ſo laſſe ich mich gebrauchen zu Kayſerlichen und Hoch-Fuͤrſtlichen Patenten / da unterdeſſen aus dir nur gemeine und gar offt verdruͤßliche Aus - Zuͤgel gemacht werden. Wann ſchon / ſagt das Papier / ſo bin ich doch weit eines beſſeren Wandels / und fuͤhr ein friedſames Le - ben / da du doch auf die Trummel geſpannt wirſt / und nichts als blutige Schlachten verurſachen thuſt. Ho! ho! ſagt das Per - gamen / dein Lob will ich mit kurtzen Worten einſchrancken: du kommſt von Hadern und Lumpen her / und macheſt auch das meiſte Hadern und Zancken / wie / auch die aͤrgſte Lumpenhaͤndel. Das muſt du mir probieren / ſchreyt das Papier / oder ich will dir den Hals brechen. Gar gern / ſagt das Pergament: Was ſeynd die Spiel-Karten als Papier / welches von denen Lateinern charta genennt wird? Und was verurſachet mehrer Hader / Zan - cken und Schlaͤg / was macht mehrer Ubel und Lumpen / Sachen / als die Karten? hierauf muſte das Papier das Maul halten.

Es iſt zwar / wie es leicht zuereignen / dieſes ein Fabel und Gedicht / gleichwol ein verdeckte Warheit; dann ja kein Wur - tzel iſt / woraus mehr Ubel und Unheil wachſet / als aus dem Spie - len / maſſen mit dergleichen Geſchicht die gantze Welt voll / unter welchen folgende nit die Geringſte.

Jn einem Dorff / unweit Regenſpurg / ware ein vermeſſener Baur / welcher neben andern Untugenden auch dem Spielen ſehr ergeben geweſt; weil er aber in ſolchem oͤffters den Kuͤrtzern gezo - gen / alſo hat er durch Anleitung deß boͤſen Feinds allerhand unzu - laͤſſige Mittel geſucht / ſein Gluͤck in Spielen zu befuͤrdern. Un - ter andern hatt der verruchte Geſell die Allerheiligſte Hoſtien in ſein Fuß eingeheilt / damit hiedurch ſein Spielen beſſer von ſtattengienge51hat eine ſchlechte Begraͤbnus.gienge / in ſolchem Laſter iſt der Gottloͤſe Menſch mit Todt ab - gangen / und ſein ungluͤckſeelige Seel den verdienten Lohn bekom - men. Der Leib wird im Freydhoff nechſt der Kirchen begraben / zumahl dieſe ſeine Boßheit und Unthat nit kundtbar geweſt: aber GOtt wolte nit zulaſſen / daß ein ſo verruchtes Geſchoͤpff ſolte an einem ſo ehrlichen Orth begraben ligen; dahero geſchehen / daß alle Jahr der Donner eingeſchlagen / und zwar an kein anders Ort / als auf das Grab deß beſagten Boͤßwichts. Die Jnn - wohner deß Dorffs kunten gar nit wiſſen / warumb doch alle Jahr der feurige Donner-Keyl nur dieſes Orth / und kein anderes be - ruͤhre; ſo gar kundten ſie nit faſſen / warum die Flam̃en voͤllig al - lemahl in die Tieffe deß Grabs hinein dringe. Biß endlich jemand ſich verlauten laſſen / wie daß der jenige Baur / ſo allda begraben ligt / ihme habe offenbahrt / daß er das Allerheiligſte Sacrament in dem Fuß habe eingeheilt. Nachdem nun ſolches mehr und mehr Leuth beſtaͤttiget / da hat man den verdammten Coͤrper aus - graben / die Sach alſo / wie vorgeben worden / befunden / und dar - auf denſelben auf den Scheitterhauffen verbrennt / und den Aſchen zerſtraͤuet / uͤber welches nachmahlen der Donner nit mehr / wie zuvor / eingeſchlagen.

Grab / Echo, Rab.

Aus Befelch deß Kayſers Auguſti muſten alle Leuth in der Welt beſchrieben werden / welchem Gebot auch wolte nach - kommen Joſeph / ein Geſpons Mariæ, dahero zu ſolchem Ende mit erſtgedachter H. vermaͤhlten Jungfrauen ſich nacher Beth - lem begeben / daſelbſt allerſeits ein Einkehr geſucht / aber keine ge - funden / dann es waren ſchon alle Haͤuſer mit Volck angefuͤllt / und nach Auſſag deß Evangeliſten Lucæ, Non erat eis locus in diverſorio c. 2. So ware vor JEſu / Maria / Joſeph kein Platz noch Orth im Wirths-Haus / und die ſeeligſte Mutter ware dazumahl ſchon auf der Zeit / da ſie JEſum ſolte gebaͤhren / aber fuͤr ſie ware kein Platz im Wirths-Haus / muſten demnach Noth halber in einem armen Stall bey Ochs und Eſel die Her -G 2berg52Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.berg nehmen / weil fuͤr ſie kein Platz im Wirths-Haus. Die Warheit zubekennen / glaube ich / daß unſer lieber HErꝛ bey den wilden Thieren lieber die Einkehr genommen / als im Wirths - Haus / dann mehren Theils an dergleichen Orthen nit allein die Leuth / ſondern auch die Laſter logiern / und heiſt offt ein Wirths - haus beym weiſſen Creutz / da doch der Teuffel daſelbſt ſein Tum - mel-Platz hat / und ſolches forder iſt wegen der Spiel-Leuth / wel - che zu allerley uͤppigen tantzen und ſpringen haͤuffige Anlaß ge - ben / gewiß iſts doch / daß die Spiel-Leuth mehrentheils beſſer ſeyn / in Saiten als in Sitten / dahero ſie nit allein das Springen und Hupffen verurſachen / ſondern machen auch / daß man zugleich die Erbarkeit mit Fuͤſſen tritt.

Cantipratanus ſchreibt / daß in Flandern ſeye geweſt ein Spielmann oder Pfeiffer / welcher an einem vornehmen Feſttag die junge Leuth mit Pfeiffen und unzuͤchtigem Singen / wie der -l. 2. ap. c. 57. gleichen Lotter-Geſindel zu thun pflegt / zu allerley Tantzen und Muthwilligkeiten angereitzt; dahero GOttes Straff nit mehr hat koͤnnen verweilen / ſondern hat dieſen durch einen erſchroͤckli - chen Donnerſtreich zu Boden geworffen / und den rechten Armb gaͤntzlich von dem Leib abgetrennt / worauf alſobalden zwey groſ - ſe Kohlſchwartze Hund den Armb mit ſich geſchleppt / und nach - mahlen verſchwunden. Aber GOtt wolte auch nit vergonnen dem vermeſſenen Geſellen ein ehrliche Begraͤbnus / deſſen Seel ſchon gebrunnen in der Hoͤll. Wie nun deß andern Tags auf vielfaͤltiges erſuchen und bitten / faſt wider den Willen deß Pfarꝛ - Herꝛn beſagter Coͤrper in ein geweıchtes Orth begraben wor - den / ſo iſt ſolcher unſichtbarer Weiß durch die boͤſe Feind hinweg genommen worden / daß man alſo nichts anders / als das laͤhre Grab gefunden.

Grab / Echo, Rab.

Es glaubte Petrus, daß er ein groſſes Lob werde darvon tragen / wie er dem Malcho ein Ohr abgehauen / aber an ſtatt deß preiſen hatte er ein verweiſen / ja es iſt ihme von dem Heylandbefoh -53hat eine ſchlechte Begraͤbnus.befohlen worden / daß er den Saͤbel alſobald ſolle einſtecken / als wolte der HERR JEſus ſagen / daß er an ſtatt deß Degens als Roͤmiſcher Pabſt ein anders Gewehr werde brauchen / benannt - lich die Excommunication und Geiſtlichen Bann / wordurch auch der Ubermuth mancher gekroͤnten Haͤupter gedaͤmpfft wor - den. Der Heilige Gundiſalvus Amarantius aus dem be - ruͤhmten Dominicaner-Orden / wolte auf eine Zeit in ſeiner Pre - dig denen gemeinen Leuthen zuverſtehen geben / was groſſe Wuͤrckung in ſich habe ein rechtmaͤſſig gefaͤllte Excommunica - tion, und wie daß ſolche auf keine Weiß zuverachten ſeye / alſo hat er einen groſſen Korb voll mit Schneeweiſſen Semmlen ex - communiciret / worauf beſagte Semmel alſobald in Kohl - ſchwartzes Brod verkehrt worden / ſo bald er aber nachmahls ſol - chen Bann wiederumb aufgehebt / und abſolviret / iſt das ſchwartze Brod wiederumb in die ſchoͤnſte Semmel verwandlet worden.

Forderiſt aber hat ſolches erfahren ein Soldat in der Ca - turcenſiſchen Diœces, welcher von der Excommunication noch nit entbunden / mit Tod abgangen / und ohne Wiſſen deß Biſchoffs daſelbſt in der Kirchen deß Heil. Petri begraben wor - den / deß andern Tags aber iſt der Coͤrper gantz nackend auſſer| dem Grab gelegen / man hat ſolchen mehrmahlen an beſagtes Orth gelegt / und das Grab mit einem groſſen Stein bedeckt / und zwar fuͤnffmahl nacheinander / aber niemahlen hat die Erde dieſen ver - dammten Brocken koͤnnen verdaͤuen / ſondern allezeit von ſich ge - worffen; Woraus maͤnniglich hat unſchwer abnehmen koͤnnen / daß er eines ehrlichen Grabs nit werth ſeye / dahers anderwerts den Leib hingeworffen / wo er etwan den Raaben zu Theil wor - den.

Grab / Echo Rab.

Jhr Kothbutten / ihr Miſt-Confect, ihr gefirneiſte Erd - Schrollen / ihr muffende Kraut: Toͤpff / ihr glantzende Maden - Saͤck / ihr gemahlte Saͤutroͤg ihr uͤberzogne Waidſchwamen / ihrG 3pollier -54Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.pollierte Luder / ihr verzuckerte Aas / ihr vermaͤſcherte Elendhaͤut / ihr verſilberte Eyterbotzen / ihr verwuͤſter Wuſt (euch verſtehe ich hoffaͤrtige Weiber) und zwar die jenige / welche mit der von Goͤttlicher Allmacht ertheilter Bildnus nicht zufrieden / ſondern ſelbes mit allerley erdencklichen Mittlen ſuchen zuverbeſſeren / ihr ſolt euch ſpieglen an dem Wunderthaͤtigen Maria-Bild am Ne - ckar / welches neben andern unzahlbaren Miraculen auch dieſes wuͤrckt / daß es ſich von keinem Mahler / ſo ſchon oͤffters geſchehen / laſt renoviren / oder mit Farben uͤberziehen / ſondern behalt alle - mahl die vorige Geſtalt. Aber macht euch nur mit frembden Anſtrich / roth / der Teuffel wird es euch zu ſeiner Zeit braun ge - nug machen.

Das hat mit ihrem ewigen Untergang erfahren jene / von der Pagat, to. 2. fol. 508. n. 16. erzehlet / welche abſonderlich faſt alle Tag ihr Angeſicht mit frembden Anſtrich uͤbermahlt / und nach viel ergangenen Ermahnungen von ſolcher verruchter Ge - wonheit nit abgeſtanden / ſondern noch freventlich ſich hoͤren laſ - ſen / es ſeye ihr nit ſo viel an GOttes Angeſicht gelegen / ſie moͤg daſſelbe ſehen oder nicht / als an ihrem: ȍ beſtia! nachdem ſolche mit Tod abgangen / iſt ſie Zweiffels ohne wegen der ehrlichen Freundſchafft an ein gutes Ort begraben worden? aber die Er - de - ſo ſonſt kein Unflat weigert / wolte dieſes Aas durch ſondern Willen GOttes nit in ihrer Schoos leiden / ſondern hat ihn mit aller Gewalt wieder von ſich geworffen. Der Vatter / ſo dazu - mahl noch im Leben / hat ſie nachmahlen laſſen mit dem Sand zudecken am Ufer deß Meers: aber dieſer wolte auch nicht ein Deckmantel abgeben dieſer Beſtienſt; weil endlich der Vatter ge - ſehen und wahrgenommen / daß dieſe ſeine ungluͤckſeelige Tochter keines Grabs werth / alſo iſt er in dieſe Wort ausgebrochen: weil der Teuffel die Seel hat / ſo kan er den Leib auch nehmen; wor - auf in Gegenwarth Maͤnniglichen der verdammte Coͤrper ver - ſchwunden / und Zweiffels ohne von denen Hoͤlliſchen Larven hinweg gefuͤhrt worden.

Grab55hat eine ſchlechte Begraͤbnus.

Grab / Echo, Rab.

Unſer HErꝛ und Heyland traff auf ein Zeit ein Samari - taniſches Weib an bey dem Brunnen Waſſer zuſchoͤpffen / ſonſt find man mehrer Weiber beym Wein / als beym Waſſer. Nach - dem er mit ihr ein kleine Zeit ein Anſprach gehabt / und ihr nicht ein wenig das Gewiſſen geruͤhrt / ſo ſchafft er ihr / voca virum tuum, ſie ſolle ihren Mann herzu ruffen: unſerm gebenedeyten Erloͤſer / vermoͤg ſeiner Goͤttlichen Allwiſſenheit ware gar wol bekandt / daß dieſer nit ihr rechter Mann ſeye / ſondern daß ſie mit ihme in ſteten Ehbruch lebe / wan dann dem alſo / warumb ſagt der Heyland nicht: voca adulterum tuum: Ruffe deinen Ehebrecher? dein unzulaͤſſigen Beyſchlaff / dein Huſtentreiber. Darum gibt die Antwort Dion. Carthuſ. darumb nennte er dieſen Geſellen ihren Mann / und nit einen Et Cætera; weil er ſo gar nit den bloſſen Namen der Unzucht wolte ausſprechen. O GOtt! O Himmel! ein jeder Prieſter vertritt GOttes Stell auf Erden / und alſo ſoll er dergeſtalten einen reinen und keuſchen Wandel fuͤhren / daß ihme ſo gar kein ungereimbtes Wort von der Zungen ſolle kommen. Aber leyder! man ſicht und ſpuͤhrt zuweilen das Wiederſpiel / und find ſich zu Zeiten unter dieſer ge - ſalbten Schaar auch etwas geſchmirbtes / ja die nit allein fremd - des Feur mit jenen zweyen Leviten Nadab Abiu, zu dem Al - tar bringen / ſondern gar mit dem ſchaͤdlichen / ſchaͤndlichen Ve - nus-Feuer entzuͤndet ſeyn.

Von einem dieſes Geliffters ſchreibt der Heil. Cyrillus ſolcher Geſtallten / wie das in einer Kirchen bey Tag und Nacht ein ſtaͤter Tumult und erſchroͤckliches Getoͤß gehoͤrt worden / wel - ches den guten Leuthen nit einen geringen Schrecken eingejagt / zu - mahl auch die Peſt nit wenig die Stadt betruͤbt. Als nun auf ein Zeit der Biſchoff daſelbſt mit dem geſamten Volck eyffrigſt in dem Gebett begriffen / und die Haͤnd aufgehebt zu dem aller - hoͤchſten GOtt umb abwendung dieſes Ubels / ſo dann iſt der H. Hyronimus in groſſer Glory erſchienen / und anbey geoffen -bahrert /56Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.bahret / wie daß in gegenwaͤrtiger Kirchen ein Prieſter begraben lige / welcher ein laſterhafften und unzuͤchtigen Wandel gefuͤhrt /Cyrill. in Epiſt. ad Auguſt. de laud. Hieron. werde alſo ſo lang und ſo viel das Ubel kein Ende nehmen / biß ſol - cher verruchter Coͤrper aus der geweichten Erde geworffen wer - de. Worauf dann unverzuͤglich ſolches werckſtellig gemacht / und der Leib zu Aſchen verbrennt worden.

Grab / Echo Rab.

Wol recht fangt das Woͤrtl Geld von dem Buchſtaben G. an / das iſt ſo viel als Ge. G. Was Ubel ſchmiedet das Geld? G. Was Unheil kochet aus das Geld? G. Was Narren macht das Geld? G. Was Seelen ſtuͤrtzt das Geld? G. Was Au - gen verblend das Geld? G. Was Gemuͤther verfuͤhrt das Geld? G. Was Hertzen bethoͤrt das Geld? G. Was Scha - den macht das Geld? das Geld iſt rund und macht doch viere - ckete Narren / das Geld iſt von Silber und Gold / und hat doch eyſene Kraͤfften / das Geld iſt klein / und wuͤrckt doch groſſe Ding. Von Simone Mago ſchreibt Anaſtaſius Nicenus, daß er ein groſſe Menge der Leuth habe nach ſich gezogen / und auf ſein Seiten gebracht; viel Maͤnner / viel Weiber / viel Kinder / viel alte / viel junge / viel reiche / viel arme / zogen mit ihm / glaubten an ihm / hieltens mit ihm / was ware dann deſſen eigentliche Urſach / daß er ein groſſes Volck bethoͤrt hat? obberuͤhrter Author gibt die Antwort / wie daß Simon Magus neben andern| Zauber-Kuͤn - ſten / und Teuffliſchen Verblendungen ſich habe oͤffters in lauter Geld verkehrt / und oͤffters vor dem Volck / wie ein von Gold ge - goſſene Statuta, oder Bildnus geſtanden / und dieſes ſey die mei - ſte Urſach / warumb ſo viel Leuth mit ihm ſeyn gewandert; dann die Menſchen das Geld weit kraͤfftiger ziecht / als der Magnet das Eiſen. Neben unzahlbaren Geſchichten iſt folgende nit die Geringſte / woraus abzunehmen / g g g g g g / was Seelen das Geld ſtuͤrtze!

Der H. Gregorius Pabſt ſchreibt ſelbſt mit ſeiner allzu - warhafften Feder / daß ein Weibsbild geweſt ſeye / welche unterdem57hat eine ſchlechte Begraͤbnus.dem Schein der Andacht ſtaͤts die H. Oerther / ſon von Wunder - Thaten beruͤhmt waren / beſucht habe / und folgſam bey dem ge - meinen Volck in ſolchen Ruhm kommen / daß ſie faſt von Maͤn - niglich vor Heilig gehalten worden. Unterdeſſen aber brachte ſie ein groſſen Schatz von Geld zuſammen / und ware ihr ver - maͤntlete Andacht nur dahin gericht / wie ſie moͤchte viel Geld zu - ſammen raſplen / ihren unerſaͤttlichen Geitz hierdurch zu ſpeiſen. Nachdem ſie viel und lange Jahre die verdammte Geldſucht hinter dem Fuͤrhang der Heiligkeit verborgen / und endlich das Zeitliche verlaſſen / ſo hat ſie kurtz zuvor allen ihren Schatz in die Erde ver - graben / ihr Seel aber auf ewig dem Sathan eingehaͤndiget. Die gute Meynung von ihrer aͤuſſerlichen Heiligkeit hat ver - moͤcht / daß ſie ſehr ſtattlich mit Begleitung deß haͤuffigen Volcks zur Erden beſtaͤttiget worden. Aber der gerechte GOtt wolte nit zulaſſen / daß ein ſolcher Leib ſolte in einem ehrlichen Grab ligen / deſſen Seel ſchon brinnt in dem ewigen Feuer / dahero ge - ſchehen / daß nach ihrem Tod ein erbaͤrmliches Geſchrey aus dem Grab gehoͤrt worden / und zwar dieſe deutliche Wort: Es brennt / es brennt / es brennt mich. Wie man leylich das Grab eroͤffnet / und die Toden-Truchen abgedeckt / hat man geſehen / daß ein Teuffliſches Geſpenſt ihr immer zu zerlaſſenes Gold in das MaulIn Dial. und Rachen gegoſſen / welches ein genugſame Urſach geweſen / daß ſie nachmahls deß ehrlichen Grabs beraubt worden.

Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.

D Judas ein Dieb geweſen / iſt bereits bey uns ein wahr - haffter Glaubens-Articul / maſſen ſolches das H. Evan - gelium klar und deutlich beſtaͤttiget: Fur erat. Allein iſt zu wiſſen / daß ſein Diebſtall kein gemeines Verbrechen gewe - ſen / wie bey mehrern Henckermaͤſſigen Geſellen zuſehen / ſondern er iſt ein Ober-Haupt geweſt aller Kirchen-Rauber / ein Raͤdel - Fuͤhrer aller der jenigen / ſo an Geiſtlichen Guͤtern wider allenPars IV. HFug58Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Fug und Gerechtigkeit / gewaltthaͤtige Haͤnd anlegen / und zwar aus doppelter Urſach: dann erſtlich hat er diebiſcher Weiß ent - frembd das Geld / welches unſerm HErꝛn und Heyland / dann auch dem H. Apoſtoliſchen Collegio gehoͤrig geweſt / nachmah - len hat er die dreyſſig Silberling / umb die er das allerhoͤchſte Gut verkaufft / von denen Hohenprieſtern der Juden angenom - men / welches Geld / zumahlen es aus dem Tempel ware / weder die Gewiſſenloſe Prieſterſchafft kundte geben / weder der Gottlo - ſe Geſell kundte annehmen. Es hat aber der verruchte Boͤß - wicht Judas in dieſer ſeiner Ohnthat ſehr viel Nachfolger und Diſcipel.

Unſer lieber HErꝛ und Heyland hat in ſelbſt eigner Per -Joan. c 2. ſohn zu Jeruſalem alle die jenige / ſo mit Tauben gehandlet / zum Tempel hinaus gepeitſcht. Den Adam ſammt ſeiner Mit-Con - ſortin hat GOtt aus dem Paradeiß gejagt durch einen Engel: Die Amoræer hat GOTT aus ihrem Vatterland vertrieben durch Mucken und Wepſen: Das gantze Aſſiriſche Kriegs - Heer hat er zu Boden gelegt durch einen Engel: Aber wie er die leichtfertige Taubenhaͤndler im Tempel hat angetroffen / da wol - te er ſolche Boͤßwicht nit ſtraffen durch andere / ſondern er ſelbſt macht aus den Stricken / wormit Staͤnd / Butten / Kraͤxen / und Tiſch gebunden waren / ein Geiſſel / und jagt die Gewiſſens - loſe Geſellen zum Tempel hinaus ſammt ihren Tauben. Hat nun der gebenedeyte Heyland ſo gar die Tauben nit wollen ge - dulten in ſeinem Tempel / wie viel weniger kan er darinn leiden die Raub-Voͤgel / deren doch ſehr viel geweſt / und noch ſeyn / welche Kirchen-Schaͤtz und Geiſtliche Guͤter mehrmahlen zu ſich zie - hen / aber ſelten / ja faſt nie ohne ſondere Goͤttliche Straff darvon kommen.

Balthaſar der Babyloniſche Koͤnig / als er ſeinen Vatter / jenen groſſen Nabuchodonoſor, nachdem er todt / in drey - hundert Stuck zerhauen laſſen / damit er nit mehr vom Toden erwecket wurde / dieſer Balthaſar ſtellte eineſt ein ſehr groſſes undſtatt -59Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſtattliches Panquet an / worbey der hoͤchſte Adel / das vornehm - ſte Frauen-Zimmer / und ein groſſe Menge der Kebs-Weiber er - ſchienen. Nachdeme nun der Wein dem Koͤnig in den Kopff geſtiegen / hat er alſobald den Befehl ertheilt / man ſolle alle gul - dene und ſilberne Geſchirꝛ / die ſein Vatter aus dem Tempel zu Jeruſalem geraubt / herbey bringen / und dar aus alle gegenwaͤrti - ge Gaͤſt wacker Beſcheid thun. Aber GOttes Straff kundte nicht lang ausbleiben / in Anſehung deß groſſen Kirchen-Raubs; dann obſchon beſagter Koͤnig ſolchen Kirchen-Schatz nicht ge - raubt / ſondern nur ſein Vatter: weil er aber dieſen unrechtmaͤſſig behalten / und nit wiederumb dem Tempel erſtattet / alſo iſt er ebenfalls als ein vermeſſener Kirchen-Rauber beſchuldiget wor - den / und folgſam der Goͤttlichen Raach unterworffen: maſſen noch bey waͤhrender dieſer Mahlzeit ein Hand ohne Armb an der Wand erſchienen / und ihme den Untergang angedeut / ſo noch in ſelbiger Nacht vollzogen worden; dann etliche Stund hernach die Perſianer mit groſſer Macht die Stadt Babylon eingenom - men / erſtbenannten Koͤnig erwuͤrget / alles Frauen-Zimmer nie - dergehaut / Fuͤrſten und Grandes gefangen genommen / und folgſam das gantze Koͤnigreich in frembde Haͤnd gerathen. Sol - che Straff verdiente der Kirchen-Raub.

Wie Petrus ſammt wenig andern auf dem Befehl Chri - ſti / ſo dazumahl gegenwaͤrtig ware / den groſſen Fiſchzug gethan / da hat er vermerckt das Netz moͤchte ihme zu ſchwer ſeyn / und folg - ſam ohne Lebens-Gefahr nit ablauffen / weſſenthalben ſie etlichen andern Fiſcheren / ſo nit weit von ihnen / mit den Haͤnden gewun - cken / ſie ſollen ihnen diß falls beyſpringen / und einige Huͤlff lei -Luc. 5. ſten / annuerunt Socijs, wie kommts aber / daß ſie nit geſehryen / oder pfiffen haben / wie der gleichen Leuth zu thun pflegen? etwan ſeynd die andere Gehoͤrloß geweſt / daß nit / das wol nit: ſondern ſie haben derentwegen kein Geſchrey gemacht / noch weniger ein ungereimtes Pfeiffen vollbracht / weil ſie gedacht / daß der glei - chen Sachen ſich nicht geziemen an einem Ort / wo der HErꝛ undH 2Hey -60Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.Heyland gegenwaͤrtig iſt. Dion. Carthuſ. in Luc. Geziemt ſich das nit - und ſcheint gar ungebuͤrtig / an einem Ort zuſchreyen / wo Chriſtus gegenwaͤrtig / wie viel weniger reimbt ſich / ja wie viel ſtraͤfflicher iſt es / wann jemand ſo gar zu ſtehlen und rauben ſich vermeſſet aus dem Tempel / allwo GOTT ſelbſt gegenwaͤrtig. Dergleichen Frevel wird ſelten ungezuͤchtiget gelaſſen.

Zu Bilbai in Spannien iſt ein Wunderthaͤtige Bildnus der Mutter GOttes Maria / allwo ſich neben vielen| andern dieſes denck wuͤrdig zugetragen. An. 1523. hat bey naͤchtlicher Weil ein vermeſſener Dieb die H. Bildnus voͤllig beraubt / und ſehr koſtbahre Kleynodien darvon getragen. Endlich wolte er auch die guldene Kron von dem Haupt nehmen / welches aber die Mutter GOttes / als ein Koͤnigin Himmels und der Erden nit wolte zulaſſen / ſondern die Hand dieſer hoͤltzenen Bildnus hat der geſtalten den Arm deß Diebs gehalten / daß er von ſolchem Raub muſte abſtehen: Gleichwol iſt der Gottloſe Menſch hier - durch nit in ſich gangen / ſondern mit dem andern Raub darvon gangen / aber nit nach ſeinen Wunſch oder Verlangen; dann als er bey einer groſſen Schaaf-Heerd wolte vorbeygehen / da hat ſich ein groſſer Widder hervor gemacht / den Dieb mit ſeinen Hoͤrnern der geſtalten beaͤngſtiget / daß er endlich von dieſem Duell gantz matt muſte den Ruck-Weg nehmen. Wie er nun einen andern Weg geſucht / und mehrmahlen ein groſſe Kuh-Heerd angetroffen / da hat ſich alſobald ein Ochs hervor gemacht / und den Dieb dermaſſen beunruhiget / daß er wiederumb dem hart - neckigen Ochſenkopff muſte den Sieg laſſen / und anderwerts ein Weg ſuchen / aber auch dißmal in ſeiner Hoffnung betrogen worden; dann als er wolte durch ein ſehr angenehmes Waͤldlein / ſo| ihme vorhin nur gar wol bekant / mit guter Gelegenheit durch - paſſiren / hat er daſſelbe alſo mit Geſtraͤuß und Dorn-Hecken ver - wachsner gefunden / daß ihme unmoͤglich mehr geweſen weiter zugehen / muſte alſo Mattigkeit halber ſich niederlegen und ſchlaf - fen. Unterdeſſen in der benachbarten Kirchen / allwo er denRaub16[61]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Raub begangen / haben von freyen Stuͤcken ohne einige Hand Anlegung eines Menſchen die Glocken ſich ſelbſt geleut / wordurch Maͤnniglich veranlaſt worden in die Kirchen zu lauffen / und ſo bald ſie daſelbſt die ſpolirte Maria Bildnus geſehen / haben ſie unſchwer koͤnnen abnehmen / daß die Glocken den Kirchen-Rau -Atlas Marian, Imag. 229. ber wollen verrathen / wie auch bald geſchehen / maſſen ſie ihne un - ter einen Baum ſchlaffender gefunden / und nicht lang hernach zur verdienter Straff gezogen. Bleibt alſo der Kirchen-Diebſtahl ſelten ohne Straff.

Wie bey naͤchtlicher Weil der Patriarch Jacob die Leyter geſehen / an welcher die Engel auf - und abgeſtiegen / und oberhalbGen. 28. GOtt ſelbſten die Leyter gehalten / da iſt er uͤber alle maſſen hier - uͤber erſchrocken / ja ſo gar aufgeſchryen / wie erſchroͤcklich iſt dieſes Orth. Aber was iſt doch die Urſach geweſt ſolches Schreckens? dieſe und kein andere. Es iſt ihm dazumahl geoffenbahret wor - den / daß an dieſem Ort ins kuͤnfftige der ſchoͤne Salomoniſche Tempel ſolle gebauet werden / woruͤber er ſich auff alle Weiß ent - ſetzt hat / in erwegung / daß er an einem ſolchen Orth geſchlaffen und folgſam wider den gebuͤhrenden Reſpect gehandlet / an wel - chem Ort ein kuͤnfftige Wohnung GOttes ſolte werden. Ly - ran. in hunc loc. Hat ſich derenthalben der fromme und Gotts foͤrchtige Jacob geforchten-weil noch nit wuͤrcklich daſelbſt ein Tempel geſtanden / ſondern erſt inskuͤnfftig ſolle aufgericht werden. Wie kuͤnnen ſich dann freventlich unterfangen einige Gewiſſenloſe Leuth / ſo bey naͤchtlicher Weil gar die Tempel be - ſtehlen und ausrauben? gewiß iſt es / daß ſolche Unthat faſt nie ungerochnet bleibt.

Jn Sabaudia nicht weit von Cantuſia iſt ein ſehr ſchoͤne Kirch / ſo von alten Zeiten hero dem H. Pancratio gewidmet / allwo auch erſtgedachten Heiligen Martyrs Reliquien und Heilthumber aufbehalten werden Jn dieſem Tempel wegen der groſſen Verdienſten deß Heil. Parcratij geſchehen uͤber alle maſſen viel Miracul und Wunderwerck / unter denen nit das ge -H 3ringſte /62Ju das ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ringſte / ſo ſich mit einem zugetragen hat. Dieſer fuͤhrte ein ehr - lichen Handel / und nahme meiſtentheils ſeinen Weg bey ſolcher Kirch vorbey. Einsmahls manglete ihm ein Stecken / wormit er ſeinen Saͤmeſel kunte beſſer antreiben / machte ihm derowegen keinen ſondern Scrupel / ſondern nimmt aus beſagter Kirchen ein Krucken / deren ein groſſe Anzahl daſelbſt gehangen / uud braucht ſolche an ſtatt deß Steckens; kaum aber / daß er ein Vıertelſtund von dem Ort kommen / da iſt ihme Augenblicklich durch ein un - ſichtbare Hand und Gewalt der Hals dermaſſen ummgerieben worden / daß ihme daß Angeſicht auf dem Rucken geſtanden / auch ſo lang verblieben / biß er ſolche Frechheit genugſam bereuet /Cantin. Bollan. in 12. Maj. und dem H. Martyrer Pancratio allemahl / ſo offt er werde vor - bey reiſen / zwey Pfund Oel verſprochen / woruͤber er zu voriger Geſundheit gelangt.

Zu dem Abraham kommen auf ein Zeit drey Engel in Ge - ſtalt der Frembdling / und nehmen bey ihm die Einkehr / zumahl er ſehr freundlich gegen allen Gaͤſten. Da er ſie nun wol tra - ctiret / und den guten Willen ſammt dem Werck erwieſen / da brin - gen ſie ihme die Zeitung / daß ihme ein Mannlicher Erb werde gebohren werden / welches der Sara / ſo dazumahl aus Weiblicher Vorwitz hinter der Thuͤr zugeloſt / ein Urſach geben / daß ſie hier - uͤber gelacht / und geſchmutzt hat / zumahlen ſie bereits eines ho - hen Alters / welches ſie ſelbſt bekennt / ſo ſonſten andre Weiber niemahlen recht bekennen / ſondern allezeit fuͤr juͤnger wollen ange - ſehen ſeyn. Der Engel wirfft es alſobald dem Abraham vor / warumb die Sara gelacht habe / als muͤſte ein Mann als das Ober-Haupt Rechenſchafft geben von allem Thun und Laſſen ſei - nes Weibs? aber ſoll dann ein wenig Lachen ein ſo groſſes Ver - brechen ſeyn? Das Tractament daſelbſt ware ein Sinnbildnus deß hoͤchſten Altars Geheimbnus / das Tentorium oder Huͤt - ten aber ein Tempel; dahero wolte der Engel zuverſtehen geben / daß es ſich gar nicht gebuͤhre an einem ſolchen Orth im wenigſten zulachen. Procop. apud Cornel. à Lapide. Kan nun der all. maͤchti -63Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.maͤchtige GOtt an einem ſolchen Ort das Lachen nit leiden / wie mißfaͤllig wird es dann ihme fallen / wann man daſelbſt raubt und ſtihlt. Allen ſolchen verruchten Leuthen kan die Goͤttliche Straff nit lang ausbleiben.

An einem Orth / Schoͤnfeld genannt / hat ſich ein kecker Dieb unterfangen / aus der Kirchen deß H. Æthelberti einen| ſchoͤ - nen und koſtbaren Teppich zu rauben / maſſen er durch die Maur zur ebner Erde ein Loch gemacht / wodurch er gar leicht / und ohne einige Beſchwernus hat koͤnnen hinein ſchlieffen: wie er aber mit der reichen Beuth wiederumb wolte den Ruck-Weg nehmen / und bereits mit dem halben Leib unter dem Loch begriffen / da hat ſich durch ſondere Verhaͤngnus GOttes die obere Maur alſo auf ſei - nen Rucken geſenckt / das er weder fuͤr ſich / noch hinter ſich kunte / und ſo lang muſte verbleiben / biß deß andern Tags maͤnniglich zu dieſem Spectacul kommen. Wie nun der Gottloſe Kirchenrau - ber vor allem Volck zuſchanden worden / da hat ſich wunder bar - lich die Maur wider in die Hoͤhe gehebt / und der vermeſſene Dieb gar leicht ſeinen Ausgang gewonnen.

O verruchte / verfluchte Hand Malchi! welche ſich ſo weit vermeſſen / daß ſie ſo gar dem Goͤttlichen Angeſicht CHriſti deß HErꝛn / welches alle Engliſche Geiſter mit ſo groſſer Ehren - bietſamkeit anbeten / ein harten Backenſtreich verſetzt: ſoll dann nit Donner und Hagel dieſe Schmach gerechnet haben? ſoll dann nit Feuer und Flammen ſich ihres Erſchoͤpffers ang enommen ha - ben? ſoll dann die Erd dieſen Boͤßwicht nit lebendig verſchlickt ha - ben? ſoll dann der Lufft haben dieſe Unthat ungerochner laſſen|? ſoll dann das Waſſer / ob es ſchon eines weichmuͤthigen Her - tzens / nit hart verfahren ſeyn mit dieſem vermeſſenen Boͤßwicht? nichts iſt geſchehen / geſchehen iſt nichts weiter / als daß der ſanfft - muͤthigſte Heyland in dieſe kurtze Wort ausgebrochen: Cur me cædis? Warumb ſchlagſt du mich. Entgegen unterſtehet ſich einmahl der Koͤnig Jeroboam den Propheten deß HERRN in dem Tempel zu fangen / und ſo bald er nur die Hand ausgeſtrecktge -64Judas der verzweiffelte Verraͤther / ꝛc.gegen erſtbenannten Diener GOttes / da ware ſchon die Goͤttliche3. Reg. c. 13. Straff gegenwaͤrtig / maſſen die Hand alſobald voͤllig verdorret / todt / unbrauchbar worden. Allmaͤchtiger GOtt! warumb wird Malchi Hand nit geſtrafft / welche ein weit groͤſſere Unthat begangen / als die Hand Jeroboam? darumb ſagt der Welt - kuͤndige Pacenſiſche Biſchoff / darumb ſagt dieſer Hocherleuchte Cerda, darumb / weil der Malchus ein Schmach CHriſto dem HErꝛn angethan / Jeroboam aber dem Tempel / die SchmachTom. in Judith c. 4. aber deß Tempels hat GOtt hoͤher und haͤrter angezogen / als die ſeinem eingebohrnen Sohn angethane. Wann GOtt ſolche Gewaltthaͤtige Haͤnd nit kan gedulten in ſeinem Tempel / wie viel weniger wird er leiden die Rauberiſche.

Guilelmus mit dem Zunamen Ruffus der Rothſchedel / hat umb das Jahr Chriſti 1100. einen elenden Todt genommen / dann als er ſich auf ein Zeit mit einer Jagd erluſtigte / und einem Cavalier mit Namen Walthero Tyrell ernſtlich befohlen / er ſolle einen Hirſchen / ſo unweit von ihme geſtanden / ſchieſſen / ſihe! da iſt der Pfeil zuruck geproͤllt / und dem Koͤnig das Hertz voͤllig durchdrungen / worvon er Augenblicklich todt niedergeſuncken. Weil dazumahl niemand gegenwaͤrtig als ein armer Kohlbren - ner mit einem ſchlechten Karꝛn / worein einiger alte Schimmel ge - ſpannt war / alſo muſte dieſer den Coͤrper deß Koͤnigs / welcher al - ſobald mehrer erſchwartzet / als alle Kohlen / in dieſer ſeiner Kohl - kreintzen in die Stadt fuͤhren. Wie er nun in die groͤſte Koth - Lachen kommen / da iſt / ungezweifflet durch ſondere Verhaͤngnns GOttes der Karꝛn voͤllig zerbrochen / daß alſo der Koͤnigliche Coͤrper im Koth und Wuſt biß uͤber die Ohren gelegen. Jn der - ſelben Stund hat der vornehme Graf Nortumbriæ ebenfalls auf der Jagd einen groſſen ſchwartzen Gayß-Bock / worauf der Koͤnig geritten / angetroffen / und als ſolcher in dem Namen der allerheiligſten Dreyfaltigkeit beſchwohren worden / was dieſes be - deute! hat dieſer die Antwort geben / wie daß er ein Teuffel aus dem Abgrund der Hoͤllen ſeye / und fuͤhre den rothkoͤpffeten Koͤ -nig65Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.nig Guilelm zum Goͤttlichen Gericht. Dieſer ware Koͤnig in Engelland und regierte 13. Jahr. Dieſes ſeines zeitlichen und ewigen Untergangs iſt kein andere Urſach geweſt / ſpricht Matth. Pariſienſ als der groſſe Raub / den er von den Kirchen Guͤtern gezogen.

Ehrvergeſſene / Lehrvergeſſene / Gottloſe / Gewiſſenloſe / boßhaffte / ſchalckhaffte / verruchte / verfluchte Geſellen und Boͤß - wicht ſeynd die Juden geweſt / welche in allweg den Heyland JEſum nicht anderſt verfolgten / als wie die Woͤlff und Schaaff / wie die Geyr ein Tauben / wie die Hund ein Haſen. Ein Licht ware Chriſtus / dieſes Licht haben hoͤchſter maſſen gehaſſt die Ju - diſche Nachteulen; ein Roſen war Chriſtus / dieſe Roſen haben nit koͤnnen leiden die Juͤdiſche Koth-Kefer: Ein Meer / und zwar grundloß in der Guͤtigkeit ware Chriſtus / und dieſes Meerhaben die Hebraͤiſche Wind nie mit Ruhe gelaſſen. Alle ihre Gedan - cken waren / wie ſie doch kunten den HErꝛn aus dem Weg rau - men / alle ihre Wort waren / wie ſie moͤchten JEſum Nazare - num fangen / und ſolche Gelegenheit haben ſie nie beſſer gehabt / nie bequemer gehabt als indem Tempel / und dannoch / mercks wol / und dannoch haben ſie ihne im Tempel mit Fried gelaſſen: Quo - tidiè apud vos eram in templo, & non tenuiſtis me. So ſeynd dann alle Kirchenranber gottloſer und vermeſſener / als da - zumahl alle Hebraͤer und Juden / zumahlen vor ſolchen Chriſtus der HErr ſammt ſeinem Hausrath nit ſicher in der Kirchen. Aber wehe / wehe ſolchen.

Drey boßhaffte Geſellen ſeynd bey eitler Nacht in die Kir - chen deß H. Vincentii ein geſtiegen / und daſelbſt nicht allein den gantzen Kirchen-Ornat ſammt den beſten Meßgewaͤndtern geraubt / ſondern ſo gar den Tabernacul aufgebrochen / und das guldene Gefaͤß / worinn das hoͤchſte Gut aufbe-alten worden / entfrembd; wie ſie aber mit ſolcher Beuth ſich wiederum wolten aus der Kirchen machen / da kundten ſie auf keine Weiß einen Ausgang finden. Nachdem ſie bereits die halbe Nacht in derPars IV. JKirchen66Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Kirchen herum gezogen / hat ſich einer mit allem Gewalt in die Hoͤhe begeben / aber alſobald einen ſo ungluͤckſeeligen Fall gethan / daß ein Fuß oberhalb in dem Fenſter / der andere Leib aber ſammt dem Kopff gegen der Erden hangen geblieben Der andere Dieb dappte ſo lang in der Kirchen herum / biß er endlich zu dem Grab des H. Vincentii gerathen / woſelbſt ſehr viel Ketten und Fußeyſen gehangen / der erledigten Gefangenen / welche dann alſo bald den Dieb dergeſtalten angefeßlet / daß er ſich weder hinter ſich noch fuͤr ſich kunte wenden. Der dritte mit ſeinem ſteten dap - pen und taſten hat endlich nur ein wenig den Strick des Sacri - ſtey Gloͤckels beruͤhret / woꝛvon ein ſolcher Klang durch das ange - baute Muͤnchs-Cloſter erſchollen / daß hierunter alle vom SchlaffBallan. 13 Jan. aufgeweckt worden / und folgſam dieſe 3. gewiſſenloſe Kirchen - rauber in wuͤrcklicher That erdappt.

Chriſtus der HErr nach ſeiner glorreichen Urſtaͤnd iſt auf eine Zeit denen Apoſteln erſchienen am Geſtad des Meers / gleich dazumahlen / als ſie in wuͤrcklichen Fiſchzug beſchaͤfftiget waren / und nachdem er ſie angeredt / ob ſie nichts zu eſſen haben? da er - kandte der liebſte Joannes aus der Stimm / daß es unſer lieber HErr und Heyland ſeye / deutet es demnach gleich dem Petro an / welcher alſobald in ſeinen langen Rock geſchloffen / dann er ware bloß von oben biß an den halben Leib: Petrus geſchwind / geſchwind legt den Rock an / wirfft ſich ins Meer und ſchwimmt zu unſerm HErrn. Aber dieſes iſt ja zu verwundern / daß er die Kleider angelegt. Andere / wann ſie wollen durch das Waſſer waden oder ſchwimmen / ziehen vielmehr die Kleider aus. Aber Petrus gedacht / es ſchicke ſich gar nit / gantz und gar nit / daß er halb bloß vor unſerm HErrn erſcheine. Dieſes ſollen fein mer - cken etliche uͤppige Schleppſaͤck / welche mehrmalen ſich getrauen faſt halb nackend vor GOtt in der Kirchen zu ſeyn. Wann nun Petrus dafuͤr gehalten / daß man in Gegenwart Chriſti die ge - ringſte Ohnmanier nicht ſolle begehen / wie ſtraffmaͤßig handlen dann alle die jenige / welche nit ſich vor unſerm HErrn in der Kir -chen /67Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.chen / ſondern ſo gar den HErrn ſelbſt und ſeinen Altar der Kley -Joan. 21. der berauben. O Miſſethat / welche nie ohngerochen bleibt.

E duardus der dritte Koͤnig in Engelland / wie er Schott - land mitfeindlicher Macht uͤberfallen / und neben andern auch die heilige und Gnadenvolle Capell unſer lieben Frauen daſelbſt insgemein / die weiſſe Capellen gaͤntzlich ausgeraubt / iſt derge - ſtalten von der goͤttlichen Gerechtigkeit geſtrafft worden / daß alle Schiff / worinnen etwas von dieſem Kirchenraub geweſt / er - baͤrmlich zu Grunden gangen. Einer / welcher dem Gnadenbild der Mutter GOttes die koſtbare Kleynodien von dem Hals ge - riſſen / und mit ſolchen in Mitte der Kirchen geprangt / iſt von ei - nem groſſen geſchnitzleten Crucifix-Bild / ſo von oben herabgefal - len / dergeſtalten getroffen worden / daß ihme die Hirnſchal mittenBoeth. l. 15. voneinander zerſpalten. Dieſes iſt geſchehen Anno 1355. nit weit von Sandintoun.

Ein anderer Dieb / ſo bey der Nacht in die Kirchen des H. Felicisſimi eingebrochen / und daſelbſt alle koſtbare Sachen ent - frembd / hat vermeint / weil er ſtarck gangen / daß bereits 3. Meil ſchon von der Kirchen entlegen: Aber in der Fruͤhe in Beyſeyn des gantzen Volcks hat er ſich bey der Kirchenthuͤr ſammt ſeinenFerra〈…〉〈…〉 16. Jul. Raub befunden.

Der Prophet Iſaias c. 6. v. 2. hat auf ein Zeit die Goͤtt - liche Majeſtaͤt in dem Tempel geſehen mit groſſer Herrlichkeit umgeben. Unter andern ſtunden daſelbſt die Seraphim / dieſe ſo vornehme Engliſche Geiſter / deren jeder 6. Fluͤgel hatte / und mit zweyen bedeckten ſie das Angeſicht / mit zweyen thaͤten ſie flie - gen / und mit zweyen Fluͤgeln verhuͤllten ſie die Fuͤß. Aber war - um die Fuͤß? Sie hatten ja keine ſo unflaͤtige Fuͤß / wie manche Baurn-Trampel / ſo durch alle Kothlacken treſchen? freylich nit. Aber weil doch die Füß ein veraͤchtlicher Theil des Leibs / alſo wa - ren ſie ſo Ehrenbietig im Tempel / daß ſie ſich nit getrauten / ſolche bloſſer zuzeigen. Dieſe waren hoͤffliche Engel / aber zu Zeiten gibts grobe Pengel / die ſo gar mit diebiſchen Fuͤſſen in der Kir -J 2chen68Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.chen erſcheinen / ja gar bey der Nacht dieſelbige beſteigen und gaͤntzlich ſpoliren und rauben.

Baronius erzehlt / daß Anno 937. ein vermeſſener Unger habe wollen die Kirchen deß Heil. Baſoli berauben / aber von GOtt gleich wund erbarlich geſtrafft worden. So bald der boß - haffte Geſell die erſte Hand an den Altar gelegt / da iſt ſolche durch Goͤttliche Wuͤrckung dem Stein dergeſtalt anklebt / daß er mit keinem. Gewalt ſolche mehr kunte von dem Stein ziehen / biß endlich einer ſeiner Mit Cammeraden um die Hand ringsherumFrodoar apud Ba - ron. den Stein hinweg geſtemmt; haben gleich wol nit verhindern koͤn - nen / daß der gottloſe Menſch nit waͤre geſtrafft worden / maſſen er ein zimliches Trum von beſagten Altar-Stein die Zeit ſeines Lebens muſte an der Hand herum tragen.

Ein Prieſter ſo gar hat ſeines Gewiſſens vergeſſen / und aus der Gnaden Capellen unſer lieben Frauen de Madia ge - nannt / guldene Armbaͤnder von beſagten Miracul-Bild hinweg geraubt / aber alſobald die Rach des Himmels erſahren / maſſen er bey dem helliechten Tag die Kirchthuͤr nicht mehr kunte ſin - den / ſondern in der Kirchen hin und her / um und umgangen / gleichwol keinen Ausgang gefunden. Als endlich der Sacriſtan vermeint / der gute Geiſtliche habe einigen Mangel an den Au - gen / oder ſeye etwan gar blind / hat er ihn bey der Hand genom - men / damit er ihn moͤchte zu der Kirchenthuͤr bringen / aber nach - mahls nach aller angewendter Muͤhe haben beyde die Thuͤr nitPagat. [50]n. 2. f. 301. n. 29 koͤnnen treffen / biß endlich der vermeſſene Prieſter in ſich ſelbſt gangen / das entfrembde Gut wiederum auf den Altar gelegt / em ſo hartes Verbrechen bereuet / nach ſolchem hat er unſchwer den Ausgang gefunden.

Alle Kirchen pflegt man gegen Orient oder Aufgang der Sonnen zubauen / die Urſach deſſen ſoll ſeyn nach Auſſag / Moy - ſis Parcephæ, weil das irrdiſche Paradeis in Orient iſt / und in dem Aprill grad oder dem Paradeis die Sonn aufgehet; alſo beten wir gegen Orient / damit wir wiederum dahin kommen /wo69Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.wo wir ſammt dem Adam ſeynd ausgetrieben worden. In Com - ment. de Paradiſ. P. 1. c. 13 Auf ſolche Weiſe ſollen wir alle in der Kirchen gegen Orient ſchauen / aber leider! viel ſchlimm und Ehr-vergeſſene Leut ſchauen in der Kirchen gegen Untergang / indem ſie wegen der vermeſſenen Diebſtaͤll / ſo ſie im Tempel und Gottshaͤuſern begehen / zeitlich und ewig untergehen.

Von unſer lieben Frauen-Kirch zu Augſpurg werden wunderbarliche Ding gantz glaubwuͤrdig ausgeben / wie daß faſt kein eintziger Diebſtall / ſo daſelbſt begangen wird / ohngerochner bleibe. Unter andern wird erzehlt / daß einer etwas weniges in beſagter Kirchen entfrembdt / aber gleich darauf gantz unſinnig worden / ſich ſelbſten raſend alſo angefallen / biſſen und zerriſſen / ſo lang biß er endlich verreckt.

Ein anderer daſelbſt hat ein Buch mit Silber beſchlagen geraubt / und nach mahl um ſolches ein Pferd eingehandelt / ſprechend / das Pferd koͤnne er weit beſſer brauchen als das Buch / dann er doch weder Doctor noch Pfaff werde ſeyn. Als ihme aber ſein Gewiſſenhafftes Weib deſſenthalben einen ernſtlichen Verweiß geben / mit Vorwendung der groſſen Straff / deren ſel - ten die Kirchenrauber befreyt ſeyn. O Raͤrrin! ſagt er / ſchau du auf die Kuͤhe / mich gehen die Roß an / taͤſchlet hieruͤber das Pferd und ſtreichts uͤber den Rucken / voll der Freuden / daß er ein ſo guten Klepper mit ſo leichter Muͤhe bekommen; aber ſiehe Wunder! mitten unter dem Taͤſchlen ſchlaͤgt das Pferd ihn gantzIn vit. S. Udalrici. mauß todt. Ob er nun in die Hoͤlle gefahren oder geritten / will ich es nit diſputirlich machen.

Wie der Koͤnig Saul in der Schlacht das kuͤrtzere gezo - gen / und bereits ſein Gluͤck den Koͤhrans geſungen / da hat er dem Ama'echer befohlen / er ſolle ihne umbringen / dann ihne ſo groſſe Aengſten uͤberfallen / daß er lieber todt als lebendig wolle ſeyn. Was muͤſſen dieſes vor A〈…〉〈…〉 noſter gewiſen ſeyn? der wer - the Sylphar a zieht es aus dem Hebraiſchen Text / und ſagt / daß hulaͤngſt vorhero der Saul den Tempel GOttes ausgeraubtJ 3habe /70Judas eiu Dieb Geiſtlicher Guͤter.habe / und alle deſſen Prieſterliche Ornat und Kleidungen un -2. Reg. c. 1 Sylv. l. 3. 430. ter ſeine Soldaten ausgetheilt; ſolcher Kirchenraub habe ihme ſo groſſe Beſtuͤrtzungen und Hertzens-Wehemut verurſachet / daß er nit mehr wolte leben. Wehe aber und wehe allen Kirchen - Dieben!

Keyſer Leo hat einen ſehr koſtbaren guldenen Kelch / mit vielen theuren Steinen verſetzter nacher Littig geſchickt / durch ei - nen ſeines Erachtens gar getreuen Menſchen / welcher daſelbſt in Namen Jhro Majeſtaͤt ſolle der Kirchen offeriren / der Bott oder Traͤger dieſes koſtbahren Geſchencks iſt ohngefehr unter Wegs zu einem verſchmitzten Gold-Schmid gerathen / welcher alsbald den Gottloſen Einſchlag geben; Er wolle einen andern Kelch von Silber / doch ſchoͤn vergolt verfertigen / und ebenfalls mit dieſen ſteinern Zieraden / den guldenen aber wollen ſie beyde in gleicher Portion miteinander theilen. Der Gottloſe Anſchlag war alſobald beyderſeits fuͤr genehm gehalten: An ſtatt des gul - denen Kelchs ein ſilbernen geopffert. Wie der| uͤbeꝛtrager aberGreg. Turon. de glor. Confeſs. c. 63. ſein Ruckreiß wieder zu beſagten Goldſchmid genommen / und das Gold bereits wollen theilen / da iſt die goͤttliche Rach uͤber ſie ge - ſtiegen / maſſen durch eine gaͤh entſtandene Erdbidem / die Erde ih - ren weiten und tieffen Grund aufgeſperrt / und beyde Boͤßwicht lebendig verſchlickt.

Es iſt zwar ein jedes Ort in der Welt bequem und taug - lich daſelbſt GOtt zu loben / und zubeten / wie dann Elias auf einen hohen Berg / Joſue in einem tieffen Thal / Jeremias in einer alten Ciſtern / Daniel in der Loͤwen-Gruben / die drey Knaben in dem Babyloniſchen Ofen / Jonas im Wallfiſch / Job auf dem Miſthaufen / Suſanna in Mitte zweyer alten Schelm gebetten / aber doch eigentlich iſt ein Kirchen ein Bethaus; maſ - ſen der Heyland ſelbſten in ſeinem rechtmaͤſſigen Zorn / als er die Hebraͤer zum Tempel hinaus geſpeitſcht / geſagt hat: Domus mea. Mein Haus iſt ein Bethaus. Aber leider! dieſes Bet - haus machen viel Kirchenrauber / zu einem Bettelhaus / wiedann71Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.dann vor kurtzen Jahrendie Frantzoͤſiſche Soldaten in dem Roͤ - miſchen Reich dergleichen in Himmel ſchreyenden Kirchenraub und Tempel - Pluͤnderung genugſam veruͤbet haben.

Anno 1690. den 6. April iſt ein wahrhaffter Bericht ein - geloffen / daß die Frantzoſen in dem Chur-Pfaͤltziſchen / unweit Philippsburg gelegnen Staͤdl Bruch‘all / als die PP. Capu - ciner dazumal die Procesſion gehalten / und daß Hochwuͤrdi - ge Gut auf dem Altar ausgeſetzt ſtunde / ohnverſehens etliche Hund ſtarck ankommen / in die Kirchen / allwo man noch in dem Ampt der H. Meß begriffen / mit Feuer und Stroh ohne allen Reſpect und Ehrenbietung des allerhoͤchſten Guts gantz grim - mig eingetretten / den Altar / die Kirchen ſammt dem Cloſter ſo gaͤh in Brand geſteckt / daß der Prieſter / ſo das Hochwuͤrdige aus denen Flammen erretten wollen / vom Feuer bald waͤre verzehrt worden / wie er dann am Kopff / Geſicht / Haͤnden und andern Theilen des Leibs ſehr uͤbel zugericht worden / dannoch aber die Monſtrantzen / ſammt dem allerhoͤchſten Gut den Frantzoſen zum Raub uͤberlaſſen muͤſſen: Ja in einer andern Capuciner Kirchen / hat mir ein glaubwuͤrdige Obrigkeit deſſen Ordens erzehlt / nach dem die Frantzoſen das vergulte Ciborium aus dem Taberna - cul geraubt / haben ſie nachmahls in Mitte des Tabernacul ein Feuer gemacht / und alſo das ſchoͤne GOttshaus in Aſchen gelegt. Jch bin verſichert / daß wofern dieſe verruchte Kirchenſchaͤnder noch nit von dem gerechten GOtt zur Straff gezogen worden / doch bald die ſo hoch beleidigte Goͤttliche Majeſtaͤt die Geifel er - greiffen werde / und dieſe Frantzoͤſiſche Mordbrenner in dem Ab - grund bey den verdammten Nero und Attila vergraben werde.

Drey Finger ſeynd an der Wand erſchienen / welche das Ur - theil und Sententz geſchrieben und gefaͤllt wider der Kirchenrau - beriſchen Koͤnig Balthaſar: Dieſe drey Finger haben bedeut die drey Goͤttliche Perſonen / benanntlich GOtt Vatter / GOTT Sohn / GOtt H. Geiſt; dahero der Kirchenraub ein ſolche Miſ - ſethat iſt / daß ſo gar die allerheiligſte Dreyfaltigkeit dergleichenUbel -72Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Ubelthaͤter verdammet. Gewiß iſt es / daß zuweilen die Grund - loſe Guͤtigkeit GOttes einige Diebſtall auf der Welt verduſch - ter laſt / und ſelbe erſt in jener Welt nach Verdienſten ſtrafft / aber ſobald man die Gottshaͤuſer angreifft / und dem Tempel des HErꝛn nit verſchont / da wird ſelten / ja gar niemalen derglei - chen Frech heit ohngerochner bleiben.

Was kan doch vermeſſener ſeyn / als was ſich vor ohnge - fehr 18. Jahren hat zu getragen in einer Kirchen gewiſſer Or - dens-Perſohnen / dero Ramen derentwegen in der Feder verbor - gen bleibt / weil es ihnen in etwas ſchimpfflich ſcheint. Einſchoͤ - nes GOtteshaus in den Kayſeı lichen Erblaͤndern ligend / ernehrt ein abſonderliche Andacht zu einem gewiſſen Heiligen / deſſen Al - tar mit Silber / Gold / und Kleynodien nicht wenig gezieret iſt. Jn dieſer Kirchen hat ſich bey der Nacht ein frecher Dieb ver - ſperren laſſen / worbey etwan einige Fahrloſigkeit des Sacriſtan unterloffen / und beſagte Bildnus voͤllig gepluͤndert: Es glaubte der gottloſe Dieb / daß fruͤhe Morgens die Kirchenthuͤr ehen - der werde eroͤffnet werden / als daß man die Gnaden-Capell wer - de beſuchen. Es iſt ihme aber dißfalls der Handel nicht angan - gen / maſſen der gute Sacriſtan gleich Anfangs in die Capellen getretten; allwo er nit ohne groſſe Beſtuͤrtzung den voͤllig gepluͤn - derten Altar angetroffen / gedachte alſo / daß noch bey geſperrter Kirchenthuͤr der Dieb in einem Winckel muͤſſe verborgen ſeyn. Da ſolches der Kirchen-Rauber vermerckt / das ihme aller Weg zum Fliehen abgeſpannt / hat er ſich des Argliſts gebraucht / und alſobald ſo klaͤglich lamentiert / auch die Haͤnd und Fuͤß derge - ſtalten zuſammen gebogen / daß er ſcheinte / am gantzen Leib er - krummt zu ſeyn / ſeht! ſagt er zum Sacriſtan, ſeht das groſſe Mi - racul / welches ſich mit mir zugetragen / indem ich mich freventlich unterfangen die Capell und deſſen Altar zuberauben / da hat mich GOtt geſtrafft / das mir Haͤnd und Fuͤß erkrummt / und folgſam alle Glieder unbrauchbar worden / geht demnach hin mein lieber Frater, und zeugt ſolches euer Obrigkeit an / damit ſolchesWun -75[73]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Wunderwerck aller Orten lautmaͤhrig gemacht werde. Der from̃e Frater vermerckt hierinfalls den wenigſten Betrug lauft voller Freuden zu der Obrigkeit hinauf uͤber drey Stiegen; un - terdeſſen hat ſich der vermeſſene Schelm ohngeſaumt zu der Sa - criſtey hinaus gemacht / dem auch der Portner / weil ihme die Co - mœdi noch nit bewuſt / gern die Thuͤr eroͤffnet. Wie nachmah - len die meiſte Geiſtliche in die Kirchen geloffen / der Meinung den krumpen Dieb zuſehen / ware der Ertzvogel durch ſein erdachten Argliſts ſchon ausgeflogen / doch das Miracul hinterlaſſen / Scili - cet, daß er aus einem krumpen gerad worden. Wer hat doch mit der Guͤte GOttes koͤnnen vermeſſner umgehen / als dieſer ſchalckhaffte Boͤßwicht? und ja hoͤchſt zu verwundern / daß Gott nit alſobald ſolche Frechheit geſtrafft: Aber der Hoͤchſte hat zu weilen einige Gedult / und erwarte die Zeit / da er nachmals mit der bißhero eingeweichten Ruthen beſſer darein ſchlagt / wie dann beſagter Ertz-Rauber wegen anderer begangenen Diebſtaͤll nicht lang hernach unter des Henckers Haͤnden die ſchon laͤngſt ver - diente Straff hat muͤſſen ausſtehen.

Endlich laſſen wir denen Kirchen das Jhrige / ſagt mani - cher / aber den Pfaffen thut es wohl / wann man ihnen wacker ſchrepfft / warum ſollen ſie alſo reich ſeyn? ihr Leben ſoll Apoſto - liſch ſeyn / ja wol Apoſtoliſch / vielmehr Aproſtoliſch: die Apoſtel haben weder Pfenning noch Heller bey ſich getragen / ja die gan - tze Welt ausgereiſt / allenthalben das wahre Chriſti Evange - lium ausgearbeitet / und dannoch weder Batzen noch Groſchen in allen ihren Vermoͤgen gehabt / ſo gar nit einmal einen Sack oder Beutel mit ſich getragen. Aber der Zeit ſind man nir gends wo mehr Geld und Reichthum als bey denen Geiſtlichen. Vor dieſem und zwar bey Anfang deß Catholiſchen Glaubens fande man bey denen Geiſtlichen ein rauhes Leben / jetzt aber ein rei - ches Leben. Wolrecht hat die reiche Silber-Gruben im Koͤ - nigreich Boͤheim von einer Pfaffen Kutten ihren Ramen / und wird Kuttenberg genennt / dann ja das meiſte Silber und GoldPars IV. Kbey74Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.bey denen Geiſtlichen anzutreffen. Jn Spannien / ſchreibt Pe - trus de Avitis. Haben die Religioſen jaͤhrlich uͤber zwey Mil - lion Ducaten Einkommens. Was erſt ſo viel Ertzbiſchoff und Biſchoffen? der eintzige Clerus zu Toleto nimmt jaͤhrlich hun - dert und zwantzig tauſend Ducaten ein. Der Ertz-Diacanus daſelbſt gibt ſein jaͤhrliches Einkommen nit um funfftzig tauſend Ducaten. Was Reichthumben beſitzen nicht die Geiſtliche in Teutſchland? es heiſt alſo nit mehr ſine baculo & pera, wie bey denen Apoſtlen Zeiten / ſondern cum baculo & perna; dann wo ſeynd feiſtere Renten und Einkommen / als bey denen Geiſtlichen? wann ich ein Land Fuͤrſt waͤre / ſo wollte ich dieſen Kuttambulis die Platten ſchceren. Wann man einem die er - ſte Weich gibt / ſo ſagt er / Dominus pars hæreditatis meæ, und ſchneid man ihme derenthalben die Haar ab / damit er nit ein Haar mehr ſoll nach der Welt Reichthumen ſtreben; Aber es heiſt dermahlen Domus pars hæreditati meæ. Halts Maul einmalmein Schmaͤhler / und laſſe mich auch reden. Daß die Apoſtel arm geweſen und nit ein Heller Geld in ihrem Ver - moͤgen gehabt / iſt alles war / und kan in kein Abred gezogen wer - den / aber ſie kunten ſich gleichwol erhalten / maſſen faſt jederman ihnen nothwendige Lebens-Mittel vor ihr geſtreckt: ſo thaͤt auch Authoritaͤt durch ſolche Armuth nit leiden / maſſen ſie wegen der Wunderwerck / ſo ſie gewuͤrckt / bey Maͤnniglichen in groſſen An - ſehen. Aber dermahlen ſeynd andere Zeiten und Leut. Der Welt-Menſchen Freygebigkeit wurde ſich ſo weit nit einlaſſen / daß ſie die gantze Cleriſey ſolte erhalten: ſo wurde es ſich auch nit reimen / daß ein Pabſt / ein Ertzbiſchoff / ein Biſchoff / ein geiſt - liches Ober-Haubt ſollte in einem leinenen Kuͤttel von Haus zu Haus das Allmoſen ſuchen: thaͤte doch ſolcher Geſtalten in kur - tzer Zeit die Authoritaͤt der Catholiſchen Kirchen gaͤntzlich wurm - ſtichig werden / ja wohl gar zu Boden fallen. So gibt es auch der Augenſchein / daß die Geiſtliche ihre Mittel und Reichthum - ben nit in Wolluͤſten und Ubermuth verſchwenden / ſondern mei -ſtens75Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſtens anwenden zur groͤſſern Ehre GOttes / zu Erbauung der Kirchen / und dero Zierd und Ornat, deßgleichen auch zu Rutzen des Nechſtens; dann wo ſinden die arme Leut mehrer Huͤlff / als bey den jenigen Cloͤſtern / ſo mit jaͤhrlichen Renthen und Ein - kommen verſehen ſeynd: Zumalen bekandt iſt / daß vor dieſem die Benedictiner Cloͤſter wegen dero Hoſpitalitaͤt die Leut in ſol - cher Menge zu ſich gezogen / daß nachmalen gantze Staͤdt zu ih - nen gebaut worden. Bey jetziger Welt-Lauff iſt der gemeine Ruff / daß die PP. Jeſuiter in groͤſten Reichthumbern ſitzen / wel - ches doch meiſtens mit groͤſtem Unfug von ihnen der gemeine Neyd ausgibt. Und geſetzt / damit ich dem Schmaͤhler in etwas an die Hand gehe / geſetzt / die Hochloͤbliche Societaͤt ſeye mit rei - chen Mittln verſehen / welches ihnen viel mit Ungrund einbilden / wie thut ſie dann ihre groſſe Mittel anwenden? etwan in Hal - tung koſtbarer Taflen und Tractamenten? daß gar nit; dann die 3. Speiſel / ſo ſie genieſſen / waͤren zuweilen einem Kotzenweber zu wenig: Jhre Kleidung meines Erachtens vertheuret auch Sammet und Seiten im wenigſten nit. Wo ſtecken ſie dann das Geld hin? Schaue jemand dero herrliche Tempel und Kir - chen / in denſelben den ſo ſtattlichen Ornat, die ſo annehmliche Muſic / Jtem die groſſe Schulen und Seminaria, worinnen die haͤuffige Jugend muͤhſam / jedoch zu groͤſten Nutzen der Chriſten - heit erzogen wird / ſodann wird er darhinter kommen / weil ſie das jenige / ſo ihnen der Segen GOTTes gibt / anwenden. Du ſchmaͤhlſt weiter / ich merck dirs an der Naſen an / daß Geiſtliche gefunden werden / welche ihr Geld und Einkommen nit alſo an - wenden / ſondern das groſſe Einkommen durch koſtbare Mahl - Zeiten / durch unzuſtaͤndigen Pracht / auch ſo anderſt / lauto, læto, & luteo modo (du verſteheſt mich ſchon) verdiſtilliren / viel aber / die Geiſtliche Renten durch ihre Verwandten und Freundſchafft austheilen / und aus Baurnbuben / und Kirſchner - Geſellen / vornehme Edelleuth ſchnitzlen / welches alles klar zuwi - der dem Tridentiniſchen Conſilio, worinn vernuͤnfftig undK 2hei -76Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.heilig geſchloſſen worden / daßdurch Geiſtliche Guͤter die Freund - ſchafft nit ſolle bereicht werden: Ne ex redditibus Eccleſiæ ſtudeat quis conſanguineos & famliares augere, cũapo - ſtolorum Canones prohibeant, ne res eccleſiaſticas, quæTrid. ſeſſ 25. c. 1. de Reform. Dei ſunt, conſanguineis donent. Ob zwar hierinnſalls die Theologi unterſchiedliche Meynungen auf die Bahn bringen / ja auch einige ſich hoͤren laſſen / daß die Geiſtliche Einkom̃en auch den Anverwandten koͤnnen zu Theil werden / ſo iſt doch wahr / daß Adrian9 der vierdte / Leo der eylffte / Urban9 der ſiebende / In - nocentius der eylffte Roͤm. Pabſt / nachdem ſie zu dieſen hoͤch - ſten Dignitaͤten ſeynd erhebt worden / nichts haben wollen wiſſen um ihre Freundſchafft. Andernfals aber weiß man auch / daß Maria die uͤbergebenedeyte Mutter GOttes ſeye vor allen an - dern ihrer Befreundin und Baaß Eliſabeth an die Hand gangen. Wann demnnch ein reicher und wohlhabender Geiſtlicher ſchul - dig iſt den Armen zu helffen / warumben nit ehender ſeinen ar - men Befreundin? Helffen iſt recht / aber reich machen iſt ein an - ders. Geſetzt nun mein geſchwaͤtziger Smalophile, es ſeynd etliche Geiſtliche anzutreffen / welche ihre reiche Mittel und Hab - ſchafften / uͤbel anwenden / ſoll man dann derenthalten der gantzen Cleriſey und Geiſtlichkeit die Saͤck raumen? wie manchesmahl thut man den Wein mißbrauchen / ſoll man dann darumben allen Faͤffern den Boden einſchlagen? es moͤgen dich die Reichthumen der Geiſtlichen in die Augen ſtechen noch ſo ſtarck / ſo muſtu doch wiſſen / daß GOtt nit will / das ſeinen Geiſtlichen ein Haar ſoll verwend werden / viel weniger ein Heller.

Ein ſehr maͤchtiger Eavalier und Hof-Miniſter in Franck - reich hatte ein lange Zeir ein ſchweren Zanck mit einem Bene - dictiner Abbten / wegen etlicher dem Cloſter rechtmaͤſſig zugehoͤ - riger Guͤter: Ja die Sach iſt endlich in ſolche Weitlaͤufftigkeit ansgebrochen / daß obbedachter Edelmann mit bewaffneter Hand den Abbten anzugreiffen beſchloſſen / wie er dann bereits mit groſ -ſer77Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſer Mannſchafft erſchienen. Der Abbt / wie billich / wollte das Seinige beſter maſſen defendiren / und ob ſich ſchon ſehr vie Weltliche eingefunden / ihm Behuͤlff zu leiſten / auch die Waf - fen ergriffen / ſo wolte aber der fromme Vorſteher dero Aſſiſtenz nit annehmen / ſondern ſetzt ſich ſamt allen ſeinen untergebenen Geiſtlichen zu Pferd / der Standar ware ein Crucifix-Bild / die Muͤnchs-Kappen an ſtatt des Caſtget, das Seapulier der Har - niſch; marchiert alſo dieſe Geiſtliche Compagnia in guter Ord - nung wider den Feind / welcher in Waffen / in Mannſchafft un - vergleichlicher uͤberwachſen / kaum haben dieſe Benedictineri -Lyræus l. 5. de ch Pat. c. 9. ſche Soldateſca erblickt / ſo hat ſie ein ſolche Forcht uͤberfallen / daß alle von ihren Pferden unverzuͤglich abgeſtiegen / ſich auf die Knye niedergeworffen / und die Victori dem Abbt / und ſeinem Gonvent überlaſſen.

Etliche Jaͤger eines vornehmen Edelmanns / mit Namen Adelardi, haben ſich unterfangen an einem Ort / ſo denen Be - nedictineren zu Floriac gehoͤrig / mit Gewalt etwas von Getreid zu nehmen / welches ſie mahlen laſſen / und darmit ihre Hund geſpeiſt / weil ſie dazumahl kein andere Unterhaltung ge - habt: Aber GOttes Straff hat nit lang verweilt / maſſen in fol - gender Nacht hierauſ alle Hund verreckt. Ein anderer Sol - dat hat wider allegegebene Vermahnung fuͤr fein Pfeꝛd ein Gꝛaß abgeſchnitten von der Wieſen / ſo erſtgedachten Cloſter zugehoͤ - rig / mit dem ſchimpfflichen Vorwand / es thuts den Pfaffen wol /rudolph flor. l. 5. de Mir. S. Benedict c. 3. ſie ſeynd bey guten Mitteln: Aber Benedictinus wolte den Sei - nigen nichts nehmen / oder wenigſten nit ungeſtrafft laſſen; dann kaum hat das Pferd das entfrembde Graß verzehrt / ſo iſt es alſo - bald mauß todt niedergefallen und dem frechen Geſellen zugleich den Fuß aebrochen.

Es gibt der geſtalten Gewiſſenloſe Leut / die es nit mehr vor ein Suͤnd oder Ubelthat halten / wann ſie die Geiſtliche uͤber - fortelen / oder ihnen etwas abtragen / ja ſie alaubẽ / es ſeye cerent - wegen nichts unrechts / weil die Pfaffen ihr Geld (ſo ungeſchlif -K 3ſen /78Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.ſen reden ſie) mit ſo leichter Muͤhe gewinnen. Aber gedenckt ihr vermeſſner Guͤter / gedenckt / daß der David ſo hart ge - ſtrafft worden / um weil er nur den Saul / als einem geſalbten Koͤnig ein Flecket von dem Mantel geſchnitten / wie der Aller - hoͤchſte werde verfahren mit denjenigen / ſo der geſalbten und geweichten Prieſterſchafft nit nur ein Fleck / ſondern zuweilen gantze Wieſen / Acker und Grund-Stuck abſchneiden. Was kan geringer und ſchlechter ſeyn / als etliche Scheiten / die einen Cloſter enttragen worden / und dannoch hat GOtt ſolches nit ohn gerochner gelaſſen.

Wadingus, ſchreibt / daß ein Weib in der Stadt Caſſel habe auf ein Zeit Brandewein gebrennt / und wollen mit dem aqua vit, wie ſie dann kein anders Gewerb hatte / ihr Stuͤckel Brod ferners gewinnen / ſo ſeye aber mit hoͤchſter Verwunde - rung an ſtatt des Brandeweins lauter Milch aus dem Kolben gefloſſen; dahero ein groſſer Zulauff der Leut entſtanden. Rach - dem ſolches Wunder iſt lautmaͤhrig worden / hat man mit allem angewendten Fleiß alles durchſucht / ob nit hierinnfalls einiger Betrug verborgen ſtecke / gleichwol die Urſach deſſen nit koͤnnen finden: biß endlich das Weib beſtanden / daß ſie die Scheitten / welche ſie zu dieſen Feur gebraucht / habe dem nechſt entlegenen Franciſcaner-Cloſter entfrembdet. Sihe Wunder! ſo baldIn. ann. Min. An. 1381. n. 4 man dieſe hinweg gezogen / und anders Holtz herbey gelegt / da hat ſich alſobald die Milch verlohren / und iſt der pure Brandewein herunter gefloſſen.

Vor dieſem / im alten Teſtament / wie im Buch Levitici ge - ſchrieben ſtehet c. 7. Wann ein Prieſter im Tempel ein Schlacht - Opffer verricht / ſo hat ihm aus Befelch GOttes die Haut zu - gehoͤrt von dem Vieh / ſo geſchlachtet worden. Aber dermahlen iſt es ſchon bey vielen ſoweit kommen / daß ſie lieber den Geiſtli - chen die Haut ſelber moͤchten abziehen. Jn einem Marck Bas - liſcher Diœces, haben die PP. Dominicaner ein Convent, allwo hart angebaut worden ein groſſes Haus oder Wohnung /fuͤr59[79]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.fuͤr die jenige Leut / ſo im Weingarten arbeiten; weilen dieſen aber ein Brunn abgangen / und ſie kein taugliches Ort gefunden / alſo haben die Raths-Herrn beſagten Marcks ſich in Handel ge - legt / und wider alles proteſtiren der benanten Religioſen / ihnen einen Winckel von ihrem eignen Platz mit Gewalt hinweg ge - nammen / und folgſam einen tieffen Brunnen gegraben / den ſie mit lauter groſſen Quaterſtucken ausgefuͤttert. Kaum daß ſol - cher verfertiget / da hat eingemeiner Menſch mit einem Amper wollen Waſſer daraus ſchoͤpffen / deme aber gleich der Amper aus den Haͤnden gewichen / und hinunter gefallen. Obbemelte Weingartner / ſo bald ſolches ihnen zu Ohren kommen / haben alſobald einen aus ihrer Geſellſchafft hinunter gelaſſen / ſo aber gleich erſtickt; nachdem ſolcher heraus gezogen worden / muſte ein anderer ſein Stell vertretten / der aber auch gleich dem erſtẽ elend zu Grund gangen. Wie es nun der dritte gleichfalls wolte pro - bieren / und kaum zwey Klaffter hinunter gelaſſen worden / da hat er ein ſolches erbaͤrmliches und ungeheures Geſchrey verbracht / daß ſie genoͤthiget worden / ſolchen auch bereits halb todten Ge - ſellen wieder zuruck zuziehen. Wor aus maͤnniglich leicht kunteNider. in formic. l. 4. c. 8. ſchlieſſen und abnehmen / daß ſolches ein Augen ſcheinliche Straff von GOtt ſeye / um weilen / ſie dieſen Platz den Geiſtlichen wider alles Recht mit Gewalt hinweg genommen.

Olwie viel und aber viel ſeynd / deren zu finden in dem wer - thiſten Teutſchland / welche wiſſentlich Gruͤnd und Guͤter beſi - tzen / ſo dieſen und dieſem Cloſter zugehoͤrig geweſt / aber durch das eingeſchlichene Lutherthum unter ihren Gewalt kommen; anbey aber muͤſſen ſie mit ihrem hoͤchſten Unwillen erfahren / daß der gleichen der Geiſtlichkeit entzogne Guͤter niemahlen mit den Segen GOttes verſehen ſeynd / ja faſt das jenige wuͤrcken / wann ſie auch andern gerechten Guͤtern beygeruckt werden / was da von den Adlers Federn vorgeben wird / welche / wann ſie zu den Tau - ben Federn gelegt werden / dieſelbe gaͤntzlich verzehren. Unter andern hat ſolches Augenſcheinlich erfahren der ungluͤckſeeligſteKoͤnig90[80]Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.Koͤnig in Engelland Henricus der Achte / welcher allein uͤber tauſend Cloͤſter aus gepluͤndert / allen dero Schatz und Kirchen - Gut an ſich gezogen / alles dero Einkommen ſeiner Koͤniglichen Kammer zugewidmet / ſo gar das Kupffer und Bley / wormit die Kirchen bedeckt geweſen / ums Geld verkaufft / worauf man glaubte / daß der Koͤnig viel Million jaͤhrlich mehrer Einkom - men genieſſen werde / und folgſam die Steuer den gemeinen Un - terthanen um ein merckliches werde abſteigen; Aber er iſt nir al - lein nit reicher worden / ſondern hiedurch in ſolche Armuth ge - rathen / daß faſt alles Silber und Gold aus dem gantzen Koͤnig - reich verſchwunden / ſo gar endlich ein kupfferne Muͤntz hat muͤſ - ſen gepraͤckt werden / die Contribution aber der Unterthanen ſo hoch geſtiegen / daß es nie alſo geweſen vor vier / und wol fuͤnffSander. deSchiſ - mat An - gl. 1543. hundert Jahren unter einem Koͤnig / deren Bettler und armen Leuth Anzahl ſo groß gewachſen / daß wo vorhero einer geweſt / ſobald man die Geiſtliche Guͤter gewaltthaͤtig angetaſt / nach mals ſeynd zwantzig gezehlt worden.

So vergonnet man auch mehrmalen der Geiſtlichkeit den Zehend nit / ja es ſuchen etliche 1000. Vorthel / wie ſie koͤnnen und moͤgen demſelbigen die Feder rupfftn / da es doch ſchon im alten Teſtament ein Gebuͤhr geweſt. Abraham der groſſe Patriarch iſt derenthalben ſehr von GOtt dem HErrn belohnet worden / dann wie eꝛ die vier Koͤnigen herrlich uͤberwunden / und als ein glorreicher Obſiger aus dem Feld zuruck gekehrt / hat er von ellen den Seinigen / was eꝛ als ein rechtmaͤſſigeꝛ Herꝛ thaͤte beſitzen / demGen. 15. Div. Chryſ. apud Li - pom. Hohen Prieſter Melchiſedech den Zehend geben / welches dem allmaͤchtigen Gott der geſtalten wohlgefaͤllig geweſt / daß er hier uͤber dem Abraham erſchienen / und ihme angedeutet / er wolle ſich ſeiner hinfuͤran gaͤntzlich annehmen / und alles beſtermaſſen ver - gelten: Ego Protector tuus ſum & merces magna ni - mis.

Viel ſeynd / die dißfalls nit tretten in die Fußſtapffen des Patriarchen Abrahams / aber ſie ſollen anbey wiſſen und beken -nen81Judas ein Dieb Geiſtlicher Guͤter.nen / daß der mit Vorthel oder Unfug entzohene Zehend meiſtens von GOtt noch auf der Welt geſtraffet werde.

Jn dem Leben des H. Anſelmi Ertzbiſchoff zu Candelberg liſt man / wie das einer mit Namen Balivus den Zehend von den Fruͤchten nit habe geben / ſondern alles Traid in die Scheurn oder Stadl eingefuͤhrt ohne gebuͤhrende Ablegung des Zehend. Wie nun der H. Ertzbiſchoff wahr genommen / daß ſelbiges Jahr die Scheuren nit gar halb voll / ja noch daruͤber hat er geſehen / daß der boͤſe Feind auf dem Traid in abſchenlicher Geſtalt gefeſſẽ / fꝛag - te er den Balivum deſſen Urſach / welcher die Antwort geben / daß er ſich ſelbſt derenthalben nit ein wenig verwundere / indeme doch andere Jahr die Scheuren gantz angefuͤllt worden / dieſesmahl aber kaum halben Theil / da doch auch der Zehend dabey; wor - uͤber der H. Mann alſo bald befohlen / den Zehend darvon zu neh -Hiſtor. Eccleſ. in vit. men / und an gebuͤhrenden Orten abzuſtatten. Kaum das ſolches geſchehen / iſt die Scheurn mit dem Traid biß an den Gipffel des Tags angefuͤllt worden.

Nit weit von Avenion iſt ein groſſer See / worvon die um - liegende Bauren wegen des Fiſch-Fang nit einen geringen Ge - winn genieſſen. Rachdem ſie aber vom Geitz verblend worden / und den gebuͤhrenden Fiſch-Zehend dem Cloſt er bey St. Andre / allwo der Heil. Pontius Abbt ware / ferners zu geben geweigert / indeme es doch ein uraltes Herkommen geweſt / da ſeynd alſobald durch den Fluch beſagten Heil Abbtens alle Fiſch auf dem Gſtatt umb und umb tod gelegen: worauf das grobe und hartnaͤckige Bauren-Geſind noch nit wolte witzig werden / ſondern ein groſſe Menge Fiſch anderſtwo her genommen / und in beſagten See ein - geſetzt / ſo aber auch des andern Tags gleich den vorigen todter ge - funden worden / welches dann die vorhin unglimpffliche Pengel ſo weit veranlaſt / daß ſie den begangnen Fehler bereuet / deſſent - halben den Heil. Abbt Pontium um Vergebung gebetten / anbey mit kraͤfftigen Schwur verſprochen / daß ſie ins tuͤnfftig den Zehend nach aller Gebuͤhr dem Cloſter wollen abſtatten / erPars IV. Lmoͤge82Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenmoͤge nur ſo guͤtig ſeyn / und den ergangnen Fluch uͤber den See wiederum zuruck nehmen; durch welches der Heil. Abbt alſo be -In actis SS. Mart. tom 1. in eont. Bollan. ſaͤnfftiget worden / daß er ſammt allen ſeinen Geiſtlichen ſich zu dem See hinaus begeben / die todte und abgeſtandne Fiſch in das Waſſer geworffen / ihnen den Heil Seegen ertheilt / worüber ſie alle lebendig worden / und hinfuͤr an den Cloſter ſeinen gebuͤhren - den Fiſch-Zehend genoſſen.

Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſi - gen Eſſen und Trincken ergeben.

D der Iſcarioth ein heimlicher Mauſer geweſen / und in die Caſſa des Apoſtoliſchen Collegii einen manchen ohnguͤltigen Griff gethan / iſt nit allein auſſer allẽ Zweifl / ſondern ſo gar ein vorgeſtellter Glaubens-Artieul. Wohin er aber das entfrembde Geld angewend habe / entſtehen derenthal - ben bey den Lehrern unter ſchiedliche Meynungen / und ſeynd ei - nige der Auſſag / worunter forderiſt zu zehlen mein Heil. Vatter Auguſtinus, das Judas das geſtohlne Geld habe ſeinem Weib und Kindern auch angehenckt / welches leider! bey unſern Zeiten nit gar ungemein; Dann manchen in ſeinem Amt das Serve nequam ſpielet / damit er den Pracht ſeines Weibs und der Kinder ferners unterhalte. Andere und zwar die meiſte halten darfuͤr / als habe der ſchlimme Kerl mit der gemeinen Tafel nit vor Lieb genommen / wie die andere Apoſtel / ſondern immerzu aus der Caſſa nach Belieben einiges Geld abgetragen / und um daſ - ſelbe da und dort in heimlichen Wincklen gute Jauſen ange - ſtellt / und ſeiner Wampen mit Eſſen und Trincken gar treulich abgewartet. Dißfalls hat Judas unzahlbare viel Bruͤder und Schweſter. Sylvaira, Pontius, Turrecremata, Ludol - phus.

Wir Voͤgel insgeſammt / als von GOtt und dem Hünmel ſehr geſegnetes Gefluͤgelwerck fuͤhren eine Klag / man wird unshoffent -83Eſſen und Trincken ergeben.hoffentlich erhoͤren. Wir Tauben / die wir die groſſe Ehr ge - habt / daß eine aus uns von dem gerechten Alt-Vater Roe ein Geſandten Stell vertretten / und aus der Archen geſchickt wordẽ auch das aufgetragene Negotium mit maͤnniglichen Conten - to vollzogen: wir Tauben die wir die groſſe Ehr vom Himmel gehabt / daß ſo gar die dritte Perſon in der GOttheit / benannt - lich der H. Geiſt in unſerer Geſtalt ober dem Fluß Jordan erſchie - nen / wir fuͤhren eine Klag / wir Lerchen / die wir ſo gutthaͤtig undAnn. Min. An. 1226. Ehrenbietig geweſt / und dem Seraphiſchen Franciſco, da er in ſeinem gluͤckſeligen Sterbſtuͤndel begriffen / in groſſer Anzahl ober ſeiner Zell gantz lieblich muſicirt / biß ſein gebenedeyte Seel zu GOtt geflogen / wir fuͤhren eine Klag. Wir Treſchel und Cronawetvoͤgel / die wir ſo huͤlfflich und barmhertzig geweſt / und den H. Biſchoff Blaſium in der Wuͤſten / da er ohne einige Le -Mirul. l. 2. c. 4. bens Mittel wegen der Diocletianiſchen Verfolgung verborgen gelegen / ein zimlche Zeit hindurch mit nothwendiger Speiß ver - ſehen / wir fuͤhren eine Klag.

Wir Rebhuͤnnl / die wir ſo gehorſam ſeynd geweſt dem H. Nicolai Tolentinati aus dem Auguſtiner Eremiten Orden / daß ſo gar eins aus uns voͤllig ſchon gebratner auf ſein BefelchIn vit. 10 Sept. wiederum von der Schuͤſſel hinweg geflogen / wir fuͤhren eine Klag.

Wir Capauner und Haanen / die wir allezeit gut Chriſt - lich geweſt / und nicht allein einer aus uns dem Petro den erſten Hoff-Prediger abgeben / als er Chriſtum verlaugnet / ſondern auch in der vornehmen Stadt Bononien ſo wohl Petri als for - deriſt Chriſti Ehr defendiert; Dann wie daſelbſt ein brattner Haan auf die Tafel tragen worden / und einer denſelbigen zu viel Stuͤcken zerſchnitten / ſich auch anbey hoͤren laſſen / daß Petrus dieſen Haan nit mehrkoͤnne lebendig machen / ja wol / ſagte ein anderer / ja wohl Petrus / das waͤre auch Chriſto unmoͤglich. Kaum daß ſie dieſe Gottslaͤſterliche Wort ausgeſp ochen / da hupft der Haan in die Hoͤhe / ſpitzt dieſe zwey vermeſſene GeſellenL 2mit84Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenVincent. l. 25. in Specul. hiſt. mit der Suppen in das Angeſicht / worvon ſo wol ſie / als alle dero Nachkoͤmmlingen / Kinder und Kinds-Kinder ein erbliches Sieg - thum bekommen. Wir fuͤhren eine Klag.

Wir Wild-Aenten / die wir ſo Cortes| geweſen / und der H. Abbtiſſen Brigidæ zu Kildarn / auf ihr einiges Begehren / auf die Hand geflogen / und nit mehr Wild-Aenten / ſondern heim - lich worden. Wir fuͤhren eine Klag.

Contin. Bollan.

Wir Hennen / die wir nit die geringſte ſeynd unter dem Gefluͤgelwerck / auch vor allen andern die übergebenedeyte Mut - ter GOttes verehren / zumahlen eine aus uns in dem Hertzog - thum Bayrn drey Meil von der Haupt - und Reſidentz-StadtPagat. tom. 2. f. 284. n. 8. Muͤnchen zwey Ayer gelegt / worauf die Bildnus der Seeligſten Jungfrauen mit einem Stern entworffen war / und der Zeit noch an ſelben Ort / insgemein Taͤxa genannt / und ein Cloſter der Auguſtiner Barfuͤſſer zu ſehen / groſſe Miracul und Wunder - wercken geſchehen / wir fuͤhren eine Klag.

Wir Voͤgel insgeſammt / ſo wol groſſe und kleine / ſuͤhren ein billige Klag wider A. einen Schl Ampen / wider E. einen Schl Enckel / wider I. einen SchlIffel / wider O. einen SchOl - derer / wider U. einen SchUrcken. Wer iſt aber dieſer? Wir Thier auf Erden / die wir durch ſondere Allmacht GOttes der Welt zu Nutzen erſchaffen worden / fuͤhren ein gar billige Klag und ſeynd der gaͤntzlichen Hoffnung und Zuverſicht / man werde uns als in einer ſo gerechten Sach erhoͤren. Wir Ochſen / die wir in allweg bey dem Allmaͤchtigen in ſondern Gnaden geſtan - den / auch wie GOttes Sohn auf der Welt gebohren / und ſeine arme Herberg genommen in dem Stall zu Bethlehem, da iſt einer aus uns ſo weit kommen / daß er mit ſeinem warmen Athem dem neugebohren Meſſiæ muſte den groſſen Froſt und Kaͤlte wenden. So wird auch bekannt ſeyn / daß der Heil. Abbt Jechi - nus einem ſeiner frommen Diener / Paſtolia befohlen / er ſolle die Kuͤhe melcken / damit die Bruͤder ein gebuͤhrende Unterhaltung und Speiß haben / die fromme Einfalt Paſtolius iſt zu allererſtzu85Eſſen und Trincken ergeben.zu einem Ochſen kommen / welcher ihme (maſſen GOtt die from -Colgan. in vit. me Einfalt nit veracht) ſo haͤuffige Milch geben / als ſonſten ſieben andere Kuͤhe. Wir Ochſen fuͤhren ein Klag.

Wir Kuͤhe / die wir ſo gar im alten Teſtament gewuͤrdiget worden die H. Bunds-Kaſten / oder die Archen des HErrn zu fuͤh - ren. So wird man auch in dem Leben des H. Cadocileſen / daß einer / welcher dem Koͤnig Arturo drey Soldaten erſchlagen / auf Vorbitt des beſagten / H. Manns / vor einem jeden Soldaten ſoll 3. Kuͤhe geben / jedoch mit dem Beding / daß alle 9. Kuͤhe ſollen gleichfarbig ſeyn / und zwar der fordere Theil des Leibs ſoll roth ſeyn / der hintere aber weiß / wo aber nehmen ſolche? Der Heil. Cadocus erbarmet ſich uͤber den Thaͤter und Schuldner / laſt al - ſobald 9. Kuͤhe von unterſchiedlichen Farben herbey treiben / undBolland. 24. Jan. gibt alſobald durch das Heil. Creutz Zeichen ihnen die verlangte Farben. Wir Kuͤhe alſo fuͤhren ein Klag.

Wir Schaaf und Laͤmmer / die wir allzeit bey dem Aller - hoͤchſten in groſſen Anſehen / ja ſo gar der eingebohrne Sohn GOttes und Heyland der Welt durch den Mund ſeines Heil. Vorlauffers und Tauffers Joannis wolte ein Lamm GOttes ge - nennt werden: Ja es iſt auch allen faſt bewuſt / daß der Heil. Se - raphiſche Franciſcus ein Laͤmml gehabt / welchen ſchneeweiß an der Farb / und ihme über alle maſſen an genehm / dieſes hatte unter andern den loͤblichen Brauch / daß es allemahl in dir Kirchen / ſo offt man das hoͤchſte Gut auf gewandlet / auf ſeine Knie niderge -Ann. Minor. fallen / und dieſen ſeinen Schoͤpffer angebett / und verehrt. Wir fuͤhren ein Klag.

Wir Saͤu und Schwein / ob wir ſchon einmal durch Zu - laſſung GOttes / die Teuffel und hoͤlliſche Gaͤſt fuͤr Jnwohner gehabt / ſo haben wir doch anderwaͤrtig ein Lob darvon getragen / deſſen Zeugnus kan geben der Heil. Martyr Vincentius, deſ - ſen Heylthumber zu Ulysſibonæ aufbehalten werden; dann ne - ber andern Wunder / ſo ſich durch Huͤlff deß beſagten H. Mar - tyrs zugetragen / iſt nit das wenigſte / was ſie mit einem armenL 3Weib86Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenWeib ereignet / als ſolche von dem Koͤnig 10. Ducaten bekom - men / wormit ſie ihren gefangenen Sohn moͤchte erloͤſen / ſelbigeDeMira - cul. S. Vincent. Ulyſſibo - . aber durch Unachtſamkeit verlohren / da hat ſie ihre eigene Zu - flucht genommen zu dem H. Vincentio, durch deſſen Veyhuͤlff geſchehen / daß ihr ein kleines Haus-Schein alſobald entgegen geloffen / und die verlohrne 10. Ducaten aus dem Maul fallen laſſen. Wir fuͤhren auch eine Klag.

Wir Hirſchen / die wir zwey und zwantzigmal in Goͤttli - cher Heil. Schrifft citiert werden / auch nit nur einmal / ſondern oͤffter zu GOttes Dienſten uns brauchen laſſen / zumahlen der Heil. Ægidius, der Heil. Euſtachius, die Heil. Genovefa mit Hirſchen gemahlt werden. Deßgleichen hat in Ungarn nach er - haltner Victori denen zweyen Bruͤdern Uladislao und GeiſæBonfin. l. 3. dec. 2. einer mit brennender Fackel auf dem Geſtirn das Ort gezeigt / wo ſie der Mutter GOttes die verſprochne Kirchen ſollen bauen. Wir führen ein Klag.

Wir Haaſen / und wir unter allen Thieren den Menſchen den wenigſten Schaden zufuͤgen / ja auch vielfaͤltig von Gott und ſeinen Heiligen wunderbarlicher Weiß vor unſern Feinden ge - ſchuͤtzt werden / wie es dann nit nur einmahl geſchehen / daß demGodfrid. Monach in vit. l. 3. c. 7. Heil. Bernardo, da er auf der Reiß begriffen / die arme Haͤ - ſel eilends zugeloffen wann ſie von den Hunden verfolgt worden / und ihre Zuflucht bey ihme genommen: Wir fuͤhren auch eine Klag.

Wir Gaͤmbſen / die wir in der groͤſten Einoͤde unſere Le - bens-Mittel ſuchen / auch niemand ſich wegen unſerer beklagen kan / daß er Schaden von uns leide: Ja unſerſeits ſeynd wir mehr geneigt dem Menſchen zu helffen / als ihme die mindeſte Unbild anzuthun / wie dann zu leſen in dem Leben eines Heil. Einſiedlers / von dem Moſchus c. 84. in Prat. Spirit. Meldung thut / als ein benachbarter Abbt ſammt etlichen ſeinen Geiſtlichen wolte be - ſagten Einſiedlers Heil. Leib in ſein Kirchen transferiren / den - ſelben aber viel Stund umſonſt geſucht auf einem hohen Berg /da87Eſſen und Trincken ergeben.da hat ein Gaͤmbß mit dem Fuͤſſen die Erden aufgeſcharrt / und die Heil Reliquien offenbahrt. Wir fuͤhren ebenfals ein billi - che Klag.

Ja wir alle Thier auf Erden klagen wider A. einen L Aurn / wider E. einon L Ecker / wider I. einen L Immel / wider O. einen L Otters geſellen / wider V. einen L Vderer. Wer iſt aber dieſer?

Wir Fiſch im Waſſer / die wir durch ſondere Freyheit der Vermaledeyung / nie ſeynd unterworffen geweſen / ja unſer lieber HErr hat mit uns nit nur ein / ſondern mehr Wunderwerck ge - wuͤrckt / wie da geſchehen mit dem Wallfiſch Jonæ, mit dem Fiſch Tobiaͤ / mit dem Fiſch Petri, mit denen Fiſchen / wormit er ſo viel tauſend geſpeiſt. So iſt auch ſchon offt und vielfaͤltig von der Cantzel gepredigt worden / daß der wunderthaͤtige Antonius Pa - duanus, weil die ſaubere Arimineſer das Wort GOttes von ih -In Ann. Min. me anzuhoͤren geweigert / wir an ſtatt deren im Meer zuſammen gerott / und ſeiner Apoſtoliſchen Predig zugehoͤrt.

Wir Hechten / die wir alle Inſtrumenta des Paſſions und Leiden JEſu Chriſti im Kopff tragen / und unſern ſchnellen Gehorſam dem allmaͤchtigen GOTT in allweg erweiſen / wie dann zu Prag bey denen Præmonſtrattenſern genugſam be - kannt / daß einmahl an einem Mittwochen der ſeelige Mann Luhelius zu ſelbigen Zeit noch Novitius im beſagten Cloſter / bey dem Fiſch-Teich ſpatzieren gangen / und ſich hoͤren laſſen / daß er denſelbigen Tag ſo gern moͤchte faſten; Als ſolches die Umſte - hende vernommen / ſagten ſie ſchimpffweiß / dem Herrn wird GOtt gleich mit Fiſchen aufwarten. Kaum daß ſolches ge - redt worden / da ſpringt alſobald ein groſſer Hechten aus dem Teich heraus / und wirfft ſich dem Lohelio zu Fuͤſſen. WirIn vic. fuͤhren ein billiche Klag.

Wir Saͤlbling / die wir unter die geringſte Fiſch nit ſollen gezehlt werden / und noch allemahl in groſſen Ehren geſtanden / wie dann von uns nit ein geringes Lob ausſpricht Henriquez, als er ſchrifftlich vortragt / daß einmal auf dem Befelch des H. Mala -88Judas der Ertzſcheim iſt dem uͤbermaͤſſigenMalachiæ iſt in einem Waſſer gefiſcht worden / worinnen kein einiger Fiſch ſonſten geſehen / ſobald aber gedachter Heil. MannIn faſci - cul. de S. Malach. Epiſ. Hi - bern. hat laſſen in dem Namen GOttes das Netz werffen / hat men alſobald 12. ſchoͤne und groſſe Saͤlblingen herausgezogen / wor - mit die Gaͤſt / benanntlich drey fromme Biſchoͤff ſeynd geſpeiſt worden. Wir fuͤhren ein groſſe Klag.

So gar wir Haͤring / die wir durch die gantze Welt / ausge - fuͤhrt werden / und uns niemand mit Fug eines Unverſtands kan beſchuldigen / zumalen wir mit Saltz gar wolverſehen; ſo kan man uns auch keine Untugend vorrupffen / weil auch die H. Leuth uns ein Ehr angethan / Geſtalten in dem Leben des H. Thomæ von Aquin gemeld wird / das beſagter Engliſcher Do - ctor in ſeiner ſchweren Kranckheit von den Medicis befragt wor - den / ob er etwan nit einen Luſt haͤtte zu einer Speiß / worauf der H. Mann geantwortet / daß er moͤchte einen friſchen Hering eſſen wie ſie zu Pariß verkaufft werden; weil er aber dazumal von die - ſer Stadt weit entlegẽ / und nach Auſſag des Medici ſelbſt unmoͤg - lich an dieſem Ort dergleichen Fiſch zu finden / alſo hat beſagter Artzt einen andern Fiſch einkaufft / welcher aber in ſeinen Haͤnden wunderbarlich in einen Haͤring veraͤndert worden. Wir Haͤ -In vita. ring gleichfalls beklagen uns nicht wenig /

Wir Kaͤrpffen / die wir die bekantiſte Fiſch in Teutſchland / und unſer meinſte Reſidentz haben im beruͤhmten Koͤnigreich Boͤ - heim / auch noch alle mal in dem Augen GOttes wol angeſehenRaynald A. 1523. geweſen ſeyn; wie dann unſerer einer aus dem beruͤhmten Elbfluß die Kirchen-Schluͤſſel dem Heil. Biſchoff Bennoni wiederum gebracht hat. Wir beklagen uns gleichfalls nit ein wenig.

Wir Krebſen / die wir ebenfalls gar nit zu verachten / zu - mahlen wir in dem Zodiaco oder Himmels. Kreiß / auch ein Ort haben / desgleichen kan man uns nit viel Ubels nachſagen; dann wann wir zu weilen jemand zwicken / geſchicht ſolches darum / weil wir de Jure Naturali unſer Leben defendiren. So wird der hunderte / der eine Scheer traͤgt / nit ſo Scrupulos und Ge -wiſſen -89Eſſen und Trincken ergeben.wiſſenſchafft ſeyn / wie wir. Zumahlen einer aus uns das CreutzJoan. zu - ſebius l. 1. de Hi - ſtor. c. 21 ſammt der Bildnus Chriſti / welches der wunderthaͤtige Xave - rius in das Meer geworffen / deſſen Ungeſtuͤmme hierdurch zu ſtillen / dem Heil. Mann widerum eingehaͤndiget. Wir bekla - gen uns ſo gut als andere.

Jn Summa wir alle / die wir dem Waſſer leben und ſchwe - ben / fuhren eine groſſe Klag A, wider ein DAlcken. E. wider ein DElpel. I. wider ein DIlldapp. O. wider ein DOllhanſen. V. wi - der ein DVmbshirn. Wer iſt aberdieſer?

Dieſer iſt / ſagen und klagen die Voͤgel im Lufft / dieſem iſt / ſagen und klagen die Thier auf Erden / dieſer iſt ſagen und klagen die Fiſch im Waſſer / dieſer iſt / ſagen und klagen die Fruͤcht auf Er - den / forderiſt der Weinſtock. So beklagt ſich dann auch der Weinſtock? was dann:

Jch Weinſtock ſammt meinen Reben / der ich keinem Ge - waͤchs auf Erden viel nach gieb / ich / der ich im hoͤchſten Anſehẽ bey der Goͤttlichen Majeſtaͤt bin geweſt / und ferners noch hoffe in meinem guten Concept zuverbleiben / ich / der ich zu dem hoͤchſten Opffer des Altars erkieſen worden / und zu Cana Galilea durch das erſte Miracul meiner gantzen Freundſchafft die groͤſte Ehr begegnet / ich klage gleichfalls nit ein wenig wider dieſen. Wer iſt aber dieſer?

Dieſer allerſeits beklagte Boͤßwicht heiſt Wampelius Zehrer / wohnhafft zu Schlemmerau / ein gebohrner Frißlaͤnder / verſtehe hierdurch den Fraß und Fuͤllerey / des Menſchen ſeine unerſaͤttliche Wampen / zu dero dienen die Voͤgel im Lufft / die Fiſch im Waſſer / die Thier auf Erden / in Summa alles verzehrt wird zum hoͤchſten Schaden und Rachtheil der Seelen.

Wampelius ſtifft alles Ubel.

Poſt diem Jovis ſequitur dies Veneris, gar recht / dann wann man gut Jovialiſch iſſt und trinck / da iſt Venus nit weit darvon: Eſſen und Vermeſſen ſeynd Befreund. Jm A. B. C. nach dem S. folgt das T. Teufl. Taffel und Teuffel ſeynd diePars IV. Mnechſte99[90]Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigennechſte Anverwandte / Bolus und Diabolus, die zwey nechſte Bruͤder / Speiß und Geſpaͤß ſeynd die vereinigſte Cammeraten / Venus und Vinum verſtehen ſich gar wol miteinander Bacchus der ſonſten auch Pater Liber genennt wird / fuͤhrt die Libertaͤt an der Hand. Gula und Geilheit ſind gemeiniglich beyeinander wie Feur und Rauch. David ein Mann nach dem Hertzen GOttes / ſo ſtarck / daß er auch die Loͤwen ums Leben gebracht / ſo kuͤnſtlich / daß er auch mit der Zittern die Teuffel hat zitteren ge - macht / ſo ſanfftmuͤthig / daß er auch des Sauls Ubelthaten mit Gutthaten vergolten / ſo hoch verſtaͤndig / daß er ein Prophet und Poët zugleich geweſen / ſo Geiſtreich / daß er im Tempel ein Exempel alles Eyffers ſich erzeigt / ſo guthertzig / daß er dem Jona - thæ Gut / Muth und Blut geſchenckt. David Heilig / wie er ein Hirt geweſt / Heilig wie er ein Muſicus geweſt / Heilig / wie er ein Soldat geweſt / Heilig / wie er ein Koͤnig geweſt / aber doch einmahl / grob / grob / grob / ſein Lob / ſein Prob verſchertzt / ja gar ein Ehebrecher worden / aus einem Oberhaupt ein Haupt-Suͤn - der worden / pfuy! aus einem Helden ein Hoͤll worden / pfuy! aus einem Führer ein Verfuͤhrer worden. Pfuy! wer iſt doch Ur - ſach dieſes ſo groſſen / ſo ſchweren / ſo ſchaͤndlichen / ſo ſchaͤdlichen / ſo abſcheulichen Falls? Wer? ich ſags / ich klags / wer niemand an - derſt als der ſaubere Wampelius Zehrer von Schlemmeran / dieſer nichts nutzige Frißlaͤnder. Riemand anders hat den Da - vid geſtuͤrtzt als ſein uͤbermaͤſſiges Eſſen und Trincken / nach wel - chen er die Berſabea erſehen / und nachmahls ſich ſo ſchwer ver - ſuͤndiget. Dahero er nachmahls in ſeinen Pſalmen ſo fleiſſig Gott den Herꝛn gebettẽ / er wolle ihn doch erledigen à Dæmonio Meridiano, von dem Mittag-Teuffel / welcher ſich meiſtens an - meldet nach dem Mittag-Eſſen. Gewiß iſt es / daß ein Menſch / wann er zwey Capauner verzehrt / ein gantze Brattſchwein zu ſich nimmt / ein Kaͤlberen Schlaͤgel zuſammen raumbt / zwey dutzet Speck Knoͤdel in Magen wirfft / vier Maß Wein auslaͤhret / gewiß iſt es / daß er nachmals viel leichter im Gewicht / als vordem91Eſſen und Trincken ergeben.dem Eſſen / und ſolches verurſachen die durch das Eſſen vermehrte Lebens-Geiſter / und Spiritus vitales. Nachdem Eſſen iſt der Menſch Leichter als zuvor / das iſt wahr: Aber nach dem Eſſen iſt der Menſch auch Leichtfertiger als zuvor / das iſt auch wahr / und forderiſt / wann man den Eſel uͤberfuͤttern thut.

Wir unſer lieber HErr nit weit von der Stadt Geraſa kommen / da ſeynd ihme zwey beſeſſene Perſonen entgegen gan - gen / deren ein gantz blutnackend / maſſen die boͤſe Feind nit ein Faden am ihme gelitten. Dieſer zwey elender Tropffen hat ſich der HErr erbarmet / und alſobald den hoͤlliſchen Jnnwohnern be - fohlen / ſie ſollen ohne weitern Verzug die Herberg raumen; wor - auf die Teuffel den HErrn bittlich erſucht / er wolle ſie doch nit in die Hoͤll ſchicken / ſondern freyen Paß ertheilen in die Heerd Schwein / ſo dazumahl auf dem Feld ihr Waid ſuchten / und in der Anzahl 2000. waren / unverhinderlich zufahren / welches dann der Heyland verwilliget / ſobald aber die verdammte Geiſter in die Schwein kommen / haben ſelbige ſich gleich in der Furi und Ungeſtuͤmme in das Galilæiſche Meer geſtuͤrtzt / und dar - inn erſoffen.

Daß die Teuffel in die Saͤu gefahren / iſt dazumal geſchehen als der HErr JEſus 31. Jahr alt ware / dem 22. May / aber der - mahl geſchicht es faſt alle Tag / daß die Teuffel in die unmaͤſſige Saͤu-Maͤgen fahren / und dieſes ſeynd meiſtens die Unzucht Teuf - fel; maſſen ein feiſte Materi das Feuer leicht an ſich zieht / ſo weiß man auch / daß das Loͤffel-Kraut gern in feiſten und feuchten Grund wachſe. Wie Moyſes ſich ſo lang auf dem Berg auf - gehalten / und nachgehends in dem herabſteigen geſehen / daß das muthwillige Volck ſteiff geſſen und getruncken / da hat er ſich nit lang beſonnen / ſondern durch rechtmaͤſſigen Zorn die Taffel / worauf die 10. Gebot geſchrieben / auf die Erde und Felſen nie - dergeworffen / daß ſie voͤllig zertrimmert! dann er gedachte / wo man friſt und ſaufft / da achte man die Gebot GOttes wenig: ja es iſt wol zu mercken / daß beſagtes Volck Jſcael / nachdem es dieM 2Wam -92Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenWampen wol angefuͤllt / gleich um das guldene Kalb herum gehupfft; dann gemeiniglich nach dem Freſſen und Sauffen pflegt man auf Kaͤlber Arth zu ſchertzen / worbey ein manches unbe - hutſames Gemuͤth / auch die Ehr verſchertzt; dann gewiß iſt es / daß ſich ein Schwein im ausgedoͤrrten Koth nit waltze / wol aber im naſſen und feuchten. Haͤtte Luther die Kandel nit ſo ſehr ge - liebt / ſo waͤre ihme die Caͤtherl nit eingefallen. Die Lateiner nennen es ein Fluß Papier / Cartam bibulam, das verſoffene Papier / aber man ſicht es ja / ſo offt dieſes Papier ſaufft / ſo offt macht es eine Sau; darum in dem Wort Sauffen / die erſteMatth. c. 21. Syllben ein Sau. Die Lehr unſers Heylands ſelbſten iſt / wann der unreine Geiſt (mercks wol) der unreine Geiſt / wann er vom Menſchen ausfaͤhrt / ſo wandelt er durch duͤrꝛe Oerther / und ſucht Ruhe / und find ſie nit / ꝛc. Sihe in duͤrren Orthern find der unreine Geiſt keine Platz noch Herberg. Jm Duͤrren und durch Faſten und Abbruch ausgemerckleten Leuten find der un - reine Geiſt keine Wohnung / wol aber in Feiſten / die Tag und Nacht die Wampen / wit ein Pilgrambs-Rantzen anfuͤllen. Wann ſich Sodoma ſammt den andern Staͤdten nicht alſo wol haͤtte tractiern laſſen / ſo waͤre es von GOTT nit alſo uͤbel tra - ctierrt worden; dann der ſchaͤndlichen Laſterthaten daſelbſt ware niemand andere Urſach / als der Frißlaͤudiſche Wampelius. Man ſicht es in unſerm werthen Teutſchland / wann Eſſen und Trincken im geringen Preiß und alle Victualien wolfeyl / daß auch anbey der Mutwillen in groͤſtem Schwung ſeye / wann ent - gegen die Kuͤchel nit raucht / ſo zuͤnd ſich das Venus-Feuer we - nig an. Mitten im Feuer / mitten in Flaͤmmen / mitten in Fun - cken / mitten in der Glut / mitten im angezuͤndten Ofen zu Baby - lon waren die drey Knaben aller Hitz befreyt; nit ein Faden / ja wol Faden / nit ein Haar / ja wol Haar wurde verletzt von dem Feuer. Wie kommts aber? dahero: dieſe drey Knaben haben vorhero gefaſt / haben ſich der guten und koſtbahren Bißlein / ſo von der Koͤniglichen Taffel kommen / gantz nichts geacht / deſſent -wegen93Eſſen und Trincken ergeben.wegen hat ihnen das Feuer verſchont. Wer dem Faſten / der Maͤſſigkeit ergeben / hat nichts zu foͤrchten von dem Baberliſchen oder Barbariſchen Feur / wol aber / der mit dem Wolff in die Koſt gehet / wol aber / wer nach dem Beeren nach guten Bißlen trachtet / wol aber / der mit der Katz nach dem Speck ſchnappet. Mir iſt mit aller Warheit von einem jungen Bauren Geſellen / erzehlt worden / welcher in einem Marck in Unter-Oeſterreich die - ſen laͤcherlichen Boſſen getrieben. Er lieſſe in dem Wirthshaus Anfangs wohl auftragen / und nachdem die Kuchel das ihrige ge - ſpendiert / ſo daun muſte der Keller nit minder das ſeinige thun / und zwar hat er ſo viel Glaͤſer begehrt / als in dem Haus zu finden / wie ihme dann etliche zwantzig auf dem Tiſch geſetzt worden / ſo er alle ſauber / der unſaubere Sau-Nar ausgelaͤhrt / jedoch mit dieſer angehaͤngter Hiſtory / oder vielmehr Comœdi. Er ga - be einen jeden Glaß einen gewiſſen Namen / er aber vertratte die Stell ſeines Pflegers oder Verwalters. Wolan / ſagte er zum erſten Glaß / Hanns Obermayr / warum Schelm biſt verwich - nen Montag nit die Robath kommen? (im Reich pflegt mans Scharwerck zu nennen) warum biſtu ſo vermeſſen geweſt? fort mit dir in Kotter hinein: und ſaufft hiemit das Glaß aus. Er macht ſich uͤber das andere Glaß / huy ſagt er Lentz Kentzauer / warum haſtu leichtfertiger Vogel nechſten das Holtz nit helffen dero Herrſchafft ſuͤhren? fort mit dir Kerl in Kotter hinein / es hilfft nichts darfuͤr / und ſaufft alſo daß andere Glaß aus. Zum dritten ſprach er / nun Joͤrg Dulbinger treffen wir einmal einan - der an / wo hat dich der Hencker gehabt / daß du nit biſt beym Heu ein fuͤhren geweſt? haͤ! fort / nur fort mit dir in Kotter ohne alle Barmhertzigkeit / und ſtuͤrtzt alſo das dritte Glaß aus. So ſagt er zum vierdten Glaß ſo mein Baͤrthel Rußkern / ſo wilſt du dich auch ſchon von der gemeinen Arbeit ausſchraufen / du Ehrvergeß - ner Maußkopff / biſt erſt eine kurtze Zeit bey der Herrſchafft / fort mit dir uͤber Hals und Bein in Kotter hinein / du ſollſt mir ſobald nit hinaus kommen / und laͤhrt alſo das vierdte Glas aus. Es iſt. M 3grad94Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤffgengrad recht / ſprach er zum fuͤnfften Glaß / daß du mir / du ſauberer Hieſel Muͤller heut unter die Augen kommſt / ich will dich lernen der Herrſchafft Dienſt verrichten / geſchwind / geſchwind / und ſag nit ein Wort / geſchwind in Kotter mit dir / und ſaufft hiemit das fuͤnffte aus. Jch hab mir wol eingebildt / ſagt er zum ſechſten Glaß / du bucklegter Flegel (es ware ein unterſetztes Glaß oder Roͤmerl) du wirſt mir einmal ins Garn gehen / ich will dir ein Herrn zeigen / und wirſt du mehrmal ſolche Haͤndel anfangen / ſo ſchlag ich dich in Eıſen und Band / vor dieſesmal in Kotter mit dir / trinckt alſo das ſechſte aus; ſolcher Geſtalten hat der ſchlim - me Geſell etlich und zwantzig Glaͤſer ausgeſoffen. Der Kell - ner / ſo daſelbſt gegenwaͤrtig / kunte ſich nit genug uͤber dieſen ſo laͤcherlichen Weinſchlauch verwundern / wolt aber diſer Comœ - di auch von den ſeinigen etwas zuſetzen / nimmt demnach ein Glaß von der Taffel / welches der andere Zapff nit vermerckt / und nach - dem er ſelbes mit Eſſig eingefuͤllt / ſetzt ers gantz behutſam zu En - de der Taffel. Wie nun der obbenente Schlemmer bereits alle in Kotter / oder wol gar ins Narrn-Haͤuſel geworffen / erblickt er erſtbeſagtes Glas / was iſt das? ſagt er / du liederlicher Tropff / du meinſt gewiß ich kenne dich nicht / du biß gewiß nicht der Lucas Droßler / du Schelm / weiſt dich ſchuldig im Gewiſſen / weil du alſo von weiten ſteheſt / gehe her Vogel / warumen haſt du ſchon zwey - mal deine Ochſen laſſen im Geſchloß-Garten zu Schaden ge - hen? du biſt nit ein Haar beſſee als andere / fort mit dir in Kotter. Wie er nun das Glaß faſt halb ausgetruncken / indem es mit Eſſig angefuͤllet ware / ſo ſetzt er ein wenig ab / und ſagt / du Bern - heiter machſt noch ſaures Geſicht machen / ſo hilfft doch nichts darfuͤr / du wilſt oder wilſt nit / ſo muſt du doch in Kotter hinein / trinckt alſo auch dieſes aus; worvon dann der unmaͤſſige Wein - ſchlauch dergeſtalten bezecht worden / daß er von allem Verſtand kommen / und kurtz um / ja mit allem moͤglichen Gewalt / mit dem an der Wand leinenden Mehl-Sack wollen tantzen / ja ihme gar die Ehe verſprochen; weil er der Meinung geweſt / es ſeye dieMagd95Eſſen und Trincken ergeben.Magd im Haus / ſo ihme anvor wohl bekannt. O Beſtia! aus dieſem folgt / daß Kandel und Antel nit weit voneinander. Das Potare und Putana ſich bald vergleichen / das Weinbeer und Weiber einander wol verſtehen. Nachdem Holofernes ſich mit Eſſen und Trincken wol angeſchopt / da ware ſein einiger Gedan - cken die Judith, aber der Tantz iſt nit angangen / nachdem der Loth ſich uͤberweint / da ſeynd ſeine Toͤchter zu ihrem gewuͤnſch - ten Ziel gelangt; Fraß und Fuͤllerey vergleicht ſich ſo wenig mit der Keuſchheit / als Lucifer mit dem Michaël, als der Wolff mit dem Laͤmmel / als der Koth-Kefer mit der Roſen / als der Storch mit der Schlangen / als das Feur mit dem Waſſer / als der Stoß Vogel mit der Tauben / ꝛc.

Was ſtifft Wampelius noch mehr?

Der Heil. Dominicus hatte eineſt in die Predig unter ſeinen Zuhoͤrern ein beſeſſene Weibs-Perſon / welche er nach vol - londtem Wort GOttes von der Sathaniſchen Tyranney erle -In vit. l. 2 diget. Sobald aber dieſe verdammte Larven von der armen Perſon gewichen / alsdann hatte ſie neben andern Unflat ein groſ - ſe Menge der ſchwartzen Kohlen ausgeworffen.

Delrio ſchreibt von mehrern beſeſſenen Leuten / welche da oͤffters aus dem Magen und Mund Ayrſchallen / Buͤſchel Haar / alte Huff-Naͤgel / Schuſter-Ahln Glaß-Scherben / alte Fetzen / und Lumpen ſogar / ſalvâ veniâ, Roß-Feigen / Saͤu-Koth / und allerley Unflat / durch Wuͤrckung des boͤſen Feinds / haben ausge - worffen. Bey den uumaͤſſigen Sau-Maͤgen thut ſolche ſaubere Prob noch alle Tag der Freß - und Sauff Teuffel / durch deſſen Wuͤrckung die wilde Zech-Bruͤder allerley unflaͤtige Wort und Spruͤch von der aͤrgerlichen Goſchen laſſen fallen. Von dem reichen Praſſer ſagt die H. Schrifft / wie er durch einen Schlag oder Steck-Catharꝛ des gaͤhen Tods geſtorben / und den gera - den Weg zum Teuffel gefahren / daß er nichts mehrers beklagt habe / als ſeine Zung / auch derenthalben ein Memorial ablauf - fen laſſen zu dem Abraham / er moͤchte doch dem Lazaro in ſeinerSchoß96Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenSchloß die Erlaubnus geben / daß er ihme ſein brinnende Zung nur mit ein wenig Waſſer kunte erquicken. Gewiß iſt es / das erſtgedachter Praſſer nit allein ſich verſuͤndiget habe mit der Zung ſondern auch mit dem gantzen Leib: ſich verſuͤndiget mit denen Augen / die er von dem armen Bettler ſo unbarmhertzig abge - wendt: ſich verſuͤndiget mit den Ohren / in die nit nur einmahl / ſondern oͤffters gehoͤrt das Weheklagen des elenden Tropffens / und ſich dannoch hierdurch nit erweichen laſſen: ſich verſuͤndiget mit den Haͤnden / in denen man Tag und Racht faſt nichts an - ders geſehen als Pocal und Glaͤſer: ſich verſündiget mit dem Hertzen / in welchem niemand anderſt reſidirte als Bacchus und Venus; gleichwol empfande er am gantzen Leib nicht ſo groſſe Peyn und Qual als auf der Zung; ſo muß dann folgſam ſolche ſich mehr / als der gantze uͤbrige Leib verſuͤndiget haben? freylich / was dann / daran iſt gar kein Zweiffel; dann ſolche ſich nit allein ſtets und immer hat brauchen laſſen zum Freſſen und Sauffen ſondern beynebens allerley Schand - und Spott-Reden gefuͤhrt / wodurch die Gaͤſt erluſtiget / Lackey und Aufwarther zum Gelaͤch - ter bewegt worden.

Zu Venedig ſchreibt Paciuchelli de mal. Conſuet. iſt auf ein Zeit ein Baur / ſo dazumal was wenigs auf dem Marck verkaufft / bey einem vornehmen Specerey Gewoͤlb vorbey gan - gen / gaͤhling aber in Ohnmacht zur Erden nieder geſuncken / und gleichſam alle Lebens-Geiſter von ihme gewichen. Die Umſte - hende thaͤten ſich aus Chriſtlicher Lieb / wie billich / des armen Manns erbarmen / und einer da / der andere dorten mit wolrie - chenden Waſſer und koſtbaren Balſam zu Huͤlff kommen: Aber es folgte hierdurch die wenigſte Beſſerung nit / ſondern es hatte das Anſehen / als wolte ihne der Lebens-Athem gaͤntzlich ver - laſſen; biß endlich ſein Weib zu dieſem Handel kommen / mit ih - rem groben Fuͤrtuch alle wohlriechende Matery von der Naſen und Schlaͤffen wol abgerieben / und nachmahl ein friſches Sau - Koth (welches ſich faſt nicht reimbt zuſchreiben) ihme wol umdie97Eſſen und Trincken ergeben.die Naſen geſchmirbt / worvon ſich der Bauer geſchwind erhohlt / und bald mit dieſer Verwunderung ſriſch und geſund aufgeſtan - den / ware alſo ſeiner Natur weit tauglicher der Geſtanck / als der gute Geruch.

Die Zech-Bruͤder insgemein / ſammt allen denſelbigen / ſo ihr Ergoͤtzlichkeit ſuchen in Eſſen und Trincken / ſeynd meiſtens alſo genaturt / daß ſie die einige Freud ſchoͤpffen an aller Un - flat / dahero ſolche Schand-Reden fuͤhren / ſolche Spott-Woͤrter ausgieſſen / ſolches unflaͤtiges Geſpraͤch halten / daß hiervon alle ehrliche Ohren hoͤchſtens beleidiget werden. Wehe! euch Wuͤr - then und Gaſt-Gebern / Wehe euch! die ihr eines verruchten Ge - winns halber dergleichen Laſterzulaſt. Wehe! euch Eltern / die ihr bey dem Eſſen und Trincken auch dieſes Sau-Confect biß - weilen auftragt / worvon die unbehutſame Jugend / ſo wie ein Schwammen alles an ſich ziehet / gantz ſchleunig zum Verderben angeleitet wird.

Der Apocalyptiſche Engel Joannes ſahe einmahl in ei - nem Geſicht folgende Begebenheit / Jch ſahe / ſpricht er / ein Thier aus dem Meer heraus ſteigen / das hatte ſieben Koͤpff und zehen Hoͤrner / und auf ſeinen Hoͤrnern waren zehen Kronen / und auf ſeinen Koͤpffen waren Namen der Gottslaͤſterungen / ꝛc. Dieſes erſchroͤckliche Thier / laut Heiliger Schrifft / handlet mitApocδ 13. Cap nichts anderſt / als mit lauter Gottslaͤſterungen. Aber woher hatte es ſeinen Urſprung? Vom Meer. Das ware ein naſſer Urſprung. Bey dermahlen elenden Zeiten entſpringen auch ſolche Beſtien / ja Beſtialiſche Leuth / voll mit Gottslaͤſterungen aus der Naͤſſe / zwar nicht vom Waſſer / wohl aber vom Wein; dann wo melden ſich mehrer Gottslaͤſterige Zungen / als eben beym Sauffen und Schlemmen?

Wie Chriſtus der HErꝛ als das unſchuldigſte Lamm durch der Hebraͤer unmenſchliche Verfolgung zum Tod verurtheilt worden / da ware eine loͤbliche Gewonheit / ſo vom Koͤnig Salo - mon eingefuͤhrt worden / daß man denen zum Tod condem -Pars IV. Nnirten98Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigennirten einen ſuͤſſen und ſtarcken Wein zu trincken gegeben / auf - daß ſie die bevorſtehende Straff und Leibs-Quaal deſto leichter ausſtehen kunten. Dieſes hat man auch an dem HErꝛn JEſu nit ermanglen laſſen; maſſen die fromme Matronen / und das allezeit mitleidende Frauen-Zimmer ſehr ſtattlichen Wein bey - geſchafft dem HErꝛn JEſu von Nazareth zu einer Erquickung: aber die Gottloſe Geſellen haben ſolchen beſten Wein ſelbſt gantz unmaͤſſig ausgetrunken / und den gebenedeyten Heyland einen an - dern Trunk mit Gallen und Myrrhen zugericht / ſie aber durch den ſtarcken Wein alſo berauſcht worden / daß ſie die gantze Nacht hindurch geſoffen / und anbey allerley verruchte Lieder und Ge -Tauler. c. 48. ſaͤnger uͤber JEſum von Nazareth geſungen / auch zugleich in alle erdenkliche Gottslaͤſterungen ausgebrochen / daß dieſelbe Nacht dem gebenedeyten Heyland ſchmertzlicher geſallen / als die gantze Zeit ſeines Leidens.

Jn der vornehmen Stadt Loͤven in Braband hat auf ein Zeit ein ſehr frommer und Gottsfoͤrchtiger Burger daſelbſt etli - che Leuth auf der Gaſſen angetroffen / welche alle mit weinenden Augen ſehr groſſes Mitleiden getragen gegen einem am gantzen Leib verwundten Menſchen / ſo mitten unter ihnen geſtanden / und als er befragt / welcher Boͤßwicht ihme ſolches Ubel ange - than? auch die Antwort vernommen / daß er ſolches gelitten von dreyen jungen Buͤrſchlein / ſo im nechſt-gelegenen Wirths-Haus beym Sauffen und Spielen ſtets Gottslaͤſtern und fluchen: alſoThom. Cantipr. l. 2. apoc. c. 49. P. 9. 10. hat er ſich unverweilt dahin begeben / und beſagten Geſellen ihr unmenſchliches Verfahren ernſtlich vorgerufft / welches ſie aber nicht allein gelaugnet / ſondern noch mit ihme zu ernennten und allerſeits verwundten Menſchen gangen / auch ihne befragt / ob dann ſie ihme einiges Leyd zugefuͤgt? Wie er nun ſolches bejahet / iſt er augenblicklich verſchwunden: woruͤber dieſe gantz bußfertig in ſich felbſt gangen / und anbey erkennet / daß ſie mit ihren Gotts - laͤſtern den Heyland JEſum unter dem Sauffen und Spielen auf ein neues gegeißlet und gemartert.

Joan -99Eſſen und Trincken ergeben.

Joannes mit dem Z unahmen Fauſt / insgemein der Do - ctor Fauſt genannt / ſonſt von Gundlingen gebuͤrtig / der nun der gantzen Welt faſt bekandt wegen ſeiner Zauberey / und groſſen Pact / den er mit dem boͤſen Feind gehabt. Dieſer ſaubere Geſell hat ſeine Teuffels-Kunſt zu Cracau in Pohlen gelernet; dann zur ſelben Zeit wurde beſagte ſchoͤne Kunſt (ſcil. ) daſelbſt offentlich dociert. Wie dieſer einmahl ungefehr in ein Haus gerathen / allwo dazumahl ein ſtattliche Mahlzeit ware / und die geſammte Gaͤſt bereits tieff in die Kandel geſchaut / dahero mit oͤffter wie - derholten Bitten den Magiſter Fauſt erſucht / daß er ihnen zu ei - ner Gnad etwas von ſeinen ſo beruͤhmten Stuͤcklen moͤchte ſehen laſſen. Joannes auf ſo groſſes Verlangen wollte der naſſen Burſch endlich ſolches nicht abſchlagen / fragt aber zugleich / was ihnen moͤgte beliebig ſeyn? worauf die berauſchte Geſellen einhel - lig begehrt / daß er ihnen an ſtatt deß Confects ſolle gantze friſche Weinbeer aufſetzen / es war dazumahl die rauhe Winters-Zeit. Der Fauſt verſpricht dieſes / jedoch mit dieſem Beding / daß keiner ein Wort ſolle reden / biß er ihnen werde ſchaffen die Weintrau - ben abzuſchneiden; wofern aber einer das geringſte Wort ſolle hoͤren laſſen / ſo moͤchte es ſeinen Halß gelten. Wie ſie nun alle ſolches angelobt / da hat er dieſe bezechte Kerl dergeſtalten ver - blendt / daß einer vermeint / als ſtehe vor ſeiner der ſchoͤnſte Wein - ſtock mit friſchen und gantz zeitigen Trauben / worauf dann ein je - der das Meſſer ergriffen / und auf die Wein-Trauben gehalten / gantz begierig erwartend die Erlaubnuß abzuſchneiden. Da er ſie ein Weil in dieſer Verblendung gelaſſen / da hat er gemacht / daß alles Augenblicklich verſchwunden / ein jeder aber das Meſ - ſer auf ſeiner Naſen gehalten / daß wofern er den Befehl nit haͤtte gehalten / er ihme ſelbſt ſeinen Schmecker haͤtte abgeſtutzt. DasMajol. in c. 455. ware eine Mahlzeit / wo bey einem Haar einem jeden waͤre die Naſen abgeſchniten worden / es waͤre gewiß ein ſchaͤdliches ſchnei - den geweſt; aber doch die Naſen abſchneiden ſcheint nit ſo ſchmerz - lich als die Ehr abſchneiden / welches doch beym Eſſen und Trin -N 2cken /100Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigencken gantz gemein; dahero mein H. Vatter Auguſtinus / als er zu Hippone Biſchoff ware / allezeit bey ſeiner Taffel / wo er ſpeiſen thaͤte / ein Taffel hangen gehabt / auf welcher dieſe Wort mit groſ - ſen leßlichen Buchſtaben geſchrieben geweſt:

Es ſoll und muß mein Taffel meiden /
Der andern will die Ehr abſchneiden.

Unter andern Plagen / die GOtt durch ſeine Diener Moy - ſen und Aaron dem hartneckigen Koͤnig Pharaoni zugefuͤgt / ware nit die wenigſte / die Froͤſch / deren Menge ſo groß / daß kein Orth mehr noch Winckel im gantzen Koͤnigreich zu finden / wo dieſe Gruͤn Hoͤßler nit herum gehupfft! abſonderlich aber waren ſie beym Eſſen und Trincken uͤberlaͤſtig; dann kaum ein Schuͤſſel aufgedeckt worden / da iſt alſobald ein ſolcher Lackendreſcher hin - ein geſprungen: Wann man den Loͤffel zum Maul gehalten / da iſt unverſehens ein ſolcher großmauliger Capriolſpringer darinn ge - weſt. Sonſt pflegen dieſe Rohr-Hocker in Pfitzen und Waͤſſern ihr Reſidentz zu haben / aber dazumal bey der Taffel / deß Koͤ - nigs forderiſt. Der Mund-Becher ware nicht ſicher / daß nit zu vor ein ſolcher Koth-Tantzer darinn gebadet: an ſtatt der Tafel - Muſic ware dieſes verdruͤßliche Acht / Acht / Acht: allen Diſcurs / und freundliche Geſpraͤch verderbte dieſes ſo uͤberlaͤſtige Acht / Acht / Acht. Kaum daß Pharao ein Wort geredt / da zehlten dieſe verdrießliche Schmarotzer ſchon Acht / Acht / Acht / das ware ein Plag uͤber alle Plagen.

Aber ſag mir einer / wo dermahlen ein Mahlzeit / ein Tra - ctament / ein Eſſen und Trincken / wo ſich nicht dergleichen ge - ſchwaͤtzige Froͤſch hoͤren laſſen. Sie ſchreyen zwar nit Acht / Acht; aber ſie geben Acht auf eines jeden Thun und Laſſen. Man tranchirt nicht allein die Speiſen / ſondern auch eines manichen ehrlichen Namen: man halt nicht allein den Loͤffel beym Still / ſon - dern man ſtihlt vielen auch darbey die Ehr; man iſſt nit allein Ca - pauner / ſondern man ſchreyt darbey zuweilen einen fuͤr ein Hahnrey aus: Man hat nit allein einen gebrattenen Haaſen aufdem101Eſſen und Trincken ergeben.dem Thaͤller / ſondern es muß noch dieſer und jener ein Haaſen - Hertz und Letfeigen ſeyn: Man trinckt nicht allein ein Rhein - Wein / ſondern man ſagt dieſe und dieſe fuͤhre ein unreines Leben: man ſaufft nit allein einen Luttenberger / ſondern man zeigt noch dieſen und jenen / daß er ein Luderberger ſeye. In Summa Con - vivium und Convitium, Eſſen und Ehrvergeſſen / Faß und Nefas, ſitzen beyeinander / und wird man niemal frecher / als bey dem Becher.

Wo! wann? Wie iſt der Koͤnigliche Printz Amnon ums Leben kommen? Jch antworte bey der ſtattlichen Mahlzeit die Abſolon ſein Herꝛ Bruder auf einem groſſen Mayerhoff hat angeſtellt / und zwar dieſe Freſſerey iſt dazumal zugericht worden / wie Abſalon ſeine Schaaff hat laſſen ſcheeren; dann mit dieſen Worten hat er Jhre Majeſtaͤt den Koͤnig David ſelbſt / als ſeinen Gnaͤdigſten Herꝛn Vatter eingeladen. Sihe / ſprach er / man ſcheert die Schaaff deines Knechts / ich bitte / der Koͤnig2. Reg. c. 13. wolle mit ſeinen Knechten zu ſeinem Diener kommen. Das Schafſcheeren / und das Eſſen und Trincken ware dazumahl bey einander: Die Gaͤſt haben ihnen laſſen wol geſchehen / die arme Thierl haben muͤſſen die Woll laſſen / man hat allerſeits wohl geſ - ſen / aber die unſchuldige Laͤmmlein haben muͤſſen ihr Woll ver - geſſen: Man hat uͤber und uͤber wohl getruncken / und die arme Tropffen ſeynd um ihr Woll kommen. Ein artliches Tracta - ment / wobey Loͤffel / Meſſer und Gabl / auch die Scheer muß ſeyn. Daß geſchicht aber wohl oͤffter / wo man tapffer iſſt und trinckt / daß zugleich die Unſchuldige muͤſſen von der Scheer leiden / die ihnen zwar nit die Woll / welches noch zu erdulten waͤre / ſon - dern gar die Ehr abſchneidet; da muͤſſen alle verborgene Unvoll - kommenheiten deß Nechſtens geoffenbahret werden / da muͤſſen die Goͤtzenbilder der Rachel hervor. Da macht man die kleine Maͤngel großmaͤchtig / da ſeynd die Leuth im gelobten Land ſo groſſe Rieſen / daß ſie andere freſſen koͤnnen / wie zu Joſue Zeiten; do legt man eine Sach uͤbel aus / und muß der hinterlaſſeneN 3Man -102Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenMantel deß Joſephs ein Zeiger und Zeichen ſeyn deß angemaſten Ehebruchs. Da muß mancher beſcheidne Mann vor einen lau - teren Narren gehalten werden / wie der Samſon bey denen Phi - liſtaͤern. Da muß manche fuͤr ein Et Cætera gehalten werden / gleichwie die keuſche Judith von dem Aſſyriſchen Volck nit an - derſt verargwohnt worden. Da wird das allergeringſte der Geiſt - lichen und Religioſen auf die Bahn gebracht / und bleibt auch die Unterlaſſung der Haͤnd Waͤſchung unter denen Apoſtlen nit un - beſchnarcht. Da werden meiſten Theil die Zungen / forderiſt wann ſie im Wein wol eingebeitzt ſeyn / in lauter biſſigen Schlan - gen verwandlet / wie vor dieſem die Ruthen des Hohenprieſters Aarons im Angeſicht des Egyptiſchen Koͤnigs.

Jch wollte meines theils die Sauffer lieber Knoͤpff als Roſen heiſſen / maſſen ihnen dieſes Prædicat beſter maſſen an - ſtaͤndig / aber dermahlen will ich ſie Roſen tituliren / nicht zwar zu ihrem eignen Ruhm oder Glory / ſondern derenthalben Roſen / deßgleichen auch die Lilgen thun; weil die Roſen das Maul nie weiter auffreiſſen / als wann die warme Sonne ſcheint / alſo die Sauffer / ſobald ſie von dem Wein erhitzet werden / ſodann eroͤff - nen ſie die Goſchen / und muß alles heraus / was ſonſt ſobald nit waͤre an Tag kommen. Voll macht Laͤhr. Wie iſt das zu verſtehen? der durch den Wein voll iſt / ſoll man verſtehen / der wird leicht das Hertz auslaͤhren / und alle Geheimbnuſſen offen - bahren.

Der H. Moͤnch Sylveſter / der aber nicht allein / unſer H. Joannes à S. Facundo, auch dieſer nicht allein / der H. Vatter Benedictus / auch der nicht allein / der Heil. Seraphiſche Franciſ - cus / dieſer ebnermaffen nicht allein / der Heil. Abbt Bernardus / auch ſolcher nicht allein / der Heil. Dominicus Stiffter deß Pre - digers-Ordens / auch ſelber nicht allein / der Heil. Thomas von Aquin von beſagtem Orden / auch dieſer nicht allein / der Heil. Franciſcus de Paula / der gleichfalls nicht allein / der Heilige Fran - ciſcus Xaverius / auch dieſer nicht allein / mein Heil. Cajetanus /auch103Eſſen und Trincken ergeben.auch eben dieſer nicht allein / der Heil. Joannes Dei, auch ſo gar dieſer nicht allein / die Heil. Thereſia / Coleta / Juliana / Brigitta / dieſer gleicher Geſtalten nit allein / ſondern noch viel andere Heilige haben die Gnad von GOtt gehabt / daß ſie die allergeheimſte Gedancken / die verborgneſte Anſchlaͤg deß Menſchens gewuſt und erkennt haben. Aber ich getraue mir gar offt / und zwar ohne Miracul / wormit meiſtens die H. Leut operiren / ich getraue mir ohne uͤbernatuͤrliche Wunderwerck / ſolches zu wegen zu bringen. Laſſe nur aͤuftragen und nicht zetten / laſſe nur einſchencken und nit ſchuͤtten / laſſe nur wacker trincken und nit pauſiren / ſodann wirſtu alles heimliches an das Liecht locken / alle Secreta ohne ei - nigen Deckmantel vor dir liegen. Solches beſtaͤttiget der H. Geiſt ſelbſt in Goͤttlicher Schrifft: Nullum Secretum eſt, ubi re gnat ebrietas. Prov. 31. Wo die Trunkenheit regiert / da iſt nichts heimliches.

Jn dem Hertz deß Heiligen Antiocheniſchen Patriarcher Jgnatii hat man mit guldenen Buchſtaben geſchrieben gefunder den fuͤſſeſten Nahmen JEſus. Jn dem Hertz der Heiligen The - reſiaͤ hat man unterſchiedliche Heilige Geheimnuß gefunden. Et - liche die Geißlung deß HErrn JESU / andere die Kroͤnung deß Heylands / dieſe die Creutzigung Chriſti / jene ſeine glorreiche Urſtaͤnd / ꝛc. Jn dem Hertz der Heiligen Clara de Monte Fal - conis aus meinem Orden hat man ſichtbarlich geſehen alle Jn - ſtrumenta und Waffen deß Leidens Chriſti: Jn dem Hertz der Heiligen Magdalenaͤ de Pazzis hat man gantz wohl gezeichneter angetroffen das Wort Amor: Jn dem Hertz der Heiligen Ger - trudis hat man ein Wunden gefunden / ſo von einem Strahl deß gecreutzigten JEſu eingebrennt worden. Aber bey allen beſagten Heiligen hat man ſolches erſt nach ihrem Tod und ſeeligen Hin - tritt gefunden. Entgegen aber durch den Wein kan man noch bey Lebs-Zeiten ſehen / finden / erfahren / was einer im Hertzen trage. Nullum Secretam, ubi regnat ebrie - tas.

Hart104Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigen

Hart ware in die Archen Noe / in dieſes groſſe Schiff zu kommen / maſſen es GOtt der HEr: ſelbſt verſchloſſen. Hart waͤre der beruͤhmte Held Joſue in die Rings herum verſchloßne Stadt Jericho eingedrungen / wann nicht dero Rings-Mauren durch Goͤttliche Hand waͤren umgeſtoſſen worden. Joſ. 6. Hart waͤre der kuͤhne Soldat Martinus Schenckius Anno 1588. in die ſtarcke verſperꝛte Stadt Bonn eingetrungen / wann er nicht in die lererſt erfundene Pedarden oder ſtarcken Pulver-Sack an das Thor gehaͤngt haͤtte. Aber die Veſtung Hertzburg / ob ſie ſchon noch ſo ſtarck verſchantzt / und ſo gar mit beinenen Paliſaden um - geben / einzunehmen / braucht nicht ſo viel Gewalt / wenig Pulver Unkoſten; ſondern an ſtatt der Pedarden / ein gute Flaſchen Wein / mit dieſer wird Thuͤr und Thor eingeſprengt / und find man alles / was darinn verborgen.

Die Welſche nennen die Suppen Brodo, und bey denen La - teinern heiſt Prodo ich vorrathe. Alles gar wohl / gieb nur Brodo, ſo wirſtu das Prodo haben / wiſch dieſem und jenem nur das Maul aus / und ſchmir ihm die Gurgel / da wird er alles ver - rathen.

O! wie offt iſt dieſes ſchon geſchehen? O! wie offt geſchicht es noch? O! wie offt wird es noch geſchehen?

Ein Zaunduͤrrer Fuchs hat ſich in eine wol angefuͤllte Speiß - Kammer hinein practiciret / welches ein Maus daſelbſt wahrge - nommen / und alſo nit wollen Hoͤfflichkeit halber ihnezu gruͤſſen unterlaſſen: Willkomm / ſagt ſie / willkomm / mein hochgeehrter Beltz-Kramer / wie treffen wir allhier einander an / erfreue mich ſeiner guten Geſundheit: Aber wann ich darff fragen / ſagt fer - ner die Maus / als ein arger Maußkopff / bitte um Verge - bung / daß ich mich unterſtehe zu fragen / wie iſt er in dieſes Speiß - Gewoͤlb herein kommen? Herein / antwortet der Fuchs / bin ich kommen durch ein gar enges Loch / vermittelſt meiner Magrig - keit. Aber in was Geſchaͤfften juſt daherein? hat er etwan ein Commiſſion / ſagt weiter die Mauß / von dem gantzen Gefluͤ -gel -105Eſſen und Trincken ergeben.gelwerck / und allen Hennen insgemein? O Nein / widerſetzt der Fuchs / ich hab mich einig und allein herein gedrungen / damit ich mir ein Weil gute Taͤg moͤge anthun / und wiederum am Leib zu - nehmen. So / ſagt die Maus / Adio! dein Balg iſt hin. Der Fuchs hat ſich dergeſtalten mit Speiſen angefuͤllt / daß ihme der Bauch auseinander gangen / wie ein aufgeblaſene Sackpfeiffen. Als nun der Koch in dem Speiß-Gewoͤlb den Hennen-Dieb erdappt / wol - te ſolcher unverzuͤglich durch das vorige enge Loch den Ausfall nehmen / kunte aber wegen der angeſchoppten Wampen nit / mu - ſte demnach elend und gantz fruͤhzeitig um ſein Balg kommen: in ſeiner Marter gedachter noch an der Mauß Prophezeyung / aber zu ſpat; erſuhr alſo mit hoͤchſtem Schaden / daß er laͤnger gelebt haͤtte / wann er nicht das Wohlleben geſucht.

Es iſt wahr / und bleibt wahr / daß das unmaͤſſige Eſſen und Trincken / die meiſten Menſchen ins Grab befuͤrdere. Derjenige junge Geſell / deſſen die Frau Mutter eine reiche und wolhabende Wittib geweſt in der Stadt Naim / iſt in den beſten Jahren und bluͤhendem Alter von dem Tod hingeriſſen worden / aber die Ur - ſach ſeines ſo fruͤhezeitigen Tods war ſein liederliches Leben; weil er als ein einiger Sohn durch die zu groſſe Uberſehung der Mut - ter ein nichtsnutzigen Wandel gefuͤhrt / nicht allein der dazumahl frechen Magdalena muthwilliger Galan geweſt / ſondern noch mit anderer naſſen Burſch Tag und Nacht dem Luder-Leben ob - gelegen / und mit ſtetem Freſſen und Sauffen die Zeit anworden /Luc. c. 7. Sylvair. in id. welches dieſes junge Blut / wie leicht geſchehen kan / dergeſtalten erhitzt / daß er in ein groſſes Fieber gerathen / worvon er auch ge - ſtorben; nachmahls aber in Anſehung der betruͤbten Mutter von dem HErꝛn JEſu zum Leben erwecket worden.

Gewiß iſt es / daß durch die Bratſpieß mehrer erlegt wer - den / als durch den Degen; gewiß iſt es / daß bey den Kuchelhoͤfen mehrer zu Grund gehen / als in dem Meerhafen; gewiß iſt es / daß bey denen Paſteten mehrer bleiben / als auf den Paſteyen; gewiß iſt es / daß der Krug mehrer hinricht / als der Krieg; gewißPars IV. Oiſt106Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigeniſt es / daß per Lances mehrer umkommen als per Lanceas; ge - wiß iſt es / daß die meiſte Todten-Graͤber heiſſen Calixt, und ihre Weiber Intemperantia.

Rebecca deß Iſaacs Weib / ein Tochter Bathuels deß Sy - rers von Meſopotamia / Labans Schweſter / durch ſondere Gnad GOttes wird groſſes Leibs; maſſen ſie vorhero unfruchtbar ge - weſen; aber es iſt ihr gar ſeltzam nachmahl ergangen / dann ſie hatte zwey Kinder im Leib / die machten ihr eine groſſe maͤchtige Ungelegenheit; weil ſie nemlich in dem Leib miteinander zancktGen. 25. und geraufft haben. Dieſe zwey waren Jacob und Eſau. Beyde eines befondern Humors.

Viel Leutlamentiren / ſagen und klagen / daß ſie ſo groſſe Un - gelegenheit haben / von dieſer und jenen Kranckheit / ſelten ein rech - te / gerechte / geſunde Stund / Tag und Nacht das Auwe: Es iſt alles wahr / es gibt faſt unzahlbare Kranckheiten / und Unpaͤß - lichkeiten in der Welt / ja dieſe ſcheint faſt ein allgemeines Spittal zu ſeyn. Zu Jeruſalem ware ein Schwem-Teich / worinnen zu gewiſſen Zeiten die Krancke und Preſthaffte wunderbarlich curi - ret worden / bey dieſem Schwem-Teich war ein Gebaͤu mit fuͤnff Porticus oder Schupffen. Wann man in Teutſchland ſollte ein Gebaͤu fuͤhren / worunter alle Krancke ihre Unterkommen ſolltenJoan. 5. c. haben / ſo muſte nothwendig dieſes Gebaͤu nit nur mit 5. Schupf - fen / ſondern wol 5000. ja gar mit 5. mal hundert tauſend verſehen ſeyn; maſſen ein unglaubliche Anzahl der Krancken.

Ein mancher ſicht ſo gelb aus / als haͤtte ihn ein Buchbin - der in Pergament eingebunden: ein mancher hat ſo truͤffende Augen / daß bey ihme beym ſchoͤnen Wetter das Tachtrauff ge - het: Ein mancher hat ein ſo rothes Geſicht / daß ihme auch die Starn und Troͤſchel nachfliegen / der Meynung / als wachſeten Vogelbeer auf ihme: Ein mancher hat ſo ſchwartze Zaͤhne / als haͤtte er von Jugend auf lauter Cardebon geſſen: ein mancher hat ſo krumpe Finger / als haͤtte ſich ſeine Mutter an einer Beiß - Zang erſehen; Ein mancher hat eineu aufgeblaͤhten Bauch / alswoll -107Eſſen und Trincken ergeben.wollte er zu ſeiner Zeit lauter Regiments-Trummel gebaͤhrn: Ein mancher thut immerzu Huſten / als ſtecke ihme ein Jaͤger-Horn im Halß: Ein mancher hat ſo einen ſtinckenden Athem / als haͤtte er deß Teuffels Blaßbalg geſchlickt: ein mancher beſteht ſo elend auf den Fuͤſſen / daß auch dieſe Saͤulen kaum ein Stroh-Dach moͤchten ertragen: Ein mancher zittert / als wollte er auf der groſ - ſen Orgel zu Ulm den Tremeland ſpielen / ein mancher klagt den Sand / als haͤtten ſeine Voreltern mit dem Volck Jſrael in Ae - gypten muͤſſen Ziegel brennen: Ein mancher klagt den Stein / und wuͤnſchet es moͤchte mit ihme werden / wie mit dem Tempel zu Je - ruſalem / allwo kein Stein auf dem andern geblieben: Ein anderer hat den Schwindel dergeſtalten / daß er glaubt / wann er nur uͤber ein Stiegel ſteigt / er muͤſſe dem Stephans-Thurn zu Wien den Knopff aufſetzen: Ein anderer klagt den Magen / daß er ein ſchlechter Magiſter / ꝛc. Aber woher ruͤhren dieſe und jene andere dergleichen uͤble Leibs-Zuſtaͤnd? Woher? Kuͤbel / Echo uͤbel. Verſtehet mich? Von uͤbermaͤſſigen Eſſen und Trincken. Ge - dencke nur / haben in dem Leib der Rebecca ihrer zwey / weil ſie unterſchiedlichen Humors / benannt Jacob und Eſau miteinan - der gezanckt; was werden erſt in deinem Leib / in welchem zuwei - len zwantzigerley Speiſen / und eine jede faſt eines andern Hu - mors / anfangen und anheben? dort kan ſich ein Rebhuͤnnel mit dem Saufleiſch nit vergleichen / dort muß ja ein geſaltzner Haͤring mit der ſuͤſſen Dorten Haͤndel anfangen / dort kan ja ein Ayrkoch mit den Schnecken nit uͤbereins kommen / da kan ja das Bier mit dem Tyroller nit gut Freund ſeyn / und ſolcher Zanck und einhei - miſcher Krieg kan nichts anders als lauter Kranckheiten ausbruͤ - ten: Eccl. 27. In multis enim eſcis erit infirmitas.

Was Maͤnge deß Volks Jſrael iſt nicht geblieben in der Wuͤſten / wie Moyſes ſelbſt erzehlt. Denen Sau-Maͤgen hat das koſtbare Manna nicht geſchmeckt / ſondern ihnen waſſer - ten die Zaͤhn nach den Melaunen / nach den Zwiflen / nach dem Knoblauch ſo ſie in Egypten alle Tag gehabt. Endlich kommtO 2ihnen108Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenihnen der Viehiſche Appetit / daß ſie auch Fleiſch begehrt. GOtt / der wol oͤffter ein ſchaͤdliches Begehren erhoͤrt / hat ihnen Speck - feiſte Wachtlen geſchickt / welche ſie gefangen / gerupfft / gebraten / geſſen / aber nit verdaͤuet / maſſen ſie unter dem Eſſen ſeynd todt dahin gefallen / und alle in demſelben Thal begraben worden / da hero Moyſes dieſes Orth genennt hat Sepulchra concupiſ - centiæ, Graͤber der Begierlichkeiten.

Gehe du mir forderiſt in Teutſchland auf alle Freudhoͤff und Gotts-Aecker / abſonderlich zu Wien / beſuche daſelbſt die Graͤber / beſuche die Grabſtein / liß die Grabſchrifft / ſo wirſtu fin - den / daß ſehr viel Sepulchra concupiſcentiæ heraus kom - men. Warum iſt dieſer geſtorben / und zehlte kaum dreymal 10. in ſeinem Alter? troͤſt ihn GOtt / er hat zu viel ſchweinen Fleiſch geſ - fen / und weiſſes Bier drein truncken / das hat ihm den Garaus gemacht. Warum dieſer im beſten Jahren hat muͤſſen unter die Erden kommen? troͤſt ihn GOtt / er hat zu viel Ungariſchen Wein getruncken / und von einem hitzigen Fieber uͤberfallen worden / das hat ihme den Lebens-Faden abgeſchnitten. Warum iſt dieſer in Bluͤhender Jugend verwelckt? troͤſt ihn GOtt / er hat 100. Auſtern geſſen / und ſuͤſſen Wein darein getruncken / das hat ihm den Reſt geben. Warum iſt dieſer ſo bald heimgangen? troͤſt ihn GOtt / er hat alle Tag gefruͤhſtuckt / und das hat ihme zum Tod geholffen. Jn Summa faſt allenthalben Sepulchra con - cupiſcentiæ, Graͤber oder Grabſtaͤtt der Begierigkeit. Entge - gen iſt die Maͤſſigkeit eine Mutter der Geſundheit / und eine Verlaͤngerung deß Lebens / wie alt iſt Adam worden? 930. Jahr. Das iſt ein ſchoͤnes Alter. Wie lang hat Seth gelebt? 807. Jahr: das iſt ein ehrliches Alter. Wie lang hat der Enoch ge - lebt? 905. Jahr: das heiſt ein ſchoͤne Zeit gelebt. Wie alt iſt Cainam worden? 900. Jahr: das iſt eine lange Zeit. Wie lang iſt Malaleel auf der Welt geweſt? 890. Jahr: das heiſt gelebt. Wann iſt dann der Noe geſtorben? Jm 9. hundert und fuͤnfften Jahr: das heiſt gelebt / und dieſem hat nie der Kopff wehe gethan /dieſe109Eſſen und Trincken ergeben.dieſe haben nie den Magen geklagt / dieſe haben nie einen Doctor gebraucht / dieſe haben um kein Apothecken gewuſt / dieſe haben kein Ader gelaſſen. Warum? darum. Sie haben weder Geſottnes noch Gebrattnes fuͤr ein Speiß gehabt / ſie haben weder Fiſch noch Fleiſch geſſen / ſie haben niemahlen einen Rauſch gehabt / ſon - dern die Kraͤuter waren ihre Speiß / das Waſſer ihr Tranck.

Zu Genua in dieſer ſchoͤnen Welſchen Stadt hat ſich ein reicher Herr befunden / welcher aber neben allen ſeinem groſſen Vermoͤgen niemahl die gewuͤnſchte Geſundheit gehabt / und ab - ſonderlich ware er in derſelben Zunfft / denen das verdrießliche Podagra die Glieder aus dem Angel hebt. Als erſt-gedachter reiche Handels-Mann eineſt auf dem Meer ſich befunden / iſt er in das groͤſte Ungluͤck gerathen / daß er von denen Tripolitani - ſchen Tuͤrcken und Meer-Raubern gefangen worden / ja Jahr und Tag dieſe Gefangenſchafft muͤſſen ausſtehen / biß die begehrte Rantzion erfolget iſt. Als er nun von ſolcher Sclavitaͤt zuruck kommen / und zu Genua auf dem Platz gleich einem jungen fri - ſchen Geſellen ſpatzieren gangen / welcher doch zuvor meiſtens in einem Seſſel / wie ein Taſchen-Meſſer zuſammen gekruͤmpet / ge - tragen worden / ſo hat ſolches faſt jederman / forderiſt die Bekand - te / in groſſe Verwunderung gezogen / alſo zwar / daß einige Po - dagriſche Kruͤppel ihn befragt / mit was Mittel er die uͤberlaͤſti - ge Kranctheit vertrieben / ja die meiſte thaͤten ihn bittlich erſuchen / er wolle doch aus Chriſtlicher Liebe ihnen das Recept com - municiren. Nachdeme ſich ſolcher anfaͤnglich geſtellt / als haͤtte er fuͤr beſagten Zuſtand ein ſonders Arcanum, hat er endlich ſelbes zu ſondern Gnaden entdeckt. Jch / ſagte er / habe nichts anderſt gebraucht / als ſolgende drey Stuck / benanntlich alle Tag 24. Streich von einem Bruͤgel / 2. Um ein Creutzer Brod. 3. ein Kruͤgel Waſſer / del reſto niente, und ſonſt nichts. Dieſes hat mich vom Podagra geholffen; dann ſo lang er zu Haus die gute und wolbeſetzte Taffel genoſſen / ſo lang hat er dieſen un - werthen Gaſt bey ſich gehabt; ſobald er zu der ob ſchon gezwung -O 3ner110Judas der Ertzſchelm iſt den uͤbermaͤſſigenner Maͤſſigkeit kommen / iſt er dieſes Laſts entladen worden. Worauf folgt / daß kein groͤſſerer und abgeſagter Feind der Ge - ſundheit ſeye / als der liederliche Frißlaͤndiſche Wampelius Zehrer zu Schlemmerau.

Ein ſaubere Comoͤdi hat der Adam angefangen im Pa - radeiß in dieſem irrdiſchen Luſtgarten / ein Comoͤdi / die das gan - tze und geſammte Menſchliche Geſchlecht in das Verderben ge - ſtuͤrtzt / eine Comoͤdi / allwo drey Perſohnen geſpielt / nemlich Adam / Eva / der Teuffel / aber anbey all unſer Heyl verſpielt: ein Comoͤdi / allwo zwar geweſen das allerſchoͤnſte / und von Goͤtt - lichen Haͤnden ſelbſt verfertigte Theatrum / aber die Action ware deß Teuffels / eine Comoͤdi / die zwar nit lang gewehrt / aber der Schaden / ſo dardurch geſchehen / wehrt lang genug: ein Co - moͤdi / die ſo viel gekoſt / daß auch ſo gar GOttes Sohn hat muͤſ - ſen daran zahlen: ein Comoͤdi / welche der Sathan zu unſerm groͤſten Nachtheil componiert: Ein Comoͤdi / wo man nit die Præmia, wie pflegt in den Schulen zu geſchehen / unter die Ju - gend austheilt / ſondern dabey das Præmium deß ewigen Lebens entfrembdt worden; dieſe Comoͤdi war das comedi: dedit mihi de ligno & come, ſagte Adam / Serpens decepit me, & comedi, ſagte Eva / das ware die ſaubere Comœdi. Aber ſehe jemand / wann ſich Adam nackend und bloß erkennet? vor dem Eſſen nit / wol aber nach dem Eſſen / das iſt wol zu mercken / daß das Eſſen den erſten Menſchen entbloͤſt.

Viel tauſend / und tauſend Menſchen / wohl rechte Adams - Kinder / die ſeynd offt aller Mittel entbloͤſt / kaum ein Fetzen / wormit ſie den elenden Leib in etwas verhuͤllen / allerſeits Bettel - arm. Wie kommts? woher kommts? frag nit lang / der ſaubere Wampelius bringts um das ihrige. Das unnuͤthige Freſ - ſen und Sauffen ſtuͤrtzt ſie in die Armuth. Der verlohrne Sohn / dieſes muthwillige Buͤrſchel / iſt bey ſtattlichen Mittlen ge - weſt / hat trutz einem Edelmann koͤnnen leben / die Bediente im Hauß haben ihn ihr Geſtreng geſcholten / ſein Hut prangte miteinem111Eſſen und Trincken ergeben.einem weiſſen Federbuſch / das Kleid ware von Sammet und Seiden / ein Laggey / aufs wenigſt einer folgte ihme auf dem Fuß nach / der beſte Klepper im Stall ware ihme allezeit zu Dienſten / in Summa / als ein Galanthomo kundte er bey allen Geſell - ſchafften erſcheinen. Nachdem er aber in die Laͤnder verreiſt / und um ſein Hoffmeiſter / wann er doch einen gelitten / nit viel ge - fragt / ſondern in Frechheit gelebt / in Freuden gelebt / ſein meiſte Andacht in den Wirths-Haͤuſern verricht / die verdaͤchtliche Wei - ber und beſchreyte Schlepp-Saͤck ſtaͤts mit Freſſen und Sauf - ſen ausgehalten / da hat angefangen der Beutel die Schwind - ſucht zu bekommen / da hat das Geld den Reißaus genommen / da ſeynd die Mittel nacheinander verſchwunden / und er ein ſol - cher armer Narr worden / daß ſein Kleid / wie Filogran-Arbeit durchbrochen / bey ſeinen Schuchen die groſſe Zehen zum Fenſter hinaus geſchaut / das Geſicht eingefallen / wie ein Baurn-Kreß / ſo aus der Stoͤrck gangen / und er in einen ſo elenden Stand gera - then / daß er gewunſchen bey denen Schweinen mit einer kalten Schalen vor Lieb zu nehmen. Luc. 15.

Hans Biberacher / du biſt vorhero ſo wol geſtanden / Hauß und Hoff gehabt / der Vogel Habich hat bey dir ein ſtetes Neſt gehabt / wie kommts? daß du anjetzo ſo miſerabel und elend / und ohne Geluͤbd den Mendicanten Orden biſt eingetretten? Jch bin / ſagt er / in Ungluͤck kommen / und zwar wie diejenige Knaben / ſo den Propheten Eliſaͤum haben ausgeſpott / dieſe haben die wilde Baͤeren zerriſſen / mich aber hat das Wirths-Haus beym ſchwartzen Baͤeren in der Vorſtadt alſo zugericht. Das glau - be ich.

Georg Schlickendorffer / du haſt von deinen Eltern ein ſchoͤnes Geld ererbt / bey deinem erſten Heyrath haſt du gleichfalls einen guten Rogen gezogen / was iſt doch die Urſach / daß du in ſolche Armuth gerathen? bey dir iſt anjetzo allezeit Quatember / deine Kinder ſehen aus wie deß Samſonis ſeine Duſaͤcken. (Jſt ein duͤrrer Eſels-Kinbacken geweſt) die Urſach iſt dieſe ſagt er /mir112Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenmir iſts gangen / wie dem Prophet Jonaͤ / ihme hat die Sonn auſſer der Stadt Ninive die Kuͤrbes-Blaͤtter ausgedoͤrꝛt / ich aber bin durch das Wirthshaus bey der guldenen Sonn verdorben. Das glaub ich.

Michael Zechmayr / ich hab dich noch gekennt / wie du etliche 1000. fl. von deinem Herꝛn Vetter / als Pfarrer zu Sparꝛnbach haſt geerbt / und dazumahl der Mond bey dir im Aufnehmen ge - weſt / wie kommts / daß er jetzt ſchon im letzten Viertel? Du haſt zwar noch gute Augen / und haſt der Bruͤllen noch gar nit vonnoͤ - then / aber du ſiehſt gleichwol nichts im Haus. Du und das dei - nige iſt beſchaffen wie die Philiſtaͤiſche Treidfelder / welche der Samſon in Aſchen gelegt. Da kommts her / ſagt er / daher. Mir iſt faſt geſchehen / wie dem Mund-Becken deß Koͤnigs Pharaonis / ihme haben die Voͤgel das Brod! aus dem Korb gefreſſen / mich aber hat das Wirthshaus beym ſchwartzen Adler um das Mei - nige gebracht. Das glaub ich.

Job hat Gut verlohren / hat Blut verlohren / hat Rinder verlohren / hat Kinder verlohren / hat Schatz verlohren / hat Platz verlohren / ſo gar endlich auf den Miſt-Hauffen kommen; aber aus allen ſeinen Trangſalen / und Widerwaͤrtigkeiten / mit denen ihne der boͤſe Feind uͤberladen / iſt die groͤſte geweſt / wie er vernommen / daß das Haus / worinn dazumahl alle ſeine Kinder verſammlet / ſeye durch ein gaͤh entſtandenen Sturm-Wind zu Boden geworffen worden / und folgſam alle Soͤhn und Toͤchter zu Tod geſchlagen. Es iſt aber wol in Acht zu nehmen / wann / und was Zeit / mit was Umſtaͤnden das Haus zu Grund gangen / nemlich dazumahl / wie dieſe Soͤhn und Toͤchter bey der Mahlzeit geſeſſen / wie ſie ſteiff geſſen und getruncken / wie ſie wohl auf und guter Ding geweſt / dazumal iſt das Haus zu Grund gangen: Fi - liis tuis & filiabus veſcentibus & bibentius, &c.

Es ſeynd gar viel zu finden / die vorhero bey den groͤſten Mittlen geweſt / auf allen Seithen gnug gehabt / mit Geld undGelds -113Eſſen und Trincken ergeben.Geldswerth uͤberhaͤuffig verſehen geweſt / und dannoch endlich zum Bettler worden. Zu Wien zehlt man dieſes Gliffters nit wenig / die von 20. und 30. tauſend Gulden in ſolche euſſerſte Schwindſucht der Mittlen kommen / daß ſie nachgehends haben muͤſſen / wie andere arme Schlucker bey denen Kloͤſtern die Sup - pen ſuchen. Aber worvon ſeynd ſie in ſolches Verderben gera - then? rath nichtlang. Es iſt ihnen geſchehen / wie denen Kindern Job; weil ſie Tag und Nacht gefreſſen und geſoffen / ſo iſt ihnen Haus und Hoff zu Grund gangen.

Wann zuweilen die Weiber ungefehr zuſammen kommen / oder zu Wien auf dem Kohlmark einander antreffen / da fangt eine um die andere wegen ihres Manns zu klagen. O! mein Frau Margreth / ſagt die erſte / mein Mann und ich leben wie Hund und Katzen; dann ich kan nit / daß GOtt ſeys klagt / darzu ſchweigen / wann er gar alleweil im Wirths-Hauß mit andern Sauff-Bruͤdern iſt / ich und die Kinder haben offtermahl das Brod nicht zu eſſen / er verthut alles / ich hab ihm erſt nechſt beym Tiſch vorgeworffen / wie er zu End der Taffel noch zwey Maß Wein ausgeſtochen / er ſoll doch ſeine Geſundheit in obacht neh - men / der Magen ſeye ſchon geſchloſſen / und folgſam vom Sauffen abſtehen: So ſagt er mir / er wiſſe gar wol / daß der Magen ge - ſchloſſen / ich ſolle ihme mit dergleichen Predigen nit kommen. Wann dann / ſagt ich darauf / der Magen ſchon geſchloſſen / wo kommt dann dieſer Wein hin. O Naͤrrin! gab er zur Antwort (das iſt mein ordinari Prædicat) Naͤrrin; weil der Magen ge - ſchloſſen / ſo rinnt dieſer Wein beym Schluͤſſel-Loch hinein. Jetzt gedenkt nur / mein Frau wie unſer eins ſo hart hauſſen thut / wir haben nicht einmahl den Hauß-Zins bezahlt / und Michaeli iſt ſchon vor der Thuͤr. Ach ja! ſagt die Frau Margreth / andere Weiber klagen / daß ihre Maͤnner ſo grob / das kan ich bey meiner Treu von meinem Mann nicht ſagen / er iſt wohl ein rechter Hoff - mann / aber ich danks dem Teuffel; ein Hoffmann iſt er: Dann er ſteckt ein gantze Zeit im Maͤtſchacker-Hoff / im Seitzerhoff / friſtPars IV. Pund114Judas der Ertzſchlm iſt dem uͤbermaͤſſigenund ſaufft / und ich muß zu Hauß Wirthſchafften. Jch hab ihm ſo ſchoͤne Sachen zubracht / aber es iſt ſchon alles hin / es ſeynd mir Schuͤſſel und Teller nit ſicher / daß er ſie nit verſetzt / was er die gantze Wochen gewinnt / das verſaufft er / und verfriſt es wieder am Sonntag; wann er mich gleichwol auch zuweilen thaͤt mit - nehmen / ſo thaͤt ich ihms ſo ſehr nicht vor Ubel haben / unſer eins iſt halt auch nicht von Waſſerburg gebuͤrtig.

Deß Menſchen Gurgel hat eine enge Straſſen / und jagt offt mancher Hauß und Hoff dardurch / und ſolches abſonderlich unter den Teutſchen. Wie unſer lieber HErꝛ unweit dem Ty - beriſchen Meer fuͤnff tauſend Mann mit fuͤnff Gerſtenbrod und zwey Fiſch wunderbarlich geſpeiſt und geſaͤttiget / alſo zwar / daß von dem uͤbergebliebnen Brod noch zwoͤlff Koͤrb angefuͤllt wor - den / maſſen einem jeden das Brod in den Haͤnden gewachſen; dazumahl ware JEſus 32. Jahr / 3. Monath / und 12. Tag alt. Solches Wunderwerck iſt geſchehen den 13. April / zum Rom bey S. Gioan. Laterano wird etwas von dieſem Brod und Fiſch ſehr Ehrenbietig auf behalten. Orat. delle 7. chieſe. Wie dazumahl unſer HERR ſo viel 1000. wunderbarlicher Weiß ge - ſaͤttiget / ſo liſt man doch nit / daß er ihnen auch haͤtte einen Trunck darzu geben. Es beweiſen wohl einige Scribenten / daß Chri - ſtus dazumahl auch aus einem harten Felſen habe zu Dienſten deß Volcks ein klares Bronnquell erweckt / welches ſehr muth - maßlich; man kan hierdurch leicht erkennen / daß unter demſelben Volk kein Teutſcher geweſen ſeye / ſondern lauter Galilaͤer; dann wann ein Teutſcher bey dieſem ſo wunderbarlichen Tractament ſich haͤtte eingefunden / ſo haͤtte er warhafftig unſern lieben HEr - ren auch um ein Trunck Wein angeſprochen / und iſt wolzu glau - ben / daß ihme ſolches der liebſte Heyland nit geweigert haͤtte; maſſen er in den Kruͤgen zu Cana das Waſſer in den beſten ro - then Wein verkehrt / allein die Unmaͤſſigkeit und Uberfluß deß Weins / wie auch der Speiſſen ſeynd GOtt mißfaͤllig / und dieſe hindern und mindern die Wirthſchafft dergeſtalten / daß aus demWort115Eſſen und Trincken ergeben.Wort Gula, durch den Buchſtaben-Wechſel ein Gaul wird / auf deme man Sporn-Streich nacher Bethlehem und Leyden rei - ſen thut. Jſt demnach der ſaubere Wampelius, dieſer Frißlaͤndi - ſche Geſell die meiſte Urſach / daß man in die Armuth gerathe. Weil dann alles klagt wider den unmaͤſſigen und verſchwenderi - ſchen Wampelium von Schlemmerau / auch genugſame und wolgegruͤndte Prob vorhanden ſo viele von ihme begangener La - ſterthaten / und Unheyl / dahero beſagter Boͤßwicht / damit denen Klaͤgern hierdurch einige Satisfaction geſchehe / muß und ſoll zur gebuͤhrender und wolverdienter Straff gezogen werden; und zwar erſtlich ſolle er Wampelius hinfuͤran allezeit Freytag und Sambſtag / deßgleichen auch an Vigilien und Quatember / wie auch forderiſt von Aſchermittwoch an biß auf den Heil. Oſtertag zum Faſten condemnirt ſeyn / auch mit ihme auf keine Weiß hierinnfalls noch koͤnne noch ſolle diſpenſirt werden / auſſer der Zeit einiger Kranckheit / allwo der Medicus und Beichtvatter ein behutſames Urtheil ſollen ſchoͤpffen / und wohl in acht nehmen / damit ihr eignes Gewiſſen nie einen Schiffbruch leide. Es ſolle offtgemeldter Wampelius wiſſen / daß das Faſten nicht ein neue und unlaͤngſt aufgebrachte Sach ſeye / ſondern von Chriſto ſelbſt und ſeiner Gebenedeyten Mutter und Jungfrau ſchon laͤngſt zu unſerm Exempel und Nachfolg obſervirt worden. Zumahlen aus dem Evangelio genugſam bekandt iſt / was Geſtalten der HERR und Heyland 40. gantzer Tag die ſtrenge Faſten ohne ei - nige Speiß und Tranck vollbracht: So weiß man auch / wie es ſattſam bezeugt der Heil. Vincentius Ferr. Daß der gebene - deyte JEſus die gantze Zeit / da er auf Erden gewandlet / niemahl habe Fleiſch geſſen / auſſer deß Oſterlamms wegen deß Juͤdiſchen Geſetzs / auch die 33. Jahr auf Erden hat er niemahls oͤffter als einmahl im Tag ein Speiß / und dieſe noch in geringer Maaß / zu ſich genommen.

Von der ſeeligſten Mutter GOttes Maria ſchreibt Greg. Turon. l. 2. de Virg. Daß von der Zeit an / als ſie im TempelP 2auf -116Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenaufgeopffert worden / niemalen ihren allerunſchuldigſten Leib ha - ben ohne Cilicio gelaſſen / auch kein anderes Bett gebraucht / als die bloſſe Erd und harte Bretter / gar offt etliche Tag ohne einige Speiß verblieben. Von denen Apoſtlen ſchreyen und ſchreiben alle Buͤcher / wie ſehr ſie dem Faſten ergeben geweſt.

Wann GOtt dem Allmaͤchtigen das Faſten nicht ſo ange - nehm waͤre / ſo haͤtt er es ſelbſt nit mit ſo vielen Miraculen und Wunderwerken beſtaͤttiget. Durch das Faſten haben die Kin - der Jſrael Victori und Sieg erhalten wider die Philiſtaͤer. 3. Reg. 4. Durch das Faſten ſamt dem Gebet hat Judith die Stadt Be - thuliam vom Feind erloͤſet. Jud. 8. Durch das Faſten hat Eſther den Untergang deß Juͤdiſchen Volks verhindert. Durch das Fa - ſten haben die drey Knaben im Babyloniſchen Ofen das Feur ge - daͤmpfft. Dan. 1. Durch das Faſten und Beten hat Anna von GOtt dem HErrn einen Sohn erhalten. Durch das Faſten ſamt andern Bußwercken ſeynd die Niniviter bey GOtt dem HErꝛn wiederum zu Gnaden kommen.

Wann GOTT dem HErꝛn das Faſten der Menſchen nit wohlgefaͤllig waͤre / ſo haͤtte der Heil. Eremit. Conradus an ei - nem Freytag einen Schweinen Schunken nicht in ein Fiſch ver - kehrt. Ferr. 19. Febr. So waͤren dazumahl / als ſehr viel Biſchoͤff denen kranken und ſchwachen Carthaͤuſern das Fleiſch-Eſſen eingerathen / und ſolches von Gratianopel kommen laſſen / das Fleiſch nit allerley Fiſch mit hoͤchſter Verwunderung verwand - let worden. Hermanus Ch. Serm. 27. So haͤtte die ſeelige Agnes Politiana in Gegenwarth deß Medici und der meiſten Kloſter-Frauen das aufgetragne Fleiſch nit koͤnnen in Fiſch ver - wandlen / damit ſie nur ihr gwoͤhnliche Faſten nicht breche. Es haͤtte gleichmaͤſſig der Heil. Nicolaus de Tolentino aus mei - nem Orden / als er aus Beſehl deß P. Priors wegen groſſer Un - paͤßlichkeit ein gebrattnes Rebhuͤnnel ſollte eſſen / nit koͤnnen mit dem bloſſen Creutz Zeichen ſo viel wuͤrken / daß der gebrattene Vo - gel waͤre wiederum darvon geflogen / welches doch geſchehen 10. Sept. Fer.

Jn117Eſſen und Trincken ergeben.

Jn |was groſſen Werth das Faſten ſeye / hat es auch mehr - mal die ſeligſte Mutter GOttes gnugſam dargethan. Jn der Stadt Meſſina iſt ein Jungfrauen-Kloſter S. Franciſci Ordens / welche in ihrem Tempel und Kirchen ein ſehr Gnadenreiches und Wunderthaͤtiges Maria-Bild haben. Es iſt aber deſſen eigent - liche Urſach und Urſprung geweſt das Faſten; dann ſelbiges hat ein Bildhauer mit Namen Joſeph auf ſondere Manier verferti - get / maſſen er in der Wochen die Arbeit der beſagten Statuen nur zweymal unter die Haͤnd genommen / benanntlich am Mittwoch und Freytag / aber allemahl ſo lang er in der Arbeit ware / denſel - ben Tag in Waſſer und Brod gefaſt / worvon dann kommen / daß nit allein obbemeldte Bildnuß Kunſt halber die allerberuͤhmtiſte worden / ſondern kaum daß ſie auf den Altar geſtellt / hat ſie alſo - bald mit groſſen Wunderwercken / wie dann noch auf heuntigen Tag geſchicht / zu leuchten angefangen.

Joannes Gritſch neben andern Scribenten verfaſt ein wunderlich Geſchicht / ſo ſich mit einem verwegenen Moͤrder und Straſſenrauber zugetragen / der viel Jahr in dieſem verruchten Wandel verharret / in dem allein gluͤckſeelig / daß er ein from - mes Weib gehabt / welche forderiſt der Andacht gegen der Mut - ter GOttes ergeben ware / dahero ſie ihme moͤglichſt eingerathen / weıl er doch ein ſo ſuͤndhafftes Leben fuͤhre / er wolle wenigſt dieſes einige gute Werk verrichten / und alle Sambſtag zu Ehren der ſeeligſten Koͤnigin deß Himmels faſten / welches er endlich auch gethan. Als er aber einmahl ungefaͤhr in ein Kirchen getretten / da ſicht er von dem gantzen Leibel deß JEſus-Kindlein haͤuffiges Blut herunter rinnen in den Schoß Mariaͤ / welches auch die Mutter nit gnugſam kunte abtrucknen / worauf er ſo keck / daß er gefragt / wer an allen dieſen ſchuldig? auch bald die Antwort er - halten / daß er ſelbſt der Thaͤter ſeye / und andere ſeines gleichen groſſe Suͤnder / die da alle gleich denen Juden / ihren liebſten Sohn auf ein neues creutzigen. O Mutter der Barmhertzig - keit! bitte fuͤr mich / ſagte er / welches ſie auch das drittemahl ge -P 3than /118Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigenthan / aber allemahl ein abſchlaͤgige Antwort erhalten / biß ſie end - lich vor ihren gebedeyten Sohn auf die Knye niedergefallen / und dieſem laſterhafften Geſellen voͤllige Verzeihung ſeiner Suͤn - den erhalten / worauf er in ein Cloſter getretten / einen heiligen Wandel gefuͤhrt / und folgſam ein ſeeliges Ende genommen. Die - ſer kunte ſein gantzes Heyl niemand anderſt zumeſſen als dem Faſttag.

Wie verwerfflich aber in den Augen GOttes ſeye der je - nige / der nur ſeinem Viehiſchen Schmerbauch abwarth / und al - len ſinnlichen Anmuthungen den freyen Zaum laſt / mit dem Eſau um ein Linſenkoch / nachdem er ſo ſtarcken Appetit gehabt / kein Unkoſten ſpart / deß Magens all ſein Suppliciren mit dem Fiat umſcheidet / und mit einem Wort des Frißlaͤndiſchen Wampe - lii guter Bruder iſt / kan ſattſam aus der Straff / welche GOtt mehrmahlen uͤber dergleichen Menſchen verhaͤngt / abgenommen werden.

Bekandt iſt jene Geſchicht am 7. Capit. der Richter / was Geſtalten der tapffere Kriegs-Held Gedeon mit einer groſſen Mannſchafft wider die Madianiter ins Feld gezogen / als aber aus Befelch GOttes unter dieſem Kriegs-Heer ausgeblaſen worden / daß / wer zaghafft und forchtſam iſt / ſeinen Weeg nur ſolle nacher Hauß nehmen / da ſeynd gleichwol dergleichen Lett - Feigen zwey und zwantzig tauſend gezehlt worden / die alleſammt wieder zuruck gekehrt / die uͤberbliebne 10. tauſend Mann muſten noch zur Prob gefuͤhrt werden / und zwar zu einem Waſſer / da hat GOtt dem Gedeon als Oberhaupt anbefohlen / er ſolle dieſe 10. tauſend Mann / deren keiner ein Trunk werde weigern / aus dieſem Waſſer laſſen trincken / aber anbey wohl in Acht nehmen diejenige / ſo nur die Hand in das Waſſer werden ſtoſſen / und alſo aus der Hand ſuͤrpflen / die ſoll er auf ein Seiten ſtellen / die ſich aber auf den Bauch werden niederlegen / und mit dem Maul aus dem Fluß ſauffen / dieſe ſolle er auf die andere Seiten abſoͤn - dern: dieſer ſeynd 9. tauſend und 7. hundert geweſen / und habenalle119Eſſen und Trincken ergeben.alle den Abſchied bekommen / ſie ſollen hingegen / wo ſie ſeynd her - kommen. Deren andern hat man nur 300. gezehlt / mit denen nachmahls der ſtreitbare Gedeon den ſo ſtattlichen Sieg erhal - ten. Aus dieſem erhellet klar / daß GOtt dem Allmaͤchtigen die Maͤſſige angenehm ſeyen / die Unmaͤſſige aber verhaſt. Er ver - biet nit das Eſſen und Trinken / wol aber das Freſſen und Sauf - fen; er leidet diejenige gern / ſo die nothwendige Lebens-Nahrung mit Manier nehmen / er verwirfft aber alle dieſelbige / welche ganz und gar nur der Wampen und Luder-Bauch Dienſt leiſten / und um das Faſten nichts wiſſen wollen.

Jch will dißfalls nit beyrucken daß Anno 1584. zwey teut - ſche Soldaten / ſo dazumahl unter den Hollaͤndern gedient / einHort Paſt. Orat. 5. Pact gemacht in dem Wirthshaus ſo lang zu ſauffen / biß einem aus ihnen der Bauch zerſchnelle / als ſie aber in dieſem naſſen Streit zum beſten begriffen / da hat der Teuffel beyden den Halß umgetrieben.

Jch will nit anziehen / was dem heiligmaͤſſigen Camillo de Bellis, dieſem groſſen Diener GOttes begegnet; als dieſer zu RomIn vic. Ca - milli. l. 3. zu einem Sterbenden beruffen worden / hat er nicht allein mit allen ſeinen Ermahnungen nichts gefruchtet / ſondern noch von dem elenden Menſchen die Antwort bekommen / er fahre anjetzo zum Teuffel / und ſolle ihme deſſenthalben keine graue Haar laſſen wachſen. Dieſes ungluͤckſeeligen Menſchens gefuͤhrter Wandel ware nichts anderſt / als Tag und Nacht eſſen und trinken.

Neben tauſend andern iſt mir vor einem Jahr in Ober-Oe - ſterreich / da ich Reiß halber muſte in einem Wirthshaus die Ein - kehr nehmen / ſo wohl von dem Wirth / als allen Haus-Ge - ſind / daſelbſt glaubwuͤrdig erzehlt worden / wie daß eben in befag - tem Orth ein Jahr zuvor ein liederlicher Burger die gantze Faß - nacht hindurch im Wirthshaus verblieben / allda ein ſchlemme - riſch Leben / und mehr als auſ Viechart gefuͤhrt / worvon ihn nie - mand / maſſen er dazumahl Verwittibt ware / abgemahnt / als der Wirth / ſo doch allem Anſehen und Muthmaſſen nach ſein Pre -dig110[120]Judas der Ertzſchelm iſt dem uͤbermaͤſſigendignicht gar ernſthafft geweſen / weil dergleichen Leuth nur nach dem Gewinn ſchnappen und tappen. Als nun der Aſchermitt - woch vorhanden / und er von ſeinem Bacchus-Tempel noch nit wollte weichen / vorgebend / das Faſten ſeye ein aufgebrachte Sach der Pfaffen / ſetzte freundlich hinzu / wann Petrus der erſte Papſt waͤre ein Fleiſchhacker oder Metzger geweſen / ſo haͤtte er auf kein Weiß das Faſten eingeſetzt; weil er aber ein Fiſcher wa - re / ſo kunte er nit anderſt als ein Faſten erdenken / damit er ein An - wehrung haben moͤchte ſeiner Fiſchen. Begehrte demnach der Luder-Geſell eine Bratwurſt / oder ſonſt was vom Fleiſch / ſo aber der Wirth in allweg geweigert und abgeſchlagen / auch noch hieruͤber gedrohet / wann er mit Kraut und Haͤring nit wollt vor Lieb nehmen / ſo wolle er ihme den Weeg zeigen. Als nun dieſe anerbottne Faſten-Speiſen aufgetragen worden / da ſchmutz - te dieſer verwegene Sau-Magen / und laſt ſich hoͤren / daß er ſo gut wolle Miracul machen als die Heilige / und mit wenigen Ceremo - nien den Haͤring in ein Capauner-Buͤgel verwandlen; macht demnach das Creutz-Zeichen uͤber dieſen geſaltznen Fiſch mit dem Zuſatz etlicher poſſierlicher Wort / und zieht beynebens ein Capau - ner-Buͤgel aus dem Sack / wormit er den Abend zuvor ſich pro - viantiert / legt ſelbes auf das Kraut / den Haͤring aber grabt er unter das Kraut. Allo: ſagt er / das Miracul iſt fertig (aber auch ſchon die Straff GOttes) wie er nun den erſten Biſſen ins Maul geſteckt / da iſt er alſobald Steintodt zuruck uͤber den Stul gefallen / daß gantze Jngeweid / ſ. v. bey dem hintern Leib heraus geſprungen / und ein ſo abſcheulichen Geſtank von ſich geben / daß nach aller angewendten Saͤuberung einem gedunckt / als waͤre noch was uͤbriges von dieſem Sau-Balſam. Das Orth wird derenthalben nicht offenbahrt / weil von dieſem verruchten Luder - Sack ein Poſteritaͤt / und einige Freundſchafft vorhanden. Jetzt gehe hin und verachte das Faſten.

O Faſten macht Faſtidi, Faſtidi macht die Faſten! ſagt mancher / klagt mancher. Der junge Tobias reiſete mit ſeinemHuͤn -121Eſſen und Trincken ergeben.Huͤndel und kam zu dem Fluß Tygris / und wie er daſelbſt wollte ſeine Fuͤß waſchen / da ſchwimmt / ja ſtoͤſt gaͤhling auf ihne zu ein groſſer Fiſch mit aufgeſperꝛtem Rachen / woruͤber er dergeſtalten erſchrocken / daß er gantz erbleicht / und am gantzen Leib gezittert / auch zu dem Ertzengel Raphael / ſo da gegenwaͤrtig geweſt / aufge - ſchryen: HErꝛ er kommt auf zu / will mich freſſen / ꝛc. Tob. 6.

O! wie viel und aber viel gibt es dergleichen Leut / die ſich vor den Fiſchen foͤrchten / dem Beicht-Vatter und dem Medico zu - ſchreyen: die Fiſch bringen mich ums Leben / ſie koͤnnen nit faſten / der Magen ertragts nicht / die Natur thue ſich vor den Faſten - Speiſen voͤllig entſetzen / ſo ſeyen ihnen auch die Meel-Speiſen Fatal, ob ſchon Eliſaͤus mit dem Meel den bittern Kraut-Dopff der Propheten Kinder verſuͤſt / ſo ſeye aber ihr Magen kein Haff - ner-Arbeit / die Complexion zu ſchwach / die Verdaͤuung zu ring. Jn Summa / Faſten macht Faſtidi, Faſtidi macht Faſten. End - lich kan man den Beicht-Vatter und Medicum mit dergleichen Wolredenheit gar leicht bethoͤren / und hinter das Liecht fuͤhren. Aber was ſagt hierzu das Gewiſſen? was redet das Gewiſſen mit dem Bauch?

Es hat koͤnnen aus dem Orden deß Heiligen Franciſci die ſeelige Helena 3. Monath faſten ohne einige Speiß und Tranck: Es hat koͤnnen aus dem Orden deß Heiligen Franciſci de Paula die ſeeligſte Gratia de Valentia mehrmal 15. Tag aneinander faſten ohne einige Erquickung / und iſt doch 91. Jahr nie krank geweſt: Es hat koͤnnen aus dem Orden deß Heiligen Dominici die ſeeligſte Columba Peruſina zwey hundert Tag das Jahr hin - durch in Waſſer und Brod faſten. Viel tauſend dergleichen zar - teſte Weibs-Bilder / dero Zahl ein gantzes Buch anfuͤllen kundte / haben koͤnnen faſten gantze Tag / gantze Wochen / gantze Mo - nath / ja etliche / gantze Jahr / und ſeynd dannoch beynebens in unvergleichlicher Geſundheit geblieben / ein hohes Alter erreicht / und du / und die / und dieſe ſollen nicht koͤnnen ohne Fleiſch leben? das glaube / wers glauben will. Es werden Zweiffels ohne wolPars IV. Qetliche122Judas hat etliche gute Werck gethan /etliche bloͤde Maͤgen angetroffen / die faſt fich deß Juͤdiſchen Raths gebrauchen: Ducite eum cautè: Diefen will ich dermahlen das Faſten nit aufbuͤrden / weil ſie ſich weniger kunten darein ſchi - cken als David in den Harniſch deß Sauls. Aber der mehriſten ihr Entſchuldigung gruͤndet ſich auf dem Einſchlag und vermeſ - fenes Anbringen des Frißlaͤndiſchen Wampelii, deme hiemit an der Straff nichts ſolle nachgelaſſen werden / ſondern es bleibt bey dem erſten Urtheil und Ausſpruch.

Judas hat etliche gute Werck gethan / de - renthalben er auch belohnt worden.

DBſchon Rupertus der gaͤntzlichen Meynung und Aus - ſag / als waͤre Judas Jſcarioth von Jugend auf allezeit ein Schelm und nichtsnutziger Boͤßwicht / ja ſo gar da - zumahl / als er in das Apoſtoliſche Collegium aufgenommen worden / noch ein laſterhaffter Geſell verblieben / und nit aus gu - ter Meynung ein Apoſtel des HErꝛn worden / ſondern damit er nur dem Faulentzen moͤge abwarten / und ſein taͤgliches Aus - kommen kunte deſto ſicherer haben; weil er geſehen / daß der HErꝛ JEſus wegen haͤuffiger Miracul und Wunderwercken von dem Volck ſehr hoch geſchaͤtzt / und mit vielen Schanckungen begabt worden. Es wollen aber die mehriſte Lehrer dieſen Sententz nicht vor genehm halten / ſondern mit gruͤndlichen Urſachen be - haupten / daß Judas im Anfang ſeines Apoſtel-Ampts einen frommen / und gleich andern ein untadelhafften Wandel gefuͤhrt / derenthalben ihne auch der HERR ſehr lieb und werth gehal - ten; obſchon ſeinen Goͤttlichen Augen nit verborgen geweſt / daß dieſes gruͤne Graß bald werde zu Heu werden; Weil aber der HErr dazumahl nur nach dem aͤuſſerlichen Leben und Wandel wollte urtheilen / alſo hat er das Wolverhalten des Jſcarioths nit wollen unvergolten laſſen / ſondern ihne bald zu dem Ampt einesPro -123derenthalben er auch belohnt worden.Procuratoris oder gar eines Zahlmeiſters erhoben / auch nach - mahls ihme / da er ſchon ein wuͤrcklicher Dieb und untreuer Be - dienter geweſt / ſehr viel Guts erwieſen / damit er alſo die einige von Juda begangne gute Werck wenigſt mit zeitlicher Belohnung moͤge erſtatten; weil er doch hat vorgeſehen / daß dieſer zur ewiger Belohnung nicht werde gelangen. Es iſt demnach gewiß / daß GOtt ihme auch das aller geringſte nit laſt umſonſt thun / und erwidert ſolches entweder in dieſer Welt / oder belohnt es in der ewigen Glory.

Nichts umſonſt.

Gleich von Anfang / da GOtt der Allmaͤchtige aus dem Nichts die Welt erſchaffen / und alles in der Welt aus nichts er - ſchaffen / wolte er ſchon ihme nichts umſonſt thun; dann als er von dem im ſtarcken Schlaff vertiefften Adam ein Rippen ge - nommen / woraus er nachmahl die Eva formiert, hat er gleich das Ort / wo die Rippen geſtanden / mit Fleiſch erfuͤllt / wollte ſo gar ein ſchlechtes Bain nit umſonſt haben / ſondern Fleiſch dar - fuͤr geben / Replevit carnem pro ea. Das iſt ja wol bezahlt. GOtt macht es weit beſſer als die Metzger oder Fleiſchhacker / dieſe geben fuͤr Fleiſch die Beiner / aber er giebt fuͤr Beiner ein Fleiſch. Der Jacob hat dem Laban 7. Jahr gedient / 7. Jahr die Schaaf gehuͤtt / 7. Jahr treu und redlich geweſt. Jn 7. Jah - ren laſt ſich viel lauffen / viel ſchnauffen / vil gehen / vil ſtehen / vil bor - gen / viel ſorgen / viel ſchwitzen / viel ſitzen. 7. Winter nit viel ſchlaf - fen iſt viel / 7. Sommer nit viel ruhen / iſt viel / 7. Herbſt nit vil fey - ren / iſt viel / 7. Fruͤhling nit vil ligen / iſt viel / auf dem Feld und zu Haus nie muͤſſig / bey Tag und Nacht nie muͤſſig / fruͤhe und ſpat nie muͤſſig ware Jacob. Wann die Schaaf reden kunten / aber ſie blerren nur / wann die Woͤlff reden kunten / aber ſie heulen nur / wann die Hund reden kunten / aber ſie bellen nur / ſo wurden ſie ſagen / wie embſig der Jacob geweſt / ſo wurden jene bekennen / wie fleiſſig Jacob geweſt / ſo wurden die erſte bezeugen / wie wacht - ſamb der Jacob geweſt in ſeinen Dienſten / und dieſer Dienſt hatQ 2ge -124Judas hat etliche gute Werck gethangewehrt 7. Jahr. Aber was Lohn hat Jacob davon getragen? Stattlich iſt er belohnt worden / nicht beſſer haͤtte er koͤnnen be - lohnt werden / nicht reicher haͤtte er koͤnnen belohnt werden (ſcili - cet) wie die Bauren die Spieß tragen / er hat um die ſchoͤne Ra - chel gedient / und Laban hat ihne mit der ſchaͤndlichen Lia bezahlt / ſo macht es die Welt: Aber GOtt weit anderſt / er laſt ihme gar nichts umſonſt thun. Magdalena hat das Grab Chriſti be - ſucht vor allen andern / in Willens den heiligſten Leichnam nach Juͤdiſchen Brauch mit koſtbaren Specereyen zu ſalben. Das ware nicht umſonſt / er hat ihrs treulich belohnt / maſſen er ihr vor allen andern Apoſtlen zum erſtenmal nach ſeiner Glorrei - chen Urſtaͤnd erſchienen / ja ſie zugleich zu einer Apoſtlin gemacht / daß ſie ſolle dieſes groſſe Geheimnus allenthalben verkuͤndigen und ausbreiten.

Petrus mit dem Zunamen Telonarius genannt / war ein ſolcher karger Geſell / ein ſolcher Geitzhalß / daß man ehender in einer Juden-Kuchel ein Speck geſunden / als bey ihme ein All - moſen; als er auf ein Zeit neben ſeinem Maulthier / ſo mit lauter Brod beladen geweſt / daher gangen / und von einem Bettler mit ſolcher ungeſtuͤmme um ein Allmoſen erſucht worden / daß er hier - durch in groͤſten Zorn gerathen / und damit er dieſes uͤberlaͤſtigen Geſellen nur loß moͤchte werden / hat er ein Laibl Brod aus dem Sack gezogen / dem Bettler mit groſſem Gewalt auſ den Buckel geworffen / daß ſelber kaum den Athem kundte erhohlen. Wann das ein groſſes gutes Werck iſt / ſo weiß ich nicht! und dannoch ware es nicht umſonſt; Dann in Anſehung deſſen hat GOtt ihne zur Beſſerung gebracht / daß er nachmals Heilig ge - ſtorben. Maſſen er 3. Tag hernach in ein toͤdtliche Kranckheit gefallen / und bereits von denen boͤſen Feinden dem Goͤttlichen Richter vorgeſtellt worden / allwo auf ein Wagſchaalen alle ſei - ne bißhero veruͤbte Laſter-Thaten gelegt worden: etliche aber in weiſſen Aufzug bekleidete Juͤngling waren dazumahl gegenwaͤr - tig / kunten aber nit ein einiges gutes Werck hervor bringen / ſo ſieauf125derenthalben er auch belohnt worden.auf die andere Wagſchalen legen moͤchten / biß endlich einer aus ihnen dasjenige Laibl Brod / welches er vor 3. Tagen aus Unge - dult dem Bettler in Buctel geworffen / hervor gezogen / und auf die Wag gelegt; weil aber ſelbiges gegen den haͤuffigen Laſtern viel zu ring / alſo hat ihme der Goͤttliche Richter ernſtlich anbefoh -Metaph. in vic. Joa[n]Eleemoſ. len / er ſolle mehr dergleichen auflegen / oder er wolle ihne dieſen hoͤl liſchen Mohren uͤberantworten / woruͤber Petrus erwacht / und zu ſich kommen / all ſein Haab und Gut unter die Armen ausgetheilt / und ſich ſelbſt fuͤr einen Leibeignen Knecht verkaufft / und das Geld denen Beduͤrfftigen geben.

Nichts umſonſt.

Wie der Koͤnig Pharao vermerckt / daß die Jſraeliter in ſeinem Egyptiſchen Reich ſo ſtarck vermehren / zumahlen nur 70. Seelen in daſſelbige kommen / und doch innerhalb 200. Jah - ren alſo gewachſen / daß dero etliche hundert tauſend worden; weil dazumahl ihre Weiber auf einmahl zwey / drey / vier / auch noch mehr Kinder gebohren. Als nun der Heydniſche Mo - narch wahrgenommen / daß der Juden Anzahlzu groß werde / al - ſo hat er ein ernſtliches Decret, und ſtarcken Befehl durch das gantze Koͤnigreich ergehen laſſen / daß die Hebammen in der Nie - derkunfft der Hebraͤiſchen Weiber ſollen alle neugebohrne Knaͤ - bel erwuͤrgen und um das Leben bringen / die Maͤgdel aber le - ben laſſen. Dieſem tyranniſchen Befelch ſeynd die Aegyptiſche Hebammen aus angebohrner Weichhertzigkeit und Mitleiden nicht nachkommen / ſondern die Knaben alle beym Leben erhalten. Als nun ſolches dem Koͤnig zu Ohren kommen / und derentwegen beſagte Hebammen in ſtrenge Frag gezogen worden / haben ſie ſich mit friſch erdichter (ſalv. ven.) Lugen entſchuldiget / wie daß der Hebraͤer Weiber ſelbſten Hebammen abgeben / und ſie hierzu nicht beruffen werden; dahero geſchehe es / daß die Knaͤbel beymExod. c. 3. Leben bleiben. Dieſe Weiber ob ſie ſchon ihr Barmhertzigkeit mit der Unwarheit verſieglet / haben es dannoch nicht umſonſt ge - than / maſſen ſie der Allmaͤchtige GOtt / unangeſehen ſie ſolchesQ 3Werck126Judas hat etliche gute Werck gethan /Hugo Cardin. Werck nit wegen GOtt gethan / auf der Welt belohnt / und ihnen ihr Haab und Gut Augenſcheinlich mit hoͤchſter Verwunderung der Leuth alſo vermehret / daß ſie in Reichthumben allen andern uͤberwachſen.

Das Heil. Evangelium Matth. am 20. Cap. regiſterirt von einem ſehr wackern Haus-Vatter / welcher neben andern gu - ten Haabſchaffte und Wirthſchafften auch ein ſehr reiches Wein-Gebuͤrg beſeſſen; dahero in aller Fruhe ausgangen / pri - mo manê, hat nie geſchlaffen ſo lang / biß die Sonne dorthin ge - ſchienen / wo die Berg-Knappen das Schurtzfell tragen / in aller Fruͤhe iſt er ausgangen / Arbeiter zu ſtellen in ſein Weingarten / ja er iſt gar fuͤnffmahl in einem Tag auf den Marck gangen / und alldorten die Leuth / worunter freylich wol viel faule Schliffel / die nur auf dem Marck ſtehen / die guldene Zeit umbſonſt verzehren / und dieſem und jenem die Ehr abſchneiden / gar freundlich ange - redt / dort muß das Robathen und Scharwachen nit im Brauch ſeyn geweſt / wie bey der Zeit / da der arme Mann ſeiner Herꝛ - ſchafft bald alles muß umbſonſt verrichten; dann er der Haus - Vatter hat ihnen den gebuͤhrenden Lohn verſprochen. Wie nun der Abend herzu kommen / und die gute Leuth ihr Arbeit in dem Wein-Garten verricht / ſo ſagt dieſer Herꝛ deß Weingartens dem Schaffner oder Hausmeiſter / voca Operarios, er ſolle die Arbeiter ruffen / und ihnen den Lohn geben; noch denſelben Abend hat er ſie laſſen auszahlen / er iſt ſelbſt gegenwaͤrtig ge - weſt / wie einem jeden ſein Geld iſt dargezehlt worden. Viel hat er dem Hoffmeiſter / oder wer er geweſt iſt / nit getrauet! dann dergleichen Leuth pflegen zuweilen mit ſolchem Geld umbzuge - hen / wie der Ammonitiſche Koͤnig Hanon mit denen Abge -2. Reg. 10. cap. ſandten des Davids / denen er die Baͤrth halb und halb abge - ſchoren. Alſo thun zu Zeiten die Bediente wider den Willen der Herꝛſchafft die Glaubigen halb und halb barbieren / brechen ih - nen ein zimliches ab / und dieſes gehoͤrt nachmahls in ihren Saͤ - ckel. Darumb iſt der Haus-Herꝛ ſelbſt bey der Auszahlunggegen -127derenthalben er auch belohnt worden.gegenwaͤrtig geweſt. O! tauſend und aber tauſend Lob hat die - ſer liebſte Herꝛ verdient / daß er ſo gern ausgezahlt / und zwar noch denſelben Tag auf den Abend. Jetzt iſt leyder bey vielen weit ein anderer Brauch / wann die Handwercker / Kauffleuth / ꝛc. kommen / und ſich umb die gebuͤhrende und hoͤchſt noͤthige Be - zahlung anmelden / da heiſt es Morgen / Ubermorgen: ſage ihnen ich ſeye nit zu Haus; wie es dann einem dergleichen widerfahren / der gleichwohl dazumal den Herꝛn hat ſehen zum Fenſter hinaus ſchauen / er ſolle ein andersmahl ſich anmelden / der Zeit ſeye der Herꝛ nit zu Haus. Das muß ſeltzam ſeyn / ſagt dieſer / und ſetzt hinzu dieſe Wort: mein Laggey ſagt ihr eurem Herꝛen / wann er einandersmahl ausgehet / ſo ſolle er ſeinen Kopff mit ſich neh - men. Ein mancher armer Tropff laufft ein halbes Jahr mit dem Auszigel / aber fangt ſo viel / als Petrus / der die gantze Nacht gefiſcht / und nichts gefangen / ja er hat wol Geſtraͤuß und allerley Miſt im Netz gefunden / ſonſt nichts. Ein mancher bekommt auch an ſtatt der Bezahlung etliche Bruͤgl / wenigſt trohet man ihme mit dergleichen huͤltzenen Confect: oder wann daß die Sach gar wohl ausſchlagt / ſo muß er mit der Helffte vor Lieb nehmen / und diefes noch in verdorbnen Traid oder Eſſigfeeligen Wein / der auch bey dem Gebaͤu deß Babyloniſchen Thurns fuͤr das Malter anmachen zu ſchlecht geweſt. Dieſes heiſt bey der Zeit ein Wirthſchafft / bey Leib nenne es keiner ein Diebſtall. Wie viel Kauffleuth gehen deſſentwegen in defecit, wie viel Handwercker muͤſſen derenthalben in Noͤthen und Armuth le - ben / ſie ziehen wol mit der Muſicaliſchen Noten Sol auf: der und der ſoll umb dieſe ausgenommene Wahren geben / ſoll umb die verfertigte Arbeit bezahlen / ꝛc. Aber man ſingt ihnen wieder entgegen die andere Muſicaliſche Noten La, La, es iſt nichts da / es iſt laͤhr / man ſoll Gedult tragen. Der aͤltere Tobias hat ſei - nen Sohn ein andere Unterweiſung gethan: mein Sohn / ſagt er / mein liebes Kind / widerholt er / merck es wol / und laſſe dirs geſagt ſeyn / wann dir einer wird etwas gearbeitet haben / demgebe128Judas hat etliche gute Werck gethan /gebe gleich den Lohn / ꝛc. Gleich / nit erſt uͤber ein Jahr / gleich / und nit erſt nach dem Tod / gleich / und nit viel in die Schuldbuͤcher eintragen. Aber leider! es muß mancher umſonſt arbeiten: ſo bezablt die Welt. Aber der guͤtigſte GOtt weit anderſt / der laſt ihme gar nichts umſonſt thun.

Baronius ſchreibt / daß Leo auf eine Zeit ungeſaͤhr einen ar - men blinden Bettler auf der Straſſen angetroffen / welcher aus Mangel deß Geſichts abweegs gangen und geirret / deſſen hat er ſich alſobald erbarmet / denſelben wiederum auf die gangbare Straſſen gebracht / und ihne einen ziemlichen Weg bey der Hand gefuͤhrt; Weil aber erſtgemeldter armer Tropff den Durſt ſehr geklagt / ſo wollte auch dißfalls der Leo dem armen Mann an die Hand gehen / lauft demnach in den nechſt entlegnen Wald hin und her / und ſuchte einen Brunn fuͤr den durſtigen Bettelmann. Die - ſes wollte der Allerhoͤchſte nit laſſen umſonſt thun / ſondern wollte es hier und dort zeitlich vergelten; maſſen ihme die Mutter GOt - tes ein Brunn gezeigt / auch anbey befohlen / er ſolle mit dem zet - ten beſagten Brunnens dem Blinden die Augen beruͤhren / wor - von er die Geſundheit / und das verlangte Geſicht wurde erhalten / welches auch alſo geſchehen. Leo hilfft dem Blinden / Leo giebt dem Blinden ein kalten Trunck Waſſer / Leo macht den Blinden fehend / Leo wird derenthalben bezahlt auch zeitlich; dann Leo da - zumal die Zeitung vom Himmel bekommen / daß er ſoll Roͤmiſcher Kayſer in Orient werden.

Nichts umſonſt: Petrus ſagt zu unſerm HErꝛn: Tu es Filius DEI vivi. Du biſt ein Sohn deß lebendigen GOttes / Matth. 16. c. Nichts umſonſt. Unſer HErꝛ macht ihn derent - halben zum Roͤmiſchen Papſt: Et ego dico tibi, &c. Und ich ſag dirs / du biſt Petrus / und auf dieſen Felſen will ich mein Kir - chen bauen. Der Schaͤcher am Creutz / auf welches er verdien - ter maſſen als ein Moͤrder und Straſſen-Rauber gehenckt wor - den / ſagte dieſe wenige Wort: Domine memento mei, &c. HERR gedencke doch meiner / wann du in dein Reich kommſt. Nichts129derenthalben er auch belohnt worden.Nichts umbſonſt: Chriſtus gibt ihme deſſenthalben ein gewiſſe Ex - pectanz.

Nichts umbſonſt.

Wie der Heyland JESUS den ſchweren Creutz-Baum auf den Berg Calvariœ getragen / und die Juden in Forchten geſtan - den / er moͤchte unter Wegs unterliegen / und wegen vorhin erlitte - nen unglaubigen Peynen den Geiſt aufgeben; damit ſie ihne dann noch Lebendiger kunten auf das Creutz naglen / als haben ſie einen mit Namen Simeon / ſonſt von Cyrene aus Lybien gebuͤrtig / ſo dazumal ungefehr von ſeinem Mayer-Hoff und Wirt hſchafft ge - kommen / ernſtlich angeſtrengt / daß er ſolle dem JESU von Nazareth das Creutz helffen tragen / welches er zwar nicht gewei - gert / aus Forcht / es moͤchten ihme die ohne das muthwillige Sol - daten ein groͤſſers Ubel anthun; aber dannoch ware ihme nicht wol bey der Sach / und iſt wohl zu glauben / daß er dieſen Dienſt gar ungern verricht / auch vermuthlich / daß er zu weilen von dem Lot - ters-Geſind ein Beitſchen uͤber den Rucken bekommen; nichts de - ſtoweniger wolte GOTT nicht / daß er ſolches ſolte umbſonſt thun / ob er ſchon darzu gezwungen worden; dann ihn nochmahls GOTT der HERR uͤberhaͤuffig derenthalben belohnet / maſſen er ihne erleucht / daß er bald darauf bekehrt worden / mit dem Hei - ligen Petro helffen das Evangelium predigen / und nach deme ſei - ne zwey Soͤhne Rufus und Alexander die Marter-Cron erhal -Lucius Dexter. in Ann. 101. ten / iſt er Simeon als ein groſſer Heiliger zu Jeruſalem geſtorben.

GOTT laſt ihme nichts umb ſonſt thun. Jener Baum / von deme die Hebraͤiſchen Knaben die Palm-Zweig zu dem trium - phirlichen Einritt CHRJSTJ nach Jeruſalem gebrochen / hat es auch nicht umbſonſt gethan / zumahlen wie Jeruſalem von Ti - to gaͤntzlich zerſtoͤhrt worden / und kein Stein auf dem andern blie - ben / und alles Gehoͤltz in der Gegend umbgehauen / ſo iſt doch be - ſagter Baum durch ſondern Goͤttlichen Willen zu einer Vergel - tung etliche hundert Jahr unverſehrt geblieben. Baron. ad An. 34. Pars IV. RGOtt130Judas hat etliche gute Werck gethan /GOTT laſt ihme gar nichts umbſonſt thun; Aber die Welt wol.

Wie manchesmal wird ein armer Dienſtbott wegen ſei - ner treugeleiſten Dienſten ſchlecht belohnt? bey dem Herꝛn Vat - ter des verlohrnen Sohns iſts noch gut zu dienen geweſt; dann ſolches hat das ſaubere Buͤrſchel / wie ihm das Waſſer ins Maul geronnen / ſelbſt bekennet mit dieſen Worten: wie viel Tag -Luc. c. 15 loͤhner ſeynd in meines Vattern Haus / welche Brod im Uberfluß haben / ich aber ſterbe allhier vor Hunger / ꝛc. Der Herꝛ muß ſeine Bediente wol tractirt / und ſie mit einer guten Tafel ver - ſehen haben; dann unter dem Wort Brodt / verſtehet man aller - ley Nahrungs-Mittel. Aber man gehet mehrmaln mit den Dienſt-Botten umb / daß ſie ſagen und klagen: ihr Haus ſeye be - ſtellt wie der Himmel / wo man weder iſſet noch trincket. Jch hab mir laſſen erzehlen von einem ſehr verſchlagnen Diener / deſſen Frau nach meiſter Weiber Art / ſehr klug / karg / oder (recht ge - redt) geitzig / daß ſolcher einmal ein Spagat umb die Suppen - Schuͤſſel gebunden / und ſolche langſam durch die Stuben gezo - gen gegen der Kuchel; als die Frau deſſen Urſach befragt / gab er zur Antwort: Er habe ſein Lebtag gehoͤrt / daß man die Blinde fuͤhren muͤſſe; dann es war die Suppen ſo ſchlecht geſchmaltzen / daß man nicht ein Aug durch dreyfache Brillen darauf hat ſehen koͤnnen. Das heiſt ja freylich / die Dienſt nicht belohnen. Es geſchicht wol auch offt / daß man den Lidlohn gar zuruck haͤlt / und ſolche in Himmel ſchreyende Suͤnd mit dem Vorwand will ver - maͤntlen / als waͤr etwas im Haus verloren worden / oder ſo gar muß zu Zeiten ein armes Dienſt-Menſch das geringſte gebrochene Haͤfferl / ſo vorhin ſchon in Zuͤgen gelegen / bezahlen / wehe / und aber wehe allen den jenigen / welche ſo uͤbeibelohnen!

Unendlich beſſer bezahlt GOtt / dieſer guͤtigſter HErꝛ / ja er laͤſt ihme gar nichts umbſonſt thun.

Es iſt ſich hoͤchſt zu verwundern uͤber das jenige / was da ſchreibt Petra Sancta cap. 16. tom. 3. Daß nemlich zu Sta -rea -131derenhalben er auch belohnt worden.reamone in Portugall umb das Jahr 1240. in dem Dominica - ner-Cloſter daſelbſt ein frommer Sacriſtaner geweſen / Namens Bernhardus de Morlens, welcher zwey kleine Knaben nicht al - lein in aller Gottesforcht auferzogen / ſondern auch dieſelbige ſo weit unterrichtet / daß ſie beyde kunten bey dem Altar dienen. Nun hatten dieſe zwey unſchuldige Kinder den gebrauch / daß ſie allemal zu Eſſens-Zeit ihr weniges mit ſich in ein Privat-Capellen allda mitgenommen / und daſſelbe verzehrt. Es ware aber in erſtgedach - ter Capellen ein groſſes geſchnitzletes Maria-Bild mit dem Kind - lein JEſu auf dem Arm / welches Kindlein mehrmal herunter geſtiegen / und die Collation mit den unſchuldigen zweyen Buͤb - lein eingenommen. Wie ſie ſolches einmal dem Gottſeeligen Mann Bernhardo, als ihrem Ober-Herrn und Magiſter erzeh - let / ſo ſagt er ihnen / wie daß ſie ſollen das allernechſte mal das Kindlein / den lieben Gaſt erſuchen / er ſolle ſie und ihren Magiſter auch einmal regaliren / und zu ſeines Vattern Taffel einladen. Wie nun mehrmal das JESUS Kindlein mit beſagten zweyen Sacriſtey-Knaͤblein wolte das Mittag Mahl einnehmen / da wa - ren ſie ſo einfaͤltig gehorſam / daß ſie ohne Scheu geſagt haben: Du iſſeſt ſchon oͤffter mit uns / lade uns auch einmal ein mit unſerm Magiſter zu der Tafel deines Vatters. Worauf das Kindlein gleich mit dem Ja geantwortet / ſie ſollen auf die nechſt herankom - menden Feſt-Tag / als am Himmel-Fahrt des HErꝛn erſcheinen / und ihren Magiſter mit ſich nehmen. Wie nun erſtgedachte So - lemnitaͤt eingeſallen / und der H. Bernhardus die Heilige Meß celebrirt / worbey die zwey Buͤberl nach Gewohnheit miniſtrirt, da ſeynd nach vollbrachter Meß-Opffer alle drey Augenblicklich verſchieden / und in ein Grab geleget worden / welches man nach - gehends An. 1277. eroͤffnet / und alle drey Leiber unverſehrter gefun - den / ſo dann noch mit vielen Wunderwercken leuchten. Alſo ſchrei - bet Paradiſ. Pueror. p. 3. c. 1. Niernberg. c. 16. und andere mehr. Das wenige Eſſen iſt wohl bezahlt worden. GOtt laſt ihme halt gar nichts umb ſonſt thun.

R 2Nichts132Judas hat etliche gute Werck gethan /

Nichts umbſonſt.

Wie Pilatus durch Ungeſtimme des Volcks / welches von denen Hohen-Prieſtern ſtets angefriſchet worden zu ſolcher Boß - heit / ſolte und wolte JESUM von Nazareth zum Tod verur - theilen; maſſen dann maͤnniglich nur geſchryen / man ſolte JEſum creutzigen / den Barrabam aber auf freyem Fuß ſtellen. Wie die - ſer Landpfleger bereits auf dem Richter-Stul geſeſſen / ſo von den Hebraͤern Lithroſtatos, genannt war / und allgemach zum Urtheil ſchreiten wollen / da kommt unverhofft ein Secretari von des Pila - ti ſeiner Frau Gemahlin / welcher im Namen ihrer dem Pilato angedeut / er ſolle doch in allweg dahin trachten / damit er dieſen gerechten Menſchen frey und loß laſſe / zu malen ſie die gantze Nacht hindurch einen ſeltzamen Traum von ihme gehabt. Solches ge - reicht doch zum ewigen Lob denen Weibern; dann die gantze Zeit des Leydens hat ſich kein einiger Menſch des HERRN JEſu an - genommen / als dieſe Frau / ſo ſie ſchon Fruchtloß abgeloffen / hatCornel. à Lapide c. 27. de 2. Matth. ihme GOTT nicht laſſen umb ſonſt thun; dann ſie nachmals durch Goͤttliche Erleuchtung zu dem wahren allein ſeeligmachen - dem Glauben bekehrt worden / als eine Heilige gelebt / und als ei - ne Heilige geſtorben; ihr Namen ware Claudia Procula / welche Paulus und Thimotheus in groſſem Werth gehalten.

O was Dienſt muß mancher der Welt umbſonſt thun! Es ſitzt bey der Kirchen-Thuͤr ein armer Bettler / der hatte nur einen Arm / und darumb iſt er doppelt arm / ſein Kleid war nicht anderſt beſchaffen / als wie die Laͤmmlein des Labans / denen Jacob mit ei - nem Vortheil lauter Fleck angehenckt / das Geſicht war faſt alſo beſchaffen / wie der Mund-Becher des Samſons / dieſer iſt ein duͤr - rer Kinbacken geweſen. Der Stecken / den er in der Hand hat / iſt weit anders / als jenes Holtz / welches Moſes in das Waſſer ge - worffen; dann dieſes Holtz machte das bittere Waſſer ſuͤß / jenes aber kommt ihme ſauer gnug an / weil es ein Bettel-Stab iſt / ꝛc.

Dieſen133derenhalben er auch belohnt worden.

Dieſen armen Tropffen fragte ich / wie er umb den Arm kom - men? oder ob er alſo die Natur fuͤr ein Stieff-Mutter ſolle aus - ſchreien? Pater! antwortet er / ich bin vor dieſem ein wackerer und friſcher Kerl geweſen / hab ein und zwantzig Jahr einen Soldaten abgegeben / ich bin bey der Schlacht zu Gran in Ungarn geweſt / ich hab helffen dieſe und jene Veſtung einnehmen / ich hab offt acht Tag keinen biſſen Brod geſehen. Mein beſte Mahlzeit war zu Zeiten ein Geſtoͤſſenes / dann ohne Stoͤß iſt es ſelten abgangen / bey Ofen hab ich mich verbrennt / daß ich den Arm verlohren. Der Nam| Soldat kommt / hoͤre ich / vom Sold her / aber ich hab wenig geſehen / ich hab mehrentheils muͤſſen die Cappuciner-Re - gul halten / dann ich faſt allezeit ohne Geld geweſen. Wohin iſt dann ein ſo groſſe Summa Gelds von der Kayſerlichen Cammer und Zahl-Ampt kommen? ô Pater! ſagte dieſer Bettler / die He - braͤer und Phariſaͤer haben auf ein Zeit bey unſerem HERRN ſei - ne Apoſtel anklagt / daß ſie ihre Haͤnde nicht waſchen / wann ſie Brod eſſen. Wir kundten uns wohl billicher beklagen uͤber die Haͤnde etlicher Officirer / daß ſelbige ſo unſauber / ja gar voller Bech; wann ein Regiments-Geld darein kommt / ſobleibt ſehr viel picken. Der Koͤnig Pharao hat ſeinen Mund-Becken hencken laſſen / umb weil er das Brod nicht recht gebachen / was haͤtte man nicht erſt ſollen den jenigen thun / welche uns das Brod (auf Hoch - Teutſch /) gar abgeſtohlen? Das Geld wormit ein Regiment haͤt - te ſollen bezahlt werden / hat viel ein andere Natur als die Donau / dieſer Fluß / je weiter er gehet / je groͤſſer er wird: Aber unſer Geld / wann es von Oben herab kommt / wird immerzu weniger / es kommt in gar viel Haͤnd / wie die Donau in viel Arm / und das hab ich jetzt davon / daß ich bin ein Bettler worden. Mein Pater! ſol - te es einem dann nicht hart geduncken / wann einer ſo viel Jahr die - net / und alle Dienſt umb ſonſt thut?

O mein Allmaͤchtiger GOtt! deine unendliche Guͤte iſt weit anderſt beſchaffen / maſſen dieſelbe ihr gar nichts laſt umbſonſt thun / nicht einen Schritt umb ſonſt / wie es der Heilige Job ſelbſt bekennt /R 3tu134Judas hat etliche gute Werck gethantu quidem greſſus meos dinumeraſti. Es iſt auf eine Zeit ein ſehr ſchoͤner und praͤchtiger Tempel aufgebauet worden / und wie ſelbiger in voͤlliger Vollkommenheit geſtanden / da wurden alle nothwendige Anſtalten gemacht / dieſe neue Kirchen mit ſonderer Solemnitaͤt und herꝛlichem Pracht zu weyhen. Als nun das ge - ſammte haͤuffige Volck ſich eingefunden / und bereits die vorgenom - mene Sach den Anfang nehmen ſolte / da erſcheint ob der groͤſſern Porten der Kirchen ein unſichbare Hand / welche mit guldenen Buchſtaben dieſe kurtze Wort geſchrieben: Sophia mefecit. Die Sophia hat mich gebaut. Solches hat maͤnniglich zur billicher Verwunderung gezogen / forderiſt aber die vornehme Herren / wel - che die meiſte Mittel zu dieſem ſo ſtattlichen Gebaͤu dargeſchoſſen / noch kundte man auch nicht finden den Namen Sophia unter al - len Gutthaͤtern / welche einige Bey-Steuer und Geld-Huͤlff zu die - ſer Kirchen beygeruckt / maſſen ſolches alles genau aufgeſchrieben worden. Endlich nach vielem Umbfragen / hat man in Erfahr - nuß gebracht / daß ein armes Weib / mit Namen Sophia / vor - handen / welche dann alſobald gantz umbſtaͤndig befragt worden / ob ſie dann auch etwas zu dieſem ſchoͤnen Gebaͤu geſpendirt habe? Dieſe wendete vor ihr Unmoͤglichkeit / wie leicht zu glauben ware / und daß ſie ſelbſtden Abgang der gnugſamen Lebens-Mittel leyde / allein wiſſe ſie ſich zu erinneren / daß ſie mehrmalen den Roſſen und Ochſen / ſo zu dem Kirchen-Gebaͤu alle Nothwendigkeiten gefuͤh - ret / ein Buͤſchel Heu habe dargereicht / damit das arme Viech de - ſto beſſer ziehen moͤchte / und folgſam das Gebaͤu einen ſchleinigen Fortgang nehme. Woraus unſchwer ein jeder hat ſchlieſſen koͤn - nen / daß GOTT dem HERRN der gute Willen dıeſes ar - men Weibs ſo wolgefaͤllig geweſt / daß er das ſchlechte und wenigeVam. Horn. d. B. Virg. Heu nicht hat woͤllen umbſonſt laſſen ausgeben / ſondern ſie de - renthalben / als ein Fundaterin des gantzen Tempels geoffen - bahret.

Nichts135derenthalben er auch belohnt worden.

Nichts umbſonſt.

Petrus hat die gantze Naͤcht gefiſcht / hat gearbeit von 8. biß auf 9. Aber umbſonſt. Von 9. hat er ſich bemuͤhet biß auf 10. Aber umbſonſt. Von 10. biß auf 11. hat er ſich befliſſen. Aber umbſonſt. Von 11. biß auf 12. hat er das Netz gezogen / daß ihme die Armb wehe gethan / aber umbſonſt. Von 12. biß auf 1. hat er geſchwitzt / daß kein truckner Faden an ihme ver - blieben / aber umbſonſt. Von 1. biß auf 2. hat er die Haͤnd nie in Sack geſchoben / aber umbſonſt. Von 2. biß auf 3. hat er nit ein Augenblick gefeyrt / aber umbſonſt. Von 3. biß auf 4. iſt er im - merzu in Handel geweſt / aber umbſonſt. Von 4. biß auf 5. hat er gar kein Muͤhe geſpart / aber umbſonſt. Wie der Tag ange - brochen / da hat Petrus geſehen / daß er die gantze Nacht gefiſcht / aber nichts gefangen / und alſo umb ſonſt gearbeit / das moͤcht einen recht verdruͤſſen.

Es ſuchte auf ein Zeit ein wolverſtaͤndiger Geiſtlicher ei - nen reichen Geſellen in ſeiner gefaͤhrlichen und zwar toͤdtlichen Kranckheit heim / zeigt ein hertzliches Mitleyden / daß er denſel - ben in ſo ſchlechten Stand muß ſehen / ſagt anbey / daß er bey ſol - cher Lebens Gefahr wolte meiſtens ihme der Seelen Heyl laſ - ſen angelegen ſeyn / vorderiſt aber denen jenigen daſſelbige Geld wiederumb erſtatten / welches er ihnen durch Wucher und mit hoͤchſtem Unfug abgedruckt; das nit / antwortet der Kranck / das kan ich gar nit thun; dann es wurde ſolcher Geſtalt meinen Kin - dern wenig uͤberbleiben / maſſen ich mich etlich dreyſſig Jahr Tag und Nacht geplagt / biß ich das wenige habe zuſammen gebracht / wormit die Kinder Standmaͤſſig leben koͤnnen. So wolt ihr dann / ſetzt hinwider der Geiſtliche / wegen der Kinder ewig brin - nen / ewig im Feuer ſitzen wegen der Kinder / die doch all euer aus - geſtandene Arbeit und Fleiß im wenigſten werden vergelten? nach vielen andern Reden ſagt der Geiſtliche / weil der Krancke an einem Bruſt-Apoſtem gelitten / habe er von einem ſehr be - ruͤhmten Medico vernommen / wie daß zu Erledigung nichtsbeſſers136Judas hat etliche gute Werck gethan /beſſers ſeye fuͤr dieſen Zuſtand / als ein gantz friſche Menſchen-Fei - ſte / und ſo es auch nur drey Tropffen waͤren; ware demnach ſein Rath / er wolte ſeine Kinder dahin bereden / daß eines oder das andere den Finger ſo lang uͤber das Liecht moͤchte halten / biß et - wan dergleichen Tropffen moͤchten herunter ſchwitzen.

Der Krancke aus Begierd einer laͤngern Lebens-Friſt / rufft den groͤſſeren Sohn / und bitt den lieben Hans Carl / er wolte ihme doch dieſes nicht abſchlagen. Der aber ſchuͤttelte den Kopff / und nimmt Urlaub. Es ſoll der Frantz Antoni kommen / das wird auch von ihme begehrt / aber ſolcher entſchuldiget ſich / er koͤnne dergleichen Hitz nicht ausſtehen. Was gilt es / die Ma - ria Andel wird mir es nicht abſchlagen; die buckt ſich hoͤflich / es ſeye ihr nicht moͤglich / der Herꝛ Vatter ſolle in andern mit ihr ſchaffen / was er wolte. Nach deme die Kinder alle abgetretten / da zeigt ihme der Geiſtliche / was er fuͤr einen ſaubern Lohn umb all ſein ſo lange haͤuffige Arbeit von der Welt habe / ja nicht allein umbſonſt ſo viel Jahr ſich bemuͤhet / ſondern noch darfuͤr die Hoͤl - le zu gewarten habe; dann keines aus allen den Kindern wolle ſeinet wegen nur eine halbe Stund den Finger in das Liecht halten / und und er wolle ihrenthalben ewig brinnen / brinnen Ewig. Mit die - ſen hat er den elenden Tropffen wiederumb auf den rechten Weeg ge - bracht. O! wie offt und manches mal muß man der Welt etwas umbſonſt thun / aber GOTT dem HErꝛn nicht das Geringſte / ja ſo man ſeinet wegen nur einen Strohalm von der Erden aufhebt / ſo laſt er ſolches nicht umbſonſt geſchehen.

Die Kinder Jſrael muſten unter dem hartneckigem Koͤnig Pharao / in dem Egypten wegen des wahren GOTT / maſſen der Pharao ein Heyd ware / ſehr viel leyden und ausſtehen; un - ter anderem haben ſie muͤſſen faſt alle weil mit groſſer Arbeit den Laimb graben / Ziegel machen / und Ziegel brennen / das ware kein geringe Sach an ſich ſelbſt. Aber GOTT wolte ſie nicht laſſen ſolches umbſonſt thun. Eins mals gienge Moyſes auf eine Hoͤhe / mit ihme Aaron / Nadab / Abiu / und ſiebentzig andere der Elti -ſten137derenthalben er auch belohnet worden.ſten von Jſrael / und dieſe ſahen den GOtt Jſrael. Aber wie? Sie ſahen unter ihm ein Stein-Werck von lauter Saphir. Bar -Exod. 24. Barrad. in Exod. id. radius verdolmetſchet / daß ſie eine unglaubliche Menge der Ziegel - Stein unter den Fuͤſſen GOttes geſehen / ſo aber alle in lauter Sa - phir / in dieſe koſtbare Edelgeſtein verwandlet worden; wodurch ihnen GOtt wolte andeuten / daß ſie ſeinetwegen in Egypten nicht umbſonſt die Ziegelſtein gemacht / ſondern ſolche ſeynd anjetzo in lauter Edelgeſtein verkehrt worden / und werde er ihr ausgeſtandene Arbeit tauſend und tauſendfaͤltig belohnen.

Zu Orleáns lebte einer / der ſich mit ſchlechten Kram / den er meiſtens auf dem Arm in einen Korb herumb getragen / kuͤm - merlich erhalten. Gleichwol ſeynd ihme oͤffters die Gedancken kommen / daßer auch gern ein Weib haͤtte / zumalen er den gan - tzen Tag muſte hauſiren / und doch zu Haus niemand ware / der ihme eine Suppen kochete; weil ihm aber das Heyrathen kein ſchlechte Sach dunckte / alſo hat er ſolches Werck ohne GOTT auf kein Weis wollen anfangen / ſondern dieſes ſein Vorhaben dem Allerhoͤchſten befohlen / auch zugleich GOTT dem HERRN verſprochen / daß er ihme zu Ehren alles Geld / was er den erſten Tag nach der Hochzeitwerde loͤſen / unter die arme Leut wolle aus - theilen. Es geſchicht / daß gleich den erſten Tag nach der Hoch - zeit einer ſich angemeldt / welcher den gantzen Kram zu kauffen willens geweſt. Der Nagelneue Ehe-Mann kratzte derenthal - ben hinter den Ohren; dann gedachte er / wann er alle ſeine Wahren / die doch nicht gar viel geweſt / auf einmal hinweg gibt / ſo bleibe ihme gar nichts / maſſen das geloͤſte Geld / vermoͤg ſeines Verſprechens / denen armen Leuten gehoͤrig: gibt ers aber nicht / ſo handlet er nicht redlich mit ſeinem GOtt. Endlich verlaſt er ſich auf GOtt / in Erwegung / daß er ihm gar nichts umbſonſt laſſe thun / verkaufft die Wahren / theilt die Loſung unter die Armen aus / ihm und dem Weib bliebe nichts. Aber der Aller - hoͤchſte wolte nicht den Namen haben / daß Jhme einmal einer haͤtte etwas umbſonſt gethan / belohnet alle Merces mit Mer -Pars IV. Scede,138Judas hat etliche gute Werck gethan /Nieque - tius l. 2. c. 11. de Pax. cede, fangt mit etlichen Gulden / die er zu leihen genommen / wie - derumb zu handlenan / und iſt er durch den Seegen GOttes al - ſo begluͤckt worden / daß er aus einem armen Kraͤmerl / der ſein gantzes Handel-Gewoͤlb auf dem Buckel getragen / nachmals ein Mann bey viel tauſend und tauſend Guwen geſtorben.

GOtt laſt ihm gar nichts umbſonſt thun / er belohnt nicht alle in das haͤuffige Silber und Gold / welches der Heilige Nico - laus denen drey armen Heyrathmaͤſſigen Toͤchtern eingelegt / ſondern auch den geringſten Pfenning / den man ſeinetwegen den armen Leuten gibt. Er belohnt nicht allein das ſtrenge Faſten des Henigen Joannis Baptiſtæ, der ſich nur mit Kraͤutern / Wur - tzeln und wildem Hoͤnig erhalten / ſondern auch den allergering - ſten Biſſen / von dem ſich jemand ſeinetwegen enthaltet. Er be - lohnt nicht allein das ſo langwuͤrige eifrige Gebet des H. Anto - nii / der alle Nacht in dem Gebet verharret / biß die Sonn iſt auf - gangen / ſondern ſo gar auch das geringſte Vatter unſer / ſo zu - weilen auch unaufmerckſam verrichtet wird. Er belohnt nicht allein die groſſe Gedult des Jobs / ſo er auf dem Miſthauffen aus - geſtanden / ſondern auch den allergerinſten Muck enſtich / den je - mand ſeinetwegen leidet. Er belohnt nicht allein die immerweh - rende Betrachtung des Leydens Chriſti in der Heiligen Clara de Monte Falco, in der Hertz nach dem Todt alle Inſtrumenta des Leydens Chriſti angetroffen / ſondern auch / ſo jemand nur den Hut rucket vor einem Cruciſix. Er belchnt nicht allein die haͤuf - fige Zäher Magdalenæ / mit denen ſie auch den Fuͤſſen des Hey - lands ein Bad zugericht / ſondern er belohnt auch den allergering - ſten andaͤhtigen Seufftzer.

Nichts umbſonſt.

Rar und ſelten iſt der Recompens auf der Welt; wenig ſeyn zu zehlen / welche ſich alſo danckbar einſtellen / wie der Cardi - dinal Beſſarius; als dieſem eineſt bey Faßnacht Zeit der vermaß - kerte Antonius Campanus mit dem Lauttenſchlag etliche Lob - Vers ſeiner Eminenz zugeſellt / da hat beſagter Cardinal demReim -139derenthalben er auch belohnt worden.Reim-Dichter ſo viel Ducaten geſpendieret / wie viel Vers er geſungen. Wie nachmals dieſer Poët die Faſchings-Kleider ab - gelegt / und in ſeinen gewoͤhnlichen Kleidern ſich bey dem Car - dinal wieder umb eingefunden / ſagte dieſer dem Campano, meinFnrnus in vit. Gampan. lieber guter Freund / wo ſeynd die Finger / mit denen du ſo viel Lugen von mir geſchrieben? nimmt ihn zugleich bey der Hand / und ſteckt ihm einen guldenen Ring an / ſo wegen des koſtbaren Diamant-Steins auf 70. Ducaten geſchaͤtzt worden. Wenig ſeynd wie die Bertha, Kaͤyſers Henrici Quarti Frau Gemahlin / welche ein Tag Reiß von der Stadt Padua von einem armen Bauern Weib ein Kneil Garn zu ſchencken bekommen / ſo der Kaͤyſerin der geſtalten wolgefallen / daß ſie ihr zu einem Recom - pens ſo viel Grund erlaubt und geſchenckt / wie viel ſie mit die - ſem Faden kan umbfangen / worvon dann das Adeliche Haus Montagnona ihren Urſprung genommen / und noch in groſſem Flor. Wenig ſeynd / die alſo die kleine Gutthaten oder Ga - ben ſo reichlich bezahlen; maſſen der Danck dir GOtt bey der Welt noch das erſte Kleid an hat / und dieſes noch Nagel neu / dann es gar wenig ſtrappaziert wird: GOtt aber laſt ihme gar nichts / gaͤntzlich nichts umbſonſt thun. So gar vergilt ers auch den groͤſten Suͤndern als ſeinen Feinden.

Lucas am 16. Cap. hat einen ſehr uͤblen und Laſterhafften Geſellen mit guten Farben entworffen / dieſer ware ein reicher Vogel / und panquetirte die gantze Zeit / ſein gantzer Wandel be - ſtunde in der Kandel / ſein gantzes Leben ware bey der Reben / als haͤtte ihme Eſſen und Trincken und anders guts Leben ſein Herꝛ Vatter zum Heyrath Gut geben / quotidie: Und das war alle Tag. Am Montag war er rauſchig / am Dienſtag war er nit nuͤchtern / am Mitwoch war er bezecht / am Donnerſtag wol zu - deckt / am Freytag uͤberweint / am Sambſtag Sternvoll / am Sonntag hat er gar nit gewuſt / was er thut. Solches ſchlem - meriſches Leben fuͤhrte er etliche Jahr / bey ihme war nie kein Ab - gang / er war allezeit friſch und geſund / beym Adel im groſſem An -S 2ſehen /140Judas hvt etliche gute Werck gethan /ſehen / beyn Kauffleuten lieb und werth / dann er verzehrte ein ehr - liches Geld / beyn Weibern nicht uͤbel angeſehen; dann vermuth - lich er ohne dergleichen wildes Gefluͤgel-Werck nicht wird geweſen ſeyn; dann Lucas der erbare Evangeliſt nur ſchrifftlich verfaſſet / daß er Tag und Nacht in Praſſen gelebt / das andere ſeye leicht in ein Conſequenz zuziehen / zumalen der Syllogismus in Friſiſo - morum mit den in Barbara zimlich kan vertragen: Bey der Nacht aber / da er zuvor dem Baccho zimlich geopffert / fallt ihm ein gaͤh - linger Steck-Catharꝛ / und anbey ein Accidens von einem Schlag / das hat ihm geſchwind den Garaus gemacht / und iſt er dem gera - den Weeg zum Teuffel gefahren. Der Kerl hat vorher nichts als Gluͤck uͤber Gluͤck gehabt / und hat wol geheiſſen / je groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck.

Lazarus entgegen ein armer und elender Bettler hat vor der Thuͤr des beſagten reichen Praſſers die aͤuſſerſte Noth gelitten / ſo gar nicht koͤnnen theilhafftig werden der Broͤßlein Brodt / ſo von der Tafel dieſes reichen Geſellen gefallen / er ware von Maͤnnig - lich verlaſſen / biß er endlich / Zweiffels ohne vor groſſer Hungers - Noth geſtorben / aber von den lieben Englen gleich in den Schoos Abrahæ getragen worden; dieſen hat der verdammte Geſell aus der Tieffe der Hoͤll erblickt / und demnach geſchwind ſein Stimm gantz flehentlich zu dem Vatter Abraham erhebt / er wolte doch zulaſſen / daß Lazarus nur ihme einen eintzigen Tropffen Waſſer moͤchte ſpen - diren. Abraham ſchlagt ihms rund ab / es kan nicht ſeyn / es wird nicht ſeyn / es ſoll auch nicht ſeyn; Fili recordare, ſagt ihme die Urſach / daß er das Gute ſchon in der Welt empfangen; Reci - piſti.

Hugo Cardinalis legt dieſe Wort aus / als habe der reichs Mann ſeinen Lohn ſchon auf der Welt empfangen und eingenom - men / dann ob er ſchon einen ſehr laſterhafften und gottloſen Wan - del gefuͤhret / ſo hat er doch etwan eines oder das andere gute Werck gethan / und ſolches das ewige Leben nicht verdient / ſo hat GOtt ihme es mit Zeitlichen Guͤteren und anderm Wolergehen belehnt. Dann141derenthalben er auch belohnt worden.Dann GOTT laſt ihme von keinem etwas umbſonſt thun: auchHugo in Luc. & Beda. Tuͤrcken und Heyden belohnt er wenigſt auf dieſer Welt / wann ſie nur etwas Guts thun.

David hat ſich ſelbſt nicht ein wenig verwundert uͤber das Gluͤck und Wolergehen der boͤſen und Eottloſen Leut / und bekla - get ſich ſchier deſſen bey dem Allmaͤchtigen / daß / je groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck. Quia zelavi ſuper iniquos, pa - cem peccatorum videns, in labore hominum non ſunt, &c. Pſalm. 72. Mit den David thut manche nicht pſolliren / ſon - dern gar lamentiren / ich weiß nicht / ſagt ſie / wie doch GOTT ſo ſeltzam / dieſe und dieſe hat nichts als gute Taͤg / bey ihr hangt der Himmel alle Tag voller Geigen / ſie iſt auf allen Seiten gluͤck - ſeelig / daß ihr nicht gar die Ochſen kaͤlbern / ſonſt wuſte ich nicht / was ihr moͤchte abgehen / ſie hat was ihr Hertz verlangt / ich glaub / St. Felicitas ſeye ihr verwandt: Jch vermein / wann ſie auch die Haus-Thuͤr ſolte verriglen / ſo thaͤt ihr das Gluͤck beym Fenſter einſteigen; unſer eins aber iſt ſo ungluͤckſeelig / ich ſchaue ins Stuͤbel oder Kuͤbel / ſo finde ich nichts als Ubel: Es thaͤt mich nicht wundern / wann ich erſt ein leichtfertiges Leben thaͤt fuͤhren / wie dieſe. Es iſt halt noch wahr: je groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck. O! halts Maul / daß dich / ꝛc. Hoͤre mich auch an.

Der groſſe Patriarch Abraham / als er in das hohe Alter kom - men / und bereits wahrgenommen / daß ſeines zeitlichen Lebens Ende allgemach herzu nahe / hat wegen ſeiner zeitlichen HaabſchafftGen. c. 25 ein richtige Diſpoſition gemacht / und zwar dergeſtalten: den Jſaac als ſeinen rechten leiblichen Sohn hat er fuͤr einen Univerſal Er - ben eingeſtellt / den andern Kindern aber / die er von denen Kebs - Weibern erzogen / gab er Schanckungen.

Auf ſolchen Schlag und auf eben ſolche Weis macht es der allmaͤchtige GOTT mit denen Menſchen / welche alle Kinder GOtte koͤnnen benamſet werden / maſſen er alle erſchaffen / aber die Gottloſe ſeynd unehrliche Kinder / und gleichſamS 3Baſtar -142Judas hat etliche gute Werck gethan /Baſtarten: nun aber macht der aller hoͤchſte GOtt alle fromme Chriſten als liebſte Kinder zu Erben ſeines himmliſchen Reichs / denen Gottloſen aber gibt er andere Schanckungen / weil ſie kein Theil an dieſer Erbſchafft haben / und dieſe Schanckungen beſte - hen in einer zeitlichen Gluͤckſeeligkeit / daher kommts / daß meh - rern Theils die boͤſe und Laſterhaffte Leut in beſſerm Wolſtand leben / als die Fromme; daher kommts / daß Tuͤrcken und Hey - den in weit groͤſſern Reichthumen ſitzen / ein laͤngers und geſun - ders Leben daben / als die wahre / fromme / rechtglaubige Chri - ſten: Daher kommts / daß mancher Koͤnig und Monarch / der ſonſt eines unloͤblichen Wandels / mit viel Gluͤck / Seegen / Vi - ctori und Sieg von GOtt begnadet wird / weil nemlichen GOtt der HErꝛ ihme einige gute Werck mit zeitlicher Belohnung ver - gelten thut / zumalen er vorſicht / daß er die ewige nicht zuge - warten hat. Wann du alſo wahrnimmſt / daß je ſchlimmer der Menſch / je beſſer das Gluͤck / ſo habe mehrer ein Mitleiden mit ihme / als daß du ihne derenthalben ſolleſt benedeyen / zumalen er ein gar zergaͤnglichen Recompens hat; wann du aber beyne - bens erfahreſt / daß die Fromme mit einer und andern Truͤbſal und Trangſal beladen werden / ſo thue dich auch deſſenthalden nicht befrembden / maſſen kein Menſch ſo fromm / daß er nicht einige kleine Unvollkommenheiten an ſich hat / weſſenthalben ih - ne GOtt der HERR hier zeitlich ſtraffet / damit er ihme dort ewig verſchone.

Nichts umbſonſt.

Den Adam hat GOtt der HERR mit lauter Obſt und Kraͤutern tractirt / zumalen er ihm: und den Seinigen kein an - dere Speis verordnet. Wie aber nach dem Suͤndfluß der Noe dieſer gerechte Alt-Vatter GOtt dem HERRN ein Altar hat aufgericht / und ihme einige Opffer demuͤthigſt abgelegt / ſo wolte ihme der Allerhoͤchſte dieſen Dienſt gar nicht laſſen umſonſt ihun / ſondern er hat dem Noe alſobald voͤlligen Gewalt geben / daß er hinfuͤran nit allein Obſt und Kraͤuter fuͤr ſein taͤgliche Nahrung und Unterhaltung haben ſolte / ſondern ihme alles Fleiſch / allesFeder -143derenthalben er auch belohnt worden.Feder-Wildbraͤe / ſo gar auch alle Fiſch zur Speis erlaubt. AlſoGen. c. 9. bezeugt es ſelbſt die Goͤttliche Schrifft. Und alſo verdolmetſcht es der H. Chryſoſt. hom. 26.

Daß Herodes ein ſchlechte Sach theurer bezahlt / und umb einen Tantz eines uͤppigen Maͤgdels ein halbes Koͤnigreieh anerbotten / wundert mich ſo faſt nicht / weil er damals einen ſtarcken Dampff im Kopff gehabt / und vor den Wein nicht recht geweſt / was er thut; wann es endlich geſchehen waͤre / und die ſaubere Taͤntzerin die Helffte des anerbottenen Reichs haͤtte an - genommen / glaube ich wol / er haͤtte des andern Tags hinter den Ohren gekratzt; dann der Menſchen Freygebigkeit ſich ſo weit nicht einlaſt: aber GOtt laſt ihme nichts umbſonſt thun / ja umb ein Pferdt hat er gar ein Kaͤyſerthum geſpendirt / welches ſchon uͤber 400. Jahr florirt.

Rudolphus Grav von Habſpurg ritte eineſt von der Jagd nach Haus / und traffe einen Prieſter an / der mit dem hoͤchſten Gut bey ſehr unluſtigem Wetter / und ſchluͤpfferigem Weg zu einem Krancken eilte in das naͤchſt entlegene Dorff / da iſt er alſo - bald von dem Pferd herunter geſtiegen / und den Prieſter (nach - dem er das heiligſte Sacrament verehrt) mit dieſen Worten an - geredt: Es iſt nie recht / daß ich reite / und der Diener und Traͤger meines HErꝛn zu Fuß gehe. Gibt ihme / dem Prieſter hier auf das Pferd / ja ſchenckt ihme ſolches gaͤntzlich / und anbey ein Stuck Geld zu deſſen Unterhalt. Wie des andern Tags gedachter Grav Rudolph in dem Cloſter Farre / zwiſchen Zuͤrch und Baa - den gelegen / ein alt erlebte Cloſter-Frau / ſo ſeine Baas geweſen / heimgeſucht / hat ſolche ihne aus einem Prophetiſchen Geiſt mit dieſen Worten bewillkommt: ich verkuͤndige euch / daß euch wegen deſſen / was ihr geſtern gethan / GOtt und alle Heilige wol wol - len: und verſpreche euch vor eure Frommkeit und frey willigen GOttes-Dienſt / euch / ſage ich / und euren Nachkoͤmmlingen die hoͤchſte Ehr und Wuͤrde der Weſt / und groſſen Reich thumen. Guillimannus Habs. l. 6. c. 4. Der Ausgang dieſer Prophe -zeihung144Judas hat etliche gute Werck gethan /zeihung iſt bald darauf erfolgt / maſſen Rudolphus Roͤmiſcher Kaͤy - ſer worden / und den Anfang gemacht der unſterblichen Oeſterrei - chiſchen Glory. Umb ein Pferd ein Kaͤyſerthum geben / das heiſt ja nichts umbſonſt.

Nichts / gar nichts umbſonſt.

Zachæus ein Ertz-Partiten-Macher / ein Ober-Haupt der Wucherer / ein offner Suͤnder / einer / der den Stylum reich zu werden / vor allen gelernet (verſtehe ſtihl umb) hat weiters nichts Guts gethan in ſeinem gantzen Leben / als daß er den HERRN JESUM in ſein Haus hat willfaͤhrig aufgenommen / und ſel - ben nach Moͤglichkeit tractirt: Aber der guͤtige HERR und Hey - land wolte die Zech von Zachæo nicht umbſonſt haben / ſondern hat ihme ſolche uͤbermaͤſſig bezahlt / maſſen Er ihme ſammt dem gantzen Haus-Geſind zum wahren Glauben bekehrt / auch nach dem Hei - ligen Jacob der vierdte Biſchoff zu Jeruſalem worden / und wird von ihme als einem Heiligen den 23. Tag Auguſt-Monat in dem Roͤmiſchen Martyrologio Meldung gethan. Der Baum auf welchen er geſtiegen / damit er den Heyland wegen Menge des Volcks deſto bequemer kunte ſehen / ſoll noch auf heutigen Tag ſie - hen / wie es Mantegazza beſchreibet. GOtt laſt ihm halt gar nichts umbſonſt thun.

Die ſeelige Thereſia de la Cerda, pflegte die jenige Altar - Leinwath / worauf die allerheiligſte Hoſtien gelegt / und in ge - mein das Corporal genennt wird / mit ſonderm Fleiß zu waſchen; wann ſie nun dieſelben an der Sonne / oder ſonſt auf ein andere Weis trucknete / ſo wieche ſie niemal darvon / ſondern thaͤte auf das genaueſte verhuͤten / damit weder Fliegen noch Mucken daſſel - be moͤchten beſudlen. Soll dann dieſes auch belohnt werden von GOTT? Maſſen es gar ein geringe Arbeit iſt / eine halbe Ellen Leinwath zu waſchen. Nichts umbſonſt. Es erſchiene ihr der liebreichſte JESUS in Geſtalt eines kleinen holdſeeligſten Kinds / ſetzt ſich auf das Corporal, ja wicklet ſich endlich gantz darein. P. Joan. Mar. in Hiſtor. ad St. Domini. Das heiſtbelohnt /145derenthalben er auch belohnt worden.belohnt / das heiſt freylich belohnt. Ey! ſo will ich fuͤren GOtt allein dienen / ihme mit Franciſco Seraphico den Schweiß auf - opffern / Er belohnet einen derenthalben tauſend und tauſendmal / Er laſt ihme gar nichts umbſonſt thun. Aber die Welt pflegt mei - ſtens die ihr offt und lang Treu geleiſtete Dienſt mit des Teuffels Danck zu bezahlen.

Judas hat kein gute Meynung / ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel ge - ſchienen.

WJe unſer gebenedeyter Heyland zu Bethania in dem Haus Simonis Phariſæi zum Nachtmahl eingeladen worden / und auch Magdalena, dero Haus an des erſtgedach - ten Simonis / als ihres Vettern Hertz / gantz angebauet ware / dazumal ſich eingefunden / dem HERRN JEſu mit haͤuffigen Thraͤnen die Fuͤß gewaſchen / und mit ihren Haaren abgetruͤck - net / auch nachgehends mit ſehr koſtbahren Salben das Haupt JESU balſamirt / da hat uͤber ſolches der Jſcarioth gemurret / und auch die andere anweſende Apoſtlen gemurret / und alſo bey - de dem aͤuſſerlichen Schein nach unruͤhmlich gehandlet. Aber dero Meynung war ſehr weit von einander entfernet / dann Ju - das hat es wie ein Schelm und Dieb gemeint / in deme er ge - ſagt / und ſich verlauten laſſen / es waͤre weit beſſer geweſen / wann man die Salbe haͤtte umb das Geld verkaufft / und nachmals ſel - biges Geld unter die Armen ausgetheilet. Dem Schelmen ware aber weit anderſt umb das Hertz / er hat ſolches gar nicht aus Lieb zu den Armen geredt / ſondern ihme iſt nur wegen des diebiſchen Intereſſe geweſen / dann er haͤtte dißfalls bey ſolchem Geld den ge - woͤhnlichen Zehend genommen. Die andere Apoſtel aber / ob ſie einige unbeſonnene Wort haben ausgeſtoſſen / ſo meynen ſie es gar nicht uͤbel; dann ſie wuſten bereits die Demuth und groſſe Tu - gend ihres HErꝛn / als der gar nichts achtete dergleichen koſtbarePars IV. Tund146Judas hat keine gute Meynung /und theure Complementa, vermeinten alſo / es waͤre faſt Rathſa - mer geweſen / daß man an ſtatt dieſer Salben waͤre denen armen Leuthen beygeſprungen. Alſo legt es neben andern aus der Heilige Cyrillus lib. 8. in Joan. c. 7. O! wie viel gibt es Judas Bruͤder / denen die gute Meynung manglen thut. Petrus der Heil Pabſt hat ſich zu Anfang ger Kirchen ein Weil zu Joppen / unweit der Stadt Jeruſalem auſgehalten / und ſein Herberg genommen bey ei - nem Lederer oder Gerber / der auch Simon genannt war. Jch Jch will gar nicht zweifflen / dieſer gute ehrliche Mann habe auch mit Cordabon gehandelt / dann GOtt und allen ſeinen Heiligen nichts werther und lieber iſt / als Cordahon: Das Wort aber iſt Lateiniſch / und heiſt auf Teutſch / ein gutes Hertz / ein redliche Meynung / welches allein der Allerhoͤchſte ſucht bey denen Men - ſchen / wenig achtend das aͤuſſerliche Werck.

Das Faſten iſt bey GOTT dem HERRN ein ſehr ange - nehmes Werck / dann Elias durch das Faſten ſo viel verdient / daß er in einem Feurigen Wagen iſt in das irꝛdiſche Paradeiß ver - zuckt worden. Judith durch das Faſten ſo viel verdient / daß ſie dem Holofernem ſieghafft uͤberwunden / und folgſam die betrang - te Stadt Bethuliam in die gewuͤnſchte Sicherheit geſetzt hat. Ni - nive durch das Faſten ſo viel verdient / daß / in Anſehung deſſen der erzuͤrnte GOTT beſaͤnfftiget worden / und die angedrohete Straff barmhertzigſt zuruck gehalten. Franciſcus der Seraphi - ſche Patriarch hat auf dem Berg Alvernia durch das Faſten / welches er zu Ehren des Heiligen Ertz-Engels Michaels verricht / ſo viel verdient / daß ihme ein gecreutzigter Seraphim die ſuͤnff Wunden mahl des Heylands JESU CHRJSTJ eingedru - cket / worvon Franciſcus ein lebendiges Contrafet worden unſers gebenedeyten Heylands / und koͤnnen wir beſſer anjetzo ſagen / was vor dieſem voller Wunder / der hochmuͤthige Koͤnig Nebu - chodonoſor ſich hoͤren laſſen / als er in dem Feuerfllammenden Ofen zu Babylon hinein geſchaut / daß er nemlich nicht nur die drey Knaben / ſo durch ſeinen Befehl hinein geworffen worden /mit147ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.mit Augen geſehen / ſondern er thate darbey wahrnehmen / daß auch der Vierdte unter ihnen ſeye / und zwar als ſehe dieſer dem Sohn GOTTES gantz gleich: Video quartum ſimilem, &c. Viel fugſamer koͤnnen wir ſagen / wann wir die Bildnus des Hei - ligen Franciſci unter das Geſicht bringen / daß wir einen ſehen / der dem Sohn GOTTES JESU Chriſto an aͤuſſerlicher Ge - ſtalt gantz gleich und aͤhnlich ſeye. Dieſe groſſe Gnad der heilig - ſten Wundmahlen hat der Heilige Franciſcus zu wegen gebracht durch das Faſten. Es iſt GOTT dem Allmaͤchtigen nicht allein werth und angenehm / wann man ſich in ſtrenger Faſten uͤbet / ſon - dern wann man ſich auch mit ſchlechten und geringen Speiſen be - friediget; dahero hat er dem Daniel in der Loͤwen-Gruben nicht ge - ſchickt ein aufgeſetzte Paſteten / nicht geſchicht einen gebratenen Kaͤl - bern Schlegel / nicht geſchickt einen feiſten Jndianiſchen Haan / nicht geſchickt einen geſpickten Haaſen / nicht geſchickt eine gute Schuͤſſel voll Reb-Huͤnner / nicht geſchickt einen wohlgeſchmackten Auer-Haan / nicht geſchickt eine ſtattliche ſuͤſſe Dorten / das gar nicht / nicht geſchickt eine groſſe Schuͤſſel voll Auſtern / ꝛc. ſondern ein ſchlechtes Koch / welches der Habacuc vor die gemeine Schnit - ter auf dem Feld hat zugericht / ein ſchlechtes Koch / worinnen we - nig Saltz und Schmaltz zu finden war / dieſes hat GOTT dem Daniel geſchickt; Woraus dann ſattſam erhellet / daß GOTT dem HErrn angenehm ſeye / wann man mit geringen Speiſen die Natur unterhaltet.

O! was Glory und Gnaden wird ihme bey GOTT dem HERRN nicht ſammlen der Herꝛ Sigmund Slahzieg ein reicher Herꝛ zu Wien / deſſen faſt gantzes Leben ein immerwehrendes Fa - ſten war / ich kenne ihn ſchon viel Jahr / daß er nie gnug geeſſen: wann er ſechs oder ſieben rockene Nudel hatte / wormit man dieſer Orthen die Capauner ſchoppt / ſo haͤlt ers vor eine gute Mahl-zeit; Gewaͤſſerten Taffet hab ich wol nie unter ſeinen Kleidern geſehen / wol aber gewaͤſſerten Wein bey ſeiner Taffel; dann er alſo maͤſſig lebte / daß ihm auch ein Zeiſel kundte beſcheid thun / Linſen ſeyndT 2die148Judas har keingute Meynung /die ordinari Tracht auf ſeinem Tiſch / welche ſo ſchlecht zugericht / daß auch dem Eſau der Appetit vergieng. Der Heilige Alto hat in der gantzen Gegend / wo er ſeine Wohnung gehabt / die Alſtern verbanneſirt / aber dieſer Herꝛ kan gar kein einiges Gefluͤgelwerck leyden bey ſeiner Tafel. Von dem Heiligen Elphego Cantua - rien ſiſchen Ertz-Biſchoff wird geſchrieben / daß er ſich alſo durch die vielſaͤltige und ſtrenge Faſten habe ausgemerglet / daß man ih - me hat koͤnnen / wann er das hoͤchſte Gut in dem Meß-Amt auf - wandlet / voͤllig durch die Arm ſehen / wann die Sonn geſchienen. Dieſer Herꝛ Sigmund Slahzieg / umb weil er faſt nie gnug iſſet und trincket / hat ein ſo magern und ausgedorten Leib / daß man ihn durch ein Brenn-Glaß gar leicht kunte anzuͤnden. Jn Sum - ma / ſein Quadra iſt ein ſtete Quadrageſima. O! was groſſe und haͤuffige Glory wird er dann wegen ſo beharꝛligen Faſtens von dem Allmaͤchtigen GOTT zu gewarthen haben? Nicht ein Haar groß hat er eine Belohnung zu hoffen; Erfaſtet zwar / ja; er iſſet ſo viel als Nichts / ja; er kaſteyet ſich ſtarck / ja; aber das Hertz iſt inwendig weit anderſt beſchaffen; Er iſt nicht Cordebo - niſch; Er faſtet nur aus lauter Geitz / damit er das liebe Geld er - ſpahren kan / darumb heiſt er Sigmund Slahzieg / welches letzte Wortzuruck geleſen Geitz-Hals lautet / er iſt ein lauterer Judas - Bruder / der unter dem Schein der Maͤſſigkeit den unerſaͤttlichen Geitz verhuͤllet.

Denen Geiſtlichen / welche in freywilliger Evangeliſcher Ar - muth leben / einige Allmoſen und Huͤlff reichen / iſt ein ſehr groſ - ſes und verdienliches Werck in denen Goͤttlichen Augen; Gleich - wie es der Allmaͤchtige GOtt der frommen und guthertzigen Wit - tib zu Sarepta ſtattlich vergolten / als ſie den erſten Carmeliter E - liœ ein geringe Jauſen zugerichtet / alſo bezahlt GOtt hundertfaͤl - tig allhier auf Erden / und dort in jener Welt unendlich allen den jenigen / welche denen armen Religioſen / als rechten ihme gewid - meten Dienern etwas Guts thun.

Jn dem Lemovicenſiſchen Gebieth hat gar ein fromme Frau den Mindern Bruͤdern Sancti Franciſci viel Gutes gethan / undals149ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.als ſie auf ein Zeit ihnen allerley Nahrungs-Nothdurfften auf dem Marckt eingekaufft / und derenthalben etwas zu ſpath nach Haus kommen / da iſt der eyfferſichtige Mann alſo hart mit ihr verfah - ren / daß er ſie durch das gantze Haus dergeſtalten bey den Haa - ren gezogen / daß er ihr alle aus dem Kopff gerauffet / und die arme Haut einen voͤlligen Eliſæiſchen Glatz-Kopff bekommen / welches der Troͤpffin nicht einen geringen Schmertzen verurſacht / ſorderſt in Erwegung / daß ſie die voͤllige Zierde ihres Haupts / (auch fromme Weiber wollen halt auch ſchoͤn ſeyn) ſo ſchmaͤh - lich verlohren; Dahero die Mindere Ordens-Genoſſen S. Fran - ciſci, worunter dazumal der beruͤhmte Antonius Patavianus wa - re / demuͤthigſt erſucht / ſie wollen doch / in Anſehung ſo vieler ih - rem Cloſter geleiſten Gutthaten / GOtt den HErꝛn fuͤr ſie bit - ten / damit ſolcher ihr entbloͤſtes Haupt wiederumb moͤchte bede - cken. Sihe Wunder! GOtt wolte nicht unbelohnter laſſen dieAnn. Mi - nor. 2231 Gutthaten / ſo dieſe Frau denen Geiſtlichen gethan / ſondern hat alſobalden durch ein groſſes Wunderwerck gemacht / daß ihr alle Haar wiederumb auf dem Kopff geſtanden / und nicht das geringſte Haͤrl in Verlurſt gangen.

Von dem Sem, als einen Sohn des Patriarchen Noë wird von denen Dollmetſchern Goͤttlicher Schrifft regiſtrirt / was Ge - ſtalten derſelbe noch auf der Welt etlich hundert Jahr im groͤſten Gluͤckſtand habe gelebt; und als der Patriarch Abraham derent -Vega Dom. 6. poſt Pen. halben ihne befragt / wie er doch ſolches umb GOtt verdienet ha - be / gab er zur Antwort: Wie daß er in der Archen ſeines Vatters Noë alle Tag denen Thieren die Speiß ausgetheilt / damit ſie nicht vor Hunger verderben; in Anſehung deſſen habe ihn GOtt alſo ſtattlich auch auf der Welt begluͤcket.

Wann dann der Allerhoͤchſte Gott nicht unvergolten laſt das Futter / ſo man denen vernunfftloſen Thieren darreicht / wie wird Er erſt belohnen die Gutthaten / ſo ſeinet wegen denen Religioſen erwieſen werden? Es iſt ein Herꝛ / der heiſt Ferdinand Trof / gar ein uͤberaus guter Mann / der ſchickt / wo nicht alle Tag / wenigſt alleT 3Wochen150Judas hat keine gute Meynung /Wochen ein reiliches Allmoſen in ein gewiſſes Cloſter / die Geiſtliche heiſſen ihne ihren Bonifacium, der iſt ihr anderter Fundator und Stiffter / ihr beſter Curator und Procurator, was der Joſeph denen Egyptern geweſen / das iſt er dieſen Geiſtli - chen. Den Habacuc hat ein Engel bey dem Schopff genommen / und gleichſam mit Haaren darzu gezogen / daß er dem hungerigen Daniel das Koch gebracht / aber dieſer Herꝛ iſt ein freywilliger Gutthaͤter dieſer Religioſen. Der Raab hat dem Eliæ bey dem Bach Carith nur allezeit ein Stuͤcklein Fleiſch und ein Brod ge - bracht / aber dieſer Herꝛ ſchickte gantze Ochſen und Kaͤlber in das Cloſter / das gibt beſſer aus. O! was groſſe Verdienſten ſammlet ihme dieſer bey dem allerhoͤchſten GOTT! der auch verſprochen / daß Er einen Trunck-Waſſer nicht wolle unbelohnter laſſen; Die - ſer Herꝛ Ferdinand Trof wird ungezweiffelt bey dem Heiligen Mar - tino / der auch denen Armen zu Nutzen ſeinen Mantel zerſchnitten / in der ewigen Glory ſitzen. Das wol nicht / wegen ſo haͤuffigen Allmoſen kommt er nicht ein Spann hoͤcher in Himmel / und dar - umb / weil er nicht gut Cordeboniſch / weil ers nicht gut gemeint. Er heiſt Ferdinand Trof / dieſer Zunamm zu ruck heiſt Fort: Er wolt gern fortkommen / zu einem hoͤhern Ambt ſteigen / beſſer und weiter promovirt werden / und weil er weiß / daß einer oder der andere Geiſtliche viel bey Hof vermag / alſo bedient er ſie beſter maſſen / ſpart kein einige Unkoſten; wann das nicht waͤre / geden - cket er: Jch wolt den Pfaffen nicht umb einen Creutzer werth anhaͤn - gen. Der iſt ein ſauberer Judas-Bruder / der unterm Schein des Allmoſens und Freygebigkeit ſein Ambition und Ehrſucht verbir - get. GOTT dem HERRN iſt faſt kein Tugend angenehmer / als die Demuth / in welcher er ſich / nach dem Er die Menſchheit hat angenommen / je und allezeit geuͤbt / abſonderlich aber ware ſein einige Ergoͤtzlichkeit / wann Er bey gemeinen und gerinnen Stands-Perſonen ſich konte einfinden / wie Er dann gleich nach ſeiner Geburt nicht groſſe Fuͤrſten / nicht Adeliche Haͤuſer / nicht Hoch - und Wohlgeborne zu ſich beruffen laſſen / ſondern gemeineHirten151ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.Hirten auf den Feldern zu Bethlehem / deren nach Ausſag Rey - nandi vier geweſen / benamtlich Michael / Acheel / Cyriacus / und Stephanus / welche dazumal / weil unverſehens der Schnee zergangen / und die Erden Augenbluͤcklich die ſchoͤnſte Blumen her -S. Benav. de 5. Fe - ſtis de Puero Je - ſu. vor gebracht / auch die Baͤumer mit denen haͤuffigen Blaͤttern be - kleidet worden / beſagte Blumen und Blaͤtter denen Laͤmmlen umb den Hals gebunden / und ſelbe Fußfallender dem neugebornen Meſ - ſiæ geopffert.

CHriſto dem HERRN iſt in ſolcher Demuth nach gefolgt der wunderſchoͤne Printz Abſalon / ein Sohn des groſſen Monar - chen in Jſrael / maſſen ſolcher offtermals ſich unter die Haupt - Porten der Koͤniglichen Burg geſtellt / und nicht allein alle ankom - mendi Land-Saſſen / auch die Bauern und Tag-Wercker freund - lich bewillkommet / ſondern dieſelbe ſo gar auch gekuſt. Es kommt ein Bauer mit einem verwirꝛten gewiſpleten Bart zu der Burg: Guten Morgen / ſagt der junge Hertzog / mein lieber Bauer / ich merck dirs aus dem Geſicht an / daß es dir nicht allerſeits gut geht: Gelt du haſt ein Klag uͤber deinen Pfleger? Gnaͤdigſter Herꝛ / habt es juſt errathen; Ach daß ſeynd ſchlimme Geſellen / die ſagen alle - zeit: Die Bauern und Meel-Saͤck haben eine Natur / wann ſchon ein Meelſack ſcheint / als ſeye er laͤhr / ſo man aber mit Bruͤgel dar - an und darauf ſchlaͤgt / ſo ſtaubt er gleichwol / ꝛc. O mein Bauer! Jch wolte von Hertzen wuͤnſchen / es wurde dir hierinnfals geholf - fen / und gibt ihme hierauf einen Kuß. Es kommt ein anderer Jſ - raelitiſcher Bauer / den gruͤſt der Abſolon gar freundlich / fragt an bey / ob er nicht ein Klag einreiche? Ja / antwortet der Bauer: Jch klag uͤber die Soldaten / das Quartier iſt halt ein deibliſch Thier / jetzt erfahre ich es: Jch hab einen Soldaien im Haus / der mich ne - ben dem / daß ich ihne in allem befriedige / noch mit harten Strei - chen tractirt: Ein Solat und ein Soldat ſeynd faſt einander gleich im Namen und im Werck / ein Solat ſchmirbt das Maul / und ein Soldath ſchmirbt den Buckel. Ey! ey! ſagt der Hertzog Abſalon / das ſoll man auf keine Weiß geſtatten / GOTT gebs /daß152Judas hat kein gute Meynung /daß du armer Tropff eine Ausrichtung bekommeſt / und gibt ihme auch einen Kuß. Es kommt ein Handwercker nach Hoff / den empfangt der Printz Abſalon gantz freundlich: Willkomm / mein lieber Meiſter / was Neues? Nichts Neues / guͤtigſter Herꝛ / ant - wortet er / ſondern etwas Altes; Jch hab ein alte Schuld von dieſem und dieſem Edelmann zu prætendiren / und ich kan gar nicht zur Bezahlung kommen / ich bin meines Handwercks ein Schmid / beſchlage ihme ſeine Pferd ſchon etliche Jahr / wie ich Vorgeſtern das Geld begehrt vor das Beſchlagen / ſo ſchlagt er mich die Stie - gen hinunter / das iſt ja ein unbilliges Verfahren? Freylich / mein Meiſter / geſchicht euch hierinnenfalls ein groſſe Unbild / GOtt gebs / daß man euch von Hof und Gericht aus an die Hand gehe / und gibt ihme auch einen Kuß. Es kommt mehrmal einer mit ei - nem ſchrifftlichen Memorial, den gruͤſt der Abſalon gantz freundlich: Was iſt euer Anbringen / mein lieber Menſch? Gnaͤdigſter Herꝛ / antwortet dieſer / es geht mir gar nicht wohl / es geſchicht mir wie dem Eſel / der mit dem Wolff iſt vor Gericht geſtanden; weil der Wolff etlichen Laͤmmlen den Beltz abgezogen / und mit dem Fleiſch ſein Freß-Wampen gefuͤllt / iſt er loß und frey geſprochen worden / der Eſel aber / umb weil er einem Bauren ein Stroh aus dem Schuh gezogen / iſt zum Todt gefuͤhrt worden; Man thut halt die groſſe Dieb perdoniren / und die kleine ſtranguliren. Jch hab nur das und das gethan / da haben ſie mich aͤrger gerupfft / als der Geyer eine Henne. Jch hab ein hertzliches Mitleyden mit euch / ſagt der junge Hertzog / wuͤnſche auch / daß euch moͤchte der erlit - tene Schaden erſetzt werden / und gibt ihme hierauf auch einen Kuß. Und das hat der holdſeeligſte Printz allen und jeden gethan / wodurch er bey maͤnniglich / wegen ſolcher Demuth / alſo beliebt worden / daß ein jeder in gantz Jſrael ſein Leben haͤtte fuͤr ihn ge - laſſen. Eine ſolche Demuth wird auch ohne Zweiffel in den Au - gen GOttes einen groſſen Werth gefunden haben? Nicht ein Haar groß / nicht das geringſte Wolgefallen hat GOtt dem HErꝛn ein ſolche Demuth verurſacht / aus Urſach ber boͤſen Meynung; dannAbſalon153obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.Abſolom hat ſich derenthalben alſo gedemuͤthiget / damit er das Volck auf ſein Seiten bringe / und der Ehrgeitzige Geſell deſto leichter zu der Cron gelange / wie er dann ſolcher Geſtalten ein allgemeinen Aufſtand in dem gantzen Koͤnigreich erweckt hat. P. Deſiderius iſt etliche Jahr im Cloſter / verricht alle Obſervantz und Ordens-Satzungen / iſt neben ſeiner groſſen Scientz und Wiſ - ſenſchafft ſo demuͤthig / daß er mit dem aller geringſten Geiſtlichen gern umbgehet / es iſt ihme wol nichts / oder gar wenig auszuſtel - len: Jch glaube auch der Mann ſammle ihme einen groſſen Schatz im Himmel. Es geſchicht aber zuweilen / daß die Meinung weit anderſt im Hertzen / als das aͤuſſerliche Werck an ſich ſelbſt zeigt. Wann P. Deſiderius ſich derenthalben ſo wol haͤlt / ſich darumben ſo demuͤthiget / damit er einmal durch einhellige Stimm zu der Prælatur moͤge ſteigen und erhoben werden / wann er / P. Deſide - rius, deſidero deſiderat Prælaturam, und das Aſcende Superius bey dem Evangeliſten Luc. am 14. Cap. erwartet / ſo dann iſt all ſein Demuth nicht ein Heller werth / dieſe boͤſe Meinung ſtuͤrtzt das gantze Werck.

Das Predigen iſt gleichſam ein Goͤttliches Werck / und ver - dienen die Apoſtoliſche Maͤnner / ſo mit ſonderm Eifer dem Volck das Wort GOttes vorgetragen / ein groſſe Vergeltung und Cron im Himmel. Der rechte Schaͤcher Diſmas hat ſo unverhofft ein Lad-Schreiben bekommen von dem Heyland JESU / welcher ihme noch ſelben Tag das Paradeiß verſprochen / was muß der Menſch doch haben guts gethan? das iſt ſattſam bekannt / daß er ſein Lebenlang ein Ertz-Schelm und laſterhaffter Boͤswicht gewe - ſen / dort auf dem Creutz / auf welches er / als auf einem wolver - dienten Galgen gehenckt worden / hat er die Fuͤß nicht koͤnnen brau - chen zum Wallfahrten gehen / dort hat er die Haͤnd nicht frey ge - habt / wormit er etwan denen Krancken im Spittal haͤtte koͤnnen dienen / dort hat er weder Geld noch andere Mittel gehabt / die er unter die Arme haͤtte koͤnnen haustheilen / dort hat er nicht Zeit oder Gelegenheit gehabt den Leib mit harten Cilicien zu caſteyen;Pars IV. Vwas154Judas hat kein gute Meinungwas hat er dann vor ein gutes Werck geuͤbt / weſſenthalben ihne der Heyland unter die Auserwaͤhlte geſtellt hat? der Heilige Chry - ſoſtomus ſpricht: wie daß offtbenannter Diſmas kurtz vor ſeinem Todt habe einen Prediger abgeben / das Creutz / worauf er gehan - gen / an ſtatt der Cantzel gebraucht / ſeinem Mit-Cammeraden moͤglichſt zugeredt / daß er ſolle von ſeinen Gottlaͤſtern abſtehen / und gedencken / daß er alle dieſe Straffen rechtmaͤſſig verdienet ha - be / entgegen der HERR JESUS von Nazareth gantz un - ſchuldig dieſes leide / ꝛc. Dieſe kurtze Predig hat dem Erloͤſer ſo wol gefallen / daß er in Anſehen derſelben dem Diſmas das Him -Nomil. de Cruce & Latr. melreich verheiſſen. Aliorum utilitatem cogitabat, & Magiſter pendebat in cruce, & ſanis perſuaſionibus alium invitabat ad vitam.

Wann das Predigen nicht ein ſo herꝛliches Werck waͤre / ſo haͤtte Paulus / als er in dritten Himmel verzuckt worden / nicht mehr zuruck gekehrt; weil er aber vermerckt / daß ſein Predigen der Welt noch laͤnger vonnoͤthen / alſo hat er Himmel laſſen Himmel ſeyn / und wiederumb gantz ſchleunig auf den Erdboden herunter geſtiegen / damit er ferners das heilige Evangelium und die Lehr Chriſti moͤchte ausbreiten.

Der Heilige Joannes erzehlet / wie daß Petrus bald nach der glorreichen Urſtaͤnd Chriſti / nach ſeiner alten Gewonheit ſeye ſi - ſchen gangen / und mit ihme andere Juͤnger auch / aber nach aller angewendter Arbeit nicht ein Graͤtl gefangen / woruͤber der HErꝛ JESUS ihnen erſchienen / und befohlen / ſie ſollen das NetzJoan. 21. einmal in ſeinem Namen auswerffen / welch es ſie auch urbietig voll - zogen / und ein ſolche Menge der Fiſch gefangen / daß ſie gar das Netz nicht kunten erziehen / darauf ihnen der Heyland geſagt; bringet von den Fiſchen her / die ihr gefangen habt: Afferte, &c. Nicht allein die Apoſtel / ſondern alle Prediger ſeynd von GOTT beſtellte Seelen-Fiſcher / denen am juͤngſten Tag bey der Ver - ſammlung des geſammten Menſchlichen Geſchlechts der Goͤttli - che Richter ſagen wird zu ihrer hoͤchſten Glory: Afferte; Bringtvon155obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.von denen Fiſchen her / die ihr geſangen habt / da wird Petrus er - ſcheinen mit dem gantzen Juden-Land / welches er durch das Pre - digen zum wahren Glauben gezogen hat / da wird ſich Andreas ſtellen mit dem gantzen Land Achaja / welches er zum wahren Liecht gebracht hat; da wird Johannes mit gantz Aſien aufziehen / wel - ches durch ſein Lehr das Geſatz CHriſti angenommen; da wird Thomas mit den haͤuffigen Jndianern aufziehen / welche er mit Worten und Wercken bekehret hat / ꝛc. Da wird Antonius Paduanus erſcheinen mit einer unglaublichen Menge Volcks / die er alle mit ſeiner Apoſtoliſchen Lehr zur Seeligkeit gebracht hat / als der ſo eiffrig geprediget / daß ihme auch die Fiſch im Meer ha - ben zugehoͤrt: Da wird Bernardus Senenſis prangen mit unzahl - baren Seelen / die er alle durch ſein langwuͤriges Predigen auf den rechten Weeg gefuͤhret hat / da wird es ihme zu groͤſter Glory ge - reichen / daß er zuweilen in ſeinen Predigen auch etwas luſtiges ein - geſprengt / dardurch die Adams-Kinder beſſer zu fangen; wie dann von ihme geſchrieben wird: Cùm jucundus ſuâ ipsâ naturâ eſſet, quàm multa ſtudio etiam graviſſimis ſententiis ſuis jucundi -Contin. Bolland. in vita 20 May. tatis & facetiarum plena ſæpius intermiſcebat, ut faſtidioſos aliàs audientium animos talibus, quaſi dulcibus pabulis re - crearet, recreatòsque proinde ita etiam attentiores effice - ret, &c.

Da wird ein Vincentius Ferrerius ſich laſſen ſehen mit fuͤnff - und zwantzig tauſend Juden allein / die er durch ſein Apoſtoliſches Predigen in Spanien bekehrt; mit acht tauſend Mahumetaner / die er zum allein ſeeligmachenden Glauben gezogen / mit vier tau - ſend offenen Suͤndern und bekannten Laſters-Leuten / die er alle durch ſein Predigen zur Buß und Beſſerung gebracht: mit un - zahlbaren andern mehrern / die er mit dem Wort GOtt geſpeiſt: Da wird ein Xaverius aufziehen mit einer halben Welt und zeigen: daß er auch die Mohren habe koͤnnen weiß machen und waſchen: da wird ein Heiliger Joannes à St. Facundo aus unſerm Orden / ein Seeliger Sanctus à Cora aus unſerer Religion mit einer groſ -V 2ſen157[156]Judas hat keine gute Meinung /ſen Anzahl der Menſchen erſcheinen / die ſie alle durch ihre Predi - gen von dem ewigen Untergang erhalten / ja bißweilen ſo Wun - derwuͤrckend geweſt / daß ſie in Mitte des Platzregens geprediget / und doch niemand / obſchon unter dem freyen Himmel von einem Tropffen benetzet worden / ꝛc.

Dort wird man ſehen / daß nicht allein Moyſes aus einem harten Felſen ein Brunn-Quell erwecket hat / ſondern ſo viel Pre - diger mit ihrer eifrigſter Zungen gantze Thraͤnen-Baͤch geleckt aus den vorhero hartneckigen Suͤndern: dort wird an Tag kommen / daß nicht allein Ezechiel ein gantzes Feld voll Todten-Beiner mit wenig Worten zum Leben erwecket / ſondern auch die Prediger mit ihrer Apoſtoliſchen Stimm gantze Laͤnder vom ewigen Todt zum immerwaͤhrenden Leben gezogen. Dort wird ſich Sonnen klar weiſen / daß nicht allein der HERR JESUS zu Cana das Waſſer in Wein vewandlet / ſondern auch die Prediger mit ihrer beweglichen Wolredenheit manche Gottloſe Adams-Kinder in die froͤmmſte Diener GOttes verkehret. Ein Kertzen / damit ſie andern ein Liecht ſpendire / aufdaß ſie nicht in ein Gruben fal - len / verzehrt ſich ſelbſt / und verſchwend ihre eigene Kraͤfften; Ein Feil / damit ſie von dem Eiſen den ſchaͤdlichen Roſt abwetze / ſchwaͤcht ſich ſelbſt / und ſchadet ihrer eignen Weſenheit; ein Waſ - ſer / damit es andere reinige / und von ihnen allen Wuſt und Un - flat bringe / beſudlet ſich ſelbſt / und ſchlaͤgt ſein eigne Lauterkeit in die Schantz; ein Brucken / damit ſie andere uͤber den geſaͤhrli - chen Fluß verhelffe / verſchiffert ſich ſelbſt / und gehet nach und nach zu Grund. Alſo die Prediger / damit ſie mit dem Evangeliſchen Weibel den verlornen Groſchen finden / damit ſie mit dem guten Hirten das irrende Schaͤfel wieder zuruck bringen / damit ſie mit dem Joanne dem Vorlaͤuffer zur Buß und Pœnitentz ermahnen / verzehren ſich ſelbſt / ſchwaͤchen ihre eigne Kraͤfften / mindern ihre eigne Geſundheit durch ſtudiren und componiren / durch ſchrei - ben und ſchreyen / durch wachen und Schlaff brechen; weſſent - halben ſie als ſorgfuͤltige Seelen-Hirten / als unverdroſſene Ar -beiter157obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.beiter in dem Weingarten der Catholiſchen Kirchen / als embſige Mithelffer GOttes von dem Allerhoͤchſten abſonderlich werden be - lohnt werden.

Es iſt ein Prediger / der bereits viel Jahr mit hoͤchſtem Ruhm ein vornehme Cantzel verſicht / ſein Stimm iſt nicht viel un - gleich dem Poſaunen-Schall des Kriegs-Fuͤrſten Joſue / mit dem einigen Unterſchied / daß dieſer die Stadt Jericho eingenommen / jener aber alle Hertzen. Unter der Predig des Heil. Pauli hat einer geſchlaffen / und folgſam von oben herab ſich zu todt gefallen / denAct. 20. nachmals der Heilige Apoſtel wiederumb zum Leben erwecket. Aber unter dieſes Manns ſeinen Predigen wird hart einer ſchlaf - fen / nicht daß ers ſoll beſſer machen als Paulus / aber ſein Wolre - denheit hat ein ſo Magnetiſche Wuͤrckung / daß ſie alle Gemuͤ - ther an ſich ziehet. Wie der Heilige Ravennatiſche Biſchoff Ray - noldns bey dem Fluß Padum ein Predig gehalten / und die Froͤſch mit ihren verdruͤßlichen Quaͤkitzen ihme nicht wenig uͤberlaͤſtig wa - ren / da hat er ihnen alſobald befohlen / ſie ſolten das Maul halten / welches auch unver zuͤglich geſchehen. Jch muß bekennen / ſo langIn vit. ich noch dieſen Prediger / wie es dann bereits etliche Jahr ſeynd / zuhoͤre / habe ich niemalen wahrgenommen / daß einer ein Wort unter der Predig geredt / ſo aufmerckſam iſt das Volck / dann er ja ein Manier hat / daß er auch trutz dem Orpheo moͤcht die Stein hupffend machen. Die Traͤidt-Saͤck / wormit des Patriarchen Jacobs Soͤhn in Egypten-Land gereiſt / und von Joſeph ſeynd angefuͤllt worden / die haben ſehr viel gefaſt / aber die Gedaͤchtnuß dieſes Predigers faſſet weit mehrer: aber wie ich hoͤre / ſo iſt er ſehr embſig und unverdroſſen im ſtudiren. Unſer HERR JEſus hat von Petro und andern ſeinen Cammeraden verlangt / ſie ſol - len nur ein Stund waͤchen / dieſer Mann aber ſchlaͤfft offt ein halbe Nacht nicht / er ſtrappezirt die Buͤcher aͤrger / als der Prophet Baalam ſein Eſelin. Es thut ihme offt vor lauter ſtudiren der Kopff faſt ſo wehe / wie dem Abimelech / da ihme ein keckes Weid ein Trumm von einem Muͤhl-Stein auf den Schedel ge -U 3worf -158Judas hat keine gute Meinung /worffen: des Loth ſein Weib iſt in ein Saltz-Saͤulen verkehret worden / umb weil ſie die ſuͤndige Stadt angeſchaut / ich muß es ſagen und bekennen / daß die ſtattliche Concept, ſo dieſer Mann mit groſſem Fleiß zuſammen fuͤgt / ſatiſam an Tag geben / daß ih - me an Saltz und hohem Verſtand nichts mangle. O! was groſ - ſe Belohnung wird er zu ſeiner Zeit von dem Allerhoͤchſten zugewar - ten haben; Zweiffels ohne wird er in der ewigen Glory auf der Do - ctors-Banck im Himmel ſitzen / er wird nicht ein geringere Cron haben / als der Heilige Remigius, der in Franckreich geprediget / als der Heilige Bonifacius, der in Teutſchland geprediget / als der Heilige Auguſtinus, der in Engelland geprediget / als der Heili - ge Adalbertus, der in Pohlen und Moſcau geprediget / ꝛc. Wann er allen Fleiß und Arbeit hat angewendt pur und allein wegen Got - tes Ehr / und des Naͤchſten Heyl / ſo bleibt ihme derenthalben die ewige Belohnung nicht aus. Wann er aber geſucht hat auf La - teiniſch / was der Bettler auf Teutſch im Wammes findt / wann er darumb ſo embſig geſtudiert / damit er bey Maͤnniglichen ein groſſes Lob erhaſche / und man aller Orten von ihme rede / und mit Fingern auf ihne deute / wann er mehrer auf das Preiſſiſch Leder gangen / als auf gut Cordebon, ſo gib ich ihm ſo viel umb ſein Belohnung / als Petrus mit dem fiſchen durch die gantze Nacht gefangen: Nihil. So iſt dann die boͤſe Meinung ein ſol - cher Schaur / der alles gute Gewaͤchs zu Grund richtet / die boͤ - ſe Meinung iſt ein ſolcher Donner-Keyl / der alle fruchtbare Baͤu - mer zerquetſchet / und in Aſche leget / die boͤſe Meinung iſt ein ſol - cher Wurm / der auch die gruͤne Kuͤrbes-Blaͤtter Jonœ unver - hofft abnagt.

Streiten wider die unglaubige und abgeſagte Erb-Feind der Catholiſchen Kirchen / Haſſer und Widerſacher der Ehr und Lehr Chriſti / iſt ein ſonderes wolgefaͤlliges Werck; Jch glaub auch / daß der HErꝛ und Heyland dem Petro haͤtte keinen Ver - weiß geben / auch ihme den entbloͤſten Saͤbel ins Leder zu ſtecken nicht befohlen / als er ihne ſo Heldenmuͤthig wolte ſchuͤtzen / indemer159obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.er den Malchum zwiſchen die Ohten gehaut / ich glaube der HERR haͤtte ſolchen Eifer und Guraſchy vielmehr gelobt / und hervor geſtriechen / wann Petrus kein Geiſtlicher waͤre geweſen / deme weit beſſer anſtaͤndig das Brevier / als das Rapier. Hoͤchſt - loͤblich iſt es / wann man Chriſti-Namen und Glory auch mit dem Degen in der Hand wider die Feind der Kirchen tapffer und Hel - denmuͤthig verfeehtet. Carolus Magnus der Welt-beruͤhmte Kaͤy - ſer hat dreyſſig gantzer Jahr ein ſcharpffen Krieg gefuͤhrt wider die Sachſen / ſo dazumal im blinden Jrꝛthum lebten / und die Goͤ - tzen angebetet / er hat auch bey Herresburg Miraculoſer Weis den Sieg wider dieſelben erhalten / als er den abgoͤttiſchen Tempel Her - menſaul genannt / zu Boden geſchleiffet / und an ſtatt deſſen dem wahren GOtt einen Tempel aufgericht.

So iſt auch nicht weniger bekannt jener tapffere Soldat inRegino lib. 2. Spanien / der aus Eifer der Chriſtlichen Religion wider die Moh - ren geſtritten; dieſer ware ſonſt ein Teutſcher / und von der Stadt Bonn unweit Coͤlln gebuͤrtig / mit Namen Henrich / wel - cher aus heiliger Meinung als ein gemeiner Soldat in Belaͤgerung der Stadt Olisspon wider die unglaubige Mohren unter der Spa - niſchen Armee gedient / auch in waͤhrender Belagerung daſelbſt das Leben verlohren / nicht aber das ewige / ſondern GOTT wolte ſcheinbarlich zeigen / wie werth und wolgefaͤllig ihme ſeye ge - weſen das fechten dieſes Soldaten / maſſen bey ſeinem Grab die Stumme und Taute ihre gewuͤnſchte Geſundheit erhalten; ſo gar iſt aus ſeinem Grab wunderbarlicher Weis ein Palmbaum auf - gewachſen / deſſen Zweigel und Blaͤtter ein Mittel vor alle Kranck - heiten worden. Niernberg. Theopol. p. 2. l. 1. c. 2. Es ſtreicht auch mit ſonderm Lob hervor der Heilige Paulus alle tapffere Hel -ad Hebr. c. 11. den des alten Teſtaments / wie da waren Gedeon / Parac / Sam - ſon / Jephte / David / ꝛc. umb weilen ſelbe ſoritterlich geſtritten wider die Philiſteer / Ammoniter / Changeer / Madianiter / ꝛc. und andere Feind der Goͤttlichen Geſatz.

Solcher160Judas hat kein gute Meinung /

Solcher Geſtalten werden auch viel / die in dieſem langwuͤri - gen Krieg wider den Chriſtlichen Erb-Feind hertzhafft geſtritten / und ihr einiges Leben / ſo des Menſchen meiſter Schatz auf Erden / gantz unerſchrocken in die Schantz geſchlagen / viel aus dieſen in Anſehung ſo ritterlichen Thaten / werden ungezweiff let bey GOtt ein groſſe Glory beſitzen / ja viel / das iſt wol zu vermuthen / aber auch viel nicht. Es iſt einer geweſt mit Namen Martialis Neman / ein Officier von unglaublicher Couragy. Was Da - vid gethan bey der Veſtung Sion / das hat dieſer zeigt bey Ofen / was Joab gethan bey der Belagerung Jebuſa, das hat dieſer gethan bey Belagerung Erlau / was Jonathas gethan wider die Phili - ſteer / das hat dieſer gethan wider die Tartern / was Joſue gethan bey der Stadt Haſor, das hat dieſer gethan bey Selanchement, man ſahe nichts als Wunder und Wunden an ihme / er hat alle - zeit gefochten wie ein Loͤw / er hat geſtritten / wie ein Held / er hat gekaͤmpffet wie ein Ritterlicher Soldat / jetzt wird er derentwegen Lohn und Cron im Himmel haben / jetzt wird er deſſenthalben ſeyn in der Geſellſchafft den heiligen Machabæeren / die auch behertzte Helden ſeyn geweſen / jetzt wird er nicht weit in der Glory ſchwe - ben von dem Heiligen Soldaten Sebaſtian / ꝛc. Nichts derglei - chen / mein Leſer! Sein gantze Belohnung traͤgt nicht ein Ouin - tel ſchwer. Er iſt nicht in das Feld gezogen wider den Tuͤrcken / als wolle er den Glauben Chriſti verfechten / und ſeine Feind ver - tilgen und ausrotten / ſondern damit er ihme einen Namen mache bey der Welt / dahero heiſt er Martialis Neman / welches Wort zuruck geleſen; Namen lautet / er hat darumb ſo ritterlich gefoch - ten / damit man aller Orten von ihme rede / damit er ein Fuß ſetze zu hoͤhern Dignitaͤten und Wuͤrden / und alſo eine Belohnung bey der Welt verdiene / nicht aber bey GOtt. Das macht alles die uͤble Meinung.

Wallfahrten gehen / iſt GOtt dem HErꝛn und allen ſeinen Heiligen ein ſehr wolgefaͤlliges Merck / und iſt nicht ein neue Pa - piſtiſche Invention / wie unſere Glaubens-Widerſacher ausge -ben /161obſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.ben / ſondern ein loͤblicher Brauch / ſo ſchon vor der Gloreichen Auffahrth Chriſti her ſeinen Urſprung genommen. Es iſt zwar allenthalben gut beten; Dann ſo gar das Gebet des gedultigen Jobs auf dem Miſthauffen eines guten Geruchs geweſen. Gleich - wol aber hat der Allerhoͤchſte GOtt ihme und ſeinen Heiligen et - liche Orth ſonderlich erkieſen / allwo Er forder iſt denen beduͤrfftigen Adams-Kindern ſeine Gnaden zu ſpendiren entſchloſſen. Das haben neben unzahlbaren andern wol gewuſt der Heilige Godri - cus, der Heilige Babo, der Heilige Guthlacus, der Heilige Ge - reus, der Heilige Effrendus, der Heilige Geraldus, der Heilige Albertus, der Heilige Peregrinus, der Heilige Richardus, Koͤ - nig in Engeland / der Heilige Canutus Koͤnig in Dennemarck / der Heilige Wılıbaldus, nachmals Biſchoff zu Aychſtett / der Heili - ge Rochus, der Heilige Nicolaus, &c. Deßgleichen aus dem Weiblichen Geſchlecht die Heilige Kayſerin Helena, die Heilige Eudoxia, die Heilige Melania, der Heilige Paula, die Heilige Brigitta, die Heilige Hildegundis, die Heilige Wiborada, die Piſaniſche Jungfrau Bona, &c. Deren etliche nach Jeruſalem / etliche nacher Rom / etliche anderwerts hin an Heilige Oerther Wallfahrten gangen / auch mit bloſſen Fuͤſſen / auch in Cilicien und haͤrinen Kleidern / und hat es GOtt mehrmahls mit Wun - derwercken beſtaͤttiget / wie wohlgefaͤllig ihme das Kirchfahrten ge - hen. Gefallen hat es denen Goͤttlichen Augen / wie der groſſe Welt-Monarch Carolus, der maͤchtigſte Kayſer mit einem Pil - grams-Maͤntelein und ſchlechten Stab nacher Rom Wallfahr -Brun. in Excnb. ten gangen. Gefallen hat es dem Allerhoͤchſten / wie Hertzog Al - brecht aus Sachſen Anno 1476. (dazumal regierte der Doctor Lautter / und nicht todte Luther) mit noch zwey Fuͤrſten und an - deren Edel-Leuthen nacher Jeruſalem Wallfahrten gangen. Ge - fallen hat es dem gantzen Himmel / wie Hertzog Willhelm ausBeyrlin. de Pereg. Bayern mehrmal in ſchlechten und gemeinen Aufzug ſammt ſeiner frommen Frauen Gemahlin Wallfahrten zu Fuß gangen / von ih - rer Reſidentz-Stadt Muͤnchen aus biß nacher Alten-Oetting. Pars IV. XGe -162Judas hat kein gute Meynung /Gefallen hat es dem Allmaͤchtigen GOtt / wie mehrmal Leopol - dus annoch gluͤcklich regierender Roͤmiſcher Kayſer / die andaͤchti - ge Wahlfahrt verrichtet hat zu Maria Zell in Steyermarckt / allwo noch das haͤuffige Silber / Gold und Edel-Geſtein ſo wohl den Oe - ſterreichiſchen Eiſſer / als dero Bodenloſe Freygedigkeit an Tag geben. Wann das Wallfahrten nicht ein Heiliges und hellſames Werck waͤre / ſo haͤtte jener Bauer nicht augenblicklich den Fuß verlohren / welcher annoch zu Freyſing in Bayern in der groſſen Thumb-Kirchen daſelbſt gezeigt wird / umb weil er mit der Pro - ceſſion nicht wolte Wallfarthen gehen naher Freyſing / ſondern ſich ſchimpfflich verlauten laſſen / er wolte ihme nicht ein Fuß zu Freyſing wuͤnſchen / woruͤber augenblicklich der Fuß vom Leib ſich zertheilt / und von einem Hund dahin getragen worden.

Wann das Wallfahrten nicht ein rechtes und an ſich ſelbſten ein loͤbliches Werck waͤre / ſo haͤtten jene zwey Capucciner | ſolche groſſe Gnad nicht gehabt / von den da ſchreibet Lyræus in Triſag. Mari. l. 7. Als auf ein Zeit zwey fromme Religioſen, aus ge - dachtem Orden mit Erlaubtnuß ihrer Otern nach Maria Loreto in Jtalien / Wallfahrten gangen / weil ſie aber von der Nacht uͤber - fallen worden / und ſie bereits in einem groſſen Wald und dicken Gehoͤltz befunden / alſo haben ſie ſich entſchloſſen / ihre Herberg und Ligerſtatt unter einem Baum zu nehmen: Da aber ein unver - hofftes Ungewitter entſtanden / und ein haͤuffiger Platzregen gefal - len / muſten ſie noth halber ein Dach ſuchen / worunter ſie der Un - geſtaͤmme des Himmels moͤchten entgehen / wie ſie dann in Mitte des Walds bald ein ſehr ſchoͤne und herꝛliche Behauſung angetrof - fen / allwo ſie nicht allein von der Haus-Frauen freundlich empfan - gen / ſondern anbey gar wohl / und mit groͤſter Lieb tractirt worden; Da nun in aller Fruͤhe die gute Religioſen ferners ihre Reiß wolten fortſetzen / und ſich der groſſen empfangenen Gutthaten halber be - danckten / da gab ihnen die Frau einen Brieff / welcher in ein anders Papier eingewicklet war / daß ſie denſelben wolten zu Loreto an ge - hoͤriges Orth uͤberliefferen. Wie nun die zwey Geiſtliche etliche Schritt von dem Haus geweſen / da wolten ſie ſehen / wohin undan163ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.an wem dann der Brieff ſolle uͤberantwortet werden / finden aber keine Uberſchrifft / deßgleichen auch ohne Jnſigel / glaubten alſo / die gute Frau habe ſolches wegen Eilfertigkeit ihrer Reiß vergeſſen / kehrten demnach ſchleinig wieder umb / der Frauen / als einer ſo groſ - ſen Gutthaͤterin dieſes anzudeuten; Es kunten aber zwey Capucci - ner das Haus / welches ſie nur etliche Schritt nach ihnen gelaſſen / auf keine einige Weiß mehr finden / und da ſie die benachtbarte Oer - ther ſolches Hauſes halber befragt / wuſte niemand aus allen umbli - genden Dorffſchafften / daß einmal ein Haus waͤre in dem Wald geſtanden. Jndem ſie endlich den Brieff eroͤffnet und geleſen / ſo ware dieſer Jnnhalt. Ehrwuͤrdiger Pater, ich hab mit ſonderem Wohlgefallen dein Lieb und Andacht er - kennt zu meinem Lauretaniſchen Haus / und weil dir iſt abgangen das jenige / was zu Erhaltung des Menſchlichen Lebens noͤthig iſt / als habe ich dich nicht wollen verlaſſen / und werde auch niemal dir meine Huͤlff weigern / wo es die Zeit und Noth er - fordert. Maria Jungfrau.

Aus welchem die vor Freuden faſt zerfloffene Religioſen ſatt - ſam kundten abnehmen / daß ihnen die Mutter GOttes ſelbſt ſol - che Gutthaten erwieſen / in Anſehung ihrer vorgehabten Wall - ſahrt. Der Pater hat ſolches erſt in ſeinem Tod-Bettel geoffenba - ret / den Brieff dem P. Provincial Venetianiſcher Provintz einge - haͤndiget / dieſer aber denſelben der Fuͤrſtin von Camerino als groͤ - ſten Gutthaͤterinn ihres Ordens verehret / Krafft deſſen bereits viel Wunderwerck ſich zugetragen.

So iſt dann das Wallfahrten nicht allein ruͤhmlich / ſondern auch hoͤchſt nutzlich und verdienſtlich / beforderſt wann man alle Ungelegenheiten / die auf der Reiß nie abgehen / mit Gedult uͤber - tragt / alles gern wegen GOtt und ſeiner Heiligen leidet / und die Zeit mit eifferigen Gebet / und wohl auch zu weilen mit GeiſtlichemX 2Ge -164Judas hat kein gute Meynung /Geſpraͤch anwendet / wie es gethan die Heilige Brigitta Koͤnigin in Schweden / welche mit groſſer Caſteyung ihres Leibs ſammt ih - rer Tochter Catharina / nacher Jeruſalem / nacher Rom / ja na - her Compoſtell / ein harte / groſſe / lange Wallfahrt verricht / und ihre Verdienſte bey dem Allmaͤchtigen GOtt hierdurch abſonder - lich vermehrt und vergroͤſſert.

Thereſia / ein lediges Menſch ſtehet alle Jahr aus ihrem Dienſt aus / damit ſie nur mit der Proceſſion koͤnne gehen nacher N. ſo ein ſehr beruͤhmte Wahlfarth / ſechs Tag bringt man gar wohl zu auf dieſer Reiß / hohe Berg und tieffe Thal / die hat man ſtets vor Augen / und muͤſſen die Fuͤß auf Muſicaliſche Arth immerzu auf und abſteigen / worbey faſt auch die mehriſte Suſpiria ſich einfinden. Die Thereſia gehet gleichwohl muthig zu Fuß / und ſteigt gantz munter die hohen Berg und Felſen hin - auf / jedoch nicht ohne haͤuffigen Schweiß / ſo ihr das Jungfraͤuli - che Angeſicht wie ein edler Fuͤrneiß beglantzet / Zweiffels ohne ſam - len die unſichtbare Engel das mindeſte Troͤpfflein dieſes Schweiß zuſammen / und werden es am Juͤngſten Tag in einer gantz gulde - nen Schalen oͤffentlich zeigen. Wann zuweilen ein Regen-Wet - ter einfaͤllt / und die von Bergen abgeſchoſſene Waſſer den gang - baren Gehſteig uͤberſchwemmen / da gibt die Thereſia ein Barfuͤſ - ſerin ab / verletzt aber mehrmalen die unſchuldige Fuͤß an den un - hoͤfflichen Stein-Schropffen / daß ihr das Blut die weiſſe Fuͤß ver - maͤrmlet / und ſchier ſcheinet / als haͤtte ſie muͤſſen durch einen E - gyptiſchen Bach waden / dazumal / wie alle Gewaͤſſer unter dem Pharaone in Blut verwandelt worden. Wer ſolt es nicht glau - ben / daß der geringſte Tropffen Blut / den ſie auf waͤhrender die - ſer Reiß vergieſt / in denen Augen GOttes nicht ſollen koſtbar ſeyn / als der allerbeſte Rubin? Weilen die Menge des Volcks nicht kan mit Bether verſehen werden / alſo beginnet ſich die There - ſel mit einem ſchlechten Stroh / ſo etwan ſchon einmal den Roſſen und Kuͤhen im Stall fuͤr ein Unter-Beth gedlent hat. Die Ra - chel hat unter dem Stroh die guldene Goͤtzen-Bilder des Labans ver -borgen165ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.borgen gehabt / da find man zuweilen was anders / ꝛc. Alles die - ſes leidet die Thereſel mit freudigem Muth / es wird aber ſchon einmal an Tag kommen / ob ſie nicht mehrer Verdienſt hierdurch bekommen / als ein ſtrenger Ordens-Mann / der Regel halber mit dem Stro-Sack muß verlieb nehmen. Bekanndt iſt jene Ge - ſchicht / das ein Engel alle Schritt gezehlet / die ein Eremit von ſeiner Clauſen zu einem Bruͤnnlen gethan / und ſolche Gedult dem HERRN aufgeopffert. Wird es alſo niemand widerreden / daß nicht dieſe Jungfrau ſolcher barten Wallfahrt halber und langen Wegs bey GOTT dem HERRN ein groſſe Summa der Ver - dienſten / bey der Mutter GOttes ein Menge der Gnaden werde geſammlet haben. So viel als nichts / gar nichts hat ſie von ei - nem Recompens zu gewarten vom Himmel / wanu ihre Ver - dienſten in Haberkernlein verwandelt wurden / ſo haͤtte ein junger Spatz nicht einmal ein Collation davon / die Urſach iſt / weil ſie nicht Cordeboniſch / ſie hat die Wallfarth nicht aus guter Mey - nung verricht / das Ziel und Ende ihrer Kirchen-Farth ware / damit ſie mit der lieben Geſellſchafft ihr Hertz moͤchte in etwas kuͤh - len. Zu Haus hat die Frau bald mehrer Augen als ein Cloſter - Suppen; Jch moͤchte hundert Jahr bey ihr ſeyn / ich kundt nicht einmahl mit einen jungen Geſellen reden / aber bey ſolcher Kirchen - Fahrt wird man bekandt / und haben ſchon mehrer Menſchen auf der Kirch-Fahrt das Gluͤck gehabt / daß ſie eine Heyrath bekom - men / koſt es mich doch nicht viel / des Loͤbzelters Baͤberl wird auch alle Jahr Zaͤhrung frey gehalten von dieſem und dieſem / ꝛc. Eine ſolche verwechslete Intention und Meynung ſchaͤndet das gantze Werck / macht fruchtloß die voͤllige Wallfarth / und da an - dere Kirchfaͤhrter von GOtt einen Lohn / da hat ſie einen Hohn zu gewarten. Petrus hat den HERRN und Heyland oͤffentlich genennet einen Sohn des lebendigen GOttes / und iſt wegen ſol - cher Bekanntnus von CHriſto ſehr beruͤhmt worden / die Teuffel haben deßgleichen aus einer beſeſſenen Perſon geſchryen / und den HERRN vor GOTTES Sohn ausgeruffen / und dannochX 3deren -166Judas hat kein gute Meynung /derenthalben nicht gelobt worden / ſondern der HErꝛ hat ihnen noch ernſthafft befohlen / ſie ſollen das Maul halten. Warumb aber dieſes? Petrus und die Teuffel haben gut geredt / haben gleich geredt / aber nicht gleich gemeint; dann Petrus hat es von gantzen Hertzen gemeint / die boͤſen Geiſter aber das Widerſpiel. Und GOtt erwoͤgt nur / was gut und recht Cordeboniſch.

Ceſarius verzeichnet ein wunderbarliche Geſchicht. Der boͤſe Feind nimmt auf ein Zeit an ſich die Geſtalt eines ſehr wackern Juͤnglings / und meldet ſich an bey einem vorhin geweſten Kriegs - Officier / ſo dazumal ein kleines Gut auf dem Land beſeſſen / bey demſelben in Dienſt zu tretten. Des Juͤnglings gute Geſtalt und wohlgeſchaffene Geberden haben gleich ein Wohlgefallen verur - ſachet / daß er vor allen andern iſt an - und aufgenommen worden / und ſich nachgehends ſo treu und embſig verhalten / daß mehr - mal der Herꝛ ſich verlauten laſſen / als habe er bißhero dergleichen guten und anſtaͤndigen Dienſtbotten nicht gehabt. Nach etlichen Jahren hat ſich zugetragen / daß der Herꝛ von ſeinen abgeſagten Feinden der geſtalten verfolget worden / daß er auch muſte ſich mit der Flucht ſalvirn; Well aber ein groſſer Waſſer-Strohm ihme die fernere Flucht eingeſtellt / zugleich aber der nach ſtellende Feind ihme auf den Rucken nahete / alſo wuſte er nicht / wie er dieſer aͤuſſerſten Lebens-Gefahr kundte entrinnen. Der Diener aber hatte ſich alſo bald urbietig erzeigt / den Herꝛn ohne Schaden durch das Waſſer zu ſalviren / ſo auch geſchehen / und der nach - kommende Feind ſich nicht ohne hoͤchſte Verwunderung beſtan - den / daß er natuͤrlich der Tieffe des Waſſers nicht ſeye entrunnen / ſondern der lebendige Teuffel muͤſſe ihme hinuͤber geholffen haben / welches auch alſo ware / jedoch ohne ſeinen Wiſſen und Willen. Ein geraume Zeit hernach erkrancket auch toͤdtlich dieſes Herꝛn Gemahlin dergeſtalten / daß ihres Aufkommens die wenigſte Hof - nung nicht geweſen / biß endlich mehrbeſagter Diener eingera - then / daß dieſem gefaͤhrlichen Zuſtand zu wenden kein gewiſſers und bewerthers Mittel ſeye / als ein friſche Milch von einer Loͤ -win /167ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.win / und die getraue er ihme in einer halben Stund zu wegen bringen / welches Verſprechen auch der Ausgang beſtaͤttiget. Es muſte aber Wunder halber der Herꝛ fragen / wo er doch in ſo kur - tzer Zeit die Milch abgeholt? Deme der Diener geantwortet: daß er ſelbige aus dem etlich hundert Teutſche Meilen entlegenen Ara - bien habe bekommen / allwo er ein Loͤwin bey ihren Jungen in ei - ner finſtern Hoͤſten gemolcken / und folgſam ſchleunig den Zuruck - Weg wieder genommen.

Aus deme kundte der Herꝛ unſchwer vermuthen und abneh - men / daß ſolches nicht koͤndte natuͤrlich ſeyn. Wer er dann ſeye? Jch / ſagte der Diener / bin ein Teuffel / und einer aus denen jeni - gen / ſo mit dem Lucifer aus dem hohen Himmels-Thron verſtoſ - ſen worden. Wann dem alſo / verſetzt hinwieder der Patron, wie kommt es dann / daß du mir mit ſolcher Treu ein ſo langwuͤrige Zeit gedienet haſt? Darumb war die Antwort / weil ich mein Auffenthalt gern bey denen Menſchen habe. Worauf der Herꝛ ihme den Dienſt aufgeſagt / jedoch mit freywilligem Anerbieten / er ſolle was begehren / wegen ſeiner bißhero ſo lang und treu gelei - ſten Dienſts / welches er auch danckbarlich angenommen / und fuͤr alle ſeine bißhero erzeigte Gutthaten nichts anders verlangt / als et - liche Gulden / umb welche man ein Gloͤckel koͤnne kauffen / fuͤr die nechſt entlegene Kirchen auf dem Feld / damit die arme benach bar - te Leuth wiſſen / wann allemal der Heilige GOttes-Dienſt an - fange. Der Teuffel iſt halben Theil heilig geweſen. Der Kerl / ob er ſchon unter die Hoͤlliſche Larven gehoͤrig / verdient ein Lob - Predig. Ein Gloͤckel zu ſtifften / wodurch die Leut zum GOt - tes-Dienſt und Predig beruffen werden / iſt kein geringer Eyffer; Dieſer Teuffel kan von Rechts wegen kein boͤſer Feind benambſet werden / umb weiln er ein ſo gutes Werck uͤbet. Der Teuffel wird hoffentlich in der Hoͤllen keinen Platz haben / maſſen er fromm / tu - gendſam und hoͤchſtens befliſſen der Ehre GOttes. Dieſem Teuf - ſel muß man an ſtatt der Hoͤrner einen Schein auf den Kopff〈…〉〈…〉 ellen. Nur das nicht / nichts weniger als dieſes / der Teuffel iſtein168Judas hat keine gute Meynung /ein Schelm / niemal recht Cordeboniſch noch redlich. Dem aͤuſ - ſerlichen Schein nach kan man ſugſam dieſes Werck nicht ſchimpf - fen oder verwerffen / aber ſeine Meynung iſt weit anderſt. Dieſe arme Kirchen und Gotteshaus hatte wegen Mangel des Gelds kein Glocken / darumb die Leut / weil ſie nicht gewuſt / wann der Got - tes-Dienſt anfange / meiſtentheils ein halbe Stund ehender kom - men / und unter deſſen ihr Gebet verricht / biß die Heilige Meß ih - ren Anfang genommen; dem Teuffel hat das lange Gebet des from - men Baurn-Volcks nicht wenig Verdruß gemacht / gedachte demnach eine Glocken zu ſtifften / der gaͤntzlichen Verſicherung / es werde nachmals kein Bauer die Kirchen drucken / biß man das an - dermal oder gar zuſammen leutet.

Die drey Weiſe Koͤnig aus Orient, nemlich aus Arabia / als benanntlich Melchior ſechszig Jahr alt / Balthaſar viertzig und Caſpar zwantzig ſeynd durch Begleitung eines ſtrahlenden Sterns in die vierzehen hundert Welſche Meil biß nacher Beth - lehem gereiſt / daſſelbſt den neugebornen Meſſiam und Heyland angebetet / und ihne mit unterſchiedlichen ſchoͤnen Opffern be - ſchencket. ; Dieſes Werck iſt dem Himmel hoͤchſt gefaͤllig geweſen. Herodes der Koͤnig zu Jeruſalem hat beſagte Weiſe hoͤfflich erſucht / ſie wollen ihme doch die Freundſchafft thun / und in ihrer Zuruck - Reiß die Nachricht geben / ob Meſſias gebohren ſeye / damit er auch der Gebuͤhr und hoͤchſter Schuldigkeit gemeß denſelben koͤn - ne anbeten und verehren. Das ware ja auch ſo heilig als immer geweſen der Heiligen drey Orientaliſchen Koͤnig? Ja wohl nicht: Die drey haben es von Hertzen gut gemeynt; Herodes hat zwar in Reden mit ihnen uͤbereins geſtimmet / im Hertzen aber hat er es Schelmiſch gemeynt / maſſen er willens geweſen / den neugebor - nen Meſſiam aus dem Weeg zu raumen. So iſt dann die boͤſe Meynung eine Feuer-Flamm / welche auf einmal alles verzehrt und in die Aſchen legt / ſo iſt ſie dann ein kleiners Steinl / welches die gantze groſſe Bildnuß des Nabuchodonoſor zu Boden wirff / und zu Scherben macht / ſo iſt dann ein Scheer - oder Maulwurff /welcher169obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.welcher ein gantzes Blumen-Bettel untergrabt / und verwuͤſtet / ſo iſt ſie dann ein Dieb / welcher zum hoͤchſten Schaden und Nach - theil alles pluͤndert und hinweg ſtihlt.

Den Leib muß man nicht zaͤrtlen weder glimpflich tractiren / bey leib nicht. Dem Leib muß man nicht ſchoͤn thun / noch ſchmeichlen / bey leib nicht. Dem Leib muß man nicht in allen ſeinem Begehren willfaͤhrig ſeyn / bey leib nicht. Die Juriſten und Rechte-Gelehrten pflegen ihr Buch / worinnen alle ihre Satzungen und Regul verfaſſt ſeyn / Corpus Juris zu nennen. Wir Menſchen koͤnnen gar fuͤglich unſern uͤberlaͤſtigen Leib Cor - pus in juriæ heiſſen / dann ja niemand iſt / deme der Leib nicht ein Unbild zufuͤgt / darumb das Woͤrtl Leib im Buchſtab-Wechſel Jbel lautet / auch das Lateiniſche Wort Corpus, annagram - maticè, Porcus iſt. Darumb nichts neues / daß man mit dem Leib ein Sau aufhebt: in Erwegung deſſen / haben die heilige und eyffrige Diener GOttes den Leib mit allen erdencklichen Buß - wercken ſehr uͤbel gehalten / und hart tractirt / und ſeynd ſie gleichſam mit demſelben verfahren / wie die Hebraͤer mit dem Heyland JEſu / da ſie ſammentlich auf geſchryen: Reus eſt, &c. Er hats verdient / crucifigatur, fort mit ihme auf das Creutz: nicht anderſt ſeynd umbgangen die fromme Diener GOttes mit ihrem Leib / crucifigatur, da hat es geheiſſen / fort mit ihme aufs Creutz / Geißl und Beitſchen her / Cilicium und eiſene Ketten umb ihn / Faſten und Abbruch herzu / Hunger und Durſt herbey / Mortification und Caſteyung uͤber ihne / Reus eſt: Er hats nit anderſt verſchuld.

Jn dem Saltzburger Land neben andern mercklichen Din - gen iſt forder iſt zu ruͤhmen das ſtattliche Caſtey-Bad / welches da wegen ſeiner wunderbarlichen Wuͤrckungen ſehr viel ſchwehre Kranckheiten und gefaͤhrliche Leibs-Preſten abwendet; dahero daſſelbige nit viel ungleich dem Schwemmteich zu Jeruſalem / maſſen auch allhier multitudo languentium, ein Menge der krancken Leuthen anzutreffen iſt. Die Caſteyung des Leibs iſt ſo geſund als das Caſtey-Bad / dann faſt kein bewerthers undPars IV. Yheil -170Judas hat kein gute Meinung /heilſames Mittel wider allerley Seelen-Zuſtaͤnd als das Ca - ſteyen. Jener einfaͤltige Phantaſt und Schalcks-Jodel hat end - lich ſo ungereimt nicht geredt / als ihm einer durch gewoͤhnliches Voppen gedrohet / er wolle ihn umbbringen / er aber ſolchen bey der Herꝛſchafft angeklagt / dieſe entgegen dem Lappen die Antwort geben / daß ſie den Kerl / wofern er ihne ſolle nieder - machen / ohnfehlbar nachmals wolle hencken laſſen. Herꝛ! ſagt dieſer zum Fuͤrſten diß verlang ich nicht / ſondern mein Bitt ware / du ſolteſt ihn ein Tag zuvor / ehe er mich umbbringt / laſ - ſen hencken.

Der Leib iſt ein thummer und muthwilliger Geſell / drohet immer zu und zwar in Ernſt der Seel den Todt / dahero es gantz Rathſam iſt / daß man ſolchen uͤbermuͤthigen Boͤswicht ehender den Reſt gebe / bevor er ſolches Ubel ſtifft und vollbringt / und die - ſes geſchicht durch die heylſame und hoͤchſtnoͤthige Caſteyung und Mortification / wormit die Heilige GOttes als mit dem be - ſten Pantzer bewaffnet allezeit den Sieg erhalten wider die La - ſter und ſchaͤdliche Anmuthungen des Leibs. Etliche Lehrer ſeynd der Ausſag / daß GOtt der Allmaͤchtige den erſten Men - ſchen Adam / wie er ihne von Laim geſtaltet / im Creutz erſchaf - fen habe / das iſt / er habe ihn mit ausgeſtreckten Haͤnden oder Armen auf der Erd formirt / und nachmals erſt den Lebens - Geiſt eingeblaſen; ſeye deme wie ihm wolle / gewiß iſt es doch / daß nie ein guter Geiſt oder frommes Leben in den Menſchen kom - me / es ſeye dann / daß derſelbe den Leib durch ſtete Caſteyung auf oder in das Creutz lege. Wann man die Erd nicht immer zu mit Pflugeiſen / Hauen und Krampen zwifftet und plagt / und der Himmel nicht bißweilen mit einem ſtarcken Regen ihr den Kopff waͤſchet / ſo thut ſie nicht viel Guts. Dahero die Heilige Æmi - lia aus dem Orden St. Dominici ihr Leib nicht ihr Gnaden ge - weſt / ſondern ihr Geſtreng; indem ſie ein gantzes Jahr hindurch neben andern gebottenen Kirchen-Faſttaͤgen alle Freytag und Samſtag in Waſſer und Brodt zugebracht / auch ſtaͤts ein har - tes Cilicium an dem bloſſen Leib getragen.

Wann171obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.

Wann man das Eiſen auf dem Amboß nicht wacker knillt / und ihme mit dem Hammer nicht oͤffters eins auf den Buckel gibt / ſo wird nichts rechtſchaffenes daraus; dahero die H. Jutta Wit - tib aus Thuͤringen mehrmal vierzehen Tag nach einander ohne Speis und Tranck gelebt / auch anbey mit Cilicien und oͤfftern Geißl-Streichen den Leib unbarmhertzig zerfleiſcht / und ihmeCont. Bollan 5. Maj. noch die bloſſe Erde fuͤr ein Bett kuͤmmerlich vergonnt / wel - ches GOTT dem HERRN alſo wolgefaͤllig geweſt / daß ſie lang nach ihrem Todt / als ſie angeruffen worden / die Au - gen eroͤffnet.

Wann man das Buch nicht in die Preß ſperrt / und es alſo zuſammen zwingt / daß es moͤchte / dafern es kunte / MordioContin. Bolland. 1. Maj. ſchreyen; wann man ſolches nicht mit dem ſcharpffen Rundhob| alſo barbiert / daß ihme moͤchten die Augen uͤbergehen / ſo wird ein plumpes Weſen daraus: darumben die Heilige Mathildis, ſo von etlichen Mechtildis geſchrieben wird / und einen ſehr hei - ligen Wandel in dem Obern Hertzogthum Baͤyern gefuͤhrt / we - der Fleiſch noch Wein genommen oder genoſſen / und noch dar - uͤber den Leib mit einer eiſeren Ketten alſo eingefeſſlet / und har - ten Geißlen mehrmalen empfangen / das faſt nie ein Stieffmut - ter im Brauch gehabt.

Wann man die Leinwath nicht mit einer ſcharpffen Laugen zwagt / und ihr mit dem Waſchbley nicht oͤffters einen guten Puff auf den Schedel gibt / auch ſie dergeſtalten hin und her ſchlingt / daß ihr moͤcht die Haut ſchauren / ſo wird ſie die weiſſe Reinigkeit ſo bald nicht anziehen; dahero die Heil. Bona von Piſis aus He - truria ihren / obſchon unſchuldigen Leib dergeſtalten durch Ca - ſteyung uͤbel tractirt / daß er warhafftig einen Leibeignen mu - ſte abgeben / ſo tragte ſie beynebens am bloſſen Leib einen eiſeren Guͤrtel zur groͤſſerer Abtoͤdtung ihres Fleiſches / als man ſolchenIbidem. Guͤrtel / wie ſie ſelbſt verlangt / nach dem Tod wolte zu einem Crucifix ſchmieden / und ſie aus dem Feuer auf den Amboß gezo - gen / auch bereits die Haͤm̃er in die Hoͤhe geſchwungen / da iſt ſolcher Augenblicklich in ein wolgeſtaltes Crucifix verwandlet worden.

Y 2Wann172Judas hat keine gute Meynung /

Wann man die Brenneſſel nit ſcharpff mit den Haͤnden antaſt / und ihre Blaͤtter nicht grob und hart reiben thut / ſo er - faͤhrt man bald ihr duͤckiſche Natur / und hinterhaltenen hitzigen Zorn. Derenthalben die Heilige Joanna ein Koͤnigliche Prin - zeſſin aus Portugal noch zu Hof unter dem ſeidenen und gulde - nen Kleider-Pracht ein ſcharpffes haͤrines Hemmet getragen /Ibid. 12. Maj. auf dem harten Boden ihr Ligerſtatt genommen / und halbe Naͤchte auf bloſſen Knyen im Gebet zugebracht.

Wann man den Weinſtock nicht immer zu die gruͤne Federn ſtutzt / ihme auch oͤffters das ſcharpffe Rebenwaſſer zu koſten gibt / daß ihme die helle Zaͤher herunter rinnen; wann man denſelben nit anbindet wie ein Ubelthaͤter und arreſtirten Boͤßwicht / ſo wird er nie gut thun. Deſſentwegen die Seelige Geradeſca auch / von Piſis gebuͤrtig / mit ihrem Leib alſo ſtreng verfahren / daß ſie ihme nit ein Biſſen Brod vergonnet / biß er taͤglich ſechs hundertmal die Knye in der Kirchen gebogen / nachmahls warIbid. 9. Maj. ſein gantzes Tractament, neben dem ſtetigen Cilicio ein wenig Brod in Waſſer gedunckt.

Nicht anderſt haben ihren Leib caſteyet Magdalena de Paz - zis, Thereſia à Jeſu, Catharina Senenſis, Clara von Aſſis, Clara de Monte Falco, meines Ordens / Luthgardis, Aga - tha de Cruce, Eliſabeth Suena, und unzahlbare andere mehr / wodurch ſie dann CHRJSTO JESU dem Himmli - ſchen Braͤutigamb das hoͤchſte Wolgefallen verurſacht / und derenthalben ein ſondere Cron und uͤberſchwenckliche Glory im Himmel erlangt.

So wird dann nit weniger ein beſondern Lohn und ewige Vergeltung zugewarthen haben ein gewiſſe Dama, ein hoch-A - deliches Frauen-Zimmer N. welche gleichmaͤſſig ihren Leib zim - lich hart caſteyet; Dann erſtlich tragt ſie ein ſo enges mit ſtarcken Fiſch-Bein eingezaͤuntes Leibſtuck / daß es ihr die zarte Haut zu - ſammen zwaͤngt / und offt uͤberlaͤſtiger iſt / als ein rauhes Cili - cium, nachmahls pflegt ſie faſt nicht mehr zu eſſen als ein jungerSpatz /173ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.Spatz / der vor drey Tagen noch in der Eyrſchallen logirt hat / ſie enthaͤlt ſich gaͤntzlich des Weins / unangeſehen / der Keller mit dem edleſten Reben-Safft haͤuffig verſehen / ſie mortificirt die zarte Fuͤß mehrer / als die Jſraeliter / wie ſie viertzig gan - tzer Jahr durch die Wuͤſten und ungangbahre Wildnus ſeynd gemarſchiert: Sie leid Froſt und Kaͤlten / und ſpielt faſt oͤffter auf der Zittern / als David auf der Lauten: ſie iſt dem Wa - chen alſo ergeben und zugethan / daß ſie vor Mitternacht nie - mahl ſich zur Ruhe begiebt. Fuͤr alle dieſe Caſteyung wird ihr Zweiffels ohne der gerechte GOTT bezahlen / wie er bezahlt hat Æmiliam die Heilige / Juttam die Heilige / Mathildem die Heilige / Bonam die Heilige / Joannam die Heilige / Gerar - deſcam die Heilige / ja / ja / wann alles dieſes ihr Leyden und Mortificirung waͤre geſchehen aus guter rechter Meynung / und heiliger Intention wegen GOTT / ſo haͤtte ſie einem ziemli - chen Schatz der Verdienſten bey einander; Unterdeſſen aber / weil ſie ſchlecht Cordeboniſch / hat ſie ſo viel Lohn / und Cron und Thron zu hoffen / als man Speck find in einer wol aufge - raumbten Juden-Kuchel / ich will ſagen / nichts / und aber nichts / und wiederumb nichts. Solche koͤnnen ſagen: Propter te (ô diabole!) mortificamur totâ die.

Daß ſie ihren Leib hart gehalten / und denſelben compen - dioſer Weiß zuſammen gezwungen / iſt darumb geſchehen / damit ſie gantz rahn herſehe / und nit etwan einem Boͤhmiſchen Hopffen - Sack verwandt ſeye / ſondern die Dicke eines Zuck erhuts nit uͤber - treffe. Daß ſie ſo gemaͤß in dem Eſſen geweſt / iſt darumb ge - ſchehen / damit ſie nicht in ein unangenehme Feiſte gerathe / und nachmahls einer nobilitirter Schmaltz-Doͤſen gleich und aͤhnlich ſeye: daß ſie ſich des Weins enthalten / iſt darumb geſchehen / da - mit hierdurch die allzu groſſe Roͤthe in den Wangen vermeidet / zugleich auch denen herfuͤr dringenden Weber-Granat| der Paß verſperꝛt werde: daß die Fuͤß in einen ſo ſtrengen Orden getretten / und die Zehen uͤber einander gewicklet wie ein Trutten Fuß / iſtY 3dar -174Judas hat keine gute Meinung /darumben geſchehen / damit die kleine Schuͤchel einen lidernen Zeugen ſollen abgeben / daß ihre Fuͤß ſo zart und klein / wie die Fußſtapffen eines Bachſteltzens: daß ſie mehrmal groſſe Kaͤlte und Froſt ausgeſtanden / iſt darumb geſchehen / damit ihren Schneeweiſſen Orientaliſchen Perlfarbigen Hals alle koͤnnen ſehen / und loben / darumb iſt ſie nackend umb den Hals gan - gen: daß ſie die halbe Nacht mit wachen zugebracht / iſt darumb geſchehen / damit ſie dem papiernen Duel des Pamphili koͤnne beywohnen / in Summa: Gelitten hat ſie gleich andern Heili - gen Jungfrauen und Frauen / deren Namen im Buch der Le - bendigen verzeichnet; weil ſie aber nicht aus guter Meinung ge - litten / wie dieſelbige / alſo bleibt ihr des Teuffels Danck.

Die Frembde beherbergen / iſt unter den guten Wercken ei - nes aus den vornehmſten / welches wol gewuſt hat der Heilige Patriarch Abraham / der nicht allein alle ankommende Gaͤſt auf das freundlichſte empfangen und tracirt / ſondern er iſt ſelbſt auf die Straſſen hinaus gangen / hin und her ſeine Augen gewen - det / ob nicht einige reiſende Frembdling vorbey gehen / die er in ſein Herberg kundte an - und aufnehmen. Auf ein Zeit ſahe er daher kommen drey Engel / die er aber vor Frembdling gehalten / und nicht erkennet / dieſen iſt er alſobald und gantz ſchleunig ent - gegen geloffen / ſelbe demuͤthig bewillkommet / und ihnen ſein Haus und gantzes Vermoͤgen in Kuchel und Keller freundlichſt anerbotten / und da ſie Anfangs die Einkehr weigerten / hat er dieſelbe bey den Haͤnden und Kleidern gleichſam mit einem hoͤfli - chen Gewalt mit ſich gezogen. O mein GOTT! wie wenig ſolche Abraham findt man der Zeit auf der Welt; man laufft ei - nem nicht allein nicht entgegen / ſondern er muß noch ein halbe Stund an der verſperꝛten Thuͤr faſt wie ein Baum-Haͤckel pe - cken und klopffen / biß endlich ein zottiger Fleck Haſpel aus dem Fenſter ſchreyt / es ſeye Herꝛ und Frau nicht zu Haus / da doch ſolche unterdeſſen mit ſchmutzigem Maul bey der Tafel ſitzen. Abraham hat ſeine liebe Gaͤſt ſtattlich tractirt / ſo hat ſich auch derentwegen der Sara ſein Gemahlin ſehr wacker in der Kuchelherumb175obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.herumb getummlet / ſo man ſonſten bey der hunderten nicht er - fahrt; dann ſie gemeiniglich Geſichter ſchneiden / wie ich ſelb - ſten wahrgenommen / daß auch die Bauren vor ſolcher Finſter - nuß moͤchten die Brunnen zudecken. Solcher Hoſpitalitaͤt und Freygebigkeit gegen denen Gaͤſten halber iſt der fromme und Gottsfoͤrchtige Patriarch ſattſam belohnt worden; maſſen ih - me in Anſehung deſſen wider alles Verhoffen in ſeinem erwach - ſenen Alter ein Maͤnnlicher Erb verſprochen worden / deſſen Saamen und Stammen den gantzen Erden-Kreiß ſolte an - fuͤllen.

Loth iſt nicht geringer geweſen in der Liebe gegen den Fremb - den; als er deren zwey auf ein Zeit erblickt / hat er ſie nicht allein / wie er gewoͤhnlich pflegte zu thun / hoͤflichſt complimentirt / ſondern anbey auch demuͤthigſt erſucht / ſie wollen doch die Ein - kehr bey ihme nehmen / und ſeine Armuth nicht verſchmaͤhen; als ſie aber beyde ſich deſſen bedanckten / und ſich verlauten laſſen / daß ſie ſchon wollen die Nacht hindurch unter dem freyen Himmel vor lieb nehmen / wolt ſolches der gute Loth auf keine Weis zulaſſen / ſondern wie er vermerckte / daß ſein hoͤfliches Einladen nichts vermag / da hat er ſie beyde beym Fluͤgel ge - nommen / und kurtz umb in ſein Behauſung gefuͤhrt / compulit illos &c. Es waͤre zu wuͤnſchen / daß mehrer wie Loth geſitt oder geſinnet waͤren / aber das Widerſpiel erzeigt ſich oͤffter. Jch hab vor vielen Jahren / weil das Tag-Liecht mich bereits verlaſſen / muͤſſen umb ein Herberg bitten bey einem Geſchloß / welches ich unterdeſſen will Ubelhofen tauffen! dann unmoͤglich ſcheinte / daß ich mein Reiß ferners kunte wegen einbrechender Nacht fortſetzen. Jn Abweſenheit der Herꝛſchafft war die Au - dientz bey dem Dorff-Barbierer (vulgò Pfleger) gar ſchlecht / maſſen ſolcher ſich entſchuldigte / daß ihme die Herꝛſchafft in ſei - ner Reittung keine Unkoſten geſtatte einiger Gaͤſte / ſo laſſe es auch ſein Vermoͤgen nicht zu / dergleichen Leut aus eignem Beu - tel zu tractiren. Es ware dazumal die Oeſterliche Zeit / aber auf ſolchen Beſcheid iſt mir wenig Alleluja eingefallen. DieFrau176Judas hat kein gute Meinung /Frau Pflegerin ſcheinte eines beſſern Humors, in Erwegung de - ſo ſpaten Abends / und hat mit ihrer Haus Eſoquenz ſo viel aus gericht / daß ich und mein Geſpann unter das Tach ſeyn ein - gelaſſen worden / allein weil es dem Geſtrengen Herꝛn Pflege - ro nicht allerdings wolgefaͤllig geweſen / alſo iſt das Nachtmahl zimlich in dem abnehmenden Mond kocht worden; jedoch die Frau Patientia hatte gute Zaͤhn / womit ſie das alte Kuͤh - Fleiſch / wol hat koͤnnen zermahlen: allein das Zimmer / wor - ein uns der loſe Pfleger mit allein Fleiß logirt hat / ware faſt un - ertraͤglich / maſſen es die gantze Nacht hindurch ein Turnir - Platz aller Teuffels-Geſpenſter geweſen. Keiner aus uns kun - te ein Aug zu thun / es ſcheinte / als thaͤte der Tyranniſche Ne - ro alle Romaniſche Pferd in dem Zimmer herumb tummlen: uns iſt geweſen / als ſitzen wir in einem Diocletianiſchen Bad / ich glaubte kraͤfftig / dieſes Ort muͤſte des Obriſten Lucifers Muſter-Platz ſeyn. Wir waren zwar mit Creutz verſehen / wie ein Better-Kramer / in Anſehung dieſes ſo heiligen Zeichen wir auch den mindeſten Schaden empfangen / allein der Hoͤlliſche Randevois hat uns dermaſſen abgemattet / daß wir den bleichen Wax-Kertzen nicht ungleich geſehen / und welches das Ubel noch vergroͤſſert / iſt geweſen des Pflegers mehrmals vernommenes Gelaͤchter / als der ſich hoͤren laſſen / es thuts denen Pfaffen wol / und habe vermeint / dergleichen geweichtes Geſindel ſoll ſich vor dem teuffliſchen Raub-Voͤgeln nicht entſetzen. Jch hab mich fruͤh Morgens gar bey anbrechendem Tag per Synopſin bedanckt / anbey aber gedenckt / wann ich der Patriarch Abra - ham waͤre / ſo wolte ich ihne auch hinwiederumb beherbergen.

Das Sunamitiſche Weibel iſt dißfalls weit hoͤflicher und barmhertziger geweſt / indem ſie dem Mann GOttes Eliſæo nicht allein die Herberg angeboten / ſondern ihme gar Haͤnd ange - legt / und nit weiter laſſen gehen / weſſenthalben ſie auch abſonder - lich von dem Allerhoͤchſten iſt belohnt worden. Was Natzen hat nicht jenes adeuche Haus noch / umb / weil es mit aller Liebden177ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.den Heiligen Franciſcum beherbergt? Jn dem Florentiner Ge - bieth iſt noch auf den heuntigen Tag ein Geſchloß zu ſehen / welches den Namen hat Montaut, und ein Wohnung iſt einer Hoch-Adelichen Familiæ. So offt jemand aus beſagtem Ge - ſchlecht ſtirbt / da erſcheinet allemahl ein geraume Zeit vorher ober dem Geſchloß ein ſichtbare Flammen in dem Lufft / mit dieſem Unterſchied; wann beſagte Flammen groß iſt / ſo be - deut es gewachſene und alte Leuth / da ſie aber klein herſicht / da bedeut es kleine Kinder / kan alſo ſolcher Geſtalten ein jedes aus dieſem Adelichen Haus ſich wol zum Tod bereiten / welches ein abſonderliche Gnad vom Himmel / und hat ſolche durch ſeine groſſe Vorbitt zu wegen gebracht der Heilige Franciſcus von Aſſis, umb weil er etlich mahl in offtbenanntem GeſchloßPetra Sanct. c. 27. die Herberg gehabt / und mit aller moͤglichſter Lieb gehalten worden. Mein Heiliger Vatter Auguſtinus hat durch die Gutthaten / die er allen Frembden durch das Herbergen erwie - ſen / die großmaͤchtige Gnad erhalten / daß GOTTES Sohn und der Welt Heyland ſelbſt in Geſtalt eines armen Pil - grams bey ihme die Einkehr genommen / und von ihme laſſen dieIn vita. Fuͤß waſchen.

Der Heilige Franciſcus de Paula, der Heilige Ivo, der Heilige Gregorius Magnus, der Heilige Leo, die Heilige Eli - ſabeth aus Ungarn / und unzahlbare mehr haben von GOTT ein abſonderliche Vergeltung bekommen / weil ſie die Frembde beherberget / und was Zachæus Chriſto dem HErrn gethan / wie er ihne in ſein Haus aufgenommen / was Martha dem Hey - land erwieſen / wie ſie ihn in ihrer Behauſung tractirt / was die zwey Juͤnger dem Seeligmacher er zeigt / wie ſie denſelben in die Herberg hinein gezogen / das thut ein jeder / welcher die Frembdling / und forder iſt arme Geiſtliche beherberget / und mit Lieb aufnimmt.

Der Heilige Biſchoff Fortunatus haͤt auf ein Zeit den boͤ - ſen Geiſt aus einer beſeſſenen Perſohn vertrieben / welches die hoͤlliſche Larven in allweg verdroſſen / auch allerſeits geſucht /Pars IV. Zwie178Judas hat keine gute Meynung /wie er dieſe angethane Unbild moͤchte raͤchen; zu ſolchem Ende vermaſchariert ſich der verdammte Geiſt in die Geſtalt eines ar - men Pilgrams und Frembdlings / und ziehet mit weinenden Au - gen und groſſen Wehe-Klagen in der Stadt herumb / vorge - bend / was die Stadt vor einen unbarmhertzigen Biſchoff ha - be / als der ihme / armen Tropffen / nicht einmahl ein Herberg vergonne / es ruͤhre aber alles her von ſeinem unerſaͤttlichen Geitz / als der bey den Pfaſſen ſo gemein / wie bey den Juden ein di - ckes Kroͤs / ſie predigen wohl / ſagt er / und ruffen andere zur GOttesforcht / aber wie die Glocken im Thurn / ſo andern in Kirchen laͤuthen / und kommen ſelbſt nicht darein / das ſeynd Impoſtores und nicht Paſtores, &c. Was gilts ein Welt - Menſch wird ſich ehender meiner erbarmen / und mir verlaſſe - nen Menſchen unter ſeinem Dach ein Winckel vergonnen / als dieſer Beiſt die Schaaf. Solches Wehe-Klagen und Lamen - tieren hat ein Burger / ſo gleich dazumahl ſammt Weib unnd Kindern beym Feuer geſeſſen / vernommen / und ihn alſobald freymuͤthig in die Herberg an - und aufgenommen: Jn dem ſie ein Weil mit einander geredet / da ergreifft dieſer vermaſcharierte Frembdling den kleinen Sohn des Burgers / und ſchmitzt ihn mit ſolchem Gewalt in das Feuer / daß er alſobald den Geiſt aufgeben / woruͤber er auch verſchwunden. O mein gerechter GOTT! warumb haſt du ſolches Ungluͤck uͤber dieſen ſo barm - hertzigen Burger verhaͤngt? Es iſt ja ein ſonders gutes / und dem Himmel wohlgefaͤlliges Werck / wie ſattſam zuvor bezeuget worden / wann man die Frembdling beherbergt? Ja freylich / was dann? Allein dißfalls ware es bey erſtgemeldten Burger kein gutes Werck / aus Urſach / weil er kein gute Meynung gehabt / dann er iſt die Zeit ſeines Lebens ein abgeſagter Feind der Geiſtlichkeit geweſen / deſſen Gliffter noch mehr vorhanden; weil er gehoͤrt hat den frembden Menſchen (ob er ſchon nit gewuſt / daß er der boͤſe Feind ſeye) daß er alſo ſchmaͤhe und uͤbel rede von den Geiſtli - chen / alſo hat er ihn gar gern in die Herberg aufgenommen / nicht aber aus guter Meynung / ſondern damit er etwas Neues ver -nehme179ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.nehme von den Pfaffen (alſo pflegen etliche Vernunfftloſe Phan -Gregor. l. 5. dia - log. taſten zu reden) weil dann dem Menſchen die gute Intention ge - manglet / alſo iſt auch das Werck den Augen GOttes mißfaͤllig geweſen.

Alſo thut der allwiſſende GOTT nit in Obacht nehmen / was der Menſch thut / ſondern wie ers thut / er ſchaut auf den Kern / und nicht auf die Schaͤln oder Hilſen / der Kern iſt die Meynung / die Schaͤln aber das Werck. Er ſchaut auf die Korn-Aehr / und nicht auf den Halm / die Aehr iſt die Meynung / der Halm aber das Werck; Er ſchaut an den Schatz und nicht die Truchen / der Schatz iſt die Meynung / die Truchen aber das Werck; Er ſchaut an den Degen / und nicht die Scheld / der De - gen iſt die Meynung / die Scheid aber das Werck. Was hilffts / wann die Scheid gut / und der Degen roſtig? Was nutzt es / wann die Truchen ſtattlich / und falſche Guldiner darinn? Was tragts / wann der Halm hoch und grad / und die Aehr laͤhr? Was bringts / wann die Schalen gut / und der Kern Wurm - ſtichig? Was Verdienſt / wann das Werck loͤblich / und die Meynung und Intention boͤß?

GOTT der HERR hat das hoͤchſte Wolgefallen an der Liebe und Einigkeit der Eheleuth / und wann ſolche wol mit einander uͤbereins ſtimmen / ſo wird der Teuffel ehender vertrie - ben / als durch die wohlgeſtimmte Harpffen des Davids. Wie der tapffere Kriegs-Fuͤrſt Joſue ritterlich gekaͤmpfft wider die Feind GOTTES / auch bereits in Mitte des Siegs begriffen / ihme aber der anbrechende Abend verhinderlich ſcheinte / die Victori fortzuſetzen / alſo hat er ſich aus purem Vertrauen auf dem wahren GOTT unterſtanden; der Sonnen / dieſem ſchnellen Tags - Liecht / ein Arreſt anzubiethen / ja er hat ernſtlich befohlen / ſie ſolle ſtill ſtehen / und ihren gewoͤhnlichen weitern Lauff innen hal - ten; desgleichen iſt er auch verſahren mit dem Mond / er ſoll ſich eben - falls nit ein Hand breit mehr bewegen / daß Joſue der Sonnen einen Stillſtand auferlegt / gehet hin / und waͤre ihr Liecht den Tag zu ver - laͤngern ſchon genug; aber aus was Urſach ſchafft er auch den Mond -Z 2Schein /180Judas hat keine gute Meynung /Schein / daß ſelbiger ſolle ſtill halten? Abulenſis giebt hierauf die Antwort / es waͤre in dem Himmel ein groſſe Unordnung geweſen / wann eines waͤre geſtanden / und das andere nicht / ſeye demnach rathſamer / wann eines gehe / daß auch das an - dere gehe / und wann eines ſtehe / daß auch das andere ſtehe / ꝛc. Was Sonn und Mond im Himmel / das ſeynd auch Weib und Mann im Haus / wie dann dem Egyptiſchen Joſeph nicht uͤbel getraumet / als er im Schlaf geſehen / daß Sonn und Mond ihne verehren und anbeten / wodurch Vatter und Mut - ter verſtanden worden; wann nun er die Sonn iſt als das groͤſſe - re Liecht / und ſie der Mond als das mindere Liecht / ſo ſtehet es uͤberaus wol / wann ſie beyde einhellig ſeyn / und wol zuſammen ſtimmen / was eins will / das woͤlle auch das andere / wordurch die GOTT gefaͤllige Lieb und werthe Einigkeit im Eheſtand er - halten wird.

Anno 1317. wurde zu Maͤyntz im Creutzgang der Thum - Kirchen begraben Heinrich / mit dem Zunamen Frauenlob / deſ - ſen Leichnam von ſeinem Haus biß zu beſagtem Ort lauter Wei - ber getragen / und ihne ſehr Wehemuͤthig beklagt / die Urſach ware / weil er in ſeinem Leben dem Weiblichen Geſchlecht zu Ehren und Ruhm viel ſchoͤne Lieder gedicht; unter andern Cere -Albertus Argent. monien ward ſo viel Weins auf ſein Grab gegoſſen / daß ſolcher durch den Creutzgang gefloſſen.

Dieſem ſeynd die Weiber hoch verpflicht geweſen / aber noch mehrer und weit mehrer dem Heiligen Paulo, dieſer Apo - ſtoliſchen Welt-Poſaunen / maſſen er viel dem Weiblichen Ge - ſchlecht zu Ehren und Nutz geſchrieben: unter andern dringetAd Eph. c. 5. und gibt er allen Ehe Maͤnnern folgende Lehr: Viri diligite Uxo - res veſtras, ſicut Chriſtus Eccleſiam, &c. Jhr Maͤnner liebet eure Weiber / wie Chriſtus ſeine Kirchen.

Solcher Lehr in fleiſſig nachkommen Herꝛ Laurentius Schlaf / vorhin ein geweſter Student und Præceptor, welcher ein ſehr reiche jedoch alte Handels-Frau zur Ehe genommen / mir der er in groͤſter Lieb und Einigkeit gelebt / unangeſehen / ſieden181ob ſchon das aͤuſſerliche Werck nicht uͤbel geſchienen.den Alt geſungen / und mit dem zitterenden Kopff den Tact ge - ben / unangeſehen / ſie den December in Haaren und Jahren gehabt / unangeſehen / ſie ein gefaltetes Geſicht gehabt / wie ein geſtaͤrcktes Bauren-Kroͤs / unangeſehen / ſie immerzu ge - huſt / wie ein beladener Kramer-Eſel / ſo hat er ihr gleichwol allezeit das Placebo Domine geſungen: Wie ſie pfiffen / ſo hat er getantzet / wie ſie geriſſen / ſo hat er gemahlen / wie ſie buch - ſtabiert / ſo hat er geleſen / zum Ja / hat er den Kopff geneigt / zum Nein / hat er den Kopff geſchuͤttlet / wann ſie gelacht / ſo thaͤt er ſchmutzen / wann ſie geweint / ſo thaͤt er ſich betruͤben / wolte ſie trincken / ſo ſchenckte er ein / wolte ſie paperlen / ſo legt er vor. O mein Hertz! ſagte er mehrmahl / mein Veroni - ca, es iſt mir mein Lebetag niemand ſo lieb geweſt / als du / GOTT und der Himmel iſt mein Zeug / daß ich lieber wolt das Koͤnigreich Neapl verlieren / als dich / lieber wolte ich mich ſelbſten in die Zunge beiſſen / als dich mit dem wenigſten unge - reimten Wort beleidigen / man glaubt mits nicht / aber es iſt doch wahr / wann du von Zucker waͤreſt / ſo haͤtte ich dir ſchon laͤngſt vor Lieb den Kopff abbiſſen: Aber das muſt du doch beken - nen / daß wir beyde bißhero / GOtt ſeye hoͤchſter Danck / in groͤ - ſter Lieb und Einigkeit die Zeit zugebracht.

O! was Verdienſten hat nicht dieſer junge Laurentius Schlaf geſammlet / daß er gleichwol mit einer alten und betag - ten Frauen die groſſe Gedult gehabt / und den lieben Frieden / ſo meiſtens in einem ungleichen Eheſtand zu trummeren gehet / un - verletzter gelaſſen? Abraham ein heiliger Ehemann / Noe ein heiliger Ehemann / Moyſes ein heiliger Ehemann / Jacob ein heili - ger Ehemann / Joſeph ein heiliger Ehemann / Leopoldus, Henri - cus, &c. H. H. Ehemaͤnner / ungezweifflet auch dieſer Herꝛ Lau - rentius Schlaf? bey leib nicht. Sein Zunamen Schlaf heiſt zuruck geleßner Falſch. Die Lieb / ſo er ihr gezeigt / ware nur ein vermaſcherte Lieb / ein anders iſt Ave Rabbi in Worten / ein anders Ave Raben-Viech in der Meynung: Er hat wol ge - ſagt / willkomm mein Schatz / aber hat ihm gedenckt / daß ſie derZ 3Bader182Judas hat kein gute Meynung / ꝛc.Bader kratz / er hat ſie ja freylich wol mit keinem Wort beleidiget / aber nicht aus Antrieb der ehelichen Liebe / ſondern aus Begierd der Verlaſſenſchafft / die er von ihr gehofft / und folgſam hat er hier - durch weder GOtt noch dem Himmel gefallen / weil er nicht recht Cordeboniſch / das machte die boͤſe Meynung.

Entgegen aber ein gute Meynung gibt allen Wercken das Leben / den Werth und den Preiß. Zu Jeruſalem haben die He - braͤer reichliches Allmoſen in den Opffer-Stock des Tempels ge - legt / ſilberne und guldene Muͤntz hinein geworffen / die Phari - ſaͤer forderiſt haben gantze Haͤnd voll Geld aus dem Sack gezo - gen / und damit den Stock angefuͤllt; ſo kame aber auch ein ar - mes Weibel daher / ſo Alters halber kein Zahn mehr im Maul gehabt / desgleichen faſt ſo viel Geld im Beutel / die arme Haut hatte ein abgeſchabenes Kuͤttlein an / daß einem iſt eingefallen / der Jeremias waͤre damit aus der Gruben gezogen worden / maſ - ſen die Heilige Schrifft ſagt / daß er mittler alter Fetzen ſeye er - lediget worden. Jhr geringer Aufzug gabe ſattſam an Tag / daß ſie in zimblicher Armuth und Beduͤrfftigkeit / auch faſt keine Zaͤhn mehr im Maul von noͤthen habe / zumahlen ſie nichts hatte zu nagen und zu beiſſen / ꝛc. Dannoch hat ſie zwey kupf - ferne Haller auch in Stock hinein geworffen / und alſo ihr Opffer verricht. Der gebenedeyte HERR und Heyland JESUS hat allen dieſen Ceremonien im Tempel zugeſchaut / und endlich dieſen Ausſpruch gethan / daß dieſes arme Weibl mehrer habe in Stock gelegt / und weit reichlicher geopffert / als alle andere / dann ſie hats gut gemeynt / und ſolchen guten Willen und aufrich - tige Meynung nimmt GOtt an Statt des groͤſten Wercks an.

Judas483[183]

Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andere Apoſtlen groſſe Miracul nnd Wunderwerck.

OB ſchon dieſer verruchte Boͤswicht in ſeinem unmenſchli - chen Hertzen bereits die verraͤtheriſche Gedancken gehabt / JESUM das unſchuldige Lamm auf die Schlacht - Banck zu lieſern / ſo hat gleichwol der guͤtigſte Heyland / unan - geſehen ſolcher grundloſen Boßheit / ihme / wie andern Apoſtlen ertheilt die ſondere Gnad / allerley groſſe Miracul und Wunder in ſeinem Namen zu wuͤrcken; wie er dann / nach Auſſag Hierony - mi und Anaſtaſij, und vieler andern Heiligen Lehrern / nit allein die Ausſaͤtzige gereiniget / ſondern ſo gar die Todte zum Leben erwe - cket hat: Ja andere wollen / daß er auch dem Petro gleich / mit ſei - nem Schatten die Kranckheiten gewendt habe.

Vielen kommt es ſehr frembd / und zwar ungruͤndlich vor / abſonderlich denen gemeinen Leuthen / dero Witz durch die Theo - logiſche Lehr nicht iſt abgeſchliffen / wann man ihnen vortraͤgt / was Geſtalten auch ein laſterhaffter und boͤſer Menſch koͤnne Miracul und Wunder wuͤrcken / ſo aber gleichwohl ein wahrer Ausſpruch iſt bey allen Schrifftgelehrten; dann wohl zu mercken / daß die Miracul und Wunderwerck nicht anderſt geſchehen / als durch Goͤttliche Krafft / und auf zweyerley Weiß: Entweders zur Bekraͤfftigung der Evangeliſchen Warheit ſeines Goͤttlichen Worts / und des allein ſeeligmachenden Glaubens / oder aber zur Offenbahrung eines Menſchens Heiligkeit und Tugenden. Auf die erſte Weiß kan auch ein boͤſer Menſch / wann er ſteiff und warhafftig in Chriſtum glaubt / und ſeinen allerheiligſten Namen anrufft / bißweilen Wunderwerck wuͤrcken / welches doch GOTT gar ſelten zulaſt / und iſt glaublich nach Auſſag Petri Damiani, daß ſolches moͤchte von Anfang der Catholiſchen Kirchen geſchehen ſeyn / allwo die Goͤttliche Allmacht auch durch nicht heiligePer -184Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern ApoſtelnPerſonen offt Wunder-Werck und Zeichen gewuͤrcket / damit der noch ſchwach-gegruͤndete Glauben deſto feſtere Wurtzel faſſe.

Erſtlich iſt zu wiſſen / daß niemand auſſer GOtt des All - maͤchtigen koͤnne Miracul wuͤrcken; dann ob ſchon aus den Ge - ſchichten und Lebens-Verfaſſungen der Heiligen kundbar iſt / daß viel Heilige groͤſſere und mehrer Wunderwerck an Tag gebracht / als Chriſtus der HErr ſelbſt / zumahlen Petrus ſo gar mit ſei - nem Schatten Miracul gethan / Gregorius Taumaturgus einen groſſen Berg von einer Seiten zu der andern geſchafft. Xave - rius weit mehr er Todte zum Leben erwecket / als der HERR JEſus / als welcher nur der Tochter des Fuͤrſtens der Synagog, dem Sohn der Wittiben zu Naim, dem Lazzaro einem Bru - der Magdalenæ und Marthæ das Leben wieder ertheilet / und bloß dieſe drey von Toden er wecket. Wann ſchon dieſe und viel andere Heilige mit mehrern und groͤſſern Miraculn geleucht / als Chriſtus ſelbſt / ſo iſt doch zu wiſſen / daß ſie ſolche Wunderwerck nit gewuͤrckt durch eigne Krafft und Vermoͤgen / wie der Hey - land / ſondern durch den Gewalt GOttes in dem Namen JEſu; dahero ſie allemahl / bevor ſie ein Wunderzeichen ſehen laſſen / den allmaͤchtigen GOtt angeruffen / weſſenthalben nicht ihnen / ſondern GOtt dem HErrn allein der Gewalt und die Macht / Miracul zu wuͤrcken / zuzumeſſen iſt.

Die plumpe Welt / und etliche dero Witzloſe Menſchen machen gar offt aus einer Sachen ein Miracul und Wunder - Werck / da es doch in der Warheit nit alſo ſolt benambſet wer - den / ſondern traͤgt vielmehr den Namen eines Wunders / als eines Wunderwercks; Wie dann ein gemeiner Schmuzius ge - weſt / deme in dem Wirthshaus / allwo er die Einkehr genom - men / die Maͤus faſt die halbe Hoſen verzehrt / woruͤber fruͤhe Morgens er ſich nit gnugſam kunte verwundern / ja ſo gar uͤber - laut auf geſchryen: Miracul! Miracul! wie da? fragt der andere ein Mitgeſpan / die Maͤus / antwortet er / haben mir die Hoſen gefreſſen. Du Phantaſt / ſagt der hinwider / das iſt kein Miracul:aber185Groſſe Miracul und Wunderwerck.aber wann die Maͤus waͤren von Hoſen gefreſſen worden / das waͤre ein Miracul / und ſonders Wunderwerck. Alſo ſeynd nit wenig / die ein jede ſeltzame Sach / ſo ihnen frembd vorkommt / ein Miracul tauffen / da doch ſolches Ding von denen verborg - nen Wuͤrckungen der Natur herruͤhret.

Daß die Ruthen / ſo man insgemein / die Wuͤnſch Ruthen nennet / ſich von freyen Stucken und naigen an demſelben Orth / wo Geld und Silber-Adern verborgen ſeynd / iſt kein Miracul / noch weniger ein Zauberey.

Daß grauſame Wind / und ungewoͤhnliche Sturm Wet - ter entſtehen / wann ſich jemand ſelbſt erhenckt / iſt kein Mira - cul / wie Majolus beſtaͤttiget / in dieb. Canic. fol. 448.

Daß ein Magnet durch unbekandte Buhlerey alſo in das Eyſen verliebt / und ſelbes ſo wunderlich an ſich zieht / iſt kein Miracul / ſondern ein Eigenſchafft der Natur.

Daß einem wieder alles Verhoffen das Blut gaͤhling aus der Naſen ſchwaiſt / und an beeden Haͤnden vil gelbe Fleck oder Mail auffahren / wann ſein Bruder oder Anverwandten in frembden und weitentlegnen Land mit Todt abgehet / iſt kein Miracul.

Viel tauſend dergleichen verborgene Griffel werden in natuͤrlichen Wuͤrckungen gefunden / die doch der gemeine Mann von Wunderwercken ausſchreyet. Jch will ſelbſt ma - chen / daß in einem finſtern Zimmer aller anweſender Koͤpff wie die Eſelskoͤpff mit langen Ohren behaͤngter herſehen / wann ich nur ein Lampen anzuͤnde / worinn ein gewiſſe Materi ſeyn muß / ſo gar leicht zu bekommen / und iſt doch kein Miracul / ſon - dern ein purer Effect der Natur.

Natuͤrlich iſt es und kein Miracul / daß ein kleines Fiſchel im Meer / Remora genannt / ein großmaͤchtiges Schiff auch in dem ſtaͤrckiſten Sturmwind aufhalten kan / wann es ſich nur an das Schiff anhaͤngt.

Natuͤrlich iſt es und kein Miracul / daß ein Baum in Jn -Pars IV. A adien186Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlen.dien Pudica genannt / die Naͤſt zu ſich zieht / wann jemand den - ſelben will anruͤhren.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / daß ein Leinwath von dem Hanff Asbeſto gemacht / im Feuer nit kan verzehrt werden.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / wann man ein gewiſſe Wurtzel in einem Hafen oder Topff wirfft worvon alles zer - hacktes Fleiſch wieoerum zuſammen wachſet.

Natuͤrlich iſt es und kein Mıracul / wann der Donner ein Kind in Mutterleib verzehret / ohne Verletzung der Mut - ter: der Fiſcher Netz im Waſſer zu Aſchen macht / und der obe - re Theil auf dem Waſſer gantz bleibt: das Schnuͤrl durch den gantzen Roſenkrantz verbrennt ohne Schaden der Grallen: alle Tauffeln des gantzen Faß vernichtet / und doch der Wein nit abrinne.

Petrus Meſſ. p. 1.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / daß ein Brunn in So - ria, wann man ſtillſchweigt / und das Maul haltet / gantz klar verbleibe; ſo man aber anfangt zu reden / gleich wild und truͤb werde als mache er derenthalben ein finſteres Geſicht.

Prieti. de Mirab. Gall. p. 2.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / wann zu Granobl in Delphinat ein gewiſſes Waſſer brennende Ding ausloͤſcht / und hingegen ausgeloͤſchte anzuͤnde.

Natuͤrlich iſt es / und kein Miracul / wann man ein gewiſ -Majol. 2 9. in Can. ſes Kraut auf die Glut legt / biß ein Rauch davon in die Hoͤhe ſteige / ſo kommen einem alle Baͤum und Traͤum in Zimmer vor wie die grauſame Schlangen / ſolches bezeugt ſelbſt der H. Thom. von Aquin.

Unzahlbare der gleichen Ding mehr / worvon gantze Buͤ - cher kunten verfaſt werden / zeugt die Natur in ihren heimli - chen Wirckungen / woruͤber ſich billich jederman verwundert / aber denſelben den Namen eines Miraculs oder Wunder - wercks gleichwol nit kan geben / doch aber anbey den allmaͤch - tigen GOtt in ſeinen Geſchoͤpffen preiſen und loben / als derauch187groſſe Miracul und Wunderwerck.auch dem geringſten Soñen-Staͤubel ein gewiſſe Krafft und Tugend vergonnet hat.

Desgleichen verdient auch nit den Titl eines Miraculs alles das jenige / was da der boͤſe Feind / oder durch deſſen Bey - huͤlff die Zauberer und Hexenmeiſter wuͤrcken.

Wunderlich iſt es geweſen / aber kein Wunderwerck / wie Simon Magus mehrmahlen mit zwey Geſichtern erſchienen / wie es denen von hartem Stain ausgehauenen Statuen und Bild nuſſen das Leben erthailet / daß ſie gleich andern Men - ſchen gangen und geſtanden / und geſeſſen ſeynd: wie er ſich gar offt in ein Gaiß oder Lamm verwandlet / wie er bey denen Mahlzeiten gemacht hat / daß die Schuͤſſel ohne eines eintzigen Menſchens-Huͤlff ſich auf den Tiſch geſetzt / die Thaͤler ſich ſelbſt gewechslet / die Glaͤſſer ſich ſelbſten eingeſchenckt / dıe Seſ - ſel und Stuͤll ſich ſelbſt nach Wunſch und Nothdurfft geruckt / wie er ſich nicht nur einmahl in lauter Gold verkehret hat / ꝛc. Und viel andere der gleichen mehr.

Wunderlich iſt geweſen / aber kein Wunderwerck / wie der Behmiſche Zyto zu Prag gar offt in einem von zweyen Go - ckel-Hahnen geſpannen Wagen herum gefahren / wie er bey vornehmen Gaſtereyen die Haͤnd der Gaͤſt in Ochſen-Fuͤß verkehrt / daß ſie alſo nit haben koͤnnen in die Schuͤſſel greiffen / wie er etliche Buͤſchel Heu in ſchoͤne gemeſte Schwein ver - kehrt / und ſelbe umb bares Geld verkaufft: wie er vor dem Koͤ -Dubra - vius lib. 23. nig / ſo diſen Zauberer gar wohl leiden moͤgen / ſich augenblick - lich in ein andere Geſtalt verſtellt / ꝛc.

Wunderlich iſt geweſt / aber kein Wunderwerck / wie Mi - chaël Sicitiſch ein Haupt-Zauberer zu Conſtantinopel ge - macht hat / daß ein Schiffmañ alles erdene Geſchirr / wormit das Schiff gantz und gar beladen geweſt / zu vil hundeꝛt Trim̃er mit dem Ruder zerſchlagen / dann es gedunckte ihne / daß ein groſſe Schlang hin uñ her krieche / ihne ums Leben zu bringen / weſſenthalben er alſo hin und her geſchlagen / daß endlich keinA a 2Ge -188Judas Jſcarioth wirckt gleich andern ApoſtlenGeſchirꝛ mehr gantz gebliben / worauf die Schlang verſchwun - den / und beſagter Zauberer hiervon nit einen geringen Ge - ſpais geſchoͤpfft.

Alle dergleichen Teuffels-Poſſen koͤnnen nit unter die Mi - racul gezehlt werden / zumahlen der Sathan ſamt allem ſeinem Anhang eigentlich kein Miracul wuͤrcken kan / maſſen ſolches allein der Goͤttlichen Allmacht vorbehalten; wol aber kan di - ſer verdambte Geſell die Augen der Umbſtehenden alſo ver - blenden; oder aber geſellt er die natuͤrliche Kraͤfften der Ge - ſchoͤpff alſo kuͤnſtlich zuſammen / d ſie einen wunderlichen Effect an Tag bringen / und folgſam uns gar wunderlich vor - kommt / weil wir nit alſo kuͤndig ſeyn der Eigenſchafft der Na - tur / wie diſer verdamte Boͤßwicht / als der alle und jede Men - ſchen in natuͤrlicher Wiſſenſchafft weit uͤbertrifft.

Man thut ſo gar den Namen Miracul mißbrauchen / daß bißweilen auch die alte Zahn - und Zaumloſe Weiber / wollen mit Miracul prangen / welches ſie maiſtens mit ihrer Aber - glauberiſchen Kram zuwegen bringen. Jch habe ſelbſt ein ſol - che alte Haus-Doctorin kennt / welche mit dem Zettel / worauff diſe folgende Wort geſchrıben waren / und der Patient an Hals gehengt / das Fieber gewendt hat.

Fieber hin / Fieber her /
Laß dich blicken nimmermehr:
Fahr derweil in ein wilde Au /
Das ſchafft dir ein alte Frau:
Sonſt muſtu fahren in Kuttelfleck /
Sihe alsdañ / wie dir die Herberg ſchmeckt /
Amen.

Daß zu Zeiten durch dergleichen aberglaubiſche Mittel ein Kranckheit koͤnne gewendt werden wunderbarlicher weis / will ich es dermahlen nit widerſprechen / aber ſolcher Effect iſtkeines189groſſe Miracul und Wunderwerwerck.keinesweegs diſen ungereimten Reimen zuzuſchreiben / ſon - dern vilmehr dem argliſtigen boͤſen Feind / und laidigen Sa - than, welcher zuweilen durch Goͤttliche Zulaſſung denen Men - ſchen mit natuͤrlichen Mittlen / jedoch auff unſichtbare Weiß den Zuſtand wendet / damit er nur hierdurch die unbehutſame Adams-Kindern in ihrem Affterglauben ſtaͤrcke / und zuweilen gar in teufliſchen Paet und Bund einfuͤhre.

Viel Ketzer und im blinden Jrꝛthum verdunckelte Leuth wollen ebenfahls ihnen einige Miracul zumeſſen / welche aber mehrenthails einen ſchlechten Ausgang genommen.

Der Heilige Joannes Capiſtranus hat vil Wunderwerck ſehen laſſen in unſerem weꝛtheſten Teutſchland / forderiſt in den Oeſterꝛeichiſchen Erb-Koͤnigreichen und Laͤndeꝛn / wordurch er ſein Heiligkeit nit wenig bey maͤñiglichen beſtaͤttiget; es waren ihme aber derenthalben die Ketzer ſehr haͤſſig / und auffſetzig / ſuchten auch anbey allerley gottloſe Mittel / wie ſie doch moͤch - ten ſeinen Namen und Ruf / wo nit gaͤnzlich veꝛnichten / wenigſt ſchmelern und verſchwaͤrtzen. Unter andern haben ſich einige Huſſiten zuſammen gerott / welche einen Boͤßwicht aus ihrer Sect dahin mit Geld vermoͤgt / daß er ſich fuͤr todt geſtellt / und nachmahls mit ſonderm Pracht zum Grab getragen worden; zugleich aber auch den H. Joannem gantz inſtaͤndig erſucht / er wolle doch Krafft ſeiner groſſen Vermoͤgenheit den todẽ Juͤng - ling zum Leben wiederum erwecken. Joannes durch goͤttliches Liecht vermerckt alſobald diſer Ketzer freche Boßheit / bricht de - rohalben in diſe erſchreckliche laute Wort aus vor jedermaͤñig - lichen: Diſer habe ſein Theil mit denen Todten / Ewig! E - wig! Uber welches die Huſſiten ſchimpflich gelacht / mit vielen hoͤhniſchen Wortẽ ſein Heiligkeit beſchnarchet / und ſich verlau - ten laſſen daß unter ihrer Zunft groͤſſere Heılige gefunden wer - den / wie ſie dann alſobald einem aus ihrer Geſellſchafft den Befelch geben / er ſolle zu der Todten-Sarch hinzu tretten / und den Verſtorbnen zum Leben erweckẽ / welches er ganz ſchleinigA a 3voll -190Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtelnvollzogen / und mit heller Stimm aufgeſchryen: Peter / ich ſa - ge dırs / ſtehe auff: Es wolt ſich aber der Peter an dieſe Wort nit kehren. Der ander widerholt ſeine Wort / ſchreyt / daß ihme ſchier das Maul aus dem Angl gangen / aber der Peter zaigt ſich ſtuͤtzig / und wolte ſeine Perſohn recht vertretten. Endlich zieht ihn der Geſell bey der Naſen / da find er bald / daß er ein rotziges Miracul begangen / zumahlen der Kerl in der Warheit Steintodt geweſen. Woruͤber jedermann mit auffgehebten Haͤnden GOtt und ſeine Allmacht gepriſen / die Raͤdelfuͤhrer aber diſer Tragœdi haben ſich ohne Verzug zu den Fuͤſſen des Heil. Manns geworffen / den wahren allein ſeeligmachenden Glauben urbiethig angenom̃en / und nachgehends ſich nacherAn. Mi - nor An. 1552. Rom begeben / daſelbſt die gantze Geſchicht allerſeits verkuͤndi - get. Die Stadt Preßlau in Schleſien / wann ſie will ihr altes Archivium durchblaͤttern / kan hiervon die beſte Zeugnus gebẽ.

Dergleichen Mackel und nicht Miracul kunte man die Menge beybringen / ſo aber allzu ſehr bekant / oder etwann dem Leſer moͤchten mehrern Verdruß / als contento verurſachen. Es iſt ſchon ſattſam hieraus abzunehmen / wie daß die warhaff - te Wunderwerck die Goͤttliche Allmacht allein wuͤrcke durch die Rechtglaubige / nit aber durch die boͤſe Feind / noch durch dero gewıdmete Zauberer / oder hartneckige Ketzer.

Es faͤhlen aber auch viel fromme / auch anbey Gottsfoͤrch - tige Chriſten / wann ſie gleich ein jede ſeltzame Sach mit dem Miracul-Klaid anlegen; dann zuweilen geſchicht es / daß ein laͤcherlicher Ausgang erfolget / wodurch nachmahlens unſere Glaubens-Widerſacher in ihrem Jrꝛthum geſtaͤrckt werdẽ / uñ folgſam die wahre Wunderwerck ein kleinen Glauben gewin - nen: ich kenne ſelbſt einen Geiſtlichen Medicanten-Ordens / welcher in ſeiner gewoͤhnlichẽ Traidſamlung von einer Baͤurin etwas zu eſſen begehrt / die aber neben aller Chriſtlichen Will - faͤhrigkeit ſich entſchuldigt / daß ſie gantz uñ gar nichts zu Haus habe: er bittet ferner / wenigſt nur um ein Ayrſchmaltz: auch nitein191groſſe Miracul und Wunderwerck.ein Ay / ſagt ſie hinwider / habe ſie dermahlen in ihrem Gewalt. Der halt weiter an / und zwar nur umb ein Brocken Schmaltz welches ſie guthertzig erthailt; worauf er gleich das Schmaltz in ein Pfann geworffen / ſelbe uͤber das Feuer geſetzt / welchem allem die arme Haut wol zugeſchaut / nur begierig des ſeltzamen Ausgangs. Der Geiſtliche verweilte nit lang / ſondeꝛn ſchraufft den Knopff von ſeinem Stecken hinweg / ſagt zugleich / GOtt werde ſchon helffen / und ſchut ein Menge des Ayrdotters in die Pfannen / daß ein haͤuffiges aufgebaͤmtes Ayrſchmaltz daraus worden / welches der Baͤurin ſo wunderbarlich vorkommen / daß ſie geglaubt / es ſeye eins aus den groͤſten Miraculen / kunte auf kein Weiß faſſen / wie der Dotter in den Stab kommen / mit dem er ſich kurtz vorher proviantiret; und da man ihr doch die gantze Sach umbſtaͤndig erwiſen / ſo hat ſie gleichwol nit gelaſſen / daß ſie nit zuweilen die Pfannen ausgeleckt / das ver - mainte Miracul dardurch zu verehren.

Warum aber / fragt ein Naſopodius, daß der Zeit ſo we - nig Miracul und Wunderwerck geſchehen / da doch bey Anfang der Chriſtenheit faſt alle Tag und Stund an allen Orthen groſſe Wunderwerck zu ſehen geweſt? deme iſt wol nit anderſt; ja die Erſtlingen des Chriſtlichen Glaubens haben faſt alle Miracul gewuͤrckt; Schuſter und Schneider / Tagwercker / und Baursleut haben ſolche Gnaden von GOtt gehabt. Ein manicher Haydniſcher Schmid-Geſell und Amboß-Bruder / ſo bald er getaufft worden / und den Hayland JEſum Chri - ſtum geglaubt / hat alſobald denen Apoſtlen gleich allerley Sprachen geredt / und offt mit Auflegung der ruſſigen Hand die ſchwartze Teuffel ausgetrieben / ꝛc. Wie es mit mehrern be -Cap. 10. zeugt Juſtinus contra Triphon. Tertullianus in Apologia, &c, So gar auch die Geſchichten der Apoſtlen.

Warum dann geſchehen dermahlen keine ſolche Miracul zu Wienn / wie zu Zeit des H. Severini, zu Augſpurg / wie zu Zeiten des H. Udalrici, zu Saltzburg / wie zu Zeiten des Heil. Virgi -192Judas Jſcharioth wuͤrcket gleich andern ApoſtlenVirgilii und Ruperti, zu Muͤnchen / wie zu Zeiten des Heil. Marquardi, zu Regenſpurg / wie zu Zeiten des H. Emerammi, zu Straßburg / wie zu Zeiten des Heil. Solarii, zu Wuͤrtzburg / wie zu Zeiten des Heil. Burchardi, &c.

Allhier antworten die H. H. Lehrer / worunter forderiſt gezehlt werden Auguſtinus mein Heil. Vatter / Gregorius der H. Papſt / ꝛc. Daß bey Anfang der Chriſtenheit ſolche Mi - racul und Wunderwerck ſeyen vonnoͤthen geweſt; dann durch das bloſſe Predigen waren die Hayden und Unglaubigen ſehr ſchwer zum Chriſtlichen Glauben gezogen worden / wann ſie nit durch dergleichen uͤbernatuͤrliche Zeichen waͤren geſtaͤrcket worden; weil aber dermahl der allein ſeeligmachende Glaub faſt allerſeits der Welt feſt gegruͤndet; alſo ſeyen der Zeit der - gleichen Wunderwerck nit mehr ſo nothwendig / gleichwie man pflegt den jungen und kleinen Pflantzen das oͤfftere Spritzwaſ - ſer zu ſpendiren / bis ſie wohl gewurtzlet ſeyn / nachgehends aber ſolches begieſſen unterlaſt. Auf ſolchen Schlag wolte anfangs der Welt Hayland ſeinen Glauben / ber bey vielen noch ſehr ſchwach / und unkraͤſtig ware / mit vilen Miraculen ſtaͤrcken / in - dem aber ſolcher nunmehr auf dem gantzen Erdboden feſt und taurend ſtehet / ſo zeiget er ſich billich geſparſamer in denen Miraculen / aufdaßanbey der Glaub hoͤher und mehrer in den Verdienſten ſteige.

Damit aber mein Naſopodius gleichwol wiſſe / daß an - noch bey dieſen unſern Zeiten kein Abgang der Miraculen ſey / alſo zeige ich ihm noch faſt taͤglich und ſtuͤndlich Wunderwerck / welche ihme nit allein den Glaubes-Wanckel gaͤntzlich beneh - men / ſondern ihne noch zu groͤſſerer Forcht GOttes / und Nachfolg der Heiligen anſporen ſollen.

Zu Caſtilverd in Spanien iſt ein ſchoͤne Kirch der Mut - ter GOttes zu Ehren auf einen hohen Berg gebauet / allwo alle Jahr in dem Monath Martio oder Mertzen am Freytag aus dem Meer drey Liechter empor ſteigen / nachmahls in Gegen -wart193Groſſe Miracul und Wunderwerck.wart jedermaͤnniglich durch die verſchloſſene Kirchen-FenſterMarin, Sicul. lib. 5. rer. Hiſpan. hinein dringen / und daſelbſt alle Lampen anzuͤnden. Dis ge - ſchicht noch alle Jahr.

Zu Attrebat ın der Thum-Kirchen wird ein Kedtzen auf - behalten / ſo von der Mutter GOttes ihren zweyen nemb - lich Iterio und Normanio eingehaͤndiget worden / welche Kertzen / ob ſie ſchon vilfaͤltig brinnt / ja von dero Abtroͤff-War vil andere Kertzen gemacht worden / gleichwol nit ein Nadel - ſpitz abnihmt / ſondern immerzu in ihrer Groͤſſe und Gewicht verharret. Fereolus an. M. C. V. Ein taͤgliches und ewiges Miracul.

Jn Jndien / allwo der Heil. Apoſtel Thomas die Mar -Greg. Turon. lib. 1. de Glor. Mart. c. 32. ter-Cron empfangen iſt ihme zu Ehren ein gar ſchoͤne Kirchen aufgericht worden / darinn durch ein immerwehrendes Mira - cul ſtets ein Lampen brinnt ohne Oehr / auch ſo gar das Daͤch - tel nit im geringſten gemindert wird.

Jn Spanien iſt ein Benedictiner-Cloſter / allwo der Fr. Koch / ſonſt gar ein frommer Religios, urdrieſſig worden / daß er alle Tag muſte den Aſchen von ſo haͤuffigem Feuer aus der Ku - chen tragen; dahero die Sach der Mutter GOttes beſter maſ - ſen anbefohlen / ſie wolle doch durch ihre groſſe Vermoͤgenheit ſolches vermittlen; woruͤber dann geſchehen / daß nit allein da - zumal der Aſchen nit mehr gewachſen / ſondern noch auff heu -Hiſt. Ben. c. 4. ad ann. 94. tigen Tag / da man auch ſolt hundert Klaffter Holtzverbren, nen / der Aſchen gleichwol niemal zunihmt. Ein ewiges Wun - derwerck.

Die Seelige Cunegundis ein Koͤnigin aus Pohln / nach. mahls ein Clariſſerin / ſtoſte einen Stecken in einen / nicht weit von dem Cloſter entlegnen Flus oder kleinen Waſſerſtrohm / zo - ge nachmahls den Stecken hinterwerts nach Haus den Berg hinauff. Siehe Wunder! das Waſſer folgt dem Stecken nachwading. in annal. An. 1333. wider ſein Natur / und flieſt noch auff dieſe Stund Berg auff. Ein ewiges Miracul.

Pars IV. B bDie194Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlen.

Die jenige rothe Erd / aus welcher Adam unſer erſter Vat - ter auff dem Damaſceniſchen Feld erſchaffen worden / wird vonPorchar - dus p. 1. c. 7. denen Saraceneren in der Menge ausgegraben / uñ in Egipten umbs Geld verhundlet / gleichwol durch ein immerwehrendes Miracul ſpuͤrt man nit / daß ſolche Erde auch ein Gand brait haͤtte abgenommen.

Das jenige Orth zu Läer in Weſtphalen / allwo die zwey Heli. Evvaldi aus Eegeland ſeynd ermordet worden / bleibt auf diſe Stund noch allezeit gꝛuͤn / und kan ihme ſolche Farb we -Petr. Sanct. c. 23. der groſſe Hitz / noch Kaͤlte nehmen / auch ſo man diſe Erd ſucht umbzuackern / ſo flieſt allemahl das helle Blut hervor. Ein e - wiges Miracul.

Zu Rom in dem Mamertiniſchen Kercker / hat der Heil. Petrus wunderbarlicher Weis ein Brun erweckt / wormit er Proceſſum und Martinianum getaufft. Dieſer Brunn iſt noch auf diſe Stund zu ſehen in einem hollen Stain / moͤcht uͤber ein halben Emmer Waſſer nit halten / gleichwol kan er auff kein ei - nige weis ausgeſchoͤpfft werden; wie man dann es mehrmhalBaron. An. 68. num. 24. probiert / gantzes groſſes Faß Waſſer daraus geſchoͤpfft / dan - noch nit ein Finger abgenommen / auch niemahlen ein Tropff Waſſer uͤbergangen / da er doch uͤber ein Spann nit tieff. Ein angenſcheinliches ewiges Miracul.

Es iſt ein Orth in Jrrland mit Namen Uſenach, alwo der Heil. Patritius vonzweyen Bruͤdeꝛn an ſeinem Kirchen Gebaͤu verhindert worden / weſſenthalben er alle Stein daſelbſt ver - flucht: worvon dann kommen / daß von ſelbiger Zeit an kein Stain allda zum Gebaͤu tauglich iſt / ja ſo man heut ein Maur von gedachten Stainen auffricht / Morgen ligt ſolche widerum auff der Erden / auch da man erſtgemelten Stain in ein WaſſerIn vita. c. 100. wirfft / ſo pflegen ſie nicht gleich andern zu pflumpffen / ſondern verſincken ohne einigen Hall / ꝛc. Ein ewiges Miracul.

Wie der Heil. Biſchoff Nicolaus einmahl auff der Raß etliche Bauren angetroffen / ſo dazumal dem Acker-Bau abge -wart195groſſe Miracul und Wunderwerck.warth / und ſelbe um den rechten und kuͤrtzern Weg befragt / da haben die guten Leuth den Heil. Mann gar hoͤflich tractiert / uñ ihme mit aller Lieb den rechten Weeg gewiſen / welches dem Heil. Biſchoff alſo wolgefallen / daß er GOtt dem Allmaͤchtigen gebetten / er wolle doch ihnen die ewige Gnad geben / daß ihre Pflugeiſen nimmermehr verzehrt wurden. Siehe Wunder!Beatil. in vit. S. Nic in Inſul. Caliſta. ſolche Pflugeiſen dauren ſchon etliche hundert Jahr / und ob ſie ſchon alleweil gebraucht werden / ſo wird doch nit eınes Haars groß an ihnen verzehrt.

Zwey Meil von der Koͤniglichen Hanpt-Stadt Prag ligt ein Ciſtercienſer-Cloſter Koͤnigſaal genant / allwo etliche Geiſtliche und Religioſen / deſſẽ Ordens von denen Ketzern auf einen Lindenbaum gehenckt worden; von derſelbẽ Zeit an tꝛagtHenr. 14. May. erſtgemelter Baum biß auf diſe Stund ſolche Blaͤtter wie die Capuccen der Ciſtercienſer. Ein immerwehrendes Miracul.

Jn des groſſen Maiſters Capellen der Malteſer wird ein Dorn auffbehalten aus der Cron|Chriſti des HErꝛn / welcher alle Jahr am Heil. Charfreytag von ſreyen Stucken anfangtBoſius in Hiſt. p. 2. lib. 7. zu gruͤnen und zu bluͤhen. Ein ewiges Miracul.

Wie der Heil. Vatter Benedictus ſich auff dem Berg Caſſinum verfuͤgt / da haben ihme 3. Raaben das Glaid ge - ben / welche nachmahls in dem nechſt beym Cloſter entlegnen Wald ihre Noͤſter gemacht / uñ vom Cloſter ihre Unterhaltung gehabt. Auf den heutigen Tag ſeynd noch einige Raaben von denenſelben Geſchlecht vorhanden / ſo taͤglich aus dem Wald zum Cloſter fligen / und allda ihre Nahrung ſuchen. Ein ewi -Lauretus in annot. l. 1. c. 1. ges Wunder.

Wo die Heil. Jungfrau und Martyrin Catharina be - graben ligt / fliegen alle Jahr noch an ihrem Tag allerley Voͤgel zu ihrem Gꝛab / und ein jeder opffert daſelbſt ein gruͤnes Zweigel ſambt der Frucht / ſo er in Schnabel traͤgt. Ein ewi - ges Miracul. Joann. de Monte Villa. lib. 1. de Peregrin.

B b 2Zwey196Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſteln

Zwey Meil von der groſſen Stadt Bononien iſt ein ſchoͤne Kirch unter den Titl der Mutter Gottes Maria / in diſe Kir - chen kommen jaͤhrlich ein groſſe Menge der gefluͤgleten Amei - ſen / und zwar / an keinem andern Tag / als in der Vigil unſer lie -Maſin. in deſcript. Mirab. Bonon. ben Frauen Geburts-Tag zu der erſten Veſper: ſolche Thierl begeben ſich alle auff den Altar der Mutter GOttes woſelbſt ſie das Leben laſſen / und diſes wird noch auff diſe Zeit beobacht. Ein augenſcheinliches Miracul.

Jn dem Hertzogthum Bayrniſt ein Dorff mit Namen Haßlach / worin ein Kirchen der Mutter GOttes und der 14. Nohthelffer / welche von dem Heil. Otto ſoll dediciert ſeyn worden / umb diſes GOttshaus iſt weder Maur noch Zaun / dannoch wird auff etlich Schritt kein einiges Thier hinzu na -Fornerus de Sacel. Hasla -〈…〉〈…〉 enl. hen / und ſo fern ein Roß / Kuh / Ochs / oder Gaiß hinzu gehet / ſo wird es alſobald Stockblind oder verreckt den Augenblick / welches vil hundertmal ſchon probiert worden. Ein ewiges Wunderwerck.

Zu Oſem in Luſitanien iſt ein Tauff Stain / welcher gantz laͤhr / und alle Jahr von dem Biſchoff daſelbſt in Gegenwart des gantzen Volcks am Antlas-Pfingſtag verſigilliret wird / ſo bald man aber ſelben am Oſter Sambſtag eroͤffnet / da find man ihn voll mit Waſſer / dergeſtalten / daß ſich das WaſſerGreg. Turon. de glor. Mart. c. 24. Spann hoch in die Hoͤhe baͤme / wie man pflegt das Traid zu meſſen / und doch nie ein Tropffen herab flieſt. Ein ewiges Mi - racul. Nachdem die Leuth ſolches nach Haus hauffen weis getragen ſo dann verſchwind es / und waiß man nit wie.

Zu Deckendorff in Bayrn / auff den Heil. Berg Andex, zu Bruͤſſel in Niderland / zu Seefeld in Tyrol / zu Ferraria in Welſchland / zu Augſpurg / in Schwaben / zu Paris in Franck - reich / zu Florentz in Hetruria, und in vielen andern Orthen / findet man durch ein ewiges Wunderwerck noch conſecrierte Hoſtien / worinnen das wahre Blut abnehmen kan.

Zu197groſſe Miracul und Wunderwerck

Zu Neapl in der Kirchen des Heil. Gregorii wird mit groͤ - ſter Reverenz auffbehalten in einem Chryſtallinen Geſchirr das Blut des Heil. Joannis Baptiſtæ; und ſo offt man bey dem - ſelben ein Heil. Meß liſt / und der Prieſter in dem Canone zu der Conſecrirung kommt / da fangt allemahl durch ein ewigesPetr. Sanct. in Mirac. perpet. c. 15. Miracul / das Blut zerflieſſen / ja gantz girig in die Hoͤhe zu ſteigen / als wollte Joannes auf ein neues ſprechen / ſihe das Lam GOttes / welches hinweg nihmt die Suͤnd der Welt.

Was kan wunderbaꝛlicher ſeyn / als das Blut der Heil. Claræ auf dem Berg Falco, welches ob ſchon gantz ausgedor - ret / gleichwol augenſcheinlich zerflieſt und ſich bewegt / ſo offtThom. Boz. lib. 15. c. 10. dem Welſchland einiges Ubel oder Ungluͤck herzunahet / ſo auch dazumal geſchehen / wie der Tuͤrck das Candia unter ſeine Macht bekommen.

Zu Barellos in Luſitania ligt auſſerhalb der Stadtmauer ein Kirchel / ſo den Namen hat beym guten JEſu / alldort ſicht man ein ewiges Wunderwerck im Sand; dann alle Jahr am Tag Creutz Erfindung und Creutz Erhoͤhung / wie auch amPeta. Sanct. in Mirac. perpet. c. 13. Heil. Charfreytag erſcheinen daſelbſt viel 1000. Creutz in dem Sand in Gegenwart eines unbeſchreiblichen Volcks / uñ ſeynd ſolche ſo gut und wohlgeſtaltet / daß ſie auch der beſte Mahler nit beſſer koͤnte zaichnen.

Jn der Kirchen des Heil. Sixti zu Rom iſt ein Bild der Mutter GOttes / ſo der H. Lucas gemahlen / dieſes Bild ver - aͤndert alle Jahr am Charfreytag die Farb / und pflegt gantzMartin. de Imag. S. Sixti. zu erbleichen. Ein ewiges Miracul.

Die Bildnus unſer Lieben Frauen zu Carbonarii in Welſchland / zu Rottenburg in Teutſchland / zu Grienthal in Sicilia, zu Czeſtochou in Pohln / zu Caſſiani in Apulia, und auch in vilen andern Gnaden-Orthen / koͤnnen durch ein ewiges Wunderwerck von keinem Mahler renoviert oder er - neuert werden / maſſen es vielfaͤltig probirt worden / und alle - mahl die Farb nit gehalten / oder gleich verſch wunden / oder wolB b 3gar198Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern ApoſtelnGump. de Imag. Mirac. gar die Hand des Mahlers gaͤntzlich erſtar ret / und unbrauch - bar worden.

Zu Venedig in der Kirchen der Cloſter-Jungfrauen S. Claræ zeigt man einen Heil. Nagel / wormit die Fuͤß unſers Haylands JEſu an das Creutz gehefftet worden: in diſem Na -Zillottus in libr. Mont. Cæl. gel ſeynd etliche rothe Macul abzunemmen / welche aber alle Jahr durch ein ſtettes Wunderwerck am H. Charfꝛeytag gantz friſch und gleichſam wie ein lebendiges Blut ſcheinen.

Jn Sabaudia iſt ein Cloſter S. Mauritii zu Agauni, in wel - chen ein kleiner Teich oder Weyer / worinn aber nit mehr Fiſch auffbehalten werden als Muͤnch in Cloſter ſeynd. Nun iſt bis -Baldeſſa - nus in Hiſt. 8. Mauritii. hero ſchon durch ein immerwehrendes Miꝛacul geſchehen / daß ſo offt ein Fiſch in der Hoͤhe ſchwim̃t / und bereits abſtehet / zu - gleich etliche Tag hernach ein Geiſtlicher mit Tod abgehe.

Wie der Heil. Wenceslaus von ſeinem gottloſen Bruder Boleslao iſt jaͤmmerlich ermordet worden / und das Blut haͤuf -In vit. 8. Wencel ſig an die Wand geſpritzt / ſo kan man noch auf heutigen Tag durch ein ewiges Wunderwerck beſagtes Heil. Blut auff kein Weis von der Wand bringen.

Aus dem Grab der Heil. Jungfrau und Martyrin Ca - tharinæ auff dem Berg Sinai, &c. Aus dem Grab der Heil. Walpurgæ zu Aichſtett; auß dem Grab des Heil. Quirini, zu Degern-See / aus dem Leib der Heil. Seraphiſchen Mutter Thereſinæ, aus dem Kopff des Heiligmeſſigen Bartholomæi Villisponenſis unſers Ordens flieſſet immerdar ein wunder - barliches Oehl / welches allerley Kranckheiten wendet / ꝛc. Ein ewiges Miracul.

Der Leib des Seeligen Ugolini, Joannis Chiſii, Eliſabeth Ardiſi, Antoniiab Aquila, der Seeligen Zittæ, Helenæ Uti - nenſis Chriſtinæ Spoletanæ, Andreæ in Monte Regala, An - conii Monticiani, Antonii de Amandula, Clara de Monte Falconis, der Seeligen Rittæ, und endlichen unſers Heilig - meſſigen Joannis à S. Guilelmo zu Battiniani in Hetruria, alleunſers197[199]groſſe Miracul und Wunderwerckunſers Ordens ſeynd ſo viel Jahr und Zeit durch ein ſtettes Wunderwerck unverſehrt; zu geſchweigen vil tauſend anderer aus andern Heil. Orden und Staͤnden / deren Anzahl faſt un - zahlbar ſcheint. Es muß jemand einen groben und gar Ketze - riſchen Cathar haben / wann er zu Padua nit riechet den uͤber - natuͤrlichen lieblichen Geruch / ſo da gehet von dem Heil. Grab und Leib des wunderthaͤtigen Antonii Paviani, &c.

So muß dann ein frecher Naſopodius nit vorgeben / daß bey diſen unſern Zeiten keine Miracul uñ Wunderwerck mehr geſchehen; indem die Menge derſelben kunte auf die Bahn ge - bracht werden. So will ich auch dermalen umgehen die groſſe Wunder / ſo im̃erzu geſehen werden zu Loreto in Welſchland / zu Zell in Steyꝛmarckt / zu Alten-Oetting in Bayrn / zu Einſidel in Schweitzerland / zu Czeſtochou in Pohln / ꝛc. Woraus Sonnenklar erhellet / daß der allmaͤchtige GOtt noch nit auf - hoͤrt Miracul uñ Wunderwerck zu wuͤrckẽ zu mehrer Glori ſei - ner Heiligẽ / forderiſt ſeiner uͤbergebenedeyten Mutter Mariæ.

Wir Menſchen aber und geſambte Adams, Kinder muͤſſen ohne aͤuſſerſte Noth von GOtt keine Miracul begehren / noch einige Wunderweꝛck hoffẽ / ſo lang die menſchliche Huͤlff etwas auswuͤrcken kan / dann er gar nit will / daß wir die Haͤnd in den Sack ſchieben / uñ ſem Goͤttliche Allmacht uns ſolle durch lau - ter Miracul erhalten; maſſen er gantz erbiethig iſt unſerer Schwachheit beyzuſtehn / nit aber in uns die Faulheit zu ziglen.

Nöe der Heil. Altvatter ſchickt Anfangs einen Raaben aus der Archen / damit diſer ſchwartze Geſell ſolle den Aviſo uñ Nacht icht einhollen / ob die Waſſer des Suͤndftuts im auf oder abnemmen ſeyn. Der Hedræiſche Text lautet gantz klar / daß diſer Galgen-Stiglhitz ſeye wieder zuruck kommen / aber von dem Nöe nit mehr in die Archen eingelaſſen worden. Entge - gen aber / ſo bald die ausgeſandte Tauben ihren Ruckweeg ge - nommen / da hat ſie der Nöe mit den Haͤnden ergriffen / und wi - derum in das groſſe Schifflogiert. Es ſcheint hierinfahls / alswaͤre200Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlen.waͤre der gute fromme / alte Vatter gar zu Partheyiſch geweſt / daß er ſich gegen der Tauben ſo willfaͤhrig und guthertzig erwi - ſen / den Raben aber zu ſcharpff und unguaͤdig: aber deme iſt nit alſo ſondern GOtt wolte hierdurch zaigen / daß / wer durch ſei - nen aignen Fleiß und Muͤhwaltung ſich kan ernaͤhren / ihne GOtt durch kein Wunderwerck nit wolle erhalten. Der Raab hatte Toden-Aas genug / ſo hin uñ her auf dem Waſſer ſchwum - men / daheroſchaue er ihme gleichwol umb ſeine Nahrung / aber die arme Taub hatte nichts / wormit ſie ſich kunte erhalten / da - hero ſie GOtt wiederumb durch die Haͤnd deß Nöe in der Ar - chen geſpeiſt.

Wer friſche und geſunde Glider hat / wer bey guten Leibs - Kraͤfften iſt / der muß nit den gantzẽ Tag in der Kirchen hocken / der muß nicht allen Weichbrunn ausſchlecken / und nachmahls warten / biß ihm GOtt / durch ein Wunderwerck die taͤgliche Unterhaltung ſchicke / das nit / das gar nit / ſondern er muß ſich ſelbſt umb ein Stickel Brod bewerben / allen Fleiß anwenden / wie er ſich ehrlich ernaͤhꝛe. Die Apoſtel ſelbſt / ſeynd von Chriſto dem HErrn in die gantze Welt ausgeſand worden / das heilige Evangelium auszubraitten / man weiß aber nit / daß ſie waͤren durch Engliſche Haͤnd / oder andere Wunderwerck geſpeiſt und ernaͤhrt worden / ſondern Paulus bekent es ſelbſt / daß / wann er habe wollen eſſen / habe er vorhero muͤſſen arbeiten / und etwas verdienen / Operantes manibus veſtris. &c.

Es iſt nit ein geringe Frag / wie ſich doch der 12. jaͤhrige JEſus die 3. Tag zu Jeruſalem erhalten / als er in dem Tempel gelehrt? es iſt gar nit glaublich / daß ihn die Rabiner haben zu Tiſch geladen: dañ die maiſte aus ihnen ſchambten ſich / daß ein ſolcher junger Knab mehrer verſtehe als ſie: desgleichen ſagt auch das Evangelium, daß die Anverwandte und Befreunde ſich ſeiner nit haben angenommen. Es geſchicht wol oͤffter / daß einer von Landfrembden ehender ein Gutthat empfanget / als von ſein en aignen Blutsverwandten. Die maiſte Lehrer ſeyndder201Groſſe Miracul und Wunderwerck.der Auſſag / daß er von Haus zu Haus habe das Brod gebett - let / und ſich alſo erhalten. Freylich haͤtte er leicht koͤnnen dem Himmel befehlen / daß er ihme ein Manna ſchicke / gleich denen Jſraelitern in der Wuͤſten / aber weil er ſich natuͤrlich kunte er - halten / ſo wolte er zu keinem Miracul ſchreitten / uns zu einer ſonderer Lehr / ſo lang wir uns koͤnnen durch menſchliche Emb - ſigkeit durchbringen / daß wir uns auf keine Miracul ſollen ver - laſſen.

Hundert und hundert Exempel koͤnnen beygebracht wer - den / wie GOtt der Allmaͤchtige durch ſondere Miracul und Wunderwerck die arme Geiſtliche / Auguſtini, Dominici, Fran - ciſci, &c. Und andere Ortens geſpeiſt hat; es ſeynd mehr - mahlen die Engel vor die Porten kommen / und gantze Koͤrb voll Speiſen abgelegt / es iſt offt Kuchel und Keller fuͤr ſich ſelbſt angefuͤllt worden / es iſt nit ſelten das Brod gewachſen bey der Taffel / ꝛc. Aber dergleichen Miracul ſeynd niemal ge - ſchehen ohne die groͤſte Noth. Wie lang die Geiſtliche haben koͤnnen durch gewoͤhnliches Bettlen das Allmoſen ſuchen / und gute Patron aller Orthen finden / ſo lang hat GOtt keine Mi - racul gewuͤrckt; dann ſein allerweiſeſte Vorſichtigkeit alſo der Menſchen Wandel regiert / daß ſie memahlen unſere moͤgliche Mitwuͤrckung ausſchlieſt / ꝛc.

Der allmaͤchtige Gott hat die Jſꝛaeliter 40. gantzer Jahr in der Wuͤſten durch ein ſtettes Wunderwerck erhalten / der frey - gebige Him̃el hat ihnẽ das herꝛliche Manna geſpendirt / 40. gan - tzer Jahr iſt nit ein Faden miraculoſer Weiß an ihren Klaidern zerriſſen / ꝛc. So bald ſie aber aus der Wuͤſten kommen / und in ein gutes bewohnliches Land gerathen / da hat GOtt mit ſeinẽ Miraculen aufgehoͤrt / da hatsgehaiſſen / helfft euch ſelber / an - ietzo ſeynd menſchliche Mittel ſchon moͤglich ietzt flick ein jeder ihme ſein Joppẽ ſelbſt / oder ſchaue gleichwol / wo Schneider uñ Schuſter anzutreffen / ietzt treib ein ieder ſein ehrlichs Gewerb / und ſchaffe ihme ſelbſt das Brod ins Haus / dann die GoͤttlichePars IV. C cMira -202Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern ApoſtelnMiracul finden ſich nur dazumahl ein / wann Menſchen Huͤlff unmuͤglich

Dem groſſen Mann Eliæ hat GOtt der HERR in der Wuͤſten und Einoͤde einen wunderlichen Koſtherrn beſtellt / dann aus ſeinem Befelch muſten die Raaben alle Tage ihme zweymahl Brod und Fleiſch bringen. Diſes ware eins aus dem groͤſten Wunderwercken; maſſen der Raaben Natur iſt / lieber und ehender ſtehlen als geben / gleichwol muſten die Galgen - Voͤgel diſes Contralor-Ambt verrichten. Aber liebſter GOtt / weil dein Guͤte doch ſo groß / daß du deinen Diener Eliam mit der taͤglichen Tafel verſiheſt / worfuͤr tauſend und abermal tau - ſend Deo gratias, aber wo bleibt der Trunck? das Fleiſch iſt ſchon recht / aber wo bleibt die Flaſchen? naſchen ohne Flaſchen getaͤuet nit wol. Hoͤre mich / GOtt der HErꝛ hat geſehen / daß menſchlicher Weis Elias in diſer erſchroͤcklichen Wuͤſten / wo nichts als Baͤumer / Hecken / uñ Stainklippen keine Nahꝛungs - Mittel hat haben koͤnnen / alſo hat er ihn durch ein Miracul er - naͤhrt aber umb den Trunck hat er ihm ſelbſt koͤnnen ſchauen / dann er war nit weit von dem Bach Carith, da Waſſer ſatt und gnug

Wann alſo der Menſch durch aignen Fleis / Arbeit und Muͤhe kan bekom̃en und erwerben / daß muß er auff kein Weis durch Miracul ſuchen. Ein ſolches Weib / welches ſcheint / als waͤre ſie mit lauter Heiligkeiten gefuͤttert / wann ſie den gantzen Vormittag in der Kirchen verharret / und ſo eifrig bettet / daß ihr die Zaͤhn rogl werden / unterdeſſen aber glaubt / daß die En - gel werden die Stuben auskehren / und das Kraut einbreñen / thut unloͤblich und unrecht / zumahlen ſie ohne Noth GOtt den Allmaͤchtigen will verſuchen / und zu einem Miraculzwingen.

Es hat bey erſter Erſchaffung der Welt GOtt der HErꝛ dem Erdboden befohlen / er ſolle Augenblicklich allerley Pflan - tzen und Fruͤchten hervor bringen / ſo auch geſchehen; diſe ſeine Allmacht iſt noch nit ausgeſchoͤpft / uñ was er dazumal gethan /das203groſſe Miracul und Wunderwerck.daß in ihme allzeit moͤglich / allein er thuts nit / ſondern will / daß auch der Menſch ſeinen Fleis und Arbeit daꝛzu geſelle; noch hat er befohlen / daß wir durch lauter Pater noſter, und Ave Maria den Acker ſollen bauen / ſondern ſein Gaͤttlicher Will iſt / daß wir auch den Pflug und harte Arbeit ſollen an die Hand nem - men. Wann Gedeon haͤtte koͤnnen mit Betten das Traid aus - treſchen / ſo haͤtte er den Flegel oder Driſchel wohl ligen laſſen; wo Menſchen-Mittel etwas richten koͤnnen / da muß man bey GOtt nit umb Miracul anklopffen.

David hat ſich bey der Hoff-Stadt des Koͤnigs Achis in der groͤſten Gefahr befunden / was thut er / damit er das Leben ſalviere? er hat ſich gantz naͤhꝛiſch geſtellt / und hat aller Maͤuler gemacht / wie die Griechiſchen Buchſtaben / und hat Geſichter geſchnitten / als waͤre er 3. Jahr bey einen Maul-Affen in die Schul gangen / er iſt hın und her trampelt / als haͤtte er einen Bauren-Kirchtag celebriert / er hat ſich in allen naͤrriſch und anbrenntzaigt / und mit ſolcher Weis das Leben ſicher durchge1. Reg. 21. v. 13. bracht.

Wie daß aber David, der in ſo groſſen Gnaden und Anſe - hen bey GOtt geſtanden / ihn nicht gebetten / daß er ihne durch ein Miracul aus der groſſen Gefahr errettet / und etwan einen Engelſchicke / der ihn gleich dem Habacuc an ein anders Orth uͤbertrage? Abulenſis antwortet hier gar weislich / daß David mit gutem Gewiſſen nit hat koͤnnen ſich auff ein Wunderwerck verlaſſen / ſo lang er natuͤrlicher Weis ihme ſelbſt hat koͤnnen helffen.

Anno 1683. haͤtte Gott durch einen Engel / wie zu Zeiten des Sennacherib gar leicht koͤnnen die gantze Tuͤrckiſche Armee bey Wienn erſchlagen; er haͤtte koͤnnen einer einigen Wepſen befehlen / daß ſie einen jeden Tuͤrcken nur ein Stich auff die Stirn verſetze / worvon er unſinnig wurde; er haͤtte koͤnnen ma - chen / daß alle ihre ausgeſchoſſene Kugel / und alle abgedruckte Pfeil in ihre aigne Bruſt waͤren zuruck gekehrt; er kunte nochC c 2machen204Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andern Apoſtlenmachen / daß wir gleich dem Petro das Waſſer moͤchten tretten / ja mit truckenen Fuͤſſen uͤbeꝛ den Sauflus paſſiren: er kunte gaꝛ leicht machen / daß alle Paſteyen und Veſtungs-Werckeꝛ zu Bel - grad oder Griechıſchweiſſenburg thaͤten niederfallen / wie die Mauren zu Jericho; aber er macht ohne Noth kein Miracul und Wunderwerck / ſondern er will / daß wir die Waffen ergreif - fen / allen erdencklichen Kriegs Ernſt an die Hand nehmen / ein beſtens mondierte Armee auf die Fuͤs ſtellen / die erfahrneſte Feld-Herren und Kriegs-Obriſte erkieſen / die Proviant-Haͤu - ſer allerſeits wohl anfuͤllen. In Summa, alle moͤgliche Mittel er - greiffen: wann wir dergeſtalten werden thun / was wir koͤnnen / ſo dann wird GOttes Mithuͤlff nit manglen. Wann aber dir menſchliche Mittel und aller natuͤrlich angewendter Fleis nichts wuͤrcken kan / ſo dann kommt GOtt maiſtens mit einem Wunderwerck zu Huͤlff.

Nachdeme Lazarus als ein Bruder Magdalenæ und Marthæ durch Chriſtum den HErrn vom Todt aufferweckt worden / hat er ſich alſobald zu den Juͤngern des HErrn geſellet / und ſo lang er gelebt / nimmer mehr gelacht / ſondern allezeit mit groͤſtem Eifer das Evangelium geprediget; weſſenthalben er auch zu Maſſilien Biſchoͤff erwaͤhlt worden / daſelbſt einen ſehr Heil. Wandel gefuͤhrt / und nachgehends ſeelig verſchiden / da - hero erbey der Catholiſchen Kirchen als ein Heiliger verehret wird / ꝛc. Bey dieſes Lazari vom Toden Erweckung haben ſich vil denckwuͤrdige Sachen begeben. Unter andern iſt ſich nit ein wenig zu verwundern / daß unſer lieber HErr durch ein ſonders Miracul ihm vom Toden erweckt; anbey aber ſeinẽ anweſendẽ Juͤngern befohlen / ſie ſollen ihme / dem Lazaro die Brandt und Leinwath / worein er gewickelt worden / nach Brauch der He - bræer / aufloͤſen / und gaͤntzlich frey machen. Hat der gebene - deite HErr koͤnnen ihme durch groͤſtes Wunderwerck wieder - umb das Leben ertheilen / ſo haͤtt er auch / und weit leichter ihne koͤnnen loß machen von ſeinen Banden / aber ſolches darum nitgethan /205groſſe Miracul und Wunderwerck.gethan / ſondeꝛ es den Juͤngeꝛn anbefohlen / uns zu einer ſondeꝛn Lehr / daß man das jenige / was denen Menſchen muͤglich iſt zu thun / von GOtt durch ein Miracul nit ſoll ſuchen.

Wilſtu ein gelehrter Mann werden / ſo thue neben deinem eifrigen Gebet auch fleiſſig dem Studieren obligen / und warth nicht / daß dir GOtt Miraculoſer Weis die Doctors Kappen auffſetze.

Wilt du dein Weib und Kinder ehrlich ernaͤhren / ſo muſt nit allein alle Tag ein Heil Meß hoͤren; und dein gantzes Haus - weſen GOtt dem HErrn allein uͤberlaſſen / ſrndern auch in deinem Gewerb und Arbeit kein Fleis ſparen; dann Mira - culoſer Weis wird dir das Brod nicht in das Haus kommen / wann du dir ſelbſt helffen kanſt.

Wilſtu von deiner Kranckheit wiederum geneſen / und die gewuͤnſchte Geſundheit haben / ſo iſt es nit genug / daß du de - renthalben etliche Wahlfahrten verſprecheſt / und bey GOtt embſig anhalteſt / ſondern es wird auch erfordeꝛt / daß du natuͤr - liche Mittel ergreiffeſt / und nit gleich die Miracul ins Beth citiereſt.

Wilſt du / daß dein Haus / indeme des Nachbauren ſeines ſchon in voͤlligen Flam̃en ſtehet / ſolle vom Feuer befreyt ſeyn / ſo iſt zwar gut und lobwuͤrdig / daß du die Haͤnd zu GOtthe. beſt / aber du muſt zugleich die Haͤnd anlegen / und dich nit ver - laſſen / daß durch ein Miracul das Feuer die Krafft verliehre / wie in dem Babyloniſchen Ofen. Wohl ſpricht Rupertus: Ibi tantùm Divinam præſtolemur Potentiam, ubi humanam conſtat deficere induſtriam; Dazumal muß man durch einIn Evan - gel. de Lazar. Miracul GOttes Macht erwarthen / wo Menſchen Huͤlff und Fleis zu ſchwach iſt.

C c 3Judas206Judas der Gewiſſenloſſe Boͤßwicht

Judas der Gewiſſenloſſe Boͤtzwicht hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.

DEr da ſolchen nichtswertigen Menſchen einem Eſel ver - gleichet / hatte ſattſame Urſach hierzu / ich aber halt diſen gottloſen Geſellen gleich einem Pferdt / und zwar jenem Trojaniſchen / welchen von Holtz ſehr kuͤnſtlich verfertiget / ab - ſonderlich / aber wegen ſeiner ungeheuren Groͤſſe hoͤchſt zu ver - wunderen. Die gute / und dißfals in etwas einfaltigẽ Trojaner hielten ſolche Machina fuͤr ein Sieg-Zeichen / und glaubten / es werden ſolche ihrer ohne das beruͤhmten Stadt fuͤr ein ewige Gedaͤchtnus dienen eines unſterblichen Triumphs; wuſten a - ber nit / daß diſe groſſe hoͤltzerne Stueten tragend ſeye / nicht zwar mit einem Fuͤllel / wohl aber mit vielen bewaffneten und Hertzhafften Soldaten / ſo nachgehens bey naͤchtlicher Weil in aller ſtill heraus geſtigen / und der edlen Stadt den Unter - gang verurfachet.

Gut / fromm / redlich / heilig / zuͤchtig / treu / gewiſſenhafft / eifrig / Apoſtoliſch ſcheinte Judas Iſcarioth die gantze Zeit / ſo gar auch noch bey den Fuͤswaſchen / und letzten Abendmahl; den andeꝛn Apoſteln iſt der mindeſt Gedancken nit eingefallen / daß einer unter ihnen ſoll ein Schelm ſeyn / nichts deſto weni - ger hat der HErr JEſus ſchon geſehen / daß der Sathan und boͤſe Feind das voͤllige Hertz Judæ eingenommen / und er in Ge - dancken ein zimliche Zeit hero ſchon beſchloſſen / diſes Goͤttliche Lam den unerſaͤttlichen Hebræiſchen Woͤlffen zu uͤberantwor - ten: dahero Gedancken halber / und verruchten Willenshalber er dazumahl ſchon als ein Veꝛraͤther / gefuͤndiget / und des Tods Chriſti JEſu ſchuldig; wann auch nachmahls der Sohn Got -Jocn. 13. v. 2. tes nit waͤre an das Creutz gehefftet worden. Cùm diabolus jam miſiſſet in cor, ut traderet eum Judas.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch ſitzen viltauſend207hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.tauſend Rechtglaubige beym Teuffel / die kein Laſter began - gen.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch ſeynd vil tauſend Catholiſche Chriſten in der Hoͤll / die nichts boͤſesge - than.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch ſeynd vil und aber viel ewig verdambt / die nichts Ubels gethan.

GOtt iſt gerecht / gerecht iſt GOtt / und dannoch iſt ein großmaͤchtige Anzahl der jenigen / welche ſein Goͤttliches An - geſicht auffewig nit werden anſchauen / die gleichwol kein Ubel begangen.

Daß Cain beym Teuffel / iſt kein Wunder / dann er hat ein Todtſchlag begangẽ / daß Achan in der Hoͤll / iſt kein Wunder / dann er hat geſtohlen / daß Pharo ewig verdambt / iſt kein Wunder / dañ er hat die falſchen Goͤtter angebettet / daß Holo - fernes ewig verlohren / iſt kein Wunder / dañ er hat ſich voll ge - ſoffen / daß Jezabel in dem Abgrund / iſt kein Wunder / dann ſie hat die Propheten des HErrn verfolget. Aber daß vıel / und leyder! gar vil ewig verlohren / ewig verdam̃t / ewig ungluͤckſee - lig / die doch nichts boͤſes gethan / das iſt ein Wunder.

Welche das Silber an ſich gezogen / wie der Magnet das Eiſen / fuͤr diſe gehoͤrt die hoͤlliſche Schmidten; welche immerzu panquetiert / und gleich denen Fieder-Maͤuſen geweſt / ſo aus der Nacht ein Tag machen / diſe gerathen billich in die aͤuſſeꝛſte Finſternus; welche ungerecht geurtheilt / und ein Aug zuge - kruckt / wie die jenige / ſo durch das Perſpectiv ſchauen / die habẽ verdient / daß ſie das Goͤttliche Angeſicht ſollen ewig beraubt werden; welche ſtoltz geweſt / uñ ſich auff geblaͤet / wie ein Froſch im Fꝛuͤhling / die werdẽ billich geworffẽ in die hoͤlliſche ſtincken - de Kothlachen; welche ſich zornig gerechnet / wie ein Breñeſſel / die man ſchier nit darff anruͤhrẽ / die werden rechtmaͤſſig zu dem verdammten Unkraut gebunden; welche dem Fleiſch nachge - ſchnapt / und nachdapt / wie der Raab den ſtinckenden Aaß / diegehoͤ -208Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwichtgehoͤrẽ recht unter die hoͤlliſche Galgen-Voͤgel. Aber die nichts deꝛgleichen gethan / und dannoch unter dem Veꝛdambten / Ver - lohrnen / Verfluchten / Verſtoſſenen / Vermaledeitẽ ſitzen / das ſcheint ſeltzam: und iſt doch wahr und bleibt wahr / daß vil der - gleichen gezehlt werden. Dann es iſt zu wiſſen / daß nit allein die jenige Gottlos handlen / ſich hoch verſuͤndigen / die Gebott Gottes uͤbertretten / ſo etwas unrechts thun / ſondern auch die - ſelbige / ſo etwas unrechts thun wollen; dann ob ſie ſchon die Goͤttliche Majeſtaͤt mit dem Werck ſelbſten nit belaidigen / ſo offendieren ſie doch dieſelbe mit den Willen / worvon dann herruͤhret / daß viel tauſend und tauſend in den hoͤlliſchen Ab - grund gerathen / nit wegen der boͤſen Werck / noch weder der boͤ - ſen Wort / ſondern wegen der boͤſen Gedancken. Und du / O verblendter Menſch! ſchnitzleſt dir noch die Freyheit / als ob die Gedancken Zoll frey waͤren.

Unſer gebenedeyter HErr und Hayland / nachdem Er mit fuͤnff Brod und 2. Fiſch fuͤnff tauſend Menſchen wunderbar - licher weis geſaͤttiget / ſo ſolches Brod ſo erklecklich geweſt / daß noch zwoͤlf Koͤrb vol der Brocken geuͤbriget worden: nach allen dieſen / da das geſambte Volck ihne zum Koͤnig und Oberhaubt erwaͤhlen wollen / hat er ſowol andern Leuthen als foderiſt de - nen Apoſtlen vorgetragen / wie daß ſein Fleiſch und Blut ihnen werde zur Speis und Tranck werden. Ob welcher Red die Zwoͤlffe nit ein wenig geſtutzt. Endlich gab er es ihnen gantz deutlich zu verſtehen / wie daß etliche aus ihrem Collegio ſehrJoan. 6. v. 23. ſchwach uñ wanckelmuͤthig im Glauben waͤren / ja es ſeye einer aus ihrem Gremio gar der Teuffel / und vermainte hierdurch den Iſcarioth.

O mein Erloͤſer / ſoll dann Judas ſchon ein ſolcher Schelm ſeyn? weiß man doch von keinem Laſter / võ keiner Unthat / er iſt ein wuͤrckliches Mitglid des Heil. Collegii, er wird gleich an - dern Apoſtlẽ verehrt / es gehet ihme ja nichts ab / als der| Schein ſonſt waͤre er Heilig / kuͤſſen ihne doch die kleine Kinder auff derGaſſen209hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Gaſſen die Haͤnd / und halten ihn vor einen groſſen Diener Gòttes / und er ſoll nichts nutz ſeyn? ja nit allein nıchts nutz / ſagt der Hayland / ſondern er iſt der Teuffel ſelbſt. So gibts dann rothe Teuffel auch / mein Herꝛ? ja / Iſcarioth iſt ein ſolcher / und zwar darum; dann er hat in Sinn den Sohn GOttes zu verrathen / er hat es zwar noch nit werckſtellig gemacht / aber er hats im Sinn / und deſſentwegen iſt er ein Teuffel. So hoͤre ich wohl / ſo machet einen auch ein boͤſer und gottloſer Gedan - cken zu einen Teuffel / und verdamten Menſchen. Wıe thor - recht ſeyn dann jene Adams-Kinder / welche die Gedancken fuͤr Zollfrey halten!

Ein manche kom̃t in Beichtſtuhl / nachdem ſie etliche Un - vollkommenheiten dem Pater in die Ohren geſagt / fangt an ein geſpitztes Maul zu machen / als wann ſie wolte Federmeſſerl ſpeien / ſagt gantz ſtill / ſtill / damits die Canaribruth nit erſchroͤ - cke / gantz ſtill / ſie habe etliche Gedancken gehabt / weiter nichts / das andere bleibt hinter der Spaniſchen Wand. Was fuͤr Ge - dancken? etwann von dem Laͤmel / ſo der gute Huͤrt auff ſeinen Achſelen tragt? es laͤmlet ſich nichts / aber es bloͤcket ſich wol: et - wann hat ſie ein ungebuͤhrende Lieb getragen / gegen einen an - dern / und im Siñ gehabt ihrem Ehe-Herꝛn ein Lateiniſche Yp - ſilon auff die Stirn zu machen? etwas dergleichen / ja / aber es iſt nit geſchehen / es ſeynd einige Verhindernus darhinter kom - men. Weiß ſie was? ſie iſt ein Ehebrecherin. Holla Pater, nit einmal ein Ehebiegerin / weniger ein Ehobrecherin / das falt meiner Ehr ſehr ſchimpflich / indem man mich einer ſolchẽ La - ſteꝛthat bezichtiget; wañ ich ſchon dergleichẽ Gedanckẽ hab ge - habt / was iſt es mehr? mit den Gedancken beiſt man einem kein Ohr ab / mit denen Gedancken ſchlagt man die Fenſter nit ein / mit denen Gedancken ſtoſt man dem Faß dam Boden nit aus / ꝛc. Jch wider holls es / ſie iſt ein Ehebrecherin / und hat die Ehe gebrochen in ihrem Hertzen / und wann ſie in diſem Gewiſ - ſenſtand waͤre geſtorben / ſo waͤre ſie zweıffels ohne ewig veꝛdor -Pars IV. D dben210Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwichtben. Sie wird ja Chriſtum JEſum als die ewige Warheit nit Lugen ſtraffen / ger da geſagt hat bey den Evangeliſten Matth. c. 5. Et ego dico vobis, &c. Jch aber ſage euch / daß ein jegli - cher / der ein Weib anſihet / ihrer zu begehren / der hat ſchon die Ehe gebrochen mit ihr in ſeinem Hertzen: desgleichen iſt von ei - nem Weib zuverſtehen / die ihre Gedancken auff einem andern Mann ſetzet.

Dahero boͤſe Gedancken auch ohne Werck einen koͤnnen in die Verdamnus ſtuͤrtzen / aber die Werck ohne boͤſe Gedan - cken koͤnnen es nit.

Stengelius erzehlt ein faſt laͤcherliche Geſchicht. Es waren in einẽ Doꝛffzwey Nachbauꝛn / die aber beyde nur ein Scheuꝛn oder Stadl hatten worin ſie ihr Korn oder Keml aufbehalten. Diſe erſtgemelte Bauren hatten an ſich gar ungleiche Sitten / maſſẽ einer gar ein arger und karger Vogel / der in allwegs da - hin getracht / wie er aus frembden Haͤnden moͤchte Riehmen ſchneiden: der andere aber ein einfaͤltiger / anbey aber ſehr ge - wiſſenhaffter Mann / deme nichts als die Redlichkeit im Buſẽ geſteckt / wider das gemeine Sprichwort: die Baurẽ ſeynd Lau - ren / ſo lang ſie dauren. Der erſte als ein eıgennutziger Geſell hat bey ſich beſchloſſen / dem andern als ſeinem Nachbaurẽ den Traidhauffen zu rupffen / erwaͤhlte aber hierzu kein bequemere Zeit als die Nacht / ſo maiſtens aller Dieb ein Mettermantel uñ Deck mantel muß abgebẽ; damit eꝛ aber beyd finſtern Nacht wiſſe / welches das Seinige / uñ des Nachbaurẽ Traid ſeye / alſo hat er gegen den Abend ſeinen alten Rock oder Joppen auf dẽ Traidhauſẽ des Nachbaurn gelegt / damit er nachmals bey an - brechender finſtern Nacht von demſelbẽ ſtehlen koͤnte. Es ge - ſchah aber / Zweiffels ohne durch ſondern Goͤttlichen Willen / daß auch diſer arme Schlucker noch denſelben Abend / uñ zwar etwas ſpat den Traidkaſten beſucht; und wie er des Nachbauꝛn Rock auf ſeinem Korn gefunden / kunte er ſich nit gnugſam daꝛ - uͤber verwundern / wie aber alle gute redliche Gemuͤther ſich ſoleicht211hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.leicht nit in boͤſen Argwohn entlaſſen / alſo auch ſoꝛderiſt er / ja er urtheilte noch / aus diſem die groſſe Lieb und Wolgelvogenheit ſeines Nachbauren. Was / ſagt er bey ſich ſelbſt / mein Nach - baur maint es ſo gut und treuhertzig mit mir / daß er ſo gar ſein aignes Traid in die Gefahr ſetzt / und das Meinige mit ſeinen Klaidern zuhuͤllt / damit es von dem eintringenden Regen nit moͤge Schaden leiden. Ey ſo will ich mich disfahls in Guttha - ten nit uͤberwinden laſſen / ſondern will lieber ich ſeinen Nutzen mehrer befoͤrdern als den Meinigen: nihmt zugleich den Rock, und deckt des andern Traid nach Moͤglichkeit darmit zu. Bey Stock finſtern Nacht ſteiget der loſe Geſell in aller ſtill auf den Traidkaſten / dapt hin / dapt her / bis er endlich den Traidhauffẽ angetroffẽ / worauf der Rock gelegen; und weil er der Meinung geweſen / als gehoͤre ſolcher ſeinem Nachbaurẽ / zu / alſo hat er ei - nen groſſen Sack davon angefuͤllt / und voller Freuden / nach Diebs Art / in der ſtill ſich davon gemacht / nachmahls aber nit ohn Schamroͤthe erfahren / daß er von ſeinem aignen Traid ge - ſtohlen. Sag her Theologe, und Schrifftgelehrter / ob dieſer ein Dieb ſeye / oder nit? Freulich / iſt die Antwort / freulich iſt er ein Dieb / er hat einen rechten Diebſtall begangen / er hat Gott den HErrn toͤdlich beleidiget / er hat die Hoͤll verdient / wann er dazumahl waͤre ohne Buß mit Tod abgangen / da haͤtte er die Herberg beym Teuffel gehabt / ꝛc. Hat er aber doch dem andern nichts entfremt / ſondern von ſeinem aignẽ den Sack angeſuͤllt: was ſchadt alles diſes / er hat im Sinn gehabt / dem andern zu nehmen. Sein Gedancken iſt geweſt / dem Naͤchſten zu ſtehlen / und ob ihm ſchon ſolches nit gelungen / ſo hat ihme doch der aig - ne Gedancken zu einen Dieb gemacht. Fahrt alſo ein manicher mit dem boͤſen Gedancken und Willen ohne boͤſes Werck zum Teuffel. Wie ſollen dann die Gedancken Zollfrey ſeyn.

Ein anderer thut dem aͤuſſerlichen Schein nach ein boͤſes Werck / aber ohne boͤſe Gedancken; weſſenthalben er den all - maͤchtigen GOtt nit belaidiget / noch ſein Gewiſſen beſchwert. D d 2Von212Judas der Gewlſſenloſe Boͤßwichtvon dem Lamech ſchreıben etliche / daß er alſo dem Jagen und Hetzen ergeben geweſt / daß er auch ſolches in dem hoͤchſten Al - ter nit laſſen koͤnnen. Was thut nit die Gewonheit? das groſſe Alter hatte bereits ihme das Geſicht alſo geſchwaͤcht / daß er ohn Fuͤhrer und Weiſer keinen ſicheren Schritt kunte thun. Einmal ſticht den alten Gecken der Luſt / daß er von freyen Stucken den Bogen ſelbſt geſpannt / mit ſeinen Buben in die gruͤne Au hinaus gangen / zuſehen um ein Wild-Braͤt; kaum daß er in die dicke Hecken und gruͤne Gebuͤſch kommen / da ver - merckt er ein Geraͤuſch / and glaubt / es ſeye ein Wildſtuck / ein muthiger Reh Bock / oder ein erwachſener Hirſch; ergreifft demnach alsbald ſein Bogen / zihlt mit demſelben durch Huͤlff ſeines Buben an das Orth / wo er das Geraͤuſch wahrgenom - men / truckt / ſchieſt / trift / aber was? nit ein Wildſtuck / wol aber etwas wildes / nit ein Sau / wol aber etwas ſaͤuiſch / nit einen Haaſen / wol aber etwas Haaſenhertzig / nemlich den Cain, ſei - nen nechſt Anverwandten und Befreunden; erlegt alſo und bringt umb nit ein Beſtia, wol aber einen beſtialiſchẽ Menſchen. Ob disfahls der Lamech geſuͤndiget / fragſtu; dann Cain hat geſuͤndiget / umb weil er den Abel hat er mordet / ſo hat ja nit minder gethan der Lamech, als er den Cain erlegt? die Frag wird beantwortet / daß der ſchlimme und Gottloſe Cain habe geſuͤndiget / weil er im Sinn hat gehabt den Bruder zu ermor - den / der alte und betagte Lamech aber hat es nit im Sinn ge - habt / hat nie einen Gedancken gehabt den Cain zu erlegen / und derenthalben hat er nit geſuͤndiget. So ruͤhret dann die gantze und voͤllige Bosheit einer That von denen boͤſen Gedancken her / und koͤnnen folgſam boͤſe und ſuͤndhaffte Gedancken ſeyn ohne das Werck; da hingegen das Werck nit kan boͤß und ſtraͤff - lich ſeyn ohne die Gedancken: und ſollen noch ſo uͤbermuͤthige Welt Kinder gefunden werden / welche auch den laſterhaffti - gen Gedancken wollen den freyen Paß ohne Scrupl und Ge - wiſſens-Wurm vergonnen?

Wie213hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.

Wie der HErr JEſus in einem Schiffel hinuͤber gefah - ren / und in ſein Stadt kommen / da haben ſie ihme alſobald ei - nen Gichtbruͤchtıgen herbey gebracht / welchẽ der Hayland gaꝛ ſanfftmuͤthig und freundlich angeredt / auch zugleich ihme ſeine Suͤnden vergeben: nach ſolchen hat er ſich zu denen Schrifft - gelehrten / ſo dazumal gegenwaͤꝛtig waren / gewendet / und ihnen einen guten Verweis geben / ſo ihnen nit ein wenig / weıl ſie ohne das Naſen witzig / in die Naſen gerochen. Aber mein HErꝛ / diſe ſeynd vornehme Doctores, und beyjedermann in groſſen Anfe - hen / die Doctors-Kappen achtet ſich des Filtz nit viel. Dieſe ſeynd ohne das gelehrte Leuth / die ſich auf him̃liſche Ding wol verſtehen / und alſo haben ſie nit gern / daß man ihnen ſoll den Planeten leſen / diſe leſen vorhin eingantze Zeit die Capitlin der Schꝛift / uñ alſo verlangen ſie gar nit mehrer Capitl ꝛc. U was noch mehrer / hat doch keiner aus ihnen ein Maul auffgethan / und warumb ſoll man ihnen uͤber das Maul fahren? keiner aus ihnen hat etwas boͤſes gethan / und warum ſoll man boͤß mit ih - nen verfahren? unangeſehen alles diſes / hat der HErꝛ und Hay - land ihnen ein Verweis geben / und ihr Bosheit unter die Na - ſen geriben / ob ſie ſchon nichts uͤbel geredt / wahr iſt es; ob ſie ſchon nichts uͤbels gethan / iſt mehrmal wahr / ſo haben ſie aber uͤble Gedancken gehabt / dann ein jeder aus diſen Sarifftgelehr - ten hat gedenckt / und im Hertzen gehalten / Er / der Hayland nemlich / ſeye ein Gottslaͤſteꝛer / darum er ſie billich angefahren: ut quid cogitatis mala in cordibus veſtris? Warum gedencktMatth. 9. c. vt 4. ihr boͤſes in euren Hertzen.

Man ſuͤndigt weit mehr mit denen Gedancken / als mit denen Wercken. Ein Religios im Cloſter lebtunter dem Ge - horſam / und iſt faſt gleich einer Saag / die man hinter ſich / und fuͤr ſich zieht; er lebt in der Evangeliſchen Armuth / und beſitzt ſo vil / als das Netz Petri, wie er die gantze Nacht gefiſcht hat / woꝛ - in das Fiſchel Nihil nnr allein gefunden worden; er lebt in ſtet - tem Faſten und Abbruch; dann man glaubt / daß ein hungrigerD d 3und214Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwichtund ausgemergelter Leib tauglicher ſeye zum pſalliren / als ein faiſter und ausgemeſter zumahlen auch die bloſe Haut uͤber ein Trummel gezogen / einen hellen Schall von ſich gibt / ſo aber gaꝛ nit geſchehe / wann ſie mit Fleiſch und Fette gefuͤttert waͤre: Er lebt wie ein Fiſch im Waſſer / wie ein Liecht in einer Latern / wie ein Kern in einer Schalen / er iſt verſpert / verſchloſſen / vermau - ret / verriglet / verborgen / verdeckt: kein Weib / weder jung noch alt / kein Weib / weder klein noch groß / kein Weib / weder ſchoͤn noch ſchaͤndlich iſt bey ihm / ꝛedt mit ihm / ſchmutzt mit ihm / lacht mit ihm / ſchertzt mit ihm; und dannoch kan er eben die jenige Suͤnd begehen / die David begangen mit der Berſabea, durch bloſſe Gedancken.

Ein GOtt gewidmetes Frauen-Zimmer in dem Cloſter / was iſt es anders / als ein koſtbares Schneeweiſſes Perl? ſo de - rentwegen eingefaſt iſt / damit es nit verlohrẽ werde: was iſt es anders als ein Schneeweiſſe Lilgen? ſo derenthalbẽ eingezeunt iſt / damit ſie nit abgebrochen wrede: was iſt es anders / als ein Spiegel? ſo derenthalber mit einer Rahm umfangen / damit er nit zu Trimmern gehe: was iſt es anders als ein reiner Butter? ſo deſſenthalbẽ mit Krantpletſchen verhuͤllet wird / damit er nit zerſchmeltze; was iſt es andeꝛs als ein Buch? ſo deꝛentwegen ein - gebunden / und mit Clauſuren veꝛſehen iſt / damit kein Sau oder Eſels-Ohr darein komme: ſie iſt wie ein Allabaſtrine Balſam - Bichſen / ſo deſſentwegẽ zugedeckt iſt / damit der gute Geruch nit ausgehe. Man find alles in ihrem Cloſter / auſſer ein Mann nit. Man gehet Tag und Nacht in ein Chor / auſſer nit ein mañ mit: man gehet zu Mittag und Abends zu Tiſch / aber mit einem Mañ nit: man bettet / man liſt / man fingt / man redt / man geht / man arbeitet / man ſeufftzet / man knyet / man weint / man buͤſt / man iſt fꝛom uñ heiligin einem Noñen-Cloſter / aber es iſt gleich wol kein Mañ darin / alles Mañ / und dannoch kein Mann / ꝛc. Nichts deſtoweniger kan ein ſolche ebenfals jene Laſterthat be -gehen215hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.gehen / die da begangen hat daſſelbige Weib / ſo die Hebræer zu dem HErrn Chriſto in dem Tempel gefuͤhrt / damit ſolche ver - moͤg des Moyſaiſchen Geſatz verſteiniget werde; und diſes kan ſie mit dem bloſſen Gedancken.

Eine / welche von der Natur / von der Statur gaͤntz verlaſ - ſen / kurtz von Leib / als haͤtte ſie ihr Muter an einem Starmtzel erſehen / hochrucket und mit einer Retroquardi wol verſehẽ / die uͤbrige Leibs-Geſtalt ſehr ſchlecht und abgeſchoſſen; ja / wann ſchoͤn iſt ein alte Hobelbanck / ſo ıſt ihr Stirn auch ſchoͤn / wann ſchoͤn iſt ein roſtiges Fenſter in einer alten Juden Synagog, ſo ſeynd ihre Augẽ auch ſchoͤn / wann ſchoͤn iſt ein alte Pippen an einem ungewiſchten Bier-Faß / ſo iſt ihꝛ Naſen auch ſchoͤn / wañ ſchoͤn iſt ein ſchmutziger Schoͤpffleffel / ſo iſt ihꝛ Maul auch ſchoͤn / wañ ſchoͤn iſt einzuſam̃en geſchnurpffte Saublattere / ſo iſt ihr Halß auch ſchoͤn / ꝛc. Und dañoch diſe ob ſchon Ungeſtalt und mangelhafft kan ſo ſtoltz und hoffaͤrtig ſeyn in den bloſſen Gedancken / als ein verdamte Jezabel im alten Teſtament.

Ein armer Bettler / der mit krumpen Fuͤſſen den geraden Weeg zum Elend gehet / die in zerriſſenen Klaidern gantz erar - met / den mit bloſſen Fuͤſſen allezeit der Schuh truckt / der ohne einiges Haus / ſich von Haus zu Haus erhaltet / der auff dem Stroh ligt / da doch die Armuth ſchon laͤngſt bey ihm zeitig / der laͤhr im Sack / aber voller Truͤbſahl / der nit ein Creutzer / aber Creutz genug. Ein ſolcher armer / elender / beduͤrfftiger / zerriſſe - ner / verlaſſener / noͤthleidender Tropff kan ſo wol ſich mit dem Geitz verſuͤndigen / als ein Judas Iſcarioth, durch die bloſſe Gedancken.

Ein Krancker im Beth / deſſen gantzer Leib ein lautere Baindrexler-Arbeit / deſſen Augen ſo tieff in Kopff / daß ſie ihr aignes Elend ſelbſt nit mehr moͤgen anſchauen / deſſen Haͤnd ſo ſchwach / daß ſie auch mit einem Floh nit kuntẽ duelliren / deſſen Fuͤß ſo ſchlecht / daß ſie auch Biſcotten-Taig kuͤm̃erlich kunten nidertretten / deſſen Athem ſo ſchwach / daß er auch das Blaͤtl -Gold216Judas der Gewiſſenloſſe BoͤßwichtGold nit kunte zitterend machen / deſſen Red ſo bloͤd / daß ſie auch ein Fiſch moͤcht uͤberſtimmen / ꝛc. Ein ſolcher krancker / ſchwacher / und krafftloſer Tropffkan ebenfahls ein ſo grau -S. Joan. Chryſoſt de lect. peccat. tom. 5. ſame Mord That begehen / wie da begangen der Cain an ſei - nem Bruder / durch die bloſſe Gedancken. Cor cogitando te - netur in crimine, libet corpus immune vigeatur ab opere; reus eſt enim animus, ſi cogitavit, licet corpus ſit immune ab opere, quod non fecit.

Ein Juͤngling in Engelland fuͤhrte gar kein Engliſchen Wandel / ſondern lieſſe dem jungen Blut ſeinen freyen Zaum / und lebte nit loͤblicher / als der ſaubere Geſell im Evangelio / ſo das ſeinige im Luder-Leben / verſchwendt. Es geſchicht / daß erſtgedachter Geſell in ein toͤdtliche Kranckheit gerathen / wo - ran er auch nach kurtzer Zeit geſtorben / jedoch mit vollkom̃ner Beicht / hertzlicher Reu und Laid / daß alſo maͤnniglich aus den Anweſenden an ſeiner Seelen Hail gar nit gezweiflet. Bald nach ſeinem Todt erſcheinet er in gantz feuriger Geſtalt einem ſeiner nechſt Anverwandten / mit vermelden / er ſey nunmehr ewig verdamt und verlohren; der Befreunde kunte ſich nit gnug hieruͤber beſtuͤrtzen / abſonderlich weil er ſelbſt gegenwaͤr - tig geweſen iſt / wie diſer ſo groſſe Reu gezeugt uͤber ſeine began - gne Suͤnden und Miſſethaten. Wahr iſt es / ſetzt hin wider diſer Ungluͤckſelige / daß ich ein vollkom̃ene Beicht verꝛicht / woduꝛch ich widerum GOttes Gnad und Huld erhalten; weil ich aberRotafol. 1337. fer. 6. Dom. 3. qua - drag. kurtz vor meinem Hinſchaiden ein unzuͤchtigen Gedancken ge - habt / auch mich darein verwilliget / alſo bin ich von deın geꝛech - ten Goͤttlichen Richter auf ewig verſtoſſen worden. Jetzt ſage jemand mehr / die Gedancken ſeyen Zollfrey.

Raulinus Buniacenſis erzehlt ein gleichmaͤſſige Geſchicht von einer jungen Wittib / welche ihrer Tugend halber / und for - deriſt wegen der Gutthaͤtigkeit gegen den Armen bey dem Bi - ſchoff als ihrem Beichtvatter in ſehr groſſen Ruhm geweſen; diſe hat eineſt unbehutſame Augen geworffen auff einen ihrerBe -217hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Bedienten / und anbey einen uͤblen Gedancken gehabt / worzu der Will ſich nit geweigert / ob ſchon die That darauf nit erfol - get / unangeſehen das Gewiſſen mehrmahl ſie deſſenthalben er - mahnt / ſo hat ſie gleichwohl aus Geſchaͤmigkeit ſolchen gehab - ten Gedancken nie in der Beicht entdeckt / auch in diſem Stand das Leben geendet / und mit ſonderm Gepraͤng als ein heilig - maͤſſige Wittib in die Kirchen begraben worden. Bald nach ihrem zeitlichen Hıntꝛitt hat gedachter Biſchoff bey naͤchtlicheꝛ Weil das Grab diſer ſeiner Bekandtẽ ſehen uͤber und uͤber bꝛin - nen / ja das Weibsbild ſelbſt buf einem gluͤhenden Roſt / worun -Iter Pa - rad. Pau - liniSerm 11. dePœ nit. ter die boͤſe Feind gantz haͤuffig die Kohlen geſchirt. Uber ſol - ches kunte ſich der gute und fromme Mann nicht gnug verwun - dern / deme ihr ſo tugendſamer gefuͤhrter Wandel gar zu wohl bekandt war; es lieſſen ſich aber dieſe ungluͤckſeelige Seel bald vernehmen / wie daß ſie nur bloß in einem unzuͤchtigen Gedan - cken haͤtte eingewilliget / ſolchen aber nit gebeicht / und ſeye ſie derenthalben ewig verdammt. Gehe hin und laſſe dir trau - men / daß die Gedancken Zollfrey ſollen ſeyn.

O! wie recht und weißlich hat jener offne Suͤnder in dem Tempel gehandlet / als er nit ohne widerholte Seufftzer auf die Bruſt geſchlagen; nit hat er auf die Augen geſchlagen / welche ihme doch mehꝛmahl glaͤſerne Kuppler abgeben zu ungebuͤhren - den Luͤſten; nit hat er auf die Ohren geſchlagen / die er doch viel - faͤltig denen unzuͤchtigen Liedern vergoñt; nit hat er aufs Maul geſchlagen / ſo doch nit ſelten einen Amboß abgeben / worauf al - lerley Ehrenruͤhriſche Reden geſchmidt worden; nit hat er auf die Fuͤß geſchlagen / die ihn doch oͤffter ins Wirthshauß oder andere verdaͤchtige Oerther getragen / ſondern er hat auf die Bruſt und Hertz geſchlagen / weil er geweſt / daß von dannen ur - ſpruͤnglich alles Ubel durch die Gedancken herruͤhre.

O GOtt! ſagt jemand / wann die Gedancken ſollen unter die Suͤnden gezehlt werden / was muß ich dann anfangen? in Egypten hat es vil Mucken geben zu Zeit deß Koͤnigs Pharao /Pars IV. E eich218Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwicht /ich mach mir bey Tag und Nacht viel mehꝛer Muckem Zu Jeꝛi - cho hat es viel Einfaͤll geben zu Zeiten deß Joſue / mir fallen im - merzu wol mehꝛer Sachen ein: in der Landſchafft Huß zu Zeitẽ deß Jobs hat es viel Miſt geben / bey mir melden ſich wol gaꝛſti - gere Gedancken an: in der Malteſiſchen Jnſul zu Zeiten Pauli hat es viel Schlangen geben / ich hab mehrer gifftigere Gedan - cken: in dem Tyberiſchen Meer hat es viel friſche Fiſch geben zu Zeiten Petri, aber ich gehe offt in meinem Hertzen mit gar viel faulen Fiſchen umb. Jn Summa / deß Tobiaͤ Hund hat bey Sommers Zeit nit ſo viel Floͤh gehabt / als ich eine gantze Zeit Gedancken. Gedancken / bald von einem Haus / bald von einem Schmauß / Gedancken / bald von Brein / bald von Wein / Ge - dancken / bald von Zillen / bald von Spielen / Gedancken / bald von Rauffen / bald von Sauffen / Gedancken / balb von einer Jagd / bald von einer Magd / Gedancken / bald von Klauben / bald võ Glaubẽ / Gedanckẽ / bald võ Zechẽ / bald võ Ehebrechen / Gedancken / bald von Modi / bald von Kleynodi / Gedancken / bald von Luͤgen / bald von Betruͤgen Gedancken / bald von Ga - loniſiren / bald von Verfuͤhren / Gedancken / bald von der Su - ſanna, bald von der Marianna, Gedancken / bald von Wilde - rich / bald von Friderich / Gedancken / bald Hohniſch / bald Arg - wohniſch / ꝛc. Wann ich / ſo hab ich die Gedancken auf der Schuͤſſel / wann ich lig / ſo ſeynd mir die Gedancken unterm Kuͤß / wann ich gehe / ſo marſchieten die Gedancken mit mir / wann ich beth / ſo find ich die Gedancken am Schnuͤrl / oder liß ſie aus dem Buch: und zwar allerley boͤſe Gedancken / neidige Gedancken mit dem Cain / hoffaͤꝛtige Gedancken mit der Jetza - bel / geitzige Gedancken mit dem Jſcarioth / argwoͤhniſche Ge - dancken mit dem Juden / zornige und rachgierige Gedancken mit dem Eſau / unzuͤchtige Gedancken mit dem Holoferne. &c. So gar fallen mir boͤſe und ungereimbte Gedancken ein / wann ich dashoͤchſte Gut ſihe von dem Priſter bey dem Altar auf - wandlen; ja was noch mehrer iſt / wild und unflaͤtige Gedantenmelden219hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.melden ſich auch dazumahl an / wann ich das wahre Lam̃ GOt - tes in der Com̃union auf die Zung nimme. Mit einem Wort / ſo wenig die Roſẽ ohne Doͤrner / ſo wenig das Feur ohne Rauch ſo wenig der Acker ohne Diſtel / ſo wenig das Wein-Faß ohne Eleger / ſo wenig der Jahrmarckt ohne Dieb / ſo wenig bin ich ohne boͤſe Gedancken. Ach GOTT!

Der Heil. und groſſe Partriarch Benedictus hat einmahl zu Rom ein Weib geſehen / als er noch geſtudieret / ein ſchaͤndli - ches und ungeſtaltes / und wildes und buckletes Weib; und diſes hat ihm ſolche ſpoͤttliche Gedancken verurſacht / daß er derent - halben den Leıb auch mit aller erdencklicher Caſteyung kaum kunte pendigen und im Zaum halten. Wie ſoll es dañ mir ſeyn / der ich alle Tag in der Geſellſchafft mich befinde / wo ſo viel ſchoͤ - ne Geſichter / ſo viel junges Blut / ſo vieler liebkoſender Creatu - ren? ich beſtehe es / wann ſo viel heilige Leuth von ſchlim̃en Ge - dancken angetaſt werden / was ſoll ich dann erſt von meiner oh - ne das ſchlipffrige und ſchwacher Menſchheit reden? ich laugne es nit / ich wils auch nit laugnen / ich kans nit laugnen / ohne Ge - dancken / und zwar meinſtens ohne boͤſe Gedancken bin ich nie - mahl / oder wenigſt gar ſelten / ꝛc. Was ſoll ich dañ anfangen?

Nit ſo kleinmuͤthig / mein lieber Chriſt: du muſt und ſollſt wiſſen / daß auch die alleraͤrgſte / gottloſeſte und abſcheulichſte Gebancken kein Suͤnd ſeyn / wann du an denſelben kein Wol - gefallen ſchoͤpffeſt / noch weniger deinen Willen darzu gibeſt. Solche boͤſe Gedancken ruͤhren von niemand anderſther / als von dem boͤſen Feind; und eben darum gib ihme / dieſem veꝛdam̃ - ten Widerſacher kein Gehoͤr / laß den Hund bellẽ / er kan nit beiſ - ſen / laß ihn locken / er kan nit zwingen / laß ihn greiffen / er kan nichts nehmen / laß ihn fechten / er kan nit verwunden / laß ihn ſtoſſẽ / er kan nit ſtuͤrtzen / laß ihn ſchnaltzen / erkan nit fahren / laß ihn fiſchen / er kan nichts fangen / laß ihn klopffen / er kan nit aufwachen / laß ihn reden / er kan nicht uͤberreden / ohne deinen Willen. Ja wann ſolche Sathaniſche GedanckenE e 2dich220Judas der gewiſſemoſſe Boͤßwicht.dich wider deinen Willen jagen / plagen / zwagen / ſo haſt du de - renthalben von dem gerechten GOtt / ſo alle dergleichen Ob - ſiger belohnt ein ſondere Vergeltung zu gewarten.

Der Engliſche Lehrer Thomas von Aquin, von Gut und Blut ein adelicher Juͤngling / ware gantz allein verſch loſſen bey einem frechen Weibs-Bild; dieſe ware wol bekleidt| / aber ein ſchlechter Feſten / ware ſchoͤn im Geſicht / aber ſchaͤndlich in Ge - baͤrden / ware ſtattlich in Augen / aber auf nichts guts angeſe - hen / ware Roſenfaͤrbig in Lefftzen / aber nit ſchamroth / ware bloß am Hals / aber ein verdeckter Teuffel / ꝛc. Dieſes war ein Keder / woran der David gebiſſen / dieſes war ein Feuer / an dem ſich der Abſalon gebreñt / dieſes war ein Schlang / die auch den Samſon vergifft, bey denen Barbaren iſt man ſicherer / als bey einer ſolchen Barba, bey denen Saraceneren iſt man ſicherer / als bey einer ſolchen Sara; ſo gar bey der Hoͤll iſt man ſiche - rer / als bey einer ſolchen Helena. Andere ſchliffern / ja / andere ſtolpern / ja / andere fallen / ja / bey ſolcher Gelegenheit / aber Thomas von Aquin nit: dieſe war Teuffliſch / wann ſchon: das Verſuchen war Teuffliſch / wann ſchon: die Gelegenheit war Teuffliſch / wann ſchon: die Gedancken waren Teuffliſch / wann ſchon: esbliebe dannoch der Thomas Engliſch; dann ihme dem irꝛdiſchen Engel die haͤuffige / hefftige / verdammte / und unverſchambte Gedancken nit allein keinen Schaden zu - gefuͤgt / als denen er beſter maſſen widerſtrebt / ſondern derent - halben hat er im Him̃el ein ſondere Cron erworben / derenthal - ben haben ihme die andere anverwandte Engel wegen erhalte - nen Sieg hertzlich Gluͤck gewunſchen und gratulirt.

Was ſchlimme Gedancken ſeynd nit eingefallen einem H. Macario? Macarius, der wegen ſtaͤter Caſteyung und Abbruch ware nichs / als Haut und Bein / und dañoch ſeynd ihme fleiſch - liche Gedancken eingefallen / Macario, der alle Tag mit haͤuffi - gen Buß-Thraͤnen ſein Gewiſſen geſaͤubert / ſeynd gleichwol unſaubere Gedancken eingefallen: Macario, deme wegen ſeinerHei -221hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Heiligkeit auch die wilde Thier ſchoͤn gethan / ſeynd dannoch wilde Gedancken eingefallen: Macario, der ein lauterer Die - ner GOttes war / ſeynd dannoch unlautere Gedancken einge - fallen: Macario, der wie ein unſchuldiges Laͤmml gelebt / ſeynd gleichwohl Sauiſche Gedancken eingefallen: Macario, deme kein anders Kleid ware / als ein rauher haͤriner Sack / ſeynd gleichwol von einem muthwılligen Schleppſack Gedancken eingefallen: Macario, der ein Mann GOttes ware / ſeynd gleichwol weibliche Gedancken eingefallen; weil er aber dem boͤſen Feind die Feigen gezeigt / alſo hat er deſſenthalben ein herrliche Frucht darvon getragen; weil er dem leidigen Sa - than den Willen geweigert / alſo iſt derentwegen bey GOtt noch mehrer Willkomm geweſt; dann ein ſolche Belaͤgerung zeigt / wer der Commendant iſt / ſolche tobende Wellen zeigen / werder Schiffmann iſt.

O wie heilig Paulus! er iſt gleichwol nit ſicher geweſt vor ſolchen heilloſen Gedancken. O wie vor ſichtig Paulus! er iſt gleichwol nit befreyt geweſt von dem blinden Venus-Buben: O wie wunderthaͤtig Paulus! er iſt dannoch nit loß geweſt von ſolchen blunderthaͤtigen Gedancken: Er hat wegen ſolches Verſuchen / GOtt demuͤthigſt erſucht / aber nicht erhalten / als allein die Antwort / er ſolle mit dieſem Krieg zufrieden ſeyn /S. Bernh. de Dom. inter. c. 19. mit GOttes Schutz ſeye ihm dieſer Streit viel Nutz. Quod reſiſtentem fatigat, vincentem coronat.

Wann dañ der hoͤlliſche Phantaſt auch die Phantaſeyen der heiligen Leuten mit boͤſen abſcheulichen Gedancken ange - fochten / ſo wird er dir noch weniger verſchonen. Allein heiſt es / Burſch ins Gewehr / vnd thue ihm ein Widerſtand; mache es / wie der groſſe Patriarch Abraham / welcher auf ein Zeit GOtt dem HErꝛn ein Kuhe und Widder aufgeopffert und geſchlach - tet; als aber die Voͤgel immer zu auf das Fleiſch wolten ſi - tzen / und ſelbiges ſuchten zu verzehren / da hat ſie der H. Mann moͤglichſt abgetrieben. Abigebat eas Abraham. Wann dieGen. cap. 15. hoͤlliſche Raub Voͤgel dein Hertz / als ein Gott gewidmetesE e 3Opf -222Judas der Gewiſſenloſſe Boͤßwicht /Opffer ſtets umbfloderen / und durch allerley gottloſe Gedan - ken und Eingebungen ein Zutritt ſuchen / ſo treib ſie hinweg / nit mit Bruͤgl / die acht er nit / nit mit Stecken / die foͤrcht er nit / nit mit Peitſchen / die ſcheucht er nit / ſondern ſchuͤttle nur allein dẽ Kopff / ſo fliegen ſie hinweg wie die Mucken: kom̃en ſie wieder - umb / ſo ſchuͤttle den Kopff mehrmahl / kom̃en ſie hundertmahl / ſo ſchuͤttle ſo offt den Kopff / ſag allezeit Nein / ſolches Nein ver - brennt ihnen der Brein ſag allezeit Nolo, ſolches Nolo hengt den Narren hundert Nolas und Schelln an. So bald ſolche Gedancken kommen / gedencke du gleich auch das Kopffſchuͤtt - len / verweile gantz und gar nicht; dann ein kleines Aufhalten / iſt ſchon ſein unterhaltung / ein wenige Audienz zieht nach ſich ein ſchaͤdliche Conſequenz. Zu diſer ernſtlicher Warheit taugt dir ein Fabl und Poëten-Gedicht. Die Schwalm hat ſich vor diſem gleich angern Voͤglen in Waͤldeꝛn und Feldern aufgehal - ten / als ſie aber wahrgenommen / daß ein Baur auf einem groſ - ſen und breiten Acker der Hanff-Saamen ausgeworffen / da hat ſie ſich unverzuͤglich zu denen geſammten Voͤglen begeben / und ihnen treuheꝛtzig gerathen / ſie ſollen allen moͤglichſten Fleiß anwenden / wie ſie doch moͤchten den Saamen / als ihnen eine hoͤchſt ſchaͤdliche Sach hinweg bringen / es koſtete nit mehrer Muͤhe / als daß ein jeder Vogel ein oder zwey Koͤrnl mit dem Schnabl hinweg tragen. Die Voͤgel lachtẽ die Schwalm aus / als ein Einfalt / ja etliche haltẽ ſie gar ein uñútzige Schwaͤtzeꝛin / als die den gantzen Tag hindurch mit Plaudern zubringe / und ſolgſam nit wenig Lugẽ einmiſche; maſſen noch bey denen Leu - then ein teutſches Sprichwort / wañ man einen gar hoͤfflich Lu - gen ſtrafft / ſo ſagt man / er ſchwaͤlmet / ꝛc. Die gute Schwalm muſte ſolche Unbild uͤbertragen; dañ ſie ſahe wol / daß unter den Voͤgeln gꝛoſſe Flegel ſeyn / kundte es aber aus Gutheꝛtzigkeit nit laſſen / daß ſie nicht nach etlichẽ Tagen ihren guten Rathſchlag wiederholt; ja ſie hat es ihnen wolmeynend zu verſtehen geben / wie daß der Hanff wuͤꝛcklıch aufwachſe / und folgſam noch Zeitwaͤre /223hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.waͤre / ſolchen mit geringer Muͤhe auszut auffen; weil aber die gute Voͤgel hieꝛuͤber fliegende Gedanckẽ gemacht / uñ die Sach weder reifflicher entoͤrthert / noch weniger zu einem Schluß ge - bracht / alſo hat die vorſichtige Schwalm fernern Ubel zu ent - gehẽ / gaͤntzlich entſchloſſen / dero Geſellſchafft hinfuͤran zu mei - den / und ſo dañ ihr Neſt nit mehr in Hecken und Geſtraͤiß ge - macht / ſondern ſich ſehr weißlich in die Haͤuſer ſalvirt / wie man es noch der Zeit wahrnimmt. Unterdeſſen iſt der Hanff faſt Mañs hoch aufgewachſen / auch zur voͤlliger Zeitung kommen / daß alſo derſelbe nach ausgeſtandener Duͤrre / Breche / in der alten Weiber Haͤnd gerathen / und zu einem Fadẽ nıt ohne oͤff - ters leckẽ promovirt worden / woraus endlich ein groſſes / lan - ges / breites Garn geſtrickt / mit welchen nachmals viel 1000. Voͤgel auf unterſchiedliche Manier gefangen worden. Jn ſol - chem aͤuſſerſten Elend haben die uͤbꝛige Voͤgel ihre Zuflucht ge - ſucht bey der Schwa'm / und ſelbige demuͤthigſt beꝛathſchlaget / wie doch fernerer Gefahr und Nachſtellungen vorzubiegen ſeye? worauf aber die Schwalm geantwortet / daß es nunmehꝛ viel zu ſpat ſeye / und haͤtte man ſolchen nach ihrer Einrathung den Saamen aus dem Weg raumen.

Haſt es gehoͤrt Menſch? alle boͤſe / verruchte / und leichtfer - tige Gedancken / ſo dir im̃erzu einfallen / ſeynd nichts anders / als ein Saamen / welchen der leidige Sathan in den Grund deines Hertzens beginnt einzuwerffen; aber gib umb GOttes Willen acht / gib acht / daß ſo fern nur ein einiges Kerul darein falltt / daß du ſolche ohne einige Verweilung wiederumb aus - roteſt / ſonſt wachſt es in einem Vatter unſer lang ſo ſtark aus / daß es dich nachmahls umb das ewige Vatterland bringe.

Jene zwey Schim̃el und Lim̃el / denẽ noch der kleine Spitz - bub Cupido durch ihre alte / zaͤhe / und faſt wie Pfundleder ver - harte Haut / ſeine Pfeil eingeſchoſſen / haͤtten niemahlen in dem Luſtgarten verbottenen Luſt und Liſt gaſucht / haͤtten ſich nie - mals hinter die gruͤne Spalier verborgẽ / die weiſſe KeuſchheitSuſan -224Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwicht /Suſannæ zu ſpolieren / waͤren nimmermehr ſo frey und frech geweſen / und Suſannem als ein zaꝛteſte Lilgen in diſem Earten mit ſo unverſchaͤmten Haͤnden angetaſt: wann ſie die ſchlimme Gedancken / ſo ihnen der liſtige Sathan / und Geiſt der Unrei - nigkeit eingeben / haͤtten bey Zeiten / als ſie noch im Saamen uñ erſten Aufſchuß waren / ausgerott.

David als Koͤnig in Jſrael / waͤre nie von der Sau geſtochẽ worden in ſeinem Spiel / haͤtte nie ein ſo grobe und Sauiſche Action begangen / haͤtte nie in ſeiner gekroͤntẽ Hochheit einen ſo aͤrgrelichen Schandfleck angehenckt / wañ er die erſte boͤſe Ge - dancken / ſo ihme von der ſchoͤnen Berſabea ſeynd eingefallen / haͤtte fruͤhezeitig aus geſchlagen.

Jene ſaubere Madam waͤre dem keuſchen Joſeph mit dem taͤglichen Ladſchreiben nit ſo uͤberlaͤſtig geweſen / ſie haͤtte mit den 10. Buchſtaben Dormi mecum nicht geſucht die 10. Gebot zu brechen / ſie waͤre ihm nie im Mantel gefallen / mit deme ſie nachmal ihre Boßheit hat wollen vermantlen; wann ſie bey Zeiten die Funcken / ſo ihr der Sathan eingeworffen / haͤtte ge - daͤmpfft / und alſobald die unzulaͤſſige Gedancken abgewieſen; dann ſo bald der boͤſe Feind durch dergleichen Gedancken an - klopfft / ſo muß man geſchwind ſagen / man laſſe nit ein: ſo bald er anfangt zu ſingen / ſo muß man ihm gleich klopffen: ſo bald er ſeine Wahren feil bietet / ſo muß man ihm geſchwind antwor - ten / man kauffe nichts: ſo bald er vor die Veſtung ruckt / ſo muß man die die Porten zuſchlieſſen: dann hierinnsfalls allezeit periculum in mora.

Wie der gerechte Joſeph wahr genom̃en / daß ſein werthe - ſte Geſpons Maria ſchwanger gehe / wolte er zwar an dero un - befleckter Reinigkeit nit zweifflen / doch ſeynd ihme derentwe - gen gleichwol ſeltzame / ob ſchon fliegende Gedancken / eingefal - len bey Naͤchtlicher Weel. Aber ſihe! kaum daß ſolche Gedan - cken in ſein Hertz ſeynd geſtigen / da ſchickt GOtt alſobald einen Engel / ſo ihme erſchiene im Schlaff / der da ſprach / Joſeph du Sohn David foͤrchte dich nicht / Mariam dein Eheweib zu dirzunehmen225hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.men / dann was in ihr gebohren iſt / das iſt von dem H. Geiſt / ꝛc. Warumb hat GOtt der HErr (moͤcht jemand fragen) dem gu - ten alten nit ſeinen Schlaff vergunnt? dann wann ſolcher ein - mahl unterbrochen wird / ſo laſt er ſich ſo leicht nit mehr locken; es haͤtt der Engel in der Fruhe / nach vollendtem Schlaff / ihme / dem frommen Joſeph ſolche Poſt koͤnnen bringen; wie daß es gleich hat muͤſſen geſchehen / als ihme die Gedancken kommen? Adhuc eo cogitante, &c. Hier antwortet der groſſe Heil. Matth. 1.Pabſt Gregor. daß ſolches GOtt habe gethan zu unſerer ſonde - rer Lehr und Unterricht / wie wir nemblich die Gedancken / wann ſie ſchon nit recht boͤß ſeyn und ſcheinen / gleich und alſo - bald ſollen mit moͤglichſten Fleiß aus dem Weg raumen / undS. Greg. in Matth C. 1. gaͤntzlichausſchlagẽ. Dann nit zu glauben iſt / was Ubel / Scha - den / und Ungelegenheit daraus entſpringt / ſo man ihnen auch die geringſte Audienz und Gehoͤr vergonnt.

Ninus ein Koͤnig der Aſſirier hat ſich alſo vergafft in die ſchoͤne Geſtalt der Semiramidis, daß er ſelbige / unangeſehen ſie võ keinem hohẽ Haus / ſondern einer niedern Baurnhuͤtten / mit hoͤchſtem Begnuͤgen geheiliget. Als Semiramis vermerckt / daß ſie wegen ihrer unermeßlichen Schoͤnheit faſt ein Goͤtzen-Bild ſeye aller Gedancken deß Nini, ſo hat ſie eineſt von ihrem gul - denen Schatz (verſtehe Ninum) eine Gnad begehrt / und ſtun - de ſolche in dem / daß er ihr nur moͤchte einigen Tag die voll - maͤchtige Herꝛſchung uͤberlaſſen. Ninus, wol recht Aſinus, ver - williget es / gedachte / was wolt ein Tag / ein ſo kurtze Zeit ſeyn. Was geſchicht? ſo bald Semiramis zu ſolcher / ob ſchon kurtz waͤh - tender Regierung und Vollmacht gelangt / hat ſie alſobald be - fohlen / man ſolle geſchwind und ohne einigen Veꝛzug den Nino als ihren Gemahl / den Kopffzwiſchen die Fuͤß legen / ſo auch geſchehen /

Seye du / wer du im̃er biſt Geiſtlich oder Weltlich / Weib - lichen oder Maͤñlichen Geſchlechts / wann dir einige unformli - che Gedancken einfallen / von denen niemand befreyt / ſo laſſe ih -Pars IV. F fnen226Judas der gewiſſenloſſe Boͤßwichtnen die Oberhand nit / auch die allwenigſte Zeit. O Pater! es ſeynd fliegende Gedancken / laͤcherliche Phantaſeyen / und nur naͤrriſche Coppeyen / man weiß es ſchon / daß man die Original - Stuck muß mit frieden laſſen. Ein kleine Zeit / ein kurtze Weil / wird ihnen ſo bald die Feder nit laſſen wachſen. Wer diſer Mey - nung iſt / dem wird nit um ein Haar beſſer gehen / als dem Nino. Wer denen boͤſen Gedancke nur eine kleine Herꝛſchung eꝛlaubt / wann ſolcher ſchon nit umb das Haupt kommt / ſo verlihrt er doch ein Haupt-Sach / nemblich / die Gnad GOttes: maſſen deß Menſchen Willen auch von einem geringen Stoß gleich Berg abfallt: und iſt ihme gar leicht zu pfeiffen / der ohne das zum Tantzen geneigt.

Ein armes Haͤſel hat ſich bey rauher Winter-Zeit einmal in ein Loch eines holen Felſens reterirt / damit es gleichwol un - ter diſem ſtemernen Dach eine linde Ruhe moͤchte genieſſen. Es ſtunde aber nit lang an / da kame der Jgel / deme ebenfalls das grobe Wetter gꝛoſſe Ungelegenheit gemacht / uñ batte das Haͤſel garſchoͤn / und hoͤfflich umb ein Herberg. Mein Haͤſel ſprach er / es iſt maͤnniglich bekañt / daß du nit allein groſſe Ohren / ſondern auch groſſe Lieb gegen dem Nechſten tꝛageſt; weil mich dañ das harte / und faſt unertraͤgliche Wetter uͤber faͤllen / alſo vergonne mir doch ein kleines Winckeꝛl in deiner Wohnung / ſolche Gnad werd ich die Zeit meines Lebens nicht in Vergeſſenheit ſtellen: ja kuͤnfftigen Herbſt / wills GOtt / will ich mich mit einer But - ten Aepffel danckbar einſtellen / und die empfangene Gutthat in etwas erwideren. Das Haͤſel ſchaut ſich hin und her / und vermeꝛkt wol / daß der Platz zimlich eng; gleichwol auf ſo freund - liches Erſuchen und Anhalten / hat es verwilliget. der Jgel macht ſich alſobald und ohne lange Verweilung in das Haſen - Zim̃ert / ſteht aber nicht lang an / da fangt er nach und nach ſei - ne Spitz unb Stachel von ſich zu breiten. Das einfaͤltige Haͤſel glaubtte erſtlich / es ſtechen ihne die Floͤch / wie der Jgela - ber mit voͤlligem Gewalt alle ſeine Waffen ausſtreckt / da hatweder227hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.weder bitten oder ermahnen etwas geholffen / ſondern es muſte das arme Haͤſel die voͤllige Herberg dem leichtfertigen Scheim uͤberlaſſen / ſo doch zuvor nur umb ein kleines Winckerl ange - halten.

Wann du wilſt / aber ich rath es nit / dem Teuffel durch die Gedancken das kleinſte Plaͤtzel in deinem Hertzen erlauben / ſo wirſt erfahren / daß er mit voͤlligen Gewalt darein platzen thue: wann du wilſt / aber ich hoffe nicht / dem Sathan das geringſte Winckerl vergonnen durch die bloſſe Gedancken / ſo verſichere dich / daß der Will gar kein Winckelmaß weꝛde halten: Wann du wilſt / aber ich glaube nicht / denen boͤſen Gedancken nur ein kurtze Zeit zulaſſen / ſo ſeye verſichert / daß du an deinem Seel - Heil verkuͤrtzet werdeſt: erlaubſt du ihme ein biſſerl / ſo wirſt du ſchon võ dieſem hoͤlliſchen Cerbero oder Hoͤllhund ein Biß em - pfinden / der dir ein toͤdtliche Wunden verſetzt: vergoñſt du ihm das geringſte Loſament / ſo wird kein loſerer Menſch werdẽ als du: ſchaffſtu ihne nit alſo bald ab / ſo haſtu zuſchaffen / daß du nit in das ewige Verderben geratheſt. Wann alle Verdam̃te und ewig Ungluͤckſeelige ſolten aus der Hoͤll zur Frag geſtellt wer - den / warumb ſie in dieſen Abgrund ſeyn geſtoſſen worden? ſo wurde ein jeder den Anfang und Grund ſeines Unheils an Tag geben / und bekennen / daß ſie derenthalben in den ewigen Ver - lurſt gerathen; umb weil ſie die neidige / geitzige / rachgieꝛige / ehr - fuͤchtige / hoffaͤrtige / geile und unzuͤchtige Gedancken nit gleich haben ausgeſchlagẽ / ſondern denenſelben einige Aufenthaltung erlaubt / wodurch ſie folgſam in die gꝛoͤſte und abſcheulichſte La - ſtergefallen; dañ von den boͤſen Gedancken / als von einem Ur - ſprung flieſſen alle Suͤnden her: von den boͤſen Gedancken / als von einer Mutter werden alle Laſter gebohren: von den boͤſen Gedancken als von einer Wurtzel / ſtam̃en alle Miſſethaten her: von den boͤſen Gedancken als von einem Eiſen werden alle Un - thaten geſchmidet; von boͤſen Gedancken als von lauter Schai - ten wird das hoͤlliſche Feur angeyuͤndt.

F f 2Wie228Judas der Gewiſſenloſe Boͤßwicht /

Wie iſt aber allem diſem Ubel zu helffen|? zumahl alle / auch ſo gar heilige Leuth / vor boͤſen Gedancken kein Salva Guardia ha - ben. Mein Rath iſt / mein Rath iſt geweſt / mein Rath wird ſeyn / du ſollſt als ein trutziger Chriſt dich von Teuffel nit viel laſſen foppen / ſondern wacker drein ſchlagen. Aber wie kan man diſe verdammten Larven ſchlagen / zumahl er ein lauterer / ob ſchon ein lauterer Geiſt iſt? ſo weiß man auch aus folgender Geſchicht / daß das Teuffel ſchlagen / nit habe allezeit gut ausge - ſchlagen.

Wie der Heil. Vincentius Ferrerius einmahl geprediget / uñ unter anderm auch vorbracht / was Geſtalten die Heilige Mar - garita den boͤſen Feind / ſo ihr in Menſchlicher Geſtalt erſchie - nen / mit groſſer Furi angegriffen / denſelben zu Boden geworf - fen / und einzimliche Zeit hart gepeimget: ſo war eben dazumahl in der Pꝛedigein einfaͤltiger jedoch from̃er Juͤngling aus Lom - cardia gebuͤrthig / welcher durch ſolches angezognes Exempel ein beſondern Muth gefaſt / auch einmal den Teuffel ſteiff abzu - pruͤgeln; zu ſolchem Ende Gott den HErꝛn oͤffter gantz inbruͤn - ſtig gebetten / er wolle ihm doch den hoͤlliſchen Gaſt in Menſch - licher Geſtalt zuſchicken / an dem er ſein Fauſt recht probieren; und ſein Muth kuͤhlen moͤge. Wie nun auf ein Zeit gedachter Einfalt in das nechſt entlegene Staͤdel oder Marckt-Fleck wol - te und muſte gehen; da hat er unter Wegs ein altes baufaͤlliges Gebaͤu / ſo viel Jahr ohne Dach geſtanden / an der Straſſen angetroffen / worinn er faſt ein halbe Stund / als abgeſondert von den Leuthen / ſein Gebet verricht / und anbey GOtt den all - maͤchtigen mehrmahl eiffrigſt gebetten / daß er doch die Gele - genheit kunte haben / mit dem Teuffel zu rauffen; als er dann in Mitte deß Gebets begriffen / da geth ein altes / armes / vor Hunger ausgemergletes / elendes Weib mit einer Sichel in der Hand hinein / deß Willens daſelbſt das Graß / ſo haͤuffiger als anderwaͤrts gewachſẽ / abzuſchneiden. Kaum daß er ſolcher an - ſichtig worden / da hat er ſich ab dero Ungeſtalt in etwas ent -ruͤſt /229hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.ruͤſt / auch ſich in ein Winckel reterirt / gleichwol das Heꝛtz ge - faſt / und ſie befragt was ihr Abſehen und Thun allhier in diſem Orth ſeye? weil aber die arme Haut von Mutter-Leib gantz Stumm und Redloß / alſo hat ſie mit zornigen Gebaͤrden und entſetzlichen Geſchꝛey oder Kuͤrꝛen ihme wollen zu verſtehen ge - ben / er ſolle das ſo ſchoͤne daſelbſt aufgewachſene Graß nit ſo liederlich nieder tretten; der gute Menſch verſtunde diſes ſtum - me Regiſter nit / ſondern glaubte gaͤntzlich daß GOTT ihn er - hoͤꝛt / und in diſer ſolcher Geſtalt den Teuffel zugeſchickt habe; dahero die elende Troͤpffin mit allem Gewalt angegriffen / zu Boden geworffen / erbaͤrmlich zerſchlagen / und zerkratzt noch darzu gefrolocket / daß er einmahl den Teuffel kan alſo abgoſchẽ / der ihme mit ſo vielẽ und ſchaͤdlichen Gedancken alſo mañigfal - tig nachgeſtellt. Baͤff / baͤff noch eines / baͤff / baͤff / du verruchter Teuffel / ſagte er / du pralleſt / als waͤre dir niemand gleich / baͤff / baͤff / ꝛc. Jetzt biſt du mir unter meine Hand kom̃en; indem er al - ſo mit dem armen / alten Weib gleichſam unmenſchlich verfah - ren / da ſeynd einige benachbarte Leuth wegen deß groſſen Ge - ſchrey beygeloffen / den Juͤngling alseinen Moͤrder zum Rich - ter gefuͤhrt / das arme und halb tode Weib in die Herberg / auch zugleich den Heil. Vincentio ſolches kundbar gemacht / welcher dann alſobald bey GOtt dem Allmaͤchtigen durch ſein viel ver - moͤgendes Gebet ſo viel gewuͤrckt / daß ihr durch ein Wunder - werck die Red und Sprach kommen / und ſie nach vollkommne -Prato. fiorit. fol 485. P. 2. ner abgelegter Beicht in GOtt ſeelig verſchieden / deß Juͤngling Einfalt aber / weil ihn der Richter zum Strang wolte verur - theilen / beſter maſſen entſchuldiget.

Auf ſolche Weiß gibt es dañ nit bald die Zeit / und Gelegen - heit den Teuffel zuſchlagen: nichts deſtoweniger iſt mein einigeꝛ Rath / daß man diſen verdammten / verruchten Boͤßwicht nit anderſt ſoll tractiren als mit Schlaͤgen. Drauf geſchlagen oh - ne Erbarmnus / drauf geſchlagen ohne Aufhoͤꝛen / drauf geſchla - gen / biß kracht / drauf geſchlagen / biß er in die Flucht gehe. F f 3Diſes230Judas / ꝛc. hat ſich mit Gedancken verſuͤndiget.Diſes Schlagen beſtehet in nichts anders als im Ausſchlagen der Gedancken / im Schlagen auf die Bruſt / durch ſolche Stoͤß wird der Teuffel verſtoſſen.

Der Evangeliſt Matth. am 9. Cap. regiſtiert / was Geſtal - ten ein Obriſter zu Chriſto dem HErꝛn getretten / und ihme wehemuͤthig geklagt / wie daß ſein Jungfrau Tochter (dazumal hat mans noch nicht Freyla genennt) ſeye mit dem Tod abgan - gen / worauf alſobald der Heyland mit ihme ſich in ſein Behau - ſung begeben / wie er aber daſelbſt die Kerl angetroffen / ſo mit groſſem Getoͤß die Schallmeyẽ geblaſen / Recedite &c. Da hat er diſes Geſindel alſobald aus dem Haus geſchafft. Die Teuf - fel und verfluchten Geiſter ſeynd noch aͤrger Blaſer; dann ſie nit in die Schalmeyen blaſen / aber lauter Schelmerey einbla - ſen durch die boͤſe Gedancken; dannenhero kein beſſers Mittel / als daß man dieſelbe trutzig abſchaffe / zum Haus hinaus peit - ſche / und das Hertz allein dem allerliebſten JEſu fuͤr ein Woh - nung aufbehalte.

Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apo - ſtel-Ampt gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.

NAch der wunderbarlichen Himmelfart Chriſti deß HErꝛn hat der H. Petrus, als ein Oberhaupt der Ca - tholiſchen Kiꝛchen / die Apoſtel / wie auch die 72. Juͤnger zuſam̃en beruffen / worbey auch die uͤbergebenedeyte Mutter GOttes erſchienen ſam̃t etlichen andern / uñ nach kurtzer Pre - digt von dem ungluͤckſeeligen Fall deß Jſcarioths eyfferig vor - getragen / daß ſie nunmehr zu Nutzen der Kirchen und zu Be - foͤrderung der Seelen Heyl wollen zu der Wahlſchreiten eines neuen Apoſtels / an ſtatt deß entfuͤhrten Laſterhafften Judaͤ / Wie ſie nun alles insgeſammt / deren gegen hundert ung zwan -tzig231gelangt durch einhellige Wahl der H. Mathias.tzig beyeinander / ein geraume Zeit ihr inbruͤnſtiges Gebet ver - richt / haben ſie endlich Canonicé ihrer zwey erwaͤhlt / benannt - lich Joſephum Barſabam, der eine Bruder war Jacobi Mıno - ris, und ein Befreundter Chriſti und Mariæ, wie dann auch Matthiam, ſo von Bethlehem gebuͤrthig / ein beſtaͤndiger Juͤn - ger Chriſti deß HErꝛn geweſen; beyde ſehr fromme / heilige / uñ verſtaͤndige Maͤnner. Damit aber GOTT der gantzen Welt zeige / daß man in Ertheilung der Aempter / forderſt der Geiſt - lichen Dignitaͤt / nicht ſoll anſehen das Blut und Verwandt - ſchafft / ſondern vilmehr die Tauglichkeit / und die Verdienſten / alſo iſt Matthias durch einen vom Himmel geſandten Stꝛahlen zur Apoſtoliſcher Hochheit erkiſen worden / worzu ihme das gantze Collegium ſammt allen anweſenden Chriſten von Her - tzen gratulirt / und anbey GOTT den HErꝛn gelobt und ge - prieſen / daß durch ſeine Gnad an ſtatt deß Ertz-Schelm Ju - daͤ ein ſo werther Mann erwaͤhlt worden.

Wahl nicht allezeit Wol.

Wie Julius der Dritte / Pius der Vierdte / Gregorius der Neundte / Innocentius der Dridte / Fabianus und andere zu Roͤmiſchen Paͤbſten erwaͤhlet worden / da hat der H. Geiſt in ſichtbarer Geſtalt einer Schneeweiſen Tauben / ſolche Wahl gut geheiſſen. Deßgleichen iſt auch geſchehen mit dem Heil. Po - lycarpo, Mauritio, Hilario, Eurutio, Marcellino, Marcello, und mehrer andern / wie ſie zur Biſchofflicher Hochheit erhe: bet worden. Wann ſchon nicht allemahl dergleichen Wunder - werck geſchicht / ſo iſt doch nit in Zweiffel zu ſetzen / daß nicht unſichtbarer Weiß der Heil. Geiſt in ſolchen Wahlen mitwuͤr - cke: was anlangt bie Wahl eines Roͤmiſchen Pabſtens und O - berhaupt der Catholiſchen Kirchen will ich dermahlen nichts beyruͤcken / indeme ohne das bekandt / daß erſt genañte Kirchen nit auf einen moraſtigen Grund / ſondern auf einen unbewegli - chen Felſen gebauet ſeye / auch jenige feurige Zungẽ / ſo uͤber dieApoſtel232Jn deß abtruͤnnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptApoſtel kommen / noch in den Nachkoͤm̃lingen ihre Wuͤrckung haben. Aber bey diſer bethoͤrten und verkehrten Welt wird nit ſelten einer zur Geiſtlichen Dignitaͤt gelangen / der nit dignus iſt / wurd gar offt zu groſſen Wuͤrden kommen / der es doch nit iſt; da heiſt es / da ſagt man / da hoͤrt man / es iſt bey der Wahl / und mit der Wahl / nit gar wol her gangen.

Die Wahl geſchicht nit wol / wann man einen Jdioten erwaͤhlt.

Wie die Philiſtaͤer die Arch deß HErrn von den Jſraeli - teꝛn erobert / und in ihre Hand bekom̃en / da haben ſie ſolche alſo - bald in ihren Tempel gefuͤhrt; kaum aber / daß diſe durch die Porten oder Thuͤr hinein gebracht worden / da iſt ihr Abgott der Dagon genant / von dem Altar herunter gefallen / den ſie den andern Tag wiederumb mit ſonderer Solemnitaͤt an ſein Orth geſtellt / diſer aber iſt mehrmahl durch Goͤttlichen Gewalt von dem Altar herunter geſtuͤrtzt worden / daß er alſo den Kopff und1. Reg. 5. Haͤnd verlohren: Porrò Dagon ſolus truncus remanſerat, und nichts anders verblieben / als eie gemeiner Stock und Block; gleichwol haben die Philiſtaͤer ihn noch verehrt / und angebet - tet. Wir ſeynd der Zeit / GOtt ſeye Lob / keine unglaubige Hey - den und verblendte Goͤtzen Anbeter / wie diſe / aber dannoch ge - ſchicht es / daß wie zuweilen muͤſſen einen verehrẽ und gleichſam anbeten / der kein Kopff hat / und ein lauterer Truncus, wie der Dagon. Ja Cornelius à Lapide ſchreibt / daß beſagtes Goͤtzen - bild halb Menſch und halb Fiſch ſeye geweſt: wann ſchon. Es kom̃t zu Zeiten einer zu einem Ampt / der gar ein lauteꝛer Stock - fiſch / und wir muͤſſen ihme gleichwol verehren. Aber ein ſolche Wahl ſteht nie wol.

Wie unſer HErr den Lazarum von Tod en erwecket hat / ſo iſt ſolches den Hohen-Priſtern nıe ein wenig in die Naſen ge - rochen / in Erwegung / daß duꝛch dergleichen Wunderwerck die - ſes Zim̃ermans Sohn (alſo nennten ſie ihn) das meiſte Volckwerde233gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.werde nach ſich ziehen / und folgſam ihnen das Intereſſe zimb - lich geſchmaͤhlert weren; haben demnach diſe Hohe-Prieſter / diſe Hochwuͤrdige Herꝛn einen Rath verſammlet / und allerley Anſchlaͤg auf die Bahn gebracht / wie doch fernerm Ubel vorzu - biegen ſeye. Wie ſie nun im beſten Diſcurs begꝛiffen / und glaub - ten ihres Sinns / daß ſie ſehr beſcheid und weißlich geredet ha - ben / da richtet ſich der Caiphas auf / welcher deſſelbigen Jahrs der hoͤchſte Prieſter war / und ein Oberhaupt der Synagog und voͤlliger Geiſtlichkeit / und ſprach nit ohne Grollen und Wider - willen / Vosneſcitis quidquam, Jhr wiſſet nichts.

O pfuy / pfuy! wie ſchaͤndlich ſteht es / wie ungereimbt iſt es / wann jemand in hohem Ampt und Geiſtlicher Wuͤrde ſich be - findet / und den Namen und Titul tragt Jhr Hoch-Wuͤrden / Jhr Gnaden / Jhr Excellenz, &c. und man ihnen ebenfals vor - werffe / was Caiphas denẽ Hohen-Prieſtern / ihr wiſſet nichts / Vos neſcitis quidquam: Jhr ſeyd nit gelehrt / wol aber gelaͤert / ihr ſeyd kein Doctor, wol aber ein Doc-thor / ihr ſeyd nit gra - dirt / wol aber radirt: ihr ſeyd mehrer Lutteratus als Litteratus: ihr ſeyd gleicher einem Stoloni als Soloni: ihr ſeyd aͤhnlicher ei - nem Stallmann / als einem Salamon: ihr ſeyd ein beſſerer Mat - to, als Mathematicus, ihr wiſſet mehrer aus einem Plano, als einem Becano; doch iſt bekandter der Gaymann / als der Lay - mann / ihr ſeyd ein ſchlechter Canoniſt, wohl aber ein guter Kandeliſt: Vos neſcitisquidquam, &c. Die ſchoͤne Rachel hat Stroh unterm Leib gehabt / wie ſie die Goͤtzenbilder ver - borgen / ihr aber tragt Stroh im Kopff; der Samſon hat mit einem Eſels-Kinnbacken tauſend Philiſtaͤer erlegt / ihr koͤndt mit einem gantzen Eſels-Kopff nichts richten: deß Joſephs Bruͤder haben Korn und Weitzen in den Saͤcken gehabt / ihr aber habt Habern im Kopff / und ſeyd gar ein Haber-Narꝛ: in dem obern Garn der Archen Noe ſeynd allerley Voͤgel ge - weſt / bey euch aber iſt oberhalb ein gantzes Gimpel-Neſt /Pars IV. G gpfuy!234Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-Ampt.pfuy! ihr ſeyd Conſultiſſimus & neſcitis quidquam, und wiſ - ſet nichts.

Joannes hat alles golten bey unſerm lieben HErꝛn / ihn hat der Heyland mehrer geliebt und gelobt / als alle andere Apoſtel / er hat die Bruſt Chriſti vor einen Polſter gehabt / ſolche Gnad iſt keinem andern begegnet / er hat die Gerhabſchafft uͤber die Mutter GOttes gehabt / und iſt allezeit ein Lilgenreine Jung - frau verblieben / er war ſo gar ein Vetter deß HErꝛn / und dan - noch hat ihn Chriſtus zu keinen Pabſt gemacht / ſondern Pe - trum zu diſer hoͤchſten Wuͤrde erkieſen; warum aber diſes? dar - umb. Ehe und bevor der Heyland diſe Dignitaͤt und hohe Geiſt - liche Wuͤrde conferiert / hat er ein Examen angeſtellt / und der zum beſten werde beſtehen / der ſoll zu diſem hoͤchſten Ampt ge - langen. Erfragt demnach einen umb den andern / und gibt al - len insgemein die Quæſtion auf: Quem dicunthomines, &c. Was ſagen die Leuth von dem Sohn deß Menſchen / wer er ſeye? da ſprachen ſie / etliche ſagen / er ſeye Joannes der Tauf - fer / etliche aber / er ſeye Elias, andere aber / er ſeye Jeremias, oder einer aus den Propheten; uͤber ſolches wird Petrus auch exa - miniret der aber alſobald friſch heraus geſagt; Tues Chriſtus, &c. Du biſt Chriſtus / der Sohn deß lebendigen GOttes / ꝛc. Wie der Heyland hat wahr genommen / daß Petrus in dieſem Concurſu zum beſten beſtanden / und ſich als einen gelehrten Theologum gezeigt / da hat er gleich und ohne einigen Verzug ihm zum Pabſten erwaͤhlt / du biſt Petrus / und auf diſen Felfen will ich mein Kirch bauen. Dardurch uns ein Lehr zu geben / daß wir in einer Wahl die Stimmen nit ſollen werffen auf ei - nen Idioten, der ein ſchlechte Wiſſenſchafft hat / ſondern auf einen Gelehrten und Wohlerfahrnen. Jn der Wahl eines Biſchoffs / eines Prælaten, eines Abbts / eines Probſten / eines Priors, eines Guardians, &c. und was immer ein Geiſtliche Wuͤrde mag genennet werden / wohl dahin trach - ten und zielen / damit ein Gelehrter erwaͤhlt werde; dann wokein235gelangt durch einhellige Wahl der H. Matthias.kein Doctrin, dort iſt gemeiniglich ein Ruin, und ſtehet nichts ſpoͤttlichers / als wann man ſolchen kan verwerffen das neſci - tis, ihr wiſſet nichts.

Unſer HErꝛ mit ſeinem Goͤttlichen Mund hat bey dem Evangeliſten Matthaͤo ſehr ſchoͤn und wol beſchrieben / wie ei - ner ſoll beſchaffen ſeyn / der ein Ampt zu verſehen hat: Fidelis & prudens, quemconſtituit Dominus ſuper familiam ſuam, er ſoll nehmlıchtreu und verſtaͤndig ſeyn. Es iſt an dem allein nit gelegen / daß er from̃ und Gottſeelig iſt / daß er im̃erzu im Chor ſteckt / uñ bald die Zeit mehꝛer mit Knyen als mit ſtehẽ zubringt / daß er faſt alle Tag mit ſeinem Buckel umbgeht / wie der Pro - phet Baalam mit der Eſelin / daß er wegen ſtrengen Bußwerckẽ ſeinem Leib ein Stieff-Vatter abgibt / es iſt nit genug / daß er ein guts Gewiſſen hat / ſondern es wird auch erfordert / daß er ein gutes Wiſſen habe / Fidelis & prudens.

Judas ein Hauptſchelm / und Petrus ein Oberhaupt der Ca - tholiſchen Kirchen / Judas ein Urſacher deß Tods Chriſti / und Petrus hat ſich anerbotten umb Chriſti Willen den Tod auszu - ſtehen / Judas hat unſerm HErꝛn aus der gemeinen Caſſa das Geld geſtohlen / und Petrus hat fuͤr unſern HErꝛn den Zinnß - Groſchen zu Capharnaum bezahlt. nichts deſtoweniger hat der HErꝛ und Heyland dem Judaͤ nie einen ſo harten Filtz und Verweiß geben / wie dem Petro. Wie der Iſcarioth ihn durch einen falſchen Kußverrathen / da hat ihn der gebenedeyte Mei - ſter noch einen Freund geheiſſen Amice, &c. Den Peter aber hat er gar einen Sathan und Teuffel genennt / und zwar da - zumahl / als Petrus vernommen / als ſolle er / benanntlich Chriſtus / eines bittern Tods ſterben zu Jeruſalem / da hat er ſich deſſen erffrig angenom̃en / abſit: bey Leib nit HErꝛ / ſprach Petrus, diſes ſeye weit von dir; worauf der ſonſt ſanfftmuͤthig - ſte Erloͤſer ein finſters Geſicht gemacht / und den Peter einen Teuffel geſcholten / Vade &c. Gehe von mir du Sathan / ꝛc. G g 2Gab236Jn deß abtrinnigen Judaͤ Stell und Apoſtel-AmptGab aber gleich die Uꝛſach diſes ſo harten Prædicats, non ſapis ea, quæ DEI ſunt, &c. Du verſteheſt nit was GOttes iſt.

Auf ſolche Weiß hat Chriſtus ein groͤſſere Gedult gehabt mit dem gottloſen Juda / als mit dem Peter / ſo dazumahl einen Ignoranten abgeben; ſo gar kan GOtt nicht leyden / wann ein Geiſtliche Obrigkeit nichts verſtehet / abſonderlich wann ſie nit verſtehet / was GOttes iſt / wann ſie keiner einigen Geiſtlichen Wiſſenſchafft kuͤndig; wann ſie beſſer und mehrer weiß umb die Nuß / als umb das Jus, wann ſie aus Mangel der Wiſſen - ſchafft alles denen Miniſteren und Bedienten uͤberlaſt / ſo nach - mahl mit der Juſtiz verfahren / wie die Bruͤder mit dem Joſeph / den ſie umb das Geld verkaufft; wañ ſie ſich in der Rath-Stu - ben nur mit dem Ja buckt / wie die Maͤntel in einem Haus-Krip - pel. Pfuy!!

Ein Eſel / und Meiſter Lang-Ohr hat auf eine Zeit wahr - genommen / wie ein kleines Huͤndel mit Namen Bellamor ſehr viel gelte bey ſeinem Herꝛn / umb weil es mehrmahl mit den Fuͤſ - ſen an den Herꝛn aufſpringt / und allerleyſchmeichleriſche Ge - baͤrden zeigt; da gedachte der grobe Trampel / er wolte es dem luſtigen Bellamor / nachthun / und aller gleicher Geſtalt beſſer bey ſeinem Patron in Gnaden zu kommen / und etwan kuͤnfftig im Fuͤtter ein doppelte Portion zuerhalten / weil er doch bißhe - ro im ſchlechten Convict geweſt. So bald aber der Aſſiatiſche Phantaſt die fordere zwey Fuͤß dem Herꝛn auf die Achſel ge - legt / und mit den langen Spitzohren die Baroquen herunter gehebt? da hat ſich der Herꝛ diſes ſo groben Liebkoſens bedankt / und ſolche Corteſie mit einem Bruͤgel beſter maſſen erwidert. Die Fabel will nichts anders ſagen / als / es ſoll ein jeder blei - ben / wer er iſt / und wann ein Eſel ſich ſchon befleiſt eines andern ſein Thun und Laſſen nachzuaͤhnen / ſo ſteht es ihme gantz nit an / und wird allemahl als ein Eſel erkennet.

Waͤnn ein Idiot ein plumper Ignorant durch unvorſich -tige237gelangt durch einhellige Wahl | der H. Matthias.tige Stimmen und Wahlzu einer Dignitaͤt erhoben wird / ſo wird er zwar in allweg trachten / wie er es moͤge andern nach - thun / er kleidet ſich gleich andern / und muß der doppelte Taffet den einfachen und einfaͤltigen Tropff bedeckẽ / er laſt den Barth nach der Modi refomirẽ / der ohne das Raſus genug iſt / er ſchickt ſich allgemach in die Reputation, und ſinge den Alt / der vorher ein ſo niedern Paß geſungen: aber es will ihn doch nichts anſte - hen / aus denen Worten und Wercken merckt man / daß der hoͤl - tzerne Klepper / auf dem die muthwilligen Soldaten auf dem Platz muͤſſen reiten / ſein nechſter Verwandter ſeye: aus ſeinem Diſcurs thut man wahrnehmen / das am Palmtag ſein vor - nehmbſtes Feſt ſeye / und bleibt in allweg ein Eſel / woꝛvon nach - mahls der Reſpect bey denen Untern in Verlurſt gehet / man - cher verſchmitzter Geſell uñ arger Vogel ihn hinter das Liecht fuͤhrt / der gemeine Poͤfel ihn verhoͤhnet / das Ampt ſpoͤttlich veꝛricht wird / uñ das gantze Gebaͤu unrer einem ſolchen Stꝛoh Dach Schaden leidet; Ignorantia enim eſt erroris Mater.

Jch hab von einem der gleichen Ignoranten geleſen / was Geſtalt er durch die groſſe Willfaͤhrtigkeit ſeines Koͤnigs zu ei - ner Geiſtlichen Wuͤrde ſeye erhoben worden / unangeſehẽ er die Schwind-Sucht im Hirn gehabt. Es iſt ihm gangen wie der Muſic, welche aus allen Noten das La zu hoͤchſt ſetzt / ut, re, mi, fa, ſo, la; alſo gelangt auch mancher La Laͤhrer Kopff / La Lapp / La Laller / La Lauſer / La Lackendreſcher / ꝛc. durch blin - des Gluͤck in die Hoͤhe; weil erſtgedachter Idiot zu dem unver - dienten Ampt kommen / und andere Wolverſtaͤndige und Ge - lehrte das kuͤrtzere gezogen / alſo haben ſie dem Koͤnig mıt artli - cher Manier ſolche Eſels-Promotion zuverſtehen geben