DemHoch - vnd Wolgebohrnen Graffen / vnd Herꝛn / Herꝛn Hannß Jacoben Kißl / Graffen zu Gottſchee / Freyherꝛn auff Kalten - brunn / vnd Ganowitz / Herꝛn der Burg Herꝛſchafften / Ober-Mahrburg / Wintenau / Hainfeld vnd Fahrngraben / ꝛc. Obriſten Erbland Jaͤger-Maiſter in Crain / vnd der Windiſchen March / auch Erb-Drucklaͤſſen der Fuͤrſtlichen Graffſchafft Goͤrtz / R. K. M. Cammerern / J. O. Hoff-Kriegs-Rath / vnd Vice-Præſidenten.
WEilen Eur Hochgraͤffl: Gna - den den Preißwuͤrdigen Namen tragen Jacob / alſo kan ich es nit laugnen / wil es nit laugnen / vnd ſoll es nit laug - nen / ſonder nennen vnd bekennen / daß mir vmb das Hertz ſeye / was in dem alten Teſtament der Allmaͤchtige GOtt von dem Jacob außgeſprochen /) (2Ja -EPISTOLA DEDICATORIA. Jacob dilexi &c. den Jacob hab ich geliebt / ad Rom. 9. Urſach ſolcher tragender Lieb ſeynd Euer Hochgraͤffli - chen Gnaden ſowol Demuͤhtige als Anmuͤhtige Affe - cten, welche Sie allen Geiſtlichen vnd Ordens-Leu - then / folgſamb auch mir vnwuͤrdigiſtem Diener aller - ſeits gantz gnaͤdig erweiſen. In deme nun Euer Hoch - graͤffl: Gnaden neben anderen Hochadelichen Schar - ſchen auch Erblandt-Jaͤgermaiſter in Crain vnd Win - diſch March ſeyn / ſo werden ſie ohngezweiffelt wol wiſſen / was der Wildfreundliche oder Freundlichwilde Echo in dem duͤcken Gehuͤltz vnd ſchattenreichen Waͤl - deren zwiſchen Berg vnd Thal im Brauch habe / daß er nemblich die jenige reſalutire / wie er begruͤſt wird / vnd allemahl die Lieb mit Lieb bezahle. Solchem Leibloſen Sprachmaiſter hab ich / gebuͤhr halber / wol - len nacharthen / vnd die jenige groſſe Lieb / welche Euer Hochgraͤfl: Gnaden gegen vnſerm Cloſter bey S. An - na, wie auch gegen mir erzeigen / mit andern Lieb oder Liebs-Zeichen wollen erwideren: Weilen ich aber in dem Muͤntzgraben weder Silber noch Gold / ſondern nur Ertz außgegraben / nemlich Judam den Ertz-Schel - men / alſo habe ich mich villeicht gar zu keck vnderfan - gen / ſolchen Eur Hochgraͤfl: Gnaden demuͤtigiſt zu offe - riren: Freylich wol mag mancher Naſenwitziger vber ſolche rare Schanckung die Stirn runtzlen / aber bey beſcheiden vnd beſchaidnen Leuthen findet ſich ein wei -ſereEPISTOLA DEDICATORIA. ſere Außlegung / als welche ohne ferneren bedacht je - nem Sprichwort der Weltweiſen beyfallen: Con - traria juxta ſe poſita magis eluceſcunt: Wann man das Gold zu dem Bley / den Schnee zu dem Rueß / den H. Engl zu dem Teuffel / ein hipſche Helena zu einer alten vngeſtalten Xantipe ſtoͤllet / ſo verliehren ſie nit allein hierdurch ihren Werth nit / ſondern kommen noch ſchoͤner vnd ſcheinender herauß in Gegenwarth ihres Widerſpils. Indem ich dann Eur Hochgraͤffl. Gna - den den argen / kargen Geitzhalß Judam vorſtelle / ſo erhellet deſto ruhmwuͤrdiger Euer Hochgraͤfflichen Gnaden bekannte Freygebigkeit / welche wir mehrma - len in vnſerm armen Convent erfahren. Dem wie - ſten Teuffel vnd garſtigen Wau Wau hat es dazumal nit gelungen / wie er in der Wuͤſten den HErꝛn Jeſum verſucht hat / vnd kurtzumb angehalten / der Haylandt ſolle auß einem Stein Brod machen / dic lapidi huic ut panis fiat. Luc. 4. v. 3. Aber vns Auguſtinern Barfuͤſſern in dem Muͤntzgraben iſt ſchon oͤffters ein Stein zu Brod worden / in dem Euer Hochgraͤffliche Gnaden Graff Kißl ſich gantz vnd gar nit Steinhart erwiſen / ſondern mehrmal ein Brodt ins Cloſter ge - ſchafft. Deß Baurn vnd arbeitſamben Ackersmann iſt ſein einige Hoffnung auff Jacobi, dann vmb Jacobi herumb hat er ſein Schnidt auff dem Feld / mir iſt fuͤr - war nit anderſt (es mags jemand fuͤr ein Baurn-[Con -]) (3ceptEPISTOLA DEDICATORIA. cept außlegen oder nit) vmb Jacobi hab ich vnd das arme Cloſter bey S. Anna den beſten Schnidt / vnd hat wol recht der Himmel alſo angeordnet / daß Euer Hochgraͤffliche Gnaden den Stammen Jacob bekom - men / dann gleichwie Jacob in dem alten Teſtament ſehr vil weiſſe vnd geſcheckete Schaͤffel auff die Wayd gefuͤhrt / alſo haben Euer Hochgraͤffliche Gnaden biß - hero manche Vnderhaltung vnd Wayd ſehr vilen Geiſt - lichen Schaͤfflein beygeſchafft / warunder die ſchwartze das Me - Me - Me-Mento nit verhalten. Zum anderten hat mich verantlaſſet / daß ich Euer Hoch - graͤfflichen Gnaden diſen Erſten Thail demuͤthigiſt de - dicire / weilen nemblich ein jedes Buch einen Schutz - herꝛn vonnoͤthen hat / vnd wer kan mich dann beſſer ſchirmen als Euer Hochgraͤfflich Gnaden / maſſen auch der David ſich mit einem Kißlſtein wider den Groß - kopffeten Goliath defendirt hat / dahero ſo arm als ich bin / ſchaͤtz mich dannoch Steinreich / wann ich Euer Hochgraͤffliche Gnaden auff meiner Seithen habe / vnd iſt mir dißfahls der Kißlſtein Tauſendtmahl lieber als der Edlgſtein: Bin demnach der Troͤſtlichen Zu - verſicht / Euer Hochgraͤffliche Gnaden werden diſes wintzige Werckl in Gnaden auffnemmen / vmb weil ich nit habe andere koſtbare Præſenten / deren Eur Hoch - graͤffliche Gnaden ein Feind ſeynd / vnd mir nur gar zu wol bekannt / daß ihnen kein Muſic mehrer zuwider /alsEPISTOLA DEDICATORIA. als wann man auff dem Regal ſpilt / verſtehe die Rega - lien, nach welchen andere moͤgen ſchnappen vnd tap - pen / thun ſie in allweg haſſen. Befilche mich alſo / vnd forderiſt das arme Convent im Muͤntzgraben in Euer Hochgraͤfflichen Gnaden beharꝛlichen Favor vnd Gunſt / wuͤntſche beynebens Deroſelben nichts anders / als durch die Vorbitt der H. Annæ Annos longæ - vos, vnd nachmahls das Jenige / was durch ein Ana - gramma oder Buchſtaben-Wechßl auß dem Wort Kiſel genommen wird / nemblich Selik.
Euer Hochgraͤffl: Gnaden Demuͤthigiſter Diener Fr. Abraham à S. Clara.
WIr Leopold der Erſte / von Gottes Gnaden / Erwoͤhlter Roͤm. Kayſer / zu allen Zeiten Mehrer deß Reichs / in Germanien / zu Hungarn / Boͤ - heimb / Dalmatien / Croatien vnd Sclavonien / ꝛc. Koͤnig / Ertz. Hertzog zu Oeſterꝛeich / Hertzog zu Burgund / Steyr / Kaͤrndten / Crain vnd Wuͤrtenberg / Graff zu Tyroll / ꝛc. Bekhennen offentlich mit diſem Brieff / vnd thun Khundt Aller - maͤnniglich / daß vns Vnſer Lieber vnd getreuer Melchior Haan Buchdrucker vnd Buch - Handler zu Saltzburg Allervnderthaͤnigiſt zuvernehmen geben / was maſſen P. Abraham à S. Clara, Auguſtiner Barfuͤſſer Ordens / einen Tractat oder Buch in Quarto, vnder dem Titul (Judas der Ertz-Schelm / oder eigentlicher Entwurff vnd Lebens-Beſchrei - bung deß Iſcariotiſchen Boͤßwichts / ꝛc. ) zuſammen getragen vnd ihme zu drucken vnd zu verlegen uͤbergeben: Nachdem er aber beſorge / es moͤchte ſich ein oder anderet vnderfangen / ſolches Buch zu ſeinem Nachtheil vnd Schaden nachzudrucken: Als hat vns er Vnderthaͤ - nigiſt angeruffen vnd gebetten / ihme Vnſer Kayſerl. Privilegium Impreſſorium, auff Sechs Jahr lang dahin zu erthailen / daß ſolches Buch inner ſolcher Zeit nit nachgedruckt werden ſolte oder doͤrffte. Wann Wir dann Gnaͤdiglich angeſehen jetzt angedeutte gantz billiche Bitt; So haben Wir ihme die Gnad vnd Freyheit gegeben; Thuen auch ſolches hiermit in Crafft diſes Brieffs / alſo vnd dergeſtalten / daß er Melchior Haan oder deſſen Erben / obgedachten Tractat oder Buch in offnen Druck außgehen / hin: vnd wider außgeben / Fail haben vnd verkhauffen laſſen / auch ihme ſolches Niemand innerhalb der nechſten Sechs Jahren / weder in diſem noch groͤſſerem oder kleinerem Format, ohne ſeinen Conſens vnd Wiſſen im H. Roͤmiſchen Reich nachdrucken vnd verkhauffen / vil weniger mit frembden Titul beklaiden ſolle oder moͤge. Vnd Gebiethen darauff allen vnd jeden Vnſeren vnd deß Reichs Vnderthanen vnd Gethreuen / inſonderheit aber allen Buchdru - ckern / Buchfuͤhrern / Buchbindern vnd Buchverkyhauffern / bey Vermeidung ſechs March loͤthiges Golds / die ein jeder / ſo offt er freventlich hierwider thette / Vns halb in Vnſer Kayſerl: Cammer / vnd den andern halben Thail vorgedachtem Melchior Haan / vnd deſ - ſen Erbeu / ſo hieruͤber belaidiget wurden / vnnachlaͤßlich zu bezahlen verfallen ſeyn ſolle / auch bey Verliehrung aller Exemplarien / an was Orth vnd Enden dieſelben befunden werden / alles nach Außweiſung deß Originalis Privilegij, &c.
LIeber vnd Guͤnſtiger Leſer / allhier ſtoͤll ich dir vor Augen den ſaubern Lebens-Wandl deß Iſcariothiſchen Boͤßwichts / wel - chen ich auß vnderſchidlichen Authoribus mit ſonderm Fleiß gezo - gen / maiſtens aber hat mir gedient der gelehrte Jacobus à Vora - gine, wie auch andere Authentiſierte Rabiner / derer Schrifften mir auß der Kayſerlichen Bibliotech vor etlich Jahren zu leſen vergonnt wor - den. In diſem Erſten Thail hab ich vnderſchidliche Geſchicht vnd Gedicht ne - ben andern Sittlichen Lehrs-Puncten eingemiſcht / weſſenthalben ich gar wol glauben will / daß einige ernſthaffte Catones oder Platones uͤber etliche hierin - begriffene Zeil die Naſen rumpffen werden / vorgebend / daß ſehr vngereimbt / der Dagon zu dem Goͤttlichen Bunds-Kaſten / die Fablen zu dem Goͤttlichen Wort geſellet werden. Dißfalls mag ich mich gar nit mehr entſchuldigen mit dem H. Gregorio Turonenſi lib. 2. mit Belluacenſi in Spect. Moral. Part. 3. lib. 13. Diſt. 10. mit Stengelio, Cornelio, Drexelio, welche oͤffters auch die Fablen gebraucht / ſonder mein GOtt / als ein genauer Gemuͤths-Erforſcher waiß es / was geſtalten ich zu keinem andern Zihl vnd End dergleichen Ding habe eingemengt / als daß ich die jetzige / mehreſten Thails ſchaͤmloſe vnd z[aͤ]hmloſe Welt zu dem Guten locke / welche ſich nit anderſt / als durch derglei - chen Keder fangen laſſet: Seye ihm wie ihm woll / daß Petrus auß dem Meer einen Fiſch mit dem Angl herauß gezogen / in deſſen Maul er ein paares Gelt gefunden / glaub ich gar gern: daß er aber nit habe ein Mucken / oder Wuͤr - mel angekedert / glaub ich nit; wer will es dann mir fuͤr ein Vnfug tauffen / daß ich bißweilen Mucken vnd Grillen in meine Schrifften menge / wormit ich nur ſuche einige zu fiſchen. Daß aber diſer Erſte Thail gar ſpath ſich an das Liecht gewagt / iſt maiſtens Urſach der vngluͤckliche Verlurſt viler meiner Schrifften / auch iſt diſer derenthalben ſo vnformlich abgekuͤrtzt worden / weil mich der Gehorſamb wegen Religions-Geſchaͤfften anderwerts verhindert. Hoffe aber / der Andere Thail werde dem Leſer etwann mehrere Begnuͤgung laiſten. Vive & vale, & pro me Peccatore precare.
MAlos non gratis eſſe in hoc mundo, ſed bo - ni aliquid de illis agere Deum, argumento nobis eſt Tractatus de Juda Nequam, cujus Pri - mam Partem de Mandato Reverendiſſimi Officij à me lectam & relectam contra orthodoxam Fidem vel bonos mores nequaquam argui, ſed vel ideò imprimi poſſe cenſeo, ut quia Judas corripi nequit, quijam crepuit medius, aut malus exinde corrigatur, aut juſtus per illum exerceatur.
Sebastianus Mayr, SS. Theol. & SS. Can. Doctor, Celſiß. ac Re - verendiß. Principis, &c. &c. Con - ſiliarius Conſiſtorialis, nec non B. V. M. ad Nives Canonicus.
EGo infra ſcriptus facultatem lubens libens impertior, ut Ju - das Proditor in Lucem prodeat, dummodo qui loculos ha - buit, oculos non offendat, idcircò eundem Patribus ad id depu - tatis juſtâ trutinâ ponderandum confidi.
Fr. Ambrosius à S. Maximiliano Fr. Erem. Diſcal. S. Auguſt. Pro - vincialis per Germaniam.
DE Traditore peſſimo tradidiſſe optimè R. P. noſtrum Abra - hamum à S. Clara, luculentum perhibet teſtimonium opus præſen[ś], quod juſſu R. P. Ambroſij à S. Maximiliano Provincialis noſtri per Germaniam accuratè perlegi, nil orthodoxæ fidei diſ - ſonum, verum omnigena eruditione, parique doctrina refertum reperi; per conſequens hunecè Judam Chriſtiano obfuturum minimè, ſed profuturum maximè nullus dubito. Quare, ut pro - deat, dignum cenſeo.
Fr. Elias à S. Januario Supprior, & Magiſter Novitiorum ad S. Annam Græcij.
IUſſu R. P. Ambroſij à S. Maximiliano Ordinis S. Auguſtini Prioris Provincialis Judam (ſub titulo) Den Ertz-Schelm re - vidi à me lectum, qui ſibi in lectum ſelegit patibulum, ac per fu - nem ſibi finem accivit & lethum. Nihilominus adinveni hujus Ar - chi Nequam, qui ſibi ipſi diſplicuit ſuſpendium quærens, nequitias caſtigatas moribus omnibus fore caras, ob raram tanti Authoris methodum, & charas ob variegata documentorum fluenta. Et licet hic adulterinus Apoſtolus ſit adultus tenebrarum hoſpes, non lucis filius, quia filum vitæ ſibi ſuccidit laqueo; tamen in lucem ut prodeat, exindè meretur, cum ſit omnigenis Doctrinæ radijs illu - minatus. Jam ſordet adagium, rufam barbam, quam ſua perfidia poſteris infamem fecit, rarò bonæ ſortis eſſe; ego enim mali ſub eâ reverâ offendi nihil, utpotè omnia fidei noſtræ, ac bonis moribus conſona. Imò illam hic exquiſitus ingenij partus à co - lore & pallore auri plurimum commendat, quia in hoc Rufi-bar - bato non niſi aureè cælatos Chriſtianorum dogmatum conceptus, & ideò totum optimum reperi celatum. Quocircà Apoſtatam hunc reprobum, improbum Apoſtolum tot, & tantis refertum eruditio - nibus, minùs non, quàm approbare cenſui.
Fr. Alipius à S. Bartholomæo Con - cionator Ordinarius ad S. An - nam Græcij.
TUnc videbunt filium bominis venientem in nube, &c. Luc. 21. Demonſtrari po - teſt pavenda non cavenda dies extremi Judicij, ubi clariſſimè patebit, Deum omnia Mortalium facta & acta vidiſſe quapropter Concio inniti poterit huic axioma - ti Germanico, Es iſt nichts ſo klein geſponnen / es komdt alldort an die Sonnen: Extat hac de re copioſa materia de Præſentia Dei. fol. 419. uſque 444.
Beatus vir, qui in ſapientia morabitur, & qui in Juſtitia ſua meditabitur, & in ſenſu cogitabit circumſpectionem Dei. Eccl. 14. v. 22.
Ipſe timendus eſt in publico, ipſe in ſecreto, procedis videris, lucerna extin - cta eſt, videt te. In cubile intras, videt te, in corde verſaris, videt te: & vel timen - do caſtus eſto, aut ſi non peccaveris, quære ubi te non videat, & fac quod vis. S. P. Auguſt. Serm. 46. de Verb. Domini.
Cum quid turpe facis, quod me ſpectante ruberes, Cur ſpectante Deo, non ma - gis ipſe rubes? Hug. Card. in Pſal. 15. v. 8.
ILlis autem abeuntibus, cœpit Jeſus dicere ad turbas de Joanne. Matth. 11. Boni de abſentibus plerúmque benè, Mali autem potiſſimùm malè ſolent loqui, adeoq́ue oſtendi poteſt magnus Calumniantium Numerus. Vide fol de Detract. 655. uſque 686.
Acuerunt linguas ſuas ſicut ſerpentes: Venenum aſpidum ſub labijs eorum Pſal. 139.
Qui detractioni ſtudet diabolo ſervit, grave malum, turbulentus, dæmon eſt detractio. S. Chryſ. in Pſalm. 100.
ET qui miſſi fuerant ex Phariſæis. Joan. 1. Die ſincerè de falſis, oſtendendo[, plu -]res moderno tempore vivere Hypocritas quam Hypocrates. Vid. fol. de[Hypo -]criſi 465. uſque 478.
) () () (Index Concionatorius.Væ vobis Scribæ, & Phariſæi, Hypocritæ, quia ſimiles eſtis ſepulehris deal - batis. Matth. 23. v. 17.
Simulata æquitas, non eſt æquitas ſed duplex iniquitas, quia iniquitas eſt, & ſimulatio. S. P. Auguſt. in Pſal. 36.
FActum eſt Verbum Domini ſuper Joannem in deſerto. Luc. 3. Oſtendi poteſt quan - tam pijſſimus Deus curam gerat, ac providentiam eorum, qui vivunt in deſerto, aut qui videntur eſſe deſerti. Vide fol. 336. uſq́ue 360.
De Providentia divina.
Omnem ſolicitudinem veſtram projicientes in eum, quoniam ipſi cura eſt de vobis. 1. Pet. 5.
Providentiâ DEI, omnia gubernantur, & quæ putatur pœna, medicina eſt - S. Hieron. in Ezech.
ET vixerat cum viro ſuo annis ſeptem à Virginitate ſua. Luc. 2. Locus hic aptus eſt differendi de cautè ineundo Connubio. Vid. fol 17. uſque 44. Item 212. uſq́ue 233.
Fili ſine Conſilio nil facias, & poſt factum non pœnitebit. Eccl. 32. v. 24.
Qui mortali Connubio conjunctus eſt, ad ſuam ipſius Curam uxoris quoque alterâ adjectâ geminam in una anima ex conjuncto ſibi corpore ſolicitudinem neceſ - ſariò, ſuſtinet. S. Baſit. de Ver. Virg.
ET dixit Mater ejus ad illum, fili, quid feciſti nobis ſic? Luc. 2. Oſtendatur hic quid requirat Pietas filiorum erga Parentes. Vid. fol. 171. uſq́ue 198.
Quam malæ famæ eſt, qui derelinquit Patrem, & eſt maledictus à Deo, qui[e]xaſperat Matrem. Eccleſ 3.
Chriſtianorum eſt prima Pietas honorate Parentes, & labores educationis re -[repen -]dere. S. Cyrill. Gatech. 9. Hier.
AërioIndex Concionatorius.NUptiæ factæ ſunt in Cana Gallilææ. Joan. 2. Hac die ut plurimùm tractatur de duro & diro Matrimonij vinculo, de quo ampliſſima Materia habetur, fol. 17. uſq́ue 44. item fol 60. uſq́ue 68. item 212. uſq́ue 233.
In tribus placitum eſt ſpiritui meo, quæ ſunt probata coram Deo, & homini - bus: Concordia fratrum, & amor Proximorum, & Vir & Mulier benè ſibi conſen - tientes. Eccl. cap. 25. v. 1.
Conjugium mihi bonum videtur, non ſolum propter filiorum procreationem, ſed propter ipſam etiam naturalem in diverſo ſexu ſocietatem. S. P. Auguſt, lib. 16. de civit. Dei.
ET ecce leprojus veniens adorabat eum. Matth. 8. Non ſemper morbi & ærumnæ humanæ habent ipſam naturam pro cauſa ſed multoties ab ipſo Deo immittuntur in pænam peccati. Vid. fol 586. uſq́ue 626.
Pluet ſuper peccatores loqueos Ignis & ſulphur pars calicis eorum: Pſal. 10. v. 7.
Malorm omnium cauſam conſtat eſſe peccatum, ex Peccato triſtitia, ex Pec - cato tumultus, ex Peccato bella, morbi, atque omnes, quotquot nos premunt Paſ - ſiones. S. Chryſoſt. Hom. 5. ad pœnitent.
ECtè motus magnus factus eſt in Mari. Matth. 8. Doceri poteſt, periculoſiores exiſtere motus Iræ, quam motus furibundi æquoris. Vid. fol. 44. uſq́ue 60.
Iraſci hominis eſt, Iram non perficere Chriſtiani. Solvia Epiſt. 9.
) () () (2MeliusIndex Concionatorius.Melius eſt habitare in terra deſerta, quùm cum muliere rixoſa & iracunda. Proverb. 21. v. 19.
CUm autem dormirent homines. Maith. 13. Aptè hic diſſeres de otio ejuſque damno cum plerumque otium ſit negotium Diaboli. Vid. fol. 540. uſq́ue 554.
Hæc fuit iniquitas Sodomæ ſororis tuæ, ſuperbia, ſaturitas panis, & abundan - tia & otium ipſius, & filiarum ejus. Ezech. c. 16. v. 49.
Omnium tentationum, & cogitationum malarum colluvies eſt otium, ſumma mentis malitia, malorum omnium ſentina, Mors animæ. S. Bern. Serm. 8. in Purif. B. Virg.
SImile eſt Regnum Cœlorum grano ſinapis quod minimum eſt omnibus ſeminibus. Matth. 13. Ex hoc deduci poteſt, etiam parvis magnam ineſſe gratiam, nec ho - minem Corporis mole metiendum, cum non proceritas, ſed ſinceritas alicui laudem attribuat. Vide fol. 123. uſq́ue 142.
Ne ſpernas hominem in viſu ſuo, brevis in volatilibus eſt apis, & Initium dul - coris habet fructus ejus. Eccl. 11.
Dominus fecit nos, & non ipſi nos, idem in parvis, qui & in Magnis. S. Gre - gor. Turonenſ.
QUid hic ſtatis totâ die otioſi? Matth. 20. O quantus Numerus eſt eorum, qui tempus malè conſumunt, & tam, pretioſum theſaurum Inertiâ dilapidant. Vide fol. 554. uſq́ue 561.
Non defrauderis à Die bono, & particula boni doni non te prætereat. Eccl. 14.
Carò mihi valent ſtillæ temporum. S. P. Auguſt. lib. 1. Confeſſ. c. 1.
QUi habet aures audiendi, audiat. Lucæ. c. 8. Hic agi poteſt, veritatem in mun - do non habere locum, à demonſtratione, quod varij ſtatus Hominum vitij men - dacij defœdati ſint, quibus hodierni verba Evangelij improperari poſſunt, qui ha - bet aures audiendi, audiat turpitudinem, & abominationem mendaciorum. Vide fol. 445. uſq́ue 465.
Abominatio eſt Domino labia mendacia. Proverb. 19. verſ. 22.
Qui loquitur mendacia peribit. Proverb. 19. verſ. 9.
Nec artificioſo mendacio, nec ſimplici verbo oportet quenquam decipere, quia quomodolibet mentitur quis, occidit animam. S. P. Auguſt. lib. de conflict. Vit. & Virt.
CÆcus quidam ſedebat ſecus Viam. Luc. 18. Ampliſſimus hic Campus ſe offert, differendi de varijs ſtultorum claſſibus, cum absque hoc præſens Bacchanaliorum tempus omnibus ſtultis ſacrum habeatur, quorum Numerus ubiq́ue non exigiuus ut - pote furioſorum Vid. fol. Ebrioſorum, Vid fol. luſorum 375. uſq́ue 377.
NOn in ſolo Pane Vivit homo. Matth. 4. Objurgandi ſunt illi, qui Immodicis tanguntur & anguntur curis circa ſuſtentationem humanam, cum rerum omnium factor non ceſſet eſſe benefactor, imò Dei proprium eſt, Caſibus deſperatis ſubve - nire. Vid. de Provident. fol. 336. uſq́ue 360.
Non eſt alius Deus quàm tu, cui cura eſt de Omnibus. Sap. 12. v. 13. & 18.
Sic Deus intendit ſingulis, ac ſi vacet à Cunctis: & ſic omnibus ſimul inten - dit, ac ſi vacet à ſingulis, S. Greg. l. 25. Moral. c. 19.
Nec curare Deum, credis Mortalia quenquam? Virgil. Eccl. 8.
DUxit illos in Montem excelſum ſeorſum. Matth 17. Hic poteſt haberi prolixa panegyris eorum quos Deus ducit ad altiora, & hi ſunt Religioſi diverſorum Ordinum quos tamen Mordax Mundus non ceſſat theoninis lædere dentibus. Vid. de Relig: fol. 235. uſq́ue 259.
) () () (3PoſuiIndex Concionatorius.Poſui vos, ut eatis, & fructum affer atis, & fructus veſter maneat. Joa 15. v. 16.
O Sacer ſtatus Religioſi famulatus, qui hominem Angelis reddit æqualem, Deo placabilem, Demonibus terribilem, & cunctis fidelibus commendabilem. Thom. Kemp. lib. 3. c 10.
ET Domus ſupra Domum cadet. Luc. 11. Agas de mirabilibus terræ motibus quo - rum cauſa fuit peccatum; Vid. fol. 614. uſq́ue 618.
Propter quod in Ira Dei, ad Iracundiam provocaſtis Dominum, traditi eſtis ad - verſarijs. Baruch. 4. 6.
Hoc ſunt peccata lapſis, quod grando frugibus, quod turbidum ſidus arbori - bus, quod armentis peſtilens Vaſtitas, quod Navigijs ſæva tempeſtas. S. Cyprian. l. 5. de lapſis.
ACcepit ergo JESUS panes, & cum gratias egiſſet. Joan. 6. Locus iſte Evangeli - cus excitat omnes homines ad gratias Deo agendas pro tot immenſis beneficijs. Vide fol. 478. uſq́ue 499.
In omnibus gratias agite hæc eſt enim Voluntas Dei in Chriſto JESU in omni - bus Vobis. 1. Theſſ. 5. v. 17.
Quis non erubeſcat gratiam bene de ſe merenti non referre, cum videat etiam beſtias refugere Nomen Ingrati S. Ambroſ. lib. 6. hex. cap 4.
SI Veritatem dico vobis, quare non creditis mibi? Joan c. 8. Veritas diſplicet plurimis, & nauſeam creat ſtomachis ob hoc ſæpiſſimè ſtomachantibus. Vid. de Verit: fol. 243. uſq́ue 171.
Ego in hoc natus ſum, & ad hoc veni in Mundum, ut teſtimonium perhibeam Veritati. Joan. 18.
Incomparabiliter pulchrior eſt Veritas Chriſtianorum, quàm Helena Græco - rum. S. P. Aug. Epiſt. ad Hier.
HAc die poteſt fervidus præco ad commovendos Auditorum animos de amarâ Domini JESU Paſſione diſſerere, pro hoc ſuppeditabit materiam Caput de Gratitud: Vide, fol. 521 uſq́ue 539.
SicutIndex Concionatorius.Sicut ovis ad occiſionem ducetur, & quaſi agnus coram tondente ſe obmu - teſcet. Iſa. 53. v. 7.
O Homo, vide pœnas, quibus afficior: Vide clavos, quibus confodior: cum ſit dolor tantus exterior, interior eſt planctus gravior, cum te tam ingpatum expe - tior. S. Bern. in quad. ſerm.
MAria Magdalena, & Maria Jacobi & Salome emerunt aromata. Marci 16. Extollatur hac die laudatiſſima fœminarum devotio, & licet pauper ſexus mul - ta lolia numeret inter lilia, nilominus multæ pientiſſimæ Mulieres magna merentur præconia. Vide in Indice rerum 2dùm lit. H. Heyrathen.
Sicut ſol oriens Mundo in Altiſſimis Dei: ſic Mulieres bonæ ſpecies in orna - mentum Domus ejus Eccleſ. 26
NIſi videro in manibus ejus fixur am clavorum, non credam. Joan. 20. Ex hac Thomæ Incredulitate quodammodo multi ſint, qui protervè credere recu - ſant, niſi omnia fidei Myſteria quaſi manibus palpent, cum tamen in ſcrutandis hiſce arcanis talpæ inſtar cæcutiamus. Vid. fol. 259. uſq́ue 268.
Qui ſcrutator eſt Majeſtatis, opprimetur à gloria, Proverb. 25. v. 27.
Quæ Deus occulta eſſe voluit non ſunt ſcrutanda; quæ autem Manifeſta fecit, non ſunt negligenda, nè & in illis illicitè curioſi, & in his damnabiliter inveniamur ingrati. S. Proſp. de vocat. Gent.
BOnus Paſtor animam ſuam dat pro ovibus ſuis Joan. 10. Merito laudandi ſum tot zeloſi animarum Curatores, nilominus in ſtatu ſæculati ſunt quandoque non - nulli nimis illorum obtrectatores. Vid. fol. 235. uſq́ue 259.
Qui vos audit, me audit; & qui vos ſpernit, me ſpernit. Luc. 10 v. 16.
Sacerdotes Chriſti Vicarij ſunt, & qui honorat ſacerdotem Chriſti, honorat Chriſtum: & qui injuriat ſacerdotem Chriſti, Injuriat Chriſtum, cujus eſt Vicarius, & ſacerdos. S. Chryſoſt. hom. 17. in Matth.
CUm autem poperit puerum, jam non meminit preſſuræ, propter gaudium. Joa. 16. Quorundam Parentum gaudium hoc diuturnum non eſt, quando per nimiam Patris aut Mattis Indulgentiam filij filiæque in turpia vitia deflectunt. Vid. fol. 198. uſq́ue 211.
Qui parcit Virgæ odit filium ſuum, qui autem diligit illum, inſtanter erudit illum. Proverb. 13.
Diſciplina in duo dividitur; In Correctionem, & Inſtructionem, quarum[pri -][m]um timore, ſecundum amore perficitur. S. P. Aug. lib. de Morib. Ecc.
MultIndex Concionatorius.ARguet mundum, &c. De Judicio. Joan. 16. Opportunum hic erit diſſerere, de temerario Judicio, in quo multa opera hominibus videntur prava, quæ tamen coram Deo ſunt juſta, aliter enim Chriſtus, quàm hominum livor judicat. Vide fol. 627. uſq́ue 655.
Nolite ante tempus judicare, donec veniat Dominus qui & illuminabit abſcon - dita tenebrarum, & manifeſtabit conſilia cordium. 1. Cor. c. 4. v. 5.
Stulti tantò intenſius de alieno judicant, quantò ſua profundius ignorant. S. Greg. in Moral.
NUnc ſcimus, quia ſcis omnia, Joan 16. Brevis hicce textus nobis innuit conti - nuam ſupremi Numinis præſentiam, Cujus divini oculi aciem & faciem Nemo Mortalium ſubterfugere poteſt, Proindè veritati conſonum non eſt, quod Germa - norum minus cauta dicacitas blaterat, Gedancken ſeyn Zoll frey. Vid. fol. de Præſen - tia Dei. 419. uſq́ue 444.
Nonne Deus requiret iſta? Ipſe enim novit abſcondita Cordis. Pſal. 43. v. 22.
Cum à Deo non credimus nos videri, in ſole clauſos oculos retinemus, illum à nobis abſcondimus, non nos illi. S. Greg. l. 15. Mor. c. 5.
ABſque Synagogis facient vos. Joan. 15. Sunt non diffiteor multi, qui ſeipſos abſque Synagogis faciunt: ij videlicet, qui tanquam Apoſtatæ ab Eccleſia & Religioſis cœ - tibus ſe turpiter ſegregantes deficiunt, ac proindè ex Reverendis Patribus everrendi Parentes evadunt, ob hoc tamen non deberet Ordo totus inique traduci, cum conſtet floridiſſimum etiam roſetum ſpinis non carere. Vid. de Relig. fol. 235. uſq́ue 259.
Sicut avis transmigrans de nido ſuo ſie vir, qui derelinquit locū ſuum. Prov. 27.
Quia jam foviſti, jam te aſtrinxiſti, aliud tibi facere non licet, non talis eris, ſi non feceris, quod voviſti, qualis manſiſſes, ſi nihil tale voviſſes S. P. Aug. Epiſt. ad Armet.
SI quis diligit me, ſermonem meum ſervabit. Joan. 14. Sacratiſſima hæc feſtivitas fulget ignitis linguis, quia in harum forma Spiritus ſanctus ſuprà vertices Apo -[ſt]olorum apparuit, erudiens nos, ut linguæ noſtræ ſpiritu charitatis plenæ nonniſi[bo]na de Deo, & proximo loquentur, ſed proh dolor; Contrarium diurna probat[expe]rientia. Vide fol. 655. de Detractione, uſq́ue 686.
Cuſto -Index Concionatorius.Cuſtodite ergo vos à murmuratione, quæ nihil prodeſt, & à detractione parcite linguæ: quoniam os mentiens occidit animam. Sap. 1.
Linguam nullus hominum domare poteſt, homo domat feram, & non domat linguam. Domat leonem, & non frænat ſermonem, domat ipſe alios, & non domat ſe ipſum. S. P. Aug. lib. 1. de verb. Dom.
EUntes ergo, docete omnes gentes baptizantes eos in Nomine Patris, & Filij, & Spi - ritus ſancti. Matth. 28. Forma & firma hac die Panegyricum in honorem SS. Triadis demonſtrando, qualiter tres hæ diviniſſimæ Perſonæ, Perſonam tuam atq́ue meam ab omni malo cuſtodiant, ſerviet ad hoc Conc. de SS. Trinit. fol. 499. uſq́ue 520.
In illa ſumma Trinitate tantum eſt una, quantum tres ſimul, nec plus aliquid ſunt duæ, quam una. S. P. Aug. lib. de Trinit. c. 10.
NOlite Judicare, & non Judicabimini. Luc. 6. Ex horum occaſione oſtende, facta proximi in ſaniorem & ſanctiorem partem eſſe ſumenda, cum temeraria ho - minum Judicia ut plurimùm errori & livori ſubjecta ſint. Vid. fol. 627. de Jud. temer. uſq́ue 655.
In via ſtultus ambulans, cum ipſe inſipiens ſit, omnes ſtultos æſtimat. Eccl. 10. v. 3.
Quid perdo, ſi credo, quia bonus eſt? ſi incertum eſt, utrum ſit malus, licet quidem ut caveas, ne fortè verum ſit, non tamen damnes tanquam verum ſit. S. P. Aug. lib. 2. c. 28.
ET cæperunt omnes ſimul excuſare Luc. 14. Quam rari moderno tempore occur - runt, qui à convivijs ſe excuſant, imò non pauci ſunt, qui ſe ultroneè intru - dunt, ubi ſe ad ſummum uſque ingurgitant. Vide in Indice rerum ſecundum lit. V. Vollſauffen.
Attendite vobis, ne fortè graventur corda veſtra in crapula & ebrietate. Luc. 21. v. 34.
Ebrioſus, cum abſorbet Vinum, abſorbetur à Vino, abominatur à Deo, deſpi - citur ab Angelis, deridetur ab hominibus, deſtituitur à virtutibus, confunditur à dæmonibus conculcatur à beſtijs. S. Ambroſ. lib. de pœnit.
ET eum in venerit eam, imponit in humeros ſuos gaudens. Luc. 15. Deperdita & rurſus inventa ovicula humeris imponitur, ne rurſus habitâ occaſione in deſer - tum auffugiat, nam peccatores habituati difficulter emendantur, emendati verò ad relapſum proniſſimi ſunt & promptiſſimi. Vide de mala conſuet fol. 383. uſ - que 418.
Adoleſcens Juxta viam ſuam, etiam cum ſenuerit, non recedet ab ea. Prov. 22. v. 6.
Uſitata culpa obligat mentem, ut nequaquam poſſit ſurgere ad rectitudinem: conatur & labitur, quia ubi diu ſpontè perſtitit, & ibi, cum noluerit, coacta cedit, S. Greg. lib. 4. Moral.
PEr totam noctem laborantes. Luc. 5. Suadetur labor, laborioſa ſedulitas, per quam homo coronatos in Ciſtis (ſanius dicam) Coronam in cœlis ſibi comparat. Vide fol. 571. uſq́ue 581.
Labores manuum tuarum quia manducabis: beatus es, & benè tibi erit. Pſal. 127. v. 2.
Homo ad laborem naſcitur, & avis ad volatum, quia indè mens ad ſumma vo - lat, unde caro in Infimis diutius laborat. S. Greg lib. 7. mor. c. 6.
OMnis qui iraſcitur fratri ſuo, reus erit Judicio Matth. 5. Oſtende quam lev. ſæpè ex cauſa quanta ita exardeſcat, & levidenſis ſcintilla in ſummè nocivas flammas erumpat, præcipuè apud Zelotypos, quorum Grylli ſeu crabrones Pharao - nicis Muſcis multò infeſtiores. Vid. fol. 228. uſq́ue 233.
Dura ſicut Infernus æmulatio. Cantic. 8. v 6.
Sibi ipſis impetare non valent iracundi, & qui à furore & ira vincuntur, ſimiles ſunt Navi, quæ in Media tempeſtate à gubernatore deſtituta ſubmergitur undiquaq́ue procellis in eam ingreſſis: Ira enim quaſi fulmen, & tempeſtas quædam in animam irruit ſervientémque ſibi, ſtupidum & amentem reddit. S. Chryſ. Serm. de manſ.
Pertinet ad faciem rabidos componere mores:
UNde iſtos poterit quis hic ſaturare panibus in ſolitudine? Marc. 8. Occaſio eſt objurgandi eos, qui de immenſa Dei Providentia diffidentes, in ſuſtentanda vita nimium anxijs marceſcunt curis hinc non alio honeſtiori inſigniuntur titulo, quàm vulgò Lethfeigen. Vide fol. 336. uſq́ue 360.
Dominus regit me, & nihil mihi deerit. Pſalm. 22.
ATendite à falſis Propbetis. Matth. 7. Inter hos tenebriones etiam numerandi. ſunt adulatores (per anagramma laudatores) quorum officium ſivè vitium eſt vulpinâ caudâ veritatem ſauciare hoc hominum genus plerumq́ue palatum ſuum in Palatijs implere ſoler. Vide fol. 143. uſq́ue 171.
Meliora ſunt vulnera diligentis, quàm fraudulenta oſcula odientis Prov. 27.
Quid Adulationis unctio niſi donorum emunctio? quid commendationis allu - ſio, niß Prælatorum deluſto? quid laudis arriſio, niſi eorundem deriſio?
ET hic diffamatus eſt apud illum quaſi diſſipaſſet bona ipſius. Luc. 16. Iſte villicus non erat vilis fur, utpote harpagando bona aliena transgreſſor factus eſt ſeptimi præcepti non furtum f[a]cies, habet tamen hicce Scholat is multos condiſcipulos, qui Ablativum non poſſunt declinare. Vide fol. 298. uſq́ue 328.
Maledictum & Mendacium, homicidium & furtum inundaverunt. Oſeas 4. v. 2.
Nemo habet injuſtum lucrum ſine juſto damno lucrum in arca, damnum in conſcientia. S. Proſp. Ser. 11.
NUnc autem abſcondita ſunt ab oculis tuis. Luc. 19. Locus hic idoneus eſt tra - ctandi de curioſitate humana, quæ multoties arcana Dei Judicia exenterare præ - ſumit, non perpenſâ hominis ignaviâ, cum tamen Nos ſimili in cauſa, & caſu Tal - pis & ſalpis non abſimiles ſimus. Vide de curioſ. fol. 259. uſq́ue 268.
) () () () (2EcceIndex Concionatorius.Ecce Deus excelſus in fortitudine ſua, & nullus ei ſimilis in legislatoribus, quis poterit ſcrutari vias ejus? aut quis audet ei dicere operatus es iniquitatem? Job. 36.
Judicia Dei quanta obſcuritate nequeunt conſpici, tanta humilitate debent ve - nerari. S. Greg. lib. 26. Moral. cap. 2.
JEjuno bis in Sabbato. Luc. 18. Gloria inanis inania reddit bona opera, nam ſicut - ſubducto cortice rami areſcunt; ſic bona facta arrogantium, humanis oculis oſten - ſa, ſiccantur. Hinc nullum ferculum Deo melius ſapit quàm bonum opus velatum, ein verdeckte Speiß. Vide fol. 473. uſq́ue 478.
Attendite ne Juſtitiam veſtram faciatis coram hominibus, ut videamini ab eis. Matth. 6.
Fugiamus inanem gloriam, dulcem ſpiritualium operum ſpoliatricem, Jucun - dum animarum noſtrarum hoſtem, tineam virtutum. S. Chryſ. Hom. 17. ad Rom. conſticij.
ET apprebendens eum de turba ſeorſum. Marc. 7. Inſtruit nos ſacer iſte textus ut pari pacto de turba ſeorſum ducamur, cum turbæ ut plurimùm mentem turbare ſoleant, quia quoties bonus malo conjungitur, rarò ex bono malus melioratur, ſed quaſi ſemper ex malo bonus contaminatur. Vid. fol. 269. uſq́ue 298.
Qui tetigerit picem, inquinabitur ab ea, & qui communicaverit ſuperbo, in - duet ſuperbiam. Eccl. 13.
Sicut bona multa habet communis vita ſanctorum, ſic plurima mala affert So - cietas malorum. S. Iſid. lib. 2. foliloq.
DIliges Dominum Deum tuum, &c. & proximum ſicul te ipſum. Luc. 10. Mo - derno tempore Julius tranſijt in Decembrem, quia Charitas in Deum & proxi - mum ferme tota frigeſcit, & amori amara ſuccedit Invidia. Vide fol. 60. uſq́ue 116.
Invidiâ Diaboli Mors introivit in orbem terrarum, imitantur autem illum, qui ſunt ex Patre illius. ſap 2. v. 24.
Tantos Invidus habet Juſtæ pœnæ tortores, quantos Invidioſus habet laudato - res. S. Proſp. lib. 3. de Vit.
NOnne decem mundati ſunt? & novemubi ſunt, &c. Luc. 17. Ingratitudo dicit Grammaticus eſt gen. fœminini: Ingratitudo dicit Theologus eſt generis Com - munis. Ex decem ſanatis unus tantummodo gratus extitit, novem cæteri com - muni Ingratitudinis vitio notati ſunt. Vide fol. de Ingrati. 490. uſque 496. item 531. uſque 538.
Filios enutrivi, & exaltavi, illi autem ſperverunt me. Iſa. 1. v. 2.
Ingratitudo eſt Inimica animæ, Exinanitio Meritorum, Virtutum diſperſio, Beneficiorum perditio, Ventus urens, ſiccans ſibi ſontem Pietatis, rorem Miſericor - diæ, fluenta gratiæ.
NE ſoliciti ſitis animæ veſtræ, quid manducetis, Matth. 6. Quomodo ſolicitu - do hom num pro pane quotidiano curanda? & quam magnam Deus curam ge - rat erga parvum & magnum Mundum. Vide de Provid. fol. 336. uſque 360.
HI autem, qui portabant, ſteterunt. Luc. 7. Quatuor hi Bajuli ſunt quatuor E - lementa, è quibus homo conſtat, & illa ſunt morborum aliorumque malorum cauſa, quia per peccatum homini infenſa ſunt facta. Vid. de peccat. fol. 594. uſ - que 618.
ET ipſi obſervabant eum. Luc. 14. Obſervant plerumque ſæculares Religioſum hominem, & maximè Concionatorem; ut in eo nævum quendam deprehendant, quem poſtmodum plenis buccis in publicum deferunt. Vide fol. 655. de Detract. uſque 686.
MAgiſter, quod eſt mandatum magnum in lege. Matth. 22. Suadetur hic non ſolummodo fuga mortalium, ſed etiam venialium peccatorum, nam reverà gutta cavat lapidem non vi, ſed ſæpè cadendo. Vide fol. 361. uſque 382.
Qui ſpernit modica, paulatim decidet. Eccl. 19. v. 1.
Fugiamus modica mala, Magna ſiquidem ab illis naſcuntur. S. Chryſoſt. in 2. Rom. 7.
) () () () (3ErgòIndex Concionatorius.VAde in domum tuam. Matth. 9. Vade in domum tuam & non in alienam, ubi perfrictæ frontis fœminæ præbent occaſionem labendi. Imitare teſtudinem, nullibi ſecutiorem quàm ſub tecto ſuo, in alienis muris potiſſimum, alieni etiam mores imbibuntur. Vide fol. 269. uſque 298.
Qui amat periculum, peribit in illo. Eccl. 3. v. 27.
Sæpè occaſio Voluntatem peccandi fecit, & facit, quis colligabit ignem in ſinu ſuo, & non comburetur? Ignem & ſtuppa in unum poſita Flammas nutriunt. S. Bernar. de Mod. benè viven. c. 50.
ET miſit ſervos ſuos vocare invitatos ad Nuptias. Matth. 22. cap. Sacra eſt In - ſtitutio, Sacra eſt dignitas, ſacer quoque finis Matrimonij, ſed nuptorum valdè periculoſa eſt diſparitas, hinc ſero & ſerio ponderandum, qualis ducenda Uxor, ne loco Veronicæ, Venenum, loco Helenæ lena acquiratur. Vide de Matrimonio ineund. fol. 17. uſque 60. item 212. uſq́ue 233.
Mulierem fortem quis inveniet? procul, & de ultimis finibus pretium ejus. Proverb. 31. ℣. 10.
Satage, ut commodam & modeſtam, & obſequentem Uxorem ducas. Nam ſi domum & ſervos empturi diligenter, & curioſè ſciſcitamur, & perſcrutamur; Multò magis Uxorem ducturos tantam, ac longè majorem etiam providentiam ge - rere oportet: Domum enim vitioſam & ſervum licer reddere venditori, Uxorem verò dimittere non licet. S Chryſoſt.
CRedidit ipſe & domus ejus tota Joan. 4. Merito deprædicanda eſt fides hujus Re - guli, quem etiam laudabiliter ſecuta eſt tota ſua familia; Quorundam verò fi - des (ſecus dicam) ſuperſtitio arguenda eſt, quando fidem ſomnijs adhibent, quam - vis etiam non omnia ſomnia ſint parvi pendenda. Vide de ſomnio fol. 1. uſque 17.
PerIndex Concionatorius.Per ſomnium aperit aures Virorum, & erudiens eos inſ[r]uit diſciplina, ut aver, tas hominem ab his quæ facit. Job. 33. cap. v. 15.
Aut enim ex plenitudine vel inanitate Corporis ſomnia exiſtunt, aut ex ante - cedentibus diurnis Curis, aut ex Illuſione Dæmonis, aut ex cogitatione hominis ſi - mul, & Illuſione Dæmonis: aut ex revelatione Dei, aut denique ex cogitatione hominis ſimul, & revelatione Dei. Div. Greg. lib. 8. Mor. c. 13.
REdde quod debes. Matth. 18. Diſuadetur debitoribus & rei alienæ poſſeſſori - bus obſtinatio ad reſtitutionem, fruſtranea eſt enim abſolutio, quam non ſequi - tur reſtitutio, hinc Senior Tobias commendatur à reſtituendi ſolicitudine, quando balantem hædum caprarum præforibus ſuſpicabatur furtivum, quapropter illico di - xit videte ne fortè furtivus ſit, reddite. Tob. cap. 2. Vide de furto & reſtitut. fol. 328. uſque 335.
Reddet omnia, quæ per fraudem voluit obtinere, Integra. Levit. 6. cap. v. 4.
Si res aliena, propter quam peccatum eſt, cum reddi poſſit non redditur, non agitur pœnitentia ſed fingitur, ſi autem non veraciter agitur non remittitur pecca - tum, niſi reſtituatur ablatum. S. P. Auguſt. ad Maced.
AT illi obtulerunt ei denarium. Matth. 22. Luſores quandoque in tantam redi - guntur inopiam, ut nullum ampliùs poſſint oſtendere denarium, ac proinde lu - ſus non ſolum æternæ perditionis cauſa eſt, ſed multoties etiam temporalium bono - rum jacturam facit Vide fol. 561. uſpue 570.
Non ſeindamus eam, ſed ſortiamur de illa, cujus ſit. Joan. 19.
Non eſt quaſi aliquod vitium, quod reddat homines ita infames, & abomina - biles, ſicut ludus. S. Antonin. cap 23 §. 6.
SAlva facta eſt Mulier ex illa hora. Matth. 9. Mulier in Civitate peccatrix ſana ac ſancta facta eſt, dum ſtaret retro ſecuspedes Jeſu & eos lachrimis rigare cæ - pit, hinc colligere licet, quanta ſit vis ac efficacia lathrimarum. Vide fol. 687. uſ. que ad finem.
Remittuntur ei peccata multa, quoniam dilexit multum. Luc. 7.
Chri -Index Concionatorius.Chriſtus ordinavit duas vias ad Paradiſum, ſcilicet Innocentiæ & pœnitentiæ prima, quæ ivit per viam Innocentiæ fuit Virgo Maria, & ipſam ſequuntur omnes Innocentes, ipſa portat vexillum. Prima perſona, quæ primo ivit per viam Pœni - tentiæ fuit Beata Maria Magdalena. S. Vincent. Ferrerius ſerm. de Magd.
SUrgent enim pſeudo-Chriſti & pſeudo-Propbetæ. Matth 24. Fuliginoſa fæx Cin - garorum alijque ſimiles Impoſtores Ægyptij multas incautas Juvenculas ſeducunt, adeoque non cujvis Hypocritæ aut alaſtori credendum eſt, ſunt etenim aliqui, qui titulum ſanctitatis propter vitulum ambiunt, tales autem non aliud ſanctitatis ſortiuntur nomen, quam Vulgo, ſeltzame Heilige. Vide fol. 465. uſque 478. item fol. 581. uſque 586.
Copioſiores Materias pro quavis Dominicâ reperies in Indice Rerum.
Omnia hæc ad gloriam & laudem Omnipotentis Dei, nec non Proximi ad ſalutem celeri calamo exarata. Cenſuræ S. Ro - manæ Eccleſiæ Piorum Doctorum Judicio ſubjecta eſſe, omnino volo ac declaro.
ZU Hieruſalem in der weltkuͤndigen Statt / welche die Goͤttliche Weißheit zu einem Platz der hoͤchſten Gehaimbnuſſen außerkiſen / ware wonhafft ein paar Ehe -Iacobus de Voragi. in Conc. Div. Math. Volck mit Nahmen Ruben vnnd Ciboria, beede auß dem vngluͤckſeeligen Geſchlecht Dan, auß wel - cher Danitiſchen Schlangen Bruet vnd Zunfft auch der Ante-Chriſt herſtammen wird / erſtbenannte Ciboria, als ſie groß Leibs gangen mit dem Juda, hatte bey naͤcht - licher Weil einen vnvermuthen Traum / welcher ihr in dem Schlaff mit einem prophetiſchen Pembſel vormah - lete / als trage ſie vnder ihrem Hertzen einen ſo laſterhaff - ten Boͤßwichten / welcher ein Schand vnd Schad der ge - ſambten Freundſchafft ſeyn werde / auch mit ſeinen ver - dambten Unthaten das gantze Hauß beflecken; worauß ſattſamb zu ſchlieſſen / daß auch der finſtere Nacht-Traum gar offt die helle Warheit an Tag bringe.
Es iſt aber forderſt nothwendig zu wiſſen / daß dreyerley Traum dem Menſchen in ſeinem ruheſeeligenASchlaff2Eltern / Vatterland / Herkommen /Schlaff koͤnnen vorkommen / welche eigentlich / entweder von der Natur / dem boͤſen Feind: oder GOtt herruͤh - ren: Der natuͤrliche Traum wird zum oͤffteſten von dem vnderſchidlichen Gebluͤt vorgebilder / es traumer man - chem / er habe einen ernſtlichen Befehl von dem Tuͤrcki - ſchen Kayſer / vnder Kopff verliehren / daß er alle Maͤuß - loͤcher der gantzẽ Welt mit jetziger Treu vn̄ Redlichkeit ſolle zuſtopffen / vnd dafern eines offen bleibe / werde man von dem Baum ſeines Leibs den Gipffel abſtutzen / in was Aengſten befindt ſich nit ſolcher? diſen Traum aber ver - urſachet das melancholiſche Gebluͤt: Einen anderen traumet gantz lebhafft / wie er das Meer / in welchem der halßſtarrige Koͤnig Pharao erſoffen / habe mit dem Rein - ſtrohm verheyrath / vnd haben auff der Hochzeit alle Fluͤß der gantzen Welt getantzet; diſen Traum bruͤten auß die phlegmatiſche Humores, vnd uͤbrige Feuchtigkeiten. Einen traumet / er fliege mit ſchnell-eyffrigem Fluͤgel uͤber den gantzen Teutſchboden / allein ſeyen ihm etliche Federn außgefallen / als man ſo erbaͤrmlich geſchoſſen zu Straß - burg / wie ſelbige Veſtung Anno 1681 erobert worden. Diſen Traum verurſachen die ſubtille Humores vnnd truckene Complexion deß Menſchen / ſolche Traum zu anatomiren gehet eigentlich die erfahrene Medicos an / worauß ſie dann / als auß einem warhafften Zaiger gantz ſcheinbar koͤnnen abnemmen / wie das innere Uhrwerck der menſchlichen Geſundheit behafftet ſeye. Noch ande - re natuͤrliche Traum gebaͤhret die vnruhige Phantaſey deß Menſchen / als welche faſt niemahlen keinen Feyrtag haltet / vnd protocollieret bey naͤchtlicher Weil das je - nige / in wem ſich einer deß Tags zum mehriſten beſchaͤff - tiget / als einem Jaͤger traumet / wie er in einem frucht - baren Aich Wald ein wolgewaffnetes Wildſchwein an - treffe / deſſentwegen mitten im Schlaff auffſchreyet HuySau3Vnd Mutter-Traum von dem Juda.Sau / daß auch daruͤber das Weib erwacht / vnd fragt / Mann was wilſt? Einem Mahler traumet / wie er ein wolgeſtalte Dama in einem praͤchtigen Auffzug / mit ſon - ders embſigen Pembſel abmahle / vnd als er auch ein Schlayr vmb den Halß wolte fuͤhren / ſtillt ihm der Teuf - fel die Farben / daß deſſenthalben der Halß bloß gebliben. Einem liederlichen Schlemmer traumet / der gewoͤhnlich in allen Wirths-Haͤuſern ein ſtaͤtten Umbkrayß machet / wie daß er beym guldenen Hueff-Eyſen / das beſte Pferdt verſoffen: Noch mit anderen verwickleten / verwirꝛten / verwechßleten / verwildten / verwegenen / verwenden Trau - men mattet ſich die menſchliche Phantaſey ab / denen aber keines wegs ein Glaub noch Warheit beyzumeſſen. Ja es iſt zimblich Lachen werths die aberwitzige Mainung der alten Weiber / welche in dergleichen Schlaff-Grillen einen prophetiſchen Geiſt ſuchen / ſie geben vor / wann es einem traumet / als fallen ihm die Zaͤhn auß / ſeye es ein vnfehlbares Anzaigen / daß jemand auß der Freundſchafft ſterben werde: Sie ſagen auß / wann es einem traumet / als werde er am Galgen gehenckt / vnd mit den Fuͤſſen den Lufft trette / ſeye ein genaue Weißſagung / daß er zu hoͤ - here Wuͤrde gelangen werde. Sie ſchwoͤren / wann es einem traumet / daß ihm ein Pfannen-Stihl auffs Manl falle / ſeye gewiß / daß er den morgigen Tag bey einer vor - nehmer Mahlzeit werde als ein Gaſt ſitzen; Sie wollen es hartneckig behaupten / ſo einem traumet / er eſſe harts Eyſen / vnd kiffle krumpe Hueff-Naͤgel / ſeye ein vnfehl - barer Vortrap eines langwuͤrigen Lebens; Tauſenter - ley dergleichen Schlaff-Fauſen / Narren-Stupp / Kinder - Rollen / Schatten-Gewicht / vnd Poſſen dichten etliche Aberglaubige / vnd vermainen / es ſeyen lauter Sybillen - Warheit / was die von dem uͤberfuͤlten Magen auffſtei - gende Daͤmpff in der Phantaſey bey naͤchtlicher Weil außſchnitzlen.
A 2Ein4Eltern / Vatterland / HerkommenEin anderer Traum iſt / welcher von dem boͤſen Feind als einem Gruͤnter vnd Erfindter alles Ubel herkombt / ſol - cher verkuͤndet wol zu weilen in aller Warheit kuͤnfftige Begebenheiten / gar offt aber iſt es ein bloſſer vermantle - ter Betrug / vnd verzuckerte Falſchheit / zumahl diſer Fuͤrſt der Finſternuß nichts anders ſucht / als die ohnbehutſa - me Menſchen hinder das Liecht zu fuͤhren / er machts auff die Arth eines vortheilhafften vnd gewinnſuͤchtigen Spil - lers / welcher anfaͤnglich dem Gegenthail freymuͤthig den Gewinn laſſet / nur durch ſolche Speckſchwarden denſel - ben mehrer zu locken / biß er endlich ohnvorſichtig in die Fallen kommet / vnd ihme der Aichel-Ober den Vnder - gang weiſet; alſo vermaſckert ſich gar offt der boͤſe Sa - than / ſchicket dem Menſchen in dem Schlaff einen Traum / welcher nachgehents ein warhafften Außgang nimmet / vnd zaiget / daß die Traum nicht laͤhr ſeynd / wordurch der leicht-trauende Menſch alſo bethoͤrt wird / daß er allen Traumen ein feſten Glauben gibt.
Zu Dotrecht in Holland war nicht gar vor vilen Jahren ein Geſell / welcher fein ſauber all das Seinige verſchwendt durch ſtaͤtte Schlemmerey vnd Ohnſauber - keit / dan̄ diſe beede gemainiglich verwandt ſeynd / vnd wan Bacchus hinder den Ofen ſitzt / ſo haitzt die Venus ein / vnd ſeynd diſe ſo nahend beyeinander / wie der Knopff bey der Roſen; Auch zaigt es die oͤfftere Erfahrnuß / daß Feuch - tigkeit vnd Naͤſſe den Kalch anzuͤnde / nit weniger thut die Ubermaß deß Weintrinckens vngebuͤhrende Venus - Flammen in dem verwanden Leib erwecken / die Weiber aber vnd Weinbeer machen mehriſten Thail alle Beutel eytel / vnnd gleichwie in dem Calender auff das Wein - Monath das Winter-Monath folget / alſo auff viles vnd ohngezaͤmbtes Weinſauffen gehet es gemainiglich kuͤhl her / vnd ſchleicht die Armuth ein / wie ein ſium -mer5vnd Mutter-Traum von dem Juda.mer Bettler. Deſſenthalben ſoll Bacchus von Rechts we - gen in einer Hand ein Regiments-Staab / in der anderen Hand ein Bettl-Staab fuͤhren / nit weniger auch Venus thut die Taſchen laͤhren / bringen alſo die Kandl vnd Andl ein Menſchen zu einen armen Wandl / auff ſolchem Schlag iſt es begegnet obbemeltem Hollaͤnder: welcher durch ſein vnmaͤſſiges Leben nit allein das Gewiſſen beſchweret / den Beutel geringert / ſondern auch noch darzu ſich mit groſſen Schulden uͤberladen / dergeſtalten / daß er zu Win - terszeit nicht Noth habe vor ſeinem Hauß ein Bahn zu fuͤhren / zumahlen ihme ohne das die uͤberdruͤſſige Schul - denforderer durch viles Lauffen den Weeg gebahnet; Die Sach kam alſo weit / daß er wie die Fleder-Maͤuß den Tag haßte / vnd ſich nicht traute ſehen zu laſſen / auß Ur - ſachen / weil maͤnniglich ihn mauloffend anſchaute / auch mit Finger auff ihn deuttete; Diſer Schwiermer in ſeiner tieffen Melancholey hatte bey naͤchtlicher Weil einen Traum / vnd gedunckte ihn / als ſehe er einen Mann / mit - teren Aelters vnd feiner Leibs-Geſtalt / welcher ihme ſei - nen ſtraͤfflichen Wandel ſattſamb zu Gemuͤth fuͤhrte / beynebens ſtarck befehle / vnd einbinde / er ſoll ſich ohnver - zuͤglich nach der Statt Kempen befuͤgen / allda werde er auff der Brucken einen Menſchen antreffen / der ihme ge - wiſſe Mittel werd an die Hand raichen / wordurch er zu den vorigen Vermoͤgen gelangen kundte / der erwacht endlich / vermerckt beynebens / daß es ein Traum / bildet ihm dannoch ein / es muͤßte etwas darhinder ſeyn / gehet deſtwegen den geraden Weeg von Dotrecht nach der Statt Kempen / verweilet daſelbſt einen gantzen Tag auff der Bruck / wird endlich uͤber ſich ſelbſten zornig / daß er einem nichtigen Traum ſo feſten Glauben gebe / ſchlieſt bey ſich wider mit diſer langen Naſen naher Hauß zu kehren; Indem aber redet ihn ein Bettler an / fragend /A 3warumb6Eltern / Vatterland / Herkommenwarumb er ein geraume Zeit ſo beſtuͤrtzt auff - vnd nider - gangen / ey ſagt er / es hat mir getraumet / daß ich an di - ſem Orth werde ein Pflaſter uͤber meine Wunden / will ſagen / ein Schluͤſſel zum vorigen gehabten Gluͤck finden; finden? ja finden? ſagt der Bettler / ein Narren-Kappen / wirſt du da ertappen / iſt das nicht ein vngereimbte Torꝛ - heit auff einen Traum glauben / vnd deſtwegen ein ſolche Raiß auff ſich nemmen? du muſt wol ein leichtglaubiger Tropff ſeyn / ſagt der Bettler / auff ſolche Weiß haͤtt ich ſchon laͤngſt muͤſſen naher Dotrecht raiſen / alldort ein Schatz zu graben vnder einer Dorn-Hecken in diſem vnd diſem Garten / wie es mir getraumet / vnnd erzehlt den Traum mit allen Umbſtaͤnden / auß welchen der Hollaͤn - der augenſcheinlich wahrgenommen / ſolches Orth ſeye in ſeines Vatters Garten / ſtellt ſich aber / als achte er all diß wenig / gibt dem Bettler ein freundliches behuͤt dich Gott / vnd eylet nach Hauß auff Dotrecht, grabt vn - der dem gedachten Dorn-Geſtraͤuß / vnd findet warhaff - tig einen groſſen Gold - vnd Silberreichen Schatz. Daß diſer Traum / auff welchem ſolche gewuͤnſchte Warheit gefolgt / ſolle ſeyn von GOtt kommen / iſt es ein harter Zweiffel / glaub es dann erſt / wann die Eſelin deß Pro - pheten Balaams wird ja hierzu ſagen / dann diſer gewiſſen - loſe Schlemmer ſolche Gnad von dem belaydigten GOtt nicht verdienet hat / ſondern allem Anſehen nach hat der argliſtige Sathan / deme dergleichen verborgene Schaͤtz wol bekandt / diſem laſterhafften Geſellen ſolches offen - bahrt / damit er widerumb Mittel vnd Gelegenheit habe ſeinen verdambten Lueder-Wandel ferners zu treiben / vnd an die alte Suͤnden neue Miſſethaten zu knuͤpffen. Vor Zeiten bey den Heyden war es allgewoͤhnlich / daß man in dem Goͤtzen-Tempel das Nacht-Quartier ge - nommen / darinn geſchlaffen / zu dem End / damit ihnender7vnd Mutter-Traum von dem Juda.der Traum einige Wiſſenſchafft kuͤnfftiger Ding einbla - ſe / ſo dann oͤffters durch die boͤſe Feind geſchehen / abſon - derlich / in den gefaͤhrlichen Kranckheiten hat der Teuffel in dem Traum offenbahret gewiſſe Kraͤuter / vnnd heyl - ſame Mittel / dardurch ſolche Leibs-Preſten zu wenden / wie es Alexandro Magno vnd anderen begegnet; Mit ſolchen phantaſtiſchen Geſichtern / naͤchtlichen Geſtalten / vnd oͤfftern Traum-Wercken betruͤgt annoch die alte Schlang manchen ohnbehutſamen Menſchen / worvon es kombt / daß bey vilen der Traum gleichſamb mit der heiligen Schrifft in gleichem Gewicht iſt / vnd ſuͤndigen forderiſt hierinn die vorwitzige junge Toͤchter / welche den mehriſten Traumen von dem Heyrathen einen hartnecki - gen Glauben ſtellen; Wie dann vor wenig Jahren in dem Under-Oeſterreich einen ſolchen Kuͤttl-Affen getrau - met / ſie werde den jenigen heyrathen / den ſie zu morgens nach der Fruhe-Meß wird ſehen vor der Kirchen ſtehen / wie ſie nun eyffrig auffgeſtanden / vnd gantz ſchleunig nach dem Gotts-Hauß geeylet / trifft ſie bey der Kirchen-Pfor - ten einen an in langer ſchwartzen Kutten / vnnd einen Chor-Rock / woruͤber ſie dergeſtalten erbleicht / in naͤrri - ſcher Mainung / ſie muß ein Geiſtlichen heyrathen / daß ſie krafftloß zur Erden geſuncken / es war aber bey ihr ein blinder Irꝛthumb / dann diſer nur der Meßner deſſelbigen Orths war / welcher pflegte in wuͤrcklichem Kirchen - Dienſt dergleichen Kleidung anzutragen; kaum hat Ab - ſalon ſo vil Haar in ſeinem Strobl-Kopff / kaum quacke - tzen ſo vil Froͤſch in Egypten zur Pharaonis Zeiten / wie vil Weis der Hoͤlliſche Raub-Vogel gebrauchet dem Men - ſchen zuſchaden / abſonderlich in dem Traum / dann gleich - wie vnderſchidliche Aembter vnder den boͤſen Feinden ſeynd außgetheilt / alſo finden ſich nit wenig vnder diſer Satani - ſchen Schaar / welche den Namen vnd Titul tragen / derTraum -8Eltern / Vatterland / HerkommenTraum-Teuffel / wie es dan̄ eines die H. Maria Ægniacen - ſis, dem laydigen Satan / welcher einen Gottſeeligen Mann ſtaͤts durch verwegene Traum uͤberlaͤſtigte / ſo weit getri - ben / daß er in gantz trutziger Geſtalt vor ihr erſchinen /Jacob Car. lib. 1. C. vnd als ſie fragte / wer er ſeye? geantwort / Ich bin der jenige den du verfluchte mit deinem Gebett ge - noͤthiget / zu dir anhero zu kommen / die du mir meinen Freund mit Gewalt abzutringen dich vnderfangeſt / ich wird genannt der Traum - Teuffel / bethoͤrꝛe vnd fuͤhre nicht wenig Men - ſchen hinder das Liecht.
Es iſt leicht zu glauben / daß jener grobe Bauren Lim - mel in Elſas ſeinen Traum von dergleichen Schmutz-En - gel geſchoͤpfft habe / dem Stock-Narꝛen traumte / als er ſehe im Schlaff ein ohn zahlbare Menge der Maͤuß / ſo auff den Aeckern vnd Trayd-Feldern groſſen Schaden ver - urſachten / ja es dunckt ihn / als habe er mit ſeiner Kuͤn - heit all diſe ſchaͤdliche Trayd-Dieb vertriben / ſolchen Traum legte er eigenſinnig dem Bauren Volck auß / vnd beweiſte / wie daß durch die Maͤuß die Edel-Leut verſtan - den ſeyn / welche dem armen Vnderthan ſein Stuͤckl Brodt immer abnagten / ſeye demnach Gottes Willen / daß ſich der gemaine Mann rechtmaͤſſig wider ſein Obrig - keit aufflaine / vnd zum Gewoͤhr greiffe; auß welchen dann ein ſo blutiger Krieg entſtanden / daß ſehr vil auß dem hohen Adel vmbkommen / der Bauren aber faſt in die Hundert-Tauſend ins Graß gebiſſen / iſt alſo deß boͤſen Feinds einiger Liſt vnd Luſt den Menſchen in Traum / durch Traum / vnd mit Traum zubethoͤrꝛen / dahero der Prophet Jeremias vns ſchon laͤngſt gewarnet mit diſenJerem c. 29. v. 8. Worten: Diß ſagt der HErꝛ der Herꝛſchaarender9vnd Mutter-Traum von dem Juda.der Gott Iſrael / laſſet euch euere Propheten vnd Wahrſager / die vnder euch ſeynd nicht be - triegen / vnd achtet auff euere Traum nicht / die ihr traumet.
Gleichwol aber ſeynd nit alle Traum zuverwerffen / auß Vrſachen / weil GOtt der HErꝛ gar offt dem Men - ſchen in Traum groſſe Geheimbnuſſen offenbahret / ja nit ſelten durch ſeine Engel ſolche Traum zuſchicket / wel - che zu weillen einen Vnderweiß oder Verweiß geben; von Gott iſt geweſt jener Traum deß Joſephs / welchem in Schlaff vorkommen / als binde er mit ſeinen Bruͤdern Garben auff dem Feld / vnd ſcheine endlich / daß ſein Gar - be allein ſich auffrichte / der Bruͤdern aber ihre Garben rings herumb die ſeine anbetten / tieffe Reverenz vnnd Complement machen; durch ſolchen Traum wolte Gott ſchon von ferꝛen andeuten / wie daß der gerechte Joſeph zu hohen Wuͤrden ſoll gelangen / ſeine Bruͤder aber der Laggeyen Stell verꝛichten / denen der Schneider-Meiſter Neyd-Hart die Livere verfertiget.
Von Gott iſt geweſt ſein anderer Traum / den er ſeinen Bruͤdern erzehlte / worinn er eigentlich ſahe / daßGen. 37. c. Sonn vnd Mond ſambt ailff Sternen ihn angebett / in welchen Nacht Geſicht die helle Warheit verhillt geweſt / dann es war ein vermantelte Propheceyung / daß er wer - de ſehr hoch ſteigen / die ailff Bruͤder aber werden ſich muͤſ - ſen auff Aylffe legen / vnd in nidertraͤchtigen Stand ver - lieb nemmen / ja es ſoll noch darzu kommen / daß Vatter / Mutter vnd alle Bruͤder ihm gebuͤhrmaͤſſig werden auff - warten.
Von Gott in geweſt jener Traiꝛm deß Koͤniglichen Mund-Schencken / wie auch deß Hoff-Beckens bey dem groſſen Pharao, welche Beede durch Koͤniglichen BefehlBin10Eltern / Vatterland / Herkommenin der Keichen verhafft lagen / vnd eineſt zwey vngleiche Traum hatten / benanntlich dem Mundſchenck hat ge - traumt / als ſehe er vor ihm ein Weinſtock mit drey Re - ben / auch ſolche Preſſe / nach dem ſie genug gezeitiget / in dem Mund-Becher Pharaonis, vnd raiche diſes Trinck - Geſchirꝛ wuͤrcklich dem Koͤnig; Joſeph der gleichmaͤſſig ein Gefangener war in ſolchem Kercker / wird hoͤfflich er - ſucht / als einer von Gott erleuchter Traum-Außleger / was doch diſes moͤchte bedeuten? Du / antwort er / wirſt nach dreyen Tagen wider zum vorigen Ambt gelangen: Bruder memento mei, mach dir ein Knopff auff die Naſen / vnd vergiß meiner nicht; der Hoff-Beck erzehlt auch gantz vmbſtaͤndig ſeinen Traum / wie daß er geſehen / im Schlaff / als trag er drey Koͤrb auff ſeinem Haubt / vnd waren in dem obern Korb allerley Brodt / Laib / Mund - Semmel / Pretzen / Wecken / vil lange / kurtze / krumpeGen. 4. v. 16. vnd gerade Kipffel ꝛc. Auch hats ihm gedunckt / als freſ - ſen die Voͤgel auß diſen Brodt-Korb; Joſeph was halſt du darvon? Du / ſagt Joſeph / du wirſt den Koͤnig vmb Gnad flehendlich erſuchen / wirſt aber ein Korb erhalten / vnd nach dreyen Tagen wird der Hencker auff deiner Hochzeit tantzen / der Galgen wird dir in Obern Stock ein Logiament vergonnen / im Lufft wirſt du das Lufft ſchoͤpf - fen vergeſſen / vnd die Raaben werden bey dir ein Frey - Taffel haben. Auff beeden Seiten iſt ein ſolcher Auß - gang gefolget / wie es der Gerechte Joſeph angedeut: Von GOtt iſt geweſt der Traum deß Salomons / deß Abrahams / deß Nabuchodonoſors / deß Jacobs / ꝛc. Es wird herentgegen im Zweiffel geſtellt / von wem jener Traum verurſachet worden / welchen gehabt hat die Frau Gemahlin deß Pilati / damahlen als ſie in aller Fruhe den Pagy zu ihrem Herꝛn geſchickt / da er ſchon im Rath ge - ſeſſen / ihme die Ordinari-Poſt laſſen ablegen / vn̄ beynebensernſt -11vnd Mutter-Traum von dem Juda.ernſtlich erſuchen / er wolle ſich doch nicht vergreiffen an Chriſto von Nazareth / noch weniger ein ohnreiffes Vrthl uͤber ihn faͤhlen / dann ſie habe heut Nacht einen erſchroͤck - lichen Traum deßhalben gehabt / vnd nehme ab in allen gantz Handgreifflich / daß er ein gerechter vnd vnſchuldiger Menſch ſeye; es ſeynd wol etliche der Mainung / als ha - be diſer Traum von dem boͤſen Feind hergeruͤhret / der durch ſolches Weib geſucht den Seeligmachenden Todt deß HErꝛn zuverhindern / es iſt aber der mehreſten Lehrer einhellige Auſſag / daß ſolcher von GOtt kommen / dannCorn. c. 26. in Matth. ſo der Sathan haͤtte wollen hinderſtellig machen / den Todt Chriſti / haͤtte er die Gemuͤther der Hebræer nit alſo mit Neyd vnd Haß gegen ihm angefeuret; folget dem - nach / daß ſolchen Traum Gott habe geſchickt / zumahlen diſe deß Pilati Frau ein Gottſeelige Dama war / mitFlavius Dexter in Chron. an. 34. n. 2. Namen Claudia Procula, welche nachgehends an Chri - ſtum eyfferigſt geglaubt / vnd den Namen einer Heiligin verdient.
GOtt der HErꝛ iſt nicht vngleich einem Magnet / dann gleich wie diſer wunderſeltzam das harte Eyſen ziehet / alſo ziehet der Mild-hertzigſte Erloͤſer die harte Suͤnder zu ſich. Moyſes ware auff ein Zeit gantz heißbegierig dieExod. 33 Glory Gottes zuſehen / deme aber Gott den Beſchaid ge - ben / er ſolle ihm auff den Rucken ſchauen. GOtt der HErꝛ aber tragt auff den Rucken vnd Achſeln nichts an - derſt als das verlohrne Laͤmbl / welches er / als ein guter Hirt widerumben gefunden / halt es alſo der Hoͤchſte fuͤr ſein Glory / wann er einen irꝛenden Suͤnder wider auff den rechten Weeg bringet / ja GOtt iſt wie der Aggſtein / ſolcher ziecht durch verborgene Wuͤrckung an ſich das Strohe. Nit weniger ziehet GOtt der HErꝛ an ſich denLuc. 15. Suͤnder / welcher dem vnfruchtbaren Stroh gantz gleich / ja wol ein Stroh-Kopff ſelbſt zubenambſen / als er vmbB 2ein12Eltern / Vatterland / Herkommenein geringes Affenſpil der Welt ſo ohnweißlich das Ewige vertaͤndlet; ohnzahlbar aber ſcheinen die Manieren / wor - durch der Allmaͤchtige das ſuͤndige Adams-Kind zu ſich locket / vnd geſchicht gar offt durch einige Traum / die erBolland. 22. Febr. manchen Laſter-Gemuͤt zuſchicket. Die ſeelige Margarita von Cortona hat Gott zu ſich gezogen durch einen Hund / welcher ſie bey dem Saum deß Rocks gefuͤhret hat hinder ein dickes Geſtraͤuß / vnd ihr alda gezeigt den todten / vnd bereits mit Wuͤrmen uͤberhilten Juͤngling / den ſie ſo ohn - ſinnig geliebt hat / hat ihr alſo der Hund geſagt / was ein Menſch ſeye.
Den H. Ignatium Loiola hat GOtt zu ſich gezogen durch ein ſtarcke Wunden an ſeinen Fuß in der Pompelo - neſiſchen Belagerung / worvon er ligerhafft worden / vnd zu Vertreibung der Zeit Geiſtliche Buͤcher geleſen / welche ihn alſo in der Liebe Gottes angefeuret / hat demnach Ig - natius mit krumpen Fuͤſſen lehrnen beſſer Chriſto nach - folgen / als mit geraden.
Den Gottſeeligen Petrum Conſalvum in Spanien hat GOtt zu ſich gezogen durch ein Kottlacken / dann als er eines vor groſſer Maͤnge Volck mit abſonderlich Ge - praͤng auff einen ſtoltzen Klepper den Damaſen zu Ehren / daher trappte / fallt er vnverhofft in ein wuͤſte Kottla - cken / worinn er als in einen Saw-Badt herumb gewaltzet vnd einen Miſtfineken nit vngleich geſehen / welches dann jederman zu einem ohngeſtimmen Gelaͤchter bewogen / er aber wahr genommen / daß ihn die Welt alſo außlachet / reſolvirt ſich augenblicklich dieſelbe hingegen wider auß - zulachen / tritt in ein heiligen Orden / vnd lebet Gottſee - lig / den hat gleichſam die Kottlacken / das Gewiſſen ge - ſaͤubert.
Den ſeeligen Joannem auß dem H. Orden Franci - ſci hat GOtt durch die Schwein zu ſich gezogen / dann alsdiſer13vnd Mutter-Traum von dem Juda.diſer ein vornehmer Advocat ware / vnd einmahl geſehen / wie das einer die Schwein wolte in Stall treiben / ſolche aber auff alle Weiß widerſpenſtig ſich weigerten hineinzu - gehen / ſagte der Hirt auß Ohnwillen / ey / daß euch der Teuffel hineinfuͤhre / wie die Advocaten in die Hoͤll / kaum daß ſolche Wort vollendet / ſeynd die Saͤw Hauffenweiß hinein getrungen / vnd eine uͤber die andere hinein geeylet / welches diſen Advocaten dergeſtalten erſchroͤckt / daß er von Stund an der Welt den Rucken gezaigt / vnd in den ſtrengen Orden deß H. Franciſci getretten / iſt alſo diſer durch die Saͤwe in den Schaaf-Stall Gottes kommen.
Den muthwilligen Clericum hat GOtt zu ſich ge -Cæſ. hom. 5. zogen durch die Wuͤrffel / dann als ihm der H. Abbt Ber - nardus begegnete / vnnd zur ernſtlichen Bekehrung an - friſchte / meinethalben antwortet er / Herꝛ Pater, wir wollen wirfflen / vnd ſo ihr mehrer Augen werfft als ich / ſo will ich euer Moͤnich werden / dafern aber ich euch an Wurff uͤberwind / ſo gehoͤret euer Roß mir zu / der H. Abbt laſt ſich in diſe Bedingnuß ein / der freche Clericus ziehet herauß drey falſche Wuͤrffel / vnd wirfft gleich das erſte mal 18. Augen / der H. Bernardus wirfft auch voll der Hoffnung / da fallen zwey Wuͤrffel / ein jeder mit 6. Au - gen / der dritte aber iſt Mitten von einander geſprungen / vnd ein Theil 6. vnd der andere 5. Augen gezaigt / welches Wunder den Clericum in das Cloſter gezogen / hat alſo durch diß verſpillen das beſte gewonnen. Noch vil ande - re Weiß hat der allerguͤtigſte Gott / wordurch er den ir - renden Menſchen zu ſich locket / abſonderlich aber pflegt er ſolches zuthun durch die Traum / vnd ſchicket manchen einen Traum / der ihm an ſtatt eines Apoſtoliſchen Pre - digers iſt; der ihm an ſtatt eines klaren Spiegels iſt / worin er die Warheit erſihet; der ihm an ſtatt eines Sporꝛens iſt / welcher ihn auff dem Weeg Gottes beſſer antreibet;B 3der14Eltern / Vatterland / Herkommender ihm an ſtatt eines Weckers iſt / vnd von dem Schlaff der Suͤnden auffmundert. Geſetzt / es iſt jemand / der mit dem Cain neydig / mit dem Abſalon ſtoltz / mit dem Ammon bueleriſch / mit dem Achan diebiſch / mit dem Joab falſch / mit dem Dathan lugenhafft / mit dem Na - bal liederlich / vnd in allem ſuͤndig; dem traumer einmal oder zweymal / wie daß er vor Gottes Richter-Stul ſtehe / vnd ſehe das groſſe Protocholl ſeiner Suͤnden / das zor - nige Angeſicht deß Richters / die verſchwendte Bluts - Tropffen deß Erloͤſers / die verſaumbte guldene Zeit / die triumphierende hoͤlliſche Geiſter / den auffgeſperꝛten Ra - chen deß Teuffels / ja es traumer ihm / als waͤre er wuͤrck - lich in diſes ewige We hinein geſtuͤrtzt / aͤngſtiget ſich der - maſſen ab im Schlaff / daß er hieruͤber erwacht / vnd fin - det das Angeſicht mit kalten Schweiß uͤberloffen; glaub du mir diſer Traum ruͤhret nicht anderſt / woher? als von GOtt / welcher ſucht dich verlohrnes Laͤmbl mit ſolcher Weiß auff den rechten Weeg zubringen / dich auß dem ſuͤndigen Egypten ins gelobte Land zufuͤhren / dich in dem Jordan der Pœnitenz von dem ſuͤndigen Außſatz zuraini - gen / vnd deine Seel als ein Selavin deß boͤſen Feinds wi - derumb zu einer Burgerin deß Himmels zumachen.
Es traumet einem Juͤngling / wie daß er ein groſſe Welt-Kugel vor ſeiner ſehe / mit vnderſchidlichen Schub - Laͤdln / die er alle auff das genaueſte durchſuchet / vnnd traumet ihm / als habe er in dem erſten gefunden ein Lar - ven mit Schellen verbraͤmbt / in dem andern lauter faule Fiſch; in dem dritten Staub vnd Aſchen mit etlichen zer - brochnen Glaßſcherben vndermaͤnget; in dem vierdten ei - nen wurmſtichigen Let-zelten mit einem Glaͤſſel Wermut / in 5ten ein Zetl / darauff diſe Wort ſtunden / reimb dich Bundtsſchuh. Die anderen Schub-Laͤdln waren allelaͤhr /15vnd Mutter-Traum von dem Juda.laͤhr / ꝛc. Welches ihm alſo verdroſſen / daß er die Welt - Kugel mit Fuͤſſen getretten / vnnd als er im wehrenden Schlaff den Fuß an die Bethwand geſtoſſen / wird er wachtſam: Glaub du mir / entdecke diſen Traum deinem verſtaͤndigen Beicht-Vatter / begehre vnd bitte von Gott deſſenthalben eine Erleuchtung / du wirſt augenſcheinlich finden / daß der Traum nit laͤhr / ſondern Gott wil auff ſolche Weiß dich von der oͤden vnd ſchnoͤden Welt abſon - dern / damit du ihme in einem Geiſtlichen Stand deſto eyffriger dieneſt.
Einem der gefaͤhrlich kranck liget / vnd der Docto - rum Recept vnd Concept einige Linderung nit bringen /Pererius in Daniel. l. 2. traumet vnd kommet ihme im Schlaff vor / als ſoll er ſich verloben nacher Maria Zell in Steyermack / nacher Ma - ria Einſidl in Schweitz / nacher Maria alten Oetting in Bayren / nacher Maria Taͤferl in Oeſterreich / ꝛc. dort werde er vnfehlbar bey der Mutter der Barmhertzigkeit ſeine gewuͤnſchte Geſundheit erhalten / als welche gar recht in der Lauretaniſchen Lob-Verfaſſung / Salus Infir - morum, ein Heyl der Krancken benambſer wird; Glau - be du mir / diſer Traum iſt nicht laͤhr / vnnd hat ſolchen ohngezweiffelt dein lieber Schutz-Engel dir eingeben / als der da ſucht ſein liebſtes Pfleg-Kind vnder dem Mariani - ſchen Schutz-Mantel zu verhuͤllen / vnd den Eyffer zu di - ſer mildeſten Himmels-Koͤnigin mehrer anzuflammen.
Zu wiſſen aber eigentlich / welcher Traum gewiß von GOtt herruͤhre / koͤnnen vnfehlbare Kennzaichen nit beygebracht werden / vmb weilen auch der boͤſe Feind vn - der einer heiligen Larven pflegt zu ſpillen / doch iſt diſes wol in Obacht zu nem̄en / wan̄ man mit gutem Gewiſſen / vnd nuͤchtern Magen ſchlaffen gehet / auch ſich mit ge - woͤhnlichem Gebett vnd Weybwaſſer bewaffnet / daß ſel - ten den hoͤlliſchen Lauͤeren in ſolchem Fall ein Zutritt vonGOtt16Eltern / Vatterland / HerkommenGOtt geſtattet wird; auch wol zu mercken / wann GOtt einem ein Traum ſchicket / daß er gemainiglich pflege auch deſſelben Gemuͤth zu erleuchten / wie begegnet dem Abra - ham, dem Jacob, dem Salomon, dem Daniel, dem Jo - ſeph, dem frommen Hertzog in Bayren Guilelmo, von welchem Drexel. Protr. Paragr. 38.
Die Mutter deß H. Eligij, die Mutter deß H. Furſei, die Mutter deß H. Bonifacij, deß H. Willebrordi, deß H. Bernardi, deß H. Dominici, Andreæ Corſini, Franciſci, Roberti, Philippi, Benizij, Raienerij, Pabſt Pij I I. Leo - nis X. &c. haben Traum gehabt / daß ſie werden Kinder gebaͤhren / welche zu groſſer Ehr vnd Heiligkeit ſollen ge - langen / zweiffelsohne ſeynd ſolche Traum von GOtt ge - weſt; Wie es aber Ciboriæ der Mutter Judæ getrau - met hat / daß ſie werde ein Ertz-Schelmen auff die Welt bringen / von wem ſolcher Traum herkommen / laß ich es dem verſtaͤndigen Leſer uͤber / von welchem mir getrau - met / daß er es zum beſten werde entoͤrteren vnd außlegen.
NAchdeme die vngluͤckſeelige Ciboria ihrer ſchwaͤ - ren Leibs-Frucht entbuͤrdet worden / vnnd mit dem Juda niderkommen / hat ſie wol jene Freud nicht geſchoͤpfft / von welcher Chriſtus geſagt bey dem Joan. 16. Ein Weib / wann ſie gebaͤhret / ſo hat ſie Traurigkeit / dann ihr Stund iſt kommen / wann ſie aber das Kind gebohren hat / ſo ge - denckt ſie nicht mehr an die Angſt / vmb derFreud17Vngluͤckſeeliger EheſtandFreud willen / daß ein Menſch in die Welt ge - bohren iſt; Sondern es war Ciboria gantz beſtuͤrtzt / weilen ſie ein ſolchen Boͤßwicht ans Tag-Liecht gebracht / der ihr gantze Freundſchafft wird verfinſtern. Waiger - te demnach kurtzumb ihme die muͤtterliche Bruͤſt zu rai - chen / der keine andere Ammel / als wie Romulus vnnd Rhemus haben verdient; Ja damit ſie ſambt der Freund - ſchafft deſſen kuͤnfftige Schandthaten nit anſichtig wur - de / iſt ſie von aller muͤtterlichen Naigung abgetretten / den neugebohrnen großkopffenden Buben in ein Vimb - ſen-Koͤrblein gelegt / vnd dem wilden Meer uͤberantwor -Paloet. ibi - dem. Narciſs. al Font. fol. 53. tet; zu ſchmertzen iſt / daß er in dem Fahl dem gerechten Moyſi gleichete: was an Galgen gehoͤrt / ertrincket nit / iſt abſonderlich an diſem jungen Luder wahr worden. Zu - malen diſer junge Judas ohne Gefahr fort geſchwum - men / vnd von den Meer-Wellen in die Inſul Iſcarioth getriben worden / worvon er den Namen geſchoͤpfft / gleich damalen gienge die Koͤnigin ſelbigen Orths an dem Meer - Ufer ſpatziern / nimbt war / daß ein Koͤrbl zum Geſtatt ſchwimmet / vnd weil ſie darinnen ein kleines Kind erſe - hen / befilcht ſie alſobald ſolches in aller Still nacher Hof zutragen / ſtelte ſich / weil ſie ein geraume Zeit vnfrucht - bar / als waͤre ſie groß Leibs / auch endlich durch Beyhuͤlff anderer Weiber-Liſt / zeigt ſie ſich als waͤr ſie nider kom - men / vnd diſes Kind gebohren / da haiſt es wol / wie groͤſ - ſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck. Allhier iſt ſattſam ab - zunehmen / wie vngluͤckſeelig der Ehe-Stand Giboriæ vnd Ruben der Eltern Judæ geweſt / vmb weilen ſie ein ſol - chen Unflat gezeiget / iſt muthmaſſig / daß ſolcher Eheſtand mit andern Ohnthaten befleckt ſeye geweſt / vnd weil er ſo ſchlecht von Gott geſegnet ware.
Als der juͤngere Tobias auff ein Zeit wolte die FuͤßTobiæ. 6. waſchen / wird er anſichtig eines groſſen Fiſch / ſo mitCauffge -18Der Eltern deß Judæ.auffgeſperꝛten Rachen ſchnell zum Geſtatt geſchwum̄en / welchen er aber alsbald auß Befehl deß Engels auff das truckne Ufer hinauß gezogen / der Fiſch aber zappelte / tantz - te / hupffte vor ſeinen Fuͤſſen der Geſtalten / als wolt er vor Freuden etliche naſſe Capriol ſchneiden / worauff der Engel alsbald dem Tobiæ geſchafft / er ſolle den hupffen - den Fiſch außwaiden / vnd neben andern die Gall herauß nehmen. Diſem Tobiæſiſchen Fiſch iſt nit vngleich der Ehe - ſtand / welcher aͤuſſerlich das Anſehen hat / als ſteckt er vol - ler Freuden / aber du mein lieber Welt-Menſch beſchaue diſen Fiſch einwendig / da wirſt du ſchier nichts als Gall antreffen in dem Eheſtand / vil vnd faſt ohnzahlbare Bit - terkeit finden.
Jenes Confect, in welches die erſte Eltern / wol rechte Stieff-Eltern gebiſſen / vnd auff ſolches beiſſen / das buͤſſen gefolgt / iſt nach etlicher Lehrer Auſſag kein Apffel geweſt / ſondern ein Indianiſche Feigen / welche man noch heutiges Tags die Adams-Frucht nennet / iſt aber in we - nigſten gleich den Feigen vnſerer Laͤnder / ſondern gantz rund / vnd uͤberauß ſchoͤner Geſtalt / als haͤtte ſie die Far -Moming. Dom. Palm. 154. ben von einem Regenbogen entlehnet / vnnd ſo man diſes Obſt auffſchneidet / find man darinn gantz natuͤrlich das Creutz Chriſti mit allen Paſſions-Inſtrumenten / welches ja zuverwundern / vnd ſoll eben diſe jene Frucht ſeyn ge - weſt / in welche Adam ſo ohnbedachtſam gebiſſen.
Diſes Obſt iſt ein eigentlicher Entwurff deß Ehe - Stands / welcher aͤuſſerlich den Schein hat / als ſeye er nichts als fuͤß / ja ein lauteres Zucker-Gewoͤlb / ein Hoͤnig - Faß / ein Hertzen-Feſt / ein Freuden-Kalter / ein Alcher - mes Buͤxen / ein Luſtgarten / ja ein Himmliſches Schle - cker-Biſſel / aber / aber / vnd widerumb aber / das Einwen - dige ſtimbt nit zu mit dem Außwendigen / dann einwen - dig im Ehe-Stand nichts als Creutz vnd Leiden zufinden. Lieber19Vngluͤckſeeliger Eheſtand.Lieber Welt-Aff / verzeyhe es mir; daß ich dich alſo frembd titulire / gehe mit mir zur angenehmen Sommers-Zeit ein wenig hinauß / einen guͤnſtigen Lufft zuſchoͤpffen / da wirſt du gleich hoͤren der Nachtigal ihr villſtimmiges Fletl / deß Gimpels ſein abgeſchmaches Feillen / der Wachtl ihr ſchlagende Hals-Uhr / deß Guggu ſein baͤueriſches Wald - Geſchray / der Ambſel ihr gemeines Schleiffer-Liedl / der Lerchen ihr Te Deum laudamus, deß Stigelitz ſein Paſ - ſarello &c. Da wirſt du gleichfoͤrmig ſehen der Wiſen ihr geſtickte Arbeit / deß Waaſen gruͤnſammeten Toͤp - pich / der Felder ihr haͤuffige Fruchtbarkeit / der Waͤlder ihr luſtiges Lauber-Feſt / aller Erd-Gewaͤchs froͤliche Auff - erſtehung / deß gantzen Erd-Bodens hochzeitliches Ge - praͤng; gehe weiter / vnd genieſſe der guldenen Zeit nach Genuͤgen / laß vns ein wenig ſpatzieren gehen auff der gruͤ - nen Gſtaͤtten deß rauſchenden Fluß / welcher mir vnd dir vorkombt / wie ein Spiegel in einer gruͤnen Rahm / vnnd wie ein fluͤſſender Cryſtall / was noch mehr / wir ſehen in diſem Waſſer die ſchoͤnen gefaͤrbte Wolcken / die ſchoͤne ſtrallende Sonn / den ſchoͤnen blauen Circk / das ſchoͤne helle Gewoͤlb / den ſchoͤnen Himmel ſelbſten; demnach lie - ber Bruder haſt Luſt in Himmel / ſo ſtuͤrtz dich hinein / vnd ſchicke mir fein foͤrderlich eine Staffeta, wie es im Him - mel zugehet? da antwort diſer / daß er in ſolchen Spil pflege zu paͤſſen / dann ſo er ſich moͤchte in dem Fluß hinein ſencken / wurde ſolcher den Namen verliehren / vnd nach - mals ein Stockfiſch-Bruͤh genennt werden / in Bedenckung ſeiner Thorheit / dann in diſem Waſſer kein Himmel / ſondern nur ein bloſſer Schein deß Himmels / ja an ſtatt deß Himmels wurde er das truͤbe Waſſer ſauffen / vnd gar den Vndergang leyden.
Es gibt ſo vil ohnbeſonnene Adams-Kinder / wann man von Eheſtand redet / ſo ſpitzen ſie die Ohren wie derC 2Schim -20Der Eltern deß Judæ.Schimmel / da er ſicht den Haber-Sack ſchittlen / es ſchlagt ihnen die Puls / als wolt ſie auff der Poſt reitten / wann nur die geringeſte Meldung geſchicht von der Hochzeit / es dunckt ihnen / als ſeye in dem Eheſtand ein lauterer Him - mel; O Limmel! es iſt weit gefaͤlt / es iſt nur alſo der bloſ - ſe Schein / es iſt nichts darinn zufinden / zugruͤnden als truͤbes Waſſer / verſtehe / Betruͤbnuſſen vnd Widerwaͤr - tigkeit.
Es kan nicht bald der Eheſtand lebendiger entworffen werden / als durch jenen Wunderbaum zu Aſca in Nider - land / allwo ein gemeines Bauern-Weib mit Schulden alſo uͤberladen war / daß ſie endlich auß Noth ihre eigene Klaider den Juden allda vmb ein wenige Baarſchafft zu - verpfaͤnden geſucht / damit ſie nur in etwas die Credito - ren befridigen moͤchte / die Juden aber als verſtockte Sa - thans-Gemuͤther tragen der armen Haut vor / wie daß ſie in Anſehung der Klaider nit einen Haller wolten vor - ſtrecken / wol aber ein zimbliche Summa Geld ihr in die Haͤnd werffen / wann ſie ihnen wolt ein Conſecrirte Ho - ſtien einhaͤndigen / welches gar fuͤglich moͤchte geſchehen dazumahlen / als ſie ſolche auß deß Prieſters-Hand empfan - gen / vnd ohnvermerckt anderer wider auß dem Maul zie - hen wurde; das Weib laßt ſich von dem anerbottenen Geld verblendē / gehet bey Oeſterlicher Zeit zu dem Altar Gottes / empfanget auff ihre verraͤtheriſche Zung das hoͤchſte Ge - heimbnuß / vnd nimbt ſolches widerumb auß dem Mund / deß verruchten Vorhabens / diſes den Hebræern zuuͤber - liffern / vnder Weegs aber nagte ſie der ohnruhige Ge - wiſſens-Wurm der Geſtalten / daß ſie ihr Gemuͤth veraͤn - dert / vnd ſolche Hoſtien in dem naͤchſt an dem Weeg ver - dorꝛten Eſchenbaum verborgen / nun ſihe Wunder! au - genblicklich hierauff fangt der lang verdorbne Baum zu - gruͤnen an / vnd ſich mit ſchattenreichen Blaͤttern beklei -den /21Vngluͤckſeeliger Eheſtandder / weſſenthalben ein groſſer Zulauff deß Volcks entſtan - den / vnd was ſolches Wunder vergroͤſſert / vil krumpe / lahme / blinde vnd andere preſthaffte Menſchen ihr ge - wuͤnſchte Geſundheit erhalten / der Herꝛ aber deſſelbigen Grunds / auff dem der Baum geſtanden / empfunde hier - durch ein mercklichen Schaden / vmb Willen durch den groſſen Zugang der Trayd-Acker ohnnutzbar zertretten wurde / gehet demnach hin / vnd will ſolchen Baum vmb - hauen / vermerckt aber diſes groͤſte Wunder / daß alle Schaitten ſo herunder gefallen / ein Geſtalt der blutigen Creutz haͤtten / vnd ſihet mit zuſammen geſchlagenen Haͤn - den / daß diſer Baum voller Creutz / ja ein lauters Creutz / welches nachmals der Geiſtlichen Obrigkeit iſt vmbſtaͤndig angedeut worden / ſambt freywilliger Bekandtnuß obbe - melten Weibs-Bild.
Der Eheſtand iſt ein Baum / welchen der Allmaͤch - tige Gott ſelbſten gepflantzt hat / diſer Baum gruͤnet der - maſſen lieblich / braitet ſeine Blaͤtter volle Zweig alſo auß / daß er den Menſchen faſt die Augen vnd mit den Augen das Gemuͤth auff Magnet-Arth ziehet / derenthalben ein ſo groſſe Menge zu diſem Baum eylet / vnd denſelben vmb - fanget; aber ſchauet ein wenig ihr Welt-Menſchen / wie diſer Baum beſchaffen / werdet ſpuͤrꝛen / daß er voller Creutz / ja faſt lauter Creutz daran / darinn / darumb.
Anno 1503. hat man zu Regenſpurg / Nuͤrnberg /Lintur. ad ſaſci. tem. Landshut / ꝛc. vnd andern Orthen auff den Klaidern der Leut rothlechte Creutz gefunden / welche von Himmel ge - fallen / vnd durch kein waſchen konten außgebracht wer - den / biß ſie endlich den 9ten Tag ſelbſt verſchwunden; aber in dem Eheſtand regnet es nit nur ein Jahr einmal Creutz / ſondern wol alle Monat / ja alle Wochen / auch offt alle Tag vnd Stund.
In Spanien auff allen Gebaͤuen / welche D. Cardi -C 3nal22Der Eltern deß Judæ.Euſ. Niernb. l. 1. de Mir. nal Peter Conſalez de Mendoza hat auffrichten laſſen / wachſet noch heutigen Tag durch ewiges Wunderwerck ein Kraut wie ein Creutz / welches der Andacht zugemeſ - ſen wird / die gedachter fromme Cardinal zu ſolchen hei - ligen Sieg-Zaichen hatte / aber in dem Eheſtand iſt ſolches gar kein Wunder / zumahlen nit allein Creutz auff dem Hauß / ſondern auch im Hauß / Stuben vnd Cammer / ja allenthalben wachſen.
Die ohngereimbte Iſraelitiſche Maul-Affen ſeynd auff ein Zeit vhrdruͤſſig worden uͤber das ſuͤſſe Manna oderNum. 11. Himmel-Brodt / in welchem doch aller Safft vnd Krafft ware / ja ſie haben noch daruͤber dem Moyſt uͤble Maͤuler angehengt / den ſanfftmuͤthigen Mann mit Laͤſter-Wor - ten angetaſt / vnd ohnverſchambt ins Geſicht geſagt / ſie wuͤnſchten / daß ſie noch in Egypten waren bey den Zwif - feln / ſolche wurden ihnen tauſentmal beſſer ſchmecken / O ihr vndanckbare Geſellen / vnd ſtinckende Knoblach-Maͤu - ler / ſollen euch die Zwiffel angenehmer ſeyn? als das liebli - che Manna? daß euch diſe das Hertz abſtoſſen / ſo gibts euch ein Krafft / Pfui! aber ſag an du murriſch Geſind / wo die mehriſten Zwiffel anzutreffen / villeicht in Egypten? ihr Zwiffel-Maͤuler ſagt die Warheit nit / muͤſt wiſſen / daß in dem Eheſtand die mehriſten zufinden / allda ohne Zweiffel gibts Zwiffel ohne Zahl: wie zwifflet nit mancher ſein armes Weib? wie zwifflet nit manche ihren Mann / wie zwifflen nit offt einen ſeine Kinder / wie zwifflen nicht manchen ſeine Dienſt-Botten / ꝛc. Es gibt mit einem Wort hierinn Zwiffel ohne Abgang / Leyden ohne Zahl / Elend ohne Maß / Keyerey ohne Grund / in der Kuchel / Stu - ben vnd Cammer / findet man offt lauter Jammer.
Der H. Petrus befand ſich eines in der Statt Jop - pen / vnd bettete / in waͤhrenden Gebett gerath er in ein Verzuckung / vnnd wurde ihm gezaigt ein ſeltzames Ge -ſicht /23Vngluͤckſeeliger Eheſtandſicht / er thaͤte wahrnemmen / was maſſen ein groß leine - nes Tuch mit vier Zipffen von Himmel herab gelaſſen wurde zu ihm / vnd als er in ſolches mit Fleiß hinein ſchau - te / merckte er / daß ſo wol gehende Thier / fliegende Thier / vnd auch kriechende / benan̄tlich Schlangen / Attern / Blind - ſchleichen / ꝛc. darinnen waren; hoͤrte beynebens ein Stim̄ von Himmel / die ihm ſchaffe / er ſoll auffſtehen / alles di - ſes ſchlachten vnd eſſen / Petrus aber ſchuͤttlet hierzu den Kopff / ſagt / HErꝛ das laß ich wol ſeyn / dann niemahlen nichts Unreines in mein Maul kommen.
Ich waiß zwar / daß diſes Geſicht / ſo dem Petro be - gegnet / voller Gehaimbnuß ware / vnd vil ſchoͤne Auß - deutungen von den heiligen Lehrern darauß gezogen wer - den: Ich aber ſag es denen Eheleuthen / daß ſie gar offt ſolche Biſſel / welche Petrus gewaigert zu eſſen / ſchluͤcken muͤſſen: Wie offt muß er Galgen-Vogel / plumper E - ſel / fauler Hund / barter Puͤffel / vngeſchickter Gimpel / ꝛc. ſchluͤcken: wie offt muß ſie Beſtia, Krott / Diebsvieh / gifftige Schlang / Teuffels-Aaß / ꝛc. ſchluͤcken; vnd Ge - dult tragen auß Sorg / es moͤchte noch truͤberes Wetter hernach folgen.
Darumb die Eheleuth muͤſſen ein guten Kopff ha - ben / dann ſie gar offt das Abkaͤmpeln leyden.
Die Eheleuth muͤſſen gute Zaͤhn haben / dann ſie gar offt muͤſſen etwas verbeiſſen.
Die Eheleuth muͤſſen gute Finger haben / dann ſie muͤſſen gar offt durch dieſelbe ſchauen.
Die Eheleuth muͤſſen ein guten Rucken haben / dann ſie gar vil muͤſſen uͤbertragen.
Die Eheleuth muͤſſen ein guten Magen haben / dann ſie muͤſſen gar vil harte Brocken ſchluͤcken.
Die Eheleuth muͤſſen ein gute Leber haben / dann es kriecht ihnen gar offt etwas daruͤber.
Die24Der Eltern deß Judæ.Die Eheleuth muͤſſen gute Achßlen haben / dann ſie muͤſſen dieſelbe offt uͤber ein Sach ſchupffen.
Die Eheleuth muͤſſen gute Fuͤß haben / dann es truckts der Schuch gar vilfaͤltig: mit einem Wort / Patientia, iſt die erſte Hauß-Steuer / ſo die Eheleuth haben muͤſſen:
Man wird bald nicht andaͤchtigere Leuth finden / als die Eheleuth / dann ſie gehen faſt alle Tag mit dem Creutz / vnd kommen mir ſie vor / wie die Schiffel am Ge - ſtatt / welche zwar angebunden / vnd ſcheinen als genieſ - ſen ſie ein Ruhe / man wird aber doch ſehen / daß eines das andere ſtoſſet / alſo ſeynd gleichfoͤrmig die Eheleuth zuſam - men gebunden durch das heilige Sacrament vnd einhelli - ges Ja / auch ſcheinet ihr Stand ein Ruheſtand / man wird aber dannoch mercken / daß eines das ander plaget / vnd thut es nicht haglen / ſo zaigen ſie doch zu weilen die Blitzer. Der Eheſtand mag endlich verglichen werden der vergulten Archen deß Bunds im alten Teſtament / auff welcher zway guldene Cherubin waren / welche auß Befehl Gottes einander muſten anſchauen; alſo im Ehe - ſtand ſoll eins das andere freundlich anſehen / vnd nit ſie gegen Orient, vnd er gegen Occident, dann auff ſolche Weiß ſeynd ſie gleich den Samſoniſchen Fuͤchſen / welche die Philiſtæiſche Felder in Brand geſteckt / diſe waren zwar zuſam̄en gebunden / aber die Koͤpff waren weit voneinan - der / vnd ſchauete einer hi, der ander hot, O GOtt! das iſt ein Spott.
Dahero meine Welt-Menſchen / ſo euch doch die Zaͤhn waͤſſeren nach dem Eheſtand / ſo leget zuvor alles wol auff die Waag-Schallen / fahret nit gar zu gaͤhe in Haber-Brein / damit ihr euch das Maul nit verbrennet / erwoͤget fein reifflich alle Umbſtaͤnd / alle Eigenſchafften vnd Naigungen ſelbiger Perſohn / mit welcher ihr euch wollet verbinden. Jenner muß ein ohnbedachtſammerLapp25Ungluͤckſeeliger EheſtandLapp ſein geweſt / von deme das Evangelium regiſtrieret /Luc. c. 14. wie daß er neben anderen zum Hochzeit-Mahl ein heffti - ges Lad-Schreiben empfangen / nachmahls aber perſohn - lich nicht erſchinen / ſondern durch die Diener / ſo ihn zum andertenmahl rufften / folgende ohngereimbte Antwort beybringen laſſen / wie daß er habe ein Dorff gekauffet / vnd nun vonnoͤthen waͤre / daß er hinauß gehe / vnd ſelbiges be - ſichtige / ſoll ihn alſo entſchuldiget haben: Laß mir den ein Stroh-Kopff ſeyn / der etwas einkaufft / welches er noch nit geſehen / er haͤtte fein ſollen vor dem Kauff das Dorff genau beſichtigen / den Augenſchein aller Innwoh - ner vnd Underthanen einnemmen / Grund vnd Acker vmb - reitten / ꝛc. Alſo ſoll man fein zuvor / ehe man ſich in ehe - liche Verbindnuß einlaſſet / alles wol betrachten / damit man nit an ſtatt einer Gertraut / ein Beeren-Haut / an ſtatt eines Paulen / einen Faulen / an ſtatt einer Dorothee / ein Ach vnd Wehe / anſtatt eines Philipps einen Villapp / anſtatt einer Sybill ein Pfeffer-Muͤhl / an ſtatt eines Mat - thieſen einen Matto heyrathe; zuvor muß man alles er - woͤgen / auff daß man nit auff dem Roß-Marckt einen Eſel einhandlet / vnd Rueben fuͤr Raͤttich einkauffet.
Der groſſe Patriarch Abraham ſchickte eineſt ſeinenGen. c. 24. Hoffmaiſter auß / ſeinem jungen Herꝛn dem Iſaac ein Braut zu ſuchen / er gabe ihm aber ein abſonderliche In - ſtruction, daß er ſoll ſehr behutſamb vnd mit moͤglichſter Vorſichtigkeit vmbgehen / nit gleich ſich in die nechſte auff - gebutzte Docken vergaffen. Der verſtaͤndige Hoffmaiſter Nahmens Eliezer fangt die Sach mit GOtt an / vnd be - fehlet dem Allerhoͤchſten diſes ſein wichtiges Geſchaͤfft / beſchlieſſet auch durch Goͤttlichen Einſchlag bey ſich ſelb - ſten / jene zu erwoͤhlen / dero Reichthumb in ruͤhmlichen Sitten vnd Lob-wuͤrdigſten Tugenden wurde beſtehen / ſetzet ſich demnach in Meſpootamia auſſer der Statt Na -Dhor26der Eltern deß Judæ.hor bey einem Brunn nider / zu ſehen was fuͤr Maͤdlen her - auß gehen / Waſſer zu ſchoͤpffen / vnd die ihme / ſambt de - nen ſeinigen Cameelen / wird freymuͤthig zu trincken geben / die ſoll Braut ſeyn vnd kein andere.
Mein lieber Eliezer, du ſchickſt dich auff Welt-Ma - nier nit recht zum kupplen / ſo du wilſt etwas rechts auß - klauben / ſo gehe an einem vornehmen Feſt-Tag in die Statt hinein / da wirſt du mit Verwunderung ſehen / wie die junge Toͤchter auffgebutzt dahero tretten / da gehet ei - ne mit gekrauſten Haarlocken / worinn ſechshundert Klaff - ter ſeidene Baͤndl eingeflochten / daß man ein halben Tag brauchet dieſelbe widerumb abzuhaſpeln: Dort gehet ein andere / welche ſchon drey Tag ihr Geſicht in Eſels-Milch eingebaitzt / vnd auff ihren Wangen Roſen-Stauden oh - ne Knoͤpff pflantzet / wie gefallet dir diſe? Allda ſtehet ei - ne / welche ihre Lenden zuſammen gepreſt / daß ihr auch ſchier der Athem verarreſtieret / vnd gantz rahn / wo nit gantz rein iſt. Wie gefallt dir diſe? Ich / ſagt Eliezer, gib nicht Achtung auff die bloſſe Geſtalt; wann dem alſo / ſo zaige ich dir ein andere / ſiheſt du alldort dieſelbige / welche zwar im Ruckgrad von der Natur ein wenig beſchimpfft / vnd auff einer Seyten die Arbeit erhebet / entgegen hat ſie Baarſchafft vil tauſend Ducaten / wie gefallet dir diſe? Gleich da kombt eine / der zwar die geſtrenge Blatterſucht Minatur-Arbeit ins Geſicht geſetzt / ſo von lauter Tuͤpff - len beſtehet / vnd alſo der Glat-Hobel nicht mehr außgi - bet / herentgegen iſt ihr Vermoͤgen ſehr groß / vnd hat noch vil tauſend zu erben / wie gefallt dir diſe? Da gleich hin - der vns ſtehet eine / die zwar an einem Fuß zu kurtz kom - men / vnd deſſentwegen noch hincket / aber ſonſt Mittel halber gehet ſie allen Befreunden vor / wie gefallt dir di - ſe? Ich / ſagt Eliezer, habe kein Abſehung nach Reich - thumb vnd Guͤter; So ſey es dann / ich zaig dir gleich an -dere27Ungluͤckſeeliger Eheſtanddere qualificierte Toͤchter / da in dem groſſen Hauß vor vnſer wohnt ein huͤpſche Fraͤule / die zwar arm / aber ſehr von hohen Adel / vnd iſt ihr Hauß verwandt mit der Ar - chen Noë; Auch in der anderen Gaſſen iſt eine zwar nit gar jung / aber ſehr vornehmer vnd maͤchtiger Freund - ſchafft / vnd hangt ihr Stammen-Wappen noch an dem Babyloniſchen Thurn; wie gefallt dir diſe? Ich / ſagt E - liezer, ſuche auch kein vornehme / ſondern mein gnaͤdiger Herꝛ der Abraham hat mir befohlen / ich ſoll bey Leib kein Tochter bringen von den Cananitern / vnder welchen doch vil reiche / vil ſchoͤne / vil adeliche anzutreffen / aber keine fromme vnd zuͤchtige / begehre demnach kein andere / als ein ehrliches / ein zuͤchtiges / ein demuͤthiges vnd wolerzo - genes Maͤdle / weſſentwegen ich Eliezer meinen GOtt inniglich gebetten / daß er mir ein ſolches zuſchicke / welche er dann bekommen an der Rebecca, die er nicht gefragt hat / ob ſie reich ſeye? nit gefragt / ob ſie adelich ſeye? vnd ob ſie zwar von Angeſicht huͤpſch ware / ſo iſt doch damah - len ihr Auffzug ſchlecht geweſt / dann man zum Waſſer ſchoͤpffen keinen ſeidenen Mantò noch gebraͤmbten Rock anleget / ſondern er hatte pur betrachtet ihre Tugenden.
O wie weit ſeynd vnſere Zeiten / bey denen man in dergleichen Heyraths-Verbindnuſſen / nur Geſtalt / oder Gewalt / oder zahlt / oder ein anderes verruchtes Abſehen hat; Wie manche vermaledeyet die Stund / in welcher ſie den Maͤhel-Ring empfangen / verflucht den Tag / an dem ſie alſo verblendet worden / ſeufftzet uͤber das gegebene Ja / welches nunmehr ſo ohnzahlbare Nein außbruͤtet; Aber meine Toͤchter diß uͤbel habt ihr euch ſelber geſchmi - det / in diſen Dorn ſeyt ihr freymuͤthig getretten / diſen Laſt habt ihr euch ſelbſten auffgebuͤrdet / vnd ſolches Creutz mit eigenen Haͤnden geſchnitzlet; auß Urſachen / weil ihr ſo gahe / ſo ohnbeſunnen / ſo fruhzeitig darzu geeylet habt /D 2vnd28der Eltern deß Judæ.vnd nit vorhero alles in allem wol bedenckt / deſtwegenIn Eccleſ. c 7. v. 27. ſagt die Goͤttliche Schrifft: Verheyrathe dein Toch - ter / ſo haſt du ein groſſes Werck außgerichtet / aber gibe ſie einem vernuͤnfftigen Mann. Un - der anderen iſt in dem Eheſtand nit ein geringes Creutz einOvetan. hiſt. Hiſp. l. 9. c. 11. boͤſes Weib. In der neuen Welt iſt ein Inſul mit Nah - men Ceiba, allwo ſo dicke Baͤumer wachſen / daß einen allein vierzehen Maͤnner mit außgeſpannten Armben kaum vmbfangen koͤnnen / auß einem ſolchen Baum kund - te man ein groſſes Creutz zimmeren / aber ein boͤſes WeibProverb. c. 21. iſt noch vil ein groͤſſeres Creutz: Es iſt beſſer / ſagt die H. Schrifft / es iſt beſſer in wuͤſten Land wohnen / als bey einen zanckiſchen vnd zornigen Weib. Es iſt beſſer in der Wuͤſten ſich auffhalten bey gifftigen Baſilisken / bey grauſamen Amphisbenen / bey erſchroͤck - lichen Drachen / bey ſchaͤdlichen Crocodilen / bey wil - den Salamandren / bey blutgierigen Tigern / bey zornigen Loͤwen / Beeren vnd Woͤlffen / als bey einem boͤſen Weib. Ein boͤß Weib iſt ein Schiffbruch ihres Manns / iſt ein ſtaͤter Wetter-Haan im Hauß / iſt ein uͤbel lautende klap - per Buͤchſen / iſt ein Franckiſcher Stifflbalg / den man faſt alleweil ſchmieren ſoll / iſt ein gewixter Wetter-Mantel / in dem das Waſſer der Ermahnug nit eingehet / iſt ein Blaßbalg deß feurigen Zorns / iſt ein Ziech-Pflafter deß Geld-Beutels / iſt ein Maul-Thier / daß manchen armen Mann zu todt beiſt / iſt ein Quartier-Stuben aller Boß - heit / iſt ein einheimbiſcher Baum-Haͤckel / iſt ein Braban - diſche Stammen-Wappen / darinn ein zanckiſcher Hunds - Kopff / iſt ein Freudhoff der guten Taͤg / iſt ein gifftige Schlangen / ein bitteres Aloë, iſt ein uͤbler Sauerrampff / iſt ein ewiger blaß mich an / iſt ein Commiſſarin derdreyen29Vngluͤckſeeliger Eheſtanddreyen Furien / iſt das letzte Geſaͤtzl in Vatter vnſer / erloͤſe vns von allen Vbeln / iſt ein falſche Schatten vnd Schaden-Uhr / iſt ein hoͤlliſcher Brenn-Spiegl / iſt der Froͤlichkeit kehr auß / iſt ein ſtets humbſetes Wepſen - Neſt / iſt des Vulcani ſein Veiß-Zang / iſt ein immerwaͤh - rendes Igl-Feſt / iſt ein Haſpel der Vngelegenheiten / iſt ein Jahr-Marck der Zanck-Woͤrter / iſt / iſt / iſt / iſt / daß man nit ſattſam beſchreiben kan.
In Ober-Steyermarck iſt der Erd-Boden ſehr ohn - neben / vnd mehriſten Theil mit hohen Felſen vnd Bergen beladen / daß er alſo mit dergleichen natuͤrlichen Schantzen nit wenig pranget / vnd gleichſam dem Feind einen Trutz biettet / eines iſt / was forderiſt in diſen Bergen wol in Acht zunemmen / wann nemblich zur heiſſen Sommers - Zeit ein ſtarckes Wetter entſtehet / vnd der Himmel ein finſters Geſicht machet / vnd die Wind gantz ohngeſtimm anfangen zu ſauſen / vnd die Voͤgelein ſich forchtſam vn - der die dicke Aeſt ſalviren / vnd die Baͤumer an allen Gli - dern zittern / vnd die ſchnelle Blitzer in dem ſchwartzen Ge - wuͤlck Schlangenweiß ſchieſſen / vnd es anfangt zu don - nern / ſo iſt es merckſam / daß / wann der zornige Himmel einen Donner-Knall hoͤren laſſet / derſelbe von dem Echo oder Widerhall der Bergen drey vnd viermal verdopplet wird / nit ohne Entſetzung der frembden Leuth / macht al - ſo diſer Steyriſche Widerhall vil ein groͤſſern Tumult als der Himmel ſelbſt / in dem er einem Donner-Knall deß Himmels vier andere trutzig nachklinget. Ein boͤß Weib iſt zwar kein Berg / ſondern ein Thal / will ſagen ein Jam - merthal / hat demnach ſolche Eigenſchafften / wie der Ber - gen Echo in Ober-Steyr / ereignet ſich zuweillen ein rechtmaͤſſige Vrſach / weſſenthalben der Mann in ein klei - ne Vngedult gerathet / vnd etwann mit einem einigen vnglaten Wort außbricht / da wird der zanckloſe Echo inD 3dem30Der Eltern deß Judæ.dem Maul deß boͤſen Weibs nit allein wider ſchlimm nach - ſchreyen / ſondern noch mit zaͤchen gifftigen Schmach - Worten verdopplen / das haiſt alsdann gedonnert / da gehet es hernachmal nit anderſt her / als wie in der Be - hauſung deß Tubalcain, ſo laut H. Schrifft / der erſte Schmidt geweſt / der in ſeiner ruſſigen Huͤtten den gan - tzen Tag der Geſtalten gehammert auff dem Amboß / daß auch die Benachbarte ihre Ohren mit Baumwoll ver - ſtopfften / kein andere Beſchaffenheit hat es in einem Hauß / allwo ein boͤſes vnd zanckiſches Weib wohnet / dann alldort hoͤrt man ſtaͤts das hammern vnd jammern / was Wunder / daß man nachgehends bey ſolchen Luſt - Feur wenig Ragget findet / wol aber gute Schlaͤg / ꝛc. O Elend! da gibts ſaubere Apollonien / die ihren Maͤnnern alſo die Zaͤhn zeigen / da gibts ſaubere Lucien die ihren Maͤnnern ſelbſt die Augen außkratzen / da gibts ſaubere Magdalenæ die an ſtatt der Fuͤß dem Mann den Kopff waſchen / da gibts ſaubere Cæcilien / die an ſtatt der Or - geln dem Mann ſelbſten den gantzen Tag anpfeiffen; da gibts ſaubere Barbaræ, die an ſtatt deß Thurns / die gan - tze Zeit im Hauß turnieren / da gibts ſaubere Margareth, die an ſtatt deß Drachen ſelbſt voller Gifft ſeyn / da gibts ſaubere Dorotheen / die an ſtatt der Roſen den Mann ei - nen groben Knopff heiſſen / an ſtatt der ſchoͤnen Aepffel dem Mann die Feigen zeigen: O Elend!
Wunderliche Maniern ſeynd geweſt vor alten Zei -Barceph. c. 28. ten / wann man zuſammen geheurat: Moyſes Barceph. in ſeinem Buch Paradox. c. 28. ſchreibet: Als Gott dem Adam ſein Braut / nemblich die Eva vorgefuͤhret / habe der Adam ein Kraͤntzl geflochten auß dem ſchoͤnen gruͤnen Graß deß Paradeyß / vnd ihm es auff den Kopff ge - ſetzt ꝛc.
Plutarchus ſchreibt / es ſeye bey den Spartanierndiſer31Vngluͤckſeeliger Eheſtanddiſer Brauch geweſt / daß man der Braut die Haar alle von Kopff abgeſchnitten / alsdann in Manns-Klaider an - gelegter zum Braͤutigamb gefuͤhrt / ein wunderlicher Brauch! in Engelland iſt der Brauch / daß die Braut ge - eroͤnnet wird mit drey Cronen. In den Gotthiſchen Pro -Olauſ. c. 14. vintzen iſt diſer halb lappiſche Brauch / wann der Prieſter ein paar Braut-Volck zuſammen gibt / ſo ſchlagen die Naͤchſten / die darbey ſeyn / der Braut vnd Braͤutigam ins Geſicht: bey denen Roͤmern / wann die Braut in die Be - hauſung deß Braͤutigams gefuͤhrt worden / hat man die Braut etlichmal vmb vnd vmb gedraͤhet / daß ihr der Schwindel in Kopff geſtigen / vnd die Thuͤr nit mehr fin - den koͤnnen.
Vor allen aber iſt jener Brauch wunderlich / von demHinc Uxo - res tan - quam un - xores di - ctas eſſe volebant. Servius 4. Æneid. ſchreibet / vnd iſt ſolcher vor diſem al - lenthalben ſehr in Obacht genommen worden / daß man nemblich die Thuͤr-Geſchwoͤllen / wo die Braut eingefuͤhrt wurde / vorhero ſtarck mit Oel vnd Faiſten angeſchmiert; was ſie durch ſolches ſchmieren haben wollen andeuten / iſt mir eigentlich nit bewuſt / vermuethe aber gar gewiß / daß man durch diſes ſchmieren der neu angehenden Ehefrauen habe wollen das Stillſchweigen einrathen / dann ſo man die Thuͤr einſchmiert / ſo guͤrret ſie im wenigſten nit / ſon - dern halt das Maul / wie die Mauß / wann ſie beym Speck - Laib ſchmarotzet / alſo ſolle gleichmaͤſſig ein Weib vor al - len das Maul halten / ihr angelegen ſeyn laſſen; diſen Rath gib ich faſt allen boͤſen Weibern / gedencket meine Weiber / daß gemainiglich Krieg im Hauß entſtehet / wan̄ man ſolche Maul-Trommel ruͤhrt / gedencket / daß man ge - meiniglich die Feurglocken anſchlagt / wan̄ die Flam̄en zum Maul außſteigen; gedenckt daß man gemeiniglich die Or - gel ſchlaget / wann die Blaßbalg deß Mauls auffzogen ſeyn / gedenckt / daß es gemeiniglich einſchlagt / wanns außdem32Der Eltern deß Judæ.dem Maul ſo ſtarck donnert / deſtwegen alles Ubel zuver - huͤten / haltet das Maul. Pcnteſilea ein Koͤnigin der A - mazonen / Camilla ein Koͤnigin der Volſcier / Cleopa - patra ein Koͤnigin der Egyptier / Semiramidis ein Koͤ - nigin der Babylonier / Tomiris ein Koͤnigin der Maſlage - ter / Hippolita ein Koͤnigin der Amazonen / Theuca ein Koͤnigin der Illiricier / Iphicratea ein Koͤnigin der Sa - mier, Item ein Jambara bey den Longobardiern / ein Te - leſilla bey den Argiviern, ein Debora bey den Iſraelitern / ein Artemiſia bey den Chariern, ein Tania bey den Tar - toniern, ein Cyniſca bey den Lacedemoniern, ein Phe - dalia bey den Thraciern, ein Mauvia bey den Saracenern, ein Valoſca bey den Boͤhmen / ein Marguarita bey den Daͤhnen / ein Marula bey den Venetianern / ein Joanna bey den Lotharingiern haben ein ewigen Ruhm / Lob vnd Glory / vmb weilen ſie ſolche ſtarcke vnd heldenmuͤtige Frauen geweſt ſeynd / daß ſie ihre Feind Ritterlich uͤber - wunden: Ihr Weiber wo ihr immer ſeyet in Teutſchland / macht euch ebenfals einen groſſen Nahmen / in Vber - windung euer Feind; der Feind iſt nit groß / er haiſt der Obriſte Zanckenau / ligt mit den ſeinen in Quartier zu Graͤin / Penzing / Hadersdorff ꝛc. Diſen thut uͤberwin - den / gedencket daß Chriſtus der HErꝛ zu geſchloſſener Thuͤr den Friden ſeinen Apoſteln gebracht / alſo wird nit weniger bey euch vnd vnder euch ein Frid ſeyn / ſo ihr die Thuͤr deß Mauls zugeſchloſſener haltet: aber vmbſonſtChronic. Philipp. Ferr. Menſ. Feb. iſt diſes bey einem boͤſen Weib. Der H. Franciſcus Se - raph. hat die Schwalmen zahm gemacht: der H. Bau - dolinus hat die Wild-Aenden zahm gemacht: der H. A - gricolus hat die Storchen zahm gemacht: der H. Fran -In vita Surius ciſcus Paulanus hat die Fiſch im Meer zahm gemacht / der H. Sabba hat die Loͤwen zahm gemacht / die H. Bri - gitta hat die Fuͤchs zahm gemacht / der H. Corbinianushat33Vngluͤckſeeliger Eheſtandhat die Beeren zahm gemacht / der H. Kentingernus hatS. Anton. in Chron. Bollan. in vita. In vita PP. ibidem. die Woͤlff zahm gemacht / der H. Dintanus hat die Hir - ſchen zahm gemacht / der H. Abbt Ammon hat die Dra - chen zahm gemacht / der H. Helenus hat die Attern zahm gemacht; aber wer wird mir die Zung eines boͤſen Weib zahm machen / wer? es iſt diß folgende zwar ein Fabel / zeigt aber gar ſchoͤn / wie die Weiber ſollen geſitt ſeyn.
Es iſt auff ein Zeit ein Weib gar zu vnbarmhertzig von ihrem Mann geſchlagen worden / alſo zwar / daß ihr das Angeſicht nit ohngleich war einem Reib-Stain / wor - auff blaue Schmolten geriben worden / die Haar zimblich außgeraufft / daß ihr Kopff faſt dem Buͤrcken-Baum gleichte in Februario, die Augen mit Waſſer gantz uͤber - ſchwembt / das Maul nit anderſt als wie ein ſchmutzige Nacht-Lampen / der Auffzug deß Mietters vnd Klaidung ſahe zupfft auß / wie ein ohnordentliche Taͤndler-Laden / alſo uͤbel zugericht laufft ſie ins Feld hinauß / in Willens ihr ſelbſt das Leben zunehmen / auß purer Verzweifflung / es hats aber die Rew wider zuruck gehalten / doch ſetzte ſie ſich nider hinter einer Haßlnuß-Stauden / lamentirte / klagte / ſeufftzte / wainte / rotzte / ſchnopffetzte vnauß - ſprechlich / ach / ſagte ſie / ach ich elende Troͤpffin / wie geht es mir / daß kein Wunder waͤr / ich ſchnitt mir ſelber die Gurgel ab. O mein lieber Paul ſeeliger / Gnad dir Gott im Himmel droben / gelt du haſt mich niemahlen er - zuͤrnt / es iſt dir nit moͤglich geweſt / wann man dich auff ein Mahlzeit geruffen / daß du ohne mich haſt ſeyn koͤn - nen / du haſt mich wol fleiſſig mit genohmen / ach mein Gott! wie wird ich anjetzo ſo ſchmaͤhlich fuͤr ein Fuß-Ha - dern gehalten von dem jetzigen Mann / hat ſich wol Mann! ein Schinder / ein Moͤrder / ein Hund / naͤmli naͤmli kom - men nit zwey Himmelreich auff einander / kein Wunder / ja kein Wunder waͤrs / ich thaͤt mir ſelbſt ein Layd an /Edaß34Der Eltern deß Judæ.daß Gott erbarm! in dem ſie alſo ohngereimbt lamentir - te / ſihe / da fangt die Haßlnuß-Stauden von freyen Stu - cken an zureden / mein Weib ſagt ſie / ſiheſtu diſen nechſten Aichenbaum an / wie er zerzauſt vnd zerraufft iſt / vnnd ſchaue mich an / wie ich gantz vnverletzt bin / waiſt die Ur - ſach? wann ein ſtarcker Sturm-Wind ſauſſet / ſo iſt diſer Aichbaum ſo ſtuͤtzig / vnd widerſetzt ſich dem Wind / deſt - wegen wird er alſo zerfetzt vnd geſtimmlet / ich aber Haßl - nuß-Stauden / wann ein ſolcher ohngeſtuͤmmer Wind gehet / woͤhre mich weiter nit / ſondern wie der Wind ge - het / ſo naig ich mich / vnd biege mich / vnd gib alſo nach / deſtwegen bleib ich ohnbeſchaͤdiget / haͤtteſt du alſo mein Weib auch deinem Mann nachgeben / dich nit ſo hartnaͤ - ckig widerſetzt / ihme nit alſo zahmloß eingeredt / vnd ein boͤß Wort mit zehen andern vergolten / ſo waͤr es dir nit alſo uͤbel ergangen / lehrne doch ein andersmal das Maul halten.
Ihr Weiber ſeyet ohne das mit der Martha be - ſchaͤfftiget in Kucheln vnd Speiß-Gewoͤlber / nembt ein Lehr von einer Waag / auff dero ihr etwann auff einen Faſt-Tag etliche Scheitter Stockfiſch woͤget / wann der Stockfiſch ſchwaͤr vnd uͤbergewichtig iſt / ſo werd ihr ſelbſt ſehen / daß die Zung der Waag ſich gegen dem ſchwaͤren Stockfiſch naiget vnd nachgibet; iſt / daß ihr zu Hauß ei - nen groben vnd ohngeſchlachten Mann habt / deme die Stirn zum oͤfftermahlen mit truͤben Gewuͤlck uͤberzogen / der mehrer Mucken im Kopff hat / als geweſt ſeynd zur Zeiten Pharaonis in Egypten / vnnd ſolcher noch daruͤber harte Wort hoͤren laſt / ſo folgt meinem Rath / neiget euere Zung auch gegen diſen groben Stockfiſch / gebt ihm nach / redet ihm nit zuwider / haltet das Maul / vnd fol - get lieber dem Delphin nach / welcher Fiſch zur Zeit deß Vngewitters nur ſchertzen thut.
Als Chriſtus der HErꝛ nacher Capharnaum kom -men35Vngluͤckſeeliger Eheſtandmen mit dem Petro, haben ihn alſobald die Mautner ſtarckMatth. c. 17. v. 24. & ſeq. angeſchnarcht / wie iſt es / ſagten ſie / wo bleibt der ge - buͤhrende Zoll-Groſchen? Geld her; hierauff ſagte Chri - ſtus dem Petro gehe hin / damit wir mit diſen ſchlimmen Leuthen nit in ſchlimme Haͤndel gerathen / ſo gehe hin ans Meer / wirff den Angel auß / vnd nimb den Fiſch / der zum erſten darauff kombt / greiff ihm in den Mund / da wirſt du ein ſilberen Groſchen finden / denſelben nimb / vnd zahl fuͤr mich vnd dich: ihr Weiber ſolt auff zweyerley Weiß den Fiſchen nacharten / erſtlich iſt kein Thier auff der Welt / welches nit ein gewiſſe Stimm oder Geſchrey von ſich gibt / als wie die Hund bellen / die Woͤlff heullen / die Gaͤnß ſchnaderen / die Hennen gacketzen / die Saͤu gron - nen / die Schaaf blaͤren / die Gaiß mecketzen / die Katzen gemaucketzen / die Storchen klapperen / die Beeren bru - men / die Ochſen bruͤllen / ſo gar die Webſen vnd Mu - cken ſumbſen / aber der Fiſch hat kein eintzige Stimm / deſtwegen ein Sinnbild deß Stillſchweigens / welches euch Weibern abſonderlich wol anſtaͤndig / dafern ihr aber doch das Maul nit koͤndt halten / ſo ſchaut wenigſt / daß / gleich wie der Fiſch Petri Silber in Maul / alſo ihr Gold im Maul traget / ſprechend / mein guldener Mann / was iſt dir heut mehr / daß du ſo ſchwuͤrig? mein guldener Hanns Adam / wie biſt du heut ſo ſeltzam / mein guldener Schatz / ſchaff nur / ich will alles vollziehen nach deinen ei - nigen Willen: ſolchen Rath folgen woll die frommen Weiber / aber die Boͤſen nit / vnd kondt einer faſt ehender vnd leichter mit dem Joſue die Sonn arreſtiren in ihren ſchnellen Lauff / als die Zung eines boͤſen Weibs.
In Spanien ſeynd etliche Oerther als da Sierra, Camor, Corduba &c. Allwo Glocken gefunden werden / die auff den heutigen Tag zu weillen ſich von freyen Stu - cken ſelbſten Leitten / vnd bedeutet dero Gleutt mehriſtE 2theils36Der Eltern deß Judæ.Leonard. Vair. l. 2. de faſcino. Theils nichts guts. Zu Vilillâ nennet man auch ein Wunder-Glocken / welche ohne Menſchliche Hand-Anle - gung etlich Monat ein Anzaigen gibt / ehe vnd zuvor von Vnchriftlichen Straiffen alldorten ein Einfall zugeſche -Gobell. Perſ. in vita S. Mei - nulphi. hen pfleget. In dem Cloſter Bodkhen, welches der Heil. Mainulphus erbauet / leuttet ſich ein Glocken ſelbſt vor jeden Hintritt einer Cloſter-Frauen / vnd wird annoch ey -Maier. l. 3. Hiſt. Flan - dr. ad An. 1062. frig beobachtet. In Flandern gabe ein Glocken einen trau - rigen Hall ohne Menſchen-Huͤlff bey angehender ſtrengen Hungers-Noth. Boͤſe Weiber / zanckiſche Weiber / ohnruehige Weiber / greineriſche Weiber ſeynd ſolchen Glocken gantz gleich / die auch znm oͤfftern ohne einige Vr - ſach anfangen zuklingen / daß auch die Kinder uͤber drey Gaſſen von Schlaff erweckt werden / daß auch der Mann ſchier das Gehoͤr verliehrt / wie ein reformirter Kunſt - Staͤbler / aber auch gemainiglich auff ſolchen freymuͤthi - gen Klang folgt etwas Vbels. Jener nachdem ihm die ſeinige mit tauſenterley Schmach-Woͤrter uͤberladen / vnd ein vngeſtuͤmme Lytaney ohne Pauſen geſungen / fragt endlich zu letzt / ob ſie ſich nun genug gerainiget vnd pur - girt, ja ſagts / was dann? darauff gibt er ihr eins ins Geſicht / daß auß der Naſen haͤuffig das Blut herauß ge - ſpritzt / alſo recht ſagt er / auff ein Purgier gehoͤrt ein Ader - laß: dergleichen Ohnmanier iſt zwar bey den Maͤnnern nit lobens werth / dann ſie ſolten in etwas ein Mitleyden tragen mit den Weibs-Bildern / welche ſchwaͤcherer Ge - muͤts vnd gebrechlicher Natur ſeyn; auch waiß man wol /4. Reg. c. 4. daß deß Propheten Eliſæi Diener der Wittib verſtorbnen Sohn keines wegs hat koͤnnen aufferwecken mit dem Stab / wol aber der Prophet ſelbſten / als er Mund auff Mund gelegt / vnnd auff gute Manier mit dem todten Knaben vmbgangen; nit weniger ſollen die Maͤnner auch mit guter vnd glimpfflicher Manier ihren Weibern be -gegnen /37Vngluͤckſeeliger Eheſtandgegnen / dann ſie alſo mit glater vnd freundlicher Ermah - nung mehrer Nutzen ſchaffen / als mit harten Straichen vnd Pruͤglen / wormit man oͤffter mehrer Teuffel hinein ſchlagt als herauß.
Von dem Moyſes ſchreiben die alten Rabbiner et - was wunderlichs / ſo aber mehr den Schein eines Ge - dichts / als einer Geſchicht hat / wie Moyſes bey dem Koͤ - niglichen Hoff als ein Kind mit drey Jahren in Gegen - wart deß Pharao ſchertzte / iſt der Koͤnig da / vnd ſetzt dem kleinen Moyſi ſein Koͤnigliches Diadema auff den Kopff /Narciſſo de Padre falcon. cap. 6. vnd gibt ihm den guldenen Scepter in die Hand / der Kleine / habe mit trutzigen Gebaͤrden ſolches von Kopff herunder geriſſen / den Scepter auß den Haͤnden ge - worffen / vnd beede mit Fuͤſſen getretten / Holla! ſagte hieruͤber Pharao / daß hat ein Bedeutung / vnd will ſchier beſchlieſſen / das Kind zuerwuͤrgen / laſt aber deſſentwegen alle ſeine hohen Miniſter vnd geheimbe Raͤth zuſammen ruffen / damit ſie uͤber ſolches wollen reifflich berathſchla - gen / was etwann moͤchte diſer Zufahl nach ſich ziehen / auß welchen dann die mehriſten dahin genaigt / man wolle den dreyjaͤhrigen Moyſes probiren / ob nit etwann ſolches von Kindiſchen Vnverſtand habe hergeruͤhrt / vnd ihme koſtbare Kleynodien / wie auch gluͤende Kohlen laſſen vor - legen / nach wem er nun werde greiffen / koͤnne leichtlich ein Anlaß geben / zumercken / was in ihm ſtecke; Moyſes aber ſagen die Rabbiner, habe nach der gluͤenden Kohlen gegriffen / vnd mit ſolcher geſchwind ins Maul / wordurch er ſich alſo verbrennt / daß er die Zeit ſeines Lebens nicht hat recht reden koͤnnen / ſondern ſtarck mit der Zung an - geſtoſſen. Was die Rabbiner dißfals dem Moyſi zumeſ - ſen / iſt eigentlich wahr bey den boͤſen Weibern / welche mehriſt Theil nur mit dem Maul vnd mit der Zung ein - bieſſen / vnd ſich alldort zum mehriſten verbrennen; jeneE 3war38Der Elteren deß Judæ.war ein ſolche Hauß-Poſaunen / welche ihren Mann fuͤr einen Beicht-Spiegl diente / dann ſo offt er ſein Beicht wolte ſchrifftlich auffſetzen / hat er vorhero ihr allezeit ein Maultaſchen verſetzt / worauff ſie angefangen / du Hund ſo ſchlag / daß dir die Haͤnd erkrumpen / es waͤr beſſer / ſo kondt es du kein ſolche Partitiſche Schrifften mehr auffſe - tzen / als wie vorgeſtern / du Schelm ſo ſchlag wievil haſt du mehr vor dreyen Tagen Geld verſpilt? du Hallunck / ſchlagen kanſt du wol / aber am Sonntag kanſt kein heilige Meß hoͤren / du Beſti / es waͤr kein Wunder / ich lauffet darvon / hauß gleichwol du Ehebrecheriſcher Dieb mit dei - ner ſaubern Lißl / ich wills noch wol erleben / daß du an liechten Galgen kombſt / ſag Dieb? wo iſt das Geld hin - kommen / welches du diſes oder jenen Erben vnd Puppil - len abgeſtollen ꝛc. Auff ſolche Weiß konte er gantz genau ſein Beicht zuſammen bringen; ich bekenn es mit meinen Gewiſſen / daß ich zu Wienn ſelbſten zu einem ſolchen Spil gerathen / Beede / Gott troͤſte ſie / haben zur Peſt-Zeit die Welt geſegnet / ich ſahe ſie / daß ſie auff Tiger-Arth alſo ergrimmt war / daß ſie von freyen Stuͤcken ein ſchwartz gebaitzte Rahm / worinn das Controfee ihres Manns / mit den Zaͤhnen zerbiſſen / worvon ihr das Mundſtuck et - was ſchwartz worden / vnd zugleich alſo mit den feurigen Augen geglumbſet / daß ſie einer natuͤrlichen Nacht-Eul oder Hoͤllen-Kautzen gleichte / ja ſo gar nahm ſie ein Kol - len von dem Herdt / lauffte auff den Gang hinauß / vnd mahlte einen Galgen an die Wand / mit jaͤmmerlichen Geſchray / du Dieb / du Kirchen-Dieb / du Sacriſtey - Dieb / du Kelch-Dieb / du Leuchter-Dieb / du Lampen - Dieb / du Stock-Dieb ꝛc. Ja ohne einiges Anſtoſſen in die vier vnd zwaintzig Dieb herauß geſchuͤtt / ich nahme bey ſolchen vngeſtuͤmmen Wetter den Weeg nach Hauß / wie aber die von ſolcher Poſaunen zuſammen geloffene Leuthwahr39Vngluͤckſeeliger Eheſtandwahr genommen / daß ich allda geweſt / alſo haben ſie von freyen Stucken geargwohnet / es muͤſte diſer ein Kirchen - Dieb ſeyn / vnd ſeye ich alldort geweſt / das Entfrembde wider zubegehren / hat wenig gefaͤhlt / daß der gerechtiſte Herꝛ nit in groſſes Elend gerathen.
O HErꝛ Gott! lieber mit bloſſen Fuͤſſen nacher Com - poſtell rutſchen / lieber bey lauter Enzian in die Koſt ge - hen / lieber alle Tag zweymal das hoͤltzene Kitzlen leyden bey den Tuͤrcken / lieber in Gottes Namen die Haͤnd auff ewig den Galleeren opffern / als bey einer ſolchen Schlan - gen wohnen: der Koͤnig Salomon ſagt: Ein zancki -Prov. 19. ſches Weib ſeye wie ein immer durchtrieffen - des Tach. Bey einen ſolchen gibt nichts als lauter Tropffen / vnd was dann anderſt bey einen boͤſen zancki - ſchen Weib? iſt nit der Mann ein armer Tropff / der ſolchen Hauß-Clarin ſtets hoͤren muß? ſeynd nit die Dienſtbotten arme Tropffen? die ſo vil bey einem ſol - chen Haußrummel muͤſſen außſtehen? ſeynd nit die Kin - der arme Tropffen / welche ein ſo bittere Mutter be - kommen?
Es iſt jenem gar nit vor uͤbel zuhalten / der eben der - gleichen Fegfeur in dem Hauß hatte / vnd als diſe in lang - wuͤriger Kranckheit eines in ſo groſſe vnd lange Ohnmacht gefallen / daß ſie auch die Doctores ſelbſt fuͤr Todt gehal - ten / deſtwegen ſie in ein hoͤltzene Sarch gelegt / vnd zum Grab getragen / wie man aber mit der Leuch an ein Eck - Hauß vor bey gangen / haben die ohnbehutſame Trager angeſtoſſen / durch welches das Weib erweckt / vnnd von freyen Stucken mit maͤnniglicher Verwunderung ange - fangen zu leben / vnd nach Jahr vnd Tag erſt geſtorben / vnd als man damahlen die nothwendige Anſtalt machte zur Begraͤbnuß / auch vnder andern die Todten-Tragerins40Der Eltern deß Judæ.ins Hauß kommen / ſo ruffte ſie der Mann auff die Sei - ten / ſprechend ich bitte euch vmb Gottes Willen / ſtoſ - ſet halt nit mehr an / ich will deſſenthalben ſchon ein - ſtellen.
Vor Zeiten bey den Roͤmern hat man pflegen dem Braͤutigam zu zuſchreyen / ſis Cajus, ſeye du Cajus, der Braut deſtgleichen / ſis Caja, ſeye du Caja, jetzt iſt zwar der Brauch abkommen / aber Cajus vnd Caja regieren dannoch noch / dann es iſt das ewige Cajen im Hauß / wo iſt groͤſſere Keyerey als bey einem boͤſen Weib?
In dem Koͤnigreich Boͤhmen iſt ein Jungfrau geweſt mit Namen Domka, welche auff ein Viertl Stund weit hat koͤnnen ein gemaͤſte Kuhe tragen auff ihren Achſeln / laß mir das[e]in ſtarckes Weib ſeyn; aber ein manche arme Haut vnd Ehe-Weib muß noch mehrer tragen vnd uͤber -Gen. c. 2. tragen / abſonderlich wann ſie ein gifftigen vnd zornigen Mann hat. Die H. Schrifft ſagt / GOtt der HErꝛ bilde den Menſchen von Staub der Erden / vnd diß war der Adam, vnd Gott der HErꝛ bauete auß der Rippen / die er von Adam genohmen / ein Weib / iſt demnach Adam gebildet worden / vnd die Eva gebauet / nennt alſo GOtt ſelbſt / das Weib ein Gebaͤu: gleichwie nun ein Gebaͤu vil Regen / Wind / Hagl / Donner / Schauer / Schnee ꝛc. leyden muß / alſo auch nit weniger ein Weib vil außſte - hen / forderiſt wann ſie einen Schlegl-Leuter zu einem Mann bekombt; der gecroͤnte Harpffeniſt David ver - gleicht ein Weib einem Weinſtock an der Mauer deß Hauß / nun iſt es allwiſſentlich / daß dergleichen Wein - ſtoͤck gemeiniglich vmb Schutzwillen wegen der boͤſen Bu - ben mit Doͤrner vnd Dorn-Stauden vmbfangen ſeyn / alſo iſt auch ein Weib von den Doͤrnern der Truͤbſahl ſel - ten frey / vnd gleichwie kein Roſen ohne Doͤrner / alſo ſelten auch ein Roſina ohne Doͤrner der Muͤheſeeligkeit. Es41Vngluͤckſeeliger EheſtandEs hat Samſon vnder Weegs ein ſolche Courachse ge - zaigt / daß ſich hoͤchſt daruͤber zuverwundern / in deme er einen wilden Loͤwen angetroffen / vnd denſelben gluͤcklich erwuͤrget hat / in der Ruckkehr fande er den todten Loͤwen noch / vnd vermerckt zugleich in deſſen todten Rachen ei - nen Hoͤnig-Fladen / nach welchen er nit allein die FingerJudie. 14. geſchleckt / ſondern auch darvon ein zimbliche Portion ſei - ner Liebſten Dalilæ nach Hauß getragen; wo find man jetzo ſolche Maͤnner / die ſich alſo manierlich gegen ihren Weibern zeigen / daß wol / an ſtatt Hoͤnigs tragen ſie offt bitrere Gall nach Hauß / vnnd weiſen einen ſolchen ohn - maͤſſigen Zorn / daß kein Wunder / wann nachmal hier - uͤber deß Weibs ſonſt veſte Gedult wurmſtichig wird.
Es hat GOtt der HErꝛ vnder andern dem Hebræi - ſchen Volck diſes Gebort geben / daß alles / was Maͤnnli - ches Geſchlecht / ſoll dreymal im Jahr nacher Jeruſalem gehen / vnd alldar in dem Tempel Gottes erſcheinen / war -Exod. 34. umb daß Gott nicht ebenmaͤſſig den Weibern anbefoh - len / daß ſie diſe Kirchfahrt ſollen verrichten? etliche Leh - rer ſeynd der Auſſag / als habe der Allmaͤchtige Gott deſ - ſenthalben keinen Befehl an die Weiber laſſen ergehen / weil er wol wuſte / daß das Weibliche Geſchlecht ohne daß der Andacht ergeben / vnnd alſo freymuͤthig nach dem Tempel wurden kommen / die Maͤnner aber / welche gar offt ein ſo guten Magen haben / daß ſie ein gantz Monath ohne Gebert koͤnnen leben / haben deß ſcharpffen Decrets vonnoͤthen gehabt: andere glauben / es habe Gott nit wol - len / daß die Weiber ſollen nacher Jeruſalem raiſen / ſon - dern vilmehr zu Hauß bleiben / dann diſem Geſchlecht nichts beſſer anſtaͤndig / als die Einſambkeit / deſſentwegen die Weiber an dem Zunahmen allezeit ein In tragen / Bettlerin / Baͤuerin / Burgerin / Doctorin / Graͤfin /FFuͤr -42Der Eltern deß Judæ.Fuͤrſtin / ꝛc. zuzeigen / daß ſie in das Hauß gehoͤren; auch tragen ſie gleichfoͤrmig den Titul Frauenzimmer / wor - durch ſattſam erwiſen wird / daß ſie auff Schnecken Art ſollen zu Hauß bleiben: widrigen fals muͤſſe man den Namẽ aͤndern / vn̄ an ſtat Frauen-Zimmer / Frauen GaſſenOleaſt. ſetzen / vor allen aber dunckt mich / daß derenthalben der guͤtigiſte Gott nit habe diß Gebott denen Weibern gege - ben / weil Gott ſahe / daß der Weeg nacher Jeruſalem ſehr weit / vnd alſo ſolche Raiß fuͤr die ſchwache Weibs - Bilder etwas zu ſchwaͤr wurde fallen / darumben mit ih - nen diſpenſiret auß Mitleyden; vnd wolte hiermit der Allmaͤchtige Gott ein Ermahnung geben / wie man ein Mitleyden tragen ſolte mit den Weibern / ihnen in vilen Sachen etwas uͤberſehen. Dem aber folgen vil Maͤnner nit nach / ſondern tractiren ihre Ehe-Gatten auff Dio - cletianiſche Manier / gedencken nit / daß Joſeph in der Flucht nacher Egypten ſeye zu Fuß gangen / ſein Liebſte Geſpons aber Mariam auff dem Eſel reitten laſſen / zuzei - gen / daß man mit den Weibern ſoll glimpfflich vmbge -Luc. 13. hen / aber bey manchen verwirꝛten Kopff hafftet ſolche Ermahnung wenig / vnd ſagt zwar das Evangelium / ein Weib ſoll mit dem Sauerteig vmbgehen / mancher ar - mer Troͤpffin gehet es ſo ſauer gnug / vnd hat bey ihr das Jahr nit mehr als drey hundert fuͤnff vnd ſechtzig ſauere Taͤg.
Wie Gott der HErꝛ wolte den Job ſtellen zu einem Exempel vnd Exemplar / zu einem Form vnd Formular aller Sanfftmuth vnd Gedult / hat er den boͤſem Feind als einem Sucher vnd Verſucher der Menſchen zu ſich ge - ruffen / ihn folgends angeredt / waiſt du was? Meiney - diger Engel / ich hab einen Menſchen auff Erden / der heiſt Job / vnd verdient ein groß Lob / den wirſt du auff keinWeiß43Ungluͤckſeeliger EheſtandWeiß in die wenigſte Vngedult ziehen / probiers / nimme ihm Kinder vnd Rinder / nimb ihm Hauß vnd Schmauß / nimb ihm Geld vnd Zelt / nimb ihm Gut vnd Blut / nimbJob. c. 2. v. 6. ihm Thron vnd Reputation, wirſt dannoch nichts rich - ten / nimb ihm alles / außgenommen ſein Seel laß mit Ruhe. Cloſſa ſagt / daß Gott durch die Seel nit verſtan - den habe / die Seel im Leib / dann ſelbige der boͤſe Feind hat verſucht vnd attaquirt / ſondern vnder dem Namen Seel hab er deß Jobs Frau verſtanden / dahero geſchehen / daß der boͤſe Feind dem Job alles vnd alles hinweg geraufft / außgenohmen ſein Weib / der hat er den geringeſten Schaden nit zugefuͤgt / da ſcheinet es handgreifflich / daß vil Maͤnner aͤrger ſeynd als der Teuffel / zumahlen diſer Gottes Befehl in dem Fahl nachkommen / dem Weib ver - ſchont / aber die Maͤnner haben ein ernſthafftes Gebott / ſie ſollen ihre Weiber lieben / wie Chriſtus die Kirchen / ſollen ihnen nichts layds thun / vnd dannoch folgen ſie dem wenig nach / zeigen ſich ſchlimmer / als der Sathan iſt.
Wie GOtt der Allmaͤchtige die Erden erſchaffen / vnd auß der Erden den Adam / auch denſelbigen geſetzt zu einem Welt-Regenten / hat er wahr genommen / daß diſer gantz allein / vnd deſtwegen ſchier etwas Melancholiſch / demnach ihme auß ſeiner Rippen ein Weib erſchaffen / welche aber bald mit ihren ohnbehutſamen vmbgaffen derGen. 3. Schlangen ein ſchaͤdliche Audientz geben / vnd hernach den Adam in ein ſolche Waͤſch gebracht / woran wir noch zu truͤcknen / gleich nach ſolcher geuͤbter Ohnthat / ſteigt der Allmaͤchtige herunder / vnnd nach gegebenen ſcharpffen Verweiß machte er diſem paar Ehe-Volck Kleyder von Schaaf-Fehlen / vnd Laͤmbl-Haͤut / der Zeiten zehlet man wenig dergleichen Eheſtand / worinn beede in Lämbl-Håut ſtecken / es geſchicht oͤffter / daß ſie zwar vnder einem ſolchen Laͤmbl-Futter ſtecket / er aber der Mann in einer Loͤwen -F 2Haut /44der Elteern deß Judæ.Haut / als der den gantzen Tag kein gutes Wort nit hoͤ - ren laſt / ſondern ſetzt in ſeinem Calender lauter Finſter - nuß / auff ſeinen Baumen wachſen nichts als Ohrfeigen / in ſeinen Haͤnden find man nichts als Schlag-Uhren / vn - der ſeinen Speiſen find man nichts als Geſtoͤſſens / auff ſeinem Herdt find man nichts als Pruͤgl / in ſeiner Karten ſeynd nichts als Baſtoni / in ſeinem A. B. C. iſt nichts als r. r. r. r. ꝛc. Es ſagt die H. Schrifft / der Mann ſeye das Haupt deß Weibs / nun weiß ich ſchon / daß der Weiber ihr mehriſte Kranckheiten nit beſtehen in Waſſerſucht / Schwindſucht / Gelbſucht ꝛc. Sondern in Haupt Wehe / das Haupt thut ihnen zum oͤffterſten weh: O was iſt es fuͤr ein Elend / ein zornigen Mann haben!
Ihr Tummbs-Hiern / ihr Wetter-Haan / ihr Ti - ger-Bruet / ihr Piffels-Arth / ihr Schlegl-Zweig / ihr Am - boß-Bruͤder / ihr Kolbenſpitzer / ihr Aeſthobler / ihr Hack -Prov. 27. ſtoͤck / ihr Loͤwens Gemuͤther / ja Ira in ſinu ſtulti requie - ſcit, ihr vnſinnige Narren / ihr furioſiſche Narren / ihr wil - de Narren / ihr tolle Narren / ihr wuͤttende Narren / ihr Werff-Narren / ihr Schlag-Narren / ihr Stoß-Narren / ihr Hau-Narren / ihr Schelt-Narren / ihr Schrey-Narren / ꝛc. was Nutzen ſchoͤpfft ihr auß euern vngezahmten Zorn.
Einer hat einmahl ein wunderſeltzamen Schuß ge - than / diſer gienge zur kuͤhlen Abends-Zeit mit keinem ande - ren Geſpann als mit der geſpannten Flincken ſpatzieren / war ein Student / bey dem ohne daß die Freyheit vnder die freyen Kuͤnſten gezehlt wird / diſer hat auff einmal ei - nen Haſen / ein Fiſch / vnd ein Vogel geſchoſſen / einer war auff der Erd / der ander in Lufft / der dritte in Waſſer / iſt alſo vil ſolche drey in einem Schuß zutreffen / es hat ſich aber alſo zugetragen / da er neben dem Waſſer gangen / er - ſihet er vngefehr auff dem andern Gſtatt jenſeits deß Waſ - ſers einen Haaſen ligen / nach welchem er ohn Verzug ge -zihlt45Ungluͤckſeeliger Eheſtandzihlt vnd geſchoſſen / vnder waͤhrendem Schuß aber iſt ein Fiſch im Waſſer auffgeſprungen / den hat er zugleich ge - troffen / vnd gleich damahlen iſt ein Schwalm auff dem Waſſer geflodert / die hat er auch getroffen / vnd forderiſt jenſeits deß Teichs hat er den Haaſen erlegt / alſo wunder - lich auff einmal drey getroffen / ꝛc. Einem Zornigen be - gegnet diß wol oͤffter / aber gereicht ihm ſolches zu keinem Gluͤck / daß er drey auff einmal trifft / dann erſtlich mit ſeinem ohnbaͤndigen Zorn trifft er GOtt / vnd belaydiget den Allerhoͤchſten / er trifft den Naͤchſten / an welchem er den Zorn außgieſſet / er trifft ſich ſelbſt / weil er ihm hier - durch ſelbſt an Leib vnd Seel den groͤſten Schaden zufuͤ - get / iſt alſo der Zorn gleichſam ein Lantzen mit drey Spi - tzen / wormit der Abſalon ermordt worden.
Erſtlich trifft ein Zorniger ſeinen Gott / als der in ſei -Matth. 11. ner Schul kein andere Lection hat auffgeben / als diſcite à me, quia mitis ſum & humilis corde: Lehrnet von mir / der ich ſanfftmuͤthig vnd demuͤthig bin.
Es iſt die gebenedeyte Jungfrau Maria deſſentwe - gen mit dem gerechten Joſeph vermaͤhlet worden / damit ſie an ihren ehrlichen Nahmen den wenigſten Schaden nit leyde / dann ſo fern ſie ein Kind gebohren haͤtte ohne Vermaͤhlung / waͤre ſie zweiffels ohne in ein boͤſes Ge - ſchrey gerathen / zumahlen ohne das der Hebræer Pfnudt - Goſchen voll waren der Gaͤchwoͤrter / Rachwoͤrter / Schmachwoͤrter / der Urſachen halber hat GOtt ihr zu - geſellet ein reiniſten Geſponß / damit ſelbiger ſolle ſein ein Deck-Mantel ihrer Jungfraͤulichen Ehren / wie nun ſol - che durch Uberſchattung deß H. Geiſts empfangen / vnd bereits ihr reiniſter Leib zu wachſen ſcheinte / vnd ſolches der Joſeph wahrgenommen / dem dazumahl die Geiſtliche Gehaimnuſſen noch verborgen / hat er ſich dannoch in we -F 3nigſten46Der Eltern deß Judæ.nigſten daruͤber nit erzuͤrnet / da doch ein anderer in ſol - chen Fall in ohnglaubigen Zorn waͤre gerathen / ſondern er hat bey ſich ſelbſten beſchloſſen / diſe ſchwangere Ge -Matth. 1. ſponß in der Gehaime vnnd Stille von ſich zu ſchicken / voluit occultè dimittere eam, daß aber diſer gerechtiſte Joſeph von der geringſten Ohngedult nicht iſt angriffen worden / ruͤhret dahero / ſpricht der H. Joannes Chryſoſt.Joann. Chryſ. Hom. 4. in Matth. weil nemblich der Athem Mariæ der reiniſten Jung - frauen ihn zum oͤfftern anhauchte / welcher Athem von dem Lamb Gottes / ſo in ihrem vnbefleckten Leib verſchloſ - ſen war / alle Sanfftmuth / wie ein Schwamm das Waſ - ſer an ſich gezogen / deſſentwegen am Stammen deß Creu - tzes Gall zu trincken ſich gewaigert / & cum guſtâſſet, noluit bibere, dann er nit wolte zulaſſen / daß einige Gall oder Bitterkeit ſoll in ihm ſeyn / ſondern er begehrte den Nahm zu behalten eines ſuͤſſeſten JEſu; treffen dahero vnd belaydigen GOtt alle die jenige / welche voller GallExod. 7. ſtecken / welche vor Zorn gleich Blutroth werden / wie die Waͤſſer in Egypten von dem geringſten Straich deßDaniel. 2. Aaronis Ruthen; es belaydigen GOtt alle die jenige / welche ſeynd wie die Statua deß Koͤnigs Nabuchodono -Gen. 40. ſor, ſo von dem kleineſten Stainl zu trimmern gangen; es belaydigen GOtt alle die jenige / welche ſeynd wie der Pharao in Egypten / der ſeinen Mund Becken wegen ei - nes einigen Sand-Koͤrnl / ſo er in Brodt gefunden / hat laſſen auffhencken; es belaydigen GOtt alle die jenige / ſo da ſeynd wie das gluͤende Eyſen / welches von dem ge - ringeſten Tropffen Waſſer zupfupfetzen pflegt; es belay - digen Gott alle die jenige / welche ſeynd wie die Juden - Kerſchen / welche / da man ſie nur anruͤhret / bitter wer - den; es belaydigen Gott alle die jenige / welche ſeynd wie ein geladene Buͤchſen / ſo man ſelbige nur antaſtet vnd kuͤtz - let / gleich loß gehet vnd Feur gibt; es belaydigen GOttalle47Vngluͤckſeeliger Eheſtandalle die jenige / welche ſeynd wie ein Spiegl / wann man ſelbige nur ein wenig anhauchet / ſo macht er gleich ein fin - ſters Geſicht; es belaydigen Gott all die jenige / welche ſeynd wie ein Orgl / die man kaum darff ein wenig tupf - fen / ſo ſchreyts gleich; es belaydigen Gott all die jenige / welche ſeynd wie ein Fluͤß-Pappier / wan man mit der Feder auff daſſelbe nur ein kleines Tuͤpffel macht / ſo brait es ſich weiß nit wie auß; es belaydigen Gott all die jenige / welche ſeynd wie ein Schlag-Vhr / ſo man in derſelben nur ein kleines Zaͤpffel auffhebt / ſo fangen alle Raͤder an zu - lauffen vnd raffeln. Es belaydigen GOtt alle die jenige / welche da ſeynd wie die Gockel-Haanen / ſo diſe nur ein ei - niges Haber-Koͤrnl in Miſt finden / ſo fangen ſie an zu - ſchreyen / daß es das gantze Gefluͤglwerch hoͤret.
Bekannt iſt jene Geſchicht zu Antwerpen / allwo ein Kauffmann geweſt / der wegen ſeines haͤuffigen Guts nit wenig ſtoltzierte / dann gemainiglich auff vil einnehmen / folgt uͤbernehmen / vnd auff vil uͤbernehmen kombt das Ab - nehmen / vnd tragt das vermehrte Geld gar offt kein ge - wiſſere Laſchi als Stoltzheit; diſer auffgeblaſſene Han - dels-Mann begehrte eineſt von einem beruͤhmten Mahler / er wolle ihn vermoͤg ſeines bekannten Pembſel abmahlen / es ſoll das gleichende Controfee nach Wunſch bezahlt werden / der Mahler ſparte auff ſolche gegebene Verhaiſ - ſung weder Kunſt noch Arbeit / ſondern fuͤhrte die Abbil - dung alſo koͤſtlich vnd kuͤnſtlich / als waͤr es mit dem Ori - ginal ein Bluts-Verwandter Zwilling / vnnd begunten ſchier die todten Farben dem Bild ein Leben anſtreichen / wo nit einſtreichen; alſo zwar / daß mancher darvor ver - weilte mit ohnbeſonnenen Gedancken / es wurde reden / nach dem es dann der Mahler alſo verfertiget / vnd auff ge - gebene Parolla die dreyſſig Thaller begehrte / ſchuͤtlet der Kauffmann hieruͤber den Kopff / vnnd waigert auff alleWeiß48Der Eltern deß Judæ.Weiß / kaum die helfft diſes Preyß zuzahlen / geht nach Hauß / vnd laſſet dem Mahler das Bild / diſer Mahler aber ein ſchlauher Geſell begehrt die Schmach zu rechnen / ſetzt ſich derohalben nider / vnnd ſteckt mit geſchwinden Pembſel gedachtes Controfee in ein groſſe / groſſe gefuͤt - terte vnd mit Schellen wol beſpickte Narren-Kappen / hengt es alsdann neben andern Bildern zum Gewoͤlb her - auß / ſolches / weil es allen erkandtlich / lockte herzu ein Maͤnge der Leut / die dann ein ohngeſtuͤmmes Gelaͤchter erhebten / vnd ſagte einer / wie lang es ſey / daß ſich diſer in die Rarren-Zech habe einverleibt: der andere verwundert ſich / daß der Kauffmann ſein Kopff mit Narren-Geleut ver - ſehen / wie die Schleſinger vnd Ober-Steyriſche Fuhr - leut ihre Pferdt / der dritte ſagte Spottweiß / es muͤſſe der Herꝛ ſein Kopff einmal an das Narren-Haͤußl geſtoſ - ſen haben / daß ihm ſolche Tippel auffgefahren / ſolches Geſchrey wachſte der Geſtalten / daß es auch dem Kauff - mann durch vertraute Leut zu Ohren kommen / welcher alſobald dem Mahler zugeeilt / nach Begehren das Geld erlegt / aber er koͤnte diſe Schmach vnnd Spott in kein Vergeſſenheit ſtellen / weil ihm ſein eigene Bildnuß alſo beſchimpfft worden.
Waiſt du nun Menſch / wer du biſt? wann es dir vnnd deiner ſchlipfferigen Gedaͤchtnuß entfallen / ſo be - ſchaue das erſte Blat der H. Schrifft / allwo dir vndanck - baren Geſchoͤpff die Erſchaffung der Welt / wie auch die eigentliche Beſchreibung deines erſten Stammen-Hauß wird vor Augen kommen / vnd dir fein weiſen / dirs ver - weiſen / vnd dich vnderweiſen / wie daß dich der guͤtigiſte GOtt / vermoͤg ſeiner Allmacht / erſchaffen habe zu ſeinem Eben-Bild / du biſt demnach mein Menſch ein warhaff - tes Contrafee Gottes / an deme weder Kunſt noch Gunſt geſparret / du biſt ein edles vnd ſchoͤnes Bild / du haſt ei -nen49Vngluͤckſeeliger Eheſtandnen Willen vnd der iſt frey / du haſt ein Gedaͤchtnuß / vnd die iſt merckſamb / du haſt einen Verſtand / vnd der iſt er - leucht / du haſt ein Seel / vnd die iſt vnſterblich / du lebeſt mit den Thieren / du wachſeſt mit den Baumen / du ver - ſteheſt mit den Engeln / du trutzeſt mit allen Geſchoͤpff / Sonn vnd Monn ſeynd weniger als du / Golt vnd Sil - ber ſeynd weniger als du / Himmel vnd Erd ſeynd weni - ger als du; du haſt etwas vom Feuer / du haſt etwas vom Lufft / du haſt etwas vom Waſſer / du haſt etwas von der Erden / du haſt etwas von den Thieren / du haſt etwas von den Englen / du haſt etwas von GOtt / du biſt ein Innhalt aller Geſchoͤpff / du biſt ein Maiſter-Stuck der Goͤttlichen Handen / du erkenneſt das Gute / vnd vnder - ſchaideſt das Boͤſe / du verwirffeſt das ſchlechte / vnnd vmbfangeſt das gerechte / du denckeſt an das vergange - ne / du erwoͤgeſt das gegenwertige / du betrachteſt das kuͤnfftige / ꝛc. du mit einem Wort Menſch / biſt das ſchoͤnſte vnd edleſte Eben-Bild vnd Contrafee Gottes / vnd ſchameſt dich nit? du dich nit? diſem anſehlichen E - ben-Bild ein ſpoͤttliche Narren-Kappen auffzuſetzen / wel - ches da geſchicht durch den Zorn. Dann ſolcher den Men - ſchen Verſtandloß machet / vnd von freyen Stucken der Narren-Schaar zugeſellet / ſchaue du nur wie der Zorni - ge außſihet! er funcklet mit den Augen / daß er kondt dar - mit ein Stroh-Tach anzuͤnden / er wacklet mit dem Kopff / als haͤt er die Fraiß im Hirn / er faimbt mit dem Maul / wie ein Maͤſt-Schwein / er blecket die Zaͤhn / wie ein Ketten - Hund / er kuͤrret mit der Stimm wie ein verdorbener Diſcantiſt / er wuͤtt mit den Haͤnden wie ein toller Marx - Bruder / es ſtehen ihm die Haar / wie ein Storchen-Neſt auff ein Thurn / er reiſt ſein Maul auff / wie der Fiſch gegen dem Tobias / er zaigt ein Geſicht / als waͤre er beym Teuffel ins Bad gangen / er tobt wie ein Panther-Thier /Gvnd50Der Eltern deß Judæ.vnd ſihet mit einem Wort auß / als wie ein vnſinniger Narꝛ / haiſt daß nicht dem edleſten Eben-Bild ein ſpoͤttli - che Narren-Kappen auffſetzen? haift daß nit Gott belay - digen?
Zur Zeiten Petri deß Apoſtels hat ein Hund geredt / als welchem der H. Apoſtel befohlen / er ſolle den Simon Magum zu ſich ruffen / welchem Befehl der Hund alſobald Gehorſam gelaiſt / in das Hauß hinein geloffen / vnd mitJoann. à Bohro. in Vita. Menſchlicher Stimm geſchrien / Simon du ſolſt zum Petro kommen / er verlangt mit dir zureden. Den H. Mamma hat ein bruͤllender Loͤw angeredt mit diſen Worten: Willkomm O frommer DienerBolland. tom. 2. in Cant. Gottes / du biſt ein Wohn-Platz deß H. Geiſtes. Bey der Marter deß H. Charalampij hat ein Roß geredt / vnd denen tyranniſchen Henckers-Knechten ein groſſen Vorweiß geben / vmb weilen ſie den gerechten Mann alſoTrithem. in Chron. verfolgten. Anno 1097. hat in Sachſen ein Ochs geredt / vnd mit Menſchlicher Stimm zu einem Hirten dreymalIn act. SS. MM. geſagt / gehe hin die Chriſten werden Jeruſalem erobern. Bey der Begraͤbnuß Coſmæ vnd DamianiFerrar. in Cathalog. SS 29. Janu. hat ein Cammel geredt / vnd vmbſtaͤndig gezeigt / wohin die H. Leiber ſollen gelegt werden. Den H. Julianum, da er noch ein muthwilliger Welt-Menſch war / hat ein Hirſch angeredt / vnnd ihme mit Menſchlicher Stimm kuͤnfftige Begebenheit angedeut. Den H. SeverinumBolland. in act. hat ein Laͤmbl angeredt / vnd ſich beklagt / daß ers nit mit ſich uͤber das Waſſer nimbt. Den H. Macarium hatIn vita PP. ein Drach angeredt. Zur Zeiten aber deß Propheten Ba - laam hat ein Eſelin geredet / vnd iſt ſich gleichwol nit ſo faſt uͤber die Eſelin / als uͤber den Propheten zuverwundern. Balac der Moabiter Koͤnig ſchickt nach dem Propheten Balaam einige Geſandten / mit verſprechen einer zimblichenSum -51Vngluͤckſeeliger EheſtandSumma Gelds / er wolle doch kommen / vnnd uͤber das Volck Iſrael einen Fluch faͤhlen / Geld richt nun alles in der Welt. Der Balaam ſattlet die Eſelin / vnd reittet al ſo auff diſem langohrigen Poſt-Klepper darvon / kombt in einen engen Weeg / allwo die Eſelin auff kein Weiß wolte weiter gehen / der Prophet wird etwas vngedultigs / vnd ſchlagt ſie / ohngeacht auch diſes / wolte ſie nit fortge - hen / auß Vrſachen weil ſie einen Engel ſahe mit bloſſen Schwerdt / der ihr den Paß verſtelte / ſchlagt demnach das andertemal / vnd verdopplet die Puͤff / endlich falt die arme Troͤpffin gar zu Boden / wordurch ſie etwann dem guten Balaam die Knieſcheiben an ein Kißl-Stein geriben / auff ſolches wurde er alſo zornig / daß ers zum drittenmal der - maſſen geſchlagen / daß ihr die Haut geſtaubt / worauff diß Thier mit Gottes Behuͤlff angefangen mit Menſchli -Num. 22. cap. cher Stimm zureden: Warumb ſchlagſt du mich zum drittenmal? Auff ſolches Wunder haͤtte der Prophet ſollen gleichſamb am gantzen Leib erſtarren / haͤtt ſollen an Haͤnden vnnd Fuͤſſen zitteren / haͤtt ſol - len die Haͤnd gehn Himmel heben / vnnd ſprechen: O GOtt / O GOtt was iſt diß! das iſt ein Werck deß Allerhoͤchſten / oder deß boͤſen Feinds Anſchlag / wann mich ſolt ein Eſelin / oder Kuhe auff der Gaſſen an - reden / ich fiele vor Schroͤcken in ein Ohnmacht / oder ich erbleichte / als wann ich waͤr von weiſſen Wachs poſſterd / oder ich lauffte weiter / als jemand durch ein Klaffterlan - ges Perſpectiv ſehen kan / ein Eſelin redet? vmb Gottes Willen / was iſt das fuͤr ein Meer-Wunder! ohngeacht aber alles diſes / erſchrickt der Prophet nit / ſondern gibt der Eſelin noch Antwort auff ihr warumb / darumb:Paoleti. Dom. 3. Advent. darumb ſchlag ich dich / weil du es verdient haſt / vnd haſt deinen Spott mit mir getriben /G 2wolte52der Elteren deß Judæ.wolte Gott ich haͤtte ein Schwerdt / ich wolte dich gar erwuͤrgẽ. Darauff die Eſelin noch weiter mit der Klag fortgefahren / bin ich dann nit dein Thier / darauff du auff den heutigen Tag geritten? ſag an / hab ich dir einmal deßgleichen gethan? nie - mahlen ſagt er / ꝛc. Fuͤhrte alſo diſer Prophet ein gan - tzen Zanck mit der Eſelin / die ihme auff alles geantwort / vnd hat ſich dannoch er daruͤber nit entruͤſt / welches hoͤchſt zuverwundern / es war aber die Vrſach / weil er alſo zor - nig / daß er nicht recht bey Verſtand war / er hat vor Zorn nit gewuſt / was er thut / er war halt damahlen ein vn - ſinniger Narꝛ / vnd da ſihet man augenſcheinlich / daß der Zorn einen ins Narren-Quartier loſſierer / vnd der Menſch - lichen Vernunfft beraubet / pfui! haiſt daß nit Gott be - laydigen / vnd ſein ſchoͤneſtes Controfee auff ſolche Weiß ſpoͤttlich beſchimpffen? das Meer iſt zwar allezeit bitter / vnd alſo macht es gar ſelten ein ſuͤſſes Geſicht / doch aber / ſo es recht erzuͤrnet iſt / zeigt es ſich faſt vnſinnig / dann wann die Sonn / diſer Fuͤrſt der Geſtirn / ſich hinder ein ſchwartzen Vorhang der Wolcken verhuͤllet / wann Nord - Wind / Oſt-Wind / Weſt-Wind vnd Sud-Wind mit vollen Backen anfangen zublaſen / wann das helle Mit - tag-Liecht mit einem traurigen Klag-Mantel wird uͤber - zogen / da fangen die Wellen deß Meers ſich alſo auffzu - baumen / als wolten ſie gegen den Wolcken ein Duell fuͤhren / da fangt diſes naſſe Element ein ſolchen fcurigen Zorn zuzeigen / daß man ein augenſcheinliche Vigil deß Todts vor Augen ſihet / dazumahlen iſt nichts anderſt zu - hoͤren / als ein erbaͤrmliches Geroͤß der wuͤttenden Wel - len / da iſt nichts anderſt zu ſehen / als ein Modell vnd Ab - riß deß Juͤngſten Tags / man hoͤret / ſihet vnd empfindet nichts anderſt / als ein erſchroͤckliches braſſeln vnnd raſ -ſeln /53Vngluͤckſeeliger Eheſtandſeln / ſauſen vnd brauſen / ſchlagen vnd plagen / brummen vnd ſummen / reiben vnd treiben / zwingen vnd tringen ꝛc. Vnd was mehr dißfals in Acht zunehmen / iſt / daß / wann das Meer zornig iſt / ſo wirfft es allen Vnflat von ſich an das Geſtatt hinauß / allerley ſtinckendes Aaß / vnd Ohn - ſauberkeit / daß es einem den Magen auff Speyr einladet. Fætida vomit.
Ein Zorniger iſt dem Meer dißfals nit ohngleich / dann / ſo man ihn auff die geringeſte Weiß belaydiget / zum Exempel: die Koͤchin verbrennt den Brein / der Diener zertrimmert das Glaß / die Kinder ſingen ein uͤblen Trip - pel / die Frau redet ihm ein / er wolle doch den Leuten nit alſo leichtglaubig trauen / vnd all das ſeinige auff die ver - lohrne Wacht legen ꝛc. Da fangt er nit anderſt an / als wie das Meer zuwuͤtten / wuͤtten vnd toben / toben vnd ſchreyen / ſchreyen vnd kolleren / kolleren vnd raaſen / als haͤtten ihm die Ohren-Huͤller in das Hirn eingebrochen / als haͤtt er ein Tigerthier fuͤr ein Saug-Ammel gehabt / als haͤtt er in einem Faß den Berg herab ein oͤffteren kehrumb gemacht / gantz ohnſinnig / vnd was das Gottloſiſte iſt ſo wirfft er nit ohngleich dem Meer allerley Ohnflat herauß / allerley Schmach-Woͤrtern / allerley Schelt-Woͤrter / allerley Laſter-Woͤrter / allerley Fluch-Woͤrter / allerley Stich-Woͤrter / allerley Schimpff-Woͤrter / allerley Spott-Woͤrter / ja er haſplet gantze Legionen Teuffel auß dem Maul / als haͤtte ihms ein hoͤlliſche Furien hin - ein geſponnen / fætida vomit, vnd haiſt daß nicht GOtt treffen / vnd Gott belaydigen?
Jener Edlmann auß Schleſien hat es erfahren / wieStengel. tom. 3. der Zorn ohnſinnige Narren macht / da er einsmals auß Zorn / weil ihm kein Gaſt zum Panquet erſchinen / die Teuffel in der Hoͤll zu Gaſt geladen / welche dann ohnver - zuͤglich erſchinen / das Hauß alſo eingenommen / daß esG 3noch54Der Elteren deß Judæ.noch heutiges Tags wegen ſolcher Geſpenſten ohnbewohn - lich / vnd hat ſich mit harter Muͤhe der Edlmann ſambt den ſeinigen reterirt.
Jener Herodes hat es erfahren / daß der Zorn ohn - ſinnige Narren außbruͤtet / in dem er einen ſtarcken Zorn gefaſt uͤber die drey Koͤnigen / nachmals ſolchen außgelaſ - ſen an den vnſchuldigen Kindern / worunder auch ſein ei - genes Soͤhnlein / dahero der jenige nit ohnweißlich geredt / der da lieber wolte ſeyn deß Herodis Sau als Sohn.
Jener Matthias Corvinus Koͤnig in Hungarn hat es erfahren / daß der Zorn ohnſinnige Narren machet / in dem er wegen Abgang der Feigen ſich alſo erzuͤrnt / daß er das Taͤller mit Zaͤhnen zerbiſſen / vnd daruͤber von Gwalt Gottes getroffen worden.
Jener Spiller zu Bononien hat es erfahren / daß der Zorn vnſinnige Narren ſchnuͤtzlet / als ſolcher ein ſtaͤtes Vngluͤck in Spillen geſpuͤrt / hat er ſich alſo erzuͤrnt / daß er im Grimmen ein Stein ergriffen / denſelben Gottslaͤ - ſterlich an ein Bildnuß der Mutter Gottes geworffen / von welchem Wurff das haͤfftige Blut herauß gefloſſen.
Jener Xerxes hat es erfahren / daß der Zorn ohnſin - nige Narren zuͤglet / in dem er ſich uͤber das Meer alſo er - zuͤrnt / vmb weil er kein Brucken konte ſchlagen / daß er von freyen Stucken das Meer mit Ruthenſtraichen / vnd etliche Fuß-Eiſen in ſelbiges werffen / vnnd dreyhundert Maultaſchen verſetzen laſſen. O Narr!
Jener Cajus Caligula hat es erfahren / daß der Zorn ohnſinnige Narren machet / in dem diſer Kayſer Vorha - bens ware auff einen beſtimbten Tag dem geſambten Volck mit abſonderlichen Pomp ein Schau-Spil zuhalten / daß aber denſelbigen Tag lauter Regen vnnd Vngewitter war / iſt er alſo erzuͤrnt worden / daß er gantz grißgrim - mig gegen Himmel geſchaut / vnd mit frecher Stimm denGott55Vngluͤckſeeliger EheſtandGott Jupiter zu einem Duell herauß gefordert / du Gott; ſagte er / biſt ein redlicher Kerl / ſo woͤhre dich meiner / ja wurde alſo ohnſinnig / daß er allen ſeinen Soldaten anbe - fohlen / ſie ſollen vnverzuͤglich die Pfeil gegen dem mißguͤn - ſtigen Himmel abſchieſſen / welches dann auch geſchehen / vnd haben alle die jenige / deren ein zimbliche Anzahl / wel - chen die herab fallende Pfeil blutige Koͤpff gemacht / er - kennet / daß ihr Kayſer geſchoſſen ſeye.
Jener Cavalier bey Rudolpho dem Anderten hat esEnglgrav. erfahren / daß deß Zorns Vnderthanen ohnſinnige Narren ſeyn / als ſolcher Ambt halber dem Kayſer Morgen fruhe das Waſſer brachte zum waſchen / ihme aber der Teckel von dem Cryſtallinen Glaß vngefehr entfallen / hat er ſich der Geſtalten erzuͤrnt / daß er auch das Glaß mit Fury zur Erden geworffen / ſprechend / hat der Teuffel den Sat - tel / ſo nehm er auch das Roß / welches Cryſtallene Ge - ſchirꝛ auff 400. Reichsthaller geſchaͤtz worden.
Jener hat es erfahren / daß der Zorn vnſinnige Nar - ren gebaͤhret / als er in ſeinem Garten auff einen Baum geſtigen / in willens etliche Fruͤchten herab zu ſchuͤttlen / da er aber faſt nichts darauff gefunden / hat er ſich alſo er - zuͤrnet / daß er uͤberlaut geſchryen / du verfluchter Baum wilſt keine Aepffel tragen / ſo trag Schelm vnd Dieb / er war dazumahlen ſelber darauff.
Jener hat es erfahren / daß der Zorn nichts als ohn - ſinnige Narren bringet / als er wegen eines eintzigen Schimpff-Worts / ſo ſeiner Ehr ſchaͤdlich ſcheinte / ſich dermaſſen erzuͤrnet / daß er mit dem Kopff gewaltthaͤtig an ein Thuͤr gerennt / vnd weil dieſelbige ohne das alt vnd wurmſtichig / alſo mit dem harten Schedl ſie leicht durch - brochen / in dem er aber wegen der ſchaͤdlichen Schifer den Kopff nit mehr kunte zuruck ziehen vnd biß zur Ankunfft deß Barbierers in diſem Narren-Arreſt verweilen muſte /hat56Der Eltern deß Judæ.hat er endlich ſelbſt / ob zwar voll der Schmertzen / ſich deß Lachens nit enthalten koͤnnen / in Erachtung / daß ihme ſein naͤrriſcher Zorn einen ſolchen hiltzenen Kragen ange - legt / der da beſſer geſtaͤrckt war / als die Kres zu Nuͤren - berg.
Jener Handelsmann zu Wienn hats erfahren / daß der Zorn vnſinnige Narren fail hat / als er wegen eines einigen Fahler / den er in der Speiß vermerckt / ſich alſo er - zuͤrnt / daß er alle Schuͤſſel vnnd Taͤller hinder die Thuͤr geworffen / da ſolches der Gewoͤlb-Bueb erſehen / ſagt er / Herꝛ! haͤtt ich das gewiſt / ſo haͤtt ich hinder der Thuͤr auffgedecket.
Jener Vatter hats erfahren zu Freyburg in Meiſ - ſen / daß der Zorn vnſinnige Narren-Schellen auffſetzet / da er ſich uͤber ſeinen halßſtaͤrrigen Sohn alſo erzuͤrnt / welcher zu ihm zu gehen ſich waigerte / daß er gewunſchen hat / du vermaledeytes Kind / ich wolt / du muͤſſeſt dein Lebenlang dort ſtehen / worauff alsbald durch Goͤttliche Zulaſſung geſchehen / daß der Sohn nit mehr konte vom Orth gehen / ſondern ſein Lebenlang dort verbleiben / wie man dann noch die vertieffte Fußſtapffen in dem hiltzenen Boden alldorten zaiget.
So bleibt dann klar vnnd wahr / daß der Zorn dem Menſchen das edleſte Kleinod entziehet / welches iſt der Verſtand / vnd hefftet alſo ſpoͤttlich an das Goͤttliche E - ben-Bild die Narren-Kappen / welches ohne allen Zweif - fel den mildeſten GOtt hoͤchſt belaydiget.
Was das Feuer diſes freßgierige Element / fuͤr Scha - den der Welt habe zugefuͤgt / wird es nicht leicht ein Fe - der ſattſamb entwerffen / die Brunſt vnder dem vnmenſch - lichen Kayſer Nero zu Rom hat ſiben gantzer Tag ge -Georg. Prin. wehret. Anno 1476 iſt Franckenburg durch das Feuer alſo zugericht worden / daß kaum ein Orth uͤbergebliben /wo57Vngluͤckſeeliger Eheſtand.wo ein Schwalm konte niſten. Anno 1086. ſeynd zu Delpht tauſend zweyhundert ſchoͤneſte Haͤuſer in Aſchen gelegt worden. Anno 1407. iſt Stockholm in Schweden gantz verbrunnen / worinn auch uͤber die anderthalb tau - ſend Perſohnen gebliben. Durch das angeſteckte Feur Kayſers Friderici Barbaroſſæ iſt die ſchoͤneſte Stadt Mayland voͤllig verbrennt worden / jene ſtattliche Bru - cken / welche Kayſer Carolus Magnus ohnweit MaintzChronic. Philipp. uͤber den Rhein in zehen Jahren mit vnglaublichen Vnko - ſten kaum verfertiget / iſt innerhalb drey Stunden in Aſchen gelegen. Paſſau / Crackau / Glockau / Moſcau / Breßlau ꝛc. haben noch in der Gedaͤchtnuß / was Scha - den ſie von Feuer empfangen / aber ſo man es recht erwoͤ - get / wird man handgreifflich finden / daß durch das Feur deß Zorns weit groͤſſers Vbel ſeye verurſachet worden / zumahlen der Zorn nichts anderſt iſt / als ein Entzuͤndung deß Gebluͤts bey dem Hertzen / dahero kombt das Sprich - wort / ſo jemand gantz erzuͤrnet / es ſeye ſchon Feur im Tach / diſes Feuer hat von Anbeginn der Welt biß auff diſe gegenwertige eiſene Zeiten ſo groſſen Schaden verur - ſachet / daß es auch gantze Fluͤß der Zaͤher nit gnugſam koͤnnen beweinen: zur Zeit deß halßſtarrigen Pharaonis ſeynd durch die wunderthaͤtige Ruthen deß Aarons alle Fluͤß / alle Baͤch / alle Teucht / alle Ciſtern / alle Bruͤnn in lauter Blut verkehrt worden; wann man das Blut ſolle ſehen / welches Anno Chriſti 66. der Zorn deß Kay - ſers Nero vergoſſen. An. 93. der Zorn deß Kayſers Do - mitiani vergoſſen. An. 100. der Zorn deß Kayſers Adria - ni vergoſſen. An. 164. der Zorn Kayſers Marci Aurelij vergoſſen. An. 204. der Zorn Kayſers Severi. An. 237. der Zorn deß Kayſers Maximini. An. 254. der Zorn Kayſers Decij. An. 361. der Zorn Kayſers Gallieni. An. 368. der Zorn Kayſers Juliani vergoſſen ꝛc. WannHman58Der Eltern deß Judæ.man das Blut ſoll ſehen / welches der Zorn der Wenden / der Arianer, der Saracener, vnd anderer vnzahlbarer Feind der Kirchen vergoſſen haben / zumahlen die erſte dreyhun - dert Jahr nach Chriſto fuͤnff Millionen der Martyrer gezehlt worden / vnd biß auff vnſere Zeiten in die eilff Mil - lionen die Anzahl ſolcher Blut-Zeugen geſtigen; wann man das Blut ſoll ſehen / welches die ohnzahlbare Krieg in der Welt vergoſſen / wann man endlich das Blut ſoll ſehen / welches der Zorn durch Vatter / Mutter / Bruder / Schweſter / Freund vnd Feinds-Handen vergoſſen / durch ſo vilfaͤltige grauſame Mordthaten / ſo wurde der gantze Erd-Boden gar leicht mit demſelben / wie zur Zeiten Noe mit dem Suͤndfluß uͤberſchwembt ſeyn. O du verdambter Zorn! du biſt ein Moͤrder der Gemuͤther / du biſt ein Zer - trenner deß Fridens / du biſt ein Gifft deß Lebens / du biſt ein Kupler deß Todts / du biſt ein Tiger deß Menſchlichen Bluts / du biſt ein Brut der Hoͤllen / du biſt ein Rauber deß Verſtands / du biſt ein Zunder deß Zwyſpalts / du biſt ein Schul der Narꝛheit / du biſt ein Weeg deß Verder - bens / du biſt ein Porten alles Vnheyls.
Die Hebrærer ſeynd gleichwol mit ihrer Viehiſcher Grauſamkeit nit ſo weit gerathen / daß ſie das Vnderkleid Chriſti haͤtten zertrennt oder zertheilt / ſondern daſſelbige gantz gelaſſen / wie es dan̄ noch heutiges Tags zu Trier mit hoͤchſter Andacht verehrt wird / aber du tyranniſcher Zorn / zertrenneſt taͤglich / ja ſtuͤndlich das Kleid Chriſti / welches da iſt die Einigkeit vnder den Chriſten. Mir ſiehen die Haar ge - gen Berg / vnd geſtocken gleichſam alle Bluts-Tropffen in Leib / wann ich gedenck an daß jenige Tiger (dann den Nahmen eines Menſchen er nicht verdienet) welcher ohn - gefehr ſeinen Feind angetroffen / denſelben grimmig zu Boden geworffen / den ſcharpffen Dolch an das Hertz ge -Venet. ſetzt / mit diſem trohenden Zuſatz / der Todt iſt dir gewiß /ſo59Vngluͤckſeeliger Eheſtandſo fern du aber Gott vnd die allerheiligſte Dreyſaltigkeit verlaugneſt / ſo ſoll dir das Leben geſchenekt ſeyn / der elen - de Tropff auß Forcht deß vor Augen ſchwebenden Todts / mit der getroͤſter Hoffnung / er wol es nachmal durch ein heylſame Beicht wider außloͤſchen / verlaugnet Gott ſambt allen Heiligen / worauff ihm der andere geſchwind mit dem Dolch das Hertz durchbohrt / bey ſich ſelbſten frolockend / daß er ihm nit allein das zeitliche / ſondern auch das ewi - ge Leben benohmen / O Gott!
Dem David iſt es nit wol angeſtanden / wie er den Harniſch deß Sauls angelegt / da er ſolt wider den vngeheu - ren großgrindigen Goliath ſtreitten / ſondern er beklagte / wie daß er ſich ſo gar in den Harniſch nit kan ſchicken / auch ſtehe ihm ſolcher nit wol an; alſo auch du mein Chriſt / der du durch das Blut deß ſanffmuͤthigſten Lamb Gottes gewaſchen / gedencke vor allen / daß es dir gar nit wol anſtehe / ſo du wegen einer geringen Sachen ſo ge - ſchwind in Harniſch kombſt / vnd dich erzuͤrneſt / welcher Zorn Gott den HErꝛn belaydiget / deinen Naͤchſten vnd dich ſelbſten / weil du hierdurch ſelbſten dir den Sententz der ewigen Verdambnuß faͤhleſt / vnd du ohngezaͤmbteſt Tiger ſolcher Geſtalten nit verlangeſt am Juͤngſten Tag von dem ewigen Richter geſtellt zuwerden vnder die Schaaf ſeiner Außerwoͤhlten.
Obgedachter Koͤnig in Iſrael hat auff ein Zeit gantz inbruͤnſtig zu Gott geſeufftzet in ſeinem 30. Pſal. 10. verſ. Pſal. 30.Conturbatus eſt in ira oculus meus, anima mea, & venter meus. Erbarme dich meiner O HErꝛ / dann ich werde geaͤngſtiget / mein Aug iſt durch den Zorn betruͤbt / darzu mein Seel vnd mein Bauch. Diß iſt das erſte ſo ich hoͤr / der David hatte das Bauchwehe / vnd lamentirte deßhalben nit wenig /H 2ſetzte60Der Eltern deß Judæ.ſetzte auch die Vrſach / daß ein ſolches Vbel von Zorn her - geruͤhrt / da ſihet man den ſauberen Nutzen deß Zorns / der nit allein der Seelen hoͤchſt ſchaͤdlich / ſondern auch be - ſchwaͤrliche Leibs-Preß verurſacht / Senertus ſchreibt / daß / wann ein Zorniger eſſe vnd trinck / ſo ſeye diß ihme hoͤchſt ſchaͤdlich / dann damahlen die Speiß in dem Magen cor - rumpirt wird / vnd nachmals lauter Gifft dem Leib ver - urſachet; was fuͤr ein Elend iſt es / wann einer / wie ein außgezogener Froſch im Beth liget / wann er krumpe Fin - ger machet / wie ein Schuſter Knaipp / wann ihm die Ba - cken ſchlampen wie die Schroͤdt-Beutel / wann er die Armb gantz ſafftloß / krafftloß / hafftloß haͤngen laſt / wann er / wie Duck-Aenden mit dem Kopff wacklet / wann er ſichVentus eſt Ira peſti - lens, ho - minis in - teriora de - paſcens. zuſammen kruͤmpt wie ein Taſchen-Meſſer / wanns ihme in Bauch ſchneidt / als haͤtte er junge Feder-Fechter darin̄ / wann er den gantzen Tag pfeifft wie ein Erd-Zeiſel / wann er gantze Nacht jugetzt wie ein junger Wolff / wann er ſich mit Lumpen vnd Fetzen einfaͤtſchet / wie die Ziggeuner - Kinder / wann ihm die Gall in alle Glider marſchiret / ja endlich die bluͤende Jahr der vnverhoffte Todt abſchneid: wer iſt daran ſchuldig / als allein der ohnbaͤndige Zorn?
Abſonderlich iſt der Zorn ein Gifft deß Eheſtands / was Truͤbſahl dann empfindet nit ein Weib / die ſolchen zornigen Mann leyden muß / welcher wegen deß geringe - ſten Wuͤrml mit dem Jona erzuͤrnet / in einem ſolchen Hauß haiſt es nachmals willkomm Elend! a dio Einig - keit! herein Vnfrid / key dich fort Lieb.
In Vnder-Oeſterreich iſt ein Marck-Flecken mit Na -Aventinus lib. 5. an - nal. Bojor. men Grein / allwo das gefaͤhrlichſte Orth fuͤr die Schiff - Leut / ſo jemand auff dem Waſſer nacher Oeſterreich zu raiſen Vorhabens iſt / jaget ihm kein Orth mehrer Forcht ein als Grein. Das Weiber Geſchlecht tragt forderiſt darvon ein Abſcheuen / vnd ſo man nun deſſen wenigſteMel -61Ungluͤckſeeliger EheſtandMeldung thut / zitteren ſie wie ein ſchweinene Sultz / bin ſelbſt einsmals durch diſes gefaͤhrliche Orth gefahren / vnd ware auch auff dem Schiff ein reicher Rabbiner oder Jud / welcher / kan es mit Gewiſſen beteuren / ſich ob dem Orth alſo entſetzt / daß er gleich andern Chriſten das Creutz-Zai - chen gemacht / ich lachte diſe ſaubere Monſtrantzen ohne Heiligthumb auß / vnd verſicherte ihn beynebens / wie daß er nit werde erſauffen / auß Vrſach / was an Galgen gehoͤrt / findet in der Donau kein Grab: gedachtes Orth iſt gefaͤhrlich wegen deß Strudels / wie auch nit weniger wegen deß Wuͤrbels oder Keſſels / ſo gantze Schiff zuſchli - cken maͤchtig iſt / es hatte vor diſem den Namen Pœno - ſtonos, alldar mitten in trohendem Waſſer Wellen ſtehet empor ein hocher Fels / anjetzo mit einem Crucifix gezeich - net / an welchem Orth der Teuffel in ſichtbarer Geſtalt eines Mohren dem vorbeyfahrenden Kayſer Heinrich dem Dritten / vnd Brunoni dem Wuͤrtzburgiſchen Biſchoff er - ſchinen / auch nach vilen Troh-Woͤrtern wider verſchwun - den ꝛc. Mit einem Wort / bey Grein iſt ein uͤbles Orth / aber verſichere euch Eheleuth / Greinen Greinen vnd ein zanckiſch Leben fuͤhren / haltet nit weniger Vbel in ſich / dann wo das vilfaͤltige Greinen iſt / dort erkaltet die Lieb / dort wacklet die Treu / dort verſchwindt die Einig - keit / dort verſauret das Gemuͤth / dort ſchimplet die Red - lichkeit / dort mauſet die Wirthſchafft / dort gaumetzt die Kuchl / dort zerlexet der Keller / dort trauet die Stuben / dort pfnottet die Cammer / dort verwelcken die Mittel / dort ſchlipffern die Kinder / dort rutſchen die Menſcher / dort fallen die Diener / dort leydet das Gewiſſen / dort verdorꝛet die Geſundheit / dort zertrimmert die Gotts - Forcht / dort iſt der Teuffel gar bey Grein.
Wie Chriſtus der HErꝛ ſeine Apoſtel außgeſandt /H 3hat62Der Eltern deß Judæ.Luc. c. 10.hat er ihnen ernſthafft verbotten neben andern / ſie ſollen keine Stecken noch Staͤb mit ſich nehmen; ich frage aber wie werden ſie uͤber die Graͤben ſpringen / HErꝛ? wie wer - den ſie ſich vor den boͤſen Ketten Hunden deſendiren / HErꝛ? vnd wann der Weeg Berg auff iſt / ſo muß ja der Stecken ein hoͤltzene Vorſpann abgeben / HErꝛ? ohn - geacht alles diſes / verbietet der Gebenedeyte HErꝛ denen Apoſteln die Stecken / vmb weilen dieſelbe ſeynd ein Sinn - Bild vnd Zaichen deß ſchlagens vnd ſtoͤſſens: hat dahero diſer Goͤttliche Maiſter / ſo gar denen Apoſteln die noth - wendige Stecken verbortten; wie vil mehr ſeynd euch ver - botten zornige Maͤnner die ohnnoͤhige Pruͤgl mit denen ihr wider alles Gewiſſen euere von Gott gegebene Ehe - Gatten / alſo ſchmaͤhlich tractiret / hoͤrt ihr / vnd ſchreibt es auff euere Thuͤren / zeichnet es auff euere Taffel / regi - ſtriret es in eure Hand-Buͤchl / was harten Spruch nit ich / nit ein Cicero, nit ein Xenophon, nit ein Cato, nit ein anderer Haydniſcher Philoſophus, ſondern ein groſ - ſer H. Lehrer Joan. Chryſoſt. ſagt: daß ein ſolcher Mann / kein Mann eigentlich zunennen / ſondern ein grauſame Beſtia, ja fuͤr ein Todtſchlaͤger vnd Moͤrder zuhalten.
Ihr Maͤnner habt endlich den Titul von Gott erhal - ten / daß ihr das Haupt genennt werdet. Vir caput eſt mulieris, demnach ſo haltet euch / wie es einem Haupt gebuͤhrt / muͤſt wiſſen / daß das Haupt eines jedwedern Menſchen uͤber das Hirn zwey Haͤutl hat / deren eines ge -Pia Mater Dura Ma - ter. nennt wird von denen Medicis die harte Mutter / das an - dere die ſanffte Mutter / das Haͤutel Namens ſanffte Mutter iſt weiter von dem Hirn / als das andere / vnd ſo man das Haͤutl ſanffte Mutter verletzet / muß der Menſch ohnfehlbar ſterben / zeigt deſtwegen die Natur ſelbſten / daß die harte Mutter ſoll weit von den Menſchen ſeyn / die Sanfftmuth aber nahet / dann Sanfftmuth macht allesgut.63Vngluͤckſeeliger Eheſtandgut. Wie vnſer HErꝛ vnd Heyland bey der VngeſtuͤmmeMatth. 8. deß Meers in dem Schiffel geſchlaffen / ſagen etliche Leh - rer / daß er nit habe recht geſchlaffen / ſondern nur die Au - gen zugeſchloſſen / damit er nit ſehe die Kleinmuͤtigkeit ſei - ner Apoſteln: deßgleichen auch ihr Maͤnner / wann ihr ſchon einige Maͤngel vnd Faͤhler ſpuͤret in euren Weibern / muͤſt ihr auch zu weilen ein Aug zuthun / vnd nit gleich mit Schaͤrpffe verfahren. Die Weiber ſeynd ſonſt gena - turt / wie das Kraut / mit Namen Baſilicum, wann man di - ſes gemach vnd ſanfft ſtreichet / ſo gibt es uͤberauß einen lieblichen Geruch von ſich / da man es aber ſtarck reibet / ſtinckt es gar wild. Es ſcheint nichts vngereimbters / als wann die Maͤnner ſeynd wie der Eſau / der gar rauch vnd grob war; ihr Maͤnner koͤnnet euch wol ſpieglen an je - nem / was ſich bey dem H. Grab gleich nach der Vrſtaͤnd Chriſti hat zugetragen / allwo der gebenedeyte JEſus der Magdalenæ vnd den zweyen andern Frauen-Zimmer einMarc. c. 16. Befehl geben / ſie ſollen eilfertig ſich zu den Apoſteln bege - ben / vnd ihnen andeuten / daß er ſeye Siegreich / Freuden - reich / vnd Glorreich von Todten aufferſtanden / forderiſt aber vnd vor allen ſollen ſie diſe troſtreiche Aviſa vnd Zei - tung dem Peter bringen / dicite diſcipulis & Petro. Warumb daß der HErꝛ hat wollen / daß diſe drey from - me Weiber abſonderlich dem Petro diſe Freudenvolle Zei - tung ſollen ankuͤnden? Darumb / es wuſte Chriſtus der HErꝛ / daß Petrus nunmehr ein Ertz-Feind der Weiber / vnd ihme vorgenohmen die Zeit ſeines Lebens mit keinem Raabensweib mehr zureden / auß Vrſach / weil er durch der gleich Gefluͤgelwerch zu Hof in Mainaydigkeit vnd groͤſter Vngelegenheit gerathen / damit demnach der Zwyſpalt zwiſchen dem Petro vnd den Weibern moͤchte geendet werden / vnd vorige Einigkeit verharren / hat Chriſtus wol - len / daß diſe Weiber dem Petro ſolche Freudenvolle Zei -tung64Der Eltern deß Judæ.tung brachten / auff daß durch ſolche gute Manier wider ein Vergleich geſchehe. Hat nun der gebenedeyte HErꝛ auff allerley Weiß geſucht die Einigkeit zupflantzen / den Zwyſpalt zu daͤmpffen / die Lieb einzufuͤhren / den Vnfri - den zuſtillen / vnder ſolchen Perſohnen / die einander nichts verwandt: wie vil mehr iſt ſein Goͤttlicher Will / daß die Eheleuth in ohnzertrennter Einigkeit forderſt ſollen leben vnd lieben. Wann demnach ſchon Patientia Gen. fœ - minini, ſo iſt ſie doch euch Maͤnner nit uͤbel anſtaͤndig; geſetzt / es widerfahrt euch daſſelbe / was den Propheten - Kindern zu Eliſæi Zeiten geſchehen / welche vermaint gu -4. Reg. c. 4. te vnd geſunde Kraͤuter zu klauben / vnd haben vnderdeſſen bittere Colloquinten ertappet / woruͤber ſie nachmahls krumpe Maͤuler gemacht / Mors in olla, vnd laut auffge - ſchryen: der Todt iſt in Topff: geſetzt ihr habet an ſtatt deß Biſam-Kraut ein Brenneſſel erdappt / da ihr gleichmaͤſſig ſchreyen koͤnt / Mors in olla, der Todt iſt in Topff / der Hencker halts beym Kopff / der Wurm iſt in Kopff / Gedult! geſetzt / es begegnet euch wie jenem Scri - benten / der mit ſondern Fleiß einen vornehmen Wappen - Briff abgeſchriben / endlich aber an ſtatt der Straͤh-Buͤch - ſen das Dinten-Faß erwiſcht / vnd alſo ein grobe Sau auffgehebt: geſetzt ihr habt nit mit geringer Auffmerck - ſamkeit euch geſucht ein frommes Regerl / habt aber an ſtatt der Regerl ein Rigl gefunden / der euch die gute Taͤg ſperret / Gedult.
Es hat David ebenmaͤſſig einen ſolchen ſtoltzen vnd boͤſen Haußrummel gehabt / die ihn auch gar einmahl vnder die Raupen - vnd Lotter-Bueben Burſch gezehlt / dannoch liſt man nit / daß er ſolchen Schmachwoͤrtern mit Ohn -2. Reg. c. 6. manier waͤre begegnet / dann es folgt nit / weil die Maͤn - ner von der Natur ein groͤbere Stimm ererbt / als die Weiber / daß ſie gleichfoͤrmig ſollen ſeyn in Gebaͤrden:Zuver -65Ungluͤckſeeliger EheſtandZu verwundern iſt uͤber jenigen / von deme Stengelius re -Stengel. de ovis paſch. giſtrieret / deſſen Weib ein verborgene Schmach zu rech - nen diſen Argliſt erdacht / es klagte als ſie groſſes Leibs war / daß ſie einen / ob zwar vngereimbten Luſt haͤtte / vnd dafern ſie ſelbigen nit konte buͤſſen / wurde ohnfehlbar die Leibsfrucht in Gefahr ſtehen / entdeckte endlich auff ſein viles Bitten / wie daß ſie ein Korb voll Ayr habe / vnd der Luſt treibe ſie alle dieſelbige ihm in das Geſicht zu werffen / der arme Narꝛ / damit er moͤchte groͤſſeres Ubel verhuͤten / ſetzet ſich gedultig nider / laſſet ſich von diſem ſchalckhaff - ten Weib dergeſtalten archibuſieren / wordurch das An - geſicht ein lauteres Ayren-Schmaltz außgeſehen / außge - nommen / daß dem Gimpel das Saltz gemanglet: Es wird endlich ſolche ſchier uͤbermaͤſſige Gedult nit erfor - dert bev euch Maͤnner / jedoch ein beſcheides vnd beſchaid - nes Uberſehen ſtehet offt nit uͤbel an / vnd da man doch die zu weilen uͤberlaͤſtige Faͤhler deß Weibs abſtraffen will / ſo muß man ſich erinneren / daß die Statt Jericho nichtJoſue. 6. mit Schieſſen vnd Stoͤſſen iſt erobert worden / ſondern mit lieblichen Poſaunen-Klang; Euch aber meine Wei - ber iſt ſehr nothwendig die Gedult; in dero abſonderlich beruͤhmt war die Mutter deß H. Vatters Auguſtini /Lib. 9. Confeſſ. c. 9. welche ihren harten / vngeſchliffenen vnd ohngeſtimmen Mann Patritium mit ihrer anarthigen Sanfftmuth al - ſo geſtillt / daß er gleichſamb auß einem Wolff / ein Laͤmbl worden / vnd alſo mit Chriſto faſt das Waſſer in WeinLib. 1. Reg. c. 25. v. 30. verwandlet. Es hat jenes beſcheide Weib mit Namen Abigail, wie die H. Schrifft bezeugt / einen Mann den Nabal, welcher ein grober Huyſchuß von Hauß auß war / laſt den dicken Rauſch außdaͤmpffen durch den Schlaff / alsdann erſt zu Morgens Fruhe mit manierlicher Be - ſchaidenheit ihme die Maͤngel vor Augen geſtellt / haͤtte ſie dem vollen Miſt-Stampff in ſeiner Trunckenheit etwasJzuge -66Der Eltern deß Judæ.zugeredt / haͤtt er ihr ohnfehlbar das Geſicht mit der Fauſt außgepeglet / iſt dahero ſehr nothwendig die Gedult; es wird auch ſo weit dem Weib erlaubt / daß ſie mit guten Fueg kan ein Simon im Hauß ſeyn / verſtehe ſie Mahn / nit ſie Mann / ſondern ſie mahn ihn den Mann zu wei - len wegen ſeiner Ohnform / die er in ſeinen Gebaͤrden hat / doch aber in allen muß die Freundlichkeit vnd Manier das Vbergewicht halten / ſonſt von vilen Katzen-Geſchrey fol - get ein Donner-Wetter / ſprechen die Natur-Kuͤndiger.
Der Koͤnig Saul war gar offt mit dem boͤſen Geiſt be - ſeſſen / weſſentwegen er getobt / vnd gewuͤtt / vnd ge - ſchryen / vnd geſprungen / vnd geſtampfft / vnd geheult / vnd bruͤlt / vnd kratzt / vnd geworffen / vnd geſchlagen / vnd geſtoſſen / als wann er ohnſinnig waͤre / vnd konte ihn kein einiger Menſch beſaͤnfftigen außgenohmen der David mit ſeiner wolgeſtimbten Harpffen vnd Cittern: ohnlaugbar iſt es / daß manches Weib einen Mann hat / der gleichſam gar offt die Stimm von einem Loͤwen / die Zung von einer Schlang / die Augen von einem Tiger / die Hand von Bee - ren hat / ſo iſt aber einer ſolchen Troͤpffin nichts rathſam - bers / als wann ſie mir dem David gute Saiten auffzie - het; ein Beer hat diſe Natur / wann man mu ihm ſchreyet vnd ihme trohet / ſo wird er wild / ſo man aber ihme pfeifft vnd ſchoͤn thut / ſo wird er gantz zahm / wie der Beer alſo der Bernhard / habts gehoͤrt ihr Weiber! es iſt ein Fiſch im Meer mit Namen Polypus, der haͤfft ſich alſo ſtarck an Felſen vnd Schroffen / daß ehe er ſich laſt mit Gewalt hinweg ziehen / ehe laſt er ſich in vilen Stucken zerreiſſen / wann man aber nur etliche Tropffen Oel auff ihn gieſſer / alsdann weichet er freymuͤthig / wie diſer Polypu alſo der Hippolytus, habts gehoͤrt Weiber! das Meer-Waſ - ſer iſt Befreund allen Saltzburgern / da man aber es in ein Geſchirꝛ weiſſes Wachs ſchuͤttet / wird es gantz ſuͤß /ſicut67Vngluͤckſeeliger Eheſtandſicut mare ita maritus; verſtehet ihr auch Lateiniſch Weiber? der Weinſtock bringt vil mehrer Frucht / wann man ihme die ohnnoͤthige Zweigel vnd Gſtraͤuſſel mit den Haͤnden abropfft vnd abzopfft / als wann mans mit dem ſcharpffen Meſſer abſchnaidet / wie der Weinſtock alſo der Weintrincker; habts gehoͤrt Weiber? der Barbierer / ſo er will ein Adern eroͤffnen / fahrt nit gleich mit der Lantzer darein / ſondern er ſtreicht / ſchmaichlet vnd liebkoſer vor - hero die Ader / alſo auch ihr Weiber mit guter vnnd glimpfflicher Manier werd ihr vil mehr außrichten; Ihr habt zweiffels ohne oͤffter geſehen / daß der boͤſen Bueben ihre Bruͤgel / ſo ſie in die Biern-Baumer werffen / offt daroben bleiben / kombt nun einer hernach / der den Baum ſchuͤttlet / wann er ſelben ſanfft ſchuͤttlet / ſo fallen Biern herunder / ſchuͤttlet er aber mit Ohngeſtimm / ſo fallt ihm der Bruͤgel auff den Kopff / waiß alſo nichts nothwendi - geres den Weibern zu rathen / als die Sanfftmuth vnd Gedult: Jene Frau / welche von ihrem Mann alſo hart vnd tyranniſch gehalten worden / daß er ſie gar in ein Ge -Moming. 155. Die Palm. woͤlb auch eingeſperꝛt / vnd allgemach vor Hunger ſter - ben laſſen / hatte gezaigt ein Lobwuͤrdige Gedult / zumah - len nach ihrem Todt die Ziegel-Stain / auff den ſie ihre Fuͤß gehaltẽ / in das klareſte Cryſtall ſeynd verkehrter gefun - den worden. Gedult demnach in allen! auch Gedult ihr Weiber / ſo ihr vil Schmach vnd Ubles an euren Kindern erlebet / es geſchicht nichts ohne den Goͤttlichen Willen / muͤſt aber wiſſen / daß ein fridſamer vnd geſegneter Ehe - ſtand ſelten mit boͤſen Kindern geſtrafft wird / dahero ich der ohnfehlbaren Mainung bin / es ſeye zwiſchen Ciborio vnd Ruben ein ſuͤndhaffter / ein ohnteuer / ein zanckiſcher vnd ohngeſegneter Eheſtand geweſen / zumahlen ſie ein ſolchen Ertz-Schalcken den Judam in die Welt gebracht.
ES laſſet ſich doch noch reden / das gemeine Sprich - wort / wie groͤſſer der Schelm / je beſſer das Gluͤck / zumahlen diſer Judas von den Meer-Wellen verſchont worden / vnd ſo ohnverhofft zu diſer Wuͤrde ge - langet / daß er als ein Koͤniglicher Printz iſt aufferzogen worden / den hat man in ein verguldte Wiegen gelegt / da ihme doch der Sautrog haͤtte ſollen die Herberg geben / den hat man in die zartiſte Windlein eingefaͤtſcht / da doch dem Ohnflat die Ziggeuner-Fetzen zu gut waren; den hat man mit Piſcotten-Koch geſpeiſet / da doch ein ſolche Go - ſchen die ſauere Ruben nit verdienet; den hat man auff Koͤniglichen Armben liebkoſet / da ihn doch der Hencker haͤtt ſollen einwiegen: den hat manche Adeliche Dama mit ihrer halb Engel-Stimm das aia pupeia zugeſungen / da doch dem kleinen Galgen-Vogl das Raaben-Geſchray ge - buͤhret haͤtte: vor dem hat man die tieffeſte Reverentz ge - ſchnitten / vnd ſchier halben Theil mit gebognen Knyen angebett / dem man ehender haͤtte ſollen den Daumb zwiſchen demzwey Finger weiſen; es wurde mittler Zeit wider alles Verhoffen die Koͤnigin deſſelbigen Orths in der Warheit groß Leibs / vnd nachmahlen ein jnniglichen ſchoͤnen Printzen auff die Welt gebracht / worauff dann wie billich vnd natuͤrlich alle ihre Liebs-Raigungen zu di - ſem holdſeeligen Kind gezihlet / vnd mittler weil die Affe - cten gegen dem Judam / als einem vnehrlichen Sohn ſiegantz69Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.gantz verlohren / dergeſtalten / daß die Koͤnigin ſambt der Hofſtatt ihren Printzen uͤber alles geliebt / den Judam aber halb vnd halb verehret / welches dann ſchon ein Zun - der war / ſo einen ohnloͤſchlichen Neyd hat angezuͤndt / es konte demnach Judas den Printzen mit keinem guten Aug anſchauen / ſondern kifflete ſtaͤts die Naͤgel ſeiner Finger / machte dermaſſen ſauere Geſichter / als waͤre Holtz-Apffel - Moſt ſein ordinari Trunck / er wurde gantz blaich vor Neyd / welcher ihm / wie ein Schlangen / das Hertz nagte / vnd plagte / vnd ſchlagte vnd zwagte; die Schwebel-Farb iſt ihm hauffenweiß auff die Wangen gefallen / der Neyd ſparte endlich ſein Gottloſes Gemuͤth dahin / daß er mit eigenen Haͤnden den Koͤniglichen Printzen ermordt / vnd ware diß ſchon ein Vortrab / daß er mit der Zeit / Gottes Sohn / werde zum Todt helffen. O Neyd / O Neyd.
Ein wunderlichen Traum hat jener ehrlicher Mann gehabt / welcher vor dem Schlaff Gewonheit halber pfleg - te mit abſonderlicher Auffmerckſamkeit zu leſen in einem Buch / vnd als ihme dazumahlen ohngefehr die Materi vor Augen kommen von jetzigem verruckten Welt-Lauff / vnd nach langer Ableſung endlich ſanfft eingeſchlaffen / traumte ihm folgender Geſtalt.
Ich nahme meinen Weeg durch ein vornehme Stadt / wolte meine vorwitzige Augen auff die Wayd fuͤh - ren / vnd einige ſchoͤne / wie auch ſeltzame Sachen ſehen / damit ich nachmals in begebender Gelegenheit an gehoͤri - gen Orthen auch weiſen kunte / daß ich nit wie ein Bruet - Henn ſtaͤts zu Hauß gehockt / ſondern mir auch getraut frembdes Brodt zueſſen / mein erſter Gang war nach Hof / allda die Beſchaffenheit deß Pallaſts / die Tracht deß Adels / den Pomp deß Fuͤrſtens zuſehen / da ich mich dann naͤchſt der Hof-Porten befunden / ſeynd mir zwey groſſe Thier be - gegnet / dergleichen ich mein Leben Tag nit bin anſichtigJ 3worden;70Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /worden; eines war alſo Speckfaiſt / daß es mit ſeiner Wohl-Wampen faſt den Erd-Boden koͤhrte / das andere ware dergeſtalten duͤrꝛ / daß es ohne weitere Muͤhe dem Bain-Draͤxler vnder ſein Arbeit taugte / vnd weil ich ver - merckt / daß ſolche Thier / wie deß Balaams Eſelin reden konten / war ich ſo kuͤnn oder vilmehr frech / vnderſtund mich zufragen / wie es zu Hof hergehe / weil dann das Fai - ſte wegen uͤberhaͤuffigen Schmeer-Laſt vnd ſchnauffen nit konte reden / alſo gabe mir das Duͤrre / ob zwar ſelbiges Orth die Teutſche Sprach nit gebraͤuchlich / folgende Ant - wort:
Ach / ach / ach was wirſt du fuͤr Wunder Ding zu Hof ſehen.
Du wirdſt zu Hof ſehen lauter Fechter / aber nur ſol - che / die da uͤber die Schnur hauen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Soldaten / aber nur ſolche / die Partheyen / oder ich hab gefaͤhlt / Parthitereyen wiſſen zufuͤhren.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Moͤſner / aber nur ſolche / die mit der Sau-Glocken leitten.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Fiſcher / aber nur ſol - che / die mit faulen Fiſchen vmbgehen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Schneider / aber nur ſolche / die einem ſuchen die Ehr abzuſchneiden / vnd ein Schandflecken anzuhencken.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Kauffleuth / aber die nur mit Bernheiter-Zeig handlen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Draͤxler / aber nur ſolche / die einem ſuchen ein Naſen zu draͤhen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Hueter / aber nur ſolche / die vnder dem Huͤetel wiſſen maiſterlich zuſpillen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Mahler / aber nur ſol - che / die einem was blaues fuͤr die Augen machen.
Du71Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.Du wirſt zu Hof ſehen lauter Fuhrleut / aber nur ſolche / die einen hinder das Liecht fuͤhren.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Bildhauer / aber nur ſolche / die einem das Maul machen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Muſicanten / aber nur ſolche / die das Placebo ſingen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Geiger / aber nur ſol - che / die einen zuſtimmen ſuchen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Koͤch / aber nur ſolche / die einem die Suppen verſaltzen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Schloſſer / aber nur ſolche / die einem wollen ein Rigel ſchieſſen.
Du wirſt zu Hof ſehen lauter Tiſchler / aber nur ſolche / die einem pflegen zuverleumbden.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß alldort die Redlichkeit / wie der Palm-Eſel / welcher das Jahr nur einmal ans Liecht kombt.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß man alldar mit den Wol-Meritirten vmbgehet / wie mit dem Nußbaum / zum Lohn / daß diſer Nuß tragt / wirfft man mit Pruͤgl darein.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß alldort ſo vil Treu zu - finden wie vil Speck in den Juden Kuchlen.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß man dort mit den Bedien - ten vmbgebet / wie mit den Lemonien / wann kein Safft mehr darinn / ſo wirfft man ſie hinder die Thuͤr.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß alldorten die guten Freund ſeynd / wie die Stein auff dem Brett-Spill / wel - che nur den Namen Stein tragen / vnd ſeynd beynebens von Holtz.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß man allda die Nackende beklaidet / aber nur die Warheit / dann dieſelbe bloſſer nicht darff erſcheinen.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß man die Hungerige ſpeiſet / aber nur mit Worten.
Du72Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß.Du wirſt zu Hof ſehen / daß es mitten im Sommer Eyß gefroren / dann allda das ſchluͤpffern vnd fallen gar zu gemein.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß allda wenig Metall / aber vil Ertz / vil Ertz-Dieb / Ertz-Schelmen / Ertz-Betruͤ - ger ꝛc.
Du wirſt zu Hof ſehen / daß allda ſchlechte Suppen / aber vil Loͤfflerey.
Du wirſt zu Hof ſehen wenig Andacht / aber vil Ver - dacht.
Mit dergleichen langen Klag Regiſter thaͤte ſich das duͤrre Thier alſo abmatten / daß es mit der Sprach nit mehr fort konte / vnd hab ich mich abſonderlich ſehr ver - wundert uͤber die Wolredenheit diſes Thiers / daß es mit ſo annehmlichen Farben die Beſchaffenheit deſſelbigen Hofs entworffen: Weil ich aber auch einmahl auff dem Hof-Pflafter ein Blattern gangen / vnd mir alle Ding ohne das wol bekannt / alſo habe ich fernere Red von diß abgeſchnitten / vnd Wunder halber hab ich das Thier ge - fragt / auß was Urſachen es alſo zaunduͤrꝛ / entgegen aber das andere ſpeckfaiſt ſeye? worauff ich die Antwort er - halten / wie daß ſie beede die Hof-Tafel haben / vnd ich ſagte / das duͤrre iſt lauter Lieb / finde aber wenig bey Hof / daß ich ſchier Hunger ſtirb; das andere aber friſt lauter Neyd / vnd findet ſolchen Uberfluß / daß ihm ſchier der Bauch zerſchnellet vor Fuetter: Es war aber mein Traum noch nit auß; ſondern es hat mir ferners gedunckt / als begegnen mir zway Maͤnner auff der Gaſſen / vnd truge einer ein groſſen Sack uͤber die Achſeln / dergeſtalten an - gefuͤllt / daß ihme Samſon haͤtte ſollen hierzu die Achſeln leyhen / wormit er die Statt-Pforten hat getragen / der arme Tropff ſchwitzte vnder ſolchem Laſt / als kam er erſt auß der Bad-Wahn / ich foͤrchte augenblicklich / er wurdemit73Namens Urſprung / Jugend vnd Vntugend.mit dem Sack zu Boden ſincken / der Mainung war ich / es muͤſſe Trayd darinn ſeyn / wie in den Saͤcken der Bruͤ - der deß Joſephs / weil ich aber die Gewißheit nicht haͤtte / fragte ich / mit was dann der Sack ſeye angefuͤllt / er gab mir die Antwort / mit lauter Neyd ſeye er alſo angeſchop - pet; Der andere / ſo diſen beglaitte / tragte auch ein klei - nes Hebammen-Koͤrbl / mit rothen Leder uͤberzogen / an den Armben / welches zwar dem Schein nach voll ange - fuͤllt / aber ſo gering / daß mans leicht mit den Biſcotten oder Hollehipen konte woͤgen / vnd war nichts anders da - rinn / als lauter bruͤderliche Lieb: ich muſte doch das Orth wiſſen / wo diſe zway ſo vngleich auffgeladen / da zaigten ſie mir mit den Fingern auff ein gewiſſes Cloſter: Ich haͤtte noch ein weiteren Traum / vnd iſt mir geweſt / als waͤre ich auff einem Volckreichen Jahrmarckt / allwo vnder - ſchidliche Kauffmanns Huͤtten in hoͤltzerne Ordnung gar fein außgetheilter zuſehen / vnder andern kam mir vnder die Augen ein Huͤtten / in welcher ein bekannter Spital - Maiſter fail hatte / Wunder wegen wolt ich erfahren / was doch diſer fuͤr Handelſchafft fuͤhre / in deme ſeine Wah - ren / in lauter alte Spital-Lumpen eingewickelt / gar ſchlech - te Raritaͤten verſprochen / ſo bericht er mich / wie daß er lauter Neyd vnd Lieb verkauffe / wie theuer die Lieb? ſo ſagt er / die Ellen vmb 30. Reichsthaller / entgegen aber ſeye der Neyd vmb leichtern Werth / vnd uͤberſteige deſſen Preiß nit das jenige Tuch oder Loden / auß welchen die Croaten ihre Kepeneck machen / die Ellen vmb 8. Gro - ſchen. Gleich hierauff begegnete mir der Pedell von der Univerſitaͤt / mit zwey Buͤchern vnder den Armben / vnd war eins ſehr groß / alſo daß ich vermuthet / es muͤſte da - rinn deß groſſen Calepini Allabotritta von allerley Sprachen verfaſt ſeyn / das kleine Buͤchel ſcheinte ein Grammatic zuſeyn / ſo ich vermaint / daß ers den jun -Kgen74Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /gen Knaben vnd Soͤhnen nach Hauß trage / habe aber mehrmahlen die Warheit nit getroffen / dann in diſem kleinen Werckl war mit Fractur geſchriben / die Lieb vnder den Gelehrten / in dem groſſen Buch aber gantz eng ſchrifft - lich zuſammen getragen der Neyd vnder den Gelehrten; hierauff bin ich durch gar zu groſſes ſchreyen vnd klopffen der Dienſtbotten im Hauß erwacht / mein Mitgeſpann aber mir an ſtatt der Morgen Suppen ein wolgeſchliffe - nen Verweiß geben / daß ich auff Ratzen-Arth biß vmb 9. Uhr den Bolſter truckte / ſetzte auch hinzu / wie daß er kaum zwey Stund habe geſchlaffen / ſeye deſtwegen mir neydig vmb mein lange Ruhe / auff diſen Fruhe Filtz thaͤt ich meine Glider / bekenn die Schuld / durch ohngeberti - ges rantzen vnd ſtrecken in die Ordnung richten / vnd den Tag mit auffgeſperten Maul / als gewoͤhnlicher Faullentz - Poſaunen bewillkommen: nach dem waſchen aber gleich mit gebogenen Knyen / nach Gewonheit / mein Gebett ver - richt; der erſte Gedancken aber / ſo ſich damahlen hat ein - ſchleichender angemelt / war diſer / daß mir mein Mit - Cammerat neydig war vmb den Schlaff / wie auch der verlaut deß lang gehabten Traums nichts anders war als vom Neyd / deſthalben ich die Augen gen Himmel ge - wendt / vnd mit zuſammen geſchlagenen Haͤnden in diſe Seufftzer außgebrochen / Allmaͤchtiger Gott! ſo iſt dann kein Orth vnd Port: ſo iſt dann kein Land noch Stand / ſo iſt dann kein Erd noch Heerd / ſo iſt dann kein Zunfft / noch Zuſammenkunfft / ja oben vnd vnden / bey Krancken vnd Geſunden / vnden vnd oben / bey Adel vnd Groben / dorten vnd dar / in Geſellſchafft vnd Schaar / dar vnd dor - ten / in Wercken vnd Worten / iſt der verruchte Neyd.
Ich meines Theils gibe ſonſt dem Traum nicht leicht - lich einen Glauben / aber diſer Ehrlicher Mann / in deſſen Bueſen kein einige Falſchheit zu loſtren ſcheint / gibet mitſeinen75Namens Vrſprung / Jugend vnd Vntugend.ſeinen Traum-Geſicht die ſcheinbare vnd ohnlaugbare Warheit an Tag / ja gleich wie das Woͤrtl Neyd mit vier Buchſtaben geſchriben / wird alſo nit weniger vergifften diß hoͤlliſche Schlangen-Bruet die vier Theil der Welt:
Ich habs allezeit gehoͤrt / habs allzeit geleſen / habs allzeit geſchriben / habs allzeit geredt / daß diſem alſo ſeye / aber anjetzo vermercke ich / daß nit allzeit wie die Eltern / alſo die Kinder ſeyn / Adam ein guter Vatter / Cain ſein Sohn ein Ertz-Boͤßwicht; Noë der Vatter ein Heiliger / Cham ſein Sohn ein Heyloſer / Abraham der Vatter ein Gottſeeliger / iſmaël ſein Sohn ein Gottloſer / Iſaac der Vatter ein Engel / Eſau ſein Sohn ein Pengel / Jacob der Vatter ein Lambl / Ruben ſein Sohn ein Trampel / Da -K 2vid76Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /vid der Vatter ein Freund Gottes / Abſalon ſein Sohn ein Feind Gottes ꝛc. Ja ich weiß / vnd zaig ein Dama vor dero Schoͤnheit die Helena auß Griechenland ſich muß verkriechen. Ein Dama gegen dero Wolgeſtalt mit ſeinem Auffbutz der Fruͤhling zu ſpat kombt / ein Dama dero An - geſicht Sonnenklar ſcheinender als die Sonnen; ein Da - ma vor dero weiſſen Geſicht die Lilien ſchamroth werden / ein Dama vor dero Annehmlichkeit auß Wunder die Morgenroͤth erbleichen thut ꝛc. vnd dannoch diſe ſchoͤne außerwoͤhlte Dama hat ein Tochter an dero ein hauffen Ohnflat zuſehen / dann ſie iſt wild wie ein Miſt-Hauffen / ſchwartz wie ein Kohl-Hauffen / ohngeſchickt wie ein Scheitter-Hauffen / hartnaͤckig wie ein Stein-Hauffen / ohnrein wie ein Omaiß-Hauffen / ſchaͤdlich wie ein Scheer - Hauffen / garſtig wie ein Kort-Hauffen / ja wie der Teuf - fel ſelbſt; diſe ſchoͤnſte Dama iſt die Tugend / die Ehr / dieSim. Ma - jol. fol. 135. Wiſſenſchafft / ja alles Gutes / ihr Tochter aber / die ſie gebaͤhret / iſt der verdambte Neyd. In der Inſul Maltha gibt es keine Schlangen / in Sardinia gibt es keine Woͤlff / in Teutſchland gibt es keine Crocodill, in Tuſcia gibt es keine Raaben / in Heleſponto gibt es keine Hund / in Island gibt es nichts Gifftig / aber in der gantzen Welt iſtDan. c. 6. kein Orth / allwo es keinen Neyd gibt.
Daniel war bey Hof / vnd gar ein vornehmer Herꝛ bey Hof / ja er iſt ſo hoch geſtigen / daß er bey dem Koͤnig Darium alles vermoͤchte / es hat auch diſer Koͤnig nie beſ - ſer geſehen / als wie Daniel ſein Aug-Apffel ware / vnd gehet es bey einem Monarchen allzeit recht her / der ein ſol - che rechte Hand hat / wie da war der treue Daniel, nichts deſtoweniger hat endlich diſer fromme Miniſter erfahren / daß der Koͤnig auß dem beſten Wein der ſchaͤrpffiſte Eſſig worden / in dem er durch ohnmenſchliches Decretbefoh - len / den Daniel in die Loͤwen-Gruben zuwerffen / vnd mitſolchen77Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.ſolchen ſtattlichen Brocken die freßgierige Thier zuſaͤtti - gen / es war aber diſe Speiß zu gut fuͤr ſolche Gaͤſt: Nun ſihe ich dirs an der Stirn an / vnd kuͤtzlet dich der Vorwitz / zu wiſſen das Verbrechen / vnd die Ohnthat deß Daniels, etwann iſt er ſeinem Koͤnig nit Treu geweſt / dann ſonſt die Treu zu Hof gantz waͤhrhafft / vnd faſt noch Naglnen / weil mans gar ſelten brauchet? etwann hat er ſich mit Denari beſtechen laſſen / vnd nachmals Spadi wider ſei - nen eignen Koͤnig gebraucht / vnd deſtwegen das Spil ver - lohren? etwann hat er deß Koͤnigs Anſchlaͤg vnd reiffe Rathſchluß dem Gegentheil erdeckt / vnd alſo ſtraͤfflich auß der Schul geſchwaͤtzt? etwann iſt er mit den Koͤnig - lichen Renten vnd Geldern vmbgangen / wie der Wolff mit dem Schaaf theillen / diſer theilte ſechs Schaaf mit dem Hirten ſolcher Geſtalt / das erſte gehoͤrt mein / das an - dere gehoͤrt ſonſt dein / vnd nimbts auch zu ſich / das dritte gehoͤrt wider mein / das vierdte gehoͤrt ſonſt von rechts - wegen wider dein / nimbts aber mehrmahlen zu ſich / ꝛc. iſt demnach dem Hirten nichts uͤberbliben. Es iſt etwann der Daniel in ſeinen Hof-Dienſten ſchlaͤfferig geweſt / vnd ſich nur dazumahlen eingefunden / wann einige Charge vacirend worden? es hat etwann der Daniel gegen einer oder der andern Hof Dames ein freundliche Grobheit / oder gar ein grobe Freundlichkeit erzeigt? nichts dergleichen / gar nichts / der Daniel war ein rechter / ein gerechter / ein wolgeſchaffener / ein rechtſchaffener / ein wiſſenhaffter / ein gwißhaffter Miniſter bey Hof / kein ſchuldiger / ſon - dern ein ohnſchuldiger / kein ſtraͤfflicher / ſondern ohnſtraͤff - licher Diener / vnd noch darzu ein Prophet / vnd noch dar - zu ein Traum-Außleger / vnd noch darzu ein Chroniſt; wann dem alſo / was hat ihn dann in die tyranniſche Loͤ - wen-Gruben geſtuͤrtzt? frag nit lang / ein Hof-Hund hat ihn gebiſſen / ein Hof-Katz hat ihn gekratzt / ein Hof-PfeilK 3hat78Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /hat ihn getroffen / er hats Maul an einer Hof-Suppen verbrent / er hat den Kopff an einer Hof-Thuͤr angeſtoſſen! verſtehe es recht / der Neyd zu Hof vnder den Miniſtern vnd Hof-Herren hat ihn geſtuͤrtzt: ſo iſt es gangen Henrico Grafen von Hollſtein / bey dem Hof Eduardi deß Dritten / Koͤnig in Engelland / ſo iſt es gangen Belliſario dem groſ - ſen Kriegs-Fuͤrſten bey dem Hof deß Kayſers Juſtiniani; ſo iſt es gangen dem Ariſtidi / dem Scipioni / dem The - miſtocli, dem Tullio, dem Epaminondæ, dem Socra - ti, dem Pompeio, dem Iphicrati, dem Cononi, dem Chabriæ, daß ſeynd aber laute frembde Namen; ſo iſt es gangen vil Ferdinandis, Henricis, Rudolphis, Caſimi - ris, Philippis, Conradis, Wolffgangis &c. welche der verdambte Neyd ins Elend geſtuͤrtzt hat. O Neyd! O Neyd. Den Reyd findt ich ſchier auff dem Schlag / wie jener Baum: Es iſt einer geweſt / der ihme durch vilfaͤlti - ges Schaben vnd Graben ein zimblichen Sackvoll Duca - ten geſamblet / hatte aber deſſentwegen ſtaͤts ohnruhige Gedancken / auß Forcht / es moͤcht ihm einer ſolchen gulde - nen Schatz entfrembden / ja er traute in dem Fall weder dem Weib / vil weniger den Dienſtbotten / es gedunckten ihm alle Rigl vnd Schloͤſſer zu ſchwach / ſolche gelbe Ba - tzen zu huͤten / abſonderlich / ſo er Geſchaͤfft halber muſte abraiſen / konte er niemahlen ruhig ſchlaffen / wegen ſtaͤt - ter Sorgen / es moͤcht ihn diſer ſein guldener Innwohner das Quartier veraͤndern; erſinnet demnach andere Mit - tel / vnd nimbt auff einen gewiſſen Tag ſein mit Gold ge - fuͤlten Sack mit ſich / ſteigt in ſeinen groſſen Garten auff einen Baum / vnd weil ſelbiger zwiſchen zwey groſſen Ae - ſten etwas holl ware / verbuͤrgt er ſeinen goldſeeligen Schatz darein / voller Freuden / daß er ſelbigen alſo ſicher ſalviert, empfande auch in ſeinem Gemuͤth nunmehr ein begnuͤgten Ruheſtand / was geſchicht aber! Sein Nach -bar79Namens Urſprung / Jugrnd vnd Untugend.bar war ein armer vnd elender Tropff / der ſo vil Brodt - Eſſer / vnd kleine Burſch zu Hauß hat / daß ſie ſchier uͤber die Kinder Iſraël wachſeten / ja er hoͤrte von diſer lebendi - gen Orgl kein anderes Liedl / den gantzen Tag / als Paͤp - pen / Paͤppen / ꝛc. nit moͤglich war es ihme / das Haußwe - ſen laͤnger zu erſchwingen / forderiſt / weil die uͤberdruͤſſige Schulden-Forderer die Schnallen ſtaͤts in den Haͤuden hatten / vnd mit ſo vil Schuld-Scheinen auffgezogen / daß er ſich faſt getrauet alle Kauffleuth alldar mit Star - nitzlen zu verſehen; endlich haben ihn die verzweifflete Gedancken ſo kleinmuͤthig gemacht / daß er beſchloſſen / lie - ber zu ſterben / als ſolches Elend ferners außzuſtehen / nimbt zu diſem Zihl einen ſtarcken Strick / ſteigt in deß Nachbaren Garten ohnwiſſender auff denſelbigen Baum / in welchen der reiche Nachbar das Gold verborgen / faͤſſelt bereits den Strick vmb den Halß / wolte aber vorhero vmbſehen / ob er von jemand wurde wahrgenommen / in wehrenden vmbſchauen erblickt er den Sack Gelt in dem hollen Baum / ſchaͤtzt ihm ſolches fuͤr ein Goͤttliche Schi - ckung / erloͤſet alſobald den Halß von dem Arreſt / ſteigt ey - lends herab / bald hurtiger als Zachæus, vnd vergiſt vor Freuden den Strick auff dem Baum / danckte GOtt vmb diſes ohnverhoffte Gluͤck / wormit er ſein Hauß-Wuͤrth - ſchafft wider in den beſten Gang gebracht / nit lang nach diſem ſteigt obbenannter Geitz-Halß auff den Baum / in willens ſein guldenen Schatz ein Viſita zu geben / auch zugleich ſich mit deſſen Anblick zu ergoͤtzen / als er aber er - ſehen / daß die Voͤgel außgeflogen / war er dergeſtalten be - ſtuͤrtzt / daß er ſchier uͤber den Baum herunder gefallen / Ach / lamentierte er / ſo iſt dann hin / ſo iſt dann auß / ſo iſt dann weck das jenige / welches ich vil Jahr am Maul er - ſparꝛt habe / ach / was fang ich nunmehr an! wann ich nur ein Strick haͤtte / ſo wolt ich gleich damit mein vngluͤckſee -liges80Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /liges Leben enden / vnd wie er ſich vmbgeſchaut voll der Verzweifflung / ſihet er gleich neben ſeiner den Strick han - gen / welchen der andere vergeſſen / verweilt dahero nicht lang / ſondern mit dem Halß geſchwind in die Maͤſchen / vnd erhenckt ſich / hangte alſo diſes ſaubere Obſt an dem Baum / den kein anderer als der Hencker doͤrffte ſchuͤttlen. Ein wunderſeltzamer Baum iſt diſer geweſt / in deme er einem das Leben gebracht / dem anderen aber das Leben genommen / einem hat er auß der Noth geholffen / den an - deren hat er zum Todt gezogen / einen hat er auß dem E - lend errett / den anderen hat er in das Elend geſtuͤrtzt / ei - nem hat er das Hertz erfreuet / dem anderen hat er das Hertz abgeſtoſſen.
Auff gleichen Schlag tragt es ſich zu mit dem Ney - digen / als welchem deß Nechſten Gluͤck ihme ein Ungluͤck iſt / ja eines anderen ſein Seegen / iſt dem Neydigen ein Degen / der ihn verwundet; eines anderen ſein Hayl / iſt dem Neydigen ſein Sail / ſo ihn erdroßlet / eines anderen ſein Guet / iſt dem Neydigen ein Gluet / ſo ihn brennet; eines anderen ſein Wuͤrde / iſt dem Neydigen ein Buͤrde / vnder dero er ſchwitzet; eines anderen ſein Kunſt / iſt dem Neydigen ein Dunſt / ſo ihm die Augen peyniget / eines anderen ſein Doctrin / iſt dem Neydigen ein Ruin / ſo ihm ſchadet; eines anderen ſein Schatz / iſt dem Neydigen ein Katz / ſo ihn kratzet; eines anderen ſein Freud / iſt dem Neydigen ein Leyd / ſo ihme das Hertz quellet; eines an - deren ſein Hoͤhe / iſt dem Neydigen ein Wehe / ſo ihn pla - get; eines anderen ſein Grueß / iſt dem Neydigen ein Bueß / ſo ihn trucket; eines anderen ſein Schein / iſt dem Neydigen ein Peyn / ſo ihn ſchmertzet.
Saubere Bruͤder hat Joſeph gehabt / wann das Bruͤder ſeynd / ſo muß man die Haͤfen-Decken vnder die Credentz zehlen / wann das Bruͤder ſeynd / ſo koͤnnen dieSchle -81Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.Schlechen-Stauden auch Weinſtoͤck benambſet werden / wann das Bruͤder ſeynd / ſo kan man den Wolff auch ei - nen Burgermaiſter der Schaaf nennen / nit Bruͤder / ſon - dern Außbruͤter alles Ubels ſeynd ſie geweſt / vnd haben ſie das Sch. ſo wol in ihrem Titul verdienet / als der Ju - das Iſearioth; Wie der ehrliche Juͤngling Joſeph ihnen auß bruͤderlicher Auffrichtigkeit ſeinen Traum erzehlt / auß welchem man wol vermuthen hat koͤnnen / daß er nit laͤhr ſeye / ſondern ein Propheceyung ſeines kuͤnfftigen Gluͤcks / ſeynd ſie alſobald daruͤber gantz erblaicht / was! ſagten ſie / du junger Tauben-Schnabel / ſolſt du ein Koͤ - nig werden / vnd ſoll dein Gluͤck ſo hoch ſteigen / daß wir dir ſollen auffwarten / vnd die Knye biegen / ey bieg dir der Hencker den Hals / du uͤbermuͤtiger Bueb ꝛc. ſie waren uͤber ihn alſo verbittert / daß ſie ihn nit konten anſchauen / ja dahin / durch den verdambten Neyd getriben / daß ſie be - ſchloſſen / diſen ihren Brudern zuerwuͤrgen; aber laſt ein wenig mit euch reden ihr Schaaf-Hirten / ob ihr zwar bil - licher haͤttet ſollen Sau-Hirten abgeben / hoͤrt mich an / entweder iſt es wahr / daß ewer Bruder ein Koͤnig wird oder nit? iſt es nit wahr / ſo lacht uͤber ſolchen laͤhrẽ Traum / vnd foppet lieber durch bruͤderlichen Schertz diſen euren jungen ABC Schmid / gebt ihm einen Hirten-Kolben in die Hand / an ſtatt deß Seepters / vnd ſagt lachender Weiß / gruͤß dich Gott Euer Majeſtaͤt ꝛc. iſt es aber wahr / daß er ſoll Koͤnig werden / ſo ſolt ihr euch deſthalben nit zuͤr - nen / ſondern vilmehr frolocken / vnd ſagen alſo / wird vn - ſer Bruder Joſeph ein Koͤnig / ſo iſt es vns die groͤſte Ehr / vnd vnſerm gantzen Hauß ein ewiger Ruhm / ja da werden wir nit mehr vnſere ſchmutzige Hirten-Taſchen mit einem alt-bachenem Kipffel angefuͤllter tragen / ſondern ein jeder auß vns wird ſeyn Galanthomo, wie wird es vns ſo wol ſchmecken / wann man vns Gnaͤdige Herren wirdLſchelten /82Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /ſchelten / da wird gar gewiß der Bruder Ruben Obriſter Hoffmaiſter werden; da wird gar gewiß der Bruder Za - bulon zu der Cammer-Præſidenten Stell gelangen; da kans dem Bruder Iſachar nit faͤhlen / daß er nit Obriſter Kuchl-Meiſter wird / er iſſet ohne das gar gern gute Biſ - ſel; der Bruder Simeon wird ohne Zweiffel Obriſter Cam - merer werden / dann er kan mit den Complementen vmb - ſpringen / denckt es an mich / der Bruder Aſer wird Obri - ſter Jaͤgermeiſter / der wird ſich der hetzen / da wirds an - derſt hergehen / jetzt muͤſſen wir vnſere Magen mit ſauren Ruben außſchoppen / dort wird man vns andere Biſſel auffſetzen / ey Gott geb das vnſer Sepperl ein Koͤnig wird! dergleichen Reden haͤtten ſollen die Bruͤder Joſephs fuͤh - ren / aber der verdambte Neyd hat ihnen den Verſtand verruckt / die Vernunfft verkehrt / vnd wolten ſie lieber ſchlimme vnd arbeitſame Taͤg leyden / als den Joſeph in Koͤniglicher Wuͤrde ſehen / O hoͤlliſcher Neyd! der Ney - dige iſt ſchon zufriden mit ſeiner Armuth / wann er nur ſi - het / daß ſein Naͤchſter nit reich wird; der Neydige find ein Contento an ſeinem Elend / wann er nur merckt / daß es ſeinem Naͤchſten auch nit wol gehet; der Neydige beklagt ſich nit ſeines Vnverſtand / vnd Vnwiſſenheit / wann er nur ſihet / daß ſein Naͤchſter auch nit vil kan; der Neydige bleibt gern verworffen / wann er nur find / daß ſein Naͤch - ſter nit vorkombt; den Neydigen betruͤbt nit ſein Vnge - ſtalt / vnd Larven-Geſicht / wann er nur weiſt / daß ſein Naͤchſter auch nit ſchoͤn iſt / O verfluchter Neyd! du ſutz - leſt vnd ſaugeſt / auß der Gall das Hoͤnig / vnd auß dem Hoͤnig die Gall / dann deß Nechſten Vbel macht dir gut / vnd deß Nechſten Gut macht dir uͤbel / O! O! O!
Jener reiche Praſſer / von deme Meldung geſchicht in Evangelio, hatte alle Tag Kirch-Tag / er war alle Tag wol auff / vnd voll auff / er war zwar kein Soldat / iſt dochallezeit83Namens Urſprung / Jugend vnd Vntugend.allezeit mit Kruͤgen vmbgangen / er war kein groſſer Do - ctor, hat ſich doch gern in der Bibiothec auffgehalten / et war kein Fiſcher / thaͤtte doch ſtaͤts in naſſen arbeiten / er war Vormittag nit nuͤchter / zu Mittag hatte er einen Rauſch / auff dem Abend war er voll / ſein hauſen war ſchmauſen / ſein ſchmauſen war brauſen / ſein brauſen war pfnauſen / alles eſſen vnd trincken / vnd anders gut Leben / hat ihm ſein Vatter zum Heurath-Gut geben / aber auffLuc. 16. ein ſolche ſchlemmeriſche daͤmmeriſche Vigil iſt ein harter Feyrtag kommen / da nemblich diſer reiche Geſell in dem hoͤlliſchen Feur begraben worden; der arme Bettler aber / ſo nur vmb die Broͤßl ſuppliciret, die ſonſt der Diana, der Melampus, der Coridon, der Budl / vnder den Taffeln zu - ſam̄en klauben / iſt mit groſſen Freuden vnd Triumph in die Glory getragen worden. Jetzt ſteht zu fragen / wie der ar - me Bettler gehaiſſen hat / vnd der reiche Mann? deß Bettlers ſein Nahm iſt allbekandt / Lazarus, aber deß Rei - chen Namen weiſt weder Evangeliſt, noch Scripturiſt, noch Gloſſiſt, noch Commentariſt, &c. niemand / gleich - wol bin ich der Mainung / ich wolt errathen ſeinen Namen / er war ein vornehmer Herꝛ / man hat ihn ihr Gnaden ge - ſcholten / vnd hat allem Anſehen nach / Herꝛ Neydhard von Neydlingen gehaiſſen / auß Vrſachen / wie er ſchon bereits in der Hoͤll geſeſſen / hat er faſt mit ohnſinniger Stimm geſchryen zu dem Abraham, Vatter Abraham ich bitt / ich bitt / ich bitt / ſchicke doch den Lazarum, daß er mit einem Tropffen Waſſer mein feurige Zung erkuͤh - le. Diſer reiche Vogl iſt ein Freyherꝛ / oder wenigſt ein Land-Mann geweſt / ſoll er ihm dann nit eingebildet ha - ben / es ſchickte ſich nit / daß der Seelige ſoll den Verdamb - ten nachgehen / es thaͤt ſich ja uͤbel reimen / ſo ich auff der Gaſſen anſichtig wurde eines vornehmen Herꝛn / da erL 2zum84Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /zum Fenſter hinauß ſchaut / vnd ich hinauff ſchreyte / Gnaͤ - diger Herꝛ / ſteigt herunder / vnd ſpendirt mir etwas / auff daß ich mir kan etliche Buͤcher kauffen / ich main die La - ckey wurden mich einen groben Muͤnch tauffen / vnd ſa - gen / ich ſoll hinauff kommen / vnd anderthalb Stund herauſſen warten / dann jetzt ſeye ein Jud beym Gnaͤdigen Herꝛn ꝛc. Alſo haͤtt auch der reiche Geſell in der Hoͤll ſollen ſchreyen / O Vatter Abraham mach doch Gelegenheit / vnd bring es bey Gott auß / daß ich zum Lazarum hinauff darff vmb ein einiges Troͤpffel Waſſer. Es hat aber der verdambte Praſſer deſſentwegen nit hinauff begehrt zu den Lazarum, dann / wann er denſelben in ſo groſſer Glo - ry / Thron vnd Cron haͤtte geſehen / waͤr er ihme deſthal - ben neydig geweſt / vnd waͤr ihm ſolches haͤrter ankommen / als die Hoͤll ſelbſt. Dann ein Neydiger leydet ohnauß - ſprechlich / wann er ſihet / daß es ſeinem Naͤchſten wol ge - het. Dahero ſeynd die Neydige / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Nacht-Eulen / dieſelbigen koͤnnen kein Liecht ſehen / deſtwegen fliegen ſie hin vnd her / darumb vnd daran / vnd wollens außloͤſchen / alſo die Neydige moͤgen vnd koͤnnen nicht ſehen / wann jemand erleucht iſt / vnd glantzet mit Tugenden. Die Neydige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Kott-Keffer / diſe ſaugen auch auß der ſchoͤneſten Roſen nur das Gifft / nit das Hoͤnig / alſo die Neydige ſu - chen an ihren Gegentheil / nur was Maͤngelhafft / das Gute verſchweigen ſie / die Neydige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Feillen oder Raſpeln / welche verzehren / blagen / beiſſen vnd reiſſen andere Sachen / aber verder - ben ſich ſelbſt darmit / alſo die Neydigen ſehen / wie ſie den Naͤchſten moͤgen ſchaden / vnd verzehren ihr einiges Leibs vnd Seelen Heyl / die Neydige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Bronnen / welche gemainiglich kalt ſeynd / wann das Wetter warm iſt / vnd gemainglich warm / wan̄das85Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.das Wetter forderiſt in Winter kalt iſt / alſo dem Neydi - gen iſt uͤbel / wanns andern wol gehet / vnd iſt ihme wol / wanns andern uͤbel gehet. Die Neydigen ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie der Donner / welcher mehriſt Theil nur hohe Gebaͤu trifft / vnd nit nidere / alſo die Neydige nur die jenige haſſen / welche von Gott erhoͤhet ſeyn / die Ney - dige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Wachtlen / di - ſe ſchlimme Voͤgel ſeufftzen allezeit / wann die Sonn auff - gehet / alſo ſeynd die Neydige beſchaffen / welche alsdann ſeufftzen / vnd es ſchmertzlich empfinden / wann ſie ſehen den Naͤchſten in Ehr vnd Reichthumben auffgehen vnd wachſen / die Neydige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie ein Baum / vnder dem noch junge Baͤuml wachſen / diſe aber vndertruckt der groſſe Baum mit ſeinen Aeſten / dann er nit leyden will / daß ihm einer ſoll gleich wachſen: alſo auch ein Neydiger befleiſſet ſich / wie ers kan zuwegen brin - gen / daß einer von nidern nit zu hoͤhern Stand ſoll gelan - gen / die Neydige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die jenige / ſo am Fieber Kranck ligen / denen kommen auch ſuͤſſe Speiſen bitter vor / alſo kan die Neydige nichts mehrer verbittern / als wann der Naͤchſte gutes vnd ſuͤſſes Gluͤck genieſſet / die Neydige ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Fliegen / welche gemainiglich dem Menſchen nur an den jenigen plagen / wo er vngeſund oder verwundt iſt / alſo die Neydige nur daſſelbige an ihren Naͤchſten ſuchen / was tadlhafft iſt / das Tugendſame vnd Lobwuͤrdige verſchwei - gen ſie freymuͤthig / die Neydigen ſeynd / wie ſeynd ſie? ſie ſeynd wie die Aemper an einen Brunn / wann einer hin - under fallt / ſo ſteigt der ander in die hoͤhe / kombt einer herauff / ſo fallt der ander hinunder / alſo iſt dem Neydi - gen wol / vnd befindet ſich wol auff / wann er ſihet ſeinen Naͤchſten fallen / vnd ſo ſein Naͤchſter hoch ſteigt / thut ſich der Neydige daruͤber beſtuͤrtzen. O du verdambtes Laſter[!]L 3du86Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /du biſt ein Maden der Seelen / noch mehr / du biſt ein Apo - ſtema deß Hertzens / noch mehr / du biſt ein Peſt der fuͤnff Sinnen; noch mehr / du biſt ein Gifft der Glider / noch mehr / du biſt ein gefaͤhrliches Fieber deß Gebluͤts / noch mehr / du biſt ein Schwindel deß Haupts / noch mehr / du biſt ein Finſternuß deß Verſtands / noch mehr / du biſt ein Hen - cker vnd Folterer / vnd Tyrann deß menſchlichen Leibs; an - dere Laſter haben dan̄och ein wenige Freud / vnd eingebildte Ergoͤtzlichkeit: die Buelſchafft mit der Berſabæa hat gleich - wol dem David das Hertz ein wenig verzuckert: wie Hero - des ein Koſtgeher / vnd Bethgeher geweſt iſt bey ſeines Bru - ders Frauen / hat er gleichwol darvon ein augenblickliches Contento geſchoͤpfft: Wie Nabuchodonoſor ſich fuͤr einen GOtt auffgeworffen / vnd auß Hochmuth vnd Ubermuth ſich hat laſſen anbetten / hat den Narren gleich - wol ſolche groſſe Reputation gekitzlet: Wie der reiche Geſell alle Tag geſchlempt / hat ihm doch ſolches taͤgliche Gurgl-Waſſer ein Freud gemacht: Wie der Achan gar zu lange Finger gehabt / vnd uͤber das ſibende Gebott geſtol - pert / hat er dannoch ein Freud gehabt / daß er ohne Muͤhe iſt reich worden: Wie die Philiſtæer dem Samſon die Au - gen außgeſtochen / vnd er nach Verlurſt ſeiner Staͤrck / er ih - nen hat muͤſſen durch die Finger ſehen / haben ſie eine Ergoͤtz - lichkeit gehabt / weil ſie ſich an ihrem Feind gerechnet haben. Wie der Zachæus Partiten gemacht / vnd auß frembden Haͤuten huͤpſche braite Riemen geſchnitten / hat es ihm ein Freud gebracht / in Summa / alle Laſter haben ein Hoͤ - nig / ob zwar im geringen Gewicht / an ſich / vnd in ſich / vnd bey ſich / aber der Neydige findet nichts als Leyden / ja der Neydige empfindet ein ſtaͤtten Dorn / der ihn ver - wundet / hat ein ſtaͤtten Wurm / der ihm das Gemuͤth naget / leydet ein ſtaͤttes Schwerdt / ſo ihm das Hertz durch - tringet / hat ein ſtaͤtten Hammer / der ihm das Hertz zer -ſchlaget /87Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.ſchlaget / leydet ein ſtaͤtte Schlangen / die ihme das Hertz peyniget / hat ein ſtaͤttes Tiger / ſo ihm das Hertz verzeh - ret / leydet ein ſtaͤtten Wolff / der ihm das Hertz friſſet / hat ein ſtaͤttes Uhr-Werck / ſo ihm das Hertz beun - ruhiget;
O du verdambtes Laſter. Andere Laſter laſſen ſich in etwas vertuſchen / verhuͤllen / verbergen / vnd zaigt ſich mancher außwendig heilig / vnd iſt innwendig heylloß. Zaigt ſich offt einer außwendig ein Simon Petrus, vnd iſt einwendig ein Simon Magus. Es ſtellt ſich offt einer außwendig ein Philippus Apoſtel / vnd iſt einwendig ein Philippus Melancthon, es ſtecket gar offt in einer neuen vnd guten Schaid ein roſtige Paſſauer-Kling; auch trifft man offt ein ſchoͤne Nuß an / dero wurmſtichige Kern nachmahls dem Auffbeiſſer ein Grauſen machet; Aber der Neydige kan ſein Laſter nit verbergen / es iſt ihme das Angeſicht ein Verraͤther / die eingefallene Wangen / die finſtere Augen / die Berg-gruͤne Lefftzen / die buͤrckene Stirn / die gifftige Seufftzer / die melancholiſche Gebaͤrden / das Zwizeren der Zaͤhn / ſein mageres / außgeſelchtes / Schwe - belfaͤrbiges Angeſicht / iſt ein ſattſamer Tolmetſcher ſei - nes einwendigen Neyds: Ein Neydiger mag eſſen / was er will / wie er will / wann er will / wie vil er will / wo er will / ſo wird er doch Hundsmager bleiben / weil alles bey ihm in Gifft verwandlet wird; wie recht hat der Poët den Neydigen entworffen mit folgenden Verſen.
Dahero GOtt der HErꝛ den Cain ſelbſten gefragt / nachdem er ſeine Haͤnd in deß Bruders Blut gewaſchen;Genel. 4. Quare concidit facies tua? Cain, warumb iſt dir das Angeſicht alſo eingefallen? der Geſell war ſo mager wie ein Ladſtecken / es war aber deſſen kein andere Urſach / als der verdambte Neyd / als welcher ein Gifft iſt der menſch - lichen Geſundheit.
Es iſt zwiſchen dem weiſſen vnd dem ſchwartzen / zwiſchen dem Eſau vnd dem Jacob, zwiſchen dem Staͤttl Hai vnd der groſſen Statt Jericho, zwiſchen dem Egypti - ſchen Knoblach vnd dem Himmliſchen Manna, zwiſchendem89Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.dem David vnd dem Goliath kein ſo groſſer Underſchied / als zwiſchen dem Himmel vnd der Hoͤli / ja ohne alle Gleich - nuß. Dann im Himmel iſt lauter Freud / in der Hoͤll lauter Leyd: im Himmel iſt lauter Lachen / in der Hoͤll lauter Krachen / im Himmel iſt lauter Guet / in der Hoͤll lauter Gluet / im Himmel iſt nichts als Suͤß / in der Hoͤll iſt nichts als Spieß: im Himmel iſt lauter Luſt / in der Hoͤll iſt lauter Ohnluſt; der Himmel iſt ein Wohnplatz der Außerwoͤhlten / iſt ein Hauß der Belohnung / iſt ein Thron der Goͤttlichen Majeſtaͤt / iſt ein Loſament der Hei - ligen / iſt ein Tempel deß Liechts / iſt ein Paradeyß der Freuden / iſt ein Herberg der Seeligen / iſt ein Erquickung der Betruͤbten / ꝛc. Die Hoͤll iſt entgegen ein Folterbanck der Verdambren / iſt ein Kercker der vngluͤckſeeligen Ewig - keit / iſt ein Senckgruben deß Ohnflaths / iſt ein Orth der Finſternuß / iſt ein Quartier der boͤſen Geiſter / iſt ein Inn - halt alles Elends / ꝛc. Im Himmel iſt alles / was ergoͤtzet / erfreuet / erluſtiget / erquicket / erhoͤhet / ꝛc. In der Hoͤll iſt alles / was peyniget / was ſchmertzet / was brennet / was quellet / was martert / ꝛc. vnd dannoch iſt der Teuffel theuerer mit der Hoͤll / als GOtt mit dem Himmel / dann ein Neydiger ſo vil leydet vmb der Hoͤll willen / wann er nur halben Thail thaͤte wegen GOtt außſtehen / ſo wur - de es ihme der Allerhoͤchſte mit der ewigen Cron vergel - ten: Æmilius, Æmilianus, Baſilius, Baſilianus, Caſſius, Caſſianus, Claudius, Claudianus, Donatus, Donatia - nus, Euthychius, Eutychianus, Flavius, Flavianus, Gordius, Gordianus, Julius, Julianus, Lucius, Lucia - nus, Marcus, Marcianus, Marius, Marianus, Pontius, Pontianus, Primus, Primianus, &c. ſeynd Martyrer vnd Blutzeugen Chriſti / haben vil gelitten zu Cæſaræa, zu Nicomedia, zu Rom / zu Alexandria, zu Antiochia, zu Aquileia, zu Laodicea, &c. vil gelitten vmb den Him -Mmel;90Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /mel; aber ein Neydiger leydet vil mehr vmb die Hoͤll / O verruchtes Laſter!
Ein mancher wird wegen ſeiner Wiſſenſchafft zu groſſen Wuͤrden erhoͤhet / wie es dann billich / vnd iſt nichts ſchaͤdlichers / als wann man ohnverſtaͤndige Stroh-Hirn hinauff ſetzet; Bekannt iſt es ſattſamb / daß GOtt der Allmaͤchtige gantz vmbſtaͤndig das Gebaͤu der Archen vor - gezaichnet / auch beynebens gar genau befohlen / er ſoll Ochſen / Eſel / ſambt denen Thieren in dem vnderen Stock loſſieren / die Menſchen aber in das obere Zimmer / es haͤtt ſich ja nit gereimbt / wann Ochſen - vnd Eſel-Koͤpff haͤtten in dem oberen Gaden reſidieret / vnd die Menſchen her - unden / ob zwar bey der jetzigen verkehrten Welt gar offt die Erfahrnuß bezeuget / daß faſt gleiche Beſchaffenheit ſeye zwiſchen dem Topff vnd dem Knopff / zumahlen ein voller Topff auff dem Herd herunden ſtehet vnd leydet / daß ihm die Augen uͤbergehen / ein laͤhrer Topff aber / der ſtehet oben auff der Stoͤll: alſo wird nit ſelten ein laͤhrer Topff in die Hoͤhe zur Officia erhoben / vnd ein Kopff-vol - ler Wiſſenſchafft muß herunden bleiben. Ein manches - mahl / ob zwar nit ohne mercklichen Schaden / folgt man dem Brunnen nach / allwo der laͤhre Amper heroben iſt / der angefuͤlte entgegen vndertruckt; Thorrecht haben die Philiſtæer gebandlet / wie ſie den Abgott Dagon ver - ehret / der einen Fiſch-Kopff hatte / noch uͤbler iſt es / wann man der Zeit manchen muß verehren / der ein Stockfiſch - Kopff hat; Die Natur iſt ein witzige Mutter / als wel - che dem kleinen Fingerl an der Hand das Ambt auffge - tragen / daß er ſolle Ohren-Raumer ſeyn / nit aber dem Daum oder Zaig-Finger / weil ſich demnach der kleine beſſer hierzu ſchicket / als die andere: deßgleichen ſoll man fein zu Aembter vnd Officia erheben die jenige / welche ge - ſchickt ſeynd / vnd nit ohngeſchickt. Die Baͤumer / obſchon91Namens Urſprung / Jugend vnd Vntugend.ſchon etliche grobe vnd ohngeſchlachte Kerl vnder ihnen / ſeynd dannoch ſo beſcheid geweſt / ſagt die H. Schrifft / daß ſie einhellig die Dorn-Stauden zum Koͤnig erwoͤhlt haben / vnd glaub ich darumb / weil ſolche ſpitzfindig / vns zu einer Lehr / daß die Spitzftindige vnd Witzige vor allen Plumpen ſollen den Vorzug haben. Wann zu Ingol - ſtatt in Bayren / die Studenten auß anarthigen Muth - willen einige Ungelegenheit verurſachen / vnd etwann auff der Gaſſen die Stain alſo wetzen / daß ihnen das Feuer zum Augen außgehet / werden ſie auff der Univer - ſitet in die Keichen geſetzt / beklagen ſich aber dazumahlen nichts mehrers als wegen eines Nacht-Geſpenſts / ſo ſie insgemain den Pentzen nennen / welches gantz ohne Kopff iſt / alſo ſoll warhafftig manches Orth / Statt / Gemain nichts mehrers ſchroͤcken / als wann ſie ein Obrigkeit ohne Kopff haben / verſtehe ohne Verſtand; dann wir Teut - ſche gemainiglich die jenige / die ſich von Stroh-Hofen ſchreiben / ohne Kopff benambſen; die jetzige Welt folgt layder! gar offt den Baumaiſtern nach / welche die Knoͤpff zu hoͤchſt deß Tachs ſetzen / lamentieren doch / andere zu geſchweigen / auch die Bauren / wann ihre vorgeſetzte Pfleger grobe Knoͤpff ſeynd. Groſſe Herren / gemaine Re - public, geſambte Staͤtt / ſolten es dem H. Geiſt diſer drit - ten Goͤttlichen Perſohn nachthun / als welche in Feuers - Geſtalt ſich auff die Koͤpff der Apoſtlen / vnd nit anderſt - wohin geſetzt / es iſt ſo wol ſchaͤndlich als ſchaͤdlich / wann man nit den Kopff / ſondern die Haͤnd oder das anver - wandte Gebluͤt beobachtet / mit allem Fleiß hat Chriſtus der HErꝛ ſeinen Vettern Joannem nit zum Pabſtthumb erwoͤhlt / ſondern Petrum, damit wir in Außthailung der Aembter nit ſollen beobachten die Verwandſchafft / ſon - dern die Wiſſenſchafft; Ohnweißlich hat gehandlet Hen - ricus der Achte in Engelland / der ſeinen Koch zu einemM 2ſtatt -92Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /ſtattlichen Ambt erhoben / vmb weilen er ihme ein wolge - ſchmackte Speiß zugericht. Wann die Voͤgel konten re - den / ſo man ſie ſolte fragen / wer ſie alſo in die Hoͤhe brin - get / wurden ſie ohngezweifflet antworten / nichts anderſt als die Federn / durch ſolche / vnd mit ſolchen kommen ſie alſo empor / dahero thun gar weißlich die jenige groſſe Monarchen vnd Fuͤrſten / welche dieſelbige zur Hochheit vnd Wuͤrden promoviren / ſo ein gute Feder haben / daß iſt Verſtand vnd Wiſſenſchafft / auff gleiche Weiß ſeynd gar vil zu hoͤchſten Ehren gelanget / vnd hat Agathoclem Koͤnig in Sicilien nit gemacht ſein Stammen-Hauß / alsBeierling litt. M. der eines Hafners Sohn war / dem Leſco Koͤnig in Poh - len hat nit die Cron auffgeſetzt ſein vralter Adl / als der eines Bauren Sohn war; vnd hat Primislaum nit Koͤ - nig in Boͤhmen gemacht ſein altes Herkommen / als der erſt vom Pflug war; vnd hat Tamerlanem den Kayſer nit zu diſer hoͤchſten Wuͤrde geholffen ſein adeliches Hauß / als der nur eines Holtz-Hackers Sohn war; vnd hat Willigiſum nit zum Ertz-Biſchoffen geweicht ſein vral - tes Geſchlecht / als der nur eines Wagners Sohn war / ſondern alle diſe haben die Verdienſten vnd Wiſſenſchaff - ten erhebet / wie es dann noch auff den heutigen Tag ge - ſchicht / daß ſolcher geſtalten offt auß gemainen Leuthen vornehme werden; aber dazumahlen erhebt ſich der Neyd; was Neyder hat nit David gehabt / wie er alſo uͤberſich kommen: was Neyder hat nit der redliche Mardochæus gehabt / wie er bey dem Hof Aſſueri alſo fortkommen / was Neyder haben nicht die drey Knaben gehabt bey den Babyloniſchen Edel-Leuthen / wie ſie alſo hoch kommen: was Neyder hat nit Stephanus gehabt / wie er alſo bey den Leuthen in ſo gutes Concept kommen: was Neyder hat nit IEſus vnſer Heyland gehabt / wie er alſo bey dem Volck ſo vil golten / O Neyd! was Neyder hat nit taͤg -lich93Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.lich jener / der durch ſeine Meriten hoch ſteiget / ja die Ney - der laſſen offt nit nach / bewoͤgen alle Stain / ſchuͤttlen alle Baumer / brechen alle Mauer / ſpitzen alle Degen / ſo lang vnd vil / biß ſie einen ſolchen auß dem Sattl heben / die Fe - dern rupffen / den Stuel zucken / daß er uͤbern Hauffen fallt / nachmahls ſchutzen ſie vor / aber vnder deß Teuffels ſeinen Mantl / vnder deß Sathans ſeiner Spanniſchen Wand / vnder deß Lucifers ſeinen Vorhang / wie daß ſol - cher deſthalben gefallen / vom Ambt vnd Ehr kommen / weil er ſich uͤbernommen / ſich nit mehr gekennt / vnd an - dere nur uͤber die Achſeln geſchaut / O verdambter Neyd! So iſt dann dir deß Nechſten Roſen ein ſtechender Dorn? ja / ſo iſt dann dir deß Nechſten Hoͤnig ein Gall? ja. So iſt dann dir deß Nechſten Alchermes ein Gifft? ja. So iſt dann dir deß Nechſten Scepter ein Ochſen-Zehn? ja. So iſt dann dir deß Nechſten Freud ein Krieg? ja. O du Teuffels-Martyrer.
Ein anderer gelangt durch ſeine hoͤchſt-ruͤhmliche Tapfferkeit zu einer vornehmern Charge im Feld / vnd ſeynd wenig Jahr / da ihn der Gefreuter mit Bernheut - tern geſpeiſt / jetzt haiſt es / Burſch ins Gewoͤhr / der Ob - riſt kombt / aber diſen hat ſein Gluͤck geſchmidet / die oͤffte - re erzaigte Generoſitet im Feld / alſo iſt es vor diſem ge - weſt / alſo ſoll es ſeyn / daß man die jenige promoviret / welche da ſeynd wie der Granat-Apffel / diſe Frucht hat ein rechte Cron auff / auß Urſachen / weil die Natur geſe - hen / daß der Granat-Apffel einwendig lauter rothe Hertzl habe / alſo gedachte ſie / ſeye es billich / wo ſo vil Hertz / ſoll auch Cron vnd Lohn ſeyn / dann ein wolbehertzter Soldat verdienet / daß man ihn ehret vnd forthelffet: Soldaten / welche da ſeynd wie der Sallat / wo mehr Oel als ſcharpf - fer Eſſig / die verdienen nichts.
M 3Sol -94Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß.Soldaten / die ins Quartier eylen / wie die Schwal - men ins warme Sommerland / verdienen nichts.
Soldaten / die vor dem Feind zitteren / wie ein eſpe - nes Laub / verdienen nichts.
Soldaten / die ein Grauſen haben vor dem Streitt / als haͤtten ſie einmahl ein Haar darinn gefunden / verdie - nen nichts.
Soldaten / die da wuͤnſchen ihre Roß haͤtten 6. Fuͤß / damit ſie deſto hurtiger moͤchten durchgehen / verdienen nichts.
Soldaten / die weniger Wundmaͤhl-Zaichen / als der Raab weiſſe Federn / verdienen nichts.
Soldaten / die lieber tummeln als Trummeln hoͤ - ren / verdienen nichts.
Soldaten / die lieber den guldenen Adler am Wuͤrths - Hauß / als den ſchwartzen Adler am Kriegs-Fahn ſehen / verdienen nichts.
Soldaten / die mehr nach Lachſi, als Goruaſchi trachten / verdienen nichts.
Soldaten / die nur den Bauren zwagen / vnd mit gluͤender Schauffel alſo mit ihm Stock ſchlagen / daß den armen Tropffen von Michaëli biß auff Georgi nit mehr Niderſitzen geluͤſtet / verdienen nichts. Aber Soldaten / die ſich tapffer vnd ritterlich halten / verdienen alles / dann ein Feder-Buſch auff dem Hut macht kein Soldaten / ſonſt waͤr auch der Widhopff ein Kriegs-Officier; ein Scharpen vmb die Lenden macht kein Soldaten / ſonſt waͤren auch die Engel am Fronleichnambs-Tag Solda - ten. Die Beckel-Hauben auff dem Kopff macht kein Soldaten / ſonſt waͤren auch die Koth-Lerchen Soldaten. Ein Spieß uͤber die Achſeln macht kein Soldaten / ſonſt waͤren auch die Landbotten Soldaten / ſondern ein anſeh -liche95Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.liche Tapfferkeit / ohnerſchrockene Generoſitet, vnd ohn - uͤberwindlicher Helden-Muth macht einen Soldaten:
Jener auß Ober-Sachſen / mit Nahmen BenedictZeiler. I. 4. fol. 39[.] von Fontana hat ſich Anno 1499. in dem Schweitzer - Krieg / vnd einer Schlacht der Graubinder mit den Ty - rollern / nahet der Molſer-Hayd tapffer gehalten / indem er deß Feinds Schantz mannlich erſtigen / vnd da er ein - wendig verletzt worden / mit einer Hand das verwundte Inngewayd gehalten / vnd mit der anderen ſich gewoͤhret / ein ſolcher verdient ewiges Lob vnd Lohn / wann aber der - gleichen einer erhebt wird / was Neyder zuͤglet er ihm au - genblicklich / der Neyd wirfft ihm alle Tag ein Bruͤgl vn - der die Fuͤß / der Neyd ſperꝛt ihm alle Tag faſt den Paß zu der Victori, der Neyd verſtopfft ihm faſt alle Tag die Trompeten im Feld; der Neyd vertheuert ihm faſt alle Stund das Schieß-Pulver / vnd darff nit ſchieſſen / auß Forcht / er wecke auff das Kind auß dem Schlaff. Der Neyd fallt ihm vnd ſeinem Pferdt alle Augenblick in Zaum / vnd diß iſt faſt das jenige / was vns ſo vil Sieg vnd Victori auß den Haͤnden rafflet / wir nennen es hoͤff - lich die Kriegs-Competenzen / aber ſolche Competenz - Waffen hat der Teuffel in der Werckſtatt deß Neyds geſchmidet / O Neyd! Auff ſolche Weiß iſt dir deß Nech - ſten Erhoͤchung deine Erniderung / nicht anderſt; auff ſolchen Schlag iſt dir deß Nechſten Purpur ein ſtechendes Cilicium, nicht anderſt; auff ſolche Manier iſt dir deß Nechſten Gelt-Taſchen ein Maul-Taſchen / nit anderſt; auff diſe Modi iſt dir deß Nechſten wunderliches Lob ein Wunden / nit anderſt; dergeſtalt iſt deß Nechſten Gnad / dir Ihr Geſtreng / nit anderſt / O Neyd!
Es kombt gar offt ein Armer zu groſſer Reichthum / vnd hat fuͤrwahr der Saul / damahlen wenig Sammet1. Reg. 9[.] angetragen / wie er die Eſel ſeines Vatters Gis geſucht /iſt96Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /iſt gleichwol hernach ein reicher Koͤnig worden; eines ar - men Holtzhackers leinene Struͤmpff / vnd andere zerriſſene Bettlers-Lumpen verzweifflen nit an ihrem Gluͤck; auch iſt nichts neues / daß offt abgeſchabene Ziggeuner-Win - del durch den Stampff verkehret worden in das ſchoͤnſte Pappier / worauff man mit Gold vnd Silber ſchreibet. Pagata de admir. n. 92.Der jenige Kuͤhe-Stall / in welchem die Heil. Jungfrau Euphemia gedient hat / iſt nunmehr in einen ſchoͤnen koſt - baren Gold - vnd Silberreichen Tempel verwandlet / alſo geſchicht wol oͤffter / daß gemaine Stall Knecht vnd Stall - Diern zu groſſen Ehren vnd Habſchafften kommen; jene drey Krotten / wol ein garſtiges Thier / in dem vralten Frantzoͤſiſchen Wappen / ſeynd durch Anlaitung deß Him - mels nun anjetzo in ſchoͤne Lilien verkehret; dergleichen hat die Welt oͤffter geſehen / daß auß denſelbigen / ſo arm vnd verworffen waren / vornehme vnd reiche Leuth wor - den; Es ſeynd gewiſſe Wuͤrm / welche ſich den gantzen Winter durch in ein freywilliges Grab einſperren / vnd gar todt ligen / bey angehendem warmen Sommer aber werden die ſchoͤnſten Weinfalter darauß / welche mit vil - farbigen Fluͤgel als reiche Sonnen-Voͤgerl prangen / biſt du nun Menſch ein armer Erd-Wurm / vnd tritt dich faſt jedermann mit Fuͤſſen / auch dein gantze Habſchafft kanſt in einem Bettl-Sack ſalviren / ſo hoffe dannoch / dann wol oͤffter das Gluͤck in der armen Leuth Haͤuſer hat eingekehrt / es koͤnnen dir noch wol die Fluͤgel wachſen / wormit du dich weit uͤber deines Nechſten Vermoͤgen er - hebeſt; geſchicht es dann / daß ein ſolcher entweder durch aignen Schwaiß vnd Arbeit / oder durch beyfallenden Gluͤck / oder durch vnverhoffte Erbſchafft zu Mittel ge - langt / wie man dann dergleichen vil zehlet / was Neyder verfolgen ihm nit alſobald? man vergunnt ihn das Biſ - ſel nit / ſo er mit gutem Gewiſſen erworben / da haiſt es /er97Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.er hat gut reich zu ſeyn / er hat dem Kayſerlichen Beutel zimblich die Regiſter gezogen / er hat die Puppillen-Gel - ter nit ein wenig geſchrepfft / er hat der Stieff-Kinder das ihrige huͤpſch ſauber durch die Haͤchel gezogen / der karge Narꝛ weiſt / wie vil man Knoͤdl auß einem Maͤßl Meel ſchnitzlet / zuͤglet er doch auß ſeinen Dienſtbotten lauter Cartheuſer / vnd haben ſie nur einen Faſt-Tag / der wehret das gantze Jahr / ꝛc. O Neyd! hat er dir dann was layds gethan / daß du ihm alſo die Zaͤhn zaigeſt? er ſchlagt dich nit / wie der Cain ſeinen Bruder / er ſticht dich nit / wie der Joab den Abſalon, er beiſt dich nit / wie die Beeren die Eliſæiſche Knaben / er ſtoſt dich nit / wie der Engel den Petrum in der Keichen / er wirfft dich nit / wie der David den Goliath / er brennt dich nit / wie die Samſoniſche Fuͤchs die Felder der Philiſtæer / er haut dich nit / wie Pe - trus den Malchum, er nimbt dich nit beym Haar / wie der Engel den Habacuc, er thut dir kein einiges Layd an / ja / ja / ja / ſagt der Neydige / ich leyde ohnbeſchreibliche Peyn / wann ich ſihe / daß dem Nechſten wol gehet / das iſt mir uͤber rauffen / ſtoſſen / hauen / brennen / werffen / ſchlagen / beiſſen / ſtechen vnd wuͤrgen; O du Teuffels-Martyrer!
Die Welt hat zum oͤfftern weitberuͤhmte Kuͤnſtler gehabt / dero Kunſtreiche Haͤnd ein manchesmahl die Na - tur ſchamroth gemacht haben / vnd iſt hoͤchſte Verwunde - rung geweſt / daß ſich der Menſchen Witz ſo weit erſtre - cke; Jene Werckmaiſter haben ſchier ſtainene Mirackel gemacht / welche die ſtattliche Thuͤren zu Cremona, Bo - nonien, Venedig / Straßburg vnd Wienn haben auff - gefuͤhrt; In Æthiopia iſt ein uͤberauß ſchoͤne Kirch /Alvarez c. 44. welche mit allen Saͤulen vnd Altaͤren auß einem einigen Stain außgeholt vnd gebaut. Der vornehmſte KoͤnigDe rebus Sin. l, 3. in Sina hat 79. Pallaſt / dero einer auß Gold / der ander auß Silber / der dritte auß Marmol / Helffenbein / ꝛc. jaNgantze98Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /gantze Zimmer auß Edlgeſtain ſeynd. Die jenige Mai - ſter haben ein ewigen Nahmen erworben / welche die Brucken zu Prag in Boͤhmen / die Brucken zu Dreßden in Sachſen / die Brucken zu Londen in Engelland / vnd dieGell. l. 10. art. 12. Brucken zu Regenſpurg verfertiget; Ein Kunſt-Stuck iſt geweſt jene hiltzene Tauben / welche trutz einer lebendi - gen im Lufft geflogen / durch innerliches Uhrwerck / vndBrun. von Archita gemacht worden. Ein Kunſt-Stuck iſt je - ne Uhr zu Prag am Rathhauß / ſo faſt ein eyſener Jahrs - Calender zu nennen / weil nemblich der gantze Himmels - Lauff darinn begriffen / vnd alle Monath / Wochen / Stund vnd Augenblick der Planeten Lauff angedeutetPlin. lib. 7. c. 21. wird. Ein Kunſt-Stuck hat Myrmecides gezaigt / wie er auß Helffenbain ein Wagen ſambt Pferdt vnd Gutſcher alſo klein vnd kuͤnſtlich geſchnitten / daß man alles vnder dem Fluͤgel einer kleinen Fliegen hat koͤnnen verhuͤllen. Ein Kunſt-Stuck iſt jene Kirch in Engelland zu Salisbur, welche ſo vil Fenſter als Taͤg im Jahr / ſo vil Saͤulen als Stund im Jahr / ſo vil Porten als Monath im Jahr /Froͤlich Itin. hat; Ein Kunſt-Stuck iſt die Kirch zu Ulm / an wel - cher hundert vnd eilff Jahr gearbeitet worden; Ein Wun - derwerck der Welt iſt der Tempel Dianæ, deſſen Gebaͤu zwayhundert vnd zwaintzig Jahr gewehret. Ein Kunſt -Schott. Stuck war jene Statua oder Bildnuß zu Panormi in Si - cilia, welche durch innerliches Uhrwerck die Lauten ge - ſchlagen / vnd hin vnd her auff Menſchen-Arth ſpatzieren gangen. Ein Kunſt-Stuck war jenes Gſchloͤſſel / wel - ches ein Teutſcher Schloſſer dem Pabſt Paulo dem IV. uͤberraicht / vnd darfuͤr auff die ſechshundert Gulden be - kommen. Ein Kunſt-Stuck iſt jene groſſe Glocken zu Erdfuhrt / welche Gerard Woie gegoſſen / an dero vier vnd zwaintzig ſtarcke Maͤnner zu leutten haben / vnd wird ihr Klang bey haitterem Himmel auch auff vier teutſcheMeil99Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.Meil gehoͤret. Lauter Kunſt-Stuck ſeynd / was da ſchier uͤber Menſchen-Verſtand gemahlet haben Titianus, Baſ - ſiſanus, Mutianus, Bonarota, Urbinus, Berninus, Sal - viatus, Sandratus, Blumbinus, Dominichinus, Dona - tellus, Bandinellus, Zucca vnd Zuccarus, &c. lauter Kunft-Stuck ſeynd / was da auß Holtz vnd Stain gehaut haben Sanſouinus, Franzioſinus, Vaſoldus, Marianus, Mochus, Poggus, Lorenzetus, &c. vnd dannoch diſe alle obbenannte Maiſter vnd Kuͤnſtler ſeynd dem biſſigen Neyd nit entgangen / ja vil deren wegen der Neyder kein ſicheren Fuß auß dem Hauß geſetzt / etliche von denen Neydern grauſamb ermordt worden / etliche durch die Neyder mit tauſenderley Schmachreden an der Ehr ver - letzt worden; ja es haben ſich einige gefunden / die auß Neyd gegen diſen Kuͤnſtlern ſich ſelbſt ermordt / damit ſie nit laͤnger dero Lob moͤchten anhoͤren / vnd dero Kunſt anſchauen / O verdambter Neydhard! du wirſt aͤrger ge - brennt als Laurentius, wann man dein Nechſten lobet / du wirſt mehrer geſtainiget als Stephanus, wann man dein Nechſten ehret; du wirſt grauſamer gequellet als Sebaſtianus, wann man deinen Nechſten hervor ſtrei - chet; du leydeſt ein groͤſſeres Creutz als Andreas, wann man deinen Nechſten preyſet; O Teuffels-Martyrer!
Es ſeynd nit alle Laͤmbel deß Jacobs weiß geweſt / ſondern ſehr vil auch geſpraͤngt vnd geſchecket / es ſeynd nit in allen drey Koͤrben Mund-Semmel geweſt / von denen deß Pharaonis Pfiſterer getraumet / ſondern in ei - nem iſt auch ſchwartz Geſindl-Brodt geweſt: Es ſeynd nit lauter Tauben vnd Paradeyß-Voͤgel in der Archen Noë geweſt / ſondern auch Gimpel vnd Nacht-Eulen. In dem Netz Petri ſeynd nit lauter Fohrellen vnd Saͤlb - ling geweſt / ſondern auch grobe Stockfiſch; Abraham hat ſein Verlaſſenſchafft nit gleich außgethailet / ſondernN 2einem100Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /einem mehr geben / dem andern weniger / alſo hat die Na - tur kein Gleichheit in Außthailung der Geſichter / ſon - dern einem ein ſchoͤnere Geſtalt ſpendiret / als dem ande - ren / vnd alſo ſeynd nit alle Weibs-Bilder ſchoͤn vnd wol - geſtalt / ſondern es gibt auch ſchaͤndliche vnd ohngeformb - te Geſichter / dahero wie der Koͤnig Aſſuerus ſeine Vaſthi abgedancket / vnd ein andere Frau-Gemahlin zu erkiſen beſchloſſen / hat er in alle Landſchafften außgeſchickt jun - ge Maͤdl zu ſuchen / aber ſchoͤne / keine Großmaul-Aſiati - ſche / keine Langnaß-Arcadiſche / keine Gelbfarb-Hele - ſpontiſche / keine Grauaug-Cappadociſche / keine Buckl - hafft-Atlantiſche / keine Grobhaut-Mauritaniſche / keine Ohngeſchickt-Trapezuntiſche / keine / ſondern lauter ſchoͤ - ne / ja die allerſchoͤnſte ſoll man außerleſen / auß denen er nachmahls ein beliebige Koͤnigin erwoͤhlen koͤnne: Nach - deme Ihro Majeſtaͤt dem Koͤnig Aſluero die wolgeſtalti - ſte Toͤchter ſeynd vorgefuͤhrt worden / hat vor allen ſeinen Augen wolgefallen ein uͤberauß ſchoͤnes Maͤdl mit Nah -Eſther. 15. men Eſther, welche er dann ohnverzuͤglich zu einer Koͤ - niglichen Frauen-Gemahlin außerwoͤhlt / aber da haͤtte jemand ſollen die Gemuͤther der anderen einſehen / was Neydvolle Gedancken ſie gegen diſem Juden-Toͤchterl ge - ſchoͤpfft / ach / dachte eine / das Schelmen-Vieh hat ja das Gluͤck / daß ihr der Hencker das Geſicht pegle; die Beſtia, ſagt etwann ein andere bey ihr ſelbſt / ich wolt / ſie haͤtt an ſtatt ihrer ſchwartzen Augen ein paar glaͤferne Wam - mes-Knoͤpff von einem Fleckſteder; die dritte gedacht / waͤr ich ein Spinnerin / ich wolt ihr bey der Nacht das Geſicht zurichten / daß ſie morgens fruhe ſolte ein Zi - tracht haben / wie ein Schwediſcher Mantl-Kragen; die Hoͤppin! wuͤnſchte ein andere / waͤr ich nur ein gifftiges Wiſſerl / ich wolt ſie im Hof-Garten einmahl anblaſen / daß ſie ſolt Rauden vnd Kraͤtzen bekommen / daß man alleTag101Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.Tag ein Land-Metzen kundt von ihr ſchaben: als wann ich / ſagt ein andere / nit auch ſchoͤn waͤre / was wolten end - lich ſein ihre Roͤßl im Geſicht / das hat nun ein jede K[r]eb - ſen-Richterin / das weiſſe Fehl / welches ſie hat / hat ein an - dere auch / vnd wer waiß / obs nit noch einmahl die Blat - tern hat / vnd alsdann ein Geſicht bekombt / wie ein ge - rupfftes Sauleder uͤber ein Bauren-Kummet; diſe der - gleichen Competenz-Fraͤule ſeynd vor Neyd gegen der Eſther ſchier geſtorben; Dergleichen Begebenheiten ſeynd faſt noch taͤglich in dieſer verkehrten Welt / vnd iſt eine der anderen vmb ihr ſchoͤne Geſtalt / ſo ſie von Got - tes Haͤnden bekommen / neydig / ja manche will GOtt in ſeinen Geſchoͤpffen einreden / vnd gleichſamb beſſer machen als er / auch die Natur ſchimpfflich corrigieren / damit ſie nur auch der anderen nichts nachgebe an der Geſtalt; ſie ſteht vorn Spiegel ſo lang / daß ihr moͤchten Blattern an Fuͤſſen aufffahren / ſie krauſt vnd zauſt ihre Haar vnd ziechts ſtreng / als waͤren ſie in einem ſtaͤtten Novitiat, da muß ein Haarlocken krump ſeyn / der ander noch kruͤmper / der dritte zum krumpeſten / da muß vil Haar ſeyn / dort we - nig Haar / da muß gar ſchitter ſeyn / wie das Trayd der armen Leuthen / da muß in die Hoͤhe ſtehen wie ein Rai - ger-Buſch / da muß hinauß ſtehen wie ein Bachſteltzen - Schwaiff / da muß herunder hencken wie ein Bier-Zai - ger / da muß die Schaidl ſein wie ein Lateiniſch Ypſilon, da muß rauch ſeyn / dort glat / da gemiſcht / da pleſant, dort negligant, da galant: Die Lenden muͤſſen geſchnie - ret ſeyn / eng ſeyn / gebunden ſeyn / zwickt ſeyn / zwungen ſeyn / vnd bald mehrer leyden / als die Iſraeliter in Egyp - ten / vnd muß der Leib ſo rahn ſeyn / wie ein zugeſpitzter Zucker-Hut / da muß ſich das Geſicht waſchen laſſen / rei - ben laſſen / pollieren laſſen / faͤrben laſſen / ziehren laſſen / zaͤhren laſſen / ziehen laſſen / daß es ſich ſchier mit deß Ba -N 3laams102Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /laams Eßlin moͤcht beklagen / damit aber das Fehl rain bleibe / nimbt ſie bey der Nacht ein Larven uͤber das Ge - ſicht / das ihr ſchier der Athem verkuͤrtzt wird / da friſt ſie Kreiden / Wachs / Terbenthin / Saltzſtain / Froͤſchbainer / Schnecken-Pulver / damit nur die Haut nit Braunaue - riſch wird / damit die Wangen zu Weiſſenburg bleiben / damit die Lefftzen zu Rottenburg loſſieren / da legt ſie ſo enge Schueh an / daß ſie faſt keine groͤſſere Fußſtapffen im Sand laſt / als die Rohr-Aendl / es geſchicht aber alles dar - umb / weil ſie der Nechſtin neydig iſt vmb ihre Geſtalt / vnd nit gern hoͤren wolt / daß ein andere ſchoͤner ſoll ſeyn als ſie. O ſauberes Muſter! Pachomius hat vil gelit - ten in der Wuͤſten; Paphnutius hat vil gelitten in der Einoͤde. Onuphrius hat vil gelitten in der Wildnuß / aber du leydeſt mehr / dannoch iſt die Belohnung vngleich / dann jenen hat GOtt vmb ihr Leyden die Seeligkeit er - thailt / dir vmb dein Leyden wird der Teuffel auff ewig die Hoͤll ſpendiren.
Theagenes war ein ſolcher praver vnd ritterlicher Held / daß ſeine Victori vnd Sieg an allen Orthen er - ſchallen / vnd weil man dazumahlen die Verdienſten meh - rer auff die Waag-Schallen gelegt hat / als der Zeit / vnd vor diſem einen die Fauſt fauſtum, das iſt / gluͤckſeelig gemacht / alſo iſt gleichmaͤſſig nit allein zu Lebzeiten ſeine ohnuͤberwindliche Tapfferkeit vergolten worden / ſondern auch / man wolte nach dem Todt ſein Lob verewigen / zu ſolchem Ende / iſt ihme ein ſtattliche Saul mit ſeiner Bildnuß auffgericht worden / welches aber einem Miß - goͤnner vnd Neyder dergeſtalten in die Naſen gerochen / daß er alle Nacht dieſelbige Saulen ein halbe Stund nach Genuͤgen abgebruͤglet / weil aber ſolches neydige Bueben - ſtuck gar zu lang gewehrt / vnd einem jeden ſein Arbeit ſolle belohnet werden / alſo iſt diſem Neydhard begegnet /da103Namens Vrſprung / Jugend vnd Vntugend.da er eineſt mitten im Bruͤgl vnd Gaißlen begriffen / daß die Statua oder Bildnuß herunder gefallen / vnd dero ſtai - nene Kopff dem anderen ſein Eſel-Kopff gaͤntzlich zer - ſchmettert; O wie recht! dann der Neydige ſchadet nie - mand mehrer als ihme ſelbſt / er iſt ſein aigener Hencker vnd Tyrann / er ſchleifft ihm ſelbſten den Degen / mit deme ſein Hertz immer vnd immer verwundt wird / er iſt dem Tiger ſo gleich / als die Woͤlffin dem Wolff / dann das Tiger durch die liebliche Muſte alſo ergrimmet / daß es ſein aigenes Fleiſch mit Zaͤhnen zerbeiſt / alſo der Neyder nit weniger ihme ſelbſt das Hertz zerreiſt / wann er ſiher deß Nechſten ſein Wolſtand.
Was der verlohrne Sohn vor ein Landsmann ge - weſt / iſt eigentlich nit bekannt / ich glaube aber ein Irꝛlaͤn - der; wie er gehaiſſen hat / iſt nit bewuſt / ich glaube aber Malefacius, von was vor einem Orth er ſich geſchriben hab / allweil er ein Edelmann / hat man noch nit erfah - ren / ich glaub aber wol von Maͤdlſperg vnd Frauhofen / ꝛc. was er im Wappen gefuͤhrt / hat es niemand beſchriben / ich glaube aber wol ein Sau-Magen in gruͤnem Feld: Diſer Geſell raiſte mit wolgeſpicktem Beutel in die Laͤn - der vnd Provintzen / aber auß denſelben iſt er nit froͤm - mer / ſondern ſchlimmer kommen / vnd werden noch gar offt manchem adelichen Juͤngling die Laͤnder in Elender verwandlet / auch raiſet nicht ſelten ein guter Germanus auß / vnd kombt ein ſchlechter Hermanus nach Hauß; Was Ehr vnd Ruhm iſt es dann dem anſehlichen FlußEin groſſer Fluß Sa - vus die Sau ge - nannt. Donau / daß er in die Laͤnder raiſt / durch Schwaben / Bayren / Oeſterreich / Ungaru / endlich aber in die Sau flieſt; Der fromme Jacob hat auff ſeiner Raiß ein Lait - ter gen Himmel geſehen / aber layder vil auß vnſerem Adl finden auff ihrer Raiß ein Laitter in die Hoͤll; Wann der Zeit niemand geraiſt iſt / ſo halt man ihn fuͤr einenStu -104Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /Stuben-Hocker / der ſein Lager hinder dem Ofen auffge - ſchlagen / aber ſagt mir liebe halb Teutſche / dann gantze ſeyet ihr ſchon lang nit mehr geweſt / iſt es nit wahr? Ihr ſchicket euere Soͤhn auß / damit ſie in frembden Laͤn - dern mit groſſem Unkoſten frembde Laſter lehrnen / da ſie doch mit wenigerem Unkoſten zu Hauß die Tugenden er - werbten / ſpitzfindiger kommen ſie nit zuruck / außgenom - men / daß ſie neue Modi von Spitzen mit ſich bringen / galanter kommen ſie nit zuruck / muſt nur ſeyn / daß Ga - lant vom Galaniſieren herruͤhret / herꝛlicher in Klaydern kehren ſie zwar offt nach Hauß / es waͤre aber beſſer ehrli - cher als herꝛlicher / neue Modi-Huͤt / Modi-Barocken / Modi-Kraͤgen / Modi-Roͤck / Modi-Hoſen / Modi - Struͤmpff / Modi-Schueh / Modi-Baͤnder / Modi-Knoͤpff / auch Modi-Gewiſſen ſchleichen durch euere Raiß in vn - ſer liebes Teutſchland / vnd veraͤnderen ſich euere Narren - Kuͤttel taͤglich mit dem Mondſchein / es werden bald muͤſ - ſen die Schneider ein hohe Schul auffrichten / worauff ſie Doctormaͤſſig gradieren / vnd nachmahls den Titl Ihr Ge - ſtreng Herꝛ Modi-Doctor erhalten / wann ich alle Modi - Roͤck von vier vnd zwaintzig Jahren beyeinander haͤtt / ich wolt darmi[t]faſt einen Fuͤrhang vor die Sonnen machen / daß man beym Tag muſte mit der Latern gehen / oder weni - giſt getraute ich mir gantz Tuͤrckey darmit zu verhuͤllen / daß ihnen die Conſtantinopolitaner moͤchten einbilden / ihr Machomet wolt mit ihnen blind Katzen ſpielen / ꝛc. Ein alte Hex hat auff Begehren deß Koͤnigs Sauls den Pro - pheten Samuel vom Todten erweckt / damit er durch ihn den Außgang ſeiner Waffen wiſſen moͤcht; Es wird bald dahin kommen / daß man auch denſelben Schneider vnd Maiſter wird wuͤnſchen vom Todten zu erwecken / welcher der ſchoͤnen Eſther das Klayd gemacht / als ſie den Augen deß Aſſueri ſo wolgefaͤllig war; Vor Jahreniſt105Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.iſt in einer vornehmen Statt ein Klayder-Policey auff - kommen / vnd durch ſcharpffes Decret einem jeden uͤber ſtandmaͤſſig zu halten verbotten worden / es hat aber ſol - ches ein geringe Zeit getauret / weſtwegen der abgeſtorbe - nen Policey einer diſe Grabſchrifft auffgericht.
Nimbt alſo gar zu ſtarck uͤberhand der Klayder - Pracht / welche mehriſt andere Nationen vns mit hoͤchſtem Schimpff ſpendiren / bringt demnach das Außſchwaiffen in frembde Provintzen vns Teutſchen offt mehrer Laſt als Luſt ins Land / ꝛc. Auff gleichen Schlag hat wenig guts erlehrnt der verlohrne Sohn in frembden Laͤndern / ſon - dern ſein Studieren war Galaniſieren / ſeine Buͤcher wa - ren die Becher / ſein Lateiniſch Reden war Proficiat, ſein Waͤliſch Reden war Brindiſi, ſein Boͤhmiſch Reden war Saſdravi, ſein Teutſch Reden war geſegne es GOtt / ꝛc. mit einem Wort / er war ein ſauberer Bruder voller Lu - der / ein Vagant, ein Bachant, ein Amant, ein Turbant, ein Diſtillant, &c. Nachdem er nun dergeſtalten das ſeine verſchwendt in frembden Provintzen / vnd ſambt dem Ge - wiſſen auch die Klayder zerriſſen / welcher wol mit War - heit hat koͤnnen ſagen dem Vatter / was die Bruͤder Jo - ſeph ohne Warheit dem Jacob vorgetragen / als ſie ihm den blutigen Rock gezaigt / fera peſſima, &c. Ein uͤbles Thier hat den Joſeph alſo zugericht; ein uͤbles Thier hat den verlohrnen Sohn alſo zugericht / ein uͤbles Thier der guldene Adler / ein uͤbles Thier der guldene Greiff / ein uͤb - les Thier der guldene Hirſch / ein uͤbles Thier der guldeneOBeer /106Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /Beer / ꝛc. diſe Thier der Wuͤrthshaͤuſer haben das Buͤr - ſchel alſo zugericht / daß ihme die Hoſen alſo durchſichtig worden wie ein Fiſcher-Netz / daß ihm der Magen zuſam - men geſchnurfft wie ein alter Stiffel-Balg / vnd der Spie - gel ſeines Elends auff dem ſchmutzigen Wammes-Ermel zu ſehen war / ꝛc. Nachdem endlich diſem Fruͤchtl das Sau - Convict nit mehr geſchmeckt / ſeynd ihm heylſamere Ge - dancken eingefallen / er ſolle ohnverzuͤglich zu ſeinem alten Vatter kehren / vnd bey deſſen Fuͤſſen ein gluͤckliches Ge - hoͤr ſuchen / welches ihme dann nach allen Wunſch von ſtatten gangen / vnd iſt dem ſchlimmen Vocativo ſein ai - gener Vatter gantz liebhafft vmb den Halß gefallen / dem ſonſt ein Strick am Halß gebuͤhret / ja mit abſonderli - chen Freuden vnd Jubeln iſt er in die vaͤtterliche Behau - ſung eingefuͤhret worden / alle ſchnelle Anſtalt gemacht zur Kuchl vnd Keller / vnd muſte gleich das beſte vnd ge - meſte Kalb geſchlacht werden / kocht werden / gereſt wer - den / bratten werden / ꝛc. auff die Seyten mit den zerriſſe - nen Lumpen / ein ſammeten Rock her / ein Hut mit Blu - maͤſchi her / ein guldenen Ring her / Spilleuth her / alle - gro; Underdeſſen kombt der andere Bruder nach Hauß / hoͤrt aber von fern geigen / pfeiffen / leuren / tantzen / hupf - fen / jugetzen / jaugetzen / ꝛc. Holla, ſagt er / was iſt das / potz Taͤubel / was iſt das! es wird ja mein Schweſter nit Hochzeit haben / hab ich doch heut Fruhe noch vmb kein Braut gewuſt / in dem er in diſen Gedancken ſchwebet / ſo bringt ihme einer ein Glaß Wein zum Fenſter herauß / der Hauß-Knecht laufft ihm entgegen mit der Zeitung / ſein Bruder ſeye nach Hauß kommen / deme ſo ſchlecht in der Frembde gangen / er ſoll hurtig hinein gehen auff ein kaͤlbernes Braͤrl / diſer wurde alſobald bieruͤber gantz blaich vor lauter Neyd / vmb weilen man ſeinem Bruder alſo auffgewartet / er ſetzte ſich vor der Hauß-Thuͤr nider / erkifflet107Namens Urſprung / Jugend vnd Vntugend.kifflet die Naͤgel / er knarret mit den Zaͤhnen / er kratzt im Kopff / er rumpfft die Naſen / er ſeufftzet von Hertzen / er faſt vnd plaget ſich alſo durch den Neyd / daß wenig ge - faͤhlt / daß er vom Schlag nit getroffen worden / O Narꝛ! Waͤr diſer Giſpus lieber hinein gangen / haͤtte den Bru - der bewillkombt / vnd ſo er ihm endlich auch ein Filtz haͤtt geben / der ohne das kein Hut mit ſich gebracht / haͤrt es wenig Schaden verurſacht / waͤr er mit ihm zu Tiſch ge - ſeſſen / haͤtte den kaͤlberen Bratten helffen verzehren / etli - che Geſund-Truͤnck ſein wacker beſchaid gethan / auch bey der hell-klingenden Schallmeyen / ꝛc. ein oͤffteren Hupff herumb geſprungen / vnd anderthalb Schueh-Sohlen ab - getantzt / ſo waͤr es vil beſſer geweſt / vnd GOtt nit alſo belaydiget / aber mit ſeinem Faſten / mit ſeinem Neyd / der ihn mehr gequellt / als die feurige Schlangen das Volck Iſrael / hat er die Hoͤll verdient; ſonſt iſt Truͤbſahl ein Straß zum Himmel-Saal / ſonſt iſt Leyden ein Weeg zun ewigen Freuden / ſonſt ſeynd Schmertzen allezeit ein Vortrab deß ewigen Schertzen / aber deß neydigen Lap - pen ſein Marter iſt ein Leykauff der ewigen Verdambnnß.
Chriſtus der HErꝛ nimbt auff ein Zeit drey liebe A -Matth. 17. poſtel mit ſich auff den Berg Thabor / vnd zaigt ihnen all - da in ſeiner Erklaͤrung die Glory in Compendio, den Himmel in einem Abriß / die Seeligkeit in einem Modell; zaigt ihnen / das kein Pembſel koͤnne entwerffen / kein Fe - der beſchreiben / kein Zung außſprechen / vnd kein Hertz faſſen die Glory ſeiner Herꝛlichkeit / vnd die Herꝛlichkeit ſeiner Glory: Zaigt ihnen was ein Arbeiß gegen den Berg Olympum, was ein Sand-Koͤrnlein gegen dem Babyloniſchen Thurn / was ein Troͤpffel Morgen-Thau gegen dem groſſen Meer / was ſeynd die Welt-Freuden gegen den himmliſchen Freuden; zaigt ihnen das Schlimp / Schlamp / Schlodi ſeye aller Reichthumb Croeſi; dasO 2Dilli,108Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /Dilli Dalli Haͤußlbauen / ſeye aller Pracht Pompei, das Lirum Larum, ſeye aller Wolluſt Sardanapali gegen der mindiſten Ergoͤtzlichkeit deß Himmels; zaigt ihnen / wann der gantze Erdboden ſoll ſeyn ein lauteres Pappier / vnd das groſſe tieffe Meer ein lautere Dinten / vnd alle ge - ſpitzte Graͤſel lautere Federn / vnd alle lebendige Geſchoͤpff lauter Schreiber / vnd wurden mit diſen Federn / auß di - ſer Dinten / auff diſes Pappier biß auff den Juͤngſten Tag ſchreiben / alles was froͤlich / freundlich / fridlich ſie moͤchten erſinnen / ſo konten ſie dannoch nit ein halbes Loth der ewigen Freuden erraichen; Nachdeme ſolcher geſtalten Chriſtus ihnen ſein Herꝛlichkeit vnd Glory in etwas entworffen / hat er nachgehends den Berg herab ihnen den dreyen ernſthafft verbotten / ſie ſollen diß / was ſie geſehen / keinem einigen entdecken / auch den Apoſtlen nit / auch den anderen Juͤngern nit / ſondern alles mit ge - naueſter Verſchwigenheit verhuͤllen / auß Urſachen / da - fern ſie den anderen haͤtten offenbahret / daß ſie Chriſti deß HErꝛn Verklaͤrung / Herꝛlichkeit vnd Glory geſehen / haͤtten gleich die andere Apoſtel einen Neyd gefaſt gegen diſen dreyen / in Bedenckung / daß ſie mehrer gelten bey dem Goͤttlichen Maiſter / aber O gebenedeyteſter GOtt! ſoll dann auch ein Neyd gefunden werden vnder den Apo - ſteln / vnder den Juͤngern deß HErꝛn / vnder denen / die ein vollkommenen Wandel fuͤhren? was dann / auch noch heutiges Tags iſt der Neyd in den Cloͤſtern / es iſt der Neyd offt ſo haimblich in Geiſtlichen Haͤuſern / daß er mit manchen Moͤnchen zu Tiſch ſitzet / mit ihnen offt in die Metten auffſtehet / mit ihnen ins Capittl-Hauß gehet / mit ihnen gleiche Kappen traget / ꝛc. verwundere dich nit / es iſt auch das Manna oder Himmel-Brodt wurmſtichig worden / es iſt der Neyd ein Wurm / der Clo - ſter-Wandel ein Manna; es iſt auch vnder dem Waitzenim109Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.im Evangelio ein Unkraut gewachſen / ein Unkraut iſt der Neyd / der Waitzen ſeynd die Ordens-Leuth; es iſt auch vnder denen Soldaten Joſue ein Dieb gefunden worden / ein Dieb iſt der Neyd / Soldaten Chriſti ſeynd die Geiſt - liche; Es iſt auch in der Archen Noë ein ſchlimmer Boͤß - wicht der Cham geweſt / ein ſolcher boͤſer Geſell iſt der Neyd / das Cloſter iſt ein Archen Noë; dergleichen Exem - pel ſcheinet ohnnoͤthig beyzubringen / weil ſolche nur gar zu bekandt; iſt demnach kein Stand / wo der Neyd nicht hat Beſtand / iſt kein Hauß / wo der Neyd nit hauſet / iſt kein Platz / wo der Neyd nit darein platzt / iſt kein Woh - nung / wo der Neyd nit wonhafft / iſt kein Geſellſchafft / wo der Neyd nit ſein Herꝛſchafft / iſt kein Banck / wo der Neyd nit ſeinen Sitz hat.
Was der Neyd / wie der Neyd / hat erfahren Ha - braym vnder dem Tuͤrckiſchen Kayſer Solyman, diſer Habraym war auß einem geringen Dorff gebuͤrtig / von keinem vornehmen Gebluͤt / wie die Welt gaggetzt; ob zwar deß Bettlers Blut ſo roth iſt als deß Edlmanns / es war ſein Herkommen von Bauren / ſein Einkommen wie beyn Bauren / ſein Außkommen wie vndern Bauren / aber ſeyn Auffkommen blib nit beyn Bauren / vnd wann ſchon ſein Hauß mit Stroh bedeckt war / ſo befande ſich doch kein Stroh in ſeinem Hirn / ſondern ſein reiffer Ver - ſtand / vnd gute Vernunfft zogen ihn vom Bauren-Feld ins Kriegs-Feld / zu verſuchen / ob ihme der Saͤbel mehrer Gluͤck werde zueſchneiden als das Pflug-Eyſen / wie es dann nit lang angeſtanden / daß er mittelſt ſeiner beruͤhm - ten Tapfferkeit vnd Kriegsmuth zu hohen Ehren erho - ben worden / vnd wurde er vnder den Baſſen nit der ge - ringſte geſchaͤtzt / ja Kayſer Solyman ſahe / daß die Ver - dienſten ſeines getreueſten Habraym noch nit nach Ge - buͤhr belohnt waͤren / erkiſet demnach ihn zu der hoͤchſtenO 3Di -110Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /Dignitet vnd Wuͤrde nach ſeiner Kayſerlichen Perſohn / vnd ſtellt ihn als einen groſſen Vezier / Habraym aber / ehe vnd bevor er diſen hoͤchſten Ehren-Guͤpffel angetret - ten / da er eineſt gantz allein bey dem Kayſer war / hat er ihn gantz demuͤtigiſt gebetten / allergnaͤdigiſter vnd ohn - uͤberwindlichſter HErꝛ vnd GOtt auff Erden / ich bitt / ich bitt abermahlen Euer Majeſtaͤt / ſie wollen doch mei - ne Perſohn nit mehrer erheben / noch ferners befoͤrderen / dann ſonſt wird mir die groſſe Ehr nichts als Neyd vnd Mißgunſt außbruͤtten / daß ich nachmahls wird muͤſſen das Leben daruͤber einbuͤſſen / darauff ſchwur ihm der Kay - ſer hoch vnd theuer / er wolte ihm gewiß bey lebendigem Leib das Leben nit nemmen / was geſchahe? Hohe Guͤpf - fel werden mehriſt von den Winden angetaſt / hohe Thuͤrn werden gemainiglich von dem Donner getroffen / hohe Ehren werden gemainiglich von den Neydern verfolgt / wie das Liecht von der Fledermauß / dahero auch die Ney - der bey dem Solymaniſchen Hof nit gefeyert / biß ſie ein Feuer angeblaſen uͤber den Habraym, vnd denſelben bey dem Tuͤrckiſchen Kayſer in ſo groſſen vnd ſchaͤdlichen Verdacht gebracht / daß Solyman gaͤntzlich geſonnen / erſt - benannten Groß-Vezier zu toͤdten / konte aber nit wegen ſeines abegelegten Ayds / fragte demnach ſeinen Tuͤrcki - ſchen Prieſter / wie doch dißfalls der Sach zu rathen waͤ - re / der gabe ihm ohnverweilt diſen Beſchayd / er koͤndt es[J]ovius lib. 33. pag. 267. nit in den Kopff bringen / oder glauben / daß die Schlaf - fende vnder die Lebendige zu zehlen / derowegen ſoll der Kay - ſer den Habraym im Schlaff laſſen erſtechen / dann auff ſolche Weiß konte auch der Ayd-Schwur ohnverbrochen bleiben / welcher einig vnd allein diſes Lauts geweſt / daß dem Vezier bey lebendigem Leib nichts uͤbles widerfahren ſolte / darauff dann die Execution ſchleunig erfolgte / vnd ein Kaͤmmerling bey naͤchtlicher Weil den beruͤhmte -ſten111Namens Urſprung / Jugend vnd Vntugend.ſten Habraymum erſtechen muͤſſen / alſo bleibt darbey / daß der Neyd ſein Frey-Tafel zu Hof habe / vnd hat ſol - cher Hof-Hund ſchon manchen dergeſtalten gebiſſen / daß ihme die Wunden noch ſchwuͤrig ſeynd / verwundere aber ſich niemand hieruͤber / dann es bereits der Welt-Lauff / daß der jenige beneydet wird / vnd verfolgt / der wol dienet / deftwegen liſt man das Woͤrtl Dien zuruck Neid.
Was der Neyd / wie der Neyd / hat erfahren Belli -Buſſieres in Floſ. Hiſt. ſarius, diſer weltkuͤndige Kriegs-Fuͤrſt / nachdeme diſer uͤber drey Thail der Welt triumphierte / nachdem er in Aſia den Perſiſchen Koͤnig Coſroen, in Affrica den Gilimer, in Europa den Gottiſchen Monarchen Theodatum ob - geſieget; nachdem er bey Rom in einem Tag neun vnd ſechtzig tauſend der Feind erleget / nachdem er das Roͤmi - ſche Reich / vermittelſt ſeines ohnuͤberwindlichen Helden - muths in hoͤchſten Gluͤck vnd Ehrenſtand geſetzt / vnd al - les uͤberwunden / außgenommen die Neyder / welchen das groſſe Lob vnd Gluͤck Belliſarij alſo mißfallen / daß ſie ſo lang vndergraben / wie die Maulwurff / daß ſie ſo lang ge - gruͤblet / wie die Hennen in dem Sand / daß ſie ſo lang al - les durchſuchet / wie die Bein in dem Garten / biß ſie end - lich das Hertz deß Kayſers vmbgekehrt / den Belliſarium in Ohngnad gebracht / daß zur Letzt dem maͤchtigiſten Welt-Helden die Augen ſeynd außgeſtochen worden / damit er den Neyd mit blutigen Zaͤhern moͤchte bewai - nen / der arme Tropff / nachdem er keine Augen mehr hat - te / konte erſt recht ſehen / was der Hof-Neyd fuͤr ſcharpffe Zaͤhn habe / ſein Elend wachſte ſo weit / daß er auch das Bettl-Brodt von dem Vorbeygehen ſamblen muͤſt / vnd zehlte er offt ſeine wenige Pfenning in ſeinem huͤltzeren Schuͤſſerl / deme vorhero gantze Koͤnigreich zu eng waren; ich glaub gar wol / er ſeye offt auff einem Eckſtain der Gaſſen geſeſſen / ſeinen Hut auff ſeinen Stecken geſetzt /ſelben112Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß.ſelben offt vmb vnd vmb getraͤhet / vnd darbey das wan - ckelmuͤthige Gluͤck betracht / fuͤrwahr / fuͤrwahr hat Belli - ſar, der arme Narꝛ / ſo gantz vnd gar / ja Sonnenklar / ge - nommen war / daß Neyds-Gefahr / die Tugend plage im - merdar / diß folgende Liedl geſungen.
Der Neyd iſt wie ein gewiſſes Glaß / welches die ABC. Schmid das Mucken-Glaß nennen / dann ſo je - mand durch diſes Glaß ein Mucken anſchaut / ſo gedunckt ihm diß faſt ſo groß zu ſeyn / wie ein ſchwartzer Ketten - Hund / dann ſolches Glaß alles vergroͤſſert / wann man ein Floh durch diß Glaß beſchauet / ſo ſcheint er ſchier / als wie ein halb gewachſener Rhinoceros auß Armenia, &c. alſo auch vergroͤſſert der Neyd den allergeringeſten Mān - gel deß Nechſten / ſchneidet auß einem jeden ohnbehutſa - men Schritt ein Sacrilegium, ſchnitzlet auß dem gering - ſten Woͤrtl ein Gottslaͤſterung / kocht auß einem jeden ehrlichen Geſpaiß einen Ehebruch / vnd wanns zum loben kombt / vnd er zu deß Nechſten Ruhm auch etwas ſolle ſetzen / ſo waͤre vonnoͤthen / man thaͤte dem Fantaſten die Zung loͤſen / da man aber den Nechſten außrichtet / vnd durch die Haͤchel ziecht / da ſchreibt er gleich mit Fractur - Feder darein / ꝛc.
Was der Neyd / wie der Neyd / hat erfahren der H. Gregorius Biſchoff zu Agrigent, wie diſer fromme Mann durch Goͤttliche Anordnung zu diſer hohen Wuͤr -de113Namens Urſprung / Jugend vnd Untugend.de gelanget / ſeynd ihme deſſentwegen zwey ſehr neydig ge - weſt / allweilen ſie ſelbſt vmb ſolche gebuelet / haben auch allerley teuffliſche Anſchlaͤg erdicht / wie ſie doch moͤchten den frommen Mann in offentliche Schand vnd Unehren ſtuͤrtzen; Nachdem er einmahl bey naͤchtlicher Weil demSurius in Vit. 23. Novembr. Gottsdienſt embſigiſt abgewart / haben vnderdeſſen erſt - gedachte zwey Boͤßwicht Sabinus vnd Teſſelinus ein all - bekannt Statt-Fetzen vnd beſchreytes Weibs-Bild durch Gelt dahin beredt / daß ſie ſich in deß Biſchoffs Beth ge - legt / nachdem er dann von der Kirchen nach Hauß durch die gantze Geiſtlichkeit / dem Gebrauch nach / beglait wor - den / ſpringt diſer vnverſchambte Grind-Schippel in bey - ſeyn aller auß dem Beth / wordurch das Geſchray alſo - bald mit 6. Fluͤglen gleichſamb hin vnd her geflogen / die ohngezaͤmbte Zungen freymuͤthig darein platzten / Gre - gorius ſeye ein ſauberer Biſchoff / ſchicket ſich zum Bift - thumb / wie ein krumpe Sichel in ein Meſſer-Schaid; ja / ja ſagte mancher / die Geiſtliche ſeynd wie die Glo - cken / die leutten anderen in die Kirchen / vnd ſie bleiben ſelbſt darauß / ſie machen vns die Hoͤll ſo haiß / den Teuf - fel ſo ſchwartz / GOtt ſo ſtreng / vnd ſie luedern mehr als wir Welt Zaͤrtling / jetzt ſicht man / wie ein Kutten zu weilen fuͤr ein Schelmen Futterall ſeye / ꝛc. dergleichen Spottwoͤrter fuͤhrten die Welt-Maͤuler / die alle zu ver - ſtopffen vil Baumwohl vonnoͤthen waͤre: Es war auch die Geiſtlichkeit uͤber diß nit ein wenig geaͤrgert / abſon - derlich aber diſe zwey Neydhard ſchryen diſes Geſchicht auß mit ſolcher Ohngeſtimme / daß ſie faſt ſo haiſſer wor - den / wie ein abgeſtandener Muſicant, ihr Neyd wuͤrckte endlich ſo vil / daß man Gregorium in offentlichen Ker - cker geworffen / vnd auff alle Weiß das ſaubere paar Ertz-Schelmen dahin getrungen / man ſolte Gregorium aller Wuͤrden entſetzen / aber GOtt defendierte ſein Un -Pſchuld /114Judæ Iſcariothis Zucht-Hauß /ſchuld / indeme zum oͤfftern in Gegenwart viler / die eyſe - ne Band wunderbarlich von Fuͤſſen gefallen / die zwey gottloſe Neyder aber in dem Angeſicht gantz kohlſchwartz worden / mit welcher hoͤlliſchen Larven ſie ſattſamb ihre Unthat an Tag gegeben; O allerliebſter GOtt / vnd gerechriſter Richter! ſo du oͤffter dergleichen Farb ſolleſt anſtreichen den jenigen / welche auß Neyd einen verfolgen / vnd waiß nit was erdichte Schand-Thaten ihme anklep - pen / wie vil wurden muͤſſen ihr Vatterland in Maurita - nia ſuchen / vnd in dem Angeſicht den ſchwartzen Cor - dabon tragen / weil ſie einwendig Corda mala verborgen.
Was der Neyd / wie der Neyd / hat erfahren jener Kuͤrſchner zu Wienn / welcher ſich gar wol / ob zwar ar - beitſamb bey dem ſeinigen befunden / auch weil er GOtt forderiſt vor Augen gehabt / die H. Meß an keinem Tag außgelaſſen / ſo ihme nit die Unpaͤßlichkeit deß Leibs ein Verhindernuß gemacht / iſt er deſto mehr in ſeiner Hauß - Wuͤrthſchafft vnd Haabſchafft geſegnet worden / welches dann bey ſeinen Nechſten den Neyd deſto mehrer anflam - mete / als nun gedachter Kuͤrſchner vmb etlich hundert Thaller ſchoͤne Zobel-Baͤlg waſchen wolte / iſt der andere auß verdambten Neyd / ſo Gewiſſenloß / vnd wirfft ohn - vermerckter ein ohngeloͤſchten Kalch ins Waſſer / nach - dem dann der gute Kuͤrſchner ſeiner Mainung nach die Zobel genugſamb gewaſchen / vnd nachmahls auffgehen - cket / ſo ſeynd ihnen die Haar alle außgefallen / als haͤtten die Haͤut ein hitziges Fieber gehabt / vnd hat der arme Mann mit wainenden Augen muͤſſen ſehen / daß er auß einem Kuͤrſchner ein Barbierer worden. Der Neyd iſt halt alſo gearthet / daß ihme nit wol / ſo lang dem ande - ren wol / es iſt ihme damahlen uͤbel / wann es dem Nech - ſten nit uͤbel gehet. Die heiligen Lehrer ſeynd mehriſten Thail der einhelligen Auſſag / daß ein ohnzahlbare Maͤngeder115Namens Vrſprung / Jugend vnd Vntugend.der boͤſen Feind im Lufft zwiſchen Himmel vnd Erden ſchwebe / dannoch aber allerſeits ihr Hoͤll leyden / weil nemblich der Neyd / den ſie ſchoͤpffen / in Anſchung der groſ - ſen Gnaden / welche GOtt den ſuͤndigen Menſchen auch nach vilfaͤltigem Fall erthailt / ihnen an ſtatt der hoͤlliſchen Peyn iſt.
Was der Neyd / wie der Neyd / erfahren auch die Prediger / vnd hats erfahren der H. Bernardinus Senen -Ribaidine - ra in Flore Sanct. ſis, welcher bey ſeinen Apoſtoliſchen Predigen ein ſolchen Zulauff hatte / daß man vermaint / die gantze Welt han - ge an der Zungen Bernardini, aber es hatte diß bey etli - chen ſolchen Neyd angezuͤndt / daß ſie ſo gar bey dem Pabſt Martino V. diſen Bernardinum angeklagt / vnd neben anderen vilfaͤltigen Injurien forderiſt angeben / wie daß Bernardinus ein neue Manier im Predigen auff - bringe / vnd auff der Cantzel allezeit ein gewiſſe Tafel / wor - auff der fuͤſſeſte Nahmen JEſus / dem Volck zaige / ſol - che Neyder waren ſo embſig in der Verfolgung / daß ſo gar diſer Apoſtoliſche Prediger nach Rom citirt worden / daſelbſt ſich zu verantworten / es iſt aber hierdurch deß Gottſeeligen Manns Lob nur vergroͤſſert worden bey dem Paͤbſtlichen Stuel / vnd denen Neydern uͤber Willen die Naſen erlaͤngert worden; es iſt mit einem Wort / der Neyd ein ſtaͤtter Beglaits Mann deß Lobs / vnd der Tu - genden. Und gleichwie kein Liecht ohne Schatten / alſo auch kein Ehr vnd Lob ohne Neyd.
Was der Neyd / wie der Neyd / hat erfahren David von dem Saul, der Adam von dem Lucifer, der Jacob von dem Eſau, der Iſaac von den Paleſtinern / der Mar - dochæus von dem Aman, der Abel von dem Cain: Pe - trus de Vincis beym Hof Kayſers Friderici II. Corne - lius Gallus beym Hof Kayſers Auguſti: Clitus beym Hof deß groſſen Alexandri: Plaucianus beym Hof Kay -P 2ſers116Deß Judæ Barth /Rich. A - xiom. fol. 410.Severi: Seianus beym Hof Kayſers Tiberij: Eutro - pius beym Hof Kayſers Theodoſij deß Anderten: Nar - ſetes beym Hof Kayſers Phoccæ: Carbulo beym Hof Kayſers Neronis.
A Dio ſo beſſert dann euch ihr Neyder / vnd Neyd - hard / ihr Neydhund / ihr Neydfalcken / ihr Neydteuffel / ihr Neydbruͤder / ihr Neydverwandte deß Judæ licarioth, deß Ertz-Schelms. Beſſert euch / wofern ihr nicht wolt mit diſem ewig / ach! ewig von Gottes Angeſicht ver - worffen / vnd an die Ketten der ewigen Verdambnuß angefaͤßlet werden / allwo vnendliches Heulen vnd Zaͤhn - Klapperen das ſchmertzliche Ewig / Ewig augenblick - lich vergroͤſſert.
AMbroſius, Oroſius, Auguſtinus, Victorinus, To - ſtatus, Alciatus, Niſſenus, Emiſſenus, Aurelius, Cornelius, Gregorius, Berchorius, Liranus, Caſ - ſianus, Ferrerius, Pererius, haben die heilige Bibel zimb - lich durchgeblaͤttert / dero Blaͤtter zimblich durchleſen / dero Leſen zimblich in den Verſtand / von dem Verſtand in die Feder / von der Feder auff das Pappier gebracht; aber niemand auß diſen regiſtriert; keiner auß allen proto - colliert, nicht einer auß ſolchen citirt, daß Judas habe ein rothen Barth gehabt.
Wo ſteht es dann geſchriben? ja man mahlt ihn ge - mainiglich mit einem ſolchen Philiſtæiſchen Fuchs-Balg. Ich antwort. Die Mahler haben groſſe Privilegia, dasiſt /117vnd Leibs-Geſtalt.iſt / Brieff-Luͤgen / ſie haben oͤffter die ſchamhaffte Farb im Pembſel / als im Geſicht: ſie thun offt etwas mah - len / welches wahr iſt niemahlen. Dahero ſchickt ſich nichts beſſer / als wann ein Poët den Mahler zum Gevattern bitt / dann fingere vnd pingere ſeynd die vertrauteſte Spieß-Geſellen. Auch ſoll jenem Arcadiſchen Schola - ren ſo gar nicht fuͤr uͤbel auffgenommen ſeyn worden / als er auff befragen / was Mentiri auff teutſch haiſſe. Mahlen geantwortet. Dann der Mahler-Pembſel iſt nicht ſcrupulos, vnd ob er ſchon von Haaren beſteht / ſo geht er dannoch nicht ein Haar auff die Warheit.
‘‒ ‒ ‒ ‒ Pictoribus atq́ue Poëtis Quidlibet audendi ſemper fuit æqua poteſtas. ’ ()Wann oͤffter ein Mahler thaͤte einbuͤſſen / wie jener / von deme Gumpenberger in ſeinem Atlante ſchreibet / daß er in Mahlung eines vnſer Frauen-Bilds mit diſen Worten gefrefflet. Wann das Bild wird Mira - cul wuͤrcken / ſo werden mir Hoͤrner wachſen. Und ſihe / wie der Freffel auff der ſchnellen Poſt die Straff von dem Himmel holt / er hatte kaum außgeredet / da ſeynd ihm auff dem Stiern zwey Hoͤrner herfuͤr geſchoſ - ſen / welche zwey ſcheinbare Zaichen / vnd Zaiger waren ſeines veruͤbten Muthwillens. Mann muß dahero der Mahler Freyheit oder Frechheit nicht fuͤr einem ohnlaug - baren beweißthumb anziehen / daß Judas einen Feyer - taͤglichen Barth habe gehabt: ſondern es iſt gar wol zu vermuthen / es ſeye der einige Nahm Iſcarioth die Haupt - Urſach ſolches gemainen Wahns / vnd Auſſag. DannP 3die118Deß Judæ Barth /die plumpe Leuth anfangs deß Worts Iſcarioth fuͤr Iſt gar roth verſtanden. Iſt alſo ſolcher geſtalten dem Judæ ſolche Farb in Barth geriben worden.
Geſetzt aber / es haͤtte Judas ein ſolche erwehnte Ru - bricam vmb das Maul gehabt / was folgt dann darauß? villeicht beliebt dir zu reden / Judas habe einen rothen Barth gehabt; ergò, alle die rothe Baͤrth haben ſeynd Ertz-Schelmen. Wann dem alſo / ſo waͤre kein einiger Barth von groſſem Schimpff befreyt. Der Teuffel iſt in Geſtalt eines Manns mit einem braunen Barth in die Wuͤſten gangen / vnd JEſum verſucht / ergò, ſo ſeynd alle Maͤnner mit braunen Baͤrth Teuffel. Der Abſolon hat krauſte Haar gehabt; ergò, alle die krauſte Haar ha - ben / ſeynd verruckte Boͤßwicht / vnd gewiſſenloſe Rebel - len wider ihre Eltern. die zwey Alte / mehr Baberloniſche als Babyloniſche Richter bey Suſannam haben weiſſe Baͤrth gehabt: ergò alle die weiſſe Baͤrth haben / ſeynd ſol - che Bockbergeriſche Ehebrecher. Pilatus der Landpfleger (oder beſſergeredt) der Schandpfleger hatte einen ſchwar - tzen Barth: ergò, alle die ſchwartze Baͤrth haben / ſeynd Feind vnd Widerſacher deß Goͤttlichen Heylands. O wie ohngereimbt laufft dein Argument! deß Balaams Eßlin hat geredt: ergò, wird dein Eſel zu Hauß auch mit der Sprach herauß / vnd dich ſalve Frater; willkomb Bru - der / anreden. Dafern es aber ſolte der Warheit gemaͤß ſeyn / daß Judas mit einer ſolchen Saffran Farb waͤre notirt geweſen; wo ſteht es dann geſchriben / daß rothe Baͤrth nichts nutz ſeynd? wann ſolche Aurora den wenigſten Schimpff oder Spott in ſich hielte / haͤtten mit denſelben nicht geprangt die alte Roͤmer / welche ſo gar auch die rothe Haar / als ein beſondere Zierde zu ihrem Nahmen vnd Titul ſelbſten gebraucht. Solche waren Sp. LatiusRuf -119vnd Leibs-Geſtalt.Ruffus; Serg. Sulpitius Ruffus: Cn. Domitius Ruf - fus: Q. Minutius Ruffus: P. Rutilius Ruffus: Q. Pom - peius Ruffus: lauter rothbaͤrthete Maͤnner / welche durch ihre Heroiſche Tapfferkeit in den Aſiatiſchen / Traciſchen / Cimbriſchen / Cretiſchen / Partiſchen / Illyriſchen Krie - gen einen ohnſterblichen Nahmen erhalten. Wer iſt ge - weſt der Sieghaffte Kayſer Fridericus Barba Roſſa, als eben ein Rothbarth? Wer iſt geweſt Haquinus Ruffus ein beſter Koͤnig auß Gotten / als ebenfalls ein Roth - barth? Gaudentius ein heiliger Biſchoff / Gandulphus ein heiliger Biſchoff / Eligius ein heiliger Biſchoff / Dom - ninus ein heiliger Martyrer / Maurinus ein heiliger Mar - tyrer / Savinianus ein heiliger Martyrer / haben alle ein rothen Barth / vnd ein gute Arth gehabt. Es ſchreibt zwar Boz de Signis Eccl lib. 5. cap. 1. daß der jenigen zweyen Boͤßwicht / welche die heilige Ludomillam in Boͤ - heim ermordet / einer habe ein rothen Barth gehabt / der andere aber gehuncken / dahero ſie GOtt im gantzen ihren Geſchlecht / vnd alle Nachkoͤmblingen dergeſtalten ge - ſtrafft / daß noch auff heutigen Tag / die von dero Hauß / oder Freundſchafft herkommen / rothe Haar haben / vnd hincken. Es moͤcht hierinnfalls ein Naſenwitziger ſeyn / uͤbles Urthl von dem rothen Barth behaupten / mit dem Vorwandt / daß / wann rothe Haar etwas guts waͤren / ſo haͤtte der gerechte GOtt ſolches Geſchlecht / vnd Kinds - Kindskinder nicht darmit geſtrafft. Deme iſt aber zu antworten / daß ſolches mehr geſchehen zu einem Denck - zaichen der veruͤbten Unthat ihrer Vor-Elteren / als zu einer Straff / zumahlen ſolche Nachkoͤmblingen dißfalls ohnſtraͤfflich ſcheinen. Wann rothe Haar ein vermuth - liches Kennzaichen waͤren einer ſchlimmen Arth / ſo haͤtteNum. 19. v. 2. GOtt etwann nicht ſo außtruͤcklich verlangt in dem al - ten Teſtament / daß man ihme ſoll ein rothe Kuhe ſchlach -ten /120Deß Judæ Barth /ten / vnd opfferen. Die abgeſagte Feind vnd Spoͤttler der rothtn Barth / muͤſſen nicht fuͤr ihr Schutzung anziehen die vngeruͤhmte That eines Spaͤniſchen Edlmanns / welcher einen zu dem Strang verurthlet / vnd hencken laſſen / keiner anderen Urſach halber / als weilen er ein ro - then Barth hatte / vnd als man deſſen Unſchuld vorkehr - te; wie wiſſentlich nicht bekandt ſeye / daß diſer gute Mann etwas uͤbels gethan; denen hat der verruckte Edl - mann geantwortet. Er hat einen rothen Barth / hat er nichts uͤbels gethan / ſo haͤtte er doch etwas uͤbels ſtifften koͤnnen. Diſer Spaniſche Prophet kombt mir warhaff - tig ſpaniſch vor / indeme er ſeine Weißſagung nur auff ſolches rothfaͤrbiges Teſtimonium ſteiffet.
Die alte Heydniſche Grillen-Voͤgt hatten vnder - ſchidliche aberglaubige Wiſſenſchafften / worauß ſie kuͤnff - tige Begebenheiten abnemmen; vnd zwar eine hat ge - haiſſen Metopoſepia, ein andere Chiromantia, ein an - dere Batonomantia, ein andere Capnomantia, ein ande - re Piromantia, ein andere Coſchinomantia, ein andere Cleromantia, ein andere Geomantia, ein andere Hydro - mantia, ein andere Lecanomantia, ein andere Gaſtro - mantia, ein andere Axinomantia, ein andere Aëroman - tia, ein andere Phiſognomia, vnd diſe letztere thaͤten ſie allein grunden auff das Angeſicht deß Menſchen / auß dem ſie kuͤnfftige Sachen außkundtſchafften / aber von keiner Barbomantia, oder Narromantia hab ich niemahls ge - leſen / daß man auß einem rothen Barth ſoll koͤnnen ab - nemmen / einer werde kuͤnfftig nichts guts thun. Auff ſolchen Schlag wirfft ein rother Barth dem freyen Wil - len einen zimblichen Bruͤgl vnder die Fuͤß / vnd hat er mehrer Macht / als die obere Geſtiern deß Himmels / welche doch mit ihren Influentzen den Menſchen zu ei - ner Sach nur naigen / vnd nicht zwingen / noch tringen. Im121vnd Leibs-Geſtalt.Im uͤbrigen iſt der Barth einem Mann ein abſonderliche Zierde / vnd wird ſolcher nicht wenig von der Feder deß groſſen Vatters Auguſtini hervor geſtrichen. Barba ſi -In Pſal. 44. v. 3. gnificat fortes, impigros, alacres, &c. der Barth iſt ein Anzaigen eines ſtarcken / tapfferen / vnd wackeren Manns; dahero nicht wenig darmit geprangt Hannß Stainiger / Burger vnd Handls-Mann in der Statt Braunau in Nider-Bayrn. Diſer hatte einen ſolchen Barth / daß er ſolchen zwey Spann auff der Erden zoge / vnd deſſentwe - gen die mehreſte Zeit ſolchen Barth in einem ſchoͤnen ſammeten Beutl getragen. Wie diſes genugſamb be - ſtaͤttiget ſein auß Marmel gehauter Grabſtain in der Kirchen-Mauer zu Braunau. Wann der Barth nicht ein ſondere Zierde deß Manns waͤre / haͤtten die Legaten /2. Reg. 10. c. v. 5. vnd Abgeſandte deß Koͤnigs David jenen Schimpff nicht ſo hoch angezogen / welchen ſie erlitten von dem Ammo - nitiſchen Koͤnig Hanon, der ihnen die Baͤrth hat halben - thail laſſen abſcherren / weſſenthalben ihnen der David an - befohlen / ſie ſollen zu Hauß bleiben / biß ihnen der Barth widerumb wachſe. Aber bey jetziger verkehrter Zeit iſt nicht allein das Auffſchneiden / das Ehrabſchneiden / das Umbſchneiden im Schwung / ſondern auch das vilfaͤltige Barthſchneiden / daß man faſt alle Tag ein neue Modi im Barth reibet; ja man findt dermahlen wenig Barth / ſondern nur Baͤrthl / welche offt dergeſtalten zugeſpitzt ſeynd / wie die ſubtileſte Minatur-Pembſel; bald reibt man / vnd treibt man ſolchen hinauffwerts / daß diſe we - nige Haar uͤber Willen muͤſſen Berg auffſtehen: bald lendt man / vnd wendt man diſen herab / daß ſie einen hal - ben Mondſchein muͤſſen nachaffen: bald ſtreckt man / vnd reckt man beederſeits auß / wie die angenaglete Hennen - geuer an dem Jaͤgerhauß; jetzt ſicht man alte Geggen / vnd betagte Narren / die ihr zahnluckendes Maul auſſer -Qhalb122Deß Judæ Barth /halb alſo renovìeren / daß es faſt einem gearbeiten Sau - leder gleichet / vnd bleiben bißweilen zwey zwintzige Buͤ - ſcherle Haar vnder der Naſen / daß ſie alſo zaigen / der Grund ſeye nichts nutz / weilen ſo wenig Graß wachſet. Pfuy der bethoͤrten Welt! ſollen vns dann nit die Con - trofey vnſerer Vor-Elteren mit ihren groſſen Baͤrthen ſchamroth machen / weilen wir ſo gar die Uppigkeit im Barth ziglen / vnd auff ſolche Weiß GOtt vnd die Na - tur ſchimpfflich corrigieren wollen. Solcher Ubermuth / Hoffart in den Baͤrten kan ebenfalls vnſeren HErꝛn be - laydigen / wie ihn belaydiget haben jene Lotters-Buben / vnd muthwillige Hebræer / welche dem beſchmertzten JE - ſu im wehrenden ſeinem Leyden Haar vnd Barth außge - rupffet; Dedi Genas meas vellentibus.
Jene tyranniſche Verfolgung / welche der gottloſe Decius wider die Chriſten fuͤhrte / ſolle auß ſonderer Ver - hengnuß Gottes geſchehen ſeyn / ſchreibt der H. Cypria - nus, weilen GOtt den Ubermuth der Chriſten nicht mehr erdulten konte. Under anderen GOtt mißfaͤlligen Wer - cken / ſetzt er auch den damahligen eytlen Pracht der Baͤrth. Corruptas barbas in viris. Moͤcht einer doch ſolchen Barth-Hanſen / vnd Barthbrallern / vnd Barth - pflantzern vergunnen jene Straff / welche der H. MannIn Vita S. Patritij. Patritius einem Dieb von GOtt erbetten. Dann als ſolcher erſtgedachtem heiligen Mann ein Gaißbock ent - frembdet / vnd ſelben fuͤr ſein Kuchel abgeſtochen / iſt ih - me alſobald / nachdem er den erſten Biſſen gekoſtet / ein gantzer natuͤrlicher Gaißbarth gewachſen / mit welcher Straff auch ſeine gantze verwandte Nachkoͤmblingſchafft gezuͤchtiget worden / daß ſie niemablens ins gemain nicht ohne Hohn vnd Gelaͤchter nur die Gaißberger ſeyn ge - nennet worden. Gebt Acht ihr ſtoltze Barthpuͤffer / ſeyt gewahrnet ihr hoffaͤrtige Barthraſpler / daß ihr nichtauch123vnd Leibs-Geſtalt.auch vnder jene Bocksberger gerathet / welche der geſtren - ge Richter am juͤngſten Tag auff die lincke Seyten ſtel - len wird. Hœdos autem à ſiniſtris.
Iſt demnach ohne weiters krauſen vnd zauſen der Barth von der Natur dem Mann fuͤr ein Leibs-Zierde geſpendiert worden / vnd der kein ehrlicher Mann iſt / der iſt nicht werth / daß er ein Barth trage. Wie es jenem Bauers-Mann Nahmens Joſcelino ergangen / wie diſerIn Contin. Bollan. tom. 3. in Actis S. Mauri. einen falſchen Ayd uͤber die Heylthumer deß H. Martyrers Mauri abgeleget / vnd zugleich zu mehrer Bekraͤfftigung ſeines Juraments, ſeinen langen Barth in der Hand hiel - te / iſt ihm ſolcher durch Goͤttliche Straff alſobald auß - gefallen / daß er den gantzen Barth hinweg gezogen / vnd nachmahls ſolches nackendes Maul / vnd lederne Goſchen biß in den Todt behalten. Weilen dann der Barth fuͤr ein Zierd deß Manns jederzeit gehalten wird / warumben ſoll hierinnfalls der rothe Barth / Farb halber diſes Ti - tuls oder Preyß-Nahmens beraubt werden; da doch die rothe Farb / als Koͤniglicher Purpur vnder anderen Far - ben den Vorſitz prætentieret. Es kan demnach mit kei - nem Fundament / oder ſattſamen Grund beglaubet wer - den / daß Judas habe ein rothen Barth gehabt / vnd dafern auch ſolches moͤchte mit vilen Zeugnuſſen beſtaͤttiget werden / ſo muß man doch mit gutem Gewiſſen außſpre - chen / daß der rothe Barth den Judam zu keinem Schelm gemacht habe.
Was anbelangt die Leibs-Statur deß Iſcarioti - ſchen Boͤßwichts / iſt zu wiſſen / daß ſolcher von keiner fei - nen Leibs-Geſtalt oder Manns-Groͤſſe geweſen ſeye / ſon -Revel. S. Brigit. l 4. c. 89. Moming. Quareſ. fol. 172. dern klein von Statur / daß alſo der mildhertzige Hey - land ſich gebuckt / vnd genaigt hat / wie er von diſem ver - ruckten Maͤnnl den falſchen Kuß empfangen. Nun iſt wol zu vermuthen / daß mancher groſſer Feder-Hanß nachQ 2ſol -124Deß Judæ Barth /ſolcher Erfahrenheit die kleine Leuth wird ſchimpffen / daß ſie auch nichts nutz ſeyn / welches aber allen Vernunfft zu wider / dann die kleine Leibs-Geſtalt hat den Judas nit zur Boßheit geholffen. Ihr vngereimbte Ehrenſtutzer / wißt bald nicht mehr / mit was verklieneriſchen Schimpf - ferl vnd Spottvollen Nahmen gegen dem kleinen ſolt verfahren. Ihr nennet ſie punckete Krotten / Berchtles - garner-Wahr / kleine Pumpernickl / kleine Spitzkappen / Grillen-Reirterl / abbrevierte Menſchen / Paſtoͤtten - Maͤnnl / Daum-Haͤnßl / Compendia der Menſchheit / ꝛc. tauſenderley dergleichen Affter-Reden erdicht euer Aber - witz vnd Freffel. Ey du vngeſaltzene Welt! wie magſt du dein Schnader-Hader / vnd Kader-Zungen ſo gar nit zaͤhmen / es iſt ja dein Verſtand ſo gar noch nicht ſchwind - ſuͤchtig / daß er nicht waiß / daß Schand vnd Schad eines Menſchen / daß Lob vnd Lieb eines Menſchen von ſeinem Gemuͤth / vnd nicht von ſeinem laimbſuͤchtigen Leib ab - zunemmen. Wie vil zehlt man / welche die ſchoͤneſte / ge - ratteſte / vnd wolgeſchaffneſte Leibs-Geſtalt gehabt / vnd dannoch vnder ſolchen glatten / gratten Alabaſtriſchen Oberzug die groͤſte Laſter / oder Eßliſche Unverſtand ver - huͤlter getragen. Entgegen wie vil waiß man / ſo da ei - nes ſchlechten / uͤbelgeſchaffenen / kleinen / vnd mangelhaff - tigen Leibs geweſen / vnd gleichwol im Wiſſen vnd Ge - wiſſen die beruͤhmteſte waren.
Heilig / vnd abermahl heilig / vnd tauſendmahl hei - lig iſt das Evangelium Matthæi, das Evangelium Lucæ, das Evangelium Marci, das Evangelium Joannis. Dann alles was Joannes geſchriben / was Marcus geſchriben / was Lucas geſchriben / was Matthæus geſchriben / iſt ge - ſchriben durch Eingebung / durch Angebung / durch Mit - gebung deß heiligen Geiſts / vnd deſſentwegen heilig; vnd weilen es heilig / iſt es deſſentwegen ohne Faͤhler / vnd wei -len125vnd Leibs-Geſtalt.len es ohne Faͤhler / iſt es deſſentwegen voll der Warheit / vnd weilen es voll der Warheit / ſo iſt es deſſentwegen zu glauben. Der H. Joannes Chryſoſtomus bezeugt /Hom. 31. in Joan. daß zu ſeiner Zeit der boͤſe Feind auß einer beſeſſenen Per - ſohn habe gezwungener bekennt / wo das H. Evangeli - Buͤchel gefunden werde in einem Hauß / allda habe er ſambt ſeinem Anhang einen geringen Zutritt. Cedrenus notirt, daß ein heiligmaͤſſiger Biſchoff ſeye zu den Roſ -Tom. 3. ſern / als einem groben barbariſchen Volck abgeſchickt worden / ſelbigen das Evangelium zu predigen / haben ſol - che auß vnarthiger Hartneckigkeit kein anderes Geſatz wollen annehmen / auſſer ſolches wurde durch ſcheinba - res Wunderwerck bekraͤfftiget. Worauff der Heil. Bi - ſchoff auß Goͤttlicher Eingebung das Evangeli-Buͤchel in einen brennenden Ofen geworffen / darinnen es etlich Stund in den auffſteigenden Flammen vnverſehrt ge - bliben / welches nachmahl ein ſattſamer Anlaß ware zu dero Bekehrung. Diß vnd dergleichen mehr Zaichen vnd Zaigen / daß nichts in dem Evangelio / ſo nicht heilig / vnd nichts heilig / ſo nicht wahr ſeye. Alleinig moͤcht ein Lim - mellius gefunden werden / welcher abſonderlich auff das aͤuſſerliche Anſehen gehet / vnd vil auff die Leibs-Groͤſſe haltet / wormit ein Ochs / Schwaͤre halber / beſſer zu pran - gen / als ein Menſch / ein ſolcher moͤcht an einem Orth deß Evangeltj ſchier wancken / ob es gar fuͤglich zuſamb ge - ſtimbt ſeye. Benanntlich folgende Wort deß Evangelij Lucæ. Ecce, Vir nomine Zachæus: Sihe / da war ein Mann genannt Zachæus / vnd gleich folgt dar - auff; ſtatura puſillus, er war klein von Perſohn. Klein von Perſohn / vnd ein Mann genennet werden / wie reimbt ſich das? Jene Dornhecken / in welcher derGeneſ. 22. Patriarch Abraham zum Goͤttlichen Opffer einen Wid -Q 3der126Deß Judæ Barth /der gefunden / einen Wald zu nennen / ſchickt ſich nicht;Luc. c. 5. Jenes Schiffel / in welchem JEſus geprediget / ein Schiff zu nennen / reimbt ſich nicht. Docebat de navicula turbas. Joan. 18.Jenen Bach Cedron / wordurch die ohnmenſchliche Hen - ckers-Geſellen / vnd Troßbuben den gebenedeyten JEſum geſchlaipffet haben / einen Fluß zu nennen / reimbt ſich nit /Pſal. 109. zumahlen David ſelbſten ſagt / vnd ſingt. De torrente in via bibet. Jenes Koͤnigl in dem Evangelio / einen Koͤnig zu nennen / ſchickt ſich nicht / weilen es der heiligeJoan. c. 4. Geiſt ſelbſten alſo benambſet. Erat quidam Regulus. Warumb ſoll dann Zachæus / als klein von Perſohn ein Mann genennt werden / vnd nicht ein Maͤnnl? Ecce, Vir nomine Zachæus. Hoͤre du groſſer / vnd mit langen Haͤxen vnderſtuͤtzter Polyphemus, was dir die Goͤttliche Schrifft vnder die Naſen reibt / weilen du ſo Naſenwi -Eccl. 11. v. 2. tzig frageſt: Non ſpernas hominem in viſu ſuo, & non laudes virum in ſpecie ſuâ: Veracht einen Menſchen nicht auß ſeinem aͤuſſerlichen Anſe - hen / vnd lobe einen Mann nicht vmb ſeiner ſchoͤnen Geſtalt willen. Zachæus war klein von Perſohn / daß er auch deſſentwegen das Baumſteigen zu hilff genommen / damit er moͤchte uͤber das Volck außſe - hen / vnd nicht gar von dem groben Geſindl zertretten wurde: dannoch aber gibt ihm der heilige Geiſt den ſchoͤ - nen Preyß-Nahmen eines Manns / weilen die Mannheit / Tugend vnd Tapfferkeit nicht von dem Leib / ſondern von dem Gemuͤth abzumeſſen / welches ſo groß kan ſeyn in ei - nem kleinen Leib / als in einem groſſen.
Kombt her ihr uͤberwachſene Beſchnarcher / ihr auff - baͤumbte Hopffen Saͤck / ihr Goliathiſche Großſchedl / die ihr allein auff das aͤuſſerliche Geſicht / vnd Gewicht vil haltet. Kombt her / vnd beſchaut vil kleine Leuth / dieeuch127vnd Leibs-Geſtalt.euch im Ruhm vnd Glory weit uͤberſteigen. Alexander Macedo klein von Perſohn / entgegen aber ein weltbe - ruͤhmter Held. Aſineus ein Kriegs-Fuͤrſt der Juden / klein von Perſohn / aber ein weltkuͤndiger Soldat. David in Iſrael klein von Perſohn / aber ein vnbeſchreiblicher Monarch. Edgarus gantz klein von Perſohn / aber ein glorwuͤrdigſter Koͤnig in Britannia. Pipinus ſo klein von Perſohn / daß ihme ſolcher Nahm ſchimpffweiß gege - ben worden wegen der kleinen Huͤnnl / welche nur Pi Pi ſingen / aber ein erfahrneſter Held vnd Herꝛ. Baiacethes klein von Perſohn / aber ein preyßwuͤrdigſter Fuͤrſt bey den Tuͤrcken. Uladislaus der dritte Koͤnig in Pohln wa - re nur ein Ehlen lang / deſſen wahre Abbildung in der Kayſerlichen Schatz-Kammer zu Wienn gezaiget wird / vnd dannoch ein guter Koͤnig. Robertus der Pflatzgraff klein von Perſohn / ware doch im groͤſten Anſehen bey dem Boͤheimiſchen Reich. Galeaceus Gonzaga ware klein von Perſohn / vnd doch eines ohngemainen Heldenmuths. Vil andere mehr faſt ohne Zahl / vnd Zihl / welche klein von Perſohn / aber groß im Nahmen / werden allhier vmb - gangen; verwundert euch alleinig vnd einig uͤber den heiligen Tharſeniſchen Prediger Paulum. Paulus ein An - gel / ein Engel / ein Engel / ein Angel / ein Ampel / ein Am - per / ein Amper / ein Ampel / ein Feil / ein Pfeil / ein Pfeil / ein Feil / ein Ackſtain / ein Eckſtain / ein Eckſtain / ein Ack - ſtain / ein Netz / ein Nutz / ein Nutz / ein Netz / ein Brunn / ein Brunſt / ein Brunſt / ein Brunn / ein Vogl / ein Veigl / ein Veigl / ein Vogl; Paulus ein Vogel / der faſt nichts anders geſungen / als den ſuͤſſeſten Nahmen JESU; ſo gar auch wie er enthaupt iſt worden / iſt das heilige Haupt dreymahl in die Hoͤhe geſprungen / vnd jedesmahl den al - lerheiligſten Nahmen JESU außgeſprochen. Paulus ein Veigl / welches einen ſolchen lieblichen Geruch derTugen -128Deß Judæ Barth /Tugenden von ſich gibt / daß es die gantze Welt nach ſich2. Cor. 2. gezogen. Chriſti bonus odor ſumus. Paulus ein Brunſt / zumahlen er in den Liebes-Flammen zu ſeinem JEſu der - maſſen erhitzet ware / daß ihm weder Stangen noch Zan - gen / weder Sabel noch Gabel / weder Noth noch Todt /Rom. 8. konte von der Lieb abhalten. Quis ergo nos ſeparabit à Charitate Chriſti? Paulus ein Brunn / auß deme die Welt die raineſte Lehr geſchoͤpfft. Paulus ein Nutz der Catholiſchen Kirchen / weilen er ſo vil Seelen gewunnen / als GOtt dem Abraham ſchimmerende Stern gezaigt in dem Himmel. Paulus ein Nutz / wormit GOtt groſſe Suͤnder gefiſcht / welche im Grund / vnd Abgrund der La - ſter vnd Irꝛthumb geſtecket. Paulus ein Ackſtain / gleich - wie diſer die Haar-Splitter / vnd andere leichte Ding zu ſich ziehet / alſo zoge Paulus vil leichtſinnige / leichtfertige Suͤnder zu ſich / vnd bekehrte dieſelbige. Paulus ein Eck - ſtain / auff welchem GOtt das Heyl ſo ohnzahlbarer See - len gebauet hat. Paulus ein Pfeil / den GOtt inſonder - heit abgeſchoſſen in die Welt / ſo vil harte Hertzen zu ver - wunden. Paulus ein Feil / welche den Roſt der Suͤnder / von den Seelen vnablaͤßlich abzuwenden ſich befliſſen. Paulus ein Amper / mit deme wir auß dem Brunnen der Goͤttlichen Weißheit ſo vil vnbekannte Gehaimbnuſſen geſchoͤpfft; Paulus ein Ampel / durch welche die gantze braite Welt erleuchtet worden. Paulus ein Engel (oder beſſer geredt) ein Schutz-Engel der gantzen Chriſtenheit. Paulus ein Angel / wormit ſo vil arme vertieffte Suͤnder zum Geſtatt der ewigen Seeligkeit gezogen worden. Pau - lus hat geprediget / vnd hat bekehret gantz Seleuciam, gantz Cypern / gantz Salamina, gantz Paphum, gantz Per - gen / gantz Pamphyliam, gantz Antiochiam, Lyſtriam, Derben, Licaoniam, Phrigiam, Galatiam, Capado - ciam, Macedoniam, Miſian, Achaiam, Bithiniam, A -ſiam,129vnd Leibs-Geſtalt.ſiam, Syriam, Tyrum, Ptolomaidem, Cæſaream; Griechenland / Spanien / Franckreich / ja faſt die gantze Welt. Das muß ein Mann geweſt ſeyn. Paulus ſo gar in den dritten Himmel verzuckt / ſo gar in der In - ſul Maltha alle Schlangen in Stain verwandlet / ſo gar wie er enthaupt worden / iſt an ſtatt deß Bluts / Milch gerunnen / vnd mit ſeinem Schweiß-Tuͤchel Miracul ge - macht. Das muß ein Mann geweſt ſeyn. Vil - leicht bildet ihm ein jeder ein / einen groſſen Mann mit krauſten Haaren / mit voͤlligem Angeſicht / mit ſchoͤner / groſſer / wolgeſchaffener Leibs-Geſtalt; nichts weniger als diſes / er war klein von Perſohn / pucklet auff dem Rug - gen / glatzet auff dem Kopff / langnaſet im Geſicht / ver - aͤchtlich im Anſehen / vnd dannoch Paulus ein Schatz / ein Schutz / ein Schuͤtz / ein Schantz der gantzen Welt. Si - heſt du groſſer Melampodi, ſiheſt du außgefuͤllter Wam - peluci, ſiheſt du hochſuͤſſiger Longine, daß man keinen Kleinen verachten ſolle. Non ſpernas hominem in viſu ſuo. Veracht keinen Menſchen / wann er klein iſt / villeicht iſt er großmuͤthig / groß verſtaͤndig / ꝛc.
Der heilige Gregorius Biſchoff zu Turon kaͤme eineſt nacher Rom / allda die Kirchen der heiligen Apo - ſteln zu beſuchen / welchen dann der Roͤmiſche Pabſt glei - chen Namens Gregorius Magnus wegen bekannter Hei - ligkeit / vnd groſſen Ruhm hoͤfflich empfangen. Vnd als gedachter H. Biſchoff ſein Andacht / vnd Glaubens-Be - kandtnuß in der Kirchen vollzogen / gedachte der neben ihm ſtehende Pabſt / wie doch Gott in einem ſo ſchlechten Leib / vnd muͤheſeeligen Krippel ſo groſſe Gnaden habe einloggieret (dann diſer Biſchoff war ſehr klein vnd ver - aͤchtlich von Perſohn) ſo hat ſich alſobalden der heilige Mann gegen den Pabſten gewendet / mit lachendemRMund130Deß Judæ Barth /Mund ſeine ſtille Gedancken entdecket / ſprechend: Do - minus fecit nos, & non ipſi nos, idem in parvis, qui & in magnis. Heiligiſter Vatter / vnd Stadthalter Chri - ſti / ſie verwundern ſich in ihrem Hertzen uͤber mein ſchlech - te geringfuͤgige Leibs-Geſtalt / daß ich ein ſo kleines pugle - tes Maͤnnlein bin. Sie wiſſen aber gar wol / daß michSur. 17. Novemb. Tom. 6. Gott erſchaffen / vnd ich mich nicht ſelbſten / vnd kan der Allmaͤchtige Gott ſeine Gnaden ſo wol in ein erdenes Geſchirꝛl gieſſen / als in ein groſſes guldenes Ge - faͤß. War iſt es / daß die oͤde / ſchnoͤde vnd bloͤde Welt / ſo gern nur das aͤuſſerliche erweget / vnd auß der Schaid den Degen urtlet / dahingegen oͤffters der Menſchen Au - gen hierinfals betrogen werden. Wo hat Moyſes die Taffel der zehen Gebott gebrochen? Antwort beym gul - denen Kalb / welches die vnbaͤndige Iſraeliter / als ihren Gott / angebettet haben. Der Zeiten bricht man auch mehreſt die zehen Gebott beym guldenen Kalb / beym gul - denen Ochſen / beym guldenen Laͤmbl / beym guldenen Beern / ꝛc. dergleichen Namen die Wirthshaͤuſer tragen. Erſtgenanntes guldenes Kalb ware von reichen / ſchoͤnen / glantzenden Gold / aber / was aber? aber / was dann aber? aber / es war einwendig holl / vnd laͤhr / vnd folgſamb nit lauter Gold / wie vil vermainten. Ein mancher geht da - her mit ſolcher langer Statur / als wann er dem Babylo - niſchen Thurn Befreundt waͤre / er ſpreitzt die Fuͤß wie ein anderer Coloſſus zu Rhodis, er hat ſo vil Haar auff dem Kopff / daß man drey Baurn-Kumet darmit ſchop - pen konte: er hat ein rundes / faiſtes / fetes Geſicht / daß ihme die Butter-Backen ſchlottern wie ein ſchweinerne Sultz / einer ſihet diſen Fleiſchthurn / ſagt alſobalden / das ſeye ein wackerer Kerl / ein anſehlicher Mann / der ſoll ein Oberſter ſeyn / der ſoll ein Prælat ſeyn / der hat einAnſe -131vnd Leibs-Geſtalt.Anſehen / ꝛc. O Simpl: Gimpl halts Maul! es iſt an der Laͤnge nicht gelegen / ſonſten waͤre ein Wißbaum mehrer als ein Scepter / es iſt an der Groͤſſe nicht gelegen / ſonſt golt ein Bachzuber mehrer als ein guldenes Pocal: es iſt an der dicke nicht gelegen / ſonſt ware ein Saukoͤrbes beſſer als ein Lemoni: es iſt an der Gſtalt nicht gelegen / ſon - ſten ſang ein Pfau lieblicher als ein Nachtigal / ſondern es iſt allein das Gemuͤth / die Tugend / der Verſtand zuſchaͤ - tzen; diſen groſſen Hannſen lobeſt du wegen deß huͤpſchen Anſehen / aber gib Acht / ob er nit iſt Vitulus conflatilis, wie das guldene Kalb / inwendig holl / vnd laͤhr / lirum, larum, nichts im Hirn / ſein Hirn iſt beſchaffen wie der fuͤnff thorrechten Jungfrauen ihre Ampeln / nichts darin: ſein Gedaͤchtnuß iſt wie die Koͤrbes-Blaͤtter Jonæ bald auffgeſchoſſen / bald abgeſchoſſen; ſein Gewiſſen iſt be - ſchaffen / wie deß Eliſæi Topff / bitter. Pfuy
Entgegen begegnet dir ein Kleiner / deme die Natur geſparſamb geweſt iſt / deſſen Leibs-Statur geſchmaͤllert / der ſo faiſt / wie der Mondſchein im erſten Viertl / der in Duodec eingebunden / der dem Roͤmiſchen Curtio anver - wand / ſo lache ihn nit auß deſſenthalben. Portiuncula iſt ein kleines Kirchl / vnd doch der vornembſte Ablaß darein: Bethlehem ein kleines Staͤdtlein / vnd doch mit der Geburt Chriſti beruͤmbt. GOtt iſt ein kleines Woͤrt - lein / vnd iſt doch alles uͤber alles darinn / alſo iſt oͤffters in einer kleinen Perſohn ein groß Gemuͤth / groſſe Wiſſen - ſchafft / groſſe Heiligkeit. Wer iſt Auguſtinus geweſt mein H. Vatter? ein Miraeul der Welt / ein Fackel der Welt: was hat er fuͤr ein Anſehen gehabt? ein ſchlechtes / er war klein von Perſohn / wie er ſelbſten bekennt. QuæſoHom. 〈…〉〈…〉transf. per Dominum, nè vos Homuncionis fæditas offendat. Wer iſt Hieronymus geweſt der H. Lehrer? ein Glantz der Welt / ein Schantz der Welt; was hat er fuͤr einR 2An -132deß Judæ Barth.Anſehen? gar ein geringes / dann er gar klein von Per - ſohn. Wer iſt Cornelius à Lapide geweſt? ein Lehrer aller Wiſſenſchafften / ein Vermehrer aller Wiſſenſchafften / ein ſondere Zierd der gantzen Societet. Was hat er fuͤr ein An - ſehen? ja gar ein ſchlechtes / ein Maͤnnl kaum Spanlang. Rho. l. 7.Cornelium à Lapide habuit Collegium Romanum, hominem perpuſillo corporis modulo ingentem ani - mum, & nullis ſtudiorum laboribus fractum claude - bat. Wer iſt Carolus Quintus geweſt? faſt uͤber alle Glorios, Victorios, Generos, von Perſohn aber nit gar groß. Wer iſt Ariſtoteles geweſt? ein ſolcher Mann / der mit ſeiner Feder ſo vil Buͤcher / mit ſeinen Buͤchern ſo vil Schulen / mit ſeinen Schulen ſo vil Bibliothecken angefuͤllt; Ariſtoteles ein ſolcher Mann / deme Auguſti - nus, mit Auguſtino Ambroſius, mit Ambroſio Anſel - mus, mit Anſelmo Thomas de Aquino ſchier ein halb Engliſchen Verſtand zueignen. Ariſtoteles ein Liecht der Weltweiſen / ein Fuͤrſt der Weltweiſen / ein Zier der Welt - weiſen / der wird ja ein groſſer Mann geweſen ſeyn? Ja / ja / ja / ja / groß war er an Wiſſenſchafft / nicht aber am Leib / dann er ein kleines Maͤnnl / ein buckelts-Maͤnnl / ein ein groß-naſetes Maͤnnl; vnd dannoch in einer ſo ſchlech - ten vnd nidrigen Herberg hat loggiert ein ſolches anſehli - ches Gemuͤth. Nihil in homine magnum, præter men - tem, ſpricht gar recht Phavotinus Philoſophus. Die groͤſſe deß Menſchen iſt vom Gemuͤth / vnd nicht vom Leib zumeſſen. Alexander mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Theodoſius mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Juſtinianus mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Agrippa mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Conſtantinus mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Carolus mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Otto mit dem Zunamen Magnus der Groſſe: Valerius mitdem133vnd Leibs-Geſtalt.dem Zunamen Maximus der Groͤſte: Fabius mit dem Zu - namen Maximus der Groͤſte: Scipio Affricanus mit dem Zunamen Maximus der Groͤſte / ꝛc. ſeynd nit derenthal - ben die Groſſe / vnd die Groͤſte genennt worden / weilen ſie groſſer Leibs-Geſtalt waren / ſondern weilen ſie groſſe Ge - muͤther hatten.
Gleicher Geſtalt muͤſſen auch die jenige nicht ver - hoͤnnet / vnd verſpottet werden / welche von Natur eines ſchaͤndlichen vnd vngeſtalten Leibs ſeynd. Es iſt zwar der Jacob nicht allein / welcher ihme die ſchoͤne vnd holdſeeli - ge Rachel außerkohren / vnd der trieffaugenden Liæ ei - nen Korb geben / ſondern es iſt bereits die gantze Welt alſo geſitt / vnd geſinnt / daß ſie ein ſchoͤne Geſtalt hoch achtet / vnd muͤſſen nur Tiſchler vnd Bildhauer an huͤl - tzernen Fratzen-Geſichtern ihr Wolgefallen haben / wo - rinnen ſie nicht wenig Stemmeyſen ſtumpffet machen. Es wolte der groſſe Aſſuerus, daß ihme die ſchoͤneſten Maͤgdlein auß dem gantzen Land ſolten nach ſeiner Reſi - dentz-Statt Suſan geliffert werden / auß denen er ein Koͤ - nigliche Gemaͤhlin moͤchte erkuͤſen / vnd wurden die Mar - colviſche Geſichter / die Eſopiſche Larven / die Bubaviſche Nachteyl auff alle Weiß außgeſchloſſen / er wolte eine erwoͤhlen / die ſauber iſt / vnd nicht ein Saubeer iſt. Fuͤr - war in allem hat die Schoͤnheit ihren Vorzug / vnd iſt ſol - che ein Portion der Goͤttlichen Gnaden / welche der frey - gebige Gott dem Menſchen ſpendirt: entgegen iſt die Vn - geſtalt verworffen / vnd mufft nit wenig mit dem Lazaro,Mente Quæres fol. 84. jam fætet. Abraham ſchreiben die Rabiner / hat auff der Raiß nacher Egypten ſein Sara als ein huͤpſche Dama, ſo gar eingeſpert / damit ſelbige wegen ihrer Schoͤnheit nicht angefochten wurde / iſt aber dannoch gefunden worden; ſo gar iſt die Schoͤnheit ein Magnet der Augen vnd Her - tzen / aber ein uͤbel geſchaffenes Gſicht achtet man weni -R 3ger134Deß Judæ Barth /ger als ein Hackſtock vor der Haußthuͤr / welcher auch bey naͤchtlicher Zeit in Sicherheit ſtehet. In Goͤttlicher Schrifft wird nit wenig hervor geſtrichen die Schoͤnheit der Judith, der Rebecca, der Eſter, deß Davids, deß Jo - ſephs, auch koͤnnen Nicephorus, vnd Antoninus nicht gnugſamb preyſen die ſchoͤne Geſtalt / vnd holdſeeliges An -Pſal. 44. geſicht Chriſti JEſu. Specioſus forma præ filijs homi - num. Deßgleichen auch die Wolgeſtalt deß Mariani - fchen Angeſicht ſeiner uͤbergebenedeyten Mutter. Die Un - geſtalt aber wird in der Welt / vnd bey der Welt / vnd von der Welt in gar ſo geringen Werth gehalten / daß auch Gott im alten Teſtament die krumpe / bucklete / blinde / vnd maͤngelhaffte Thier von ſeinem Opffer verban -Deut. 15. diſiert. Ja die Herren Juriſten ſagen auß / daß / wo zween wegen eines begangenen Miſſethat in Argwohn ſeyn / ſol - le man am allererſten den jenigen auff die Folter legen / welcher ſchaͤndlich / vnd vngeſtalt von Geſicht; vnd wol - len gar etliche / daß man ſich huͤtten ſolle vor ſolchen Leu - then / die Gott vnd die Natur gezeichnet hat: auch ſeye wahr / was der Poët zu einem hinckenden geſchnarcht hat.
‘Ut pede, ſic animo es claudus, namque extera membra Internæ mentis ſunt ſimulacra tuæ. ’ ()Ein ſchoͤner Ganimedes aber / ein huͤpſcher Narciſſus, ein krauſtharriger Paris, ein wolgeſchaffene Helena, ein ſaubere Atalantha, wann ſie den halben Tag vnter den Fenſter ſtehn / oder vier Stund auff den Marckt ſpatzie - ren / oder ein Zeitlang mit fliegenden Augen in der Kir - chen gaffen / pflegen nicht anderſt zuthun / als lachen / als kuderen / als ſpoͤttlen / ſo ſie ein Menſchen ſehen / demedie135vnd Leibs-Geſtalt.die Natur am Leibs-Geſtalt geſparſam geweſt / ja es hat faſt niemand ein Salva Quardia vor ſolchen Spottungen / dergleichen gehabt haben jene raupen Bueben / vnd Lot - ters-Fratzen / welche den Prooheten Eliſæum ſeines Glatz - Kopff halber außgelacht.
Jener einaugige Geſell ſpoͤttlete einen armen buckle - ten Tropffen / ſo fruh Morgens ihme begegnet mit diſen Schimpff-Worten / wo wilſt du ſo Fruhe hinraiſen / wei - len du den Rantzen ſchon auffgeladen / deme begegnet aber ſolcher gleich mit diſer Antwort. Ja / ja / es muß wol ſehr fruhe ſeyn / weilen du erſt ein Fenſter-Laden eroͤffnet haſt / verſtunde hierdurch ſein Einaug. Ein anderer lachte gleichmaͤſſig einen haͤßlichen Menſchen auß / ſprechend / pfuy! du biſt wol ein garſtiger / ſchaͤndlicher / wilder Narꝛ / deme aber ſolcher alſobalden widerſetzte; ja ich bin ein gar - ſtiger / ſchaͤndlicher / wilder Menſch / ich kan aber nit darvor / dann mein Mutter hat ſich an dir erſehen / wie ſie mit mir ſchwanger gangen; dergleichen Spottreden fliegen her - umb / wie die Mucken in Egypten zu Pharaons Zeiten / vnd muß einer ſich wol in Acht nemmen / daß er kein Stich außſtehen darff. Solche zaumloſe aber nit zahnloſe Maͤu - ler machen es nit vngleich einer Schweitzer-Kuhe / welche ein gantze Wiſen durchgraſet / vnd auch dem ſchoͤnſten Bluͤmblein nicht verſchonet. O ihr Zoilantiſchen Be - ſchnarcher! fallt euch dann gar nicht ein / daß ihr durch ſolches Gott den Allmaͤchtigen belaydigen thut / in deme ihr ſeine Geſchoͤpff alſo ſchimpfflich durch die Haͤchel ziehet.
Anno 1540. war ein Edlmann zu Madrit Namens Franciſcus Ramirez: diſer hat ſeinen Herꝛn Pfarrer / vmb willen ſolcher ein vngeſtaltes Geſicht / ein groſſe / ro - the / Naſen dermaſſen veracht / verlacht / daß er zur Oeſter - licher Zeit ſo gar auß deſſen Haͤnden nicht wolte commu - nicirt werden / auch derenthalben ſich zu einem andernPfarꝛ -136Deß Judæ Barth /Pfarꝛ-Herꝛn begeben / allwo er ſein ſchuldige Andacht ver - richt. Aber ſihe! wie Gott fuͤr ſolche Spoͤttler ſo bald ein ſcharpffe Laug ſiedet. Als obbenandter Geſtrenger Herꝛ Frantz Ramirez von dem Altar hinweg geht / ver - merckt er einen vnverhofften Schmertzen in ſeinem An - ſicht / vnd gedunckt ihm / als wolt ſich auch ſein Naſen auffblaͤen / weilen er ohne das im Gemuͤth ein auffgeblaſ - ſener Menſch ware. Vnd als er derenthalben an die Na - ſen gegriffen / hat er alsbald geſpuͤret / daß die gantze Hand voll mit Naſen / nimbt auch beynebens wahr / daß andere Umbſtehende ihn gar ſeltzam anſchauen / auch ſeiner nit wenig lachten / welches ihme dann ein gnugſamen Anlaß geben nacher Hauß zueillen / wo ſelbſt er gleich den Spie - gel vmb Rath gefragt / welcher ihme dann ohne Scheu das ſchaͤndliche / das rothe / das mit rothen Rubin verſetz - te Angeſicht deß Pfarꝛherꝛns vorgeſtellet / vnd zwar ſo ei - gentlich / daß man die Copey von dem Original nicht vn - terſchaiden kunte. Diß hat dem guten Spaniſchen Jun - cker dermaſſen das Hertz getroffen / daß er hieruͤber roͤdt - lich erkranckte / vnd innerhalb acht Tagen mit ſondererGonſalez Fernandez de Ovie - do. Reu ſeines begangenen Freffels / nach deme er die heilige Sacramenta vom beſagten Pfarꝛherꝛn empfangen / das Leben gelaſſen. In deme du mein Spoͤttler vnd Beſchnar - cher zulehrnen haſt / daß man keinen Menſchen wegen ſei - ner Vngeſtalt außhoͤnnen ſoll: weilen ſo wol vnder die Geſchoͤpff der Goͤttlichen Hand gehoͤret / als ein ſchoͤner / gerader / vnd wolgeſchaffener Abſalon. Uber das / ſo muſt du auß der Schaid nicht allzeit den Degen urtlen: wie offt iſt in einer ſchlechten zerriſſenen Schaid ein anſehliche Klingen. Es iſt wol oͤffter ein ſchoͤner Schatz in einer hoͤl - tzernen Druchen; es iſt wol oͤffter ein Speck vnder dem Kraut: es iſt wol oͤffter ein ſtattliches Buch in einem ſchlechten Einbund: es ſeynd wol oͤffter gut gewichtigeDuca -137vnd Leibs-Geſtalt.Ducaten in einer duͤrren Saublatter / es hat oͤffter ſchon ein groſſer Herꝛ vnd Koͤnig in einer Bauen-Huͤtten ein - kehret: es iſt wol oͤffter ein vngeſtalter ohnformblicher Menſch einwendig mit Wiſſen vnd Gwiſſen wol verſehen.
Ein gwiſſer Koͤnig zu Babylon iſt mit ſolchem ErnſtPetrus de Natalibus l. 9. c. 19. wider die Chriſten verfahren / daß er ihnen gedrohet / alle zukoͤpffen / wofern ſie nicht durch ihren Glauben einen groſſen Berg von einem Orth zu dem andern ſchaffen / nach laut ihres Evangelij: warlich ſage ich euch / ſo ihrMatth. c. 17. einen Glauben habt wie ein Senffkorn / ſo werd ihr zu diſem Berg ſagen / erheb dich von hinnen dorth hin / vnd er wird ſich erheben / vnd euch wird kein Ding vnmoͤglich ſeyn. Weilen nun die Chriſten zu Babylon ſolcher Trohung halber ſehr beſtuͤrtzt waren / vnd beynebens von Gott dem Allmaͤchtigen ein ſo groſſes Miracul zu begehren ſich nicht getrauten / alſo iſt ein Engel von Himmel dem Biſchoff daſelbſten erſchi - nen / ihme befolchen / er ſolle einen einaugigen Mann / Na - mens Arianum, zu diſem Wunderwerck erkuͤſen / welcher ohngeſtalte einaugige Arianus nach vollbrachten dreytaͤ - gigen ſtrengen Faſten einem groſſen Berg befolchen / er ſolle von hinnen ſcheiden / welches dann alſobalden geſche - hen / wordurch die betrangte Chriſten in ihrem Glauben geſtaͤrcket / der Koͤnig aber ſambt vilen bekehret worden. Sihe nun in einem einaugigen Ariano: ſihe in einem buck - leten / kahlkopfferen Eliſæo: ſihe in einem hinckenden Ja - cobo: ſihe in einem langnaſigen Bellarmino, groſſe / herꝛ - liche vnd ruhmwuͤrdigiſte Tugenden vnd Heiligkeit. So urthle hinfuͤro nit mehr auß einem mangelhafften Leib ein ſchlechtes Gemuͤth.
Es hat oͤffters ein Beſchaffenheit mit einem ſtattli - chen Kerl / wie mit einem ſtattlichen Berl; du ſiheſtSein138Deß Judæ Barth /ein ſchlechte rauche Muſchl / ein knoperte Mißgeburt deß Waſſers / ein harten Meerfaimb / wer ſoll ihm einbilden / daß in diſem wilden vngeſtalten Geſchirꝛ ſoll etwas gutes ſeyn; eroͤffne aber ſolches / da wirſt du finden ein koſtbah - res / ſchoͤnes / edles vnd ſtattliches Berl; wie das Berl / ſo mancher Kerl / du wirſt zuweilen antreffen / ein kri - peliſchen Menſchen / mit vngeformbter Leibs-Geſtalt / mit langen Ohren / faſt ſchier wie ein Thier / das heißt Eſel: mit einer langen Naſen / als waͤre ſolche auff der Falter gelegen: mit einem groſſen Maul / wie ein Affen-Gebiß: mit einem Buckel / wie ein Camel ꝛc. Du wirſt dir gar keinen Gedancken machen / als ob in diſer Elend-Haut etwas gutes ſtecke. Dannoch aber wirſt du es erfahren / gleichwie in einer vngeſtaltē Muſchl ein ſtattliches Berl / alſo in diſer ſchlechten Menſchheit ein ſtattlicher Kerl verborgen. Du wirſt oͤffters antreffen ein treffliches Ge - muͤth / ein lobreiche Frombkeit / ein anſehliche Wiſſen - ſchafft in einem ſo ſchlechten / vnd augenſchein halber vn - achtbaren Menſchen. Gleichwie gefunden worden ein koſtbarer ſilberner Becher in dem ſchlechten rupffenen Traydſack deß Beniamin. Gedencke nur / daß ein krumpes Holtz ſo gute Hitz gebe / als ein gerades. Der Roͤmiſche Galba hat einen Buckel gehabt / faſt ſo hoch / daß man haͤtte moͤgen ein Schilter-Haͤußl darauff bauen / vnd erBeierling de forma. ware dannoch ein vnvergleichlicher Wohlredner. Æſo - pus hat ein ſolches Larven Geſicht gehabt / daß auch die knoperte Rinden am Aychbaum ſeinem Fehl faſt an der Schoͤnheit vorgangen / vnd gleichwol ware er der witzigi - ſte Mann zu ſeiner Zeit. Rudolphus der erſte Roͤmiſche Kayſer haͤtte ein ſo lange Naſen / daß ihme einmal ein Soldat auff die Seiten gewichen; ſagend / er weiche auffdie139vnd Leibs-Geſtalt.die Seiten / damit der Kayſer nicht mit der Naſen anſtoſſe / vnd dannoch war er das vornembſte Ehrzweig deß weit - beruͤhmteſten Oeſterreicheriſchen Stammen-Baumbs. Quintus Fabius Maximus hatte ein ſo groſſe vngeſtalte Waͤrtzen gehabt auff ſeinem obern Lefftzen / daß ſie ihm faſt wie ein Daͤchel uͤber den Freßladen gehangen / vnd dan - noch ware er der allervortrefflichſte Mann. Michaël der Roͤmiſche Kayſer hat ſehr ſtarck mit der Zungen angeſtoſ - ſen / vnd mit der Red gar hart ſo-fo-fortkommen koͤnnen: gleichwol war er ein anſehlicher Monarch. Philippus Macedo, Hannibal Chartaginenſis, Sertorius Hiſpa - nus ſeynd einaugig geweſt / vnd doch waren ſie die Lob - wuͤrdigiſte Herren. Henricus II. der Kayſer ware krump. Godefridus Secundus Dux Auſtraſiæ ware kropffet / vnd doch ſeynd ſie beede die braveſte Fuͤrſten vnd Herren geweſt.
Weil dann oͤffters in einem mangelbafften Leib ein vollkommenes Gemuͤth. Ideo non ſpernas hominem in viſu ſuo, ſo verachte den Menſchen nit nach dem aͤuſ - ſerlichen ſchlechten Anſeben / wann er ſchon klein; iſt ſchon genug / wann er ein groß Gemuͤth hat: wann er ſchon bucklet / iſt ſchon genug / wann er einen auffrichtigen Wandel fuͤhrt: wann er ſchon krump / iſt ſchon genug / wann er nur nit in groſſe Suͤnden fallt: wann er ſchon ſchilcher / oder einaugig iſt / iſt ſchon genug / wann er Gott allzeit vor Augen bar: wann er ſchon ſchwartz / iſt ſchon genug / ſo er nur ein weiß Gwiſſen hat. Was hilfft es einen gekrauſten Kopff haben / der aber mit Stroh auß - gefuͤttert; was hilfft es einen ſchoͤnen guldenen Becher haben / vnd darinnen nichts als ein ſchlechtes Stein Bier auß Kaͤrndten: was hilfft es ein Baar wolruͤchendes Roͤmiſche Handſchueh tragen / vnd darinnen kraͤtzige Pra - tzen; was hilfft es ein wolgeſchaffenen / wolgenaturten /S 2wol -140Deß Judæ Barth /wolgeſtalten / wolgeliebten / wolgebutzten Leib haben / worinnen aber alle Laſter niſten. Weit ruͤhmlicher iſt es einen vngeſtalten Leib tragen / als ein uͤbelgeſtaltes Gemuͤth. Crates Damon, Hippocrates, Socrates, Ageſilaus, Gellias, Philopoëmon ſeynd lauter groß - kopffete Cappadocier geweſt; lauter hinckende Claudia - ni, lauter ſchilchende vnd einaugige Cæcilij, lauter groß - ohrende Aureliani, lauter langnaſende Naſones, lauter großmaulete Oreſtes; vnd doch / vnd doch / vnd doch / die wackerſte / die gelehrteſte Leuth. Entgegen Adonis, Atys, Cypariſtus, Crocus, Aranthus, Amaracus, Hylas, Niſus, &c. ſeynd lauter ſchoͤne / wolgeſchaffe - ne / vnd huͤpſchgeſtalte Leuth geweſen / vnd beynebens Ehevergeſſene / Ehrvergeſſene / Lehrvergeſſene Geſellen geweſt. Solche Toͤlpel kommen mir vor wie die Tempel der Hayden / benanntlichen in Japonien / allda der Tem -Prætori. pel Amidæ zu Meaco, der Tempel Caſungæ, der Tempel Day, der Tempel Fachinam, der Tempel Tinchidai ſeynd außwendig von glatem Marmor / von koſtbaren Jaſpis, mit dem beſten Gold auff das reicheſte uͤberzogen. Ein - wendig aber was? ein Hund / ein Katz / ein Teuffel / ein großmaulender Uzlibuzli, ein abſcheulicher Goͤtz. Gar recht hat der allmaͤchtige GOtt dem Propheten Samuel / als er deß Iſai aͤlteſten Sohn / Nahmens Eliab, vermain - te zum Koͤnig zu ſalben / vmb weilen derſelbe ein groſſer /1. Reg. c. 16. v. 7. wackerer Kerl war / diſe Wort geredet: Samuel / ſi - he ſein Geſicht nicht an / noch die Hoͤhe ſei - ner Perſohn.
Sihe nur mein ſchmutzige / nichtsnutzige Welt / mercks fein du hinckende vnd ſtinckende Welt / gedenck du laͤppiſche vnd taͤppiſche Welt / daß man den Menſchen wegen deß bloſſen ſchoͤnen Anſehen nicht ſoll erheben /noch141vnd Leibs-Geſtalt.noch weniger wegen deß ſchlechten vnd geringen freye hens verwerffen.
Wie hat deß Moyſis Weib gehaiſſen? antwort / Sephora: was iſt ſie fuͤr ein Landsmannin geweſt? ant - wort ein Madianiterin: wer iſt ihr Vatter geweſt? ant - wort der Raguel: wie vil hat ſie Schweſtern gehabt? antwort ſechſe: wie hat ſie außgeſehen? antwort faſt wie der Teuchßl: dann ſie ware ein ſchwartze Mohrin / weſſenthalben deß Moyſis Schweſter ſo ſtarck gemurrt / daß ihr Bruder ein ſolche rueſſige Braut / vnd Cortabo - niſche Haut geheyratet / er haͤtte gar wol ein andere vnd weit ſchoͤnere koͤnnen werben; aber ihme hat diſe gefal - len / nicht weiſſer Haͤnd halber / ſondern ohnſtraͤfflichen Wandels halber / nicht geraden Seyten halber / ſondern guter Sitten halber; nicht deß aͤuſſerlichen Scheins hal - ber / ſondern der innerlichen Schoͤne halber; nicht Geburt halber / ſondern Gebaͤrden halber / nicht Gebluͤt halber / ſondern Gemuͤth halber. Allermaſſen die Schoͤnheit ver - gehet / aber die Tugend beſtehet; mercks demnach wol / das achten / vnd verachten ſich nicht muß gruͤnden auff das aͤuſſerliche Anſehen / achte niemand deſſenthalben / weilen er Schoͤn vom Leib iſt; verachte auch niemand de - rentwegen / weilen er ein geringes Anſehen hat. Judas Iſcarioth iſt nit der Vrſachen halber zu ſchimpffen / wei - len er / wie etliche vermuthen / einen rothen Barth gehabt; noch darumb zu ſchelten / weilen er klein von Perſohn ge - weſt / ſondern weilen er ein boßhafftiges / ſuͤndhafftes / la - ſterhafftes / neydhafftes Gemuͤth gehabt / vnd ein Ertz-Schelm geweſt iſt. Dar - umb mercks.
NAchdeme der gottloſe Boͤßwicht durch Antrib deß Neyds den Koͤniglichen Printzen ermordet / hat er fuͤr gut / vnd rathſamb gehalten / ſich mit der ohnverzuͤglichen Flucht zu retten / auß Forcht / es moͤch - te der hoͤchſtbelaydigte Konig deſſenthalben mit ihme ſcharpff verfahren / ja wol gar das Haupt nemmen / wei -Jacob. de Vorag. Conc. S. Matth. len er ein ſolches Haupt-Laſter freventlich begangen. Es gabe ihm demnach das verletzte Gewiſſen ſelbſt die Spor - ren / welche ihn zu ſchneller Flucht angetriben / vnd iſt wol zu vermuthen / daß er im wehrenden lauffen offt ob dem geringſten Geraͤuſch der Blaͤtter auff den Baumen er - blaichet ſeye / in forchtſamer Mainung / er werde von den Nachſtellenden ertappet / die finſtere Waͤlder / vnd holle Stain-Kluͤppen gedunckten ihm noch nit ſattſame Deck - Maͤnkl zu ſeyn / ſondern er eylre zu Land vnd Waſſer oh - ne einigen Raſt / biß er endlich die Graͤnitzen Judeæ er - raicht / allwo er ſich in etwas erhollet / die abgematte Gli - der erquicket / vnd nachmahls mit feinem aignen Bueſen zu Rath gangen / ſich etwann ſelbſt bey ſtiller Nacht in all - gemainer Ruhzeit mit folgenden Rathſchlag beunruhiget. Nun mein Judas, wer biſt du geweſt? e[i]n Sohn eines Koͤnigs: was anjetzo? ein Sohn deß Vngluͤcks: was haſt du gehabt? alles: was haſt du der Zeit? nichts. Was wilſt du anfangen? der Bettlſtab iſt kein Holtz fuͤr dich / in der Arbeit haſt du ein Haar gefunden / es grauſt dir dar - vor; ins Feld taugſt du nicht / dann du zitterſt / ſo man nur von der Schaid redet / will geſchweigen von dem Sabl /keine143andertes Hof-Leben / auch erſte Laſter.keine Kunſt haſt du gelehrnet / außgenommen die freye Kunſt eſſen vnd trincken / ſo gantz allgemein. So ſeye es / eines fallt mir ein / ich bin zu Hoff aufferzogen / ich weiß vmb die Hoffbraͤuch vnd Hoffbaͤuch; ich kenn die Hoff - weiß / vnd die Hoffſpeiß; ich kan mich richten nach dem Hoffluſt vnd Hoffguſt / ich kan vmbſpringen mit den Hoff - leuthen vnd Hoͤfflichkeiten. Ich will es dan̄ hertzhafft pro - bieren / ob ich nicht bey dem Hoff Pilati moͤchte vnderkom - men / allda die Stelle eines Hoff-Dieners zuvertretten. Solcher Anſchlag hat bald einen gewunſchten Außgang gewonnen / vnd iſt Judas Iſcarioth vom Pilato gantz willfaͤhrig in ſeine Hoffdienſt auffgenommen worden / in welchen er alſo auff Katzen-Arth dem Pilato ſich beliebt ge - macht / daß er ihm durch ſein gwiſſenloſes heuchlen vnd ſchmeichlen das Hertz voͤllig eingenommen / nach deſſen pfeiffen gedantzt / vnd nach deſſen dantzen gepfiffen / alles was beliebig ware geredet / auß genommen die Warheit / als die bey den Schmeichlern gantz friſch vnd Nagel neu / vmbweilen ſie bey ihnen gar ſelten gebraucht wird / ſon - der die Suppen mit Lugen pfeffern nach den Appetit ihres Herꝛns / welches allerſeits hoͤchſt ſchaͤdlich fallet.
Es iſt einmal der gebenedeyte Herꝛ vnd Heyland alſoJoan. 4. matt vnd muͤd geweſen / daß er in etwas zuruhen / ſich bey einem Brunnen nidergeſetzet / vnd ſehr haylſambe Reden gefuͤhrt mit der Samaritanin. Ich armer Tropff bin auch auff ein Zeit ſo muͤd worden / daß mir ſo gar die Fuͤß das weitere gehen vnd ſtehen rund haben abgeſchlagen. Die Vrſach aber meiner Mattigkeit ware / weilen ich etwas geſucht / vnd nicht gefunden; ſonſt lautet wol das Sprich - wort. Wer ſucht / der find. Joſeph hat ſeine Bruͤ - der geſucht / vnd hats gefunden: Joſeph vnd Maria ha - ben den zwoͤlffjaͤhrigen JEſum geſucht / vnd haben ihn ge - funden: der gute Hiert hat das verlohrne Laͤmbl geſucht /vnd144Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /vnd hats gefunden / wie auch auff ſeine Achßl genommen. Das Weib im Evangelio hat den verlohrnen Groſchen geſucht / vnd hat ihn gefunden: ich aber hab lang etwas geſucht / vnd nicht gefunden; ich habe die Warheit ge - ſucht / allermaſſen dieſelbe der groſſe Kirchenlehrer / vnd Vatter Auguſtinus weit ſchoͤner hervor ſtreichet / als He - lenam auß Griechenland: vnd war doch diſe ein edlſchoͤ - ne Dama, an dero die Natur ein Maiſterſtuck erwiſen / die Roſen auff ihren rothen Wangen / die Nareiſſen auff ihrem ſchneeweiſſen Stiern / die Lilien auff ihren Haͤnden / die Hyacinthen in ihren Augen ſtelten vor / als biete die ſchoͤne Helena dem reichbluͤhenden Fruͤhling einen Trutz. Wer geſehen hat das Gold in ihren gelben Haaren / die Berl in ihren weiſſen Zaͤhnen / die Corallen in ihren rothen Lefftzen / den Alabaſter in ihrem ſchneeweiſſen Halß / den Rubin in ihren roͤßleten Wangen / den Carfunckel in ihren Augen / der hat geſchworren / Helena ſeye ein Raub vom geſambleten koſtbaren Schatz deß gantzen Erdbo - dens. Ihr Angeſicht hat zaigt in den Augen die Stern / ihr Stiern hat vorgeſtellt die Sonne / ihre Haar gleicheten denen Strahlen / ihre Wangen bildeten ab die Morgen - Roͤthe; konte demnach wol genennt werden die Himmel - ſchoͤne Helena, vnd dannoch vnvergleichlich ſchoͤner iſt die Warheit. Ja die Helena auß Griechenland muß ſich verkriechen vor ihr / ein Trampel / ein Miſtfinck / ein Koth - Kuͤbel / ein Lueder-Sack / ein grober Rilppes / ein Flanck / ein Schlamp iſt Helena gegen der ſchoͤnen Warheit / vnd diſe hab ich lang hin vnd her geſucht / endlich habe ich ſie antroffen / aber in einem wunderſeltzamen Auffzug; Sie hatte erſtlich einen groſſen / vnd langen Mantl mit aller - ley Blumen geſtickt / vnd geſpickt / vnd geſtrickt; wann der Mantl waͤre ſchwartz geweſen / ſo haͤtte ich ohnfehl - bar gemuthmaſſet / ſie gienge in der Klag / ſie hatte ſichgantz145andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.gantz vnd gar in dem Mantl eingebauſcht / faſt wie der Seiden-Wurm in ſeine Helſen. Mehr tragte ſie an ſtatt deß Modipraͤchtigen Vberſchlags einen langen vnd dicken Fuchs-Schweiff vmb dem Hals / vnd was mich am mai - ſten in Verwunderung gezogen / ware diß / daß ſie ſo uͤbel in ihrem ſchoͤnen Engliſchen Gſicht ware zugericht / der Corallene Mund / vnd forderſt der ober Purpur Leff - tzen waren ſtarck geſchwollen; die Wangen alſo ver - wundt / vnd zerkratzet / zerriſſen / zerbiſſen / daß mir ſchier eingefallen / ſie habe mit den Katzen duel - liert / oder ſie haͤtte ein weil mit der Dornſtauden ge - ſchertzet. Madame! ſprach ich / Frau Warheit / wie triff ich euch allhier an / kombt ihr dann von Hoff / weilen ihr mir nechſt der Burg begegnet? (es war in einem Land / wo man nit Teutſch redet) hierauff hat ſie mir mit vnder - mengten Seufftzern geantwortet / daß ſie zwar nacher Hoff habe wollen gehen / ſeye aber von der trutzigen Hoff - Wacht gantz vngeſtimm abgewiſen worden. Iſt war vnd klar / ſagre ich / jetzt erſinne ich mich erſt / was dem gebene - deyten JEſu begegnet Es hatte Pilatus Chriſto eineſt gar ein freundliches Gſicht geweiſt / vnd ihme gar glimpff - lich vortragen / wie daß die Hebræer wider ihn ſehr vil / vnd ſcharffe Klagen eingeben / wie daß er ein Auffruͤhrer deß Volcks ſeye / auch eine neue Lehr vnd grundloſen Glauben außſtraͤhe / ſo gar mit Zauber - vnd Teuffels - Kuͤnſten gewixt ſeye / ja deß Lands Ruhſtand mercklich mit ſeiner Lehr zuſtuͤrtzen trachte. Vnd was noch mehr / er gebe ſich auß vor einen geſalbten Koͤnig der Juden Mein /Joan. 18. ſagte Pilatus zu Chriſto / ſihe / ich mains gar gut mit dir / werde auch allweg mich embſig befleiſſen dein Perſohn vor fernere Vngelegenheit zu ſchutzen / bekenne es dann mir mit vnverfaͤlſchter Vertraͤulichkeit / biſt du ein Koͤnig der Juden? du haſt weder Land / noch Pfand / du haſt wederTGuͤter /146Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /Guͤter / noch Huͤtter / du haſt weder Geſandten / noch Trabanten / du haſt weder Econ / noch Thron / du biſt ein armer Troff / man kennt gwiß dein Vatter nicht? welcher nichts als Bretter gehoblet / vnd wann er noch ſo vil Lai - ter haͤrte gemacht / ſo iſt er dannoch nicht hoch geſtigen / ſondern ein Zimmermann verbliben. Wie kan es dann ſeyn / daß dir ſolche Koͤnigliche Concept einfallen. Haſt du es dann geſagt / vnd ſagſt es noch / biſt du der Juden Koͤnig? worauff der Heyland geantwortet. Ich bin darzu gebohren / vnd bin darzu in die Welt kommen / daß ich der Warheit Zeugnuß gebe. Darauff geſchwind Pilatus, was iſt die Warheit? Laß mir das ein ſeltzame Frag ſeyn. Pilatus ein ſolcher vornehmer Herꝛ / deme Land vnd Leuth vnderworffen / in deſſen Gewalt ware allenthalben anzuſchaffen / abzu - ſchaffen / außzuſchaffen / einzuſchaffen / fortzuſchaffen / ein Herꝛ mit zimblicher Zahl der Bedienten / mit groſſer Men - ge der Auffwarter / mit haͤuffiger Begleidung deß Adels vmbgeben / ein Herꝛ von abſonderlichen Verſtand / vnd reiffen Witz / ſoll nit wiſſen / was die Warheit ſeye? nein / er wuſte es nicht: deſſentwegen begunte er zufragen; quid eſt Veritas? was iſt die Warheit? daß iſt kein Wunder aber / dann er war ein vornehmer Herꝛ / hielt ein groſſen Hoff / vnd zu Hoff / wo die Politica den Vor-Tantz hat / allda hat die Warheit den Fort-Tantz. Pilatus ware ein Frantzoß / vnd deſſentwegen kame ihme die Warheit Spaniſch vor / vnd zu Hoff / wo die Politici niſten / iſt die liebe Warheit verbandiſiert / als habe ſie die Peſt / vnd ſo ſie auch ein Fede vom Himmel haͤtte / ſo laſt mans dannoch kaum ein. In Indien ſeynd die Glaͤſer entwas ſeltzames / in Egypten iſt der Schnee etwas ſeltzames / in Nordwe - gen iſt der Wein etwas ſeltzames / in Mauritania iſt einweiß147andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.weiß Geſicht etwas ſeltzames / in Italien ſeynd die gel - be Haar etwas ſeltzames / in Teutſchland ſeynd die Ele - phanten etwas ſeltzames / in America ſeynd die Hund et - was ſeltzames / in Aſia ſeynd die Puͤchſen etwas ſeltzames / in China ſeynd die Pferdt etwas ſeltzames / bey Hoͤfen vnd groſſen Herren / iſt die Warheit etwas ſeltzames.
Fridericus mit dem Namen der Eltere / Hertzog in Oeſterreich hat gar offt / vnd vilmahlen ſeine ſtattliche vnd ſtandmaͤſſige Kleider hindann gelegt / vnd ſchlechte Baurn - Kleider angezogen / den Sammet mit groben Zwilch / den Caſtorrenen Hut mit einer Schmerkappen / die ſeide - ne Strimpff mit Baurn-Stiffel verwechſelt / vnd alſo vnbekannt bey manchen Baurn den gantzen Tag vmb das Geld gearbeitet / in der Scheur oder Stadl getroſchen / vnd andere barte Arbeit verricht / mit der groben Speiß / vnd gemeiner Dorff Taffel vor lieb genommen. Es hat zwar mancher Baur deſſen zarte Haͤnd beſchnarcht / vnd offt baͤuriſch angefahren. Du Kerl du haſt gar waiche Tatzen / du muſt dein Lebetag nicht vil Habern außtro - ſchen haben. Wann er demnach in ſolcher Baurn-Arbeit begriffen / hat er angefangen zu reden / vnd zu fragen. Was man von Hertzog Friderich halte / dem zuweilen ein Baur geantwort / der Hertzog ſeye ein liebreicher Herꝛ / aber ſeine Apoſtel ſeynd nit weit her / er ſchaue ihnen gar zu vil durch die Finger / braucht deſſenthalben wenig Bril - len: er laſt die Edel-Leuth hauſen nach dero Wohlgefal - len / die gehen mit vns vmb / wie wir Baurn mit den Fel - ber-Baumen im ſtutzen; vnſer mehreſtes Gebett iſt fuͤr die Pferd vnſerer Gnadigen Herꝛn / damit dieſelbige lang tauren / dann ſo fern ſolche ſolten vmbſtehen / wurden die Edl-Leuth auff vns Baurn herumb reitten. Wir arme Narren ſevnd nit mehr ſo gluͤckſeelig wie zu David Zeiten / allwo man die Schaaf-Hirten vnd gemeine Leuth auff dieT 2Banck148Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /Banck der Edl-Leuth geſetzet hat. Es iſt zwar der Zeiten ein jeder Baur ein Her / aber nur mit einem r / dann es haiſt Baur gib her / Baur gehe her / Baur trag her / ꝛc. Dem Hertzog Friderich ware ein ſolcher Baur mit ſei - ner ſubtilen Grobheit / vnd einfaͤltigen Witz nicht vnan - genehm / vnd konte gar leicht abnehmen / das Baurn vnd Laurn in ein Haut genaͤhet ſeynd. Ein anderer Baur bey deme der Hertzog Knechtweiß gedienet vnd gearbeitet / thaͤtte andere Glocken leithen faſt diſes Klangs. Mein lieber Knecht / vnſer Hertzog verſchenckt gar vil vnnutz - lich / er gibt dem nechſten Sailtantzer gleich 50. Thaller / fuͤr dem vilmehr ein Strick gehoͤrete / vnd vns Baurn ſi - het er nicht ein Kreutzer nach / er bringt ein Steur vmb die andere auff / wie erſt verwichen die Kopff-Steur / es moͤchte einer ſchier wuͤnſchen / wann einem der Schedl nit ſo lieb waͤre / daß er kein Kopff haͤtte / vnd wo kombt das Gelt hin? er laſt auch den Pracht gar zu weit einſchleichen / vnd fahrt ſchon ein jedwedere Neſtl-Krammerin in der Carotzen. Vnſer Herꝛ Pfarrer hat einmahl geprediget / wie das einer mit Namen Atlas die gantze Welt getragen / ich kans dermahlen ſchier glauben / weilen vnſer Edlmann / der doch zimblich ſchwach / fuͤnff vnd ſechs Doͤrffer auff den Buckel tragt / dann ſeine Kleider alſo koſtbar vnd theuer geſchaͤtzet werden. Dergleichen allerley Reden hat der Her - tzog in ſeinem Baurkuͤttl vnd Dorff-Joppen vernomben. Wann er nun wider nacher Hoff kommen / vnd ſich mit ſeinem Hochfuͤrſtlichen Auffbutz bekleydter ſehen ließ / wur - de er mehrmahlen gefragt / vmb was Vrſachen er in ſol - chen groben Lumpen / die Baurn-Huͤtte betrette / denen gab er jedes mal mit ernſthafften Angeſicht diſe Antwort; alio modo verum audire non poſſum: Ich kan auff kein andere Manier die Warheit hoͤren / dann meine Hoff -Leuth149andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.Leuth ſagen mir die Warheit nicht. Sh. Schmeicher / Sh. Schmarotzer / Sh. Schwaͤtzer / Sh. Schnarcher / Sh. Schwiermer / Sh. Schlicker / Sh. Schlemmer / Sh. ſag ich nicht gern / hab ich gnug vmb mich / aber kei - nen / aber keinen / der mir die Warheit ohne Scheuh re - dete. So haicklich iſt zu Hoff die Warheit.
Wo hat Petrus zum allerſten die Warheit vergeſ - ſen? vnder was Geſellſchafft? etwann vndern den Fiſchern als ſeine Cameraten? dann ſie haben ſonſt diſes Lob / was der Fiſcher gewinnt beym Fiſch / das verſaufft er wider bey dem Tiſch. Bey wem hat Petrus die Warheit gezeth? etwann bey Zimmerleuthen oder Maurer? dann von di - ſen iſt faſt ein Sprichwort / Zimmerleuth vnd Maurer / ſeynd rechte Laurer; ehe ſie eſſen / maͤſſen / ſtehen vnd ſich beſinnen / ſo iſt der Tag von hinnen: wo hat Petrus der Warheit einen Schimpff angethan? etwann bey denen Soldaten? von diſen hat einer auff ein Zeit geſagt alſo: Zigeuner vnd Soldaten / wann ſie ſchmecken einen Brat - ten / ſo thun ſie ſolchen wegtragen / wann ſie auch ſolten die Bainer auff dem Galgen abnagen; wo iſt dem Petro die Warheit entfallen? etwann bey den Fuhrleuthen? von denen ein gemeine Red / Gurſcher vnd Fuhrleuth / ſeynd nichts nutz zu aller Zeit / bey Eſel vnd Roſſen / trei - ben ſie die groͤbſte Poſſen / auff dem Eſel - vnd Pferd-Miſt / ſelten ein guter Vogel iſt. Wo hat Petrus die Warheit geſparꝛt? wo? verzeicht mirs ihr Hoff-Herren / Hoff - Leuth / Hoff-Beambte / Hoff-Diener / daß ich euch der - mahlen euch keinen Hoffmann abgib / vnd fein die War - heit / als ein edles Biſſel auff euer Taͤhler lege / bin ſchon vergwiſt / daß ihr euch daran / vnd darin kein Zahn werd außbeiſſen / weilen euch die Zaͤhn nit ſo ſehr darnach waͤſ - ſern. Petrus hat die liebe Warheit an keinem andern Orth vergeſſen / verlohren / verſchertzet / verzeth / als zu Hoff / all -T 3da150Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /da hat er einmahl (das iſt grob) allda hat er zweymahl (das iſt grob) allda hat er dreymahl (das iſt gar auß der Weiß) die eingefleiſchte Warheit verlaugnet.
Der Koͤnig Balthaſar hielt auff ein Zeit ein ſehr praͤchtiges Panquet, worbey auch tauſend vornehme Ob - riſten gaſtiert worden. Diſe Mahlzeit ware mehrin ange - ſtellt wegen ſeiner Concubinen / welche lauter ſchoͤnt Roſi - mundæ waren / aber nicht Roſæ mundæ. Nachdem nun der rothe Wein / der weiſſe Wein / der goldgelbe Wein faſt ein vilfaͤrbigen Regenvogen auf der Tafel vorſtellte / iſt alſo folgſamb kein ſchoͤnes Werter erfolgt / abſonderlich in dem Gewiſſen deß Koͤnigs / allermaſſen er befohlen / man ſolle alſobalden die guldene Geſchier / vnd koſtbare Gefaͤß / wel - che ſein Vatter Nabuchodonoſor auß dem Tempel der Iſraeliter geraubt / herbey bringen / damit er ſeinen Kebs - Weibern eines moͤchte darauß zubringen. O Koͤnig Bal - thaſar! da wird es nicht haiſſen / Geſeng GOtt. Soll dann nicht ein einiger Cavalier / auß tauſend anwe - ſenden / dem Koͤnig geſagt haben. Euer Majeſtaͤt / diſe Sachen werden einen ſchlechten Außgang gewinnen; ſie wiſſen ſich ja gnaͤdi iſt zu erinneren / was geſtalten ihrDaniel. 5. verſtorbener Herꝛ Vatter ſo groſſes Ungluͤck außgeſtan - den / daß er ſo gar in ein wildes Thier verkehrt worden / vmb willen er den GOtt der Iſraeliter verachtet / ꝛc. Kei - ner / keiner / keiner auß rauſend gegenwaͤrtigen Edl Leu - then / vnd Hof-Leuthen / hat ihme getrauet die Warbeit zu ſagen / biß endlich ein Hand an der Wand ſein offne Schand ihme verwiſen.
Ich frage mehrmahlen die Frau Warheit / Ma - dame! vmb Gottes willen / warumb daß euere Coralle - nen Lefftzen alſo geſchwollen? ich (war die Antwort) ich habe das nechſtemahl geigt / vnd da hat man mir den Fidl -bogen151andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.bogen vmb das Maul geſchlagen / vnd mich ſehr ſchmaͤch - lich tractieret? wol recht fangt das Woͤrrl Warheit von einem W an / zumahlen es lauter W außbruͤtet. Der ſtattliche Hof-Prediger Joannes Baptiſta hat es wol erfahren / bey dem Koͤnig Herodes. Etliche Außle - ger Goͤttlicher Schrifft / vnder welchen nicht der mindeſte Delanuza, ſagen / daß der allmaͤchtige GOtt habe derge - ſtalten das Paradeyß gepflantzet / daß alle ſtattliche Obſt - Baͤumer darinnen ſo nider waren / daß dem Adam vnd Evæ die Aepffel vnd Biern / vnd andere Fruͤchten in das Maul gehangen / auſſer deß verbottenen Baums / wel - cher vmb ein zimbliches hoͤcher / alſo daß deſſen Fruͤchten die Eva nicht wol kundte erlangen / weſſentwegen die Schlang / von dem Teuffel ſchon beſeſſen / ſich vmb der Evæ Fuͤß gewicklet / vnd ihr alſo geholffen / daß ſie in die Hoͤhe gehupffet / vnd geſprungen / vnd ein Apffel erlangt. Wann dem alſo ſoll ſeyn / ſo glaube ich / daß von dannen der Weiber ihr beliebiges Tantzen / vnd Springen herruͤh - re / zumahlen ihnen der Gehorſamb ſehr ſchwaͤr fallt / auſ - ſer im Tantzen / worinnen ſie gern / nur gar zu gern / nach dem Pfeiffen vnd Geigen deß Spillmanns ſpringen. Sie glauben aber nicht / layder! daß Dantzig vnd Leiptzig nicht weit voneinander ſeynd / vnd iſt nichts neues / daß gute Saitten die gute Sitten verderbt haben. Abſonder - lich beym Tantzen / bey welchem Springen die Ehr nicht ſelten geſtolpert. Ein Tantzerin aller Tantzerin war deß Herodis Tochter / welche dergeſtalten kuͤnſtlich vnd koͤſt - lich getantzet / daß ihr auch vmb ſolches der Koͤnig das halbe Koͤnigreich anerbotten; ſie aber an ſtatt deſſen hat begehrt das Haupt Joannis Baptiſtæ. Solche Reliquien waren auch mehrer werth / als das halbe Koͤnigreich / vnd zwar diß hat ſie gethan auß Anlaittung ihrer Frau Mut -ter.152Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /ter. Aber woher? warumb? weſſentwegen iſt diſe dem heiligen Mann ſo feind geweſt? frag nicht lang / wegen der Warheit / die er geredt hat. Non licet, &c. Die War - heit ware der Zuntl / ſo diſes Feuer erwecket hat. Die Warheit ware der Letten / ſo diſes Waſſer truͤb gemacht hat. Die Warheit ware der Hammer / ſo alſo Larma ge - ſchlagen.
Es ſeynd fuͤnffzehen Woͤrtl / welche von dem Buch - ſtaben W anfangen / vnd nach dem A / E / J / O / U / geſtellt / wunderlich koͤnnen zuſammen gereimbt werden.
Warheit / Weib / Wirth / Wort / Wunden /
Wald / Weber / Wierffl / Wolff / Wurſt /
Wag / Weg / Wind / Wohl / Wurmb.
Nunmehr zuruck reimb es alſo.
Item.
Item.
Das hat erfahren jener bey Hoff Henrici deß Vierd -Niernber. l. 2. c. 7. ten Koͤnigs zu Caſtella, welcher ohne Scheu mit loͤblicher Freyheit kein Blaͤtl fuͤr das Maul genommen / ſondern gantz rund vnd klar / vnvermantlet die Warheit herauß geredet / welches aber den Koͤnig alſo verbittert gemacht / daß er alſobald befohlen / diſem die Zung herauß zuſchnei - den / welchen tyranniſchen Befelch / man auch ohnver - zuͤglich vollzogen: aber Gott wolte auch durch ein ſchein - bares Wunderwerck zeigen / wie angenemb vor ſeinen Goͤttlichen Augen ſeyn / die jenige / welche vnerſchrocken groſſen Herren die Warheit vortragen. Da man beſagte außgeſchnittene Zung an den liechten Galgen gehencket / gehefft / hat diſer vnſchuldige Tropff ohne Zungen in Bey - weſenheit einer groſſer Menge Volcks anfangen zu reden / vnd hoͤchſt proteſtirt wider diſe Vnſchuld / daß ein ſo war - haffte Zung ſolle an einen ſolchen vnehrlichen Holtz ge - hefftet ſeyn. Das hat erfahren auch jener Prediger in Ita - lia, welcher eineſt gantz raißfertig mit Stiffel vnd Sporn auff die Cantzl kommen / das Pferd aber außwendig an die Kirchen gebunden / uͤber welchen Auffzug entfrembdeten ſich alle Zuhoͤrer nit ein wenig / vnd machten hieruͤber al - lerley ſeltzame Gedancken. Beſagter Pater aber fangt an mit einem Apoſtoliſchen Eyfer die Warheit einem groſſen Herꝛn zupredigen nicht / vngleich einem Tarſenſiſchen Pau - lo zu Rom / nach ſolcher vollbrachter Predig aber / war ſchon ein Laggey bey der Stiegen der Cantzel / welcher demVherab -154Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /herabſteigenden Patri auß Befelch ſeines Herꝛns ange - kuͤndt / er ſoll ſich alſobald / vnd vnverzuͤglich hindan ma - chen / wofern er einem groſſen Vngluͤck entgehen will. Gut! gut! ſagt der Prediger / das hab ich wol vorgeſe - hen / daß mir die Warheit werde das Quartier auffſagen / vnd ein ſchnellen March verurſachen. Weſſentwegen ich mich fein vorhero raißfertig gemacht hab. A dio! ſo be - huͤt euch Gott / vnd ihr Herren Prediger / werfft lieber einem groſſen Herꝛn ein Stein in den Buckel / als die Warheit / ihr werd nicht alſo grob einbieſſen! O wie wahr iſt es von der Warheit / was der Poët ſagt.
‘Fugit potentum limina veritas Quanquam ſalutis nuntia. ’ ()Auff Teutſch weiß ich nicht / wie es haiſt.
Mein Jehu, wie iſt es dir ergangen bey dem Koͤnig[3]. Reg. 16. Baaſa, wie du das Maul gar zu weit haſt auffgethan / vnd die Warheit geredt? ℞. das Leben hab ich deſſenthal - ben verlohren.
Mein Michæas, wie iſt dir geſchehen / als du dem Achab die Warheit vnder die Naſen geriben? ℞. ich hab mich nicht mehr doͤrffen ſehen laſſen.
Mein Hanan, was iſt dir begegnet / wie du dem Koͤnig Aſa die Warheit vorgetragen? ℞. uͤbl / uͤbl / uͤbl.
Mein Zacharias, was haſt du muͤſſen außſtehen von dem Koͤnig Joas, da du ihm ohne Scheu die Warheit vorgelegt? ℞. ich bin verſteiniget worden.
Mein Jeremias, was hat dir die Warheit auff den Rucken geladen? als du ſelbige nacher Hoff Sedechiæ deß Koͤnigs gebracht. ℞. in den finſtern Kercker bin ich ge - worffen worden.
Mein Baruch, was haſt du dazumahlen außgeſtan - den / wie du die Warheit bey dem Koͤnig Joachim ans Tag-Liecht gebracht? ℞. wann er mich dazumahlen er -wiſcht155andertes Hoff-Leben auch erſte Laſter.wiſcht haͤtte / haͤtte es meinen Kopff golten; aber Gott wolte es nicht haben.
Mein Daniel, was haben dir die Herren von Ba -Daniel. 14 bylon fuͤr einen Lohn erſtatter / als du ihnen die Warheit als ein koſtbare Wahr verkauffet? ℞. in die Loͤwen-Gru - ben bin ich geſtuͤrtzet worden.
Nicht anderſt iſt es ergangen denen zwoͤlff Apoſtlen / nicht anderſt 27. Roͤmiſchen Paͤbſten / nicht anderſt der Kayſerin Serenæ, nicht anderſt dem Koͤnig Olano, nicht anderſt der Koͤniglichen Princeſſin Dimpna, nicht anderſt dem Koͤniglichen Printzen Hermenegildo, nicht anderſt dem Fuͤrſten Gallicano, nicht anderſt denen Edl-Leuthen Sebaſtiano, Mauritio: nicht anderſt dem Raths-HerꝛnCauſſinus tom. 1. Apollonio: nicht anderſt iſt es ergangen eilff Millionen Menſchen / welche alle der Warheit wegen vmbgebracht worden. Und du Gottes Sohn JEſu Chriſte / ſelbſt biſt verſucht worden / wie Job, biſt verfolgt worden / wie Da - vid, biſt verachtet worden / wie Gedeon, biſt verkaufft worden / wie Joſeph, biſt bergeben worden / wie Amaſa, biſt gebunden worden / wie Samſon, biſt angeklagt wor - den / wie Abner, biſt verſpott worden / wie Eliſæus, biſt entbloͤſt worden / wie Jeremias, biſt geſchlagen worden / wie Michæas, biſt geereutziget worden / wie die Macha - bæer, biſt auffgehenckt worden / wie die oͤhrene Schlang / biſt vmbgebracht worden / wie Abel, biſt durchſtochen worden / wie Abſolon, haſt mehr gelitten / als die eilff Millionen Menſchen / vmb keiner anderen Urſach willen / als wegen der Warheit. Prediger / was geſchicht dir? was iſt dem H Paulo begegnet? den haben die Herren Galater fuͤr einen irꝛdiſchen Engel gehalten / haben ſeine Predigen mit ſolchem Luſt angehoͤret / daß ſie ihn ein Po - ſaun deß Himmels benambſet. Die Kinder auff der Gaſ - ſen haben mit Fingern gedeut auff Paulum, vnd ihn aller -V 2ſeits156Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /ſeits gepryſen. Der Paulus, deß Pauli, dem Paulo, den Paulum, ô Paule, vom Paulo: Vom Paulo war kein andere Redt / als Lob. O Paule, ſagt ein jeder / gebene - deyr iſt dein Zung / den Paulum hat man wegen ſeines Predigen / vor ein Wunderwerck außgeſchryen: dem Paulo hat man aller Orthen Ehr vnd Reverentz erzaiget / deß Pauli Woͤrten waren lauter Magnet / ſo die Hertzen gezogen / der Paulus war bey den Galatern ſo angenehm / daß ſie ihn / wie ihr aigne Seel liebten. Wie er dann ſelb - ſten ſagt; Teſtimonium enim perhibeo, quia ſi fieri poſſet, oculos veſtros eruiſſetis, & dediſſetis mihi: Ich bekenne es ſelbſten meine Herren Galater / daß ihr haͤttet euere Augen außgeſtochen / vnd mir geben auß lauter Lieb: ihr Herren Galater ſeyt halt galante Leuth. Gemach! nachdem Paulus hat angefangen ſcharpff zuAd Gal. 3. predigen. O inſenſati Galatæ! O ihr Sinnloſe Ga - later / ſagt er / wer hat euch verzaubert der Warheit zu widerſtreben / ſeyt ihr Thorre / daß ihr mit dem Geiſt habt angefangt / vnd nun - mehr mit dem Fleiſch endet? Wie Paulus ſolche ſcharpffe Saitten auffgezogen / da hat ihm kein einiger mehr mit dem Fuß Reverentz gemacht / ja man haͤtt ihn lieber mit Fuͤſſen tretten; keiner hat ihm mehr ein Ehr erzaigt / man hat ihm darvor den Rucken zaigt / keiner hat ihn mehr angelacht / ſondern nur außgelacht / keiner hat ihn mehr die Herberg anerbotten / ſondern die Herberg auffgeſagt / alle waren wider ihn: Inimicus factus ſum vobis, veritatem dicens.
So lang ein Prediger ein ſchoͤne / zierliche / wolbe - redte / ein auffgeputzte / mit Fabeln / vnd Sinnreichen Spruͤchen vnderſpickte Predig macht; da iſt jedermann gut freund. Vivat der Pater Prediger! ein wackererMann157andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.Mann / ich hoͤr ihm mit Luſt zu / ꝛc. Wann er aber ein ſcharpffen Ernſt anfangt zu zaigen mit Paulo: O inſen - ſati Germani, ô inſenſati Chriſtiani, &c. Wann er an - fangt groſſen Herren die Warheit zu ſagen / ſie ſollen doch einmahl die Brillen brauchen / vnd nit allzeit durch die Finger ſchauen: ſie ſollen doch mit der Juſtitz nicht vmbgehen / als mit einem Spinnen-Gewoͤb / allwo die groſſe Voͤgl durchbrechen / die kleine Mucken hangen blei - ben: ſie ſollen doch nicht ſeyn / wie die Diſtillier-Kolben / welche auß den Blumen den letzten Tropffen herauß ſau - gen. Wann er anfangt die Warheit zu predigen denen hohen Miniſtris, vnd Raͤthen / ſie ſollen lehrnen 3. zeh - len / ſie ſollen jene Lection recht lehrnen / welche Chriſtus ſeinen Gehaimiſten gegeben. Viſionem, quam vidiſtis, nemini dixeritis. Wann er anfangt den Edl-Leuthen die Warheit zu predigen / daß ſie denen Barbierern in ihr Profeſſion eingreiffen / vnd ihr mehreſtes Einkommen nicht im Wein oder Trayd / ſondern im Zwifflen ſtehe / weilen ſie die Bauren gar zu ſtarck zwifflen; Wann er die Warheit ſagt denen Geiſtlichen / daß ſie gar offt ſeynd wie die Glocken / welche anderen in die Kirchen leutten / vnd ſie ſelber bleiben darauß: daß ſie gar offt ſeynd / wie die Zimmer Leuth deß Noë, welche anderen die Archen gebauet / daß ſie ſich ſalvieret / vnd ſie ſelbſten ſeynd zu grund gangen: daß vil Geiſtliche ſeynd / wie die Nacht - Eulen / welche das Oel bey naͤchtlicher Weil auß den Lampen außſauffen / vnd ſich von der Kirchen erhalten / vnd ſonſt nichts nutzen; Wann er die Warheit ſagt de - nen Soldaten / daß ſie halßſtaͤrriger Mainung ſeynd / als ſeye ihr Gewiſſen auch privilegiert / aber da haiſt es Pri - vilegia Brieff-Luͤgen; Die Warheit dem Magiſtrat, vnd Obrigkeiten / daß ſie gar offt ſeynd / wie ein Spittal - Suppen / worauff wenig Augen: Die Warheit denenV 3Maut -158Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /Mauttnern vnd Beambten / daß ſie gar zu barmhertzig ſeynd / nicht zwar in Beherberung der Frembdling / wol aber deß frembden Guts. Die Warheit denen Zimmer - Leuthen / daß man bey ihnen allzeit friſche Spaͤnn / aber zugleich faule Geſpaͤnn finde. Die Warheit denen Be - cken / daß ſie gar offt ſolche Leuth ſeyn / welche Mehl ge - nug / aber zu wenig Taig zum Semblen nemmen. Die Warheit den Gaͤrtnern / daß ſie gar offt den Garten ſaͤu - bern / aber das Gwiſſen laſſen verwachſen / vnd nichts mehrers pflantzen / als das Weinkraͤutl; die Warheit de - nen Wirthen / daß ſie gar offt Kein-Wein / fuͤr Rhein - Wein / Lugenberger fuͤr Luetenberger außgeben / vnd oͤff - ters auch den Tuchſcherer in die Arbeit greiffen: die War - heit den Baurn / daß ſie ſich zwar einfaͤltig ſtellen / aber ſo einfaͤltig / wie die Schweitzer-Hoſen / ſo hundert Falten haben. Die Warheit denen Kindern / daß ſie denen Paſ - ſauer Klingen nicht nacharten / dero beſte Prob iſt / wann ſie ſich biegen laſſen: die Warheit den Frauen-Zimmer / daß ſie gar zuvil ziehen an den Schwaiff deß Rocks / zu wenig vmb dem Hals tragen: die Warbeit den gemeinen Weibern / daß ſie faſt die Natur einer Vhr an ſich haben / welche nie ohne Vnruh / ꝛc. Wann dergeſtalten der Pre - diger den Schaͤrffhobl brauchen wird / wann er auff ſolche Weiß wird die Warheit reden / ſo bringt ihm ſolches Re - den / Roͤdern / ſo bringen ihm ſolche Woͤrter / Schwerd - ter / ſo bringt ihm ſolches Sagen / Klagen; nimicus fa - ctus ſum dicens. Er verfeind ſich allenthalben. Sein Auditorium wird bald die Schwindſucht leyden: die Kirchen ſtill werden / bald lauter Quartier der alten Weiber werden / die Kirchen wird bald werden wie ein ab - gebrochener Jabrmarckt / an allen Orthen wird man hoͤ - ren / was key ich mich vmb den Prediger. Sic facta eſt veritas, in Averſionem.
Mada -159andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.Madame fragte ich weiter / mein Frau Warheit / wie daß ihr einen ſolchen langen mit Blumen geſtickten Mantel tragt / vnd was ſoll haiſſen der lange Fuchsſchweiff vmb dem Hals? habt ihr dann ein Kathaͤr / daß ihr alſo den Hals warm haltet? nein / antwortet ſie mir / mein Pater, den gebluͤmbten Mantl trag ich ſchon lang / dann man thut mich Warheit allenthalben vermantlen vnd verbluͤmblen. Den Fuchsſchweiff trag ich aber vmb dem Hals / weilen das Schmeichlen gemainiglich nicht weit von hohen Haͤuptern. Vber diß muß ich bekennen / bin ich zornig worden / reiß ihr die Kleyder vom Leib / habs gleich dem nechften nothleydenden Bettler / welcher diſem gantzen Handl zugeſchauet / geſchencket; der Fuchsſchweiff hat ihm gar wol getaugt / dann ich hoͤrte / daß er gleich die nechſt vorbey gehende Frau / welche eines ſehr haͤßlichen Geſichts war / mit ſeinen bettleriſchen Complementen angeredet. Mein ſchoͤne / huͤpſche / wackere / gul - dene Frau / ꝛc. Ich aber erkenne fuͤr recht / daß die Warheit durch mich außgezogen / vnd außgemantlet wor - den. Dann alſo ſoll ſie ſeyn / muß ſeyn / darff ſeyn bloß.
Wie der Eyffervolle Prophet Elias durch einen feu -4. Reg. 1. rigen Wagen ins Paradeyß verzucket worden / hat er ſei - nem liebſten Eliſæo ſeinen Mantl herunder geworffen. Ich glaube ſchier / der heilige Mann hab ſich mit dem Mantl nicht vor GOtt getrauet / wenigiſt iſt das wahr / daß ein Prediger ſchwaͤr vor Gottes Angeſicht beſtehen werde / wann er die Warheit vermantlet. Sondern es iſt ſein ſtarcke / verpflichte Schuldigkeit allen / allezeit / alle - mabl / allerſeits die bloſſe Warheit zu predigen. Predi - gen fein ernſtlich mit dem Propheten Oſea, wider das La - ſter der Vollheit: predigen fein eyffrig mit dem H. Pau - lo, wider die Suͤnd deß Neyds: predigen ſein vnerſchro -cken160Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /cken mit dem Job, wider das Laſter deß Zorns: predigen fein ſcharpff mit dem Propheten Amos, wider das Laſter der Gailheit; predigen fein klar mit dem Propheten Ma - lachias, wider das Laſter der Hoffart. Petrus auß Be - felch deß HErꝛn greifft einem Fiſch in das Maul / vnd findt darinnen ein ſchoͤne Muͤntz; nicht weniger ſoll in eines Prediger Mund ein ſolche / ſchoͤne / ſchneeweiſſe / ſil - berne Muͤntz / verſtehe die vnverſehrte Warheit / gefunden werden. Der Prophet Nathan hat ihm kein Blat vor das Maul genommen / wie er vor dem Koͤnig David ge - tretten / vnd ihme ſein groſſe Schandthat vnder die Au - gen geſtellt; Der Prophet Jonas hat das Maul zimb - lich auffgemacht / wie er denen Niniviteren ihr leicht fer - tiges / laſterhafftes Leben vorgeworffen. Alle rechtſchaf - fene Diener Gottes ſcheuhen ſich nicht die Warheit zu ſagen / vnd wollen lieber zu Verona bleiben / als nacher Placenza raiſen. So hat gethan der H. Ambroſius dem Theodoſio: ſo hat gethan Puppo dem Henrico; ſo hat gethan Dunſtanus dem Edgaro: ſo hat gethan Franciſcus Paulanus dem Koͤnig zu Neapel / welcher ih - me ein Cloſter zu bauen anerbotten / ſolches aber der hei - lige Mann nicht allein gewaigert / ſondern ihme noch ſei - ne Tyranniſche Exactiones vnd Anlagen der Undertha - nen ſcharpff verwiſen / auch ein Ducaten Mitten vonein - ander gebrochen / worauß das helle Blut gefloſſen / anzu -In vita. zaigen / daß ſolches von denen armen Underthanen erzwun - genes Gelt / ein Blut der armen ſeye. Nicht vnrecht hat gethan jener Prediger / welcher einen groſſen Herꝛn auff der Cantzl zimblich getroffen / vnd als ihme deſſenthalben ſolcher mit lachendem Mund vorrupffte; ſprechend / Herꝛ Pater, heut habt ihr mir ein gutes im Beltz gege - ben; es iſt mir layd / ſagt hinwider der Pater, daß ich euer Gnaden nur den Beltz getroffen / es war mein Mainungihnen161andertes Hof-Leben / auch erſte Laſter.ihnen gar das Hertz zu beruͤhren / deßgleichen muß auch nicht ſchmeichlen im Beichtſtuel der Beichtvatter. Deß Davids ſeine Abgeſandte haben es ſehr hart empfunden / wie ihnen der Amonitiſche Koͤnig mit ihren Baͤrthen al - ſo ſchmaͤchlich vnd ſchmertzlich verfahren. Alſo wird es freylich wol diſem oder jenem Herꝛn verſchmahen / wann du ihme / will nit ſagen / wirſt den Barth abſchneiden / ſon - dern die Warheit wol im Barth reiben / da wird er dich fuͤr einen vngeſaltzenen Seelenfiſcher tauffen; ſchadt aber nicht / gedencke nur / die Warheit pflegt man mit keinen andern Complementen zu empfangen. Es beicht dir dein Ordinari-Beichtkind / ein wackerer Herꝛ / er habe mehr - mahlen dem ſechſten Gebott ein zimbliches verſetzt / dem ſag du fein die Warheit. Mein lieber Menſch / er ver - haiſt allemahlen die Beſſerung / ſeyt aber ein Katz / welche das Mauſen nit laſſet / ſchafft mir das haimbliche Wild - praͤt auß euerem Hauß / damit die Gelegenheit vermey - det ſeye / oder ich abſolviere euch nit / nit / nit. Ey! das iſt ein grober Schnitt / Pater, das thut dem Herꝛn wehe! er iſt ein ſolcher / der beym Brett ſitzet / dergeſtalten wird er ihm ein anderen Beichtvattern ſuchen / vnd nachmahls dir vnd deinem Cloſter mercklichen zu einen Nachtheil werden. Schadt nit / ſagt ein rechtſchaffener Mann / mit dem Fuchs Schwaiff kan der Meßner / oder Kirchen-Die - ner wol den Beichtſtuel abſtauben / aber bey mir hat ſol - cher nit Statt / ſchmeichlen mag ich nit / damit nicht et - wann ſein Seel (O theuerer Schatz!) vnd mein Seel / O einiges Kleinod) einen vngluͤckſeeligen Schiffbruch leyden.
Ein mancher wird nicht ohne ſondere Verwunde - rung bald reich / der vorhero mit Codro in Geſellſchafft ware: Daß der Kuͤrbes Jonæ ſo bald auffgewachſen / iſt ein Miracul geweſt / daß Petrus auff einmahl ſo vilXFiſch162Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /Fiſch gefangen / iſt ein Miraeul geweſt / daß ſolcher aber auß einem Armen / ſo bald ein reicher Herꝛ wird / iſt et - wann kein Miracul / ſondern ein Maeul. Diſer kombt in Beichtſtuel / ſagt neben anderen / er habe in ſeinem Ambt das ſerve nequam geſpilt / er wolle aber ſehen / daß er hinfuͤro mit groͤſſerem Fleiß das Ambt verwalte / vnd alſo ſeinem Herꝛn zu ferneren Nutzen geraiche. Was ſoll hierinnfalls der Pater thun? herauß mit der War - heit. Redde, gibs wider / oder ich abſolvier euch nicht / dann alſo hat das Reddo den Zachæum gerechtfertiget. Holla Pater! der Herꝛ hat dem Cloſter vil gedienet / ſchickt vnd ſchenckt / ſchenckt vnd ſchickt offt ein guten Wein / ꝛc. ſchadt nicht / ſagt ein gwiſſenhaffter Mann / die Warheit vnd zwar die vnverfaͤlſchte / die Warheit vnd zwar die vnverbluͤmblete / die Warheit vnd zwar die vn - vermantlete gebuͤrt mir zu reden. Chriſtus der Herꝛ iſt auch von den Phariſeern zu Gaſt geladen worden / vnan - geſehen diß / hat er auff kein Weiß ſchmeichlen wollen / ſondern ihnen die bloſſe Warheit vnder die Augen geſtellt / da er von Ochſen vnd Eſeln die Gleichnuß geben / welcheLuc. 14. ſie auch an dem Sabbath auß dem Brunn ziehen. Der gebenedeyte Hayland hat den Apoſteln / vnd vns Prieſtern allen den Titul geben. Vos eſtis Sal terræ. Ihr ſeyd das Saltz der Erden. Er hat nit geſagt / ihr ſeydMatth. 5. ein Zucker / ſondern ein Saltz / welches beiſt / muß alſo ein Prediger / ein Beichtvatter ſich wol herumb beiſſen / vnd die Warheit reden. Wann er dißfals das Todten - Gſang ſingt Placebo Domino, ſo ſtuͤrtzt er auch ſein eigene Seel in dem Todt / er muß nicht fragen / was er fuͤr ein Liedl ſoll auffmachen / ſondern was ihme der Geiſt Got - tes / vnd die liebe Warheit vorbildet. Wolte Gott es ge - ſcheheten hierinfals keine Faͤhler! aber wie mancher Beicht -vatter163andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.vatter gibt ſeinen Pænitentrn das Glait in die Hoͤll! es konten allhier dergleichen Geſchichten wol beygeſetzt wer - den / welche ich aber kuͤrtze halber vmbgehe / vnd auch nicht begehre den Beichtvatter zu vnderrichten. Weilen ich glaube / er werde ohne das mit ſattſamber Wiſſenſchafft verſehen ſeyn.
Es klagten vor diſem nicht ein wenig die Phili - ſteer / daß ihnen der Samſon mit den Fuchsſchweiffen ſo groſſen Gehaden in ihren Trayd-Feldern zugefuͤgt / aber in aller Warheit iſt vmb ein zimbliches mercklicher der Schaden / den vil der Zeiten von den Fuchsſchwaiff ihrer Schmaichler leyden / welche Ohren-Titler Achßl-Trager / Lock-Voͤgel / Taffel-Hanſen / Maulmacher / Zungentre - ſcher / Schiſſel-Geiger / Kuchel-Mucken / Hoff-Katzen / ſich mehriſt bey groſſen Herren einfinden. Ein ſolcher war jener Edlmann / Franciſcus Brianus, welcher alles gol - ren / da er doch nichts werth ware / bey Henrico dem Ach - ten Koͤnig im Engeland. In deme diſer Engelaͤndiſche Koͤnig gar nit Engliſch lebte / vnd nit allein Annam Bole - nam, ſondern auch ihr Mutter in ſeinen laſterhafften Be - gierden gezogen / diſer ſtinckende Heliogabalus fragte ei - neſt gedachten ſeinen Zuſchmeichler / ob es ein groſſe Suͤnd ſeye / die Mutter ſambt der Tochter erkennen? worauff diſe Hoff Katz geantwortet / es ſeye eben ſo vil / als die Henn ſambt den Hienlein eſſen. Solche Voͤgel gehoͤrenGuielel, Raſtell. auff kein andere Leimb-Ruthen / als wo die Raaben ſitzen. Solche Weſch muß kein anderer auffhencken / als der Maifter Knipfauff / ſolche Haͤls verdienen kein andern Kragen / als die der Sailer ſpendiret. Ja ſolche Maͤuler vnd Maul-Schmid gehoͤren in kein andere Schmidten / als dort / wo es haiſt. Ite in ignem æternum, gehet hin in das ewige Feur. Faſt deßgleichen Gliffters war jener Hoff-Herꝛ zu Paris, welcher in allen Dingen dem KoͤnigX 2das164Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /das Placebo geſungen. Da er auff ein Zeit vermerckte / daß Ihr Majeſtaͤt wegen Geld-Mangel in etwas betruͤ - bet / hat er dem Koͤnig allerley Rathſchlaͤg an die Hand geben; was? ſagte er / die Baurn ſeynd Lauren / ſo lang ſie taurn / wann ſie auch wohnten hinder hundert Mar - morſtainernen Maurn. Diſe Trampel muß man bar - bieren wie die Laͤmbl / diſe Kaͤlber muß man ſtutzen wie die Felber / diſe Bloͤck muß man bſchneiden wie die Wein - ſtoͤck / diſe Kegl muß man rupffen wie die Voͤgel / diſe Aaß muß man ſchaben wie den Kaͤß. Ihr Majeſtaͤt thun eins vnd ſchlagen ein Mauth auff / auff Butter vnd Schmaltz / auff Pfeffer vnd Saltz / auff Linſen vnd Brein / auff Bier vnd Wein / auff Voͤgel vnd Tauben / auff Pferſich vnd Trauben / auff Arbeiß vnd Bonnen / auff Ruben vnd Rannen; was die Baurn auff dem Marckt tragen / vnd diß nur zwey Jahr hindurch. Allergnaͤdigi - ſter Herꝛ / ſie werden handgreifflich ſpuͤhren / was Mittel kan bringen ein Baurn-Kuͤttl. Diſen Rath hat er deſſent - wegen dem Koͤnig eingeriben / damit er ein Frater Placi - dus bey Hoff ſeye. Der Koͤnig war hierinfals leicht be - weglich / folget dem ſchlimmen Schmutz-Engel / vnd ver - merckt bald / daß zweyhundert vnd viertzig Pfenning auch ein Gulden machen / welches ihme noch mehrern Anlaß gemacht / groͤſſere Mauthen auffzurichten. Diß hat dem Hoff-Fuchſen einen ſolchen Gewiſſens Wurm eingejaget / vnd im Balg geſetzet / daß er derenthalben oͤffters geſeuff - tzet / vnd in ſeinen letzten Willen / in ſeinen Teſtament ernſtlich verſchafft / daß man nach ſeinem Todt den Coͤrper in kein anderſt Orth begraben ſolle / als in jene Senckgru - ben / wohin aller Vnflath rinnet von jenem Marckt / auffFab. Cori. Dom. 22. poſt Pent. deme er ſolche Mauth auffgebracht.
Solche Geſellen gehoͤren in Lufft / dann ſie ſeynd wie der Lufft. Diſes Element iſt ein natuͤrlicher Ent -wurff165andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.wurff eines Schmeichlers / dann der Lufft iſt in ſich ſelber weder warm / weder kalt / weder liecht / weder finſter / weder trucken / weder feucht / ſondern er accommodirt ſich / wie der Himmel iſt / iſt ſolcher kalt / ſo iſt auch der Lufft kalt / iſt ſolcher warm / ſo iſt auch der Lufft warm; diſe Eigenſchafften findt man / vnd gruͤnd man bey den Schmeichlern / welche ſich gantz vnd gar richten vnd ſchlich - ten nach ihrer Herren Neigung. Iſt der Herꝛ genaigt zum lefflen / ſo wird der Schmeichler nichts anderſt reden / als von lauter Lefelaͤnden / ſagt der Herꝛ / mir gefallen diſe Geiſtliche nicht / ſo ſchwaͤtzt der Schmeichler / ja! ja Herꝛ ſie ſeynd nit weit her: ſagt der Herꝛ / ich glaub / die Pre - diger machen den Teuffel gar zu ſchwartz / was blodert an - derſt der Schmeichler darauff / als das / der Himmel iſt ja nicht fuͤr die Gaͤnß gebauet: ſagt der Herꝛ / das ſechſte Gebott biegen / iſt kein ſo groſſe Suͤnd nicht; main wol / ſchwaͤtzet der Schmeichler / in Italien vnd andern Orthen iſt es auch der Brauch: ſagt der Herꝛ / mich ſchlaͤffert / ſo thut ſich der Schmeichler rantzen; ſagt der Herꝛ / es fruͤh - ret mich / ſo thut der Schmeichler zitteren / wann es auch im Julio iſt; thut der Herꝛ hincken / ſo geht der Schmeich - ler krump / iſt der Herꝛ einem paſſionieret / ſo hilfft diſen der Schmeichler verfolgen / ꝛc. Der Lufft hat noch ein an - dere Eigenſchafft / daß er nemblich alles zutraget; wann man allhier im Graͤtzer-Gſchloß die groſſe Glocken leut - tet / ſo hoͤrt ſie der Bauer vnd Hauer offt ein Stund weit / wer tragt ihm einen ſolchen Klang zu? niemand anderer als der Lufft / diſer iſt ein allgemainer Zutrager aller Hall / Schall vnd Knall / vnd Fall / ꝛc. nicht vil anderſt iſt geſitt / vnd geſinnt der Schmeichler / welcher auch alles / was er ſicht / hoͤrt / greifft / ſchmeckt / koſt / fuͤllt / merckt / liſt / ꝛc. ſeinem Herꝛn zutragt / vnd noch daſſelbe vergroͤſſert / ver - klienert / verweiſt / verſchwaͤrtzet / vermehrts / verrin -X 3gerts /166Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /gerts / verengelts / verteuffelts / ꝛc. nach ſeines Her[ꝛ]n Nai - gen / Luſt vnd Guſt. O Schelm.
Solche Schelmen ſeynd wie die Goldmacher oder Chymici, die wollen auß Bley vnd Kupffer Gold ma - chen: alſo pflegen auch die Schmeichler die groͤſte Schelm - ſtuck zu beſchoͤnen. Solche Geſellen ſeynd wie ein Spie - gel / diſer glaͤſerne Aff thut alles nach / was er ſicht / mit dem Lachenden ſchmutzt er / mit dem Wainenden hat er naſſe Augen. Im gleichen Modl iſt goſſen / nach gleichem Modell iſt geformbt der Schmeichler. Solche Geſellen ſeynd gleich der Blumen Solſequium, oder Sonnenwend / diſe wendt ſich / vnd lendt ſich / vnd blendt ſich dorthin / wie die Sonnen iſt / alſo tantzt auch der Schmeichler das Liedl / welches ſein Herꝛ geigt. Solche Geſellen ſeynd wie die Gaiß / welche ein Baum lecken / vnd ſchlecken / aber mit ſolcher Zung ihme die Kraͤfften nemmen / daß er nach - mahls verdierbt. Solche Geſellen ſeynd wie der Win - tergruͤn / welcher den Baum vmbfangt / vmbhalſt / vmb - armbt / aber zugleich ihme die Krafft / vnd Safft nimbt / daß er verdierbt; O wie vil Schmeichler Zungen haben andere in das Verderben gebracht! Was dem Raaben begegnet / iſt offt manchem Menſchen / vnd vornehmen Herꝛn widerfahren / der Raab hatte eineſt ein zimblich gu - tes vnd groß Stuck Kaͤß entfrembdet / vnd darmit im Schnabel auff ein Baum geflogen / als ſolches der arge Fuchs wahrgenommen / iſt er gantz hurtig dahin gelof - fen / vnd den Raaben angefangen zu loben. Ey! ey! ey! ſagt er / das iſt ein Vogl / laß mir diſen ein ſchoͤnen Vogl ſeyn / hab mein Lebenlang keinen dergleichen Vogl geſe - hen. Du biſt gewiß der Paradeyß-Vogl / oder der be - ruͤhmte Phœnix? dein Mutter muß ſich an dem Sam - met erſehen haben / wie ſie auff den Ayren geſeſſen; haſt du doch ein paar Augen / welche gleichſamb den Glantz vonder167andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.der Sonnen zu leihe genommen: deine Klauen / als ſo wunderlich erſchaffene Waffen / verrathen dich / daß du von einem Martialiſchen Gebluͤt herſtammeſt: deines gleichen wird wol nit vnder dem adelichen Geſchlecht der Voͤgel zu finden ſeyn. O du ſchoͤne Creatur! wie recht iſt es geſchehen / daß man die beruͤhmte Veſtung in Ungarn nach deinem Nahmen Raab genennet hat. Ein Ding / mein außerwoͤhlter Vogl / moͤcht ich doch gern wiſſen / weilen in allem die Natur gegen dir ſo freygebig geweſt / was du nemblichen fuͤr ein Stimm wirſt haben. Wann ich dich nur anſehlicher Vogl hoͤrete ſingen / ſo wolte ich mich vor dem gluͤckſeeligiſten Fuchſen erkennen. Ey / ey / ey / das iſt ein Vogl! der Raab glaubt dem Schmeichler in allen / uͤbernimbt ſich deß groſſen Lobs / ſpert den Schnabel in alleweit auff zu ſingen / vnderdeſſen fallt ihm das groſſe Stuck Kaͤß auß dem Schnabel / der Fuchs ſchnapt vnd tapt darauff / vnd laufft mit diſer Collation darvon. O wie offt geſchicht / was da iſt gedicht! wie mancher Schmeichler halt ſich bey Hauß vnd Hoff auff eines reichen vnd vornehmen Herꝛn / bey dem er Wein vnd Brein willen / Schißl vnd Bißl halber / Fiſch vnd Tiſch wegen / nichts anderſt im Maul fuͤhrt als lauter Lob / der Galgen-Vogl gibt ein Lerchen ab / das iſt Alau - dam, ein Lob Vogl; ja er nimbt die Arth an ſich eines Fiſch im Meer / mit Nahmen Faſten / von deme Bellua - cenſis ſchreibt / daß in deſſen Maul das geſaltzene vnd bit - tere Meer-Waſſer in ſuͤſſes verkehrt werde. Wordurch er die vnbehutſame Fiſchl zu ſich locket / vnd nachmahlensLib. 17. c. 54 Græc, Hiſt. verſchlicket. Ein ſolcher Zungen-Treſcher wird oͤffters in ſeinem verlogenen Maul das bittere Waſſer in ein ſuͤſſes verwandlen / das boͤſe gut machen / die Laſter fuͤr Tugen - den tauffen / vnd Maͤuß-Koth fuͤr Anneiß-Zucker ver - kauffen / damit er nur ſeinen Herꝛn nit auß der Wiegen /vnd168Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /vnd ſich ſelber nit auß der Schmarotz-Koſt werffe. Iſt der Herꝛ ein lauter Ehebrecher / ſo nennt ihn der Schmeich - ler einen galanten / freundlichen Mann: iſt der Herꝛ ein Geitzhalß / ſo taufft ihn der Ohren-Titler einen guten Wuͤrth: iſt der Herꝛ ein verlogener vnd falſcher Boͤß - wicht / ſo haiſt ihn der Schmeichler ein Hoffmann: iſt der Herꝛ ein Dieb / vnd Partitenmacher / ſo nennt ihn der Zungen-Treſcher ein wachtſamen Mann / der auff das ſeinige wol Achtung gibt / iſt der Herꝛ ein ſtoltzer Feder - Hanß / der faſt kein gruͤſt / ſo haiſt ihn der Schmeichler ein ehrbaren Signor, &c. iſt der Herꝛ ein rothnaſiger Wein - grill / vnd verſoffener Badſchwamm / ſo nennt ihn der Schmeichler einen luſtigen Mann / der ein Glaͤßl Wein beſchaid thut. Seithero die Schmeichler im Gang / vnd Klang / vnd Prang ſeynd / ſo iſt die Leichtfertigkeit ein Freundlichkeit / der Zorn ein Ernſt / der Diebſtall ein Wuͤrthſchafft / die Schelmerey ein Politica, die Unzucht ein Vertreulichkeit / die Hoffart ein Modi, die Rachgie - rigkeit ein Pravada, der Teuffel ein Engel worden. Sau - bere Geſellen!
David der Koͤnig bittet mit folgſamen Worten. Oleum autem Peccatoris non impinguet caput meum: Das Oel deß Suͤnders ſoll mein Kopff nicht ſaiſt ma - chen. Was verſteht David allhier fuͤr ein Oel? Scor - pion-Oel? nein: Mandl-Oel? nein: Roſen-Oel? nein: Lilien-Oel? nein: ſondern er verſteht hierdurch die Schmeichlerey / dann ſolche gantz lind / vnd glimpfflich / vnd ſich mehreften Thail nur beym Haupt auffhaltet / beym Haupt im Land / beym Haupt in der Statt / beym Haupt im Cloſter / beym Haupt im Hauß. Diß iſt ein Oel / welches gar offt vnd vilfaͤltig das Hauptwehe verurſachet.
In dem Leben deß H. Nicolai wird verzaichnet / wiedaß169andertes Hoff-Leben / auch erſte Laſter.daß eineſt etliche andaͤchtige Kirch - vnd Wahlfahrter auff dem Meer ſich befunden / willens die Kirchen deß H. Ni - colai zu beſuchen / wie ſie nun mit gluͤcklichem Wind fortgeſeglet / ſo begegnet ihnen ein wackere anſchliche Da - ma in einem kleinen Schiffel / redet die Pilgram gantz freundlich an / wie daß ſie doch wolten ihr die Gnad / vnd dem H. Nicolao die Ehr erweiſen / vnd diſes Geſchier / welches ſie darraichte / mir ſich nacher St. Nicola nem - men / daſelbſten mit dem koſtbaren Oel / ſo in diſer Buͤch - ſen verwahrt / die Kirchen-Waͤnd beſtreichen / auff das hierdurch dem H. Patron ein Ehr / vnd denen anweſenden Kirchfahrtern ein Erquickung moͤchte geſchehen / die gu - te fromme Leuth nemmen ſolches Oel an / mit Gewiſſen verhaiſſen / daß ſie dero Willen in allem embſig vollzie - hen werden. Nachdeme ſolche edle Frau wider ihren Ruckweeg genommen / ſo erſcheint ihnen der H. Nicolaus ſelbſt / vnd offenbahret / wie daß diſe Frau der vermaͤſch -Valerius Venet fol. 41. kerte Teuffel ſeye geweſt / welcher gedachte Kirchen / mit diſem ihnen gegebenen Oel / in Aſchen zu legen geſinnt ſeye / ſollen demnach das verfluchte Oel in das Meer werf - fen / dafern ſie groſſem Ubel entgehen wollen / als ſie nun ſolchen Befelch nachkommen / hat das Oel ein ſo vnge - heurige Feuers Brunſt in Mitten der Meer-Wellen er - weckt / daß ſie alle waͤren / ſo nicht der H. Nicolaus haͤtte gnaͤdige Beyhilff gelaiſt / zu grund gangen. Diſem ver - dambten Oel gleicht auch ein Schmeichlerey; Oleum peccatoris, durch welches ſchon ſo groſſe Ungluͤck ent - ſtanden. Was das Schmeichlen verurſacht hat der Da - lilæ, das hat Samſon erfahren; was das Schmeichlen deß Ammons hat außgebruͤt / das hat die Thamar erfah - ren; was das Schmeichlen der Jabel hat zu gefuͤgt / das hat Siſara erfabren; was das Schmeichlen eines Jocobs hat außgezuͤchtet / das hat Eſau erfahren / was dasYSchmeich -170Judæ Iſcariothis Zucht - vnd Flucht-Hauß /Schmeichlen eines Joab hat außgeziglet / das hat Amaſa erfahren / was das Schmeichlen der Schlangen im Para - deyß hat zugericht / das hat Eva, vnd alle Adams-Kinder erfahren; was Ungluͤcks-Frucht von diſem Baum / was Ungluͤcks-Waſſer von diſem Brunn / was Ungluͤcks - Bruet von diſer Beſtia: was Ungluͤcks-Kraut von diſer Wurtzel; was Ungluͤcks-Kinder von diſer Mutter her - kommen / habens erfahren / vnd erfahren es noch gantze Hochfuͤrſtliche Hoͤf / gantze Magiſtrat, gantze Republic, Cloͤſter / Gemainſchafften / vnd Wuͤrthſchafften. So ver - jagt dann ſolche Hof-Katzen ihr groſſe Herren / ſo ver - treibt dann ſolche Hauß-Fuͤchs ihr groſſe Haͤupter: ſo verwerfft dann ſolche Ohren-Titler ihr Magiſtrat: ſo verbandiſirt / dann ſolches Hauß-Vbel ihr Prælaten, Prio - res, Guardiani vnd Obrigkeiten auß denen Kloͤſtern / vnd liebt darfuͤr die ſchoͤne vnd bloſſe Warheit / welche ein Tochter deß Himmels / ein Verwandte der Goͤttlichen Majeſtaͤt / ein Kleinod der Tugenden / vnd ein Grund - veſt alles Gutens iſt. Das Wort Veritas hat ſiben Buch - ſtaben / gleich wie nun Gott der Allmaͤchtige am ſibenden Tag in Erſchaffung der Welt geruhet hat / alſo ſind er auch ein beliebige Ruhe in diſen ſiben Buchſtaben Veri - tas Gedenckt daß vnſer gebenedeyter Heyland JEſus das Woͤrtl Amen hundertmahl auß ſeinem Goͤttlichen Mund gelaſſen / wie die Evangeliſten von ihme regiſtri - ren / daß alſo bey thme ſolches faſt zu einen Sprichwort worden / auß Vrſachen / weilen Amen ſo vil als Warheit haiſt; ja ſo gar nennte er ſich die Warheit ſelbſt / Ego ſum Veritas. Deſſenthalben wolte er auff dem hohen BergCalvariæ gantz nackend vnd bloß ſterben / zuzeigen / die Warheit muß bloß ſeyn / vnd nicht ver - mantlet / wie bey den Schmeichlern / dergleichen geweſt Judas der Ertz Schelm bey dem Hoff deß Pilati &c.
ALs eineſt Pilatus in ſeinem Pallaſt / vnter dem Fenſter einen annemblichen Herbſt-Lufft ſchoͤpffte / ahe er in dem nechſt angraͤntzenden Garten einen uͤberauß fruchtbaren Apffelbaum / worauff die zeitige Fruͤchten vnd ſchoͤnes Obſt ihme dergeſtalten die Zaͤhn kitz - leten / daß er offentlich zu verſtehen gabe / er moͤchte ſol - ches Eva-Confeet verkoſten. Kaum das ſolches der Hoff - Schalck Judas vernommen / iſt er alsbald mit eylfertigen Fuͤſſen in den Garten geſtigen / daſelbſten ein Prob-Stuck ſeiner kuͤnfftigen Diebs-Stuck erwiſen / vnd das beſte Obſt entfrembdet / als ihm aber ſolche Frechheit vnd keckes Bueben-Stuck der alte Ruben, deme der Garten zugehoͤ - rig / ſcharff verwiſen / vnd vngezweifflet den Judam mit ſchmaͤchlichen Schelm vnd Diebs-Titul bewillkombt / hat es ihme dermaſſen den Buſen verwundt / weilen er als ein bißheriger Hoffmann dergleichen Gruͤß nicht gewohnt / daß er in einem vngezaͤumbten Grimmen einen groſſen Stein erwiſcht / mit demſelben den Ruben alſo an die Schlaͤff getroffen / daß er alſobald geiſtloß nidergeſuncken vnd Todts verblichen. Hat alſo der Ertz-Boͤßwicht ſeinem leiblichen Vattern / den er zwar nicht gekennt / noch von ihme erkannt worden / mit moͤrderiſchen Haͤnden erlegt / vnd ihme das Leben genommen / von deme er das Leben ererbt. O Kinder! O Kinder! Kinder huͤt euch doch / daß ihr euere liebe Eltern nicht belaydiget.
Ein brillender Loͤw in Affrica, ein reiſſender Wolff in Apulia, ein blutdurſtiges Tiger in Armenia, ein giff - tiger Drach in Epiro, ein ſchaͤdlicher Beer in Scotia, einY 2wilder172Judas der Ertz-Schelm ermordtwilder Crocodil in lberia iſt nit / iſt nit / iſt nit ſo er - ſchroͤcklich wie ein Kind / welches ſeine Eltern belaydiget. Deß Eſau ſein Haß iſt ein groſſe Suͤnd geweſt: deß Cain ſein Neyd iſt ein groſſe Suͤnd geweſt: deß Aman ſein Hoffart iſt ein groſſe Suͤnd geweſt: deß Achan ſein Dieb - ſtall iſt ein groſſe Suͤnd geweſt / aber noch ein groͤſſere Suͤnd iſt die Vndanckbarkeit deren Kinder gegen ihren Eltern. Ein Kind / welches ſeine Eltern uͤbl anſchaut / iſt werth / daß es keine andere Augen ſoll haben / als ge - habt hat der alte Tobias / wie er von den Schwalben den Schaden gelitten. Ein Kind / welches von ſeinen Eltern uͤbl redet / iſt werth / daß kein andere Zung ſoll haben / als gehabt hat Zacharias zur Zeit / als ſein Eliſabeth ſchwan - ger gangen. Ein Kind / welches ſeine Eltern ſchlagt / iſt werth / daß es ſoll keine andere Haͤnd haben / als es ge - habt hat jener Lame zu Capharnaum. Ein Kind / wel - ches nach ſeinen Eltern ſtoſſet / iſt werth / daß es keine andere Fuͤß habe / als gehabt hat jener Kcumpe bey der ſchoͤnen Porten zu Jeruſalem.
Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat derent - wegen in dem Garten von den Hebræiſchen Lotters-Bu - ben wollen gefangen werden / damit er im Garten anfan - ge die Schuld zu bezahlen / welche Adam gemacht hat im Garten. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat derentwegen im Garten von Malcho dem Boͤßwicht ei - nen harten Backenſtraich erleyden wollen / weilen Adam ein Maultaſchen verdienet hat wegen ſeiner gethanen Lug im Paradeyß. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chri - ſtus iſt derentwegen mit harten Gaißlen geſchlagen wor - den / damit er zaige / er ſeye das wahre Trayd-Koͤrnl / von denen Hebræern dergeſtalten außgetroſchen / endlich gar in die Erd geworffen / daß es den dritten Tag widerumb auffgangen / vnd vns ein Frucht deß Lebens worden. Mercks173ſeinen leiblichen Vatter Ruben.Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat derentwe - gen wollen den ſchwaͤren Creutz-Baum auff ſeinen Achß - len tragen / damit er ein Creutz mache durch den Schuld - Brieff deß Adams, worinnen du auch vnderſchriben wa - reſt. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat de - rentwegen wollen mit Doͤrneren gecroͤnt werden / damit du augenſcheinlich kanſt wahrnemmen / wie embſig er das verlohrene Schaͤaͤfl in der Wuͤſten durch Stauden vnd Hecken geſucht hat / daß ihme deſſenthalben die Doͤrner noch im Kopff. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chri - ſtus hat darumben wollen nackend vnd bloß am Creutz ſterben / weilen er ware die Warheit ſelbſten / ego ſum via, veritas, & vita; damit du ſeheſt / daß man die War - heit nit ſoll vermantlen oder verdecken / ſondern fein bloſ - ſer vorweiſen. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat darumben wollen mit drey Naͤglen an das bittere Creutz-Holtz angehefftet werden / damit du hinfuͤro auch all dein Gluͤck an diſe Naͤgl hencken ſolleſt. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat darumben wollen mit genaigtem Haupt ſterben / inclinato capite. Damit er dir weiſe / wie man ſolle durch die Himmels-Thuͤr einge - hen / nemblichen man muß ſich bucken vnd demuͤthigen. Mercks wol mein Chriſt. Dein Chriſtus hat darumb nach ſo bitterem Todt auß der Seyten-Wunden Blut vnd Waſſer rinnen laſſen / vnd zwar auff die Letzt das Waſſer / dann wann man ein Geſchier / worinnen Blut iſt / will recht außwaſchen / ſo nimbt man zur Letzt ein Waſſer / vnd ſchwaibt daſſelbe auß. Alſo hat es dein JE - ſus gethan / damit er dir weiſe / daß er dir ſein Blut biß auf den letzten Tropffen geſpendieret habe. Was haſt du ihm gethan? Merck alles diſes wol / aber merck eines gar wol / vergiß nicht / gedencke mein Chriſt / daß dein Chri - ſtus biß in den letzten Lebens-Athem / auch in den vner -Y 3maͤß -174Judas der Ertz-Schelm ermordtmaͤßlichen Schmertzen / vnd Tormenten ſeiner liebſten Mutter nicht vergeſſen / ſondern dieſelbe dem Joanni inJoan. 19. ſein Schutz vnd Obacht anbefohlen. Ecce Mater tua! Was noch mehr iſt! vil heilige Lehrer halten es fuͤr ein ſonders Wunder / daß Mariæ der Mutter Gottes weder der geringſte Schimpff / noch Unehr geſchehen iſt / die Ju - den / vnd das Hebræiſche Loders-Geſind hat Tag vnd Nacht / fruͤh vnd ſpatt nachgeſinnt / wie ſie moͤchten di - ſen JEſum von Nazareth plagen / ſchimpffen / peinigen / ſpoͤttlen vnd alles Vbel anthun / vnd iſt ihnen nie einge - fallen / daß ſie ſeiner Mutter auch ſollen ein Spott erwei - ſen / welches ihme JEſu nicht ein geringe Hertzens-Wun - den geweſt waͤre. Ja vnder den Creutz als die vnmenſchli - che Henckers-Knechten allen Muthwillen getriben / mit Wirffeln vmb die Klayder geſpillt / vnd allerley Vnge - buͤhr / Feigen / Eſel / Narꝛn vnd tauſenderley Außſpottun - gen gezeiget. Moventes capita ſua: auch mitten vnder ihnen die Mutter JEſu war / ſo iſt doch keiner geweſt / der ſolche haͤtte auff die Seiten geſtoſſen / wie dergleichen Troß-Bueben zuthun pflegen. Ja ſo gar niemand ſie mit den mindeſten uͤblen Wort belaydiget. Dann ſolches wol - te der gebenedeyte Heyland nit zulaſſen / ſondern weilen es in ſeinen Gewalt ſtunde / befande er ſich ſchuldig vnd verpflicht / alle Vnehr von der Mutter abzukehren. Mercks wol mein Chriſt / vnd erachte bey dir ſelbſten / ob dann je - ne koͤnnen Chriſten genennet werden / welche nicht allein ihre Eltern vor Spott vnd Vnehr nicht ſchutzen / ſondern dieſelbige noch hart belaydigen / ſie zum fruhzeitigen Todt vnd Grab befoͤrdern. Ja gar (O Attern vnd Vippern - Bruth!) gwalthaͤtige Haͤnd an ſie anlegen. O ihr Stain - vnd Bainharte Gemuͤther! O ihr eyſenharte vnd eyßkalte Hertzen! iſt dann moͤglich / daß euch das ſuͤſſe Wort Vatter / das durchdringende Wort Mutter nicht ſollerwei -175ſeinen leiblichen Vatter Ruben.erweichen? habt ihr dann ein ſo ſchlipfrige Gedaͤchtnuß / daß euch gaͤntzlich alles entfallen / was ihr von euren lieb - ſten Eltern empfangen? habt ihr vergeſſen die Schmer - tzen / mit denen euch die Mutter gebohren? habt ihr ver - geſſen das Speiß-Gewoͤlb / welches euch die Mutter auff ihrer Bruſt auffgeſchlagen / vnd euch auff Pelican-Art mit eignen Blut ernaͤhrt hat? habt ihr dann vergeſſen ſo viler tauſend Buſſerl / ſo ihr von denen Muͤtterlichen Lefftzen habt eingenommen? wer hat euch von dem taͤg - lichen ja offt ſtuͤndlichen Pfuy / in dem hierinfals die junge Schwalben manierlicher hauſen in ihren Ne - ſtern / geſaͤubert vnd gereiniget / als eben die Mut - ter? wer hat euch das ſchlafflockende Haia Popaia oͤffters vmb Mitternacht bey der wanckenden Wiegen zu geſungen / als eben die Mutter? wie offt habt ihr euch der Mutter vmb den Halß gewicklet / wie ein Winter - gruͤn vmb den Baum? wie offt hat euch die Mutter in ihren Armben / als in einer lebendigen Wiegen / hin vnd her geſchutzet / gleichwie ein Baum auff ſeinen Aeſten ei - nen rothen Apffel bey Winds-Zeiten zu thun pflegt? wer hat euch auß dem Koth / auß der Noth / vnd oͤffters auch auß dem Todt gezogen / als eben die Mutter? ein gulde - ne oder ſilberne Halß-Uhr braucht vil Auffziehens: aber ihr / die ihr ſo vilfaͤltig / wie ein Uhr / der Mutter vmb den Halß gehangen / braucht weit mehrer Aufferziehens; vnd ſolt ihr an alle diſe vnzahlbare Gutthaten / vnd Lieb - thaten nicht mehr dencken? nit mehr an die Lieb / mit de - ro euch der Vatter gezeugt? nit mehr an die Sorg / mit dero euch der Vatter erzogen? nit mehr an die Guttha - ten / mit welchen euch der Vatter behaͤuffet? iſt euch dann die Natur alſo erwildet / daß der Brunn nicht mehr gedencket an den Vrſprung / der Apffel nit mehr an den Baum / die Blum nit mehr an die Wurtzel / der Topffnit176Judas der Ertz-Schelm ermordtnit mehr an den Haffner / der Eſſig nit mehr an den Wein / die Statua nit mehr an den Bildhauer / das Kind nit mehr an den Vatter vnd Mutter. So gedenckt auff wenigſt auff diſe zwey Wort Bibl vnd Vbl / wie ſtarck euch die heilige Bibl aufferlegt die Eltern zu verehren / vnd was Vbl ihr euch auff den Rucken ladet in Vnderlaſ - ſung deſſen. ꝛc.
Wie der allmaͤchtige / allwiſſende / allgewaltige Gott dem Moyſt die Tafel der zehen Gebort eingehaͤndiget auff dem hohen Berg Sion, haben ſich etliche Wunder dar - bey eraignet. Und zwar erſtlich / da ſolche der Mann Gottes von dem Berg herab getragen; hat er nit allein mit ſeinen Ohren ein groſſes Getimmel / vnd ein vnge - heurigen Jubelſchall vernommen / ſondern auch mit Au - gen erfahren / was geſtalten dieſelbe Ochſen-Koͤpff ein gul - denes Kalb fuͤr ihren Gott haben angebettet / vnd darbey nit ohne Verwunderung geſpuͤrꝛt / daß die von Gottes Hand geſchribene Gebott / ſambt allen Buchſtaben ver - ſchwunden / vnd nichts mehr als ein glatte Stain-Blat - ten zu ſehen / welches dann den Moyſen zu einem billichen Zorn veranlaſſet / daß er ſelbe zu Boden geworffen / vnd zertrimmert. Wie ſolches beſtaͤttigen Rabbi, Abre, A - ben, Ezra, vnd Rabbi Salomon bey Toſtatum. Das andere Wunder iſt / daß auff diſen zwey Tafeln die zehen Gebott gantz vngleich verzaichnet waren / nemblich auff einer Seyten drey / auff der andern Seyten ſiben. War - umb nicht auff einer Seyten fuͤnffe / vnd auff der andern Seyten auch fuͤnffe? mercke die Urſach / das vierdte Ge - bott iſt in dem Goͤttlichen Geſatz. Honora Patrem, & Matrem: Du ſolſt Vatter vnd Mutter ehren. Wann demnach auff ein Tafel fuͤnff Gebott waͤren geſe - tzet worden / da waͤre das Gebott du ſolſt Vattervnd177ſeinen leiblichen Vatter Ruben.vnd Mutter ehren gar weit herab kommen. Damit aber der Allmaͤchtige zeige / wie groß diſes Gebott / ſo wol - te er / daß gleichwie auff der erſten Taffel das erſte Gebott ware. Du ſolſt an ein Gott glauben / vnd ſelben vereh - ren / alſo ſoll auch auff der andern Taffel zum aller erſten vor allen andern ſtehen. Honora, &c. Du ſolſt VatterExod. 20. Diez in Conc. 14. Rota fol. 1240. Egnat. 1. 5. vnd Mutter ehren. Hierdurch hat der Allerhoͤchſte wol - len andeuten / wie groß / wie vornehm / wie wichtig das Gebott ſeye / die Eltern zulieben. Sihe dir iſt vorgangen Laurentius Celſus, als ſolcher wegen ſeiner groſſen Ver - dienſten vnd Tugenden zu einen Hertzog in Venedig iſt er - woͤhlt worden / vnd damahlens ſein Vatter noch bey Le - ben / wolt er auff kein Weiß zulaſſen / daß ihn ſein Vat - ter ſoll ehren / vnd als ihme die geſambte Republic beſter - maſſen vorgetragen / wie ſolches ſeiner hohen Wuͤrde ge - zimbe / daß er nicht allein mit bedecktem Haupt vor ſei - nen Vatter ſtehe / ſondern auch der Vatter ſchuldig ſeye gegen ihm die Knie zubiegen. Weilen er aber diſes uͤber ſein Hertz nicht konte bringen / alſo hat er einen ſinnreichen Fund erdacht. Er lieſſe vornher auff ſeiner Hauben oder Hut ein ſehr koſtbares Creutz hefften / welches annoch bey den Hertzogen zu Venedig im Brauch / damit alſo die Reverentz vnd Ehrbeweiſung von dem Vatter nicht ihme / ſondern dem Creutz zugemeſſen wurde / vnd ſolcher Ge - ſtalten ſeinen kindlichen Gehorſamb vnd Schuldigkeit nit vergeſſe.
Ein Papier iſt ein ſolches vornembes Weſen / daß es auch in der hoͤchſten Monarchen Haͤnden gehalten wird / ja darauff Paͤbſtliche vnd Kayſerliche Namen vnd Ehren - Titl geſchriben werden. Da es doch von einem ſchlechten Hauß herſtammet / in dem ſein Vatter der Lump zu Hadersdorff / ſein Mutter die Fetzin geweſen. VndZgeſtal -178Judas der Ertz-Schelm ermordtgeſtalter maſſen ein vnſauberer Hadern / worinnen ein Zigeuner Kind eingewicklet war / zu ſolchen groſſen Chren gelangt. Deßgleichen ſicht man oͤffters in dem praͤchti - gen Tempel / auff den koſtbaren Altaͤrn eins / vnd das an - dere ſchoͤneſt vergulte Bild / welches von den eyfrigen Chri - ſten nicht angebettet / wie es vnſere Widerſacher beſchnar - chen / ſondern verehret wird. Diſe ſtattliche Statua iſt von geringen Eltern / in deme ihr Vatter der Blockhauer die Mutter die Holtzerin bekannte arme Tropffen ge - weſen ſeyn. Geſtalter maſſen iſt es auch ein oͤfftere Be - gebenheit / daß etliche / dero Herkommen von geringen Eltern / zu hohen Wuͤrden vnd Digniteten gelangt ſeynd. Dergleichen ware Saul, David, Mahumet, Othomann, Cracus, Bamba, Leo, Juſtinus, Thrax, Maximinus, Diocletianus, Aurelianus, Arabus, Sept. Severus, Æmilius, Scaurus, Herodes lauter Kayſer vnd Koͤnig / dero Vaͤtter doch Sau-Hirten / Schaaf-Hirten / Kuͤhe - Hirten / Eſeltreiber / Strimpffdopler / Todtengraber / Schergen vnd andere arme Bettl-Leuth geweſen. Ur - banus, Benedictus, Nicolaus, Joannes, Sixtus, lau - ter Roͤmiſche Paͤbſt / dero Vaͤtter doch Schuſter / Schnei - der / Baurn / Meßner / Muͤllner vnd Lands-Botten ab - geben. Iſt gar nichts neues mehr / daß auch der Zeiten et - liche in groſſer Fuͤrſten-Hoͤf beym Bret ſitzen / dero Vat - ter Tiſchler waren. Iſt nichts neues mehr / daß mancher ein Hoffmaiſter wird / deſſen Vatter ein Haußmaiſter ge - weſen: iſt nichts neues mehr / daß mancher ein Raths - Herꝛ wird / deſſen Vatter ein Radmacher ein Wagner geweſen: iſt nichts neues mehr / daß mancher ein Haupt - mann wird / deſſen Vatter ein Ambtmann geweſen: iſt nichts neues mehr: daß mancher ein Befelchshaber wird / deſſen Vatter ein Befelchs-Trager geweſen: iſt nichtsneues179ſeinen leiblichen Valter Ruben.neues mehr / daß einer ein Bottſchaffter wird / deſſen Vat - ter ein Bott geweſen / vnd iſt gar recht / wann einem ſein Feder hinauff hilfft / weilen auch die Voͤgel durch die Fe - dern empor ſteigen: iſt gar recht / wann einem ſein Fauſt in die Hoͤhe hilfft / weilen auch die Fauſt ein Ballon in die Hoͤhe treibt / aber / aber / die ihr alſo in die Hoͤhe kombt / ſchambt euch bey Leib nicht eurer geringen Eltern. Dann ſo gar auch ein Roͤmiſcher Pabſt / ein Vicarius Chriſti deme Koͤnig vnd Monarchen muͤſſen die Fuͤß kuͤſſen / ſchul - dig iſt ſeine Eltern zu verehren / da er doch Gottes Perſohn vertrit in diſer Welt. Alſo bezeigt Aquilanus vnd Baldus. Si filius eſ[e]t Papa, nihilominus debet honorare Paren -Cron. Præd. p. 1. l. 1. c. 5. tes. Filij enim ſemper tenentur, debitam obedienti - am & reverentiam exhibere. Solches hat im Werck erwiſen / abſonderlich Pabſt Benedictus der Eylffte / wel - cher auß einem armen Hirten Sohn zu diſer hoͤchſten Di - gnitet gelangt.
Als ihn eineſt ſein leibliche Mutter von andern Frauen - Zimmer ſehr praͤchtig beklaydet haimbgeſucht / wolte er ſie auff kein Weiß erkennen. Das iſt mein Mutter nicht / ſagte er; mein Mutter hat ein ſchlechten Baurn-Kuͤttl an / geſchmierbte Stiffel / ein ſchmutzige Schmeer-Hau - ben / ein rupffenes Mieder / vnd ſchmeckt vom Stahl-Bal - ſam / ꝛc. diſe muß ein vornehme Graffin oder Marcheſin ſeyn / mein Mutter kenn ich nur gar zu wol / ſie hat die Kißlſtain beſſer kennt / als die Edlgeſtain / ſie hat die kleine Noth beſſer kennt / als die Kleinodi / ſie hat die Schmier - Riem beſſer kennt / als die Schnier-Riem / ꝛc. hat dem - nach diſe vermumbte Dama, vnd ſtattlich beklayde Baͤu - rin nit ohne Schamroͤthe deß anderen Frauen-Zimmers / ſolche Comœdi Klayder muſſen abziehen / die vorige gro - be Joppen vnd ſchlechte Lumpen anlegen / das Haar-Pul - ver von dem Kopff ſtauben / ſich mit der vorigen Schmeer -Z 2Kap -180Judas der Ertz-Schelm ermordtKappen eroͤnen / vnd alſo vor dem Pabſt erſcheinen / in welchem Baͤuriſchen Auffzug er ſie alſobald vmbfangen / ihr vmb den Halß gefallen / die Haͤnd gekuͤſt / alle kindliche Treu vnd Ehr erwiſen / vnd fein offt in Gegenwart eines Adls diſe Wort widerhollet. Diſe iſt mein Mutter / mein liebſte Mutter / mein treueſte Mutter / mein leibli - che Mutter / diſer bin ich ſchuldig zu dienen. Da ſehe je - mand / wie auch das hoͤchſte Haupt vnd Statthalter Chriſti auff Erden / ſich ſeiner armen Eltern nit ſchambt / ſondern dieſelbige moͤglichſt verehrt. In diſem ſpiegle ſich mancher ſtoltzer Rotz-Bub / oder mancher auffgebla - ſener Grind-Schipl / welcher durch guͤnſtiges Gluͤck zu - weilen in hohen Stand kombt / vnd ſich nachmahls der armen Eltern ſchambt; geſchicht gar offt / daß einer durch der Eltern Schwaiß auff der Schul-Banck die Doctors-Kappen erwiſcht / ſich bald in Sammet vnd Seiden einwicklet / das Wammes mit Fleglen (Holla! hab mich geirret) mit Fluͤglen behengt: den Grind mit einer geſtrobleten Baroca verhuͤlt / vnd wie ein dreyjaͤh - rige Nacht-Eul herauß gugt / vnd ſich nachmahls ſchambt mit ſeinem Vattern / der etwann Rueben auff den Marckt gefuͤhrt / zu reden: ja ſo mein Doctrinaliſcher Pracht - Hanß (Ihr Geſtreng iſt manierlicher geredt) etwann ein Mahlzeit anſtellt / vnd andere Clariſſimos nec non darzu ladet / muß ſein Gemahlin / Frau von vnd zu Ho - henheimb / das beſte Orth beſitzen / vnderdeſſen die arme Mutter in der Kuchel die Taͤller abſpielen / oder in der Kindsſtuben den jungen Printzen wiegen. Ja es iſt ein ſcharpffes Gebott / es ſoll ſich Vatter vnd Mutter vor de - nen Leuthen nicht vil ſehen laſſen / ꝛc. mein GOtt! ſa - gen ſie offt / diſe zwey Knedlgebohrne Edl-Leuth / wann halt GOtt nur diſe zwey alte Leuthl zu ſich nahm! O ihr Schandvolle Kinder! ihr ſeyt aͤrger als die Beſtien /dann181ſeinen leiblichen Vatter Ruben.dann Beſtien ſeynd die Storchen / vnd dannoch diſe ver - nunffloſe Voͤgl pflegen ihre Eltern / wann ſelbe Alters halber Federloß werden / auff ihrem Rucken zu tragen / vnd auff alle Weiß zu verehren. Seyt ihr dann hoͤher kommen als Joſeph in Egypten / allwo er zu einem Viee - Koͤnig erhoben worden: vnd gleichwol iſt diſer ſeinem liebſten Vatter Jacob mit groſſer Beglaitſchafft entge - gen geraiſt / ſich gar nicht geſchambt / daß ſein Vatter ein Schaaf-Hirt geweſt / vnd in geringer Baurn-Tracht da - her gangen. Habt ihr dann ſchon vergeſſen die Verma - ledeyung / welche dem Cham uͤber den Halß gewachſen / vmb weilen ſolcher ſeinen Vatter Noë nur außgelacht. Was haben erſt die jenige zu gewarten / ſo ſich ihres Vatters vnd Mutter gar ſchamen / ihnen kaum ein en - gen Winckel im Hauß vergunnen / vnd mit taͤglichem Unwillen / finſterem Geſicht / rauchen Worten das vaͤt - terliche vnd muͤtterliche Hertz dergeſtalten belaydigen / daß ſie vor der Zeit die Welt ſegnen. Alle Kinder ſollen diß - falls in die Fußſtapffen tretten deß ſtarcken / vnd Helden -Iudic. 14. muͤthigen Samſons, welcher in dem zerriſſenen Loͤwen ein Beinſchwarn / vnd Hoͤnigfladen gefunden / ein guten Thail von diſem ſuͤſſen Raub ſeinen lieben Eltern uͤber - bracht / vnd ſie damit demuͤthigiſt reguliert. Merckts wol ihr Kinder. Hoͤnig muͤſt ihr eueren hertzliebſten El - tern vorſetzen / vnd kein Gall: mit Hoͤnigſuͤſſen Worten muͤſt ihr ſie tractieren / vnd nicht mit bitteren vnd Gall - ſuͤchtigen Schnarch-Reden vnd Schmach-Reden; dann wann ihr ſie ſchon auff den Haͤnden tragt / wann ihr ſie ſchon mit aller Leibs-Nothdurfft vnderhaltet: wann ihr ihnen alle Tag hundertmahl die Haͤnd vnd Fuͤß kuͤſſet / ſo habt ihr noch nicht bezahlt / was ihr ihnen ſchuldig ſeyt. Dann ihnen ſeyt ihr ſchuldig / daß ihr ſeyt / vnd was ihr ſeyt / nemblichen das Leben.
Z 3Ge -182Judas der Ertz-Schelm ermordtGeliebt vnd verehrt hat JEſus Chriſtus ſeine wehr - teſte Eltern / dero er dreyſſig gantzer Jahr in Underthaͤ - nigkeit gedient / geliebt vnd verehrt hat. Salomon ſein Mutter Berſabeam, dero er von ſeinem Koͤniglichen1. Reg. 22. Thron auffgeſtanden / vnd vor ihr nidergeknyet. Geliebt vnd verehrt hat David ſeine Eltern / welche er auß Le - bens-Gefahr errettet / vnd in die Moabitiſche SicherheitTob. 11. gebracht. Geliebt vnd verehrt hat Tobias ſeine Eltern / indem er ſeinem Vatter das verlohrne Geſicht wider er -Gen. 4. ſtattet hat. Geliebt vnd verehrt hat ſo gar der Cain ſeine Eltern / weilen er in dero Gegenwart den Bruder nicht wolte ermordten / ſondern ihn mit verbluͤmbleten Argliſt in das Feld hinauß gelockt / vnd daſelbſt den Reſt gegeben.
Inſonderheit aber wird ein denckwuͤrdige Lieb gegen ihrer Mutter geſchriben als nemblich. In Japonia war ein edle Frau / welche durch groſſe Kriegs-Empoͤrung in ſolche aͤuſſerſte Noth gerathen / daß ſie auch das Brodt zuCordier la famille Saincte. bettlen gezwungen worden / diſe hat drey wackere vnd wol erzogene Soͤhn / welche oͤffters mit naſſen Augen anſahen die groſſe Noth der armen Mutter / vnd haben deſſenthal - ben einhellig mit ein ander berathſchlaget / auff was Mit - tel ſie der betrangten Mutter moͤchten zu Huͤlff kommen. Weilen nun dazumahlen ein groſſe Vuthat begangen worden / wordurch die Majeſtaͤt deß Japoneſiſchen Koͤ - nigs ſehr hoch belaydiget / der Thaͤter aber nicht bekannt / alſo iſt durch offentlichen Trompeten-Klang allerſeits kundbar gemacht worden / daß jener / ſo dem Thaͤter wer - de an Tag geben mit einer gwiſſen vnd zwar groſſen Sum - ma Geld ſolte belohnt werden. Diſes veranlaſte die drey Bruͤder in einen neuen Rath zutretten / vnd wie waͤre es / ſagte der erſte auß diſen / wann einer auß vns ſich dißfals ſchuldig gabe / vnd die zwey ihn fuͤr den Thaͤter anklagten / bekommeten nit alſo die zwey / daß von Koͤniglicher Raith -Cam -183ſeinen leiblichen Vatter Ruben.Cammer verhaiſſene Geld / wormit ſie nach Genuͤgen der Mutter Armut konten wenden. Diſer Rathſchlag wur - de alſobalden gut geheiſſen / vnd weilen das Loß auff den juͤngern Bruder gefallen / alſo wird ſolcher alſobald von den andern zweyen gebundener fuͤr den Magiſtrat gefuͤhrt / gantz vmbſtaͤndig anklagt / welcher dann auch auff deß Richters ernſtliches befragen die That bekennet hat / ſo er doch niemahlen begangen / vnd gleich darauff in einen fin - ſtern Kercker an eyſerne Band angefeſelt gelegt worden; die andere zwey Bruͤder aber nach empfangenen Geld vol - ler Troſt / ſeynd wider zu der Mutter geraiſt / vnd mit groͤſten Freuden gantze Saͤck Geld auff den Tiſch geſchit - tet. Wolan ſprechend / hertzliebſte Mutter / nunmehr haſt du bare Geld-Mittel / wormit du deine Noth vnnd uͤberhaͤufftes Elend einmal wenden kanſt. Getroͤſt mein Mutter / jetzt kanſt du mit beſſern Speiſen / als bißhero mit ſchwartzen Brodt verſehen werden / vnd deinen alten / matten Leib erquicken / die Mutter verwundert ſich hier - uͤber / wie billich / fragt / wie vnd wo / vnd wann / vnd von wem ſie ſolches Geld erworben? vnd weilen ſie mit auß - fluͤchtigen Worten ſich nicht recht konten beantworten / vermerckte ſolches mehrer ihren Argwohn / alſo daß ſie gantz Angſtvoll gezittert. Was gilts: ſprache ſie / ihr gottloſe Kinder habt ſolches durch vngerechten Raub oder Mordthat erhalten? wo iſt dann mein juͤngerer Sohn / ohnfehlbar hat es muͤſſen der arme Tropff mit der Haut bezahlen? in deme ſie nun die That auff alle Weiß gelau - gnet / mit dem Vorwandt / daß ſie vmb ihren juͤngern Brudern im geringſten nichts wiſſen / hat die betrangte Mutter noch inſtaͤndiger angehalten / mit Betrohung Muͤtterlichen Vngnad / ſo fern ſie nicht wolten die War - heit am Tag geben. Dann ſie verlange gar nicht mit vn - gerechten Gut ſich zubereichen / ſondern wolle lieber in aͤuſſerſter Beduͤrfftigkeit ihr Leben zubringen.
End -184Judas der Ertz-Schelm ermordtEndlichen haben diſe nicht ferner wollen das muͤtter - liche Hertz in Aengſten ſchwimmen laſſen / ſondern die That mit allen gehoͤrigen Umbſtaͤnden der Mutter beken - net. Die Mutter ſtunde hieruͤber gantz redloß / vnwiſ - ſend / ob ſie ſolte loben dero kindliche Lieb / oder ſchelten de - ro harte Unbarmhertzigkeit gegen ihren Brudern. Nach - dem ihr nun die widerholte Lebens-Geiſter die Stimm geliffert / hat ſie alſobald mit heller Stimm auffgeſchryen. Ach nein! nur das nit! auff kein Weiß will ich mich mit meinem aignen Blut ernehren. Das nit! fort / laufft / ſchnaufft / ſchreyt / ſchreibt / eylt / vnd nicht verweilt / da - mit ihr doch eueren Brudern noch vom Todt errettet. Sie ſelbſten iſt ſambt ihren zweyen Soͤhnen vor dem Se - nat erſchinen / das Gelt mit Unwillen ihnen vor die Fuͤß geworffen / ihren in Kercker geworffenen Sohn ernſthaff - tig loß zu machen begehrt / auch außdeutlich dargethan / wie diſe zwey nur derenthalben angeben / damit ſie ſolcher Geſtalten ihrer Mutter Armuth zu hilff kommen; ſie aber verlangte nicht ihr Leben mit ihres Sohns Todt zu verlaͤngeren. Die Richter haben nit wenig ſich uͤber ſol - che vnerhoͤrte That verwundert / der gantzen Sach Ur - kundt dem Koͤnig ſchrifftlich beygebracht / welcher dann die Mutter ſambt den dreyen Soͤhnen zu ſich beruffen / deroſelben Kinder Lieb nicht genugſamb koͤnnen hervor ſtreichen / vnd darauff der Mutter ſambt ihnen ihr Leben - lang ein ſtandmaͤſſige Underhaltung angeſchafft. Gebe - nedeyt das Land / welches ein ſolche Mutter gehabt / gebe - nedeyt die Mutter / welche ſolche Kinder gehabt / gebene - deyt die Kinder / welche ein ſolche Lieb gehabt / gebenedeyt die Lieb / welche ein ſolches Lob gehabt / daß mans ſoll in Ceder-Holtz einſchneiden / in Marmol-Stain einhauen / in Gold-Blatten einſtechen / vnd forderſt in alle kindliche Gemuͤther eintrucken. Da habt ihr Kinder ein Spiegl /wor -185ſeinen leiblichen Vatter Ruben.worinnen ihr euch erſehen koͤndt; da habt ihr Kinder ein Originall, worvon ihr ein Modell nemmen koͤndt: da habt ihr Kinder ein Exempel / worauß ihr euch ein Nach - folg machen koͤndt: O waͤren auch ſolche Kinder in vn - ſeren Laͤndern / wurde mancher Fluch der Eltern vnderlaſ - ſen / Obrunne auch ſolche kindliche Lieb in vnſeren Oerthe - ren / wurde manches Mutter-Hertz mehrer getroͤſt! aber layder / bey vns haiſt es gar offt.
Es iſt auch nicht zuvergeſſen allhier der groſſen Lieb /Menochio p. 4. c. 31. welche der Roͤmiſche Cardinal Dominicus Grimani ſei - nem Herꝛn Vattern Antonio Grimani erwiſen hat. Di - ſer ware Procurator di San Marco zu Venedig / vnd zu - gleich ein General uͤber die gantze Armee diſer beruͤhmten Republic wider den Tuͤrcken. Weilen er aber das Gluͤck ihme ſehr mißlingend in dieſem Krieg erfahren / vnd beyne - bens durch heimbliche Mißgoͤnner bey der Republic einer Vntreu beſchuldiget worden / alſo iſt er in eiſerne Band geſchlagen / vnd in einen hohen Thurn geleget worden / worbey ſich diſes ſehr denckwuͤrdiges zugetragen / daß ih - me der Cardinal in ſelbſt eigener vnd hohen Perſohn diſem ſeinem betrangten Vattern mit weinenden Augen / nit ohne gleichmaͤſſiges weinen deß gantzen Volcks das Glaid geben biß zu den Thurn / daſelbſt auch mit ſeinen heiligen Haͤnden die ſchwere eyſerne Fuß-Ketten / als der Herꝛ Vatter die Laitter hinauffgeſtigen / binnach gehebt; damitA adero186Judas der Ertz-Schelm ermordtdero groſſes Gewicht die Fuͤß ſeines Vatters nit alſo moͤcht beſchweren / auch noch inſtaͤndig gebetten / man wolle ihm doch auch in der Gefaͤngnuß laſſen bey ſeinen lieben Herꝛn Vattern. Weilen ihm aber ſolches durch die hohe Beambte geweigert worden / hat er ſeinen Ruck - weg nacher Rom genommen / aber mercke auch anbey das kuglwaltzende Gluͤck. Diſer Antonius Grimani von allen Ehren entſetzet / in eyſerne Band vnd Kercker ge - worffen / auß dem Land verbandiſirt / iſt nachmals wider nach etlicher Zeit in vorige Wuͤrde geſetzt / vnd nach den Todt deß Hertzog Leonardi, er als ein neuntzig jaͤhriger alter Taͤtl mit ſonderer Gluͤck-Wuͤnſchung / vnd Jubel - ſchall deß geſambten Volcks zu einen Hertzog zu Venedig erwoͤhlet worden / in welcher hohen Dignitet er noch uͤber anderthalb Jahr gelebet hat. In diſer Geſchicht iſt ſich ſo wol zuverwunderen uͤber deß Gluͤcks ſein anverwandte Wanckelmuth / als uͤber die groſſe Lieb deß Cardinalis Grimani gegen ſeinen Vattern.
Nicht weniger wird gepriſen die groſſe Lieb / welche zwey Soͤhn ihren liebſten Vattern zu Genua erwiſen. Diſer ware genannt Franciſcus Scaglia ein ſehr vorneh - mer vnd reicher Edlmann / der iſt im fuͤnfftzigſten Jahr ſeines Alters dergeſtalten durch geſaltzene Fluͤß in den Au - gen geplagt worden / daß er gar ſtockblind worden / vnd in ſolchem betruͤbten Stand das zwey vnd neuntzigſte Jahr erraicht. Weilen er nun von guten Mitteln ware / alſo ſeynd ihme auff kein Weiß Bediente abgangen / vnd alſo ohne Laggey nie geweſen; nichts deſtoweniger haben zwey ſeine Soͤhn Odoardus, vnd Nicolaus als edle / ſchoͤne / junge Herren nie wollen zulaſſen / daß auſſer deß Hauß er von einen andern ſolle gefuͤhrt / oder gewiſen werden / ſondern allzeit einer auß beeden hat den Vattern an den Armb gehalten / vnd ihme einen ſichern Tritt Theils indie187ſeinen leiblichen Vatter Ruben.die Kirchen oder anderwerts hin gezaigt / an welcher groſ - ſer Lieb / vnd kindlicher Treu die gantze Statt Genua ein ſonders Wolgefallen geſchoͤpffet hat.
Ich will allhier vmbgehen jene Tochter / welche ihrPlin. l. 7. leibliche Mutter in der Keichen mit eignen Bruͤſten ge - ſaͤuget hat / vnd ſelbige dergeſtalten bey den Leben erhal - ten. Ich will geſchweigen jenes Sohns / welcher bey Re -Fulgos Il. 5. c. 4. gierung Petri Koͤnigs in Caſtilia fuͤr ſeinen Vatter / der begangener That halber / das Leben verwuͤrcket hatte / wolte ſterben. Ich will nicht melden deß Kayſers Alexii,Ibid. E - xem. 1. welcher die Kayſerliche Cron freywillig gewaigert / vnd ſelbige ſeinem Vatter auffgeſetzt. Diſe vnd alle derglei - chen haben Vatter vnd Mutter verehrt / wie ihnen das Geſatz der Natur aufferlegt; wie ſie das Geſatz der Rech - ten verbunden / wie ihnen das Geſatz Gottes gebotten. Honora patrem & matrem, &c. Wann jemand lißt Aſcanium Clementinum den Legiſten / Ariſtotelem den Weltweiſen l. 4. Ethi. Thomam den Engliſchen Doctor opuſc. quæſt. 26. Hieronymum den Kirchen-Lehrer E - piſt. 11. ad Geron. Zwinglerum den Hiſtory-Schreiber lib. theat. c. 2. Navarram den Theologum Deciſ. 28. ja forderiſt die heilige Schrifft Prov. 19. Ad Colloſs. 3. 20. Eccl. 3. 8. Matth. 14. Joan. 19. &c. So wird er finden / daß man die Eltern wie jrꝛdiſche Goͤtter verehren ſolle / lieben ſolle / halten ſolle / beſſer halten / mehrer lieben / ſtaͤrcker verehren / als ein Mann ſein Weib / als ein Weib ihren Mann. Gedenckt demnach ihr Kinder an die Bibl / vergeſt aber auch nicht das Ubel / welches allen vndanckbaren Kindern auff den Rucken geladen wird.
Was ſagt ihr zu diſem erſchroͤcklichen Sententz / wel - chen der H. Geiſt ſelbſt euch in die Ohren ſchreyt. Male - dictus à Deo, qui exaſperat Matrem: VermaledeytA a 2von188Judas der Ertz-Schelm ermordtEccl. c. 3.von GOtt / welcher ſein Mutter erzuͤrnek. S. Greg. Turon. de Gloria Confeſſ. c. 50. Ioan. Colg. in Vita. S. Bona - ventura in Vita S. Franc. Aſ - ſis. Der H. Prieſter Severinus hat nur einmahl ein Eſpel - Baum vermaledeyet / vmb weilen er ſich an deſſen Aeſten in etwas verletzet hat / vnd ſihe / der Baum iſt augenblick - lich verdorret. Der Heil. Mœdoc hat eineſt ein harten Felſen vermaledeyet / vnd ſihe / alſobalden iſt derſelbe mit - ten voneinander geſprungen. Der H. Franciſcus von Aſſis hat einmahl ein Schwein vermaledeyt / weilen ſol - che ein kleines Laͤmbl zerbiſſen / vnd ſihe / gleich hernach iſt die Schwein verreckt / vnd haben ſo gar die Raaben ein Abſcheuhen von dieſem Aaß gehabt. Haben nun die menſchliche Vermaledeyung ein ſolche Wuͤrckung / was wird nicht erſt haben jene Vermaledeyung / welche von Gottes Mund ſelbſten außgehet. Wie iſt es euch Kin - der? erſtarret euch nicht das Blut in den Adern / zappelt nit das Hertz in dem Leib / ſtehen euch nicht die Haar gen Berg / zittert ihr dann nit in allen Glidern / wann ihr hoͤrt die ſcharpffe Goͤttliche Wort / Maledictus, &c. Ver - maledeyet von GOtt / welcher ſein Mutter erzuͤrnet. Erſchroͤckt euch dann nicht der ſchaͤndliche Todt eines ſchoͤnen Menſchen? diſer ware der Abſalom, ein ſchoͤner / wolgeſtalter / junger Fuͤrſt deß Davids, aber auch ein ſchaͤndlicher gewiſſenloſer Fuͤrſt / vnd Ober-Haupt aller vndanckbaren Kinder. Diſer Abſalom iſt in ſeiner laſterhafften Ehrſucht alſo weit kommen / daß er ſich auch freventlich vnderfangen / ſeinem Herꝛn Vattern die Cron von dem Haupt zu nemmen / den Scepter auß den Haͤn - den zu reiſſen / vnd ſich wider alles Recht / vnd kindliche Verpflicht in die Regierung einzutringen. Solchen ge - wiſern Zweck zu erhalten / hat er vnder dem Adel vnd Poͤ - fel ein groſſe Auffruhr / vnd einhaimiſchen Krieg erweckt / ſo gar die Waſſen mit groſſem rebelliſchen Anhang wi -der189ſeinen leiblichen Vatter Ruben.der ſeinen Herꝛn Vattern / als nemblich den David, ſelbſt ergriffen / vnd mit haͤuffiger Mannſchafft einen blutigen Streitt mit ſeinem aignen Vattern eingangen. O ver - fluchtes Kind Abſalom! geſetzt daß du auch keinen Bluts - Tropffen mehr von deinem Vatter in deinem vermale - deyten Leib empfindeſt / ſoll dann dir nicht einfallen die Schaͤrpffe deß Goͤttlichen Zorns / ſo allgemach ober dei - nem Kopff ſchwebet. Ein Kalb / ſo es genug geſogen hat an dem Eitter ſeiner Mutter der Kuhe / ſtoſt nach - mahls dieſelbe noch mit ſeinem muthwilligen Kopff: du Ochſen-Kopff Abſalom, biſt nicht beſſer als dieſer Kalbs - Kopff. Ein Klaͤchel oder Schwengl in einer Glocken / indeme er von derſelben ſtaͤts vmbgeben / vnd bedecket wird / ſchlagt ſie noch daruͤber beederſeits mit Ungeſtim - me / du Galgen-Schwengl Abſalom, biſt nit beſſer als diſer Glocken-Schwengl. Allo! ziech dann vom Leder / du vngerathener Abſalom, wider deinen Vatter / aber ge - dencke auch / daß ebenfalls GOtt das Schwerdt ſeiner Goͤttlichen Juſtitz ziehet wider dich: laß ſehen / welches ein beſſere Schneid hat / dein verruchter Saͤbl / oder Got - tes gerechte Schwerdt. Wolan / das Gefecht nimbt ein Anfang in der Wuͤſten Ephraim, die Armee deß Ab - ſaloms uͤberſteigt weit die Mannſchafft deß Davids, diſer wird vngezweifflet das Kuͤrtzere ziehen / dann vil Hund ſeynd deß Haaſen Todt. Aber David war kein forchtſa - mer Haaß / ſondern ſetzte ſein einige Zuverſicht auff den allmaͤchtigen GOtt. Und ſihe! David erhalt ein glor - reichen Sieg / der Abſalom wird ſpoͤttlich in die Flucht ge - ſchlagen. Deſſen iſt aber kein Wunder / gar kein Wun - der / dann wider den rebelliſchen Abſalom ware GOtt / vnd alle ſeine Geſchoͤpff / allermaſſen Loͤwen / Tiger / Bee - ren / Woͤlff / vnd allerley wilde Thier erſchinen / welche deß Abſaloms Kriegs-Knecht nidergeriſſen / diß ware nochA a 3nit190Judas der Ertz-Schelm ermordtnit genug / dann von freyen Stucken die Erd allerſeits Stain in die Hoͤhe geworffen / worvon die Abſalomiſche Soldaten verwundt / vnd auffgeriben worden / ja in dem Wald ſeynd die Aeſt hin vnd her von denen Baͤumern geflogen / vngezweiffelt von den Haͤnden der Engeln ab - geſchlagen / welche deß Abſaloms Armee nunmehr ArmeS. Chry - ſoſt. Serm. de Abſol. tom. 1. Liran. Ca - jetan de codem. Corenus fol. 238. 2. Reg. 15. gantz grauſamb zerquechſt. Vermaledeyet iſt dann ein Kind / welches wider ſeine Eltern handlet / Him̄el vnd Erd ſambt allen Geſchoͤpffen ſtreitten wider ſolchen Menſchen. Vermaledeyt ſeynd alle ſeine Schritt vnd Tritt / verma - ledeyt iſt ſein Gut vnd Blut / vermaledeyt iſt ſein Leib vnd Weib / vermaledeyet ſeine Kinder vnd Rinder / vermale - deyet ſeine Felder vnnd Waͤlder / vermaledeyet ſeine Scheuer vnd Gemaͤuer / vermaledeyt ſein Geld vnd Zelt / vermaledeyt ſein gantz Leben darneben / ſein Geſundheit wird ſeyn wie die Koͤrbes-Blaͤtter Jonæ, ſein Wuͤrth - ſchafft wird ſeyn wie das uͤbernaͤchtige Manna, ſeine Fel - der werden ſeyn wie der Berg Gelboe / ſeine Kuͤhe wer - den ſeyn wie die Rinder ſo Pharao in dem Traum geſehen / ſein Haabſchafft wird ſeyn wie die Statua Nabuchodo - noſoris, ſein Leben wird ſeyn wie der Topff der Prophe - ten Kinder / ſeine Kinder werden ſeyn wie die Spott-Fra - tzen Eliſæi, das iſt vngerathene Kinder / ein bitterer Le - bens-Wandl / ein vngluͤckſeelige Haabſchafft / vnfrucht - bare Felder / ein wurmſichtige Wuͤrthſchafft / ein verwel - ckende Geſundheit / alles Vngluͤck vnd Vnſtern / alles diß ſchlieſt in ſich das einige Wort / Maledictus Verma - ledeyet.
Ich gienge einsmal durch einen gruͤnen vnd ſchatten - reichen Wald / vnd erwegte dazumal die Hoͤfflichkeit der Baͤumer in Judæa, welche ſich auff dem Oelberg gantz Tieff biß auff die Erden genaigt haben gegen der MutterGot -191ſeinen leiblichen Vatter Ruben.Gottes Maria. Vnd gedachte bey mir ſelbſten / was fuͤr grobe Bloͤck ſeynd doch die jenige Geſellen / die kaum ein kleine Reverentz machen gegen Gott den Herꝛn vnd ſeiner Mutter in der Kirchen. Als ich in diſen Gedancken ſtun - de / ſo iſt mir vorkommen / als hoͤrete ich allda einen abge - hackten Baum ſehr wehemuͤtig lamentiren / vnd ſtunde die Klag in dem / wie daß vnlaͤngſt ein Hacken habe gebet - ten denſelbigen Baum gantz flehentlich vmb ein Still / nachdem nun die guthertzige Buchen ſolchen wilfaͤhrig ertheilt / vnd die Hacken einen Still bekommen / ſo iſt ſie da / vnd haut diſe groͤſte Gutthaͤterin die Buchen ſelbſt ni - der / ach! ſagte der Baum / daß ſoll mich ja ſchmertzen in meinem Hertzen / daß die Hacken den Still / den ich ihr ſo gutwillig habe geſchenckt / jetzt gantz vndanckbar gegen mir braucht. Diſe wehemuͤtige Klag erſchalt oͤffters auß dem Mund einer betrangten Mutter / auß dem Mund eines Vatters / welche ſo groſſe Vndanckbarkeit an ihren vngerathenen Kindern erlebet haben / daß auch diſe ver - maledeyte Creatur gwalthaͤtige Haͤnd anlegt an ſeinen Eltern. Soll es dann nicht ſchmertzen einer ſolchen Mut - ter / daß ſie ſelbſt muß leyden von den jenigen Haͤnden / welche ſie in ihrem Leib getragen? ſoll es dann einem Vat - tern nicht das Gemuͤth durchtringen / daß er muß belay - diget werden von den jenigen Haͤnden / welche er nach Gott den verruchten Kind gſpendiret? wie iſt es nur moͤglich / daß ſich die Erd nicht gleich auffſperret / vnd ein ſolches gwiſſenloſes Kind verſchlickt / wie ſie verſchlickt hat den Datan vnd Abiron. Wie kombt es doch / daß nichtNum. 16. gleich die freßgierige Feuers-Flammen vom Himmel fal - len / vnd ein ſolchen verkehrten Menſchen zu Aſchen ver - zehren / wie ſie verzehrt haben alle Inwohner zu Sodoma vnd Gomorra. Ja / ja alles diſes geſchahe / dafern GottGen. 16. nit gewiſer Vrſach halber / die ihme allein bekannt vnd vnsver -192Judas der Ertz-Schelm ermordtverborgen / mehrmahlen alle Elementen im Zaum hielte / welche ſonſt gantz gierig die Vnbild der Eltern rechen thaͤ - ten. Vnd bilde ihm nur ein / ein ſolches vermaledeytes Kind / welches gegen ſeinen Eltern mit ſchlaͤgen verfah - ret / daß kein Geſchoͤpff auff Erden / ſo ihme nicht mißgoͤn - nig vnd feind ſeye. Dahero ſolche vnmenſchliche / tigerar - tige / ſteinharte / hertzloſe / gottvergeſſene / laſterhaffte / teuffelsſichtige / hoͤllenwerthe / beſtialiſche Kinder (nit Kinder) ſondern Schlangen vnd Attern-Bruth / auch noch auff der Welt von gerechtem Gott geſtraffet werden.
In der vornehmen Statt Valenz iſt einer bey dem Magiſtrat falſch angeben worden / als habe er ein groſſe Unthat begangen / weſſentwegen er zum Strang vnd Gal - gen verurthlet worden. Als ſolcher auß dem Kercker an das Orth ſeines ſchmaͤchlichen Todts gefuͤhrt wurde / hat er daſelbſt die Haͤnd zuſammen geſchlagen / vnd die gerech - te Urthl Gottes / nicht aber der Menſchen erkennt / vnd beynebens offentlich entdeckt / wie daß er vnſchuldig ſeye in dem jenigen / was ihme dißfalls zu gemeſſen wird / wol aber habe er eben an diſem Orth ſein leibliche Mutter mit harten Straichen tractiret / welche dazumabl den Fluch uͤber ihn gethan. Wolte GOtt / du muͤſſeſt an di - ſem Orth an den Galgen kommen.
Zu Rom hat einer auß Zorn ſeiner Mutter einen Backenſtraich verſetzt / welches ſie dermaſſen geſchmertzt / daß ſie alſobald gewunſchen. Sie moͤchte diſe Hand abgehauter ſehen. Diſe Redt ware einer Sybilli - ſchen Weißſagung nicht vngleich / dann kurtz hernach iſt diſer gantz vnſinnig worden / in welchem verwuͤrꝛten Stand er in ein offentliche Fleiſch-Banck hinein geloffen / daſelbſt ihme mit einer groſſen Hacken die Hand abge - hauen / vnd alſo den Mutter-Fluch ſelbſten vollzogen.
Ein193ſeinen leiblichen Vatter Ruben.Ein anderer Juͤngling zu Rom / weilen er auchIbid. loc. citato. Hand angelegt an ſeine Mutter / iſt bald hernach in diſen bluͤhenden Jahren todts verblichen / den anderen Tag aber nach ſeiner Begraͤbnuß den Armb auß der Erd geſtreckt / vnd weilen man ſolches der Nachlaͤſſigkeit deß Todten - Grabers zugeſchriben / iſt das Grab mit mehrer Erd uͤber - ſchuͤttet worden. Ungeachtet diſes / iſt auch den dritten vnd vierdten Tag der Armb gantz hervor gangen / biß endlich die Mutter zu dem Grab beruffen worden / vnd vnſchwaͤr die Urſach diſer ſeltzamen Begebenheit erkennt; ich waiß mich zu erinneren / ſagt ſie / daß mich diſer mein Sohn einmahl hart geſchlagen / welches ich ſo ſehr in mei - nem Hertzen empfunden / daß ich ihme getrohet habe / ich will ihm ſolches nimmermehr verzeyhen / anjetzo aber mein Kind / verzeyhe ich dir hertziglich diſe mir angethane Unbild / worauff gleich der Todte ſein Armb zuruck gezo - gen / vnd ferners nicht mehr geſpuͤrꝛt worden.
Unweit der ſchoͤnen Statt Ragus iſt ein kleines Dorff entlegen / in welchem auch wohnte ein arbeitſamerCæſar Franziotti in libro de ſanctis Lu - cenſibus. Bauersmann / mit Nahmen Boſcas, deſſen vngerathener Sohn die Mutter mit vilen Straichen uͤbel zugerichtet / daß ſie alſo uͤber ſolchen Boͤßwicht nit wenig erbittert / vnd ihme gewunſchen. Daß er moͤchte ſterben / vnd ſeye nit werth / daß ſeine Bainer weder der Lufft / noch die Erd / noch das Waſſer be - halte. Diſer Fluch hat ſeinen Außgang gewunnen / dann er bald hernach elend geſtorben / deſſen Leib oder Coͤrper die Erd auff kein Weiß wolte behalten / ſondern ihn oͤffters mit Unwillen herauß geworffen / der Lufft thaͤ - te nicht weniger / vnd hat ihn mit Ungeſtimme auff die Erd geſtoſſen / das Waſſer deßgleichen / hat ihn allemahl wider an das Geſtatt getriben / biß endlich auß BefelchB bder194Judas der Ertz-Schelm ermordtder Mutter diſer verruchte Coͤrper in das Meer / da es zum haͤfftigſten tobte / geſtuͤrtzt worden / welcher gleich von den wůttenden Wellen an ein harte Felſen getragen worden / allwo er ſich in drey Thail zertrimmert / vnd alle Thail in harte Felſen veraͤndert worden / ſo annoch von den beyfahrenden Schiffleuthen zu ewigem Wunder be - obachtet wird.
Es ſeynd vil hundert tauſend / ja vil Million MeilVicent. Beluac. in Spec. 101. von der Erden in den Himmel hinauff / vnd dannoch in ei - nem Augenblick raiſt der Mutter-Fluch dahin vor das Angeſicht Gottes. Die ſchoͤne / ſtrahlende Sonnen hat einen ſo ſchnellen Lauff / daß ſie in einer Stund eilffmahl hundert vnd viertzig tauſend Teutſche Meil poſtiert / vnd gleichwol iſt vil ſchneller ein Fluch der Mutter / dann ſol - cher augenblicklich in die Hoͤhe ſteiget / vnd von GOtt er - hoͤrt wird. Deſtwegen hůtet euch ihr Kinder vor dem Fluch eurer Eltern / dann nicht allein wahr worden der Fluch / welchen Noë der alte Vatter uͤber ſeinen Sohn den Cham ergehen laſſen. Allermaſſen diſer ſambt den ſeinigen nie kein Gluͤck gehabt / ja er iſt ſelbſt ein Zauberer vnd Hechſenmaiſter worden / den auch der Teuffel leben - dig verbrennt.
Wunderbarlich iſt / was ſich in Arvernia zugetra - gen / allda hatte ein Mutter ein ſehr widerſpengſtiges Kind / deme ſie einsmahls befohlen / es ſoll ſich anlegen / vnd weilen es ſolches gantz halßſtaͤrrig vnderlaſſen / ſo hat der Zorn der Mutter alſo angefeuert / daß ſie endlich in di - ſem Fluch außgebrochen. Ey du vermaledeytes Kind / ſo gebe GOtt / daß du kein Fetzen dein Lebtag an deinem Leib trageſt. Sihe die eylfertige Verhengnuß Gottes / das Kind ziecht alſobald das Hemmet wider auß / vnd von ſelbiger Stund an keinen Faden mehr an dem Leib gebracht / vnd im Sommer vnd Winter blutnackendgan -195ſeinen leiblichen Vatter Ruben.gangen / doch bekennt / daß er deſſenthalben nit groͤſſeren Froſt bey Winters Zeit / noch mehrere Hitz bey haiſſem Sommer empfinde. Diſer Menſch hat nachmahls ei - nen Schaaf-Hirten abgeben / doch jederzeit bloß vnd na - ckend. Wie dann ſolche Geſchicht bey Clarmont allen bekannt iſt.
Thereſia ein Koͤnigliche Princeſſin Alphonſi SextiRodericus Sanchius l. 1. de re - bus Hiſp. c. 14. zu Caſtell / iſt von ihrem eignen Sohn Alphonio in die finſtere Keichen geworffen / vnd daſelbſt an eyſerne Band gefaͤßlet worden / vnd weilen zu ihrer Erloͤſung weder das innſtaͤndige Bitten / noch deß Roͤmiſchen Pabſtens ernſt - licher Befelch nichts vermoͤgte / alſo hat ſie ihrem vn - danckbaren Sohn gewunſchen / daß ihme moͤchten beede Fuͤß gebrochen / vnd ein elender Gfangener / gleichwie ſie in den Haͤnden deß Feinds werden; diſer Muͤtterliche Fluech hat bald ſeinen Außgang gezeigt / in deme nicht lang hernach gedachter ihr Sohn Alphonſus vnder dem Statt-Thor beede Schinbein gebrochen / vnd kurtz darauff vom Ferdinando Legioniſchen Koͤnig gefangen worden.
Was erbaͤrmlichen Vndergang hat nit erlitten Cra -Gregor. Turon. l. 4. de re - bus Franc. mus ein Sohn Clotarij Koͤnigs in Francken / welcher in einer nidern Baurn-Huͤtten erdroßlet / ſein Gemaͤhlin ſambt der jungen Herꝛſchafft lebendig darin verbrennt worden. Die Vrſach diſes ſeines vnd der ſeinigen Verder - bens iſt geweſt / weilen er nach Abſaloms Exempel dem Herꝛn Vattern die Cron wolte vom Haupt zucken. Der - gleichen Geſchichten konten faſt ohne Zahl vnd Zihl beyge - tragen werden / welche alle billich der Kinder Muthwil - len / Vngehorſam / Halsſtaͤrrigkeit / Haß / vndanckbar - keit gegen ihren Eltern ſolten im Zaum halten.
Auff ſolche Weiß geſchicht es vilen Eltern / was dem fruchtbaren Apffel vnd Biernbaum begegnet; in de - me man gar offt ſihet / daß einem ſolchen Baum wegenB b 2ſchwaͤre196Judas der Ertz-Schelm ermordtſchwaͤre der Fruͤchten die Aeſt brechen. Wohin der Sym - boliſt kan ſchreiben. Multum onerant, parum ornant. Ein ſchwaͤres Gwicht mein eigne Fruͤcht.
Solcher Geſtalten erfahren es vil Eltern / was da taͤglich das Holtz auff dem Herd muß außſtehen / welches dem Feuer die Nahrung ſpendirt / vnd diſes vndanckbare Element entgegen das Holtz verzehret / deme der Symbo - liſt das lemma beygefuͤgt ſatiantem ſaucio, der mich thut naͤhren / thue ich verzehren.
Auff ſolchen Schlag widerfahrt vilen Eltern / was da vnſer allgemeine Mutter die Erden muß leyden / wel - che die Daͤmpff / ſo empor ſteigen / gleichſam gebaͤhret / diſe aber gar offt in Schaur vnd Rißl ſich verkehren / vnd ihre eigne Mutter die Erden nit wenig belaidigen / wel - ches dann auch ein Sinn-Bild kan ſein eines vndanckba - ren Kinds / forderſt wann das lemma darbey ſtehet. Pro nutrimento detrimentum. Was ich getragen / thut jetzt mich ſchlagen.
Dergeſtalten begegnet vilen Eltern / was der edlen Auroræ oder Morgenroͤthe / welche alle Tag die ſchoͤne Sonn gebaͤhret / entgegen wider von diſer ihrer Geburt den Vndergang leyden muß / welches der Poët beſſer vor Augen ſtelt mit der Beyſchrifft / dum pario pereo. Was ich gebohren / macht mich verlohren. Freylich wol ſeynd bey vilen Eltern ein ſchwaͤres Ge - wicht ihr eigne Fruͤcht. Manchen Vattern vnnd Mutter thut das Kind verzehren / welches ſie thun naͤhren; ein manche Mutter was ſie getra -gen /197ſeinen leiblichen Vatter Ruben.gen / thuts nachmals ſchlagen / ja offt widerholt ein ſolche mit tieffen Hertzens-Seufftzern / was ich ge - bohren / macht mich verlohren. Aber wie er - ſchroͤcklich vor den Goͤrtlichen Augen ſolches ſeye / erheltRichterus axiom. Polit. auß folgender Geſchicht / welche ſich Anno 1550. zu Koͤ - nigsberg in Preuſſen zugetragen mit einem jungen Schloſſer Geſellen / welcher daſelbſt allen leichtfertigen Leben ergeben / die Zeit nur mit ſchlemmen vnd daͤmmen zugebracht / vnd weilen ihm hierzu die Eltern nicht allemal die Geld-Mittel nach Begehren wolten beyſtrecken / alſo hat diſer gottvergeſſene Bub / Vatter vnd Mutter mit ei - nem Moͤrſerſteſſel jaͤmmerlich ermordet / nach vollbrach - ter Vnthat gehet diſer dem geraden Weeg zu einen Schu - ſter / kaufft daſelbſt ein neues paar Schuh / vnd laſt die alte zerriſſene Sohlenloſe allda / welche der Lehrjung vn - der die Banck geworffen. Es verſtreicht kaum ein oder die andere Stund / da bringt diſer gottloſe Boͤßwicht ein Ge - ſchrey auff / daß er ſeine beede Eltern todter gefunden / raufft ihme ſelbſt die Haar auß / verkratzt ihme das gantze Angeſicht / heult vnd weint mit ſolcher Vngeſtimme / daß keinem der mindeſte Argwohn eingefallen / ob ſoll er der Thaͤter ſeyn. Aber denen Augen Gottes kan nichts ver - borgen ſeyn / welcher dann auch dergleichen Miſſethaten nicht vngerochener auff der Welt laſſet. Es geſchicht / daß der Schuſter vngefaͤbr wahr nimbt / was Geſtalten die alte Schuh diſes Schloſſer Geſellen vnder der Banck in etwas mit Blut beſpritzet waren / woruͤber er gleich einem ſeltzamen Gedancken geſchoͤpfft / welcher Argwohn ver - mehrt hat / weilen er bey gedachten jungen Schloſſer diß - mahl mehrer Geld als ſonſten geſehen / diß alles hat er dem Magiſtrat vmbſtaͤndig angezeigt / vnd diſer nach wei - terer Nachfrag bald die gantze Begebenheit vermoͤg eignerB b 3Be -198Judas der Ertz-Schelm ermordtBekandtnuß in Erfahrenheit gebracht / vnd nachgehends ſolches Laſter-Kind mit erſchroͤcklichen Tod hinrichten laſ - ſen / das mehreſte aber iſt allhier zuverwundern / daß der Merſerſtoͤßl / mit welchen dieſes gottloſe Kind ſeine Eltern ermordt hat / in dem Rath-Hauß an die Wand auffge - hencket worden zu einer ewigen Gedaͤchtnuß / vnd ſolle diſer noch auff heutigen Tag ſtaͤts zittern. Wordurch der Allmaͤchtige Gott die Abſcheulichkeit / vnd Grauſamkeit diſes Eltern Mordt will vngezweiffelt andeuten.
Aber meine Eltern / was verurſacht ſolche vngerathe - ne Kinder anderſt / als euere ſorgloſe Obſicht in dem Auff - erziehen / euers gar zu groſſe Nachſehens in Abſtraffung / Fahrloſtigkeit in Underrichtung derſelben / deſtwegen die mehreſte Suͤnden der Kinder werden in euerem Proto - coll eingetragen.
Wann die Tochter ein Helena, vnd zugleich ein Le - na, wann ſie zwar eng eingeſchniert / aber ein weites Ge - wiſſen hat. Wer iſt Urſach? die Eltern. Wann der Sohn ſtaͤts Pflaſter vnd Laſter betritt / wann er ein ſchlim - men Vocativum abgibt in Genitivo, wer iſt dran ſchul - dig? die Eltern. Wann die Tochter lieber mit Loͤfflen / als Koch-Loͤfflen vmbgeht / wann ſie mehrer denckt auff das Nachtkuͤß / als auff das Naͤhkuͤß / wann ſie lieber mit Buelen als Spuelen die Zeit vertreibt / wer iſt daran ſchuldig? die Eltern. Wann der Sohn einen Treiber abgibt / will nit ſagen einen Ochſentreiber / Sautreiber / ſondern einen andern: Wann er einen Jaͤger abgibt / vnd mehrer Dienl als Denl ins Netz bringt; wer iſt daran ſchuldig? die Eltern. Wann die Tochter ſchon einer al - ten Kupplerin den Topff vnd Kropff anfuͤllt / vnd ſolche ſich nachmahls fuͤr ein Poſtillion nacher Mannhaimb brauchen laſt; wer iſt daran ſchuldig? die Eltern. Wann der Sohn ſich nicht adelich / ſondern adleriſch halt / vndfliegt199ſeinen leiblichen Vatter Ruben.fliegt gern zu der guldenen Sonnen / allwo er wegen der Kreiden zimblich ſchwartz ſtehet / deſtwegen in dem Vat - ter vnſer vnter dem vergib vns heut vnſre Schul - den / auch den Wuͤrth verſtehet. Wer iſt daran ſchuldig? die Eltern. Wann die Tochter huͤpſch liederlich vmb dem Halß iſt / vnd alſo zudeckt / wie die Fleiſch-Baͤnck an der Faßnacht / vnd kan man auff dem Halß leſen / was im Her - tzen geſchriben. Wer iſt daran ſchuldig? die Elteren. Wann der Sohn genaturt iſt wie der vermaledeyte Fei - genbaum / vnd hat nur Blaͤtter / vnd kein Frucht / verſte - he Karten-Blaͤtter / wo ja ein ſchlechte Frucht / wann er mit dem verlohrnen Sohn die Saͤu huͤtet / Aichel-Sau / Schellen-Sau / Hertz-Sau / ꝛc. wer iſt daran ſchuldig? die Eltern. Wann die Tochter immerzu mit der ſtoltzen Jezabel nach Hoffart trachtet / wann ſie faſt alle Wochen will haben andere Klayder / wo der Echo ſagt layder. Wer iſt daran ſchuldig? die Eltern. Wann der Sohn ein guten Stilum hat / abſonderlich in deß Vatters Ho - ſen-Sack / vnd fiſcht ſchon auff trucknem Land / daß er al - ſo in guter Hoffnung ſtehet / er moͤchte einmahl Strick - to modo gehencket werden. Wer iſt daran ſchuldig? die Elteren. Wann die Tochter lieber die Harpffen Da - vid hoͤrt als ſeine Pſalmen; wann ſie huͤpſche Liedl ſingt vom Raͤttich vnd Rueben / Maͤdl vnd Bueben / ꝛc. wer iſt daran ſchuldig? als die Eltern. Wann der Sohn fleiſſig iſt im Stutieren / vnd kan beſſer argumentierē in formoſâ, als in formâ. Wer iſt daran ſchuldig? als die Eltern. Wann die Tochter gern auff Dantzig raift / vnd zu Nacht bey Leibtzig bleibt. Wer iſt daran ſchuldig? als die Elteren. Wann endlich der Sohn zum Teuffel fahrt / vnd die Tochter in die Hoͤll kombt. Wer iſt daran ſchuldig? ach! ach! mehreſten Thail die Elteren.
Ihr200Judas der Ertz-Schelm ermordtIhr Elteren thut zu vil / vnd thut zu wenig: ihr thut zu wenig ſtraffen / ihr thut zu vil lieben euere Kin - der. Ihr habt zweiffels ohne oͤffters vernommen auß derJudic. 9. H. Schrifft / wie eineſt die Baͤumer ſeynd zuſammen kom - men / vnd auff ihrem huͤltzernen Reichstag einen Koͤnig erwoͤhlt / die mehreſte Stimmen ſeynd gefallen auff den Oelbaum / auff den Feigenbaum / auff den Weinſtock / ꝛc. vom Buͤrckenbaum geſchicht kein einige Meldung / mei - nes Thails / wann ich waͤre gegenwaͤrtig geweſen / vnd als ein Mitglid auch ein freye Wahl haͤtte gehabt / ſo haͤtte ich vnfehlbar den Buͤrckenbaum zum Koͤnig erkiſen / dann niemand glaubts / wie ruhmwuͤrdig diſer regiert / abſonderlich in der Kinder-Zucht. Alle heilige Engel ge - fallen mir wol / einen außgenommen / der Koſt-Herꝛ deß Daniels war ein Engel / der gefallt mir wol. Der Artzt deß Tobiæ war ein Engel / der gefallt mir wol. Der Ab - geſandte der Mutter Gottes war ein Engel / der gefallet mir wol. Deß Loths ſein Salvo-Conduct war ein Engl / der gefallt mir wol. Die Schildwacht vor dem Para - deyß iſt ein Engel / der gefallt mir wol / ꝛc. aber einer will mir ſchier nicht gefallen / der jenige / welcher dem gehor - ſamen Patriarchen Abraham in den Saͤbel gefallen / vndGeneſ. 22. auffgeſchryen. Non extendas manum tuam ſuper pue - rum: Straͤcke dein Hand nit auß uͤber den Knaben / vnd thue ihm nichts. Ich waiß gar wol / daß ſolches der Be - felch deß Allerhoͤchſten war / vnd deſſenthalben hierinn - falls keines Faͤhlers zu beſchuldigen. Wann ein Vatter / ein Mutter mit der Ruthen wird ein Straich fuͤhren uͤber den Knaben / bin verſichert / daß ihm kein Engel den Straich wird auffhalten / wie dem Abraham, ja die En - gel werden ihn noch anfriſchen mit ernſtlichen Worten. Extende manum tuam ſuper puerum: Strecke dein Hand auß uͤber den Knaben.
Ich201ſeinen leiblichen Vatter Ruben.Ich ſchneid / ich ſchneid / ich ſchneid / was aber? ichCuſpin. ſchneid ab / was? die Naſen? nein / nein; Conſtantinus Pogonatus hat beeden ſeinen Bruͤderen Heraclio vnd Ti - berio die Naſen abgeſchnitten / damit ſie nur nicht zur Cron vnd Regierung gelangen moͤchten. Das iſt Crudel vnd tyranniſch / das thue ich nit. Ich ſchneid / ich ſchneid / ich ſchneid / was aber? ich ſchneid ab / was? die Ohren? nein / nein. Petrus hat dem Boͤßwicht Malcho das OhrLuc. 22. abgehaut / welchen ſchmertzlichen Schaden der gebenedey - te JEſus wider gehailt hat. Das thue ich nicht. Ich ſchneid / ich ſchneid / ich ſchneid / aber was? ich ſchneide ab / was? die Zungen? nein / nein. Den ſtreittbaren Blut -Petrus de Natal. zeugen Chriſti Hilario vnd Florentio ſeynd die Zungen außgeſchnitten worden / nichts deſtoweniger haben ſie gleichwol geredet / vnd JEſum Chriſtum gebenedeyet. Das thue ich nicht. Ich ſchneid / ich ſchneid / ich ſchneid / aber was? ich ſchneide ab / was? ich ſchneide allen Eltern die Finger ab. Adonibezec ein ſtoltzer vnd tyranniſcherJudic. 1. Koͤnig hat 70. anderen gefangenen Koͤnigen die Finger abgeſchnitten / das war erſchroͤcklich / diſem folge ich nach / vnd moͤchte gern denen mehreſten Eltern die Finger ab - ſchneiden / damit ſie nit mehr ſo ſtarck ihren Kindern durch die Finger ſehen / ſondern dieſelbig von Jugend auff ſtraf - fen. So lang Moyſes die Ruthen in Haͤnden gehabt / iſt ſie ein ſchoͤne Ruthen verbliben / ſo bald ers aber auß der Hand fallen laſſen / verſa eſt in colubrum: da iſtExod. 4. gleich ein Schlangen darauß worden. Alſo auch meine liebſte Eltern / ſo lang ihr die Ruthen in Haͤnden habt / vnd ein gute ſcharpffe Zucht fuͤhret vnder denen Kindern / ſo bleibt alles gut / wann ihr aber die Ruthen fallen laſ - ſet / da wird gleichformig ein Schlang darauß / ich will ſagen / es iſt lauter ſchaͤdliches Gifft den Kindern / ſo man die Ruthen nit in die Haͤnd nim[b]t.
C cDie202Judas der Ertz-Schelm ermordtDie Erd bringt kein Frucht / ſondern Diſtl / wann man ſie nit mit ſcharpffen Pflug-Eyſen durchgrabt: die Jugend thut kein gut / wann man ſie nit ſcharpff haltet. Das Eyſen / ſo erſt auß den knoperten Bergwerck gebro - chen iſt nichts guts / es komme dann der harte Hammer - Stratch darauff. Die Jugend bleibt nichts nutz / ſo man der Straichen verſchonet.
Der Weinſtock wird nit tragen / ſondern verfau - len / ſo nit ein Stecken darbey ſtehet / die Jugend wird nit fleiſſig ſeyn / ſondern faul / wann nit die Ruthen darne - ben ſteckt.
Die Muſte wird auff Katzen-Arth ohngereimbt verbleiben / wann der Tact-Streich deß Capell-Maiſters abgehet; die Jugend wird ſich mehreſt vngereimbt verhal - ten / wann der Tact der Eltern oder deß Præceptors manglet.
Die Leinwad deß Mahlers wird kein ſchoͤne Bildnuß vorſtellen / wann er den Streich-Pembſel nit an die Hand nimbt: die Jugend wird denen Eltern kein Zierde bringen / wann ſie nit wol mit dem buͤrckenen Streich-Pembſel auff die Leib-Farb anhalten.
Wie nennt Clemens Alexandrinus die Kinder? er nennt ſie flores Matrimonij, Blumen deß Eheſtands. Gut / gut! die Blumen muͤſſen vmbzeint ſeyn mit Ru - then vnd Stecken / ſonſt kombt ein jede Sau daruͤber. Wie nennt der H. Vatter Auguſtinus die Kinder? er nennt ſie Naviculas fluctuantes kleine wanckende Schiff - lein. Gut / gut / zu diſem Schifflein muß man Rueder brauchen / die der Beſenbinder fail hat. Wie nennt der H. Gregorius Nazian. die Kinder? oculos ſuorum Pa - rentum Aug-Apffel ihrer Eltern. Gut / gut / aber denen Aug-Apffel hat die Natur Augbraun geſetzt / welche wie die Ruthen geſtalt ſeyn. Wann man aber die Ruthenſpart /203ſeinen leiblichen Vatter Ruben.ſpart / ſo kombt Schand vnd Schad uͤber die Kinder. Nero waͤre kein ſolcher Boͤßwicht worden / wann ihn ſeinSueton. lib. 5. Mutter Agrippina haͤtte ſchaͤrpffer gehalten. Jener Sohn haͤtte bey dem Galgen der Mutter das Ohr nicht abgebiſſen / wann ſie ihn haͤtte beſſer gezuͤchtiget in ſeiner Jugend. Derſelbe Bub waͤr wol nicht ſchlimb worden /Cauſi. P. 1[3] welchen der Beichtvatter befraget / ob er das Vatter vn - ſer koͤnne / der antwort mit Nein / worauff der Pater wi - derſetzt. Ey das iſt nichts nutz. Eben darumben / ſagt der ſchlimme Schelm / hab ich es nicht gelehrnet. Diſer waͤre bey weiten nit ſo boͤß worden / wann ſeine Eltern oͤffters haͤtten die Ruthen gebraucht. Ein anderer iſt drey Jahr in einer Schul / wegen ſeiner Faulkeit vnd Ohnfleiß / ſitzen bliben / welches ihm der Vatter hart verwiſen; deme aber der Sohn zugeredet. Mein Vatter / verwundert euch doch nicht ſo ſehr uͤber diß / iſt doch mein Profeſlor ſchon das vierdte Jahr in diſer Schul. Diſer Mauß-Koͤnig waͤre nicht ſo traͤg vnd faul geweſen / dafern er in der Ju - gend die Ruthen mehrer gekoſtet haͤtte.
In einer gewiſſen Stadt deß Teutſchland / hatte ein Mutter einen einigen Sohn / dem ſie aber allzuvil gehaich - let / vnd von Kindheit auff mit ihm / als mit einem zarten Biſcoten-Taig vmbgangen. Cr war ihr ein einiges Hertzl / Schertzl / er hette im achten Jahr noch kein Ruthen geſe - hen / vnd als man ihm ſolche zeigt / wuſte er gar nicht / was diſes vor ein Meer-Wunder ſeye. Er ſchauete ſie an nicht anderſt / als ein Kuhe ein neues Stadl-Thor / vnd weilen er dazumahl ſchon vnter der Sorg deß Præceptors war / alſo hat ſolcher Pflicht halber einen Ernſt / vnnd keinen Clement abgeben; dann er vermerckte in diſem Knaben die Natur der Brenneßl / wann man ſolche glimff - lich tractirt / ſo brennen ſie / da mans aber ſtarck vnd hartC c 2reibet /204Judas der Ertz-Schelm ermordtreibet / ſo ſchaden ſie nichts. Nahme alſo der gute Præ - ceptor ſtaͤts die Ruthen in die Hand / vnd gedachte wo ſolcher Zeiger ſeye / koͤnne die Uhr nicht vnrecht gehen. A - ber die Mutter wolte ſolches auff kein Weiß zulaſſen / maſſen ein jeder Streich / den der Præceptor verſetzte di - ſem Zucker-Affen / ware ein Echo oder Widerhall in dem Muͤtterlichen Hertzen / alſo zwar / daß ſie ihn nur den groben Treſcher nennte / der kein anders Gewerb verſte - he / als treſchen / treſchen. Eineſt muſte er Noth halber den hiltzernen Cometſtern in die Hand nemmen / vnd wei - len etwann auß Einrathung der boͤſe Bueb ein groſſes Geſchrey verbracht / alſo iſt die Mutter gantz eylends zu - geloffen / den Præceptor mit faimenden Maul wie ein Wißl angeblaſen / huy Treſcher! wie gibts Treſchen auß! worauff der Præceptor geantwort; Frau gar ſchlecht / lauter Stroh / lauter Stroh / kein Trayd auff mein Ayd. Vnd ware dem alſo / dann der Knab ein lauter Strohkopff verbliben / vnd weilen nachmals dem Præceptor die Ruthen gaͤntzlich verbotten worden / alſo iſt diſer ſaubere Geſell ohne Wiſſen vnd Gwiſſen auffge - wachſen. Nach der Mutter Todt hat er das ſeinige fein foͤrderlich durchgejaget. Vivendo luxurioſè: mit luſti - gen / liſtigen / laͤſterlichen Leuthen vmbgangen. Das wa - re bey ihm ein alte Metten / aber ſolche verurſachte ein geſchwinde Complet ſeiner Geld-Mittel. Nach dem ihm nun der Feyerabend in den Beutl kommen / hat er ſich mit dem verlohrnen Sohn entſchloſſen zum Pater zugehen. Ibo ad Patrem. Halt demnach an bey einen gewiſſen Pa - ter Superior vmb den Cloͤſterlichen Habit. Den Orden will ich dißfals verſchweigen / woſelbſt er auff / vnd ange - nohmen worden. In den Orden hielt er ſich wie die Sta - tua deß Koͤnigs Nabuchodonoſoris, welche ein guldenesHaupt205ſeinen leiblichen Vatter Ruben.Haupt / ein ſilberne Bruſt / metallinen Leib / eyſerne Schenckel vnd erdene Fuͤß. Alſo war es anfaͤnglich gut / in wenig Jahren aber mercklich ſchlechter / zu letzt gar jrꝛ - diſch / in deme er das gut Leben von Jugend auff gewohnt ware / ohne Zucht allezeit gelebet / alſo hat er ſich in diſes harte Leben / wie der David in den harten Pantzer vnd Harniſch nicht ſchicken koͤnnen / deſſentwegen den Orden ſpoͤttlich verlaſſen / den Evangeliſchen Glauben ange - nommen / vnd in einen ſchlechten Dorff einen Schulmai - ſter abgeben / weilen ihn aber die Armut gar zu ſtarck truckte vnd dringte / alſo hat er in frembde Sachen die Haͤnd geſtreckt / biß er ſelbſten nachgehends von dem Hen - cker geſtrecket worden / vnd dazumal erſt Ihr Streng zu - ſeyn angefangen / als er ſein Leben mit dem Strang geen - det. O elender Vndergang! waͤre diſer von Jugend auff mit dem Buͤrckenbaum beſſer bekannt geweſen / ſo waͤre er nit alſo mit dem Aichbaum in ein ſo ſpoͤttliche Freund - ſchafft gerathen. Haͤtte ihm die Mutter nicht gar zuvil nachgeſehen / ſo waͤre er nachmahlens auff dem Galgen nit worden alſo hoch geſehen / haͤtten ihm die Eltern zu Zeiten ein gute Ruthen bunden / ſo haͤt ihn mit der Zeit der Hencker nit alſo gebunden. O wie vnbedachtſam hand - let ihr / wann ihr denen Lehrmaiſtern ſo ſchimpfflich nach - redet / als brauchen ſie in der Schul-Cur vnd Buͤrcken - waſſer zu ſehr / vnd verfahren gar zu ſtreng mit euren Kindern. Aber glaubt mir darumb / ein mancher Schil - ling iſt mehr werth / als acht halbe Kreutzer / vnd wann ihr Eltern wolt einmal ein Schatz finden bey euren Kin - dern / ſo laſſet ſeinem Zuchtmaiſter die Wuͤnſch-Ruthen brauchen. Etliche Eltern ſeynd haicklicher mit ihren Kin - dern / als die Venetianer mit ihrem Arſenal.
Nembt ein Lehr nit von mir / ſondern von JEſu Chriſto ſelbſten / wie diſer gebenedeyte Heyland bereits auffC c 3dem206Judas der Ertz-Schelm ermordtdem hohen Berg Calvariæ mit ſeinen / meinen vnd deinen geſtigen / das iſt mit ſeinen Creutz / mit meinen vnd deinen Suͤnden / welche er auff dem Rucken getragen / ſo folgte ihm ein groſſe Menge der Edlfrauen / Burgers Weiber nach / welche alle auß Weichhertzigkeit vnd Mitleyden uͤber den betrangten Chriſtum bitterlich weinten / welches dann ein lobwuͤrdigſte Sach ware Jeſu Nazareni ſchmertz - lichen Paſſion zu beweinen / vngeachtet diſes / wandte der HErꝛ vnd Heyland ſein blutiges Angeſicht gegen ihnen /Luc. 23. vnd redet ſie alſo an. Nolite flere ſuper me, ſed ſuper vos, & ſuper filios veſtros. Meine Weiber von Jeruſalem / weinet nit uͤber mich / ſondern vilmehr uͤber euch / vndDialog. in Paſs. euere Kinder. Die Vrſach deſſen gibt der H. Anſelmus. Wie das diſer Weiber ihre Kinder neben Chriſto dem HErꝛn geloffen / ihn hoͤnniſch außgeſpoͤtlet / ja mit Stei - ner vnd Kottbatzen auff ihn geworffen / vnd allerley Muthwillen vnd Buebenſtuck veruͤbet / alſo wolte der der HErꝛ JEſus diſen Muͤttern zu verſtehen geben / daß es nit gnug ſeye / wann ſie fromm vnd andaͤchtig ſeyn / ſondern ſie ſollen auch ihre Kinder beſſer aufferziehen / vnd in gebuͤhrender Zucht halten. O wie mancher Mut - ter wird es widerfahren / was der Agar mit ihrem Sohn Iſmael geſcheben. Diſer ſchlimme Bueb begienge allerley Muthwillen / vnd war faſt kein Buebenſtuck / welches diſer vngerathene Fratz nit getriben. Weſſentwegen er auß dem Hauß deß Abrahams verjagt worden / vnd nit allein er / ſondern auch ſeiner Mutter hat man den Stroh - ſack vor die Thuͤr geworffen zu einer Straff / ob ſie ſchon fuͤr ſich ſelbſt ein gutes Weibs-Bild war / vmbweilen ſie ihr Kind dem Iſmael nit beſſer erzogen / ſondern ihm garGeneſ. 21. zu vil durch die Finger geſehen. Alſo wird manche Mut - ter auch auß dem Hauß Gottes vnd herꝛlichen Himmels - Saal auff ewig außgeſchloſſen; weilen ſie ihre Kinder nitrecht207ſeinen leiblichen Vatter Ruben.recht aufferzogen. Wen ſoll nit erſchroͤcken der erbaͤrmli - che Vndergang deß Hohenprieſters Heli, der ein Mann war von groſſer Vollkommenheit / auch mit ſondern Lob das Volck Gottes viertzig Jahr regieret hat / gleichwol hat ihn Gott mit dem gaͤhen Todt geſtrafft / vnd wie Greg. Pap. Joan. Chryſoſt. Baſil. Iſidor. Beda, Philippus He - bræ. darvor halten / auch ſeye er ewig verdambt worden / nur darumb / weilen er ſeinen Kindern zu vil nachgeſehen / vnd dero Vbertrettungen nicht geſtrafft.
Die Eltern thun alſo gar offt zu wenig ſtraffen / vnd gar zu vil lieben / ſie ſollen den Iſraelitiſchen Fuͤhrer Moy - ſen nachfolgen / der eineſt in der Wuͤſten ein bitters Waſ - ſer angetroffen / welches er gleich ſuͤß gemacht / ſo bald er ein Holtz hinein geworffen / obs ein Ruthen oder ein Bri - gel iſt geweſt / das weiß ich nit. In dulcedinem verſæ ſunt. Alſo wann ſie ein Kind vermercken / daß es wegenExod. 15. deß Vngehorſambs vnd andern Maͤngel ſie oͤffters erbit - tert / ſo dann ſollen ſie nach dem Exempel Moyſis das Holtz brauchen / vnd zwar das Bůrckene / will verſichern / was vorhero uͤbel geweſt / werde gut ſeyn.
Zu vil / zu vil / zu vil werden die Kinder geliebt. Wie Jeruſalem von Tito Veſpaſiano belaͤgert worden / ware allerſeits in der betrangten Statt groſſes Elend. Erſtlich ſeynd die Hebræer mit groſſer Vngeſtimm oͤffters außge - fallen / die aber alſo von denen Roͤmern begruͤſt worden / daß der Juden in die ſiben vnd neuntzig tauſend gefangen worden / vnd waren diſe Spott-Voͤgel / alſo ſpottwolfeil / daß deren einer vmb ein Haller ſambt den Leibkauff ver - handler worden. Das war ein Elend. Vil tauſend der Juden wolten ſich mit der Flucht ſalviren / ſo aber alle von Arabiſchen vnd Syriſchen Soldaten ertappt / welche ihnen lebendig die Baͤuch auffgeſchnitten / deß Glaubens / als wollen ſie geſchlicktes Geld finden / das war ein Elend! der208Judas der Ertz-Schelm ermordtder gefangenen Hebræer ſeynd alle Tag gegen fuͤnffhundert gecreutziget worden / alſo zwar das gantze Waͤlder zu Creutz Gaͤlgen außgebauet waren / vnd auff die letzt nit der Jud dem Galgen / ſondern der Galgen dem Juden ab - gangen. Das war ein Elend! wie die Statt endlich nach vierthalb Monatlicher Belaͤgerung erobert worden / wa - re ein ſolches Blutvergieſſen / daß / obwollen die Statt allerſeits im Flammen ſtunde / an vilen Orthen das FeurLib. 6. de bellis c. 7. mit lauter Blut geloͤſchet worden. Das war ein Elend! in allen ſchreibt Joſeph ſeynd in die zehenmal hundert tau - ſend Juden zu Grund gangen. Das war ein Elend! aber doch nit das groͤſte / das eyſerſte vnd groͤſte Elend dunckt mich ſeye geweſen der Hunger / alſo zwar / daß ein adeli - che Frau ihr eignes ſaͤugendes Kind gemetzget / kocht vnd geeſſen. O Elend! wir haben / Gott ſeye der hoͤchſte Danck / dergleichen betrangten Zeiten noch nicht erlebt. Aber das Elend / welches ja nit klein / ſehen wir taͤglich / daß etliche Eltern nit auß Hunger / ſondern auß gar vngeordneter Lieb gleichſamb ihre Kinder moͤchten eſſen / deſtwegen all dero dichten / ſchlichten / ſorgen / borgen / lauffen / ſchnauf - fen / ſchauen / bauen / gehen / ſtehen / ſchreiben / treiben dahin zihlt / daß den Kindern wol gehe. Aber laider denckt man nur an dem Leib / vnd nit an die Seel / man ſorgt nur vmb das Zeitliche / vnd nit vmb das Ewige der Kinder.
Bey vilen Eltern gehet der Traum auß / welchen gehabt hat deß Koͤnigs Pharaonis ſein Mundbeck / oder oberſter Pfiſterer / diſem hat getraumbt / als trage er drey Mehl-Koͤrb auff dem Kopff / in dem oberſten aber truge erlauter Semmel vnd Kipffel / die Voͤgel aber fraſſen es. Die zwey Koͤrb waren fleiſſig zugedeckt / worinnen nit vil beſonders / villeicht nur Geſindl Brodt / aber der allerGeneſ. 40. oberſte / in welchem deß Koͤnigs Mund-Semmel / ware offen denen Voͤgeln zu einen Raub. So vnd nit anderſtpflegen209ſeinen leiblichen Vatter Ruben.pflegen vil Eltern zu hauſen / ſie ſchauen auff alle Weeg vnd Steg / wie ſie den Leib der Kinder / ſo ja nur ein ſchwartzes vnd ſperes Hauß-Brodt verſorgen / ſchutzen / verwahren / bedecken / zieren vnd auffbringen / aber die Seel / welche der oberſte Theil / worin / woran das meh - reſte ligt / laſſen ſie vnbewarter offen ſtehen / denen hoͤlli - ſchen Raaben zu einen Raub.
Wann die Eltern ein Kind haben / welches ein Bu - ckel hat / ſo groß wie ein Scherhauffen in Majo; wie ſcha - men ſie ſich ſo ſehr / wanns in den Augen ſchicklet / daß es zwey Buͤcher auff einmal leſen kan / vnd mit einen Aug in die hoͤhe / mit den andern in die nider ſchaut / wie ein Hauß - Ganß. Wie verdruͤſt es ſo ſtarck / wanns auff einer Sei - ten hinckt wie ein Hund / den die Koͤchin mit dem Nudel - walger bewillkommet. Wie ſchmertz nit ſolches die El - tern / wanns im Geſicht ein vngeformbtes Muttermail hat / etwann auff der Naſen ein Kerſchen / daß der Stin - gel ins Maul henckt. Was gaben die Eltern nit darumb daß ein Kernbeiß ſolches Obſt verzehrte. Der geringſte Leibstadl iſt denen Eltern verdruͤßlich / vnd ſucht man Augen-Artzt / Zaͤhn-Artzt / Ohren-Artzt / Naſen-Artzt / Maul-Artzt / Kinder-Artzt vnd Artztin / in allen Orthen vnd Porten / ſolches Vbel zuwenden. Aber wann die Seel iſt wie ein Wuͤſten: wo nit Pachomius, ſondern ein Bauchomius wohnt; wann die Seel iſt wie ein Tem - pel / wo nit ein heiliger Venantius, ſondern ein heilloſe Venus verehret wird / wann die Seel iſt ein Garten / wo - rinnen nit Nuſſen / ſondern Aergernuß / nicht ein riechen - der Salvi, ſondern ein ſtinckende ſalva venia wachſet. Wann die Seel ein Gaſſen iſt / aber nit bey zwoͤlff Apo - ſteln zu Wienn / ſondern im Sauwinckel daſelbſt. Das achten vnd betrachten die Eltern nit / das ſchmertzt ſie nit / wann ein Kind den Fuß bricht / da weinet die Mut -D dter /210Judas der Ertz-Schelm ermordtter / da iſt naͤſſers Wetter als im November. Wanns aber Gott belaydigt / da iſt trucknes Wetter / als im Heu - monat. Das kombt mir juſt vor / als wann einer Ach - tung gabe auff den Schuh / vnd fragt nichts vmb den Fuß / das heiſt die Nußſchalen auffgehebt / vnd den Kern hinder die Thuͤr geworffen / das heiſt die Ducaten außſchit - ten / vnd die Saublatter auffbehalten / das heiſt den Degen verroſten laſſen / vnd die Schaid vergulten / das heiſt die Ganß vor dem Hund werffen / vnd den Flederwiſch auff den Tiſch legen / das heiſt dem Eſau ein Bußl geben / vnd dem Jacob die Feigen zeigen. O bethoͤrte Eltern! ihr ſeyt nit werth / daß ihr Eltern ſolt genennet werden. Wann ihr nit ſeyd wie Abraham vnd Iſaac. Abraham iſt in groͤſten Gnaden bey Gott geweſt / Gott hat ſeinen Saa - men / Stammen vnd Namen vermehret / wie die Stern deß Himmels / vnd den Sand am Uffer deß Meers / er hat ihn gemacht zu einen Patriarchen der Patriarchen. Warumb? darumb / mercks Vatter / gib Achtung Mut -Gen. c. 22. ter / hoͤrt ihr Eltern. Darumb / Quia non peperciſti unigenito filio tuo; weilen nemblich Abraham ſein eini - gen Sohn nit verſchont / alſo meine Eltern verſchont auch euren Kindern nit. Ihr ſolt ſeyn wie der Iſaac. Als ſol - cher alte Taͤttl ſchon gegen dem Abend ſeines Lebens gan - gen / hat er ſeinem Sohn dem Jacob den Vaͤtterlichen Seegen ertheilt / aber den Himmel vor der Erden geſetzet. Geneſ. 27.De rore Cœli, de pinguedine terræ. Gott gebe dir von dem Tau deß Himmels / vnd von der Fettigkeit der Er - den. Alſo ſorgt auch vor allen / wie ihr denen Kindern den Himmel zuwegen bringet / welches geſchicht durch gottsfoͤrchtige Aufferziehung / nachmals kuͤmmert euch erſt vmb das Zeitliche vnd Irꝛdiſche / ſo ihr ihnen wolt verlaſſen.
NAchdeme Judas ſeinen jedoch vnbekandten Vat - ter Ruben vmb das Leben gebracht / hat die hin -Pad D. Ip - polito fal - cone Che - rico Regal. nel ſuo Narciſſo al fonte Par. 2. c. 4. derlaſſene Wittib Ciboria ſolchen vnvermuthen Todtfall auff kein Weiß wollen verſchmertzen / ihr ſelbſt nit allein die Haar neben vngeheurigen Heullen außge - raufft / ſondern auch bey Gericht vmb die billiche Abſtraf - fung diſes Todtſchlaͤgers mit groſſer Vngeſtimme ange - halten. Pilato als damahligen Landpfleger ware nit gar wol vmb das Hertz / vnd tragte hieruͤber nit geringe Sorg / wie er doch diſer Hacken moͤchte ein Still finden; dann die Klag der Ciboriæ konte er nit anderſt / als billichen ohne ſondern Nachtheil der Juſtitz vnd Gerechtigkeit. Den Judam aber als einen ſehr angenehmen Hoffmann zur Straff ziehen / wolte ihm auch hart fallen. Pilatus erſin - net endlich ein anderſt Mittel zuſtillen den Rach vnd Zorn Ciboriæ / vnd tragt ihr mit ſanffter Manier vor / wie das nunmehr ein geſchehene Sach ſeye mit dem Todt ihres Manns / ſie ſolle deſſenthalben nit gantz verzagen / es ſeyn noch vil wackere / junge Geſellen vorhanden / welche ihr ein Stuckbrodt vnd ſtandmaͤſſige Vnderhaltung koͤnnen bey - ſchaffen / vnd weilen ihr Gott genommen / ſo ſolle ſie wi - dernemben / vnd wie ware es Frau / ſagt er / wann euch der Judas ſelbſten gefallen wolt? bey ſolcher Vorwendung hat die Klag ein End / vnd ihr einen jungen wackeren Men - ſchen zu einen Mann. Holla! ſolches Glait hat bald das truͤbe Wetter vertriben / vnd ſich gleich der Sonnenſchein gezeigt. Ciboria williget in die Heurath / vnd iſt ſolcheD d 2inner -212Judas der Ertz-Schelm verheyratet ſichinnerhalb wenig Tagen ohne weiters Bedencken oder Be - rathſchlagen beederſeyts vollzogen worden. Ciboria be - kam alſo mit dem Mann einen Sohn / vnd mit dem Sohn einen Mann; Judas erhielt an dem Weib ein Mutter / vnd an der Mutter ein Weib. So gehts / ſo geſchichts / wan man alſo blind ohne einige reiffe Erwegung / ohne ferneres nachforſchen / ohne bedachtſames nachdencken / ohne weite - ren Berathſchlag / ja ohne Gott / vnd Gottes Seegen da - hin heurathet / keinen andern Zweck ſuchet / als etwann einen viehiſchen Wolluſt / ein glattes Geſicht / oder auch ein geſpickten Beutl / vnd reiches Vermoͤgen. So ge - ſchichts / vnd ſo gehts / wann er nit fragt / wie ſie beſchaf - fen / vnd ſie nit nachforſcht / wie er genaturt. O vngluͤck - ſeeliger Eheſtand!
Etliche vergaffen ſich an der ſchoͤnen Geſtalt / vnd er - wegen nicht / daß ſolche wie Glaß vnd Graß gebrechlich / folgen nach jenen geillen Mißfincken / welche in dem Suͤnd - fluß Gott gebadet hat. Videntes filij Dei filias homi - num, quod eſſent pulchræ &c. Vil anderſt hat gethan der Patriarch Abraham, diſer ſchickte eineſt ſeinen Hauß - Verwalter Eliezer in Meſopotanien / daß er in ſelbigen Land ſeinem Sohn ein Braut außerkuͤſſe / das iſt fuͤrwar ein harte Commiſſion. Der fromme Haußpfleger raiſt in nomine Domini pro Domina. Was gedunckt euch aber / was vor Gedancken er Vnterwegs gehabt habe? etwann / ich will ſehen / daß ich eine bekomb die vil tauſend Gulden reich / wann ſie ſchon nit holdſeelig / ſo ſie nur goldſeelig iſt. Ich will Achtung geben / daß ich eine finde / die wol beſteht im Kaſten / wann ſie ſchon nit gar Caſta iſt / ich will Fleiß anwenden / daß ich eine antriff / die ſteiff Patzen hat / wann ſie ſchon ein wenig Paza iſt / ich willſehen /213ſich ſeiner leiblichen Mutter.ſehen / daß ich eine bekomb die ſchoͤn von Augen / vnd kei - ne glaͤſſerne Wammes-Knoͤpff / ſchoͤn von Stirn / vnnd kein wurmſichtiger Furnier-Laden / ſchoͤn von der Naſen / vnd kein hochangeſehene Rotzfrau / ſchoͤn von Maul / vnd keinen flaubigen Muͤhlbeutl / ſchoͤn von Zaͤhnen / vnd kein laͤhres Meſſer-Gſteck / ſchoͤn von Statur / vnd kein buckel - tes Taſchen-Meſſer: oder ich wil ſehen / daß ich ein Braut bekomme von einem alten Hauß / deſſen An-Herꝛ ſchon laͤngſt das Bergwerck oder Zehet eingenommen von dem Weingarten / welchen Noe gebaut ꝛc. Keinen derglei - chen Gedancken hat der treue Eliezer gehabt. Er iſt gan - gen weder auff Schoͤnheit vnd Wolgeſtalt / weder auff hohen Stammen vnd Aembtern / ſondern allein hat er nach Tugend getracht / die gantze Sach Gott beſohlen / mit dem Zuſatz. HErꝛ die jenige ſoll ſeyn / wird ſeyn / muß ſeyn ein Braut meines jungen Herꝛns Iſaac, welche wird ſeyn tugentſam / welche auß Lieb vnd Hoͤfflichkeit mir vnd den Camelen wird zutrincken geben. Das iſt recht vnd gut.
Im Heyrathen muß man Gemuͤther / nit Guͤter ſu - chen / im Heyrathen muß man Mores vnd nicht Muros anſchauen / im Heyrathen muß man die Tugend / nicht die Tuchet betrachten / im Heyrathen muß man gute Ge - baͤrden / vnd nit gute Geburten erwoͤgen / das haiſt als - dann / nubat in Domino, wie der H. Paulus ſagt / in1. Cor. 7. Gottes Nahmen heyrathen. Nit uͤbel hat jener geredt.
vrſpruͤnglich daher / weilen man gantz vnbedachtſame Hey -De Ma - trim. c. 2. rathen eingehet. Wie dann der gelehrte Jeſuit Stenge - lius bezeugt / daß zu ſeiner Zeit einer Vormittag in den Schulen einen Schilling bekommen / Nachmittag zu Hai - lung ſeiner Schmertzen / habe er ein Weib genommen. Ein ſchoͤnes Pflaſter! ein mancher bey einem Viertl Wein wird mit einer bekannt / vnd verliebt ſich gleich in diſes pollierte Raben-Aaß / daß in einer halben Stund die Bekanntſchafft / vnd Verwandtſchafft ſich vergleichen / auch die Ehe verſprechen / ehender ſie einander recht ken - nen. Ich halt jenen Geſellen / von welchem das H. Evan - gelium regiſtrieret / fuͤr einen thoren vnd alberen Men - ſchen / ja gar fůr einen Haber-Narren / welcher zu dem ſtattlichen Abend-Mahl hoͤfflich eingeladen worden / je - doch nit erſchinen / mit vorgewendter Entſchuldigung / daß er derenthalben nicht koͤnne erſcheinen / vnd auffwar - ten / weilen er ein Dorff gekaufft / vnd alſo vonnoͤthen ha -Luc. 14. be hinauß zu gehen / vnd daſſelbige zu beſichtigen. Du Narꝛ / du ſolſt es vorhero beſichtiget haben / ehe du den Kauff eingangen. Alſo ſoll man wol vorhero alles vmb - ſtaͤndig erwoͤgen / alles mit der Winckel-Maaß außmeſ - ſen / alles reifflich erkundigen / Sitten / Gebaͤrden / Nai - gungen / Beſchaffenheit / Herkommens / Vermoͤgen / vnd forderiſt Tugend vnd Untugend betrachten / erforſchen / entoͤrtheren / ehe man den Handſtraich wagt / den Willen verkaufft / die Freyheit bindet / vnd ſich verehelichet.
Das215mit ſeiner leiblichen Mutter.Das Heyrathen kombt mir vor / wie das Fiſchen. Ein mancher fiſcht / fiſcht vnd fangt / hat das Gluͤck / fangt ein ſtattlichen Hauſen / bekombt ein gute Hauſerin /Prov. 31. vnd Hauß-Wuͤrthin / wie bey Salomone beſchriben wird: Die die Weeg ihres Hauß in Acht nimbt / & panem otioſa non comedit, vnd iſſet ihr Brodt nit im Muͤſſig - gang. Ein anderer der fiſcht / fiſcht vnd fangt / hat das Gluͤck / fangt ein trefflichen Karpffen / ziecht ein guten Rogen / bekombt ein Reiche: Ein anderer der fiſcht / fiſcht vnd fangt / hat das Gluͤck / fangt ein Weiß-Fiſch / aber lauter Graͤtten / bekombt ein Weiſſe vnd Schoͤne / aber ohne Mittl / omnia gratis. Ein mancher fiſcht / fiſcht vnd fangt / hat ein ſchlechtes Gluͤck / fangt ein Ahlen / die ſihet der Schlangen gleich / weſſenthalben ſie alſo genennt wird Anguilla, bekombt ein boͤſe Megœram, die zornig / vnd gifftig / wie ein Schlang. Ein anderer fiſcht / fiſcht vnd fangt / was? einen Tuͤck (eſt certa ſpecies piſcium in Danubio) bekombt ein duͤckiſchen Puͤffel / welche kein Cartheuſeriſch / ſondern kahlmaͤuſeriſch Stillſchweigen hat / ein teutſcher Muffti.
Das Heurathen kombt mir vor / wie das hoͤben im Gluͤcks-Haffen; ein manche die hoͤbt / hoͤbt herauß ein Zettel mit numero 20. das iſt ein ſchoͤner ſilberne Schreib - zeuͤg / bekombt ein Seeretari, der die Feder in der Hand / vnd die Fluͤgl am Wammes tragt. Ein andere die hoͤbt / hoͤbt herauß ein Zetl mit num. 16. bekombt ein helffenbai - nenen Kampel / ertappt einen ſolchen / der ſie alle Tag grob abkaͤmplet / bey dem ſie an ſtatt deß Capital / Capitl einnimbt / ein andere die hoͤbt / hoͤbt herauß ein Zetl mit num. 21. ertappt nichts als ein Badſchwamm / bekombt einen ſolchen verſoffenen Geſellen / der alleweil will ſauffen wie ein Schwam. Ein andere die hoͤbt / hoͤbt herauß ein Zetl mit num. 9. ertappt nichts als ein Baſchwuͤrffel /bekombt216Judas der Ertz-Schelm verheurathet ſichbekombt einen Spillumpen zu einen Mann / der bey der Schellen-Sau wenig Speck erſparret. Da heiſt es aller - ſeits.
O haͤtte ich das gewuſt!
Ein mancher verblendt ſich / vnd verbrennt ſich nur an der ſchoͤnen Geſtalt / da doch das gemeine Sprichwort vns erinnert / die Schoͤnheit vergeht / die Tugend beſteht. Ja wan die ſchoͤne Geſtalt der Menſchen beſchaffen waͤren / wie der Iſraeliter ihre Kleider / dazumahlen wie ſie von Moyſe auß Egypten gefuͤhret worden / waͤren ſolche Geſichter Krammer noch in etwas zu entſchuldigen / dann viertzig gantzer Jahr durch ein ſonders Wunderwerck haben die Iſraeliter von ihren Kleidern nit ein Faden zerriſſen oderDeut. 29. verſehrt / non ſunt attrita veſtamenta eorum. Aber mit der ſchoͤnen Geſtalt hat es weit andere Eigenſchafft / dann man bleibt nicht alleweil zu Schoͤnau / man kombt auch nacher Braunau / man bleibt nicht immer zu Glatz in Schleſien / man kombt auch nacher Zwifalt in Schwaben. Freylich wol ſeynd ſchoͤn die guldene Haarlocken / aber nit dauerhafft / mit der Zeit thut auch der Kopff mauſen / wie ein alte Bruth-Henn. Freylich wol ſeynd ſchoͤn die ſchwartze Augen / aber nit beſtaͤndig / mit der Zeit werden ſie rinend vnd roth wie die Cyprianiſche Tauben haben. Freylich wol ſeynd ſchoͤn die rothe Wangen / aber nit be - ſtaͤndig / mit der Zeit werden ſie einfallen / wie ein außge - pfifſener Tudlſack. Freylich wol iſt ſchoͤn ein weiſe vnd gleichſamb alabaſterne Naſen / aber nit beſtaͤndig / mit der Zeit wird ein alter Calender darauß / worinnen ſtaͤts feuch - tes Wetter anzutreffen. Freylich wol iſt ſchoͤn ein Coral - lener Mund / aber nit beſtaͤndig / mit der Zeit ſihet er auch auß / wie ein gerupffte Blaumaiſen. Freylich wol ſeynd ſchoͤn die ſilberweiſe Zaͤhn / aber nit beſtaͤndig / mit der Zeit werden auch geſtumpffte Pallaſaten darauß. Frey -lich217mit ſeiner leiblichen Mutter.lich wol iſt angenemb die ſchoͤne Geſtalt / aber halt nit be - ſtaͤndig / ſie geht mit der Zeit auch zu Truͤmern / wie die Alabaſterne Buͤchſen der Magdalenæ. Aber die Tugend beſteht / die Schoͤnheit vergeht. Ein mancher aber ver - maulafft ſich nur an der ſchoͤnen Geſtalt / verliebt ſich an die Schallen / vnd weiſt nicht wie der Kern / vernarꝛt ſich in die Schaid / vnd weiſt nit wie der Degen / verliehrt ſich an der Haut / vnd weiſt nit / wie die Braut / bekombt ein herꝛliche / aber kein ehrliche. Ein ſolches ſchoͤnes Weib iſt wie die Apodecker Pillulen außwendig vergult / ſchoͤn; einwendig pfui di. Ein ſchoͤnes Weib ohne Tugend iſt wie ein Buch ſchoͤn eingebunden / aber einwendig ein laͤh - res Regiſter. Ein ſchoͤnes Weib ohne Tugend / iſt halt ein guldener Becher / vnd ein ſauerer Landshuter Wein darin: ein ſchoͤnes Weib ohne Tugend iſt halt ein gefuͤrnei - ſtes Toback-Puͤchßl / ein mancher bekombt ein ſolche ſchoͤ - ne / die aber vnrugentlich / eine freundliche / aber mit Ge - fabr / daß ſie nit ihrem Mann das Tuͤrckiſche Wappen auff den Kopff ſetze. Sie macht thm ein Lateiniſch V auff die Stirn / vnd ſie buchſtabirt das Et Cætera. Sie macht ihn den hoͤfflichen Mann zu einen Kirchen Thurn Knopff /Stengel. P. 2. c. 51. worauff ein Haan ſteht. Zu Brundrut iſt ein ſolches Kind gebohren / welche ſeines Vatters Namen gantz na - tuͤrlich hinter den Ohren von Mutterleib gebracht ge - bracht / wann das allezeit geſchahe / waͤre mancher Schlep - ſack behutſamer. Ein ſolcher iſt ja ein ellender Tropff / der an ſeinen Weib hat / was Servius Sulpitius an ſei - ner Poſthumia, Aulus Gabinius an ſeiner Lollia, M. Craſſus an ſeiner Tertullia. Cn. Pompeius an ſeiner Mu - tia. Welche alle nit Eheloß / ſondern Ehrloß ihrer Treu vergeſſen. Ein ſolcher verachter / verlachter Tropff / ver -Sueton. lib. 2. hoͤnter / geeroͤnter Actæon ſchambt ſich nicht wenig / kum - mert ſich nit wenig / ſeufftzet nit ſelten.
E eO haͤtte218Judas der Ertz-Schelm verheurathet ſichO haͤtte ich das gewuſt!
Du mein ſauberer Corneli haͤtteſt nit alſo ſollen gaͤch drein blatzen / dich fein vorhero wol erkundigen / dich nicht gleich in die Schoͤnheit verlieben / wie der Eſau in das Linſenkoch / nicht gleich nach der Schoͤnheit dappen / wie die Eva vmb den Apffel / haͤtteſt du zuvor von fern / vnd nachend weißlich nachgeforſcht / wie diſe beſchaffen ſey / ob ſie dich nur wegen deiner guten Mittel nembe / uͤbri - gen fals in einen andern veramorirt / ſo waͤreſt anjetzo nit ſo ſpoͤttlich mit einer Hirſch Parocken verſehen. Darumb
Ein manche arme Haut bekombt ein Mann / vnd widerfahrt ihr / was den Graͤtzeriſchen Landgutſchern wi - derfahren / welche allemahl zu Wienn bey dem wilden Mann einkehren in der Caͤrnerſtraſſen / alſo wird das Wuͤrthshauß genennt. Sie bekombt einen Mann einen ſolchen groben Gſellen / der beſchaffen / wie St. Gallus Tag im Baurn-Calender / dort iſt ein Beer gemahlen. Diſer Pengl iſt weit anderſt als ein Engel / dann der En - gel / das Jahr einmahl oder zweymahl mit dem Stecken uͤber den Schwemb-Teich kommen zu Jeruſalem; aber diſer Rippels kombt faſt alle Tag mit Pruͤgeln. Wol recht haiſt ein Mann auff Hebraiſch Bachal / auff Griechiſch Anirakitis, auff Waͤlliſch Marito, auff Frantzoͤſtſch Ma - ri, auff Spaniſch Marido de Muger, auff Pollniſch Zo - neck, auff Vngeriſch Feriur, auff Lateiniſch Maritus, welches Wort etwann herſtammet von dem Woͤrtl Ma - re, ſo ein bitteres Meer heiſſet. Freylich wol iſt einer ſol - chen armen Haut das Heurathen verſaltzen / wann er ihr immerzu die ultra marin Farb in das Geſicht ſtreicht / vnd ſich noch deß Fauſtrechts haltet / wie es jener ergangen. Diſe war ein Wittib / vnd traumte ihr von nichts meh -rers /219mit ſeiner leiblichen Mutter.ters / als von heurathen. Weſſentwegen ſie zu dem Herꝛ Pfarrer zu Rath gangen / welcher ihr dann als beſcheider vnd beſchaydner Mann noch eingerathen / noch abgera - ten / ſondern die Sach ihren freyen Willen uͤberlaſſen / ihr meiſtes vorbringen iſt geweſt / wegen deß Knechts / der da ſehr hipſch / jung vnd freundlich / zu dem hatte ſie all ihr Abſehen / vnd ein groſſe Naigung / damit dann der Herꝛ Pfarrer diſes Weibs loß wurde / gab er ihr nachfol - genden Rathſchlag / wie daß ſie ſich nach dem Glocken - ſchall / ſo man wird in die Kirchen leitten / koͤne richten; dafern die Glocken ſollen gutheiſſen ihr Vorhaben / ſo ſoll ſie im Namen Gottes heurathen. Die etwart kaum den naͤchſten Sontag; vnd als man mit zwey Glocken zu den Kirchen Dienſt gelitten / ſo kam ihr vor / als gaben die Glocken keinen andern Hall / vnd Schall / als diſen. Nimb den Knecht; nimb den Knecht. Wor - uͤber ſie dann mit ihrem Knecht ſich verheurathet. Aber bald hernach erfahren / daß ſie auß einer Frau ein Magd worden; maſſen diſer grobe Knoll faſt taͤglich ihr fuͤnff Finger Kraut auffs Maul gelegt / ja es ware alle Tag bey ihm Donnerſtag / allwo es auch oͤffters eingeſchlagen / man ſahe ihrs gar wol im Gſicht an / daß ſie ihrem Mann gar faſt an die Hand gehe / welches dann ihr nit wenig Seufftzer auß dem Hertzen erpreſt / auch ſolches klaͤglich dem Herꝛn Pfarrer vorgebracht vnd vorgeropfft / wie daß er ihr ein ſo uͤblen Rath haͤtte ertheilt. Welcher aber ſehr witzig geantwortet / daß ſie nit haͤtte ſollen dem Gleitt der zwey Glocken folgen / ſondern haͤtte warthen ſollen / biß man zuſammen mit drey Glocken haͤtte geleitt / nachmals waͤre kem anderer Schall zuvernehmen geweſt / als diſer nimb nit den Knecht / nimb nit den Knecht / wie offt waͤre auß ihr zuhoͤren;
E e 2O haͤtte220Judas der Crtz-Schelm verheurathet ſichO haͤtte ich das Ding gewuſt?
Du mein groſſe Naͤrrin haſt die Sach gar zu ohnbe - ſunnen angefangen / in dem du nur allein erwegt haſt das rothe Fleſchmaul / ſolſt dir nit eingebildet haben / daß ſich Kapauner-Fleiſch / vnd Kuͤhe-Fleiſch in einem Hoͤffen nit gleich ſieden / ſoll dir nit eingefallen ſeyn / daß ſich der alte Calender mit dem neuen nicht vergleiche / haͤtteſt du nit ſollen dencken / das Neuenmarckt vnd Altenmarckt im Bayrn weit von einander / daß ihr alte kalte Spital-Wahr euch nur ſo gern in die neue Kram miſchet. Ihr wiſt wol / daß Seneca kein angenember Author fuͤr einen jungen Bueben / der noch mit der Naſen auff den Wammes-Er - mel ſchreibt. Ihr koͤnt euch einbilden / vnd muſt euch vor - bilden / daß ein ſolcher nur das euere / nit aber euch lieb habe.
Mancher bekombt ein Weib / die einen Manns - Nahmen hat / nemblich Swighardus, auff teutſch ſchweig hart. Am heiligen Pfingſttag hat ein jeder Apoſtel zwey Zungen gehabt / eine war im Mund / die andere ober dem Haupt / benanntlich der H. Geiſt in Geſtalt einer feuri - gen Zungen. Aber diſes vernuͤnfftige Murmel-Thier hat an einer Zungen zu vil. Andere Muͤhlen haben bißwei - len einen Feyrtag / abſonderlich im Winter / wann der Bach gefrohren / oder im Sommer / wann das Waſſer nicht die Waſſerſucht / ſondern die Schwindſucht bekom - met / aber das Muͤhlrad in ihrem Lauf gehet immerzu. Ihr Katzen-Muſie hat faſt nie kein Pauſam, ſie haͤtte gut zu einen Stund-Außruffer taugt / dann ſie haͤtts nie verſchlaffen. Deſtwegen kein Wunder / daß man nach - mahls mit ſolchen Weibern vmbgehet / wie mit der Stu - ben-Thuͤr / wann ſolche garretzt / vnd kuͤrret / ſo ſchmierbtmans /221mit ſeiner leiblichen Mutter.mans / alsdann ſchweigt der Thuͤr-Angel ſtill. Derglei - chen Thuͤr-Geſchwoͤll hatte einer in Niderland / welcher aber ihr wegen deß ſtaͤtten Zancken oͤffters den Rucken nit mit dem Beſen (ſie ware ohne das boͤß genug) ſondern mit Beſenſtill wacker abgekerꝛt / der gaͤntzlichen Mai - nung / der Still mache ſtill. Solcher Holtz-Marckt wol - te dem vnbaͤndigen Weib gar nit gefallen / ſuchte demnach bey anderen Nachbarinen einen Rathſchlag / wie ſie doch moͤchte ſo vilfaͤltige Kopffſtuck / welche ſie von ihrem Mann empfangen / mit gleicher Muͤntz bezahlen / die dann ſehr ernſtlich zu Rath gangen / vnd endlich alſo geſchloſ - ſen. Sechs auß ihnen wollen ſich beklayden / wie die hei - lige Jungfrauen im Himmel / vnd beynebens mit guten Bruͤglen wol bewaffnet / in der Kammer ſich verbergen / nachgehends auff dero Anruffung erſcheinen / vnd diſen knoperten Geſellen wol mit Holtz-Biern tractieren. Der Handl nimbt ein gute Anſtalt / vnd da ſolcher nach Hauß kommen / fangt ſie ihn gleich anzublaſen / doch nit ſo lieb - lich / wie die Thurner zu Ingolſtatt / vnd weilen ſie ihm die Schmachwort ſub ritu duplici abgeleſen / als konte er nit anderſt / als ſein huͤltzernes Recept ſuchen / diſes Gall - fieber ſeines Weibs zu curieren / auff den erſten Straich rufft ſie alsbald gegen Himmel / die Heiligen wollen ihr beyſpringen / vnd kaum daß ſie geſchryen meine ſechs heili - ge Patroninen / helfft mir / ſo ſeynd alſobald die ver - klaydte Heylloſe zu der Kammer-Thuͤr herauß gewiſcht / vnd vnverzagt darein geſchlagen / daß dem Mann der Bu - ckel geſtaubt / vnd dergeſtalten abgeknittlet / daß ihm ſchier alle Bainer zu Kruſpel worden. Nachdem nun eine nach der anderen wider verſchwunden / ſo fallt er noch ſeinem Weib zu Fuͤſſen / ſprechend / ſeye dir tauſendmahl danckt / mein Weib / GOtt vergelt dirs / mein Schatz / daß es al - ſo noch abgeloffen. Wann du die H. Urſula mit ihrerE e 3Ge -222Judas der Ertz-Schelm verheurathet ſichGeſellſchafft haͤtteſt angeruffen / ſie haͤtten mich zu todt gebruͤglet. Ich Verkauff diſe Wahr fuͤr kein Warheit / gleichwol aber klagt mancher Mann / daß er ein ſtaͤtten Krieg mit ſeinem Weib fuͤhre / vnd glaube ehe ein Armi - ſtitium zwiſchen Hund vnd Katzen / als zwiſchen ihnen / die Koͤpff ſehen zuſammen / wie deß Kayſers ſeine Adler. Deſtwegen ſeye auch kein Seegen Gottes im Hauß / maſſen bekannt / daß GOtt in die Welt kommen / vndMartyr. Rom. auff die Erd herunder geſtigen / toto orbe in pace com - poſito: da die gantze Welt im Friden ware. Wie offt haiſt es dann?
O haͤtte ich das gewuſt!
Du vnbeſunnener Giſpel / du ſolſt in dem Fall nach -Num. 13. gefolgt haben dem Moyſi / welcher nit gleich den geraden Weeg ohne weiters Bedencken dem gelobten Land zuge - ruckt / ſondern bevor etliche dahin geſandt / ſeines Erach - tens geſcheide Maͤnner / welche alles daſelbſt wol ſollen außſpehen / vnd betrachten. Du haͤtteſt ſollen handlen2. Joſue 1. wie der beruͤhmte Kriegsfuͤrſt Joſue, der nicht gleich mit der Armee / vnd gantzem Kriegs-Heer vor die Statt Jeri - cho kommen / ſelbige zu belaͤgeren / ſondern er hat vorhe - ro zwey wackere Maͤnner dahin geſchickt / welche alles vnd jedes gar genau ſollen beſichtigen / vnd verkundtſchafften. Ja du haͤtteſt ſollen vor allen GOtt den Allmaͤchtigen betrachten / welcher den Adam als erſten Weltpfleger kein Weib wolte geben ohne vorgehendes Bedencken / vnndGen. 2. reiffer Erwoͤgung aller Umbſtaͤnd. Es iſt nit gut / daß der Menſch allein ſeye / laſſet vns ihm ein Gehilffe machen / die ihm gleich ſeye. Alſo haͤt - teſt du auch zuvor alles wol beym Liecht ſollen beſchauen / ſo waͤreſt du nicht alſo hinder das Liecht gefuͤhret worden / nit gleich in einem Tag innerhalb wenig Stunden denKauff223mit ſeiner leiblichen Mutter.Kauff machen / welchem nachmahls ein ſo langer Reuͤ - kauff folget. Dann
Was leydet nit ein ſolche arme Julia bey einem ſol - chen October. Den erſten Tag hat Gott der Allmaͤchtige das Liecht erſchaffen / den andern das Firmament / den dritten die Erd ſambt allen Kraͤutern vnd Pflantzen / den vierdten Sonn / Mond vnd Stern / den fuͤnfften Tag hat Gott der HErꝛ die Fiſch vnd Voͤgel auß dem Waſſer er - ſchaffen. Producant aquæ. Gott ſprach: die WaͤſſerGeneſ. 1. bringen kruͤchende Thier herfuͤr / die ein leben - dige Seel haben / vnd das Gefluͤgel auff Er - den vnder dem Firmament deß Himmels. So ſeynd dann das erſtemal die Voͤgel auß dem Waſſer kommen? ja jetzt aber hat es ſich alles vmbkehrt / der Zei - ten kommen die aͤrgeſte Voͤgl / ja die ſchlimeſte Galgen - Voͤgel auß dem Wein / aller maſſen die Trunckenheit ein Wurtzel alles Vbels.
Der heilige vnd groſſe Kirchenlehrer AmbroſiusLib. de E - lia & je - junio c. 14. ſchreibt / vnd beſchreibt / wie die Vollſauffer beſchaffen ſeynd. Incerti illi viſus, inſtabilis greſſus, umbras ſæ - pè tranſiliunt ſicut foveas, nutat his cum facie terra, ſubitò erigi & inclinari videntur, & quaſi vertantur, ti - mentes in faciem ruunt, & ſolum manibus apprehen -dunt:224Judas der Ertz-Schelm verheurathet ſichdunt: Welches auff teutſch ſo vil iſt / ein voller Mann der ſicht auß ſo wild / wie ein abgebrennte Glaß-Huͤtten / ſeine Haar ſeynd ihm zerritt / wie ein alter Roß-Kotzen / er hat ein Naſen die iſt roth / wie ein Feyertag im Baurn - Calender / er hat ein Maul / das iſt ſo ſchmutzig wie ein alter Faimb-Leffel / er hat ein baar Backen die brinnen / wie ein Preuſiſch Leder / er geht mit den Fuͤſſen ſo gerad: wie die Donau zu Dillingen / er haſpelt mit den Haͤch - ſen / als wolte er von vnden auff das Weber-Handwerck lehrnen. Er groͤpetzt / vnd ſingt ſolche Magen-Driller / daß man auß diſem Tiſch-Gloͤckel leicht kan abnemmen / man werde bald fuͤr die Saͤu anrichten. Pfuy du Sau - Narꝛ! heiſt das nit das Ebenbild Gottes / welches der Allerhoͤchſte ſo kuͤnſtlich verfertiget / in das Kott werffen? vnd neben allen diſen was Vbel entſpringt? was Vbel? Das hat Herodes erfahren. Was Vbel? das hat erfah - ren Holofernes. Was Vbel? das hat erfahren Loth. Was Vbel? das hat erfahren der Kayſer Zeno, der Koͤ - nig Alexander Magnus, der Fuͤrſt Udo, &c. vnd vil tau - ſend andere mehr. Was groſſes Ubel? das erfahrt man - che arme Troͤpffin / welche ein ſolche Weinfalter gehey - rathet / der von einem Wuͤrthshauß in das andere fliegt.
Alt iſt die Hiſtori / bekannt iſt die Geſchicht / außge - ſchryen iſt die Begebenheit / welche ſich mit dem guten Alt-Vatter Noë zugetragen. Boetius war der erſte / der die Schueh gemacht. Paulinus war der erſte / der die Glo - cken erfunden: Berchtoldus Niger war der erſte / der das Geſchuͤtz erdenckt. Palamedes war der erſte / ſo die Wuͤrffel auffgebracht: Noë war der erſte / ſo ſich im Wein vollgetruncken. Was iſt ihme aber deſſenthalbenGeneſ. 9. geſchehen? Nudatus in tabernaculo ſuo. Spoͤttlich iſt er entbloͤſt worden. Diſe Entbloͤſſung iſt berkommen von der Trunckenheit: Aber ſag her / wie kombts auch / daßman -225mit ſeiner leiblichen Mutter.mancher an Mittlen entbloͤſt wird? die Sau ziecht den Zapffen / der Beutl wird eytl / Weib vnd Kinder ſehen auß / wie die Arbeit bey dem Bain-Traͤxler / Hauß / Kam - mer vnd Zimmer ſeynd auffgeputzt / wie die Altaͤr am Charfreytag / der zuvor ſo wol geſtanden / iſt anjetzo aller Mittl entbloͤſt. Jene Knaben / welche den Propheten Eli - ſæum geſpoͤttlet / ſeynd von denen Beern zerriſſen wor - den. Mein lieber Maiſter Matthe / vnd Barthlme / mein lieber Maiſter Gregori, vnd Honori, mein lieber Mann Jeremias, vnd Zacharias, wie geht es dir vnd den deini - den ſo ſchlecht? ich glaub allen Anſehen nach / dein Wuͤrth - ſchafft thue uͤberauß ſtarck mauſen / du muſt einen from - men Wandel fuͤhren / daß deine Kinder alle Baarfuͤſſer Ordens werden / es hat keines kein Schuh anzulegen / vnd druckts doch der Schuh allenthalben: deine Kleyder ſeynd nach der alten Modi gemacht / doch mit dem Vnderſchid / das jene zerſchniden / die deinige aber zerriſſen. Wer hat dich alſo zugericht? ich wolt es wol errathen / wann du es mir nit wilſt vor Vngut auffnemben. Gleichwie die4. Reg. 2. Beern jene Kinder zerriſſen / welche den Eliſæum fuͤr ei - nem Kahlkopff außgeſchendet / alſo haben dich auch die Thier vnd Beern zugericht / der ſchwartze Beer in der Vor - ſtadt / der guldene Beer in der Herꝛn-Gaſſen / der blaue Beer in der Gmeinſtraſſen; will ſagen die Wuͤrths-Haͤu - ſer mit diſen Schilten / haben dir alſo geſchadet. Darumb kanſt du mit andern / vnd andere mit dir ſingen.
‘Dives eram dudum, fecerunt me tria nudum, Alea, vina, venus tribus his ſum factus egenus. ’ ()Deſſentwegen hat einmahl ein Bettler von einem Haußherꝛn ein Allmoſen begehrt / welcher dazumal gleich auff dem Beth lage / vnd dem armen Mann die Antwort geben / er wolt ihm von Hertzen gern etwas mittheilen / aber koͤnne nit auffſtehen wegen gar zu groſſen Kopff - Schmertzen / auß was Vrſach fragte der Bettler? deme er geantwort / wie daß er ſich geſtern uͤberweindt. O! wan das iſt mein Herꝛ / ſo trinckt euch heut wider voll / es hilfft. Ja ſagt der Herꝛ / Morgen werde ich mehrmahlen die Schmertzen empfinden. Ey! widerſetzt der Bettler / Morgen muͤſt ihr euch mehrmahlen vollſauffen. Auff ſolche Weiß aber kan ich auch uͤbermorgen das Kopffwe - he nit entgehen. Boſſen / ſagt der Bettler / uͤbermorgen muͤſt ihr euch abermahlen einen dicken Rauſch antrincken. Was wird aber endlich darauß werden? ſagt / vnd fragt der Haußherꝛ. Deme der Bettler; ja ihr werdet halt ein ſolcher armer Narꝛ vnd Bettler werden / wie ich bin; dann ich war vor diſem auch bey guten Mittel / aber die oͤfftere Vollheit hat mich alſo laͤhr gemacht. OperariusEccl. 10. ebrioſus non locupletabitur. Wann nun ein Weib ei - nen ſolchen Wein-Egl / vnd Wein-Igl bekombt / wie offt verurſacht ihr der Wein das Weinen. Wie offt haiſt es.
O haͤtte ich das gewuſt!
Aber du mein bethoͤrte Haut / haſt dir diſen Nagel ſelbſten geſpitzt / in den du getretten / du haſt dir diſen Zwiffel ſelbſt ziglet / der dir ſo offt das Waſſer auß den Augen locket / du haſt dir diſes Feur ſelbſt gelegt / welches anjetzo alles das deinige in dem Aſchen gelegt. Du haſtweder227mit ſeiner leiblichen Mutter.weder Gott / noch den Naͤchſten auch ſo gar deine eigne Eltern nit befragt / ſondern darhin geheurathet / als waͤ - ren dir die Schwalmen uͤber die Augen kommen wie dem Tobiæ. Haͤtteſt fein weißlich nachgefragt / ob diſen nit allzeit traume wie dem Mundſchencken deß Koͤnigs Pha - raonis von dem Reben-Safft. Haͤtteſt du nachgeforſchtGen. 40. ob diſer nit oͤffter in der Bibiotech als Bibliotech anzu - treffen / ſo waͤreſt du alſo hinder die Warheit kommen. aber der blinde Bueb ohne Schuh gab dir kein Ruhe. Jetzt iſt es geſchehen / ein anders mahl bedencks wol / vnd nicht gleich oben hin / wie die Hund auß dem Fluß Nilo trincken.
Zwiſchen den Ehe-Leuthen ſoll es hergehen / vnd ein Beſchaffenheit haben / wie bey der Allerheiligiſten Drey - faltigkeit / dann daſelbſten / werden drey Perſohnen ge - zehlt / vnd doch nur ein Gott. Alſo wann ſchon der Ehe - ſtand in zwey Perſohnen beſtehet / ſo ſoll doch gleichſam nur ein Hertz ſeyn / vnd ein Gemuͤth / ja die groͤſte Einig - keit vnder ihnen ſeyn. Der Eheſtand iſt dißfals wie ein Granat-Apffel / diſe ſchoͤne Frucht tragt uͤber ſich ein Cron / ſo lang der Apffel gantz verbleibt. So bald er aber ſich zerſpalt / ſo iſt die Cron hin. Alſo wie lang die zwey vereiniget ſeyn / ſo lang haben ſie gleichſamb eine guldene Cron / fuͤhren ein gutes Regiment / ſo bald ſich aber ein Zwiſpalt ereignet / ſo iſt alles hin. Wol iſt zu erwegen / daß die Enge! den Loth ſambt Weib vnd Kinder auß der ſuͤndigen Statt Sodoma gefuͤhret haben / jedoch nur den Loth angeredet / er ſoll nit vmbſchauen. Noli reſpicereGen. 19. poſt tergum. Weilen nun ſolches Gebott auch das Weib getroffen / warumb daß die Engel nit ſagen. No - lite reſpicere poſt tergum. Schauet nit hinder euch. F f 2Da228Judas der Ertz-Schelm verheyratet ſichIn Evang. tom. 3. cap. 10.Da antwortet der gelehrte Silveira. Wie das die liebe Engel der Mainung geweſt ſeyn / als waͤren diſe zwey Ehelcuth ſo vereinigt / als ſeyn ſie gleichſamb nur eins. Freylich wol ſoll ein ſolche lob-vnd liebreiche Einigkeit ſeyn / aber layder! erfahrt man oͤffter das Widerſpil / vndMarineus l. 11. Rer. Hiſp. zertrent ſolche nit ſelten die ſchmertzliche Eyferſucht. Wie in Spanien die Statt Gerunda vom Carolo Koͤnig in Sicilien, vnd Philippo Koͤnig in Franckreich erobert wor - den / wolten die Frantzoſen das Grab deß H. Narciſſi be - rauben. Seynd aber von diſen ihren gottloſen Vorhaben abgetriben worden durch ein vnzahlbare Menge der Mu - cken / welche wunderbarlicher Weiß auß dem Grab deß H. Narciſſi herauß geflogen. Diſer kleine Feind mit ſeinen kaum ſichtbaren Stilleth hatein groſſe Anzahl der Frantzo - ſen erlegt / die uͤbrige alle ſpoͤttlich in die Flucht gejagt; alſo daß annoch bey den Herren Spaniern das Sprich - wort laufft; die Frantzoſen foͤrchten ſich von denen Spa - niſchen Mucken. Den H. Narciſſum haben die Mucken defendirt, aber ein mancher Narꝛ hat Mucken / vnd macht ihm Mucken / die ihn nur offendiren / vnd ſolche Mucken ſeynd das mehreſte wegen der Eyferſucht. Da ſoll ſie alle - weil hinter dem Offen hocken / wie ein Bayriſcher Gogl - hopf. Sie ſoll ſich das Jahr nur einmahl ſehen laſſen vor andern wie ein Balm-Eſel. Sie ſoll nichts reden / als haͤt - te ſie auff die Cartheiſer Regel Profeſſion gemacht. Alle Schritt vnd Tritt kommen ihm verdaͤchtig vor / wann ſie nur einmal ſeufftzet / ſo winſcht er ſchon / der Seuffer haͤt - te Schellen / oder Gloͤckl an / wie die Schweitzer-Kuͤhe / damit er wuſt / wo er hingehe / er lad niemand ins Hauß / er leit niemand im Hauß / er macht ihm tauſend Mu - cken. ꝛc.
Ein ſolcher iſt geweſt Ludovicus Severus Hertzog in Bayrn / welcher ohne allem Grund ſeyn Frau Gemah -lin229mit ſeiner leiblichen Mutter.lin Mariam, als ein hohe Princeſſin von dem Stammen - Hauß der Fuͤrſten in Brabant, in einen gottloſen Ver - dacht gezogen wegen eines Schreiben zu Ruchonem den Graffen. Alſo zwar / daß er auß Ubergwalt der Eyffer - ſucht in einen Zorn / von dem Zorn in ein Furi / von der Furi in einen fuͤnfffachen Todtſchlag gerathen / dann er nit allein vier andere ſeines bethoͤrten Wahns nach be - ſchuldigte Perſonen hingerichtet / ſondern auch ſein Hoch - fuͤrſtliche Gemahlin von deß Henckers Haͤnden / ob ſie ſchon die Unſchuld ſelbſten war / tyranniſch enthaupten laſſen zu Donawerdt; Die folgende Nacht darauff iſt er dergeſtalten thails vom aignen Gewiſſen / thails auch durch den Geiſt Mariæ ſeiner Gemahlin alſo geplaget / vnd beaͤngſtiget worden / daß er als ein junger Fuͤrſt mit 26. Jahren ſchlaffen gangen / aber zu Morgens als ein ſechtzigjaͤhriger Taͤtl gantz Eyßgrau auffgeſtanden / wel - cher nachmahls zu einer Buß / ſo ihme Pabſt Alexander der Vierdte aufferlegt / das ſtattliche Ciſtertzienſer CloſterRader. P. 2. Bavar. Sanct. An - nal. Erd - for. 1275. Fuͤrſtenfeld zwiſchen Augſpurg vnd Muͤnchen erbaut / vnd mit groſſen Renten verſehen. Da ſicht man / was nit ſolche eyfferſuͤchtige Mucken fuͤr ein Gewalt haben.
Dergleichen Mucken hat auch gehabt jener Rhein - Graff / welcher auß uͤblen Verdacht einen edlen Ritter enthaupten laſſen / vnd nachgehends den Kopff ſeiner Frauen / als einer vermainten Ehebrecherin / ein gantzes Jahr hindurch an den Halß gehenckt / welchen nachmahls der H. Ulrich Biſchoff zu Augſpurg wunderbarlich befoh - len / er ſolle die Warheit offenbahren / worauff die ſchon verfaulte Zung diſe klare Wort / ſo von viertzig anderen Beyweſenden verſtanden worden / offentlich geſprochen. Ego cum hac fœmina non peccavi: Ich hab mit di -Steng. in mundo Theor. P. 3. c. 34. ſem Weib nit geſuͤndiget. Nit vil anderſt hat ſich ver - halten jener reiche Burger / mit Nahmen ChriſtophorusF f 3Bon -230Judas der Crtz-Schelm verheurathet ſichBongartner, Anno 1528. zu Baßl in Schweitzerland / welcher uͤber allemaſſen geeyffert mit ſeinem Weib / vnd da er eineſt ein ſeidenes Band an ſeinem Diener erſehen / welches er glaubte / als ſeye es ſein geweſen / vnd das Weib diſes dem Diener geſpendiert. Diſes hat ſeine Mu - cken dergeſtalten vermehrt / daß er ſein ſchwangeresSurius in Chron. An. 1528. Weib ermordt / ſein kleines Toͤchterl erwuͤrget / vnd nach dem er einen Brieff verfertiget zu dem Senat daſelbſten / hat er ſich von den oberſten Gaden ſeines Hauß auff die ſtainige Gaſſen herunder geſtuͤrtzt / vnd den Halß gebro - chen. Das ſeynd die ſaubere Fruͤchten der Eyfferſucht: Solche Brunſten erwecket der Sathan durch die wintzig - ſte Funcken; weilen er nichts anderſt ſucht / als die Einig - keit im Eheſtand zu zerſtoͤhren / welche allweg ſoll verblei -Matth. 27. ben / wie der Under-Rock Chriſti deß HErꝛn / der da ohne Nad / ſondern ein gantz vereinigtes Klayd / vnd ſolchem wolte Gottes Sohn nit zulaſſen / daß er zerthailt / oder zertrent werde.
Von dergleichen Mucken ſeynd ſehr vil Weiber auch nit befreyt. Ja diſe kommen mir vor / wie die Froͤſch im Sommer / diſe gruͤnhoſende Lacken-Treſcher verbrin - gen ja ein verdrießliche Muſte / die mehreſte Zeit / wann ſie auff einem moſigen Geſtatt eines Fiſch-Weyers oder Teicht ihr Pfund-Goſchen auffſperren / daß faſt der Kopff nit ſicher iſt / daß er nit zum Maul hinauß falle; ſie ma - chen ſolche Driller in ihrem Geſang / daß gegen ihnen ein kropffeter Pintzger ein lieblicher Amphion im Singen ſcheint zu ſeyn / vnd ſo vil man den Text ihres liederlichen Lieds verſteht / ſo quagetzen ſie nichts anderſt als gib acht / gib acht / gib acht. Der eyfferſichtige Wei - ber-Gedancken redet nichts anders / als eben diſe Froͤſch - Sprach gib acht. Wann der Mann nur auß demHauß231mit ſeiner leiblichen Mutter.Hauß geht / ſo haiſt es gib acht / wo er den Weeg hin - nimbt. Wann er einer anderen ein guten Morgen gibt / ſo glaubt ſie / es ſeye ſchon der Abend ſeiner Treu vor - handen / da haiſt es / gib acht / wie er ſie nit anlacht? wann er bey einem hochzeitlichen Ehren-Tantz zwaymahl mit einer tantzt / ſo haiſt es ſchon / gib acht / ob er ihr nit die Haͤnd truckt; ich hab ſelbſt eine gekennt / welche der anderen mit einem ſcharpffen Taſchen-Meſſer das Angeſicht Creutzweiß zerſchnitten / vmb weilen ſie ihren Mann mit dem Ellenbogen ſchertzweiß geſtoſſen. Gib acht / gib acht. Ein andere iſt geweſt / welche einen ſehr Gottsfoͤrchtigen Ehemann gehabt / gleichwol mit ih - me dermaſſen geeyffert / daß bey ihr faſt nichts anzutreffen war / als das ſtaͤtte gib acht: vnder anderen hat ſie acht geben / daß er alle Tag ſo eyffrig nur an einem Orth deß Bett-Buͤchleins geleſen / welches ſie veranlaſt hat zu ſehen / was es doch fuͤr ein Gebett ſeye. Und ſihe! da nimbt ſie wahr / daß die Blaͤtter gantz ſchmutzig / wo die ſiben Buß-Pſalmen deß Davids ſtunden / gleich hierauff ſchoͤpfft ſie den Argwohn / weilen David ein Ehebruch be - gangen / habe er diſe Buß-Pſalmen gebettet / vnd weilenStengel. P. 2. c. 36. dergleichen Andacht bey ihrem Mann / ſo ſeye auch ein gleicher Verdacht bey ihm / welche Eyfferſucht dergeſtal - ten ſie gequeller / daß ſie ihr endlich ſelbſten den Todt an - gethan. Bey einem ſolchen / bey einer ſolchen ſeufftzt man oͤffter.
O haͤtte ich das Ding gewuſt!
Ihr aber haͤttet es wol wiſſen ſollen / dann vnder anderen Trangſahlen / welche in dem Eheſtand einſchlei - chen / iſt auch die mißtrauende Lieb / vnd vnruhige Eyffer - ſucht nit die geringſte / welche der gerechte GOtt bißwei -len232Judas der Ertz-Schelm verheurathet ſichlen derentwegen zulaſſet / damit die Freud deß Eheſtands / vnd wolluſtige Lieb in etwas gemaͤſſiget bleibe. Mehre -1. Corint. cap. 7. ſtes aber ruͤhren ſolche Truͤbſahlen (tribulationem ta - men carnis habebunt EIUSMODI) vnnd ſolche W in der E daher / weilen man den Stand gar zu gaͤh vnd vnbeſunnen antritt / auch den allmaͤchtigen GOtt deſ - ſentwegen nit vmb Rath gefragt / welcher ohne Zweiffel auff eyffriges Anerſuchen / vnd innbruͤnſtiges Gebett dasProv. c. 19. Gemuͤth erleuchten thut. Darumb ſpricht der weiſe Salomon. Domus & divitiæ dantur à Parentibus, à Domino autem propriè uxor prudens: Hauß vnd Reichthumb wird von den Elteren gegeben / aber ein vernuͤnfftiges Weib kombt eigentlich von GOtt dem HErꝛn. Wer dann ein gutes from - mes Weib verlangt zu bekommen / der muß ſich nit vmb ein alte / zahnloſe Kupplerin vmbſehen / welche mit ihrem Hueſten-Gwerb ſolche Heyrath zuſamb baͤndlet / ſondern er muß mit auffgehebten Haͤnden den jenigen eyffrig er - ſuchen / welcher den H. Eheſtand eingeſtellt in dem Luſt - Garten deß Paradeyß. Ein rechtes Weib / ſagt einmahl einer / muß lauter vnd haben / erſtlich ein rothen Mvnd / huͤpſch geſvnd / gehorſamb zu aller Stvnd / Gold vnd Gelt nach dem Pfvnd / die nit bellt wie ein Hvnd / die einem Mann alles gutes vergvnd / die nicht wird vnge - dultig / ſo mans auch ſchvnd / die fein hurtig vnd rvnd / daß man kein beſſere ſvnd. Auff ſolche Weiß wolt es der Phantaſt gar gekiechlet haben. Aber wahr iſt es doch / der ein gutes Weib wuͤnſcht zu haben / die in allen ihme ein Wolgefallen laiſten ſolle / der ſuchs von GOtt / à Do - mino. Wo aber der Eheſtand vngluͤckſeelig außſchlagt /ver -233mit ſeiner leiblichen Mutter.verſichert euch / daß euer aigne Schuld ſolchen bittern Wermuth gepflantzet habe / dann entweders ſeyt ihr zu - ſammen kommen / ſicut equus & mulus, quibus non eſt intellectus: Wie Roß vnd Maulthier / die keinen Verſtand haben. Oder ihr habt diſes H. Sacrament nitPſal. 31. im Stand der Goͤttlichen Gnaden empfangen / oder euer Zihl / vnd gezimmendes End war nit das jenige / welches GOtt / vnd nach ihm die Kirchen vorgeſchriben / oder ihr heyrathet in ein nahende Verwandtſchafft ohne groſſer Noth / wie Judas der Ertz-Schelm / ꝛc.
NAchdem Judas durch oͤffteres Geſpraͤch mit ſeiner Ciboria ſo weite Nachricht erforſcht / daß er war - hafftig ſeinen eignen Vatter ermordet / vnd hier - uͤber noch ſein leibliche Mutter fuͤr ein Ehegatten mißbrau - che / hat er Theils durch eignen gwiſſen Zwang / vnd inner - lichen Antrib / wie nit weniger durch der Ciboriæ beweg -Jacob. de Vorag. in Con. S. Matth. liche Anmahnung gaͤntzlich beſchloſſen ein haylſamen Buß - wandl anzuheben / vnd weilen dazumahlen Chriſtus JE - ſus von Nazareth ohne das wegen ſeiner Lehr vnd Werck ſehr beruͤmbt ware / alſo hat er mit groſſen Eyfer geſucht / wie er moͤchte in Chriſti Geſellſchafft kommen / welches dann ihme alſo wol gelungen / daß er bald mit ſondern Troſt zu einen Juͤnger vnd Apoſtel deß HErꝛn iſt erkuͤſen worden. Weil nun Abulenſis in c. 10. Matth. Ruper - tus in c. 6. Joan. Auguſt. in Pſal. 34. Con. 1. Kraͤfftig darfuͤr halten / als ſeye Judas allzeit ein Schelm geweſt. G gEnt -234Judas ein angehendterEntgegen Tertul. l. de Præſcript. adverſus Hæreſ. c. 3. Cyrill. l. 4. in Joan. cap. 30. Chryſoſt. l. 3. contra Pelag. c. 2. Item Ammonius, Leontius, Theophylactus, Ca - jetanus, Maldonatus ad cap. 10. Matth. der widrigen Außſag ſeyn / vnd wollen / daß Judas anfaͤnglich ein from - mer vnd gwiſſenhaffter Menſch ſeye geweſen / wie er in das Apoſtoliſche Collegium ſeye auffgenomben worden. Alſo moͤchte hierinfals zum Behuͤlff beeder Sententz zu glauben ſeyn / als ſeye zwar Judas ein gottloſer Boͤß - wicht geweſen vorhero; damahlens aber / als er vnder die Apoſtlen Chriſti iſt gezehlet worden / durch innerliche Reu vnd Bußfertigkeit ſchon den Nahmen eines Gerech - ten verdient habe. Dermahlen eraignet ſich ein ſehr wich - tige Frag / warumben doch der ſeeligmachende Heyland habe Judam fuͤr einen Apoſtel erkiſen? da er doch vermoͤg ſeiner Goͤttlichen Allwiſſenheit erkannte / daß diſer ein raudiges Schaaf vnder ſeinem geheiligten Heerde werde abgeben / vnd endlich als ein gewiſſenloſer Ertz-Schalck ſeinen aignen HErꝛn vnd Maiſter denen Feinden uͤber -S. Ambr. l. 5. in Lu - cam. geben. Der H. Ambroſius antwort / es habe darumben JEſus Judam zu einen Apoſil erwoͤhlt / da er doch hat vorgeſehen / daß er zu einem Schelm wird werden / damit du auch mit Gedult uͤbertrageſt / wann dein Frater anS. P. Aug. l. 18. de Civit. c. 49. dir ein Verraͤther wird. Der H. Vatter Auguſtinus iſt der Mainung / es habe der Heyland derenthalben Judam in ſein Apoſtoliſche Geſellſchafft auffgenommen / da er doch vorgeſehen diſes Menſchen verruchte Boßheit / da - mit er auch auß dem Boͤſen koͤnne etwas Guts ſchmidten / zumahlen diſer ſchlimme Lotters Geſell ein WerckzeugS. Thom. in cap. 10. Matth. ware deß Leydens Chriſti. Mir gefallt aber dißfalls vor - derſt die Lehr deß Engliſchen Doctors / welcher gaͤntzlich vermaint / daß der heylwuͤrckende JEſus habe dem Judæ ein Stell in dem Apoſtoliſchen Gremio vergunnt / obſchon235Juͤnger deß HErꝛns.ſchon er vorgeſehen deſſen verfluchte That / vnd groſſen Undergang / damit er zaige / daß kein einiger Stand ſeye ohne Schand-Fleck / vnd mitten vnder den Guten auch ein Boͤßwicht lebe. Deſſenthalben aber ein H. Religion / ein Orden / ein Cloſter nit zuverwerffen / vmbweilen einer oder der andere darinnen ſich nicht gut verhalt.
Hoͤrt ein wenig ihr Ehrenſtutzer / ihr Ehrenſtunpler / ihr Ehrabſchneider / ihr Ehrnſchender / ihr Ehrenſchin - der / ihr Ehrendieb / die ihr ein gantze Zeit die Geiſtliche im Maul herumb tragt / welches doch immer ſchad / daß ein ſolches gutes Biſſel in ein ſolche ſchlimme Goſchen kombt. Hoͤrt was einmahl der groſſe H. Vatter Augu - ſtinus von ſeinem Cloſter / vnd Orden geredt / daß redet noch ein Benedictus, ein Dominicus, ein Franciſcus, ein Bernard ein Norbert. ein Ignatius von den ſeinen. Non eſt melior Domus mea, quam Domus Domini; mein Hauß iſt nicht beſſer / als vnſers Herꝛn ſein Hauß. Daß Judas Iſcarioth ein Laſter Menſch geweſen / muͤſſen es / vnd ſollen es andere Apoſtel nit entgelten. Die Catholi -Cauſſin. tom 1. Aul. Sane. ſche Kirch zelt eilff Millionen der Martyrer / wie Cauſ - ſinus bezengt / die Statt Rom prangt allein mit dreymal hundert tauſend Martyrer / wie es Thomas Pozius be -Thom. Poz. l. 7. de ſig. Ec - cſeſ. c. [5]. hauptet. Vnder dem Diocletiano ſeynd in einem Mo - nath 17000. durch vnderſchidliche Peinen gemartert wor - den / durch Pfeil der H. Sebaſtianus, &c. durch Stein der H. Stephanus, &c. durch Bruͤgel der H. Maurus, &c. durch das Waſſer der H. Sabas, &c. durch das Creutz vnd Galgen im Lufft der H. Strata, &c. durch die Erd vnd lebendige Begraͤbnuß der H. Chryſanthus, &c. durch Feuer der H. Laurentius, &c. durch wilde Thier der H. Sylvanus, &c. durch Schinden der H. Bartholomæus, &c. durch Zungen Außſchneidung die H. Baſiliſſa, &c. durch eiſerne Ruth der H. Lycarion. &c. durch ein SagG g 2ein236Judas ein angehendter.aber ein einiger Apoſtel / vnd die H. Tarbula ein Schwe - ſter deß H. Biſchoff Simeonis. Der Zeiten aber ſeynd faſt alle geiſtliche Martyrer / vnd werden gepeiniget durch Sagen / dann wo iſt ein Orth / oder Port? wo iſt ein Land oder Stand? wo iſt ein Hauß oder Schmauß? wo man nit thut Vbels Sagen von denen Geiſtlichen. Die Sag mit der der heilige Apoſtel ſambt der H. Tarbulâ iſt gemartert worden / hat ſehr peynliche Zaͤhn gehabt / aber wer leidet mehrers vnd oͤffter von den Zaͤhnen vnd biſſigenApud An - ton. tit 19. c. 8. Maͤulern als eben die Geiſtliche? Joannes de Plano ſambt mehrern ſagt ernſtlich auß / daß in der Tarterey ſehr vil Leuth forderſt die Mannsbilder rechte natuͤrliche Hunds - Koͤpff haben / deren beſte Waffen wider ihre Feind die ſcharffe Zaͤhn ſeynd. Ich meines Theils rath keinen diſen vnnoͤthigen Vorwitz zubuͤſſen / daß er in ſolche ferne Land ziehe / maſſen er dergleichen Abentheuer wol in vnſern Laͤndern antreffe / er frage nur vns arme Geiſtliche vmb Bericht / die wir faſt taͤglich ſolche Hunds-Koͤpff / ſolche Hunds-Zaͤhn / Hunds-Zungen / Hunds-Murꝛn / Hunds - Beiſſen empfinden.
Die gottloſe / ehrloſe / gwiſſenloſe / hayloſe / treulo - ſe / grundloſe Leuth ſeynd natuͤrlich wie die Egl / welche nur das ſchlimbe Blut ſutzlen vnd ſaugen / in dem ſie nur auff Defect vnd nit Profect, auff das boͤſe vnd nicht auff das beſte / auff das hailoſe / vnd nicht das heilige Achtung geben. Sie tretten gar embſig in die Fußſtapffen jener Phariſeiſchen Bſchnarcher / welche dem HErꝛn vorge - worffen / daß ſeine Juͤnger nach Satzung der Elteſten ih - re Haͤnd nicht waſchen / bevor ſie das Brodt eſſen. EßMatth. 15. Lumpenhund! waſcht ihr lieber euere vngereimbte vnd vngeraumbte Goſchen / von andern Tugenden vnd Voll - kommenheiten ſeyd ihr gaͤntzlich ſtill / welche ihr doch taͤg -lich237Juͤnger deß HErꝛns.lich vnd ſtuͤndlich bey den Apoſteln wahrnembt / diß einige / was ihr ſelbſt fuͤr einen wintzigen Mangel haltet / aͤrgert euch. Alſo ſeynd deren ſehr vil ſo die mindeſte Vnvollkom - menheiten der Geiſtlichen mit doppelten Brillen beſchnar - chen / entgegen der groſſen Heiligkeit / vnd ruhmwuͤrdi - giſten Thaten gantz vergeſſen / mit welchen doch alle hei - lige Orden billich prangen.
Erwoͤgt ein wenig den Ruhm vnd Glory deß Heil. Carmeliter Ordens / welchem weit haͤuffigers Gluͤck wi - derfahren / als dem Moyſi / maſſen diſen die mildhertzigi -Exod. 2. ſte Tochter Pharaonis fuͤr ein Kind an - vnd auffgenom - men. Jene Ordens-Genoſſen aber die Himmels-Koͤni - gin ſelbſt fuͤr ihre Kinder erkiſen. Welche Mutter hat einmahl ihre Kinder alſo ſtattlich geklaydet / als Maria die Carmeliter / benanntlich mit dem heiligen Scapulir? Abſolom der kraußkopffete Printz hat ſeinen Undergang gefunden an einem Aichbaum / der Zeiten erhalten vil tauſend ihr Heyl an einem hollen Aichen-Stock / verſtehe hierdurch den H. Simon Stok, der 33. Jahr in einem Ai - chen-Stock / worvon er den Nahmen ererbt / den ſtrenge - ſten Lebens-Wandl gefuͤhrt / vnd nachmahls das H. Sca - pulir / als ein allgemaines Seelen-Heyl / von denen Jung - fraͤulichen Haͤnden der uͤbergebenedeyten Himmels-Koͤni - gin empfangen. Was vor diſem ein Schwartzer gethan / thut dermahlen ein Weiſſer. Ein ſchwartzer Mohr hat auß Guthertzigkeit den Propheten Jeremiam, vermit -Jerem. 38. telſt etlicher alter Klayder / auß einer tieffen Gruben ge - zogen. Alſo thun nicht weniger die mit weiſſem Mantl uͤberhuͤlte Carmeliter / durch das heilige Klayd deß Sca - pulirs / vil vnzahlbare betrangte Scelen auß der tieffen Gruben deß Fegfeuers erledigen / vnd machen ihnen anBulla Pau - li Quinti. dem nechſten Sambſtag einen gewuͤnſchten Feyerabend ihres Feuers; Es ſagen zwar diſe Marianiſche Religio -G g 3ſen /238Judas ein angehendterſen / daß neben anderen ſtrengen Leibs-Caſteyungen / ſie auch auff dem Stroh-Sack die Ligerſtatt genieſſen. Es iſt zwar diſem nit ohne / vnd zeitiget meines Erachtens der Geiſt ſo gut auff dem Stroh / als Aepffel vnd Biern / gleichwol findet man bey ihnen die beſte Federn; laſſe dir aber keine andere einfallen / als lauter Schreibfedern / mit denen in ſo vil Schrifften ihre Lehrer die Catholiſche Kir - chen verfechten / daß ſie alſo jederzeiten einen lobwuͤrdigi - ſten Eyffer / vnd Inbrunſt gegen Chriſtlicher Lehr erwi - ſen / vnd folgſamb gezaigt / daß ſie wahre Kinder ihres Vatters Eliæ ſeynd / der auch an der Bruſt ſeiner Mut - ter nichts anders als Flammen vnd Funcken geſogen / es ſcheint faſt vnbeſchreiblich / was Nutz vnd Schutz die Ca - tholiſche Kirch von diſem heiligen Orden genoſſen / in welchem allein in die hundert vnd viertzigtauſend Mar - tyrer vnd Blutzeugen Chriſti geſunden / gezehler werden / auß welchen drey Roͤmiſche Paͤbſt / ſiben Cardinal / neun vnd zwaintzig Patriarchen / ein groſſe Anzahl der heiligen Ertz-Bifchoͤff / hundert zway vnd viertzig Biſchoͤff genom - men worden / die mit hoͤchſtem Ruhm der Catholiſchen Kirchen beygeſtanden / vorgeſtanden / vnd angeſtanden: wie traut ihr euch dann / ihr vngezaͤmbte Zungen / von di - ſem ſo heiligen Orden etwas uͤbels zu reden. Geſetzt / daß ihr auch wider vermuthen einen manglhafften Religioſen darinnen erſehen / iſt doch vnder den zwoͤlff Apoſtlen ein Judas geweſt / dahero Cyrillus vnd Thereſia auch ſich hoͤ - ren laſſen. Non eſt melior noſtra domus, quam Do - mini.
Beſchaut ein wenig den Ruhm vnd Wuͤrdigkeit deß H. Benedictiner-Ordens / von deme gar wol kan geſpro - chen werden das jenige / was der Ertz-Engel der uͤbergebe - nedeyten Jungfrauen vorgetragen. Benedicta tu in mu - lieribus: Gebenedeyt biſt du vnder den Weibern. Alſobene -239Juͤnger deß HErꝛns.benedicta inter Religiones, gebenedeyet iſt der Benedicti - ner-Orden vnder den Religionen. Muß bekennen / wann der HErꝛ JEſus nit geſprochen haͤtte bey dem Evangeli - ſten Joanne. In Domo Patris mei manſiones multæJoan. 14. ſunt; In dem Hauß meines Vatters ſeynd vil Wohnungen. So moͤcht einem ſchier einfallen / er ha - be kein Platz im Himmel / alldieweilen denſelben faſt lau - ter Benedietiner einfuͤllen / maſſen etliche uͤber die zway - mahl hundert tauſend zehlen / lauter Heilige deſſen Or -Pelbart. in Stellar p. 1 & Beyer - ling de Relig. dens. Vor diſem hat man ſiben vnd dreyſſig tauſend Abb - theyen / viertzig tauſend Priorat, fuͤnffzehen tauſend Jung - frauen Cloͤſter diſes heiligen Ordens angetroffen / vnd wa - re keines ohne heilige Leuth (a) Petrus hat auß dem Be -(a) Anton Jepes in Chron. felch deß HErꝛn das Netz ins Meer geworffen / vnd ſehr haͤuffige Fiſch gefangen / worunter vngezweifflet etliche[g]roſſe Fiſch waren; aber der heilige Patriarch Benedictus[h]at weit groͤſſere Fiſch ertappt / in deme er vil gecroͤnte Haͤupter in ſeinen Orden gezogen 21 Kaͤyſer / 12. Kaͤy - ſerin / 20. Koͤnig / 45. Koͤnigin / ꝛc. ſeynd das nit groſſe Fiſch? von dem Berg Libano iſt das Lob vnd Geſchrey / daß ſehr ſchoͤne Baͤum vnd Holtz darauff gewachſen / wor - auß der Salomon die edleſte Gebaͤu gefuͤhret. In dem heiligen Benedietiner Orden hat Gott der HErꝛ das be - ſte Holtz angetroffen / mit welchen er die Chriſtliche Kirch vnderſtuͤtzet / maſſen auß diſem gebenedeyten Orden in die 50. Roͤmiſche Paͤbſt vnd Statthalter Chriſti ſeynd erki - ſen worden. Diſer H. Orden darff ſich in keiner Sach ſchamen / auſſer in dem wird er roth / daß er hundert vnd achtzig Cardinal erzogen. Wen diſes noch nit gnug / ſo kan er zehlen tauſend fuͤnffhundert vier vnd ſechtzig Ertz -Trithem. l. 2. c. 5. Biſchoͤff / drey tauſend fuͤnffhundert vnd zwoͤlff Biſchoͤff / 15000. ſechs hundert in Heiligkeit / vnd groſſen Wiſſen -ſchafft240Judas ein angehenderſchafft beruͤhmte Abbten. Schnarcher was ſagſt du dar - zu? der Sathan hat vor diſem vnſern HErꝛn Chriſto al - le Reich der Welt verhaiſſen / wann er ihm mit den Knyen nur ein wenige Complement haͤtte gemacht / die man jetzt einer pollierten Miſt-Butten gar offt bieget / dazumahlen muß der Teuffel Reich geweſt ſeyn: Aber wie Benedictus mit ſeinen Orden entſtanden / hat er die mehreſte Reich vnd Laͤnder verlohren / dann Engeland durch Auguſtinum einen Benedictiner / Spanien durch Leandrum einen Benedietiner / Teutſchland durch Bonifa - cium einen Benedietiner / Riderland durch Amandum einen Benedietiner / Pohln vnd Ungarn durch Adalber - tum einen Benedietiner / Schweden durch Stephanum, Lituania durch Brunonem, Guaſconia durch Albonem, Sclavonia durch Bonifacium, vnd eben diſe Oerther vnd Laͤnder / in denen wir annoch GOtt dienen / durch lauter Benedictiner ſeynd auß den Klauen deß boͤſen Feinds ge - riſſen / vnd zu dem wahren Glauben gezogen worden. Haltet demnach euere Pfund-Goſchen ihr ehrenrauberi - ſche Zoili, vnd huͤtet euch das wenigſte Ubel von diſem ſo heiligen / vnd der gantzen Welt heylſamen Orden zu re - den / geſetzt / ihr haͤttet an einem / oder an den anderen Or - dens-Genoſſen etwas manglhafftes erſehen. Was ſchadt diß / ſagt Benedictus. Non eſt melior mea Domus, quàm Domini, hat doch der HErꝛ JEſus vnder zwoͤlff Apoſtel ein Iſcarioth gehabt.
Betrachtet ein wenig den H. Dominicaner-Orden / was Ehr vnd Lehr die Chriſtliche Kirch von demſelben er - erbet hat. Jacob bey dem Laban hat erlich tauſend Schaaf gehuͤtet. Wann er keine Hund hat gehabt / wird mancher Wolff ihm einen mit Fleiſch gefuͤtterten Beltz haben weckgetragen. Gewiß iſt es / daß vil vnzahl - bare Schaͤffel Chriſti durch die Ketzeriſche Woͤlff waͤrenin241Juͤnger deß HErꝛns.in Verlurſt gerathen / wofern nit die Dominicaner / als Domini Canes wachtſame Hund deß HErꝛns / mit ihrer Apoſtoliſchen Stimm haͤtten ſolche Unthier abgetriben. Zu Chriſto dem HErꝛn kombt eineſt ein betrangte Frau / welche mit Bitten klagte / vnd mit Klagen gebetten / er woll doch ihrer Tochter helffen / welche ſehr uͤbel vom Teuffel geplagt wird. Worauff der HErꝛ ſie geſund ge - macht. Was damahlens Dominus gethan / hat hernach Dominicus gethan. Es iſt ein wackere Frau / benannt - lich die Catholiſche Kirchen zu ihr kommen / welche ſehr klaͤglich vorgetragen / wie daß ſie drey Toͤchter habe / ſo alle ſehr vom Teuffel geplagt werden / ein Tochter heiſt Italia, die andere Hiſpania, die dritte Gallia, welche vom Ketzer-Teuffel ſtarck beſeſſen waren / die aber Dominicus voͤllich zu recht gebracht. Der Albigenſer Ketzer war al - les ſchwartz voll / deren aber Dominicus uͤber die hundert tauſend bekehret hat. Diſer H. Orden iſt ein ſehr ſtattli - che Orgel in der Catholiſchen Kirchen / allermaſſen ihr Prediger Stimm in der gantzen Welt erſchallt / worvon ſie dann auch Prædicatores die Prediger genennet werden / Der Blaßbalg diſer Orgel iſt der heilige Geiſt / geſtalten von Chriſto das heilige Evangelium redet / daß er nach ſei -Joan. 20. ner glorreichen Vrſtaͤnd denen Apoſteln erſchinen / dieſel - bige angeblaſſen / ſprechend / nemt hin den H. Geiſt. Zu einer Orgl aber gehoͤren auch gute abgerichte Haͤnd / vnd Finger. Zu verwundern ſeynd in ihren Haͤnden lauter Thomæ, die lauter Tomos in diſem Orden geſchriben. Thomas de Vio ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Cantipra - tanus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Boniſi - gnius ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Caſlanus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas à Clavibus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Donatus ein Seri - bent auß diſem Orden / Thomas Facellus ein SeribentH hauß242Judas ein angehenderauß diſem Orden / Thomas Fyle ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Anglus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Laiza ein Seribent auß diſem Orden / Tho - mas Languefrodius ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Lombardus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Matthæi ein Seribent auß diſem Orden / Tho - mas Nereus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Radinus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Ring - ſtede ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Sperman ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Stella ein Seri - bent auß diſem Orden / Thomas Suetonius ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Teutonicus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Thomaſius ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Toletanus ein Seribent auß diſem Orden / Thomas de Trugillo ein Seribent auß diſem Orden / Thomas Turrecremata ein Seribent auß diſem Orden / Thomas de Valentia ein Seribent auß di - ſem Orden / Thomas Viglevanienſis ein Seribent auß diſem Orden / Thomas de Aquino ein Seribent auß di - ſem Orden / ein Lehrer der Kirchen / ein vermehrer der Kirchen / ein Zerſtoͤhrer der Ketzer / ein Verzehrer der Ketzeriſchen Irꝛthumen ein Thomas aller Thomen, vnd ein ſondere Zierde deß gantzen heiligen Dominicaner Ordens. Wilſt noch mehrer Lob von diſem Orden? der Weeg gegen Himmel iſt vor diſem mit lauter Doͤrner uͤberlegt geweſt / vnd alſo manchen abgeſchroͤcket; Domi - nicus ſambt ſeinem Orden hat anjetzo den Weeg gegen Himmel mit lauter Roſen beſtraͤhet / in deme er ſo vil tau - ſend / tauſend / tauſendmal tauſend Seelen Vermoͤg deß heiligen Roſenkrantzes im Himmel laitet vnd begleittet. Wie kan nun moͤglich ſeyn / daß du ſolſt etwas vngereimb - tes reden von diſem Orden? geſetzt es hatte einer oder der andere etliche Fleck gehabt / wie deß Jacobs ſeine Laͤmblwas243Juͤnger deß HErꝛns.was ſchadet diſes dem heiligen / beruͤhmten Orden! ſagt gleichmaͤſſig Dominicus, non eſt melior Domus mea,Joan. 16. v. 71. quam Domini. Hat doch vnſer HErꝛ vnder zwoͤlff Apo - ſteln ein Teuffel gehabt / unus ex vobis Diabolus eſt.
Stellt euch vor Augen den ſtattlichen Ruhm vnnd Wuͤrdigkeit deß groſſen heiligen Seraphiſchen Orden S. Franciſci. Der ſtoltze vnd hochmuͤtige Monarch zu Ba - bylon hat drey vnſchuldige Juͤngling in den Feuerflam - menden Offen hineingeworſſen / bey welchen aber das Feur gefeyert / vnd ein Faſtag gehalten / ſolches Wunder wol - te auch der Gottloſe Nubuchodonoſor den Augenſchein einnemben / vnd ſihe! da hat er nit allein die drey Juͤng - ling vnverſehrter wahrgenohmen / ſondern er ſahe auch die vierdte Perſohn ſimilem Filio Dei, welche dem Sohn Gottes gantz gleich ware. Wann da zu ſelben Zeiten Fran - ciſcus haͤrte gelebt / ſo haͤtte man koͤnnen vermuthen / er haͤtte denen dreyen die Geſellſchafft gelaiſt in dem Feuer / dann ja kein Menſch dem Sohn Gottes gleicher ſicht / als Franciſcus: allermaſſen diſer / wie jener / jener / wie diſer mit funff Wundmal an Haͤnd / Fuͤß vnd Seyten ge - zaichnet iſt. Es iſt war / daß diſer Seraphiſche Patriarch ſtaͤts im Feur geweſen durch ſeine innbruͤnſtige Lieb gegen Gott vnd den Menſchen / vnd gleich wie das Woͤrtl Ama hinder ſich / vnd fuͤr ſich geleſen wird / alſo ware auch bey Franciſco auff allen Seyten die Lieb zuſpuͤhren / welche annoch in ſeinem weit außgebreitten Orden alſo flammet /Eſaias c. 6. daß er deſſenthalben billich der Seraphiſche genennt wird. Jene Seraphin / ſo der Prophet Eſaias geſehen / ſchryen ohnauffhoͤrlich Sanctus, &c. Heilig / Heilig / Heilig. Die Seraphiſche Ordens-Leuth S. Franciſci thun eben - maͤſſig Tag vnd Nacht durch Pſalliren vnd ſingen Gott loben vnd benedeyen. Es prangt abſonderlich die heilige Religion mit der Evangeliſchen Armuth / vnd gleich wolH h 2hat244Judas ein angehenderhat ſie die Catholiſche Kirchen uͤber alle maſſen bereicht / alſo zwar / daß durch dero Ordens-Maͤnner Eyfer vnd Lehr vil Koͤnigreich / vnd Laͤnder Chriſti Kirchen ererbt hat; es klecken nit hundert tauſend / tauſendmal tauſend Seelen / welche allein durch Franciſci Ordens-Leuth auß dem blinden Haydenthum gezogen worden. So gar der Mathuzinger, der Texoquiner, der Amarhocen, der Cacothurner, der Caſcaner, der Cacaloracen, der lya - zalatanier ihre Abgoͤtter vnd Teuffels-Affen vnd Hoͤll - Bilder ſeynd durch die Religioſen zu Boden geworffen worden / wie der ſaube[re]Dagon durch den Bunds-Ka - ſien. Vnd weilen diſe eyfervolle Geiſtliche Strick / tragen auß anverwandter Demuth vmb ihre Leiber / ſo kan mans billich hell erſchallende Glocken nennen der Catholiſchen Kirchen / wegen ihrer Apoſtoliſchen Stimm / mit welcher ſie ein ſo vnzahlbare Anzahl der Menſchen zu den wahren Gott leitten vnd laithen. Ich will dermahlen vmbgehen die großmaͤchtige Anzahl der heiligen Beichtiger / Marty - rer / Jungfrauen diſes Ordens. Iſt doch das ein Lob uͤberEnglgrav. in feſto utriuſque. alles Lob / daß in Anſehung der zwey heiligen Orden Do - minici, vnd Franciſci der erzuͤrnete Gott der ſuͤndigen Welt verſchont / welche er ſonſten gaͤntzlich vertilgt haͤtte. Wer kan dann noch ein Attern-Zungen haben / welche di - ſem Seraphiſchen Orden verletzt? wann ſchon bewuſt ſoll ſeyn / daß vnder diſen Aſchenfaͤrbigen Habith etwann einmahl ein außgeloſchene Kohlen vermerckt worden / dar - durch leydet nicht der andern Vollkommenheit / vnd ſagt ebenmaͤſſig Franciſcus. Non eſt melior Domus mea, quam Domini. Hat doch auch vnſer HErꝛ vnder ſeinenExod. 13. zwoͤlff Juͤngern / einen ſchlimmen Boͤßwicht gehabt.
Was kan lobwuͤrdigers ſeyn in der gantzen Welt / als die Societet Jesu. Ein feurige Saulen hat die Iſraeli - ter auß Egypten gefuͤhrt bey naͤchtlicher Zeit. In Colum -na245Juͤnger deß HErꝛns.na ignis. Ignatius war ein ſolche feurige Saulen / maſſen ihm ſein eigner Nahm verrathet. O wie vil tanſend vnd tauſend ſeynd durch Ignatium, vnd ſeine Ignatianer auß dem Egyptiſchen Irꝛthum gefuͤhrt worden! was hat nit der einige Xaverius gewuͤrcket? von Joanne Baptiſta iſt die Evangeliſche Außſag / daß er ſeye vnſers HErꝛn ſein Vorlauffer geweſt. Vom Xaverio weiß ich nicht / was ich ſolt ſagen / ob er ein Vorlauffer oder Fortlauffer vnſers HErꝛn geweſt? ein lauffer iſt er doch geweſt / in deme er innerhalb zehen Jahren / allein zu Fuß / meiſtentheils Baarfuß mehr dann hundert vnd zwaintzig tauſend teut - ſche Meyl geloffen / nur Seelen halber. Xaverius iſt alſo geloffen / daß wann man ſeinem Weeg / der er hin vnd herwerts gemeſſen / an ein Schnur faſſen ſolte / die gantze Welt vmbfaſſen kondte; Xaverius hat allein durch 66. Koͤnigreich in Japonia fuͤnff tauſend groſſe Staͤtt / den dritten Theil deß Erdbodens in India mit dem Stab in der Hand ſeinen Apoſtoliſchen Lauff genommen / nur Seelen / Seelen / Seelen halber. Xaverius hat allein 4000. Goͤtzen vnd Goͤtzen-Tempel uͤbern Hauffen geworf - fen / ja er hat allein mehr als eilffmal hundert tauſend jr - rende Schaͤaͤflein dem hoͤlliſchen Wolff abgejagt / vnd auß dem Rachen geriſſen. Nach Xaverio was hat nit gethan Barſæus, Almeida, Turrianus, Maſtrillus, Camertus, vnd andere Apoſtoliſche Maͤnner auß der Geſellſchafft Jesu, vor fuͤnff vnd viertzig Jahren hat die Societet Jesu das Sæculum, oder hundert jaͤhrige Alter begangen / worbey ſehr denckwuͤrdig diß zu halten / daß man Vrbano dem Achten Roͤmiſchen Pabſten hat vnderthaͤnigiſt ſchrifft - lich remonſtrirt / daß die Societet Jesu in dem Orienta - liſchen Indien ein Jahr dem andern zu Huͤlff / Jaͤhrlich dreymal hundert tauſend / vnd alſo durch hundert Jahr drey hundertmahl hundert tauſend / das iſt dreyſſig Mil -H h 3lion246Judas ein angehenderlion Seelen zu GOtt gefuͤhrt / vnd von der gottloſen Ab - goͤtterey zu dem wahren Gotts-Dienſt gebracht. Was Ignatius durch die ſeinige in Europa gethan / iſt ohne das Sonnenklar. Meines Thails halt ich vor ein groſſes Wunder / daß Petrus einen lahmen vnd krumpen Tropf - fen / bey der Thuͤr deß Tempels / auff die Fuͤß geholffen / aber nit ein geringes Wunder iſt / daß Ignatius mit ſei - ner Societet der Scienz vnd Wiſſenſchafft wider auff die Fuͤß geholffen / vnd alſo Ignatius ignorantiam verbandi - ſtert. Gewiß iſt es / daß vor hundert Jahren vnd mehrer / faſt ein jeder Michl verſtanden hat Nihil, die ſiben Todt - Suͤnden dazumahlen in groͤſſerem Schwung gangen / als die ſiben freye Kuͤnſten / damahlen hat man wenig Sillo - giſmos formiert / auſſer in Friſeſomorum, vnd Barbara, zu ſelbiger Zeit iſt Muſa generis neutri geweſt / vnd Igno - rantia ſchier generis communis. Aber jetziger Zeit findt man allerſeits gelehrte Leuth / welche aber mehreſten thails das Deo Gratias denen Jeſuiteren ſollen geben; bekennen muͤſſen es doch die mehreſten / daß ſie nit ſo ſpitz - findig waͤren worden / dafern ſie nit in den Schulen bey denen Jeſuiteren die Hoblbanck haͤtten gemaͤſſen / ich will von anderen Sachen vnd ruhmwuͤrdigſten Dingen der Societet geſchweigen / damit es anderen nit in die Naſen kitzle / glauben muß man doch / GOtt ſelbſten / welcher der heiligen Seraphiſchen Thereſiæ in einer Verzuckung deß Geiſts gezaigt hat / was die Societet Jeſu dem Hauß Got - tes fuͤr Huͤlff laiſte. Und gleichwol ſchnarcht man uͤber keine mehr / als uͤber dieſelbe. Mir kombt die Societet Jeſu vor / wie ein Nuß-Baum / je mehrer diſer Baum Frucht traget / je hefftiger werffen die boͤſe Buben mit Bruͤglen darein / alſo je mehr die Societet der Welt Huͤlff raichet / je vngeſtimmer tobt die Welt wider ſie / vnder ſolchen Verfolgern ſeynd die mehreſten Ketzer / gegen wel -chen247Juͤnger deß HErꝛns.chen Eſauitern die Jeſuiter ſiegreiche Federfechter abge - ben / vnd wider ſie ſo treffliche Buͤcher verfaſſen / daß die Ketzer faſt die Arth der gruͤnhoſenden Froͤſchen vnd La - cken-Hupffer an ſich nemmen / ſo bey naͤchtlicher Weil die Ohren voll anſchreyen / ſo bald man ihnen aber ein Fackel oder ein Liecht zaigt / ſo dann halten ſie gleich das Maul. Solcher Geſtalten hat nit nur einmahl die erleuchte So - cietet den verbainten Ketzeren das Maul geſtopfft. Es hat diſe loͤbliche Societet ein ſtattlichen Magen / daß ſie die jenige Speiſen / ſo da ſchaͤdlich / vnd nicht geſund ſeynd / wider zuruck gibt / vnd ſolcher Geſtalten etwann beſſer wolauff iſt / als ein anderer Orden. Geſetzt aber / es ſoll auch ein manglhaffter Jeſuiter angetroffen werden wider vermuthen; warumb ſolſt du gleich mit deinen Zaͤhnen die gantze Societet beiſſen? kan doch endlich auch Igna - tius ſprechen / non eſt melior domus mea, quàm Do - mini.
Es ſpricht der weiſe Mann / daß ſich niemand ſelbſt ſoll loben / ſondern von andern gelobet werden / laudet te alienus, & non os tuum. Derowegen will ich von vn - ſeren heiligen Orden St. Auguſtini nichts melden / deſſen Ruhm vnd Glory voͤllig in der Feder behalten / vnd mit demuͤthigiſtem Silentio verhuͤllen. Aber anderen kan ichPr. Thom: le Planc tom 5. ſuprà Pſ. fol. 41. es nicht verbieten / vnder denen nicht der mindeſte iſt ein ſondergelehrter Scribent Pr. Thomas Le Blanc auß der Societet Jesu, diſer ſchreibt alſo. Der Orden deß heili - gen Auguſtini hat ſich ermehrt / wie der Cederbaum auff dem Berg Libano, maſſen vor diſem uͤber die dreyſſig tauſend Cloͤſter gezehler worden / vnd iſt annoch kein Thail der Welt / wo diſe Ordens-Genoſſen nit embſige Arbei - ter in dem Weingarten Gottes abgeben. Wie diſer Or - den der Kirchen genutzt / erhellt auß dem / was Ticinenſis vorgibt / daß allein auß dem Orden St. Auguſtini 54. Roͤ -miſche248Judas ein angehendermiſche Paͤbſt / 1567. Cardinal / vnzahlbare Biſchoͤff / vnd Prælaten genommen worden. Weilen dazumahlen der Roͤmiſche Clerus vnder der Regul St. Auguſtini lebte / vnd alſo durch fuͤnffhundert Jahr die Kirchen regierte. In dem weltbekannten Concilio zu Trient waren 34. beruͤhmte Doctores auß diſem Orden / deren fuͤnff Bi - ſchoͤff / vnd ein Cardinal. Die außfuͤhrliche Prob Tici - nenſis bezeugt / daß der Auguſtiner-Orden mit hundert tauſend Heiligen prange. Diſe Ordens-Maͤnner ſeynd die erſten geweſt / welche die Abgoͤtteriſche / Philippiniſche Inſuln erſunden / vnd zu Chriſti Geſatz gebracht. Der einige Alexius de Menzes Ertz-Biſchoff zu Goa Augu - ſtiner Ordens hat mit eigner Hand gegen hundert tau - ſend Menſchen getaufft / worunter etliche geeroͤnte Haͤup - ter waren. In America ſeynd in einem Jahr in die zwey - mal hundert tauſend Heyden durch die Auguſtiner be - kehrt worden. Siheſt demnach du neydiger Beſchnarcher den Ruhm diſes Ordens durch ein frembde Feder ent - worffen / geſetzt nun / es iſt in diſem fruchtbaren Garten einiges Vnkraut herfuͤr geſchoſſen. Geſetzt es hat diſer ſtattliche Baum ein wurmſtichiges Obſt getragen / ſo muſt du nit gleich die gantze Glory deß Ordens verſchitten. Hoͤre / was diſer heilige Ertz-Vatter Auguſtinus ſagt. Non eſt melior domus mea, quam Domini. Hat doch vnſer HErꝛ vnder zwoͤlff Edlgſteinern ein falſchen Rubin gehabt / der ware Judas.
Es ſeynd noch vil andere beruͤhmteſte Orden / benann - lich der Orden deß H. Bernardi, deß H. Pauli primi Ere - mitæ, deß H. Norberti, deß H. Franciſci de Paula, deß H. Ioannis Dei, deß H. Brunonis, deß H. Romualdi, deß H. Gajetani, deß H. Nerei, deß H. Barnabæ, vndPſ. 44. V. 11. andere mehr / welche lautex ſtarcke Saulen in dem Hauß Gottes / lauter Zierde der Chriſtlichen Kirchen / von wel -cher249Juͤnger deß HErꝛns.cher herꝛlichen Geſpons der H. Geiſt ſpricht. Aſtitit Re - gina à dextris tuis in veſtitu de aurato, circumdata varietate. Die Koͤnigin ſtehet auff deiner rech - ten Seyten in einen guldenen Kleyd vmbgeben mit vilerley Farben. Aller diſer H. Orden-Ruhm vnd Wuͤrdigkeit auff das Papier zu tragen / fiel es meiner vngere imbten Feder nit moͤglich. So muß man auch all - hier die Naſen nit rumpffen / daß ich nit bedacht bin deß weltlichen Cleri oder Prieſterthums / weilen vnmoͤglich ſcheinet all deſſen Lob in wenige Zeillen einzuſchrancken / ſondern man muſte von ſeiner Hochheit vnd Nutzen gantze Buͤcher verfaſſen / weilen dero erleuchte Maͤnner faſt uͤber - wachſen ſeynd der Zahl der Stern / ſo Gott dem Abraham in dem gewoͤlbten Himmel gezaigt. Gewiß iſt es / daß hoch / herꝛlich / heilig / hailſamb ein jeder geiſtlicher Stand / bey - nebens aber auch keiner eines Vnkrauts befreyt / gleichwie kein Hauß ohne Winckel / kein Wein-Faß ohne Glaͤger / kein Garten ohne Brenneßl / kein Baum ohne wurmſti - chige Frucht / kein Waitzen ohne Wicken / kein Roſen oh - ne Doͤrner / kein Marckt ohne Dieb / kein Karten ohne Sau / kein Liecht ohne Butzen / kein Himmel ohne Wol - cken / kein Fiſch-Teich ohne Krotten / kein Handwerck oh - ne Stimpler / kein Scheur ohne Stroh / ꝛc. kein Apode - cken ohne Gifft / alſo iſt kein Stand ohne Boͤſen.
Freylich wol ſoll ein Geiſtlicher ſeyn / wie das Feur / welchen der Symboliſt hinzuſetzt diſe Wort ſemper ſur - ſum.
Freylich wol ſoll ein Geiſtlicher ſeyn / wie ein Rad an einen Wagen / deme der Poẽt diſe wenige Wort bey - fuͤget. Parte minimâ tangit.
J iMit250Judas ein angehenderEs ſoll ein Geiſtlicher ſeyn / wie deß groſſen Alexan - dri Pferd Namens Bucephalus, welches keinem andern das Auffſitzen vergont / als ſeinem Herꝛn / weſſenthalben diſes konte beygeſchriben werden. Soli Regi.
Alſo ein Geiſtlicher ſein Hertz von jemand anderſt ſoll beſitzen laſſen / als vom Jeſu Nazareno dem Koͤnig der Juden.
Es ſoll ein Geiſtlicher ſeyn / wie die zwey Aemper in einem Schoͤpff-Brunnen / deren einer nider / vnd der an - dere in der hoͤhe mit der Vnderſchrifft / una lavatur, al - tera levatur.
Es ſoll ein Geiſtlicher ſeyn / wie das ſchneeweiſſe Thierl Armelin, welches ſich ehender laſt vmbbringen / als mit Kott oder Vnflat ſich beſudlen / derentwegen ihme der Poët diſes Lob ſchencket; potius mori, quam fædari.
Freylich wol ſoll ein jeder Geiſtlicher der Vollkom - menheit ſich beſteiſſen / aber layder es befind ſich zu weilen einer der die Schwindſucht an dem Geiſt bekombt / vnd begegnet manchen / was der Donau diſem beruͤhmten Fluß im Teutſchland widerfahrt. Diſer ſtattliche Donau - ſtromb geht von Doneſching auß auff Mila / von dannenauff251Juͤnger deß HErꝛns.auff Fridingen / von danen auff Simeringen / von dannen auff Riedlingen / von dannen auff Vlm / von dannen wei - ter auff Lauing / Hegſtoͤtt / Dillingen / Danawert / Neuburg / Ingolſtatt / noch weiter / vnd allzeit breitter nacher Paſſau / Lintz / Krembs / Wienn / noch weiter / vnd allzeit breitter / nacher Vngarn / Preßburg / Raab / Offen / ꝛc. Endlich nach dem diſer ſo weit beruͤhmte Fluß mit groͤſten Ruhm fortlauffet / ſo rind er in Vngarn in die Sau / welcher Strom den Namen hat Savus auff teutſch die Sau. Die gute Donau erhalt ſolcher Ge - ſtalten durch langen Weeg ein ſondere Ehr vnd Glory / vnd vaſt auff die letzt hoͤbts ein Sau auff. Alſo ergehet es mit manchen Geiſtlichen / welcher ſich der Wort deßPſ. 118. gekroͤnten Harpffeniſten Davids gebrauchen kan. Viam mandatorum tuorum cucurri. Ich bin den Weeg dei - ner Gebott geloffen. Entlich aber nach vilen Jahren hoͤbt er ein Sau auff / vnd falt in ein grobes Laſter. Wie es mein heiligſter Vatter in der hundert ſiben vnd dreſſigſten Epiſtel beklagt. Simpliciter fateor coram Domino Deo noſtro, qui teſtis eſt ſupra animam meam, ex quo Deo ſervire cœpit quomodo difficile ſum exper - tus meliores, quam qui in Monaſteriis profecerunt. Ita non ſum expertus pejores, quam qui in Monaſte - rijs ceciderunt. Ich beſtehe es fein gut rund / ſagt der heilige Vatter / vnd Gott iſt mein Zeug / von der Zeit an / daß ich hab angefangen Gott zu dienen / hab ich nit bald beſſere vnd vollkommenere Leuth angetroffen / als die je - nige / welche in den Kloͤſtern ihrer Regl / vnd heiligen Sa - tzungen gemaͤß gelebt haben / entgegen ſag ich es auch ohn - verhollen / hab ich nit groͤſſere vnd ſchlimmere Boͤßwicht gefunden / als dieſelbige / ſo da in Kloͤſtern ihrer Geluͤbten vergeſſen / vnd ſpoͤttlich gefallen ſeyn.
J i 2Es252Judas ein angehendter.Es pflegen oͤffters groſſe Herren Kuͤnſtliche Feuer - werck zu haben / worbey das Pulver / vnd Salitter der finſtern Nacht ein Trutz bietet / vnd ihr durch oͤfftern Knall vnd Schall gleichſamb vnter die Naſen ſchnaltzt. Die em - por ſteigende Granat-Kugl / ziehen alle Augen nach ſich / vnd erwecken ein ſonderbahres Wolgefallen / dazumahlen / wann ſie in der hoͤhe niderkommen / vnd gebaͤhren ein groſ - ſe Anzahl der Stern / welche vom Mutter Leib das ſchla - gen gewohnt / daß groſſe Getoͤß vnd rauſchen deß Feurs macht einen Gedancken / als wolte der Jupiter mit lau - ter Blitzer vnd Donner Keyl die Zeit verdreiben / vor al - len aber ſpilt nichts ſchoͤners / als ein hochſteigendes Rag - get / welches mit ſeinen hoͤltzernen Appendice den ſchnel - len Weeg nimbt gegen dem geſtirnten Himmel / als wolt es daſelbſt den Morgenſtern einen guten Morgen / oder dem Abendſtern einen guten Abend wuͤnſchen. Es ſteiget ja empor mit ſolchen annehmlichen Getoͤß vnd Juitzen / gantz feurig vnd brunſtig / daß man ſich verwundert / daß ein ſolches papierenes Maul / ſo vorhero ſchwartze Koh - len gefreſſen / nunmehr aber ſo heuffiges Feur außſpeyet. Es ſteigt in die Hoͤhe / als wolle es einen Abriß machen von der feurigen Saulen / welche die Iſraeliter bey naͤcht - licher Zeit auß Egypten den Weeg gezeigt. Es ſteigt ſo ſchoͤn / daß faſt alle Zuſeher in Maulaffen ſich verkehren / vnd bey allen das Wunder-Geſchray ſich erhebt. ſchauts / ſchauts / ſchauts / O wie ſchoͤn! ey das iſt ſchoͤn! wanns aber zu hoͤchſt droben iſt / gedenck einer / ſo verliert es das Feur / vnd erloſcht der feurige Athem / fallt in die Ohnmacht herunder auff die Erd / vnd was vorhero ſo hoch geſtigen / ſo innbruͤnſtig geweſen / ſo herꝛlich ſich ge - halten / ſo angenemb geſpilt / ligt jetzt auff dem Boden / ein halb abgebrennter Stecken / vnd ein ſchwartzes Buͤ -ſchel253Juͤnger deß HErꝛns.ſchel Papier. Pfui! vorhero ein ſo ſchoͤnes Exordium, jetzt ein ſo rueſſiger Epilogus, iſt ein Schand.
Daß Gott erbarme! ſolches Feuerwerck / aber lay - der! kein Freuden-Feur hat die Welt bißweilen ſchon ge - ſehen bey denen Geiſtlichen. Vnder welchen etwann einer geweſen / der Anfangs wie ein Ragget die Erde vnd das Irꝛdiſche verlaſſen / durch Inbrunſt vnd Eyſer in die hoͤhe der Vollkommenheit geſtigen / daß ſich maͤnniglich dar - uͤber verwundert / ja es ſcheint / als brenne jenes Feur auß ihm / von welchen vnſer Heyland bey dem EvangeliſtenLuc. c. 14. Luca Meldung thut. Ignem veni mittere in terram &c. Ich bin kommen ein Feur zu ſenden auff Erden. Aber ſihe nach etlichen Jahren erloͤſcht der Eyfer / vnd iſt folgſamb ſpoͤttlich mit Betaurung ſeines Ordens / mit Er - gernuß der Welt / mit Verlurſt ſeiner Seelen gefallen / vnd abgefallen / gar durchgangen / wie der Maul-Eſel deß Abſoloms, verkehrt worden wie die Ruthen Aaron in ein gifftige Schlangen / iſt worden auß einem Achatio ein Achan, auß einem Amando ein Amman, auß einem Eſaia ein Eſau, auß einem Apoſtel ein Apoſtata, auß ei - nem Paſtor ein Impoſtor, auß einem Sodalen ein Sau - dalis / auß einem Reverendo / reverenter zu reden ein Schelm. Pfui der Schand! pfui deß Schadens! der - gleichen wurmſtichige vnd modrige Schintlen ſeynd gefal - len von dem Hauß Auguſtini, von dem Hauß Benedicti, Franciſci, Dominici, Bernardi, Brunonis, Norberti, &c. Dergleichen ſaubere / oder beſſer zu reden Saubeern / ſeynd geweſt Lutherus, Oecolompadius, Buccerus, Hermannus, Ochinus, Marcus Antonius de Domi - nis. Vnd vil andere mehr / dero Namen in deß Sathans Regiſter zu ſuchen. So ſeynd aber derentwegen nit alle Geiſtliche zuwerffen / was kan Abel der vnſchuldige dar -J i 3fuͤr /254Judas ein angehenderfuͤr / daß ſein Bruder Cain nichts nutz geweſen / was kan Jacob der gerechte darfuͤr / daß ſein Bruder Eſau ein ſchlimmer Gſell iſt geweſt / was kan Iſaac der fromme darfuͤr / daß ſein Bruder Iſmael nit weit her geweſen / was kan das wackere Kriegs-Heer Joſue darfuͤr / daß einer vn - der ihnen ein Dieb abgeben: was ſollen deſſenthalben die Religioſen vnd Geiſtliche entgelten / wann einer oder der andere nicht geiſtlich / ſondern geißlich iſt? gibts doch vn - der den zwoͤlff Zeichen deß Himmels auch ein gifftigen Scorpion. Iſt doch in der Archen Noe auch ein Raab ge - weſen / hat ſich doch bey dem hochzeitlichen Panguet auch ein Lumpeter eingefunden / der kein hochzeitliches Klayd angehabt. Was noch mehr iſt / mein lieber Welt-Menſch / du verehreſt mit ſonderer Andacht die liebe heilige Engel / vnd iſt ſolches lob-vnd preißwerth / auch halt dich von der - ſelben Andacht nit ab die geuͤbte Vnthat der maineydigen Engel / die Schutz-Engel gelten bey dir vil / ob ſchon vil Schmutz-Engel vnder ihnen geweſen / vnd vom Himmel gefallen. Warumb ſolſt du dann die Ehrwuͤrdigſte Geiſt - lichkeit derenthalben ſchimpffen / vmb willen einige vnder ihnen Laſterhafft gefunden werden: ihr Gelt-Graber / ihr Gelt-Schaber / ihr Gelt-Voͤgel / ihr Gelt-Egl / ihr Gelt - Rappen / ihr Gelt-Lappen / wann ihr einen guten groſſen Sack voll Guldiner auff den Tiſch ſchittet / worunter ein faſcher angetroffen wird / ſo verwerfft ihr nit alle / bey Leib nit / das nit / daß waͤre ſauber / nur das nit / ſondern allein keith man den ſchlimmen auff die Seiten / die andere gu - te muß man wol auffbehalten / auß was Vrſachen dann redet ihr ſo ſpoͤttlich von diſem / oder jenem Orden / oder Kloſter? worinnen etwann einer nit gerecht iſt / ſollen dann auch Petrus vnd Joannes zu ſchelten ſeyn / vmbwil - len Judas ihr Cammerath ein Schelm war? wie offt gibts aber beym weiſſen Laͤmbl ſolche beiſſende Woͤlff? beym255Juͤnger deß HErꝛns.beym rothen Creutz ſolche Schmail-Teuffel? bey der gul - denen Roſen ſolche ſtechende vnd verwundende Doͤrner? beym weiſſen Schwannen ſolche Galgen-Voͤgel? beym rothen Ochſen ſolche Eſel? beym blauen Hechten ſolche Stockfiſch? beym ſchwartzen Adler ſolche Sport-Voͤgel? will ſagen / wie offt hoͤrt man in denen Wuͤrthshaͤuſern bey Kandl vnd Aendl ſolche verruchte Muſic uͤber die arme Geiſtliche? da gehts an / das ſeynd Pfaffen / die der / vnd der erſchaffen / ſie ſeynd Vormittag in Choro, Nachmit - tag in foro, Vormittag in Officio, Nachmittag in Vi - tio, ſie thun Vormittag Pſalliren / Nachmittag Trapu - liren / ſie thun mehrer Braviren / als Breviren / ſie ſeynd Nequam in Cute Schelmen in der Kutten / ſie ſauffen wie die Bad-Schwamen / ſie rauffen wie die Hund / ſie kauffen wie die Judē / ſie lauffen wie die Marcktſchreyer / ꝛc. Halts Maul! daß euch der Hencker die Zaͤhn ſtuͤhr / ihr ſingulares Nequam in plurali, ihr Ertz - vnd uͤber Ertz - Schelmen iſt das der Danck dir Gott / daß euch die Geiſtliche ſo vil guts thun? ſeynd dann nit die Geiſtliche die jenige / welche embſig arbeiten in dem Weingarten Gottes? ſeynd ſie nit die jenige / welche die Apoſtoliſche Netz vnd Angl außwerffen / die Seelen zu fangen? ſeynd ſie nit die jenige / welche mit dem Samaritan den ver - wundten vnd halb todten verbinden vnd euriren? ſeynd ſie nit die jenige / welche mit dem Evangeliſchen Weibl das gantze Hauß außkehren / biß ſie den verlohrnen Gro - ſchen finden? ſeynd ſie nit die jenige / welche mit Chriſto dem HErꝛn bey dem Brunnen matt vnd mied ſitzen? vnd nur Durſt tragen nach der ſuͤndigen Samaritanin? ſeynd ſie nit die jenige / welche dem elenden Suͤnder die Band auffloͤſen / wie gethan der Engel Petro in der Keichen? ſeynd ſie nit die jenige / welche euch mit dem Himmel - Brodt ſpeiſen / wie vor diſen der Himmel mit dem Man -na die256Judas ein angehenderna die Iſraeliter? ſeynd ſie nit die jenige / welche mit den Engeln den ſchweren Stein hinweg weltzen von dem Grab eines betrangten Gwiſſen? ſeynd ſie nit die jenige / welche mit dem guten Hirten das verlohrene Laͤmbl ſuchen / vnd nach dem ſie es gefunden auff ihre Achſeln nemmen / vnd in den Schaafſtall tragen? ſeynd ſie nit die jenige / welche du / vnd du / vnd du / der vnd der / vnd der von Hertzen wuͤnſchen / daß ſie moͤgen in ihrem Sterbſtuͤndl einen Geiſtlichen haben / welcher ihnen den Weeg moͤcht zaigen in das gelobte Land?
O Welt-Kinder! wie vil anderſt wurdet ihr reden / ſo ihr bedachtſam thaͤttet erwoͤgen den Nutzen / welchen ihr habt von denen Geiſtlichen. Wann nichts anderſt waͤre / als allein das Beicht hoͤren / waͤre ſolche groſſe / ſchwaͤre / harte Buͤrde ſattſam vnd gnug / daß ihr die Geiſtliche ſolt lieben vnd ehren. Verſichert euch / daß manchen Geiſtlichen ergeht / was begegnet jenen Waſſer / wormit Chriſtus der HErꝛ denen Apoſteln die Fuͤß ge - wachſen / maſſen ſelbiges andere rain vnd ſauber gemacht / ſich ſelbſten aber bekottiget. Wie mancher armer Geiſt - licher fuhre vom Mund auff gegen Himmel / ſo ihme das Beicht hoͤren genauere vnd ſchwerere Rechenſchafft thaͤtte auffbuͤrden / vnd alſo der von eignen Suͤnden befreyet / wegen frembden Verbrechen in Gefahr ſtehet. So fern ihr aber in Anſehung deſſen euere Attern Zungen noch nit zaumen wolt / ſo laſt euch wenigſt ſchroͤcken die Straff /1. Paral. 16. welche ober euch ſchwebet. Nolite tangere Chriſtos meos, trohet Gott mit Ernſt allen frechen Boͤßwichten / welche die Ordens-Leuth vnd Geiſtliche anfeinden vnd be - laydigen. Nolite &c. Thut nit beruͤhren meine ge - ſalbte Prieſter / ſonſt iſt das Schwerdt meiner goͤtt - lichen Juſtiz ſchon geſchaͤrpfft wider euch.
Spieglet257Juͤnger deß HErꝛns.Spieglet euch ein wenig an dem / was ſich mit demChronic. Ord. p. 2. lect. 9. cap. 36. Orden deß heiligen Franciſci zugetragen. Gewiſſe Her - ren / vnd vornehme Prælaten haben ſich vnderredet / di - ſen H. Orden voͤllig außzutilgen. Zu ſolchem Ende iſt ei - ner auß diſem / vnd zwar ein Biſchoff / abgeraiſt zu den Concilium, daſelbſt bey dem hohen Geiſtlichen Rath die beweglichſte Klagen wider diſe Ordens-Leuth beyzubrin - gen. Bey dem Orth / allwo das Conſiſtorium gehalten ſolte werden / iſt ein alte Collegiat. Kirch / in welcher an der Wand die Bildnuß deß H. Pauli, vnd deß H. Se - raphiſchen Franciſci gemahlt waren; ein Nacht zuvor / ehe benannter Biſchoff entſchloſſen den Orden anzukla - gen / hat dem Meßner in dem Schlaff wunderſeltzam ge - traumbt / als rede der H. Paulus an der Wand ſeinen Ne - bengeſpann Franciſcum an: Franciſce! warumb de - fendireſt du nit deinen Orden? worauff Franciſcus ge - antwortet: Was will ich thun? ich hab nichts als Creutz in Haͤnden / vnd alſo muß ich Gedult haben. Ey / ſagte Paulus, diſe groſſe Unbild muſt du nit leyden / da nimb hin mein Schwerdt / vnd gib mir dein Creutz. Der gute Sa - criſtan erwacht hieruͤber / vnd kundte ſich nicht gnug ver - wunderen uͤber diſen ſo ſeltzamen Traum. Eylt demnach in aller Fruhe nach der Kirchen / ob ihm dann der Traum moͤchte außgehen. Vnd ſihe Wunder! er findt / zaigte es auch andern / daß die Bildnuß Franciſci ein Schwerdt / Paulus aber ein Creutz in der Hand / wie nun das Ge - ſchray diſes ſo ſeltzſamen Wechſels allenthaben erſchallen / da kombt zugleich die Zeitung / daß obgedachter Biſchoff / vnd Feind deß Ordens bey naͤchtlicher Weil im Beth ſeye enthauptet worden. Ein wunderliche Begebenheit iſt di - ſe / welche ſattſamb an Tag gibt / wie GOtt nicht vngero - chener laſſe die Unbilden / ſo denen Geiſtlichen auffgeladenK kwer -258Judas ein angehenderwerden. Wann Auguſtinus an ſtatt deß Hertzens / ein Schwerdt / Dominicus an ſtatt deß Buchs / ein Saͤbl / Be - nedictus an ſtatt deß Schlangen-Glaß / ein Degen / Ber - nardus an ſtatt deß Creutz / ein Palaſch / Ignatius an ſtatt deß JEſus Nahmen / ein Partiſan ſolte nemmen / vnd all - zeit drein ſchlagen in ihre Ordens-Feind / O wie vil gaͤb es blutige Koͤpff! vnd ſo ſie allen die Ohren mit Petro ab - hauten / die neydig ihren Orden verfolgen / muͤſten vil Ge - ſellen uͤber ein weil Paroka tragen / die Neyder ſeynd halt dem Falcken nit vngleich / welchem ein ſtinckende Portion von einem halb verfaulten Schimmel uͤber alle maſſen wol ſchmecket / entgegen ein gutes Brodt ihnen das Hertz abtrucket / alſo die Neydige nur frolocken ob deß Nechſten Unvollkommenheit / entgegen aber deſſen Wolergehen ih - nen peynlich fallet. Es wird euch aber / ich vergwiß es / die Straff der Goͤttlichen Hand nit außbleiben / welcher gerechte GOtt ſeine getreue Diener in allweg ſchutzet / vnd ſchirmet. Es iſt theils Lachens / theils Achens werth /Gualt. Serm. 27. pag. 821. was ſich hat zugetragen Anno 1613. mit einem Calvini - ſchen Notario zu Villa nova, welcher oͤffter pflegte die Geiſtliche im Chor / forderſt aber die Geiſtliche / ſo mit ih - rem Geſang die todte Leich zum Grab beglaitten / dem ſchreyenden Eßl zu vergleichen. Was geſchicht / als diſer ſchlimme Geſell mit Todt abgangen / vnd der Calviniſchen Gewonheit nach / gar herꝛlich zum Grab getragen wurde / da iſt ein groſſer Eßl gleich nach der Bahr gangen / welcher ſich auff keine Weiß lieſſe wecktreiben / vnd auch niemand bekannt war / weme doch ſolcher Langohr zugehoͤrig / vnd hat diſer mit ſtaͤtter Eßl-Stimm (war ja ein verdrießli - cher Tenor) die Leich beglaitet biß zum Grab / allwo er dreymahl vmb die Todtenbahr herumb gangen / vnd end - lich verſchwunden / ꝛc. Diſe vnd andere Straffen verdienenalle259Juͤnger deß HErꝛns.alle die jenige / welche die Geiſtliche anfeinden / ich meines Thails gib ihnen keinen anderen Ehrntitl / als was ich oͤff - ters dem Judæ Iſcarioth zugemeſſen / nemblich ein groſſes Sch.
WArumb hat vnſer lieber HErꝛ den Judas Iſcarioth in ſein Apoſtoliſche Verſamblung als ein Mit - glid an - vnd auffgenommen; da er doch hat vor - geſehen / diſer werde ein Ertz-Schelm werden? Ich ant - worte dir Philoſophiæ Magiſter, SS. Theologiæ Do - ctor, J. V. Canditate, &c. verzeyhe mirs / wann ich et - wann in deim Titular-Buch nicht recht hab vmbgeſchla - gen / welches die Minerva mit ihren ſubrilen vnd zarten Braͤtzlein in Cicero-Schrifft ſelbſt verfaſſet. Dir als einem Verſtaͤndigen antworte ich mit den Worten deß Engliſchen Lehrers Thomæ Aquinatis. Cur Dominus Judam, quem caſurum ſciebat, elegit in Apoſtolum? ego, inquit, duodecim elegi, & unus ex vobis Diabolus eſt. Reſpondi, quæſtionem iſtam eſſe unam de illis, quas intuens Apoſtolus reverenti ſilentio, præteriens honoravit, exclamans: O altitudo divitiarum ſapien - tiæ, & ſcientiæ Dei, & c.! Hoc unum ſcimus, quod in Juda non cauſavit Deus improbam voluntatem per - ditionis ſceleratæ in eſſe malitiæ. Attamen ipſe hac maculata voluntate benè uſus eſt, tanquam Dei fa -K k 2pien -260Judas ein angehenderpientia, attingens â fine uſque ad finem fortiter, & di - ſponens omnia ſua viter. Tom. 2. ſerm. ad Eccle. cau - telam. Wann euch diſer Spruch euren witzigen Ver - ſtand noch nicht begnuͤget / ſo hoͤret / was der groſſe Kir - chenlehrer / der H. Hieronym. ſagt l. 3. contra Pelag. c 2. ad c. 6. Joan. Interrogo Chriſtum, cur Judam elegerit proditorem, cur ei loculos commiſerit, quem furem eſſe non ignorabat? vis audire rationem. Deus præ - ſentia judicat, non futura: neque condemnat ex præ - ſcientia, quem noverit talem fore, qui ſibi poſteà di - ſpliceat. Sed tantæ bonitatis eſt, ut eligat eum, quem interim bonum cernit, & ſcit malum futurum, dans ei poteſtatem converſionis & pœnitentiæ. Der heilige vnd groſſe Kirchenlehrer Auguſtinus, als mein Heil. Vat - ter / gehet noch kuͤrtzer durch in Beantwortung diſes Warumb / ſprechend: lib. de Civit. cap. 49. Habuit Chriſtus inter Apoſtolos unum, quo malo utens benè, & ſuæ Paſſioni diſpoſitum im pleret, & Eccleſiæ ſuæ to - lerandorum malorum præberet exemplum. Der H. Kirchenlehrer Ambroſius gibt dem Warumb ein andere Antwort: lib. de Paradiſo cap. 8. Venerat Dominus Jesus omnes ſalvos facere peccatores, etiam circa im - pios oſtendere debuit ſuam voluntatem, & ideò nec proditurum debuit præterire, ut vel beneficio Dei re - voceretur â proditionis affectu. Deus, quem prævidet peccaturum, & in peccato ſuo moriturum; huic be - neficia ſolet conferre, ut eum à peccato, & ab æterna dam natione retrahat, nè ipſe Domino detrahat, quod media ſufficientiſſima ad ſalutem ei non præbuerit. Diß ſeynd lauter Beantwortung / welche ohne Zweiffel / maſſen ſie von ſo bocherleuchten Lehrern herruͤhren / denen Witzigen vnnd Schriffterfahrenen ein Begnuͤgen laiftenwer -261Juͤnger deß HErꝛns.werden; daß ich aber ſolche nit in Teutſch uͤberſetze / iſt die Urſach / weilen etwann diſes geringe Buch moͤchte auch von der Weiber Haͤnd / oder anderen / bey denen die Do - ctrin vnd Wiſſenſchafft nicht groß / durchblaͤttert werden / vnd nachmahls ein Kleinmuͤthigkeit / ohnnoͤthige Scru - pel / auch ſchaͤdliche Irrungen entſtehen kundten. Du mein Leſer ins gemain / ſeye von dem Heil. Geiſt ſelbſt ge - wahrnet / daß du dich mit vilen Warumb nicht ſolſt ab - matten / noch denen vnermeßlichen Urthlen Gottes gar zu ſehr nachforſchen. Was dir zu hoch iſt / das ſuche nicht / vnd was dir zu ſtarck iſt / dem forſche nit nach: ſondern gedencke allzeit daran / was dirEccl. c. 3. GOtt befohlen hat / vnd ſeye nit fuͤrwitzig in vilen ſeinen Wercken / dann verborgene Ding mit deinen Augen zu ſehen / iſt dir vnvonnoͤthen; Altiora te, nè quæſieris.
Thales Milleſius ein vortrefflicher Weltweiſer gien - ge eineſt bey kuͤhler Abends-Zeit ſpatzieren / vnd im weh - renden gehen beſchnarchte er mit ginnendem Maul den Himmel; ſagte auch bey ſich ſelbſten alſo. Schau / da iſt der mittere Himmels-Circul / wordurch die Sonn ſtaͤts mit feurigen Pferdten durchpoſtirt. Dort iſt das Zaichen der Waag / wer darunder gebohren wird / der ſchickt ſich zu einem Advocaten / ſo ein Liebhaber der Gerechtigkeit ſeyn ſolle. Sihe / dort iſt der Stern / Venus genannt / welcher ſolches Geſtirn in ſeiner Geburt hat / der ſchickt ſich zu der Keuſchheit / wie ein Sichel in ein Meſſer-Geſteck. An dem - ſelben Orth iſt der Planet Mercurius, wer dorten auff die Welt kombt / auß dem kan man hauptſehlich ein Kauff - mann ſchnitzlen / dann er wird dem Teuffel ein Ohr ab - ſchwoͤren / diß ſeye ein Engellaͤndiſches Tuͤchlein / wann esK k 3ſchon262Judas ein angehenderſchon zu Lion in Franckreich zu Hauß iſt. Alldorten iſt das Geſtirn / ſo ins gemain Urſa minor, der kleinere Beer benambſet wird / vnder diſem Zaichen iſt beſſer Naͤgel ab - ſchneiden / als Ohren / dann ſolche nit mehr nacher wach - ſen / wie die Krebs-Schaͤren. Indem er nun mit erheb - ten Augen gegen Himmel ſtaͤts in diſer Betrachtung fort gangen / iſt er ohngefehr geſtolpert / vnd in eine tieffe Koth - lacken hinein gefallen / daß die Bruͤhe ober ſeiner zuſamb geſchlagen; das war ein ſeltzamer Haas im Pfeffer. Nach - dem er den Kopff auß dem wuͤſten Saubad in die Hoͤhe gehebt / hoͤrt er noch zu ſeinem Spott ein altes Weibel / welcher die Naſen behengt war mit einem wilden Cryſtall / wie zur Winters-Zeit die Strohtaͤcher mit Eyßzaͤpffen / welche ihn mit ihrem ohnbewaffneten Mundſtuck derge - ſtalten außgehoͤnt / daß / wofern ſie vorhero keinen hohen Rucken haͤtte gehabt / ſie ſich leicht zu bucklet gelacht. O Narꝛ! hats gehaiſſen / was wilſt du dich vil in die obrige Ding vergaffen / ſiheſt du doch nicht / was vor deiner. Altiora te, ne quæſieris.
Du naſenwitziger Bruder Curios; du uͤbermuͤthige Schweſter Forwiza, verdienſt faſt gleiches Prædicat, vnd ſchlechten Preiß-Namen / wann du ſo frech die obere Goͤtt - liche Gehaimnuſſen / vnd Gottes ohnermaͤßliche Werck vnderſteheſt durchzugruͤblen. Ey du ſpitzfindiger Erd - Schrollen / waiſt du doch das jenige nit / was vor deiner iſt / vnd muſt in vilen natuͤrlichen Dingen dein Eßlſichti - ges Neſcio hoͤren laſſen. Waiſt du / warumb das Feur / oder die Sonne das Koth hart mache / entgegen einen Bechſchrollen erwaiche? neſcio, ich waiß nicht. Waiſt du / warumb das Feur einen Stain zu einem weiſſen Kalch brennet / entgegen ein Holtz zu ſchwartzen Kohlen? ne - ſcio, ich waiß nicht. Waiſt du / warumben / wann man ein Holder uͤberſich ſchoͤllet / geſottner eingenohmen / uͤberſichbrechen263Juͤnger deß HErꝛns.brechen macht / ſo man ihn aber herab bricht / vnderſich laxieret? neſcio, ich waiß nit. Waiſt du / warumd ein Loͤw einen Gogl-Haan foͤrcht / vnd nit einen Wolff oder Tyger? neſcio, ich waiß nit. Waiſt du / warumben ein Magnetſtein Eyſen ziecht / vnd nit ein Holtz / ſo vil leichter iſt? neſcio, ich waiß nicht. Waiſt du / warumben das Fiſchl Remora, ſo nit groͤſſer dann ein Blateißl / kan ein groſſes Schiff mit tauſend Centen mitten im Meer arre - ſtiren? Neſcio, ich waiß nit. Waiſt du / warumb der Eſel die Ohren haͤngt / wann er als ein vierfuͤſſiger Aſtro - logus vermerckt / daß denſelbigen Tag ein Regenwetter wird einfallen? neſcio, ich waiß nit. O wann dein Ver - ſtand alſo oͤd vnd bloͤd iſt / daß er natuͤrliche Sachen nit kan ergruͤnden / warumben wilſt du dann die natuͤrliche vnnd Goͤttliche Vrtheil anatomieren? GOtt hat gewuſt von Ewigkeit her / daß / wann er den Adam werde erſchaffen / ſo werde ſolcher ſich ſambt dem gantzen Menſchlichen Ge - ſchlecht ins ewige Verderben ſtuͤrtzen / vnd hat ihn dannoch erſchaffen. GOtt hat von Ewigkeit hero vorgeſehen / daß / wann er den Judam Iſcarioth in ſein Apoſtoliſches Colle - gium werde auffnemmen / ſo werde ihn ſolcher maineydi - ger Weiß den Feinden uͤbergeben / hat ihn dannoch auff - genommen. Frag nicht Warumb mein Menſch; GOtt waiß ſchon die Vrſach / vnd diſe iſt ſo gerecht / als GOtt ſelber iſt / ob ſchon ſolche vnſer verdunckleter Witz nicht kan faſſen. Ohne Willen Gottes deß Allmaͤchtigen ge - ſchicht nichts / nichts / nichts / vnd ſein Will kan nit irren / ſo wenig als GOtt faͤhlen kan. Nunquid iniquitas apud Deum? abſit. Rom. 9.
Joannes Colganus in dem Leben deß Heil. FridianiPagata fol. 497. beſchreibt ein wunderliche Straff eines Vorwitzigen. Erſt - ermelter Heiliger hatte eineſt dem H. Mann Columbæ ein Buch geliehen / welches diſer bey naͤchtlicher Weil inder264Judas ein angehenderder Kirchen abgeſchriben / ohne Beyhuͤlff eines Liechts / weilen ſeine Finger lauter brinnende Facklen ſcheinten. Gleich zur ſelben Zeit wolt ein Diſcipul deß H. Fridiani das Buch von Columba wider zuruck begehren; findet aber / daß ſich der H. Columba in der Kirchen verſchloſſen; ſchaut demnach durch ein kleines Loch / oder offne Klumb - ſen hinein / verwundert ſich hoͤchlich uͤber den ſeltzamen Glantz ſeiner Finger / welches ſeinen Vorwitz noch mehrer angeſporꝛt / daß er laͤnger durch das Loch hinein gugt / der Hoffnung / er werde noch andere dergleichen Wunderding erwarten; aber der Allerhoͤchſte hat diſen ohnnoͤthigen Vorwitz gar arthlich geſtraffet / maſſen eben dazumahlen ein Kraͤ (diſer Vogel iſt dem Raaben nit vil ohngleich) in der Kirchen ware / welche ohne das gantz haimblich in dem Kloſter herumb geflogen. Diſer Vogel / auß Befelch Got - tes / ſchleichte gantz ſtill zu der Kirchen-Thuͤr / beckt vnver - ſehens zu dem Loch hinauß / vnd haut auff einmahl dem vorwitzigen Frater ein Aug auß. Diſer arme Tropff hat alsbald mit einem Aug beſſer / als vorhero mit zwey Au - gen geſehen / daß er nit haͤtte ſollen vorwitzig ſeyn.
Wann durch Schickung Gottes ein jeder ſolt ein Aug verliehren / welcher vorwitziger Weiß nicht durch ein Kirchen-Thuͤr / ſondern gar durch die Himmels-Thuͤr hin - ein ſchaut / vnd Achtung gibt / was GOtt fuͤr gehaimbe Urthel in ſeinem Goͤttlichen Conſiſtorio verborgen. O wie vil waͤren einaugige Menſchen! wie vil hatten nur ein Fenſter im obern Zimmer! wie vil gab es gute Schuͤ - tzen / welche nicht mehr noͤthig haͤtten ein Aug zu zuſchlieſ - ſen / wann ſie zihlen vnd abtrucken! dann was findt man mehrer / als ſolche vorwitzige / naſenwitzige / uͤberwitzige Adams-Kinder / die immerzu das Warumb im Maul herumb tragen / wie ein Budlhund den Bruͤgl. Solchen aber gib ich keinen anderen Beſchaid / als da geben hatChriſtus265Juͤnger deß HErrn.Chriſtus der HErꝛ dem Petro, da ſolcher auß Vorwitz wiſſen wolte / was kuͤnfftig mit Joanne, der auff deß HErꝛn Bruſt in dem letzten Abendmahl gelegen / geſchehen wer - de: Quid ad te? Was gehts dich an? ſagte der Heyland. Wann du mein lebendiger Laimſchrollen fragſt / warumben GOtt den Jacob im Mutterleib ſchon geliebet / den Eſau entgegen ſchon im Mutterleib gehaſt? war - umben hat GOtt die Gnad geben dem rechten Schaͤcher Diſmas, welcher ein ſo groſſer Boͤßwicht ware / wie ſein Mitgeſpann der Geſmas? gleichwol jener durch die Barm - hertzigkeit Gottes bekehrt; diſer durch die Gerechtigkeit Gottes verſtockter gebliben? Quid ad te? Was gehts dich an? wer biſt du / daß du mit GOtt rechten ſolleſt? Spricht dann auch ein Werck zu dem / der es ge - macht; warumb haſt mich alſo gemacht? hat der Hafner nicht Macht / auß einem Laimpa - tzen zu machen ein Gefaͤß zu den Ehren? vnd das andere zu den Unehren? Iſt dann nit GOttRom. 9. der vollmaͤchtigſte HErꝛ uͤber ſeine Gnaden? welche er nach ſeiner beliebigen Maß kan außthailen? wann je - mand ewig verlohren wird / ſo hat das die Gerechtigkeit[Gottes] gethan; wann jemand ewig ſeelig wird / ſo hat das die Barmhertzigkeit Gottes gethan; beedes aber ge - ſchicht mittels deiner guten vnd boͤſen Wercken / welche dein freyer Will gebaͤhret. Der aber etwas gutes wuͤr - cket / der wuͤrckt es nit ohne GOtt / der etwas boͤſes wuͤr - cket / der wuͤrckt es ohne GOtt. Aber laß du lieber ſolches ohnnoͤthiges Warumb vnderwegs / ſonder gedencke / daß / gleichwie du das groſſe grundloſe Meer nicht kanſt ſchit - ten in ein kleines Gruͤbl; mit einer Hand die groſſe Welt - Kugel nicht kanſt uͤberſpannen / alſo auch kanſt du die UrtlL lGottes266Judas ein angehenderGottes mit deinem wurmſtichigen Verſtand nit ergruͤn - den. Du biſt nur ein blinder Maulwurff auff diſer Welt / du kanſt nit ſehen / noch verſtehen / was GOtt thut. Sprich lieber mit dem H. Paulo. O altitudo divitiarum,Ad Rom. 11. V. 33. &c. O wie ein tieffe der Reichthumb bey der Weißheit / vnd Erkandtnuß Gottes! wie ohn - begreifflich ſeynd ſeine Gericht! vnd wie ohn - erforſchlich ſeynd ſeine Weeg! dann wer hat den Sinn deß HErꝛn erkannt / oder wer iſt ſein Rathgeber geweſen.
Wann einer fuͤnfftzig Jahr GOtt dem Allmaͤchtigen gantz inbruͤnſtig gedienet biß in ſein Todtbettl / allzeit hei - lig / auſſer in der letzten Viertl Stund laßt ihn GOtt fal - len. Ein anderer iſt 50. Jahr ein laſterhaffter Boͤßwicht / in ſeinem Sterbſtuͤndlein aber hat er die Gnad von GOtt / daß er ſich bekehret / diß iſt zwar ſelten geſchehen / da es aber noch ſolte geſchehen / ſo thue du deſſentwegen den All - maͤchtigen keiner Vngerechtigkeit beſchuldigen; ſondernPſal. 118. ſprich mit dem geeroͤnten Harpffeniſten David. Juſtus es Domine, & rectum Judicium tuum. HErꝛ du biſt gerecht / vnd dein Gericht iſt recht.
Warumben iſt GOtt nit ehender auff die Welt kommen / vnd ſelbige mit ſeiner heiligſten Lehr von denen Irꝛthumben gezogen? warumben erſt vier tauſend Jahr nach dem Fahl deß Adams? Quid ad te? Was gehts dich an? ſag lieber: HErꝛ du biſt gerecht.
Warumben laſt GOtt ſo vil hundert tauſend See - len dem hoͤlliſchen Raub-Vogl / da er doch konte alle ſee - lig machen? Quid ad te? Was gehts dich an? ſprich lieber. HErꝛ du biſt gerecht.
Warum -267Juͤnger deß HErꝛns.Warumben laſt GOtt vil verdambt werden / durch dero Huͤlff / vnd Lehr vil ſeynd ſeelig worden? Quid ad te? Was geht das dich an? widerholl lieber. HErꝛ du biſt gerecht.
Warumben hat GOtt die Menſchen erloͤſt / vnd nit die Engel nach ihrer Suͤnd / in dem ihr Engliſche Natur / vnſere Menſchliche weit uͤberwegt? Quid ad te? Was gehts dich an? ſchreye lieber auff: Juſtus es Domine: HErꝛ du biſt gerecht.
Warumben laſt GOtt ſo vil jrrige Glauben / be - thoͤrte Irꝛthumber / teuffliſche Ketzereyen / falſche Lehrer zu / da ers doch koͤndt wenden? Quid ad te? Was geht dich das an? iſt vil beſſer / du ſingſt mit dem David, HErꝛ du biſt gerecht.
Warumb hat GOtt den Judas zu einem Apoſtel / zu einem Juͤnger / zu einem Lehrer / zu einem Prieſter / zu einem Wunderwerck Wuͤrcker erkuͤſen / da er doch hat vorgeſehen / diſer wird ein Dieb / ein Partitenmacher / ein Mameluc, ein Geitzhalß / ein Verraͤther / ſein ſelbſt eigner Hencker / vnd mit einem Wort ein Ertz-Schelm werden? Quid ad te? Was geht dich das an? ſeye du fein fronun vnd heilig / bitte GOtt vmb die Be - ſtaͤndigkeit / in uͤbrigen laß fahren dein naſen - witziges Warumb.
NAchdem Judas von Chriſto dem Heyland zur Apoſtoliſcher Hochheit erhoben / hat er ſich all - weg fromm vnd eyfrig verhalten / alſo zwar / daß ihne nach kurtzer Zeit der HErꝛ zum Procurator deß Apo - ſtoliſchen Collegij erkuͤſen / weilen man an ihme ein beſon - dere Faͤbigkeit geſpuͤhret / dann er wuſte gar wol auff freundliche Manier mit allen Leuthen zu handlen / vnnd zu wandlen / auch manglete nicht an ihme die Erfahren - heit / vnd die Wiſſenſchafft alle Sachen vmb ein billichen Preiß beyzukauffen; dahero die andere Apoſtel wegen Evangeliſcher Armut noch Heller / noch Pfenning bey ſich hatten / ſondern die gantze Caſſa fuͤhrete diſer wolerfahrne Pagator: Alſo daß / wann einer auß diſen heiligen Theo - logis von guthertzigen Leuthen ein Allmoſen im Geld / oder im Gelds-Werth empfangen / muſte er ſolches we - gen deß abgeſchmachen vnd kuͤhlen meum, & tuum, der Gemain uͤbergeben / welches nachmals Judas in den Em - pfang genommen / vnd mit demſelben die nothwendige Lebens-Mittel dem H. Collegio beygeſchafft / dahero er mit vnderſchidlichen Leuthen beſchaͤfftiget worden / nemb - lich mit Einkauffern / mit Vorkaͤufſlern / mit Kuchlpfle - ger / mit Zeckertrager / mit Nudlkoͤch vnd mit Sudlkoͤch / mit Mehlmaͤſſer vnd Traydmeſſer / mit Koſtherren / mit Greißlern / Wuͤrthen / Laygeben / mit Camerlocanten /Mar -269nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.Margataͤntern / mit Kraͤutl-Weibern vnd Fraͤtſchlerinen / mit Marckt-Richtern vnd Krebſen-Richtern / abſonder - lich mit denſelben Geſellen / welche nachgehends der HErꝛ JEſus als ſchlim̄e Schelmer auß dem Tempel gebeitſcht / ware Judas ſehr bekannt / welche Bekandtſchafft den Ey - fer deß Iſcarioths nach vnd nach mercklich geſchwaͤcht / al - ſo / daß er nachgehends vnder dem Schein die Apoſtoliſche Kuchel zu proviantiren gedachte / ſaubere Cammeraden oͤffters beſuchet / auch etwann bey diſer naſſen Burſch / bißweilen eins Beſchaid gethan / vnd dero Partiteriſchen Geſpraͤch vnd Fatzreden ein laͤngers Gehoͤr geben. Es iſt auch wol zuvermuthen / daß einer oder der andere ſich ver - lauten laſſen / wann er an ſtatt deß Judæ ein ſolcher Cam - mer-Zahlmaiſter waͤre / vnd von ſolcher Scharſche kein Raithung doͤrffte legen / wolt er ſeiner ſelbſt nit vergeſſen / ſondern oͤffters den Ablativum an die Hand nemmen / ein huͤpſch Geldl beyſeits legen / wer waiß / wie es noch mit diſem Zimmermanns Sohn JEſu ein Außgang nimbt / ꝛc. Seye ihm / wie ihm wolle / diſer erleuchte / heilige vnnd Gottsfoͤrchtige Apoſtl iſt verfuͤhrt worden durch diſe lie - derliche Geſellſchafft / welches neben andern gar ſchoͤn be - zeugt der gelehrte Franciſcus Labata. Ea, quæ ab ava - ris hominibus deſumpſit, ita prævaluerunt, ut ex ſancto Dei Apoſtolo Fur, & Proditor Divinæ Maje - ſtatis evaſerit reus, potiùs lucrari à mercatoribus didi - cerat, quàm paupertatem à diſcipulis ſuis.
O was haͤuffiges Ubel vnd manigfaltiger Seelen - Verlurſt iſt nit ſchon von boͤſer Geſellſchafft / vnd boͤſer Gelegenheit entſprungen. Der groſſe Patriarch Abra -Geneſ. 24. ham hat allgemach betracht / daß ſein Sohn der Iſaac ſchon erwachſen / in Ehr vnd Lehr wol erzogen / vnd alſo mangle ihm nichts / als ein Weib. Zu ſolchem Zihl vnd End ſchickt er ſeinen Hauß-Verwalter oder HoffmaiſterL l 3auß270Judas Anfangs fromm /auß den Eliezer, daß er ſolle / vnd wolle ſeinem jungen Herꝛn ein Braut außſuchen / aber nur kein Chananæerin nit / ja ſo gar muſte Eliezer dem Abraham ſchwoͤren / vnd aydlich verſprechen / daß er kein Fraͤule auß dem Land Cha - naan wolle mit ſich bringen. Ich kan allhier nit anderſt / als mit einem Warumb dich groſſen Abraham ich klei - ner Abraham befragen. Warumb kein Chananæerin? etwann gibts in demſelben Land lauter groneriſche / grei - neriſche Hader-Katzen? welche den gantzen Tag einen Moſeowitiſchen Trippel ſingen: dann drey Ding ſeynd einem Hauß uͤberlegen / ein Rauch / ein boͤſes Weib / vnd ein Regen; warumben dann kein Chananæerin? villeicht tragt derſelbe Boden lauter wilde Tramplen / welche da Geſichter haben / wie ein Allgeyer Leinwath / ſo nur auff einer Seyten geblaicht? warumben kein Chananæerin? etwann haben ſie ſchlochte Huͤttl / Kuͤttl / Mittl / vnd ſchreiben ſich die mehreſte von Bethlehem in Palæſtina, vnd nicht von Reichenau bey Coſtnitz? warumben kein Chananæerin? villeicht ſeynd ſie nit adelich? dann Raa - ben-Federn / vnd Pfauen-Federn geſellen ſich nit recht wol zuſammen. Warumben kein Chananæerin? mein lieber Eliezer, ſagt Abraham, ſchwoͤr du mir bey dem lebendi - gen GOtt / daß du mir nur kein Braut auß dem Chana - næiſchen Frauenzimmer nach Hauß fuͤhreſt; warumben aber? was gilts / es haiſt in demſelben Land / gemach mit der Braut / damit die Hungfrau nicht in Graben fallt? darumb / darumb kein Chananæerin. Dann Abraham gedachte alſo; mein Sohn der Iſaac iſt ein frommer Menſch / ein feiner Menſch / ein Gottsfoͤrchtiger Menſch / die Innwohner aber in dem Land Chanaan ſeynd lauter Goͤtzen-Anbetter. Dafern nun mein Sohn ein ſolche Land-Fraͤule ſolte heyrathen / wurde er mit der Zeit ſambtihr271nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.ihr Abgoͤttiſch werden. Nur kein Chananæerin / dann wann ſich mein Sohn mit einer ſolchen ſolte vermaͤhlen / vnd Kinder mit ihr erzeugen; die Kinder aber gehen meh - reſten thails mit der Mutter vmb / vnd die Mutter mit den Kinderen. Sinntemahlen der Mann zu dem Hoff ſchaut / die Mutter zu dem Hoͤfen / vnd folgſamb iſt ſie al - lezeit bey den Kinderen. Dafern nun die Kinder ſtaͤts werden ſehen / daß ihr Chananæeiſche Mutter die Goͤtzen - Bilder anbettet / ſo werden ſie es ohngezweifflet nachthun / dann gemainiglich / mit wem er vmbgehet / deſſen Sitten nimbt er an. Die Heuſchroͤcken ſeynd alle gruͤn / alle in gruͤner Livere, weilen ſie immerzu im Graß / vnd bey dem Graß ſeynd; die Laubfroͤſch tragen alle gruͤne Hoſen vnd Wammes an / vnd ſeynd vnderſchieden von ihren Stieff - bruͤderen / ſo in den Lacken loſchieren / auß Urſachen / wei - len ſie ſtaͤts bey gruͤnen Laub vnd Blaͤtteren hengen / vnd wohnen / alſo pflegt gemainiglich der Menſch die Untu - genden anzuziehen deren / mit welchen er Bekandtſchafft vnd Freundſchafft fuͤhret.
Den Schauer ſchauen die Bauren nicht gern / vmb - weilen ſolcher Rißl-Regen den Trayd-Ackern ſehr groſſen Schaden zufuͤget / vnd werden gemainiglich die Bauren Blutarm / wann ſie ſolcher Geſtalten Stainreich werden.
Anno 1392. hat es in Teutſchland an vnderſchiedli - chen Orthen einen haͤuffigen Schauer geworffen / in der Groͤſſe der Gaͤnß-Ayr.
Anno 1441. iſt in Teutſchland ein ſo groſſer SchaurMajolus fol. 15. gefallen / daß ein Stain auff ein halb Pfundt gewogen / vnd ſolches iſt geſchehen an dem Tag vnſer lieben Frauen Haimbſuchung. Ibidem.
Anno 1395. hat es gegen Schweden einen wunder - lichen Schauer geworffen / in deme die Stainer gantz na - tuͤrliche Maͤnner - vnnd Weiber-Geſichter vorſtellten. Kranzius. lib. 9. c. 3.
An -272Judas Anfangs fromm /Anno 1240. iſt vnder anderen zu Cremona, in dem Cloſter deß H. Gabriel, ein Schauer gefallen mit einem Creutz / worauff das Angeſicht Chriſti ſambt dem Nah - men Jesus Nazarenus. Wie man mit dem Waſſer diſes zergangenen Schauers das Geſicht eines Blinden beſtri - chen / hat er alſobalden klar geſehen. Vincent. Hiſtor. lib. 30. c. 138. Ich will dermahlen anderer wunderſeltzamen Schauer - vnd Rißl-Wurff geſchweigen / ſondern allein fragen den Urſprung deß Schauers? diſer wird folgender Geſtalten. Erſtlich / bey warmer Zeit pflegt die Sonn die hitzige Erden-Daͤmpff von der Erden in die Hoͤhe zu - ziehen / welche Daͤmpff dergeſtalten hitzig / daß ſie zu wei - len gar in Feuer verwandlet werden. Wann nun diſe warme Daͤmpff alſo empor ſteigen / vnd in die andere Re - gion deß Luffts / welche gantz kalt iſt / kommen / ſo werden ſolche / die bevor gantz warm / auch kalt / vnd geſtocken / wie kleine vngeformbte Kuͤgelein zuſammen / welche nachmahls mit groſſem Getoͤß herunder braßlen / vnd verurſachen im Trayd ein Layd / vnder dem Baumer ein Jammer / vnd nemmen den lieben Reben das Leben. Ey Schauer / du bift ein ſchlimmer Lauer / biſt kurtz vorhero ein warmer Dampff / ja gar ein hitziger Erd-Dunſt geweſt / vnd anje - tzo biſt du ſchon worden ein ſo kuͤhler Tropff / daß du auch ohne Paſſauer-Zettl gefrohren biſt. Ja / ja / wann der Schauer reden kundte / ſo wurde er ſagen / freylich war ich zuvor ein warmer Dampff / wie ich aber in die andere Re - gion deß Luffts bin kommen / welche von Natur ſehr kalt iſt / da ſeynd mir die warme Geiſter außgeflogen / vnd bin halt mit kalten kalt worden. So gehts / mit wem einer vmbgehet / deſſen Sitten ziecht er an / daß mancher eyffri - ger / vnd frommer Juͤngling / auß einem Erneſt ein Diebs - neſt wird / auß einem Edmund ein Immund, auß einem Engelbert ein Teuffelswerth / auß einem Nicomedes einGani -273nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.Ganimedes, ja auß einem Lambert ein Wolff. Wun - dere dich deſſen nicht / die ſchlimme Geſellſchafft hat ihme das Klayd der Unſchuld außgezogen / die boͤſe Cammera - den haben ihm ihre Untugenden angehengt. Es iſt ihme begegnet / wie dem Schauer / er war zuvor auch gantz inn - bruͤnſtig vnd eyffrig / weilen er aber ſich zu ſolchen kuͤhlen vnd abgeſchmachen Tropffen hat geſellet / ſo iſt er ſambt ih - nen inder Liebe Gottes erkaltet. Nimb deſſen ein Exempl an Petro. Petrus war ein Haupt der Apoſtl / vnd forderiſt ein Hauptfreund Chriſti / dann die Noth iſt der beſte Prob - ſtain / welcher die gute Freund kan von dem Leoniſchen vnderſcheiden. Petrus hat ſich gar wegen Chriſtum in die Gefahr begeben / dann / als ein gantzes Gſchwader der Juͤ - diſchen Lottersknechten / vnd ein haͤuffige Anzahl der He - breiſchen Schoͤrgganten mit Gablen vnd Saͤblen / Chri - ſtum den HErꝛn angefallen ihn zufangen / hat Petrus allein vom Leder gezuckt / vnd zwiſchen die Ohrn gehauet. Da hat ſich der tapffere Apoſtl in aͤuſſerſte Gefahr begeben / dann / ſo fern diſes zuſambgerotte Lumpen-Geſind mit Spieſſen vnd mit Stangen ſich dem Petro widerſetzt haͤt - ten / waͤre vnfehlbar ein Haas ſo vilen beiſſigen Hunden zu einem Raub worden. Diß Hauptſtuck verdient ein Haupt-Lob von dem Apoſtoliſchen Haupt Petro, in dem er alſo ſeinen JEſum geliebet hat auch mit augenſcheinli - cher Gefahr deß Lebens. Wer ſoll ihm einbilden / daß ein ſolche ſchoͤne brinnende Fackel ſoll erloͤſchen? wer ſoll mai - nen / daß ein ſolcher guter Fuhrmann ſoll vmbwerffen? wer ſoll gedencken / daß ein ſolcher ſcharffer Degen ein Scharten ſoll bekommen? wer ſoll glauben / daß ein ſol - cher ſchoͤner Baum ſoll erdorren? wer ſoll vermuethen / daß ein ſolcher guter Wein ſoll zu Eſſig werden? wer ſoll foͤrchten / daß ein ſolches ſtattliches Holtz ſoll wurmſtichig werden? iſt dannoch geſchehen / daß Petrus ſeinen HErꝛn /M mfuͤr274Judas Anfangs fromm /fuͤr dem er zuvor Guet vnd Blut haͤt geſpendiert / mainey - dig vnd ſpoͤttlich hat verlaugnet. Vmb Gottes Willen / wie iſt es geſchehen / daß ein ſolche ſtarcke / wolgegruͤndte Saulen iſt gefallen? fragſt du wie? vnd wo? ſo antworte ich dir; hie vnd dort in der boͤſen Geſellſchafft. Petrus be - fande ſich zu Hoff bey dem Feur / beym Feur machte er ein Feurabend ſeiner Treu; beym Feur thaͤt er in der Lieb er - kalten: beyn angezuͤndten Pruͤglen thaͤt er mit ſeiner Hei - ligkeit ſcheittern. Dann bey demſelben Camin war ein lie - derliche Burſch / allerley Laggey mit grober vnd grauen Liberey / einer hat ein Himmelblaues Kleyd an / vnd ein teuffliſches Gwiſſen / ein anderer war roth in dem Rock / aber nit Schamroth in dem Geſicht: diſer tragte ein gruͤ - ne Liberey / vnd hatte doch wenig Hoffnung zum Himmel: jener gieng gantz braun daher / vnd machte es in vilen Vn - thaten gar zu braun: es waren auch allda Soldaten / Auffwarter / Schreiber / Nachtretter / Anhalter / Reut - knecht / Paſchi / ja allerley Tabacktrincker / Zottenkram - mer / Spaivoͤgl / Spottvoͤgl / Zeitungtrager / Auffſchnei - der / ꝛc. Mit einem Wort ein liederliche Burſch / vnd Mit - ten vnder ihnen war Petrus. Was Wunder dann / daß er beyn Schlimmen iſt ſchlimm worden. Ulula cum lu - pis, cum quibus eſſe cupis. Es werden dißfals nit alle Laggey geſcholten / ſonder nur die jenige / welche von der Lacken den Namen ſchoͤpffen / verſtehe die jenige / die da kottige Sitten haben / vnd den naͤchſten Cammeraden leicht - lich beſudlen vnd anſchmieren. Matth. 26. S. Bern. Serm. 3. Dom. 3. poſt Pent. a. 2. c. 9. Dergleichen waren die Herodiſche / Pilatiſche / Anniſche / Cayphiſche / Rabini - ſche Diener / Fackltrager / Pumphoſentrager / Kothtreſcher Compliment-Botten / Thaͤlerlecker vnnd Sinagogiſche Meßnerbueben / vnder welchen Schelmengſind Petrus geſtanden / vnd layder gefallen. Ingreſlus intro, ſedebat cum Miniſtris.
O ver -275nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.O verwelcht ein ſo ſchoͤne Blum die Chriſtus ſelbſten gepflantzet / durch boͤſe Geſellſchafft! wie vil weniger ſol - len wir trauen / die wir weit entfernt ſeynd von der Voll - kommenheit eines Apoſtels: weit minder an der Gnad / als ein Apoſtel; in deme wir die mehreſten ſchon geneigt ſeyn zu dem Boͤſen / wie ein duͤrres Haberſtroh zum bren - nen / wie ein Zundl zum fangen / wie ein zeitige Biern zum fallen / iſt gefallen ein ſo ſtarcke Saul durch boͤſe Geſell - ſchafft; wie ſoll ich / du vnd er trauen / die wir nur ſchwache Roͤhr ſeyn / iſt erloſchen ein ſolche ſchoͤne Fackl / wie ſollen wir / ihr vnd ſie beſtehen in ſchlimmer Compagni, ſo nur geringe Wachsliechtl. Merckt es vorderiſt ihr Eltern / daß ihr ewere Kinder nicht leichtlich zu Gottloſen Bueben geſellet / in Erwegung / daß gar war iſt / was das gemeine Sprichtwort ſagt:
Boͤſe Gſellen / ſchicken offt manchen in die Hoͤllen.
Der Evangeliſche Mahler Lucas am 15. cap. regi - ſtrirt von dem verdorbnen Sohn / wie daß ſelbiger ein wun - derſeltzamen Appetit habe gehabt zu einer gewiſſen Speiß. Aber rath / zu was fuͤr einen Schleckerbißl? villeicht hat ihn geluſt nach einen Bayriſchen Gogelhopff? oder hat er ihm Mucken gemacht[we]gen eines Bayriſchen Wepſen - Neſt? nein. Etwann haben ihm die Zaͤhn gewaͤſſert nach Steuriſchen Kapauner? nein. Etwann haͤtt er gern geſſen ein Schwaͤbiſche Baurnkuͤchel / oder ein geſchmaltzenes Ha - bermueß? nein. Was gilts / er haͤtt gern Weſtphaliſche Schuncken gehabt? nein. Etwann iſt ihm ein Luſt ankom - men wegen Pommeriſche Knackwuͤrſt? nein. Oder ſeynd ihm die Boͤhmiſche Golatſchen eingefallen? nein. Etwann haͤtt er gern Schweitzeriſche Zuͤger geſſen? auch nicht / ſon -M m 2dern276Judas Anfangs fromm /dern er verlangt ſeinen Bauch zufuͤllen mit Trebern vnd Kleiben der Schwein. Pfui! was iſt das fuͤr ein ſeltzamer Appetit? cupiebat implere ventrem de ſiliquis, quas porci manducabant: Das iſt mir ein rechter Sau-Ma - gen. Wo kombts aber her / daß diſer Limbl ſich alſo in das Sau-Convect verliebet hat? ey ſo friß! dahero / frag nicht lang. Mit was fuͤr Geſellen vnd Cammeradſchafft einer vmbgehet / dero Sitten ziecht er an. Diſer ſaubere junge Herꝛ muſte auß Noth Saͤu huͤtten / vnd weilen er ſtaͤts mit ſolchen geruͤßleten Spieß - oder Speiß-Geſellen vmb - gangen / hat er auch einen ſolchen Sau-Magen geerbt. Difficile eſt enim eum incorruptum permanere, qui corrupto ſociatur. Sagen die Canones Cap. Quisquis 23. Mit Vnzuͤchtigen lehrnet man auch Galaniſiren / haͤtt bald geſagt / Gailaͤniſtren: mit Sauffern wird man ein Schlemmer / haͤtt bald geſagt ein Schlim̄er: mit Die - ben lehrnet man auch im Stehlen ſein Heyl / haͤtt bald ge - ſagt / ein Sail ſuchen. Dann der mit Bech vmbgehet / der ſchmeckt / der mit Schwamen vmbgehet / der ſtinckt / der mit Kuchlen vmbgehet / der ſchmerglet / der mit Eſſig vmbgehet / der ſaͤuerlet / der mit Einhaitzen vmbgehet / der braͤndlet / der mit Gaiſſen vmbgehet / der boͤcklet / der mit Saͤuen vmbgehet / der ſchweinlet / der mit Toback vmb - gehet / der rauchlet / der mit Schelmen vmbgehet / der ſchelmlet / ꝛc.
Ein Vermeſſener iſt wie ein Meſſer / dann gleichwie ein Meſſer wetzt das andere Meſſer / alſo macht ein Ver - meſſener den anderen vermeſſen. Ein boͤſer Geſpann iſt wie ein Spann / dann gleichwie ein brennender Spann auch den nechſten anzuͤndt; alſo ein laſterhaffter Geſpann auch den nechſten zum Verderben bringt. Ein ſchlimmer Cammerat iſt wie ein Kambrath in der Muͤhl / wann diß uͤbel gehet / ſo gehen die andere Raͤder deßgleichen; alſoein277nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.ein ſchlimmer Cammerat macht den nechſten auch ſchlimb.
Der H. Eſdras bewainte auff ein Zeit ſehr bitterlich die Unthat der Juden / welche nach ſo wunderbarlicher Er - loͤſung von der Babyloniſchen Dienſtbarkeit mit den Hey - den haben Freundſchafft gemacht / vnangeſehen / daß ſie dem wahren GOtt in Iſrael gantz guldene Berg / vnnd moͤglichiſte Beſſerung verſprochen. Under anderen be - taurte der H. Eſdras ſehr hoch / daß die Juden mit Azoti - ſchen / Ammonitiſchen / vnd Moabitiſchen Toͤchteren ſich verheyrathet / vnd dero Kinder nachmahls halb Azotiſch geredet haben. Filij eorum ex media parte loqueban - tur Azoticè, & neſciebant loqui Judaicè. Eſdr. cap. 13. Gedencke einer / wie der Hebreer ihre Kinder / welche vor - bero die H. Sprach kundten reden / ſo bald haben gelehr - net Azotiſch reden / weilen ſie mit Azotiſchen Leuthen vmbgangen. Dißfalls doͤrffen wir gar nit das Buch Eſ - dræ durchblaͤttern / ſondern wir haben ſelbſten taͤglich der - gleichen Beyſpiel vnd Exempel / daß wackere vnd fromme Juͤngling / welche in aller Tugend / als gehorſame Kinder aufferzogen werden / vnnd niemahlens kein vngereimbte Red / ſondern lauter zuͤchtige / vnd aufferbaͤuliche Geſpraͤch von ihnen gehoͤret werden. Die oͤfftere Erfahrenheit / ſprich ich / gibts / daß dergleichen Juͤngling durch ſchlim - me Geſellſchafft / worinnen man ſtaͤts Azoticè redet / will ſagen / zottige / grobe Zotten / vnzuͤchtige Zotten / wilde Zotten / auch ſolche Sau-Sprach lehrnen / vnd nit vil an - derſt / als ein Widhopff den Schnabel immerzu im Koth vnd Unflath wetzen.
Ein vornehme Dama hatte ein abgerichte Alſtern / (ſey es ein Geſchicht / oder ein Gedicht) welche ſehr laͤcher - lich ſchwaͤtzen konte / vnnd gar vil Sachen diſer teutſche Papperl nachbloderte. Under anderen Bedienten befandt ſich auch ein Kammer-Jungfrau / Nahmens Midl / wel -M m 3cher278Judas Anfangs fromm /cher die Frau Graͤfin immerzu in Einſiedung der ſuͤſſen Sachen / vnnd Einmachung der ſchleckerigen Confect - Schallen / zur Erſparung deß Zuckers / zuredte diſe Wort. Midl nit zu vil / Midl nit zu vil. Der Alſtern / als einem gelehrnigen Vogl war diſe Lection gar nicht zu ſchwaͤr / ſondern faſte ſolche dergeſtalten in die Gedaͤcht - nuß / daß ſie zum oͤfftern der Kammer-Jungfrau diſes Liedl vorgeſungen / vnd weilen die Jungfrau mehrmahlen mit Loͤffel-Kraut vnder der Haußthuͤr gehandlet / alſo hat ſie diſer gefuͤderte Spion allezeit verrathen / ſie mit groſ - ſem Geſchrey abgemahnet. Midl nit zu vil / Midl nit zu vil. Solches hat der Jungfrauen alſo verſchma - het / daß ſie nachmahls den Vogl auß Zorn mitten in das Koth geworffen. Die arme Gaͤttl wicklet ſich beſter maſ - ſen auß dem Unflath; ſicht aber / daß auff ihrer Seyten auch ein groſſe Meſtſchwein in diſem Wueſt ſich waltzet / redet demnach diſen beſudleten Cammeraden alſo an: Weilen es dir ſo ſchlecht geht / wie mir / ſo haſt vermuthlich gewiß auch die Midl verrathen. Diſer letztere Zuſatz ſcheint ein warhafftes Gedicht / jedoch nit ohne Lehr / deſſen Application ich dem guͤnſtigen Leſer uͤberlaſſe. Gleichwol bleibt wahr / daß die Alſtern / Starn / Raaben / Papperln / die reden lehrnen / welche ſie zum oͤff - teſten anhoͤren.
Ein gleiche Beſchaffenheit hat es mit dem Menſchen / deren nur layder gar zu vil ſeynd / welche das Maul ſtaͤts im Porcellaniſchen Geſchirꝛ haben / will ſagen / immerzu garſtige Reden fuͤhren / vnflaͤthige Spaͤß vortragen / mit ſtinckendem Aaß auff Raaben-Arth ihr Zeit vertreiben; denen alleweil das Maul ſtinckt von ſolchem Venus - Koth / vnnd deren Sprach aͤrger mufft / als jenes Miſt - bethl / auff deme Job geſeſſen. Solche Sprach aber lehr -net279nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.net man nit von ſich ſelbſten / ſondern von dem vnſaubern Lottergeſind / dem ſich einer zugeſellt.
Wie der Heil. Mann Moyſes auff dem Berg mit GOtt geredet; vnderdeſſen ſeynd die muthwillige Iſrae - liter da geweſt / vnd haben ein guldenes Kalb fuͤr ihren GOtt angebettet / ſolches aber hat billich der Heil. Mann zu Aſchen verbrennt / vnd in das vorbey rinnende Waſſer geworffen. Gedencke jemand / was geſchehen / das Waſſer wolte von freyen Stucken den vermaledeyten Aſchen nicht annehmen / ſondern hat ihn mit groſſem Unwillen widerDurandus lib. 4. Markeſe. auffs Geſtatt herauß geworffen. Ich glaube / derentwe - gen habe das Waſſer an diſem guldenen Aſchen ein Grau - ſen gehabt: dann es gedachte alſo. Ich bin von dem Aller - hoͤchſten ſo ſehr gewuͤrdiget worden / daß in Erſchaffung aller Geſchoͤpff der Geiſt Gottes ober meiner ſchwebte / vnd mich zu einem Thron erkiſen. Spiritus Dei fereba -Geneſ. 1. tur ſuper aquas. Unnd jetzt ſoll auff mir ein ſolcher ab - ſcheulicher Aſchen ſeyn / von einem teuffliſchen Goͤtzenbild? Pfuy / ſagt das Waſſer / vnd ſpeibt den Aſchen widerumb auß. Jetzt rede ich dich Welt-Kind an / dich Poſſenreiſſer / dich Zotten-Krammer / dich Sau-Meßner / ꝛc. dich rede ich an / vnd zaig dir das Element deß Waſſers / daß es dich ſchamroth mache; weilen diſes ſchon einmahl geweſt iſt ein Thron Gottes / ſo will es auff kein Weiß den Abgoͤtti - ſchen Aſchen tragen. Und du waiſt / daß dein Zung faſt alle Monath / wenigſt aller heiligen Taͤgen ein Thron iſt deines Erloͤſers JEſu Chriſti in der Communion, vnnd auff dein Zung kombt der wahre / vnder der Geſtalt deß Brodts / verhilte GOtt. Gleichwol ſchameſt du dich nit / auff dieſelbige Zung zu nemmen vnflaͤthige / zuchtloſe / ſchandvolle Woͤrter / vnd vnverſchambte Reden. Pſuy! vnd ſolche lehrnet man am mehreſten bey Gottloſer Ge - ſellſchafft. Ihr Elteren ſeyt dißfalls im Gewiſſen hoͤchſtver -280Judas Anfangs fromm /verbunden / euere Kinder von dergleichen Gottloſen / ehr - loſen / tugendloſen Geſellſchafften abzuhalten.
Wann die jenige / ſo uͤber die Medicos freventliche Schimpffwort außgieſſen / dem Haaſen ſo gleich waͤren / als dem Narꝛn / ſo haͤtten ſie die Hund ſchon laͤngſt auff - geriben. Naͤrriſche Leuth ſeynd ſolche / die alle Schuld dem Doctor zumeſſen. Non eſt in Medico, ſemper releve - tur utæger. Wann die Doctores konten alle Kranckhei - ten wenden auff Erden / wie theuer wurde mit der Zeit das Brodt werden. Unverſtaͤndig hat der jenige Kran - cke geredet / als ihme ein Medicus eingerathen wurde / thaͤ - te er hieruͤber den Kopff ſchuͤttlen / vnnd als man deſſen Urſach fragte / ſagte er / er habe noch kein Luſt zum ſterben. Es gibt wol zu Zeiten einen ſchlechten Doctor, uͤben den kein Patient thut klagen / dann er ſtopfft ihnen allen das Maul zu mit der Erden. Auß dem aber folget nicht / daß man alle Medicos ſolle ſchimpffen / dann ein Schwalm macht keinen Sommer / vnd ein Krammer macht keinen Jahrmarckt. Ich meines Thails verehre die Herren Me - dicos, weilen es GOtt ſelbſten alſo gebiettet. Honora Medicum propter neceſſitatem, etenim illum creavit altiſſimus. Auß welchem H. Text ein Naſemvitziger be - haupten wollen / daß man einen Artzney-Doctor nicht ihr Excellenz, ſondern ihr Neceſſitet ſoll nennen. Verehren thue ich die Herren Medicos wegen ihrer Scienz vnnd Wiſſenſchafft / Krafft deren / ſo ſie ſo manches W von dem ſterblichen Krippel / vnnd Menſchlichen Leib abwen - den. Aber ich frage euch Herren Medicos, welche Kranck - heit die gefaͤhrlichſte ſeye? ich meines Thails halt das Seyten-Wehe fuͤr den ſchlimeſten Zuſtand; verſtehe aber lauter Seelen-Kranckheiten. Adam / nachdem er das ſchaͤdliche Obſt geeſſen / hat ein gefaͤhrliches Fieber be -kom -281nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.kommen / weſtwegen er alſo gezittert vor dem Angeſicht Gottes / daß er endlich muͤſte ein Schaaf-Beltz anlegen. David hat ein hitzige Kranckheit bekommen / wie er ſo vn - behutſame Augen geworffen in die Berſabeam. Nabu - chodonoſor hat ein gefaͤhrliche Geſchwulſt gehabt / wie er ſich alſo auffblaͤhet / daß er fuͤr einen Gott wolte vereh - ret werden. Zachæus hatte die Gelbſucht (beſſer geredt / die Geldſucht) biß ihme der HErꝛ JEſus adergelaſſen / vnd das Reddo herauß gezogen. Petrus hat die Mund - Faͤule gehabt / in dem er ſo grau vnd grob gelaugnet. Alle diſe Zuſtaͤnd ſeynd gefaͤhrlich / abſonderlich das Seyten - Wehe; verſtehe hierdurch boͤſe Geſellen auff der Sey - ten / diſe ſeynd ein ſchaͤdliche Kranckheit / welches ſelbſt der Claravallenſiſche Abbt beſtaͤttiget / als er zu dem Pabſt Eu - genium, wegen ſeiner uͤblen Raths-Herꝛen geſchriben. NèBern. l. 4. te dixeris ſanum dolentem latera. Derſelbe darff ſich nit fuͤr geſund außgeben / welcher einen Gottloſen Camme - raden auff der Seyten hat / dann er hat das gefaͤhrliche Seyten-Wehe.
Der ein Dieb auff der Seyten hat / von dem wird er auch erlehrnen die Verba aufferendi. Der ein Vnzuͤchti - gen auff der Seyten hat / von dem wird er lehrnen mehrer auff Leibfarb zu halten / als auff die Scham-Roͤthe. Der ein Lugner auff der Seyten hat / von dem wird er auch lehr - nen fliegen ohne F. Der ein Sauffer auff der Seyten hat / von dem wird er auch lehrnen den Feuchtium auß der Bibliothec zu hollen. Der ein Spieler auff der Sey - ten hat / von dem wird er auch lehrnen mit dem Aichel - Ober ein Sau auffzuheben. Der einen Fluecher auff der Seyten hat / von dem wird er auch lehrnen zu den ſiben Sacramenten etliche Nulla 000000 hinzu zuſetzen. Der ein Hoffaͤrtigen auff der Seyten hat / von dem wirdN ner282Judas Anfangs fromm /er auch lehrnen den Alt ſingen. Der ein Sch. auff der Seyten hat / von dem wird er auch lehrnen ein doppelter Sch. Sch. werden. Cum perverſo perverteris.
Vnder andern Speiſen / welche die Herren Medici verwerffen / als dem Menſchen ſchaͤdliche Bißl / ſeynd auch die Schwammen / die ſonſt / gebuͤhr halber / anderſt ti - tulieret werden; dieſelbe ſeynd ſehr vngeſund / vnd wann ſie zum beſten zugericht / alsdann ſoll mans zum Fenſter hinauß werffen. Maſſen die mehreſte vergifft ſeyn / vnnd ſeynd die Schwammen nichts anderſt / als ein Außſatz der Erden. Gleichwie mancher Kratzius mit ſeinen Kretzen nit vil prangen darff; alſo thut die Erden mit dergleichen Mißgewaͤchs nit vil ſtoltzteren. Anjetzo entſteht die Frag / ob gedachte Schwamen von Natur vergifftigt ſeyn / oder an - derwerts das Gifft erben? diſe Frag beantwortet Dioſco - rides vnd Mitritades, daß diſes faule Gewaͤchs nit ſeye von Natur vergifft / ſondern es bekomme das Gifft von einem roſtigen Eyſen / verfaulten Fetzen / odern Nattern - Neſt / ſo nit weit darvon iſt. Von ſolchen ſchlimmen Nach - baurn bekombt der Schwamm ſein Gifft. Was iſt der Menſch anderſt / als ein Gewaͤchs der Erden / allermaſſen diſes nidertraͤchtige Element ſein Stammen-Hauß / vnd kein Brall-Hauß ſich einer andern Mutter beruͤhmen kan. Gleichwie nun der Schwamm nit gifftig von Natur / ſondern das Gifft ziecht von einem benachbarten roſtigen Eyſen / ꝛc. Alſo ziecht auch der gebrechliche Menſch die Boßheit an ſich / deſſen vnd deren / ſo er auff ſeiner Sev - ten hat. Dahero ein raudiges Schaaf / die andere alle an - ſteckt / ein wenig Saurtaig / die gantze Maſſa ſauer macht / ein fauler Apfel alle andere / ſo darneben ligen / faul macht / ein fallender Stain vom Berg vil mit ſich ziecht / alſo ein Boßhaffter vil andere zur Boßheit locket.
Die Hebræer waren ſolche Boͤßwicht / daß ſie nebenandern283nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.andern Schimpff-Reden / vnnd Spott-Titul vnſern lieb - ſten Heyland auch einen Ketzer genennt / einen Samari - tanen / dann diſe Leuth waren bey den Juden fuͤr Ketzer gehalten; auß was Urſachen aber ſeynd diſe Geſellen ſo vermeſſen geweſt / daß ſie Chriſtum den HErꝛn ſo ſpoͤtt - lich genennt haben? auß keiner andern Urſach / als diſer. Sie haben wahrgenommen / daß Chriſtus zwey Tag ſich in Samarien auffgehalten / mehreſten Thails wegen deß Samaritaniſchen Weibs / auch anderer groſſer Suͤnder / vnd alſo haben ſie geſchloſſen / daß Chriſtus eben ein ſol - cher ſeye / mit welchen er vmbgehe. O ihr Galgen-Zeiſerl! Chriſtus iſt kommen zu ſuchen / was verlohren war / bey puren Menſchen iſt es wol wahr / daß man einen gemaini - glich erkenne auß der Geſellſchafft.
Geſellſchafft vnd Gelegenheit ſeynd einander verwandt / vnd gleichſamb zwey Zwilling / wie Jacob vnd Eſau.
Es hat einmahl einer gedicht / daß auff einem vor - nehmen Jahrmarckt der Teuffel auch ſein Huͤtten habe auffgeſchlagen / nichts aber anders gehabt / als Haͤut / deren er in der Menge / gleichſamb reiſſender weiß / ver - kaufft. Weſſentwegen einen Poeten der Fuͤrwitz ange - ſporret / zu ſehen / was doch ein jedwederer fuͤr Haͤut ein - kauffe / einkramme / in deme er alſo fort geht / begegnet ih - me ein altes Muͤtterl mit geſchimpelter Baroka; ein rahre Antiquitet, mit einem huͤltzernen Hand-Pferdt / wormit es denen ſchwachen Fuͤſſen ein Beyhuͤlff laiſtete. Diſe tragte etliche Haͤut vnder den Armben; vnd ſo vil er koͤn - te abnehmen / war es lauter Karg-haͤut / bald nach diſem ſicht er kommen zwey junge Herren / welche in ihrem Ge - ſpraͤch zu weilen ein Lateiniſch Wort darunter einmiſchten / worauß er ſicher glaubte / daß ſie geſtudierte Geſellen waͤ - ren / die hatten gleichfalls zimblich vil Haͤut einkaufft / vndN n 2ſo284Judas Anfangs fromm /ſo vil er konte erkennen / ſo warens lauter Frey haͤut: vn - weit von diſen ſahe er einen / der zimblich roth vmb die Na - ſen / als waͤre ſein Geſicht von Preuſſiſchen Leder geſchnit - ten / ſolcher haſpelte gar ſeltzamb mit den Fuͤſſen / vnd kon - te man leicht wiſſen auß dem krumpen Gang / daß er ge - rad auß dem Wuͤrthshauß komme / der hat ebenfalls etlich Haͤut einkaufft / vnd nur zimblich vil / waren aber keine andere / als lauter Voll-haͤut / kaum als diſer auß den Augen kommen / ſo vermerckt er / daß mit zugeſpitzten Schuhen / wie die Starnitzl / ein Jungfrau daher tretten / welche auffgebutzet war / wie der Palm-Eſel 8. Tag vor Oſtern; diſer gabe er einen hoͤfflichen guten Morgen / mit dem Beyſatz / warumben doch ſie ſo eyffrig nach Hauß eyle? vnd bekame die Antwort. Ihr gnaͤdige Frau werde bald auffſtehen / deſtwegen ſie zum Dienſt eyle (es war dazu - mahlen ſchon ein Viertl Stund uͤber 10. Uhr) diſe hat ſehr vil Haͤut vom Marckt tragen; vnd waren nichts als Stoltz-haͤut. Andere tragen andere Haͤut / ein Fuhrman̄ oder ein Gutſcher war daſelbſt / der hat Grob-haͤut / ein Soldat hatte Frech-haͤut / ein Bettler hatte Traͤg-haͤut. In Summa / allerley Haͤut haben die Leuth vom Teuffel eingekaufft. Der gute Poet wolte doch wiſſen / bey was fuͤr Haͤut der Teuffel den groͤſten Gewinn habe. Iſt end - lich vnder die Warheit kommen / daß der Sathan ſein be - ſtes Intereſſe an der Gelegen-haͤut habe.
Ob ſchon diſes Gedicht uͤbel geſchlicht / ſo iſt doch wahr geweſen / vnd wird auch wahr bleiben / daß die Gele - genheit ſehr vil Menſchen zur Suͤnd / vnd folgſamb zum Teuffel vnd verderben bringt. Wie der gerechte GOtt der ſuͤndigen Welt mit der ſcharpffen Laugen deß Suͤnd -fluß285nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.fluß wolte den Kopff zwagen / hat er dem frommen Noë die Arch / oder das groſſe Schiff zu zimmern anbefohlen. Nachdeme ſolches verfertiget / vnnd alle ſchwimmende / ſchwebende / gehende / kriechende Thier in diſes huͤltzerne Loſament einquartiret worden / ſo hat ſich alſobald der Himmel mit ſchwartzem Gewuͤlck uͤberzogen / welches ſich gleich in einen haͤuffigen Platz-Regen außgegoſſen / wor - von der gantze Erdboden uͤberſchembt. Nach etlicher Zeit wolte der alte Taͤttl / der Noë wiſſen / vnd in rechte Erfahr - nuß bringen / ob allgemach ſolche Waſſer-Sucht die Schwindſucht bekomme. Schickt zu ſolchem Zihl vnnd End einen Raaben auß der Archen / mit dem Befelch; er ſolle die Aviſa einhollen / ob der Suͤndfluß ſich in etwas mindere oder nicht. Diſer Galgen-Vogel aber / vngeacht deß ſcharpffen Befelchs / iſt nit mehr in die Archen zuruck kommen / vnd alſo mit ſeinem Ungehorſamb dem gantzen Raaben-Geſchlecht einen Sachnd-Fleck angehengt / wel - ches vorhero zimblich ſchwartz ware. Fragſt du aber / wo - hin diſer ſchwartze Currir ſeye kommen? ſo wiſſe / daß er elend verdorben; vnd ſolches Ungluͤck hat ihme die Gele - genheit verurſacht. Dann in dem Außflug hatte er gar ein gutes Vorhaben: in allen vnd jeden ſich zuͤchtig ver - halten / den Augenſchein embſig einnehmen / hiemit dem ſorgfaͤltigen Noë die gewiſſe Nachricht zubringen. Under - wegs aber hat er ſchwimmende todte Aaß angetroffen / welche ihm den Appetit dergeſtalten beweget / daß er ſich nicht mehr hat koͤnnen enthalten / ſondern ſich aigenſelbſt zu diſer Freytafel eingeladen / den gefederten Rantzen der - geſtalten angeſchopt / daß er ſich nachgehends nicht mehr hat koͤnnen empor heben / vnd fliegen. Alſo folgſamb elen - diglich ertruncken / der ſonſten auff den Galgen gehoͤrte. O wie vil Elteren ſchicken ihre Kinder auß dem Hauß in frembde Laͤnder / etwas zu ſehen / damit ſie nachmahls inN n 3der286Judas Anfangs fromm /der Ruckkehr Vatter vnd Mutter ein ſonderer Troſt ſol - len ſeyn. Solche raiſen auß / noch mit der Unſchuld beklay - det / in aller Zucht vnd guten Sitten erzogen / wiſſen wol / daß Venus vnd Venia ſich gar nit vergleichen: daß Caro wie Charon in die Hoͤll fuͤhren: daß der jenige die acht Seeligkeiten nicht erhalt / der das ſechſte Gebott nit halt. Wiſſen wol / daß das Woͤrtl Leib im Buchſtaben - Wechßl Blei haiſt / welches nur beſchwaͤrt vnd beſudlet. Wiſſen gar wol / daß fœmina ſoll generis neutrius ſeyn / wider der Grammaticorum Außſag / vnd ſolche declini - ret / vnd nicht conjungirt ſoll werden. Wiſſen wol / ob ſchon das Woͤrtl Leffel / hinderſich vnd fuͤrſich geleſen / Leffel haiſt / vnd alſo auff allen Zeiten vnnd Seyten das lefflen im Schwung; doch aber ſolches wider GOtt vnd Gebott ſeye. Mit einem Wort / folche raiſen auß wie Engel / vnd wann ſie nicht gar außbleiben / ſo kommen ſie doch offt zuruck wie Teuffel. Das Gewiſſen iſt beſchwaͤrt / die Geſundheit iſt verzehrt: die Suͤnden ſeynd vermehrt: die Sitten ſeynd verkehrt: das Hertz iſt bethoͤrt: vnd diſer Brocken iſt dem Teuffel beſchert. Ach GOtt! wer haͤtt doch vermaint / daß diſer fromme Bernardinus ſolt ein ſol - cher boͤſer Bernhaͤuter werden? die Gelegenheit die ma - chet Lieb vnd Dieb; an dem Orth / wo er wohnte / in dem Hauß / wo er lebte / in der Koſt / wo er blibe / waren ſtin - ckende Aaß (wer waiß / ob nicht Putana vom Puteo her - ruͤhret) es waren daſelbſt freche Schlepſaͤck / muthwillige Toͤchter / geſchertziges Weiber-Vieh / vnverſchambtes Hueſten-Geſind. Da war Gelegenheit / die bringt man - chen vmb die Reinigkeit.
Es kombt einer in die Beicht / er klopfft an die Bruſt mit dem offenen Suͤnder: er waint auß den Augen mit Magdalena: er beicht mit dem David, peecavi: er ſeuff -tzet287nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.tzet mit dem Petro, &c. Endlich befragt ihn der Beichtvat - ter; ob der / die / das / das ſaubere Confect, oder Kuhe - fect: die ſaubere Madam, der ſaubere Winckel-Engl noch im Hauß / ꝛc. Ja! ja! multùm Reverende. Ich kan euch Herꝛ nit abſolviren / ihr muͤſt diſen Vogl auß dem Neſt ſchaffen / die Gelegenheit muß man meyden / ſonſt wird ein Kohlen auß einer Kreiden. Ey Pater, mein Vor - haben iſt gar zu ſtarck / ich bin gaͤntzlich reſolvirt, ein an - dern Wandel zufuͤhren / die Donau wird ehender zuruck lauffen / ein Mucken wird ehender das Meer außſauffen / ein Muͤhlſtein wird ehender fliegen / ein Glaß wird ſich ehender biegen / ein Tatz-Beer wird ehender lehrnen pfeif - fen / als daß ich mich ſolt vergreiffen. Bey mir haiſt es / ein Wort / ein Wort / ein Mann / ein Mann. Si, ſi, Sig - nor, wann ein Weib darbey iſt. Ich abſolvire dich nit / wann du ſchon ſolſt den Weyhbrunn vor dein Ordinari - Trunck haben. Wann du ſchon ſolſt betten / daß dir die Zaͤhn roglet wurden. Wann du ſchon ſo vil Creutz ſolſt machen / wie vil Blaͤtter in Majo, ſo biſt du noch nicht ſi - cher / ſo lang die Gelegenheit iſt. David iſt nit ſicher ge -Cyprian. lib. 1. Epiſt. 11. weſt / vnd ſolſt du ſicher ſeyn? Salomon iſt nit ſicher ge - weſt / vnd ſolſt du ſicher ſeyn? Samſon iſt nit ſicher ge - weſt / vnd ſolſt du ſicher ſeyn? Nemo diù tutus eſt, peri - culo proximus: Keiner iſt weit von der Suͤnd / der na - hend iſt bey der Gefahr. Wann ſie ſchon alt iſt 80. Jahr / 8. Monath / 8. Wochen / 8. Tag / 8. Stund / 8. Minuten / trau dannoch nit. Wann ſie ſchon in 14. Bruderſchafften eingeſchriben / vnd ihr nichts abgehet / als der Schein / trau dannoch nit. Wann ſie ſchon alt / kalt / vngeſtalt / trau dannoch nit. Wanns auch todt iſt / trau dannoch nicht.
Wie ſich das rothe Meer wunderbarlicher Weiß von einander gethailt / vnd denen Iſraelitern freyen Paß durch - zumarſchieren geſpendiret; ſchreibt Arias Montanus, ſeye auch ein anders groſſes Wunder zu ſehen geweſt. Nemblichen der Grund deß Meers ſeye nichts als Letten / Moraſt / Koth vnd Vnflath geweſt. Viam feciſti in ma - ri equis tuis, in luto aquarum multarum. Nichts deſto - weniger haben die Iſraeliter ihre Fuͤß im mindeſten nicht beſudlet / ſondern durch diſes Koth gangen / wie die Son - nen-Strahlen vnbemaͤhliget durch ein Kothlacken. Ein groſſes Wunder / ein großmaͤchtiges Wunder / uͤberauß ein groſſes Wunder iſt es. Wann jemand im Koth ſte - het / durch das Koth gehet / vnd nit bekothiget wird. Noch aber / doch aber iſt es ein groͤſſeres Wunder bey der Gele - genheit zu ſuͤndigen ſeyn / vnd nicht ſuͤndigen.
Moyſes hat vil Wunder geſehen / vnd ſich doch nit verwundert / er hat geſehen / wie er mit dem Ruthen - ſtraich auß dem harten Felſen nit Feur-Funcken / ſondern klares Brunnen-Quaͤl gelocket hat. Er hat noch daruͤbergeſehen /289nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.geſehen / daß ſich derſelbe Stain von freyen Stucken von ſeinem Orth ohne einige Hand-Anhebung weckgeloͤſt / vnd ihnen durch ſtaͤtes waltzen nachgefolgt. Bibebant autem1. Cor. 10. de ſpiritali conſequente eos petrâ. Hat ſich dannoch nit verwundert. Er hat geſehen / wie das Meer ſich zerthai - let / vnnd beederſeits wie Cryſtallene Mauen geſtanden / vnd hat ſich dannoch nit verwundert. Er hat geſehen / daß ſein Ruthen ſich in ein gifftige Schlangen verwandlet / vnd diſe widerumb ſich in die vorige Geſtalt verkehret / hat ſich dannoch nit verwundert. Aber wie er geſehen einen Dorn-Buſch / daß ſelber mitten im Feur vnnd Flammen ſtehe / vnd dannoch im geringſten nicht entzuͤndet werde. O / alsdann hat er ſich nit genugſamb verwundern koͤnnen / da hat er auffgeruffen: Vadam, & videbo viſionemExod, 3.3. hanc magnam: Ich will hingehen / vnd beſehen das groſ - ſe Geſicht / warumb der Dornbuſch nit verbrennt werde. O Wunder! O Wunder! im Feur ſeyn / vnd nicht brin - nen / in boͤſer Gelegenheit ſeyn / bey frechen Schlepſaͤcken ſeyn / vnd nit boͤß ſeyn / das iſt ein Wunder. Daß die drey Knaben zu Babel im Feur nit gebrunnen / O Wunder! daß diſer oder jener ſtaͤts / oder offt bey der Baberl ſoll ſeyn / vnnd nit entzuͤndet werden / O groſſes Wunder! dann Gelegenheit macht Lieb / Gelegenheit macht Dieb. Haͤtte Achan die Gelegenheit nit gehabt / ſo haͤtte er nit geſtohlen / haͤtte Ammon die Gelegenheit nit gehabt / ſo haͤtte er ſich nicht alſo in die Lieb verlohren.
Der heilige Einſidler Martinianus, lebte vil Jahr in der Wuͤſten gantz heilig / bey dem harten Felſen / fuͤhrte er einen harten Bußwandl / bey den ſilberſtrohmenden Waſ - ſer-Quaͤlen vergoſſe er haͤuffige Thraͤnen / vnder Artern vnd Schlangen ſtritte er wider die alte Schlangen / wel - che die Evam vergifft / vnder den brillenden Loͤwen / blib er ein Laͤmbl der Unſchuld: vnder den Stauden vnd Dorn -O ohecken290Judas Anfangs fromm /hecken ware er ein Roſen der wolriechenden Heiligkeit. Einsmahls bey anbrechender Nacht / laſt ſich bey ſeinem Eremiten-Haͤußl ſehen ein ſehr zerlumptes / vnnd dem Schein nach / nothleydendes Bettl-Menſch / welche mit uͤberhaͤuffigen Thraͤnen / vnd vnaußſetzlichem bitten den H. Mann erſucht / daß er doch ſich ihrer wolle erbarmen / vnd die Nacht hindurch ein Winckel in ſeinem Huͤttl ver - gonnen / damit ſie doch den wilden Thieren nit moͤchte zu einem blutigen Raub werden / ja der gerechte GOtt werde ihr vnſchuldiges Blut von ihm am juͤngſten Tag fordern / dafern er wider verhoffen / ihr Bitt nicht wolt anhoͤren. Martinianus erwoͤgte wol / daß ſolche Thier / welche Zoͤpf - fen tragen / vil gifftiger / als Drachen vnd Schlangen / er wuſte wol / daß Sabina vil ehender verwunde / als ein Saͤ - bel: er erkandte wol / daß ſolches langrocketes Feur / der Unſchuld bald ein Feyrabend mache / wolte aber beynebens auch nit abgeben einen Moͤrderer deß Menſchen-Bluts / vnnd diſe elende Troͤpffin denen wilden Thieren zu einem Nachtmahl vergonnen / hat ihn alſo ſein eingewurtzlete Mildhertzigkeit uͤberredt / daß er gedachtes Bettl-Menſch / auff ſo bewegliches anhalten / in ſein armes Loſament ein - quartirt. Es ſtunde aber ein geringe Zeit an / da hat Mar - tinianus ein vngewoͤhnliche Brunſt vermerckt in ſeinem außgemergleten Leib / hat gar deutlich wahrgenohmen / daß ihm ſein Gaſt nichts / als garſtige Gedancken auffwickle; weſſenthalben er bey Mitternacht entſchloſſen / das Bettl - Menſch auß ſeiner Wohnung zu jagen. Als er ſuchte ſol - ches werckſtellig zu machen / ſihe! da findt er nit mehr ein arme Haderlumpin / ſondern ein ſtattlich gezierte Madama, vnd auffgekrauſtes Frauenzim̄er / in ſehr koſtbarer Tracht / vnd Klaydung / welche diſer Gottloſe Miſtfinck vorhero in ihrem Bettler-Binckl verborgner tragte. Woruͤber der heilige Mann vnermaͤßlich erſchrocken / alſobald ein Feurange -291nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.angezuͤndet / in welches er ſich vnverweilend geleget / mit gantz hoͤfflichem einladen / ſie ſoll ſich zu einem Beyſchlaff zu ihm geſellen / ſolches hat ſie dergeſtalten bewegt / daß ſie mit gebognen Knyen vmb Verzeyhung diſer Frechheit gebetten / auch alſobald nacher Jeruſalem geeylet / daſelb - ſten ihr Leben in ſtrengen Buß-Wercken geendet. Marti - nianus wolte nach ſolcher Begebenheit aller Gelegenheit entgehen / verlaſt demnach diſes Orth / vnd baut ihme in der Mitte deß Meers auff einen hohen Felſen ein andere Wohnung / wohin dreymahl im Jahr ein Schiffmann nothwendiges Brodt zugefuͤhrt. In dem nun der heilige Einſidler 6. Jahr von allen Menſchen abgeſoͤndert / allda ſeinen heiligen Wandl zugebracht / ſo hat ſich mehrmah - len etwas wunderbarliches zugetragen. Ein groſſes Schiff im Meer durch Ungeſtimme der Wind / vnnd Wellen gantz zu ſcheittern / vnnd ſeynd folgſamb alle Menſchen kaͤmmerlich zu Grund gangen / auſſer eines eintzigen jun - gen Maͤgdls / welches mit moͤglichen Kraͤfften zu diſem Felſen / wo Martinianus lebete / hinzu geſchwummen / vnd durch die Wunden JEſu vmb Huͤlff geſchryen. Mar - tinianus vermerckt ein neue Verſuchung / raicht diſer be - trangten Jungfrauen ſeine hilfferbietende Haͤnd. Ver - wundert ſich nit / daß ſolche nit zu Grund gangen / wei - len nemblichen diſe war gar zu leicht (beſſer geredt / leicht - fertig) fuͤhrt ſolche in ſein holle Stain-Kluͤfften / ver - ſpricht ihr / daß nach etlich Tagen der Schiffmann ſie wer - de abhollen. Er aber / was vermaint ihr? daß er gethan? etwann hat er ſtaͤts ſeinen Leib mit harten Gaißlſtraichen gezuͤchtiget? nein: etwann hat er daſelbſten mit wachen / betten vnd faſten ſein Zeit zugebracht? nein: er trauete nit ſeinem duͤrten / vnd mit bloſſer Haut uͤberzogenen Men - ſchen-Balg / ſondern nach Verzaichnung deß H. Creutzes / nach Empfehlung in den Schutz deß Allerhoͤchſten / ſtuͤrtztO o 2er292Judas Anfangs fromm /Surius 13. Febr. er ſich in das tieffe Meer / gleich aber ſeynd auß Befelch Gottes zwey Delphinen zugeſchwummen / welche Mar - tinianum auß dem Meer gantz ſicher zum Geſtatt getra - gen / vnd ſalviret.
O vnbehutſame Adams-Kinder! foͤrcht ihme vor boͤſer Gelegenheit ein ſolche Saulen der Heiligkeit; wie koͤndt dann ihr trauen / ihr ſchwache Roͤhr der Gebrechtig - keit? foͤrcht ihme ein Riß vor diſem Streitt / wie kan dann ein Zwergl trutzen? foͤrcht ihr ein groſſe Fackel außzuloͤ - ſchen / wie ſoll dann ein Schwebl-Hoͤltzl bochen? foͤrcht ih - me das kalte Eyß vor der Brunſt / wie kan ſich verſicheren ein duͤrrer Strohwiſch? zittern groſſe Aichbaum vor ſol - chem Wind / wie kan ſich doch ein geringe Stauden uͤber - nemmen? fallen / mit einem Wort / heilige Leuth durch boͤſe Gelegenheit / wie kan ihme dann der Gebrechliche / Un - vollkommene / Freye / Freche / Friſche den Salvum Con - ductum verſprechen.
Wie Chriſtus der HErꝛ mit fuͤnff Brodt vnd zwey Fiſchen ſo vil tauſend Menſchen in der Wuͤſten geſpeiſt / vnd nit allein diſe Menge der Koſtgeher nach Genuͤgen geſaͤttiget / ſondern noch von denen uͤbergeblibenen Schertz - len zwoͤlff groſſe Koͤrb angefuͤllt. Da hat er ſeine Apoſtel vnd Juͤnger gezwungen bey ſpattem Abend in ein Schiff zu ſteigen / vnd weiter zu fahren. Der Evangeliſt / ſo diſe Geſchicht regiſtrirt / ſchreibt merckſamb / daß der HErꝛ ſei - ne Apoſtel habe mit Gewalt in das Schiff getriben. Compulit. Matth. 14. Coegit. Marc. 16. Fort hats gehaiſſen Peter; fort Joannes, fort Matthæe, &c. fort mit euch ins Schiff hinein. Ey HErꝛ / die Zeit iſt ſchon zu ſpatt zum raiſen / das Waſſer trohet vil Gefahren bey dem Tag / will geſchweigen bey der Nacht / wir wollen heut in Gottes Nahmen auch da ligen / wo wir geeſſen haben; fort / fort / machts nit vil Wort / von diſem Orth! MeinHErꝛ /293nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.HErꝛ / hat etwann Petrus geſagt; weilen die liebe Sonn von vns bereits Urlaub nimbt / vnd die dunckle Nacht vor der Thuͤr / thue vns anheut die gnaͤdige Erlaubnuß geben / daß wir doͤrffen auff diſem Heu ſchlaffen / morgen woͤllen wir bey anbrechender Morgen-Roͤthe vns auff die Raiß machen / vnnd in allem dein Willen vollziehen: ich bin gleichwol keiner auß den Jungen mehr / vnd hab meinen Schlaff ohne das zum oͤfftern muͤſſen abbrechen wegen der Fiſcher-Arbeit / jetzt ſchmeckt mir die Ruhe abſonderlich wol nach dem Eſſen. Fort / fort mit euch / fort ohne Ver - zug. Allo! Compulit, coegit, &c. Wann es an einem andern Orth waͤre geweſen / iſt wol zu glauben / der mild - hertzige HErꝛ vnd Heyland haͤtte ihnen ſolche Bitt nicht verſaget / aber weilen daſelbſt ſehr vil Weiber ihr Nacht - herberg nahmen / ſo hat Chriſtus der HErꝛ mit allem Ge - walt ſeine Apoſtel in das Schiff getriben. Coegit diſci -Cajet. in hunc lo - cum. pulos, quibus cavebat â conſortio nocturno tot mu - lierum. Liebſter HErꝛ vnd Heyland / ſeynd es doch lauter fromme vnd andaͤchtige Weiber / die auß purem Erffer zu deiner Predig kommen / vnd ſeynd beynebens deine A - poſtel / heilige vnd tugendſame Maͤnner. Schadt nicht / fort / fort / fort / die Gelegenheit muß man meyden / ſonft wird ein Kohlen auß einer Kreiden. Guͤtigiſter GOtt! ſo iſt gar ein Gefahr bey den andaͤchtigen Weibern / was wird erſt ſeyn bey den verdaͤchtigen.
O wie recht hat der Engliſche Lehrer Thomas von Aquin gethan! ſo bald diſer den Habit / vnd das Geiſtliche Klayd deß Heil. Dominici angelegt / vnd gleichſamb vmb die ſchoͤne Veſtung ſeines Leibs / die ich dermahlen will En - gelſtatt nennen / ein ſolche neue Maur gefuͤhrt. Sihe! da kombt der hoͤlliſche Feind mit allen ſeinen Allijerten / vnd belaͤgert diſe Veſtung. Die Frau Graͤfin / als ſeinO o 3Frau294Judas Anfangs fromm /Frau Mutter ſambt anderen Frauenzimmer verſucht diſe Veſtung mit liebkoſen vnnd manierlichem Accord zu be - haupten / aber vmbſonſt: ſeine zwey Herren Bruͤder / oh - ne das wolerfahrene Kriegs-Leuth / wagten einen gewal - tigen Sturm / warffen die auffere Maur zu Boden / ver - ſtehe den H. Habit / welchen ſie zu Stucken zerriſſen / aber mehr vmbſonſt: endlich kombt der Sathan / vnd verhofft diſe Veſtung / ſo noch ein Jungfrau war / mit Feur zu be - zwingen. Das iſt ein harte Attaque. Es kombt zu Tho - ma in die Gefaͤngnuß ein junges Weibs-Bild / ein freches Weibs-Bild / vnd man waiß ſchon / wie ſolche Gaiß gme - getzen / man waiß ſchon / wie ſolche Katzen ſchmeichlen / man waiß ſchon / wie ſolche Voͤgel ſingen. Diſe war uͤber - auß ſchoͤn / vnd hat nit vil nachgeben deß Jobs ſeinen Toͤch - teren / von denen die Heil. Schrifft ſelbſt bezeuget. Non ſunt inventæ mulieres tam ſpecioſæ in univerſa terra: Auff der gantzen Welt waren keine ſo ſchoͤne Weibsbil - der / wie deß Jobs ſeine Toͤchter. Sie brauchten keinen theuren Anſtrich: ſie brauchten keinen koſtbaren Backen - Fuͤrneis: ſie brauchten keine koſtbare Geſichter-Laugen: kein gewiſſe Stirn-Blech: ſie brauchten keinen Lefſtzen - Zinnober / wie der Zeit die abgeſchabene Weiber-Geſich - ter darmit bringen. Sondern ſie waren von Creatur ſchoͤn / von Natur ſchoͤn / von Poſtur ſchoͤn / ꝛc. diſen / ſprich ich / hat nicht vil nachgeben dieſelbige / ſo dem Engliſchen Juͤngling Thomæ die Viſita geben / aber ſie war nur von Seiden ſchoͤn / vnd nit von Sitten ſchoͤn. Was thut Tho - mas, wie er diſen freundlichen Schmutz-Engel erſehen: etwann begibt er ſich in das Gebett? oder halt er ihr ein bewegliche Predig / daß ſie von ihrem boͤſen Vorhaben ſol - le abſtehen / vnd mit Magdalena bey den Fuͤſſen JEſu ihre Hauptſuͤnden bewainen? nichts dergleichen. Fort / fort / hats gehaiſſen / ſonſt macht die Gelegenheit Lieb vnd Dieb /vnd295nachmahls boͤß wegen uͤbler Geſellſchafft.vnnd trieb. Thomas ergreifft ein halb abgebrenntes Scheitt bey dem Camin; alſo recht mein Thomas, auff diſe Weiß wird dein Unſchuld nit ſcheittern. Thomas jaget diſen freundlichen Feind hinauß; alſo recht / auff ſol - che Weiß bleibt die Reinigkeit hierinnen. Thomas ſchla - get ſie auff den Rucken / welche ſein heiliges Vorhaben wolt zuruck treiben: pufft ſie auff die Achßlen / welche ein ſolche ſchmeichlende Achßltragerin wolte abgeben: klopfft zu auff den Kopff / welche ein ſolche Haupt-Hueſten war. Jo Victoria!
Jo Victoria! Fort / fort / fort / trau der Gelegenheit nit / wann du ſchon ein heiliger Juſtus, oder Juſtinus biſt: wann du ſchon ein H. Paulus, oder Paulinus biſt: wann du ſchon ein H. Felix, oder Felicianus biſt: es kan auch ein H. Juſtus vngerecht werden bey der Gelegenheit. Es kan auch ein H. Paulus nit Paululum verliehren an derUn -296Judas Anfangs fromm /S. Bern. lib. dePaſſ. Dom. c. 14.Unſchuld bey der Gelegenheit: es kan ein Heil. Felix vn - gluͤckſeelig werden bey der Gelegenheit. De quantis legi - mus viris in vigilijs, in jejunijs, in laboribus ſupra hu - manum modum, imò in miraculis coruſcantibus, qui ceciderunt.
Ein Narꝛ kan vns ein Doctor ſeyn. Jacobus Bider - mannus regiſtrirt von etlichen Phantaſten / welche ſeltza - me Fauſen / wunderliche Einbildungen / Hipocondriſche Grillen im Hirn hatten. Under anderen war einer / der iſt der halßſtaͤrrigen Einbildung geweſt / daß er von lauter Glaß ſeye / weſſenthalben er allen Leuthen wehemuͤthig zu - geſchryen / ſie ſollen doch nicht an ihn anſtoſſen. Sitzen wolt er auch auff kein Weiß / auß Forcht / der hindere Stock moͤchte zu Truͤmmern gehen. Diſem allbern Men - ſchen koͤnnen wir mit allem Lob nachfolgen / vnd vns ver - ſtaͤndig einbilden / wir ſeynd vom Glaß / ja gebrechlicher als Glaß; ein geringer Augenblicker kan vns das gantze Gebaͤu der Heiligkeit zu Boden werffen / wie ein kleines Stainl die groſſe Bildnuß Nabucbodonoſoris. In dem anderten Buch der Machabæer am erſten Capittl liſet man / daß ein dickes Waſſer ſeye zu Feur worden. Iſt ja vil. Aber man hat layder auch oͤffter erfahren / daß etliche Geiſtliche durch Cloͤſterliche Diſciplin alſo der Welt ver - geſſen / daß ſie gleichſamb wie Waſſer werden ohne wenig - ſten Funcken einer vngezimbten Lieb. Nachdem ſie aber wider zur Gelegenheit kommen / iſt ſolches Waſſer in Feur verkehrt worden. War nit Jacobus der Einſidler ein Hei - liger? durch die Gelegenheit iſt er dannoch ſpoͤttlich gefal - len. War nit Maria, ein Baaß deß Abrahams, ein Hei - lige? dannoch durch die Gelegenheit in groͤſte Suͤnden ge - rathen.
Abſonderlich muß das ſchwache Weiber-Geſchlecht die Gelegenheit fliehen / forderiſt die Jungfrauen. Dannein297nachmahls boͤß / wegen uͤbler Geſellſchafft.ein rechte Jungfrau ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn / wie die Glocken am Charfreytag / muß ſich nit vil hoͤren laſſen / die Maͤnner endlich koͤnnen Vocales ſeyn / die Weiber Conſonantes, die Jungfrauen aber muͤſſen Mutæ ſeyn. Ein rechte Jung - frau ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn / wie ein Orgel / ſo bald diſe ein wenig angetaſtet wird / ſo ſchreyt ſie / ein rechte Jung - frau ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn / wie der Palm Eßl / der laſt ſich im Jahr nur einmal ſehen / ein rechte Jungfrau ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn / wie ein Spitall-Suppen / die hat nit vil Augen / alſo ſoll ſie auch wenig vmbgaffen / ꝛc. ein rech - te Jungfrau ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn / wie ein Nacht-Eul / die kombt fein wenig ans Tagliecht: ein rechte Jungfrau ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn / wie ein Spiegl / wann man diſem ein wenig zu nahend kombt / vnd anhauchet / ſo macht er ein finſteres Geſicht: ein rechte Jungfrau ſoll ſeyn / vnd muß / wie ein Liecht / welches verſperter in der Latern vil ſicherer iſt / als auſſer derſelben. Juſonderheit aber ſoll ſeyn / vnd muß ſeyn ein rechte Jungfrau / wie ein Schild - krott: diſe iſt allezeit zu Hauß / maſſen ſie ihre Behauſung mit ſich tragt; alſo ein rechte Jungfrau ſich mehreſten ſoll zu Hauß auffhalten / zur Meidung aller boͤſen Gelegenhei - ten / dann gleichwie jener gute Saamen deß Evangeliſchen Ackermanns / ſo auff den Weeg gefallen / von den Voͤglen iſt verzehrt worden / alſo ſeynd die Ehrſame Jungfrauen / welche immerzu auff Weeg vnd Gaſſen ſich ſehen laſſen / von den Ertz-Voͤgln gar nit ſicher. Waͤre die Dina, deß Jacobs ſaubere Tochter zu Hauß gebliben / vnd haͤtte die Gefahr gemeydet / ſo waͤre ſie niemahlens ſo ſpoͤttlich vmb ihr Ehr kommen.
NIcht allein Petrus, vnd mit Petro Joannes, vnd mit Joanne Jacobus, vnd mit Jacobo Andreas, vnd mit Andrea Matthæus, vnd mit Matthæo andere Apoſtel vnd Juͤnger haben groſſe Wunderwerck geuͤbet / ſondern es hat auch Judas ſelbſten groſſe Mira - cul gethan. Er hat mit wenigen Worten die boͤſe Feind auß denen Beſeſſenen getriben: er hat ſo gar mit ſeinem Schatten groſſe Kranckheiten vnd Preſten gewendet: er vermoͤgte ſo wol den Todt / als den Teuffel zu uͤberwin -Proclus Orat. 10. den. Diſer guldene Apoſtel iſt gleichwol von dem Silber uͤberwunden worden / in dem er durch das Geld verblendet / hat angefangen einen Dieb abzugeben / den Beutl / worin - nen das Geld fuͤr das Apoſtoliſche Collegium, mit krum - pen Haͤnden zum oͤfftern bewillkommet / vnnd nemmens halber ein vornehmer Dieb worden. Fur erat, & loculos habebat.
Dazumahlen / wie die Philiſteer die Arch oder gul -Joan. 12. denen Bund-Kaſten bey ſich hatten / waren ſie mit vilen Plagen von dem Allerhoͤchſten gezuͤchtiget / vnder andern iſt ein ſolche Menge der Maͤuß in Doͤrffern / Staͤtten / vnd Maͤrckten / wie auch in Feldern vnd Waͤldern ent - ſtanden / daß ſie durch diſe kleine Thier den groͤſten Scha - den erlitten. Wann dazumahlen alle Leuth waͤren Katzen geweſen / ſo haͤtten ſie dannoch nicht alle Maͤuß koͤnnen1. Reg. 5. abfangen. Den Maintzeriſchen Biſchoff Atto ſolle nachlaut299Judas ein vngetreuer Juͤnger /laut alter Geſchicht Schreiber ein ſolche Menge MaͤußSigeſr. 1. Epitom. An. 923. uͤberfallen haben / daß er von ihnen gantz verzehret worden. GOtt behuͤte vns alle von dergleichen Maͤuſen; aber Mauſer / haben wir gleichwol genug / das kan niemand in Abred ſtellen. Mauſer vnd Judas-Bruͤder ſeynd ſo vil / wann es drey Tag ſoll Strick regnen / ſo konte man dannoch nit alle hencken. Petrus hat eineſt das Netz auff das Land gezogen / 153. Fiſch gefangen. Es wollen die hei -Ioan. 21. lige Lehrer / daß Petrus von einer jeden Gattung Fiſch ei - nen ins Netz bekommen / ſo vilerley Fiſch gibts im Meer / aber noch mehrerley Fiſcher gibts auff dem Land / die mit faulen Fiſchen vmbgehen / vnd oͤffters fiſchen auff der vnge - kerꝛten Banck.
Von den Beeren ſchreiben die Naturkuͤndiger / daß ſie ſich bey groſſer vnd harter Winters-Zeit in Stainkluͤ - pen vnnd wilden Hoͤlen alleinig mit ihren Bratzen erhal - ten / ſie ſutzlen vnd ſaugen an ihren Bratzen / vnd diſes iſt ihr Underhaltung. O wie vil gibts Beeren (haͤtt bald ge - ſagt Bernhaͤuter) die ſich mit ihren Bratzen / aber ver - ſtohlenen / diebiſchen Bratzen erhalten! es gibt kleine Dieb / groſſe Dieb / hoch - vnd wolgebohrne Dieb / ſchlechte Dieb / ſammete Dieb / zwilchene Dieb / reiche Dieb / ar - me Dieb / ſubtile Dieb / grobe Dieb / arge Dieb / karge Dieb / Hauß-Dieb / Gaſſen-Dieb / Nacht-Dieb / Tag - Dieb / offene Dieb / verborgene Dieb / bettleriſche Dieb / baͤuriſche Dieb / burgerliche Dieb / geſtudierte Dieb / edle Dieb / allerley diebiſche Diebs Dieb. Dahero hat gar wol geredet Caffiodorus l. 2. Variar. Furca vacua, & Civi - tas latronibus plena. Der Galgen iſt laͤhr / vnnd die Statt iſt voller Dieb.
Wie der Heldenmuͤthige David Krieg gefuͤhret wi - der die Philiſteer / auch dieſelbige jederzeit ſieghafft uͤber -P p 2wun -300vnd gewiſſenloſer Dieb.2. Reg. 21. verſ. 20.wunden / hat ſich einer vnder diſen Feinden gefunden / wel - cher einer vngeheuren Leibs-Groͤſſe war / vnnd beynebens an einer jedwedern Hand 6. Finger / deßgleichen auch an den Fuͤſſen[.]Bey vnſern Zeiten trifft man wenig derglei - chen 6. Finger an / wol aber andere groſſe / groſſe / groſſe Dieb / die ſo lange Finger haben / daß vor ihnen nichts ſi - cher / nichts oben / nichts vnden / nichts vorn / nichts hin - den / nichts darneben / nichts drauſſen / nichts drinnen / nichts vmb vnd vmb.
Groſſen Lands-Fuͤrſten ſoll mein Feder verſchonen / GOtt ſey Lob / bey diſen Zeiten ſeynd die Chriſtliche Po - tentaten nicht alſo eines harten Gemuͤths / daß ſie nach dem Exempel Judæ frembdes Gelt an ſich ziehen / vnd ihre Underthanen durch uͤberhaͤuffige / vnd gar zu harte Anla - gen / vnd Gelts-Erpreſſungen biß auff das Blut außſau - gen / welches der heilig vnd wunderthaͤtige Franciſcus à Paula ſattſamb dem Koͤnig Ferdinand zu Neapel vor Au - gen geſtellt / da einsmahls gedachter Koͤnig dem heiligen Mann ein gewiſſe Summa Gelt auß Koͤniglicher Freyge - bigkeit anerbotten zu Erbauung eines Cloſters / hat ſolches Franciſcus auff alle Weiß gewaigert / vnd gantz nit wol - len annehmen / weilen es frembdes Gelt / vnnd ein Blut der armen Underthanen ſeye. Solche Antwort hat nicht ein wenig das Gemuͤth deß Koͤnigs Ferdinandi entruͤſtet / welcher vmb frembdes Gelt in ſeiner Koͤniglichen Rent - Cammer gar nichts wiſſen wolt. Franciſcus aber wolte ſolches ſcheinbar darthun; ergreifft eben von ſelbigem Hauffen Gelt / ſo ihme offerirt wurde / ein Muͤntz / bricht ſelbige in zwey Thail voneinander. Sihe Wunder! da iſt beederſeits das haͤuffige Blut herauß geronnen. Worauff der H. Mann dem Koͤnig mit verſteltem Angeſicht / vnd ſonderem Eyffer zugeredet. Annè hic miſellorum cruor mutus erit? Vermainſt du / daß diſes Blut der Armenwerde301Judas ein vngetreuer Juͤnger /werde ſtillſchweigen? vnd nit Rach ſchreyen uͤber dich bey dem gerechten GOtt? auß dem erhellet / daß auch Koͤnig vnd Fuͤrſten koͤnnen in deß Judæ Fußſtapffen tretten / wann ſie ſeinen Haͤnden nacharten. Es iſt nit ohne / daß groſſe Lands-Fuͤrſten zu Schutz vnnd Schirmung ihres Reichs doͤrffen von ihren Undergebenen billichen Tribut abfor - dern / maſſen ſolches ſelbſten Chriſtus der HErꝛ hat gut gehaiſſen / als er den ſchalckhafften Hebreern / da ſie vom Kayſerlichen Tribut ihn gefragt / ſolche Antwort geben / Dat[æ], quæ ſunt Cæſaris, Cæſari: Gebts dem Kayſer / was Kayſers iſt. Aber dergleichen Anlagen / vnd Steur muͤſſen nicht auß der Cantzley eines Tyranniſchen Koͤnigs Achab decretirt werden / ſondern vil mehr auff genaues Gewiſſen ſich beziehen / wie gethan Koͤnig Joannes der Erſte zu Caſtell: wie gethan Koͤnig Chilpericus in Franck -Nierenb. P 2. fol. 450. reich: wie gethan Koͤnig Eduardus in Engelland / wel - cher H. Monarch den Teuffel hat ſehen ſpielen auff dem Gelt / ſo ſein verſtorbener Herꝛ Vatter durch harte Tri - but zuſammen geraſpelt.
Vil Edl-Leuth gehoͤren auch in deß Judæ Iſcarioths ſaubere Bruderſchafft / wann ſie / wie die Egl / das Blut ih - rer Underthanen ſaugen. Es gibt ſonſten allerley Mittel reich zu werden. Etliche werden reich durch den Degen / verſchieſſen vil Bley / erwerben vil Gelt. Andere werden reich durch die Feder / vnd iſt ihnen Schola Scala, mittls dero ſie zu hohen Aembteren erhebet werden. Mancher wird reich durch das Weib / vnd bekombt mit diſem gul - denen Schatz Silber genug. Vil werden reich durch groſ - ſe Erbſchafften / vnnd erhalten von dem Todten ſtattliche Lebens-Mittl. Nicht wenig werden reich durch Acker vnd Weingebuͤrg / vnnd ſamblen vil Habſchafften auß den Wuͤrthſchafften. Aber gar vil Edl-Leuth werden reich von lauter Zwiffel / der Zwiffel tragt mehr ein / dann Waͤl -P p 3der302vnd gewiſſenloſer Dieb.der vnd Felder. Wann ſie nemblichen ihre Bauren alſo zwifflen / daß ſelbe vil aͤrger herſehen / als deß Davids ſeine Geſandte / welche der Amon, als ein hochmuͤthiger vnd uͤbermuͤthiger Koͤnig / die Baͤrth halben Thail hat laſ - ſen abſchneiden / vnnd alſo auff einer Seyten barbiren. Aber die Bauren werden auff allen Seyten geſchunden. Nit vmbſonſt hat der erſte Baur Cain gehaiſſen / maſſen es ſchon ein halbe Propheceyung geweſt / daß der Bauers - mann werde keyt genug werden. So iſt auch jenem Bauren nit vor vngut auffzunemmen geweſt / welcher auff Befragung; ob er auch bette? die Antwort geben: Ja / ja / ich bette fleiſſig / vnd zwar fuͤr meines Edlmanns ſeine Pferdt / damit dieſelbe lang ſollen leben / vnd geſund ſeyn darneben. Dann wofern diſe ſollen verrecken / vnd vmb - ſtehen / ſo thaͤt nachmahls vnſer Edlmann auff vns Bau - ren reitten. Die Felberbaum pflegt man nur einmahl im Jahr zu ſtutzen / aber die arme Underthanen werden gar offt von ihren all zuharten Herꝛſchafften / faſt alle Tag / ge - ſtutzet / vnnd fallt das Feſtum Bartholomæi bey ihnen ſchier alle Monath / Wochen / Tag vnd Stund. O was harte Rechenſchafft wird der Armen Schwaiß vnd Blut im Thal Joſaphat erfordern! allwo zwiſchen dem Herꝛn vnd geh her kein Underſchied / zwiſchen du vnnd ihr kein Underſchied: zwiſchen einem armen Tropffen / vnd einem Edlen von Tropffenſperg kein Underſchied. Jetzt muß bey manchem Edlmann der Bauer ein Hund ſeyn / ein Hund haiſſen; aber glaub du mir / wie ſcharpff wird dich einmahl bey dem Goͤttlichen Richter diſer Hund an - bellen? alldort wird dir dein offner Helm nichts helffen / wol aber dein offenes Gewiſſen wird dich deiner Ungerech - tigkeit anklagen; alldort wird dich dein edles Blut nichtbeſchoͤ -303Judas ein vngetreuer Juͤnger /beſchoͤnen / wol aber das Blut der Armen / ſo du geſogen / vnd zogen / wird wider dich ſchreyen.
Vil / ſehr vil / welche hohe vnd nidere Aembter ver - walten / ſeynd deß Judæ Iſcarioths embſige Nachfolger / maſſen ſie wegen der Accidentia Subſtantial-Dieb abge -Matth. 18. ben. Der H. Evangeliſt ſchreibt von einem Koͤnig / der mit ſeinen Bedienten wolte Rechenſchafft machen. Si - he! da hat ſich ein vntreuer Vogel darunder befunden / der war dem Herꝛn ſchuldig zehen tauſend Pfundt; das haiſt geſtohlen! weilen es nun diſer vntreue Diener nit zu be - zahlen hatte / alſo hat der Herꝛ befohlen / man ſoll ihn ver - kauffen. Was mehr? ſein Weib auch? was mehr? ſeine Kinder auch? was mehr? alles was er hatte. War - umben aber ſoll es das Weib entgelten / was ihr Mann geſuͤndiget? darumb / merckt es wol / ihr alle / die ihr bey Aembteren ſitzet. Darumb hat er ſich in ſo groſſe Schul - den geſteckt: darumb hat er ſo vil geſtohlen / weilen er mit ſeiner Ordinari-Beſoldung / vnd jaͤhrlichen Einkommen ſeiner Frauen Pracht vnd Tracht nit konte außhalten / we - gen ihrer hat er ſo geſtohlen. Multorum talentorum fa -Origin. Hom. 7. in Matth. ctus eſt debitor, quoniam ſecutus eſt mulierem. De - rentwegen ſie auch zur gebuͤhrenden Straff gezogen wor - den. Dergleichen gibts gar vil / welche wegen deß Geniti - vi den Ablativum an die Hand nemmen / vnd ihre Leib - ſtuck mit Diebſtuck erhalten.
Ihr Geſtreng der Wol-Edle Herꝛ / Herꝛ Jonas Is - fridus, Dampff von Dampffeneck vnd Dampffenthal ha - ben ein Officium, Vulgò, einen ſtattlichen Dienſt / der tragt ihm jaͤhrlich ein 400. fl. Sein Frau Gemahlin geht daher / als wann ſie ein abcopirte Cleopatra waͤre: ſie tragt faſt alle Monath ein neues Modi-Klayd: der Rock muß von geblumten Procat ſeyn / da ſonſten auff ſolchen Miſt-Bethlen nur Sau-Blumen wachſen: das Klaydmuß304vnd gwiſſenloſer Dieb.muß mit guldenen Spitzen vmb vnd vmb / vnd wider her - umb / verbraͤmbt ſeyn / daß diſer ſtinckende Kothkefer mit Gewalt will einen Goldkefer abgeben vnd gleichen. Die Hauben muß kuͤnſtlich vnd koͤſtlich durchbrochen ſeyn / daß ſie alſo einem ſeidenen Narren-Haͤußl nit vngleich: alles iſt reich an ihr / außgenommen der Halß / der gantz nackend vnd bloß: alles iſt verbaͤndlet / vnnd verbunden an ihr / moͤchte nur ſeyn / daß das Gewiſſen ſo frey: ſo gar der Roſenkrantz muß mit einem Buſchen Baͤnder prangen / aber der Teuffel lacht zu diſem Weyhwadl: ihre Schueh fuͤr die Fuͤß / vnd ihre Schueh fuͤr die Haͤnd / verſtehe Hand - Schueh / muͤſſen allezeit mit dem Neumond neu ſeyn. In Summa, 400. fl. klecken fuͤr diſe pollierte Miſtfinckin zu beklayden nit. Die Außgab in allem erſtreckt ſich jaͤhrlich auff 1000. Reichsthaler / ja vmb ein merckliches mehr. Die Beſoldung ſteht in 400. fl. das andere ſeynd lauter Accidentia, beſſer geredt / laßter Occidentia. Er hat ſo treffliche Smiralia, vulgò Diebalia; mit einem Wort / er ſtihlt wegen gar zu vnmaͤſſiger Tracht vnd Pracht ſei - ner Frauen; der Seidenwurm der Frauen / macht einen Gewiſſenswurm dem Mann: ihr Mantò, Mantill, Man - tell, bringt den armen Mann in die Hoͤll.
Man liſet von vilen Heiligen / dero duͤrrer Stab in gruͤne vnd fruchtbare Baum erwachſen ſeynd. Ruffinus regiſtriret von einem alten heiligen Vatter / deme vil Jahr ein ſauberes Weibs-Bild auffgewart / vnd den Alten be - dient / vilen iſt ſolche ſchoͤne Koͤchin verdaͤchtlich vorkom - men. Wie nun diſer Alte in ein toͤdtliche Kranckheit ge - fallen / vnd bereits das Zihl ſeines Lebens vor der Thuͤr / al - ſo haben ihn ſehr vil fromme Diener Gottes auß dem Cloſter haimbgeſucht / vnd ihn mit ihrem Geiſtlichen Troſt ergoͤtzet; weſſentwegen er ſich gantz freundlich bedancket. Nach -305Judas ein vngetreuer JuͤngerNachdem er ſich von allen beurlaubet / hat er zugleich ge - betten / ſie wollen nach ſeinem Todt ſein Stab auff das Grab ſtecken / vnd wann derſelbe wird anfangen zuwur - tzeln / gruͤnen vnd Frucht bringen / ſo ſollen ſie erkennen / daß er vnſchuldig wegen diſes Weibs-Bild ſeye. Die fromme Religioſen vollziehen den Befelch deß Alten / ſte - cken deſſen duͤrren Stab auff ſein Grab. Sihe Wunder! den Augenblick hat der Stab anfangen zugruͤnen / vnnd Frucht zubringen / nit ohne maͤnniglicher Verwunderung. Ein groſſes Miracul / wann ein duͤrrer Stab in einen groſ - ſen Baum erwachſet. Dergleichen Miracul wolt ich ei - nem ſchier alle Tag zaigen / dann man ja oͤffters ſihet / daß ein Bettlſtab gruͤnet / vnd zu groſſen Reichthum kombt.
Diſen hab ich gekennt / ſagt mancher / der hat bey meinem Vattern vmb die Suppen ſupplicirt, nachgehends iſt er an diſem Orth Præceptor worden / allwo er die Wittib geheurat / welche ihn durch das Geld zu ſolchem Ambt verholffen; dann dona, vnd Donna vermoͤgen vil / jetzt iſt er ein Buchhalter / deſſen Vatter ein Anhalter war / er hat in einem Jahr gſchwind 3000. Gulden pro - ſperirt.
Diſer kennt mich nit mehr / aber ich ihn wol / ſein Vatter war ein ſpitzfediger Mann / dann er iſt ein Nadel - macher geweſt; ſe in Mutter war ein ſauberes Weib / dann ſie war ein Waͤſchers Tochter / diſer iſt jetzt ſo groß / daß er im Wagen fahrt / der vorhero auff deß Schuſters Rap - pen geritten. Sein dermahliger Dienſt tragt ihme auff 1000. fl. wo ſeynd erſt die Accidentia? er hat in wenigen Jahren ein feines proſperirt.
Diſer denckt nit mehr / wer er geweſen / wie er auff Wienn iſt kommen / da hat er einkehrt / wo der Eſel in der Wiegen ligt: er hat ſein Lebtag niemahlens geſtudieret / nur dazumahl hat man Doctrin vnd Wiſſenſchafft beyQ qihm306vnd gwiſſenloſer Dieb.ihm gefunden / wann er dem jungen Herꝛn die Buͤcher hat in die Schuel getragen / ſein Herꝛ hat ihm nachmahls zu diſem Dienſt geholffen / der zwar in fixo, ohne Fixlen nur 100. Gulden eintragt / aber die Accidentia ſeynd groß / kanſt leicht erdencken / weilen er in 6. Jahren zwey ſo ſchoͤne Haͤuſer auffbaut / ſo vil hat er proſperirt.
Diſer geht daher / als wann er wolt dem Babyloni - ſchen Thurn den Kopff auffſetzen / er ſpreitzt ſich / wie ein Naglneues Baar Schweitzer-Hoſen. Daß dich! daß dich! weiß ich noch wol / wie er bey dem Bettlrichter in die Koſt gangen. Er hat vor diſem ein Mantl tragen / der bald mehrer Loͤcher hatte / als ein Sieb oder Reiter. Jetzt prangt er / wie der Eſel am Palmtag / er hat gut Ding zuſagen / dann ſein Dienſt / zu dem er ſo ſeltzam vnd wun - derlich gelange / tragt ihme ein ehrliches ein. Seithero ſei - ner Verwaltung hat er in die 11000. Gulden proſperirt, was wird er erſt erheurathen? ich wuͤnſch euch allen mit - einander vil Gluͤck / vil Heyl / vil Seegen / vil Wolfahrt / vil Benediction zu eurem Auffkommen. Ich waiß gar wol / daß Saul ſeines Vatters Eſel geſucht hat. Ich denck gar gut daran / daß David ſein Schmerkappen mit der Cron vertauſcht hat: ich laugne es nicht / daß Gottes Gnad / vnd Menſchen Fleiß / manchen auß einem Hauß - maiſter / einen Hoffmaiſter / auß einem Trobanten / einen Commendanten / auß einem Vorgeher / einen Vorſteher macht / ꝛc. Aber ich bitt euch vmb die Wunden JEſu Chriſti / vmb euerer Seelen Seeligkeit / erwoͤgt doch wol / ob euer ſo groſſes proſperiren / ſich mit dem ſibenden Ge - bott vergleiche. Non furaberis. Ob der H. Proſper euer Patron, oder Judas. Wie der alte Tobias einen Gaiß -Tobiæ 2. bock vor der Thuͤr hat hoͤren Gme -- Gme -- Gmegetzen / hat er alſobalden auffgeſchryen. Videte, nè fortè furti - vus ſit: Sehet zu / daß er nit geſtohlen ſeye: alſo betrachtetauch307Judas ein vngetreuer Juͤnger /auch wol euere Accidentia: zehlt euer Gelt / erwoͤgr euer taͤgliches Einkommen / viſitirt euere Truhen / ſteigt in euere Keller / beſucht euere Speiß-Gewoͤlber / gehet uͤber eueren Klayder-Kaſten / beſchaut das gantze Hauß / nè fortè fortiva ſint; ob nit etwas geſtohlen ſeye. Ihr werd warhafftig finden / daß euere Accidentia euch vmb die beſte Subſtanz bringen / nemblich vmb der Seelen Seelig - keit. O ewiger Verlurſt!
Under den Kauff - vnd Handels-Leuthen gibts auch vil Judas-Bruͤder. Wie der Heyland JEſus in den ſchoͤ - nen Tempel zu Jeruſalem getretten / vnd daſelbſt die Ju - den ſehen kauffen vnd verkauffen / da hat ihn der ernſtliche Eyffer dergeſtalten bewegt / daß er mit vergſtaltem Ange - ſicht vnd zornigen Augen / all dero Tiſch / Stuͤhl / Stoͤllen vnd Krammer-Laden vmbgeſtoſſen / vnd die Juden zum Tempel hinauß gejagt / hinauß gebeitſcht. Diſe Geſchicht moͤcht einem ſchier ein Scrupl machen / warumben / nemb - lichen der ſonſt guͤtigſte JEſus die Strick / wormit die Gaiß / Laͤmbl vnd Ochſen gebunden waren / an ſtatt einer Gaißl gebraucht / vnd darmit die Hebreer auß dem Tem - pel gejaget / zu deme doch diſe Herren Handels-Leuth ſol - che Wahren fail hatten / welche zum Goͤttlichen Opffer gehoͤreten / gleichwie man bey vnſern Zeiten in denen Kir - chen pflegt waͤchſerne Opffer zu verkauffen. Darumb darumb merckts wol ihr Krammer vnd Kauffleuth / dar - umb hat der HErꝛ JEſus diſe Hebreiſche Handels-Leuth alſo gezuͤchtiget / thails weilen ſie den Tempel Gottes ver - unehret; thails weilen ſie ihre Wahren gar zu theuer ver - kaufft / vnd einen vnzulaͤſſigen Gewinn geſucht / welchesSylveira l. 4. 36. ſo vil / als geſtohlen / vnd dem Judas nachgefolgt. Lucra enim ſuperabundantia captabant.
Laſt euch ihr Herren Handels-Leuth einen Schro -Parte 2. ſui ſentiment. cken ſeyn jene zwey Kauffleuth / von denen Poſanna regi -Q q 2ſtriret.308vnd gewiſſenloſer Dieb.ſtriret. Diſe zwey triben mit geſambter Hand allerley Handlungen / vnnd damit ſie zu groͤſſeren Reichthumen moͤchten gelangen / haben ſie allerſeits nach doppeltem Ge - winn getrachtet / brauchten beynebens nit wenig Betrug / welcher auch bey vnſeren Zeiten zimblich im Schwung. Aber GOtt / der alles vngerechtes ſtraffet / wolt auch di - ſes nit vngerochner laſſen / ſondern durch ſeine Goͤttliche Verhengnuß iſt einer auß diſen beyden bey der Nacht von dem Teuffel gehollet worden. Der andere lebte gleichfalls ein kurtze Zeit / vnnd zwar in ſtaͤtter Melancholey vnd Kranckheiten. Als ihn ſeine Freund vnd Anverwandte ermahnet / daß er ſich zur Reu - vnnd Treuvoller Beicht bereiten wolle / wie auch zu der heiligen Communion, ſo hat er doch ſolchem heylſamen Rath kein Gehoͤr gegeben / mit dem Verlaut / wie daß er verwichenen Oſtertag habe communiciret / vnd ihme annoch die Hoſtien neben vn - glaublichem Schmertzen im Rachen hange / welche er oͤff - ters mit dem Meſſer herauß zu heben verſucht. Die vmb - ſtehende tragen diſen vngluͤckſeeligen Menſchen fuͤr die grundloſe Barmhertzigkeit Gottes / denen aber der ver - zweifflete Tropff ſtaͤts geantwortet / daß er bereits verdam - met ſeye / vnd habe ſchon geſehen ſein Orth in der Hoͤllen neben ſeinem Cammeraden. Wie man ihme die Bild - nuß deß geereutzigten JEſu vorgehalten / damit durch deſſen anblicken ſein ſtainhartes Gemuͤth erwaicht wur - de / ſo hat er mit beeden Haͤnden die Augen zugetruckt / mit vermelden / er koͤnne den jenigen nicht mehr anſchauen / welcher ihn bereits wegen ſeiner vngerechten Handlſchafft / vnnd vnzulaͤſſigen Gewinn zur Hoͤllen verdambt. Nach ſolchen Worten iſt ſein elende Seel in den Abgrund der ewigen Peyn gefahren; woſelbſten er alle die jenige Kauffleuth erwartet / welche durch vnzulaͤſſigen Gewinn vnd allerley Betrug dem Nechſten das ſeinige abſtehlen / vnd Judas-Bruͤder abgeben.
Un -309Judas ein vngetreuer Juͤnger /Under den Wuͤrthen vnnd Gaſtgeben iſt auch ein groſſe Anzahl der Judas-Bruͤder. Wie Joſeph ſich na - cher Bethlehem mit Maria ſeiner Jungfraͤulichen Ge - mahlin / die da ſchwanger war / begeben / hat er daſelbſt mit groſſer Sorgfaͤltigkeit vmb ein gute Herberg vnd Wuͤrths - hauß vmbgeſchauet / aber layder nirgends eingelaſſen wor - den iſt / vnd alſo ſein Herberg nemmen muͤſſen in einem al - ten / zerloͤcherten vnd uͤbel bedeckten Stahl / weilen der ge - benedeyte JEſulus beym guldenen Ochſen / beym ſchwar - tzen Adler / beym weiſſen Laͤmbl / beym gruͤnen Roͤßl kein Platz noch Raum hat gehabt. Non erat ei locus in di -Luc. 1. verſorio; Alſo hat er muͤſſen bey Ochſen vnnd Eſel lo - ſchieren. Iſt wol zu glauben / daß ein oder das andere Wuͤrthshauß noch wol ein Wincklein wird gehabt haben diſe zu beherbergen / allein die ſchlimme Wuͤrth / vnd ehr - vergeſſene Voͤgl ſahen die Armuth diſer Gaͤſt: ſahen gar wol / daß ihnen die Kreiden nicht vil koͤnne zuſchreiben vnd zuſchneiden / nahmen lieber ſolche Gaͤſt auff / die ſie nach Belieben konten barbieren. Strickſeelig vnnd Sailſamb ſeynd freylich ſolche vnverſchonende vnnd vnverſchambte Wuͤrth / wann ſie die Kreiden ſub ritu duplici brauchen / vnd den armen Gaͤſten den Beuthl aͤrger purgieren / als Pillulen Emanuelis. O es Dieb / vnd Judas-Bruͤder! die fromme Wuͤrth nimme ich allzeit auß. Wann ich nit wuſte / daß die Rechen. Kunſt oder Arithmetica von den Phœniciern erfunden waͤre / ſo thaͤt vnd haͤtt ich euch ſol - ches zugemeſſen / dann ihr ja hauptſehlich raitten koͤnnet. Ich hab eineſt ſelbſten mit meinem Geſpann bey einem ſol - chen Schneiderum auff der Raiß die Nachtherberg genom - men / vnd iſt mir noch ſchlimmer ergangen / als deß Loths ſeinen Gaͤſten / welchen ſein Frau kein Saltz auff die Ta - fel geſetzet / deſſenthalben nachgehends / vmbweilen ſie wi - der Gottes Gebott vmbgeſchaut / in ein Saltz-SaulenQ q 3ver -310vnd gewiſſenloſer Dieb.verkehrt worden. Ich hatte nicht allein keine geſaltzene / ſondern auch keine geſchmaltzene Speiſen / waͤr gar zu wol zu friden geweſt / wann ich auch mit dem Eſau bey ſeiner Tafel haͤtte doͤrffen in das Linſen-Koch greiffen. Gleich - wol hat der gewiſſenloſe Wuͤrth mir alſo die Zech verpfef - fert / daß mir die Augen uͤbergangen. Auff dem Loͤffelſtill ware deß Wuͤrths ſein Nahmen mit zweyen Buchſtaben gezaichnet / nemblich D. S. Mein Geſpann ſagte / vnnd vermuthete darauß / der Wuͤrth haiſſe Daniel oder Dio - nyſius. Ich aber legte es warhaffter auß / vnd ſagte / diſe Buchſtaben D S haiſſen ſo vil / als Dieb Schert. Trau - te mir dannoch kein Klagwort deſſentwegen einzuwenden / weilen ich in Forcht ſtunde / es moͤchte auff das tondere, das tundere folgen; dann es war Anno 1683. in wel - chem Jahr / wegen der Belaͤgerung Wienn / die vnſchul - dige Geiſtliche zimblich mit Schlag-Balſam verſehen ſeynd worden.
Die Aſtrologi oder Sternſeher ſtoͤllen neben anderen Zaichen in dem Himmel auch den Waſſermann. Vil ſaubere Wuͤrth ſtoͤllen nit allein in Cœlo, ſondern auch in Cellario den Waſſermann / vnd fuͤhren den guten Wein wider ſeinen Willen nacher Waſſerburg. Das iſt auch ſo vil / als geſtohlen. Chriſtus der HErꝛ hat zu Cana Galli - lea das Waſſer in Wein verkehrt / dem ſehr vil Heilige nachgefolget. Die Præmonſtratenſer haben einen / derPagat. fol. 263. haiſt Todo: die Camaldulenſer haben einen / der haiſt To - maſſus: die Benedictiner haben einen / der haiſt Proco - pius: die Carmeliter haben einen / der haiſt Simon Stock: die Cartheuſer haben einen / der haiſt Odo: die Ciſterci - enſer haben einen / der haiſt Walterus de Birbach: die Dominicaner haben einen / der haiſt Jacobus Mevanen - ſis: die Franciſcaner haben einen / der haiſt Amadeus: die Capucciner haben einen / der haiſt Matthæus à Leo -niſſa. 311Judas ein vngetreuer Juͤnger /niſſa. Wir Auguſtiner haben auch einen / der haiſt Joan - nes Bonus. Alle diſe haben Waſſer in Wein verwandlet / vnd das war ein Miracul. Aber ihr Wuͤrth verkehrt den Wein ins Waſſer / das iſt kein Miracul. Diſen pfleget man zu dero Nahmen allzeit den Buchſtaben H zuzuſe - tzen / welches ſo vil als Heilig bedeut: euch aber / zu euren Nahmen ſetzet man hinzu ein Sch / diß leget euch ſelb - ſten auß.
Ihr Wuͤrth / wie gehet es offt mit eurer Maß? wie offt geſchicht es / wann die Gaͤſt bey euch im Vollmond ſeynd / ſo iſt die Maß im abnemmen / vnd gleichwol ſchrei - bet die ſchlimme Kreiden mit voͤlliger Fractur. Das haiſt auch mit dem Juda geſtohlen. Im Coͤllniſchen Ertz-Biſt - thum ligt ein Statt mit Nahmen Dousburg, daſelbſt iſt einsmahls ein groſſe Feuersbrunſt entſtanden / welche die mehreſte Haͤuſer in Aſchen gelegt. Under andern ware auch ein Bierbreyerin / die vmb das Geld Bier außſchenck - te. Als nun die Flammen bereits ihrem Hauß zunaheten / ſo hat ſie alle ihre Maß vnd Geſchirꝛ / mit denen ſie das Bier pflegte außzumeſſen / vor die Hauß-Thuͤr getragen / nachmahlens die Haͤnd gegen dem Himmel gehebt / vnd in diſe Wort außgebrochen. Allmaͤchtiger GOtt / wann du waiſt / daß ich wiſſentlich einmahl habe ein falſche Maß gebraucht / ſo laſſe auch mein Hauß ſambt andern in dem Feur auffgehen. Sofern aber / wie ich in meinem Gewiſ - ſen finde / ich gleichſamb niemand vmb ein Tropffen betro - gen / ſo gebiette / O GOtt! dem Feur / daß es mich diß - mahls ſchadloß laſſe. Sihe Wunder! das Feur hat alles rings herumb verzehret / diſem Hauß aber nit ein Schiffer von einer Tachſchintl verletzet. Ja die uͤberhaͤuffte Flam -Cæſareus lib. 30. cap. 31. men haben alle hoͤltzerne Biermaße vnd Geſchirꝛ vor der Hauß-Thuͤr vmb vnnd vmb gleichſamb freindlich abge -leckt /312vnd gwiſſenloſer Dieb.leckt / jedoch ohne wintzigſten Schaden. Verſichere vil Wuͤrth / daß ſie ſolche Corteſi, vnd Hoͤfflichkeit deß Feurs niemahlens zugewarten haben. Ja wann ſie ſchon auff der Welt von der Hand deß Hoͤchſten verſchont werden / ſo wird ſie doch in jener Welt die Juſtitz deß Goͤttlichen Richters wegen ihrer vngerechten Maß ſambt andern Die - ben / vnd Judas-Bruͤdern mit dem hoͤlliſchen Feur zuͤch - tigen.
Soldaten ſeynd auch nit alle heilig / ſondern vil vn - der ihnen anzutreffen / welche in deß Iſcarioths Fußſtapfen tretten. Poſt diem Martis, ſequitur dies Mercurij. Seynd alſo Mars vnd Mercurius die naͤchſte Nachbaurn / ja gantz bey einander. Mars ein Gott deß Kriegs. Mer - curius ein Gott deß Diebs; alſo phantaſiren jedoch offt mit der Warheit die Poeten. Gewiß iſt es / daß die Sol - daten / ſo wol mit dem rapio, als mit dem Rappier koͤn - nen vmbſpringen / vnd ſeynd jene Soldaten nit alleinig / welche Chriſto dem HErꝛn ſeine Kleyder auff dem Berg Calvariæ außgezogen / ſondern haben ihres gliffters noch mehrer. Wann das Wort Vornehmer Herꝛ / von nehmen herruͤhrt / ſo ſeynd keine vornehmere Leuth / als die Soldaten / bey ihnen haiſt Furari, auff Teutſch finden.
Einem iſt auff ein Zeit ein Laͤmbl entfrembt worden /Belland. tom. 1. in acta SS. der arme Tropff nimbt ſein Zuverſicht zu dem H. Veda - ſtum, hofft durch deſſen Huͤlff das ſeinige widerumb zuer - halten. In deme nun der Prieſter / oder Pfarrer die vmb - ſtehende ermahnt / daß der Thaͤter ſoll in ſich ſelbſt gehen / vn̄ das entfrembde Laͤmbl wider erſtatten / alſobalden hat der Handſchuh diſes Diebs / welcher auch vnbekandter vnder den Leuthen ſtunde / von freyen Stucken wie ein Laͤmbl et - lichmal die Stimm geben Me, Me, Me. Worauß derThaͤter313Judas ein vngetreuer Juͤnger /Thaͤter wunderbarlich erkennt worden. Wann der Sol - daten ihre Handſchuh ſolten hoͤren laſſen die Stimm deſ - ſen / was ſie entfrembd / ſo wurden ſie auff mein Wort bleren wie die Schaaf / gmegetzen wie die Gaiß / roͤhren wie die Ochſen / huͤnnen wie die Pferdt / gronnen wie die Saͤu / ſchnadern wie die Gaͤnß / gagetzen wie die Hennen / ꝛc. Wurde alſo mancher armer Bauer das ſeinige auß der Stimm kennen.
Von der ſeeligen Jungfrauen Roſa ſchreiben die An - nales Minorum etwas wunderliches. Anno 1252. N. 6. Ein Nachbarin hat diſer Gottſeeligen Jungfrauen ein Henn entfrembt / vnd als ſolche die Roſa uͤber / vnnd uͤber geſucht / auch derenthalben die Nachbarin gefragt. Wei - len aber diſe gantz vnverſchambt ſolches gelaugnet / ja mit vilen ſchwoͤren ihr Unſchuld wolte darthun. Sihe! da ſeynd augenblicklich diſem diebiſchen Weib Hennen-Federn vmb das Maul gewachſen. Auß welchem ſeltzamen Bart vnd gefederten Maul-Korb leicht war abzunemmen / daß diſe die Henn hat geſtohlen. O lieber GOtt! wann denen Soldaten ſolte allemahl etwas vmb das Maul wachſen / von dem / was ſie klauben vnd rauben / ſo wurde manchens ſein Maul von Schaaf-Wohl / von Saubarſten / von Gaͤnßfedern / von Kuͤhehorn / ſo wild außſehen / wie ein Storchen-Neſt auff einem Glocken Thurn.
Etliche gemeine Leuth ſeynd ſchon deß einfaͤltigen Wohns / daß ſie beſtaͤndig darvor halten / ſie verſtehen der Voͤgl ihr Gſang / ſprechend. Der Raab ſingt nit an - derſt / als Dalck / Dalck / Dalck. Der Amerling ſinge Edl / Edl / Edl bin ich. Der Gimpel ſinge nit anderſt / als wie du / wie du / wie du. Die Maͤiſen ſingt nit anderſt / als Zuckerſuͤß / Zuckerſuͤß / gut / gut / gut / Zuckerſuͤß / Zuckerſuͤß. Der Spatz aber auff dem TachR rſinge314vnd gwiſſenloſer Dieb.ſinge immerzu / Dieb / Dieb / Dieb. Wann dem al - ſo waͤr / ſo ſolten die Spatzen nirgends anderſtwo niſten / als in den Haͤuſern der Advocaten / damit ſie von Fruh an / biß auff die Nacht Dieb / Dieb / Dieb moͤchten ſalu - tirt werden. Allhier aber ſoll der gerechten vnnd gwiſ - ſen Advocaten ihr Ehr / Ruhm vnd Glory nicht im min - deſten geſchmaͤllert ſeyn / ſondern es werden nur jene Cla - riſſimi Fures vnd Advocaten verſtanden / welche denen armen Partheyen das ihrige abſtehlen / den Proceſs wider alles Gwiſſen in vil Jahr / vnd lange Zeiten außthaͤnen / vnd oͤffters ein vngerechte Sach wollen vergulden / wie die Apodecker ihre Pillulen / vnd kurtzvmb den Gugu vnder Muſicanten / die Nachteil vnder das Frauenzimmer / die Leberwurſt vnder das Confect zehlen wollen. O Dieb! der Evangeliſche Mahler Lucas entwuͤrfft folgende Ge - ſchicht; wie das ein ehrlicher Mann von Jeruſalem nacher Jericho ſeye verraiſt / vnder Weegs aber iſt er vnder die Moͤrder gerathen / welche dem armen Tropffen all das ſeinige genommen / biß auff das Hemmet außgezogen / vnd mit Schlaͤgen alſo hart verwundt / daß ſie ihn fuͤr halb todter ligen laſſen. Hugo Cardinal, vnd Ertz-Biſchoff zu Lugdun / allwo 27. heilige Ertz-Biſchoͤff gezehlet werden / war uͤberauß ein Hochgelehrter Mann / vnd beruͤhmter Scribent. Diſer vnder andern ſchreibt uͤber gedachtes Evangelium Lucæ, vnd ſpricht / daß einer / der vnder die gwiſſenloſe Advocaten gerath / gleich ſeye dem jenigen ar - men Menſchen / der vnder die Moͤrderer gerathen zwiſchen Jeruſalem vnd Jericho / dann diſe Lateiniſche Geſellen auch einen vmb das ſeinige bringen / vnd alſo verwunden / daß er gleichſam halb todt / wenigiſt zehrt ihme ein ſolcher ab dem Verlurſt das Leben ab.
Momingo am 150. Blat ſeines Quareſimals ſchreibtvon315Judas ein vngetreuer Juͤnger /von einem Advocaten / welcher vil Jahr manchen vnbill i - chen Handl defendirt vnnd gerechtfertiget. Diſer gienge einmahls auß der Statt / in ſeinen vnfern entlegenen Mayrhoff ſpatzieren. Gleich aber auſſer der Statt-Por - ten geſellet ſich der Teuffel zu ihm / als ein Raiß-Geſpann / welche Beglaitſchafft dem Herꝛn Doctor gar nit wolte gefallen. Etwann hat ihm ſchon der nagende Gwiſſens - Wurm / wegen ſeiner manigfaltigen begangenen Unbillich - keiten / das Hertz gezwicket / in deme diſe ihren Weeg alſo fortgenommen / ſo iſt ihme ein Baur begegnet / welcher ein groſſes Maͤſtſchwein an einem Strick fuͤhrete / ver - muthlich auff den Marckt / weilen aber diſer faiſte Speck - Wueſt nit wolte gehen / ſo hat der Baur hieruͤber er - zuͤrnet / vnd in den gewoͤhnlichen Fluech außgebrochen / gehe / daß dich der Teuffel holl! der Advocat wend ſich vnverzuͤglich zum Teuffel / den er gern von der Seyten haͤtte Allo! Teuffel diſe Sau gehoͤrt dir zu / warumben holleſt du ſie nit? nein / nein ſpricht der Schwartze / er maints nit von Hertzen / der Baur hats nur auß Zorn geredet. Zum andern / acht ich nicht vil das ſchweinerne Fleiſch / meine beſte Bißl ſeynd die Seelen. Wie ſie nun weiter fortgangen / ſo treffen ſie ein Mutter an vor der Haußthuͤr / welche ihrem Kind die Haar außkamplet / vnd weilen ſolches kleine Buͤberl den Kampl / rauffens hal - ber / waigerte / hat die Mutter auß Ungedult auffgeſchryen. Halt du Fratz / daß dich der Teuffel holl! Wor - auff der Doctor mehrmahlen den Teuffel angeredet. Warumben er doch das Kind nicht nemme? da hab er ein Seel zum beſten. Hat ſich wol nemmen / ſagt darauff der ſaubere Camerad / diß iſt nur ein gemainer Mutter-Fluch / es iſt ihr bey weiten nicht alſo vmbs Hertz: beynebens iſt das Kind vnſchuldig / vnd hab ich kein Gwalt zu ihm. End -R r 2lich316vnd gewiſſenloſer Dieb.lich kommen ſie in ein Dorff / in welchem etliche beyeinan - der ſtunden / die kurtz vorhero diſer Advocat durch einen vngerechten Proceſs, vnd vnbilliches Recht vmb all das ihrige gebracht. Kaum daß diſe deß Doctors anſichtig worden / haben ſie gleich angefangen zu ſchreyen. O Schelm! O Dieb! O vngerechter Advocat! daß dich der Teuffel mit Leib vnd Seel holle! Ho! Ho! ſagt der Teuffel zu ſeinem Mitgeſpann / haſt du es vernommen / was die Leuth ſagen / ſie ſagen die Warheit / vnd mainens von Hertzen / dahero vnnoͤthig / daß wir weiter gehen / vnd darauff hat er ihn in die Luͤfften gefuͤhrt / auch nimmermehr erſehen worden. Diſer wird vngezweifflet nit allein auß ſolchen Lateiniſchen Dieben in der Hoͤllen ſeyn / ſondern ein vnzahlbare Anzahl bey ſich / neben ſich / vnder ſich / ober ſich / vnd vmb ſich haben / wel - che nit den Bartholum, ſondern den Bartholomæum an die Hand genommen / die arme Partheyen geſchunden / vnd auff Eglarth ihnen das Blut außgeſogen. Ihr Ad - vocaten vnd Juriſten / ſeyt gute Latiniſten / ſo erwoͤgt dann wol / was der Engliſche Thomas von Aquin euch in die Ohren ſchreyt / auff einer Tafel ſchreibt. Dicendum,S. Thom. 2. 2. q. 71. Art. 3. ad 2. quod Advocatus, ſi in principio credidit cauſam ju - ſtam eſſe, & poſteà in proceſſu appareat eſſe injuſtam, debet cauſam deſerere, vel eum, cujus cauſam agit, ad cedendum inducere, ſive ad componendum ſine Adverſarij damno. Qui verò ſcienter injuſtam defen - dit, abſque dubio graviter peccat, & ad reſtitutionem tenetur ejus damni, quod contra Juſtitiam per ejus auxilium altera pars incurrit. Wann ein Advocat er - kennt / daß ſein Parthey vnrecht hat / gleichwol die Action ferners fort fuͤhret mit ſeinen verſtrickten / verzwickten / ver - flickten Legibus, ſo thut er ſich hoch verſuͤndigen / gehoͤrtvnder317Judas ein vngetreuer Juͤnger /vnder die Dieb / vnd iſt verbunden / vnd ſchuldig den Scha - den zu erſetzen: welche der Gegenthail hierdurch erlitten. Wann ein Advocat glaubt / ſein Parthey habe ein billi - ches Recht / nachgehends aber der Außgang das widrige zaiget vnd verliehrt / ſo iſt diſer Advocat mehrmahlen nit zu entſchuldigen / maſſen er nit waiß / was er wiſſen ſoll / iſt demnach im Gewiſſen verpflicht / ehe vnd bevor er ein Action fuͤhret / daß er vorhero dieſelbe wolſinnig entoͤr - tere / ob ſie recht oder vnrecht. Wann ein Advocat in 6. Jahren / in 16. Jahren / in 26. Jahren / wie ich ſelbſten waiß / erſt vollendet / den er in einem halben Jahr leicht haͤtte koͤnnen zu End bringen / ſondern derenthalben ſolches Recht ſo lang außgethoͤnt / damit ihme die Beſtallung de - ſto laͤnger taure. So iſt er mehrmahlen vnder die Haupt - Dieb zu rechnen / vnd gebuͤhrt ihm nichts anderſt / als Re - ſtis vnd Reſtitutio.
Matthæus à Baſcio ein heiligmaͤſſiger Capucciner / welcher mit groſſen Wunderwercken geleuchtet. Under andern hat ihne eineſt ein vornehmer vnd reicher Advo - cat zur Tafel geladen / worbey dann der Gottſeelige Mann erſchinen / an ſtatt aber der guten Biſſen / das boͤſe Ge - wiſſen angriffen / ihme Herꝛn Doctori ernſtlich zu Hertzen gefuͤhrt / wie maͤchtig er ſich in ſeiner Advocatur verſuͤn - diget habe / vnd dafern er das ſo vnbillich erworbene Gut vnd Gelt nit wider zuruck gebe / vnd ſeine begangene Un - gerechtigkeit bußfertig bereue / ſo werde die vrploͤtzliche Straff deß Goͤttlichen Richters uͤber ihn kommen / vnnd zur ewiger Rach ziehen. Zum Wahrzaichen / vnd mehre - rer Beſtaͤttigung ergreifft Matthæus das Tiſchtuch / truckt daſſelbige zuſammen / auß welchem dann ſo haͤuffiges Blut gerunnen / daß ein groſſe Schiſſel darmit angefuͤllet wor - den. Sihe! ſagt der wunderthaͤtige Mann: Das iſtR r 3das318vnd gewiſſenloſer Dieb.Zach. Bo - ver. in An - nal Capuc. 1552. de Fratre Matthæo à Baſcio. das Blut der Armen / welches du ihnen durch vngerechte Proceſs vnd Rechts-Fuͤhrungen außgeſogen / diſes ſchreyt in Himmel / vnd be - gehrt Rach wider dich. Wann diſer wunderthaͤtige Mann in vnſerm lieben Teutſchland waͤre / vnd etliche Ad - vocaten haimbſuchte / ſo wurde er auß manchem ſamme - ten Rock eines Doctors, auß manchem ſeidenen vnd koſt - baren Klayd einer Doctorin, auß mancher ſilbernen vnd guldenen Kandl eines Advocaten / auß manchem Tiſch - tuch eines ſolchen Legulei auch das helle Blut der Armen herauß preſſen. Blutegl / Blutſutzler / Blutrauber / Blutſchwammen geht doch in euere Gewiſſen / gedenckt doch / daß euere vngerechte Gewinn nur zeitlich / die Straff aber ewig: erwoͤget doch / daß der vngerechte Kreutzer euer Weib vnd Kinder / endlich an Bettlſtab vnd Bettl - ſtand / euere arme Seelen aber zur Hoͤllen befoͤrdern wer - den. Ihr gerechte Juriſten aber / vnd gewiſſenhaffte Advo - caten verbarret in euerer preißwuͤrdigen Juſtitz / uͤberladet euch nicht mit frembdem Gut / trettet in die Fußſtapffen deß H. Advocaten Ivonis, ſchutzet vnd ſchirmet die Ar - men / ſo wird ſich GOtt euerer erbarmen.
Der allmaͤchtige GOtt iſt eineſt dem Patriarchen Abraham erſchinen / ihme den Befelch gegeben. Abram exi de terrâ tuâ. Abram ziehe auß deinem Land / von deiner Verwandtſchafft / von deines Varters Hauß / vnd komb in das Land / das ich dir zaigen will / vnd ich will dich zum groſſen Volck machen / vnd will dich ſegnen / vnd dei - nen Nahmen groß machen / vnnd du ſolſt geſegnet ſeyn. Uber diß gienge Abram herauß / wie ihme GOtt der HErꝛ befohlen hat / vnd Loth zohe mit ihm. Fuͤnff vnd ſibentzig Jahr ware Abram damahlens alt / wegen eines ſo willfaͤhrigen Gehorſambs hat GOtt dem Abramvnder -319Judas ein vngetreuer Juͤnger /vnderſchidliche Verhaiſſungen gethan / ihme zugeredt / er ſolle die Augen wenden gegen dem geſterneten Himmel / vnd allda die ſchoͤne / ſcheinende / glantzende / ſchimmerende Stern beſchauen; er ſolle betrachten die Menge der klei - nen vnd wintzigen Sandkoͤrnlein am Ufer deß Meers / alſo ſolle ſein Nahmen / Saamen vnd Stammen vermehret werden. Hierdurch ware der Gehorſamb deß H. Manns noch nit ſattſamb bekannt. GOtt erſcheint ihme mehr - mahlen / vnnd ſpricht diſe Wort zu ihm / ich bin der All - maͤchtige GOtt / wandle vor meiner / vnd ſeye vollkom - men / vnd ich will meinen Bund auffrichten zwiſchen mir vnd dir / vnd ich will dich uͤber die maſſen ſehr vermehren. Da fiele Abram nider auff ſein Angeſicht / vnnd GOtt ſprach zu ihm. Ich bins / vnd hab einen Bund mit dir / vnd du ſolſt ein Vatter viler Voͤlcker ſeyn / vnd dein Nah - men hinfuͤro ſoll nit mehr Abram ſeyn / ſondern du ſolſt Abraham genennet werden. Nec ultrà vocabitur nomen tuum Abram, ſed appellaberis Abraham. Warumben der Allmaͤchtige GOtt diſen Patriarchen Abram ſein Nahmen veraͤndert hat / ſetzen deſſen manig - faltige Urſachen die Außleger der H. Schrifft / welche diß - ſeits beyzufuͤgen vnnoͤthig ſeynd. Es waͤre der Zeiten hoͤchſt nothwendig / daß auch die Dieb ihre Nahmen ver - tauſcheten; in allen Laͤndern / in allen Staͤtten / in allen Doͤrffern / in allen Gaͤſſen / in allen Orthen / gibts Ab raͤm. Wo iſt ein Statt? in der Statt / wo ein Gaſſen? in der Gaſſen / wo ein Hauß? in dem Hauß / wo ein Zimmer? in dem Zimmer / wo ein Tiſch / wo ein Banck / ein Stuhl / ein Stoͤll? wo nicht Ab raͤm gefunden werden; verſtehe groſſe Dieb / groͤſſere Dieb / die groͤſte Dieb: verſtehe klei - ne Dieb / noch kleinere Dieb / die kleineſten Dieb / welche alle nichts anderſt ſeyn / als lauter Ab raͤm. Aber ſiethun320vnd gwiſſenloſer Dieb.thun abraͤmen / wo es nit erlaubt / ſie thun abraͤmen / was ſie ſolten ligen laſſen: ſie thun abraͤmen / was das ſibende Gebott verbiet. Diſe ſolten freylich wol ihren Nahmen veraͤndern / dafern ſie wolten Gott gefallen.
Vor diſem iſt das Stehlen nicht alſo im Schwung gangen / wie der Zeiten: vnd ſeynd dazumahlen vil weni - ger Dieb gezehlet worden / als bey diſem Weltlauff. Der verlohrne Sohn / nachdem er durch Kandl vnd Andl ge - rathen iſt in einen elenden Wandl. Vivendo luxuriosé. Und ein ſolcher armer Schlucker worden / daß er auch in kurtzer Zeit von Freyburg auff Schweinfurt geraiſt / vnd auß einem Freyherꝛn ein Sauhirt worden. In ſolche aͤuſ - ſerſte Noth iſt er kommen / daß er wegen Mangl deß Brodts ſchier vor Hunger geſtorben. Gleichwol liſt man nit / daß er in ſeiner groͤſten Armuth haͤtte geſtohlen / allwo ihn doch die groͤſte Noth / vnd hoͤchſte Beduͤrfftigkeit in etwas haͤtte entſchuldiget. Sonder er / als ein edler Juͤngling hat lieber wollen die Saͤu huͤten / als mit Stehlen oder Partitenmachen ſich erhalten. Dermahlen aber / bey di - ſen verkehrten Zeiten / ſeynd die Leuth alſo uͤbel geſittet / daß ſehr vil mit Diebſtall vnd Raubereyen ihr Vnderhalt ſuchen / als durch ehrlichen Dienſt ſich ernehren. Von dem Igel ſchreiben die Naturkuͤndiger / daß er ein arger Dieb ſeye / vnd pflegte zur Herbſtzeit auff die Aepffel - vnd Birnbaum zuſteigen / von denen das Obſt herunderzuwerf - fen / nachdem er den Baum zimblich beraubt / ſo ſteigt er wider hinunder / waltzt ſich mit ſeiner geſtachleten Haut hin vnd her / vnd ſpieſt ſolcher gſtalten alle ſeine geſtohlene Fruͤchte an ſeine Spitz / mit welchem Raub er nachgehends in ſeine Hoͤle eilet. Diſer Dieb ſtihlt mit lauter Spitz / alſo werden nit wenig Dieb angetroffen / welche mit lau - ter ſpitzfindigen Diebſtucken ſich ernehren.
Was321Judas ein vngetreuer Juͤnger /Was kan argers / vnd aͤrgers ſeyn / als was ſich zu Genua zugetragen. In diſer beruͤhmten Statt / wurde auff ein Zeit ein ſehr hochfeyrliches Feſt in gewiſſen Kir - chen begangen / vnd ware ein Volckreicher Zulauff zu diſer erſtermelter Solennitet. Vnder andern wolt auch ein Teutſcher (welcher theils auß Andacht / anderſeits auch auß Vorwitz etwas neues zu ſehen begehrte) in beſagte ſchoͤne Kirchen ſich begeben / deme aber vnweit diſes Got - tes-Hauß ein anderer begegnete mit lachenden Mund / vnd Freudenvollen Angeſicht / vnd ihn gantz troſtreich be - willkombt / ſprechend. Gruͤß dich Gott mein tauſend Bruder / wie treffen wir ſo wunderſam einer dem andern an. Von Grund meines Hertzens erfreue ich mich / daß ich dich noch in gewuͤnſchter Geſundheit befinde / mein lieb - ſter Bruder! der gute Teutſche verwundert ſich hieruͤber / kondt ſich auff kein Weiß diſer vnverhofften Bruderſchafft oder Bekandtſchafft entſinnen / ſchittlet derenthalben ma - nierlich den Kopff mit dem Verlaut / er kan ſich gar nicht erinnern / daß er einmal deß Herꝛn ſeye anſichtig / vil weni - ger bekannt worden. Diſer Ertz-Schalck aber / verſtellte auch in etwas ſein Angeſicht / ſagend; mein Bruder / ge - denckſt du dann nit mehr an die Vertreulichkeir / ſo wir vor drey Jahren zu Wienn in Oeſterreich im Haaſenhauß ge - pflogen. Bitt dich vmb Gottes Willen / ſoll dir dann ſchon entfallen ſeyn jener Boſſen / den wir beede der Koͤ - chin daſelbſt erwiſen / da ſie einsmahl einen guten ſchwei - nernen Schuncken beym Feur kochte / ſeynd wir beede ihrer vnvermerckter hingangen / den Schuncken auß dem Hafen heraußgezogen / an ſtatt deſſen deß Haußknecht alten Stif - fel-Balg hinein geſteckt / welches nachmahls die leichtglau - bige Koͤchin fuͤr ein Zauberey gehalten / der berhoͤrten Mainung / der Schuncken ſeye durch boͤſe / vnd ihr mißgoͤn - nende Leut / in einen Stiffel-Balg verkehrt worden. MeinS stau -322vnd gwiſſenloſer Dieb.tauſend Bruder / ſolſt du diſen erfreulichen Geſpaiß ſchon vergeſſen haben. Ey du laͤcherlicher Vocativus, ſtoͤll dich doch nit alſo frembd. Ich / ſagte hierauff der Teutſche / nimm mein eignes Gwiſſen zum Zeugen / daß ich die Zeit meines Lebens mit dem Herꝛn nit habe ein einiges Wort geredet / thut ſich alſo der Herꝛ / wegen etwann gleichgſtalten An - geſicht / irren / vnd mich vor einen andern anſehen / der verſchmitzte Boͤßwicht gibt hieruͤber Glauben / vnd bit - tet vmb Vergebung / daß er ihn alſo vertreulich hat em - pfangen / es waͤre deſſen aber kein andere Vrſach / als / weilen er im Geſicht / vnd Leibs Beſchaffenheit einem / ſei - ner beſten Freund / gantz aͤhnlich vnd gleich ſeye: Frage bey - nebens / wohin er ſeinen Weeg nemme / vnd wie er ver - ſtanden / daß er obbeſagte Solennitet, wegen ſehr frembden Ceremonien, wolle beywohnen / gab er ihm diſen / aͤuſſer - lichen Scheins halber / ſehr guten Rath. Mein lieber Herꝛ / ſprach er / weilen der Herꝛ / Geſicht vnd Gſtalt halber / mei - nem werteſten Freund gantz gleichet / ſo will ich den Herꝛn vor einem Schaden vnd Ubel warnen. Vermuthlich wird der Herꝛ mit etlichen Ducaten verſehen ſeyn; es wiſſe aber mein Herꝛ / was argliſtige / ſpitzfindige / durchtribene Beutlſchneider allhier ſeyn / welche gemainiglich bey ſol - chen Feſt-Taͤgen ihre beſten Jahrmarckt haben / vnd denen Leuthen auß den Saͤcken / ſo gar das Geld auß denen Haͤn - den practiciren. Der HErꝛ folge meinem Rath / die etliche Ducaten / ſo er bey ſich hat / nembe er ins Maul / deßglei - chen ich auch / ſolcher gſtalten werden wir beede der ſchlau - hen Beutlſchneider ihre Renck hinderliſtigen. Diſer gute / ehrliche Teutſche halt diſen Rath fuͤr angenehm vnd hayl - ſam / verbirgt etliche Ducaten ins Maul / vnd gehet ſambt diſem in die Kirchen. Was folgt? vnder waͤhrendem Feyr - lichen Gotts-Dienſt / da jederman niderknyet / hat der Mitgeſpann offternente Boͤßwicht das Schnubtuͤchl außdem323Judas ein vngetreuer Juͤnger /dem Sack gezogen / ſich ſtellend / als haͤtte er ein gewiſſes Gelt ohnbehutſamb darmit herauß geſtraͤhet. Graplete alſo auff der Erden hin vnd her / vnd lamentierte / die Ge - genwaͤrtige bucken ſich auch etwas / vnd fragt einer den andern / was er ſuche? ach GOtt! verſetzt er hieruͤber gantz klaͤglich / ich habe mit dem Schnubtuch etliche Duca - ten herauß gezogen / vnd kans nit mehr finden. O ſagt der obbemelte Ertz-Schalck vnd Haupt-Dieb / ich hab geſehen / daß diſer Teutſcher ſich auch gebucket / die Ducaten auff - geklaubt / vnd ins Maul geſchoben. Als nun die Umbſte - hende ihn mit harten Worten angriffen; er ſoll dem ar - men Tropffen das ſeinige erſtatten. Er / der gute Teutſche aber wegen ſeiner aignen Ducaten / die er vorhero auß Ein - rathung diſes Ertz-Schelm ins Maul geſtecket / kondte de - renthalben nit recht reden / vil weniger ſich entſchuldigen / vnd weilen die Anweſende vermerckt / daß er Gelt im Maul hatte / ſtrengten ſie ihn noch hefftiger an / daß er alſo zur Vermeydung groͤſſers Unheyls ſein aignes Gelt auß dem Maul dem andern muͤſte darſtrecken. Das haiſt ja nit das Brodt / ſondern gar das Gold vom Maul weckge - ſchnitten. Dergleichen ſpitzſindige Diebſtall haͤtte ich ein groſſe Menge beyzubringen / die ich mit allem Fleiß vmb - gehe / damit nit hierdurch andere in ihren Diebs-Anſchlaͤ - gen mehrer vnderrichtet werden.
Dieb vnd Judas-Bruͤder glauben faſt / daß ſie durch ſtehlen reich werden / aber es zaigt die beſtaͤndige Erfah - renheit das Widerſpiel / vnd erfahret man allemahlen / daß wahr ſeye / was die Alten im Sprichwort hatten. Wie gewunnen / alſo zerrunnen. Der gebenedeyte Hey - land erzehlet von einem Koͤnig / welcher Rechnung wolte machen mit ſeinen Knechten / vnd als er anfieng die Rech - nung zu halten / kam ihm einer vor / der war ihm zehenS s 2tau -324vnd gewiſſenloſer Dieb.tauſend Pfundt ſchuldig. Diſer war ein Haupt-Dieb / dann zehen tauſend Pfundt zu ſtehlen iſt ein ehrliche Zahl in einer vnehrlichen Sach. Der Koͤnig begehrte das ſeini - ge / wie billich vnd recht. Diſer ſaubere Officier vnd Be - ambte hatte nicht ein Kreutzer / daß er moͤcht erſtatten. Matth. 18.Cum autem non haberet, unde redderet. Aber vmb Gottes willen / Herꝛ von Greiffengelt / wie habt ihr ein ſo ſchoͤne Summa Gelt anwohren / daß ihr anjetzo ein ſo ar - mer Schlucker ſeyt / vnnd mit der Naſen muͤſt auff den Ermbl ſchreiben? nit ein Kreutzer mehr im Beuthl? der Hut heugt die Fluͤgl / wie ein abgeſtoſſenes Schwalmen - Neſt: die Hoſen ſeynd durchbrochen mit Philagran-Ar - beit: die Schueh ſeynd lederne / aber auch liederlich / dann der groſſe Zehen zum Fenſter herauß ſchauet / vmbzuſehen / ob der Maiſter Hanß bald werde mit dem Laiſt ankommen. Von zehen tauſend Pfundt / kein Pfundt mehr? kein halb Pfundt mehr? kein viertl Pfundt mehr? Herꝛ Diet - rich / wo iſt das Gelt hinkommen? ach GOtt! MalèProv. 12. parta, malè dilabuntur. Wie gewunnen / alſo zer - runnen. Non invenerit fraudulentus lucrum: ſagt der H. Geiſt ſelbſten. Der mit Betrug vmbgehet / findet keinen Gewinn.
Dem Heil. Ruffino iſt einmahl einer in den Garten eingeſtigen / vnd ihme das beſte Kraut - vnd Kraͤutlwerck entfrembdet / ſolches nachmahls in einem Hafen zu einem groſſen Feuer geſetzet. Allda hat der Dieb mit hoͤchſtem Wunder erfahren muͤſſen / daß beſagtes Kraut auff kein Weiß kundte gekocht werden / ſo gar das Waſſer ein hal - ben Tag bey dem Feur iſt nicht warm worden. Kraut - Dieb / wie gehts? ℞. ſchlecht. Bey geſtohlenen Din - gen / will nichts gelingen.
Dem325Judas ein vngetreuer Juͤnger /Dem H. Odoni hat ein Dieb ein Pferdt geſtohlen /Petrus de Natal. lib. c. 10. 38. ſich behend auff daſſelbige geſetzet / ihme den Sporn geben / vnd ſeiner Mainung nach ſchon etliche Meil poſtiert / zu Morgens bey anbrechendem Tag / hat er ſich an demſelben Orth befunden / wo er das Pferdt geſtohlen. Pferdt-Dieb / wie gehts? ℞. ſchlecht. Bey geſtohlenen Dingen / will nichts gelingen.
In dem Cloſter zu Caſſin ſeynd die Dieb in den Kel -In Chrön. Caſſinen. ler gebrochen / vnd daſelbſt einen gantzen Sack voll Fleiſch / Kaͤß vnd Spoͤck angefuͤllt / als ſie nun wolten den Sack auffheben / haben ſie nit anderſt vermaint / als ſelbiger ſeye mit lauter Bley angefuͤllt / derenthalben gezwungen wor - den diſen Raub allda zu laſſen / vnd auff kein Weiß koͤn - nen entrinnen / biß ſie von allen Geiſtlichen erſehen wor - den. Kaͤß-Dieb / Spoͤck-Dieb / wie gehts? ℞. ſchlecht. Bey geſtohlenen Dingen / will nichts gelingen.
Den H. Biſchoff Zenonem haben auff ein Zeit et -In vita Ze - non. Epiſ. Veronen. liche Soldaten vmb einige Fiſch erſucht / welchen dann der H. Mann guthertzig drey groſſe Fiſch geſchencket / die Ge - ſellen aber waren hierdurch nicht erſaͤttiget / ſondern den vierdten darzu geſtohlen. Als ſie nun diſen zu Hauß in ein ſiedendes Waſſer geworffen / ſo hat ſolcher auff kein Weiß moͤgen gekocht werden / ſondern ſtaͤts in dem ſtedhaiſſen Waſſer lebendig verbliben. Fiſch-Dieb / wie gehts? ℞. ſchlecht. Bey geſtohlenen Dingen / will nichts gelingen.
Dem Meßner bey St. Guigneri, ſchreibt der Heil. S. Anſel. c. 10. deS. Anſelmus, haben etliche freche Dieb ein Kuhe geſtohlen bey naͤchtlicher Weil. Sihe! da ſeynd alſobalden auff den zwey Hoͤrnern der Kuhe / zwey groſſe Liechter erſchinen / weiche diſe Dieb verrathen. Kuhe-Dieb / wie gehts? ℞. S s 3ſchlecht.326vnd gewiſſenloſer Dieb.ſchlecht. Bey geſtohlenen Dingen / will nichts gelingen.
Es iſt in Schottland ein Muͤhl / welche den Nahm / wie forderiſt auch ein beſondere Gnad hat vom heiligen Fridiano. Wann jemand ein geſtohlenes Trayd auff diſe Muͤhl ſchuͤttet / ſo thut ſie ſolches auff kein Weiß zu Mehl mahlen. Und wehret diſes Wunderwerck noch auff heu - tigen Tag. Trayd-Dieb / wie gehts? ℞. ſchlecht. Bey geſtohlenen Dingen / will nichts gelingen.
Was halt ich mich mit frembden / vnd vilen vnbe - kandten Geſchichten auff / wir wiſſen ſelber vil / wir zehlen ſelbſt nit wenig / vns kommen offt ſolche vnder die Augen / welche da außſehen / wie deß Samſons ſein Eſels-Kuͤhn - backen / zaunduͤrꝛ; welche ein Klayd tragen / wie deß Ja - cobs ſein Laͤmbl voller Fleck / welche da ein Wohnung ha - ben / wie Alexius vnder der Stiegen: welche Augen ha - ben / aber nur ſolche / die vor Truͤbſahl ſtaͤts im Waſſer ſchwimmen: welche Zaͤhn haben / aber nur ſolche / die Kuͤmmer Nuß muͤſſen auffbeiſſen: welche Haͤnd haben / aber nur ſolche / die den Bettlſtab muͤſſen fuͤhren / welche Fuͤß haben / aber nur ſolche / die von Hauß zu Hauß ge - hen / das Brodt bettlen / welche zerriſſen ſeynd in Klay - dern / jedoch beynebens gantze Bettler: welche nichts zu eſſen haben / doch beynebens Manglkern / Mauglnuß / Mangldorthen gnug: welche Baarfuß gehen / vnd doch beynebens druckts der Schuh allerſeits: welche mit einem Wort / elende / verlaſſene / betrangte / betruͤbte Bettler ſeynd / vnd wir haben doch ihre Eltern gar gut gekennt / vor ihnen nit einmahl den Hut gerucket. Sie waren ſo reich / daß ſie ſchier dem Crœſo den Trutz gebotten. Was man bey ihnen geſehen / war Gut vnd Gelt: was man beyihnen327Judas ein vngetreuer Juͤnger /ihnen griffen / war Geld vnd Gut: was man bey ihnen gefunden / war Gut vnd Geld. Es iſt gewiß / daß auff ein jedes Kind ſo vil tauſend Gulden erblich gefallen / vnnd gleichwol iſt alles / alles / alles hin. Der Hanß Jacob hat ſo vil Tauſend empfangen / nun iſt alles hin / jetzt gibt er ein Jacobs Bruder ab. Der Chriſtoph Reichard hat ſo vil Tauſend geerbt / nun iſt alles hin / jetzt iſt auß einem Reichard, ein Gebhard worden / dann er hat ſelbſten nichts. Der Ceorg Vital hat ſo vil Tauſend im baaren Geld gezogen / nun iſt alles hin / der Vital muß bald gar ins Spitall. Vmb Gottes Willen / wo iſt das Geld hin - kommen? O fragt nit lang. De malè quæſitis, non gau - det tertius Hæres. Was man vnrecht thut erwerben / daß kombt nit zum dritten Erben. Dann ihr Vatter war der / vnd der Herꝛ / ihre Mutter war die / vnd die Frau / ihr Reichthum war das vnd das / was dann? das vnd das Diebsſtuck. Er hat ſich in ſeinen Dienſt mit frembden Gut vnd Geld bereicht / dem Kaͤyſerlichen Beutl das Fe - ſtum Circumciſionis celebriret. Wie gewunnen / jetzt iſt es alſo zerunnen. Beſſer / beſſer vnd erſprießlicher / wie auch nutzlicher iſt ein gerechter Kreutzer / den der Vatter ſeinem Kind hinderlaſt / als hundert Gulden / die mit Vn - recht erworben. Bey geſtohlenen Dingen / will nichts gelingen.
Der gelehrte Ariſtoteles ſchreibt von denen Adlers - Federn etwas denckwuͤrdiges / daß / wann man diſe zu an - dern Federn lege / pflegen die Adlers Federn die andere zu verzehren / vnd gantz auffzufreſſen. Faſt ein gleiche Be - ſchaffenheit hat es mit dem / durch Betrug vnnd Diebſtall erworbenen Gut / wann man ein vngerechten Kreutzer zu einem gerechten Groſchen legt / ſo wird der gerechte den vngerechten verzehren. So bald ein vngerechter Gulden in das Hauß kombt / ſo fliehen zehen gerechte Gulden außdem328vnd gwiſſenloſer Dieb.dem Hauß. Henricus der Achte Koͤnig in Engelland ware faſt der reicheſte Monarch in Europa / nachdem er aber die Geiſtliche Guͤter hat rauberiſch angriffen / iſt er nit nur allein zu groͤſſerem Reichthum nit gelangt / ſon - dern augenſcheinlich aͤrmer worden. Nachdem er uͤber die tauſend Cloͤſter zu ſich gezogen / vnd auß dero Jaͤhrlichen Renten vnd Einkunfften vil hundert tauſend zehlte / iſt erNieremb. cap. 10. doch vil aͤrmer worden / vnd beduͤrfftiger. Multo paupe - rior poſt iſtam expilationem fuit intra paucos annos. Das gerechte Gut hat das vngerechte verzehret. Trieb vnnd Dieb haben faſt gleiche Arth. Wann der Himmel truͤb iſt / ſo ſicht man keinen Stern / wann der Limmel ein Dieb iſt / ſo ſpuͤrt man weder Stern / noch Gluͤck bey ihm.
Vor die Dieb gehoͤrt ein Galgen / dann nit vmbſonſt in den zehen Gebotten am ſibenden Orth ſtehet:
Du ſollſt nicht ſtehlen. Dann numero ſchreibet man wie einen Schnellgalgen. Ich aber bin was guͤtiger mit denen Dieben / vnd ſchenck ihnen einen Odder. Odder vnd Biber ſeynd ſonſten gute Faſten - Speiſen. Dann das Quotidiè beym Stockſtſch auch ein Grauſen verurſacht. Der Habacuc hat den Daniel mit einem Koch tractirt: Der Abraham hat ſeinen Gaͤſten ein guten kaͤlbernen Bratten auffgeſetzet: Die Rebecca hat dem Iſaac ein gebrattenes Kitzl / an ſtatt deß Wild - praͤts / auffgetragen: Ich aber tractiere die Dieb mit Fa - ſten-Speiſen / mit Odder. Nemmet hinauß ihr Dieb; laſt euch nit vorlegen ihr Dieb / laſt euchs wolſchmecken ihr Dieb / GOtt woll euchs geſegnen ihr Dieb; thut ein - mahl eines beſchaid ihr Dieb; laſt eines herumb gehen ihr Dieb; ihr Dieb / trinckt einmahl in Geſundheit aller Dieb; ihr Dieb / ſagts allen andern Dieben / daß ſie ſol - len zu mir kommen / mit meiner wenigen Tafel verliebnem -329Judas ein vngetreuer Juͤnger /nemmen. Ich will euch lauter Odder auffſetzen. Odder ein gute Speiß / ein geſunde Speiß / ein heilige Speiß: verſtehe mich aber recht / das Woͤrtl Odder muͤſt ihr zu - ruck leſen / alsdann haiſt es Reddo, auff teutſch: Ich gibs wider. Ihr Dieb / was ihr geſtohlen / gebts wi - der / ſonſt kombt ihr warhafftig in die Nider / das iſt / in die Hoͤll.
Sehr vil Doctores der Medicin oder Artzney ſeynd heilig geweſt. Lucas ein heiliger Medicus; Urſicinus ein H. Medicus; Coſmas vnd Damianus heilige Medi - ci: Cyrus vnd Joannes heilige Medici: Blaſius ein H. Medicus: Codratus ein H. Medicus: Antiochus ein H. Medicus: Pantaleon ein H. Medicus: Zenobius ein H. Medicus: Liberatus ein H. Medicus: Æmilianus ein H. Medicus &c. Weilen ich ein ſo groſſe Anzahl der heiligen Medicorum antriffe / ſo will ich mich auch fuͤr ei - nem Medico brauchen laſſen / vnnd weilen ich zuvor die Dieb habe tractirt, ſo will ich ihr Diebs-Medicus auch ſeyn. Ich bin zwar kein Galenus, das iſt wahr: ich bin kein Hyppocrates, das iſt wahr: ich bin kein Eſcula - pius, das iſt wahr / aber doch kan ich die Dieb curiren. Die Natur der Kraͤuter / die Wuͤrckung der Wurtzlen / die Eigenſchafften der Mineralien waiß ich nit; aber dan - noch die Dieb kan ich curiren / vnd beſtehet mein Recept in einem Vomitorio. ℞. Vom. Wann einer etwas ge - eſſen hat / ſo ihm vngeſund / vnd ſehr trucken thut / ſo iſt das beſte Mittl Vomitorium: Er gibts wider. Hart zwar kombts einen an / wann einer Muſiciren thut / daß die Saͤu die Notten freſſen; wann er grob reden thut / daß man die Woͤrter mit dem Beſen zuſammen kerret: wann er ſo wuͤrgen thut / als wolt er Holtz-Acpffel preſ - ſen; wann der Magen ſo frevgebig iſt / wie ein Muͤllner -T tBeuthl:330vnd gewiſſenloſer Dieb.Bethl: wann der Schwaiß uͤber das Angeſicht rinnt; mit einem Wort / hart kombts ihn an / wann er wider gibt. Aber nachdem es geſchehen / ſo frage ihn / wie er ſich beſinde. Gantz wol / wird er antworten / er befinde ſich gantz wol vmb das Hertz / es truckt ihn nit mehr / es ſeye ihm nit mehr ſo aͤngſtig. GOtt ſey Lob / ich bin gantz ge - ſund. Ihr Dieb / ihr habt ein frembtes Gut zu euch genommen / das iſt euch nit geſund / iſt nit wahr? beken - nets / wann ihr auß der Predig geht / wann ihr in Buͤche - ren liſet / ſo truckts euch vmb das Hertz / der Gewiſſens - Wurm nagt im Buſen / es iſt euch gantz aͤngſtig vmb das Hertz. Recipe Vomitorium, das beſte Mittl / gebts wider zuruck / was ihr vngerecht zu euch genommen. Sonſt iſt kein einiges anders Mittl. Non dimittitur pec - catum, niſi reſtituatur ablatum.
Zachæus ein kleiner Mann / aber ein groſſer Dieb / hat mehr als einen / zwey / drey / vier / fuͤnff betrogen: hat mehr als fuͤnff / ſechs / ſiben / acht / neun / zehen uͤberfortlet: hat mehrern als eilffen / zwoͤlffen / dreyzehen / vierzehen / fuͤffzehen / ꝛc. geſtohlen. Deß Zachæi Augen waren Diebs-Augen / dann er ſchauete nur auff vngerechte Ge - winn: deß Zachæi Maul war ein Diebs-Maul / dann ihme die Zaͤhn nur nach frembden Gut waͤſſerten: deß Za - chæi Haͤnd waren Diebs-Haͤnd / dann ſolche ſo manchen frembden Groſchen an ſich gezogen: deß Zachæi Fuͤß wa - ren Diebs-Fuͤß / dann ſolche nur gangen auff eignen Nu - tzen / Zachæus war ein arger / ein karger Dieb in Haab - ſchafften / war ein bloſſer / vnnd groſſer Dieb in Handl - ſchafften; war ein verribner / durchtribner Dieb in Sib - ſchafften / war ein verlogner / betrogner Dieb in Buͤrg -ſchaff -331Judas ein vngetreuer Juͤnger /ſchafften. Zachæus war ein Dieb in einhandlen / ein Dieb in außhandlen / ein Dieb in vmbhandlen / ein Dieb in abhandlen / ein Dieb in vorhandlen / ein Dieb in nach - handlen / ein Dieb Vormittag / ein Dieb zu Mittag / ein Dieb Nachmittag / ein Dieb allezeit. Es hat einmahl ein frecher Geſell gehoͤrt auß dem Evangelio die acht Seelig - keiten leſen. Under andern auch diſes: Beati pauperes: Seelig ſeynd die Armen / dann ihnen gehoͤrt das Himmelreich. Ich / ſagt er / hoffe vnfehlbar in Himmel zu kommen / dann ich hab ſchon manchen in den Himmel geholffen / weilen ich vil arme Leuth gemacht hab. Ein anderer ruͤhmte ſich / daß er vil arme Haͤuſer ha - be geſtifftet. Glaubs wol / durch ſtehlen vnnd Rauben / ein ſolcher war Zachæus, nicht beſſer / etwann boͤſer. Nach - dem er aber mit barmhertzigen Augen von dem guͤtigiſten Heyland iſt angeſchaut worden / ja ſolcher gar diſen offe - nen Suͤnder in ſeinem Hauß haimbgeſucht / das Gemuͤth erleucht / bat Zachæus ſeinen Wucher bekennt / ſeine Diebſtall Chriſto dem HErꝛn ſelbſten gebeicht / vnd alſo von vnſerm HErꝛn ſelbſt in eigner Goͤttlicher Perſohn ab - ſolvirt worden. Aber wie? merckts wol ihr armſeelige Menſchen / die ihr mit frembden Gut beladen. Mit dem Geding hat Zachæus die Abſolution erhalten / daß er ſolle alles abgeſtohlene Gut zuruck geben / wie er es dann ſo gar wuͤrcklich erſtattet hat. Non dimittitur peccatum, niſi reſtituatur ablatum.
Du / vnd du / vnd du. Holla! ich haͤtte ſagen ſollen euer Voͤſt / euer Geſtreng / ihr Gnaden; ſeyt ihr eurem Kayſer / eurem Fuͤrſten / eurem Herꝛn vntreu geweſt in ſeinen Dienſten; ſeyt ihr mit ſeinem Gelt vmbgangen /T t 2wie332vnd gewiſſenloſer Dieb.wie der Habich mit der Tauben; habt ihr wie ein Egl / habt ihr geſogen wie ein Badſchwam. Reddite, gebts wider. Es iſt euer betten nit genug / es iſt euer wainen nit genug / wann ihr auch waint / daß ihr moͤcht die Donau ſchwellen. Wann ihr es auch bereuet / daß euch moͤcht das Hertz zer - truͤmmern. Wann ihr auch bettet / daß euch das Maul ſtaubt / ſo iſt alles diſes nit genug / ſondern wird nothwen - dig erfordert / das Reddo, ich gibs wider.
Du Cavalier / wann du dem armen Handwercks - Mann das ſeinige nur halb bezahleſt / das halbe aber abge - ſtohlen. Redde, gibs wider / oder du kombſt in die nider.
Du Gerhab / oder Gernhab / wann du dich mit den kleinen[P]upillen haſt groß gemacht / vnd mit dero Inter - eſſe dein Prodeſſe geſucht. Redde, gibs wider / oder du kombſt in die nider.
Du Advocat, wann du den Rechtshandl gezogen / wie der Schuſter das Leder / vnd ein kleine Sach ſo groß gemacht / wie die Niernberger ein Ducaten ſchlagen. Redde, gibs wider / oder du kombſt in die nider.
Warumben hat der gebenedevte JEſus keinen an - dern Todt erwoͤhlt / als allein die Creutzigung? warumben hat er nit wollen enthauptet werden / wie Joannes Bapti - ſta? warumben nit verſteiniget werden / wie Stephanus? warumben nit gebratten werden / wie Laurentius? war - umben nit geſchunden werden / wie Bartholomæus? war - umb nit? darumb / die Goͤttliche Juſtitz vnd Gerechtigkeit hat es alſo wollen haben. Dann Adam hat ein Diebſtall begangen im Paradeyß / in dem er invito Domino, wider den Willen Gottes den Apffel entfrembt; vnd wie Mo -154. Dom. Pſalm. mingo mit andern darvor halt / ſeye daſſelbige Obſt alſo be - ſchaffen geweſt / daß / wann mans voneinander geſchnit - ten / ſeye in einem jeden Thail oder Spaͤltl das Creutz-Zai -chen333Judas ein vngetreuer Juͤnger /chen zu ſehen geweſt. Weilen dann ihme GOtt ein ſolche Creutz-Speiß iſt geſtohlen worden im Paradeyß / ſo hat die Goͤttliche Juſtitz begehrt die Reſtitution, vnd widerge - ben / muſte demnach fuͤr diſes Obſt ein andere Creutz - Frucht erſtatten / vnd diſe war die gebenedeyte Frucht dei - nes Leibs / O Maria! JEſus am Creutz.
Cæſar Baronius ſchreibt von einem vornehmen Gra -An. 1055. tom. 11. fen in Teutſchland / welcher einen frommen vnnd Gotts - foͤrchtigen Wandl gefuͤhrt. Aber Gottes Urtheil ſeynd weit entfernet von der Menſchen Mainung. Nachdem erſtgedachter Graff mit Todt abgangen / hat ein heilig - maͤſſiger Ordens-Mann ein erſchroͤckliches Geſicht / vnd Geſchicht erfahren / er ſahe nemblichen eine faſt grundloſe Tieffe / allerſeits voll der empor ſteigenden hoͤlliſchen Flam - men / mitten in diſem Schwebl-Feur ware ein gantz gluͤen - de Laitter / auff welcher ſtunden alle Grafen von diſem Stammen-Hauß / vnd war der erſte obenher / der vor et - lichen Tagen geſtorben / beſſer hinunder ſein Vatter / mehrer hinunder ſein Anherꝛ / weiter hinunder ſein Ur-Anherꝛ / ꝛc. ꝛc. ꝛc. biß alſo auff den zehenden Erben. Der heiligmaͤſ - ſige Religios ware nit wenig entruͤſt uͤber diſes grauſame Spectacul. Forderiſt wundert er ſich uͤber den letzten Gra - fen / der ſeines achtens halber / ein frommes vnd Gotts - foͤrchtiges Leben fuͤhrte. In dem er in ſolchen verwuͤrten / vnd verwickleten Gedancken ſtunde; da hoͤrt er ein Stim̄ / welche ihm gantz deutlich zu verſtehen gab / daß derentwe - gen diſe Grafen in ſolcher elender Ordnung verdammet ſeyn / vmbweilen einer auß ihren Ur-Anherꝛn diſe Herꝛ - ſchafft vngerechter weiß an ſich gezogen / vnnd folgſamb alle Beſitzer diſes Guts / weilen ſie ſolches nicht wider zu - ruck geben / ewig / ewig / ewig verlohren ſeynd. Allem ver - muthen nach hat diſer Graff nicht gewuſt / daß er ſeinT t 3Herꝛ -334vnd gwiſſenloſer Dieb.Herꝛſchafft mit rechtem Gewiſſen nit beſitze / er haͤtte aber ſollen nachfragen / nachforſchen / nachſuchen mit was Fueg diſes Gut ihme ſeye zukommen. Er hat zwar einen tugendreichen Wandl gefuͤhrt; wann ſchon.
Wann du ſchon ein Sanfftmuth an dir haſt / wie da gehabt hat in dem alten Teſtament Moyſes; in dem neuen Teſtament Martinus, vnd biſt ein lauteres Laͤmbl.
Wann du ſchon ein Reinigkeit an dir haſt / wie da gehabt hat in dem alten Teſtament Joſeph, in dem neuen Teſtament Thomas von Aquin, vnd biſt ein lautere Lilten.
Wann du ſchon ein Lieb an dir haſt / wie da gehabt hat im alten Teſtament Noë, in dem neuen Teſtament Auguſtinus, vnd biſt ein lautere Flammen.
Wann du ſchon ein Glauben an dir haſt / wie da ge - habt hat im alten Teſtament Abraham, in dem neuen Teſtament Gregorius Thaumaturgus, vnd biſt ein laute - res Liecht.
Wann du ſchon ein Demuth an dir haſt / wie da ge - habt hat in dem alten Teſtament David, in dem neuen Teſtament Franciſcus, vnd biſt ein lauteres tieffes Thal.
Wann du ſchon ein Gedult an dir haſt / wie da ge - habt hat in dem alten Teſtament Job, in dem neuen Te - ſtament Xaverius, vnd biſt ein lautere Lautten. So hilfft doch alles diſes dir nit zu deiner Seeligkeit / wann du das geſtohlene nicht wider gibſt.
Klopff an das Hertz mit dem offenen Sünder / wai - ne mit Magdalena, bette mit Catharina, demuͤthige dich mit Martha, thue vil guts deinem Nechſten mit dem Sa - maritan / wann du aber das geſtohlene nicht zuruck gibſt / ſo iſt alles vmbſonſt. Wache / bette / faſte; faſte / daß dir die Rippen krachen; bette / daß dir die Zungen mied wer - de: wache / daß dir die Augen erblinden; wache / bette / faſte; faſte in lauter Waſſer vnnd Brodt: bette mitMund335Judas ein vngetreuer Juͤnger /Mund vnd Hertzen; wache Tag vnd Nacht. Wache / bette / faſte; faſte / vnnd mache auß jedem Tag ein Qua - rember: bette / vnd mache auß einem jeden Winckel ein Tempel: wache / vnd mache auß einer jedwederen Nacht einen Tag. Wache / bette faſte. Faſte mehr als Pacho - mius: bette mehr als Keiwinus: wache mehr als Simon Stilita. So hilfft doch alles nichts / wann du das frembde Gut nit wider erſtatteſt. Non dimittitur peccatum, niſi reſtituatur ablatum.
ETliche Seribenten ſeynd der Mainung / daß diſer Ertz-Schelm derenthalben habe auß der Apoſto - liſchen Caſſa gemauſt / vnd ſich vntreu verhalten / auff daß er mit dem entfrembden Gelt ſein Weib vnnd Kind erhalte. Andere ſeynd der Außſag / als ſeye Judas nicht zu friden geweſt mit der armen Tafel der Apoſtlen / vnd habe er an ſtatt Kraut vnd Rueben / zu weilen ihme anderwerts vmb etliche Groſchen ein gute Jauſen zurich - ten laſſen. Vil ſagen / denen ich gleichfalls beyſtimme / Ju - das habe geſtohlen auß Mißtrauen der Goͤttlichen Provi - denz vnnd Vorſichtigkeit. Euthy[mius], Theophila - ctus, Cyrillus in Juda: Paſchaſius lib. 6. Euſebius, E - miſſenus, Hom. 10. & c Dann allem Anſehen nach kont er leicht abnemmen / ſonderlich auß dem Haß vnd Miß -gunft336Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.gunft der hohen Prieſter / daß Chriſtus einmahl vnverhoff - ter weiß werde auß dem Weeg geraumet werden. Ge - dachte demnach / er wolle ihm ſelbſten anjetzo ein Gelt zu - ſammen machen / damit er ins kuͤnfftig mit nothwendigen Lebens-Mittlen verſehen ſeye; dann er jederzeit groſſe Sorg tragte / vnd derentwegen nit wenig Kummer ſein Hertz beaͤngſtigte / wie er heut oder morgen ſein Stuck Brodt moͤchte gewinnen.
Von dem heiligen vnd Hoͤnigſuͤſſen Bernardo ſchrei -Guiel. Abb. in vi - ta S. Bern. lib. 1. c. 11. bet man / daß er auff ein Zeit gantz wunderlich die Mu - cken vertriben. Er kamme eineſt in die Abbtey Fuſniac, wolte daſelbſt beywohnen der erſten Weyh einer neuen Kirchen. Weilen aber ein ſo vnglaubliche Menge der Mucken beſagtes neue Gottshauß dergeſtalten eingenom - men / daß die Leuth von dero ſchnurren vnnd ſtechen uͤber die maſſen beaͤngſtiget wurden. Solches hat dem H. Bernardo ſehr mißfallen / daß ſo kleine Thierl ſo groſſen Uberlaſt ſollen verurſachen. Faſſet dahero einen billichen Zorn gegen ihnen / vnd hat dieſelbe alleſamb excommuni - ciret. Was Wunder! deß andern Tags hat man die Mucken alle verreckter gefunden. Auß welchem Wun - der nachmahls das gemaine Sprich-Wort entſtanden. Zu Fuſniac vertreibt man die Mucken. Ich wol - te wuͤnſchen / daß ich ebenfalls diſe groſſe Macht haͤtte uͤber die Mucken / wie der H. Abbt Bernardus, ſo wolt ich nit allein die Mucken zu Fuſniac, ſondern in der gan - tzen Welt vertreiben. Verſtehe aber ſolche Mucken / wel - che Judas / vnd ſeines gleichens vil andere haben / die ſich ſo gar auff die Goͤttliche Providenz nicht verlaſſen. Ein mancher ſicht ſo ſa[u]er auß / wie ein Eſſig-Krug: er kratzt hinder den Ohren / wie ein Budlhund im Julio: er ſeuff - tzet die gantze Zeit / wie ein alter Schantz-Karꝛn / der nit geſchmierbt iſt: er iſt ſo maulhenckcoliſch / daß man indem337Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.dem Calender ſeiner Stirn nichts als truͤbes Wetter liſt: er redt nichts / vnd iſt faſt ſtiller als die Glocken am Char - freytag: er ſetzt ſich bey dem Tiſch nider / vnderſtuͤtzt den Kopff mit der Hand / vmbweilen ſein Schedl gar zu ſchwaͤr / wegen ſchwaͤrmuͤthiger Gedancken. Der Eſels-Kuͤhnba - cken / wormit Samſon tauſend Philiſteer erlegt / hat Waſſer geben / alſo rinnen auch die Thraͤnen uͤber diſes Eſels-Kopff ſeine Backen herunder. Der Schwemteich zu Jeruſalem / allwo ſo vil preſthaffte Tropffen gelegen / hat geſund gemacht / wann er von dem Engel bewegt / vnd truͤb gemacht worden / aber diſen Limmel macht ſein Be - truͤbnuß kranck: Die dreyhundert Soldaten deß Joſue haben bey dem Fluß / allwo ſie gemuſtert worden / auß der Hand getruncken / diſer Giſpel aber ſaufft ſtaͤts auß dem Angſter / dann er in lauter Angſt ſchwebet: Mit ei - nem Wort / in Egypten / zu Pharaonis Zeiten / war ein vnzahlbare Menge der Mucken / aber diſer Phantaſt hat noch mehrer Mucken / er macht ihme Tag vnnd Nacht Mucken: fruhe vnd ſpatt Mucken: Sommer vnd Win - ter Mucken / wie er ſich doch mag erhalten. Was muß ich anfangen / ſagt er / klagt er / fragt er / mein Gewerb iſt vnder dem Zaichen deß Krebſens / geht alles zuruck: mein Maul iſt vnder dem Zaichen deß Waſſermanns / ich ge - trau mir keinen Wein zu trincken: mein Weib iſt vnder dem Zaichen deß Zwillings / hat mir das Jahr zwey Kin - der auff einmahl gebracht: meine Freund ſeynd vnder dem Zaichen deß Scorpions / ſie laſſen mich alle im Stich: was muß ich dann anfangen? es iſt kein Gelt in der Ta - ſchen / es iſt kein Wein in der Flaſchen / es iſt kein Trayd in der Scheuer / es iſt kein Hafen beym Feuer / es iſt kein Brodt im Hauß / es iſt alles auß. Was muß ich doch an - fangen? es waͤr kein Wunder / ich thaͤt mich hencken! ich bin gantz verlaſſen. O Narꝛ! verlaſſen? freylich biſt ver -V ulaſſen /338Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.laſſen / aber nit von GOtt / ſondern von deinem Ver - ſtand / kanſt du betten? ja. Wie betteſt du? Vatter vnſer der du biſt im Himmel. So haſt du deinen Vatter im Himmel / fuͤr wen machſt du dann ſolche vnnoͤ - thige Mucken? du haſt einen Vatter / der der reichiſte iſt: du haſt einen Vatter / der der maͤchtigſte iſt: du haſt ei - nen Vatter / der der guͤtigſte iſt / der wird dich nit verlaſ - ſen / laß ihme die Sorg uͤber. Du biſt ja beſſer / als ein Luchs / oder ein Fuchs / du biſt ja mehr / als ein Katz / oder ein Spatz / du biſt ja vornehmer / als ein Pfaw / oder ein Raab; vnd dannoch Gott erhalt diſe / warumben ſoll er dich verlaſſen? der doch dein Vatter / vnd du ſein Kind: der doch dein Erſchoͤffer / vnd du ſein Ebenbild: der doch1. Pet. 5. v. 6. dein Hiert / vnd du ſein Laͤmblein. Omnem ſolicitudi - nem veſtram projicientes in eum, quia ipſi eſt cura de nobis. Haſt kein Brodt im Hauß? verzag nit / verlaß dich auff den jenigen / der mit wenig Brodt ſo vil Tauſend, in der Wuͤſten geſpeiſet hat: haben deine Kinder hier keine Kleyder anzulegen / verzage nit / verlaß dich auff den jeni - gen / der denen Iſraelitern 40. Jahr in der Wuͤſten ſo wun - derbarlich ihre Kleyder erhalten. Tragt dir heuer dein Weingarten nichts; verzag nit / verlaß dich auff den jeni - gen / der zu Cana Galilæa auß dem Waſſer Wein ge - macht / laß die uͤberfluͤſſige Mucken ſeyn.
Vom Wiperto Biſchoffen zu Ratzenburg iſt imLib 9. c. 47 Krantzio zuleſen / vnnd zwar nit ohne Verwunderung. Nachdem diſer / als ein Juͤngling durch einhellige Wahl vnd geſambte Stimmen zur Biſchoͤfflichen Wuͤrde erwoͤh - let worden; vnd derenthalben nacher Rom geraiſt / von Ih - ro Heiligkeit die Diſpenſation, wegen deß Alters / abzuhol - len / hat ſolchen der Pabſt / als einen jungen Menſchen / welchem kein Haͤrl vmbs Maul / veracht / vnnd alle Di -ſpen -339Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.ſpenſation gewaigert. Die folgende Nacht hierauff iſt auß Wiperto dem Juͤngling ein eyßgrauer Mann worden / welches den Pabſten dahin veranlaſſet / daß er vnverwei - lend mit ihme diſpenſiret. So geſchwind grau werden / iſt vil / iſt ein Wunder / ſagſt du / ſagt er: ich aber ſag / es ſey bereits kein Wunder mehr / daß etliche vor der Zeit weiſſe vnd graue Haar bekommen. Bona dies Matſter Matthias. Je! wie ſo weiß / wie ein alter Greiß! vnnd zwar vor der Zeit / wie kombts? wie wolts kommen / von lauter Sorgen / ich ſchreib / ich treib / ich ſchnauff / ich lauff / ich gehe / ich ſtehe / ich ſorg / ich borg / ich bau / ich ſchau / ich faß / ich baß / ich huͤt / ich bruͤt / ich trag / ich jag / ich ſetz / ich wetz / ich wacht / ich tracht / ich ziech / ich kriech / ich ſchab / ich grab Tag vnd Nacht / fruhe vnd ſpatt / es will doch nichts erklecken / ich kan nit ein Pfenning erſpar - ren / was ich taͤglich einnimb / daß verzehrt der Kuchelze - cker wider: die Kinder ſtehen nacheinander / wie ein Orgl / die pfeiffen mich ſtaͤts an vmb ein Brodt; es will ſo gar nichts erſprieſſen: ich thue ſo gar am Feyrtag kein Feyr - tag machen / vnd ſchau / wie ich etwas gewinnen mag / ſo will doch alles nicht erklecken. Wann ich einmahl kranck vnd ligerhafft werde / ſo komb ich ins Bethl / vnd mein Weib am Bettl / das macht mir die graue Haar / ꝛc. O Lettfeigen! ich wuͤnſche / du waͤreſt weis / vnd nit weiß / ſo wurdſt du ſehen / vnd beſtehen / daß du zu vil auff Menſchen - Fleiß / vnd Schweiß baueſt / vnd zu wenig auff Gottes vaͤt - terliche Vorſichtigkeit vertraueſt. Wiſſe / daß kein eini - ger / der ſich auff GOtt verlaſt / koͤnne verlaſſen werden.
Es ſeynd auff ein Zeit ihrer zwey uͤber Land geraiſt. Einer war ein Melancholiſcher Muffianus, der ihme ſtaͤt - te Mucken gemacht / wie er ſich vnd die ſeinige moͤcht er nehren. Der andere aber war ein luſtiger Geſell / der ſich weiter mit keinen Sorgen uͤberladen / ſondern ſtaͤts pfif -V u 2fen340Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.fen vnd geſungen. Mein Cammerad / ſagt der Melancho - liſt / wie kanſt du vmb Gottes Willen ſo froͤlich ſeyn? ich vermaine / in deinem Gemuͤth ſeye alle Tag Kirchtag: ich glaub / dein Hertz ſpeiſt ſich mit lauter Alleluja: ich ſihe / Dominica lætare iſt bey dir ein eintziges Jahr; warhaff - tig du ſolſt Bruder Ju-Ju Ju-Jucundus haiſſen. Ich mei - nes Thails / waiß vmb kein froͤliche Stund / will geſchwei - gen einen Tag / dann bey diſen ſchwaͤren Zeiten ſorg ich ſtaͤts / wie ich mich / vnd die meinige moͤge erhalten. Was? ant - wort der andere / ſoll ich traurig ſeyn? die ſeynd Narren / fahren Dutzetweiß auff einem Karren / welche Melancho - liſch ſeynd. Waiſt du das nit / daß Melancholia deß Teuf - fels ſein Ammel ſeye? ich bin wolauff / ich bin Allegro, ich bin guter Ding / verlaß mich auff GOtt. Per quem, nec ales eſurit. Der verlaſt kein Teutſchen nicht. Allein gar faullentzen thue ich auch nit / mein Fleiß vnd Arbeit thue ich nicht ſparren / auch wie billich die Hand anlegen / im uͤberigen laß ich GOtt walten / er iſt ein guter Vatter. Ich main ſchon / ſagt der ander / wie vil waiß ich deren / die ſich auff GOtt alleinig verlaſſen / vnd nachmahlens in das Spitall kommen ſeynd beym heiligen Geiſt. Es wird dir gewiß vnſer HErꝛ alle Wochen einen Hafen voll Mi - racul durch St. Vcit herunder ſchicken / wart ein Weil / St. Nicola legt nit alle Tag ein. Mit diſem vnd derglei - chen Spott-Woͤrtern nimbt er ſein Weeg fort / vnnd macht ihme ſtaͤtte Gedancken / wie er ins kuͤnfftig ſein Sach moͤge anſtoͤllen. Fallt ihm vnder andern ein / wann er einmahl ſolte blind werden / wie es gar leicht moͤchte ge - ſchehen / was er doch muſte anfangen; er kondte nicht ein Pfenning gewinnen / da waͤr ich wol ein armer Narꝛ. Das iſt wahr. Druckt alſo diſer Giſpel beede Augen zu / vnnd probiert ſich im fort gehen / wie es vmb einen Blinden Beſchaffenheit habe / der ſein Geſicht verlohren. Im341Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.In dem nun der Phantaſt ein Weil mit verſchloſſnen Au - gen fort gangen / hat er einen groſſen Beuthl Gelt / ſo auff dem Weeg gelegen / uͤberſehen / welchen ſein luſtiger Raiß - geſpann / der ihm auff den Fuß nachfolgte / mit hoͤchſten Freuden auffgehoben / vnd nachgehents hundert / vnd hun - dertmahl widerhollet. GOtt verlaſt keinen / der ſich auff ihn verlaſt.
Was ſeynd doch die Raaben? die Raaben ſeynd Farb halber deß Teuffels ſeine Livere-Trager: die Raaben ſeynd Geſang halber deß Henckers ſeine Zeiſerl: Raaben ſeynd Speiß halber deß Schinders ſeine Koftgeher: Raa - ben ſeynd ſtehlens halber aller Ertz-Dieb ihre Spieß-Ge - ſellen: Der Raab / welchen Noë auß der Archen / als ei - nen Currir geſandt / hat ſich nit anderſt verhalten / als wie ein maineydiger Schelm: Auß allen Thieren iſt eines nach dem Suͤndfluß GOtt dem HErꝛn geopffert worden / außgenommen die Raaben / diſe Kohlfaͤrbige Dieb haben das Deo Gratias vergeſſen. Nichts deſtoweniger traget der allmaͤchtige GOtt ein ſonderbare Sorg / vnd Sorg - faͤltigkeit uͤber die Raaben. Quid dat eſcam pullis corvo - rum invocantibus eum. Wann der ſchwartze Vatter / vnd die ſchwartze Mutter / beedes Raaben-Vieh ſihet / daß anfangs ihre außgeſchloſſene junge Raaben weiß beklay - det ſeyn / vnd nit mit gleicher Schwaͤrtze prangen / ſo hal - ten ſie diſe junge Dieb nit fuͤr ihr aigene Bruet / ſondern fuͤr Banckart. Verlaſſen ſie derenthalben zehen oder zwoͤlff Tag ohne einige Speiß / vnder diſer Zeit ſeynd die junge Tropffen Koſtgeher der Goͤttlichen Providenz. Sinte - mahlen ſie GOtt / wie etliche vermainen / pfleget zu ſpeiſen mit ſonderreichem Himmels-Thau. Oder wie andere wollen / thut der mildhertzigſte GOtt ihnen gewiſſe kleine Mucken in die auffgeſperꝛte Schnaͤbel ſchicken / mittls de -V u 3ren342Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.ren die Raaben erhalten werden. Thut nun GOtt die junge Raaben ſo ſorgfaͤltig ernehren / erhalten / erquicken / verſehen / verkoͤſten / verproviantieren / warumben / vmb Gottes willen / ſoll ich mich alſo kleinmuͤthig erzaigen / als ob er wolle meiner vergeſſen. Thue ich einem rechtſchaf - fenen / warhafften Mann glauben / vnd auff ſein Parola vnd Verſprechen mich verlaſſen; warumben ſolt ich nicht mehrer glauben / der im 10. Pſalm verſprochen / im 27. Pſalm verſprochen / im 32. Pſalm verſprochen: im 33. Pſalm verſprochen / im 39. Pſalm verſprochen: im 54. Pſalm verſprochen / im 103. Pſalm verſprochen: im 117. Pſalm verſprochen: im 138. Pſalm verſprochen / im 140. Pſalm verſprochen: im 144. Pſalm verſprochen / daß er ſtaͤtte Sorg tragen wolle uͤber die ſeinige / daß keiner ſolle verlaſſen werden / der ſich auff ihn verlaſt / vnd ſolſt du GOtt nit glauben? du? GOtt?
Der allmaͤchtige GOtt hat dem Moyſi vnderſchid -Exod. 35. liche Geſchaͤfften vnnd Ceremonien anbefohlen / die er in ſeinem Goͤttlichen Tabernacul ſolle vollziehen. Under an - deren hat GOtt Moyſi gebotten / er ſolle einen guldenen Tiſch nach ſeinem Goͤttlichen Abriß verfertigen / vnd auff denſelben jederzeit das Schaubrodt legen. Et pones ſuper menſam panes propoſitionis in conſpectu meo ſemper. Verſio Hebræa ſagt / daß obbenenntes Schau - brodt faſt ſeye geweſt / wie bey vns die Lettzelten / auff wel - chen gemainiglich vnderſchidliche Figuren zu ſehen: alſo habe gleichmaͤſſig ein jedes Schaubrodt die Abbildung ei - nes Geſichts / mit ſehr vil Augen vorgeſtoͤllt. Weſſent - halben es panis facierum, das Schaubrodt genennet worden. Mercke es wol / mein kleinmuͤthiger Chriſt / vn - ſers HErꝛn ſein Brodt iſt voller Augen / vnnd haiſt das Schaubrodt / dann es ſchaut in der gantzen Welt her -umb343Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.umb / wer es vonnoͤthen habe. Der H. Abbt GevardusCæſ. l. 4. cap. 65. hat Brodt vonnoͤthen gehabt; vnd ſihe! ſolches iſt ihme im Ofen gewachſen; Der Heil. Apollonius hat Brodt vonnoͤthen gehabt: gedencke! ſolches iſt ihme in einemIn vit. PP. l. 2. c. 7. Korb gewachſen. Der H. Biſchoff Richardus hat Brodt vonnoͤthen gehabt; vnnd ſchaue! ſolches iſt ihme in derSurius in vit. 3. Ap. In vit. PP. Hand gewachſen / daß er mit einem Seuck 3000. Arme ge - ſpeiſt. Der H. Onophrius hat Brodt vonnoͤthen gehabt; vnd betrachte! ſolches haben ihme alle Tag die Engel ge - bracht. Der H. Nicolaus von Tolentino, meines Or - dens / hat Brodt vonnoͤthen gehabt: vnnd erwoͤge! ſol - ches hat ihme die Mutter Gottes gebracht. Der H. Ein -Serrar. in Cata. SS. 2. May. Vadingus in Annal. Mino. in vita. ſidler Paulus hat Brodt vonnoͤthen gehabt; vnnd ſihe! ſolches hat ihme ein Raab gebracht. Der H. Mann Ca - piſtranus hat Brodt vonnoͤthen gehabt; vnd gedencke! ſolches haben ihme die Engel gebracht. Rochus der Heil. Beichtiger hat ein Brodt vonnoͤthen gehabt; vnd ſolches hat ihme GOtt geſchickt durch einen Hund.
Sagt her / vnd bekennt ſolches zu groͤſſerer Ehr Got - tes / ihr Geiſtliche vnd Ordens-Leuth / die ihr euch mit demIn vita. Bettlſack ernehret. Wann ihr Brodt vonnoͤthen habt ge - habet / ob euch GOtt verlaſſen? nie; nie; niemahlen. Nie! nie ſagt Vincentius Ferrerius ein H. Dominica - ner: Catharina Senenſis ein H. Dominicanerin: Jor - danus ein H. Dominicaner / dann GOtt wunderbarlicher weiß vnſern Brodt-Kaſten vnnd Speiß-Gewoͤlber ange -In Hiſtor. Carmel. tom. 1. l. 1. c. 55. fuͤllet. Nie / nie / nie / ſagt Thereſia ein heilige Carmeli - terin: Maria à ſancto Hieronymo ein H. Carmeliterin: Benedictus à Jesu Maria ein heiligmaͤſſiger Carmeliter / hat vns GOtt in der Noth verlaſſen / ſondern entweder durch Engel / oder andere uͤbernatuͤrliche Weiß vns geſpeiſt. Nie / nie / nie / ſagt der heilige Thomas Ariminenſis einIn Chron. S. P. Aug. Auguſtiner / der ſeelige Joannes Bonus ein Auguſtiner /die344Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.die ſeelige Chriſtina ein Auguſtinerin / hat vns GOtt ver - laſſen in der Noth / ſondern allemahl durch wunderbarli - che Goͤttliche Providenz verſehen. Nie / nie / nie / ſagtGonzag. de Prov. S. Franc. Bernardinus ein H. Franciſcaner / Didacus ein H. Fran - ciſcaner / Lucheſius ein H. Franciſcaner / hat vns GOtt in einer Noth verlaſſen / ſondern zu jeder Zeit hilffreich beygeſprungen. Nie / nie / nie / vnd hundertmahl nie / ſa - gen alle Capucciner / hat vns GOtt in einer Noth ver - laſſen. Solches Miracul vnd Wunderwerck haben wir erfahren Anno 1532. zu Nucera: Anno 1537. zu Thury: Anno 1539. zu Bevoloni: Anno 1540. zu Schy im Ve - netianiſchen Gebiet: Anno 1558. zu Perus: Anno 1580. zu Mayland: Anno 1552. zu Bugell: Anno 1552. zu Leoniſſa: Anno 1554. zu Tiphern: Anno 1556. zu Po - lenz: Anno 1570. zu Genua: Ey / was nennt ihr ſolche frembde vnd weitentfernete Cloͤſter; ſagt lieber / Gottes wunderbarliche Vorſichtigkeit haben wir erfahren oͤffters zu Waſſerburg / zu Augſpurg / zu Saltzburg / zu Wuͤrtz - burg / zu Regenſpurg / zu Freyburg / ꝛc. allwo manches - mahl GOtt vns wunderbarlich ein Helffenburger geweſt iſt. GOtt verlaſt niemand der ſich auff ihn verlaſt.
Chriſtus JEſus vnſer guͤtigiſter Heyland hat eineſt vil[t]auſend Perſohnen mit ſeiner Wolredenheit in die Wuͤſten gezogen / vnd weilen er vermerckt / daß ſolches eyff - riges Volck / bereits ſchon den dritten Tag nit ein Biſſen ins Maul genommen; alſo hat er ein hertzliches Mitley - den gegen diſen guten Leuthen geſchoͤpfft / die beygebrach - te fuͤnff Gerſten-Brodt alſo vermehret / daß nit allein vil tauſend hierdurch erſaͤttiget / ſondern noch daruͤber zwoͤlff groſſe Koͤrb voll mit den uͤbergeblibenen Stuͤcklen ange - fuͤllet worden. Was noch das Wunder vergroͤſſeret; nit allein wurden ſo vil tauſend nach Vergnuͤgen geſpeiſet / nicht nur allein wurden zwoͤlff Koͤrb voll Schertzl geuͤbri -get /345Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.get / ſondern die mehreſte Maͤnner nahmen ein Stuck Brodt mit ſich in Sack: die mehreſte Weiber nahmen ein Stuck Brodt darvon ins Fuͤrtuch / damit ſie ſolches Kenn-Zaichen deß geſchehenen Wunderwercks auch zu Hauß konten weiſen. Schau / ſagte mancher / mein lie - ber Vetter Jeremias, mein lieber Schwager Samuel, mein lieber Nachbar Abraham-Schau! das iſt auch ein Stuck von dem Wunder-Brodt! was muß ich dir ſagen / ſprach manches Weib / du haſt auch gehoͤrt von jenem Wunder / welches JEſus von Nazareth gewuͤrcket hat in der Wuͤſten. Gedencke mein liebe Schweſter Sara; ſchautSylveira fol. 82. l. 5. vmb Gottes Willen mein liebe Frau Rebecca, ſihe mein liebe Mittburgerin Rachel, das iſt auch ein uͤberblibenes Schertzl von demſelben Wunder-Brodt.
O wie vil tauſend vnd tauſendmahl iſt ſolches Wun - der ſchon geſchehen / daß GOtt in einem Hauß das Brodt ſo wunderbarlich / vnd die Menſchliche Underhaltung ver - mehret hat. Ich gehe in das Hauß eines ehrlichen Manns hinein / von dem mir bewuſt iſt / daß er einen Chriſtlichen / Gottsfoͤrchtigen Wandl fuͤhret / daß er taͤglich ein Heil. Meß hoͤre: daß er ſeine Kinder in der Forcht Gottes aufferziehe: daß er ſeine Dienſtbotten in gebuͤhrender Zucht halte. Mit diſem fange ich an ein freundliches Ge - ſpraͤch / ſage vnder andern: mein lieber Herꝛ / oder Mai - ſter / ich ſihe / ich mercke / ich ſpuͤhre / es geht euch im Jahr ein merckliches auff. Freylich wol / antwortet mir diſer / ich kans mit meinem Gewiſſen betheuren / daß ich ſelbſt nit waiß / wo ich es hernimme. Mein Pater, am Maul laſſe ich mir nichts abgehen / einem guten Freund ſetze ich noch einen guten Wein vor. Auß meinen Kindern haiſt keines Lazarus; mein Weib haiſt Abundantia, ich kans mit GOtt bezeugen / daß ich einmahl durch das gantze Jahr die Außgaben habe auffgezaichnet / vnd in der War -X xheit346Urſach / warumben Judas / ein Dieb worden.heit gefunden / daß ſolche mein Einkommens weit uͤber - ſteige / zu dem waiß ich / daß ich keinen Menſchen vmb ein Haller betriege / vnd find dannoch in allen den Seegen. Wiſt ihr was / ihr habt auff euerer Tafel / in euren Haͤn - den / in euerem Hauß auch ein Wunderbrodt. GOtt ernehret euer Haabſchafft vnd Wuͤrthſchafft / vmb weilen ihr ihme dienet / vnd euch auff ihn verlaſſet. Das haiſt promptuaria eorum plena, oves eorum fœtoſæ, bo - ves eorum craſſi, non eſt ruina maceriæ. Das haiſt / GOtt verlaſt keinen / der auff ihn bauet / vnd der auff ihn trauet.
An. 1605. hat ſich zu Neapel etwas zutragen / worin / woran / worbey / worauß ſich alle Jungfrauen ſpieglen koͤnnen. Ein manche Jungfrau Agnes hat lieber den Lam - bert, als das Laͤmbl: ein manche Jungfrau Cæcilia hat lieber den Organiſten / als die Orgl / ein manche Jung - frau Barbara hat lieber den Thurner / als den Thurn: ein manche Jungfrau Catharina hat lieber den Wagner / als das Rad: ein manche Jungfrau Dorothea hat lieber den Kerblmacher / als den Korb. O vnbehutſame Weibs - bilder; ſo iſt euch dann Leffelkraut lieber / als Ehrenpreiß. Wiſt ihr ſo gar nicht / daß ein Jungfrau genennet wird Doncella, ſo vil laut / als Donum Cæli, ein ſondere Gaab Gottes. Gefalt euch dann beſſer die ſchnoͤde Farb / als die Schnee-Farb. Habt ihr dann nichts gehoͤret vom Ethall in Bayrn / allwo ein Marianiſches Gnaden-Bild ſo ſchwaͤr vom Silber / daß es niemand hoͤben kan / auſſer ein kleines Kind / oder ein vnverſehrte Jungfrau? nimbt ein Exempel / ein Exemplar / erweget einen Modl / oderMenoch. lib. 2. c. 19. ein Modell ewer Jungfraͤulichen Ehren / was ſich Anno 1605. zu Neapel ereignet. Allda hatte ein Mutter ein ei - nige Tochter / welche aber beede gantz arm / auſſer das dieToch -347Vrſach / warumben Judas ein Dieb werden.Tochter gantz tugendreich / im uͤberigen falls gantz Mit - telloß / nicht aber Gewiſſenloß / welche dann deſto hoͤher zu achten / weilen ſie weder Silber noch Gold / vnd dan - noch das theureſte Kleynod ihrer Ehr ſo feſt erhalten; in deme ſonſt gemainiglich die Noth nit allein das Eyſen / ſondern auch die Ehr bricht; vnd bleiben ſelten in beſtaͤndi - ger Freundſchafft Noth vnnd Nothburga. Erſtbe - nennte Tochter war uͤber allemaſſen eines wolgeſchaffenen Geſichts vnd Leibsgeſtalt / beynebens aber bettlarm. Ja ſie ſambt der Mutter / weilen auch kein Arbeit mehr ver - handen / wormit ſie ſich konten ernehren / ſeynd in ſolche aͤuſſerſte Noth gerathen / daß ſie auch den Strohſack / auff dem ſie gelegen / verkaufft / weilen dann ſolche Armut dem Weib gar zu ſchwaͤr / vnd vnertraͤglich gedunckte / al - ſo ſeynd nit wenige Gedancken in beyde Gemuͤther geſchli - chen; ſie ſollen ihr Ehr in die Schantz ſchlagen / vnd alſo den Leib fail bieten. In dem aber / ſo wol die Mutter / als die Tochter bißhero nichts / als einen ehrlichen / gewiſſen - hafften vnd preißwuͤrdigen Wandel gefuͤhrt / ſo wolten ſie annoch in demſelben verharren / auch lieber vor Hunger ſterben / als den guͤtigen GOtt mit ſolcher Unthat belaydi - gen. Abſonderlich aber ſtaͤrckte die Tochter ihr betrangte Mutter / vnd ermahnte ſie ſtaͤts / daß ſie auff GOtt ſich ſoll verlaſſen / von dem ſie auff kein Weiß koͤnnen verlaſſen werden. Schneidt ihr hieruͤber ihre eigne goldfarbe Haar von dem Kopff / gibts der Mutter / ſie ſolle diſe auff den Marckt fail bieten / vnd auß dem Gelt nachmahlens ein Brodt in das Hauß ſchaffen. Als nun beſagte arme Frau die ſchoͤne lange Haar auff den Marckt tragte in den Haͤn - den / hat ein Bedienter eines vornehmen vnd groſſen Herꝛn ſich uͤber diſe ſchoͤne Haar ſehr verwundert. Derentwegen das Weib ſambt ihrer huͤpſchen Wahr zu ſeinem Herꝛn nach Hauß gefuͤhrt / welcher gleichmaͤſſig ſich in diſe HaarX x 2ver -348Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.verliebet / auch vnverzuͤglich das verlangte Gelt / vmb er - bottnen Preiß dargezehlt: fragte aber beynebens / ob ihr Tochter ſeye ein Cloſter-Jungfrau worden / darauff ſie nein geantwortet / ſondern auß purer Noth / vnd aͤuſſerſter Armuth habe ſie ſolche abgeſchnitten / zu verkauffen / damit ſie nun auff etliche Tag zu eſſen haͤtten. Solches iſt dem reichen Edlmann dergeſtalten zu Hertzen gangen / forderiſt wie er die gewiſſe Nachricht eingebracht / daß erſtgemelte Tochter ein ſo ehrliches Maͤgdl ſeye / daß er alſobald ein ſchoͤne Summa Gelt ihr fuͤr ein Heyrath-Gut dargeſchoſ - ſen. Wordurch nachmahls die Mutter ſambt der Toch - ter reiche Lebens-Mittl erhalten. So iſt dannoch wahr / vnnd bleibt wahr / was Lucas am 12. was Jacob am 1. was Matthæus am 6. was Joannes am 46. was Jeremias am 17. geſchriben. Der ſich auff GOtt verlaſt / kan nit verlaſſen werden.
Mucken-Bruͤter / Grillen-Voͤgt / Sorgen-Krammer / Lettfeigen / Melancholey-Schmidt / Kummer-Hannſen / Traur-Neſt / ſeyt ihr noch mit Aengſten angefuͤllt / wie das Trojaniſche Pferdt mit Soldaten. Glaubt ihr noch / ihr werdet euch ins kuͤnfftig nit koͤnnen erhalten? foͤrcht ihr euch noch / euer Brodt-Kaſten werde die Schwindſucht bekommen. O Spott-Geſellen! der jenig GOtt / welcher den Daniel in der Loͤwen-Gruben / welcher den Elias in der Wuͤſten / welcher die Iſraeliter in der Einoͤde geſpeiſt hat / diſer GOtt lebet noch. Warumb verlaſt dich nicht auffIn vita. ihn? der jenige GOtt / welcher durch ein Fiſch dem Apo - ſtel Petro Gelt hat geſchickt / der jenige GOtt / welcher Brodt dem H. Einſidler Paulo durch den Raaben hat ge - ſchickt / der jenige GOtt / der dem H. Thomæ Villano - vano wunderbarlichen die Scheuer mit Trayd angefuͤllt / der jenige GOtt / welcher der Wittib zu Sarepta ihr Ge - ſchier mit Oel wunderbarlich angefuͤllt / der jenige GOttlebt349Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.lebt noch / warumb verlaſt dich nit auff ihn? er verlaſt nit den Wolff / warumben ſoll er verlaſſen einen Wolffgang? er verlaſt nit den Beeren / warumben ſoll er verlaſſen ein Bernhard? er verlaſt nit den Adler / warumben ſoll er ver - laſſen den Adlbert? er verlaſt nit die Aendten / warumben ſoll er verlaſſen Antonium? er verlaſt nicht den Baſiliſc, warumben ſoll er verlaſſen den Baſilium? er verlaſt nit die Henn / warumben ſoll er verlaſſen den Henrich? er verlaſt nicht den Loͤwen / warumben ſoll er verlaſſen einen Leon - hardum? er verlaſt nicht den Luchſen / warumben ſoll er verlaſſen den Lucam? ich will ſagen / er verlaſt kein eini - ges Thierl / ſondern ſpeiſt dieſelbige. Implet omne ani -Pſal. 144 mal benedictone. Warumb ſoll er dich verlaſſen / den du taͤglich fuͤr deinen Vatter erkenneſt vnd bitteſt. Vatter vnſer / der du biſt im Himmel.
Wie GOtt der Allmaͤchtige die Welt erſchaffen / hat er allerley Baͤumer mit den edleſten Fruͤchten vnnd ſtatt - lichſtem Obſt hervor gebracht / ehender vnd bevor er den Adam / als erſten Menſchen formiret. Daß alſo der mild - hertzigſte Vatter ſchon das Eſſen / gute Bißl / vnd das be - ſte Confect in die Beraitſchafft geſtellt / ehe der Menſch geweſt / auff daß Adam GOtt nit habe koͤnnen nachſagen / er habe einmahl einen Abgang gelitten. Ut mundum in -Naz. orat. 44. greſſus, inopiâ minimè laboraret. Er der Himmliſche Vatter laſt ihm den uͤblen Rachklang nicht zu / daß er ein - mahl einen in der Noth ſolle verlaſſen / der ſich als ein Kind auff ihn verlaſſet. Die Apoſtel waren einmahl in groſſer Lebens-Gefahr / vnnd hatten alle Augenblick den Under - gang zu foͤrchten / dann ihr Schiffel wurde dergeſtalten von den tobenden Wellen ſo grimmig angefochten / von dem vngeſtimmen Windbrauſen alſo grauſamb getriben / daß ſie wegen deß vor Augen ſchwebenden Todt / wie das Wachs erblaicht. Mitten in diſer hoͤchſten Gefahr er -X x 3ſchei -350Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.ſcheinet ihnen JEſus auff dem Meer / vnd als ſie ſolchen erſehen / ſeynd ſie noch mehrer ertattert / dann ſie kurtzumb vermaint / es ſeye ein Geſpenſt. Aber ſagt her / vmb Got - tes willen / ihr Juͤnger vnd Apoſtel / ſolt ihr dann Chriſtum JEſum nicht kennen von Angeſicht / ſeynd erſt etliche Stund / daß ihr mit ihm geredet / iſt ſchon ein ſo gerau - me Zeit / daß ihr ſtaͤts bey ihm / mit ihm / vmb ihm / vnd anjetzo ſchaut ihr ihn an fuͤr einen Wauwau / fuͤr ein Ge -Matth. 14. ſpenſt? Dicentes, quia phantaſma eſt. Es iſt wahr / antworten die Juͤnger / wahr iſt es / wir haben ihn fuͤr ein Geſpenſt gehalten. Derenthalben / dann wir haben vns nit koͤnnen einbilden / daß er ſoll vnſer HErꝛ ſeyn / weilen er vns in der Noth nicht gleich Huͤlff gelaiſt. Es glaubten die liebe Apoſtel / daß es wider die Natur vnſers lieben HErꝛn ſeye / daß er einem in der Noth nit gleich beyſprin - ge. Was friſt du dann ſo vil Kummer / O Kleinmuͤthi - ger! was kochſt du dann ſo vil Sorgen / du Haaſenhertz! was ſchnitzleſt dann ſo vil betruͤbte Gedancken vnd ſchwaͤr - muͤthiges nachſinnen / du mißtrauender Tropff! in dem du vergwiſt biſt / daß dich GOtt in keiner Noth laſt ſte - cken / wann du dein Zuverſicht zu ihm nimbſt. O modicæ fidei. GOtt iſt von Natur zum geben / zum ſchencken / zum helffen / zum ehren / vnd ernehren / genaigt.
Der Allerhoͤchſte pflegt zu weilen nicht gleich ſein mildreiche Hand zu bieten in der Noth / ſondern verweilet offt ein wenig / damit er hierdurch den Glauben der Men - ſchen deſto beſſer probiere. Wie Chriſtus der HErꝛ gantz Glorreich aufferſtanden von den Todten / in aller Fruhe vor der Sonnen Auffgang / da waren die Juͤnger deß HErꝛn ſammentlich beyeinander / vnd haben erwartet die Ankunfft ihres gebenedeyten JEſu. Da es nun gegen Mittagzeit ware / wurden ſie alle gantz klein laut / vnnd ſagte einer zu dem anderen; der HErꝛ werde hart mehrkom -351Urſach / warumben Judas ein Dieb worden.kommen / es ſeye ſchon uͤber die Zeit. Wie aber der ſpatte Abend herbey genahet. Cum ſerò eſſer. Da iſt ihnen derMatth. 20[.] Glorreiche Heyland erſchinen / vnd in der Mitte ſie alle im Kraiß herumb bewillkommet mit dem froͤlichen Pax vo - bis. Auß diſem iſt ein heylſame Lehr zuſchoͤpffen / daß ſich GOtt bißweilen ſtoͤlle / als wolt er nit kommen zu helffen / vnd laſt zu Zeiten die Noth auff das aͤuſſerſte gerathen / alsdann kombt er gantz ſpatt / vnd zaigt / daß er keinen ver - laſt / der ſich auff ihn verlaſt.
Willkomb Herꝛ Balthauſer / warumb ſeyd ihr ein ſolcher Pfauſner? guten Morgen Herꝛ Ruprecht / war - umben iſt euch heut vmb das Hertz nicht recht? guten A - beng Herꝛ Wilibald / weſtwegen macht ihr ein ſo traurige Gſtalt? wie gehts / wie wolts gehen / hart gnug / es ſeynd nie ſo ſchlechte Zeiten geweſen / es geſchicht mir gar zuLuc. 4[.] hart / ich kans nit mehr erſchwingen. Ey du linder Lapp mit deinen harten Zeiten / vnd Zeitung! Der Teuffel er - ſcheint auff ein Zeit in der Geſtalt eines alten Manns / den die weiſſe Haar / als ein lieben Taͤttl vorſtellten; aber geſchicht wol oͤffter / daß im Winter vnder einem weiſſen Schneehauffen ein Miſt ligt / alſo auch zuweilen vnderPaolett[i]Dom. 1[.]Quadr. weiſſen Haaren ein Miſtfinck verborgen. Diſer Sathan / in beſagter Geſtalt / kombt zu dem HErꝛn JEſu in die Wuͤſten / vnd raichte ihm dar einen harten Stain / mit Meldung / er ſolle ein Brodt darauß machen / dann diſe hoͤlliſche Larven nicht glaubte / daß Chriſtus koͤnne einen harten Stain in Brodt verwandlen. Aber du plumper Teuffel / ſolft ja wiſſen / wer auß nichts / kan etwas machen / der kan ja deſto mehrer auß etwas / etwas machen. Ihr lieber Maiſter Kilian / was ſeyd ihr fuͤr ein ſeltzamer Mann? in dem ihr wehemuͤthig klaget / daß es euch ſo hart gehe. Wann ihr glaubet / daß GOtt der HErꝛ auß einem harten Stain kan ein Brodt machen / ſo glaubetauch352Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.auch / daß er auch auß einer harten Zeit vnnd Begeben - heit kan etwas gutes ſchmeltzen. Nur ein wenig Gedult gehabt. Die Bein oder Immen / diſes wintzige Mettſie - derl fliegt nit allein auff die ſchamhafftige Roſen / auff die weiſſe Nareiſſen / auff die Himmelblaue Veigerl / auff die hochtraͤchtige Ritterſporn / ſondern fliegt auch auff die ditterſte Kraͤuter / auff den Wermuth / vnd ſaugt auß den bitteren Kraͤutern das ſuͤſſe Hoͤnig. Ex amaro dulce. Alſo regieret / gubernieret / moderieret / ordinieret / re - gulieret / ſuſtentieret der allmaͤchtige GOtt die Welt / vnd alles in der Welt / mit ſolcher vnergruͤndlichen Weiß - heit / daß er manchesmahl ein Ubel zulaſt / vnd waiß nach - mahls auß diſem Ubel etwas gutes zn ſchnitzlen / auß Wer - muth vnd Wehemuth etwas ſuͤß / auß Noth ein Brodt machen. Nur nie verzagt!
Es geſchicht / daß ein gemainer Menſch / vnnd ein - faͤltiger Bauer in eines vornehmen Fuͤrſten ſeinen Hoff - Garten kombt / allwo er ſich alſo vergafft / daß er ſchier im Zweiffel ſteht / ob er nicht mit dem Enoch in das irꝛdiſche Paradeyß verzucket ſeye. Er verwundert ſich in dem er - ſten Eingang / daß auff beeden Seiten gantz gruͤne Mau - ren auffgericht ſeyn / daß ſich ſolcher Luſtweeg ſo weit er - ſtrecket / daß auch die ſchaͤrffeſte Augen daruͤber matt wer - den. Er verwundert ſich uͤber das ſchoͤne vnnd haͤuffige Blumen-Gewaͤchs / vnd haltet die Erden fuͤr ein redliche Mutter / ob ſie ſchon das ihrige allerſeits verbluͤmlet. Ab - ſonderlich aber kan er nit genug maulaffen / wie er anſich - tig worden in mitte deß Gartens deß gantz ſeltzamen Waſſerwercks. Er verwundert ſich / daß ein gaißbergeri - ſcher Satyrus auff beeden Hoͤrnern das haͤuffige Waſſer herauß ſprengt; als wolte gleichſamb diſer wilde Wald - mann mit ſeiner Barocca prangen. Er verwunderet ſich / daß neben diſem Zottfincken ein gaißgeſtifflete Satyra,auß353Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.auß dero außgeſpannten Bruͤſten das Waſſer alſo haͤuffig herauß quellet / als wolt ſie ein allgemaine Saug-Ammel ſeyn aller jungen Kitzlen. Er verwundert ſich / daß in der Mitten ein krump ſchwaiffender Delphin das Waſſer auß den Augen / Ohren / vnd auffgeſperꝛtem Maul mit groſſem Geraͤuſch / jedoch annehmlichem Getoͤß / herauß ſpritzet. Er verwundert ſich / daß ein altbartheter Waſſer - Gott Neptunus ein Gabel in Haͤnden halte / auß dero dreyfachen Spitzen das Waſſer in die Hoͤhe ſpillet / vnnd lachet der Bauer hieruͤber / daß diſer ſtainerne Garten - Goͤtz die Gabel mit Waſſer ſchmierben wolle. In Sum - ma / der Einfalt kan ſich nit genug verereutzigen / daß man an diſem Orth ſo ſeltzam mit dem Element deß Waſſers hauſt / vnd ſolches in die Hoͤhe treibt / da es doch / Natur halber / in die Tieffe vnd Nidere tracht. Ich / ſagt er / wann ich zu Hauß einen gantzen Zuger mit Waſſer voll anſchitte / ſo ſpritzet nit ein Tropffen in die Hoͤhe / ſondern ſolches lauf - ſet uͤber / vnd tringt / vnd rinnet herunder auff die Erd. In dem diſer Simplicius in ſolchen Gedancken ſteht / da tritt der Gartner hinzu / vnd haiſt diſen Acker-Doctor ein Narꝛn. Narꝛ ſchau! vnd zeigt ihm mit dem Finger auff den naͤchſt entlegenen Berg / dort fallt das Waſſer herunder / vnd dar - umb ſpringt es allhier widerumb in die Hoͤhe / dann wie tieff das Waſſer fallt / ſo hoch ſteigt es wider. Merckts wol! ich waiß nit recht / was GOtt iſt / ich waiß nit recht / wie GOtt iſt / aber / daß waiß ich wol / was GOtt machet / vnd das waiß ich wol / wie es GOtt machet in der Welt. Er machts oͤffter mit dem Menſchen / als wie mit dem Waſſer. Er laſt ihn fallen in Gfahr / in Vngluͤck / in Truͤbſahl / in Noth / vnd urtheilet mancher / diſer Tropff ſeye gantz per terra, vnd ſeye voͤllig zu Grund gangen. O nein! nichts verzaget. Humiliat, & ſublevat. Er macht / daß diſer / wie das Waſſer wider in die Hoͤhe ſteigt / widerY yuͤber -354Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.uͤberſich kombt zu Ehren / zu Mittlen / vnd zum Gluͤck ge - langt. Wann man ſich auff ihn verlaſt. Auß folgender Geſchicht iſt merckwuͤrckig abzunehmen / wie die Vaͤtterli - che Vorſichtigkeit Gottes ſo wunderbarlich ſpilt auff der Welt / vnd zeigt / daß ſie keinen verlaſſe.
Zu Rom war ein Baar Ehe-Volck eines guten Wandels / aber nit guter Mittl. Ich waiß nit / hat er Eugenius oder Egenus gehaiſſen / ich waiß nit / hat ſie Procopia oder Inopia gehaiſſen / daß waiß ich wol / beede waren nit reich / vnd weilen dazumahlen ein groſſe Theu - rung eingefallen / ſo ſeynd ſie gar in die aͤuſſerſte Noth ge - rathen / in welcher ſie zwungen worden / Schulden zuma - chen / vnd das Geld zu leyhen nemmen / weilen aber der - gleichen Wucherer gemainiglich ein gewiſſe Zeit zubezah - len / ſtoͤllen / vnd aber gedachte armer Haͤſcher zu beſtimbter Zeit zubezahlen nit hatte / iſt er in die Keichen vnd Ge - faͤngnuß geworffen worden / welche Truͤbſahl dem armen Weib ihr Elend zu Hauß vergroͤſſert / in Erwoͤgung / daß ſie weder Brodt / noch Brodt-Vatter im Hauß. Weſt - wegen ſie gantz ſorgfaͤltig durch die Statt hin vnd her ge - loffen / vnd moͤglichſten Fleiß angewendet / wie ſie doch moͤchte das Geld zuſammen bringen / wormit ihr lieber Mann auff freyen Fuß konte geſtellet werden. Aber der Weiber oͤfftere Gegenwart auff Gaſſen vnnd Straſſen iſt ſchon mehrmahlen vilen Gefahren vndergeworffen geweſt. Darumb nit vmbſonſt der Allmaͤchtige GOtt den Adam auſſer dem Paradeiß erſchaffen / die Eva aber in dem Para - deiß / zuzaigen / ein Mann koͤnne ſchon außgehen / vnnd auſſer dem Hauß denen Geſchaͤfften obligen: das Weib aber ſoll in dem Hauß bleiben. Derenthalben ein jedes Weib an ihrem Nahmen ein in traget. Haiſt er Graff / ſo nennet man ſie Graͤffin / Doctor / Doctorin / Muͤll -ner /355Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.ner / Muͤllnerin / Baur / Baͤurin / Narꝛ / Naͤrrin / ꝛc. Villeicht ruͤhrt auch daher der Weiber ihr gewoͤhnlicher Titul / in dem man ſie pflegt Frauenzimmer zu nennen: Damit ſie ſollen im Zimmer verbleiben / wann ſie aber auff allen Gaſſen herumb rutſchen / ſo kan mans nicht Frauen-Zimmer / ſondern Gaſſen-Franen benam - ſen. Mit einem Wort / wann die Weiber oͤffters auß - gehen / ſo thut die Gefahr eingehen. Nit anderſt iſt es er - gangen erſterwehnter armen Haut / die allerſeits in der Statt herumb geſucht / wie ſie konte Mittl finden / ihren liebſten Ehe-Conſorten zu erloͤſen; welche aber geſunden / was ſie nicht geſucht. Dann ein gewiſſer Boͤßwicht / wei - len er ſie geſtalter maſſen zu Hauß gantz alleinig wuſte / iſt naͤchtlicher Zeit vor die Thuͤr kommen / vnd hinein begeh - ret / welchem ſie aber gar bald bſchaid vnd bſcheid geant - wortet / ſich entſchuldigend / wie daß es gar[ung]ereimbt ſcheine / bey ſolcher Zeit ein Mannsbild in d[as]Hauß zu laſſen: zumahlen ſie gantz alleinig ſeye / dafern er aber eini - ge Geſchaͤfften haͤtte / ſoll er ſolche biß auff folgenden Tag vnbeſchwaͤrt verſchieben. Diſer Nacht-Vogl aber / durch vngeſtimmes wuͤtten an der Haußthuͤr troher ihr ernſt - lich / wofern ſie nit woͤlle freywillig die Thuͤr eroͤffnen / ſo wolle er ſolche mit Gewalt auffſprengen / vnd nachmahls ihr den Halß vmbreiben. Die arme Troͤpffin wuſte in di - ſer Sach kein Rath zu finden. Laſt ſie ihn guthertzig in das Hauß / ſo gerath ihr Keuſchheit in die Gefahr / kombt er gewaltthaͤtiger herein / ſo ſtehe ihr Leben in Gefahr. End - lich als ein Weib / vnd erſchrockene Creatur erwoͤhlt ihr das erſte / vnd laſt diſen vnbekandten Geſellen in das Hauß / worinnen er bald das jenige geſucht / was ſie ſtarckmuͤthig gewaigert / als welche lieber zu ſterben / als ſich dergeſtalten verſuͤndigen / gaͤntzlich entſchloſſen. Und hat fuͤrwahr diſerY y 2keu -356Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.keuſchen Suſannæ tapfferer Widerſtand den Sieg erhal - ten; weilen aber diſer gewiſſenloſe Menſch die Lieb nicht koͤndte finden / alſo ſuchte / vnd erſuchte er an ſtatt Lieb / Dieb. Trohet ihr alſobald mit verſtelltem Augeſicht den Todt / wann ſie nicht alſobalden ihr Gut vnd Gelt hertrage. Nachdem ſie mit vilen wainen vnd klaͤglicher Entſchuldigung bekennet / daß ihr gantzer Reichthumb beſtehe in zwey Ducaten. Verlangte er von ihr einen Strick / zweiffels ohne die arme Haut darmit zu erdroß - len / welche dann im gantzen Hauß vmb keinen wuſte / auſ - ſer deſſen / wormit ihr Eſel im Stahl angebunden. Muſte alſo hieruͤber das betrangte Weib den Moͤrder in den Stahl fuͤhren; woſelbſten er den Strick mit aignen Haͤn - den wolte herunder loͤſen. Weilen er aber etwas lang - ſamb mit diſer Arbeit vmbgangen / ſo fallt dem Weib ein / wie daß ſolcher geſtalten beſſer ſeye vmbbringen / als vmb - gebracht werden. Forderiſt / weilen ſolche Begebenheit / ohne Belaydigung der Goͤttlichen vnd natuͤrlichen Gebot - ten / ſolches zulaſſe. Beſinnet ſich demnach nicht laͤnger / vnd im wehrenden / daß er den Strick herunder loͤſet / er - greifft ſie einen groſſen Bruͤgl / der vngefehr an der Wand lainte / vnd verſetzt ihm hinderwerts einen ſolchen Straich auff den Kopff / daß er zu Boden gefallen. Da er aber wider auffzuſtehen ſich bemuͤhete / widerholt ſie die erſte Couraſchi / vnd gibt ihm alſo mit ſolchem dreydoppelten huͤltzernen Willkomb den Reſt / den Coͤrper laſt ſie ſelbi - ge Nacht bey dem Eſel ligen / damit er ein gleichen Com - pagno haͤtte / vnd danckt mit auffgehebten Haͤnden dem allmaͤchtigen GOtt / daß er ſie in diſer Noth nit verlaſſen. Aber diſer glorreiche Sieg verurſachet nicht wenige Aeng - ſten in dem Hertzen diſer Judith, in Erwoͤgung / daß man ihr bey der hohen Obrigkeit kein Glauben werde erſtatten /auß357Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.auß Mangel der Zeugen vnnd Zeugnuß / vnd alſo mehr fuͤr ein Moͤrderin / als Obſiegerin erkennt werden. Doch nit verzagt / gedacht ſie / ich verlaß mich auff GOtt / GOtt wird mich nit verlaſſen. Gehet den anderen Tag gantz be - hertzet zu dem Magiſtrat, eroͤffnet demſelben / mit allen Umbſtaͤnden / fein redlich vnd offenhertzig die Begebenheit / wordurch es in der gantzen Statt gar bald lautmaulig worden / vnd nicht ein geringe Anzahl zu diſem lebendigen vnd todten Eſel ſich verfuͤget. War doch niemand / der diſen Boͤßwicht erkandte / biß endlich einige hervor kom - men / welche mit augenſcheinlichen Beweißthumen dar - gethan / daß diſer jene verruchte Geſell vnd Moͤrder ſeye / auff deſſen Kopff vor wenig Jahren die Statt Rom 300. Ducaten geſchlagen; vnd weilen ſolches ſo wol ſchrifft - lich / als muͤndlich bezeugt worden; Alſo hat man diſem Weib die dreyhundert Ducaten außgezehlt / vmbweilen ſie diſen Boͤßwicht auß dem Weeg geraumbt / mit welchem Gelt das preißwuͤrdigſte Weib ihren Mann auff freyen Fuß geſtellt / vnd nachmahlens ihrer ehrlichen Lebens-Un -Steng. p. 1. c. 27. derhaltung gepflogen. O wunderbarliche Vorſichtigkeit Gottes.
Die Poëten phantiſieren vil von einem / mit Nah - men Argo, daß er habe hundert Augen gehabt / welcher ein Hirt vnd Huͤter war der Jo. Das haiſt geflogen ohne F. Aber von GOtt iſt es die Warheit / daß er ein pures Aug ſeye / welches vnauffhoͤrlich wachet uͤber alle Geſchoͤpff der Welt / forderiſt uͤber den Menſchen. Weſtwegen die A - poſtel einen Verweiß verdient / als ſie Chriſtum in dem Schiffel / wegen vngeſtimme deß Meers / haben auffgewe - cket. Modicæ fidei. Dann ob er ſchon / Menſchheit hal - ber / ſanfft geſchlaffen / ſo hat er aber / Gottheit halber / nit geſchlaffen. Zu was dienen dann / ô Vigilanti, deine Mu - cken? warumb verweiſſen dann deine Haar die Sorgen? Y y 3O Sor -358Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.O Sorgiane! weſtwegen beladen dein Hertz ſo vil Aeng - ſten? O Simplici! in dem du waiſt / vnd hoͤrſt / vnd glau - beſt / daß GOtt der Himmliſche Vatter uͤber dich wache / vnd ſorge. Niſi efficiamini, ſicut parvuli, & c. Mache es lieber wie die kleine Kinder / die ſchertzen auff der Gaſ - ſen / reitten auff einem huͤltzenen Klepper / bauen Dilli, Dalli, Haͤußl / fuͤhren ein Proceſſion von einem pappieren Fahn / halten ein Schieſſen mit Holder-Buͤchſen / richten ein Veſtung von einem Scheer-Hauffen; mit einem Wort / ſie leben ohne Sorgen / vnd wann ſie der Hunger angreifft / ſo lauffen ſie zum Vatter / Papn / Papn / Papn / wiſſen wol / daß der Vatter uͤber ſie Sorg traget / vnd ſieMatth. 6. vaͤtterlich ernehret. Ne ſolliciti ſitis animæ veſtræ, quid manducetis, nequè corpori veſtro, quid induamini: Sorget nit fuͤr euer Leben / was ihr eſſen werdet / noch fuͤr eueren Leib / wormit ihr euch beklayden ſolt.
Wann dem alſo / ſagt mancher / ſo ſchieb ich die Haͤnd in Sack / henge meinen Werckzeug an den Nagel / wirff die Hacken in ein Winckel / lege mich auff einen Stroyſack / vnd erwarte / wie mich GOtt wunderbarlicher weiß wer - de erhalten / weilen ich mich nit ſorgen darff vmb die Un - derhaltung. Gemach! gemach mein Chriſt! der jenige Fluch wehret noch / welchen GOtt dem Adam auff den Rucken geladen. In dem Schwaiß deines Ange - ſichts ſolſt du dein Brodt eſſen. Der H. Paulus auch in ſeinem Apoſtolat hat ſein Brodt gewunnen mit Arbeit / vnd hat einen Zeltſchneider abgeben. Der H. Jo - ſeph hat ſich / vnd ſein armes Hauß mit der Zimmer-Ar - beit außgehalten. Indeme dann Chriſtus der Heyland die Sorgfaͤltigkeit verbotten / wird hierdurch nit alles ſorgen außgeſchloſſen / ſondern nur allein die uͤbermaͤſſige Mu - cken / die gar zu aͤngſtige Kummernuß / die gar zu forcht -ſame359Vrſach / warumben Judas ein Dieb worden.ſame Kleinmuͤthigkeit / werden verworffen. Wann je - mand / nemblich trachtet / vnd wachet nach nichts anders / als wie er ſich / vnd die Seinige ſoll erhalten / vnd ſo gar der Goͤttlichen Providenz nichts uͤberlaſt. Ein jeder ſoll zu Morgens / wann es Zeit vnd Gelegenheit zulaſſen / ein H. Meß hoͤren / in Abgang derer wenigſt ſich durch ein H. Gebett dem Allmaͤchtigen GOtt befehlen / nachmahls gehe der Tiſchler zu ſeinem Hobel / der Kirſchner zu ſeinem Zobl / der Schuſter zu ſeinem Leder / der Schreiber zu ſei - ner Feder / der Schneider zu ſeiner Scherꝛ / der Krammer zu ſeiner Wahr / der Fleiſchhacker zu ſeinem Beil / der Schloſſer zu ſeiner Feil / der Lederer zu ſeinen Garben / der Mahler zu ſeinen Farben / der Buchbinder zu ſeinen Buͤchern / der Gwoͤlb-Diener zu ſeinen Tuͤchern / der Mau - rer zu ſeiner Kehlen / der Weißgaͤrber zu ſeinen Fehlen / ꝛc. Ein jeder gehe zu ſeiner Arbeit / treibe ſein Gewerb / thue keinem vnrecht / laſſe nichts ermanglen an ſeinem Fleiß; in uͤbrigen mach er ihme weiter keine Mucken / ſondern laß es alles uͤber / GOtt ſeinem Himmliſchen Vatter / vnd ſeiner Goͤttlichen Vorſichtigkeit. Lache vnd ſinge / hupffe vnnd ſpringe. Juhu! ſeye allzeit guten Muths. Solcher Gſtal - ten wird dich GOtt zeitlich vnd ewig ſeegnen. Aber ein Judas-Bruder / ein ſorgfaltiger Phantaſt / der ſtaͤts hin - der den Ohren kratzt / vnd ſo gar das Vatter vnſer / vnd in dem Vatter vnſer das gib vns heut vnſer taͤg - liches Brodt vergiſt / ſondern nur auff Menſchen Fleiß / auff Menſchen Huͤlff / auff Menſchen Witz / auff Men - ſchen Vortl traut vnd baut / der iſt nit werth / daß er ſolle GOtt ſeinen Vatter nennen / auff deſſen Ob - ſorg / er ſich ſo wenig verlaſt.
NAchdem Judas Iſcarioth von Chriſto dem HErꝛn als Pagator vnnd Zahlmaiſter der Apoſtoliſchen Caſſa, wie auch Procurator deß heiligen Colle - gij erwoͤhlt worden / hat er ſich anfangs gar wol vnnd ruhmwuͤrdig verhalten / mit jederman beſcheiden vnd be - ſcheit vmbgangen. Beynebens als ein Exemplariſcher Mann mit gutem Exempel bey den Leuthen ein groſſe Aufferbaͤulichkeit verurſachet / weſtwegen er in ſolches An - ſehen kommen / daß die Juͤdiſche Knaben / vnd Hebreiſche Maͤgdlein auff der Gaſſen allerſeits zu ihm geloffen / ih - me Hand vnd Rock kuſt / vnd fuͤr einen H. Mann gehal - ten. Ja wann eine forchtſame Leuth bißweilen etwas wol - ten von Chriſto dem HErꝛn außwuͤrcken / ſo nahmen ſie ihr Zuflucht bey dem Juda, bittend / er wolle doch mit ſei - ner Vermoͤgenheit ſie bey dem HErꝛn recommendiren. Es iſt aber ein kleine Zeit angeſtanden / ſo iſt auß diſem Graß ein Heu worden / ſo iſt diſer Baum wurmſtichig worden / ſo iſt diſer Bach truͤb worden / ſo iſt Judas ein Dieb worden / ꝛc. Aber anfangs ein kleiner / ſubtiler / forchtſamer / ſcrupuloſer Dieb / dann er erſtlich nur ein Groſchen gemauſt / was wolt das ſeyn! nachmahlens zwey Groſchen gefiſcht / das iſt ein Pagatell! nach vnnd nach drey Groſchen gezogen / das gehet hin: mit der Weil vier Groſchen ertappet / folgends mehr vnd mehr / biß er endlich allemahl von zehen Gulden / ein geſtohlen / von hun -dert361Judas Anfangs ein kleiner /dert Gulden / zehen entfrembt / auff die letzt gar vmb das Geld / JEſum das hoͤchſte Gut verkaufft. Wer alſo kleine Maͤngl nit acht / der wird bald in groſſe Laſter fallen.
Ich waiß ein Sau / die hat keine Augen / keinen Rieſ - ſel / keinen Kopff / kein Fuß / vnd iſt doch ein Sau / das iſt wunderlich! ich waiß ein Sau / die hat kein Haut / kei - ne Baͤrſten / kein Fleiſch / kein Speck / iſt doch ein Sau / das iſt ſeltzam. Ich waiß ein Sau / die lebt nit / vnd friſt doch mehrer / als ein gantze Heerd Saͤu / das iſt artlich. Ganges iſt ein vornehmer Fluß in India, Partolus ein vornehmer Fluß in Lydia, Jordanus ein vornehmer Fluß in Palæſtina, Nilus ein vornehmer Fluß in Ægypten, Coaſpes ein vornehmer Fluß in Perſien, Euphrates ein vornehmer Fluß in Armenia, Moßl ein vornehmer Fluß in Niderland / Donau ein vornehmer Fluß in Teutſchland / Moldau ein vornehmer Fluß in Boͤhaimb / Savus, auff Teutſch / die Sau ein vornehmer Fluß in Sclavonien. Diſe Sau hat kein Maul / lebt nit / vnd friſt doch vil / da beiſt ſie ein Stuck Acker hinweg / dort ein Rey Wiſen / anderwerts ein groſſe Gſtaͤtten / an einem andern Orth ein halbes Dorff / vnderhalb ein gantze Aw / ey du grobe Sau! wo diſe Sau entſpringt / iſt ſie ſo klein / daß ein jaͤh - riges Kind darin ohne Forcht eines Schiffbruchs taͤndlen kan / vnd ſchertzen / wie in einem Badwaͤndl / etlich Spann brait / ein halbe Spann tieff / vnd dannoch / wann ſie ein Weil rinnt / vnd laufft / wird auß einem ſo kleinen Waͤſ - ſerl ein ſo groſſer Fluß / auß einer kleinen Sau / mit der Weil ein großmaͤchtige Sau.
Die Menſchen vnd forderiſt die laſterhaffte Men - ſchen ſeynd mehriſten Theil geſittet / vnd geſind / wie diſer Fluß Savus, die Sau. Keiner / iſt gwiß / keiner / glaub du mir / keiner / du wirſt es nit laugnen / keiner / wird auffZ zein -362nachmahlen ein groſſer Dieb.einmahl ein grobe Sau / ein vnzuͤchtige Sau / ein wilder Saumagen / ſondern er fangt an / erſtlich von kleinen Faͤh - lern / vnnd ſo man die kleine Vnvollkommenheiten nicht achtet / ſo wird man ſich mit der Zeit vnfehlbar in groſſe vnd abſcheuliche Laſter ſtuͤrtzen. Qui modica ſpernit,Eccl. 19. paulatim decidet. Den Judas vmb Bericht. Adam auff dem Damaſceniſchen Acker auß einer rothen Erden / wie die mehreſte Scribenten darvor halten / von denen Haͤnden deß Allmaͤchtigen erſchaffen / war in das Para - deyß geſetzet worden / als ein Koͤnig / maſſen ihme alles den Gehorſamb muͤſte laiſten / vnd vnder ſeiner Bottmaͤſ - ſigkeit leben. Ihme Adam hat allweg diſer folgender Ti - tul gebuͤhret. Adamus der erſte diſes Namens / Maͤchtig - ſter Koͤnig deß gantzen Erdbodens / Durchleuchtigſter Ertz-Hertzog deß Paradeyß / Hertzog deß Damaſceniſchen Gebiet / Graff zu Freudenthall / Herꝛ zu Allegro, & c. Adam ſtunde dazumahlen in ſolcher Gluͤckſeeligkeit / daß / wann er nit Adam haiſte / haͤtte er billich ſich Felix, Fau - ſtus, oder Fortunatus nennen koͤnnen. Ihme manglete nichts an Reichthum / nichts an der Geſundheit / nichts an der Schoͤnheit / nichts an der Ehr vnnd Reputation. Er hatte ein anſehliche Hoffſtatt / die ihn nach allen Wunſch bediente. Seine Cammer-Herren waren die vier Elementen / ſeine Cammer-Diener waren die vier edle Complexiones, ſeine Laggey waren die Loͤwen / Tyger / Hirſchen / ꝛc. So alle ihm auffs beſte auffgewart / ſeine Hof-Muſteanten waren die Voͤgl deß Luffts / der Raab war ſein Baſſiſt / die Ambßl war der Tenoriſt / der Finck war der Altiſt / die Nachtigal war der Diſcantiſt / der Gimpl ſpilte auff der Viol de Gamba / die Alſter auff den hoͤltzer - nen Gelaͤchter / der Baumhaͤckel auff den Hackbretl / ꝛc. Seine Contralor waren alle Baumer / ſeine Liecht-Cam - mern war die Sonn / ſein Hoff-Taͤpetzierer war der mitBlu -363Judas Anfangs ein kleiner /Blumen geſtickte / geſpickte Erdboden. Uber alles diſes hat ihn GOtt mit einer ſolchen Princeſſin verheyrath / wel - che da nit ſchoͤner konte mit dem Pembßl Apellis entworf - fen werden / nicht anderſt / als waͤr ſie von der Schoͤnheit ſelbſt / als einer Mutter gebohren: Nicht anderſt / als waͤr ſie von der Holdſeeligkeit ſelbſt / als einer Ammel ge - ſaͤuget worden: nicht anderſt / als waͤr ſie von der Freund - lichkeit ſelbſt / als einer Kindswartherin erzogen worden. Er vnd ſie / ſie vnd er / beede ſtunden in groͤſter Gluͤckſeelig - keit. Aber gedencke! diſe zwey gluͤckſeeligſte Creaturen ſeynd bald hernach ins groͤſte Elend gerathen / auß dem Pa - radeyß verbandiſirt worden / vnd ihnen an ſtatt deß Seep - ters nachmahlen der Krampen eingehaͤndiget worden / das iſt ein Unſtern! wie iſt es hergangen? alſo / vnd nicht an - derſt. Sie haben von kleinen Faͤhlern angefangen / nach - mahls alſo ſpoͤttlich gefallen. Die Eva hat vorwitziger weiß zum Paradeyß hinauß geſchaut / das war ein kleiner Faͤhler: die Eva hat ein vnnuͤtz Geſpraͤch gehabt mir der Schlangen / mehr ein kleine Unvollkommenheit: die Eva. hat den Apffel abgebrochen / wider ein kleine Suͤnd: der A - dam hat ihr derentwegen keinen Verweiß geben / es war auch das nit recht; endlich ſeynd alle beede ſo ſpoͤttlich ge - fallen / in das groͤſte Verderben / vmbweilen ſie kleine Maͤn - gel nit geacht. Wer keine Funcken nicht acht / der hat zr foͤrchten ein groſſe Brunſt; wer die kleine Tachtropffen nit acht / der hat mit der Zeit zu foͤrchten den Undergang deß Hauß / wer ein kleines Loͤchl nit acht in dem Schiff / der hat zu foͤrchen / daß er nit nach vnd nach das Schiff verſencke / der ein kleines Sandkoͤrnlein nit acht in einem Pulver-Stampff / der hat zu foͤrchten / auff daß nit alles in dem Rauch auffgehe: wer auch die kleine Maͤngl nit acht / der hat zu foͤrchten / daß er nicht bald in groſſe Laſter falle. Dann vom kleinen fangt man an.
Z z 2Deß364nachmahlen ein groſſer Dieb.Deß Egyptiſchen Joſeph ſeine Bruͤder ſeynd alle von dem Haußhalter fuͤr Auffraumer / fuͤr Banckſiſcher / fuͤr Tiſchlaͤhrer / fuͤr Dieb gehalten worden. Als haͤtten ſie Ihro Hochfuͤrſtlich Gnaden dem Joſeph ein Becher ent - frembt. Quem furati eſtis. Aber / aber / aber es iſt dem Ruben vnrecht geſchehen / der Simeon war kein Dieb / der Levi war ein redlicher Kerl: dem Juda geſchicht hier - infalls ein Injuri, der Nepthali hat ſolche Schmach wol zu empfinden / der Iſachar hat ſein Lebtag nit alſo krumpe Finger gemacht / der Gad gibt keinen Mauſer ab / der Dan, ob er ſchon nit der beſte iſt / ſo iſt er doch dißfalls vn - ſchuldig / der Zabulon thaͤt ſich ſchaͤmen / wann er einmahl nur einer Nadlgroß haͤtte geſtohlen / der Aſer eben deß - gleichen / von dem ehrlichen / vnd wolerzognen Beniamin iſt gar kein Argwohn zu ſchoͤpffen. O mein lieber alter Taͤtl Jacob, ſo ſoll es dir in deinem Vaͤtterlichen Hertzen alſo wehe thun / wann du hoͤren ſolſt / daß man deine Soͤhn Dieb nennet. Pfui! Dieb? Herꝛ Haußhalter gemach mit der Braut / halt das Maul. Was maint ihr / ſoll der fromme Vatter Jacob lauter Dieb an ſeinen Kindern erzogen haben? das nit / das gar nit / nichts weniger als diß.
Aber layder wie vil werden Eltern angetroffen / wel - che an ihren Kindern die Schand erleben / da ſie ſolche am hell-liechten Galgen ſehen hencken? es ſeynd aber Vatter vnd Mutter ſelbſt die eigentliche Urſach deß Undergangs ihrer Kinder; dann haͤtten ſie ſolche bey Zeiten mit ſcharpf - fer Ruthen gezuͤchtiget / wie ſie die kleine Ding geklaubt haben / ſo wurden nie ſolche Haupt-Dieb darauß erwach - ſen ſeyn. Von kleinen fangt man an. Qui modica ſper - nit, paulatim decidet.
In einer vornehmen Statt hat ſich eineſt ein Haupt - Dieb auffgehalten / welcher vnderſchidliche Diebſtall durchſeine365Judas Anfangs ein kleiner /ſeine Argliſt begangen; vnder anderen iſt folgendes ſehr denckwuͤrdig geweſen. Er begabe ſich in bemelter Statt zu einem ſehr reichen vnnd wolbeguͤten Kauffmann / von dem er die gewiſſe Nachricht eingebracht / daß er innerhalb zwey Tagen werde auff einen vornehmen Jahrmarckt ver - raiſen: bittet demnach denſelbigen Handlsmann / er wolle doch ſambt ſeinen Wahren ihme auch eine Truhen mit - nemmen / worinnen ſehr koſtbare Sachen / verſpricht nit nur allein allen Raiß-vnnd Fuhr-Unkoſten abzuſtatten / ſondern noch darzu ein beliebige Gratification zuezuſe - tzen / ſo bald er in fuͤnff oder ſechs Tagen auch dahin wer - de abraiſen / der gute vnd ehrliche Kauffmann wolt ihm diſe Bitt nit abſchlagen / zaigt ſich in allweg gantz willfaͤh - rig / mit dem Verlaut / er wolle die Truhen nur laſſen her - bey bringen. Das ware nun dem Ertz-Schalck ein ge - wuͤnſchte Sach / welcher ſich dann bald durch ihrer zwey gleichen Gliſſter hat laſſen einſperren / in ein groſſe Truhen / oder Verſchlag / vnd folgends in das Gewoͤlb gedachten Handlsmann tragen laſſen / welcher deß guten Glaubens war / als ſeyen hierinnen vornehme Wahren verſchloſſen; in deme nun die finſtere Nacht herbey kommen / vnd das Handls Gewoͤlb allerſeits verſperret / vnd verriglet war / da ſucht diſer Haupt-Dieb / wie er moͤcht auß diſem huͤl - tzernen Arreſt herauß kommen / vnd den Kauffladen auß - raumen. Weilen er aber / nach Gewonheit der Handlsmaͤn - ner / alle Nacht pflegte einen wachtſamen Hund in das Gewoͤlb zu ſperren / vnd ſolcher das Geraͤuſch in diſer Tru - hen vermerckt / hat er mit vngeſtimmem beiſſen vnd bel - len den Dieb verrathen. Wie dann bereits derenthalben alle im Hauß erwacht / vnd vnverweilt in das Gewoͤlb her - under geſtigen. Da ſie mit Verwunderung den Augen - ſchein eingenommen / wie vngewoͤhnlich / vnd gleichſamb gantz raſend der Hund gegen diſer frembden Truhen ſichZ z 3ver -366nachmahlen ein groſſer Dieb.verhalte. In deme nun ſolches der Anweſenden Gedan - cken zu vnderſchidlichen Argwohn veranlaſſet / hat der ver - ſchmitzte Boͤßwicht in diſer ſeiner Noth diſen Argliſt er - dencket / gantz in der Stille zwey Schluͤſſelen auß dem Sack gezogen / vnd dieſelbe zwoͤlffmahl auffeinander geſchlagen / welches allen Gegenwertigen den gefaſten Argwohn be - nommen / forderiſt / weilen der Handlsmann der gaͤntzli - chen Mainung war / als ſeyen neben anderen Sachen auch koſtbare Uhrwerck in diſer Truhen / wie ſie dann bereits ha - ben hoͤren 12. ſchlagen. Damit nun der Hund wegen ſol - cher Uhrwerck nit fernere Ungelegenheit mache / vnd allen den uͤbrigen Schlaff benemme / iſt ſolcher treue Melampus auß dem Gewoͤlb geſchafft worden / welches dem ſchlim - men Geſellen ein gewuͤnſchter Handl war / wie er dann bald hernach auß diſer Truhen herauß geſchloſſen / vnnd vmb vil tauſend Gulden auß dem Gewoͤlb geraubt. Das war ja ein Haupt-Dieb / der ein beſonderen Galgen ver - dienet. Aber glaubſt du / daß er auff einmahl ein ſo groſſer Dieb worden? O nein! Nemo repentè fit peſſimus. Er hat / wie alle andere groſſe Dieb / mit kleinen Sachen angefangen. Anfangs ſtihlt man ein Federkiel / vom Fe - derkiel kombt man zum Federmeſſerl / vom Federmeſſerl kombt man zum Federbuſch / vom Federbuſch kombt man zum Federbeth / ꝛc. allzeit weiter. Anfangs ſtihlt man ein Handſchuh / vom Handſchuh kombt man zum Handtuch / vom Handtuch kombt man zum Handbeck / vom Hand - beck kombt man zum Hand-Pferdt / ꝛc. allezeit weiter. Gleichwie man pflegt in anderen Sachen zu ſteigen. Ex - grat: Anfangs iſt einer ein Schuler / nachmahls ein Stu - dent / nachmahls ein Baccalaureus, nachmahls ein Ma - giſter, nachmahls ein Licentiat, nachmahls ein Doctor. Erſtlich iſt einer ein Lehr-Jung / alsdann ein Geſell / als - dann ein Maiſter / alsdann ein Burger / alsdann ein Raths -herꝛ /367Judas Anfangs ein kleiner /herꝛ / ꝛc. Erſtlich iſt einer ein Picanierer / mit der Weil ein Gefreyter / mit der Zeit ein Fendrich / mit der Zeit ein Hauptmann / mit der Zeit ein Obriſter. Deßgleichen ſteigt auch der Menſch in den Vntugenden; Anfangs iſt er ein kleiner Dieb / ſteht nit lang an / ſo wird er ein groͤſſe - rer: wart ein Weil / ſo wird der groͤſte Dieb darauß. Solcher Geſtalten iſt der Menſch / wie einer / der durch ei - nen tieffen Fluß watten will. Erſtlich geht er in das Waſ - ſer biß auff die Knye / nachgehends biß auff den Nabel / alsdann biß under die Armb / mit der Weil gar / biß ihm das Waſſer in das Maul rinnet. Auff gleiche Weiß wird ſich keiner gleich in die groͤſte Laſter ſtuͤrtzen / ſondern nach vnd nach. Erſtlich ſtihlt er ein Nadel / nach ſechs Ta - gen ſtihlt er ein Naͤhkuͤß / nach ſechs Wochen ſtihlt er mehr / nach ſechs Monath wird er ein rechter Dieb / nach ſechs Jahren wird er gehenckt. Qui ſpernit modica, paulatim decidet.
Wie der HErꝛ JEſus von dem Berg Thabor her - ab geſtigen / allwo er ſein Himmliſche Glory in etwas ent - worffen / hat er vnder dem haͤuffigen Volck daſelbſt einen jungen Menſchen angetroffen / welcher von Kindheit auff vom boͤſen Feind beſeſſen war. Diſes armen Tropffen leiblicher Vatter ware gegenwaͤrtig / vnd klagte mit allen Vmbſtaͤnden den muͤheſeeligen Zuſtand ſeines Sohns; ſagte beynebens / wie tyranniſch diſer hoͤlliſche Geiſt den ar - men Menſchen tractire. Frequenter eum in ignem mi - ſit: Ja der Teuffel habe ihn ſchon zum oͤfftern in das Feur geworffen. Woruͤber ſich JEſus erbarmet / der Sathaniſchen Larven ernſtlich befohlen / daß ſie vnverzuͤg - lich von dannen weichen ſolle / wie es dann geſchehen. Nit nur einmahl einer / nicht nur zehenmahl zehne / nicht nur dreyſſigmahl dreyſſig / nicht nur ſechtzigmahl ſechtzig / nicht nur hundertmahl hundert / nicht nur tauſendmahl tau -ſend /368nachmahlen ein groſſer Dieb.ſend / ſondern mehr / vil mehr; wer wills zehlen / wer kans zehlen? vnzahlbar mehr vnd mehr werden auff diſer ver - kehrten / bethoͤrten / verſehrten Welt gefunden / die einesMarc. 9. gleichen Zuſtands ſeynd / wie diſer armer Tropff. Fre - quenter eum in ignem miſit. O wie vil er vnd ſie / wie vil Pauli vnd Paulinæ, wie vil Franciſci vnd Franciſcæ, wie vil Chriſtiani vnd Chriſtinæ werden angetroffen / welche alle vom boͤſen Feind oͤffters / gar offt / ins Feuer geworffen werden. Iſt leicht zu erachten / was fuͤr ein Feuer; Luxuria, oder Lux urens, die Vnzucht hat die Welt / die mehreſte Laͤnder in der Welt / die mehreſte Oer - ther der Laͤnder in der Welt ſpoͤttlich angezuͤndt. O wie ſtinckende Flammen! weit uͤber die / ſo von Sodoma vnd Gomorrha empor geſtigen. Die Aſtrologi ſchreiben wol / daß die ſiben Planeten weit von vns entfernet ſeyn. Sie ſchreiben / daß der Mond / als ein Planet / fuͤnffzehen tauſend / ſiben hundert vnd fuͤnfftzig Meil von vns ſeye. Sie ſchreiben / daß der Mercurius, als ein Planet ſiben tauſend / acht hundert / ſiben vnd ſibentzig Meil ober dem Mond ſeye. Sie ſchreiben / daß Venus, als ein Planet ſi - ben tauſend / acht hundert / vnd etlich ſibentzig Meil ober dem Mercurio ſeye. Sie ſchreiben alſo / wir aber anderſt; nemblichen / daß Venus gantz nahend bey vns ſeye / mittenEpiſt. 8. vnder vns. Weſtwegen recht der H. Joannes geſprochen:Joan. 19. Mundus in maligno (id eſt, in malo igne) poſitus eſt. Das ſehen alle Tag die Augen / das hoͤren alle Tag die Oh - ren / das redet alle Tag die Zungen / das ſchreiben alle Tag die Haͤnd / das dencket alle Tag das Hertz bey vilen / bey dem Samſon nit allein / bey dem Salomon nit allein / bey dem Sichem nit allein / bey dem Ruben nit allein / bey dem Abimelech nit allein / bey dem Ammon nit allein / bey der Rahab nit allein / bey dem David nit allein / ſondern auch bey Reginas, Chriſtinas, Sabinas, Marinas, Lidwi -nas,369Judas Anfangs ein kleiner /nas, &c. bey vil Fridericos, Rodericos, Ericos, Ludo - vicos, Emericos, Udalricos, &c. Der H. Philippus Nereus hat allemahl die Naſen zugehalten / wann er bey einem ſolchen vnzuͤchtigen Menſchen vorbey gangen. Wann er der Zeit noch lebete / ſo muͤſte er faſt alleweil mit dem Tuͤchel die Naſen verſtopffen.
Was kan erſchroͤcklichers ſeyn / als was Delrio er - zehlet. In Flandern waren drey Sauff-Bruͤder / welcheLib. 3. p. 1. Diſq. Mag. mit ſchlemmen vnd ſchlimmen die mehreſte Zeit vertriben. Weilen aber Weinber vnd Weiber nur einen Buch - ſtaben voneinander / vnd Bacchus vnd Bauchus in beſter Verwandtſchafft / vnd Bekandtſchafft mit der Cypriſchen Dama; alſo waren gedachte Geſellen ſo wol groſſe Trin - cker / als groſſe Stincker / verſtehe vnzuͤchtige Boͤck / vnd gaile Miſifincken. Ein jeder hatte ſein Concubin vnnd vnverſchambte Fettl / mit welchen ſie ohne Gewiſſen / oh - ne Forcht / ohne Scheu / ohne Ehr ein ſolchen uͤblen Wan - del fuͤhreten. Einmahls bey erwachſener Nacht / nach - dem ſie ſatt vnd matt deß vollbrachten Lueders wolten ſchlaffen gehen; ſagte einer auß diſen: Nun GOtt ſeye gedanckt / heut haben wir einen guten Muth verbracht. O Gimpel! widerſetzet der andere / ich dancke derenthal - ben Gott nit / ſonder dem Teuffel / welcher mir ſo ſtattlich an die Hand gehet. Mit diſer Spottred / ſambt beyge - ſelltem Gelaͤchter werffen ſich diſe Lueder-Burſch in das Beth / vnd fallen vnverweilt in einen tieffen Schlaff / der aber bald genommen worden. Dann gleich hernach durch grauſamen Gewalt der Teuffel / in der Geſtalt eines Jaͤ - gers die Thuͤr eingeſprengt / vnd mit flammenden Augen in die Cammer hinein getretten / mit Beglaittung zweyer Kuchel-Jungen. Allo! ſprechend / wo iſt der jenige / der mir ſo ſchoͤn gedanckt; nun bin ich gegenwaͤrtig mich ein - zuſtellen. Befilcht alſobalden denen zweyen Kuchel-Jun -A a agen /370nachmahlen ein groſſer Dieb.gen / ſie ſollen diſen Geſellen auß dem warmen Beth her - außreiſſen / an einen Spiß ſtecken / vnd bratten / welchem Befelch ſie ſchleinigſt nachkommen / vnd den armſeeligen Menſchen alſo gebratten / daß von dem Geſtanck die Cam - mer voll / beede Mitgeſpaͤn aber mit Forcht alſo voll / daß ſie ein geraume Weil ohne Sinnen gelegen. Nach vollbrach - ten diſen ſo grauſamen Spcetacul / wend ſich der Sathan zu den zween / trohend / dafern ihme von GOtt der Ge - walt nit waͤre gebunden / ſo wolt er ſie auff gleiche Weiß empfangen. Nachdem der helle Tag angebrochen / ſtun - den diſe faſt in einem Zweiffel / ob es ein Traum / oder Ge - ſchicht geweſt / haben aber bald geſehen / daß es von dem ge - rechten Gott ein gebuͤhrende Straff ihres Muthwillens geweſen / in dem ſie ihren Mit-Cammeraden todter / vnd uͤber vnd uͤber gebrattner in dem Beth gefunden.
Wer laſt ihm einfallen? wer macht ihm ſo einfaͤlti - ge Gedancken? als ob diſer auff einmahl ein ſolcher Lue - derſack worden. O das nit! er hat vngezweifflet von Klei - nen angefangen. Wann ein muthwilliges Kind in einen tieffen Brunnen ein Stainlein wirfft / ſo wird man wahr - nemmen / daß ſolches Stainl auff dem Waſſer ein kleines Circkerle macht / diſes kleine Circkerle macht gleich noch ein anders / vnd ein groͤſſers / diſes groͤſſere macht mehr - mahlen einen weiten runden Kraiß / biß endlich von ei - nem kleinen ſolchen Circkel oder Kraiß groſſe / groͤſſere / die groͤſte Kraiß gemacht werden. Ein faſt gleiche Be - ſchaffenheit hat es mit der Suͤnd / der Sathan befleiſt ſich / wie er moͤge den Menſchen zu einem kleinen Faͤhler brin - gen / wol wiſſend / daß ein Faͤhler dem andern die Schnal - len in die Hand gibet. Anfangs iſt man vnbehutſam in den Augen / wie jener junge Moͤnich / der mit einem Al - ten etlich Tag außgeraiſt / vnderweegs haben ſie ein Weibs - Bild angetroffen / welche der Alte mit freundlichen Wor -ten371Judas Anfangs ein kleiner /ten bewillkommet / vnd ein kurtzes Geſpraͤch mit ihr ge - pflogen / nachgehends ſie widerumb gar hoͤfflich beurlau - bet. Wie ſie nun ihren Weeg alſo fort genommen / fangt der Alte an ſie uͤber alle maſſen zu loben / vnd hervor zu ſtrei - chen die Wolgeſtalt / vnnd das huͤpſche Angeſicht diſer Frauen / hierdurch deß Fratris ſtraͤfflichen Vorwitz her - auß zu locken. Sagte alſo der fromme Vatter. O mein lieber Frater! ich habe ein lange Zeit hero ein ſo wolge - ſchaffenes Weibs-Bild nie angetroffen. Sie hat ja ein paar Wangen / die da hangen / die da prangen / wie die Roſen; Helena auß Griechenland muß ſich faſt verkrie - chen vor ihr / ey es iſt immer ſchad / daß ſie ein Mangl im Augen hat / vnd einaugig iſt. Was ſagt der Frater. Ver - zeicht mirs mein Vatter / ihr habt wol nit recht geſehen / ſie iſt in keines Weegs einaugig / ſondern ſie hat ein paar Augen / wie die Diamant / ich hab es gas wol in acht ge - nommen. So! ſprach der Alte. So mein junger Lector! ſolſt du ſo vnbehutſamb ſeyn in den Augen. Waiſt du das nit / daß die Augen die erſte Currier vnd Furier ſeynd zum ſuͤndigen / vnd dem Menſchlichen Willen den gebannten Weeg zaigen zu allen Laſtern. Eſt oculus ſcopulus ti - tulo meliore vocandus. Den David hat das vidit zum fecit gebracht? den David hat das ſehen zum geſchehen zogen: dem David hat das gaffen vil Ubel beſchaffen. Vom ſehen / kombt man zum dencken / vom dencken / kombt man zum gefallen / vom gefallen / kombt man zum woͤllen / vom woͤllen / kombt man in die Hoͤllen. Ich bin verſichert / daß jene ſaubere Dama deß Herꝛn Putiphars, KoͤniglichenGeneſ. 39 Miniſtres Frau Gemahlin / nit gleich das erſtemahl den keu - ſchen Joſeph mit dem dormi mecum wird angeraſtet ha - ben / ſondern ſie ha[t]vngezweifflet vorhero ſein ſchoͤne Ge - ſtalt betracht / ſich in ſeine rothe Lippen vergafft / ſeine weiſſe Haͤnd beſchnarcht / vnd alſo von einem zum andernA a a 2geſti -372nachmahlen ein groſſer Dieb.geſtigen / biß ſie letztlichen Gottloß / Gewiſſenloß / beſchloſ - ſen / ihren Mann vnder das Zaichen deß Widders zu ſtellen.
Wann der Himmel voll mit Stern / ſo iſt es ihme ein Lob; wann aber der Himmel Sternvoll iſt / ſo iſt es ein Schand / vnd ein Schad; wer waiß / ob nit das Woͤrt - lein Dolor, die Lateiner vom Dolio deriviren. Maſſen von dem Wein offt manches weinen vnnd klagen ent - ſpringet. Holofernes haͤtte nie den Kopff verlohren / wann ihm nit der Kopff vom Wein waͤre vmb vnd vmb - gangen. Heli der hohe Prieſter hat eineſt der Gottſeeli -1. Reg. c. 1. gen Annæ, deß Elcanæ Frau Gemahlin / ein groſſe Un - bild zugefuͤget / in dem er ihr vorgerupffet / ſie ſeye ein Bur - gerin zu Kandlberg / vnd habe zu ſtarck das October-Bier eingenommen; da ſie doch / die fromme Frau / ihr Lebtag kein Wein verkoſtet. Aber bey vnſeren Zeiten trifft man wol ſolche Weinfalter an mit langen Roͤcken / die vom Trincken Bibianæ, oder vom Sauffen Potamianæ koͤnten genennet werden. Mir iſt von einer gar gewiß erzehlet worden / welche auff einer Kirchfahrt vnderwegs das Maul mit dem Wein gar zu ſtarck außgeſchwemmet / daß ihr alſo der Tummel in Kopff / vnd der Tremulant in die Fuͤß kommen. Wie ſie nun in eine / vnweit deß Weegs erbau - te St. Annæ Kirch eingetretten / vnd in Mitte derſelben bey dem Opfferſtock ſich nidergelaſſen / hat ihr der Schwin - del je laͤnger / je mehrer das Hirn eingenommen / alſo / daß ſie vermaint / der Altar gehe vmb vnd vmb / weſſenthalben ſie in diſe / ja laͤcherliche Wort / außgebrochen. O mein H. Anna! ich bins ja nit werth; ich bins ja nit wuͤrdig; es iſt ja gar zu vil; ich hab vermaint / ich wolt vmb dich her - umb gehen / ſo ſehe ich aber / du geheſt vmb mich herumb. Laſſe mir diſe ein ſaubere Frau ſeyn! aber die Maͤnner werden hierinnfalls mehrer beſchuldiget. Weſtwegen der Grammatiſt wol konte dem Poëten ſein Carmen veraͤn -dern /373Judas Anfangs ein kleiner /deren / vnd alſo ſetzen. Quæ maribus ſolum tribuntur, vaſcula ſunto. Es iſt ſich nit wenig zu verwundern / wie Chriſtus der HErꝛ ſo vil tauſend Menſchen geſpeiſet hat wunderbarlicher weiß in der Wuͤſten / vnd nicht nur allein alle nach Contento geſaͤttiget / ſondern ſo gar zwoͤlff Koͤrb voll Brodt geuͤbriget. Zu verwunderen iſt / daß nit einer auß diſer Volckreichen Verſamblung hat auch ein Trunck begehret. Wann waͤren Teutſche darbey geweſt / iſt wol zu glauben / daß einer oder der andere haͤtte vmb ein Trunck Wein ſupplicirt; maſſen diſer Nation ihr uͤbler Nach - klang iſt / daß ſie zu vil dem Wein ergeben / als ſolt ihr Le - ben / durch die Reden / vita per vitem erhalten werden. Dergleichen Weinſchlauch koͤnten faſt ohne Zihl / vnd oh - ne Zahl beygebracht werden. Einer / vor dißmahl ein Ro - maner / kombt mir vnder die Haͤnd / von deme Gumpen -Fol. 435. bergerus ſchreibt / welcher ein ſolcher vnmaͤſſiger Weinegl ware / daß er mit dem reichen Praſſer faſt taͤglich ſich be - rauſchte / vnd zu weilen alſo bezecht / daß er ein Baßgei - gen fuͤr einen Bettler: ein ſchwartze Kuhe fuͤr einen Ca - pellan / vnd einen Polſter fuͤr ein Ganß angeſehen. Nach - dem einmahl den gantzen Nachmittag diſe Sau beym weiſ - ſen Laͤmbl geſeſſen / vnd ſich alſo angetruncken / daß er in dem haimbgehen hin vnd her geſtolperet / als wolt er mit den Fuͤſſen Hebreiſch ſchreiben / iſt er endlich in ein groſſe Kothlacken gefallen / wie dann fuͤr ein ſolchen Kopff kein andere Laugen gebuͤhret. Als nun diſer Kothkefer in ſei - nem vnflaͤthigen Saubad alſo zappelte / ſo iſt der Teuffel / in der Geſtalt eines Weibs / zu ihm kommen mit einer Lattern / dann es bereits die tieffe Nacht war. Und nach - dem ſie ihn mit langen Worten / mit hartem Verweiß / mit zornigem Mundſtuck angeblaſen / hat ſie den wilden / vnd im Koth gebaitzten Limmel auffgehebt / nacher Hauß zu fuͤhren. Wie ſie nun ein geraumen Weeg fort gan -A a a 3gen /374nachmahlen ein groſſer Dieb.gen / ſo vermerckt diſer Schlemmer / daß er auff einem ho - hen Berg ſeye / vnd ſehe vor ſeiner ein groſſe Menge der boͤſen Feind / welche alleſamb / gleichſtimmend geſchryen. Bring vmb / bring vmb. Solcher Schrocken hat alſobald den dicken Rauſch vertriben / alſo / daß er mit lau - ter Stimm geſchryen: Sancta Maria in viâ latâ, ſtehe mir bey. So bald er die Huͤlff der Himmels-Koͤnigin fle - hentlich angeruffen / ſeynd alle hoͤlliſche Larven verſchwun - den. Nachmahls hat er wahrgenommen / daß nicht ſein Weib / ſondern der Sathan ihn an ſelbiges Orth gefuͤh - ret / von welchem er vngezweifflet durch teuffliſchen Ge - walt waͤre geſtuͤrtzet worden. Glaubſt du anjetzo / daß di - ſer Weinzapff auff einmahl ein ſolcher Sau-Magen wor - den? das nicht; ſondern er hat vom kleinen angefangen. Erſtlich nur allemahl ein Glaͤßl außgetruncken / vom Glaͤßl iſt er zum Glaß / vom Glaß zum Krueg / vnnd Krueg zur Kandl / vnd alſo kommen zu einem ſolchen ver - ſoffenen Wandl. Erſtlich hat er lehrnen trincken UTili - ter, darnach REaliter, alsdann MIrabiliter, folgends FA - ciliter, mit der Weil SOLenniter, auff die Letzt LAmen - tabiliter. Mit drey Jahren hat er geſchryen / Mamma trincken: Mit vier Jahren hat er geſchryen / Mutter trincken. Mit fuͤnff Jahren hat er geſchryen / Vatter ſauffen. Im ſechſten Jahr hat er ſeinen Vattern ſchon ins Wuͤrthshauß beglait: Im ſechzehenden Jahr iſt er gangen am Sonntag zum weiſſen Roͤßl: am Montag zum blauen Keßl / am Erchtag zum guldenen Laͤmbl / am Mittwoch zum gruͤnen Gaͤmpl / am Pfingſtag zur gulde - nen Sonn; am Freytag zum wilden Mann; am Samb - ſtag bey der gruͤn Linden / laſt ſich alſo beym ſauffen ein gantze Wochen finden. Qui modica ſpernit, paulatim decidet. Nach vnd nach lehrnet man die Untugenden.
Lucas375Judas Anfangs ein kleiner /Lucas ſchreibt von einem Weib / welche zehen Gro -Cap. 15. ſchen hatte / nachdem ſie aber einen auß diſen verlohren / ſo zuͤndet ſie ein Liecht an / kerꝛt das gantze Hauß auß / ſucht vnden / ſucht oben / ſucht da / ſucht dorten / ſucht vorn / ſucht hinden / ſucht in der mitte / ſucht auß vnd auß / ſucht ein vnd ein / ſucht vmb vnd vmb / biß ſie ihn findet / vnd wann ſie ihn endlich gefunden / ſo erfreuet ſie ſich von Her - tzen / ꝛc. Das iſt ein gutes / ſtattliches / haußliches Weib / welche alſo auff einen Groſchen gehet. Dergleichen gute Haußwuͤrthin findet man annoch an vilen Orthen / wel - che nit nur allein acht haben auff einen Groſchen / ſondern auch auff einen Kreutzer / auff einen Pfenning / vnderdeſ - ſen aber ihre Maͤnner 20. auch 30. auch 40. auch 50. Gul - den mit Karten vnd Wuͤrfflen verſchwenden.
Von dem Koͤnig Pharao bezeugt ſattſamb die Heil. Schrifft / daß er neben ſeinem Leben / auch ſehr groſſen Schatz vnd Lebens-Mittel im rothen Meer verlohren. Ein manche arme Haut die klagt / vnd hat zu klagen / daß ihr Mann faſt alles das ſeinige / nicht im rothen Meer / wol aber im rothen Fluß verlohren hat / verſtehe alſo / daß er dem Spillen zu ſehr ergeben / mit einem andern Spillum - pen Labeth gekart / vnd als zum mehreſten geſtanden / hat diſer lauter Hertz bekommen / daß war ein Fluß / vnd zwar ein rother / worinnen ihr Mann einen zimblichen Schiff - bruch gelitten.
Von dem Abſolon iſt auch gnug weltkuͤndig / daß ein Aichbaum Urſach geweſt / daß er vmb das Leben kom - men; daß der / daß diſer / daß jener / daß vil auch vmb ihr Leben / abſonderlich aber / vnd forderiſt vmb ihr Lebens - Mittl kommen / iſt nit Urſach der Aichbaum / wol aber der Aichel-Ober / den man ſonſt zu mehrern Ehren den Pam - philium nennet. Von vilen waiß man / daß ſie Hauß vnd Hoff verſpillet / vnd alſo weit armſeeliger worden / als einSchneck /376nachmahlen ein groſſer DiebeSchneck / den gleichwol die Natur mit aigner Behauſung verſicht.
Der Samſon hat mit einem duͤrren Bain / benannt - lich mit einem Eſels-Kuͤhnbacken denen Philiſteern den groͤſten Schaden zugefuͤget. Ein mancher reicher Herꝛ iſt arm worden / ein mancher reicher Kauffmann iſt noth - leydig worden: ein mancher reicher Burger iſt ein Bett - ler worden / daß alſo der erſte / der andere / der dritte nichts anderſt ſagt / als jetzt bin ich geſchlagen / ich bin geſchlagen / ich bin geſchlagen! ja / ja / ja / du biſt geſchlagen / ihr ſeyet geſchlagen / vnd zwar wie die Philiſteer durch den Samſon mit einem duͤrren Bain / alſo ihr durch ein duͤrres / aber vierecketes Bain / verſtehe die Wuͤrffel: das Bain Sam - ſonis hat Waſſer gebracht / das Bain bey den Wuͤrfflen bringt auch Waſſer / aber layder! auß den Augen der Weiber / der Kinder / rinnen die Zaͤher / vmb willen die Bainer ihnen das Fleiſch verſpillet.
In der vornehmen Statt Bononia, welches ſo vil haiſt / als Bona omnia, hat ſich ein Gottloſer Spiller be - funden / welcher einmahl / vmbweilen er ſelbigen Tag lau - ter widriges Gluͤck im Spillen erfahren / alſo vnſinnig ergrimbt / daß er faſt raſend zu der Statt-Mauer geeylet / worauff die Bildnuß der Mutter Gottes mit gutem Bembßl entworſſen war / dieſelbe nicht nur allein mit laͤ - ſterlichen Worten belaydiget / ſondern auch mit ſeinem Dolch etliche Wunden verſetzet / auß welchen das haͤuffi - ge Blut herauß gequellet. Diſer Boͤßwicht wurde nach - mahls zur billicher Straff gezogen / vnd auſſer der Statt / gegen der Maur hinuͤber / wo die Bildnuß war / an liech - ten Galgen gehencket. Es iſt aber anbey auch diſes denck - wuͤrdig geſchehen / daß gedachter Galgen-Schwengl / we - gen deß Sonnenſcheins den Schatten von ſeinem Leib ge - worffen hat auff obbenennte Maur / dergeſtalten / daß ſel -ber377Judas Anfangs ein kleiner /ber biß auff den heutigen Tag weder durch Schnee / Wind / Waſſer / noch einige andere Weiß kan außgetilgt wer - den.
Diſer / vnd ſeines gliffters mehr / iſt nit auff einmahl ein ſolcher Ertz-Spiller worden / ſondern hat ebenmaͤſſig von kleinen Dingen angefangen / dann der boͤſe Feind meh - reſten Theils argumentirt à minori ad majus Der Ertz-Schalck wend die Leuth zu Suͤnden vnd Laſtern / wie man pflegt bey vns in der Proceſſion zugehen. Von An - fangs wird man ſehen gehen die kleine Knaben / nach / vnd nach alleweil groͤſſer / groͤſſer / groͤſſer / alſo bringt der arge Sathan den vnbehutſamen Menſchen / anfangs nur zu klei - nen Verbrechen / zu laͤßlichen Faͤhlern / geringe Vnvoll - kommenheiten / aber nach vnd nach / alleweil groͤſſer / biß er ein laſterhaffter Tropff wird / vnd ruͤhrt ſolches Vbel maiſtens daher / weilen er das kleine nit geacht. Von An - fang hat man ein Wolgefallen an den Karten / mittler Weil ſpilt man vmb ein Nuß / nachmahls vmb ein Pfen - ning / alsdann vmb ein Groſchen / nachgehends vmb ein Gulden / mit der Zeit vmb das Wammes / letztlich vmb die Hoſen / alsdann ſtihlt er / vnd kombt zum Provoſen / von kleinen kombt man zu den groſſen.
Was hat das gantze Engelland zu einen Teuffel-Land gemacht? Anfangs ein einiger vorwitziger Anblick Hen - rici auff Annam Bolenam. Was hat das Schweitzer - land von dem Hauß-Oeſterreich abgeſondert? Anfangs fuͤnff Woͤrter / mehrer nit. Was hat die Mahometiſche Seet / vnd Otromaniſchen Gwalt in Europam gebracht? drey Woͤrter / mehrer nichts / in deme man die Sarace - ner Hund genennet hat. Deß Koͤnigs Pharaonis ſein Mundbeck iſt wegen eines kleinen Steinleins auff den Gal - gen kommen / iſt ſchad / wanns gleichwol ein Muͤllner waͤre geweſt / ein Steinlein iſt ja ein kleines Weeſen. DerB b bPoet378nachmahlen ein groſſer Dieb.Poet Anacreon iſt an einen Weinkoͤrnl erſtickt / iſt ja ein kleine Sach / ein Weinkoͤrnl. Henricus II. Koͤnig in Franck - reich iſt an einem kleinen Splitter Holtz geſtorben / ſo ihm in das Aug kommen / ein Splitter iſt ja ein kleines Ding. Vil / O wie vil! O nur gar zu vil ſeynd Ertz-Dieb worden / die Anfangs nur ein Pfenning entfrembt / ein Pfenning / iſt ja ein kleine Sach. Nit wenig / gar nit wenig ſeynd die groͤſten Hueſtentreiber worden / die erſtlich nur fuͤrwitzig in Augen geweſt / Fuͤrwitz iſt / ja ein kleine Sach. Man - che / freylich wol / manche ſeynd die groͤſte Lugner / vnnd aydbruͤchige Geſellen worden / welche Anfangs nur ein we - nig geſpickt / ſpicken iſt ja ein kleines Weeſen / vnd dan - noch auß diſem Funcken entſpringt ein ſolche Brunſt: auß diſem Blaͤtterle wird ein ſolches Geſchwoͤr: auß diſem Kern wird ein ſolcher Baum: auß diſem Kind wird ein ſolcher Riß: auß diſer kleinen Suͤnd entſpringen ſolche groſſe Laſter.
Kein ſolches Klagen / kein ſolches Plagen / kein ſol - ches Zwagen hat von Anbegin der Welt biß auff diſe Zei - ten außgeſtanden ein Koͤnig / als wie der Pharao, diſer Ægyptiſche Monarch von dem Moyſe / welcher groſſe Mann Gottes durch ſein Wunder-Ruthen / von dero noch ein Theil in der Kirchen S. Severini zu Coͤln am Rhein auffbehalten wird / diſem harcknaͤckigen Fuͤrſten zehen groſſe Plagen auff den Rucken gebunden. Moyſes macht / daß alles Waſſer in Egypten in lauters Blut ver - kehrt worden / damit Pharao auch ſolle ſchamroth wer - den / vmb weilen er den wahren GOtt nit erkennet. Moy - ſes macht / daß ein ſolche Menge Froͤſch im gantzen Reich entſtanden / daß auch diſe gruͤne Quakitzer auff allen Ta - feln herumbhupfften / vnd ſo man nur ein Schuͤſſel abge - decket / war alſobalden ein ſolcher verdrießlicher Lacken -Exod. 8. treſcher darinnen. Moyſes macht / daß ſo vil groſſe / klei -ne /379Judas Anfangs ein kleiner /ne / dicke / dinne / lange / kurtze / braune / gruͤne / weiſſe / ſchwartze Mucken im gantzen Land entſtanden / daß hier - von die Leuth ſchier vnſinnig worden / vnd hat der Koͤnig ſelbſt manchen Stich auff die Naſen von ſolchem kleinen Feind leyden muͤſſen. Moyſes macht / daß ein ſolche dicke Finſternuß in Egypten worden / daß einer den andern nit geſehen / der auch neben ſeiner geſtanden; der gute Mann glaubte / Pharao ſoll durch diſe Finſternuß erleuchtet wer - den. Moyſes macht / daß es noch vil andere groſſe / ja groͤſte Plagen uͤber den Pharao kommen. Weſſenthalben der Koͤnig offt hinder den Ohren gekratzt / offt von innigli - chen Hertzen geſeufftzet / offt vor andern ſeinen Hof-Herren / vnd Hofbeambten geklagt. Ach / was hab ich gethan! wie bin ich doch ſo vnbeſonnen geweſt! dem Vbel haͤtt ich gar wol koͤnnen vorkommen / haͤtte ich dazumahlen dem Moyſi den Hals vmbgeriben / wie er noch / als ein kleines Kind / auff der Schoß meiner Tochter Thermuth gelegen; ach! haͤtte ich ihm dazumahlen den Reſt geben / wie er / als ein Kind / mein Koͤnigliches Diadema von ſeinem Kopff her - unter geriſſen / es iſt mir doch dazumahlen ſchon vorgan - gen / der Bueb werde mir einsmal groſſe Vnruhe verur - ſachen. Ey! ey! haͤtte ich Moyſen in den Kindfaͤtſchen erwuͤrget / ſo waͤre er nit alſo auffgewachſen / vnd thaͤt mir folgſamb nit ein Plag uͤber die andere auff den Rucken ſchicken.
Diſer Wunſch iſt bey mehrern. Seufftzet nit man - cher armer Tropff / der da Diebſtall halber hinauß gefuͤh - ret wird / vnd wider ſeinen Willen muß hoch angeſehen ſeyn / vnd ein Contralor der Raaben / vnd andern Galgen - Voͤgel abgeben; beklagt ſich nit oͤffter ein ſolcher bey dem Pater, ſo ihme das Beglait gibt. O Pater! haͤtte ich in meiner Jugend die kleine Diebſtall vnderlaſſen / ſo muſte ich anjetzo nit eines ſo ſchmaͤhlichen Todts ſterben. B b b 2O! haͤtte380nachmahlen ein groſſer Dieb.O! haͤtte ich / ſagt ein andere / auff jenes Buͤrſchl nicht die Augen geworffen / haͤtt ich doch den Schnier-Ruͤhm nicht angenommen / haͤtte ich nur die Haͤnd nit drucker / ſo waͤr ich in diſen offentlichen Spott nit gerathen. O! haͤtt ich / ſagt der hunderte / die Suͤnd abgewoͤhnt / wie ſie noch klein war / ſo haͤtte ich anjetzo nit einen ſolchen Bueſen voll der Laſter! O haͤtte ich! alſo / wann man die kleine Faͤhler nit außtilget / ſo wachſen ſie freylich wol / wie das kleine Senff -Matth. 13. koͤrnlein im Evangelio, welches zu einem groſſen Baum worden / daß auch die Voͤgel deß Luffts auff ſeinen Aeſtern loſchierten. So wachſen ſie freylich / wie Moyſes, der auß einem kleinen armen Pupillen / ſo in einem Bimbſen - Koͤrblein daher geſchwummen / ein ſolcher Mann worden / daß er den Koͤnig Pharao ſambt den ſeinigen in den Vn - dergang geſtuͤrtzet hat.
Jene Statua, oder Wunder-Bildnuß deß Koͤnigs Nabuchodonoſor hatte ein Haupt von Gold; die Bruſt vnd Armb von Silber / der Bauch ſambt den Lenden von Ertzt / die Schenckel von Eyſen / die Fuͤß thails von Eyſen / thails von Hafner-Erden. Endlich ein kleines Stain! hat diſe ſtattliche Statuen zu Boden geworffen / vnd zertruͤm - meret. Diſer Statuen ſeynd gleich vnderſchiedliche heilige Orden vnd Religionen in der Catholiſchen Kirchen / haben nit diſe alleſambt ein guldenes Haupt gehabt / einen gulde - nen Anfang / der voller Eyffer vnd Vollkommenheit wa - re / aber nach vnd nach ſeynd ſie ſchlechter worden / daß al - ſo der Prophet Jeremias folgender Geſtalt uͤber ſie zu kla -Tren. 4. gen hat: Wie iſt das Gold verduncklet / vnd die allerſchoͤnſte Farb veraͤudert? wie ſeynd die Stain deß Heiligthums zerſtraͤhet / vnd ligen auff den Ecken aller Gaͤſſen. Die edleſte Kin - der Sion, welche mit dem allerfeineſten Goldbeklay -381Judas Anfangs ein kleiner /beklaydet waren / wie ſeynd ſie nun geacht / wie erdene Geſchirꝛ / ſo die Hand deß Hafners ge - macht hat. Wie vil heilige Orden ſeynd dergeſtalten in Undergang kommen / daß ſie entweders gar vom Paͤbſt - lichen Stuel außgetilget / oder wenigſt reformiret wor - den. Was war nit fuͤr ein heiliger / vnd der Kirchen hoͤchſt - nutzlicher Orden der Tempel-Herren / welcher vnder dem Pabſt Gelaſio II. von zweyen heiligmaͤſſigen Rittern / Hu - gone de Paganis, vnd Gaufredo à S. Audomaro geſtifftet worden. Diſer ſchoͤne Orden mit dem weiſſen Klayd / vnd rothen Creutz / hat ſich in der gantzen Welt außgebrai - tet; auch hat ſich der H. Bernardus gluͤckſeelig geſchaͤtzet / daß ſie ſein heilige Regl angenommen. Erſtgedachter H. Orden iſt vil hundert Jahr im groͤſten Ruhm geſtanden / endlich aber / zu Wienn in Franckreich durch das Conci - lium außgerottet worden / vnder dem Pabſt Clemente dem Fuͤnfften; dergeſtalten / daß alle deſſen Ordens-Ge - noſſene in einem Tag / vnd zwar in einer Stund ſeynd vmb - gebracht worden Anno 1311. Der Großmaiſter diſesÆmilian. l. 8. Po - lyd. & Pla - tina in Ge - laſio Sab. l. 4. Enn - cad. 9. Ordens / zu Pariß in Franckreich / wurde auff offentlichem Scheitter-Hauffen verbrennet. Diſer Orden ware an - fangs ſo herꝛlich vnd heilig / vnd iſt dannoch mit der Weil in abſcheuliche Laſter / in laͤſterliche Abgoͤtterey / in Abgoͤt - teriſche Suͤnden gerathen. Nicht auff einmahl / ſondern nach vnd nach / anfangs hat man kleine Maͤngl uͤberſehen / diſe haben nachmahls groͤſſere Untugenden außgebruͤtet / endlich hat man ohne Scheu vnd Forcht Gottes geſuͤndi - get. Der Teuffel baut weit anderſt / als die ſaubere A - dams-Kinder; diſe baueten den Thurn Babel / anfangs von der Erd auff / ſehr dick / nachmahls alleweil je hoͤher / je kliener. Aber der Fuͤrſt der Finſternuß fuͤhrt ſein Gebaͤu auff anfangs / gantz klein / von kleinen Suͤnden / nachge -B b b 3hents382Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /hents allezeit groͤſſer. Derenthalben gar recht der Heil. Cap. 3.Evangeliſt Matthæus ſchreibt: Securis ad radicem ar - boris poſita eſt, &c. Die Hacken ſeye ſchon auff die Wurtzel deß Baums geſetzet. Freylich ſoll man die La - ſter außrotten / da ſie noch in der Wurtzel ſeynd / damit ſie nit erwachſen. Haͤtte Judas den Diebſtall eines Groſchen gemeydet / ſo waͤre er niemahlen ein ſolcher Ertz-Dieb worden.
ES ware Judas ſchon ein geraume Zeit ein gehai - mer Dieb / vnd fuͤhrte diſer Fuchs (wann er doch ſoll ein gleichtfaͤrbigen Bart haben gehabt) einen ſtaͤtten Greiffen in ſeiner Wappen / welches dann der A - poſtoliſche Beutl zimblich erfahren / vnd das Allmuſen / ſo dem heiligen Collegio guthertzig mitgethailt worden / faſt einen aͤrgeren Wurm gelitten / als deß Jonas ſeine Kuͤrbes-Blaͤtter / welches dem HErꝛn JEſu hoͤchſt miß - gefallen / daß er in ſeinen Apoſtoliſchen zwoͤlffen einen ha - be / der das ſibende Gebott ſo gewiſſenloß uͤbertrette. Weſſenthalben der gebenedeyte Heyland den Judam et - lichmahl gantz alleinig beyſeits gefuͤhret / ihme in aller ſtill / damit ſein guter Nahm im mindeſten nit angriffen wer - de / mit aller Sanfftmuth ein Ermahnung geben. Sihe mein lieber Apoſtel Juda! ich hab dich auß grundloſer Guͤtigkeit zu ſo hohen Wuͤrden erhoben / daß du auch / Krafft meiner allmaͤchtigen Mitwuͤrckung / groſſe Wun - der vnd Miracul zaigeſt / deſtwegen es ſich auch gezim -met /383kan ſolche nit mehr laſſen.met / daß du anderen mit gutem Exempel vorgeheſt. Nun aber ſpuͤrre ich das Widerſpiel / in dem du ohne einige Forcht Gottes / zum hoͤchſten Nachtheil deiner Seelen / das Gewiſſen mit oͤffterem Diebſtall uͤberladeſt; gedencke doch / was genaue Rechenſchafft du am Juͤngſten Tag muſt ablegen. Judas hoͤrete ſolche mildhertzige Ermah - nung mit vnderſchlagenen Augen / vnnd verſprach jedes - mahl gantz guldene Berg / daß er ſich mit dem Silber nit mehr will vergreiffen / ſondern hinfuͤran ein treuer Apoſtl / wie es ſein heiliges Ambt erforderet / beharꝛlich verblei - ben. Es ſtunde aber ein kleine Zeit an / ſo hat er mehr - mahlen lange Finger gemacht / vnd noch kraͤfftiger geſtoh - len als zuvor / dann er hatte es ſchon gewohnet / vnd koͤnts nit mehr laſſen.
Der Iſraeliter ihre Klayder haben 40. Jahr in derDeut. 29. Wuͤſten getauret / vnd iſt nit ein Faden an ihnen verſehrt worden. Das waren taurhaffte Klayder.
Die Klayder deß Heil. Apoſtels Bartholomæi ſeyndSabell. lib. 2 c. 8. 25. Jahr alſo neu gebliben / als haͤtte er ſie den erſten Tag angezogen / da er doch in allen Regen vnd Ungewitter ſel - bige getragen. Das waren taurhaffte Klayder.
Der H. Apollonius lebte 40. Jahr in der WuͤſtenPallad. in Hiſt. laus. c. 52. Thebaidis, vnd diente GOtt mit groͤſtem Eyffer / in weh - render diſer langen Zeit tragte er ein einiges Klayd / ſo doch nie eraltet / noch zerriſſen. Das waren taurhaffte Klayder.
Die Klayder / welche 50. gantzer Jahr der H. EremitS. Ephrem. de Sanct. Abraham am Leib tragte / ſeynd nie abgeſchaben / noch weniger an einem Fetzen verletzet worden. Das waren taurhaffte Klayder.
Die Klayder deß Heil. Biſchoff Meinuverci habenIn Act. Sanct. 340. Jahr in dem Grab vnder der Erden alſo getauret / daß ſie nach ſo vilen Jahren gantz neu ſeynd erfunden worden. Das waren taurhaffte Klayder.
Die384Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /Die Klayder deß H. Biſchoff Attonis: deß H. Koͤ - nigs Eduardi, deß H. Martyrers Ferreoli: deß Heil. A - mandi, deß H. Bennonis, deß H. Vulſtani, deß H. Cuth - berti; deß H. Franciſci, deß H. Xaverij, der H. There - flæ ſeynd ſo vil Jahr vnder der Erden / auch im friſchen Kalch vnverſehrt gebliben. Das waren taurhaffte Klay - der. Aber ich waiß ein Klayd / das iſt zwar nicht heilig / wie diſe / aber noch taurhaffter / als diſe / es iſt gar von Ey - ſen / welches der Teuffel ſelbſt geſchmidt / vnd wird genennt ein eyſerne Pfaidt. Das heilige Evangelium bezeu - get / daß die Moͤrderer jenen armen Tropffen / ſo von Je - ruſalem nacher Jericho raiſte / haben neben groſſen Stoͤß vnd Wunden nicht allein das ſeinige hinweck genommen / was er in ſeinem Rantzen tragte / ſondern ſo gar ſeine Klayder außgezogen; ob ſie ihme wenigſten das Hem - met gelaſſen / ſtehet im Zweiffel. Ich aber wolte wuͤn - ſchen / daß ich auch manchem kundte das Hemmet außzie - hen / welches die Teutſche an mehreſten Orthen ein Pfaidt nennen. Verſtehe hierdurch die boͤſe Gewonheit / ſo da im gemainen Sprichwort ein eyſerne Pfaidt benambſet wird / weilen ſie nemblich gar zu lang tauret / vnd gar ſel - ten zerriſſen wird. Adoleſcens juxta viam ſuam, etiamProv. 27. cum ſenuerit, non recedet ab eâ. Der mehreſten Lehrer Außſag iſt / daß die Hoͤll ſeye in dem Centro, oder Mittlpunet der Erden / vnnd lige gantz gerad vnder derPſal 73. Statt Jeruſalem / maſſen der Pſalmiſt ſagt: Operatus eſt ſalutem in medio terræ. Auch ſolle auff dem Berg Calvariæ / lincker Hand / wo der boͤſe Schaͤcher iſt geereu - tziget worden / noch ein groſſe Ritzen oder Loch mit BlutLib. 6 in Deſcript - ter. Sanct. beſprengter zu ſehen ſeyn / wodurch gedachter Moͤrder mit Leib vnnd Seel ſeye in die Hoͤll geſtuͤrtzet worden. Alſo ſchreibt neben anderen Brocard, auß dem ſolle fugſambzu385kans ſolches nit mehr laſſen.zu ſchlieſſen ſeyn / daß die Hoͤll / diſer Kercker der Verdamb - ten vnderhalb lige. Wann die Hoͤll / diſes peynliche Fol - terhauß ſeye erſchaffen worden / ſtimmen die Scribenten nicht allerſeits uͤber eins. Maſſen etliche vermainen / die Hoͤll ſeye den erſten Tag; andere / den dritten Tag erſchaf - fen worden von Anbeginn der Welt. Dem ſeye / wie ihm woll. In der Hoͤll iſt begraben worden der reiche Praſſer / welches zu genuͤgen auß dem H. Evangelio abzunemmen / vnnd ſo bald der vngluͤckſeelige Menſch dahin kommen / hat er gleich die Zung auß ſeinem Rachen herauß geſtre - cket / vnd gantz weheklagend zu dem Abraham / in deſſen Schoß der Lazarus ruhete / vmb einige Erquickung auff - geſchryen wegen ſeines vnleydentlichen Durſts. WelchesLuc. 6. ja zu verwundern / daß er nichts anderſt klagte / als den Durſt / zu deme alles an ihme gelitten. Dann es war Feur an ihm / es war Feur in ihm / es war Feur ober ihm / es war Feur vnder ihm / es war Feur neben ihm / es war Feur vmb ihn / daß alſo der Kopff im Feur / der Hals im Feur / die Schultern im Feur / der Leib im Feur / die Fuͤß im Feur / vnd folgſamb hat er in gantzen Leib gelitten. Warumb beklagt er ſich dann allein wegen deß Durſts? es hat das Geſicht gelitten / vnd weilen er muſte anſchauen die hoͤlli - ſche Larven / welche dergſtalten abſcheulich / daß die H. Gertrudis beſchloſſen / lieber biß auff den Juͤngſten Tag mit bloſſen Fuͤſſen auff gluͤenden Kohlen zugehen / als nur augenblicklich ſolcher Sathaniſcher Vngeſtalt anſichtig zu werden. Es hat das Gehoͤr gelitten / theils ob dem Zwi - tzern der hoͤlliſchen Schlangen; theils ob der Verdambten vnauffhoͤrliches rueffen. Ach wehe ewig! ach wehe ewig! ewig! Es hat der Geruch gelitten / wegen deß auffſteigenden Schwebl-Dampff auß diſer hoͤlliſchen Pfuͤ - tzen / wie dann auch muthmaſſig iſt / daß aller Geſtanck /C c cvnd386Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit.vnd Unflat der Erden in die Hoͤtlen rinne. Es hat die Fuͤl - lung gelitten / dann der Leib nichts als Flammen / Feuer - Funcken empfunden. Dannoch vngeacht diſen / beklagt ſich diſer armſeelige Tropff nur wegen der Zungen / vnnd deß Durſt. Verwundere dich deſſen aber nicht zu ſtarck / ſondern gedencke / daß die boͤſe Gewonheit ein eyſerne Pfaidt. Was der Ertz-Schlemmer auff der Welt hat gewohnt / daß hat er ſo gar in der Hoͤll nit gelaſſen. Epu - labatur quotidiè ſplendidè. Er war ein vnmaͤſſiger Sauf - fer / Vormittag nicht nuͤchter / Nachmittag rauſchig / bey der Nacht voll. Es war ein lauterer Weinſchwurmb / ein Weinſchwemmer / ein Weinſchwimmer / ein Weinſchwel - ler / ein Weinſchwender / vnd alſo gewohnt das ſauffen / daß er auch in der Hoͤll nur zutrincken begehrt.
So gehts / wann man einmahl ein Laſter gewohnt hat / ſelbiges kan man ſo leichtlich nit abgewoͤhnen. Im Lufft bauen / iſt vmbſonſt bauen / auff Sand bauen / iſt vmbſonſt bauen / ins Waſſer ſchlagen / iſt vmbſonſt ſchla - gen / ein Mohren waſchen / iſt vmbſonſt waſchen / einen dicken Baum biegen / iſt vmbſonſt biegen / einen alten Scha - den curiren / iſt vmbſonſt curiren / ein boͤſe Gewonheit / als ein eyſerne Pfaidt zerreiſſen / iſt vmbſonſt zerreiſſen. Greg. Ho - mil. 31.Uſitata culpa obligat mentem, ut nequaquam ſurgere poſſit ad pænitudinem.
Der Lamech deß alten Mathuſalems Sohn hatte zwey Weiber / eine hat gehaiſſen Ada, die andere Sella. Sella ſoll ein jedweders rechtſchaffenes Weib haiſſen. Geneſ. 4.Dann Sella zuruck geleſen / haiſt alles. Nemblich alles ſoll ein Weib haben / was die Tugend von ihr erforderet. Diſer Lamech war alſo dem Hoͤtzen vnd Jagen ergeben / daß er die mehreſte Zeit in Waͤldern vnd gruͤnen Awen zu - gebracht. Endlich iſt er wegen deß groſſen Alters gantzblind387kan ſolche nit mehr laſſen.blind worden / ſo vil ſchier / als nichts geſchen / derenthal - ben er einen aignen Jung gehalten / der ihn muſte fuͤhren. Auff ein Tag giengen diſe zwey auß / der Alte vermer - cket hinder einer Hecken oder Gebuſch ein kleines Geraͤuſch; fragt den Jungen / ob er auch etwas wahrnemme? ja / antwort der Bueb / alleinig ſehe er nur / daß ſich das Ge - ſtraͤuß bewoͤge / ohne was anderſt / Lamech vermuther nit anderſt / als daß ein Wildſtuck hinder der Hecken halte. Laſt ihm demnach den Bogen ſpannen / vnd ſelben auff ge - dachtes Orth richten. Druckt den Bogen ab / vnd trifft / was? nit ein Wildſtuck / wol aber ein wilden Suͤnder / den Cain, welcher ſich daſelbſt verborgen. Solcher vnvermu - ther Todtſchlag an ſeinem Vettern / hat ihn alſo verwuͤrꝛt gemacht / daß er ſich halb vnſinnig von aller Menſchlicher Geſellſchafft entaͤuſſert / nur in Wildnuſſen vnd Einoͤden ſein Wohnung geſucht. Warumben / daß der alte Schaaf - Kopff Lamech das jagen nit vnderwegs hat gelaſſen / zu - mahlen er aller blind? krump ſeyn / vnd einen Botten ab - geben / reimbt ſich nicht / Contract ſeyn / vnd einen Orga - niſten abgeben / ſchickt ſich nicht / ſtumm ſeyn / vnd einen Muſicanten abgeben / iſt nit moͤglich / thoͤriſch ſeyn / vnd einen Beichtvatter abgeben / kan nit ſeyn / blind ſeyn / vnd einen Jaͤger abgeben / kan auch nit ſeyn. Weilen aber der Lamech das jagen vnd das hoͤtzen gewohnt hat in der Ju - gend / die Gewonheit aber ein eyſerne Pfaidt; ſo hat es der alte Rotzer auch im hoͤchſten Alter nit laſſen koͤnnen.
Wer ein ſchlimmer Jaͤger iſt von Jugend auff / ſal - va venia, ein Hueren-Jaͤger / der wird es auch im Alter nit laſſen. Glaub du mir / die Gewonheit iſt ein eyſer - ne Pfaidt. Wer vil Jahr iſt Magdeburger / der wird mir nie werden ein Reinfelder. Wer vil Jahr iſt der Venus ihr Candidatus, der wird mir ſelten werden einC c c 2Can -388Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonheit /Candidus. Wer vil Jahr wird Cypriſch leben / dann auß diſer Inſel Venus gebuͤrtig / der wird niemahlen Cypria - niſch werden. Mit einem Wort / Lamech war ein Dendl - Jaͤger in der Jugend / vnd hats nit gelaſſen in dem Alter / du oder ein anderer biſt ein Diendl-Jaͤger in der Jugend / werdeſt auch nit laſſen im Alter. Die Gewonheit iſt ein eyſerne Pfaidt.
Laͤcherlich iſt es / was ein Poet dicht / vnd phantiſtert von einer Katzen eines Schuſters. Diſe Katz war ſchnee - weiß / vnd dem Maiſter Paul abſonderlich gar angenehm / vmb weilen diſe beltzerne Maußfall die Maͤuß vnnd das ſchaͤdliche Unzifer auß dem Weeg geraumet. Die Maͤuß / als verſtohlene Mauſer beklagten ſich deſſen nicht wenig / daß ſie einen ſo tyranniſchen Feind haben; vnnd halten mehrmahlen deſſentwegen ein Zuſammenkunfft / reifflich berathſchlagend / wie doch groͤſſerem Ubel vorzukommen ſeye / ſonſt ſeyen ſie gezwungen das Loſament zu quittie - ren / vnd endlich ihr harte Nahrung auff dem Feld zu ſu - chen. Die Sach wurde letztlichen beſchloſſen / man ſolle ein Allianz eintretten mit deß Maiſters Paul ſeinem Haußhund / auch zu diſem End ein Schreiben vnd Miſ - ſiv verfertiget worden / worinnen gedachter Cordian zur guter Verſtaͤndnuß moͤchte gezogen werden; alsdann wer - de diſer tapffere Haußwachter ihrem Feind wol gewachſen ſeyn. Underdeſſen / als ſolches Schreiben im Werck wa - re / ſo iſt der Katzen ein Ungluͤck widerfahren / in dem ſie vnvermuther weiß in ein Schaff gefallen / welches voll mit Schuſter-Schwaͤrtz / wordurch der weiſſe Kader gantz kohlſchwartz worden; Wie nun ein paar Maͤuß / als Ge - ſandte / dem Haußhund den Brieff zu uͤberbringen wuͤrck - lich vnderwegs waren / vnd aber wahrgenommen / daß die weiſſe Katz / wider alle Hoffnung / ſchwartz daher gehe / ha -ben389kan ſolche nit mehr laſſen.ben ſie eylends in der Sachen ihre Principalen bericht / vnder welchen dann ein vngewoͤhnlicher Jubel vnd Freu - denſchall entſtanden. Dann alle Maͤuß / alle / alle waren der vnfehlbaren Mainung / es ſeye die Katz in ein Cloſter gangen / vnd habe ein ſchwartze Kutten angelegt. Weſ - ſenthalben ſie ohne Zweiffel jetzo nicht mehr wird doͤrffen Fleiſch eſſen; ſeye alſo hierdurch den armen Maͤuſen das freye paſſieren widerumb vergonnet / wie ſie dann Hauf - fenweiß auß ihren Loͤcheren herauß geſchlichen. So bald aber die Katz diſe freche Burſch erſehen / hat ſie deren et - liche erlegt / die uͤbrigen aber ſich bekuͤmmerlich mit der Flucht ſalviret / vnd mit groͤſtem Schaden erfahren / das wahr ſeye / vnnd wahr bleibe das gemaine Sprichwort: Die Katz laſt das mauſen nit. Es iſt ihr Natur. Die boͤſe Gewonheit iſt nit allein ein eyſerne Pfaidt / ſondern auch ein andere Natur / welche ſich nicht mehr laſt verbeſſeren. Wer ſeynd jene geweſt / welche Suſan - nam, als einen lebendigen Tempel Gottes / wolten rau - beriſch verunehren? wer ſeynd jene Geyer geweſt / welche Suſannam, als ein vnſchuldige Tauben / in ihre Klauen wolten bringen? wer ſeynd jene Woͤlff geweſt / welche Su - ſannam, als ein ſchneeweiſſes Laͤmbl / wolten in Rachen ziehen? wer ſeynd jene Kothkefer geweſt / welcher Suſan - næ, als einer geſchaͤmigen Roſen / wolten ſchaden? ſeynd ſie etwann junge Studenten geweſt / welche kaum kund - ten den Silogiſmum in Barbara formiren / vnd ſuchten ihn ſchon in Suſanna? ſeynd ſie etwann junge Kauff - manns-Diener geweſt / welche oͤffters mit Schamloth / als Schamroth vmbgehen? ſeynd ſie etwann junge Soldaten geweſt / die nur wolten Schildwacht ſtehen bey der Frauen Paſteyn? ſeynd ſie etwann junge Herren-Die - ner oder Laggey geweſt / welche mehrmahlen vnder einerC c c 3blauen390Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonheit /blauen vnnd Himmelfarben Livere ein hoͤlliſches Gewiſ - ſen tragen? ſeynd ſie etwann junge Cancelliſten oder Schreiber geweſt / welche die Ehr der Suſannæ wolten in das ſchwartze Buch bringen? ſeynds etwann junge Edl - Leuth geweſt / welche erſt auß den Laͤndern kommen / vnd diſe Babyloniſche Dama in vnzimmender Mainung wol - ten bedienen? nein / nein / nein / nichts jung / ſondern es waren zwey alte / aber nit kalte / zwey ſchneeweiſſe Dieb / eyßgraue Voͤgl / zwey alte richtige Richter zu Babylon. O es ehrvergeſſene Vocativi! wer ſolle von euch arg - wohnen einen Genitivum? wer ſolt mainen / daß die Pfeil deß blinden Bueben Cupidinis auch ſolten durch - tringen ein ſolche / alte / zaͤhe Haut? wer ſolt glauben / daß vnder dem Schnee diſer weiſſen Haaren / ein ſolcher hitziger Sommer lige? aber was iſt ſo ſtarck zu verwun - deren? Die Katz laſt das mauſen nit. Diſe Geſel - len ſeynd ſchon in der Jugend ſolche Raaben geweſt / wel - che dem ſtinckenden Aaß nachgeſetzt: diſe Boͤßwicht ſeynd ſchon in der Jugend ſolche Jaͤger geweſt / die immer die Dianas auffgeſucht. Sie haben es gewohnt / jetzt in dem Alter koͤnnen ſie es nicht laſſen. Die Gewonheit iſt ein eyſerne Pfaidt / laſt ſich nicht zerreiſſen.
Es iſt ein alter Reim / wann er ſich ſchon uͤbel reimbt / ſo ſchickt er ſich doch gar wol hieher.
Dæmon languebat, melior tunc eſſe volebat, Poſtquam convaluit, manſit, ut ante fuit.
So gehts; ach lieber JEſu! O guͤtigſter GOtt! ſpricht mancher Patient in ſeinem Bethl: Huͤlff mir nur dasmahl auff. Heilige Mutter Gottes zu Zell! O Maria zu alten Oeting! hilff / hilff mir nur dißmahl auff die Fuͤß. Ach! wie will ich nachmahls ſo embſig meinem GOtt dienen; wie praͤff will ich mich zur ewigen Gluͤckſeeligkeit außſtaffieren! O es arme Bettler! es werd gewiß an mir einen Vattern haben. Ich will mich wol nimmer vnder die ſchlimme Burſch miſchen! nicht weniger als alle Tag drey heilige Meſſen hoͤren: die Be - ſtia will ich nicht mehr laſſen fuͤr die Augen kommen: O GOtt! wie will ich den Herꝛn Pamphilium vnnd ſeine drey Bruͤder ſo fein in den Ofen ſchicken / vnd darmit ein - haitzen! hat ſich wol volltrincken / ſoll mich kein Teuffel mehr zum rothen Creutz bringen / lieber fleiſſig zu den Ga - puccinern / zu den Auguſtinern / zu den Franciſcanern / zu den Dominicanern / zu den Minoriten / zu den Barnbi - ten / ꝛc. in die Kirchen gangen. Ach der Pater Melchior redt wol erſchroͤcklich vom ſchwartzen Caſperl / wie er in der Hoͤllen die Seelen peynige! O GOtt! helffe mir nur diß - mahl auß diſer Kranckheit / ich will ein heiligen Wandel fuͤhren. Seynd das nit gute / gut ſuͤſſe / gut geſchmaltzene Wort! wann er wider auffſteht; Poſtquam convalvit, manſit, ut ante fuit.
Ein Maul-Chriſt / als wie vorhero / ein Partitenma - cher / als wie vorhero / ein Hueꝛc treiber / als wie zuvor. Holla! ich irre mich / er iſt aͤrger worden / dann er zuvor geweſt iſt. Die Katz laſt das mauſen nit. Die Ge -legen -394[392]Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonheit.legenheit iſt ein eyſnerne Pfaidt / was man einmahl ge - wohnt / das kan man ſo leicht nit abgewoͤhnen.
Solche Leurh kommen in die Predig / es gefallt ihnen das Concept deß Predigers / ſie loben deß Predigers Apo - ſtoliſchen Eyſer. Offt dencken ſie / Holla! da trifft er mich wol auch; es iſt wol wahr / das Zeitliche hat ſo gar keinen Beſtand / vnd in jener Welt iſt das Ewige / ach Ewige! Ewige. Ich muß warhafftig einen andern Wandl anfan - gen. Ach GOtt! ewig! ewig! ich will mich beſſern. Si, ſi, ja / ja / gar gewiß; ſcilicet. Manſit, ut ante fuit.
Der wunderthaͤtige Antonius Paduanus predigte einsmahls in der Statt Rimini die Lehr JEſu Chriſti / welcher Doctrin der Ketzer Bombellus ſambt den mehre - ſten Innwohnern zu wider waren / welches dann verurſa - chet / daß Antonius vnder ſeiner Predig wenig Zuhoͤrer be - kommen. Ja mit der Weil nichts / als hoͤltzerne Zuhoͤrer / nemblichen die Herren von Banckenriedt vnd Stuͤellin - gen: will ſagen / nichts als Stuͤel vnd Baͤnck in der Kir - chen. Solches ſchmertzte Antonium, daß denen Rimine - ſern beſſer ſchmeckten die Egyptiſche Knoblach deß Bom - belli, als das ſuͤſſe Manna deß Wort Gottes. Wann dann / ſagt Antonius, der Saamen deß Goͤttlichen Worts diſer Erden mißfallet / ſo will ich ihn werffen in das Waſ - ſer / vnd weilen mich die Menſchen verachten / ſo werden mich doch die Fiſch anhoͤren. Antonius in groſſer Beglait - ſchafft gehet zu dem Geſtatt deß Meers / fangt an zu pre - digen das Evangelium JEſu Chriſti. Sihe Wunder! bey dem ſchoͤnen trucknen Wetter lauter naſſe Zuhoͤrer; maſſen alle Fiſch gantz eylfertig dem Geſtatt zugeſchwum - men / die Koͤpff auß dem Waſſer gehebt / vnd der Predig zugehoͤret.
Die393kan ſolche nit mehr laſſen.Nach vollender Predig deß wunderthaͤtigen Manns haben alle Fiſch die Koͤpff geneigt / vnd ſich bedanckt der Wunder ſchoͤnen Lehr. Nachmahls widerumb vnder das Waſſer geſchwummen. Aber Fiſch verbleiben / wie zu vor: der Stockfiſch ein plumper Großkopff gebliben / wie zuvor: der Hecht ein Karpfen-Dieb gebliben / wie zuvor: die Schildkrott ein Faulentzer gebliben / wie zuvor: die Krebſen zuruckgangen / wie zuvor: die Aalen geile Gſel - len gebliben / wie zuvor. In Summa die Predig hat ihnen gefallen / aber ſie ſeynd gebliben / wie zuvor. Alſo gehenvil395kan ſolche nit mehr laſſen.vil Neydige in die Predig / hoͤren / wie GOtt ſo ſcharpff ge - ſtrafft den Neyd deß Cain, deß Sauls deß Eſau, der Bruͤ - der Joſeph, aber beſſern ſich nicht: vil Hoffaͤrtige gehen in die Predig / hoͤren / wie der gerechte GOtt ſo ſcharpff ge - zuͤchtiget die Hoffart der Babylonter / der Agar, deß Lu - cifers, deß Nabuchodonofor, deß Antiochi, deß Am - man, &c. aber beſſern ſich nicht: vil Dieb gehen in die Pre - dig / hoͤren / wie die Goͤttliche Juſtitz iſt kommen / vnd ge - ſtrafft hat den Diebſtall deß Achan, deß Judæ, deß Na - baths, &c. vnd beſſern ſich nicht: vil Unzuͤchtige gehen in die Predig / vnd vernemmen nit ohne Schroͤcken / wie der Allmaͤchtige geſtrafft hat den Ammon, den Herodes, den Holofernes, die Sodomiter / die Sichemiter / ꝛc. vnd beſſern ſich nit / dann ſie koͤnnen es nit mehr laſſen / wie die Katz das mauſen / wie der Wolff das zauſen / wie der Ochs das rehren / wie das Schaaf das bleren / die Gewonheit iſt ein eyſerne Pfaidt / die Gewonheit iſt ſchon in der Natur / vnd die Natur iſt in der Gewonheit. Ein alten Baum bie - gen / das kan ich nit / ein alten Hund guſchen lehren / das kan ich nit / ein altes Mail auß einem Klayd bringen / das kan ich nit / einem ein alte Suͤnd abgewoͤhnen / das kan ich noch weniger. Sicut erat in principio ein Weinkauffer / & nunc ein Weinſauffer / & ſemper ein Weintauffer. Er laſt es nit.
Friderich Graff zu Cilla, welches ſchoͤne groſſe Ge - biet der Zeiten dem Hertzog in Seyrmarckt gehoͤrig / hatte neben ſeiner Frau Gemahlin / ſo ein vornehme Grafin auß Croaten war / ein aigne Concubin, Nahmens Veronica, aber nit Verecunda. In diſen Schlepſack war er alſo ver - liebet / daß er ihr zur Gnad die Frau Gemahlin mit ſeinen Haͤnden ermordt hat / welches ſeinem Herꝛn Vattern Her - manno dergeſtalten mißfallen / daß er allweg geſucht di - ſen laſterhafften Kothſack auß dem Weeg zu raumen / wieD d d 2es396Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonheit /es dann ein wenige Zeit angeſtanden / daß er ſolche er - wiſcht / vnd in einem Fluß erſencket hat / zu loͤſchen das ſtin - ckende Feur / welches ſeinen Sohn Friderich alſo entzuͤn - det hat. Aber die Katz laſt das mauſen nit / Friderich gab keinen Friden / ſondern luederte noch weiter fort / vnd zwar noch hefftiger / dem Nechſten beſten nahme er durch Ge - waltigkeit ſein Weib hinweg / gantze Heerd / vnd groſſe Schaar der jungen Toͤchtern hat er in ſeinen Pallaſt ein - geſchloſſen / an Hexen vnd Zauberern hat er ein beſonders Wolgefallen: die Kirchen-Guͤter hat er gantz gewiſſenloß zu ſich zogen / vnd einen ſolchen laſterhafften Wandl ge - fuͤhrt / biß in das 90. Jahr. In diſem hohen Alter / als ein 90. jaͤhriger Greiß / gibt er ſich auff die Raiß nacher Rom; allwo er gebeicht / vnd einen vollkommenen Vorſatz ge - ſchoͤpfft / nicht mehr alſo GOtt belaydigen / vnd ſein aignes Gewiſſen beſchwaͤren. Nach erhaltenen heiligen Ablaß / nimbt er ſeinen Ruckweg widerumb nacher Cilla, vnnd glaubſt du / daß diſer 90. jaͤhriger Taͤttl auffgehoͤrt habe vom ſuͤndigen? nit vmb ein Haar iſt er beſſer worden. Manſit, ut ante fuit. Was er mit 20. Jahren geuͤbet; das hat er mit 40. Jahren gewohnt / das hat er mit 80. Jahren getriben / das hat er auch nach 90. Jahren nit ge - laſſen. Und als man ihn ernſtlich ermahnte / was ihm doch Rom habe genutzet / in dem er doch widerumb in den vo -Æn. Sylv. c. 21. Eu - rop. rigen Wueſt falle / hat er noch ſchertzweiß die Antwort geben / ſein Schueſter / nachdem er von Rom kommen / macht auch Stiffel vnd Schuh / wie zuvor. Das haiſt ja; Fornicarius ſeneſcit in quo libido non ſeneſcit. So ſtarck vnd maͤchtig / iſt die Gewonheit / daß man dieſelbe gleichſamb nit kan ablegen / als mit dem Leben.
Das Manna oder Himmel-Brodt / welches GOtt der Allmaͤchtige denen Iſraelitern ſo wunderbarlich ge - ſchenckt / vnd geſchicket hat / war eines ſo ſeltzamen Safftsvnd397kan ſolche nit mehr laſſen.vnd Kraffts / daß der Geſchmack aller Speiſen darinn / vnd daran zu finden. Ein Ciocollada auß Spanien / ein Fricaſſe auß Franckreich; ein Stuffada auß Italien / ein Golatſchen auß Boͤhmen / ein Schuncken auß Weſtpha - len / ein Knackwurſt auß Pommern / ein Kaͤß auß Holland / ein Zuͤger auß Schweitzerland / einen Pfannzelten auß Schwaben / Copauner auß Steyermarckt / Lerchen auß Oeſterreich / ꝛc. alles vnd alles thaͤt man darinn / daran / darauß empfinden; wem ſuͤß oder ſaur / wem geſaltzen oder geſchmaltzen: wem geſotten oder gebratten / wem gewuͤrtzt oder gepfeffert / geſchmeckt hat / das hat er gefun - den / vnd empfunden in dem Manna. Ein Linſen-Koch eines Eſau, ein Mehl-Koch eines Habacucs, ein Kitzel - Fleiſch eines Iſaacs, ein Kalb-Fleiſch eines Abrahams, Wachtlen der Iſraeliter / ein Fiſch Peters / alles was zum eſſen / vnd beym eſſen ſchmecket / das hat man gefunden / vnd empfunden an dem Manna. GOtt hat es den Iſrae - literen gleichſamb gekiechlet / vnd dannoch haben diſe ehr - vergeſſene Schnarcher / diſe muthwillige Geſellen gemur - ret uͤber diſe edle Speiß / vnd gewunſchen zu ſitzen in Egyp - ten bey dem Knoblach vnnd Kraut-Hafen. O es Sau - Maͤgen! man ſolt euch auß Porcellan tractiren / wie den verlohrnen Sohn / diß ſaubere Buͤrſchl; Wie Samarien4. Reg 6. c. belaͤgert geweſen / war ein ſolcher Hunger vnd Theurung / daß ein Maͤßl Tauben-Miſt vmb fuͤnff Silberling iſt verkaufft worden. Ein ſolches Beſchaideſſen gehoͤrt fuͤr die Iſraeliter / vnd nicht das edle Manna. Aber warumb / daß diſen Maulaffen die Zaͤhn gewaͤſſert mehrer nach dem groben vnd ſchlechten Tractament der Egyptier / als nach dem Brodt deß Himmels? darumb / darumb / ſie haben dieſelbe Bettler-Koſt gewohnt / vnd was man einmahl ge - wohnt / das kan man ſo bald nicht laſſen. Alſo ein alter Bueler laſt das loͤfflen nicht: ein alter Geitzhalß laſt dasD d d 3ſpar -398Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonhezt /ſparren nit: ein alter Dieb laſt das ſtehlen nit: dann ſie haben es gewohnt. Einmahl / zweymahl / dreymahl fallen in ein Suͤnd / ſcheint ein ſchaͤndliche Waſſerfarb zu ſeyn / welche der Teuffel uͤber die Seel / als ein Goͤttliches Eben - bild ſtreicht. Waſſerfarb laſt ſich noch abwaſchen / aber in den Laſtern ein Gewonheit machen / das iſt ein Oelfarb / die laſt ſich gar nit außbringen / ohne ſonderer Goͤttlichen Mitwuͤrckung / welche der Allerhoͤchſte ſelten ſpendiret.
Der Raab / der Galgenvogl / wie er von dem Noë iſt außgeſchickt worden / er ſolle Aviſa vnd gewiſſe Nachricht einhollen / ob das Waſſer abnemme / oder nicht. Diſer ſchwartze Geſell hat vnderwegs geſehen etliche todte Aaß auff dem Waſſer daher ſchwimmen / vnnd weilen er diſe Schinder-Tafel ſchon gewohnt hatte / alſo hat ers nit koͤn - nen laſſen / ſondern ſein Wampen alſo voll angeſchoppet / daß er nachmahls vndichtig worden zum fliegen / vnd alſo erſoffen / was ſonſt auff den Galgen gehoͤrt. Wer das ſteh - len gewohnt in der Jugend / der wirds nicht laſſen biß ins Grab / wie diſer Raab. Wer dem ſtinckenden Fleiſch nach - ſtrebt in der Jugend / der wirds nicht laſſen biß ins Grab / wie diſer Raab: Wer dem Fraß vnd Fuͤllerey nachgeht / in der Jugend / der wirds nicht laſſen biß ins Grab / wie diſer Raab: Cui puer aſſueſcit, major dimittere neſcit. Das haiſt / jung gethan / alt gewohnt.
In der Pfaltzeriſchen Chroni[c]a wird folgendes ſehr denckwuͤrdiges Galgenſtuͤckel protocolliret. Einer wolte gern reich werden ohne vil Arbeit / da doch ſonſt das ge - maine Sprichwort laut. Wer will haben faiſte Kuͤhe / muß auch haben die Muͤhe. Diſer aber moͤcht gern ohne vil ſchwitzen / groſſe Reichthum beſitzen / fallt ihm derent - wegen der Gedancken ein / daß ſich niemand leichter erhal - te / als die Dieb / dero Finger das Silber ziehen / wie der Magnet das Eyſen. Allein ſchroͤckte ihn das Halßtuch /welches399kan ſolche nit mehr laſſen.welches gemainiglich der Maiſter mit den rothen Hoſen ſolchen Geſellen pflegt zu ſpendiren. Weilen er aber wu - ſte / daß keiner dißfalls von GOtt ein Privilegium em - pfangen / alſo hat er den Rath / in diſem Fall / von dem Teuffel begehret / einen Zauberer erſucht / er ſoll ihn doch die Kunſt lehren / daß er moͤchte wacker ſtehlen / aber doch nit gehencket werden. Worauff der ſchwartze Doctor ihm befohlen / er ſolle nechſten Sambſtag / bey der Nacht / ſich zu dem Galgen ſelbigen Orths begeben / vnd den da - ſelbſt erhenckten Menſchen alſo anreden: Heus tu ni - ger, & aride Frater deſcende! mihi enim hoc patibu - lum debetur: Hoͤrſt du ſchwartzer vnd duͤrrer Bruder / herab mit dir / dann diſer Galgen ge - hoͤrt mir zu. Diſer ſaubere Diſcipul vollziecht den Be - felch / begruͤſt zwey Sambſtag nach einander den Galgen / vnd deſſen Schwengl / jedoch ohne Beantwortung. Wie er aber das drittemahl das hohe Gericht alſo comple - mentiret / ſo hat ihm diſer Galgengaſt alſo geantwort. Non ad hoc, ſed ad Hierſaugienſe patibulum pertines: Diſes Orth iſt nit fuͤr dich / ſondern dir gehoͤrt der Galgen zu Hierſchau. Solche Antwort hat di - ſer ſchleunig dem Zauberer vorgetragen / welcher ihme ein zimbliche Ermahnung geben / daß er bey Leib zu Hierſchau ſich vor dem klauben ſolle huͤten / im uͤbrigen ſeye er von al - len andern Galgen frey geſprochen. Diſe ſchoͤne Lection hat in allweg der diebiſche Lehr-Jung in Obacht genom - men / wie er dann an allen Orthen allezeit das Gluͤck ohne Strick ertappet / vnd doch niemahlen ertappet worden. Es war ſchier kein Kirchtag / allwo diſer ſein Judas-Griff nicht probieret: es war kein Jabrmarckt / wo diſer die Wahren nicht vmbſonſt eingekrammet. Er ließ ihm aber ſehr angelegen ſeyn / die Statt Hierſchau zu meyden. Eskombt400Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit.Stengel. p. 4. c. 52.kombt gleichwol der Herbſt / wo diſe Geſellen zeitig wer - den. Nachdem er vil groſſe / vil kleine Diebſtall begangen / ſo hat ſich zugetragen / daß er vnweit Hierſchau ſich auff - gehalten. Vnd weilen gleich damahlen in beſagter Statt der Jahrmarckt gehalten wurde / ſo hat ihn der Vorwitz gekitzlet / ſolchen Jahrmarckt zu ſehen; jedoch mit kraͤffti - gen Vorſatz ſich gantz behutſamb zu halten / ſo gar nicht den gringſten Strohalm zu entfrembten. Aber die Ge - wonheit iſt ein eyſerne Pfaidt: die Katz laſt das mauſen nicht. Kaum daß er in die Statt kommen / wird er anſich - tig eines Bauren / welcher ein neues Taſchenmeſſer / ſo er vmb etlich Kreutzer einkaufft / in der Hand hin vnd her pro - biert / nicht ohne ſonderm Wolgefallen / nachmabls daſſel - bige in den Sack geſtecket. Das hat den Banckfiſcher da - hin bewogen / daß er nicht allein nach diſem geſchaut / ſon - dern auch griffen; aber ſehr vngluͤckſeelig / maſſen der ar - ge Bauer ihn erwiſcht / die Hand ſo lang in dem Sack ar - reſtirt / ſambt offt widerholten Geſchrey: Dieb! Dieb! Dieb! biß die Schoͤrgen herzu kommen / welche diſen Meſſer-Dieb / oder beſſer geredt / vermeſſenen Dieb in den Verhafft genommen / allwo er wegen harter Folterung alle ſeine Diebsſtuck bekennet / vnd folgſamb an den jenigen Galgen gerathen / ſo ihme lang vorhero / durch einen ſchlechten Propheten iſt vorgeſagt worden. Auß dem er - hellet ſattſamb / das / was man lang gewohnt / man nicht mehr laſſen kan. Wie vil ſeynd zu Wienn in Oeſterreich / zu Wienn in Franckreich: wie vil ſeynd zu Braunau in Boͤhmen / zu Braunau in Bayrn: wie vil ſeynd zu Neu - ſtatt in Oeſterreich / zu Neuſtatt in Vngarn: wie vil ſeynd zu Graͤtz in Steyrmarckt / zu Koͤnigsgraͤtz in Boͤhmen / ꝛc. wie vil ſeynd an allen Orthen ethoͤcht worden / die in der Nider geſtohlen / die es ſelbſten bekennt haben / erkennt ha -ben /401kan ſolches nit mehr laſſen.ben / daß ſie anderwerts ſchon oͤffter in Verhafft gelegen / mit Ruthen den Kerꝛauß getantzet / vnd dannoch das ſieh - len nit laſſen koͤnnen / weilen ſie nemblich die alte Gewon - heit dahin gezogen / vnd gleichſamb gezwungen.
Einer iſt geweſt / der zum oͤfftern in ſeinen Reden diſe Wort / auß Gewonheit / eingemiſcht. Wie ihr deßglei - chen. Diſer wurde auff ein Zeit von ſeinem Herꝛn zu dem Landrichter verſchicket / welchem er ließ andeuten / wie daß er zwey boͤſe Lorterbueben habe eingefangen / die er geſinnt ſeye / ihme / als ſeiner Gnaͤdigen Obrigkeit / zu - liffern / dahero er ſein Poſt folgender Gſtalt abgeleget. Gnaͤdiger Herꝛ / mein Herꝛ laſt ſich Euer Gnaden demuͤ - thigiſt empfehlen / wie ihr deßgleichen. Vnd thut Euer Gnaden berichten / wie ihr deßgleichen / wie daß verwichenen Mittags zu Nacht vmb halber Eylfe zwey Dieb / wie ihr deßgleichen / haben eingebrochen / vnd geſtohlen / wie ihr deßgleichen / die er nit ohne ſondere Muͤhe vnd Arbeit ertappet / wie ihr deßglei - chen / laſt demnach Euer Gnaden bitten in aller Vn - derthaͤnigkeit / wie ihr deßgleichen / daß ihr ſolche am kuͤnfftigen Freytag durch ſicherſte Vberlifferung diſe zwey Dieb / wie ihr deßgleichen / woltet in den Ker - cker ſchlieſſen / vnnd folgends ſolche Boͤßwicht / wie ihr deßgleichen / verdienter maſſen moͤgen geſtrafft / vnnd auffgehencket werden / wie ihr deßgleichen / der Herꝛ Landtrichter vermercket wol / daß diſer vngeſchliffene Lim - mel ein ſchaͤndliche Gewonheit an ihm habe. Sagt ihm alſo / er ſoll nur wider nach Hauß gehen / vnd ſeinem Herꝛn andeuten / daß er beſagte Boͤßwicht mit guter Wacht uͤber - liffere; jedoch zugleich laß er ihm auch ſagen / er ſoll hin -E e efuͤro402Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /fuͤro keinen ſolchen groben Narꝛn mehr ſchicken / ja Ihr Gnaden ſagt diſer; wie ihr deßgleichen. Was nit da ein ſchaͤndliche Gewonheit thut?
Ein anderer hatte die Gewonheit / daß er zu allen Sachen hinzuſetzte diſen Spruch. Recht alſo. Nun hat es ſich begeben / daß ein Fuhrmann / nit weit von den groſſen Bruͤcken zu Wienn in Oeſterreich / durch ein Vn - gluͤck den Wagen mit Wein beladen vmbgeworffen / zu welchem Vngluͤcksfall diſer Phantaſt auch kommen / vnd ein hettzliches Mitleyden gezeigt. Beforderiſt / weil er ge - ſehen / daß ein Faß mehrer / dann halben theil / außgeron - nen. Du mein Gott! ſagt er zum Fuhrmann / wie ſeyd ihr vmbgangen / recht alſo / jetzt muͤſt ihr den Schaden buͤſſen / recht alſo / der Herꝛ / dem ihr diſen Wein zu - fuͤhrt / wird euch wol nicht einen Pfenning nachlaſſen / recht alſo / der Fuhrmann war ohne das voll mit Grim - men vnd Vnwillen / Potz Stern tauſend! wie wolt ich vmbgangen ſeyn / die verfluchte Leuth machen den Weeg nit / vnd wir muͤſſen ſo genaue Mauth ablegen / recht alſo / ſagt der andere / ſie mainen / wir Fuhrleuth ſeynd lauter Narren / recht alſo / ſagt er mehrmahlen. Was? iſt es dann recht / daß man vns arme arbeitſame Leuth vmb alles will bringen? recht alſo / mein lieber Fuhrmann / den vnwilligen Roßſtrigler hat das recht alſo dergſtalten verbittert / in Mainung / er werde nur ſchimpfflich hindurch gelaſſen / daß er endlich den Gaiſel - ſtill diſem Geſellen mit vilen Fluechen vmb den Buckel ge - meſſen. Vnder wehrenden hoͤltzernen Duell lamentierte noch der Lapp mit diſen Worten. Was iſt das? was iſt diß fuͤr ein Manier? recht alſo / daß ihr mich alſo vn -ver -403kan ſolche nit mehr laſſen.verſchuldter maſſen uͤbel tractiret, recht alſo. Ich ſchencke euch das nit / der Taͤubl holl mich / recht alſo. Was nit ein ſchaͤndliche Gewonheit thut. Dergleichen Geſchichten waͤren ohne Zahl beyzubringen.
Ich bin ſelbſt einmal an einem Orth / vnd zwar in ei - nem ſehr ſchoͤnen Marcktfleck eingeladen worden / daß ich deß andern Tags / als einem ſehr hochfeyrlichen Feſtag ſol - te was weniges von der Cantzel reden / Abends zuvor gieng ich in die Kirchen / zuſehen / ob nit etwas darin ſeye / wel - ches mir zu meinem Concept moͤchte dienen. So hab ich aber den Meßner angetroffen / welcher ſehr embſig be - ſchaͤfftiget war in Auffrichtung deß Alrars. In dem ich ein Zeit allda verweilte / hab ich wargenomben / mit Oh - ren gehoͤret / daß der in etwas vnwillige Meßner wolte obenher ſtoͤllen die Bildnuß vnſers HErꝛn Aufferſtehung. Weilen ſich aber ſolche nit wolte ſchicken; ſo iſt der Narꝛ in diſe Wort außgebrochen / der Teuffl iſt gar zu groß da - her. Es ſtunde nit lang an / daß ein Muſicant / ſo ihme damahls Beyhuͤlff gelaiſt / vnbehutſamb vmbgangen / vnd mit dem Fuß die Bildnuß deß heiligen Pauli vmbgeſtoſſen / auff deſſen Seyten der H. Petrus war. So ſagt er mehr - mahlen: gib acht / daß du den andern Teuffl nicht auch her - ab wuͤrffſt. Was thut nit ein ſpoͤttliche Gewonheit? ab - ſonderlich in fluechen vnd ſchwoͤren. Sagt ihr / vnd klagt ihr nit ſelbſten im Beichtſtuhl. O mein Pater! ich hab er - ſchroͤcklich geſcholten mit tauſend Sacker / mit Million / vnd hab noch die Stern im Himmel darzu zehlt. Pater es iſt mir layd / ich hab halt ein ſolche Gewonheit an mir / ich kans nit laſſen. Ecce! ich kans nit laſſen. So thut gleichſamb die Gewonheit dem freyen Willen einen Arreſt an! haiſt das nit / die Gewonheit iſt ein eyſerne Pfaidt?
E e e 2In404Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /In der Arch Noë iſt geweſt der Loͤw / vnd der hat bri - let: es iſt geweſt der Wolff / vnd der hat geheult: es iſt geweſt der Hund / der hat gebellt: es iſt geweſt der Fuchs / der hat kiert: es iſt geweſt das Laͤmbl / vnd das hat blert: es iſt geweſt die Gaiß / vnd die hat gemegitzt: es iſt geweſt die Henn / die hat gagitzt: es iſt geweſt die Katz / vnnd die hat gemaugitzet. In Summa alle Thier waren in der Archen; aber was das wunderbarlichſte war / ſo hat eines das andere im mindeſten nit belaydiget. Der Loͤw / ſo ſonſt allen Thieren die Zaͤhn zaigt / war dazumahl gantz fromb: der Wolff / der ſonſten den Laͤmbl die Wohl zauſt / war da - zumahl gantz fromm: der Hund / ſo ſonſten denen Katzen ihren Beltz zertrennt / war dazumahlen gantz fromm: der Fuchs / ſo ſonſten denen Hennern die Federn ſchneid / war dazumahlen gantz fromm: alle / vnd jede waren fromb / ſo lang der Suͤndfluß gewehrt / vnd ſie in der Archen wa - ren; ſo bald ſich aber diſe allgemaine Straff geendet / ſo haben ſie ihre Natur nicht laſſen koͤnnen. Der Wolff iſt wider uͤber das Laͤmblfleiſch: der Fuchs wider uͤber das Fe - der-Wildbraͤt / ꝛc. Wann der gerechte Gott ein allgemai - ne Straff ſchicket / benanntlich Peſt / Hunger / Krieg / ꝛc. ſo lang diſe wehret / ſo halten wir vns ein wenig innen. Wie die graſſierende Sucht vns Anno: 679. vnd 80. als ein kleiner Suͤndfluß den Kopff gewaſchen / da war alles fromm; da hat ſchier offt mancher gebett / daß ihme die Zaͤhn ſeynd roglich worden: da hat man geſeufftzt / wie ein gantzer Wald voll Turtl-Tauben: da hat man den Jo - nas ins Waſſer geworffen / will ſagen / alle Suͤnd be - waint: da hat man auff die Bruſt geſchlagen / als wolt man vnſern HErꝛn ein Feuer-Werck machen / welches von lautern ſolchen Schlaͤg / vnnd Inbrunſt: da hat man in allen Haͤnden Roſenkraͤntz tragen / vnnd wo vorhero ſo vil Knoͤpff waren / iſt gleichſamb das Landzu405kan ſolche nit mehr laſſen.zu einem lautern Roſengarten worden: da hat man All - muſen geben / vnd haben die Leuth Haͤnd bekommen / wie der H. Franciſcus, alle durchbrochen: da hat ſich Venus nit blicken laſſen / ſondern ſich auff der kalten Herberg ver - borgen: da hat ſich die Hoffart in dem tieffen Graben ein - gezogen: da iſt Fraß vnd Fuͤllerey zum Waſſerthor hin - auß: vnd gleichwie im ABC auff das W gleich das X kombt; alſo auff ſolches allgemaine W in allen Gaſſen iſt das X gefolgt: dann alle ſeynd zum X oder zum Creutz geloffen; es lebten faſt alle heilig. So bald aber diſe groſ - ſe Straff vorbey / vnd der gewuͤnſchte / geſunde Lufft wi - derumb ankommen / ſo hat das Sanum, das Sanctum ver - triben: da hat der ſchoͤne Paris, die huͤpſche Helenam wi - der beſucht: der Stoltze / den Altum wider geſungen; der Geitzige / den Gebhard wider ins Hauß genommen; vnd vil / vil / will nit ſagen / die mehreſte / wie die Hund / was ſie vorhero von ſich geben / nachmahls gantz begierig wider - umb geſchlickt. Dann ſie hatten es ſchon gewohnt.
Joſue der tapffere Kriegsfuͤrſt / wie er wider die Ca - naniter / vnd Hethiter / vnd Phereziter / vnd Gergeſiter / vnd Jebuſiter / vnd Amorriter außgezogen / hat er laſſen die Archen / oder den vergulten Bundskaſten voran tragen. Als ſie nun kommen ſeynd zu dem Fluß Jordan, ſihe Wunder: da iſt derſelbe von freyen Stucken obenher ſtill geſtanden / vnd hat ſich das Waſſer / wie ein Berg auffgebaumbt / vnd herab alles abgeloffen / daß alſo der Jo - ſue, ſambt den ſeinigen vnd der Archen / mit truckenen Fuͤſ - ſen durchmarſchiert. Steterunt aquæ. Wie ſie nun alleIoſue 4. durch waren mit dem Bundskaſten / ſo hat der Fluß Jor - dan wider ſein vorigen Lauff genommen. Ein gleiche Be - ſchaffenheit hat es mit einem / der ſchon durch lange Ge - wonheit in einem Laſter veraltet iſt. Der / wann ein hei -E e e 3liger406Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonheit /liger Tag / das Feſt Portiunculæ, oder ein andere So - lennitet herbey kommet / geht in Beichtſtuel / klagt ſich an / daß er ſechsmahl habe das ſechſte Gebott uͤbertretten / er hat Reu vnd Leyd / ein Vorhaben von lauter Eyſen vnd Stachel. Ego te abſolvo. Glaubſt du / diſer ſeye heilig? diſer Raab ſeye weiß? Im Winter wird man biß - weilen wahrnemmen / daß ein Raab auff einem Baum ſi - tzet / gantz uͤberſchniben / zaigt nur allein einen ſchwartzen Kopff / es ſcheint / es trage diſer Geſell einen weiſſen Chor - rock an / aber du muſt wiſſen / daß diſer nur außwendig weiß / nicht innwendig / iſt vmb einen Flug zu thun / ſo iſt die weiſſe Livere außgezogen. Alſo zaigt ſich auch diſer Patient weiß / aber nur außwendig / warte nur / biß die Archen deß Bunds mit dem Manna durch den Fluß: war - te nur / biß der Heil. Communion-Tag vorbey; ſo wird der Jordan ſeinen alten Lauff nemmen / ſo wird diſer in die Miſtpfuͤtzen / in das vorige Saubad wider eylen. War - umb? er hats gewohnt / er kans nit laſſen / vnd wirds nit laſſen biß in Todt / auch dort wird ers nit laſſen / ſondern nur verlaſſen werden.
Nachdem der guͤtigſte Heyland 5000. Maͤnner / ohne Weib vnd Kinder / mit fuͤnff Brodt geſpeiſt / vnd geſaͤtti - get / dergeſtalten / daß auch die uͤbergeblibene Stuͤckel noch mit gleichem Wunder 12. Koͤrb angefuͤllt. Nach diſer ſo wunderſamen Jauſen ſchafft der Heyland ſeinen Juͤngern / daß ſie ſollen in ein Schifflein tretten / vnd vnverweilend uͤber das Meer fahren. Er aber ſtige auff den Berg zu bet - ten / bey angehender Nacht / als das Schifflein zimblicher maſſen von denen Wellen geriben / vnd getriben wurde / erſcheint er auff dem Meer / welchen ſie zwar anfangs nicht erkennt. So bald aber Petrus erſehen / daß Chriſtus der HErꝛ ſeye / ſo ſchreyt er uͤberlaut auff: HErꝛ / biſt dus / ſo ſchaffe / daß ich zu dir komme auff dem Waſſer. Veni,ſo407kan ſolche nit mehr laſſeu.ſo komme / ſagt der HErꝛ. Petrus ſteigt eylends auß dem Schiffel / vnd gehet auff dem Waſſer. Die andere Apoſt - len haben ſich deſſen verwundert / vnd einer zu dem andern geſprochen: Schau! ſchau! vnſer Peter kans Waſſer tretten. Was geſchicht aber / er geht ein Weil auff dem Waſſer / ſteigt tapffer drauff; da aber ein kleiner Wind entſtanden / fangt er an ſich zu foͤrchten / vnd folgſamb zu ſincken / vnd ſo fern der HErꝛ ſein Hand nit haͤtte außge - ſtrecket / ſo waͤre Petrus erſoffen; von dem Juda aber waͤ - re es im Zweiffel geſtanden; dann was an Galgen gehoͤ - ret / ertrinckt nit. Dem jenigen widerfahrt es nit anderſt / welche lange Jahr in boͤſer vnd laſterhafften Gewonheit leben; bißweilen / ſo ihnen das Gewiſſen durch den Beicht - vatter / oder durch ein Geiſtliches Buch / oder durch ein Apoſtoliſchen Prediger geruͤhret wird / ſo ſchoͤpffen ſie ein guldenes Vorhaben / ſeufftzen zu JEſum ihrem Heyland: ja / gehen wuͤrcklich den geraden Weeg zu vnſerm HErꝛn. Aber ſo bald widerumb ein Wind einiger Verſuchung ent - ſtehet / ſo ſincken ſie / vnd ſencken ſich ſelbſt wider in das vorige Laſter. Die Gewonheit ziechts zu Boden / gar ſel - ten / daß GOtt der HErꝛ ſolchem die Hand biettet / wie dem Petro.
Rathet doch / welches die groͤſte Statt in der Welt / oder wo zum mehreſten Innwohner gezehlt werden / zu Schweinfurt oder Ehrfurt? nein: zu Straubing oder Laubing? nein: zu Vincenz oder Placenz? nein: zu Verona oder Ancona? nein: zu Freyſtatt oder Neu - ſtatt? nein: zu Freyburg oder Neuburg? nein: zu Prag oder Haag? nein: zu Paſſau oder Naſſau? nein: ſon - dern zu Lauingen in Schwabenland / alldort iſt ein vnzahl - bare Menge der Innwohner. Wie iſt diß zu verſtehen? Wer den Weeg in das Roͤmiſche Reich hinauff nimbt / der kombt erſtlich in die Statt Dilingen / nachmahlserſt408Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /erſt auff Lauingen. Alle / alle Menſchen / die wollen in das Reich raiſen / nemblich in das Himmelreich / die kom - men auff Dilingen. Da haiſt es / da halten ſie es / was geſchriben ſteht: Diliges Dominum Deum tuum, &c. Seynd gantz innbruͤnſtig in dilectione, in der Lieb Got - tes / vnd deß Rechſten. Es ſteht aber ein kleine Zeit an / ſo kommen ſie auff Lauingen / werden bald gantz Lau / ja mit der Zeit gantz erkalt in der wahren Lieb. Abſonder - lich iſt ſolches zu ſehen bey den jenigen / welche ein Laſter ge - wohnt haben. Es geſchicht zu weilen / daß einer oder deß andern ihr Sauffbruder deß gaͤhen Todts ſtirbt; oder ein andere wolbekannte Madam an einem Steck-Chatar / oh - ne Beicht vnd Communion erſtickt. Holla! das iſt ein ſcharpffgeſchrauffte Pedarden an ſeinem Hertz. O GOtt! O GOtt! O mein Erloͤſer! wer waiß / wo diſe vngluͤck - ſeelige Leuth anjetzo ſeynd? O mein Heyland! jetzt will ich ein anders Leben anfangen; nichts thun / als dich lie - ben / dir dienen. O: O: O: O: O mein GOtt! lau - ter Nulla. Glaub mir darumb / lauter Nulla ſeynd di - ſe O O O O / es iſt nichts darhinder. Jetzt iſt er zu Dilingen / wird wenig Tag anſtehen / ſo kombt er auff Lauing / alsdann gleich wider in die alt-Statt / will ſagen / zu dem alten Stand / in die alte Gewonheit. Bey einem ſolchen haiſt es alſo / heut ſuͤß / morgen wi - der ſauer / heut ein Heiliger / morgen wider ein Lauer / heut Feuer / morgen wider ein Waſſer / heut ein Zuͤchti - ger / morgen wider ein Praſſer / heut ein Kreiden / morgen wider ein Kohlen / heut Allmuſen geben / morgen wider ſtehlen / heut ein Gold / morgen wider ein Bech / heut ein Faſttag / morgen wider ein Zech / heut ſchoͤn / morgen wi - der trieb / heut fromm / morgen wider ein Dieb / heut ſtill /mor -409kan ſolches nit mehr laſſen.morgen wider ein Getuͤmmel / heut ehrbar / morgen wider ein Limmel / ſo kombt man aber nit in den Himmel.
Es iſt ein gewiſſer Edlmann geweſt / deſſen Herꝛ Bru - der / als ein vornehmer Biſchoff / vnder anderen ein ſehr ſtattliches Pferdt hatte / welches er auch vmb kein Gelt zu verkauffen geſinnet ware. Der Cavalier ſuchte / vnd ver - ſuchte auff alle Weiß / wie er doch moͤchte diſen Klepper in ſein Gewalt bringen / vnd weilen er ſolches nec prece, nec pretio, weder durch bitten / noch bieten kundte werck - ſtellig machen / alſo hat er einen laͤcherlichen Vortl an die Hand genommen. Er hat mehrmahlen wahrgenommen / daß der Biſchoff / ſein Herꝛ Bruder jederzeit / ſo offt er ge - ritten / pflegte ſein Officium oder Brevir zu betten / forde - riſt die jenige Horas, oder Tagzeiten / welche er außwen - dig wuſte; daher ſehr genau in acht genommen / ob der Biſchoff erwann im Gottes Dienſt der Kirchen ſich auff - gehalten / dann allemahl in deſſen Abweſenheit hat er ſich auff gedachten ſtattlichen Klepper geſetzt / vnd ſelbiges Roß / Lateiniſch gelehrnet / dergeſtalten / er wuſte gar wol / daß alle Prieſter / ſo offt ſie das Brevir zu betten anfangen / allezeit das heilige Creutz machen / ſprechend: Deus in adjutorium meum intende. Deſſentwegen er daſſelbige Latein auff dem Pferdt oͤffters widerholt: vnd ſo offt er geſagt hat / Deus in adjutorium, hat er dem Klepper ein ſtarcken Sporn geben / daß es in alle Hoͤhe auffgeſtigen. Das Roß / durch oͤfftere ſolche Ubung hat es alſo gewoh - net / daß es bereits / ſo offt er Deus in adjutorium ge - ſchryen / ſich in die Hoͤhe gebaͤumbt / vnd ſeltzame Spruͤng gemacht / dann es nach diſen Worten ſchon den Sporn ge - forchten. Wie nun auff ein Zeit der Biſchoff diſes Pferdt zu reitten begehrt / vnderwegs aber mit ſeinem Capellan die Horas wolte anfangen / vnd mit einer Hand das Creutz gemacht / vnd zugleich / Deus in adjutorium geſprochen / ſoF f fhat410Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /hat das Pferdt / auß Gewonheit den Sporn geſorgt / deſt - wegen ein gaben Sprung in die Hoͤhe gethan / worvon der gute Biſchoff auß dem Sattl gehebt / in ein wilde La - cken hinunder gefallen / daß hat dem Edlmann ein Anlaß geben / daß er den Herꝛn Biſchoff / als ſeinen Bruder / mit bewoͤglichen Worten dahin beredet / daß er ihm das PferdScal. Cæli. cap. de Orat. fol. 72. uͤberlaſſen / in dem er ihm ſehr rathſamb vorgehalten / di - ſer muthwillige Klepper tauge vil mehr fuͤr einen Solda - ten / als einen Biſchoff.
Was ein Pferdt gewohnt hat / daß laſt nit mehr: ein Kunſt / die der Hund gewohnt hat / die laſt er nit mehr: ein Liedl / welches der Vogl gewohnt hat / das laſt er nit mehr: auch ein Vntugend / die ein Menſch gewohnt hat / die laſt er ebenfals nit mehr. Weſtwegen Gott durch den Propbeten Jeremiam dem Volck in Judæa, vnd folgſam auch denen Leuthen in Germania, dem Menſchen in Gal - lia, dem Suͤnder in Hiſpania, ja allen auff dem weiten / vnd bratten Erden-Kraiß / der runden Welt ſelbſt / feinJerem. c. 13. rund vnder das Geſieht ſagt. Wann ein Mohr ſein Haut veraͤndern kan / vnd ein Pander-Thier ſeine Fleck / ſo koͤnnt ihr auch guts thun / die ihr das boͤſe gelehrnt habt. Alsdann wird auß ei - nem Bachand / ein Pachomius werden: alsdann wird auß einem Nerone, ein Nereus werden: alsdann wird auß ei - nem Venereo, ein Venantius werden: alsdann wird auß einem Mammona, ein Mammantes werden: alsdann wird auß einem Malcho, ein Malachias werden: alsdann wird auß einem Cain, ein Cajetanus werden: alsdann wird ein Suͤnder die boͤſe Gewonheit laſſen / wann ein Mohr wird weiß werden / haſt gehoͤrt? wann ein Panther - thier wird ſeine natuͤrliche Fleckverliehren / haſt vernom̄en.
Es lieſſen ſich in der Volckreichen Statt Sodomazwey411kan ſolche nit mehr laſſen.zwey Engel ſehen / in Geſtalt ſchoͤner Juͤngling / welche der Loth, als ein freundlicher vnd guthertziger Herꝛ mit ſich in ſein Behauſung gezogen / bittend / ſie wollen mit einer ſchlechten Suppen verlieb nemmen / vnd mit einer groſſen Schuͤſſel voll eines guten Willens. Gegen der Nacht ver - merckt der Loth einen groſſen Tumult vmb ſein Hauß herumb / vnd ſicht / daß ſehr vil ſeine Landsleuth vnd Mit - burger das Hauß woͤllen ſtuͤrmen. Fragt demnach / was ihr begehren ſeye? welche gantz vngeſtimm verlangt haben die zwey ſchoͤne frembde Juͤngling / ſelbige muthwillig zu miß - brauchen / denen aber der gerechte Mann ein heilige vnd hailſame Lehr geben; ſie ſollen doch Gott / vnd ihr aignes Gwiſſen mit ſolchem Laſter nit belaydigen / welche Lehr ſie nit allein ſchimpfflich verworffen / ſondern noch daruͤber das Hauß wolten ſtuͤrmen / derenthalben Gott ein Wun - der gewuͤrckt / daß die Narren etlich Stund vmb das Hauß herumbgangen / vnd keiner die Thuͤr hat koͤnnen finden / tappenhin / tappen her / tappen oben / tappen vnten / Lap - pen hin / Lappen her / Lappen oben / Lappen vnten / haben nie die Thuͤr gefunden. Diſe verruckte Leuth wolten jenes Laſter begehen. Weſtwegen nachmahls die Statt Sodo - ma, vnd Statt Gomorra, die Statt Adama, &c. durch das Feur vom Himmel verzehrt vnd in Aſchen gelegt wor -Geneſ. 19. Plin. l. 5. c. 16. den / daß alſo diſer Schwebelregen 100000. Schrittlang / 25000. Schritt brait dermaſſen alles in die Erden hinein verzehrt / daß / wo vorhero diſe beruͤhmte Staͤtt geſtanden / anjetzo das todte Meer iſt / deſſen Sand am Ufer noch vom Schwebl ſtinckt. Wer ſeynd diſe laſterhaffte Gſellē geweſt / welche dem Loth vnd ſeinem Hauß ſo uͤberlaͤſtig waren? es ſeynd geweſt Kerl mit 16. Jahren: aber auch einige mir 60. Jahren: es ſeynd geweſt Schelmen mit 17. Jahren / aber auch vil mit 70. Jahren: es ſeynd geweſt Boͤßwicht mit 18. Jahren / aber auch etliche mit 80. Jahren. Val -F f f 2lave -412Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /laverunt domum à puero uſque ad ſenem. Soll dann moͤglich ſeyn / daß vnder ſolchem Schnee / ein ſchnoͤ. der Luſt? daß vnder ſolchen weiſſen Haaren der Venus ihre Wahren koͤnnen verborgen ſeyn? die kommen mir na - tuͤrlich vor / wie ein Glaß-Huͤtten im Winter / welche uͤber ſich auff dem Tach mit lauter Schnee bedecket / innwendig aber voll mit Feuer vnd Flammen. Es alte / es außgemerglere / es duͤrre / es rotzige / es bucklete / es zahn - luckete / es geſchimpelte / es betagte Schelmen! wann euch doch der Aſmodæus in eueren jungen Jahren alſo geleh - ret hat / ſo legt doch wenigſten ammodo ſolches Laſter-Le - ben hinweck / in dem ihr ſchon mit einem Fuß im Grab / mit einer Hand ſchon die Schnallen der Ewigkeit in Haͤn - den habt / mit einem Aug ſchon in die andere Welt ſchaut. Umbſonſt / vmbſonſt iſt all mein Mainung / mein Mah - nung. Was ſie gewohnt haben / das laſſen ſie nit mehr. Deſſenthalben bitt ich dich vmb Gottes willen / vmb JE - ſu Chriſti theureſten Bluts willen / der du ſolches liſeſt / vnd etwann in einer Suͤnd haffteſt. Eyl / eyl ohne Weil / ziehe geſchwind dieſelbe ab / wie der David den Pantzer deß Sauls, damit du in kein Gewonheit geratheſt / welche boͤ - ſe Gewonheit nicht einen laſſet zur rechter Buß kommen / ſondern er wird ſterben / wie er gelebt hat. Si Deus ve -S. Hier. rax eſt, hujuſmodi hominum vix unus aptus Regno Dei invenitur de millibus. So kan ich dann / ſagt einS. P. Au - guſt. Alter / mich nit bekehren. In quo non corrigit adoleſcen - tior viam ſuam nunquid deſperandus eſt ſenior? Ja / ja / es kan ein 60. ein 70. jaͤhriger Suͤnder noch fromm werden / noch heilig werden / vnmoͤglich iſt es nicht / aber auß 100000000. nit vil / villeicht gar wenig / dann gemai - niglich / wie man lebt / ſo ſtirbt man.
Der H. B[e]rnardinus erzehlt von einem ſehr reichen Partitenmacher vnd Handelsmann / den er ſelbſt gar wolgekennt /413kan ſolche nit mehr laſſen.gekennt / diſer hatte dreyſſig Jahr niemahlen gebeicht / nachdem er in ein toͤdtliche Kranckheit gefallen / hat er kein andere Sorg getragen / als daß ſeine Leuth ſollen fleiſſig die noch reſtierende Gelder einbringen. Zu diſem End / diſem vnd jenen Bedienten ein ernſtlichen Befelch geben / daß ſie außgehen die Schulden einzufordern. Diſes Geld Egels leiblicher Bruder bringt einen Pater in das Hauß / wel - cher ihn ſehr beweglich zur Bueß vnnd Pœnitenz er - mahnte / von diſem wolte der Mammons-Bruder gar nichts hoͤren; ſondern vnder wehrenden geiſtlichen Ge - ſpraͤch / fragt er den Prieſter. Pater, wie theur iſt der Centner Pfeffer / ja er fragte oͤffters / wann dann ſeine Wahren werden ankommen. Als er bereits wolte in die Zuͤgen greiffen / ſchreyt ihm der Bruder ſehr anmuͤthig zu / er wolle doch vmb Gottes Willen beichten. Darauff er geantwort. Non poſſum. Ich kan nit / ichBern. tom. 1. ſer. 13. kan nit / ich kan nit. Vnd alſo hat er ſein vngluͤckſeelige Seel auffgeben. Daß macht die boͤſe Gewonheit. Wie man lebt / ſo ſtirbt man.
Mir iſt von einem Patre der Societet Jeſu, als ei - nem ſehr werthen vnd gelehrten Mann / der ſelbſt gegen - wertig war / wie / vnd wo es geſchehen / folgende Geſchicht glaubwuͤrdig erzehlt worden. Ein gewiſſes Weibsbild / noch ledigen Stands / pflegte ſehr groſſe Freundſchafft / vnnd wie mans bey diſen verkehrten Zeiten thut nennen / ſehr groſſe Vertreulichkeit mit einem jungen Geſellen / deſſen Nahmen war Martin / vnnd taurete ſolche / wie billich verdaͤchtliche Lieb etliche Jahr / auch ſelten ein Wo - chen / oͤffters auch ſelten ein Tag vorbey gangen / an wel - chem ſie ihres liebſten Martins nit muſte anſichtig wer - den / da doch beederſeits kein Zihl zu einer Verehelichung / ſondern bloß ein Gewonheit ſcheinte. Es geſchicht / daßF f f 3diſe414Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /diſe ſaubere Putentiana erkranckt / vnd zwar toͤdtlich. Aber hoͤrt ein wunderliches End / in dem ſie doch nicht von Sinnen kommen / noch einige Hitz den Verſtand verrucket / auſſer der Hitz der vnmaͤſſigen Lieb. Sie kundte nichts an - derſt reden / als alleinig ihren Martin; wie man ihr zur Letzt hat zugeſchryen: JEſu! verzeyhe mir meine Suͤnd. Sagte ſie; Martin / verzeyhe mir mei - ne Suͤnd. O JEſu! ſeye mir gnaͤdig. Wider - umb ſie; O Martin! ſeye mir gnaͤdig. Man bitt ſie / ſie ſoll doch GOtt vor Augen haben / vnd nicht ein Menſchen / ſie ſolle mit Mund / oder wenigſten mit dem Hertzen ſehreyen. O JEſu! ſtehe mir bey in diſem meinen Streitt. Sie mehrmahlen; O Martin! ſtehe mir bey in diſem meinen Streitt. JEſu! in dine Haͤnd befilch ich meinen Geiſt. Sie auch / ob zwar mit ſchwacher Stimm. O Martin! in dei - ne Haͤnd befilch ich meinen Geiſt. Ein ſauberer Todt / ein ſeltzame Martins Ganß. Wer diſe wird ge - rupffet / vnd gebratten haben / iſt leicht zu erachten. Die Gewonheit iſt halt ein eyſerne Pfaidt / ja ein eyſerne Ket - ten / welche ſo gar den Menſchlichen Willen binden thut.
Die Todte / ſo der HErꝛ JEſus zu dem Leben erwe - cket hat / haben nicht vil Muͤhe oder Ceremonien zu ihrer Aufferſtehuͤng gebraucht. Der todte Juͤngling zu Naim iſt mit vier Woͤrter / mit 23. Buchſtaben / mit 10. Silben / mit ſo geringer Weiß von dem Todten aufferſtanden. Deß vornehmen Jairi Tochter iſt mit 19. Buchſtaben / mit 9. Silben / mit 4. Woͤrter vom Todten erwerckt wor -Marc. 5. den. Es hat nur gehaiſſen: Adoleſcens tibi dico, ſur - ge: es hat nur gehaiſſen / Puella tibi dico, ſurge. Aberwie415kan ſolche nit mehr laſſen.wie der Lazarus iſt erwecket worden / da war vil Muͤhe von - noͤthen; es hebte der HErꝛ JEſus ſeine Augen gegen dem Himmel / er wainte bitterlich mit vermiſchten Seufftzern / er batte ſeinen Himmliſchen Vattern / er lieſſe den groſſen Stain hinweck weltzen / er rufft mit lauter Stimm: La - zare, veni foras: Lazare, komb herauß. War - umben geht es bey diſer Erweckung ſo hart her / vnd bey den anderen nit? Hoͤre / vnd vernimb die Antwort / ſo dir gibt mein heiliger Vatter Auguſtinus, mit Auguſtino Ambroſius, mit Ambroſio Hieronymus, mit Hierony - mo Gregorius, mit Cregorio Chryſoſtomus: der jun - ge Sohn der Witrib / die junge Tochter deß Obriſten der Synagog / waren alle beede erſt geſtorben / diſe haben be - deut ſolche Suͤnder / die erſt geſuͤndiget / das erſtemahl ge - fallen / die koͤnnen noch wol / vnd leicht widerumb zu einem beſſern vnd heiligern Wandl aufferſtehen. Aber Lazarus / der ſchon vier Tag im Grab gelegen / vnd ſchon abſcheulich geſtuncken / hat bedeut einen ſolchen Menſchen / der in dem ſuͤndigen ſchon ein boͤſe Gewonheit gemacht / der iſt hart / vnd uͤber alle maſſen hart zu erwecken / hart vnnd vnauß - ſprechlich hart ihm die alte Gewonheit abzuziehen. DerGeneſ. 2 / allmaͤchtige GOtt / wie er den erſten Menſchen / den Adam erſchaffen / hat er ihm mit einem eintzigen blaſer das Leben geben. Dann der Laim war gantz neu vnd friſch / auß dem er zuſammen gefuͤgt worden. Jene harte Todten-Bainer aber / welche der Prophet Ezechiel auff dem Feld ange -Ezech. 37. troffen / muſten gar von vier Winden angeblaſen werden / damit ſie das Leben bekamen. Dann es waren ſchon alte / erharte vnd erdorꝛte Bainer. Alſo auch / der auß Gebrech - lichkeit erſt anfangt zu ſuͤndigen / der iſt noch wol zum Le - ben zu bringen / er iſt noch friſch: welcher aber ſchon dar - innen verharter / vnd bereits ein lange Gewonheit angezo - gen / der iſt hart / ſags / hundert vnd hundertmahl hart /hart416Judas machet auß dem ſtehlen ein Gewonheit /hart iſt er zu bekehren. Dann die Gewonheit iſt ein eyſer - ne Pfaidt.
Petrus iſt mit einem eintzigen Augenblicker / welchen der HErꝛ JEſus auff ihn geworffen / zur Buß bekehret worden / daß er bitterlich angefangen zu wainen / vnd ſeine Suͤnd zu bereuen. Aber der Adam iſt gar hart zur Er - kandtnuß ſeiner Miſſethat gelangt; ja er hat ſich gar ver - ſteckt / daß ihm GOtt laut zugeſchryen: Adam ubi es? die Urſach ſolches Underſchieds war diſe. Petrus hat in der Fruhe geſuͤndiget in gallicinio, wie der Hahn hat ge - kraͤhet / wie der Tag hat angefangen. Solche / die erſt an - gefangen zu ſuͤndigen / die koͤnnen noch wol / vnd leicht zur Buß gelaittet werden. Adam hat Nachmittag geſundi - get / ſolche / die ſchon ſpatt in Jahren ein uͤble Gewonheit haben / die ſeynd gar hart darzu zu bewoͤgen.
Nit bald an einem Orth werden beſſere Spitaͤller an - getroffen / als zu Rom in diſer Haupt-Statt. Allda iſt zu ſehen das Spitall beym H. Geiſt / welches in den jaͤhrli - chen Renten vnnd Einkommen uͤber die 70000. Cronen zehlt: Item das Spitall bey St. Salvator, das Spitall bey St. Antonio, das Spitall St. Mariæ de Conſola - tione, das Spitall bey der H. Dreyfaltigkeit / welches ei - nes ſo groſſen Vermoͤgens / daß es alle arme Pilgram auff - nimbt / vnd hat es ſchon etlichmahl / maiſten thails zur Zeit deß Jubilæi, in einem Tag uͤber 5000. Me[n] ſchen außge - halten / vnd diſes zwar in ſchoͤnſter Ordnung / ꝛc. Under anderen iſt ein Spitall zu Rom / welches genennt wird S. Giacomo delli incurabili nel corſo. In diſes Spitall werden nur die jenige auffgenommen / die gar alte Schaͤ -Luc. 8. den vnd Zuſtaͤnd haben / auch nit mehr koͤnnen curiret oder gehailt werden. Eines ſolchen Zuſtands war jene arme Troͤpfin in dem Evangelio / welche 12. Jahr den Blutgang gelitten / ihr Armutey voͤllig denen Doctoribus angehengt /vnd417kan ſolche nit mehr laſſen.vnd kein Excellenz war ſo excellent, daß er ſie kundte cu - riren. Nec ab ullo potuit curari. Biß ſie endlich den Saum der Kleyder Chriſti angeruͤhret / vnd durch ſolches Kleyd ihr Leyd vertriben. In das Spitall delli incura - bili gehen alle die jenige / welche am alten Zuſtand leyden / welche vil Jahr in boͤſer Gewonheit leben / ſolche ſeynd nit mehr zu curiren / dann was ſie gewohnt / das koͤnnen ſie nit laſſen / die Gewonheit iſt ein alter Zuſtand / welche nit mehr gehailet wird / auſſer GOtt durch ein ſonders Wun - derwerck hilfft ihnen / wie er geholffen der guten Frauen.
Judas hat geſtohlen / hat das ſtehlen gewohnt / hat die Gewonheit nicht mehr laſſen koͤnnen. Judas hat vil ſeines gleichens / ein ſolcher war jener in dem Coͤllniſchen Gebiet / von deme Cæſarius regiſtrieret; welcher ſo viler veruͤbten Diebſtall halber auffgehenckt worden. Weilen nun gleich dazumahlen ein Diener eines vornehmen Thumherꝛns zu Coͤlln vorbey geritten / vnd vermerckt / daß diſer arme Suͤnder ſich noch ein wenig ruͤhre / hat er alſobalden auß Mitleyden den Strick mit dem Degen abgehauet / mit ſeinem Hut / auß dem nechſt vorbey rin - nenden Bach ein Waſſer eylends herbey gebracht / wormit er den elenden Tropffen erquicket / welcher nachmahls noch mit ihme in das entlegene Dorff gangen / aber noch nit laſſen koͤnnen das ſtehlen / auch nachdem er den Strick ſchon gekoſt. Dann eben in diſem Dorff wolt er diſem ſei - nen Gutthaͤter / der ihn vom Todt errettet hat / diſem ſei - nen Erloͤſer wolt er das Pferdr ſtehlen. Weilen er aber ertappet / vnd uͤberzigen worden / hat er an denſelbigen Galgen / wo er kurtz vorhero ein Fruheſtuck genoſſen / ein ſolche Jauſen muͤſſen verkoſten / woran er erſtickt. Das haiſt ja: Rarò funeſto fur ſine fune perit. Der Hund laſt das bellen nit / der Dieb laſt das ſtehlen nit / wann ers gewohnt hat: der Tax laſt das graben nicht / der GeitzigeG g glaſt418Judas macht auß dem ſtehlen ein Gewonheit /laſt das ſchaben nit / wann er gewohnt hat: die Sau laſt das wuellen nit / der Loͤffler laſt das buelen nit / wann ers gewohnt hat: das Kalb laſt das bleren nicht / der Flucher laſt das ſchwoͤren nit / wann ers gewohnt hat / der Hirſch laſt das lauffen nit / der Schlemmer laſt das ſauffen nit / wann ers gewohnt hat. Holofernes hat das ſchlemmen gewohnt / vnd hats nicht gelaſſen: Sennacherib hat das gortslaͤſtern gewohnt / vnd hats nicht gelaſſen: Herodes hat das buelen gewohnt / vnd hats nit gelaſſen. Annaias hat den Geitz gewohnt / vnd hat ihn nicht gelaſſen: Judas hat das ſtehlen gewohnt / vnd hats nit gelaſſen.
Wie vnſer lieber HErꝛ auff einem Eſel triumphier - lich nacher Jeruſalem eingeritten / da haben ihm die Herꝛn von Jeruſalem / maiſtens aber der gemaine Poͤfel / ſehr groſſe Ehr erwiſen; vnder anderen haben ſie auch ihre Klayder außgezogen / vnd auff den Weeg gelegt. Du der du ſolches liſeſt / iſt es / daß du ſchon einen Habitum haſt / oder ſolche eyſerne Pfaidt / ſo bitte deinen JEſum / daß er dir die ſondere Gnad gebe; verſtehe mich recht / die ſon - dere Gnad / daß du ſolches außzieheſt / vnd zu ſeinen Fuͤſ - ſen legeſt / Amen.
WEder Petrus, weder Joannes, weder Jacobus, weder Matthæus, weder andere Apoſtel haben gewuſt / daß Judas ein Dieb ſeye / dann ſo fern ſie ſolches in E[r]fahrenheit haͤtten gebracht / iſt wol zu ver -muthen /419Judas allzeit ein Dieb /muthen / daß ſie ihme zuweilen haͤtten ein gute Predig ge - macht / vnd jenem Samaritan nachgefolget / welcher dem armen geſchaͤdigten Tropffen / Oel vnd Wein in die Wun - den goſſen; alſo haͤtten ſie gleichfoͤrmig mit linden vnnd ſcharpffen Worten ihme ſein Frechheit erwiſen. Der Prophet Eliſæus hat zwar den Giezi geſchickt / daß er mit ſeinem Stab den todten Knaben ſolle zum Leben erwecken / hat aber nichts außgericht; ſo bald aber Eliſæus ſelbſt zu ihm / vnd ſeinen Mund auff den Mund deß Knabens ge - legt / alsdann iſt der Todte aufferſtanden: auß welchem zu lehrnen / daß man mit guten Worten / vnd ſanffter Ma - nier zuweilen ehender einen zu recht bringe / als mit harten vnd groben Verweiß. Es iſt aber glaublich von Joanne, vnd Jacobo, wann ſie gewuſt haͤtten / daß der Iſcarioth ein ſolcher Mauſer / ſie haͤtten ihn grob außgeſcholten / vnd mit hartem Filtz empfangen; dann weil ſie dazumah - len ſchon alſo ergrimbt waren uͤber die Samariter / vmb weilen dieſelbe dem HErꝛn JEſu die Herberg verſagt / daß ſie uͤberlaut auffgeſchryen. HErꝛ wilſt du / daß wir ſagen / daß das Feur vom Himmel falle / vnd ſie verzebre? alſo iſt wol zu vermuthen / ſie haͤtten Chriſto dem HErꝛn geſagt / er ſoll den Judam, als einen vnverſchambten Dieb zum Griechiſchen Buchſtaben P, welcher alſo geſchriben wird Π / promoviren vnd hencken laſſen. In deme aber nichts dergleichen im heiligen Evangelio regiſtrirt wird / alſo iſt wol / vnd gar gewiß zu glauben / daß kein Apoſtel habe vmb ſein Diebſtuck gewuſt / auß Vrſachen / er hatte allezeit geſtohlen / wann keiner bey ihm war / dazumah - len hat er ihm allzeit gedacht / jetzt ſicht mich niemand. O du verruechter Menſch! ſicht dich dann GOtt nit?
Gleichwie nur acht Perſohnen in der Archen Noë ſeynd errettet worden / die uͤbrigen alle / alle / alle in dem allgemainen Suͤndfluß zu Grund gangen. Alſo werdenG g g 2auch420vermaint man ſehe ihn nit.auch vil mehrer verdambt / als ſeelig. Wer iſt Vrſach? Niemand.
Gleichwie Moyſes ein Fuͤhrer deß Volcks Iſrael ſechs -Cornel. à Lap. in c. 14. num. mahl hundert tauſend ſtreittbare Maͤnner auß Egypten gefuͤhrt / vngezehlt der Weiber / vnd Kinder / vnd auß al - len diſen nur zwey in das gelobte Land kommen / die uͤbri - ge alle / alle / alle drauſſen gebliben. Alſo wird weit groͤſſer ſeyn die Anzahl der Verdambten / dann der Seeligen. Wer iſt Vrſach? Niemand.
Gleichwie die ſchoͤne Statt Jericho von dem tapffe - ren Kriegs-Fuͤrſten Joſue iſt erobert / vnd in Aſchen ge - legt worden / iſt das einige Hauß der Rahab ohnbeſchaͤdigt verbliben / die andere alle / alle / alle in Brand geſteckt wor - den. Alſo werden wenig zur Seeligkeit gelangen / vil aber in den hoͤlliſchen Ofen geworffen werden. Wer iſt Urſach? Niemand.
Gleichwie auß zwey vnd dreyſſig tauſend Soldaten nur 300. bey dem Joſue verbliben / die andere alle / alle / alle abgedancket worden. Alſo werden weit mehrer von Gott / als zu Gott kommen. Wer iſt Vrſach? Niemand.
Gleichwie auß dem mit Schwebel vermiſchten Feur - Regen zu Sodoma vnd Gomorrha nur vier Perſohnen / benanntlich der Loth, ſein Weib / vnd die zwey Toͤchter ſeynd ſalvirt worden / die andere alle / alle / alle durch ſol - che ſtinckende Flammen zu Grund gangen. Alſo werden vil mehrer in die hoͤlliſche Peyn / vnd Qual / als in die ewi - ge Freud kommen. Wer iſt Vrſach? Niemand.
Gleichwie nur ein Thail deß guten Saamens deß Evangeliſchen Ackermanns hat Frucht gebracht / die an - dere drey Thail alle / alle / alle verdorben. Alſo wird auch nit der halbe Thail der Menſchen ſeelig werden. Wer iſt Vrſach? Niemand.
Cardinalis Baronius ſchreibt / daß dem H. EinſidlerSimeon421Judas allzeit ein Dieb /Simeon ſeye von GOtt offenbahret worden / daß zu ſei - nen Zeiten auß 10000. Seelen kaum eine ſeelig worden. Ab ſolchen ſtehen einem die Haar gen Berg. Wer iſt aber Urſach? Niemand.
Wer iſt Vrſach / daß die Gebott Gottes / die Ge - bott der Kirchen / die Gebott der Natur ſo offt / ſo ſtarck / ſo ſchaͤndlich uͤbertretten werden? wer iſt Vrſach? Nie - mand.
Wer iſt Vrſach / daß der Allmaͤchtige GOtt / daß Gottes außerwoͤhlte Heilige / daß Gottes heilige Kirchen ſo mannigfaͤltig / ſo ſchwaͤr / ſo gewiſſenloß belaydiget wer - den. Wer iſt Vrſach? Niemand.
Wer iſt Vrſach alles Vbels / aller Gottloſigkeit / al - ler Laſter / aller Vnthaten / aller Suͤnden / aller Verbre - chen / alles Muthwillens / aller Vnzucht / aller Miſſetha - ten? Niemand / ja Niemand. O verfluchter Niemand / der Niemand / der Nemo, der verurſacht alles Vbel; wann nemblichen der bethoͤrte Suͤnder ſagt. Niemand ſichts: Niemand hoͤrts: Niemand waiß es.
Daß kohlſchwartze Raaben nach ſtinckendem Aaß trachten / iſt kein Wunder: daß ſchwartze Kothkefer im Miſt vnnd Vnflath herumb wuellen / iſt kein Wunder: aber von weiſſen Tauben wundert mich. Zwey alte Rich - ter zu Babylon / ſchon weiß wie ein Tauben / haben noch vngebuͤhrende Augen geworffen in die Weibsbilder. Auff ſolche Weiß haiſt es; vnder den grauen Aſchen findet man offt ein Gluet / vnder den grauen Haaren findet man offt Kitzl vnd Mueth. Auff ſolche Weiß iſt es wahr: vn - der dem weiſſen Schnee findet man offt ein Miſthauffen; vnder den weiſſen Haaren thut offt Cupido ſchnauffen. Solche alte Kraußkoͤpff / vnd Maußkoͤpff ſeynd natuͤrlich / wie die Blaͤtter deß Aeſchen-Baums / welche auff einerG g g 3Sey -422vermaint man ſehe ihn nit.Seyten gantz weiß / auff der anderen gantz gruͤn: alſo wa - ren diſe alte Richter richtige Geſellen / vnder derer weiſſen Haaren noch ein groſſer Muthwillen gruͤnte. Diſe zwey alte Voͤgl ſeynd faſt geweſt / wie der Berg Æthna, welcher zur Winterszeit uͤberſich mit Schnee bedeckt / vnd doch ein - wendig mit lauter Feuer gefuͤttert: diſe zwey alte Lim - mel ſeynd geweſt wie der Kalch / welcher zwar weiß / jedoch voller Hitz. Diſe zwey haben die Augen geworffen auff eins / ſie haben nemblich oͤffters wahrgenommen / daß ei - nes vornehmen Herꝛns ſein Frau Gemahlin / Nahmens Suſanna, in ihren Garten ſpatziere / welche vom Angeſicht vnd Leibsgeſtalt uͤberauß ſchoͤn war / weſſenthalben denen alten Mœchaberis diſer rothe Apffel die Zaͤhn waͤſſerig gemacht: denen alten Stockſiſchen / diſer mit ſo ſchoͤner Menſchen-Haut verkederre Angl / ſo wol gefallen / daß ſie allen Fleiß angewendet / diſes Wildpraͤt in das Netz zu ja - gen. Wie nun auff ein Zeit gedachte ſchoͤne vnd tugend - liche Frau in den Garten getretten / daſelbſt mit einem kuͤhlen Abend-Lufft in etwas ſich zu ergoͤtzen. Alſo haben ſich diſe ſchlimme / alte Geſellen vnder einem dicken Ge - ſtraͤuß / vnd ſchattenreichen Buſchen verborgen. In dem Dornbuſch / welchen Moyſes geſehen / hat ein Goͤttliches Feuer gebrunnen; aber in diſem Buſchen thaͤte ſich ein teuffliſches Feuer ſehen laſſen. Wie diſe vnverſchambte Voͤgl die ſchoͤne Suſannam erblicket haben / wuͤnſchten ſie nichts anderſt / als daß ſie moͤchten Kothkefer ſeyn bey di - ſen ſchoͤnen Roſen. Ihr uͤbles Beginnen wurde noch heff - tiger entzuͤndt / wie ſie vermerckt / daß wegen allzuſcharpf - fer Sonnenhitz die edle Suſanna ihren Alabaſteren Halß in etwas entbloͤſt / ja endlich gar / nachdem ſie die Kammer - Menſcher von ſich geſchafft / in einer waſſerreichen Grot - ta / allwo ein Chryſtallenes Brunnquell mit annemblichemGetoͤß423Judas allzeit ein Dieb /Getoͤß der gaißfuͤſſige Wald-Gott haͤuffig ſpendierte / nach abgelegten Klayderen ſich angefangen zu baden. Worauff gleich diſe alte zwey Bock / von den vnſinnigen Begierden gantz entzuͤndet / hervor geſprungen / vnd ſie al - ſo angeredet. Wir ſeynd in dich verliebet / die Thuͤr deß Gartens iſt verſchloſſen. Et nemo nos videt, vnd nie - mand ſicht vns. O du verruechter nemo, niemand. Stifft doch niemand mehrer uͤbels / als der Niemand. Nemo.
Es iſt nit wahr / ihr vnverſchambte Boͤßwicht / es ſicht euch ja der Allmaͤchtige GOtt / haiſt das Niemand? es iſt nichts alſo verborgen / nichts alſo verhuͤlt / nichts al - ſo verſchloſſen / nichts alſo verſperret / nichts alſo ver - mantlet / verdeckt / vergraben / verſenckt / verdunckelt / ver - tiefft / vertuſcht / daß GOtt nit ſihet: Es ſey groß / es ſey klein / es ſey weit / es ſey nahend / es ſey tieff / es ſey ſeicht: es ſey dick / es ſey dinn / es ſey finſter / es ſey liecht / es ſeye was es wolle / ſo ſicht doch alles GOtt. Kein Gedancken / keine Vmbſtaͤnd der Gedancken; kein Werck / keine Umb - ſtaͤnd deß Wercks; kein Wort / keine Vmbſtaͤnd eines Worts ſeynd / welche GOtt nit ſihet. Was außwendig / was inwendig / was oben / was vnden / was auff der Sey - ten / was vmb vnd vmb / alles diſes ſihet das Goͤttliche Aug. Was / vnd wann / vnd wie / vnd wo dein Verſtand verſtehet: was / vnd wann / vnd wie / vnd wo dein Ge - daͤchtnuß gedencket: was / vnd wann / vnd wie / vnd wo dein Will begehrt / was / vnd wann / vnd wie / vnd wo deine Augen ſehen: was / vnd wann / vnd wie / vnd wo deine Ohren hoͤren: was / vnd wann / vnd wie / vnd wo deine Zungen redet: was / vnd wann / vnd wie / vnd wo deine Haͤnd greiffen: was / vnd wann / vnd wie / vnd wo deine Fuͤß gehen: alles diſes ſiher GOtt. GOtt ſichts / der dicherſchaf -424Judas allzeit ein Dieb /erſchaffen; GOtt ſichts / der dich erloͤſet hat; GOtt ſi - hets / der dich richten wird / vnd ſolſt du dich vor GOtt nicht ſchamen?
Sapatta ein vornehmer Spaniſcher Fuͤrſt war ein gevollmaͤchtigter Legat, vnd Geſandter bey den Fridens - Tractaten zu Muͤnſter / welcher Frid bald wurmſtichig worden. Diſer anſehliche Herꝛ war neben anderen hoͤchſt ruͤhmlichen Tugenden / forderiſt der Andacht / vnnd dem eyffrigen Gebett ſehr ergeben / vnd alle Tag / ſo vil es ſeine hoche Geſchaͤfften zugelaſſen / etliche heilige Meſſen mit ſonderbarer Aufferbauung gehoͤrt. Es wolte aber auch der fromme vnd Gottſeelige Fuͤrſt / daß ſeine Edl-Leuth / Auffwarter / vnnd andere Bediente mit gleichem Eyffer ihr Andacht ſollen verrichten. Aber das Widerſpill zaig - te ſich zum oͤfftern / dann / wann ſie hinder ihrem Herꝛn in der Kirchen waren / ſo haben ſie geſchwaͤtzt / geſchmutzt / gelacht / die Naſen mit dem Huer verſchantzt / vnd waiß nit was fuͤr ein Augenpfeil / Augenwincker / Augenſchuß / Augenſtrahlen / Augenwurff / Augengrueß auff eine / oder andere Burgers Tochter geworffen / vnd alſo mehrer Ver - dacht / als Andacht ſpuͤhren laſſen. Der Fuͤrſt / welcher niemahlen in der Kirchen pflegte vmbzuſchauen / ſo bald er mit den ſeinigen nach Hauß kommen / hat gleich vnder der Porten deß Pallaſts einem vnd dem andern ein ſcharpf - fen Verweiß geben / mit der Betrohung / daß / wofern ihr / vnd ihr / du vnd du / noch einmahl werdet dergleichen Muthwillen in dem Gottshauß erzaigen / ſo ſolt ihr mei - nen Dienſt meyden. Diſe koͤnten ihnen das nicht einbil - den / wie doch der Fuͤrſt alles ſo genau wiſſe / einem jeden ſein Verbrechen gantz vmbſtaͤndig beſchreibe / da ſie doch wol in acht genommen / daß er niemahls habe vmbge - ſchauet / auch noch mit niemand geredet / der ihme ſolches haͤtte koͤnnen zutragen. Einen anderen Tag / als er mehr -mahlen425Judas allzeit ein Dieb /mahlen etliche heilige Meſſen hoͤrete / iſt einer / vnd der an - dere gantz ſtill zum Templ hinauß geſchlichen / vnd nach ein - gebrachtem kurtzen Fruheſtuck bald wider zuruck kommen. Der Fuͤrſt hat nicht vmbgeſehen / noch hat kein einiger Menſch etwas entdeckt / gleichwol ſo bald er auß der Kir - chen getretten / hat er diſen / vnd jenen ſcharff angefahren. Wiſt ihr was Ferdinand, hoͤrt ihr Ludwig, wo ſeyd ihr geweſt? wo habt ihr das gelehrnet / daß man das ſchmu - tzige Maul erſt in der Kirchen abwiſche? die Bediente koͤn - ten ſich deſſen nit ſattſam verwundern / vnd glaubten ſchier / ihr Fuͤrſt habe Augen in dem Rucken / daß er alles / vnd alles ſo vmbſtaͤndig ſehe / vnd doch niemahlen vmbſchaue. Endlich iſt ihme einer uͤber ſein Bettbuch gerathen / worin - nen er den jenigen erhaͤſcht / welcher alles dem Fuͤrſten zu - getragen. Der Einbund diſes Bettbuchs hatte einwendig beederſeits einen Spiegel / vnd wann der Fuͤrſt alſo auß beſagtem Buch gebettet / hat er zugleich wahrgenommen / wie ſich ſeine Bediente hinter ihm verhalten.
Diſe Leuth ſeynd in den Argwohn kommen / als haͤt - te ihr Herꝛ Augen auff dem Rucken / deme aber nit alſo war / aber GOtt wol / der hat Augen vornher / der hat Au - gen auff dem Rucken / der hat Augen auff der Seiten / der iſt ein pures Aug / welches ſelbſt alles ſihet / alles was ge - weſen / alles was noch iſt / alles was ſeyn wird. Nicht je - derman iſt Ihr Heiligkeit / ſondern nur der Pabſt allein: nicht jederman iſt Ihr Majeſtaͤt / ſondern nur der Kay - ſer / der Koͤnig allein; nicht jederman iſt Ihr Eminenz, ſondern nur der Cardinal allein: nicht jederman iſt Ihr Gnaden / ſondern die mehreſte Edel-Leuth allein: nicht jederman iſt Ihr Geſtreng / ſonder nur der Burger - maiſter / der Stattrichter / der Secretarius, &c. nicht je - derman iſt Ihr Hochwuͤrden / ſondern nur der Dechant /H h hder426vermaint man ſehe ihn nit.der Probſt / der Thumherꝛ / ꝛc. nicht jederman iſt Ihr Ehrwuͤrden / ſondern nur der Prieſter / der Pater. Aber jederman iſt Ihr Durchleucht / alle Menſchen auff Erden ſeynd Ihr Durchleucht / dann GOtt als ein Goͤttliche Sonne leucht durch / vnd durch. Nit ein Menſch / in dem Menſchen nit ein Hertz / in dem Hertzen nit ein Oertl / in dem Oertl nit ein Gedancken / in dem Ge - dancken nit ein Umbſtand / den diſe Goͤttliche Sonn nicht durch vnd durch leucht / vnd alles ſihet. Die Menſchen kan man leicht hinder das Liecht fuͤhren / das hat erfahren Ja - cob, wie ſeine vngerathene Kinder den frommen Bruder Joſeph verkaufft / haben ſie ſeinen Rock in ein Bockblut eingedunckt / dem guten alten Vatter Jacob zugeſchickt mit der traurigen Zeitung / als ſeye Joſeph von einem wilden Thier zerriſſen worden / der gute vnd ſchier biß in Todt beſtuͤrtzte Vatter / kuſt vnd buſt den blutigen Rock. Ach! du guldenes Kind / ſeufftzte er / ſo hab ich das erlebt / daß ich dein Blut alſo in meinen Haͤnden muß ſehen! der gute Alte hat Bock-Blut fuͤr Menſchen-Blut gehalten / das haiſt ja hinder das Liecht fuͤhren. Die Menſchen kan man leicht hinder das Liecht fuͤhren / das hat erfahren der Laban, ein Vatter der ſchoͤnen Rachel. Wie Jacob mit diſer in Gehaimb vnd in der Stille darvon gezogen / vnd dem Laban ſeine guldene Goͤtzen-Bilder entfrembt / iſt er gantz ſchleinig nachgeraiſt. Wie ſolches die Rachel wahr - genommen / hat ſie gedachte guldene Goͤtzen-Bilder vnder das Stroh verſtecket / vnd nachmahls darauff geſeſſen / vnd als ſie der Laban anget aſt / wo ſie ſeine guldene Goͤtzen ha - be / mein Vatter / ſagte ſie / ich waiß weder guldene / weder ſilberne / weder eyſene Goͤtzen / ich habs wol nicht. Stehe auff / widerſetzet er / laß mich ſuchen. Ach mein Vatter / ſtellte ſie ſich / ich bin ſo kranck / du glaubſt nit / wann dumir427Judas allzeit ein Dieb /mir ſolſt Buttenweiß guldene Goͤtzen ſchencken / ſo koͤnt ich dir nit auffſtehen. Laus, fraus, muliebria ſunto. Das war ein Weiber-Liſt / das haiſt hinder das Liecht fuͤhren.
Die Menſchen kan man hinder das Liecht fuͤhren / das haben erfahren die Soldaten deß Koͤnigs Saul. Di - ſe waren beordert von dem Koͤnig / daß ſie ſollen den Da - vid zu ihm fuͤhren / er wolle ihm ſelbſt den Reſt geben; die Michol aber / als deß Davids Frau Gemahlin / nach deme ſie ihn in der Stille uͤber das Fenſter hinunder gelaſſen / hat ein Bild mit deß Davids Klayder angezogen / vnnd alſo auff das Beth gelegt / das Geſicht mit einem rauchen Gaiß-Haͤutl bedecket. Wie nun die Trabanten mit allem Ernſt in die Behauſung kommen / David gefangener dem Koͤnig zu uͤberbringen. Sihe! da hat ſich die Frau Mi - chol geſtellt / als ware ſie gantz melancholiſch. Villeicht / wer waiß / hat ſie die Augen mit Zwiffel-Safft beſtrichen; vnd geſeufftzet / als wie ein Henn / die den Zipff hat / ſich ſehr beklagt / daß ihr lieber Herꝛ Gemahel ſtarck vnnd ge faͤhrlich kranck ſeye / zaigt ihnen von fern / wie er dort im Beth lige der arme Schlucker / alſo werde er ihr Majeſtaͤt dem Koͤnig ſolcher Geſtalten gewiß nicht darvon lauffen. Sie ſollen diſes nur alſo dem Saul in Underthaͤnigkeit vor - tragen. Die Phantaſten haben es kraͤfftiglich glaubt / als1. Reg. 19. lige David auff dem Beth / da es doch ein huͤltzernes Bild ware. Das haiſt ja hinder das Liecht fuͤhren.
Die Menſchen kan man hinder das Liecht fuͤhren / aber GOtt nicht / der ſelbſt das Liecht iſt / ſo alles durch - leucht. Er ſicht nit allein das außwendige / ſondern auch das innwendige: er ſicht nicht allein das offene / ſondern auch das verborgene: er ſicht nicht allein das beſtandene / ſondern auch das verſchwigene: er ſicht nicht allein das er - tapte / ſondern auch das vertuſchte: er ſicht nit allein das wahre vnd bloſſe / ſondern auch das verbluͤmlete: er ſichtH h h 2alles.428vermaint man ſehe ihn nit.alles. Raub / klaub / back in Sack / ſtihl vil in der Muͤhl / es ſichts niemand / es ſichts aber GOtt.
Wie vnſer gebenedeyter HErꝛ vnnd Heyland ein - mahl auß dem Schiff geſtigen / ſo folgeten ihme uͤberauß vil Leuth nach. Vnder anderen war ein Weib / die 12. Jahr aneinander ein ſehr uͤblen Zuſtand hatte / welche alles das ihrige denen Artzten vnd Medicis angehengt / vnd ha - ben ihr ſolche dergeſtalten vil Recept vorgeſchriben / daß ſie endlich den Geltbeuthl gantz außpurgirt: gleichwol kundten ſie die arme Haut nit curiren. Wie nun diſe vnderſchidlich vernommen / daß JEſus von Nazareth ſo groſſe Wunder wuͤrcke / vnd alles Volck nach ſich ziehe / ſo wolt ſie auch ihr Hayl bey diſem ſuchen; Dringt ſich / vnd zwingt ſich deſſenthalben mit allem Gewalt durch das Volck / vngeacht / daß da vnd dort einer mit dem Ehlenbo - gen zuruck getriben: vngeacht / daß diſer vnd jener Jud auff die Fuͤß getretten: Sie reibt ſich / vnd treibt ſich durch / biß ſie gantz nahend zu JEſu kommen / vnd ihme mit groſſem Glauben den Saum ſeiner Klayder angeruͤhret / wordurch ſie wunderbarlich geſund worden. Diſe from - me Troͤpffin hat ihr gar nit getraut Chriſto dem HErꝛn vnder das Geſicht zu tretten / ſondern ſuchte nur / wie ſie von hinden zu auff den Rucken ſeine Klaydung moͤchte an - ruͤhren. Venit in turba retrò. Aber ſie hat nicht ohne ſondern Troſt erfahren / daß ſie vnſer Heyland auch ruck - werths geſehen. Dann / ob er ſchon Menſchheit halber nur zwey Augen in ſeinem Stirn tragte / ſo war er doch Gottheit halber allerſeits voller Augen / ja ein pures Aug / ſo alles ſihet. Dico, quod Deus totus oculus eſt. Da - vid war gantz allein bey Bethſabee, wie er den Ehebruch begangen / niemand hat ihn geſehen Es iſt nit wahr / es hat ihn GOtt geſehen / iſt das ein Niemand? Der Printz Ammon ware gantz alleinig / wie er mit ſeinerSchwe -429Judas allzeit ein Dieb /Schweſter Thamar die Blutſchand begangen / niemand hat ihn geſehen; es iſt nit wahr / GOtt hat ihn geſehen / iſt das Niemand? Der Achan ware gantz allein / wie er in der Statt Jericho geſtohlen / niemand hat ihn geſe - hen; es iſt nicht wahr / GOTT hat ihn geſehen / iſt das Niemand? Cain war gantz allein / wie er ſeinen Bru - der Abel auff dem Feld ermordt hat / niemand hat ihn ge - ſehen; es iſt nicht wahr. GOtt hat ihn geſehen / iſt das Niemand?
Anno 1585. juſt vor hundert Jahren iſt auff ein Tag bey einbrechender Morgentoͤthe ein Edlmann außgerit - ten auff die Jagd / vnweit der vornehmen Statt Wienn. Wie er nun in den dicken Wald / vnnd groſſes Geſtraͤuß hinein gerathen / vermerckt er ein vngewoͤhnliches bellen / vnd ſcharren eines Hunds / welcher mit ſeinen Bratzen der - geſtalten die Erden außgraben / biß er endlichen zwey gantz weiſſe Bainer herauß gezogen / die der Edlmann auff keine Weiß vor Menſchen-Bainer angeſehen / ja noch dem Laggey einen Befelch geben / wie daß er ſolche duͤrre Bai - ner ſoll mit ſich tragen / er ſeye geſinnet / auß diſen fuͤr ſei - nen Hirſchfanger ein gute Handhab machen zu laſſen. Wie er dann noch ſelben Abend den Schwerdtfeger diſe Bainer eingehaͤndiget mit dem begehren; er ſoll ihm vmb paare Bezahlung erſtgedachte Handheb verfertigen. Si - he Wunder! kaum daß ſolche der Maiſter in ſeine Haͤnd gebracht / haben ſie alſobald das helle Blut geſchwitzt / ſo daß ein Tropffen den anderen geſchlagen / welches alle Bey - weſende in groſſe Verwunderung gezogen. Forderiſt aber war diſer Schwerdtfeger dem Todt gleicher / als einem Menſchen. Diſer / wie er ſich in etwas widerumb erholt / den Cavalier demuͤthigiſt gebetten / er wolle ihm doch ent - decken / wo er diſe duͤrre vnd weiſſe Bainer genommen? H h h 3wor -430vermaint man ſehe ihn nit.woruͤber ihme der gnaͤdige Herꝛ das Orth mit allen Vmb - ſtaͤnden / den Wald / das Geſtraͤuß beſchriben / vnd wie ei - ner auß ſeinen beſten Jaghunden allda beſagte Bainer ha - be außgraben. Ach! ſeufftzte diſer / ſprechend / ich hab ver - maint / ich ſeye gantz allein geweſt / es hab mich niemand geſehen. Jetzt ſpuͤhr ich aber / daß mir GOtt habe zuege - ſchaut. Vor 20. Jahren / da ich noch ein Handwercksge - ſell ware / hab ich einen meinen Mit Cammeraden / der dazumahl in die Wander geraiſt / das Glait geben / vnd weilen ich gewiſſe Nachricht erhalten / daß er wol mit GeltBeierlink ad An. Chriſt. 1585. p. 137. verſehen / alſo habe ich ihn in demſelbigen Wald ermordet / vnd eben an gedachtem Orth begraben. Nun mercke ich / daß mich zwar kein Menſch geſehen / aber GOtt wol / der mich derentwegen richten wird. So ſicht dann der all - maͤchtige / allwiſſende / allgewaltige GOtt alles / alles / was auch in der Finſter geſchicht / alles was in der Wildnuß geſchicht / alles was in einem Winckel geſchicht. Die Rahab hat die Außkundtſchaffter Joſue dergeſtalten ver - borgen / daß kein Menſch geſehen. Der David hat ſich dergeſtalten in die Speluncken verborgen / daß ihn Saul auch nit geſehen: Die zwey Richter zu Babylon haben ſich hinder ein Geſtraͤuß verborgen / daß ſie kein Menſch geſehen. Die Prieſter zur Zeiten der Machabeer haben das Feur verborgen / daß kein Menſch auß denen hat koͤn - nen finden: Vor dem Menſchen laſt ſich offt was verber - gen / daß niemand findt / noch ergruͤndt / aber vor deinem GOtt O Menſch laſt ſich nichts verbergen.
Von dem Joſeph iſt die Geſchicht allbekandt / wie er den Mantl hinden gelaſſen / wormit die ſaubere Frau deß Putiphars ihr Frechheit wolt verdecken. Diſe iſt dem vn - ſchuldigen Juͤngling lange Zeit nachgangen / nichts als zu - ckerſuͤſſe Wort gegen ihme gebraucht. Gute Nacht mein ſchoͤner Joſeph / hats gehaiſſen / ſchlaff fein wol mein Engel /vnd431Judas allzeit ein Dieb /vnd ſeufftzte darneben. Wann diſe Seufftzer mit Schellen waren behengt geweſt / wie der Ober-Steyrer ihre Roß / ſo haͤtte man hoͤren koͤnnen / wo ſie hingangen. Bona dies, guten Morgen / mein lieber Joſeph / hat dir nichts getrau - met / mir hats von dir getraumbt / will dirs ſchon einmahl ſagen / vnd in der gehaimb erzehlen. An einem Tag war ein groſſes Feſt gefallen / an welchem / nach Gebrauch auch alle Weiber muͤſten erſcheinen in dem Tempel; das ware ein ſchoͤner Vorthl fuͤr diſe Dama, alle giengen zu der Andacht / auſſer dem Joſeph / welcher das Hauß muͤſte huͤten. Die gnaͤdige Frau verbindt den Kopff / ſtellt ſich kranck / als waͤ - re ihr ein ſtarcker Fluß gefallen / der ihr vnglaubliche Schmertzen vnd Zahnwehe verurſacht; Auwe! ſagte ſie / was leyde ich (glaubs) ach wie brennts (im Hertzen Schelmen-Vieh) mein Schatz / redet ſie zu ihrem Herꝛn; er gehe nur mit allen Bedienten in Tempel / ich traue mir nit in die Lufft / ich will ſchon mein Andacht zu Hauß ver - richten. Auwe! auwe / auwe / das ſeynd / das ſeynd Schmer - tzen: der Joſeph kan ſchon zu Hauß verbleiben / daß ich gleichwol nicht allein bin / es moͤcht bald etwas außkom - men. Rachdem nun alles auß dem Hauß / ſo fangt die Maͤußkoͤpffin den Joſeph anzulachen. Gelt Joſeph / ſagt ſie / ich kan meinen Mann ſtattlich betriegen. Schau mein guldenes Maul / jetzt iſt alles auß: es iſt kein Menſch ſonſt im gantzen Hauß. Mein Mann iſt nicht da. Mein ſtelle dich nicht ſo frembd / wie abgeſchmach! es ſicht vns Nie - mand. Niemand? ich frag dich noch einmahl Nie - mand? O vnverſchambte! es ſicht dich ja GOtt. Scha - meſt du dich vor denen Augen deß Menſchen / vnd ſchambſt dich nicht vor den Augen Gottes? hoͤre / was der keuſcheJuxtam translatio - nem He - braicam. Juͤngling dir vnder das Geſicht ſagt. Wie kan ich diſes thun / vnd vor Gottes Augen ſuͤndigen?
Wir432vermaint man ſehe ihn nit.Wir ſchelten / wir verwerffen / wir verdammen / wir vermaledeyen jene Unthat der Hebræer / in dem ihnen Pi - latus der damahlige Landpfleger zu freyer Wahl geſtellt / ſie ſollen auß der Gefaͤngnuß begehren / entweders JE - ſum / oder Barabbam, diſer war ein Moͤrderer. So haben ſie dannoch einhellig auffgeſchryen / man ſolle JEſum ereu - tzigen / den Barabbam aber frey vnd loß laſſen. O ihr hoͤlli - ſche Gemuͤther! ſo gilt dann bey euch mehrer ein Suͤnder / vnd groſſer Suͤnder / vnd ein Moͤrderiſcher Boͤßwicht / als Gottes Sohn? aber ſag her bethoͤrter / verkehrter / be - ſchwaͤrter Menſch / in dem du dich ſchaͤmen thuſt vor den Augen der Menſchen / nicht aber vor den Augen Gottes. So gilt dann auch mehrer bey dir ein Menſch / als GOtt ſelbſten?
Es war ein Student / welcher zu Faßnacht-Zeit / da man mit Schellen in die Schuel leutet / auch nicht wolte beſcheyd ſeyn. Er wolte es auch erfahren / ob ihme die Lap - pen-Kappen moͤchte wol anſtehen / bittet demnach ſeinen Koſtherꝛn / der ein guter Mahler war / er wol das Gſicht mit Farben ihme alſo uͤberſtreichen / daß es einer Larven gleich ſehe. Der Koſtherꝛ zaigt ſich hierinfals gar will faͤh - rig. Befilcht ihme / er ſoll ſich vnderdeſſen mit einem Narren-Klayd außſtaffieren / biß er ſeine Farben miſche. Der Lateiniſche Giſpel hatte ſchon alles im Vorrath / weſt - wegen er gleich die Narren-Schuh / die Narren-Strimpff / die Narren-Hoſen / das Narren-Wammes / endlich das groſſe Narren-Kreß angezogen / vnd ſich auff den Stuhl mit naͤrriſcher Reputation, odrr reputierlicher Narꝛheit nidergeſetzet. Jetzt / ſagt er / Herꝛ mahlt mich halt frey naͤr - riſch. Der Koſtherꝛ war ein aꝛger Schalck / vn̄ gedachte nun - mehr habe er ein erwuͤnſchte Gelegenheit diſem Studioſo curioſo, oder furioſo ein laͤcherlichẽ Boſſen zureiſſen / ſchaft demnach / er ſoll die Augen wol zutrucken: theils damitihme433Judas allzeit ein Dieb /ihme die abrinnende Farben nicht ſchaden / theils auch da - mit er deſto bequemer ſeine Farben moͤchte aufftragen. Das Mahlen nimbt nun ſeinen Anfang / der Koſtherꝛ konte das Lachen nicht verhalten / vnd ſolches zu beſchoͤnen / ſagt er dem gſtudierten Narꝛn / es wird ihn kein Teuffel kennen / wegen der vilfaͤrbigen Zuͤch / vnd Strich / vnd Tuͤpffel. Vnderdeſſen aber hat er nur allezeit den Pem - ſel in das pur klare Waſſer gedunckt / vnd niemahlen in Farb / welches der mit verſchloſſenen Augen Nagelnewe Narꝛ nicht konte wahrnemmen. Nachdem nun der ver - ſchmitzte Mahler zimblich das Geſicht uͤberſtrichen / jedoch nur mit klarem Waſſer / legt er endlich den Pembßl auff die Seiten / ſprechend / Herꝛ / Herꝛ Ferdinand / ich wolt ein halben Gulden drumb geben / wann mein Weib zu Hauß waͤre / damit ſie den Spiegl moͤcht geben / worinnen ſich der Herꝛ kundt erſehen / das iſt ein Geſicht! das iſt ein Larven! das haiſt figuriert! in der gantzen Statt wird kein groͤſſerer Narꝛ ſeyn / als der Herꝛ. Diſer gantz begie - rig ſich auch ſehen zu laſſen / eylet mit ſeiner Wurſt / vnd ledernen Seepter auff die Gaſſen / von der Gaſſen auff den Marckt / macht ſeine Narren-Geberden beſter maſſen / er aber wurde allerſeits außgelacht. Herꝛ Ferdinand / ſagt einer / was iſt der Herꝛ fuͤr ein ſeltzamer Narꝛ. Holla! ge - dacht er / der Kerl kennt mich. Er geht kaum zwey Schritt weiter / da gruͤſt ihn ein gantze Burſch Studenten. Herꝛ Ferdinand! Domine condiſcipule, quare ita ſolet ſtul - teſcere? Schau! ſchau! der Narꝛ iſt deß Mahlers ſein Koſtgeher / der iſt ein ſauberer Narꝛ / er gibt ſich fein zu er - kennen. Umb Gottes willen / ſeufftzt er bey ſich ſelbſten / ſo kennt mich ja jedermann; wie muß mich dann mein Herꝛ gemahlen haben? ſpringt derentwegen in ein bekand - tes Hauß / bittet vmb einen Spiegl. So bald er in ſol - chen geſchaut / hat wenig gemanglet / daß er nicht in einJ i iOhn -434vermaint man ſehe ihn nit.Ohnmacht gefallen / in deme er gefunden / daß nicht ein Tuͤpffel von einer Farb in dem Geſicht / ſondern ſolches mit bloſſen klaren Waſſer uͤberſtrichen / weſſenthalben ihn maͤnniglich leicht erkennen konte. O wie hat er ſich ge - ſchammet! vil Geld haͤtte er geſpendiret / wann das nicht geſchehen waͤre. Niemahlen haͤtt ich das Ding gethan / ſo ich gewuſt haͤtte / daß mich jemand ſoll kennen. Narras benè narrata.
O wie vil verruckte vnd verruechte Adams-Kinder ſeynd anzutreffen / welche auch ein thorrechtes Werck vmb das andere thun / in der Maynung / es ſehe ſie Niemand / es kenne ſie Niemand. In dem Evangelio ſteht geſchriben. Gebt dem Kayſer was deß Kayſers iſt. Bey manchen haiſt es. Stehlts dem Kayſer / was deß Kayſers iſt / aber ſtihl / daß Nieman ſicht. In dem heiligen Evangelio ſtehts geſchriben / daß die drey fromme Frauen haben koſtbare Salben einkaufft / aber etliche nemmen vngerechte Schmieralia vmbſonſt ein; aber ſtihl / daß Niemand merckt. In dem Evangelio ſtehts geſchriben / daß ein Weib wegen Verluſt eines Groſchen das gantze Hauß außkerꝛt / biß ſie ihn gefunden; man - che Dieb gibts / die Kuͤſten vnd Kaͤſten außſuchen / biß ſie Geld finden / aber ſtihl / daß Niemand ſicht. In dem Evangelio ſteht geſchriben / daß ſich einer deſſent - wegen entſchuldiget / er koͤnne bey der Mahlzeit nicht erſcheinen / dann er habe fuͤnff Joch Ochſen erkaufft: ein mancher Dieb ſtillt Ochſen / vnd Kuͤhe / aber ſtihl bey der Nacht / daß Niemand ſicht. In dem Evange - lio ſteht geſchriben / es kan Niemand zwey Herren die - nen / aber mancher dient wohl zwey Frawen / aber ſtihl / daß Niemand merckt. In dem Evangelio ſteht ge - ſchriben / daß vnſer HErꝛ am Sambſtag ein Waſſer -ſuͤchti -435Judas allzeit ein Dieb /ſuͤchtigen curirt habe / aber mancher Wuͤrth hengt ſchier alle Tag dem Wein die Waſſerſucht an / aber ſtill / daß niemand im Hauß ſicht. In dem Evangelio ſtehet ge - ſchriben / daß Martha mit dem Koch-Loͤffel ſehr ſeye be - ſchaͤfftiget geweſen / aber ein manche hat weit ein anders Loͤfflen mit diſem / oder jenem / aber ſtill / daß niemand ſicht. O elende Adams-Kinder! hoͤrt mich auch an / was in dem Evangelio ſteht. In demſelben ſteht geſchriben / daß Joannes der Tauffer denen Juden / welche ihn gefragt / ob er Chriſtus ſeye: geantwortet. Medius veſtrum ſtetit,Ioan. 3. quem vos neſcitis. Er ſtehet mitten vnder euch / den ihr nit kennet. Ihr Menſchen glaubt / es ſehe euch niemand; weilen es finſter iſt / niemand: weilen es verſchloſſen iſt / niemand: weilen es ein Winckel iſt / weilen es hinder der Mauer iſt / niemand: weilen kein Menſch vorhanden iſt / niemand: glaubt aber auch / daß Gott mitten vnder euch / bey euch / an euch / vmb euch / neben euch / ja in euch ſte - he. Quem vos neſcitis. O wie weit haben geirret jene freche Lotters-Knecht / welche neben andern Schmach / vnd Spott / auch dem gebenedeyten JEſu ſeine Augen verbunden / nachmahls die ſtinckende Spaichel in das al - lerheiligſte Angeſicht geworffen / ſelbiges mit harten Ba - ckenſtreich verunehret / vnd alſo vermaint / er ſehe ſie nicht / er ſolle rathen / wer diſen / oder jenen Straich ver - ſetzet habe? weit iſt das gefaͤhlt ihr verdambte Sathans - Bruet / GOtt laſt ihm die Augen nicht verbinden / er ſicht nicht allein durch diſen wilden Hadern / vnnd vnrai - nen Lumpen / den ihr ihme vmb das Geſicht gewunden / vnd gebunden / ſondern er ſihet auch durch die Mauer / ſoll auch ſelbe dicker ſeyn als der gantze Erdboden. Nit allein die Juden haben diſen laſterhafften Muthwillen an dem Hey - land Jesu veruͤbet / ſonder es gibt auch ihres gleichen vnder den Chriſten / die nit weniger ſich GOtt vergeſſener ſtellen.
J i i 2Aber436vermaint man ſehe ihn nit.Aber O Torꝛheit! Adam hat auch vermaint / er wolle ſich hinder der Stauden verbergen / aber vmbſonſt. GOtt ſicht alles. Jonas hat auch vermaint / er wolle ſich auß den Augen deß HErꝛns ſchraufen / wie er nacher Joppen geraiſt / aber vmbſonſt / GOtt ſicht alles. Von etlichen Heiligen iſt bekandt / daß ſie auff einmahl in zwey Oertheren ſeynd geſehen worden / alſo war der Heil. Abbt Bernardus zugleich zu Rom / vnd zu Clara vall: alſo war der H. Adalbertus zugleich zu Rom / vnd zu Prag in Boͤ - heim: alſo war der H. Antonius Paduanus zugleich auff der Cantzl / vnd bey dem Altar. Aber GOtt iſt nicht nur in zwey Oertheren zugleich / ſondern in allen Orthen. Er ſicht dich allenthalben / er hoͤrt dich allenthalben / er greifft dich allenthalben / vnd ſolſt du dich nicht ſchamen / vor den Goͤttlichen Augen zu ſuͤndigen!
Als eineſt der HErꝛ vnd Heyland in dem Tempel / vor einer groſſen Menge deß Volcks lehrete / brachten die Phariſeer vnnd Schrifftgelehrten ein Weibs-Bild in die Kirchen / machten ein groß Geſchrey vnd Tumult / vnd klagten ſie offentlich an / daß ſie in flagranti, in dem Ehe - bruch ſeye ertappet worden: vnd weilen das Geſatz Moy - ſis ſolche zu verſtainigen befehle / alſo fragen ſie dißfalls / ob man dem Geſatz ſolle nachkommen? wie ſolches der Heyland vernommen / ſo naigte er ſich zu der Erden / vnd ſchribe mit den Fingern auff dieſelbe. Rathe aber / was er geſchriben? in dem ſolche Schrifft den groſſen Hannſen / vnd gelchrten Geſellen dergeſtalten mißfallen / daß ſie alle ſchamroth ſeynd daruͤber worden / vnd einer nach dem an - deren zum Tempel hinauß marſchiert. Er hat dero Schel - men-Stuͤckl / vnnd Diebſtuͤckl gantz vmbſtaͤndig entworf - fen / die ſie doch fuͤr verborgen / vnd gehaimb gehalten haben / das hat ſie veranlaſſet / daß ſie mit langer Naſen / mit vnderſchlagenen Augen ihren Weeg weiter genom -men.437Judas allzeit ein Dieb /men. Wie? ſagt einer bey ſich ſelbſten / wie muß er das Ding wiſſen? hat mich doch niemand geſehen? das waiß ich / dacht ein anderer / daß ich gantz bin allein geweſt / wie ich das jenige geſtifftet / wie muß diſer Nazarener darhin - der ſeyn kommen? er kan ja nicht durch die Mauren ſchauen? er hat es ja nicht geſehen? ja / ja / ja / meine Hebreer / er hat es geſehen / wie / wann / wo es geſchehen / dann ſeinen Goͤttlichen Augen kan es nicht entgehen. Wir ſeynd in diſem Fall wie die Kinder / aber nicht ſo vn - ſchuldig / wie die Kinder. Diſe pflegen zuweilen durch ihr kindliches ſchertzen die Augen mit ihren Haͤndlen zue - zuhalten / oder ſtecken ihren Kopff in die Schoß ihrer Mutter / vnd mainen alſo / man ſehe ſie nicht. Wir uͤben die mehreſte Frechheit / vnd Vbelthaten in der Stille / in verbogenen Wincklen / bey finſterer Nacht / verriglet / verſperret / vermauret / vnd mainen / vns ſehe niemand; da doch vnderdeſſen GOtt / welcher den Himmel fuͤr die Frommen / die Hoͤll aber fuͤr die Boͤſen erſchaffen. GOtt / welcher die Tugend ewig belohnt / die Unthaten ewig ſtraf - fet. GOtt / welcher barmhertzig gegen den Guten / ge - recht gegen den Suͤndern iſt. GOtt / welcher richten wird / die Lebendige / vnnd die Todte. GOtt / welchen vereh - ren alle heilige Engel / vnd foͤrchten alle Teuffel. GOtt / welcher dreyfach in denen Perſohnen / vnnd einfach in der Gottheit. Diſer GOtt ſicht dich / vnnd ſchauet dir zu.
Zu Wittenberg in Sachſen iſt einmahl ein ſchaͤd - liche Brunſt entſtanden / vnnd hatte man einen allge - mainen Argwohn / daß ſolches Feuer durch einen la - ſterbafften vnnd boͤſen Menſchen ſeye geleget worden. Weilen aber der Menſchen Vrthl gar offt auff Steltzen gehet / alſo iſt auch dazumahlen ein vnſchuldiger Tropff inJ i i 3Ver -438vermaint man ſehe ihn nit.Verdacht kommen / welcher ſo gar bey dem Gericht ſein Vnſchuld durch ein Wunderwerck verfecht; maſſen er ein gantz gluͤendes Pfluegeyſen in die Hand genommen / vnd ſolches einen langen Weeg durch die Statt ohne ei - nige Verletzung zur Beweißthumb ſeiner Vnſchuld ge - tragen. Mitten aber auff dem Platz in Gegenwart ei - ner groſſen Menge Volcks hat er diſes gluͤende Eyſen hin - weg geworffen / welches dann augenblicklich verſchwun - den / vnnd konte es auch nach vil angewendtem Fleiß kein eimger Menſch finden. Was geſchicht aber? ein gan - tzes Jahr nach diſem muſten etliche den Blatz mit Kiſel - ſtain pflaſteren / worunder einer auß dem Sand daſelbſt das noch gluͤende Pfluegeyſen herauß gezogen / an welchem er neben vngeheurem Geſchrey die Hand erſchroͤcklich verbrennt. Die Sach wird alſobald lauthbar / man kont ſich nit gnugſamb verwunderen / daß vor einem Jahr das Eyſen verſchwunden / vnd anjetzo ein gantz Jahr hernach von diſem Menſchen noch gantz gluͤender gefunden wor - den. Weſſenthalben diſer Geſell in die ſtrenge Frag ge - zogen worden / worinnen er bald bekennt / daß er der Thaͤ -Cranzi. 1. Vuandal. c. 31. ter ſeye jener vor einem Jahr erweckter Brunſt / daruͤber er hernach durch billiches vnd gerechtes Vrthl lebendig iſt geraͤdert worden.
Diſer armſeelige Menſch hat auch vermaint / es ſehe ihn niemand / es war bey der finſteren Nacht / da je - dermaͤnniglich in dem tieffen Schlaff war verſencket / kein Menſch hat ſich auff der Gaſſen nicht gefunden / er ware gantz alleinig / niemand ſehe ihn / keinen hat er ſolches ent - decket / hat er nach einem gantzen Jahr muͤſſen erfahren / daß ihn warhafftig GOtt geſehen habe. Der ProphetIerem. 1. Jeremias hat auff ein Zeit etwas wunderbarliches geſe - hen. Nemblichen ein Ruthen mit einem Aug. Vir -439Judas allzeit ein Dieb /Virgam oculatam. Partitenmacher in deinem Ambt: Dieb bey der Nacht: Vnzuͤchtiger Bueler in der Kam - mer: Laſter-Menſch in dem Winckel: Moͤrderer in dem dicken vnd finſteren Wald: Suͤndiger vnd boßhaff - tiger Menſch in der Stille / ſage nicht mehr / Nemo vi - det: Niemand ſicht mich; es iſt nit wahr / es ſicht dich die ſtrenge Ruethen von oben her mit dem Allmaͤchtigen Goͤttlichen Aug. Vnd was diſe ſihet / daß wird ſie vrth - len / vnd was ſie wird vrthlen / daß wird ſie auch nach dem Verdienſt ſtraffen.
Es hat der Allmaͤchtige GOtt dem Kriegs-Fuͤrſten Joſue einen ernſtlichen Befelch geben: Wann er werde / mitls ſeiner Goͤttlichen Beyhilff / die Statt Jericho erob - ren / ſo ſolle / bey Meydung hoͤchſter Straff vnd Vngnad / keiner eines Fadens groß / eines Haller werths rauben / oder Beuth machen. Das war ein hartes Geſatz: Ve - nive di guerra, et no baverrubato? auß dem Krieg zu - ruck kommen ohne Diebsſtuck? das gehoͤrt vnder die Ra - riteten. Gleichwol haben ſich die wackeren Soldaten al - ſo ſcrupulos gehalten / daß ſie mitten / vnder Gelt / vnd Gut nach Eroberung der Statt nit ein Pfenning einge - ſchoben / außgenommen einer mit Namen Achan, der hat einen rothen Mantel / vnd etwas von Silber vnd Gold geſtohlen / aber gantz[behuetſamb] / maͤißlſtill: ſo gar hat er das Silber vnder die Erden gegraben / dann wie er geſe - hen hat / daß ihm niemand zuſchaue / weder der Obriſt / weder der Wachtmaiſter / weder der Rittmaiſter / weder der Profos, &c. O gedachte er / jetzt haiſt es / Herꝛ mein Fiſch / der Mantel taugt mir ſtattlich ins Regenwetter / in Winter-Zeit iſt er mir vil lieber als ein alter Kotzen der mauſen thut / oder ein Madratzen die durchſichtig: das Silber vnnd Gold aber taugt mir zu meiner noth - wendigen Wirthſchafft / kan ich doch alles vertuſchen /iſt440vermaint man ſehe ihn nicht.iſt nicht nothwendig / daß ichs einem an die Naſen bindt / der Charmi mein Vatter muß ebenfahls nichts darumb wiſſen. Ey du plumper Mantl-Dieb! Sicht dich nie - mand? Niemand ſicht mich. Halts Maul / auff ein ſolche Lug gehoͤrt ein Maultaſchen / es iſt ja der allerhoͤch - ſte Gott / welcher deinem Kriegsfuͤrſten Joſue das Gebott geſetzt: es ſoll keiner was auß der verruchten Statt Jeri - cho mit ſich nemmen. Es iſt nicht lang angeſtanden / ſo hat der gerechte Gott diſen vngerechten Beuthmacher ent - decket. Weſtwegen er von dem geſambten Volck ver - ſtainiget worden / vnd der vorhero mit Silber vnd GoldJoſ. c. 7. vmbgangen / muͤſte anjetzo wider willen mit Stainen handlen.
Was hat nicht ſchon der Niemand geſtuͤfft? der Niemand ſtihlt zum mehriſten. Auguſtinus der groſſe Ertzvatter / da er noch ein muthwilliger Bueb ware / iſt mehrmahlen denen Leuthen in die Obsgaͤrten geſtigen / aber allzeit in Obacht genommen / ob ihn niemand ſehe. Wann er vermercket / daß der Herꝛ zum Fenſter hinauß geſchaut / ſo hat ers wol ſeyn laſſen. Der Menſch wird nit ein Spennadel entfrembden: der Bueb wird nit einen Pfenning verrucken: der Diener wird nit ein halbe Ein taffete Baͤndl einſchieben / wann ſie wahrnemmen / daß es ihr Herꝛ ſihet. Ich hab noch nie gehoͤret / daß auch der frechiſte Dieb hat auff einem Jahrmarckt krumme Finger gemacht / wann ihm der Statt-Richter hat zugeſchauet. Wie kanſt du dann frey ohne Scheu vnd ohne Rew be - gehen ſo manche Schelmerey / in dem du vergwiſt biſt / daß dir der obere HEr; zuſchaue. Reſpiciens per fene -Cant. 2. ſtras. Welcher dir ſolches in dem Thal Joſaphat vor dem geſambten Menſchlichen Geſchlecht wird vorhalten vnd vorrupffen.
Der Gebenedeyte Heyland ſagt ſelbſten bey demEvan -441Judas allzeit ein Dieb /Evangeliſten Joan. c. 8. Ego ſum Lux Mundi. Ich bin ein Liecht der Welt. Man mag das Woͤrtlein Lux Lateiniſch oder Teutſch verſtehen / ſo ſchickt ſich doch beedes auff vnſern HErꝛn / maſſen er ein Liecht / ſo alles durchleucht / vnd ein Lux ſo alles durchſicht / zumahlen wegen ſchaͤrpffe der Augen von diſem Thier geſagt wird / es koͤnnte durch ein Mauer ſehen. Das Woͤrtlein Lux hat jener Fuchs erſt in ſeinen hohem Alter erfahren / daß GOtt habe geſehen / was er geſtifft in jungen Jahren. In Oeſterreich hat ein Schneider-Buͤrſchl ſeinem Maiſter 50. fl. entfrembt / mit ſolcher Beut hat er das Hauß ge - meydt / vnd in andere Laͤnder gewandert / biß er auch iſt Maiſter worden / welcher zwar ſchon zuvor maiſterlich zu ſiehlen wuſte. Nachdem 50. Jahr von diſem begangenen Diebſtall verfloſſen / ſo hat GOtt auch wollen die 50. fl. wunderbarlich offenbahren. Dann als einmahl erſtgedach - ter Maiſter / ein bereits alter Greiß / auff dem Marckt ſpa - tzieren gangen / allwo die vnruhige Gaſſen-Bueben mit Kreiden vnderſchidliche Daͤntlerey veruͤbten an einem Fen - ſter-Laden. So hat ſich diſer alte Geck auch vnder die Kin - der gemiſcht / vnd ebenfalls mit der Kreiden wollen ſchrei - ben. Wie es aber GOtt ſo wunderlich geſchickt: diſer hatte ſein Lebenlang niemahlens ſchreiben / noch leſen ge - lehrnet. In dem er dann vermaint / mit der Kreiden nur krumpe / vnd grade Strich zu machen / ſo hat er aber gantz deutlich diſe Wort auff das Brett verzaichnet. Ich bin ein Dieb. Wie ſolches die ohne das muthwillige Bue - ben geleſen / fangen ſie alsbald an mit lauter Stimm diſen ſaubern Titul zu reintoniren. Der iſt ein Dieb / der iſt ein Dieb. Die Sach gelangt vor den Magiſtrat, welcher diſen alten Schneider hieruͤber zur ſtrengen FragK k kgezo -442vermaint man ſehe ihn nit.Stengl. p. 1. c. 26.gezogen / vnd endlich auß ihme gepreſt / daß er ein Dieb ſeye / vnd habe vor fuͤnfftzig Jahren jenem Maiſter N. 50. Gulden entfrembdet / nach welcher Erkandtnuß der zwar weiſſe Taͤttl denen ſchwartzen Raaben einen Mitgeſpann muͤſſen abgeben / vnd einen ſolchen Sailtantzer abgeben / daß er am Strick iſt hangen bliben.
Sage jetzo mehr / es ſehe dich Niemand / in deme GOtt die verborgneſte vnd gehaimeſte Ding ſchon ſo offt auff der Welt an das Tag-Liecht gantz wunderbarlich ge - bracht / auff daß der vnbehutſame Menſch Handgreifflich ſpuͤren ſolle / daß er denen Goͤttlichen Augen keines wegs entgehen moͤge. Wann wir den allmaͤchtigen GOtt ſtaͤts vor Augen haͤtten / vnd wol zu Gemuͤth fuͤhreten / daß der jenige vns zuſehe / welcher vns kan augenblicklich in die Hoͤll abſtuͤrtzen / ſo wurden wir vngezweifflet mit Laſteren nit alſo beladen ſeyn. Was hat vnder den Kaͤyſer Hen - ricum, vnder den Koͤnig Caſimirum, vnder den Fuͤrſten ein Hemenegildum, vnder den Graffen ein Elzearium, vnder den Frey-Herꝛn ein Rochum, vnder den Burgern ein Homobonum, vnder den Bauren ein Iſidorum, vn - der den Bettler ein Servulum zu ſolcher Vollkommenheit vnd Heiligkeit gebracht / als eben daß ſie ſtaͤts GOtt vor Augen gehabt. Was hat den Soldaten Mauritium, den Raths-Herꝛn Apollonium, den Artzten Pantaleonem, den Edlmann Sebaſtianum, den Fuͤrſten Abdon, den Koͤnig Olaum, zuruck gehalten / daß ſie nicht die Goͤ - tzen verehrt vnd angebettet / ſondern heroiſch gekaͤmpffet / vnd ihr Blut vergoſſen? nicht anderſt / als daß ſie den wahren GOtt allezeit vor Augen hatten. Was hat Be - nedictum mit ſo vilen Benedictineren / Auguſtinum mit ſo vilen Auguſtineren / Dominicum mit ſo vilen Domi - nicaneren / Franciſcum mit ſo vilen Franciſcaneren / Bernardum mit ſo vilen Bernardineren / ꝛc. zu ſo bekand -tem443Judas allzeit ein Dieb / ꝛc.tem Tugend-Wandl gezogen. Als das einige / daß ſie ſtaͤts GOtt vor Augen hatten. Von Boleslao dem Drit - ten / wackern / vnd ſehr beruͤhmten Koͤnig in Pohln wird geſchriben; daß er ſtaͤts die Bildnuß ſeines Herꝛn Vatter ſeeliger habe am Halß getragen / damit er in deſſen Ange - ſicht / vnd Gegenwart nichts ſtraͤffliches / oder vnruͤhmli - ches begehe. Von Alexandro dem Sechſten RoͤmiſchenCromer, lib. 5. Pabſten vermercket Carriocciolus, daß er habe das hoͤch - ſte Altar-Gehaimbnuß in Gold gefaſter an den Halß ge - hencket / auff daß er immer vnd immer gedencke / daß GOtt all ſeinen Wercken / vnd Gedancken zueſehe. Ich auch / ſprichſt du / der du ſolches liſeſt; will hinfuͤro nimmer der Goͤttlichen Augen vergeſſen / ſondern ein / vnd allemahl meinen GOtt / der mich auß nichts erſchaffen; meinen GOtt / der mich ſo theuer erkaufft / vnd erloͤſt hat: mei - nen GOtt / der mich noch durch ſein grundloſe Guͤtigkeit erhalt / vnd ernehret: meinen GOtt / von dem ich forde - riſt ein gluͤckſeeliges Sterbſtuͤndlein bitte: meinen GOtt / an dem ich einen barmhertzigen Richter erwarte: meinen GOtt / von deme ich ein troſtreiche Aufferſtehung hoffe: diſen meinen GOtt will ich hinfuͤro allezeit vor Augen haben / damit ich ihn nachmahls in jener Welt auff ewig moͤge anſchauen / ꝛc.
NAch laut deß gemainen Sprichwort / haiſts / das letzte / das beſte. Wie dann in der Warheit auff der Hochzeit zu Cana der letzte Trunck / den man auff die Tafel gebracht / der allerbeſte war / vmb hal - ben Thail beſſer / als der erſte. Aber in der Wahl vnd Auff - nehmung der Apoſtel geſchicht das Widerſpiel. Maſſen in dem Apoſtoliſchen Collegio Thadæus der Eylffte war / nach diſem iſt erſt Judas Iſcarioth als der Zwoͤlffte / vnd letzteſte beruffen worden. Diſer letzte iſt geweſt der letzeſte / in dem er ſeinem heiligen Beruff nicht gemaͤß gelebet hat / ſondern mit laſterhafftem Diebſtall ſein heiliges Ambt ſpoͤttlich entunehret. Weilen aber gemainiglich ein Suͤnd der andern die Thuͤr auffſperret / vnd gar ſelten eine gantz allein iſt / ſondern mehreſten Thail ein Beglaitſchafft vi -Luc. c. 10. ler andern mit ſich fuͤhrt. Wie dann jene Moͤrder dem ar - men Tropffen / welcher von Jeruſalem nacher Jericho ge - raiſt / nit nur eine / ſondern gar vil Wunden verſetzet. Al - ſo war die Seel deß Judæ nicht nur mit einer Suͤnd / ſon - dern mit mehrern / durch die hoͤlliſche Moͤrder verwundet. Vnnd iſt gar glaublich / daß er ein vnverſchambter Lug - ner zum oͤfftern ſeye geweſen / maſſen das liegen vnd ſtehlen alſo nahend befreundt ſeyn / wie Jacob vnd Eſau; vnd ſte - het denen diebiſchen Haͤnden niemand beſſer an die Hand / als die verlogene Zung. Wann gutwillige Leuth etwann ein heiliges Allmoſen Chriſto dem HErꝛn vorgeſtrecket / hat er jedesmahl ſolches Gelt vngezehlter dem Judæ einge -haͤndi -445Judas war ein vnverſchambter Lugner / ꝛc.haͤndiget. So ihme nachmahls der Petrus, oder Joannes, oder ein anderer Apoſtel befraget; wie vil diſer oder jener Herꝛ habe geſpendiret? da hat mehreſten Theil der ſaubere Judas weniger angeſaget / vnnd alſo im liegen gar nicht ſchamroth worden; auch hat diſer verſtohlene Caſſier gar offt ſeinem Weib Gelt in das Hauß gebracht. Vnd da ihn Chriſtus ſein Maiſter gefraget / wo er ſeye geweſen?Clodinius Dom. 1. Quadrag. fol. 9. hat er gleich ein patzete Lug auß dem Ermbl geſchuͤtt / ſpre - chend / er habe einen Krancken beſucht. Wann er allzeit haͤtte ein Maultaſchen (nach dem Teutſchen Sprichwort) muͤſſen außhalten / ſo offt er gelogen; ich halt darvor / der Dieb waͤr ſelten ohne geſchwollene Backen geweſt.
Vil ſchoͤne Muſic in vilen Orthen / von vilen Leuthen / an vilen Freuden-Feſt / mit vilen Inſtrumenten ſeynd ge - halten worden im alten Teſtament / alſo bezeugt es die H. Schrifft ſelbſten Lib. 2. Reg. c. 6. Lib. 1. Para. c. 13. & 14. cap. 16. c. 25. Lib. 2. Para. cap. 5. cap. 29. Lib. Ju - dith. c. 16. Bey diſer erſchallender Muſic hat man hoͤ - ren laſſen die Trummel / aber nie ein Pfeiffen / die Poſau - nen / aber nie ein Pfeiffen / die Leyren / aber nie ein Pfeif - fen / die Cincken / aber nie ein Pfeiffen / die Cithern / aber nie ein Pfeiffen / die Cymalen / aber nie ein Pfeiffen / ꝛc. auſ - ſer ein einigsmahl / wie der ſtoltze vnd uͤbermuͤthige Nabu - chodonoſor ein guldenes Bild hat auffgericht / vnd bey diſer Solennitet ſeine Vaſallen muſten erſcheinen / vnd di - ſen guldenen Goͤtzen anbetten mit gebognen Knyen. Da - zumahlen hat man neben andern Muſicaliſchen Inſtru - menten auch die Pfeiffen genommen / ſonſten nie. Aber gar recht damahls die Pfeiffen / dann es war gar ein haͤſſige Lug / vnd vnverſchambte Lug / daß diſer guldene TrampelDan. 3. ein Gott ſeye / deſtwegen iſt gar recht beſchehen / daß man darzu pfiffen hat.
Wann einer der Zeiten zu einer jeden Lug pfeiffenK k k 3ſolte446Judas ein vnverſchambter Lugner /ſolte / ſo muͤſte einer jederzeit ein geſpitztes Maul machen. Dann kein Land / kein Stand / kein Wand / wo man nicht der Warheit ein Schmitzen gibt. Es ſeynd der geredten Lugen / der geſchribenen Lugen / der gemahlten Lugen / der druckten Lugen / der gſtochnen Lugen / der gſchnitzleten Lu - gen / der gſungnen Lugen / der Teutſchen Lugen / der Latei - niſchen Lugen / der Spaͤniſchen Lugen / der Franzoͤſiſchen Lu - gen / der Pohlniſchen Lugen / der Vngariſchen Lugen / der groſſen Lugen / der kleinen Lugen / der mittlmaͤſſigen Lugen / der hoͤfflichen Lugen / der groben Lugen / der verſchmitzten Lugen / der plumpen Lugen / der gmainen Lugen / der nenen Lugen / der alten Lugen / der friſchen Lugen / der wochentli - chen Lugen / der taͤglichen Lugen / der ſtuͤndlichen Lugen / der geſchwinden Lugen / der langſamen Lugen / der Statt - Lugen / der Marckt-Lugen / der Doͤrffer-Lugen / der Schloß - Lugen / der Hauß-Lugen / der Zimmer-Lugen / der Tiſch - Lugen / der Nacht-Lugen / der Tag-Lugen / der Gaſſen-Lu - gen / der Winckel-Lugen / der Maͤnner-Lugen / der Weiber - Lugen / der Kinder-Lugen / der Herren-Lugen / der Frauen - Lugen / der Diener Lugen / der Menſcher-Lugen. So vil / ſo vil / daß / wann man von einer nur ein Pfenning Mauth ſolt ablegen / in kurtzer Zeit ein ſo haͤuffiges Gelt geſamb - let wurde / als der weltkuͤndige Crœſus in ſeinem gantzen Reichthumb gehabt. Ja ſo gar redet der Pſalmiſt Da - vid: Omnis homo mendax. Daß alle Menſchen Lug -Pſal. 115. ner ſeyn. Etwann will der geeroͤnte Prophet ſagen / daß kein Stand ohne Lug.
Reden die Edl-Leuth allzeit die Warheit: nicht alle - zeit. Es iſt zwar kein Laſter / an welchem ein edles Ge - muͤth ein groͤſſern Abſcheuhen tragt / als an der Vn - warheit. Joſue ſchickt in die Statt Jericho zwey Auß - ſpecher / oder Kundtſchaffter / welche ihr Einkehr ge - nommen bey einem gemainen Weib / es iſt diß ſchon einalter447in Worten vnd Wercken.alter Soldaten-Brauch. Wie daß dem Koͤnig diſer Statt zu Ohren kommen / ſchicket er alſobald einige Quar - dia, welche diſe zwey Iſraeliter ſollen gefaͤnglich einzie - hen. Wie nun diſe vor das Hauß kommen / vnd das Weib Rahab anſtrengten / ſie ſoll ſagen / vnd zaigen / was ſie fuͤr ſaubere Gaͤſt habe. Die Rahab hatte vorhero die zwey Maͤnner gantz vnder dem Tach verborgen / vnd ſie mit vilen Stoplen / vnd Flachs zugedecket. Sagte alſo deß Koͤnigs Leuthen / ja ich bekenne es / ſie ſeynd zu mir kommen / aber ich wuſt nicht / von wannen ſie waren. Num. ein Lug: vnd da man in der fin - ſter das Thor geſperret / giengen ſie auch hin - auß. Num. 2. Lugen / dann ſie waren vnder dem Tach. Ich waiß aber nicht / wohin ſie gangen ſeynd. Num. 3. Lugen / dann ſie wuſts nur gar zu wol. Jagt ihnen eilends nach / ſo werdet ihrs ergreiffen. Joſue 2[.]Num. 4. Lugen / dann ſie ſahe es wol / daß ſie es nit wur - den ertappen. Diſes Weib hat haubt liegen koͤnnen / gar nit angeſtoſſen mit der Zung / noch weniger roth worden / dann ſie war ohn das zimblich vnverſchambt.
Es ereignete ſich faſt ein gleiche Begebenheit mit dem Loth; bey ihm haben gleichmaͤſſig zwey Gaͤſt ein - kehret / die muthwillige Sodomiter wolten kurtzumb die zwey herauß haben / oder ſie ſtuͤrmen ihme das Hauß. Was thut der ehrliebende Herꝛ Loth? etwann hat er auff gleiche Weiß auffgeſchnitten / vnd die Gaͤſt verlaug - net? ſeye es vmb ein Lug hin oder her / es wird deſtwegen das Zahnfleiſch nicht geſchwellen / es iſt ja beſſer gelaug - net / wann man auch ſolt dem Teuffel ein Ohr abſchwoͤ - ren / ſetze er gleichwol hernach ein Parocca auff. Wann mans ſolte beſtehen / daß diſe alſo wolgeſtalte Juͤng -ling448Judas war ein vnverſchambter Lugner /ling noch im Hauß ſeyn / was Schad vnd Schand / vnd Schind-Thaten wurden entſtehen? Nicht dergleichen hat der Gewiſſenhaffte Loth hoͤren laſſen / ſondern er hats red - lich bekennt. Ja / ja / meine liebe Bruͤder / ich laugne es nicht: ja / ja / ſie ſeynd bey mir / aber ich bitt euch vmb Gottes willen / thut das Ding nicht. Warumb hat dann jenes Weib gelogen / vnd gelaugnet / gelaugnet vnd gelo - gen vndereinander / nacheinander / uͤbereinander / der Loth aber blibe bey der Warheit auch in hoͤchſter Gefahr? Da - rumb / merckens Eur Gnaden / Ihr Herren Edl-Leuth / ꝛc. Die Rachab war ein ſchlechtes Rabenvich / ein gemeines Weib / deſtwegen ſchambt ſie ſich nicht deß Liegen: aber Loth war ein Edlmann von groſſem Gebluͤt / von ſtatt - licher Caſada, darumb wolt er auff kein Weiß mit Lugen vmbgehen. Pfui! Mendacium eſt vitium ſervile, ſpricht Sophocles.
Es iſt wahr / vor diſem hats gehaiſſen: ein Mann / ein Mann / ein Wort / ein Wort. Was man dazumah - len verſprochen / iſt vnveraͤnderlich gehalten worden. Zur ſelben Zeit hat ein Parola mehrer Glaubens gehabt / als anjetzo Pargamene Brieff / woran die Sigl hangen / wie Pantalier an einem Soldaten. Bey etlichen Edl-Leu - then / nit bey allen / iſt die Parola ein Parabola worden / vnd iſt zuweilen ſo gar nit ein papierenes Haͤußl / welches die Knaben auff die Krippel ſetzen / darauff zu bauen. Pa - rola Pater! ich will mich einſtellen. Parola Maiſter! die andere Wochen ſolt ihr das Gelt haben. Parola Kauff - mann! in vierzehen Tagen ſoll alles pr. Haller / pr. Pfen - ning bezahlt werden. Der Kauffmann verlaſt ſich dar - auff ſo feſt / gleichſamb als auff die 14. Nothelffer: Der Maiſter hofft darauff mehrer als die Iſraeliter auff das guldene Kalb: Der Pater wartet darauff / wie Moyſes auff das gelobte Land: aber der erſte / der andere / der drittewerden449in Worten / vnd Wercken.werden bißweilen zugericht / als wie deß alten Tobiæ ſeine Augen von den Schwalmen (vulgò beſchmiſſen) es ge - ſchicht zuweilen / daß ein Weib ein Knaͤil Seiden abwindt / vnd findt einwendig ein Papierl / worauff die Seiden ge - wunden worden / eroͤffnet ſolches auß angenaturtem Fuͤr - witz / ſchaut / liſt / findt daß es ein altes Außzuͤgl von einem Kauffmann: alſo in der Warheit ſtecket bißweilen vnder Sammeten vnd Seidenen Klaydern auch ein Außzuͤgl / daß man ſolche noch ſchuldig iſt / welcher ſich ſo feſt auff die Parola verlaſſen. Weſtwegen ich fuͤr gewiß gehoͤrt / daß der Credit ſeye mit Todt abgangen / vnd allem ſagen nach / ſo habe ihm Parola mit Gifft vergeben. Die Ru - bricæ deß Miſſals ſetzen alle Sonntag in der H. Meß ein Credo, aber bey dem jetzigen Welt-Lauff findet man we - der am Sonntag / weder am Werchtag ein Credo, vnd hoͤrt man faſt taͤglich diſer vnd jener hat kein Credit mehr bey mir / dann er hat mit ſeinen Worten nit zugehalten.
Reden die gelehrte Leuth allzeit die Warheit? nit allzeit: es ſoll zwar nichts wenigers als ein Lug einem ge - lehrten Mann auff die Zung kommen. Jonas der Pro - phet bekombt von dem Allmaͤchtigen Gott ein ſcharpffen Befelch / er ſoll vnverweilt ſich in die Statt Ninive bege - ben / daſelbſt mit allem Ernſt predigen / daß nach verfloſſe - nen 40. Tagen die Statt / wegen allzugroſſen Laſtern / wer - de zu Grund gehen. Nachdem nun der Prophet we - gen ſeines Vngehorſambs in das Meer geſtuͤrtzt worden / vnd alsdann nach außgeſtandenem Arreſt in dem Wall - fiſch wider gantz wunderlich auff das Land kommen / alſo hat er gantz eyfferig den Goͤttlichen Befelch vollzogen / auff allen Gaͤſſen der Statt Ninive ihren erbaͤrmlichen Vn - dergang nach 40. Tagen verkuͤndiget. Weilen aber der Koͤnig ſambt dem Adl / vnd Burgerſchafft zur Buß ge - ſchritten / vnd alſo der erzuͤrnte Gott hierdurch wider ver -L l lſoͤhnet450Judas war ein vnverſchambter Lugner /ſoͤhnet worden. Alſo iſt auß der betrohten Straff vnnd Undergang nichts worden / welches dem Propheten Jonæ dergeſtalten zu Hertzen gangen / daß er gantz traurig her - umb gangen / ja endlich gantz vnwillig wider GOtt ſelb - ſten gemurret; HErꝛ / ſagt er / auff ſolche Weiß will ich lieber todt / als lebendig ſeyn; Gemach! mein graͤndiger Jonas, ſonſt wird man von dir ſagen / du ſeyeſt im Wahlfiſch ein anderer Fiſch worden / den man ins ge - main den groͤſten Fiſch nennet / dann ſein Kopff in Hol - land / vnd ſein Leib bey vns herauß. Gemach! mein Pro - phet / du ſolſt dich lieber erfreuen / als trauren / daß der ſchoͤnen Statt die Goͤttliche Juſtitz verſchont hat. Ihr habt gut zu reden / ſpricht er / ich will halt noch einmahl lieber todt / als lebendig ſeyn / anjetzo werden mich die Leut einen Lugner haiſſen; die Kinder auff der Gaſſen werden mich einen Maulmacher nennen: die Menſcher bey dem Brunnen werden meiner ſpotten / daß ich ein falſcher Pro - phet ſeye: die Burger vom Fenſter herab werden mich einen Auffſchneider titulieren; wer waiß / ob nicht gar ei - nen verlogenen / ꝛc. die Weiber mich ſchelten werden. Lie - ber / lieber / ſags noch einmahl / lieber will ich todt ſeyn / als daß man mich fuͤr einen Lugner ſolte halten / vnnd auß - ſchreyen. Mich? der ich ein Prophet bin: mich? der ich allzeit einen guten Namen gehabt: mich? ein Lugner? Joan. 4.Pfuy! Melior eſt mihi mors, quàm vita.
Es ſtehet freylich wol nit ruͤhmlich bey einem gelehr - ten Mann / ſo er mit Unwarheit vmbgehet / maſſen der Propbet David in 5. Pſalm den Rachen eines Lugners ei - nem offnen Grab vergleicht. Dann gleichwie ſolches ab - ſcheulich mufft / vnd ſtinckt / alſo ſtinckt nit weniger ein Lug auß einem Menſchen / darumb man ins gemain pflegt zu ſagen; Es iſt erſtuncken vnd erlogen. Nichtsdeſto -451in Worten vnd Wercken.deſtoweniger ſeynd deren vil anzutreffen / welche offt ſo wol muͤndlich / als ſchrifftlich mehrer Lugen zuſammen binden / als der Samſon vor diſem Fuchs-Schwaiff auff denen Philiſteiſchen Feldern / deren gleichwol dreyhundert waren. Abſonderlich ſpuͤhrt man ſolches in denen neuen Zeitungen. Wann ich ſo vil Zieglſtain haͤtte / als Lugen nur in diſem Kriegs-Lauff ſeynd auffgebracht worden / ſo getrauete ich mir einen Babyloniſchen Thurn auffzu - bauen / vnd vmb ein Garn hoͤher / als derſelbige war / ſo vonS. Hieron. in Iſa. 14. denen Nemrodianeren iſt auffgericht worden / welcher gleichwol 4000. Schritt / das iſt / ein gantze Teutſche Meil hoch ware. Jener vngerechte Haußhalter / von dem der H. Evangeliſt Lucas am 16. meldet / hat denen Schuld - neren ſeines Herꝛn befohlen / einer ſolle an ſtatt hundert Thonnen Oels 50. ſchreiben; ein anderer an ſtatt hundert Mahlter Waitzen ſoll 80. ſetzen; das waren ſ. v. geſchri - bene Lugen; bey der Zeit iſt man noch weniger ſerupulos im Zeitung ſchreiben / dann man gar offt an ſtatt 100. pflegt 1000. zu ſetzen / oder an ſtatt 1000. nur 100. Man hat es ſehr genau zuſammen gezogen auß den Zeitungen / daß durch diſe zwey Tuͤrcken-Krieg uͤber die neunmahl hundert tauſend Tuͤrcken ſollen gebliben ſeyn. Wie vil ſeynd da O, oder Nulla zu vil / das haiſt ja in dem Vo - cativo ô Mendacia! wenig fuͤrwahr / ja wol gar kein Iſaias iſt der Zeiten mehr zu finden / der alſo heilig / vnd haicklich mit der Warheit iſt vmbgangen / daß er dem boͤſen hoͤlliſchen Feind / ſo in dem Kercker ihn zu einerS. Ambr. in Pſalm. 118. Lug angeraitzet / gantz behertzt geantwortet / daß er tau - ſendmahl lieber woͤlle ſterben / als eine eintzige Vnwar - heit reden.
Reden die Kauffleuth allzeit die Warheit? gar ſel - ten. Der H. Salvianus ſchreibt lib. 4. de Provid. etwasL l l 2Latei -452Judas ein vnverſchambter Lugner /Lateiniſch von den Kauffleuthen / welches ich mir nicht ge - traue in das Teutſche zu uͤberſetzen. Quid aliud eſt vita Negotiatorum Omnium, niſi meditatio doli, & tritura mendacij. Das haiſt: Die Kauffleuth handlen mit vilen Wahren / aber mit deſto weniger Warheit. Der Teuffel als ein Vatter der Lugen / wie er das verbottene Confect im Paradeyß fail botten / hat ſchon in diſem handlen zwey groſſe Lugen eingemiſcht / in deme er die Wahr gar zu ſtarck gelobet / ſprechend / vnnd verſprechend / der Apffel werde ſie zu Goͤtter machen: das war ein groſſe Lug. Wann ſie ihn ſollen eſſen / ſo werden ſie nicht / wie ihnen GOtt geſagt / ſterben: das war ein groͤſſere Lug: nequa - quam moriemini. Ey du Nequam mit deinem nequa - quam! oͤhne liegen werden die Kauffleuth gar ſelten ihr Wahr anwehren. Wie die ſaubere Bruͤder ihren Joſeph verkaufft / da hats vil liegen / vnd betriegen abgeſetzet / zu Vermaͤntlung ihrer Miſſethat haben ſie den Rock deß Joſephs in ein Bock-Bluet eingeduncket / vnd ſolcher ge - ſtalten dem alten Vatter nacher Hauß geſchickt mit trau - riger Erinderung / daß ihr Bruder von wilden Thieren zerriſſen worden vnd gefreſſen. Das war gar ein plumpe Lug / die hat man koͤnnen mit Haͤnden greiffen / dann der Rock ware gantz / vnd diſe ſchlimme Geſellen geben vor / ein wildes Thier habe ihn zerriſſen vnd gefreſſen / das brauchte deß Pfeiffens; Wie kan ein wildes Thier ein Menſchen zerreiſſen / vnd auffzehren / wann das Klayd gantz verblei - bet? Die Kauffleuth koͤnnen weit beſſer vnd verſchmitz - ter liegen; ihre Lugen ſehen der Warheit ſo gleich / wie die Woͤlffin dem Wolffen. Ihre Lugen meſſen ſie nach der Ehlen auß / ihre Lugen woͤgen ſie mit der Waag auß. Wann ich ſo vil Bretter haͤtt / als Lugen geſchehen auff einem Jahrmarckt in einer vornehmen Statt / ich ge -trauete453in Worten vnd Wercken.trauete mir einen Zaun von lauter Brettern vmb gantz Britanien zu fuͤhren.
Es iſt Petrus nicht allein / der gantz gewiſſenloß hat auffgeſchnitten / er kenne JEſum von Nazareth nicht / vnd da man ihm dißfalls keinen Glauben wolte ſetzen / hat er es mit einem Schwur bekraͤfftiget: ſondern es ſeyndMatth. 27. gar vil Handels-Leuth wie Petrus, vnd Judas, mit dem Vnderſchid / daß Petrus nur einmahl die Vnwarheit mit einem Schwur verſiglet / aber bey etlichen Handels-Leu - then iſt es gantz gemain. Der Teuffel holl mich / wann mich die Wahr nit ſelbſten mehrer koſtet / ich begehr nicht ſeelig zu werden / wann nicht die Wahr gantz friſch iſt / GOtt waiß es / es iſt erſt einer da geweſt / der hat mir vmb etlich Groſchen wollen mehrer geben: der Teuffel fuͤhr mich hin / wann ichs nicht zu Hauß vmb den Werth kan verſilbern / ꝛc. Damit man nur theuer verkauffe / ſo ſeynd die Lugen ſpott wolfail. Weit anderſt ware ge - ſinnt / vnd geſitt die H. Lidwina, von welcher folgends Wunder geſchriben wird. Zwey Maͤnner zanckten derge - ſtalten miteinander in der Statt / daß endlich die Sach ſo weit kommen / daß einer auß diſen den Degen gezucket / in Willens den andern zu ermordten / vnd weilen ſolcher ſich mit der Flucht wolt erretten / alſo hat ihm derſelbige mit groſſen Grimmen nachgeſetzet / vnd gar getriben in das Hauß der H. Lidwinæ, woſelbſt er die Haußfrau Namens Petronillam, als ein Mutter Lidwinæ befragt / ob diſer nit im Hauß ſeye? welche zu Errettung deß andern Heyls mit nein geantwortet. Der blutbegiergie Menſch tringt gar in das Kaͤmmerl hinein / allwo die H. Lidwina kranck gelegen. Fragt ſie / ob der Geſell nit da ſeye / er woll ihm den Reſt geben / vnd als die H. Jungfrau bekennt / ja / er ſeye da / ſo hat ihr die Frau ein harten Backenſtreich ver - ſetzt / vmb weilen ſie ſolches beſtanden. Die H. LidwinaL l l 3ſagte454Judas war ein vnverſchambter Lugner /ſagte aber / ſie wolte derentwegen nit liegen / dieweilen ſie der Hoffnung geweſt ſeye / ihn mehr mit der Warheit / als mit der Lug zu ſchutzen; wie es dann nit anderſt geſche -In Vita. hen / allermaſſen der Menſch ihme / der ihn geſucht / alle - weil vor Augen geſtanden / aber durch ſonderbare Goͤtt - liche Gnad vnſichtbar geweſt.
Reden die gemaine Leuth allzeit die Warheit? das gar nit / ſondern auch bey denen gemainen Leuthen ſeynd die Lugen gemain. Vor Zeiren haben ſich die Baͤumer wunderlich gebogen / alſo zaiget man noch einen Baum bey Cairo, welcher ſich biß auff die Erden nidergenaigt / worvon die Mutter Gottes etliche Fruͤchten darvon ab - gebrocket / da ſie in Egypten geflohen / derentwegen die verſtockte Heyden diſen Baum vmbgehauen / ſo aber denAbul. in c. 2. Matth. Queſt. 60. andern Tag wunderlich widerumb ergaͤntzter geſtanden. Kurtz vor ihrem gebenedeyten Hinſcheiden iſt die uͤberge - benedeyte Jungfrau Maria auff den Oelberg geſtigen / all - da ihr eyfriges Gebett zu verrichten / allwo ſich das groſſe Wunder ereignet / daß alle Baͤum deſſelben Orths ſich biß auff die Erden haben gebogen / vnd ein ſolche Reverentz ihr erwiſen / in dem doch offt mancher grober Block kaumIn Menæis Græcis 15. Aug. in Hi - ſtor. de obdorm. ein halbes Knye in der Kirchen bieget. Wie das heilige Hauß durch Engliſche Haͤnd in das Recanatiſche Gebiet / welches dazumahlen einer edlen Frauen Namens Laureta gehoͤrig war / mit groͤſtem Wunder getragen worden / da hat ſich ein gantzer Wald gegen dem heiligen Gebaͤu ge -In Hiſt. Tranſ. naiget / auch nachmahls alſo gebogner verharꝛt. Wie man dann noch vor dreyſſig Jahren dergleichen hoͤffliche Baͤu - mer angetroffen.
Die ſeelige Roſa, auß dem Orden deß heiligen Do - minici, pflegte taͤglich in aller Fruhe in den Garten zu gehen / daſelbſt ihren GOtt zu loben / ſo hat man abermehr -455in Worten / vnd Wercken.mehrmahlen beobachtet / daß / wann ſie mit jnbruͤnſtigen Eyfer folgenden Verſicl auß dem Pſalm geſprochen. Be -In vita. nedicite univerſa germinantia in terra Domino, &c. Sich alſobalden die Baͤumer angefangen zu bewegen / vnd biß auff die Erd ſich zu bucken.
Es haben ſich alſo vor diſem die Baͤumer durch ein Wunderwerck gebogen / aber jederzeit liegt man al - ſo / daß ſich die Baͤumer durch ein Wunderwerck moͤch - ten biegen. Man hat es jenen Kundſchafftern / welche Joſue in das gelobte Land geſchicket / ſehr fuͤr Ubel ge - habt / daß ſie alſo grob auffgeſchnitten / in dem ſie ſpoͤttlich vorgeben / daß ſie in gedachtem Land haben Leuth / vnd Maͤnner angetroffen / welche einer ſo vn - geheuren Groͤſſe waren / daß ſie gegen ihnen wie die Heu - ſchrecken anzuſehen. Pfeiff! das haiſt auffgeſchnit -Num. 13. ten.
Aber jetzo trifft man nit wenig vnverſchambte Geſel - len an / welche noch haͤuffiger vnd hefftiger liegen / vnd nit allein groſſe vnd grobe Lugen in 4to, ſondern in Folio aufftragen. Pfuy! einer prallte / wie daß er vor etlichen Jahren / da er in die Laͤnder geraiſt / habe er in Indien ein Krautſtauden geſehen / welche ſo groß war / daß gar fuͤg - lich darunder 300. Mann ſtehen konten. Einer auß den Zuhoͤrern kont ſich nit genug uͤber diſen Tranſchierer ver - wunderen / ſagt alſo / er habe in Britannien geſehen einen Kupffer-Keßl machen / woran zweyhundert Geſellen ge - arbeitet / vnd iſt doch einer von dem anderen ſo weit ge - ſtanden / daß er ihn gar nit Klopffen gehoͤrt / das war ein groſſer Keßl. Je / je / ſprach der andere / zu wem brauchte man diſen groſſen Keßl? dieſelbe groſſe Krautſtauden / die er in Indien geſehen / darinn zu kochen / vnd verweiſt ihme alſo ſein vnverſchambtes auffſchneiden.
Ein456Judas war ein vnverſchambter Lugner /Ein anderer gab fuͤr ein gewiſſe Warheit auß / daß er in Weſtphalen habe eineſt in einem Wirths-Hauß ein - kehret / vnd die Nacht-Herberg / worinnen auch andere naſſe Burſch ſich auffgehalten. Under andern waren auch daſelbſt zwey Fleiſchhacker / welche bey der Nacht alſo ge - ſchnarcht / daß einer mit dem Schnarchen die Cammer - Thuͤr habe auffgemacht: der andere mit ſeinen Schnauf - fen dieſelbe Thuͤr wider zugezogen / vnd dergeſtalten die Thuͤr die gantze Nacht auff - vnd zugangen. Pfeiff! das haiſt auffgeſchnitten.
Ein anderer hat außgeben / daß er Anno 1632. auff Meer habe ein Vngluͤck außgeſtanden / in dem das uͤberla - dene Schiff von denen vngeſtimmen Winden geſcheitert / vnd folgſamb alles zu Grund gangen; er aber / als deß Schwimmens wol erfahren / ſeye fuͤnff Waͤlſche Meil vn - der dem Waſſer geſchwummen / vnd beynebens drey Pfeif - fen Tabac vnder dem Waſſer außgetruncken / alſo behut - ſam mit der gluͤenden Kohlen vmbgangen / daß ſie ihn nie erloͤſcht. Pfeiff! das haift auffgeſchnitten. Pfui!
Ein anderer ſagte / es habe ihme einmahl ein Wild - ſchwein in Boͤhmiſchen Wald alſo nachgeſtellt / daß er end - lich gezwungen worden ſich hinder einem Baum zu flie - hen; die Wildſchwein aber ſeye alſo ſtarck an den Baum angeloffen / daß ſie mit den Zaͤhnen / oder auff Waydmaͤn - niſch zu reden / mit den Waffen durch vnd durch getrun - gen / dazumahl habe er einen Bohrer bey ſich gehabt / mit welchem er vnverweilt durch die Waffen gebohret / vnd ſolcher geſtalten den Bohrer ſtecken laſſen / daß ſie alſo nit mehr kunte zuruck ziehen / ſonſten waͤre er ſeines Lebens nit ſicher geweſt. Ein andersmahl ſeye er uͤber das hohe Ge - buͤrg Bononiæ geraiſt / zu hoͤchſter Sommerszeit / vnd ha - be daſelbſt auff hoͤchſtem felſigen Gebuͤrg einen Faͤhltrittgethan /457in Worten / vnd Wercken.gethan / worvon er ein gute Teutſche Meil hinab gefallen / ſich 2413. mahl vmbkehret / dann er habs wohl gezehlet / vnd doch nicht ein eintziges Venetianiſch Glaß gebrochen. Deren er 36. in ſeinem Rantzen getragen / der lincke Fuß aber ſeye ihm etwas wenigs auffgeſchwollen durch diſen Fall / welche Geſchwulſt er noch denſelben Tag geendet mit einer Salben / die er noch zu Bugiapoli in dem Chine - ſer-Reich vmb ein Spott-Gelt habe erkaufft. Di! ſo ſchneide!
Was kan doch zuchtloſer / vnd fruchtloſer: was kan doch laſterhaffter / vnd preßhaffter: was kan doch ehrver - geſſener / vnd lehrvergeſſener ſeyn / als ein ſolcher vnver - ſchambter Auffſchneider! wann der Menſch auch wegen eines eintzigen vnnutzen Wort wird von der Goͤttlichen Juſtitz geſtrafft werden / wie wird dann ein ſolcher Spott - Geſell / vnd Zungentreſcher beſtehen? wann der gebenedev - te JEſus deſtwegen ein ſo harte Maultaſchen; vnnd ſchmertzlichen Backenſtraich vom Malcho empfangen / vnd weilen Adam im Paradeyß ein Lug gethan / dann auff ein Lug gehoͤrt ein Maultaſchen: alſo wolt der Heyland ſelbſt ſolche fuͤr den Adam außhalten. So iſt hierauß leicht abzunemmen / wie ein Lugenſchmid die Goͤttliche Maje - ſtaͤt belaydige.
Reden die Burgersleuth allzeit die Warheit? hat ſich wol. Es ſeynd vil auß jhnen / welche nit alſo ſcrupu - los ſeynd / wie der Samſon geweſt Es moͤchten die Phili - ſteer gern wiſſen / in wem doch die Staͤrcke deß Samſons haffte / zu ſolchem End haben ſie die Dalilam, welche bey dem Samſon ſehr vil golten / mit Verheiſſung eines guten Beuthl voll mit Ducaten erſucht / daß ſie auß ihme ob - benenntes Gehaimnuß herauß forſchen ſolle. Diſe in An - ſehung diſer ſtattlichen Recognition liebkoſet ihren Schatz alſo ſtarck / daß er ihrs doch moͤchte vertrauen / welcher all -M m mzeit458Judas ein vnverſchambter Lugner /zeit dreymahl nach einander ihr die Warheit geſagt. End - lich mein ſaubere Madame bekombt einen Verſchmach / fangt an zu pfnotten / wirfft ihm vor / daß er ſo gar kein Manier brauche / das Frauenzimmer zu bedienen / er ſtellt ſich ſo vngereimbt / er ſoll ſich lieber in Finger beiſſen / als die mindeſte Offenſa einer Dama zufuͤgen. Kurtz von der Sach zu reden / er ſeye halt ein Lugner / vnd ein lauterer Maulmacher. Holla! per tres vices mentitus es mihi. Das haiſt das Lebendige getroffen; diſe Lob-Predig will dem Samſon nit gefallen / vnd gedachte alſo bey ihm ſelb - ſten. Entdecke ich ihr das Gehaimnuß / ſo wird ſie es vn - fehlbar denen Philiſteern zutragen / vnd folgſamb iſt es vmb mein Leben geſchehen: offenbahre ich dir es nicht / ſo muß ich es ſtaͤt auff dem Taͤller haben / daß ich ein Lugner ſeye. Wie iſt dann der Sach zu thun? ey ſo ſeye es / ſo will ich ehender lieber ſterben / vnd ihr die Warheit bekennen / als daß ich ſolle ein Maulmacher genennt werden.
Eines ſolchen ehrlichen Sinns ſeynd nicht alle Bur - ger / zumahlen vil wegen eines wenigen Gewinns ſich nit ſchewen ein Lug an die andere zu faͤßlen / wie ein Ketten. Ich beſtelle mir bey einem Mahler die Bildnuß deß Heil. Pauli, welcher ein Haupt / vnd Patron aller Prediger. Di - ſer Mahler verſpricht die nechſt eingehende Wochen das Bild zu verfertigen. Ich komm die andere Wochen / findt die erſte Lug / in dem die Leinwand noch nicht auffgezogen; er entſchuldiget ſich mit diſem oder jenem / verhaiſt beyne - bens / ſo wahr als er ein ehrlicher Mann ſeye / die andere Wochen ſoll ichs haben. Nun / me commendo. Ich er - ſchein die andere Wochen / vnd will mein H. Paulum ha - ben / findt aber den Faulum, vnd kein Paulum. Der Mah - ler wendt widerumb ein Entſchuldigung vor / er hab ſchon angefangen / vnd weilen er entſchloſſen einen groſſen Fleiß anzuwenden / alſo koͤnne man auch die Sach nit gleich bla -ſen.459in Worten vnd Wercken.ſen. Blaſen! dacht ich / lieber pfeiffen / als blaſen zu ſol - chen haͤuffigen Lugen. Auff St. Peters Tag / die andere Wochen gewiß / vnfehlbar / Parola, kan mich darauff ver - laſſen / iſt nit vonnoͤthen / daß ich darumb ſchicke / er will es ſelber bringen: auff ſolche gegebene Verhaiſſung verlaß ich mich / daß ich auff St. Peters Tag werde den H. Pau - lum haben / dann diſe zwey ſeynd ohne das gern beyſam - men. In der Vigil deß H. Petri ſchicke ich ſpatt Abends vmb meinen Paulum, ſo bekomb ich die Antwort / er ſeye ſchon gemahlen / aber es gehe ihm das Schwerdt ab. Vnd dir / gedachte ich / geht das groſſe Meſſer nit ab / du vnver - ſchambter Auffſchneider! mich taurete nichts mehrers / als daß der H. Paulus, welcher allerſeits die heilige / vnd liebe Warheit geprediget / jetzt bey diſem Mahler muß mit Lugen beſtehen. Pfuy! wie ſtarck hat ſchon das liegen ein - geriſſen / der H. Paulus hat vor Zeiten die Cretenſer Lug - ner gehaiſſen. Cretenſes ſemper mendaces. Wann er der Zeiten noch bey vns lebte / ſo kont er manchem Burger ſolche Laudes ſingen.
Reden die Baursleuth allzeit die Warheit? nit all - zeit. Der allererſte Baur in der Welt ware der Cain, al - ſo bezeugt die H. Schrifft. Der Abel war ein Schaaf -Geneſ. 4. Hirt / Cain ein Ackersmann; aber kein wackerer Mann / in dem er ſeinen Bruder auß Neyd ermordt. Nach diſe[r]vollbrachter Miſſethat erſcheint ihm GOtt der Allmaͤch - tige / fragend / wo ſein Bruder Abel ſeye. Neſcio, ich waiß nit / ſagt vnd liegt der vnverſchambte Ackersmann. Seins gleichen findt der Cain noch vil Bruͤder. Wann Verwal - ter vnd Pfleger ſolten von einer jeden Baurn-Lug nur ein Arbeiß einnehmen / ſo wurden ihre Kuchel an diſer Speiß kein Mangel leyden. Wie der H. Julianus mit ſeinen Bruͤ - dern ein Kirch auffbaute / hat er vom Kayſer ein Befelch außgewuͤrckt / daß alle vorbey raiſende ihm ſollen helffen. M m m 2Auff460Judas war ein vnverſchambter Lugner /Auff ein Zeit muſten etliche Bauren mit ihren Och - ſen Waͤgen denſelben Weeg nemmen / damit aber das grob Geſindl nit ſoll helffen / haben ſie einen auff den Wa - gen gelegt / mit Kotzen uͤberhuͤlt / vnd ihme ernſtlich befoh - len / er ſolle ſich todt ſtellen. Wie ſie nun allbereits bey demſelbigen Orth angelangt / hat ſie alſobald der heili - ge Julianus gar hoͤfflich vnd freundlich erſucht / ſie wol - len ihme doch ein Stund ſchencken / vnd etliche Stain her - zu fuͤhren. Diſe Bauren / wol rechte Lauren entſchuldi - gen ſich / wie daß ſie ſich nicht koͤnnen auffhalten / weilen ſie einen Todten auff dem Wagen. Das iſt ein ſchaͤndliche Lug / ſagt Julianus. Pfui ſchambt euch! GOtt wird zu - laſſen / was ihr vorgebt. Als nun diſe ſchon zimblich weit von dem heiligen Juliano gefahren / ſo zupffen ſie den Ge - ſellen / er ſoll auffſtehen. Auff / auff! gelt wir haben denS. Anton. 1. p. Chron. lib. 6. c. 25. §. 4. de S. Juliano. Pfaffen betrogen? auff du Narꝛ / von der Todten-Bahr! diſer aber wolt kein Gehorſamb laiſten / wie der Lazarus zu Bethania / ſonder zu einer Straff der vnverſchambten Lug iſt er warhafftig todter gefunden worden.
Die Baurn werden vngezweiffelt das Concept von denen Saͤuen verſtehen / es iſt ja wunderlich / daß vnſer lieber HErꝛ auff der Teuffel ihr Supplication einmahl ein ſo guten vnd hurtigen Beſchaid geben / in dem ſie an - gehalten / in ein Schwein zu fahren. Ite; ſo hat ers ih - nen alſobald erlaubet / auß Urſachen / ſie haben kurtz vorhe - ro die Warheit geredet / daß nemblichen Chriſtus derMans. de menda. fol. 172. HERR ſeye der wahre Sohn Gottes deß Allmaͤchtigen Gottes. Auß welchem dann die Bauren leicht koͤnnen abnemmen / wie angenehm GOtt dem HErꝛn die War - heit / vnd wie abſcheulich ihme die Lugen ſeyn.
Reden die Warheit auch die Weiber allzeit? O nit allzeit! diſe ſpicken mehrer / vnd oͤffter als andere / ich glaube auß lauter Rachgierigkeit / dann es iſt auff einZeit461in Worten vnd Wercken.Zeit in der Ante-Cammera deß Koͤnigs Darij diſe Frag vorgetragen worden / welches doch das ſtaͤrckeſte Ding in der Welt ſeye; etliche ſagten der Koͤnig: Euer Majeſtaͤt ſeyn der ſtaͤrckeſte: andere vermainten / der Wein ſeye das ſtaͤrckeſte / die mehreſten lieſſen ſich verlauten / als ſeye das Weib das ſtaͤrckeſte / welches ihr nit ein wenig wolgefal - len / ja deſtwegen einen hohen Geiſt bekommen / aber die Warheit hat ihr gleich die Federn geſtutzet / dann durch endliche Gutheiſſung deß Koͤnigs ſelbſten iſt die Warheit fuͤr das ſtarckeſte erkennet worden. Forte eſt vinum, forEſd. lib. cap. 3. tior eſt Rex, fortiores ſunt muliebres, ſuper omnia autem vicit veritas. Das hat dem Weib ſo verſchmacht / in dem ihr die Warheit vorgezogen worden / daß ſie auff den heurigen Tag der Warheit Spinnenfeind iſt. Sara war ein fromme / heilige / vollkommene Dama, welche bey allen / von allen / in allen iſt gepryſen worden. Dannoch waiß man von ihr / wie ſie eineſt hinder der Thuͤr gelacht hat / da ihr die Engel die froͤliche Zeitung gebracht / daß ſie werde einen Maͤnnlichen Erben in ihrem hohen Alter bekommen / hat ſie das ſchmutzen gelaugnet / Non riſi,Gen. 18. ich hab nit gelacht. Jener freche Schlepſack hat ihr ſo gar getraut in Gegenwart Salomonis ſpoͤttlich zu liegen / wie ſie ihr Kind im Beth bey der Nacht erdrucket hat. Deß Putiphars ſein ſaubere Frau hat den Mantl deß keuſchen Joſephs mit lauter Lugen gefuͤttert. Die Hebamen in Egypten haben maiſterliche Lugen auff die Bahn gebracht / wormit ſie den kleinen Moyſes bey dem Leben erhalten. Frau / vnd Fraus vergleichen ſich gar wol / vnd iſt offt kein Tag / kein halber Tag / kein Stund / kein halbe Stund / wo nicht manches Weib mit der Zungen alſo ſtolpert / das / was ſie redet / fuͤr gut Leoniſch kan gehalten werden. Was Marckt-Lugen / was Zimmer-Lugen / was Kuchel - Lugen / was Zecker-Lugen / was Kinder-Lugen / ꝛc. findetM m m 3man462Judas ein vnverſchambter Lugner /man bey manchem Weib / abſonderlich bey denen Witti - ben. Das erſte Wort nach dem Todt ihres Manns iſt mehrmahlen nit wahr; dann faſt ein jede laſt ſich verlau - ten / ſie woll nicht mehr heyrathen / vnderdeſſen iſt ſie ein Wittib / auff Hebreiſch Almanach, oder beſſer geredet / allen Mannen nach.
Reden die Bettl-Leuth allzeit die Warheit? diſe gar ſelten. Jener Bettler auff dem Weeg / welcher von dem gebenedeytən Heyland das Geſicht wunderbarlich erhal - ten / war in der Warheit ein recht blinder Tropff. Aber man trifft zuweilen loſe Geſellen an / welche ſich blindt / krump / lahm / ſtum / ꝛc. nur ſtellen. Als wie derſelbe / der ſich etlich Jahr gantz ſtum geſtellet / vnd ſtunde ſein beſte Beredenheit nur in dem Gloͤckl. Als er einsmahls von einem Herꝛn befragt worden / wie lang er ſchon ſtum ſeye? ſo hat er ſich vergeſſen / vnd folgſamb deutlich geantwort - tet: Herꝛ / es ſeynd ſchon 6. Jahr. Von dem H. Einſidler Iſaac wird geſchriben / daß einmahl etliche ſchlimme Ge - ſellen ihre gute Klayder außgezogen / dieſelbe in ein hollen Baum verſteckt / nachmahlens gantz zerriſſner vnd zerlum - ter dem H. Mann zugetretten / ihne mit wainenden Augen vnd auffgehobenen Haͤnden wehemuͤthig gebetten / er wolle ſich ihrer erbarmen / vnd etwann mit einem Klayd verhilff - lich ſeyn / damit ſie gleichwol den bloſſen Leib in etwas ver - huͤllen vnd zudecken moͤchten. Ja / ja / ſagt der alte Taͤtl / gar gern / ihr ſeyt gar arme Tropffen / es hat ſo gar der Haderlumper bey euch nichts zu finden. Ja / ja ich will euch ſchon verſehen. Schafft demnach ſeinem jungen Ein - ſidler / vnd ſagt ihm in die Ohren / er ſoll hingehen (dann der H. Mann war von GOtt ſchon erleuchtet) an daſſel - bige Orth / in einem hollen Baum werde er Klayder fin - den / diſe ſolle er fein ſchleunig herbey bringen. Der from - me Diſcipul vollziecht den Befelch ſeines heiligen Vat -ters /463in Worten vnd Wercken.ters / gehet / findt / tragt / bringt die beſte Klayder / vnd waren juſt dieſelbige / ſo diſe loſe Leuth verborgen / welche dann der H. Iſaae mit ſondern Freuden ihnen gſpendieret / ſie aber nicht ohne Schamroͤthe haben ihre eigene Klay - dung angenommen / vnd jedwederer widerumb in ſeine vorige Hoſen geſchloffen. Solches gliffters ſchlimme Burſch findt man allenthalben / welche ſich arm vnd arm - ſeelig ſtellen / vnd mit lauter Lugen das heilige Allmoſen erpreſſen. Vor wenig Jahren iſt bey einer beruͤhmten Walfahrt in Under-Oeſterreich ein Bettler geſtorben / welcher vil hundert Gulden paares Geld hinderlaſſen. Di - ſer hat kurtz vor ſeinem Todt in Gegenwart eines Capel - lans vilmahl auffgeſchryen. O wie brennts! O wie brennts! O es brennt mir das Hertz ab! Als er deſtwegen befragt wurde / gab er die Antwort. Es brennt / es brennt mich das Allmoſen / welches ich ohne Noth ge - ſamblet / vnd mich gar leicht mit der Hand-Arbeit haͤtt er - halten koͤnnen. Diſes Allmoſen brennt mir das Hertz ab. O wie brennts! es iſt nit ohne / daß vil arme nothleydende preßhaffte Lazari auff der Gaſſen vnd Straſſen angetrof - fen werden / deren ſich ein Chriſten-Gemuͤth erbarmen ſoll / aber vil in Muͤſſiggang erzogenes Lotter-Geſind liegt / vnd betriegt die Welt. Der H. Petrus hat einmahl ein lahmen vnd elenden Menſchen bey der Porten deß Tem - pels zu Jeruſalem in dem Namen JEſu geſund gemacht / vnd gerad / jetziger Zeit machen ſich die krumpe Bettler offt ſelbſten ohne Miraeul / dann bey dem Tag kriechen ſie zu - weilen auff allen Vieren / hupffen mit Steltzen / hincken mit Krucken / tappen mit Stecken / vnd wann ſie zu Nachts in die Herberg kommen bey einer guten Bettler-Zech / ſeynd ſie geſund / vnnd grad / iſt alſo zwiſchen menda - cium, vnd menditum ein kleiner Underſchid.
Omnis464Judas war ein vnverſchambter Lugner /Omnis homo mendax. Es iſt halt kein Stand oh - ne Lugen. Die allererſte Suͤnd der Kinder iſt das liegen; ſo gar der Geiſtliche Stand / der doch mit aller Vollkom - menheit prangen ſoll / iſt nit gar frey von denen Auffſchnei - deren. Der heilige Evangeliſt Joannes als ein Geiſtlicher / iſt ſo genau auff die Warheit gangen / da er die Stund beſchriben / in welcher der Heyland mit dem Samaritani - ſchen Weibel bey dem Brunnen geredet / in dem dazumah - len der Uhrzaiger ſchon auff dem erſten Strichel geſtanden / hat er ihm nit getrauet zu ſchreiben: Es ware die 6. Stund / ſondern / Erat hora quaſi ſexta, Es war vmb die ſechſte Stund. So ſcrupulos war Johannes ge - weſt / damit er die Warheit im mindiſten nicht belaydige. Seines gleichen findet man dißfahls gar wenig. Derſelbe war es wol nit / welcher dem Engliſchen Doctor Thomæ von Aquin vorgelogen / daß dort droben ein Ochs in der Hoͤhe fliege / vnd weilen Thomas derentwegen ſeine Augen in die Hoͤhe gewendt / alſo hat ihn der andere außgehoͤnet / ſich beynebens verwundert / daß er als ein ſo beruͤhmter Lehrer moͤge ſo einfaͤltig ſeyn / vnd glauben / daß ein Ochs fliege. Pfuy! Thomas der Apoſtl hat ſo langſamb ge - glaubt / vnd ihr Thomas von Aquin glaubt ſo geſchwind / ein Ochs ſoll fliegen / ja ſagt der H. Mann / ich hab ehen - der geglaubt / daß ein Ochs ſoll fliegen / als ein Geiſtlicher liegen.
So iſt dann allerſeits die liebe / vnd guldene War - heit noch gantz friſch / gantz neu / als waͤre ſie erſt von de - nen Haͤnden Gottes verfertiget worden. Darumb aber gantz neu / dann man braucht ſie ſelten / welches mit bluti - gen Zaͤhern ſoll beweint werden / maſſen hierauß ſattſam erhellet / daß vnſer lieber HErꝛ wenig bey vns gilt / in dem er ſelbſten die Warheit iſt. Ego ſum Veritas. Weſſent -halben465in Worten / vnd Wercken.halben er auch nackend / vnd bloß am Creutz hat wollen ſterben / dardurch vns zu lehren / die Warheit muß nicht verdecket / vermantlet / verhilt / verbluͤmlet ſeyn / ſondern bloß. Es hat die Martha ein heickliche Naſen gezeiget / wie vnſer HErꝛ hat ihren Bruder wollen von dem Todt aufferwecken / in dem ſie geſprochen. Domine, HErꝛ / jam fœtet, er ſtinckt ſchon. Schoͤpffen wir Adams-Kin - der einen Grauſen an allen dem jenigen / was da ſtincket. Pfuy! vnd ein lauteres Pfuy iſt ein Lug / was iſt doch wil - ders / als wann man ſagt / es ſeye erſtuncken / vnd erlo - gen; ja pflegt doch ein jedwederer beſcheider Menſch jedes - mahl das Salva venia, das Reverenter hinzu zu ſetzen / ſo offt er das Woͤrtl Lug nur außſpricht. Warumb ſolle es vns nit abſonderlich darob grauſen. Liebſter Leſer / ich ſag die Warheit / vnd liege nicht / du werdeſt ſehen / wie ſcharpff der gerechte GOtt in jener Welt ein einige Lug ſtraffen wird / iſt alſo beſſer anjetzo im Liegen feyren / als dort im Feuer ligen.
Judas Iſcarioth iſt allweg auch ein ſonderer Lugner geweſt in ſeinen Wercken / zumahlen er aͤnſſerlich gantz hei - lig ſcheinte / vnd hat ihn das Volck ſo vollkommen / ſo hei - lig geſchaͤtzet / als etwan ein Petrum oder Joannem, ja er konte alſo maiſterlich ſeine gehaimbe Laſter verhuͤllen / daß vnder den H. Apoſtlen nit einer geweſt / ſo nur einen uͤblen Argwohn haͤtte von ihm geſchoͤpffet / ſo gar auff die letzt / da der gebenedeyte HErꝛ bey dem heiligen Abend - mahl zimblich deutlich geredet hat von einem Verraͤther / wolte es noch keinem Apoſtel einfallen / das Judas diſer verwegene Boͤßwicht ſolte ſeyn. Deſtwegen Petrus ge - ſagt / HErꝛ bin ichs? Joannes gefragt / HErꝛ bin ichs? Jacobus ingleichem / HErꝛ bin ichs? einer nach dem an - deren ehender geforchten von ſeiner aignen Perſon / als von Juda Iſcarioth.
N n nSo466Judas war ein vnverſchambter Lugner /So iſt dann nit alles Gold was glantzet / es haiſt oͤff - ters / ficta, non facta, außwendig ſuͤß / einwendig Spieß / außwendig Hui / einwendig Pfui: außwendig ein Kuß / einwendig ein Verdruß. außwendig Hoͤnig / einwendig hoͤniſch: außwendig Ave Rabbi, einwendig Ave Raben - Vich: außwendig mein Schatz / einwendig daß dich der Teuffel kratz: außwendig lieb / einwendig ein Dieb: auß - wendig ein Frater, einwendig ein Verraͤther: außwendig ein Lamb / einwendig ein Abfaimb: außwendig Reverenz, einwendig Reverenter / ꝛc. außwendig andaͤchtig / einwen - dig verdaͤchtig: außwendig ein Chriſt / einwendig ein A - theiſt: außwendig Religios, einwendig Vitios: außwen - dig ein Paſtor, einwendig ein Impoſtor: außwendig ein Fackel / einwendig ein Mackel: außwendig fein / einwendig ein Schwein: außwendig geziert / einwendig beſchmiert: außwendig ein Engel / einwendig ein Pengel ꝛ ficta non facta.
Die Babylonier hatten vor diſem einen Abgott mit Namen Bel, von welchem die Goͤtzenpfaffen außgeben / daß er alle Tag 12. Malter Semel / 40. Schaaf / vnd 6. Krieg Wein verzehr / daß ihms der Teuffel gſeng! Der von Gott erleuchte Prophet Daniel hat endlich dem Koͤ - nig den Betrug entdecket / wie daß diſe Koſt nit ſeye fuͤr diſen falſchen Gott / ſondern fuͤr die Goͤtzen Prieſter / wel - che durch ein haimlichen Eingang bey naͤchtlicher Weil in den Tempel einſchleichen / vnd nachmahls mit vollem Magen vnd ſchmutzigen Maul in der ſtill hinweg gehen. Sagte beynebens der H. Juͤngling dem Koͤnig: Ne erres Rex. Eur Majeſtaͤt laſſen ſich doch nit verfuͤhren / vnd al - ſo bethoͤren / diſer Gott iſt einwendig vom Laimb / vnd auß -Dan. 14. wendig von Ertz. Solchem Abgott iſt ein Gleißner nit vnaͤhnlich / zumahlen er auch außwendig beſſer ſcheint /als467in Worten vnd Wercken.als er einwendig iſt. Die Phariſeer vnd Schrifftgelehr - te waren uͤber ſolchen Laiſt geſchlagen. Diſe Geſellen ſtellten ſich / als waͤren ſie heilig / uͤber vnd uͤber heilig. In dem Tempel haben ſie oͤffters etliche Stund nacheinander gebettet / dem Schein nach ſo inbruͤnſtig vnd eyffrig / daß ſie mit ihrer Inbrunſt ein Stroh Tach gar leicht haͤtten angezuͤndt. Sie haben vndenher an dem Saum der Klayder ſiechende Doͤrner eingemacht / welche ſie nit we - nig verwundten. Auwe! hats gehaiſſen bey den Juden; der / der iſt ein heiliger Mann! ein mancher iſt mit vnder - geſchlagenen Augen daher getretten / daß ihme dißfalls die Schwalben deß alten Tobiæ keinen Schaden haͤtten koͤnnen zufuͤgen. Schaut / ſchaut / der iſt gar ein Engl! jener hebte im̄erzu die Augen in die Hoͤhe / vnd ſtellte ſich / als wāre ſein Seel in der Audientz bey GOtt. O mein GOTT! diſer iſt wol ein groſſer Heiliger! haben alſo das gemaine Volck dergeſtalten bethoͤrt / daß es der gaͤntz - lichen Mainung worden / diſe Leuth ſeynd all heilig / derent - wegen vil Guet vnd Gelt ihnen angehengt. Ja etliche fromme Wittiben / die weder Freund noch Kinder hatten / thaͤten oͤffters ihre gantze Habſchafft ihnen uͤberlaſſen in dem Teſtament. Vnderdeſſen waren diſe die allergroͤ - ſte Schelmen / welche mit lauter Schmeichlerey vnd ſol - cher Gleißnerey die arme Leuth betrogen. Diſem boͤſen Geſind / ſchlimmen vnd falſchen Voͤglen ware der HErꝛ JEſus alſo feind / vnd mißguͤnſtig / daß er ihnen oͤffters ihre Heuchlerey vnd Gleißnerey vorgerupffet / vnd kein La - ſter alſo gehaſſet / gleichwie diſes. Dann der heilige E - vangeliſt Matthæus an dem 23. Capittl regiſtriret / daß der HErꝛ diſen Gleißlern allemahl offentlich mit dem Væ vobis, Wehe euch / gedrohet.
N n n 2In468Judas ein vnverſchambter Lugner /In dem alten Teſtament hat der Allmaͤchtige GOtt etliche Thier fuͤr vnrein erkennt / vnder andern war auch der Schwan / deſſen ſich wol zu verwundern / da ja ein groſſer Vnderſchid zwiſchen Schwanen vnd Schweinen / maſſen die Schwein im Koth - vnd Miſtlacken ſich her - umb weltzet / vnnd ſich mit Speiſen fuͤllet / woran alle Thier ein Grauſen ſchoͤpffen: aber ein Schwann trutzet Farb halber / mit dem Schnee / hat ſein Auffenthalt in dem klaren Waſſer / haſſet alle garſtige Arth / vnd ſoll gleich - wol vnder die vnraine Thier gezehlt werden? ein Schwan ſpendiret ſeine Federn / mit welchen die hoͤchſte / vnd vor - nehmſte Monarchen zu ſchreiben pflegen / vnd er ſoll gleich - wol in ſo geringer Æſtimation ſeyn? ein Schwann wird kurtz vor ſeinem Todt / in dem er die gantze Zeit ſeines Le - bens das Silentium gehalten / gantz annehmlich / vnd ſuͤß anfangen zu ſingen / vnnd alſo ein Sinn-Bildnuß deß frommen Menſchens / welcher mit Freuden von hinnen ſcheidet / vnd ſoll diſer ſchoͤnſte Vogl dannoch vnder die vn - raine Thier gezehlet werden? ſo iſt ja ein Schwann ſaube - rer / als ein Schwein / vnd ein Schwein weit garſtiger / als ein Schwann / vnd dannoch ſoll ein Schwann / ſo wol als ein Schwein fuͤr vnrein gehalten werden? ja / ja / nicht anderſt / bey GOtt gilt der Schwann nichts / vnd zwar der Vrſach halber / diſer Vogl iſt Federn halber Schneeweiß / aber einwendig gantz ſchwartz im Fleiſch / vnd alſo ein Ab - bildung eines Gleißners / welcher ſich außwendig in ſeinen Geberden gantz heilig ſtellt / vnd beynebens in dem Hertzeu gantz heylloß iſt. Væ vobis Hypocritæ!
Wehe dem / ſo ſich außwendig ſtellet wie ein Jo - annes, vnnd einwendig wie ein Herodes, nicht vn - gleich einem Grab / welches aͤuſſerlich mit einem auß ſchoͤ - nen Marmel / vnnd Alabaſter polierten Stain pran - get / entgegen einwendig einen ſtinckenden Todten-Coͤrper /oder469in Worten vnd Wercken.oder etliche duͤrre Bainer hat. Wehe dem / der ſich auß - wendig ſtellt wie ein Abel, einwendig aber iſt wie ein Cain, nit vngleich denen Apotecker-Pillulen / ſo außwendig ver - gult / einwendig aber bitter / vnd graußlich. Wehe dem / der ſich aͤuſſerlich ſtellt wie ein Jacob, vnnd aber in dem Hertzen iſt ein Eſau, nicht vngleich dem faulen aichernen Holtz / welches naͤchtlicher Weil in einem Winckel ſcheint wie ein Feur / vnd iſt beynebens nur ein zermodertes / fau - les / wurmſtichiges Hoͤltzlein. Wehe dem / der ſich aͤuſſer - lich zaigt wie ein Elias, aber im Gemuͤth iſt ein Achab, nit vngleich einem Miſthauffen im Winter / welcher auß - wendig auch mit einem weiſſen Klayd uͤberzogen / doch einwendig voller Vnflath. Wehe dem / der ſich aͤuſſerlich zaigt wie ein Mardochæus, vnd aber in dem Hertzen iſt ein Amman, nit vngleich denen Sodomitiſchen Aepffeln / welche von auſſen ſchoͤn roth / aber einwendig nichts als ein ſtinckender Aſchen. Wehe dem! welcher ſich aͤuſſer - lich zaigt wie ein Abraham, vnd doch im Gemuͤth iſt ein Abimelech, nit vngleich dem vermaledeyten Feigenbaum / ſo außwendig mit bloſſen Blaͤtteren prangte / vnd beyne - bens ohne Frucht. Wehe dem! der ſich aͤuſſerlich zaigt wie ein Moyſes, vnd aber in dem Hertzen iſt ein Pharao, nit vngleich einem Buch / das außwendig hat einen ſchoͤ - nen Einbund mit einem verguldten Schnidt / einwendig aber die Lehr eines Machiavelli. Wehe dem! der ſich aͤuſſerlich zaigt wie ein Eſther, vnd doch im Gemuͤth iſt ein Vaſthi, nit vngleich einer Apotecker-Bixen / auff dero bißweilen außwendig mit ſchoͤnen guldenen Buchſtaben gezaichnet vnd geſchriben Allkermes, entgegen einwendig zu Zeiten nichts / als ein Spinnengewoͤb. Wehe dem! der ſich außwendig ſtellt Gottſeelig / aber einwendig iſt Gott - loß: wehe denen! welche ſich außwendig fuͤr Geiſtliche außgeben / einwendig aber garſtige ſeynd. Wehe denen! N n n 3die470Judas war ein vnverſchambier Lugner /die ſich aͤuſſerlich erzaigen wie ein Laͤmbl / innerlich wie ein Wolff / aͤuſſerlich ein Tauber / innerlich ein Raab. We - he allen Gleißneren! Væ vobis Hypocritæ!
Gleichwie die ſchoͤne Rachel ihres Vatters Laban Goͤtzenbilder vnder dem Stroh verborgen / alſo geſchicht auch / daß vnder einer ſchlechten Moͤnchs-Kappen / ein Gottloß Gemuͤth kan verborgen ſeyn. Der H. Gregorius ſchreibt / daß zu ſeiner Zeit ein Geiſtlicher in groſſen Ruhm der Heiligkeit habe gelebet / vnd ſeynd die Leuth der vnfehl - bahren Mainung geweſt / es werde die Welt erhalten durch das eyfrige Gebett diſes Manns / der jenige ſchaͤtzte ſich gluͤckſeelig / der ihme hat doͤrffen die Haͤnd / oder den Habit kuſſen / jedermann hat ſich befohlen in ſein eyfriges Gebett; ja in dem Cloſter ſelbſt wurde er von ſeinen Mit - Religioſen vor einen heiligen Mann gehalten. Wie di - ſer nun zu ſeinem Sterb-Stuͤndlein kommen / hat er laſſen alle Geiſtliche zu ſich rueffen / welche dann hurtig vnnd ſchleunig erſchinen / der gaͤntzlichen Hoffnung / ſie werden von diſem H. Vatter gar ein ſchoͤne Lehr / vnd forderift den heiligen Seegen zu guter letzt empfangen / aber die Sach hat ſich weit anderft befunden / in dem diſer mit mit heiligen Gebaͤrden / wie ſie vermainten / ſondern mit entſetzlichem Angeſicht / vnnd verzweiffelter Geſtalt fol - gender maſſen ſie angeredet. Wiſt ihr was / nicht ſee - lig / ſondern ewig vngluͤckſeelig bin ich / weilen mein bißhero gefuͤhrter Wandel nur ein Gleißneriſche Hei - ligkeit in ſich hatte / weſſenthalben der Hoͤlliſche DrachS. Greg. l. 4. Dialog. c. 31. ſeinen vergifften Schwaiff vmb mich gewunden / ſei - nen Kopff aber in meinen Rachen ſtecket / worauß er gleich mein verdambte Seel ziehen wird. So iſt dann nicht alles Gold / was glantzet / nicht alles vnſchuldig / was weiß iſt / nicht alles ſeelig / was heilig ſcheint.
Die Kinder der Propheten waren der Mainung /als471in Worten / vnd Wercken.als brockten ſie das beſte Kraut / vnderdeſſen warens lau - ter bittere Colloquinten. Der Jacob war der Mainung / als genieſſete er der ſchoͤnen Rachel ihrer Gegenwart / vn - derdeſſen war es nur die garſtige Lia: der Urias war der Mainung / als truge er ein Recommendations Brieffel / oder auff das wenigſt ein Ordre von dem David im Sack / vnderdeſſen war es ein Befelch / daß man ihn ſolle an den4. Reg. 19. Spitz ſtellen. Wir Menſchen ſeynd auch offt der Mai - nung / diſer oder jener ſeye fromm / vnd gottsfoͤrchtig / in deme es der aͤuſſerliche Wandel nit anderſt zaiget / vnder - deſſen iſt er ein Wolff in einen Laͤmblfehl / vnd ein Schelm in einem heiligen Fueterall.
Das Kriegsheer Sennacherib hatte eineſt ein ſehr groſſe Niderlag gelitten / vnnd zwar durch die Hand eines Engels / als der in einer Nacht hundert vnd fuͤnff -Lyran. l. 2. c. 19. vnd achtzig tauſend der Aſſyrier erleget hat / vnd iſt es der Rabiner Außſag / daß diſe haͤuffige Anzahl auff der Erden gelegen / als waͤren ſie noch lebendig / gar ſchoͤn roth vnd wolgeſtalt / ohne Verletzung noch eines Haͤrleins / noch eines Fadens / inwendig aber war nichts / als ein lau - terer Aſchen. Das haiſt außwendig roth / einwendig todt: das haiſt außwendig guet / inwendig Gluet: auff gleiche Weiß ſeynd die Gleißner beſchaffen / ſie verkauffen ſich aͤuſ - ſerlich fuͤr fromm / vnd gewiſſenhafft / aber hinder dem Fuͤr - hang ſteckt ein Judas / es iſt ein ſchoͤner ſammeter Beutl / aber einwendig ſchlechte Dantes, es geſchicht wol / daß offt manche einen gantzen Sack voll Buͤcher laſt in die Kirchen tragen / ſie legt ihr Wahr auß / wie ein Calender-Kram - mer / wie offt kuſt ſie das Buch / daß deſſen Blaͤtter ſchon ſo ſchmutzig / wie das Wammes eines Metzgers: ſie laſt drey H. Meſſen leſen / denen ſie mit bebognen Knyen beywoh - net / ſie verwendt die Augen / ſie ruͤhrt das Maul / ſie erhebtdie472Judas war ein vnverſchambter Lugner /die Hand / ſie ſchlagt die Bruſt / ſie erwecket die Seufftzer: ſie naigt den Leib; O was iſt das fuͤr ein gottſeelige Frau! geht ihr doch nichts ab / als die Canonization, es mang - let ihr nichts / als der Schein: vnderdeſſen ein blinder Bueb / ſpatt vnd fruhe / laſt ihr kein Ruhe / der alleweil mit ſeinem Pfeil in der Eyl loſchiert im Hertzen / vnd hat ſie ein haimliche Buelſchafft / von der kein Menſch nicht waiß. O wie wird es einmahl am Juͤngſten Tag / wo alles an das Liecht kombt / vil Verwunderung abſetzen / da wird es haiſſen / wer haͤtt ihm das von ihm eingebildet? wer haͤtt diß von ihr vermaint? wer haͤtt ſolches hinder dem geſucht? wer haͤtte geargwohnet / daß er diſes im Schild fuͤhre? Væ vobis Hypocritæ!
Der Koͤnig Saul hat ein alte Hex erſuchet / ſie ſoll ihme den Samuel mit ihrer Cribas Crabes aufferwecken / in der gantzen Gegend war diſe Gablfahrerin nur allein / dermahlen findet man weit ein groͤſſere Anzahl der boͤſen Leuth / wie man dann in Steyrmarckt etliche Jahr nach - einander ſehr vil dem Vulcano auffgeopffert / vnd war zu wuͤnſchen / diſes ſo ſchaͤdliche Unkraut wurde eineſt gantz vnd gar außgerottet; vil vnder diſen ſeynd geweſt / von de - nen niemahlen ein boͤſer Argwohn iſt geſchoͤpffet worden / dann ſie gar andaͤchtige Walfahrten verrichtet / mit groſ - ſer Aufferbaͤulichkeit die H. Sacramenta empfangen / der Predig ſambt dem heiligen Meß-Opffer beygewohnt / ab - ſonderlich gantz inbruͤnſtig vnnd andaͤchtig ihr Gebett in der Kirchen verricht / aber bloß auß Gleißnerey / ja mir iſt geſagt worden von einem / welcher dero Bekandtnuß ſelbſten angehoͤrt / daß ſie vnder anderen beſtanden haben / ihr Gebett ſeye kein anders geweſt / als diſes. Veigl vnd Roſen / Wammes vnnd Hoſen / Keßl vnnd Pfannen / Schaͤffer vnd Wannen / Hammer vnd Nagel / Donner vnd Hagel / Raͤttich vnd Rueben / Maͤdl vnd Bueben /Pfeiffen473in Worten vnd Wercken.Pfeiffen vnd Tantzen / bey Binckl vnd Rantzen / Schun - cken vnd Hammen / ſchicken ſich zuſammen / Amen. Ge - hoͤren alſo diſe gottloſe Leuth forderiſt vnder die Gleißner / denen auch beygeſellet wird ein Abſolon, ein Simon Ma - gus, ein Saphyra, ein Pilatus, ein Herodes, ein Phari - ſeer / vnd hohe Prieſter / ein Antonius Picentinus, vnd vil andere mehr / die wir in dem Thal Joſaphat werden erkennen.
Under diſe ſeynd auch zu zehlen die jenige / welche ſich fromm vnd heilig verhalten nur vmb eytler Ehr willen. Solche ſeynd weit anderſt geſinnet / als jener Blinder am Weeg / welcher nur verlangt hat / daß er ſehen moͤchte. Domine, ut videam, aber ſolche Gleißner begehren / vnd wuͤnſchen / ut videantur. In Oeſterreich / abſonder - lich bey ſchoͤner Herbſtzeit pflegt man die Lerchen in groſſer Menge zu fangen / diſe Voͤgerle werden ins gemain auff Latein genannt Alaudæ: das iſt ſo vil / als Lob-Voͤgerle. Die Gleißner vnd Augen-Heilige trachten Sommer vnd Winter / Herbſt vnd Fruͤhling nur nach ſolchen Alaudas, oder Lob-Voͤgerl / dann ihr einiger Wunſch iſt / gelobet zu werden. Den Eſau haltet man fuͤr einen vnverſtaͤndigen Limmel / vmb weilen er ſein Majorath verhandlet vmb ein Linſen-Koch / iſt das nit ein Linſen-Narꝛ / weit groͤſſer als ein Haber-Narꝛ. Gibt vmb ein ſo geringe ſchlechte Bau - ren-Speiß / diſe ſo ſtattliche Prærogativ. Wann es Man - del-Koch waͤre geweſt / waͤr es ihme kein ſo groſſer Spott / aber vmb etliche Loͤffel voll Linſen ein ſolche Wuͤrdigkeit zu verkauffen / ſcheint die groͤſte Torꝛheit / iſt wol wahr / wann man die Kinder / vnd die Narren gen Marckt ſchi - cket / ſo loͤſen die Krammer Gelt. Nicht weniger Spott verdienen alle die jenige / welche eytlen Ruhms vnd Glory halber vil gute vnd heilige Werck uͤben: dahero Chriſtus der HErꝛ diſe Lehr geben. Sehet zu / daß ihr euer Gerech -O o otigkeit474Judas ein vnverſchambter Lugner /tigkeit nit thut vor dem Menſchen / damit ihr von ihnen geſehen werdet / ſonſt werdet ihr kein einige Belohnung ha - ben bey eurem Vatter / der im Himmel iſt. Derentwe - gen / wann du Allmoſen gibſt / ſo ſolſt die Poſaunen vor dir nit blaſen laſſen / wie die Heuchler auff der Gaſſen thun / damit ſie gepriſen werden. Warlich ſage ich euch / ſie ha - ben ihren Lohn ſchon empfangen. Wann du aber All - moſen gibſt / ſo laß dein lincke Hand nit wiſſen / was dein rechte Hand thut / damit dein Allmoſen in Verborgenheit bleibe / vnd dein Vatter / der im verborgen ſihet / wird dirs vergelten. Und wann ihr bettet / alsdann ſolt ihr nicht ſeyn / wie die Heuchler / welche gern in den Synagogen / vnd Ecken der Statt ſtehen / wann ſie betten / damit ſie von den Menſchen geſehen werden. Wahrlich ſage ich euch / ſie haben ihren Lohn ſchon empfangen. Du aber / wann du betteſt / ſo gehe in dein Schlaff-Kammer / vnd ſchließ die Thuͤr zu / vnd bette zu deinem Vatter im ver -Matth. 6. borgen / vnd dein Vatter / der im verborgen ſihet / wird dirs vergelten.
Der Eliſæus hat ſeinen H. Vatter Elia gar hertzlich ge - betten / wann er ſoll von hinen weichen / daß er ihme doch ſei - nen doppelten Geiſt hinderlaſſe. Elias hat ihm ſein Bitt nit abgeſchlagen. Wie nun die feurige Carozen erſchinen / in welcher Elias in die Hoͤhe verzucket worden / da hat Eliſæus uͤberlaut aufgeſchryen / in ſeinen Verſprechen erinnert / uͤber welches Elias den Mantl herunder geworffen / vnd ihm zu - gleich auch den doppelten Geiſt erthailet / welcher doppelte Geiſt beſtunde in der Heiligkeit vnd Wunderwuͤrckung. Es moͤcht aber ein from̄er Fuͤrwitz nachforſchen; warumben doch der Mantl habe muͤſſen bey diſen zweyen Gnadẽ ſeyn? ſeye es ein langer Mantl / ein kurtzer Mantl; ſeye es ein Som̄er-oder ein Winter-Mantl: ſeye es ein neuer Mantl / oder ein alter Mantel / ſo ſchickt ſich dannoch nicht ſolcherzu475in Worten vnd Wercken.zu den Gnaden der Seel. Weſſenthalben dann der H. Eli - as die Gnaden nit geben ohne Mantl? das war die Vr - ſach / mercke es wol / mein lieber Leſer. Der H. Mann wol - te etwann hierdurch andeuten / daß / wer groſſe Gnaden vnd Heiligkeit an ihm hat / brauche zugleich den Mantl / darmit zu vermantlen / zu verdecken / zu verbergen / ſo vil es moͤglich iſt / vnd nit alle ſeine gute Werck offen trage / wel - che die eytle Ehr verzehrt. Verrichſt du alle Tag gewiſſe Gebett vnd Andachten / ſo entdecke nit gleich ſolche einem jeden / ich gibe das / ich hab geben das / ich will geben das / ꝛc. ſondern vermantls / ſonſt kombt dir die eytle Ehr / als ein ſchlim̄er Vogl druͤber / vnd friſt dir diſen gutẽ Saamen auff.
Ein rechtſchaffener Chriſt ſoll der Mutter Moyſis nachfolgen. Wie diſe das kleine Kind gebohren / vnd geſe - hen / daß es ein ſo hertziges Buͤberl ſeye / gelbe Hārl / wie dis ſchoͤnſte Goldfaden / ein paar Aeugl / wie zwey Sternl / Waͤngl wie Roſen / ein Maͤulerl wie Corallen / das gantze Leibl / als waͤre es von Wachs poſſiert / in allem wie ein En - gerl / was hat ſie angefangen? hat ſie villeicht diß guldene Kind auff dem Armb / als ein lebendige Wiegen genom̄en / vnd hin vnd her in die Nachbarſchafft getragen? O nein. Abſcondit, ſie hats verborgen / damits nit vermoͤg deß Koͤ - niglichen Decrets ſoll ins Waſſer geworffen werden / das verbergen hats beym Leben erhalten. Alſo mein eyffriger Chriſt / haſt ein gutes Werck gethan / welches gleichſam ein holdſeelige Geburt iſt / ſo verberge auch daſſelbige / daß nie - mand waiß / iſt genug / daß es der obere geſehen / wirſt dus vilen offenbahren / ſo kommen dir die Egyptier daruͤber / die eytle Ehr ertapts / vnd verlierſt alſo was du mit Schmertzen gebohren. Mach es wie die H. 3. Koͤnig / welche dem kleinen Jeſulo koſtbare Schanckungen auß Orient gebracht / aber dieſelbe niemand gezaigt / ſo gar dem Herodi nicht / ſondern erſt ihre Truhen vnnd Kuͤſten in dem Stahl / in demAnge -476Judas ein vnverſchambter Lugner /Angeſicht deß gebohrnen Meſſiæ eroͤffnet. Zaige deßglei - chen auch niemand / ſags niemand / vertraue es niemand / was du deinem GOtt / vnd vmb ſeinetwillen dem N[aͤ]ch - ſten gibeſt / es iſt ſchon genug / wann dein JEſus darumb waiß / welcher dich deſſenthalben in jener Welt belohnen wird.
Ein Ackersmann / wann er will / daß der Saamen ſoll Frucht bringen / ſo laſt er ihn nit herauß ligen / ſonde - ren verdecket ihn mit der Erde. Ein Heil. Nicolaus Bi - ſchoff zu Bari, hat naͤchtlicher Weil drey armen Toͤchtern ein Heyrath-Gut eingelegt in der Stille / daß es niemand geſehen / fein verdeckter / daß keiner gewuſt. Der H. Ertz - Biſchoff Thomas hat vnder dem ſammeten Rock ein ſte - chendes Cilicium getragen / niemand wuſte darumb. Der H. Carolus Borromæus hat mehrmahlen etliche Schiß - len auff ſeiner Tafel zugedeckter gehabt / vnd ware doch nichts darinnen / damit nur die Leuth ſollen vermainen / er tractiere ſich wol / vnnd alſo ſein ſtrenge Faſten verbor - gen bleibe. Warumben haben Paulus, Hilarion, Anto - nius, Benedictus, Romualdus, Bruno, Norbertus, ihre Wohnungen genommen in der Wuͤſten vnd Wildnuſ - ſen? als allein darumb / damit ihr Heiligkeit von denen Leuthen nicht geſehen werde / vnd alſo die eytle Ehr dero Verdienſten abnage. Ja es hat der Heyland ſelbſt vns zuMatth. 4. einer Lehr vnnd Nachfolg oͤffters ſeine Wort in der Ge - haimb gehalten. Wie er den Außſaͤtzigen gereiniget / hat er gebotten / er ſoll es niemand ſagen. Vide, nemini di - xeris. Auch die 40. Tag in der Wuͤſten die ſtrenge Faſten verricht / ohne Gegenwart eines Menſchen / vns zu einer Underrichtung / damit wir vnſere gute Werck vor den Au - gen der Menſchen moͤglichſt verbergen ſollen / wollen wir anderſt / daß die eytle Ehr ſelbige / als ein ſubtile Diebin nit entfrembte.
Der477in Worten vnd Wercken.Der heilige Philippus Nereus hat ſich naͤrriſch ge - ſtellt / deßgleichen der ſeelige Jacoponus, deßgleichen der H. Simon Sales, deßgleichen die Heil. Iſidora, die H. Be - rengaria, &c. Wilſt du aber ein friſches Exempel / ſihe der heiligmaͤſſige Mann Hieronymus à S. Bernardo ein Prieſter meines H. Ordens / iſt erſt vor 8. Jahren / den 25. October / ſeines Alters 77. Jahr / zu Panormi in Ita - lien geſtorben / bey deſſen Todt ſich groſſe Wunder ereig - net haben / jederman iſt haͤuffig zu geloffen / vnd keiner konte die Vrſach deſſen geben / ſondern alle bekannten / daß durch uͤber natuͤrliche Gewalt hierzu gezogen worden / Blinde ſeynd ſehend worden / Stumme haben angefangen zu re - den / vnd ſo man den Leichnamb mit vilen Soldaten nicht haͤtte verwacht / waͤre vngezweiffelt von dem Volck zer - riſſen worden / es ſcheinten alſo auff allen Seyten ſattſame Anzaigungen ſeiner Heiligkeit / aber wilſt du wiſſen ſei - nen Wandel / den er in diſem Orden gefuͤhret hat. Sihe! 47. Jahr aneinander hat er ſich naͤrriſch vnd einfaͤltig ge - ſtellet / damit er alſo ſein Vollkommenheit vnd Heiligkeit verbergen moͤge / alſo ſeynd die heilige vnnd tugendſame Leuth beſchaffen / daß ſie ihr Vollkommenheit wollen ver - tuſchen / vnd ihre Faͤhler offenbahren / damit ſie ſolcher geſtalten von der eytlen Ehr nicht beſudlet werden; entge - gen die Gleißner / die Judas Bruͤder / die Phariſeer betren darumb / faſten deſſenthalben / geben Allmoſen derent - wegen / damit ſie die Leuth lieben / loben vnd laben / damit ſie mit Finger gepriſen vnd gewiſen wer - den. O Narren!
DEr Herꝛ auß ſeinem Fenſter / der Baur auff dem Acker / der Hirt in dem Feld / der Jaͤger in der gruͤ - nen Auen thun etwas wahrnemmen / daß die ſchoͤ - ne Sonn einen Dunſt / oder dicke Feuchtigkeit von der Er - den in die Hoͤhe ziehet / welcher aber wegen diſer Erhebung vnd Promotion alſo danckbar iſt / daß er zum Danck dir GOtt / die liebſte Sonn / die ihn alſo empor gebracht / ſpoͤttlich verfinſteret / vnd truͤb machet. Ein Sonn der Goͤttlichen Gerechtigkeit wird vilfaͤltig in heiliger Schrifft vnſer HErꝛ vnnd Heyland benambſet. Diſe Goͤttliche Sonn hat Judam als einen ſchlechten Erdendampff / einen geringen irꝛdiſchen Menſchen dergeſtalten erhebt / daß er ein Apoſtel / ein Juͤnger Chriſti / ein Mitgeſpann ſo viler heiliger Leuth iſt erkiſen worden; ja er iſt ſo hoch kommen / daß er durch ſondere / vnd niemahlens verdiente Goͤttliche Gnad groſſe Wunder gewuͤrcket / die Teuffel auß denenS. Anaſtaſ. cit. à Patre Menoch. p. 5. fol. 304. Beſeſſenen außgetriben / die Auſſaͤtzige gerainiget / krum - pe / lahme vnd elende Krippel zu geraden Glidern / vnd ge - wuͤnſchter Geſundheit gebracht. Neben allen diſem hat Chriſtus vorhero deß Judæ ſeinen Vattern von dem Auß - ſatz erloͤſet / vnd ſein liebſte Mutter nachmahlens von einer* Drexel. de Chriſti mo[r]te. c. 3. gefaͤhrlichen Kranckheit eurirt. * Vmb alle diſe ſo uͤber - haͤuffige / vnnd groſſe Gnaden / vnd Gutthaten iſt diſer Ertz-Boͤßwicht alſo vndanckbar geweſt / daß er das Guete mit dem Boͤſen bezahlet / durch ſeine haimbliche Diebſtall / vnd widerholte Partitereyen Chriſtum die Goͤttliche Son - nen alſo betruͤbet / daß ſolche nimmermehr ein klares Ge -ſicht479Judas gleich Anfangs vndanckbar gegen ſeinen Maiſter.ſicht gezeiget / der allzeit truͤb / vnd betruͤbt / biß endlich der ſchlimme Menſch das Apoſtoliſche Collegium verlaſſen / nachmahls iſt die Sonn wider klar worden / dann es hat gehaiſſen: Nunc clarificatus eſt filius hominis, & Deus clarificatus eſt in eo, & Deus clarificabit illum in ſemetipſo, & continuò clarificabit eum. Joan. 23.Was kan doch verruchters ſeyn auff dem gantzen Erdbo - den / als ein ſolche Vndanckbarkeit gegen GOtt.
Wer biſt du Menſch? ein Garteu voller Diſtlen / iſt nit gnug das: ein Roſen voller Doͤrner / iſt noch nit gnug: ein Himmel voller Finſternuß / iſt noch nit gnug: ein Kuchel voller Rauch / iſt noch nit gnug: ein Hauß voller Winckel / iſt noch nit gnug: ein Buch voller Faͤh - ler / iſt noch nit gnug: ein Calender voller truͤbes Wet - ter / iſt noch nit gnug: ein Baum voller faulen Fruͤch - ten / iſt noch gnug: ein Wein voller Gleger / iſt noch nicht gnug: ein Meer voller Schiffbruch / iſt noch nicht gnug: ein Fleiſch voller Wuͤrm / iſt noch nit gnug: ein Liecht voller Butzen / iſt noch nit gnug: ein Geſchirꝛ vol - ler Schmutz / iſt noch nit gnug: ein Menſch voller Schul - den / das wol. Ein Menſch voller Schulden biſt du. HaſtEuſeb. l. 1. c. 15. du nie gehoͤrt / daß Chriſtus der HErꝛ habe ſambt ſeiner heiligen Bildnuß dem Koͤnig Abagara nacher Edeſſa ei - nen Brieff geſchriben. Eben diſer ſchickt dir auch ein ſchrifftliches Außzuͤgl / wie folgſamb zu vernemmen.
Hannß Adam Erdſchrollen ſuͤndiger Menſch auff der Welt / hat von mir Ends vn - derſchribenen Gnaden empfangen / wie folgt; hoffe / daß ſolche mit Danck werden bezahlet werden.
| Anno 1640. | Vom 7. Auguſti an / am Tag deß heiligen Bonifacij im Mutter-Leib / das erſte Monath. ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ | Gnaden 6000. |
| Item. | Das anderte / vnd dritte Monath. | 14000. |
| Item. | Das vierdte Monath / in welchem die Mutter ſehr vnpaͤßlich ſich befunden / vnd in ein gefaͤhrliches Fieber gerathen. | 18000. |
| Item. | Das fuͤnffte vnd ſechſte Monath / als benanntlich im December vnd Janua - rio. ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ | 12000. |
| Item. | Das ſibende Monath / in welchem die Natur ſich ſehr widerſpenſtig erzaigt. | 13000. |
| Item. | Das achte vnd neundte Monath. | 17000. |
| Item. | In der Geburt / vnd biß du getaufft biſt worden / haſt du in allen der groſſen vnd kleinen Gnaden empfangen. ‒ ‒ | 1100. |
| Summa | 81100. |
Loco Sigilli ☩
JEſus dein Erſchoͤpffer.
481gegen ſeinem Maiſter.Die Chriſtliche Catholiſche Kirch pflegt den H. Pe - trum allezeit zu den H. Paulum: vnd den H. Paulum allzeit zu den H. Petrum zu ſtellen / dergeſtalten / wann ſie eines diſes H. Apoſtels Feſtrag feyerlich begehet / allezeit deß andern ein Gedaͤchtnuß geſchicht / bleiben alſo Petrus vnd Paulus allzeit beyeinander. Gleichwie diſe zwey hei - lige Apoſtel zuſamb geſtellt ſeynd / alſo ſind ich auch zween heilige Biſchoͤff / die niemahlen ſollen voneinander kom - men; einer war Biſchoff zu Mayntz / der andere zu Car - thago: einer hat gehaiſſen Bonifacius, der ander hat ge - haiſſen Deo gratias. Wo nun Bonifacius iſt / da ſolle al - lemahl auch ſeyn der Deo gratias. Mein Menſch / wer iſt dir ein groͤſſerer Bonifacius, oder Gutthaͤter / als dein GOtt? welcher dich erſchaffen / welcher dich / nit wie einen Daniel auß der Loͤwengruben / nit wie einen Jo - ſeph auß der Ciſtern / nit wie einem Lazarum auß dem Grab / ſondern dich auß dem puren Nichts erſchaffen; er haͤtt dich gar leicht koͤnnen erſchaffen zu einem Stain / da haͤtteſt du einen harten Kopff gehabt: er haͤtt dich er - ſchaffen koͤnnen zu einem Hund / welcher vmb geringen Lohn / etwann vmb ein hartes Bain muß das Hauß ver - wachten: er haͤtt dich koͤnnen erſchaffen zu einem Raben / der ſein Frey-Tafel bey einem Roß-Braͤtl findt: er haͤtt dich erſchaffen koͤnnen zu einem Froſch / der in ſeiner naſſen Herberg das ſtaͤte Qua, qua, qua, ſub aqua ſingt: er haͤtt dich koͤnnen erſchaffen zu einem Wurm / welcher faſt das veraͤchtlichiſte Thier auff Erden: ſo hat er dich aber gemacht zu einem Koͤnig aller Geſchoͤpff / zur Glory ſeiner Allmacht / zu einem Wunderwerck der Erden: er hat dir geſpendiret einen Leib / ſo ein kleine Welt genennet wird. Die Naturkuͤndige beſtaͤttigen / daß in dem Menſchlichen Leib juſt ſo vil Glider / als Tag im Jahr gezehlt werden: in dem Menſchlichen Leib ſeynd 224. Bainer mit ſolcherP p pKunſt482Judas gleich Angfangs vndanckbarKunſt zuſammen gefuͤget / daß ein jedweders Bain 40. vn - derſchidene Wuͤrckungen hat / dahero die Bainer ins ge - ſambt mit denen Articuln auff die 8000. Dienſt koͤnnen verrichten: in dem Menſchlichen Leib ſeynd die Maͤußl / die Druͤßl / die Adern / als die Stirnadern / Schlaffadern / Hauptadern / Brandadern / Roſenadern / Gichtadern / Blutadern / Sennadern / Holladern / Lufftadern / Troßl - adern / Flaͤchsadern / Spannadern / ꝛc. ſo kuͤnſtlich mitein - ander / beyeinander / nebeneinander / uͤbereinander / vmbein - ander geſtellt / vnd geſellt / daß er billich kan / vnd ſoll / vnd muß ein Wunderwerck genennt werden. Alle vier Elemen - ten muͤſſen contribuieren zu dem Menſchlichen Leib / das Feur gibt die Hitz / das Waſſer gibt die Feuchtigkeit / die Erd gibt das Fleiſch / der Lufft gibt den Athem. Was fuͤr ein Kunſt-Stuck iſt ein Aug? in dem diſes kleine Kuͤgerle gan - tze / groſſe / weite; lange / braite Felder / vnd Waͤlder kan faſ - ſen: was fuͤr ein Kunſt iſt im Hirn / in dem diſes kaum ein Haͤndelvoll Portion, ſo groſſe Wiſſenſchafft in ſich haltet: was fuͤr ein Kunſt in allen Menſchlichen Glidmaſſen / welche von dem obern Geſtirn / Planeten / vnd Himmels - Zaichen geherꝛſchet werden. Saturnus hat am Menſchen innen das Miltz / vnd das lincke Ohr: Jupiter die Leber / vnd Rippen; Mars die Gall: die Sonn / das Geſicht vnd Hertz: Venus vnd Mercurius die Niern vnnd Zungen: Mond / das Haupt / der Widder / das Angeſicht / die Zaͤhn: der Stier / den Halß / Kehl / vnd Genaͤck: der Zwilling / die Armb / Schuldern vnd Haͤnd: der Krebs / die Lungen / vnd gantze Bruſt: der Loͤw / das Hertz / Magen / vnd Rucken: die Jungfrau / das Ingewayd vnd den Leib: die Waag hat innen den Nabel / ꝛc. der Seorpion hat innen die Niern / vnd Affter: der Schuͤtz / die Diech / vnd Bain; der Stain - bock / die Knye / vnd Schinbain: der Waſſermann / die Flaͤchs: der Fiſch / die Fuͤß. Einen ſolchen koͤſtlichen / vndkuͤnſt -483gegen ſeinem Maiſter.kuͤnſtlichen Leib hat dir der Allmaͤchtige GOtt geben. Lauter Gnaden. Wie vilen Gefahren aber biſt du ſchon in Mutterleib vnderworffen geweſt / auß welchen al - len dich der guͤtige Gott errettet hat. Wie manches Kind iſt in Mutterleib geſtorben / vnd alſo ein lebendige Todten - bahr an ſeiner Mutter gehabt. Wie offt iſt ein Mutter Schrocken halber / vmb die Frucht kommen / vnnd alſo der Baum geſchuͤttlet worden / ehe das Obſt gezeitiget. Wie offt iſt ein vngeſtalte Mißgeburt in Mutterleib formiert worden. Anno 998. iſt Roberto dem Koͤnig in FranckreichBaron. in Ann. Eccl, ſein Frau Gemahl niderkommen / vnnd einen Sohn auff die Welt gebracht mit einem Ganß-Kopff / vnd Kragen. Anno 1595. hat ein Weib zu Bacharach ein Kind auff die Welt gebracht / welches an dem obern Thail deß LeibsMichael ab Iſſelt. l. 12. einem Menſchen gleichete / der vndere Thail aber wie ein Schlangen außgeſehen. Anno 1313. hat ein Weib zu Waiblingen in Schwabenland ein Kind gebohren / wieMajolus in die Ban. 796. Pagat. p. 1. fol. 10. ein Loͤwen. In Friaul zu Perdonon Anno 1625. hat ein edle Frau / vmb weilen ſie ein armes Bettlweib / der Kinder halber / außgeſcholten / ein Knaͤblein mit ſiben Koͤpffen ge - bohren. Zu Paderborn iſt auß einer Kertzeriſchen Frau / in dem ſie die Catholiſche Geiſtliche außgeſpoͤttlet / ein Kind gebohren mit einem Piret / oder Quadrat auff dem Kopff / wie es pflegen die Pfarꝛherren zu tragen. Anno 1573. iſt in dem Orientaliſchen Indien / in dem Marck - fleck St. Lorentz ein Kind gebohren worden mit zweyPeramat. lib. de procreat. groſſen Hoͤrneren auff dem Kopff. Zu Maintz haben ei - neſt zwey Weiber miteinander auff der Gaſſen geredet / deren eine groß Leibs ware / vnnd als ein frecher GeſellMünſterus lib. 3. Coſmo. ihnen die Koͤpff hat zuſammen geſtoſſen / iſt bald hernach diſes nider kommen / vnnd zwey Toͤchterl auff die Welt gebracht / die aber mit der Stirn biß auff die Naſen aneinander gewach[ſ]en geweſt / vnd alſo zehen Jahr gelebet. P p p 2Deß484Judas gleich anfangs vndanckbarDeß Pabſten Nicolai Tertij ſein Frau Baaß / weilen ſie oͤffters ihr Stammen-Wappen / ſo ein Beer war / an - geſchauet / hat ein Kind gebohren gantz rauch / wie ein Beer / hatte auch an ſtatt der Finger rechte Beern-Klauen. Paradinus in Hiſt. Sab. Aud. Alles diſes hat auch dir begegnen koͤnnen / daß du aber von dergleichen Vngeſtalten vnd Leibs-Maͤngl frey biſt / muſt du es fuͤr lauter Gnaden deß mildhertzigſten Gottes auffſchreiben. Dahero zu einem ſolchen Bonifaeium ge - hoͤrt der Deo Gratias.
Daß du biſt zu dem H. Tauff gelangt / iſt ein Gnad uͤber alle Gnaden. Wie vil tauſend vnnd tauſend ſeynd ohne diſen heiligen Sacrament geſtorben. Der Koͤnig Pharao hat allerſeits das Volck Iſrael verfolgt / wie nun Moyſes das Meer voneinander zerthailet / daß es beeder - ſeits wie die Maurn geſtanden / vnd ſolcher geſtalten mit ſeinem Volck durchpaſſirt / da wolte Pharao auch mit den ſeinigen den Durchweeg nemmen / aber da er in der Mitte war / hat ihn daſſelbige mit allen den ſeinigen zu - gedeckt / erdraͤncket / vnd alſo vom Waſſer den graden Weeg zum Feur genommen / vnd das Fleiſch vorhero im Meer ein - gewaͤſſert / ehender es am Brattſpieß angeſtecket worden. So bald der Pharao im Waſſer erſoffen / hat der Moy - ſes gleich ein Danck-Lied angefangen zu ſingen / ſambt ſei - nem Volck / auff allen Zungen war das Deo Gratias.
Was iſt die Erb-Suͤnd anderſt / als ein Pharao / wel - cher das gantze menſchliche Geſchlecht verfolgt / daß diſer im Waſſer erſoffen / vnd durch das Waſſer deß H. Tauffs zu Grund gangen / da biſt du vnendlich verpflichtet deinem GOTT ſolche groſſe Gnad mit Danck zu bezahlen. Wie vil tauſend in Aſia, wie vil tauſend in Affrica, wie vil tau - ſend in America, wie vil tauſend in Europa haben diſe Gnad nit gehabt / welche dir GOtt vnverdienter / ohne Schuld hat geben. Schau in Himmel / ſchau in Lufft:ſchau485gegen ſeinem Maiſter.ſchau auff die Erd / ſchau in das Waſſer / ſo werdeſt du allenthalben Geſchoͤpff antreffen / welche danckbar ſeynd. Im Waſſer jener Fiſch deß H. Franciſci, welche ihm einIn vita. Fiſcher auß Gutbertzigkeit geſchenckt / weilen ſich aber der H. Mann deſſen erbarmet / vnd ihn wider in das Waſſer geworffen / ſo iſt er deſſenthalben alſo danckbar geweſt / daß er dem H. Vatter auff dem Waſſer ſtaͤts nachgeſchwumen / vnd ſich nit wollen von ihm ſcheiden / biß ihme endlich der H. Mann den H. Seegen erthailt. Auff der Erd hat ſich danckbar erzaigt der Loͤw / welcher dem H. Andirodo Alters halber in der Wildnuß ein Wildpraͤt zugetragen zur Danck - barkeit / daß ihme diſer einmahl ein groſſen vnd ſcharpffen Dorn auß dem Fuß gezogen. Im Lufft hat ſich danck -Gell. l. 5. bar er wiſen jener Adler / welcher ein Geſchirꝛ / worinnen ein vergifftes Waſſer geweſen / mit allem Fleiß vmbge - worffen einem Schnitter auff dem Feld / vmb weilen diſer den Adler kurtz vorhero von dem Todt erloͤſet hat. Ja die Himmel ſelbſten ſeynd danckbar / maſſen der H. Ambro -Crates l. 5. ſius ſambt anderen darvor halt / daß die Himmel durch ih - re ſtaͤtte Bewegungen / vnnd Vmbwaltzung einen ſolchen lieblichen Thon vnnd Muſic machen / daß / wann es die Menſchen ſolten hoͤren / wurde niemand mehr arbeiten / ſondern immerzu diſer lieblichen Harmoni zuhoͤren / mit welchen ſie GOtt ihren Erſchaffer loben / vnnd preyſen. Wann dann die Himmel / die Geſchoͤpff im Lufft / die Ge - ſchoͤpff auff der Erden / die Geſchoͤpff im Waſſer / die Ge - ſchoͤpff allenthalben danckbar ſeynd / wie vil mehr biſt du ſchuldig deinem GOtt Danck zu ſagen / der dich alſo er - ſchaffen / vnd zum H. Tauff gebracht. Ich glaube ſelbſt der Eſel hat kein ſolcher Eſels-Kopff ſeyn wollen / daß er der Gutthaten haͤtte vergeſſen / dann in dem Stahl zu Beth - lehem hat ſich diſer Lang-Ohr uͤber alle maſſen hoͤfflich ge - ſtellt / vnd weit mehr als Eßliſche Complementen abge -P p p 3legt /486Judas gleich anfangs vndanckbarlegt / in dem er zu froſtiger Winters-Zeit das Goͤttliche Kind mit ſeinem anhauchen ſambt dem Ochſen erwaͤr - met. Der Ochs wolte danckbar ſeyn / weilen ihn GOtt im alten Teſtament allzeit zum Opffer erkiſen: Der Eſel wolte danckbar ſeyn / vmb weilen GOTT ſich ſeines Ge - ſchlechts angenommen / vnd eine ſeine weitſchichtige Be - freundin defendiert hat / wie der zornige Prophet Balaam ſie wider alle Manier ſo hart mit Straichen tractieret. Auff ſolche Weis wirſt du Menſch dich nicht uͤberwinden laſſen von Ochſen - vnnd Eſels-Koͤpffen in der Danckbar - keit. Gehe / ſchaue / probiers / ſchrey in einen dicken Wald hinein / in welchem ſo vil grobe / dicke / knoperte Stoͤck / vnd Bloͤck ſeynd: gruͤß ihn freundtlich den gruͤnen Wald / willkomb Bruder. Verſicher dich / er wird dir wider - umb dancken / vnd durch den Widerhall dich ebenfalls alſo ſalutieren willkomb Bruder! ſolcher geſtalten ſollſt dich ja ſchamen in das Hertz hinein / mein Menſch / wann Stoͤck vnd Bloͤck danckbarer ſeyn / als du.
Zu Jeruſalem war ein wunderbarlicher Schwemm - Teuch / allwo ſich ein groſſe Menge der krancken vnnd preßhafften Leuthen befunden: dann ſo offt der Engel diſen Teuch beweget hat / ſo iſt der erſte / der ſich hinein gelaſſen / friſch vnd geſund worden / vnder anderen elenden Kriplen war auch daſelbſt ein armer Tropff / welcher acht vnd dreyſſig Jahr alldorten vnder der Schupffen gelegen / vnd nicht hat koͤnnen zur Geſundheit gelangen auß Man - gel eines Menſchens / der ihme haͤtte hinein geholffen / wie nun der gebenedeyte Heyland diſen armſeeligen / vnd von maͤnniglich verlaſſenen Menſchen erſehen / hat er ſich ſei - ner erbarmet / vnd ihn mit einem kleinen Woͤrtl: Sur - ge, ſtehe auff. Vollkommentlich geſund gemacht. O mein JEſu! es iſt halt noch wahr / vnd bleibt wahr / ſojemand487gegen ſeinem Maiſter.jemand von jederman verlaſſen iſt / hominem non ha - beo, ſo kan er ſein ſicherſte Zuverſicht zu dir nemmen / du wirſt ihn nicht verlaſſen. Aber es iſt in diſem / vnd bey diſem Wunderwerck wol zu erwegen / ſo bald Chri - ſtus den Menſchen zur Geſundheit / vnnd graden Gli - dern gebracht / hat er ihme befohlen / er ſoll fortgehen / vnd den Stroh-Sack mit ſich tragen. Mein HERR / wegen deß Stroh-Sacks fallt mir kein ſtrohenes Con - cept ein / weilen der Menſch acht vnd dreyſſig Jahr all - dorten gelegen / vnnd vnder wehrender ſo langer Zeit keinen Menſchen hatte / der ihm haͤtte in den haylſam - ben Teuch hinein geholffen / ſo iſt es ein Kenn-Zaichen / daß er ein Bettler muß geweſen ſeyn; iſt er ein ſolcher ar - mer Schlucker geweſt / ſo iſt wol zu glauben / ſein zerriſſe - ner halb verfaulter Strohſack / oder Underbeth ſeye nicht einen Groſchen werth geweſen. Warumben dann mein HERR / ſchaffeſt du ihm / er ſoll den Strohſack mit ſich tragen? ich laß andere hierinfahls ſchoͤne Concepten außfuͤhren / mich duncket / es habe ſich deſſenthalben ſehr wol geſchicket / daß er den Strohſack getragen / weilen ihn auch der Strohſack ſo vil Jahr getragen / dann wann man einem ein Gutthat erweiſet / ſo iſt ja hillich / daß man dieſelbe danckbar vergelte; hat dich der Strohſack getragen / tolle grabatum, ſo trag ihn wider / thut dir dein Naͤchſter etwas guts / ſo thue es widerumb: erzeigt dir dein GOtt alle Tag / alle Stund / alle Augenblick haͤuffige Gnaden von oben herab; ich ſprich alle Augen - blick / dann ſoll er dich nur auff einen Augenblick verlaſſen / ſo muͤſſeſt du zu nichts werden. Weilen du aber ſeine Goͤttliche Gnaden nicht kanſt erwideren mit andern Gna - den / ſo zahl auffs wenigiſt dieſelbe mit einem oͤfftern Deo gratias.
Zehen außſaͤtzige vnd ſchoͤbige Maͤnner hat Chriſtusauff488Judas gleich Anfangs vndanckbar / ꝛc.auff freyer Straſſen geſund gemacht / auß welchen aber nur einer zu dem HErꝛn kommen / vnd ſich bey ſeinen hei - ligen Fuͤſſen nidergeworffen / vnd ihme vmb ſolche groſſe Gutthat gedancket / die andere ſeynd ihres Weegs fort gangen / vnd keiner an den vervelt dirs GOtt gedacht. Solche Undanckbarkeit hat nicht ein wenig das Goͤttliche Hertz belaydiget; weſſenthalben er gleichſamb mit Ver - wunderung hat gefraget / wo dann die neune ſeyen gebli - ben? als wolte er ſprechen / es ſollen auff ſo groſſe empfan - gene Gnaden alle 10. erſcheinen. Mercks mein Menſch / wann dir GOtt ein Gutthat erweiſt / derer vnzahlbar vil ſeynd / ſo ſchicke ſein alle fleiſſig alle Zehen zu ihm / ich ver - ſtehe aber 10. Buchſtaben. Der erſte iſt ein D. Der an - der ein E. Der dritte ein O. Der vierdte ein G. Der fuͤnffte ein R. Der ſechſte ein A. Der ſibende ein T. Der achte ein I. Der neundte ein A. Der zehende ein S. Das haiſt hernachmals Deo gratias. Du haſt das Außzuͤgl nun gnugſamb uͤberſehen / vnd bilde dir ein / es ſeyn vil wenigere / als mehrere Gnaden auffgeſchriben / welche dir GOtt gſpendiret in Murter-Leib / vnd bey dem H. Tauff / in Summa wie er dich erſchaffen. Anjetzo folgt ein an - ders / wie er dich bißhero erhalten.
Auß -489gegen ſeinem Maiſter.Hannß Adam Erdſchrollen ſuͤndiger Menſch auff der Welt / hat von mir Ends vn - derſchribenen die hierinn verzaichnete Gnaden empfan - gen / hoffe / daß ſolche mit Danck werden be - zahlet werden / ꝛc.
Von Anno
Gnaden.
Loco Sigilli ☩
JEſus dein Erloͤſer.
Die Heilige vnd Goͤttliche Schrifft meldtet von dem1. Reg. 12. H. David, vnd von dem Jonatha, daß ſie beede ſo groſſe vnd innigliche Freundſchafft vndereinander gehabt / daß ſo gar einer ohne den andern nit wolte ſeyn. Die heilige Catholiſche Kirch zehlt ebenfahls zween heilige Biſchoͤff / deren einer ohne den andern nicht ſoll ſeyn / einer wird ge - nennt Servatius, Epiſcopus Trajactenſis, der ander wird genennt Deo-Gratias, Epiſcopus Carthaginenſis. Ser - vatius vnd Deo-Gratias allzeit miteinander / vnd beyein - ander. Mein lieber Menſch / wer iſt bißhero dein Serva - tius geweſt / wer hat dich bißhero erhalten? wer dich er - ſchaffen / dein GOtt / deme du derenthalben vil 1000. Deo Gratias ſchuldig biſt.
Du haſt vngezweiffelt oͤffter vernommen / daß vnſer lieber HErꝛ habe einmahl die boͤſe Feind auß einer beſeſ - ſenen Perſon außgetriben bey den Geraſenern. Ehe vnd bevor aber diſe hoͤlliſche Larven ihr Loſament verlaſſen / haben ſie ein Supplication auffgeſetzt / vnd Chriſto dem HErꝛn uͤberreicht / diſes Innhalts / daß ſie nemblich vmb Erlaubnuß anhalten / in die nechſte Heerd Schwein zu - fahren / welches ihnen auch von dem Hayland verguͤnſtigetwor -491gegen ſeinem Maiſter.worden. Aber warumben haben diſe verfluchte Geiſter begehrt zu fahren in die Saͤu? pfuy! es Sau-Narren! wie daß ſie nicht verlangt haben zu fahren in ein Kauff - manns Gewoͤlb / worinnen man oͤffters hoͤret / der Teuffel holl mich? warumben nicht in einen engen Weeg / in wel - chem oͤffter ein Fuhrmann dem andern wuͤnſcht / weilen er nicht bey Zeiten außweicht / daß ihn der Teuffel holle? warumben nit in der Werckſtatt eines Webers / der faſt allemahl / ſo offt die Geſpunſt / oder Faden zerreiſt / pflegt zu ſchelten / holl der Teuffel die alte Hex / die das Garn ge - ſpunnen? warumben nit in ein ſchoͤnes Schloß / vnd da - ſelbſt in die Wohnung deß Herꝛn Pflegers / ihr Geſtreng / ꝛc. Dann wie offt haiſt es bey den Baurn / wann nur ein - mahl der Teuffel den Pfleger hinfuͤhrte? warumben nicht in ein Wuͤrths-Hauß / allwo gemainiglich der Gaſt dem Wuͤrth wuͤnſchet / daß ihm der Teuffel ſoll den Halß bre - chen / weilen er ihn alſo vnchriſtlich barbiert? warumben gleich in ein Schwein? Vil heilige Lehrer geben diſe Vr - ſach; wie daß ein Schwein ein eigentlicher Entwurff ei - nes vndanckbaren Menſchens ſeye / dann / wann die Schwein vnder einem Aichelbaum iſt / jemand aber hin - auff ſteigt / vnd die Aicheln herunder ſchuͤttlet / ſo wird diſe naſchen vnd freſſen / biß der Saumagen voll iſt / aber nit ein einiges mahl in die Hoͤhe ſchauen / von wannen etwann das Confect herkommen. Deſtwegen hat der HErꝛ vnd Heyland zugelaſſen / daß die Teuffel in die Schwein gefah - ren / dann in dem Goͤttlichen Aug iſt nichts abſcheulichers / als die Vndanckbarkeit.
Das Getrayd auff dem Kaſten / der Wein in dem Keller / die Klayder in der Truhen / das Gelt in dem Beutl / die Speiß in der Schiſſel / die Federn in dem Beth / das Holtz in dem Ofen / die Kuhe in dem Stahl / die Hennen in dem Hof / die Fiſch in dem Teuch / die Laͤmmer auff demQ q q 2Feld /492Judas gleich anfangs vndanckbarFeld / mit welchen du dich bißhero erhalten haſt / kombt al - les von oben herab / von dem allerguͤtigſten GOtt. Daß Samſon Hoͤnig bekommen / daß Siſara Milch bekommen / daß Daniel ein Koch bekommen / daß Abraham ein Kalb - Fleiſch bekommen / daß Iſaac ein Kitzl bekommen / daß E - ſau Linſen bekommen / daß die Wittib zu Sarepta Oel bekommen / daß Elias Brodt bekommen / daß die Iſrac - liter Wachtlen bekommen / daß Noë Wein bekommen / daß du bißhero Lebens-Mittl bekommen / iſt niemand an - derer Vrſach / als der jenige guͤtigſte HErꝛ ober vns. Wie iſt es dann moͤglich / daß du nicht oͤffters deine Augen in die Hoͤhe hebeſt / vnnd derenthalben ihme vnendliche Deo Gratias ablegeſt. Der Voͤgl ihr ſingen / der Hir - ſchen ihr ſpringen / der Schaafen ihr bleren / der Ochſen ihr rehren / deß Feuers ſein brinnen / deß Waſſers ſein rinnen / der Acker ihr Seegen / der Wolcken ihr Re - gen / der Sonnen ihr leuchten / deß Thaues ſein feuch - ten / der Stern ihr glimmern / deß Golds ſein ſchim - mern / der Baͤumer ihr Schatten / der Wiſen ihre Matten / der Hund ihr huͤten / der Hennen ihr bruͤ - ten; In Summa, alle Geſchoͤpff / vnd dero Wuͤrckun - gen hat GOtt wegen deiner erſchafſen; mein Menſch! wegen deiner.
Die ſchoͤne ſtrahlende Sonn iſt 160. mahl groͤſſer / als der gantze Erdboden; die Sonn iſt 40. mahl hundert rauſend Meil von dem Erdboden entfernet: ſie laufft in einer Stund 10. mahl hundert tauſend / hundert vnnd 40000. Meil / alles wegen deß Menſchen.
Der Mond iſt zwar kleiner als alle Stern / auf - ſer dem Mercurio, in dem er aber weit groͤſſer ſcheint als die Stern / iſt es die Urſach / weilen er vil naͤhender bey vns iſt. Gleichwol iſt der Mond neun vnd dreyſſig - mahl groͤſſer / als der gantze Erd-Boden / vnnd iſt vonGOtt493gegen ſeinem Maiſter.GOtt als ein Nacht-Liecht angezuͤndet worden; alles we - gen deß Menſchen.
Die Stern hat die Goͤttliche Allmacht / als lauter ſtrahlende Facklen an den Himmel gehefftet / damit ſie auch bey der Nacht leuchten / der groͤſſern Stern werden 17. gezehlet / deren ein jeder 107. mahl groͤſſer als der Erd - Boden. Der Stern Alnacha, der Stern Albkain, der Stern Alcorreia, der Stern Aldabaran, der Stern Al - muſin, der Stern Alkaia, der Stern Altra, der Stern Albiatra, der Stern Alcharph, der Stern Algebla, der Stern Alkraten, der Stern Alſerta, der Stern Algane, der Stern Alchimech, der Stern Algaphar, der Stern Alſibinin, der Stern Alactil, der Stern Alcabin, der Stern Alſebra, der Stern Alneda, &c. ſeynd auch etlich 70. mahl groͤſſer als die Erden. Alles wegen der Menſchen.
In Margiana ſchreibt Strabo l. 2. ſollen ſo groſſe Wein - ſtoͤck wachſen / daß einen Stock allein zwey ſtarcke Maͤnner mit beeden Armben nicht koͤnnen vmbfangen / alles wegen den Menſchen.
In Egypten iſt ein gewiſſes Thier / welches alle Stund juſt das Waſſer von ſich laſt / brauchen es alſo die Innwohner an ſtatt der Vhr. Polidorus Virgilius de in - vent. rerum l. 2. alles wegen den Menſchen.
In Trabrobana werden Meer-Schild-Krotten ge - funden / welche einer ſo vngeheuren groͤſſe ſeynd / daß ſie es an ſtatt der Taͤcher brauchen / vnd kan ein Schallen ein gantzes Hauß bedecken. Ælianus lib. 6. c. 12. alles we - gen den Menſchen.
In Æthiopia ſeynd die Schwein noch einmahl groͤſ - ſer / als in vnſern Laͤndern / vnd habe dieſelbe alle Hoͤrner auff dem Kopff. Idem lib. 17. cap. 10. alles wegen den Menſchen. Zu Pervano in der Neuen Welt ſeynd die Schaaf ſo groß / wie bey vns die Ochſen. Q q q 3Jo -494Judas gleich anfangs vndanckbarJoſeph Jeſuit. Anno 1560. alles wegen den Menſchen. In dem Gorgonier Land iſt ein ſehr weiter / vnd braiter Teuch mit Nahmen Geluchalat, worbey ein Cloſter St. Leonardi, in diſem Waſſer iſt ein gantzes Jahr kein Fiſch / auſſer in der Faſten / ſo bald aber der Oſter-Sonntag her - zu kombt / ſo verliehren ſich alle Fiſch. Marc. Pol. l. 1. c. 5. alles wegen den Menſchen. In Ober-Vngarn flieſt ein Waſſer / welches diſe ſondere Krafft hat / daß / wann man ein Eyſen hinein wirfft / ſelbiges innerhalb etlich Stund in das beſte Kupffer verwandlet. Surius in Comment. An - no 1541. alles wegen den Menſchen. Im Schwartzwald werden Voͤgel angetroffen / welche bey der Nacht / wie die Liechter glantzen / vnd alſo den Raiſenden den Weeg zai - gen. Iſidor. l. 12. c. 7. alles wegen den Menſchen. In der neuen Welt vnweit der Inſul Carthagena, iſt ein Fluß mit Nahmen Zeneo, diſer hat mehrer Gold / als Fiſch / vnnd wird man oͤffters mit den Netzen etlich 20. Stuck Gold herauß fangen / deren ein jedes ſo groß / als ein Hen - nen-Ayr / Petrus Hiſpan. p. 5. cap. 12. alles wegen den Menſchen. In der Inſul Hiſpaniola wachſt das liebe Ge - trayd alſo groß / daß ein eintziger Korn-Eher die dicke hat eines Menſchen-Armbs / vnd was diſes Wunder vermeh - ret / das Trayd / ſo man im Februario ſaͤet / kan zu End deß Mertzens ſchon geſchnitten werden. Idem ibidem c. 17. In der neuen Welt Braſilea wachſen die Baͤumer dergeſtalten groß / daß ſie dieſelbige pflegen außzuhollen / vnd an ſtatt der Schiff gebrauchen / vnnd koͤnnen oͤffters 50. Perſohnen in einem Schiff fahren. Anton. Piege. l. 1. para. 10. alles wegen den Menſchen / alle Geſchoͤpff / wo ſie ſeynd / wie ſie ſeynd / die ſeynd erſchaffen wegen den Menſchen / vnd die haben dir bißhero gedient / mit denen haſt du dich ſeithero beym Leben erhalten / ſo dancke dann / dancke hundertmahl / dancke tauſendmal / dancke ohne End / deinem Gott vmb die Nahrung.
Der495gegen ſeinem Maiſter.Der H. Paulus erzehlte denen Corinthern einmahl / was vnderſchidliche Gefahren er außgeſtanden. Gefah -2. Cor. 12. ren zu Waſſer / Gefahren zu Land / Gefahren in der Statt / Gefahren auff den Straſſen / Gefahren vnder den falſchen Bruͤdern. Sag her mein Hannß Adam Erdſchrollen / in wie vil Gefahren biſt du ſchon geweſt dein Lebenlang? auß welchen dich allemahl der Goͤttliche Schirmer erret - tet hat / vnd diſe alle ſolſt du mit Danck bezahlen. Mache es bey Leib nicht wie der Raab / ſonſt thaͤt man dich mit gutem Fueg einen Galgen-Vogl nennen. In dem alten Teſtament hat der allmaͤchtige GOtt abſonderlich verbot - ten / man ſolle ihm nur keine Raaben anffopffern / Spatzen / wol / aber keine Raaben / Zeiſerl wol / aber kein Raaben / Gimpel wol / aber kein Raaben; wie iſt dann der ſchwartze arme Tropff bey GOtt alſo in Ungnaden kommen? bey der Zeit gelten die Raaben vilmehr / ſonderlich auff denen Ducaten / welche ins gemain die Raͤbler genennet werden / vnd haben diſe ihren Urſprung von dem Ungariſchen Koͤ -Annal. Sileſ. nig Matthia Corvino, deme eineſt ein Raab ein guldenen Ring / ſambt einem ſehr koſtbaren Smaragd geſtohlen / vnd ſchnell darvon geflogen / welchem aber der Koͤnig ſo lang nachgeſetzet / biß er ihn von dem hoͤchſten Gipffel eines Baums herunder geſchoſſen / vnd folgſamb den Ring / ſambt dem theuren Kleinod wider erhalten. Woruͤber er nachgehends die Bildnuß deß Raabens / ſambt dem Ring auff die guldene Muͤntz hat praͤcken laſſen / diſe Raaben gelten annoch ſehr vil / vnd ſingen der Zeit weit lieblicher / als ein Nachtigall. Aber in dem alten Teſtament ware der Raab in einem ſo uͤblen Concept, daß ihne GOtt auß - drucklich verworffen von ſeinem Opffer. Omne CorviniLevi[t]. 11. generis vitandum eſt vobis. Es geſchahe ihm aber gar recht dem vndanckbaren Geſellen. Dann Noë hatte ein Befelch / daß er von einer jeden Gattung oder Geſchlechtder496Judas gleich Anfangs vndanckbarder Voͤgel ſoll 7. in die Archen nemmen; 7. Adler / 7. Stor - chen / 7. Tauben / 7. Alſtern / 7. Gimpel / 7. Widhopff / ꝛc. auch 7. Raaben / warumben aber ſibene? dann die Thier ſeynd derenthalben in die Archen ſalviert worden / damit ſie ſich nachmahls vermehreten: wann dann dem alſo / weſſenthalben hat GOtt befohlen ſibene? hatte doch das ſibende keinen Geſpann / mit dem es ſein Geſchlecht konte vermehren. Es hat darumben der Allmaͤchtige wollen / daß auß allen Gattungen der Voͤgl ſibene in die Archen ſolten gebracht werden / damit die drey Paar hernacher ſich wider moͤchten propagieren / das ſibende aber ſolle ge - ſchlacht werden zu einem Opffer / vmb weilen ſie der guͤtig - ſie Erſchoͤpffer in ſo aͤuſſerſten Gefahren beym Leben erhal -Hugo Car - din. in Ver - ba Leu. ten. Haben demnach alle Voͤgel das ſchuldige Deo gratias abgeleget / auſſer den Raaben / dann / weilen der ſibende Raab Bottenweiß außgeſchicket worden auß der Archen / vnd nicht mehr zuruck kommen / alſo hat diſes ſchwartze Raa - ben-Geſchlecht kein Danck-Opffer verricht / welche Un - danckbarkeit GOtt dem Allmaͤchtigen dergeſtalten miß - fallen / daß er ſie nachgehends nit bat moͤgen / im Templ / zu opffern / anſchauen.
Auß wie vil Gefahren / beſinn dich wol / hat dich der guͤtigſte GOtt errettet? Deß Job ſeine ſiben Soͤhn / vnd drey Toͤchter / ſeynd von dem Hauß / welches durch Unge - ſtimme der Wind zu Boden gefallen / innerlich zerſchmet - teret worden. Job. c. 1. das haͤtte auch dir geſchehen koͤn - nen. Der weltweiſe Diogenes iſt von der Schlaff-Kam - mer / welche vnverhofft eingefallen / erſchroͤcklich zerquet - ſchet worden. Apollonid. 1. Græco. Das haͤtte auch dir geſchehen koͤnnen. Joannes der 22. diß Namens Roͤm. Pabſt / iſt von einem neuen Zimmer / welches auff ihn ge - fallen / alſo verwundet worden / daß er den ſibenden Tag hernach Todts verblichen zu Viterbij. Fulgos. lib. 9. cap. 12. Das497gegen ſeinem Maiſter.Das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Valentinianus Roͤ - miſcher Kaͤyſer iſt bey der Taffel an einen Stuckfleiſch er - ſticket. Sextus Aurelius l. 4. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Henricus Niger Roͤmiſcher Kayſer iſt an einem Stuck-Brodt erſticket. Culpini: das haͤtt auch dir geſche - hen koͤnnen. Tarquinius Priſcus iſt an einer Fiſchgraͤtten erſticket. Hagiograph. Guid. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Sophocles iſt an einen Weinberl erſticket. Valer. Max. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Adrianus der Vierdte Roͤmiſcher Pabſt / iſt an einer Mucken / welche er ſambt dem Waſſer hinein getruncken / erſtickt. Naucler. das haͤtt auch dir geſchehen koͤn̄en. Conſtantinus der Kay - ſer iſt eines gaͤhen Todts geſtorben. Palatin. das haͤtt dir auch geſchehen koͤnnen. Amurathes der Tuͤrckiſche Kayſer iſt deß gaͤhen Todts geſtorben. Chalcocond. l. 7. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Attila der Koͤnig in Ungarn iſt deß gaͤhen Todts geſtorben. Sigebert. in Chron. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Ariſtulphus Koͤnig in Longo - bardien iſt deß gaͤhen Todts geſtorben. Culpini. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Joannes Albertus Koͤnig in Pohlen iſt deß gaͤhen Todts geſtorben. Cromer. l. 3. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Ferdinandus l. Koͤnig zu Neapel iſt deß gaͤhen Todts geſtorben. Guicci. l. 1. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Joannes IV. Koͤnig in Ar - ragonien iſt deß gaͤhen Todts geſtorben. Marinæus l. 11. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Kayſer Henricus VI. iſt an dem Durchbruch geſtorben. Æmil. l. 7. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Kayſer Albertus l. iſt eben an diſer Kranckheit geſtorben. Æn. Sylvi. c. 56. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Kayſer Fr. derich der Dritte iſt an diſer Kranckheit geſtorben. Cuſpini. das haͤtt dir auch geſchehen koͤnnen. Kayſer Maximilianus der An - derte iſt an diſer Kranckheit geſtorben. Cuſpini. das haͤttR r rauch498Judas gleich Anfangs vndanckbar /auch dir geſchehen koͤnnen / ꝛc. Henricus der Erſte / Koͤnig in Engelland iſt ertruncken Anno 1120. Matth. Paris. das haͤtte auch dir geſchehen koͤnnen. Ferguſius der Alba - nier Koͤnig iſt ertruncken. Boet. l. 9. Donualdus Koͤnig in Schottland iſt ertruncken. Boet. l. 9. Valdemarus iſt ertruncken / ein Koͤnig in Dennemarck. Saxo lib. 15. Hartmannus der Anderte / ein Bruder deß Kayſers Ru - dolphi, iſt ertruncken. Cuſpini. Erivis Koͤnig in Denne - marckt iſt ertruncken. Cranz. l. 6. Swez. das haͤtte auch dir geſchehen koͤnnen. Tullius Hoſtillius, der Roͤmer Koͤ - nig / iſt vom Donner erſchlagen worden. Plutarch. Ana - ſtaſius der Kayſer iſt vom Donner erſchlagen worden. Zo - nar. tom. 3. Carus der Kayſer iſt vom Donner erſchlagen worden. Sabell. l. 8. Zoroaſtres, Koͤnig der Britanier / iſt vom Donner erſchlagen worden. Volteran. Hatto, Ertz - Biſchoff zu Mayntz / iſt durch den Donner erſchlagen vmb - kommen. Sigebertus. das haͤtt auch dir geſchehen koͤnnen. Henricus der erſte Koͤnig in Spanien iſt durch ein Ziegl / der ihm auff den Kopff gefallen / vmb das Leben kommen. Ritius l. 3. das haͤtt dir auch geſchehen koͤnnen. Wie vil 1000. vnd 100000. welche du nit gekennt / wie vil / welche du gar wol gekennt / ſeynd durch das Feur / Waſſer / Gifft / Schwerdt / ꝛc. zu grund gangen: wie vil deß gaͤhen vnd vn - verſehnen Todts geſtorben; das haͤtt auch dir widerfahren koͤnnen. Weilen du aber allen diſen Ublen entgangen / muſt es niemand andern zuſchreiben / als GOtt allein / der dich auß ſo vil vnzahlbaren Gefahren errett hat / welche uͤber - haͤuffige Gnaden du ja ſchuldig biſt mit Danck zu bezahlen.
Allhier hab ich fuͤr gut angeſehen / ein kleine Danck-Predig beyzuſetzen / welche ich Anno 1685. in der Haupt-Statt Graͤtz in Steyrmarckt / in Gegenwart einer groſſen Menge Volcks / vnd haͤuffigen Adls / in der Statt-Pfarꝛ-Kirchen vorgetragen / damit hierdurch ein jeder lehrne / wie danckbar er ſich gegen ſeinem GOtt ſoll einſtellen / der ihnen auß Peſt / Krieg / Hunger / vnd anderen Noͤthen ſalviret.
In tribulatione invocaſtime, & libera - vi te.
Du haſt mich in Truͤbſahl angeruffen / vnd ich hab dich errettet. Pſalm. 80.
VOn Grund meines Hertzens wuͤnſche ich / daß heut die vornehme / vnnd hoffentlich GOtt dem HErꝛn angenehme Statt Graͤtz moͤchte die Na - tur ein Eigenſchafft der Sonnen an ſich nemmen. Die Sonnen poſtiert mit ihren Feurflammenden Pferdten von einem Himmels-Zaichen zu dem anderen. Die Sonn geht in dem Monat Januario in das Zaichen deß Waſſer - manns: die Sonn gehet in dem Monath Februario in das Zaichen deß Fiſches: die Sonn geht in dem Monath Martio in das Zaichen deß Widders: die Sonn geht in dem Monath April in das Zaichen deß Stiers: die Sonn gehet in dem Monath Majo in das Zaichen deß Zwillings: die Sonn geht ein in diſem Monat benanntlich im Junio in das Zaichen deß Krebſens. Von Grund mei - nes Hertzens wuͤnſche ich / daß heut die Edle Statt Graͤtz auch moͤchte die Eigenſchafft der Sonnen an ſich nemmen / ebenfalls gehen in das Zaichen deß Krebſens. Zuruck! zuruck! mein Graͤtz zuruck! denck zuruck! wie Anno 1680. dich der gerechte GOtt mit einer ſcharpffen Rue - then gezuͤchtiget hat. Dencke zuruck! das gleichſamb von lauter Ach / ach / ach / ach / das Achtzigiſte Jahr ſei - nen Nahmen geſchoͤpfft hab.
R r r 2Zur500Danck-Predig.Zur Zeiten Eliſæi deß Propheten haben die Beeren vil kleine Knaben zerriſſen; Anno 1680. hat der grimmi - ge Todt nicht allein vil kleine / ſondern auch groſſe Leuth allhier erwuͤrget / dencke zuruck!
Zur Zeit Moyſis hat die Erd ihrer zwey verſchlicket / nemblich den Dathan, vnd Abiron. Anno 1680. hat die Erd nit nur ein 1000. allhier verſchlickt / vnd hat mancher ſein Grab gefunden vnder einem verdorꝛten Baum / der noch in bluͤhender Jugend war. Dencke zuruck! Zur Zeit deß beruͤhmten Kriegs-Fuͤrſten Joſue hat der freche Dieb Achan ein guldenen Schatz entfrembtet / vnd vnder die Erd vergraben: Anno 1680. hat der Zaunduͤrre Dieb der Todt vil guldene Leuth / einem manchen Mann ſein Weib / als ein guldenen Schatz: einem manchen Weib ihren Mann / als ein guldenes Hertz entfrembtet / vnd vnder die Erden gebracht. Dencke zuruck.
Zur Zeit deß Propheten Ezechiel ſeynd die Felder / voller Todtenbainer gelegen: An. 1680. hat man allhier vmb Graͤtz herumb auff den Feldern / Wiſen vnd Ackeren hin vnd her vil Todte / vnnd Todtengraber angetroffen. Dencke zuruck.
Zur Zeiten Jephte muͤſte diſer wackere Kriegsherꝛ ſein Leibliche Tochter opfferen: Anno 1680. haben man - che Elteren ihre liebſte Soͤhn vnd Toͤchter muͤſſen auffopf - feren. Dencke zuruck.
Dencke zuruck mein Graͤtz / vnd erwoͤge beynebens wol / wer deine andere / vnnd annoch uͤbrige Innwohner von dem ſtarcktobenden Todt errettet hat. Wer? wer? der ewige GOtt im Himmel / ſo da Dreyfach in Perſonen / die Allerheiligſte Dreyfaltigkeit hat dir Anno 1680. das fernere ach / ach / ach / abgewendt. Dann An. 16 vnd Acht - zig hat Graͤtz achtzig erfahren / was der geeroͤnte Prophet David in dem 80. Pſalm ſingt: In tribulatione invoca -ſti501Danck-Predig.ſti me, & liberavi te. Du Graͤtz haſt mich Goͤttliches Drey in Truͤbſahl angeruffen / vnd ich hab dich errettet. Deſtwegen halt dein Wort / was du mir verſprochen haſt / vnd ſo eyffrig verhaiſſen / nemblich ein ſchoͤne Ehrnſaul auff offentlichem Platz / vnd ein Jaͤhrliche Danckſagung.
Vnſer gebenedeyter Heyland hat eineſt drey ſeiner liebſten Apoſtel mit ſich auff den hohen Berg Thabor ge - fuͤhret / ihnen daſelbſt gezaiget einen kleinen Abriß ſeiner Himmltſchen Glory / ja er hat ein ſolches ſchoͤnes ſcheinen - des / ſchimmerendes Angeſicht gewiſen / daß ſich Petrus gaͤntzlich darin / vnd daran verliebet / vnd alſo kurtzumb da - ſelbſt ſein Wohnung auffſchlagen wolte. So freund - lich war das Angeſicht Chriſti. Ein andersmahl wie der Stricks-Dieb Judas diſen ſeinen HErꝛn mainey - dig verrathen / vnd die Hebretſche Lotters-Knecht JEſum von Nazareth mit groſſer Ungeſtuͤmme wolten fangen / da hat er diſe Lumpen-Burſch nur angeſchauet / quem quæritis? vnd mit diſem eintzigen Blitzer / ſo auß ſeinen Augen geſchoſſen / alle diſe freche Leuth zu Boden geworf - fen / daß ſie die Fuͤß in die hoͤhe gehebt. So erſchroͤcklich war das Angeſicht Chriſti. Auff ſolche Weiß kan vnſer lieber HErꝛ zweyerley Geſichter machen / ſuͤß vnd ſaur / anſchauen? Ja / ja / ja. Die jenige / welche im Leben ihn lieben / ihn loben / die ſchaut er gantz freundlich vnd ſuͤß an: gegen denſelbigen aber / die ihn belaydigen / macht er ein ſauers Geſicht. Etlich vnd 30. Jahr nacheinander hat Chriſtus der HERR vnſer Statt Graͤtz gantz freund - lich angeſchaut / man iſt allhier allezeit in Luſt vnd Guſt geſeſſen / faſt ohne Plag / ohne Klag / lebte auch man alle Tag / vnd immer / in beſter Ruhe / allezeit in Gluͤckſeelig - keit; ein ſo freundliches Geſicht hat vns der Allmaͤch - tige GOTT gezaiget / weilen wir aber die GoͤttlicheR r r 3Guͤte502Danck-Predig.Guͤte mißgebraucht / mit oͤffterem ſuͤndigen den Allmaͤch - tigen belaydiget / ſo hat er vns Anno 1680. auch ein ſau - res Geſicht gezaigt / welches ſo vil / vnd vil Menſchen nit allein zu Boden geworffen / ſondern gar vnder die Erden gebracht. In der Statt / bey der Statt / vmb die Statt / war nichts als W, W, W allenthalben; wiſſen ſie aber was fuͤr einen Buchſtaben in dem A B C nach dem W fol - get? S. T. V. W. X. auff das W folget das X. diſes ſchreibt man wie ein Creutz / gar recht / wie vns der gerech - te Gott zur graſſirender Peſtzeit das W geſchickt hat / ſo ſeynd wir freylich zum X zum Creutz krochen / haben die Haͤnd in die hoͤhe gehabt mit dem Moyſe, haben an die Bruſt geſchlagen mit dem offnen Suͤnder / haben einen Geluͤbd gethan mit dem Jephte, haben die Allerheiligiſte Dreyfaltigkeit verehret / vnd inbruͤnſtig angeruffen. Vnd diſe / diſe / kein Galenus oder Leodicenus, diſe / diſe / vnd kein Hermogenes, oder Ariſtogenes, diſe / diſe / vnnd kein Welt-Artzt / ſondern die allerheiligſte Dreyfaltigkeit hat vns erloͤſt. In tribulatione invocaſti me, & libera - vi te.
Fuͤnff Ehrſame / ſittſame / gehorſame / tugend - ſame / fridſame Jungfrauen / nachdem ſie gar hoͤffliche Ladſchreiben von dem Himmliſchen Braͤutigam empfan - gen / kommen mit brinnenden Ampeln vor die Himmels - Thuͤr / vnd werden daſelbſt mit aller Willfaͤhrigkeit einge - laſſen. Willkomb / willkomb / herein / herein / da ſolt ihr luſtig vnd froͤlich ſeyn. Fuͤnff andere wolgeſchmierte / wol polierte / wol armierte Jungfrauen kommen gleichmaͤſſig fuͤr die Himmels-Thuͤr / jedoch mit laͤhren Ampeln / diſen hat man die Thuͤr vor der Naſen zugeſchlagen. Vber das iſt ſich zwar nit ſo hoch zu verwundern / dann ſie tragten laͤhre Ampeln / in welchen kein Oel / kein Dacht / vnd fol - ſamb kein Andacht ware: aber das iſt ja wunderlich / daßdiſe503Danck-Predig.diſe arme Troͤpffinen haben noch uͤberlaut geſchryen. Domine, Domine aperi nobis, HERR / HERR mach vns auff. Herauß hat es gehaiſſen HERR / HERR / vnnd darinnen war kein Gehoͤr. Jonas in ſeiner naſſen Herberg iſt erhoͤrt worden / diſe nicht: Daniel in ſeiner tieffen Herberg iſt erhoͤrt worden / diſe nit: Anna in ihrer heiligen Herberg iſt erhoͤrt worden / diſe nit: die 3. Knaben zu Babylon in ihrer haiſſen Her - berg ſeynd erhoͤrt worden / diſe nit: warumb? darumb / ſie ſeynd Naͤrꝛinen geweſt / fatuæ, ſie haben nicht recht ge - ſchryen / nur zweymahl Domine, Domine, HErꝛ / HErꝛ / geſchryen. Die Graͤtzer ſeynd Anno 1680. vmb ein gutes verſtaͤndiger geweſt / vnd die Sachen vil weiſer angriffen zur laydigen Peſt-Zeit / dann dazumahlen haben ſie bey dem Himmel angeklopffet / Hilff begehrt / vnd einhellig / nit allein zweymahl / ſondern dreymahl auffgeſchryen: Do - mine, Domine, Domine, HErꝛ / HErꝛ / HErꝛ. Die naͤrriſche Menſcher haben ein Goͤttliche Perſon außge - laſſen / aber die Graͤtzer haben gantz inbruͤnſtig alle drey an - geruffen / GOtt den Vatter / GOtt den Sohn / GOtt den heiligen Geiſt / diſe allerhoͤchſte Dreyfaltigkeit / vnd die hat ſie erhoͤret / vnd die hat ihnen geholffen.
Anno 1599. hat die Peſt in Hiſpanien dergeſtaltenFranc. à S. Maria in Hiſt. Cor. tom. 2. l. 7. c. 36. graſſiert / daß ſie forderiſt die Statt Segobriga ſchier gantz oͤd gemacht / ſo bald man aber ein Geluͤbd gethan / den Tag deß H. Rochi feyerlich zu begehen / da hat ſich diſe Sterbſucht geendt vnd gewendt. Rocho dem hatten ſie darumb zu dancken / dem / dem.
Anno 680. hat die Peſt graſſiret durch gantz Italien /Pagata p. 2. fol. 31. biß endlich der H. Chriſtophorus in der Statt Brixen er - ſchinen / vnd an die Haußthuͤren den heylſambſten Namen JEſus geſchriben / woruͤber alſobald diſes Ubel auffgehoͤ - ret. Chriſtophoro dem batten ſie darumb zu dancken; dem / dem.
An -504Danck-Predig.Anno 1503. war die Peſt in der Statt Papia, wo der Leib ligt meines heiligen Vatters Auguſtini, nachdem ſich aber der Magiſtrat verlobet hat Jaͤhrlich 22. weiſſe Fackeln auff den Altar deß H. Vatters zu opffern / alsdann hat ſich augenblicklich das Ubel geendt: Auguſtino dem hatten ſie zu dancken / dem / dem.
Anno 1625. iſt ein ſehr groſſe vnd graſſierende Peſt geweſt durch gantz Sicilien, welche nachmahls gewendt hat die Vorbitt der H. Roſaliæ. Roſaliæ der hatten ſie zu dancken / der / der. Ibidem.
Anno 1680. nachdeme die Peſt den Oeſterreicheri - ſchen Boden zimblich durchgraſet / vnd graſſieret / vnd der grimmige Todt ſeine Pfeil auch in Steyrmarckt abgedru - cket / nicht ein geringe Niderlag / in vnd bey der Statt Graͤtz verurſachet / ſolches Ubel hat gewendt / wer? die allerhei - ligſte Dreyfaltigkeit / diſer zu Danck ſoll alles ſingen / vnd klingen / diſer zu Danck ſoll alles lauffen vnd ſchnauffen / diſer zu Danck ſoll alles leben vnd ſchweben: dann wegen deß Achtzigſten Jahrs ermahnt vns der 80. Pſalm, im 80ſten Pſalm der achte Verſicl wegen deß Ach / Ach / Ach. In tribulatione invocaſti me, & liberavi te; du haſt mich in Truͤbſal angeruffen / vnd ich hab dich errettet / anjetzo zahl / was du Ihr ſchuldig biſt.
Petrus ſoll auff ein Zelt Geld erlegen / er hatte aber keines / dann das Geld / vnd die Caſſa fuͤhrte der ſaubere Procurator Judas, ſo dazumahl nit gegenwaͤrtig / weſ - ſenthalben der HErꝛ dem Petro befohlen / er ſoll hingehen / den Angl in das Meer werffen / den nechſten beſten Fiſch / den er werde herauß ziehen / in das Maul greiffen / vnnd Gelt darinn ſuchen. Petrus geht / fiſcht / fangt / ziecht / ſucht / greifft / ſindt / vnd bezahlt. Schuldig ſeynd wir / das wird kein verſtaͤndiger Menſch widerſprechen: ſchuldig ſeynd wir / dann warumben erſcheinen wir heut Fruhe /vnd505Danck-Predig.vnd Nachmittag in ſo volckreicher Verſamblung auff dem Platz / als eben auß Schuldigkeit: ſchuldig ſeynd wir GOtt zu dancken / ſolche Schuld zu bezahlen ſuch ein je - der das Geld in ſeinem Maul / auff ſeiner Zungen. Was der Fiſch Petri im Maul habe gehabt / ob es ein halber Gulden / oder ein Fuͤnffzehner geweſt / daß waiß ich nit / aber was wir im Maul / auff der Zungen fuͤr ein Geld ha - ben / daß waiß ich wol; es iſt ein Ungariſch Geld / ein Dreyerl / verſtehe den Danck / den wir dem Goͤrtlichen Drey / der vnzertrennten allerheiligiſten Dreyfaltigkeit ablegen / vnd dancken GOtt dem Vatter als vnſern Er - ſchoͤpffer / GOtt dem Sohn als vnſern Erloͤſer / GOtt dem heiligen Geiſt als vnſern Troͤſter / dem einigen GOtt / als vnſern Erretter zur Peſt-Zeit.
Die Statt Augſpurg hat den Namen von dem Kay - ſer Auguſto, welcher allda ſein Burg hatte / vnd alſo Aug - ſpurg ſo vil haiſt / als Auguſti-Burg. Die Statt Muͤn - chen hat den Namen von einem Muͤnichs-Kloſter / wel - ches daſelbſt geſtanden / vnnd derenthalben noch einen Muͤnich im Wappen fuͤhret. Die Statt Saltzburg wur - de zuvor Juvavium, oder Helffenburg genennet / nachdem aber der H. Rupertus alldorten das Saltz erfunden / wie er dann allezeit mit einer Saltz-Scheiben abgebildet wird / alsdann iſt ſie Saltzburg getaufft worden. Die Statt Wienn hat den Namen von dem kleinen Waſſer / ſo da - ſelbſt vorbey rinnet. Die Statt Graͤtz hatte bey den Roͤ - mer-Zeiten den Namen Floriana, nachgehends wurde ſie genennt Savanna, wie ſie aber vom Attila den Hunniſchen Tyrannen von Grund auß zerſtoͤhret worden / vnd 600. Jahr hernach die Herren von Bernegg ihr Wohnung da - ſelbſt auffgerichtet / haben ſie es in Windiſcher Sprach / Graͤtz genenner / welches ſo vil als ein Burg / oder ein StattS s shaiſt;506Danck-Predig.haiſt; diſer ſoll der eigentliche Urſprung ſeyn deß Namens Graͤtz. Solchem rede ich gar nit zu wider / aber wie waͤr es / wann ich der Statt thaͤte rathen / weilen ſie ohne das den Nahmen oͤffters veraͤndert / ſie ſoll hinfuͤro nit mehr Graͤtz / ſondern Gratias haiſſen; das verſteht bereits ein Ackersmann; Deo Gratias mein Graͤtz / thue heut / thue allemahl der allerheiligſten. Dreyfaltigkeit bezahlen vmb die groſſe Gnad / welche ſie dir Anno 1680. erthailt. Graͤtz Deo Gratias.
Matthæi am 8. cap. wird ein Haupt-That regiſtrie - ret von einem Hauptmann. Diſer Hauptmann wohnte zu Capharnaum, vnd hatte einen Bedienten / welcher uͤber alle maſſen elend / vnd kranck ware / der wackere Soldat / vnd rechtſchaffene Officier tragte ein innigliches Mitley - den mit dem armen Tropffen / bitter deſtwegen in eigener Perſohn Chriſtum den HErꝛn / er wolle doch vermoͤg ſei - nes groſſen Gewalts den armſeeligen Krippel geſund ma - chen: Ja / ja / antwortet vnſer lieber HErꝛ / Curabo eum, ich will zu ihm hinunder gehen / vnd gaͤntzlich geſund ma - chen / ja / ja /; nein / nein / ſagt der Hauptmann / die Gnad waͤr gar zu groß / ich bins nit werth / daß du ſolſt eingehen vnder mein Tach / ſondern ſprich nur ein Wort / ſo wird er ſchon geſund. Fiat, ſicut credidiſti. Auff ſolches Me - morial hat der guͤtige Heyland alſobalden das Fiat geſchri - ben. Et ſanatus eſt puer in illa hora; vnd in derſelben Stund iſt der Menſch geſund worden. Was muß doch diß fuͤr ein Stund ſeyn geweſen? Die mehreſten Lehrer / vnd Seribenten ſprechen / es ſeye geweſt Hora tertia, vmb 3. Uhr. Wie der Zaiger auff Drey geſtanden / da iſt der Menſch eurirt worden. Ein Zaiger auff einer Uhr iſt vorn - her geformbt / als wie ein Hertz / deſſen Spitz auff die Ziffer / oder Zahl deutet. Mit Graͤtz hat es An. 1680. faſt ein glei -che507Danck-Predig.che Beſchaffenheit gehabt; malè torquebatur, ſie hat ſich damahlens in einem uͤblen Zuſtand befunden. Sie war nit vngleich einem Schwemteich zu Jeruſalem / ubi erat mul - titudo languentium. Allwo ein groſſe Menge der Kran - cken war. Sie war nit vngleich dem Topff Eliſæi; mors in olla, wo der bittere Todt ſcheinte. Sie war nit vngleich den betrangten Egypten zu Pharaonis Zeiten / wo kein Hauß war / da nit ein Todter gelegen. Sie war nicht vn - gleich jenem raiſenden von Jeruſalem nacher Jericho / wel - cher vnder die Moͤrder gefallen / vnnd halb zu todt ge - ſchlagen / halb todt war ſchier damahlens die gantze Graͤtz - Statt: malè torquebatur. So bald aber das Hertz der Hochloͤblichen Gehaimen Stell / das Hertz der Hochloͤb - lichen Regierung / das Hertz deß Loͤblichen Magiſtrats, mit der geſambten Burgerſchafft / das Hertz deß Hochwuͤrdi - gen Cleri, auff Drey gezaigt / nemblichen auff die Al - lerheiligiſte Dreyfaltigkeit. Sanata eſt Civitas. So hat man von Stund an Huͤlff erfahren. Deſtwegen heut auff allen Zungen ſoll / vnd muß / vnd wird erſchallen bey allen das Deo Gratias.
Der Heil. Joannes, als ein gehaimer Secretarius deß Goͤttlichen Conſiſtorij hat auff ein Zeit geſehen den grimmigen Todt auff einem falben Pferdt hin vnd her auff dem Erdboden reitten / vnd groſſe Niderlag verurſachen. Anno 1680. iſt der wuͤttende Todt zu Graͤtz auff ſeinem falben Pferdt durch alle Gaſſen geſprengt / biß er endlich in ein Gruben gefallen / vnd den Halß gebrochen.
Er iſt kommen in die Sporꝛ-Gaſſen / da hat es gehaiſſen.
Er iſt kommen in die Muhr-Gaſſen / da hat es gehaiſſen.
Er iſt kommen in die Schmidt-Gaſſen / da hat es gehaiſſen.
Er iſt kommen in die Staͤmpffer-Gaſſen / da hat es gehaiſſen.
Er iſt kommen in die Herren-Gaſſen / da hat es gehaiſſen.
Er iſt kommen in die Hof-Gaſſen / da hat es gehaiſſen.
Er iſt kommen in das kaͤlberne Viertl / da hat es gehaiſſen.
Er iſt vmb die Statt herumb geritten / zu dem Sack-Thor herein / vnd als er in den drit - ten / vnd anderten Sack kommen / da hat es gehaiſſen.
Ecce equus pallidus, & qui ſedebat ſuper eum, no -Apoc. 6. men illi mors. Wie nun der grimmige Todt in den er - ſten Sack kommen / gleich nahend auff den Platz / da iſt er ſambt ſeinem falben Pferdt in ein Gruben gefallen / vnnd ihm den Halß gebrochen / ſo bald man daſelbſt hat ange - fangen zu graben / ein Grueben zu machen / worinn nach - mahlens die Ehren-Saulen der allerheiligſten Dreyfaltig -S s s 3keit510Danck-Predig.keit geſtellet worden / dort in diſer Gruben hat der Todt den Reſt bekommen; ich will ſagen / ſo bald man die Bild - nuß der Allerheiligiſten Dreyfaltigkeit auffgerichtet / ſo bald die Leuth ihre Augen / vnnd mit denen Augen ihre Stimm / vnd mit der Stimm ihre Haͤnd / vnd mit denen Haͤnden ihre Gemuͤther / zu der allerheiligſten Dreyfaltig - keit erhebt haben. Alſobalden iſt die graſſierende Peſt ver - ſchwunden. Darumb laſt vns heut an allen Orthen / mit lauten Worten ſingen vnd ſagen. Deo Gratias.
Vor etlich Jahren ware in einer vornehmen Statt in Italia ein Prieſter / welcher ſeinem Stand gemaͤß fromb / vnd Gottsfoͤrchtig lebte / wie es dann einem ſol - chen gezimbt geiſtreich zu ſeyn / dann nit vmbſonſt der Mi - niſter bey dem Altar / ſo offt der Prieſter Dominus vobiſ - cum ſpricht / allzeit diſe Antwort gibt / & cum Spiritu tuo, vnd mit deinem Geiſt. Als ſoll ein Prieſter nichts / als geiſtreich ſeyn. Weil nun die Tugend ein Liecht iſt / ſo iſt es nichts neues mehr / daß ſich Nacht-Eulen finden / wel - che diſes Liecht haſſen. Es iſt zwar ein kleines Staͤttl in Schwabenland / welches Neidingen genennt wird / aber ſo man die Warheit wil beſtehen / kont ſchier ein jede Statt di - ſen Namen haben. Das muſte neben andren auch erfahren obgedachter frommer Prieſter / deme auß Neyd einer gantz gwiſſenloß nach dem Leben getrachtet; es hatte aber diſer Gottsfoͤrchtige Mann vnder anderen loͤblichen Tugenden auch forderiſt diſe / daß er nemblichen ſein Brevier, oder H. Tagzeiten mit ſonderm Eyffer gebettet / vnd weilen ein jeder Pſalm an dem End mit dem Titl der allerheiligiſten Dreyfaltigkeit verſigelt iſt; als nemblich Gloria Patri, & Filio, & Spiritui Sancto: Ehr vnd Glory ſeye dem Vatter / vnd dem Sohn / vnd dem Heiligen Geiſt / alſo hat diſer gute Prieſter die ſchoͤne Gewonheit gehabt / daßer511Danck-Predig.er ſich allemahl zu diſem v. Gloria, &c. gantz tieff genai - get hat. Nun hat es ſich einsmahls zutragen / da diſer mit gewoͤhnlichen Eyfer das Officium gebettet ohne einiger Sorg / eintziger Gefahr / daß ſein Feind mit einem ſcharff beladenen Rohr durch das Fenſter auff ihn gezihlt / daſſel - bige abgedrucket. Sihe aber Wunder! das Rohr iſt nit loß gangen nach Bekandtnuß deß Boͤßwicht ſelbſten / biß ſich der Geiſtliche zu ſeinem Gloria Patri, &c. Ehr ſeye dem Vatter / vnd dem Sohn / vnd dem H. Geiſt gantz tieff gebucket / dazumahlen iſt die Kugl auß dem Rohr ge - brelt / aber weit uͤber den Prieſter geflogen. Wann ſich alſo diſer Gottſeelige Prieſter zu Ehren der allerheiligiſten Dreyfaltigkeit nit gebucket haͤtte / ſo waͤr er vnfehlbar er - ſchoſſen worden. Der grimmige Todt mit ſeinem Pfeil thut nach dem Leben zihlen / er ſchieſt ſein Bogen ab in eyl / vnd laſt mit ſich nit ſpilen / daß erfahrt man taͤglich / vnd ſtuͤndlich / abſonderlich hat man es geſehen vor 5. Jahren / bey welcher Zeit der wuͤtende Todt allerſeits bey vns gantz vngeſtimm ſeine gifftige Pfeil hat abgetrucket. Wie kombt es aber meine Graͤtzer / daß er ſo vil tauſend auß euch nicht getroffen / in dem er doch der beſte / vnd erfahr - neſte Schuͤtz iſt? ich mercke wol / ihr wolt mir alſo ant - worten. Wie der Todt ſeine Pfeil abgetrucket / vnd auff vns geſchoſſen / da haben wir vns ins geſambt gebucket / vnd genaiget zu der allerheiligſten Dreyfaltigkeit / Gloria Patri, & Filio, & Spiritui Sancto. Bey ihr Huͤlff ge - ſucht mit gebogenen Knyen / vnderdeſſen ſeynd die Pfeil uͤber vns geflogen / vnd alſo wir ohne Schaden verbliben / ſolche groſſe Gnad ſchreiben wir niemand anderſt zu / als der allerheiligſten Dreyfaltigkeit.
Anſelmus Minorita in Deſcript. Terræ S. Pagat. de admirandis Orbis Chriſtiani ſchreibet: daß in dem H. Land bey dem Fluß Ebron den Berg Mambre ſeye. Nichtweit512Danck-Predig.weit von diſem Berg ſehe man ein altes Gemaͤuer / wel - ches ſchon vor 3000. Jahren ein Wohnung ware deß groſ - ſen Patriarchen Abrahams, naͤchſt diſen alten Gemaͤuer ſtehet von 3000. Jahren her noch ein Aichbaum gantz gruͤn zu allen Zeiten / welchen die Tuͤrcken / vnd Saracener uͤber alle maſſen hoch verehren / auch ſelbigen mit allerley vom Gold vnd Seiden geſticktem Tuͤchel behengen / ſeynd auch deß kraͤfftigen Glaubens / daß / wann jemand frecher weiß etwas von diſem Baum brechen ſolte / er ſolches Jahr muͤſſe ſterben. Diſer Baum / wie man ſchreibt / ſoll noch ſtehen / vnd jederzeit gruͤnen / die Urſach iſt diſe; mehr als vor 3000. Jahren iſt die allerhoͤchſte Dreyfaltigkeit vnder diſen Baum dem groſſen Patriarchen Abraham erſchinen in Geſtalt dreyer Maͤnner; tres vidit, & unum adora - vit; als er diſe drey geſehen / hatte er einen angebettet. Das iſt die Urſach / warumben der Baum noch gruͤnt / vnd florirt, als koͤnne auch nit anderſt / als floriren Land / vnd Stand / wo man die allerheiligiſte Dreyfaltigkeit ver - ehret / daß muͤſſen wir mercken. Nach diſem ſeynd erſtge - dachte drey Perſohnen in Geſtalt ſchoͤner Engel in das Hauß deß Abrahams eingetretten / ihme allda die gluͤck - ſeelige Zeitung gebracht / daß er werde einen Mannlichen Erben bekommen; wie es dann hernacher geſchehen / vnd iſt ſolcher Iſaac genennet worden / welches Wort auff Teutſch ein Gelaͤchter haiſt. Riſum fecit mihi Dominus, ſagt Abraham, die heilige Dreyfaltigkeit hat mir ein la - chen / oder ein Gelaͤchter in das Hauß gebracht.
Diß haben wir auch vor 5. Jahren / in vnd vmb die Statt Graͤtz erfahren; vor fuͤnff Jahren hat man allhier in der Warheit wenig Gelaͤchter geſpuͤhret / wol aber wai - nen / vnd trauren allenthalben. Wainen vnd trauren vn - der den Eltern / wann ſie haben ſehen muͤſſen / daß der vn - beſchaidene Todt ihnen die ſchoͤnſte Blumen abgebrocket /ihre513Danck-Predig.ihre Kinder in bluͤhender Jugend hinweg gezucket. Wai - nen vnd trauren vnder den Kindern / da ſie Vatter vnd Mutter verlohren / vmb dero Halß ſie offt / wie ein Win - ter-Gruͤn vmb einem Baum ſich vmbgewicklet. Wainen vnd trauren vnder den Eheleuthen / wann ſie haben ſehen muͤſſen / daß auß eins iſt zwey worden / da ſie nemblich in der Lieb vereiniget / durch den Todt ſeynd entzweyt worden. Wainen vnd trauren allenthalben. So bald aber Graͤtz die allerheiligſte Dreyfaltigkeit verehret hat / da hat es gleich gehaiſſen. Riſum fecit mihi Dominus. Da ſich die Peſt hat gewendt / da hat man wider auff der Gaſſen gehoͤ - ret: willkomb Bruder / da hat ein Freund den andern wi - derumb freundlich angelacht. Zu Cana Galilæa iſt das Waſſer in beſten Wein verwandlet worden / vor fuͤnff Jahren iſt Traurigkeit in Froͤlichkeit veraͤndert worden: zu Eliſæi Zeiten iſt das bittere Waſſer in ein ſuͤſſes ver - wandlet worden; vor fuͤnff Jahren iſt Leyd in Freud ver - kehret worden: zu Moyſts Zeiten iſt ein gifftiffe Schlang in ein Ruthen verwandlet worden: vor fuͤnff Jahren iſt Truͤbſal in Freudenſchall verkehret worden. Riſum fecit mihi Dominus. Und das haben wir alles zu dancken der al - lerheiligſten Dreyfaltigkeit. In tribulatione invocâſti me, & liberavi te.
Uns iſt es weit beſſer gerathen / als den Baͤumern / von welchen die H. Schrifft regiſtriert. Daß nemblichenJud. 9. die Herren Baͤumer / in Erwegung / daß alle Geſchoͤpff ih - ren Koͤnig haben: die Voͤgl / den Adler fuͤr ihren Koͤnig: die gehende Thier den Loͤwen fuͤr ihren Koͤnig: die Fiſch in dem Waſſer den Wahlfiſch fuͤr ihren Koͤnig: die Geſtirn am Himmel die Sonnen / die Stainer auff Erden den Dia - mand / die Blumen ihre Roſen / ꝛc. als wolten auch die Baͤumer / als nit mindere Geſchoͤpff gleicher maſſen ihnen einen Koͤnig erwoͤhlen. Der Reichs-Tag wird ordentlichT t tauß -514Danck-Predig.außgeſchriben / alle Baͤumer kommen zuſammen / geben ihre Stimm / vnd erſuchen ihrer Drey nacheinander / ha - ben aber von allen dreyen ein Korb erhalten. Bitten erſt - lich den Feigenbaum / er wolle die Cron annemmen / vnd als ein gevollmaͤchtigter Herꝛ uͤber ſie herꝛſchen. Impera nobis. Nein / es kan nicht ſeyn / das war der erſte Korb. Sie bitten nachmals den Weinſtock / er wolle diſe Wuͤrde antretten. Nein / es kan nicht ſeyn / das ware der andere Korb. Nach ſolchem tragen ſie die Koͤnigliche Wuͤrde dem Oelbaum an / welcher ſich gleichmaͤſſig entſchuldiget. Nein / es kan nit ſeyn / das war der dritte Korb. Das ſoll denen Baͤumern wol haben in die Naſen geraucht / abſon - derlich dem Cederbaum / dann diſer iſt gar ein hochmuͤthi - ger Geſell: auch dem Aichbaum / dann diſer ohne das ein grober Kniſpl: wol auch dem Holtzapffelbaum / dann di - ſer faſt allzeit ein ſaurs Geſicht macht. Sie moͤgen es em - pfunden haben oder nicht / ſo haben ſie doch drey Koͤrb be - kommen. Denen Graͤtzeren iſt es weit gluͤcklicher abgan - gen / video homines, velut arbores, wie dan̄ jener Blinde nit uͤbel von der Farb geredet / in dem er die Menſchen fuͤr Baumer angeſehen. Vor 5. Jahren waren wir allhier zu Graͤtz ſolche Baͤumer / vnder welchen der grim̄ige Todt ſein Tyranney ſtarck an Tag geben / dann er ja nit wenig vmb - gehaut / ſolches ware ein ſattſame Urſach / daß ſie auch ei - nen Koͤnig geſucht / der ſie in Schutz vnd Protection moͤch - te auffnemmen; haben erſtlich erſucht den Feigenbaum; Impera nobis, er wol ihr Koͤnig ſeyn / durch den Feigen - baum wird verſtanden GOtt der Vatter / welcher die ſuͤſſe - ſte Frucht getragen / nemblichen das Goͤttliche Wort / ſei - nen eingebohrnen Sohn: Sie haben erſucht den Wein - ſtock / verſtehe hierdurch die andere Perſon / welche in dem Evangelio ſpricht / Ego ſum vitis vera, ich bin der wahre Weinſtock / Impera nobis. Sie haben gebetten den Oel -baum /515Danck-Predig.baum / Impera nobis, er wol ihr Koͤnig vnd Protector ſeyn; der Oelbaum iſt ein Figur deß H. Geiſts / maſſen die Tauben in der Archen Noe ein Oelzweig in dem Schnabel getragen / zu diſen Dreyen / nemblichen zu der Allerheiligi - ſten Dreyſaltigkeit ſeynd die Graͤtzer kom̄en / vnd ſich voͤl - liglich dero Schutz vnd Schirm vnderworffen / auch ver - ſprochen / verlobt ihr ewig vnderthaͤnig zu ſeyn / alle Jahr auff offentlichem Platz den ſchuldigiſten Danck abzulegen / vnd dero heilige Bildnuß auff ein ſchoͤne Ehren-Saulen zu ſtellen. Vnd ſihe / da hats bald gehaiſſen: Intribulatio - ne invocaſti me, & liberavi te. Du haſt mich in Truͤbſal angeruffen / vnd ich hab dich erretter. Du denckeſt ja noch wol daran / ich hab dich errettet.
Im Buch der Richter ſtehet geſchriben von dem Abi - melech, daß er 70. ſeine Bruͤder blutgierig erwuͤrget / vnd allerſeits ein vnerſaͤttliche Tyranney erzaiget habe. Er hat die Veſtung Sichem belaͤgert / geſtuͤrmer / vnnd in Aſchen geleget / nach ſolchem hat diſer Blut-Egel die Statt Thebes angriffen / auch ſelbige durch groſſen Gewalt er - obert / mitten aber in diſer Statt war ein Thurn / worauff ſich Inwohner reterirten / vnd ſich tapffer zur Gegenwoͤhr ſtellten / ſolchen Thurn wolte auch Abimelech mit Feuer bezwingen / iſt aber von einem Weib mit einem ſtainernen Willkomb alſo empfangen worden / daß ihm hierdurch den Kopff zerſpalten. Weilen nun Abimelech der Tyrann vermercket / daß er wegen ſolchen Stain muͤſſe den Kerꝛ - auß tantzen / als hat er ſeinem Waffentrager befohlen / er ſolle ihm das Leben gar nemmen / damit er nit den uͤblen Nachklang leyde / ein Weib hab ihm den Reſt geben. Es blibe aber dannoch wahr / daß ein Weib diſen hochmuͤtigen Geſellen mit einem Stein habe uͤberwunden. Pfui! dem blutgierigen Tyrann Abimelech iſt zuvergleichen der Todt bey verwichner Peſtzeit: Hat nit diſer grim̄ige Feind allesT t t 2vmb516Danck-Predig.vmb Graͤtz / vmb vnnd vmb geſtuͤrmet? Wie vil Men - ſchen hat er erleget? Wie vil auß denen Zuhoͤreren muͤſ - ſen bekennen / daß diſer Tyranniſche Feind manche ihre Be - kandte / vnd Verwandte hat hingeriſſen / vnd Tyranniſch darmit verfahren / biß endlich ein Weib iſt kommen / die ihme mit einem Stein den Reſt hat geben; Durch diſes Weib verſtehe ich die Andacht der Hochloͤblichiſten Ge - haimen Stell / die Andacht der Hochloͤblichen Regierung / die Andacht deß Loͤblichen Magiſtrats, &c. So bald diſe Andacht zu der Allerheiligſten Dreyfaltigkeit ſich hat ge - wendet / ihr Verſprechen ein ſchoͤne ſtainerne Saulen ihr zu Ehren auffzurichten troffen. So iſt alſobalden diſer A - bimelech der Todt mit ſolchem Stein geworffen wor - den / vnd den Reſt bekommen.
Graͤtz in diſem Fall die Hauptſtatt in Steyrmarckt folget nach dem beruͤhmten Kriegs-Fuͤrſten Joſue, als di - ſer eineſt mit dem vergulten Bundskaſten in Beglaitung der Kinder Iſrael zu dem Fluß Jordan kommen / da iſt di - ſer Fluß / durch Goͤttlichen Befelch / ſo hoͤfflich geweſt / daß er oberhalb ſtill geſtanden / vnd ſich auffgebaumt wie ein Cryſtallener Berg / vnderhalb aber abgeronnen / dahe - ro die Leviten ſambt der Archen vnnd dem gantzen Volck mit drucknen Fuͤſſen durchkommen: vnd weil ihnen die Archen deß HErꝛn ſo wunderlich hat durchgeholffen / alſo hat der Kriegsfuͤrſt Joſue zu einer Danckbarkeit / vnd ewi - gen Gedaͤchtnuß 12. groſſe Stein laſſen auffrichten allen Nachkoͤmblingen zu einem immerwehrenden Gedenckzai - chen / daß ihnen der guͤtigſte GOtt ſo wunderlich hat hin - durch geholffen; diſe Stain ſihet man noch auff den heu - tigen Tag / vnd wie der heilige Joannes Baptiſta bey dem Fluß Jordan geprediget / hat er auff die Stain gezaiget / vnd geſagt: Potens eſt Deus, ex lapidibus iſtis ſuſci - tare filios Abrahæ. GOtt kan auß diſen Stainen Kin -der517Danck-Predig.der Abraham erwecken. Diſer verguldte Bunds-Ka - ſten ware ein Figur der Allerheiligiſten Dreyfaltigkeit / dann es war darinnen die Ruethen Moyſis / als ein Zai - chen eines Gewalts / die hat bedeutet GOtt den Vatter / es war darinnen die Tafel der Geſaͤtz / diſe haben bedeu - tet JEſum Chriſtum / den Goͤttlichen Sohn / welcher vns ein neues Geſatz gebracht: es ware darinnen das ſuͤſſe Manna, diſes hat bedeutet den H. Geiſt / dulcis hoſpes animæ, der ein ſuͤſſer Troͤſter der Seelen iſt. Hat ihnen alſo die Allerheiligiſte Dreyfaltigkeit in einer Figur durch - geholffen / deſtwegen ſie zu ewigem Danck vnnd Denckzai - chen diſe Stainer auffgericht.
Was Anno 2494. vor Erſchaffung der Welt ge - ſchehen / was 1477. Jahr vor Chriſti Geburt geſchehen / das iſt auch Anno 1680. nach Chriſti Geburt geſchehen / ich will ſagen / was mit dem Joſue vnd Iſraelitern geſche - hen / das iſt auch mit vns Graͤtzern geſchehen. Wie ſeynd doch ſo vil / deren nit wenig gegenwertig / wie ſeynd doch ſo vil bey der ſo ſtarck graſſirenden Peſt durchkommen / wie vil? wer? Honori, Matthias, Gregori, Jeremias? wer hat euch durchgeholffen? Athanaſi, Ferdinande, Anaſtaſi, Amande? wer hat euch durchgeholffen? Regina, Poli - xena, Roſina, Magdalena: wer hat euch durchgeholffen? Clara, Suſanna, Sara, Joanna; wer hat euch durchge - holffen? wer? wer? ich hoͤre / ich hoͤre / die Allerheiligſte Dreyfaltigkeit / GOtt Vatter / GOtt Sohn / GOtt hei - liger Geiſt / der ein einiger GOtt / vnd drey Goͤttliche Per - ſohnen / die haben vns durchgeholffen / derentwegen wir auch zur ewiger Gedaͤchtnuß / vnd vnſterblichem Angeden - cken ein ſtainene Saul wollen auffrichten.
Der H. Joannes hat vor diſem in einer Entzuckung wunderbarliche Gehaimbnuſſen geſehen / vnder anderen hat er einmahl vier Thier geſehen / welche man der ZeitenT t t 3denen518Danck-Predig.denen heiligen Evangeliſten zumahlet; er ſahe einen Loͤ - wen / ein Kalb / ein Thier / das haͤtte ein Geſicht wie ein Menſch / vnd einen Adler / diſe Thier hatten Tag vnd Nacht kein Ruhe / ſondern lobten ſtaͤts die Allerheiligiſte Drey - faltigkeit. Sanctus, Sanctus, Sanctus, Heilig / Heilig / Heilig. Er Joannes hat ein Loͤwen geſehen / ein Kalb ge - ſehen / ꝛc. welche das Lob der Allerheiligſten Dreyfaltigkeit abgeleget / aber ich ſihe heut ein Panther-Thier / mit wel - chem das Hertzog-Thum Steyrmarckt pranget / diſes ſihe ich heut / vnd hoͤr ich heut das Goͤttliche Drey loben / vnd preyſen / Heilig / Heilig / Heilig. Heilig GOtt Vatter / Heilig GOtt Sohn / Heilig GOtt der heilige Geiſt / ge - benedeyt GOtt der Vatter / gebenedeyt GOtt der Sohn / gebenedeyt GOtt der H. Geiſt. Gedancket ſey GOtt dem Vatter / gedancket ſeye GOtt dem Sohn / gedancket ſeye GOtt dem H. Geiſt. Ja ich glaub / daß alle vnſere Hertzen werden beſchaffen ſeyn / wie das Hertz meines Heiligen Vatters Auguſtini, welches vil Jahr nach ſeinem Todt ein Engel dem heiligen Sigeberto, als ein beſondere Reli - quien eingehaͤndiget / bey dem ſich dann diß groſſe Wun - der zugetragen / wann man das Hertz deß heiligen Vat - ters in ein Cryſtallenes Geſchirꝛ auff den Altar geſtellt / ſo offt der Prieſter in der heiligen Meß die allerheiligſte Drey - faltigkeit genennt / ſo offt hat ſich das Hertz bewoͤgt / vnnd in die Hoͤhe auffgewallet / auch ſo offt man das Buch / wel - ches er von der Allerheiligſten Dreyfaltigkeit geſchriben / zu dem Hertz geſetzet hat / ſo offt hat es ſich in Gegenwart deß Volcks geruͤhrt / vnd gleichſamb in die Hoͤhe gehupfft / alſo verliebt war das Hertz meines heiligen Vatters Au - guſtini in die Allerheiligſte Dreyfaltigkeit. Gleichmaͤſſig glaub ich auch / daß alle Hertzen der gegenwertigen eyfrigen Chriſten / vnd aller Graͤtzer ins geſambt / ſeyn gantz vnnd gar verliebet in diſes Goͤttliche Drey / von dem ſie vor fuͤnffJah -519Danck-Predig.Jahren ſo groſſe vnd uͤberhaͤuffige Gnaden empfangen / auch ferner hoffen durch diſe allerheiligſte Dreyfaltigkeit von allen Ubeln befreyt zu ſeyn. Es hat vermaint der Jo - ſeph, er habe dem Beniamin den beſten Schatz in den Sack gelegt / in dem er die Saͤck anderer ſeiner Bruͤder mit Trayd hat laſſen anfuͤllen / vnd obenher ihr Geld verborgen / dem Beniamin aber ſeinen ſilbernen Becher / wormit er pflegte weiſſagen / in Sack geſtecket. Wir in Graͤtz haben weit ein groͤſſern Schatz im Sack / NB. vnd zwar im erſten SackNB. Zu Graͤtziſt ein Gaſſen / welche der erſte Sack genennet wird / all - wo die Eh - ren-Saul iſt auffge - richtet. allhier / wo nemblich die allerheiligſte Dreyfaltigkeit / wor - durch ich etwann ſo gut / als Joſeph mit ſeinen ſilbernen Becher kan wahrſagen. Wahrſagen will ich / daß wir hin - fuͤran vnder dem Schutz der allerheiligſten Dreyfaltigkeit werden von der Peſt befreyet ſeyn: wahrſagen will ich / daß wir mit Huͤlff der allerheiligſten Dreyfaltigkeit wer - den Sieg vnd Victori wider vnſere Feind erhalten. Aller maſſen Gedeon der tapffere Kriegs-Fuͤrſt die Madianiter / mittels der allerheiligſten Dreyfaltigkeit uͤberwunden / dan̄ er nahme wider einen ſo ſtarcken Feind nicht mehrer / als 300. Mann zu Ehren der allerheiligſten Dreyfaltigkeit / die 300. muͤſten ebenfalls drey Stuck mit ſich haben / nemb - lich ein Trompeten / ein erdenes Geſchirꝛ / welches ſie mu - ſten zerbrechen / vnd ein Fackel / mit diſen drey Stucken ſeynd vil 1000. Madianiter erleget worden. Durch die Trompeten wurde verſtanden der Himmliſche Vatter / welcher mit dem Schall eines eintzigen Worts Himmel vnd Erden erſchaffen: durch das erdene Geſchirꝛ wurde verſtanden die andere Perſon in der allerheiligſten Drey - faltigkeit / als welcher die jrꝛdiſche Menſchheit angenom - men / vnd nachmahls durch die Hebreiſche Mißgoͤnner zer - brochen worden / wie man dann noch 5. groſſe Riß / oder Ri - tzer ſicht. Durch die Fackl wurde verſtanden der H. Geiſt / der in Geſtalt feuriger Zungen uͤber die Apoſtl erſchinen. Gleich -wie520Danck-Predig.wie nun Gedeon den groſſen Feind / wie da die Abgoͤttiſche Madianiter waren / ſieghafft uͤberwunden durch die aller - heiligſte Dreyfaltigkeit; alſo hoffen wir alle ins geſambt / durch ſonderbare Beyhuͤlff / vnd Gnaden der allerheiligſten Dreyfaltigkeit / durch die Macht deß Himmliſchen Vat - ters / durch die Verdienſten deß Sohns Gottes / durch die Gnad vnd Erleuchtung deß H. Geiſts vnſern Erb-Feind / den Ottomanniſchen Tyrannen zu uͤberwinden. Wollan dann ihr tapffere Soldaten / vnd Kriegs-Leuth marſchiert wider eure Feind in dem Namen der allerheiligſten Drey - faltigkeit / ſprecht mit Mund vnd Hertzen.
Auß diſer ſchlechten vnnd geringen Predig kan man gleichwol lehren / wie man dem guͤtigſten GOtt ſeine Gna - den / wormit er vns ſo offt vom groſſen Ubel erloͤſt / mit Danck ſollen bezahlen. Wie Chriſtus der HErꝛ den Laza - rum von Todten aufferwecket / hat er nit befohlen / daß man ihm ſoll die Grab-Tuͤcher / mit denen er an Haͤnden vnd Fuͤſſen gebunden war / hinweg nemmen / oder auffloͤ - ſen / ſondern Lazarus muſte alſo gebundener auffſtehen. Joan. 11.Ligatus manus, & pedes. Uns hierdurch ein ſchoͤne Lehr zu geben / wann GOtt jemand ein groſſe Gnad erweiſet / oder auß einem groſſen Elend errettet / wie den Lazarum von dem Todt / ſo ſeye er gebunden / vnd verbunden / liga - tus, verobligiert ihme deſſenthalben zu dancken. Sihe mein Menſch / es iſt noch ein anders Außzuͤgl vorhanden /woran521Danck-Predig.woran du Schuldenmacher zimblich zu zahlen haſt / aller maſſen dich GOtt der HErꝛ nit allein erſchaffen / nit allein erhalten / ſondern auch erloͤſet hat. Wer GOtt dem HErꝛn nit dancket / ſpricht mein H. Vatter Auguſtinus,De Pſalm. vmb die Erſchaffung / der verdient die Hoͤll; vnnd wer GOtt nit danckt vmb die Erloͤſung / der verdient / daß ein neue Hoͤll fuͤr ihn werde. In nach folgendem wird gar nit ſpecificirt das jenige / was GOtt von der Krippen an zu Bethlehem deinetwegen außgeſtanden / ſondern nur wird daſſelbige auffgezaichnet / was dein JEſus außgeſtan - den von der Zeit vnd Stund an / da er im Garten gefan - gen worden.
Hannß Adam Erdſchrollen ſuͤndiger Menſch auff der Welt / hat von mir Endts vnderſchribenen die hierbey verzaichnete Gnaden empfangen / hoffe / daß er ſolche mit Danck bezahlen werde.
Anno 3074. nach dem Abſterben deß erſten Men - ſchens.
Gnaden.
Loco Sigilli ☩ JEſus dein Erloͤſer.
423[523]gegen ſeinem Maiſter.Soll es muͤglich ſeyn / daß der Menſch in Ableſung diſes Außzigls nicht an Haͤnd vnd Fuͤſſen zittere? Siheſt du anjtzo / was du deinem Erſchoͤpffer vnd deinem Erloͤ - ſer ſchuldig biſt? ſeynd dann dir deine Augen denen har - ten Kiſel-Steinen befreundt / vnnd in Erwegung / daß fuͤr dich dein Heyland JEſus 63000. haiſſe Zaͤher vergoſ - ſen / du gleichwol mit keinem Tropffen Augenwaſſer ver - ſehen biſt. Erwege doch bey dir / daß zwiſchen einem Kothkefer / vnnd Goldkefer / zwiſchen Tauſentgulden - Kraut / vnd Brenneſſel / zwiſchen einem Zieglſtain / vnd Edlgeſtain / zwiſchen einem Lampel / vnd einem Trampel nit ein ſo groſſer Vnderſchid ſeye / als zwiſchen dem Men - ſchen / vnd dem Engl / vnd dannoch / wie der Menſch geſuͤn - diget / hat ihn GOtt erloͤſt / vnd wie der Engl geſuͤndiget / hat ihn GOtt nit erloͤſt! Ein mancher Federhannß / vnd Praller / will waiß nit was / fuͤr Baͤumer außreiſſen / als wie der Xerxes, welcher mit 700000. Mann das Grie - chenland vberſallen / aber du Xerxes mit allen deinen be - waffneten Soldaten / wann auch 100000. Philiſteer Eiſen - Freſſer darbey waͤren / biſt ein lautere Lettfeigen gegen ei - nem Engl / welcher in dem Kriegs-Heer / Senacherib hun - dert vnd fuͤnff vnd achtzig Tauſent erlegt. Ein mancher Kothfinck vnd polirte Miſtbutten bildet ihr ein / ſie ſeye alle maſſen ſchoͤn / vnnd ſetzet bißweilen ein paar ſchwartz taffete Mucken auff die Wangen / damit nur das weiſſe Pergament deſto ſichtbarer herauß ſcheine / ja es muß gar offt auch der Anſtrich diſe Leoniſche Wahr fuͤr gut ver - ſilbern. Butz dich / ſchmuck dich / mein mit Ziegl bedeck - ter Sauſtall / du kombſt mir eben vor in deiner ſchoͤnen Tracht / wie ein gezierte ſchoͤne Paſtetten / worinnen ein muffendes Braͤtl von einem alt verꝛoͤcktem Schimmel / du werdeſt bald nach deinem Todt alle Gluet-Pfannen / vnnd Rauch-Werck beſchaͤfftigen vnnd inner etlich TagenV u u 2aͤrger524Judas gleich anfangs vndanckbaraͤrger ſchmecken / als deß Teuffels ſein Balſam-Buͤchſel. Pfui! ſihe aber wie ſchoͤn ein Engel; die H. Thereſia diſe Seraphiſche Mutter vnd Jungfrau iſt von dem Himmel berichter worden / daß / wann der Menſch nur mit einem Aug den allervnderſten Engel erblicken ſolte / ſo muͤſte ih - me das Hertz uͤber deß Engels Schoͤnheit vor lauter Suͤſ - ſigkeit in tauſend Stucken zerſpringen / alſo ſchoͤn iſt ein ein - tziger Engel. Wie ſchoͤn werden dann tauſend / hundert tauſend / tauſendmahl tauſend Engel ſeyn? vnd dannoch / NB. mercks wol / vnd dannoch hat GOtt die Engel nicht erloͤſt / ſondern den Menſchen / den ſo geringen von Erd - reich zuſammen gepapten vnd zerbrechlichen Tropffen.
Ey du vndanckbarer Menſch! O du in Abgrund der Erden verfluchter Menſch / wann du die Lieb deines HErꝛn / die Treu deines Erſchaffers / die Erbarmnuß deines Hey - lands nit tieff zu Hertzen faſſeſt. Sihe hinab in die Hoͤlli - ſche Feur-Gruben / ſchau da ligt in dem Bech / vnd Schwe - bel-Teuch der dritte Thail der Engeln / ein ſo groſſe Anzahl derſelben / daß / wann allein die jenige / welche in dem Lufft herumb ſchweben / Leibhafft vnd Coͤrperlich uͤber vns ſchwe - ben ſolten / ſo muͤſte nach Mainung viler heiligen Lehrer die Sonnen ihre Strahlen zuruck ziehen / vnd die Nacht ſtaͤts in der Welt ſeyn / weilen vnmoͤglich durch ein ſo groſſe Menge vnd Dicke der corporierten Geiſtern in dem Lufft der Sonnen mit ihren Strahlen durchzubrechen. Schau hinab / ſprich ich / in den feurigen Schmeltz-Ofen / ſchau / da ligt das edle Kleinod / welches GOtt ſelber auff ſeiner Bruſt getragen / Lucifer der allerſchoͤnſte Engel; Ah Lu - cifer, wie tieff biſt du hinab gefallen! biſt du dann nit der ſchoͤnſte Stern? der fruhe morgens alſo auffgieng / daß Sonn vnd Mond uͤber dein Schoͤnheit ſich verwundern? freylich wol / bin ichs; wie biſt du dann ſo tieff hinab gefal - len? non habui ſublevantem me, es hat mir niemand ge -holffen /525gegen ſeinem Maiſter.holffen / ſagt er 6000. Jahr lig ich ſchon in diſem feuri - gen Schmeltz-Ofen / vnd JEſus der Sohn Gottes hat mich noch nie mit einem guten Aug angeſchauet / 6000. Jahr werde ich noch darinnen ſchwitzen / vnnd nach ſechs tauſendmahl tauſend / tauſend Jahr werd er mich noch mit keinem Aug anſchauen / vnnd alſo muß ich ohne einigen Augen Troſt von Ewigkeit das ewige Elend ſchmeltzen / an ewigen Ketten vnd feurigen Banden geſchmidet ver - bleiben; ich / der die ſchoͤnſte Creatur nach GOtt ware / mit ſo vil Millionen anderen ſo edlen Geſchoͤpffen bin / vnd bleib / ach! bleib / vnd bin ewig verlohren / vnd ein raudiges Schaaf / ein ſtinckendes Aaß / ein nichtiger Erdwurm / ein Sack voller Koth / ein Haut voller Elend ſucht der Sohn Gottes 33. Jahr / geht / vnd ſteht / laufft / vnd ſchnaufft / ſtreitt / vnd leydt 33. Jahr / nemblichen fuͤr den Menſchen / fuͤr mich aber hat er nit ein Fuß auffgehebet / vnd wird auch ewig keinen auffheben / ein Kleinod laſt GOtt im Koth li - gen / ein rueſſigen Bleyſchrollen hebet er auff / den Men - ſchen erloͤſt er / die Engel laſt er im ewigen Verderben ligen.
O mein Chriſt! vmb die Barmhertzigkeit Gottes / vmb das vergoſſene Blut deß Sohns Gottes / vmb die blutrinnende Wunden deines Heylands JEſu Chriſti / gehe doch einmahl in dein Gewiſſen / frag dein Hertz / ob du deſſenthalben deinem Erloͤſer biſt danckbar geweſt? ob du nit diſe vnergruͤndliche Gutthaten mit Ubelthaten ver - golten? O mein JEſu! ein Hoͤll / tauſend Hoͤllen / hun - dert tauſend Hoͤllen ſeynd ja zu wenig fuͤr einen ſolchen Menſchen / welcher dir vmb diſe Lieb vndanckbar iſt.
Weltbekandt ſeynd die Heroiſche Thaten / welche Gregorius Giſera auß Boͤheim fuͤr den Koͤnig Ladislao in Ungarn gethan hat. Ladislaus war noch ein Kind / wel - ches Kayſer Friderich der Dritte / bey ſeiner Hofſtatt als ſein Gerhab aufferzogen. Die Ungarn hatten bereits diſemV u u 3La -526Judas gleich anfangs vndanckbarLadislao rebelliret. Uladislaus Koͤnig in Pohln iſt eben - falls mit groſſer Macht in Vngarn eingefallen / der einige tapffere Gregorius Giſtra, oder Giſera muſte allen diſen an ſtatt deß jungen Herꝛls Ladislai Widerſtand thun / welches er dergeſtalten erwiſen / daß er den Feind nit nur einmahl in die Flucht geſchlagen / die Rebellen oͤffters mit ritterlicher Tapfferkeit erleget / vnd allerſeits groſſe Glory / vnd Victori erhalten. Wie diſer Gregorius einmahl na - cher Neuſtatt kommen / vnnd bey Ihro Majeſtaͤt dem Kayſer Audientz begehret / ſo hat er auch vnderthaͤnigiſt gebetten / man wolt ihn auch vor ſeinen jungen Koͤnig kommen laſſen / damit er demſelben moͤcht die Haͤnd kuͤſ - ſen / als er nun Ladislaum erſehen / empfanget er ihn mit diſen Worten. Nun ſihe ich dich mein Koͤnig einmahl / vnd erfreue mich / daß ich ſo gluͤckſeelig bin dein Koͤnigliche Wuͤrde zu ſehen; O wann du wiſſen ſolſt / was ich deinet - wegen hab außgeſtanden / was Muͤhe vnnd Arbeit / was Gefahr vnd Streitt / wie manche Wunden! Sihe die Wundmail / die ſeynd ja kraͤfftige Zaichen / daß ich deinem Herꝛn Vattern / vnd dir bin treu verbliben / vnd noch iſt kein Ungluͤcks-Fall / kein Todt / den ich deinethalben nit vr - bietig bin außzuſtehen / aber du als ein Kind verſteheſt ſol - ches nicht / vnd ſetzte nachmahls mit laͤchletem Mund diſe Wort hinzu. Mein Koͤnig wirſt du mirs aber vergelten? oder was Danck werde ich von dir darvon tragen? La - dislaus ein Herꝛl im ſechſten Jahr / nachdem obermelter Giſera hat außgeredet / wendete er ſeine Augen hin vnnd her im Zimmer / erſicht endlichen den Allmoſen Beuthl ſeines Cammer-Dieners / nimbt denſelben in der ge - heimb zu ſich / vnnd gibt dem Giſera diſem tapffern Kriegs-Herꝛn ſechs Groſchen / dann mehrer dazumah - len nicht darinnen geweſt / vil Anweſenden ſeynd deſt -wegen /527gegen ſeinem Maiſter.wegen die Augen uͤbergangen. Dem Georgio hat ſol - ches dergeſtalten wolgefallen / daß er diſe ſechs Groſchen hat laſſen im Gold einfaſſen / vnd nachmahls an den Halß getragen / als ein Kenn-Zaichen der Koͤniglichen Danck - barkeit.
Was hab ich deinetwegen / O mein Menſch!Bonſini 1. 5. Decad. 3. nicht außgeſtanden / ſagt auch der Heyland JESUS / vnd zaigt vns noch ſeine offene Wunden / als Purpur - farbe Zeugen / vnd Zeugnuß ſeiner Lieb gegen vns; ja was wollen noch ſo vil Wunder / die er in der Welt mit ſeinen heiligen Paſſions-Inſtrumenten wuͤrcket / anders andeuten / als ſein vnendliche Lieb / die er vns durch ſein Leyden erwiſen.
Zu Placenz in der ſchoͤnen Kirchen deß groſſen Spit -Pagat. 412. p. 1. tals wird ein heiliger Dorn von der Cron Chriſti auffge - halten / welcher ſchon zum oͤfftern am Charfreytag / juſt vmb 9. Uhr hat angefangen zu bluͤhen.
In dem Marcktfleck S. Quirici, zwiſchen AcſiumPet. Sanct. c. 16. in Mirac. perpet. vnd Fabrian, wird auch ein heiliger Dorn gezaiget / wel - cher da alle Jahr / durch ein ewiges Wunderwerck / in der heiligen Charwochen zu bluͤhen pfleget.
In der Capellen deß Maltheſeriſchen Großmaiſters wird auch ein heiliger Dorn gezaiget / an dem mehrmah - len alle Jahr vermercket / daß er am heiligen Charfreytag fangt an zu gruͤnen / vnd zu bluͤhen. Joan. Boſius in Hiſt. Relig. S. Joan. Hier. p. 2 l. 7.
In Umbria iſt ein Orth mit Nahmen Montone, allwo ein Dorn auß der heiligen Cron deß HErrens ver - ehret wird / vnd mit hoͤchſter Verwunderung alle Jahr am Charfreytag von ſechs Uhr biß auff neune gruͤnen / vnd ſchoͤne Bluͤhe bringen thut. Petr. Sanct. cap. 16.
Zu Neapel in dem Cloſter S. Patritiæ iſt ein Nagl / wormit der gebenedeyte JEſus iſt geereutziget worden /in528Judas gleich Anfangs vndanckbarPagat. p. 1. 280.in diſem ſicht man etliche gantze blaiche Bluts-Tropffen / wann aber die heilige Charwochen herbey nahet / werden diſe gantz roth / am Charfreytag aber zaigt ſich das friſche Blut / welches ſchon gar offt mit groͤſtem Wunder be - obachtet worden.
Zu Venedig in St. Clara Kirchen iſt auch ein heili -Joan. Mar. Zelotus in l. mon - tis Calvar. ger Nagl zu ſehen / mit welchem die Fuͤß vnſers HERRN ſeynd angehefft worden / auff diſem ſeynd auch etliche blai - che Mail von Blut / welche ebenfahls Augenſcheinlich alle Jahr am Charfreytag gantz lebhafft werden.
Zu Typhernat in der Thumbkirchen daſelbſt iſt ein heiliger Dorn auß der Cron vnſers HErꝛn / vnd ſihet man an dem Spitz deß Dorns ein ſubtiles Haͤrl mit Blut an - gebicket / alle Jahr am Charfreytag in derſelben Stund / in welcher die doͤrnerne Cron auff das Allerheiligſte Haupt iſt gedruckt worden / pflegt diſer außgedorte Bluts-Tro - pfen ſo friſch zu werden / als waͤre er erſt auß einem leben - digen Leib gezogen worden. Vnnd diſes Wunder ſihet maͤnniglich alle Jahr / auſſer der jenigen / welche in groſſen Suͤnden vnd Laſteren verharret ſeyn. Thiepolus de Paß. Dom. tract. 13. c. 2.
Zu Donawert in Bayrn haben die Patres Benedi - ctiner auch einen H. Dorn auß der Cron Chriſti / an wel - chem man alle Jahr am Charfreytag ſpuͤhret / daß kleine Troͤpfflein auff - vnd abſteigen. Auguſt. Mang. Select. Hiſt. c. 166.
Der H. Dorn zu Firmi in der Kirchen deß H. Vat -Pagat. 281 ters Auguſtini: der H. Dorn zu Brixen in dem Gotts - Hauß S. Juliæ: der H. Dorn zu Barij: der H. Dorn zu Policaſtri pflegen durch immerwehrendes Wunder alle Jahr am Charfreytag Blut zu ſchwitzen.
In dem Marcktfleck S. Maximi, nechſt bey Maſſi - lia, werden in einem ſchoͤnen / koſtbaren / Chryſtallenen Ge -ſchirꝛ529gegen ſeinem Maiſter.ſchirꝛ auffbehalten etliche Broͤckl Erden mit Blut vermi - ſchet / welche die H. Maria Magdalena vnder dem Creutz genommen / diſe zaigen alle Jahr ein vnerhoͤrtes Wunder / dann alle Jahr am Charfreytag / wann man in dem Paſ - ſion diſe Wort ſinget. Unus militum lancea latus ejus aperuit, & continuò exivit ſanguis, & aqua. Einer von denen Kriegs-Leuthen eroͤffnete ſeine Sei - ten mit einem Sperꝛ / vnd alſobald gieng Blut / vnd Waſſer herauß. Zu diſen Worten thut ſich das mit der Erden vermiſchte Blut alſobald bewegen / vnnd uͤberſich quaͤllen / vnd wehret ſolches Wunder biß zu dem End deß Paſſions. Thieopol. de Paſſ. Dom. tract. 13. c. 2.
Zu was Zihl vnd End glaubſt du / daß ſolche Wun - der GOtt alle Jahr wuͤrcken thue? was mainſt du / der du ſolcheſt liſeſt / vnd ſolches waiſt / was hierdurch der All - maͤchtige Welt-Heyland wolle andeuten? er / glaub du mir / er will durch ſolches in deinen Augen / forderiſt aber in deinem Hertzen erneuren / die Gedaͤchtnuß ſeines bit - tern Leydens: er will dir / ſo fern du es ſchon vergeſſen haͤt - teſt / noch anzaigen / was er deinetwegen / deiner Seelen wegen / deiner Suͤnden wegen / deines Hayls wegen / ha - be gelitten / vnd verlange alſo ein Danckbarkeit von dir / was kan ihn doch mehrer ſchmertzen / als die Undanckbar - keit.
Nichts hat mehrer geſchmertzet den gebenedeyten Heyland in ſeinē Leyden die als Undanck barkeit deß Malchi, in dem diſer ihme ein ſo harten Backenſtraich mit einer ey - ſen Fauſt in ſein Angeſicht verſetzet / welchen er kurtz zuvor wunderbarlich das abgehaute Ohr wider hat angeheilt. Fuͤr ſolche groſſe Gutthat iſt diß der Danck. O verfluchte Schand! gleichwie die jenige Juden auß dem Geſchlecht Ruben, welche Chriſtum den HErꝛn in Garten gefangen /X x xvnd530Judas gleich Anfangs vndanckbar /vnd gebunden / drey ewige Fluch uͤber ſie bekommen / vnd alle auß diſen Geſchlecht muͤſſen es noch entgelten / wo ſie immer in der Welt ſeynd / als nemblich / was ſie gruͤnes anruͤhren / daſſelbe verwelcht den dritten Tag: was ſie ſaͤen in die Erd / daſſelbe geht niemahlen auff; wo ſie be - graben werden / alldort wachſt nit ein Graͤßl. Item die jenige Juden / dergleichen man vor diſen in Portugall angetroffen / welche auß dem Geſchlecht ſeynd derſelben / ſo Chriſto dem HErꝛn in das Geſicht geſpihen / auff den heutigen Tag / ſo offt ſie ein Spaichel außwerffen / ſo ſpringt ihnen ſolcher wider in das Geſicht. Auch dieſelbe Juden / dergleichen in Poln / vnd Moſcau noch zu fin - den / welche auß dem Geſchlecht der jenigen ſeyn / ſo vn - ſern Erloͤſer gegeißlet / werden alle Jahr am Charfreytag 6666. blutige Mail am Leib bekommen / vnd werffen den gantzen Tag Blut auß / vnd ſchreibt Antonius Caraffa, daß er einen ſolchen Rabiner mit Namen Eleazar habe ſelbſten geſehen den gantzen Charfreytag ſo haͤuffiges Blut außwerffen / daß er denſelbigen Tag acht Fatzenetl ver - braucht. Alſo auch alle die jenige Juden / deren ſehr vil zu Conſtantinopel auß dem Geſchlecht Aſer auff den heu - tigen Tag den rechten Armb vmb ein halbe Spann kuͤrtzer haben / als den lincken / vnd eines jeden auß diſem Ge - ſchlecht rechte Hand wird von Mutter Leib krumb ſeyn /Moming. Quar. 175. zu einem ewigen Fluech / weilen nemblichen auß diſem Geſchlecht Aſer der verruchte Malchus geweſt / welcher vnſern HErꝛn ein ſo harten Backenſtraich in dem Hauß Annæ gegeben. O vermaledeyter Straich! biſt du ein Menſch? nein / du biſt uͤber alle vnvernuͤnfftige Thier. Ein Tyger / vnd Panther haben mehrer Erbarmnuß / als du. Du ſolſt dem jenigen verwunden / der erſt deine Wunden gehailet? Aber mein JESUS weit vndanck - barer bin ich / weit uͤberſteige ich diſen Boͤßwicht in der Un -danck -531gegen ſeinem Maiſter.danckbarkeit. 547500. Tropffen Blut haſt du wegen mei - ner vergoſſen / ein Tropffen iſt ſo theur / daß Maria Got - tes Mutter mit allen Heiligen im Himmel / mit allen En - geln im Himmel / mit allen Menſchen auff Erden immer vnd ewig nit kan bezahlen / vnd ich thue wegen ſo viler tau - ſend Bluts-Tropffen nit allein dir nit dancken / ſondern veracht dich / verſpott dich / verwirff dich / marter dich / creutzige dich / toͤdte dich noch daruͤber / ſo offt ich ein Todt - ſuͤnd begehe / O vnendliche Guͤtigkeit Gottes! wie vilmah - len haͤtte ich ſchon ſollen von allen Teufflen in den Abgrund der Hoͤllen geſtuͤrtzet werden / vnd du haſt mich gleichwol noch allzeit mit den jenigen Armb / die ich ans Creutz hab angenaglet / ſo Vaͤtterlich vmbfangen. Wann ich dir ſchon dancke 100000000000. mahl! ſo iſt noch nicht ein Tipffl bezahlt an dem Außzuͤgl / welches ich von dir empfan - gen. Es iſt zwar die Vndanckbarkeit eines Menſchen ge - gen den andern Menſchen auch ſehr verdamblich / vnd hat man dergleichen taͤgliche vnd ſtuͤndliche Exempl vnd Bey - ſpill in der Welt. Es hat deß Koͤnigs Pharao ſein Mund - ſchenck dem loſeph in der Keichen gantz guldene Berg ver - ſprochen / vnd weilen er ihme den Traum ſo gut vnd gluͤck - lich außgeleget / es iſt gleichwol nachgehents ſolches Ver - ſprechen mit Pfui verſiglet geweſt.
Es geſchicht wol oͤffters heutiges Tags / was vor di - ſem einmal geſchehen zwiſchen dem Elia, vnd Eliſæo. Eli - ſæus hat bey ſeinem Vatter Elia vmb Gnad angehalten / vnd inſtaͤndig gebetten / er wol ihm doch / dafern ihn GOtt werde zu ſich rueffen / ſein doppelten Geiſt ſpendieren. Wie nun der feurige Wagen mit feurigen Pferdten erſchinen / vnnd den Eliam in die Hoͤhe gefuͤhret / da hat Eliſæus mit lauter Stimm angefangen zu ſchreyen / vnnd ſeinen heiligen Vatter gelobt / vnnd gepriſen. Pa - ter mi, Pater mi, Currus Iſrael, & Auriga eujs. X x x 2So532Judas gleich anfangs vndanckbarSo bald aber Elias ſeinen Mantl herunder geworffen / welcher da gefuͤttert war mit einem doppelten Geiſt. Non vidit eum ampliùs. Da hat ihn der Eliſæus nit mehr ge - ſehen. Nit mehr? ja nit mehr: geſetzet / er habe ihn nicht mehr koͤnnen ſehen / warumb fahrt er nicht in ſeinem Lob - Spruͤchen fort? mein / mein! wie fragſt du ſo ſeltzamb? der Eliſæus hat ſchon in den Haͤnden / was er begehrt / vnd verhoffet / deſtwegen iſt kein Wunder / daß er ihn nach - mahls nit mehr geſehen? nit mehr? ja / ja / nit mehr. Die Noth iſt ein Mutter / die hat ſehr vil Kinder / Comple - menten / Reverenz, Baſalaman, Ceremoni, bitten / ver - ſprechen / ꝛc. ſeynd lauter Kinder der Noth; aber die Kin - der ſterben mehreſten thails mit der Mutter. Wann kein Noth mehr / ſo ſeynd diſe Kinder auch nit mehr. Ich haiß zwar nit Elias, hab aber gleichwol einen Namen auß dem alten Teſtament: Es kombt einer zu mir / er macht klaff - terlange Complementen / er bucket ſich wie ein Taſchen - Meſſer. Pater mi! Pater mi! ſie konten mir wol helf - fen: da vnd da / dort vnd dort / vermoͤgen ſie etwas; ſie thun ein gutes Werck; der Teuffel holl mich / ich will diſes mein Lebtag in kein Vergeſſenheit ſtoͤllen / ich will die Zeit meines Lebens mich embſigſt befleiſſen / diſe Gutthat zu erwideren / vnd danckbar zu ſeyn; wann diſer geſchwo - ren haͤtte; der Teuffel holl / ſo haͤtte er weit beſſer gere - det / dann er / vnd ſeine Wort ſeynd holl / vnnd werden holl ſeyn / laͤhr / vnd nichts darinnen / darunder / ꝛc. So bald er das jenige erlangt / was er vorhero ſo inſtaͤndig ver - langt / ſo macht ers wie der Eliſæus, nachdem er den Elia - niſchen Mantl / ſambt dem doppelten Geiſt erhalten. Non videt me ampliùs, er ſicht mich nit mehr / er ſchaut mich nicht mehr an: er kennt mich nicht mehr / das Deo Gratias iſt außgeflogen / er macht nit mehr ſo groſſe Reve -renz,533gegen ſeinem Maiſter.renz, er naigt nur den Halß / als wie die Ganß / wann ſie vnder einem Steg durchſchwimmen. Das iſt faſt ein taͤg - liche Erfahrnuß bey mir / bey dir / bey vns / bey euch / bey diſen / ꝛc. Ein ſolcher Geſell kombt mir vor / wie ein rai - ſender bey haiſſer Sommers-Zeit / wann diſer ein Brun - nen ſicht / O wie erfreut er ſich! er eylet hinzu / legt den Huet auff die Seyten / er buckt ſich / er naigt ſich / nachdem er aber den Durſt geloͤſchet / vnd nach Genuͤgen getrun - cken / da iſt die Ceremoni auß / er ſetzet den Huet auff / er zaiget dem Brunnen den Rucken / er ſchaut ihn nicht mehr an. Alſo gehet / vnnd kommet / vnd bittet / vnnd ſucht / vnnd tracht / vnnd ſchaut / vnnd zihlet mancher / wie er doch diß vnd das / waiß nit was / moͤcht erhalten / er macht Con ‒ ‒ ‒ ‒ ſtan ‒ ‒ ‒ ‒ ti ‒ ‒ ‒ ‒ no ‒ ‒ ‒ ‒ po ‒ ‒ ‒ li ‒ ‒ ‒ ta ‒ ‒ ‒ ni ‒ ‒ ‒ ſche Ceremonien, ſo bald er aber gluͤcklich erꝛaicht / wohin er gezihlet; ſo bald er bekommen / nachdem es ihn gedurſtet hat / da iſt der Kirchtag auß / ſeine Complementen ſingen das Completorium, ſein auffwarten citirt den Curtium, ſeine Anerbiettungen floriren / wie der Feigenbaum am Weeg / den Chriſtus excommunicirt, ja offt zaigt er die Feigen gar / abſonderlich wann die Blaͤtter der Verſpre - chungen abfallen / vnnd werden offt die Gutthaten mit Ubelthaten vergolten. O Judas-Bruͤder!
Ein Bauer wolte eineſt etwas in die nechſt ent - legene Statt tragen zu verkauffen / vnderwegs aber / wegen deß ſchwaͤren Laſts thaͤt er bey einem Felſen ra - ſten / in welchem Felſen ein groſſe Schlangen verſpoͤrꝛ - ter gelegen / wie diſe den Bauren wahrgeonmmen / ſo fanget ſie an inſtaͤndig zu bitten / er wolle ſich doch ihrer erbarmen. Ich bitte dich vmb Gottes willen / welcher dem Moyſi in dem alten Teſtament von dem Ertz / vnnd Glocken-Speiß auff eine hohe Saulen michX x x 3zu534Judas gleich anfangs vndanckbarzu ſetzen befohlen; ich bitt / ich bitt / vnd bitt dich tauſend / vnd tauſendmahl / hilff mir doch auß diſem Loch / dann ich wegen deß ſchwaͤren Stains nicht kan herauß kriechen. Wie wirſt du mich aber belohnen? fragt der Bauer. O mein hertzallerliebſter Mann / ich will dir den Danck ge - ben / mit welchem die Menſchen die groͤſte Gutthaten pfle - gen zubezahlen. So ſeys dann / der Bauer weltzet den groſſen Stain hinweck / daß alſo die Schangen im freyen Lufft kommen / vnnd deß langen Arꝛeſts entlediget wor - den; wie ſie ſich nun in der Freyheit befunden / ſo will ſie mit groſſem Gewalt den Baurn vmbbringen! Holla! ſchreyt der Bauer / was iſt das? ſoll das mein Belohnung ſeyn vmb die groſſe Gutthat? iſt das der Welt Danck? ja ſpricht die Schlangen / die Menſchen pflegen in der Welt das Gute mit dem Boͤſen zu vergelten / vnd ſolchen Welt - Danck hab ich dir verſprochen. Waiſt du was mein Schlangen / entſchuldiget ſich der Bauer / ich bin ein ein - faͤltiger Mann / vnd nit ſchrifftgelehrt / ich will mich mit dir ohne gelehrte Zeugen in kein Diſputation einlaſſen / ſondern wir wollen andere ſuchen / welche hierinfalls verſtaͤndig vrthlen werden. Iſt es Sach / daß ich vn - recht habe / ſo will ich gern ſterben. Begeben ſich demnach beede / der Bauer vnd die Schlangen / auff den Weeg / vnnd treffen bald einen alten Schimmel / welcher nichts als Haut vnnd Bain tragte / diſer hatte ſein Wayd auff einem duͤrꝛen Feld / vnd ware allbereits ſchon dem Schind - tophilo uͤbergeben. Willkomb Herꝛ Schimmel / wie daß ihr euch gantz alleinig auff diſem oͤden Feld auffhaltet / auß was Urſachen iſt der Herꝛ nicht zu Hauß im Stall bey einer guten Haber-Koſt? ach meine Herꝛn! antwort der Schimmel / ihr doͤrfft euch deſtwegen ſo ſtarck nit verwun - dern / es iſt ſchon allbereits der ihr Welt Brauch / ich bin 30. Jahr bey einem Edlmann geweſt / dem diſes Geſchloß voreurem535gegen ſeinem Maiſter.euerem Augen zugehoͤrig / hab ihme gedienet / wie es einem redlichen Pferdt zuſtehet / ich waiß mich wol zu erindern / daß ich ihn in den vorigen Tuͤrcken-Krieg bey Comoren etlichmahl hab vom Todt errettet / jetzt daß ich alt / ſchoͤ - big / vnd gantz krafftloß bin / ſo hat er mich dem Schinder uͤbergeben. Siheſt du es Baur / haſt es vernommen / wie die Welt das gute mit dem boͤſen belohnet. Allo! jetzt bring ich dich vmb / ſagt die Schlangen. Gemach! bit - tet der Bauer / gemach! die Sach muß durch einen allein nit geſchlichtet werden. Wann mehrere diſes Urtheils werden ſeyn / alsdann will ich mich gantz vrbietig ergeben. Guet! Diſe zwey beurlauben ſich von dem Schimmel / vnd nemmen ferners ihren Weeg fort. Bald aber traf - fen ſie einen Hund an / welcher an einem alten Strick an einem Zaun angebunden. Willkomb Herꝛ Melam - pus, wie ſo melancholiſch / ihr muͤſt ein ſchlechte Koſt ha - ben / weilen ihr ſo Baintraͤxleriſch außſchauet? wie kombt es / daß euer Hundheit alſo bey diſem Zaun ſich befindet? ach! ſeufftzet der Hund / das iſt mein Lohn / daß ich meinem Herꝛn ſo getreu gedient hab. Was Strapaza habe ich in mancher Jagd / vnd Hoͤtz außgeſtauden? wie vil Haſen hab ich meinem Herꝛn gefangen / vnd ihme alſo mit aig - nen Zaͤhnen manches Schnapbiſſel erhaͤſet? wil geſchwei - gen / daß ich Schelmen vnd Dieb mit meinem wachen vnd bellen Naͤchtlicher Weil hab abgetriben / anjetzo da ich alt / matt / mied / vnd verdroſſen bin / hat er mich an den Zaun binden laſſen / vnd wird bald einer kommen / der mich er - ſchieſſen wird. Allo! ſagt die Schlang / Baur halt her / dein Handl iſt nun verlohren / zwey haben dich ſchon uͤber - ſtritten. Ey nit ſo gaͤch mein Schlang! dafer der dritte auch ſolcher Mainung wird ſeyn / ſo wil ich mich nachma - lens keines weegs waigern. In wehrendem Zanck laſt ſich ein Fuchs ſehen / welcher ſich ſelbſt freymuͤthig fuͤr einenRich -536Judas gleich Anfangs vndanckbarRichter bey diſer ſtreittenden Partheyen auffgeworffen / rufft dahero den Baurn ein wenig beyſeiths / vnd fragt denſelben / ob er mit Hennen verſehen ſeye / vnd wie vil er ihme wolle ſpendiren / wann er ihne auß diſer aͤuſſerſten Lebensgefahr ſalvire. Ich ſchencke dir alle Hennen mein guldener Fuchs! ſagt der Bauer / uͤber ſolches fangt der Fuchs mit beſonderer Wolredenheit die Sach vorzutra - gen / alle Umbſtaͤnd reifflich zu erwegen. Damit aber hierinfahls keinem ein Unbild / oder vnrecht geſchehe / ſagt der Fuchs / alſo iſt nothwendig den Augenſchein einzuneh - men / wie ſich der Handl hat zugetragen. Begeben ſich dahero alle drey zu dem Felſen; der Fuchs ſchittlet den Kopff / vnd laſt ſich verlauthen / als komme es ihme vn - muͤglich vor / daß die groſſe Schlang in diſem Loch ſeye geſtecket. Mein! Schlangen gehe her / vnd zaig mirs / wie biſt du darinnen geweſt? die ſchliefft hinein / der Baur muͤſte den Stein fuͤrweltzen / alsdann fragt mehrmaln der Fuchs / mein Schlang iſt es alſo geweſt. Ja / ja! gantz natuͤrlich iſt es alſo geweſt. Nun / nun antwortet der arge Fuchs / iſt es alſo geweſt / ſo ſolle es alſo verbleiben. Dergeſtalten war der Bauer auß ſeiner Gefahr errettet / vnd voller Freuden dem Fuchſen verſprochen / er ſolle fruͤh morgens vmb 7. Uhr im Hauß auff ein gute Hennenſup - pen erſcheinen. Der Baur kombt etwas ſpat nach Hauß / weſſenthalben das Weib das Geſtirn ſchon mit trutzigen Runtzlen außgeſpalirt / vnd den armen Mann mit rauhen Worten bewillkombt. O mein Weib! ſagt der Baur / wann du ſolt wiſſen / wie es mir ergangen / du wurdeſt weit anderſt reden. Mein guldene Urſchl! du haͤtteſt bey einem Haar dein Mann verlohren. Gedencke / was mir fuͤr ein Unſtern begegnet / in augenſcheinlicher Lebensge - fahr bin ich geweſt / vnd erzehlet ihrs mit allen Umbſtaͤn - den / doch hat der Himmel einen ehrlichen Fuchſen zu mirgeſchi -537gegen ſeinem Maiſter.geſchicket / der hat mich durch ſeinen Witz wunderbarlich erlediget: deſſentwegen ich ihme auß ſchuldigſter Danck - barkeit all vnſere Hennen verſprochen / vnd Morgen / wilß GOtt in der Fruhe vmb 7. Uhr wird er dieſelbige abhol - len. Was? hollen? ſagt ſie / was? Hennen hollen? meine Hennen hollen? Holl dich der Teu: was haſt du mit meinem Gfliglwerch zu ſchaffen / du Schmarotzer! wer wird dir nachmahls die Ayer legen? du Pengel! du Piffel! Komb mir nur der Fuchs / ich will ihm ſchon einen hiltzernen Vergeltsgott zu verkoſten geben. Der arme Fuchs wuſte vmb all diſe Boßheit nichts / dahero iſt er in der Fruhe in guter Sicherheit vnd Vertrauen in das Hauß kommen / hoffte denſelbigen Tag ein abſonderliche Mahlzeit. Kaum aber / daß er ein guten Morgen abge - legt / hat ihm die Baͤurin mit einem Scheitholtz den Ruck - grad eingeſchlagen / daß alſo der arme Fuchs in diſen ſeinen Todtsnoͤthen nichts mehrers lamentirt / als die Undanck - barkeit der Welt / wie ſolche das Guete mit dem Boͤſen ſo vilfaͤltig vergelte vnd bezahle.
Was kan beſſers die Warheit an Tag geben / als di - ſes Gedicht? vnd ſeynd fuͤrwar die Poeten nicht allezeit Phantaſten / wann ſie eine dergleichen Lehrreiche Fabel phantiſiren / in welcher gantz natuͤrlich entworffen iſt der jetzige Welt-Danck. Wie offt ſehen wir / hoͤren wir / greif - fen wir dergleichen Undanckbarkeiten. Unnd iſt nit von - noͤthen alte Buͤcher vnd alte Geſchichten zu citiren / welche dergleichen Laſter haͤuffig vortragẽ / ſondern man hat gantz friſche vnd Ragelneue ſolche Begebenheiten. Es hat nit al - lein Moyſis von ſeinen Iſraelitern / nit allein David von ſeinẽ Saul, nit allein Agrippina von ihrem Nerone, nit al - lein die Amalſinthia von ihrem Theodoro, nit allein Ci - cero von Auguſto, nit allein Menelaus von dem Paris einen ſolchen uͤblen Lohn darvon getragen / ſondern auchY y yich /538Judas gleich Anfangs vndanckbar / ꝛc.ich / vnd du / vnd ihr. Beſinn dich wol / haben vil Ubelthaten fuͤr Gutthaten / Gifft fuͤr Hoͤnig / Goſchen fuͤr Groſchen / Spieß fuͤr ſuͤß darvon getragen. O Judas Bruͤder!
Aber doch waͤre die Undanckbarkeit deß Menſchen gegen den andern noch zu verſchmertzen / vnd verdient diſe nur ein Hoͤll / aber die Undanckbarkeit gegen GOtt verdie - net mehr Hoͤllen. Nit ſo grauſam / iſt gewiß / iſt das Pan - therthier in Libia: nit ſo erſchroͤcklich / es iſt wahr / iſt das Tigerthier in Hircania: nit ſo wild / es iſt nit anderſt / iſt der Crocodill in Egypten / wie da iſt die Undanckbarkeit ge - gen GOTT / weſſenthalben ſein Goͤttliches Hertz nichts mehrers ſchmertzet / als ſolcher Undanck. Dahero gedenck nur / daß dir dein Crucifix in der Stuben / auff deinem Al - taͤrl alſo zurede:
NAchdem der berauſchte Herodes Antipas an ſei - nem Geburts-Tag Johanni das Haupt hat laſ - ſen abſchlagen / hat ſich der HErꝛ JEſus mit ſei - nen Apoſtlen in die Wuͤſten begeben / deme aber ein groſſe Menge der Leuth nachgefolget. Etliche auß Andacht / weilen ſie in ſein Goͤttliches Wort gantz verliebet waren; andere aignen Nutzen halber / weilen ſie ſuchten von diſer / oder jener Kranckheit durch ihn curirt zuwerden: etliche wol auß Boßheit halber / dann ſie / forderiſt die Phariſeer / gantz genau beobachteten / ob ſie moͤchten in ihm einen Ta - del vermercken. Wie nun das Volck ſich zimblich ver - weilt / vnd die Zeit deß Eſſens verhanden / hat der HErꝛ JEſus den Philippum gefragt. Mein Philipp / Vnde ememus panes, wo werden wir Brodt kauffen fuͤr ſo vil Leuth. Vnd als man ihme 5. Brodt / vnd 2. Fiſch beygetragen / hat er gleich den Goͤttlichen Seegen vber dieſelbe gegeben / vnd nachmahls denen Apoſtlen be - folchen ſie ſolten es vnder das Volck außthailen. Maldo - natus vnd Cornelius in Matth. 14. ſeynd der Auſſag / als habe ein jeder Apoſtel von dem Volck ein Korb zu leyhen genommen / in welchen Chriſtus der HErꝛ ein Brodt ge - worffen / welches gleich dergeſtalten gewachſen / daß dar - mit 5000. Maͤnner ohne Weiber vnd Kinder ſeynd erſaͤt - tiget worden / vnd noch derer Stuͤcklen ſo vil uͤbergebliben / daß darmit 12. Koͤrb voll angefuͤllt worden / dahero nachY y y 2ſolcher540Judas ein angewohnter Faulentzerſolcher anſehlicher Frey-Tafel ein jeder Apoſtel mit einem Korb voll Brodt auff den Rucken zu vnſern HErꝛn kom - men; eine oder die andere Frag ereignet ſich hierinfals / warumben nemblichen der Heyland den Philipp gefraget: unde ememus; Wo werden wir Brodt kauffen? warumben hat der HErꝛ Judam nicht gefraget; in dem doch diſer Procurator war / er fuͤhrte die Caſſa, diſer hatte in ſolchen Begebenheiten die beſte Erfahrnuß / er wuſte / wo das ſchwartze Brodt / das weiſſe Brodt / die Semmel / die Kipffel / das altbachene / das neugebachneSilveyra l. 5. in Mat. Brodt verkauffet wird? er kennt die mehreſte Becken / vnd Becken-Geſellen / die mehreſte Wuͤrth / vnd Sudl - Koͤch. Darumb iſt Philipp gefragt worden / vnd nit Ju - das, dann diſer war dazumahlen ſchon ein Schelm / vnnd vnſer lieber HErꝛ hat ſchon gewuſt / daß er nicht gern er - was vmbſonſt gebe / weilen er in gehaimb ſo gar denen Armen das Allmoſen geſtohlen. Auß was Urſachen aber hat der rothbartete Partitenmacher auch einen Korb muͤſſen auff dem Buckel tragen? da antwortet derOrat. 33. heilige Baſilius, daß vnſer lieber HErꝛ die Arbeit gar gern ſehe / vnd haſſe uͤber alle maſſen den Muͤſſiggang / welchemCanoph, in Quares. ſol. 112. Iudas Iſcarioth ſehr ergeben war / vnd vil Zeit durch Faul - lentzen / vnd vnnutzes Geſpraͤch mit denen Juden / vnnd Hebreiſchen Handels-Leuthen / auch mit denen Phariſeern verzehret. In diſem hat Iudas vil Bruͤder.
In dem Baurn-Calender an St. Galli Tag iſt ein Beer abgemahlt / welcher ein Holtz / oder ein Block uͤber die Achſeln tragt: die Vrſach deſſen aber iſt diſe / der heilige Gallus, welcher ein ſonderer Patron in Schweitzerland / hatte einsmals etliche Fiſchlein in der Einoͤde mit dem Diacon Hildeboddo wollen bratten / vnd zu diſem End ein Feur angemacht. Vnderdeſſen ſpringt mit groſſen Gewalt ein wilder Beer hinzu / ob welchemHilde -541von Jugend auff biß zum Strick.Hildeboddus der Diacon ſich ſehr entruͤſtet / der H. Gal -Sigeber - tus de Vi - ris Illuſt. cap. 71. lus aber hat dem Beeren befohlen / er ſoll kem fauler Bern - haͤuter ſeyn / ſondern lieber Holtz herzu tragen / welchem Befelch der Beer alſobalden nachkommen / vnnd Holtz / Bruͤgl / nach Nothturfft zugetragen.
Der H. Corbinianus, Biſchoff zu Freyfing / raiſte auff ein Zeit nacher Rom / vnderwegs aber bey einem di -In vita. cken Wald / hat ein wilder Beer ſein Pferdt angefallen / vnd ſelbiges zerꝛiſſen. Wer will anjetzo vnſere Rantzen vnd Binckel tragen / ſagt Anſericus der Diener zu dem H. Biſchoff / das Pferdt iſt hin. Anſerice! ſprach der heilige Corbinianus, laß dir derenthalben keine graue Haar wachſen / gehe hin / leg alle vnſere Wander-Bin - ckel auff den Beern / ſchaffe ihm / er ſolle an ſtatt deß Pferdts dieſelbige nacher Rom tragen / welches auch alſo geſche - hen / vnd muſte der Beer / an ſtatt deß Schimmels / allen Laſt / wie ein zahmes Pferdt / biß nach Rom auff dem Buckel tragen.
Der H. Marinus lebte in der Wuͤſten vnweit Ari -Petrus de Natal. l. 8 cap. 36. mini, als er aber einmahl zu Rom gewiſſe Geſchaͤffren verꝛichtet / vnnd in der Ruckkehr / groſſen Alters halber / auff einem Eſel muͤſte reitten / ſo iſt ein Beer ſo wild geweſt / daß er dem heiligen Mann ſeinen Eſel zerꝛiſ - ſen / woruͤber Marinus geſchwind den Eſel-Zaum dem Beeren angehencket / den ſchlechten Eſels-Sattl auff den Beeren gelegt / vnd nachmahls er ſelbſt auff dem Beeren biß in die Wuͤſten geritten.
Deßgleichen haben dem H. Humberto, dem Heil. Romedio, dem H. Florentino, dem H. Magno, vnd vi - len anderen Heiligen mehrer die Beeren muͤſſen arbeiten. Ich wolt wuͤnſchen / ich koͤnte gleichfoͤrmig bringen / vnnd zwingen / nicht zwar die Beeren / wol aber die jenige Faul - lentzer / welche ein gantze Zeit auff der Beeren-HautY y y 3ligen /542Judas ein angewohnter Faulentzerligen / vnnd die edle Zeit im Muͤſſiggang verſchwenden; allermaſſen dem Menſchen nichts ſchaͤdlichers iſt / als der Muͤſſiggang. Dann fuͤrwar ein groſſer Underſchid iſt zwiſchen den Holtz-Aepffeln vnd dem Menſchen: die Holtz - Aepffel im ligen werden gut / die Menſchen aber im ligen werden ſchlimb; ein andere Beſchaffenheit hat es mit der Bruthenn / vnd mit dem Menſchen / ein Bruthenn mit ſi - tzen bruͤtet gute Huͤnnl auß / ein Faullentzer mit ſitzen bruͤ - tet boͤſe Haͤndl auß: es iſt gar kein Gleichheit zwiſchen ei - nem faulen Holtz / vnd zwiſchen einem faulen Menſchen / dann ein faules Holtz / abſonderlich ein Aichenes / glantzet in der Finſter / aber ein fauler Menſch / der rantzt ſich in der finſter.
In die Arch Noë ſeynd auß allen vnreinen ThierenLib. 15. de Civit. Dei c. 27. zwey / auß den rainen aber ſibene durch die Engel gefuͤh - ret worden / wie es mein heiliger Vatter darvor halt / vnd diß iſt geſchehen in dem Monath Liar, welches bey vns iſt der Majus. Juſt in einem ſolchen Monath / wo Freud vnd Eꝛgoͤtzlichkeit allerſeits gefunden / vnd empfunden wird. Nun entſteht ein Frag / ob auch Maͤuß / Krotten / Froͤſch vnnd dergleichen in diſes Schiff ſeynd eingefuͤhrt worden. Pererius mit andern iſt der Außſag / daß dergleichen Thier nit ſeynd in der Archen geweſt / auß Vrſachen / weilen ihr Geſchlecht nit vonnoͤthen hatte in der Archen erhalten zuBeyerlink 448. tit. A. werden / dann ſie nach den Suͤndfluß durch ſo vil faule Aaß / vnd andere faule Materi ſeynd gewachſen. Ja die oͤfftere Erfahrenheit gibts / daß dergleichen Thier auß faulen Aa - ſen vnnd vnflaͤtigen Materien ihr Herkommen haben / iſt alſo auff kein Weiß zu ſagen / daß ein Mucken / oder ein Floch ſeye in der Archen geweſt / auſſer es haͤtte auß denen 8. Perſohnen dergleichen Keferl bey ſich gehabt. So wach - ſen dann Maͤuß vnd Krotten auß fauler Materi? ja / was dann / vnd das wiſſen alle. So glaub du mir auch / daß diegroͤſte543von Jugend auff biß zu dem Strick.groͤſte Maͤußkoͤpff / die leichtfertige Krotten / auß der Faul - keit / vnd von der Faulkeit herſtammen. Wo kommen her ſo vil Gelt-Dieb / vnd Zelt-Dieb / ſo vil Tuͤcher-Dieb / vnd Buͤcher-Dieb / ſo vil Wein-Dieb / ſo vil Brein-Dieb / ſo vil Eyſen-Dieb / ſo vil Speiſen-Dieb / ſo vil Schnier-Dieb / ſo vil Gſchirꝛ-Dieb / ſo vil Kandl-Dieb / ſo vil Bandl - Dieb / ſo vil Beutl-Dieb / ſo vil Kraͤutl-Dieb / ſo vil Gei - gen-Dieb / ſo vil Feigen-Dieb / ſo vil Better-Dieb / ſo vil Bretter-Dieb / ſo vil Hauben-Dieb / ſo vil Tauben-Dieb. So vil Laͤmbl-Dieb / ſo vil Kaͤmpel-Dieb / ſo vil Vaͤſſer - Dieb / ſo vil Meſſer-Dieb? wo kommen die mehreſte Dieb her? als eben von dem Muͤſſiggang / die mehreſte Mau - ſer von der Faulkeit; dann es haiſt bey ihnen: Fodere non valeo, mendicare erubeſco, graben / vnd arbeiten mag ich nicht / das bettlen ſchame ich mich / ſo muß ich noth - wendig ſtehlen. Wo kommen her ein Dalila, vnd Rahab, ein Rhodope, vnd Lamia, ein Thais, ein Lais, ein Flo - ra, &c. vnd vil tauſend andere leichtfertige Krotten? als eben von der Faulkeit. In dem A B C folgt auff das O gleich das P. Wann der boͤſe Feind einen deß O erinnert / O halt ſtill! O hoͤr auff! O raſt ein Weil! O arbeit nit mehr! auff diſes O folgt vnfehlbar das P Peccatum, die Suͤnd. Fleiß vnd Fleiſch koͤnnen ſich miteinander gar nit vertragen / ſondern ſie ſeynd wie die zwey Amper in dem Brunnen / wann einer oben iſt / ſo muß nothwendig der andere hinunder / wann der Fleiß / verſtehe die Arbeit / die Oberhand hat / ſo wird das Fleiſch vnd deſſen Uppig - keit vndertrucket / wann aber das Fleiſch herꝛſchet / ſo nimbt der Fleiß das Valete, dann ſich allein arbeitſamb vnd ehrſamb miteinander vergleichen.
Dem Koͤnig David hat einmahl der Lentz geſtochen / deſtwegen er Nachmittag / Langweil halber / ſich niderglegt /vnd544Judas ein angewohnter Faulentzer /vnd den Polſter gedruckt. Nachmahls nach vilen rantzen vnd gaͤmetzen auff ſeiner Altona hin vnd her ſpatztren gan - gen / vnd alſo ſeinen Augen freyen Paß vergonnt / welcher dann bald ein gewuͤnſchtes Wildbraͤt ergafft / in dem er gegen uͤber auß ſeiner Koͤniglichen Burgg hat wahrgenom - men / daß ſich ein uͤberauß ſchoͤnes Frauenzimmer gebadet / welche ihm auff alle Weiß dergeſtalten wolgefallen / daß er gleich einige Bediente dahin abgeſandt / daß ſie ihme die ſchoͤne Madame ſollen nacher Hoff fuͤhren. Solchem ſeynd diſe Geſellen embſtgiſt nachkommen / vnd gibt lay - der dergleichen Bediente mehrer bey diſen vnſern Zeiten / welche ihres Herꝛn ſein Buelſchafft wiſſen zu vermantlen / vnd ihn mit dergleichen Gfluͤgelwerch beſtermaſſen verſe - hen: Auch ſo manche Dienſtmagd die ſtille Loͤffelspoſten / vnd verdaͤchtige Brieffel nit hin vnd her thaͤre tragen ihrer Geſtrengen Frauen / ſo wurde mancher armer Mann nit in das Zaichen deß Widders kommen. Solche Gwiſ - ſensloſe Bediente ſeynd nit vmb ein Haar beſſer / als jener vermaledeyte Diener Malchus, deſſen Latern nicht weit von Pariß in Franckreich in der Kirchen deß H. Dyoniſij auffbehalten wird / maſſen diſer Boͤßwicht auch dem gebe - nedeyten Heyland einen ſo harten Backenſtraich verſetzet hat / nur darumben / damit er ſeinem Herꝛn dem Hohen - prieſter ein Wolgefallen verurſache; alſo pflegen derglei - chen Laggey / vnd Dienſt-Menſcher in aller Boßheit der Herꝛſchafft an die Hand zu gehen / damit ſie nur in dero Huld vnd Gnaden verharren / vnd zuweilen mit einem Recompens bezahlet werden. Dergleichen ſchlimme Voͤgl hatte der David zu Hoff / ſo bald ſolche vermerckt / daß ſie dem Koͤnig ein Wolgefallen machten / haben ſie auff alle Weiß die ſchoͤne Berſabea uͤberredet / daß ſolche mit ihnen nacher Hoff gangen; in Summa der David begehet den Ehebruch / welchen er nachgehend mit ſo vilenhaiſſen545von Jugend auff biß zum Strick.haiſſen Zaͤheren beweinen / vnd den Pſalm Miſerere ſo vil - faͤltig intoniren muͤſſen. An allen diſen iſt die Urſach der Muͤſſiggang / waͤr David dazumahlen / wie es dann haͤtte ſollen ſeyn / in das Feld gangen / vnd den Degen gefuͤhrt / ſo haͤtt ihn der blinde Bueb nit alſo verwundet. Piger, vnd Niger gehen gemeiniglich miteinander / wie die 2. Juͤnger nach Emauß / jedoch mit dem Underſchid / daß vnſer HErꝛ nit mit thnen wandert / dann wo der Piger, dort iſt der Ni - ger, wo der Muͤſſiggang / dort iſt deß Teuffels Anhang.
Jener Haußvatter / welcher drey vnderſchidliche mahl auff den Platz gangen / vnd allemahl etliche Faulentzer an - getroffen / weſtwegen er ſie mit diſen Worten angefahren / quid ſtatis tota die otioſi? was ſtehet ihr hie den gantzen Tag muͤſſig? O mein lieber Haußvatter / wann du bey diſen Zeiten ſolft auff den Platz kommen in diſer / oder je - ner Statt / du wurdeſt weit mehrer antreffen / welche da muͤſſig ſtehen. Ecce! dort ſtehen etliche beyeinander mit Maͤntlen / ni fallor, ſunt Studioſi. Si, Si, es ſeynd Studenten / man kennt ſie auß dem lincken Armb / dann ſie flegen gemainiglich den Ellenbogen herauß zu ſpitzen auß Gewonheit / weilen ſie vnder demſelben Armb ſo vil Jahr die Buͤcher getragen. Diſe ſtehen ſchon anderthalb Stund muͤſſig? O nein / mein lieber Haußvatter / ſie ſtehen nit muͤſſig / ſie arbeiten gar embſig / ſie haͤchlen / das iſt ihr Arbeit / verſtehe mich aber recht / ſie ziehen die Leuth durch die Haͤchel. Geht ein ehrliche Frau vorbey / die etwa Roſen auff den Wangen tragt. Ecce! ſagen diſe Knoͤpff / die iſt gwiß bey einer Kindstauff geweſt / es ſeynd gwiß etliche Seidl Wein gemartert worden / weilen das Geſicht roth außgſpalirt iſt. Gehet ein Ehrliches Maͤdl uͤbern Platz / Ecce! Hæc eſt ſerva bona, & fidelis, das Menſch iſt gut vertreulich / ſie iſt wol nicht wie daſſelbe Kraut in Braſilia, von welchem man diſe wunderbarliche Natur /Z z zvnd546Judas ein angewohnter Faullentzer /Majol. fol. 214.vnd Eigenſchafft außgibt / wann jemand ſolches Kraut will anruͤhren / ſo bauſcht es ſich gantz zuſammen / als habe es ein natuͤrliche Schamhafftigkeit / ſo bald aber der Menſch von diſem Kraut wider abweichet / alsdann braitet es ſich wider auß einander. Dergleichen Reden fuͤhren die Muͤſ - ſiggaͤnger. Vidit alios ſtantes otioſos in foro. An dem - ſelbigen Eck deß Platzes ſtehen etliche mit vnderſchidlichen Klaydungen. Einer ziecht roth auff / der andere blau / der dritte gelb / der vierdte gruͤn / der fuͤnffte braun / der ſechſte geſchecket / allerley Farben / wie ein Tauben am Halß / aber Tauben ſeynd diſe nit / andere Voͤgl wol; ich glaub / vnd halt ſie fuͤr Herren-Diener. Diſe ſtehen auch ſchon ein ge - raume Zeit muͤſſig? nein / mein lieber Haußvatter / ſie ſtehen nit muͤſſig / ſie leutten / leutten iſt ihr Arbeit / das wiſſen die jenige wol / welche die groſſe Glocken zu Erd - furt leutten / welche etlich hundert Centner ſchwaͤr / vnd deſtwegen 24. ſtarcke Geſellen dieſelbige zu leutten erfor - dert werden / dero Klang auff drey Teutſche Meil gehoͤrt wird. Aber verſtehe mich wol mein Haußvatter / diſe leutten nur die Sau-Glocken / ſ. v. diſe ſeynd faſt wie die Widhoͤpff / nit zwar derenthalben / weilen ſie auch immer - zu einen Federbuſch tragen / wie diſer Vogl / ſondern dar - umben / weilen diſer Vogl ſich mehreſten auffhaltet an wilden / vnd ſtinckenden Orthen / vnd ſeinen Schnabel im - merzu ſtecket in Koth / Miſt / vnd Unflath. Vidit alios ſtantes in foro otioſos. Underhalb deß Platzes ſtehen mehrmahlen einige / allem Anſehen nach / ſeynd diſe Bur - gersleuth / ſolche ſeynd auch muͤſſig? nein / mein lieber Hauß-Vatter / ſie ſtehen nit muͤſſig / ſie ſchneiden / ſchei - den iſt ihr Arbeit: es iſt ja ſchneiden ein Arbeit / Holtz ſchneiden / Kraut ſchneiden / zwar diſe thun nur auffſchnei - den / bringen allerley Zeitung auff die Bahn / liegen ſo ſehr / daß ſich der Thurn zu Coͤlln moͤcht auff die andere Seitenbiegen.547von Jugend auff biß zu dem Strick.biegen. Das Meſſer mit dem der H. Apoſtel Bartholo - mæus iſt geſchunden worden / wird in der Churfuͤrſtlichen Haupt-Statt Maintz auffbehalten / vnnd in der Haupt - Kirchen gezaiget / diſes Meſſer iſt nicht gar zu klein / aber das Meſſer / mit welchem diſe Leuth alſo vnerhoͤrt auff - ſchneiden iſt vmb ſo vil groͤſſer vnd ſchaͤrpffer. Vidit alios ſtantes otioſos. Zu End deß Platzes ſtehen auch zwey gantz muͤſſig / es ſeynd aber nur Weiber / die ſeynd bey der Fruhmeß geweſt / vnd ſtehen ſchon biß vmb 9. Vhr beyein - ander / ſie ſeynd ja auch muͤſſig? das gar nit / mein lieber Hauß-Vatter / ſie leſen alle beede / leſen iſt ja nit muͤſſig gehen? aber ſie leſen nur ihren Maͤnnern die Planeten: wie geht es dir mein Baberl? wie wolts gehen / es hat halt einer ein groſſes Creutz / die H. Barbara mahlt man mit einem Thurn ab / mich kont man wol mahlen mit einer Keichen / ich darff ein gantze Zeit nit außgehen. Mein Mann iſt gar ein eyfferſichtiger Narꝛ! aber mein Marga - reth ich bilde mir wol ein / ihr habt auch kein Paradeyß. Ich main wol / ſagt diſe / es ſeye niemand alſo geplaget / wie ich / wol recht hat man mich Margareth getaufft / ich hab freylich wol einen Lindwurm / der immerzu voller Gifft / vnd Zorn / wann ich ein Wuͤrthin waͤr / ſo muͤſt mein Wuͤrths-Hauß haiſſen bey dem wilden Mann. Ge - dencke / wie er geſtern iſt nach Hauß kommen mit einem Rauſch / weilen das Eſſen nit gleich iſt auff dem Tiſch ge - ſtanden / ſo hat er mich zweymal in das Geſicht geſchlagen / daß mir das Feur zu den Augen herauß gangen. Der Ochs ſagt freylich wol / er ſchlagt mich nur mit dem Ro - ſenkrantz: danck ihms der Hencker / er hat kein andern Ro - ſenkrantz / als die Fauſt / dann er bett ſein Sach als an Haͤnden. So offt er einen Spitz nach Hauß bringt / ſo iſt er ein ſolcher grober Knopff. Vilandere mehr ſtehen / auff Gaſſen vnd Straſſen muͤſſig / verſchwenden die edle Zeit /Z z z 2vnder -548Judas ein angewohnter Faulentzervnderdeſſen ſolcher Muͤſſiggang bruͤtet nichts anders auß / als alles Ubel! ein Wurtzel auß der alles Ubel wachſet / ein Bronn auß dem alle Boßheit rinnet; ein Mutter die alle Laſter gebaͤhret: ein Præceptor der alle Leichtfertig - keiten lehret: ein Hauß / wo alle Schelmereyen loſchie - ren: ein Maiſter der alle Vntugenden ſchnitzlet / ein Am - baß / wo alle Suͤnden geſchmidet werden / iſt der Muͤſſig - gang. Ein Vhr / die da ſtehet / vnd nicht gehet / iſt nichts nutz / ein Waſſer / das da ſtehet / vnnd nicht gehet / iſt nichts nutz / ein Schiffel / das da immerzu auff dem tru - cken Land ſtehet / vnd nicht gehet / iſt nichts nutz / ein Faul - lentzer der immerzu muͤſſig ſtehet / vnnd nicht gehet / iſt auch nichts nutz. Salomon, mit dem Salomon Abſa - lon, mit dem Abſalon Ammon, mit dem Ammon Sam - ſon, mit dem Samſon Junge vnd Alte zu Sodoma, Groſſe vnd Kleine vnder den Iſraelitern waͤren nit ſo grob gefal - len / wann ſie nit waͤren muͤſſig gangen.
Etlichen Weibern gefalt der weiſe Salomon nit / in dem er ein rechtſchaffenes Weib gantz weitſchichtig be - ſchreibt / vnder anderen ſagt er / was einer ſolchen wol an - ſtaͤndig geweſen. Sie hat Woll vnd Flachs ge - ſucht / vnd hat gearbeitet nach dem Rath ihrer Haͤnden / ſie hat ihre Haͤnd zu ſtarcken Dingen außgeſtrecket / vnd ihre Finger haben die Spindl ergriffen / ſie hat ſchoͤne Leinwat gemacht / vndProv. 31. verkaufft / vnd hat dem Cananiter ein Quintl ge - liffert; ſie hat die Weeg ihres Hauß in acht ge - nommen / vnd hat ihr Brodt in Muͤſſiggang nit geſſen. Diſes gefallt manchem Frauenzimmer nit. Was / ſagt eine / ſoll ich arbeiten? fuͤr wem ſeynd die Menſcher? ich muß meiner Andacht abwarten / zu Morgens ſteheich549von Jugend auff biß zum Strick.ich vmb halbe 10. Uhr auff (Holla! das iſt ein neue Mo - di: Magdalena ſambt den zwey anderen iſt vmb ein guts fruͤher auffgeſtanden / wie ſie zum heiligen Grab iſt gan - gen) wie ich ſag / vmb halbe 10. Vhr iſt mein Ordinari - Stund / nachmahlens hab ich mein außgezaichnete Kir - chen / darinn verbleibe ich / biß es Zeit zum eſſen / dann bey vns Weibern ſteht gar wol die Andacht / muß doch ſon - ſten der Weyhbrunn vmbſonſten in der Kirchen auß - drucknen / ſo wir nicht waͤren. Nach der Tafel voppe ich mich mit dem Pamphilio, vnd wirff zuweilen ein laͤ - cherliches Wort vnder die Karten. Nach diſem ſo ey - le ich widerumb zu der Litaney. Graͤſfin / gehe daher in meinen Stuhl; Auwe / wie ſeynd halt die gemaine Leuth ſo grob! ſie thun einem mit harter Muͤhe wei - chen. Mein Graͤffin / wie geht es dir? oder wie ſtehe ich bey dir in Gnaden? was ſchreibt dir dein Herꝛ? du haſt gewiß ſchon innen worden / daß die Frantzoͤſiſche Wahren verbotten. Es iſt wol vngeretmbt / mit der Weil wird man vns auß einem alten Fuͤrhang ein Man - to anmeſſen; ich achte es nicht ſo vil / wann nur das gemaine Geſchmaiß nicht alſo thaͤt auffziehen. Schau mein Graͤffin an diſe Secretari-Frau auff der andern Seyten im dritten Stuhl / was ſie fuͤr einen ſchoͤnen Procat traget / das Lateiniſch Zifer will vns in allem gleich ſeyn. Je! ſchau! die Lateinin fanget ſchon an. Ach GOtt! ſeye mir gnaͤdig! Ach --- O heiliger N. ſtehe mir in allem bey! O mein heiliger Schutz-En - gel! O ---! Mein Graͤffin / haͤtte bald vergeſſen / wo iſt die Geſellſchafft? ich werde dich ja auch darbey an - treffen? es iſt mir die Weil ſo lang zu Hauß. Mein Herꝛ hat heut ein Commiſſion, ſo hat er auch die Poſt noch nicht abgefertiget / ꝛc. Nach der Geſellſchafft fahre ich widerumb nach Hauß / da thut man anrichten / vnndZ z z 3ſtehen550Judas ein angewohnter Faullentzer /ſtehen wir vor 11. Vhr nit auff / nachmahls hab ich noch etwas wenigs zu betten / vnd mit dem gehe ich in das Beth. Solcher geſtalten / GOtt lob / bring ich mein Zeit gar or - dentlich zu. Vbermorgen hab ich wider einen Beicht-Tag.
Ihr Gnaden mit Erlaubnuß / daß ich ſo ſtreng re - den thue / das haiſt ordentlich gefaullentzet. Sie verſtehen vngezweiffelt auch ein wenig Lateiniſch. Schauen ſie / ora - re, vnd arare muͤſſen beyſammen ſeyn; es muß bey dem betten das arbeiten / vnd bey dem arbeiten das betten ſeyn. Betten vnd arbeiten ſeynd zwey Rigel / welche dem boͤſen Feind die Thuͤr verſchlieſſen. Arbeiten vnd betten / ſeynd zwey Fluͤgel / mit welchen der Menſch von Suͤnden flie - get: Betten vnd arbeiten ſeynd zwey Zigel / mit denen deß Menſchen Sinnlichkeiten gezaumet werden: Arbeiten ohne betten
Hertz vnd Zungen hat GOtt dem Menſchen gegeben zu dem Gebett: Haͤnd vnd Fuͤß hat GOtt gegeben dem Menſchen zu der Arbeit. Es hat vnſer lieber HErꝛ nicht allezeit gebettet / ſondern auch vilfaͤltige Arbeit ver - richtet / der gebenedeyten Mutter ſelbſt das Waſſer nach Hauß getragen / dem liebſten Nehr-Vatter Jo - ſeph ein manches Brett helffen abhoblen. Es hat Ma - ria nicht allezeit gebettet / in aller Fruhe zwar iſt ſie etliche Stund in dem Gebett eyffrigſt verharret / nach - mahls aber hat ſie auch Hand-Arbeit verrichtet / ge -ſpun -551von Jugend auff biß zum Strick.ſpunnen / oder genaͤhet / nachmahls hat ſie durch Le - ſung der heiligen Schrifft / vnnd Betrachtung Goͤttli - cher Gehaimnuß die uͤbrige Zeit zugebracht / vnnd diſen Wandl fuͤhrte ſie dazumahl / als ſie noch mit anderen im Tempel ware. Alſo bezeugt Sabellius vnd Carthagena. Lib. 2. c. 4. l. 3. & Hom. 1.Nachdem ſie auch wunderbarlicher Weiß den Sohn Got - tes gebohren / hat ſie zu ihrem allerheiligſten Gebett auch die Hand-Arbeit geſellet. Den jenigen Under-Rock Chri - ſti / welchen die Juden vnder dem Creutz vnzertrennter ge - laſſen / vnd welcher mit Chriſto / von Kindheit auff ſolle gewachſen ſeyn / haben gemacht die Haͤnd der allerſeeligſten Jungfrauen Mariæ. Das jenige Tiſchtuch / worauff das letzte Abendmahl gehalten worden / hat Maria mit ſchoͤne - ſten Lilien außgenaͤhet / ja man hat annoch an vnderſchid - lichen Oerthern Geſpunſt / vnd Kneil-Garn / von der Ar - beit der Himmels-Koͤnigin Mariæ, welche auſſer der Zeit ihres heiligſten Gebetts / nit einen Augenblick wolte fey - ren / oder muͤſſig gehen.
Nachdem der H. Paulus, auß einem Saulo ein Pau - lus, auß einem Verfolger ein Nachfolger Chriſti: auß ei -Haymon. in 2. Cor. 11. nem Verkehrer ein Lehrer worden / hat 35. Jahr durch A - rabiam, Siriam, Ciliciam, Pamphiliam, Lycaoniam, Phœnitiam, Samariam, Myſiam, Phrygiam, Galatiam, Bithiniam, Samotratiam, Macedoniam, Theſalonicam, Cæſaream, Antiochiam, Galliam, Italiam. Hiſpaniam geprediget / aber das nit allein / Wunderwerck gewuͤrcket / aber das nit allein: gebettet auff das eyffeigſte / aber das nit allein / ſondern auch ſein Lebens-Nahrung / vnd Leibs - Underhaltung geſucht durch die Arbeit ſeiner Haͤnd.
Petrus, Thomas, Jacobus, Joannes, nachdem ſie auch in das Apoſtoliſche Collegium kommen ſeynd / vnd diſe hohe / heilige Wuͤrde angetretten / haben dannoch noch auff dem Befelch Chriſti ſelbſt zum oͤfftern durch die Ar -beit /552Judas ein angewohnter Faullentzer /beit / vnd durch das Fiſchen ſich vnderhalten muͤſſen / vnd hat vnſer lieber HErꝛ nit allezeit wollen / daß IſcariothJoan. 21. ſeine Victualien einkauffen / ſondern ſie haben muͤſſen biß - weilen durch die harte Arbeit das Brodt gewinnen.
Der Evangeliſt Lucas war ein ſehr heiliger Mann / welcher allerſeits die Ehr vnd Lehr Chriſti mit groͤſtem Ey - fer außgebraitet / vnd ſtaͤts mit Himmliſchen Betrach - tungen ſein Hertz geſpeiſt / gleichwol aber / wolt er nit ein Augenblick feyren / ſondern den Pemſel in die Hand genom - men / vnd ſein Mahler-Kunſt getriben; wie dann die Bildnuß Chriſti deß HErꝛn zu Rom; die Bildnuß der Seeligſten Mutter GOttes daſelbſt bey Maria major: die Bildnuß vnſer lieben Frauen zu Regenſpurg / welche der H. Kayſer Henricus dahin gebracht / von dem heili - gen Luca ſeyn gemahlt worden. Zu Biell in Wälſchland iſt ein geſchnitztes Maria Bild auß Cederholtz / zu wel - chem ein vnbeſchreibliche Andacht vnd Zulauff iſt / vnd er - ſcheinen an diſem Orth am Feſt vnſer lieben Frauen Him - melfahrt gegen 50000. Perſohnen: auch iſt erſt vor 24. Jahren allda diſes Wunder geſchehen / daß einer Namens Joannes Sa acht gantzer Jahr kein Zungen gehabt / welche ihm von den Moͤrdern ab - vnd außgeſchnitten worden / vnd doch dieſelbige Anno 1661. durch Hilff der Wunder - barlichen Mutter GOttes an diſem Orth wider erhalten. Atlas Mat. 410.Diſe H. Bildnuß hat auch mit aignen Haͤnden geſchnitz - let der H. Lucas / daß er alſo nie muͤſſig gangen.
Antonius ein Heiliger / auſſer den Bettſtunden / hat Koͤrbel gemacht. Serapion ein Heiliger / hat oͤffters auff dem Acker die Baurn-Arbeit verricht. Stephanus ein Heiliger hat nit allezeit betracht / ſondern zu gewiſſen ſtun - den auch Strick gewircket. Ulmarus ein Heiliger / hat ſich nit ſtaͤts im Chor auffgehalten / ſondern zu gewiſſen Zeiten Holtz gehacket. Pachomius ein Heiliger hat nitallzeit553von Jugend auff biß zu dem Strick.allezeit pſalirt / ſondern gar offt im Garten gearbeitet; damit ſie nur kein Augenblick muͤſſig gehen / dann ſie wu - ſten wol / daß vom feyren das Feur herkomme / vnd der Muͤſſiggang ein Vigil ſeye deß Undergangs / vnd die Traͤg - heit ein Furirin ſeye der Gailheit.
Der beruͤhmte Kriegsfuͤrſt Joſue fuͤhrte eineſt ſei - ne tapfſere Soldaten wider fuͤnff Koͤnig der Amorꝛhiter / nemblichen wider den Koͤnig zu Jeruſalem / wider den Koͤnig zu Hebron / wider den Koͤnig zu Jerimoth, wider den Koͤnig Lachis, wider den Koͤnig zu Eglon, vnd hat nit allein durch ſonder Goͤttliche Huͤlff dero gantze groſſe vnd Volckreiche Armee erlegt / ſondern auch gedachte fuͤnff Koͤnig an fuͤnff hohe Baͤumer auffgehencket. Dazuma - len koͤnten die Baͤumer ſchier ſtoltzieren / daß ſie ſolche vor - nehme Frucht getragen. Bey der blutigen Niderlag di - ſer Amorꝛhiter hat ſich neben anderen auch diſes Wun - der zugetragen / daß Joſue der Feldherꝛ / weilen ihme der Tag nit erklecket / der Sonnen befolchen / ſie ſolle ſtill ſte - hen / vnd ihren Lauff innen halten / damit er deſto fuͤglicher / vnd bequemmer den Feind moͤge verfolgen. Woruͤber dann alſobalden die Sonnen gehorſamet / vnd noch 24. Stund laͤnger am Himmel geleuchtet / daß alſo vorhin / vnd hernach kein Tag ſo lang gewehret. Diſes Wunder iſt geſchehen Anno 2500. von Anfang der Welt / 1471. Joſue 10.Jahr vor Chriſti Geburt. Unſere Zeiten vnd die Leuth zu vnſeren Zeiten ſeynd weit anderſt beſchaffen / als Joſue; warumb? frag ein weil / darumb / darumb. Dem Joſue iſt der Tag gar zu kurtz geweſt / daher er denſelben Tag durch ein Wunderwerck verlaͤngert: aber vns iſt mehrmalen der Tag vil zu lang / vnd deſtwegen wir ſelben durch ein Blun - derwerck verkuͤrtzen. Hoͤrt man nit oͤffters; Bruder / wir woͤllen heut Nachmittag fuͤr die Langweil eins ſpatziren; oder fuͤr die Langweil trapuliren / oder fuͤr die Langweil ga -A a a alani -554Judas ein angewohnter Faullentzer /laniſiren. Warumb ſagſt nit auch / du wilſt fuͤr die Lang - weil zum Teuffel fahren: So iſt dir dann / dir Faullentzer / dir Bolſterdrucker / dir Muͤſſiggaͤnger die Zeit zu lang? O elender Tropff! waiſt du ſo gar nit was die Zeit iſt.
Wahr iſt es / Armuth wehe thut / Bethlehem vnd leiden ligen nit vnweit voneinander. Ebenholtz iſt ein hartes Holtz / Aiches Holtz iſt ein hartes Holtz / Buches Holtz iſt ein hartes Holtz; aber kein haͤrters Holtz iſt / als am Bettlſtab. Der Arme tragt freylich wol zerriſſene Klayder / aber beynebens wol ein gutes Goͤller von El - lend-Leder / dann allerſeits der Arme am Ellend reich iſt. Ein bitteres Kraut / vmb ein arme Haut. Wie bey den Juden der Spoͤck: wie bey den Hennen der Fuchs: wie bey den Tauben der Geyer: wie bey den Schaafen der Wolff: wie bey den Froͤſchen der Storch: wie bey dem Haſen der Hund: wie bey dem Baurn der Schaur: wie bey den Boͤltzen die Schaben: wie bey dem Jahrmarckt die Dieb: wie bey dem Spillmann der Quatember: wie bey dem Waſſer die Gluet / ſo iſt bey den armen Leuthen die Armueth / das iſt verfeindt. Dann die Reichthumben nemmen das Prœmium, die Armuth wird nachgeleſen: die Reichthumben thun jubiliren / die Armuth thut la - mentiren: mit einem Wort / der Reiche reith / der Arme leydt. Aber ſag her / wer iſt arm? der Bett - ler / ſagſt du / dann dero gantzes Hauſen beſteht im hauſi - ren / vnd ſuchen das Brodt in der Noth / wer iſt arm? die Bauren / ſagſt du / dann diſe ſeynd wie die Lemoni, welche man ſo lang pflegt zu trucken / wie lang ein Safft darin - nen iſt. Wer iſt arm: die Wittiben vnd Waiſel ſagſt du / dann die Wittwen ſeynd wie ein Ofen / wie lang der Ofen warm iſt / ſo lang thut man ihme gar ſchoͤn / wann er aber kiel iſt / ſo zaigt man ihme den Rucken; alſo wielang555von Jugend auff biß zu dem Strick.lang ein Wittib einen Mann hat / der ſie reichlich vn - derhalt / da gibts Freund genug / wann es aber nach dem Todt deß Manns kuͤhl hergeht / ſo fliegen ſie ab / wie die Mucken von einer kalten Kuchel. Wer iſt arm? die Soldaten vnd Kriegsknecht ſagſt du / dann ſie fechten offt mehrer wider den Hunger / als wider den Vngar. Alle diſe ſeynd arm / ſagſt du / aber ich ſag es nicht / ſondern alle Menſchen ſeynd reich / das iſt mein Außſpruch. Wir Menſchen / ſo lang wir leben / ſeynd reich genug / haben das Gold in dem Vberfluß / Gold genug; haben wir dann nicht die guldene Zeit / welche ein Schatz iſt uͤber alle Reichthumen / vnd ſollſt du diſe guldene Zeit mit faullen - tzen verſchwenden?
Bekannt iſt die Nachlaͤſſigkeit jener zwey Hof-Be - dienten bey dem Koͤnig Pharao / weſſenthalben ſie durch Koͤniglichen Befelch in die Keichen ſeynd geworffen wor - den; diſe zwey ſeynd geweſt der Mundſchenck / vnd der Mundbeck / welche ſich in ihrem Ambt vnd Verrichtun - gen nit verhalten / wie es die Schuldigkeit erfordert. In diſem Kercker war ſchon auch der vnſchuldige Joſeph / als diſer ſeine zwey Mit-Cammeraden in etwas melancholiſch vermercket / fragt er / warumben ſie alſo trauig ſeyen? Mein Joſeph / ſagt einer / wann es dir alſo ſchwaͤr getrau - met haͤtte / wie mir / ſo wurde dir ingleichen das lachen gewiß vergehen. Es hat mir / ſagt der Mundbeck getrau - met / ich trag drey Koͤrb auff meinem Kopff / vnd auß dem obern Korb freſſen mir die Voͤgel die Semmel herauß. Ho --- Ho -- antwortet der fromme Joſeph / ich will dir bald auß deinem Traum helffen. Tria caniſtra adhuc tres dies ſunt, die drey Koͤrb ſeynd die drey Taͤg / nach ſolchen wirſt du auffgehenckt werden. War - umb? vmb den Halß herumb: iſt auch alſo geſchehen. A a a a 2Mein556Judas ein angewohnter Faullentzer /Mein lieber keuſcher Joſeph / ſo nenneſt du die drey Taͤg drey Koͤrb? ſo ſeynd bey dir die Taͤg / wie ein Korb? tria caniſtra tres dies. Gut / gut; jetzt nimb ich dich Men - ſchen in das Examen, vnd frage dich / wie alt biſt du? 40. Jahr / gut! 40. Jahr haben 480. Monath / 480. Monath haben 2080. Wochen / 2080. Wochen haben 14600. Taͤg / haſt es gemercket / wann du nun heut ſolleſt ſterben / ſo muſt du vor Gottes Angeſicht bringen 14600. Koͤrb. Du haſt es ja gemercket / daß Joſeph die Taͤg denen Koͤr - ben verglichen: jetzt moͤchte ich gern ſehen / was in einem jedwedern Korb wird ſeyn. O wie vil laͤhre Koͤrb werden auß diſen 14600. ſeyn / dann wie vil Tag haſt du mit faul - lentzen zugebracht; vnd an denſelben nichts guts gethan. Da moͤchte ich gern darbey ſeyn / wann man einen jedwe - dern Korb wird eroͤffnen / wie mancher Korb wird voll ſeyn mit lauter Trapulier - vnd Labet-Karten / dann wie vil Tag haſt du mit ſpillen zugebracht / wie vil Koͤrb auß diſen vierzehen tauſend ſechs hundert werden ſeyn / worin - nen lauter Kandl / Bitſchen / Kruͤg / Glaͤſer / Angſter / ꝛc. dann wie vil Tag haſt du mit ſauffen vnd ſchlemen anwor - den: wie vil Koͤrb werden darunder ſeyn / welche mit lau - ter Leffel angefuͤllter zu ſehen / weilen du ſo vil Taͤg mit leff - len vnnd galaniſieren / vnd ſchertzen zugebracht: wie vil Koͤrb werden allda auffgemacht werden / worinnen lauter Kaͤmpl / Buͤrſten / Krauß-Eyſen / Spiegl / Baͤndl / Muſch / Maͤſch / Miſch / ꝛc. ſeyn / weilen du ſo manche Zeit mit krauſen vnd auffzauſen haſt verſchwendt. Was wirſtu fuͤr ein Rechenſchafft geben dem gerechten GOtt / welcher dir ſo vil guldene Zeit geſpendiret / pur vnnd nur zu ſeinen Dienſten / vnd deiner Seeligkeit / welche du aber gantz vn - nutz / gantz fruchtloß verſchleidert.
Es ſeynd etliche Berg in der Welt / welche immer aneinander Feur außwerffen / als wie der Berg Æthna inSici -557von Jugend auff biß zu dem Strick.Sicilien / der Berg Veſuvius in Campanien / der Berg Chimera in Licia, diſe Berg werffen vnauffhoͤrlich Feuer auß / alſo zwar / daß ſie zuweilen angraͤntzende Felder / vnd Waͤlden / Wohnungen vnd Dorffſchafften in Aſchen le -Lib. de Civit. c. 21. gen. Mein H. Vatter Auguſtinus iſt der Auſſag / daß di - ſe feurige Berg rechte Rauchfaͤng der Hoͤllen ſeynd / vnnd begruͤndet ſolche Mainung die oͤfftere Erfahrenheit / daß / wann ein reicher vnd laſterhaſſter in der Gegend daſelbſt / oder anderwerts ein bekandter Tyrann ſtirbt / ſo pflegt der Berg Veſuvius, vnnd Æthna haͤuffige Flammen außzu - werffen / wie dann ſolches auch beobachtet worden bey dem Todt Henrici deß Achten / Koͤnig in Engelland. Wann nun mir GOtt zulieſſe / daß ich vnverletzt konte durch ei - nen ſolchen Feur-braßlenden Rauchfang hinunder ſchreyen in die Hoͤll / vnd alldorten fragen 32. Roͤmiſche Kaͤyſer / dann ſie waren alle Heyden / vnnd Abgoͤtter: dort fragen 32. Koͤnig der Perſter: fragen 41. Koͤnig der Syrier / fra - gen 29. Koͤnig der Medier; fragen 32. Koͤnig der Baby - lonier: fragen etlich vnd 20. Ottomaniſche Monarchen: wann ich dort ſolte fragen villeicht einen oder den andern / den ich ſelbſt gekennt / mit dem ich geeſſen vnd druncken / mit dem ich converſirt; was wolſt du / vnd du / vnd du / ihr / vnd ihr / vnd ihr / vmb ein einige Stund geben? vnd wider auff die Welt zu kommen / Reu vnd Leyd zu erwe - cken uͤber alle vnſere Suͤnden? O! O! O! ſchreyen alle zugleich / O! vmb ein einige ſolche Stund wolten wir gern hundert tauſend Jahr leyden in der Hoͤll / aber vmbſonſt / ein ſolche Stund iſt vns auff ewig / ach! auff ewig verſa - get; vnd wir verſchleidern / verſchwenden / vertaͤntln ſolche guldene Zeit ſo liederlich / da wir doch nit wiſſen / ob nit di - ſe / vnd diſe Stund mein letzte Stund / vnd nach derſelben auff ewig keine mehr.
Das Weib im Evangelio hat ein Groſchen verlohren /A a a a 3der -558Judas ein angewohnter Faullentzer /derenthalben ein Liecht angezuͤndet / uͤber vnd uͤber geſucht / biß ſie ihn wider gefunden / deſtwegen Vrſach gehabt ſich hoͤchſtens zu erfreuen. Wir konten vns auch erfreuen / ja nit ein wenig erfreuen / wann wir vnſer verlohrene Zeit wider konten finden / aber vmbſonſt. Wo ſeynd die Jahr / Monath / Wochen / Tag / vnd Stund vnſerer Kindheit? verlohren. Wo ſeynd die Jahr / Monath / Wochen / Stund vnd Tag vnſerer Jugend? verlohren. Wo ſeynd die Wochen / Monath / Tag vnd Stund vnſers Lebens? verlohren. Die koͤnnen wir nimmer finden. Zu Zeiten deß krancken Koͤnig Ezechiæ iſt die Sonnen zuruck gan - gen / aber vnſere verwichene Jahr / Monath / Wochen / Tag vnd Stund koͤnnen nicht mehr zuruck gehen. Ich hab alſo kein Zeit / als eben diſen Augenblick / da ich ſolches ſchreib / diſer Augenblick Jetzt gehoͤrt mir zu. Wer waiß / ob ich nit hieruͤber deß gaͤhen Todts ſtirb / wie es ſchon mehrern begegnet. Wie iſt es dann moͤglich / daß ich nit einen Augenblick ſolle hoch ſchaͤtzen? O mein JEſu! wie kan dann ein Menſch ſagen / die Weil / die Zeit ſeye ih - me zu lang / in dem von ſolcher Zeit ſein Seeligkeit / oder ewige Vngluͤckſeeligkeit hanget.
Von einem Gottſeeligen Religioſen wird geſchriben / wie er geſtorben / ihm der Teuffl ein gantzen Sack voll klei - ner Broͤßl Brodt vor dem Goͤttlichen Richter habe gezai - get / vnd diſen ſaumſeeligen Geiſtlichen daſelbſt anklagt / wie daß er vil Jahr das Refectorium deß Cloſters in Verwal - tung gehabt / vnd bißweilen ſaumſeelig etlich kleine Broͤßl Brodt auff die Erden fallen laſſen / vnd ſolche nit auffgehe - bet. O GOtt! O HErꝛ! hat ſolcher Rechenſchafft muͤſſen geben / wegen etlichen kaum ſichtbaren Broͤßlen / die er ver - warloſt. Wie wird dann einer muͤſſen Rechenſchafft geben von ſo vil 1000. Taͤg vnd Stunden der guldenen Zeit / wel - che er vnnutzlich / verſchwenderiſch / ſaumſeelig zugebracht. Wann559von Jugend auff biß zum Strick.Wann ich jetzt / welches doch der barmhertzige GOtt ver - huͤte / ſoll ſterben / ſo muß ich meinem GOtt / als dem ge - rechten Richter gantz genau Rechenſchafft geben / von ſechs mal tauſend / tauſendmal tauſend / acht mal hundert tau - ſend / vierzehen hundert / vnd ſechs vnd ſechtzig Augenblick / oder Minuten / wie wurde ich beſtehen.
Der Hoheprieſter tragte in dem alten Teſtament auß Befelch Gottes ein wunderſeltzames Kleyd / neben andern thaͤten an dem vndern Braͤmb diſes Prieſterlichen Klayds 366. guldene Schellen / oder Gloͤcklein hangen / vnd zwi - ſchen einen jeden ein Granat-Apffel. Diſe 366. Gloͤcklein haben die Jahrszeit bedeutet / dann im Jahr 366. Taͤg ge - zehlet werden. Die Granat-Fruͤchten entzwiſchen haben bedeutet / daß kein einiger Tag im Jahr ohne Frucht ſoll vorbey gehen. Jetzt ſetze dich nider / anatomir dein ver -Clem. A. lex. l. 5. ſtrom. wichene Lebens-Zeit / ob du alle Tag habeſt fruchtbar zu - gebracht. O wie vil Tag werdeſt du finden / welche durch lauter Muͤſſiggang vnnutzlich ſeynd verſchwendet worden / in dem du doch in einer jeden Viertel Stund haͤtteſt koͤnnen ein abſonderliche Cron im Himmel erwerben / iſt wol ſchadt vmb die guldene Zeit. Wie der gebenedeyte HErꝛ von Jericho außgangen / da iſt ihme ein groſſe Menge Volck nachgefolget / mitten auff dem Weeg befanden ſich zwey Blinde / welche dann gleich / wie bald ſie erfahren / daß JEſus vorbey gehe / angefangen zu ſchreyen / er ſoll ſich doch ihrer erbarmen. JEſu du Sohn Daivd erbarme dich vnſer / das Volck hat diſe zwey grob angefahren / turba increpabatMatth. 20. eos; ihr grobe Gſellen / ſolt ihr alſo ſchreyē? halt das Maul! at illi magis clamabant, aber diſe zwey Blinde vngeach - tet / daß ihnen die Leuth ſo grob uͤber das Maul gefahren / haben noch aͤrger angefangen zu ſchreyen. Warumben aber daß ſie noch haͤfftiger geſchryen? darumb / ſie haben ge - foͤrchtet / es moͤchte der HErꝛ Jesus vorbey gehen / vnd moͤch - te ſich darauff ein ſolche Gelegenheit nicht mehr ereignen. Deß -560Judas ein angewohnter Faulentzer /Deßgleichen ſollen wir auch keinen eintzigen Tag / noch Stund laſſen vorbey gehen / in denen wir nit etwas gutes gethan / vnſere Suͤnden bereuet / vns mit GOtt verſoͤh - net / daß es moͤchte ſeyn / daß kein ſolche Zeit / vnd Gele - genheit ſich mehr thaͤt ereignen: es moͤcht ſeyn / daß diſe Stund / diſer Tag der letzte waͤr / maſſen der gaͤhe Todt gar nichts neues mehr.
In der Hoͤll iſt brinnen / vnd brennen / vnd bratten: in der Hoͤll iſt ſitzen / hitzen vnd ſchwitzen: in der Hoͤll iſt zauſen vnd grauſen / vnd pfnauſen / aber alles diſes iſt noch nicht die groͤſte Peyn. Der vnmenſchlichen / tygerartigen / blutgierigen / hartmuͤthigen Tyrannen Diocletiani, Ju - liani, Maximiani, Veſpaſiani, Gratiani Torturen / Quallen / Folterung / Schwerdter / Galgen / Raͤder / Gaißl / vnd alle erdenckliche Peyn / mit welchen ſie die Chriſten gemartert / ſeynd Kinderſpill / Schatten / Ab - ſchnitzl / Affen-Boſſen gegen der geringſten Peyn in der Hoͤllen: aber rathe / welche Peyn daſelbſt die allergroͤſte? es ſchreibt Humbertus de 7. don. daß ein heiliger Ordens - Mann habe einsmahls ein weheklagende vnd erſchroͤckliche Stimm gehoͤret / als er gefragt / waͤr alſo lamentire / ſo war die Antwort / wie daß ſie ein Seel auß denen Ver - dambten ſeye / vnd ſchmertze ſie / vnd alle Verdambten / (mercke diß wol) nichts mehrers / als allein der Verlurſt vnd Verſchwendung der guldenen Zeit / in dem ſie ſo vil tauſend Stunden haben laſſen dahin ſchleichen / in dero jedwedern ſie haͤtten koͤnnen den Himmel gewinnen. O Verlurſt! jetzt haben ſie kein Zeit mehr / die Thuͤr iſt ver - ſchloſſen / der Sentenz iſt ergangen / der Marckt hat ein End / der Gnaden-Brunn iſt außgetrucknet / die Sonn der Barmhertzigkeit iſt vndergangen / ihr habt auff ewig / ewig / ewig / ewig kein Augenblick mehr zur Buß / da ihr vor - hero mit ſo vil guldener Zeit ſeyd verſehen geweſt.
Wann561von Jugend auff biß zu dem Strick.Wann auß vns einer ſoll einen ſchlimmen Lottesbue - ben ertappen / welcher auß lauterem Muthwillen in dem Keller die Pippen auß dem Vaß zoge / vnnd den beſten Wein vnnutzlich lieſſe außrinnen / er konnte ſich nit eut - halten / daß er ſich nit erzuͤrnete uͤber diſen loſen Schelm / vmb weiln er ein ſo koſtbare Sach ſo vnnutzlich verſchwen - det. Aber was wolt das mit lauter Muſcat vnd Raifel - Wein angefuͤllte Vaß zu Haidelberg ſeyn gegen einer ei - nigen Viertlſtund? das / was ein Linſen-Koch eines Eſan gegen dem Manna der Iſraeliter: das / was ein alter Fi - ſcher-Stiffel eines Petri gegen allen Reichthumben Salo - monis: das / was ein kleiner Bach Codron gegen dem groſſen Meer Tiberiadis! vnd dannoch wie vil koſtbare Zeit wird verſchwendt durch Muͤſſiggang / abſonderlich in dem Spilen. Allhier kan ich nit vmbgehen die liederliche Spil-Lumpen / welche nit allein die Ehr verliehren / das Geld verliehren / ſondern forderiſt die guldene Zeit ver - liehren.
Wer ſpilt / der verliehrt. Er verliehrt erſtlich Ehr vnd Reputation. Von einem liederlichen Buͤrſchl / deſſen Meldung thut der H. Evangeliſt Lucas / iſt bekandt / daßCap. 15. er das Erbgut ſeines Vattern dergeſtalten durchgebracht / daß er endlich zerriſſen vnd zerfetzt hat muͤſſen einen Sau - hirten abgeben / der vorhero in Klaydern ſo ſtattlich auff - gezogen / hat nachmahls ein ſo elende Tracht muͤſſen an - nemmen / daß er nachmahlens ſein Leib kaum mit Zwilch konte bedecken / vnd die feuchte Naſen an Ermbel muͤſte wiſchen. Die ſchoͤne Summa Gelt / welche er von ſeinem Herꝛn Vattern empfangen / hat er in kurtzer Zeit mit ſchle - men vnd demmen angebracht / vivendo luxuriosè. Vi - num, vnnd Venus haben ihme das Elend geſchmidet / Andl / vnd Kandl haben ihm gemacht ein ſo uͤblen Handl; man liſt aber nit von ihm / daß er einmahl durch WuͤrfflB b b bvnd562Judas ein angewohnter Faullentzer /vnd Karten auch ſein Gelt verſpilt. Ich glaub / nur de - rentwegen habe er ſich vom ſpilen enthalten / weilen er ein Prænobilis war / von einem edlen Hauß / dann durch ſpilen zu gewinnen / vnd dardurch ſich zu erhalten / eigentlich nur denen ſchlechten / vnd raupiſchen Lumpengeſind anhaͤnigig.
Jene 4. Spiler / welche vmb das Klayd Chriſti vnder dem Creutz mit Wuͤrfflen geſpiler / ſeynd keine rechtſchaffe - ne vnd ehrliche Leuth geweſt / ſondern Schoͤrganten / vnd Henckersknecht / als welche JEſum an das Creutz genag - let haben. Dann Chriſtus der HErꝛ hatte 3. Klaydung / ein Mantl / ein Ober-Rock / vnd ein Under-Rock / oder ein Under-Hemmet / wie man in Paleſtina pflegte zu tragen. Den Mantl haben ſie ihme in dem Garten Gethſemani genommen / da ſie ihn gefangen: den Ober-Rock hat diſe liederliche Burſch in 4. Thail zerſchnitten / vnd weilen die Thail gar nit gleich konten werden / maſſen einer groͤſſer / dann der andere war / alſo haben diſe Henckers-Knecht mit Wuͤrfflen geſpilt / was fuͤr ein Thail einem jedwedern zu - kom̄e / nachmahls haben ſie auch gewuͤrfflet vmb den Under - Rock / den ſie auf kein Weiß wolten zertrennen / weil er ohne Nath gewuͤrckt war / vnd diſen hat einer auß den Schelmen erhalten / von dem nachmals Longinus ihme ſolchen durch gewiſſes Gelt erkaufft / vnd alſo mit der Zeit iſt ſolcher na - cher Trier gebracht worden / allwo er ſo vil 100. Jahr mit hoͤchſter Reverenz auffbehalten wird. Warumb aber diſe muthwillige Geſellen den Ober-Rock in 4. Thail zerſchnit - ten / iſt die Urſach / weil ein jeder etwas von diſem Klayd ha - ben wolte; dann ſie wuſten / daß diſer Nazarener groſſe Wunder gewuͤrckt mit diſem Rock / maſſen ein Weib / ſo nur deſſen Saum angeruͤhrt / geſund worden. Beynebens aber glaubten ſie / daß diſer Gecreutzigte mit Zauberey vnd Teuffelskuͤnſten vmbgangen / alſo hat ein jeder ein Thail von diſem Klayd begehrt / in der Hoffnung / er wolle eben -falls563von Jugend auff biß zum Strick.ſals Teuffelskuͤnſten darmit treiben / dahero ein jedwederer ſeinen Thail dem geereutzigten JEſu ſchimpffweiß gezaigt / vnd neben Spottreden getrutzt / er wolle die Sach weit beſ - ſer anſtellen / als er. Mit diſem Klayd ſagt einer / will ich mich feſt machen / daß mich kein Teuffel kan verwunden: mit diſem / ſagt der andere / will ich machen / daß mich jene Tochter deß Samuels muß lieben: mit diſem Trum / ſagt der dritte / will ich machen / daß ich allzeit im ſpillen gewin - ne / mit dergleichen Spott / vnd außhoͤniſchen Reden belay - digten diſe Spiller nit ein wenig den beſchmertzten JEſumProcop. Gazæus. c. 28. de Gen. Franc. Lu - cas in c. 27. Matth. am Creutz. Seynd alſo die Spiller keine andere Leuth ge - weſt / als Luedergſind / Henckersknecht / Troßbuben / Galgen - krammer / ꝛc. worauß ſattſam zu vernemmen / daß das ſpil - len einem ehrlichen Menſchen nit gebuͤhre. O Pater! Kar - ten ſpillen iſt ein ehrliches Spill / ſagt einer; ich frag aber ei - nen ſolchen / ob ein ehrlicher Menſch ſich ſolle auffhalten / wo es Saͤuiſch hergeht? ſo ſeynd ja in der Karten 4. Saͤu / vnd weilen die Saͤu mehrer gelten / als ein Koͤnig / ſo iſt ja diſes ein Saͤuiſch Spill. Es ſeynd zwar zu Chriſti Zeiten nur einmal die Teuffl in die Saͤu gefahren; ich glaub aber / der Teuffel reitt ein jede Sau im Kartenſpill. Nicht allein verliehrt der Spiller die Ehr / ſondern auch das Gewiſſen. Nachdem der Prophet Jonas zu Ninive gepredigt / hat er ſich hinauß begeben auff ein Hoͤhe gegen dem Auffgang der Sonn / allda ſich in etwas zu erquicken. Und Gott der HErꝛ im Augenblick ein groſſen Kuͤrbes laſſen wachſen / welcher mit ſein Blaͤttern dem Propheten ein angenehmen Schat - ten erthailt / weſſenthalben der Jonas ſich nit ein wenig er - freute. Aber Gluͤck vn̄ Graß / wie bald verdorꝛt das. Nit lang hernach auß Befelch Gottes thut ein Wurm diſen Kuͤrbes abnagen / woruͤber die Blaͤtter alsbald verdort / daß hernach die hitzige Sonnenſtralen dem Jonæ dergeſtalten zugeſetzt / daß er faſt vor Aengſten nicht gewuſt / was er ſolle an -B b b b 2fangen /564Judas ein angewohnter Faullentzer /fangen / ja er hat ſich dermaſſen erzuͤrnet / weilen er die Kuͤrbes-Blaͤtter verlohren / daß er ihme lieber den Todt als das Leben gewunſchen. Schau! ſchau! ich haͤtte ver - maint / daß die Prediger nicht ſo kitzlich ſolten ſeyn / ver - drieſt dich dann ſo ſehr mein Jona, daß du die Blaͤtter ver - lohren? was dann. Melius eſt mihi mori, quàm vivere. Es iſt mir beſſer / daß ich ſterbe / als daß ich lebe. Es iſt aber nit das erſtemahl / daß der Verluſt der Blaͤtter ſo groſſen Zorn verurſachet / das geſchicht wol oͤffter / ſon - derlich bey den Spillern. Es ſitzen vier beyſammen / die vmb das Gelt trapulieren / in diſem Spill ſeynd 36. Blaͤt - ter / iſt vngewiß / ob der Kuͤrbes Jonæ ſo vil Blaͤtter ha - be gehabt / da hat einer auß diſen 9. gute Blaͤtter / als da ſeynd Koͤnig / Cavall / ꝛc. auff ſolche Blaͤtter erfreut er ſich mehr / als der Jonas uͤber ſeine Kuͤrbes-Blaͤtter. Was ge - ſchicht aber / es kombt ſein Geſpann / als ein arger vnnd uͤbler Spill-Wurm / der ſticht ihme alle Blaͤtter / daß ihm alſo nit ein einiges bleibt / da entſteht alſobald ein vnmaͤſ - ſiger Zorn / wegen Verluſt diſer Blaͤtter / daß er alle Teuf - fel zur Aſſiſtenz bittet / vnd mehrmahlen GOtt / vnd ſeine Heilige laͤſtert. Dergleichen Geſchichten konten in der Menge beygebracht werden. In dem Coͤllniſchen Gebiet war ein Ertz-Spiller mit Namen Tiemus, welcher faſt je - dermann zum Spillen herauß gefordert / weilen er faſt alle - zeit gewunnen; einmal bey naͤchtlicher Weil kombt zu ihm der Sathan in Geſtalt eines Kauffmanns / welcher einen zimblichen Sack voll Gelt auff den Tiſch gelegt / mit dem Verlaut / wie daß er Luſt haͤtte / abſonderlich mit ihme zu ſpillen / gar gern antwortet Tiemus; ſpillen alſo beede biß uͤber die mitte Nacht / jedoch ware der Verluſt auff deß Tiemi ſeiner Seyten / der andere hat gluͤcklich allezeit ein - gezogen. Woruͤber dann Tiemus gantz ergrimbt / daß ihn dißmahl das Gluͤck ſo ſpoͤttlich verlaſſen / indem es ihmeſonſten565von Juͤgend auff biß zum Strick.ſonſten jederzeit willfaͤhrig geweſen / ſagt dahero auß Zorn / Ich glaub du biſt der Teuffel? nunmehr iſts Zeit / antwortet der vermaͤſchkerte Teuffl / daß wir gehen / maſſen es ſchon uͤber Mitternacht. Ergreifft alſo diſen vngluͤckſee - ligen Spiller / fuͤhrt ihn mit ſolcher Ungeſtuͤmme zum TachCæſar. l 5. cap. 36. hinauß / daß deſſen Ingewayd an den Ziegln gehangen / vnd von derſelben Zeit an nichts mehr von ihm geſehen worden.
Anno 1242. als Maſſatius Vigonzonius zu May - land nit allein all ſein Gelt durch das Kartenſpill verloh - ren / ſondern ſo gar die Klayder am Leib / hat er ſich hier - uͤber alſo hefftig erzuͤrnet / daß er gantz raſend / vnd tobend der Kirchen zugeeylet / daſelbſt an der Maur deß Kirchen - Hoffs ein gemahlte Bildnuß Chriſti angetroffen / welche er mit vilen Laſterworten erſtlich angefahren / nachmahlsAngel. Rocca de Ludo. mit einem Dolch in den Halß diſes Bilds geſtochen / auß welcher Wunden gleich das helle vnnd haͤuffige Blut her - auß geſpritzet.
Zu Genezan, vnder dem Pabſten Paulo dem Drit - ten / hat ein vnſinniger Soldat / weilen ihn alles Gluͤck im Spillen verlaſſen / in der Kirchen ein Crucifix-Bild auff dem Altar / am Kopff / Bruſt / Haͤnden vnd Fuͤſſen mit ei - nem ſcharpffen Degen alſo verwundet / daß auch allerſeits das haͤuffige Blut herauß geronnen. Der Degen aber diſes gottloſen Menſchen hat ſich durch ein Wunderwerck gantz gebogen / vnd wird noch auff heutigen Tag gezai - get. Ibidem.
Anno 1383. zu Maintz an dem Rhein-Strohm: Anno 1588. zu Luca in Italien / ſeynd gleicher maſſen die gemahlte / vnd geſchnitzlete Bilder von denen Spillern al - ſo tractirt worden / daß ſie haͤuffiges Blut vergoſſen. Der - gleichen wunderthaͤtige Bilder ſicht man zu Rom / Maria de. Pace genannt / zu Neapel Maria de Miſericordia, vnd an vilen Oerthern mehr.
B b b b 3Anno566Judas ein angewohnter FaulentzerAnno 1522. haben zu Neapel etliche Kirchenrauber vnderſchidliches Silber / welches ſie auß dem Gottshauß entfrembtet / vnder einander gethailet. Nachmahls wie ſolche gottloſe Burſch in dem Brauch / die Karten in die Haͤnd genommen / in welchem Spill einer auß beſag - ten Boͤßwichten ſein Portion voͤllig verlohren; woruͤber er dermaſſen ergrimmet worden / daß er mit einem Dolch die Bildnuß in der Kirchen / Ecce Homo genannt / ſcharpff verwundet / auß welcher Wunden nit allein vil Blut ge - quellet / ſondern die Bildnuß Ecce Homo, welche vor -Tom. Cantiprat. l. 2. c. 49. hero an beeden Armben gebunden war / hat gleich ein Hand frey vnd loß gemacht / vnd darmit die offene Seyten - Wunden zugedecket. Diſes iſt noch heutiges Tags zu ſe - hen. Auß welchen gnugſamb vnd fugſamb zu lehrnen / daß ein Spiller nit allein die Ehr / ſondern auch das Gewiſſen verliehre im Spill. Gleichwie nun der gebenedeyte Hey - land die Blaͤtter deß Feigenbaums verflucht / alſo ſeynd ebnermaſſen zu verfluchen die Karten-Blaͤtter.
Der Spill-Lump verliehrt auch die Lebens-Mittel / daß der David einen Ehebruch begangen iſt allbekannt / es war im aber nicht gnug dem tapffern Soldaten Uriæ ſein Frau Gemahlin die Berſabeam alſo zum Fall zu brin - gen / ſondern diſe ſein Vnthat zu verhuͤllen / ſuchte er in all - weg / wie er konte dem Uriæ in der Stille den Reſt geben; dahero er ein Brieff verfertiget zu dem Joab, vnd denſel - ben Uriæ eingehaͤndiget / mit dem Befelch / daß er ſolchen den Joab ſoll uͤberbringen. Der gute vnd ehrliche Urias nimbt mit groͤſten Freuden den Brieff von deß Koͤnigs Haͤnd / vnnd glaubt / es werde deſſen Innhalt zu ſeinem Intereſſe außſchlagen: vnderdeſſen hat der arme Mann ſeinen gewiſſen Todt in dem Brieff getragen / allermaſ - ſen der ſchrifftliche Befelch darinn geſtanden / man ſollediſen567von Jugend auff biß zum Strick.diſen Uriam an den Spitz der Armee, vnnd an das gefaͤhrlichſte Orth ſtellen / damit er ſeinen Reſt bekomme.
Die Spil-Karten pflegen die mehreſte nur Brieff zu nennen. Herꝛ Hannß Paul gib Karten auß / mir auch noch zwey Brieff. Maiſter Egidi gib die Kar - ten auß / mir geht noch ein Brieff ab. Bruder Fer - dinand / ich glaub du haſt vmb ein Brieff zu wenig / ꝛc. Diſe Brieff geduncken mir zu ſeyn / wie die Brieff Uriæ, der hat vermaint / es ſtecke was gutes hinder diſen Brieffen / es war aber das Widerſpil / ja der Todt ſelbſten darinnen verpettſchierter geweſt. Vilen Spi - lern lacht ſchon das Hertz / wann ſie ein Karten ſehen / ſie erfrewen ſich / wann ſie ein Karten hoͤren rauſchen. O wann ſie den Pamphilium! holla! hab mich ge - irret / haͤtte ſollen ſagen / den Herꝛn Pamphilium erblicken / da hangt der Himmel voller Geigen: glau - ben kraͤfftig / es ſeye fuͤr ſich ein Gluͤck darinnen / vn - derdeſſen aber bringen manchen ſolche Brieff / wo nit vmb das Leben / wenigiſt vmb die Lebens-Mittl. Wie manches Weib Lucia hat das Augen-Wehe / dann ſie ſicht ſchier nichts mehr uͤbriges im Hauß. Wie manches Weib Apollonia hat das Zahn-Wehe / dann ſie hat faſt nicht mehr ſo vil / daß ſie es kont in einen hollen Zahn verbergen. Wie manches Weib Agatha hat das Bruſt-Wehe / dann ſie bekuͤmmert ihr ſchier das Hertz ab / daß ſo gar keine Lebens-Mittel mehr vorhanden. Wie manches Weib Magdalena hat nit die Alabaſter-Buͤchſen / ſondern die Sparꝛ-Buͤchſen zer - brochen / dann was ſie bißhero durch ihr Klugheit erſpar - ret / iſt ſchon alles auffgangen. Wie manches Weib Do - rothea hat ein laͤhren Korb / vnd waiß bald nicht mehr ob ſie ihre Kinder mit Mandl / oder mit Mangl ſpeiſen. Wie manches Weib Vrſula hat 11000. Sorgen / vndKuͤm -568Judas ein angewohnter Faullentzer /Kuͤmmernuſſen / wegen ihrer ſo armen Wirthſchafft / weilen nemblichen ihr Mann Tag vnd Nacht beym Spil - Brett ihr / vnd ihren Kindern alle Lebens-Mittl verſchwen - det. So ſteckt ja in diſen Brieffen nichts nutz.
Dahero iſt einer geweſt / welcher ſehr ſtattliche Mit - tel / ſorderiſt ein groſſe Baarſchafft im Gelt von ſeinem Vattern ererbet / weſſenthalben er nit hat doͤrffen zu Fuß gehen / wie der Jacob mit ſeinem Stab / er hat nit doͤrffen Linſen eſſen / wie der Eſau: er hat nicht doͤrffen Waſſer trincken / wie der Samſon auß deß Eſels Kuͤnbacken: er hat nit doͤrffen ein rupffenen Kuͤttl anlegen / wie der Da - vid: er hat nit doͤrffen auff der Erd ligen / wie der Jacob: ſondern er konte reitten / fahren / eſſen / trincken / klayden / ligen / wie ein reicher guter Edlmann. Gleichwol iſt diſer durch das uͤbermaͤſſige ſpilen in ſolche aͤuſſerſte Armuth ge - rathen / daß er endlichen muſte in zerlumpten Klaydern bettlen gehen. Als ihn nun einer oder der andere Bekand - re gefragt / wie er doch ſeye in dem Bettlſtab gerathen / in dem er zuvor bey ſo guten Mittl geweſen / gab er allemahl die Antwort / wie daß er gar offt ſeye geſtochen worden / vnd das curiren habe ihm ſo vil gekoſt. Er wolte aber hier - durch zu verſtehen geben / daß er im Kartenſpil gar zu offt ſeye geſtochen worden / vnd derenthalben all das ſeinige verlohren.
Abſonderlich aber verliehrt der Spiler die guldene Zeit / da doch nichts koſtbarers auff dem Ecden-Kraiß / als die Zeit. Jener Knecht hat einen Schelmen in den Bueſen bekommen / vnd einen kraͤfftigen Nequam darvon getragen / deme ſein Herꝛ ein Pfundt Gelt hat geben / auff daß er darmit ein Wirthſchafft treibe / welches er aber in das Schwaiß-Tuch eingewicklet / vnd ligen laſſen / vnd al - ſo gefaullentzet; dahero ihn der Herꝛ alſo angefahren /Luc. 19. Serve nequam, du ſchalckhaffter vnd fauler Knecht. Erhaͤtt569von Jugend auff biß zu dem Strick.haͤtt ſo gefaullentzet; dahero ihn der Herꝛ alſo angefahren / Serve nequam, du ſchalckhaffter vnd fauler Knecht. Er haͤtt es nit ſollen in das Schwaiß-Tuch einſtecken / ſonde - ren in den Schwaiß / das iſt / er haͤtt ſich ſollen befleiſſen / vnd bearbeiten / mit diſem Gelt etwas zu gewinnen / aber er war zu faul. GOtt der Allmaͤchtige hat dir ein Gelt eingehaͤndiget / vnd zwar lauter Goldſtuck / nemblichen die guldene Zeit / auff daß du mit derſelben ſolleſt wuͤrthſchaff - ten / einen Gewinn ſuchen / die Seeligkeit gewinnen / ſo haſt du aber von diſem Gold zwar nichts in das Schwaiß - Tuch geſtecket / wol aber vil in Polſter / vil vnder die Schiſ - ſel / vnd das mehreſte in die Spil-Karten verſteckt. O Ser - ve nequam! 40. Jahr haſt du gelebt / in diſen Jahren haſt du genoſſen 350400. Stund. Sag her / wie haſt du diſe Zeit zugebracht; waiſt du / wer dich an Juͤngſten Tag wird zum hefftigſten anklagen; ein alter Mann mit ei - nem eyßgrauen Barth / der tragt auff den Kopff eine Sand - oder Reiß-Uhr / in der lincken Hand ein Senſen / in der rechten Hand den Himmels-Cireul Zodiacum ge - nannt. Diſer wird ein ſcharpffe Klag wider dich fuͤhren / kennſt du diſen? er iſt die Zeit. Vocavit adverſum meThren. 1. tempus. Die guldene Zeit wird dich uͤberweiſen / daß du auß denen acht tauſend ſiben hundert vnd ſechtzig Stun - den deß Jahrs / die mehreſte dem Schlaff / die mehreſte dem Eſſen / die mehreſte dem Faullentzen / die mehreſte dem Spilen / die mehreſte dem Teuffel geſchencket haſt; dei - nem GOtt aber / deinem Erſchoͤpffer / deinem Erloͤſer / dei - nem Richter kaum etliche / vnd diſe nicht recht. Serve ne - quam, haiſt das gewirthſchafftet.
Alle drey Apoſtel hat der Heyland ſchlaffender gefun - den in dem Garten / vnd dannoch hat er dem Peter al - lein einen Verweiß geben / diſer muſte das Capittel allein außſtehen; Non potuiſti una hora vigilareC c c cme -570Judas ein angewohnter Faullentzer /mecum? dem Jacob ſagt er nichts / dem Joanni ſagt er nichts / der Peter / ſo vorhero Simon gehaiſſen / muſte al - lein das Bad außtrincken. Haſt du dann nicht ein Stund mit mir koͤnnen wachen? die Urſach war di - ſe; er wolt dem Peter zu verſtehen geben / er ſoll ſich ſelbſt erinneren / daß er ihm habe geklagt / daß er die gantze lan - ge Nacht habe gefiſchet / vnd nichts gefangen; ſchau mein Peter / die gantze Nacht haſt du koͤnnen fiſchen / vnd arbei - ten / vnd das Zeitliche ſuchen / aber wegen meiner nicht ein Stund wachen / oder betten? Sihe Spiler / wie vil gantze Naͤcht / wie vil guldener Zeit / wie vil edle Taͤg haſt du zu - gebracht mit ſpilen vnd karten / mit Kegl / mit Wuͤrff - len / ꝛc. vnd mir kanſt nit ein Stund ſchencken deß Tags / ja zuweilen die gantze Wochen kaum ein Stund. Serve nequam.
Iſt demnach der Muͤſſiggang ein Mutter deß ſpilens / deß zanckens / deß ſtehlens / deß murrens / deß ſchlemmens / ja aller Laſter! Mich wundert nichts mehrers / als wegen der 5. thorrechten Jungfrauen / welche von dem Himmli - ſchen Braͤutigam haben einen Korb bekommen / vnd al - ſo mit der langen Naſen muͤſſen abziehen. Wie diſe Jung - frauen haben gehaiſſen / ſchreibt der H. Evangeliſt Mat - thæus nit / auſſer daß er von ihnen den uͤblen Nachklang ſe - tzet / dormitaverunt omnes, & dormieruut, ſie ſeynd ſchlaͤfferige Menſcher geweſt. Ich main die erſte hat ge - haiſſen Schlaffoffta: die andere Schlentziana: die dritte Faulberga: die vierdte Thuenixa: die fuͤnffte Rantzinbetha. Gewiß iſt es / daß ſie faule / ſchlaͤfferige Menſcher geweſt. Aber das wundert mich / daß ſie noch Jungfrauen ſeynd geweſt / dann ſonſt der Muͤſſiggang / vnd das Faullentzen gemainiglich die Ehr abfreſſen. Da - hero ſagt der Poet: Ovid. 2.
Cedit571von Jugend auff biß zu dem Strick.‘Cedit amor rebus, res age, tutus eris. ’ ()Es ſchadet der Muͤſſiggang nicht allein der Seelen / ſondern auch dem Leib. Dann wer ſchnitzlet den Bettl - ſtab / als eben der Muͤſſiggang: dahero ſpricht der weiſe Salomon; Wer dem Muͤſſiggang nachgeht / derProv. 28. wird mit Armuth erfuͤllet. Wie der HErꝛ vnnd Heyland nacher Bethania kommen iſt / da ſeynd ihme ent - gegen gangen die zwey Schweſtern / Magdalena vnd Mar - tha, beede in tieffen Klag-Klaydern / vnd wiſchten immer - zu ihre naſſen Augen ab mit dem Tuͤchel. Dazumahlen war Sonnenſchein vnd Regenwetter bey einander. Dann es ware der HErꝛ JEſus die Sonn der Goͤttlichen Ge - rechtigkeit zu gegen; der Regen aber war das haͤuffige wainen diſer zwo Schweſtern. Weilen nemblichen ihr Herꝛ Bruder der Lazarus mit Todt abgangen / hat aber ſie der gebenedeyte HErꝛ beſter maſſen getroͤſtet / auch be - gehrt / man ſolle ihm nur das Grab zaigen. Wie ſolches die Martha vernommen / platzet ſie eylends mit ihren Reden darein. Jam fætet. Ey HErꝛ / er ſtincket ſchon / dann er ligt bereits ſchon vier Taͤg im Grab. Mein Martha, du haſt halt ein haickliche Weiber-Naſen! kans der HErꝛ ſchmecken / warumb du nit? ſchau! ſchau! es iſt aber kein ſo groſſes Wunder / daß er ſchon ſtincket / weilen er ſchon ſo lang in dem Grab ligt / ſtincken doch auch die Leuth bey Lebens-Zeiten / wann ſie lang ligen / das iſt / ſie ſeynd ſtinckfaul / vnnd dahero ſolche gemainiglich lauter Laza - ri ſeynd: verſtehet mich aber recht lauter / Laceri, das iſt / zerriſſene / zerlumpte / vnnd lauſige Geſellen /C c c c 2haben572Judas ein angewohnter Faullentzer /haben kaum ein Hemmet anzulegen / gehen paarfuͤß / wie die Gaͤnß / weilen ſie nemblich ſtinckfaul / vnd nicht arbei - ten moͤgen.
Wie die Kinder Iſrael von Moyſe auß Egypten gefuͤhret worden / vnd ſich ſo vil Jahr in der Wuͤſten auff - gehalten / da haben ſie angefangen vil Schmach - vnnd Spott-Wort uͤber Moyſen außzugieſſen / daß er ſie wie ein anderer ꝛc. habe auß einem ſo guten Land in ein ſolche vnbewohnte Wuͤſten gebracht / ſie wuͤnſcheten vom Her - tzen / daß ſie noch in Egypten konten bey dem Zwiffel ihr Auffenthalt haben / nachdem ſie nun lang vnd brait / hin vnd wider gemurret / vnd geſchmaͤhlt haben / ſo iſt ihnen der Allmaͤchtige GOtt noch ſo guͤtig geweſt / vnd hat ih - nen gegen Abend-Zeit ein ſolche Menge der Wachtlen ge - ſchicket / daß hierdurch das gantze Lager bedecket worden / vnd konte diſe Voͤgl ein jeder mit Haͤnden fangen. Diſes war nun ein groſſes Wunder / jedoch liſt man nit / daß di - ſe Voͤgel ſchon ſeynd gebratten geweſt / vnnd alſo denen Iſraelitern ins Maul geflogen / das wird keiner in der H. Schrifft regiſtrirter finden / ſondern ſie haben auch ihr Arbeit muͤſſen darzu geſellen / die Voͤgl ropffen / das Feur auffmachen / dieſelbe bratten / ꝛc. alſo will GOtt gar nit / daß einem die gebrattne Voͤgl ſollen ins Maul fliegen / ſon - dern er hat ihm derenthalben Haͤnd vnd Fuͤß / vnd andere Leibs - Kraͤfſten erthailet / mittels deren er ſoll ſein Brodt gewinnen / will er aber die Haͤnd in Sack ſchieben / dem Muͤſſiggang nachleben / ſo wird er mit Armuth erfuͤllet werden.
Einer hat ſich einmahl wehemuͤthig beklagt / wie daß ſein Haußwuͤrthſchafft ſo gar den Krebsgang nemme; er ſpuͤhret von Tag zu Tag die Schwind-Sucht in denen Mittlen / die Acker vnd Felder ſeynd ihme nit ſo willfaͤh - rig wie anderen Leuthen / ja er vermercke / daß bereits dieFrau573von Jugend auff biß zu dem Strick.Frau Armuth / auff welche der H. Franciſcus ſo vil gehal - ten / bey ſeiner Hauß-Thuͤr anklopffe; ſucht demnach bey einer alten Frauen / welche er fuͤr ein Gabalieren gehal - ten / ein guten Rath / daß er moͤcht zu Mittlen kommen. Diſe war ein ehrliche vnd gewiſſenhaffte Matron, welche gar wol erkandre die Vrſachen / derenthalben zu Tag vnnd Tag diſer in der Wuͤrthſchafft abnemme / gibt ihm alſo ein kleines hoͤltzernes Schaͤchtelein / oder Buͤchßl / welches gar genau allerſeits verpettſchieret war / befilcht ihm / er ſoll diſes alle Tag wenigſt einmahl in die Kuchel / in Keller / in Stall / auff den Trayd-Kaſten / in Summa, in allen ihme zugehoͤrigen Oertern herumb tragen. Sie verſpricht / ja ſchwoͤrt ihme / daß er in einem halben Jahr werde merck - lich ſein Auffkommen verſpuͤhren. Diſer folgt / vnd tragt obbenenntes Schaͤchterl an alle beſagte Orth. Wie er in die Kuchel kombt / ſo ertappt er die Koͤchin / daß ſie dem Knecht ein gutes Fruheſtuck angericht. So ſihe ich wol / ſagt er / haiſt das gehauſt! erwiſche ich euch noch einmahl / ſo jag ich euch beede zum Teuffel. Er tragt das Schaͤch - terl in den Keller / da trifft er ſeinen Sohn an / welcher mit einem groſſen Krueg Wein ihme entgegen kame / woruͤber der Bueb alſo erſchrocken / daß er gar nit reden konte / ſondern mit der Hand auff das Maul gedeut / als wolt er ſagen / Vatter! zum trincken. Wie er nun mit dem Schaͤchterl in Stall kommen / ſo findt er / daß auß Vn - achtſambkeit der Dienſt-Magd ein Kuhe das Kalb zer - tretten. Nachdem er nun alle Tag das verpettſchierte Schaͤchterl an alle Orth getragen / ſo ſeynd die Dienſt - Botten ſo embſig / vnnd getreu in ihren Verrichtungen worden / daß in einen halben Jahr augenſcheinlich die Wuͤrthſchafft zugenommen. Der Geſell vermercket / daß er zimblich wider auffnemme / vnd erkennt ſich ſehr verbunden diſer Frauen / wird aber beynebens durchC c c c 3den574Judas ein angewohnter Faullentzer /den Vorwitz angetriben zu ſehen / was doch in dem ver - pettſchierten Schaͤchterl muͤſſe verborgen ſeyn / Krafft deſſen ſein Wuͤrthſchafft wider ins Auffnemmen komme / eroͤffnet dahero gedachtes Buͤchßl / findet aber nichts dar - innen / als ein geringes Zetterle / worauff diſe wenige Wort geſchriben ſtunden.
Auß diſem hat der faule Phantaſt wol vermercket / daß nicht diſes Schaͤchterl ein Vrſach ſeye ſeines Auff - nemmens / ſondern der Fleiß / vnd Wachtſambkeit / wel - che er diß halbe Jahr hindurch gehabt. Auch habe vorhe - ro ſein Wuͤrthſchafft den Krebsgang genommen / weilen er ſtaͤts dem Muͤſſiggang ergeben / vnd als ein nachlaͤſſiger Schleicher auff das ſeinige kein acht / kein Wacht genom - men. Dann fuͤrwar der Muͤſſiggang macht den Beuthl eytel / der Muͤſſiggang kombt mir vor / wie jene Thorwaͤrt - lin / Ancilla Oſtiaria, welche dem Peter die Thuͤr auffge - ſperꝛt / alſo eroͤffnet einem der Muͤſſiggang zu der Armuth die Porten.
In Palæſtina ſeynd zwey Staͤtt nachend bey einan - der; eine haiſt Bethel / die andere Galgala / von welchen Meldung geſchicht in der heiligen Schrifft. Ein Muͤſſiggeher / wann er ſchon nicht diſen Weeg raiſt / ſo kombt er doch maiſtenthails auff Bethel / nachmahlens auch gemainiglich auff Galgala. Moͤcht mich ſchier wundern / daß der Jacob erſchrocken iſt / wie er die LaitterGen. 28. gegen dem Himmel geſehen. Terribilis eſt locus iſte. Ein Schlencker wird gemainiglich mit der Zeit ein Laitter ſehen / die ihm fuegſamer ſolle erſchroͤcken / dann Muͤſſiggang iſt alles Vngluͤcks Anfang.
Wie der groſſe Patriarch Abraham auß Goͤttlichen Befelch ſeinen Sohn / vnd einigen Erben ſolte auffopernauff575von Jugend auff biß zum Strick.auff dem hohen Berg Moria, alſo hat er ſich vnverzuͤglich auff die Raiß gemacht / vnd zwar bey naͤchtlicher Weil oh - ne Vorwiſſen der Saræ ſeiner Frau Gemahl / mit ſich hat er genommen ſeinen Sohn / zwey Diener / vnd ein Eſel. Wie er nun den dritten Tag zu dem Berg kommen / ſo ſchafft er den zwey Dienern: Exſpectate hic cum Aſino, wartet allhier mit dem Eſel. Mein H. Patriarch vnd Patron Abraham, warumben nimbſt nit mit dir den Eſel auff den hohen Berg? damit er das Holtz trage zum Opffer? dem Iſaac, als einem ſo ſchwachẽ vnd klebern Herꝛl iſt diß vil zu ſchwaͤr / wartet allhier mit dem Eſel. Der Eſel hat auff kein Weiß auff den hohen Berg doͤrffen ſteigen; villeicht derenthalben / weilen derſelbige Berg hei - lig ware / vnd ein Figur einer Kirchen / allwo das hoͤchſte Gut auffgeopffert wird / da ſolt wol auch kein fauler Eſel ſich einfinden / der ſich nur auff den Kirchen-Stuel laͤi - net / ſchlaffet / vnd ſchnarchet. Es gibt noch andere Ur - ſach mehr / warumben diſer Langohr nit iſt auff den hohen Berg gelaſſen worden. Es hat halt gehaiſſen bey dem Abraham. Eſel bleib vnden. Gar recht / es haiſt wol oͤfſter / vnd ſoll allezeit haiſſen / Eſel bleib vnden. Ein Fleiſſiger / ein Embſiger / ein Arbeitſamber gehoͤ - ret in die Hoͤhe / diſer thut fortkommen / der wird pro - moviret.
Catamelata eines Baurn Sohn auß dem Dorff Narni gebuͤrtig / ſoll im Wald Holtz hacken / verliehrt aber durch ein Ungluͤck die Hacken / weſſenthalben er ſich nit mehr nach Hauß getraut / auß Forcht der Vatter moͤchte ihme wegen der Hacken den Stihl zaigen. Laufft dahero mit denen Soldaten darvon / halt ſich aber ſo wol / vnnd fleiſſig / vnnd embſig / daß er mit der Zeit ein Kriegs-Fuͤrſt worden / vnd ihme ſeiner HeroiſchenThaten576Judas ein angewohnter Faullentzer /Thaten halber ein ſchoͤne Ehren-Saulen iſt auffgerichtet worden. Recht alſo / fleiſſige Leuth gehoͤren hinauff / aber Eſel bleiben vnden.
Mutius Attendulus ein Baurn-Bueb / iſt mit denen Marcataͤnteren / vnd Sudlkoͤch ins Feld gezogen / anfaͤng -Faul. 10. vius in Vi - ta Storz. lich die Schißlen abgeſpielt / vnd den Bratter vmbgetri - ben / hat ſchon den Bratten von weiten geſchmeckt / wann er werde fleiſſig ſeyn / daß er werde uͤberſich kommen. Hat ſich demnach alſo wol / vnd embſig verhaltẽ / daß er ein Fuͤrſt worden. Iſt gar wol geſchehen; die arbeitſame Leuth ge - hoͤren hinfuͤr / aber Eſel bleiben vnden.
Villegriſus eines Wagners Sohn von Sioningen auß Sachſen / iſt ſo fleiſſig vnd vnverdroſſen geweſt / daß er ſeine Studia mit ſonderem Lob abſolvirt. Nach -Eraſchius. mahlens iſt er auß einem Studenten ein Capellan worden / auß einem Capellan ein Thumherꝛ / auß einem Thum - herꝛn ein Ertz-Biſchoff / auß einem Ertz-Biſchoff ein Chur - fuͤrſt / welcher aber auß angebohrner Demuth ein Rad je - derzeit in dem Wappen gefuͤhrt / ob er zwar nit geweſt iſt / wie das fuͤnffte Rad im Wagen / ſondern dem Roͤmiſchen Reich ſehr wol anſtaͤndig. Iſt ſehr heilig geſchehen / daß man ihn alſo erhoͤhet hat / aber Eſel bleiben vnden.
Gabrielletus ware anfangs ein Hunds-Bueb bey dem Cardinal Aſcanio Sforzia (ein ſaubere Scharſe) nachmahlens iſt er ein Kuchel-Bueb worden (ein huͤpſcheGarimb. 1. 4. de Vit. Pont. Promotion) mit der Weil / wegen ſeines Fleiß vnd wol - verhaltens / iſt er gar ſo weit kommen / daß er Ertz-Biſchoff zu Barri, Indianiſcher Patriarch / vnd letztlich vom Pabſt Clemens dem Sibenden zu einem Cardinal erwoͤhlt wor - den. Und iſt ſolches gar weißlich geſchehen / denen fleiſſige - ren / vnd embſigeren Leuthen muß man hinauff helffen. Aber Eſel bleiben vnden.
Nico -577von Jugend auff biß zu dem Strick.Nicolaus V. Roͤmiſcher Pabſt hatte ein Mutter / die war ein Vorkaͤufflerin / ein ſehr armes Weib / welche auff dem Marckt Ayr vnd Hennen fail hatte. Ob ſie zwar Federn genug zu Hauß gehabt / ſo thaͤt ſie ihrs doch nie einbilden / daß ihr Sohn ſolte einmahl ſo hoch fliegen; iſtFulg. l. 3. c. 4. gleichwol geſchehen / weilen er ſo fleiſſig im ſtudieren iſt geweſt / daß er mit der Zeit ein Cardinal, vnd letztlichen auch gar Roͤmiſcher Pabſt / vnd Statthalter Chriſti auff Erden worden. O wie lobreich iſt diſes geſchehen! dann fleiſſige vnnd fromme Leuth gehoͤren in die Hoͤhe / aber Eſel bleiben vnden.
So iſt es geſchehen mit dem David, mit dem Saul, mit dem Jeroboam, mit dem Gedeon, vnd mit vil ande - ren mehrer / welche als flerſſige vnd embſige Leuth GOtt der Allmaͤchtige zu ſo hohen Ehren gezogen. Aber faule Muͤſſiggaͤnger / traͤge Schlanck-Lothen / ſchlaͤfferige Pol - ſter-Hund / ginnmaulige Rantzer / vnnd ſtinckfaule Eſel bleiben herunden. Die Rachel iſt auff dem Stroh geſeſ - ſen / wie der Laban ihr Vatter die Goͤtzen-Bilder geſucht / ſo vil verdient das Stroh / daß man ſo gar darauff ſitzen thut. Faule Strohkoͤpff verdienen auch nicht vil groͤſſe - re Ehr.
Gedeon auß Befelch Gottes muſtert ſeine Solda - ten bey dem Fluß / mit dem Geding / daß er ſoll wol in Ob - acht nemmen / wie diſe Maͤnner werden trincken. Welche mit der Hand werden das Waſſer ſchoͤpffen / vnd alſo trin - cken / die ſoll er auff die Seyten ſtellen: die jenige aber / ſo gar nider knyen / ſich auff die Wampen legen / vnd alſo auß dem Fluß ſauffen / die ſolle er abdancken. Diſer Maͤnner ſeynd geweſt 9700. bliben ihme alſo nicht meh -Jud. 7. rer als drey hundert / welche auß der Hand geſurfflet. Di - ſen 9700. Geſellen iſt gar recht geſchehen / daß ſie nicht ſeynd applicieret worden; gar recht / daß ſie habenD d d dmuͤſſen578Judas ein angewohnter Faullentzer /muͤſſen mit der langen Naſen abziehen: gar recht / daß ſie zu einer ſolchen Glorreichen Action nicht ſeynd gelangt / weilen ſie ſo faule Geſellen geweſt / auß Schlampampen / die nur verſorgten ihre Wampen. Faullentzer / welche nur ihr Ruhe / vnd Bequemlichkeit ſuchen / die werden nie zu einem ehrlichen Dienſt oder gutem Stuͤckel Brodt ge - langen / ſondern bleibt allezeit wahr / was Salomon auß - geſprochen. Der dem Muͤſſiggang nachgehet / der wird mit Armuth uͤberfuͤllet.
Wie der alte / betagte / vnd bereits ſchier gantz erblind - te Iſaac ein ſo wunderlichen Appetit gehabt zu dem Wild - praͤt / daß er deſſenthalben ſeinen aͤlteren Sohn den Eſau erſucht; er woll ihme doch vmb ein Wildpraͤt vmbſehen / nachmahls ſoll er ſeinen vaͤtterlichen Seegen empfangen. Underdeſſen / daß der Eſau vmb einen Haaſen außgangen / iſt ein groſſer Fuchs in das Hauß kommen / nemblichen die argliſtige Rebecca, welche geſchwind dem Jacob jun - ge vnd rauche Bocks-Fehl vmb die Armb gebunden / vnd ihn alſo mit einem guten Braͤtl zu dem Vatter Iſaac ge - ſandt. So bald der alte Taͤttl die rauche Haͤnd deß Jacobs gefuͤllt. Gut / gut / ſagt er / ob ich ſchon nit ſihe / ſo greiffe ich doch die rauche Hand deß Eſau. So ſeye es dann / ſo gibe ich dir / vnd erthaile hiemit meinen reichflieſſigen / vaͤt - terlichen Seegen. Hat alſo mittels der rauchen Haͤnden der Jacob deß Vatters Seegen erhalten / welcher beſtundeGenef. 17. in Fettigkeit der Erden / in Vile deß Korns / vnd Weins / ꝛc.
Du Schlentzer vnd Faullentzer / du werdeſt ja nit ſo faul ſeyn / daß du nit ſolleſt etliche Tritt / vnd Schritt koͤn - nen gehen. Du werdeſt hoffentlich nit verwandt ſeyn je - nen dreyen Faullentzern / deren der erſte ſo faul / daß / wann man ihme ſoll das Eſſen auff den Tiſch ſetzen / ſo wolle ervor579von Jugend auff biß zu dem Strick.vor lauter Faulkeit nit eſſen. Der andere ſprach / wann man mir das Eſſen in das Maul ſteckete / vnnd thaͤt man mirs zugleich kaͤuen / ſo moͤcht ich es vor lauter Faulkeit nit hinunder ſchlicken. Der dritte wolte vor lauter Faul - keit kaum das Maul auffthun / vnd ſagte. Ach! wie moͤcht ihr reden. Wann du dann nit gar ſo faul / wie diſe drey / ſo heb dich doch ein wenig auff / gehe durch ein Dorff / durch ein Marckt / durch ein Statt / frag ein vnd den anderen Baursmann / frag diſen vnd jenen Handwercksmann / wie er doch zu ſo groſſem Mittl / zu ſo ſchoͤner Wuͤrthſchafft / vnd Habſchafft gelangt: wie ihn doch GOtt der Himmli - ſche Vatter ſo reichlich geſegnet hat / ſo wird er dir / wie der Jacob die rauche Haͤnd zeigen / vnd wird dir die rauche Ar - beit citiren / vermittels dero er ein ſo gutes Stuͤckl Brodt erworben. Aber der dem Muͤſſiggang nachgehet / der wird mit Armuth erfuͤllet.
Belluacenſis ſchreibt von einem / der faſt an Bettl - ſtab gerathen / dahero auff ſeinem Tiſch faſt alle Tag Qua -Diſtinc. 3. tember war / in ſeiner Kuchl ſchier allezeit December / dann es iſt gar kuͤhl hergangen / vnd hatte der arme Tropff nichts zu eſſen / nichts zu nagen / auſſer etliche harte Bro - cken / die er uͤber Willen muͤſte ſchlicken / vnd diſes war ſein taͤgliches Confect von ſeinem Weib. Er aber nicht vil vn - gleich geweſt jenem armen Schlucker / welcher vorhero bey ſtattlichen Mittlen war / vnd dannoch bey der Nacht noch allzeit waͤchſene Kertzen brennte / uͤber welches ſich ein ande - rer ſehr verwunderte; deme aber der verdorbene Geſell ge - antwortet. Mein lieber Bruder / du darffſt dich derent - halben ſo ſtarck nicht verwunderen / daß ich noch in mei - ner Armuth waͤchſene Kertzen brenne / du muſt aber wiſſen / daß ich celebriere, vnnd begehe die Exe - quien, oder Leich-Begaͤngnuß meiner verſtorbenenD d d d 2Guͤ -580Judas ein angewohnter Faullentzer /Guͤter. Ein ſolcher armer Tropff iſt gleichmaͤſſig der obere geweſt / weſſenthalben er ſich allerſeits ſehr bekla - get / ſonderlich aber bey einem alten Weib / von dero er den uͤblen Argwohn geſchoͤpffet / daß ſie ein freye Kuͤnſtlerin ſeye / vnd wiſſe alle Gehaimbnuſſen / welche der Beltzebub in ſeiner Cantzley verborgen. Diſe aber gab ihme vnver - weilt den Rathſchlag / weilen ſie von ſeiner ſtinckenden Faulheit ſchon bericht war. Er ſolle fruhe morgens bey angehender Morgenroͤthe auffſtehen / vnd wol Achtung geben / was ihme die Schwalm ſagen werden / deßgleichen ſoll er auch vernemmen / was ihme diſe Voͤgl ſpatt Abends werden rathen / wann ſie ſchlaffen gehen. Den dritten Tag fragte diſes alte Muͤtterle den gedachten faulen Lim - mel / was ihme dann die Schwalmen geſagt. Ich / ant - wort er / ich bin zwar in aller Fruhe auffgeſtanden / vnnd gar ſpatt in das Beth gangen / haben das disdi dasdi kiri miri diſer Voͤgel nit verſtanden. Du / ſagt ſie / haͤtteſt ſollen wenigſt dero Exempel / wo nit der Sprach verſtehen / ſie haben dir geſagt.
Sihe diſe Voͤgerl von fruhe morgens befleiſſen ſich hin vnd her / immer mehr / allzu ſehr / wie ſie ihr Nahrung bekommen. Deßgleichen ſolſt du auch thun / ſo wird dir nie etwas manglen / aber wann du dem Muͤſſiggang nach - geheſt / ſo wirſt du mit Armuth uͤberfuͤllet. Waiſt du dann nit / was der Job auff dem Miſthauffen dir Miſtfin - cken hat vorgeſungen. Homo naſcitur ad laborem; der Menſch wird gebohren zu der Arbeit. Haſt du nie gehoͤ - ret / was Paulus dir Faulo geſagt hat? Qui non vult2. Theſ. 3. operari, non manducet, ſo jemand nicht arbeiten will / der ſoll auch nit eſſen.
Dahero581von Jugend auff biß zum Strick.Dahero ſollen dergleichen ſtarcke / geſunde Bettler vnd Landlauffer nit geſtattet / ſonder zu der Arbeit ange - triben werden. Dann man von keinem in Goͤttlicher Schrifft liſet / der eines geraden / vnd geſunden Leibs ge - weſt / daß er haͤtte gebettlet. Lucas regiſtrirt von einemCap. 16. Bettler / mit Nahmen Lazaro, der ware aber voller Ge - ſchwer / vnd Schaden: Marcus ſchreibt von einem / derCap. 10. auff dem Weeg hat gebettlet / aber diſer war blind. Die Geſchichten der Apoſtlen melden von einem Bettler / wel - cher ſo inſtaͤndig bey der Porten deß Tempels Petrum vnd Joannem vmb ein Allmoſen erſucht / aber diſer war von Mutterleib krump vnd lahm. Man hat vor diſem nur die jenigen bettlen laſſen / welche wegen Kranckheiten der Arbeit nit konten obligen; aber bey diſen / vnd in allen ver - kehrten Zeiten trifft man allerley ſtarcke / junge / friſche / geſunde Bettler an / welche nur dem Muͤſſiggang nachge - hen / vnd bißweilen zur Vermantlung ihrer Faulkeit ein paar Meer-Muſchlen am ledernen Kragen tragen / vnnd mit etlichen Bleyenen Zaichen ihre Huͤt behengen / daß mans fuͤr Bettſchweſtern / oder Bettbruͤder ſoll halten / da ſie vnder diſem mehr vom Beth / als vom Bett den Nah - men haben. Es dunckt mich nit vnebens da beyzufuͤgen ein groſſe Frechheit eines Polacken / welcher ſich fuͤr Chri - ſto dem HErꝛn außgeben / zweiffels ohne / damit er ſich ſol - cher geſtalten durch Muͤſſiggang moͤge erhalten.
Jacobus Melſtinski gebuͤrtig von Brezin auß Poh - len / hat ſich fuͤr den Heyland der Welt / fuͤr den wahren Meſſia, vnd Chriſto den HErꝛn außgeben / vnd Petrum Zatorski von Cracau neben anderen eilffen fuͤr ſeine Apo - ſtel erkiſen / auch einem jeden den Nahmen eines Apoſtels geben / mit welchem frechen Buebenſtuck ſie alle Doͤrffer durchgangen / auch hin vnd her / dem Schein nach / groſſe Wunder gewuͤrcket / etliche durch Gelt / vnd Schanckun -D d d d 3gen582Judas ein angewohnter Faullentzer /gen beſtochen / daß ſie ſich vor todt geſtellt / welche nach - mahls der HErꝛ Chriſtus auff das Anerſuchen ſeiner A - poſtel zum Leben erwecket hat. Wurde alſo das einfaͤltige Baurn-Volck hierdurch nicht ein wenig bethoͤret / forde - riſt weilen ſie ſo groſſe Miracul bey diſen Leuthen ſahen. Chriſtus begehrte einsmahls von dem Dorff-Richter etli - che Fiſch / weſſenthalben der Richter ſambt ſeinen Ge - ſchwornen ſich hoͤfflich entſchuldiget / daß bey ihnen auß Abgang deß Waſſers keine Fiſch zu finden. Worauff Chri - ſtus dem Peter befohlen / er ſoll mit dem Jacobo hinge - hen in ſeinen Namen / vnd in diſer Lacken Fiſch fangen / in welcher vnmoͤglich war / daß ein Fiſch ſich konte auffhal - ten. Diſe in Gegenwart viles Volck gehen / fiſchen / fan - gen die ſchoͤnſte Fiſch in dem Nahmen Chriſti / woruͤber die gemaine Leuth die Haͤnd vor Wunder zuſammen geſchla - gen / vnd diſes nicht anderſt / als fuͤr ein groſſes Wunder außgeſchryen / vnwiſſend / daß vorhero diſe ſchlimme Schelm die Fiſch haben hinein geworffen. Ein andersmahl begehrte der HErꝛ Chriſtus drey weiſſe vnd neugebachene Laib Brodt von einer Baͤurin / deſſen ſie ſich auch ent - ſchuldiget / meldend / wie daß ſie nicht mehrer als zwey ſchwartze / vnd noch darzu altbachene Laib im gantzen Hauß habe / vnd ſo ihme diſe beliebig / ſo woͤlle ſie gantz willfaͤh - tig dieſelbe beybringen. Gehe hin / ſagt Chriſtus zu dem Philipp, ſuch in meinem Nahmen drey weiſſe Laib Brodt / in diſem Bach-Ofen / vnd bring ſie her / Philippus voll - ziecht vnverweilt den Willen ſeines HErꝛn Chriſti / vnd ziecht mit hoͤchſter Verwunderung diſer Baͤurin ſambt etlichen Nachbauren die ſchoͤnſte drey Laib Brodt auß dem Ofen / dergleichen im gantzen Dorff nicht anzutref - fen; es wuſten die einfaͤltige Tropffen aber nicht / daß einer auß diſen Betriegern ſolche ihnen vnvermerckterin583von Jugend auff biß zum Strick.in dem Ofen verborgen hatten. Auff ein Zeit hat ſich diſer Chriſtus mit ſeinen Apoſteln nacher Cæſtochov begeben / allwo ein weitberuͤhmte Walfahrt wegen deß wunderthaͤtigen vnſer lieben Frauen-Bild daſelbſt. Di - ſe fuͤhrten einen Schelm mit ſich / der ſich maiſterlich konte in die Boſſen ſchicken / als waͤre er von vilen Teufflen beſeſſen / dahero hin vnd her in die Wirths - Haͤuſer / vnd Garkuchlen geloffen / daß Fleiſch auß den Haͤfen / das Braͤtl von dem Spiß geriſſen / vnnd Chri - ſto / wie auch ſeinen Apoſteln auff dem Rucken geworf - fen / welche aber das heilige Creutz-Zaichen daruͤber ge - macht / vnd im Namen Chriſti daſſelhige mit Guſtu ver - zehrt. Als dazumahlen ein vornehme Feſtivitet zu Cæſtochov begangen wurde / worbey ein vnglaubige Menge Volck erſchinen / welche zur Zeugnuß ihrer An - dacht gegen der Mutter GOttes ſehr vil Gelt auff den Altar geopffert / haben die Apoſtel diſen beſeſſenen Men - ſchen zu dem Altar gefuͤhrt / zum Schein / als wolte der HErꝛ Chriſtus daſelbſt die Teuffel außtreiben / da hat ſich aber der Boͤßwicht mit allen Gewalt auß denen Haͤnden der Apoſteln geriſſen / vnd nachmahls alles Gelt vnd haͤuffiges Opffer gwaltthaͤtig von dem Altar gerau - bet. Auch hat ſich der liſtige Schalck geſtellt / als ſchie - be er ſolches Gelt im Bueſen / vnderdeſſen aber hat er diſes in das Underfueter deß Rocks geſtecket / welches mit allem Fleiß zu diſem Schelmen-Stuck alſo gemacht worden / einwendig aber in dem Hemmet deß Bueſens hatte er zuvor vmb vnd vmb ſehr vil kleine Stainl ge - ſchoben. Wie nun die Geiſtlichen diſes von dem Chor herab wahrgenommen / daß diſer Beſeſſene alles Gelt im Bueſen geſtecket / alſo ſeynd ſie eylfertig zugelof - fen / vnd diſem Geſellen die Guͤrtl / welche er vmb die Lendhatte /584Judas ein angewohnter Faullentzer /hatte / gantz behertzet auffgeloͤſt / der vnfehlbaren Mai - nung / daß nachgehends das eingeſchobene Gelt ſolte durch - fallen / ſo bald ſie aber die Guͤrtl loß / vnd frey gemacht. Sihe! da ſeynd mit groſſen Getoͤß vnd Raßlen lauter klei - ne Stainl herab gefallen / welches die gute Religioſen al - ſo bethoͤrt / daß ſie beſtaͤndig glaubten / die Teuffel haben das Geld in Stain verkehrt. Underdeſſen iſt diſer ſchlim - me Gaſt wider entwichen / vnd bald darauff mit ſo guter Beuth mit Chriſto vnd ſeinen Apoſteln von dem Orth ſich hinweg begeben / vnd ihre fernere Raiß genommen in die Doͤrffer / wie ſie dann bald zu einer Muͤllnerin gelangt / von derſelben in Abweſenheit ihres Manns ein ſaubere Leinwath begehret / auff welcher der HERR Chri - ſtus koͤnte celebriren / ſolche hat ſie auch gar treuher - tzig beygebracht / weilen aber die ſchlimme Gaͤſt ein gantzes Stuck Leinwath in der Truhen wahrgenom - men / alſo haben ſie wol vnverſchambte Apoſteln auch diſe begehret / ſo aber die Muͤllnerin abgeſchlagen auß Forcht ihres Manns. Woruͤber der Herꝛ Chri - ſtus in etwas ſich erzuͤrnet / vnd ihr getrohet / es werde bald deſſenthalben ein gebuͤhrende Straff uͤber ſie vom Him - mel kommen. Underdeſſen haben die Apoſtel ein brinnen - den Lunden / ſambt einem Zunder ihrer vnvermerckter in die Truhen geſtecket / worvon innerhalb etlichen Stunden ein ſchaͤdliche Brunſt entſtanden. Als nun der Muͤllner nach Hauß kommen / iſt ihme ſein Weib mit wainenden Augen / vnd zuſammen geſchlagenen Haͤnden entgegen ge - loffen. O mein Mann! ſagte ſie / was ſichſt du nit fuͤr ein Ungluͤck! ich bin halt alſo vom Himmel geſtraffet wor - den / vmb weilen ich dem Herꝛn Chriſto mit ſeinen Apoſt - len / welche geſtern bey mir die Einkehr genommen / habe das Stuͤckel Leinwath abgeſchlagen. O mein GOtt! was? ſagt der Muͤllner / ſoll Chriſtus bey dir ſeyn ge -weſt?585von Jugend auff biß zum Strick.weſt? ſollen die Apoſtel bey dir haben einkehrt? er muß ein rechter Schelm ſeyn / vnd hat alſobald die gantze Nach - barſchafft verſamblet / welche mit geſambter Hand / vnd groben Bruͤglen diſen Chriſtum / vnd ſeinen Apoſteln nach - geeilt / auch ſelbige in einem Baurn-Hauß angetroffen / ſo bald ſolches der HErꝛ Chriſtus wargenommen / ſo wend er ſich zu dem Petro, ſprechend / mein Peter die Zeit mei - nes Leydens nahet herzu / ich werde bald den bittern Kelch meines Paſſions muͤſſen trincken. Ja HErꝛ / antwortet Petrus, ſo vil ich ſihe / ſo wird es mir auch nit außbleiben. Mein Peter, ich glaube / es ſeye zum allerrathſameſten / daß ich mich zu diſem Fenſter hinauß reterire. Ja mein HErꝛ Chriſtus / ſequar te, quocunque ieris. Ich will dir nachfolgen / wohin du immer hingeheſt. Wie nun der HErꝛ Chriſtus mit ſeinen Apoſtlen auß gedachten Fenſter entrungen / haben ſie gleichwol die ſchlauche Baurn noch ertapprt / dieſelbe jaͤmmerlich mit Bruͤglen empfangen / vnd den falſchen Chriſtum ſchier halben Thail zu rodt geſchla - gen / auch noch diſe hoͤnniſche Wort hinzu geſetzet. Chri -Guagn. in vit. Sigiſm. I. Polon. Reg. ſte propheceye vns / in welchem Wald iſt diſer Bruͤgl ge - wachſen. Fuͤr ſolche Landlauffer / Muͤſſiggeher / vnnd Faullentzer war diſer vngebrennte Aſchen gericht / vnd ſollItem Beyerlink in thea. vit. hum. lit. H. n. 30. man jetziger Zeiten nit glimpfflicher vmbgehen / mit der - gleichen Geſellen / welche allerley Raͤnck vnnd Schalck - heiten erſinnen / damit ſie nur der Arbeit nit in die Haͤnd gerathen. Dergleichen Lumpen-Geſind auch die Zigeu - ner ſeynd / welche nicht ohne groſſen Schaden / vnd Dieb - ſtall alle Laͤnder außraiſen / mit dem gedichten Vor - wand / als kommen ſie auß Egypten / vnd muͤſſen 7. Jahr lang hin vnd her wandern zu einer Buß / weilen ſie der ſeeligiſten Jungfrauen MARIÆ mit ihrem Goͤttli - chen Kind / als ſie in Egypten geflohen / einmahl dieE e e eHer -586Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Herberg gewaigert haben. Es iſt aber ein ſolches lauters Gedicht / vnd bloſſe Schalckheit / dann diſe Leuth haben das Egypten Land ihr Lebenlang nie geſehen / ſondern iſt ein ſolches zuſamb gerottes Lottergeſind von allerley muͤſ - ſigen Leuthen / welche denen armen Bauers-Leuthen meh - reſten Thails ſehr uͤberlaͤſtig mit klauben / vnd rauben ihr Vnderhalt ſuchen / vnd mit ihrem Wahrſagen den einfaͤl - tigen Poͤbel bethoͤren. Weſſenthalben gar wol die Sa - tzungen Kayſers Caroli V. zu Augſpurg auff dem Reichs - Tag Anno 1549. gebotten / daß man dergleichen Muͤſſig - geher in dem Teutſchland auff kein Weiß gedulten ſolle. Diſe / vnd alle Muͤſſiggeher ins gemain ſeynd deß Judæ Iſcarioths deß Ertz-Schelms nahende Bruͤder / vnd An - verwandte.
NAchdem der HErꝛ vnd Heyland mit fuͤnff Brodt / vnd zween Fiſch gantz wunderbarlich 5000. Maͤn - ner ohne der Weiber vnd Kinder geſpeiſt / vnnd erſaͤttiget hat / ſchaffte er einen Apoſtel vmb den andern in das Schiffel hinein / alſo muſte auch folgſam der verſtoh - lene Judas mit ihnen fahren. Es war ihnen zwar bey ſo ſpatten Abend nit gar wol gelegen / dem wilden Meer ſich zu vertrauen / weilen es aber der ernſthaffte Befelch iſt ge - weſt ihres HErꝛns / ſo wolten ſie demſelben keines wegswider -587welche doch Chriſtus gewendet.widerhandlen. Kaum daß ſie ein Weil fortgefahren / da erhub ſich ein gefaͤhrliche Vngeſtimme mit erſchroͤcklichen Sauſen / vnnd Brauſen der Suth / vnnd die mit - ternaͤchtige Winden / daß alſo die Apoſtel vor Schro - cken gantz erblaicht / vnnd nach Moͤglichkeit mit den arbeitſamen Ruedern ſuchten denen tobenden Wellen zu widerſtehen / welches aber ſambt aller dero Arbeit wenig gefruchtet / ſondern ſcheinte vil mehr das ergrimbte Meer noch hefftiger zu wuͤtten / vnd troheten alſo augenblicklich die empor ſteigende Wellen dem armen Schiffel den Vn - dergang. Biß ihnen endlich der liebſte Heyland troſtreich erſchinen / vnd durch ſeine heiligſte Gegenwart denen ra - ſenden Winden ein Biß eingelegt. Der heilige Kirchen - lehrer Ambroſius ſambt anderen mehrer iſt der Außſag / daß ſolche Vngeſtimme deß Meers / vnd vngeheure wuͤt - ten der Wind ſeye entſtanden wegen den Judam Iſcarioth, welcher dazumahlen bey diſen heiligen Apoſilen auch zu ge - gen war. Dann ob er ſchon derſelbigen Zeit noch keinen Willen hatte ſeinen HErꝛn maineydig zu verrathen / ſo war er doch ſchon ein gehaimer Dieb / vnd laſterhaffter Partitenmacher. Dahero wegen der Suͤnd deß Judæ diſer Unſtern im Meer ihnen widerfahren / dardurch zu lehren / daß die Menſchliche Trangſahl mehreſten Thails herruͤh - re von der Suͤnd.
Vnderſchidliche Oerther der Welt / Koͤnigreich der Welt / Provintzen der Welt / Staͤtt der Welt / ligen vn - der vnderſchidlichen Zaichen deß Himmels / Planeten deß Himmels / Influentzen deß Himmels. Ein Land ligt vn - der der Waag ♎: ein anders vnder dem Venus ♀: ein anders vnder dem Scorpion ♏: ein anders vnder dem Krebſen ♋; ein anders vnder dem Stier ♉: ein anders vnder dem Mars ♂: ein anders vnder dem Fiſch ♓; ein anders vnder dem Waſſermann ♒ / ꝛc. Aber mich dun -E e e e 2cket /588Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /cket / die gantze Welt ligt der Zeiten vnder dem ♈ / da man allerſeits nichts anders antrifft / als lauter Stoͤß / vnnd Wider wertigkeiten. Allerſeits ein doppelter[W]Widder. Das iſt / Wehe uͤber Wehe.
Anno 746. ſeynd vnderſchidliche Creutz erſchinen inAnnal. Hung. dem Koͤnigreich Ungarn auff denen Klaydern der Leuth / ab - ſonderlich aber auff denen Meßgwaͤndern in der Kirchen.
Anno 541. vnder dem Pabſt Vigilio ſeynd in gantzAlphon. Ciacon. de Sig. l. 2. Cap. 11. Lombardia, vnnd Liguria auff allen Haͤuſern / Porten / Geſchirren / vnd Klaydern / nit ohne hoͤchſter Verwunde - rung allerley Creutz-Zaichen geſehen worden / welche man auff kein Weiß konte abwaſchen / oder außloͤſchen.
Anno 778. vnder dem Pabſt Hadriano Primo, vndIdem c. 13. Kayſer Conſtantino Septimo, hat man auff den Klay - dern gantz blutige Creutz wahrgenommen / vnd nicht lang hernach hat es das helle Blut geregnet.
Anno 975. ſeynd in der Statt Rom auff Mann - vnd Weibs-Klaydern gantz rothe Creutz geſpuͤhret wor - den / welches maͤnniglich den groͤſten Schrocken eingejaget.
Anno 963. vnder dem Pabſt Joanne dem Zwoͤlfften /Ciacon. c. 18. vnd bey Regierung deß Kayſers Othonis, ſeynd neben anderen wunderbarlichen Begebenheiten auch haͤuffige Creutz erſchinen auff den Klaydern / welches Wunder ein trauriger Vorbott war viler hernach entſtandenen Unheyl in der Chriſtenheit.
Anno 1295. als zu Tolet in Spanien / die HebreerIdem c. 21. oder Juden nach ihrem Geſatz ein groſſe Menge der Creutz erſchinen auff ihren Haͤuſern / auff ihren Kaͤſten vnd Truͤ - hen / auff ihren Klaydungen / auch auff der Leinwath in ihren Gewoͤlberen.
Anno 1500. hat man in gantz Teutſchland auff allen Klayderen / forderiſt auff den Klaydern der Schlayr derWeibs -589welche doch Chriſtus gewendet.Weibs-Bilder Creutz geſehen / mit vnderſchidlichen Far -Spondan. in Annal. Eccl. Num. 10. ben. Vnd als ein Frau mit 22. Jahren ſich deſſenthalben ſchambte / hat ſie in einem Tag 12. neue Schlayr auffge - ſetzet / vnd dannoch allemahl ein blutrothes Creutz darauff erſchinen.
Anno 1503. ſeynd zu Niernberg / Regenſpurg /Lintur. in faſcic. temp. Landshuet / vnd auch anderen Oertheren deß Teutſchen Land ſehr vil Creutz geſpuͤhret worden auff den Klaydern / forderiſt auff den Roͤcken der Weibs-Bilder / welches man dazumahlen der uͤbermaͤſſigen Hoffart hat zuge - meſſen.
Anno 1505. haben die Fiſcher zu Prag in BoͤheimRayn. in Annal. Eccl. Num. 32. ein groſſe Anzahl der Creutz in den Fluß Elb fallen ge - ſehen.
Anno 1591. den 25. vnnd 28. Maij hat man in gantz Franckreich / abſonderlich aber zu Pariß / wunder -Cerda de Aug. c. 24. barliche Creutz in groſſer Menge geſehen auff allen Altars - Tuͤcheren / Meß-Gewaͤnderen / Kelch-Tuͤchlen / Chor - Roͤck / vnd Kirchen-Maͤuren.
Der Zeiten ſicht man zwar dergleichen Wunder - Creutz nit / wol aber andere Creutz durch die gantze Welt. Es iſt der Krieg ein Creutz / die Peſt ein Creutz / der Hun - ger ein Creutz / die Kranckheit ein Creutz / Verfolgung ein Creutz / Armuth ein Creutz / vnnd diſe Creutz ſeynd allerſeits in der gantzen Welt anzutreffen. Kleine Creutz / groſſe Creutz / leichte Creutz / ſchwaͤre Creutz / kurtze Creutz / lange Creutz / einfache Creutz / doppelte Creutz / ſeynd da vnd dort / auff einem jeden Orth zu finden. Widerwertigkeiten allenthalben / Elend allenthalben / Trangſahlen uͤber vnnd uͤber / Noth allerſeits / Be - truͤbnuſſen vmb vnnd vmb / Jammer genugſamb muͤſ - ſen die Leuth außſtehen / daß ich alſo beharꝛlich glau - be / das Wort Leuth komme von dem Leyden her.
E e e e 3Von590Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Von dem ſtoltzen Abſalon ſagt die heilige Schrifft / daß er ihme das gantze Jahr nur einmahl habe die Haar2. Reg. 14. laſſen abſcherren. Semel in Anno tondebatur. Aber der Zeiten werden wir Leuth auff der betrangten Welt wol oͤffter geſchorren / oͤffters als deß Laban ſeine Schaaf / dann man vns ſo gar kein Woll mehr laſt. Es geht dem Koͤnig nit mehr wol / dem Edlmann nit mehr wol / dem Baurn nit mehr wol / es gehet nit mehr wol her im Land / nit mehr wol in der Statt / nit mehr wol im Dorff / nit mehr wol im Hauß / ja ſchier nirgends wol. Woher aber kombt doch alles diſes? fragt nit lang / ſonſt antwortPſalm. 38. David kurtz / vnd gut. Propter iniquitatem corripuiſti hominem. Du zuͤchtigeſt den Menſchen vmb der Suͤnden willen.
Weilen der Prophet Jonas GOtt dem Allmaͤchti - gen ein ſtraͤfflichen Vngehorſamb erzaigt / in dem er haͤt - te ſollen nacher Ninive raiſen / iſt er in ein Schiff geſti - gen / in Willens anderwertig hinzuſeglen / aber den Au - gen Gottes zu entweichen / iſt nit moͤglich. Dahero GOtt alſobald ein Befelch geben den Winden / daß ſie vnverzuͤg - lich mit ihrem vngeſtimmen Gewalt / vnd Brauſen / das Schiff / worinnen Jonas war / ſollen anfallen / welches dann vnverweilt von diſen auffgeblaſenen großbackenden Geſellen iſt vollzogen worden / maſſen die tobende Sturm - Wind Anfangs die Wolcken zuſammen gejagt / daß ſie mit ihrer Dicke den ſchoͤnen geſternten Himmel trau - rig uͤberzogen. Nachgehends ſeynd die Meer-Wellen mit ſolcher Vngeſtimme erwecket worden / daß es faſt ſcheinte / Neptunus ſeye nicht mehr Herꝛ in ſeinem Reich. Das arme Schiff wurde dergeſtalten von denen wuͤt - tenden Wellen geriben / getriben / daß alle Schifffahren - de den gegenwertigen Todt vor Augen ſahen / maiſten -thails591welche doch Chriſtus gewendet.thails hatten alle derentwegen kein Hoffnung mehr auß - zukommen / weilen ſie die ſchwaͤreſte Truhen / vnd Vaͤſſer / vnd andere Sachen in das Meer geworffen / vnd dannoch hierdurch das Schiff nit geringert worden. Biß ſie end - lich in die Erfahrenheit gebracht / daß der ſuͤndige Jonas an allem diſen ſchuldig ſeye / weſſenthalben ſie auff ſein aignes begehren ihn in das Meer geworffen. Es waren aber die Schiffleuth / ſchreibt Arias Montanus, ſehr liebe / vnd gut - hertzige Maͤnner / vnd dahero auff alle Weiß geſucht / wie ſie dem armen Tropffen moͤchten helffen. Deſtwegen ſie dem Jonæ ein Strick vmb die Mitte gebunden / vnd ſol - cher geſtalten hinauß geworffen. So bald ſie vermercket / daß die Ungeſtuͤmme hat auffgehoͤrt / haben ſie geſchwind mit dem Strick den Jonas in das Schiff gezogen. Wie bald er aber wider in das Schiff kommen / ſo haben gleich augenblicklich die Sturm-Wind wider angefangen zu to - ben / daß ſie mehrmahlen den Jonam hinauß geworffen / vnd wider hinein gezogen / biß ſie endlich augenſcheinlich wahrgenommen / daß ſolches Ubel nit koͤnne gewendt wer - den / es ſeye dann / ſie thun diſen Suͤnder denen Wellen uͤberliffern / welches letztlich auch geſchehen. Haben alſo diſe in aͤuſſerſter Noth betrangte Menſchen erfahren muͤſ - ſen / daß diſes Vnheyl von der Suͤnd hergeruͤhret. Die Suͤnd deß Jonæ war Vrſach diſes ſo vngeſtuͤmmen Wet - ters: die Suͤnd hat den Himmel truͤb / vnd das Meer truͤb gemacht / vnd zwar diſes nit allein / ſondern die Suͤnd macht alle Betruͤbnuß / vnd alle Truͤbſahl in der Welt. Die gute / redliche / alte Teutſche / welche anfangs der Ubel - that haben den Nahmen geben Sind / haben in der Warheit ein wenig geirret; dann ſie haͤtten es nit Sind / ſondern Schind ſollen nennen / weilen nichts ſo faſt die gantze Welt / vnd in der Welt die Menſchen ſchind vnd plagt / vnd peyniget / als die Suͤnd.
Von592Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Von der Suͤnd ruͤhret alles Ubel her / denen dreyen heiligen Koͤnigen auß Orient dem Caſpar / dem Mel - chior / dem Balthaſar hat dreyzehen Tag ein ſchoͤner / glantzender Stern den Weeg gezaigt. Wie ſie aber zu Jeruſalem angelangt / da iſt der Stern verſchwunden / ſo bald ſie aber wider Jeruſalem verlaſſen / alsdann iſt diſer ſtrahlende Weegweiſer mehrmalen vor ihnen geſchwebet. Anjetzo entſtehet nur die Frag / warumben der ſchoͤne Stern / der auch mit dem Sonnen-Glantz konte trutzen / ſie zu Jeruſalem verlaſſen? deſſen geben die heilige Lehrer vnderſchidliche Vrſachen; mir iſt ſchon das genug / daß der Stern verſchwunden bey der ſuͤndigen Statt zu Jeru - ſalem / allwo der Koͤnig mir denen Vndergebenen in groſ - ſen Laſtern lebeten. Wo die Suͤnden waren / wolte der Stern nit ſcheinen / Sund vnd Stern finden ſich nit bey - ſammen. Ich / ſagt einer / ich hab kein Gluͤck / kein Stern im Heurathen gehabt. Ich / ſagt ein anderer / hab kein Gluͤck / kein Stern mit meinen Kindern. Ich / ſagte der dritte / hab kein Gluͤck / kein Stern mit meiner Handel - ſchafft. Ich / ſagt der vierdte / hab kein Gluͤck / kein Stern mit meinen Trayd Ackern / vnd Wein Gebaͤu / mit mei - nem raiſen. Ich glaub dirs / ich glaub ihms / ich glaubs jenen / ich glaubs allen / daß ihr kein Stern habt. Aber wiſt ihr / oder wolt ihr wiſſen deſſen Vrſach? wo Suͤnden feynd / da laſt ſich kein Stern nicht blicken. Euere eigene Miſſethaten ſeynd ein Urſach deß Unſterns. Propter ini - quitatem corripuiſti hominem.
Der Joſue hat kein Stern / kein Gluͤck gehabt bey dem kleinen Staͤttl Hai, ſondern dort zu Hai von Federn auff das Stroh kommen / vnd diſes hat verurſacht die Suͤnd deß Achan. Der Pharao hat kein Gluͤck / kein Stern ge - habt in ſeiner Regierung / ſondern mit Krieg / Hungervnd593welche doch Chriſtus gewendet.vnd Peſt geplaget worden / ſolches aber hat verurſachet ſein laſterhaffter / vnd ſuͤndiger Wandl. Der Cain hat kein Gluͤck vnd Stern gehabt / weilen ihn der Lamech fuͤr ein Wildſtuck angeſehen / vnd alſo mit einem Pfeil durch - ſchoſſen. Das aber hat verurſacht die Suͤnd.
Wann die Suͤnd nit geweſt waͤre / ſo haͤtt den Men - ſchen kein einiges Geſchoͤpff belaydiget. Wir haͤtten vns im Feur vnd Flammen koͤnnen herumb waltzen / wie auff denen linden Pflaumen-Federn / ohne einigen Schaden. Wir haͤtten nit doͤrffen ſagen Huſch / Huſch / Huſch / dann es haͤtte vns nie gefrohren. Wir haͤtten nit vonnoͤthen ge - habt den Schuh / dann wir die Zehen niemahlen haͤtten an - geſtoſſen / noch in einen Dorn getretten / dann dazumah - len waren keine Doͤrner. Der Menſch haͤtte niemahlen doͤrffen ein Rauch machen mit Maſtix / oder Weyrauch / dann es haͤtte ſich niemahlen ein wilder Geſtanck eraignet / auch alles was bey / vnd von dem Menſchen geweſt / haͤtte nie einen widerwertigen Geruch gegeben. Die Erden ware ohne Diſtl / die Schlangen ohne Gifft / der Himmel ohne Wetter / der Leib ohne Kranckheit / die Thier ohne Schaden / das Feur ohne Hitz / der Schnee ohne Kaͤlten / der Acker ohne Unfruchtbarkeit / die gantze Welt ohne Scha - den geweſt. Daß aber dermahlen alles wider vns iſt / hat die Suͤnd verurfachet.
Was iſt der Hund fuͤr ein treues Thier! das hat er - fahren Tobias. Der Hund wird ſeinem Herꝛn ſtaͤts als ein treue Schildwacht auff der Seyten ſtehen; der Hund guſcht auff dem Befelch ſeines Herꝛn; er bellt nach ſeinem Willen; er faſt / vnd hollet nach ſeinem Begehren; er wacht fuͤr ihne / er ſchmeichlet ihn / er liebt ihn / vnd ſo ihm auch der gantze Taglohn mit einem harten Bain bezah - let wird / ſo erſparret er doch keinen Sprung ſeinem Herꝛn zu Dienſten. Er bedient ſeinen Herꝛn / er ſchu -F f f ftzet594Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /tzet ſeinen Herꝛn / er beglait ſeinen Herꝛn / er gruͤſſet ſei - nen Herꝛn / er ehret ſeinen Herꝛn auff alle Moͤglichkeit. Es geſchicht aber / daß ſein Herꝛ zur Faßnacht-Zeit will einen Herꝛn mit dem groſſen N. abgeben; er legt ein Narren-Gewandt an mit Schellen voll gebraͤmbt / nimbt eine Larven vmb mit einer ſechspfuͤndigen Naſen / ein groſſes Kreß mit lauter Starnitzl / daß er faſt alle Pfef - fer-Krammer konte darmit verſehen / vnnd laſt ſich ſol - cher geſtalten vor dem Hund ſehen. Diſer Melampus, oder Coridon kennt ihn nit mehr / ſondern bellt / vnd wuͤt - tet / vnd tobet wider diſen / den er zuvor alſo liebkoſet / vnd beiſt ihm zwey Loͤcher in den Fuß.
Wie lang der Menſch hat angehabt / vnd gepran - get mit dem Klayd der Vnſchuld / vnd anbey gezaiget das vnbelaydigte Ebenbild Gottes / ſo lang haben ihm alle Creaturen vnd Geſchoͤpff gedienet / geliebet / vnd gehorſa - met. Nachdem er aber durch die Suͤnd ein hoͤlliſche Lar - ven vmbgenommen / ſo hat ihn kein Geſchoͤpff mehr ge - kennt / ſondern alles angefangen ihn zu verfolgen. Der Lufft / vnd was im Lufft / die Erde / vnd was auff Erden / das Waſſer / vnd was im Waſſer / das Feur / vnd was im Feur / alles / alles wider ihn.
Sihe vor deiner ein ſchoͤne wolgezierte Dama, wel - che ein Klayd vom koſtbaren Purpur; die ſchoͤneſte Haar mit lauter hoch-Neckerfarben Baͤndel eingefloch - ten: ein paar edle Wangen / wie die rothe Roſen. Di - ſe tragt auff ihren Alabaſteren Haͤnden / gegen welchen der Schnee ſchier in der Klag gehet / den bekandten Vogel Phænix, kennſt du ſolchen nicht? es iſt ein ab - ſonderliche gute Freundin eines frommen vnd gerechten Menſchen / vnd ein Ertz-Feindin deß Suͤnders. Diſe iſt das Element deß Feurs.
Si -595welche doch Chriſtus gewendet.Sidrach, Miſach, vnd Abdenago waren edle Juͤng -Dan. c. 3. ling zu Babylon / weilen ſie aber dem Abgoͤtteriſchen Be - felch nicht wolten nachkommen / ſondern den wahren all - machtigen GOtt angebettet / ſeynd ſie durch deß Koͤnigs Befelch in einen gantz feurigen Ofen geworffen worden / worinnen aber die Flammen ſo hoͤfflich / daß ſie ihnen nicht ein Haͤrl verletzet haben.
Der Moͤrderiſche Kayſer Aurelianus hat den heili - gen Savium in den abſcheulichen Kercker geworffen / wei - len er aber auch daſelbſt die Soldaten / ſo ihn verwach -S. Anton. p. 1. Chro. tit. 7. tet / zum Glauben Chriſti bekehrt hat / alſo iſt der heilige Mann an Haͤnd vnnd Fuͤſſen gebunden / auff offentlichen Marckt gefuͤhret worden / allwo man ihme ein gluͤendes Kaſchget oder Becklhauben auffgeſetzt / vnd nachmahls in ein angezuͤndten Scheitterhauffen geworffen worden. So hat ihm aber in allweg das Feur nit geſchadet.
Richarda ein Roͤmiſche Kayſerin / vnd Ottonis deß Dritten Frau Gemahlin / weilen ſie falſch eines Ehe -Advent. l. 4 Anna. Boio. bruchs beſchuldiget worden / alſo hat ſie zur Beſtaͤttigung ihrer Vnſchuld ein gluͤendes Eyſen lang in denen Haͤn - den gehalten / ohne den geringſten Schaden. Deßgleichen auch die Kayſerin Cunegundis.
Der heilige Guilelmus vorhero ein Maͤchtiger Her - tzog in Aquitania, nachmahlens ein Religios meines heili -Ioan. Euſ. l. 5. Doctr. Aſcetic. gen Ordens / hat von ſeiner Obrigkeit Befelch gehabt / Brodt zu bachen / weſſenthalben er gantz ſchleunig ein groſſes Feur in Ofen gemacht / vnd weilen er nicht gleich die Krucken / wormit man die Gluet pflegt herauß zu zie - hen / bey Handen gehabt / iſt er ſelbſt in den feurigen Ofen hinein geſchloffen / die Gluet mit ſeinem Habit zuſammen gekerret / vnd alſo vnverletzt wider auß dem Ofen herauß krochen.
Der H. Pantaleon, der H. Firmus, der H. Ruſticus, dieF f f f 2H.596Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /H. Priſca, die H. Agnes, die H. Glyceria, der H. Speu - ſippus, der H. Eleſippus, der H. Meleuſippus, der H. Fauſtus, der H. Jovita, der H. Eulampius, die H. Eu - lampia, der H. Achatius, der H. Baſſus, der H. Pontius, der H. Mammas, der H. Victor, die H. Chriſtina, der H. Andochius, der H. Leontius, der H. Theodorus, der H. Polycarpus, der H. Eupropius, die H. Agona, die H. Lucia, die H. Chionia, der H. Vitus, der H. Mode - ſtus, die H. Euphemia, der H. Cucufales, der H. Julia - nus, der H. Celſus, der H. Philoterus, der H. Helconi - des, der H. Hermias, der H. Theſpeſius, der H. Lyca - rius, der H. Zoſimus, der H. Juſtus, vnd vil tauſend an - dere mehr ſeynd in das Feur geworffen worden / darinnen vil Stund / vil Taͤg / vil Zeit ohne einige Verletzung ver - harret. So manierlich iſt diſes Element gegen den From - men.
Aber erſchroͤcklich iſt diſes Element erzuͤrnet uͤber die Suͤnder. Dann gleichwie es denen vnſchuldigen Knaben verſchont in dem Babyloniſchen Ofen / alſo deſto grimmi - ger hat es getobt in jene Tyranniſche Henckers-Knecht / vnd ſolche gar in den Aſchen gelegt / welche diſe drey Juͤng - ling in den Ofen geworffen.
In dem Leben deß H. Patritij wird regiſtrirt / daßJocelino in vit. c. 48. ſich ein frecher Menſch / vnd Zauberer zugleich hab vnder - ſtanden / das Meß-Klayd diſes Heiligen anzulegen / ſeye aber gleich von dem Feuer / welches von dem Himmel ge - ſtigen / gantz grimmig angefallen / vnnd in Aſchen gelegt worden / jedoch ohne Verletzung deß Meßgewands.
Als Anno 1285. der heilige Philippus BenitiusBzoucius in Anna. Eccl. n. 18 zwiſchen Bononien / vnd Mutina wegen allzu ſcharpffer Sonnen-Hitz ſich vnder einen ſchattenreichen Baum in wenig ergoͤtzte / daſelbſt aber etliche Gottloſe Geſellen an - getroffen / welche vil Gottslaͤſterliche Wort / vnnd Fluchauß -597welche doch Chriſtus gewendet.außgegoſſen / hat er alſobalden diſen gwiſſenloſen Leu - then die Straff vom Himmel angekuͤndet. Woruͤber zwar diſe muthwillige Geſellen nur geſpottet / aber bald hernach den Zorn deß gerechten Gottes erfah - ren. In dem ein groſſe Flammen von der Hoͤhe her - unter geſtigen / vnd diſe elende Menſchen zu Staub ver - brennet.
Die Juden / durch Zulaſſung deß abtrinnigen Kay -Niceph. l. 10. Hiſt. Eccl. c. 31. ſers Juliani, wolten den zerſtoͤhrten Tempel zu Jeruſalem wider auffbauen / da iſt ein groſſe Flammen auß denen Fundamenten / vnnd außgegrabenen Grund empor geſti - gen / vnd ſehr vil Arbeiter ſambt allen Werckzeug gaͤntzlich verbrennet.
Zu Pariß in Franckreich hat ſich ein gottloſer MenſchTilman. Bren de Sacrif. tr. 1. p. c. 28. freventlich vnderfangen / in der Kirchen bey vnſer lieben Frauen Meß zu leſen / welcher niemahlen von dem Bi - ſchoff die Prieſterliche Weyh empfangen hat. So bald diſer zu dem Altar gangen / iſt in Gegenwart eines groſſen Volcks ein Feur von oben herunder geſtigen / welches ihm ſeine kecke vnd vnraine Haͤnd gaͤntzlich verbrennt.
Petrus de Natalibus ſchreibt / vnd nimbt zu einemL. 2. c. 1. ex Hieron - Zeugen den H. Kirchenlehrer Hieronymum, daß in der - ſelbigen Nacht / in dero Chriſtus JEſus gebohren worden / ſeynd alle die jenige / welche mit einer Sodomitiſchen Suͤnd bemailiget waren / durch die gantze Welt von dem Feuer verzehrt worden.
Nachdem die H. Barbaram ihr Vatter mit aignenIn Vita. Haͤnden enthauptet hat / vnd nach ſolcher Unthat von dem Berg herunder geſtigen / iſt alſo ein groſſes Feur vom Himmel gefallen / ihn dergeſtalten verzehrt / daß ſo gar nit ein Aſchen uͤbergebliben.
Dacianus der vnmenſchliche Tyrann hatte ſein eini -in Vita. ges Wolgefallen in dem metzgen / vnd ſchlachten der Men -F f f f 3ſchen598Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /ſchen. Nachdem er nun den heiligen vnd rapfferen Helden Georgium mit dem Schwerdt hat hinrichten laſſen / vnd bereits ſein Ruckkehr in den Pallaſt nemmen wolte / da iſt vnverſehens ein Feuer vom Himmel gefallen / vnd ihn fambt allen ſeinen Bedienten voͤllig verzehrt.
Dergleichen konten ohne Zahl vnd Zihl beygebracht werden / wo allemahl das Feur ſein Grimmen / vnd Rach - gi[e]rigkeit geſucht hat wider den Suͤnder / vnd alſo ernſt - lich GOtt deß Allmaͤchtigen ſeines Erſchoͤpffers angetha - ne Vnbild gerechnet.
Du Sodoma, du Gomorrha, du Adama, du Ge -Ludovic. Vives. in l 21 Aug. de Civ. c. 3. boin, du Segar, ihr ſchoͤne / groſſe / reiche vnnd wolbe - wohnte Staͤtt / habt alle den Zorn erfahren diſes Ele - ments; in dem es euch alleſambt / ſambt allen den eurigen in den Aſchen gelegt. Wie man dann noch daſelbſt vermer - cket / daß das Waſſer ſiede / auch Obſt vnd Weintrauben allda die ſchoͤnſte Geſtalt haben / ſo bald man ſie aber an - ruͤhrer / verfault alles zu warmen Aſchen.
Du Jeruſalem / groſſe vnd Weltbekannte Statt /Ioſeph. l. 7 c. 16. Bell. Iudai. allwo zu Zeiten Salomonis mehr Silber vnd Gold / als Steiner anzutreffen waren / haſt den 8. Auguſti Anno Chriſti 69. den Grimmen / vnd Zorn erfahren diſes Ele - ments / in dem es dich gaͤntzlich verzehret / ob man zwar dazumahlen ehender haͤtte die Brunſt mit Blut loͤſchen konnen / als mit Waſſer.
Du ſchoͤne Statt Baderborn haſt Anno 847. zurCranz. l 6. Metrop. c. 23. Zeit vnd Regterung deß Kayſers Letharij den Zorn ge - ſehen diſes Elements / in dem erſtlich vmb die Sonne ein wunderlicher runder Circkel von maͤnniglich iſt beob - achtet worden. So bald aber diſer verſchwunden / iſt die gantze Statt in dem Feur geſtanden.
Du groſſe vnnd ſchoͤne Statt Maintz haſt Anno1112.599welche doch Chriſtus gewendet.1112. den Zorn / vnd Wuͤtten erfahren diſes Elements / in dem du ſchier gantz von denen freßgierigen Flammen biſt verzehret worden / auch ſeynd in ſolcher Brunſt uͤber 2000. Perſohnen zu Grund gangen.
Du Weltkuͤndige Statt Rom vnder dem Kayſer Veſpaſiano, vnder dem Kayſer Antonio, vnder dem Kayſer Commodo haſt den Zorn erfahren diſes Ele - ments: auch du ſchoͤne Statt Venedig Anno 1109. vnd Anno 1514. Du Statt Luͤbeck Anno 1209. Du Statt Conſtantz Anno 1314. Du Statt Crackau Anno 1125. Du Statt Baſel Anno 1258. Du Statt Wormbs An - no 873. Du Statt Wienn Anno 1518. vnd vor wenig Jahren du Statt Paſſau / ꝛc. Ihr alle habt den Grimmen / vnd Zorn erfahren diſes Elements; aber ſagt her / warum - ben hat der feurige Wagen dem Eliæ nicht ein Haͤrl ver - letzet? vnd warumben hat euch das Feur ſo groſſen Scha - den zugefuͤgt? ſagt kein andere Urſach als diſe. Elias war heilig / darumb iſt diſes Element ſo hoͤfflich gegen ihm. Aber wir haͤtten vil groſſe Suͤnden / deſtwegen wuͤtet diſes Ele - ment alſo gegen vns. Non eſt malum, quod non fecitLevit. 10. Dominus in Civitate. Dann diſes Feur hat die Soͤhn / vnd Kinder deß hohen Prieſters Aaron auch verzehret / vmb weilen ſie im Goͤttlichen Opffer gefaͤhlt haben. Diſes Feur hat die jenige verzehret / welche den Propheten Eliam4. Reg. 1. wolten fangen. Diſes Feur hat die Iſraeliter durch gantzNum. 21. gluͤende Schlangen geplagt / vmb weilen ſie wider den Moyſen gemurret haben / vnd diſes Feuer iſt noch auff den heutigen Tag alle Augenblick berait die Suͤnder zu ſtraf - fen. Schreibt alſo die gefaͤhrliche Brunſten / die ſchaͤdli - che Brunſten / die einfaͤltige Brunſten keiner anderen Vrſach zu / als der Suͤnd / diſe verurſacht ſolchen Vn - ſtern.
Nit600Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Nit ohne Gehaimnuß / vnd ſonderer Bedeutung iſt der gantze Berg Sinai voller Rauch vnd Feur erſchinen / wie der allmaͤchtige GOtt dem Moyſi darauff die 10. Gebott eingehaͤndiget / villeicht dardurch zu zaigen / wer diſe Ge - bott uͤbertrette / dem ſolle diſes feurige Element zu einer Straff ſeyn.
Es laſt ſich allhier ein andere Dama ſehen / welche mit ſehr ſtattlichen Klaydern pranget. Diſe iſt angelegt mit einem Himmelblauen Rock / laſt ihre goldfarbe Haar - locken gantz frey fliegen: ihr Manto iſt ſo vilfaͤrbig ge - ſtraifft / wie ein Regen Bogen: ſie hat ein paar auffge - blaſene Wangen / als haͤtte ſie das Zahnwehe. Andere ſtoltze Helenæ tragen zum beſſeren Schein ihrer glatten / weiſſen Haut ſchwartze Fleckel / welche in Hirſch - vnd Haa - ſen - vnd Fuͤchs Geſtalt geſchnitten; aber diſe prangt mit lauter Voͤgerl in dem Angeſicht; vnd ſo mich recht dun - cket / ſo ſche ich / daß ihr ein ſolcher taffeter Gimpel auff der Naſen ſitzet. Kennſt du aber diſes Frauenzimmer? ſie iſt ein abſonderliche Freundin / vnd Gutthaͤterin der from - men Leuth / aber ein Ertz Verfolgerin der Suͤnder. Diſe iſt das Element deß Luffts.
Der Lufft iſt dem H. Peruſiſchen Abbten Petro gar wol genaigt geweſt / dann als auff ein Zeit ein groſſe Mar - melſtainene Saul in die Hohe zu dem Kirchen-Gebaͤu ge - zogen worden / der Strick aber / wegen Schwaͤre deß Laſts gebrochen. So iſt auff dem Befelch deß heiligen Manns die groſſe Saul in dem Lufft hangen bliben. Der Lufft hat ſie zu Vermeydung groſſen Schadens nit fallen laſſen.
Zu Aretij am Feſt vnſer lieben Frauen Himmelfahrt / hat der ſeelige Servit Joachimus zu dem Altar gedienet. Under wehrender H. Meß iſt der fromme Diener Gottes durch einen gaͤhen Zuſtand auff die Erd krancker vider ge - ſuncken / die Kertzen aber / welche der heilige Mann in derHand601welche doch Chriſtus gewendet.Hand gehalten / iſt in dem Lufft hangend gebliben / vnd hat ſie der Lufft nit fallen laſſen.
Nachdem der H. Ertz-Biſchoff Dunſtanus das Ampt der H. Meß vollbracht / vnd das Meß-Gewandt auff dieSurius in Vit. 19. Maij. Seyten geben / der gaͤntzlichen Mainung / es nemme ſol - ches ſein Diener von ihm / welcher aber ſambt anderen ſchon entwichen. Sihe! da iſt das Meß-Gewandt etlich Stund im Lufft hangend gebliben / vnd hat es der Lufft nit fallen laſſen.
Der H. Evermodus Ertz-Biſchoff zu RatzenburgPagat. p. 1. 106. hat ſeine Handſchuh in Lufft gehengt; der H. Petrus Cæ - leſtinus ſein Kappen: die H. Jungfrau vnd Martyrin Uviborada ihren Kaͤmpel: Carolus Magnus den Man - tel / ꝛc. vnd iſt diſen vnd anderen Heiligen Gottes der Lufft alſo wol gewogen geweſt / daß er nichts dergleichen hat fal - len laſſen / ſondern an ſtatt eines Dieners die Sachen getragen.
Der Lufft iſt dem H. Franciſco von Aſiß, dem H.In Vita Sanct. Franciſco Paulano, dem H. Franciſco Xaverio, dem Gottſeeligen Franciſco Olimpio: dem heiligmaͤſſigen Franciſco à Puero Jeſu: dem ſeeligen Franciſco Borgia, dem Gottſeeligen Franciſco Fabriano, dem ſeeligmaͤſſi - gen Franciſco Ximenio, dem ſeeligen Franciſco Tici - nenſi, dem ſeeligen Franciſco de Briones, dem heiligmaͤſ - ſigen Franciſco Gonzaga, vnd vilen anderen vnzahlbaren / alſo genaigt vnd willfaͤhrig geweſt / daß er ſie oͤffters in die Hoͤhe gezogen von der Erden / vnd ſolche oͤffters vil Stund lang in der Hoͤhe gehalten / vnd ſie nachmahls mit aller Manier in die Nider gelaſſen.
Auff den Befelch deß H. Bernardini Senenſis, deßIn Vita Sanct. ſeeligen Joannis Capiſtrani, deß H. Ugonis, deß Heil. Theodori, deß H. Columbani, deß H. Gregorij Turo - nenſis, deß H. Petri de Alcantara, deß H. GamelbertiG g g gPfarꝛ -602Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Pfarꝛherꝛ in Bayrn / deß heiligen Pauli Eremitæ, deß Gottſeeligen Joſeph Anchietæ hat der Lufft die finſtere Wolcken / das truͤbe Wetter gewendt / vnnd den hellen Sonnenſchein ſehen laſſen.
Es iſt der Lufft nit allein ſo gnaͤdig geweſt dem FehlPagat. p. 2. 176. deß tapffern Gedeonis, in dem er uͤber die gantze Erden ein Himmel-Thau geſchitt / vnd geſchicket / uͤber das Fehl nit ein Tropffen fallen laſſen. Sondern es iſt auch diſes Ele - ment alſo gewogen geweſt / daß der heilige Bernardus, der heilige Odo, der heilige Luthbertus, der heilige Aſi - dius, der heilige Marius, der heilige Antgarius, der ſee - lige Sanctus à Cora meines heiligen Ordens / vnd vil an - dere mehr ſeynd von dem Lufft alſo geſchiermet worden / daß ſie in dem groͤſten Blatzregen von keinen Tropffen ſeynd beruͤhret worden.
Es hat nicht allein der Lufft das Himmel-Brodt / oder das Manna geſpendieret vor alten Zeiten den Kindern Iſrael in der Wuͤſten / ſondern auch der ſeeligen Agneti Politianæ, dem heiligen Martyrer Deſiderio, vnd Feſto, vnd vilen andern heiligen Einſidlern in Egypten. In Sum - ma gantz gnaͤdig iſt diſes Element den frommen vnd ge - rechten Leuthen / aber ein Ertz-Feind der Suͤnder.
Zur Zeiten deß halßſtaͤrrigen Koͤnigs Pharaonis, weilen er ſambt den ſeinigen an den wahren GOtt nit wol - te glauben / hat der erzuͤrnete Lufft einen ſolchen harten / vnd haͤuffigen Schauer geworffen vnweit Dempſta, daßMans. de pecc. tr. 78. ein Stein / einem groſſen Kinds-Kopff gleichte / vnd ſeynd die mehreſte alſo geformbt geweſt / als haͤtten ſie rechte Zaͤhn. Fuͤrwar dazumahlen hat der Lufft diſem Orth die Zaͤhn koͤnnen zaigen.
Zur Zeiten deß Propheten Eliæ iſt der Lufft alſo3. Reg. c. 17. halßſtaͤrrig geweſt gegen den Iſraelitern / weilen die - ſelbe GOtt dem Allmaͤchtigen den Rucken gewendt / vndden603welche doch Chriſtus gewendet.den falſchen Baal angebettet / daß er drey Jahr / vnd ſechs Monath / niemahlen einen Regen geſpendieret.
Zu Zeiten deß H. Biſchoffen Leucij zu Brundus /Ferrar. in Catal. 8. allwo der vnglaubigen Heyden noch ein groſſe Menge wohnte / hat es zwey gantzer Jahr nie geregnet.
Zu Zeiten deß H. Biſchoffen Wilfridi, ehe / vnd be -Bed. l. 4. Hiſt. Aug. c. 13. vor er in Engelland kommen / iſt daſelbſt drey gantzer Jahr kein Tropffen Waſſer geſpuͤhret worden / auß welchem dann das groͤſte Elend erwachſen.
Zu Zeiten deß H. Vincentij Ferrerij hat in etlichenIn Vita. Orthen in Franckreich / ſonderlich bey Carcaſona von dem Monath Julio an / biß in den Januarium hinauß niemah - len ein Regen den Erdboden ergoͤtzet.
In der Inſul Chio iſt zwey Jahr nacheinandet derHiſt. Sicul. Lufft alſo drucken geweſt / daß nie ein Tropffen von dan - nen auff den Erdboden kommen / welches die Tuͤrcken da - ſelbſt in aͤuſſerſte Noth geſtuͤrtzet.
Anno 565. in Liguria, Anno 544. in Orient, Anno 1348. in Occident, Anno 170. zu Rom / Anno 746. zuBaron. in Annos. Conſtantinopel / iſt der Lufft giffthaͤrb geweſt / das iſt / gantz gifftig / weſſenthalben vil hundert tauſend Menſchen zu Grund gangen / vnnd an der abſcheulichen Peſt ge - ſtorben.
Wer mainſt du / hat diſes Element alſo in Harniſch geſtecket / daß es ein ſolchen Grollen / vnd Widerwillen hat mercken laſſen gegen den Menſchen? wer / glaubſt du iſt Vrſach daran / daß vns der Lufft von oben herab nicht mehr ein Manna, ſondern Mancherley Elend / nit mehr ein Brodt / wie denen Iſraelitern / ſonder ein Noth immerzu ſpendiret? vnnd ſtaͤts wider vns mit Donner / Hagel / Schaur / Reiff / Platzregen / Peſt / vnd Ungeſundheit wuͤt - tet vnnd tobet? alles diſes Ubels iſt Urſach das Ubel /G g g g 2ver -604Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Philo Heb. l. 1. de vit. Moyſ. verſtehe die Suͤnd Elementa mundi, terra, aqua, aër, ignis conſpirarunt in impios Deo vindice. Die Ele - menten der Welt / die Erd / das Waſſer / der Lufft / das Feuer haben zuſamb geſchworen wider den Suͤnder. Sie koͤnnen ihme auff kein Weiß hold / oder genaigt ſeyn / wei - len ſie ihren Erſchoͤpffer alſo belaydigen. Sie ſchamen ſich alle Weiß dem Menſchen zu dienen / dann gleichwie ein Edlmann ſich ſchamen thut einem Hencker ſ. v. oder ei - nem Schinder einen Diener abzugeben / ihme in allweg auffzuwarten / pfuy! alſo waigern auch die Elementen / als edle Geſchoͤpff dem Menſchen zu dienen / der auff Hen - ckeriſche Manier jedesmahl durch ein Todt-Suͤnd den Heyland JEſum auff das Creutz naglet. Wann dann der Lufft mit ſchaͤdlichen Schauer / mit biſſigen Reiff / mit harten Vngewitter / mit groſſer Truͤckne die Trayd Felder / vnd Weingaͤrten verderbt / vnd außdorret / ſo muͤſſen wir es vnſern Suͤnden zuaignen.
Wie der Patriarch Jacob ſeine Soͤhn in Egypten ge - ſchicket / damit ſie alldorten ſolten vmb das paare Gelt Trayd einkauffen / ſeynd diſe vngefehr / alſo zu reden / zu dem Joſeph als damahligen Gubernator im Reich ge - langt / welche diſe ſeine ſaubere Bruͤder gekennt / diſe aber ihn nit / dahero er ſie mit rauben Worten angefahren / ſo gar fuͤr Außſpeher vnnd Schelmen gehalten / vnd ob ſchon ſie ſich beſtermaſſen entſchuldigten / ſo hat er ſich gleichwol zornig geſtellt / vnd neben zimblichen Filtz / den ſie gar nit vonnoͤthen hatten / dann ſie tragten lauter Kap - pen / auch einen ernſtlichen Befelch geben / daß man ſie an Ketten vnd Banden / als verdaͤchtige Leut ſoll anſchmidten / vnd in die Gefaͤngnuß fuͤhren. Denen armen Tropffen iſt ſo Angſt geweſen / wie einem Floh zwiſchen zween Daumen. Nach verfloſſenen dreytaͤgigen Verhafft / laſt er ſie frey nacher Hauß raiſen / doch mit dem Geding / daßeiner605welche doch Chriſtus gewendet.einer an ſtatt aller in dem Arreſt verbleibe: vnd iſt das Loß gefallen uͤber den Simeon. Wie nun diſe Bruͤder in ſo vnverhofftes Vngluͤck gerathen / vnd mit Roth / vnd Trangſahlen uͤberhaͤuffet worden / da hat einer dem ande - ren mit wainenden Augen angeſchaut: da haben alle mit offt erholten Seufftzern bekennet. Meritò hæc patimur. Das Elend iſt billich uͤber vns kommen. Gelt der gerech - te GOtt hat vns ſauber koͤnnen finden / das haben wir alles verſchuldet / weilen wir vns verſuͤndiget haben an vnſerem Bruder Joſeph / hab ich euch nit gewahrnet / ſagt Ruben, ihr ſolt ſolche Boßheit nit begehen / ihr habt mich fuͤr einen Maulaffen gehalten / jetzt ſehet ihr / wie vns GOtt alleGen. 42. ſtraffet. Meritò hæc patimur.
Wann vns der Reiff / oder die uͤbermaͤſſige Kaͤlten die Trayd-Felder zuricht / wie die Samſoniſche Fuͤchs bey den Philiſteern: wann vns der Schaur alles erſchlagt / wie es geſchehen bey Moyſis Zeiten in Egypten: wann vns die Druͤckne den Weinſtock Krafft - vnd Safftloß macht / wie zu Eliæ Zeiten: wann vns der vergiffte Lufft mit ei - ner ſtarcken Peſt uͤberfallt / wie der David zu ſeiner Zeit er - fahren / ſo laſt vns weiter die Planeten nicht durch die Haͤchel ziehen / oder dem Teuffel alle Schuld auff den Bu - ckel laden / oder denen Hechſen alle Vrſach auff die Gabel binden / ſondern mit denen Bruͤdern Joſeph ſprechen / meritò hæc patimur, diſes vnd das haben wir verſchul - det / dann wir haben vns verſuͤndiget. Grandines pro ſupplicijs Dei agnoſcendæ ſunt. Gum igitur videmusLippom. in Cat. c. 9. Exod. grandinem in Regione noſtra, revocemus nobis in memoriam, & peccata, propter quæ Ægyptus grandi - ne afflicta eſt, & ſentiamus ſi idem ſupplicium pati - mur, quia eadem etiam peccata inter nos graſſantur.
Es laſt ſich mehrmahlen ein anders Frauenzimmer ſehen / diſe iſt mit lauter gewaͤſſerten Taffet beklaydet /G g g g 3tragt606Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /tragt die ſchoͤnſte Corallen vmb ihren weiſſen Halß / iſt uͤberall mit Meergruͤnen Maͤſchen vnd Baͤndlen gezieh - ret. Vnd was mich verwundert / iſt / daß diſe trage / was ſonſten bey dem adelichen Frauen-Zimmer vngewoͤhnlich / ein ſchoͤne Schiff-Hauben auff dem Kopff. Du kennſt ja diſe? ich glaub wol. Diſe iſt ein groſſe Freundin der frommen Leuthen / aber ein Ertz-Verfolgerin deß Suͤnders. Es iſt das Element / das Waſſer.
In Waͤlſchland iſt ein groſſer Fluß / mit NahmenIn Vita. Padus, diſer iſt ſo freygebig geweſt gegen dem heiligen Gebhardo, daß er ſich mitten voneinander / wie das ro - the Meer zerthailet / vnd dem heiligen Mann ſambt den ſei - nigen ein freyen drucknen Paß geſpendiret.
In Boͤheim iſt ein groſſer Fluß / mit Nahmen Mol -Ioan. Dubr. hiſt. Boëm. l. 23. dau / diſer hat ſich gantz ehrenbietig erwiſen gegen dem ſeeligen Joannes, dazumahlen der Koͤnigin Beicht-Vat - ter. Dann als diſen der Tyranniſche Wentzel ermordet / vnd in die Moldau werffen laſſen / iſt daſelbſt von freyen Stucken augenblicklich der Fluß außgedorret / biß man den Leib von dannen genommen / vnd mit einer beſſern Be - graͤbnuß verehrt hat.
In dem Roͤmiſchen Reich iſt ein bekandter Fluß / be -Gregor. Turon. l. 2. c. 69. nanntlich der Rhein-Strohm / ſolcher iſt ſo manierlich ge - weſt gegen einem Weib / welche vnſchuldig eines Ehe - bruchs beklagt / vnd derentwegen mit einem Muͤhlſtain an den Halß gebunden / in den Rhein-Strohm verſencket worden; welcher ſie aber ſambt dem Stain / wie das Bimbſen-Koͤrbl Moyſts an das Geſtatt getriben.
In Schwabenland entſpringt ein beruͤhmter Fluß /Surius in Majo. die Donau / diſer hat ſich ſo dienſtbar geſtellt gegen dem H. Gotthard, Biſchoffen zu Hildtshaimb / daß er als noch ein Knab oͤffter auff gedachtem Fluß / wie auff einem glat - ten Boden daher gangen.
In607welche doch Chriſtus gewendet.In Sachſen iſt ein groſſer Fluß / die Elb genannt / uͤber diſen iſt der H. Benno mit truckenen Fuͤſſen gangen. Hiſt. Bavar. lib. 19. num. 14.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Be -In Vita. nedictiner wol / in dem der Heil. Maurus, ihres Ordens / mit truckenen Fuͤſſen auff dem Fluß gangen / vnd dem H. Placido zu Huͤlff kommen.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen es die Patres Bernardiner wol / weilen der ſeelige Bruder Hilarius, ih - res Ordens / auff ſeinem Mantel / wie in einem Schiffel / uͤber einen groſſen Fluß gefahren. In Menolog. Ciſterc. 4. Junij.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Car - meliter wol / in deme der H. Angelus, ihres Ordens / den groſſen Fluß Jordan mitten voneinander zerthailt / vnd nachmahls mit den ſeinigen vnverhindert hindurch gan - gen. Menol. Carmel. in Vita.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Do - minicaner wol / weilen der H. Hyacinthus, ihres Ordens / ſeinen Mantel auff das Waſſer gebrait / vnd ſolcher geſtal - ten als auff einem Schiffel / mit drey anderen vnweit Viſ - ſegrad uͤber den Fluß gefahren. Odori. in An. 1257.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Je - ſuiter wol / in dem der heiligmaͤſſige Joſeph Anchietta, ihrer Societet, in Mitte der Meerwellen / wie auff einem ſanfften Polſter / ohne Beruͤhrung eines eintzigen Tropf - fen Waſſers / geſeſſen. Sebaſt Beretar. in Vit. l. 4.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Franciſcaner / weilen der heilige Bernardinus Senen - ſis, ihres Ordens / bey der Statt Mantua auff ſeinem Mantl mit ſeinem Geſpann uͤber das groſſe Waſſer ge - ſeglet / ſo gar daß auch der gantze Mantl von keinem Tropffen iſt benetzet worden. In Vita.
Wie608Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Paulaner wol / in dem ihr heiliger Stiffter Franciſcus de Paula uͤber das gantze Meer in Sicilien auff ſeinem Mantl in Beglaitſchafft zweyen ſeiner Geſpaͤnn ohne min - deſter Gefahr / ſo gar auch durch die gefaͤhrlichſte Oerther / Scylla, vnd Charybdis genannt / gluͤcklich geſeglet. In Vita.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen die Patres Ca - pucciner wol / weilen ihr wunderthaͤtiger Mann Mat - thæus à Baſcio oͤffter uͤber den Fluß Padum, auch ein - mahl uͤber das Meer biß gegen Venedig auf ſeinem Man - tel gefahren.
Wie gnaͤdig das Waſſer ſeye / wiſſen wir Patres Auguſtiner wol / in dem der ſeelige Hieronymus Raca - natenſis, damit er die Burger zu Firmi, vnnd Aſculi moͤchte vereinigen / iſt er auff ſeinem Mantl uͤber einen ſtar - cken vnd groſſen Fluß gefahren. In Chron. SS. PP.
Wie das Waſſer gnaͤdig ſeye gegen allen frommen Dienern Gottes / wiſſen alle die jenige / welche gehoͤrt ha - ben vom Moy ſe bey dem rothen Meer / vom Joſue bey dem Fluß Jordan / vom Eliſæo wegen den ſchwimmenden Ey - ſen / vom Petro, wie er das Waſſer getretten.
Aber was das Waſſer fuͤr ein Geſicht macht gegen den Gottloſen / wie das Waſſer einen feurigen Zorn zeige gegen den Suͤndern / beſchreibt der weiſe Salomon in dem Buch der Weißheit. Er wird die Geſchoͤpff waff - nen / ſich an ſeinen Feinden zu rechnen. DasCap. 5. Waſſer im Meer wird gegen ſie ergrimmen / vnd die Stroͤm werden hart uͤber ſie zuſamb ſchlagen / ꝛc.
Was Zorn hat nicht diſes Element erwiſen 1657. Jahr / von Erſchaffung der Welt / 2315. Jahr vor ChriſtiGeburt609welche doch Chriſtus gewendet.Geburt / als der alte gerechte Taͤttl Noë 600. Jahr alt war? dann dazumahlen durch den allgemainen Suͤndfluß alle Menſchen deß gantzen Erdbodens ſeynd zu grund gan - gen / auſſer 8. Perſonen / welche ſich in die Goͤttliche Archen falvirt haben. Nicht weniger hat diſes Element ſeinen Grimmen dazumahlen ſpuͤhren laſſen / wie der halßſtaͤrri - ge Pharao mit einer groſſen Anzahl deß Volcks / wie auch mit 600. Waͤgen zu Grund gangen in dem rothen Meer. Von dem Menſchen gibt es die oͤfftere Erfahrenheit / daß einer pflegt zum oͤfftern vor Zorn gantz roth zu werden. In Egypten iſt einsmahl das Waſſer uͤber den Pharao, vmb weilen er den wahren GOtt nit wolte anbetten / alſo ergrimbt / daß es vor Zorn blutroth worden.
Anno Chriſti 587. hat ſich zu Rom der Fluß Tiber alſo ergoſſen / daß die vornehmſte / vnd herꝛlichſte Gebaͤu ſeynd von dem Waſſer zu Grund gerichtet worden. Un - der anderen hat man geſehen einen Drachen / in der Groͤſſe eines dicken Baums / mitten durch die Statt ſchwimmen / deme ein groſſe Menge der Attern / vnd Schlangen gefol - get / welche nachmahls auff das Geſtatt getriben worden / vnd wegen ihrer Faͤule ein groſſe Peſt verurſachet.
Anno 717. vnder Gregorio dem Anderten Roͤmi - ſchen Pabſten hat ſich mehrmahlen zu Rom ein ſo groſſe Uberſchwem̄ung deß Fluß Tibers 7. gantzer Tag erzaiget / maſſen das Waſſer gar uͤber eines Manns Hoͤhe alſo ge - ſchwellet / daß man in nidern Schiffen biß in St. Peters Kirchen fahren koͤnnen. Derowegen dann die Leuth der gaͤntzlichen Forcht waren / daß widerumb ein allgemainer Suͤndfluß den gantzen Erdboden werde uͤberſchwemmen. Baron in Ann.
Die ſchoͤne Statt Bertha in Schottland iſt eineſt von denen zwey Fluͤſſen Tai vnd Almund dergeſtalten uͤberſchwemmet worden / daß die mehreſte Haͤuſer / vndH h h hMen -610Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Menſchen zu Grund gangen. Der Koͤnig Guilelmus hat ſich kaum mit ſeiner Frau Gemahlin ſalviret / deme gleich ſein Printz Joannes, als ein kleines Herꝛl mit 12. adeli - chen Frauen / vnd 20. Hof-Bedienten armſeelig ertrun - cken. Boët. l. 13.
Anno 1120. iſt Koͤnig Henrich der Erſte diß Nah - mens in Engelland ein Friden eingangen mit dem Koͤnig in Franckreich / nachmahls iſt er ſambt denen ſeinigen wi - der nacher Hauß gerucket / ſeine zwey Printzẽ aber Guilelm, vnd Henrich / vnd die einige Princeſſin Sibilla ſeynd in ei - nem beſonderen ſchoͤnen Schiff / in Beglaitſchafft viler Edl-Leuth gefahren / bey beſtem Ruheſtand aber der Wind / ohne einige Ungeſtuͤmme deß Meers / iſt diſe Koͤnigliche Familia mit allen ins geſambt zu Grund gan - gen. Und will man ſolches Elend niemand anderen zu - ſchreiben / als der damahligen Engellaͤndiſchen Viehiſchen Unzucht. Matth. Pariſi.
So waichhertzig das Waſſer immer geweſt iſt / ſo zaiget es ſich gleichwol hart gegen den Suͤndern / vnd iſt nicht allein das jenige Waſſer bitter geweſt in der Wuͤ - ſten / welches nachgehends Moyſes mit einem Holtz ver - ſuͤſſet hat / ſondern es zaigt ſich wol oͤffter das Element erbitteret gegen dem Menſchen / uͤberflieſt / uͤbergieſt ihme die Felder vnd Waͤlder / verſenckt ihm / ertraͤnckt ihm Wi - ſen vnd Acker / fuͤgt ihme da vnd dort einen Schaden zu / weilen es rechnen will die Schmach / ſo der Menſch ſei - nem Erſchoͤpffer anthut / dann es erinneret ſich / in was groſſen Gnaden / vnd Æſtîma gleich von Anbeginn der Erſchaffung bey GOtt dem Allmaͤchtigen geſtanden / in dem der Geiſt Gottes ſchwebete ober dem Waſſer. In Erwoͤgung deſſen ſicht diſes Element in allweg / wie es die Ehr Gottes moͤge verfechten / vnd den Suͤnder moͤglichſter maſſen außrotten.
Was611welche doch Chriſtus gewendet.Was mainſt du / was deß Loths ſein Frau Gemah - lin geſtifftet habe / weilen ſie ſo ſcharpff von GOtt dem Allmaͤchtigen iſt geſtrafft worden? in dem der gute Herꝛ vermaint / ſein Weib flihe mit ihm von Sodoma, ſo war ſie ſchon zu Saltzburg. Was Vnthat dann hat ſie begangen? etwann hat ſie Abgoͤtterey getriben? villeicht hat ſie den Loth mit Gornucopia verſehen? oder hat ſie ihre aigene Kinder ermordet? nichts dergleichen / ſondern ſie alleinig hat wider deß Engels Befelch / vnnd Willen vmbgeſchaut / welche Ubertrettung nur ware ein laͤßli - che Suͤnd. Joan. Chryſoſt. de parv. peccato. Wann dann diſes Weib derenthalben in eine Saltz-Saulen iſt verkehrt worden / vmb weilen ſie GOtt den HERRN mit einer ſo geringen Suͤnd belaydiget. So verwunde - re dich gar nicht / wann es dir zuweilen auch GOtt ver - ſaltzen thut / vnd dir diſes / vnd jenes Ubel von Waſſer - Guͤß / vnnd Waſſer-Schaden uͤber den Halß ſchicket / weilen nur gar zu wahr bleibet / was mein heiliger Ertz - Vatter Auguſtinus außgeſprochen: Propter peccata veniunt delicta.
Allda ſtellet ſich widerumb ein anders Frauen-Zim - mer vor Augen / welche ihres Geſichts halber ſehr wol beſchaffen / ſie pranget mit einem ſchoͤnen Auffzug von geblumten Procat: es ſtehen ihr die gruͤnen Maͤſchen vnd Baͤnder ſtattlich wol an. Sie traget ein kleines Huͤn - del auff dem Armb / ſolches wird hart einen Teutſchen Nahmen haben / etwann haiſt es Belleveder, Zuker - leo, oder Pazerello, &c. Sie tragt ein ſchoͤnes wolrie - chendes Buͤſchl in der Hand / darmit nit allein die Augen ſich wayden / ſonderen auch die Naſen verſehen ſeynd. H h h h 2Diſe612Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Diſe iſt ein außbuͤndige gute Freundin der frommen Leu - then / aber entgegen ein geſchworene Ertz-Verfolgerin der ſuͤndigen Menſchen. Du werdeſt ſie ja vngezweifflet ken - nen? es iſt das Element / die Erden. Die Erden liebt / vnd lobt den Gerechten / wuͤtt vnd tobt wider den Vnge - rechten.
Was groſſes Mitleyden hat nit die liebe Erden da - zumahlen ſpuͤhren laſſen / wie der Heyland JEſus eines ſo bitteren Todts geſtorben / ſo hat ſie an ihrem gantzen Leib gezittert / vnd an mehrern Oerthern ſich eroͤffnet / als wol - te ſie zaigen / daß ihr gleichſamb das Hertz im Leib vor Mit - leyden zerſpringe. Wie man dann dergleichen Schlund / vnd Ritzen noch auff heutigen Tag zu Gaeta offen ſihet / auch zu Calarita, vnd andern Orthen. Pagat. p. 1. 153.
Adam vnſer erſter Vatter / wie die mehreſte darvor halten / ſoll auff dem Damaſceniſchen Acker auß einer rothen Erden erſchaffen ſeyn. Solche Erden iſt uͤber alle maſſen ſchoͤn lind / vnd faſt tractabl, wie ein Wachs / wel - che die Saracener / als ein koſtbare Sach / ſtaͤts in Egypten verkauffen / vnnd zaigt ſich diſe Erd noch alſo guthertzig durch ein ſtaͤttes Wunderwerck / daß / je mehr man Erd hinweg nimbt / je weniger ſpuͤhret man / daß eine ſoll dar - von ſeyn genommen worden. Borchard. p. 1. c. 7. §. 66.
Vmb die dreyſſig Silberling / vmb welche das wahre Lamb Gottes von Juda iſt verkaufft worden / haben die Hebreer ein Acker gekaufft zu einer Begraͤbnuß der Fremb - den. Von diſer Erden hat die Kayſerin Helena 270. Schiff voll mit diſer Erd nacher Rom abfuͤhren / vnd bey dem Berg Vaticani ablaͤhren laſſen / welches Orth der - enthalben noch von denen Inwohneren Campo Sancto, das H. Feld genennet wird. Diſe Erd hat noch auff den heutigen Tag diſe wunderbarliche Eigenſchafft / daß ſie kei - nen Romaner leyden kan / ſondern nur alleinig die Fremb -de /613welche doch Chriſtus gewendet.de / gegen welchen ſie alſo barmhertzig iſt / daß ſie dero Lei - ber innerhalb 24. Stund gaͤntzlich verzehret / damit die Wuͤrm den Coͤrper nit lang plagen.
Der H. Antonius Paduanus muſte in dem Cloſter zu Meſſana, einmahl auß Befelch ſeines Quardians, in Mitte deß Refectorij ſich eines Faͤhlers ſchuldig begeben / den er doch niemahlen begangen; weſtwegen ihme die Ob - rigkeit einen zimblichen Verweiß geben. Es hat ſich aber die Erde ſeiner Vnſchuld erbarmet / dann alſobald der Zie - gel / auff dem er knyete / hat angefangen zu wacklen / vnd von ſelber Zeit an hat man nie durch Arbeit vnd Fleiß den - ſelben Ziegl feſt machen koͤnnen / dahero vonnoͤthen geweſt / ein eyſenes Gaͤtterl daruͤber zu ziehen / welches annoch nit ohne Wunder zu ſehen. Pagat. 154. p. 1.
Wie der H. Beichtiger David einer groſſen MengeIoan. Colg. in Vit I, Martij. Volcks auff freyen Feld mit Apoſtoliſchem Eyffer gepredi - get / er aber in der Nider geſtanden / daß ihn jedermann nit ſehen konte. Alſo hat ſich die Erde ſo hoͤfflich gegen diſem Diener Gottes erzaiget / vnd ſich ſelbſt in die Hoͤhe auffge - baumbt / daß alſo der H. Mann auff diſem hohen Bichel / vnd Buckel der Erden von allen iſt geſehen worden.
Der Paͤbſtliche Abgeſandte kame einsmahls zu dem heiligen Sabinum, Biſchoffen zu Placenz, gewiſſe heiligeIn Vita. Geſchaͤfften mit ihme zu verrichten. Vnderdeſſen befragt den H. Mann der Koch / was er heut zurichten ſoll? Rue - ben / mein lieber Koch / antwortet er / ein wenig Rueben / weiter nichts. Der Koch ſchuͤttlet hieruͤber den Kopff / in Betrachtung / daß erſt den vorigen Tag zuvor der Rue - benſaam in die Erde iſt geſaet worden; gehet aber gleich - wol / auß Befelch deß H. Biſchoffs / in den Garten / vnd findt alldar / daß die Erde ſchon innerhalb 24. Stund die beſte Rueben hervor gebracht.
Als der H. Furſæus ſambt ſeinem Mitgeſpann La -H h h h 3ctano614Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /In Vit. 9. Febr. Ioan. Colg. ctano den Acker ſeines Cloſters mit aignen Haͤnden vmb - gehauet / vnd das Korn außgeſaͤet / hat ſich die Erd gegen diſem eyffrigen vnd frommen Mann alſo guͤtig / vnd mild - hertzig erwiſen / daß erſtgenanntes Korn innerhalb drey Ta - gen auffgewachſen / vnd gezeitiget.
Der heilige Gregorius mit dem Zunamen Thauma -Euſeb. Cæ - ſar. l. 7. c. 26. turgus, hat einem hohen Berg ernſtlich befolchen / weilen er dem Kirchen-Gebaͤu ſehr verhinderlich war / daß er ſich anderwerts ſoll hinheben / diſem Willen hat der Berg ſchleunigiſt gehorſamet / vnnd alſobald daſſelbe Orth ver - laſſen. Die Erde von dem Grab deß heiligen Gregorij, deß heiligen Geneſij, deß heiligen Guigneri, deß heiltgen Raymundi, deß heiligen Martyr Petri, deß heiligen Ri - goberti, deß heiligen Haberillæ, der heiligen Roſæ, vnnd anderer mehrer thut zu groͤſſerer Ehr diſer frommen vnd heiligen Leuthen vil Kranckheiten wenden. In allem iſt diſes Element der Erden denen frommen Menſchen wol - gewogen / entgegen tragt es ein Haupt-Feindſchafft gegen den Suͤndern. Man hat es dazumahl ſattſamb erfahren /Num. 16. wie der Dathan vnd Abiron ein ſehr ſchaͤdliche Auffruhr vnder dem Volck Iſrael erwecket / hat die Erd ſolche la - ſterhaffte Geſellen nit mehr wollen ertragen / ſondern gantz grimmig ihren Schlund auffgeſperret / vnd ſolche Teuf - fels-Brocken lebendig verſchlicket.
In der Statt Luca in der Auguſtiner-Kirchen zaigt man ein groſſes Loch / allwo ein Gottloſer Spiller von der Erden iſt lebendig verſchlunden worden. Raiß mit mir durch Tyroll / da werden wir kommen nacher See - feldt / da will ich dir mit Fingern weiſen das Orth / wo im Jahr 1384. die Erde einen Edlmann biß auff die Knye geſchlucket / weilen ſolcher freventlich ſich vnder - ſtanden hat / eine groſſe Hoſtien / wie der Prieſter / zuOeſter -615welche doch Chriſtus gewendet.Oeſterliche Zeit zu genieſſen. Vom Seefeldt wollen wir vnſer Raiß anſtellen in das Roͤmiſche Reich / alldort wird zu Paſtel ein jeder dir / vnd mir den Platz weiſen / allwo die Erden einen lebendig verſchlucket / weilen er ſich dem boͤſen Feind verſchriben. Von dannen wenden wir vns in das Koͤnigreich Boͤhmen / woſelbſt ich dir mit Zeugnuß aller drey Staͤtt zaigen / vnweit dem ſchoͤ - nen Geſchloß / das jenige Orth / allwo die Gottloſe Dra - homira durch dero verruchte Anſchlaͤg der heilige Wen - ceslaus vmbgebracht worden / ſamdt Roß vnd Wagen von der Erden verſchlucket worden / vnd alſo mit Re - putation auff einem Wagen in die Hoͤll gefahren / da ſonſten ein anderer armer Teuffel muß zu Fuß dahin ge - hen. Biſt du aber ſchon in etwas abgemattet / vnd nicht mehr Luſt haſt ferner zu raiſen / ſo ſetze dich nach deinem Wolgefallen nider / vnd liſe zu einer erſprießlichen Zeit - Vertreibung etliche Buͤcher / worinnen du werdeſt mit Verwunderung ſehen / was geſtalten oͤffters die Erde / diſes ſonſten gedultige Element / welches ſich von Menſchen vnd Thieren laſt mit Fuͤſſen tretten / ihren Zorn habe ge - gen den Suͤndern außgegoſſen.
Anno 117. iſt die groſſe vnd Volckreiche Statt An - tiochia von denen ſtarcken Erdbiden dergeſtalten zerſchuͤt - tet worden / daß vnder dem eingefallenen Gemaͤuer uͤber die ſechtzig tauſend Menſchen todter gefunden worden. Diſes ſtarcken / vnd vngewoͤhnlichen Erdbidens war ein eintzige Urſach / die Verfolgung deß heiligen Biſchoffs daſelbſt.
Anno 1169. in Sicilia abſonderlich zu Catana. An - no 136. zu Conſtantinopel. An. 1200. in Pohln. An. 1117. in Italia. An. 1356. in Schweitzerland. Bey Re - gierung deß Kayſers Adriani in Bithynia, vnd dem Kay - ſer Trajano in Aſia, zur Zeiten deß Kayſers Gordiani,deß616Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /deß Kayſers Diocletiani, deß Kayſers Valentis, deß Kay - ſers Juſtiniani, deß Kayſers Conſtantis, deß Kayſers Henrici deß Dritten / Friderici deß Anderten / ſeynd durch die ſtarcke Erd-Bewoͤgung vil Staͤtt vnnd Schloͤſſer zu Grund gangen. Baron.
Anno 1618. in diſem vnſern Sæculo ſtunde das ſchoͤ - ne Staͤttl Blurſch / wegen aller erwuͤnſcher Ergoͤtzlich - keiten / faſt zu trutz dem Irꝛdiſchen Paradeyß. Es waren allda zu ſehen die ſchoͤnſte vnd mit groͤſten Unkoſten erbau - te Gaͤrten vmb vnd vmb / daß alſo die Leuth in einem pur - lauteren Roſen-Garten geſeſſen. Es ſcheinte fuͤr gewiß / als haͤtten die Inwohner zu Blurſch von der Flora die Gaͤrten / von der Ceres die Trayd-Felder / von dem Ba - cho die Weingebuͤrg / von dem Neptuno die rauſchende Waſſer quellen / vnd von dem Jupiter allen Luſt / vnd Guſt erblich erhalten. Ihre Gebaͤu waren voller Herꝛlichkeit: ihre Keller voller Wein: ihre Kaͤſten voller Trayd: ihre Kuchel voller Speiſen: ihre Handlſchafften voller Ge - winn: ihre Gegend voller Geſpaͤß: ihre Baͤumer voller Fruͤchten: ihre Waͤſſer voller Fiſch: ihre Beuthl voller Gelt: ihre Wirthſchafften voller Begnuͤgen: ihr Leben voller Freuden: aber die Leuth nit voller Tugend. In ei - nem jeden Hauß alldort hat der Herꝛ Gaudentius gehaiſ - ſen / vnd die Frau Hilaria, der Sohn Fauſtus, die Toch - ter Felicitas, der Knecht Fortunatus, der Bueb Proſper, die Dirn Fauſtina, aber niemand wurde Probus oder Pius genannt. Aber gemainiglich / wann die Schwein am beſten gemeſt iſt / ſo hat es den Metzger zu foͤrchten. Der gerechte GOtt gab den benachbarten Oerthern durch vnderſchidliche Begebenheiten zu verſtehen / daß er diſes Orth / ſambt allen dem Wolluſt ergebenen Inwohneren wolle zuͤchtigen. Die Erden kont es nicht mehr ertragen / daß diſe vmb ſo haͤuffige Gnaden / vnd Uberfluß dem All -maͤch -617welche doch Chriſtus gewendet.maͤchtigen Erſchoͤpffer noch den Undanck erwiſen. Die Benachbarte haben mehrmahlen die Inwohner deſſelben Orths ermahnet / wie daß ſie vermercket ein groſſes Zit - tern der Erden / ein vngewoͤhnliches heulen bey der Nacht / abſcheuliche Geſpenſter / Abendtheuer; ſeye demnach diſes ein vnvermuthlicher Vorbott eines groſſen bevorſtehen - den Ubels. Alles diſes verurſachte nur bey den Blur - ſchianern ein Gelaͤchter / als welche dergleichen Prophe - ten nur fuͤr Fabel-Hannſen außhoͤnten. Endlichen hat der klaͤgliche Außgang diſe Warheit beſtaͤttiget. Nachdem die ſtrahlende Sonn durch ihren Undergang ſich beurlau - bet: nachdem der Mond / als ein ſondere Nacht-Fackl den Himmel angefangen zu erleuchten / zu einer ſolchen an - nehmlichen Abendzeit / da die mehreſte noch in ihren Luſt - Haͤuſern mir Kurtzweil die Zeit vertriben / entſchuͤtter ſich augenblicklich die Erden mit einem vnbeſchreiblichen knallen vnd krachen / vnd wirfft den nechſt entlegenen Berg Conton uͤber das gantze Staͤttl Blurſch / daß alſo diſes halbe Paradeyß mit allen Inwohnern auff einmahl mit diſem Grabſtain zugedecket worden. Man hat nach - mahls mit ſonderem Fleiß wollen die Coͤrper / forderiſt aber den groſſen Schatz / vnd Reichthumb außgraben / ſo ſeynd aber gar wenig gefunden worden. Under anderen hat man angetroffen ein todte Dienſt-Magd / welche ein Stuͤckel Brodt im Maul / vnd ein gebutzte Hennen in der Hand gehalten. Die oͤfftere Geſpenſter aber / vnd der vn - leydentliche Geſtanck thaͤte ferners alles graben verbieten. Lotichius l. 2. c. 1.Es ſoll auch allda ein Stain mit einer Hebreiſchen Schrifft ſeyn gefunden worden / mit diſer Außlegung. Seynd meine Wort nicht wie ein Feur / ſpricht derJerem. 23. HErꝛ / vnd wie ein Hammer / der die Felſen zerſchmettert.
J i i iNicht618Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /Nicht allein zaigt die Erden ihren Zorn vnd Grim - men durch dergleichen Erdboͤbungen / ſondern ſie ſtrafft den Suͤnder offtermahlen mit Vnfruchtbarkeit. Wie dann GOtt denen Hebreeren gedrohet / dafern ſie ſeineDeut. c. 38 Gebott nit werden halten; Du wirſt vil Saamens in die Erden werffen / vnd wenig einſamblen / den Weinberg werdeſt du pflantzen vnd gra - ben / vnnd wirſt keinen Wein trincken / auch nichts darauß ſamblen / dann er ſoll von de - nen Wuͤrmen verwuͤſtet werden. Du wirſt Oel-Baum haben / in allen deinen Graͤnitzen / vnd wirſt dich mit Oel nicht ſalben / dann ſie werden abgehen / vnd verderben.
Woher iſt kommen der ſibenjaͤhrige Hunger in E -Gen. 41. gypten vnder dem Koͤnig Pharao? woher iſt kommen die euſſerſte Hungers-Noth in Samaria? allwo ein Eſels - Kopff vmb 80. Silberling iſt verkaufft worden. 4. Reg. 6. Woher iſt kommen die groſſe Theurung in Judæa vnder dem Koͤnig Herode? woher iſt kommen der Hunger vn - der dem Kayſer Claudio? woher iſt kommen der groſſe Hunger Anno 313. vmb Rom herumb? woher iſt kom - men der Hunger in Italien Anno 539. in dem dazumah - len der Menſchen vil hundert tauſend auß Hunger geſtor - ben / vnnd hat man an einem Orth zwey Weiber ange - troffen / welche ſibenzehen Maͤnner erwirget / kocht / vnd auffgezehret haben. Woher iſt kommen der Hun - ger Anno fuͤnff hundert acht vnnd dreyſſig in Italien? weilen zur ſelbigen Zeit einer den andern ermordet / damit er ſich mit Menſchlichen Fleiſch moͤge erhalten. Woher iſt kommen der Hunger in dem Teutſchlandbey619welche doch Chriſtus gewendet.bey dem Rheinſtrohm im Jahr achthundert vnd fuͤnfftzig. woher der Hunger in Schottland Anno 1098. Anno 1315. in Pohln. Anno 1429. in Thuͤringen. Anno 1586. in Hungarn. Anno 1590. in Franckreich. Anno 1587. in Niderland. Anno 1315. durch die gantze Welt / bey welcher Zeit der dritte Thail der Menſchen zu Grund gangen. Woher iſt diſe betrangte Hungers-Noth kommen? als eben von Vnfruchtbarkeit der Erden? woher aber die Vnfruchtbarkeit der Erden? als von der Suͤnd. Mercks wol. Woher kombt es / daß alles theurer als vorhero? die Erde vil karger / als vorhero? das Brodt vil kleiner / als zuvor? der Wein - ſtock vil geſparſamer / als zuvor? daher / weilen auch die Menſchen vil aͤrger vnnd boßhaffter als zuvor. Was der Prophet Aggæus vor diſem an ſtatt Got - tes dem ſuͤndigen Volck vorgeworffen / daſſelbige iſt oͤffters einem Koͤnigreich / einem Land / einer Statt / einem Dorff vorzurupffen. Vmb der Suͤnden wil - len iſt dem Himmel verbotten den Thau zu geben (mercks wol) vnd der Erden iſt verbot - ten ihr Gewaͤchs hervor zu bringen: (vergiß das nicht) vnd ich habe ein Duͤrre beruffen uͤber das Land / vnd uͤber die Berg / vnd uͤber dasAggæ. 1. Korn / vnd uͤber den Wein / vnd uͤber das Oel / vnd uͤber alles / was die Erde hervor brin - get. (NB.)
Ex offenſione non ſolùm iram Dei promerui - mus, ſed etiam totam Creaturam adverſum nos ex - citavimus. S. Anſelm. de Simi. c. 101. Semper irrato Deo ſimul etiam ad iram ſerva Creatura exacuitur. S. Cyrill. l. 2. Iſa. 13. In Summa, ich rede es gut teutſch; ichJ i i i 2ſchreibs620Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /ſchreibs gut Teutſch / alle Geſchoͤpff / ſonderlich aber die Elementen ſeynd die groͤſte Feind deß Suͤnders. Daß das Feur dir verbrennt die Scheuer; daß der Lufft dir iſt ein gifftige Krufft: daß das Waſſer dir iſt ein ſchaͤdlicher Praſſer / daß die Erd nit vil mehr werth / diß alles macht die Suͤnd. Palamedes hat das Kartenſpill erfunden / vnd die Wuͤrffel: die Lydier haben das Gelt erfunden: Pau - linus hat die Glocken erfunden: Gygges in Egypten hat die Mahlerey erfunden: Nemrod hat die Bildhauerey er - funden: Boetius hat die Vhren erfunden: Anacharſis hat die erdene Geſchirꝛ erfunden: Dædalus hat das Zim - mer-Handwerck erfunden: Caſtor vnd Pollux haben die Boͤgen erfunden: Moyſes hat die Kriegs-Waffen erfun - den: Neptunus hat die Schiff erfunden: Joannes Fau - ſtus vnd Petrus Scheffer, beede Teutſche / haben die Buch - druckerey erfunden / ꝛc. Der Teuffel hat die Suͤnden er - funden / vnd die Suͤnd hat alles Elend in der Welt erfun - den. Anjetzo waiſt du / wo Noth vnd Todt / wo Trangſal / wo Truͤbſahl herruͤhren.
Abſalon ein wolgeſchaffener vnd wolgeſtalter Herꝛ / welcher nicht allein guldene Haar auff dem Kopff / ſondern auch ein guldenen Verſtand in dem Kopff / erzeugte drey Soͤhn vnd ein Tochter / nichts deſtoweniger hat er ihme bey Lebens-Zeiten ein ſchoͤne Saulen auffrichten laſſen von dem beſten Marmor / worauff er geſtellt hat ſein Bildnuß zu einer ewigen Gedaͤchtnuß. Dann er ſprach / ich2. Reg. 18. hab keinen Sohn / vnd das ſoll ein Gedenck - mahl ſein meines Namens. Es hatte ja diſer ſchoͤ -2. Reg. 14. ne Printz drey Soͤhn. Wie daß er ſich dann beklaget / er habe keinen Maͤnnlichen Erben? Abſalon ſahe ſchon vor - her / daß keiner auß ſeinen Soͤhnen werde zu der Cron ge - langen / dann es waren vngeſtalte plumpe Printzen / vndhalbe621welche doch Chriſtus gewendet.halbe Lappen; alſo ſchreibt Lyranus, drey vngeſchickte Phantaſten. Einer war ſo geſcheid / wie jener Giſpel / der vnweit Krembs in die Donau gefallen / nachdem er aber durch gute Leuth kaum herauß gezogen worden / hat er ſich ſo hoch verſchworen / er wolle keinen Tropffen Waſſer mehr anruͤhren / ehe vnd bevor er lehrne ſchwimmen. Der andere Sohn war ſo witzig / wie derſelbige Didltapp / ſo da einen groſſen Krug Wein verpettſchieret / damit ſolchen keiner auß ſeinen Mitcammeraden moͤchte credenzieren. Ein anderer aber war ſo ſchlauch / vnd bohret vnderhalb in das Geſchirꝛ ein Loch hinein / worauß er ein gutes Viertl gezogen / nachmahls hat er das Loch mit Wachs verrennet. Als nun der obere ſein vnverletztes Pettſchier weckgeriſſen / vnd den Krueg nur halbvoll mit Wein angetroffen / kont er ſich uͤber diſes Wunder nit gnugſamb vergaffen / wie daß ohne Verletzung deß verpettſchierten Deckels habe koͤnnen der Wein herauß kommen. Da ihme aber einer den guten Rathſchlag gegeben / er ſoll den Krueg vnder - halb wol betrachten / ob nit etwann ein Boͤßwicht daſelbſt ſeinen Vortl geſucht; dem gabe aber diſer Trampus die Antwort / wie daß nur oberhalb der Wein abgehe / vnd nit vndenher. Der dritte Sohn deß Abſalons war ſo verſtaͤn - dig / wie jener / der ſich uͤber den Wolffganger-See in O - ber-Oeſterreich fuͤhren laſſen in einem Schiff / weilen er aber ein Pferdt bey ſich hatte / alſo iſt er ſtaͤts auff denſel - ben Schimmel ſitzend verbliben. Als man ihn aber deſ - ſenthalben ermahnt / vnd gefragt / warumben er nit herab ſteige? nein / ſagt er / das thue ich nit / dann ich muß eylen / ich wolt heut noch gern zu Saltzburg ſeyn. DergleichenLztan. in 2. Reg. 14. drey plumpe / vngeſchickte / vnd vnverſtaͤndige Soͤhn hatte Abſalon, derentwegen er vnſchwaͤr konte abnemmen / daß auß ihnen keiner dichtig ſeye zu der Regierung. Aber vmb Gottes willen / wie hat ein ſo ſchoͤner Herꝛ / witziger / vndJ i i i 3wol -622Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /wolgeſchaffener Herꝛ ſambt ſeiner Frau Gemahlin / die auch ein Dama war von groſſen Qualiteten / ſolche Phan - taſten erzeuget? wer iſt / was iſt die Vrſach? ich glaub / keine andere ſeye es / als ſeine Suͤnden / ſein laſterhafftes Leben / ſein Gottloſer Wandel / ſein kindliche Vntreu ge - gen ſeinem Herꝛn Vattern. Ja er hat ihme kraͤfftig ſelbſt eingebildet / diſe drey Mannliche Erben / wegen ſeiner Suͤnden / werden nicht lang leben / wie es bezeuget der H.Quæſt. Hebrai. Hieronymus. Non habes filium, quia putabat filios ſuos ob peccatum ſuum, quod in Patrem geſſerat, non ſolum Regno, ſed etiam præſenti vita indignos eſſe. Vnd was GOtt vor drey tauſend / zwey hundert / vnd zwey Jahren auff dem Berg Sinai geredet hat / das redet er noch / das thut er noch. Ich bin der HErꝛ dein GOtt / ein ſtarcker / vnd eyffriger GOtt /Exod. 20. der ich die Miſſethaten der Vaͤtter an denen Kindern haimbſuche in das dritte / vnd vierdte Geſchlecht / deren die mich haſſen.
Roboam der Koͤnig der Juden hat 88. Kinder er - zeuget. Joſeph. l. 8. c. 10. Achab ein Koͤnig der Iſraeli - ter hat 70. Soͤhn erzeuget. Thiſpis ein Koͤnigs Sohn 50. Toͤchter: Artaxerxes ein Koͤnig in Perſten 121. Kin - der. Herotimus ein Koͤnig der Arabier hat 600. Soͤhn erzeugt. Attila Koͤnig in Ungarn 60. Graff Babo von Abenſperg 32. Soͤhn: vnder dem Kayſer Zenone hat ein Weib auff einmahl 7. Kinder gebohren; zu Altaich in Under-Bayrn ein Weib auff einmahl 5. Kinder; eine Graͤffin von Querfurt 9. Kinder: Graͤffin Margaritha von Hollſtain auff einmahl 36. Kinder: Irmentridis ein Graͤffin von Altdorff auff einmahl 12. Soͤhn: Eleo - nora Salviata eines Burgers Frau zu Florenz hat 50. Kinder gebohren / vnd auff einmahl nie weniger als drey. Alle623welche doch Chriſtus gewendet.Alle diſe ſeynd fruchtbar genug geweſt / aber die Suͤnd iſt noch fruchtbarer / maſſen auß ihr uͤber 1000000000. ꝛc. Ubel / Trangſahl / Elend / Kranckheiten / Schmertzen / Peſt / Krieg / Hunger / Armuth / Verfolgung / vnd Unſtern ge - bohren werden.
Der Gedult ſchoͤnſte Prob / mit allem Lob / war der Job / allermaſſen er faſt vnbeſchreibliche Trangſahlen / vnd Schmertzen außgeſtanden. Erſtlich war er auſſaͤtzig am gantzen Leib / vnd war kein Thail an ſeinem elenden Coͤr - pel / wo nit ein aittriges Geſchwer auffgefahren. Zum anderten iſt ſehr vermuthlich / daß er vom Podagra ſeye geplaget worden / in dem er ſelbſten geſprochen. Es hatCap. 16. mich mein Schmertz vnterdrucket / vnd alle meine Glider ſeynd zerſchlagen. Item hatte er uͤber vnd uͤber die Laͤuß-Kranckheit; dann ſolche Thierl auß ſeinem halb verfaulten Leib in der Menge gewachſen / welche ihn Tag vnd Nacht plagten. Sintemahlen er ſelbſt bekennet mit folgenden Worten. Deß Nachts wird mein Gebain mit Schmertzen durchbohret / vndCap. 30. die mich freſſen / die ſchlaffen nit / durch ihr Menge wird mein Klayd verzehrt / vnd ſie ha - ben mich / gleichwie mit dem Kragen meines Rocks / vmbguͤrtet. Mehr hat der Job die ſchmertzli - che Diſſenteria, oder Durchbruch gelitten. Wie er ſol - ches mit diſen Worten will zu verſtehen geben. Er hat meine Lenden verwundet / vnd meiner nichtsCap. 16. geſchont / mein Eingewayd hat er außge - ſchuͤttet auff die Erden. Auch ſoll der gute Job bey naͤchtlicher Weil von denen Trudten / oder Schraͤt - tel ſeyn geplaget vnd gepeyniget worden / welches folg -ſame624Judas ein Urſach der Apoſtoliſchen Meers-Gefahr /ſame Wort gnugſamb beſtaͤttigen. Wann ich ſag / mein Boͤthlein ſoll mich troͤſten / vnd wann ich bey mir ſelbſt rede auff meinem Lager / daß es mich ſoll erleuchten / ſo ſchroͤckeſt du mich mit Traumen / vnd macheſt mir ein Grauſen mitCap. 7. Geſichtern. Item, ſo war auch der Job doͤrꝛſichtig / welches die Medici Febrim Hecticam nennen. Diſe Kranckheit hat ihn alſo verzehret / daß er zu letzt nichts / als Haut vnd Bain uͤbrig hatte / welches auß dem abzu - nemmen. Mein Haut hangt vmb mein Gebain / weilen das Fleiſch verzehret iſt / vnd die Lefftzen vmb meine Zaͤhn ſeynd alleinig uͤbergebliben. Cap. 19.Vatablus, vnd Cyprianus mit vilen Beweißthumen ſa - gen auch / daß auch der Job durch Beywuͤrckung deß boͤſen Feinds habe jene ſchaͤndliche Kranckheit gehabt / die manPineda in cap. 2. Job. nennt Mal Franzeſe. Es war mit einem Wort diſer Job der elendeſte Menſch auff dem gantzen Erdboden / vnd hat er alles diſes Ubel niemand andern zugeſchriben / als allei - nig ſeinen Suͤnden. Ja es ſchreibt der heilige Policromius, der heilig Apollinaris, welche della Nuza citiert, daß Job ſeye mitten im Aſchen geſeſſen / welches bey alten Zei -Serm. 222. de temp. ten ein Zaichen war der Pœnitenz, vnd Bueß. Mein H. Vatter Auguſtinus iſt der Mainung / daß warhafftig diſes Elend uͤber den Job ſeye kommen wegen etlicher ſeiner laͤßlichen Suͤnden. Dann ob er ſchon den Preiß-Namen / vnd beſten Rueff von GOtt ſelbſten hatte / daß er ein ge - rechter vnd frommer Mann ſeye geweſt / ſo iſt er doch nit ohne etlichen kleinen Suͤnden gefunden worden / weſſent - halben er diſe uͤberhaͤuffige Trangſahlen außſtehen muſte.
Edlmann / Bettlmann frag nicht mehr warumb? Handels-Mann / Wanders-Mann frag nicht mehr war -umb?625welche doch Chriſtus gewendet.umb? Hauer vnd Bauer fragt nicht mehr / warumb diſes vnd jenes Ubel dich uͤberfallen? ſondern ſchreib es deinen Suͤnden zu. Es hat einmahl einer vil Jahr mit groͤſter Treuheit vnd Frombkeit ſeinem Herꝛn gedienet / vnd war beynebens ein Gottſeeliger Menſch / vnnd aller Gotts - forcht ergeben. Diſem aber hat eineſt der Herꝛ auß uͤber - maͤſſigen Zorn einen Fuß abgehaut in einem Wald / vnd alſo elend laſſen ligen / biß endlich durch ſein groſſes Ge - ſchray / vnd Weheklagen ein heiliger Eremit / welcher in derſelben Einoͤde wohnte / zu ihm kommen / vnd beſter - maſſen dem armen Tropffen in ſeinem Huͤttl gewartet. Es kont ſich aber der Gottſeelige Einſidler nicht genug - ſamb verwundern / daß GOtt uͤber diſen ſo H. Menſchen ein ſo groſſes Elend verhengt habe / vnd wolte ſchier im Zweiffel ſtehen / als ob GOtt hierinfahls vngerecht ware. GOtt der Allmaͤchtige aber hat ihn bald durch einen Engel vnderrichtet / daß ſolches Ubel diſem Menſchen gar recht ſeye widerfahren / dann ob er ſchon dermahlen fromm / vndMans. lit. P. fol. 432. heilig gelebt / ſo habe er dannoch vor vilen Jahren einmahl auff dem Weeg mit diſem Fuß ſein Mutter vom Wagen herab geſtoſſen. Derenthalben ſey ihm anjetzo diſes Elend widerfahren. Auß welchem dann ſattſamb erhellet / daß vnſers Elends eintzige Mutter ſeye die Suͤnd: vnſers Un - ſterns eintzige Wurtzel ſeye die Suͤnd. Etliche edleſte Pro - vintzen / vnd Landſchafften ſeynd in diſen 600. Jahren durch groſſe Kriegs-Empoͤrungen auß Laͤnderen Elender worden / vnd ligen anjetzo im Aſchen / vnd ſicht man nichts als einen lautern Aſchermittwoch. Aber glaub du mir / daß ſie dermahlen einen ſo traurigen Aſcher-Mittwochen ce - lebrieren / iſt die Urſach / weilen ſie zuvor ein gar zu luſtige vnd uͤbermuͤthige Faßnacht begangen.
IN Mitte der Galileiſchen Felder ſtehet ein Berg mit Nahmen Thabor / vnweit Capharnaum, all - wo der HErꝛ JEſus ſehr offt geprediget. Diſer Berg ligt 3000. Schritt von Geneſareth in einer ſehr an - nebmlichen Gegend / vnd iſt ſolcher nit von rauhen Stain - Klippen / oder harten Felſen / ſondern eines fruchtbaren Grunds voll mit dem beſten Graß / vnd wilden Blumen - Gewaͤchs. Auff diſem hohen Berg hat der HErꝛ JEſus obbenennte drey Apoſtel mit ſich gefuͤhret / vnd nach lan - gem / eyffrigen Gebett daſelbſt bey naͤchtlicher Weil ſeine Goͤttliche Glory gezaiget. Das Angeſicht deß HErꝛn glantzte wie die Sonn / ſeine Klayder / welche zuvor blau / vnd roth ſcheinten / wie der Schnee / welche Farb ein ai - gentliche Livere der Himmliſchen Glory. Es erſcheinten auch allda Moyſes, vnd Elias mit glorreichen Leiberen / welche zwar die Apoſtel / Geſicht halber / nicht gekennt / ſo haben ſie dannoch durch Goͤttliche Offenbahrungen erfah - ren / daß diſe zwey glorreiche Maͤnner Moyſes, vnd Elias ſeynd. Darumben aber ſeynd diſe zu der Erklaͤrung der Himmliſchen Glory genommen worden / damit man ſolle glauben / daß man in einem jeden Stand koͤnne ſeelig werden. Weilen nemblichen Moyſes verheyrathware;627Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung / vnd warumb?ware; Elias aber in vnverſehrter Jungfrauſchafft / als ein Religios, vnd Geiſtlicher lebte. In ſolche uͤberſchweng - liche Glory hat ſich Petrus alſo vertieffet / daß er uͤber - laut auffgeſchryen. Faciamus hic tria tabernacula. Laſſet vns hier drey Tabernacul auffrichten. Matth. 17.Anjetzo entſtehet allein die Frag / warumben der gebene - deyte Heyland nicht alle Apoſtel / vnnd folgſamb auch den Judam zu diſer Verklaͤrung gezogen? Der heilige Da - maſcenus beantwortet diſe Frag / wie daß die andere A - poſtel gleichmaͤſſig wuͤrdig waren die Glory deß HErꝛn zu ſehen / auſſer deß Juda. Dann diſer wegen ſeines Diebſtalls / vnd Neyds nicht werth ware ſolches Myſte - rium zu ſehen. Es ſeynd aber der Vrſach halber auch die andere Apoſtel außgeſchloſſen worden / damit der Ju - das noch bey ſeinem ehrlichen Nahmen verbleibe / wei - len ihn die Leuth noch allemahl fuͤr einen rechtſchaffe - nen Apoſtel gehalten. Sofern aber der HErꝛ Judam nur allein haͤtte beyſeits geſetzet / die andere aber alle zu diſer herꝛlichen Verklaͤrung geruffen / ſo waͤre er zweiffels ohne in einen Verdacht kommen / vnnd haͤt - ten die Hebreer von ihm den Argwohn geſchoͤpffet / erS. Damaſc. in Orat. de Transfig. muͤſſe ein nichtsnutziger Menſch ſeyn. Wolte alſo der Heyland die Miſſethat Judæ noch verborgener hal - ten / vnnd ſolchen nicht in ein boͤſes Geſchray bringen / vnd beynebens auch verhuͤten ihr freches urthlen / welches gantz gemain in der Welt.
Wer biſt du Menſch? du biſt ein Kuͤrbes-Blatt deß Propheten Jonæ, welches bald verwelcket: du biſt ein Maul-Eſel deß Printzen Abſalons / welcher bald durchge - het: du biſt der Topff der Propheten-Kinder / welcher voll mit Bitterkeit: du biſt das Manna der Iſraeliter / welches uͤber Nacht wurmſtichig wird: du biſt die Ruthen Aaron,K k k k 2wel -628Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /welche in ein Schlang ſich verkehrt: du biſt der Fluß Ti - phon, ſo zwar auß dem Paradeyß den Vrſprung nimbt / aber ſich bald widerumb in die Erden verſchlieffet. Wer biſt du Menſch? du biſt ein Sack / aber kein ſolcher Sack / in welchen der Joſeph ſeinen Bruͤdern das Gelt geleget / ſondern du biſt ein Koth-Sack: du biſt ein Speiß / aber kein ſolche Speiß / wie der Habacuc dem Daniel gebracht / ſondern du biſt ein Speiß der Wuͤrmen: du biſt ein Gru - ben / aber kein ſolche Gruben / in welche der diebiſche Achan Gold vnd Schaͤtz vergraben / ſondern du biſt ein ſtinckende Sumpff-Gruben: du biſt ein Blum / aber kein ſolche Blum / welche da riechet wie die Roſen zu Jericho, ſondern du biſt ein Sau-Blum: du biſt ein Kraut / aber kein ſolches Kraut / wie gewachſen in dem Paradeyß / ſon - dern du biſt ein Vnkraut: du biſt ein Vogel / aber kein ſol - cher / der in das Lager der Iſraeliter geflogen / ſondern ein Finck / vnd zwar ein Miſtfinck: du biſt ein nichtige Er - den / vnd irꝛdiſches Nichts / vnd wilſt dannoch ein GOtt ſeyn. Du ein Gott? pfui! iſt ein Spott.
GOtt allein iſt der jenige / deme die innerſte / ver - borgnefte / gehaimeſte Hertzen / Gedancken vnnd Regun - gen bekannt ſeynd. Diſer waiß / wie der Menſch beſchaf - fen / vnd nicht du elender Erd-Schrollen. Gleichwol iſt faſt taͤglich bey dir das richten / vnd urthlen uͤber deinen Neben-Menſchen. In dem doch dir dein GOtt ſo ernſtlich verbietet: Nolite judicare ſecundùm faciem. Rich - tet nicht nach dem Anſehen. Dann welcher urtlet nach dem aͤuſſerlichen Schein / faͤhlt vnd irret offt. Weſ - ſenthalben der Argwohn billich ein Narꝛgwohn ſoll genennet werden.
Einer geht auff den Marckt / der Mainung / vmb ſein paares Gelt etwas einzukauffen / kombt vngefehr zu einemLaden629vnd warumb?Laden / allwo durch kuͤnſtliche Pembſel gemahlte Bilder herauß hangen. Dort hangt die Bildnuß deß heiligen Jo - ſephs, welches der beruͤhmte Mahler Joſeph Werner ge - mahlt: da hangt die Bildnuß deß H. Joannis, welche der beruͤhmte Mahler Joannes Herbſt von Straßburg ver - fertiget: da iſt zu ſehen die Bildnuß deß H. Franciſci, welches ein Werck iſt deß beruͤhmten Mahlers Franciſci Salviati: dort iſt zu ſehen die Bildnuß deß H. Ertz-En - gels St. Michael mit der Waag / iſt von der Hand deß weltberuͤhmten Mahlers Michael Angeli: Neben diſen ligen noch andere zuſamb gerohlte Bilder von guten Haͤn - den / eines Albrecht Duͤres / eines Peters von Perus, eines Raphael von Urbin, eines Montega von Mantua, eines Melotij von Friaull / ꝛc. Der vorwitzige Herꝛ loͤſet ein zu - ſamb gerohltes Bild auff / vnd ſihet gleich von Anfang ei - nen entbloͤſten Degen; Holla! ſagt er / der iſt gewiß / der Schelm / welcher mein Patronin die heilige Barbaram enthauptet hat. Nachdem er aber das gantze Bild vonein - ander eroͤffnet / ſo findt er das Argwohn / Narꝛgwohn iſt / er findt / daß er ein gute Sach fuͤr etwas boͤſes geurth - let: er findt den H. Martinum, welcher mit dem bloſſen Degen ein Trum von dem Mantl ſchneidet / den armen nackenden Bettler darmit zu beklayden. Ich waiß ſelbſten einen / welcher wegen dem bloͤden Geſicht zwey Geiſtliche fuͤr einen Galgen angeſehen. Ja er hat noch vmb etwas nahmhafftes gewettet / alldort auff dem Feld ſeye das hohe Gericht mit zwey Saͤulen. Nachdem er aber beſſer hinzu genahet / hat er wahrgenommen / daß es zwey Geiſt - liche geweſen / welche gar andaͤchtig miteinander das Bre - vier gebettet. O wie offt geſchicht es / daß man etwas gu - tes fuͤr boͤſes haltet.
Wie der H. Geiſt in Geſtalt feuriger Zungen uͤberK k k k 3die630Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /die Apoſtel kommen / ſo ſeynd diſe von dem Goͤttlichen Sprachmaiſter alſo wunderlich vnderwiſen worden / daß ſie alſobalden alle Sprachen der Welt geredet. Daß der Thomas wie ein Aſianer / wie ein Affricaner / wie ein Italianer geredet: daß der Joannes wie ein Arabier / wie ein Perſianer / wie ein Griech geredet / ꝛc. Daß der Mat - thias wie ein Polack / wie ein Boͤhem / wie ein Teutſcher geredet / ꝛc. Daß der Bartholomæus wie ein Frantzoß / wie ein Engellaͤnder / wie ein Vngar geredet / ꝛc. Es iſt ihnen Spanniſch vorkommen / daß der Andreas Lateiniſch geredet / Chaldeiſch geredet / Selavoniſch geredet / ꝛc. Wei - len dann dazumahlen allerley Nationen der Juden auß der gantzen Welt in der heiligen Statt waren / konten ſich di - ſe nit ſattſamb verwundern / daß die Apoſtel allerley Spra - chen rederen. Weſſenthalben an demſelbigen Tag in die 3000. den wahren Glauben angenommen. Die Inlaͤn - diſche Juden lachten die Juͤnger immer auß. Was? ſagten ſie / als wann man den Simon, vnd ſeinen Brudern An - dream nit kenneten? ſie ſolten Frantzoͤſiſch reden? Spa - niſch reden? Teutſch reden? das iſt gut teutſch erlogen. Sie wiſſen kaum ihr aigene Mutter-Sprach; ſie ſeynd ihr Lebenlang auß Galilæa nie kommen. Muſto pleni funt. Sie ſeynd Sternvoll / der Bachus iſt ihr Sprach - maiſter geweſt / der Wein regiert ihre Zungen.
‘Quandò bibo vinum, loquitur mea lingua latinum. ’ ()Nicht GOtt / ſondern der Geſeng-Gott hat ſie alſo erleuchtet. O ihr Hebreiſche Schelmen! wie urthlet ihr ſo uͤbel. O Argwohn / Narꝛgwohn! diſe ſeynd nicht voll deß Weins / ſondern deß heiligen Geiſtes / welcher ſie mit ſeiner Goͤttlichen Gnad erfuͤllet hat. Di - ſe haben empfangen den jenigen Geiſt / welchen Chriſtusder631vnd warumb?der HErꝛ ihnen verſprochen hat zu ſenden. Vermoͤg diſes Geiſts wird Petrus predigen / vnnd lehren in Ponto, Galatia, Cappadocia, Bithynia, vnd Aſia; Andreas in Scythia, Joannes in Aſia, Philippus in Phrygia, Bartholomæus in Armenia, vnd India, Matthæus in Æthiopia, Thomas in Parthia, vnd Teutſchland / Ja - cobus Alphæi in Jeruſalem, Judas Thadæus in Sama - ria, Galilæa, Meſopotamia, &c. Paulus in der gantzen Welt. So richtet dann nit nach dem Anſehen.
Abraham ein heiliger Eremit lebte vil Jahr in hoͤch - ſter Vollkommenheit in der Wuͤſten / er hatte in der Wuͤſten das raineſte Gwiſſen: er lebte vnder den ver - wilden Baͤumern / wie ein hoher Cederbaum in Betrach - tung der Goͤttlichen Gehaimnuſſen: er lebete vnder den rauhen Stainklippen / wie ein Felſen Moyſis, auß denen an ſtatt deß Brunnen-Waſſers die taͤgliche Buß-Zaͤher geronnen: er lebte vnder den Wald-Voͤgelein / wie ein Lerchen / ſo Tag vnd Nacht das Lob Gottes pſallierte: er lebte vnder den wilden Dornhecken / wie ein ſchoͤne Ro - ſen der entzuͤndten Liebe gegen GOtt: ja wie ein Berl in einer rauhen Muſchl: wie ein Liecht in einer finſtern Latern: wie ein ſuͤſſer Kern in einer knoperten Schallen / alſo war der Abraham in der Wuͤſten. Seinen Leib thaͤt er ſtaͤts mit harten Geißlſtraich caſteyen / vnd gar recht / dann von caſteyen ruͤhret Caſtitas her / vnd iſt der Leib beſchaffen / wie die Brenneſſel; ſo man diſe haͤcklich vnd zart anruͤhret / ſo brennen ſie; wann mans aber hart ſtreicht / ſo thuen ſie nicht ſchaden. Seine gantze Le - bens-Nahrung beſtunde in etlichen Biſſen Brodt / vnd Brunnen-Waſſer / vnd gar recht / dann die Him - mels-Thuͤr iſt gar zu eng / vnd folgſam die dicken vnnd faiſte Wampen von Schlampampen nicht hinein koͤnnen. Eyffrigſt632Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /Eyffrigſt betten thaͤt er immerdar / vnd gar recht / dann gleichwie der David den Teuffel von dem Saul getriben durch / vnd mit der Harpffen / ebenfalls nichts beſſers den Sathan in die Flucht jaget / als diſe Maul-Trommel / verſtehe das Gebett. Diſer Abraham lebte vil Jahr ſolcher geſtalten in der wilden Einoͤde / faſt wie ein Irꝛdiſcher En - gel. Nach ſolcher langen Zeit zohe er ab ſein rauhes Cili - cium, vnd haͤrenes Klayd / vnd hat ſich angelegt wie ein Soldat / vnd vornehmer Officier / einen ſchoͤnen Feder - Buſchen auff dem Hut / ein Degen an der Seyten / in al - lem ein Galant Huomo, gehet / raiſt / kombt in ein Wirths - Hauß / allwo er bald gefunden / was er geſucht / nembli - chen ein ſchoͤnes junges Maͤgdl / welche zugleich war ein offentlicher Schlepſack. Wein her! Eſſen her! Spil - Leuth her! Menſcher her! ja Herꝛ / ſoll alles geſchehen. Manche gewiſſenloſe Wirth achten es nit / wann ſie nur den Gewinn haben. Diſer Abraham / nun Klayder hal - ber / mehrer ein Soldat / nachdem er geeſſen / vnd geſeſſen: nachdem er gezecht / vnd gelacht / geſungen / vnd geſprun - gen / gehet er mit diſem jungen Weibsbild bey naͤchtlicher Weil in die Schlaff-Kammer / er mit ihr / ſonſten niemand / ſie mit ihm / ſonſten niemand. Wann du waͤreſt auch da - zumahl in dem Wirths-Hauß geweſt / ſag her / bekenne es frey / was haͤtteſt du fuͤr Gedancken gehabt? gewiß keine andere / als diſe. Der iſt ein ſchlimmer Geſell / ein leicht - fertiger Vocativus, ein gottloſer Suſanna-Bruder / ein verruchtes Venus-Kind. So ſeynd die Soldaten / ſie ha - den lieber die Sabinl / als den Saͤbl / ſo ſeynd die Kriegs-Leuth / ſie ligen lieber bey Magdeburg / als in Fuͤnff-Kirchen in Ungarn: ſo ſeynd die Officier ſie nem - men lieber ihr Quartier zu Frauhaimb / als zu Mann - ershaimb. Ey das iſt ein Schelm / ſchon alt / vnd doch nitkalt!633vnd warumb?kalt! ſolche Gedancken haͤtteſt du. Aber ſihe / wie Arg - wohn ein Narꝛgwohn iſt. Diſer Abraham iſt in der Kammer auff ſeine Knye nidergefallen / vnd mit naſſen Augen / mit auffgehebten Haͤnden ihr den elenden Stand / in welchem ſie ſich befindet / ernſtlich vorgetragen. Dann es ware ſein entfuͤhrte Maim Maria / ſolche hat er mit ſeinem hefftigen bitten in der Kammer widerumb zu dem Bußſtand gezogen / daß ſie nachmahls heilig gelebet / vnd heilig geſtorben. O wie iſt dann der Menſchen Urthl ſo betrieglich. Die Apoſtel haben naͤchtlicher Weil ihren Maiſter geſehen / vnd doch nit gekennet / ſondern vermai - net / es ſeye ein Geſpenſt / der Wauwau; Magdalena hat bey dem Grab den HErꝛn JEſum nicht gekennt / ſon - dern vermaint / es ſeye ein Gartner / weilen er ein Schauf - fel uͤber die Achsl getragen / hat geglaubt / es ſeye der Mai - ſter Samuel, &c. Die Juͤnger haben ihren Maiſter auff dem Weeg nacher Emaus nicht gekennt / ſondern ver - maint / es ſeye ein Frembdling. Alſo ſehen wir / hoͤren wir / vnd greiffen wir manchesmahl etwas / welches vns boͤß vorkommet / da es doch in ſich ſelbſten gut / vnd hei - lig iſt.
Holofernes der Kriegsfuͤrſt belaͤgert Bethuliam, allwo gar kein Hoffnung war eines Entſatz. Underdeſſen macht ſich ein ſchoͤne Wittib / vnnd noch junge Dama hervor / die beklaydet ſich mit einem koͤſtlichen Auffzug / alles ſchimmerte von Gold vnd Silber. O wie ſtattlich! Sie tragt ein paar Wangen / wie die edleſte Paradeyß - Aepel. O wie edel! Sie verpulvert ihre krauſte Haarlo - cken. O wie galant! Sie ziehrt die Ohren mit koſtbaren Beheng / vnd Kleinodien. O wie herꝛlich! Sie behengt den glatten Halß mit koſtbaren Berlein. O wie huͤpſch! Sie glantzet wie ein Goͤttin. O wie ſchoͤn! Diſe ſchoͤne /L l l lvon634Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /von Natur wolgeſchaffene Dama mit ſolchem praͤchtigen Auffzug gehet durch das gantze Kriegs-Lager / macht hoͤff - liche Reverenz gegen allen hohen Officieren / welche ſich nit gnugſamb vergaffen konten an diſem ſchoͤnen Frauen - Zimmer; etliche lauffen eylends zu dem Holofernes, vnd brachten ihm mit auffgeſperꝛtem Maul die Zeitung / daß ein uͤberauß ſchoͤne Hebreiſche Dama Audienz begehre. Kaum als ſolche vnder die Augen Holofernis getretten / hat ſich diſer ohne das verbuelter Kriegs-Fuͤrſt gleich in ſie verliebet. Diſe wird zu einer Tafel geladen / allwo der Tiſch voller Speiſen / die Speiſen voller Geſchma - chen / die Credenz voller Glaͤſer / die Glaͤſer voller Wein / die Gezelt voller Auffwarter / voller Freuden / daß ſie ein ſolche edle Dama kundten zu ſehen bekommen. Ju - dith ſtellt ſich freundlich / iſſet / trincket / redet / lachet / ſchmutzet. Man trincket in Geſundheit ihrer; Judith buckt ſich / naigt ſich / bedancket ſich. Holofernes bekom - met einen guten fidimirten Rauſch / gehet in ſein Schlaff - Kammer / die ſchoͤne / junge Judith mit ihme / ꝛc. Was haben ihnen alle die andere eingebildet? ihr kraͤfftige Mai - nung war / daß Holofernes nit allein ſchlaffe / ihr Urthl war / diſe Hebreiſche Dama muͤſſe heut ihr Ehr in die Schantz ſchlagen. Ja der Vagao, als ein ſauberer Kup - pler wettet mit einem 1000. Gulden / die Judith werde nit mehr ſo vnſchuldig auß der Kammer herauß gehen / wie ſie hinein kommen. O Menſchen-Urthl / wann du auch vier Fuͤß haͤtteſt / ſo thaͤteſt du gleichwol hincken. O Argwohn / Narꝛgwohn! In der Schlaff-Kam - mer hat ſich diſes junge Blut nit in das Beth / ſondern in das Gebett begeben. Judith hat daſelbſt nicht GOtt belaydiget / ſondern GOtt angeruffen; diſes Frauen - zimmer hat nicht geſuͤndiget / wie du vermaint haſt / ſon -dern635vnd warumb?dern den Suͤnder / nemblichen Holofernem auß dem Weeg geraumet / vnnd ihme als einem Haupt-Schel - men / ſie als ein Haupt-Heldin das Haupt genommen. Jo Victoria! das iſt ein anders.
Nicht alles / was lange Meſſer tragt / iſt ein Koch / nicht alles / was gruͤn daher gehet / iſt ein Jaͤger / nicht alles / was ein Kappen tragt / iſt ein Narꝛ / nicht al - les / was pfeifft / iſt ein Vogl; nicht alles / was boͤß ſcheinet / iſt boͤß. Der Berg im Waſſer kommet vns vor / als ſtehe er auff dem Spitz / hat ſich wol Spitz. Die Sonnen kommet vns vor / als ſeye ſie nicht groͤſſer als ein Vaß-Boden / hat ſich wol Vaß-Boden. Sie iſt weit / weit groͤſſer / als der gantze Erd-Boden. Das faule Holtz in der Finſter kombt vns vor wie ein Liecht / hat ſich wol Liecht. Dem Lamech iſt der Cain vor - kommen / wie ein Wildſtuck / hat ſich wol Wildſtuck. Dem Koͤnig Hanon ſeynd die Davidiſche Geſandte wie Spion vnd Außſpeher vorkommen / hat ſich wol Spion. Der Michol iſt der David vorkommen / als treibe er Narren-Boſſen vor der Archen / hat ſich wol Narren - Boſſen. Vns kombt gar offt etwas vor / als ſeye es boͤß / vnnd ſuͤndig / hat ſich wol ſuͤndig / vnſer Urthl iſt mehrern Thail freventlich / dann wann wir es auch mit Augen ſehen / vnd mit Haͤnden greiffen / ſo koͤnnen wir noch betrogen werden.
Denckwuͤrdig iſt es / was ſich mit dem heiligen Julia - no, mit dem Zunahmen Hoſpite, oder Gaſtgeb / hat zu - getragen. Diſer ſetzte eineſt einem ſchoͤnen groſſen Hir - ſchen nach; als er ihn bereits wolte faͤhlen / da keh - ret ſich diſes Thier vmb / vnnd redet mit Menſch - licher Stimm / wie vorhin die Eßlin deß Balaams, vnnd trohet Juliano / er werde in das kuͤnfftig ſeine aigene Eltern vmb das Leben bringen / vnnd ermordten,L l l l 2Vber636Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /Vber ſolche vnerhoͤrte Propheceyung hat ſich Julianus nicht ein wenig entriſt / vnd damit er alle Gelegenheiten / ſolche Vnthat zu begehen / meyde / hat er ſich in aller gehaimb von der Vaͤtterlichen Behauſung in ein anders Land begeben / woſelbſt er wegen ſeiner in vilen Jahren ge - laiſten Kriegs-Dienſten zu groſſen Reichthumben ge - langt. Mit der Weil aber zu mehrern Ruheſtand ſich von dem Hoff abgeſchraufft / vnd mit einer edlen Dama ſich verheyrathet / mit dero er in einem ſehr ſtattlichen Schloß ſelbigen Lands in allen Begnuͤgen gelebet. Vnder ſolcher Zeit iſt denen lieben Eltern zu Ohren kommen / daß ihr lieb - ſter Sohn Julianus noch bey dem Leben. Deſtwegen ha - ben ſie ſich auch in dem erwachſenen Alter auff die Raiß gemacht / allerſeits embſigiſt nachgefraget / biß ſie endlich nit ohne ſonderer Muͤhe / vnd vilen außgeſtandenen Vnge - legenheiten zum beſagten Schloß ihres liebſten Sohns Ju - liani gelangt / allwo ſie in Abweſenheit ihres Juliani von der Frau Schnur hoͤfflichſt / vnd mit hoͤchſten Freuden em - pfangen worden. Nach eingenohmnen Abendmahl hat ſie diſe von der Raiß abgematte Gaͤſt zu Erzaigung einer ſon - dern Lieb / in ihr aignes Beth geleget / Morgens Fruhe aber bey Zeiten zu dem Gottsdienſt geeylet / damit ſie nach - mahls ihre liebe Gaͤſt deſto beſſer bedienen moͤchte. Vn - derdeſſen kombt Julianus nacher Hauß / vnd war ſein erſter Weeg in die Kammer in Willens ſeiner Frau Gemahlin einen guten Morgen zu wuͤnſchen. Wie er aber warge - nommen / daß ihrer zwey im Beth ligen / dann die liebſte Eltern wegen Mattigkeit deſto laͤnger / vnnd ſanffter ge - ſchlaffen / hat er vnverzuͤglich das Vrthl geſchoͤpffet / ſein Gemahlin ſeye ihm vntreu / iſt wol vermuthlich / daß er vorhero von dem Argwohn eingenommen geweſt / dero - wegen in groͤſtem Grimmen den Degen gezucket / vnd bee - de jaͤmmerlich ermordet. O Argwohn / Narꝛgwohn! du637vnd warumb?du biſt Vrſach / daß diſer Julianus ſeine Haͤnd gewaſchen in dem Blut ſeiner lieben Eltern / vnnd denſelben das Leben genommen / von welchen er das Leben bekom - men. Nach ſolchen begangnen Eltern-Mordt / den ihme laͤngſt vorhero der Hirſch propheceyet / iſt Julianus mit ſeiner Frau Gemahlin zur Buß geſchritten / alle ihre Guͤ - ter vnder die Arme außgethailt / bey dem Fluß Nilum ein kleine Huͤtten auffgerichtet / allwo ſie mit groͤſter LiebPetrus in Catel. l. 3. cap. 50. die arme Frembdling uͤber das Waſſer gefuͤhrt / vnd ſie nach Moͤglichkeit beherberget / biß endlich beede mit groſſer Hei - ligkeit geſtorben.
O Argwohn / Narꝛgwohn! Wann wir auch ein Sachen ſehen / ſo kans ſeyn / daß wir auch nicht recht ſehen. Der Koͤnig Aſſuerus hat geſehen den Aman bey dem Beth der Eſther, vnnd daruͤber ein boͤſen ArgwohnEſther. ſ. 7. geſchoͤpffet; hat aber nit recht geſehen; Aman lainte ſich auff das Beth mit wainenden Augen / vnd hat die Eſther fuͤr ein Vorſprecherin angeruffen. Wann wir auch ein Sach hoͤren / ſo kans ſeyn / daß wir es nicht recht hoͤren. Die Juden haben auff dem Berg Calvariæ gehoͤret / daß der HErꝛ JEſus Eli, Eli Lama Sabachtani geſchryen / ſeynd deß Glaubens geweſt / als rueffe er den Eliam an; haben aber nit recht gehoͤret. Dann Eli war Hebreiſch / vnd haiſt ſo vil / als mein GOtt / lama ſabachtani, ſeyndMatth. 27. zwey Syriſche Wort / haiſſen ſo vil / warumben haſt mich verlaſſen? wann wir auch eiu Sach greiffen / ſo kan es ſeyn / daß wirs nicht recht greiffen. Dann Iſaac hat die Haͤnd deß Jacobs griffen / vnd hat vermaint / es ſeyn deß Eſau ſeine rauche Armb / hat alſo auch im greiffen / vnd fuͤllen gefaͤhlt. Was macheſt du fuͤr Gedancken / wann3. Reg. c. 1. v. 4. du hoͤreſt / der David ſeye bey einem jungen Maͤgdl von 18. Jahren / mit Nahmen Abiſag, gelegen? was GrillenL l l l 3ſchoͤpffeſt638Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /ſchoͤpffeſt du hieruͤber? vnd doch dein Argwohn iſt ein3. Reg. c. 1. v. 4. Narꝛgwohn / maſſen beede in aller Unſchuld verbliben. So richte dann nit ſo geſchwind nach dem Anſehen / wei - len der aͤuſſerliche Schein ſo offt betrieget / vnd da du auch in allen die Gewißheit einholleſt / ſo urthle noch nit / wei -S. Chtyſ. ſerm. 10. c. 4. len dir die Intention, vnd das Hertz verborgen / ſondern das richten gehoͤrt GOtt alleinig zu. Quod ſi didiciſti, vidiſti, & examinaſti, noli judicare, Chriſti munus eſt.
Deß ſtarcken Samſons Mutter ware vil Jahr vn - fruchtbar / weilen ſie aber deſſenthalben mit ſtaͤtten ſeuff - tzen vnd betten zu GOtt geruffen / alſo hat ihr naͤchtlicher Weil ein Engl angekuͤndt / wie daß ſie einen Sohn werde empfangen / welcher mit ſeiner wunderbarlichen Staͤrcke das Volck Iſrael von dem Philiſteiſchen Joch erloͤſen wer - de. Wie ſie nun zu ihrem Mann kommen / ſagt ſie alſo - bald / O mein Schatz! waiſt du was neues? was ich dir nur ſagen muß. Vir venit ad me habens vultum An - gelicum, terribilis nimis. Es iſt ein Mann GottesIndic. 13. zu mit kommen mit einem Engliſchen Angeſicht / der faſt erſchroͤcklich / welcher mir hat angedeutet / daß ich einen Sohn werde bekommen / der ein geſegneter deß HErꝛn wird ſeyn. Hierin iſt wol zu beobachten / was fuͤr ein verſtaͤndige Frau muß geweſen ſeyn / weilen ſie mit ſo wunderlichen Worten ſolche Erſcheinung ihrem Ehegemahl vorgetragen / als ſey zu ihr kommen ein Mann mit einem Engliſchen Angeſicht / vnnd faſt erſchroͤcklich. Dann Engliſch ſeyn / vnd erſchroͤcklich ſeyn / wie kombt das zuſamen? ſchoͤn ſeyn / vnd erſchroͤcklich ſeyn / wie reimbt ſich diſes auffeinander. Diſe beſcheide Frau hat es mit allem Fleiß geſagt / ſpricht Cajetanus in Judic. Damit ſie dem Mann den boͤſen Argwohn nemme. Dann haͤt -te ſie639vnd warumb?te ſie erzehlt / wie daß bey ihr geweſt ein Mann mit Eng - liſcher Geſtalt / vnd holdſeeligſten Angeſicht / haͤtte et - wann der Mann andere Gedancken gemacht / vnnd vil - leicht geſagt; holl der Hencker den Engel / es mag mir wol ein Pengel / vnd nicht ein Engel ſeyn geweſt. Wer waiß ob es nit ein Foraſtier, oder ein anderer Kerl ge - weſt / welcher frembde Lieb geſuchet. Deſſenhalben hat die wackere Frau das Wort erſchroͤcklich hinzu geſe - tzet / damit ſie dem Mann allen Argwohn benembe / dann in keinem Stand iſt der Argwohn ein groͤſſerer Narꝛgwohn / als in dem Eheſtand / da iſt ein jeder Funcken ein Flammen: da iſt ein jeder Splitter ein Riß - baum: da iſt ein jeder Zwergl ein Goliath: da macht der Argwohn auß manchen Schauen ein Schauer / vnd gro - bes Wetter / auß manchen Reden ein Redern / auß man - chen Gang ein Vndergang. Der Argwohn macht in al - len das Widerſpil / was vnſer HErꝛ getahn. Chriſtus der HErꝛ hat die Blinde ſehend gemacht / der Argwohn macht die ſehende blind / dann er ſchafft ihr / ſie ſoll kei - nen anſchauen. Chriſtus der HErꝛ hat die Stumme redend gemacht / der Argwohn macht die Redende ſtumm / dann er gebiet ihr / ſie ſoll mit keinem reden. Chriſtus der HErꝛ hat die Krumpe vnd Lamme grad gemacht / der Argwohn macht die Grade lamm vnd krump / dann er befilcht ihr / ſie ſoll nirgends hingehen / ſondern zu Hauß verbleiben. O Argwohn / Narꝛgwohn!
Die heilige Ita hat auff ein Zeit / waiß nit was Ur - ſach halber / den guldenen Ring von dem Finger gezo - gen / vnd ſelben auff das Fenſter geleget / welchen der Raab / als ein gemainer Dieb vnvermercket hinweg ge - tragen / vnder Weegs aber wider verlohren. Solchen hat nachmahls der Stallmaiſter der heiligen Itæ, alsdie640Judas iſt nit bey Chriſti Verklaͤrung /die ein vornehme Dama war / vnverhofft gefunden / vnd weilen ihme gantz vnbewuſt / weme ſolcher zugehoͤrig ge - weſen / alſo hatte er ohne ferneren Verdacht den guldenen Ring an ſeinen Finger geſtecket / aber ſolcher Ring iſt ihme nit gering ankommen / dann ſo bald deſſen der heiligen Itæ Gemahl anſichtig worden / hat er ohne weiteren nach - forſchen gleich das freventliche Urthl geſchoͤpffet. Sein Ita ſeye Non treu / ſein Gemahlin habe lieber den Stall - maiſter / als den Saalmaiſter. O Argwohn / Narꝛ - gwohn! Diſer vor Zorn verblendte Menſch laſt gleich dem Stallmaiſter / ohngeacht ſeiner wolgegruͤndten Ent - ſchuldigung / einem Pferdt an den Schwaiff binden / vnd alſo jaͤmmerlich zu todt ſchleppen. Die vnſchuldige Frau Gemahlin aber von dem Schloß Dockenburg / ſo auff ei - nem ſehr hohen Felſen gebauet / wider alle Bitt vnd Vor - bitt herunder ſtuͤrtzen / welche er vngezweifflet gantz zer - trimmert zu ſeyn vermainte. Diſe aber iſt von den Haͤn - den der Engeln auffgefangen / vnnd in die Einoͤde durch Vorleuchtung eines Hirſchens gefuͤhret worden / allwo ſieSteng. p. 1. 147. ein ſehr heiligen Wandel gefuͤhret. Ihren Ehegemahl aber hat die ſpate Reu getroffen / daß er einen ſo freventlichen Argwohn ohne ferneren Beweißthum geſchoͤpffet habe.
O Argwohn / Narꝛgwohn. Wie offt folgt das gar zu ſparte Putavi, ich hab vermaint / da doch mehre - ſten Thails das mainen mit dem faͤhlen verwandt iſt / wie Jacob mit dem Eſau. Judas Iſcarioth hat vermaint / die Salbung der H. Magdalenæ ſeye ein Verſchwendung / hat aber gefaͤhlt. Der Hoheprieſter Helli hat vermaint / die Anna hab zu tieff in die Kandl geſchaut / hat aber ge -Act. 28. faͤhlt. Die Melitenſer haben vermaint / der Paulus ſeye ein Todtſchlaͤger / haben aber gefaͤhlt. So / ſo ſeynd wir Men - ſchen / wie der jenige / welche einen uͤblen / verſchleimbten /vnd641vnd warumb?vnd mit Gall verderbten Magen haben. Diſen geduncken auch die ſuͤſſeſte Speiſen bitter zu ſeyn. Alſo kommen vns offt heilige Werck / fuͤr heylloſe Werck vor; vnd ſo eine in die Kirchen eylet / vermainen wir / ſie gehe zu lieb ihrem Galan dahin. O Argwohn / Narꝛgwohn.
So / ſo ſeynd wir / wie die jenige / welche durch rothe Brillen ſchauen / diſen geduncket alles roth zu ſeyn / vnd glauben ein jeder Muͤllner trage ein Cardinal-Huet: al - ſo glauben wir auch oͤffters / andere ſeyn / wie wir be - ſchaffen; ein Sauffer / ſo offt er ſicht ein rothwaͤlliſche Raſen / ſo vermaint er / er ſeye ein Biberius Mero, vnd kein Tiberius Nero. Ein Verbuelter / ſo offt er ein Paar erblicket mit einander freundlich reden / ſo ver - maint er / ſie ſeyen incorporiert bey der Handelſchafft zu Leibtzig. O Argwohn / Narꝛgwohn.
So / ſo ſeynd wir / wie die jenige Perſpectiv, wel - che von denen Opticis alſo formieret ſeynd / daß ſie alles vmbgekehrter vorſtellen / vnd wann jemand durchſchauet / der vermaint / daß die Leuth auff denen Koͤpffen gehen: alſo pflegen wir mehrmahlen ein Sach vmbzukehren / vnd ſo wir ſehen ein paar Geiſtliche in ein Gewuͤrtz-Gewoͤlb eintretten / ſo vermainen wir / die Pfaffen werden gwiß Welſchen Wein ſauffen / da vnderdeſſen die gute Patres ein Oel fuͤr die Kirchen-Ampeln abhollen. O Ar - gwohn / Narꝛgwohn.
So / ſo ſeynd wir beſchaffen / wie die jenige / welche zu vil October-Safft eingenommen / weilen ihnen der Kopff vmb / vnd vmb gehet / ſo vermainẽ ſie / die Haͤuſer vnd Thuͤrn gehen gleichmaͤſſig vmb / vnd vmb; alſo die da mehr iſt ein Helena, als ein Lucretia, mehr ein Putana, als ein Pudentiana, ein ſolche vermaint auch / das ehꝛlichſte Maͤgd - lein ſeye ihres Gliffters. O Argwohn / Narꝛgwohn.
M m m mSo642Judas iſt nit bey Chriſti Verklaͤrung /So / ſo ſeynd die jenige / die ein gewiſſe Sach fuͤr an - derſt anſehen / es iſt ein ſchwartze Kuhe hinder einem di - cken Geſtraͤuß geweſt / an welcher man faſt nichts geſe - hen / als die Ohren / wegen der dicken Hecken. Einer ſi - het / daß ſich das ſchwartze Ohr immerzu beweget / vermai - net alſo gaͤntzlich / es ſeye ein Ambßl. Zihlt / ſchieſt / trifft / vnd findt / daß er ein ſchwartze Kuhe fuͤr einen Vogel ge - ſchoſſen. Ein anderer hat kurtz vorhero falſch geſchwo - ren / der Teuffel ſoll ihn hollen / wann es nicht wahr ſeye. Bald ſicht er / daß ein rueſſiger Pfannen - vnd Keſſel Fli - cker / welcher ein Stundlang geſchlaffen / hinder einer gruͤnen Stauden hervor kriecht / alſo hat er feſtiglich ver - maint / es ſeye der Teuffel / deſtwegen ſich eylends in die Flucht begeben.
Ein anderer hat von weiten etliche Baurn wahrge - nommen / vnd vngezweifflet darvor gehalten / man trage ein todte Leich zur Begraͤbnuß. Wie er aber naͤhender hin - zu kommen / hat er gefunden / daß mitten vnder ihnen ein Pferdt / vnd zwar ein Rapp gefuͤhret werde / auff welchem ein Sack voll Mehl geladen / welchen er fuͤr ein Todten - Truhen angeſehen. Gleichwie man nun gar zu offt ein Sach fuͤr etwas anders / ja / ja / ein Menſchen fuͤr einen an - deren anzuſehen pflegt / alſo geſchicht nicht minder / daß wir offt etwas gutes fuͤr etwas boͤſes anſehen / vnd ein Tugend fuͤr ein Laſter halten. Wie dann die boßhaffte Hebreer dem gebenedeyten JEſu alle ſeine gute Thaten anderſt haben außgeleget / vnd ihn bald fuͤr einen Vollſaufſer / fuͤr einen Samaritan / fuͤr einen Teuffels-Kuͤnſtler / fuͤr einen Auffruͤhrer / fuͤr einen Gottslaͤſterer / fuͤr einen albern / vnd naͤrriſchen Menſchen gehalten / abſonderlich wie ihn Pilatus mit einem weiſſen Klayd zu Herode geſchicket. O Argwohn / Narꝛgwohn!
Nach -643vnd warumb?Nachdem der David die ſchoͤne junge Abigail gehey - rathet / hat ihme ſolche das erſtemahl einen Printzen ge - bohren / welcher aber wegen vngeformbter Leibs-Geſtalt / vnd groben Geberden nit an einer Ader dem David gleich - te. Er hatte einen groſſen Schedl / wie ein Sau-Kuͤr - bes: er hatte ein paar Augen / wie ein abgeſtochener Bock; ein Naſen / wie ein Meer-Katz: das Maul war ſo groß / daß der Kopff ſelbſt in der Forcht geſtanden / er moͤchte herauß fallen: der andere Leib ware ebenfalls krump / vnnd plump / daß alſo die Hof-Herren / vnd Be - diente diſen großmauligen Printzen fuͤr einen adelichen Limmel gehalten. Ja der Argwohn bey Hof ware be - reits ſchon gemain / weilen diſer Sohn dem David ſo gar nicht gleich ſcheinete / als habe dem Koͤnig ein Roß - ſtrigler ein Corneliſche Barocken auffgeſetzet / oder wel - ches vermuthlicher; der Abigail voriger Mann / der ohne das ein grober Rilpes ware / ſeye Vatter geweſt diſes Printzens / ꝛc. Dem frommen David verurſach - te ſolcher offentlicher Argwohn ſehr Melancholiſche Ge - dancken. Nachdeme er nun ſolches eyffrigiſt ſeinem GOtt uͤberlaſſen / vnnd anbefohlen / hat er auff einen Tag die geſambte Hoffſtatt in einem groſſen Saal zu er - ſcheinen befohlen / nachmahlens mit diſem vngeſtalten Printzen Daniel in die Mitte getretten / voll der Zu - verſicht zu dem Allmaͤchtigen GOTT / in diſe Wort außgebrochen. Oſtendat Deus per evidens ſignum, cujus iſte puer eſt filius: GOTT wolle es durch ein ſcheinbares Zaichen offenbahren / weſſen Vatters diſer Sohn ſeye? Hieruͤber iſt alſobalden ein ſonde - rer ſchoͤner / liechter Glantz von oben herab in das Angeſicht diſes Printzens gefallen / welcher deſſen An - geſicht alſo wolgeſtaltet gemacht hat / daß ein jederM m m m 2ver -644Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /Lyran. in c. 3. Paral. lib. 1.vermainte wegen der groſſen Gleichheit / er ſeye von ſei - nem Herꝛn Vattern dem David herunder geſchnitten. Sie aber alle muͤſten bekennen / daß ſie dißfalls grob haben auffgeſchnitten / vnd ihr Argwohn / ein Narꝛgwohn worden.
Dergleichen Affen vnd Afftergedancken / vnd Spott - reden ſeynd oͤffters anzutreffen / vnd glauben etliche eyffer - ſuͤchtige Giſpel / es muͤſſe allemahl ihr Weib auff einem an - deren Marckt eingekrambt haben / ſo offt ein Kind ihnen nit gleichet. Der Argwohn bildet ihnen vor / diſe Copey gehoͤre ihnen nit zu / weilen ſie dem vaͤtterlichen Original nicht gleich ſcheine; Deſſentwegen hat auch der gebene - deyte JEſus ein gantz aͤhnliches / vnd gleiches Geſicht an - genommen / wie ſein Nehr-Vatter Joſeph / damit nur die ſeeligſte Jungfrau bey den Hebreern in kein Verdacht komme.
Ein gewiſſer Herꝛ zu Wienn hatte ſein Frau in groſ - ſem Verdacht / vnd glaubte kraͤfftig / er ſeye nit Vatter zu dem Kind / welches die vnſchuldige Frau gebohren. Sol - chen boͤſen Argwohn ſtaͤrckten ihme etliche boͤſe Leuth / wel - che mit vilen Beweißthumen die Frau fuͤr ſchuldig erken - neten. Derentwegen der Herꝛ ſein Klag beygebracht in dem Wienneriſchen Conſiſtorio vor dem Official, vnnd Geiſtlichen Obrigkeit / welche aber in einer ſo zweifflhaff - tigen Sach nit ein gaͤhes / vnd vnbeſonnenes Urthl wolten faͤhlen / ſondern haben in den Rathſchlag gezogen den Heil. Mann Capriſtanum, welcher dazumahlen in Wienn ſich auffgehalten. Wie nun diſer erleuchte Mann ſambt dem Herꝛn ſeiner Frauen / vnd etlich Wochen alten Kind er - ſchinen / hat er durch ſondere Goͤttliche Eingebungen dieAnna. Mi - nor. de B. Ioan. Ca. piſtran. gethane Klag weiter nicht wollen anhoͤren / ſondern gleich das vnmuͤndige Kind befraget / wer ſein Vatter ſeye? de - me mit hoͤchſtem Wunder aller Vmbſtehenden das etlichWochen645vnd warumb?Wochen alte Knaͤbel geantwortet. Diſer iſt mein rech - ter Vatter / welcher mein Mutter in einen Verdacht ge - ſetzet.
O Argwohn / Narꝛgwohn! Wie offt biſt du ſchon geloffen? GOtt hat dem Moyſi anbefohlen / er ſollLevit. 21. keinen zum Prieſter / vnd Kirchen-Dienſt nemmen / der ein groſſe Naſen hat. O wie mancher iſt ſchon durch den geſchoͤpfften uͤblen Argwohn mit einer groſſen Naſen ge - ſtanden. Der Koͤnig Saul hat vermaint den David mit der Lantzen wol zu treffen / hat aber gefaͤhlt. 1. Reg. c. 18. Ein mancher vermaint / er treffe es gar wol durch ſeinen Argwohn vnnd Vrtheil / befindet doch letztlichen / daß er weit faͤhle. Der Putiphar hat gar zu leichten Glauben gegeben ſeinem ſauberen Weib / vnd auß dem Mantl ge - argwohnet / der Joſeph ſeye ein freches Buͤrſchl / hat dan - noch grob gefaͤhlt. Wann du waͤreſt gegenwertig ge - weſt / wie der Moyſes, noch ein junger Menſch / die ſchoͤne Tochter deß Jethro beſchutzet / vnd ihrenthalben herumb gebalgt mit denen groben Hirten / welche dem ſauberen Weibs-Bild vil Vngelegenheit gemacht; was haͤtteſt du gleich fuͤr einen Argwohn geſchoͤpffet? Holla! der Kerl iſt mit diſem Gefluͤglwerck intereſſieret. Ein Waͤlſcher / der vor anderen in dergleichen Sachen argwohniſch / der haͤtte gedacht: Senza fallo, ſi Sarà ineapricciato di Lei. O Argwohn / Narꝛgwohn. Er hat das gethan auß Goͤttlicher Eingebung.
Joſeph hat faſt ein laͤcherliches Spill mit ſeinen Bruͤdern / die ihn nicht erkandten / angeſtellt. Wie diſeExod. 2. Geſellen kommen vmb ihr paares Gelt Trayd einzukauf - fen / hat er Joſeph den Befelch geben / daß man dero Saͤck mit verlangten Fruͤchten anfuͤlle / in aller gehaimb aber hat er geſchafft / daß man ſeinen ſilbernen Becher in den SackM m m m 3deß646Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /deß Beniamin als deß allerjuͤngſten verſtecke / deme auch alſo die Bediente nachkommen. Als ſich nun diſe Soͤhn deß Jacobs beurlaubet / vnd ihren Weeg anhaimb genom - men / haben einige hierzu verordnete Hoff-Bediente ihnen auff das ſchleunigſte nachgejaget. So bald ſie deren ſeynd anſichtig worden / Holla! hat es gehaiſſen; haltet ſtill! ſeyt ihr ein ſolches liederliches Geſindl / wie habt ihr euch freventlich doͤrffen vnderſtehen vnſern Gnaͤdigſten Herꝛn ſeinen ſilbernen Becher zu entfrembten? haltet ſtill! machet die Saͤck auff! bey welchem Dieb / laſt ſehen / werden wir den Becher finden? die arme Tropffen haben gezittert / als wie der Schwaiff einer Bachſteltzen. O-O - O mei-mei meine He-He-Herren ve-ve-verzeicht vns / es geſchicht vns dißfalls wol O-O-Ohnrecht / vnſer Vatter hat redliche Kinder erzeuget / wir wolten ihme in diſem ſeinen ſo groſſen Aelter keinen Spott nicht anthun. Es iſt ſchon genug / daß ein Galgen-Vogl vn - der vns geweſt iſt / nemblich der Joſeph (habt euch wol befierneiſt) nachdem nun alle Sack fleiſſig durchſuchet worden / iſt endlich der ſilberne Becher gefunden worden in dem Sack deß Beniamins, da ſoll einer geſehen haben / wie diſer fromme Joſephs-Bruder biß in das Maul hin - ein erblaichet iſt / maſſen er auch kein rechte Entſchuldi - gung konte vorbringen. Diſe werden hieruͤber in Ver - hafft genommen / vnd vor den Vice-Koͤnig / den Joſeph / geſtellet.
Vnderwegen waren ſie gantz raſend vnnd tobend wider den Beniamin, ja ſo ſie gedoͤrffet / haͤtten ſie diſen juͤngern Brudern lieber mit Zaͤhnen zerreiſſen moͤ - gen. O Henckermaͤſſiger Dieb! ſagten ſie / du / du / du verruechter Boͤßwicht / was haſt du vns dermahlen fuͤr einen Handel zugerichtet? du thuſt vns diſen Spottvnd647vnd warumb?vnnd Schand an? du biſt wol ein rechtes Mutter - Kind / dann dein Mutter die Rachel hat auch ihrem Vatter Laban die guldene Goͤtzen-Bilder geſtohlen / in diſen artheſt du ihr gantz nach. Dergleichen Wort ge -Ephrem. Syrus. brauchten ſie wider den Beniamin. Aber was iſt end - lich fuͤr ein Außgang erfolget? alle ſeine Bruͤder haben ihn fuͤr einem formal Becher-Dieb gehalten: Dieb! Gen. 44.Dieb! Dieb! hat es alleweil gehaiſſen / aber es iſt ihm gleichwol vnrecht geſchehen / er war allerſeits gantz vnſchuldig; dann Joſeph ſelbſt hat in der Still befoh - len / ſolchen Becher in deß Beniamin Sack zu ſtecken. Seynd alſo die Vrthl der andern Bruͤdern betrogen ge - weſt. Wann wir alſo die Sach zuweilen ſo gewiß glau - ben / daß wir darauff zu ſterben geſinnet waͤren / ſo koͤn - nen wir dannoch noch irren / wie diſe Bruͤder. So lang koͤnnen wir faͤhlen / wie lang wir das Hertz / vnd ſein Beſchaffenheit nicht kennen. Diſes aber iſt alleinig GOTT dem HERRN vorbehalten / vnd nicht dir / oder mir elenden Erdſchrollen. Er / er wird kommen zu richten die Lebendige vnd Todte / vnd nicht du. No - lite judicare.
Es iſt nicht allzeit wahr / daß die Baurn ſeyn boͤ - ſe Lauren / ſo lang ſie daurn / maſſen auch heilige Bauers - Leuth / vnd deren nicht wenig angetroffen werden. For - tunatus ein heiliger Ackersmann: Iſidorus ein heiliger Ackersmann: Oëlbertus ein heiliger Ackersmann: Lam - bertus, Leontius, Hilarius, Theodulphus, Spiridion, Miro, Theodoſius, &c. lauter heilige Baurn / derglei - chen auch einer in dem gelobten / vnnd geliebten Land Bayrn zu finden. Zwiſchen Ingollſtadt / vnd Neuſtadt / ligt jenſeits der Donau ein Marcktfleck Namens Vo - burg / ein halbe Meil von dannen wohnte ein Baur ineiner648Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /einer Einoͤde / wol verſehen mit Aecker / Gruͤnd vnd Wi - ſen / forderiſt aber mit einem frommen Weib / welches vnder dem Gluͤck nicht das wenigſte / dann man oͤffters bey dergleichen Leuthen / daß 2. als das 1. zehlet / dahero kombt es / daß die mehreſte Weiber gebenedeyer ſeynd. Dann iſt der Feigenbaum auff dem Weeg deſtwegen ver - maledeyet worden / vmb weilen er keine Feigen getragen / ſo ſeynd die mehreſte Weiber gebenedeyet / weilen ſie im - merzu Feigen tragen / aber nur Ohrfeigen. Derglei - chen Zwiſpalt ware niemahlens bey bedachten Ehe-Volck / ſondern ſie lebten in groͤſter Einigkeit / vnd Heiligkeit: hiel - ten auch ein ſo wachtſame Zucht vnder ihren Kindern / daß ſolcher Baurn-Hof einem wolbeſtelten Cloſter gleich ſa - he / vnd koͤnte diſer Baur beſſer Cælicola als Agricola ge - nennet werden. Weſtwegen er zu Voburg gantz bekandt / vnd bereits den Namen hatte der fromme Bauer. Weilen aber GOtt gemainiglich die ſeinige mit dem Creutz X bezaichnet / vnd JEſus nit vil anderſt macht / als die Jeſuiter / welche mehrern Theils die jenige Knaben be - ſchencken; ſo da ihr Argument nicht allein Activè ma - chen / ſondern auch Paſſivè: alſo ſeynd bey JEſu forde - riſt die jenige wol daran / welche nit allein Activè in vilen guten Wercken ſich uͤben / ſondern auch Paſſivè vil Trang - ſahl mit beharꝛlicher Gedult außſtehen. Auff gleichen Schlag hat GOtt den frommen Baurn lauter truͤbe Wetter zugeſchicket / vnd ihme erſtlich ſein liebe Ehewir - thin durch einen vnverhofften Todt hinweg genommen: nicht lang hernach auch ſeine fromme vnd wol-erzogene Kinder. Aber alles diſes war den frommen Baurn ein mehrerer Anlaß zu groͤſſerer Vollkommenheit. Wie er dann kurtz hernach ſeinen Baurn-Hof ſambt denen darzu gehoͤrigen Gruͤnden verkauffet / das Gelt vnder die arme /vnd649vnd warumb?vnd nothleydende Menſchen / vnd Bettler außgethailt / ihme aber nichts anders vorbehalten / als ein kleine enge Huͤtten / worinnen er wie ein Einſidler gelebet / dem Gotts - Dienſt zu Voburg allemahl eyffrigſt beygewohnt / vnnd durch freywillige Armuth das taͤgliche Brodt von Hauß zu Hauß geſamblet. Wie dann die Burger allda ſich ab - ſonderlich gluͤckſeelig ſchaͤtzten / ſo ſie diſen H. Mann mit Brodt / Ayr / Butter / vnd dergleichen konten verſehen. In Summa, der Baur hatte in der Nachbarſchafft den Ruhm / vnd den Nahmen eines Heiligen. An einem Sonntag haben die Inwohner beſagten Marcktflecks wahrgenom - men / daß ihr lieber alter Taͤttl nit in der Kirchen / welches bey ihnen ſorgfaͤltige Gedancken veranlaſſet / als ob er vil - leicht mit einer gaͤhen Kranckheit waͤre uͤberfallen worden. Schickten demnach einige hin die Gewißheit einzunem - men / vnd den Krancken mit beſſeren Speiſen zu bedienen. Weilen aber ſolche die Antwort zuruck gebracht / wie daß deß Alten ſeine Huͤtten ſtarck ware verriglet / alſo iſt maͤn - niglichen der fromme Gedancken eingefallen / ob waͤre der H. Mann anderwerts hin / Andacht halber / Kirchfahrten gangen. In deme man aber weder den folgenden Tag / noch auch uͤber 14. Tagen den Alten nit mehr in der Pfarꝛ - Kirchen zu Voburg wahrgenommen / auch von keiner Widerkehr hoͤreten / alſo iſt durch gemainen Rathſchlag beſchloſſen worden / die Huͤtten mit Gewalt zu eroͤffnen / ſorgend / der liebe / vnd alte Taͤttl moͤchte von gaͤhem Todt ſeyn uͤberfallen worden. Bißhero iſt diſer Baur allezeit fromm / Gottſeelig / vollkommen / tugendſamb / eyffrig / de - muͤthig / vnd heilig gehalten worden. Aber gedult ein kleine Weil / du wirſt bald ein anderen Nachkirchtag erle - ben. So bald man die Huͤtten mit ſonderem Gewalt auff - geſprengt. Auwe! da hangte diſer Alte an einem Traim / oder Balcken / ſchon halben Thail verfault / mir einem ſoN n n ntrau -650Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /traurigen Spectacul, daß die Argen / vnd die Naſen hier - uͤber ein Grauſen gefaſt. Ho! Ho! anjetzo kombts her - auß / ſagen die Umbſtehende. Es iſt wol nichts ſo klein ge - ſpunnen / es kombt an die Sonnen. Jetzt ſicht man den Betrug deß alten Diebs / da erfahren wir ſein Heiligkeit / iſt das nit ein ſchoͤnes Miracul? hat man doch andere Heilige auch oͤffters von der Erden verzuckter geſehen. Ey daß man ihn nit den Schein auff den Kopff mache. Er hat das Allmoſen geſamblet nit auß freywilliger Armuth / ſondern auß Faulkeit / vnd Muͤſſiggang. Jetzt hat ſich der alte Schelm ſelbſt / wie ein Judas erhencket. Ja ſagt manche Burgerin zu Voburg / dem alten Dieb hab ich wochentlich Butter / vnnd Ayr gegeben / daß ihms der Hencker gſeng! Diſe Sach wird dem Magiſtrat ange - deutet / welcher dann ohne ferneren Verzug dem Scharff - Richter Befelch geben / er ſoll diſes Aas vnder den Gal - gen / vnd Hochgericht begraben / welches auch geſchehen. O wie iſt deß Menſchen Urthl ſo geſchwind / vnd blind! wie offt betriegt vns das aͤuſſerliche Anſehen! nach einer geraumen Zeit war der gewoͤhnliche Jahrmarckt in diſem Voburg / worzu abſonderlich die Bettler eylten / vnder an - deren war ein blinder / vnd in dem Marckt gar wolbekand - ter Bettler / welcher in vorbeygehen deß Hoffgerichts / wei - len daſelbſt die gemeine Straſſen / augenblicklich iſt ſehend worden. Vnd als man ihn befragte / wann / wie / wo er das Geſicht wider bekommen / gab er die Antwort / bey den Galgen.
Ein anderer an beeden Fuͤſſen krumper / vnnd elender Tropff / ſo bald er neben dem Gericht kom - men / iſt er ebenfalls augenblicklich gerad worden / vnd mit gleichen Fuͤſſen / in den Marckt gerennet. Als man ihn auch derenthalben befragt / wo er ſeine geradeGlider651vnd warumb?Glider wider bekommen / antwortet er / beym Galgen. Es laſt ſich der dritte Bettler / der zuvor am gantzen Leib preßhafft ware / auch friſch vnd geſund ſehen. Sagte gleichfalls nicht anderſt / als daß er auch ſeye geſund wor - den bey dem Galgen / diſe alle werden hernach auß Be - ſelch deß Magiſtrats ermahnt / ſie ſollen es eydlich auß - ſagen / vnd das Orth weiſen / wo ſie dergleichen Guttha - ten durch ein Wunderwerck erhalten / vnd hat man in al - ler Warheit befunden / daß eben jenes Orth ſeye / wo der erhenckte Bauer begraben worden / welches dann wide - rumben den guten Nahmen deß alten Taͤttls erneuert / vnd hat man bey wehrender Marckzeit nichts als das Lob diſes Gottſeeligen Manns gepriſen / auch nicht mehr den Argwohn gehabt / als haͤtte er ſich ſelbſt auß Verzweiff - lung erhencket / ſondern die Sach muͤſſe ſich weit an - derſt verhalten / welches GOTT zu ſeiner Zeit eroͤffnen wird.
Vnderdeſſen waren auff diſem Marckt zwey Boͤß - wicht / welche mit fuͤnff Finger an ſtatt fuͤnff Groſchen wolten einkauffen / gefaͤnglich eingezogen / welche ohne weiteren Zwang auß lautern Antrib deß nagenden Ge - wiſſens nicht allein vil Diebſtall bekennt / ſondern auch die Mordthat diſes vnſchuldigen alten Taͤttls / in der Mainung einiges Gelt bey ihme zu finden. Diſe wun - derliche Geſchicht wird mit allen gehoͤrigen Vmbſtaͤn - den zu dem Biſchoff nacher Regenſpurg bericht / welcher dann mit der gantzen Cleriſey bald hernach den vnſchul - digen Leichnamb von diſem ſchimpfflichen Orth genom - men / vnnd ſelbigen zu Voburg in der Spitall-KirchenRaderus Steng. p. 3. c. 37. mit groſſem Gepraͤng / vnd Zulauff deß Volcks andaͤch - tig beygeſetzt. Allwo durch die Verdienſt diſes heiligen Manns GOtt bißhero vil Wunder gezaiget.
N n n n 2O Arg -652Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /O Argwohn / Narꝛgwohn! Auß diſer Ge - ſchicht erhellet ſo klar / daß deß Menſchen Vrtl mehreſten Thails auff Steltzen gehe. Wir ſeynd nit vmb ein Haar beſſer / als jener Blinde / deme der HErꝛ JEſus mit ſo wunderlichen Ceremonien das Geſicht widerumb erſtattet. Dann als ſolcher anfangs von dem Heyland befragt wor - den / was er ſehe? gab er die Antwort / wie daß ihm die Leuth / wie die Baͤumer vorkommen. Video homines,Marc. 8. velut arbores ambulantes. Wie offt geſchicht es / wann wir einen ſehen wolbeklaydt daher gehen / daß er vns vorkombt wie ein Oel-Baum / vnd urthlen gleich / der Geſell bereiche ſich mit lauter Smiralien. Wie offt kombt es / ſo wir einen wahrnemmen / daß er etwann roth im An - geſicht / daß er vns vorkommet / wie ein Buͤrcken-Baum / vnd urthlen ſtracks / der Kerl hab das Wein-Vaß ſo lieb / wie die Buͤrcken / welche immerzu mit ihren Raiffen das Weinvaß vmbarmbet. Wie offt waiß man / da vns ei - ner begegnet in einem ſchlechten Auffzug / daß er vns vor - kombt / wie ein Neſpel-Baum / vnd urthlen geſchwind / diſer Menſch hab derenthalben nit vil zum beſten / weilen er wie die Neſpeln ſich auff die Faulkeit begibet. Wie man - chesmahl tragt es ſich zu / wann wir ſehen einen mit einer jungen Frauen reden / der er vns vorkombt wie ein Buchs - Baum / vnd urthlen gleich / er handle mit Lefflen. Wie offt geſchicht es / daß wir einen ſehen in einem ſchoͤnen taf - feten Rock / daß er vns vorkommet wie ein Maulbeer - Baum / vnnd urthlen bald / diſer Giſpel thut zu Hauß nur ſchnarmaulen / vnnd hencke ſein Sach alle auff die Seiden. Wie offt waiß man / ſo vns ein Edlmann vnder das Geſicht gerathet / daß er vns vorkombt wie ein Holler - Baum / vnd urthlen alſobald / er purgiere ſeine Baurn /daß653vnd warumb?daß nit ein Haller bey ihnen bleibe. Video homines, ve - lut arbores. Aber wie offt / wie offt iſt ſolches vnſer Urthl falſch vnd ſuͤndhafft.
Zu dem Heil. Petrum Dominicaner Ordens ſeynd naͤchtlicher Weil drey ſchoͤne Frauenzimmer in die Zellen kommen / vnd mit ihme ein freundliches Geſpraͤch gehal - ten. Das hat einer / vnd der andere wahrgenommen / vnd ſolches vor die Obrigkeit gebracht. P. Prior, ſagten ſie / wir haben ein ſaubern Peter im Cloſter / zu dem H. Apoſtl Petro mahlet man gemainiglich einen Hahn / zu vnſerem Peter aber ſoll man eine Hennen mahlen; er hat bey der Nacht Weibsbilder bey ſich. Was? Weiber? Si-ſi - fort mit ihme / auff ſolche Weiß iſt Peterſill ein Unkraut. Ach Menſchen-Vrthl / wie ſeyt ihr halt ſo wurmſtichig. Diſer H. Mann ware die Vnſchuld ſelbſten / vnd die jeni - ge / ſo ihme die Viſita gegeben / ſeynd nit geweſt verdaͤchti -S. Anton. p. 3. c. 23. ge Frauen / ſondern heilige / vnd glorreiche Jungfrauen auß dem Himmel.
Die Cloſter-Jungfranen haben Magdalena de Paz - zis wuͤrcklich ertappet / wie ſie in Abweſenheit der Koͤchin ein zimbliche Portion Fleiſch auß dem Haͤfen gefiſchet / welche ſich doch immerzu ſtellte / als faſte ſie im Waſſer / vnd Brodt. Aber auch ihre Vrthlen waren dißfall nicht recht / ob ſie es ſchon mit Augen geſehen / dann der boͤ - ſe Feind hat die Geſtalt diſer Heiligin an ſich genom -In Vita. men / vnnd hierdurch ſie vermaint / in ein uͤbles Geſchray zu bringen. Der H. Kayſer Henrich hat mehrmahlen beobachtet / daß wackere Soldaten-Officier auß der Schlaff-Kammer ſeiner Frau Gemahlin Cunegundis her - auß gangen / welches ihm Anlaß gegeben zu einem uͤblen Verdacht vnd Argwohn; hat aber dannoch geirret / maſſen diſes auch der Lucifer geweſen / welcher die loͤblichſte Einig -In Vita. keit diſer zwey Kaͤyſerlichen Ehe-Conſorten wolte / vnnd ſuchte zu zertrennen.
N n n n 3Zur654Judas iſt nit bey Chriſti Erklaͤrung /Zur Zeit der Heil. Lidwinæ hat ein krancke / vnnd ſchon faſt in Zuͤgen ligende Perſohn das Crueiſix / ſo man ihr immer vorgehalten / immerzu mit zornigen Angeſicht angeſpiben / worauß jedermann geurthlet / daß diſer ver - zweifflete Brocken in die Hoͤll gehoͤre. Aber weit gefaͤhlt der Menſchen Mainungen. Nachdem diſe durch das vil - vermoͤgende Gebett der H. Lidwinæ wider zur Sprach / vnd Beſſerung kommen / hat ſie bekennet / wie daß der lay - dige Sathan ſich immerzu habe vor das Cruciſix-Bild ge - ſtellet / vnd alleweil geſucht / daß er an ſtatt Chriſti moͤch - te gekuſt werden. Dergleichen oͤfftere Geſchichten verbie - ten vns ja gnugſamb / daß wir nit freventlich urthlen ſol - len von vnſern Nechſten.
Achilles Statius Luſitanus ſchreibet / daß An. 1579. ſeye ein Geiſtlicher geweſt / welcher mehrer lebte ſaumſee - lig / als Gottſeelig / er war oͤffter in Foro, als in Choro, lieber in Refectorio, als in Oratorio, vil geſchwinder zum Vinum, als zum Matutinum, &c. Nachdem ſol - cher toͤdtlich erkrancket / vnd bereits in das Sterb-Stuͤnd - lein kommen / hat er ſich gar nicht vil entruͤſtet wegen deß Todts / ſondern immerzu gelacht. Der Obere ſpricht ih - me ernſthafft zu / er wolle doch vmb Gottes Willen das Heyl ſeiner armen Seelen beſſer in Obacht nemmen / vnd ſich erinnern / was er fuͤr einen ſaumſeeligen Wandel ha - be gefuͤhret. Diſer ſchmutzet nur immerzu / in welches ſich die vmbſtehende Moͤnch gar nicht konten ſchicken. Hat auch wol einer / oder der andere gedacht / mit dem Pfaffen werde der Teuffel wol haben zu ſchaffen. Endlich fangt diſer an zu reden. Wahr iſt es / ſprach er / daß ich bißhero in dem Dienſt Gottes / vnd Geiſtlichen Verrich - tungen zimblich ſaumſeelig mich verhalten / weſſenthal - ben mir kurtz vorhero die Engel ein groſſes Buch vorge -tragen /655vnd warumb?tragen / worinnen alle meine begangene Suͤnden / vnnd Vnvollkommenheiten verzaichnet waren / die ich von An - fang meiner Profeſſion gethan habe. Nachdem ich aber denen Englen beygewendt / wie daß ich niemahlen / ſo lang ich im Cloſter war / habe einigen Menſchen uͤbel ge - urthlet / vnd mich alſo auff die Parola, vnd Wort vn - ſers HErꝛn verlaſſen / er werde hoffentlich ſein Verſpre - chen halten / in dem er geſagt. Nolite judicare, & non judicabimini: Richtet nicht / ſo werdet ihr nicht gerichtet werden. So bald ich ſolches dem Engel vor - getragen / haben ſie darauff das gantze Regiſter meiner Suͤnden zerriſſen / vnd alſo fahr in groͤſter Sicherheit / vnd Zuverſicht zu meinem JEſu. Starb alſo ſeelig. Wilſt du diſem nachfolgen? vil Gluͤck auff den Weeg / am Juͤng - ſten Tag werden wir mit Verwunderung ſehen / wie der Menſchen Argwohn / ein Narꝛgwohn geweſen ſeye.
WIe der HErꝛ JEſus mit dem Ehrabſchneider na - cher Bethania kommen iſt / hat ihn allda ein reicher Herꝛ / vnd guter vom Adel mit Namen Simeon zur Danckbarkeit / weilen er durch ihn von dem Außſatz gerainiget worden / mit einem ſehr ſtattlichen Nachtmahl empfangen. Allwo auch vnder andern Gaͤ - ſten ſich Perſohnlich hat eingefunden der Lazarus, wel - chen vorhero der guͤttigſte Heyland von Todten er - wecket. Der Zulauff der Hebreer war uͤber alle maſſen groß zu diſer Behauſung / alſo daß man kaum / vnnd nicht ohne beſonder Beſchwaͤrnuß die Speiſen kund - te aufftragen / dann die Juden kundten ſich nichtgnug -656Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.gnugſamb vergaſſen an dem Lazaro, ob ſchon die mehre - ſte auß ihnen gegenwaͤrtig waren / wie der HErꝛ JEſus den Lazarum auß dem Grab beruffen / in welchem er ſchon 4. Tag gelegen. So vrtheilen gleichwol vil Boͤßwicht auß ihnen ſolche Erweckung nur fuͤr ein Blenderey. Da - hero ſie ſtarck gemaulaffet bey ſolchem Nachtmahl / in dem ſie ſahen / daß Lazarus ſo wacker in die Schiſſel greifft / der vnlaͤngſt ſelbſt ſchon ein Speiß der Wuͤrm ware. Diſes Nachtmahl iſt wegen Menge der Richten / vnd Koſtbar - keit der Speiſen ſehr praͤchtig / vnd herꝛlich geweſt / worbey auch Martha ihren Fleiß nit geſparet / als welche in allem ein ſo ordentliche Anſtalt / ſo wol in dem Keller / als in der Kuchl gemacht. Dann obwolen ſie ſchon als ein nechſt Anverwandte zu der Tafel eingeladen worden / ſo hat ſie dannoch auff kein Weiß wollen niderſitzen / ſondern auß Dienſtwilligkeit / vnd inniglicher Lieb JEſu zu Tiſch die - nen. Underdeſſen hat auch Magdalena, als ein leibliche Schweſter der Marthæ, ihr groͤſte Affection gegen dem HErꝛn JEſum wollen erzaigen / in dem ſie ein Pfundt ſehr koͤſtlicher Salben von Naͤrden / auß einer Alabaſteren Buͤchſen uͤber ſein Haupt gegoſſen. Dann es war dazu - mahlen ein gewoͤhnlicher Brauch in Judenland / daß man zu mehrerem Pracht einer Mahlzeit den vornehmen Gaͤ - ſten einige koſtbare Salben / oder Oel auff den Kopff gieſ - ſe / welche nachmahls uͤber die Klayder herunder gerun - nen / vnd einen ſehr reichen / vnd angenehmen Geruch von ſich gegeben; diſem Land-Brauch wolte Magdalena nach - kommen. Weilen ſie aber auß inbruͤnſtiger Liebe zu dem HErꝛn ein gar theure Salben eingekaufft / vnd dieſelbe uͤber das Haupt Chriſti geſchuͤttet / ſo hat ſich der verruchte Geitzhalß Judas das erſtemahl / als einen nichtsnutzigen zu erkennen gegeben / in dem er uͤber diſes ſo loͤbliche Werck gar ſpoͤttlich gemurret; ja ſolches fuͤr ein Verſchwendungauß -657Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.außgeleget / vnd waͤre weit ruͤhmlicher geweſt / ſagt er / wann man diſe Salben haͤtte zu Gelt gemacht / vnd ſol - ches nachgehendes vnder die Armen außgethailet. Auch ſchreibt Cajetanus in c. 28. Matth. Janſenius in Con - cord. 128. Suarez tom. 2. diſp. 34. Sect. 1. daß Judas Chriſto dem HErꝛn wegen ſolcher Salbung ſpoͤttlich ha - be nachgeredet / vnd ihn auff alle Weiß bey den Juden verklienert / wie daß ſich diſer Zimmermanns-Sohn von einer ſo offentlichen Madama laſſe bedienen / er habe ihn bißhero fuͤr einen heiligen / vnd vollkommenen Mann an - geſehen / anjetzo aber kombt er vnder die Schlich / vnd findt / daß er die Weiber auch nit vngern ſehe. Derglei - chen noch mehrer Schand-Reden hat der Judas außgoſ -Sylve. l. 7. c. 3. q. 8. n. 47. ſen / daß ſich auch der Evangeliſt geſchamet hat / ſolche mit der Feder zu entwerffen. O ſchelmiſcher Ehrabſchneider!
Der H. Paulus iſt in den Himmel verzucket worden / ich aber in die Hoͤll / Gedancken halber. Vidi mirabilia, dort habe ich Wunder wunderſeltzame Ding geſehen.
Erſchroͤcklich / erſchroͤcklich! Ob zwar der Heil. Job außgibt / daß in der Hoͤll kein Ordnung ſeye / ſo hab ich gleichwol daſelbſt / ſo vil man wegen deß auffſteigenden Rauch hat ſehen koͤnnen; ein ordentliche Außthailung der Gaſſen wahrgenommen. Erſtlich bin ich gefuͤhrt wor - den in ein ſehr groſſe Gaſſen / vnd hab hoͤren muͤſſen / daß diſe die Herꝛn-Gaſſen genenner werde / da waren lauterO o o ovor -658Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.vornehme Herꝛn anzutreffen / vnd iſt mir recht / ſo habe ich etlich vnd 30. Kayſer allda gezehlet / worunder ich den Veſpaſianum, den Diocletianum, den Aurelianum ge - kennt habe. Bey diſen waren auch vil Koͤnig; der Koͤnig Henricus der Achte ſaſſe faſt mitten vnder ihnen. Der anderen Fuͤrſten / vnd Edl Leuthen war ein vnaußſprechli - che Zahl. Mehr bin ich gefuͤhrt worden in ein andere ſehr braite Gaſſen / welche meinem Geduncken nach faſt ein Viertl Meil in die Laͤnge ſich erſtreckete / diſe hat gehaiſſen die Frauen-Gaſſen / wie ich dann ſehr vil Alte vnd Jun - ge alldorten hab angetroffen / eine hat Engelaͤndiſch ge - redet / vnd hab ich mir gleich eingebildet / es ſeye die Eli - ſabetha; ein andere hat Boͤhmiſch geredet / ſo hab ich gedacht / es ſeye die Drahomira: eine hat Griechiſch lamentieret / die iſt mir vorkommen es ſeye die Hele - na: eine war gar ein alte Beſtia / vnnd iſt mir geſagt worden / es ſeye die jenige Hex / welche auff Anſuchen deß Koͤnigs Sauls den Samuel erwecket hat / weiter habe ich wegen deß vnglaubigen Geſchreys daſelbſt nicht wollen verbleiben. Bin alſo in die dritte Gaſſen kommen / mit dem Nahmen die Schinder-Gaſſen / muß bekennen / ſol - ches iſt mir was frembd vorkommen / daß diſe ſchlechte Leuth ſolten ein aigene Gaſſen haben; bin aber bald an - derſt berichtet worden. Wie daß diſe lauter Baurnſchin - der / Soldatenſchinder / Burgerſchinder / armer Leuth - ſchinder / vnd Weiberſchinder ſeynd - Nachdem ſo bin ich in ein enge Gaſſen kommen / allwo ich mit Verdruß hab vernemmen muͤſſen / daß ſie diſe die Pfaffen-Gaſſen nennen; habe aber beynebens gedacht / etwan ſeynd es lauter Goͤtzen-Pfaffen / weilen ich aber alldorten auß vn - derſchidlichen Kappen hab koͤnnen abnemmen / daß auch Moͤnch alldorten ſeynd / wie nicht weniger etlich Biſchoͤff /vnd659Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.vnd zwar in Specie einen Ertz-Biſchoff zu Magdeburg / mit Nahmen Udo, ſo hat mich ein ſolcher Schrocken uͤberfallen / daß ich mich ſchier nit verwuſt habe. So bald ich mich aber in etwas wider erhollet / alsdann hab ich meinen Weeg wider weiter genommen / vnd kommen in die Gemain-Straſſen / welche vnerhoͤrt brait / vnd lang war / an diſem Orth war ein vnzahlbare Menge der Ver - dambten beyeinander / da war zu ſehen ein neydiger Cain, ein großkopffeter Goliath, ein rothnaſender Praſſer / ein verbuelter Vagao, &c. vnd vil Millionen anderer mehr. Vber diſes ſo bin ich gefuͤhret worden in ein ſehr groſſe Gaſſen / vnd ſolche hatte den Nahmen die Schneider-Gaſ - ſen / woruͤber ich mich / wie billich / nit ein wenig entſe - tzet: thails / weilen diſe eine auß den groͤſten Gaſſen; an - derer ſeits / daß lauter Schneider ſolten allda ſeyn. Es iſt mir zwar nachgehends eingefallen / wie daß der Schnei - der Anzahl ſehr groß / als nemblich Klayderſchneider / Strohſchneider / Stainſchneider / Glaßſchneider / ſ. v. Sauſchneider / Auffſchneider auch gar vil. Es iſt mir vortragen worden / daß in diſem Orth / in diſer langen / weiten / braiten / tieffen Gaſſen / lauter / was? lauter Ehrabſchneider im Verhafft ligen. Es iſt alles diſes kein Parabl, auch kein Fabel / ſondern lauter Gedancken / welche mir vorbilden / daß ein vnglaubige Anzahl der vn - behutſamen Adams-Kinder in das ewige Verderben ge - rathen wegen der Ehrabſchneidung / maſſen bey diſer Welt ſolches Laſter gantz gemain / wol taͤglich / ja ſtuͤndlich in al - len Orthen anzutreffen.
Tobias wurde eineſt matt vnnd mied wegen der ſchwaͤren Arbeit / ſo er in Begrabung der Todten auß - geſtanden / weßwegen er ſich von ſeiner Hauß-Thuͤr ein wenig nidergeleget auff die Banck / vnnd bald in ei - nen ſuͤſſen Schlaff gefallen. Vnderdeſſen war oberO o o o 2ſeiner660Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.ſeiner vnder dem Tach ein Schwalm Reſt / auß welchem diſe Voͤgel ihr Koth auff den Tobiam herunder geworf - fen auff ſeine Augen / worvon er gantz ſtockblind wor - den. Solches vnvermuthes Vngluͤck hat mit groͤ - ſter Gedult uͤbertragen / nicht vil vngleich dem Weltwei - ſen Aſclepiadi, welcher ebenfalls durch ein vngluͤcklichen Zufall das Geſicht verlohren / gleichwol darbey noch pflegte zu ſchreyen / er halte ſich dermahlen vil Heroiſcher als zu vor / dann damahls gieng er allezeit nur al - lein / jetzt aber ſelbſt anderter; in gleiches Elend iſt ge - rathen Tobias Nephtalenſis, ein H. Mann / welcher durch die Schwalb das Geſicht verlohren. Die Schwal - ben haben den Tobias vmb das Sehen gebracht / daß war zu betauren / aber die Schwalben bringen manchen vmb das Anſehen. Will ſagen vmb Ehr / vnd guten Nahmen / das iſt weit ſchmertzlicher. Dann die mehre - ſte Ehrabſchneider ſeynd lauter Schwalben / dann ſie ſchwaͤ - tzen / ſie ſchwalbeulen / vnd beſudlen den Menſchen.
Das Gelt iſt ein Vice-Gott auff der Erden: das Gelt iſt ein Angl der Digniteten: das Gelt iſt ein Kup - ler der Feindſchafft: das Gelt iſt ein Schluͤſſel der Gemuͤ - ther; Dahero ſagt der Reiche; das Gelt iſt mir lieb / wer mirs ſtihlt iſt ein Dieb.
Die Buͤcher ſeynd ein Spiegl / in welchem ſich einer kan erſehen: die Buͤcher ſeynd Glaitsmaͤnner / welche die Irrende weiſen: ein Bibliothec iſt ein Apothec, auß dero die bewertheſte Medicin genommen wird: die Buͤ - cher ſeynd Brunnenſtuben der Wiſſenſchafften / dahero ſpricht der Gelehrte; die Buͤcher ſeynd mir lieb / der mirs ſtihlt iſt ein Dieb.
Berl vnnd Edlgeſtein ſeynd ein Zier deß Menſchli - chen Leibs; ſeynd ein Recommendation deß Frauenzim -mers:661Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.mers: ſeynd ein Beyhilff der Menſchlichen Geſtalt: ſeynd ein Schatz vnnd Schutz der Weiber / darumb ſagt ein jede Dama, die Kleinodien ſeynd mir lieb / der mirs ſtihlt iſt ein Dieb.
Kauffmanns-Wahren ſeynd Mittel der Menſch - lichen Vnderhaltung / ſeynd Befoͤrderung deß gemainen Nutzens / ſeynd eine Ergoͤtzung / vnnd Ergentzung der Menſchlichen Nothwendigkeiten / dahero ſagt der Kauff - mann; die Wahren ſeynd mir lieb / vnnd der mirs ſtihlt iſt ein Dieb.
Dergleichen Dieb gibt es vil; der Achan hat zu Je - richo einen Mantel geſtohlen. Es gibt noch groͤſſere Dieb / die Philiſteer haben Ochſen vnnd Cameel geſtohlen. Es gibt noch groͤſſere Dieb / die Rachel hat ihrem Vattern dem Laban die guldene Goͤtzenbilder geſtohlen. Es gibt noch groͤſſere Dieb / die Ehren-Dieb / diſe ſeynd die groͤſte Dieb. Alle Erbſchafften / vnd mit den Erbſchafften alle Gewerbſchafften / vnnd mit denen Gewerbſchafften alle Wuͤrthſchafften / vnd mit den Wuͤrthſchafften alle Herꝛ - ſchafften / vnd mit den Herꝛſchafften alle Haabſchafften ſeynd nicht zu vergleichen einem ehrlichen Nahmen. Alſo bezeugt es der H. Geiſt. Melius eſt bonum nomen,Prov. 22. quàm divitiæ multæ. Es iſt beſſer ein guten Nah - men / als vil Reichthumen.
Nachdem der David ohne Erwoͤgung der Goͤttlichen Gebott / vnd ſeiner Koͤniglichen Hochheit den Ehebruch begangen / iſt alſobald der Prophet Nathan zu ihm getret - ten / vnd ihm ſolche Vnthat in folgender Gleichnuß vor - getragen. Es waren zwey Maͤnner in einer Statt / der eine war reich / der andere arm. Der Reiche hatte ſehr vil Schaaf / vnnd Rinder / aber der Arme hatte nichts meh - rers / als nur ein eintziges Schaͤffel / welches er gekauffet / vnnd aufferzogen / daß auch bey ihm ſeinen Kindern er -O o o o 3wachſen662Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.wachſen war; diſes Laͤmbl hat von ſeinem Brodt geeſſen / vnd auß ſeinem Becher getruncken / vnd in ſeiner Schoß geſchlaffen / vnd ware wie ſein Tochter. Run iſt ein Gaſt zu dem Reichen kommen / ſolchen zu tractieren iſt der rei - che Vogl da / verſchont allen ſeinen Schaafen / vnd nimbt dem armen Mann ſein eintziges allerliebſtes Schaͤffel hin - weg / ſchlaͤgt vnd metzgert ſolches / vnnd ſpeiſet alſo ſei - nen Gaſt darmit. Wie nun diſes der Koͤnig David ver - nommen / gedachte er weiter nicht / daß ſolche Gleichnuß auff ſeinen Bueſen deute / ſondern erweget mehr die groſ - ſe Vnbild / weilen einer dem Armen ſein einiges vnnd al - lerliebſtes Schaͤffel entfrembdet. Sicut Deus vivit, &c. So wahr als GOtt lebet / der Kerl muß deß Todts ſeyn / ſagt David. Holla! tu es ille vir: gab der Prophet2. Reg. 12. darauff zur Antwort / du biſt derſelbige Mann.
Wir alle ſeynd arme Schlucker / uͤbernemb ſich nur keiner; haben wir erwas? ſo iſt daſſelbe ein frembdes Guet. Dann ſo die Erd ihr Gelt / die Schaaf ihr Woll / der Wurm ſein Seiden / der Ochs ſein Leder / der Acker ſeinen Flachs / oder Haar ſolt zu ſich forderen / alsdann wurden wir da ſtehen / wie die arme Tropffen. Jedoch ein einiges Schaͤffel hat einer / welches von der Kindheit an mit ihme aufferwachſen / diſes iſſet mit ihme uͤber Ta - fel / ſchlaffet in der Schoß / vnnd iſt ihme uͤber alles lieb / vnd diſes iſt die Ehr / der Ehrliche Nahmen / der gehoͤret ihme alleinig zu. Vnderdeſſen kombt jemand / vnd ſtihlt ihme diſes Schaͤffel / nimbt ihme die Ehr. O! ſoll es einem nicht ſchmertzen? in dem mir der Widerhall in dem Wald ſelbſten zuſpricht / ich ſoll den guten Nahmen eyfferigſt in Obacht nemmen. Fama, Echo, Ama, den guten Nahmen / Echo, Amen. Das deſte Kleinod ſo mich ziehret / der beſte Glaitsmann ſo mich fuͤhret / der beſte Platz den ich erhalte / der beſte Luſt der mich er -freuet /663Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.freuet / der beſte Seegen ſo mir gedeyet / iſt mein Ehr / mein ehrlicher Namen. Der iſt mir der liebſte geweſt in meinen Eltern / der liebſte in Mutter-Leib / der liebſte in meiner Kindheit / der liebſte in meiner Jugend / der liebſte in meiner Mannheit / der liebſte in meinem Alter / der lieb - ſte in meinem Leben / vnd der liebſte auch nach dem Todt / vnd diſen / vnd diſes / vnd diſe entfrembdet mir / nimbt mir / ſchmaͤlert mir / verſchwaͤtzet mir / ein uͤble vnd vergiffte Zungen. O Diebſtall uͤber alle Diebſtall!
Wie der gebenedeyte Heyland von denen Hebreeren / als von reiſſenden Woͤlffen iſt angefallen worden / hat al - ſobalden der tapffere Petrus vom Leder gezogen / vnd mit ſeinem Saͤbl / welcher noch zu Paris in Franckreich gezai - get wird / dem Malcho, als einem Diener deß Hohenprie - ſters / ſo mit der Latern voran gangen / das rechte Ohr ab - gehauet / vnd wann ſolcher Lotters-Knecht den Kopff nit haͤtte auff die lincke Seiten gezucket / haͤtte vnfehlbar der Peter ſolchen zerſpalten. Ucho no! Ucho no! Auwe! Auwe! ſchrye Malchus. Was iſt dir? fragen die andere / Auwe! Auwe! ich hab mein Ohr verlohren / vnd zwar das rechte Ohr / Auwe / Auwe! O du Limmel! daß laſt ſich noch wol verſchmertzen / daß rechte Ohr verliehren. Aber / aber / aber die rechte Ehr verliehren / das iſt hart / vnd uͤber hart zu gedulten.
Das Woͤrtl Frau / wann es noch mit einem eintzi - gen Buchſtaben bereichet wird / nemblichen mit einem S, alsdann hat es die rechte Außdeutung / das haiſt Fraus. Dann Fraus, vnd Frau wohnen in einer Aw. Der betro - genen Weiber gibts ſo vil / daß ſie einer ohne Betrug nicht zehlen konte. Jezabel ein ſolche 3. Reg. c. 18. deß Loths zwey Toͤchter ſolche Gen. c. 19. Die Rahel ein ſolche Gen. 31. Die Hebamen in Egypten ein ſolche Exod. 1. Der Moabiter ihre Weiber ſolche n. 21. Die Rahab zuJericho664Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.Jericho ein ſolche Joſue c. 2. die Jahel ein ſolche Jud. 4. die Michol ein ſolche 1. Reg. 19. deß Jeroboam ſein Frau ein ſolche 3. Reg. c. 11. Diſe ſeynd aber nur auß dem al - ten Teſtament. Bey diſen vnſern Zeiten iſt der betroge - nen Weiber Zahl vnzahlbar. Der gute Samſon hat ein ſolche gehabt mit Namen Dalila, in dero Lieb er ſich alſo verhaſpelt / verwicklet / daß er ihrer Gemainſchafft nicht koͤnte muͤſſig gehen. Aber gemainiglich wie man auß denen Roſen Waſſer brennet / alſo bringt auch offt man - chen ſeine Roſina, oder Roſimunda ein Waſſer / vnnd macht daß ihme die Augen uͤbergehen. Daß hat der ſtar - cke Samſon erfahren / in dem ihme ſein Dalila die Haar abgeſchnitten / vnd mit den Haaren ſein Staͤrcke. Diſes ein - tzige ſchneiden hat gemacht / daß der Samſon bey dem Phi - liſteiſchen Volck zu Schand vnd Spott worden. O ver - ruchte Schaͤr / welche dem wackeren Nazarener ſo vil ab - geſchnitten. Aber noch verfluchter iſt die Zung / welche ei - nem die Ehr abſchneidt. Die Lehr verliehren / iſt vil ver - liehren: das Gehoͤr verliehren / iſt vil verliehren: das Schmer verliebren / iſt vil verliehren / aber die Ehr ver - liehren / iſt alles verliehren. Wann ich ſchon kein gutes Hauß hab / aber ein guten Nahmen / ſo bin ich wol be - wohnt: wann ich kein gutes Klayd ſchon hab / aber ein guten Namen / ſo bin ich wol bedecket: wann ich ſchon kein gute Taffel hab / aber einen guten Namen / ſo bin ich wol geſpeiſt. Ehrenpreiß iſt weit ein anders Gewaͤchs / als Tauſend Guldenkraut / dahero iſt mir die Ehr lieb / vnd wer mirs ſtihlt / iſt ein Dieb. Job ein Exem - pel der Gedult / ein Exemplar der Gedult: Job ein Or - gel / wann man ſie ſchlagt / ſo gibet ſie einen guten Klang / vnd pfeiffet darzu; wie GOtt den Job hart geſchlagen hart getroffen; Manus Domini tetigit me: ſo hat ernoch665Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.noch hieruͤber einen ſchoͤnen Klang gegeben / der Nah - men deß HErꝛn ſeye gebenedeyet. Job wie ein Delphin, diſer Fiſch hat ein ſo wunderliche Art an ihme / daß er zur ſelben Zeit / wann es wittert / donnert / vnd hag - let zum luſtigſten iſt. Wie alles mit dem Job / mit ſei - nen Kindern / mit ſeinem Hauß / mit ſeinen Camelen / mit ſein Schaafen uͤber / vnd uͤber gangen / da hat er noch ein freundliches Angeſicht gemacht. Job wie ein Saiten / je mehrer man ſolche ſpannt / je ſchoͤner / je heller klinget ſie / vnd ſingt ſie; alſo auch der Job / dann / wann diſer nicht iſt angeſpannt worden / ſo waiß nicht / gleichwol hat er noch geſungen. Sit Nomen Domini Benedictum. Job wie ein gute Degen-Klingen / welche ihr werthe Prob zaigt im biegen / alſo war auch der Job von Gott hin vnd her gebogen / vnd gezogen. Job wie ein Impen / welche das ſuͤſſeſte Hoͤnig auß den bitterſten Kraͤutern ſauget; alſo auch Job / ſo bitter / als es ihme ergangen / hat er doch nie ſauer außgeſchauet / vnd alles mit Gedult uͤber - tragen / alles auſſer ein Ding nit. Als ſeine Freund / vnd forderiſt ſein ſauberes Weib ihme vorgeworffen / wie alles diſes uͤber ihn komme auß Goͤttlicher Straff / er ſeye halt ein laſterhaffter Geſell / villeicht / wer waiß / ein Ehebre - cher / oder ein Dieb / oder ein Hexenmaiſter / oder ſonſten ein nichtsnutziger / ꝛc. Weilen ihn GOtt alſo haimbge - ſuchet / ja / ja / was dann / Diſe ſeynd die HuͤttenJob. 18. 21. der Gottloſen / ſagte ſie / vnd diſes iſt die Statt deß jenigen / der GOtt nit kennet. Diſes hat dem Job alſo in das Hertz griffen / da man ihme die Ehr abgeſchnitten / daß er von freyen Stucken auffgeſchryen / vnd ſich beklagt. Wie lang plagt ihr meine Seel /Job. 19. v. 1. vnd zermallt mich mit Worten? Als ſprecheP p p pgleich -666Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.gleichſamb der Job zu ſeinem GOtt. O mein GOtt / plag mich / vnd ſchlag mich / wie du wilſt / mir iſt es ſchon recht; ruck mich / vnd drucke mich / wie du wilſt / mir iſt es ſchon recht; mindere vnd blindere mir das meinige / wie du wilſt / mir iſts ſchon recht: rupff mich / vnd zupff mich / wie du wilſt / auff allen Seyten / mir iſts ſchon recht; aber mein Ehr / vnd meinen ehrlichen Namen / diſen laſſe mir.
Seines gleichen iſt auch geweſt Henricus Suſo, auß dem Orden deß Heil. Dominici. Indem ſolcher fuͤr ein Wachs - vnd Kertzen-Dieb iſt außgeſchryen / vnd gehalten worden / weilen ein ſechsjaͤhriges Maͤgdlein bekennt / wie daß es diſen Wachsrauber im wuͤrcklichen Diebſtall er - tappet habe. Das hat den H. Mann alſo verwirꝛt ge - macht / daß er ſich zu GOtt gewendet / vnd wehemuͤthigBolland. tom. 2. 25. Janu. cap. 25. ſein Elend beklaget. O mein liebſter JEſu! alles / alles will ich gern / vnd vrbietig wegen deiner außſtehen / bin willig alle Creutz / vnd Trangſahl deines heiligiſten Nah - mens wegen zu leyden / allein O mein GOtt! verheng nur ſolche Sachen nicht uͤber mich / quæ meam extin - guunt famam, die mich vmb meinen guten Nahmen bringen.
Dann in aller Warheit nichts koſtbarers / als ein guter Nahmen: auch ein baarfuͤſſiger Geiſtlicher / wel - cher in einem rauhen Sack ſtecket / vnd mitten in der E - vangeliſchen Armuth ſitzet / der ſchaͤtzet ſich gleichwol reich / wann einer ein guten Nahmen hat. Dahero kein groͤſ - ſerer Dieb / als welcher einem die Ehr ſtihlt.
Weilen der David ein fridliebender Koͤnig war / alſo hat er zu dem neuen Koͤnig Hanon ſeine Abgeſandte ge - ſchicket / damit ſolche an ſtatt ſeiner die Traur-Com - plementen / wegen deß Todt ſeines Herꝛn Vatters ableg - ten / vnd beynebens ein neue Fridens-Verbindnuß moͤchtenein -667Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.eingehen. Wie nun beſagte Legaten bey dem Moabiti - ſchen Hof ankommen / ſo haben die Herren Miniſtri uͤber ſolche Geſandtſchafft verdachtige Gedancken geſchoͤpffet / vnd in den Argwohn gerathen / als ſeyen ſolche haimbliche Außſpeher. Dahero den Koͤnig ſo bewoͤglich dahin bere - det / daß er gedachten Geſandten den Schimpff angethan / maſſen er ihnen ihre lange Roͤck / worunder ſie nach Lands - Brauch keine Hoſen tragen / hat laſſen abſchneiden biß auff die Backen / das war ein uͤberauß groſſer Schimpff. Die arme Herren haben ſich deſſen ſchier zu Todt ge - ſchambt; ſie haͤtten von Hertzen gern Schurtz-Fehl ge - tragen / wie die Berg Knappen / ſo es ihnen nur waͤr er - laubet geweſt. Vber das hat noch der muthwillige Koͤ - nig einem jeden auß ihnen den Barth halbenthail laſſen abſcherren / vnd alſo verſchimpffter wider zuruck geſchicket. Wie nun der David geſehen / daß ihnen die Schwindſucht auff einer Seyten in den Barth kommen / daß ſie halb Haar / halb gar / halb Barth / halb ſchwart / halb butzet / halb gſtutzet; ſo hat er ihnen alſobalden gebotten / ſie ſol - len ſo lang / vnd ſo vil zu Jericho verbleiben / biß ihnen der Barth wider wachſe. Manete in Jericho, donec cre -2. Reg. 10. v. 5. ſcat vobis Barba. Vnderdeſſen ſamblet er in aller Eyl ein nahmhaffte Armee znſammen / vnnd ziecht wider die Ammoniter den angethanen Schimpff ſeinen Geſand - ten zu rechen. Aber laß dir ſagen mein Koͤnig David / es ſcheint ſehr rathſamb / daß du diſe Maͤnner auch mit dir in das Feld nemmeſt / dann ſie werden vor allen an - dern ritterlich ſtreitten / ihren angefuͤgten Spott zu rechen: ſie werden ſtreitten wie die Loͤwen: ſie werden kaͤmpffen als wie Tiger: ſie werden fechten als wie die Martes: ſtreitten ohne auffhoͤren: kaͤmpffen ohne Vnderlaß / fechten ohne Zagheit: biß auff den letzten Blutstropffen werden ſieP p p p 2kaͤmpf -668Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.kaͤmpffen: biß zur Erhaltung der Victori werden ſie ſtreitten: biß zum Vndergang deß Feindes werden ſie fechten: laſſe ſie alſo mit dir ins Feld zu ſtreitten / kaͤmpf - fen / vnd zu fechten. Nein / nein! ſagt David: ich will nicht / ich mag nicht / ſagt David, ſondern bleibts zu Je - richo / biß euch der Barth wachſet. Vnd wird derenthal - ben kein andere Vrſach beygefuͤget / als diſe; damit nemb - lich beſagte wackere Herꝛn bey ihren ehrlichen Nahmen / vnd Reputation verbleibten. Dann es iſt gewiß / wann ſie alſo mit halbeter Maul-Paroka an etlichen Orthen waͤren durchmarſchiert / ſo haͤtten die Ehrabſchneideriſche Leuth vnfehlbar allerley Spottreden außgoſſen. Schau! ſchau! haͤtten ſie geſagt / diſe haben gewiß etwas geſtifft / ſeynd gewiß Kriegs Officier / vnnd haben denen armen Soldaten das ihrige abgeſtohlen: oder ſie haben bey dem Feind einen Haaſen gehetzet: oder haben mit dem Feind einige Corre ſpondenz gefuͤhret. Damit ſie dann nicht in ein ſo uͤbles Geſchray geratheten / hat ſie David in der Statt Jericho zu verbleiben beorderet. O ehrlicher Mann.
Schoͤn ſeyn wie Rachel / vnd nicht ehrlich ſeyn / iſt nichts ſeyn: Weis ſeyn wie Salomon / vnd nicht ehrlich ſeyn / iſt nichts ſeyn: Starck ſeyn wie Samſon / vnd nicht ehrlich ſeyn / iſt nichts ſeyn: Reich ſeyn wie Nabucho - donoſor, vnd nicht ehrlich ſeyn / iſt nichts ſeyn: Maͤch - tig ſeyn wie Pharao / vnnd nicht ehrlich ſeyn / iſt nichts ſeyn: Aber arm ſeyn / vnd ehrlich ſeyn / iſt uͤber alles ſeyn. Der Zibeth von Zailon ſchmecket nicht ſo wol: die Naͤ - gerte von Moluza riechen nicht ſo wol: die Ambra von Moſuch riechet nicht ſo wol: der Biſam vom Pego riecht nicht ſo wol: der Spicanard von Cambria riechet nicht ſo wol: die Caſſia von Calecuth riechet nicht ſowol:669Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.wol: der Weyhrauch von Arabia riecht nicht ſo wol / ꝛc. als da riecht ein guter Nahmen.
Die Glocken zu Moſcau mit 336. Centner / hat ei - nen ſchoͤnen Klang: die Glocken zu Lugdun mit 250. Cen - ten hat einen lieblichen Klang: die Glocken zu Toloſa mit 500. Centen hat einen herꝛlichen Klang: die Glocken zu Rotomagi in Franckreich mit 36000. Pfundt hat ei - nen annehmlichen Klang; aber ein ehrlicher Nahm hat weit einen ſchoͤneren / lieblicheren / herꝛlicheren / vnnd an - nehmlicheren Klang / vnd Nachklang. Derentwegen ein guter Nahm einem jeden iſt lieb / der ſolchen ſtihlt der iſt ein Dieb.
Paſquinus, oder wie etliche ſchreiben / Paſquillus war ein Schneider zu Rom / vnd zwar ein Hoffſchneider ſelbſten. Diſer iſt ein ſolcher Schmaͤhler / vnnd vnver - ſchambter Ehrabſchneider geweſt / daß er faſt maͤnniglich uͤbel nachgeredet; denen Hof-Herꝛnen nit / denen Cardi - nalen nit / ſo gar den Pabſten ſelber nit verſchont / worvon es kommen iſt das gemaine Sprichwort / ſo offt ein eh - renruͤhriſche Schrifft ohne Authore gefunden worden / ſo hats gehaiſſen / der Paſquillus hats gethan. Nach dem Todt deß ſauberen Schneiders hat man vngefehr ein ſtai - nene Bildnuß / welche einen Fechter vorſtellte / bey ſeinem Hauß außgegraben / vnd an gedachtem Orth auffgericht. Diſe Statuen hat der Poͤfel durch gemainen Schertz den Paſquill genennet. Vnd weilen ſolcher Geſell bey Lebens - Zeiten jedermann uͤbel nachgeredet / alſo hat er auch ſol -Ludovic. Caſtelu. in Hymno Hanni. ches nach dem Todt nit gelaſſen / maſſen allerley Schimpff - Schrifften / Spott-Buͤchel / ehrabſchneideriſche Epigram - mata daſelbſt angehefftet worden / vnd noch auff den heu - tigen Tag laſt diſer Ehrenſtutzer ſein ſchmaͤhlen nit.
O wie vil hat diſer Paſquillus Bruͤder vnd Schwe - ſter! bey jetziger Zeit / wann ich mich kont ſichtbar machen /P p p p 3wie670Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.wie durch Goͤttliche Beyhilff ſich vnſichtbar gemacht haben die H. Ita / der H. Mart. Lucianus, der H. Abbt Columbanus, der H. Franciſcus de Paula, der H. Gre - gorius Taumathurgus, der H. Vincentius Ferrerius, &c. vnd vil andere mehr / ſo wolte ich einen Schreibzeug zu leyhen nemmen von jenen weiß beklaydten Mann / wel -E[z]ech. c. 9. chen der Prophet hat wahrgenommen. Vnnd mich alſo zu diſer / vnnd jener Mahlzeit begeben / allda alles / was wider die Ehr deß Nechſten außgoſſen wird / gar embſig auffzaichnen. Ich wurde in der Warheit finden / daß der - mahlige Mahlzeiten / Schmalzeiten / vnd jetzige Convivia, Convitia ſolten genennet werden.
Vnder anderen Plagen / welche der gerechte GOttExod. 8. uͤber den Pharao ergehen laſſen / war nicht die mindeſte / die groſſe Menge der Froͤſch / welche nicht allein auff der Gaſſen / ſondern in der Stuben / in der Kammer / bey der Tafel die groͤſte Vngelegenheiten verurſacheten. Kaum daß man ein Schuͤſſel hat auffgedecket / paͤtſch / da war ſchon ein ſolcher Gruͤnhoſeter hinein geſprungen / Pfuy! der Schinder freß ſolche Brocken. Auff allen Taͤlle - ren hupffeten diſe großmaulige Quaketzer herumb; das Frauenzimmer iſt dazumahlen wol nicht nackend vmb den Halß gangen / dann diſe kalte Lackentreſcher auff al - len Achſeln ohne Spilleuth herumb getantzet. Vnder wehrender Mahlzeit war nichts zu hoͤren / als das ver - drießliche Qua - Qua. Qua. O liebſter GOtt! wo / wie / wann iſt dermahlen ein Mahlzeit / allwo nicht allein Freß - goſchen / die giengen noch hin / ſondern auch Froͤſchgo - ſchen gefunden werden / welche immerzu uͤber andere Leuth quaketzen / vnnd ihnen die Ehr abſchneiden. Bey der Mahlzeit deß Koͤnigs Herodis war nicht genug / daß man Geſottenes / Gebrattenes / Gebachenes / Geroͤſtes / Ge - baitztes / Geſpicktes / Gekuͤchletes / Geſultztes / Geſaltztes /Ge -671Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.Geſchmaltztes / hat auffgeſetzet / ſondern man muſte auch aufftragen / in einer Schuͤſſel das Haupt Joannis Ba - ptiſtæ. Diſem Moͤrderiſchen Tiger ſeynd wir oͤffters nicht vngleich / weilen nehmlichen vnſer Luſt / vnd Guſt nicht vergnuͤget iſt mit ſauren / mit ſuͤſſen / mit warmen / mit kalten Speiſen / ſondern es muß mehrmahlen ein Haupt darbey ſeyn / ja die groͤſte Haͤupter der Welt / Pabſt / vnd Kayſer / vnd zehlt man diſe nicht vnder die Richten / ſo muͤſſen ſie doch gehoͤren zu dem Außrich - ten. Mit einen ſolchen ſchmutzigen Maul hatte Her - tzog Otto von Brandenburg / wie er von dem Biſchoff Ludolpho excommuniciert worden / nich allein ge - dachten heiligen Mann / ſondern auch den Paͤbſtlichen Stuel angriffen / auch ſchertzweiß dem Hund ein Stuck Fleiſch vorgeworffen / mit Vermeldung er habe gehoͤret / daß auch die Hund kein Stuck Brod / oder Fleiſch von einem Excommunicierten annemmen / welches auch in aller Warheit geſchehen / maſſen der Hund bey der Tafel das vorgeworfene Fleiſch nit allein gewaigert / ſon - dern auch nach dreytaͤgigen Faſten von diſem Otto kein Speiß wolte annehmen. Wie offt muß der RoͤmiſcheChron. Magdeb. Kayſer vnd Allergnaͤdigiſter Herꝛ / Herꝛ vnd Landsfuͤrſt / welcher doch ein geſalbter deß HErꝛn iſt / vnder ſolche uͤble Zungen gerathen / welche weit freventlicher / als der David dem Saul ſeinen Koͤniglichen Purpur ſtutzen / vnd beſchneiden.
Joannes Euſebius ſchreibt / daß in Spanien / in der Statt S. Dominici Calciatenſis durch Beyhuͤlff deßDe Mirac. Euro. l. 1. cap. 1. heiligen Jacobi zu Beweißthumb der Unſchuld eines Juͤnglings ein gebrattener Hahn vnd Henn ſeye zu dem Leben erwecket worden / welche man nachgehends in die Kirchen daſelbſt geſperret. Diſe lebeten nicht laͤn -ger672Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.laͤnger als ſiben Jahr / nach verfloſſener ſolcher Zeit haben ſie ein Haͤnl vnnd Hienl ihrer Farb hinderlaſſen / vnnd diſe nach ſiben Jabren wider andere / vnd verharret diſes Wunder noch biß auff den heutigen Tag / dahero alle Kirchfaͤhrter / deren vil tauſend / vnd tauſend / pflegen von diſen ein Feder zu einer Gedaͤchtnuß außzuropffen / vnd gleichwol manglen ihnen nie die Federn durch ein ewiges Wunderwerck. Diſe muͤſſen vil leyden wegen ihres ſo oͤff - tern ropffens; aber ich verſichere einen / daß der Roͤmiſche Adler / noch mehrer geropffet wird / vnd will anjetzo zu - weilen ein ſchlechte geſchmierbte Goſchen bey der Mahlzeit / die Schmaͤlzeit begehen. Wann ich Kayſer waͤre / haiſt es / Ofen waͤre mir nichts / gleich ſo vil / als wann man ein Bettlbueben in die Hoͤll wirfft. Innerhalb zwey Mo - nath ſoll Conſtantinopel mein ſeyn / man greifft die Sach an / wie der Aff die gebrattene Koͤſten / ꝛc. Ey du gewal - tiger Zungen-Schmidt! wann du Conſtantmopel ſo ge - ſchwind ſolſt eroberen / waͤr nachmahls billich vnd recht / daß man ſolcher groſſen Statt Conſtantinopel den Nah - meu ſolt veraͤnderen / vnd an ſtatt Conſtantinopl, deinet - wegen Stultinopl nennen. Ein anderer ſagt / was? haͤtt ich die Kayſerliche Armee / Griechiſch-Weiſſenburg muͤſt ſich verkriechen: Eſſek muͤſt haiſſen Geweck; Wardein muͤſt haiſſen wider Mein; ich wolt den Tuͤrcken biß nacher Babylon treiben / vnd alldort / wo alle Sprachen herkom - men / ihn gewiß lehren Teutſch reden: Unſere Rathſchlaͤg gehen wie der Maiſter Limax uͤber die Brucken. Ey du gwaltiger Philogophus; Cato vnd Plato iſt deines glei - chen nit / wol aber Matto. Wann dein Ehrabſchneide - riſche Zungen ein Degen waͤr / ſo wolt ich ſelbſt darmit / wo nit die Statt Lugdun wenigiſten die Veſtung Lugen - burg einnemmen. Wann du ſo gut hauen konteſt / alsdu673Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.du ſchneiden kanſt / ſo dann wurdeſt du mir der Zeit be - ruͤhmter werden / als der tapffere Scanderbeg. Derglei - chen Hauß-Hund / vnd Schmauß-Hund ihr bellen ver - ſchonet als ein Loͤwen nicht / deſſen Großmuͤthigkeit a - ber ſolche weniger achtet / als deß Samſons ſeinen Mund - ſchenck / diſer war ein Eſels Kinbacken.
Die Taffel meines H. Vatters Auguſtini finde ich auff keinem Saal / in keiner Taffel-Stuben mehr / auff derſelbigen waren folgende Wort verzaichnet.
‘Quisquis amat dictis abſentum rodere vitam, Hanc menſam vetitam noverit eſſe ſibi. ’ ()Dergleichen Wort find ich an wenigen Orth. Bey der Taffel deß reichen Praſſers / waren die Hund vnder dem Tiſch / vnd nagten die Beiner / nachmahlens haben ſie dem armen Lazaro vor der Hauß-Thuͤr ſeine Geſchwer abgelecket. O wohl gute Hunds-Zungen! viler / viler Menſchen-Zungen ſeynd weit anderſt beſchaf - fen / bey der Taffel / vnd Eſſens-Zeit / welche nicht allein ihren Naͤchſten die Geſchwer einer / oder der andern Un - vollkommenheit nicht heilen / ſondern dem ehrlichen Nah - men noch neue Wunden verſetzen. Die ſchoͤne Bild - nuß deß Koͤnigs Nabuchodonoſoris hat ein kleines Steinl alſo getroffen / daß / vngeacht das Haupt vomDan. 2. beſten Gold / die Bruſt vom ſchoͤnſten Silber / der Leib vom Metall / ꝛc. gleichwol alles zu trimmern gangen. Bey einer Taffel / vnd Mahlzeit thut ſich oͤffters ein kleines Woͤrtel hervor / welches auch / wie beſagtes Steinl / die Bildnuß eines ehrlichen Nabmens / deſſen Haupt von Gold / verſtehe ein Haupt Lob / gaͤntzlich vnd ſpoͤtt -Q q q qlich674Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.lich zertrimmert. Ein ſolches iſt das aber / ein ſolches iſt das wann / ein ſolches iſt das gar.
Diſer Herꝛ iſt nichts als gelehrt / ſo gehet die Redt / er hat faſt die Wiſſenſchafft eines Salomons / ja / ich glaube / wann man die Abſchnitts von ſeinen Naͤglen ſolte ſaͤen / es wurden Baccalaurei darauß wachſen: er hat in allen Sachen die beſte Erfahrenheit / vnd weiß ſo manier - lich ſeinen Krahm nach einer jeden Ellen zu meſſen; bey al - len diſen iſt er nicht ſtoltz / ein anderer that vnd wolt deſſent - wegen allzeit oben ſchwimmen / wie das Pantoffel-Holtz / aber diſem ſchaut die Demuth auß den Augen / ich vermein warhafftig / er habe von ſeiner Aemmel nichts als lauter Hoͤnig geſogen / wol ein brafer Herꝛ / das iſt wahr; Aber! aber! wie ein Teuffel auff die Seel / ſo geht er auff das Geld; ſo krumpe Finger als er hat wegen deß Podagra, ſo ſchlagt vnd ſpilt er dannoch gern auff dem Regal / will ſa - gen / regaliren / vnd Geld gelten vil bey ibn.
Die Fraͤule / oder die Jungfrau / die iſt wohl ein her - tziges Kind. O wie ſchoͤn iſt ſie! ſie hat wol nicht Vr - ſach wider ihr Natur zu klagen; auff mein Gewiſſen / in Indien thaͤt mans fuͤr ein Goͤttin anbetten / zwar es manglen bey vns auch noch nicht ſolche Abgoͤtter / ꝛc. Sie iſt darneben ein ſtattliche Wirthin / Bruder glaub mir darumb / ſie ſichts der Kuhe in Augen an / wie vil ſie Milch gibet; ſie iſt achtſam / vnd wachtſamb auff alles / ich wolt nicht ſchwoͤren / ob ſie nicht auch mit offenen Augen ſchlaffe / wie die Haſen: ihres gleichens ſeynd in der Warheit wenig zu finden. Wann / wann ſie nur nicht ſo teuffliſch boͤß waͤre. Bekombt ſie einmahl ein Mann / ſo wird ſie mit ihm vmbgehen / wie die Baurenmit675Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.mit dem Felberbaum / ſie ſingt den Diſcant, daß einem die Augen uͤbergehen. Wann ſie nur das nicht haͤtte. Ich hoͤre / da geredt / ſie ſeye ſchon zweymahl in die Fraiß vor lauter Zorn gefallen.
Diſe Frau koͤnt nicht beſſer ſeyn / ſie thut fuͤrwahr keinen Hund belaydtgen / will geſchweigen einen Menſchen / ſie bettet bald mehr als der Koͤnig David / ich hab mein Lebenlang kein vngedultiges Wort von ihr gehoͤret / ſie haͤttens auff mein Wort wol ſollen Agnes tauffen. Ich glaube / ſie habe kein Gall wie die Tauben / ein Schelm bin ich / wann ſie ſolt einen gantzen Korb Holtz-Aepffel eſ - ſen / ſie kont kein ſauers Geſicht machen. Sie iſt nur gar / gar zu gut. Es iſt gleich / ihr Tochter thue bue - len / oder ſpuelen / ſo ſagt ſie ihr nichts / gar zu gut. Die mitter Tochter die Sabinl laufft in alle Wuͤrthshaͤu - ſer wie ein Krammerhuͤndl / vnd ſie ſagt ihr nichts; ich wolt ein ſolches Zoberl / vnd ſauberes Fruͤchtl beſſer fin - den / aber ſie thut ihr nicht ſo - vil / ſie iſt gar / gar / gar / du verfluchtes gar / du teuffliſches wann / du verma - ledeytes aber / wie manche Ehren-Statuen haſt du ſchon zu Boden geworffen? O wie recht dann jener geſaget.
Ihr arme Geiſtliche / abſonderlich ihr Prediger / ihr habt gar nicht Urſach euch zu beklagen wegen der ſtren - gen Faſten / welche euch die H. Regul / vnd Ordens-Sa - tzungen auffbinden / ihr ſeyet Sonntags / vnd Feyrtags / ja ſo offt ihr prediget / bey den Mahlzeiten oͤffters aber nit geſpeiſt / ſondern ihr muͤſt andere ſpeiſen / in dem ihr offt manchen auff die Zungen kommet. Die Kinder der Pro - pheten zu Zeiten Eliſæi, haben an ſtatt der guten Kraͤuter wilde Colloquinten geſamblet / vnd dieſelbe nachmahlensQ q q q 2in676Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.in einen wilden Topff gekochet. Wie nun diſe haißhun - gerige Tropffen mit den Loͤfflen darein gefahren / vnnd aber vermercket / daß ſelbige Speiß wie lauter Gall ſo4. Reg. 4. bitter / haben ſie hieruͤber krumpe Maͤuler gemacht / Mors in olla. Wie mancher macht ein krumpes Maul uͤber ein Predig / es ſchmeckt ihm ſolche nit.
Der Patriarch Abraham hat dem Allmaͤchtigen GOTT eine dreyjaͤhrige Kuhe auffgeopffert in dem Tempel / dieſelbige geſchlacht / vnnd voneinander gethailt / nach ſolchem ſeynd die Voͤgel mit allem Gewalt auff diſes Fleiſch vnd Opffer geflogen. Et abigebat eas A -Gen. 15. braham: Abraham vertrib aber dieſelbige Voͤ - gel. O mein liebſter Patriarch / ſo baſt du ein ſo groſ - ſe Plag gehabt / wegen der Voͤgel; ich kenne einen Pre - diger der tragt / ob zwar vnwuͤrdig / deinen Nahmen / di - ſer hat oͤffters ſein Predig als ein Opffer GOTT dem HErꝛn in dem Tempel auffgeopffert / aber es ſeynd ih - me auch gar offt die Voͤgel daruͤber kommen. Was fuͤr Voͤgel? etwann Nachtigallen? O nein / nein! vil ehender Nachteulen / die alles Liecht blendet. Was fuͤr Voͤgel? etwann Buchfincken? O nein / nein! vil ehen - der Miſtfincken. Was fuͤr Voͤgel? etwann Falcken? O nein / nein! ehender Schalcken. Was fuͤr Voͤgel? et - wann Stahren? O nein / nein! ehender Narren. Was fuͤr Voͤgel? etwann Raaben? O nein / nein! ehender Ra - ben-Vich. Was fuͤr Voͤgel? ich will es offenhertzig be - kennen. In dem Hertzogthumb Steyrmarckt gibt es ein gewiſſe Arth der Voͤgeln / die nennt man die Schnell - Voͤgel / ſeynd faſt in der groͤſſe eines Finckens. Schnell ſolt ich ſagen / Schmaͤhl-Voͤgel / Spott-Voͤgel / Ertz-Voͤ - gel / vnd Ehrabſchneideriſche Zungen / diſe ſeynd oͤffters uͤber die Predig kommen / dieſelbe elender zugericht / als die Moͤrder jenen armen Tropffen / welcher von Jeruſalemnacher677Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.nacher Jericho geraiſt iſt. Sie haben nit allein die Predig / ſondern auch den Prediger ſchwaͤrtzer gemacht / als da ge - weſt iſt deß Moyſis ſein Weib / die Sephora. Grau - ſamb geweſt wie die Beeren / ſo vil boͤſe Bueben zerriſ - ſen in Gegenwart deß Propheten Eliæ; Aber faſt grau - ſamer ſcheint / wann einen nicht die Beeren / ſondern die Beernhaͤuter vnd Ehrenſtutzer alſo tractieren / vnd tran - ſchieren / ꝛc.
Die Hebreer haben dem HErꝛn in allen Wincklen uͤbel nachgeredet / wie auch ſeinen Apoſtlen. Denen ſeynd nicht vngleich alle die jenige / welche ehrenruͤhriſche Wort / vnd Reden außgieſſen uͤber die Geiſtliche vnd Diener Got - tes. Man hat dem heiligen Athanaſio einem ſo voll - kommenen Biſchoffen uͤbel nachgeredet / vnd ihme auffge - bracht / als habe er den Biſchoff Arſenium vmbgebracht. Man hat dem Heil. Ætherio die Ehr abgeſchnitten / daß er mit einem offentlichen Schlepſack habe geſuͤndiget:S. Greg. Turon. lib. 6. Man hat dem Heil. Carmeliter Angelo gantz lugenhafft auffgebracht / daß er ein lauterer Gleißner vnd Hauptlug - ner ſeye: Man hat dem Heil. Arnulpho Biſchoffen zu Metz ſpoͤttlich nachgeredet / daß er verbottene Buelſchafft treibe mit der Koͤnigin: Man hat offentlich außgeſagt / der H. Dionyſius von Alexandria ſeye ein Ertz-Schelm: Man hat von dem H. Daniel Stylita vnverſchambt gelo - gen / als habe er Batianam zu einem Beyſchlaff angefor - dert: Man hat dem H. Pabſten Cornelio auffgebracht / daß er mit denen Abgoͤttern halte: Man hat den H. Dia - conum Cæſareum fuͤr einen Hexenmaiſter / vnnd Zaube - rer allenthalben außgeruffen: Man hat dem Heil. Ale - xandriniſchen Macharo uͤbel nachgeredet / als habe er ein junges Maͤgdl verfuͤhrt: Man hat dem H. Pabſten Syl - verio die Ehr abgeſchnitten / daß er durch Gelt-Mit - tel die Schluͤſſel Petri erkauffet; Man hat ſo vilen tau -Q q q q 3ſend /678Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.ſend / ſo vil tauſendfache Spottreden erdicht / vnd ange - hengt / dero Geiſtlichen Wandel uͤbel verklienert / verleimb - tet / verſchwaͤrtzet; vnd noch iſt kein Ordens-Stand ſicher von dergleichen Spottreden.
Der H. Hieronymus ware Leib halber ein laute - res Bainhauß: ware Seelen halber ein lauteres Gotts - hauß: ware Verſtand halber ein lauteres Rathshauß: der Heil. Hieronymus hatte kein andere Buelſchafft / als die Buß / diſe war ſein Liebſte: er hatte kein andere Liger - ſtatt / als den harten Felſen: er hatte kein andere Tafel / als etliche harte / vnd geſchimpelte Biſſen Brodt: er hatte kein anders Klayd / als einen haͤrenen Sack / vnd gleichwol hat man ihme uͤbel nachgeredet / als habe er zu groſſe Freundlichkeit mit der Paula, welche doch ein vraltes Weib ware / dero Angeſicht voll mit Falten / vnd Spalten. O verfluchte Laſter-Zungen! ſo ſcheueſt dich auch nicht dein Gifft auff den Schein der Heiligen außzuſchuͤtten?
Von der H. Liobe einer Abbtiſſin wird folgendes ſehr denckwuͤrdig geſchriben. Ein barmhertzige Mutter hat ihr aigene Leibs-Frucht in ein Waſſerbaͤchlein geworf - fen / welches auß dem Clofter diſer Abbtiſſin herauß lieffe. Wie nun der todte Leichnamb diſes Kinds gefunden worden / waren gleich einige Spott-Voͤgel vorbanden / welche die fromme Nunen nit nur allein in gewiſſen Arg - wohn gezogen / ſondern gar mit vnbefuͤgten Spottreden dieſelbige durchgelaſſen / wie daß diſe Nunen ſich haͤtte vergnuͤgen ſollen laſſen / das Ambt einer Mutter zu ver - tretten / vnd das arme Jungfrau-Kindl in einem ſo grau - ſamen Bad nicht haͤtte ſollen ertraͤncken; die Schwe - ſter Barbara hatte nicht ſollen ſo barbariſch ſeyn: die Schweſter Martha haͤtte nicht ſollen ſo Marteriſch ſeyn: die Schweſter Chriſtina haͤtte nicht ſollen ſo vnchriſtlich ſeyn / vnnd das arme Troͤpfflein mit ſo vil tauſendTropffen679Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.Tropffen ertraͤncken. Es ſeye ſchon das genug / daß das Cloſter ſo fruchtbar / vnd eine auß ihnen ein Ehrwuͤrdige Aemmel worden / haͤtten alſo nit ſo vnmenſchlich ſollen mit einer Geiſtlichen vmbgehen. O Schelm ſchneide! ſol - ches Geſchrey kommet / wie zu geſchehen pflegt / von einer Argwohniſchen Zung zu der andern / vnd folgſam von ei - nem Ohr zu dem andern / wie dann dergleichen Schimpff - Reden erſt den beſten Nachdruck geben in den Gemuͤthern der Zuhoͤrenden / daß es auch endlich der Abbtiſſin ſchmertz - lich zu Hertzen gienge / welche dann ihr vnſchuldige Toͤch - ter zu troͤſten an ein Orth zuſamb beruffen / allwo ſie alle mit Creutzweiß außgeſpannten Armb vor einem Crueifix - Bild auff die Knye nidergefallen / vnd ihrer lieben Mutter den Pſalter nachgebettet / welche zum oͤfftern jene deß Davids klagende Wort widerhollet / Pſal. 108. HErꝛ mein GOtt / ſihe die Laſter-Zungen der jenigen / ſo dich verunehren / ſeynd uͤber deine Dienerinen ergangen. Diſe Klag wegen deß geſchaͤndten ehrlichen Namens hat Gott den HErꝛ dahin bewegt / daß er alſobald verhengt; daß der boͤſe Geiſt die Moͤrderin deß Kinds ſo lang gepeyniget / biß ſie offentlich ihr Miſſethat bekennt / vnnd die arme Nonnen in ihren vorigen Ruehen vnd guten Namen / wi -In Vita. der kommen. Sonſten pflegt man nur zur Oeſterlicher Zeit geweyhte Speiſen zu eſſen / aber der Zeit iſt es ſchon ſo weit kommen / daß man das Jahr hindurch geweyhte Bißl vnder die Zaͤhn bringt / vnnd diſe ſeynd die Geiſtliche / vnd in GOtt geweyhte Perſohnen / welchen faſt ein jedes Klappermaul will einen Schandtfleck anhengen. Gegen den frommen Diener Gottes Tobiam den juͤngern hat ein Fich / welcher zum Gſtatt hinzugeſchwummen / das Maul erſchroͤcklich auffgeriſſen / daß hieruͤber TobiasTob. c. 6. ſolcher Gſtalten erſchrocken / daß er an Haͤnd vnd Fuͤß ge -zittert /680Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.zitteret / vnd nicht anderſt vermaint / als wolle er jhn ver - ſchlicken. Wie vil dermahlen gibt es ſolche Fiſch / ich will ſie nit nennen Stockfiſch / welche da immerzu ihre Maͤuler auffreiſſen wider die Geiſtliche / aber der ge - rechte GOtt wird ſie billich ſtraffen / dann ſeynd ſo grau - ſam gezuͤchtiget worden jene vnerzogene Bueben / welche Eliſæum nur ein Kalkopff geſcholten / wie vil mehr wird er die jenige zur Straff ziehen / welche nit allein ſpoͤttende / ſondern auch ehrenruͤhriſche Reden denen Geiſtlichen an - hengen.
Zur Zeit deß krancken Koͤnigs Ezechiæ iſt die Son - nen-Uhr deß Achaz zuruck gangen / das war ein groß - maͤchtiges Wunder / daß diſe Uhr zuruck gangen / aber glaub du mir / es iſt nicht weniger ein groſſes Wunder / wann (mit Ehren zu melden / vnd zu vermaͤntlen) eineU H R 2 1 3 U H R zuruck gehet / vnd ſich beſſert. Dergleichen Wun - der haben ſich gleichwol durch ſondere Goͤttliche Huͤlff ſchon etlichmahl begeben / abſonderlich mit der Samarita - nin / dann wie Chriſtus nacher Samariam kommen zu der Statt Sichar, vnd auſſerhalb derſelben bey einem Brun - nen wegen Mattigkeit ſich nidergeſetzet / da iſt ein Weib auß gedachter Statt herauß gangen von ſolchen Brunnen das Waſſer zu ſchoͤpffen. Vnderdeſſen aber hat der Hey - land alle ſeine Juͤnger / vnd Apoſtel in die Statt geſchicket / nothwendige Lebens-Mittel einzukauffen / in dero Abwe - ſenheit hat er mit obbemelter Samaritanin ein Diſcurs, vnd zwar vnder andern hat er ihr offenbahret die allerge - haimbeſten Suͤnden / wie daß ſie ein lautere Et cætera ſeye / durch welche Entdeckung ihrer Miſſethaten ſie an Chriſtum geglaubt / vnd nachgehends ein Heilige auß einer haylloſen worden. Aber mein JEſu / warumben ſchickeſt du alle Apoſtel in die Statt hinein? ich glaubte / es waͤ -re ja681Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.re ja einer genug / man thut bey der Apoſtoliſchen Taffel nit ſo wol tractiren / der Judas als Ordinari Procurator haͤtt den Zecker ſchon allein koͤnnen tragen. Deſtwegen ſpricht der gelehrte Sylvaira hat vnſer HErꝛ alle Apoſtel von ſich geſchafft / dieweilen er in Willens geweſt / diſem Weib ihre haimbliche Laſter zu offenbahren / aber gantz in der Still / damit ſolches nit lautmaulig werde / vnd ſie alſo bey den Leuthen in kein uͤbels Geſchray moͤchte kom - men / derentwegen ſollen es die Juͤnger deß HErꝛn nit hoͤ - ren. O guͤtigiſter JEſu! du wilſt ſo gar nit / daß man von dem Naͤchſten ſolle was boͤſes reden / welches auch wahr iſt / aber noch in der Gehaimb. Was ſagſt du dann zu dem jenigen / ſo in aller Vnwarheit einem etwas auff - bringen? vnd was uͤbels von ihme dichten? O verfluch - te Zungen! Hirſchzungen iſt ein gewiſſes Kraut / auff La - teiniſch Splenium genannt / diſe Hirſchzungen thut uͤber alle maſſen haylen; aber Menſchen-Zungen hat das Wi - derſpill / weilen diſe uͤber alle maſſen verwundet / abſon - derlich die Geiſtliche.
Zu Jeruſalem war ein Schwemm-Teuch auff He -Joan. 5. breiſch Bethſaida genannt / vmb diſen Teuch waren fuͤnff Schupffen gebauet / worunter ein groſſe Anzahl der krancken vnd preſthafften Leuthen gelegen / welche alle mit ſonderer Wachtſambkeit gewart haben / biß der En - gel gedachtes Waſſer beweget hat / alsdann iſt der erſte / ſo hinein geſtigen / von allen Kranckheiten / Schaͤden / vnd uͤblen Zuſtaͤnd erloͤſet worden. Allen Vermuethen nach iſt diſer Engel der Raphael geweſt. Nun entſtehet die einige Frag / warumben der Engel ſolchen Schwemm - Teuch gantz truͤb habe gemacht. Damit man nit habe koͤnnen ſehen / meldet der heilige Joannes Chryſoſtomus, Niſſen. Abbas l. 7. die elende Geſchwer / offene Schaͤ - den / graußliche Wunden / wilde Tipel / abſcheulicheR r r rKre -682Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.Kretzen vnd garſtige Zuſtaͤnd diſer armen Tropffen / dann durch das truͤbe Waſſer wurde alles diß / wie mit einem Mantl bedecket.
Von diſem Engel ſollen wir lehrnen vnſers Naͤch - ſten ſeine Maͤngel / vnnd Vnvollkommenheiten zu verdecken / vertuſchen / verhuͤllen / verbergen; ja wir ſeynd ſchuldig die Wunden zu verbinden / wie jener from - me Samaritan gethan an dem armen Tropffen / der vnder die Moͤrder gerathen; wir ſollen deß Naͤchſten SchandGen. 9. nach Moͤglichkeit zudecken / wie gethan die zwey wolgera - thene Soͤhn an ihrem Vatter Noe, nemblich Sem, vnd Ja - phet: wir ſollen deß Naͤchſten Maͤngel vergraben / wie gethan hat der alte Tobias an dem Todten / aber ſchau du mir die jetzige verkehrte Welt / welche nit allein deß Naͤchſten Faͤhler nicht verberget / ſondern auch die verbor - gene mit allem Ernſt eroͤffnet. Die Leuth ſeynd dermahlen wie der Goglhann / wann diſer etwann ein halben Tag im Miſt graplet / vnd kratzet / vnd endlichen ein einiges Koͤrnl findet / da gehet das Ga - Ga - Ga an / da ſchreyt diſer Schnabl-Hannß / vnd ſtoltze Feder-Hannß / daß das gantze Hauß muß hoͤren. Etliche graplen vnd grieblen ſo lang nach / biß ſie an ihren Neben-Menſchen ein Man - gel finden / alsdann muß diſe Wahr offentlich außgeleget werden / man ſchreyts auß / man ſchreibts auß / man liff - terts / man triffterts / vnd die Red wachſt wie der Schnee / den die boͤſe Bueben auff der Gaſſen zuſamb rollen / wel - cher alleweil groͤſſer / vnd groͤſſer wird. Die Leuth ſeynd jetziger Zeit / wie die Egel / welche auß dem Menſchen nur das uͤble / vnd vnraine Blut herauß ſutzlen / vnnd ſau - gen; alſo ſeynd gar vil anzutreffen / die nur auff die Faͤhler deß Menſchen acht geben / vnd nicht ſeine Tu - genden erwegen. Die Leuth ſeynd anjetzo wie dieDorn -683Judæ ſchmaͤhleriſche EhrabſchneidereyDornhecken / welche keinen laſſen vorbey gehen / den ſie nicht ropffen.
Dem heiligen Udalrico Biſchoffen zu Augſpurg pflegt man einen Fiſch beyzumahlen / vnnd zwar fol - gender Vrſach halber / weilen ihn auff ein Zeit ein ande - ter heiliger Biſchoff haimbgeſucht / alſo hat er ihn auß obligender Schuldigkeit mit einem guten Nachtmahl empfangen / vnd war es an einem Donnerſtag. Indem ſie aber beede wegen deß geiſtreichen Geſpraͤchs alſo ver - tiefft waren / daß ſie biß fruhe morgens am Freytag bey der Tafel geſeſſen / vnnd ohne eintziger Beruͤhrung der Speiſen / ſich allein ſaͤttigen mit Himmliſchen Worten. Vnderdeſſen aber iſt ein Bott ankommen von dem Her - tzog in Bayrn mit Brieffen zu dem heiligen Udalricus, welchen der heilige Mann alſobalden laſſen vorkommen / vnd nach etlichen Fragen ihme ein zimbliches Stuck vom Gebrattenen dargeraicht / vnvermercket / daß es ſchon der Freytag waͤre. Beſagter Bott ſchiebt ſolch[e]s ge - brattene Trinck-Gelt in den Sack / vnnd eylet ſchleunigſt wider nach Hauß zu dem Hertzogen. Er konte aber das Maul nicht gnug auffreiſſen wider die heilige Biſchoͤff. Was? ſagt er / Durchleuchtigiſter Hertzog / ihr glauber der Biſchoff Udalricus ſeye heilig; ja wol heilig / es muͤſt ihn nur ein Wuͤrth / oder ein Koch canonicieren; ja wol heilig / ſeines gleichen findt man auff einem jeden Bauren-Kirchtag; ja wol heilig / wann freſſen vnnd ſauffen heilig machet / ſo frimme ich mir morgen einen Schein an bey dem Gold-Schmidt. Iſt das ein Heilig - keit am Freytag Fleiſch eſſen? dann ich kan hierinnfalls ein Ayd ablegen / daß ich gedachten Biſchoffen Ulrich ſambt noch einem anderen Biſchoffen ertappet habe. Was mehr / ich habe noch von ſeinen aignen Haͤnden ein guteR r r r 2Por -684Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.In Actis S. Udalrici. Portion gebrattenes empfangen. Greifft alſo in den Sack / vnd will es zu groͤſſerem Beweißthum vnd Auger - ſchein dem Hertzog zaigen; ziecht aber durch Goͤttliches Wunder auß dem Sack nit ein Stuck Fleiſch / ſondern ein Fiſch. Woruͤber er ſchamroth worden / dem H. Mann es mit gebogenen Knyen abgebetten / vnd ein ſondere Reu erzaigt / daß er denen heiligen Leuthen die Ehr alſo abge - ſchnitten.
O Maul! O Maul! wie werdeſt du doch einmahl buͤſſen deine Suͤnd! Deß Loths ſeinem Weib iſt das zu - ruck ſchauen ſchaͤdlich geweſt; aber dir iſt das zuruck ſehen nutzlich. Schau / vnd beſchau deinen Nahmen Maul zuruck / ſo wirſt du in der Warheit finden / daß es Luam haiſt / welches der Lateiner gar wol verſtehet. Buͤſſen wirſt du es / wann du mit dem reichen Praſſer in der Hoͤllen die feurige Zungen herauß ſtrecken werdeſt. Buͤſ - ſen werdeſt du es / wann du mit Schwebel / vnnd Bech wirſt außgewaſchen werden. Es iſt ſolche Zung nit allein ein Verlezung / deß guten Nahmens: es iſt ſolche Zung nicht allein ein Verkuͤrzung / der Ehr: es iſt ſolche Zung nicht allein ein Beſizung / oder Beſazung deß Sathans: es iſt ſolche Zung nicht allein ein Verſchwaͤrzung der Re - putation, ſondern es iſt forderiſt ein ſolche Zung ein Stuͤr - zung in die Verdambnuß. JEſu Chriſti deines Heylands Beklaydung ware auff dem Berg Thabor wie der Schnee / ſicut nix, dazumahlen hat er ſein Himmliſche Glory ge - zaigt / als er wie ein Schnee beklaydet ware. Alſo haſt du kein Hoffnung zur Himmliſchen Glory / du ſeyeſt dann wie der Schnee / diſer hat die gute Eigenſchafft vnd Na - tur / daß er auch alles garſtiges zudecket / vnd weiß beklay - det / auch (mit Ehren zu melden) einen Miſthauffen ver -huͤllet685Judæ ſchmaͤhleriſche Ehrabſchneiderey.huͤllet er / deßgleichen muſt du alle wilde / vnd ſchaͤndliche Faͤhler deines Nechſten / wann ſie noch nit offenbahr ſeynd / verdecken; aber wo geſchicht ſolches? wann geſchicht ſol - ches? in den Geſellſchafften? da gar nit. Da gehet man mit deß Nechſten Nahmen vmb / wie der Samſon mit de - nen Philiſteiſchen Felderen: da gehet man mit der Ehr deß Nechſten vmb / wie Moyſes mit den Tafeln der 10. Gebott / welche er zertruͤmmert: da gehet man mit der Reputation deß Nechſten vmb / wie die Magdalena mit der Alabaſter-Buͤchſen / welche ſie zerbrochen: da gehet man mit deß Nechſten Ruhm / vnd Glory vmb / wie der Teuffel mit dem Job / welchen er uͤber vnd uͤber verwun - det: da gehet man mit deß Nechſten Tugenden / vnnd Sitten vmb / wie der Gedeon mit dem Trayd / welches er in der Scheuer außgetroſchen: da gehet man mit dem Wandl deß Nechſten vmb / wie das Evangeliſche Weibel mit dem Hauß / welches ſie mit dem Beſen uͤber vnd uͤber außgekerret: da gehet man mit dem Nahmen deß Nech - ſten vmb / wie der Jacob mit der Ruthen / welche er halb geſchoͤllt hat. In ſolcher Geſellſchafft ſeynd die Woͤrter Schwerdter / die Erzehlung ein Verſtellung / das parla - re ein Burlare, der Diſcurs ein Diſguſt / das ſchwaͤtzen ein ſchwaͤrtzen / das ſchmutzen ein ſtutzen / das lachen ein verlachen / vnd gar offt ein ſolche Zuſammenkunfft / iſt deß Teuffels Zunfft.
O vnbehutſamer Menſch mit deiner Zung! gehe hin / verklienere deinen Nechſten / wiſſe aber / daß ſolche Ver - klienerung ein Vergroͤſſerung ſeye deß Goͤttlichen Zorns: gehe hin / vnd verſchwaͤrtze den guten Nahmen deines Nech - ſtens / wiſſe aber / daß du derenthalben werdeſt verzaichnet werden in das ſchwartze Buch der Verdambten: gehe hin / vnd ſchneide deinem Nechſten die Ehr ab / wiſſe aber / daß du dir die Hoffnung zur Seeligkeit abſchneideſt: geheR r r r 3hin /686Judas ein Ehrabſchneiderhin / vnd gieſſe boͤſe Wort auß uͤber andere / wiſſe aber / daß du am Juͤngſten Tag keine andere Wort von demMatth. 25. Goͤttlichen Richter wirſt hoͤren / als diſe / Ite maledicti in ignem æternum, gehet hin in das ewige Feur: gehe hin / vnd bringe deinen Nechſten in ein uͤbles Geſchray / wiſſe aber / daß du derenthalben wirſt muͤſſen das ewige Heu - len vnd Zaͤhnklappern außſtehen.
WIe Judas wahrgenommen / daß Magdalena ein ſo koſtbare Salben außgoſſen / welche gar wol vmb 300. Pfenning haͤtte koͤnnen verkaufft wer - den / wie er ſelbſten darfuͤr gehalten / hat ſolches diſem Partitenmacher uͤber alle maſſen verdroſſen / ja nach Mai -Lib. 2. de Conſ. E - vang. c. 179. nung meines heiligen Vatters Auguſtini, hat er auch die andere Apoſtel / vnnd anweſende Juͤnger dahin beweget / daß ſie auch haben angefangen zu murren / keiner aber mehr / als Judas / welcher in allen Wincklen deß Hauß Simonis bey der Koͤchin / vnd Kuchelmenſchern / bey Kam - mern - vnd Stubenmenſchern gar ſpoͤttlich geredt uͤber die Magdalena; was ſie fuͤr ein ſaubere Madama ſeye / durch ſolche Salbung / wer waiß / was ſie ſuche. Es wundere ihn nur / daß der HErꝛ JEſus moͤge ein ſolche beſchrayte Perſohn zu ſich laſſen. Ja es komme ihm noch ſeltzamer vor / daß ſein Maiſter diſes ſaubere Frauenzimmer habe gelobt. O verfluchte Zung! JEſus lobte dazumahlen ſchon Magdalenam, deßgleichen ich auch.
Adam687der vnſchuldigen Magdalenæ.Adam was bedeut der Schwaiß auff dem Angeſicht? die Haken in den Haͤnden? der Schaaf-Beltz auf dem Leib? der Hunger im Magen? die Thraͤnen in den Augen? die Seufftzer auß dem Hertzen? die Sorgen auff dem Ru - cken? was bedeut diſe dein Melancholey, oder Maul - hencolai? hab ich doch vermeint / du ſeyeſt ein Edel - mann / jetzt ſihe ich wol du biſt ein Knedelmann? ach GOtt! ſagt Adam / ein Weib / vnd zwar die meinige hat mir ein ſolche Woͤſch zugericht.
Schoͤner Juͤngling Joſeph / was thuſt du im Stock - hauß? du gehoͤreſt von rechtswegen ins Rathhauß: warumben biſt du gebunden mit eiſenen Ketten / da du doch gantz guldene Sitten an dir haſt? warumben haſt du keinen Mantel an / der du doch das Kleyd der Vu - ſchuld noch trageſt? warumben wohneſt bey vnordlichen Perſohnen? Mein GOtt! ſagt Joſeph / deß Putiphars ſein Weib hat mir ein ſolche Woͤſch zugericht.
Starcker Samſon, vorhero habe ich dich gekennt / daß du ein ſtarcker Riß biſt geweſen / jetzt ſihe ich wohl biſt du zerriſſen: vorhero biſt du deinen Feinden ein Spieß in den Augen geweſt / anjetzo ſeynd dir die Augen außgeſtochen? vorhero haſt du mit einer Eſels-Kinbacken tauſend Phili - ſteer erſchlagen / anjetzo ſchlagen die Philiſteiſche Eſels - Koͤpff deine Backen ſelbſten mit manchen Backenſtraich: vorhero haſt du groſſe ſteinene Saͤulen getragen / anjetzo biſt du an ein Saulen angebunden. Wie kommet diß? ach GOtt! ſagt Samſon, ein Weib / mit Namen Dalila, hat mir ein ſolche Woͤſch zugericht.
David du biſt ein lauteres Gluͤck-Kind geweſt / du haſt die Beeren erſchlagen / die Haut darvon tragen / haſt ein Joppen darauß gemacht / haſt die Kaͤlte außge - lacht. David hat den Goliath uͤberwunden? du / vnnd kein anderer: wer hat die Koͤnigliche Princeſſin Micholbekom -688Judas ein Ehrabſchneiderbekommen? du / vnd kein anderer: wer hat die Archen deß HErꝛn wider gluͤcklich zuruck gebracht? du / vnnd kein anderer: wer hat allerſeits lauter Victori, Sig / vnd Glory gehabt? du / vnd kein anderer. Wie kombts dann / daß es dir anjetzo ſo uͤbel gehet? daß der Urias todt? daß der Gewiſſens-Wurm dich immerzu nagt / vnd plagt? daß dir die Augen voller Waſſer ſtehen? daß jedermann uͤber dich ſchmaͤhlt / vnd GOtt ſelbſten dir ein finſteres Geſicht zeiget? ach GOtt! ſagt David, ein Weib mit Nahmen Berſabea hat mir ein ſolche Woͤſch zugericht.
Salomon du biſt ja der jenige / ſo von GOtt dem Allmaͤchtigen ein groſſe / ja ein groͤſſere dann andere / ja die groͤſte Weißheit empfangen? alle Naturen / vnd Ei - genſchafften der Voͤglen in dem Lufft: alle Naturen / vnd Eigenſchafften der Fiſch in dem Waſſer: alle Natu - ren / vnd Eigenſchafften der Thier auff der Erden: alle Naturen / vnd Eigenſchafften der Kraͤuter haſt du gewiſt. Du biſt geweſt der beſte Theologus, auch geweſt der be - ſte Philoſophus, auch geweſt der beſte Juriſt, auch ge - weſt der beſte Medicus; anjetzo aber biſt du gantz naͤr - riſch / vnd alſo bethoͤrt / daß du ſteinene / hiltzerne / vnd gul - dene Bilder anbetteſt. Ach ſagt Salomon, die Weiber / die Weiber haben mich in ein ſolche Woͤſch gebracht.
Henricus Octa: Koͤnig in Engeland ſagt / vnnd klagt auch diſes. Aber laß ſagen / laß klagen / was diſe Spottweiß von den Weibern außgeben. Daß ſage ich zu groͤſſerer Ehr / vnd Ruhm der H. Mariæ Magdalenæ, diſe / diſe hat ein ſaubere Woͤſch zugericht / in dem ſie die Fuͤß JEſu mit Thraͤnen gewaſchen / das iſt ein ſolche ſaubere Woͤſch / dergleichen die gantze Welt nie geſehen.
Es689der vnſchuldigen Magdalenæ.Es hat ſich zugetragen / daß vnſer lieber HErꝛ zu der Statt Naim gleich dazumahlen kommen / wie man zu dem Thor einen Todten herauß getragen / vnd es war diſer einer reichen Wittib einiger Sohn / dahero diſe Leich ein groſſe Menge Volcks begleitet hat. Wanns ein armer Schlucker waͤre geweſt / ſo waͤren uͤber 3. oder 4. alte Weiber nicht mirgangen. Es weinte die Frau Mutter diſes verſtorbenen Juͤnglings uͤber die maſſen bit - terlich / welches dann den HErꝛn JEſum dahin beweget / daß er alſobalden zu ihr getretten / ſprechend: Noli fle - re, mein Weib / weine nicht. Hieruͤber ruͤhrte er die Todten-Sarch an / ſchafft dem Juͤngling: Adoleſcens,Luc. 2. tibi dico, ſurge. Juͤngling / ich ſag dir / ſtehe auff / woruͤber alſobald der todte Juͤngling auffgeſtanden / vnd angefangen zu reden. Ob ſchon die Mutter diſes Sohns ſehr alt war / ſo brauchte ſie dannoch keine Brillen / wei - len ſie immerzu durch die Finger geſchaut / vnd ihme al - les nachgeſehen. Diſe reiche Frau war ſehr geſparſamb / bey ihr hat es geheiſſen / ſpir / vnd ſpar. Spar / heiſt ſo vil / als ſuchet nach. Der Sohn hat diſe 2. Woͤrter zu ruck geleſen / da hat es nachmahlens geheiſſen Rips / Raps. Weilen diſer die Freyheit hatte / ſo hat auch folgſamb nicht gemanglet die Frechheit / maſſen diſe zwey Schweſtern gar ſelten ſich voneinander ſcheiden. Alber - tus Magnus, vnd Victor Antiochen: ſchreiben / wie daß diſer Juͤngling ſeye geweſt ein Galan, vnd zwar ſehr ga - lant, deß frechen Weibs Bild Magdalenæ / welche nur ein halbe Stund von der Statt Naim ein Schloß ge - habt / mit Namen Magdal. Gar vermuthlich iſt es nur / daß erſtgemeltes Frauenzimmer auch mit der Leich ſeye gangen. In dem dann der HErꝛ JEſus diſen von den Todten aufferwecket / vnd ſolcher gleich angefangenS ſ ſ ſzu690Judas ein Ehrabſchneider /zu reden / cœpit loqui, alſo hat ſie diſem Wunder ſambt deſſen Reden beygewohnt. Die Reden aber diſes vom Todten aufferweckten Juͤnglings waren alle von der E - wigkeit. Ewig! ach Ewig haͤtte ich ſollen wegen meiner Suͤnden / vnd Miſſethaten brinen / vnd brennen / vnd braten in der Hoͤllen / dafern mich JEſus / der wah - re Meſſias / nit erloͤſet haͤtte. Ewig! ach ewig haͤt - te ich muͤſſen beraubt ſeyn deß Goͤttlichen Angeſichts / vmb weilen ich die Werck der Finſternuß geliebet hab / wann mich diſer wahre GOtt vnnd Menſch durch ſeine grundloſe Guͤte nicht erwecket haͤtte. Ewig! ach Ewig! dergleichen Reden haben das Hertz Magdalenæ durch - trungen / welches ohne daß durch das predigen J E S U ſchon verwundet ware / gaͤntzlich vmhgekehret. O Ewig - keit! ſagte Magdalena / du biſt ein Meer ohne Grund / du biſt ein Irꝛgarten ohne Außgang / du biſt ein Zahl ohne Zihl / du biſt ein Lauff ohne End / du biſt ein Laͤnge ohne Maß / du biſt ein Arithmetica mit lauter Nulla, Nulla, nullus finis, nullus finis: O Ewigkeit! Soll ich Magdalena ein ſo kurtze Zeit die Roſen brocken der zeitlichen Wolluͤſten / vnd alsdann ewig die Doͤrner ko - ſten? ſoll ich dann Magdalena ein kurtze Zeit das Hoͤ - nig der Wolluͤſten koſten / vnnd nachmahlens ewig den bitteren Kelch deß Goͤttlichen Zorns trincken? ſoll ich dann Magdalena mich auff ein Zeit bey den Venus-Flam - men erluſtigen / vnnd alsdann ewig in den brennenden Schwefel-Teuch ſitzen / vnnd ſchwitzen? ſoll ich dann Magdalena wegen einer ſo oͤden / vn̄ ſchnoͤden Thorheit mir ein ſolche ewige Woͤſch zurichten? Allo! ihr Augen reſo! virt euch zu einer anderen Woͤſch. Allo! mein Hertz ziehe an die Nerven / ihr Nerven drucket meine 2. ChryſtalleneKugl691der vnſchuldigen Magdalenæ.Kugl in meinen Geſtiern / laſſet rinnen / Waſſet her / es brinnt ſchon in meinem Hertzen: es brinnt die Lieb zu mei - nem JEſu; Waſſer her / ich will ein andere Woͤſch an - fangen. Magdalena ſchloffe alſo in ein Buß-Klayd / lauf - ſet / eylet / ſeufftzet uͤber die Gaſſen / vnangeſehen der Leuth hoͤchſter Verwunderung / vngeachtet der Auffwarter win - cken / vnd liebkoſende Geberden. Laufft in das Hauß deß Phariſeers / fallt auff ihre Knye nider / vnnd waſchet die Fuͤß JEſu mit ihren Thraͤnen. Wunder uͤber Wunder! ihr Engel / was ſagt ihr darzu zu diſer vnerhoͤrten Woͤſch? was ſagt ihr zu diſer Laugen auß den Augen? alle uͤppige Anſchlaͤg Magdalenæ ſeynd ihr zu Waſſer worden. Mag - dalena hat ein Woͤſch / was maint ihr Engel / werdet ſie auffzuhengen haben? ſie waſcht / Magdalena waſcht / die verruchten Hebreer aber werden die Woͤſch auff - hencken. Magdalena waſcht die Fuͤß J E S U mit Thraͤnen. So lang die Welt ſtehet / hat nie ein Weib ein ſolche ſaubere Woͤſch zugericht. Sie kuſt / vnd buſt die Fuͤß / vnd macht / daß das buſſen vnnd buͤſſen eines werden.
Magdalena war die jenige / auß dero Chriſtus 7. boͤ - ſe Geiſter vertriben / das iſt / die ſiben Todtſuͤnden / wie es Anſelmus, vnd andere außlegen. Mit einem Wort / ſie war ein beſchreytes Weibs-Bild. Vilen geduncket es vnglaublich zu ſeyn / was hier folget. Einer wird hoͤfflich eingeladen zu einer Mahlzeit / worbey er auch fleiſſig erſcheinet / gablet vnd ſchnablet wacker darauff / es friſt diſer Trampel ein gebrattenes gantzes Lambl: es ſchmauſt diſer Schlegl ein gantz Dutzet Voͤgl: es ver - zehrt diſer Tropff ein gantzen Kalbs-Kopff: einer jeden Paſteten ſchlagt er das Tach ein: ein jede Thorten thut er torquiren: von einer jeden Schißl klaubt er dieS ſ ſ ſ 2beſte692Judas ein Ehrabſchnelderbeſte Bißl: er ſchopt vnd ſchiebt den Leib an / wie einen Wanders-Binckl: er ſchmatzt wie ein Meſt-Sau: er ſchlampt wie ein Tatzbeer. Nachdem er alſo den Hunger geſt[i]llt / den Magen gefuͤllt / die Speiſen trillt / nachdem er gezihlt / ſo wird er vil leichter ſeyn / als wie er nuͤchter ge - weſen. Man kan es probiren an einer Katzen / dieſelbe vor / vnd nach dem Eſſen woͤgen / ſo wird man vnfehlbar wahrnemmen / daß die Katz / nachdem ſie 2. Pfundt Fleiſch verzehret / vil geringer / vnd leichter wird ſeyn / als zuvor / da ſie nichts geeſſen. Die Philoſophi mit Lactantio, Fir - miano geben die Urſach / daß nemblichen ein wolgeſaͤttig - ter Menſch mehrer Spiritus vnnd Geiſter habe / als ein nuͤchterer; maſſen das Eſſen die natuͤrliche Hitz / vnd folg - ſamb die Spiritus, die Geiſter vermehret / welche Geiſter nachmahlens den Menſchlichen Leib geringer / vnd leichter machen. In Summa, die Weltweiſen haben es allezeit geſagt / vnd ſagen es noch / vnd werden es allezeit ſagen / daß ein wolgeſpeiſter Leib vil leichter ſeye / als ein nuͤchterer. Aber was ſprechen die Theologi? diſe halten feſt darfuͤr / daß ein angefuͤllter Leib vil leichter ſeye / als ein nuͤchterer. Ja / ja / vil leichter / aber auch vil leichtfertiger. Das hat erfahren Magdalena, als ſie noch ein Suͤnderin war; es iſt bald kein Mahlzeit geweſt / worbey diſe wegen ihrer frechen Sitten nit erſchinen / vnd weilen ein Gaſtmahl / vnd ein garſtiges Maͤhl gemainiglich beyſammen / vnnd der wampete Bacchus der Cypriſchen Goͤttin Venus gar nit abhold; vnnd wann die Flora den Baum ſchuͤttlet / ſo klaubt gemainiglich der blinde Bueb die Birn auff. Alſo war auch das eſſen / vnd vermeſſen bey Magdalena ſo vilfaͤltig / daß ſie alſo ins gemain Peccatrix, die Suͤnde - rin / iſt genennet worden. Nachdem ſie aber erkennt hat / was ſie ihr durch diſes freye / friſche / freche Leben fuͤr einWoͤſch693der vnſchuldigen Magdalenæ.Woͤſch in jener Welt zurichte: ut cognovit, nachdem ſie durch Goͤttliche Erleuchtung erwoͤget hat die Suͤnd / die Groͤſſe der Suͤnd; Ach peccavi, da hats gehaiſſen / O GOtt! O GOtt! dein ſchoͤnſtes Controfee / welches du mir haſt angebenckt / hab ich in das Koth geworffen: auß den Augen / welche du mir haſt geben / damit ich auß den - ſelben glaͤſernen Fenſter ſolle mit dem Noë keuſche Tau - ben außſchicken / hab ich darfuͤr fleiſchgierige Raaben auß - geſandt. O GOtt! den Mund haͤſt du mir geben / damit ich dich ſolle in diſer Inſtrument-Stuben loben vnd prey - ſen / ich aber habe denſelben gemacht zu einer Schmidten / worinnen Cupido ſeine Pfeil geſpitzet. O GOtt! du haſt mir den Leib geben / damit ich denſelben zu einem Vnder - gebenen Leibeignen der Seelen mache / ich aber hab die Seel dem Leib Dienſtbar vnderworffen. O GOtt! was hab ich mir fuͤß ein Woͤſch zugericht. Allo! ihr Augen richt euch zu einer andern Woͤſch / gebt Waſſer / laſt rin - nen / netzet die Fuͤß Chriſti / den ich Suͤnden halber ſo offt mit Fuͤſſen getretten. Waſchet die Fuͤß JEſu / damit er mir am Juͤngſten Tag nit den Kopff waſche. Waſchet die Fuͤß meines Heylands mit diſem Fuß-Bad / damit ich in jener Welt nit darff das Bad außtrincken. O was fuͤr ein herꝛliche Woͤſch hat diſes Weib zugericht.
Von der ſtoltzen Jezabel ſagt die heilige Schrifft / daß ſie ſich habe auß lauter Hoffart angeſtrichen / was ſie fuͤr einen Anſtrich gebraucht / iſt mir vnbekandt / maſſen der Weibliche Vorwitz in Zierung / Polierung / vnnd Schmierung der Geſichter faſt taͤglich neue Mittel erden - cket. Jacobus Mekerus Medicus Colmarienſis beſchreibt ein vortreffliches Waſſer / das Angeſicht darmit zu wa - ſchen. ℞. Nimb Spießglaß / ſtoß es zu Pulver / wirff ſol - ches in ein Hafen / vnd lege nachmahls gegen 20. Schne - cken darein / vermache aber den Hafen wol / damit ſie nitS ſ ſ ſ 3her -694Judas ein Ehrabſchneiderherauß kriechen / in Mangl einer andern Speiß eſſen die Schnecken daſſelbe geſtoſſne Spießglaß / vnd verdaͤuen es / nachdem ſie das Spießglaß verzehret haben / ſo zerftoß ſie ſambt den Haͤuſeln / vnd diſtillier ſie in einem Brennkolben zu Waſſer / waſche darmit das Angeſicht / es macht uͤberauß ein ſchoͤnes Fehl. Ein anders Waſſer das Angeſicht ſchoͤn zumachen / ſolches hat gebraucht Iſabella Aragonia Her - tzogin zu Mayland. ℞. Nimb erſtlich Korn / oder Wai - tzen Mehl ſechs Haͤndl voll / gieß ein halbe Maaß Gaiß - Milch darunter / vnnd mach ein Brodt darauß; nach - dem es wol gebachen / ſo nimb es auß dem Ofen / zer - reibe die Broſen gantz klein / vnnd lege es mehrmahlen ſechs Stund lang in ein Gaiß-Milch / miſch darunde[r]das Waſſer von zwoͤlff Ayr-Klar / item geſtoſſene Ayr - Schaͤllen zwey Loth / Alumen Zukevinum, weiſſe Co - rallen / jedes vier Loth / ſtoſſe diſe Ding / miſch alles vn - der einander / diſtilliere es nachmahlen zu Waſſer / es iſt ein bewehrtes Mittl das Angeſicht ſchoͤn zumachen. Noch ein anders ſchreibet Alexius Pedemontanus. Nimb ei - nen jungen Raaben / ſpeiß denſelben 40. Tag mit hart ge - kochten Ayrdotter / nachmahls bring den Raaben vmb / ſchneide ihn zu Stucken / nimb Mierten-Laub / vnd lege es auff den Grund deß diſtillier Kolben / alsdann lege et - was vom Raaben / diſen bedecke wider mit Mierten-Blaͤt - ter / zu oberſt lege ein gute Handvoll Spießglaß / diſtillier ſolches fuͤnff Stund an einander / erſtlich mit ſanffter / nachmahls mit ſtarcker Hitz / biß das Waſſer alles herauß diſtillieret iſt. Solches Waſſer ſo es kalt worden / iſt ein ſtattliches fuͤr das Angeſicht. Ey ſo waſcht euch ihr Zibetka - tzen / ihr Kittl-Tauben / ihr Gſichter-Affen / ihr Butter - Naſen / ihr Gold-Keffer; waſcht euch ihr glaſſierte Sau - trog / es wird euch auch der Beltzbub ſchon einmahl zwagen. Wie lang dauret eur ſchoͤne Geſtalt? ein wenig laͤnger alsdie695der vnſchuldigen Magdalenæ.die Kirbesblaͤtter Jonæ: wie lang bleibt das Oeſterreicheri - ſche Wappen weiß / vnd roth in euerem Angeſicht? nit gar lang / nach etlichen Jahren kombt das Moſeovitiſche Wappen darein / diſe iſt ein Beernhaut: wie lang glantzet der ſchoͤne Alabaſter auff dem Stirn? nit gar lang / es ſte - het ein kurtze Zeit an / ſo wird ein alter Tufftſtain darauß / vnd gleichet das Angeſicht einer Grotta / in dero Mitte / an ſtatt der Waſſer-Kunſt die trieffende Naſen. Wie lang hangt der rothe Fuͤrhang an den Wangen? nit gar lang / es ſtehet ein kleine weil an / ſo zerreiſt er wie in dem Templ zu Jeruſalem: wie lang ſchimmeren die Silberweiſſe Zaͤhn in deinem Mund? nit gar lang / warte nur etliche Jahr / ſo wird dein Maul herſehen / wie ein oͤdes Meſſergſteckt. Ey du ſaubere Daͤntlbutten! du glatter Miſthauffen / du ſchoͤner Miſthaͤmel / wie kans dir doch einfallen / daß du mit diſem deinen ledernen Vberzug ſolſt prangen / vnd ſtol - tzieren? wilſt du ein ſchoͤne Geſtalt machen / damit du Gott gefalleſt / ſo zaige ich dir ein beſſers / vnd weit beruͤhmters Waſſer fuͤr das Angeſicht.
Diſes Waſſer hat Magdalena / ein Edle Dama, ge - braucht in dem Hauß deß Phariſeers / krafft diſes Waſ - ſers iſt Magdalena worden / auß einem ſtinckenden Miſt / ein wohlriechender Balſamb: auß einem garſtigen Bech - ſchrollen ein koſtbares Edelgeſtein: auß einer wilden Kothlacken ein Cryſtallener Brunnquell: auß einem ſchwartzen Bley / ein glantzendes Gold: auß einem Bild der Unzucht / ein Schild der Unſchuld / mit ei - nem Wort auß einer heilloſen / ein heilige Magdalena worden / wie ſie ihre Wangen mit Zaͤher; vnnd Buß - Thraͤnen gewaſchen. Das iſt ein herꝛliche Woͤſch.
Raymund. à Capua ſagte auff ein Zeit duꝛch ein from̄e Schertz Rede zu der H. Catharina von Senis, ſie ſoll ihme doch bey vnſerm HErꝛn außwuͤrcken ein Bulla eines voll -kom -696Judas ein Ehrabſchneiderkommenen Ablaß. Gar gern mein Pater, antwortet ſie; vnd nachdem ſie ihr eyffriges Gebett zu GOtt dem HErꝛn verrichtet / begibt ſie ſich zum erſtgedachten Pater Ray - mund, vnd redet in ſeiner Gegenwart alſo beweglich von der Undanckbarkeit deß Menſchens gegen ſeinem GOtt / daß hieruͤber dem Pater die Augen uͤbergangen / vnd bald hernach alſo haͤuffig angefangen zu heulen / vnd zu wai - nen / daß er in Gefahr geſtanden / es moͤchte ihme das Hertz zerſpringen. Mein lieber Pater Raymund, ſagt die H. In vita S. Cathar. Catharina, ihr habt von mir ſo inſtaͤndig verlangt ein Bullam eines vollkommenen Ablaß / daß ich ſolche moͤcht bey vnſerem lieben HErꝛn außwuͤrcken / da habt ihr ſolche / diſer euer Thraͤnen-Bach auß den Augen iſt ein vollkom - mener Ablaß.
Ein ſolchen vollkommenen Ablaß hat Magdalena erhalten bey den Fuͤſſen JEſu. Petrus hat einsmahls auß dem Waſſer einen guten Zug gehabt / aber Magda - lena hat auß diſem Waſſer noch einen beſſern: Naam Syrus, iſt einmahl durch das Waſſer deß Jordans von dem Außſatz gereiniget worden / aber Magdalena durch diſes Waſſer weit beſſer. Moyſes hat ſeinem Feind dem Pharad in dem Waſſer deß rothen Meers verſencket aber Magda - lena in diſem Waſſer vil beſſer. Judith hat ein Woͤſch gehabt in dem Garten / aber zu ihrem Ungluͤck: Barſabea hat ein Woͤſch gehabt / aber zu ihrem / vnd deß Davids Schaden / Magdalena hat ein Woͤſch gehabt / aber zu ihrem vnſterblichen Ruhm / vnd Glory / das iſt ein ſau - bere Woͤſch geweſt.
Wer 4. Ding nicht hat / der kan nicht / der wird nicht ſeelig werden. Wann diſe 4. Ding manglen / der iſt ein Feind GOttes / ein Feind der Heiligen GOttes / ein Feind der Engeln GOttes / ein Feind der Kirchen GOttes / ein Feind der Gebott GOttes. Wer ſeynd diſe4. Ding?697der vnſchuldigen Magdalenæ.4. Ding? ℞. Das erſte iſt ein Senfftzer: das andere iſt die Ehe: das dritte iſt die Stimm von einem Hund: das vierdte iſt der Kopff vom Zachæo: wer diſe 4. Ding nit hat / der kombt in den Himmel zu ſpart. Seufftzen / ſagt ein jeder / kan ich wol / vnd will ich wol / dann hat der offene Suͤnder geſeufftzet in der Kirchen / vnd in dem Tempel / ſo kan ich es auch. Hat Petrus geſeuff - tzet zu Hof / ſo kan ichs auch: Hat Job geſeufftzet auff dem Miſtbethl / ſo kan ichs auch: Hat Paulus geſeufftzet auff dem Weeg / ſo kan ichs auch: Hat Hieronymus geſeuff - tzet in der Wuͤſten / ſo kan ichs auch: Hat Magdalena geſeufftzet bey den Fuͤſſen JEſu / ſo kan ichs auch: was anbelangt das andere Stuck / nemblichen die Ehe; da eraignet ſich einige Beſchwaͤrnuß. Soll man dann ohne der Ehe nicht koͤnnen ſeelig werden? wer iſt geweſt die H. Margaritta? ein Margarit / oder Edlgſtain der Jung - frauſchafft: wer iſt geweſt die H. Lucia? Lux, oder ein Liecht der Jungfrauſchafft: wer iſt geweſt die H. Clara? ein klares Chryſtall der Jungfrauſchafft: der H. Colum - binus hat kein Weib gehabt / die H. Columba hat keinen Mann gehabt: der H. Marianus hat kein Weib gehabt / die H. Marina hat keinen Mann gehabt: der H. Joannes hat kein Weib gehabt / die H. Joanna hat kein Mann ge - habt: ſeynd alſo folgſamb diſe ohne Ehe geweſen / ſeynd aber nit ohne Seeligkeit. Iſt demnach diſes andere Stuck ſehr ſchwaͤr zu verſtehen. Wegen deß dritten iſt ſich noch mehrer zu verwunderen; ſoll dann GOtt / der mich zu ſei - nem Ebenbild erſchaffen / ein Belieben / vnd Gefallen tragen an der Hunds Stimm? Daß man dem H. Dominico einen Hund zumahlt mit einer Fackel im Maul / deſſen Ur - ſach iſt bekandt: daß man dem H. Rocho einen Hund zu -T t t tmahlt698Judas ein Ehrabſchneidermahlet mit einer Semmel / oder Laibl-Brodt im Maul / die Vrſach iſt bekannt / vnd zweiffle ich ſtarck ob jene barmber - tzige Hundskoͤpff / welche dem armen Lazaro bey der Thuͤr deß reichen Praſſers haben die Geſchwoͤr abgelecket / konten die Urſach hierinnen ergruͤnden. Das 4te Stuck / nemblich der Kopff Zachæi iſt gar vnmoͤglich. Ochſen vnnd Eſels-Koͤpff / wie bey dem Krippel ſeynd geweſt / die kan man noch haben. Laͤmbl vnd Widderkoͤpff / die der Jacob hat gehuͤttet / die kan man noch haben. Wolff - vnd Beern - koͤpff / wie der David zerriſſen / kan man auch noch haben; aber wo nemmen den Kopff Zachæi? vngeachtet aller di - ſer Einwuͤrff / bleibt dannoch gewiß / wahr / klar / daß ohne Seufftzer / ohne der Ehe / ohne der Hunds-Stimm / vnnd ohne deß Zachæi Kopff keiner kan ſeelig werden. Es iſt aber alſo zu entoͤrtern / durch den Seufftzer verſtehet man den Buchſtaben H. den man ohne ſeufftzen / oder Aſpira - tion nit kan außſprechen: durch die Ehe verſtehet man den Buchſtaben E. durch die Stimm deß Hunds den Buch - ſtaben R. dann alſo pflegen die Hund zu muRRen: durch den Kopff Zachæi, den erſten Buchſtaben / als das Haupt in dem Namen Zachæi nemblich Z. kombt al - ſo herauß H. E. R. Z. Ohne Hertz / ohne hertzlicher Lie - be / ohne Liebvolle Gedancken / Wort vnd Werck gegen GOtt kan man GOtt nit gefallen. Dahero der Allmaͤch -Gen. 3. tige einen Cherubin fuͤr das Paradeyß geſtellt mit einem Feutflammenden Schwerdt; vns dardurch angedeutet / daß man ohne Feur der Goͤttlichen Lieb nit koͤnne in das Paradeyß gelangen. Sag her / wer iſt Vrſach geweſt / deß Waſſers bey der ſauberen Woͤſch Magdalenæ? nichts anderſt / als das Feur der entzuͤndten Lieb gegen JEſum. Remittuntur ei peccata multa, quoniam dilexit mul -tum. 699der vnſchuldigen Magdalenæ.tum. Ihr werden vil Suͤnd vergeben / dann ſie hat vil geliebet. Schau mir einer ein Brennzeug oder Diſtillier-Kolben bey dem Apodecker / was geſtalten die Hitz oder das Feur in demſelben auß den Roſen / vnd andern Blu - men Gewaͤchs das Waſſer herauß preſt / daß alſo ein Tropf - fen an den andern ſchlaget. Das hat man auch geſehen in dem Hauß deß Phariſeers / allwo die Thraͤnen auß denen Augen Magdalena dergeſtalten gefloſſen / daß ſie hiermit die Fuͤß Chriſti gewaſchen / aber diſes Waſſer hat auch er - preſt das Feur der Liebe.
Laß andere Magdalenam loben / daß ſie ſeye wie ein gruͤnes Scheitt / welches auff einer Seiten brint / auff der andern aber Waſſer herauß treibt. „ In dem Hertzen hat ſie gebrun - „ nen / auß den Augen iſt Waſſer gerunnen / ich aber ſag Nix von Magdalena. Laß andere Magdalenam preiſen / daß ſie ſeye wie ein Wolcken / in welcher ſich Anfangs die feuri - ge Blitzer erheben / nachmahls folgt ein haylſamer Regen; „ Ihr Hertz brint Liebes wegen / auß ihren Augen kombt ein Regen / ich aber ſag Nix von Magdalena. Laß andere Magdalenam hervorſtreichen / daß ſie ſeye wie ein Aenten / welche ſich vnder das Waſſer ducket / damit ſie dem Feind entweiche. „ Sie laſt auß den Augen rinnen / damit ſie moͤg dem Feind ent - „ rinnen. Ich aber ſag Nix von Magdalena. Es mag je - mand Magdalenam vergleichen einer Tauben / dero Stimm nichts anderſt iſt / als ſeufftzen: Ich aber ſag Nix von ihr. Es mag einer Magdalenam vergleichen einem Kalch / welcher Mitten im Waſſer brinnt / ich aber ſag Nix von ihr. Es vergleiche einer Magdalenam einem Re - genbogen / welcher von Sonnen-Strahlen / vnd Waſſer beſtehet / ich aber ſag Nix, Nix, Nix von ihr / ich verſte - he es aber Lateiniſch / Nix haiſt auff Teutſch ein Schnee. Einem Schnee vergleiche ich Magdalenam, ehe vnndT t t t 2bevor700Judas ein Ehrabſchneider /bevor ſie ſich bekehret / war ſie ein Schnoͤde / wie ſie a - ber die Fuͤß JEſu mit Thraͤnen gewaſchen / war ſie ein Schnee: dann Magdalena:
Die Hitz verurſacht / daß der Schnee zerflieſſet; die hitzige Lieb in Magdalena hat gemacht / daß ſie gleichſam zu lauter Waſſer worden / quoniam dilexit multum &c. Iſt das nicht Waſſer genug? wann man ſo gar die Fuͤß deß HErꝛn darmit gewaſchen. Hat dann einmahl ein Weib ein ſo ſaubere Woͤſch zugericht / wie diſe?
Es kombt einmahl ihr Excellenz ein Doctor der Medicin zu der H. Clara, anſehens nach / war er gar ein wackerer Herꝛ / ſchon zimblich bey Jahren in einem ſchwartzen ſammeten Rock / mit einem Hippocratiſchen Bart / mit einer Aviceniſchen Red / es war aber diſer der Teuffel ſelbſt. Solcher thate auff alle Weiß der H. Claræ das ſtette Weinen widerrathen. Mein Clara, ſagt er / euer vielfaͤltiges Weinen wird euch vmb das Ge - ſicht bringen. GOtt ſtraff mich / wann es anderſt iſt / (O du Narꝛ biſt ohne das ſchon genugſamb geſtraffet) mein Clara fuͤr wem iſt ein ſo immerwehrendes Weinen / habt ihr doch niemahlen GOtt ſchwer beleidiget. Mag - dalena hat wohl koͤnnen weinen / vnd bey den Fuͤſſen JE - ſu Ablaß abholen / ſie hat lang genug galaniſtret / oder beſſer geredet / gaͤilaniſtert. David hat wohl koͤnnen die Augen in das Bad fuͤhren / weilen er die Berſabeam in dem Bad ſo uͤbel angeſchauet. Aber ihr Clara fuͤhret einen vnſtraͤfflichen Wandel / mein laſt doch das weinen ſeyn. Ich verſpreche es euch bey meinem Gewiſſen (O wohl ein ſauberes Gewiſſen) daß durch ſolche ſtette ge - ſaltzene Zaͤher euch der Augapffel wird außtrucknen / vndalſo701der vnſchuldigen Magdalenæ.alſo ſtockblind werden. Daß wird ſauber heraußkom - men / wann die Abtiſſin blind iſt / da ſonſten ein Obrigkeit ſolle ſeyn / wie jene Thier / welche der H. Joannes geſe -In Vita. hen / plena oculis, voller Augen / vnd ihr Clara wolt gar blind werden. Wie koͤnt ihr ſolches bey GOtt verant - worten? Clara ich ſage euchs gantz klar ihr werder blind werden / vnd alſo nicht mehr Clara ſondern Cæca heiſſen. Diſe H. Jungfrau durch innerliche Erleuchtung hat bald erkennt / daß diſer der boͤſe Feind ſeye / dahero ihme kein andere Antwort geben / als diſe: Cæcus non erit, qui De - um videbit. Der kan nicht blind ſeyn / der GOtt wird ſehen. Der Teuffel verſchwind hieruͤber nicht ohne groſ - ſen Verdruß / aber Clara weinte noch hefftiger / vnd ſol - ches Weinen verurſachte ihr lieben. O Clara præclara!
Magdalena nit weniger als Clara: Magdalena weit mehrer als Clara thaͤtte wainen. Deß Loths ſein Weib iſt in ein Saltz-Saul verkehrt worden / Magdalena iſt faſt in lauter geſaltzene Zaͤher verwandelt worden. Der Moy - ſes hat den Pharao im Waſſer ertrencket / Magdalena hat ihre Suͤnden in lauter Thraͤnen verſencket. Deß Ge - deons Schaaf-Fehl iſt ſtarck vom Himmel-Thau benetzet worden / Magdalena iſt faſt gantz zu Waſſer worden: ver - dambter reicher Braſſer du haſt vmb ein eintzigen Tropffen Waſſer bey dem Abraham ſupplicirt, welcher da an dem Finger deß Lazari moͤchte hangen / ſchau du mir Magda - lenam an / welche ſo Waſſer reich / daß ſie auch mit lauter Thraͤnen die Fuͤß JEſu gewaſchen. Das iſt ein ſaubere Woͤſch.
Die Koͤnigin Saba hat auff ein Zeit etliche kleine Knaͤbel / vnd etliche kleine Maͤgdlein gantz gleich bekleidet vnd angelegt ſolche nachmahls auff einen ſehr groſſen vnd praͤchtigen Saal vor dem Koͤnig Salomon gefuͤh -T t t t 3ret /702Judas ein Ehrabſchneiderret / vnd ihn befragt / er wolle doch vermoͤg ſeiner Weiß - heit außſagen / welche auß diſen Maͤgdlein oder Knaͤb - lein ſeynd. Salomon laſt alſobalden einen groſſen ſilber - nen Keſſel herbey bringen / voll mit dem kalten Brunnen - Waſſer / vnd befilcht allen / daß ſie ſich ſollen waſchen. Al - lo! ſprach er zu der Koͤnigin / anjetzo will ich mir dem Finger auff ſie deuten / vnd in aller Warheit ſagen / wel - che Knaͤbel / oder Maͤgdlein ſeyen. Die jenige / welche mit beeden Haͤnden friſch in das Waſſer gefahren / vnnd ſich fein ſtarck gewaſchen. Diſe / ſagte Salomon, ſeynd Knaben / welche aber nur mit einer Hand gar zart / vnd haicklich in das Waſſer griffen / ſolche ſeynd die Maͤgdlein / wie er dann hierinnen gar nicht gefehlet. Worauß er - hellet / daß die Weibs-Bilder weit zarter / vnd haicklicher ſeyen als die Maͤnner. Wann aber Salomon hatte der H. Magdalenæ Bußwandel geſehen / waͤr ihme fuͤrwar ſein Urtheil nicht von ſtatten gangen. Allermaſſen an ihr nichts haickliches verſpuͤhret worden.
Es iſt GOTT dem Moyſt in einem brinnenden Dornbuſch erſchinen. Warumben aber mein GOtt nimbſt du deinen Thron in einen Dornbuſch? warumb nit auff einem hohen Ceder? Nein / nein / nein ſagt Gott / dann ein Ceder wachſet ſehr hoch / vnd iſt derenthalben ein Sinnbildn[i] ß eines hochmuͤthigen Menſchens / von dem der Poët ſagt / vnd ſingt; Hochmuth vnd ſtoltz / wachſen auff einen Holtz. Warumb nicht auff einem Cypreß - Baum? Nein / nein ſagt GOtt / dann der Cypreß - Baum iſt ein Sinnbildnuß eines Gleißners / wetlen er nur mit Blettern / vnd nicht mit Fruͤchten pranget; da - hero ſpricht der Poët,
Warumben nicht auff einem Oehl-Baum? Nein / nein / antwortet GOtt / der Oehl-Baum iſt ein Entwurff eines gar zu linden / vnd weichmuͤthigen Menſchens / der gar nicht ſtraffen kan; bey mir heiſt es aber alſo /
Warumb O Allmaͤchtiger GOtt ſtelleſt du deinen Thron auff / vnd in einem Dornbuſch? darumb / darumb / darumb / ein Dornbuſch tragt ſpiſſige / ſpieſſige / ſpitzige Doͤrner / welche oben vnd vnten den Geſunden verwun - den; dahero ein Sinbild iſt eines Menſchens / welcher ſei - nen leimigen / lumpeten / limbliſchen Leib ſtreng caſteyet / da / da hat GOtt ſein Wohn / vnd Thron.
Magdalena verdiente den Titul ihr Gnaden / Adels halber; hat aber verdient den Titul Ihr Ge - ſtreng / Wandels halber: diſe tragte ein Kleid nicht auff Sicilianiſche Modi ſondern auff Ciliciſche Modi, in ſolchen ſtrengen Auffzug hat ſie den wahren JEſum in gantz Judæa ohne ſcheichen geprediget / nach dem ſie aber durch der Juden harte Verfolgung in Maſſilien ange - langt / vnd daſelbſt durch alle Sprachen das Evangeli - um geprediget / auch die gantze Landſchafft zu dem wah - ren Glauben gebracht / ſuchte ſie in allweg / wie ſie doch moͤchte einen ſtrengen Lebens Wandel fuͤhren / vnnd ih - ren Leib caſteyen / zu ſolchem Ziel vnnd End verfuͤgte ſie ſich in ein rauhe / harte / wilde Wuͤſten / vnd Einoͤde / woh - nete allda gantzer 30. Jahr.
Andere Weiber / vnd deren nicht wenig / haben wohl - ruͤchende Roſen fuͤr die Naſen zu einer Erquickung / a - ber Magdalena in der Wuͤſten erquicket ſich nicht mit Roſen / ſondern mit denen Doͤrnern / wormit ihrJEſus704Judas ein EhrabſchneiderJEſus iſt geeroͤnt worden. Andere Weiber / vnd deren nit wenig nemmen zuweilen raͤſſe Naͤgerl auff die Zung zu einer Staͤrckung / aber Magdalena in der Wuͤſten ſtaͤr - cker ſich allein mit denen Naͤgeln / wormit ihr JEſus an das Creutz iſt geheffter worden. Andere Weiber / vnd de - ren nicht wenig ſuchen ihre Kurtzweil in einem ſchatten - reichen Garten / aber Magdalena in der Wuͤſten hielte ſtaͤts vor Augen den Garten Gethſemani, in welchem ihr JEſus iſt gefangen worden. Andere Weiber prangen mehreſt mit denen ſilberfarben Perlen / aber Magdalena lieſſe immerzu die Buß-Thraͤnen / wie die Berlen uͤber ihre Wangen herab quaͤllen. O was hat Magdalena fuͤr ein ſaubere Woͤſch zugericht.
Magdalena lebte dreyſſig Jahr in der Wuͤſten / vnnd alle Tag war bey ihr Freytag / dann ſtaͤts bey ihr ware die Betrachtung deß geereutzigten JEſu. Der Prophet Elias kombt einsmahls zu einer armen Wir - tib / fragt / was ſie handle / vnnd wandle? O mein3. Reg. 17. Vatter antwortet ſie / En colligo duo ligna. Sihe / da ſamble ich zwey Hoͤltzer zuſammen / damit ich darmit mir ein Brodt bache / alsdann will ich ſterben. So jemand Magdalenam bey Tag vnd Nacht / Fruhe vnd Abends in der Wuͤſten haͤtte gefraget / in wem ſie beſchaͤfftiget ſeye / ſo haͤtte ſie gleichmaͤſſig nit anderſt koͤnnen ſagen / als En colligo duo ligna, ich ſamble mir 2. Holtzer / eines in die Hoͤhe / das andere uͤber zwerch / mit dem mach ich mir / vnd bach ich mir mein taͤgliches Brodt / biß ich ſterbe / biß in Todt war ihr eintziges Leben der gecreutzigte JEſus.
Der Heil. Anſelmus ſchreibt / daß von demſelbigen Baum / an welchem Adam im Paradeyß ſich verſuͤndiget hat / ſeye durch einen Engel ein Aeſtl getragen worden na - cher Jeruſalem / allwo es gepflantzer / in einen groſſen Baum erwachſen / auß welchem man nachmals das CreutzChriſti705der vnſchuldigen Magdalenæ.Chriſti gezimmert / vnd ſeye eben an demſelben Orth der Leib deß Adams, oder wenigſten ſein Kopff begraben worden / allwo auff dem Berg Calvariæ das Creutz JEſu wurde auffgericht / vnd weilen der vndere Thail deß Creu - tzes in etwas zugeſpitzet worden / damit es deſto leichter in den Berg hineingangen / alſo ſeye der Spitz deß Creutz Chriſti dem Adam in das Maul gangen / vnd alſo wun - derbarlicher Weiß der Adam den Safft deß Lebens von demſelben Baum erhalten / von dem er vorhero den Safft deß Todts genoſſen. O wunderbarliche Goͤttliche Vor - ſichtigkeit! das Creutz JEſu war dem Adam mit dem vndern Thail im Maul / mit welchem er geſuͤndiget. Sol - ches Wunder ſahe man auch in Magdalena, bey Magda - lena, an Magdalena, in dem ſie ſtaͤts 30. gantzer Jahr das Creutz ihres JEſu im Mund / ja gar im Hertzen tru - ge. Man waiſt gar wol / daß die Hebreer von denen Wunden ſeynd geſund worden / wie ſie die auffgehenckte Schlangen in der Wuͤſten haben angeſchauet; ſo offt aber Magdalena Jesum in der Hoͤhe auff dem Creutz be - trachtet / non ſanabatur, ſed ſauciabatur, ſo wurde ſie nit geſund / ſondern verwundt / verwundt in ihrem Her - tzen. Vnd ſolche Hitz tribe ſtaͤts die Waſſer-Quaͤllen auß den Augen / das iſt ein Woͤſch geweſt / da ſie mit Thraͤnen ihr Angeſicht / ihren gantzen Leib / den harten Stain / auff dem ſie kniete / mit ſolchen ſtaͤttem Augen-Waſſer gewaſchen.
Maria Ægiptiaca Anfangs ein groſſe Suͤnderin / nachmahls ein groſſe Buͤſſerin: Pelagia Anfangs ein groſ - ſe Suͤnderin / nachmahls ein groſſe Buͤſſerin: Thais An - fangs ein groſſe Suͤnderin / nachmahls ein groſſe Buͤſſerin: Theodora Anfangs ein groſſe Suͤnderin / nachmahls ein groſſe Buͤſſerin: Affra Anfangs ein groſſe Suͤnderin / nachmahls ein groſſe Buͤſſerin: Margaritta Cortona an -V u u ufangs706Judas ein Ehrabſchneiderfangs ein groſſe Suͤnderin / nachmahls ein groſſe Buͤſſe - rin: Manaſſes Anfangs ein groſſer Suͤnder / nachmahls ein groſſer Buͤſſer: David Anfangs ein groſſer Suͤnder / nachmahls ein groſſer Buͤſſer: Bonifacius vnd Cypria - nus Anfangs groſſe Suͤnder / nachmahlens groſſe Buͤſſer: Geneſius Anfangs ein groſſer Suͤnder / nachmahls ein groſſer Buͤſſer: Moyſes vnd Landelinus Anfangs groſſe Suͤnder / nachmahls groſſe Buͤſſer: Oneſinus vnd Vale - rianus Anfangs groſſer Suͤnder / nachmahls groſſe Buͤſ - ſer: Theobaldus vnd Bononius Anfangs groſſe Suͤn - der / nachmahls groſſe Buͤſſer: Jacobus vnnd Theo - philus Anfangs groſſe Suͤnder / nachmahls groſſe Buͤſ -In Vitis ipſor. Su - rius. ſer: Natalius, vnd Theodolus anfangs groſſe Suͤnder / nachmahls groſſe Buͤſſer: auch Magdalena anfangs ein groſſe Suͤnderin / nachmahls auch ein groſſe / groſſe Buͤſſe - rin. Magdalena 30. Jahr in der Wuͤſten! O ihr Felſen! ich bin euch neydig darumb / daß ihr ſeyt gewaſchen wor - den von den koſtbaren Thraͤnen diſer Buͤſſerin. O wol gluͤckſelig biſt du geweſt Echo, wie du haſt koͤnnen / vnnd doͤrffen widerhollen die hertzige Seufftzer diſer buͤſ - enden Wald-Tauben. O ihr gluͤckſelige Dornhecken / was habt fuͤr ein Gnad gehabt / da ihr habt doͤrffen die jenige Harlocken / mit welchen die Fuͤß JEſu ſeynd abgedruͤcknet worden / rupffen / vnd zupffen. O Wuͤ - ſten! nicht wuͤſt / ſondern ſchoͤn / in deme Magdalena da - ſelbſt von denen Engeln geſpeiſt worden / von denen En - geln 7. mahl taͤglich in Himmel erhebet worden / von denen Englen mit Muſic Schall erquicket worden O GOtt! auff ſolche Weiß iſt halt noch wahr / daß die je - nige Laͤmbl / ſo von denen Woͤlffen gebiſſen worden / vil geſchmackiger ſeynd / als die nie dero Zaͤhn außgeſtan - den. Magdalena hat 30. Jahr an einander gewaſchen / kein anderes Waſſer gebraucht / als was auß denen Au -gen707der vnſchuldigen Magdalenæ.gen gequaͤlet. Was hat ſie endlich nach einer ſo lang - wuͤrigen Woͤſch auffzuhencken gehabt? GOtt hat ihr nach ſolcher dreiſſig Jaͤhriger Buß die Ewige! O Troſt! die Ewige / O Freud! die ewige Glory ertheilt; ſie ge - ſtelt dergeſtalten hoch im Himmel / daß ſie allda gebene - deyt vnder allen den jenigen / welche ihre Suͤnd gebuͤſt haben. Nach einem ſo langen Regen ſcheint ſie alldort wie die ſtrahlende Sonnen / vnd welche vorhero den Nahmen Peccatrix hatte / die hat anjetzo den Nahmen Precatrix.
Daß hat erfahren Carolus Koͤnig in Sicilien, in dem ſelbiger Anno 1279. in einem vngluͤckſeligen Krieg gefangen / vnnd in einen abſcheulichen Thurn zu Barci - non geworffen worden / worinnen er den Todt erwartet. Weilen ihme aber ſein Beicht-Vatter eingerathen / daß er ſich ſolle der H. Magdalenæ, als welche in ſeinem Ge - biet vnd Land / ihren heiligen Bußwandel gefuͤhrt / eyfe - rigſt befelchen; diſem heiligen vnnd heilſamen Rath iſt Carolus nachkommen / ſich mit vilen Seufftzern / vnnd Thraͤnen vnder den Schutz der Heil. Buͤſſerin begeben. Woruͤber bald ihme eine mit herꝛlichen Glantz vmbgebe - ne Matron erſchienen / vnd ihn mit folgenden Worten an - geredet. Carole dein Gebett habe ich erhoͤret / folge mir nach ſambt den deinigen. Carolus folgt / in dem er er - kennt / daß ſie die H. Magdalena ſeye / wurde aber gleich befragt / wo er ſeye? Carolus antwort / er ſeye bereits noch zu Barcinon. Bey weiten nicht / ſagt ſie / du biſt ſchon in deinem Koͤnigreich zu Norbona, welches uͤber die 70. Meil entlegen. Carolus falt hieruͤber auff ſeine Knie nider / bedancket ſich mit auffgehebten Haͤnden / mit naſ - ſen Augen vmb diſe groͤſte Gnad / vnd verlangt zu wiſſen / was er doch zu ihren Ehren ſolle thun. Darauff Mag - dalena befohlen / er ſolle ihren heiligen Leib verehren / wel - chen er werde finden an diſem Orth mit diſem Kennzei -V u u u 2chen.708Judas ein Ehrabſchneider /chen. Erſtlich wirſt du ſehen / daß auß meinem Mund ein Weinſtock gewachſen: du werdeſt finden / daß mein Haupt gantz verſehrt vom Fleiſch / außgenommen das jenige Orth an dem Stirn / allwo mich der gebenedeyte JEſus nach ſei - ner glorreichen Urſtaͤnd hat angeruͤhret / wie ich ihme hab wollen die Fuͤß kuſſen. Meine Haar ſeynd alle zu Grund gangen / auſſer der jenigen / welche die Fuͤß JEſu abge - druͤcknet. Neben meinem Haupt wird ſein ein Glaß / wor -Ex aurea Roſa Syl - veſt. Priorit. Surius tomo 4. innen ein Erde / ſo mit dem Blut JEſu vnder dem Creutz beſprenget worden / vnd ich ſolches die gantze Zeit meines Buß-Wandls fuͤr den groͤſten Schatz bey mir behalten. An diſem Orth ſolſt du mir zur Danckbarkeit ein Cloſter bauen. Welches alles Carolus der anderte diß Nahmens auff das embſigſte vollzogen / vnd die H. Buͤſſerin Magda - lenam fuͤr ſein ſondere Patronin / vnd Vorſprecherin ge - halten biß in Todt.
Judas der Ertz-Schelm redet uͤbel vom Todt Mag - dalena? ich wolt wuͤnſchen / daß ich Magdalenam mit ſo vilen Lobſpruͤchen konte verehren / wie vil Graͤßl in den Fel - dern / wie vil Blaͤtl in den Waͤldern / wie vil Sand in dem Meer / wie vil Stern obenher / wie vil Troͤpfflein in dem Bronnen / wie vil Staͤubl vnder der Sonnen: ja wie vil Troͤpfflein Blut in mir / ſo vil Lob ſprich ich dir. O Mag - dalena! ſo bitte dann fuͤr mich armen Suͤnder / daß ich an Gottes Barmhertzigkeit / mit dem Iſcariothiſchen Juda, nit verzweiffle / ſonder durch wahre Reu meine Suͤnden abwaſche / vnd alſo deiner heiligen Vorbitt genieſ - ſe jetzt vnd in der Stund meines Abſter - bens / Amen.
Ende deß Erſten Thails.
ENDE.
CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.
Distributed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Unported License.