Euer Hochgraͤfl. Gnaden geruhen hoͤchſt - geneigt zu vergeben, daß ich mich unterfange, gegenwaͤrtigem Ritter-Exercitien-Lexico Dero hohen Nah -menmen vorzuſetzen, und dadurch meinem geringen Marcke das groͤſte Anſehen zu geben.
Jch bemuͤhe mich durch die unterthaͤnigſte Uiberreichung deſſelben, meine unendliche Danckbarkeit, mit welcher ich Dero Hoch - Graͤfl. Hauſe von langen Zeiten her ver - pflichtet bin, einigermaſſen, an den Tag zu le - gen. Jch erinnere mich noch mit tiefſter Ehr - furcht der vielen Gnadens-Bezeugungen, de - ren weiland Se. Hochgraͤfl. Excellentz, Euer Hochgraͤfl. Gnaden hochſeliger Herr Groß-Vater, damals en Chef commandi - render General-Feld-Marſchall der Chur - Saͤchſiſchen Huͤlfs-Voͤlcker am Rhein-Strom, mich gewuͤrdiget, da ich als Volontair unter ſeinem Commando zu ſtehen das Gluͤck hatte: und das ungemeine Wohlwollen, ſo Euer Hochgraͤfl. Gnaden ſelbſt mir angedeihen laſſen, iſt bey mir iederzeit in unvergeſſenem Andencken. Alles dieſes hat mir wichtig ge - nung geſchienen, den Entſchluß zu faſſen, mei - nen ehrerbietigſten Trieben der verpflichteſten Erkenntlichkeit in etwas Genuͤge zu leiſten, ohn - geachtet Dieſelben niemals bis an die Groͤſſe von Euer Hochgraͤfl. Gnaden hohen Wohl - gewogenheit reichen kan.
DochDoch vielleicht wuͤrde meine gegenwaͤrtige Arbeit auch daher von Euer Hochgraͤfl. Gnaden eines guͤnſtigen Anblickes gewaͤrtig ſeyn koͤnnen, da ich von einer Sache handele, bey welcher Dieſelben Dero preiswuͤrdigſten Geſchicklichkeiten mit reizender Lebhaftigkeit und dem angenehmſten Weſen zu Dero Ver - gnuͤgen anzuwenden geruhen. Euer Hoch - graͤfl. Gnaden prangen bey dem Beſitz ho - her Tugenden und Vollkommenheiten auch zu - gleich mit dem herrlichen Ruhme einer ausneh - menden Fertigkeit in den Ritterlichen Uibungen, und die Reitkunſt hat iederzeit Dero Hochach - tung wuͤrdig geſchienen. Jch hoffe alſo nicht vergebens, mein Ritter-Exercitien-Lexicon, welches ich auf Verlangen groſſer Goͤnner und Liebhaber dieſer Kunſt (weil dergleichen noch nicht vorhanden) aus den beſten Frantzoͤſiſchen, Jtalieniſchen und Deutſchen Scribenten zu - ſammen getragen, wird ſich Dero gnaͤdigen Auf - nahme gleichergeſtalt zu verſprechen haben.
Euer Hochgraͤfl. Gnaden beurtheilen demnach mein ſchuldiges Beginnen nach Dero angeerbten, ungemeinen Huld und Liebe, und ge - ruhen dieſes Buch als ein Zeichen meiner ehrer - bietigſten Unterthaͤnigkeit aufzunehmen.
DerDer Allerhoͤchſte ſegne Dieſelben, und er - halte Sie in allem Hochgraͤfl. Wohlergehen. Er laſſe es Jhnen nach dem Wunſch der Ho - hen in der Welt gelingen, und mache Dero angehende Regierung vollkommen gluͤcklich, und laſſe Dieſelben unendlich geſegnet ſeyn. Er erfuͤlle an Denenſelben die unſchaͤtzbare Hofnung des Hochgraͤfl. hohen Hauſes, wie das Gebet Dero getreueſten Unterthanen. Jch werde in tiefſter Ehrerbietigkeit Zeitlebens beharren
Hochgebohrner Reichs-Graf, Gnaͤdiger Graf und Herr, Euer Hochgraͤfl. Gnaden
DJe Gewohnheit, ein und andere Wiſſenſchaft in alphabetiſcher Ordnung abzuhandeln, iſt zwar nicht erſt geſtern oder heute aufgekommen; ſon - dern ſchon bey den alten Griechen, ſonderlich mit der Weltweisheit, im Brauche geweſen: Jedoch unſer itzt - lauffendes Jahrhundert iſt in dieſem Stuͤcke dergeſtalt fruchtbar, daß man es bey nahe fuͤr eine Mode halten ſolte, wodurch nicht nur alle und iede Wiſſenſchaften, ſon - dern ſo gar alles, was in der Welt zu wiſſen dienlich iſt, in Form eines Lexici muͤſte vorgetragen werden. Aus dieſem groſſen Anwachſe der Lexicorum haben nun ei - nige die Abnahme und den Verfall der Gelehrſamkeit beſorgen wollen; und daher gewuͤnſchet, daß man ent - weder gantz und gar keine ſogenannte Real-Lexica, oder doch derſelbigen ſehr wenige haben moͤchte. Andere hin - gegen urtheilen gantz anders, und vertheidigen die Nutz - barkeit und Nothwendigkeit der Real-Lexicorum. Denn, ſagen ſie, bey den itzigen Zeiten, da faſt alle Wiſſenſchaften ihren hoͤchſten Gipfel erreichet haben, und deren Feld ſo gar weitlauftig iſt, daß eine iede derſelben ihren eigenen Mann erfodert; gleichwol aber die heutige Welt von ei - nem Gelehrten begehren darf, daß er nicht nur die Wiſ - ſenſchaft, welche er hauptſaͤchlich treibet, gruͤndlich ver - ſtehe, ſondern auch von allen andern Dingen, ſie moͤ -) (5genVorrede. gen in ſein Hauptwerck einſchlagen oder nicht, nicht nur nicht unerfahren ſeyn, ſondern wenigſtens ſo viel wiſſen ſoll, daß er von allem, was im Umgange mit andern vorkoͤmmet, deutliche Begriffe geben und richtig urthei - len koͤnne: So ſey man allerdings denjenigen verbunden, welche der viel zu wiſſen begierigen Welt mit gruͤndlichen Lexicis an die Hand gegangen, damit man durch dieſes Mittel ſich entweder einigen Vorſchmack von den Wiſ - ſenſchaften, welche man ſonſt fuͤr ſich nicht erlernet, faſt zufaͤllig machen, oder doch ohne viele Muͤhe dasjenige, was man aus einer Wiſſenſchaft zu wiſſen verlanget, ſo - gleich finden, oder was einem ſonſt nicht ſchlechterdings unbekannt, dem Gedaͤchtniß aber wieder entfallen, durch Huͤlfe der alphabetiſchen Ordnung ohnſchwer wiederho - len koͤnne. Es wuͤrde nicht leicht iemand gefunden wer - den, welcher ſich einbilden ſolte, er koͤnne eine ihm un - bekannte Wiſſenſchaft aus einem Lexico erlernen; viel - mehr wuͤrde ein ieder Vernuͤnftiger zu dieſem Zwecke ſich lieber eines beliebten Compendii von derſelben bedie - nen wollen, weil er auſſerdem einen ſchlechten Helden in dergleichen Wiſſenſchaft vorſtellen doͤrffte. Und alſo fal - le die Beſorgniß weg, daß die Lexica faule Leute mach - ten, und muͤſſe man wegen des Misbrauchs nicht ſogleich den rechten Gebrauch verwerfen. Dieneten ſie nicht zum Seyn, ſo haͤtten ſie doch ihren Nutz nicht nur im Schein, ſondern auch in dem Wohlſeyn. So koͤnne man auch nicht abſehen, warum durch Verwerfung dieſer nuͤtzli - chen Buͤcher ſo viele Lehrbegierige, welcher Werck nichts weniger als die gelehrten Wiſſenſchaften ſind, und die ſich unter die Gelehrten zu rechnen nicht begehren, den - noch aber dabey begierig ſind, von ein und andern Stuͤ - cken derſelben ſich einige Erkenntniß zu wege zu bringen, oder die Kunſtwoͤrter und das Verfahren von andern nuͤtzlichen Kuͤnſten ſich bekannt zu machen, ihres unta - delhaften Vergnuͤgens berauben wolle. Dieſe koͤnten ih - ren Zweck nicht fuͤglicher, als durch den Gebrauch derLexi -Vorrede. Lexicorum erreichen, weil ihnen dadurch von den zu wiſ - ſen verlangten Dingen deutliche Begriffe beygebracht wuͤrden. Daß ſolche Begriffe nicht allemal hinlaͤnglich und an einander hangend waͤren, ſchade nicht: denn die - ſes ſey wider die Abſicht ſolcher Leute, welche es zu einer Gruͤndlichkeit in ihrem Wiſſen zu bringen nicht begehr - ten. Der groͤſte Theil der vernuͤnfftigen Welt halte die Real-Lexica fuͤr nuͤtzliche, noͤthige und unentbehrliche Wercke, weil man ſehe, daß ſie in den Buchlaͤden vor andern ſehr fleißig aufgeſucht wuͤrden. Allen und ieden derſelben koͤnne man zwar das Wort nicht reden, maſſen freylich verſchiedene ſo beſchaffen ſeyn, daß man deren Verluſt zu beklagen eben nicht Urſache faͤnde.
So groß nun die Anzahl der Real-Lexicorum an - gewachſen, ſo haben dennoch viele bey dieſer groſſen Men - ge ſich gewundert, warum bisher niemand die Ritterli - chen Exercitia in einem Lexico beſchrieben; da man doch nicht nur faſt allen gelehrten Wiſſenſchaften und Kuͤnſten, ſondern auch den Handwerckern und andern die Ehre an - gethan, ihre Kunſtwoͤrter und die bey derſelben vorkom - mende Sachen in alphabetiſcher Ordnung zu beſchreiben und zu erklaͤren. Man fand zwar hier und da in eini - gen Lexicis verſchiedenes von den Ritterlichen Uibungen zerſtreuet; es war aber ſo ſparſam, daß es den Kennern und Liebhabern ſolcher Uibungen nicht hinlaͤnglich ſchiene. Dannenhero ſehneten ſie ſich nach einem Buche, welches nur allein von Ritterlichen Exercitiis handelte, und die dabey vorkommende Kunſt-Woͤrter und Sachen deut - lich in alphabetiſcher Ordnung vortruͤge. Der Verfaſ - ſer dieſes Buches war eine Zeither von nicht wenigen dißfalls inſtaͤndigſt angegangen worden, da er ſich end - lich entſchloß, eine ſo loͤbliche Arbeit zu unternehmen, wel - che er hiermit liefert, unter der Hoffnung, ſie werde eben der guͤtigen und willigen Aufnahme gewuͤrdiget werden, welche andere nuͤtzliche und beliebte Real-Lexica gefunden. Was er nun in dieſem Wercke geleiſtet hat, davon thut er hier folgende kuͤrtzliche Anzeige.
DerVorrede.Der Vorwurf ſeiner Arbeit betrift nicht ſolche Sa - chen, welche eigentlich zur Gelehrſamkeit gehoͤren; Denn dieſe hat vornemlich mit der Ausbeſſerung der Seele, des Verſtandes, des Willens ꝛc. zu thun. Dahingegen er hier vielmehr auf die Ausbeſſerung des Leibes ſeine Ab - ſicht gerichtet. Es wird wol niemand zweifeln, ob dieſe Beſchaͤftigung nuͤtzlich und noͤthig ſeyn, und ob unſer Leib einer Pflege, ihn geſchickter zu machen, beduͤrfe. Die alltaͤgliche Erfahrung zeiget uns ja, wie wenig Men - ſchen gefunden werden, die, ob ſie zwar geſunde und wohlgebildete Gliedmaſſen haben, eine zierliche und zu dieſer und jener Verrichtung geſchickte Leibes-Stellung von ſich blicken laſſen, wofern ſie nicht durch Kunſt und Unterweiſung gehoͤrig darzu vorbereitet worden. We - gen dieſer natuͤrlichen allgemeinen Plumpheit und Un - geſchicklichkeit des menſchlichen Leibes haben ſchon in den alleralteſten Zeiten faſt alle Voͤlcker, wie die Geſchichte bezeugen, mit ihrer Jugend gewiſſe beſondere Leibes-Ui - bungen vorgenommen. Der alten Griechen ihre 5 Ar - ten ſolcher Uibungen ſind bekannt genug, nemlich das Lauffen, Springen, Tellerwerfen, Spießwerfen und Rin - gen. Von den alten Deutſchen ſagt Tacitus de M. G. c. XXIV: “Sie haben unter ihnen bey allen Verſammlun - „ gen nur einerley Art der Schauſpiele. Junge Leute, „ die das Spiel treiben, ſpringen nacket herum, zwiſchen „ ausgereckten Spieſſen und Schwerdtern. Die Uibung „ hat ihnen eine Geſchicklichkeit, und dieſe einen Wohlſtand „ erworben; wiewol ſie es nicht um Gewinns oder Lohns „ willen gebrauchen, wo ſie nicht dieſes fuͤr eine Beloh - „ nung ihres verwegenen Kitzels achten, daß ſie die Zu - „ ſchauer beluſtiget. „ Aus eben der Urſache ſind die bey uns gewoͤhnlichen Leibes-Uibungen eingefuͤhret worden, daß ſie den Menſchen nicht allein anſehnlich, und ſeine von Natur plumpe und gleichſam hoͤltzerne Gliedmaſſen fertig, belebt und geſchicklich machen, ſondern auch die Geſundheit befoͤrdern und erhalten, und die Kraͤfte ver -meh -Vorrede. mehren ſollen. Daher hat jener kluge Jtaliener, wie Chytræus in Deliciis Europæ p. 65 meldet, in einer Gar - ten-Mauer zu Neapolis nicht unbillig einhauen laſſen: Die Uibung des Leibes iſt des menſchlichen Lebens Er - „ haltung: eine Vermehrung der natuͤrlichen Waͤrme: „ eine Aufmunterung des faulen und ſchlaͤfrigen Gemuͤths: „ der natuͤrlichen Kraͤfte Verſtaͤrckung: aller uͤberfluͤßi - „ gen boͤſen Feuchtigkeiten Verzehrung: ein Feind des „ Muͤßigganges: ein Gewinn der Zeit: der Jugend „ Gebuͤhr, und des Alters Freude. Derowegen nur „ allein derjenige die Exercitia verachtet, der ſowol der Ge - „ ſundheit des Leibes, als des Gemuͤths, ermangeln will. „ Verdienen die Exercitia ein ſo herrliches Lob, ſo hat der Verfaſſer ſeine Zeit nicht uͤbel angewendet in Verferti - gung eines Exercitien-Lexici. Und da er ſeine Abſicht auf die Ritter, das iſt, diejenigen gerichtet, welchen die Ge - burt vor dem buͤrgerlichen Stande einen Vorzug verlie - hen hat, zu hohen und wichtigen Aemtern und Bedie - nungen ſowol im Kriege als bey Hofe zu gelangen; ſo nennet er ſein Buch ein Ritter-Exercitien-Lexicon.
Exercitia equeſtria ſind diejenigen Uibungen, welche auf Ritter-Academien gelehrt und getrieben werden. Mit dem Tantzen wird der Anfang billig gemacht, weil es nicht ſo ſchwer und arbeitſam, als die andern, und ſolches auch bey zarter Jugend kan geuͤbet werden; ferner weil es die Gliedmaſſen zu allen andern ſchweren Uibungen, als Fechten, Reiten, zubereitet, und fertig und geſchickt macht; und endlich weil ſie eine aͤuſſerliche Sitten-Lehre iſt, und nebſt der zierlichen Leibes-Stellung zu einer ge - faͤlligmachenden Auffuͤhrung anweiſet. Weil nun die Muſic die Seele des Tantzens iſt, ſo findet ſelbige auch hier ihren Platz. Die Fecht-Kunſt machet die Bosheit der Menſchen nothwendig. Denn ſie weiſet an, wie man den Degen geſchickt fuͤhren, und die ſich an uns noͤthigenden Feinde abtreiben ſolle, daß ſie uns nicht ſcha - den. Die Reit-Kunſt, welche lehret, wie man zierlichundVorrede. und geſchickt zu Pferde ſitzen, und ein wohlabgerichtet Pferd kluͤglich regieren ſolle, iſt einem von Adel hoͤchſt - unentbehrlich. Sie hat ihren Nutzen nicht nur im Krie - ge, ſondern auch an Hoͤfen, da bey verſchiedenen Gele - genheiten eine Parade zu Pferde, bey Aufzuͤgen, Ein - zuͤgen, Carrouſelen ꝛc. gemacht wird. Das Jagen iſt eine Ritterliche Uibung, und koͤmmet faſt in allen Stuͤ - cken mit den Kriegs-Verrichtungen uͤberein. Der Ab - ſicht des Verfaſſers zu Folge, da er die adeliche Jugend anweiſen will, wie ſie durch eine gefaͤllig-machende Auf - fuͤhrung ſich in Stand ſetzen koͤnne, dereinſt vollkomme - ne Hof-Leute, gute Soldaten und geſchickte Hauswir - the abzugeben, muſte nicht nur die Jagd-Wiſſenſchaft, ſondern auch das Forſt-Weſen hier ausfuͤhrlich beſchrieben werden. Daher iſt denn nun der Titel erwachſen, daß dis Buch ein Reit-Jagd-Fecht-Tantz - oder Ritter-Exercitien - Lexicon betitelt worden. Endlich hat der Verfaſſer, gleichſam als einen Anhang zu den Ritterlichen Uibun - gen, noch hinzugefuͤget die Wappen-Kunſt, als eine dem Adel eigenthuͤmliche und unentbehrliche Wiſſenſchafft. Wie er nun alles, was er auf dem Titel verſprochen, mit moͤglichſter Gruͤndlichkeit und Deutlichkeit ausgefuͤhret, und verſichert iſt, es ſey weder was uͤberfluͤßiges noch unnoͤthiges eingeſchlichen, noch auch was noͤthiges und nuͤtzliches ausgelaſſen: Alſo verſpricht er ſich von dem Ge - neigten Leſer ein guͤtiges Urtheil, welchem er ſich und ſein Buch empfielet.
Geſchrieben in der Franckfur - ter Oſter-Meſſe 1742.
A iſt der erſte Buchſtabe und Vocal im Alphabet, und wird in Bezeichnung der Dinge unterſchiedlich gebraucht, z. E. in Zahlen bedeutet A eine Eins; in der Algebra werden die gegebene oder angenommene Groͤſ - ſen iederzeit mit A, B, C &c. benen - net, gleichwie die unbekannten oder zu ſuchenden mit x, y, z. Jn der Muſic dienet A mit den uͤbri - gen Buchſtaben bis H zu Bezeich - nung der muſicaliſchen Noten. Die Aertzte laſſen ein doppeltes a̅a̅ ſo viel als ana (ſo ein Griechiſches Wort iſt) gelten, welches andeu - tet, daß von denen Speciebns in dem Recepte von einem ſo viel, als von dem andern ſolle genom - men werden. Ein dreyfaches a̅a̅a̅ iſt in der Chymie ſo viel als Amal - gama; A. B. aber Arenoſum Bal - neum. Jn der heiligen Schrifft nennet ſich unſer Heiland ſelbſt das A und das O, das iſt, den An - fang und das Ende, als welche beyde Buchſtaben das Griechiſche Alphabet anfangen und beſchlieſ - ſen. Jn den Roͤmiſchen Nahmen zeiget A. ſo viel an, als Aulus. Wenn die alten Roͤmer zur Zeit
der Buͤrgermeiſter bey Gebung ih - rer Geſetze ſich des Buchſtabens A. bedieneten, ſolte ſolches Anti - quo heiſſen, das iſt, ich verwer - fe das Geſetz, oder laſſe es bey dem Alten bewenden. Jn den Gerich - ten der Roͤmer zeigete das A, wel - ches auf kleine hoͤltzerne und mit Wachs uͤberzogene Taͤfelgen ge - ſchrieben, und in die aufgeſtellete Urnas geworfen wurde, Abſolvo an, daß der Verklagte ſolte los - geſprochen werden. Die Frantzoͤ - ſiſchen Muͤntzen, welche mit dem A bezeichnet ſind, werden zu Pa - ris gepraͤget, und fuͤr die beſten ge - halten.
Dieſes iſt die Laͤnge der Zeit, ſo verfloſſen ſeit der Geburts-Zeit, welches merckwuͤrdig, daß das Pferd den Vortheil hat, daß es die unterſchiedliche Veraͤnderun - gen ſeiner erſten Jahre anzeigen kan, es ſeye nun gleich durch die An - zahl ſeiner Zaͤhne, daß es ſolche einen nach den andern bringt, und neue hervor ſchiebt, oder durch ſchwartze Kennzeichen, oder aber durch einige andere Muthmaſſun -Ritter-Lexic. Agen,Aahgen, als die Knoͤpffe an der Rie - be, des Schweiffs, Falten des Gaumens, Runtzeln der Backen und dergleichen. Wie denn die Roßtaͤuſcher und andere an dem Schieben und Abgeben der 12 vor - dern Zaͤhne oben und unten der Pferde Alter bis ins fuͤnffte Jahr; an dem Kerne oder den ſchwartzen Zeichen in den Flaͤchen der Zaͤhne bis ins zehende Jahr; und an den Wartzen vornen inwendig an den Kothen bis ins dreyzehende Jahr mit ziemlicher Gewißheit abnehmen und erkennen koͤnnen. Wenn aber andere noch weiter gehen, und ſol - ches Alter bis ins 30 Jahr, an den weiſſen Haaren uͤber den Au - gen und Runtzeln an den Leffzen zu kennen vermeinen; ſo halten ih - re Regeln und Merckzeichen nicht allemahl Stich.
Jſt ein Ermunterungs-Wort auf der Reitbahn, um ein Pferd in denen Courbetten anzufriſchen, daß es nach erhabener Stimme auf die Tempi Achtung giebt, und nicht einen Satz langſam, den an - dern geſchwinde vollfuͤhrt, in wel - chen weder Kunſt, Wohlſtand, Nu - tzen noch Geſchicklichkeit iſt.
Jſt ein Jaͤger-Wort, und be - deutet bey ihnen ſo viel als eſſen; ſie brauchen es aber von dem ro - then Wildpret oder Hirſchen, wenn ſolches friſſet, ſo ſprechen ſie der Hirſch aaſſet.
Wird nach den Roͤmiſchen Rech - ten mit der Landes-Verweiſung, oder auch andern Straffen bele - get, nach den Saͤchſiſchen Rech - ten ſoll er am Leben geſtrafft wer - den, bey den Frießlaͤndern iſt beyAbbdieſem Verbrechen die Landes-Ver - weiſung mit und ohne Staupen - Schlag, Brandmarckung ꝛc. ge - braͤuchlich.
Heiſt angautzen oder anſchnar - chen, da ein beißiger Hengſt den andern anſchnautzet und erſchre - cket: ſolche Schnarcher ſind ge - meiniglich nicht viel werth, ſon - dern ſie ſind boshafftig und zornig, mit ſolchen Pferden iſt im Krieg und auf den Exercir-Plaͤtzen uͤbel fort zu kommen, will man anders nicht Schimpff und Schaden ha - ben. V. Haine.
Anlegen oder anſchlagen, ge - ſchicht auf der Bahn auf mancher - ley Weiſe, als nemlich: man legt einem jungen Pferde in der Ab - richtung oͤffters die Schenckel, Waden oder Ferſen an den Leib, damit es anfaͤnglich deren nur ge - wohne, und nachhero die Schen - ckel-Huͤlffen und die Sporen lerne annehmen, um ſolchen zu folgen.
Heiſt abkaͤmmen, nemlich die Maͤhn, Schopff und Schweiff, die ſind an einem Pferd trucken wohl zu kaͤmmen, und auf beyde Seiten unter und uͤber ſich, her - nach erſt glatt abwerts gerichtet, und daſſelbe ſubtil und ſauber, daß man nicht die langen ſchoͤnſten Haa - re (welche eine Zierde des Pfer - des) muthwillig ausreiſſe und ab - kuͤrtze.
Wird auch von den Jaͤgern ge - ſagt, wenn ſie bey Endigung einer Jagd eine Muſic mit ihren Hoͤr - nern machen.
Abend -Wird entweder durch eine oder durch ein Paar ſingende Stimmen, mit Jnſtrumenten begleitet, des Abends gebracht, und laͤſſet ſich nirgends beſſer, als auf dem Waſ - ſer, bey ſtillem Wetter hoͤren. Da ihre Haupt-Eigenſchafft Tendreſ - ſe oder zaͤrtliche und ſtarcke Liebe ohne Verſtellung ſeyn ſoll; ſo ſchei - net es, daß die Serenaden bey Gluͤckwuͤnſchungen, oͤffentlichen Gepraͤngen, Befoͤrderungen auf hohen Schulen und dergleichen, auſſer ihrem Element und wider ihre Natur gebraucht werden, als zu welchen ſich die Oratorien und Aubaden wegen ihrer hochtraben - den Eigenſchafft beſſer ſchicken.
Heißt im Fechten, wenn man einen halben Circkel unter der Klin - ge durch machet, ſowol von der auswendigen als inwendigen Seite.
Jſt, ſo man ſich ſolcher Gelegen - heit bedienet, und bey des Con - treparts Losgehen ſtoͤſſet.
Wird derjenige genannt, wel - cher zum Abrichten eingefangen worden, da er ſchon ſeine Federn und vollkommene Kraͤffte bekom - men hat, auf den Raub auszuge - hen.
Jſt bey dem Forſtweſen das auf einem Gehauich befindliche Holtz abhauen. Man pfleget das Tan - gel-Holtz voͤllig abzuhauen und abzutreiben, theils um dem in derAboErde liegenden Saamen zum Wachsthum Lufft zu machen, theils weil der Wind die ſtehend geblie - bene Laas-Baͤume, welche keine tieffe Wurtzel ſchlagen, dennoch uͤbern Hauffen werfen wuͤrde. Da - hingegen wird das Laub-Holtz nicht voͤllig abgeholtzet, wie das Nadel - und Tangel-Holtz, ſondern man laͤßt die darinnen befindlichen Laas-Reiſſer, Vorſtaͤnder, ange - hende Baͤume und Haupt-Baͤume in gewiſſer Anzahl ſtehen.
Geſchiehet, wenn bey dem Be - ſtaͤtigungs-Jagen das mit dem Zeuge eingeſtellete Wildpret ſoll gefangen oder gefaͤllet werden. Was dabey insgemein pflege vor - genommen werden, kan man im Oeconomiſchen Lexico leſen.
Wird bey den Jaͤgern ein durch ein Gehoͤltze gehauener Weg ge - nennet, welcher nach dem Lauff zugehet, und der alſo nach der manierlichen Proportion gehauen iſt, wie das Jagen formiret ſeyn muß.
Jſt eine Art zu pariren, beſonders gegen den Stoß Tertie, deßgleichen auch gegen die Quarte inwendig.
Sagt man, wenn einem Thiere etwas abgeſchnitten wird.
Ein ungeſtaltes, heßlich und ab - ſcheuliches Pferd, ſo vom Kopf groß, lang, breit, dick, fett, uͤbel gezeichnet iſt, groſſe, lange, weite abhangende Ohren hat, ſchmahl von Bruſt und Creutz abgeſchlif -A 2fenAbofen iſt, daneben der Bauch zu groß oder zu klein, darbey eingezogen, in beyden Seiten leer wie ein Wind - hund, von Schenckeln geſchwol - len, voller Oberbeine und Floß - Gallen, allzulang und bockbeinigt, grobhaͤrig, ratzenſchweiffig, darbey untreu, boshafftig, beiſſend, fchla - gend, tuͤckiſch im Stall und im Ge - brauch gegen Menſchen und Pfer - de iſt, oder andere Gebrechen hat.
Das Verwerffen geſchicht, wenn eine traͤchtige Stute vor der Zeit dero Leibes-Frucht von ſich laͤſt, welches gemeiniglich von harter Arbeit herkommt, oder wann ſie die bittere Wurtzel Gentiana friſſet, oder aber, wenn Lichter von Talch bey ihr erloͤſchen, und ihr ſolcher Geſtanck zu viel in die Naſenloͤcher eindringet; welches ebenmaͤßig der Schweffel-Geſtanck verurſa - chen ſoll.
Jſt ein Cabaliſtiſches und Ma - giſches Wort, welches einige ge - gen das Fieber anhaͤngen. Einige ſchreiben das Wort auf einen Zet - tel, und ſtecken ihn einem wilden Pferd ins Ohr, wenn es ſich nicht will beſchlagen laſſen. Allein Ver - nuͤnfftige verabſcheuen dergleichen nichtsnuͤtzigen Aberglauben.
Jſt eine muſicaliſche Figur, da die Harmonie, wenn es nemlich der Text, oder in Jnſtrumental - Sachen andere Umſtaͤnde erfode - ren, ploͤtzlich, und zwar mehren - theils am Ende eines Periodi, ab - bricht oder abſchnappet.
Jſt hitzig und trocken, auch ei - nes bittern zuſammenziehenden, und ſcharffen Geſchmacks, wird auswerts der Garten-Beete ge - ſetzt, hat ſchoͤne zerkerbte, weiß - lichte aſchen-faͤrbige Blaͤtter; im Herbſt bekommt er an den Gipf - feln viel runde kleine Knoͤpfflein, daraus werden bleich-gelbe Bluͤm - lein; hat in der Artzeney groſſen Nutzen, abſonderlich iſt der Wer - mut-Wein trefflich gut wider alle gifftige und boͤſe Lufft, ja er hat auch innerlich ſolche herrliche Wirckung die Natur zu ſtaͤrcken, daß, wann er maͤßig gebraucht wird, er die Krafft hat, den Menſchen laͤnger beym Leben zu erhalten, wie der uralte Jſraelitiſche Artzt Hazary bezeugt: Correct. Herb. pag. 41.
Sagt man vom Hirſchen oder Rehbock, wenn ſie die rauhe Haut von ihren Gehoͤrnen, wenn dieſel - be wieder vereckt ſind, an den Baͤu - men abſchlagen und reinigen.
Heißt das Wildpret des Nachts von den Feldern ins Gehoͤltze ja - gen, damit es nicht aus dem Ge - haͤge und in fremde Refiere gehe.
Nennen die Jaͤger, wenn ſie durch Schritte nach der Laͤnge der Tuͤcher die Entlegenheit der Orte und Stallungen abmeſſen.
Jſt ein Jaͤger-Wort, wenn die Haaſen auf ihrer ordentlichen Faͤhr - te ein Stuͤck Weges zuruͤck gegan - gen, (welches bey den Jaͤgern ein Wiedergang genennet wird,) undals -Abſalsdenn auf die Seite davon abge - ſprungen, und dadurch einen An - fang zu einer neuen Faͤhrte ge - macht. Dergleichen Abſpruͤnge pflegen die Haaſen, wenn ſie vom Felde wieder nach dem Holtze zu gehen, zwey und mehrere zu thun, damit ſie den Hunden den Geruch verlegen und die Spur benehmen moͤgen, um nicht ſo leicht von ih - nen gefunden und aufgejagt zu werden, und alſo deſto ſicherer in ihrem Lager zu ſeyn.
Brauchen die Jaͤger von For - mirung des Lauffes bey einem Ja - gen, wie weit derſelbe gehen ſoll; da ſie denn etliche Hefftel einſchla - gen, nach welchen die Tuͤcher auf - geſtellet werden.
Heiſſet einem Thiere die Haut oder den Balg abziehen, und wird von Woͤlfen, Fuͤchſen, Luchſen, wilden Katzen, Jltiſſen, Mardern, Fiſch-Ottern, Dachſen, Haaſen, Aalen ꝛc. geſagt. Der Baͤr aber wird nicht geſtreifft, hat auch kei - nen Balg, ſondern eine Haut, und wird ſeines Felles halber gantz zerlegt und zerwircket.
Jſt in Deutſchland eine geiſtli - che Perſon, welche ein Kloſter zu regieren hat. Man findet derglei - chen unter den Catholiſchen und Proteſtanten. Bey den letztern ſind es Landes-Staͤnde, welche ei - ne gewiſſe Anzahl Studenten, ſo Conventualen genennet werden, unter ſich haben. Unter den Ca - tholiſchen aber giebt es, welche ti - tulum ſine vitulo, das iſt, die zwar den Titel, aber nicht die Einkuͤnfte haben; dagegen andereAcabeydes beſitzen. Einige derſelben ſind gefuͤrſtete Aebte, z. E. Fulda, Kempten, Corvey ꝛc. weil ſie nem - lich Fuͤrſtliche Rechte und Rega - lien genieſſen, und alle Handlun - gen verrichten koͤnnen, welche von der Landes-Hoheit herruͤhren. Theils derſelben werden infulirte Aebte genennet, weil ſie die Infulam oder Biſchoffs-Muͤtze uͤber ihren Wap - pen und ſonſten gebrauchen duͤr - fen, auch den Biſchoͤffen ſehr na - he kommen.
Jſt das dritte Stuͤck eines Bal - lets, womit ſelbiges geendiget und beſchloſſen wird.
Der Misbrauch derer Pferde iſt ſehr unterſchieden, und iſt der ſchaͤdlichſte, was wider die Natur, Vernunfft und Moͤglichkeit, mit den Pferden vorgenommen wird. Ferner was man aus Vorwitz ohne gnugſame Wiſſenſchafft verſu - chet, aus deren Ermangelung die Pferde nicht Gehorſam leiſten koͤn - nen, wenn ſie gleich gerne wol - ten.
Ein groſſer Strich Landes in dem dritten Welt-Theile Africa, welches von einem Kayſer, der groſſe Neguz genannt, beherrſchet wird, fuͤhret in ſeinem Wappen einen Loͤwen mit der Beyſchrifft: Es hat uͤberwunden der Loͤwe vom Stamme Juda.
Jſt eine Societaͤt, da die Stu -A 3diren -Acadirenden von gewiſſen dazu ver - ordneten Doctoribus und Profef - ſoribus, ſo wohl in der Philoſo - phie, als auch in den andern Fa - cultaͤten unterrichtet, von dem Rectore und Senatu Academico regieret, auch zum Theil promo - viret, und mit Academiſchen Eh - ren-Titeln verſehen, auch den Fra - genden aus den Facultaͤten Reſpon - ſa ertheilet werden.
Jſt eine muſicaliſche Academie oder Opera in der Haupt-Stadt Bruͤſſel in Brabant in den Oeſter - reichiſchen Niederlanden. Anno 1720 ward, an ſtat des verſtorbe - nen Printzens von Berghes, der Fuͤrſt von Thurn und Taßis der - ſelben Protector.
Jſt eine Ritter-Societaͤt, bey welcher nicht allein galante Ritter - liche Exercitia anzutreffen, als Reuten, Fechten, Tantzen, Volti - giren, auf allerhand Inſtrumen - ten ſpielen, ſondern auch die Hi - ſtorie und Geographie, ja die Phi - loſophie ſelbſt, und alle Tugenden gelehret werden, wie auch fremde und auslaͤndiſche Sprachen, in - gleichen in der Matheſi und allen derſelben Theilen, als Arithmetica, Geometria, Mechanica, Optica, Gnomonica, Fortification, Archi - tectur nebſt andern Collegia gele - ſen werden.
Wird die Opera zu Paris ge - nennet, ſo beynahe aus 200 Per - ſonen beſtehet. Sie ward nach der zu Venedig errichtet, und 1669 erhielt der Abt Perrin das Privile -Accgium daruͤber; die erſte Opera, Pomone genannt, ward im fol - genden Jahre im Martio aufgefuͤh - ret. Monſieur Lully, ein Floren - tiner, brachte es noch 1670 dahin, daß ihm das Privilegium gegen ei - ne Summe Geldes ausgehaͤndi - get wurde, und ward ihm von dem Koͤnige das Theatrum in dem Pa - lais Royal, woſelbſt bis dahin die Comoͤdianten agirt hatten, dazu geſchenckt; an welchem Orte denn die Opera beſtaͤndig geblieben. Sie wird woͤchentlich dreymahl aufge - fuͤhrt, und ſoll jaͤhrlich auf 300000 Livres eintragen. Es koͤnnen ade - liche Perſonen Mitglieder derſel - ben ohne Nachtheil ihres Standes abgeben.
Nennet man, wenn ſich Vocal - und Inſtrumental-Stimmen zu - gleich mit einander hoͤren laſſen, und zwar dergeſtalt, daß die Jn - ſtrumente eben das, was die Saͤn - ger, ausfuͤhren.
War eine zu Bologna Anno 1622 von D. Girolamo Giacobbi aufgerichtete muſicaliſche Geſell - ſchafft, deren Wahlſpruch ein mit Pfeiffen oder Rohr bewachſener Huͤgel mit der Beyſchrifft war: Vocis dulcedine captant. Ob die - ſelbe noch beſtehe, iſt unbekannt.
Eine zu Bologna im Kirchen - Staate 1633 von Domenico Bur - netti und Franceſco Bertacchi er - richtete muſicaliſche Geſellſchafft, die zum Wahlſpruche eine Davids - Paucke mit der Beyſchrifft fuͤhrte: Orbem demulcet attactu: Sie mag aber ſchon laͤngſt eingegangen ſeyn.
Acca -So nennet ſich ein iedes Mit - glied, der zu Verona noch bluͤhen - den muſicaliſchen Geſellſchafft. Die Zeit ihrer Stifftung und der - ſelben Urheber iſt nicht bekandt; doch ſo viel gewiß, daß ſie anfangs zu Vicenza errichtet, und ſchon ums Jahr 1565 ſich mit der Acca - demia dell’ Incatenati vereiniget habe.
Jſt eine Manier, da die Stim - me, ehe die folgende vorgeſchrie - bene Note ausgedruckt wird, den naͤchſt daruͤber oder darunter lie - genden Klang gantz ſanfft und gleichſam zweymahl ſehr hurtig be - ruͤhrt. Einige nennen ihn Vor - ſchlag, die Frantzoſen le Port de voix, und iſt er entweder Accen - tus deſcendens oder remittens, der abſteigende Accent, oder Accentus aſcendens oder intendens, der auf - ſteigende Accent. Beyde werden wieder in majorem, da ein gantzer Ton, und minorem eingetheilet, da nur ein Semitonium im Gange gebraucht wird. Alle dieſe Arten ſind Accentus ſimplices. Accen - tus duplex, Accento doppio, Ac - cent double, aber iſt eine muſica - liſche Zierath, da man von zwe - en Gangs - oder Sprungs-Weiſe auf einander folgenden Noten die zweyte ſo geſchwinde anſchlaͤgt, daß die erſte an ihrer Geltung die Helffte verlieret, und man die zweyte um ſo viel eher anſchlaͤget und hoͤren laͤßt.
Eine muſicaliſche Zierath, wenn auf den Clavicymbeln die bey ei -Accner Cadenz vorkommende $$\frac {6}{4}$$ ſo wol in der rechten als lincken Hand, und alſo doppelt oder uͤberfluͤßig ge - griffen, der darauf folgende Satz aber, oder die durch die ſcharfe Terz zu bewerckſtelligende Reſolu - tion, in der rechten Hand allein tractiret, und in der lincken ausge - laſſen wird. Es giebt auch noch andre Arten. Es ſcheinet aber die - ſe Manier nichts anders zu ſeyn, als ein Mordant in vollem Grade.
Bedeutet in der Muſic, wenn Singe-Stimmen von allerhand Jnſtrumenten, in allerhand Arien und Melodien, auf gebrochene und ununterbrochene, abwechſelnde Art begleitet werden. Jnſonderheit wird es von dem General-Baß gebraucht, welcher ſowohl Singe-Stimmen, als Jnſtrumente, begleitet. Noch beſonderer wird es von einem Re - citativ geſagt, welchen lauter Gei - gen mit lang-aushaltenden oder gezogenen Noten und Accorden, ohne Unterbrechung, gantz ſanfte und gleichſam nur ſaͤuſelnd, be - gleiten. Einer, der ſolches Ac - compagniren verrichtet, wird Ac - compagnateur genennet.
Jn der Muſic beſtehet aus drey unterſchiedenen, und doch zuſam - men klingenden Sonis, nemlich dem Fundamental-Ton, deſſen Terz und Quint. Es bedeutet auch ein gantzes Stimmwerck von allerhand Pfeiffen, da von der un - terſten oder groͤſten Baß-Pfeiffe an immer eine nach der andern bis zur kleinſten Diſcant-Pfeiffe fol - get. Ein freyer Accord, der bloſſenA 4Stim -AccStimmung nach iſt, welcher die rechte Hand ohne Zuthun der lin - cken auf einigen beſaiteten Jnſtru - menten macht. Gebrochene Ac - corde ſind, wenn die Klaͤnge einer Zuſammenſtimmung nicht auf ein - mal, ſondern nach einander ver - nommen werden; dieſe dienen zu einer groſſen Zierath in den beglei - tenden Jnſtrumenten, und zu einer unendlichen Veraͤnderung.
Die Jnſtrumenten oder Orgel - Pfeiffen zu rechter und gehoͤriger Uibereinſtimmung bringen, und ſo nennet man es auch ſtimmen. Sonſt heiſſet es auch, wenn Saͤn - ger und Jnſtrumentaliſten in gu - ter und rechter Zuſammenſtim - mung ſich hoͤren laſſen.
Jſt ein mit 12 bis 15 Saiten bezo - genes groſſes Jtalieniſches Baß - Jnſtrument, worauf man mit ei - nem Bogen ſpielet, und zwar alſo, daß 2 bis 3 Saiten zugleich beruͤhret werden.
Heiſt die Pferde anjochen oder ankoppeln, das geſchiehet, wenn die Roßhaͤndler eine Quantitaͤt Re - monte-Pferde aufkauffen, ſo bin - den ſie ſolche eines an des andern Schweiff, und laſſen ſolche hin - ter einander marſchieren, bis ſie ſelbige an Ort und Stelle bringen, alsdenn pflegen ſie dieſelben zu mu - ſtern; ſind aber Hengſte und Be - ſcheller darunter, ſo ſchnallen ſie einen ſtarcken Stock darzwiſchen, daß keines den andern beſchaͤdigen kan. Sie pflegen auch gemeinig - lich dem letzten Pferd ein Gloͤck - gen anzuhencken, damit der Kup - pel-Knecht ſolches vorne hoͤrenAchkan, daß die Reihe noch complet iſt, und ſich keines losgeriſſen hat, wie oͤffters geſchiehet.
Die Gewohnheit der Pferde, wie ſie geartet den Hals zu tragen. Die meiſten Pferde halten von Na - tur den Kopff und Hals auf die lin - cke Seite, daß ſie ſich offt mit der groͤſten Gewalt nicht wollen rechts biegen oder wenden laſſen, das kommt theils von natuͤrlicher Be - ſchaffenheit, wenn es als ein Foh - len im Mutter-Leibe mit dem Kopff auf die lincke Seite liegt, theils auch von ſteter Gewohnheit her, da man mit ihm auf der lincken Sei - ten meiſtens umgehet, es aufzaͤu - met, ſattelt, aufſitzet und abſtei - get ꝛc.
Ein Pferd, ſo niederkauert, das geſchiehet, wenn ein Pferd die hin - tern Fuͤſſe zu viel vorwerts unter den Leib ſetzet, ſo kauert es hinten nieder, und hat keine Staͤrcke auf der Erden, ziehet auch das Vordertheil zu viel an ſich und zu - ruͤck, daß es hinten mehr als vorn an der Erde ſtecket, davon die hin - tern Schenckel faſt das gantze Pferd tragen ſollen; iſt alſo alle Sicher - heit und Entledigung an dem rech - ten gleichen Stand gelegen.
Jſt ein halb durchſichtiger Edel - geſtein, wegen ſeiner mancherley Farben ſehr angenehm, ſonder - lich wenn die Natur in Vorſtel - lung unterſchiedlicher Figuren, als Thiere, Baͤume, Fruͤchte, Wol - cken ꝛc. in demſelben ſpielet; wie denn Koͤnig Pyrrhus einen ſolchenAchatAchAchat gehabt, in welchem die 9 Muſen oder Kunſt-Goͤttinnen, ſammt dem Apolline zu ſehen ge - weſen ſeyn. Der ſchoͤnſte Achat kommt aus Jndien, ſonderlich aus der Provintz Camboja und aus Si - cilien; man findet ihn auch hin und wieder in Deutſchland. Sei - ne Tugend iſt, daß er dem Gifft und gifftiger Thiere Biß wider - ſtehet; daher auch der Adler die - ſen Stein in ſein Neſt traͤgt, um ſeine Jungen vor gifftiger Thiere Biß dadurch zu verwahren. Jn der Kayſerlichen Schatz - und Kunſt - Kammer zu Wien iſt eine aus ei - nem Achat gemachte Schale oder Schuͤſſel zu ſehen, welche eine El - le weniger zwey Finger im Durch - ſchnitte haͤlt, und darum ſo viel hoͤher zu æſtimiren iſt, weil in ih - rer Hoͤle gar deutlich B. XRISTO R. S. XXX von Natur eingewach - ſen, als wenn gleichſam die Na - tur dieſen ungemeinen Edelgeſtein ihrem Schoͤpffer vor andern haͤtte dediciren und aufopffern wollen. v. Lambecii Bibl. Cæſar. L. I Fol. 24. Der Achat war auch der achte Edelgeſtein in dem Amt-Schild - lein Aaronis. Exod. 28 v. 19.
Ein ſchon etwas gewandtes Pferd, welches (degourdi) von der Plumpheit der Glieder befreyet und gleichſam gebrochen und ge - bogen iſt, welches auch ſeine Ge - ſchicklichkeit zur Abrichtung ſehen laͤſt, indem es der Fauſt und dem Schenckel gehorſamet, und von de - nen Schulen einen feinen Anfang hat.
Ein voͤllig zugerittenes Manege - Pferd, das in allen Arien und Schul-Lectionen beſtaͤtiget undAcqabgerichtet iſt; denn es iſt (Ache - vé) und vollkommen, leiſtet in al - len Gehorſam, laͤſt willig auf - und abſitzen, gehet Schritt, Trott, Galop, courbettiret, radoppiret, aggroppiret, iſt dabey leicht in der Fauſt, wohlgeſetzt auf die Hancken, und vortrefflich gewandtſam, ſo wohl terre à terre, als en haut &c.
So die Lateiner Adepti nennen, ſind ſolche Leute, welche ohne or - dentliche Mittel zu beſondern Wiſ - ſenſchafften kommen, und allein durch uͤbernatuͤrliche Erleuchtung von Gott damit begabet werden, wie vom Koͤnig Salomon geſagt wird, auch hat Paracelſus von ſol - chen Leuten geſchrieben, und ſich ſelbſt davor ausgegeben. Hel - montius, als deſſen Scholar, giebt ſich auch fuͤr einen ſolchen Erwer - ber aus, und gratuliret ihm ſelbſt wegen ſolcher Gabe im Anfang ſei - nes Buchs der Phyſicæ inauditæ Col. 3 §. 8: Er ſey mit Anruf - fung des Vaters der Lichter und fleißiger Arbeit zu hoͤherer Erkennt - niß kommen, als ſein Maitre ſelbſt; welches ſich der bekannte Iſaac Hol - landi auch ruͤhmet ꝛc. Nun ſind zwar Arbeit und Gebet keine ver - werffliche Mittel, ja die noͤthig - ſten und vornehmſten, woruͤber Helmontius und Hollandi zu lo - ben; aber hierinnen gehet man zu weit, daß man darneben von ſonſt gewoͤhnlichen Mitteln der Inſtru - mental-Wiſſenſchafften nichts hoͤ - ren will, ſondern ſolche gantz bey - ſeiten ſetzet, auf unmittelbare Er - leuchtung faͤllt, welches ſonderlich die Alchimiſten oder Goldmacher zu thun pflegen; allein es ſind vie - le ſolcher beruͤhmten Acquereurs, mit welchen es zuletzt gemeinig -A 5lichActlich auf einen Betrug hinaus laufft; wie denn einige, ob ſie gleich vor groſſe Herren tingiret, und Gold gemacht haben ſollen, letzt - lich in groſſer Armut geſtorben, oder gar am Galgen in Flitter - Gold aufgehenckt worden.
Eine in einem Schau-Spiele agirende Manns-Perſon.
Eine Bewegung des Mauls, Spielung der Zunge und Kinn - backens des Pferds, welches in - dem es das Gebiß kauet, ſich das Maul erfriſchet, und ein Kenn - zeichen des Vermoͤgens, des Feuers und der Geſundheit iſt; dergleichen Pferde ſind gemeiniglich gelind und weichmaͤulicht, wenn ſie an - ders nicht mit harten Faͤuſten und ſcharffen Gebiſſen verdorben und harte gemacht werden.
Sind die Bezeigungen und Ge - berden eines Reuters zu Pferde, ſo - wol mit dem Leib, Geſicht, als Haͤn - den und Fuͤſſen; welche entwe - der wohl anſtaͤndig, oder ungeber - dig ſeyn. voyez Geſtes.
Eine agirende Weibs-Perſon in einem Schau-Spiele.
Sind in einem Schau-Spiele die Handlungen oder Haupt-Thei - le, deren insgemein 5 ſind: Pro - logus, Protaſis oder Eingang; Epi - taſis, Fortgang; Cataſtaſis, Ver - wirrung; Cataſtrophe, Vorberei - tung zur Auswickelung und Epilo - gus, Schluß. Sie werden wieder in ihre Scenen oder Auftritte einge - theilet.
Wirfft ſich im Anhalten oder Zu - ruͤckziehen mit der Groppa ein oder aus, und begiebt ſich aus der Ordnung. Nechſt dieſen, wenn es arbeitet in den Volten, avanciret es nicht genug bey iedem Tempo, auch ergreiffen ſeine Schultern nicht gnug Terrain, wenn die Groppa zu viel dem Centro der Volta ſich naͤhert: wovon die Ur - ſache iſt, weil der Reuter die Fauſt nicht verwendet, und es mit dem inwendigen Schenckel auswerts getrieben hat; ſo iſt es in ſolche Unordnung gerathen, ſo aber noch zu corrigiren iſt.
Ein in der Muſic gebraͤuchliches Jtalieniſches Wort, ſo gemaͤchlich oder langſam bedeutet.
Jſt derjenige Stand, welcher uͤber die Buͤrger erhoben iſt. Ob - gleich bey allen wohlgeſitteten Voͤl - ckern der Adel beſondere Vorzuͤge, Rechte und Freyheiten zu ieder Zeit genoſſen; ſo hat dennoch Deutſchland oder das H. Roͤmi - ſche Reich ſeinen Adel mit beſon - dern Vorzuͤgen verſehen. Man pfleget denſelben einzutheilen in den hohen und niedern Adel. Zu dem hohen Adel zehlet man Kayſer, Koͤnige, Hertzoge, Fuͤrſten, Gra - fen und Freyherren; den niedern Adel aber machen eigentlich die ſogenannten Edelleute aus. Der gantze Grund des hohen und nie - dern Adels beruhet auf der freyen Geburt und der im Kriege bezeig - ten Tapfferkeit. Der niedere Adel, welcher ſeinen Urſprung den Inge - nuis zu dancken hat, ward ehemahls milites, militares, homines de mi - litari genere, Ritter, Rittermaͤſ -ſigeAdeſige, Ritterbuͤrtige genennet, und war verbunden, beſonders zu Pfer - de Kriegs-Dienſte zu verrichten, wozu denn in damaligen Zeiten auch niemand als Ingenui oder Freye Leute gelangen konten. Er iſt entweder unmittelbar, oder mit - telbar; jener iſt der eigentlich ſo - genannte Reichs-Adel, durch die - ſen aber verſtehet man den Land - ſaͤßigen Adel. Unter dieſen bey - den iſt iedoch kein Unterſcheid, was die Rechte und Vorzuͤge des al - ten Adels betrifft, wenn er Geſetz - und Statuten-maͤßig bewieſen worden. Ferner wird der Adel eingetheilet in den alten und neu - en. Den neuen Adel nennet man, wenn einer durch ſein Wohlverhal - ten die Befreyung von den buͤr - gerlichen Beſchwerden genieſſet, und den Adelſtand auf ſich und ſeine Familie bringet. Hingegen iſt der alte Adel, welcher den von Vater und Mutter, und derſel - ben Groß - und Elter-Vater, auch Groß - und Elter-Mutter vor al - ters her ererbten Schild und Helm auflegen, und ſein adeliches Ge - ſchlecht und Herkommen mit vier, acht, ſechszehen oder mehr Ahnen zu beweiſen im Stande iſt. Und dieſe nennet man daher vier-acht - oder ſechszehen-ſchildige Edelleu - te, Rittermaͤßige, Lehnbare, Schil - des - und Wapens-Genoſſen, rech - te Edelgebohrne, rechtgebohrne Le - hens-Turniers-Genoſſen und rechtmaͤßige ritterliche Adels-Ge - noſſen, zu Schild und Helm, Rit - ter - und Stiffts-maͤßig Gebohr - ne, Ritterbuͤrtige und Stiffts - maͤßige Adels-Perſonen, Ritter - und Landtags-faͤhige Adeliche, vollbuͤrtige Ritters-Leute, die ih - re Ahnen mit Schild und Helm be - weiſen koͤnnen, die Ritter - undAdeStiffts-maͤßigen Herkommens ſind ꝛc. Deren Vorzuͤge waren ehe - deſſen das Recht, zu Rittern ge - ſchlagen zu werden, bey Turnie - ren und Ritter-Spielen zu er - ſcheinen und ſelbigen beyzuwoh - nen, Wapen mit Schild und Helm zu fuͤhren, ſich mit keinem, der nicht ſeine vier Ahnen erwei - ſen kan, wider ihren Willen in Kampf einzulaſſen, allein Ritter - Guͤter zu erlangen, allein zu de - nen Lehn-Land - und Malefitz-Ge - richten gezogen zu werden. Sie koͤnnen nicht nur zu den hoͤchſten Ehren und Wuͤrden gelangen, ſon - dern die meiſten geiſt - und weltli - che Ritter-Orden und hohen Stiffter in Deutſchland nehmen keinen Fuͤrſten, Grafen, Frey - herrn und Edelmann unter ihre Mitglieder auf, welche nicht de - nen Statuten wegen vollfuͤhrter Ahnen-Probe vorher Gnuͤge ge - leiſtet haben. Zur Sitz und Stim - me auf den Land-Taͤgen wird auch niemand zugelaſſen, als welcher ſeine erforderliche Ahnen vorgelegt und erwieſen. Man findet auch noch eine andere Eintheilung in den Hof - und gelehrten Adel: Zu jenem gehoͤren die Hof - und Kriegs - Chargen, unter dieſen aber zehlet man die Doctores gewiſſer Facul - taͤten. Sonſt kan man von dem Adel in Pohlen unten nachſehen, unter dem Titel Polniſcher Adel; von dem alten Roͤmiſchen Adel un - ter Nobilis, und von dem Venetiani - ſchen unter Nobili di Venezia.
Jſt ein Diploma, darinnen der Kayſer, oder ein anderer Fuͤrſt, der ſolches Recht hat, einen Buͤr - ger fuͤr einen Edelmann erklaͤret und mit einem gewiſſen Wapen be -ſtaͤti -Adeſtaͤtiget. Am Kayſerlichen Hofe iſt die Taxe eingefuͤhret, daß fuͤr einen Fuͤrſten-Brief 12000, fuͤr einen Grafen-Brief 4000, fuͤr ei - nen Freyherren-Brief 2000, und fuͤr einen Ritter - oder Adel - Brief 200 Thaler, ohne die Acci - dentien, ſo dem Cantzler, Secre - tario und der Cantzeley gehoͤren, bezahlt werden ſollen. Dieſe Di - plomata muͤſſen bey Verluſt des neu-erlangten Adels innerhalb 3 Monaten, aus der Reichs-Can - tzeley abgeloͤſet werden.
Jſt ein gewoͤhnliches Vorſorge - Mittel bey den Pferden, welches im Fruͤhling und Herbſte pflegt vorgenommen zu werden, und auch bey vielen Kranckheiten derſelben gebraucht wird. Denen Pferden aber, ſo unter vier Jahre ſind, in - gleichen den Wallachen und denen alten wird keine Ader geſchlagen. Was dabey zu beobachten ſey, ſol - ches kan man im Oeconomiſchen Lexico nachleſen, woſelbſt auch die Mittel an die Hand gegeben wer - den, wenn ein Pferd die Adern verruͤcket oder verſtoſſen, daß es davon hincket.
Wird fuͤr den Koͤnig aller Voͤ - gel gehalten, und iſt der groͤſſeſte, ſtaͤrckeſte und geſchwindeſte unter allen Raub-Voͤgeln, er iſt ſo groß, daß auch der groͤſte Mann ſeine Fit - tige nicht ausklaftern kan, ſchwaͤrtz - licher und dunckel-brauner Farbe, hat einen aſchefarbenen am Ende etwas gekruͤmmten mehr groſſen und breiten als langen und ſpitzigen Schnabel, gelbe Fuͤſſe, lange ſtar - cke und gekruͤmmte Klauen oder Faͤnge; die Augen liegen ihm hohl und tieff im Kopffe, und ſe -Adlhen faſt feurig oder ſaffran-gelb aus, der Schwantz aber iſt ziem - lich kurtz. Er hat einen ſcharfen Wind, und vermercket ſeine Nah - rung unglaublich weit von fern. Er horſtet in hohen unwegſamen und unerſteiglichen Stein-Klippen, oder in groſſen Waͤldern an einſamen und duͤſtern Orten auf hohen Tan - nen, und weiß ſich ſo wohl in acht zu nehmen, daß, wenn der Weide - mann ihn zu ſchieſſen ſich verborgen dabey anſtellet, er es alsbald ver - mercket, und ſeinen Jungen den Raub im Vorbeyfliegen und ohne zu fuſſen vorwirfft. Er bleibet gerne in ſeinem einmal erwehlten Horſte, welchen er nicht leicht ver - aͤndert. Seine Nahrung ſind meiſtentheils Haaſen, und ſoll er Steine in ſeine Faͤnge nehmen, ſel - bige uͤber denen Hecken und Dorn - Buͤſchen fallen laſſen und damit die Haaſen ſprengen: auch greifft er Rehe und Hirſche an, und un - terſtehet ſich, wo er nur etwas Bloͤſſe findet, ſolche zu wuͤrgen und zu ſchanden zu ſchlagen. Ob er gleich drey Eyer leget und be - bruͤtet, ſoll er doch nicht uͤber zwey Junge ausbringen. Nach Ge - wohnheit anderer Raub-Voͤgel wirfft er alle Morgen ſein Gewoͤl - le, das iſt, er ſpeyet die Haare und Federn aus, welche ſich in ſeinem Kropfe von dem von ihm den vor - hergehenden Tag gefreſſenen Raub oder Aetzung geſammlet. Er hat eine harte und dauerhaffte Natur, und erreichet deswegen ein hohes Alter: ie aͤlter er wird, ie aͤrger und wilder bezeiget er ſich. Wie er denn auch nicht anders als vor Hun - ger ſterben ſoll. Seine Zufaͤlle im hoͤchſten Alter ſind bloͤde Augen, welche er durch ſtetes Einſehen in das Sonnen-Licht, dadurch dieDun -AdmDunckelheit ſich verzehret, wieder ſtaͤrcket; das Ausfallen der Federn, welche iedoch wieder wachſen, da er indeſſen von ſeinen hierzu abge - richteten Jungen ernaͤhret wird, und daß ihm der obere Theil des Schnabels, ſo noch immerzu waͤch - ſet, allzuweit und krumm uͤber den untern hervorraget, und die Spei - ſen zu faſſen und zu genieſſen ver - hindert, welchen er iedoch an ei - nem ſcharfen Felſen abwetzet und kuͤrtzer macht, und ſich auf ſolche Art beſtaͤndig verjuͤngert. Man findet derſelben verſchiedene Arten, an Farben ſo wol ſchwaͤrtzlichte als braͤunlichte, groſſe und kleine, von welchen die edelſten ſich nur allein vom friſchen und gefange - nen Wildpret und lebendigen Thie - ren, nebſt ihren Jungen, naͤhren, die andern aber, wie die Geyer, ſich mit dem Aaſe oder Luder her - um ſchleppen. Jn der Heraldic deutet der zweykoͤpfigte oder dop - pelte ſchwartze Adler den Roͤmi - ſchen Kayſer oder das Roͤmiſche Reich an; der weiſſe im rothen Felde Pohlen, der ſchwartze Preuſ - ſen, der rothe im weiſſen Felde die Marck Brandenburg ꝛc.
Jſt ein fingirter Nahme eines Pferds, welches in eines groſ - ſen Herrn Marſtall auf ein Taͤf - lein geſchrieben, und uͤber des vor - nehmſten Leib-Pferdes Stand aufgehaͤnget iſt, damit man die Pferde, wo ihrer viel ſtehen, von einander unterſcheiden kan; man pflegt gemeiniglich auch noch die Nahmen der Eltern darunter zu ſetzen, damit man gleich weiß, von was Art und Nation ſie gefal - len ſind.
Jſt bey einem Orgelwerck, wenn diejenige Art Pfeiffen, ſo unten weit und oben zugeſpitzet, und al - ſo mehr als halb gedackt ſind, 8 Fuß Ton halten; die Niederlaͤn - der nennen ſie Koppel-Floͤten, und klingen ſie faſt wie eine Viol di Gamba.
Jſt bey einem Orgelwerck das Principal, deſſen unterer Clavis nicht uͤber das Chormaaß C gehet, ſon - dern 8 Fuß Ton hat, wie der Baß in einer Menſchen-Stimme.
Heißt in der Algebra, wenn man durch Gegeneinander-Haltung und Verſetzung der verſchiedenen Theile und Umſtaͤnde, ſo ſich bey einer vor - gelegten algebraiſchen Frage befin - den, 2 gleiche Groͤſſen heraus bringet.
Die Sache iſt noch in æquili - brio, das iſt, auf beyden Seiten gleich, welches auch in der Reit - Kunſt ſo wol bey dem Pferde als bey dem Reuter zu beobachten; welches beederſeits eine Feſtigkeit bringt.
Ein gleich-lautender Ton, ent - ſtehet, wenn in zwo oder mehr Stimmen einerley oder gleiche Klaͤnge mit einander zugleich ge - hoͤret werden.
Jſt in der Muſic eine mit an - dern zugleich und auf gleiche Art fortgehende Stimme.
Jſt ein junger Habicht, welcher,daAetda er ſchon auf den Aeſten der Baͤume etwas herum huͤpfen koͤn - nen, zum Abrichten eingefangen worden.
Wird von jungen Voͤgeln ge - ſagt, die erſt ausgekrochen ſind, wenn man ſolche ſpeiſet. Solcher Geſtalt wird auch der Habicht ge - aͤtzet, und wenn er ſatt und ge - nug hat, ſagt man: Er hat einen guten Kropff.
Jſt eine gewiſſe Bewegung des Gemuͤths und der Sinnen, dem guten nachzuſtreben, und das boͤ - ſe zu vermeiden, auch ein iedes natuͤrliches Leiden oder Kranckheit, mit welcher der menſchliche Coͤr - per behafftet iſt. ſ. Lex. Phil.
Die Zuneigung der Pferde iſt ein ſehr noͤthiges Stuͤck, die Pfer - de von Anfang damit zu uͤberwin - den, daß ſie um ſelbiger willen alles gerne leiden, was ihre Unter - weiſung erfodert; denn ſo fern es der Reuter bey dem Pferd dahin brin - gen kan, daß es ihme geneigt iſt, und ein Vertrauen zu ihm hat, wird ihm daſſelbe in allen Faͤllen vielmehr um der Liebe, als we - gen anderer, ſonderlich der Straff - Mittel, in aller Unterweiſung wil - lig gehorſamen. Voyez Careſſe.
Ein in der Muſic gewoͤhnliches Jtalieniſches Wort, ſo ſehnlich, nachdruͤcklich, hertzbeweglich bedeu - tet, und den Affect der Liebe aus - druͤcken oder ruͤhren ſoll.
Heiſt ein Pferd abmatten, ſchwaͤ - chen, qvaͤlen und plagen, das ge -Ageſchiehet offt von unverſtaͤndigen Reutern, ſo wohl auf der Reit - Bahn (welche nicht koͤnnen auf - hoͤren, ob ein Pferd gleich ſein De - voir willig thut) als auch uͤber Land, auf der Jagd, im Krieg ꝛc. da man einem Pferde uͤbernatuͤrliche Din - ge zumuthet, es aus dem Athem ja - get, und nicht einmahl verſchnauf - fen oder verblaſen laͤſt; anderer Ausmergelungen zu geſchweigen.
Nennet man ein Barbariſches Pferd, weil ſie in der Arabiſchen Wuͤſten und derſelben Gegend fal - len und erzogen werden, worin - nen es auch viel Loͤwen giebt, wel - che entſetzlich nach dem Raub bruͤl - len; welches dieſe Pferde gewoh - nen, und ſolches ohne Entſetzen anhoͤren koͤnnen, welches kein an - ders Pferd vermag; ſind ſonſten ſehr zart und gelernig.
Heißt bey den Foͤrſtern das windfaͤllige, wipffelduͤrre, ſchnee - bruͤchige Holtz.
Nennen die Jaͤger die 2 kleine Klauen, ſo den Hirſchen, Wild - pret, Sauen und andern Thie - ren, hinten an den Laͤufften uͤber den Ballen heraus gewachſen ſind. Aus dieſen Affter-Klauen iſt der Hirſch in der Faͤhrte, als einem der kenntbareſten Zeichen, vor ei - nem Thiere zu erkennen.
Sind in der Foͤrſterey die abge - hauenen Stuͤcke von den Baum - Staͤmmen in den Waͤldern, Aeſte und Reiſig.
Heiſt niederknien, und dieſes ge -ſchiehetAgiſchiehet, wenn ſich ein Pferd ge - nugſam auf die Vorderknie nieder - laͤſt, daß ein groſſer Herr, oder unbehuͤlfflicher Reuter commode auf - und abſitzen kan; ſolches muß ihm, im Stand auf der Streue anfaͤnglich mit Hefft-Zuͤgeln geler - net werden, daß es hernach auch auf den Knien etliche Schritte fort kriechet, auch im Nothfall unter einem Schlag-Baume durch, wo - durch mancher Soldat im Nach - ſetzen ſein Leben ſalviret hat, da des Feindes Pferd nicht ſo kuͤnſt - lich geweſen, ihm nachzukriechen, und uͤberzuſetzen, iſt ihm der Schlagbaum auch zu hoch vor - kommen.
Ein gewandtſames hurtiges Pferd, welches in allen Actionen zu gebrauchen, abſonderlich vor ei - nen Soldaten beqvem, wenn es gelenck, und ſich mit der Fauſt laͤſt rechts und lincks umwerffen, daß er ſeinem Feinde kan begegnen, wo er ihn attaquiret.
Etwas handeln, verrichten, kla - gen wider einen, einen vexiren, auch wider den Feind agiren, z. E. Pferde treiben, ſie ſcheu machen.
Jſt ein thaͤtig, arbeitſames, mun - teres Pferd, welches nicht allein auf der Reit-Bahn wohl zu gebrau - chen, ſondern auch zu allen an - dern Geſchaͤften dienlich, welches 1) die hierzu gehoͤrige Leibes-Diſ - poſition 2) die voͤllige Geſundheit beſitzet, 3) und wenig Kranckhei - ten ausgeſtanden, noch 4) bereits verderbet worden, 5) die beſte Ver - pflegung genieſſet, und 6) in ſteti - ger Uibung verbleibet.
Jſt dasjenige Stuͤck einer mu - ſicaliſchen Miſſæ, welches in der Roͤmiſch-Catholiſchen Kirche bey Adminiſtrirung der Hoſtie abge - ſungen wird: Es iſt aus dem er - ſten Capitel des Evangelii Johan - nis genommen, und von dem Pabſte Sergio I ums Jahr 688 an - geordnet worden.
Deutet uͤberhaupt eine Manier in der Muſic an; bey einigen Frantzoͤſiſchen Organiſten aber iſt es inſonderheit ein Trillo oder Tremblement, und bey noch an - dern ein Pincement.
Heiſt ein erfahrner geſchickter ſchoͤner und fermer Reuter; wie er dann dieſe Eigenſchafften ſoll an ſich erſcheinen laſſen, und in allen Reuter-Lectionen die Voll - kommenheit erweiſen, deßgleichen in andern Adelichen galanten Exer - citien zu Roß die behoͤrige Ge - ſchicklichkeit leiſten.
Alſo nennet man die Vorfahren oder Aſcendenten der Edelleute, wie ſolche bey groſſen Herren oder dem hohen Adel Anherren, und bey buͤrgerlichen insgemein Groß-El - tern oder Vorfahren genennet wer - den.
Jſt eine gewiſſe Handlung, nach welcher diejenige Edelleute, ſo ſich der Rechte und Vorzuͤge des alten Adels erfreuen wollen, nicht al - lein ihre Ahnen-Tafel und An - zahl derſelben vorlegen, ſondern auch ihren unbefleckten und unver - letzten Adelſtand alſo erweiſenmuͤſ -Ahnmuͤſſen, wie es die Deutſchen Ge - wohnheiten, Geſetze und Statuta uͤberhaupt, oder eines ieden Lan - des oder hohen Stifftes erfodern.
Jſt ein ſonderbares, durch die Sitten und Gewohnheit der Deut - ſchen eingefuͤhrtes, und durch Ge - ſetze, Statuten und Privilegien beſtaͤtigtes Recht, krafft deſſen alle diejenige von Adel, welche das Alter ihres unbefleckten und unta - delhafften Adels aus einer gewiſ - ſen, in ununterbrochener Reihe fort - gehenden Anzahl ihrer adelichen Vorfahren oder Ahnen gebuͤhrend zu erweiſen vermoͤgend ſind, allen andern, deren Adel entweder neu, oder mit einem Flecken behafftet iſt, vorgezogen, und mit Aus - ſchlieſſung derſelben alleine zu Tur - nieren, ritterlichen Spielen, Car - rouſelen, zu denen vornehmſten adelichen Collegiis, zu Ganerb - ſchafften, zu den wichtigſten Wuͤr - den, geiſt - und weltlichen Ehren - Stellen und Praͤbenden zugelaſ - ſen werden. So kan in Polen kein Edelmann zu einer Geſandtſchafft, Senatur, oder andern oͤffentlichen Ehren-Stelle gelangen, bis er ſechs-ſchildig ſtehet, und 3 adelich gebohrne Ahnen von vaͤterlicher und eben ſo viel von muͤtterlicher Sei - te zehlen kan.
Einem Pferd helffen, die Huͤl - fe geben, heiſt eigentlich ſeine Ar - beit nach rechter und Lections-Ge - buͤhr machen, und alle Tempi ob - ſerviren, das Pferd in rechter Ju - ſteſſe zu erhalten. Daher Aides die Huͤlffe iſt, ſo ein Reuter durch einen moderaten Gebrauch des Zaums und Zuͤgels, der Sporn,AirSpießruthe, und die Bewegung der Schenckel und der Stimme zu geben weiß, entweder leiſe, mit - telmaͤßig oder ſtarck, nachdem es vonnoͤthen iſt, welches auf des Reuters Judicium ankommt.
Ein Pferd erbittern oder erzuͤr - nen, das geſchiehet offt durch rude Reuter, welche nicht aufhoͤren koͤnnen, ein Pferd um einen gerin - gen Fehler zu ſporen, zu peit - ſchen, und ſolchergeſtalt zu allar - miren, daß es gantz deſperat wird und anfaͤngt ſich zu widerſetzen, dem Reuter nach dem Schenckel zu beiſ - ſen, ihn an die Wand zu druͤcken, und auf allerhand Weiſe ſich dar - gegen zu wehren ſucht.
Ein Pferd einneſteln oder ein - ſchnuͤren, das geſchiehet meiſtens an denen Springern, denen man ſowol die Maͤhne als die Schweiff-Schei - de mit Schnuͤren und Qvaſten ein - ſchnuͤret, ſo zur Zierde iſt, und einem Pferde ein weit beſſers Anſehen macht.
Die Schenckel anfuͤgen, oder an - legen, welches geſchiehet, wenn der Reuter dem Pferde die Schenckel - huͤlffen im Tummeln giebt, daß es deſto beſſer gehorchet, und ſeine Schulen vollfuͤhret. v. Joindre.
Hat ſehr vielerley Bedeutun - gen: auf der Reit-Bahn heiſſet es die Bewegungen und gehoͤrige Maaſſe ſeiner Lectionen, ſo mit deſſen natuͤrlichen Ordnung wohl uͤbereinſtimmt. Aires werden auch die Lectiones genennet, abſonder - lich die Schulen en haut uͤber der Erden, und luͤfftigen Spruͤnge.
AirAuf dem Tantz-Boden heiſt, die aͤuſſerliche Zierlichkeit des Lei - bes und der Geberden durch alle Glieder deſſelben, wann einer ſei - ne Schritte Regelrecht formiret, daß ſich dieſelben mit Haͤnden, Kopffe und gantzem Leibe wohl zu - ſammen ſchicken, die Cadence Re - gelrecht in acht nimmt, wie auch die Figuren wohl machet, und alsdenn von innen heraus mit ſei - ner Gemuͤths-Bewegung, ſo von ſeinem Naturell, Neigung, Stand, Charge, Profeſſion &c. herſtam - met, in alle vorangezogene Dinge gehet, und ſie entweder natuͤrlich, oder durch fleißige Uibung ange - nommener Weiſe gleichſam abwuͤr - tzet, tingiret, und ihnen ihr Bril - lant mit einer Anmuth und gehoͤ - riger Decence giebt, ſo heiſt ſol - ches mit einer wohlanſtaͤndigen Air gemacht. Dieſes Air iſt nun dasjenige, was den Ausſchlag bey einem Taͤntzer giebet, und das Ge - muͤth, wie es an ſich ſelbſten iſt, aͤuſſerlich entweder als wohl geſit - tet, oder als diſſolut vorſtellet und ins Geſicht bringet, und aller Au - gen und Gemuͤther an ſich ziehet.
Jn der Muſic bedeutet ein Lied, eine Melodie. Die Frantzoͤſiſchen Airs beſtehen aus einer kurtzgefaß - ten, an einander hangenden und mit wenig Paſſagen verſehenen Me - lodie; weßwegen ſie auch ohne Ac - compagnement und cavalliere - ment koͤnnen geſungen werden.
Jſt die Bewegung der Pferde, ſo ſie hoͤher als bey der Erde, Ter - re à terre machen, welches en hautAligeſchicht, wann ſie Falcaden, Cour - betten, Croupaden, Ballotaden machen und Capriolen ſchneiden ꝛc.
Ein Pferd abrichten, zureiten.
Jſt das moͤrderliche Geſchrey derer Tuͤrckiſchen Spahi, womit ſie ihre Feinde in voͤlligem Lauff der Pferde zu erſchrecken gedencken, um ſie dadurch in Confuſion zu bringen, und ſie deſto ehender zu uͤberwinden, welches ihnen zuwei - len gegluͤcket, wenn ſie dadurch ih - re Feinde zertrennt haben.
Ein Orientaliſcher Raub-Vo - gel, der ſich zum Rebhuͤnner-Fan - ge abrichten laͤſſet.
Ein ſtichelhaͤriges Pferd roͤthli - cher Farbe, deſſen Maͤhne und Schweiff entweder roth oder weiß. Es giebt eine Art, Alezan brulé ge - nannt, ein Schweiß - oder Brand - Fuchs; dieſes iſt insgemein ein Zeichen guter Art und eines treff - lichen Pferdes, von welchem man zu ſagen pflegt: Dieſer Fuchs ver - leugnet ſeine Haare nicht, und trifft das Sprichwort mehrentheils ein: Alezan brulé plûtôt mort, que laſſé, der Brand-Fuchs laͤufft ſich eher zu Tode, als daß er laſch oder faul wird. Die andre Gattung, Alezan clair, Licht - oder Hell - Fuchs, mit weiſſen Extremitaͤten, hingegen iſt von geringem Ver - moͤgen und ſchlechter Dauer; da - hero auch ihr Preis ſich verringert. Voyez Bay.
Die Verpflegung der Pferde,Ritter-Lexic. BwirdAliwird ſchier bey ieder Nation ver - aͤndert. z. E. Jn Deutſchland fuͤt - tert man gemeiniglich nebſt dem Heu, auch Haber, Gerſten oder Rocken. Jn Jtalien eſſen die Pferde Speltz. Jn Spanien, (ſonderlich in Valentia) Johan - nis-Brot. Jn Engelland grob gebacken Brot; in den aͤuſſerſten Mitternachts-Laͤndern, muͤſſen die Pferde gedoͤrrete Fiſche mit den Menſchen eſſen. Jn Tuͤrckey wer - den die vornehmſten Pferde mit Zirbel-Nuͤſſen, Mandeln, Wein - beeren, Feigen und Datteln geſpei - ſet, und zum Uiberfluß mit Saf - fran, Balſam, Zimmet und andern koͤſtlichen Materien gewuͤrtzet, ſo aber den Pfer[de]n mehr ſchaͤdlich als nuͤtzlich iſt, und nur um Prachts willen, oder aus Creatur-Liebe geſchicht.
Jſt die Lebhafftigkeit eines geſun - den Leibes, in welchen vermittelſt des taͤglich neuen Nahrungs-Saff - tes, wenn ſolcher zubereitet, oder gaͤhrend in die zu ernehrende Thei - le gehet, das Gebluͤt und die geiſt - reichende Subſtantz ſtets zu ihrem Lauff und Bewegung erneuert wird.
Heiſt ein Pferd erleichtern, oder freyer und leichter machen, ſo wohl von vorn an der Bruſt, als hinten an der Groppa: z. E. Das Pferd iſt zu ſchwer von Schultern, und gleichſam an die Erde geheff - tet, daß man Muͤhe haben wird, es zu erleichtern, ſo bediene man ſich eines Naſebandes, und bringe es (ſous[l]ui) unter ſich mit den hintern Schenckeln, und ſetze es auf die Demihanche. v. Enſemble.
Wird nicht allein in der Muſic gebraucht, ſondern auch auf der Manege, wann ein Pferd tantzet, und im Redop ſich geſchwind her - um tummelt, zuweilen drein ſtreicht, und in Courbetten hurtig und muthig avancirt, und die Croupaden freudig beſchlieſt ꝛc.
Freudigkeit eines Pferds iſt, welches ſich aus Luſt luͤfftig im Springen erzeiget. Dieſes Pferd ſoll nicht darum geſtrafft werden, ob gleich ſolche Allegreſſe in der Abrichtung nicht à propos kommt, es waͤre dann, daß es ſich aus Bos - heit damit defendiren wolte, und auch alsdenn ſoll die Beſtraffung doch mit Beſcheidenheit geſchehen, damit man ihm dadurch ſolche Diſpoſition nicht benehme, und in der Erforderung nicht mehr erhal - ten moͤge.
Siehet, wenn ſie ein Tantz ſeyn ſoll, einem Rigaudon viel aͤhnli - cher, als einer Allemande. Jn der Muſic aber iſt Allemanda eine aufrichtige deutſche Erfindung, und gehet vor der Courante, wie dieſe vor der Sarabanda und Gique her; welche Melodien-Folge eine Svite genannt wird. Sie iſt ei - ne gebrochene ernſthaffte und wohl - ausgearbeitete Harmonie, welche das Bild eines zufriedenen und vergnuͤgten Gemuͤths traͤget, ſo in guter Ordnung und Ruhe ſcher - tzet. Sie wird nicht geſungen, und kommen die Jtalieniſchen Vio - liniſten der deutſchen Art viel naͤ - her, als die Frantzoſen.
Allen -Bedeutet in der Muſic einen Gang aus der Hoͤhe in die Tieffe.
Reuten oder zu Pferd ſteigen, iſt eine Wiſſenſchafft, welche zu - gleich den Reuter und das Pferd unterweiſet, daß er eine gute Ge - ſtalt und wohlanſtaͤndige Poſitur erlanget, darneben ein Pferd in Stand ſetzet, ſich wohl zu præſen - tiren, die Huͤlffen wohl anzuneh - men, die Straffen zu fuͤrchten, damit es koͤnne auf der Reitbahn, im Kriege, auch zuweilen zur Pracht, und oͤffentlichen Schau - ſpielen, bey angeſtellten Feſtivitaͤ - ten ꝛc. dienen.
Hinterwerts reuten, oder hinter einem zu Pferde ſitzen, das geſchicht oͤffters im Kriege, da ieder Reuter einen Muſquetier muß hinter ſich auf ſein Pferd nehmen, um eine gewiſſe Unternehmung gegen den Feind in aller Eil auszufuͤhren. Etliche Bereuter pflegen ſich auch zuweilen hinter einen Scholaren aufs Pferd zu ſetzen, ihnen da - durch eine gute Fauſt zu fuͤhren, und ein Pferd auszuarbeiten ler - nen; es muß aber auf einem ſchon thaͤtigen Pferde geſchehen, immaſ - ſen ſie ſonſt beyde zugleich herunter geworffen werden koͤnnen.
Gang oder Schritt eines Pferds, ſo ſich nicht hoch aus dem Boden hebt. z. E. Dieſer Barbar hat treff - lich-ſchoͤne Ringfertigkeit, wider die gemeine Art der Barbarn, wel - che faſt uͤber ein Kegelſpiel ſtol - pern, nichts deſto weniger ſind ſie doch lebhafft, angenehm, geler - nig, und ſehr zart von Leib undAltGliedmaſſen. Jtem, dieſes Fuͤllen hat einen kaltſinnigen langſamen Gang, das iſt, weiln es nicht gnugſam ſeine Knie bieget, und die Schenckel ſo wenig erhebt, als wann es einen Teppich wolte[r]a - ſiren.
Alſo genannt, weil ſie vielfaͤltig vor die Pferde gebraucht wird, iſt gantz trocken, ſandig, unrein, ſchwer und ſchwartz, und hat we - nig Safft.
Jſt eine Gattung der Falcken aus dem Geſchlechte der Lanier, koͤmmt aus Tunis in der Barba - rey in Africa.
Jſt in der Singe-Kunſt die hoͤ - here unter den Mittel-Stimmen, welche ihren Nahmen ab altitudine hat, dem Diſcant nahe koͤmmt, und mehr Claves aus dieſes als aus des Tenors ſeinem Syſtemate annimmt.
Einer, der den Alt ſinget: Er muß das g mit einem Striche im Cammer-Ton mit voͤlliger Stim - me erreichen koͤnnen. Alto con - certante, der concertirende Alt, iſt die Alt-Stimme des erſten oder kleinen Chores, welcher aus den beſten und fertigſten Saͤngern be - ſtehet. Alto ripieno hingegen iſt der Alt des groſſen Chores, wel - cher nur zur Ausfuͤllung und Ver - ſtaͤrckung bisweilen in einem mu - ſicaliſchen Stuͤcke mit gebrauchet wird. Alto rivoltato, der umge - kehrte Alt iſt, wenn dieſe Stimme in den alſo genannten Contra - puncten zu einer andern StimmeB 2gemachtAmbgemacht und dahero verkehrt wird. Alto viola iſt die Alt-Partie in Jn - ſtrumental-Sachen.
Das iſt: Wann ein Wort zwey - erley Verſtand hat. z. E. Wann der Verkaͤuffer ſagt: Er ſtehe gut vor das Pferd, verſtehet aber dadurch ſeine Perſon, und nicht das Pferd, oder aber, er wuͤſte keinen Man - gel am Pferd, als daß es auf kei - nen Baum ſteige, und verſtehet dadurch eine Bruͤcke mit Baͤumen belegt woruͤber das Pferd Scheuig - keit wegen keinen Fuß auf dem er - ſten Baum oder Bruͤckholtz ſetzet; ſo aber ein Betrug iſt.
Jſt ein ehrgeitziges Pferd, wel - ches mit hoffaͤrtigen Geberden pranget, und einen rechten Stoltz von ſich ſehen laͤſt, abſonderlich wann es dreßirt, und mit koſtba - rem Sattel und Zeug beleget iſt, welches ſeinen Ehrgeitz und Stoltz mercklich vermehret.
Der Umfang, wird die moͤgli - che Hoͤhe und Tieffe einer ſingen - den Stimme oder Jnſtrumentes genennet. Es bedeutet auch die Grentzen, in welchen die nach ih - ren Modis eingerichtete Choral - Lieder eingeſchloſſen ſind.
Jſt ein Gang oder Antritt, deſ - ſen Bewegung geſchicht, wenn ein Pferd die beyden Schenckel einer Seiten zugleich hebet, und wann es ſelbige wieder nieder ſetzet, ſol - ches auch mit den andern beyden thut, und alſo ſtets eins ums an -Amedere continuiret. Dieſen Gang haben die Fohlen von Natur, ſo lange bis ſie die Staͤrcke bekom - men, daß ſie traben koͤnnen. Franc d’ amble wird geſagt von einem Pferde, das an der Corda oder Leine den Amble-Gang wohl ge - het; weiln er der commodeſte Gang uͤber Land iſt.
Ein muſicaliſches Kunſt-Wort, bedeutet das kleine Hoͤltzgen, ſo an den Violinen in wendig unter dem Stege aufgerichtet iſt.
Die Seele des Pferdes iſt zwar nicht vernuͤnfftig, doch iſt dieſem Thier eine ſolche Seele gegeben, die die Creatur regieret, und ſind ſie mit unterſchiedlichen Seelen begabet, auch iſt eine immermehr den Menſchen zu verſtehen, oder etwas zu faſſen, faͤhiger als die an - dere, ie nach der Gabe, die der Schoͤpffer in ſie geleget hat. Was aber eigentlich dieſe Seele ſey, oder wo ſie ihren Sitz habe, hat noch kein Anatomicus recht er - gruͤndet; nur ſo viel kan man be - greiffen, und iſt gantz gewiß, daß es nicht bloß in dem Blut, ſon - dern etwas beſonders ſey, daß das gantze Corpus regieret, und nach dem Tode gleich verſchwindet.
Ein Edelgeſtein, welcher an Schoͤnheit nechſt dem Schmaragd geſchaͤtzet wird, wann er in Rau - ten geſchliffen iſt, ſpielt er helle, wenn er aber nur platt polieret, ſcheint er etwas dunckel. Die haͤrteſten und theureſten kommen aus Orient, Jndien, Arabien, Ar - menien, und ſind meiſt Viol - braun: Die beſten haben eine Ro -ſen -Amoſenrothe Farbe, die ſich auf Pur - pur ziehet. Die Deutſchen, in - gleichen die von Carthagena ſind geringer und Viol-blau: Da - hero ſie auch Violfarbene Rubine heiſſen. Einige gebrauchen dieſel - be aus Aberglauben gegen die Trunckenheit und Melancholey. Man findet auch viel falſche und nachgemachte. Dieſer Edelgeſtein iſt der 9 im Amt-Schildlein Aa - ronis geweſen.
Jſt ein Terme auf der Reit - bahn, nemlich das Pferd iſt wohl beyſammen und unter ſich gebracht, mit den hintern Schenckeln unter dem Leib, daß es wohl gehet auf den Hancken, ohne zu traverſiren. V. l’ Enſemble; Sous lui.
Aus welcher auch Vertrauen, Zuverſicht und Zuflucht folget. Denn die Pferde haben dieſe Ei - genſchafft mit ſo kraͤfftiger Wir - ckung an ſich, als ein Thier haben kan, und zwar die Stuten gegen die Fohlen, daß auch die gelten Stuten ſehr befliſſen ſeynd, andern Muͤttern ihre Fuͤllen abwendig zu machen, als wenn ſie ihre leib - liche Muͤtter waͤren, wie vielmehr gegen ihre eigene Jungen. Jtem gegen den Menſchen, zu welchen ſie iederzeit eine Liebe und groſſes Vertrauen haben, abſonderlich aber gegen ihre Herren und nebſt denſelben zu ihren Waͤrtern ꝛc.
Es lieben aber die Pferde abſon - derlich die ſie wieder lieben, wel - ches ſie aus vielerley Liebes-Be - zeigungen nicht allein abmercken,Amuſondern auch aus einer Sympathie, noch eine viel ſubtilere Erkentniß der natuͤrlichen Gegen-Liebe (wel - che auch den Hunden angebohren) zu haben bekandt iſt; daß auch viel Pferde darum einem eher Ge - horſam leiſten, der weder Huͤlffe noch Straffe zu appliciren weiß, als einem andern, ſo daſſelbe auf das beſte verſtehet, und es barba - riſch tractiret.
Eine zweiffelhaffte Rede, ſo in dem Pferde-Kauff oͤffters vor - kommt, wenn der Verkaͤuffer mit Betrug umgehet.
Sind diejenigen Artzney-Mit - tel, welche um den Hals oder um den Leib gehangen werden, und von welchen die Aberglaͤubi - ſchen ſich einbilden, daß ſie groſſe Wirckung thun, wider die Zaube - rey helffen, und ein Gegengifft wi - der der gifftigen Schlangen Biſſe ſeyn ſollen. Es giebt auch Amu - letes von Chymiſchem Gold, wor - auf man unterſchiedliche Chara - cteres bibliſcher Spruͤche und Ge - beter findet, daß Gott den Na - tur-Forſchern doch die Arcana und Kraͤffte derſelben zu erkennen geben wolle. Bey einigen Kranck - heiten der Pferde pfleget man ſich auch der Amuletorum zu bedienen.
Jſt einer, der nichts von der Ge - lehrſamkeit verſtehet, und dabey meinet, es ſey unnoͤthig, daß ein Edelmann viel Zeit auf Buͤcher - leſen und Studiren verwende, ein guter natuͤrlicher Verſtand ſey hin - laͤnglich, dem Staate nuͤtzliche Dienſte zu leiſten, und wenn der - ſelbe mit einer guten ErfahrungB 3ver -Amuverſehen ſey, ſo koͤnne ein Staats - und Kriegs-Mann der Gelehr - ſamkeit gar wohl entbehren; zu - mahl da man Exempel habe von groſſen und um den Staat beſt - verdienten Maͤnnern, welche nicht das geringſte von der Gelehrſam - keit verſtanden. Ja mancher ſte - het wohl gar in den Gedancken, die Gelehrſamkeit trage nichts zu einem vernuͤnfftigen und gluͤckſeli - gen Leben bey, welches man an vielen unter den Gelehrten groſſen und beruͤhmten Leuten ſehe, die bey aller ihrer eingebildeten Weis - heit leutſcheu, ſaͤuiſch, muͤrriſch, zanckſuͤchtig ꝛc waͤren, und ſich faſt von iedem Affect hinreiſſen lieſſen. Nun iſt zwar ein guter natuͤrlicher Verſtand eine herrliche Gabe Got - tes, und wem es daran fehlet, der kan nichts tuͤchtiges ausrichten: Aber, ob er gleich durch eine gute Erfahrung unterſtuͤtzet wird, iſt er dennoch alleine nicht zureichend, groſſe und wichtige Sachen aus - zufuͤhren; ſondern alsdenn erwei - ſet er erſt ſeinen wahren Nutzen, wenn er durch fleißige Cultur zu ſeiner Reiffe gediehen. Die Exem - pel uͤbel und ſchlecht conduiſirter Gelehrten ruͤhren nicht von der Gelehrſamkeit ſelber her, ſondern ſind der verkehrten Unart und ver - derbten Natur der Menſchen zuzu - ſchreiben, daß, da ſie den Specu - lationen allzuſehr obliegen, ſie die Praxin dabey hindanſetzen. Wie viele groſſe Staats-Maͤnner ha - ben nicht bittere Klagen daruͤber gefuͤhret, daß ſie die Studia in ih - rer Jugend verabſaͤumet, deren Beyhuͤlffe ſie entbehren, und mit fremden Augen ſehen muͤſten, was ſie mit eigenen zu groͤſſerm Vortheil haͤtten erkennen koͤnnen.
Jſt derjenige, welcher in der Wuͤſten Maul-Pferde erfunden, da er am erſten ein Mutter-Pferd und Eſel zuſammen gelaſſen, wor - aus eine dritte Gattung der Thie - re, halb Eſel und halb Pferd, nemlich Maul-Thiere entſtanden ſeyn. Gen. 36, 24.
Jſt in der Muſic ein ſolcher Satz, wodurch etwas in die Hoͤhe ſteigendes ausgedruckt wird.
Jſt eine muſicaliſche Figur, da eine aus lauter Concordantzen be - ſtehende kurtze Clauſel oder Formel ſogleich angebracht und noch ein - mal wiederholet wird.
Dieſe muſicaliſche Figur entſte - het, wenn ein Satz oder Wort, wegen ſeines beſondern Nach - drucks, oͤffters wiederholet wird; deßgleichen wenn man die Funda - mental-Noten etliche mahl uͤber - ein anbringet, wie in den Chacon - nen geſchiehet.
Geſchiehet, wenn das Jagen an - gehet.
Sind die Ahnen, welche bey Turniren, Ritterſpielen und an - dern Gelegenheiten muͤſſen darge - than werden, wenn man zu denſel - ben oder zu geiſtlichen Pfruͤnden oder Landtaͤgen zugelaſſen werden will. Siehe Ahnen.
Wird das Mundſtuͤck vor die Hantbois und andere blaſende Jn - ſtrumente genennet, welches aus zwey Stuͤckgen Rohr zuſammengeſetztAndgeſetzt iſt, und durch deſſen kleine Spalte man den Wind hinein laͤſſet.
Heißt mit gleichen Schritten, und wird ſo wohl bey andern Stimmen, als auch bey ſolchen General-Baͤſſen, ſo in einer ziem - lichen Bewegung ſind, oder den andern Stimmen das Thema vor - machen, angetroffen, und muͤſſen alle Noten fein gleich, ebentraͤch - tig und uͤberein ausgedruͤckt, eine von der andern wohl unterſchie - den, auch etwas geſchwinder als ein Adagio tractiret werden. Der Affect, welcher dadurch geregt werden ſoll, iſt die Hoffnung.
Remiſſio, iſt, wenn man von einer Note Stuffenweis herunter - werts gehet, die Jtaliener nennen es Allentamento, Rallamento und Rilaſciamento.
Nennet man das junge Holtz, ſo nach geſchehener Abraͤumung eines Gehauichs von dem hin und her geflogenen Baum-Saamen wie - der hervor waͤchſet.
Bey der Foͤrſterey nennet man in dem Laubholtz einen Baum al - ſo, welcher von dreyen Gehauen her ſtehen geblieben, und dreyßig oder auch mehr Jahr alt iſt, auch bey dem naͤchſten Gehau die Stel - le eines gefaͤlleten Hauptbaumes erſetzen muß.
Nennen die Jaͤger einen drey - jaͤhrigen Eber, oder ein wildes Schwein maͤnnlichen Geſchlechts von drey Jahren.
Ein Engellaͤndiſches Jnſtru - ment, ſo der Laute in etwas glei - chet, mit einfachen Darmſaiten bezogen, und wie ein Clavier Ton - weiſe geſtimmet wird; und ſoll es leichter zu ſpielen ſeyn als eine Laute.
Ein Engellaͤndiſcher Tantz und Klinge-Stuͤck, ſo was vortreffli - ches und ſeltſames an ſich hat, nicht eben aus ruͤckenden Noten beſtehet, ſondern viel weiter um ſich greiffet, und ſchoͤne flieſſende Melodien fuͤhret, die Klang-Fuͤſſe ungemein beobachtet, voller ſtar - cker Bewegungen ſtecket, und in der Ton-Kunſt ein recht artiger Sonderling iſt. Es gehoͤren da - hin Ballads, Country-Dances, Hornpipes und andere. Die Haupt-Eigenſchafft der Angloi - ſen iſt der Eigenſinn, doch mit ei - ner ungebundenen Großmuth und Guthertzigkeit begleitet.
Aus der Geographie iſt bekandt, daß das alte eine Stunde von Hartzgerode gelegene Schloß, am Fluſſe Selcke, dem Fuͤrſtenthume dieſes Nahmens in dem Ober - Saͤchſiſchen Kreiſe ſeinen Nah - men gegeben habe. Aus der Ge - nealogie aber weiß man, daß die heutigen Fuͤrſten ſich in 4 Linien, als Deſſau, Bernburg, Coͤthen und Zerbſt abgetheilet. Jn der Wappen-Kunſt wird gezeiget, daß das Fuͤrſtliche Anhaltiſche Wappen, vierfach in die Laͤnge und qveer getheilet ſey, mit einem in der Laͤnge herab getheilten Mit - tel-Schild, in welchem zur rech - ten ein halber rother Adler im ſil - bernen Felde, und zur lincken vonB 4ſchwartzAnhſchwartz und Gold zehnfach ge - ſtreifft, ein ſchraͤgrechts gelegter gruͤner Rautenkrantz iſt, wegen des Fuͤrſtenthums Anhalt. Das 1) Feld iſt eben, wie die lincke Helffte des Mittel-Schilds, we - gen des Hertzogthums Sachſen. Jm 2) blauen iſt ein goldener Adler mit einer Crone, wegen des Her - tzogthums Weſtphalen. Jm 3) ſilbernen drey rothe Schroͤter - Hoͤrner wegen des Hertzogthums Engern. Das 4) iſt von ſchwartz und Gold zehenmahl qveer ge - ſtreifft, wegen der Graffſchafft Ballenſtaͤdt. Jm 5) ſilbernen ein auf einer rothen ſchraͤgſtehenden Zinnen-Mauer, mit einer golde - nen Porten, in die Hoͤhe ſteigender ſchwartzer Gold-gekroͤnter Baͤr, mit einem guͤldenen Halsband, wegen der Abkunfft von den alten Beringern. Jm 6) blauen ein guͤldener gekroͤnter Loͤw, wegen der Herrſchafft Jevern. Jm 7) ein zwoͤlfffaches ſchwartz und ſilber - nes Schach von vier Reihen, we - gen der Grafſchafft Aſcanien. Das 8) iſt von Gold und roth qvadrirt, wegen der Herrſchafft Walderſee. Jm 9) blauen zwey guͤldene Schraͤg-Balcken wegen der Graf - ſchafft Warmsdorff. Jm 10) goͤl - denen ein ſchwartz gekroͤnter Loͤw, wegen der Herrſchafft Kniphauſen. Jn 11) blauen ein ſilberner Adler, wegen der Herrſchafft Muͤhlin - gen. Das 12) iſt das rothe Re - galien-Feld. Das 13) iſt faſt wie das fuͤnffte; der Baͤr hat aber ein ſilbern Halsband, und die Porten in der Mauren iſt ſilbern, wegen der Herrſchafft Bernburg. Jm 14) blauen zwey Creutzweis uͤber ein - ander gelegte ſilberne Palmzwei - ge, zwiſchen welchen oben ein her - aus ſtehender ſilberner Bracken - kopff mit einem guͤldenen Hals -Ankband, wegen der Herrſchafft Wal - ther-Nienburg. Auf dem 1 Helm ſind zwey aufgerichtete und uͤber einander geſchrenckte, von ſchwartz und Gold qvadrirt bekleidete Ar - me, ſo zwey Pfauen-Schwaͤntze halten, wegen Anhalt. Auf dem 2 Helm iſt ein hoher mit dem Wappen des erſten Feldes, und oben mit einer Crone und Pfau - en-Schwantz gezierter Hut, we - gen Sachſen. Auf dem 3 Helm ein aufſteigender gekroͤnter guͤlde - ner Adler, wegen Weſtphalen. Auf dem 4 Helm ein wachſender Baͤr, mit einer guͤldenen Krone und Halsband wegen der Berin - giſchen Familie. Auf dem 5 Helm zwoͤlff von ſchwartz und Silber geſchachte Faͤhnlein mit guͤldenen Lantzen, wegen Aſcanien. Auf dem 6 zwey ſilberne hohe gekroͤn - te und mit Pfauen-Schwaͤntzen gezierte Schaͤffte, wegen Engern. Auf dem 7 drey Strauſſen-Fe - dern, als eine guͤldene zu beyden Seiten mit zwey ſilbernen, wegen Jevern.
Nennet man die Vorfahren des hohen Adels, als Kayſer, Koͤnige, Fuͤrſten und Grafen.
Bedeutet in der Muſic ſo viel als allegro.
Heißt beſeelt, belebt, friſch.
Das Anjouiſtiſche Wappen iſt ein blauer Schild mit einer rothen Einfaſſung, in welchem drey guͤl - dene Lilien.
Ein Weide-Wort oder Jaͤger -Ter -AnlTerminus, bedeutet ſo viel, als die Hunde zuſammen binden, um ſie zum Jagen zu fuͤhren.
Ein Forſt-Terminus und be - deutet, wenn der Foͤrſter an den Wald-Baͤumen, ſo zu Bau-Bret - Schindel - oder Schleuſen-Staͤm - men, oder anderm Gebrauche in einem Forſte angewieſen oder weg - gegeben werden, mit einem Beil oder Axt ein Stuͤck Rinde bis auf das innere weiſſe Holtz weg - und aushauet, damit der Stamm mit dem Wald-Eiſen oder Wald - Hammer gehoͤrig bezeichnet wer - den koͤnne.
Wird in der Jaͤgerey gebraucht, wenn man einer Sauden Schwein - Spieß oder das Fang-Eiſen vor - haͤlt, daß ſie ſelbſt darein lauffe. Ein Jaͤger, der ein wild Schwein mit den Worten: Hui Sau! an - ſchreyet, hat ſich, weil das Schwein hierauf gleich auf ihn zulaͤufft, wohl vorzuſehen, daß er feſte ſte - he, und dem Schwein den rech - ten Fang gebe; oder, wenn er ja fehlet, und es ein Eber iſt, gleich mit dem Angeſichte auf die Erde falle. Denn dieſer kan mit ſeinem Gewerf oder Gewehr allein uͤber ſich hauen; dahingegen eine Sau mehr unter ſich zu kommen und Schaden zuzufuͤgen vermag.
Braucht man von der Einrich - tung des Mundes auf blaſenden Jnſtrumenten.
Bedeutet bey den Jaͤgern ein Wild mit einem Schuſſe derge - ſtalt verwunden, daß es entwederAnſgar nicht, oder doch nicht ſogleich faͤllet.
Nennen die Jaͤger, wenn ein Hund auf der Jagd ein Wild ver - mercket, und davor ſtehet, und ſol - ches durch Bellen anzeiget.
Jn der Muſic wird dem Liegen, und inſonderheit auf dem Claviere dem Durchgehen entgegen geſetzt, und heiſſet, den vorhergehenden Griff noch einmahl, oder einen neu - en hoͤren laſſen.
Nennen die Feder-Schuͤtzen ei - nen Vogel an einem Baͤndlein anfeſſeln, wie ſie dabey verfahren, zeiget das Oeconomiſche Lexicon.
Die Haupt - und Reſidentz - Stadt des Marckgrafthums die - ſes Nahmens, von welchen das Zeitungs-Lexicon nachzuſchla - gen. Hier iſt im Jahre 1485 der 33ſte Tournier, an der Mittwo - che nach dem Himmelfahrts-Tage, von der Ritterſchafft aus Fran - cken, dem Durchlauchtigſten Fuͤr - ſten und Herrn, Albrecht, Marck - grafen zu Brandenburg, Chur - Fuͤrſten, zu Ehren gehalten wor - den; da denn vorhero die Ritter - ſchafft von den 4 Landen zu Rathe gegangen und eins worden, am Dienſtage fruͤhe aufgetragen, ge - theilt und beritten, als von alter Gewohnheit herkommen iſt, und an der Mittwoche geturnieret.
Die Marckgrafen von Bran - denburg-Anſpach fuͤhren 1) im ſil - bernen Felde den rothen Adler, wo - gen der Marck Brandenburg, 2) B 5einAnſein halb roth und halb ſilbern Feld wegen Magdeburg, 3) den Preuſ - ſiſchen ſchwartzen Adler im ſilber - nen Felde; 4) den Stetiniſchen rothen Greiff im blauen; 5) den rothen Pommeriſchen Greiff im ſilbernen; 6) den ſchwartzen Caſ - ſubiſchen Greiff im guͤldenen, und 7) den Wendiſchen roth und braun geſtreifften Greiff im ſilbernen Fel - de; 8) einen ſchwartzen Adler mit einem ſilbernen halben Mond und Creutzlein auf der Bruſt im ſil - bernen Felde wegen Croſſen; 9) einen ſchwartzen Adler im ſilbernen wegen Schwiebuſen; 10) ein roth und ſilber getheiltes Schild wegen Halberſtadt; 11) zwey Creutzweis gelegte Schluͤſſel im rothen Felde wegen Minden; 12) einen ſchwar - tzen Loͤwen in Gold, mit einem Rande eingefaßt wegen des Burg - grafthums Nuͤrnberg; 13) ein ſil - bern Creutz in einem rothen Felde wegen Camin; 14) ein ſchwartz und weiß qvadrirtes Feld wegen Zollern; und 15) ein rothes Rega - lien-Feld. Die gecroͤnte Helme ſind ein geharniſchter Arm mit drey Palmenzweigen in der Hand wegen Halberſtadt. Auf dieſem Wappen-Schilde ſtehen 7 Hel - men. Der Brandenburgiſche iſt gecroͤnt, und zeiget 2 Fluͤgel mit einem halben Circkel; der Magde - burgiſche iſt gecroͤnet, und ein Pe - lican mit ſeinen Jungen; der Preußiſche iſt ein ſchwartzer Adler mit einer Crone am Halſe; der Pommeriſche iſt mit einem Fuͤr - ſten-Hute bedecket, und ein Pfau - en-Schweiff; Der Nuͤrnbergiſche iſt ein ſchwartzroth gecroͤnter Loͤwe, und mit einem Fuͤrſten-Hut gezie - ret; der Halberſtaͤdtiſche zeiget ei - nen geharniſchten Arm mit drey Palmenzweigen; und der Mindi -Antſche einen rothen Loͤwen mit 2 ſilber - nen Schluͤſſeln. Eben dergleichen Wappen fuͤhret auch das Haus Bayreuth.
Gebrauchen die Jaͤger, wenn ſie ſagen: Jch habe den Hirſch vor 10, 12 Enden zu haben angeſpro - chen, das iſt, ich habe einen Hirſch geſehen, der hatte 10, 12 Enden. Sie brauchen es auch von der Spur, indem ſie ſagen: Jch habe die Spur fuͤr dieſe oder jene Faͤhrte angeſprochen.
Heißt, ſich an einen ſolchen Ort ſtellen, dahin das Wild von den Jaͤgern und Hunden getrieben wird, um ſolches, wenn es koͤmmt, zu ſchieſſen. Es wird auch ge - braucht, wenn ſich einer mit ſei - ner Flinte oder Buͤchſe an einen Ort ſtellet, wo er ein Wild ver - muthet oder geſpuͤret, um ſolches zu erlangen. Bey Verpachtung des kleinen Weidewercks pfleget man das Hetzen der Haſen, nicht aber das Anſtellen auf dieſelben er - lauben.
Jſt der Nahme eines jaͤhrigen Falcken, welcher das erſte mal zu niſten vermeinet, ob er ſchon nicht vermauſet hat.
War ein alter griechiſcher Tantz, worzu die Taͤntzer ſelber ſun - gen.
Menſchen-Stimme, vox huma - na, ein in einigen Orgeln befindli - ches Regiſter.
Eine Pferde-Kranckheit, wennſieAntſie eine Geſchwulſt an der Bruſt dem Hertzen gegen uͤber haben.
Spies-Glas, wird aus dem Spies-Glas-Ertzte, minera an - timonii, als einem mineraliſchen Coͤrper, welcher der metalliſchen Natur ſehr verwandt iſt, geſchmol - tzen. Es beſtehet aus zweyerley Art Schwefel, der ſehr verraucht wird, und dieſer Rauch gilt mehr, als die andere zuruͤckbleibende Materie. Die Minera muß reich, ſchwer und lauter von Kieſeln ſeyn. Das Antimonium crudum wird, nebſt anderm Gebrauch, den Pferden unter das Futter gemen - get, und ſoll ihnen den Schweiß treiben und ſie vortrefflich curiren; in rechter Doſi gebraucht, præſer - viret es die Pferde wider die Tru - ſe und Kehlſucht, und iſt eine rech - te Pferde-Panacée, nur muß man ſich huͤten, daß man die Doſin nicht uͤberſchreite.
War bey den Heyden ein Lieder - Tantz, welcher von der lincken zur rechten Hand des Altars verrichtet wurde.
Heiſſet in der Muſic, wenn aus einer Clauſula formali gehling in eine fremde gegangen wird.
Jſt ein muſicaliſcher Satz, wo - durch einander entgegen ſtehende Sachen ausgedruͤckt werden.
Ward das Lied genennet, ſo bey der Antiſtrophe geſungen wur - de. ſ. Antiſtrophe.
Jſt im Fechten der EintrittApooder Anfang, wobey wohl in acht zu nehmen, wenn man ſeinen Gegner ſtringiret, es ſey inn - oder auſſerhalb, auf der rechten oder lincken Seite zu, daß man ihm gleich die Schwaͤche benehme, da - mit der Leib ſicher ſey, und ihm keine Bloͤſſe zu ſtoſſen gegeben werde.
Bey einer Orgel wird alſo ge - nannt, weil es wie ein Apfel auf dem Stiele ſtehet; das groͤſte Corpus dieſer Pfeiffen iſt etwan einen Zoll hoch, hat eine kleine Roͤhre, wie ſein Mundſtuͤck, auf derſelben einen runden holen Knopf, voller Loͤcher wie ein Bie - ſam-Knopf; es hat 8 Fuß Ton.
Ein Abſchieds-Lied oder Ab - ſchieds-Carmen.
Eine muſicaliſche Figur, wenn bey der letzten Note eines Periodi harmonicæ nicht ausgehalten, ſondern behende abgeſchnappet wird.
Geſaͤnge nach dem Abend-Eſſen.
Ein von einem Frantzoſen, Prompt genannt, erfundenes mu - ſicaliſches Jnſtrument, welches mit der Theorbe viel gemeinſchaft - liches und 20 einfache Saiten hat; aber unvergleichlich beſſer afficiren, und auch beqvemer zu ſtimmen ſeyn ſoll.
Jſt in der Muſic ein durchgaͤn - giges Stillſchweigen in allenStim -AppStimmen und Partien, welches entweder vermittelſt einer vorher - gehenden Final-Cadenz, und drauf folgenden Pauſe, oder ohne einen formalen Schluß vermit - telſt einer Pauſe angebracht wird.
Benennet man in der Fecht - Kunſt den Tritt, welchen man bey einer Finte macht. Die Frantzo - ſen bedienen ſich deſſen ſehr offt: Er iſt aber theils falſch, theils ge - faͤhrlich und unnoͤthig.
Ein Flecken und der Haupt-Ort des Cantons dieſes Nahmens in der Schweitz, an dem Fluſſe Sit - ter. Dieſer Canton fuͤhret einen ſchwartzen zum Raube geſchickten Baͤr, mit einem rothen Halsban - de in weiſſem Felde zum Wappen.
Heißt in der Muſic, wenn bey Tractirung eines Jnſtruments bald dieſer, bald ein anderer Fin - ger den Umſtaͤnden nach noͤthig iſt, oder fuͤglich gebraucht werden muß.
Heiſt eine Unterſtuͤtzung eines Dings; daher man ſaget: dieſer oder jener hat das Werck appuiret, er iſt ſein Patron, und unterſtuͤ - tzet ihn in allen Dingen.
Jſt beyderſeits die Empfindung an dem Maul des Pferdes und die Empfindung der Action des Zuͤgels in der Hand des Reuters. Alſo iſt das gute und wahrhafftige Appui de la main eine gelinde Stuͤ - tzung oder Anlehnen des Zaums dergeſtalt, daß das Pferd zuruͤck gehalten wird, durch die Empfin -Arbdung der Laden, daß es nicht an die Fauſt ſchlage, ſelbiger zu widerſte - hen. z. E. Dieſes Pferd hat ein fein gelindes Anlehnen, und iſt tuͤchtig dem Zaum wohl zu gehorſamen, hingegen das andere iſt ohne Stuͤ - tzung, oder hat kein Appui, denn es fuͤrchtet das Mundſtuͤck, iſt kuͤtzlich im Maul, und kan nicht leiden, daß das Gebiß auf den Buͤhlern aufliege. Das dritte hat eine dicke Zunge, daß das Mund - ſtuͤck nicht kan ſeine Wirckung thun, dahero das Pferd hartmaͤulig iſt, und die Fauſt uͤberwaͤltiget; darum muß man ihm ein ſo genanntes Galgen-Gebiß auflegen, worin - nen die dicke Zunge Platz und eine Oeffnung habe. V. Bouche.
Haben ein gutes Maul, und gewiſſe Schenckel, lauffen wohl, und ſind fromm und ſanftmuͤthig; in der Tuͤrckey ſchaͤtzet man ſie den Perſianiſchen gleich. Die Araber und die in der Barbarey in Africa pflegen von ihren Pferden die Ge - ſchlecht-Regiſter von vielen hun - dert Jahren her ſehr genau aufzu - zeichnen und zu verwahren.
Brauchen die Jaͤger vom Leit - hunde, und heiſſet denſelben auf die Faͤhrte eines Hirſches oder an - dern Wildes dergeſtalt abrichten, daß er erſtlich keine Faͤhrte uͤber - gehet, hernach wenn er auf der - gleichen gefallen, dieſelbe unver - droſſen und munter fortſuchet, und den Tritt des Thieres zeiget.
Der Stammbaum eines Ge - ſchlechts, der Baum der Blut - Freundſchafft; Arbor affinitatis, der Baum der Schwaͤgerſchafft.
Arc,Ein Bogen, womit die Geigen geſtrichen werden, Fiedelbogen.
Der Wind-Kaſten in Orgeln und Poſitiven.
Ein Bogenſtrich auf beſaiteten Jnſtrumenten, als Violinen, Violdigamben ꝛc.
Nennet man ein rundes erhabe - nes Ruͤckgrad an einem Pferd, das krumm uͤber ſich ſtehet, wie ein Fie - delbogen, ſo vom allzufruͤhen Ein - ſpannen herkommt, wodurch ſol - cher Ruͤcken uͤber ſich krumm gezo - gen wird, ſo ſchaͤdlich, weil kein Sattel recht darauf liegen kan.
Ertz-Laute, ein Jtalieniſches muſicaliſches Jnſtrument, worauf ſie den General-Baß zu ſpielen pflegen, und welches wegen ſeiner Groͤſſe und ſtarcken Baͤſſe einen durchdringenden und ſtarcken Laut von ſich giebt; es ſoll acht einfa - che und ſieben doppelte Darm - Saiten, nebſt der feinſten und hoͤch - ſten, ſo Cantino heiſſet, haben.
Eine groſſe Jtalieniſche Leyer, ſo der Structur nach dem Baß von den Violdigamben gleichet, doch ſo daß das Corpus und der Kragen wegen der vielen Saiten viel breiter iſt; etliche haben 12, andere 14, und andere noch auſſer - halb des Kragens 2 und alſo zuſam - men 16 Saiten, ſo mit dem Bogen geſtrichen werden.
Das ſind zwey Stucke Holtz ge -Arewoͤlbt oder gekruͤmmt, um damit den obern Theil der Lenden des Pferds zu umfaſſen; ſolche Boͤgen werden mit eiſernen Baͤndern zu - ſammen gebunden, welche dieſel - ben im Stand halten, unterhalb werden die Gegen-Guͤrte angena - gelt und die Boͤgen mit Leder uͤber - zogen, woraus denn ein Sattel formiret wird.
Wird ein gewiſſer Tantz bey den Americanern genennet.
Jſt ein zitternder Tremul und ſchlechte Bewegung oder Nicken des Halſes und der Gurgel bey der letzten Note einer Clauſel, welches mehr ein Fehler als ein Kunſtſtuͤck des Singens iſt, und gemeiniglich von alten Saͤngern, welche wegen des ſteten Athems die Gurgel nicht wohl mehr regieren koͤnnen, ge - braucht wird, abſonderlich von den Baßiſten, welche von Natur kein gutes Trillo im Halſe haben; de - nen man es zu gute halten muß, wenn ſie es nur nicht in der Ca - denz und letzten Schluß-Note an - bringen.
Kleine Stadt am Fluſſe Ahr in der Eiffel, wovon die Hertzoge von Aremberg den Fuͤrſtlichen Ti - tel fuͤhren. Dieſes Fuͤrſtliche Haus hat ein vierfeldiges Wappen, in deſſen erſter und vierter Fel - dung drey gelbe Meſpel-Blumen im rothen Grunde zu ſehen, we - gen Aremberg; ein im guͤldenen Felde rothes und weiſſes Schach - Bret, wegen der Grafſchafft Marck. Das Mittel-Schild hatauchAriauch 4 Felder, durch deren erſten und vierten eine breite rothe Straſ - ſe ſchraͤgrechts gehet, wegen des Fuͤrſtenthums Ligne; und im an - dern und dritten Qvartier erſchei - nen drey rothe mit Gold gecroͤnte Loͤwen im weiſſen Grunde, wegen der Herrſchafft Barbançon. Auf dieſem Wapen ſind drey mit Gold gecroͤnte Helme, der mittelſte, als der Arembergiſche, iſt ein dreyfa - cher Pfauen-Schwantz; der zur Rechten iſt der Maͤrckiſche, und zeiget zwey Hoͤrner, deren rechtes mit roth und Silber gewuͤrffelt, das andere aber guͤlden iſt: Der lincke Helm iſt eine Tafel von 8 roth und gelben Schindeln, und bedeutet das Fuͤrſtenthum Ligne. Die Schildhalter ſind eine Loͤwe und ein Greiff, die Helm-Decken aber von roth und Silber.
Koͤmmt von aêr, Lufft, her, weil aller Klang und Geſang eine Wirckung der bewegten Luft, und eine ſchoͤne Melodie mit nichts an - genehmers, als mit einer ſuͤſſen friſchen Lufft zu vergleichen iſt, auch gleiche, wo nicht groͤſſere Erqvickung fuͤhret. Sie iſt ein wohleingerichteter Geſang, der ſei - ne gewiſſe Ton-Art und Zeit - Maaſſe hat, ſich gemeiniglich in 2 Theile ſcheidet, und in einem kurtzen Begriff eine groſſe Ge - muͤths-Bewegung ausdrucket. Bisweilen ſchlieſſet man mit dem wiederholten erſten Theile, biswei - len ohne denſelben. Bey der Jn - ſtrumental-Muſic hat man Arien mit u. ohne Verdoppelungen, ſonſt auch Partite oder Doubles genannt. Sie iſt gemeiniglich eine kurtze, in zwey Theile unterſchiedene, ſing - bare ſchlechte Melodie, welche mehrentheils darum nur ſo einfaͤl -Aritig aufgezogen koͤmmt, daß man ſie auf unzehlige Art kraͤuſeln, ver - braͤmen und veraͤndern moͤge, um dadurch ſeine Fauſt-Fertigkeit ſe - hen zu laſſen; iedoch muͤſſen die Grund-Gaͤnge beybehalten wer - den. Dieſe Spiel-Arie hat ſo - wohl auf dem Clavier, als auf allerhand andern Jnſtrumenten Platz; der Affect laͤufft auf eine Affectation hinaus. Bey der itzi - gen Einrichtung der Arien hat der Poet dahin zu ſehen, daß er in ie - der Zeile wo nicht einen vollkom - menen, doch einen halben Ver - ſtand (Senſum) anbringe; und der Componiſt, daß er nicht iede Zeile, worinne kein beſonderer Nachdruck iſt, viel weniger ein eintzeles Wort unnoͤthig wieder - hole, oder eine Clauſel mache, wo kein voͤlliger Verſtand verhanden, oder die Jnſtrumente alleine zwi - ſchen dem Texte allzulange fortge - hen laſſe.
Jſt das Verkleinerungs-Wort von Aria, die Frantzoſen ſagen Pe - tit Air oder Chanſonette, und hat ſie alle Eigenſchafften ihres Stam - mes, auſſer der Laͤnge und Aus - fuͤhrlichkeit. Oftmals leidet eine Arietta auch ſolche Wiederho - lungs-Theile, als die Tantz-Me - lodien, und iſt uͤbrigens ſo einge - richtet, daß ſie leicht zu faſſen ſte - het. Sie hat ordentlich 2 Repri - ſen, und iſt auf Gavotten-Menu - etten - und Sarabanden-Art geſe - tzet, oder ſie wiederholet den An - fang und ſchlieſſet mit ſolchem wie ein Rondeau.
Hat mit der Aria nur ein glei -chesArmches Mouvement, ſonſt aber we - der ihre Schrancken, noch ihre Abſicht; denn es kan eine bloſſe Erzehlung, oder ſonſt ein nach - dencklicher lehrreicher Spruch, oh - ne ſonderbare ausdruͤckliche Ge - muͤthsbewegung, darinne enthal - ten ſeyn. Es wird daher auch Obligato genennet, weil es an den Tact gebunden iſt. Und darinne beſteht der Unterſchied von dem Recitativ, daß das Arioſo nach dem Tacte muß geſungen werden, da jenes ſich an keinen Tact bin - det.
Das Gewehr, die Waffen, Krie - ges-Ruͤſtung; auch die Waffen und Wehre der wilden Thiere; in der Fechtkunſt, das Rappier, oder auch die Fechtkunſt ſelbſt.
Der Urſprung der Wappen und Herolds-Kunſt ſoll von den Olym - piſchen Spielen ſeyn hergekom - men, da die Kaͤmpffer gewiſſe Farben den Goͤttern zu Ehren er - wehlet, als roth dem Marti, gruͤn der Veneri, ſchwartz dem Satur - no &c. zu gefallen, dadurch ſie den Sieg zu erhalten verhoffet. Un - terdeſſen iſt es gewiß, daß die He - rolds-Kunſt ſchon bey den Jſrae - liten iſt uͤblich geweſen, da ein ie - der Stamm ſein beſonders Zeichen, Hoͤltzer und Wappen gehabt, wo - ran man ſie unterſcheiden koͤnnen, und ſagt man, Gott habe dem Patriarchen Jacob auf ſeinem Todtbette im Sinn gegeben, ſei - ner Kinder Wappen und Schilde zu viſiren. z. E. Juda fuͤhrte den Loͤwen, zu bedeuten Chriſtum, den Helden aus dieſem Stamm geboh - ren; Dan fuͤhrte eine Schlange, weil dieſer Stamm viel gifftigeArmaͤrgerliche Nachkommen hatte; Naphthali ein Rehe; Benjamin einen Wolff; Joſeph einen Zweig ꝛc. Das Geld, welches Abra - ham den Kindern Heth dargewo - gen, war mit einem Lamm ge - zeichnet, wie die Rabbinen ſchrei - ben. Der Ring, den Juda der Thamar gegeben, muß nothwen - dig auch ein Merckmahl gehabt ha - ben, daß man ihn von andern un - terſcheiden koͤnnen. Alſo hat der Seckel des Heiligthums auf einer Seiten die Stadt Jeruſalem, auf der andern die G. Gelten mit dem Manna, und benebſt die Ruten Aaronis gehabt. Die Maccabaͤer fuͤhrten 4 Hebraͤiſche Buchſtaben in ihren Fahnen, welche ihren Nahmen bedeuteten. Die Chal - daͤer hatten den Loͤwen, die Per - ſer den Parder, die Griechen den Ziegenbock, die Roͤmer den Ad - ler ꝛc.
Die Kriegs-Ruͤſtung und Ver - faſſung, ſo in Werbung der Sol - daten und Anſchaffung aller Kriegs-Nothwendigkeiten beſte - het. Armaturen heiſſen auch die Vorſtellungen allerhand Gewehrs, in Form der Trophaͤen oder Siegs - Zeichen.
Heiſt, wann ein Pferd auf die Fauſt dringet, den Kopff nieder haͤnget, und die Stangen an die Bruſt ſetzet, als ob es mit der Stirn ſtoſſen wolte, ſich der Re - gierung des Mundſtuͤcks u. Zaums dadurch zu wehren; dieſen pflegt man Stangen aufzulegen mit ei - nem Kniebug, welche weit vorge - ſchoſſen ſeyn, damit ſie das Pferd erheben, daß es den Kopf aufrechtbehal -Armbehalten und in der Poſitur bleiben muß.
Wird geſagt von einem Pferde, welches ſeine Laden mit den Leff - zen bedeckt, und macht alſo das Anlehnen des Pferdes hart und all - zu ſtarck, welches gemeiniglich ge - ſchicht von den Pferden, welche ſehr dicke Leffzen haben; darwider braucht man ein Mund, deren Oeff - nung bey den Abſaͤtzen viel breiter ſeye, als an dem Ort des Anlehns, dieſes verhindert es.
Feuer-Roͤhre, Schieß-Geweh - re. Unter ſolchen werden verſtan - den Flinten, Muſqveten, Muſ - qvetons und Carabiners, gezoge - ne und gemeine Voͤgel - und Buͤrſch - Roͤhre, Stutze und halbe Flinten, Piſtolen, Tſchincken, Tertzerols oder Puffer, auch wohl die ſo ge - nannten. Wind-Buͤchſen; wie - wohl die letztern nicht mit Schieß - Pulver, ſondern durch die zuſam - men gepreſte Lufft getrieben wer - den. An allen dieſen Arten von Gewehren waren vor dieſen die Feuer-Schloͤſſer im Gebrauch, die man vermittelſt eines Rades auf - gezogen und geſpannet, heut zu Tage aber ſind an deren ſtat die Flinten-Schloͤſſer faſt durchge - hends bey allen Nationen einge - fuͤhret, wiewohl die Feuer-Roͤhre noch zur Luſt und zum Scheiben - Schieſſen, wie auch auf der Jagd, und in Belagerungen, vornehm - lich aber die gezogenen beybehal - ten werden, weil damit weiter und gewiſſer zu ſchieſſen iſt, abſonder - lich wenn ſie immer ſauber gehal - ten werden, daß ſie nicht roſten; welcher geſtalt aber das Gewehr vor dem Roſt zu verwahren, oderArpdavon zu reinigen ſey, ſolches wird in Oeconomiſchen Lexico p. 827 angewieſen.
Schilde und Wappen, kom - men von den alten Turniren und Ritterſpielen noch her, ſo in be - ſondern Deviſen und allerhand Farben beſtunden, welche nun am ſcheinbarſten waren, wurden fuͤr die edelſten gehalten, und urthei - lete man gemeiniglich aus denſel - ben, und auf den Wappen-Schil - dern fuͤhreten ſie Sinnbilder, wor - aus man des Ritters Verſtand er - kennen konte. Voyez Tournois.
Sind eine Art der Toccaten, de - ren man ſich auf den Orgeln, Cla - vicymbeln ꝛc. bedient. S[o]ſind ver - ſchiedener Arten, davon aber eine beſondere Wirckung auf dem Cla - vier thun, und etwas Tactmaͤßi - ges erfordern die ſyncopirten Ar - peggi, bey welchen die eine Hand vorher anſchlaͤgt, und die andere ihren Accord, nach verſtrichenem Suſpirio, auf eine oder andere Weiſe bricht, und ſich am beſten im Baſſetgen oder in den oͤberſten Octaven des Claviers hoͤren laſ - ſen. Arpeggi ſenza Battuta wer - den zur Abwechſelung gebraucht, und beſtehen in 8 bis 10 gebroche - nen Stimmen mit vollen Griffen auf - und niederfahrend; dieſe wer - den ſowohl zu Anfang, in der In - tonation oder Intrada, als hernach hin und wieder gebraucht und ein - geſtreuet.
Auf Harfen-Art, das iſt, gebro - chen ſpielen, oder den vorkommen - den Griff nicht zugleich, ſonderndieArpdie in demſelben enthaltene Noten eintzeln und nach einander an - ſchlagen.
Heiſſet der Regiſter-Zug auf ei - nigen Clavicymbeln, welcher einen kreiſchenden Harffen-Klang von ſich giebt.
Gebogen wie ein Fiedelbogen, wie alſo einiger verderbten Pferde Ruͤckgrat uͤber ſich gebogen ſtehet.
Ein Pferd, ſo krumme Knie (faſt wie einen Bogen) hat, welches daher entſtehet, wenn ſie zur Re - he geritten, und durch gar zu harte Strapazzen ruinirt worden, wel - ches incurable iſt.
Der Aufhalt eines Pferdes iſt eine Pauſe, oder Jnnehaltung des Lauffs: wenn man nun den Arreſt machen will, ſo muß man den obern dicken Schenckel anfuͤgen, den Leib zuruͤck legen, die Hand des Zaums in die Hoͤhe halten, ohne den Ellbogen zu bewegen, her - nach die Schenckel unter ſich ſtre - cken, und feſt auf die Steig-Buͤ - gel treten. Der Aufhalt geſchicht in 3 oder 4 Tempi, indem man es laͤſt falqviren, oder etliche Saͤtze machen. Der Stillſtand muß auch nicht zu kurtz geſchehen, ſonſt werden die Schenckel und das Maul verdorben, V. Lever. Peſade. Demi-Arrêt iſt ein Still - halt, welcher nicht durch eine Pe - ſade vollendet wird, ſondern wann das Pferd 3 oder 4 mahl ſeitwerts falqvirt hat, alſo bald in ſeinemArrGalop wieder anſprenget, ohne ei - nige Peſaden oder Courbetten zu machen. V. Falquer.
Jſt der hintere Sattel-Bauſch oder Affter, welcher zum Schluß und Anhalt des Reuters dienlich, und zum Auf - und Abſitzen vor - traͤglich iſt.
Die Nachgeburt eines Fohlens iſt gleichſam ein roͤthlich, ſchwam - migt und ſubtiles Fleiſch, ſo in der Gebaͤhr-Mutter, beruhet, hat ih - ren Urſprung von dem erſten Ge - bluͤt der Pferd-Ader, welches ge - rinnt und dick wird, und aus den aͤuſſerlichen Mundloͤchlein heraus laͤufft, wie in der Pferd-Anatomie zu ſehen.
Der Nachzug eines Marſches einer Armee.
Ein hoffaͤrtiges nobles Pferd, welches praͤchtige Bezeugungen hat, wovon ein Pferd ſtoltz und edel genannt werden kan. V. Orgueil.
Jſt ein ſehr gebraͤuchlicher Ter - me, und eine Ausdruͤckung von allerhand Arten der Reitſchule, welche geſchehen in der Runde, es ſey im Schritt, Trott oder Galop, u. heiſt ſo viel, als machen, daß ein Pferd ſeine Schenckel und Glieder wohl vereiniget, entweder in einer groſſen und kleinen Runde her - um fuͤhre, daß es auch nicht auf die Seite ſich begebe, worzu man die Corda gebraucht, bis daß es gewohnt ſey, ſich recht zu rondi - ren.
Ritter-Lexic. CArſis,Der Aufzug oder Tact, iſt eine Eben-Maaß, ſo einem Reuter in Abrichtung der Pferde, in etlichen Lectionen ſtatlich zu Huͤlffe kommt, indem ein Pferd ſeine Schulen von rechtswegen nach der Cadan - ce lernen, und nicht einen Satz hoch, den andern niedrig, eine Cour - bette langſam, die andere geſchwind machen ſoll, welches das aller - ſchwereſte in der Reitkunſt iſt. Der Tact wird auch in der Muſic ge - nennet, eine richtige Bewegung mit der Hand, nach welcher ſich die Saͤnger und Jnſtrumentiſten richten muͤſſen. Der Spondaͤi - ſche wird in zwey Theile getheilet, und der erſte heiſt Theſis der Nie - derſchlag, der andere Arſis der Aufzug. Der Trochaiſche wird in drey gleiche Theile getheilet, oder in zwey ungleiche, deren erſteres, nehmlich der Niederſchlag zwey Drittheil, der Aufzug ein Drittheil enthaͤlt. Sonſt ſagt man auch nach dem Tact gehen, wie die Jn - fanteriſten, d. i. gravitaͤtiſch, nach dem Gewicht oder Ordnung.
Jſt ſo viel als Jagd-Art, auf Weidmaͤnniſche Weiſe zu reden.
Jſt deren Complexion, Na - tur und Landes-Art, da ſie gefal - len und erzogen ſind, durch welche man die verborgene Eigenſchafft guter, boͤſer oder mittelmaͤßiger Art erkennen kan. z. E. Wann ein Pferd mit Augen und Geberden ſich anmuthig und froͤlich erzeiget, mit dem Gebiß leicht ſpielet, Au - gen und Ohren offt beweget, da - bey ſchaͤumet, Brauſen und der - gleichen zeiget, ſo iſt ein Pferd ge -Arzwiß guter Art, hertzhafft, fromm, froͤlich, thaͤtig, und zu allem Ge - brauch willig. V. Dreſſer.
Nennet man die Engliſche Pferdkunſt, welche 1) darinnen be - ſtehet, daß ein Pferd, ohne daß iemand darauf ſitze, alle Lectiones frey und alleine fuͤr ſich machet, 2) daß es niederkniet, oder ſich niederleget, 3) einem den ver - langten Fuß giebt, 4) denen An - weſenden eine Reverence machet, 5) brauſet ſo man Ja, oder ſchuͤt - telt den Kopf, ſo man Nein ver - langet, 6) ſchlaͤgt mit dem vordern Fuß an eine Wand, ſo viel die Uhr iſt, 7) holet einen Handſchuh und bringet ihn wen man nennet, 8) nimmt einem den Hut ab, 9) ſpringet durch 6 oder 8 Reiffen, 10) rauchet Toback, 11) ſchieſſet Piſtolen los, 12) loͤſchet mit der Zunge an der Wand einen Buch - ſtaben aus, welchen man nennet, und dergleichen viel mehrers. Vide das Loͤhn-Eiſeniſche Reitbuch, pag. 98.
St. Johannis-Kraut, Beyfuß, waͤchſt auf den Aeckern und Fel - dern, iſt ein gut Mutter-Harn - und Stein-treibendes Kraut, befoͤrdert die Monatzeit, Frucht und Nach - geburt; Beyfuß geſotten ſtaͤrcket auch die ſchwachen Schenckel der Pferde, und machet ſie dauerhafft, daß ſie nicht leicht ſtolpern.
Jſt ein Pferd, ſo an dem rech - ten hintern Schenckel eine Blaͤſſe oder weiſſes Zeichen, Balzane hat. Einige aberglaͤubiſche Reuter bil - den ſich feſt ein, daß durch eine unvermeidliche Fatalitaͤt die Pfer - de Arzels im Streite allezeit un -gluͤck -Asgluͤcklich waͤren, und wegen dieſer vorgefaßten Meynung wollen ſie ſich deren nicht bedienen.
Nennet man das mit b bezeichnete A in der Muſic und unterſcheidet es hierdurch vom Gis. Man kan es auch A molle oder das weiche A nennen. Kommen zwey b b vor dem A zu ſtehen, kan man es As moile nennen und alsdenn wird g gegriffen.
Hieß bey den Griechen der Lor - beer - oder Myrten-Krantz, wel - cher auf den Gaſtmahlen denen Gaͤſten, ſo auf der Cithara nicht kunſtmaͤßig ſpielen konten, in die Hand gegeben wurde, daß ſie ſol - chen in den Haͤnden halten, und dabey etwas abſingen muſten.
Ein viereckigtes mit Saiten be - zogenes Jnſtrument der Lybier oder Trogloditen in Africa, welches mit Federkielen verſehen, einer Ellen lang, und wie ein Crotalum ſoll geklungen haben.
Eine Sack-Pfeiffe. Daher Aſcaules oder Aſcaula, ein Sack - Pfeiffer; wiewohl Iſaacus Voſſius einen Organiſten darunter verſte - het.
Ein laͤnglicht viereckichtes Jn - ſtrument von zehn Saiten bey den Hebraͤern, welches in der Bibel ein Pſalter von zehn Saiten genennet wird.
Hieß die von Moſe erfundene Trompete der Hebraͤer, ſo von Silber und ohngefehr einer Ellen lang war.
Jſt in der Muſic eine Manier fuͤr das Clavier, welche durch av ausgedruckt wird; das erſtere, welches die Spitze oben hat, ent - lehnet zu der vorhergehenden Note eine Secunde aufwerts; das an - dere Zeichen aber, deſſen Spitze niederhaͤnget, entlehnet eine Se - cunde unterwerts zu der vorher - gehenden Note, und muß daher die mit ſolchem Zeichen bemerckte No - te etwas ſehr weniges von ihrer Geltung fahren laſſen.
Einen Geſang mit Menſchen - Stimmen allein, ohne daß einiges Jnſtrument dazu komme, tracti - ren.
Wird in der Muſic zu den Woͤr - tern, adagio, allegro, preſto und andern geſetzt, und ſoll ſo viel, als ſehr oder viel, heiſſen; nach an - dern aber ſoll der Tact nicht zu ge - ſchwinde, auch nicht zu langſam fortgefuͤhret werden, ſondern was recht iſt und in gehoͤriger Maſſe, nachdem es die vorgezeichnete Cha - racteres erfodern.
Lieder, ſo nur mit Menſchen - Stimmen allein executirt werden, oder diejenigen, welche die Salii allen Menſchen zu Ehren abgeſun - gen, weil ſie auf hoͤltzernen Axibus oder Tafeln eingehauen geweſen, oder von
Welches, wenn es allein ſtehet, von Pfeiffern geſagt wird, wenn ſie blaſen, und ohne Zuthun ande - rer Jnſtrumente oder Saͤnger ſich hoͤren laſſen.
C 2Aſſemblée,Verſammlung oder Zuſammen - kunfft der Vornehmſten eines Orts, welche ſich mit Spielen, Tantzen und andern erlaubten Luſtbarkeiten vergnuͤgen. Wenn dergleichen Zuſammenkunfft in den Schrancken der Ehrbarkeit bleibet, ſo iſt ſie in der Natur des Menſchen, welche auf die Geſellig - keit zielet, gegruͤndet. Und weil die Hoͤflichkeit ihr vornehmſtes Gerichte iſt, ſo geben ſie Gelegen - heit zu einem vernuͤnftigen und gefaͤlligmachenden Umgange, wor - zu inſonderheit das geſchickte und zierliche Tantzen mit anfuͤhret.
Heiſt machen, daß ſich ein Pferd hinten neigt, und auf die Huͤfften ſetzt, wenn man es galoppirt, oder tummelt, ſich allzeit im Stillhalt wohl uniret und auf die Groppa ſetzt. Voyez Hanche.
Die Verſicherung eines Pferds gegen ſeinen Reuter, aus welcher dann Liebe, Vertrauen, Zuverſicht und Zuflucht gegen denſelben fol - get, dagegen es an ihm wieder alle Treue und Gegenliebe erweiſt z. E. Wann er etwan trunckener Weiſe vom Pferde gefallen, daß es bey ihm ſtillſtehet, und wartet, bis er wieder aufſitzen kan; oder ſeinem Reuter in Action durch Beiſſen und Ausſchlagen kaͤmpffen hilfft, und dergleichen mehr, welches hoch zu ſchaͤtzen iſt.
Ein Pferd abrichten und beſtaͤti - gen. V. Dreſſer; Commencer.
Heiſt die Sitzſtellung eines Reu - ters auf dem Sattel; daher man ſaget: Einem Reuter den Sitz geben. Jtem dieſer Reuter ver - liert niemahls den Sitz im Sattel, ſondern behaͤlt allzeit ſeine gerade Stellung, als ob derſelbe auf der Erden ſtuͤnde. V. Contrepoids.
Deutet in der Muſic eben das an, was Conſonance.
Heiſt den Kopf, Hals, Schul - tern und Seiten zuſammen brin - gen, und alle Theile des Leibes ge - ſchmeidiger machen und beſſer aus - arbeiten, z. E. Dieſes Pferd hat einen Schweinshals, und iſt ſteif von Schultern, ſo verſuche man ſolches zu aſſoupliren, und mit der Camarra und Schleiffzuͤgeln zu biegen und Souple zu machen.
Hat den Nahmen von der Ge - ſtalt des Seſſels, worauf die her - beygebracht wurden, welche ein Carmen bucolicum abſingen wol - ten, und bedeutet ſo viel als ein Hirten-Lied oder Hirten-Gedicht.
Eine Provintz in Spanien, ſo gegen Norden an das Biſcajiſche Meer liegt, und wegen ſeiner ſchoͤ - nen Pferde bekandt iſt.
Mißlaut, Uibellaut, ohne Zu - ſammenklang.
Nennen die Spanier das tym - panum crotaliſticum, welches Wort und Jnſtrument ſie von denAra -AthArabern oder Mauren uͤberkom - men, und in ihrer Sprache bey - behalten haben.
Eine gewiſſe Floͤte, deren ſich der Thebaner Nicopheles inſonder - heit bey dem Hymno der Minervæ bedienet.
Die Fechter-Kunſt; Athletice, nach Fechter Art; Athleticum, was zum Fechten gehoͤret; Athle - tica habitudo, eine ſtarcke Leibes - Diſpoſition; Athlotheta, derjeni - ge ſo das Præmium oder die Ge - winſte auf der Fecht-Schule vor - leget und austheilet.
Birck-Haſelhuhn, weil es ſich gern in Haſel - oder Bircken-Hoͤl - tzern aufhaͤlt, kan wegen ſeiner kurtzen Fluͤgel und ſchweren Leibes uͤbel mit Fliegen fortkommen, zu - mal da es ſich auch offt im Stau - be wegen der vielen Laͤuſe, (damit es geplagt) umweltzen muß, weil ſonſt, wo es ſolches nicht thut, ſel - biges von dieſem Ungeziefer zu todte gemartert wird, iſt etwas groͤſſer als ein Rebhun, hat einen Ziegelgelben Ruͤcken, und Fluͤgel mit ſchwartzen Flecken, die Bruſt iſt weiß, der Bauch dunckel mit ſchwartz und gelben Flecken, der Schwantz iſt Ziegelroth. Sie legt 12 bis 16 Eyer, und hat ein vor - trefflich wohlſchmeckendes Fleiſch. ſ. Birckhabn.
Tritt, Stoß oder Verletzung, welches ein Pferd bekommt an hintern Fuͤſſen, von einem andern Pferde, welches ihme allzunahe nachgefolget. Dieſes Wort be -Attdeutet auch einen Tritt, welchen das Pferd ihm ſelbſt thut, durch einen hintern oder voͤrdern Fuß, welcher an die Seite des andern Schen - ckels anſtreift, oder ſich auf die Cro - ne tritt, welches ſehr gefaͤhrlich, abſonderlich wann es durch den Horn in das Jnnerſte des Hufs eindringet, die Flaͤchſe beſchaͤdiget, und daß die Atteinte incornée, und der Tritt eingehoͤrnt iſt.
Ein Spann oder Zug Pferde, von 6 oder 8 Stuͤcken, womit groſſe Monarchen fahren, und ſo - lenne Einzuͤge halten.
Der Nagel an der Deichſel einer Kutſche, Wagens oder Schlit - tens.
Aufmerckſamkeit iſt an den wil - ligen Pferden eine gute Eigen - ſchafft, welche aus dem guten Ge - daͤchtniß entſtehet, ſo in der Ab - richtung groſſen Nutzen ſchaffet; denn ein aufmerckſames Pferd wartet mit groſſer Begierde auf des Reuters Huͤlffen, und macht ſich iederzeit bereit, dasjenige zu verrichten, was ihme durch des Reuters Stimme, Fauſt, Schen - ckel ꝛc. abgefodert werden moͤge.
Das Schlußmachen, iſt eine gewiſſe Stellung der Klaͤnge oder Noten, welche nicht nur in einer Stimme allein, ſondern auch in den andern eine Cadenz zu machen anzeiget. z. E. Wenn der Baß auf eine Note um eine Qvart ſtei - get, oder um eine Qvinte faͤllet, ſo iſt ſolche Bewegung ein baßiren - der Schluß, und zugleich ein Merckmahl, daß die obern Stim -C 3menAttmen die uͤbrige ihnen gehoͤrige Schlußmachungen zu dieſer Ca - denz mitmachen muͤſſen.
Jſt bey den Falckenirern derje - nige Falck, welcher den Reiger zu - erſt im Fluge angreifft.
Sagt man von einem fluͤchtigen Pferde, welches im Schritt und Trab wohl avancirt, daß man mit ihme aus dem Lande kommt: Jn der Reitbahn aber haͤlt man viel von einem Manege-Pferde, wel - ches in Courbetten, Croupaden und Capriolen wohl avanciret.
Eine Geſchwulſt wider die Na - tur, rund an Geſtalt, und etwas dick, wie eine halbe Fauſt, welche durch eine blutige Galliſche Feuch - tigkeit an der Bruſt des Pferdes gegen dem Hertzen gezeuget wird, ſo durch gute Mittel zum Eiter - ſchwaͤren muß gebracht werden. V. Herber.
Waghaͤlſe, nennet man diejeni - gen, welche ſich bey denen alten Turnieren gewagt, und denen ſo genannten Scharffrennen beyge - wohnt haben, und geſucht ihren Gegner mit dem Grundel-Spieß aus dem Sattel heraus zu heben, wobey es ſelten ohne Schaden und Ungluͤck abgangen, da nicht zum wenigſten einer das Leben einge - buͤßt; wodurch auch der alte Adel ſeine Urſprung genommen, und mit Blute hat muͤſſen erlanget werden.
Ein Morgen-Staͤndgen, eine Muſic welche fruͤh morgens einem zu Ehren aufgefuͤhret wird, ante - lucanus ad fores alicujus gratulan - tium concentus; ſie fuͤhren eine praͤchtige und hochtrabende Eigen - ſchafft, in weltlichen Materien, zum beſondern Abzeichen, und ſchicken ſich wohl zu Gluͤck - wunſchungen und oͤffentlichen Ge - praͤngen.
Ein geſprenckelt Pferd von Pfir - ſigbluͤt-Farbe, ſo mit weiß, roth und braunen Haaren vermenget, und alſo von vielerley Farben iſt, wovon es auch in der Sonnen gantz glaͤntzet, welches dann ein Kennzeichen edler Art, und eine Zierde in Anzeigung der Reinig - keit, wie auch voklſtaͤndiger Ge - ſundheit des Leibes, welche bey un - glaͤntzenden dunckeln Haaren nicht ſo gut ſeyn koͤnnen.
Das Pferd, ſo den Aubin gehet, wird auf der Reitbahn nicht ſon - derlich geachtet, weil es ein ver - brochener Gang iſt, ſo zwiſchen dem Zelt und Galop entſtehet und irregulair gehet.
Vogelfang geſchiehet, 1) mit Gar - nen oder Netzen, und zwar auf unterſchiedliche Arten, als einmal auf groſſen Vogel - und Fincken - Herden, hernach auf freyem Fel - de, und denn bey der Traͤncke in den Waͤldern und anderweit mehr, und ſolches geſchiehet das gantze Jahr durch, auſſer wenn die Voͤ - gel niſten, zu welcher Zeit der Fang verboten iſt. 2) Faͤngt man die Voͤgel mit haͤrnen Stricklein,DonenAudDonen genannt, man legt nem - lich die Donen, um Laurentii - Tag, ſo bald die Vogelbeere roth, denn um ſelbige Zeit faͤngt der Vogel ſchon an zu ziehen. Es werden aber ſolche Donen, von 6 oder 7 ſchwartzen Pferd-Haaren gemacht, und ſteckt man dieſelben in zaͤhe Weiden, die ſich wohl bie - gen laſſen, ſpitzet die beyden En - den zu, und ſtecket ſie hierauf oben und unten in die Baͤume, und le - get die Vogelbeere dabey. Die dritte Art Voͤgel zu fangen, ge - ſchiehet mit gekruͤmmten Bogen, oder mit dem Sprenckel. 4) Mit Hunden, als mit welchen die Wachteln, Rebhuͤner, wilde Gaͤn - ſe, Trappen, Enten ꝛc. gefangen werden, und ſind unter den Waſ - ſerhunden darzu am beſten zu ge - brauchen, die am letzten ſehend werden, item die eine runde harte ſtumpfe Naſe, und lange Haare haben, die laſſen ſich darzu gar wohl gewoͤhnen. 5) Mit Leim - Ruthen, 6) mit Kloben, 7) mit Klebgarn, 8) mit ſchieſſen, und 9) durch das Vogel-Beitzen.
Ein verwegener, kecker und toll - kuͤhner Reuter, welcher ſeinem Pferde uͤbernatuͤrliche Dinge zu - muthet, z. E. uͤber hohle Wege, hohe Schlag-Baͤume ꝛc. zu ſprin - gen, und gleichſam halsbrechende Arbeit vornimmt.
Urogallus, Tetrix, Tetraon, de bruyere, iſt ein gar anſehnli - cher und zierlicher wilder Vogel, an dem der Kopff, Bruſt und Bauch ſchwartz iſt, der Hals aber hat Aſchen-graue Schwing-Fe - dern, davon die langen mit See - gruͤnen, die kleinen aber mit Ca -Aueſtanien-braunen Flecken geſpren - get ſind. Unter den Fluͤgeln er - ſcheinen theils weiſſe, theils graue und glaͤntzende Federn. Der Ruͤ - cken ſiehet Caſtanien-braun und ſchwartz geſprenget aus; der ſchwar - tze Schwantz aber hat weiſſe Fle - cken, deren er ie aͤlter, ie mehr be - kommt. Seine Laͤnge vom Schna - bel bis zum unterſten ſeiner Fuͤſſe traͤget nicht uͤber 5 Spannen aus, ſeine Schwere auch niemahls uͤber 14 Pfund. Der Auerhanen-Fang wird durchs Schieſſen practiciret, und zwar zu keiner gelegenern Zeit, als wenn er brunſtet oder faltzet, vornehmlich im Februario oder Martio, alsdenn er wenig hoͤret und ſiehet, und daruͤber deſto beſ - ſer zu beſchleichen iſt, welches ſich hergegen zu andern Zeiten nicht ſo wohl thun laͤſſet, weil er dermaſ - ſen ſcharff hoͤret, daß, wenn auch nur ein duͤrres Holz zertreten wird, er nicht lange verzeucht, ſondern gleich durchgehet, wie man ihn denn auch nicht habhafft werden kan, wenn er nicht wircklich fal - tzet oder ſchreyet, derhalben man gemeiniglich ſo lange lauren und ſtille ſeyn muß, bis er anhebt zu ſchreyen, daß man ihn bey der Gelegenheit erhaſche. Vielmahls wird er auf den Heiden mit Drat - Schlingen und andern Fallen er - tappet. Sie gehoͤren zur hohen Jagd, und pflegen groſſe Herren vielmahls in der Faltz-Zeit dieſem feltenen Feder-Wildpret nachzu - gehen.
Urogallina, iſt etwas kleiner, als der Hahn, iedoch groͤſſer als eine groſſe Haus-Henne. Der gantze Leib iſt bunt, wie eine Schnepffe, aber mit ſchwartzen Flecken hin und her beſprenget;C 4dasAuedas uͤbrige, ſonderlich unter dem Halſe bis an die Bruſt, iſt fahl - roth; der Regenbogen in den Au - gen iſt gelb, der Augapffel blau - ſchwartz. Hinterwerts um den Augen hat ſie etwas rothes, am Bauche viel weiſſes. Die Fuͤſſe und Zehen ſind wie an dem Hah - ne. Zur Faltz-Zeit befinden ſich ihrer viele um den Hahn, ſchlei - chen ſich aber von ſolcher Geſell - ſchafft ab, wenn ſie empfangen ha - ben, legen 6 bis 12 Eyer und bruͤten dieſelben aus.
Schloß und Marckt im Her - tzogthum Crain, 3 Meilen von Laybach, iſt das Stamm-Haus der Fuͤrſten von Auersberg, wel - che Erbland-Marſchaͤlle und Erb - Caͤmmerer in Crain und der Win - diſchen Marck ſind. Dieſe Fuͤr - ſten von Auersberg haben in ihrem Wappen einen halb ſchwartzen und rothen Adler, auf deſſen Bruſt ein halber Mond von Silber, wegen Muͤnſterberg; einen weiſſen dop - pelt geſchwaͤntzten und gecroͤnten Loͤwen, wegen Franckenſtein; ein durch eine blaue und Wellenweiſe gehende Straſſe getheiltes Schild, darvon in der oberſten rothen Helffte ein weiſſer Loͤwe gehet, in der unterſten guͤldenen Helffte aber ein ſchwartzer Adler mit einem ſil - bernen Monden auf der Bruſt, wegen der Grafſchafft Thengen; einen auf einem gruͤnen Huͤgel ge - henden Auer-Ochſen, wegen Au - ersberg; einen ſchwartzen Adler auf einer ſchwartzen Banck ſte - hend, welches die Freyherrliche Wuͤrde anzeiget; und in der Mit - ten einen rothen gecroͤnten Loͤwen in Silber, als das Inſigne der Graͤflichen Dignitaͤt. Dieſes gan -Avetze Wappen bedecket ein Fuͤrſten - Hut.
Jſt ein erhabener Schulſchritt, der regulirt und rechtmaͤßig iſt. Ein Pferd nun ſolchen zu lernen, ſo bindet man zwey Haftzuͤgel an den Gurt, dieſe Rieme ziehet man durch die Naſeband-Rincken, mit welchen das Pferd beyderſeits ge - halten wird, die Spießruthe uͤber den Riß geſchwungen, und giebt ihm damit Urſach zu Erhebung der Schenckel, und laͤſt es wenig avan - ciren, nachdem es ledig geuͤbet, iſt es auch unter dem Reuter zu ver - ſuchen.
Voͤgel werden abgetheilet in zweyerley Sorten, als die Erd - Voͤgel, darunter die Berg - und Feld-Voͤgel mit begriffen, und in die Waſſer-Voͤgel. Jene kan man wieder abtheilen in die Fleiſch -, Korn - und Beeren -, wie auch Ungeziefer-freſſende. Die Waſſer-Voͤgel aber in plattfuͤßig - te und ſpaltfuͤßigte. Unter die Erd-Voͤgel, welche Fleiſch freſſen, iſt zu zehlen, der Adler, Falcke, Habicht, Geyer, Rabe, Nacht - Eule, Strauß und Papagey. Un - ter denen, die Korn freſſen, die zahmen und wilden Huͤner, Wach - teln, Tauben, Spechte, Sper - linge, Lerchen ꝛc. Unter denen die ſich von den Beeren nehren, ſind die Krammets-Voͤgel, Staar und Amſel; Ungeziefer freſſen die Nachtigal, Schnepffen, Hetzen und dergleichen. Die Waſſer - Voͤgel ſind entweder Fiſch - oder Krautfreßige. Jene ſind der Rei - ger, Fiſch-Aar ꝛc. Dieſe der Schwan, die Gans, wilde undzah -Aufzahme Enten. Spaltfuͤßige Waſ - ſer-Voͤgel, ſind die Phoͤnicopter, der Reiher, Storch, Kranich, Waſſer-Schnepf ꝛc. Bey den mei - ſten dieſer Voͤgel, welche dem Menſchen zur Speiſe dienen, iſt zu betrachten, 1) ihre Nahrung, 2) ihr Alter, 3) das Caſtriren, 4) die Jahres-Zeit, 5) das Mauſen, 6) der Wohnplatz, 7) die unter - ſchiedliche Theile an den Voͤgeln, in ſo weit ſie zu der Menſchen Nahrung dienlich und undienlich ſind.
Heiſt ein Pferd uniren, daß es ſich hinten neiget und wohl ſetzet; welches im Zweykampf ſehr dien - lich, wenn ein Reuter in Gegen - wart eines andern iſt, und er macht eine halbe Runde, um ihm hinter die Groppa zu kommen, und ihm ſolche zu nehmen. V. Gaigner la Croupe.
Heiſſen die Jaͤger einem gefaͤll - ten Wilde den Wanſt aufſchnei - den, um das Eingeweide heraus zu nehmen. ſ. Zerwircken.
Das Wild aus ſeinem Stande oder Lager mit den Hunden trei - ben.
Sagen die Jaͤger, wenn einer et - was an einem Thier auf - oder ab - ſchneidet.
Sagen die Jaͤger von dem Wil - de, an ſtat empfangen, traͤchtig oder dicke werden.
Jſt eine Weidmaͤnniſche Re - dens-Art, da ſie von dem Reh - bock ſagen: Er laͤufft aufs Blat, wenn der Rehbock im Auguſto die Rehziege ſuchet, und dieſer der Stimme ſeines Rehes nachgehet, welcher Ruff ſo ſubtil ſchallet, und klinget, als ob man auf einem Blate pfiffe. Der Rehebock laͤufft in ſeiner Brunſt oder Prunfft, welche im December geſchiehet, noch einmahl aufs Blat: Die Reheziege laͤufft zwar auch aufs Blat, aber nicht eher, als wenn ſie ihre Jungen hat, und die - ſelben von ihr abgegangen ſind.
Heißt bey den Jaͤgern, dem Wildpret oder anderm Wild die Haut oder den Balg aufſchneiden.
Sind bey den groſſen Vogel - oder Fincken-Herden die Hoͤltzer mit den dadurch ausgeſpannten Netzen, durch deren Ruͤckung man offt die Voͤgel hauffenweiſe faͤn - get.
Nennen die Stallknechte, wenn ſie bey garſtigem Wetter die Spi - tzen des Schweiffes entweder mit dieſen Haaren ſelbſt, oder auch nur mit einem kleinen Strohſeil in die Hoͤhe feſt zuſammen binden, damit die Pferde weder ſich ſelbſt, noch das Geſchirre durch den lan - gen Schweif voll Koth beſchmie - ren.
Sagen die Jaͤger, wenn dem Hirſche oder Rehebock das abge - worffene Gehoͤrne oder Geweih wieder waͤchſet.
C 5Auf -Jſt, wenn ein Ding ſeine gute Eigenſchafft und Beſchaffenheit aͤndert, und ſich zum Verderben neiget. Wenn ein Pferd aufſtoͤſ - ſet, oder aufſtoͤßig wird, und nicht freſſen mag, ſoll man demſelben alſobald den dritten Kern ſtechen, und es ziemlich bluten laſſen, auch das Maul und den Gaumen mit Saltze und Wohlgemuth wohl reiben, und endlich ihm in iedes Naſen-Loch ein Wiſchlein Heu ſte - cken, damit es brauſend werde. Man darf auch nur eine Hand voll Fenugrec, geſtoſſen und in Wein wohlgeſotten, nehmen, und es dem Pferde laulicht eingieſſen.
Das wiederfaͤhret jaͤhrlich den Pferden im Fruͤhling, den andern Thieren, wenn ſie in die Brunſt treten, die Hunde laͤuffig werden, die Haſen und Katzen rammlen wollen.
Den Reit - und Kutſch-Pferden den Zaum anlegen.
Soll im Fechten meiſt auf des Gegners Auge gerichtet ſeyn, und ſogleich nach angebrachtem Hieb oder Stoß in hurtiger Stellung ſein Lager wehlen, ſeines Gewehrs Spitze des Gegners Auge bieten, und durch ſeine vortheilhaffte Po - ſitur ſolchen von ſich abhalten.
Ruͤhren theils daher, weil ſie oͤffters in kalten und uͤbelriechen - den Stallungen ſtehen, theils weil ſie ſich uͤber ihr Vermoͤgen muͤſſen abtreiben und ausmergeln laſſen, theils weil ſie aus Hunger viel -Augmahls eſſen muͤſſen, was ihnen weder annehmlich noch geſund iſt. Es ſind aber ſolche: Truͤbe, fluͤßi - ge oder trieffende, geſchwollene, ſchwuͤrige, wund-geſchlagene oder geſtoſſene, hitzige Augen, Felle in den Augen, Staaren-Felle, Staa - ren-Blinde, Flecken, Blattern in den Augen, der Haug oder Hauck und Moͤnig, von welchen ins be - ſondere an ſeinem Orte gehandelt, und Mittel dawider angezeiget worden.
Sind rund-geſchnittene ſteiffe Stuͤcklein Leder, welche an die Zaͤume der ſcheuen Kutſch - und Zug-Pferde um die Gegend der Augen eingenehet werden, damit die Pferde nicht auf die Seite ſe - hen koͤnnen. Man pfleget auch einem beißigen Pferde, und das nicht gerne aufſitzen und ſich be - ſchlagen laͤſſet, Augendeckel von Filtz, ſo rund und hohl gemacht ſind, vor die Augen zu binden.
Nennen die Jaͤger das unterſte erſte Ende an einer Hirſch-Stan - ge, welches naͤchſt uͤber dem Au - ge iſt; derjenige Hirſch nun, wel - cher dieſe nebſt den Spieſſen aus - gewachſen und keine Enden mehr hat, wird ein Gabel-Hirſch ge - nennet.
Jſt in der Muſic, wenn die No - ten und Pauſen an ihrer ſonſt ge - woͤhnlichen Geltung zunehmen ſol - len.
Eine beruͤhmte Kayſerliche freye Reichs-Stadt, deren Erdreich die ſonderbare Eigenſchafft hat,daßAugdaß es keine Ratten leidet. Das Rathhaus iſt 1620 ſehr praͤchtig ge - bauet, bey demſelben ſtehet der ſchoͤne Perlach-Thurm, von wel - chem man die Stadt uͤberſehen kan, und welcher ſonderliche An - zeige gewiſſer Jahrzeiten giebt. Ein mehrers ſ. in dem Zeitungs - Lexico. Jn dieſer Stadt iſt der achte Turnier, von Hertzog Herr - mannen in Schwaben, An. 1080 den 16 Aug. angeſtellet worden, worunter 4 Fuͤrſten, als Hertzog Herrmann, Hertzog Guelph in Bayern, Hertzog Friedrich in Schwaben, Marckgraf Leopold in Oeſterreich, Pfaltzgraf Otto von Wittelsbach, Marckgraf Eckhard zu Meiſſen, Landgraf Engelberd in Bayern und Hertzog Ludolph in Caͤrnthen, 39 Grafen, 22 Freye - Land-Bannerherren u. 612 Helme; wobey Gottfried von Stockheim, Heintz von Bellerſcheine, Johann von Honoldſtein, Stein und Sturm-Feder an der Schaue aus - geſtellt. Das Wappen dieſer Reichs-Stadt iſt ein in die Laͤnge mit roth und Silber getheiletes Schild, in deſſen Mitte ein gruͤ - ner Tann-Zapfen auf einem Poſte - ment ruhet.
Ein Bißthum um itztbemeldte Stadt, deſſen Biſchoſ zu Dillin - gen ſeinen Sitz hat. S. von ihm das Zeitungs-Lexicon. Das Wappen dieſes Stiftes iſt ein in die Laͤnge geſpaltenes Schild, deſ - ſen rechtes Theil roth und das lin - cke weiß iſt.
Sind die Mandeln, welche ſich oͤfters an die Seite der Kehlen des Pferdes entzuͤnden, und ſelbi - ges dergeſtalt an dem Athemho -Auslen verhindern, daß es Gefahr hat zu erſticken.
Ein Pfeiffer, Floͤten-Spieler; Auleticus, zum Floͤten-Spielen gehoͤrig; Auletris, eine Pfeifferin; Aulema, eine Floͤten-Melodie; Auleſis, das Floͤten-Blaſen oder Floͤten-Spielen; Auletice, die Kunſt auf Floͤten zu ſpielen; Au - leteria, ein Floͤten-Futteral; Au - letridion, eine kleine Floͤten-Spie - lerin; Auliſcus, eine kleine Pfeiffe; Aulopoeus, ein Floͤten-Macher; Aulodia, ein Floͤten-Lied; Aulo - zonum, die Kruͤcke oder der Druͤ - cker an den Mundſtuͤcken der Schnarrwercke in Orgeln.
Ein Pferd auf der Reit-Schule, das lange Ohren hat, und ſie oft beweget.
Jn der Fecht-Kunſt heißt, wenn man aus der gewoͤhnlichen Poſitur gegen den Feind ausſtoͤſſet, mit - hin mit dem vorderſten Fuß gegen den Contrepart austritt, und an - bey denſelben zu treffen ſucht.
Heißt, wenn ein Pferd durch einen uͤbeln Tritt die Koͤthe ver - ſtaucht hat. Man nennet es auch auskegeln, auskuͤthen, auskuͤtten. Es wird erkannt, wenn das Pferd mit dem beſchaͤdigten Fuſſe nicht voͤllig auftritt, ſondern nur auf der voͤrderſten Schaͤrfe des Hufes, nehmlich auf der Zehe ſtehet, und die Koͤthe demſelben aus - und ein - gehet. Dieſen Schaden zu hei - len, nehme man Brunnkreß, Haus - wurtz, und zerlaſſene Butter, ei - nes Gaͤnſe-Eyes groß, laſſe ſolches zuſammen in einem Topfe wohlſieden,Ausſieden, ſodenn reibe und verbinde man es damit alle Tage, ſo warm als man es erleiden kan; ehe man aber das Verbinden vornimmt, laſſe man das Pferd vorher ins Feld gehen. Eine andere Art, ſol - ches Uibel zu heben: Man nehme klein geſtoſſenen lein-Saamen ein Pfund, Honig ein halb Pfund, Eßig anderthalb Kannen Leipziger Maaß, laſſe ſolches mit einander kochen, daß ein Teig daraus wer - de, ſolchen ſchlage man warm auf einen Haſenbalg, und binde ihn, ſo warm man es auf der Hand er - leiden kan, dem Pferde auf den Fuß, und laſſe es alſo bis auf den dritten Tag ſtehen. Spuͤret man alsdann noch keine Linderung, ſo ſchmiere man es mit Lorbeer-Oel und Althee, binde ihm gedachten Teig fein warm wieder uͤber den Fuß, und halte mit Einſchlagen und Hornſalben den Fuß immer et - was feuchte.
Heißt in der Fecht-Kunſt, die rechten Streiche und Stoͤſſe von den Finten entſcheiden, und im Contra-Fechten gehoͤriger Maſſen pariren, und wie man niemahls unbedachtſam ſich aus dem Vor - theil geben und ſich bloͤſſen ſolle.
Wird bey der Jaͤgerey genennet dasjenige, was der Hirſch zwiſchen den Klauen an naſſem Laub oder Erdreich gefaſſet, und im Fort - ſchreiten zur Seiten auswirft. Es iſt ein Zeichen, wodurch der Hirſch in ſeiner Faͤhrte vor dem Thier er - kennet wird.
Nennet man, wenn bey einem Beſtaͤtigungs - oder Haupt-JagenAusdas gejagte Wildpret von der Herrſchafft aus den Zelten, oder dem ſo genannten Schirm geſchoſ - ſen wird, es ſey zu Lande oder bey einer Waſſer-Jagd.
Eines Wildes Spure finden, oder mit Spuͤrhunden daſſelbe auf - ſuchen.
Heißt in der Foͤrſterey durch gaͤntzliche Abraͤumung eines Stuͤ - cke Holtzes und Ausrottung der Stoͤcke und Wurtzeln den Grund und Boden zu einem Frucht-Fel - de oder Acker zurichten. Hat ein Eigenthuͤmer die Forſt-Gerechtig - keit nicht ſelbſt, kan er wider den Willen desjenigen, dem ſolche zu - ſtehet, dergleichen nicht vorneh - men: Wird es ihm aber erlaubet, ſo muß er gemeiniglich einen Ze - henden davon entrichten, welcher die Forſt - oder Stock-Garbe genen - net wird.
Ein Jaͤger-Wort, wird geſagt, wenn die Jaͤger dem Thiere das Eingeweide ausſchuͤtten, und es weglegen.
Heiſſet bey der Foͤrſterey den Gipfel oder Wipfel eines Baumes abhauen, welches an Tannen, Fich - ten, Wacholder-Baͤumen ꝛc. zu geſchehen pflegt, in den Forſt-Ord - nungen aber billig verboten iſt, weil dadurch viel junges Holtz ver - derbet wird.
Bedeutet das uͤberfluͤßige am Hufe oder Horne des Pferdes mit dem Wirckeiſen oder Wirckmeſſer ausſchneiden, damit das Hufeifen,wel -Ausches man aufſchlagen will, fuͤglich liegen koͤnne. An den Voͤrder - Fuͤſſen muß vornenher mehr aus - gewircket werden, als hinterwerts nach den Stollen zu. Denen Pferden, die hohe und hohle Hu - fe haben, ſoll man, wenn der zu - nehmende Mond 3 oder 4 Tage alt iſt, wohl auswircken laſſen. Wenn ein Pferd enge Ferſen und einen hohen Huf hat, welches man Eſels-Huͤfe nennet, ſoll man die Waͤnde mit dem Wirckmeſſer wohl nieder, und bey den Ferſen oder Strahlen weit ausſchneiden, da - mit die Huͤfe nieder, und bey den Ferſen weit geluͤfftet bleiben, daß das Leben wieder in die Fuͤſſe kom - men kan.
Waren bey den Griechen dieje - nigen Muſici, welche einen Epheu - Krantz trugen.
Heiſſen diejenigen Jnſtrumente oder Claviere, deren Palmulæ durch Wellen oder Cylindros, dieſe aber durch Waſſer oder Gewicht regie - ret werden.
Der Habicht, das Maͤnnlein, welches kleiner als das Weiblein. Autour fourcheret, ein Habicht, mittelmaͤßiger Groͤſſe; Autour ni - ais, ein Habicht, welchen man auf dem Baume faͤnget, ehe er noch recht fliegen kan; Autour paſſa - ger, ein Habicht, welchen man im Strich mit einem Garne faͤngt.
Jſt die Kunſt, die Habichte ab - zurichten, daß man damit baitzen kan, wie mit den Falcken.
Ein Falckenierer, der Habichte abrichtet.
Ein Strauß, iſt an Geſtalt der groͤſte Vogel, nemlich von ſeinen Fuͤſſen an bis zum Ruͤcken, ge - meiniglich 6 Schuh lang oder bis zum Kopff ſo hoch als ein Reuter, der auf einem Pferde ſitzt, und ei - nes ſo breiten Ruͤckens, daß ein Menſch darauf ſitzen kan, mit gleichſam haarigten, und der Farb nach am Schwantz und Fluͤgeln, mit blauen, rothen, ſchwartzen und gruͤnen unter einander ſo zier - lich und ſchoͤn vermiſchten Federn von der Natur begabet, daß dar - um die Kriegs-Leute mit dieſen und mit keinen andern ihre Helm und Sturm-Hauben zu bekroͤnen pflegen. Sie halten ſich mehren - theils in Africa, auch Arabien auf, allwo ſie Wuͤſteneyen und waſſe - richte Oerter lieben, da man ſie oͤfters ſo haͤuffig antrifft, daß ei - ner vermeinen ſolte, es ſtehen etli - che Regimenter Reuter, gleich ei - ner Schlacht-Ordnung, auf einem Platz beyſammen. Jhre Natur und Eigenſchafft beſtehet darinnen, daß ſie 1) mit aufgehobenen Fluͤ - geln, wie ein Pferd ſo ſchnell lauf - fen, weil ſie des ſchweren Leibes und der kurtzen Fluͤgel wegen nicht fliegen koͤnnen. 2) Daß ſie ſehr Veneriſch ſeyn, daß auch die Weib - lein 70 bis 80 harte und groſſe Eyer zu 15 Pfund ſchwer legen, welche von der Sonnenhitze im Sand ausgebruͤtet werden; 3) daß ſie alle von Natur die Pferde haſ - ſen, anfeinden und wunderbarer Weiſe verfolgen; 4) daß ſie ſich allermeiſt mit den Fuͤſſen wehren, worinnen ſie eine ſolche Staͤrckehaben,Azehaben, daß ſie die Menſchen da - mit gleich koͤnnen zu Boden wer - fen. 5) Sollen ſie einen ſolchen hitzigen und guten Magen haben, daß ſie Eiſen, Steine, Beiner und dergleichen verdauen koͤnnen. Ein mehrers ſ. unten Strauß - Vogel.
Eine Gattung wilder Pferde in Nieder-Aethiopien, bald auf die Art der Maul-Thiere, ihr Fell iſt ſcheckigt, und voll weiß und ſchwar -Azetzer Flecken, darunter noch andere, die ſich aufs rothe und blaue zie - hen. Dieſe Thiere lauffen unge - mein behende, und ſind uͤbel leben - dig zu fangen, laſſen ſich auch nicht als mit ſehr groſſer Muͤhe zahm und baͤndig machen. Jedoch hat einſten ein Portugieſe das Gluͤck gehabt, und deren 4 gefangen, die er auch nach Portugall gebracht, und dem Koͤnige praͤſentiret, der ſie vor ſeinen Wagen ſpannen laſ - ſen.
B, dieſer Buchſtab bedeutet in den Uiberſchrifften und Umſchlaͤ - gen muſicaliſcher Stuͤcke den Sin - ge-Baß, und zeiget im General - Baß an, daß der Baß daſelbſt al - lein ſingen werde. B. C. iſt das Zei - chen des Baſſo Continuo.
Das harte B, heiſſet in der Muſic, wenn in dem zum Clave B gehoͤrigen Accord die Tertia ma - jor, nemlich das d unten, und das F, als die Tertia minor zum d, oben ſtehet.
Jſt in der Muſic, wenn in dem zum Clave B gehoͤrigen Accord das weiche d (welches man fuͤglich mit einem Worte des nennen koͤnte) als die Tertia minor, un - ten, und die Tertia major, nem - lich das f, oben zu ſtehen koͤmmt.
Jſt entweder ein abſonderlicher, von dem alten diatoniſchen B (wel -Bches man itzo insgemein H heiſſet) herſtammender Clavis, und kan entweder ſchlechtweg B oder mit dem Zuſatz das weiche B genennet werden. Oder es iſt ein chroma - tiſches Zeichen, welches bey vielen andern Clavibus ſtehet, und zu de - ren Erniedrigung dienet; man koͤnte es das weichmachende B nennen. Denn wenn es einer Note zur lincken Hand und zwar in einerley Linie und Spatio ſtehet, ſo wird derſelben Note Klang um ein Semitonium minus erniedriget. Dieſer Clavis hat ſeinen Urſprung aus dem Tetrachordo Synem - menon derer alten Griechen, und iſt ohnſtreitig deswegen erfun - den und mit in die ſcalam muſi - cam geſetzt worden, damit man, aufwerts von demſelben zu rech - nen, mit dem f eine reine Qvint, und unterwerts eine reine Qvart bekommen moͤchte. Dieſes neu - eingeſchalteten Clavis Octav, nem - lich das kleine b, hat nachgehends zu Einfuͤhrung des weichen e, oder vielmehr es, und dieſes zum as undſoBſo weiter zu allen durchs B Zeichen gemachten Clavibus chromaticis Anlaß, auch zu deren Ausdruͤckung ſein Zeichen hergegeben. Jm Ge - neral-Baſſe bedeutet das b, wenn es vor oder nach einer Ziffer ſte - het, es ſolle ein ſolcher durch die Ziffer angezeigter Clavis um ein Semitonium minus niedriger ge - griffen werden: Ja in geſchriebe - nen Sachen wird die Zahl 3 gar ausgelaſſen, und das b, allein ge - ſetzt, zur Signatur der kleinen Terz gebraucht. Wo das gedoppelte b b ſtehet, wird der ordentliche Clavis B noch niedriger gemacht, ſo daß in Ermangelung des abſon - derlichen Clavis ſtat deſſelben auf dem Claviere das A gebraucht wird. Dieſen Clavem koͤnteman das weichgemachte B oder bes nen - nen, und dadurch denen, ſo den General-Baß lernen wollen, ei - nen richtigen Begriff beybringen, was zu ſolchem die Secund, Terz, Qvart, Qvint ꝛc. ſey.
Das viereckichte und harte B hat dieſen Nahmen bekommen, nachdem das b erfunden, und in die Scalam gebracht worden, da es vorhero ſchlechtweg B geheiſſen. Als ein Clavis iſt es in der Grie - chen ihrem erſten und unterſten Tetrachordo, Hypaton genannt, der erſte und unterſte, und iſt omnium clavium princeps genen - net worden. Die deutſchen Mu - ſici aber haben ſolchen diatoniſchen Clavem, B ſeiner Geſtalt wegen, H geheiſſen. Als ein Zeichen ward das Be quarré anfangs gebraucht, die durchs b moll um ein Semito - nium minus erniedrigte Claves wiederum um ſo viel zu erhoͤhen, und alſo aus weichen chromati - ſchen Clavibus wieder diatoniſcheBacoder alſo genannte natuͤrliche zu machen.
Jſt ein Pes in der Proſodie, ſo aus einer kurtzen und zwo langen Sylben beſtehet, und von dem Baccho ſeinen Nahmen fuͤhret, weil er gleichſam was hinckendes und taumelndes an ſich hat, und bey den Opffern deſſelben am mei - ſten gebraucht ward. Er hat in der heutigen Melotheſie oder mu - ſicaliſchen Setzkunſt keinen gerin - gen Nutzen, abſonderlich in Fugen von verſchiedenen Saͤtzen.
Heißt bey den Jaͤgern eine wil - de Schweins-Mutter, welche ih - re Jungen in ziemlicher Anzahl wirfft, auch ſolche vertheidiget ſo gut ſie kan, und wenn ſie ihnen ein Zeichen durch Gruntzen giebt, fahren die jungen Ferckel unter die Stauden, und liegen daſelbſt ſo lange ſtille, bis die alte wieder ein Zeichen giebt, daß ſie hervor kom - men ſollen; bey der Mutter blei - ben ſie ſo lange, bis ſie uͤbers Jahr wieder Junge wirfft, alsdenn blei - ben ſie allein beyſammen, und neh - ren ſich, ſo gut ſie koͤnnen. Jm dritten Jahr werden ſie erſt tuͤch - tig zur Brunſt, und bekommen mehr Hertz ſich zu wehren, denn ſie gehen dem Tode tapffer unter Augen, und widerſetzen ſich ſo wohl Jaͤgern als Hunden. Jhre ordentliche Brunſt-Zeit iſt um Andreaͤ, da ſie denn um Lichtmeß friſchen; doch halten ſie die Brunſt - Zeit nicht ſo ordentlich, als andere Thiere.
Nennen die Jaͤger diejenigen Dachs-Schliefer, welche ſich aufdenBacden Biber - und Fiſch-Otter-Fang abrichten laſſen.
Wird eine Art Podoliſcher Pfer - de genennet, welche von ungemei - ner Dauerhafftigkeit ſeyn, haben lange Maͤhnen, vorgebogene Stirn, breite und harte Huͤfe, daß ſie keines Beſchlagens gebrauchen, ſie koͤnnen Tag und Nacht an ein - ander fortlauffen, ohne gefuͤt - tert zu werden, ſondern rauffen nur am Wege ein Maul voll Gras aus, und lauffen darauf wieder fort. Winters-Zeit ſind ſie gemei - niglich von Haaren lang und kraus, wie ein Pudelhund, im Sommer aber ſind ſie wieder kurtzhaarigt, und von allerhand Farben. Jn ſteinigten und gebirgichten Orten ſind ſie nicht ſo wohl zu gebrau - chen, als wo es eben iſt.
Solche ſind die groͤſten und breiteſten unter den Zaͤhnen, ſon - derlich bey denen Pferden; welche noch 2 mahl ſo groß ſind als die voͤrderſten Zaͤhne.
Die Marckgrafen von Baden - Baden und Baden-Durlach ha - ben einerley Wappen, nur daß in Rangirung der Schilder einiger Unterſcheid iſt. Sie fuͤhren we - gen Baden eine breite ſchraͤg-ge - hende rothe Straſſe im gelben Felde; wegen der hintern Graf - ſchafft Spanheim ein weiß und rothes Schachſpiel von 16 Abthei - lungen; wegen Brißgau einen ro - then gecroͤnten Loͤwen im ſilber - nen Felde; wegen der Grafſchafft Eberſtein ein getheiltes Schildlein, in deſſen obern weiſſen Felde eine Roſe, in dem untern gelben Thei -Badle aber ein ſchwartzer Eber auf ei - nem gruͤnen Raſen erſcheinet; we - gen Badenweiler einen guͤldenen Balcken im rothen Felde mit 3 ſchwartzen Sparren; wegen der Herrſchafft Uſenberg einen ſilber - nen Fluͤgel mit einem halben guͤl - denen Circkel im blauen Felde; wegen der Herrſchafft Roͤteln ein qver getheiltes Schild, in deſſen oberſten Theile ein rother aufſtei - gender Loͤwe, in dem unterſten aber 5 Wellenweiſe gehende Straſſen erſcheinen; wegen der Herrſchaff - ten Lahr und Mahlberg ein in die Laͤnge getheiltes gelbes Schild, in deſſen erſtem Theile eine rothe Zwerg-Straſſe, in dem andern ein ſchwartzer gecroͤnter Loͤwe; und endlich wegen der vordern Graf - ſchafft Spanheim ein 16 feldiges blau und gelbes Schach-Spiel. Die zu dieſem Haupt-Schilde ge - hoͤrigen Helme ſind ein gecroͤnter Helm, aus welchem zwey gebun - dene Bocks-Hoͤrner herfuͤr ſteigen, wegen Baden; ein gecroͤnter Helm mit einem dreyfachen Pfauen - Schwantze, wegen der hintern Grafſchafft Spanheim; zwey Helme wegen der Grafſchafft Eber - ſtein, deren einer zwey ſilberne Elephanten-Ruͤſſel, iede mit drey weiſſen Staͤblein und drey gruͤnen Blaͤttern gezieret, und in deren Mitte eine Roſe repraͤſentiret, der andere aber zeiget einen Manns - Leib von Gold mit einer Biſchoffs - Muͤtze, auf deſſen Bruſt ein Eber; ein gecroͤnter Helm mit einem uͤber ſich ſteigenden Loͤwen, wegen Briß - gau; ein Helm mit dem Leibe eines Juͤnglings, wegen Badenweiler; ein Helm mit einem Mannsbilde, in blauer Kleidung und einer Po - lacken-Muͤtze, wegen der Herr - ſchafft Uſenberg; ein Helm miteinerBadeiner rothen und guͤldenen Bi - ſchoffs-Muͤtze, wegen Roͤteln; ein Helm mit einer runden Schei - be, darinne ein ſchwartzer Loͤwe, wegen Mahlberg; und ein Helm mit dem Ober-Leibe eines Juͤng - lings mit zwey an ſtat der Arme eingeſetzten Hoͤrnern, wegen Lahr.
Lapperey-Poſſen, geſchicht oͤff - ters, wenn einem ſein Pferd mit Fleiß hinckend gemacht wird, oder daß es nichts iſſet, oder aber nicht aus ſeinem Stand heraus zu brin - gen iſt, wenn man es thut, etwan einen guten Freund, der einen be - ſucht, etwas laͤnger aufzuhalten, wenn man ihn gerne hat; wie ſol - ches zu machen, iſt in dem 2 Theil der Pferde-Anatom. pag. 1112 be - ſchrieben.
Jſt ein Weidmaͤnniſch Wort, und bedeutet die Haut derer Raub - Thiere, als Woͤlffe, Fuͤchſe und der - gleichen.
Ein grimmiges, ſtarckes und be - kanntes Thier, welches ſich gern in dicken Wildniſſen aufhaͤlt, und alles an Fruͤchten friſt, was ihm vorkommt, ſonderlich das Honig ſehr liebt, dahero ihm offtermahls ſolches uͤber die Gruben geſtellet wird, in welchen er ſoll gefangen werden. Des Winters ſchlaͤfft er meiſtentheils in ſeiner Hoͤhle, und ſoll er alsdenn nur bloß von dem Saugen ſeiner Tatzen ſich naͤhren, daher er auch im Fruͤh-Jahr gantz mager wieder hervor kommt; ſeine Jungen, die nach der Geburt nur wie ein unfoͤrmlich Stuͤck FleiſchBaͤrausſehen, lecket er ſo lange, bis ſie eine Geſtalt gewinnen. Nach Verſchiedenheit der Laͤnder iſt ſei - ne Farbe auch unterſchieden, als in Pohlen ſchwaͤrtzlich, in Groͤnland weiß, in Boͤhmen etwas roͤthlich. Sie werden auf mancherley Art gefangen, am fuͤglichſten aber ge - ſchoſſen; will man ihn mit Ge - walt hetzen, muß man gute En - gliſche Hunde und hertzhaffte Jaͤger mit Fang-Eiſen oder Knaͤbel - Spieſſen haben; ſo bald ihn einer verwundet, gehet er ſchnell auf ihn los, giebt ihm aber ein anderer wieder einen Fang, ſo verlaͤſt er den erſten, und gehet auf den an - dern, daß ſie alſo ſtets abwechſeln muͤſſen, bis ſie ihn abmatten und faͤllen. Die gebraͤuchlichſten Jaͤ - ger-Termini vom Baͤren ſind: Der Baͤr brummet, friſt, gehet von und zu Loch oder Lug, geht, erhebt, und erniedriget ſich, ſpringt, ſteigt, faͤllt, trifft, erdruckt, ſiehet nicht wohl, hat eine Haut, ſchwere Bracken oder Tatzen, wird gejagt, erſchoſſen, gefangen, geſtreifft: das Fett vom Baͤr heiſt Feiſt, ſei - ne Klauen nennet man Krallen: Ein Maͤnnichen machen, wird von ihm geſagt, wenn er ſich in die Hoͤhe richtet. Jn den Officinen werden von Baͤren gebraucht das Fell, die Galle und das Aug. Jn America bey der Bucht von Cam - peche, giebts eine Art von Baͤren, welche Ameiſen friſſet, ſo groß als ein Hund und von ſchwartzbrau - nen Haaren. Er hat eine ſubtile Zunge, wie ein Regen-Wurm, welche er uͤber den Weg ſtrecket, wo die Ameiſen hin und her lauf - fen; an dieſelbe haͤngen ſich die Ameiſen an, und wenn ſie gantz voll ſitzet, ſo ziehet er die Zunge hinein, und verſchlinget die Amei -Ritter-Lexic. DſenBaͤrſen. Daher ſchmeckt ſein Fleiſch auch ſtarck darnach.
Jſt eine kuͤnſtlich-zugerichtete Falle, darinnen ſich die Baͤre ſelb - ſten fangen. Man macht nemlich in Waͤldern, wo man Baͤre ver - muthet, eine Grube, ſieben bis acht Ellen ins Gevierte, und acht Ellen tieff; dieſe wird eine halbe Elle dick mit beſchlagenem Holtze nach der Hoͤhe gantz glatt ausge - ſchaͤlet, ſo wie die Spund-Pfaͤle feſt in einander gefuͤget werden, und inwendig glatt behobelt, daß der Baͤr mit den Klauen nicht hafften kan, unten wird der Bo - den ebenfalls feſte verſpuͤndet, daß ſich kein Thier durchgraben koͤnne. Oben legt man vier glatte, ſtarcke und runde Balcken auf den Sei - ten daruͤber, die etwas uͤber den Fang weggehen, welche mit Schaal-Holtz, Reiß und Erde bedeckt, und dem andern Erdreich gleich mit Laub und Streuling verwildert wird, daß die Baͤren und anderes Wild ihren gewoͤhn - lichen Wandel und Weg ohnge - hindert paßiren moͤgen. Dieſes noch mehr zu befoͤrdern, verhauet man unvermerckt von Windbruͤ - chen einen Creutz-Zaun und ver - legt ihn mit Reiß-Stangen. Nach etlichen Monaten, wenn das Wild uͤber die gegrabene Gru - be ihren Gang genommen, oͤffnet man den Baͤren-Fang gantz rein, leget kleine ſchwache Stangen daruͤber, auf die runden Balcken, und wieder ſchwach Reiß oder Tangel-Aeſtlein darauf, verwildert alles mit Laub oder Streuling, dem uͤbrigen Erdboden aͤhnlich. BaͤrMitten darauf ſetzet man einen Topf mit Honig, welcher mit ſei - nem Geruch den Baͤr an ſich lo - cket, aber auch zugleich mit dem - ſelben in die Grube purtzelt. Will man den Baͤr lebendig heraus fan - gen, muß an der Seite des Fan - ges ein viereckigt Loch anderthalb Ellen ins Gevierte bey Zurichtung des Fanges unten durchgehauen werden, daß ein Baͤr durchkrie - chen kan; dieſe Roͤhre muß 3 El - len lang feſte geſchalet ſeyn: in - wendig ſowohl als auswendig wird eine Fallthuͤre angebracht, von ſtar - cken eichenen Pfoſten 5 Zolle dick, mit eiſernem Bleche wohl beſchla - gen. An die Fang-Roͤhre wird der Baͤren-Kaſten mit 4 ſtarcken Ringen durch Ketten feſt ange - gemacht. Wenn nun die Fall - Thuͤre aufgehoben iſt, und der Baͤr, den man mit einer Stange von oben ſtoͤſſet, das Loch gewahr wird, ſuchet er dadurch einen Aus - gang, da ſodenn die Fall-Thuͤre hinter ihm zugelaſſen, und wenn er in dem Kaſten iſt, dieſer gleich - falls zugemacht wird. Alsdenn laͤdet man ihn auf, reitelt ihn feſt an, und faͤhrt ihn weg wohin man will. Der Eingang zur Seiten nach der Roͤhre, wo der Kaſten geſtanden, wird mit altem Holtz und Reißig verworfen, damit es nicht zu mercken ſey. Nach der Grube wird nur in 3 bis 4 Tagen geſehen, und ſteigt man etwan 50 Schritte davon auf einen Baum; erblickt man ein Loch, ſo hat ſich was gefangen.
Jſt ein wohlverwahrtes Behaͤlt - niß, worinnen ein lebendiger Baͤr ohne Schaden und Gefahr, wohin man will, gebracht werden kan. Wie derſelbe gemacht werde, iſt imOcco -BaͤrOeconomiſchen Lexico ausfuͤhrlich beſchrieben.
Ein Regiſter und Stimmwerck in den Orgeln, von 16 oder 18 Fuß Ton; ſind faſt als wie zwey uͤber einander geſtuͤlpte Trichter, doch in der Mitte von gleicher Weite: Es iſt ein gedacktes tieff - brummendes Schnarrwerck.
Das Ring-Rennen, iſt ein rech - tes ritterliches Exercitium, wel - ches bey hohen Standes-Perſo - nen immer in groſſem Werth gehal - ten worden. Solches wird auf verſchiedene Art exerciret, da all - zeit vor dem Cours eine reverence mit der Lantze, darauf eine Demi - Volte im Galop rechts gemacht wird, ehe das Pferd in die Carri - ere laufft. An einigen Hoͤfen wird auch die Demi-Volta auf die lin - cke Hand vorher genommen, da - mit das Pferd deſto lieber ſoll rechts anſprengen. Wobey auch viele Fehler koͤnnen beym Ring - Rennen begangen werden, welche die Treffen vernichten, deren etli - che 20 gezehlet werden.
Ein ebener richtiger gebahnter Weg. Jn der Reit-Kunſt, wird derjenige Ort, wo die Pferde be - ritten und getummelt werden, die Reitbahn genannt.
Heißt ein Pferd, welches natuͤr - licher Weiſe von dem fuͤnfften Jahr an, bis zu dem Alter an al -Bailen vordern Zaͤhnen das kleine Gruͤblein mit den ſchwartzen Zei - chen behaͤlt, welche Zeichen man germe de Feve, oder Bohnen - Schuß nennet. Die Pohlniſchen, Hungariſchen und Crabatiſchen Pferde haben gemeiniglich haͤrtere Zaͤhne als die andern, darum wer - den ſie nicht abgenutzt, und ver - lieren auch den Bohnen-Schuß nicht bis ins 12 und 15 Jahr an den vordern Zaͤhnen; die Stuten ſind auch mehr unterworffen Baigu zu werden, als die Hengſte, wie denn auch die Stuten keine Hacken - Zaͤhne haben, und alſo an der Zahl nur 36, die andern aber 40 Zaͤhne haben, und dieſelben werden im Alter lang, weißſchleimigt und vom Zahnfleiſch entlediget.
Stellet vor die Haupts-Neigung, Nippen oder Gollen der Pferde, ſo gefaͤhrlich und gleichſam ein Vorbote iſt, daß deren Gehirn gern zu einer duͤnnen und endlich faulenden Materie wird, wovon das Pferd groſſen Kopf-Schmertz empfindet, und liegt ihm duͤſter vor den Augen, ſo daß es ihm duͤncket einen dicken Nebel vor demſelben zu ſehen, dahero ihm der vermeinte Dunſt widerwaͤrtig vor - kommt, und wohl gar mit den vor - dern Fuͤſſen darnach hauet, als ob es ſich wolte vor den Muͤcken weh - ren, und iſt ein Anfang zum Kol - ler, wenn nicht bald im Anfange geholffen wird. V. Pferde-Anat. II Th. p. 1121.
Kuͤſſen; dieſes pflegen die Ba - teleurs ihren Pferden nebſt andern Kuͤnſten anzugewoͤhnen, daß ſie ſie kuͤſſen muͤſſen. ſ. Art Anglois.
D 2Baiſſer,Erniedrigen, niederlaſſen; en baiſſant la main, im Niederſchla - gen der Hand bey dem Tact-Ge - ben.
Jſt ein Terme bey den Jaͤgern, und heißt mit abgerichteten Raub - Voͤgeln, als Habichten, Falcken, Blau-Fuͤſſen, Sperbern, Sprin - tzen und andern auf die Jagd zie - hen, und damit andere wilde Thie - re und Voͤgel fangen. Sonder - lich iſt die ſehr koſtbare alſo genann - te Reiger-Baitz bekannt, da, ſo bald als ein Milan oder Reiger aufgetrieben, und des Falcken ge - wahr wird, der Reiger in die Hoͤ - he ſteiget, worauf der Falck des - gleichen thut, doch ſo, als ob er den Reiger nicht ſehe, bis er ihn end - lich uͤberhoͤhet, worauf er anfaͤn - get mit ſeinen ſtarcken Waffen auf den Reiger einen Griff zu geben, ſich wieder uͤber und um ihn herzu - ſchwingen, bis er ſeinen Vorthel erſiehet, ihn gar anzupacken. Er hat ſich aber dabey vor des Rei - gers ſpitzigem Schnabel wohl vor - zuſehen, weil ſolcher den Hals auf den Ruͤcken legt, und den Schna - bel uͤber ſich haͤlt. Alsdenn kaͤm - pfen ſie ſo lange mit einander, bis der Reiger uͤberwunden wird, und zu Boden faͤllt. Es wird aber ſo ein Reiger, wenn er alsdenn beym Leben bleibet, und die hohe Herr - ſchafft ihre Luſt an der Baitze ge - habt, gemeiniglich mit einem ſil - bernen Wappen-Ring um den Fuß wieder losgelaſſen, ſo daß es ſich vielmahl zutraͤgt, daß ein ſol - cher Reiger uͤber lang oder kurtz wieder gefangen wird, der einen oder mehr Ringe um den Fuͤſſen hat, wie dann der Koͤnig in Preuſ -Baiſen An. 1710 im May auf der Rei - ger-Baitze zu Linum unter andern auch einen ſolchen Reiger gefan - gen, welcher einen Wappen-Ring an dem Fuß gehabt, der ihm von dem Churfuͤrſten Friedrich Wil - helm dem Groſſen noch angeleget worden. So hat auch ein Fuͤrſt von Oettingen einsmals einen Raiger geringelt, und ihn wie - der fliegen laſſen, welcher nachge - hends den vierten Tag hernach im Wolffenbuͤtteliſchen wieder gebai - tzet, und gefangen worden, wor - aus zu bemercken, wie ſchnell ſie fliegen koͤnnen. Zur Haſen-Baitz braucht man ſo wohl den Habicht, als den Falcken. Man reitet in einer Reihe, als ob man hetzen wolte, und fuͤhret die Windhun - de zwiſchen ſich: Wenn nun die Stoͤber etwas aufgetrieben, laͤſt man einen Windhund und auch den Falcken los, dieſer eilet ihm in ei - nem Bogen-Schuß nach, giebt ihm etliche Stoͤſſe oder Faͤnge, und haͤlt ihn ſo lange, bis ein oder mehr Hunde darzu kommen. Der Ha - bicht gehet dem Haſen niedrig auf der Erden nach, giebet demſelben einen ſtarcken Griff, und haͤlt ihn feſt mit der rechten Waffen, mit der lincken aber ergreifft er die Er - de ſo ſtarck, daß er den Haſen er - haͤlt. Die Hunde, ſo man zum Baitzen braucht, muͤſſen des Vo - gels gewohnt ſeyn, und demſelben keinen Schaden zufuͤgen. Die Baitzen erfordern gut Wetter, weil bey truͤben Himmel der Vo - gel keine Luſt hat, und man nicht nur den Vogel, ſondern auch den Raub leicht aus dem Geſichte ver - lieret. Jhren Anfang nehmen ſie gemeiniglich um Bartholomaͤi, und endigen ſich um Lichtmeß wie - der. Zu Werfung des VogelswirdBaiwird ein ſcharfſehendes Auge, ein guter Verſtand und eine fertige Fauſt erfordert.
Sind ſolche, die als Stoͤber auf der Baitze gebraucht werden, und denen Huͤner - oder Wachtel - Hunden in allem gleich; nur iſt dieſer Unterſchied, daß ſie auf der Baitze nicht vorſtehen, noch wie die vorſtehende Hunde weit voran oder hin und wieder ſtreichen duͤrfen, ſondern hart und nahe vor dem Falckenier her ihren Such thun ſollen.
Ein Tantz zuſammen gekomme - ner Leute, beyderley Geſchlechts, die ſich bey einer ſchoͤnen Muſic und guten Collation mit Tantzen ergoͤtzen, dergleichen bey groſſen Hoͤfen vorgehen, denen hernach die Miniſtri und andere vornehme Herren in der Stadt nachfolgen. Daher ſagt man, dieſer oder jener hat einen vornehmen Bal gege - ben, bey deſſen Endigung einem andern dem Bal beywohnenden Cavalier oder Dame ein gewiſſes Zeichen, als entweder ein Bou - qvet oder Schnupfftuch gegeben wird, welche Perſon dann hierauf dieſelbe Compagnie auf einen andern Tag in ihr Haus einladen, und ſolche daſelbſt mit einem an - dern galanten Bal regaliren muß, und fuͤhret eine ſolche Dame, die das Bouqvet bekommen, alsdenn den Nahmen de la Reine du Bal, der Koͤnigin vom Tantz. Der Bal iſt von der Aſſemblée darinne un - terſchieden, daß man zu jenem aus - druͤcklich zum Tantz eingeladen wird, bey den Aſſembléen aber auch um Eſſens, Trinckens, Spie - lens, Muſicirens und der Conver -Balſation willen zuſammen koͤmmt. Der vornehmſte Endzweck eines Bals iſt kein anderer, als die aͤuſ - ſerliche Sitten-Lehre auszuuͤben, und Proben ſeiner Geſchicklichkeit abzulegen.
Tantzendes Pferd; ihme ſolches zu lernen, iſt die ſchwereſte Le - ction unter allen andern, und iſt zweyerley, eine gehet in einem ge - ſchwinden Tact, und koͤnnen aller - hand Taͤntze, ſo ohne Tripel, da - mit getantzet werden, die andere gehet in einer ſolchen Motion, in welcher Tripel - und Æqual-Tact, ieder Courant, Sarraband und Bransle getantzet werden. Gleich - wie aber im Tantz allerley Noten und Cadentzen vorkommen, alſo muß auch hierinnen das Pferd nach dem Tact ſehr langſam gehen, ja offt in einem Tact zwey Tempi machen, und doch im Tact bleiben, ſo alles durch Huͤlffe des Reuters und Tempo di Gamba geſchehen muß.
Eine Wagſchale mit 2 Schuͤſ - ſeln, die auf beyden Seiten gleich, da eine Schale nicht mehr be - ſchweret iſt, als die andere, dahe - ro auch eine nicht tieff herunter, die andere aber hoch hinauf gezo - gen wird.
Schnellwage hat 2 Hacken, ei - nen darinnen die Laſt haͤnget, den andern, da die Laſt, (ſo man ver - gleichen will) gehaͤnget wird, da - rinnen ein Gewerbe umgehet, daß er zu beyden Seiten zu gebrauchen; Auch kan man dieſe Wage mit zwey hacken zum Aufziehen berei - ten, und auf zweyerley Art wie -D 3gen.Balgen. z. E. Als auf einer Seite Nuͤrnbergiſch, auf der andern nach dem Gebrauch des Landes, oder auf einer Seite Pfund, und auf der andern Centner ꝛc. Dieſe Schnellwage iſt auch nuͤtzlich zur Pferd-Zaͤumung zu gebrauchen, daß gleichwie an dem kurtzen Theil die Laſt haͤnget, an dem langen Wag-Balcken aber das Gewicht und die Schwere anzeiget, auch in den Zapffen die Empfindung des Mundſtuͤcks giebt, alſo iſt auch des Pferdes Kopff die Laſt, ſo das Obertheil der Stange, und die Kinnkette, des Reuters Fauſt das Pfund, das Untertheil der Stan - gen der Wagbalcken, das Ober - theil aber dem kurtzen Theil der Schnellwage zu vergleichen, daß ſolche an und bey dem Mundſtuͤck hange, das Untertheil der Stan - gen, woran das Pfund haͤnget, (welches durch die Fauſt des Reu - ters verſtanden) als das Pfund die Wirckung den Gebrauch thun muß.
Koͤmmt ſonderlich denen Seil - Taͤntzern zu, weil ſie ſonſten auf ihrer ſchmalen Paſſage kurtze Lufft - Spruͤnge machen duͤrfften, zu wel - chem Ende ihnen die Gewichts - Stange wohl zu ſtatten koͤmmt, vermoͤge welcher ſie ihren uͤberſen - ckenden Leib in gleicher Balance wieder ſtellen koͤnnen.
Jſt auch ein Terme in der Tantz - Kunſt, da nehmlich der Leib des Taͤntzers auf einem Fuß ſtehend, und den andern in der Hoͤhe hal - tend, nach der Cadence der Muſic balanciret. Die Balance muß auch im Reiten gehalten werden. V. Pas de Palance.
Jſt ein Edelgeſtein, der eine blei - chere Roͤthe oder Glantz, als ein Carbunckel hat, und wird darum Balaſius oder Palaſtius genannt, weil er gleichſam die Mutter, Woh - nung und Pallaſt iſt, in welchem der Carbunckel oder der rechte Ru - bin gezeuget wird.
Ein Ercker oder Trompeter - Gaͤnglein, iſt auſſen vor dem Fen - ſter eines Pallaſts, ein kleiner Gang mit einem Gelaͤnder, auf welchem die Trompeter unter waͤh - render Tafel blaſen koͤnnen. Man hat auch Balcons in denen Reit - haͤuſern, allwo die Liebhaber be - qvem ſtehen, und dem Reiten zuſe - hen koͤnnen.
Wird das abgezogene oder ab - geſtreiffte Fell einiger kleinen Thie - re, als des Haſens, Caninichens ꝛc. und auch der Raub-Thiere, als des Wolfs, Luchſen, der wilden Ka - tzen, des Fuchſen, der Fiſch-Otter ꝛc. genennet.
Bey dem Vogel-Fange heißt ein ausgeſtopfter Vogel, welchen man auf einem kleinen Pfal in die Erde ſtecket, daß es ausſtehet, als ſtuͤnde der Vogel auf ſeinen Fuͤſ - ſen, die herum fliegenden Voͤgel damit auf den Herd zu locken.
Kan der in einigen Orgeln be - findliche Zug genennet werden, ſo nach den Balgen gehet, und die - ſelben alle zugleich los laͤſſet, auch wiederum verſchleußt, daß der Cal - cant nicht mehr treten kan.
Ball,Daher Ball-Spiel, Luſus Pilæ, Ball-Haus, Sphæriſterium, wird billig mit unter die zur Gemuͤths - Ergoͤtzung und Erhaltung der Ge - ſundheit vergoͤnneten Leibes-Exer - citia gerechnet, wie denn Galenus ſelbſt ſeinen mediciniſchen Schriff - ten einen Tractat von Nutzbarkeit des Ball-Spiels einverleibet. Das Alterthum des Ball-Spiels waͤre leichtlich von der Griechen und Roͤmer Zeiten herzuleiten, (ſ. 2 Maccab. IV, 12) wiewohl der Er - finder deſſelben nicht eigentlich zu benennen; indeſſen finden ſich bey den Griechen vielerley Arten der Ballen, welche der gelehrte Medi - cus Mercurialis de Arte Gymna - ſtica in Sphæram Magnam, Par - vam, Vacuam & Corycum, in den groſſen, kleinen und leeren Ballen, und in Corycum, wel - cher aber ietziger Zeit gantz unbe - kannt, und nicht gewiß zu beſchrei - ben iſt, unterſcheidet. Bey den Roͤmern waren gleichfalls vier Ar - ten von Ballen im Gebrauch, als Follis, Trigonalis, Paganica, und Harpaſtus, welche viererley Arten Cœlius Aurelianus, unter Benen - nung Sphæræ Italicæ, oder des Jta - liaͤniſchen Ballens verſtanden. Follis war ein Ball von Leder ge - macht, und mit Lufft oder Wind aufgeblaſen, und kam mit der Griechen ihrer dritten Ballen-Art uͤberein; Trigonalis war ein klei - ner Ball, ſo dieſen Nahmen ent - weder von dem Ort, wo man da - mit geſpielet und dreyeckigt gewe - ſen, oder vielmehr von Stellung der Spielenden uͤberkommen; Pa - ganica erhielt den Nahmen von den Pagis oder Doͤrffern, woſelbſt der gemeine Mann ſich mit dieſer Art des Vallens beluſtigte, wiewohlBalauch ein Theil der Stadt Rom Pagi genennet worden. Harpa - ſtum war eine Art von ſchweren und groſſen Ballon, welche nur ſtarcke Maͤnner ſchlagen kunten. Heutiges Tages iſt bey uns noch bekannt der Ballon, welcher mit Wind aufgeblaſen, und ſo dann mit Haͤnden auf freyem Felde ge - ſchlagen wird; nebenſt den Ball - Haͤuſern, die hin und wieder in groſſen Staͤdten aufgebauet ſeyn. Jn dieſen wird entweder ballotirt, das iſt, ein Ballon ſo lang gegen einander geſpielet, mit der Raqvet - te hin und her geſchlagen, und von denen in den vier Ecken des Bal - len-Hauſes ſtehenden Spielern, deren der eine die ſo genannte Gril - le, der andere le Trou, und die 2 uͤbrigen la Galerie, bewahren, mit allem Fleiß dahin gezielet, wie ieder ſeinem gegenuͤber ſtehenden Adverſario den Ballen in das ih - me zu bewahren zukommende Loch einſchlagen moͤge; oder es wird Partie geſpielet, und ein gewiſſes Geld aufs Spiel geſetzt, da denn quinze, trente, quarante, cinq, und endlich partie gezehlet wird, quinze un oder trente un bedeutet, daß ieder gleiche Spiele habe, ma - chen ſie beyde quarante cinq, ſo heiſts à deux le jeu; der hierauf noch einen Schlag gewinnet, hat avantage, und ſo es ihm noch ein - mahl gluͤcket, alsdenn ein Spiel von der Partie gewonnen; dabey ſtehet nun der Marqueur oder Auf - zeichner, welcher die Schlaͤge und erhaltene Vortheile des einen und des andern notirt, und ſolches iſt gemeiniglich der Ballmeiſter ſelbſt, oder der Marqveur, welcher ſeine Stelle vertritt, und gleichfalls ei - nen guten Ballen zu ſchlagen ver - ſtehen muß.
D 4Ballads,Sind eine Art der Angloiſen oder Engliſchen Taͤntze. Das Wort koͤmmet vom ballet oder Tantz insgemein her; eigentlich aber ſind es melismatiſche Oden oder Lieder, mit vielen Strophen, die zwar vornehmlich zum Singen geſetzt, doch auch bisweilen zum Spielen und Tantzen, wie die Frantzoͤſiſchen Vaudevilles, oder Gaſſenhauer, gebraucht werden. Es iſt davon eine Sammlung un - ter dem Titel: Pills to purge Me - lancholy, das iſt, Pillen wider die Traurigkeit, heraus gekommen.
Sind Taͤntze und Lieder, wor - nach getantzet wird.
Jſt das kleineſte Theatraliſche Stuͤck, und ein kurtzes, von Rechts wegen nur aus einer eintzi - gen Handlung beſtehendes, zur bloſſen Luſtbarkeit erſonnenes Schau-Spiel, darinnen faſt mehr getantzet, als geſungen wird; wiewohl was die Handlungen anlanget, groſſe Ausnahme und Freyheit ſtat findet. Sein Abzei - chen iſt die Freude und Wonne - und ſonſt keine Haupt-Leidenſchaft, die nicht in lauter Luſt beſtehet. Der Componiſt muß in der Hyp - orchematiſchen Schreibart uͤber die maſſen wohl gewiegt ſeyn, oder einen muſicaliſchen Tantzmeiſter zum Gehuͤlfen nehmen, wofern er nicht ausgelacht ſeyn will. Die Arien und der Recitativ eines ſol - chen Ballets (hier wird aber mehr, als der ſogenannte kleine Tantz verſtanden) haben in Ver - gleichung mit andern ein groſſes Abzeichen darinnen, daß ſie nur galant und natuͤrlich, nicht aber ſehr kunſtlich und ausgearbeitetBalſeyn duͤrfen. Die Arietten finden ihren Platz haͤuffig; das Arioſo aber gar nicht, weil es zu ernſt - hafft iſt, welches kein Ballet lei - det, ſondern allezeit etwas freyes und munteres haben will. Kurtz, ein Ballet dieſer Art erfodert lau - ter Leben, Geiſt und Galanterie. Demnach iſt es kein Werck eines gelehrten Componiſten oder theo - retiſchen Meiſters, ſondern eines aufgeweckten Kopfes, welcher gar feine, natuͤrliche und dabey durch - dringende Verſtands-Gaben beſi - tzet, die Welt kennet und der Er - fahrung ſeine meiſte Geſchicklich - keit zu dancken hat.
Haben ihren Nahmen von dem griechiſchen Worte βάλλειν, weil ein wohlgeuͤbter Ballet-Taͤntzer ſeine Fuͤſſe und gantzen Leib der - maſſen nette, leicht und geſchwin - de zu zwingen weiß, daß er gleich - ſam einem geworfenen Balle aͤhn - lich wird, und ſind ſonderbare, fi - guͤrliche, kuͤnſtlich componirte Taͤn - tze, deren hatten die Alten vierer - ley, als 1) Tragiques, dieſe waren ernſthafftig, 2) Comiques, dieſe waren luſtig, 3) Satyriques, die waren zuweilen allzufrey, und ſind diejenigen, darwider die klugen Heyden allezeit geredet, die andern hingegen in keine Wege verwor - fen haben, 4) Thymeliques, dieſe waren allegoriſch. Nach dieſen giebt es auch 5) Idilles, dieſe ſind ingenieu - ſe Vorſtellungen moraliſcher u. na - tuͤrlicher Dinge, welchen man leben - dige Formen zu bewegen zueignet. Nach dieſen hat es auch, 1) Ballets Ambulatoires, dergleichen bey Pro - ceßionen in Spanien oder auch in den Aufzuͤgen gebraͤuchlich. 2) Ballets, Praͤſenten zu uberreichen; dieſe ſtammen von den Roͤmernher,Balher, welche ihren Generalen und Soldaten in ihren oͤffentlichen Schauſpielen Praͤſenten ausge - theilet, und iſt auch noch bey den Tourniren und Carrouſels ge - braͤuchlich, daß man die Preiſe auf denen darauf folgenden Bals un - ter waͤhrendem Tantzen austhei - let. 3) Zapates, ſind dieſe Bal - lets, welche ſich unverhofft praͤ - ſentiren, und meiſt auch Geſchen - cke dabey uͤberreichet werden. 4) Roß-Ballets, dieſe ſind Militairs, und zeigen, wie weit ein Cavalier ein ſo nobles Thier, als ein Pferd iſt, dreßiren kan, und Gelegenheit hat, ſeine Geſchicklichkeit zu wei - ſen, ein ſolches Thier auch ad nu - tum (auf den Winck) in menſura und tempo einer Melodie zu re - gieren. Dieſe Ballets haben auch die gehoͤrigen 6 Stuͤcke, nur daß man ſich in den Expreßionen, welche durch Bewegen geſchehen, nach dem Vermoͤgen der Thiere richten muß. Endlich giebt es auch noch andere Arten, welche man Bal - lets d’ Attache nennet, d. i. welche nicht fuͤr ſich ſelbſt, ſondern mit andern Repraͤſentationen ver - knuͤpft ſind, als 1) bey der Tragoͤ - die, 2) bey der Comoͤdie, 3) bey der Opera, 4) bey den Carrouſels, 5) bey den Maſqveraden, 6) bey den Koͤnigs-Spielen, 7) bey den Wirth - ſchafften, 8) bey den Redouten. Worbey abſonderlich die vielerley Arten der Voͤlcker in ihren Tan - tzen, in Conſideration kommen. Auch ſind die letzten 4 Arten, als Eſſentiale Metaphoren, wenn ſie wohl ordiniret ſind, gar ſinnreiche Dinge.
Ein Schrancken oder hohes Ge - laͤnder, da ein geharniſchter Rit - ter den andern zu Pferde, mit demBalſtarcken Spieß oder Lantze im Tur - nier attaqvirte. Die Ballia war 250 Werckſchuh lang, und 6 Schuh hoch, die Weite zum Einzug war 12 Schuh weit, damit bey dem Einritt deſto mehr Raum blieb.
Sind luͤfftige Spruͤnge, in die - ſer Art muß das Pferd mit allen vier Fuͤſſen losgemacht ſeyn, in - dem es ſich zugleich von der Erden erhebet, und in die Lufft gehet, und in einem Tempo mit allen 4 Fuͤſſen, wie ein Ball wieder zur Erden faͤllet, welches die zierlich - ſte Art unter den Lufftſpruͤngen iſt. Je hoͤher nun die Erhebung von der Erden geſchehen kan, ie wohl - anſtaͤndiger iſt ſie, wiewohl auch ſolche Hoͤhe eine Eben-Maaß ha - ben ſoll, damit das Pferd in ſei - ner Geſtalt bleibe, und kein Baͤu - men daraus komme. Von den Crouppaden ſind ſie darinnen un - terſchieden, daß wann ein Pferd balottiret und die Crouppe erhebet, ſo weiſet es die Eiſen, wenn es aber Crouppaden macht, ziehet es die Hinter-Fuͤſſe unter den Leib zu ſich.
Jſt ein Zeichen von weiſſem Haar, welches von dem Kegel bis an den Saum gehet, ſo wol hin - ten als vorn. Man unterſcheidet es in Balzane Traſtravat, als zwey rechte und zwey lincke weiſſe Fuͤſſe oder Creutzweiſe. Der Aberglau - be bringt etlichen Reutern ins Ge - muͤth, daß darinne eine ungluͤckli - che Fatalitaͤt, an die Balzane ſey angehaͤngt.
Falſche Blaͤſſe iſt ein monſtro -D 5ſiſchesBamſiſches Abzeichen, welche mehr als den halben Kopff einnimmt, und welche auf einer Seiten groͤſſer, als auf der andern: Jtem welche uͤberzwerg oder ſich nach der Schlems ziehet, wenn beyde Au - gen nicht in einer, ſondern zwey - erley Farben beſtehen; ferner wenn in einer groſſen Blaͤſſe die dun - ckele Farbe, mit groſſen und klei - nen Flecken mit eingemengt iſt; wenn der Kopff hinten her an den Backen mehr, als vorn weiß iſt, oben weiß und unten dunckel und dergleichen mehr.
Reſidentz-Stadt und Schloß des Biſchoffs dieſes Nahmens, am Fluſſe Rednitz, welcher hindurch fleuſt, und ſich nicht weit davon mit dem Mayn vereiniget, 9 Mei - len von Nuͤrnberg gelegen. Jhre Gegend iſt fruchtbar am Getrey - de, Baumfruͤchten, Zwiebeln und ſuͤſſem Holtz. Sie wird unter die 4 Reichs-Doͤrfer gerechnet, iſt weitlaͤufftig, und hat keine Mau - ren, welches daher koͤmmt, weil die Buͤrger Anno 1435 ihren Bi - ſchoff aus der Stadt vertrieben hatten, ſo wurden ſie von dem Concilio zu Baſel dahin con - demniret, daß ſie ihre Stadt - Mauren niederreiſſen muſten. Die Univerſitaͤt daſelbſt iſt 1585 geſtiff - tet worden. Von der Ritterſchafft in Francken, iſt zu Bamberg An. 1362 in der Woche nach den heil. drey Koͤnigen der neunzehende Turnier angeſtellet worden, wobey 5 Fuͤrſten, als Landgraf Ludwig zu Leuchtenberg, Landgraf Hein - rich zu Heſſen, Fuͤrſt Otto zu Henne - berg, Burggraf Friedrich zu Nuͤrn - berg, u. Marckgr. Friedrich zu Meiſ - ſen; 19 Grafen, 27 Freyherren, 34 Ritter und 137 Edlen turnir -Banten. Anno 1486 iſt der 34 Tur - nier allhier gehalten worden, wo - bey 2 Fuͤrſten, 6 Grafen, 7 Frey - herren, 49 Ritter und 272 Edle zugegen waren. Das Hochſtifft Bamberg, von welchem in dem Zeitungs-Lexico nachzuſehen, fuͤh - ret im Wappen einen ſchwartzen Loͤwen mit roth-ausgeſteckter Zun - ge, uͤber welchen ein ſilberner ſchmaler rechter Schraͤge-Bal - cken durch das gantze guͤldene Feld gehet.
La grande bande des XXIV Violons, die groſſe Bande der 24 Geiger, welche auch les Vint quatre, die Vier und zwantziger heiſſen, ſind die Koͤniglich Frantzoͤ - ſiſchen Cammer-Violiniſten und Baß-Geiger, welche alle Sonn - tage und Donnerſtage zu Mitta - ge bey der Koͤniglichen Tafel, und bey allen Ballen und Balletten, ſo der Koͤnig ſelbſt anſtellen laͤßt, zu ſpielen verbunden ſind.
Stege eines Sattels, ſind zwey Stuͤcke von Holtz, platt und drey Finger breit, welche an die Boͤgen angefuͤget ſeyn, daß ſie ſolche zu - ſammen halten; ſie ſind beſſer von Eiſen als von Holtz, welche nicht ſo dauerhafft ſind, auch nicht ſo beqvem in der Sitzung; ſintemal ſie gar zu dick und plumb ſeyn, worauf ſich der Reuter nicht ſo wohl an Sattel anſchlieſſen kan, als auf eiſernen Stegen.
Nennen die Trompeter das Band, oder die Schnure, woran die Trompete uͤber die Achſel ge - haͤnget wird.
Bann -Werden in Ober-Deutſchland die Laß-Reiſer genannt, davon an ſeinem Orte.
Heißt ein gewiſſes kleines Stuͤck von der Reitſtange, welches rund, und das aͤuſſerſte von dem Mund - ſtuͤck mit der Stange vereiniget, doch alſo, daß man dieſes Ban - qvet nicht ſiehet, weil es von dem Haupt-Geſtell verdecket wird.
Jſt ſo wohl unter Handelsleu - ten, als Roßhaͤndlern, ſonderlich auf Jahrmaͤrckten ſehr gebraͤuch - lich, vornehmlich wann zwey Per - ſonen zuſammen kommen, denen es am baaren Gelde mangelt, und gleichwohl einer gern von des andern ſeinem Krame etwas zu er - handeln verlanget, ſo muͤſſen ſelbi - ge eine Waare fuͤr die andere hin - geben, wodurch dann beyden ab - geholffen, und die Handlung ohne Geld getrieben wird. So ge - ſchicht es mit dem Pferd-Handel, daß offt ein Pferd gegen das andere vertauſchet wird, da es dann ſelten ohne Betrug abgehet.
Heißt bey Muſic-Verſtaͤndi - gen, wenn einer, der ſich noch nicht in Ruff geſetzet, groſſen Mei - ſtern es nachthun und ſich die Frey - heit nehmen will, bisweilen was falſches und Unrechtes mit anzu - bringen; oder wenn ein ſolcher Componiſt gar zu haͤuffig derglei - chen Saͤtze brauchet, deren ſich die beruͤhmteſten und accurateſten Muſici nur maͤßig bedienet ha - ben.
So nennet man die Pferde aus der Barbarey in Africa, welche ſchwach und mager vom Leibe, von leichten Fuͤſſen und daher von faſt unglaublich-ſchnellem Lauffe ſind: Sie kommen aber ſehr ſelten zu uns, weil ſie in ihrem Vaterlande ſelbſt ſo hoch gehalten werden, daß man ihre Geſchlecht-Regiſter eben ſo, als bey uns die Genealogien groſſer Herren, haͤlt. Der Her - tzog von Newcaſtle in ſeiner Reit - bahne fol. 43 ſq. ſagt: Der Barbar iſt nach dem Spaniſchen Pferde das vernuͤnfftigſte, doch iſt es nicht ſo argliſtig, und alſo um ſo viel leichter abzurichten. Daneben iſt es ſehr artig und gelennig, Ner - venreich und leicht. Es iſt ſo ein angenehmes Pferd, als man im - mer wuͤnſchen mag; aber ein we - nig klein und duͤnn, und hat gleich - ſam etwas vom vornehmen Frau - enzimmer an ſich. Es iſt ſo kalt - ſinnig und nachlaͤßig in ſeinem Gange, daß es wol uͤber ein Ke - gel-Spiel ſtraucheln moͤchte: Es trottiret wie eine Kuh, und ga - loppiret ſo nahe an der Erde fort, daß es nicht die geringſte ſchoͤne Bewegung macht, wenn es nicht die Kunſt durch gute Schulen an - ders zu wege bringet. Alle Bar - bariſche Pferde haben zwar dieſen Fehler nicht, aber doch die meiſten; der Barbar iſt insgemein ſehr ſtarck, und von langem Athem, ſo daß er eine gewaltige Arbeit ausdauren, und man ſich in einer Schlacht ſeiner wohl bedienen kan. Es iſt ſehr leicht abzurichten, weil es gu - tes Urtheil und Gedaͤchtniß, und dabey groſſe Luſt zu allem hat: Wenn es wohl aufgemuntert wird, ſo iſt nicht leicht ein Pferd, ſo ſeine Schulen beſſer machet, als ebendieſes,Bardieſes, ſo daß ſich iedermann da - rob erfreuet, der es ſiehet.
Jſt das aͤuſſerſte Theil von dem unterſten Kinnbacken des Pferdes, auf welchem die Kien-Ketteliegt.
Jſt der Wachsthum des uͤber - fluͤßigen Fleiſches, welcher oben am Gaumen, auch wohl in der Hoͤhle des Pferde-Maules unter der Zunge hervor kommt, welches ſubtil canteriſirt werden muß.
Sind zottlichte und mit langen Ohren verſehene Waſſer-Hunde, welchen das groſſe dicke Haar ab - genommen, ihnen ein rechter Bart und Augenbraunen ſtehen gelaſſen, und der Schwantz geſtutzet wird, damit ſie deſto beſſer ſchwimmen koͤnnen. Die Frantzoſen nennen ſie wegen des Bartes alſo. Die - ſe Art Hunde, welche von Jßlaͤn - diſchen grauen Pudeln und unſern rothen Jagd-Hunden als Baſtar - de fallen, werden mehrentheils braun, auch oft mit braunen Fle - cken wie Huͤner-Hunde, oder gar ſchwartz angetroffen; ſie ſind hur - tig und treue, ſuchen und jagen gern, lieben auch von Natur das Waſſer-Baden. Man muß ſie im Fruͤh-Jahr bey warmen Wet - ter in flache kleine Waſſerpfuͤtzen hinein waden laſſen, und ſie durch Wiederholen eines Hoͤltzleins, nachmals eines Vogels, etwas heraus zu bringen gewoͤhnen, bis ſie hinter den Schuͤtzen zu krie - chen und nach dem Schuß zu lauf - fen begierig werden. Sodann muß man ihn nach einer lebendi - gen Ente hetzen, und blind ſchieſ - ſen, ſo wird er hitzig darnachBarſchwimmen, dieſelbe wuͤrgen und heraus holen lernen. Dieſe Hun - de thun gute Stoͤber-Dienſte im Geroͤhricht, Moraſte und Waſſer, alles Waſſer-Gefluͤgel, wenn es angeſchoſſen iſt, heraus zu brin - gen; welches man ſonſt ohne Kahn ſchwerlich habhafft werden wuͤrde, zumal da dieſe Hunde, auch die, ſo ſich unterzutauchen, und im Schilff zu verſtecken pflegen, leicht auswittern und heraus bringen koͤnnen.
Ein altes von dem Poeten Ana - creon erfundenes und mit vielen Drat-Saiten bezogenes muſicali - ſches Jnſtrument. Einige nennen es ein Hackebret, und halten es fuͤr einerley mit Sambuca. An - dere halten es fuͤr eine Laute; wieder andere machen eine Leyer, und noch andere das daraus, was die Fran - tzoſen Violon oder Viole nennen. Barbitum minus, ein Stock-Geig - lein.
Eine wohlgebaute Stadt an der Elbe, mit einem Schloſſe, zwi - ſchen Magdeburg und dem Anhaͤl - tiſchen, welche die Hauptſtadt der dem Hertzoge von Sachſen-Weiſ - ſenfels gehoͤrigen Grafſchafft Var - by iſt. Dieſe Grafſchafft fuͤhret zwey mit den Ruͤcken gegen einan - der gekruͤmmte gelbe Barben im blauen Felde, mit vier kleinen Ro - ſen auf der Seite beſetzet, im Wap - pen.
Reit-Kuͤſſen, iſt eine Art Sattel von Zwilch mit Stroh ausgeſtopf - fet, deſſen man ſich noch auf etli - chen Reitſchulen bedient, abſon - derlich in Welſchland, die Wild - faͤnge darauf anzureiten, und dieFohlenBarFohlen thaͤtig zu machen, und weiln ſie ſich anfaͤnglich gerne waͤl - tzeln, ſo ſind die Bardeliers weich, daß den Reutern nicht leicht Scha - den geſchicht, dieſe nennet man Cavalcadours Scozoner oder Vor - bereuters.
Jſt ein gar ſtill und gelind into - nirendes Gedackt und Orgel-Re - giſter.
Alſo wird diejenige Baß-Stim - me genennet, deren Clavis ſignata im Syſtemate entweder auf der mit - telſten Linie, und demnach tief ſte - het; oder bey dem ordentlichen Schluͤſſel in ihrem Ambitu alſo geſetzt worden, daß der, ſo der - gleichen Stimme ſingen ſoll, ſo - wohl die Hoͤhe des Tenors, als auch einige Tieffe im Baß haben muß. Man nennet es ſonſten den tieffen Tenor oder hohen Baß. Es wird auch ein Jnſtrument alſo genennet, welches einer Viol di Gamba ziemlich aͤhnlich iſt, unter dem Griff-Brete Darm-Saiten hat, und nebſt den obern Darm - Saiten unten mit dem Daumen zuleich geſpielet wird.
Wird das Stuͤckgen Holtz, wel - ches uͤber dem Tangenten eines Spinets oder Clavicymbels lieget und gefuͤttert iſt, genennet, damit dieſe Springer nicht heraus fahren und klappern koͤnnen. Es heiſt auch alſo das ſchmale Stuͤckgen Holtz, ſo die Jnſtrument-Macher in die Clavicymbel, Clavichordia und andere Jnſtrumente machen, damit ſie nicht krumm lauffen oder ſich verwerfen. Endlich nennetBarman auch alſo den Strich im Sy - ſtemate muſico, welcher einen Tact bemercket, daß ſelbiger aus ſey, und ein neuer Tact anfange.
Die Ader eines Pferds verſchlieſ - ſen, iſt eine Operation, welche die Cur-Schmiede machen an denen Adern derer Schenckel und der andern Theile eines Pferds, um den Lauf und den Uiberfluß der boͤſen Feuchtigkeiten, welche dahin gehen, aufzuhalten, und die Spa - ten dadurch zu curiren, wenn die Ader oben und unten gebunden, und abgeſchnitten wird.
Sind die Laden oder Theile des Zahn-Fleiſches im innern Theil des Mauls, welche als ein Raum zwiſchen den Backen und deren Zaͤhnen betrachtet werden, und bloß ohne Zaͤhne ſind, ſo die Na - tur als einen tauglichen Ort zu Auflegung des Mundſtuͤcks oder Gebiſſes beſtimmet zu haben ſchei - net. V. Porter.
Nennet man eine Verſper - rung, Schuppen oder Wagen - Haus, bey einer Fuͤrſtlichen Hoff - ſtat, worinnen Kutſchen, Chaiſen, Kuͤchen-Wagen, Schlitten und dergleichen Fuhrwercke aufbehal - ten werden.
Heißt ſo viel als ein Schlag - Baum, Barrieres nennet man auch die Gelaͤnder an der Rennbahn, darzwiſchen der Ring haͤnget, wor - nach man rennet.
Ward das Lermen und Stuͤr - men der alten Deutſchen genennet,wel -Barwelches ſie Geſangs-Weiſe mit ei - nem haͤrten und durchbrochenen Ton heraus geſtoſſen, wovon noch ein Spiel, das Baarlauffen, vor - handen ſeyn ſoll.
Sind die Qveer-Hoͤltzer in ei - ner Laute.
Zwey Stuͤcke zinnerne Blech an den zinnernen Orgel-Pfeiffen, neben an der Oeffnung oder La - biis, wo der Wind anſtoͤßt, mit welchen die Orgel-Macher den Ton der oben gedeckten Pfeiffen ſtimmen koͤnnen, indem ſie dieſen bald hier bald dorthin etwas bie - gen.
Heißt in der Singe-Kunſt, der zweyte Diſcant.
Dieſe groſſe Stadt hat in ihrem Umfang 7500 Schritt, iſt eine von den vornehmſten Orten, ſo wohl wegen ihrer vortheilhafftigen Ge - legenheit, als auch wegen ihrer al - ten Univerſitaͤt, liegt am Ufer des Rheins, und wird in 2 ungleiche Theile getheilet, hat 26 Zuͤnffte, und wird von 2 Raͤthen regieret, davon der groſſe Rath in 240 Perſo - nen, und der kleine in 64 Perſo - nen beſtehet. Der groſſe Rath aber hat keine ſonderliche Gewalt, maſſen er ſich nicht verſammlen kan, als nur in ſonderlichen Ange - legenheiten, und wann es der klei - ne Rath vor gut befindet, ihn ei - niger Geſchaͤffte theilhafftig zu ma - chen. Auf des Eraſmi Grab iſt eine beſondere Uiberſchrifft, auf einer groſſen ehernen Platte. Man ſiehet auch unterſchiedliche gemahl - te Stuͤcke von Hollbein, der da zuBaſHauſe geweſen, und durch den Eraſmum an Koͤnig Heinrich den VIII in Engelland recommendiret. Der Biſchoff hat ſeine Reſidentz zu Brondrut, und nichts mehr mit der Stadt zu ſchaffen, die Univer - ſitaͤt wird durch 4 Scholarchen re - gieret. Es iſt zumercken, daß die Uhren eine Stunde hier allzeit zu fruͤh gehen, alſo, daß was bey ihnen 1 Uhr, bey den benachbarten erſt 12 iſt. Dieſes kommt daher, weil die Stadt einsmals durch Verraͤtherey hat ſollen uͤberrum - pelt werden, und hierzu die Nacht beſtimmet war, da haben alle Glo - cken, gleichſam als ein Wunder - werck, Eins mehr geſchlagen, wo - durch der Feind confus worden, und es unterlaſſen. Allhier iſt zu ſehen das Muͤnſter, die St. Peters - Kirche und der luſtige Platz, das Prediger-Kloſter, und daſelbſt der beruffene Todten-Tantz; der ho - hen Schule Collegia und Biblio - thec; welche alle andere in der Schweitz weit uͤbertrifft; das Rath - und Zeughaus, etliche Kunſt - Cammern, die Carthaus und viel andere Sachen mehr. Der Bi - ſchof von Baſel hat zum Wappen einen qvadrirten Schild. Jn dem erſten und vierten ſilbernen Felde iſt ein ſchwartzer eiſerner Fiſcher - Angel, oder Beſchlag von einem Pilgrims-Stabe, als das Wap - pen des Hoch-Stifftes Baſel. Jn dem zweyten und dritten Felde iſt das Geſchlechts-Wappen der Freyherren von Reinach, aus wel - chem Hauſe der itzige Biſchof ent - ſproſſen, nemlich ein rother auf - ſteigender Loͤwe, mit gedoppeltem Schweiffe in einem goldenen Felde. Der erſte Helm iſt der Biſchoͤflich - Baſelſche, der zweyte aber der Rei - nachiſche.
Baſis,Jn der Muſic iſt die tieffſte Stimme einer Harmonie, wie auch der unterſte Klang eines Accords.
Die letztere und groͤbſte Stim - me in der Muſic, die Baß-Stim - me, die Grund-Stimme. Baſſe chantante, der Singe-Baß. Baſ - ſus major, der hohe Baß, wenn deſſen Schluͤſſel auf der dritten Linie im Syſtemate ſtehet. Baſſus minor, der tieffe Baß, wenn deſ - ſen Zeichen auf der oberſten oder fuͤnften Linie im Syſtemate geſetzet wird. Baſſe contre, oder partium gravior cantor, iſt einerley mit vorgehendem Baſſo minori, und kan man auch einen groſſen Vio - lon, ingleichen ein 16 - und 32 fuͤſ - ſiges Orgel-Regiſter, wie auch die in der fuͤnften Octav eines groſſen Clavicymbels befindliche tieffe Cla - ves mit dieſem Nahmen belegen. Baſſus rectus, iſt der ordentliche Baß, deſſen Schluͤſſel auf der vier - ten Linie des Syſtematis ſich befin - det. Baſſo concertante, Baſſe re - citante, iſt der Baß des kleinen oder concertirenden Chores: Baſſo ripieno hingegen der Baß des groſ - ſen oder nur dann und wann mit einfallenden und zur Verſtaͤrckung dienenden Chores. Baſſo rivol - tato, der umgekehrte Baß, wenn ſolcher in den doppelten Contra - puncten zu einer andern Stimme gemacht wird.
Jſt ums Jahr 1606 von Viadana erfunden worden, und iſt nichts anders, als der General-Baß, oder ein algemeiner Baß. Den Nahmen Baſſus generalis, oderBaſBaſſo generale, fuͤhret er deßwe - gen, weil er die voͤllige Harmonie eines muſicaliſchen Stuͤckes in ſich ſchlieſſet, welche vermittelſt der uͤber die Noten geſetzten Ziefern auf der Orgel, dem Claveßin, Spinette, Tiorbe, Laute ꝛc. aus - gedruͤcket wird. Baſſus continuus heißt er deßwegen, weil er vom Anfange eines muſicaliſchen Stuͤ - ckes bis zu deſſen Ende, ohne ſon - derliches Pauſiren, continuirlich oder beſtaͤndig fortgehet. Die Frantzoſen nennen ihn auch Baſſe chiffrée, den bezieferten Baß; denn ohne Ziefern, oder wenn die Har - monie nicht durch Ziefern ausge - druckt worden, iſt er eigentlich kein General-Baß, ſondern die - net nur fuͤr geigende und blaſende Jnſtrumente.
Der tieffe Tenor, der zweyte Tenor, auch der hohe Baß genannt, Barytonus, Frantz. Bariton, Ital. Baritono, ſ. Baritono. Baſſe de Cromhorne, oder Cromorne, ein Fagott. Baſſe de Hautbois, ein Fagott. Baſſe de Viole, eine klei - ne Baß-Geige, Viola di Gamba. Baſſe de Violon, eine groſſe Baß - Geige. Baſſe double oder double Baſſe, ein doppelter Baß-Violon, wird alſo genannt, weil er faſt zweymahl ſo groß, als ein ordent - licher Frantzoͤſiſcher Baß-Violon iſt, und folglich eine Octav tieffer klinget. Baſſe petite, eine kleine, und zwar eine Octav hoͤher als der groſſe Violon klingende Baß - Geige.
Ein abhangender Sand-Berg, worauf man ein Pferd laͤſt travail - liren, und verhaͤlt es mit demZaum,BaſZaum, daß es ſich muß auf die Groppa ſetzen, die Huͤfften biegen, ſeinen Arrêt zu machen, und auf des Reuters Fauſt zu warten. V. Calade.
Bedeutet erſtlich einen kleinen Baß oder Baͤßgen, faſt wie der Frantzoſen ihre Qvintes oder Baſ - ſes de Violon, kleine Baß-Gei - gen. Hernach auch diejenige Stimme oder Jnſtrument, ſo ſtat des rechten Baſſes das Fundament zu einer Harmonie in der Hoͤhe fuͤh - ret.
Derjenige, welcher im Singen die unterſte Stimme haͤlt; die Frantzoſen pflegen ihn insgemein Baſſe-Contre zu nennen. Jn Fuͤrſt - lichen Capellen wird von ihm er - fodert, daß er das C im Cam - mer-Ton mit voller Stimme er - reiche; denn obgleich einige tieffer hinab kommen, ſo iſt es doch meh - rentheils ſchwach: Ferner muß er in der Hoͤhe das C, D oder E mit einem Striche haben koͤnnen. Die gemeinen Baßiſten koͤnnen ſelten unter das F von 6 Fuͤſſen, oder das E, in rechter natuͤrlicher Staͤr - cke kommen, und in der Hoͤhe etli - che nicht viel uͤber A.
Heiſſet, wenn erſtlich der Ge - neral-Baß an eine gewiſſe Zahl Tacte, welche ſtets wiederholet werden, gebunden iſt; ſodenn wenn er allemahl ein gewiſſes Mou - vement halten, oder nur gewiſſe Noten machen muß. Oder der allezeit und meiſt immer gewiſſeBatvorgeſetzte Noten hoͤren zu laſſen verbunden iſt. Die Geltung der Noten iſt die einzige ſichtbare Wurtzel einer wohlgelittenen Art obligater Baͤſſe, welche theils aus einerley, theils aus verſchiedenem Noten-Gehalt zuſammen geſetzt werden.
Der ordinaire Baß und das Accompagnement der Hautbois. Der Ambitus oder Sprengel die - ſes Jnſtruments begreifft dritte - halb Octaven, nemlich von C bis ins einmal geſtrichene f und g, auch manchmal das Contra B und A. Baſſon petit, ein kleiner Baſ - ſon, ein Qvart-Fagott. Baſſon premier, der erſte Fagott; Baſſon ſecond, der zweyte Fagott.
Von denen ſtehenden Eichen, Buͤchen, Erlen, Bircken, Linden und andern nutzbaren Baͤumen Baſt zu machen, iſt in den Forſt - Ordnungen verboten, ſondern es ſoll ſolches nur von dem bereits angewieſenen und gefaͤlleten Bau - und Brenn-Holtze geſchehen.
Wird von den Jaͤgern das rau - he Haͤutlein genennet, welches dem Hirſche und Rehe-Bock um ſein neu aufgeſetztes Geweih oder Ge - hoͤrne waͤchſet, ehe ſolches zur Voll - kommenheit gelanget; da denn der Hirſch ſowohl als der Rehe-Bock dieſes Haͤutlein wieder abſchlaͤget, welches hernachmals das Dick - maaß oder Gefege genennet wird.
Jſt derjenige Laut, welcher ent -ſtehet,Batſtehet, wenn ein Zincken-Blaͤſer ſein Jnſtrument von dem Munde abſetzet.
Heiſſen einige Modi Muſici, welche nicht brauchbar ſind.
Eine gewiſſe Art auf den Sai - ten der Goitarre manierlich zu ſpie - len.
Bedeutet ſonſten einen Stab, in der Muſic aber iſt es die Figur der Pauſe, welche 4 Tacte gilt.
Nennet man einem Spornſtab, oder langen Stecken, in welchen ein Sporn eingeſchraubt iſt; ſo lange man mit dem Pferde noch im Exerciren verharret, iſt der Ge - brauch dieſes Spornſtabs nuͤtzlich, das Pferd damit zu erleichtern, wo es noch zu plumb und zu ſchwer iſt, und ihme auch dem Sporn be - kandt zu machen.
Heiſt 1) das Schlagen, das Ge - neral-Baß-Spielen; 2) die klei - ne Bewegung der Hand oder des Fuſſes beym Tact geben, und 3) das Tempo oder den Tact-Theil ſelbſten, das iſt, die Waͤhrung von einem Theile bis zum andern.
Affter eines Sattels, das ſind die hintern und vordern Baͤuſche uͤber den Sattelboͤgen, welche die dicken Schenckel und die Knie des Reuters einſchlieſſen, damit er ſich bey den luͤfftigen Spruͤngen und Gewalt des Pferdes darinnen feſt halten, und ihnen widerſtehen kan.
Jſt in der Fechtkunſt, wenn man an des Contreparts Klinge eine ſtarcke Bewegung macht, um den - ſelben dadurch zu ermuͤden, oder auch in einen wehrloſen Stand zu ſetzen. Jn der Tantz-Kunſt iſt es eine Bewegung des Fuſſes, welche durch anſchlagen geſchiehet. S. Battu.
Ein laͤppiſcher Miſchmaſch der Saͤtze in einem Periodo, ſo aus offtmaliger ungeſchickter Wieder - holung derſelben und aus der Zu - ſammenkunfft gantz verſchiedener Worte entſtehet.
Wird geſagt von Pferden, ſo an die Fauſt ſchlagen, ſchnellen, und alſo unſtet von Kopf ſind, die Na - ſe erheben, ſchuͤtteln und auf ein - mahl wieder niederſchnellen, wie gemeiniglich die Tuͤrckiſchen und Tartariſchen Pferde thun, ſich der Unterwerffung des Zaums zu ent - brechen.
Wird geſagt von einem Pferde, das gleichſam den Staub ſchlaͤget, und nicht bey iedem Tempo oder Bewegung gnugſam avanciret, und mit den vordern Schenckeln nicht wohl vor ſich greiffet, ſon - dern alle Tempi zu kurtz machet, es geſchehe nun im Schritt, Galop oder Courbetten, und wenn es in den Courbetten zu ſehr eilet, und ſich nicht hoch genug machet.
Nennen die Tantzmeiſter eine Art der Bewegung der Fuͤſſe, de -Ritter-Lexic. ErenBatren ſie verſchiedene zehlen, als battu deſſus, battu deſſous, battu à côté, battu ſur le cou du pied, angeſchlagen vorn, hinten, zur Sei - te und vorne uͤber den Fuß.
Der Tactſchlag in der Muſic, iſt die Bewegung der Hand, wel - che durch Niederſchlagen und Auf - heben geſchiehet, die Waͤhrung und das Aushalten der Klaͤnge an - zudeuten. Es ſoll von der Be - wegung und dem Klopffen des Hertzens, oder dem Auf - und Nie - derſchlagen der Puls-Adern ſeinen Urſprung und Grund haben. Wie nun dieſer Puls nach dem Alter, Geſchlecht, Temperament, Affect und Kranckheit des Menſchen un - terſchiedlich iſt: Alſo muß auch, nach Beſchaffenheit des Textes, wenn derſelbe luſtig, traurig, ernſt - hafft ꝛc. iſt, der Tact bald geſchwin - de, bald langſam, bald ein gleicher und bald ein ungleicher ſeyn. Legt man dieſes zum Grunde, ſo irren diejenigen, welche in dem geraden Tacte 4 Theile, und in einem un - geraden Tacte 3 Theile ſuchen. Denn es kan keine muſicaliſche Menſur mehr als 2 Theile, den Niederſchlag und Aufſchlag (The - ſin & Arſin) haben. Man lernet auch hieraus, daß keine gerade Zahl der Glieder einen ſogenann - ten Tripel-Tact abgeben koͤnne, ſondern daß die gantze Rhytmic ſich in gerade und ungerade Zahlen theile, ohne darauf zu ſehen, ob jene durch dieſe ſich aufloͤſen und zergliedern laſſe. Die gerade oder gleich-getheilte Menſur hat ent - weder 2, 4, 6, 12 oder wol gar 16 bis 24 Glieder, welche man iedoch mit ihren kleinen Gelencken nicht vermiſchen muß. Die ungerade oder ungleich-getheilte ZeitmaſſeBauhergegen hat niemahls mehr als 3 Glieder; denn ob wir ſchon die Tact-Arten der Neun-Viertel und Neun-Achtel gebrauchen, ſo ſind doch dieſelben neun nur kleine Gliedmaſſen (articuli), und keine gantze Glieder (membra). Jn allen giebt es 15 gewoͤhnliche Tact - Arten, neun gerade und 6 unge - rade.
Sind Saͤtze, ſo von den Cour - betten und Paſſaden allein im Nachrutſchen unterſchieden, in - dem ſie etwas Erde faſſen und fort - kommen.
Nennen die Jaͤger die Roͤhren oder Loͤcher, worinnen ſich die Dachſe, Fuͤchſe, Caninchen, Fiſch - Ottern ꝛc. aufhalten. So iſt von dem Fuchſe bekandt, daß ob er gleich gerne in der Erde wohnet, er ſich doch nicht leichtlich ſelbſt ei - nen Bau macht, ſondern nur da - hin trachtet, wie er einen Dachs, entweder durch Liſt, oder, wo er ſeiner maͤchtig werden kan, mit Gewalt aus ſeinem Bau treiben, und ſelbigen bewohnen kan. Wenn aber der Fuchs keinen Dachsbau findet, und dennoch ſicher ſeyn will, muß er nothwendig ſeinen Bau unter einem wurtzlichten Baum oder Steine machen, wel - ches doch nur mit einer Roͤhre ge - ſchiehet; dahingegen in den Dachs - baͤuen mehrere ſind. Ja man fin - det oͤffters in freyen ebenen Korn - Feldern Fuchs-Gruben, welches die Jaͤger einen Nothbau nennen. Dergleichen machen nur junge Fuͤchſe, welche von ihren alten ver - trieben worden, und ſonſt nirgends hin wiſſen. ſ. Biber-Bau.
Bauch -Ein breites Stuͤck Riemen, ſo an den Seiten-Blaͤttern und Reit-Scheiden auf der einen Sei - ten angenehet oder angeſchnallet, unter des Pferdes Bauch hindurch gezogen, und auf der andern Sei - te vermittelſt eines eiſernen Kne - bels in einem an dem Seiten - Blate befindlichen Ring geknebelt und befeſtiget wird.
Ein Joniſcher Tantz und Tantz - Lied, ſo ſeinen Nahmen von dem Tantzmeiſter Bauco bekommen.
Ein muſicaliſches Jnſtrument, ſo in den mittlern Zeiten gebraucht worden.
Eine gedackte Pedal-Stim - me oder Regiſter und Pfeiffe in den Orgel-Wercken von einem Fuß Ton; in einigen Orgeln fin - det man ſie auch von 2 Fuß Ton; klinget gar eigentlich, als ob einer mit dem Munde pfiffe.
Dazu pflegt man fein gerade und hohe Staͤmme auszuſuchen. Ein Foͤrſter hat dabey, nachdem er ſolches angewieſen und gehoͤrig gezeichnet, Acht zu geben, daß man nicht anders und mehrers Holtz, als angewieſen worden, um - haue oder wegbringe, noch auch durch das Faͤllen und Abfuͤhren an dem jungen Wuchſe Schaden ver - urſache. So muß er auch nicht geſtatten, daß die Bau-Staͤmme in denen Holtzungen beſchlagen, oder gar die Zulage eines Gebaͤu -Baudes darinnen verfertiget werde, ſondern ſobald die Baͤume ausge - zelcht, ſollen ſowol die Staͤmme als der Abraum binnen 6 Wochen von Zeit der Faͤllung an, aus dem Walde heraus geſchafft werden, wofern es nicht erhebliche Urſa - chen verhindern.
Wird von einem Pferde ge - braucht, wenn es mit den voͤrdern Fuͤſſen in die Hoͤhe gehet, ſich ein wenig auf die hintern ſetzet, und den Leib faſt ſo gerade aufrichtet, als ein Baum waͤchſet; worbey ein Reuter ſich vorzuſehen hat, daß das Pferd mit ihm nicht uͤber - ſchlage.
Ein Jaͤger-Wort wird geſagt, wenn ein Luchs, Marder oder wilde Katze von einem Baum zum an - dern ſpringet.
Wird der Kater von der wilden Katze genennet.
Jſt ein Pferd von roͤthlicher Farbe, ſo etwas auf Kaͤſtenbraun ſticht. Sie ſind unterſchieden in Bay brun und Bay clair, deren jene dunckel, dieſe aber lichter. Es giebt deren auch geſpiegelte oder geapfelte. Sie haben gemeinig - lich ſchwartze Maͤhnen, mit wel - chen ſie von denen Alezans, deren Maͤhne allzeit roth oder weiß, un - terſchieden ſind.
Ein Hertzogthum in dem Bay - eriſchen Kreiſe, welches dem Chur - Fuͤrſten von Bayern gehoͤret, und wovon das Zeitungs-LexiconE 2meh -Baymehrern Bericht ertheilet. Dieſer Churfuͤrſt fuͤhret in einem rothen Mittel-Schilde den guͤldenen Reichs-Apffel, wegen des Ertz - Truchſeſſen-Amts. Das 1 und 4 Feld iſt von Silber und blau 21 mahl geweckt, wegen des Hertzog - thums Bayern. Jm 2 und 3 ſchwartzen Feld iſt ein goldner roth gecroͤnter Loͤwe, wegen der Rhein - Pfaltz-Graffſchafft. Auf dem Pfaͤltziſchen Helm zur Rechten ſitzet ein goldener roth gecroͤnter Loͤwe, zwiſchen zwey von Silber und blau geweckten und mit vier dreyblaͤt - terigen goldnen Zweiglein beſteck - ten Buͤffelshoͤrnern. Auf dem Bayeriſchen Helm zur Lincken iſt wiederum ein dergleichen Loͤwe zwiſchen einem von Silber u. blau geweckten und auſſen mit golde - nen Blaͤttern beſteckten und ge - ſchloſſenen Flug. Die Helm-De - cken ſind roth und ſchwartz, und die Wappen-Halter zwey goldene Loͤwen.
Stadt und Fuͤrſtliches Schloß in Francken am rothen Mayn, 3 Meilen von Culmbach, iſt die Reſidentz eines Marckgrafen von Brandenburg, welcher mit dem Marckgrafen zu Anſpach gleiches Wappen fuͤhret.
Jſt eine Leichtigkeit und Lebhaff - tigkeit eines Pferdes, das wohl von der Fauſt, auf einer geraden Linie, vor ſich gehet, leicht aus - ſprenget, ohne auf eine oder die andere Seite, ein - oder ausfaͤllet. z. E. Dieſer Genette hat einen ſchoͤ - nen Anſprung von der Fauſt.
Schoͤnheit eines Pferds, die be - ſtehet in der guten Zuſammenſtim -Becmenden Proportion des gantzen Leibes, wenn alle ſonderliche Thei - le und Glieder wohl formiret, recht an einander halten, und zuſam - men geſetzet, gar keines oder we - nig unproportionirte darunter ſeyn, wenn die vorn〈…〉〈…〉 mſte gar ſchoͤn, und die geringere mittelmaͤſ - ſig, wenn es nicht gar zu groß oder gar zu klein, ſondern recht mittel - maͤßig iſt, darbey wohlgefaͤrbt und gezeichnet, fein zart, rein von Schenckeln, u. nicht grob behaͤngt.
War eine Erfindung M. Daniel Hitzkers, da er die Claves a, b, c, d, e, f, g, folgender Geſtalt: la, be, ce, de, mi, fe, ge; und die Cla - ves h, cis, dis, es, fis, gis alſo: bi, ci, di, me, fi, gi, an ſtat der Solmiſation ſingend wolte ausge - ſprochen wiſſen.
Gehoͤrt mit zum Federſpiel, und zehlet man vornehmlich dreyerley Arten, als Waſſer-Holtz - und Gras - oder Heer-Schnepffen. Sie ſind insgemein bunt gekleidet, und al - ſo an der Geſtalt einander gleich, wiewohl an der Groͤſſe unterſchie - den, doch durchgehends ſehr zart, und uͤberaus wohlſchmeckend. Sie lieben hoͤltz - und waͤſſerichte Oer - ter zum Auffenthalt, auch gruͤne Weiden, daher man unfern den Waͤldern an graſigten Orten ih - nen Netze ſtellet, auch wohl mit Schlingen ſie faͤnget.
Jſt ein kleines Stuͤcklein Eiſen, eines Daumens breit, drey oder vier Daumens lang, welches geloͤtet an der Spitze des Huf-Ei - ſens, worinne es einen UiberwurffvornBedvorn an der Spitze macht, um zu verhindern, daß ein hinckendes Pferd ſich nicht darauf lehne, noch auf der Spitze gehe; dieſes Eiſen mit dem Corbin oder Schnabel, zwinget nothwendiger Weiſe das hinckende Pferd, auf den Ferſen zu gehen, welches die Spann - adern wieder ausdehnet, die ſich haben zuſammen gezogen, und auf einige Weiſe verkuͤrtzet.
Eine Biſcayiſche Trummel oder Paucke, welche nicht mit Kloͤp - peln, ſondern mit den Fingern tractiret wird, auch rund umher ſilberne oder eherne Blechlein hat.
Jſt ein mit denen zur Jagd gehoͤrigen durchgehauenen Fluͤgeln verſehener Wald.
Heißt bey den Jaͤgern ein Di - ckigt oder ein moraſtiger Ort, wo ſich das Wildpret gerne aufhaͤlt.
Gehet bey den Jaͤgern an kurtz vorher, ehe die Hirſche feiſt oder fett werden, da man denn die Leit - hunde auszufuͤhren und abzurich - ten pfleget.
Jſt eine ſehr lange und ſchmale Spiel-Tafel, ſo zu beyden Sei - ten zwey Rinnen oder Krippen hat, auf welcher man mit gewiſ -Beiſen hierzu geſchliffenen Steinen ſchiebet, und demjenigen der Ge - winſt bleibet, deſſen Stein unter allen am allernechſten zu Ende un - weggeſtoſſen bleibet.
Jſt ein Geſchlecht der Adler, viel groͤſſer als ein ſchlechter Adler: ſeine Farbe iſt Aſchengrau, ſein Schnabel lang und breit, ſtarck und krumm, ſchwaͤrtzlicht und oben darauf mit einem Bart be - ſetzt. Seine Zunge iſt wie eine Menſchen-Zunge geſtaltet, ſeine Augen ſind als wie mit einer Wolcken bedeckt; daher er nicht helle ſehen kan. Seine Waffen ſind dick und ſpitzig, ſtarck und ſchwartz. Er lebt von jungen Ziegen, Laͤmmern, von Aalen, und andern Thieren. Er ſtreitet mit der Schlange: wenn er von der - ſelben verletzt worden, ſoll er ſich ſelbſt mit einem Kraute Sonchus heilen. Jn der Medicin iſt deſſen Magen gut fuͤr den Nieren - und Blaſenſtein, zu zertheilen und den Urin zu treiben. Seine Daͤrme getrocknet, geſtoſſen und genom - men, ſind gut wider die Colic, ein Scrupel auf einmahl.
Jſt ein gefaͤhrlicher Zufall, wel - cher ſehr mißlich zu heilen, ſon - derlich wenn das Pferd ſchon bey Jahren iſt; ja wenn auch die Cur wohl anſchluͤge, wuͤrde doch ein ſolch Pferd nicht wieder in den Stand kommen, die Dienſte zu leiſten, ſo es zuvor gethan. Dem ohngeachtet, hat man Mittel er - dacht, ein verungluͤckt Roß folgen - der Geſtalt zu heilen: Vorerſt muß man es in wohlvermachten Stand, und zwar oberhalb deſſelben mit einigen am Boden ſtarck ange -E. 3brachtenBeibrachten groſſen Schrauben und Hacken, mit Gurten und breiten Baͤndern, vorn und hinten alſo in die Hoͤhe aufziehen, daß es in gleichem Gewicht haͤnge, und mit den Fuͤſſen 1 oder 2 Spannen von der Erden ſchwebe, auch ohner - acht es keinen Fuß auf den Bo - den zu bringen oder zu ſetzen maͤch - tig iſt, dennoch ſein Futter aus der Krippe langen koͤnne. Hierauf nimmt man Eibiſchwurtz, Bibi - nell und Beinbruch, iedes ein Pfund, einen guten Loͤffel voll un - geloͤſchten Kalck, und ein Viertel - Pfund geſtoſſenen Maſtix, kocht es zuſammen in Wein zu einem Mus, ſchlaͤgt, ſobald es vom Feu - er kommt, 6 Eyer darein, ruͤhrets fein warm um, ſtreuets auf ein leinen Band, und ſchlaͤgets warm um den ſchadhaften Fuß, welcher ſodenn, ſo ſtarck als moͤglich, ge - ſpaͤnet oder geſchindelt werden muß. Unter das Futter ſoll man in waͤhrender Cur gepuͤlvert Ei - biſchwurtz, Bibinell und Bein - bruch mengen. Wenn der Bein - bruch neu iſt, nehme man Tan - nenhartz und Jungfer-Wachs, ie - des 1 Pfund, und eben ſo viel Schwartzwurtz oder Walwurtz, zerſtoſſe es in einem Moͤrſel, laſſe es mit einander ſieden, und ma - che eine Salbe daraus. Solche ſtreiche man auf ein lang keinen Tuch, ſchlage ſolches, ſo warm es das Roß leiden kan, um den Schaden, und verbinde es mit Tuͤchern, daß es warm bleibe; ſchindele es feſt, und lege alle 3 Tage ein friſch Pflaſter drauf, ſchindele es iedesmal wieder, und fahre damit fort ſo lange, bis man Beſſerung ſiehet. Erſtarret nun der Fuß in etwas, ſo baͤhe man es folgender maſſen, um den andernBekTag: Attich, Pappeln, Qvendel - kraut, Wullkraut, Nachtſchatten, groſſe Klettenwurtz, Camillen, Schellkraut, Beyfuß und Wer - mut, ſiede man in Bier, baͤhe und waſche den Fuß damit wohl, ma - che ihm einen guten ſtarcken An - ſtrich, laſſe es 4 Tage alſo ſtehen, waſche es am fuͤnften Tage mit ſcharfer Lauge ab, und wiederhole gedachte Baͤhung.
Jſt ein von Eiſen-Blech oder ſtarckem Leder verfertigtes Geſchirr, ſo einem Korbe faſt aͤhnlich ſiehet, worein beißigten Pferden, Maul - Thieren, Eſeln und Hunden, das Maul geſperret, und ihnen das Beiſſen damit verwehret wird.
Jſt ein Wort, deſſen ſich die Or - gel - und Jnſtrumentmacher bedie - nen, wenn ſie in die Zungen der Tangenten oder Decken der Clavi - cymbel und anderer Jnſtrumente die Federn oder Kiele ſtecken, wel - che die Saiten klingen machen, und dieſelben alſo zurichten, damit ſie hernach auf den Clavicymbeln und Spinetten unter dem Spielen nicht hangen bleiben und ſtocken. Hierzu werden abſonderlich die Raben-Federn gebraucht, welche haͤrter als andere ſind. Uiberhaupt iſt das Bekielen eine ſolche Arbeit, darzu Gedult und ein guter Hand - griff erfordert wird. Es muß auch der Kuͤnſtler ſorgen, damit durchs gantze Clavier die Gleich - heit der Tone von ſeinem Fleiſſe zeugen moͤge.
Bekraͤf -Jn der Muſic, wird gemeinig - lich in den Melodien bey wohler - ſonnenen und uͤber Vermuthen angebrachten Wiederholungen ge - funden: worunter aber nicht die gewoͤhnlichen Repriſen, ſondern eine oftmalige mit allerhand arti - gen Veraͤnderungen gezierte Ein - fuͤhrung gewiſſer angenehmer Stimmfaͤlle zu verſtehen.
Jſt ein Weid-Wort, und wird von denen Hunden geſagt, wenn ſie ſich mit einander vermiſchen, und aus eigenem Triebe ſich zu - ſammen finden.
Heißt in der Fohlen-Zucht eine Stute mit dieſem oder jenem Hengſte belegen, damit ſie traͤch - tig werde.
Bey der Jaͤgerey, heiſt einen darzu beſonders ausgeſuchten Hund der Huͤndin zugeſellen, da - mit ſie ſich beyde vermiſchen.
Jn der Fechtkunſt iſt eine Art von Stringiren.
Wieſel, Hermelin oder Zobel. Der Wieſel giebt es unterſchiedli - che Geſchlechter, einheimiſche und wilde, ſo in Feldern und Waͤl - dern leben, deren wieder verſchie - dene Geſchlechter gezehlet werden. Denn da ſind 1) die Frettelen, 2) die Dach-Haus-Stein - und Bug - Marter, 3) die Jltis, 4) die Zobel, welche ein wenig kleiner, als die Marder, ſchoͤner und edler, als ſonſten einige Wiefel ſind, an derBenFarbe mehrentheils dunckelbraun, ausgenommen am Hals und an der Bruſt, da die Haare allezeit aſchenfaͤrbig ſtehen: Werden vor - nehmlich in Rußland, Tartarey, Lapland und dergleichen mitter - naͤchtigen Laͤndern und deren Waͤl - dern angetroffen, allwo ſie ihres koſtbaren Balges wegen, eyferig geſuchet und gefangen werden, an - geſehen, unter allen Peltzwercken, der Zobel fuͤr das allerkoͤſtlichſte gehalten wird. Auch haben dieſe Thierlein ihren groſſen Nutzen, ſo wohl im gemeinen Leben, als in der Medicin, wie Geſnerus anwei - ſet.
Ein Weidmaͤnniſches Wort, ſo von dem Fuchſe gebraucht wird, welches gemeiniglich, wenn es an - der Wetter und truͤbe werden will, zu geſchehen pflegt. Eigentlich wird Bellen von einem Hunde ge - ſagt, wenn ſolcher ein lauten Ton von ſich hoͤren laͤſſet, und iſt es von einem Haus-Hunde eine der beſten Tugenden, wenn er durch ſein Bellen und Anſchlagen ſofort bekandt machet, daß ſich etwas fremdes blicken laſſe.
Heiſſen die Weid-Leute, den Ort fehen und bemercken, wo ein Vo - gel des Nachts uͤber bleibet.
Einem Hunde an Orten, wo Waldungen und in denſelben Wild vorhanden, einen Kleppel anhaͤngen, damit er dem Wilde nicht nachlauffen und daſſelbe ſcheuchen kan. Jn den Jagd-Ord - nungen wird ſolches den Untertha - nen bey Strafe auferlegt, und ih - nen zugleich die Laͤnge des Klepp[els]vorgeſchrieben.
E 4Bent -Stadt und Schloß im Weſt - phaͤliſchen Kreiſe, von welcher die Grafen von Bentheim und Teck - lenburg, welche ſich in die Bent - heimiſche und Tecklenburgiſche Li - nie, und dieſe wieder in den Teck - lenburgiſchen und Steinfurtiſchen Aſt abtheilen, den Nahmen haben. Die Reichs-Grafen von Bent - heim-Tecklenburg, fuͤhren 10 guͤldene Pfennige im rothen Felde, wegen der Grafſchafft Bentheim; drey rothe Hertzen im ſilbern we - gen der Herrſchafft Lingen, und ei - nen guͤldenen Ancker im blauen Grunde, wegen der Grafſchafft Tecklenburg; 4) einen rothen Schwan in guͤldenen Felde, we - gen der Grafſchafft Steinfurt, und 5) einen rothen Loͤwen mit ei - ner blauen Krone im ſilbern Fel - de, wegen der Grafſchafft Limburg in Weſtphalen 6) Auf dem ſechs - feldigen Mittel-Schilde erſchei - nen zwey weiſſe Straſſen im ro - then Felde, wegen Weſelinghofen; 7) ein ſchwartzer Loͤwe mit drey Ringen mit einer Roſe am Schwantze, wegen Rheeden; 8) zwey Baͤren-Tatzen, wegen Hoya; 9) ein ſilberner Loͤwe im rothen Felde, wegen Alpen; 10) ein roth und weiß getheiltes Schild mit ei - nem Loͤwen, wegen Helffenſtein; und 11) fuͤnff guͤldene Straſſen im rothen Felde, wegen der Erb - Vogtey Coͤlln. Der Bentheimi - ſche Helm zeiget a) einen Mohren, in rother Kleidung mit den 10 guͤl - denen Pfennigen und einer Pola - cken-Muͤtze, b) der Tecklenburgi - ſche einen ſitzenden weiſſen Pfau, c) der Steinfurtiſche einen rothen Schwan, und d) der Limburgi - ſche einen rothen Loͤwen zwiſchen 2 Pfauen-Schwaͤntzen.
Eine gefuͤrſtete Probſtey in dem Biſchoffthume Saltzburg, welche ein qvadrirtes Schild fuͤhret. Jn dem erſten und rothen Qvartier ſind 2 in Andreas-Creutzform uͤber einander aufwerts geſchrenckte Schluͤſſel, mit auswerts gekehr - ten Schließ-Blaͤttern, davon der zur Rechten golden, und der zur Lincken ſilbern, wegen der Prob - ſtey Berchtolsgaden. Jm andern und 3 blauen Felde ſind 6 ſilberne Lilien in der Ordnung 3, 2, 1 als das Wappen der Grafen von Sultzbach, ſo dieſe Probſtey ge - ſtifftet. Jm blauen Hertz-Schild ſind zwey aufſteigende ſilberne Spitzen, iegliche mit einer ſilbernen Roſe beſtecket, als das Stamm - Wappen der von Rehling, und des vorigen Probſtes.
Ein an hoher Potentaten Hoͤ - fen, auf Ritter-Schulen und Aca - demien ſehr beliebter und hochnoth - wendiger Mann, welcher die rohen und wilden jungen Pferde zum Rei - ten tuͤchtig machen, dero Maͤuler, ſowol durch den Zaum und Cavez - zon, als die Spießruthen und Sporn zu gehorſamen angewoͤh - nen, ſie zum Schritte, Trab, Gal - lop, Carriere, Courbetten und an - dern Lectionen abrichten, und zwar die Anſtellung derſelbigen nach dem Gedaͤchtniß des Pferdes, nach dem er nemlich mercket, daß die Stra - fen, Draͤuungen und Liebkoſun - gen die Neigung ſeines Pferdes vermindern, oder vermehren, alſo einrichten muß, daß es dabey ſchei - ne, er wiſſe des Pferdes Natur und Vermoͤgen, und das Pferd hingegen wiſſe und thue auch ſei - nen Willen. Ferner liegt ihm auchob,Berob, diejenigen, welche ſeine Infor - mation verlangen, nach allen Re - geln ſeiner Kunſt getreulich, leut - ſelig und unverdroſſen, ohne eini - ge Importunitaͤt zu unterweiſen; vornehmlich ihnen eine gute Poſtur und Feſtigkeit im Reiten anzuge - woͤhnen, wie es ſowol zierlichen Reutern zur Parade, als auch in ernſtlichen und luſtigen Begeben - heiten vorkommen kan. Er fuͤr ſich ſelbſt muß dabey aͤuſſerlich und innerlich, vollkommen ein Pferd verſtehen. Deſſen Natur und Ei - genſchafft, Maͤngel, Fehler und Gebrechen, und wie ſolchen abzu - helffen ſtehe, wohl zu unterſchei - den wiſſen, auch ſeinen unterge - benen Scholaren nichts verheelen; und in Summa ſich wohl com - portiren, alſo, daß er nicht allein in der Reitkunſt eine gute Renom - mée ſich erwerben, die Ritterli - chen Exercitia, als das Ring - und Kopf-Rennen, ingleichen ein Car - rouſel anzugeben ꝛc. wohl verſte - hen, ſondern auch gute Studia in Sprachen und politiſchen Umgang mit hohen und vornehmen Perſo - nen haben moͤge. V. Ecuyer.
Die Grafen von Bergen haben einen rothen Loͤwen im ſilbern Fel - de, welches mit einem ſchwartzen Rande, darauf 11 guͤldene Pfen - nige erſcheinen, eingefaſſet iſt. Das Schild bedecket eine ordentliche Grafen-Crone.
Nennet man an etlichen, ſon - derlich aber an bergichten Orten die Feld - oder Rebhuͤner.
Jſt eine Erzehlung, dadurch die Meinung und Beſchaffenheit des Vortrages angedeutet wird. Jn der Muſic findet er ſich gleich bey dem Eintritte der Singe - oder vor - nehmſten Concert-Stimme, und beziehet ſich auf das Exordium, welches vorher gegangen iſt, durch einen geſchickten Zuſammenhang.
Sagen die Falckenierer von ei - nem Falcken, an ſtat zahm ma - chen.
Jſt ein durchſichtiger Edelge - ſtein, einer bleichgelb-gruͤnen Far - be, welche recht See - oder Meer - gruͤn zu ſeyn ſcheinet, und gleich - ſam von der Vermiſchung des blau - und gelben herruͤhret, wird unterſchiedlicher Arten gefunden, als 1) von obbemeldter Meergruͤ - nen Farbe, 2) erwas bleichgelb, da er denn Chryſoberill von ſeinem Goldglantze genannt wird, 3) ſo noch bleichgelber iſt, Chryſopras benahmt, 4) Hyacinthizontes, 5) Æroides, wegen der Kupfer-Far - be, die 6) Art wird, weil ſie faſt Wachsgelb ausſiehet, Cerei, und die 7) von der Oel-Farbe Oleagi - nei genannt.
Jſt eine ſehr ſchoͤne und groſſe Stadt, ſehr wohlgebauet und be - feſtiget, ohngeachtet des ſandich - ten Bodens. Sie beſtehet aus verſchiedenen Staͤdten, als Ber - lin, Coͤlln an der Spree, allwo das Koͤnigliche Schloß, Frie - drichs-Werder, und auſſer der Fortification Dorotheen-Stadt, worinnen die ſchoͤne Allee von Lin - den nach dem Thiergarten, Frie - drichs-Stadt und Neuſtadt. EsE 5ſindBerſind viel praͤchtige Haͤuſer auf Jta - lieniſche Manier gebauet, welche vor Pallaͤſte paßiren koͤnnen. Aber das Schloß iſt ein recht Koͤnig - liches Gebaͤude, welches ietzo (aus - genommen des Eſcurial und Louvre in Paris) an Schoͤnheit und Groͤſſe mit den vornehmſten Ge - baͤuden in der Welt um den Vor - zug ſtreiten kan; die Saͤle und Gemaͤcher ſind mit den ſchoͤnſten Gemaͤhlden in groſſer Menge ge - zieret: Hat auch ein Waͤldlein 500 Schritt groß, dienet dem Koͤ - nig zur Ergetzlichkeit, geſtalten viel Wild darinnen unterhalten und zu - weilen gejaget wird. Es ſind auch allhier zu ſehen, der praͤchtige Marſtall, mit den ſchoͤnſten Pfer - den geſpickt; die Kunſtkammer, die beruͤhmte Bibliothec, das un - vergleichliche Koͤnigliche Muͤntz - Cabinet und Antiqvitaͤten-Kam - mer, die neue Bruͤcke, worauf der Churfuͤrſt Friedrich Wilhelm, in Ertzt gegoſſen, zu Pferde zu ſehen: Jtem der neue Stall, der Dom oder die Stiffts-Kirche. Es war hier eine von dem weiſen Koͤ - nig Friedrich dem Erſten angeleg - te Ritter-Academie, ſo aber un - ter der vorigen Regierung einge - gangen.
Jſt eine ſchoͤne, reiche, maͤch - tige und feſte Stadt in Schwei - tzerland, an dem Fluß Aar gele - gen. Sie iſt gleichſam wie eine Zunge formiret, oder wie eine hal - be Jnſel, ziemlich hoch erhaben, und gantz von gehauenen Steinen, ſamt groſſen und breiten Gaſſen. Auf beyden Seiten ſtehen ſchoͤne Gewoͤlber, doch ſind die Haͤuſer und Thuͤren einander ſo gleich, daß man ſie nicht unterſcheiden kan. Dieſe Stadt wird regieretBeſvon einem groſſen Rath, beſtehend in 300 Koͤpffen; der kleine Rath beſtehet in 25 Rathsherren, welche aus der Zahl dieſer 300 genom - men. Jhre vornehmſte Obrigkeit ſind 2 Schultheiſſen, deren Anſe - hen und Gewalt, einiger Maſſen der Roͤmer Buͤrgermeiſter Macht gleichet, und verwalten ſie, wie dieſe Wechſels-Weiſe, ihr Amt ein Jahr lang. Dieſe Stadt hat ein groſſes Gebiet, 72 Landvog - teyen, und kan allein 60000 Mann ins Feld ſtellen. Aber in Bern iſt ſehr wenig Handlung und eigent - lich keine, als die man zu der Stadt Nothdurfft vonnoͤthen hat. Hin - gegen bluͤhen allda die freyen Kuͤn - ſte, und haͤlt die Stadt verſchie - dene Profeſſores. Sonſten iſt all - hier zu ſehen, die ſchoͤne groſſe Haupt-Kirche oder das Muͤnſter, darinnen der Altar und der Tauff - ſtein von ſchwartzen Marmor, das Rathhaus, Baͤrnhaus und Zeug - haus, aus dieſem kan mehr als 100000 Mann ins Feld ausruͤſten; die Stadt iſt der Reformirten Re - ligion zugethan. Dieſer Canton fuͤhret ein rothes Feld im Wappen, darinnen eine breite guͤldene Straſſe, darauf ein Baͤr in die Hoͤhe ſteiget.
Die Hauptſtadt in der Graf - ſchafft Burgund, oder Franche Comté, deren Ertzbiſchof bis auf den Ryßwickiſchen Frieden als ein Stand des heiligen Roͤmiſchen Reichs Sitz und Stimme auf Reichs-Taͤgen hatte. (ſ. Zeitungs - Lexicon.) Dieſes Ertz-Biſchof - thum hat einen guͤldenen Adler im rothen Felde zum Wappen, oben mit der Ertzbiſchoͤfflichen Muͤtze bedecket, und die Helm-De - cken ſind roth und Gold.
Beſcheh -Heißt, wenn der Hengſt zum Mutter-Pferde oder zur Stute gelaſſen, und dieſe von jenem be - ſprungen wird. Dieſes pfleget auf zweyerley Art zu geſchehen, entweder durch das freye Beſchel - len, oder durch das Beſchellen von der Hand aus. Das Beſchellen von der Hand aus iſt, wenn man den Beſcheller nicht frey, ſondern mit der Halffter gezaͤhmt, auf die Stute, welche gleichfalls mit Stri - cken und Riemen geſpannet iſt, un - ter Beyhuͤlfe des Stuten-Mei - ſters oder Hengſt-Mannes, und der Stall-Knechte, foͤrmlich ſprin - gen laͤßt. Dieſe Art haͤlt man fuͤr weit beſſer als das freye Beſchel - len. Denn erſtlich kan man zu ei - ner ieden Stute einen Beſcheller laſſen, welchen man will; ſo ſich beym Ein - oder Unterlauffen nicht thun laͤſſet. Ferner kan man einen Beſcheller ſchonen, daß er ſich nicht abarbeite und ablauffe, ſon - dern daß er ſeine Spruͤnge thue ſo vielmal und wenn man will. Wei - ter koͤnnen die Beſcheller auch beſſer gewartet werden mit Eſſen, Trincken und ſonſt allerley guten Pflege, deren ſie zur Zeit des Be - ſchellens ſonderlich vonnoͤthen ha - ben. Sodenn kan hierdurch auch verhuͤtet werden, daß die Stuten die Beſcheller nicht ſchlagen, oder ihnen ſonſt Schaden zufuͤgen; denn ſiehet man, daß eine Wilde den Beſcheller nicht gerne leiden will, kan man ihr die hintern Fuͤſſe an die voͤrdern ſpannen, und alsdenn den Hengſt ohne alle Ge - fahr zulaſſen. Hierbey iſt aber wohl Acht zu haben, ob auch die Stute, ſo man belegen will, ſtrut - tig und geſchickt dazu ſey; denn wo dieſes nicht iſt, ſo wird auchBeſder Sprung vergebens ſeyn. Die andere Art, oder das freye Be - ſchellen, oder Einlauffen, heiſſet, wenn ein Hengſt unter den Stuten ſo lange herum lauffen und ſie be - ſpringen darf, bis dieſe jenen nicht mehr achten. Denn der Augen - ſchein ſelbſt giebt, daß der Hengſt oftermals von den Stuten geſchla - gen, auch zuletzt dahin gebracht werde, daß er ſich der Stuten gar nicht mehr annehmen, und wenn er ſchon gerne ſteigen wollte, aus Furcht der Streiche, die er von ih - nen bekoͤmmt, nicht zu ihnen ſich na - hen darf. Abſonderlich aber wollen diejenigen, ſo jungen haben, den Beſcheller nicht zu ſich laſſen; dar - aus denn folget, daß dieſelben Stuten erſt ſpaͤte roßig oder ſtrut - tig werden, und des Beſchellers begehren, und daher auch ſpaͤte Fuͤllen fallen, welche man nicht fuͤr gut haͤlt. So befindet ſich auch, daß ſich der Beſcheller oftmals in eine Stute verliebet, derſelben ſtets anhaͤnget und nachlaͤufft, die andern aber unbedient gehen laͤßt; wodurch denn viel Stuten unbe - ſchellet bleiben, welches bey einer Stuterey kein geringer Schade iſt. Ja es lauffen ſich die Beſcheller auf der Weide ab, freſſen nicht, und treiben die Wilden oder Stu - ten ſtets zuſammen, ſteigen auch mehr und oͤfters, als ihnen gut iſt, dadurch ſie ſehr von Kraͤfften kommen, und ihr Steigen daher deſto nichtiger und kraftloſer wird; welches alles eine Urſache iſt, daß ſie nicht lange dauren oder zu ge - brauchen ſind, ſondern gerne blmd, krumm und lahm werden. Die Beſchellungs-Zeit anlangend, iſt der Fruͤhling die beqvemſte Zeit hierzu, und zwar etwan 8 Tage nach der Tag - und Nacht-Gleiche,nem -Beſnemlich vom Ausgange des Mer - tzens bis gegen Ausgang des Mayes, iedesmal zwiſchen dem Neu - und Vollmond. Denn weil eine Stute 11 Monat und 10 Ta - ge, oder doch nicht viel weniger zu tragen pflegt; ſo kan das Fuͤllen auf der friſchen Weide von ſeiner Mutter deſto beſſer ernehret wer - den, und den Antritt ſeines Wachsthums mit mehrerem Vor - ſchub fortſetzen und ausfuͤhren.
Heißt ein Hengſt oder gantzes Pferd, welches man zu Belegung der Stuten haͤlt. Die vornehm - ſten Eigenſchafften eines Beſchel - lers ſind, daß er an allen ſeinen Gliedern vollkommen und erwach - ſen, ſtarck im Ruͤcken, feſt auf den Beinen und ſeiner Schenckel ge - wiß, nicht weich, noch krafftlos, ſondern dauerhafft, behertzt und freudig, weder ſtetig noch untreu oder heimtuͤckiſch, ſondern fromm gegen Menſchen und Pferde ſey; er ſoll weder Feuer noch Waſſer, weder Geraͤuſche noch Getuͤmmel ſcheuen, ſich gerne zaͤumen, ſtrie - geln, warten, auf - und abſitzen, beſchlagen und ſatteln laſſen; der Schlauch ſoll ſchwartz, das Ge - ſchroͤte aber aufgezogen und klein ſeyn, weil die mit weiſſen Schlaͤu - chen zur Zucht fuͤr undienlich ge - halten werden. Das allernoͤthig - ſte Stuͤck, ohne welches alle andre nichts nutzen, iſt, daß ein zur Zucht beſtimmter Hengſt gnugſa - me Luſt, Begierde und Kraͤfte zum Beſchellen habe; denn die aus den Apothecker-Buͤchſen geholte Huͤlfe iſt von wenigem Nachdruck und hat noch weniger Beſtand. Ein Beſcheller ſoll zu dieſem Dienſt nicht eher gebraucht werden, bis er das 5te oder ſechſte Jahr zuruͤck -Beſgeleget hat. Seine beſten Dienſte bey den Mutter-Pferden, deren ihm 10 bis 12, aufs hoͤchſte 15 in einem Jahr zu untergeben ſind, kan er bis ins vierzehende oder funffzehende Jahr verrichten; denn ob er gleich nach dieſem noch mu - thig gnug zum Springen iſt, brin - get er doch keine ſchoͤne Fohlen mehr zu wege. Seine Wartung betreffend, muß man ihn wohl fuͤttern, damit er fein bey Leibe und Kraͤften bleibe; die uͤbrige Feiſte aber iſt ihm ſchaͤdlich. Zur Beſchellens-Zeit kan man ihm bis - weilen geſchrotene Koͤrner unters Futter geben, und ihm in den Tranck ein wenig weiſſes Mehl thun, daß er eine Milch-Farbe an ſich nehme; mit dergleichen Tran - cke, der ein wenig warm ſeyn muß, ſoll man einen Monat vor und ſo lange nach dem Beſchellen anhal - ten. Die Zeit, da der Beſchel - ler zugelaſſen wird, ſoll man ihm ſo viel geben, als er will; und daferne er nicht eſſen wolte, muß man ihm die Zunge und das Maul inwendig wohl mit Eßig und Saltz reiben, auch das Futter mit geſal - tzenem Waſſer beſprengen; man kan ihm auch Ziſer-Erbſen und ge - ſchrotene Bohnen unter dem Ha - ber mengen, und manchmahl eine Hand voll gruͤnes geben, damit er deſto luſtiger bleibe. Wenn der Beſcheller mit dem Sprunge einer Stute fertig iſt, ſoll man ihn im Angeſicht der Stute eine gute Viertel-Stunde ſpatzieren fuͤhren, ſodenn ihn in ſeinen Stall brin - gen, fleißig ſtriegeln, putzen und warten, ihm das Geſchroͤte mit warmen Wein, darinnen ein pul - veriſiter Hirſch-Zahn geſotten worden, baͤhen, ihn mit einer ſau - bern leinenen Decke zuhuͤllen undwohlBeſwohl erkalten laſſen; iſt keine Hi - tze mehr an ihm zu ſpuͤren, kan man ihm mit laulichtem Waſſer, darein ſchoͤn weiſſes Mehl gemen - get worden, traͤncken, ihm ſein Futter geben, und damit er deſto beſſer ruhen koͤnne, den Stall etwas finſter halten. Man muß den Beſcheller im Stalle aber nicht verſtehen laſſen, ſondern denſelben wenigſtens um den andern Tag bey gutem Wetter fruͤh ſpatzieren reiten, iedoch ſo daß er ſich nicht erhitze; bey warmem Wetter ſoll manihn oft ins Waſſer gehen laſſen, iedoch nicht tieffer, als bis an die Knie. Verſiehet man ihn alſo mit ſauberer Wartung und gutem Futter, ſo kan er auch ſeine Dien - ſte deſto nachdruͤcklicher leiſten, und um ſo viel laͤnger ausdau - ren.
Nennet man die aufgeſchlagenen Huf-Eiſen der Pferde.
Dem Pferde die Huf-Eiſen auf - ſchlagen. Dieſe Arbeit ſoll ein guter Reuter dem Schmiede und Knechten nicht alleine uͤberlaſſen, ſondern ſelbſt gute Acht darauf ha - ben. Jnſonderheit ſoll man die jungen Fuͤllen, ſobald ſie aus der Stuterey ausgefangen, und im Stall aufgeſtellet ſind, wozu ein Alter von fuͤnftehalb Jahren fuͤr die beſte Zeit gehalten wird, mit aller Gelindigkeit, Sanftmuth und fein ſachte zum Beſchlagen gewoͤh - nen, einen Fuß um den andern aufheben, mit einem Holtze oder Eiſen gantz ſubtil und ie laͤnger ie ſtaͤrcker, nachdem ſie es gerne lei - den, auf den Huf klopfen, und wenn ſie es dulden, ihnen ſchoͤn thun, und ein wenig Gras vor -Beſgeben; daferne ſie ſich aber anfangs ungeberdig ſtellen, muß man Ge - dult haben, und ſich mit dem Auf - heben der Fuͤſſe begnuͤgen, bis ſie ſich nach und nach darein ergeben, und das Beſchlagen leiden. Man ſoll aber die jungen Pferde ſo lan - ge als moͤglich abſonderlich auf den hintern Fuͤſſen barfuß gehen laſſen, weil ihnen die Hufe nur deſto beſ - ſer, breiter und runder davon wer - den, auch ihnen anfangs keine ſchwere Eiſen aufſchlagen. Dar - auf ſoll man ihnen in 4 oder 6 Wochen alle 4 Eiſen abbrechen, und ſehen, ob ſie gleich auf den Hufen liegen: Jſt dieſes, werden die Eiſen wieder auf - und die Naͤ - gel in die alten Loͤcher geſchlagen; liegen ſolche aber uneben, muß durch das Auswircken alles ge - ebnet, und das Eiſen wieder gleich darauf gerichtet werden. Der Ballen oder die Ferſe des Hufes muß wohl geoͤffnet bleiben, den Hufzwang zu verhuͤten; denn hat ein Pferd enge Ferſen und einen hohen Huf, welches Eſels-Huf ge - nennet wird, muͤſſen die Waͤnde wohl nieder und bey den Ferſen oder Strahlen mit dem Wirck - Meſſer weit ausgeſchnitten wer - den, damit die Hufe niedrig und an den Ferſen geluͤfftet bleiben, daß das Leben wieder in die Fuͤſſe kommen kan. Die Eiſen ſollen einem ieden Pferde, wenn es ſchon vollhuͤfig iſt, gleich eben und nicht hoch gerichtet werden, damit ihm die Waͤnde fein ſtarck und wohl wachſen koͤnnen. Am voͤrdern Fuſſe ſollen die Eiſen dem Horne gleich ſeyn, und ihm vor dem Hu - fe hinaus gehen, woferne nicht der Fuß vertreten oder zerbrochen waͤre: Hinten an den Strahlen aber ſoll das Eiſen mit beydenStollenBeſStollen vorgehen, ſie muͤſſen aber nicht zu lang ſeyn, damit das Pferd mit den hintern Fuͤſſen nicht darein greiffe, auch nicht zu kurtz, daß es ſich auf der Ferſen nicht verbelle. Beym Beſchlagen alter abgerichteter Pferde ſind die Huͤfe ſowol aus-als inwendig durch Horn-Salben und Einſchlaͤge gut zu erhalten, damit ſie nicht hart oder ſpißig werden, ſondern fein gelind und zaͤhe bleiben. Sonder - lich iſt ihnen allemahl 2 Tage vor dem Beſchlagen mit Baum-Oel und Honig in Groͤſſe einer wel - ſchen Nuß und ein wenig Kuͤhmiſt mit haͤnfenem Werg einzuſchla - gen. Nach dem Beſchlagen nimmt man Brantewein und ungeloͤſch - ten Kalck, und ſchlaͤget nicht oͤfter als zweymal damit ein, bis es wieder beſchlagen wird. Das Beſchlagen iſt wenigſtens in ein paar Monaten zu wiederholen. Vollhuͤfige Pferde muͤſſen im ab - nehmenden, die aber, denen der Kern ſchwindet, im wachſenden Monden beſchlagen werden. Jns - gemein beſchlaͤgt man die meiſten Pferde im neuen Monde, damit ihnen der Kern wachſe. Die Naͤ - gel muͤſſen nicht zu ſchwach, auch nicht zu plumb, noch zu ſeichte ſeyn, weil dieſe leichtlich ausreiſ - ſen; noch auch zu tieff eingeſchla - gen werden, weil man damit ein Pferd leicht vernageln kan.
Sagen die Jaͤger von dem Hir - ſche, wenn er in der Brunſt-Zeit das Wild beſpringet.
Braucht der Schmidt, wann er dem Pferde die Naͤgel wie - der ausziehet, wann es etwan ver - nagelt worden.
Muß in der Muſic vor allen an - dern Stuͤcken eine beſonders nach - druͤckliche Bewegung verurſachen, welche ſich nicht nur im Lauffe oder Fortgange der Melodie befindet, ſondern vornehmlich im Nachſpiele, es ſey im Fundament, oder in einer ſtaͤrckern Begleitung; man habe die - ſes Ritornell vorher gehoͤret oder nicht. Jn den Arien ſchlieſſet man gewoͤhnlich mit den Gaͤngen und Klaͤngen, darinnen man an - gefangen hat. Man kan aber die Zuhoͤrer offt hier artig uͤberraſchen, und gantz unerwartete Veraͤnde - rungen vorzuͤglich im Schluſſe der Sing-Melodien, beylaͤuffig aber in dem Nachſpiel, anbringen, welche einen angenehmen Eindruck hinterlaſſen, daraus gantz eigene Gemuͤths Bewegungen entſtehen. Und eben hierinne beſtehet die ei - gentliche Natur des Beſchluſſes einer Klang-Rede. Die Schluͤſ - ſe ex abrupto, womit man ploͤtzlich abbricht, geben hier auch dienliche Mittel zur Gemuths-Bewegung an die Hand.
Heißt ein Gewinn, ſo beym Pferd-Handel erlangt wird. Das geſchicht meiſt von Unterhaͤndlern, welche von Kaͤuffer und Verkaͤuf - fer Beſchores nehmen, und offt einen anfuͤhren helffen. V. Faire Gain.
Heißt bey der Jaͤgerey den ge - wiſſen Stand eines Hirſches im Holtze vermittelſt eines Leit-Hun - des erfinden.
Heißt, ſo einer mit einem Leit -HundeBeſHunde einen oder etliche Hirſche beſtaͤtiget, und dieſelben alsdenn eingeſtellet werden.
Wird ein Forſt oder Wald ge - nennet, welcher mit vielen Haupt - und angehenden Baͤumen, auch Vorſtaͤndern und Laß-Reiſern be - wachſen iſt.
Jſt bey der Jaͤgerey ein Bedien - ter, welcher durch oder mit Beſuch des Leit-Hundes entweder das Roth-Wildpret, welches in einer Heide zu vermuthen, und von Fel - dern zu Holtz gewechſelt iſt, vor dem Jagen dem Ober-Jaͤgermei - ſter zur Nachricht anzuzeigen, oder der Herrſchafft, welche eine Luſt - Jagd anzuſtellen willens, einen oder mehrere jagdbare Hirſche zur Vergnuͤgung zu beſtaͤtigen hat. Es wird hierzu ein fleißiger, nuͤch - terner und gedultiger, abſonder - lich aber ſeines Leithundes maͤchti - ger Menſch erfordert, und pfleget man an groſſer Herren Hoͤfen der - ſelben 2, 3 und mehrere zu halten, nachdem die Waͤlder und Heiden weitlaͤufftig vertheilet, und das Land groß, auch die Herrſchafften Liebhaber der Jaͤgerey ſind.
Jſt ein Theil oder Platte an den Zaͤumungs-Stangen, in wel - ches des Mundſtuͤcks Zapffen ein - geſchmiedet und alſo verſchloſſen, daß ſich der Zapffen weder ziehen noch biegen kan, weiln ſie wegen Verwechſelung der Mundſtuͤck ein - geſchraubt werden; heut zu tage aber ſind die geſchraubten Stangen nicht ſehr mehr braͤuchlich.
Nennen die Jaͤger das Lager oder die Ruheſtaͤte des Roth - Wildprets.
Suff eines Pferds, welchen es gethan, als es warm und ſehr er - hitzt geweſen, daraus entſtehet ei - ne gefaͤhrliche Kranckheit, welche nichts anders als eine Unreinig - keit, oder gelbe zaͤhe Materie in dem Hertzen des Pferdes iſt, und findet ſich nicht leicht ein Mittel, ſolche zu zertreiben, ſonderlich wann es lange angeſtanden, ſon - dern dieſelbe muß darinnen blei - ben, dieweil es das kraͤftigſte iſt, und durch den kalten Suff in der Hitze zuſammen faͤhrt, gerinnt, und zu einer gelben Sultzen wird, wo - von das Pferd einen kurtzen Athem bekommt, welches ſehr gefaͤhrlich iſt, und die meiſten Pferde daran crepiren. V. Arcan. 2 Theil der Pferd-Anatom. pag. 1133.
Heiſſet bey den Jagden, wo man zugleich treibet, und darneben immer beyher mit dem Jagd-Zeuge ſtellet.
Jſt dem Haupt-Jagen entgegen geſetzet, und geſchiehet zu auſſer - ordentlicher Zeit, an ſolchen Plaͤ - tzen und Oertern, wo weder rechte Wildniſſe und Haupt-Hoͤltzer, noch Berg und Thale, ſondern al - lein Brahnen und Hecken ſind. Man pfleget es auch Heck-Jagen zu nennen.
Bey -Jſt eines der vornehmſten Zei - chen, ſo der Hirſch in der Faͤhrte vor einem Thiere thut, woraus man die Guͤte oder Feiſte des Hir - ſches vermuthen kan, und geſchie - het, wenn der Hirſch mit dem hin - tern Fuß mehr als einen Finger breit, neben dem vordern tritt, weil das Creutz und der Zimmel hinten feiſt und dicke ſind.
Jſt, wenn die Accidenti muſi - cali nicht unmittelbar hinter dem vorgezeichneten Muſic-Schluͤſſel ſtehen, ſondern nur dann und wann innerhalb des Syſtematis vor die Noten geſetzt vorkommen.
Wird bey der Jaͤgerey genennet, wenn ein Jaͤger um ein Gebuͤſch herum gehet, um zu ſehen, ob das - jenige Thier oder Wild, welches er an einem Orte hinein geſpuͤret, nicht heraus ſey. Sie pflegen es auch bekreiſen zu nennen.
Es giebt ſolcher zweyerley, ei - ner koͤmmt aus Egypten, Perſien, Jndien, China, der andere iſt ein Occidentaliſcher, und koͤmmt aus America. Dieſer aber iſt ein rau - her, insgemein grauer Stein, von unterſchiedener Groͤſſe und Ge - ſtalt, und welcher aus vielen uͤber einander liegenden Schalen zu - ſammen gewachſen, welche inwen - dig entweder hohl, oder einigen Saamen, oder ſonſt was in ſich halten; werden meiſtens aus Peru von den Portugieſen und Spa - niern gebracht. Es werden ſolche Steine in verſchiedenen Thieren, meiſtens aber in einer Art Gemſen gefunden, vornemlich in den alten,Bezindem ſolcher Stein, wenn er ſich im Magen an etwas haͤnget, ſeine uͤber einander liegende Schalen nach und nach in vielen Jahren ziehet, ſo von den beſten Kraͤutern, die das Thier friſſet, entſtehen. Der Farbe nach ſind ſie insge - mein weiß, grau, ſchwaͤrtzlich, mit weiß vermenget, oder gruͤn - lich bunt. Der Groͤſſe nach uͤber - treffen ſie den Orientaliſchen Be - zoar, daß ſie zuweilen oͤffters wie Huͤner-Eyer ſind, manchmahl rund oder oval, oͤffters auch vier - eckigt. Diejenigen, ſo etwas gruͤnlicher Farbe, und wie die Orientaliſchen ausſehen, wenn ſie inwendig zumahlen glaͤntzende Streiffe haben, und aus Peru gebracht werden, ſind die beſten. Die allerbeſten aber ſind die Orien - taliſchen Bezoar, welche von ei - ner gewiſſen fremden Art Thiere, abſonderlich Geis oder Ziegen, ſo im Koͤnigreich Golconda zu fin - den, herkommen. Es ſind dieſer Art Steine gantz glatt, iedoch et - was muͤrb, und beſtehen inwen - dig aus vielen zarten Schalen, ſo wie die Zwiebel-Schalen uͤber ein - ander gewachſen; von Farben gruͤnlicht oder gruͤnſchwartz. Sie werden aber nicht bloß in den Magen oder den Excrementen ge - funden, ſondern in einem haͤrich - ten Saͤcklein oder Haut, ſo von auſſen voller rauhen, kurtzen und braunen Haare, und in der Groͤſſe eines Gans-Eyes iſt; wachſen auch noch mit einer andern duͤn - nen Haut und weiſſer Schalen. Weilen nun dieſer Stein ſehr pre - tioͤs, als wird er auch ſehr nach - gemachet und verfaͤlſchet; einem ſolchen aber zu entgehen, werden verſchiedene Proben vorgeſchlagen. z. E. Wenn er mit einem ſpitzi -genBezgen Eiſen nicht bald kan eroͤffnet werden, ſo iſt er gut; oder, ſo er auf Papier, welches mit Kreide vorher geſchmieret worden, ſich gruͤn reibet, wird er auch paßiret: Wirfft man ihn in ein Waſſer, und er macht es gleichſam ſiedend, iſt er auch unverfaͤlſcht. Der rechte aber und unverfaͤlſchte iſt glatt, gruͤnlicht, und wenn er ge - rieben wird, bleibt er insgemein ſchwartzgruͤn. Der Occidentali - ſche Bezoar hat auch ferner ſeine Probe, daß er rauh und grau, und keinen Glantz hat, wiewohl dieſes wohl und leicht nach zu machen. Plinius meinet, es ſey der Bezoar die Augen der Hyænæ, als welche eines ſteinichten Weſens waͤren, daher er ſie auch gemmas Hyænæ nennet. Andere vermeinen, der Bezoar-Stein erwachſe aus den zuſammen geronnenen Thraͤnen eines Hirſches: Denn wenn die Hirſche im Fruͤhling die Loͤcher der Schlangen durchſuchen, und ſelbi - ge durch den Odem ihrer Naſen heraus ziehen, hernach zur Rei - nigung ihres Leibes auffreſſen, ſo lauffen ſie gleich damit zu einem friſchen Waſſer, und weltzen ſich ſo lange darinnen, bis ſie mercken, daß der Schlangen-Gifft uͤber - wunden iſt: Mittler Zeit ſchieſ - ſen durch die Krafft oder Gewalt des Giffts in ihren Augen ein Hauffen Thraͤnen hervor, welche, wenn ſie erhaͤrten, der herrlichſte Bezoar, oder die beſte Artzeney fuͤr das Gifft ſeyn ſollen. Son - ſten giebt es auch Bezoar cervi - num, Hirſch-Kugeln, welche aͤuſ - ſerlich weißgelb anzuſehen, und ebenfalls aus vielen uͤber einander liegenden Blaͤttlein beſtehen, wer - den in den Gedaͤrmen und Magen der Hirſche gefunden. Alſo giebtBibes auch Bezoar mulinum, welcher eben wie ein anderer Bezoar - Stein aus vielen uͤber einander liegenden Blaͤttlein beſtehet, und in den Magen der Maul-Eſel ge - funden wird, und ſoll faſt eben die Kraͤffte als die andern haben. Jn - gleichen Bezoar Simiarum, Affen - Stein, ſo in den Affen, meiſten - theils auf der Jnſel Maccaſſer, gefunden wird, 6 Gran von dem - ſelben ſollen mehr thun, als von dem rechten Bezoar ein halb Qvin - tel, daher auch ein Stuͤck mehr als 100 Thaler koſten ſoll. Wie nicht weniger Bezoar equinum, davon unten Hippolithus nachzu - ſehen.
Hat unter andern auch die Be - deutung, daß es den Ort anzeiget, woran etwas anzugreiffen oder anzufangen iſt, z. E. Wenn man ſagt: tirer en biais dans la queüe d’ une des notes de l’ ac - cord, an dem Schwantze der einen Accord-Note einen Strich ma - chen, ſo will man damit anzeigen, es ſolle daſelbſt das Arpeggio ſei - nen Anfang nehmen, und entwe - der von unten hinauf, oder von oben herunter ausgedruckt wer - den.
Alſo wird die halbſchlaͤgige No - te, oder diejenige, deren 2 auf einen Tact gehen, genennet.
Daß dieſelbe dasjenige Buch ſey, darinne der Hoͤchſte uns ſei - nen Willen von der Menſchen Se - ligkeit geoffenbaret hat, wird von einem ieden Chriſten, als bekandt voraus geſetzt. Wir fuͤhren die - ſes heilige Buch hier nur um deß -Ritter-Lexic. FwillenBibwillen an, daß wir einen curioͤſen Bibel-Leſer erinnern, es ſey das Wort Pferd 360 mal darinne er - wehnet worden.
Es giebt Land - und Waſſer-Bi - ber. Die erſtern machen ihre Loͤ - cher in die Erde, wie die Fuͤchſe, und kommen nur ins Waſſer, wenn ſie trincken wollen, ſind ſonſt an Geſtalt den Waſſer-Bibern gleich, auſſer daß ſie, wegen ihres Ein - und Auskriechens in die Loͤ - cher, am Bauche und auf dem Ruͤcken halbabgeſtoſſenes Haar haben; ſie ſind von den Waſſer - Bibern ihrer Faulheit wegen aus - gejagt worden, und werden auch Faullentzer genennet. Man fin - det ſie zwar in Deutſchland, aber nur wenig, in Nord-America aber ſind ſie in ſolcher Menge, daß auch in einem Jahre derſelben auf 18000 gefangen werden. Ein groſſer Biber iſt 26 Zoll lang von dem Halſe bis an den Schwantz, um den Leib 3 Schuh 8 Zoll dick, der Kopf iſt 7 Zoll lang und 6 breit, der Schwantz 14 Zoll lang und 6 breit, in der Mitten 1 Zoll und 2 Linien dicke, an Geſtalt laͤnglicht - rund, mit harten Schupen bedeckt, auf welchem er Erde, Koth und andere Materialien zuſammen ſchleppet, ſeine Huͤtten auf dem Waſſer zu bauen; die Ohren ſind kurtz, rund und tieff; die Schen - ckel 5 Zoll, die Pfoten viertehalb Zoll, von der Ferſe bis an die Spitze der groſſen Zehe, die Fuͤſſe 6 Zoll 8 Linien lang; die Pfoten ſtehen faſt wie Menſchen-Haͤnde, er braucht ſie zum Eſſen wie ein Affe; die 5 Klauen an den Hinter - Fuͤſſen ſind mit einem Haͤutlein; wie an den Enten, zuſammen ge -Bibfuͤgt, an den vordern aber offen: die Augen ſind ſehr klein, als Ra - tzen-Augen; vorn am Maule hat er oben 2 und unten 2 groſſe ſchar - ſchneidende Zaͤhne 1 Zoll lang und ein Viertel-Zoll breit, womit ſie dicke Baͤume zu ihrem Bau um - hauen, die Fiſche erhaſchen und ſich wider andere Thiere wehren. Es hat gedoppelt Haar, das eine lang, ſchwaͤrtzlich, glaͤntzend, dicke, das ander zart, gelind und zu Win - ters-Zeit 15 Linien lang. Eines ſolchen Bibers Haut wieget 2 Pfund, das Fleiſch iſt im Som - mer und Herbſte gut, muß aber wohl gebraten werden; der Schwantz iſt das delicateſte. Aus den kurtzen Haaren werden die Ca - ſtor-Huͤte und Struͤmpfe verfer - tiget. Das Caſtoreum oder ſo - genannte Biber Geil brauchet der Biber zu Glaͤttung ſeiner Zaͤhne, wenn er in was hartziges gebiſſen, traͤget es von Natur in einem Saͤcklein, iſt nicht die Hode oder Geile des Bibers, wie es die mei - ſten Naturaliſten irrig dafuͤr hal - ten. Die weiſſen Biber machet die Seltenheit ſchaͤtzbar, maſſen ihm die Haare weder ſo lang, noch ſo zart ſind, als der ordinai - ren; ſie ſind eben ſo rar als die voͤllig ſchwartzen. Die roͤthlichen ſind ſchlimm, und fallen die Jaͤ - ger an[,]die ſchwartzen aber fliehen vor ihnen. Jhre Nahrung beſte - het in Rinden von Weiden, Pap - peln, Erlen und dergleichen Waſ - ſer-Gehoͤltze, welches ſich gerne ſchaͤlen laͤſſet, ingleichen in Fiſchen. Das Weiblein gehet 16 Wochen dicke, und ſetzet im May auf ein - mahl 3 bis 4 Jungen, ſo ſie nach Art anderer vierfuͤßigen Thiere ei - ne Zeitlang zu ſaͤugen pfleget. Sie kommen blind auf die Welt, undwennBibwenn ſie etwa einen Monat alt, bringen ihnen die Alten kleine Aeſtlein von Weiden, daran ler - nen ſie die Rinde ſchaͤlen und Laub beiſſen; nach 5 bis 6 Wochen ge - hen ſie ſchon mit den Alten durchs Waſſer nach dem Lande; dann hauen ihnen die alten Pappeln und Weiden um, ſetzen ſich mit ihnen in die Aeſte, und aͤſſen ſich nach Gefallen. Gegen den Winter tra - gen ſie ſich von den ſchwartzen Pappeln ein in ihr Geſchleiffe oder Bau, damit ſie, wenn ſie wegen Eiſes nicht heraus koͤnnen, zu le - ben haben. Sie ſollen ſich auch zaͤhmen laſſen. Jhre Jungen lie - ben ſie ſehr, und ſollen dieſelben wie die Kinder winſeln und ſau - gen. Sonſten iſt des Bibers Faͤhrte an den voͤrdern Fuͤſſen gleich einem Hunde, doch flacher, die hintern Fuͤſſe aber gleichen ei - ner Gans oder Schwane. Jhr Feind iſt der Fiſch-Otter, doch kan ein Biber mit ſeinem Schwan - tze und Zaͤhnen 3 Fiſch-Otter uͤber - winden. Und weil ſie von den Menſchen verfolget werden, gehen ſie nicht leicht uͤber 20 Schritte von dem Teiche, wo ſie ihren Bau haben. Wenn ſie auf dem Tro - ckenen Baͤume faͤllen, ſtellen ſie Schildwachen aus, welche ihnen mit Schreyen ein Zeichen geben, daß ſich Menſchen oder Thiere naͤ - hern, worauf ſie ins Waſſer zu ih - ren Hoͤlen eilen. Jn America werden ſie, wenn ſie auf dem Lan - de ſind, geſchoſſen, oder mit Ne - tzen unter dem Eiſe, auf dem Lan - de lauffend und im Waſſer ſchwim - mend, gefangen; den Land-Bi - bern ſtellet man Fallen, da ſie mit rothen Pappeln gekoͤdert werden. Oder ſie laſſen die Teiche, worin - nen Biberbaue ſind, ablauffen,Bibund ſchieſſen ſie ſodenn. Bey uns bedienet man ſich der Netze, und gehoͤren ſie zur hohen Jagd.
Mit was fuͤr beſonderm Fleiß die Biber ihre Wohnung auf dem Waſſer, manchmal 2 bis 3 Stock - wercke hoch bauen, daruͤber muß man ſich hoͤchlich wundern. Denn ſie beiſſen und hauen die Baͤume, abſonderlich die Pappel-Baͤume, Aſpen, Weiden und ander weich Holtz, oberhalb den Wurtzeln der - geſtalt ab, als wenn ſie abgeſchnit - ten waͤren, und zerſtuͤcken ſie denn vollends mit ihren groſſen und ſcharfen Zaͤhnen. Sie koͤnnen mit den Fuͤſſen die Erde oder den Leimen, ſo gut als ein Kleiber oder Leimen-Arbeiter zurichten; wo - bey ihnen der Schwantz ſowol ſtat eines Faſſes, den Leimen damit zu tragen, als ſtat einer Pritſche und Kelle, zum Leimen-Schlagen und ſolchen anzuwerfen, dienet. Wenn ſie auf einer Wieſe ſind, durch welche ein Bach laͤufft, wer - fen ſie Daͤmme auf, hemmen das Waſſer, und zwar machen ſie die Daͤmme von Baͤumen, welche ſie nach dem Winde ins Waſſer faͤl - len, und im Schwimmen fort - ſchleppen, qver uͤber den Bach le - gen, zuſammen ſchrencken, und mit Erde ausfuͤttern, und das oͤffters 4 bis 500 Schritte lang, 20 Schuh hoch und 7 bis 8 Fuß dick, woran aufs hoͤchſte in 5 oder 6 Monaten ihrer 100 arbeiten. Jh - re Huͤtten aber bauen ſie auf 6 Pfaͤlen, mitten in ihren gebaue - ten Teichen, wie einen Back-Ofen von leimichter Erde, Gras und Aeſten, mehrentheils 3 Stockwer - cke hoch, damit ſie, wenn das Waſſer waͤchſet, hoͤher kommenF 2koͤnnen.Bibkoͤnnen. Den Boden iedes Stock - wercks belegen ſie mit Schilf, und hat ein ieder ſeine beſondere Zelle zur Wohnung. Jn dem unterſten Stockwerck iſt ein Loch, da ſie hin - ein und heraus koͤnnen.
Hunde, mit welchen man den Biber aufſuchet und faͤnget. Man nimmt gemeiniglich ſtarcke beißige und behertzte Stoͤber-Hunde dar - zu, die man aber von Jugend auf darzu gewoͤhnen muß, damit ſie bey Zeiten mit Behutſamkeit und Vortheile den Biber aufſuchen moͤgen, denn ſonſt ein unvorſich - tiger Hund durch des Bibers ſchar - fes Gebiß gar leicht kan zerhauen werden. ſ. Otter-Hunde.
Jſt vorne wie eine Wathe, da - von die untere Leine mit ſchwerem Bley-Geſencke auf dem Grunde lieget, die obere Leine aber mit Korck oder leichter Holtz-Rinde oben ſchwimmet. Der Sack oder Buſen daran iſt wie ein Hamen, woſelbſt hinten ein Zipfel uͤber 4 Ellen lang gehet, welcher ſo enge geſtrickt iſt, daß ſich nichts darin - nen umwenden kan. Dieſes Garn iſt nach der Breite des Waſſers vorn oͤffters 10 bis 12 El - len weit, der Sack aber mit dem Zipfel daran auf 16 bis 18 Ellen lang. Die Maſchen ſind wie bey den Haſen-Netzen; an den Zipfel wird ein runder Stein von etli - chen Pfunden ſchwer nebſt einem Ringe feſt angebunden; an dem Ufer aber ein Pfal eingeſchlagen, woran man ein langes glattes duͤnnes Seilchen anmacht, ſolches hernach in Schlangen-Form etli - che mal um das Netz durch die Schmaſen umher, und letztlichBiddurch den Ring ziehet, deſſen En - de eine ans Ufer ſtehende Perſon in Haͤnden hat. Ein ſolches Bi - ber-Netze wird nun vor einem Bi - berbau, worinnen man was ver - muthet, nach der Breite des Waſ - ſers vorgeſtellet, und an beyden Ufern mit Pfaͤlen feſt angepfloͤcket. Es pfleget aber der Biber gerne an breiten Stroͤmen oder groſſen Seen in hohlen Ufern und Loͤchern zu wohnen, wo es mit Weiden und Schilfrohr verwachſen iſt. Wenn nun oben auf dem Ufer nach des Bibers Bau eingegraben wird, und die Hunde darinnen ſtoͤbern, ſo wiſchet der Biber her - aus und in den Garn-Sack hin - ein, welches an der Bewegung des Leinchens gleich zu fuͤhlen iſt; wor - auf der, ſo das Leinchen haͤlt, ſol - ches geſchwind an ſich ziehet, da ſich denn der Zipfel umdrehet, daß der gefangene Biber nicht wieder heraus kan.
Ein zweyſtimmiges Lied, der - gleichen ſind faſt alle Recitative. Ein zweyſtimmiger Satz iſt der erſte Schritt zur Vollſtimmigkeit; denn das heißt ſchon eine Sym - phonie oder Zuſammenfuͤgung der Klaͤnge, wenn zwey ungleiche Stimmen ſich zu einem angeneh - men Wohllaut mit einander ver - einbaren.
Nennen die Frantzoſen die Kleppers, welche geſtockt und un - terſetzt ſeyn, und beſſer dauren, als die groſſen Pferde, weil ſie ihr Vermoͤgen und Staͤrcke in der En - ge beyſammen haben; dahero ſie auch auf der Jagd, auf Reiſen, gleich wie im Kriege, und uͤberallhinBidhin zu brauchen ſind, und ohne Ermuͤdung lange anhalten.
Jſt ein gar kleines Zwerg-Pferd - gen, vor junge Herren ſehr beqvem zu reuten, welche gemeiniglich ei - nen Zelter oder Antritt gehen. Aber ſo klein als ſie ſind, ſo ſchlim̃ ſind ſie anfaͤnglich, bis ſie recht rittig gemacht werden.
Ein zu den Aufzuͤgen gehoͤriger Tantz, wenn die Boͤttcher, oder Buͤttners-Geſellen mit Muſican - ten einen oͤffentlichen Aufzug und Tantz zu halten pflegen. Es pfle - get einer dabey einen runden Faß - Reiffen zu nehmen, und denſel - ben mit groͤſter Behendigkeit uͤber den Kopf und wieder unter den Fuͤſſen hinweg zu ſchlagen, daß man kaum ſehen kan, wie er durch den Reiffen koͤmmt. Darneben haben ſie auch viele ungebundene Tonnen-Reiffen, an welchen ſie ſich alle an einander feſt anhalten, und ſolcher Geſtalt in einer langen ungetrenneten Reihe, allerhand luſtige Aufzuͤge und Veraͤnderun - gen machen. Denn bald wickeln ſie ſich alleſamt um einander her - um, bald ſpringen ſie mit groſſer Behendigkeit uͤber die Reiffen, und kommen wieder unter denſel - ben hin. Oefters bleiben die erſten beyden ſtille ſtehen, halten ihren Reiffen in einem halben Schwie - bogen in die Hoͤhe, und laſſen die andern alle gleich als durch eine Ehren-Pforte hindurch gehen. Und was dergleichen luſtige Veraͤnde - rungen mehr ſind, welche von den Umſtehenden mit Vergnuͤgen an - geſehen werden. Dergleichen Bie - gel-Tantz, ward im Jahre 1698 dem Koͤnige von Pohlen AuguſtoBilII zu Ehren gehalten, als er in Dantzig ſeinen Einzug hielte.
Heiſſet ein Kleinod, und iſt ein fingirter Nahme eines Pferdes in einem Marſtall.
Wird fuͤr ein honnettes Spiel gehalten, und geſchichet auf einer groſſen viereckigten, und mit einem etwas erhoͤheten Rande eingefaſ - ſeten Tafel, welche mit gruͤnem Tuche uͤberzogen, und 6 runde un - ten mit geſtrickten oder ledernen Beuteln verwahrte Loͤcher, nem - lich auf ieder Ecke eines, und 2 in der Mitten hat. Auf dieſer Tafel ſpielen gemeiniglich 2 Per - ſonen, deren ieder eine weiſſe hel - fenbeinerne Kugel hat, welche er mit langen Stecken, ſo man theils Maſſen, theils Queues nennet, auf des andern ſeine Kugel zuſtoſ - ſet, und ſolche in ein Loch zu trei - ben, oder uͤber die Tafel hinaus zu ſprengen ſuchet; wenn er dieſes praͤſtiret, ſo hat er zwey Augen ge - wonnen, und alſo continuiren beyde mit einander Stoß um Stoß, bis einer 12 Augen zuſam - men gebracht, und die Partie ge - wonnen hat. Dergleichen Tafeln werden heutiges Tages meiſtens in den Caffee-Haͤuſern, nebſt den gedruckten Legibus, nach welchen es muß geſpielet werden, gefun - den, auch gewiſſe Jungen dazu geſtellet, welche die gewonnenen und verlohrnen Augen der Spie - lenden zehlen oder marqviren muͤſſen, daher denen Caffee-Schen - cken, ſo die Tafeln nebſt dem Zu - gehoͤrigen unterhalten, fuͤr iedeF 3PartieBilPartie etwas gewiſſes bezahlet wird.
Jn den Wappen eine laͤnglicht - viereckichte Figur, eine Schindel; daher
Mit Schindeln beſetzet, als ein Schild oder Feld.
Nennen die Pferd-Haͤndler das lange Holtz, an den Seiten der neugekaufften Pferde, oder Kop - pel-Pferde, angemacht, an wel - chem man eines nach dem an - dern bindet, ſie deſto leichter zu fuͤhren.
Jn der Muſic ſind, wenn zwo Noten durch eines dieſer Zeichen ‿ ⁀ alſo zuſammen gehaͤnget werden, daß beyde Noten ſowol im Singen, als auch auf blaſen - den Jnſtrumenten in einem Athem, auf beſaiteten Jnſtrumenten aber in einem Striche oder Halt ohne Abſatz ausgedruckt werden muͤſſen. Alle Bindungen ſind gewiſſer Maſſen Ruͤckungen, aber nicht al - le Ruͤckungen koͤnnen foͤrmliche Bindungen ſeyn. Die Bin - dungen darf man nicht wider den Auf - und Niederſchlag der Zeit - maſſe anbringen, und erfodern nothwendig Diſſonantzen; die Ruͤ - ckungen aber koͤnnen in iedem Tact-Gliede mit Diſſonantzen und Conſonantzen bewerckſtelliget werden.
Bey dieſem bekandten Baume haben die Foͤrſter dahin zu ſehen, daß im Anfange des Fruͤhlings durch Anbohrung den BirckenBirnicht allzugroſſer Schade geſchehe, und da ſolches der Geſundheit we - gen nicht ſchlechterdings zu verbie - ten, daß die Loͤcher nicht zu groß und nicht zu tieff gebohret, und das Loch wieder mit einem Keil zugeſchlagen werde. Ferner daß auch durch Abhauung der ſchoͤn - ſten, geradeſten und gewaͤchſigen Stamm-Hoͤltzer oder Abſchnei - dung der Wipfel der groͤſſern Baͤu - me die Bircken-Waͤlder um die Pfingſt-Zeit nicht zu ſehr veroͤdet werden. So ſollen ſie auch das Beſen-Reiß-Schneiden nicht eher verſtatten, als bis die Bircken zu einem ſolchen Wuchs und Staͤr - cke gelanget, daß ſie allgemach die unterſten Seiten-Aeſte abzudru - cken beginnen; ſie ſollen die Baͤu - me nicht allzuweit hinauf an den Gipfeln oder das allzujunge Holtz unzeitig beſchneiden laſſen. Auch ſollen ſie Acht haben, daß das jun - ge Bircken-Holtz durch unmaͤßiges Abſchneiden der Spißruthen nicht zu Grunde gerichtet werde.
Siehet ſo ſchwartz als ein Ra - be, hat ſehr viel weiſſes auf und unter den Fittigen und unter dem Schwantze, viel rothes uͤber den Augen, ſchwartzen Schnabel, ziem - lich langen ſteiffen Schwantz, da - ran die Federn unten zu beyden Seiten auswerts gekruͤmmet ſte - hen, und kurtze mit Federn be - wachſene Fuͤſſe. Er haͤlt ſich ger - ne in weiten wuͤſten mit Heidekraut bewachſenen Feldern auf, und wo dergleichen verbrannt worden, pflegt er gerne zu pfaltzen. Seine Nahrung ſucht er im Winter meh - rentheils in den jungen Bircken - Knoſpen, huͤlſet die jungen Bir - cken-Zweige ab, zerbeiſſet das HoltzſoBirſo klein als Heckerling, und aͤſſet ſich damit; im Sommer aber ſind Beeren und Kraͤuter ſein Geaͤſe. Seine Pfaltz-Zeit iſt im Fruͤhlin - ge, da die Bircken Knoſpen aus - ſchlagen: Wenn er vor Tage pfal - tzet, macht er ſeine Federn ſtrau - big, den Schwantz breit, und ſper - ret die Fluͤgel auf der Erden her - um wie die Truthaͤne; wenn es aber Tag wird, begiebt er ſich mit den Huͤnern auf die Baͤume, bis gegen 8 Uhr, alsdenn geht er fort. Er bleibet nicht ſo in der Enge, wie der Auerhan, ſondern ſtrei - chet weg, zur Pfaltz-Zeit aber koͤmmt er wieder an den Ort, wo er jung worden. Wenn er pfal - tzet, ſpringet er oͤfters auf der Er - den in einem Kreis herum. Er iſt ein zur hohen Jagd gehoͤriges Wild, hat ein hartes und zaͤhes, aber etwas beſſer ſchmeckendes Fleiſch, als der Auerhan, iſt auch etwas kleiner. Er erfordert einen hurtigen wohlabgerichteten Schuͤ - tzen, und iſt uͤbler zu ſchieſſen, als ein Auerhan, indem er nicht lange an einem Orte bleibet, und wenn er gleich auf einen Raſen - platz hinfaͤllet, ſtehet er doch bald wieder auf. Am beſten iſt ihm in der Pfaltz-Zeit beyzukommen, da man bey rechter fruͤher Zeit vor des Vogels Ankunfft ſich auf den - ſelben anſtellen, und die Gelegen - heit ihn wegzupuͤrſchen abpaſſen muß.
Jſt nicht ſo groß als der Han, und ſiehet dem Hane auch nicht ſonderlich aͤhnlich. Sie paaren ſich nicht, wie andere Voͤgel, ſon - dern ein Han hat deren allemal etliche zu bedienen. Das Birck - hun bringet ſeine Brut wie dieBiſAuerhenne aus, ohne daß es viel Geniſte zuſammen ſcharret; meh - rentheils erwehlen ſie Bloͤſſen, oder Schlaͤge, und auf ſelbigen hohe Huͤgel oder Stoͤcke, an wel - chen ſie ihre Neſter machen. Sie ſollen ihre Eyer nicht alle ausbruͤ - ten. ſ. Attagen.
Zweymal; dieſes Woͤrtgen wird in der Muſic gebraucht, wenn man im Schreiben eine Clauſel, ſo zweymal nach einander unmittel - bar vorkoͤmmt, nicht wiederholen will.
Heißt bey den Jtalienern eine drey-geſchwaͤntzte Note oder ein zwey - und dreyßig Theil.
Jſt dasjenige Stuͤckgen Zinn oder Bley an gewiſſen Orgel - Pfeiffen, welches zu derſelben In - tonation behuͤlflich, und an bey - den Seiten der Aufſchnitte be - findlich iſt. Sie werden ſonſten auch Seiten-Baͤrte genennet.
Wird von den Jaͤgern das Maul eines Fuchſen, Wolfes oder andern Raub-Thieres genennet.
Nennet man einen Klopf - Hengſt, welcher nicht caſtrirt oder verſchnitten iſt, ſondern man dre - het, und wendet ihm die Teſtion - los oder Hoden zu zweyen mahlen mit Gewalt herum, und klopfft ſie, welches die Saamen-Zugaͤnge austrocknet, und die Geilheit be - nimmt; deſſen ungeacht bleiben einige Klopf-Hengſte dennoch geil und begierig.
F 4Bitter -Waͤchſt an einigen Orten von ſich ſelbſt, wird auch in Gaͤrten unterhalten. Es hat lange brei - te und gerippte gelblichte gruͤne Blaͤtter, hohle und knortzigte Stengel, Himmelblaue oder bleich - gelbe, bisweilen mit ſchwartzen Flecken gezierte Blumen, ſo einen ſchimmernden Stern abbilden: Der Saame iſt duͤnne, breit und braun; die Wurtzel lang, dicke und bitter. Sie wird in der Peſt und andern anſteckenden gifftigen Kranckheiten gebrauchet, desglei - chen zu Stichen und Biſſen giff - tiger Thiere, fuͤr Verſtopffung der Leber und Miltz, in Fiebern, bey Aufſteigung der Mutter und Schwachheit des Magens; Jn Pferd-Curen wird es vielfaͤltig ge - braucht, abſonderlich in der Kehl - ſucht und Truſe ꝛc.
Eigenſinniſch, fantaſtiſch, naͤr - riſch, wird in der Muſic geſagt, wenn eine Modulation bald ge - ſchwind, bald langſam, bald ſtarck, bald leiſe u. ſ. f. gehet, nachdem des Componiſten Fantaſie, oder vielmehr die verſchiedene Ausdruͤ - cke der Textworte es alſo zu erfo - dern ſcheinen. Dieſes Wort wird in gutem und boͤſen Verſtande ge - braucht, wie denn einige Verfaſ - ſer ihre Klingſtuͤcke ſelbſt Bizarrie betitelt haben. Wenn aber iemand ſeine Einfaͤlle mit unangenehmer und wunderlicher Art an - und vor - bringt, es geſchehe nun ſolches bey der Compoſition ſelbſt, oder bey deren Execution, ſowol in den Singe-Stimmen, als auf Jn - ſtrumenten, ſo ſagt man: Die Compoſition iſt bizarr geſetzt,Blaͤoder das Singen und Spielen iſt bizarr.
Eigenſinnigkeit eines Pferds; dieſe iſt der Halsſtarrigkeit An - fang, und ie laͤnger ie mehr ſie waͤchſet, um ſo viel mehr hat ein ſolch Pferd Mittel und Gelegen - heit, mit ſeinem eignen Kopfe durch zu dringen; bey welches La - ſters Benehmung etwas ſchaͤrffere Mittel neben den gelinden, guten Platz finden koͤnnen und moͤgen.
Eigenſinn, Fantaſterey, Fan - taſie, buntfaͤrbichtes Weſen, be - deutet in der Muſic, wenn man bey der einmal angebrachten Me - lodie nicht bleibet, und dieſelbe aus - und fortfuͤhret, ſondern immer eine andere anbringet.
Ein Waſſer-Vogel, wird auch Blaͤßgen, Blaͤßlein und Horbel genannt, iſt etwas groͤſſer als ein Rebhun, und uͤber dem gantzen Leibe ſo ſchwartz als ein Rabe, hat lange ſchwartze und zum Ru - dern wohl beſchaffene Fuͤſſe, ſchma - len und ſpitzigen Schnabel. Vorn auf dem Schnabel hat er ein Kluͤmpgen Fleiſch mit einer weiſſen glatten Haut uͤberzogen; daher er vermuthlich den Nahmen Blaͤßlein erhalten. Seine Brut ſetzet er auf einen von dem Winde auf dem Waſſer zuſam̃en gefuͤhrten Klum - pen Moos oder Geroͤhricht, mit welchem er Zeit waͤhrender Brut hier und dar herum gefuͤhret wird, und bringt gemeiniglich 4 bis 6 Jungen aus, welche er ſogleichmitBlaͤmit ſich aufs Waſſer und zur Nahrung anfuͤhret, welche in Waſ - ſer-Muͤcken, Gewuͤrme und Ge - wuͤrtzel darinnen beſtehet. Jm Sommer haͤlt er ſich beſtaͤndig an einem Orte auf, und haͤlt nicht viel vom Fliegen, wenn er nicht mit Gewalt aufgetrieben wird. Da ihm nun der Flug, wenn er hier geſprenget wird, ſo ſchwer anzu - kommen ſcheinet, ſo iſt zu bewun - dern, wie er im Herbſte nebſt an - dern Voͤgeln von hier fortziehen kan; wiewohl er auch wegen des Froſtes den Winter nicht ausdau - ren koͤnte. Seine Ruͤckkunfft ge - ſchiehet im Fruͤhling, ſobald nur die Waſſer wieder offen ſind. Er hat einen widrigen pfulichten Ge - ſchmack, und darff dahero der De - licateſſe wegen nicht geſchoſſen werden.
Durch dieſe Worte, welche oft in den Adels-Briefen vorkom - men, wird angedeutet, wie ein Wappen ſolle gemacht werden. Davon wollen einige herleiten
Welches eben ſo viel als Wap - pen-Kunſt, aber nicht ſo gebraͤuch - lich iſt. Jnsgemein ſagt man, es komme von blaſen her. Denn ſo oft in den Turnieren ein Ritter vor den Schrancken des Rennpla - tzes ankam, und ſich zum Turnie - ren angab, ſo ſtieß er in ſein Horn, und gab alſo durch das BlaſenBlaſolches zu erkennen; gieng das Turnier an, ſo ward ebenfalls mit den Trompeten Lermen geblaſen, worauf die Blaſnirung der Wap - pen, das iſt, die Wappen-Schau vorgenommen worden. Andern ſcheinet die Urſache zu weit herge - holt zu ſeyn, warum von dieſem Umſtande des Blaſens die Wap - pen-Kunſt auch Blaſonier-Kunſt genennet worden. Weßwegen ſie die Meinung des Herrn von Leib - nitz fuͤr wahrſcheinlicher halten, welcher es herleitet von Blaͤſſe, ſo ein alt-deutſches Wort iſt und ein Zeichen, Marqve bedeutet. Daß alſo die Wappen-Kunſt auch Bla - ſonier-Kunſt oder vielmehr Blaͤſ - ſonier-Kunſt hieſſe, weil ſie eine Wiſſenſchaft der Blaͤſſen, das iſt, der Zeichen, Figuren und Farben in den Wappen ſey. Die Fran - tzoſen nennen dieſe Kunſt Art du Blaſon, und geſtehen ſelbſt, daß ſolches vom Deutſchen herkomme, ohngeachtet ihnen ſonſten ihr Hoch - muth nicht zulaͤßt, zu bekennen, daß ſie von den Deutſchen etwas erborget.
Heiſſen die Jaͤger das groſſe Weide-Meſſer, womit das Wild - pret zerhauen und in Braten zer - theilet wird.
Heißt das meßingene Blaͤttlein oder Blechlein, ſo auf den Roͤh - ren in den Schnarrwercken der Or - geln, oder der Regale liegt. Wenn man dieſe Blaͤtter zu hart ſtrei - chet, kan ſie der Wind nicht uͤber - waͤltigen, und zum Ton bringen. Wenn man ſie zu gelinde ſtreichet, und zu weich machet, ſo druͤckt ſie der Wind gar auf die Roͤhren,F 5undBlaund machet die Pfeiffen verſtum - men.
Ein Gebrechen der Pferde, wel - ches und wenn ſonſt ein Auge wund iſt, folgender Geſtalt zu hei - len: Man nehme Jungfrauen - Honig 2 Nuß-Schalen voll, halb ſo viel gebrannten Alaun, und Mayen-Butter einer Haſelnuß groß, menge alles unter einander, mache ein Saͤlblein daraus, und ſtreiche es dem Pferde ſo lange ins Auge, bis es wieder heil wird.
Falco cyanopus, Faucon, iſt eine Falcken-Art, von ſeinen blau - lichten Fuͤſſen alſo genannt, an Groͤſſe uͤbertrifft er den Huͤner - Habicht nicht viel, im Fangen und Wuͤrgen aber hat er einen mercklichen Vorzug vor demſelben, indem er Faſanen, Enten, Reb - huͤner und Tauben, und zwar nicht wie andere Falcken mit dem erſten Schlage faͤnget, ſondern mit ſei - nen Ballen ſchlaͤget, daß ſie gleich fallen, und alsdenn von ihm erſt gegriffen werden; weßwegen er auch von den Falckenierern ſon - derlich geſucht, und ſowol in der Rinne, als mit dem Sattel ge - fangen wird. Er horſtet in Waͤl - dern, und auf alten wuͤſten Thuͤr - men und Gemaͤuer, und ziehet im Herbſte hinweg. Man richtet ihn auch zur Kraͤhen - und Elſter-Bei - tze ab.
Sind die bey der Saͤchſiſchen Jaͤgerey aus den Aemtern und Dorfſchaften ausgeleſene oder ſonſt geſchickte Bauren, welche das Treibe-Volck in Ordnung halten helffen, bey dem Jagen or - deutlich eingetheilet, und auf demBleHute mit dem Nahmen ihres Am - tes gezeichnet ſeyn muͤſſen. Sie werden auch bey dem Zeug-Stel - len und Aufwartung der Ober - Jagd - und Forſt-Bedienten gleich - ſam als Ordonnantz beſtellet, und muͤſſen zur Parade die groſſen Engliſchen Hunde fuͤhren; weß - wegen ſie auch zur Jagd-Zeit gruͤn gekleidet werden.
Eine Entzuͤndung, welche durch ein verſtocktes Gebluͤt in dem in - nern Theile des Hufes gegen die Ferſe zwiſchen der Sohle, und dem kleinen Fuͤßlein verurſacht wird. Man nennt es auch Blau-Maͤler.
Geſchiehet durch 2 Stuͤcke von Leder, ſo rund und hohl ſind, ih - nen vor die Augen zu binden, wenn ſie nicht wollen auf - und ab - ſitzen laſſen, oder nicht Acht auf die Lectiones haben, oder aber wenn ſie untreu ſind; durch ſolches Blenden werden ſie verzagt, und gehorſamen eher. ſ. Augen-Leder.
Wird am fuͤglichſten, zwiſchen Michaelis und Martini vorge - nommen, und heiſſet, ihnen mit einem gluͤenden Eiſen oder Drat das Geſicht benehmen, damit ſie in ihrem Bauer nicht hin und wie - der flattern, ſondern fein ſtille ſitzen, und durch keinen aͤuſſerli - chen Gegenſtand verhindert werden moͤgen, zu allen Zeiten und an al - len Orten, wenn es nur gut Wet - ter iſt, ihren Lockgeſang an zuſtim - men und zu wiederholen. Man pfleget mehrentheils nur die Fin - cken zu blenden. Es wird damit alſo verfahren: Wenn man im Herbſte einen Fincken gefangen,ſper -Bleſperret man ihn in ſeinen Kefich ein, und laͤßt ihn wenigſtens drey Wochen lang ruhig darinnen, da - mit er gewohne, und ſeine Spei - ſe und Tranck zu finden wiſſe. So - dann macht man einen eiſernen Drat gluͤend, der vorne an der Spi - tze ein Knoͤpflein, wie ein Hirſe - Koͤrnlein groß, haben, aber nichts von Stahl bey ſich fuͤhren ſoll, und haͤlt dem Fincken denſelben in und auf das Auge, bis es waͤſ - ſert, ſo waͤchſet mit der Zeit ein dickes Haͤutlein druͤber. Etliche halten nur ein groſſes gluͤendes Eiſen vor die Augen, daß ſie ih - nen davon erſtarren; es iſt aber beſſer mit dem Drate. Dahinge - gen andere beyde Augen zugleich blenden, um dem Vogel die Schmertzen zu verkuͤrtzen. Nach dem Brande muß man ihnen die Augen mit kuͤhlenden und heilen - den Sachen, und zwar am beſten mit durch einander geruͤhrten Saf - ran und Eyerweiß beſtreichen, bis ſie wieder heil werden. Sobald ſie geblendet worden, muß man ſie nicht ſtille ſitzen laſſen, ſondern mit einem zarten Ruͤthlein immer hin und wieder treiben; denn dieſe Bewegung verhuͤtet, daß ſie nicht ſo leichte umſtehen: Wenn ſie aber gar zu matt werden, daß ſie nicht eſſen und trincken wollen; ſo netze man eine Feder in rein Brunnen - Waſſer, halte es ihnen oͤffters vor das Schnaͤblein, bis der groſſe Schmertz voruͤber, und ſie das Geaͤſe wieder finden koͤnnen. Ein ſolcher Vogel, wenn er davon kommt, dauret hernach viele Jah - re aus.
Thut der Hirſch, wenn er mit dem Hinter-Fuß die Faͤhrte des voͤrdern entweder laͤnger oder brei -Bloter macht, weil er mit den hintern ein wenig uͤberſchreitet, und mit den Ballen beſſer fortleitet, ſo daß der Tritt dadurch mercklich laͤnger ſcheinet, als er an ſich ſelb - ſten iſt.
Eine Baſtard-Art von Hun - den, welche man bekommt wenn eine niedrige Daͤniſche Huͤndin mit einem Wind-Hunde belegt wird; Oder wenn man im Man - gel derſelben eine andere gemeine Huͤndin nimmt, doch von glatten Haaren, ſo faͤllt auch oͤfters eine gute Art Blendlinge, ob ſchon et - was niedriger, doch ſtaͤrcker an Hals, Kopf und Schenckeln. Man kan dergleichen Hunde auf die Fuchs-Jagd und ſonſten treff - lich abrichten.
Hierzu pflegt man die jungen Pferde auf der Reitbahn zu ge - woͤhnen, daß man anfaͤnglich nur das Zuͤndkraut losbrennet, her - nach blind ſchieſſet, daß ſie einen Schuß aushalten lernen. V. Coup en l’ air.
Sind die Floͤten, die nicht wie die Fleutes douces koͤnnen zerleget werden. Einige heiſſen auch die Still-Floͤten in den Orgeln Block - Pfeiffen: Allein nicht wohl. Die Spitz-Floͤten koͤnnen beſſer alſo heiſſen, wenn ihnen nur die rechte Weite gegeben wird. Etliche ar - beiten ſolche Floͤten faſt auf die Qver-Floͤten-Art, alſo, daß das Corpus noch eins ſo lang wird, als ſonſten die rechte Menfur mit ſich bringet, oben zugedeckt, daß es ſich in der Octav uͤberblaſen muß.
Blockt,Oder er hat geblockt, ſagt man vom Falcken, wenn er ſich, nach - dem er ein Rebhun aufgetrieben, nach ſeinem Vortheil, auf einen Baum oder Buſch ſetzet, und daſ - ſelbige verwahret.
Heißt in der Fecht-Kunſt eine Gelegenheit zum Stoſſen, daß man nehmlich mit Sicherheit an einem Orte fortſtoſſen kan, wenn des Feindes Coͤrper daſelbſt offen iſt. Man ſagt alſo, Bloͤſſe ha - ben, ſich Bloͤſſe machen, dieſelbe vertheidigen und dergleichen.
Bey den Jaͤgern wird die Spi - tze des Schwantzes an dem Fuch - ſe und Hirſche alſo genennet; wie - wol ſie bey dem Hirſche den Buͤr - tzel oder Schwantz ſelbſt darunter verſtehen. Von dieſem iſt ange - merckt worden, daß er gantz Gal - len-gruͤn ausſehe, und eines der - geſtalt bittern Geſchmackes ſey, daß ihn auch die Hunde nicht freſſen moͤgen. Weil man nun an der Leber des Hirſches keine Galle an - trifft, ſo haben einige die Blume fuͤr das Behaͤltniß der Galle bey ihm halten wollen.
Welcher auch Gimpel, Dum - oder Thum-Pfaffe, Roth-Fincke u. Roth-Schlaͤgel genennet wird, iſt ein kleiner Vogel, welcher nicht ſowohl wegen ſeines natuͤrlichen Geſangs (denn ſolcher iſt ſehr ſchlecht und mehr ein verdruͤßli - ches Geſchrey als Geſang zu nen - nen) als ſeiner ſchoͤnen Farbe und Geſchicklichkeit halber, welche er in Erlernung der vorgepfiffenenBluLieder zeiget, von denen Liebha - bern der Voͤgel aͤſtimiret wird. Er hat bis an die Augen herunter ei - nen Kohl-ſchwartzen Kopff, als wenn er eine ſchwartze Muͤtze auf - geſetzet haͤtte, und einen ſchwar - tzen dicken und ſtumpffen Schna - bel. Die gantze Bruſt iſt recht hoch Ziegel-roth, welche Roͤthe ſich bis hinauf zu denen Augen er - ſtrecket, ſo daß die Backen zu bey - den Seiten des Kopffes ſowol roth ſind, als die Bruſt. Wo die Roͤ - the unten am Bauche aufhoͤret, da fangen hellweiſſe Federn an, welche ſich bis hinunter an den Schwantz erſtrecken. Der Schwantz iſt, wie oben der Kopff, Kohl-ſchwartz, ohne daß der ge - ringſte Spiegel zu ſehen. Gleich bey dem Anfang des Halſes faͤn - get ſich auch eine feine blaue Far - be an, welche iedoch nicht ſo ſchei - nend und angenehm iſt, als das Blau bey einer Blau-Meiſe; Dieſe nimmet den gantzen Ruͤcken, auch etwas von denen Fluͤgeln ein, deren lange Federn iedoch gantz ſchwartz ſind. Wo die blaue Far - be unten am Ruͤcken nahe beym Schwantze aufhoͤret, da faͤngt ſich eine weiſſe Farbe an, welche dem Vogel, wenn man ihn fliegen ſie - het, eine beſondere Zierde giebet. Das Weiblein iſt von ſeinem Maͤnnlein gar viel unterſchieden, und alſo ſehr kenntbar; Denn den Kohl-ſchwartzen Kopff hat es zwar ſo wohl als das Maͤnnlein, und wo dieſes weiß iſt, findet ſich jenes ebenfalls mit weiſſen Federn bewachſen, aber es hat weder ro - the noch blaue Federn, ſondern die Bruſt iſt wie die Bruſt eines Fincken-Weibleins, und zwar noch dunckler, nicht anders, als wenn das rothe mit Koth beſchmieretwor -Bluworden waͤre, und am Ruͤcken, wo es blau ſeyn ſoll, iſt es Aſchen - Farb und hat an deſſen Ende nicht ſo viel weiſſes als das Maͤnnlein. Der Leibes-Groͤſſe nach giebt es dreyerley Gattungen: Die groͤßte Gattung, welches die ſchoͤnſte iſt, wird an Groͤſſe einer Weindroſſel nicht viel nachgeben, obgleich der Gimpel, weil er kurtzbeinigt, ſo groß nicht ausſiehet; Die andere Gattung wird am Leibe ungefehr einem Emmerling gleich kommen, ob ſie ſchon, weil ſie dicklicht ge - ſtaltet, groͤſſer als ein Emmerling ausſehen; Dieſe heiſſet man Hell - ſchreyer, und ſind die gemeinſten, denn ſie bruͤten faſt an allen Or - ten, dahingegen die groſſen ſich nur in gar kaltem Winter ſehen laſſen: Die dritte Sorte iſt die kleineſte, ſo gleich um Michaelis nur vorbey ſtreichet. Dieſe klei - ne Gattung iſt nicht groͤſſer, als ein Haus-Sperling. Alle zuſam - men aber haben ſchwartze Fuͤſſe, und ſehen breitbruͤſtig aus, ſuchen ihre Nahrung an Vogel-Beeren, Creutz-Beeren, Hagen-Butten, Wachholder-Beeren und derglei - chen; Dahero ſie das gantze Jahr hindurch ſehr wenig auf die Erde fallen, vielmehr ihre Nahrung von denen Stengeln der Fruͤchte herab leſen, und zu ſolchem Ende, wo nahe am Wald Heyde-Korn, Hir - ſen und dergleichen geſaͤet wird, ſich auf die Stengel ſetzen, und die offt noch unzeitigen Koͤrner heraus beiſſen, im Winter aber, da ihnen dieſes alles entgehet, ſich von dem Wald hinweg wenden, im Lande hin und her ſich ausſtreuen, und ſowohl in denen Hecken die Bee - re, als auf denen Birn-Baͤumen die Trag-Knoſpen zu ihrer Speiſe aufſuchen. Jhre Brut verrichtenBluſie in groſſen Waͤldern auf jungen Schlaͤgen, welche ſo dicke ſtehen, daß man kaum durchkriechen kan, daſelbſt bauen ſie hinein, ſelten hoͤher als eine Amſel, iedoch zuwei - len auch ſo hoch als eine Droſſel, und brauchen zu ihrem Neſte eben - falls, nach Unterſchied des Ortes, verſchiedene Materialien, gemei - niglich aber ſehr zartes Moos und kleine duͤrre Baum-Reißlein. Ein Blut-Fincke ſoll ſelten uͤber vier Junge in ſeiner Brut-Zeit aus - bringen. Sie ſtreichen zwar zur Herbſt-Zeit mit andern Voͤgeln auf ziemlich ſtarcken Fluͤgen, aber nur von einem Wald in den an - dern, wenn ihnen aber der Fraß zuletzt fehlet, ſo zerſchlagen ſie ſich aus den groſſen in kleine Hauffen, um hin und wieder in Gebuͤſchen ihre Nahrung zu ſuchen. Man faͤnget ſie mit Leim-Spindeln, die man auf kleine Baͤumlein ſtecket, und einen Lock-Vogel unter die Baͤumlein oder mitten hinein ſe - tzet: Denn es iſt ſchwerlich ein Vogel zu finden, der begieriger auf die Locke gehet, als eben dieſer Blut-Fincke. Jn denen Herbſt - und Winter-Monaten, fallen ſie auf allen Herden ein, wo ſie Vo - gel oder andere dergleichen Beere finden. Sie ſind auch vermit - telſt eines Kloben auf einer Mei - ſen-Huͤtten zu bekommen, wenn man an ſtat der Lock-Meiſe einen Gimpel oder Blut-Fincken hin - haͤnget, oder nur einen ausgeſtopf - ten ſolchen Vogel nechſt dem Klo - ben hinſtecket, und mit dem Mun - de lockend das Geſchrey der Blut - Fincken nachmachet. Wer der - gleichen Vogel zur Lock halten will, mag ihm anfaͤnglich gantzen Hanff geben, nach drey oder vier Wochen aber ihme demſelben entziehen,undBluund ihn dafuͤr mit Riebſen oder Ruͤbe-Saat und Leindotter fuͤt - tern, auch zuweilen nach Beſchaf - fenheit der Jahrs-Zeit mit Bee - ren verſehen, da er denn bey ſol - cher Wartung eine lange Zeit dau - ren und ſeine Dienſte verrichten wird.
Jſt bey den Pferden ein von Er - hitzung, Erkaͤltung oder ſonſten herruͤhrender Zufall. Solchem gefaͤhrlichen Uibel abzuhelfen, nehme man 4 noch nie gebrauchte Ziegel-Steine, wie ſie vom Brenn - Ofen kommen, lege ſie in ein Feu - er oder Glut, und laſſe ſie recht heiß werden, bis ſie gluͤen, ſchaffe die Stren aus dem Stande, und lege dem Pferde die gluͤende Zie - gel-Steine unter dem Bauch oder Schlauch, daß es darauf ſtallen kan, und ihm der Rauch oder Dampf in den Leib gehe; das wie - derhole man des Tages 3 bis 4 mal, ſo wird man Huͤlfe ſpuͤren. Oder man druͤcke den Saft aus Liebſtoͤckel und Rauten, und gebe denſelben, mit Wein und Eßig ver - miſcht, dem Pferde gegen Mittag 5 bis 6 Tage nach einander zu trin - cken; dabey laſſe man ihm auch die Spann-Adern auf beyden Seiten 2 bis 3 mahl, ſo wird das krancke Pferd geſund werden. Oder man ſtoͤſſet eine Schuͤſſel voll Huͤner-Miſt, druͤcket ihn in Waſſer, und giebt es dem Pferde zu trincken. Andre geben dem Roſſe rohe zu Pulver gebrannte Gerſte 3 Tage nach einander zu freſſen, und finden Beſſerung.
Auch Bocediſatio, oder das Nie - derlaͤndiſche Bocedigalomani ge - nannt, hieß in der Muſic, wenn an ſtat der ſonſt gewoͤhnlichen 6BocSylben, ut, re, mi, fa, ſol, la, folgende 7, bo, ce, di, ga, lo, ma, ni von den Niederlaͤndern zu Anfang des 17 Jahrhunderts ge - braucht wurden, um die 7 Muſic - Klaͤnge dadurch auszudrucken, und die Mutation obgedachter 6 Aretiniſchen Syllben zu erſpa - ren.
Ein Jnſtrument, das man bla - ſen muß, als Trompeten, Poſt - horn, Waldhorn ꝛc. Bocal heißt auch das Mundſtuͤck an dergleichen Jnſtrumenten.
Ein gewiſſer Tantz, von einem Frantzoͤſiſchen Tantzmeiſter, der noch 1645 gelebt, alſo genannt. Er iſt in der Koͤnigin Anna von Oeſterreich Dienſten geweſen.
Jſt ein kleines Sack-Geiglein, wie ein Meſſer formirt, welches 3 oder 4 Seiten hat, ſo ſehr be - qvem in den Schub-Sack geſteckt werden kan.
Heißt man eine Sack-Pfeiffe, welche auch ſonſt der Pohlniſche Bock genennet wird, hat oben ein groſſes lauges Horn zum Stim - mer, und unten an der Pfeiffe wieder ein Horn. Er hat gemei - niglich die Chor-Tieffe C. Etli - che ſind noch um eine Qvart tieffer in G. G. Es wird dieſe Pfeiffe um des Horns willen Bock geheiſſen, wie denn einige gar ein zugerich - tetes Bocks-Fell mit den Haaren daruͤber ziehen laſſen.
Pfleget ſonderlich ſeines unleid - lichen Geſtanckes wegen, womit erRattenBocRatten und Maͤuſe vertreibet, gerne in den Pferde-Staͤllen ge - halten werden.
Dieſes auslaͤndiſche Sommer - Gewaͤchs, welches die Winter - Kaͤlte bey uns nicht wohl vertra - gen kan, wird unter die mehreſten Pferde-Artzeneyen mitgenommen, wiewol es bey gewiſſen menſchli - chen Kranckheiten und Zufaͤllen innerlich und aͤuſſerlich auch mit Nutzen gebraucht wird. Es ſind deſſen zweyerley Geſchlechter, nem - lich das zahme, welches gedachter Maſſen zur Artzeney gebraucht wird, und das wilde. Das zah - me, welches durch den Saamen in den Gaͤrten aufgezogen wird, hat einen zarten, runden, braͤun - lichten und holen mit vielen Ne - ben-Zweigen verſehenen Stengel, welcher etwan zwey Ellen hoch, und mit vielen zerkerbten Klee - blaͤttern beſetzet iſt. Die Bluͤm - lein ſind bleich-weiß, aus denſel - bigen wachſen lange, ſpitzige, et - was krumme mit einem ſtarckrie - chenden viereckigten gelben Saa - men angefuͤllte Schoten, deren zwey neben einander allezeit ein Bocks-Gehoͤrne vorſtellen, da - hero auch dieſes Gewaͤchſe ſeinen Nahmen bekommen. Die Wur - tzel iſt lang, gelb und zaſericht. Es will ein fettes Erdreich, und einen gegen Aufgang der Son - liegenden Platz haben, auch all - jaͤhrlich im Fruͤhling geſaͤet ſeyn, da es denn im Junio und Julio bluͤhet, und im Auguſt-Monat den Saamen zur Zeitigung brin - get. Das wilde Bocks-Horn iſt kleiner als das vorige, und der Stengel bisweilen drey qver Haͤn - de hoch: Die Blaͤtter ſtehen eben -Boffalls, wie die am zahmen Bocks - Horne, als Klee-Blaͤtter bey - ſammen, zwiſchen denen es ſeine krummen Blumen an dem gantzen Stengel traͤget, die Schoten ſind auch kuͤrtzer, iedoch breiter. Der Saamen iſt kleiner, und die Wur - tzel lang, holtzigt und ſchoßreich.
Ein Koͤnigreich, welches mit Deutſchland, Pohlen und Ungarn grentzet, und ſonſt aus vier Haupt - Provintzen, dem Koͤnigreich Boͤh - men, dem Fuͤrſtenthum Schleſien, und den beyden Marckgraſthuͤ - mern Maͤhren und Lauſitz beſtan - den, wiewol letzteres davon ab - gekommen iſt. Der Koͤnig in Boͤh - men iſt der erſte unter den weltli - chen Chur-Fuͤrſten des Heil. Roͤ - miſchen Reiches, und fuͤhret das Prædicat, des Heil. Roͤm. Reichs Ertz-Schenck, hat auch auf dem Reichs-Tage Sitz und Stimme. Das Koͤniglich-Boͤhmiſche Wap - pen iſt ein ſilberner Loͤwe mit dop - pelten Schwantze im rothen Fel - de, wegen Boͤheim; ein ſchwartz gekroͤnter Adler mit einem ſilber - nen halben Monde auf der Bruſt wegen Schleſien; ein ſilberner und rothgewuͤrfelter Adler im blauen Felde wegen Maͤhren, und ein geſpaltener Schild, der zur Rechten eine guͤldene Mauer im blauen und zur Lincken einen ro - then Ochſen im ſilbernen Felde praͤſentiret, wegen der Ober - und Nieder-Lauſitz, ſo aber nunmehro Chur-Sachſen zugehoͤret.
Jngleichen Wolffsfurtz, iſt ein runder Schwamm, welcher einen gantz kleinen Stiel hat, und anfaͤnglich weiß, nachgehends aber bleich-farbig, und gleichſam alsberaͤu -Bohberaͤuchert anzuſehen iſt. Das Marck oder Fleiſch ſiehet erſtlich ebenfalls weiß, taugt aber nicht zu eſſen, und wird zuletzt, wenn der Schwamm duͤrre iſt, zu einem un - gemein ſubtilen, ſtinckenden brau - nen Pulver, welches eine gute Blutſtillung nicht nur fuͤr die Menſchen, ſondern auch fuͤr das Vieh iſt, und pfleget man es in - ſonderheit denen Pferden, wenn ſie gedruckt oder an Ohren und Schwantz geſtutzt worden, aufzu - legen.
Ein Pferd, welches, wenn es im Schritt oder Trab hincket, ſol - ches dadurch anzeiget, daß es, ſo offt es hincket, zugleich mit dem Kopf nicket oder bieget, auch alle - zeit dasjenige Ohr, (auf welcher Seite das Pferd hincket) bewe - get.
Jſt eine Art Pfeiffen in den Or - gel-Wercken, wie die Sordunen, ohne daß die Auslaſſung des Re - ſonantzes durch die Loͤchlein ge - aͤndert wird, und ſie groſſe Mund - ſtuͤcke und breite Zungen haben. Es iſt ein Schnarr-Werck, ſo auf 16 und 8 Fuß hoch zu arbeiten, ge - hoͤret beqvemer zum Pedal, als zum Manual.
Oder, wenn es noch groͤſſer, Bombardone, Brummer oder Baß-Pommer, waren ehedeſſen blaſende Baß-Jnſtrumente zu den Schalmeyen, und hatten ih - ren Nahmen von dem Jtalieni - ſchen Worte bombare, brummen, ſummen. Bombardo picciolo oder Bombardino, ein kleiner Alt - Pommer.
Sind die halben Saͤcklein, welche in der Windlade einer Or - gel, uͤber den Drat geleimet, da - von der Wind zu dem Dratloche, womit das Ventil aufgezogen wird, ausſtreichen, und der Drat dennoch das Ventil aufziehen koͤnne.
Heißt das Summen und Brum - men der Bienen. Jtem Trompe - ten - oder ein anderer ſtarcker Schall. Bey den Roͤmern war es diejenige kuͤnſtliche Bewegung der Haͤnde, wodurch ſie bey den Comoͤdien und Schauſpielen ein harmoniſches und den Bienen aͤhnliches Sauſen machten. Jn der Muſic iſt es eine aus 4 kurtzen Noten beſtehende und in einem Clave oder Tone bleibende Figur, und wird auch der Schwaͤrmer ge - nannt: Jn der Vocal-Muſic wird ſelbige nicht gebraucht, wenn ſie aber ja darinne vorkoͤmmt, ſo bedeutet ſie nur ein Trillo.
Und zwar eine ſolche, die ſchon zu Ariſtotelis Zeiten aus einem ge - wiſſen Rohre, (Calamo, woraus nachgehends das Frantzoͤſiſche Chalumeau und das deutſche Schalmey erwachſen) verfertiget wurden, und wegen ihrer Laͤnge ſchwer zu blaſen waren.
Der gute Tact-Theil, nemlich im ſchlechten Tacte die erſte Mi - nima, das erſte und dritte Viertel, das erſte, dritte, fuͤnfte und ſie - bende Achtel ꝛc. deßwegen alſo ge - nannt, weil ſolche Tact-Theile re - gulariter aus einer Conſonantz be - ſtehen muͤſſen.
Bor -Das Rumpeln und Kurren im Leibe, welches die in den Gedaͤr - men befindlichen Winde erregen, und auch bey Pferden gehoͤrt wird, wenn es in dem Leibe ſo golcket, abſonderlich im Trab, welches von verſchlagenen Blaͤſten herkommt. V. Pferde-Anat.
Heißt ein einaͤugiges Pferd, welches im Nothfall wohl auf der Reitſchule zu gebrauchen, (wenn es wohl dreßirt iſt) aber nicht leicht im Krieg und Zweykampf der Scheuigkeit wegen, welcher dieſe Pferde gemeiniglich unter - worffen ſind.
Heißt eigentlich ein Huͤgel oder eine Beule, und wird von getrie - bener und erhabener Silber-Arbeit geſaget.
Sind die verguͤldete oder ſil - berne Puckeln auf dem Mundſtuͤck der Reitſtangen, ſo der Zaͤumung eine beſſere Zierde geben, als wann ſolche ohne Puckeln gefuͤhret wer - den.
An den Orgel-Pfeiffen, der Mund oder das Loch, wo der Wind hinein gehet: Man koͤnte auch die Oeffnung oder den uͤber dem Kerne in der Mitte einer Pfeiffe befindlichen Aufſchnitt da - durch verſtehen.
Dieſes Wort wird allein von den Menſchen und Pferden geſagt, wenn man denjenigen Ort benen -Bounen will, durch welchen ſie ihre Nahrung nehmen. Der Gehor - ſam des Pferdes entſtehet aus der Empfindung des Mauls. Bouche fine, tendre, legere und loyale, ſagt man von einem weichmaͤuli - gen Pferde, ingleichen Bouche aſſûrée, qui ne bat jamais à la main, das nicht hartmaͤulig iſt, und nicht in der Fauſt lieget; Bouche fraiche und écumante, von einem Pferde, welches ſchaͤu - met; Bouche forte, deſeſperée, ruinée und fauſſe, von einem hart - maͤuligen Pferde. Bouche cha - touilleuſe, ſagt man von einem Pferde, welches gar zu ſehr das Gebiß fuͤrchtet. Bouche à pleine main, von einem, das, ob es ſchon nicht die delicate Empfin - dung eines vollkommenen weich - maͤuligen Roſſes hat, dennoch durch keinen ſtrengen Zuͤgel regie - ret ſeyn, ſondern durch Nachge - ben und Laviren der Fauſt des Reuters Luft gelaſſen haben will. V. Embouchure.
Sagt man von einem Pferde, welches mit groſſer Muͤhe kan re - gieret und gewendet werden.
Nennen die Mohren eine Art wilder Pferde, von Haaren weiß und ſchwartz, ſehr ſchnellen Lauffs, ſo daß ſie von den zahmen Pfer - den nicht koͤnnen ereilet werden; dieſe Pferde haben an der Stirn ein hart Gewaͤchs, wie ein weiſſes Horn einer Ellen lang, ſie werden aber ſelten geſehen, und noch ſchwe - rer gefangen.
Trichter, das iſt wie ein Becken, welches allen Phlegmatiſchen Un -Ritter-Lexic. GrathBourath und Feuchtigkeit des Pferdes in ſich empfaͤnget, hat ſeinen Ur - ſprung von dem ſubtilen Haͤutlein, welches den unterſten Theil des Hinterhirns bedeckt, und iſt dem - ſelben an ſeinem gantzen Uiberreſt gleich.
Jſt ein fingirter Nahme eines muthigen Schul-Pferdes, kan auch von einem kurtzweiligen Men - ſchen oder Hoff-Narren verſtan - den werden.
Jſt eine Uiberfluͤßigkeit oder Wachsthum des Fleiſches, welches ſich bey der Scheidung der Beine, oder an der Seiten ereignet, und verurſachet, daß ein Pferd hincken muß. Die Schul-Pferde, welche niemals die Fuͤſſe benetzen, ſind Urſach an dieſem Uiberfluß; da - hero ſollen ſolche zuweilen ins Waſſer geritten werden.
Jſt eben diejenige Noten-Figur, welche die Jtaliener Groppo nen - nen, davon an ſeinem Orte.
Jſt die Biegung an den Schen - ckeln der Pferde uͤber den Knie - ſcheiben der Hinter - und Voͤrder - Schenckel; dieſes Gelenck iſt Urſach, daß ſich das Pferd damit die Ei - ſen ſtreichet, und es bekommt auch Gewaͤchſe uͤber den hintern Schen - ckeln.
Wird geſagt von einem Pferde, da dieſe Biegung zu weit heraus, und auſſer ihrer natuͤrlichen Stel - lung iſt, es ſey nun durch allzu - hefftige Arbeit, oder es ſey, daß ſie zu kurtz gefeſſelt.
Jſt ein Strauß oder Federbuſch, womit die Pferde bey Turniers und andern Solennitaͤten geſchmuͤ - cket und gezieret werden.
Unter dem Hauſe Bourbon ver - ſtehet man entweder das Haus, aus welchem die itzigen Koͤnige von Franckreich, Spanien und beyder Sicilien abſtammen, und deſſen Haupt der Koͤnig in Franck - reich iſt; oder eine Neben-Linie, welche ſich in die Haͤuſer von Bour - bon-Condé und Bourbon-Conty abtheilet, und welche unter denen Printzen vom Gebluͤte nach dem Hauſe Orleansſolgen. Dieſer ihr Wappen iſt das Koͤniglich - Frantzoͤſiſche, mit einem ſchwebeuͤ - den ſchmahlen rothen rechten Schraͤg-Balcken in der Vertief - fung.
Ein gewiſſes Orgel-Regiſter, welches ſtarck und doch dabey lieb - lich brummet und ſummet: Sie ſind von 8, 16, auch von 32 Fuß Ton. Es iſt auch der Baß in einer Sack-Pfeiffe, welcher im - mer einerley Klang von ſich giebt. Die tieffſte Saite auf einer Baß - Geige wird auch alſo genennet.
Ein alſo genannter, lang im Gebrauch geweſener, und aus lau - ter Floretten beſtehender figurirter Tantz, welcher ſelb ander, und auch mit 4 und 8 Perſonen kan ge - tantzet werden. Von dieſem Tantz hat man hernach Anlaß zur Erfin - dung anderer Taͤntze, als Bourrée Dauphine, figurée en Caprioles &c. genommen. Er iſt nebenſt der Menuet und Courante der dritte Fundamental-Tantz, weil erdieBoudie florettes als ſonderbar zierliche pas in ſich ſchlieſſet, leicht zu lernen und luſtig zu tantzen. Dieſe Art Taͤntze oder muſicaliſcher Stuͤcke werden von einigen beſchrieben, daß ſie von zwey gleichen Theilen, ieder Theil von 8 Schlaͤgen beſte - hen, der erſte habe zwar nur 4 Schlaͤge, aber man ſpiele ihn zwey - mal, die andere Helffte habe 8 Schlaͤge, und werde wiederholet. Und ob ihn gleich einige aus Au - vergne in Franckreich herholen wollen, ſo iſt doch gewiß, daß er ſeinen Urſprung aus Biſcaja, einer Provintz in Spanien habe. Herr Mattheſon muthmaſſet, er ſey ei - nem Frauenzimmer zu gefallen al - ſo genennet worden, welches von feiſtem und niedlichem Leibe ge - weſen; Denn das Wort an ihm ſelbſt bedeutet eigentlich etwas ge - fuͤlltes, geſtopftes, wohlgeſetztes, ſtarckes, wichtiges und doch dabey weiches oder zartes, das geſchick - ter zum Schieben, Glitſchen (pas gliffés) oder Gleiten iſt, als zum Heben, Huͤpfen und Springen. Hierzu veranlaſſen ihn die wirckli - chen Eigenſchaften der Bourreen - Melodien, welche ſind zufrieden, gefaͤllig, unbekuͤmmert, gelaſſen, nachlaͤßig, gemaͤchlich und doch artig. Die Bourrée hat ordent - lich einen Vier-Viertel-Tact, und deren 4 in der erſten und 4 in der andern und letztern Repriſe, da - fern ſie dem Tantzen gewidmet; ſonſt nimmt man ſich Freyheit. Sie hat uͤbrigens ein Dactyliſches Metrum, ſo daß gemeiniglich auf ein Viertel zwey Achtel folgen, und der Anfang mit dem letzten Viertel des Aufſchlages gemacht wird, welches Viertel im Abſchnit - te, wo die Repriſe iſt, wie auch am Ende wieder abgekuͤrtzet werden muß.
Sagt man von einem Pferde, das durch die Arbeit gantz hinge - richtet iſt, und alle Kraͤffte verloh - ren hat.
Wird von dem Frantzoͤſiſchen Worte bouter hergeleitet, welches bey dem gemeinen Manne in Franckreich nur noch gebraͤuchlich iſt, und dafuͤr man itzo mettre, ſetzen, ſagt. Es bedeutet aber ei - ne hurtige Bewegung, einen ſchleunigen, ploͤtzlichen Einfall, einen Satz, welchen man aus bloſſer Caprice ſo hinſetzet, wie der Bauer den Hut auf den Kof; iſt eine Art der Fantaiſies. Vor dieſem nannte man diejenigen Solo auf der Violdigamba alſo, welche alſo eingerichtet waren, als wenn ſie ex tempore hervor gebracht wuͤr - den, ohngeacht ſie ordentlich zu Papiere gebracht waren. Bouta - den waren auch eine gewiſſe Art jaͤher und geſchwinder Taͤntze, wel - che ein beruͤhmter Tantzmeiſter Bocan zur Zeit Koͤnigs Ludwigs des XIII erfunden.
Wird im Kriege das Zeichen ge - nennet, welches den Reutern mit der Trompete gegeben wird, daß ſie ihre Pferde ſatteln und aufſitzen ſollen.
Jſt ein Jnſtrument von Stahl mit einem hoͤltzernen Haffte, das Horn von dem Huf der Pferde ab - zuſchneiden, damit das Hufeiſen deſto beqvemer kan aufgenagelt werden.
Heiſt das Knoͤpfgen unten anG 2denBonden Violinen und andern derglei - chen Jnſtrumenten, daran das Seiten-Bretgen feſte gemacht wird.
Jſt ein geflochtener Knopf von Leder, an die beyden Zuͤgel ange - ſtreifft, welcher ſich laͤngs der Zuͤgel auf - und abſchieben laͤßt, um ein Pferd auf den Knopf zu ſtellen, und in der Poſtur zu halten.
Wird geſagt von einem Pferde, welches gut bey Leibe, wohlgedaͤr - mig, und erhabene runde Flancken hat, z. E. Dieſes Pſerd hat ge - nug Gedaͤrme, und ſeine Lenden bezeugen, daß es wohl iſſet; Hin - gegen das andere iſt aufgeſchuͤrtzt, d. i. es hat keinen Bauch, einge - fallene weite Seiten, wie ein Windſpiel, dahero hat es keine Dauer. Man verwirfft alle die - ſe Pferde, welche ſo eng von Ge - daͤrm, und gleichſam die Haut auf die Rippen geleimt haben.
Eine an Structur und Propor - tion etwas groͤſſere Geige, als ei - ne Violin, hat 4 Saiten, deren tieffſte ins c, die zweyte ins g, die dritte ins geſtrichene d, und die vierte ins geſtrichene a geſtimmet wird. Weil ſie vom Arme muß gehalten werden, mag ſie ihren Nahmen von dem Lateiniſchen bra - chium her haben.
Sind dreyerley Arten. Von der erſten Art ſind die Keil-Hacken und Faſten-Schlier, welche an Groͤſſe wie eine Truthenne, und von Farbe als ein Trappe, mit langen Fuͤſſen ſind, dahero ſie ſehrBraſchnell lauffen, und in gewiſſer Zeit ſich auch wiederum zu druͤcken und zu verbergen wiſſen. Sie ha - ben auch einen Schnabel und Kopff, nach Proportion, in der Form wie ein Trappe; ſind un - gemein geſchwinde im Flug, und pflegen helle zu pfeiffen. Sie zie - hen zur Herbſt - und Fruͤhlings - Zeit, bruͤten aber ſelten allhier zu Lande; doch hat man ſie wol ehe auf Brach-Aeckern, und in Stein - Ritzen gefunden, da ſie zwey Jun - ge auf eine Brut gehabt. Jhre Nahrung iſt Gewuͤrme, ſonderlich Regen-Wuͤrmer, und ſind nicht anders, als durchs Schieſſen zu bekommen. 2) Die andere Art wird Saat-Huͤner genennet, welche ſo groß, als eine Taube, und von ſchoͤnen bunt-farbigen, und ſprencklichten gruͤn-ſchilderi - gen Federn ſind, und zu Herbſt - Zeiten gerne auf den Saat-Fel - dern zu ſeyn pflegen. Sie ziehen in Menge, wie die Kibitze. Wei - len ihre Brut nicht hier zu Lande geſchiehet, ſo kan man auch nicht wiſſen, wie viel ſie Junge aus - bringen. 3) Die dritte Art aber, welche die kleineſte unter dieſen dreyen iſt, und ſchoͤne bunte Fe - dern, iedoch am Bauch etwas weiſſere, als die Saat-Huͤner hat, nennet man Ditgen. Sie halten ſich gleichfalls auf denen Saat-Feldern auf, und ziehen zu gleicher Zeit, wie die erſten bey - den, bruͤten auch, wie jene, nicht hier zu Lande. Weil ſie meiſtens im freyen Felde liegen, und ſehr ſchlau ſind, ſo kan man ſie nicht anders, als mit Schieſſen, wiewol ſchwer bekommen.
Soll in der Muſiç ſeyn, wenninBraͤin einem ſonſt langſam gehenden Geſange einmal eine geſchwinde Clauſel eingeruͤcket wird.
Eine Kranckheit der Pferde, da ſich das Zaͤpflein in dem Halſe entzuͤndet, wodurch die Lufft-Roͤh - re verſperret wird, daß es endlich erſticken muͤßte. Dieſer Kranck - heit abzuhelffen, nehme man 4 Loth langen Pfeffer, 3 Loth weiſſen Hunds-Kot, und ein wenig Alaun, etwan fuͤr einen Pfennig, ſtoſſe es zuſammen, und miſche Honig dar - unter, ſchabe hierauf dem Pferde die Zunge, daß ſie faſt blutet, und wiſche ſie mit einem woͤllenen Tu - che ab, und ſchmiere ſolches Pul - ver mit dem Honig drauf, da man bald Huͤlfe ſpuͤren wird.
Heiſſet das Bretgen oder der Gurt-Span unten an einer Lau - te, ſo die Enden der langen Bauch - Stuͤcke bedecket.
Sind zwey gebogene Stuͤck von Eiſen, oder die Stangen, welche zwiſchen ſich das Mundſtuͤck, das Kettlein und die Kinnkette fuͤh - ren, dergeſtalt, daß auf einer Sei - te ſie mit dem Haupt-Geſtell uͤber - einkommen, und auf der andern mit dem Zuͤgel, um des Pferdes Kopff in der Poſitur und ſchoͤnen Geſtalt zu halten; deren giebt es verſchiedene Gattungen: 1) Eine harte Stange, ſo krumm und weit vorgeſchoſſen iſt, und dabey zaͤu - met; 2) Eine gleiche ſo genannte Wallachen-Stange, iſt gelind und beqvem vor junge Pferde an - faͤnglich zu gebrauchen; 3) die krummen Knie-Stangen ſind haͤr - ter, und erheben ein Pferd mehrBraals die geraden. Nachdem der Reuter nun ſeine Fauſt fuͤhret, ſo thun auch die Reit-Stangen ih - re Wirckung; denn an ſich ſelbſt ſind ſie ein todtes Ding. Gleich - wie ein Circkel auch, wenn er aber in eines Mathematici Hand koͤmmt, ſo kan keiner darinnen auslernen, und ſich des Circkels Meiſter ruͤhmen: Alſo iſt es auch mit des Reuters Fauſt bewandt.
Sind die krummen Roͤhren an der Trompete.
Jſt ein Kennzeichen, ſo in be - ruͤhmten Stutereyen den Fuͤllen an einem von den hintern Buͤgen gemacht, und entweder mit einem heiſſen Eiſen gebrennet, oder aber mit Scheide-Waſſer oder einer andern ſcharffen Materie geaͤtzet wird, damit man daran erkennen koͤnne, in welchem Geſtuͤte ſie ge - fallen und erzogen worden. Die Zeit, wenn der Brand ſoll vor - genommen werden, iſt am beſten im dritten Jahr, damit ein Pferd noch ein Jahr darauf auf der Wei - de gehe. Daß der Brand von dem kuͤhlen Morgen - und Abend - Thau deſto lieber und ſchoͤner hei - le; mag man ſie alſo gleich zuvor zeichnen, ehe man ſie will auf die Weide laſſen. So bald das heiſſe Eiſen den Brand gethan hat, muß man den Schaden mit reinem Baumoͤl wohl ſalben, welches der Brand, wenn er noch warm iſt, fein annimmet, und nicht weiter um ſich friſſet; es ſchaͤlet ſich auch die Haut deſto eher von dem Flei - ſche, und faͤllt ſelbſt davon ab, das Fleiſch bleibet gar ſchoͤn rein und friſch, und waͤchſet eine an - dere Haut, ſo keine Haare wiederG 3traͤget,Bratraͤget, an deren ſtat. Einen Brand ohne Feuer zu machen, und das Zeichen nur einzuaͤtzen, geſchiehet alſo: Erſtlich machet man das Zeichen mit Kreide auf einem hoͤltzernen Teller, oder ſonſt glattem Holtze, daß die Kreide ziemlich dicke daran ſey, drucket es hernach dem Pferde auf den Ort, wo das Zeichen hinkommen ſoll, ſo wird ſich die Kreide anle - gen; waͤre es aber ein Schimmel, ſo muͤſte das Zeichen mit ſchwar - tzer Farbe auf das Bret oder Tel - ler gemachet werden: Wenn nun das Zeichen kenntlich iſt, ſo nimmt man ein ſcharfes Scheerlein, ſchneidet die Haare, darauf das Zeichen iſt, ſubtil heraus, und ſtreichet mit einer Feder etwas von Scheide-Waſſer darauf, ſo gehen die Haare aus, und ſiehet einem Brand gleich. Jn dem Olden - burgiſchen werden die Pferde alſo gezeichnet: Erſtlich wird weiſſer Vitriol und Alaun, iedes ein Pfund, des reineſten Salpeters ein halb Pfund auf heiſſen Sand geſetzet, und durch das Balneum Mariæ deſtilliret. Wenn man nun dem Roß ein Zeichen bren - nen will, muß mans ſo groß der Brand ſeyn ſoll, mit einem Scheermeſſer wegſcheeren; wenn nun der vorhero mit einer Kreide beſchehenen Zeichnung nach, das Haar weggeſchoren, tunckt man hernach einen Pinſel in obgedach - te uͤbergezogene Materie, und faͤh - ret der Zeichnung nach, ſo wird das Zeichen ſchoͤn und wohl ſich - tig werden, auch kein Haar mehr an ſelbigem Orte wachſen.
Jſt auch eine noͤthige Cur, ſo mit einem Pferde vorgenommen wird, wenn man demſelben etwan denBraSpalt, Uiberbein, Gallen, oder einen andern Schaden brennen muß. Dieſes ſoll im abnehmen - den Monden, und auch, wenn der Tag abzunehmen beginnet, ge - ſchehen, ſo bald der Brand einem Pferde gegeben, ſoll man Leimen mit Eßig anfeuchten und dem Pferd ober - und unterhalb des Brands uͤberſchlagen, ſo treibt es die Hitze vom Schaden. Man ſoll auch das Pferd um den Brand neun Tage lang, ieden Tags ein - mahl, mit Schweinen-Fett ſchmie - ren, ſo erhebt ſich der Brand und loͤſet ſich von der Haut, auch alle Tage friſchen Leimen um den Brand ſchlagen, und das Pferd in kein Waſſer gehen laſſen oder ſonſt netzen, aber am zehenden Tage muß der Leimen abgewaſchen, und das Pferd gantz gemach in ein Waſſer geritten werden. So bald der Brand und uͤbriger Unrath heraus iſt, ſo nimmt man unge - loͤſchten Kalch, ſiebet denſelben rein, und wirfft ihn in die Wun - de, als welches das wilde Fleiſch verhuͤtet und heilet. Wird ein Roß ohngefehr gebrannt, ſo neh - me man ein Maaß Honig, Wachs, Gruͤnſpan, Terpentin und Zucker, iedes drey Loth und ein wenig Eßig, laſſe es wohl unter einander ſieden, doch daß es nicht uͤberlauffe, ſo hat man eine gute Brand-Salbe, damit ſchmiere man den Brand. Von dem kalten Brande beliebe man unten nachzuſehen, in K.
Wenn dergleichen entweder aus natuͤrlichen Urſachen, oder durch Bosheit oder Sorgloſigkeit der Menſchen entſtehet, iſt alle Vor - ſichtigkeit und Muͤhe anzuwenden, ſolchen bey zeiten zu loͤſchen. Hier - zu werden die Angrenzenden durchdenBraden Glocken-Schlag aufgefodert, das Feuer mit Waſſer geloͤſchet, oder mit groſſen Tannen - und Fich - ten-Aeſten ausgeſchlagen, oder, welches das ſicherſte Mittel iſt, Graben gegen das Feuer aufge - worfen und gezogen, das Moos und Raſen oben abgeraͤumet, das im Wege liegende duͤrre Reißig und Holtz weggeſchafft, damit das Feuer nicht darinnen fort - lauffe.
Die Haupt-Stadt in der Marck Brandenburg, an der Ha - vel, welche ſie in zwo Staͤdte, die alte und neue Stadt, theilet, de - ren iede mit einer wohleingerichte - ten Schule verſehen iſt. Auf dem Dom daſelbſt iſt eine bekandte Ritter-Schule. Von dieſem Or - te hat die Marck Brandenburg ihren Nahmen, wovon ſich die Marckgrafen von Brandenburg ſchreiben, welche ſich in die Chur - fuͤrſtliche oder Koͤniglich-Preußi - ſche, und in die Fraͤnckiſche Linie theilen. Das Wappen der bey - den Fraͤnckiſchen Linien iſt oben un - ter Anſpach beſchrieben worden; das Chur-Brandenburgiſche aber iſt unter Preuſſen zu finden.
Ein Tantz, welchen ihrer viele, ſo ſich einander an den Haͤnden fuͤhren, in die Runde tantzen. Mit dergleichen Taͤntzen fingen ſich ehemahls alle Bals an, und ſchei - net es, als wenn ſie in Franckreich wieder Mode werden wollten. Die Tantz-Melodie fuͤhret gleichen Nahmen.
Heißt den Kopff ſchuͤtteln, dasBrageſchicht oͤffters, wenn der Reuter das Pferd um ſeines begangenen Fehlers mit Sporn oder Spieß - ruthen ſtraffet, und das Pferd den Kopff und die Ohren ſchuͤttelt, wel - ches eine Bosheit anzeiget, da muͤſſen alsbald die Straffen ver - doppelt werden, bis es den Kopf ſtet haͤlt, ſo iſts uͤberwunden.
Werden des Baͤren Tatzen bey den Jaͤgern genannt.
Der Arm, iſt ein Theil des obern Schenckels von der Schul - ter bis an das Knie. Ob nun gleich der Arm ſich nicht bieget, ſo ſagt man doch, wenn ein Pferd ein gu - tes Mouvement hat, daß es den Arm oder Schenckel wohl bieget, z. E. Dieſer Hengſt bieget gnug - ſam die Arme, und hebt ſich wohl vorwarts mit einer Ringfertigkeit, dergeſtalt, daß es wohl unnoͤthig iſt, ſolches zwiſchen den Pilaren zu erleichtern.
Jſt ein Pferd, welches von Na - tur die vordern Schenckel wie ein Bogen gekruͤmmet hat, womit es von dem cheval arqué unterſchie - den iſt, welches ſolche krumme Schenckel von der ſchweren Arbeit bekommen hat.
Der Tapfere, ſo nennet man ein hertzhafft Pferd, welches in Heroi - ſchen Handlungen gleichſam die andere Perſon agiren muß, welche gute Eigenſchafft auch auſſer dem Krieg in hohen Ritterſpielen, auf der Jagd wider die wilden Thiere, im Hoff-Leben, alſo auch auf den Reiſen, an denen Orten, ſo an ſichG 4ſelbſtBraſelbſt gefaͤhrlich ſind, in dem ge - meinen Leben ſehr noͤthig, und an einem andern Pferd hoch zu ach - ten, ohne welche ein Pferd zu kei - ner hohen Bezeigung zu bringen, oder ſicherlich zu gebrauchen iſt.
Heißt Schmuck, Zierde, oder Aufputz eines Pferdes, welches meiſt in hohen Federbuͤſchen, ge - ſtickten Sattel und Zeug beſtehet, ſo offt mit koſtbaren Jubelen beſetzt und garnirt ſind.
Wird insgemein ein Pferd brau - ner Farbe genennet, als welche eine von denen vier Haupt-Far - ben der Pferde iſt, und in die dun - ckelbraune und lichtbraune uͤber - haupt eingetheilet wird. Unter allen Braunen werden die Caſta - nien-braunen, ingleichen die dun - ckel-braunen, wenn ſie geſpiegelt, ſo, daß die Spiegel, ein ieder von den andern abgeſondert, koͤnnen gezehlet werden, vor die beſten ge - halten.
Ein gemeiner Vogel, der zu Herbſt-Zeit auf den Fincken-Her - den offt gefangen wird, und den Nahmen mit der That fuͤhret: Denn er iſt am gantzen Leibe braun, auſſer daß er an der Bruſt etwas duncklere Farbe hat, wie die Reb - huͤner daſelbſt haben, die braune Farbe am Ruͤcken iſt faſt wie die Haͤnfflinge am Ruͤcken ſind. Sei - ne Leibes-Geſtalt iſt laͤnglicht, wie eine Nachtigall, wiewol das Brau - nell ein viel kleiner, und nicht ſo hochbeinigt iſt, der es ſonſt ſowol, als dem Rothkehligen in vielen Stuͤcken gleichet, abſonderlich aber j〈…〉〈…〉 dem Schnabel nach. EsBrabringet mehrentheils fuͤnf bis ſechs Jungen an bergigten Orten aus, und pfleget ſeinen Strich im Herbſt einzeln zu halten, bleibet auch ein - tzeln zuruͤcke, und wird in Zim - mern gantz kirre, da es denn mit gemahlenen Hanff-Koͤrnern und untermiſchter Semmel geſpei - ſet und erhalten werden kan. Das Weiblein iſt in der Brut-Zeit ſo frech, daß, wenn es in einem Ge - mach eingeſperret iſt (ob es gleich kein Maͤnnlein bey ſich hat) den - noch alle Haare, Flachs, Werg und was es erhaſchen kan, hinweg nimmt, ein Neſt davon machet, und ſich daruͤber ſetzet, folglich da - durch ihre Begierde zur willigen Brut zu verſtehen giebet. Dieſer Vogel hat darinnen etwas beſon - ders, daß er ſeines gleichen locket, und der Lock begierig folget, auch dahero mit auf den Fincken-Herd zur Lock getragen wird. Man faͤngt ihn auch in den Stauden, ſowol Fruͤhlings-als Herbſt-Zeit, mit einem Meiſenſchlag, wie die Rothkehligen.
Eine groſſe und ſehr feſte Stadt, an der Ocker gelegen, wird in 5 Theile getheilet; der erſte Theil wird die alte Stadt, der andere die Neuſtadt, der dritte der Ha - gan, der vierte der Sack, der fuͤnffte aber die alte Wick genannt. Hat in ihrem Umkreis eine teutſche Meile, iſt faſt ſo breit als lang, wohlerbaut, mit einem ſtarcken hohen Wall, doppelten Mauren und Graͤben umgeben. Es ſind daſelbſt, die Dom - und andere Pfarr-Kirchen, deren 8 ſind, die 3 lateiniſche Schulen, die 5 Rath - haͤuſer in den 5 Theilen der Stadt, die Zeughaͤuſer, die faule Metze, das Opernhaus, welches wegenſei -Braſeiner groſſen Machinen ſehr ſchoͤn, zu ſehen. Sie liegt eine Meile von Wolffenbuͤttel und 5 von Helmſtaͤdt, und iſt 1671 unter der Hertzoge von Braunſchweig voͤlli - ge Bothmaͤßigkeit gekommen. Sonſten wird hier zweyerley Bier gebraut, nemlich ein weiſſes, Breyhan genannt, ſo man im Win - ter, und die Mumme, ſo braun, und ſo man in Sommer trincket. Allhier iſt der fuͤnffte Turnier von Hertzog Ludolphen zu Sachſen und Braunſchweig gehalten wor - den, in Beyſeyn 10 Fuͤrſten, 13 Grafen, 10 Freyherren, Anno 996 in der Woche nach dem Heiligen drey Koͤnigs-Tage. Von dieſer Stadt hat das umliegende Land den Nahmen, von welchem ſich die Churfuͤrſten und Hertzoge von Braunſchweig-Luͤneburg ſchreiben. Der Churfuͤrſt von Braunſchweig - Luͤneburg fuͤhret zwey uͤber einan - der ſtehende guͤldene Leoparden im rothen Felde, wegen des Hertzog - thums Braunſchweig; ein weiſſes Pferd im rothen Felde, als das al - te Nieder-Saͤchſiſche Wappen; ei - nen blauen Loͤwen mit rothen Her - tzen beſtreuet im guͤldenen Felde, wegen Luͤneburg; einen ſilbernen gecroͤnten Loͤwen im blauen Felde, wegen der Grafſchafft Eberſtein; einen guͤldenen im rothen Felde, mit einem blau und weiſſen Ran - de eingefaſt, wegen Homburg; ei - nen ſilbernen Loͤwen im blauen, und gleich darunter einen blauen Adler im ſilbernen Felde, wegen Diepholt; einen guͤldenen Loͤwen im rothen Felde, und darunter ein Feld ſechsmahl von Gold und roth geſtrefft, wegen der Grafſchafft Lauterberg: einen ſchwartzen Hirſch im ſilbernen Felde wegen der Graf - ſchafft Clettenberg: einen getheil -Braten Schild, darinne oben zwey ſchwartze Baͤren-Tatzen im guͤlde - nen Felde erſcheinen, der unterſte Theil aber wieder getheilet iſt, der oben 4 rothe und ſilberne Balcken praͤſentiret, und unten von Silber und blau creutzweis durchſchnit - ten iſt, wegen der Grafſchafft Hoya; ein Silber - und roth-ge - wuͤrffeltes Feld, wegen Hohnſtein; ein rothes Hirſchhorn im ſilbernen Felde, wegen der Grafſchafft Rein - ſtein; ein ſchwartzes aber wegen der Grafſchafft Blanckenburg; und endlich in einem rothen Mit - tel-Schilde die Kayſerliche Krone wegen des Ertz-Schatzmeiſter - Amtes, damit der Churfuͤrſt An. 1710 von dem Kayſer belehnet wor - den, aber noch deswegen mit Chur - Pfaltz ſtreitig iſt. Dieſes Wappen hat 5 gecroͤnte Helme. Der erſte praͤſentiret einen Pfau-Schwantz zwiſchen zwey Hirſch-Hoͤrnern, wegen Honſtein-Lauterberg; der andere ein paar ſchwartze Baͤren - Klauen, wegen Hoya; der dritte eine weiſſe und mit Gold gecroͤn - te Saͤule zwiſchen zwey ſilbernen und mit Pfau-Federn gezierten Sicheln, wegen Braunſchweig; der vierte ein paar Buͤffels-Hoͤr - ner, dazwiſchen 6 rothe und weiſſe Faͤhnlein ſtecken, wegen Burchu - ſen; und der fuͤnffte ein paar ſilberne Buͤffels-Hoͤrner zwiſchen zwey Hirſch-Hoͤrnern, wegen Reinſtein-Blanckenburg. Uiber - dieß fuͤhren die uͤbrigen Hertzoge von Braunſchweig eben dergleichen Wapen mit dem Chur-Hauſe, nur daß die Felder unterſchiedlich ran - giret ſind, und das Mittel-Schild wegbleibet.
Pflegen die Jaͤger von wilden Schweinen zu ſagen, an ſtat wuͤh - len: z. E. das Schwein hat im Holtze oder auf der Wieſe ſehr ge - brochen, das iſt, gewuͤhlet.
Jn der Muſic heiſſet, wenn ein Accord, oder ein anderer muſica - liſcher Griff, nicht auf einmal, ſondern eine Note nach der andern tractiret und geruͤhret wird.
Jſt unter den Niederlaͤndiſchen Staͤdten eine der allerfeſteſten, liegt im Hollaͤndiſchen Braband, all - wo die groſſe herrliche Kirche, der praͤchtige Naſſauiſche Pallaſt, das Zeughaus, das Fuͤrſtliche Colle - gium, der Hortus Botanicus und das Theatrum Anatomicum wohl zu ſehen ſind, gehoͤrt aus der Ora - niſchen Erbſchafft dem Printzen von Oranien oder von Naſſau - Dietz. Es ſoll daſelbſt im Schloß ein Pferd zu ſehen ſeyn, ſo wie ein Hirſch Fuͤſſe und Schweiff gehabt, welches in einem Tag von Breda nach Bruͤſſel, und von dar wieder nach Breda hat lauffen koͤnnen, wiewohl dieſe 2 Oerter 20 Meilen von einander gelegen.
Jſt eine Art groſſer graulichter Fliegen, welche bey warmem Sommer-Wetter den Pferden und dem Rindvieh mit Stechen und Blutausſaugen ſehr beſchwer - lich fallen; ſolches aber zu verhin - dern, darff man das Vieh nur mit dem Safft aus Kuͤrbis-Blaͤttern, oder mit Waſſer, darinnen geſtoſ - ſene Lorbeeren geſotten worden, be - ſtreichen. Die Fuhrleute ziehen Hauff ſamt dem Kraut aus, wennBreſie es haben koͤnnen, und beſtrei - chen ihre Pferde damit. Wenn man Attich-Kraut und Knoblauch durch einander nimmet, den Safft daraus preſſet, Schmeer dazu thut, und alles in einer Pfanne unter einander pregeln laͤßt, ſo hat man eine Salbe, darein man einen wollenen Hader werffen, und die Pferde an denen Orten, wo die Bremen gerne hinſitzen, als an dem Schlauch, hinter dem Schweiff, neben den Augen, und an andern Orten damit abſtreichen darf, ſo kommt keine Breme noch Fliege darauf: Oder man kan auch Tann-Zapffen im Waſſer ſi[ed]en, ein Wiſch-Tuch darein tuncken, und die Pferde oder das Rindvieh damit abwiſchen.
Eine vornehme Hanſee - und Handel-Stadt an der Weſer in Nieder-Sachſen, welche ſehr feſt, groß, reich und maͤchtig iſt, hat ſchoͤne weite Gaſſen, beyderſeits nach der Ordnung mit herrlichen Haͤuſern gezieret, wie auch einen groſſen weiten Marckt, auf deſſen Mitte eines Kayſers und Koͤnigs Bildniß mit einem bloſſen Schwerdt zu ſehen. Die Stadt hat ein ſchoͤnes Gebiet, und nicht geringe Vogteyen, hat auch einen guten Hafen. Jhr Regiment iſt pur Ariſtocratiſch, und kommen nur gelehrte und ſehr qvalificirte Leute zu demſelben. Hier ſind zu ſehen das Rath-Zeug - und Zoll - Haus, die vortreffliche Bruͤcke uͤber die Weſer, das Rad an der Weſer, mit welchem das Waſſer durch ſonderbare Roͤhren in die Haͤuſer der Stadt geleitet wird. Um die Stadt her giebt es auch viel Suͤmpffe. Ein mehrers ſehe man im Zeitungs-Lexico. DieſeReichs -BreReichs-Stadt hat einen ſilber - nen und aufwerts gekehrten Schluͤſſel im rothen Felde zum Wappen.
Jſt ein Jnſtrument von Eiſen, welches gleich einer Feuer-Zange iſt, und aus zweyen langen ein - gekerbten Theilen beſtehet, ſo oben mit einer Charniere an einander haͤngen; mit dieſem klemmen die Schmiede denen Pferden die Na - ſen-Kruſpel, und auch wol die Ohren ein, daß ſie ſtille halten muͤſſen, wenn ſie beym Beſchlagen nicht ſtehen wollen, oder man eine gewaltſame Operation mit ihnen vorhat. Man hat auch hoͤltzerne Bremſen, welche oben mit einem Leder zuſammen gebunden ſind, und eben dergleichen Dienſte thun, als die eiſernen, nur muͤſſen dieſe keine ſcharffe Ecken haben.
Die Haupt-Stadt in gantz Schleſier, an der Oder gelegen, ſo fuͤr eine der ſchoͤnſten und feſte - ſten in Teutſchland gehalten wird, hat im Umkreis 9000 Geometri - ſche Schritte, und liegt in einer ſchoͤnen groſſen Ebene. Es iſt all - da eine ſchoͤne Regiments-Form, neben den Hauptmann ſind 8 Buͤrgermeiſter, 11 Schoͤppen, 2 Syndici und viele Aſſeſſores. All - wo inſonderheit zu ſehen, die Bi - ſchoͤffliche Kirche, der Dom zu S. Johann in der Jnſel, mit ſchoͤnen hohen Thuͤrmen, ſamt der groſſen Bibliothec und Schule. Von weltlicher Gebaͤuden iſt allda die Koͤnigliche Burg, das hohe und weite Rathhaus, 2 groſſe Zeug - Haͤuſer, die Waage, das Kauff -BreHaus, die Waſſer-Kuͤnſte, die ſchoͤne Gaͤrten inn - und auſſer der Stadt, ingleichen 3 Schloͤſſer. Nebſt der Catholiſchen Univerſitaͤt hat ſie 2 Lutheriſche wohlbeſtellte Gymnaſia zu S. Eliſabeth und S. Maria Magdalena; bey gedach - ter Univerſitaͤt, ſo 1702 geſtifftet worden, ſollen die Profeſſores Theologiæ und Philoſophiæ bloß von den Jeſuiten, bey den andern beyden Facultaͤten aber nach Ge - legenheit auch von gelehrten Pro - teſtanten genommen werden. Es iſt auch daſelbſt eine oͤffentliche auf Art der alten Schau-Gebaͤu - de, mit Sitzen uͤber einander fuͤr die Zuhoͤrer ringsum verſehene Fecht-Schule, fuͤr die ſogenann - ten Klopf-Fechter, worinnen den Zuſchauern zur Luſt aus den 2 Geſellſchafften, oder Guͤlten, der Federfechter und Marxbruͤder, von 2 gegen einander um einen geringen Preis mit hoͤltzernen kurtzen Tuſ - ſacken, halben Picken, Schlacht - Schwerdtern, Hallebarden, Rap - pieren und Dolchen gefochten wird. Sonſt fuͤhret dieſe Stadt in ihrem Wappen den Evangeli - ſten Johannes, auf dem Helme, zwiſchen 2 Fahnen, in einer Cro - ne von 4 Roſen; den Schild ge - theilet in 4 Qvartieren, in dem erſten den Boͤhmiſchen Loͤwen, in dem andern den Schleſiſchen Ad - ler, in dem dritten den Buchſta - ben W, zu Ehren dem Koͤnige Wratislao, im vierten das Bruſt - bild des Evangeliſten Johannis in einer ungewandten Crone, mit - ten in dem gevierten Schilde das Haupt Johannis des Taͤuffers.
Ein gantz kleines Geiglein, wel - ches die Tantz-Meiſter bey ſich zutra -Britragen, und bey der Jnformation zu gebrauchen pflegen.
Der Zaum des Pferds, iſt eine Zuſammenfuͤgung verſchiedener le - derner Riemen, und ein paar ei - ſerner Stangen, nebſt einem Ge - biß, das Pferd drauf zu wenden, zu fuͤhren und in Gehorſam zu be - halten. z. E. Wenn man ſagt, laßt dem Pferd den Zaum nach, oder gebt ihm die Fauſt, laßt ihm die Zuͤgel ſchieſſen; oder im Ge - gentheil: ziehet den Zaum etwas an, und haltet die Fauſt ſtet, daß das Pferd in der Poſtur und beym Manne bleibet. S’ attacher oder ſe tenir à la bride, bedeutet den Fehler, den ein uͤbler Reuter bege - het, wenn er an ſtat den Zuͤgel nach - zu laſſen, ſicham Zaum anhaͤlt, und ſelben hart an ſich ziehet, da er doch im Capriren oder Aufbaͤu - men dem Pferd die Fauſt nachge - ben, und ſich mit den Knien an - ſchlieſſen, und den Leib gerad und aufrecht halten ſoll. Boire la Bri - de, geſchiehet, wenn einem Pfer - de der Mund gar zu ſehr gepreßt, und das Mundſtuͤck gar zu zart iſt, daß es hoͤher hinauf ins Maul kommt, als es ſoll, und die Lef - zen wund macht, die Kienkette auch von ihrem gehoͤrigen Orte ab - weichet. Main de la Bride, iſt des Reuters lincke Hand, welche den Zuͤgel fuͤhret.
Heißt ein Pferd zaͤumen. Die Zaͤumung iſt das einige Mittel, welches alles uͤbrige, ſo bey dem Reiten vorzunehmen, gut oder boͤs, leicht oder ſchwer machen, befoͤrdern oder hindern kan. Denn 1) etliche Pferde widerſtreben der Zaͤumung, aus ſolchen Hinderun -Brigen, welche in ihrer Natur ſte - cken; 2) Andere, die ſolche Fehler nur an ſich genommen haben; 3) Andere muͤſſen nothwendig wider - ſtreben, weiln ſie ihre Beſchaffen - heit gleichſam darzu noͤthiget. Hinwiederum ſind 4) andere, welche von den Zaͤumungs-Mitteln nichts annehmen wollen, ſondern die Zaͤumung hindern, ſchwer, auch wohl gar unmoͤglich machen; 5) iſt einmal vor allemal der boͤſe Wille faſt das ſchaͤdlichſte, weil bey deſſen Erſtarrung die Verſtockung erfolget. z. E. Als der Groſſe Alexander einen ſolchen boͤfen Willen an ſeinem Pferde befand, gebrauchte er ſich der guten Zaͤu - mungs-Mittel, durch welche er daſſelbe dann zum Gehorſam brachte, und damit allen Zaͤumern eine Lehre hinter laſſen, deren Nach - folgung ſie ſo wenig betriegen, als ſich deren einer ſchaͤmen kan, ei - nem ſolchen groſſen Potentaten et - was abzulernen.
Nennet man ein Gebiß oder Trenſe mit Qver-Staͤnglein oder groſſen Rincken, welche wohl gut vor Wettlaͤuffer, ſo nicht Aufhal - tens brauchen; aber vor Solda - ten-Pferde iſt dieſe Zaͤumung nicht wohl brauchbar: Alſo iſt die Stangen-Zaͤumung weit beſſer und beqvemer. Man fuͤhret auch gemeiniglich duͤnne zarte Bridons, welche nebſt den Stangen im Mund gelegt werden, damit man (wann etwas an Stangen zerbre - chen ſolte) etwas zur Sicherheit habe.
Ein ſehr gebraͤuchlich Jtalieniſch Wort, und iſt ſo viel, als eine ſtarcke Zaum-Straffe mit RuͤckungderBrider Fauſt, welche aber den Laden und der Zunge leichtlich Schaden bringt; dahero ſie auſſer aͤuſſer - ſten Nothfall, von beſcheidenen Reutern ſelten gebraucht wird.
Was glaͤntzend iſt, und in die Au - gen ſpielet, ſonderlich heiſſen die geſchliffenen Roſen-Diamanten Brillanten. Un eſprit brillant, wird von einem muntern Geiſt und hurtigem Ingenio geſagt, und ſ. f. Cheval brillant bedeutet ein Pferd, welches niedlich, ſchoͤn von Gewaͤchs, einen magern Kopf und Schwanen-Hals, ringfertige Schenckel und einen guten Leib hat, mit guter Manier am Gebiß kaͤuet, auch ſich mit demſelben er - luſtiret.
Jſt ein Jnſtrument von Holtz mit 3 oder 4 Blaͤttern, daß es klatſchet und einen Laut von ſich giebet, welche Britſche man bey den Pferden zur Huͤlffe braucht, zu doppelten Courbetten; daß ſie nach deren Betreffung hinten leich - ter nachſetzen, und avanciren.
Eine Biſchoͤffliche Stadt in Ty - rol, da der Biſchoff ein Reichs - Fuͤrſt iſt, und hat ſein Gebiet uͤber die 800000 Seelen; das Schloß liegt auf einem Huͤgel, und wird fuͤr unuͤberwindlich ge - haltm, hat viele Kirchen und Kloͤ - ſter. Der rothe Wein iſt hier ſehr beruͤhmt, und die Erde ziem - lich fruchtbar. So iſt auch ein Brunn allhier, der Jungfrau - Brunn genannt, deſſen Waſſer ſoll unterſchiedliche innerliche Lei - bes-Beſchwerungen curiren. Das Wappen des Biſchoffs, dieſesBroNahmens, iſt qvadrirt, das 1) und 4) Feld iſt die Laͤnge herab geſpal - ten. Jn deſſen erſtern rothen Helffte iſt ein zuruͤck ſehendes ſil - bernes Oſter-Lamm, mit einem goldnen runden Schein um das Haupt, ſo eine ſilberne mit einem rothen Creutz bezeichnete Oſter - Fahne traͤget, als das Wappen des Bißthums Brixen; Jn der andern ſilbernen Helffte iſt ein ro - ther mit Gold gecroͤnter Adler, mit goldnen Schnabel und Klau - en, uͤber deſſen Bruſt und Fluͤgel ein goldner Biſchofs-Stab qver gelegt, als das Wappen des Dom - Capitels in Brixen.
Sind in Pferd-Staͤllen eine ſehr nuͤtzliche Sache, weil dadurch der von den Pferden, beſonders zur Winters-Zeit, entſtehende Bro - dem, gleich als der Rauch durch eine Feuer-Maͤuer, ausgefuͤhres wird. Es ſind hoͤltzerne Aufſaͤ - tze, die nach der Form der Feuer - Maͤuern, uͤber ein oder (nach der Groͤſſe des Stalles) mehrere in die Decke eingeſchnittene viereckigte Loͤcher, mit einem von Bretern ins gevierte zuſammen geſchlage - nen, und an den Fugen wohl ver - theerten Schlauch, durch die uͤbri - ge Boͤden des Gebaͤudes, bis an die Kehl - oder Hahne-Balcken, von dar aber, bis uͤber den Forſt hinaus, wie ordentliche Feuer - Maͤuern von Ziegeln gefuͤhret werden, und dem Gebaͤude, uͤber ihren inwendigen Nutzen, noch von auſſen kein unartiges Anſehen ge - ben.
Ausſchmuͤckung, iſt in der Mu - ſic, wenn groſſe Noten in kleinere zertheilet werden.
Brom -Ohne Zweiffel daher alſo ge - nannt, weil ſie ſich gerne an ſol - chen Orten, wo es viel Brom - beer-Stauden giebet, aufzuhal - ten pflegen, ſind faſt noch einmahl ſo groß, als die Haſel-Huͤner. Der Han hat groſſe, mit einem rothen, oder bisweilen auch blauen Haͤutlein verſehene Augenbraunen, am Halſe blaulicht ſchillernde, am gantzen Leibe ſchwartze, an beyden Fluͤgeln aber mit etwas weiſſen vermiſchte Federn, einen kurtzen, dicken und ſchwartzen Schnabel. Die Henne hat eine etwas lichtere Farbe, einen ſchwartzen und gleich getheilten Schwantz, rauhe Schen - ckel, woran die Federn ſchwaͤrtz - licht, aber mit weiſſen Flecken be - ſprengt, und iſt etwas groͤſſer und laͤnger als eine mittelmaͤßige Haus-Henne. Sie werden zur Pfaltz-Zeit geſchoſſen, oder mit Fallen und Schleiffen gefangen.
Heißt, wenn die Pferde Mis - tritte thun, und ſtolpern, daß ſie endlich gar fallen, ſo gemeiniglich geſchiehet, wenn ſie ſchwach auf den Schenckeln, und von vieler Arbeit abgemattet ſind.
Ein Staͤdtgen in der Graf - ſchaf Zuͤtphen in Holland an der Jſſel, wovon die Grafen von Bronchorſt und Gronsfeld (ſo eine Grafſchafft, im Lothringi - ſchen gelegen, iſt) den Titel fuͤh - ren. Dieſe Grafen gehoͤren zur Weſtphaͤliſchen Banck, und fuͤhren in ihrem Wappen 1) einen ſilber - nen Loͤwen mit einer guͤldenen Cro - ne im rothen Felde, als das Stamm-Wappen von Bronchorſt; 2) ein guͤldenes Andreas-CreutzBrumit guͤldenen Tuchſcheeren umge - ben im rothen Felde, wegen der Herrſchafft Batenburg; 3) auf ei - nem kleinen Mittel-Schilde drey rothe Kugeln im guͤldenen Felde, wegen der Herrſchafft Borckeloe; 4) einen ſchwartzen Eber auf ei - nem gruͤnen Huͤgel im guͤldenen Felde, und 5) eine rothe Roſe im ſilbernen Felde, wegen der Graf - ſchafft Eberſtein. Dieſes Wap - pen wird von einer Grafen-Krone bedeckt.
Nennen die Frantzoſen das Ge - ſchrey, welches in Comoͤdien pflegt gemacht zu werden, wenn man ſich uͤber eine vorkommende ſchoͤne Paſſage oder Action erfreuet.
Verwirren, ſich zancken. Cheval qui ſe brouille, ſagt man von ei - nem Pferd, wenn es einige Schu - len macht, ſich uͤbereilet, in die Qveere tritt, und in Unordnung geraͤth, aus Unruhigkeit, oder weil es die Huͤlffe nicht verſtehet.
Wird gennet, wo die Theile ei - ner Sache, daraus ſie beſtehet, nicht mehr ſo genau verbunden ſeyn, ſondern durch eine Gewalt aus oder gar von einander geriſſen worden, inſonderheit aber verſte - het man dadurch, wenn durch Renckung oder einen Riß im Darm-Fell, das Netz oder ein Ge - daͤrm, auch ſonſt ein fleiſchiges, waͤßriges und dergleichen Weſen, ſich an den Unter-Leib und deſſen Theile einſetzet, und daſelbſt die Haut heraus preſſet. Es geſchie - het unterweilen, daß ein Pferd ei - nen Bruch bekommt, und ihm das Gedaͤrme heraus dringet; ſolchemabzu -Bruabzuhelffen, muß man erſtlich den Darm mit den Fingern alsbald ſachte wieder hinein ſchieben, her - nach Odermennige, Schell-Kraut, Mausoͤhrlein, das Kraut von der Schwartz-Wurtzel, Beyfuß, Garten-Pappeln, Rettich-Kraut und Kaͤſe-Pappeln, iedes eine Hand voll nehmen, ſolche in ei - nem Topfe mit Bier kochen, und den Schaden fein warm damit baͤ - hen, die Kraͤuter aber mit einem leinenen Pflaſter auf den Schaden binden, und zwey Stunden dar - auf liegen laſſen; Alsdenn ſoll man ihme dieſen Wund-Tranck eingieſſen: Nimm Oſterluzey, Tor - mentill, Heidniſches Wund-Kraut und Drachen-Blut, iedes zwey Loth, alles dieſes ſoll geſtoſſen und in drey Qvart Bier wohl gekocht, und dem Roß alle Morgen nuͤch - tern vier Loͤffel voll davon einge - goſſen, und der Schaden mir obi - gen Kraͤutern wohl gebaͤhet wer - den. Hernach ſoll man aus fol - genden Stuͤcken, nemlich ſechs Loth Honig, weiß Gaͤnſe-Fett, weiſſes Lein-Oel, Kamm-Fett, Drachen-Blut, Populeum, Althee, von iedem vier Loth, unter einan - der gemiſcht, eine Salbe bereiten, und den Schaden alle Abende da - mit ſchmieren, ſo wird es bald beſ - ſer werden.
Heiſſet diejenige Staͤte, wo man die letzte Spure eines Thie - res geſehen hat, und wo daſſelbe ſich folglich befinden muß.
Wird bey der Jaͤgerey auch ein Stuͤcke Eichen - oder Buchen-Reiß ſamt dem Laub genennet, derglei - ſich die Jaͤger nach vollendetem Jagen auf die Huͤte ſtecken. DasBrugefaͤllete Wild wird auch auf der - gleichen Bruͤche geleget.
Sind moraſtige Oerter und Gehoͤltze, ſo meiſtens wegen ihrer natuͤrlichen Feuchtigkeit mit Er - len-Holtz, Eſchen oder Bircken, Weiden, Rohr und Schilff ver - wachſen, darinnen gemeiniglich groſſe Behaͤltniſſe vor Sauen, Woͤlfe und Fuͤchſe zu finden, und man ihnen vor Waſſer und Mo - raſt nicht wohl beykommen kan. Sie haben ihren Nahmen von Brechen, weil die gar zu naſſe Erde niemanden ſicher ſtehen laͤßt, ſondern aller Orten einbricht.
Werden in den Pferde-Staͤllen diejenige Fuß-Boͤden genennet, worauf die Pferde in denen Staͤn - den ſtehen. Man legt nemlich unten auf den Boden qver uͤber den Stand ein Stuͤck aus dem groͤbſten beſchlagenen Eichen-Holtz neben das andere, ſtoͤſſet ſelbiges wohl an einander, daß es keine weite Fuge giebt, und verwahret es an den Enden dergeſtalt, damit es durch das Treten und Tram - peln der Pferde nicht leichte lucker werden koͤnne. Dieſe Bruͤckun - gen ſind nicht nur darzu dienlich, daß ſie den Boden allezeit gleich und rein halten, und keine Gau - che oder andere Feuchtigkeit unter den Pferden ſtehen laſſen, ſondern ſie ſind auch denen mit groben Kieß uͤberſchuͤtteten Staͤllen dar - um vorzuziehen, daß die Eiſen, womit die Pferde beſchlagen, nicht ſo leichte ſtumpff getreten werden.
Eine ſchoͤne groſſe praͤchtige Stadt in Braband, an dem FlußSenneBruSenne, theils in der Ebene, theils um etwas hoch gelegen, deſſen aͤuſſerliche Form einem Hertz gleich ſiehet, und hat 2 Stunden im Umkreis, hat eine doppelte Mauer, einen hohen Wall und breite Graͤben, ingleichen 74 groſſe und kleine Thuͤrme und Mauren. Es hat dieſe Stadt 7 Pfarr-Kirchen, unter welchen ſonderlich S. Gudulæ zu ſehen, auf welcher 2 Thuͤrme von 500 Staf - feln hoch ſtehen. Jngleichen das Jeſuiter-Collegium, ſammt der Bibliothec, das Carmeliter - Nonnen-Kloſter, der Fuͤrſtliche Marſtall, darinnen 127 Pferde ſte - hen koͤnnen; Die Ruͤſt-Kam - mer, der Fuͤrſtliche Pallaſt, in welchem eine Grufft iſt, ſo, daß wann iemand hinunter rufft, es 32 mal ein Echo giebt. Neben dieſem Schloß ſtehet ein ſchoͤner Garten, allwo man inſonderheit eine liebliche Orgel von Waſſer - Werck alſo getrieben, hoͤren kan. Jtem das Rath - und Zeug-Haus, Thiergarten, allerhand anſehnliche Pallaͤſte, als der Ertz-Hertzogin, Fuͤrſten, Grafen, Freyherren u. Rit - ter des goldnen Vlieſſes, wie auch ſchoͤne Luſthaͤuſer und liebliche Gaͤrten.
Wird von dem Laut der Baͤren geſagt. ſ. Baͤr.
Unter den 6 Choͤren Lauten - Saiten hieß ehemals die unterſte oder niedrigſte Groß-Brummer, die folgende Mittel-Brummer, und die dritte von unten auf ward der kleine Brummer genannt.
Wird die natuͤrliche Begierde,Bruund der hitzige Trieb genennet, der das rothe und ſchwartze Wildpret zu gewiſſer Jahres-Zeit gleichſam zwinget, dem weiblichen Geſchlech - te ſeines gleichen nach zugehen, und ſeinen Liebes-Appetit bey demſel - ben zu ſtillen, als welches man Brunfften, oder in der Brunfft ſeyn nennet.
Jſt eine gewiſſe von der Natur in ordentliche Schrancken geſetzte Jahrs-Zeit, in welcher das Wild zu Vermehrung ſeines Geſchlechts auf die Brunfft gehet, und Wol - luſt pfleget. Die Brunfft-Zeit des Hirſchen gehet um Egidii, des Rehe-Bocks um Weynachten, bald vor, bald darnach, und des wil - den Schweines mehrentheils um Andreaͤ an, davon bey der Be - ſchreibung ieglichen Thieres um - ſtaͤndlicher gehandelt worden.
Jn den Orgelwercken, wird al - ſo genennet, alles, was vor dem Organiſten ſtehet. Dahero ver - ſtehet man unter Bruſt-Poſitiv alle diejenigen Regiſter zuſammen, deren Pfeiffen, wenn ein Orgel - werck drey Abſaͤtze gerade aus hat, in der Hoͤhe, uͤber dem ins beſon - dere alſo genannten Wercke ſtehen: Hat es aber nur zween Abſaͤtze oder Stockwercke gleich aus, ſo heißt das untere alſo in Abſicht auf des Organiſten Poſitur.
Jſt eine ohngefehr fuͤnff Vier - tel-Ellen lange an beyden Enden mit einem Knebel verſehene Kette, welche in denen auf beyden Seiten des Kummets befindlichen eiſernen Ringen vermittelſt ſolcher Knebel feſt gemachet iſt. An dieſer Bruſt -KetteBruKette haͤnget die ſogenannte Halt - oder Hemm-Kette, welche an die Deichſel geſpannet wird.
Jſt ein beſonderes kleines En - den-Stuͤcke vom Fliegen-Netze, welches vor der Bruſt des Pferdes am Kummte angeſchleifft wird.
Jſt ein lederner Riemen am Voͤrder-Zeug eines Pferdes, wel - cher uͤber deſſen Bruſt herum ge - het, und an beyden Seiten des Sattels, damit derſelbe nicht hin - ter ſich rucken koͤnne, angemachet iſt. Nahe am Sattel ſind lederne Ringe daran, worinnen die Pi - ſtolhulfftern ſtecken, weil aber, wo dieſelbe aufliegen, gemeiniglich das Haar ſich abreibet, als muß man, ſolches zu verhuͤten, ein Stuͤcke von einem Ziegen - oder Kalb-Fell darunter machen, oder den Bruſt-Riemen um ſelbige Gegend mit gelindem Leder uͤber - ziehen, und mit Wolle ausfuͤllen.
Heiſſet die junge Zucht von Voͤ - geln, ſo zu einer Zeit mit einander ausgebruͤtet worden.
Eine Art wilder ſtarcker groſſer Ochſen, ſo in Polen und der Ge - gend befindlich, werden oͤffters von groſſen Herren zur Hatze gebraucht, ſo aber viel Hunde zu ſchanden machen.
Ein altes muſicaliſches Jnſtru - ment, deſſen ſich die Alten im Kriege bedieneten, und womit ſie inſonderheit das Signal zum Auf -Bucbruche, Angriffe und Retirade zu geben pflegten. Es war ſolches von Ertzt, und gantz krumm gebo - gen, worinne es von der Tuba, die gantz gleich war, ſich unterſchiede; doch war es dabey kleiner, als ein ſogenanntes Cornu, ſo ebenfalls krumm. Anfaͤnglich ſind die Buc - cinæ vermuthlich nichts anders als Hirten-Hoͤrner geweſen; und wird dieſes Wort daher von bos und cano hergeleitet: Wiewohl andre Buccina von dem Klange bou, bou herfuͤhren wollen. Noch andere wollen es bucina geſchrieben wiſ - ſen, und ſoll es ſo viel als vocina heiſſen. Die Juͤden nenneten ih - re Buccinam bald Keren, bald Schophar, und war es ein krum - mes Widder-Horn, deſſen ſie ſich bey Verkuͤndigung der Neu-Mon - de, der Feſt-Tage, wie auch bey dem Jubel - und Erlaß-Jahre be - dieneten. Weil heutiges Tages die Trompeten zu obigen Verrich - tungen gebraucht werden, kan man ihnen den Nahmen buccina bey - legen; ob wol einige es durch Po - ſaune und noch andere durch Zin - cke uͤberſetzen. Derjenige nun, der eine buccinam blieſe, ward bucci - nator, und der Schall und Klang dieſes Jnſtruments buccinus ge - nennet.
War des Koͤnigs Alexandri Magni Leib-Pferd, welches aus dem beruͤhmten Geſtuͤte des Phi - lonici Pharſali in Theſſalia von Koͤ - nig Philippo fuͤr 13 oder 17 Talente erkaufft worden, die Urſache aber, daß dieſes Bucephal geheiſſen, iſt dieſe, nicht daß es haͤtte einen Och - ſen-Kopf gehabt, ſondern daß es auf dem rechten vordern Bug nur die Geſtalt eines Ochſen-Kopffs gebrannt gehabt, wie man inRitter-Lexic. HTheſ -BucTheſſalia dieſelben Pferde alſo ge - heiſſen, die aus obbemeldtem Ge - ſtuͤte herkommen ſind, welche alle denſelben Brand gehabt haben. Dieſes Pferd war in ſeiner Ju - gend von Natur frech, muthwil - lig und ſehr wild, worauf ſich dann Alexander Magnus gleich ge - wagt, und ſolches rohes Pferd ſelbſt zu ſeinem Gebrauch dreßiret, ſolcher Geſtalt, daß es niemanden hat laſſen aufſitzen, als ſeinen eig - nen Herrn, auf welchem er nach - gehends groſſes Gluͤck gehabt, und es in vielen Schlachten geritten, und ob es darinnen gleich toͤdtlich verwundet worden, hat es doch mit ſeinem Herrn durch die Fein - de geriſſen, und ihn ſicher davon ge - bracht. Nachhero ſoll es gleich - ſam mit menſchlichem Verſtande geſtorben ſeyn. Alexander bedau - rete den Tod ſeines Bucephali nicht anders als eines ſeiner beſten Freunde, ließ ihn auch begraben, und um das Grab eine Stadt an - bauen, welche Bucephalos oder Bucephala genannt wurde, und das heutige Lahor in dem Koͤnig - reiche gleiches Nahmens in Indo - ſtan ſeyn ſoll.
So auch Berg-Fincke, Goͤgler, Qvecker, Nickawitz oder Zehrling genennet wird, iſt ein Vogel, der zwar dem ordentlichen oder gemei - nen Fincken an der Groͤſſe und Ge - ſtalt ſehr nahe kommt, aber an der Farbe ungleich ſchoͤner iſt. Denn das Maͤnnlein iſt an dem Kopffe ſchwaͤrtzlicht, und ſcheinen die Fe - dern mit dunckel-weiſſen eingefaßt zu ſeyn; wenn er aber alt wird, gehen die weißlichten Federn gar hinweg, und wird der Kopff kohl - ſchwartz, welche ſchwaͤrtzliche Far -Bucbe ſich auch ein wenig uͤber das Genicke am Hals hinunter erſtre - cket, hernach werden die Federn heller, daß ſie braͤunlicht ausſehen, und ſind mit graulichten eingefaſ - ſet, bis hinunter zu den Puͤrtzeln, allwo dieſe braune Federn von de - nen ſchoͤnſten weiſſen Federn ab - geloͤſet werden; Der Schwantz iſt gantz dunckel-braun und ſchwaͤrtz - licht, an den letzten Federn zu bey - den Seiten mit etwas weiſſen Spiegeln gezieret. Am Unter - Leib, ſo gleich von der Kehle an, iſt er hoch Ziegel - oder Aurora-gelb, und dieſe Farbe nimmt die gantze Bruſt ein; wo ſich aber dieſelbige endiget, folglich am halben Theil des Unter-Leibes wird das Gelbe wieder mit hellweiß verwechſelt, bis hinunter zum Schwantz. Die Fluͤgel haben um die Schultern herum eben die ſchoͤne hoch Ziegel - gelbe Farbe, die langen Federn aber ſind dunckelbraun oder viel - mehr ſchwaͤrtzlicht, ſo ſind auch an den Fluͤgeln qver uͤber gelbe Striche. Der Schnabel iſt mei - ſtens auch Ziegel-gelb, doch vornen etwas braͤunlicht, und die Fuͤſſe ſind erſtlich ſchwartz, veraͤndern ſich aber hernach ins weißlichte. Das Weiblein hat alle dieſelben Farben als das Maͤnnlein, iedoch viel blaſſer, und ſiehet der Kopff nur wie der Ruͤcken aus, auch ha - ben ſie an denen Schultern, da die Maͤnnlein inwendig und auswen - dig gelb ſind, nichts gelbes, ſon - dern nur etwas wenigs braͤunlich - tes, welche Farbe auch auf den Fluͤgeln an ſtat der gelben Qver - Striche, ſo die Maͤnnlein auf de - nenſelben haben, zu ſehen iſt. Die - ſer Vogel bleiber den Sommer uͤber nicht bey uns, ſondern nimmt im April ſeinen Abſchied, und laͤßtſichBucſich nicht eher wieder ſehen, als bis in den October; alsdenn faͤllet er, unter die Fincken vermenget, in die Herde ein, und wird, wenn es beginnet kaͤlter zu werden, mit groſſen Hauffen gefangen, ſo daß man etliche Schocke auf einen Zug bekommt. Man darff zu ſolcher Zeit, ſonderlich wenn der erſte Schnee faͤllt, nur ein paar Lock - Voͤgel, wo man will, in einem Garten an einen Baum haͤngen, ſie den gantzen Tag, ohne hinzuzu - gehen, daſelbſt laſſen, und nahe dabey auf der Erden einen Platz mit Hanff, und anderm Futter beſtreuen, ſo wird man den dritten oder vierten Tag, woferne anders dieſer Vogel in ſelbiger Gegend durchſtreichet, einen groſſen Zug thun koͤnnen. Er iſt uͤbrigens ein Vogel ohne Geſang, von deſſen Brut man deswegen nichts mel - den kan, weil er ſolche hier zu Lan - de nicht verrichtet. Das Weib - lein pflegt ſich in der Wildniß zu Zeiten an unſere Fincken zu gat - ten; und wenn man ein Fincken - Maͤnnlein zu einem Qvecker-Weib - lein thut, bekommt man junge Voͤgel von ſehr ſchoͤner Farbe, aber ſie taugen nicht zum lernen, ſondern bloß zum Anſehen.
Ein Bauren-Tantz und Melo - die, deren Erfindung ſich die Si - cilianer zueignen.
Das Gehaͤus an einer Orgel; ingleichen der Platz, worinne ein iedes Regiſter, oder Reihe von Orgel-Pfeiffen ſtehet, und wird eigentlich der Stock genennet.
Jſt ein uͤbler Zuſtand an einemBugPferde, wann die Schulter oder das obere Theil an den Schen - ckeln, ſo hart an der Bruſt ſitzet, und Bug genennet wird, zu ſchwin - den anfaͤnget. So bald man ſolches gewahr wird, ſo laſſe man ihme die Haare am Bug und Schenckel auf das genaueſte hin - weg ſcheeren, picket ihme ſodenn mit einer Flieten den Bug uͤber und uͤber, das es blutet; waſche den Ort, wo es ſchwindet, mit ei - ner ſcharffen Laugen und Venedi - ſcher Seiffen gar rein; wann es wieder trocken iſt, ſo ſchmiere man ihme mit folgender Salbe den Bug und Schenckel bey einer war - men Glut gar wohl, damit die Salbe hinein komme. Dieſelbe wird aber folgender Geſtalt ge - macht: Man nimmt im Mayen der rothen und gelben Schnecken etliche, laͤſſet ſie eine Nacht in ei - nem neuen Topff ſtehen, daß ſie ſich reinigen, darnach thut man ſie in einen andern glaſurten Topf, der unten im Boden viel Loͤcher hat, und ſetzet ihn alsdenn in einen an - dern neuen Topff; wenn der Schnecken zehen oder zwoͤlff, ſo thut man eine Hand voll Saltz darzu, vermachet ſie wohl, daß keine Erde oder ſonſt nichts darein komme; ſetzet den Topff ſo denn in einen Keller, oder in die Erde, wie es ſich ſchicket, laͤſſets acht oder neun Tage ſtehen, ſo wird obge - dachte Salbe daraus. Oder: Man nehme acht Loth Campfer, Hunds-Schmeer, alt Schmeer, Hirſchen-Unſchlitt, Lein-Oel, Ter - pentin und Wachs iedes ein Pfund. Den Campfer reibet man klein, und ſtoͤſſet denn alles zuſammen, darnach laͤſſet man es zergehen, und ruͤhret es ſo lange durch einander bis es kalt wird. H 2So -BuͤrSodann laͤſſet man dem Roß die Haare abſcheren, und ſchmieret ihm den Bug mit der Salbe, haͤlt auch iederzeit ein heiſſes Eiſen da - ran, damit es wohl einziehe, und wiederholt es, ſo offt es die Noth erfordert.
Jſt ein Zeichen, welches der Hirſch in ſeiner Faͤhrte vor dem Thiere beſonders thut, indem er mit dem Ballen die Erde vor ſich druͤckt, und im Fortſchreiten durch ein anderes Zeichen, der Zwang genannt, ſolche wiederum an ſich und aufwerts zwinget, daß es mit - ten in dem Tritte einen kleinen Huͤgel oder Berglein giebet.
Ein Weidmaͤnniſch Wort, und bedeutet das Wild ſowol kleines als groſſes durch gezogene Roͤhre oder Schrot-Buͤchſen faͤllen. Un - ter allen Weidmanſchafften erfor - dert das Buͤrſchen die geringſten Koſten, weil es eine Perſon mit und auch oͤfters ohne Hund ver - richten kan. Wo gute Wildbah - nen ſind, kan man ſich mit Buͤr - ſchen nicht nur einen angenehmen Zeitvertreib, ſondern auch nicht geringen Vortheil machen. Es werden aber dazu erfodert eine gu - te Erfahrenheit und Kentniß aller Vortheile, ein ſcharfes Geſicht, ei - ne ſtete Hand und leiſer Tritt, ein gutes nicht blanckes noch glaͤntzen - des Rohr, Rohr-gerechte Kugeln und rundes Schrot. Jm Win - ter ſoll der Weidmann grau und im Sommer gruͤn gekleidet ſeyn. Auf das hohe Wildpret werden Sultzen geſchlagen, oder an gele -Buͤrgenen Orten in Waͤldern an Ge - haͤgen und Zaͤunen Staͤnde und Schirme gemacht, dabey aufzu - paſſen; denen Fuͤchſen wird bey den Vorhoͤltzern, und den Haſen in den Saat-Feldern aufgepaßt. Der Wind muß niemals von dem Jaͤger gegen das Wild, ſondern von dieſem gegen jenen gehen, denn ſolchergeſtalt iſt die Lufft - und Spur-Witterung dem Wilde be - nommen. Damit alles Wildpret nicht ſo bald den Menſchen ſpuͤre, ſoll der Jaͤger ein Wiſch-Tuch, da - mit der Stall-Knecht den Roſſen, wenn er ſie ſtriegelt, den Staub abwiſcht, wenn er puͤrſchen aus - gehet, um den Leib binden, ſo uͤber - trifft der Geſtanck vom Wiſch-Tuch des Menſchen Geruch, daß er das Wild deſto unvermerckter beſchlei - chen kan. Von der Waſſer - Buͤrſche ſ. an ſeinem Orte.
Wird dasjenige Geld genennet, welches der Jaͤger bey Erlegung eines Stuͤcke Wilds, gegen deſ - ſen Liefferung von ſeiner Herr - ſchafft erhaͤlt: z. E. Vor einen Hirſchen und Haupt-Schwein ei - nen Thaler, von einem Baͤren acht Groſchen mehr; von einem Wolff einen Thaler; von einem Luchs eben ſo viel; von einem Bi - ber ſechzehen Groſchen; von einem Rehe acht Groſchen; von einem Fiſch-Otter zwoͤlff Groſchen; vom Fuchs fuͤnff bis ſechs Groſchen; von einem jungen Fuchs drey Gro - ſchen; von einem Marter und wil - den Katze fuͤnff bis ſechs Groſchen; von einem Jltis vier Groſchen; von einem Wieſel drey Groſchen u. ſ. w.
Sind eine Art von ſchnellen undfluͤch -Buͤrfluͤchtigen Jagd-Hunden, welche gebraucht werden das angeſchoſſe - ne und verwundete Wild zu ver - folgen und einzuholen. Man kan auch wohl Bachen, Rehe und Woͤlffe in lichtem Holtze, ohne daß ſolche angeſchoſſen ſeyn muͤſſen, damit hetzen und fangen, weil ſie gleichſam ſtarcke Wind-Hunde ſind, denen nichts entlauffen kan; wie man ſie denn auch von groſſen Wind-Huͤndinnen, die mit Engli - ſchen Hunden beleget werden, er - zielet. Solche Hunde werden auch Cours-Hunde geheiſſen, und von Jugend auf mit Fleiß dazu gewoͤhnet, daß ſie dem Weide - mann nachkriechen lernen, und ſo der Schuß geſchehen, dennoch dem Wild ohne Geheiß nicht nach lauf - fen doͤrffen, bis man das Ange - ſchoſſene gemercket, nach welchen man ihn denn anhetzet; da denn der Hund mit der Zeit das ge - troffene Wild geſchwind einzu - holen, oder unter einem gantzen Trupp auszuſuchen, und gewalt - ſam nieder zu ziehen lernen wird. Vor hauenden Schweinen aber ſind ſie zu ſchonen, weil ſie von denſelben unfehlbar wuͤrden zu ſchanden geſchlagen werden, ſon - dern man mag lieber hierzu die Sau-Ruͤden, als welche nicht ſo koſtber, gebrauchen. Dieſe Buͤrſch - Hunde werden an Ohren und Schnantz nicht geſtutzet, ſondern ihnen, gleich den Wind-Hunden, dasjenige, was ihnen die Natur gegeben, gelaſſen; man pflegt ſie auch, damit ſie leicht lauffen koͤn - nen, mit trockenem Brot von Ha - ber-Schrote zu fuͤttern, und ih - nen kaͤne dicke Mehl-Suppen, als wovo[n]ſie zu ſchwerfaͤllig wuͤr - den, zu geben. Vor allen Dingen aber nuͤſſen ſie alle Tage ausge -Buͤrfuͤhret werden, damit ſie gaͤnge und fluͤchtig bleiben, zum wenig - ſten muͤſſen ſie in einem groſſen Zwinger frey herum lauffen, und nicht immer beſtaͤndig an Ketten gelegt ſeyn, ſonſten werden ſie in kurtzer Zeit ſteiff und unbrauchbar, und verliegen ſich dermaſſen, daß kein zahm Vieh, ſo ſachte es auch laͤuffet, darmit einzuholen.
Jſt bey einer Koͤniglichen oder Fuͤrſtlichen Jaͤgerey derjenige, dem das gantze Jaͤger-Haus mit dem ſaͤmtlichen Jagd-Gezeug, allen Hunden, Jaͤger-Burſchen, Knech - ten und Buͤrſch-Jungen zu ſeiner Inſpection und Aufſicht anvertrau - et und befohlen ſind, weshalben er auch als Ober-Aufſeher im Jaͤger - Hofe beſtaͤndig wohnen muß, und alles daſelbſt von ihm dependiret. Er wird dahero der Buͤrſch-Mei - ſter genennet, weil er die Herr - ſchafft, das Wild zu buͤrſchen, zur Hirſch-Prunfft-Zeit, oder zur Auerhanen-Pfaltz, oder ſonſt zu anderer Zeit, anfuͤhret. Unter ihm ſtehet der Wagen-Meiſter mit ſeinen Zeug-Knechten, und denen Jagd-Handwercks-Leuten, als dem Jagd-Schneider, Jagd - Schmidt, Jagd-Seiler, Jagd - Wagner, Jagd-Riemer und der - gleichen. Er muß alles Jagd - Gezeug und voͤllige Geraͤthſchafft beſorgen, deshalben hat er auch die Tuͤcher und Netze nach geen - digtem Jagen, wenn alles wieder getrocknet und ausgebeſſert, ſo - gleich gehoͤrigen Orts aufheben zu laſſen, damit dem Zeuge kein Scha - de widerfahre. Er muß ſich von einem ieden Knecht, wegen deſ - ſen unterhabenden Hunden taͤglich rapportiren laſſen, was ſie nem -H 3lichBuͤrlich vor Hunde auf denen Muͤh - len, Schaͤfereyen, Vorwergen und Meiſtereyen liegen haben, wie ſie mit Nahmen heiſſen, was ab - gegangen und was jung worden, ſolches alles ſich auch ſpecificiren laſſen; uͤber die im Jaͤger-Hofe vorhandene Hunde, und was taͤg - lich bey der Fuͤtterung an Brot, Haber-Schrot, Stroh und der - gleichen aufgehet, muß er richtige Rechnung fuͤhren, alles benoͤthig - te darzu bey Zeiten anordnen, und ſolches anſchaffen laſſen, damit nirgend kein Mangel erfunden werde. Daferne zur Tafel oder Hof-Stat, ingleichen zum Depu - tat-Wildpret fuͤr die vornehmen Miniſters etwas ſoll geſchoſſen und geliefert werden, muß er ſeine Burſche zu buͤrſchen beordern und ausſchicken, auch oͤffters wohl be - duͤrffenden Falls ſie auf etliche Meilen durchs gantze Land, in alle Wildmeiſtereyen vertheilen. An theils Hoͤfen pfleget der Buͤrſch - Meiſter auch zugleich des Ober - Jaͤgers Function und Dienſt mit zu verrichten.
Jſt ein gezogenes Rohr oder Kugel-Buͤchſe mit einem deutſchen Schloſſe, und tuͤchtigen gemeinig - lich mit Elfenbein oder Perlen - Mutter ausgelegten Schaffte, welcher einen kurtzen und hohlen nach dem Backen ausgeſchnitte - nen Anſchlag, und darinnen ein Beykaͤſtgen hat, worinnen Lad - Maß, Kraͤtzer und etliche Kugeln mit Pflaſter liegen koͤnnen. Alles Eiſenwerck an ſelbigen muß nicht blanck und glaͤntzend, ſondern blau - licht oder matt im Feuer ange - lauffen ſeyn. Dergleichen Buͤrſch -BuͤrRoͤhre mit deutſchen Schloͤſſern brauchen unſere deutſchen Jaͤger noch bis itzo aus folgenden Urſa - chen: Ein deutſcher Anſchlag, weil er kurtz und nach dem Backen ge - ſchnitten iſt, wird ſich geſchwinder und beſſer anſchlieſſen, auch feſter im Lager liegen als ein anderer, ſo nicht von dergleichen Art iſt. Ein deutſches Feuer-Schloß, obwol das Spannen und Losſpannen des Rades in etwas beſchwerlich iſt, kan nicht eher los gehen, bis der Stein aufgeſetzet worden, und wenn zwiſchen dem Stein und der Pfanne ein Tuch-Lappe geleget wird, bleibet Pulver, Rad und Stein trocken, und kan man nach abgezogenem Lappen gleich losdruͤ - cken. So kan auch ein Schuͤtz in freyer Fauſt, ſo meiſtens vor - faͤllet, nach einem Wild unange - leget buͤrſchen; weil an dem deut - ſchen Schloſſe das Rad mit Schaͤr - fung des Steins unverruͤcket des Ziels weit leichter und unvermer - cket los gehet.
Jſt bey der Jaͤgerey ein beſon - derer Wagen, darauf das bey ei - nem ordentlichen Jagen gefaͤllte oder auch auſſer dem von der Herr - ſchafft, oder, auf anderen Befehl, von dem Buͤrſch-Meiſter gebuͤrſch - te Wild gelegt, und nach Hofe gefuͤhret wird. Bey groſſen Jaͤ - gereyen hat man deren mehr als ei - nen. Jhre Kaſten ſind von Bre - tern gemacht, hinten und vorne mit Aufzuͤgen, um das Wildpret auf - und abzuladen, und mit Oel - Farben gruͤn angeſtrichen, auch einige Baͤren, Hirſche, hauende Schweine, und dergleichen an die - ſelben abgeſchildert. Vornen ſindvierBuivier Ringe auswendig eingeſchla - gen, damit ein Baͤr, Hirſch oder hauendes Schwein, denen dieſe Ehre allein widerfaͤhret, mit klei - nen gruͤnen Leinichen fein ange - bunden werden koͤnne; das andere Wildpret aber wird nur darein ge - leget. Die dazu beſtellten Knech - te muͤſſen gruͤn gekleidet ſeyn, und ein Weide-Meſſer an der Seite, auch wenn ſie einen jagdbaren Hirſch darauf fuͤhren, einen gruͤ - nen Bruch auf dem Hute ſtecken haben. Dieſe Wagen werden nebſt den andern Sachen bey dem Jaͤ - ger-Hofe im Zeug-Hauſe verwah - ret.
Eine Hecke oder Gebuͤſch. Jn der Muſic iſt es, wenn zwey - oder drey-geſchwaͤntzte Noten, zumal in gedruckten Sachen, da iede ihre Striche und Haken beſonders hat, in ſolcher Verwirrung und Ver - knuͤpffung ſtehen, daß ſie einer He - cke oder Gebuͤſche aͤhnlich ſind.
Sind bekandte Hunde, welche kurtze gelblichte Haare, einen di - cken kurtzen Kopf, breite und ſchwartze Schnautze und weiten Rachen haben; ſie ſehen mit den Augen ſehr unfreundlich und laͤu - niſch aus, und ſind nicht ſo hoch von Schenckeln, als ſtarck vom Leibe. Man pfleget ſie gleich am Schwantze und Ohren zu verſtu - tzen, und auf wilde Schweine, Woͤlfe, Luchſen und Baͤren, in - gleichen zur Ochſen-Hatz abzu - richten.
Wird in der Muſic genennet, wenn die Saiten eines Clavichor - dii alſo diſponiret ſind, daß zween verſchiedene Klaͤnge oder Secun - den gehoͤret werden, wenn man zween neben einander liegende dia - toniſche Claves, auch wol einen diatoniſchen entweder mit ſeinem vorhergehenden oder drauf folgen - den chromatiſchen Clave zugleich anſchlaͤget.
Jſt ein kleines Spinetgen oder beſaitetes Schlag-Jnſtrumentgen, auf welchem die Kinder, wegen ihrer kurtzen Finger, zu lernen pflegen.
Ein Fuͤllen, es ſey ein Pferd oder Maulthier.
Schertzhaft, kurtzweilig, wird in der Muſic gebraucht, und heißt z. E. Ouverture burleſque, eine ſolche Ouverture, darinnen nebſt ernſthaften Melodien auch bisweilen kurtzweilige, poßier - liche und laͤcherliche Melodien, ſo aus Qvinten und Octaven beſtehen, angebracht werden.
Wird ein kleiner Wald oder Gehoͤltze genennet, ſo mehr aus kleinen Baͤumen und Geſtraͤuche, als aus groſſen wichtigen Baͤumen beſtehet.
Wird alles dasjenige Gehoͤltze genennet, ſo keinen hohen Stamm treibet, ſondern nur in dem niedri -H 4genButgen bleibet, und ſo wohl dem Wildpret zum Lager und Gehaͤge dienet, als auch zu Hecken, und andern Verzaͤunungen, nicht we - niger, wenn es zu gehoͤriger Zeit abgehauen wird, in Reiß-Buͤndel zum brennen gebrauchet werden kan. Es iſt aber zweyerley Buſch - Holtz: Denn etliches treibt gar keinen oder doch gar ſelten einen ordentlichen Stamm, als der Creutz-Dorn, der Droſſelbeer - Strauch, Hahne-Huͤfften-Anis - oder Zweck-Holtz, der Haſel - Strauch, Hertern, Hollunder, Faulbaum oder Scherpen, Rein - Weiden, Saal-Weiden, allerley Schießbeer-Straͤucher, Schwartz - Dorn, Wachholder-Strauch, Weiß-Dorn ꝛc. etliches aber trei - bet zwar ordentlich einen hohen Stamm, waͤchſet aber auch im Buſch, und wenn es abgehauen, ſo ſchlaͤget es unten aus der Wur - tzel neben dem Stamme immer wieder aus; Dergleichen iſt das Ahorne, Aſpene, Birckene, Weiß - buͤchene, Erlen - oder Ellerne, Eſchenbaͤumene, Kirſchbaͤumene, Linde, Maſſellerne, Pappelweide - ne, Ruͤſterne ꝛc. ſiehe Unter - Holtz.
Jſt eine Gattung eines Raub -ButVogels, gleich einer Rohrd om - mel.
Heißt ein Raub - oder Beut - Pferd; welches im Krieg offt preis gemacht, und dem Uiberwinder zum Raub wird.
Jſt eine runde Scheibe von Holtze eines halben Werck-Schuhes dick, ſo im Centro ein Loch hat, damit ruhet die Scheibe auf einer eiſernen Stange, die oben durch das Loch durchgehet, daß die Scheibe gern auf demſelben um - laͤuffet, an dieſer Scheiben iſt ein eiſerner Ring an der Seiten befe - ſtiget, darein wird eine lange Corde eingeſchnallet, das andere Ende der Corda aber mit einem Feder-Hacken in die Exercitz - Halffter befeſtiget, und dem Pfer - de auf der Naſen angemacht: die - ſe Scheibe dienet zum Umlauff anfaͤnglich fuͤr junge Pferde; iſt aber nicht ſehr mehr im Brauch.
Pflegen alljaͤhrlich acht Tage nach Johannis nach vollbrachter Mittags-Mahlzeit einen Tantz - Reigen fuͤr ſich allein auf oͤffentli - chen Butter-Marckte daſelbſt an - zuſtellen.
C, Dieſer Buchſtabe wird in der Muſic vielfaͤltig gebraucht. Wenn derſelbe in dem General - Baſſe vorkoͤmmt, ſo zeiget er an, daß daſelbſt der Diſcant ſingen werde. C 1, bedeutet den erſten, C 2 aber den andern Diſcant. AufCden Orgeln und andern Jnſtru - menten wird der unterſte c Clavis auch alſo C gezeichnet, und das tieffe c genennet, gleich wie die darauf folgenden das ungeſtriche - chene, das eingeſtrichene, das zwey - und drey-geſtrichene heiſſen; weilſieCſie in der deutſchen Tabulatur alſo:[[figure]]C. c. c. c. c pflegen geſchrieben, und eines von dem andern unter - ſchieden zu werden.
Jſt, wenn die Tertz zum c nicht das weiche e, ſo man fuͤglich es nennen koͤnte, ſondern das rechte und natuͤrliche e iſt.
Heißt in Anſehung des Modi, wenn die Terz zum c nicht e, ſondern es, oder das weiche e iſt. Jn Anſehung des Clavis aber wird C moll genannt, wenn vor dem C clavi ein b ſtehet; da als - denn in Ermangelung des rechten und eigentlichen Clavis auf dem Clavier die Palmula A muß genom - men werden.
Das ſchlechte C iſt, wenn gleich im Anfange eines Syſtematis nach dem Muſic-Schluͤſſel, oder auch anderswo, dieſes Zeichen ſtehet, welches aber eigentlich kein C, ſon - dern ein halber Zirckel iſt; da be - deutet es einen aus 4 Theilen beſte - henden Tact, und zwar, wenn al - legro dabey ſtehet, daß ſolche ge - ſchwinde gehen, dagegen wenn adagio ſich dabey befindet, daß ſolche langſam ausgedruckt werden ſollen. Wenn keines von dieſen beyden Woͤrtern dabey befindlich, iſt allemal adagio darunter zu ver - ſtehen, und ſoll dem Stuͤcke eine langſame Menſur gegeben werden, welche die Jtaliener tempo ordi - nario und tempo alla ſemibreve nennen.
Von den Frantzoſen C barré, coupé, taillé, tranché, genannt,Cabdas durchſchnittene C, oder viel - mehr der durchſchnittene oder von einander geſpaltene halbe Circkel (denn es iſt ein Strich perpendi - cular von oben herunter gerade durch den Circkel gefuͤhret,) zeiget einen gleichen und geſchwin - den Tact an, und wird ſo wohl dem Allabreve oder da Capella in Kirchen-Sachen, als auſſer die - ſen bey Fugen, Bourreen, Gavot - ten ꝛc. gebraucht; da aber immer eine Gattung geſchwinder als die andere tractiret wird.
Ein Laſt - oder Dienſt-Pferd, ſ. Cheval.
Eine Geſtuͤt-Apotheck auf dem Lande, welches ein nuͤtzliches Werck, daß man in Zufaͤllen das benoͤ - thigte gleich haben kan, und nicht erſt weit in eine Stadt ſchicken muß, um die jaͤhen aufſtoͤßigen Pferde zu curiren.
Ein Orgel-Gehaͤuſe, organi muſici armarium. Cabinet por - tatif, Organum portatile ſeu ge - ſtatile, ein Poſitiv, welches fort - getragen werden kan.
Wenn ſich ein Pferd aufbaͤumet, hoch erhebt, und ſich allein auf die hintern Schenckel ſtellt, daß es in Gefahr kommt, ſich nebſt dem Reuter zu uͤberſchlagen; welches eines von den groͤſten Laſtern iſt, und von dem allzufruͤhen Leviren herkoͤmmt, welches nachgehends zu einer boshafften Gewohnheit wird.
Nennen die Toſcaner ein Brumm-Eiſen oder eine Maul - Trummel.
Heißt des Pferdes Fehler ver - bergen. Ein Reuter ſoll ſeine mit des Pferdes Maͤngeln, Unwillen und Zorn, vor den Zuſehern, wel - che Kenner und Beurtheiler der Reit-Kunſt ſind, verbergen, auch nicht durch verdiente Straffe ie - derzeit ſelbſt entdecken, ſondern ſol - che lieber auf eine andere Zeit ver - ſchieben, doch nur zu Zeiten erſchei - nen laſſen, daß er zeigen koͤnne, was auf iedes Verbrechen fuͤr eine Correction ſich ſchicke.
Jſt ein auf den Tantz-Boͤden ſehr bekandtes Wort, da nemlich der Tantzende den Tact der Muſic genau in Acht nehmen, ein gutes Gehoͤr haben, und ſeine Pas und Coupées darnach einrichten muß, daß ſolche mit dem Striche der Violin genau uͤbereinkommen, und kunſtmaͤßig angebracht werden, ſintemal die Verlierung der Ca - dantz eine der groͤſten Unzierden im Tantzen iſt; daher die Cadantz vor allen Dingen den Scholaren wohl beyzubringen.
Jſt ein unumgaͤnglich noͤthiges Stuͤck. Denn da muͤſſen alle Tritte und Schritte, Minen und Geberden, ſie moͤgen mit dem Kopfe, Augen, Munde, Haͤn - den, Fingern, oder mit dem gan - tzen Leibe geſchehen, aufs allerge - naueſte nach dem Tact und Pro - portion der Cadentz, das iſt, nach der ordentlichen Folgung derCadStimmen in der Melodie, einge - richtet, und in menſura, tempo und pondere regelmaͤßig verrich - tet werden, weil dieſes gleichſam das Leben und die Seele eines Ballets iſt, und ohne ſelbiges al - les todt und unvernuͤnftig durch einander gehet. Menſura aber iſt hier die Diſtantz von einem Fuſſe, Hand oder andern Gliede zu den andern Gliedern durch alle Bewegungen proportionirlich durch; naͤchſt dem heiſt es auch die Diſtantz von einer Perſon zur an - dern durch alle Tantz-Glieder durch; und dieſe Diſtantzen ſind nach den Regeln der Geometrie uͤberhaupt wohl in acht genom - men, wenn keine Ungeſtalt gemacht iſt, und man ohne Muͤhe von ei - nem Fuſſe oder Orte zum andern kommen kan. Pondus dagegen iſt das Gewichte oder die Schwe - re der Glieder, welche dergeſtalt im Gleichgewichte muͤſſen geſtellet und gefuͤhret werden, damit ſie in den Actiónibus nicht hinderlich fallen, und endlich die gu - te Stellungen dadurch verhindert werden. Endlich iſt Tempo uͤber - haupt eine Maſſe der Waͤhre oder Dauerung der Zeit, darinnen eine von vielen kleinen Bewegungen zuſammrn geſetzte Handlung ver - richtet wird; Tempus præſens aber iſt Momentum, da alle Augenbli - cke das Præteritum dahin iſt, und das Futurum noch kommen ſoll, und begreiffet die Zeit einer ieden allerkleineſten Bewegung in ſich.
Dieſe zu begreiffen, iſt zu wiſ - ſen, daß alle Melodien bey der Courante aus einem ungleichen oder Tripel-Tacte beſtehen, undzwarCadzwar aus zwey Drey-Viertel - Tacten; ferner, weil allemal nach 6 Viertel-Noten ein Abſchnitt in der Melodie gehoͤret wird, und auch allemal das Porte les Bras in einer iedweden ſolchen Zeit geen - diget und wiederholet wird, daß ſich der Sechs-Viertel-Tact am beſten darzu ſchicke. Weiter daß ein ieder Pas ſimple, als Pas ten - du, Pas grave, ſowol die gantze Coupé, ob ſie gleich aus zwey ein - tzeln Univerſal-Schritten beſtehet, als auch die halbe Coupé in drey Viertel-Noten abſolviret werde. Hernach daß die Cadence ſowol bey dem kurtzen als langen Pas compoſé im Heben beobachtet werde, nem - lich bey dem kurtzen im Heben bey dem Pas grave, u. bey dem langen im Heben bey der gantzen Coupé. Ge - ſchiehet alſo das Beugen im Auf - Tact, und das Heben in der Ca - dence; welches auch in allen an - dern Taͤntzen beobachtet werden muß. Eben dieſes iſt bey dem Porte les Bras auch zu mercken. Denn wie man mit dem ſechſten Viertel, das iſt, mit der voͤlligen Cadence, beyde Knie beuget: Alſo laͤſſet man auch zugleich mit dieſer Beugung und Tact-Zeit entweder beyde Arme zugleich, oder auch nur den einen vorfallen, nachdem man nemlich die Courante an oder von der Hand tantzet. Und wie man mit dem Niederſchlage beyde Knie hebet, alſo hebt man auch die Arme zugleich mit, und fuͤhret ſie ſo lan - ge, als der Sechs-Viertel-Tact dauret, auf die Seite. Sodann iſt bekandt, daß gemeiniglich in al - len Couranten-Melodien bey dem Anfange des Sechs-Viertel-Ta - ctes entweder ein halber Schlag mit dem Puncte ſich findet, und alſo daſelbſt allemal ein laͤngersCadund ſchaͤrfers Gehoͤre mit einem Triller, Ruck oder Nachklange ge - hoͤret wird; da ſich hingegen der andere Drey-Viertel-Tact nur mit einem Viertel oder gar 2 Hal - ben-Viertel-Noten anhebt: Daß alſo ein ieder, wo das ſcharfe Ge - toͤne angehet, gar leicht die Caden - ce vernehmen kan. Bey ſolchem ſcharfen Getoͤne, das iſt, mit dem neuen Sechs-Viertel-Tacte hebet man ſich allezeit aus der bey dem alten Tacte geſchehenen Beugung, und ſtreichet folglich mit dem an - dern Fuſſe. Und das geſchiehet in dem kurtzen Pas compoſé, als welches nur eine Beugung hat, bey dem Pas grave, und bey dem langen, allwo iederzeit zwey Mou - vements, als die halbe und gantze Coupé vorkommen auf der gantzen Coupé. Und kan man alſo gar leicht hoͤren, wo man heben und ſtreichen muͤſſe. Endlich muß in der Reverence, wie in denen bey - den Haupt-Pas bey den erſten Drey-Viertel-Noten, wo die Melodie etwas toͤnet, ſteiff geſtri - chen werden. Von der Cadence bey der Reverence, voyez Reve - rence de Courante.
Jſt eine Proportion und eine gleiche Eben-Maaß, die ein Pferd in allen ſeinen Bewegungen in Acht nehmen muß, wenn es dreßirt iſt, daß es alle Lectiones und Schulen in ihrer geſetzten Richtigkeit wohl mache, daß eines von dieſen Tem - pi einmal nicht mehr Erde faſſe, als das andere, nicht ein Satz hoch, der andere niedrig, einer langſam, der andere geſchwinde ge - macht, ſondern recht nach dem Tact und der Cadantz geſchehe.
Caden -Ein Stimm-Fall, Geſang - oder Harmonie-Schluß, welcher die - net, ein muſicaliſches Stuͤck ent - weder gaͤntzlich, oder nur zum Theil zu endigen. Solches ge - ſchiehet ordentlich auf einer von den Noten derjenigen Triadis harmo - nicæ, woraus das vorhabende Stuͤck gehen ſoll; auſſerordentlich aber auch auf andern Noten, welche nicht in dergleichen Triade enthalten ſind. Weil nun viele Schluͤſſe und Abſaͤtze den Lauff des Geſanges hemmen; ſo ſoll ei - ne wohlflieſſende Modulirung, nur wenig Cadenzen haben, auſſer wo eine ausdruͤckliche und gute Abſicht dabey gefuͤhret wird, wie denn un - ſre Choral-Lieder, deren doch ei - nige ſehr ſchoͤne Melodien aufwei - ſen, ob ſie gleich kaum den Spren - gel der Qvint erfuͤllen, faſt aus lauter Cadenzen beſtehen. Gut, noͤthig und ſchoͤn iſt es, wenn man gleich im Anfange, einen Haupt - Schluß in die Endigungs-Note vornehmen kan, weil der Zuhoͤrer dadurch von der gantzen Ton-Art berichtet wird. Auch iſt es gut, wenn bald im Anfange der getheil - te Dreyklang oder die Trias ſich in gleicher Abſicht〈…〉〈…〉 hoͤren laͤſſet. Es giebt derſelben vielerley Arten, als da ſind:
Eine Cadentz, da der Baß, an ſtat in die Qvart zu ſteigen, oder in die Qvint zu fallen, entweder um einen Ton, oder auch nur um ein Semitonium hinauf, oder um eine Tertz herunter ſteiget.
Eine Cadentz, ſo auf dem obern Sono einer Triadis harmonicæ for - miret wird.
Jſt ein doppeltes oder vielmehr variirtes Trillo oder Tremblement. Es wird hier aber das Accidens bey einer Cadentz fuͤr die Sub - ſtantz ſelbſt ausgegeben, und nen - nen die Frantzoſen ihr Tremble - ment abuſive eine Cadentz. Wenn auch die Welſchen Saͤnger dop - pelte und dreyfache Cadentzen von 2, 3, 4 bis 8 Tacten machen; ſo iſt hierunter dasjenige Moduliren, welches vor der Cadentz hergehet, und gleichſam den Weg dazu bah - net, zu verſtehen, es ſey ein ſolches von dem Componiſten aufgeſchrie - ben, oder werde von dem Saͤnger aus dem Stegereif gemacht.
Eine fremde Cadentz, welche in den Modum eines muſicaliſchen Stuͤckes nicht eigentlich gehoͤret.
Eine auſſer dem Modo ange - brachte Cadentz.
Eine Cadentz, welche im mitt - lern Sono einer Triadis harmoni - cæ gemacht wird.
Die Welſchen nennen ſie Ca - denza d’ inganno, eine betruͤgen - de Cadentz, ſie iſt, wenn an ſtat der Schluß-Note, welche das Gehoͤr natuͤrlich erwartet, eine gantze oder halbe Tact-Pauſe ge - ſetzt wird.
Eine Altiſirende Cadentz.
Diſcantiſirende Cadentz heiſſet, wenn die in einer Formal-Cadentz ſonſt gewoͤhnliche, nemlich aus der Qvart und Tertz beſtehende Di - ſcant-Clauſel in der Fundamen - tal-Stimme oder in dem Baſſe an - gebracht wird.
Eine zuſammen geſetzte oder ex - tendirte Cadentz iſt, wenn in ei - nem Qvatuor die Grund-Stimme zwar nur aus zwo entweder um eine Qvint herunter fallenden, oder um ein Qvart aufſteigenden Noten beſtehet; zwo von den uͤbri - gen Stimmen aber uͤber der letzten Note ohne eine, mehrere Noten anbringen oder hoͤren laſſen. S. Cadenza compoſta.
Heiſſet bey den Frantzoſen Ca - dence evitée, feinte, bey den Wel - ſchen aber Cadenza ſfuggita, finta, und bey uns eine verſtellete Cadentz oder Schlußmachung, und iſt 1) wenn der Baß, an ſtat daß er um eine Qvart ſteigen, oder um eine Qvin[ te] herunter fallen ſollte, einenCadandern Weg nimmt, und indem die uͤbrige Stimmen alles zur rechten Cadentz gehoͤrige veranſtalten, ent - weder in die Tertz herunter, oder um einen Ton, oder Semitonium, in die Hoͤhe unvermuthet gehet, und alſo ſeinen ſonſt gewoͤhnlichen Progreß vermeidet. 2) Wenn die Grund-Stimme den Qvint - oder Qvart-Sprung machet, die Ober - Stimmen aber nicht das ihrige und zu einer rechten Cadentz noͤ - thige beobachten, ſondern ſtat der ſcharffen Tertz die weiche, und in Tenoriſirenden Cadentzen ſtat der ſcharfen Sext die weiche hoͤren laſſen.
Frantzoͤſiſch Cadence imparfaite oder attendante, Jtalieniſch Ca - denza imperfetta, Deutſch eine unvollkommene Cadentz genannt, iſt, wenn in der Qvint einer Tria - dis harmonicæ aufwerts geſchloſ - ſen, und der ſonſt darauf folgen - de Clavis, als die rechte Schluß - Note, erwartet wird.
Cadence irreguliere Frantzoͤſiſch und Jtalieniſch Cadenza irregola - re genannt, iſt, deren Endigungs - und Schluß-Note keine von den Eſſential-Chorden desjenigen Mo - di iſt, aus welchem man arbeitet.
Die Frantzoſen nennen ſie Ca - dence parfaite, die Welſchen Ca - denza perfetta, und wir Deutſchen eine vollkommene Cadentz; ſie iſt aber, wenn in der herunterwerts ſpringenden Qvinte geſchloſſen wird. Dieſe Art alleine verdie - net mit Recht den Nahmen einer Cadentz, welchen ſie von cadendo oder Fallen hat; dahingegen alleandereCadandere Arten, nur eigentlich Stimm-Spruͤnge und Gaͤnge ſind.
Frantzoͤſiſch Cadence reguliere, Jtalieniſch Cadenza regolare, iſt die Cadentz, welche auf die Eſſen - tial-Chorden eines Modi faͤllet.
Jſt die oben beſchriebene Caden - tia compoſita. Wenn im Baſſe die Nota penultima ein Semibre - vis im ordinaͤren Tacte iſt, und uͤber ſolcher in den andern Stim - men vier Viertel zu ſtehen kom - men, ſo heiſt es eine Cadenza com - poſta maggiore, eine groſſe zu - ſammen geſetzte oder extendirte Cadentz. Jn einem proportionir - ten Tacte muͤſſen zu dieſer Cadentz - Gattung 2 Tacte genommen wer - den, weil einer allein dazu nicht hinlaͤnglich iſt. Jſt aber gedachte Nota penultima im Baſſe nur ei - ne Minima, und ſind uͤber ſolcher nur 2 Viertel angebracht worden, ſo iſt es eine Cadenza compoſta minore, eine kleine zuſammen ge - ſetzte Cadentz. Werden die ge - dachte Semibrevis und Minima in ſolchen Faͤllen in kleinere Noten zergliedert vorgeſtellet, ſo entſtehen daher im erſten Fall die Cadenza compoſta maggiore diminuita, im andern aber die Cadenza compoſta minore diminuita.
Eine ausgeſchmuͤckte Cadentz wird genennet, die in viel kleine Noten getheilet wird. Solches kan ſowol in der Grund-Stimme, als auch in den obern Stimmen geſchehen.
Cadentia ſimplex, Cadence ſim - ple, eine ſchlechte Cadentz heiſſet diejenige, deren Noten in allen Stimmen der Geltung nach ein - ander gleich ſind.
Eine um einen Grad herunter - werts gehende, ſchlechte oder Te - noriſirende Cadentz.
Jſt das juͤngere Haupt der Fa - milie, der juͤngere Sohn, welcher noch einen aͤltern vor ſich hat, Lat. generoſæ ſtirpis natu minor. Weil nun die juͤngſten Bruͤder der ade - lichen Geſchlechter, entweder aus Mangel der Guͤter, oder damit ſolche nicht ſo ſehr geſchwaͤchet wuͤrden, ihr Gluͤck entweder durch den Degen oder durch die Feder ſuchen muͤſſen; viele auch unter denſelben weder zu dem geiſtlichen Stande, noch auch zu den Stu - diis, einige Neigung bey ſich ſpuͤ - ren: So erwehlen ſie den Solda - ten-Stand, um ihren angeerbten Adel dadurch zu behaupten, und den Ruhm ihrer Haͤuſer zu ver - herrlichen. Dahero iſt es denn gekommen, daß man die Com - pagnien im Kriege, oder die Leib - Garden, welche aus jungen Edel - leuten beſtehen, Cadets nennet. Verſchiedene groſſe Herren haben deßwegen in ihren Reſidentzen Cadetten-Schulen angelegt, da - rinnen die jungen Edelleute erzo - gen, und in den Kriegs-Exerci - tien, Sprachen und Wiſſenſchaff - ten meiſt auf des Lands-Herrn, auch zum Theil auf ihre Unkoſten un -ter -Caͤſterrichtet werden, daß ſie bey er - wachſenen Jahren als geſchickte Officiers unter der Militz employi - ret werden koͤnnen. Jn denen Staaten, welche die Schiffahrt treiben, findet man auch Cadets zur See, welche zu der Mathema - tic und ſonderlich zu der Schif - fahrts-Kunſt angefuͤhret werden, um ſie in der Seefahrts-Kunſt geſchickt zu machen, da ſie denn hernach als Officiers zur See ſich gebrauchen laſſen.
Muſicaliſcher Durchſchnitt, iſt ein kleiner Unterſchied, vermit - telſt deſſen der Progreſſus Nota - rum ein wenig gleichſam gehemmet wird. Solches geſchiehet entwe - der mit einer etwas laͤngern Note, oder einer kleinen Pauſe, welche die Clauſulam formalem in etwas nachahmen. Sonſten bedeutet es auch einen Theil der Section, welcher von ſeinem vorhergehenden oder folgenden mit itztbeſchriebe - nem Unterſchiede abgeſondert wird. Cæſuræ relativæ, ſind welche einander an der Zeit und modo progrediendi gleich ſind.
Jſt ein Erd-Vogel, welcher ſeinen Auffenthalt in fetten Korn - Feldern und mit langem Gras be - wachſenen Wieſen hat, und faſt wie ein Rebhun geartet iſt. Am Kopff und Ruͤcken hat ſie faſt gaͤntzlich die Farbe einer Lerche, auſſer, daß ſie am Hals herum etwas heller ausſiehet. Die Maͤnnlein ſind an der Kehle theils braun, theils ſchwartz, und gehet dergleichen Strich halb um den Hals hinum. An der Bruſt ſind die Maͤnnlein gantz Weitzen-farb, davon aber die Weiblein wenigCaioder gar nichts haben; weiter un - ten am Bauch ſind ſie weiß-grau; der Schnabel iſt bey etlichen Maͤnnlein im Sommer kohl - ſchwartz, bey etlichen aber iſt er nur dunckel-braun, und die Fuͤſſe ſind weißlicht. Das Weiblein iſt am Kopff und Ruͤcken faſt wie das Maͤnnlein, nur in etwas dunck - ler, am Schnabel iſt es weißlicht, an der Bruſt aber dunckel-weiß oder ſchwartzduͤpplicht. Die Ge - ſtalt der Wachtel, dem Gewaͤchſe nach, iſt aͤuſſerlich anzuſehen, wie alle Huͤner-Arten, und an der Groͤſſe einem Krammets-Vogel zu vergleichen: Denn ob derſel - bige wegen ſeiner hohen Beine gleich viel hoͤher ausſiehet, als die Wachtel, wenn ſie neben einan - der ſtehen, ſo wird doch an der Dicke und Laͤnge des Leibes, nach hinweggenommenen Federn, kein groſſer Unterſchied zu ſehen ſeyn. Die Wachtel wird im Zimmer ſo zahm, daß ſie, wenn man ſie recht wartet, nemlich, wenn man ihr nicht nur Weitzen, ſondern auch allerhand Saamen und Salat giebt, wie ein Haus-Hun herum laͤuffet, auch Eyer leget, und, wel - ches wenig andere Voͤgel thun, fremde Junge aufziehet. Jhr Schlagen oder Ruffen, daß nur im Sommer bey dem Maͤnnlein anders, als bey dem Weiblein, im Winter aber uͤberein lautet, kom - met einigen verdruͤßlich und unan - genehm vor, andere aber hoͤren es gerne, und haben ein ſonderbares Vergnuͤgen daran. Die Wach - tel, wenn ſie noch ſo zahm, ja, wenn ſie ihr Lebtag nicht in dem Feld geweſen iſt, nimmt doch von Stund an, da ſie ins Gras koͤmmt, ihre natuͤrliche Wildig - keit an. Kein Vogel bruͤtet ſpaͤterimCaiim Jahr, als die Wachtel. Viele verrichten erſt im September ihre dritte Brut. Sie legen zehen bis vierzehen Eyer, und dieſes iſt was beſonders an ihnen, daß Maͤnnlein und Weiblein nicht beyſammen bleiben, ſondern, ſo bald das Weiblein Eyer legt, ſo bald ſucht auch der Han ein ander Weiblein, und kommt nicht mehr zu dem vo - rigen. Sie ſind uͤberaus leicht aufzubehalten; iedoch, wenn ſie recht friſch bleiben, und etliche Jahr nach einander ſchlagen ſol - len, brauchen ſie gute Wartung. Die Junge, wenn ſie nur acht Tage alt ſind, bedoͤrffen lang nicht ſo viel Muͤhe, als junge Rebhuͤ - ner, die ohne Ameis-Eyer nicht aufzubringen ſind, ſondern ſie neh - men mit gehackten Eyern und Hir - ſen vorlieb, wenn ſie nur von ih - rer Mutter, oder von einem an - dern Weiblein (denn faſt ein ie - des nimmt ſich fremder Jungen an) gefuͤhret und bedecket werden: Aber den erſten Tag, da ſie aus - kriechen, und bis etwan auf den vierzehenden oder funffzehenden Tag ſollen ſie billig friſche Ameis - Eyer bekommen, wenn man die gantze Schaar aufbringen will. Es iſt ein geiler Vogel, ſo gar, daß er aus blinder Begierde oͤff - ters eine vorkommende Kroͤte an ſtat des Huns tritt, und wenn er ſich in einem Spiegel erblickt, aus gleichem Triebe zulaͤufft, und in denen ihme gelegten Schlingen ſich verſtricket. Sie kommen erſt im May zu uns, und ſind von ſolcher Zeit an, bis in den Auguſt am beſten mit dem Ruff und Steck-Gaͤrnlein, oder noch mit mehr Luſt, vermittelſt, vorſtehender Hunde, in denen Wieſen mit dem Tiraß zu fangen. Die NahrungCaider Wachteln beſtehet in Weitzen, Hirſen, Salat und Kraut-Saa - men, womit ſie ſich ſo fett maͤſten, daß ſie zur Zeit ihres Striches oft vor Fettigkeit nicht zu fliegen ver - moͤgen; ſie ſtreichen aber im Herbſt in aller Stille fort, und zwar mehrentheils im September, alſo, daß deren wenige den October er - warten. Wenn man ſie in einem Kaͤfig halten will, welches man mit den Hanen, um ihres Schla - gens willen, gerne thut, muß der - ſelbe oben offen, und nur mit ei - nem Tuch bedeckt ſeyn, dieweil ſie ſich ſonſt die Koͤpffe zerſtoſſen. Das Fleiſch der Wachteln iſt zwar von den Alten vor ungeſund und ſchaͤd - lich gehalten worden, denen aber von den Heutigen widerſprochen wird, abſonderlich geben die junge eine ſehr niedliche Speiſe. Der Wachtel-Fang mit dem Ruff wird auf vielerley Weiſe in Feldern und Wieſen vorgenommen; wenn er aber recht vollkommen ſeyn ſoll, muß er in einer Ebene folgender Geſtalt angeſtellet werden: Der Jaͤger oder Wachtel-Faͤnger leget ſich mit dem Wachtel-Ruff in das hohe Gras, oder halb-gewachſene Getraide auf die Erde: Ohnge - fehr zehen Schritt von ihm auf beyden Seiten haͤnget man an Stoͤcke oder Pfaͤhle, etwan andert - halb Ellen hoch von der Erde, zwey Lock-Weiblein in Vogel-Haͤuſern, die wie Hand-Koͤrblein geſtaltet ſind; zween Schritte auſſer denſel - ben ſtehen auf vier Seiten Flug - Gaͤrnlein an Stoͤcken oder Furckeln hangend, nur zween Schritt von dem im Graſe liegenden Jaͤger ſtecken rings um ihm her Wachtel - Steck-Gaͤrnlein, und er ſelbſt iſt mit einem Tiraß uͤberzogen. Auf dieſe Weiſe koͤnnen gar leicht in ei -nerCainer Stallung, deren ſich doch in einem Abend wohl zwo machen laſſen, funffzehen bis zwantzig Wachteln gefangen werden, wel - ches den Sommer uͤber ein groſſes austraͤgt. Sonſten wird der Wachtel-Fang auch auf folgende Weiſe angeſtellet: Man ſetzet acht bis neun, auch wohl mehr Wach - tel-Haͤne oder Maͤnnlein ſchon im Martio in kleine Koͤrblein, in die man ſonſten die Weiblein thut, wenn man die Maͤnnlein im Som - mer damit fangen will, und laͤſſet alſo dieſe zur Lock eingeſtellte Maͤnnlein ihre Koͤrblein den Mer - tzen und April hindurch wohl ge - wohnen; hernach, wenn ſie in dem May anfangen wollen zu ſchlagen, das Koͤrblein aber ſo gewohnet ſind, daß ſie im Finſtern ihr Freß - und Trinck-Geſchirrlein finden koͤnnen, berupfft man ſie an Fluͤgeln, und ſonſten hin und wie - der, und ſetzt ſie in einen kuͤhlen Keller, darinnen man ſie bis Bar - tholomaͤi ſtehen laͤſſet. Jnzwi - ſchen etwan vierzehen Tage vor - her ſaͤet man an einem zum Wach - tel-Strich beqvemen Ort, ein paar in der Laͤnge hin liegender Acker oder Tagwerck, mit Haber oder anderem Getraide; ſolchen Fleck Getraide umſtellet man auf einer ſchmalen Seite, und zu beyden langen Seiten die Helffte, oder doch den dritten Theil, der Laͤnge herunter, mit einem auf die Wach - teln gerichteten Hoch-Garn, wel - ches aber ſonſt wie ein Hoch-Garn, das man auf die Rebhuͤner brau - chet, geſtaltet ſeyn ſoll. Doch iſt nicht noͤthig, daß das Garn ſo hoch ſtehe, als die Hoch-Netze, welche auf Huͤner und Schnepffen ge - richtet werden, und braucht es vor die Wachtel kaum halb ſo vielCalGarn, als vor dieſe, auſſer daß, weil die Maſchen viel enger ſeyn muͤſſen, bey dem Stricken dennoch viel Zwirn aufgehet. Die in dem finſtern Keller ſtehende Wachteln nun ſetzt man um Bartholomaͤi wieder ans Licht, doch nicht an die Sonne, und haͤnget ſie, wenn der Wachtel-Strich anfaͤnget, vier - zehen Tage nach Bartholomaͤi, oder, daferne es bald reiffet, auch wohl ehe, an hohen Stangen zu beyden Seiten des angeſaͤeten Fel - des herum, da ſie denn ſo balden anfangen, die gantze Nacht hin - durch begierig zu ſchlagen, mit welchem ihrem Schlagen ſie ſon - derlich des Morgens vor anbre - chendem Tage verurſachen, daß die Strich-Wachteln in das nun - mehr heran wachſende Getraide haͤufig einfallen, und man faſt alle Tage, wenn man nach der Son - nen Aufgang hinaus gehet, in mehr bemeldetem Acker uͤber hundert Wachteln antrifft. Dieſe zu fan - gen, gehen ihrer etliche unten, wo kein Garn ſtehet, mit Spiß-Ru - then hinein, und treiben die Wach - teln alle gegen dem obenſtehenden Garn zu, ſo, daß der Fang kaum eine Viertel-Stunde waͤhret, aber doch manchen Tag, ſo ertraͤg - lich, als luſtig iſt. Es machen ſich zwar einige Weid-Leute Be - dencken, die Wachtel-Hanen im Fruͤhling wegzufangen, in Mei - nung, ſie thun dadurch Schaden an der Brut, aber ſie haben der - gleichen nicht zu beſorgen: Denn die Hanen, welche Hennen haben, lauffen nicht, die aber keine Hen - nen haben, bleiben nicht in der Revier, ſondern verſtreichen.
Soll ein Laconiſcher Tantz undRitter-Lexic. JTantz -CalTantz-Lied geweſen ſeyn, ſo in dem Tempel der Dianæ Derrhiatidis ge - braucht worden.
Jſt die Abnehmung oder Abhang eines erhabenen Erdgrundes, oder kleinen Erhoͤhung und Sandhuͤ - gels, von welchem man oͤffters ein Pferd abgehen laͤſſet, und ſetzet es in Falcaden oder Courbetten, daß es lerne die Huͤffen biegen, und ſei - ne Parade, (mit Huͤlffe der dicken Schenckel und Anhaltung des Ca - vezons) wohl zu machen; denn ſonſten wuͤrde es ſich gantz auf die Schultern verlaſſen, und die An - cken nicht brauchen.
Eine Rohr-Pfeiffe; Calamau - les, der eine ſolche Rohr-Pfeiffe blaͤſet.
Bedeutet gleichfalls eine Rohr - Pfeiffe, und ſollen ſich die Schwei - tzer derſelben annoch im Kriege be - dienen. Einer, der darauf blaͤ - ſet, wird Calamellarius genennet.
Heißt ein iedes Rohr, und ſo - dann eine aus Rohr verfertigte Pfeiffe.
Eine Gattung Schalmeyen mit zwo Klappen, vermittelſt deren Niederdruckung der Wind durch zwey gerade gegen einander uͤberſte - hende Loͤcher faͤhret.
Wird bey den Orgel-Wercken der Balgen-Treter genennet.
Jſt an den Orgeln ein Zug, wo - durch dem Balgen-Treter dasCalZeichen gegeben wird, er ſolle die Baͤlge treten.
Jſt ein halb durchſichtiger Stein, einer dunckelfeurig rothen Farbe und hart, und iſt billig un - ter die Rubinen zu rechnen. Die Orientaliſchen ſind die beſten, und faſt einer Purpur - und Him - melblauen Farbe, mit weiß ver - miſcht; etliche haben eine annehm - liche Roͤthe, und wenn ſie gegen die Sonne gehalten werden, ſtel - len ſie gleichſam durch den Wie - derſchein ihrer Farben einen Re - genbogen vor. Die Chalcedonier werden ſonſt zu Petſchafften oder Siegeln gebraucht, weil ſie rein abdrucken, und kein Wachs an ſich ziehen. Seiner wird gedacht Apoc. 21, 19.
Dieſer Terme iſt von den Jta - lieniſchen Bereutern eingefuͤhret worden, und will ſo viel ſagen, das Pferd macht ſich los mit ei - nem Streich zu Ende einer Re - priſe oder Wiederholung.
Jſt ein gewiſſes ſolennes Bal - lonen-Spiel in Jtalien, welches von den jungen Edelleuten des Winters in den Staͤdten, ſonder - lich im Florentiniſchen gehalten wird. Sie theilen ſich in zwey Parteyen, deren iede durch eine be - ſondere Farbe des rothen und gruͤ - nen Bandes unterſchieden wird. Dergleichen Spiele ſiehet man faſt alle Tage von Epiphania bis zu En - de des Carnevals, und eine iede Par - tey erwehlet ſich einen Principe di Calcio, welcher ein junger Ca - vallier und von gutem Vermoͤgen iſt. Dieſe Printzen erwehlen ſicheineCaleine groſſe Anzahl Officiers und Beamten, beſtellen ſich gewiſſe Logimenter zu ihrer Hofhaltung, berathſchlagen ſich mit ihren Be - dienten, ſchicken Geſandten an ein - ander, beſchweren ſich uͤber des an - dern Unterthanen, und wenn ſich dieſe beyde Printzen nicht verglei - chen koͤnnen, wird der Krieg aus - geblaſen, und ein groſſes Volck in der Stadt gegen einander aufge - bracht, da denn die beyden Prin - tzen vor dem Groß-Hertzog eine Schlacht zu halten, mit einer ſtat - lichen Cavalcade auf einem oͤffent - lichen Platze zuſammen kommen, und in ſchoͤnſter Montirung und Liverey ihre Parade vor dem Her - tzog machen. Wenn dieſes ge - ſchehen, gehen ſie in ihre Schran - cken, ſtellen ſich in Poſitur, und ſetzen beyde ihre Eſtandarte vor des Hertzogs Thron, worauf der Ballon in das Mittel gebracht und ge - ſchlagen wird, da denn derjenige deſſelben Tages Uiberwinder blei - bet, welcher den Ball uͤber die andere Seiten der Schrancken ſtreicht. Dieſer holt alſobald ſei - ne Eſtandarte wieder, und laͤſt ſich alsdenn nebſt dem Frauenzimmer wohl tractiren, mit welchem allein ſeine Bediente tantzen, und dem - ſelben aufwarten muͤſſen.
Wird von den Spaniern das muſicaliſche Zeichen genennet, wel - ches die Welſchen Corona heiſſen; ſeine Figur iſt �
Ein ſcharff Naſenband, wie ein halber Circkel mit einem oder zwey Gewerben, und iſt hohl in der Mitten, auch wohl mit eingefeil - ten Zaͤhnen, mit 2 langen Schleiff - Zuͤgeln verſehen, welche an demCamSattel angeſchleifft werden, um den plumpen Pferden die Haͤlſe ſouple und biegig zu machen. Es giebt eine treffliche gute Wir - ckung, wenn ſie aber unrecht ge - braucht werden uͤberzaͤumen ſie die Pferde zu ſehr unter ſich in Bo - den; iſt derohalben hier die Mit - tel-Straſſe zu beobachten.
Jſt unter den vierfuͤßigen Thie - ren, ſo geſpaltene Klauen haben, wol das groͤſſeſte und hoͤchſte Thier, hat einen ſehr langen und geſchlan - cken Hals, kleinen Kopf, einen Puckel auf dem Ruͤcken, knorrich - te und hohe Schenckel. Es ſind ſonſt zahme Thiere; koͤnnen auf einmal 16, 18, bis 20 Centner auf ihren Ruͤcken tragen, und werden daher von den Tuͤrcken zu Fort - bringung allerhand Kriegs-Ruͤ - ſtung gebraucht, auch von Kauf - leuten auf der Reiſe durch groſſe Wuͤſteneyen mit gefuͤhrt, weil ſie ſich mit ſchlechtem Futter vergnuͤ - gen laſſen, und 9 Tage Durſt lei - den koͤnnen; wenn ſie in der Brunſt ſind, bleiben ſie faſt 40 Tage oh - ne Eſſen und Trincken; das Weib - gen traͤgt ſeine Frucht 11 Monat lang. Die Pferde fuͤrchten ſich vor den Cameelen, und koͤnnen auch ihren Geruch nicht vertragen. Die Cameele gehoͤrten vor deſſen zu dem Reichthum der Morgen - laͤndiſchen Voͤlcker, wie an denen Patriarchen und Hiob zu ſehen. Job. 1, 3. Jhr Fleiſch iſt zwar un - verdaulich, ihre Milch aber wird fuͤr die beſte und ſuͤſſeſte nach der Mutter-Milch gehalten. Die Haare werden zur Kleidung ge - nommen, ſintemal Johannes der Taͤuffer ein Kleid von Cameel - Haaren hatte. Einige wollen aberJ 2ſagen;Camſagen; daß ſich Cameelhaar un - moͤglich ſpinnen und wircken lieſſe. Die Araber richten ihre Cameele folgender Geſtalt zum Tantzen ab: Sie ſperren ein junges Cameel in einem eingeheitzten Orte ein, und machen das Pflaſter des Zimmers ziemlich heiß. Auſſerhalb deſſel - ben wird eine Paucke geruͤhret, un - ter waͤhrender Zeit das Thier ge - zwungen wird, einen Fuß um den andern aufzuheben. Wenn es nun etliche Monate darzu ange - woͤhnet worden, und hernachmals im freyen dergleichen Paucken - Schall hoͤret, ſo faͤngt es von ſich ſelbſten mit gleicher Bewegung auch auf den kalten Pflaſter-Stei - nen an zu tantzen.
Eine Jtalieniſche Ausſprechung von einem Pferd, das nichts thut, als ſpacißirt, wenn es ſoll cour - bettiren, und die Schenckel von der Erden erheben, es nur dieſel - ben nachſchleppet, und damit hin und her wancket, welches ein Ui - belſtand und Unſicherheit iſt.
Jſt diejenige Muſic, welche in groſſer Herren Zimmern pfleget aufgefuͤhret zu werden. Man nen - net aber auch die Perſonen, wel - che daſelbſt die Muſic machen, al - ſo. An dem Frantzoͤſiſchen Hofe iſt als was beſonders anzumercken, daß, wenn die Cammer-Muſic auf Befehl des Koͤnigs bey den Printzen vom Gebluͤte (doch die Koͤniglichen Printzen ausgenom - men) und bey auswaͤrtigen ob - ſchon ſouverainen Printzen muſi - ciret, und dieſe ſich bedecken, die ermeldte Cammer-Muſic ſich gleichfalls bedecket.
Gehet hoͤher als der Chor-Ton, und hat ſeinen Nahmen von groſ - ſer Herren Cammer-Muſic, weil dieſer Ton, da alle muſicaliſche Jnſtrumente um etwas hoͤher, folglich ſtaͤrcker und friſcher gehen, in Schloͤſſern luſtiger und ange - nehmer wird. Es wird aber auch Cammer-Ton der niedrigere Ton genennet, wenn ein muſicaliſches Stuͤck nicht nach dem alten Chor - oder Cornett-Tone, ſondern haupt - ſaͤchlich um der erwachſenen So - praniſten willen, welche die Hoͤhe nicht wohl haben koͤnnen, ſodenn aber auch um der Jnſtrumenten willen, damit die Saiten deſto beſſer halten moͤgen, entweder um einen gantzen Ton, oder wol gar um eine kleine Tertz, tieffer vollzo - gen wird. S. Chor-Ton.
Eine wilde Eſels-Art im wuͤ - ſten Arabien, ſo nach einiger Scri - benten Bericht, ein langes Horn an der Stirn traͤgt, mit welchem es ſich gegen die wilden Ochſen vertheidiget. Die Jndianer ſollen dieſes Horn geraſpelt wider die ge - faͤhrlichſten Kranckheiten gebrau - chen.
Ein Zincken-Blaͤſer, es kan aber eben, wie das Wort Cera - taules, einen bedeuten, welcher ein gebogenes Jnſtrument, wie die Waldhoͤrner ſind, blaͤſet.
Ein Tantz-Lied und Tantz, wel - cher die Fabel von der Canace vor - ſtellete.
Jſt die Hoͤhle in der Mitten des innern Kinnbackens, worinnen dieZungeCanZunge ihre Lager-Stat hat, und von beyden Theilen durch die La - den umgeben wird, und ſich an den Kinnbacken-Zaͤhnen endiget, in welchem Canal auch die Baͤrt - lein wachſen.
Jſt eine Art Giquen, und ein ſehr geſchwinder und kurtzer, aus Drey-Achtel-Tact und zwo kur - tzen Repriſen beſtehender Tantz; die erſte Note eines ieden Tactes hat mehrentheils einen Punct hin - ter ſich. Er hat vermuthlich aus den Canarien-Jnſeln ſeinen Ur - ſprung.
Koͤmmt urſpruͤnglich aus den Canariſchen Jnſeln her, iſt vom Leibe etwan wie ein Stieglitz, gelb am Bauche, die Ruͤck - und Fluͤgel - Federn ſind zwar auch gelb, doch mit etwas grau vermengt. Man hat auch weiſſe und buntfaͤrbige, ſo Dollen oder Hauben auf dem Kopf haben, welche ſehr rar ſind. Er iſt einer der ſchoͤnſten Sang - Voͤgel, wenn er auch nur ſeinen wilden Geſang behaͤlt; will man ihn aber abrichten, ſo iſt er faͤhig, alles was man ihm vorpfeifft, (oder auf einer kleinen Dreh-Orgel vorleyert) nach zuſingen. z. E. Man pfeift ihrer zweyen leichte Trom - peter-Stuͤckgen vor, ſo Tertzweiſe geher, und ſtellet ſie von einander, bis ieder ſein Stuͤckgen perfect kan, alsdenn bringet man ſie wie - der zuſammen, ſo muſiciret ieder ſein Stuͤckgen vor ſich, und lautet doch lieblich, weil es Tertzweiſe geſetzt iſt. Man hat der Canarien - Voͤgel in Deutſchland ietzo ſo viel, daß man faſt aller Orten Hecken da - von[f]indet. Jn der Hecke-ZeitCanſind den Canarien-Voͤgeln die Ameiſen-Eyer die beſte Speiſe, ſonſt giebt man ihnen auch Hanff - Koͤrner und Kraut, Huͤner-Darm (oder Salbe) genannt. Jhre Kranckheit beſtehet mehrentheils darinnen, daß ſie am Kopf Beu - len bekommen, die man mit But - ter, oder Huͤner-Schmaltz, einige mal ſchmieren muß. Wenn nun das Geſchwuͤr zeitig iſt, ſo druckt man es, und ſchmiert es ſo lange, bis es heil iſt. Vor die Laͤuſe giebt man ihnen Melonen-Kerne, und beſpritzet ſie woͤchentlich 2 oder 3 mal mit Wein, und zwar bey gu - tem Sonnenſchein, damit ſie ſich bald wieder moͤgen abtrocknen koͤnnen. Die Maͤnnlein, die klein vom Leibe und lang vom Schweiff ſind, ſollen am ſchoͤnſten ſingen lernen.
Sind die Hoͤhlungen und Ab - theilungen in einer Orgel-Wind - lade, wodurch nach aufgehobenen Ventilen und Regiſtern der Wind in die Pfeiffen blaſen muß; ſie ſind vermittelſt eichener Schenckel oder Qver-Hoͤltzer gemacht, und uͤber die Helffte wiederum zuge - ſpuͤndet.
Auf beſaiteten Jnſtrumenten ſpielen.
Das erſtere bedeutet, mit der rechten Hand den Bogen fuͤhren, und damit die Saiten beruͤhren. Das letzte aber, mit der lincken Hand die Saiten eines Jnſtrumen - tes klingend machen.
Nennen die Frantzoſen die er - ſten Worte, welche zu einem LiedeJ 3gemachtCangemacht werden, und nach welchen die uͤbrigen alle muͤſſen eingerichtet werden.
Ein Kreis - oder Zirckel-Canon.
Von einigen wird das Mono - chordum mit dieſem Nahmen be - leget.
Der Wind-Kaſten, oder viel - mehr die Windlade in einer Orgel und in einem Poſitiv.
Jſt eben das, was Canone can - che[ri]zante, der Krebsgaͤngige Canon. ſ. unten.
Jſt ein Canon, deſſen Folge - Stimme der vorangehenden ihre Noten und Pauſen, um die Helff - te verlaͤngert, nachmachet.
Wenn in einem dreyſtimmigen Canon die erſte Folge-Stimme, oder der erſte Comes, der voran - gehenden, oder des Ducis, ihre Noten und Panſen um die Helffte verlaͤngert, und die zweyte Folge - Stimme der erſten Folge-Stim - me, oder Comitis, ihre Noten und Pauſen wieder um die Helffte laͤn - ger macht.
Ein aus ſehr vielen StimmenCanbeſtehender und veraͤnderlicher Ca - non.
Jſt das vorderſte Theil von des Pferdes vordern Schenckel, von der Biegung des Knies bis zur Koͤthe, woran ſich oͤffters ein Oberbein anzuſetzen pfleget. Die Barbariſchen Pferde haben der - gleichen niemaln.
Jſt ein langes rundliches Eiſen, oder Mund-Stuͤck von zwey Thei - len, welche ſich in der Mitte zu - ſammen biegen; zuweilen iſt es ein gantzes Mund-Stuͤck, welches ſich nicht bieget. Dieſer Canon oder Gebiß wird geſchmiedet, daß er eine Oeffnung hat, damit die Zun - ge etwas Freyheit bekomme, um ein Pferd deſto beſſer darauf zu hal - ten und zu regieren.
War in der Griechiſchen Kirche ein Moͤnch, welcher bey dem Got - tesdienſte anordnete, was man ſingen ſolte, auch ſelbſt zu ſingen anfing.
Eine Regel, Richtſchnur, Ge - ſetze, nach welchem man ſich ach - ten ſoll. Dergleichen Canones wurden ehedeſſen bey dem Anfan - ge der Fugen in conſeguenza oder Fugarum perpetuarum, ſowol durch gewiſſe Merckmale und Zei - chen, als Uiberſchrifften und klare Worte, gegeben, wie ſolche Fu - gen-Arten ſolten tractiret wer - den. Nachdem man nun nach - gehends die Titel oder Uiberſchrif - ten fuͤr die Sache ſelbſt genom - men; ſo iſt es daher geſchehen, daß noch heutiges Tages erwehnte Fu - gen-Gattungen, deren es gar vie -ler -Canlerley giebt, Canones genennet werden. Demnach iſt Canon, oder Jtalieniſch Canone, ein ſolches Sing - oder Kling-Stuͤck, welches 2, 3, 4 und mehrere Stimmen aus einer eintzigen muſiciren koͤnnen, und wird deß wegen alſo genennet, weil die Stimme, welche anfaͤngt, und Dux oder der Fuͤhrer heiſſet, denen folgenden, Comites oder Gefaͤhrten genannt, zur Richt - ſchnur dienen muß, von welcher nicht in dem mindeſten abgegan - gen werden darf.
Jſt ein Canon, deſſen Stimmen eine nach der andern um eine Viertel-Pauſe ſpaͤter anfangen.
Heißt, wenn der Componiſt nur eine Stimme hinſetzet, auf die uͤbrigen aber ſchon ſeine Abſicht hat, welche denn, wenn ſie voͤl - lig zu Papier gebracht und exeqvi - ret werden, alsdenn nothwendig zu der erſten Stimme klingen und mit derſelben harmoniren muͤſſen.
Ein offener Canon iſt, wenn die Stimmen beſonders aus einan - der geſetzet ſind, daß ihrer viele nicht mehr aus einer eintzigen Stimme muſiciren duͤrfen.
Ein krebsgaͤngiger Canon, kan von dem Anfange nach dem Ende, und von dem Ende nach dem An - fange zu, und alſo auch ruͤckgaͤn - gig, bewerckſtelliget werden. Er wird auch Canon per theſin & ar - ſin genannt, weil die Theſis der von vorne nach hinten zu gehenden Stimme zur Arſi in der von hin -Canten nach vorne zu gehenden Stim - me dienen muß, & vice verſa. Es kan dergleichen nicht nur mit zwo, ſondern auch mit mehrern Stim - men geſchehen.
Heiſſet auch Canone in corpo, Canon clauſus, ein geſchloſſener Canon, in welchem alle Stimmen in einer eintzigen enthalten ſind, und aus derſelben muſiciret wer - den.
Ein Raͤtzel-Canon, in wel - chem nur ein Muſic-Schluͤſſel ſich vorgezeichnet befindet, aus den verſchiedenen. § .. §. aber zu erkennen iſt, daß noch andere Stimmen aus dem vorhabenden eintzigen Syſtemate ſingen ſollen; was es aber fuͤr welche ſeyn, und in welcher Ordnung dieſelben eintre - ten ſollen, von dem Componiſten verſchwiegen, und alſo den Executo - ribus zu errathen uͤberlaſſen wor - den. Die Aufloͤſung dieſes Raͤ - tzel-Canonis iſt folgende: Bey dem erſten Zeichen. §. faͤnget der Alt im eingeſtrichenen a, bey dem zweyten Zeichen der Diſcant im zweygeſtrichenen c, und bey dem dritten der Baß im eingeſtrichenen a an. So oft dieſer Canon wie - derholet wird, treten alle Stimmen um einen Ton tieffer ein.
Jſt ein Canon, deſſen Stim - men zum Schluß, oder vielmehr zur Ruhe und Aufhoͤren, vermit - telſt eines beſondern Anhanges ge - bracht werden, und ſich ſodenn mit einander endigen.
J 4CanoneEin in eintzelne oder abſonderli - che Stimmen ausgeſchriebener oder aufgeloͤſeter Canon. Die Folge-Stimmen pfleget man auch ſchlechtweg Riſolutioni oder Loͤſun - gen zu nennen. Dieſer Canon iſt mit dem Canone aperto einerley; er wird auch Canone infinito ge - nennet, weil die Stimmen, wenn ſie auf die letzte Note kommen, immer von vorne wieder anfangen, ſo daß, wenn man ſtets anhalten - de Stimmen haͤtte, ſolcher unend - lich wiederholet werden koͤnte. Und eben deßwegen heißt er ſonſten auch Canone circolare, ein Kreis - oder Zirckel-Canon.
Jn der Griechiſchen Kirche wurden die Lieder genennet, wel - che man auſſer den Pſalmen zu ſin - gen und nach den Materien abzu - theilen pflegte.
Koͤnte im deutſchen die Einthei - lungs-Lehre der Klaͤnge genennet werden. Es iſt aber dieſe Ein - theilung bloß nach dem aͤuſſerlichen Maaſſe und Verhalt zu verſtehen, welchen ein Klang mit dem andern hat, und bedienet man ſich dabey als Huͤlfsmittel der Zahlen und Li - nien, in Vorbildung der verſchie - denen Klaͤnge, nach ihrer abge - meſſenen Groͤſſe, uͤberlaͤſſet aber dem Gehoͤre einig und allein, von deren Wohl - oder Uibel-Laut zu ur - theilen. Der Raum, welcher ſich ſolcher geſtalt zwiſchen zweyen und mehr Enden abgemeſſener Klaͤnge befindet, die einen gewiſ - ſen Verhalt mit einander haben, heiſſet eigentlich ein Intervall. Die in Zahlen oder Linien vorge - bildete Jntervalle ſind alſo hier dieCanMaterie; ihre abgemeſſene Groͤſſe iſt die ſichtbare Form, und der Wohl - oder Uibel-Laut iſt der ca - noniſche Zweck, von welchem aber die Canonic ſelbſt nichts wiſſen oder feſt ſetzen kan. Wenn iedoch dieſes Ziel auf eine oder andere Art erhalten worden, ſo heiſt es die Harmonic, und das Gehoͤr bleibet immer der Richter in den mannig - faltigen Stuffen des Wohlklanges oder Mislautes. Weil ferner ſolche Eintheilung und Abmeſſung auf einem gewiſſen darzu erfunde - nen und beſtimmten Werckzeuge, oder einſaitigen Jnſtrumente, vor - genommen wird, welches auch ein Canon heiſſet, ſo bekoͤmmt die Ca - nonic eine deſto groͤſſere Wurtzel ihres Nahmens. Andere haben dieſes gerade umgekehret, und be - ſchreiben die Canonicam, daß ſie denjenigen Muſic-Theil behande - le, welcher die Klaͤnge nicht nach dem Gehoͤre, ſondern durch Spe - culation der Zahlen beurtheilet.
Heiſſet in der Muſic, wenn eine Stimme der andern ihre Noten, Pauſen und Gaͤnge unveraͤndert nachmachet.
Wird genennet, wenn eine Compoſition, ſie ſey vocaliter oder inſtrumentaliter geſetzt, in allen Stimmen und Partien ſich wohl ſingen laͤſſet, oder eine feine Melo - die in ſolchen fuͤhret.
Sagen die Jtaliener, wenn ein Tenoriſt den Baß ſingen will.
Das May-Singen iſt in den Florentiniſchen Doͤrfern ſehr ge - braͤuchlich, da ein Trup Bauer -MaͤgdeCanMaͤgde allerhand Jtalieniſche Lie - der, welche meiſtens vom Lobe des Fruͤhlings, des Mayens, der Blu - men und der Land-Luſt handeln, vor den Wirts-Haͤuſern zwiſchen Oſtern und Pfingſten ſingen, wo - bey eine von ihnen auf einer Art von Cymbeln dazu ſpielet.
Wird die letzte und hoͤchſte ein - fache Saite, auf der Laute, Ci - ther, Theorbe und andern derglei - chen Jnſtrumenten genennet. Sonſt heiſſet man ſie insgemein die Qvinte, ingleichen auch Can - tarina.
Jſt ein Stuͤck in der Poeſie und Muſic, welches einem Theile aus einer Opera gleichet, und aus eini - gen Arien mit untermiſchten Re - citativen beſtehet. Sie ſind zwey - erley: 1) wenn ſie mit einer Aria anfaͤnget und ſchlieſſet, welches am beſten iſt; oder 2) wenn ſie beydes mit einem Recitativ ver - richtet, oder auch nur das Anfan - gen. Sie koͤnnen geiſtlich oder weltlich ſeyn, nach dem Jnhalt der Worte. Jhre wahre Natur lei - det keine Jnſtrumente; ihre uͤbri - ge Einrichtung aber erfordert mehr kuͤnſtliches, als die theatraliſche Muſic uͤberhaupt. Denn weil dieſe auswendig gelernet werden muß, die Cantaten hergegen vom Papiere abgeſungen, und zum Cammer-Styl gerechnet werden, ſo iſt die Urſache davon leicht ein - zuſehen. Dannenhero muͤſſen die Cantaten ſowol an Arien als Re - citativen fleißig und reinlich aus - gearbeitet ſeyn; einen ſaubern, ausnehmenden und merckwuͤrdi - gen General-Baß fuͤhren; lauterCannachdenckliche und wohl ausge - ſuchte Erfindungen darlegen, und nicht zu lange waͤhren.
Jſt ein Kirchen-Buch zu Rom, woraus der Cantor nach abgele - ſener Epiſtel das Reſponſorium gradale abzuſingen pfleget.
Sollen, wie die Juͤden vorge - ben, diejenigen Lob-Geſaͤnge ſeyn, welche ſie am erſten Tage des Oſter-Feſtes, auf denen aus dem Vorhofe der Maͤnner in den Vor - hof der Weiber gegangenen Stuf - fen im Tempel, unter allerhand Jnſtrumenten abgeſungen.
Sind ſolche Kirchen-Melodien, welche den Sprengel ſowol des Modi authentici als plagalis ha - ben, und weil ſie alſo von beyden participiren, zu keinem von beyden eigentlich koͤnnen gezogen werden.
Ein geiſtlicher Lob-Geſang. Wir haben deren in der heiligen Schrifft zuſammen zehn, nemlich 7 in dem alten Teſtamente und 3 im neuen Teſtamente.
Bedeutet bey weltlichen Scri - benten ein Lied, welches auf dem Schauplatze von vielen Perſonen, jungen und alten, zugleich abge - ſungen, und wobey auch zuweilen Floͤten gebraucht worden.
Ein Lied-Pſalm, iſt, wenn ein muſicaliſches Jnſtrument vorher geſpielet, und alsdenn nach dem - ſelben geſungen wird.
J 5Canti -Bedeutet auf der Archileuto die kleineſte Saite.
Jſt in der Welſchen Sprache entweder ſo viel als Cantio, ein Lied, oder als Diſcantus, der Di - ſcant, welche die hoͤchſte unter den vier Haupt-Stimmen iſt.
Der concertirende Diſcant, das iſt, der Diſcant des kleinern Cho - res, welcher ſich inſonderheit hoͤren laͤſſet. Er wird dem Canto ripieno entgegen geſetzet.
Bedeutet einen Choral-Ge - ſang. Dagegen
Der Figural - oder gemoͤdelte Geſang. Da die Muſic eine ge - ſchickte Vereinigung verſchiedener und ungleicher, doch zuſammen - ſtimmender Klaͤnge erfodert; und dieſes ſich bey unſern Kirchen-Lie - dern oder Choralen nicht findet, wenn gleich noch ſo viel Jnſtru - mente mit darein ſpielen; So kan der Choral eigentlich keine Muſic heiſſen, bis ein beſonderer Baß, ein ordentlicher Tact und eine verſchie - dene Geltung der Noten hinzu - kommen, alsdenn nimmt auch der allerein faͤltigſte Pſalm alſobald die Eigenſchafft des figuͤrlichen Ge - ſanges an ſich. Der Choral iſt ein einſtimmiger Geſang menſchli - cher Kehlen, (ſagt Herr Matthe - ſon in ſeinem Muſic. Patrioten p. 251) das iſt er beſtehet in einer ein - tzelen ſchlechten Sing-Melodie, in harmonia ſimplici, die von der gantzen Gemeine, in einerley Fuͤh - rung ungekuͤnſtelter Stimmen, in einerley Rhythmo, ohne Jnſtru -Canmente, ohne eigentlichen Tact, oh - ne Zierath, auf die einfaͤltigſte Art hervor gebracht, und, wenn er recht aufgeſchrieben werden ſoll, nur einerley Zeichen und Noten erfodert, da keine in der That mehr gilt, als die andere. Sol - cher allgemeiner Geſang wird zu dem Ende angeſtellet, daß auch von unerfahrnen und ungelehrten, mit der bloſſen natuͤrlichen Stim - me, Gott gelobet werden moͤge. Der Figural-Geſang hergegen iſt zweyerley, einſtimmig und viel - ſtimmig. Die Vielſtimmigkeit aber kommt hier nicht auf Quan - titatem, ſondern Qualitatem vo - cum an; wie hergegen das ein - ſtimmige Singen ſowol von 100000 Perſonen zugleich, als von einer eintzigen, geſagt werden mag. Viele Leute koͤnnen wohl einſtim - mig, und wenige, ja ihrer zwey oder drey, koͤnnen vielſtimmig ſin - gen. Es beruhet auch dieſe Viel - ſtimmigkeit nicht darinnen, daß Diſcant, Alt, Tenor, Baß ꝛc. zuſammen kommen, ſondern es koͤnnen verſchiedene Diſcante ver - ſchiedene Aelte ꝛc. darzu ebenmaͤſ - ſig dienen. Erſten Falls beſtehet der Figural-Geſang in einer ein - tzigen gebrochenen Melodie und in vielfaͤltigen Rhythmis, die nach dem Tacte genau geſungen, mit aller - hand Manieren ausgezieret, und im Aufſchreiben durch verſchiedene beſonders gebildete Zeichen und Noten, deren iede ihre eigene Gel - tung und Bedeutung hat, ausge - druckt wird: welches auch eine der Urſachen iſt, warum man ſolche Melodien figuͤrliche nennet, ob ſie gleich nur eine Monodiam fuͤhren. Andern Falls beſtehet die Figural - Muſic in vielen theils ungebroche - nen, theils gebrochenen Melodienzu -Canzugleich, welche kuͤnſtlich zuſam - men geſetzt ſind, und ihrer Ver - ſchiedenheit ungeachtet, lieblich mit einander uͤbereinſtimmen muͤſſen, daraus denn Harmonia compoſi - ta und ein Contrapunct entſtehet: indem die Fuͤhrung der Stimmen ſowol, als ihre Tone, gantz ver - ſchieden ſind, und gleichſam con - traͤr ſcheinen. Dieſer Figural - Geſang wird theils mit theils ohne Jnſtrumente, doch immer in gantz genauer Zeit-Maſſe, auch mit vie - ler Geſchicklichkeit, Kunſt und Zierde, zu dem Ende angeſtellet, daß erfahrne und gelehrte Leute, mit wohlgeuͤbten Stimmen und fertig-beſpielten Jnſtrumenten, vor allen andern Gott kluͤglich lo - ben ſollen.
Ein aus groſſen, lange zu hal - tenden, oder langſam ſich bewe - genden Tact-Noten beſtehender, oder ein ernſthaffter Geſang.
Jſt der oben beſchriebene Canto fermo, welcher von ſeinem Ver - beſſerer, dem Pabſte Gregorio Magno, den Nahmen hat.
Jſt einerley mit dem Canto fi - gurato, und fuͤhret dieſen Nahmen von Abmeſſung der Noten und Pauſen.
Ein zur Ausfuͤllung dienender Diſcant, oder der Diſcant des groſſen Chores, welcher nur bis - weilen zur Verſtaͤrckung mit ein - faͤllet.
Umgekehrter Diſcant, iſt, wenn der Diſcant in den alſo genanntenCanContrapuncten zu einer andern Stimme gemacht wird, z. E. in dem Contrapuncte all’ Ottava zu einem Baß.
Der ſchlechte Geſang, iſt nichts anders als der Choral-Geſang.
Jſt entweder ein ieder Saͤnger, oder ins beſondere diejenige Per - ſon, welcher bey einer Kirche das Singen anbefohlen iſt, oder ein Vorſaͤnger, der den Geſang in der Kirche anfaͤnget und damit aus - haͤlt, und der an den mehreſten Orten die Kirchen-Muſic und de - ren Direction beſorget. Deßwe - gen ſollte nun ein Cantor billig die Compoſition verſtehen, oder doch wenigſtens ſo viel darinnen gethan haben, daß er die von andern Componiſten erhaltene und durch vieles Abſchreiben oͤffters ver - faͤlſchte Arbeit richtig ausbeſſern, eine richtige Partitur fuͤhren, und aus ſolcher die von dem Componi - ſten in ein muſicaliſches Stuͤck ge - legte Harmonie wiederum in einen General-Baß bringen, und durch Ziffern accurat andeuten koͤnne. Jn Thuͤringen wird in den Fle - cken und theils Doͤrfern, wo zween Schuldiener ſind, derjenige, wel - cher die Muſic beſorget und die Chorale ſinget, Rector und Schul - meiſter, der andere aber, welcher das Orgelwerck verſiehet, Cantor genennet.
Das Amt eines Cantors an ei - ner Kirche.
Eine Saͤngerin, das erſte wirdaberCanaber mehrentheils fuͤr eine Kloſter - Saͤngerin genommen.
Ein Kirchen-Geſang-Buch.
Ein durch Kunſt hart - oder weich-gemachter Geſang. Je - ner, der hart-gemachte, iſt, wel - cher in ſeiner Vorzeichnung das hart-machende Zeichen, oder das Creutz, unter andern auch an dem Orte hat, daß die daſelbſt befind - liche Note dadurch zum Funda - mental-Clave die groſſe Tertze wird. Dieſer, oder der weich - gemachte Geſang aber, iſt, wel - cher in der Vorzeichnung das b unter andern auch an dem Orte hat, wodurch die daſelbſt befind - liche Note gegen den Fundamen - tal-Clavem die kleine Tertz wird.
Ein aus geſchwinden und fein bunt ausſehenden Noten beſtehen - der Geſang. Zuweilen pflegt man es auch ſo zu gebrauchen, daß es eben das anzeige, was ſonſt Can - tus chromaticus heißt, nemlich ein ſolcher Geſang, der viele hart - oder weichmachende Zeichen in der Vorzeichnung fuͤhret.
Figural-Geſang.
Wird auch Cantus fictus, Jta - lieniſch Canto finto, und Frantzoͤ - ſiſch Chant feint genennet, und be - deutet einen Geſang, da vermit - telſt der hart - und weich-machen - de[n]Zeichen die Linien und Spa -Cantia, ſowol in der Solmiſation, als nach den Clavibus, ihre ſonſt gewoͤhnlichen Voces und Buchſta - ben muͤſſen fahren, und dafuͤr an - dere ihnen andichten laſſen. Jn der Solmiſation geſchiehet derglei - chen Andichtung durchgaͤngig, in den Buchſtaben aber nur bey ei - nigen.
Hat ſeinen Nahmen vermuth - lich daher, weil der Choral-Ge - ſang, wenn er in der Tieffe ange - bracht iſt, den andern Stimmen zum ſtarcken und ſichern Grunde dienet, woruͤber ſie figuriren oder gebauet werden koͤnnen; oder wenn er in der Mitte und Hoͤhe geſetzt wird, wenigſtens etwas be - ſtaͤndiges angiebt, wornach ſich die uͤbrigen Stimmen im Figuriren zu richten haben.
Ein harmoniſcher Geſang.
Wird der Choral-Geſang ge - nennet, weil bey deſſen Abſingung von einer gantzen Gemeinde oder Verſammlung es dergeſtalt einfoͤr - mig klinget, als waͤre es nur eine Perſon, welche ſolchen Klang von ſich gebe.
Ein Geſang, ſo keiner Muta - tion oder Abwechſelung der Vo - cum bedarf, weil er nicht uͤber das la und nicht unter das ut, dasiſt,Caniſt, nicht hoͤher als ins ã, und nicht tieffer als ins ẽ gehet.
Jſt ein von Natur harter oder ſcharfer Geſang, welcher von ſei - nem Fundamental-Clave an eine groſſe Tertz, und in der Vorzeich - nung kein hart - oder weich-ma - chendes Zeichen hat, ſodern durch die 7 claves naturales gehet.
Ein von Natur weicher Ge - ſang aber iſt, welcher gegen ſeinen Fundamental-Clavem eine kleine Tertz, und in der Vorzeichnung kein hart - und weich-machendes Zeichen hat, ſondern eben, wie vorhergehender, durch die ſieben cla - ves naturales gehet.
Der Figural-Geſang, wird deß - wegen ſo genannt, weil nur etliche Perſonen verſchiedene Melodien auf einmal, und demnach vielfoͤr - mig, doch ſo, daß ſie zuſammen klin - gen, hoͤren laſſen.
Wird der Choral-Geſang ge - nennet, weil er anfaͤnglich zu Rom von denen daſelbſt auf des Pabſts Gregorii M. Anordnung beſtellten Cantoribus excoliret, und nachge - hends von Rom aus an andre Chriſtliche Gemeinden gelanget iſt.
Wird der Geſang genennet, welcher aus einem ſogenannten natuͤrlichen Modo, vermittelſt Fortruͤckung der Clavium, und da - her noͤthiger Vorzeichnung entwe - der vieler b, oder eines und vieler hart-machenden Zeichen gemacht wird. Vorzugs-Weiſe aber fuͤh -Capret dieſen Nahmen derjenige Ge - ſang, welcher in ſeiner Vorzeich - nung nur ein einiges b, und zwar an demjenigen Orte hat, woſelbſt der Clavis auch den Nahmen b davon bekoͤmmt.
Bedeutet denjenigen Raum, welchen eine Octav, oder ein ieder Modus muſicus in ſich ſchlieſſet, und iſt alſo eben ſo viel als Am - bitus.
Jſt eine Art von Decken, die man auf die Pferde legt. Le ca - paraſon des chevaux de main, oder die Decke der Hand-Pferde iſt ge - meiniglich von Tuch, um und um mit wuͤllenen Zierathen, und dem Wappen des Beſitzers in der Mit - te geſticket. Jm Felde bedienet man ſich der Decken von rauhen Baͤren-Haͤuten oder Tieger-Fel - len; in den Staͤllen aber des Som - mers von Zwillig, und des Win - ters von Kotzen oder ſtarckem Tuche.
Verſchnittener Han. Varro nen - net ſie Capos ſemimares, Halb - Maͤnner, und fuͤget dabey, daß man ſie zu ſeiner Zeit durch ein gluͤend Eiſen caſtrirt habe, welches auch Plinius bekraͤfftiget: Heut zu Tage geſchicht es ohne Feuer durch den Schnitt, welches viel ſicherer iſt, damit ihrer deſto weniger ſter - ben. Unter allen Huͤner-Fleiſch iſt es das nahrhafftigſte. Capaun heißt auch ein verſchnittener Saͤnger oder Caſtrat in der Capelle. Bey einigen heiſſen dergleichen auch Evnuchi.
CapHeißt ein Roth-Schimmel, der uͤber ſeine roth und weiß vermiſch - ten Haare den Kopff und Maͤhne ſchwartz hat. V. Rouan.
Jſt eine harte Geſchwulſt, ſo am aͤuſſerſten hintern Knie eines hal - ben Spiel-Ballens groß erſcheinet, und die Pferde ſteiff, auch wol gar hinckend macht.
Jſt an groſſer Herren Hoͤfen ei - ne Perſon, welche die oberſte Ver - ordnung in muſicaliſchen Sachen hat, und der Muſic-Geſellſchafft des Hofes vorgeſetzt iſt, und ſie re - gieren ſoll. Von einem ſolchen Manne wird erfodert, daß er der Lateiniſchen und zur Noth auch Griechiſchen Sprache in ſo weit maͤchtig ſey, damit er die in ſolchen Sprachen von ſeiner Kunſt ge - ſchriebenen Buͤcher leſen und ver - ſtehen koͤnne: Jn der Frantzoͤſi - ſchen und Jtalieniſchen Sprache aber ſoll er dergeſtalt bewandert ſeyn, daß er ſie als ein Hofmann nicht nur perfect reden, ſondern auch gluͤcklich und geſchickt uͤberſe - tzen koͤnne; er ſoll auch die Proſo - die dieſer Sprachen ſich bekandt gemacht haben, weil ſie, vornem - lich aber die Welſche, in groſſer Herren Gemaͤchern und bey Schau - ſpielen in der Muſic faſt taͤglich vorkommen. Da die Muſic ſein Metier iſt, ſo wuͤrde es ihm uͤbel anſtehen, wenn er in den Geſchich - ten der Muſic unerfahren waͤre; gleichwie er uͤberhaupt einen ſchlechten Helden in ſeiner Kunſt vorſtellen wuͤrde, wenn er die ge -Caplehrten Wiſſenſchafften, Vernunfft - Lehre, Sitten-Lehre ꝛc. nicht be - ſaͤſſe. Jn der Dichtkunſt und de - ren Grundſaͤtzen ſoll er wohl be - wandert ſeyn, und zulaͤnglichen Unterricht von allen Vers-Arten haben, und dafern er ja auf den Nothfall nicht ſelbſt ein gut Ge - dicht machen koͤnte, dennoch einen ſolchen Poetiſchen Geſchmack beſi - tzen, daß er ein muſicaliſches Ge - dicht gruͤndlich zu beurtheilen, kluͤglich zu wehlen, und dem in der Muſic unerfahrnen Dichter, der ihm den Text zu einem Sing-Ge - dichte verfertigen ſoll, zu recht zu weiſen wiſſe. Nebſt einem guten Naturell ſoll er Luſt und Liebe zur Muſic, und unermuͤdete Arbeit und aͤmſigen Fleiß in ſeinen muſi - caliſchen Verrichtungen bezeigen, und ſich ſonderlich im Schreiben und Setzen beſtaͤndig uͤben. Die Pflege der menſchlichen Stimme ſoll er ſeiner Untergebenen halber fleißig unterſuchen. Jn der Sin - ge-Kunſt ſoll er wohl erfahren, und entweder ſelbſt ein guter Saͤnger ſeyn, oder da ihm die Stimme fehlet, doch wenigſtens die Natur und das rechte Weſen des Singens aus dem Grunde verſtehen, weil er auſſer dieſen kei - ne verſtaͤndliche, deutliche und nachdruͤckliche Melodie zu ſetzen vermag. Auf den Jnſtrumenten oder Klinge-Zeugen, vornehmlich auf den gebraͤuchlichſten, ſoll er Schul-Recht machen koͤnnen, oder dieſelbe ſoferne in ſeiner Gewalt haben, daß er deren Staͤrcke und Schwaͤche vollkommen kenne; das Clavier, als das beſondere Com - poniſten-Werckzeug, ſoll ihm als ſein Haupt-Jnſtrument ſtets bey der Hand ſeyn. Weil der Muſic Endzweck nebſt dem Lobe Gottes,dieCapdie Bewegung der Gemuͤther der Zuhoͤrer iſt; ſo ſiehet ein ieder von ſelbſten, daß er ohne vollkommene Erkenntniß der verbeſſerten Lehre von den Temperamenten, und wie die Affecten rege zu machen und zu ſtillen ſeyn, wenig fruchtbarli - ches zu wege bringen werde. Er muß auch dahin bedacht ſeyn, die Gemuͤths-Beſchaffenheit ſeiner Zuhoͤrer, oder des vornehmſten Theiles derſelben, zu erforſchen ꝛc.
Ward die Binde genannt, wel - che ſich ehemahls die Muſicanten, ſo ſich bey oͤffentlichen Feſten und Schauſpielen ſtarck mit Blaſen angreiffen muſten, um den Mund zu binden pflegten, damit ſie die Backen nicht allzuſehr auf blaſen, oder ſich ſonſten Schaden thun moͤchten.
Heißt der Haupt-Ton, welcher in einem Modo muſico der Herr oder Fuͤhrer iſt.
Nennen die Welſchen denjeni - gen, welcher der vornehmſte iſt un - ter denen, ſo auf Jnſtrumenten ſpielen.
Jſt in der Muſic eine Gattung der Fantaſten, darinnen ein Kuͤnſt - ler ſeinem Sinne folget, und nach ſeiner Caprice etwas hinſetzet oder herſpielet, welches iedoch manchesmahl weit artiger zu hoͤ - ren iſt, als was regulirtes und ſtu - dirtes, wenn es aus einem freyen Geiſte koͤmmt. Andere beſchrei - ben ſie alſo: Capriccio iſt ein ſol - ches Stuͤck, worinnen der Com - poniſt, ohne ſich an eine gewiſſe Anzahl Taͤcte, Tact-Art, oderCapaber vorher uͤberlegten Entwurf zu binden, der Hitze ſeines Naturells den freyen Lauff laͤſſet. Kurtz: Es iſt ein Einfall, worauf vorher nicht meditiret worden. Die fuͤr das Clavier geſetzte, aber nicht ſonderlich ausgearbeitete Fugen werden auch alſo genennet. Herr Mattheſon ſagt: Die Capricci laſſen ſich nicht wohl beſchreiben. Der eine hat dieſe, der andere jene Einfaͤlle. Je wunderlicher und auſſerordentlicher ſie ſind, ie mehr verdienen ſie ihren Nahmen. Nur nicht zu viel davon angebracht, ſo ſind ſie auch gut.
Jſt der hoͤchſte Grad in der Praxi oder Executione der Tantz - kunſt. Dieſes aber heiſſet nicht ohne Vernunfft und ohne Regu - lirung herum ſpringen, ſondern wie ein Redner ex tempore eine Rede, als wenn ſie nach allen Regeln der Beredtſamkeit wohl praͤmeditiret und abgefaſſet waͤre, haͤlt, alſo nimmt ein Maitre oder fertiger Taͤntzer einen gewiſſen Character an, und thut bey An - hoͤrung einer auch wol ihm unbe - kandten Melodie aus dem Stege - reiffe einen Tantz ſo gut, als waͤ - re er mit allem Fleiß componiret worden. Hierzu gehoͤren aber ei - ne groſſe Wiſſenſchafft und Fer - tigkeit, eine hauptſaͤchliche Diſpo - ſition der Glieder, eine treffliche Memorie vieler Pas, ein zartes und muſicaliſches Gehoͤr, eine reif - fe und im Augenblick ſchnelle Be - urtheilungs-Krafft. Und alle dieſe Eigenſchafften muͤſſen von natuͤrlichen Kraͤfften der Jugend unterſtuͤtzet werden, als welche hier nervus rerum gerendarum ſind.
Ca -Bosheit und Zorn eines Pferds, iſt ein ſo ſchaͤdliches, als allgemei - nes Laſter, welches der Abrich - tung, Uibung und Gebrauch, durchgehends hinderlich, gefaͤhr - lich und ſchaͤdlich iſt, und bey et - lichen Pferden ſo hefftig entbrannt, daß wann ſie unter einander zu - ſammen gerathen, ſie weder ſchla - gen noch abwehren achten wollen, und ohne groſſe Muͤh und Arbeit, auch verurſachten Schaden nicht von einander zu bringen ſind, und wenn es ihnen ja gewehret wor - den, ſie wenigſtens gegen einan - der aufſteigen und mit begierigen Geberden zeigen, was ſie nicht vollbringen koͤnnen.
Ein gantz kurtzer Einfall, eine kleine Fantaſie.
Auf zufaͤllige Art, ohne vor - laͤuffiges Darauf dencken.
Heiſſen auf Tantz-Boͤden, ſon - derlich kuͤnſtliche Spruͤnge, da der Leib des Tantzenden in rechtem Tempo, und in wohl obſervirter Cadentz ſich in die Lufft erhebet, und mit den Fuͤſſen Creutzweis, vor - oder hinter, oder auch ſeit - werts eine friſirte oder battirte Ca - priole geſchnitten wird. Es koͤmmt her von Capreolis, den kleinen Zie - gen, welche directo corpore of - termals allerhand artige und poſ - ſierliche Spruͤnge machen. Ande - re aber ſchreiben Cabrioles, und leiten es von cabrer her, weil cabrer un cheval ſo viel heiſſet, als equum in poſteriores pedes rectum ſtatuere, machen, daß ein PferdCapaufſpringet, ſich auflehnet, auf - baͤumet. Man ſoll ſich aber der Capriolen in der Compoſition ei - nes Tantzes nicht anders bedienen, als wie die Goldſchmiede mit den Edelgeſteinen thun bey Verferti - gung eines Schmuckes, das iſt, man muß deren nur wenige an - bringen. Das Caprioliren iſt ein Werck fuͤr Manns-Perſonen, als bey welchen weit ſtaͤrckere Force, als bey dem weiblichen Geſchlech - te, gefunden wird; denn dieſes zarte Geſchlecht zieret und machet nichts mehr angenehm, als das Douceur, zumal wenn dieſes mit einer niedlichen Taille und galan - ten Mine begleitet wird. Die Ca - priolen werden eingetheilet in eigentliche Caprioles und Entre - chats. Beyde Gattungen aber ſind nur darinnen von einander unterſchieden, daß man die Ca - priolen mit den Beinen in der Luft battiret und gegen einander ſchlaͤget, bey den Entrechats aber mit einem Fuſſe um den andern wechſelsweiſe vor und hinten cou - piret. Alle Arten der Capriolen pflegen die Tantzmeiſter in 4 Claſ - ſen abzutheilen, als 1) in gleiche, 2) in Seiten - 3) in Voͤrder - und 4) in Ruͤck-Capriolen und Entre - chats. Bey allen dieſen Arten wird das Tempo entweder auf beyden Beinen genommen, wenn man ſich durch Beugen und Heben mit beyden Fuͤſſen ſtarck in die Lufft ſchwinget, und daſelbſt eini - ge Schritte formiret, ehe man wieder auf die Erde faͤllet; oder auf einem Beine allein, wenn der eine Fuß ſchon in der Luft iſt, und der andere indeſſen durch Beugen und ſtarckes Strecken den Leib in die Lufft wirft, und nach einigen Luft-Schritten der ſpringende Fußehe,Capehe, als der andere, wieder auf die Erde faͤllet.
Die gleiche Capriolen gehen entweder gerade in die Hoͤhe, oder rund im Kreis, oder von einem Bein auf das andere.
1) Die Capriolen, ſo gerade in die Hoͤhe gehen, werden alſo gemacht: Man ſpringet, nachdem man das Tempo auf beyden Beinen genom - men, mit ſchnur gleichem Leibe gera - de auf, battiret in der Lufft mit bey - den Beinen zugleich, entweder oben mit den Waden an einander, oder unten mit beyden Fuͤſſen zwey oder dreymal wohlgeſtreckt von der Seite, ohne daß man mit den Wa - den zuſammen trifft, und ſpringet mit einem Beine wieder herunter; welches letztere die Frantzoſen Ca - priole en aile de pigeon nennen. Oder man friſiret und ſchneidet, nachdem das Tempo nicht allzu tieff gefaßt, von einem Beine auf das andere ſpringend, in der Luft frey mit dem hinterſten Fuſſe uͤber den voͤrdern, und battiret alſo von dem Fuſſe. Oder man coupiret wechſelsweiſe mit einem Fuſſe um den andern vor und hinterwerts und croiſiret; welches letztere das Entrechat iſt, ſo gemeiniglich Creutz-Capriole heiſſet. Alles die - ſes nun muß recht geſchwinde und mit der groͤſten Force durch die vier Haupt-Bewegungen, nemlich durch die Beugung, Ausſtreckung, Abfuͤhrung und Zuſammenziehung der Beine verrichtet werden. Und obgleich eine iede Articulation an den Beinen hierbey arbeitet und das Jhrige thut; ſo muß doch die vornehmſte Bewegung aus den Huͤfft-Beinen, aus welchen man alle Capriolen machet, formiret werden.
Cap2) Die geraden Capriolen und Entrechats rund im Kreiſe zu ma - chen, drehet man ſich, nachdem man auf beyden Beinen das Tem - po genommen, im Springen in einer Perpendicular-Linie entwe - der nach der rechten oder lincken Seite in der Luft gantz herum, daß das Geſicht wieder wie zuerſt zu ſtehen komme, und battiret zu - gleich im Herumdrehen mit den Fuͤſſen neben einander; oder man ſchneidet creutzweiſe uͤber ein - ander. Das erſte heißt Capriole en tournant, das letzte aber En - trechat en tournant.
3) Die gleiche Capriole von ei - nem Bein auf das andere. Eine ſehr ſchoͤne Capriole gleich auf iſt es in der Menuet, wenn man ent - weder in Avancirung des Platzes vor oder ruͤckwerts, oder auch auf einer Stelle bleibend, etliche mal nach einander von einem Beine auf das andere ſpringet, und ie - desmal in der Lufft, entweder mit beyden ſteiffen Beinen zugleich ne - ben einander friſiret und gleichſam ſchwebet, und mit dem ſpringen - den Fuß eher, als mit andern, wieder auf die Erde faͤllet; oder nur mit demjenigen Fuſſe allein zwey oder dreymal von der Seite battiret, auf welchem man wieder herunter ſpringet, und alſo gar nicht mit den Waden zuſammen koͤmmt. Man kan auch von einem Beine auf das andere ſpringen, daß in der Luft der hinterſte Fuß allezeit uͤber dem voͤrderſten batti - ret. Dieſes Springen von einem Beine auf das andere, kan in der Menuet entweder 4 oder 8 mal das iſt, bey iedem Tantz-Tacte 4 mal wiederholet werden, und wird dabey, gleichwie bey dem Haupt - Pas von der Menuet, iedesmalRitter-Lexic. KaufCapauf dem erſten Sprunge 2, auf dem andern nur ein Viertel, auf dem 3ten 2 und auf dem vierten wieder nur ein Viertel vom Tacte zugebracht.
Seiten-Capriole. Bey dieſen ſpringet man entweder gegen die rechte oder lincke Hand dergeſtalt in die Hoͤhe, daß die Fuͤſſe mit dem Leibe und Kopfe ſeitwerts in einer Transverſal-Linie liegen, und battiret entweder oben an den Waden, oder von dem Fuſſe, daß die Waden gar nicht zuſammen kommen. Geſchiehet die Batti - rung creutzweiſe, heiſſet es Entre - chat de côté. Will man die Sei - ten-Capriolen zur Menuet an - wenden, kan ſolches am Ende der Haupt-Figur, beym Einkehren, nach der rechten Hand geſchehen, und dabey gemerckt werden, daß die Capriole allemal in einem Drey-Viertel-Tacte vollendet, und deßwegen, damit die Tantz - Cadentz voͤllig wird, nothwendig vornher mit einer andern Drey - Viertel-Noten langen Lection, als Pas de Bourrée, Contretems &c. verknuͤpffet werden muß. Jm er - ſten Drey-Viertel-Tacte ſpringet man mit dem rechten Beine, ſo daß man es im Springen nach der rechten Seite ausſtoͤſſet, den Con - tretems â côté, machet in dem letzten Viertel den dazu gehoͤrigen ſteiffen Pas mit dem lincken Fuß nach der rechten Hand, und nimmt ſogleich darauf das Tempo zur Capriole de côté en tournant un tour, oder trois quarts de tour; ſpringet in dem andern Drey - Viertel-Tacte ſeitwerts in die Hoͤhe, drehet ſich zugleich drey Qvart von der Tour nach der rech -Capten Hand in der Luft, und faͤllet, nachdem man entweder oben an den Waden, oder unten von dem Fuſſe battiret hat, mit dem rech - ten Beine wieder herab auf die Erde; wirfet ſich im letzten Vier - tel, indem man ſich zugleich vol - lends herum drehet, auf das lincke Bein, daß man alſo dem Frauen - zimmer wieder gerade gegen das Geſicht zu ſtehen koͤmmt, und he - bet mit der neuen Cadentz den dar - auf folgenden Seiten-Pas an.
Vor-Capriole oder Luftſprung. Will man in der Menuet vor - werts caprioliren, muß es nie - mals gegen das Frauenzimmer ge - ſchehen, daß es nicht ſcheine, als ob man ſie wolte uͤber den Hauffen ſpringen, ſondern hinter derſelben, ehe man ſich noch in die Seiten - Pas nach der rechten Hand wen - det; oder auch am Ende der Fi - gur bey dem Umkehren, und wird dabey das Tempo und die Ord - nung ſowol derer Pas als der Ca - dentz, wie bey der Seiten-Capriole en tournant, beobachtet. Nem - lich mit dem rechten Beine wird der Contretems en avant geſprun - gen, auf deſſelben ſteiffen Pas mit dem lincken Beine das Tempo zur Capriole en avant genommen, und dieſelbe dergeſtalt vorwerts hinaus geſchnitten, daß die Fuͤſſe faſt den Huͤften gleich kommen; doch ge - ſchiehet die Battirung nicht mit den Beinen ſeitwerts aus einan - der, ſondern aufwerts gegen die Hoͤhe, und abwerts gegen den Boden; ſo muß auch der Leib ungedrehet bleiben. Battiret man creutzweiſe, ſo heißt es Entrechat en avant.
CaprioleRuͤck-Capriole. Will man in der Menuet die Capriole hinten - aus ſchneiden, ſo wird der Con - tretems en arriere auf ietzt beſagte Weiſſe vornher angefuͤget; iedoch muͤſſen hierbey, wenn man in der Hoͤhe iſt, die Fuͤſſe mit dem Leibe und Kopfe, wo nicht in einer Transverſal-Linie, doch wenig - ſtens in einer Horizontal-Linie zu ſtehen kommen. Wird dabey mit den Fuͤſſen creutzweiſe battiret, worzu man aber mehr Muͤhe brau - chet, heiſſet es Entrechat en ar - riere.
Sind auf Reit-Schulen Spruͤnge, welche ein Pferd auf einem Platze macht, ſolcher geſtalt, daß wenn es mit dem vordern Thei - le in der Lufft und am hoͤchſten, es ſich hinten mit aller Force aus - dehnet, und mit beyden hintern Schenckeln zugleich ausſchlaͤgt und ſtreicht, daß es recht kracht. Die Caprioles aber, welche Pfer - des Hoͤhe und Laͤnge avanciren, ſind die allerſchoͤnſten, und auch ſchwereſten unter allen erhabenen Schulen, und ſind unterſchieden von den Croupaden in dem, daß das Pferd darinnen die Huf-Eiſen hinten nur weiſet, und von den Balottaden in dem, daß es nicht ausſchlaͤget, und den Streich hin - ten nicht vollfuͤhret. Jſt alſo die Capriole die ſchwereſte Schule un - ter den Airs relevées.
Der Hals an einer Laute, The - orbe, Violine und dergleichen Jn - ſtrumenten.
Jſt eine ungleiche qveere Uiber -Carſchreitung mit einem Pferde, da man allezeit halbe Ronden macht, und von einer Hand zur andern changirt, ohne ein gewiſſes Ter - rain zu beobachten. Dieſe Cara - cols machen die Reuter im Tref - fen, um ihren Feind ungewiß zu machen, als ob ſie ihm gleich ent - gegen oder zur Seiten kommen wolten. Es iſt eigentlich ein Spa - niſches Wort, und bedeutet bey ih - nen die Bewegung einer Schwa - drone in dem Treffen, da ſich das erſte Glied, ſo bald es den Piſtol - Schuß gethan, in der Mitten thei - let, ſich nach dem rechten und lin - cken Fluͤgel ſchwencket, und ſich hinten wieder an der Schwadrone anſchlieſſet.
Jſt ein rother Edelgeſtein, wel - cher einen feurigen Glantz, abſon - derlich im finſtern, von ſich giebet. Er hat auch aller andern Edelge - ſteinen Tugenden an ſich, und druͤ - cket den andern allen ſeine Geſtalt ein, ſo ſonſt kein Stein thun kan.
Jſt eine Liebkoſung oder verſi - cherte Schmeicheley, dadurch ein Pferd in ſeinen Actionen beſtaͤti - get wird, daß es ſeine Schuldig - keit, mit deſto groͤſſerm Eifer, Luſt und Wohlſtand verrichtet, ab - ſonderlich wenn ſolche zu rechter Zeit geſchicht, als nach iedem Wohlverhalten, und auf harte Straffen, damit wieder Verſoͤh - nung zu ſuchen. Dieſelbe geſchie - het auf unterſchiedliche Weiſe, als 1) mit der Hand ſanfft zu klopff n, 2) es zu ſtreicheln, 3) den Zaum ſchieſſen zu laſſen, 4) ſtill zu halten, 5) die Lection zu verkuͤrtzen, 6) bald abzuſteigen, 7) etwas an - nehmliches zu eſſen fuͤr zu halten,K 28) esCar8) es in den Stall zu ſchicken oder frey lauffen zu laſſen, und was ſonſten ihm annehmlich ſeyn mag.
Ein Hochzeit-Gedichte, Braut - Lied, Hochzeit-Geſang.
Waren bey den Roͤmern Lieder, welche den diis Averruncalibus, von welchen ſie glaubten, daß ſie das Boͤſe abwendeten, abgeſun - gen, und wenn das Boͤſe voruͤ - ber, denſelben zu Lobe angeſtim - met wurden.
Ein rothgelblichter Stein, durch - ſichtig, bleichfaͤrbig, iedoch, wenn er polirt wird, iſt es ein ſchoͤner und ziemlich koſtbarer Stein; kommt aus Sardinien, Jndien und Arabien. Jn den Apothecken wird ein Pulver davon gemacht, welches dem Gifft widerſtehet.
Wird diejenige in allerhand Maſqveraden, Opern, Balleten, Redouten, praͤchtigen Aufzuͤgen, Goͤtter-Banqveten ꝛc. beſtehen - de Luſt genennet, die ſich groſſe Herren einige Wochen vor der Fa - ſten-Zeit zu machen pflegen.
Heißt das Johannis-Brodt, ſo in Spanien waͤchſt, abſonderlich in Valentia, womit einige vorneh - me Leute und Pferd-Liebhaber ih - re koſtbare Pferde fuͤttern laſſen, wovon ſie glatt, geaͤpffelt und glaͤntzend werden.
Ein alter Macedoniſcher Tantz, welcher einen mit 2 Ochſen pfluͤ -Cargenden Bauer, der ſeine Waffen neben ſich geleget, und einen be - waffneten Raͤuber, der jenem die Ochſen nehmen wollen, unter Pfeiffenklang vorſtellete, wobey bald dieſer, bald jener die Ober - hand behalten.
Creutzweg, auf der Reitbahn, das iſt, ein Volte mit geraden Li - nien oder Durchſchnitten, ſo man die Creutz-Schul nennet, und das Fundament von denen andern iſt.
Dieſes Wort bedeutet zugleich die Rennbahn, als auch den ſchnel - len Lauff des Pferdes ſelbſt, wenn ſolcher etliche hundert Schritte austraͤget; welche Carriere auch zum Ring-Rennen gebraucht wird, ingleichen zum Wettlauffen und zum Durchgehen.
Heißt auch bey den Falckenie - rern das ordentliche Steigen eines Falcken ohngefehr 60 Klaffter hoch; ſteiget er noch hoͤher, ſo heißt es double Carriere; ſteiget er aber nicht ſo hoch, nennen ſie es demi - carriere.
Ein harmoniſches Zuſammen - Laͤuten vieler Glocken, ein Glocken - Spiel, numeroſus & modulatus æris campani ſonitus. Daher Car - rilloneur, qui æs campanum ar - gute & numeroſe pulſat, ein Glo - cken-Spieler.
Ein oͤffentliches Ritterliches Erercitium zu Pferde, welches an ſtat der alten gefaͤhrlichen Turnie - re von hohen Rittermaͤßigen Stan - des-Perſonen iſt erwehlet, geuͤbt,undCarund in hohem Werth gehalten wor - den. Man kleidet ſich dabey nach Art der alten Ritter, und theilet ſich in verſchiedene Nationen. Der Auszug geſchiehet allzeit ſehr praͤchtig, und wird oͤffters mit Triumph-Waͤgen und andern koſt - baren Machinen und Sinnreichen Erfindungen gezieret. Jn ſolchem Aufzuge begiebt man ſich nach ei - nem freyen Platz, als mit Tan - nen-Reiß ausgezierten Reithaͤu - ſern, Rennbahnen, Schloß-Hoͤ - fen ꝛc. allwo man fuͤglich das Ring-Kopff - und Qvintan-Ren - nen, Lantzen-Brechen, Piſtol - ſchieſſen und andre Ritterliche Uibungen anſtellen mag.
Dieſes iſt ein beſonders ſchoͤnes und luſtiges Welſches Ritterſpiel, welches an wenig Hoͤfen noch im Gebrauch geweſen, und beſtehet aus 5 Treffen. Das 1) gehet auf den Faqvin mit der Lantze, und wann ſolcher nicht auf das Cen - trum getroffen wird, ſo drehet ſich der Faqvin (oder das Bruſtbild) herum, und ſchlaͤget mit der Prit - ſche (ſo er in der rechten Hand hat) dem ungeſchickten Ritter auf den Ruͤcken. Zum 2) wird die erſte Kugel nach der Figur der Lufft ge - worffen, trifft man das Behaͤlt - niß auf das Centrum, ſo ſpringt der Deckel auf, und fliegen etliche Voͤgel heraus in die Lufft. Zum 3) wird die andere Kugel aus der Taſche genommen, und damit nach der Feuer-Machine gewor - fen, die dann eine Raqvete los - zuͤndet. Zum 4) nimmt der Rit - ter die Pritſche, ſtoͤſſet mit ſelbi - ger auf den Waſſer-Mann, ſo ſpringt Waſſer aus dem Munde in die Hoͤhe. Zum 5) gehet manCaſmit eben dieſer Pritſche nach dem auf der Erden ſtehenden Poſte - ment zu, allwo ein Kaͤſtgen ſtehet, unter welchen ein Fuchs, oder Haa - ſe verborgen iſt, welches von den 4 Elementen die Erde bedeutet.
Jſt ein Frauenzimmer - oder Damen-Spiel, ſo auf Schlitten geſchicht, da ein ieder Cavalier ſeine Dame fuͤhrt, daß dieſelbe alle Treffen mit der Lantze, Piſtol und Degen wegnehmen kan, wie ein Ritter zu Pferde thut, und wird ein Damen-Feſt genennet.
Nennen die Spanier die kleinen hoͤltzernen Klappern, deren ſie ſich bey dem Tantze bedienen; in Nie - der-Langvedoc heiſſen ſie Caſca - velles; in Provence und Gaſcogne Caſcaveaux; zu Paris aber Ca - ſtagnettes, und ihr Lateiniſcher Nahme iſt Scabilli, ſ. Caſtagnet - tes.
Jſt die Haupt-Stadt in Heſſen an dem Fluß Fulda gelegen, wel - cher ſie in 2 ungleiche Theile theilet. Die Stadt iſt ſchoͤn und ziemlich groß, auch wohl fortificiret, daß man ſich nicht genug verwundern kan uͤber die Kuͤhnheit des Bau - meiſters, wenn man die tieffen Graͤben, die Hoͤhe der Waͤlle, und andere dergleichen Arbeit betrach - tet. Dieſe Stadt hat keine Vor - ſtaͤdte, aber rings herum viel ſchoͤ - ne Gaͤrten, die Gaſſen ſind breit, lang und ſauber; das Schloß iſt ein ſehr praͤchtiges Gebaͤude, ſehr erhaben und regulair erbauet, und ſiehet man auf allen Seiten ſchoͤne Felder. Jn der Jnſel ſind die Fuͤrſtl. Gaͤrten. Die Reitſchule, welche an das Schloß ſtoͤſſet, iſtK 3herr -Caſherrlich, mit 2 Gallerien, eine uͤber die andere umfangen, ſo in Form eines halben Mondes gemacht, und verguldet, davon man das Ring-Rennen und Pferd-Turnier ſehen kan. Um dieſelbe herum ſind allerhand ſchoͤne Brunnen, und dahinter iſt der Saal fuͤr die Comoͤdianten. Der innere Hof des Schloſſes iſt ſehr weit und hat 3 Gallerien. Es ſind in dem Schloß viel ſchoͤne Gemaͤcher und groſſe Saͤle. Der ſogenannte guͤldene Saal iſt eins von den ſchoͤnſten Gemaͤchern, ſo man ſe - hen mag, in welchem alle regieren - de Fuͤrſten ſamt den Bildniſſen etlicher Monarchen gemahlet ſind. Die Kunſt-Kammer und das Ob - ſervatorium ſind auch ſehenswuͤr - dig. Auſſer der Stadt ſiehet man das ſchoͤne Haus Weiſſenſtein, und den ſogenannten Winter-Ka - ſten, welcher mit ſchoͤnen Waſſer - Kuͤnſten wundernswuͤrdig an ei - nen Berg angelegt, und mit Baͤu - men beſetzt iſt. Dieſe Stadt iſt die ordentliche Reſidentz der Land - grafen von Heſſen-Caſſel, deren Wappen unten unter Heſſen zu ſe - hen iſt.
Sind kleine hoͤltzerne Jnſtru - mentgen, welche der Forme nach einem Loͤffel ohne Stiel und der Farbe nach einer Caſtanie gleichen; man pfleget ſie an den Daumen zu binden, und nach deren Klappern zu tantzen. Unter andern bedie - nen ſich derſelben die Mohren, Spanier und Boͤhmen. Taubert in ſeinem rechtſchaffenen Tantz - Meiſter, hat eine Art, wie man ſich bey dem Schlagen der Ca - ſtagnetten, oder hoͤltzernen Klap - pern, koͤnne der muſicaliſchen No - ten bedienen, welche auf beydenCaſSeiten der Linie die einen druͤber und die andere drunter geſetzt wer - den. Die uͤber der Linie befind - liche Noten ſollen mit der lincken Hand, und die unter der Linie ſte - hende mit der rechten Hand ge - ſchlagen werden. Und wie er pag. 897 bis 899 den modum proce - dendi beſchreibt, ſo zeigt er ſolches pag. 794 ſq. in Kupfer.
Pferde-Caſtanien, Roß-Caſta - nien, heiſſen alſo, weil ſie die Tuͤr - cken fuͤr ihre Pferde brauchen, wenn ſie keichend werden; dieſe ſind anfangs von Conſtantinopel nach Wien, und ſo ferner in un - ſere Luſt-Gaͤrten gebracht worden.
Ein Berg-Schloß und Amt, im Fraͤnckiſchen Kreiſe, fuͤnftehalb Meilen von Wuͤrtzburg in Oſt - Nord, wovon die Grafen von Caſtell ihren Nahmen fuͤhren, wel - che auf der Fraͤnckiſchen Banck Sitz und Stimme haben, und in 2 Linien, nemlich zu Remlingen und Ruͤdenhauſen, bluͤhen. Die - ſe Reichs-Grafen von Caſtel fuͤh - ren ein vierfeldiges Wappen, da - von ohne einige Figur 2 roth und die andern 2 weiß ſind. Oben auf dem Helme ſteht ein dergleichen qvadrirter hoher Hut, mit einem halb ſilbernen und halb rothen Aufſchlage, welchen eine guͤldene Crone bedecket, aus der ein Pfau - Schwantz in die Hoͤhe gehet.
Stadt und Fuͤrſtenthum in dem Mantuaniſchen, welches die juͤng - ſte Linie des Hauſes Gonzaga beſi - tzet, und einerley Wappen mit der abgeſtorbenen aͤlteſten Mantuani - ſchen Linie fuͤhret. ſ. Mantua.
Caſtor,Alles, was aus Biber-Haaren verfertiget wird, als Huͤte, Struͤm - pfe ꝛc.
War bey den Lacedaͤmoniern ein beſonderes Lied, welches bey dem erſten Angriffe der Feinde auf der Pfeiffe gemacht wurde, alſo daß ſie nach ſolchem gleichſam als zum Tantze in die Schlacht giengen. Nach einigen ſoll es von dem Ca - ſtore zuerſt erfunden ſeyn, und daher den Nahmen haben: Ande - re aber geben die Minervam zur Erfinderin an, welche den Caſto - rem und Pollucem damit beehret. Mithin ſoll es dem erſten Urſprun - ge nach ein ſtuͤckgen geweſen ſeyn, welches bey der Pyrrhichia, oder dem Tantze in vollen Waffen, auf - gemacht worden.
Ein Verſchnittener, dem die Gei - len, und das Vermoͤgen zum ge - neriren benommen worden, es mag nun ſolches durch Artzeney, oder auf gewaltſame Art geſchehen ſeyn; Welches verurſachet, daß ſie ihre klare Stimme behalten, und da - hero in Capellen zur Muſic ge - braucht werden.
Ein harmoniſcher Periodus, wo - durch etwas niedriges, geringes und veraͤchtliches vorgeſtellet wird. Daher heiſſet auch eine Ton-Wei - ſe, oder ein durch Semitonia or - dentlich und ohne einigen Sprung herunterwerts ſteigendes Thema ein Subjectum catabatum.
War ehedeſſen ein Lied, womit in den Pythiſchen Spielen der ſie - gende Apollo tantzend vorgeſtellet ward.
Misbrauch oder uneigentlicher Gebrauch. Jn der Muſic ent - ſtehet dergleichen, wenn eine Diſ - ſonantz nicht auf ordentliche, ſon - dern auſſerordentliche Art reſolvi - ret und aufgeloͤſet wird. Es heißt auch alſo der Progreſſus vieler auf einander folgenden Qvarten, wel - che durch den Baß klang - und brauchbar gemacht werden; weil nach der Pythagoraͤer Meinung ſolche auch unter die vollkommene Conſonantzen mit gehoͤren, und demnach nicht unmittelbar einan - der folgen ſollen.
Ein gewiſſes kroſpelichtes B[ein], welches nur allein im Menſchen und in keinem Pferde oder andern Thiere gefunden wird.
Hieß bey den Alten die Melo - die, nach welcher der Waffen - Tantz pflegte verrichtet, und die Waffen geſchuͤttelt zu werden.
Jſt ein Theil einer Comoͤdie oder Tragoͤdie, worinnen die Ver - wirrung der Dinge in ſelbiger aufs hoͤchſte kommen, und ſodenn durch die Cataſtrophen ihren Aus - gang gewinnen.
Ein Theil des Dramatis, worin - ne die Dinge, ſo in der Cataſtaſi auf ihre hoͤchſte Verwirrung und Heftigkeit gekommen, ſich wiederK 4um -Cavumkehren, und zu ihrem meiſt un - vermutheten Ausgange ſich legen.
Jſt ein ſtatlicher Ausritt, zur Einholung und Begleitung vor - nehmer Herren und Perſonen.
Dieſes Wort bedeutet den Stallmeiſter, der in einem Koͤ - niglichen Marſtalle uͤber die Be - diente und Pferde zu befehlen hat; Es bedeutet auch bey den Jtalie - nern die Paſtinen-Bereuter, wel - che die aufgeſtellten wilden Fohlen anreiten, und ſolche auf den Gurt-Sattel austrottiren, und thaͤtig machen. V. Bardeille.
Heißt eigentlich ein Reuter, ins - gemein aber braucht man dieſes Wort von einem Edelmanne, wel - cher entweder im Kriege oder durch Hof-Dienſte dem Lands - Herrn und Vaterlande erſprießli - che Dienſte leiſtet, und wenn er ſich durch den erſten Weg vor an - dern hervorgethan hat, ſo wird er ein edler, tapferer Ritters-Mann oder Ritter genennet. Seine ade - liche Geburt verbindet ihn, den Ruhm und Glantz ſeiner tapfern und tugendhafften Vorfahren, durch ſein Verhalten nicht zu ver - dunckeln, ſondern in mehrers Lu - ſtre zu ſetzen. Und da ihm ſeine edle Geburt vor denen vom Buͤr - ger-Stande den Weg zu hohen Kriegs - und Hof-Chargen bahnet, ſo ſoll er ſich hierzu auch geſchickt machen, und in ſeinen jungen Jahren die Mittel nicht verabſaͤu - men, welche ihn dazu fuͤhren. Dieſe ſind nun keine andere, als Studia und die Ritterlichen Exer - citia. Von der NothwendigkeitCavder Studiorum iſt ſchon oben pag. 42 ſq. unter Ἄμοὐσος etwas beygebracht worden, es wird aber noch mehr geſagt werden unter dem Titel: Cavalierement ſtudi - ren. Daß aber die Ritterlichen Exercitia einem von Adel unent - behrlich ſeyn, zeiget der Nahme ſelbſt ſchon an. Sie heiſſen Exer - citia equeſtria, Ritterliche oder Adeliche Uibungen, und ſollen folglich von den Adelichen geuͤbet werden. Die Tantz-Kunſt iſt das erſte, wodurch man an einem Men - ſchen die daraus erlernte bonne grace und Geſchicklichkeit im erſten Anblick gewahr wird, ſie macht, daß man ſich eine ſchoͤne Stellung des Leibes, einen zierlichen Gang und anmuthige Beugung ange - woͤhnet, und bey angeſtellten Froͤ - lichkeiten ſeine Perſon wohl ſpie - len koͤnne; ja ſie iſt eine aͤuſſerli - che Sitten-Schule, und thut den andern Ritterlichen Uibungen die Thuͤre auf und zu, und iſt ihnen, wo nicht mehr, doch eben ſo viel, als die Philoſophie den drey Fa - cultaͤten der Gelehrſamkeit. Hier - aus wird ein ieder ſo zu ſagen mit Haͤnden greiffen, es ſey einem jun - gen Edelmann unumgaͤnglich noͤ - thig, eine ſo edle Kunſt zu erler - nen. Die Fecht-Kunſt zu trei - ben noͤthiget die Bosheit der Men - ſchen einen Cavalier, damit er nem - lich im Stande ſey, ſich gegen die - jenigen kluͤglich und vortheilhafft zu wehren, welche ihn unbillig angreiffen. Die Reit-Kunſt leh - ret ihn, wie er ſelbſt geſchickt zu Pferde ſitzen, und ſich eines Pfer - des ſowol im Kriege, als auch zur Parade, bey praͤchtigen Aufzuͤgen, bey oͤffentlichen Schau-Spielen und andern Gelegenheiten kluͤglich bedienen ſolle. Und da ein Cavalierur -Cavurſpruͤnglich einen Reuter andeu - tet, ſo iſt ja wol unſtreitig, daß er das Reiten vollkommen verſtehen muͤſſe. Das Jagen einem Cava - lier anzupreiſen, ſcheinet uͤberfluͤſ - ſig zu ſeyn, weil nicht leicht einer zu finden iſt, welcher dazu keine Neigung ſpuͤren ſollte. Dieſes wenige wird hinlaͤnglich ſeyn, die unumgaͤngliche Nothwendigkeit der Ritterlichen Exercitien zu be - weiſen, und darzuthun, daß ie weiter es einer von Adel darinnen gebracht, um ſo viel deſto geſchick - ter mache er ſich, dem Staate dereinſt mit Vortheile Dienſte lei - ſten zu koͤnnen.
Hierbey ſind zwo Klippen ſorg - faͤltig zu vermeiden, erſtlich die Negligen; und die damit verknuͤpf - te bauerſtoltze Unwiſſenheit, und zweytens die Pedanterey. Denn ein junger von Adel ſoll nicht oben - hin und ſo zu ſagen fuͤr die liebe lange Weil die gelehrten Wiſſen - ſchafften tractiren, ſondern ſich ei - ne gruͤndliche Gelehrſamkeit er - werben, damit er Koͤnigen und Fuͤrſten und dem Staate dereinſt deſto nuͤtzlichere Dienſte leiſten koͤnne. Dieſer Zweck wird nun durch nichts anders als durch Schweiß und Fleiß erlanget. Denn ohngeacht ein Cavalier nicht noͤthig hat, alle Subtilitaͤten ei - ner ieden gelehrten Wiſſenſchafft inne zu haben; ſo ſoll er ſich doch den Kern derſelben bekandt ma - chen, und wie er ſolche fuͤr ſich und fuͤr den Staat nuͤtzen koͤnne, verſtehen. Nebſt dem Unfleiß hat einer von Adelichem Gebluͤte auch die Pedanterey zu fliehen. Einen Pedanten aber nennen wir den, welcher nicht nur aus allerhandCavGrillenfaͤngereyen und nichtswuͤr - digen Kleinigkeiten groſſen Staat machet, ſich vor andern dabey klug zu ſeyn einbildet, und das, was reellen und wahrhafften Nutzen ſchaffet, dabey hintan ſetzet, ſon - dern auch weder auf die Cultur ſeines Verſtandes noch Willens bey ſeinem Studiren ſiehet. Da - gegen ein Edelmann alle ſeine Stu - dia hauptſaͤchlich auf die Praxin zu richten, und in nichts theoreti - ſches ſich einzulaſſen hat, wofern es nicht zur Praxi fuͤhret. Wie ſoll man aber cavalierement ſtudi - ren? Man muß, gute und aus - erleſene Schrifften leſen, gelehrte Maͤnner oͤffters hoͤren, das Ge - hoͤrte und Geleſene durch reiffe Meditationes in ſuccum & ſangui - nem vertiren, und ſich eines klu - gen Umgangs mit geſcheuten und und gelehrten Leuten nicht ent - ſchlagen, als woraus oͤfters mehr zu profitiren, als aus vielem Leſen und oͤftern Collegiis. Jn dieſen Stuͤcken wird ein Liebhaber der Weisheit und Gelehrſamkeit mehr Vergnuͤgen und Ergoͤtzlichkeit fin - den, als andere in Caffee - und Wirthshaͤuſern. Jn welchen Wiſ - ſenſchafften ſoll ſich einer von Adel umſehen? Soll er denn auch die Critic lernen? Jn ſofern die Cri - tic ſich mit grammaticaliſchen Klei - nigkeiten beſchaͤfftiget, iſt es an ei - nem Edelmann lobenswuͤrdig, wenn er hiervon nichts weiß. Wenn aber die Critic den Weg zur Verſtaͤndniß der alten Scri - benten bahnet, ſo iſt ihm deren Erkentniß nicht ſchaͤdlich, wenn er ſich nur nicht allzuſehr darinne vertieffet, und die itzigen Sitten und Lebens-Art dabey hintan ſe - tzet. Die Lateiniſche Sprache iſt ihm unentbehrlich, und giebt derenK 5Zier -CavZierlichkeit und Reinlichkeit einem Staats-Manne eine nicht geringe Zierde: Daß er aber eben Cicero - nianiſch Latein ſchreiben muͤſſe, iſt nicht noͤthig, genug wenn er ſeine Gedancken zierlich, nett und deut - lich auszudrucken weiß, und ſich vor Solœciſmis, Barbariſmis und Germaniſmis huͤtet. Die Fran - tzoͤſiſche und Jtalieniſche Spra - chen, als die gewoͤhnliche Hof - Sprachen an den mehreſten Hoͤfen in Deutſchland, ſind einem Cava - lier gleichfalls unentbehrlich, zu - mal da auch in der Frantzoͤſiſchen die ſchoͤnſten und gelehrteſten Buͤ - cher geſchrieben ſind. Hat er Zeit und Gelegenheit die uͤbrigen Spra - chen der geſitteten Europaͤer zu er - lernen, ſo iſt ſolche nicht zu ver - ſaͤumen; doch wird ein ieder hier - bey auf ſeine eigene Umſtaͤnde ſe - hen. Und da er in auslaͤndiſchen Sprachen verſiret ſeyn ſoll, ſo ver - ſtehet ſich von ſelbſten dabey, daß er vor allen Dingen ſeine Mutter - Sprache vollkommen in ſeiner Gewalt haben muͤſſe. Von der Griechiſchen und Ebraͤiſchen Spra - che, darinnen Gottes Wort ur - ſpruͤnglich geſchrieben iſt, haben wir hier nichts zu erinnern, weil wir vermuthen, er werde als ein Chriſt auch in denen Sprachen, deren ſich der Heilige Geiſt bedie - net, nicht unerfahren ſeyn wollen. Ob dem, der cavalierement ſtudi - ren will, die Philoſophie, und de - ren Theile die Logic oder Ver - nunft-Kunſt, die Oratorie oder Beredtſamkeit, das jus Naturæ, die Ethic, Moral, Phyſic, Poli - tic &c. die Matheſis, die Rechte, als das jus civile, Publicum, Feu - dale, Eccleſiaſticum &c. noͤthig ſeyn, davon wird unter iedem Arti - ekel gedacht werden.
Heiſſet, wenn ein Cavalier nach allen Tantz-Regeln ſauber und ſehr wohl tantzet, und zwar ſo naturellement, daß es ſcheinet, als haͤtte er es nicht gelernet, ſondern ſey ihm als eine noble Operation von dem adelichen Gebluͤte gleich - ſam angebohren. Cavalierement tantzen iſt die hoͤchſte Vollkommen - heit im Tantzen, und kan ein Tantzmeiſter in der Execution nicht hoͤher ſteigen, als daß er ſeine Dinge cavalierement machet, das iſt, Regelrecht, als waͤre es ihm angebohren. Da die Ritterlichen Exercitia hauptſaͤchlich fuͤr die Nobleſſe und Standes-Perſonen erfunden ſind, um ſie von andern zu diſtinguiren: So koͤnnen die Actiones deſſen, welcher den Vor - zug vor andern haben ſoll und auch haben will, nicht ſchlechter und uͤbler reguliret ſeyn, als ande - rer Leute ihre.
Jſt eine gewiſſe Art, die Trom - peten im Kriege zu blaſen, wenn eine Armee ſich einer Stadt nahet, oder in ſelbige hinein marſchiret.
Deren Beſchreibung iſt aus dem Herrn Mattheſon in dem Muſica - liſchen Lexico alſo abgefaſſet: Cavata iſt ein Adjectivum, das pro Subſtantivo, mit Auslaſſung deſ - ſelben, geſetzt wird, und heiſſet: 1) Wenn eines weitlaͤuftigen Reci - tativs gantzer Jnhalt gemeiniglich am Ende in gar wenig Worten gleichſam concentriret, und derge - ſtalt heraus geholet wird, daß es (um einen Unterſchied zu machen) noͤthig, ſolche ſententioͤſen Worte nach dem Tact und arioſo zu ſe -tzen.Cavtzen. 2) Wenn eine Arie, oder et - was anders, ungemein wohl aus - gefuͤhret, und nach Wunſche ge - lungen iſt. Jn dem vollkomme - nen Capellmeiſter fol. 213 beſchreibt ſie Herr Mattheſon alſo: Cavata iſt eine beſondere Gattung der Melodien; zu derſelben gehoͤren die Madrigale, Aufſchrifften, Kling-Gedichte und dergleichen. Eine ſolche Cavata nun iſt ein Ge - ſang mit Jnſtrumenten, der keine ſolche Eintheilungen, dabey aber einen weitern Begriff hat, als die Arien, und mehr auf eine ſcharf - ſinnige Betrachtung, als einen ſtarcken Affect ſiehet. Er fuͤgt da - ſelbſt ferner bey: die Leidenſchaf - ten ſind von der Cavata und dem Arioſo nicht ſchlechterdings aus - geſchloſſen, ſondern ſind in dieſen beyden Stuͤcken nur nicht ſo aus - nehmend als in andern. Die Ca - vata will allemal eine reiche Be - gleitung haben, und kan unmoͤg - lich in wenig Worten beſtehen; ob ſie gleich von Rechts wegen nur ei - nen eintzigen Satz oder Paragra - phum ausmachen ſolte. Sie muß was ausnehmendes, nicht nur in demjenigen Umſtande aufweiſen, daß ſie vom Recitativ, vom Ario - ſo und von einer Arie unterſchie - den iſt, ſondern auch darinnen, daß ſie ſehr wohl ausgearbeitet werde; welches ſich bey einem kur - tzen Arioſo gantz anders verhaͤlt. Hieher gehoͤren demnach ſolche Saͤtze, die weder den Bezirck, noch die Eintheilung einer Aria haben, ſich mit ihren Erwegungen weit uͤber den gemeinen Recitativ erheben, und viel mehr als ein Arioſo ſagen wollen. Wegen der Jnſtrumenten erinnert er, wenn man keine haben koͤnne oder wol - le, ſo duͤrfe man nur dem unent -Cavbehrlichen Clavier bey einer Cava - ta was auſſerordentliches zu thun geben; denn dieſes Werckzeug muͤſſe auch ſonſten offt die Stelle aller andern vertreten. Endlich zeiget er auch an, wo man Cava - ten finde.
War in den Theatris, Amphi - theatris und auch Circis der alten Roͤmer die innere Faſſung ſolcher Schau-Oerter, welche von unten an immer weiter und weiter aus einander lieff, und den Zuſchau - ern eigentlich zu ihren Sitzen die - nete. Sie heiſſet dem Nahmen nach ſo viel als eine Grube, und mag ſolche Benennung daher ent - ſtanden ſeyn, daß, da zuerſt die Comoͤdien und dergleichen Dinge auf freyen Plaͤtzen geſpielet wur - den, und mithin die Zuſchauer im Kreiſe um die Spielenden herum ſtunden, ſie zum theil, um deſto beſſer vor denen Vorſtehenden ſe - hen zu koͤnnen, Raſen zuſammen getragen und auf ſolche getreten; welche denn nachgehends, wenn die Leute davon weg waren, eine groſſe Grube vorſtelleten, und da die Theatra u. d. g. auch auf gleiche Art gebauet worden, der Nahme hernachmals auch geblieben.
Eine Art von einem Naſen - band, entweder von Eiſen, Leder oder geflochtenen Stricken, wel - ches man um die Naſe des Pfer - des anlegt, und feſt ſchnal - let, um ſolches dadurch zu zwin - gen, den Hals und Kopf, (mitVer -CavVerſchonung des Mauls) uͤber ſich zu richten, die Schultern bie - gig zu machen, und es in eine ſchoͤne Poſitur zu bringen, daß es hernach durch die Reitſtangen da - rinnen unterhalten werde, wann man es vom Naſenbande frey ma - chet; ſintemal einige Bereiter ih - re Pferde in Naſenbaͤndern gar abſterben laſſen, welches nicht zu loben.
Eine auf dem Fechtboden ge - braͤuchliche Redens-Art, welche eines der vornehmſten Stuͤcke beym Fechten bedeutet, und alſo geſchiehet, daß man eines andern Klinge unterwerts abhaͤlt, oder auch wol dabey einen Aufſtoß thut. z. E. Lieget einer mit ſeinem Rap - piere in der Tertia gardia, ſo gehe man mit der Tertia auſſerhalb an die Schwaͤche ſeiner Klinge, ruͤcke in der Cavation ein wenig auf ihn hinein, habe acht, indem der Con - trepart wieder caviren wird, und die Spitze in der Cavation gleich - ſam wie in der Tertia unter ſich faͤllet, ſo laͤſſet man die Spitze auch in der Secunde unter ſich ſin - cken, ſo wird man mit der Staͤr - cke auſſerhalb in ſeine Schwaͤche kommen, und alſo ſeine Cavation damit verhindern, und in einem Tempo trit man fort, ſtoͤſſet mit der Secunde auſſen mit einem Zu - tritt des rechten Fuſſes unter ſeiner Klinge hin, ſo kan man leicht und geſchwind paßiren.
Jſt eine ſonderliche Wiſſenſchafft und Kunſt, wodurch man der Pferde uͤberfluͤßigen zuflieſſenden Feuchtigkeiten den Gang abſchnei - de, ableite, und einen andern Weg zum Ausgang zeige und oͤffne,Cemſo durch Striche, Duͤpffel und Fi - guren geſchicht.
Ein Brennmittel, oder Brand - zeichen, ſind mit den Stutereyen gleich eingefuͤhret worden, wodurch ihnen die Herren des Geſtuͤts einen beruͤhmten Nahmen machen, weil durch Erhaltung der vornehmen Geſtuͤte die beſte Art Pferde erhal - ten wird, durch welche dem Re - genten-Stand, in dem Hoff - und Stadtleben, und noch vielmehr im Kriege vortreffliche Vortheile, groſſe Ehre und Nutzen neben der Ergoͤtzlichkeit und Nothdurfft zu - wachſen. ſ. Brand.
Bedeutet zwar mehrentheils das Geſchrey auf den Schiffen, wenn einer dem andern zurufft, was zu thun ſey; es heißt aber auch zu - weilen ein Lied, ſo die Schiffer zu ſingen oder zu pfeiffen pflegen.
Ein Schiffer-Tantz nach Pfeif - fen.
So nennet Herr Silbermann ſein neu-erfundenes Schlag-Jn - ſtrument.
Einer der das Clavicymbel ſpielet, oder einer der die Heerpau - cken ſchlaͤget. Bey der letztern Be - deutung wird auf der Alten ihr tympanum geſehen, welches nach - gehends auch Cymbalum genennet worden.
Jſt ein langes in Form eines Fluͤgels beſaitetes Schlag-Jnſtru - ment, mit Tangenten verſehen,durchCemdurch deren Feder-Kiele die Sai - ten klangbar gemacht werden. Man nennet es auch Chiavicem - balo, Clavicembalo, Gravecembalo.
Eine Clavicymbel - oder Fluͤgel - Art, deſſen Corpus etwas duͤnner, als die ordinaͤren, und nicht lie - gend, ſondern in die Hoͤhe ſtehend eingerichtet iſt, auch deßwegen weniger Raum einnimmt. Die Tangenten werden durch einen Drat wiederum zuruͤck getrieben.
Jſt eine Art Steine, davon man die ſchoͤnen Schalen und Schuͤſſeln macht, welche Chineſi - ſches Gefaͤſſe genennet werden.
Eine Floͤte, eine Pfeiffe, ein Flageolet.
War dasjenige Vermoͤgen, ſo einer haben muſte, wenn er fuͤr ei - nen Roͤmiſchen Ritter paßiren wollte, welches ſich denn auf 400000 Seſtertien, oder nach un - ſerer Muͤntze, wenn man den Se - ſtertium zu 8 Pfennigen rechnet, auf 11111 Thaler, 2 Groſchen, 8 Pfennige erſtreckte, oder, wenn man mit andern den Seſtertium zu 9 Pfennigen rechnet, eine Sum - me von 12500 Thalern betrug.
War das Vermoͤgen, welches einer haben muſte, wenn er ein Raths-Herr zu Rom ſeyn wolte, welches ſich anfangs auf 800000 Seſtertien belief, ſo nach unſerer Muͤntze, wenn man den Seſter - tium zu 8 Pfennigen annimmt, 22222 Thaler, 5 Groſchen und 8CerPfennige ausmacht; ſo man aber einen Seſtertium fuͤr 9 Pfennige annimmt, ſind es 25000 Thaler. Kayſer Auguſtus erhoͤhete nachge - hends dieſen Cenſum bis auf 1200000 Seſtertien; daß alſo nach unſerm Gelde ein Raths-Herr, wenn der Seſtertius 8 Pfennige gilt, 33333 Thaler und 8 Pfennige im Vermoͤgen haben muſte, oder laͤßt man den Seſtertium 9 Pfen - nige gelten, ſo muſte er 37500 Tha - ler beſitzen.
Wurden bey den alten Griechen fuͤr ſolche Monſtra gehalten, wel - che halb Pferd und halb Menſch geweſen; welcher Aberglauben aber daher entſtanden, daß die ſo genannten Centauri oder gewiſſe Voͤlcker in Theſſalien am allerer - ſten die Pferde zaͤumen oder bereu - ten gelernet.
Eine Art von Agatſtein wegen ſeiner