PRIMS Full-text transcription (HTML)
Bauriſcher MACHIAVELLUS.
in einem Luſt-Spiele / Vorgeſtellet
DenXV. Febr. M DC LXXIX. Zittau /Jn Verlegung Joh. Chriſtoph Miethens / Buchhaͤndl.inDreßden. Druckts Michael Hartmann.

NEMINI.

MEin Niemand laß mir zu / daß ich den Nahmen ſchreibe /
Darauff diß Werck beruht; den was mein Spiel verlacht /
Und was die Feder meint / das iſt auf dich gedacht:
Geſtalt ich allezeit dein ſtiller Feind verbleibe.
Du biſt mein eintzigs Ziel / du muſt getroffen ſeyn;
Und noch zum Uberfluß hab ich die Macht genommen /
)? (ijDaß
Daß dein Gedaͤchtnuͤs ſoll in dieſe Zuſchrifft kommen /
Derhalben ſey vergnuͤgt / und geh es willig ein.
Du biſt der Ungluͤcksmann / der allen Staat verkehret /
Der Aempter machen kan / der allen Trug erdenckt /
Der Gifft und Gaben nim̃t / und doppelt wie - der ſchenckt /
Der endlich Geld und Gluͤck in ſolcher Liſt verzehret.
Man ſchaue nur das Volck der lieben Men - ſchen an /
So weit als Jemand wohnt; wird je - mand wol getraget /
Der folgends ſolche That zur Antwort von ſich ſaget?
Und alſo bleibts dar[be]y: Herr Niemand hate gethan.
Der Schaden lieget da. Der Nechſte wird betrogen /
Ein Armer teuſchet ſich in ſeiner Zuverſicht /
Geſetzt ob Jhm das Gluͤck ein ſuͤſſes Ziel ver - ſpricht.
Wer da? Herr Niemand hat den Fuchs Peltz angezogen.
Jn -
Jndeſſen hoff ich noch / daß Jemand in der
Welt /
Aus dieſer Bauer-Luſt was wird zu lernen
haben:
Wol dem der Achtung giebt! hier liegt die
Kunſt vergraben /
Die mehr als Bauerwitz in jhren Schalen
haͤlt.
Den wer die Jugend ſol zum Schertzen an -
gewehnen /
Der muß im Spielen keuſch / im Poſſen nuͤtz -
lich ſeyn;
Er muß den Zucker bloß auf ſolche Sachen
ſtreun /
Darnach ſich anderweit gelehrte Geiſter ſeh -
nen.
Es iſt ein ſchlechtes Thun / wen ein vergiffter
Hohn /
Den Nechſten ſchaͤnden ſol / wen grobe Zo -
ten fliegen /
Und wen das Ergernuͤß die Jugend muß be -
triegen;
Den letzlich hat man nichts als Schimpf und
Haß davon.
Drum liebſter Niemand kom̃ und laß dir ſol -
che Schrifften
Treu anbefohlen ſeyn: dich geht der Handel
an:
Jſt
Jſt jemand welcher ſich darauß verbeſſern kan /
Derſelbe mag vor dich ein ewig Denckmahl
ſtifften.
Nur dieſes magſtu ſtets von mir verſichert
ſeyn /
Daß ich dich immerfort zur Luſt vexieren
werde /
Du biſt des Lachens Zweck: Lebt Jemand
auf der Erde
Der Niemand Hoͤhniſch meint / der ſtimme
mit mir ein.
Ach Niemand habe Danck vor ſein Politiſch
Weſen /
Wodurch er offtermahls die bloͤde Welt ver -
fuͤhrt;
Ach Niemand werde nun vor ſolche Kunſt
geziert;
Ach Niemand wolle Sich in dieſem Spiele
leſen.
Ver -

Verzeichnuͤß der Perſonen.

    • Euſebius.
    • Des Apollinis Commiſſarien.

    • Politicus.
    • Uranius.
    • Der Commiſſarien gute Freunde.

    • Civilis.
    • Simplex.
    • Candidus.
    • Des Machiavelli Anklaͤger.

    • Fidelis.
    • Innocens.
    • Infucatus.
    • Der Klaͤger Beyſtaͤnde.

    • Immutabilis.
  • Apollo.

    Der Richter im Parnaſſo.

  • Mercurius.

    Des Apollinis Abgeſandter.

    • Fama.
    • Des Richters Bedıente.

    • Curioſus.
  • Rationalis.

    Ein Vornehmer von Adel.

  • Appetitus.

    Deſſen untreuer Knecht.

    • Stoliditas.
    • Zwey gemeine Dirnen.

    • Calliditas.
    • Eruditus.
    • Sedulus.
    • Des Appetitus Zuchtmeiſter.

    • Severus.
  • Machiavellus.

    Der Beklagte.

  • Gentilletus.

    Der Advocat wieder Machia - vellum.

  • Antiqvus.

    Der vermum̃te Machiavellus.

Jm

Jm Zwiſchen Spiele.

    • Ciaconi.
    • drey Compe - titores.

    • Friedeborn oderPacifontius.
    • Ziribiziribo.
  • PurusPutus.

    Der Gerichts Scholtze.

  • Subſtantia.

    Seine Frau.

  • Quantitas.

    Seine Tochter.

  • Durandus.

    Der Land Schoͤppe.

  • Scibilis.

    Der Schulmeiſter und Conſulent.

  • Riſibilis.

    Seine Tochter.

  • Excipe.

    Der Ruͤgemeiſter.

  • Vademecus.

    Der Bier-Schatzer.

  • Extra.

    Der Wege Voigt.

  • Intra.

    Der Einnehmer.

  • Adjectivus.

    Der Beyſitzer.

  • Neſcio.

    Der Bettelvoigt.

  • Juniperus.

    Der Hr. Pater.

  • Aſcanius

    Deſſen Auffwaͤrter.

  • Vocativus.

    Der Pachtmann.

  • Accuſativus.

    Der Verwalter.

  • Zodiacus.

    Der Hirte.

  • Frececerax.

    Ein Gefreyter.

  • Aciculus.

    Ein Schneider.

  • Quoniam.

    Der Thuͤrknecht und Klingelmañ.

Er -[1]

Erſte Handlung.

Euſebius. Uranius.

Eus.

WO ſol das Spiel vorgeſtellet werden?

Uran.

Eben auff dieſen Platze.

Eus.

Und wollen die Perſonen den Heyd niſchen Apollo zu Ehren erſcheinen?

Uran.

Sie habens willens.

Eus.

Das ſol gleichwol an Chriſtlichen Orten nich[t]geduldet werden.

Uran.

Man hat Him̃liſche Sachen genung / die ſich bey ſolchen Gelegenheiten anſchauen laſſen.

Eus.

Jch wil mich doch der Sache recht erkundi - gen. Dort komt mein guter Freund / der wird viel - leicht mit uns einerley Gedancken haben.

Uran.

Ja wol / kan Politicus dem Euſebio gut[e]Dienſte thun.

(Politicus und Civilis treten auff.)
Polit.

Jch bin zufrieden / daß ich meine Perſon in dem Schau Spiele ſehen laſſe.

Civil.

So wil ich folgen.

Polit.

Der Parnaſſus ſol ſich eroͤffnen / und die Tu - gendhafften ſollen den groſſen Apollo als jhren Richter anſehen.

ACi -
2Der Baͤuriſche
Civil.

Jch bedancke mich / daß ich ſolche annehmli - Sachen ſol zu Geſichte bekommen.

Polit.

Ein junger Menſch muß bey Zeiten einen lick in die Welt thun.

Civil.

Jch wolte wuͤnſchen / daß mein Gluͤck mit gu -[te]n Nutz geſchehen moͤchte.

Polit.

Der Parnaſſus wird dieſen Wunſch getreu -[li]ch ſecundiren.

Civil.

Jch bin jung; allein aus kleinen Samen ſind[of]ftmals anſehnliche Stauden in die Hoͤhe gewachſen.

Polit.

Der Himmel helffe / daß dieſer koͤſtliche Same

(legt Civili die Hand auf den Kopff /)

[m]it vollem Wachsthum hervor breche.

Euſeb.

Liebſter Bruder / was hat man vor ein Schau - Spiel unter der Hand? ſol Apollo auff einem Chriſtli -[ch]en Theatro auffgefuͤhret werden?

Polit.

Warum ſolte dieſes verboten ſeyn?

Euſeb.

Weil die Heydniſchen Goͤtter der Him̃liſchen Majeſtaͤt zu trotze ſind erdacht worden.

Polit.

Jch ſehe wol / daß die Sache durch eine wol -[a]nſtaͤndige Erklaͤrung muß recommendiret werden.

Eus.

Wo der gantze Leib verdorben iſt / da wird kei -[n]e aͤuſſerliche Artzney helffen.

Polit.

Der Hr. Bruder wird wiſſen / was der Sinn - reiche Jtaliaͤner Trajano Boccalini, mit ſeiner Relation aus dem Parnaſſo, vor ein Kunſtſtuͤck erwieſen hat.

Eus.

Es iſt nicht alles Chriſtlich / was kuͤnſtlich iſt.

Polit.

Es iſt nicht alles Unchriſtlich / was von den Heyden abgeborget iſt.

Eus.

Dieſer Jtaliaͤner mag vielleicht noch ſchlimmer geweſen ſeyn als ein Heyde.

Polit.

Jch ſage meine Gedancken. Wer die Heyd -ni -3MACHIAVELLUS. niſchen Goͤtter anbeten wil / der hat ſich einer Suͤn[de]theilhafftig gemacht. Aber wenn jemand die artig[en]Erfindungen in ſolche Nahmen einkleiden wil / ſo wi[rd]ein Chriſtlicher Poëte ſo viel Freyheit haben als e[in]Heydniſcher.

Eus.

Aber wo ſtecken die Erfindungen?

Polit.

Der Parnaſſus, oder die Verſamlung der T[u -]gendhafften / bedeutet die allgemeine Freundſchafft de[r]Gelehrten / welche gegen Abend und Morgen ausg[e]breitet ſind / und welche von jedwedern Vorhaben ei[n]kluges Urtheil zu faͤllen wiſſen.

Eus.

Aber was ſol ich mir bey dem Apollo einbildẽ

Polit.

Wenn die Gelehrten unterſchiedene Meinun[-]gen fuͤhren / ſo muß doch auff einer Seite die Warhei[t]beſtehen: Und dannenhero wird Apollo vor den kluͤg[-]ſten Conſens der Gelehrten / und das ich ſo reden mag[/]vor den Kern der klugen Wiſſenſchafft genommen[:]darum / wenn ich ſage / Apollo hat es in dem Parnaſſe befohlen / ſo heiſt es / die vornehmſten und edelſten Ge - lehrten ſind in dieſer Meinung einig worden.

Eus.

Jſt es moͤglich / das die Erfinder dergleichen Außlegung haben?

Polit.

Es iſt nicht and ers. Wer wolte ſich einer Heydniſchen Gottslaͤſterung theilhafftig machen? Wer wolte aber auch die zulaͤſſigen Gedancken / welche bey den Poetiſchen Gemuͤthern nicht ungemein ſind / alſo - bald verwerffen?

Eus.

Alſo werde ich ſelbſt belieben tragen / dieſen Apollo in ſeiner Reſidenz zu beſuchen. Jch weiß mein Uranius wird nicht von mir weichen.

Uran.

Jch liebe den Himmel / und um̃ des Him - mels Willen liebe ich die Menſchliche Geſellſchafft.

Polit.

Dieſer Gang ſol uns nicht thauren.

A 2[Ci]
4Der Baͤuriſche
Civil.

Ach geſegnet ſey dieſes Bildnuͤß / da Euſebius[un]d Politicus einander begleiten.

(gehen ab.)

Simplex. Candidus. Fideliis.

Simpl.

Die Menſchen leben in einer Welt / und ha -[be]n nicht einerley Gedancken.

Cand.

Man ſcheuet ſich vor dem Lichte / und fuͤrch -[te]t ſich vor der Finſternuͤß.

Fid.

Man lobt die Treue / und befleckt ſich mit un - reuen Verrichtungen.

Simpl.

Wo ſind die einfaͤltigen Menſchen hinkom̃en?

Cand.

Wo hat die Auffrichtigkeit jhren Sitz be - alten?

Fid.

Ach / wo darff ein Menſch unter tauſenden auch[w]ol einem vertrauen?

Simpl.

Jch habe bey den Menſchen das Buͤrger - Recht verlohren.

Cand.

Mein Erbtheil iſt mir in der Welt zu Waſ -[ſ]er worden.

Fid.

Und meine Freundſchafft iſt in allen vier Theilen der groſſen Erdkugel biß auff den letzten Mann abge - ſtorben.

Simpl.

Jch ſuche Wohnung / aber ich werde ver - drungen.

Cand.

Jch ſuche meines gleichen / aber ich werde betrogen.

Fid.

Jch liebe / doch meine Zuneigung wird mit Schande und Verachtung belohnet.

Simpl.

Der groſſe Schoͤpffer hat uns einen Kopff gegeben / das wir uns vor zweyfaͤltigen Gedancken ey - frig huͤten ſollen.

Cand.
5MACHIAVELLUS
Cand.

Und in dem Kopffe beweget ſich nur e[ine]Zunge / das wir nur einerley Sprache fuͤhren ſollen.

Fid.

Jn der Bruſt wallet nur ein Hertze / das[wir]die Freundſchafft aus einer Quelle heraus leiten ſoll[en]

Simpl.

Der Todt macht alles gleich. Warum w[ird]das Leben mit vielfaͤltigen Farben veraͤndert?

Cand.

Ein jedweder Menſch erſchrickt vor dem G[ra -]be: doch wenn er Laſterhafftig iſt / ſo begraͤbet er ſ[ich]ſelber.

Fid.

Und alle verlangen die Goͤttliche Treue / we[nn]ſie ſterben ſollen; niemand aber wil derſelben gehorſa[m]ſeyn / ſo lange das Leben waͤhret.

Simpl.

Woher muß doch dieſe Veraͤnderung entſta[n -]den ſeyn?

Cand.

Jch bekenne meine Gedancken offenhertz[ig]heraus: Der betruͤgliche Machiavelius hat die letz[te]Grundſuppe der Welt mit dieſen Unrathe gekochet u[nd]gewuͤrtzet.

Fid.

Warum reden wir verbluͤhmt? Seit Machi[avelluſ]vellus ſeine Schrifften in der Welt ausgebreitet ha[t]ſo iſt die Treue verloſchen / und an derſelben ſtatt Falſc[h -]heit / Ehrſucht / Geitz und Meineydt eingefuͤhret word[en.]

Simpl.

Hat der Welt verderber nicht verdienet / da[ß]er vor Gericht gezogen wird?

Cand.

Man hat ſich bißhero vor ſeinen Beyſtaͤnde gefuͤrchtet.

Fid.

Und die ſpitzfuͤndige Welt wil jhren Lehrme[i -]ſter nicht gerne verdammen laſſen.

Simpl.

Auff jhr Bruͤder / weil der groſſe Apollo ſei[n]Gerichte haͤlt / ſo verſaͤumet die Zeit nicht. Hat er un[s]auff das aͤuſerſte verfolget / ſo mag jhn auch die ernſt[e]A 3Stra -6Der BaueriſchrStraffe gedoppelt uͤber den Hals kommen.

Cand.

Die finſtere Nachteule mag in einem duncke - Gefaͤngnuͤſſe verſchmachten.

Fid.

Ja / dieſer untreue Boͤſewicht ſol unter falſchen[un]d grauſamen Peinigern die Ewigkeit beſchlieſſen.

Simpl.

Wer ſol in unſern Nahmen das Wort fuͤhrẽ?

Cand.

Jch bin mit Innocentio Gentilletto bekannt /[de]r hat Muth und Kraͤffte genung dieſen falſchen Poli -[ticum]um zu verklagen. Allein er wird aus Furcht der all - meinen Machiavelliſten in frembden Kleidern / wie[de]nn auch in unbekanten Haaren erſcheinen muͤſſen.

Fid.

Heiſt dieſes ein Exempel der Auffrichtigkeit?

Cand.

Ein Menſch kan zugleich auffrichtig ſeyn / und ſchen Perſonen in gebuͤhrender Klugheit wieder -[ſta]nd thun.

Simpl.

Wolan es bleibe bey den Advocaten, und bey[der]uͤbrigen reſolution.

(gehen ab.)
Der innere Schauplatz eroͤffnet ſich / darinn Apollo in eınem Hellen Throne præſentiret wird.)
Apollo.

Nach dem die Geſellſchafft der Vernuͤnffti -[e]n Menſchen jhre Zweifelhafftige Faͤlle dieſen Hell -[glaͤ]ntzenden Throne mit unterworffen haben / auch von[v]ielen Jahren her dieſes Licht und dieſe Majeſtaͤt von[all]en Voͤlckern iſt verehret / und mit beſtaͤndigen Gehor -[ſa]n angeſchauet worden: Als will auch uns nicht an -[der]s obliegen / denn daß wir die kluge Welt bey dieſen[V]ertrauen erhalten / und durch ein rechtmaͤſſiges Regi -[me]nt die Klugheit von der Unvernunfft / den Jrꝛthumvon7MACHIAVELLUSvon der Wahrheit und das Menſchliche Weſen von d[er]Beſtialität unterſcheiden: zu welchen Ende auch die[ſer]Ordentliche Gerichts Tag wiederum angeſtellet iſt / d[]ein Jedweder auf dieſen freyen Parnaſſum ungehi[n -]dert herauf ſteigen / und ſich eines unpartheyiſchen U[r -]theils getroͤſten moͤge. Dannenhero gehet unſer Befel[hl]daß Fama den Gerichts Tag allenthalben ausbreit[en]und die klagenden Perſonen biß zu unſern Majeſtaͤ[ti]ſchen Trohne begleiten moͤge / daran geſchiehet unſ[re]Ernſte Meinung.

(Die Scene faͤlt wieder zu und verbirgt de[n]Thron.

Innocens, Infucatus, Immutabilis

Innoc.

Jch habe mich lange betriegen laſſen / nun / es Zeit / daß mir Huͤlffe geſchieht. Jch heiſſe Innocen[s]aber in dem ich der Unſchuld ergeben bin / ſchaͤmen ſi[ch]andre Leute nicht jhre Schuld durch allerhand Unrech[te]bey mir zu haͤuffen.

Inf.

Jch bin ſelbſt erfreuet / das ein Advocate kom[-]men iſt / welcher den verdamten Machiavellum zu[r]Straffe fodern wird. Jch heiſſe Infucatus, aber in inde[m]ich die Menſchen mit keiner Schmincke betriegen will[/]wird mir alle Tage / ach! wohl alle Stunden ein neue[es]und geſchmincktes Blendwerck vor die Augen geſtellet[.]

Immut.

Unſre Principalen werden den Gericht[s -]Tag mit verlangen erwarten: Jch ſelbſt haͤtte der Welt gute Nacht gegeben: denn ich heiſſe Immutabilis, doch jemehr ich in meinen ehrlichen Gemuͤthe zu einer be - ſtaͤndigen Treue befeſtiget werde / deſto mehr muß ichA 4die8Der Baͤuriſchedie wanckelmuͤthige Falſchheit beklagen. Alle in was er -[he]bt ſich vor ein gethoͤne?

(Es wird eine Trompete geblaſen / Fama komt heraus)
Fam.

Es ſey hiermit allen und jedweden Einwoh -[n]ern der alten und neuen Welt kundbar und zuwiſſen[ge]macht / daß der durchlauchtigſte Apollo, alsbald von[A]uffgang der Sonnen / in ſeinem Hellglaͤntzenden Par -[na]ſſo den Majeſtaͤtiſchen Richter-Stul eingenommen[h]at / und werden demnach alle und Jede gebuhrend er -[in]nert / wofern ſie in einigem Stuͤcke / die Menſchliche[K]lugheit betreffend / beſchweret oder betrogen worden /[da]ß ſie den Gerichts Tag nicht verſaͤumen / und bey Er -[he]bung jhrer rechtmaͤſſigen Klage eines gerechten Ur -[th]eils erwarten wollen.

Inn.

Dem Himmel ſey Danck / daß der Tag eher an -[ge]ſetzet wird / als wir gehoffet haben.

Infuc.

Dieſe Zeitung wird von unſern Principalen[fr]oͤlich angenommen werden.

Immut.

Es wird aber von noͤthen ſeyn / das wir uns[de]r gewiſſen Zeit erkuͤndigen.

Inn.

Liebſte Freundin hat der Durchlauchtigſte Apol - ſeinen Sitz albereit eingenommen.

Fama.

Es iſt nichts anders als ich ſage. Niemand[koͤm]mt zugeſchwinde: aber will jemand zu laͤngſam kom -[men]en / ſo darff Er den Parnaſſum wegen des Verzuges[ni]cht beſchuldigen.

Inf.

Es ſind etliche Tugendhaffte im begriffe mit[ein]er unterthaͤnigſten Klage zuerſcheinen.

Fama.

Der Weg iſt keinem verſchloſſen: laſt ſie nurkuͤhn -9MACHIAVELLUS. kuͤhnlich herzutreten: ich muß weiter fort / und die Ze[i -]tung in allen Enden der Welt ausblaſen.

Fama ſchwinget ſich davon / die Trompete wir wieder geblaſen.
Immut.

Ach jhr Bruͤder ſaͤumet euch nicht / unſre Bo[t]ſchafft wird mit hoͤchſter Annehmligkeit gehoͤret werde[n.]

Die Scene eroͤffnet ſich wieder da Apollo au[f]dem Throne ſitzt.
Apollo.

Was hat doch ein Menſch vor ein koſtba[-]res Kleinod an ſeiner Vernunfft / und wie koͤnte| do[ch]derſelbige nicht nur uͤber etliche Geſchoͤpffe / ſondern [-]ber die gantze Welt triumphiren / wenn er die vernuͤnf[f -]tige Seele nicht ſelbſt jhrer Gewalt beraubete / und d[ie]fleiſchliche Begierden dem allgewaltigen Schoͤpffer z[u]hohen Verdruß uͤber ſich regieren lieſſe. Ach! wie ſel[-]ten wurde dieſer Richterſtuhl von mir betreten wer[-]den / wenn ein jeglicher Menſch den Richter-Stul ſei[-]nes Gewiſſens / den Anſpruch ſeines Verſtandes / un[d]das Geſetze ſeiner geſunden Vernunfft beobachten wolte[.]

Gentilletus, Simplex, Candidus, Fidelis, In - nocens Infucatus, Immutabilis.

Gent.

Durchlaucht. Apollo alsbald jhre Majeſtaͤt die[-]ſen allgemeinen Gerichts-Tag ausblaſen / und abſonder[-]lich die Tugendhafften zu gebuͤhrenden Schutze wieder alle Bedraͤngnuͤß gnaͤdigſt auf fodern laſſen / haben ge - genwertige Perſonen Simpl. Cand. Fidelis wie denn auch jhre befreundten Innoc. Infuc. Immutabilis meine Wenigkeit dahin vermocht wieder den Weltberuffene[n]Machiavellum eine Klage zuerheben / leben auch des un[ter -]A 5th[]10Der Baͤuriſche[th]aͤnigſten Vertrauens / es werde dieſelbige von Jhrer Majeſtaͤt in aller Huld angenommen / und nach den Re -[g]eln der Gerechtigkeit / der gantzen Welt zum herꝛlichen Exempel / eroͤrtert werden.

Apollo.

Jn unſerm Parnaſſo iſt es nicht eingefuͤh -[ret]et / daß man die Vorſprecher zu vor reden laͤſt: wer[b]eleidigt iſt / der mag ſeıne Nothdurfft ſelber vortra -[g]en: wird man hernach eines Advocaten beduͤrfftig ſeyn /[ſo]kan auch dieſe Rechts-Wohlthat den bedraͤngten Theile zu ſtatten kommen.

Simpl.

Durchlauch. Apollo, wir ſind zu einer recht -[m]aͤſſigen Klage genoͤthiget worden: denn da ich an mei -[n]en Orte unter den Menſchen ein rechtſchaffenes und[e]infaͤltiges Vernehmen erhalten moͤchte / wie den auch[d]er groſſe Schoͤpffer deswegen ein Hertz und ein Haupt[g]egeben hat: So hat der boßhaffte Machiavellus mit[e]inen unverantwortlichen Schrifften die Gemuͤther[d]ergeſtalt eingenommen / daß nunmehr zweyfaͤltige Ge -[d]ancken / zweydeutige Reden / mit einen Worte / eine[z]weykoͤpffigte Mißgeburth in der allgemeinen Geſell -[ſ]chafft angetroffen wird.

Cand.

Eben der boßhafftige Feind hat mich alſo zu[r]eden von Hauß und Hoff gejagt. Jch heiſſe Candidus[u]nd bin gewiß daß die Redligkeit und ein aufrichtiges Vernehmen gleichſam in dem Panier ſtehen ſoll: Ach[ſ]o hat ſich die Welt aus dieſem Machiavelliſchen Buche[ſ]o weit verfuͤhreu laſſen / das man faſt! ach jhre Maje -[ſ]taͤt verzeihe dieſer unbeſonnenen Rede; daß man faſt an[e]ines jedweden Menſchen Bruſt ein glaͤſernes Fenſter wuͤnſchen moͤchte / daß nur die verborgnen Gedancken[k]oͤnten an das Licht geſtellet werden.

[Fid].

Durchlaucht. Apollo ich heiſſe Fidelis und wieder11MACHIAVELLUS. der liebreiche Schoͤpffer durch ſein eignes Exempel un[s]zu lauter Liebe / Treue / Freundſchafft und Guͤtigkeit a[n]locken will / alſo waͤre auch mein Wunſch / das ich d[ie]vernuͤnfftigen Menſchen bey ſolchen Vorhaben beſtaͤndi[g]erhalten koͤnte. Allein ich moͤchte faſt blutige Thraͤne[n]weinen / das die betruͤgliche Falſchheit mich allentha[l -]ben aus den rechtmaͤſſigen Erbtheile verjaget hat.

Apollo.

Machiavellus hat ſeiner Schrifften wege[n]in dem Parnaſſo allbereit ſeine Straffe erlitten / daß e[r]auch niemahls in die Verſamlung kommen darff / wen[n]er nicht einen gelben Flecken zum Wahrzeichen an de[m]Kleide traͤgt: doch wir haben noch nichts vernommen[/]das er die Welt mit neuer Confuſion belaͤſtiget haͤtte. Er ſoll hergebrache werden / immittelſt beredet euch mit euren Vorſprecher / damit das Werck in aller kuͤrtze z[u]entſcheiden ſey.

Sie treten zuſammen biß Machiavellus koͤmt.
Mach.

Durchl. Apollo auf allergnaͤdigſte Citation erſcheine ich / und will anhoͤren / weſſen ich mit Grund der Wahrheit koͤnne beſchuldiget werden.

Apol.

Hier iſt ein Advocat der ſoll die Klage kuͤrzlich vorbringen.

Gentilletuſ

Durchl. Apollo dieſer gegenwaͤrtige Machiavellus hat alle Falſchheit Liſt und Betriegere[y]in der Welt eingefuͤhret / daß numehr ein Tugendhafter Menſch der Welt eher Feind wird / als er mit ſchuldi - gen Dienſten einige Freundſchafft erweiſen kan.

Mach.

Ein anders iſt anklagen / ein anders die Klage durch Beweiß befeſtigen.

Gent.

Liegen die Schrifften nicht am Tage? es waͤ - re ſchaͤdlich wenn man die Tugend im Hertzen haͤtte[:]Wohl12Der BaͤuriſcheWohl aber konte es nuͤtzlich ſeyn / wenn man ſich aͤuſſer -[li]ch durch einen Tugendhafften Schein recommandirte / viewohl mit dieſem Bedinge / daß man auf dem Noth -[f]all zu den Laſtern greiffen / und die Tugend ohne Be -[ſ]chwerung des Gewiſſens verjagen koͤnte.

Mach.

Was mein Buch betrifft davor hab ich vor dieſen Durchl. Richter-Stuhl meine Straffe erlitten. Denn ob ich wohl durch eine Satyriſche Schrifft die gewoͤhnliche Tyranney der Jtaliaͤniſchen Fuͤrſten vor[d]er gantzen Welt proſtituren wolte; So haͤtte ich doch beſſer gethan / wenn ich in der Schrift nicht ſo ernſtlich und gleich als mit einer gewiſſen Meinung aufgezogen waͤre. Allein wo koͤmt dieſe neue Klage her?

Gentill.

So lange das Buch nicht aus der gantzen Welt verbannet wird / ſo lange kan ein neuer Scha - den erwachſen / und ſo lange muß der Autor des Buches davor ſtehen. Jch meine die Pariſiſche Blut-Hochzeit waͤre nachblieben / wenn die damahligen Statiſten den Machiavellum nicht fleiſſiger geleſen haͤtten als die Bibel.

Mach.

Aus welchen Buche ſtudirten die Sicilianer jhre Veſper? Denn ich werde mein Buch nicht etliche 100. Jahr zuvor geſchrieben haben / eh ich gebohren bin. Oder aus welchen Buche ſtudirte Cain / daß er in Ge - genwart ſeines Vaters mit dem Abel freundlich reden / und jhm hernach mit guter Gelegenheit den Halß bre - ſchen ſolte.

Gentill.

Jch habe genung / was in dem Buche ſteht / das wird itzund in der Welt practicirt: Alſo muͤſſen wir den jenigen beſchuldigen / welcher den aͤrgſten Ver -[d]acht auf ſich geladen hat.

Mach.
13MACHIAVELLUS.
Mach.

Was vor meiner Zeit geweſen iſt / darin ka[n]ich nimmermehr der Anfaͤnger ſeyn.

Gent.

Vor Zeiten lebten andre Leute / die habe[n]jhre Verfuͤhrer vor ſich gehabt / und darum laſſen w[ir]uns unbekuͤmmert: genung / daß wir wiſſen / woher d[ie]itzige Welt betrogen wird.

Mach.

Gleich als koͤnte die jtzige Welt den alte Verfuͤhrern nicht folgen.

Gent.

Mahomet wird deſſentwegen gleichwohl ei[n]Verfuͤhrer genennet / wenn er gleich ſeinen Alcoran vo[n]dem alten Juͤden Ketzern und Heyden geborget ha[t]und deſto ſchlimmer iſt ein ſolches Buch / darinne di[e]alte Betruͤgerey gleichſam in quinta eſſentia wiederu[m]zu Marckte getragen wird.

Mach.

Jch hoͤre nichts als eitle Muthmaſſungen.

Apollo.

Nein Machiavelle, auf dieſe Klage muß e[t]wans deutlicher geantwortet werden.

Mach.

Durchlaucht. Apollo die Boßheit der verkeh[r -]ten Welt wird meinen geringen Buche zugeſchrieber allein ich will die Klage leicht von mir weltzen / wenn i[ch]ſpreche die Bauern ſind nach Jnnhalt der eingegebne[n]Klage die aͤrgſten Machiavelliſten / uud ich will mic[h]hoch verwetten / daß kein eintziger meine Schrifft gel[e -]ſen und dergeſtalt den Nahmen eines wuͤrcklichen Ma[-]chiavelliſten verdienet hat.

Apollo.

Nehmt einen Abtritt / der Beſcheid ſoll eu[ch]in kurtzen entdecket werden.

Die Scene faͤllt zu.
Gentillettus

So muß ſich numehr ein Fuͤrſtiich und Pabſtlicher Seeretarius auf die Bauern beruffe[n?]

Mac[h]
14Der Baͤuriſche
Mach.

Jn dem Vorgemache geb ich in einem Par -[te]yiſchen Advocaten keine Antwort. Jch erwarte was[d]er durchlauchtigſte Richter beſchlieſſen wird.

Curioſitas. Euſebius. Uranius Politicus. Civilis.

Cur.

Auff erhobene Klage wieder den Machiavellú[u]nd auf erfolgte Antwort / giebt der Durchl. Apollo die -[ſe]n Beſcheid / daß Euſebius und Politicus als verord -[n]ete Commiſſarien in der Welt herum ziehen / und da -[ſel]bſt bey den Bauern Achtung geben ſollen / ob ſie alle[B]oßheit mit den andern Menſchen gemein haben; dar -[n]ach / ob ſie ſolches von dem Machiavello, oder von einen[a]ndern Lehrmeiſter begriffen haben: daran geſchiehet jh -[re]r Majeſtaͤt ernſter Wille / und ſie haben biß auf den[kuͤ]nfftigen Gerιchts-Tag jhren Abſchied.

(geht ab.)
Gent.

Wir muͤſſen bey dieſem Beſcheid acquieſciren:[d]och werden die Commiſſarien, nicht anders befinden[al]s daß die Bauern das Machiavelliſtiſche Gifft von den[uͤb]rigen Politicis eingeſogen haben.

Mach.

Jch erfreue mich / daß meine gerechte Sa -[ch]e durch einen guten Anfang ſecundiret wird.

(geht ab)
Gent.

Entweder Machiavellus iſt der Thaͤter; oder[ein]ander muß die Beſchuldigung uͤber ſich nehmen / von[w]elchen wir hernachmals Satisfaction begehren koͤnten.

Simpl.

Die Einfaͤlt ſoll dennoch die Oberhand be -[h]alten / wenn ſie gleich dnrch tauſendfachen Betrug ge -[d]rucket wird.

Cand.
15MACHIAVELLUS.
Cand.

So lange als die Sonne der Finſternuͤß z[u]wieder iſt / ſo lange bin ich in meiner Hoffnung befeſt[i -]get / das meine Feinde nicht ewig triumphiren werden[.]

Fid.

Und ſo lange ſich die Goͤttliche Majeſtaͤt di[e]Liebe nennen laͤſſet / ſo lange werde ich der untreue[n]Freundſchafft zu keinen ewigen Sclaven verkaufft.

Sie gehen ab.
Euſ.

So machen wir uns auf die Reiſe?

Polit.

Der ſcharffe Befehl unſers Monarchen lege[t]uns dieſe nothwendige Schuldigkeit auff.

Euſ.

Aber mein liebſter Uranius wir werden auf ei[-]ne kurtze Zeit von einander geſondert.

Uran.

Jch wolte nochfolgen / allein ich bin noch zu ſchwach.

Euſ.

So lebet in deſſen wohl / und gebet Achtung / daß Niemand unterdeſſen unſre Wohnung im Parnaſſo ver[-]unreinigt.

Ur.

Jch will alles genau in acht nehmen / mein Eu - ſeb. ziehe gluͤcklich hin / und gedencke an ſeinen Stuben - Geſellen / deſſen Gemuͤthe ſich dem Himmel / und alſo dem Himmliſch geſiñten Euſebio gewidmet hat.

(gehet ab)
Polit.

Jhr aber mein liebſter Civilis wollet jhr mi[r]das Geleite geben?

Civil.

Ach Apollo hat es nicht befohlen.

Polit.

Aber womit wolt jhr die Zeit vertreiben / denn es moͤchte kommen / daß wir unterweges aufgehalten wuͤrden.

Civ.

Ach mein Politicus ich will genug zu thun fin[-]den: bald will ich in meinem Buche leſen / bald auf dasFeld16Der Baͤuriſche[F]eld gehen / bald will ich auch den Himmel anſehen und[b]eten: Solte wohl einem Menſchen bey ſolchen Ge -[ſc]haͤffte die Zeit ohne Luſt und Liebe dahin gehen?

Pol.

Wer hat euch geſagt daß ein zukuͤnfftiger Weltmann beten muß.

Civ.

Jch ſehe daß Euſebius und Politicus beyſam -[m]en wohnen: und gleich wie ſich Euſebius in die Welt[ſc]hıcket / alſo muß auch Politicus ſein Weltliehes Gluͤ -[c]ke bey dem Himmel ſuchen

Pol.

Der Himmel erhalte euch in meiner Abweſen -[h]eit bey dieſen Gedancken.

Civ.

Ach mein Politicus ich nehme Abſchied: in wenig Vochen will ich einen Kuß zum angenehmen Willkom -[m]en geben.

geht ab
Euſ.

Wohlan wir befoͤrdern unſre Reiſe.

Pol.

Doch hab ich verdruß / das ich mich um geruͤ[-][ng]e und Baͤueriſche Perſonen bekuͤmmern ſoll.

gehen ab.

Andre Handlung

Scibilis.

MUlta tulit, multa tulit heiſt es bey meinen ſchweren Ampt Sorgen. Denn ob gleich eine loͤbliche Ge -[m]eine des weitberuͤhmten Marckfleckens Querlequitſch[e]ine ſchoͤne Verfaſſung im Regimente hat / alſo daß wir[u]nſer Collegium Comitiale wohl ſupra numerum no -[v]em Muſarum bringen koͤnnen / ſo bin ich doch Conſu -[l]ente: das heiſt mit einen Worte Fac totum, was ich[t]hue / das iſt gethan / was ich ſchreibe das iſt geſchrie -ben17MACHIAVELLUS. ben / und ſo bald ich meine Handlangung in der Kir - che / nebenſt meiner Principal Arbeit in der Schule verrichtet habe / ſo gehen die Sorgen / erſt in publicis recht an / daß ich auch mit der gantzen Gemeine ein zierliches und feyerliches Pactum anfgerichtet habe / daß mich keiner vor thum oder hoffaͤrtig ausſchrey - en d[a]rf / wenn ich more ſollto in meinen Cogitatio - nibus herum gehen / und die Salutantes nicht nach Standes und Ehren Gebuͤhr reſalutiren moͤchte. Es bleibt darbey / ego ſum verſatus in omni ſcibili, das heiſt / ich fuͤhre den Cantorſtecken in der Kirchen / den Grieffel in der Schule / und die Feder auff den Schu - baͤncken / welche pro hic & nunc an ſtatt eines Rath - hauſes gebraucht werden.

(Ciaconi koͤmt.)

Doch was koͤmt hier vor ein Landsman angeſtochen / der mich uͤm eine ſonderliche Weißheit anſprechen wird.

Ciaconi.

Jhre Claritaͤten vergeben jhren geringen Diener / daß er ſich unterſtehet dieſelbe in andern wich - tigen Geſchaͤfften zu verhindern.

Scib.

Guter Freund gebt euch zufrieden / deßwegen bin ich allgemeiner Conſulent, ne quiſpiam â facie mea diſcedat triſtis: ſagt mir was iſt euer anbringen.

Ciac.

Jhre Claritaͤten ſollen meln Verlangen gar kuͤrtzlich vernehmen: Jch hoͤre / daß der bißherige Pi - ckelhering allhier zu Querlequitſch an einen Hochade - lichen Hof beruffen worden / und dergeſtalt die Stelle vacant worden: wenn ich denn keinen zweifel trage es werde mit eheſten wegen eines tuͤchtigen Succeſſo - ris gedacht werden / und ich gleichwohl meine Exerci -B[t]ia18Der Baͤuriſche[t]ia zu ſolchen Ampte ſehr bequem befinde / als wolt ich[i]hre Claritäten gantz hoͤchlich gebeten haben / mich nicht allein bey vorgehender Conſultation mit einen wichtigen voto, ſondern auch alſo dann mit einen guten Rathe zu Secundiren / ich werde

Scib.

Jch verſtehe den Herrn / was ſein Deſideri - um iſt. Quicquid præcipies, eſto brevis. er rede nur kurtz. Doch was wolte der Herr ſagen?

Ciac.

Jch werde ſolches Danckbarlich erkennen und verſchulden.

Scib.

Mein Herr Bivium Herculis, das Anbringen beſteht auf zwey Punctẽ: erſtlich verlanget er in unſe - rer Gemeine Pickelhering zu ſeyn / darnach will er ſich gegen mir Danckbar erweiſen. Gleich wie nun das letz - te in ſeine Diſcretion geſtellet wird / alſo ſehe ich bey den erſten noch einige Incommoda, welche mir die Sache zweifelhafftig machen.

Ciac.

Jch will hoffen die Incommoda werden ſich beylegen laſſen.

Scib.

Jch will jhm ſagen / mein Herr / ein Pickel - hering / oder wie er ins gemein genent wird / ein Dru - ſcheman alhier in Querlequitſch / der hat ein wichtiges Ampt.

er faͤnget an den Fingern zuzehlen.

Tantæ molis erat, vors erſte muß er zur Leiche bitten / vors ander iſt er auf den Trauermahle wohl beſtallter Vorſchneider / Lichtputzer uñ poſitis ponendis wohl gar Einſchencker; vors dritte muß er die Gevatter Brie - fe ſchreiben / vors vierdte muß er als ein Eſſentialis bey dem Tauff Eſſen / wie den auch bey dem Kirchgan - ge die Gaͤſte empfangen.

Ci
19MACHIAVELLUS.
Ciac.

Das will ich alles verrichten.

Scib.

Laſt mich weiter zehlen mein Freund / Practica eſt multiplex, es giebt noch viel mehr zuthun: bey der Hochzeit iſt er Invitator, hernach Parentator, das heiſt er muß den Gaͤſten Solenniter dancken / er uͤberreichet das Geſchencke / und zeucht endlich der Braut die Schuh aus.

Ciac.

Jch hoͤre noch von keiner groſſen Beſchwer - ligkeit.

Scib.

Cur me obtundis? Er muß bey der Gemeine die Steuer anſagen; wenn vornehme Perſonen durch - reiſen / muß er alten Gebrauch nach das Bier præſen - tiren / ja es mangelt wenig / ſo moͤcht ich ſprechen / er waͤre mein halber College und der unter Conſulent. Derhalben bedencket euch wohl / ob jhr zu dergleichen Salutibus & officiis geſchickt ſeyd? es heiſt bey einen ſolchen Ampt nicht Teſta diu, ſondern man muß ge - ſchwinde fertig ſeyn.

Ciac.

Jhꝛe Claritäten haben deßwegen keinen Kum - mer / ſie kommen mir nur mit einem guten voto zuſtat - ten / ich will indeſſen zu guten Anfange meiner kuͤnffti - gen Danckbarkeit jhre Claritaͤten dieſen 7 koͤpffigten Orts Thaler verehret haben.

Scib.

So ſo mein Herr / Loquere ut te videam, ich habe nicht gewuſt das er ſo wohl Studiret hat: er ge - be ſich zu frieden / wir wollen die Sache bald auf einen Ort bringen.

Ciac.

Jch habe darum zu bitten.

Scib.

Das vacirende Dienſt muß in plenu conſeſ - ſo vergeben werden / da iſt nun zwar der Gerichts - Scholtze das Caput, wie dort geſchrieben ſtehet / QuotB 2[ca]20Der Baͤuriſchecapita tot ſenſus: aber der Mann iſt zu glimpflich und leutſelig / daß er Niemanden gerne erzuͤrnet. Derhal - ben faͤhret jhm der Landſchoͤppe als ein harter Mann mehrentheils durch den Kopff / ich hielte davor der Hr. faͤhe 10. biß 20. Thaler nicht an / und wuͤrffe ſie den Landſchoͤppen in die Jacke / ſo wuͤrde das uͤbrige gar leicht werden. Ut ameris amabilis eſto das heiſt auff deutſch / wer ſchmaͤrt der faͤhrt.

Ciac.

Jhr Claritäten haben groſſen Danck vor die - ſen guten Rath / und ob mich zwar meine Reiſe viel gekoſtet hat / daß ſich mein Patrimonium wohl uͤber 15. fl. nicht erſtrecken wird: doch wolt ich mein Haab und Gut daran ſpendiren / wenn meiner Wohlfarth ſo gut geholffen wuͤrde.

Scib.

Es iſt gut / der Herr Landſchoͤppe wird gleich hier vorbey gehn / wir wollen jhn die Sache vortragen.

(Durandus koͤmt.)
Ciac.

Wer iſt dieſer Herr dorte?

Scib.

Eſt fabula in lupo. dem Herrn Landſchoͤppen meine Freundliche Dienſte.

Dur.

Habt Danck Herr College, was giebt es neues in publicis?

Scib.
(fuͤhrt jhn auf die Seite)

Es giebt ſich ein Client wegen der Pickelherings Char - ge bey mir an / der verſpricht er will den Herrn Land - ſchoͤppen 20. Thaler geben / wo er darzu kaͤme / aber Herr | Collega ſub roſâ: quædam ſunt & non dicuntur.

Dur.

Der Vorſchlag iſt wohl gut / aber wie ſagt jhr neulich auf den Schubaͤncken Multa dicuntur, pau - ca fiuntur.

Scib.
21MACHIAVELLUS.
Scib.

Herr College, der Menſch iſt mir zu ehrlich / und wenn ich ſagen ſolte / wie koͤſtlich er ſtudirt hat / ſo gefaͤlt mir ſeine Perſon ſo wohl / daß ich in guten Ernſte ſprechen koͤnte: Si ego non eſſem Alexander, vellem eſſe hic Diogenes.

Dur.

Die Recommendation iſt koͤſtlich / laſt jhnen herkommen.

Scib.

Domine Candidate accede propius.

Ciac.

Jhren Herꝛligkeiten zu dienen / es wird den - ſelben bekaͤnd ſeyn

Dur.

Spart die Worte: der Herr College hat eu - re Meinung ſchon angebracht.

Ciac.

Jch bedancke mich vor die Muͤhwaltung / was ich verſprochen habe / das will ich halten / oder will meine kuͤnfftige Beſoldung zu Pfande einſetzen.

Dur.

Stille ſtille es iſt ſchon gut / hier iſt meine. Hand jhr ſolt unſer Druſchemann werden.

Scib.

Sed Domine Candidate quod eſt nomen[t]uum?

Ciac.

Jhre Claritäten ich heiſſe Ciaconi

Scib.

Ein Herrlicher Nahme / Nomen & omen habes.

Dur.

Nun macht die Supplication fertig und uͤber - gebt ſie dem Conſulenten, ſo wollen wır alſo dann auf naͤchſte Zuſammenkunfft die Sache auf einen guten Ort bringen.

(geht ab.)
Scib.

Mi Canditate ſaͤumet euch nicht / Periculumen in mitrâ.

Ciac.

Jch will die Vermahnung annehmen / Jhre Claritaͤten leben indeſſen wohl.

B 3([(ge]22Der Baͤuriſche
(gehet ab.)
Scib.

Dieſer Ortsthl. waͤhre verdient: nun werde ich ſolchen dem Hrn Materialiſten zuverwechſeln ge - ben / und anſtatt des Salarii, oder Aufgeldes ein Glaͤß - gen Kuͤmmelwaſſer einſchencken laſſen: denn wo wollen wir Vornehme Leute hin? Vinus Aduſtus conſulen - tium eqvns.

(Pacifontius ſteht an des Materialiſten Thuͤr.)
Scib.

Aber ſiehe da / was hat der Hr. Materialiſt vor einen ſtattlichen Gaſt bekommen? Salutem pluri - mam Lentulo ſuo, dem Hrn einen guten Tag.

Pacif.

Schoͤnen Danck mein Hr. Er laſſe ſich eine geringe Ehre anthun.

Scib.

Honos onos, doch ich ſchlage es nicht aus / wo iſt mein Hr. hieher kommen?

Pacif.

Wohlweiſer Hr. ich bin hieher kommen / mit jhm bekand zu werden / und vornehmlich von euer Wohlweißheiten zu erforſchen / ob ich keine Sperantz haben koͤnne Pickelhering zu werden.

Scib.

Spes tua Ienta fuit, quod petis alter habet.

Pacif.

Ey Wohlweiſer Hr. ich bitte um eine gute Reſolution: hier iſt ein Thl. mit 24. Kopffen den wil ich ſpendiren / wofern ich nur einen bequemen vor - ſchlag hoͤren ſoll.

Scib.

Ach ſo ſo ich verſteh den Herrn erſt recht / er will gerne Pickelhering werden?

Pacif.

Ja das waͤre mein Wunſch / und hier iſt mein Thaler.

Scib.

Quis enim ſuccenſet amanti? Ach wer das Ding vor einer halben Stunde gewuſt haͤtte! Jn ver -trau -23MACHIAVELLUStrauen hier geredt / der Landſchoͤppe hat ſchon Gel[d]drauf genommen / daß er einen andern / machen will[:]doch laſt ſehen / der Herr Gericht Scholtze hat ein[e]Mannbare Tochter / nun ſeyd jhr ein huͤbſcher quali[-]ficirter Menſch / wenn jhr anbeiſſen wolt / ſo moͤcht der Pickelherings Dienſt mit in das Prædicamentu[m]Matrimonii eingebracht werden.

Pacif.

Jch wuͤrde mich gluͤckſeelig ſchaͤtzen / wen[n]ich den Dienſt und die Wirthin zugleich bekaͤme.

Scib.

Aber dieſen Rath nehmt von mir an / halt e[s]mit der Mutter / der Vater iſt ein bißgen zu timax[/]aber die Mutter iſt deſto beſſer loquax, wo ſie was drein zureden bekoͤmt / ſo wird der Landſchoͤppe ein be[t -]trogner Storax.

Pacif.

Wer ſchafft mir aber einen freyen zutritt?

Scib.

Ego ero fax & tuba, laſt mich nur ſorgen.

Subſtantia koͤmt auf der andern Seite heraus.
Scib.

Sachte ſachte / die Frau Mutter ſteht an de[r]Thuͤre.

Subſt.

Jch wolte daß der Hencker die lumpen Leu - te von der Thuͤre wegfuͤhrte / die mir allemahl das Keh - richt vor der Naſe liegen laſſen. Ach kaͤme ich nur darzu / ich wolte den Rabenaͤſern die Augen auskra - tzen / oder ſie muͤſten mir die Finger mit ſamt den Naͤ - geln verſchlingen: daß dich botz alles mit einander da - durch eine boͤſe Frau fluchen kan / da liegt halt ich gar ein garſtig Pappir: O iſt mein Mann Gericht Scholtze / und ſoll ſich nicht darein legen.

Scib.

Hoͤrt jhr was ſie vor Zaͤhne im Maule hat /B 4und24Der Baueriſcheund wie ſie den Landſchoͤppen mit ſeinen Clienten aus - beiſſen wird.

Pacif.

Jch hoͤre es / ſie mag eine gute Wirthin ſeyn.

Scib.

O ja ſie geht im Hauſe herum ꝛc / Eſt mihi namq; domi: doch wir muͤſſen ſie anreden / eh ſie das Hauß zumacht. Einen freundlichen | guten Tag Fr. Gericht-Scholtzin.

Subſt.

Siehe da Herr Conſulent habt jhr ſchon was neues zuthun? jhr verunruhigt meinen Herrn am allermeiſten.

Scib.

Wer das Fac totum iſt / der kans nicht aͤn - dern: aber ich weiß das mein anbringen itzo was wehrt iſt.

(er fuͤhrt ſie auff die Seite)
Subſt.

Hui das der Hirte noch einmahl ſeine Be - ſoldung will verbeſſert haben.

Scib.

Ach nein / da ſteht ein ehrlicher Kerl / er hat treflich ſtudiret / man ſiehts auch an ſeinen Kleidern / daß er manchen ſtattlichen Pfennig mag im Beutel haben / der wolte gerne Pickelhering werden: nun hab ich den vorſchlag gethan / er ſolte ſich bey der Fr. Ge - richt Scholtzin anmelden / ob es nicht Sache waͤre daß jhre Jungf. Tochter und der Dienſt mit einan - der vergeben wuͤrden. Jch halte ja wohl die Jungf - Tochter wird zum Heil. Ehſtande nicht zu kleine ſeyn.

Subſt.

Groſſen Danck Herr Conſulent wegen der guten Affection, die er gegen unſre Familie traͤgt / es iſt mir nur leid / das Maͤdgen moͤchte noch zu alber ſeyn: denn numehr haͤtte ich ſie in der Haußhaltung ein bißgen abrichten wollen.

Scib.
25MACHIAVELLUS.
Scib.

Uſus facit Artificem. Sie wirds wohl lernen[.]

Subſt.

Aber wie heiſt der frembde Herr?

Scib.

Entweder ich habe nicht gefragt / oder ich ha - be den Nahmen vergeſſen.

Subſt.

Laſt jhn herkommen.

Scib.

Quid ſignificas Domine, wie heiſt der Herr?

Pacif.

Kurtz von meinen Nahmen zu reden / ſo hat mein ſeelger Herr Vater Siegemund Friedeborn ge - heiſſen / und ich bin eben mit dem Nahmen getaufft worden / weil ich aber ein gelehrter bin / ſo hab ich den Nahmen halb griechſch und halb Lateiniſch veraͤndert und heiſſe Nicoſtomus Pacifontius.

Scib.

Chryſoſtomus? Das iſt ein Herꝛlicher Nah - me / er waͤre mir faſt lieber als Ambroſius. Frau Ge - richt Scholtzin / da iſt der liebe Menſch / der um einen ſichern Eintritt bey jhrer Jungf. Tochter bitten laͤſt.

Subſt.

Wenn er es mit einen jungen Maͤdgen wa - gen will / ſo wollen wir wegen des Dienſtes ſchon gu - te Verodnung machen.

Pacif.

Der Fr. Gericht Scholtzin Wille ſoll mein Geſetze ſeyn.

Scib.

Der Herr hat ſchoͤne Phraſes. Tu bibiſti Ne - ctarem.

Subſt.

Jch werde das Maͤdgen heraus ruffen. Quaͤntgen wo biſtu? du ſolt heraus kommen.

Quantitas
(hinter der Scene)

Liebe Mutter was ſoll ich drauſſen?

Subſt.

Komm fort es iſt ein Freyer da / binde die weiſſe Schuͤrtze vor und thue fein Erbar.

(Quantitas koͤmt)
B 5Quant.
26Der Baͤuriſche
Qvant.

Liebe Mutter da bin ich.

Scib.

Mein Herr Accede ad ignem propius.

Pacif.

Tugendreiche Jungfrau einen freundlichen Ehren Gruß.

Quant.

Liebe Mutter ſoll ich dem Kerlen die Hand geben?

Subſt.

Sieht der Herr was ich vor ein gehorſam Kind habe? da da gib jhm die Hand / er ſucht dich in allen Ehren.

Quant.

Herr die Mutter ſagte ich ſolt euch die Hand geben.

Pacif.

Willkommen du edles Kleinod / du Zierde meines Lebens / und du Thorweg zu meiner Befoͤrde - rung.

Scib.

Das iſt ſchoͤn geſagt: Per hanc portam intra - mus in Eccleſiam & Rempublicam.

Quant.

Liebe Mutter der Kerl will mir die Haͤnde nicht gehen laſſen.

Subſt.

Du gehorſames Kind wehre dich immer in Anfange / ſonſt dachte der frembde Herr du waͤrſt noch ſo wohlfeil.

Scib.

Mein Herr Patientia, Virginitas vult rapi, die Jungfern wollen gebethen ſeyn.

Pacif.

Jch bin kommen jhre Schoͤnheit anzubeten.

Quant.

Liebe Mutter / der Kerl redt ein hauffen Dinges das ich nicht verſteh.

Subſt.

Geht nur mit einander in das Hauß / ich will euch denn Verſtand ſchon eroͤffnen.

(Pacif. und Quantitas gehen ab)
Subſt.

Nun Herr Conſulent gebt jhm nur die Einſchlaͤge wegen der Supplication, mein Herr ſoll das andre ſchon klar machen.

Scib.
27MACHIAVELLUS.
Scib.

Aber zur Nachricht der Herr Landſchoͤpp[e]hat auch einen in Vorrathe.

Subſt.

Was? der Landſchoͤppe? er komme nur auf[f -]gezogen / er ſoll erfahren / wer auf unſern Schubaͤncke[n]der oͤberſte iſt. Was waͤre zu Querlequitſch vor ein[e]Gemeine / wenn mein Herr thaͤte? doch ſeyd jhr ohn Sorgen / der Landſchoͤppe muß verſpielen / und wen[n]ich ſelber in die Stube hinauff lauffen ſolte.

Scib.

Alſo werd ich meine Weißheit neben Jh[r]anwenden.

Subſt.

Es iſt gut / unterdeſſen will ich meinen Herr[n]den Kopff waſchen.

(Scibilis geht ab)
Subſt.

Herr / komt doch ein bißgen heraus.

(PurusPutus koͤmt.)
Pur.

Mein Schatz was beliebt euch?

Subſt.

Habt jhr nicht den frembden Herrn geſe - hen? gelt / der ſolte unſrer Tochter gut anſtehen?

Pur.

Jſt es ein Freyer?

Subſt.

Es ſteht in unſer Gewalt / ob wir den Vo - gel fangen wollen. Denn koͤnnen wir verſchaffen / daß er Pickelhering wird / ſo hat unſere Tochter einen Mann.

Pur.

Es iſt eine ſchwere Condition. Jhr wiſt wohl wie der Land-Schoͤppe ſo verdrießlich iſt. Wer weiß ob nicht ein ander bey jhm das Jawort weg hat.

Subſt.

Ach daß ich doch ſo einen elenden Mann habe! Was iſt wol ein kahler Landſchoͤppe gegen ei - nen rechtſchaffenen Gerichts-Scholtzen? und ich ſags euch / nehmt euer Autoritaͤt beſſer in acht / oder ich wil[l]der Gemeine ſehen laſſen / daß eine Frau zu Querle -quitſch28Der Baͤuriſchequitſch lebet / die ſich um keinen Landſchoͤppen hudelt.

Pur.

Seyd doch ſtille / und laſt die Sache gehen.

Subſt.

Jhr feige Maͤmme eurentwegen moͤchte die Haußhaltung und der Kinder jhre Wolfart zu Grun -[d]e gehen. Solche Gelegenheiten kommen nicht alle Tage. Werdet jhr euch einen andern uͤberſchnarchen laſſen / ſo will ich nicht einmahl ſprechen / das jhr mein Mann ſeyd.

Pur.

Jch habe nur eine Stimme / was kan ich thun?

Subſt.

Der Landſchoͤppe hat auch nur eine Stim - me / und ich ſehe doch / das manches nach ſeinem Kopf - fe gehen muß: wer ein Narr iſt / und laͤſt ſich uͤber den Toͤlpel ſtoſſen / der mag ſich von den andern aus - lachen laſſen.

Pur.

Jch habe bißher um Friedens willen viel ge - litten / aber nun werd ich mein Kind an ſeiner Wol - fart nicht hindern: geht nur zu dem frembden Herrn hinein / und ſeht / wie jhr die Tochter unterricht / der junge Narr iſt ein bißgen zu ſchamhafftig.

Subſt.

Jch wil das meınige ſchon darbey thun / ge - denckt jhr nur an euer Ampt.

(geht ab)
Pur.

Jch mercke es / das die nechſte zuſammenkunfft groſſe weitleufftigkeit geben wird. Denn meine Herrn Collegen ſind es nicht gewohnt / das ich viel[Obſtat] halte / ich fuͤrchte / ich fuͤrchte / es wird aͤrger bey uns zugehen / als in Polen wenn der Reichs-Tag zuriſſen wird.

Ziribiziribo koͤmt heraus / und ſingt ein Frantzoͤſiſches Liedgen.
Pur.
29MACHIAVELLUS
Pur.

Was muß dieſes vor ein koͤſtlicher Muſican[-]te ſeyn? Guter Freund wie ſo luſtig?

Zirib.

Ach mein Hochweiſer Hr. Gerichts-Scholtze[n]er vergebe mir / das ich meine Luſtigkeit ſo kuhne gebrau[-]chet habe. Jch dachte gleich auff Gelegenheit / dem Herrn Gerichts Scholtzen auffzuwarten / und wei[l]ich die gute Hoffnung hatte / etwas bequemes auszu[-]richten / ſo muſte ſich meine Froͤligkeit durch dieſes lu - ſtige Liedgen kundbar machen.

Pur.

Was hat mein Herr vor eine Sache / dari[nn]ich ſein verlangen etlicher maſſen ſecundiren kan.

Zir.

Hochweiſer Herr Gerichts Scholtze ich bin ein ehrlicher Kerle / und habe mich in der Welt ſtatt - lich verſucht. Nun moͤchte ich auch gerne meın Ru - he Plaͤtzgen finden / alſo wolte ich vernehmen / ob bey dem vacirenden Pickelherings Ampte an meine Wenigkei[t]nicht koͤnte gedacht werden.

Pur.

So ſo / der Herr thut gar recht und loͤblich daran / das er die Gemeine zu Querlequitſch ſeine[r]Dienſte wil wuͤrdig machen. Doch kan ich jhm nicht verhalten / daß die Sache bey mir alleine nicht beru - het: kan er meine Herrn Collegen gewinnen / oder kan ich mit meiner Recommendation was darbey thun / ſo mag er ſich deſto gewiſſer auff mein votum verlaſſen: er ſtelle mir nur eine geſchriebene Supplication zu / jetzund hab ich andere Sachen zu verrichten.

(geht ab.)
Zir.

Heyſa / das Weibernehmen wird auch an mich kommen. Denn die andern Herrn / haben ihr votum ſchon zugeſagt / da nun der Præſidente ſelber mit ſei - nem voto keine Difficultät machet, ſo werden ſie ge -wiß30Der Baͤuriſchewiß an meiner Perſon etwas aggreables erſehen ha -[b]en. Heyſa / die expedition iſt eines Frantzoͤſiſchen[L]iedgens werth.

(er ſinget.)
Zodiacus
(koͤmt.)

Sieh da guter Freundt / wo war er hinkommen / ich bin jhm ein Glaͤßgen Brantewein ſchuldig blieben.

Zir.

Nun wil ichs ſagen. Jch bin bey euren Herrn geweſen / und habe um den Pickelherings Dienſt an - gehalten: waͤre mir der Bettel abgeſchlagen worden / ſo hatte ich mein Maul gewiſcht / und waͤre ſtillſchwei - gend davon geſchlichen; nun ich aber in meiner Ver - richtung ſo gluͤckſelig bin / kan ichs einen guten Freun - de wol vertrauen.

Zod.

Habt jhr den euren Paßport oder das parla - ment wie es heiſt / ſchon in Haͤnden?

Zir.

Jch habe zwar nichts geſchriebenes druͤber / aber die promeſſen ſind mir ſo gewiß / als eine vocation.

Zod.

Herr mich wundert / das ein gereiſter Kerle die Leute nicht beſſer kennt: ſo lange als die Herrn im Hauſe ſind / ſo theilen ſie lauter Aemter aus / aber weñ ſie auff jhre Schubaͤncke nauffkommen / ſo werden ſie gantz andere Menſchen / daß ſie auch jhre Zuſage in Grund hinein vergeſſen.

Zir.

Solte das moͤglich ſeyn?

Zod.

Jch will euch mein exempel anfuͤhren. Jch bin nun gleichwohl 15 Jahr in Querlequitſch gemei - ner Hirte / und die rechte Warheit zubekennen / ſo iſt meine Beſoldung gar ſchlecht; drum hielt ich an / ſie moͤchten mir doch eine Zulage thun / und von jedwe -den31MACHIAVELLUS. den Hauſe / darinnen Vieh gehalten wuͤrde / des Jah - res ein Brodt geben. Der Gerichts-Scholtze ſagte mirs mit Hand und Mund zu / es waͤre billich / das mir die Arbeit belohnet wuͤrde / er wolte nicht eher ru - hen / biß ich die Brodte und wol etwas mehrers zu meiner Beſſerung erhalten haͤtte.

Zir.

Da hat er auch geredt / als ein loͤblicher Re - gente.

Zod.

Ja / laſt mich nur den Außgang erzehlen. Der Gerichts Scholtze koͤmmt auff die Schubaͤncke / und thut den vortrag mit ſolchen Worten: Jhr Herrn Collegen der Hirte iſt bey mir geweſen / und hat ſei - ne Beſoldung wollen verbeſſert haben. Nun weiß ich nicht / wie der wunderliche Mann itzund auff die Ge - dancken koͤmmt / da ohne diß ſo / ſchwere Zeiten ſind: haben ſich die alten Hirten ernehren koͤnnen / ſo wird der Kerl auch nicht Hunger ſterben. Oder / waͤre jhm das Aemtgen zu geringe / ſo wolten wir jhn an ſeiner Beſſerung nicht hinderlich ſeyn: doch ſteht den Herrn Collegen frey / was ſie beſchlieſſen wollen / befinden ſie es vor rathſam / das die Gemeine ſol beſchweret werden / ſo muß ich endlich die meiſten Pfoten gelten laſſen.

Zer.

Wer weiß / wer dieſes dem ehrlichen Manne nachgelogen hat.

Zod.

Ja nachgelogen / der Herr Bierſchatzer hat - te gleich eine Krancke Kuh / die muſte ich geſund ma - chen / da vertraute er mir die Heimligkeit / und ſchwur hoch und theuer darzu / ſie waͤren alle auff meiner Sei - te geweſen / aber es haͤtte nichts helffen wollen.

Zir.

Was brachte denn der Gerıchts Scholtze vor eine Entſchuldigung vor.

Zod
32Der Baͤuriſche
Zod.

Wie das Vieh auff den Abend zu Hauſe kam / ſtund er an der Thuͤr / und ruffte mich hin / Gevatter / ſagte er / es iſt mir Leid / das jhr nichts erhalten habt / ich war trefflich auff euer Seite. Aber ich ward uͤberſtimmet.

Zir.

So hoͤre ich wol / dem guͤtigen Herrn iſt nicht viel zu trauen.

Zod.

Herr glaͤubt mirs / wenn er mit Worten am freygebigſten iſt / ſo iſt er in der That am kaͤrgſten.

Zir.

Es wird mir leyd bey der Sache. Guter Freund / ich ſpendire euch ein Seidel Brantewein / gebt mir einen Rath.

Zod.

Jch weiß / was jhr thun koͤnt: der Schulmei - ſter hat nebenſt dem Landſchoͤppen das groͤſte Wort auff dem Schubaͤncken / wenn jhr hingienget / und gebet bey ſeiner Tochter freyens vor / er wuͤrde die Herrn gewiß erinnern / das ſie jhr Wort halten muſten.

Zir.

Jſt aber die Jungfer liebens werth?

Zod.

O ja es iſt ein feines Menſch / unter den Jungfern zu Querlequitſch laufft ſie noch mitte.

Zir.

Es wird mir aber an einem guten Vorſpre -[c]her mangeln.

Zod.

Je / wenn jhr mich vor voll anſehet / ſo wil ich dem Herrn Schulmeiſter wohl davon ſagen.

Zir.

Jch bin zufrieden. Kom̃t zuvor mit in die Schencke / und Trincket ein bißgen Courage.

(gehen ab)
(Der Schauplatz præſentiret die Schuhbaͤncke.)
Pu -
33MACHIAVELLUS.

Purus Putus. Durandus. Scibilis. Excipe. Vademecus. Extra Intra. Adjectivus. Neſcio. treten auff / und ſetzen ſich / Quoni - am bleibet an der Thuͤre ſtehen.

Pur.

Meine Hrn Collegen wiſſen beſter maſſen / wie unſer bisheriger Pickelhering oder Druſcheman an - ders wohin beruffen worden / und nunmehr unſren Collegio die Erſetzung eines ſo wichtigen Amtes ob - liegen will. Wenn denn der itzige Tag dazu angeſe - tzet iſt / als hab ich hier eine Supplication, von eınem guten Menſchen bey mir / der heiſt der heiſt der Nahme iſt etwas zu lang / en, i, ni.

(er buchſtabiret fort)

Nicoſtomus Pacifontius. Weil nun die Qualitäten ſehr gut bey jhm ſeyn / ſo zweiffel ich nicht / die Hrn Colle - gen werden dem guten Menſchen ſeine Befoͤrderung nicht verſagen.

Dur.

Meın Hr. College, wir haben ſein Anbrin - gen angehoͤret: aber ich weiß nicht anders / es hat ein ander ſeine Supplication auch eingegeben / der heiſt Barrabas Ciaconi.

Pur.

Ja es war einer bey mir / aber er kam zu langſam.

Duran.

Vor unſern Convent koͤmt niemand zu langſam / und ich proceſſire darwider. Hr. Ciaconi iſt ſo ein praver Kerle / die Gemeine koͤnt es bey jhren Kinds Kindern nicht verantworten / weñ ſie den recht - ſchaffenen Kerlen nicht zum Pickelhering machten.

Pur.

Hr. Pacifontius iſt auch kein Narꝛ / wir wol - len die Vota laſſen rumgehen: ich ſpreche Hr. Paci -Cfon -34Der Baͤuriſche[Pacifo]ntius ſol Pickelhering ſeyn.

Dur.

Und ich ſpreche Hr. Ciaconi ſol Pickelhering[ſ]eyn / und wer jhm ſein Votum verſagt / der iſt mein Feind.

Pur.

Ey was? ein jedweder hat ſein frey Votum Hr. Conſulente was haltet jhr davon?

Scib.

Nulli tacuiſſe nocet, Jch wil warten biß die[a]ndern votiret haben. Denn es koͤnte kommen / daß[d]er Conſulent auff die letzt was zu verbeſſern haͤtte.

Pur.

Nun Hr. Ruͤgemeiſter ſo ſagt doch jhr eure Bedancken

Excipe.

Jch gebe mein votum ich gebe mein votum

Pur.

Hrn Pacifontio.

Dur.

Hrn Ciaconi.

Pur.

Hr. Ruͤgemeiſter gebt das votum nach mei - nem Kopffe / oder euer Brandtewein-Schanck ſol euch geleget werden.

Dur.

Hr. Ruͤgemeiſter ſteht jhr auff meiner Sei - te / oder ich will euch auff euren Gute durch den Land - knecht pfaͤnden laſſen.

(Subſtantia trit auff.)

Mein ehrlicher Thuͤrknecht ſind die Hrn beyſammen.

Quon.

Ja ſie ſind beyſammen / es ſetzt harte Re - den / der Hr. Landſchoͤppe iſt euren Hrn trefflich zuwie - der. Jch weiß nicht wer die Oberhand behalten wird.

Subſt.

Ach mein Mann die feige Memme / laͤſt ſich freylich in ein Bockshorn jagen. Jch muß nur ſel - ber darzulauffen.

(laͤufft in die Verſamlung.)

Ha du ſehmutzigter Partitenmacher / was haſiu vorei -35MACHIAVELLUS. einen verlauffenen Schelmen / der mich und die mei - nen verdringen ſol. Das ſoltu wiſſen / daß mein Mañ Gerichts-Scholtze iſt / und daß ſeine Faute beſſer iſt / als wenn deiner zehen in das Weſen hinein plerren.

Dur.

Ein Weib ſol in der Gemeine ſtille ſchweigen.

Sub.

Was du kahler Bettelhund / wer waͤreſtu / wenn dir mein Mann nicht haͤtte zur Frau geholffen? Nun kriegt er den Danck vor ſeine Wolthaten.

Dur.

Wir ſietzen hier in loco ſacro, da ſollen die Weiber davon bleiben. Jhr Hrn votiret weiter herum.

Sub.

Was wolt jhr machen: ich bitte dem Kerlen Trotz / der mir meinen Herren mit den Lateiniſchen Nahmen veracht. Jch wil euch weiſen / was eine Ge - richts-Scholtzin auff den Schubaͤncken zu thun hat. Flugs / erwehlet mir denſelben den mein Hr. haben wil / oder er ſol von mir erwehlet werden.

Dur.

Jhr Hrn unſer Collegium wird geſchimpfft / helffet mir die Beſtie hinaus ſchmeiſſen.

(Quoniam koͤm̃t gelauffen)

Hr. Conſulente es iſt ein guter Freund da / der wolte ein Wort mit jhm reden.

Scib.

Mit mir? ich wil bald kommen.

Sub.

Es ſtuͤnde euch auch beſſer an das jhr meinen Hrn ſecundirt, und nicht auff beyden Achſeln truͤgt. Mich duͤnckt / jhr habt von unſer Familie mehr genoſ - ſen / als von dem beſchmutzten Bettelhunde da.

Scib.

Jhr Hrn Collegen ich werde abgefodert / ich wil nicht lange verziehen / ſo werde ich wieder da ſeyn. Fanget nur in meiner Abweſenheit keine Haͤndel an / denn es moͤchte daꝛnach an einen Conſulenten mangeln.

C 2Dur.
36Der Baͤuriſche
Dur.

Geht nur fort / wir wollen mit votiren inne[h]alten.

Sub.

Und komt auch zu rechter Zeit wieder / ſonſt heiſſe ich euch einen ſchlimmen Hund.

Quon.

Hr. Conſulente / der Hirte iſt drauſſen und wil was nothwendiges mit euch reden.

Scib.

Boni paſtoris eſt tondere pecus, der Hirte macht einem Conſulenten die meiſte Ungelegenheit.

Zodiacus
(komt.)

Mein Hr. Conſulente er vergebe mir / das ich eben an dem Orte ſo kuͤhne bin / ich habe etwas vorzubrin - gen / welches keinen verzug leiden wil.

Scib.

Jhr thut mir einen groſſen Dienſt / wo die Erzehlung fein kurtz abgefaſſet wird.

Zod.

Jch hoͤre die Hrn. wollen jetzund einen neuen Pickelhering machen. : nun iſt ſo ein praver luſtiger Menſch bey mir / der hat gute Luſt zu euer Jungfr. Tochter / wenn jhr jhm nur zu dem Dienſte helffen wollet. Er iſt als ein Scherſchlip verborgener weiſe durch viel Laͤnder und Koͤnigreiche gezogen / und hat uͤber 50. Gulden mit dieſer freyen Kunſt erworben. Hr. wie meinet jhr?

Scib.

Tardé venere Subulci! ey ey / warum koͤmt der liebe Menſch ſo langſam! (er beſinnet ſich) doch ich weiß wie der Sache zu rathen iſt / ſprecht er ſol meiner warten / wenn ich von Schubaͤncken komme / da ſol er etwas gutes hoͤren.

(er geht wieder in ſeine Seſſion.)
Dur.

Wir koͤnnen noch nicht einig werden / Hr. Conſulent ſagt eure Meinung.

Scib.
37MACHIAVELLUS.
Scib.

Aſtra regunt homines, in meinen Calende[r]ſtehet heute eine Zanckſuͤchtige Conſtellation, laſſet da[s]Werck etliche Tage auſtehen / biß der Mond voll wird[/]ich weiß die Gemuͤther werden ſich beſſer gewinne[n]laſſen.

Sub.

Hr. Jhr moͤgt den Vorſchlag wohl auneh - men / wir bleiben doch auff unſern Kopffe.

Dur.

Mein Hr. Ciaconi fragt auch nichts darnach. Er hat ſchon ſo viel Geld uͤbrig / das er ſo lange dar - von leben kan.

Sub.

Ja / wer ſich doch in ſeinem hohen Am̃te lieſſe hoffemeiſtern.

(geht ab mit jhren Purus Putus.)
Dur.

Jch laſſe mir die Gewalt nicht nehmen.

(geht ab.)
Scib.

Geht nur fort / es ſol einer ſo viel darvon be - kommen als der ander. Apparebit tertius interveni - ens, quaſi DEUS ex machinâ.

(geht ab.)
Exc.

Jhr Hrn Collegen was duͤnckt euch von der ſchoͤnen manier.

Vad.

Was frag ich darnach / die Hrn moͤgen ſich vergleichen.

Ext.

So viel als ich verſteh / ſo hatten alle beyde recht.

Int.

Es gefiel mir gar zu wol / das der Hr. Land - ſchoͤppe ſolche prave Hundsfloͤh in den Bart kriegte.

Adj.

Jch wil hoͤren / was die andern ſprechen / dar - nach wil ich meine Stimme einrichten.

Neſc.

Es waͤre viel davon zureden wer alles wuͤſte.

Ext.

Die Hrn verzeihen mir / ich habe gleich Ar -C 3bei -38Der Baͤuriſchebeiter / die ſollen mir an der Wieſe einen Graben ma - ſchen / ich muß gehen.

Int.

Und ich verſehe mich eines Schuldmannes / der mir eine alte verſeſſene Zinſe abfuͤhren ſol.

(geht ab.)
Adj.

Meine Frau hat Schindeln gekaufft / ich muß gehen / das ſie nicht im zehlen betrogen wird.

(geht ab.)
Neſc.

Und ich habe noch einen Braten von der neulichen Hochzeit zu holen / ehe mir die Bettel Leute das beſte wegfiſchen.

(geht ab.)
Exc.

Das war gut / daß ich mit meinen Clienten zu Hauſe blieb / gelt / der geſtrige Hr. war gut genung?

Vad.

Jch moͤchte jhn felber in unſer Gemeine wuͤn - ſchen: aber was kunten wir ausrichten?

Exc.

Wo wir nocheinmal zuſammen kommen / ſo kriegen wir einander bey den Koͤpffen.

Vad.

Jch bin dem Land-Schoͤppen noch eines ſchuldig vor das neuliche Bierbrauen / er ſolte abſcheu - lich getreten werden.

Exc.

Die Zeit wirds geben / ich ſpringe hinter den Ofen / und halte das Licht herfuͤr / das ſie ſehen koͤnnẽ

(gehen ab.)
Vocativus. Scibilis.
Scib.

Jch halte die Sache wird ſich ſo auff das beſte angreiffen laſſen / es iſt bekand / flectere ſinequeo.

Voc.

Der Hr. ſehe nur auff mich / der Juncker ſol einen Befehl herſchicken / darin ſein zukuͤnfftiger Schwieger Sohn zum Pickelhering denominiretwird39MACHIAVELLUS. wird: Wir wollen ſehen / wer ſich wiederſetzen ſo[ll.]

Scib.

Et faciles motus mens generoſa capit. D[er]Hr. thue immer ein Werck der Barmhertzigkeit:[Er]weiß daß ich jetzt das Steuer Regiſter in unſer G[e -]meine umſchreiben muß / ich kan jhm ſchon eine Wo[hl -]that dargegen erweiſen. Mutuum muli ſcabunt ei[n]beampter hilfft dem andern.

Voc.

Jch hoͤre ſchon wo der Hr. hinaus wil / i[ch]nehm es mit Danck an / Morgen auff dem Abend ſ[oll]er den Befehl in dem Schiebſacke haben.

(geht ab.)
(Ziribiziribò bringt des Schulmeiſters Toch ter Riſibilis an der Hand / und ſingt ei[n]luſtig Lied.)
Scib.

Par nobile fratrum! Woher komt jhr liebe[n]Kindergen?

Riſ.

Da ſtudieren wir ſchon auff unſre kuͤnfftig[e]Haußhaltung.

Scib.

Ja wol; urit maturè. Was wol erzogen iſ[t]das geraͤth wohl.

Zir.

Hr. Conſulent und zukuͤnfftiger Hr. Vate[r]wie ſtehts um̃ den Beſehl?

Scib.

In tempore veniet, quod omnium rerum e[ſt]primum.

Riſ.

Jhr redet ſehr viel Lateiniſch / vielleicht ver[-]ſtehts der Hr. nicht.

Scib.

Quisꝙ́ ſuos patimur manes. Ein jedwede[r]Vogel ſingt / nachdem Jhm der Schnabel gewach[-]ſen iſt.

Zir.

Jch habe mein Latein gar uͤber der Frantzoͤſi[-]ſchen Sprache vergeſſen.

C 4Scib
40Der Baueriſche
Scib.

Ja freylich / non poſſumus ſimul forbere & fla - re: das Latein erfodert einen gantzen Menſchen.

Zir,

Jch hoffe / wenn ich meine Ubung wieder ha - ben ſolte / ſo koͤnt ich mit der Zeit was vornehmers werden.

Scib.

Difficile eſt adverſus ſtimulum calcitrare. Jm Alter lernt ſichs nicht wol.

Zir.

Nun wolan / Hr. Vater kom̃t herein auff ein Kaͤnnichen Bier.

Scib.

Qui benè bibit, benè dormit. Wer was guts zu trincken hat / der fuͤhrt die Braut heim.

Zir.

Jch will heute die Zeche bezahlen.

Scib.

Parcius utaris rapiente veredo, Junges Blut / ſpar dein Guth.

Zir.

Ey es liegen jhrer viel auff dem Kirchhoff die ſich aus Kargheit nicht ſatt gefreſſen haben.

Scib.

Ey ey Poſt fata quieſcit, laſt todte Leute ruhen.

Zir.

Ja wol / ich halte mehr von den Lebendigen. Wie ſtehts Maͤgdgen ein Strohſack im Brautbette[i]ſt beſſer als ein ſam̃tnes Leichentuch?

Scib.

Trahit ſua quemꝙ́ voluptas, Ein jedweder Schaͤffer lobet ſeine Keule. Doch laſt uns gehen. Aſinus eſt in patinis, ich moͤchte gerne trincken.

(gehen ab.)
Drit -41MACHIAVELLUS.

Dritte Handlung.

PurusPutus. Durandus. Excipe.

Pur.

Waren wir nicht Narren / das wir uns mit einander zanckten.

Dur.

Wer haͤtte ſich ſolcher Haͤndel verſehen ſollen.

Exc.

Jch bin ein alter Mann / aber das iſt das erſte Mahl / daß uns der Juncker mit einem Befehle in unſer Gerechtigkeit eingreifft.

Dur

Jch merck es wol / unſer Hr. Conſulent hat das Werck gemeiſtert / vielleicht iſt ſeine Tochter mit eingedingt.

Pur.

Es iſt keinem Menſchen zu trauen. Er iſt die Urſache an aller unſer Keifferey.

Dur.

Aber weiß der Hr. College was wir mit dem Befehle machen wollen.

Pur.

Jch hab noch nichts erdencken koͤnnen.

Exc.

Wir wollen zu ruͤcke ſchreiben / er ſol uns mit dem Befehle ungeheyt laſſen: Wir wollen doch wol wiſſen / wo wir einen Pickelhering hernehmen.

Dur.

Bey leibe nicht / man muß die Obrigkeit re - ſpectiren. Wir wollen antworten / der Juncker haͤtte uns befohlen / wenn wir einen Pickelhering machen wolten / ſo moͤchten wir eine gewiſſe Perſon beden - cken; nun aber haͤtten wir willens keinen Pickelhering mehr zu machen.

Pur.

Das wird|ſich vor unſre Gemeine nicht ſchicken.

Dur.

Wir machen wol einen / aber wir geben jhm einen andern Nahmen: unter deſſen mag der Juncker in poſſeſſion bleiben / daß ohne ſeinen Willen kein Pi - ckelhering gemacht wird.

Pur.

Aber auff ſolche weiſe muͤſte Hr. Pacifontius bedacht werden.

Dur.
42Der Baͤuriſche
Dur.

Ja hinter ſich. Jch habe den Rath gegeben / mein Hr. Ciaconi geht vor.

Pur.

Nein mit Gunſt ich habe auch was zu reden.

Dur.

Wir wollen ſehen wer die meiſten vota kriegt.

Exc.

Ey jhr Hrn / fangt nicht die alte Leyer wieder von forne an. Unſer Hr. Conſulente hat ein Sprich - wort: Ridetur chordâ qui ſemper aberrat eadem.

Pur.

Es bedarff keines Streits / der kuͤnfftige Con - vent ſol es ausweiſen.

Dur.

Jch wil es erwarten.

(Durandus und Excipe gehen ab.)

Pacifontius. Quantitas.

Pur.

Siehe da meine Tochter! ich |muß auff die Seite treten / und jhrem Geſpraͤche zuhoͤren.

Pacif.

Liebſtes Jungfr Quäntgen / die Luſt iſt in gruͤnen vortrefflich ſchoͤn.

Quant.

Das weiß ich ohn dem wol / und wenn ihr mirs gleich nicht geſagt haͤttet.

Pac.

Jch ſuche Gelegenheit mit meinen liebſten Kinde zu reden.

Quant.

Wenn haben doch die Narrenpoſſen ein Ende?

Pac.

Die Liebe ſehnet ſich nach keinen Ende.

Quant.

Jch bin der Sachen ein Kınd. Schwatzt mir was von einem Butterfaſſe / davon krieg ich was fettes in die Kuͤche.

Pac.

So will ich ſie mein liebſtes Butterfaß heiſſen.

Quant.

Warum nicht euren Quarckſack. Wolt ihr einen Narren haben / ſo ſchafft euch einen.

(ſie wil ſich loß reiſſen / der Vater, ſpringt her - vor.)
Pur.
43MACHIAVELLUS
Pur.

Was machſtu / bleib ſtehen du grobe Keule / und thue erbar / wie die Mutter befohlen hat / oder ich mache dir in 20. Jahren keine Hochzeit.

Pac.

Mein Hr. Vater laſſe die Jungfr Tochter ſchertzen / ſie meint es in Gedancken nicht ſo boͤſe / als vielleicht die eußerlichen Wercke ſcheinen.

Pur.

Nun ſo gehet doch hinein / ich habe ohne diß etwas Geheimes mit dem Hr. Sohne zu reden.

Pac.

Jſt etwan meine Vocation ſchon ausgefertiget

Pur.

Freylich hat es an mir nicht gemangelt / aber der Hencker hat uns geritten / das wir den Schulmei - ſter / den Cauſenmacher zu unſern Conſulenten genom - men haben.

Pac.

Ey / das iſt mein guter Patron, und dem ha - be ich meine gantze addreſſe in Qverlequitſch zu dancken.

Pur.

Unſer Schulmeiſter hat ein Sprichwort / Voluntas hominis eſt ampullatoria, die Gedancken ſind wie Aprilwetter. Er hat einen Freyer zu ſeiner Tochter bekommen / damit hat er einen Befehl von Juncker aus practiciret, daß wir den Scherſchlip vor andern bedencken ſollen.

Pac.

Hr. Vater / ſo ſteht mein Gluͤcke noch in weiten Felde.

Pur.

Ey / wir haben zu dem Loche ſchon einen Fleck gefunden. Wir wollen dem Juncker wiederſchreiben / die Gemeine brauchte keinen Pickelhering / unterdeſſẽ wollen wir einen Ceremonien Meiſter annehmen / der ſol das alte fas und das alte nefas behalten.

Pac.

Sol ich aber Ceremonien Meiſter werden?

Pur.

Jch hoff es. Aber der Landſchoͤppe iſt mirauff44Der Baͤuriſcheauff das neue zu wieder: Wollet jhr guten Rath gelten laſſen / ſo ſeht ein bißgen Geld nicht an / und ſtecht eu - ren Wiederſacher ab. Jhr wiſt wol wie unſer Conſu - lente ſpricht / Vivat ums Geld.

Pac.

Je wenn der Hr. Vater meint / daß meiner Wolfart damit geholffen wird / ſo wil ich ſchon Geld finden. Aber wie gibt man der Sache die rechte forme.

Pur.

Unſer College der Bettelvoigt iſt bey dem Landſchoͤppen trefflich wol dran / der nehme 3. Kan - nen Bier an ſtatt der Diſcretion, und brachte die Sa - che zu einem guten Ende.

Pac.

So muͤſſen wir nach jhm ſchicken.

Pur.

Nein nein / er iſt in meinen Hauſe / und macht meiner Frauen Strohſeile / wir wollen jhn bald er - langen. Hr. Bettelvoigt Hr. Ampts College kom̃t doch auff ein Wort herunter.

(Neſcio koͤm̃t mit emem Strohſeile heraus.)
Neſc.

Hr. Gerıchts Scholtze verhindert mich nicht an meiner Arbeit / wo die Sache nicht nothwendig iſt.

Pur.

Es gibt 3. Kannen Bier zu verdienen / werfft mir den Plunder hin / die Strohſeile warten wol / biß wir morgen von Schuhbaͤncken kommen.

Neſc.

Meinetwegen ich wolte lieber im Bier er - ſauffen als im Stroh verbrennen. Worin kan ich dienen?

Pur.

Jhr wiſt / was neulich vor ein Streit wegen des Pickelherings war: Nun merck ich wol / daß der Hr. Landſchoͤppe einen befoͤrdern wil / davon er etwas zuſchneiden gedenckt. Solte es nicht angehen / das er eben ſo viel von dieſen guten Menſchen geſchenckt nehme?

Neſc.
45MACHIAVELLUS.
Neſc.

Je warum ſolte das nicht angehen? ich mu - ſte einen verſuch thun.

Pur.

Ey Hr. College ſeyd gebethen und gehet hin der ehrliche Menſch wird 20. Guͤlden nicht anſehen.

Neſc.

Jch weiß wie der liebe Hr. zu gewinnen iſt: er hat ein liebes Soͤhngen / wenn ich denſelben jrgend einen Zeiſſig ſpendiren koͤnte / ſo waͤre der Zutritt deſt[o]gewiſſer.

Pur.

Seht wo jhr was bekomt / die Unkoſten ſollen euch erſezet werden.

Neſc.

Jch habe eine Amſel vor 8. gl. aber es moͤch - te dem Hrn zu tieff in das Geld reiſſen.

Pac.

Ach nein / da habt jhr das Geld / und die 3. Kannen Bier darzu.

Neſc.

Groſſen Danck. Gehet nur hinein / und trinckt eins mit einander / ich wil die Sache ſchon auff einen guten Ort bringen.

(gehen ab.)

Scibilis. Excipe.

Scib.

Wollen die ehrvergeſſenen Kerlen den Befehl nicht reſpectiren?

Exc.

Wie gedacht / ſie wollen jhn reſpectiren / und wollen doch thun was jhnen gefaͤlt.

Scib.

Und ſoll in dem Weltberuͤhmten Marckflecken Querlequitſch kein Pickelhering mehr ſeyn? das waͤre eine fallacia in terminis.

Exc.

Es waͤre beſſer man bliebe bey den alten Loͤ - chern.

Scib.

Jch ſeuffze! heu priſca fides! Ach wie huͤbſch war es vor Zeiten!

Exc.
46Der Baͤuriſche
Exc.

Damit wird aber euer zukuͤnfftiger Eydam kein Pickelhering.

Scib.

Da laſt mich ſorgen. Unius rei multi poſſunt eſſe fines, der Fuchs weiß mehr als ein Loch. Kan ich Befehl ausbringen / ſo kan ich auch die Befehle exe - quiren laſſen.

Exc.

Jch habe das meinige gethan / und habe euch die Sache bey guter Zeit vertrauet / jhr moͤgt im uͤbri - gen eure Klugheit zu Rathe ziehn.

(geht ab.)
Scib.

Cuneus Cuneum trudit, ein Schelm koͤm̃t uͤber den andern. Doch ich muͤſte nicht Scibilis heiſſen / wenn ich die albern Schaͤcher nicht betriegen wolte. Ehe mein Befehl ſol ſchimpffiret werden / ehe wil ich die gantze Buͤrgerſchafft auffwiegeln / das ſie durchaus auff einen Pickelhering dringen ſollen.

(Zodiacus koͤm̃t.)
Scib.

Das iſt der Mann den ich haben wil. Ami - cus certus in re incertá cernitur, wenn man der gu - ten Freunde von noͤthen hat / ſo kommen ſie.

Zod.

Hr. Conſulente laſt mich doch mit dem La - teine ungevexirt.

Scib.

Abſtine ſus, non tibi ſpiro. Jch rede das Latein vor mich. Aber wuͤſt jhr was neues?

Zod.

Jſt jrgend ein Ungluͤcke da?

Scib.

Jch wolte ich haͤtte einen andern Dienſt / der waͤr ein Schelm / der nicht gleich abdanckte. Ar - tem quævis terra alit. Wer Patronen hat / koͤmt wol fort.

Zod.

Darbey wird unſre Gemeine keine Seyde ſpinnen.

Scib.
47MACHIAVELLUS.
Scib.

Quicquid delirant Reges, jhr habt es euren Regenten zu dancken. Sie wollen ietzund die manier auffbringen / daß kein Pickelhering ſeyn ſol: da wird das lumpen Querlequitſch nicht viel anders ſeyn / als Herba acida ſine farcimine, das iſt / eine Hochzeit ohne Spielleute.

Zod.

Da wird die Gemeine auch drum reden.

Scib.

Os oſſis Muͤndlein / ſed os oris devorat Huͤndlein. Wenn die gemeinen Leute alleine ſind / da haben ſie immer ein groſſes Maul / darnach wil nie - mand den Fuchs beiſſen.

Zod.

wir wollen ſehen ob die Gemeine nicht ein Wort zu ſprechen hat.

Scib.

Principium fervet. Was einer gut macht / verderbt der ander.

Zod.

Gebt euch zufrieden / jhr ſollet ſehen / was wir vor eine Lermen auf den Schuhbaͤncken machen wollẽ.

(geht ab.)
Scib.

Dulce bellum inexpertis. Gegen grobe Leu - te muß man Gewalt brauchen. Und ſie ſollen ſehen / wer das meiſte zu regieren hat / non decem Achilles, ſed decem Neſtores, ein Schulmeiſter iſt beſſer als zehn ſolche Pralhanſe.

Vademecuſ.
(koͤm̃t gelauffen /)

Hr. College wuͤſt jhr was neues.

Scib.

Africa ſemper aliquid novi, zu Querlequitſch hat der Hencker immer ſein Spiel. Jſt etwan der neue Ceremonien Meiſter ſchon fertig? oder hat ſich der Gerichts-Scholtze mit den Landſchoͤppen herum geſchmiſſen.

Vadem -
48Der Baͤuriſche
Vad.

Umbgekehrt / ſie ſind die beſten Freunde. Hr. Paſelpontius, oder wie der Narꝛ heiſt / der ſpendirt dem Landſchoͤppen ſo viel als der vorige / damit blaſen ſie in ein Horn.

Scib.

Juno Moneta, O du verfluchtes Geld!

Vad.

Alſo wird die Wahl keine Difficultät mehr haben.

Scib.

Alter mulget hircum, alter ſupponit cribrum es wird nichts draus.

Vad.

Der Hr. Wegevoigt iſt trefflich gut Freund mit jhm.

Scib.

Vox eſt prætereaꝙ́ nihil. Der Narꝛ hat nur ein Votum, und was werden ſie zu des Junckers Be - fehle ſprechen? Ne ſutor ultra crepitum, es greif - fe niemand in frembde Jurisdiction.

Vad.

Sie wiſſen ſchon was neues. Sie wollen bey dem Juncker einen Beſehl ausbringen / daß die Lands Kinder vor den frembden ſollen befoͤrdert wer - den / und ſol die Clauſel drinne ſtehen / ungeacht al - ler vorhergegangenen Befehle.

Scib.

Ne hoc quidem adverſus Parmenontis ſuem. Damit iſt der Hr. Conſulent noch nicht uͤberwunden. Acheronta movebo, ich wil den Hrn Pater mit in das Spiel bringen.

Vad.

Auff eure Gefahr / ich ſpiele nicht mitte.

(geht ab.)
Scib.

Nulla dies ſine lineâ, Ein jeder Tag hat ſei - ne eigene Plage. Doch ſi tu es Caja, ego ſum Cajus. Wurſt wieder Wurſt. Jch wil den Voͤgeln eine Wuꝛſt braten / ſie ſollen ſich das Maul daran verbrennen.

(Ziribiziribò koͤm̃t ſingende heraus.)
Scib.
49MACHIAVELLUS.
Scib.

tibi ridenti, Hr. Sohn es iſt nicht Zeit zu ſingen.

Zirib.

Laſt mich unverſtoͤrt / wenn ich Ungluͤcklich bin / ſo muß ich doppelt ſingen.

Scib.

Homo omnium horarum, der Menſch kan alle Verdrießligkeit uͤberwinden.

Zirib.

Was iſt vorgefallen / das ich uͤberwinden ſol.

Scib.

Ne Hercules quidem adverſus duos. Wer mit dem Gerichts Scholtzen und Landſchoͤppen zu - gleich in Wiederwertigkeit liegt / der muß ein Hertz in Leibe haben.

Zirib.

Jch dachte die zwey Kerlen waͤren Feinde zuſammen.

Scib.

Herodes & Pilatus. Wenn es uͤber uns Geiſt - liche geht / ſo muß alles zu Freunden werden. Aber hoͤrt meinen Rath / mein Nachbar hat vor 8. Tagen eine Sau geſchlachtet / und hat treffliche Bratwuͤrſte davon gemacht / nach dem Verſ. Farcimen Querle - quitſchenſe decus eſt & gloria menſæ.

Zir.

Was helffen mich die Wuͤrſte?

Scib.

Die bringt dem Hrn Pater zur Verehrung / damit er den Kerlen ſtattlich verachtet / der euch die Schuh austreten wil. Denn es iſt ein Befehl vor die Lands-Kinder unter der Hand / und wir koͤnnen nicht leugnen / der alte Friedeborn iſt an unſers Jun - ckers Hofe ein Leyer-Mann geweſen: verſteht mich nur / Curia Romana non curat ovem ſine lana.

Zir.

Der Hr. Pater ſolte mir die Wege weiſen / wenn ich an dem jetzigen Faſttage mit Bratwuͤrſten auffgezogen kaͤme.

Scib.

Der Hr. Pater iſt gar gut / nodum in ſcirpoDnon50Der Baͤuriſche[n]on quærit, er friſt manchmal eine Bratwurſt vor eine[L]amprete. Legt ſie zuſammen in eine Fiſchreuſe / ehe[d]er liebe Mann ſieht / was er in der Schuͤſſel hat / ſo[ſi]nd ſie verſchlungen. Venter caret auribus, wenn es[n]ur gut ſchmeckt.

Zir.

Jch nehme die Lehre an / aber auf eure Gefahr.

Scib.

Rem tuam cuſtodi, Ein jedweder ſorge vor[ſ]eine Haut.

(gehen ab.)
Juniperus.

Jch faſte zwier in der Wochen / und wer es nicht glau - ben wil / der ſehe meinen Bauch an. Denn ſo gern als ich die Faſte wolte abbringen / ſo wil ich doch nicht gerne meine Lateiniſche Sprache ſchimpffen / die be -[ſ]teht in 4. Worten; Credo quod Eccleſia credit. Und damit hab ich ſo viel erworben / als mancher mit einen gantzen Folianten. Das uͤbrige leſe ich aus dem Buche / und darum bin ich auch den Gelehrten von Hertzen feind. Denn ſie muͤſſen mit jhren Lateiniſchen Sacke kommen / und da gibt es ſchwere Gedancken / wenn man bey Ehren bleiben ſol. Es iſt nicht lang / ſo reiſte ein Ketzer oder ſonſt ein verlauffner Kerle durch unſern Flecken / und als er mich ſo gar ſchoͤne in der Meſſe ſingen hoͤrte / ſo dachte er / ich haͤtte alles auswendig gelernet / und kam bey dem Altar zu mir / daß ich vor dem erſchrecklichen Lateine kaum in der Kirche bleiben konte. Zu meinen guten Gluͤcke beſañ ich mich auff mein Vaterland / und ſagte / Quitſch querle querlequitſch / da lieff der gute Menſch zu mei - nem Kuͤſter / und fragte ob ich ein Moſcowiter waͤre? mein Kuͤſter ſagte Ja: damit ſtahler ſich aus meinem Geſichte / wie die Katze vom Taubenhauſe.

Zi -51MACHIAVELLUS.
Ziribiziribò koͤm̃t und hat an ſtatt der Brat - wuͤrſte zwey groſſe ausgeſtopffte Wuͤrſte / wie die Moriones tragen / in die Schuͤſſel gelegt.
Junip.

Aber / was koͤmt da vor ein Außlaͤnder / hui daß mir ſeine Sprache beſchwerlich iſt.

Zir.

Ehrwuͤrdiger Hr. Vater / hab ich Freyheit ein Wort zu reden.

Jun.

Mehr als eines / wenn die Sache angenehm iſt.

Zir.

Ehrwuͤrdiger Hr. Vater / ich habe verlangen mit deſſen vornehmer Perſon bekandt zu werden: drum hab ich dieſe geringe Lampreten / ſo gut als ſie bey dieſer Jahres Zeit gefangen werden / zur verehrung gleich als zu meinen Vorſprechern bringen wollen.

Jun.

Jn Warheit / es ſind ſchoͤne Stuͤcke / ſie ſind gewiß einem Comes Palatinus aus dem Teiche ent - wiſcht / der ſie legitimirt hat. Jch ſehe / der Hr. hat ſonſt ein Anbringen / er wuͤrde mich ſo koͤſtlich nicht beſchencken.

Zir.

Jch ſuche nichts als vornehme Bekandſchafft. Koͤnte mir aber darnach mit was gedienet werden / ſo wuͤrde ich meinen Wolthaͤter nicht verachten.

Jun.

Er ſage nur her / mit Gelde kan / ich jhm nicht dienen / aber verlanget er einen zehn fachen Segen / den wil ich uͤber jhn ſprechen.

Zir.

Es iſt etwas anders. Denn ich habe von den Geſtrengen Juncker einen Befehl das ich ſol Pickel - hering werden. Aber der Gerichts-Scholtze wil mir ein Lands-Kind vorziehen / der keine andere QualitätenD 2hat /52Der Baͤuriſchehat / als daß ſein Vater vor 20. Jahren auff den nech - ſten Dorffſchafften vor einen Leyermann gedienet hat. Wenn doch der Hr. Pater den liederlichen Menſchen mit lebendigen Farben abmahlen wolte / daß ſich die Patronen der ſchoͤnen Befoͤrderung ſchaͤmen muͤſten.

Jun.

Stille / ſtille / ich habe genung. Gruͤſt jhr nur euren Hrn Conſulenten, und gebt Achtnng / ob die Glocken in wenig Tagen nicht anders klingen ſollen.

Zir.

Alſo lebe der Hr. Pater wol.

(geht ab.)
Jun.

Jch ſehe wol / daß dieſes Bratwuͤrſte ſeyn / doch weil es die einfaͤltigen Leute vor Fiſche halten / ſo gebe ich niemanden Aergernuͤß / wenn ich heute was davon verzehre.

(gehet ab.)

PurusPutus. Durandus.

Pur.

Ob wir den Befehl erwarten?

Dur.

Es iſt nicht von noͤthen. Wir wollen jhm die vocation ausantworten. Ein plebisſcitum das von dem Oberſten abgefaſſet wird / das ſol unſre Wiederpart wol unumgeſtoſſen laſſen.

Pur.

Aber wer ſchreibt die vocation? unſer Conſu - lente waͤr noch wol ſo ſchlim̃ / und ſchriebe an ſtatt unſers Clientens ſeinen Schlipſcher hinein / und weñ wir das Siegel drauff druckten / ſo waͤren wir ge - fangen.

Dur.

Der Vogel hat die Kuͤnſte mit den Briefen gelernet. Jch meine der Einnehmer iſt neulich betro - gen worden.

Pur.

Weiß ich doch nichts davon.

Dur.

Der Conſulente kauffte einen wuͤſten Gartenda53MACHIAVELLUS. da waren 15. Gulden Steuer auffgelauffen; die bezah[l -]te er / und machte nach ſeinem Gefallen eine Quit[-]tung / die der Einnehmer unterſchreiben muſte. Gleic[h]auff den Jahrmarckt / da der Einnehmer am meiſte[n]zu thun hat / kom̃t er wieder / und bringt die Quittun[g]auff ein Pergament Blat geſchrieben / unter dem vor[-]wande / das Papier moͤchte jhm von Maͤuſen leich[t]zerbiſſen werden / da er doch dieſes Document biß au[f]ſeine ſpaͤten Kinds-Kinder auffheben wolte. Der gu[-]te Mann nimt ſich nicht ſo viel Zeit / daß er den Brief[f]uberſiehet / damit iſt er zugleich auff ein Capital vo[n]20. fl. quittiret.

Pur.

Er koͤnte uns noch einen Poſſen machen[.]Doch was bringt der Hr. Pater.

Juniperus.

Dem Hrn meine freundliche Dienſte.

Pur.

Groſſen Danck Hr. Pater. Wo ſo lange g[e -]weſen?

Jun.

Man darff die Hrn in jhren Verrichtungen nicht alle Tage verhindern. Wer weiß ob ich jetzund zu gelegener Zeit komme.

Pur.

O wir haben nicht viel zuthun. Wir ſorge[n]nur vor einen neuen Pickelhering.

Jun.

Sie werden allbereit eine tuͤchtige Perſon im Vorſchlage haben.

Pur.

Ja / des alten Friedeborns / der vor 20. Jah - ren Leyermuntel hieß / ſein Sohn moͤchte wohl das beſte darvon kriegen.

Jun.

Ey ihr Hrn wie ſeyd jhr auff dieſe Perſon kommen.

Pur.

Jch hoffe wir ſollen nicht betrogen ſeyn.

D 3Jun -
54Der Baͤuriſche
Jun.

Jch begehre zwar an jhrem Amte nichts zu tadeln: doch wenn man bedenckt / wie er ſeine Jugend ſo liederlich zugebracht hat / ſo moͤchte einem wol grau - en / daß man ſo einen boͤſen Menſchen in der Kirche und in der Gemeine ſol vor ſich ſehen. Jhr Hrn ich bitte euch / um eures Gewiſſens willen / laſſet euers Seelſorgers Erinnerung etwas gelten / und bemuͤht euch um eine andere Perſon. Es waͤre uns ſchlechte Ehre / wenn jhn der Juncker einmal auff Rad und Galgen abfodern lieſſe.

Snbſtantia koͤm̃t raſende heraus gelauffen.
Subſt.

Wo hat mein Schwieger Sohn Rad und Galgen verdient? daß dir alle 27. Elementen in die Kappe fahren. Solſtu ehrliche Leute bey jhren Patro - nen ſo in das Saltz hacken? Harꝛ ich weiß auch was / ich wil dir bey unſern | Juncker ein Huͤnichen braten / das dich im Leibe reiffen ſol. Du Capital freſſer / du Allmoſenfreſſer: Da ſteht das boͤſe Ding / und laͤſtert auff ehrliche Leute: darnach trit er vor den Juncker und heulet jhm eins vor / biß er jhm vor etliche Blech - atſchen Troſt in die Jacke wirfft. Du Blechaͤtſchen - Flenner.

Jun.

Meine Frau Gerichts-Scholtzin ſie beſinne ſich doch.

Subſt.

Ey ich habe mich ſchon beſonnen / und wo mein Schwieger Sohn darhinter hingeht / ſo wil ich auch mein Maul auffthun: jhr wiſt wol dorte es, a, ſa

Jun.

Wenn man guter Meinung wegen nichts er - innern darff / ſo kan ich wol ſtille ſchweigen. DerPi -55MACHIAVELLUSPickelhering thut mir an meinem Einkommen keine[n]Schaden.

(geht ab.)
Subſt.

Er komme wieder hat er ein Hertze / ich wi[l]jhm den Peltz waſchen / das er ſeiner Verleumbdung vergeſſen ſol.

(geht ab.)
Scibilis und Ziribiziribò auf der andern Seite
Scib.

Dum ferrum candet Hr. Sohn / der Pate[r]wird das ſeinige gethan haben / es iſt Zeit / das jhr i[n]der erſten Hitze nach komt. Denn quod corrumpitu[r]in prima concoctione non corrigitur in ſecundá, de[r]erſte Zorn iſt hefftiger als der andre.

Zir.

Jch wil meinen Fleiß nicht ſparen.

Scib.

Intereſt & refert, Jhr habt den meiſten pr[o -]- fit davon.

(geht ab.)
Zir.

Meine gebietende Patronen vergoͤnnen jh - rem Diener eine kurtze audienz.

Pur.

Wir haben wenig Zeit uͤbrig / die Rede muß in wenig Worten beſtehen.

Zir.

Jch wil es kurtz geben / ſie machen mich zu jh - rem Pickelhering.

Dur.

Jch halte ihr denckt / wir brauchen ein halb Schock Pickelheringe zu Querlequitſch.

Zir.

Der Hr. Pater wird meiner ſchon in allen be - ſten gedacht haben / ich bitte ſie laſſen die gute recom - mendation gelten.

Dur.

Es iſt noch nichts davon gedacht worden. wenn der Hr. Pater ſeine Perſon recommendirenD 4wird /56Der Baͤuriſchewird / und es waͤre ſo dann noch niemand im vorſchla - ge / ſo koͤnnt jhr euch wieder anmelden.

(Durandus und PurusPutus gehen ab.)
Zir.

Wie muß der Hr. Pater ſeine recommendati - on ſo ſchaͤndlich vergeſſen haben? hat er meine Brat - wuͤrſte gefreſſen / ſo muß er ſie auch verdienen.

Aſcanius trit an des Hrn Paters Thuͤre her - aus.
Zir.

Sieh da / ich werde mich gleich bey dem Hrn Pater laſſen anmelden. Gluͤck zu mein Freund / iſt der Hr. Pater zu Hauſe?

Aſcan.

Nach wem fragt der Hr.?

Zir.
(ad ſpect.)

Der gute Menſch hoͤrt nicht wol / ich muß laut ſchreyen.

(ad Aſcan:)

Jſt der Hr. Pater zu Hauſe?

Aſcan.

Jch wil darnach ſehen. Wer iſt der Hr.?

Zir.

Jch habe neulich etliche Lampreten gebracht / er wird mich wol kennen.

Aſc.

So ſo / er verziehe nur ein bißgen an der Thuͤ - re / ich wil den Hrn Pater fragen / ob er zu Hauſe iſt

(geht ab.)
Zir.

Es geht bey dieſem Hrn Pater gar Fuͤrſtlich zu / man muß ſich gar weitlaͤufftig laſſen anmelden.

Adjectivus.
(kom̃t)

Was macht der Hr. bey dieſem Geiſtlichen Hauſe?

Zir.

Jch habe mich bey dem Hrn Pater laſſen an - melden.

Adj.

Habt jhr ſchon lang gewartet.

Zir.

Es war ein junger Menſch hauſſen / der wolte darnach ſehen / ob er zu hauſe waͤr.

Adj.
57MACHIAVELLUS.
Adj.

Guter Freund / geht ins Wirtshauß davor / ſo koͤnt jhr die Zeit beſſer zubringen als hier vor der Thure.

Zir.

Jch habe bey dem Hrn Pater was zu verrich - ten. Es iſt mir nur leyd / er moͤchte nicht zu Hauſe ſeyn.

Adj.

Ey / was ſolte er nicht zu Hauſe ſeyn? wie ich daher kam / ſo guckte er mit der rothen Naſe durchs Fenſter. Aber es gilt eine Wette / der Bothe wird ei - ne zierliche Luͤgen bringen: und damit Holla.

Zir.

Der Hr. Pater wird ſeinen jungen untergebe - nen nicht zum luͤgen anhalten.

Adj.

Ey / das heiſt nicht gelogen / es heiſt nur ein bißgen politiſch geſpielet. Doch der Diener koͤmt wie - der / heiſt mich einen Lauer / wo jhr nicht mit einer lan - gen Naſe zu ruͤcke muͤſt.

(geht ab.)
Aſcanius. (koͤm̃t.)
Zir.

Wie ſtehts guter Freund. Jſt der Hr. Pater anzutreffen?

Aſc,

Nein / er iſt gleich eine viertel Meile von hier zu einer | Adelichen Perſon geholet worden / und da moͤchte er ſich wol biß gegen den Abend auffhalten.

Zir.

Jch haͤtte gemeinet / er guckte oben durch das Fenſter heraus.

Aſc.

Ach nein / ich war oben / und ſchlug mit einer rothen Fliegen Klatſchen eine Weſpe todt / die wird durch geſchimmert haben.

Zir.

Gleichwohl hab ich jhn nicht ſehen ausgehen.

Aſc.

Er gehet gemeiniglich zur hinter Thuͤre hinaus.

Zir.

So muß ich auff dem Wege lauren / wenn er zuruͤcke koͤm̃t.

Aſcan.
58Der Baͤuriſche
Aſcan.

Der Hr. bemuͤhe ſich nur nicht / es moͤchte dem Hrn Pater nicht lieb ſeyn: er hat gar viel zu thun / darbey er in 8. Tagen keinen Menſchen vor ſich laſ - ſen kan.

(geht ab.)
Zir.

O Schade um meine reformirte Lampreten! O haͤtte ich ſie gefreſſen / der Bauch waͤre mir voͤller darvon worden / als von den elenden Worten / davon ich nichts habe / als eine Handvoll Schande.

(geht | ab.)

Durandus. PurusPutus. Pacifontius. Intra.

Pur.

Hr. Einnehmer habt jhr die vocation ge - ſchrieben.

Int.

Jch habe ſo was hingemacht / weil es die Hrn vor rathſam erkanten: ſonſt halt ich wol davor / der Hr. Conſulente waͤre beſſer mit zu Rechte kommen / er haͤtte auch um etliche Groſchen Latein darzu ge - ſetzet.

Pur.

Es wird ſchou gut ſeyn / wir nehmen jhn zu einen Deutſchen Pickelhering an / und darzu mag die vocation immer paſſiren.

Int.

Jch behalte den Stylum, deſſen wir bey der Einnahme gewohnt ſind und ich gebe mich vor keinen Conſulenten aus.

Pur.

Habt Danck / habt Danck Hr. Einnehmer: aber jhr Hr. Pacifontius hier ſeht jhr eure vocarion. Es mangelt nichts daran als daß ſie geſiegelt wird.

Dur.

Wir koͤnnen etliche aus unſern Collegio dar - zu nehmen. Der Conſulent iſt ohne dem nur unſerDie -59MACHIAVELLUS. Diener / und gehoͤret ſo eigentlich nicht darzu / damit hat es ſeine Richtigkeit.

Pur.

Nun zukuͤnfftiger Hr. Sohn / er ſieht wie jhm das Gluͤcke favoriſiret hat / ich gratulire jhm von Hertzen / und wuͤnſche / daß jhm die auffgetragene Ehrenſtelle zu lauter Freude / Seegen und vergnuͤgen gereichen moͤge.

Dur.

Jn gleichen habe ich den guten Wunſch zu wiederholen / daß unſer vornehmes Collegium nicht allein an ſeiner Perſon ein ſonderbares Gefallen ver - ſpuͤren / ſondern auch die Gelegenheit dergeſtalt erſchei - nen moͤchte / das wir den Hrn allerſeits mit Rath und That / und mit anderer guten Befoͤrderung koͤnnen an die Hand gehen. Geſtalt ich jhn meines beharꝛli - chen Wohlwollens / als ein Dienſtwilliger Patron wil verſichert haben.

Pac.

Cum titulis pleniſſimis, meine Hochgeneigte Patronen und Befoͤrderer / ich habe mit ſonderbaren Freuden verſtanden / wie daß meine wenigkeit vor an - dern zu dem vornehmen Pickelherings |Am̃te ſey de - figniret, vociret und beruffen worden. Und wie dieſe Befoͤrderung in meinem Hertzen eine groſſe Freude cauſiret / verurſachet und erwecket; alſo hab ich meine ſchuldige Danckbarkeit dagegen ſollen bezeigen demon - ſtriren und erweiſen / in Hoffnung ſie werden mich je - derzeit mit maͤchtiger Hand manuteniren / ſchuͤtzen und handhaben / und mir die Gelegenheit geben / daß ich ihr Beſtaͤndiger Diener heiſſen commoriren und verbleiben moͤge.

Dur.

Die Rede war ſchoͤn geſetzet. Machet euch in deſſen auff einen rechten habit geſaſſet / der H[err]Ein -60Der BaͤuriſcheEinnehmer hier ſol ſchon 2. Guͤlden aus der Gemei - nen Caſſe darzu bezahlen.

Int.

Der Hr. Gevatter gebe mir nur ein kleines Zettelchen / ſo wil ich ſchon ſehen wie zuhelffen iſt. Es iſt zwar jetzo das duͤrre viertel Jahr / aber auff eu - er Wort kan ich ſchon etwas thun / das ich ſonſt blei - ben lieſſe.

(Durandus und Intra gehen ab.)
Pac.

Jch haͤtte nicht vermeinet / daß mir das Gluͤ - cke auff einmal wuͤrde ſo guͤnſtig ſeyn / und daß ich ein Am̃t / eine Frau und ein koſtbares Ehrenkleid zuſam - men kriegen ſolte. Allein was werde ich vor einen A - lamode Schneider ausforſchen / der mir das Kleid nach einer koͤſtlichen invention verfertigen kan.

Aciculus.
kom̃t.)

Wer fragt nach einem Schneider?

Pac.

Jch verlange einen Kunſtreichen Meiſter.

Acic.

Wem mit der Kunſt was gedienet iſt / der trifft bey mir die Frantzoͤſiſchen Moden am allerbe - ſten an.

Rac.

Hoͤrt Meiſter / koͤnt jhr ein Pickelherings Kleid machen?

Acic,

Sol etwan der Hr. unſer Pickelhering werden?

Pac.

Stille / ſtille / die vocation iſt zwar ſchon ge - ſchrieben / aber ich darff noch nicht davon reden. Macht jhr nur ein Kleid.

Acic.

Seyd verſichert in gantz Deutſchland iſt kein Meiſter der jhn beſſer contentiren koͤnte als ich. Deñ ich habe einen Geſellen gleich dieſe Woche bekom̃en / der hat beym Koͤnige in Franckreich helffen Comædi -en61MACHIAVELLUS. en Kleider machen / und der ſol die neuſte facon von dergleichen Habit angeben: oder iſt mir recht / ſo hat er gar eins bey ſich. Er komme nur hinein und gebe mir einen Guͤlden drauff / damit ſol er Morgen ge - putzt ſeyn als ein Frantzoͤſiſcher Cam̃er-Comœdiante.

(gehen ab.)

Scibilis. Ziribiziribò.

Scib.

Spiritus nec carnem habet nec oſſa der Geiſt - liche Hr. Pater hat weder Schande noch Ehre.

Zir.

Aber auff die Weiſe werde ich mit meiner Befoͤrderung ſchlim̃ beſtehen.

Scib.

Tempus edax rerum. Die Zeit wirds geben. Unterdeſſen habe ich etliche kluge Anſchlaͤge | ſchon fertig. Jch wil den Hirten zum Landſchoͤppen gehen laſſen / der ſol ſprechen / der Gerichts-Scholtze jubilir - te ſo trefflich / daß er jhm folgen muͤſte / und wenn die vocation einmahl volzogen waͤre / ſolte er von dem verſprochenen Gelde nicht einen dreyheller zugewar - ten haben: mitlerweile beſinnt euch auff kluge An - ſchlaͤge ex Arte Diteſcendi, damit wollen wir bey dem Landſchoͤppen groſſe affection erwerben / daß die Brie - fe wegen des Pickelherings anders lauten ſollen.

(gehet ab.)
Zir.

Mein zukůnfftiger Hr. Schwieger-Vater hat einen witzigen Kopff. Es iſt Schade / daß er nicht ſol Reichs Cantzler ſeyn. Jch aber muß nun auch ſehen / daß ich meine Perſon wol darbey ſpiele.

(geht ab.)

Zodiacus. Durandus.

Dur.

Seyd jhr darbey geweſt?

Zod.
62Der Baͤuriſche
Zod.

Ja ich bin darbey geweſt / es gieng mir durchs Hertze / daß ich die hoͤhniſchen Reden ſolte anhoͤren / ich weiß ja daß der Hr. Landſchoͤppe ſonſt am meıſten gilt / drum wunderte ich mich / warum ſich der Ge - richts-Scholtze eben ſo viel einbilden duͤrffte.

Dur.

Habt groſſen Danck vor den Bericht: ich wil mirs hinter ein Ohre ſchreiben.

Zod.

Hr. Landſchoͤppe er iſt meine Obrigkeit / weñ ich drauſſen auff der Viehweide bin / drum hab ichs mit guten Gewiſſen nicht verſchweigen koͤnnen.

(geht ab.)
Dur.

Jch bin gewiß mit meinen Gedancken uͤber Feld geweſt / daß mir der Gerichts-Scholtze ſo einen gefaͤhrlichen Eingrieſſ in meine Gewalt gethan hat. Jch koͤnte der Leute Spot werden / wenn ich ſtille darzu ſchwiege. Nein nein / es ſol noch anders dar - von geredt werden / ehe die Vocation geſiegelt wird / und ich wil gleich befehlen / daß der Einnehmer nicht einen Heller zum Kleide bezahlet.

Scibilis. Ziribiziribò,

Scib.

Dem Hrn Landſchoͤppen meine freundliche Dienſte.

Dur.

Groſſen Danck Hr. College. Was bringt jhr guts?

Scib.

Jch komme nur wegen einer wichtigen Sache her / die der ehrliche Menſch da mir vertrauet hat: es ſol in ſeinem Garten ein trefflicher Schatz vergraben ſeyn / und weil er gute Wiſſenſchafft um ſolche Sa - chen hat / wolte er das liebe Gut unter der Erde nicht weiter verſchimmeln laſſen.

Dur.

Wiſſet jhr gewiß / daß ein Schatz vergraben[iſt]?

Zir.
63MACHIAVELLUS.
Zir.

Wenn ich in meiner Kunſt nicht beſtuͤnde / ſo wolt ich wenig Worte davon machen.

Dur.

Jch weiß wol / meine groſſe Magd hat jm̃er vorgegeben / es ſolle in dem Garten ſo unheimlich ſeyn / ich duͤrffte bald nach dem Schatze graben laſſen.

Zir.

Wenn ich kein Gewiſſen haͤtte / ſo waͤre ich die Nacht in den Garten geſtiegen / und haͤtte den Vo - gel ausgenommen. Aber ich dencke: beſſer einen kleinen recompens mit Ehren / als einen Keſſel voll Geld mit Suͤnde.

Scib.

Conſcientia mille teſtes. Ein gewiſſenhaffti - ger Menſch iſt 1000. Rthlr. werth.

Dur.

Wie koͤnte aber die Arbeit heimlich fortge - ſetzet werden? Denn ich fuͤrchte der Juncker wuͤrde ſich auch mit in unſere Theilung begeben wollen.

Scib.

Clam adſciſcit ablativum. Wer den Schatz wegnehmen wil / der muß es Heimlich thun.

Dur.

Ja Hr. Conſulente / wir greifft man | aber das Werck heimlich an?

Scib.

Jch hielte davor / doch ohne Maßgebung / der Hr. Landſchoͤppe bemuͤhte ſich daß der ehrliche Menſch Pickelhering wuͤrde: ſo koͤnte man ſprechen / er wolte ſich im Garten auff ſeine zukuͤnfftige profeſ - ſion exerciren, damit duͤrffte jhn niemand verſtoͤren. Seceſſum & otia quærunt, Ein Pickelhering muß ein Stuͤbchen | alleine haben.

Dur.

Der Rath iſt ſehr gut / alleine ich kan dem Hrn Collegen nicht verhalten / die vocation iſt ſchon einem andern ausgefertiget.

Scib.

Ey ey / und ich habe nichts davon erfahren. Quis meſſem miſit in alienam falcem? Wer hat die vocation geſchrieben?

Dur.
64Der Baueriſche
Dur.

Der Hr. Conſulente ließ gleich ſeinen Schweinſtall mit Schindeln decken / ſo wolten wir jhn mit ſo einer Arbeit nicht beſchweren. Aber es iſt mir leyd.

Scib.

Serò ſapiunt Phryges. Der Hr. Landſchoͤppe muß ſich weiſen laſſen. Denn wie iſt die voeation eingericht?

Dur

Auff eben das modell, wie des vorigen Pickel - heringes.

Scib.

Jch weiß was wir thun. Der Gerichts - Scholtze giebt heute ſeinen Knechten die Haberkirms. unterdeſſen wollen wir auff die Schuhbaͤncke gehen / und einen Schluß machen / der zukuͤnfftige Pickelhe - ring ſol ſich auff die Muſic verſtehen / daß er in der Kirchen mit auffwarten kan. Jſt nun Hr. Pacifon - tius nicht darzu geſchickt / habeat ſibi.

Dur.

Jch bin zu frieden. Da habt jhr meine Hand / jhr ſolt Pickelhering ſeyn / und Hr. Conſulente ſchrei - bet auff allen Fall die vocation. Wenn der punct wegen deꝛ Muſic richtig iſt / und der erſte Cliente ſei - ne Perſon nicht præſentiren kan / ſo heiſt es / in der vocation iſt ein defect, der muß verbeſſert werden. Damit jhr auch ſehet das alles gewiß iſt / ſo wil ich den Hrn hiermit Solenniter im Nahmen unſers gan - tzen Collegii Gluͤck gewuͤnſchet haben / daß er bey un - ſer loͤblichen Gemeine viel Zeit und Jahre dem wich - tigen Ambte vorſtehen / und den Ruhm dieſes vorneh - men Marckfleckens in der gantzen Welt ausbreiten moge.

Scib.

Wir bedancken uns beyde gar ſreundlich und wuͤnſchen dem Hrn Landſchoͤppen Machuſalæ annos,Ar -65MACHIAVELLUS. Argi oculos, Crœſi aurum, Codri regnum, das iſt: Friede / Freude / Gnade / Segen und alle Wolfarth

Dur.

Hr. Conſulent jhr ſollet bedanckt ſeyn; ma - chet nur Anſtalt wegen der Nachmittaͤgichen Zuſam - menkunfft.

(geht ab.)
Scib,

Portam aperuimus aureo malleo. Der Land - ſchoͤppe hat ſich mit einer guͤldenen Luͤgen vexieren laſ - ſen. Aber am Ende wird es heiſſen / pro theſauro carbones, der Schatz iſt wieder verſuncken.

Zir.

Aber wenn ich nu den Schatz lieffern ſol.

Scib.

Unterdeſſen habt jhr das Amt weg. Eſt a - vis in dextra, wer den Brieff einmal in der Hand hat / der weicht nicht zuruͤck. Wir ſprechen die Vo - cation ware auff des Junckers Befehl ausgeant - wortet.

Zib.

Man macht ſich doch die Leute nicht gerne zum Feinden.

Scib.

Jch wil nur dem Hirten Wind darvon ge - ben / der ſol bey dem Hrn Pachtman ein Leben davon machen / daß uns der Juncker allen das Schatzgra - ben verbieten laͤſt. Denckt indeſſen auff euer Amt. Vulpes facile pirum comeſt. Ein Conſulente kan den Landſchoͤppen leicht betriegen.

Zir.

Nun bin ich wider luſtig!

(Er ſinget ein Frantzoͤſiſch Liedgen und ge - het hinein.)
CVier -66Der Baͤuriſche

Vierdte Handlung.

Euſebius. Politicus.

Eus.

Ach wer haͤtte ſich eines ſolchen Unweſens auch unter gemeinen Perſonen verſehen.

Pol.

Die einfaͤltigen Leute ſind nur einen Man - telkragen beſſer als die Bauren / nnd gleichwohl wiſ - ſen ſie die betruͤglichen Stuͤcke / ſo kuͤnſtlich anzuwen - den / daß der Machiavellus ſelber neuer Klugheit von noͤthen haͤtte / wenn er in einen geringen Marckflecken ohne Schaden und Verhindernuͤß wohnen ſolte.

Eus.

Aber ach! was ſolten wir von den Weltli - chen Einwohnern gutes weiſſagen / ſolte man nicht bey dem allgewaltigen Gott Rath und Huͤlffe ſuchen / ehe man ſich um ein irꝛdiſches Gluͤcke bekuͤmmerte.

Poi.

Sie wollen einen Unterſcheid ſuchen unter den Geiſtlichen und Weltlichen Gluͤck. Aber hiemit wollen ſie die Goͤttliche Providenz eines groſſes Stuͤ - ckes berauben. Solte der jenige nicht im Politiſchen Gluͤcke die Oberhand fuͤhren / welcher die Fuͤrſten ab und einſetzt / und ſolte er nicht auff den geringſten Doͤrffern bey den Aemptern die Hand im Spiele ha - ben / da auch kein unnuͤtzer Sperling wieder ſeinen Willen auff die Erde fallen darff.

Eus.

Wie man die Aempter ſucht / ſo werden ſie auch gefuͤhrt: Verlanget man des Goͤttlichen Bey - ſtandes im Anfang nicht / ſo wird ſich niemand wun - dern / wenn der Goͤttliche Segen im Fortgange et - was ſparſamer zugemeſſen wird.

Pol.

Die Welt Kinder verlachen den Politicum der[b]eten wil / aber wenn ſie hernachmahls jhr Ungluͤckbe -67MACHIAVELLUS. beweinen muͤſſen / ſo koͤmt die Reue gemeiniglich[zu]ſpaͤte.

Eus.

Jn einem Stuͤcke hab ich mehr befunden als mir lieb iſt; aber nun muͤſſen wir doch erforſchen / w[o -]- her die geringen Leute von der Welt dieſe Boßh[ei]t gelernet haben.

Pol,

Vielleicht wird dieſer unbekandter das unbe - kandte Werck bekand machen.

Rationalis (koͤmt.)
Rat.

Mein Diener Appetitus iſt mir aus dem Dienſte entlauffen / und wenn ich meine Herꝛſch[afft]t bey jhm mit unterſchiedenẽ Beweißgruͤnden behaupten wil / ſo muß ich den aͤrgſten Spott von jhm einfreſ[ſen]Jch befehle jhm / ſo wil er uͤber mich herꝛſchen. Jch ruͤhre ſein Gewiſſen / ſo wil er mich von der Gewalt herunter ſtoſſen. Ach / wie ſchlecht iſt es mit einem Herren bewandt / deſſen Knechte ſich zu einen ewigen Ungehorſam vereiniget haben.

Euſ.

Mein Freund / was vor ein Ungluͤcke zwinget jhm dieſe Klagen ab?

Rat.

Ach Geſegnet ſey dieſe Stunde / da ſolche werthe Freunde in dieſer Gegend ankommen. Hab ich nicht das Gluͤcke / den Euſebius und Politicus[zu]beneventiren / mit denen ich vormals im Parnaſſo gu - te Freundſchafft gepflogen habe.

Pol.

Mein Freund wolle ſich nicht verwundern / daß wir an die alte Freundſchafft muͤſſen erinnert werden: Denn es ſcheinet / als waͤre das Geſichte / und die uͤbrige Geſtalt in wehrender Zeit mercklich veraͤndert worden.

Rat.

Jch armer Rationalis habe von A[nfang]E 2[mei]68Der Baͤuriſchemeiner Geburt die Herrſchafft uͤber den muthwilligen Appetitus erlanget / allein jemehr derſelbige meinen Gebothen nud Vermahnungen zu wieder lebt / deſto weniger kan ich meine vorige Geſtalt und mein froͤli - ches Angeſicht behalten.

Euſ.

Wir ſind von dem Durchl. Apollo in einer wichtigen Angelegenheit ausgeſchickt. Denn der Ma - chiavellus iſt von unterſchiedlichen Perſonen verkla - get worden / als wenn die gantze Welt durch jhn ver - kehret wuͤrde. Dieſer aber hat ſich auf die niedrigſten Leute von der Welt beruffen / welche den Machiavel - lum nie geſehen haͤtten / und dennoch in allen liſtigen Vorhaben jhre Boßheit beweiſen koͤnten. Da ſollen wir nun dir rechte Warheit einholen / und dem Durch - laucht. Richter vollkommene Relation erſtatten.

Rat.

Der gute Machiavellus iſt gewiß unſchuldig; Aber mein verlauffener Knecht Appetitus, nebenſt 2. gemeinen Dirnen Stulticia und Calliditas, haben ſich an einen Kerlen gehangen / iſt mir recht / ſo heiſt er Antiqvus, und derſelbe pfleget unter des Machiavelli Perſon vielfaͤltige Maſqueraden zu ſpielen. Sie be - lieben mir zufolgen / ſo wird das Geheimnuͤß gar leicht entdecket werden.

Appetitus. Stultitia. Calliditas.

Appet.

Wer ein Narr waͤre / der koͤnte ſich zu ei - nem ewigen Knechte verſchreiben. Jch armer Appe - titus habe nunmehr den hochmuͤthigen Rationalis lan - ge genung uͤber mich herꝛſchen laſſen / und da ſonſt ein geringer Bauer ſeinem Geſinde etwan ein Pfingſtbier oder eine Liecht-Ganß vergoͤnnet / ſo hab ich an keine Suͤſſigkeit gedencken koͤnnen / davon mich dieſer eigen -ſin -69MACHIAVELLUS. ſinnige Kopff nicht verhindert haͤtte. Jch kan wol ſa - gen / daß die wilden Thiere bey jhren veraͤchtlichen Zuſtande weit gluckſeliger ſind / als ein Knecht / der einen ſolchen Sauertopffe zu Gebote ſtehen muß.

Stult.

Wer fragt darnach. Wer einen froͤlichen Muth hat / der bekuͤmmert ſich um keinen Sauertopff.

Cal.

Und wer einen Weg zur Hinterthuͤre weiß / der bekuͤmmert ſich um keinen Herren / der ein Schloß vor die Vorderthuͤre geleget hat.

Stult.

Wer wil die guten Stunden nicht mitneh - men? Es koͤm̃t wol eine Zeit / da man die Freude wieder ſeinen Willen verſaͤumen muß.

Cal.

Und wer wil ſeines Nutzens wegen ein gerin - ges Schelmſtuͤckgen ſo groß auffmutzen?

Stult.

Sa / luſtig! ein guter Tag / den ich genieſ - ſe / iſt beſſer als 10. ſchlimme Tage die ich erwarten ſol.

Cal.

Mann muß ſich vor dem boͤſen Tage wol fuͤrchten! Aber der iſt ein Narr / der ſich von der ge - genwaͤrtigen Wolluſt abtreiben laͤſt.

App.

Wo muß aber unſer Hr. Machiavellus ſeyn / welcher das Commando in unſer ſchoͤnen Compagnie fuͤhren ſol?

Stult.

Er wird mir gewiß Schellen zu einem Halßbande kauffen.

Cal.

Und mir ein Glaß zum Perſpective.

Antiqvus koͤm̃t.
Ant.

Sieh da / jhr lieben Kindergen / treff ich euch an dieſem Orte beyſammen an. Wollen wir bald un - ſer Regiment in eine richtige Form bringen?

E 3App.
70Der Baͤuriſche
App.

Jch bin zufrieden / das Regiment iſt mir am[lieb]ſten / da ich nach meiner Luſt und nach meinen[W]illen leben kan.

Stult.

Und ich bin alſo geſinnet. Wenn ein Hr. [kluͤ]ger wil ſeyn als ich / ſo bin ich gerne weit davon.

Cal.

Und ich bin mit dem Regiment am beſten zu - f[ri]eden / da man die freye Ober und Unterjagt / das iſt /[die]Betruͤgerey gegen hohe und niedrige gebrauchen kan.

Ant.

Nur bleibt einig, daß Rationalis nim̃ermehr[in]ſeinen vorigen Standt geſetzet wird. Er iſt von[P]erſon trefflich klein / warum ſol ich jhm mit meiner[gro]ſſen Statur nachgeben. Und warum wolte jemand mein Regiment verachten / da ich alle Geſetze in dieſem[kur]tzen Jnnhalt begreiffe: Thu was du wilſt; Suche was dir gefaͤlt; was dir ſchmaͤckt; Verfolge was dir zu wieder iſt / und bekuͤmmere dich um keinen Schaden / wodurch dein Nutzen nicht verſtoͤret wird. [O]was vor einen ewigen Ruhm haͤtte Solon verdie - net / wenn er die Athenienſer mit ſolchen Geſetzen er -[fre]uet haͤtte!

Euſebius. Politicus.

Euſ.

Ha / du Weltbetrieger / biſtu der Ungluͤcks - Vogel / der die Menſchen-Kinder ſo weit von dem[Him]mmel abſondert? Jch citire dich hiermit in den[par]naſſum, allwo deine Bubenſtuͤcke vor dem Durchl.[Ap]ollo ſollen gerichtet werden.

Ant.

Was geht mich der Richter Stuhl an / da -[hin]ich nicht geſchworen habe. Apollo mag ſeine Semmeln und Butter Pretzeln ın allen Frieden ver - zehren; Aber ich wil erweiſen / das jhm zu Trotze nochein71MACHIAVELLUS. ein ander Parnaſſus ſol erbauet werden. Commandiret er uͤber die Tugendhafften / ſo wil ich die Laſterhafften unter meinen Schutz nehmen / und wir wollen ſehen / wer den meiſten Anhang / die beſte Freude und das lu - ſtigſte Leben davon bringen wird.

Pol.

Jch wil den Tag erleben / da der Durchl. Apollo dein verdam̃tes Reich zerſtoͤren wird. Wir kennen deinen Nahmen und es ſollen ſolche Perſonen uͤber dich geſchicket werden / gegen welche dein Trotz wie Staub und Spreu vor dem Winde dahin fah - ren ſol.

(geht ab.)
App.

So koͤnnen wir nicht mit Frieden bleiben. Euſebius und Politicus muͤſſen viel Zeit uͤbrig haben / das ſie nach frembden Zeitungen in dem Lande koͤnnen herum gehen.

Stult.

Deſſentwegen kein Bein entzwey: Es Don - nert nicht allemal / wenn es Wetterleucht.

Cal.

Wenn die Noth an Mann geht / ſo borg ich dem Politico einen Mantel ab / und verdinge mich zu dem Euſebio in Dienſte.

Ant.

Dieſe Rede war ſchon zu kleinmuͤthig / laſt uns die extremität erwarten / wir muͤſſen einmal er - fahren / ob Apollo ſo viel uͤber uns ge - biethen kan.

C 4Fuͤnf -72Der Baͤuriſche

Fuͤnffte Handlung.

Zodiacus
koͤm̃t heraus und hat ſein Horn

Es iſt zuviel / daß ich zugleich Hirte und Stunden - ruffer ſeyn muß: drum habe ich die Sache ſo weit ge - mittelt / das ich jtzo nur den Morgen abblaſe. Jn der Nacht / wen die Leute ſchlaffen / iſt jhnen mit denn Stunden nicht viel gedienet: doch wie ſieht der Him - mel ſchon ſo helle? Hui das ich zwey Stunden zu lange geſchlaffen habe! Jch muß zu der Sache thun.

(Er blaͤſet ins Horn / hernach ſinget er)
Der Tag vertreibt die finſtere Nacht /
Jhr Maͤnner und Weiber ſeyd munter
und wacht /
Alle Dinge waͤhren eine weile.
(Neſcio koͤm̃t.)
Zod.

Nun die Arbeit waͤre wieder verricht.

Neſc.

Guten Morgen Gevatter / blaſet jhr den Tag erſt aus?

Zod.

Ey was ſol ich den Tag aus meinen finſteren Horne blaſen / er koͤm̃t wol von ſich ſelber.

Neſc.

Jhr ſeyd vexierlich. Doch warum zerlaͤſtert jhr das ſchoͤne Lied / und ſinget: Alle Dinge waͤhren eine weile.

Zod.

Siehe da Ehrwuͤrdiger Hr. Bettelvoigt / bekuͤm̃ert jhr euch um die Lieder: O laſt mich ſingen / habe ich doch eure Hundekarbatſche noch nicht geta - delt.

Neſc.

Nun nun ſeyd nıcht boͤſe / es war gut gemeint.

Zod.
73MACHIAVELLUS.
Zod.

Das jhr doch die Urſache wiſſet / ſo war ich vor 26. Jahren zu Rumpelshauſen Richter; in einen Jahre ward ich abgeſetzt / und muſte bey einen Schal - meyer den andern Diſcant blaſen: Weiter kam ich auf Zippel-Opeſitz / und ward auf dem Vorwerge Hofmei - ſter: endlich ſolte ich zu Bettelsheim Buͤrgemeiſter werden / wenn wir nicht zu meinen Ungluͤck haͤtten ei - ne Glocke gieſſen laſſen. Den da mır am Metall zehn Centner fehleten / ſo muſte ich hieher auf Querlequitſch zum Hirten-Ampte: drum wen ich an meine vorige Ehre gedencke / ſo heiſt es freylich: Alle Dinge waͤh - ren eine weile.

Neſc.

So gehts / je groͤſſer Ehre / deſto groͤſſere Gefahr.

Zod.

Jch habe nicht Zeit zuwarten: Mein Vieh laufft mir nicht ſo gehorſam nach / wie euch die Bet - telleute.

(geht ab.)
Neſc.

Es hat ſich wol gehorſamt: Das Bettel - volck wird in den letzten Zeiten ſo boͤſe / das ich mir al - le Spenden und Austheilungen drey Tage vor mei - nem Leben wegzuͤrnen muß.

(geht ab.)
Ciaconi.

Jſt die Welt nicht betruͤglich! der Pickel - herings Dienſt ward mir verſprochen / und ich habe michs allbereit ein ehrliches koſten laſſen! Gleichwol habe ich nun einen Quarg in der andern Handt. Je - mehr auch meine Gedancken mit ſich ſelber zu Rathe gehen / deſtoweniger bin ich geſchickt etwas zuerfinden.

Quoniam koͤm̃t mit dem Korbe und mit dem Gloͤckgen.
E 5Ci -
74Der Baͤuriſche
Ciac.

Was klingelt jhr?

Quon.

Hr. Geld oder Brodt.

Ciac.

Mir fehlt beydes. Aber wem wirds ge - ſamlet?

Quon.

Den armen Leuten / und etlichen bedienten.

Ciac.

Was vor Bedienten?

Quon.

Die armen Leute kriegen das Brod / und von dem Gelde hat die Hebamme / der Thorwaͤrter und der Stundenruffer ſeine Beſoldung.

Ciac.

Da habt jhr doch was in die Buͤchſe / aber klingelt mir auch eins zu Ehren.

Quoniam klingelt.
Quon.

Herr / das geſchah jhm zu Ehren.

Ciac.

Die Ehre gibt mir ſchlechten Troſt in mei - nen Elende.

Quon.

Was hat der Hr. vor Elend?

Ciac.

Jhr koͤnt mir doch nicht helffen.

Quon.

Manchmal koͤnnen auch gemeine Leute was gutes rathen. Laſt mich nur eure Anliegen wiſſen? Denn ob ich gleich jetzt ein Klingelman bin / ſo bin ich auff den Schuhbaͤncken auch Thuͤrknecht / und wenn ıch bißweilen auskehre / ſo ſteubt mir manche Weißheit in Haiß / die unſere Herren verzettelt habẽ.

Ciac.

Jch hatte von dem Hrn Landſchoͤppen / in - gleichen von dem Hrn Conſulenten gewiſſe vertroͤ - ſtung / das ich ſolte Pickelhering werden: Aber nun gehet mir alles zuruͤcke / daß ich vor Hertzeleyd nicht weiß / was ich anfangen ſol.

Quon.

Die lieben Hrn machen es alſo. Wer ein Narꝛ iſt und ſperꝛt das Maul auff / der muß ſich ein Saͤfftgen nach den andern laſſen einſtreichen / bißer75MACHIAVELLUSer das reiſſen im Leibe und einen ledigen Beutel zu Lohne hat.

Ciac.

Mit dieſer Klage wird mir nicht geholffen.

Quon.

Verſucht es doch mit unſern Hrn Pacht - man auf des Junckers Vorwerge / der ſolte dem Land - ſchoͤppen und den Conſulenten ſchon ein Hoͤltzgen ſtecken.

Ciac.

Es moͤchte was helffen / wenn ich mit dem vornehmen Manne bekandt waͤre.

Quon.

Da iſt leichte hinzukommen. Er iſt ein treff - licher Liebhaber von Narrenpoſſen. Geht nur hin / und ſchwatzt jhm allerhand loſe Haͤndel vor / ich weiß / er behaͤlt euch bey Tiſche / und macht euch Pickelhe - ring auff ſeinem Vorwerge.

Ciac.

An Poſſen ſol es nicht fehlen / wenn ich da - durch zu meiner Wolfarth gelangen kan.

Quon.

Aber jhr muͤſt feine grobe Sau-zoten mit untermengen. Denn wer mit der Sauglocke nicht laͤuten kan / der hat ſich in ſeinem Hauſe keiner Kanne Bier zugetroͤſten.

Ciac.

Jch wil meinen Mann in dieſem Stuͤcke ſchon præſentiren.

Quon.

Nun guten Tag. Viel Gluͤcks zu euren garſtıgen Reden / das jhr ein ſchoͤnes Aemtgen er - werbet.

(gehet ab.)
Ciac.

Sind das nicht poſſierliche Haͤndel / daß ich mein Brodt mit garſtigen Poſſen verdienen muß. Ja wol muß man alles verſuchen / ehe man ein gewiſ - ſes Ruhplatzgen antrifft / und ich werde auff gut Gluͤ -cke76Der Baͤuriſchecke ein paar Kaͤnchen Bier verſchlucken / daß mir die loſen Haͤndel deſto beſſer einfallen.

(geht ab.)

Pacifontius. Quantitas.

Pac.

Mein Kind / wird ſie der Fr. Mutter Lehre bald gewohnen?

Quant.

Die Mutter ſpricht ich ſol euch lieb haben / und ich weiß nicht / was das vor ein Ding iſt.

Pac.

Jch wil jhr alles mit kurtzen Worten geben. Sie muß jhr Hertze mit mir theilen.

Quant.

Waruͤm nicht den Magen und die Plau - tze auch. Jch laſſe mich nicht zuſchneiden.

Pac.

Ein ſolcher Schnitt kan ohne Blut verrich - tet werden: ſie darff das Meſſer jhrer Hoͤffligkeit brauchen / damit iſt das Hertze getheilet.

Quant.

Jm Hofe haben wir kein Meſſer / wir ha - ben eine Miſtgabel / und ein Grabſcheidt / damit laß ich mein Hertze nicht entzwey ſtoſſen.

Pac.

Jch muß noch deutlicher reden. Sie ſol mich mit Liebes-Augen werffen.

Quant.

Jch duͤrffte 2. Augen wegſchmeiſſen / ſo waͤre ich gar blind.

Pac.

Mann kan die Augen wegwerffen und zugleich behalten.

Quant.

Jch muͤſte ſie gewiß an einen Zwirnsfaden binden / das man ſie koͤnte zuruͤcke ziehen.

Pac.

Meine treue Beſtaͤndigkeit ſol jhr an ſtatt des Zwirnsfadens dienen.

Quant.

Jch dachte an ſtatt eines Strohſeiles.

Pac.

Jch bin recht Ungluͤcklich / daß mich die Lieb - fre nicht verſtehen wil. Sie ſol mich zu jhrem Diener a mehmen.

Quant.
77MACHIAVELLUS.
Quant.

Wir habeu Knechte genung. Und was waͤren denn ſolche Diener nuͤtze? auf einen Miſtwagen ſeyd jhr zu kurtz / und auff einen Karrn zu lang.

Pac.

So wil ich recht offenhertzig heraus gehen. Jhr ſolt meine Haußwirthin werden.

Quant.

Baut doch zuvor ein Hauß / und fragt darnach / ob mirs beſſer gefaͤllt als bey der Mutter.

Ziribiziribò bringt Riſibilis an der Hand ge - fuͤhrt und ſingt ein Liedgen.
Pac.

Was koͤm̃t hier vor ein Paar ſpatzieret?

Zir.

Serviteur mein Hr. wie ſteht es um ein gut Leben?

Pac.

Gar wol. Wer die Liebſte an der Seite fuͤhrt / der laſt ſichs nicht uͤbel gehen.

Zir.

Jch erfahre es an meinen Exempel. Wenn der Hr. ſo vergnuͤgt iſt als ich / ſo leben auff der Welt 2. vergnuͤgte Perſonen.

Riſ.

Ja / wo der Hr. ſeine Vergnuͤgung nach dem Gewichte kriegt / ſo iſt er um einen Centner gluͤckſe - liger als wir.

Pac.

Hoͤre doch mein Schatz / es verdreuſt die Jungfer / das ſie nicht ſo dicke worden iſt / wie du.

Riſ.

Ach nein / es verlohnte ſich der Muͤh.

Pac.

Jungfer jhr ſeyd etwas hoͤniſch / und ich bins nicht gewohnt / das ich viel vertrage.

Riſ.

Die Angſtlaͤuſe werden gewiß dem Hrn i[m]Futterhembde ſitzen / daß er ſo unleidlich iſt.

Pac.

Jch weiß nichts darvon / ſie muͤſte mir denn jetzund was zuſchantzen.

Riſ.

Ach Schade um unſers Scholtzens Tochter / das ſo ein Bauer bey jhr ſchlaffen ſol.

Pac.
78Der Baͤuriſche
Pac.

Schade um unſern Schulmeiſter / daß ſeine Tochter von den Zigaͤunern iſt ausgetauſchet worden.

Riſ.

Du Quackſalber / ſiehſtu mich nicht vor voll an / du darffſt mir nicht viel / ſo raͤuff ich dir die Haare aus dem Kopffe.

Quant.

Du Hundefell / kom her / und vergreiff dich an den vornehmen Manne.

Riſ.

Ey hoͤrt doch jhr Schultzens Magd / wenn euch die Reden verdrieffen / ſo ſteigt auf die Schuhbaͤn - cke / und fallt mir von oben auf den Halß.

Quant.

Je du kleines Kofent Kruͤgelgen ich wil dich mit einen Finger entzwey druͤcken.

Riſ.

Du ungeſchicktes Thier / geh und laß dir ein paar Reiffen um den Leib legen / der Hencker moͤchte dich einmal vor ein Schrotfaß gebrauchen wollen.

Zir.

Monſieur, laſt euer Jungfer ſtilſchweigen / oder ich nehme mich meiner Liebſten an.

Quant.

Du verlauffner Scherſchlip / ich weiß wol / daß du dem vornehmen Manne da zu Schaden rum - geheſt. Es ſtuͤnde dir beſſer an / du zoͤgeſt auff den Maͤrckten herum / und truͤgeſt Hecheln Ratten und Maͤuſepulver in die Haͤuſer.

Zir.

Du ungeſchickte Raͤtte / wo wolte ich eine Falle herkriegen / da ſo ein tolpiſches Rabenaß drin Raum haͤtte.

Quant.

Was? bin ich eine Ratte? du magſt wohl ein Schelme ſeyn.

(ſie fallen uͤber einander her / und ſchlagen einander.)
Pu -79MACHIAVELLUS.
Purusputus und Scibilis kommen heraus ge - lauffen und bringen ſie voneinander.)
Scib.

Aliquid mali propter vicinum malum, das iſt ein ſchoͤn Collegen-Stuͤckgen / daß die meinigen von euren Kindern lauter Ungelegenheit ausſtehen muͤſſen.

Pur.

Wir muͤſſen nach der Urſache fragen. Jhr boͤſen Kinder / was fangt jhr vor Haͤndel an.

Scib.

Mein liebes Toͤchtergen iſts nicht wahr / ſie haben dir Urſache dazugeben. Hic eſt eqvus Trojanus, in dieſer groſſen Magd ſteckt viel boͤſes.

Pac.

Hr. Conſulent ich kan auch Lateiniſch reden / Tua Pandora habet pyxin, an euer Tochter iſt auch nicht viel guts.

Scib.

Sus Minervam. Wilſtu mit einem Coſulen - ten reden?

Pac.

Ey wenn jhr euch mit euer erudition ſo viel wuͤſſet / ſagt mir doch was heiſt Titivillitium auff deutſch! Heiſt es nicht jrgend einen unnuͤtzen Conſu - lenten, den man auff den Schabaͤncken wol entrathen koͤnte?

Scib.

Du elender Kerle / laß dich mit ſo ſchweren Lateine unverwirret / ſage mir was heiſt ſcarabei umbra?

Pac.

Es heiſt eine Kuͤhblume / damit ich dem Her - ren Conſulenten ſein Lateiniſch Phraſes Buch ver - ſiegeln wolte.

Scib.

Jhr lieben Kinder / verwirrt euch nicht mit dem Lumpenpacke / olim meminiſſe juvabit, ich wils jhnen wol gedencken. Dii laneos habent pedes, dieGe -80Der BaͤuriſcheGelehrten koͤnnen jhren Feinden eine Zeche borgen.

(geht ab.)
Pac.

Du Lumpen-Kerle / warum wartſtu nicht / biß meine Schwiegermutter heraus koͤm̃t?

Pur.

Jhr lieben Kinder / gebt euch zufrieden / wir ſind exemplariſche Leute / es ſteht uns uͤbel an / wenn andere ein boͤſes exempel von uns nehmen.

Pac.

Gleichwol hat meine Liebſte die Ohrfeigen davon kriegt.

Pur.

Nun nun / gebt euch zu frieden / es iſt ſchon gut / wir wollen auff Mittel dencken wie den boͤſen Leuten ſol begegnet werden.

Quant.

Meine Mutter ſol ſich nicht lange beden - cken / ſie wird einmal dem Lumpichten Partitenma - cher eine Miſtgabel in den Peltz ſtechen / und wenn er drey Loͤcher davon bekommen ſolte.

Pur.

So geht nur von der Gaſſe weg / daß die Leu - te unſer aͤrgerliches Gezaͤncke nicht gewahr werden.

Accuſativus. Vocativus. Ciaconi.

Accuſ.

Jn Warheit ich habe gelacht / daß mir der Bauch zerberſten moͤchte.

Voc.

Jch laſſe den guten Menſchen nicht / und weñ ich jhm freyen Tiſch geben |ſolte. Seyd jhr mit der condition zufrieden?

Ciac.

Jch werde die heutigen Tractamenten kein - mal ausſchlagen.

Accuſ.

Aber / iſt keine beſſere Gelegenheit vorh an - den / da man den ehrlichen Kerlen koͤnte zu dem Eh - ſtande befoͤrdern.

Voc.

Mein Hr. Verwalter es waͤre wol etwas /der81MACHIAVELLUS. der Pickelherings Dienſt iſt meines wiſſens noch va - cant, wenn die Herren auf jhren Schuhbaͤncken die ge - meine Wohlfarth nur etwan beſſer in acht nehmen wolten.

Accuſ.

Da wollen wir bald Rath ſchaffen. Denn ich weiß daß ſich kein Menſch beſſer ſchickt; Drum werden ſie Schande halben einer untuͤchtigen Perſon kein Dienſt verſchreiben.

Voc.

Aber die Herren haben etwas wunderliche Koͤpffe.

Ciac.

Und der Gericht Scholtze hat ein Murmel - thier im Hauſe / das will er durch die Befoͤrderung gerne loß werden.

Accuſ.

Es hat gute wege: ich weiß ein Kunſtſtuͤcke daruͤber ſie gar anders ſollen pfeiffen lernen. Herr Pachtman er gehe nur mit ſeinen zukuͤnfftigen Tiſch - purſchen hinein / ich will Gelegenheit ſuchen / daß ich die Hrn Patres auff andre Gedancken bringe.

(Vocativus und Ciaconi gehen ab.)
Accuſ.

Jch wolte man koͤnte die guten Leutgen an einen Orte beyſammen antreffen: denn ſo verdrießlich meine Commiſſion iſt / welche der Juncker an ſie er - gehen laͤſt / ſo furchtſam werden ſie meinen vorſchlag wegen des Pickelherings annehmen.

PurusPutus. Durandus. Scibilis.

PuruſP.

Was geſchrieben iſt / das wird Niemand uͤmſtoſſen.

Scib.

Ach nein. Per tot diſcrimina rerum, es iſt ein groſſer Unterſcheid / ob der Conſulent was ſchreibt / oder ob ein ander was hinſchmiert mit dem es heiſt Afinus ad lyram.

FDur.
82Der Baͤuriſche
Dur.

Und es koͤmt eine Urſache darzu wegen der Muſic, die haͤtte ſollen beſſer bedacht werden.

Pur.

Mein Eydam weicht nicht.

Dur.

Des Hrn Conſulenten ſein Eydam iſt auch kein Narr: kan euer Sohn einen Pantzer anziehen / ſo zeucht dieſer einen Harniſch an.

Accuſ.

Jhr Hrn was habt jhr vor ein freundlich Geſpraͤch / es wird gewiß die Lands-Nothdurfft be - treffen.

Pur.

Hr. Verwalter Hr. Amtman Hr. Gevatter / es iſt nichts anders / als er ſagt.

Accuſ.

So kom̃ ich recht zu gelegner Zeit: denn ich habe wegen meines Geſtrengen Junckers etwas wichtiges vorzutragen.

Pur.

Hr. Conſulent darauff muͤſt jhr antwovten.

Scib.

Cum nemini obtrudi poteſt itur ad me. Weñ der Gericht-Scholtze nicht antworten kan / ſo koͤmt die Reihe an den Conſulenten. Doch mein Hr. Ver - walter Hr. Amtman wir wollen mit unterthaͤnigen Gehorſam erwarten was wird vorgetragen werden.

Accuſ.

Jhr werdet wiſſen / daß die Gemeine zu Querlequitſch / vier groſſe Wieſen vor der Kuttel - Pforte viel Jahr nach einander beſeſſen hat / und daß mein Geſtrenger Juncker wegen eines darauf haff - tenden Capitals Jaͤhrlich 12. Rthlr. davon hat em - pfangen ſollen.

Scib.

Quaſi è tripode dictum. Es iſt wahr / wir 3. Leute hier bekennen es.

Accuſ.

Aber wie habt jhr auf euren Schuhbaͤncken Haußgehalten / daß die Zinſen uͤber 12. Jahr nicht ſind abgeſuͤhret worden.

Scib.
83MACHIAVELLUS.
Scib.

Memoria hominum eſt labilis, der Hr. beſin - ne ſich nur / wir ſind nicht ein Jahr ſchuldig.

Acc.

Jch finde nichts in meinen Buͤchern.

Scib.

Perdite vixi, das rechte Blat wird aus dem Buche verlohren ſeyn.

Acc.

Wolt jhr des Junckers Archiv tadeln / und ſollen ſeine Buͤcher nicht vollkommen ſeyn?

Scib.

Rerum teſtimonia adſunt, wir haben unſere Quittung.

Acc.

Wenn ich die Quittungen ſehe / ſo will ich mich weiſen laſſen / nur macht mir keine ſchlimme Poſſen / und bringt mir falſche Briefe.

Scib.

Alienus â literis Wir haben keine Briefe: die Quittungen beſtehen in Kerbhoͤltzern. Denn der vo - rige Pachtmann konte nicht ſchreiben / drum lieſſen wir auf Treu und Glauben die Kerbhoͤltzer an ſtatt der Quittung paſſiren.

Accuſ.

Jhr Leute / damit ſind wir nicht zufrieden / daruͤber haͤtte des geſtrengen Junckers Meinung ſollen vernommen werden. Schafft das Geld / oder eu - re Wieſen Acker Garten und Weinberge ſollen con - fiſcirt werden.

Pur.

Der vorige Pachtman ſolls geſtehen / daß un - ſere hoͤltzerne Quittungen recht ſind.

Acc.

Aber es wird bey mir beruhen / ob ich mit den Zeugnuͤß zufrieden bin. Wiewohl itzo muß ich was dar - zwiſchen reden: ich hoͤre in euren Collegio gehen arti - ge Stuͤckgen vor wegen des zukuͤnfftigen Pickelhe - rings: Drum hab ich von der Obrigkeit Befehl der Sache nachzuforſchen / damit alles Unweſen zu guterF 2Zeit84Der BaͤuriſcheZeit moͤchte abgethan / und das liebe Vaterland vor aller boͤſen Nachrede befreyet werden.

Pur.

Hr. Verwalter Hr. Amtman die Vocation iſt ſchon geſchrieben.

Dur.

Aber wir haben ſie noch nicht angenommen / der kuͤnfftige Pickelhering muß muſiciren koͤnnen.

Pur.

Jch weiche nicht / und wenn ichs thun wolte ſo wuͤrde meine Frau nicht zufrieden ſeyn.

Dur.

Eure Frau hat hat im Kuͤhſtalle zu thun / ſie darff unſer Collegium nicht reformiren.

Scib.

Alterius non ſit qui ſuus eſſe poteſt. Wer ei - nen Schweinſtall zuverſorgen hat / der bekuͤmmere ſich nicht um andre Sachen.

Acc.

Ey was will aus dieſen Zancke werden? Hiermit ſoll euch im Nahmen der Obrigkeit auffer - legt ſeyn / daß jhr eure Clienten fahren laſſt / und um beſſer Einigkeit willen des Hrn Pachtmans Tiſch - purſche als einen Drittemann erwehlet.

Pur.

Hr. Gevatter unſre privilegia lauten anders.

Acc.

Was haſtu mir vorzuwerffen? bin ich dein Gevatter / ſo bin ich deines Junckers Amtmann: und ich ſchwere dir / wirſtu oder ein ander was dazwiſchen drehen / ſo ſoll euer Vieh auf der Weide nicht ſicher ſeyn. Bedenckt euch wohl: wer ſeinen Kopffe folgen will / der mag ſein Leiden davor haben.

(geht ab.)
Pur.

Jhr Hrn Collegen wie gefiel euch dieſer Knall.

Scib.

Vapulat peculium. Wir kommen uͤm unſre privilegia.

Dur.

Wir duͤrffen uns nicht wiederſetzen / und gleichwohl iſt die Nuß etwas hart.

Pur.
85MACHIAVELLUS.
Pur.

Jch weiß was wir thun: es wird uns Geld abgefodert das wir nicht ſchuldig ſeyn / ſo wollen wir ſprechen die Caſſe vermoͤchte nicht ſo viel / daß wir ei - nen Pickelhering beſolden koͤnten / und in waͤhrender Zeit ſolte einer aus unſern Collegio nach dem andern die Stelle vertreten.

Scib.

Sæpe etiam eſt olitor valde opportuna locu - tus, der Gericht-Scholtze bringet ſeinen Rath zu be - quemer Zeit.

Dur.

Jch kans nicht verbeſſern / doch der punct muß dem gantzen Collegio vorgetragen werden.

(PurusPutus und Scibilis gehen ab.)
Dur.

Es iſt mir bange bey meinen Schatzgraͤber / wo ſeine Befoͤrderung zu nichte wird: denn wo er ſieht / was der Verwalter vor Macht hat / ſo wird jhm der Patron beſſer gefallen. Alſo ıſts ein elend und Jaͤmmerlich Ding uͤm einen Politicum.

(geht ab.)

PurusPutus. Subſtantia. Pacifontius.

Subſ.

Jch wolte mich ja verantworten: der Kerl kan viel ſprechen / wer weiß ob des Junckers Willen darbey iſt.

Pac.

Ach ich elender Menſch / ich bin verdorben / 20. Rthlr. waren mir lieber als dieſer Schimpff.

Pur.

Nicht ſo furchtſam nicht ſo furchtſam: ich gab den Vorſchlag / einer uͤm den andern ſolte Pi - ckelherings Stelle vertreten: aber laſt es nur dahin kommen / ſo wollen wir unſern Hrn Pacifontius in das Collegium nehmen / und jhm die Pickelherings Beſol - dung heimlich oder offentlich zuſchantzen.

F 3Subſt.
86Der Baͤuriſche
Subſ.

An Gedancken und geſpannten Tuche geht viel ab: ich muß einen beſſern Weg verſuchen. Der Hr. Verwalter iſt gleichwohl mein Gevatter.

Pur.

Das wird nichts helffen.

Snb.

Hr. Sohn geht doch ein bißgen zu der Toch - ter hinein und ſeht was ſie macht.

Pac.

Gar gern Frau Mutter.

(geht ab.)
Subſ.

Der Kerl darf meinen Anſchlag nicht wiſſen: denn ſeht der Verwalter wird ſich ſchwerlich weiſen laſſen / und ſo muͤſte unſer Kind entweder ſitzen bleiben / oder wir kriegten einen Muͤſſiggaͤnger ins Hauß / den wir ernehren muͤſten. Jch will hingehen und will bitten wenn des Pachtmanns Tiſchpurſche ja ſolte Pickel - hering werden / ſo moͤchten / ſie doch meine Tochter mit eindingen.

Pur.

So wurde aber der gute Pacifontius betrogen.

Subſ.

Es iſt beſſer wir betriegen einen frembden Kerlen / als daß wir unſre Tochter verwahrloſen: laſt jhr mich nur machen es ſoll ſchon auf einen guten Ort / gebracht werden.

Pur.

Seht euch vor / leufft es auff einen Schimpff hinaus / ſo will lch kein Theil haben.

(gehen ab.)

Ziribiziribò. Scibilis.

Zir.

Jch wolte der Hencker holte die Heyrath / wenn ich ſo betrogen werde.

Scib.

Connubia ſunt fatualia, Das Gluͤcke ſtifft dıe Heyrath.

Zir.

Aber was kan ich hoffen als Ungluͤck?

Scib.
87MACHIAVELLUS.
Scib.

Perfer & obdura, Schweigt ſtill und verlaſt euch auff euren Schwiegervater.

Zir.

Der Dienſt iſt verlohren / was ſol ich mich verlaſſen.

Scib.

Jch ſage es noch einmal / Bella gerant fortes, tu Pari ſemper ama, ich wil mich ſchon Zancken / kom̃t jhr mit euer Braut zu rechte.

Zir.

Es wird mir ſehr leichte gemacht / aber ich fuͤrchte!

Scib.

Veritas in puteo. Mein Anſchlag iſt noch ver - borgen. Sprecht der Conſulente iſt der leibhafftige Simpliciſſimus, wo euch jemand den Pickelherings - Dienſt nehmen ſol. Oderint, dum metuant. Der Ge - richts-Scholtze mag boͤſe werden / wenn jhr nur den Dienſt habt.

Zir.

Jch wil mich bey der Naſe rumfuͤhren laſſen / biß das Amt vergeben iſt.

(gehen ab.)

Accuſativus. Subſtantia.

Subſt.

Ey Hr. Verwalter / Hr. Amtman Herr Gevatter / jhr ſeyd ſo ein niedlicher Hr. thut mirs immer zu gefallen / und wenn ja des Hrn Pachtmans Tiſchgaͤnger zu dem Dienſte kommen ſol / ſo dingt im - mer meine Tochter mit ein.

Accuſ.

Mein liebes Weibgen / die Bitte iſt etwas nachdencklich. Wer weiß / ob dıe Perſonen einander begehren.

Subſt.

Hr. Gevatter / mit meiner Tochter ſols kein bedencken haben / ich bin gut dafuͤr Nun wird ſich der andere Hr. auch nicht wehren / wenn jhm dieF 4Braut88Der BaͤuriſcheBraut zu dem Dienſte geſchlagen wird. Ach mein liebes Hertzgen / wir haben ja wol eher einander ein bißgen lieb gehabt: ſolte denn die alte Bekandſchafft nicht ſo viel werth ſeyn.

Accuſ.

Jch zweiffel nur dran / daß mir ſo ein ſchwe - res Werck moͤglich iſt.

Subſt.

Solchen Herren iſt alles moͤglich. Thut nur euer beſtes: Jch wil auch euer Liebſten ein Fer - ckel und noch was von ſchoͤnen Feder Vieh in die Kuͤche ſpendiren.

(Accuſativus ſchlaͤgt ſie auff den Backen.)

Du loſes Weibgen / du kanſt einem das Hertze bre - chen: geh doch hin / und ſprich deine Tochter ſol mit ein gedinget werden.

Subſt.

Ach groſſen Danck / Hochgeehrter Hr. Ge - vatter / er ſol dieſe Wolthat um unſere Armuth ſtets zu genieſſen haben.

Accuſ.

Alte Liebe roſtet nicht. Was ich thue / das geſchiehet in reſpect einer Sache / die euch beſſer be - kant ıſt als dem Gerichts-Scholtzen.

(geht ab.)
Subſt.

Es iſt doch jungen Leuten nicht zu verden - cken / wenn ſie bißweilen mit jhren Courtiſan ein Gaͤn - gelgen gehen. Denn haͤtte mich der Hr. Verwalter nicht lieb gehabt / ey wie ſchoͤne waͤre meine Tochter hinter dem Gluͤcke hingangen.

Pacifontius und Quantitas kommen.
Pacif.

Meine Gebieterin wolle mit in den Gar - ten folgen.

Quant.

Was ſoll ich in dem Garten machen? Sol ich Peterſilge holen.

Pa -89MACHIAVELLUS.
Pac.

Nein. Sie ſol mit mir umgehen wie eine Braut mit jhrem liebſten Braͤutigam.

Subſt.

Nun / jhr Hertzgen macht euch fein bekand / daß die Leute was zu reden kriegen.

Pac.

Frau Mutter wir haben dieſes gute Macht.

Subſt.

Wer hat euch die Macht gegeben? Toch - ter / gehe mir in das Hauß / und ſuche die Melckgelte davor.

Quant.

Jch bin wol zufrieden / wenn ich den Kerlen gar nicht kriegen ſolte.

(geht ab.)
Pac.

Meine zuſage wird mir gehalten werden.

Subſt.

Ach pralt nicht zuviel mit euer Zuſage. Jhr ſolt wiſſen / daß die Sache noch gar in weiten Felde ſteht. Sagt vor / wie unſer Kind ſol ernehret werden: darnach geht offentlich mit jhr ſpatzieren.

Pac.

Jch ſol ja Pickelhering werden.

Subſt.

Ach / jhr elender Fantaſt / waͤret jhr ein rechtſchaffener Kerle / ſo muͤſte euch die Frau nicht zum Manne machen. O lernt vor was / und laſt das Weibernehmen noch 10. Jahr anſtehen. Und hiermit wiſſet jhr meine Gedancken: Treffe ich euch bey der Tochter an / ſo wil ich keine ehrliche Gerichts-Schol - tzin ſeyn / wo euch nicht ein alter Milchtopff nach dem Kopffe fliegen ſol.

(geht ab.)
Pac.

Die Welt iſt betruͤglich. Aber / wer weiß wer den andern den beſien Vortheil abgewinnt. Der Ge - richts-Scholtze hat mir etliche geheime Stuͤckgen vertraut. Er hat auch auff die Leute prave geſchmaͤht / wil er nicht verrathen werden / ſo wird es heiſſen / Hr. F 5Ge -90Der BaͤuriſcheGerichts-Scholtze bekehre dich / und halte mir die Zuſage.

(geht ab.)

PurusPutus. Durandus. Scibilis. Excipe.

Pur.

Jhr Herren eine ſchwere Sache.

Scib.

Elementa in ſuo loco non gravitant. Auff den Schuhbaͤncken ſol uns nichts zuſchwer ſeyn.

Dur.

Wir wollen doch die Zeitung hoͤren.

Pur.

Der Officirer iſt wiederkommen / dem die exe - cution wegen der alten Reſte auffgetragen iſt.

Exc.

Schafft das Geld zuſammen / ſo iſt dem Wer - cke gerathen.

Pur.

Meine Gedancken gehn etwas weiter. Der vornehme Officiren ſol gleichwol im Nahmen unſers Collegii complimentiret und mit dem gewoͤhnlichen Bier und Brantewein regaliret werden. Wer fuͤhret nun das Wort / da kein Pickelhering fertig iſt.

Dur.

Es iſt wahr / dergleichen vornehme Leute duͤrf - fen nicht præteriret werden.

Exc.

Man muͤſte die Complimente auff die groſſe Hoͤltzerne Bier-Kanne zwecken / es iſt jhm doch am Geſchencke am meiſten gelegen.

Pur.

So moͤchte der Officirer dencken / man fuͤrchte ſich vor jhm. Hat der Landſchoͤppe nicht einen beſſern Vorſchlag?

Dur.

Es gefiele mir mit dem Zettel / wenn er unter den Teller geleget wuͤrde.

Exc.

Oder / er koͤnte dem Bettelvogte an die Bruſt gehefftet werden.

Pur.
91MACHIAVELLUS.
Pur.

Es geht nicht an. Wir muͤſſen gewiß einer Pickelhering aus dem nechſten Marckflecken verſchrei[-]ben.

Dur.

Niemand beſinnt ſich auff unſern Hrn Con - ſulenten, er wird ja ſo geſchickt ſeyn / unſer Collegi - um zu præſentiren.

Pur.

Sieh da Hr. Conſulente / die verrichtung wird euch zufallen. Denn gleichwie der Wegevogt das Vieh austreiben muß wenn der Hirte kranck iſt / alſo muß der Conſulente die Rede fuͤhren / wenn kein Pi - ckelhering gemacht iſt.

Scib.

Non nobis nati ſumus, ſed patriæ. Wer kan dem Vaterlande zu Ehren was verſagen. Hodie mi - chi, cras tibi. Heute rede ich / Morgen Pickelhering.

Pur.

Hr. Conſulente warum ſprecht jhr den Michi, es| heiſt ja Mihi.

Scib.

Quis novus hic noſtris? Wer wil mich re - ſormiren.

Pur.

Buchſtabirt doch / em, i, mi, ha, i, hi,

Scib.

Alia voce Pſittacus, aliá voce coturnix lo - quitur. Die Gelehrten reden anders als die Bauren. Buchſtabiret doch em, i, mi, ach! ha, ichi, Michi.

Pur.

Jch leſe wie es geſchrieben ſteht.

Scib.

Jch kan auch leſen. Aber Didiciſſè fideliter artes emollit mores, wer was ehrliches ſtudirt, der kriegt eine weiche Zunge. Jch bleibe darbey / es heiſt Michi.

Pur.

Jch richte mich nach dem Hr. Pater, der ſpricht auch Mihi.

Scib.

Patria eſt, ubi benè eſt, Jch halt es mit dem Pater, wenn er etwas guts zufreſſen hat: des Lateineshal -92Der Baͤuriſchehalben komme ich zu jhm nicht in die Schule. Jch ſpreche doch Michi.

Pur.

So duͤrfft jhr auch nicht ſprechen Tibi, ſon - dern Tichi.

Scib.

Fœnum habes in cornu. Jhr habt Hecker - ling im Gehirne. Inter B. & H. magna eſt differentia.

Dur.

Jhr Hrn Collegen, wenn jhr von dem Latei - me diſputiren wolt / ſo ſeyd jhr auff den Schuhbaͤneken nichts nuͤtze. Schafft uns einen Pickelhering davor.

Scib.

Es iſt ſchon decretiret, daß ich die Perſon / auff mich nehmen wil / und damit Holla! Schickt nur den Klingelman mit der Bier-Kanne und dem Bran -[t]eweinglaſe zu mir. Cætera quis neſcit? das uͤbrige wil ich ſchon machen.

Pur.

Der Hr. Officirer iſt etwas wunderlich / er nehme ſich in Reden in acht.

Scib.

Turpe eſt Doctori, Es iſt eine Schande / daß man den Meiſter ſelber eine Regel vorſchreiben wil.

Dur.

Doch eine Erinnerung kan nicht ſchaden.

Scib.

Si tu hic eſſes, aliter ſentires. Hr. Landſchoͤp - pe jhr laſt euch nicht gerne reſormiren.

Exc.

Jch habe nichts dabey zuerinnern / als daß ich jhm zu der ſchweren expedition viel Gluͤck und Segen wuͤnſche.

Scib.

A jove principium, Der letzte wuͤnſcht mir erſt Geluͤcke.

Pur.

Nun er laſſe ſich in ſeinen meditationibus nicht turbiren.

(gehen ab.)
Scib.

Meine Collegen ſeyn prave Leute / wo ge - faͤhrliche expeditiones ſeyn / da muß ich hin. Aber mitjh -93MACHIAVELLUS. jhnen heiſt es: Ante focum ſi frigus erit, ſi meſſis in umbra. Um Eſſens Zeit kommen ſie / und wenn ſie Arbeiten ſollen kriechen ſie in den Winckel. Doch die Commiſſion wil ich nicht umſonſt auff mich genom̃en haben. Es iſt gut das der Hr. Wegevogt herkoͤm̃t.

(Extra koͤm̃t.)
Scib.

Hoͤrt guter Freund / jhr geht gleich bey dem Hrn. Gerichts-Scholtzen voruͤber / wolt jhr nicht was beſtellen?

Ext.

Wenn es nur das publicum betrifft / ſo muß ich mir Zeit nehmen.

Scib.

Sie werden mir darnach die groſſe hoͤltzerne Kanne voll Bier ſchicken; ſagt doch / der Hr. Gerichts Scholtze ſol das gemeine Siegel drauff druͤcken laſſen.

Ext.

Was ſol denn das Siegel auff der Kanne?

Scib.

Die Commiſſion koͤm̃t mir nicht zu / ich thue ſie nur aus freyen willen.

Ext.

Deswegen braucht man doch kein Siegel.

Scib.

Wenn ein ordentlicher Pickelhering iſt / ſo hat er drauff geſchworen / und da weiß man wohl / daß er nichts aus der Kanne ſauffen darf; Aber ich koͤnte mit guten Gewiſſen halb Waſſer darunter ſchuͤt - ten; Drum laſt die Kanne verwahren.

Ext.

Jetzund nehme ich den Handel erſt recht ein. Jch wil es erinnern.

(gehet ab.)
Scib.

Haſa; ſo muß man ſeine Perſon ſpielen. A cane non magno ſæpe tenetur aper. Das heiſt / der Wegevogt muß den Gerichts-Scholtzen betriegen. Halt / druckt mir nur das Siegel auff die Kanne / esſol94Der Baͤuriſcheſol meinem Eydam ſo gut ſeyn / als eine vocation zum Pickelherings Dienſte.

Ziribiziribò
(koͤm̃t.)

Ach Hr. Vater / quaͤlt mich nicht. Sol ich nichts werden / ſo ſagt mirs nur in Zeiten.

Scib.

In portu navigo. Die Sache iſt ausgemacht. Gehet flugs in mein Hauß / da hat der vorige Pickel -[h]ering ſeinen ornat auffgehoben / denſelben ziehet an / und præſentiret dem Hrn Officirer das Geſchenck.

Zir.

Was hab ich davon / das ich andern Leuten auffwarte.

Scib.

Tua res agitur paries cum proximus ardet. Ach es geht euch gar zuviel an / wenn euer Competi -[t]or das Jawort weghat. Drum zieht nur das Kleidt[a]n / ich habe auff die Kanne das gemeine Siegel druͤ -[c]ken laſſen / damit muͤſt jhr Pickelhering ſeyn / oder der Officirer nehme es vor einen ſolchen Schimpff an /[d]aruͤber er die Schuhbaͤncke mit den Herren uͤber ei -[n]en Hauffen wuͤrffe.

Zir.

Wenn aber das Ungluͤck uͤber mich ausgienge?

Scib.

Procul à fulmine, Es hat keine Gefahr. Jch wil ſchon darzu kommen / und die Sache in das ge -[v]ierdte bringen.

Zir.

Darauff wil ich eins wagen.

(gehen ab.)

Pacifontius. Ciaconi.

Pac.

Warum thut mir aber der Hr. dieſen Poſſen / und verhindert mich an meiner Wolfart?

Ciac.

Ein jedweder denckt auff ſich. Wenn meine Liebſte 2. Maͤnner / oder mein zukuͤnfftig Dienſt 2. Per -95MACHIAVELLUS. Perſonen erleyden koͤnte / ſo wolte ich den Hrn ver - ſichern / daß ich meine Freude an ſeiner Wolfart ſe - hen wuͤrde.

Pac.

Jch bin gleichwohl eher kommen / und habe viel Unkoſten auffgewandt.

Ciac.

Da kan ich nicht davor. Jch begehre nicht zu ſagen / was mich der Dienſt koſten wird. Denn er gibt mir nichts wieder.

Pac.

Der Hr. koͤnte wol ſonſt in der Welt fort - kommen.

Ciac.

Je hat doch der Hr. auch an ſeinem Gluͤcke nicht zu verzweifeln. Vielleicht wird er mirs einmal dancken / das ich Urſache geweſen bin / eine beſſere Be - foͤrderung zu ſuchen.

Pac.

Mein Gemuͤthe ſtehet aber nach dieſem Orte.

Ciac.

Und mir bekoͤm̃t die Lufft zu Qverlequitſch auch gar wol.

Pac.

Er ſehe nur / wie ich mich abgegraͤmet habe. Jch wolte nicht gerne / daß er an meinem Tode Ur - ſache waͤre.

Ciac.

Er lebe geſund. Denn was haͤtte ich von ſei - nem Tode / es waͤren doch naͤhere Freunde da / die ſich in ſeinen Mantel und in ſeine Beinkrauſen theileten.

Pac.

Es ıſt kein Mitleiden mehr in der Welt.

Ciac.

Jch ſol mit jhm klagen / daß er den Dienſt nicht kriegt / und er wil ſich nicht mit mir erfreuen / das ich die Braut nach Hauſe fuͤhre. Wer ſich mei - nes Gluͤckes nicht theilhafftig macht / der mag mei - netwegen auch alleine traurig ſein.

Pac.

Ey er laſſe ſich doch bewegen / ich wil ihm ger - ne 20. Thlr. uͤber Haupt ſpendiren / wenn er mich wil in poſſeſſion laſſen.

Ci -
96Der Baͤuriſche
Ciac.

Er gebe mir das Geld / darnach wil ich jhm die 20. Rthlr. wiedergeben / daß er mich bey dem Dienſte bleiben laͤſt.

Pac.

Ey der Hr. thue es doch meiner alten Mut - ter zu Gefallen / daß ſie auch vor jhrem Ende eine Freude noch an mir erlebt.

Ciac.

Jch wolte es gerne thun / wenn ich mei - nen Patron erzuͤrnen duͤrffte / es wuͤrde mir ſchlechte Befoͤrderung geben / wenn ich die itzige Gnade mit Fuͤſſen getreten haͤtte.

Pac.

Jſt alſo nichts zu erlangen?

Ciac.

Jch habe nichts zu verſchencken.

Pac.

Ach Ungluͤck uͤber Ungluͤck!

(gehet ab.)
Ciac.

Das war noch ein alberner Kerl / daß er mich zu ſolchen poſſierlichen Haͤndeln bereden wolte. Ach nein / die Gelegenheiten ſind Heutiges Tages gar duͤnne geſaͤet; Wer etwas in die Haͤnde bekoͤm̃t / ach der greiffe nur feſte zu.

Riſibilis
(koͤm̃t.)

Wo wilſtu zugreiffen / du Dieb? du wilſt meinen Liebſten um ſeine Wolfart bringen / und nu wilſtu (halt ich) gar die Schuhbaͤncke erſteigen.

Ciac.

Jungfer / der Kerl iſt gleich weggegangen mit dem ſie ſich zancken wil.

Riſib.

Ach nein / er iſt noch da / ich meine dich / du Rattenfaͤnger.

Ciac.

Gewiß / die Jungfer koͤm̃t unrecht an / ich wolte ſie waͤre eine Ratte / ſie ſolte Brieff und Sie - gel druͤber haben / daß ich jhrentwegen keine Falle auffſtellen wuͤrde.

Ri -
97MACHIAVELLUS
Riſ.

Aber ich wolte / daß du in der Falle bey dem Rabenſteine hangen bliebeſt.

Ciac.

Jch wil die Jungfer an demſelben Orte nicht verdringen.

Riſ.

Wer weiß / wo du dem Galgen entlauffen biſt / und nun ſollen dir alle ehrliche Hochzeiten und Kind - tauffen vertrauet werden.

Ciac.

Jungfr. wil ſie dem Galgen nicht entlauf - fen / ſo bleibe ſie dran kleben.

Riſ.

Jch ſchone meiner / ſonſt wolt ich dir ein halb - ſchock Maulſchellen nach einander geben / biß dir die Guſche aufflieffe wie ein Butterfaß.

Ciac.

Sie ſag es doch dem Kerlen dems angehet / was hab ich davon / das ich jhrer loſe Worte halben ſol Zeuge ſeyn?

Riſ.

Packe dich aus unſern Flecken / ſo darffſtu mei - ne loſen Worte nicht hoͤren.

Ciac.

Jch weiß ein gut Mittel vor die loſen Worte.

(Er kriegt ſeine Zitter / Riſibilis wirfft jhm al - lerhand haͤßliche Nahmen an den Halß / jemehr ſie aber ſchreyet / deſto ſchaͤrffer ſchlaͤgt er die Zitter und ſinget was laͤcher - liches mit ein.)
Riſ.

Du Hund / du biſt doch gar des Henckers / ich wil dich nicht ſo gut achten / das du mich weiter hoͤren ſolſt.

(geht ab.)
Ciaconi
ſinget in die Zitter /
GTau -98Der Beuriſche
Tauſendmal tauſendmal froͤliche Stun -
den /
Ein boͤſes Weib iſt uͤberwunden.
Denn dieſe luſtige niedliche Zitter
Bewahrt den Herren Hochzeit-Bitter
Vor aller Weiber Ungewitter.
So werden die Jungfern revengiret
Wenn mann dargegen muſiciret.
Spielt eine Jungfer auff jhren Brum -
eyſen /
So kan ich meine Zitter weiſen.
Daruͤber iſt die Noth verſchwunden /
Und der ehrliche Ciaconi hat des Schul -
meiſters Tochter uͤberwunden.

Der letzte Vers hatte zu viel Fuͤſſe / aber die gute Jungfer hatte auch etliche Sparren zu viel / und die - ſes wird ein artigs Stuͤckgen vor den Hrn Pacht - man ſeyn.

(geht ab.)

Frececerax und Aciculus,

Frec.

Sol mir |ein kahles Kleid nicht getrauet werden?

Acic.

Jhr Gnaden / ich wil es gerne thun / aber wo ſol ich die Bezahlung herkriegen?

Frec.

Jch liege auff execution hier / und ich gehe nicht von dannen / biß mir 78. fl. ausgezahlet ſind / da - von wird ja ſo viel abtrieffen / das man ein paar Lum - pen davor zuſammen flicken kan.

Aci -
99MACHIAVELLUS.
Acic.

Jhr Gnaden / ich zweiffle nicht an jhren Mit - teln / aber Sie haben gar zu viel zu thun / daß man ſie nicht erinnern kan.

Frec.

Mache mir den Kopff nicht warm / wilſtu nicht mit der Schere / ſo wil ich mit dem Pruͤgel. Du ſolſt wiſſen / das ich Commendant in Qverlequitſch bin / ſo lange ich auff execution da liege.

Acic.

Jch armer Mann!

Frec.

Biſtu arm / und wilſt nicht arbeiten. Ach es iſt eine Schande / daß die armen Leute kein Geld verdienen wollen. Jch rathe dirs / bringe mir Morgen um den Mittag das Kleid / oder ich ſchicke dir zwey Soldaten uͤber den Halß / die ſollen dich exequiren, das weder Ofen noch Fenſter im Hauſe ſollen gantz bleiben.

Ziribiziribò in Pickelherings Habite, mit ei - ner Kanne Brantewein / Quoniam mit der hoͤltzernen Bier-Kanne.
Zir.

Hoch und Wol Mannveſter und zu gegenwer - tiger execution in Querlequitſch wolverordneter Hr. Gefreyeter.

(Er ſchweigt ſtill und beſinnt ſich.)
Frec.

Redet weiter fort / jhr duͤrfft vor meiner Perſon nicht erſchrecken / ehrliche Leute ſind mir gar ungenehm.

Zir.

Er verzeih mir Hr. Gefreyter / unſer Hr. Conſulente hat mir eine Rede vorgeſchrieben / da iſt ſo viel Lateiniſch drinne / ich kan ſie nicht behalten: Doch der Jnnhalt iſt etwan dieſer. Der Hr. Ge - richts-Scholtze nebenſt ſeinen Hrn. Collegen erfreutG 2ſich100Der Baͤuriſcheſich des Hrn. Gluͤcklicher Ankunfft / und ſchickt jhm hier das Geſchencke an Bier und Brantewein.

Frec.

Jch habe die Perſonen am allerliebſten / die bey langen Geſchencken kurtze Worte machen. Drum bedancke ich mich auch kuͤrtzlich vor das Geſchencke / und wil meine execution dahin einrichten / das die ſaͤmtlichen Hrn mein gutes Gemuͤthe daraus erken - nen ſollen. Komt mit herein / und helfft es auff Ge - ſundheit verzehren. Aber wer koͤmt hier?

(Scibilis koͤm̃t.)
Zir.

Es iſt der Hr. Conſulente.

Frec.

Er wird etwas anzubringen haͤben.

Scib.

Locus tituli, mein Hr. Gefreyter / es haben die meiſten aus unſern Collegio gern verſtanden / daß derſelbe jhren neuen Pickelhering ſo gern angenom - men habe: ſie koͤnnen aber nicht verſchweigen / daß et - liche unruhige Koͤpffe / den Pickelhering nicht wollen paſſiren laſſen. Weil ſie nun leichtlich dencken koͤn - nen / wie ſchimpfflich dem Hrn Gefreyeten dieſes Werck ſolte vorkommen / wenn er durch einen unrech - ten Pickelhering waͤre complimentiret worden; Als bitten ſie / der Hr. Gefreyte wolle nur das Siegel auff der Kanne betrachten / und wolle die andern Meutmacher ernſtlich zuruͤcke weiſen / wenn ſie den ehrlichen Pickelhering in ſeiner erſten function turbi - ren wollen.

Frec.

Jch erkenne das Siegel / und ich wil es kei - nem rathen / der was anders dargegen vornehmen wolte. Ehe muß der gantze Flecken Querlequitſch zu Grunde gehen / ehe ich wil den Nahmen haben / daßmich101MACHIAVELLUS. mich kein rechter Pickelhering complimentiret haͤtte.

(gehen ab.)

PurusPutus. Durandus. Ciaconi.

Ciac.

Jhr Hrn. jhr habt es in Gegenwart des Hrn. Amtmannes einmal verſprochen, und ich wil bey meiner vocation geſchutzet ſeyn. Der leichfertige Vogel hat ſich mit Gewalt eingedrungen / ich wil ſe - hen / ob Recht und Gerechtigkeit in dieſem Flecken ge - handhabet wird.

Pur.

Lieber Freund / wir ſind in ignorante proba - bilitate. Hat der Confulente was angefangen / ſo mag ers verantworten.

Ciac,

Deswegen ſeyd jhr da / daß jhr mich ſchuͤtzen ſolt: ich weiche nicht von dannen / biß ich meiner Sa - chen gewiß bin.

Dur.

Wir wollen das gantze Collegium zuſammen beruffen / und bey dem Hrn Officirer proteſtiren. Deñ wolten wir gleich den Hrn Amtmann darzu gebraͤu - chen / ſo iſt er nicht da / und wer weiß / was anderswo zuverrichten iſt.

Ciac.

Jch frage nicht darnach / was jhr thun wol - let. Bringt jhr nur die Sache dahin / daß ich bey meinem Rechte bleibe. Denn dieſes moͤgt jhr euch woͤl einbilden / das ich einen erſchroͤcklichen proceſs fuͤhren werde / der manchen von Hauß und Hoff brin - gen ſolte.

Dur.

Nu nu Hr. College komt nur fort / wir muͤſ - ſen in rechten Proceſſe dem Hrn Officirer zuſprechen.

(gehen ab.)
Ciac.

Ach haͤtte ich 20. Rthlr. genommen / dennG 3ich102Der Baͤuriſcheich ſehe wohl / wenn man den Conſulenten am beſten betrogen hat / ſo iſt in ſeinem Kopffe ſchon was an - ders fertig / damit er die Leute bezahlet. Aber ich wil hoͤren / |was mein Tiſchwirth dazuſpricht.

(gehet ab.)
(PurusPutus. Durandus. Excipe. Vademe - cus. Intra. Adjectivus. Neſcio. gehen alle Gliederweiſe nacheinander / Quoniam hin - ten nach.)
Pur.

Thuͤr-Knecht geht hinein / und meldet ein Hochloͤbliches Collegium der Gemeine zu Querlequitſch bey dem Hrn Officirer an.

Quon.

Jch ſehe / wenn der Hr. Conſulente nicht da iſt / ſo muß der Klingelman den Vortrag thun.

(geht hinein.)
Pur.

Das Blaͤtgen wird ſich bald wenden / und es kan leicht kommen / ſo wollen wir den Conſulenten abſetzen.

Dur.

Wenn er uns betruͤgen wil / ſo iſt er nicht viel nuͤtze. Er hat gleichwol eine ehrliche Beſoldung / die manchen unter uns koͤnte zum Biergelde geſchlagen werden.

Exc.

Unſer Thuͤr-Knecht bleibt lange auſſen / er haͤlt gewiß eine lange Rede.

Vadem.

Er wird ſich zuvor ſchencken laſſen.

Ext.

Oder der Conſulente liegt mit dem Solda - ten unter einer Decke / daß er nicht vorgelaſſen wird.

Int.

Hat er nicht die Glocke bey ſich / darff er nicht reden / ſo mag er klingeln

Adj -
103MACHIAVELLUS.
Adj.

Vielleicht wird der Conſulent um ſchoͤn Wet - ter bitten.

Neſc.

Das haben wir davon / daß wir keinen aus unſern Mittel abgeordnet haben.

Frececerax
koͤm̃t heraus.

Jhr verfluchten Beſtien, meint jhr daß ein vorneh - mer Officirer deßwegen auff execution geſchickt iſt / daß er ſich von ſolchen Holuncken ſol ſchimpffen laſ - ſen? davor ſol euch Schwefel und Pech auff die ver - maledeyten Koͤpffe regnen.

Pur.

Hr. Landſchoͤppe fuͤhrt jhr doch das Wort / ich wil gerne hinden an treten.

Frec.

Nun / was iſt den die Urſache / daß ich mich von der luſtigen Compagnie ſol verſtoͤren laſſen.

Dur.

Hr Einnehmer / jhr habt mit den Exequirern mehr zu thun / ſagt doch was. Meine Stelle iſt hin - ter dem Gerichts-Scholtzen.

Frec.

Wie lange ſol ich warten / jhr Hunde / dieſes ſol gewiß der andere Schimpff ſeyn?

Int.

Wer die meiſte Beſoldung kriegt / der mag reden. Haſtu den Genieß / ſo hab auch den Verdrieß.

Frec.

Was murmeln die ſtum̃en Hunde? ich halte ſie wollen mir zur Bravade der heimlichen Frage ſpie - len. Saget her / warum dieſer weitleufftige Proceſs biß an meine Haußthuͤre iſt angeſtellet worden / oder ich wil meiner Gewalt mißbrauchen.

(Er ergreifft Neſcio beym Ermel.)

Hoͤre Kerls / warum bin ich herausgeruffen wor - den?

Neſc.

Jch weiß nicht / was der Hr. Gerichts -G 4Schol -104Der BauriſcheScholtze vorbringen wil. Jhr Gnaden laſſen jhn nur ſelber Antworten.

Frec.

Haſtu in deinen Nahmen nichts zu propo - niren?

Neſc.

Nein / ich lebe gar unverworren.

Frfc.

So packe dich zum St. Velten davon.

Vad.

Je wir werden wol auch gehen.

Frec.

Warum wilſtu gehen / ehe ichs befehle? Ha - ſtu mich nicht gefragt wie du biſt herkommen / ſo mag - ſtu mich fragen / wenn du wilſt weggehen.

Vad.

Der Hr. Landſchoͤppe hat mich beſtalt.

Frec.

So komt doch her / und laſt euer Anbringen hoͤren.

Pur.

Gnaͤdiger Hr. Gefreyter / wir wolten nur ge - dencken

Frec.

Was wolt jhr gedencken?

Pur.

Wir wolten etwan ſo gedencken / wie es jrgend ſeyn moͤchte Ach Hr. Einnehmer laſt mich nicht in der Noth ſtecken / ich weiß gewiß nicht / was ich reden ſol.

Frec.

Was hat der Einnehmer gethan?

Int.

Nun wollens die Hrn auff mich ſchieben. Jch wil es doch gleich heraus ſagen / ſie wollen den Pickel - hering nicht paſſiren laſſen / der das Geſchencke uͤber - bracht hat / und da hatte der Gerichts-Scholtze ein groß Maul wie er proceſſiren wolte.

Frec.

Du elender Schmutzbart / wilſtu wieder mich proteſtiren? Wer hat das Gemeine Siegel in der Verwahrung?

Int.

Hr. der Gerichts-Scholtze.

Frec.

Haſtu nicht die Bierkanne mit dem Siegelbe -105MACHIAVELLUS. bezeichnet / und ſind dieſes nicht Uhrkunden genung / daß der Pickelhering ordentlich angenommen iſt. Jch ſchwere euch / wird einer wieder dieſen Pickelhering proteſtiren, ſo wil ich weifen / was ich vor ein Com - mendante zu Qverlequitſch bin.

(geht ab.)
Pur.

Ach der Conſulente hat uns betrogen.

Dur.

Man druckt auch das Siegel auff die Bier - kannen.

Pur.

Nach geſchehenen Sachen ſind wir alle kluͤ - ger.

Dur.

Aber nun hat das Vaterland jhrem Gerichts - Scholtzen alles zu dancken.

Exc.

Wenn die Aemter um der Weiber oder um der Geſchencke willen vergeben werden / ſo nimt es ei - nen ſolchen Außgang.

Vad.

Laſt nur den Hrn Gefreyten auff die Schuh - baͤncke kommen / da haben die Hrn ja allezeit ein loſe Maul. Sie haben gewiß die grobe Sprache hinter den Fenſterladen verſteckt / daß ſie auff der Gaſſe nicht beregnen ſol.

Ext.

Jch wil wol zu Rechte kommen. Jch bin Wegevogt. Wil es nicht anders / ſo laß ich die Sol - daten uͤber die Wieſen marchiren, damit ſind wir Freunde.

Intr.

Und der Einnehmer wird auch ſehen / daß er den Halß aus der Schlinge zeucht.

Adj.

Bleib ich nur heute ungevexirt / Morgen iſt mir nicht leyd / denn da werde ich gewiß kranck ſeyn.

Neſc.

Und ich verſtecke mich unter die Bettel-Leu -G 5te106Der Baͤuriſchete / ſo hab ich ein privilegium wieder die Soldaten.

Quon.

Wenn es auff den Schuhbaͤncken was zu verdienen gibt / ſo bin ich ein Thuͤr-Knecht. Aber wo ſich unſer Hrn ſollen in die Ohrfeigen theilen / da bin ich ein Klingelman.

(er klingelt und geht ab.)
Pur.

So werd ich von allen meinen Collegen ver - laſſen.

Dur.

Der Conſulent hat uns in das Ungluͤck ge - bracht / er muß uns wieder raußhelffen.

Pur.

Ja / wer wil jhn aus dem Hauſe ruffen?

Dur.

Da koͤmt gleich der Hr. Pater, der mag die Sache vortragen / wo er wil.

Juniperus
(koͤm̃t.)

Was haben die Herren hier zu thun?

Neſc.

Hr. Pater, der Gefreyte / der exequiren ſol / faͤngt Haͤndel mit uns an / und der Hr Conſulente laͤſt ſich wieder uns gebrauchen; Ach wenn ſich iemand ins Mittel ſchlagen wolte.

Jun.

Jch bin des Hrn Officirers guter Freund / als ich Feld-Prediger war / diente er bey meinem Oberſten vor einen Lacquayen. Jch weiß er wird ſich gewinnen laſſen. Der Hr. Pachtman wird auch zu uns kommen / und da ſol euer ſchon am beſten gedacht werden. Gehr nur nach Hauſe / und haltet euch parat, wenn nach euch geſchicket wird; Es gibt ſchlechten re - ſtect vor der Gemeine / wenn jhr ſo ſchimpflich auff - warten ſollet.

(ſie gehen ab.)
Sci -107MACHIAVELLUS.
Scibilis
(koͤmt.)

Charitas incipit â ſe ipſo Jch muß meinen Schwie - ger Sohn eher helffen / als ich an andre Leute geden - cke: aber der Hr. Pater, haͤtte bald gar zu viel von dem Friede gepredigt: Drum muß ich den Hrn Pacht - man hier aufpaſſen / ehe er in die Compagnie koͤmmt / ſonſt moͤchten meine Confilia pro hic & nunc in die Puͤltze gehen.

Vocativus
(koͤm̃t.)

Siehe da Hr. Conſulent geht er hier ſpatzieren? ich haͤtte die Boßheit mit keinem Knebel-Spieſſe in jhm geſucht: was hab ich jhm und den Seinigen zu leide gethan / das er meinen Clienten ſo liederlich hinter das Licht fuͤhret?

Scib.

Hr. Pachtman Factum infectum fieri nequit, zu geſchehenen Sachen ſoll man das beſte reden.

Voc.

Hoc fecit nequam Jch muß das ſchlimſte da - von reden.

Scib.

Iliacos intra muros peccatur & extra, Es iſt auf beyden theilen mit Kraͤutern zugegangen. Beati pacifici, wir thun am beſten / wenn wir uns vergleichen.

Voc.

Ein ſchoͤner vergleich da ich alles ſoll fahren laſſen.

Scib.

Proximus egomet mihi. Die Tochter iſt mir naͤher als jhm der Tiſchgaͤnger.

Voc,

Dadurch bin ich nicht gezwungen einen ſchimpflichen Vergleich einzugehn.

Scib.

Amicitia mater oblivionis, wir wollen alles auff die Seite ſtellen / er helffe nur dazu daß mein Schwieger Sohn Pickelhering bleibt / ich weiß einen beſſern Dienſt / da ſein Schwieger Sohn kan accom - modiret werden.

Voc.
108Der Baͤuriſche
Voc.

Es wundert mich warum euer Scherſchlip denn beſſern Dienſt nicht annimt.

Scib.

In magnis voluiſſe ſat eſt, Es iſt genung das er was hoͤhers verdienet: es waͤre mir ein ſonderlichs Hauß-Creutze / wenn meine eintzige Tochter gar zu weit weggefuͤhret wuͤrde. Denn ich kan keinen Au - genblick aus Querleqvitſch bleiben. Diæta diætam pa - rit & filia devorat matrem, eine Sorge koͤmt aus der andern / und eine Sorge verhindert die andere.

Voc.

Er laſſe mich doch hoͤren wo das vornehme Amt zu erwarten iſt.

Scib.

Ein Dorff heiſt Oriens das ander Occidens, da ſind viel Herꝛliche Dienſte zu vergeben.

Voc.

So ſo / wollen wir mit ein ander dahin / ich kan auch einen Gelehrten im ſpitzigen Hute die Spitze dagegen bitten.

(geht ab.)
Scib.

Inter Sacrum & Saxum, nun ſteck ich zwiſchen den Gericht Scholtzen und Pachtmanne / doch omnia conando, wer nachdenckt der laͤſt ſich nicht betriegen.

(geht ab.)
PurusPutus mit allen ſeinen |Collegen koͤmt auff die Schuhbaͤncke und nimt Seſſion. Juniperus folgt hernach.
Pur.

Thuͤrknecht bringe dem Hrn Pater einen Stuhl.

Juniperus
(ſetzt ſich.)

Lieben Freunde ich habe bey dem Hrn Officirer das meinige gethan und es iſt jhm leid / daß jhr ſeinen Schertz etwas ungleich empfunden habt / er erklaͤretſich109MACHIAVELLUS. ſich durch mich / daß dem loͤblichen Collegio allhier durchaus kein verdrießlicher| Eintrag geſchehen ſoll: nur dieſes will er ſich reſerviret haben / daß jhm zu Schımpffe kein ander Pickelhering ſoll erwehlet wer - den.

(Scibilis und Ziribiziribò koͤmt.)
Scib.

Ja ja ich habe mit dem Hrn Officirer einer - ley Gedancken / hier iſt der Candidatus welcher von dem Hrn Officirer recommendiret wird.

(Er ſetzt ſich.)
Pur.

Wir muͤſſen zufrieden ſeyn.

(Vocativus und Ciaconi kommen / Pacifonti - us bleibt auf der Seite ſtehn.)
Voc.

Was? zufrieden ſeyn? Darin wird der alten Parol nicht nachgelebet.

Pur.

Hr. Gevatter ich habe nıcht gewuſt / daß der Hr. da iſt.

Voc.

Es iſt ein alt Sprichwort: Abſentia, præ - ſentia, peſtilentia.

Ciac.

Jch fodre Satisfaction vor meinen Schimpf / mir iſt gleichwohl das Amt verſprochen worden / und nun ſteh ich mit der garſtigen Hand / daß ich vor Angſt einen aus euren Mittel ermorden moͤchte.

Scib.

Res peſſimi exempli, So darff man auf den Schuhbaͤncken nicht reden.

Ciac.

Jch fraͤge / wolt jhr euch zur Satisfaction ver - ſtehen vor den Schimpff / oder wolt jhr zu einen hoͤ - hern Richter mit mir tantzen.

Scib.
110Der Baͤuriſche
Scib.

Quæ ſupra nos nihil ad nos. Ach bleibt mit einen hoͤhern Richter unverworren: wir wollen uns vergleichen. Der Hr. Pater weiß / daß in den Kloſter der Verwalter abdancken will; wenn ſich Hr. Ciaconi darzu wolte gebrauchen laſſen / ſo iſt kein zweiffel / der gegenwertige Tauſch wuͤrde jhm nicht gereuen.

Jun.

Jhr Hrn der vorſchlag iſt ſehr koͤſtlich aus - geſonnen / aber ich fuͤrchte / es wird ein Knack dar - bey ſeyn.

Scib.

Omne tulit punctum. Mann muß den Knack auf die Seite raͤumen.

Jun.

Der gute Menſch hat ſich mit des Hrn Ge - richt-Scholtzens Tochter verlobet / wer aber ein Kloſter Verwalter bey uns werden will / der muß ei - ne Jungfer freyen nach unſern Willen.

Pur.

Alſo wird aus dem Vorſchlage nichts.

Scib.

Canis redit ad vomitum, laſt den jetzigen Liebſten fahren und greifft nach dem erſten. Habet, ſua caſtra cupido, die Liebe hat keine beſtaͤndige Wohnung.

Jun.

Wenn dieſer Vorſchlag fortgeht / ſo ſoll Hr. Ciaconi in unſern Kloſter Beſtallung haben.

Pur.

Es iſt ein geringes Ding / daß meine Toch - ter einen Mann bekoͤmt / ich muß zuvor wiſſen / wie der Mann die Frau ernaͤhren ſoll.

Scib.

Hic opus hoc labor eſt, denckt nur nach / es wird ſich wohl geben.

Pur.

Jhr Hrn Collegen wiſſet jhr was?

Dur.

Es waͤre von noͤthen / das wir einen Inſpe - ctor uͤber die Wetterhaͤhne haͤtten / denn auf manchen Haͤuſern ſtehn ſie maͤchtig krum / und alſo wird einehr -111MACHIAVELLUS. ehrlicher Mann offt betrogen / wenn der Wetterhahn auff die kalte Seite weiſt / ſo geht der Wind aus ei - nen warmen Loche. Allein die Wetterhaͤhne ſind hier meiſtentheils von Bleche / es wurde wenig davon ab - zuſchaben ſeyn.

Exc.

Wir beduͤrffen einen guten Kerlen / der des Sommers die Untergerichte im Korne exercirte: aber ich weiß auch nicht wo die Beſoldung ſolte herkom̃en.

Vad.

Wir muͤſſen einen Stempel auf die Bier - zapfen druͤcken / und 6. gr. davon fodern / bey Straffe / daß ein gantzes Faß ſolte verfallen ſeyn / welches der - gleichen Zapfen nicht haͤtte.

Ext.

Es waͤre gut / wenn ein Inſpector uͤber die Stadtmauer geſetzt wurde / der oben die Kaͤfer und unten die Gaͤnſe wegjagete: Denn wo dergleichen Ungeziefer uͤberhand nimt / ſo geht unſer Fortification zu Grunde: aber der punctus wegen der Beſoldung wuͤrde gar ſchwerlich zu heben ſeyn: Es waͤre denn Sache / daß die Gaͤnſe dem Hrn Einſeher als ein Accidens gegoͤnnet wuͤrden.

Int.

Jch beduͤrffte in meinem Amte einen treuen Gehuͤlffen / der mir die unterſchiednen Sorten von G[e]lde in gewiſſe Faͤcher abzehlte / daß mir darnach die Rechnung nicht zu ſauer wuͤrde / und koͤnte man et - wan 18. Pf. von 100. vor die Muͤh Beſoldung geben.

Adj.

Es waͤre einmahl Zeit / daß wir unſer Rath - hauß wiederbaueten / und da waͤre ein guter Bau - meiſter von noͤthen / der artige Spruͤchlichen an die Waͤnde ſchreiben lieſſe.

Neſc.

Es koͤmt vielleicht dem Hrn Conſulenten oder auch dem Hrn Pickelhering zu: aber das waͤreei -112Der Baͤuriſcheeine Sache die unſrer Gemeine zu unſterblichen Ruhme gereichen ſolte / wenn wir einen Gelehrten Kerlen ſuchten / der die Chronica von Querlequitſch uͤber ſich nehme: denn wofern er auslaͤndiſche Sachen mit einbringen wolte / ſo koͤnte ich jhm getreulich bey - ſtehen. Mann gedencke nur / was der Bettelvoigt ein Jahr lang vor neue Zeitungen von den frembden Bettlern erfahren kan.

Quon.

Jhr Hrn halt mirs zu gute / daß ich meine Nothdurfft auch vorbringe: wenn jhr ſchoͤne Spruͤch - lichen beſtellt / laſt mir doch was Lateiniſches an mei - ne Glocke ſchreiben / oder gebt mir zum wenigſten ein Deutſches Reimgen an meinen Brod-Korb.

Pur.

Jhr Hrn ich habe eure Meinungen verſtan - den / aber weil es meine familie betrifft / ſo will ich al - les jhren Gutduͤncken uͤberlaſſen / was abſonderlich der Hr. Pater, der Hr. Pachtman und der Hr. Con - ſulent nebenſt dem Hrn Landſchoͤppen vor gut befin - den wird.

Jun.

Waͤre es nicht moͤglich / daß der Hr. Gericht - Scholtze einen Subſtituten annaͤhme.

Pur.

Jch will mein Amt ſchon verrichten / die an - dern Kinder muͤſſen auch zuvor verſorgt werden.

Voc,

Der Hr. Conſulent iſt gar zu ſehr mit Ar - beit uͤberhaͤufft / wenn er Schulmeiſter wuͤrde / und Hr. Scibilis bliebe bey ſeinen Regiments Sorgen.

Scib.

Omnis Apoſtata eſt perſecutor ſui ordinis, Jch mag mit dem Hrn Landſchoͤppen wegen ſeines Eidams in keinen wiederwillen gerathen / ich hielte da - vor wenn der Hr. Pachtman das kleine Vorwerg abtreten wolte / der Hr. Gericht-Scholtze hat einegu -113MACHIAVELLUS. gute Wirthin / die ſolte jhrer Tochter mit guten Rath an die Hand gehen.

Voc.

Hr. Conſulent jhr ſeyd gar krum wenn jhr euch buͤckt: ich mercke wol wo jhr hinauszielt. Nein nein / die Pachtguͤter duͤrffen nicht getheilet werden.

Dur.

Wie waͤre es / wenn wir an des Junckern Hofe einen Reſidenten hielten / der unſere Sachen be - foͤrderte.

Scib.

Deficiente pecu, deficit omne, nia. Sagt nur wo Geld herkoͤmt? ein Reſidente muß den Staat fuͤhren: ich glaube nicht / daß er ein Jahr lang mit 27. Fl. auskaͤme.

Dur.

Es ſteht auff nnſern Brodbaͤncken noch ein alt verlegnes Capital, wenn wir daſſelbe bey den Jun - cker koͤnten ausbitten / ſo haͤtten wir das Jahr 13. Fl. ein jeder ſchlage ſo viel vor / ſo wollen wir das Geld zuſammen bringen.

Junip.

Der Juncker hat ſeinen vorigen Calcanten abgeſchafft / wenn der Reſidente die Muͤh alle Son - tag wolte uͤber ſich nehmen / ſo haͤtte er das Jahr 1. fl. aus der Kirche / das waͤren ſchon 14. fl.

Voc.

Der Calcante hat dem Hrn Pater daſelbſt die Zinſen eingefodert / und hat von den Guͤlden 6. Pf. Auffgeld gehabt: wenn er bey muͤſſigen Stunden das Accidens mit nehmen wolte / ſo haͤtten wir ſchon 14. fl. 11. gr.

Scib.

Adde parum modico, Brocken machen auch Brodt. Er mag die Chronica darbey ſchreiben / ſo konte Anſtalt gemacht werden / daß jhm von jedweder Leiche 3. pf. von Kind Tauffen 3. pf. und von einer Hochzeit 6. pf. gegeben wuͤrde / ſo hatten wir doch wohl des Jah -Hres114Der Baͤuriſcheres latus per ſe alles zuſam̃en gerechnet / 15. fl. 3. gr.

Dur.

Ein Handwercks Junge / der von dem Mei - ſter auffgenommen wird / koͤnte jhm auch 6. pf. geben / truͤge es nun gleich das Jahr nur 2. gr. aus / ſo waͤre es gleichwohl 15. fl. 5. gr.

Voc.

Wenn was verkaufft wird an liegenden Guͤ - tern / ſo wuͤrde ſich niemand wegern 6. pf. zubezahlen / und man laſſe dergleichen Falle des Jahrs drey mal kommen ſo haͤtten wir ſchon 18. pf. druͤber.

Jun.

Jhr Herren wır præſupponiren / daß der Juncker das Capital wird abtreten / und ehe wir da - mit zurechte kommen / ſo heiſt es wir machen die Rech - nung ohne den Wirth. Jch weiß ein herꝛlich Amt vor jhn. Denn es iſt bekant was der weitberuͤhmte Marckfleck Querlequitſch vor Privilegia hat / und wie die Buͤrger vor vielen Staͤdten groſſe Freyheit ha - ben. Weil nun kein zweiffel iſt / es wird ſich mancher anderswo vor einen Buͤrger zu Querlequitſch ausge - ben / ſo waͤre es billig daß man einen Reviſor machte der alle Jahr gewiſſe Zeichen austheilte / dabey man die rechtſchaffenen Buͤrger unterſcheiden koͤnte. Und was waͤre es mehr / wenn ein Buͤrger ſolchen Privile - gien zu Ehren alle Jahr 18. pf. hingaͤbe.

Voc.

Es koͤnte nicht ſchaden / wenn Jemand gewiß Pappier zu verkauffen haͤtte / darauff alle Teſtamente / Vertraͤge / Heyraths Notuln / Kauf-Briefe / und der - gleichen geſchrieben wuͤrden: und was waͤre es / wenn ein Bogen 6. pf. guͤlte / der uͤm einen Heller eingekaufft waͤre.

Scib.

Luſtig! inventum centum boum mactatione dignum, ich hab einen rechten Vorſchlag: Unſer Apo -the -115MACHIAVELLUS. thecker iſt gleich weggezogen: wenn wir bey den Jun - cker anhielten / daß der liebe Menſch ein Monopolius wuͤrde uͤber Taback und Brantewein / ſo waͤre jhm in ſeiner Nahrung geholffen / biß er mit der Zeit in un - ſer Collegium gezogen wurde: Konte jhm doch eine gewiſſe Taxe vorgeſchrieben werden / wie theuer ein und das andre zuverkauffen waͤre / ingleichen / daß er allen aus unſern Collegio bey der zuſommenkunfft ein Glaͤßgen Brantewein / ob defectum Spirituum die Le - bens Geiſter zu ſtaͤrcken / und denn bey dem Abtritt ein Pfeiffgen Taback ob humidum radicale, zu erqui - ckung des Gehirns / geben moͤchte.

Voc.

Jch will ſehen ob der Juncker damit wird zu - frieden ſeyn / und ich hoffe einen guten Außgang.

Pur.

Alſo ware der ſchwere Punctus nunmehr bey - gelegt. Hr. Ziribiziribò iſt unſer ordentlicher und recht - maͤſſiger Pickelhering; Hr. Ciaconi iſt legitimirter und in Hoffnung approbirter Kloſterverwalter; Hr. Pacifontius iſt Monopolius Chronicographus & cæte - ra. O das iſt ein Herꝛlicher Tag der mit einen guten Rauſche muß beſchloſſen werden.

Scib.

Quis poteſt reſiſtere tot armatis, wer kan ſo einen vortrefflichen vorſchlage wiederſtreben? der Hr - Gericht-Scholtze ſchencket ſelber Bier / es wird ſich am beſten ſchicken / daß das Collegium beyſam̃en bleibt.

Dur.

Wollen wir die Buͤrgerſchafft hinbeſcheiden / und den neuen Pickelhering vorſtellen / ſo verſchenckt der Hr. Gericht-Scholtze deſto mehr Bier.

Pur.

Der Hr. Pater und der Hr. Pachtman als vornehme Commiſſarien und Schiedsleute werden ſich nicht davon abſentiren: der Hr. Pater ſoll gantz freyH 2ge116Der Baͤuriſchegehen / und dem Hrn Verwalter will ich die halbe Ur -[t]he von meiner Rechnung abziehen laſſen.

Scib.

Bis dat, qui cito dat, wir werden uns nicht[l]aͤnger auffhalten: Semper honos nomenq; tuum lau - desq; manebune wird uns der Hr. viel Kannen Bier aſſen zu gute gehen / ſo werden wir ſolches mit groſſen Danck erkennen / oder wird ſich einer von den Herrn Candidaten angreiffen / non repugnabimus wir wol -[l]en ſeine Liberalität nicht beſchaͤmen. Gratiarum actio eſt ad plus dandum invitatio.

Jun.

So wollen wir gehen: aber es waͤre nicht zu tadeln wenn der Hr. Conſulent einen jedweden unter dieſen dreyen befoͤrderten Perſonen ein Raͤtzel auff gaͤbe.

Scib.

Hic & ſum domi Hr. Ziribiziribò rath was iſt das? Am Sontage ein groß Maul / am Werckel -[t]age fruͤh eine ſchwere Hand / nach Mittage einen ſpitzigen Finger.

Zir.

Es iſt unſer Hr. Conſulent: des Sontags ſingt er in der Kirche / des Werckeltages ſchmeiſt er fruͤh die Kinder / und des Mittags ſetzt er den Finger an dle Stirne und ſucht allerhand kluge Anſchlaͤge heraus.

Scib.

Rem acu tetigiſti er hat einen Spitz-Finger. aber Hr. Ciaconi rath was iſt das: Fruͤh gruͤne / auffn Mittag ſchwartz / auff den Abend weiß.

Ciac.

Es iſt unſer Hr. Pater, der hat Fruͤh in der Meſſe eine Kappe von gruͤnen Tuche / zu Mittage geht er in einen ſchwartzen Kleide ins Bierhauß / auff den Abend legt er ſich im weiſſen Hemd ins Bette.

Scib.

Tu bibiſti cicutam Jhr ſeyd auf den Parnaſ - ſus geweſen. Aber Hr. Pacifontius rath was iſt das:Das117MACHIAVELLUS. Das kleine waͤre mir lieber als das groſſe / und nicht[ſ]waͤr mir lieber als etwas.

Pac.

Es iſt gewiß eine Ohrfeige.

Scib.

Mundus regitur opinionibus. Jch ſehe die Gelehrten haben unterſchiedene Meinungen: ich halte es iſt unſer Klingelman. Denn die kleine Geld-Buͤchſ[e]iſt mir lieber als der groſſe Brodkorb / und wenn er weder Korb noch Buͤchſe bey ſich hat / und alſo einen Thuͤrknecht auf den Schuhbaͤncken bedeutet / ſo iſt er vornehmer als wenn er vor gemeiner Leute Haͤuſer koͤmt und einen Bettler abgibt. Sed claudite nunc rivos ſchlieſſt die Schuhbaͤncke zu / Sat prata biberunt, der Hr. Gericht-Scholtze hat gut Bier / Vos valete & plaudite die Herrn ſeyn gebethen und folgen / wie ſie unſer Hr. Thuͤrknecht verleſen wird.

(Hier tritt Quoniam auf und verlieſet die Per - ſonen folgender Geſtalt.

Hr. Ziribiziribo als neu beſtetigter Pickelhering an ſeinen Ehrentage wird in der Mitten gefuͤhret. Der Hr. Pater und der Hr. Pachtman begleiten Jhn.

Der Hr. Gericht-Scholtze / Hr Ciaconi an ſeinen halben Ehren-Tage / als naher Freund.

Der Hr. Landſchoͤppe / Hr. Pacifontius als Freund.

Der Hr. Conſulent als Freund jedoch an ſeiner gewoͤhnlichen Stelle.

Summa Summarum die uͤbrigen Hrn werden ſich ſelbſten zu ordnen wiſſen.

Sie gehen in der Ordnung etlichemahl herum und laſſen den Hirten als Stadt - oder Marckfleckens Pfeiffer | mit dem Horne vorher blaſen.
H 3Be -118Der Baͤuriſche

Schluß-Handlung.

Machiavellus. Antiqvus.

Mach.

So biſtu endlich in des Parnaſſi Gewalt du allgemeiner Landbetrieger / und hab ich alſo Gelegen - heit meine Unſchuld an den Tag zu legen / welche durch deinen falſch erdichteten Nahmen ziemlicher maſſen iſt gekraͤncket worden. Halt / ich wil ſelbſt unter die Klaͤger treten / und dich zu einer ſolchen Straffe fo - dern / daruͤber dir das Hertz im Leibe brechen ſol.

Ant.

Gemach / Gemach mein Freundt / ich meinte der Machiavelliſche Nahmen ſolte durch mich mehr geruͤhmet als geſchimpffet werden. Jch heiſſe Antiqvus das iſt / ich bin der alte Anfaͤnger aller Boßheit / und ſo wol die Machiavelliſchen Kuͤnſte auff dergleichen Schlag gemuͤntzet ſeyn / ſo wol hat Machiavellus die Ehre unter meiner Fahne als ein Soldate zu dienen.

Mach.

Weitgefehlet / weitgefehlet / und geſetzt ich haͤtte dich alten Betrieger auch uͤber meine Klugheit und uͤber meinen Fleiß herꝛſchen laſſen / ſo hat der Durchl. Apollo mich zu einer ſolchen Straffe ver - dammet / darbey mir taͤglich der Haß wieder dich du alter Betrieger verneuert wird. Jch habe mit dir nichts zuſchaffen.

(Fama laͤſt blaſeu und koͤm̃t heraus.)
Fam.

Machiavelius und Antiqvus werden vor den Majeſtaͤtiſchen Richter Stuhl / im Parnaſſo citiret, um daſelbſt bey unvermeidlicher Straffe zuerſcheinen.

(ſchwinger ſich davon.)
Ma -
119MACHIAVELLUS.
Mach.

Jch wil nicht ein beklagter / ſondern zugleich ein Klaͤger ſeyn.

(geht ab.)
Ant.

Aber ich wolte / das der Tyranne / der uͤber mich gebiethen wil / von ſeinen Thron geſtuͤrtzet wuͤr - de / ehe mir aus ſeinem grauſamen Munde das Urtheil ſol verleſen werden.

(geht ab.)
(Apollo præſentirt ſich auff fetnem Throne um jhn herum Euſebius. Uranius, Politi - cus, Civilis. Simplex. Innocens. Candi - dus. Infucatus. Fidelis. Immutabilis, Ra - tionalis.
Apol.

Jſt es moͤglich / das ein allgemeiner Verder - ber die Menſchliche Geſellſchafft zu allem Ungluͤck verfuͤhret hat.

Euſ.

Durchlauchtigſter Apollo, er waͤre zu wuͤn - ſchen / das wir etwas anders berichten koͤnten.

Pol.

Und es iſt mehr als zuwahr / das auch bey den geringſten Perſonen Liſt und Gewalt auff das Hoͤchſte geſtiegen iſt.

Euſ.

Ein jedweder vertrauet ſeinen Kraͤfften / und niemand begehret von dem Himmel einigen Beyſtand zu erlangen.

Pol.

Gleichwohl muß die Liebe des Himmels zum Deckmantel dienen / wen die aͤrgſte Boßheit veruͤbet wird.

Machiavellus. Antiqvus. Appetitus er - ſcheinen.
H 4Apol.
120Der Baͤuriſche
APol.

Jhr Menſchen verderber / haben wir end - lich euere Boßheit gruͤndlich erforſchet / und ſollen wir den bedraͤngten Perſonen nicht Huͤlffe und Gerech - tigkeit wiederfahren laſſen.

Mach.

Durchl. Apollo, gleichwie meine Straffe bißhero mit aller Gedult iſt ertragen worden / in Be - trachtung / daß ich wol mehr als dieſe gelinde Zuͤchti - gung verdienet haͤtte; gleichwohl iſt meine unterthaͤ - nigſte bitte / euer Majeſtaͤt wolle dero Gehorſamſten Knecht von den uͤbrigen Anklagen befreyen / und die Straffe den jenigen zuerkennen / die bißhero unter dem falſchen Deckel meines Nahmens die einfaͤltige Welt verfuͤhret haben.

Apol,

So gehe wiederum als ein verbannter an deinen Ort / und laſſe dich nimmermehr geluͤſten unter den Tugendhafften einiger Wuͤrde theilhafftig zu werden.

Mach.

Jch gehe / Aber ach jhr Sterblichen ſehet / wie Straffwuͤrdig eine Perſon werden kan / welche ſich in dem Leben nicht geſcheuet hat / die ſchoͤnſten Gaben des Gemuͤthes ſchaͤndlicher weiſe zu mißbrau - chen. Ach haͤtte ich die manier zuſchreiben von denn weiſen Heyden gelernet / ſo wuͤrde mein Nahmen doch nicht aus der Ordnung der Tugendhafften aus - geſchloſſen! wiewol ich gehe / und vollbringe den Be - fehl.

Apol.

Aber du geiler Appetitus warum haſtu dich von deinen rechtmaͤſſigen Hrn loßgemachet?

Appet.

Dieſer Hr. iſt mir zu kleine.

Apol.

Die Herꝛſchafft wird nach dem Rechte nicht nach der Groͤſſe geurtheilet. David hat den Goliaduͤber -121MACHIAVELLUS. uͤberwunden / und Rationalis ſol uͤber den Appetitus als ein rechtmaͤſſiger Sieges Hr. das Commando haben. Auff Rationalis, lege den unbaͤndigen Knech - te ſolche Ketten an / dadurch er ſeiner Schuldigkeit erinnert werde.

Rat.

Durchl. Apollo, euer Majeſtaͤt ſollen vor die - ſes Hochvernuͤnfftige Urtheil unterthaͤnigſt geruͤhmet werden.

(Er bindet den Appetitus an die Kette.)
Appet.

Ach weh / ſol ich keiner Freyheit genieſſen?

Rat.

Nein / als wenn ich damit zu frieden bin.

Appet.

Ach weh die Feſſel druͤcken mich!

Apol.

Wer wil unſern Schluſſe wiederſprechen? Du aber vermaledeyter Antiqvus, haſtu noch beden - cken gehabt vor unſerm Richter-Stuhle zu erſcheinen?

Ant.

Jch bin hieher genoͤthiget worden. Allein ich ſtehe noch bey mir an / ob ich antworten wil.

Apol.

Haſtu nicht die Welt verfuͤhret?

Ant.

Und wenn ich nun dieſes gethan haͤtte? Kan - ich viel verfuͤhren / ſo hat Apollo die Freude / daß er durch ſeine Kuͤnſtliche Tugendhafften viel verbeſſern kan.

Appol.

Hochmuͤthige Beſtie, wilſtu vor unſer Macht noch nicht erzittern.

Ant.

Jch erzittere / aber nicht als vor einen Rich - ter / ſondern als vor einem Tyrannen.

Apol.

Auff / jhr getreuen Diener / Eruditus, Sedu - lus und Severus! Auff / und nehmet dieſes unbaͤndige Thier in eure Gewalt.

(Sie kommen hervor.)
H 5An -
122Der Baͤueriſche
Ant.

Jch bin gewohnt zu herꝛſchen.

Apol.

Aber du biſt ſchuldig zu dienen.

Erud.

Kom̃ her / und nim̃ unſer Joch auff dich / du ſolſt von mir lernen.

Sed.

Und von mir ſolſtu den Muͤſſigang vergeſſen.

Sev.

Von mir aber ſolſtu gezwungen werden.

Erud.

Mein zwang iſt lieblich; Denn ich ſage die Warheit / und noͤthige die Hertzen zu einem unſtreiti - gen Beyfall.

Sed.

Mein Zwang iſt vernuͤnfftig / denn ich rathe zu der gebuͤhrenden Arbeit.

Sev.

Mein Zwang iſt großmuͤthig: denn wer mit guten nicht gehorchen wil / der muß den Gehorſam mit ſeinen Schmertzen lernen.

Erud.

Wer die Lehre annim̃t / der wird ein neuer Menſch.

Sed.

Wer ſich zu fleiſſiger Arbeit gewehnet / der lernet des alten Menſchen vergeſſen.

Sev.

Und wo die Straffe auff den Ruͤcken nach - folget / da muß eine Verdruͤßligkeit die andere ver - treiben.

Erud.

Auff / und ſchicke dich / du biſt unſer Gefan - gener.

Ant.

Du bringſt mir Lehren vor / die ich nicht glaube.

Sed.

Strecke deine Glieder an / die Zeit iſt vorbey / da man die muͤſſigen Stunden auf einem faulen Pol - ſter verſchlaffen hat.

Ant.

Jch wolte lieber ſterben als arbeiten.

Sev.

Vielleicht auch lieber ſterben als Straffe fuͤhlen.

Eru -
123MACHIAVELLUS.
Erud.

Sehet her jhr Sterblichen / ſo muß die Wurtzel der alten Begierden ausgeriſſen werden.

Sed.

Ach / ſeyd fleiſſig / damit die Laſter keine Zeit finden.

Sed.

Unterwerffet euch der Zuͤchtigung / damit die Laſter ausgerottet werden.

Erud.

Folget guten Lehren / damit eine neue Fruchtbarkeit entſtehen moͤge.

Sed.

Der Himmelverkaufft das ſeine durch Arbeit.

Sev.

Und aus der Straffe quellen ſuͤſſe Fruͤchte hervor.

Erud.

Abſonderlich wenn die Lehre den Safft in die Fruͤchte flieſſen laͤſt.

Sed.

Auff Sclave, du muſt wandern.

Ant.

Ach weh / wie lange ſol ich gezwungen ſeyn.

Erud.

Biß dir der Zwang nicht ſauer ankoͤm̃t.

Sed.

Und biß deine Geſtalt dem Parnaſſo annehm - lich wird.

Erud.

Ach weh dem / der zu langſam unter meine Bothmaͤſſigkeit geſchicket wird.

Sed.

Weh dem / der zuſpaͤt meine Regeln ergreif - fen ſol.

Erud.

Ein alter lernet uͤbel.

Sed.

Und ein alter Muͤſſiggaͤnger arbeitet uͤbel.

Sev.

Und weh dem / der in dem Zuchthauſe die Ar - beit zu erſt lernen ſol.

gehen ab.
Apol.

Jhr aber liebſten Soͤhne / nachdem der all - gemeine Feind unter gewiſſe Ketten alſo verſchloſſen wird / daß man auff allen Seiten / wo nicht einer vol - len Beſſerung / dennoch einer beſſern Hoffnung genieſ -ſen124Der Beuriſcheſen kan / ſo kom̃et etwas naͤher auff unſern Parnasſum, und laͤſſet euch zu der Freundſchafft aller Tugendhaff - ten hinbegleiten.

Simp.

Ach gelobet ſey dieſe Majeſtaͤt / die endlich der Einfalt einen Beſtaͤndigen Platz zu erkennet.

Cand.

Gelobet ſey der Richter / bey dem die ehrli - che partey den beſten Lohn davon traͤgt.

Fid.

Und gelobet ſey derſelbige Thron / der nichts als Liebe mit Tauſendfachen Strahlen hervorblicken laͤſt.

Simp.

Wer die Tugend in Hertzen behalten wil / der muß einfaͤltig ſeyn.

Cand.

Wer die Einfalt im Wercke practiciren wil / der muß offenhertzig ſeyn.

Fid.

Und wer ſein offenhertziges Gemuͤthe wil er - kennen laſſen / der muß ſein Licht / das iſt / Treu und Liebe vor den Menſchen leuchten laſſen.

Apol.

Und wer in meinem Parnaſſo wohnen wil / muß euch dreye in beſtaͤndigen Verbuͤndnuͤſſe zu Freun - den haben. Doch jhr liebſten Commiſſarii was habet jhr durch dieſe Muͤhwaltung verdienet? bittet um̃ - ne Gnade / ſo viel als unſer Parnaſſus in vermoͤgen hat / ſo viel ſoll euch zur vergnuͤgung unverſaget ſeyn.

Euſ.

Durchl. Apollo, die vergeltung iſt in dem ſchon erwieſen worden / daß unſere geringſchaͤtzigen Dienſte mit Genaͤdigen Augen ſind angeſehen worden.

Apol.

Verachtet unſre Mildigkeit nicht / wir wol - len wiſſen in welchem Stuͤcke eure Luſt am Hoͤchſten bluͤhen koͤnne.

Euſ.

Durchl. Apollo, weil uns die hohe Gnade angeboten wird / ſo wolle eure Majeſtaͤt gnaͤdigſtver -125MACHIAVELLUS. vergoͤnnen / daß wir beyde ſo wohl in dieſer Hochge - ſchaͤtzten Verſamlung / als auch insgemein bey der Hochwehrten Stadt Zittau einer beſtaͤndigen Woh - nung moͤchten gewuͤrdiget werden.

Apol.

Auff Mercurius! Euſebius, und Politicus ſollen die gedachte Stadt in unverruͤckter Freundſchafft bewohnen / und dannenhero mag dieſer Schluͤß jhnen ſaͤmtlichen auf das ſchleunigſte vorgehalten werden.

Merc.

Hochgeſchaͤtzte Anweſende / nach dem Euſe - bius das iſt der Liebhaber des Goͤttlichen Worts und Politicus das iſt der kluge Werckmeiſter der zeitlichen Gluͤckſeligkeit / in der Hochloͤblichen Stadt Zittau ei - nen belieblichen Sitz von dem Durchlauchtigſten A - pollo erhalten haben / auch numehro durch meine Botſchafft gleichſam die endliche Anweiſung geſchehen ſoll: Als bin ich von Hertzen erfreuet / daß dergleichen angenehme Poſt um dieſe Hochſchaͤtzbare Gegend er - klingen ſol. Denn gleich wie die wohlbeſtelte Kirche / neben der immerbluͤhenden Schule lange verdienet hat / daß Euſebius ſein Ebenbild unter ſo viel Perſo - nen richtig antreffen moͤchte; Ebenfals hat auch die - ſes tapffere Rathhauß ſo viel Strahlen einer Vaͤter - lichen und klugen Sorgfalt hervordringen laſſen / dar - bey ſich Politicus als bey der lieblichſten Sonne viel Zeit und Jahre ergoͤtzen wird. Sie belieben dieſe Gaͤſte mit freudigen Hertzen anzunehmen und leben darbey verſichert / ſo lange Euſebius in der Stadt / ſeinen Auffenthalt antreffen wird / ſo lange ſoll der Seegen des Himmels mit zeitlicher und ewiger Gna - de / nicht anders als ein lieblicher Regen / herab flieſſen: und ſo lange der ungefaͤrbte und rechtmaͤßige Politi -cus126Der Baͤuriſchecus die Einwohner dieſer Stadt unter ſelne Freunde zehlen wird / ſo lange ſoll Reichthum und die Fuͤlle / Fried und Sicherheit / Ruhm und Ehre / von Tage zu Tage in einen hoͤhern Grad gebracht werden: Und alſo wird der Durchl. Lands-Vater (deſſen Ta - ge GOtt noch ferner ſegnen und vermehren wolle) durch das Wachsthum dieſer unterthaͤnigſten Stadt / als ein Vater erfreuet / als ein Hr. geruͤhmet / und als ein irꝛdiſcher Apollo mit Demuͤthigſten Gehorfam an - gebetet werden. Lebet wohl bey dieſem Geſchencke / und laſſet in allen Gaſſen die froͤliche Poſt erſchallen / daß Euſebius und Politicus jhren Sitz allhier genommen haben.

(Gehet zuruͤck.)
Euſ.

Liebſter Bruder / wie froͤlich iſt mir die bißhe - rige Muͤh vergolten worden.

Pol.

Und wie lieblich wird numehr unſre Woh - nung ſeyn.

Euſ.

Mein Uranius ich kan euch nicht verlaſſen.

Uran.

Jch bleibe / wo Euſebius bleibt / denn ich ha - be mich ſchon laͤngſt in dieſe Stadt geſehnet / die ſich dem Himmel ſo ſchoͤn zu befehlen weiß.

Pol.

So werde ich meinen Civilis auch nicht zu - ruͤcke laſſen.

Civ.

Ach ja mein Politicus, ich will in Zittau woh - nen / ich will meine Luſt an denn allgemeinen Gluͤcke ſehen. Wenn die Sonne aufgehet / will ich die geſegne - te Gegend in mein Gebeth einſchlieſſen / und wenn die Nacht einfaͤllt / ſoll meine beſtaͤndige Andacht noch an keinen Schlaff gedencken. Jch ſelbſt will mich be - muͤhen / und bey GOtt und Menſchen dieſelbige Gna -de127MACHIAVELLUS. de ſuchen / damit einmahl dieſe geliebte Stadt meines Fleiſſes / meines Lebens / und meines Segens koͤnne Zeuge ſeyn.

Euſ.

Ach laſſet uns die Himmliſche Majeſtaͤt in - bruͤnſtig anruffen / daß er unſern Einzug gluͤcklich ma - chen / und die zugedachte Freude viel doppelt vermeh - ren wolle.

(Sie fallen ſaͤmtlichen auf die Knie / ſo lan - ge als folgende Arie geſungen wird.) Und wird zwiſchen jeglicher Strophe die Melo - dey mit Trompeten und Paucken nach ge - ſpielet.
I.
DU Friede-Fuͤrſt HErr JEſu CHriſt /
Wir bringen Danck und Preiß /
Daß man allhier in langer Friſt /
Von keinem Kriege weiß;
Und daß wir noch kein frembdes Joch /
Auff unſerm Ruͤcken fuͤhlen.
II.
Du gibſt dem Landes Vater Kraft /
Daß Er nach Frieden ſtrebt /
Und daß die werthe Buͤrgerſchafft
Jn ſicherm Stande lebt;
Ja
Ja daß dein Wort noch immerfort /
Jn unſern Kirchen ſchallet.
III.
Ach JEſu wohn uns ferner bey
Und tritt zugleich ins Spiel /
Wenn irgend Trotz und Schmei -cheley /
Die Ruh verſtoͤren wil /
Daß weder Feind / noch falſcherFreund
An uns ſein Muͤthlein kuͤhle.
IV.
Laß Zittau ſtets geſegnet ſeyn /
Beſchuͤtze dieſes Hauß /
Und ſchuͤtte Deinen Gnaden-Schein
Auff alle Vaͤter auß /
Die ſpath und fruͤh durch jhre Muͤh /
Viel Heil und Gutes ſtifften.
V.
Der theure Chur-Fuͤrſt lebelang
So freut ſich unſre Stadt /
Die
Die Seinetwegen hohen Danck /
Bey Dir zu leiſten hat /
Dieweil der Glantz den Rauten -Krantz
Faſt taͤglich hoͤher ziehret.
VI.
Wolan Du hoher Friede-Fuͤrſt
Wir ruͤhmen deine Treu /
Daß Du uns nicht verlaſſen wirſt /
Steh unſern Vaͤtern bey /
Daß Sie viel Jahr der jungen Schaar /
Die Luſt verſtatten moͤgen.

NB.

Die Melodey hat der geneigte Leſer in fol - genden Seiten zu ſehen / wie ſolche halb geſungen / halb mit Trompe - und ten Paucken geſpielet wird. Geſetzt von M. E.

JTrom -
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Jund
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Gunſt -

Geneigter Leſer.

JCh hatte mir vorgeſetzt / etwas von dem Kunſt-Stuͤcke der Comœdien, ingleichen von den Luſtigkeiten in Poſ - ſen-Spielen zugedencken: Allein weil ich anitzo erſt erwarten muß / wie dieſe Invention gefallen moͤchte / und ob ich bald meinen Jephtha, ingleichen den Marſchall D Ancre heraus geben duͤrf - te; ſo mag auch dieſer Vorſatz biß auf bequemere Zeit verſchoben ſeyn. Jn - deßen bleiben wir allerſeits Gottes Ob - hut / Jch aber deiner Affection befohlen.

About this transcription

TextBaurischer Machiavellus
Author Christian Weise
Extent153 images; 26787 tokens; 5937 types; 180101 characters
Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

About the source text

Bibliographic informationBaurischer Machiavellus Christian Weise. . [4] Bl., 127 S., [4] Bl. MiethHartmannDresdenZittau1679. (Bei der vorliegenden Ausgabe wurde die originale Reihenfolge der Seiten rekonstruiert, da die Bindung der vorliegenden Vorlage fehlerhaft ist (Ex. verbunden: Bl. )?(2 vor dem Titelbl. und )?(3 vor Bl. A eingebunden). )

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SUB Göttingen SUB Göttingen, 8 P DRAM III, 1301

Physical description

Fraktur

LanguageGerman
ClassificationBelletristik; Drama; Belletristik; Drama; core; ready; china

Editorial statement

Editorial principles

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Publisher
  • dta@bbaw.de
  • Deutsches Textarchiv
  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • Jägerstr. 22/23, 10117 BerlinGermany
ImprintBerlin 2019-12-09T17:35:42Z
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ShelfmarkSUB Göttingen, 8 P DRAM III, 1301
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