PRIMS Full-text transcription (HTML)
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GAZOPHYLACIUM MEDICO-PHYSICUM,
Oder Schatz-Kammer Mediciniſch - und Natuͤrlicher Dinge,
Jn welcher Alle Mediciniſche Kunſt-Woͤrter, (2) inn - und aͤuſſer - liche Kranckheiten, nebſt dererſelben Genes-Mitteln, (3) alle Mineralien, Metalle, Ertzte, Erden, (4) zur Medicin gehoͤrige fremde und einheimiſche Thiere, (5) Kraͤuter, Blumen, Saamen, Saͤffte, Oele, Hartze, ꝛc. (6) alle rare Specereyen und Mate - rialien, und (7) viel curioͤſe zur Mechanic gehoͤrige Kunſt - Griffe, in einer richtigen lateiniſchen Alphabet-Ordnung auf das deutlichſte erklaͤret, vorgeſtellet, und mit einem noͤthigen Regiſter verſehen worden.
Die Neunte Auflage, Aufs neue mit Fleiß uͤberſehen, verbeſſert und vermehret.
LEJPZJG,Zu finden bey Friedrich Lanckiſchens Erben. Anno 1737.

Vorbericht

An den Hochgeneigten Leſer.

AUſſer allen Zweiffel wuͤr - de man ſich einer gantz vergeblichen Arbeit un - terziehen, wenn man der gelehrten Welt durch zu - laͤngliche Gruͤnde vorzu - ſtellen ſuchte, wie hoͤchſt - loͤblich das Unternehmen ſey, da eine uner - muͤdete Feder, ein Lexicon zuſammen zu tragen, die Zeit, ein Verleger hingegen, daſ - ſelbe in oͤffentlichen Druck zu geben, die Un - koſten hazardire. Anerwogen einem ieden,): (2welcherwelcher auch nur die geringſte Inclination zu denen Studiis in ſeinen Adern empfindet, ſo wol die unumgaͤngliche Rothwendigkeit, als die unſchaͤtzbare Rutzbarkeit eines ſolchen Buches, ſo gleich bey dem erſten Anblicke in die Augen leuchtet. Um deßwillen haben bereits in allen Facultaͤten, ja gar in ieder nur zu erdenckenden Wiſſenſchafft, wovon man heute zu Tage einige Eſtime zu ma - chen pfleget, bewaͤhrte Maͤnner ſich gefun - den, welche durch dergleichen Arbeit ihren Rachkommen zu fernerer Ausbreitung der Gelehrſamkeit eine groſſe Erleichterung ge - ſchaffet, ſich ſelbſt aber einen unſterblichen Rachruhm erworben; und in dieſem Stuͤ - cke duͤrffen ſich die Medici gleichfalls nicht ungluͤcklich achten, indem Bartholomæus Caſtellus und Jacobus Pancrazius Bruno, ingleichen der beruͤhmte Hollaͤnder, Stepha - nus Blancard, hierzu einen guten Weg ge - bahnet, und, ſo zu reden, das Eyß gebrochen haben. Es iſt auch nicht zu leugnen, daßbereitsbereits Johannes Schrœderus und Johan - nes Zwelfferus, item Olaus Wormius, der Autor des Muſæi Danici, Michael Bernh. Valentini in Muſæo Muſæo - rum &c. ein groſſes præſtiret. Allein der Hochgeneigte Leſer wird nicht verargen, daß man, dieſem ungeachtet, gegenwaͤrtiges Buch in Druck zu ſtellen ſich animiren laſſen. Denn, gleichwie ieder man zugeben muß, daß, wie man ſich taͤglich ie mehr und mehr be - muͤhe, ein Werck zu groͤſſerer Vollkommen - heit zu bringen, und hierdurch dem Publico deſto mehr Rutzen zu ſchaffen: als wird daſſelbe auch gegenwaͤrtiges Buch an den Tag legen. Allermaſſen 1.) die bey obigen Lexicographis ausgelaſſenen, oder 2.) bey vielen andern Autoribus erſt mit groſſer Muͤhe nachzuſchlagenden Woͤrter und Sa - chen allhier beyſammen zu finden, und zwar 3.) in Hoch-Deutſcher Sprache; welches man inſonderheit 4.) bey viel Hohen und Riedrigen, denen die Lateiniſche Sprache da -): (3herohero verdruͤßlich fallen moͤchte, weil ſie oͤffters obſcurum per æque obſcurum beſchrie - ben, findet, wie ſolches denen in der Medi - cin nicht gnugſam Erfahrnen vielfaͤltig zu begegnen pfleget; hiernaͤchſt 5.) viele die Terminos und deren Eigenſchafft im Teut - ſchen auf ſo eine Art, wie in dieſem Buche geſchehen, erklaͤret, und gleichſam mit den natuͤrlichen Farben abgemahlet wiſſen wol - len. Zudem wird der geneigte Leſer auch nicht leere Schalen, ſondern vielmehr 6.) den wahren Kern von den Sachen antreffen, wie ſolches die Perluſtration des gantzen Buchs bezeugen, und ihn dannenhero, wie man ſich mit der Hoffnung flattiret, nach ſeinem Gefallen vergnuͤgen wird. Womit zu deſſen fernerer Affection man ſich re - commandiret. Datum d. 1. Octobr. Anno 1709.

JACOB DE MARCHION

J.R.J.
[1]

J. R. J. Medicini ſche Schatz-Kammer.

A. oder āā. dieſe beyden, oder auch einer von beyden Buchſtaben wer - den offt in den Recepten gefunden, und bedeuten, daß von denjeni - gen, die von einander bis an dieſe Buchſtaben folgen, gleich viel ſolle genommen werden, z. E.

  • Ebor. ſ. ʒß.
  • Lap. 69. ppt.
  • C. C. ſ. oder ãã ß.
  • Cinnab. nativ. gr. viij.
  • Croc. Mart. gr. vj.
  • f. Pulvis.

in dieſem Pulver nimmt man von Lapid. 69. und C. C. ſ. gleich viel.

Aabam, heiſt bey einigen Chymicis Bley.

Abaptiſton, Modiolus, ſiehe Terebella.

Abarticulatio, ſiehe Dearticulatio.

Abbreviatio, Abbreviatura, heiſt eigentlich eine Verkuͤrtzung oder Abkuͤrtzung, it. eine kurtze oder verkuͤrtzte Schreib-Art, wenn man mit hal - ben Worten oder Signis pflegt zu ſchreiben: dergleichen Abbreviationes bey der Medicin nicht wenig gebraͤuchlich ſind, und in gegenwaͤrtigem Wercke zur Gnuͤge vorkommen.

AAbdo -2AB

Abdomen, der Unter-Leib, oder Schmeer-Bauch, iſt bey den Ana - tomicis die unterſte oder dritte Cavitaͤt von der Hertz-Grube bis unten an die Scham an, in welcher Magen, Gedaͤrme, Miltz, Leber, die Ge - nitalia &c. liegen.

Abductio, iſt eine gewiſſe Art von Bein-Bruͤchen bey einem Ge - lencke, ſo, daß ſich die Beine von einander geben.

Abel-Moſchi Grana, Biſam-Koͤrner, oder Abel-Moſchi-Saa - men, ſind kleine braun-graue und aͤuſſerlich rauhe Koͤrner, wie kleine Nie - ren, deren Geruch gleichſam aus Biſam und Amber gemiſchet iſt. Das Gewaͤchs dieſer Koͤrner iſt in Oſt-Jndien, Egypten, America, in den Antil - len-Jnſuin, und vornemlich in der Jnſul Martinique zu finden, iſt eine Art Fellris, und wird deßwegen von den Botanicis Alcea Indica villoſa, von an - dern aber Althæa Ægyptiaca genennet, waͤchſet gerade uͤber ſich, hat breite groſſe und gruͤne Blaͤtter, ſo wie Sammet anzugreiffen, traͤgt gelbe breite Blumen mit purpur-rothen Flecken, nach welchen dreyeckichte, auswendig braune, und inwendig weiſſe Huͤlſen eines Fingers lang folgen, welche den Saamen in ſich halten. Dieſer Saamen wird in der Medicin noch ſon - derlich nicht verſchrieben, auſſer daß Ettmüller Tom. I. pag. 501. Oper. ſetzet, daß man dieſen Saamen in Spiritum Vini lege, demſelben einen Biſam - Geſchmack damit zu geben. Sonſten brauchen ihn die Parfumirer.

Abies alba, candida, fœmina, weiſſer Tannen-Baum, und

Abies rubra, maſcula, roth - oder ſchwartzer Tannen-Baum; wachſen auf hohen ſteinigt - und ſandigen Bergen, tragen auch einen Mi - ſtel, ſo Stelis heiſſet; in der Officin iſt die Rinde, die Tann-Zapfen, das Hartz, ein deſtillirt Waſſer, Eſſentia und Oleum davon zu finden. Die Coni oder Zapffen in Bier gekochet und getruncken, iſt ein ſchoͤn Mittel wider den Scharbock: ein Bret von dieſem Holtz gemachet, bringet den ausgefallenen Maſt-Darm wiederum zurecht; das Hartz hievon wird ad Picationes, wider Schwinden der Glieder gebrauchet, das fluͤßige Hartz wird in Apothecken fuͤr Venediſchen Terpentin, das trockene aber fuͤr Weyrauch gebrauchet.

Ablactatio, das Abgewoͤhnen der kleinen Kinder vom Saͤu - gen, ſolches geſchiehet nach Verlauff eines Jahres, und dann iſt der Herbſt oder das Fruͤh-Jahr zum Gewoͤhnen am bequemſten, wenn Tag und Nacht gleich ſind, und vielmehr im zunehmen-als abnehmenden Licht.

Abluentia, ſind gewiſſe Artzney-Mittel, welche die Schaͤrffe des Bluts durch Ausfuͤhren lindern, und alſo dem Reiſſen, ſonderlich der Ge -daͤrm3ABdaͤrm abhelffen; ſolcher Art ſind radic. Glycyrrhiz. Alth. Lilior. albor. Polypod. herb. Heder. �ſtr. Veronic. Fumar. zum Decoct gemacht, item Decoct. C. C. Hordei, Rapar. Thée - und Coffée-Traͤncke, Geſund - und Sauer-Brunnen, ſuccus Citri, Ribium, Acetoſ. Portulac. Ω Salis, Nitri, Vitrioli &c. in Julepen. Dieſe Medicamenta werden bey pitui - töſen oder ſchleimreichen Perſonen mit groſſem Effect gebrauchet, vor - nemlich, wenn Laxantia mit dabey ſind.

Abluitio, eine Reinigung, Sauberung, wenn man etwas, zum Exempel, ein Medicament oder Materiale, von ſeiner Unreinigkeit ſaubert: es wird auch hierunter von den Chymicis cohobiren verſtanden; was dieſes ſey, ſiehe Cohobatio.

Abomaſus, ſiehe Enyſtron.

Abortus, eine unzeitige, unrichtige Menſchen-Geburth, ſie mag todt oder lebendig ſeyn, wenn ſie vor dem ſiebenden Monat mit groſſem Schmertz und Angſt excludiret wird; daher ſagt man auch, die Frau hat abortiret, oder es iſt ihr unrichtig gegangen: die Urſachen ſind theils bey der Mutter, theils bey der Frucht zu ſuchen; bey der Frucht, wenn ſelbe gar zu groß, zu unruhig, kranck oder todt und faulend iſt, item: wenn die Nabel-Schnur gar zu kurtz iſt; Die Mutter giebet Gelegenheit, wenn ſie nicht gnuͤgliche und gebuͤhrende Nahrung hat, wenn ſie uͤber - fluͤßig und ſcorbutiſch Gebluͤt hat; hierzu kommen Concuſſiones der Ge - baͤhr-Mutter, vom Fallen, Stoſſen, Springen, item Aergerniß, Zorn, Er - ſchrecken, ſtarcke Purgantia, Stuhl-Zwang, Huſten, Schreyen, ꝛc. Jn der Cur hat man eintzig darauf zu ſehen, daß man das Abortiren præcavire; dahero brauche man Analeptica, als: Embryon Vit. Mulier. epi - leptic. Ω Maſtichin. Ceraſor. nigr. flor. Tiliæ, Ω Lilior. Convall. Cinamom. ſyr. flor. Pæon. Tunic. cortic. tior. Confect. Alkermes, Ebur. ſ. . Matr. Perlar. Specific. Cephalic. D. Mich. Pulv. Epileptic. March. Pulv. contra Abortum Auguſtan. Gran. Maſtich. Jſt die Schwangere Blut-reich, und ſonſten ſtarckem Monat-Fluß unterworffen, ſo laſſe man ihr um die Helffte die Ader: ſonſten dienen auch Reſolventia, als diaphor. Cinnabar. ii, Lap. 69. Antihect. Poter. flor. �is. Corall. &c. wenn ein Abortus von der Contuſion zu beſorgen iſt. Nicht minder dienen aroma - tiſche Mittel, wenn etwa eine Verkaͤltung Urſach iſt, als Eſſent. aromatic. volatil. radix Galang. Zedoar. Zingiber. Balſam. embryon. Vitæ Mulier. eſſent. Galang. Ω Maſtichin. Sect, warme Steine ꝛc.

A 2Abra -4AB

Abracadabra, iſt ein cabaliſtiſches und magiſches Wort, welches wider das Fiber und andere Kranckheiten in dieſer Figur abracadabra abracadabr abracadab abracada abracad abraca abrac abra abr ab a

auf einen Zettul zu ſchreiben und dem Krancken an den Hals zu haͤngen, von einigen aberglaͤubiſchen Leuten recommendiret wird.

Abrotanum, Stabwurtz, Gartheil, Garthagen, iſt zweyerley, Abrotanum mas, und Abrotanum fœmina, waͤchſt in Franckreich von ſich ſelbſt, hier aber wird es in Gaͤrten erzogen, dienet wider die Mutter - und Nieren-Kranckheiten, Fieber, Wuͤrmer, Ausfallen der Haare; etliche brauchen den Saamen gegen die Wuͤrmer, an ſtatt des Zitwer-Saa - mens: hievon iſt in der Officin . deſtillat. Vinum, Conſerva, deſtilliret und infundiret Oel zu finden.

Abruptio, ſiehe Abductio.

Abſceſſus, oder Apoſtema, eine Eyter-Geſchwulſt, oder eine Ge - ſchwulſt, in welcher Eyter und Blut mit Schmertzen iſt: Die Urſach iſt ein, wegen gar zu langer Stockung in den inflammirten Theilen, verdorben und putreſcirend Serum des Bluts; denn ie laͤnger ſolches Serum in dem Abſceſſu bleiben muß, ie mehr wird es gekochet oder inſpiſſiret, und ie kuͤr - tzer es darinnen iſt, ie flieſſender iſt es auch. Die Cur beſtehet in Oeff - nung der Geſchwulſt, und in der Evacuation dieſer garſtigen Lymphæ weil doch aber insgemein etliche Tage voruͤber gehen, ehe ſich der Abſceſſus ſelbſt oͤffnet, und der Patient unterdeſſen groſſe Schmertzen empfindet, ſo iſt es gantz fuͤglich, der arbeitenden Natur zu Huͤlffe zu kommen, und zwar (1) durch Emollientia, z. E. ein Cataplaſma aus radic. Altheæ, Lilior. alb. fol. Branc. urſin. Malv. Violar. ſem. Fœn. græc. Lini, oder auch ol. Cha - momill. Lilior. albor. Scorpion. ungeſaltzene Butter, axung. Porci, ein Ungvent. aus Honig und Bohnen-Mehl, Emplaſtr. diachyl. ſine gumm. Emplaſtr. de Melilot. (2) durch Attrahentia und oͤffnende, als Emplaſtr. diachyl. 5ABdiachyl. cum gumm. de gumm. Ammoniac. de baccis Lauri, Magnet. Arſenical. und auch Ungvent. Baſilicum de Bdellio &c. zu welchen noch, wenn der Schmertz ſehr groß iſt, Oleum Hyoſciami, Hyperic. Crocus, Theriac. gemiſchet werden koͤnnen, und endlich durch Cauſtica, als Tauben - Koth, Euphorbium, Sagapen Cryſtall. res. butyrum, ii; am ſchleunig - ſten und gewiſſeſten aber iſt die Oeffnung mit einer Lancetten: nachdem dieſes geſchehen, wird das Eyter ausgedruͤcket, das Geſchwuͤr aber ge - reiniget, und dann zugeheilet; darzu ſind dienliche Digeſtiva und Ab - ſtergentia, als ein Ungvent. aus Vitello ovi, Terpentin und ol. Roſar. oder Honig, oder Mell. Roſat. balſam. Peruv. nigr. und ſo dieſe nicht zu - laͤnglich ſind, Ungvent. Apoſtol. oder fuſoum Felicis Wurtzii, oder auch Ægyptiacum. Jm uͤbrigen wird der Ort bedecket mit diachylo ſimpl. ſo die Inflammation nicht hefftig iſt, anders aber mit emplaſtr. ſperm. Ranar. vel Ceti, oder Ungvent. alb. camphorat.

Abſciſſio, Abnehmung, Abſchneidung, iſt, wenn etwan ein ver - dorben Theil oder Glied von dem andern geſunden mit einem Meiſſel, Zange, Meſſer oder Saͤge abgenommen wird.

Abſinthium, Wermuth, iſt zweyerley, vulgare oder ruſticum, und Ponticum oder Romanum: das vulgare, oder der gemeine Wermuth, waͤchſt gern an ſteinicht-bergigt, und ungebaueten Oertern, bluͤhet im Julio und Auguſto, dienet wider Colic, Magen-Miltz - und Mutter - Beſchwerung, Gelber - und Waſſerſucht, Fieber, ꝛc. Jn der Officin findet ſich deſtillata, Ω Succus expreſſus und inſpiſſatus, Vinum abſin - thites, Extractum, Eſſentia, Conſerva, Oleum infuſum und deſtillatum, Sal fixum und Volatile, Trochiſci de Abſinthio.

Abſinthium dulce, ſiehe Aniſum.

Abſinthium Ponticum, Roͤmiſcher Wermuth, kommt an Kraͤff - ten mit dem vorigen beynahe uͤberein, auch koͤnnen dergleichen Præpa - rata daraus bereitet werden, wie aus dem vorigen, es iſt aber nicht ſon - derlich gebraͤuchlich.

Abſorbentia, die Saͤure temperi rende Mittel, ſind ſolche Medi - camenta, welche, vermoͤge ihrer trockenen und erdartigen Textur, die Schaͤrffe und Saͤure in den Saͤfften des Leibes verzehren, und gleichſam in ſich ziehen: und ſolche ſind Alabaſtr. Cryſtall. mont. C. C. uſt. Ebur. uſt. Lapid. 69. Limatur. Martis, Corallia, Mater Perlar. und alle geſiegelte Er - den, Oſſ. Sepiæ, Crocus Martis aperitiv. Elixir præcipitans, Liquor Martis Solaris, ſpuma Chalybis, Magiſterium martiale aperitiv. &c. ſie koͤnnenA 3wider6AB ACwider alle Fieber, Miltz-Beſchwer, Colic, Strangurie, Scorbut, Hertz - Weh, Gicht, Bauch-Saamen - und Blut-Fluͤſſe, gebrauchet werden.

Abſtemius, heiſt einer, der ſich eines gewiſſen Dinges in Speiß und Tranck enthaͤlt, als des Weins, Biers, Obſts, Kaͤſe ꝛc.

Abſtergentia, ſiehe Abluentia.

Abſtinentia, das Enthalten, wird insgemein von Speis und Tranck geſaget: es kan zweyerley ſeyn, eines gaͤntzlich, das andere parti - culair, als wenn der Patient nur das, was ihm dienlich iſt, genieſſet, und ſich unterdeſſen der andern Speiſe enthaͤlt.

Abſtracticius oder Abſtractivus, wird von einigen Chymicis fuͤr den Geiſt aus den Pflantzen genommen, ſo fern dieſer Geiſt dem fermen - tirten entgegen geſetzet iſt, findet ſtatt in den Kraͤutern, die viel fluͤchtig Saltz bey ſich haben.

Acacia Ægyptiaca oder Vera, iſt ein dornichter Strauch, waͤchſet in Egypten: hievon iſt der in den Officinen bekannte Succus Acaciæ, Acacien - Safft, oder Egyptiſcher Schoten-Dorn-Safft; iſt ein roͤthlich - brauner und dicker Safft, eines herben und anziehenden Geſchmacks, welcher in duͤnnen Blaſen eingefaſſet, und zu runden Ballen, deren ieder 4. auch bisweilen 6. oder 8. Untzen wieget, aus Egypten uͤber Marſilien ꝛc. gebracht wird. Ob aber dieſer Safft aus der Frucht dieſes Gewaͤchſes, oder aber aus den Rinden und Blaͤttern gezogen werde, iſt annoch unge - wiß; der beſte iſt, welcher dicht und hart, ſchwer, und, wenn man mit dem Hammer auf die Baͤlle ſchlaͤget, leicht von einander ſpringet, und aus - wendig ſauber, inwendig aber glaͤntzend ausſiehet.

Acacia Germanica, Prunus Sylveſtris, Schlehen-Dorn, laͤſt ſich uͤberall, nicht allein in Waͤldern, ſondern auch auf dem Felde und an den Zaͤunen antreffen; der Safft hievon wird in Ermangelung des vorigen ſubſtituiret, allein nicht wohl, weil man heute zu Tage an der Acacia vera keinen Mangel hat; es wird dieſer Schlehen-Safft, wie der vorige, auch in Blaſen gefaſſet und verfuͤhret, ſiehet aber ſchwartz, wie das Extractum Liquiritiæ aus, und adſtringiret gar ſehr: die Schlehen ſtaͤrcken den Ma - gen, ſtillen die uͤbrigen Menſes, zu Pulver gemacht, und ʒj. eingenommen; ſind desgleichen ein ſchoͤn Stein-brechend Mittel.

Acantha, ſiehe Rhachis.

Acanthabolos, iſt ein Chirurgiſch Inſtrument, Splitter, und der - gleichen, aus den Wunden zu ziehen: Celſus nennet es Volſella, eine Zwick-Zange.

Acan -7AC

Acanthus germanicus, ſiehe Carduus benedictus.

Acceleratores, ſiehe Muſculus.

Acceſſio, ſiehe Paroxyſmus.

Accidens, ſiehe Symptomata.

Accipiter, iſt der Name eines Raub-Vogels, der auf teutſch der Gey - er genennet wird; in der Chirurgie bedeutet es einen gewiſſen Verband oder Bandage fuͤr die Naſe, ſo mit zwey oder drey Binden verrichtet wird.

Acerides, heiſſen Emplaſtra, quæ carent cera, dazu kein Wachs kommt, dergleichen z. E. das bekannte Nuͤrnberger Pflaſter iſt.

Acetabulum, hat in der Medicin unterſchiedliche Bedeutungen: (1) und insgemein, heiſt es die Hoͤle im Huͤfft-Bein, die Pfanne genannt, in welche ſich der Kopff des Schenckel-Beins einſchleuſt, (2) ein Apo - thecker-Maaß, ohngefehr ein Quartier und was druͤber, (3) wird es auch von den Botanicis von einigen Pflantzen geſagt.

Acetoſa, Lapathum acetoſum, Oxalis, Sauerampffer, waͤchſt auf den Feldern, Wieſen und in Gaͤrten, ſtaͤrckt den Magen, Hertz und Leber, macht Appetit, loͤſcht den Durſt, wird deßwegen in gemeinen hitzigen, gal - lichten und Peſtilentzialiſchen Fiebern, wie aͤuſſerlich, alſo auch innerlich, mit groſſem Nutzen gebraucht: es bluͤhet im Maͤy: die Blumen ſind gut wider die Schwachheit des Hertzens, in Wein geſotten: in der Officin ſind hiervon die Conſerva, deſtillat. Succus und Syrupus.

Acetoſella, Trifolium acetoſum, Lujula, Alleluja, Oxytriphyllon, Buchampfer, Sauer-Klee, Haſen-Klee, waͤchſt in ſchatticht - und ſan - dichten Oertern, bluͤhet im April und Anfang des Maͤyes; hievon ſind officinal die Blaͤtter, Conſerva, deſtillat. Sal eſſential. und Syrupus.

Acetum, Eßig, hierunter wird ein ieder ſaurer Liquor verſtanden, welcher von dem Gaͤhren bis zu einer Art der Faͤulung kommen iſt: Denn wenn die gegohrnen Saͤffte, als Wein, Bier, Meth zu ihrer Perſection ge - langet, halten ſie einen fluͤchtigen brennenden Geiſt in ſich; wenn aber durch lange Zeit ſich dieſer Spiritus verlohren, und das tartariſche und von ſeinem Phlegmate ſolvirte Saltz fluͤßig gemacht wird, und zu herrſchen anfaͤngt, bringt es denſelben zu einer Saͤuere, die man insgemein Eßig nennet.

Acetum deſtillatum, deſtillirter Eßig, wird alſo bereitet: Aceti Vini optimi q. ſ. fuͤlle damit eine glaͤſerne oder irdene Cucurbit bis an den dritten Theil an, deſtillire es gradweiſe, aus dem Sande, anfaͤnglich bey gantz gelindem Feuer, daß das Phlegma ſepariret werde, hernach mehre das Feuer allmaͤhlich, doch daß das Empyrevma verhuͤtet werde, i. e. daß esnicht8ACnicht brandicht werde; den Spiritum ziehe ab zum innerlichen Gebrauch, das uͤbrige treibe bey ſtarckem Feuer beynahe bis auf die Truckne, welches ein ſehr ſcharffer, aber empyrevmatiſcher Spiritus Aceti iſt.

Acetum Vini, Wein-Eßig: ie beſſer der Wein, woraus er gemacht wird, ie ſtaͤrcker iſt der Eßig; er hat eine kuͤhlende und anhaltende Krafft, treibet auch den Schweiß, und præſerviret fuͤr Faͤulung, weßwegen er auch gegen die Peſt ſelbſten geruͤhmet, und allerhand bezoardiſche Eßige in den Apotyecken daraus gemachet werden, davon einiger zu gedencken: als

Acetum bezoardicum, Bezoar-Eßig, bacc. Lauri, Juniperi, a. ß. radic. Angelic. Dictamn. Alb. Enul. Oſtrutii, Pimpinell. Tormen - till. Valerian. Vincetoxic. Zedoar. a. ʒvj. folior. Rutæ hortenſ. Salv. Scord. flor. Calendul. Lavendul. Meliſſ. Roſar. ana ß flaved. cortic. Aurantior. Citri, Santal. citrin. a. ʒiij. Caryophyllor. Macis, Myrrhæ ana ʒij. Ligni Saſſafras, ß. pulveriſir alles groͤblich, gieß aceti flor. Tunic. iij. drauf, und laß es im wohlvermachten Gefaͤß alſo ſtehen.

Acetum Calendulæ florum, Calendel-Blumen-Eßig, flor. Ca - lendul. am klaren Tage geſammlet, und im Schatten getrucknet, q. v. gieſſe Wein-Eßig q. ſ. darauf, laß es in der Sonnen ſtehen, bis der Eßig gefaͤrbet iſt, gieß dieſen Eßig auf friſche Blumen. Alſo wird auch Acetum Roſa - rum (Roſen -) Rutæ (Rauten -) flor Sambuci (Hollunder-Bluͤt -) flor. Tunic. (Nelcken -) Cheir. (gelb Violen -) Rubi idæi (Hindbeer-Eßig) bereitet.

Acetum hyſtericum, Mynſichti Mutter-Eßig, herb. Rutæ rec. exſiccat. Gran. Chamæactes, j. Gumm. Sagapen. Galban. ß. rad. Peúcedan. Caſtor. ver. ʒij. Callor Equar. aſæ fœtid. ʒj. aceti Vini opt. q. ſ. laß es etliche Tage digeriren, dann filtrir und heb es auf, hat ſchoͤne Krafft wider die Mutter-Beſchwer, Schwindel, Schlaf-Sucht, inn - und aͤuſſerlich gebrauchet.

Acetum purgans. Prœvotii Purgier-Eßig, Tartar. crud. ß. gereinigter Senes-Blaͤtter ʒiij. Zimmet-Rinde, Anis-Saamen ana ʒß. ſcharffen Wein-Eßig j. infundir es 24. Stunden, denn ſeich es durch, und heb ihn auf zum Gebrauch.

Acetum ſquilliticum, Meer-Zwiebel-Eßig, die zwiſchen der aͤuſſern Schale und innern Marck ſteckenden Blaͤttlein oder Schieferlein der Meer-Zwiebel q. v. ſchneide ſie gantz klein, lege ſie an die Sonnen oder maͤßige Waͤrme, daß ſie welck werden, thue ſie dann in eine glaͤſerne Flaſche, gieſſe guten Wein-Eßig q. ſ. darauf, vermache das Glaß wohl, und laß es digeriren, dann ſeich ihn durch, und heb ihn auf.

Achiotl,9AC

Achiotl, ſiehe Orleana.

Achores, Cruſta lactea, Lactumina, der Anſprung, iſt ein weißlich - ter Schorff auf dem Haupt, hinter den Ohren, und im Geſicht der jungen und ſaͤugenden Kinder, es findet ſich dieſer Schorff oͤffters auch an an - dern Theilen; friſt er tieffer ein, ſo heiſt er Favi, bleibt er bis nach dem Abgewoͤhnen, ſo wird er Tinea, der boͤſe Grind genannt: Die Urſach ſteckt in dem uͤbelen Blut, welches insgemein von der zaͤh - und ſcharffen Milch verdorben. Jn der Cur hat man eintzig auf das Vitium der Milch zu ſehen, denn wenn dieſes verbeſſert, trocknet er von ſich ſelbſt, und faͤllt ab: haͤlt aber das Ubel lange an, ſo kan man den Kindern ein Laxativ vom Mercur. dulc. mit Blut-reinigenden Mitteln vom Antimon. diaphoret. ſimpl. und Martial. C. C. uſt. flor. �is &c. geben, aͤuſſerlich kan man zu ſchmieren gebrauchen Unguent. album oder de Ceruſſa, oder Butter, oder waſch ihn ab mit deſtill. Plantag. oder auch mit Frantz-Wein.

Acia, der Faden, Seiden-Faden, welcher durch die Hefft-Nadel gezogen wird, iſt bey den Chirurgis, die groſſen Wunden zu hefften, wohl bekannt.

Acia dyſpepſia, ſiehe Dyſpepſia.

Acida Medicamenta, ſaure Medicamenta, als die Saͤffte von Citro - nen, Johannisbeeren, Hindbeeren, Sauerampfer, die Mineraliſchen ſauren Geiſter, wie Spiritus Salis, Nitri, Vitrioli, Clyſſus Antimonii &c.

Acidulæ, Sauerbrunnen, Sauerwaſſer, ſind ſchoͤne klare und helle Mineraliſche Gewaͤſſer, von unterſchiedenem Halt und Geſchmack, doch insgemein ſaͤuerlich, und werden ſowol in andern Laͤndern, als in Teutſchland gefunden, und wider vielerley Kranckheiten, innerlich und aͤuſſerlich, mit Nutzen gebrauchet. Weil aber die Krafft und Tugend der Sauerbrunnen meiſtens von den Mineralien, welche ſie in ſich halten, her - ruͤhren, dieſe aber ſehr unterſchiedlich ſind, alſo giebt es auch unter den Sau - erbrunnen einen ſehr groſſen Unterſcheid, indem diejenigen, ſo Eiſen und Vitriol fuͤhren, mehr eroͤffnen, und in langwierigen Kranckheiten gut thun, andere, ſo ein Nitrum fuͤhren, gegen den Stein - und Nieren-Weh, diejeni - gen aber, ſo einen Schwefel bey ſich haben, zu der Bruſt auch dienlich ſind. Die Art und Weiſe, ſolche zu gebrauchen, kommt hauptſaͤchlich auf drey Stuͤck an, nemlich, wie man ſich (1) vor, (2) in, und (3) nach der Cur zu verhalten habe. Vor der Cur iſt hoͤchſtnoͤthig, daß man in langwieri - gen Kranckheiten zuvor einen rechtſchaffenen Medicum conſulire, ob ſolche durch dieſe Cur gehoben oder gelindert werden koͤnten? und welcherBSauer -10ACSauerbrunn abſonderlich dazu dienlich ſey, indem darinnen, wie ſchon geſa - get, ein groſſer Unterſcheid iſt, und nicht alle einem ieden bekommen, immaſ - ſen dann gewiß, daß der Schwalbacher Sauerbrunn den Lungſuͤchtigen, oder welche zu dieſer Kranckheit geneigt ſind, ſehr gefaͤhrlich ſey, und gleich ein Blutſpeyen erwecke, welchen hergegen der Selterer mehr dienlich als ſchaͤdlich iſt. Noch iſt auch zu erwegen, ob ein Patient die Cur recht ausſte - hen und vollfuͤhren moͤge? Dann, wo Lung und Leber, auch die uͤbrigen Vi - ſcera nicht wohl beſchaffen ſind, da laſſe man ſie bleiben. Wenn man ſich aber zu dieſer Cur reſolviret, ſo muß alsdenn der Leib zuvor recht zubereitet und gereiniget werden, aber nicht durch ſtarcke Purganzen, ſondern durch ge - linde und von Foliis Sennæ zubereitete Laxativen: Nach dieſem kan man zur Cur ſelbſten ſchreiten, und waͤhrend derſelben die Zeit, Maaß, Art und Weiſe des Waſſertrinckens wohlin acht nehmen. Die beſte Zeit iſt in den drey Sommer-Monaten, Junio, Julio, und Auguſto, weil alsdenn die Brunnen ihre rechte Staͤrcke haben, und ſo wol die Mineraliſchen Witte - rungen, als auch der ſogenannte allgemeine Welt-Geiſt und geheime Le - bens-Speiſe darinnen haͤuffig concentriret ſind; wiewol im Nothfall auch noch der Anfang des Septembris und Ende des Maji dienen kan. Jn Anſe - hung der Quantitaͤt hat man ſeinen Magen zu conſuliren, und zu Anfang ſo viel zu ſich zu nehmen, als derſelbe ohne Beſchwerde und Aufblehung ver - tragen kan, und weil das Waſſer mit ſeiner Kaͤlte dem Magen offt ſchadet, ſo kan man es entweder etwas warm machen, oder die Citron - und Magen - Morſellen, uͤberzogenen Kuͤmmel, Anis, Fenchel, Calmus, oder Carmina - tivam, Zedoariæ &c. dabey gebrauchen; auch muß drittens das Waſſer nicht auf einmal eingegoſſen, ſondern allmaͤhlich nach und nach, mit unter - und nachgeſetzter Bewegung getruncken werden, alſo wuͤrcken ſie insgemein die erſte Woche durch den Stuhlgang, die andere durch den Harn, und die dritte durch den Schweiß; doch aber gehet ſolches nicht allemal ſo, weßwe - gen man immer auf ihre Wuͤrckung acht zu geben, und wo ſie hingehet, zu helffen hat. Solte dann der Leib ſich halsſtarrig erzeigen, kan man zuweilen den præparirten Wein-Stein, den Solubil. oder die Folia Sennæ in Sauer - waſſer infundiren, oder die Franckfurter Pillen gebrauchen, doch muß man ſolche Sachen unter waͤhrender Cur nicht gar zu offt und ohne Noth gebrau - chen, vielweniger ſich ſtaͤrckere Purganzen aufbuͤrden laſſen: mit groͤſſerm Nutzen aber kan man mit dem Brunnen ſolche Dinge miſchen, welche den - ſelbigen zu den Harn-Gaͤngen und Schweiß-Loͤchern fuͤhren koͤnnen, als die Tinct. �i, der Ω��ci. Vor allen aber iſt eine gute Diæt zu halten,will11ACwill man anders gedeylichen Effect erwarten, weßwegen durchaus keine Debauche zu machen; und eben dieſes muß auch nach vollbrachter Cur etwa ein Viertel-Jahr continuiret, und alſo die gewiß erfolgende Nach - wuͤrckung der Brunnen befoͤrdert werden.

Acidulæ artiſiciales, durch Kunſt zubereltete Sauerbrunnen, ſind deßwegen erfunden, weil nicht iedermanns Gelegenheit iſt, den natuͤrlichen Sauerbrunnen nachzugehen, ſolche auch, wenn ſie anderswohin verfuͤhret werden, bey weitem nicht ſo kraͤfftig ſind, als bey der Quelle. Sie wer - den auf mancherley Art gemachet, doch aber iſt Mars oder das Eiſen ihrer aller Grund. Einige loͤſchen gluͤhend Eiſen in Rhein-Wein ab; andere nehmen Limaturam Martis, vermiſchen ſie mit Meth-Eßig, thun ein we - nig Vitrioli dazu, und diluiren es mit gnugſamen Waſſer; noch andere nehmen den mit Roris majalis bereiteten Liquorem Martis Solaris, oder die Tinctur. tis ris. Ettmüller Oper. Tom. I. pag. 446. haͤlt fuͤr die beſte Art, wenn man die Cryſtallos Vitrioli Martis in eigenen Phleg - mate ſolviret und mit Wein diiuiret: ſie dienen wider alle langwierige Kranckheiten, Cachexiam, Chloroſin, Miltz-Beſchwer, ꝛc.

Acidum, iedes ſaures Ding, es mag auch ſeyn, was es wolle.

Acinus, die Beer von den Trauben, wiewol es von einigen Me - dicis fuͤr die gantze Traube genommen wird.

Acmellæ folia, Acmellen-Blaͤtter, ſind zarte und zerkerbte Blaͤt - ter, an der Groͤſſe und Geſtalt den tauben Neſſeln nicht ſehr ungleich, welche 1690. durch die Oſt-Jndianiſche Compagnie zuerſt aus Oſt-Jndien in Holland gebracht worden, und in Teutſchland noch nicht ſonderlich bekannt ſind, haben ſonſt einen etwas ſubtilen und erwaͤrmenden, doch nicht ſcharffen Geſchmack. Dieſes Kraut Acmella waͤchſet meiſtens in der Jnſul Ceylon, und wird von den Botanicis Chryſanthemum bidens, oder Biden - Zeylanicum genennet, treibet aus einer weiſſen zaſichten Wurtzel einen bey - nah viereckigten Stengel, etwa eines Schuhes hoch, und an dieſem viel Aeſtlein mit laͤnglichten ausgeſpitzten und gekerbten Blaͤttern: ſie muͤſſen friſch und nicht zu alt ſeyn, weil ihre Kraͤffte in ſubtilen fluͤchtigen Theil - gen beſtehen, durch welche ſie den Urin gewaltig treiben: ſind deßwegen ein ſonderlich Mittel wider den Nieren - und Blaſen-Stein, Verſchlieſ - ſung des Harns, befoͤrdern die monathliche Reinigung der Weiber, wer - den als Thée infundiret und gebrauchet.

Aconitum, ſiehe Napellus luteus.

B 2Aco -12AC

Aconitum, S. Chriſtophels-Kraut, hat in der Officin keinen Nutzen.

Aconitum ſalutiferum, ſiehe Anthora.

Acopon, bedeutet uͤberhaupt alles und iedes, das einem die Muͤ - digkeit benehmen kan; in ſpecie diejenigen topica medicamenta, welche aufgeſtrichen, oder aufgeleget, die Muͤdigkeit geſchwinde und ſo zu ſa - gen, im Augenblick ausziehen; dergleichen thun ſpirit. Frument. Aniſ. fol. Bardan. ſive Lappæ major. &c.

Acorus adulterinus, gelbe Schwerdt-Lilien-Wurtz, iſt eine etwa Fingers dicke laͤnglichte Wurtzel, auswendig braun und inwendig roth, wird in runde Scheiblein geſchnitten und aufgehoben, und hat einen anhaltenden und herben Geſchmack, waͤchſet in ſumpfigten Oertern und Graͤben, deswegen ſie auch Iris lutea paluſtris, und von andern Pſeudo-Iris genennet wird. Ettmuͤller aber erkennet ſie fuͤr keine Iridem, ſondern nen - net ſie Gladiolum luteum, dieſe Wurtzel wird wider die rothe Ruhr, Naſenbluten, Blutharnen ſehr geruͤhmet.

Acorus verus, Calamus aromaticus vulgaris, Calmus, Acker-Wurtz, waͤchſet gern an ſumpfigten Oertern, auch in den Gaͤrten. Die beſte Wur - tzel iſt, welche noch friſch, vollkommen, zaͤhe, und von den Zaſern wohl geſaubert iſt, muß eine friſche Farbe, einen lieblichen Geruch, und, nebſt der Schaͤrffe, eine nicht widrige Bitterkeit haben, auch wohl verwahret werden, ſie ſtaͤrcket und erwaͤrmet den Magen vortrefflich, erwecket Appetit, zer - theilet die Winde und Blehungen, dienet wider die Colic.

Acrimonia, Acre, ſcharff, hierunter wird insgemein die Schaͤrffe des Gebluͤts verſtanden, und davon kommt Acrimonia ſcorbutica, ſcharff ſcorbutiſch Gebluͤt, acrimonia lactis, ſcharffe Milch, acrimonia ſalivæ, ſcharffer Speichel.

Acrochir, iſt bey dem Galeno und Hippocrate das aͤuſſerſte Theil der Hand, deſſen Termini die Ulna mit dem Radio und Spitzen der Finger ſind.

Acrochordon, acrochordones, ſiehe Verrucæ.

Acrolenion, ſiehe Olecranum.

Acromium, die Spitze des Schulterblatts, und die oberſte Schulter, iſt der erſte und unter allen der oberſte und laͤngſte proceſſus und aͤuſſerſte Ende der Graͤte, und derjenige, mit welchem das breitere Theil und das Schluͤſſelbein verbunden wird.

Acromphalion, das mittelſte Theil im Nabel.

Acropoſthia, die Vorhaut, oder vielmehr das aͤuſſerſte Cheil derVor -13ACVorhaut, welches heutiges Tages die Juͤden noch vom maͤnnlichen Ge - ſchlechts-Glied zu ſchneiden pflegen, welche Operation ſie die Beſchnei - dung nennen.

Acroteria, werden bey dem Hippocrate die aͤuſſerſten Theile des Leibes genannt, als das Haupt, Haͤnd und Fuͤſſe.

Acroteriaſmus, iſt eine Chirurgiſche Operation, da man die aͤuſſer - ſten und vom kalten Brand angegriffenen Gliedmaſſen, als Haͤnd und Fuͤſſe, mit der Saͤge abnimmt.

Acuere ſchaͤrffen, iſt in dieſem Verſtand, die Kraͤffte des Medica - ments ſtaͤrcken und mehren: z. E. purgirende Pillen und Pulver mit et - lichen granis diagryd. trochiſc. alhand. extr. Helleb. nigr.

Acus, eine Nadel, Hefftnadel, wird unter die Chirurgiſchen In - ſtrumenta gezogen, wegen des vielfaͤltigen Gebrauchs; heiſt auch ſonſt eine Staarnadel; item Spreu, nach Reinigung des Getreydes.

Acus paracentica, eine Nadel zur Oeffnung der Bruſt und des Unter-Leibes.

Acuſticus, alles was zum Gehoͤr dienet, als acuſtica Medicamenta, Mittel, welche wider das uͤbel beſchaffene, verdorbene oder geſchwaͤchte Gehoͤr dienlich ſind; acuſticum par Nervorum, iſt das ſiebende Paar Nerven, die Hoͤrende oder Gehoͤr-Nerven genannt, ſind, welche zum Ohr gehen, ſiehe Welſchii Tab. LVII.

Acutus, ſcharff, hefftig; hierunter wird in der Medicin insge - mein dasjenige verſtanden, was ſchleunig und mit Hefftigkeit oder Gefahr beweget oder angreifft, und wird von denen ſo wol nicht natuͤrlich-als widernatuͤrlichen Dingen geſaget: am oͤffterſten wird es von Kranckheiten geſaget; dahero iſt Morbus acutus, eine ſehr hefftige und gefaͤhrliche Kranckheit: dieſe werden in drey Claſſen getheilet, nemlich (1) in peracutos, welche ſich insgemein in ſieben Tagen endigen; hieher gehoͤren auch die acutiſſimi morbi, welche ſich in vier Tagen endigen, (2) in acutos ſchlecht weg, ſo ſich in 14. Tagen endigen, und (3) in acutos ex decidentia, welche ſich zuweilen bis auf den 40ſten Tag verzoͤgern.

Adamas, der Diamant, iſt der haͤrteſte, ſchwerſte, helleſte und koſtba - reſte Edelgeſtein, nemlich der Orientaliſche; in Boͤhmen werden auch viel gefunden, ſind aber weit ſchlechter. Ob er in der Medicin einigen Nutzen habe, wird noch von den Medicis diſputiret; Einige halten ihn fuͤr ſchaͤdlich, weil er die Daͤrme verwunde, und die rothe Ruhr verurſache, wenn er in -B 3nerlich14ADnerlich gebrauchet wird; andere hergegen halten den pulveriſirten Dia - mant fuͤr ein Medicament wider ſolche Kranckheit. Ettmüller giebet Tom. I. p. 787. alſo den Ausſchlag, daß der recht ſauber geſtoſſene Diamant dienlich, denn er die Saͤure imbibire, der groͤblich geſtoſſene aber ſchaͤdlich ſey: ſtatt dieſes koͤnnen die Lapides 69. oder C. C. uſt. dienen; im uͤbri - gen iſt gantz falſch, daß der Diamant nicht zerſchlagen oder zerſtoſſen, ſondern nur in Bocks-Blut erweichet werden koͤnne.

Adarticulatio, Arthrodia, Diarthroſis, die flache Eingelenckung der Beine, als der Unter-Kiefer mit den Schlafbeinen, das Schluͤſſelbein mit dem Schulterblat und Bruſtbein.

Adde, thue noch darzu, kommt offt in den Recepten vor: z. E.

  • Calcis viv. ij.
  • Citrin. pulveriſ. j.
  • Coq. invicem, Colatur. adde oder thue noch darzu
  • Roſar. j.
  • miſce.

Addephagia und Adephagia, gar zu groſſe Gefreßigkeit, vornemlich bey jungen Kindern, wenn ſie ungemein aufs Brod begierig ſind, deſſen Urſache den Spul - und andern Wuͤrmern von gelehrten Medicis nicht un - recht zugeſchrieben wird. Die Cur beſtehet in Toͤdt - und Abtreibung der Wuͤrmer, davon an gehoͤrigem Orte.

Adenoides, iſt der Zuname der Paraſtatarum, und Proſtatarum, davon an ihrem Orte.

Adepti, heiſſen die durch ſonderliche Regierung GOttes und ſeines Geiſtes etwas ſonderbares in dieſer oder jener Wiſſenſchafft erlernet haben. Die Chymiſten laſſen ſich auch gerne alſo ſchelten, weil ſie allen ihren Fleiß und Bemuͤhung auf Erlangung des Arcani univerſalis verwenden, und meiſtentheils dabey verſpielen.

Adeps, Fett, Schmeer, iſt fuͤr ſich bekannt.

Adiantum, verum und vulgare, das rechte und wahre Venus - Haar, oder Capilli Veneris iſt, welches gar duͤnne und gantz ſchwartze Stengel hat, waͤchſt hier zu Lande nicht, ſondern wird entweder aus Jn - dien, als das Adiantum Braſilianum und Canadenſe, oder aus Jta - lien und Franckreich, als das Adiantum Monſpelienſe, gebracht; wenn derowegen die Capilli Veneris ſo ſchlechterdings von den Medicis in ihren Recepten verſchrieben werden, ſo muͤſſen die Apothecker dieſes Kraut ver - ſtehen, und vor andern darzu nehmen, welches ſie ſonſten auch Adian -tum15ADtum album heiſſen, welcher Name doch lieber der Mauer-Raute von andern beygeleget wird; dieſes

Adiantum album, oder Ruta muraria, Mauer-Raute, waͤchſt gerne auf den alten Mauren, Thuͤrnen und Waͤnden: waͤchſt nicht ſo hoch als die vorige, und hat auch etwas breitere und ſtumpffere Blaͤtter; wird ſonſten auch Salvia Vitæ genennet. Die dritte Art wird geheiſſen

Adiantum nigrum, hat einen harten Stengel, dickere und laͤngere Blaͤtter als die vorigen. Weil es insgemein an ſchattichten Huͤgeln und um die Wurtzeln der Baͤume waͤchſet, wird es von einigen Onopteris Mas und Eſels-Fahrn genennet. Wegen ihrer Qualitaͤten und Wuͤrckung kommen ſie faſt alle uͤberein, ſind gar temperiret und trocken, ſie werden am meiſten zu den Bruſt-Traͤncken gebraucht, dienen deßwegen wider den ſchweren Athem, wider das Keuchen, langwierigen Huſten und Lungen - ſucht, item wider die Miltz - und Waſſerſucht, Blutharnen, und ſonder - lich wider das geronnene Blut in den Harn-Gaͤngen; wo aber Stein, Sand und Gries vorhanden, da kan man zu denſelben etwas von Juͤden - Kirſchen und Meer-Hirſchen thun. Hievon wird bereitet der beruf - fene Syrupus Capillorum Veneris, muß eine ſchoͤne gelblichte Farbe haben, klar und durchſichtig ſeyn, einen guten Geſchmack und rechte Conſiſtence haben; der ſaͤurichte aber, ſchimlichte und gantz weiſſe iſt, als verdaͤch - tig, zu verwerffen.

Adiantum aureum, Muſcus Capillaris, Polytrichum medium, Guͤl - den-Wiederthon, iſt ein vollkommen Moos, kommt an ſteinigten, ſan - dig - und mooſichten Oertern, auf den Bergen und Waͤldern: wegen der Signatur ſoll es gut Haar wachſen machen; mit geraͤuchert, linderts die Podagriſchen Schmertzen. Carrichter ruͤhmt es wider Zauberey, zu dem Ende haͤngen es einige den Kindern an den Hals.

Adiantum rubrum, Trichomanes, Polytrichum Officinarum, rother Wiederthon, waͤchſt an den Waſſern, dunckeln und feuchten Orten, das gantze Kraͤutlein iſt an Kraͤfften dem Frauen-Haar und Mauer-Raute gleich, wird auch von etlichen wider die Zauberey gebrauchet.

Adiapnevſtia, Verſtopffung der Schweißloͤcher.

Adjuvans, eine Mithuͤlffe, wird in den Recepten erfordert, da nem - lich einigen Medicamenten noch etwas zugeſetzet wird, daß ſie geſchwinder und beſſer ihre Operation thun moͤgen: dieſes wird auch ſonderlich in den Purgantibus Stimulus genannt; alſo iſt des Mercurii dulcis beſter Stimu - lus oder Adjuvans, das Scammonium præparatum.

Adnata,16AD

Adnata, das erſte Augen-Haͤutlein, weiß von Farbe, ſtaͤrcker als die andern, wird deßwegen auch das weiſſe im Auge genannt, in der Mit - ten hat ſie ein groſſes Loch fuͤr das Hornfell, durch welches der Augen-Bo - gen und der Stern-Aug-Apffel des Auges durchſcheinet: dieſe Haut iſt gar ſehr empfindlich, und hat ſehr viel Blut - und Puls-Adern, welche in Entzuͤndung der Augen ſehr aufſchwellen, und deßwegen gar leicht geſehen werden.

Adoleſcentia, ſiehe Ætas.

Ados, Loͤſchwaſſer, iſt das Waſſer, in welchem gluͤhend Eiſen oder Stahl geloͤſchet und abgekuͤhlet worden.

Ad pondus omnium, wird ſehr offt in Recepten gefunden, heiſt: daß das zuletzt geſchriebene Ingrediens ſo ſchwer oder ſo viel an der Doſi ſeyn ſoll, als die vorherſtehenden alle zuſammen am Gewicht austragen, z. E.

  • Aniſi.
  • Carvi.
  • Fœnicul.
  • Glycyrrhiz.
  • Rad. Helenii ß.
  • Sacchar. cand. ad pondus omnium.

Das iſt, nehmet Anis, Fenchel, Kuͤmmel, Suͤßholtz, Alant-Wurtz, von iedem eine halbe Untze, Zuckerkant aber ſo viel, als die vorher verſchrie - benen fuͤnffe zuſammen wiegen; ſind 5. Loth, alſo muͤſſen auch 5. Loth Zucker ſeyn.

Adrop, iſt ein Spagyriſch Kunſt-Wort, und das Corpus oder Bley, aus welchem der Mercurius zum L[api]de Philoſophorum bereitet wird.

Adſtantes, werden von Hippocrate diejenigen genannt, welche dem Patienten zur Hand geh[en], aufwarten und ſeiner pflegen.

Adſtrictio, eine Anhaltung, Zuſammenziehung; hievon ſtam - met her Adſtrictio alvi, verſchloſſener Leib, Hartleibigkeit.

Adſtringens, Adſtringentia, Apocruſtica, Contrahentia, ſind ſolche Artzeney-Mittel, welche alle wider-natuͤrlich flieſſende oder aus den Ge - faͤſſen getretene Humores oder Saͤffte hemmen, ſtopffen und anhalten, und wegen ihres herben und irdiſchen Geſchmacks zuſammen ziehen; ſolche ſind Radix Plantag. Biſtort. Tormentill. folia Bellid. Pyrol. flor. Roſar. rubr. ſemen Plantag. Nux Cupreſſ. Gallæ, ſangv. Dracon. Bol. Armen. Lapis hæmatit. Croc. tis adſtring. ��li dulc. Sacchar. ni, extract. Tor - mentil. Tinctur. Martis adſtring. Corallior. Hæmatit. Clyſſi Minerales,alle17AD AEalle Eßige ꝛc. Dieſe und dergleichen mehr werden mit gantz gluckuchem Succeß wider alle Hæmorrhagien, gar zu ſtarcken Monat-Fluß, Blut - ſpeyen, Dyſenterie, Bauch-Fluͤſſe, Gonorrhöe, weiſſen Fluß, uͤbermaͤßigen Schweiß des gantzen Leibes, oder der Haͤnde und Fuͤſſe, Mundfaͤule, Ge - ſchwuͤr ꝛc. gebrauchet.

Adulteratio heiſt, wann quid pro quo, eines fuͤr das andere, oder wohl gar das unrechte und etwas gantz anders an ſtatt des rechten Medi - caments gegeben wird.

Aduſtio, ſiehe Combuſtio.

Adynamia, ſiehe Impotentia.

Ægagropilæ, Pilæ Damarum, Gemſen-Kugeln, ſind laͤnglicht-runde und zuweilen etwas zuſammen getrocknete Fleiſch-Kugeln, ohngefehr einer welſchen Nuß groß, aͤuſſerlich mit einer grauen oder ſchwartzbraun lede - richten Haut umgeben, inwendig aber aus vielen Faͤſerlein beſtehend, eines ſehr guten und aromatiſchen, auch bittern Geſchmacks, werden aus dem Tyroler - und Schweitzer-Gebuͤrge heraus gebracht. Die Gemſen, in welchen ſie gefunden werden, ſind wilder Art, und halten ſich nur auf hohen Felſen und Gebuͤrgen auf, werden Lateiniſch Rupicapræ oder Stein - Geiſen genennet, ſind in der Groͤſſe einer gemeinen Ziege, und haben ſchwartze, kleine, und vorn aus wie Hacken umgebogene Hoͤrnlein, ſo ſehr ſpitz ſind, naͤhren ſich von guten gewuͤrtzten Kraͤutern und Wurtzeln, abſon - derlich vom Doronico, wovon die Gemſen-Kugeln entſtehen ſollen. Dieſe Gemſen-Kugeln wachſen in ſolchen von den Wurtzeln und Kraͤutern hin - terbliebenen Faͤſerlein in dem erſten und andern Magen dieſer Thiere, wie alle andere wiederkaͤuende Thiere vier Magen haben; doch iſt zu mercken, daß dergleichen Kugeln nicht in allen Thieren, ſondern nur in denenjenigen gefunden werden, in welchen die zu deren Zeugung gehoͤrige Saͤure, welche dieſe Kugeln zuſammen ziehet, und gleichſam gerinnen machet, zu finden iſt. Man bringet auch ſolche Kugeln aus Jndien, welche bey den Jndia - niſchen Gemſen gefunden werden, ſind ſchoͤn, glaͤntzen als Bezoar-Stein; ie - doch findet man auch zuweilen unter den gemeinen einige, ſo aͤuſſerlich gleich - ſam eine ſteinerne Kruſte, wie die Bezoar-Steine, haben, aber faſt niemalen groͤſſer als eine Fauſt ſind. Die Kraͤffte dieſer Kugeln ſind erwaͤrmend und zertheilend, ſtaͤrcken den Magen, das Haupt und Nerven, dienen wider den Schwindel und Convulſiones, befoͤrdern die Geburt, abſonderlich aber trei - ben ſie den Schweiß, und Gifft, gleich den Bezoar-Steinen, und werden auch deßwegen Bezoar germanicum, Teutſcher Bezoar geheiſſen, thun, guten Effect in den hitzigen und anſteckenden Fiebern, in der rothen RuhrCund18AEund andern Bauchfluͤſſen, weil ſie etwas anhalten, ſie werden von X. bis Xij. gran. eingegeben.

Ægeirinon, iſt ein Unguent, welches auf lateiniſch Populeum vel Populneum genennet wird, Pappel-Salbe.

Ægilops, oder Anchilops, ein auswendiges Augen-Schwaͤrlein in dem Augen-Winckel, ſo Eyter in ſich haͤlt, welches, wenn es weiter ausbricht, und das Bein anfriſt, eine Fiſtulam lachrymalem machet. Dieſe zwey Affectus werden von den Autoribus confundiret, doch aber kan nach dem Dolæo Encyclopæd. Chirurg. Lib. 1. cap. 9. p. 66. dieſer Unterſcheid ſeyn, daß Anchylops nur eine Geſchwulſt der Druͤſen, Ægylops aber eine exulcerirte Geſchwulſt ſey. Wider Anchilopem brauche man im Anfang Diſcutientia ſpirituoſa, als Regin. Hungar. it. Myrrh. Aloen, Croc. mit Honig zum Ungvent gemacht, oder mit flor. Sambuci vermiſchet: kan mit dieſen der Tumor nicht diſcutiret werden, ſo brauche man Suppurantia, ein Cataplaſma aus Weitzen-Brod-Krume, Milch, Roſar. und Croco, oder Emplaſtr. de Melilot. de Ammoniac. Crocat. Mynſicht. Jn Ægy - lope helffe man die Maturation mit Unguent. Baſilico befoͤrdern: hat ſich eine Eſchara oder Schorff geſetzet, ſo nehme man ſie mit dem gemeinen Di - geſtiv aus Terebinth. Vitell. Ovi und ein wenig Croci weg; nachdem die Eſchara weggebracht, brauche man Mercur. præcipitat. rubr. gr. Xij. und Aluminis gr. ij. mit Ungvent. aur. vermiſchet, ſo lange bis man das Bein ſehen kan, ob es verdorben oder cariös iſt, oder nicht; iſt das Bein noch geſund, ſo kan es taͤglich zweymal mit Korbey getrocknet werden, um es zur Heilung zu bringen: die Schaͤrffe des Geſchwuͤrs zu corrigiren, dienen Myrrha und Aloë, z. E.

  • Trochiſc. de Myrrh. ʒiß.
  • Aloës hepatic. ʒij.
  • Croci j.

mit Reſin. Terebinth. und Honig f. Unguent. Jſt das Auge ſehr roth, ſo dienet Regin. Hungar. mit Camphor. appliciret.

Ægyption, beſſer Ungvent. Ægyptiac. iſt ein Purpur-farben Saͤlblein, beſtehet aus Æruginis ʒvj. reinen Honig ij. und ſcharffen Wein-Eßig j.

Æluropus, ſiehe Piloſella minor.

Æris cryſtalli, Gruͤnſpan-Blumen, und Cryſtallen, werden von den Apotheckern auf gemeine Art eryſtalliſiret, wenn nemlich der Gruͤnſpan in deſtillirten Eßig ſolviret, filtriret, abgerauchet und im Keller cryſtalliſiret wird. Welche aus Holland und Lion kommen, ſind die ſchoͤnſten, muͤſſen ſchoͤn groß, klar und durchſcheinend ſeyn, wohl getrocknet, und nicht mitHoltz19AEHoltz vermiſchet: ſie werden, die Wunden von dem faulen Fleiſch zu ſaubern, gebrauchet.

Ærugo, Viride æris, Gruͤnſpan, hat ſeinen Urſprung vom Kupffer, iſt zweyerley, entweder von Natur in der Erden gefunden, oder durch die Kunſt zubereitet. Der natuͤrliche iſt zwar ſehr rar, findet ſich aber doch zu - weilen in den Kupffer-Gruben, iſt ein gruͤnlichter Marcaſit, den Schlacken nicht unaͤhnlich, welche ſich ingleichen in den Kupffer-Vergwercken finden. Der gemachte beſtehet aus blau-gruͤnen Metalliſchen Klumpen, welche aus Franckreich von Montpelliar und andern Orten in Blaſen und Haͤuten her - aus gebracht, und in zweyerley Sorten, nemlich in Form eines groͤblichen Pulvers, oder in Kuchen, ohngefehr von 25. . verkauffet werden: er muß ſchoͤn hart, trucken, auch recht gruͤn ſeyn, und wenig weiſſe Flecken und Stuͤ - cker in ſich haben. Hieraus werden Spiritus virid. æris, Ω aſthmaticus D. Michaelis, Eſſ. Veneris Helmontii &c. præpariret.

Æs caldarium, Glocken-Speiß, iſt nichts anders als eine Vermi - ſchung der Metallen, worinnen Kupffer und Zinn die Oberhand haben, ſie werden nun von Natur in der Erden zuſammen vermiſchet, oder durch die Kunſt zuſammen geſchmoltzen. Die Frantzoſen nennen ſolches la Bronce. und machen nicht allein, wie bey uns, die Glocken und Moͤrſer davon, ſondern gieſſen auch ihre Statuas und Monumenta &c. daraus. Zu Paris werden die Sols marqués davon gepraͤget.

Æs uſtum, gebrannt Kupffer, wird durch Huͤlffe des Schwefels alſo gemachet, indem aus kleinen Stuͤcklein Kupffers und dem Schwefel (mit welchen ein wenig Meer-Saltz zu vermiſchen iſt) ein S. S. S. in ein Gieß-Becken geleget, und alles in ein ſtarck Kohlfeuer geſetzet; Wann dann der Schwefel alle verbrannt, nimmt man das Kupffer heraus, wel - ches von auſſen graulicht wie Eiſen, inwendig aber rothglaͤntzend anzuſehen, und gantz zerbrechlich iſt, muß von einer mittelmaͤßigen Dicke ſeyn, und ne - benſt obiger Couleur, wie Zinnober roth ſcheinen, wann ein Stuͤck an das andere gerieben wird; ſo doch nicht zu obſerviren, es werde denn etwas Saltz darzu gethan. Und dieſes iſt bis daher der Hollaͤnder Geheimniß geweſen, welche lange Zeit das Æs uſtum beſſer als die Frantzoſen gehabt: es haͤlt die Wunden vortrefflich ſauber: einige, ſo es gebrauchen, gluͤhen es im Feuer neunmal aus, und loͤſchen es allemal in Leinoͤl, ſtoſſen es her - nach zu Pulver, welches das faule Fleiſch in den Wunden wegnimmt. Dieſes alſo præparirte Æs uſtum wird auch Crocus Veneris genennet.

Æſtuatio, Æſtus, ſiehe Ardor.

C 2Ætas,20AE AF

Ætas, das Alter, iſt ieder Lebens-Periodus, in welchem an und fuͤr ſich von der Natur eine augenſcheinliche Leibes - und Gemuͤths-Aenderung geſchiehet: insgemein werden ſechs Ætates ſtatuiret, als (1) Pueritia, die Kindheit, (2) Pubertas, das Knaben-Alter, (3) Adoleſcentia, die Juͤng - lings-Jahre, (4) Virilitas, das Maͤnnliche Alter, (5) Senectus, das Alter, und (6) Decrepita ætas, das abgelebte Alter.

Æthiops mineralis Flor. �is vj. ii depurat. curr. viij. oder auch von beyden gleiche Theile, miſche es in einem glaͤſern oder ſteinern Moͤrſel wohl untereinander, und reibe es ſo lange, bis ſich der mit dem wohl vereiniget, keine Spuhr von dem Queckſilber mehr zu mercken, und die Materie zu einem ſchwartz-grauen Pulver, welches ſich mit der Zeit noch ſchwaͤrtzer faͤrbet, geworden iſt. Er treibet mit diaphoreticis, Schweiß, mit purgantibus aber purgiret er.

Ætiologia, ſiehe Cauſa.

Ætites, Lapis Aquilæ, der Adler-Stein, iſt blauer oder grauer Stein, insgemein laͤnglicht rund, von unterſchiedlicher Groͤſſe, welcher in ſeiner inwendigen Hoͤle noch einen andern Stein in ſich haͤlt, und dahero, wenn er beweget wird, klappert, und alſo der Klapperſtein genennet wird; findet ſich hin und wieder auf den Aeckern, Bergen und an den Fluͤſſen, allwo er auch waͤchſet, mit nichten aber in des Adlers Neſtern, wie der gemeine Mann dafuͤr haͤlt. Von dieſem Stein findet man viel unter - ſchiedene Arten, indem einige ſehr groß, einige mittelmaͤßig, einige, als wie der Orientaliſche, kleiner ſind; einige ſind weiß, einige roͤthlich-braun, einige grau, einige rauh und ſandigt. Der vornehmſte Unterſcheid aber wird von denen Dingen, welche inwendig in dem Stein ſind, genommen, in An - ſehung derer man dreyerley Adler-Steine findet, als (1) welcher einen an - dern Stein, Callimus genennet, in ſich hat, deme vor andern der Name Ætites gegeben wird, (2) welcher an ſtatt des Steines Sand oder Erde in ſich hat, und Geodes genennet wird, (3) welcher Waſſer in ſich haͤlt, und Hydrotites heiſſet; uͤber dieſe gedencket Ettmüller noch eines andern, ſo wie Violen riechet, und Lapis Violaceus genennet wird. Der Stein zu Pul - ver geſtoſſen, dienet wider die ſchwere Noth, befoͤrdert die Geburt, mehret die Milch die inwendige Erde dienet wider die Peſtilentialiſchen Fieber und rothe Ruhr wo ein anſteckend und hitzig Fieber dabey iſt.

Affectio hypochondriaca, ſiehe Hypochondriacum malum.

Affectio hyſterica, ſiehe Hyſteralgia.

Affectus, ſiehe Pathema.

Affu -21AF AG

Affuſio, Aufgieſſung, iſt eine Chymiſche Arbeit, da man einen ge - wiſſen Liquorem auf etwas geuſt: hieraus entſpringet das in den Re - cepten offt vorkommende Wort, affunde, geuß drauf.

Agallochum, Lignum Aloës, Xylaloës, Paradieß - oder Aloes-Holtz, beſtehet aus gewiſſen Holtz-Spaͤnen von einem Sineſiſchen Baum, oder, wie Hermannus meynet, von der Wurtzel dieſes Baums, ſo Ca - lambac genennet wird. Dieſe Spaͤne ſind dicht, hart, ſchwer und reſinos, von unterſchiedlicher Groͤſſe, an Farb faſt Caſtanien-braun, mit ſchwartzen hartzigten Strichen, eines ſcharffen aromatiſchen Geſchmacks, und wenn ſie angezuͤndet werden, eines ſehr annchmlichen Geruchs: dieſes Holtz wird auch ſonſten Creutz - und Augen-Holtz genennet. Dieſer Baum hat dreyerley Holtz an ſeinem Stamm und Wurtzel; das (1) ſo gleich unter der Schale folget, iſt gantz ſchwartz, dicht und ſehr ſchwer, wie ſchwartz Eben-Holtz, wird deßwegen von den Portugieſen das Adler-Holtz ge - nennet; das (2) iſt etwas leichter, voll Adern und wie verdorben und brandigt Holtz anzuſehen, von brauner Farb, wird auch das rothe Aloes - Holtz genennet; (3) iſt der mittelſte Kern oder das koſtbare Holtz von Tambac: von dieſem wird die erſte Sorte zuweilen unter dem Namen des Aſphalti gefunden, die andere iſt unſer Agallochum oder Xylaloës, die dritte aber iſt ſo rar, daß ſie dem Golde gleich geſchaͤtzet, auch nirgends als bey hohen Standes-Perſonen zu finden, welchen es von den Oſt-Jn - dianiſchen Koͤnigen zum Preſent geſchicket wird. Alſo muß das mittlere zur Artzney gut genung ſeyn, und iſt die Probe davon, daß es am Geſchmack bitter, an der Farb ſchwaͤrtzlich, und ein wenig mit grau vermiſchet und voller Adern iſt, es muß ſehr ſchwer ſeyn, und auf dem Feuer nicht ſo bald brennen. Nachdem nun das Paradieß-Holtz in groſſen Stuͤcken, oder nur in kleinen Brocken iſt, haben die Materialiſten unterſchiedene Sorten, nemlich das feine, die Mittel-Sort und die Brocken: das ſeine iſt noch ſo theuer am Werth als die Mittel-Gattung, die Fragmenta oder Brocken aber ſind viel wohlfeiler. Dieſes Holtz ſtaͤrcket mit ſeiner aromatiſchen Krafft die Lebens-Geiſter in Ohnmachten und andern Schwachheiten, es ſtaͤrcket den Magen, abſonderlich bey alten Leuten, wie Ambra, auch das Gedaͤchtniß, aͤuſſerlich koͤmmt es zu den Raͤucher - Pulvern: in der Officin ſind hievon die Species diaxylaloës, ein Extract, Reſina und Eſſenz.

Agallochum forte, ſiehe Lignum Rhodium.

Agaricus mineralis, ſiehe Marga ſaxatilis.

C 3Aga -22AG

Agaricus quercus, Eichen-Schwamm, waͤchſt an den Eichen, hat aber keinen Gebrauch in der Artzney, iſt nur zu Zunder dienlich.

Agaricum, Agaricus, auch Agaricus vegetabilis, Lerchen - Schwamm, iſt ein Schwamm, welcher aus dem Stamm des Lerchen - Baums, ſo wol in Orient, als in Tyrol und dem Schwartzwalde zu finden iſt, und aus runden, doch ungleichen und eckigten Schwaͤmmen, ſo etwa einer Fauſt dick ſind, beſtehet; hat auswendig eine roͤthlich-graue Schale, unter welcher ein gantz weiſſes, ſehr leichtes muͤrbes Marck, mit vielen Faͤ - ſerlein enthalten, giebt anfangs einen ſuͤßlichten, zuletzt aber bittern, etwas ſcharffen und anhaltenden, doch widrigen Geſchmack, kommt aus Holland und Jtalien. Dieſer Schwamm muß ein gantzes Jahr Zeit haben, bis er zu ſeiner rechten Groͤſſe koͤmmt. Einige der Gelehrten machen deſſen zwey Species, nemlich das Maͤnnlein und das Weiblein: jenes iſt ſchwer, gelbicht und holtzigt, und wegen ſeiner Malignitaͤt nicht gebraͤuchlich, die ſes aber wird von den Materialiſten ſortiret, nachdem es zubereitet iſt, in 2. bis 3. Sorten, nemlich den Agaricum Meſſanum, welcher ſchlecht iſt, Fi - num, und dann die Raſuram Agarici, welches die Schnitzlein ſind, ſo zum andern mal abgeſchnitten worden; der beſte muß leicht, weiß, zart und bit - ter ſeyn, im uͤbrigen muß er am trocknen Ort gehalten werden. Seinen Kraͤfften nach purgiret er alle zaͤhe ſchleimichte Feuchtigkeiten und Galle aus dem Magen und Gedaͤrme, toͤdtet die Wuͤrme und befoͤrdert die Menſes. Weil er aber Grimmen machet, ſo corrigiren ihn die Apothecker mit Jngber, und machen ihn zu Kuͤchlein, welche

Agaricus trochiſcatus genennet werden; ferner iſt hievon ein Extra - ctum, Trochiſci de Agarico, pilulæ de Agarico, pilulæ Hieræ cum Agarico, und Syrupus de Agarico.

Agaſyllis, iſt ein Strauch, waͤchſt haͤuffig am Jovis Hammonis Tempel; hievon kommt das Gummi Ammoniacum, wie aus des Langii Oper. Medic. Part. I. pag. 473. a. zu erſehen.

Ageraſia, Inſeneſcentia, wenn einer immer aͤlter wird, und dannoch ſtets bey muntern Kraͤfften bleibt, als ob er gar nicht altern wolte.

Ageratum, Coſtus hortenſis minor, Eupatorium Meſuæ, Leber - Balſam, Malvaſier-Kraut, bluͤhet im Junio, waͤchſt auf den Bergen um Montpellier, ſonſt wird es in den Gaͤrten erzogen; laxiret, iſt ein gut Wund - und Leber-Kraut, dienet wider die Gelbe - und Waſſerſucht; Præparata hievon ſind Syrupus de Eupatorio Meſuæ, Pilulæ und Trochiſci de Eupatorio.

Agita -23AG

Agitatio, ſiehe Vibratio.

Agnata, ſiehe Adnata.

Agnus caſtus, Salix Americana, Vitex, Keuſchbaum, iſt ein Strauch oder Baͤumlein von zaͤh - und ſchwancken Reiſern, und Blaͤttern, wie die Weiden; ſein Saamen, Semen Agni caſti genannt, beſtehet aus runden Koͤrnern, welche faſt wie Pfeffer anzuſehen, aber doch kleiner ſind, ſitzen uͤber die Helffte in einem grauen Huͤtgen, wie die Eicheln, ſie ſind an ſich ſelbſt ſchwartz-braun, eines ſcharffichten und etwas anhaltenden Ge - ſchmacks, werden meiſt aus Welſchland gebracht, der Saamen muß friſch, dick und grob-koͤrnicht ſeyn; iſt warmer Krafft, und kan dahero nicht anders als die erkaͤltete Natur der Maͤnner ſtaͤrcken, und die Geilheit meh - ren: wenn er das Gegentheil und die Keuſchheit befoͤrdern ſoll, ſo kan ſol - ches nicht anders ſeyn, als daß er die Feuchtigkeiten zu ſehr austrocknet. Ettmuͤller hat hievon ein ſchoͤn Pulver wider Gonorrhœam, z. E.

  • Sem. Agni caſti ʒij.
  • Succin. alb. præp.
  • diaphoret.
  • Oſſ. Sep. præp. a ʒß.
  • Sacchar. ni j.
  • f. Pulvis pro aliquot doſibus.

Agnus Scythicus, oder Vegetabilis, das Frucht-Thier, oder Sey - thi ſche Lamm: Dieſes Frucht-Thier ſoll in der Tartarey, in der Land - ſchafft Zanotha, auf dem Stengel eines Krauts, in Geſtalt eines jungen Lammes wachſen, allwo es aus einem Kern, ſo dem Melonen-Kern nicht unaͤhnlich iſt, ſoll gezogen werden. Der Stengel, ſo ohngefehr drey Schuh hoch, dienet an ſtatt des Nabels, auf welchem das Thier ſich herum wen - den ſoll, und zu welcher Seite ſich es wendet, ſoll das umſtehende Gras ver - derben, wovon es gleichſam lebet. Wenn die Frucht reiff wird, ſoll der Stengel vertrocknen, die Frucht aber ein rauches Fell bekommen, gleich ei - nem Lamm, welches nachmalen gegerbet, und zum Gebrauch bereitet werde: hat alsdenn ſehr zarte und krauſe Wolle, ja es ſoll auch ein rother Safft daraus flieſſen. Ob gleich einige das Fell von ſolchen Laͤmmern zeigen, ſo iſt es doch falſch, und kommen ſolche Felle von der groſſen Orientaliſchen Schaafe Jungen her, welche aus dem Leibe geſchnitten werden, nicht aber von dieſem Kraut oder Gewaͤchs.

Agreſta24AG

Agreſta, Omphacium, der aus den unreiffen Trauben ausgepreſſete, durchgeſeichte und in verſchloſſenen Faͤſſern aufgehobene Safft, ſtaͤrcket den Magen, machet Appetit.

Agreſten, ſteinigt und ſauer Weinſtein.

Agrifolium, Ilex aculeata baccifera, Ruſcus arboreus, Stechbaum, Walddiſtel, wird hin und wieder in den Waͤldern auf den Bergen ge - funden, der Tranck aus den Blaͤttern wird wider Huſten und Seitenſte - chen gebrauchet.

Agrimonia, Eupatorium Græcorum, Odermennig, Bruchwurtz, Leber-Kletten, waͤchſt auf den Wieſen, Straſſen, an Zaͤunen, iſt ein bewaͤhrtes Magen-Leber-Miltz - und Bruſt-Kraut, bluͤhet faſt den gantzen Sommer, dienet wider Cachexiam, Huſten, Lungenſucht, Blut-Harnen, in dem Frantzoͤſiſchen Saamen - und weiſſen Fluß, Fiſteln ꝛc. werden die daraus gemachten Wund-Traͤncke hoͤchſt geruͤhmet: hiervon iſt deſtillat. Succus, Syrupus aus dem Safft und præpariret.

Agrimonia ſylveſtris, ſiehe Anſerina.

Agrioriganum, ſiehe Origanum.

Agrippa, ein Kind, das in der Geburt mit den Fuͤſſen zuerſt kommet, ſolches iſt ein gefaͤhrlicher Caſus, ſaget Ettmuͤller Tom. II. Oper. pag. 1108. b. bevoraus, wenn ſie noch darzu die Aermlein in die Hoͤhe ſtrecken.

Agrypnia, die Schlafloſigkeit, oder zu vieles Wachen, iſt ein ſehr beſchwerlicher Affect, und wenn er lange waͤhret, finden ſich Deliria dabey. Es iſt dieſer Affect entweder als ein Zufall anderer Kranckheiten, als Fieber, Schmertz, Huſten, Hauptweh ꝛc. oder als eine beſondere Kranck - heit, und fuͤr ſich zu betrachten. Die Urſach iſt eine Unruh der Geiſter, welche von Gram, Sorgen, Einſamkeit, Schmertz ꝛc. herſtammet. Zur Cur werden Sedativa erfordert, als Opiata und Crocata, flor. Papav. er - ratic. ſemen Papav. alb. radic. Nymph. Man hat aber allemal auf die Urſachen, welche die Ruhe der Geiſter turbiren, zu ſehen; denn wenn dieſe gehoben, ſo findet ſich der Schlaf von ſich ſelbſten, dahero ſiehet man, daß zuweilen auch mancherley Alterantia, als depurat. Lap. prunell. Mar - tialia &c. den Schlaf bringen. Ein Trunck Wein wird recommandiret, wenn der Schlaf von Sorge Muͤhe, und Gram gebricht.

Agrypnocoma, ſiehe Coma vigil.

Agyrta, Circumforaneus, Circulator, ein Quackſalber, Marck - ſchreyer, Land - und Leutbetruͤger, in Summa ieder Pfuſcher, welcherwider25AI ALwider Wiſſen und Gewiſſen die Medicin exerciret, die Leute ums Geld, oͤffters auch um das Leben bringet: ſolcher Art finden ſich heutiges Ta - ges unzehlich viel, als entlauffene Apothecker, Barbierer, Bader-Jun - gen, unwuͤrdige Pfaffen, alte Weiber, Eſeltreiber, Hencker und Henckers - Geſchmeiß, und dergleichen mehr, ſo in dieſe Rolle gehoͤren, und ſich, leider GOttes! an dieſem wichtigen Ort hauffenweiſe finden, und als das Ungeziefer hecken.

Aiſtheſis, ſiehe Senſus.

Aiſtheterium, ſiehe Senſus communis.

Ala, iſt ein vieldeutiges Wort: insgemein wird ein Fluͤgel an den Voͤgeln oder Feder-Vieh, auch an den Windmuͤhlen alſo genennet. Jn der Anatomie aber kommt dis Wort Ala offt vor, und wird auch von un - terſchiedlichen Theilen des Leibes geſaget; alſo werden die mit Haaren und Druͤſen bekleideten Theile oder Hoͤlen unter der Schulter, Alæ genannt, weßwegen auch der Schweiß, ſo ſich nach Erhitzung des Leibes allhier ſamm - let, Fœtor alarum heiſſet: ferner iſt Ala oder Pinna auris, Ohr-Fluͤgel und obere Theil des aͤuſſerlichen Ohrs: ferner ſind Alæ muliebres, davon ſiehe Nymphæ: item alæ Veſpertilionum, ſind ſubtile Haͤutlein in den Tubis Fallopianis oder Trompeten der Gebaͤhr-Muͤtter: Alæ oder pinnæ Naſi, die Naſen-Fluͤgel, ſind die Seiten-Theile der Naſen.

Alabaſtra, Roſen-Knoppen, ſind die gruͤnen Blaͤtter, welche die Blumen umſchlieſſen.

Alabaſtrites, Alabaſtrum, Alabaſter, iſt ein ſehr zarter und weicher weiſſer Marmor, woraus nicht allein allerhand Geſchirr und Hausrath ge - drehet, ſondern auch einige Artzneyen, als das bekannte Unguentum alaba - ſtrinum, gemacht werden.

Alantois, das Harn-Haͤutlein der Frucht im Leibe, ſo, wie man es bey den Kuͤhen und etlichen andern vierfuͤßigen Thieren findet, iſt ein duͤnnes, wie eine Wurſt geſtaltetes Haͤutlein, ſo eine Stelle zwiſchen dem Schaf - und Ader-Haͤutlein hat, auch nicht die Leibes-Frucht gantz und gar, ſondern nur wie ein halber Circul umſchlieſſet; dieſes Haͤutlein em - pfaͤnget der Fruchtihren Harn durch den Harn-Gang aus der Blaſe, und behaͤlt ſolches bey ſich bis zur Geburts-Stunde: ob aber dieſes Haͤutlein bey dem Menſchen zu finden ſey, darum wird noch gar ſehr geſtritten.

Albatio, ſiehe Dealbatio.

Albugo, ſiehe Pannus.

Album, weiß, iedes weiſſes Ding, es mag auch ſeyn, was esDwolle,26ALwolle, natuͤrlich oder kuͤnſtlich, wenn es nur weiß iſt: alſo in der Anato - mie album oculi, das Weiſſe im Auge, in der Chymie, wird fuͤr album, Ceruſſa oder Bleyweiß verſtanden.

Album græcum, weiſſer Hunds-Dreck; der beſte wird vom Hunde, welcher Knochen genaget, und ſo im May geſammlet, recommandiret; wird von Paulini in ſeiner Dreck-Apothecke wider drey - und viertaͤgiges Fieber, Dyſenterie, und Colic gelobet; aͤuſſerlich dienet er wider die Braͤu - ne, boͤſe Geſchwuͤre, erweichet die Tumores, vertreibt die Wartzen, er ſoll ein unbetruͤglich Mittel wider die Kroͤpffe ſeyn, in ſpecie der ſchwartze Dreck von einem Schaaf-Hunde.

Album nigrum, Muſcerda, Maͤuſe-Dreck, laxiret admirabel, iſt ein gemein Experiment der Weiber fuͤr die Kinder, indem ſie gr. j. bis jjj. in Muß oder Brey eingeben, oder nehmen jv. v. oder vj. ſolcher Koͤtel, zerreiben ſie mit Milch, drucken den Safft durch ein Tuch, und gebens dann ein.

Albumen, das Weiſſe im Ey: kuͤhlet, wird deßwegen wider Ent - zuͤndung der Augen gebrauchet.

Alburnum, das Weiſſe am Holtz, zunaͤchſt der Borck oder Rinde, der Spint.

Alcaheſt, iſt gleichſam ſo viel als alcali eſt, heiſt bey den Chymicis das allgemeine geiſtreiche Solvens, ein ſtetswaͤhrender unwandelbarer Li - quor, der ieden ſichtbaren Coͤrper in einen Safft ſeiner Natur bringet, und zwar ohne einige Verderbung der Saamen-Kraͤffte, und daß die natuͤrliche weſentliche Form ohne Schaden bleibet, wie Paracelſus und Helmond wollen; kurtz, es iſt ein ſolch Menſtruum, das tuͤchtig alle Coͤrper aufzuloͤſen iſt. Ob ſolch ein Menſtruum zu finden, iſt billig zu zweiffeln, weil kein Gefaͤß zu finden, worinnen es aufgehoben werden moͤge.

Alcali ſal, ſiehe Sal alcali.

Alcalinum, bedeutet ein irdiſch Corpus, welches vom Sale alcali Theilgen bey ſich, oder doch mit ihm gleiche Effecten hat.

Alcanna, ſiehe Anchuſa.

Alce, ein Elend, iſt ein ziemlich groß und hier wohlbekanntes Thier, mit einem breiten Geweyh, als die Hirſche haben, wird auch von einigen Equicervus, von andern Animal magnum genannt; von dieſem Thier ſind die Klauen und Hoͤrner officinal; Ungula und Cornua Alcis dienen wider die ſchwere Noth, Pocken und Maſern, die Wuͤrckung kommt von deſſenfluͤchti -27ALfluͤchtigen Saltz her; die Raſura, der Ω das vol. und die Eſſentia ſind hievon in den Apothecken zu befinden.

Alcea Indica villoſa, ſiehe Abel-Moſch.

Alcea vulgaris, Fell-Riß, Sigmars-Wurtz, waͤchſet auf den Feldern, an den Ufern der Baͤche in Ungarn; die Wurtzel iſt allein offi - cinal, wird an den Hals, oder auf den Ruͤcken und in den Nacken wider die Dunckelheit der Augen, Felle, Flecke und Nebel derſelben gehangen, denn ſie ſtaͤrcket und erhaͤlt das Geſicht.

Alcea Syriaca, und Alcea veſicaria, ſind fremde Kraͤuter, und wer - den zur Curioſitaͤt in Gaͤrten gehalten.

Alchimilla, Leontopodium, Branea, Pes, oder Planta Leonis, Si - nau, Loͤwenfuß, Guͤlden Gaͤnſerig, waͤchſt gern an naſſen und gra - ſichten Oertern, ſonderlich in Wieſen und Vieh-Weyden, bluͤhet im Majo und Junio; die Blaͤtter heilen, ſaubern, ziehen zuſammen, ſtillen das Bluten, werden deswegen zu den aͤuſſerlich - und innerlichen Wunden, in Pflaſtern und Traͤncken gebrauchet.

Alchitrum, Wachholder-Oel, flieſſend Hartz; zuweilen heiſt es auch præparirt Arſenicum.

Alchymia, wurde von den Arabern die Chymie genannt, ietzund heiſt es Chryſopœia, die Goldmacher-Kunſt.

Alcohol, Alchool, Alcool, Alkol, Alcol, iſt ein Arabiſch Wort, hat eine zwiefache Bedeutung, (1) bedeutet es den hoͤchſt rectiſicirten Spiritum Vini, wird hierunter das allerfeinſte und ſubtilſte Pulver verſtanden.

Alcoholiſatio, iſt die Chymiſche Operation, da man ein Pulver gantz ſubtil machet, oder den Spiritum Vini alſo rectificiret, daß man damit Schieß-Pulver anſtecken kan. Und dieſe Dinge werden alsdenn alco - holiſata genennet.

Aldabaram, zwey kleine Knoͤchelgen, einer kleinen Bonen groß, un - ter der groſſen Zehe zu finden, und von Joh. van Horne Microcoſ. §. 59. alſo benennet worden.

Aleipha, heiſt bey dem Hippocrate hin und wieder Oel und Schmeer.

Alembicus, ein Alembic, ein Helm, iſt ein Chymiſch Gefaͤß, welches auf die Kolben und deſtillir-Blaſen, um die aufſteigende Vapores zu colli - giren, geſetzt wird. Es ſind davon in der Chymie zweyerley Arten be - kannt, nemlich Alembicus roſtratus und cœcus, von welchen der erſte zur Deſtillation, der andere aber nur zur Digeſtion gebraucht wird.

Alexipharmaca, Alexiteria, dem Gifft widerſtehende Artzneyen;D 2ſolche28ALſolche ſind radix Gentian. Angelic. Olſnitii, herb. Carduibened. Salviæ Rutæ, bacc. Juniper. Myrrh. Camphor. Succinum, Lemnia, Sigillat. C. C. Magiſter. Spinæ Viperar. Balſam. �is, Theriac, Mithridat. Ω C. C. Eboris, ol. deſt. Citri, Rutæ, Salviæ, C. C. vol. C. C. &c. Weil doch aber die Giffte viel - und mancherley ſind, ſo hat man auch wider iegliche beſondere Specifica, welche alle an ihrem Ort, unter dem Titul Venenum, nachzuſuchen ſind.

Alexipyretos, ſiehe Febrifugum.

Alexiteria, ſiehe Alexipharmaca.

Alfadidam, der Schaum vom Silber, Kupfer oder Eiſen.

Alga ſaccharifera Islandica, Jslaͤndiſches Meer-Gras, deſſen geden - cket Olaus Borrichius in den Act. Haffnienſ. Vol. 1. pag. 119. daß es das Jslaͤndiſche Meer in Norden zuweilen auswerffe, und deſſen Safftes ſich die Einwohner an ſtatt des Zuckers bedienen.

Algema, ſiehe Dolor.

Algeroth, heiſt Mercurius Vitæ, ingleichen auch Succinum Antimonii, it. Pulvis Algoreth, nach einem Medico von Verona, Namens Algoreth.

Alica, Halica, Zea, Graupen von Gerſte oder Weitzen ꝛc.

Aliformis, heiſt insgemein Fluͤgel-foͤrmig, in der Anatomie aber kommen Proceſſus aliformes vor, davon ſiehe Proceſſus.

Alima, iſt eine Art Sand in den Bergwercken, daraus Bley wird, Bley-Sand.

Alimentum, ſiehe Nutrimentum.

Alkaheſt, Glauberi, oder Nitrum fixatum, Nitri q. v. trag es in einen Tiegel, und thue nach und nach gepuͤlverte Kohlen darzu, bis es nicht mehr verflagre: nach dieſem gieſſe die Maſſam in einen warmen Moͤrſel, ſo hat man das Nitrum fixum von blauer Couleur; wenn dieſes nun pulveriſiret, und an einen feuchten Ort geſetzet wird, ſo ſolviret es ſich in einen Liquorem, welcher Liquor Nitri fixi genennet wird. Auſſer daß dieſer Liquor denen mit Stein-Weh beſchwerten ſehr zu ſtatten kommet, iſt er ein ſonderlich Menſtruum, reſinoͤſe und gummartige Dinge aufzuloͤ - ſen, dieſe reſolviret er alſo, daß nachgehends durch den Spiritum Vini die wahre Tinctur kan ausgezogen werden.

Alkekengi, Solanum Veſicarium, Juͤden-Kirſchen, ſind dunckel - gelbe bekannte Fruͤchte, welche auch Baccæ Halicacabi genennet, und in Apothecken zu unterſchiedenen Artzneyen gebrauchet, werden in Gaͤrten an - getroffen, bluͤhen im Junio, thun wider alle Nieren - und Blaſen-Gebrechengroſſe29ALgroſſe Huͤlff, befoͤrdern den Harn und Stein, dienen wider die kalte Piß, Tripper und Lenden-Weh: hievon iſt in der Officin deſtillat. Spiritus, Tinctura & Trochiſci de Alkekengi.

Alkermes, ſiehe Ilex coccigera.

Allantoides, ſiehe Alantois.

Alleluja, ſiehe Acetoſella.

Alliaria, Alliaſtrum, Thlaſpidium cornutum, Knoblauchs-Krant, iſt an Baͤchen, Zaͤunen und Mauren zu finden, dienet wider die boͤſen Fie - ber, treibt den Harn, widerſtehet dem Gifft, verhuͤtet die Faͤule, heilet giff - tiger Thiere Biß: der Safft, und das gepuͤlverte Kraut oder Saamen, oder die friſche Pflantze ſelbſten, iſt vortrefflich wider alte garſtige Geſchwuͤ - re und Wunden, wenn man den Krebs oder Gangrænam beſorget.

Allium, Knoblauch, wird in Gaͤrten erzogen, iſt bewaͤhrt wider die Colic und Darm-Gicht, Huſten, Engbruͤſtigkeit, Lungenſucht, Gelbſucht, Nieren-Weh und Stein; iſt ein trefflich Præſervativ fuͤr den Stein, wenn man allemal im neu - und vollen Mond eine Knoblauchs-Zwiebel klein ſchneidet, und mit einem Loͤffel voll Kaddig-Branntwein einnimmt: man hat hievon deſtillat. und Electuar. de Allio wider die Giffte.

Allium montanum, ſiehe Victorialis.

Alnus nigra, Frangula, Arbor fœtida, Faulbaum, Zapfhcltz, waͤchſt gern in moraſtigen Waͤldern: die erſten Schoßlinge im Waſſer ge - ſotten, und warm aufgeleget, ſtillet das Zahn-Weh.

Alnus nigra baccifera, ſiehe Frangula.

Alnus vulgaris, Erlen, Eller, entſpringt aus ihrem eigenen Stamm, und kan hernach im Mertzen verſetzet werden. Die friſchen Blaͤtter werden in hitzigen Geſchwulſten und Beulen mit warmen Waſſer uͤbergelegt, desgleichen in alten Schaͤden, Geſchwuͤren, Wunden, Podagra und Glieder-Gicht; unter die Fußſohlen in die Schuh gelegt, ziehen ſie die Hitze und Schmertzen aus den Fuͤſſen.

Aloë, Aloe, iſt ein ſehr bitterer, harter, doch muͤrber Safft, ſo theils hartzigt, theils gummoſiſcher Art iſt, und am Geruch der Myr - rhen ſehr nahe kommt, von unterſchiedlicher Farbe, doch gemeiniglich roͤth - lich oder gelb-braun: kommt entweder in Schaaf-Fellen oder in groſſen Kuͤrbſen aus Oſt-Jndien, zum theil auch aus America; das Gewaͤchs dieſes Safftes hat Blaͤtter wie die groſſe Haus-Wurtz, aber ſehr lang, dick und ſpitzig, bluͤhet ſehr langſam, und treibet einen ſehr hohen Sten - gel mit ſchoͤnen Blumen; nach den Blumen folgen dreyfache SchoͤtleinD 3voller30ALvoller Saamen. Obwol auch dieſe Gewaͤchſe in Teutſchland in vorneh - mer Herren Gaͤrten erzogen werden, ſo koͤnnen ſie allda doch nicht zum Safft gelangen, ſondern muͤſſen denſelben aus Aſien und Arabien bringen laſſen; derſelbe wird entweder aus den dicken Blaͤttern, oder aus der Wurtzel gepreſſet, und, nachdem er ſich geſetzet, und das Klare gelind ab - gegoſſen worden, uͤber einem gelinden Feuer zu einem dicken Safft ge - kochet und abgerauchet, in duͤnne Haͤutlein gefaſſet, und alſo verſchicket. Nachdem nun dieſer Safft mehr oder wenig gereiniget iſt, wird er in drey bis vier Sorten getheilet, unter welchen die gantz ſchlechte und unſaubere die ſchwartze Aloe oder

Aloë Caballina, Roß-Aloe genennet wird, iſt gantz trocken, un - rein, ſandigt, ſchwer und ſchwartz, hat weder Safft noch Krafft, iſt nichts nutz: die etwas beſſer und mehr gereinigte wird Leber-Aloe, oder Aloë hepatic: genennet, weil ſie eine Farbe wie die Leber hat, und voller Loͤchlein, wie geoͤffnete Adern iſt, muß recht trocken und nicht uͤbelriechend ſeyn, iſt insgemein in der Mitten in dem Ballen ſchwartz, aber um die Enden Leber-farbig, kommt meiſtens aus den Americaniſchen Jnſuln: man kan ſie an ſtatt der Caballinæ dem Bieh und Pferden geben; folget die

Aloë Socoterina, kommt meiſrens aus der Jnſul Socotra oder So - cotera, in Oſt-Jndien, wird entweder noch gantz, oder in Fragmentis von den Materialiſten verkauffet: ſie muß ſchoͤn, rein, glaͤntzend, lucker, leicht, bitter und ohne widrigen Geruch, auch zerbrechlich ſeyn; das Pulver, wenn man daran kratzet, beynahe Gold-gelb und wie Saffran ausſehen. Hieraus entſtehet endlich die

Aloë lucida, wenn die vorige ſo weit gereiniget und geſaubert wor - den, daß ſie gantz hell und durchſcheinend, wie das Vitrum ii, anzuſe - hen. Weil aber die gute und beſte Aloë offt mit dem Gummi Arabico, Succo Acaciæ &c. verfaͤlſchet wird, ſo muß man auf ſolchen Betrug Achtung geben, und hieran erkennen, daß ſolcher vermiſchter Aloë die Bit - terkeit vergehe, am Geruch nicht ſo ſtarck ſey, auch alsdann nicht leicht ge - brochen, und zwiſchen den Fingern zerrieben werden kan. Die Aloë hat eine zwiefache Subſtanz, eine iſt hartzigt und anhaltend, die andere gum - moſicht und purgirend: jene præſerviret vor aller Faͤulniß, ſtaͤrcket den Magen, toͤdtet die Wuͤrmer, kommt zum Elixir proprietatis; dieſe laxiret und treibet die gallichten und ſchleimichten Feuchtigkeiten aus dem Ma - gen und Gedaͤrme, weßwegen ſie gleichſam der Grund zu allen laxirendenPillen31ALPillen iſt, abſonderlich werden die Franckfurter Pillen davon bereitet: mehr Præparata ſind Aloë lota; Extractum mit ſimplici, die Doſis von ß. bis j. das Extractum mit Succo Roſarum oder Aloë roſata, die Doſis von j. bis ʒß. Species hieræ: die Aloëtica werden entweder zum laxiren gegeben, und dann iſt ß. bis j. gnung, oder zu purgiren, dann ſind ij. bis ʒj. zulaͤnglich.

Alopecia, das Haar-Ausfallen mit ihren Wurtzeln: darwider die - nen Decocta aus Roremarin. Abrotan. mit Wein, oder ein Lixivium von dieſer Aſche, Ungariſch Waſſer, Schlangen-Fett, Eſſentia Viperarum, der ſuccus Raphani und Malvæ, decoctum Malvæ und Lapathi, Maulwurffs - und Schlangen-Fett in deſt. Mellis ſolviret.

Alphitidon, ein Beinbruch, ſo in kleine Stuͤcke als eine Nuß - Schale zerbrochen.

Alphus, iſt eine Art vom Schorff, wenn der Schorff weißſchupfigt iſt, ſiehe Impetigo.

Alquifoux, ſiehe Plumbum.

Alratica, iſt eine Kranckheit, wenn die weibliche Scham entweder gar keine Ritze, oder eine ſehr kleine hat; ſolches mag entweder von Na - tur, oder zufaͤlliger Weiſe alſo ſeyn.

Alſarnac, ſiehe Hydatis.

Alſine, Morſus gallinæ, Huͤner-Darm, Vogel-Kraut, ſtehet gern auf fetten Boden, wird auf den Aeckern, in Kohl - und Kraͤuter-Gaͤrten gefunden, dienet wider Inflammation der Wunden, vertreibet die Milch, offt auf die Bruſt geleget.

Alſine paluſtris, ſiehe Veronica fœmina.

Alſiracoſt, das iſt Manna, Galenus nennets Mel aëreum, lufftigen Honig.

Alterans, Alterantia, werden alle andere Artzneyen genannt, welche nicht purgiren, noch vomiren machen. Deßwegen gehoͤren hieher (1) die Terrea, oder welche erdartiger Natur ſind, wie alle ſigillat. Bol. Cry - ſtall. C. C. Matr. perlar. Ebur. uſt. Lap. 69. &c. (2) die Sulphurea und Gelatinoſa, als flor. �is, Succin. Gumm. Arabic. Tragacanth. Myrrh. Cam - phor. Die Spiritus ardentes, Olea deſtillat. Balſam. Cop. Peruvian. Tinct. Succini, �is, &c. (3) die Salina, Salia ſixa, Abſinth. �ri, Carduibened. &c. und Volatilia, C. C. Viperar. �æ, Succini: die Ω acidi minerales: item Salſa, als Sal Ammoniac. Cremor. �ri, ��lat. Sachar. ni, follat. �ri, Liquor. C. C. ſuceinat, &c. (4) Mixta, oder mancherley vermiſchte, alsPulve -32ALPulveres, Extracta, Eſſentiæ, Elixiria, Tincturæ &c. (5) Anodyna, als Opium, Laudan. hyſteric. opiat. Tinctur. Opii, Croci, Eſſent. Theriacal. und endlich (6) Aquea, Gewaͤſſer.

Alteratio, iede Aenderung, wenn entweder eine Kranckheit ab - oder zunimmt, wenn unſer Leib und Spiritus, auch die Saͤffte durch Er - ſchrecken, Furcht oder Zorn ꝛc. in eine unnatuͤrliche Bewegung gebracht werden, und dann ſaget man: Er hat ſich ſehr alteriret. Blancard im Lexico nennet es auch eine Blutreinigung oder Expurgation durch Ader - laſſen und purgiren: Fallopius verſtehet hierunter die Verletzung, und macht drey Sorten der Veraͤnderung, (1) die gar nicht verletzet, und nur die Haut ſchwaͤrtzet, (2) ſo der Natur gantz zuwider, und auch die Haut verletzt, (3) welche ſich gegen dieſelbe beyde mittelmaͤßig verhaͤlt, nach Be - ſchaffenheit der Sachen.

Althæa Ægyptiaca, ſiehe Abel-Moſch.

Althæa, Bismalva, Malvaviſcus, Althee, Eibiſchwurtz, Heil - wurtz, waͤchſt gern an fetten und feuchten Oertern, bluͤhet im Julio und Auguſto. Die Wurtzel und Blaͤtter laxiren, zertheilen, mildern die Schaͤrffe, treiben gelinden Schweiß, lindern die Schmertzen: die Wur - tzel mit Zimmet in Waſſer gekochet, treibet die Affter-Buͤrde, reiniget die Mutter nach der Geburth; aͤuſſerlich zerſtoſſen und mit ein wenig Zucker vermiſchet auf die Wartzen geſtrichen, heilet derſelben Ritzen: hievon iſt præparirt deſtillat. Mucilago, Syrupus und Ungventum ſimplex und compoſitum.

Aludel, Alutel, ein Sublimir-Gefaͤß.

Alvearium, Alveolus, die Hoͤle in dem Ohr, bey dem Gehoͤrgang, wo ſich der Unflath der Ohren, oder Ohren-Schmaltz zu ſetzen pfleget.

Alveoli, die Loͤcher in den Kiefern, in welchen die Zaͤhne ſtecken, werden auch Sinus oder Foſſæ genannt.

Alumen catinum, iſt Weid-Aſche; ſiehe Cinis infectorius, und Sal alcali.

Alumen fæcum, Truſen-Aſche, wird von Wein-Hefen gebrannt, und zu einem ſcharffen Saltz calciniret.

Alumen plumoſum, Federweiß, wird von dem Valentini fuͤr ein recht natuͤrlich Allaun gehalten: es iſt von deſſen Gebrauch und Nutzen bis dato wenig zu leſen, mochte aber wohl mit dem gemeinen Allaun in vielen uͤberein kommen, weil ſie faſt einerley Geſchmack haben.

Alumen33AL

Alumen rupeum, crudum, de Rocha, der gemeine Allaun, iſt ein ſauer und ſehr herbes mineraliſches Saltz, welches von dem ſauern Erd-Geiſt, und von demſelben durchfreſſenen Steinen gezeuget wird, nach deren Unterſcheid er vielerley Geſtalt und Farben an ſich nimmt; kommet meiſtentheils aus Jtalien und Engeland; wiewohl auch ietzo in Teutſchland zu Luyck und zu Saalfeld, Ziegenhayn in Heſſen ꝛc. eine groſſe Quantitaͤt gemachet wird, und zwar alſo: Erſtlich werden die Al - laun-Steine gebrochen, darauf in einem Kalck-Ofen gebrannt, nach - dem werden ſie Hauffen-weiſe an geraume Plaͤtze gefuͤhret, wol einen Monat lang alle Tage 4. mal mit Waſſer beſprenget, darauf in groſſe Keſſel gethan, Waſſer daruͤber gegoſſen, unter ſtetem Ruͤhren gekochet, bis die Allaun-Schaͤrffe ausgezogen iſt: hernach wird das klare Waſſer von den Hefen abgelaſſen, und in eichene hoͤltzerne Gefaͤſſe gethan, und darinnen zum Cryſtallen-anſchieſſen gelaſſen, welche gemeiniglich acht - auch zehen-eckigt ſind: und auf dieſe Weiſe wird nicht nur der Roͤmi - ſche Allaun in Jtalien, ſondern auch der Engliſche und Teutſche gemacht. Jn der Medicin ſtopffet er in der weiſſen und rothen Ruhr, auch an - dern Blutſtuͤrtzungen; wider Zahn-Bluten miſchet man ihn mit geſtoſ - ſenen Muſcaten; einige thun Salia ſixa darzu, und curiren die Wech - ſel-Fieber damit.

Alumen ſaccharinum, Allaun-Zucker, wird aus dem gemeinen Allaun gemacht, wann derſelbige mit Roſen-Waſſer und Eyer-Weiß zu gehoͤriger Conſiſtenz gekochet, und zu kleinen Pyramiden wie Zucker-Huͤte formiret wird, von welcher Geſtalt ihm der Name gegeben worden: das Frauen-Volck brauchts zum Schmincken.

Alumen Scajolæ, iſt nicht Allaun, ſondern vielmehr eine Art Schieferſtein, wird nur ſo genennet, weil er ſich in Scajas oder Squamas theilen laͤſt; ſonſten wird es beſſer Lapis Schiſtus albus und pellucidus genennet.

Alumen uſtum gebrannt Allaun, wird aus dem gemeinen und in einem Loͤffel ſo lange geſchmoltzenen Allaun, bis er in einen weiſſen Kalck zerfaͤllet, gemacht: wird zum Abaͤtzen in aͤuſſerlichen Schaͤden gebraucht, nimmt das faule Fleiſch in den offenen Schaͤden hinweg, und ſaubert ſie. Vornehme Leute thun ihn zerſtoſſen unter die Arme oder unter die Fußſohlen, wenn ihnen die Fuͤſſe und Achſeln uͤbel riechen.

EAluta,34AL

Aluta, insgemein iedes Leder, bey den Chirurgis aber wird dar - unter dasjenige Leder verſtanden, auf welches ſie Pflaſter ſtreichen.

Alvus, der Leib, oder unterſte Theil des Leibes, durch welches die Excrementa natuͤrlicher Weiſe ausgefuͤhret werden.

Alvi adſtrictio, Suppreſſio, verſchloßner Leib, oder verſtopſft, wird genennet, wenn die Feces oder der Koth nicht zu rechter Zeit abge - fuͤhret, ſondern etliche Tage mit groſſer Muͤhe behalten wird; von dieſem iſt Grad-weiſe die Hartleibigkeit, Alvi ſegnities, alvus pigra, ſegnis un - terſchieden, wenn der Leib nicht gaͤntzlich verſtopffet iſt, ſondern man um den andern und dritten Tag mit groſſer Beſchwerde zu Stuhl gehet. Die Urſachen ſtecken theils in den Gedaͤrmen, theils in dem Koth ſelbſten; in dem Koth, wenn derſelbe gar zu trocken iſt, und ihm das Serum ge - bricht, oder wenn er mit einem herben und adſtringirenden humore an - gefuͤllet iſt: in den Gedaͤrmen, wenn ſie entweder inflammiret, oder com - primiret ſind, einen Bruch haben, wenn der Motus periſtalticus gebricht, oder wenn das rectum an einer Laͤhmung laboriret. Nun werden wider Trockenheit des Koths Humectantia, als Butter-Milch, Thée, Coffėe, item Zucker, Honig, Manna, Feigen, Corinthen, ein Decoct aus rad. Alth. Lilior. alb. Polypod. herb. Malv. Mercurial. Branc. Urſin. Paſſul. min. Cremor. �ci Syrup. Roſar. ſolutiv. &c. dienen; die Schaͤrffe der Saͤffte verbeſſern Lap. 69. C. C. uſt. Limatur. tis, Ebur. uſt. Corall. Matr. perlar. ſigillat. Hierbey werden auch erweichende Clyſtire und Baͤder zutraͤglich ſeyn. Paralyſin der Gedaͤrme hebet man mit Deco - ctis und Nerven ſtaͤrckenden Clyſtiren aus Ruta, Salvia, Roremarin. Origan. Serpill. Chamæpit. Chamædr. flor. Pæon. Stœchad. arabic. Anthos, rad. Doronic. Caryophyllat &c. Den Motum periſtalticum in Ordnung zu bringen, brauche man ſcharffe Purgantia aus reſin. Jalap. Scammon. diagryd. purgant. aͤuſſerlich dabey Fel tauri mit pulv. Scammon. oder Colocynth. oder radic. Armorac. mit Schmaltz, warm auf den Nabel geleget.

Alvi fluxus, der Bauchfluß, uͤberfluͤßige Stuͤhl, ſiehe Diarrhœa.

Alvi tormina, Winde und Grimmen im Leibe, ſiehe Tormina Ventris.

Alvus pigra, ſegnis, Hartleibigkeit, ſiehe Alvi adſtrictio.

Alypias, ein Artzney-Mittel, welches die ſchwartze Galle abfuͤhret, es wird eine Art vom Tutbith hierunter verſtanden.

Alyſſon Galeni, iſt ein Spaniſch Kraut, kommt dem Marrubio bey, iſt ein ſonderlich Specificum wider die Hydrophobie: Renealmus inObſer -35AMObſervat. hat eine Eſſenz davon, mit welcher er etliche Hydrophobicos gantz gluͤcklich curiret hat.

Amalgama, eine ſchichtweiſe Vermiſchung zweyer Dinge, ſo, daß erſt eins, und hernach das andere darauf geſetzet, und ſie in einen Klumpen gebracht werden; oder es iſt eine, vermoͤge des Queckſilbers, gemachte Calcination der Metalle.

Amalgamatio, Amalgamiren, iſt eine chymiſche Arbeit, darunter wird verſtanden, wenn Gold, Silber, Zinn und Bley, (wiewol es auch mit Eiſen und Kupfer, aber langſamer, angehet, und kein ſolch tractabel Amalgama wird) vermittelſt des Mercurii, alſo ſolviret und vereiniget werden, daß daraus eine ziemlich flieſſende und ausdehnliche Maſſa werde. Man wird obſerviren, daß, ſo bald man zu vier oder mehr Theilen im Tiegel warm gemachten Mercurii, geſchlagen oder gefeilt Metalls ein Theil miſchet, beſagte Metalle ſich vereinigen werden, und die Operation beynahe geendiget ſey, da wird denn nichts mehr uͤbrig ſeyn, als daß das Amalgama im Waſſer gereiniget, und dis Mercurial-Theilgen, welche ſich nicht recht mit dem Metall vereiniget haben, durch ein Leder ausge - druͤcket und abgeſondert werden. Es geſchiehet das Amalgamiren noch auf eine andere Art, wenn nemlich der Rauch des Mercurii an die Me - talle ſchlaͤgt; allein dieſes gehet langſamer von ſtatten, als das erſte. Der Nutzen dieſer Operation iſt, daß es eine Art der Calcination ſey; denn, ſo bald man vom Amalgamate z. E. des Goldes, den Mercurium durch das Scheidewaſſer nimmt, wird man auf dem Grunde des Ge - faͤſſes das Metall unter der Geſtalt eines ſubtilen Kalcks finden.

Amara dulcis, ſiehe Dulcamara.

Amaracinon, iſt bey dem Dioſcoride eine Salbe aus Oelen und unterſchiedlichen Gewuͤrtzen bereitet.

Amaracus. ſiehe Majorana.

Amaranthus, Flos amoris, Tauſendſchoͤn, Sammetblumen, wer - den in Gaͤrten erzogen, und in Blumen-Feldern unterhalten; bluͤhen im Auguſt. Der Tranck von den Blumen wird wider alle Bauchfluͤſſe ſehr geruͤhmet, die Wurtzel auf den Zahn gehalten, ſtillet Zahn-Schmertzen, der zerſtoſſene Saamen mit Wein eingegeben, mehret die Milch in den Bruͤſten.

Amaror, amarum, Bitter, Bitterkeit.

Amatoria febris, ſiehe Chloroſis.

Amavroſis, Gutta ſerena, iſt ein Augen-Gebrechen, wird von ei - nigen, aber nicht recht, der ſchwartze Staar genannt. Das unfehlbareE 2Zeichen36AMZeichen dieſes Affects iſt die totale und vollkommene Blindheit ohn ein - zigen Mackel der Augen, ſo, daß der Aug-Apffel rein und gut ſcheinet: ſehr ſelten iſt hier eine vollkommene Cur zu hoffen, wenn die Humores vertrocknet, oder die Spiritus in Schuld ſind.

Ambra, Ambra gryſea vera, grauer Amber, iſt ein weiß-graues offt geſprenckeltes, und mit ſchwartzen Adern durchlauffenes leichtes Hartz, eines uͤberaus wohlriechenden Geruchs, wird meiſtens aus Oſt-Jn - dien gebracht, allwo es in Klumpen, von unterſchiedener Groͤſſe, auf dem Meer treibend gefunden wird, iſt ſehr und viel theurer als das Gold: die ſchwartze pechichte Materia aber, womit er insgemein auf der See umge - ben iſt, kan fuͤr die ſchwartze Amber paſſiren. Was aber eigentlich Am - ber ſey, ſind die Autores unterſchiedlicher Meynung, die meiſten aber halten dafuͤr, daß, weil der Amber, wie andere Hartze, ſich nur in Spiritu Vini auf - loͤſen laͤſſet, ſolcher fuͤr ein Bitumen oder Erb-Pech zu halten ſey, ſo aus ge - wiſſen Naphtha-Brunnen aus der Erden in das Meer geronnen, und allda von dem Waſſer coaguliret worden. Man hat zwey Sorten davon, nem - lich die gantz weiſſe und die graue; weil aber die gantz weiſſe entweder gar nicht zu bekommen, oder noch unreiff iſt, ſo brauchet man nur die graue, wel - che nebſt der ſchwartzen faſt allein bey den Materialiſten gefunden wird: muͤſſen alſo gehalten werden, daß keine Lufft darzu komme. Der beſte graue Amber muß in feinen Stuͤcken, inwendig voller gelben und ſchwar - tzen Tuͤpflein, nicht weich, ſondern hart, doch leicht und wohlriechend ſeyn. Die Probe des guten iſt, daß er, wenn er mit einem heiſſen Pfriem geſto - chen wird, ein Oel von ſich giebet, und der Geruch zugleich gut iſt; hierzu kommet noch, daß der rechte Ambra nicht ſo leicht im Waſſer erweiche, auch nicht ſo bald weich werde, wenn man ihn zwiſchen den Fingern tractiret, da hergegen der falſche wie Wachs erweichet. Er erwaͤrmet, ſtaͤrcket, erfri - ſchet die Lebens-Geiſter, erhaͤlt ein geſund und langes Leben, dienet wider viel Haupt-Kranckheiten: am meiſten wird die Eſſenz verſchrieben.

Ambra nigra, ſchwartzer Amber: Ob dieſer von Natur alſo wachſe, oder ob er kuͤnſtlicher Weiſe aus Biſam, Zibeth, Storax, Lada - no &c. gemacht werde, davon ſind weder die Gelehrten, noch Materia - liſten annoch einig. Schurtzius ſpricht, es ſey ein Compoſitum; die Par - fumirer brauchen ihn zu allerhand Galanterien.

Ambra Moſchata, moſchadirter Amber, Ambr. gryſ. opt. ʒj. Moſch. Orient. gr. XV. vom beſten Canarien-Zucker ʒiij. reib und miſch es unter einander in einem glaͤſern Moͤrſel mit olei Citri, Roſar. Ωana37AMana gutt. v. Cinnamom. gutt. ij. Caryophyll. gutt. j. und heb es im wohlvermachten Glaſe auf.

Amblyopia, ſchwach Geſicht, dunckele Augen; dis Vitium heiſt bey alten Leuten Caligo: koͤmmt vom verhinderten Einfluß oder Man - gel der Lebens-Geiſter her; hierwider wird wol nirgends anders her, als von den Brillen, Huͤlffe zu erwarten ſeyn.

Ambuſta, Ambuſtiones, Brand, Brand-Schaͤden: iſt eine, ver - moͤge des Feuers, geſchehene Læſion, bald der Haut allein, bald zugleich des Fleiſches, der Tendinum und Nerven. Die Symptomata, welche ſich hiebey finden, ſind Schmertz, Inflammation, Blaſen, bald mit, bald ohne Serum, und wenn es vom Schuß iſt, Schwaͤrtze des Theils; die Urſach iſt Feuer oder ſiedend Waſſer. Die Cur iſt bald leicht, bald ſchwer; leicht iſt ſie in geringen Brand-Schaͤden, anders aber, wo die tendinöſen Theile mit verbrannt; und noch aͤrger, wo man den warm - und kalten Brand zu beſorgen hat. Jm erſten Fall hat man darauf zu ſehen, daß nicht Blaſen aufſchieſſen; das erlanget man, wenn man den lædirten Ort mit Speichel befeuchtet, und am Feuer trocknen laͤſt, oder wenn man Zwiebeln mit Saltz und Seiffe, oder mit ol. p. d. im Moͤrſel zerſtoͤſſet, oder Lacke, oder ſcharff geſaltzene Butter, oder mit Eßig vermiſchet appliciret: dieſe Mittel aber gehen gar nicht an, wenn der Brand tieff, das Fleiſch mit angegriffen und Blaſen aufge - worffen hat; allda werden die Blaſen aufgeſchnitten, und dann Ad - ſtringentia und Defenſiva aufgelegt, als Dinte, Bol. Armen. mit pulver. Gallarum, Sangv. Dracon. mit ol. Roſar. zum Unguent gemachet, item Emplaſtr. Saturnin. Unguent. Alabaſtrin. ſonderlich ol. Lini oder Roſar. mucilag. ſem. Cydonior. oder Calcis vivæ q. v. gieſſe ſo viel Waſſer darauf, daß es 4. bis 5. Finger breit uͤber den Kalch gehet, und wenn ſich der Kalch geloͤſchet, ſo laß es alſobald durch ein filtrum lauffen. Zu dieſem Waſſer thue Olei Roſar. oder Lilior. alb. q. ſ. und reibe es in einem bleyernen Moͤrſel wohl untereinander, daß ein weiß Unguent dar - aus werde. Folgend Liniment ruͤhmet Dolæus ſehr, ſonderlich, wenn der Brand vom Pulver iſt:

  • Ceruſſ.
  • pulv. rad. Conſolid. maj. ß.
  • lap. Calaminar.
  • Lithargyr.
  • Minii iiß.
E 3Cam -38AM
  • Camphor. ß.
  • ol. Rapar. q. ſ.
  • f. Ungvent.
  • Brand-Salbe.

Wenn die Brand-Schaͤden in Abſceſſum oder Gangrænam degeneriren, ſo werden ſolche Mittel erfordert, welche wider dieſe Affecten ſpeciſice gerichtet, und an ihren gehoͤrigen Oertern zu ſuchen ſind. Alſo iſt mir ohnlaͤngſt folgender Caſus begegnet: ein Becker-Geſelle, welcher ſonſten Epilepſia habituali laborirte, wird unvermuthet vom Paroxyſmo angegrif - fen, und faͤllt in die aus dem Backofen gefegten gluͤhenden Kohlen der - geſtalt, daß ihm der gantze lincke Arm auswaͤrts, von dem Brand, bis auf die Beine durch und durch lædiret worden; hierbey war nichts an - ders, als eine Mortifieation und folgliche Abnehmung, wo nicht der Hand, doch einiger Finger zu hoffen, doch hat unter meiner Direction der ſonderbare Fleiß und Sorge des Herrn Chriſtian Kuͤhnen, Chirurgi und Badern im Kneipff, alles beſorgliche Unheil abgewendet, nachdem er dieſes Decoct und Cataplasma &c. offt und warm gebrauchet:

  • ſpirit. Lumbric. �ſtr.
  • ci urinoſ.
  • matrical.
  • Galban. ana j.
  • eſſent. Galban. j.
  • aq. Quercetan. ij.
  • Elixir vitæ ʒj.
  • Sal. vol. oleoſ.
  • eſſent. Caſtor. ana ʒj.
  • Camphor. ʒj.
  • Decoct. mei uſual. ad Sphacel. iij.
  • m. d. ad vitrum ſuber. munit.
  • pulv. radic. Enul.
  • herb. Abſinth.
  • Carduibened.
  • Scord.
  • Rut.
  • Salv.
  • Leviſtic. ana. Mjv.
  • Cherefol. M. iij.
bacc. 39AM
  • bacc. Laur.
  • Juniper.
  • ſem. Aniſi.
  • Cumin.
  • Fœnicul. ana ij.
  • Macis.
  • Nuc. Moſch. ana .
  • Aloës.
  • Myrrh. ana x.
  • Caryophyll. ij.
  • coq. in Mulſ. aut loco hujus
  • Vin. gallic. & lixiv. fortiſſ.
  • ana q. ſ.
  • f. Cataplaſma.
  • warm umzuſchlagen.

Amentia, Aberwitz.

Amethyſta, ſind Artzney-Mittel, welche vor der Trunckenheit præ - ſerviren, als bittere Mandeln.

Amethyſtus, Amethyſt, iſt ein roͤthlicher Edelſtein, welcher durch - ſichtig, und wie Pfirſig-Bluͤt anzuſehen iſt, kommt aus Jndien und Ara - bien, welchem der Boͤhmiſche bey weitem nicht gleich iſt: dienet, auſſer dem Aberglauben, wider die Trunckenheit und boͤſe Gedancken.

Amianthus, Asbeſtus, Stein - oder Erdflachs, iſt ein faſichter, ſchwartz-gruͤnlicht ſchieferichter Stein, welcher ſich wie Federn von einan - der reiſſen laͤſſet, und von dem Feuer nicht verzehret noch verbrennet, ſon - dern nur weiſſer und ſauberer wird: kommt meiſtens aus Jndien und Tuͤr - ckey. Dieſes iſt derjenige Stein, woraus die alten Roͤmer ihre unver - brennliche Leinwand gemacht haben, worinnen der Koͤnige und anderer Magnaten Leiber verbrannt, und alſo die Aſche conſerviret wurde, indem derſelbe alſo zubereitet werden kan, daß man ihn zu Faden ſpinnen, und Leinwand daraus weben koͤnne, (welches fuͤr ein groſſes Arcanum zu hal - ten) welche im Feuer nicht verbrennet, ſondern nur weiſſer und von aller Unreinigkeit geſaubert wird. Dienet in der Medicin, innerlich wider den weiſſen Fluß in Wein oder Brandtwein: in der Officin iſt das Linimentum de Amianto wider den boͤſen Grind, es iſt auch eine andere Salbe darvon, womit man die Hand ſalben, und nachmahln das Feuer ohne Schaden an -greiffen40AMgreiffen ſoll, welche Ettmüllerus in ſeinem Commentario Schröd. p. 797. aus dem Aldrovando alſo beſchrieben hat:

  • pulv. Amianthi.
  • Calc. viv. exſic.
  • album Ovor.
  • Alth.
  • Succin.
  • ſem Hyoſciam.
  • q. v.
  • vermiſche alles zum Liniment.

Ammi verum, Semen Ammeos, Cuminum Æthiopicum, Ammey - Saat, wird von den Scribenten als ein ſehr kleiner, runder und geſtreiff - ter Saamen beſchrieben, ſo dem Sand gleich ſey, und ſoll alſo viel klei - ner als der Peterſilien-Saamen ſeyn; der aber, welcher ietzo in den Apo - thecken und bey den Materialiſten zu finden iſt, kommt mit ſolcher Be - ſchreibung gar nicht uͤberein, denn er iſt laͤnglicht, faſt wie Kuͤmmel, auch nicht ſo klein, dahero iſt zu zweifeln, ob man heutiges Tages den rech - ten und aufrichtigen Ammey-Saamen antreffe. Das Kraut waͤchſt gleich dem Fenchel und Dill; die Guͤte dieſes Saamens wird aus dem ſcharffen aromatiſchen Geſchmack, und ſtarckem Geruch erkannt, muß kernhafft, vollkommen, friſch und ſauber ſeyn: zertheilet die Winde, die - net wider die Colic, Mutter - und Stein-Schmertzen, vornemlich wider den weiſſen Fluß und Unfruchtbarkeit der Weiber; kommt zum Theriac, wird auch unter die vier kleinen erwaͤrmenden Saamen gezehlet.

Ammoniacum gummi, beſtehet aus gelblichten, theils auch weiſ - ſen dichten Koͤrnern, hat einen ſcharffen, bittern und hartzigten Ge - ſchmack, auch ſtarcken, dem Knoblauch nicht ungleichen, Geruch, wird in groſſen Stuͤcken, worinnen viele weiſſe Koͤrnlein ſind, aus Oſt-Jndien gebracht. Das Kraut, woraus dieſes Gummi flieſſet, wird von Schrœ - dero Metopia, vom Wormio Agaſyllis genennet, ſoll in der Landſchafft Lybien bey Cyrenen, und bey dem Tempel des Gottes Jupiter Ammons wachſen; weil aber dis Gummi aus dem Kraut in den Sand lauffen ſoll, ſo iſt es gemeiniglich mit Sand, kleinen Steinlein und Holtz vermen - get, und wird deßwegen bey den Materialiſten in dreyerley Sorten ge - theilet, als:

Gummi ammoniacum finum, das gar feine.

in41AM

in granis, granulirtes.

in pane, in Kuchen.

Das beſte muß ſchoͤn, groß, weiß und gelb wie Weyrauch, granuliret ſeyn, einen Bibergeilichten widrigen Geruch haben, mit keinen Rinden, Holtz oder Sand vermenget ſeyn, die Kuchen ſollen viel ſchoͤne reine Koͤrner untermenget haben; wird es unter den Fingern weich, ſo iſt es auch ein gutes Zeichen: es iſt ein vortrefflich Mittel, den zaͤhen harten Schleim und Rotz im Magen, Gedaͤrm, Lung und Miltz aufzuloͤſen, und gelind auszufuͤhren, dienet deswegen wider Miltz-Beſchwerungen, Keuchen und kurtzen Athem, aͤuſſerlich erweichet und zertheilet es die Knollen am Halſe, die Glied-Schwaͤmme: auch ſind hievon die Pilulæ de Ammo - niaco und der Spiritus præpariret, ingleichen des D. Michaelis Spiritus aſthmaticus.

Ammoniacum ſal, ſiehe Sal.

Amnios, das Schaf-Haͤutlein, iſt ein duͤnnes, weiſſes, weiches und durchſichtiges Haͤutlein, welches die gantze Frucht im Utero von al - len Seiten umfaſſet; dieſes Haͤutlein hat eine helle Feuchtigkeit in ſich, ſo einer Lake von gewaſchenem Fleiſch gleich kommt, worinnen die Frucht die gantze Zeit des Schwanger-Gehens frey und ungehindert ſchwimmet, macht den Weg zur Geburth ſchluͤpffrig, daß das Kind leichter zur Welt kommt.

Amomum racemoſum, iſt das rechte Amomum Dioſcoridis, beſte - het aus Purpur-farbichten und beynah viereckigten Saamen-Koͤrnlein, welche ſo accurat zuſammen geſetzet ſind, daß ſie einige runde Koͤpfflein formiren, welche mit einer runden und weißlichten Huͤlſe umgeben, und alſo einem Trauben-Korn aͤhnlich ſind: die Koͤpfflein hangen, wie die Trauben, an einander an einem Stiel, worauf ſie gleichſam, wie der Pfeffer, hart angeleimet ſind; werden aus Jndien in Holland gebracht; es muß ſchoͤne, friſche, runde, weiß-gelblichte, ſchwere und mit Koͤrnern wohl angefuͤllte Huͤlſen haben, auch groben und kernhafften Saamen, welcher ſcharff, aromatiſch, und den Cardamoͤmlein gleich iſt: dieſe Koͤr - ner werden zum Theriac gebrauchet.

Amor inſanus; Furor uterinus, die naͤrriſche oder wuͤtende Liebe, iſt eine Kranckheit der Jungfrauen, wenn ſie, aus gar zu groſſer Geil - heit und Begierde, zu wuͤten und zu toben anfangen, und faſt gantz naͤr - riſch werden. Solcher Art Exempel werden bey den Practicanten hin und wieder angemercket: die beſte und gewiſſeſte Cur iſt der Beyſchlaf; weilFaber42AMaber dieſer nicht allen vergoͤnnet, ſo muß man kuͤhlende und Saamen - daͤmpffende Mittel zur Hand nehmen, als ſem. Agn. caſt. 4. frigid. maj. Nymph. Cannab. Lactuc. Portulac. Cicut. Camphor. Sacchar. ni, Eſſent. Caſtitatis, item eine gute Venæſection.

Ampelitis, Terra ampelitis, Erdhartz, iſt ein ſteinigtes, und dem Gagate beynahe gleiches Hartz, auſſer daß es nicht ſo gern brennet, noch alſo nach Hartz riechet, auch viel leichter ſich in Schiefer zertheilen laͤſſet: wird an einigen Orten in den Wein-Gaͤrten um die jungen Reben geſtreuet, weiln es die kleinen Wuͤrmer, ſo die Augen daran abfreſſen, toͤdtet; in der Medicin aber iſt dieſes ſimplex noch nicht ſonderlich bekannt.

Amphibium, heiſt ein Thier, welches in und auſſer dem Waſſer zu - gleich lebet, wie die See-Kuh, Biber ꝛc.

Amphibleſtroides, ſiehe Retina.

Amphibrachia, ſiehe Tonſillæ.

Amputatio, ſiehe Sectio.

Ampulla, ſiehe Eſſere.

Amuleta, Periapta, Periammata, Anhaͤngſel: hierunter werden ſol - che Artzneyen verſtanden, welche um den Hals, Arm oder andere Theile des Leibes gehangen werden, ein und andere Kranckheit auf ſolche Art zu heben; bey dieſer ihrem Gebrauch gehet viel Eitelkeit, Aberglauben, Leichtglaͤubigkeit vor, wie ſolches die taͤgliche Experienz bekraͤfftiget, da - hero nennet ſie Galenus recht unvernuͤnfftige und abſurde Mittel, denn auf ſolche Art wuͤrcken ſie nichts; und ſo ja etwas geſchiehet, ſo geſchie - hets durch die phantaſtiſche Einbildung, denn welche kein Vertrauen dar - auf ſetzen, empfinden auch keinen Nutzen davon. Alſo iſt wider das abor - tiren ein Amuletum die Elends-Klau, Adlerſtein, wider das Auſſahren im Schlaf der Agtſtein, wider Fieber Laub-Froͤſche um den Hals gehangen, wider ſchwer Zaͤhnen der gruͤne Jaſpis, wider Mutter-Beſchwer Caſto - reum, Galbanum &c. D. Wolff hat einen ſchoͤnen Tractat, Scrutinium amuletorum genannt, in 4to davon geſchrieben.

Amurca, Oeldruſen Oelhoͤfen.

Amydum, ſiehe Amylum.

Amygdalæ, die Mandeln am Halſe, ſiehe Tonſilla.

Amygdalatum, ſiehe Emulſio.

Amygdalus, der Mandel-Baum, iſt den Pfirſig-Baͤumen ſehr gleich, hat auch eine dergleichen fleiſchfarbigte Bluͤte, wornach die Frucht erfolget, ſo auswendig mit einer laͤnglichten gruͤnen Schale, wie dieWelſchen43AMWelſchen Nuͤſſe, umgeben iſt, welche endlich, wenn ſie zeitig worden, auſſpringet, und die Mandeln in einer andern ſehr harten Schale fallen laͤſt, welche nachmalen zu eroͤffnen, und die Kerne daraus zu ſammlen ſind: es giebt noch eine Art, an welcher dieſe holtzigte Schale ſo zart iſt, daß man ſie mit den Zaͤhnen aufveiſſen kan, werden theils aus Franck - reich und Jtalien gebracht, theils in Teutſchland, abſonderlich in der Pfaltz, um Tuͤrckheim, Landau ꝛc. haͤuffig geſammlet. Dieſer Frucht, oder der Mandeln, ſind zweyerley Art, nemlich die

Amygdalæ amaræ, bittere Mandeln, ſie ſtaͤrcken den Magen, treiben den Urin, verhuͤten die Trunckenheit, das Oel hievon dienet wi - der Gebrechen der Ohren, macht eine ſchoͤne Haut, welches auch die Kley thut.

Amygdalæ dulces, ſuͤſſe Mandeln, dieſe werden in zwey Sorten getheilet, davon die eine Ambroſin, ſo groß und hoch an der Farbe ſind, die andern Commun-Mandeln genennet, und dieſe ſind kleiner, und nicht von ſo ſchoͤnen Koͤrnern: ſie ſtaͤrcken die Frucht der ſchwangern Weiber, mehren den Manns-Saamen, ſind den Lung - und Schwind - ſuͤchtigen ſehr dienlich; hiervon iſt das ſuͤſſe Mandel-Oel, welches den neugebohrnen Kindern mit, oder ohne einige purgirende Saͤffte eingege - ben wird, damit die ſchwartzen Unreinigkeiten beyzeiten aus dem Leibe geſchaffet werden; bey Erwachſenen linderts die Stein-Schmertzen, befoͤrdert den Nieren - und Blaſen-Stein, ſtillet die Colic, befoͤrdert das Auswerffen im Seitenſtechen, Huſten ꝛc. Es ſoll ein Pfund Mandeln vj. Olei geben, wie Vielheuer angemercket hat.

Amylum, weiſſe Staͤrcke, Krafft - oder Amelmehl, wird aus gutem Weitzen auf dieſe Art zubereitet: Man nimmt die beſten und vollkommenſten Weitzen-Koͤrner, und nachdem ſie ſauber gewaſchen, ſo gieſſet man rein Fließwaſſer daruͤber, laͤſſet ſie darinnen liegen, und gieſ - ſet taͤglich das Waſſer ab, und wieder friſches daruͤber; wann ſolches etwa 5. oder 6. Tage geſchehen, und der Weitze gantz weich worden, laͤſſet man das letzte Waſſer in ein ſauber Gefaͤß ablauffen, drucket das uͤbrige durch ein Tuch, und damit die Krafft und Marck heraus komme, gieſſet man von dem letzten Waſſer etwas zu, laͤſſet nachgehends ſich alles ſetzen, gieſſet offt allmaͤhlich das Waſſer, ſo ſich oben ſetzet, ab, und trocknet das uͤbrige an der Sonne, laͤſſet es in Klumpen zuſammen, ſo iſt ein gut Krafftmehl fertig: wird in Teutſchland, Holland, auch bey uns in Preuſſen haͤuffig gnug gemachet. Das beſte iſt, welches ausF 2groben44ANgroben, doch leichten, gantz weiſſen Klumpen beſtehet, welche wohl aus - getrocknet, kraus, und am Geſchmack nicht ſauer, auch, ſo man die Stuͤcken von einander bricht, nicht ſchimmlicht, ſondern inwendig, wie auswendig, ſchoͤn weiß ſind; ſie muͤſſen auch zart und nicht zu hart ſeyn, welches letztere geſchiehet, wenn das Mehl nicht an der Sonnen, ſon - dern auf dem Ofen, wo es auch graulicht wird, getrocknet iſt. Sein Nutzen iſt allen Waͤſcherinnen bekannt, nicht weniger den Zucker-Baͤ - ckern; doch aber dienet der davon gekochte Brey wider die Bauchfluͤſſe, wird auch zu denen Oblaten, ſo man zu eſſen pflegt, und zu denen, mit welchen Briefe geſiegelt werden, gebrauchet.

Ana, ſiche A.

Anabrochiſmus und Anabronchiſmus, iſt eine Chirurgiſche Opera - tion, da man haͤngende Wartzen und andere Gewaͤchſe mit einem ſeidenen Faden oder Pferde-Haar umbindet, ihnen den Weg zur Nahrung beſchnei - der, daß ſie alſo verdorren und abfallen muͤſſen.

Anacardium, Elephanten-Laus, iſt eine ſchwartz-glaͤntzende und etwas zuſammen gedruckte Frucht, wie ein Vogel-Hertz anzuſehen, wel - che unter einer doppelten Schale einen weiſſen ſuͤßlichten Kern, zwiſchen den beyden Schalen aber einen dunckel-rothen, ohlichten und ſcharffen Schleim, wie Honig, haͤlt, werden von Cananor, Cambaja und Malabar aus Oft-Jndien gebracht. Die Botanici ſchreiben, daß dieſe Frucht an einem Baum wachſe, welcher doppelte glatte Blaͤtter, kleine gelbe Bluͤmlein, und dieſe Fruͤchte trage, wird in dem Horto Malabarico Tom. IV. OEPATA genennet. Die Fruͤchte ermuntern die Lebens - Geiſter, und dienen wider viel Haupt-Kranckheiten der. Alten, als Schlag-Laͤhmung der Glieder, ſchwaches Gedaͤchtniß: die Alten haben hievon die bekannte Confectionem anacardinam, Mel anacardinum, und auch oleum Anacardii, werden aber ietzund ſelten verſchrieben.

Anacatharſis, eine Reinigung durch Speyen und Brechen. Blan - card aber im Lexico will iede Artzney, welche von oben ausfuͤhret, hierun - ter verſtanden haben, als Brechen, Nieſen, Spucken ꝛc.

Anacollema, ein Doͤrrband, iſt ein ſehr adſtringirend Cataplaſma, welches die Chirurgi im Anfang der Luxationen oder Bein-Bruͤche auf - legen; man macht auch auf die Stirn ſolche Umſchlaͤge von anhaltenden Pulvern, als Farina volatil. Sangy. Dracon. Acacia, Maſtich. Manna, Thure mit albumine ovi wider das Bluten, daß der ſtarcke Fluß der Humorum gehindert werde ꝛc. z. E.

Bol. 45AN
  • Bol. Armen.
  • ſigillat.
  • Thuris jv.
  • Aloës.
  • Maſtich.
  • ſangv. Dracon. ʒj.
  • Farin. volatil.
  • pilor. Lepor. inciſ. ß.
  • album. Ovor. q. ſ.
  • f. Anacollema.

Anagallis aquatica, Beccabunga, Waſſer-Gauchheil, Bachbun - gen, waͤchſt haͤuffig an den Ufern, bluͤhet im Majo und Junio, wird mit groſſem Nutzen wider den Scharbock mit Loͤffelkraut und Brunnkreſſen gebrauchet; hievon iſt præpariret deſtillat. der ausgepreßte Safft und Syrupus: der Safft vertreibet die Flechten, Sommer-Sproſſen und Fin - nen im Geſicht, wenn ſolche damit beſtrichen werden.

Anagallis terreſtris, mas und fœmina, Gauchheil, Maͤnnlein und Weiblein, waͤchſt in Gaͤrten und auch auf den Aeckern, an ſchattichten Orten, bluͤhet im Majo: und dann den gantzen Sommer; iſt ein gut Wund - und Schmertz-ſtillend Kraͤutlein; in den Haͤnden gehalten, ſtil - let das Naſen-Bluten: hievon iſt deſtillat. ſuccus und oleum. D. Mi - chael hat aus Anagallide, Hyperico und Eſels-Blut eine Eſſenz bereitet, mit welcher er auch angefeſſelte Maniacos curiret hat.

Anagyris non fœtida, ſiehe Laburnum Dodonæi.

Analeptica, ſind ſolche Artzney-Mittel, welche die mangelnden Le - dens-Geiſter erſetzen, und die verlohrnen Kraͤffte ſtaͤrcken und wieder - bringen, als Spaniſcher Wein, Sect ꝛc. alle mit oder Wein abge - zogene und Ω, wie Magnanimit. Maſtichin. Carbuncul. Apople - ctic. Ω Meliſſ. flor. Tiliæ, Lilior. convall. Ceraſor. nigror. Cheiri, Rubi idæi, Cydonior. ſyrup. Aurantior. Citri, Meliſſ. eſſent. Ambræ, Moſchi &c. ſind vortrefflich gut wider Hunger, Diarrhœam, Hæmorrhagien, Miß - brauch des Venus-Spiels, vieles Wachen, uͤbermaͤßigen Schweiß und Schwachheit des Leibes.

Ananas, iſt eine ſehr ſchoͤne und uͤberaus liebliche Jndianiſche Frucht, beynahe wie ein Tannzapffen formiret, aber mit weichen und ſafftigen Schuppen begabet; iſt ſo groß als eine Melon, und hat oben, wo ſie an - fangs Feuer-roth wie Zinnober, nachmalen aber bleicher iſt, einen StrausF 3von46ANvon kleinen Blaͤttern, kommt am Geſchmack den Erdbeeren nahe, und hat einen anmuthigen Geruch. Dieſe herrliche Frucht waͤchſet nicht anders als eine Artiſchock, mitten aus einem Apffel-tragenden Kraut, welches Matzalti, oder Pineæ Indicæ genannt wird: ſie iſt mit langen breiten Blaͤttern, wie die Schwerdt-Lilien, beſetzet, die auf beyden Sei - ten voller Spitzen, auf dieſen waͤchſt die Frucht. Es ſind dreyerley Ar - ten dieſer Fruͤchte, 1. die groſſe und weiſſe Ananas, die 2. dem Zucker - Hut aͤhnlich, die 3. die kleine Ananas. Die Americaner haben einen Wein von dieſer Frucht, welcher die Spiritus ſtaͤrcket, und das gantze Ge - muͤth erfreuet; ietzund findet man zu Paris und andern Orten dieſe Frucht mit Zucker eingemacht, ſoll ein herrlich Eſſen ſeyn, ſtaͤrckt den Magen, die Natur, und bringet alten Leuten die natuͤrliche Waͤrme wieder.

Anaphthia, ſiehe Anavdia.

Anapleroſis, eine Fuͤllung, wenn man was leeres wieder voll ma - chet; in der Chirurgie wird verſtanden, wenn man was mangelhafftes erſetzet, als eine kuͤnſtliche Naſe, Fuß ꝛc. anſetzen, tieffe Wunden wieder mit Fleiſch fuͤllen ꝛc.

Anarrhinum, ſiehe Antirrhinum.

Anaſarca, Hypoſarca, Leucophlegmatia, getunſen oder geſchwol - len ſeyn, iſt eine rotzigte, ſtockende Geſchwulſt am gantzen Leibe, glaͤntzet da - bey, und wenn man mit einem Finger darauf druͤcket, ſo bleibt eine Spur oder Gruͤbgen nach: die Urſache iſt ein zaͤher Safft oder Humor des Bluts, welcher in den Poris entweder des gantzen Leibes, oder nur eines gewiſſen Theils ſtocket. Die hierzu Gelegenheit gebenden Urſachen ſind alle, welche die Chylification verletzen, als zaͤh - und ſchleimigte Speiſen, Mißbrauch des Venus-Spíels, Nacht-Studiren, uͤbermaͤßige und hefftige Gemuͤths - Bewegungen, item Geſchwuͤre der innerlichen Theile, ſonderlich der Lun - gen ꝛc. Die Cur iſt nach den Urſachen mancherley, denn, wenn die primæ viæ pecciren, ſo dienet vor allen ein Vomitiv oder Purganz, hernach Reſolventia, und Diaphoretica, als radix Ari, Armorac. Vincetoxic. Cichor. Helen. Zedoar. Galang. herb. Centaur. min. Carduibened. Abſinth. Rorismarin. Menth. Rut. Salv. Naſturt. Cochlear. Saturej. Thym. Puleg. Meliſſ. Hyſſop. Rhapontic. Dauci, Origan. und andere Aromatica und Salina Volatilia mehr.

Anaſtomoſis, bey dem Celſo heiſt es Oſculatio, hat zweyerley Be - deutung, (1) heiſt es die Oeffnung der aͤuſſerſten Theile der Blut-Ge - faͤſſe, (2) eine Muͤndung oder Zuſammenfuͤgung der Blut-Adern mit den Puls-Adern.

Anato -47AN

Anatomia, Anatome, Diſſectio, die Zergliederungs-Kunſt, iſt eine Zerlegung der Leiber der Thiere, dadurch aller Theile Wefen, Zuſam - menſetzung, Geſtalt, Ort oder Lager, Groſſe, Zahl und dero Nutzen zu - gleich mit dero Verrichtung bekannt gemacht wird: es bedeutet auch die - ſes Wort eine Zergliederung, die man nur in den Gedancken macht, da man nemlich der leiblichen Theile Weſen, Zuſammenſetzung, Geſtalt, La - ger, Zahl, Groͤſſe und dero Verrichtungen mit den Gedancken faſſet und erkennet, und in ſolcher Betrachtung kan dieſe letzte, Anatomia ſpeculativa, die Zergliederungs-Kunſt in Gedancken, die erſte aber Anatomia practica, die Zergliederungs-Kunſt in Wercken genennet werden.

Anatomica Inſtrumenta, Anatomiſch Geraͤth oder Werckzeug, als Tiſch, Meſſer, Scheere, Hamuli, Tubuli, Styli, Schwamm, Spritze ꝛc.

Anatomicus, heiſt derjenige, welcher die Kunſt hauptſaͤchlich und ex profeſſo treibet und exerciret, vornemlich aber wird es von einem Medico præſupponiret, daß er ein guter Anatomicus ſeyn muß.

Anatreſis, eine Durchbohrung, wird fuͤr trepaniren genommen: ſiehe Terebella.

Anatrope, Stomachi Subverſio, eine Magen-Umkehrung, wie - wol es nicht im eigentlichen Verſtande iſt, ſondern nur ein ſtarckes Vo - miren, ſo, daß dem Magen davon wehe thut.

Anatrum, Natrum Ægyptiacum, der Alten ihr Salpeter, ſolches hat man alſo natuͤrlich in Egypten gefunden, hat einen laugichten lixi - vioſen Geſchmack, ſo gar, daß man es an ſtatt der Seiffen gebrauchet.

Anavdia, iſt eine ſolche Kranckheit, da wegen eines Vitii der Laryn - gis die Sprache gebricht, oder die Stimme mangelt, wird unrecht von eini - gen Anaphthia geſchrieben.

Anchuſa, rothe Ochſen-Zungen-Wurtzel, iſt eine lange, dicke, holtzigte Wurtzel, auswendig roth, inwendig weiß, eines herben und anhaltenden Geſchmacks, ohne Geruch, waͤchſet haͤuffig um Montpellier in Franckreich, obwol die beſte aus Jtalien kommt; ſie muß friſch, zaͤhe, doch aber wohl ausgetrocknet ſeyn, auswendig recht blutroth, in - wendig aber weiß, und wenn ſie gerieben wird, eine ſchoͤne rothe Farbe geben, iſt innerlich wider die rothe Ruhr, Diarrhœe und Hæmorrhagien ſehr gut, wird aber nicht ſonderlich gebrauchet: ſonſten werden Medica - menta, Aqua vitæ mit gefaͤrbet, es wird auch das Ungventum rubrum potabile damit gemacht, wird auch zum Schmincken mißbrauchet. Man findet noch eine Art wilder Ochſen-Zunge, von dem MatthioloOnoſma48ANOnoſma genannt, hat viel rauhe und doch weiche Blaͤtter, wie die kleine Ochſen-Zung, die Wurtzel iſt lang und duͤnne, giebt einen blutrothen Safft, welchen die Maͤgdgens mit Roſar. oder Brandtwein vermi - ſchen, und ſich Morgens damit waſchen, daß ſie fein klar und roth ſcheinen.

Anciſtron, ſiehe Hamulus.

Ancon, ſiehe Brachium.

Ancoralis Proceſſus, ſiehe Proceſſus.

Ancteres, Hefften, Wundhefften, ſind gewiſſe Pflaſter, aus den ſtarck zuſammenziehenden Hartzen bereitet, vermittelſt welcher man die ſehr von einander ſtehenden Leffzen der Wunden zuſammen hefftet: dieſe Ope - ration wird von den Chirurgis Infibulatio genannt.

Ancubitus, flieſſend und truͤbe Augen, von eingefallenem Sand oder Gries.

Ancyle, iſt eine Art vom Krampff, wenn die Gelencke zuſammen gezogen, und in ihrer Bewegung verhindert ſind, geſchiehet offt an den Fingern und Zehen.

Ancyloblepharon, Palpebrarum coalitus, oder connexio, und weil dieſes Ubel allezeit in der Nacht geſchiehet, heiſt es auch Cohærentia no - cturna, iſt eine Augen-Kranckheit, wenn nemlich die Augen-Lieder entweder unter ſich, oder mit andern Theilen des Auges im Schlaf zuſammen backen, daß man ſie kaum eroͤffnen kan. Die - ſer Affect entſpringet aus einer zaͤhen Lympha, welche des Nachts aus den Druͤſen quillet, und die Augen-Lieder mit den Tunicis der Augen gleichſam verbacket. Dieſes Ubel zu heben, dienen erſt Laxantia von ra - dice Jalapp. und Mercur. dulc. dann ſchweißtreibende Mittel, als diaphor. Lapid. 69. Myrrh. Cinnabar. ii und nativ. aͤuſſerlich aber kan dieſer Liquor gut ſeyn:

  • Euphraſ.
  • Fœnicul.
  • Roſar. j.
  • Regin. Hung.
  • Tinctur. Croci, .
  • Ω��ci gutt. iv. miſce.

mit einem Tuͤchlein auf die Augen zu legen: iſt etwa Eyter von einem Geſchwuͤr, ſo dienet der Balſam. �is, dann kan das Emplaſtrum de gratia Dei aufgeleget werden.

Ancy -49AN

Ancylogloſſum, iſt ein Fehler der Zunge, und ſolches entweder angebohren, wenn nemlich die unterſten Membranen, welche die Zunge bin - den, von Natur kurtz oder hart ſind; oder von zufaͤlliger Weiſe, wenn ein unter der Zungen ſitzendes Ulcus eine harte Narbe gemachet. Diß Ubel wird auch Ancylion genannt, es findet ſich dabey ein ſehr ſchweres Reden. Es iſt nicht allemal noͤthig, ſonderlich bey Neugebohrnen, daß dieſes Liga - ment geloͤſet werde, denn die Experienz und des Hildani Hiſtoria Cap. III. Obſerv. 28. bezeugen, daß eine groſſe Gefahr nach ſolcher verwegenen Loͤ - ſung erfolget ſey.

Ancyroides, Coracoides, ſiehe Proceſſus.

Ancyromele, ſiehe Hamulus: beſſer aber heiſt es Ancylomele.

Andas, wird bey den Alten eine Floͤſſung oder Solution des Sal - tzes genannt.

Andria, ein Zwitter, welcher beyderley Geſchlechts Geburths - Glieder hat, doch daß das weibliche Geburths-Glied mehr zu ſehen.

Androgyni dagegen, heiſſen ſolche Hermaphroditen, da die maͤnnli - chen Geburths-Glieder beſſer zum Vorſchein kommen, als das weibliche.

Androſæmon, ſiehe Hypericum.

Anethum, Dill, wird in Gaͤrten, an ſandicht - und an der Sonnen liegenden Orten gezeuget, die Blaͤtter, Blumen und Wurtzel lindern die Schmertzen, bringen Schlaf, vertreiben die unkeuſchen Begierden, wider - ſtehen dem Gifft, mindern das Bauch-Grimmen; bluͤhen im Junio, Julio und Auguſto; Præparata ſind, das deſtillirte Waſſer, Oleum deſtillat. und inſolatum.

Anethum urſinum, ſiehe Meum.

Anevriſma, eine Puls-Ader-Geſchwulſt, iſt eine weiche und als eine Arteria ſchlagende Geſchwulſt, ſo lange der Tumor noch klein iſt; denn ie mehr er zunimmt, ie weniger wird der Pulsſchlag obſerviret; wenn das Blut in Anevriſmate coaguliret iſt, ſo ſchlaͤgt er nicht, Ruyſch. Obſerv. 38. p. 51. Ein ſolcher Tumor entſpringet von dem zwiſchen den Muſculis und der Haut geſammleten Blut, wegen lædirten oder nur erweiterten Haͤut - gens der darunter liegenden Arteriæ: insgemein ſind die vorhergehenden Urſachen Roſiones oder Wunden der Arterien, zuweilen iſt auch eine Er - weiterung gnung: ſolch ein Tumor iſt ein gefaͤhrlich Ding, ſonderlich wenn er groß iſt, denn wenn er aufbricht, oder ſcharff gedrucket, oder exulceriret, oder durch ein chirurgiſch Inſtrument geſchnitten wird, ſo folget gantz ge - wiß eine gefaͤhrliche, oͤffters auch wol gar toͤdtliche Hæmorrhagie. MitGder50ANder Cur hat man alſo zu procediren, man oͤffnet auf der gegenuͤber ſtehen - den Seite eine Ader, und wird eine ziemliche Menge Bluts heraus gelaſ - ſen, unterdeſſen leget man auf das beleidigte Theil adſtringentia aus Aloë, ſangv. Dracon. mit Eßig und Eyerweiß, und verbindet den Ort feſt mit Schindeln, oder eine Bley-Platte darauf, und laͤſt es alſo ſeyn, damit nicht ein neuer Zufluß des Blutes geſchehe: in dieſer Zeit muß ſich der Patient aller Dinge enthalten, welche das Blut erhitzen koͤnnen, hergegen aber muß er fleißig glutinantia und vulneraria gebrauchen. Die neueren Chirurgi haben eine kuͤrtzere Methode erdacht, nemlich, ſie drucken den uͤber das Anevriſma ſtehenden Truncum der Arteriæ mit einer Ligatur oder dienlichen Inſtrument, dergleichen Muys in praxi rationali, und Ruyſch. Obſerv. 2. p. 6. anfuͤhren; wenn hernach der Tumor geoͤffnet, ſo legen ſie erſt ein Stuͤcklein Vitrioli Cyprini, oder Mercur. præcipitat. rubri, crepit. Lupi, und hernach ein Pulver aus Sarcocoll. ſigillat. ſangv. Dracon. &c. auf.

Angeiologia, eine Abhandlung von denen Adern in der Anatomie.

Angeiotomia, eine kuͤnſtliche Oeffnung der Adern an der Stirn oder an den Schlaͤfen.

Angelica, oder radix Angelicæ, Angelick, H. Geiſt Wurtz, iſt eine braune, ſcharffe und etwas bittere Wurtzel, von gutem Geruch, waͤchſet in den Gaͤrten haͤuffig gnung, will einen zugerichteten, feucht - und fetten Bo - den haben; bluͤhet im Julio. Die Wurtzel befoͤrdert die Menſes, Frucht und Nachgeburt, ſtaͤrcket den Magen, zertheilet die Winde, toͤdtet Wuͤrmer, dienet wider den Scharbock, Seitenſtechen, kalt - und feuchten Huſten, Keuchen, Engbruͤſtigkeit, Zauberey, Zahn-Weh; treibet Schweiß, dienet dahero wider boͤſe Kranckheiten und Peſt: Præparata ſind deſtillat. der Safft, Extractum, die eingemachte Wurtzel, Ol. deſt. und Balſamus.

Angelica ſylveſtris minor, ſiehe Podagraria herba.

Angelicus Pulvis, ſiehe Mercurius vitæ.

Angina, die Braͤune, iſt eine Geſchwulſt des Halſes: iſt entweder eine Kranckheit allein fuͤr ſich, oder iſt ein Symptoma der boͤſen Ungariſchen Kranckheit. Es werden von den Practicis vier beſondere Species, in Anſehung des beleidigten Orts, der Braͤune gezehlet: die erſte Species oder Art wird Synanche genannt, und bedeutet ſowol innerlich im, als aͤuſ - ſerlich am Halſe eine Geſchwulſt; die andere Art heiſt Paraſynanche, und in dieſem Affect ſind nur die aͤuſſerlichen Muſculi des Oſſis hyoidis und des Halſes inflammiret, im Munde aber wird kein Tumor obſerviret; die dritte Art heiſt Cynanche, allwo weder im Munde noch am Halſe etwas vomTumore51ANTumore oder Inflammation vorfaͤllt, unterdeſſen aber werden die Patien - ten von hefftigem Schmertz angegriffen, vornemlich unter dem reſpiriren, ſo, daß ſie nicht anders, als mit ausgeſtreckter Zunge reſpiriren; die vierdte Art heiſt Paracynanche, wenn nur die Muſculi Laryngis inflammirt ſind, und ſich ein Tumor im Munde findet. Die Urſache der Braͤune iſt eine Stockung des Bluts in den Muſculis des Halſes, Oſſis hyoidis, der Zun - gen und der Laryngis, welche von einem ſcharffen Humore, oder von einer zaͤhen Pituita, ſo die Poros verſtopffet, herruͤhret. Die Braͤune von der erſten Urſach wird Angina exquiſita, von der andern aber ſpuria ge - nannt. Die Cur der Anginæ exquiſitæ erfordert ſolche Mittel, welche wider die Inflammation dienen, wovon an ſeinem Ort; Repellentia aber ſind nicht zu brauchen, es waͤre denn, daß man eines ſtockenden Bluts verſichert waͤre; Heide in obſerv. recommandiret Vitriol. alb. in ſol - viret, andre Froͤſche ꝛc. ingleichen iſt die Venæſection noͤthig; item diejenigen Gargariſmata, welche wider Schmertz der Mandeln und Uvulæ von verſchiedenen Autoribus recommandiret werden; Hartmann ruͤhmet ſuce. ſemperviv. mit Sale ammoniac. oder Nitro. Scultetus Obſerv. 23. macht ein Gargarisma aus Wein-Eßig; andere brauchen Lein-Oehl oder warmen Urin: Dolæus Encyclopæd. Chirurg. Lib. II. pag. 248. hat fol - gende aus ſteter Experienz bewaͤhrt erfunden:

  • flor. Sambuc. ij.
  • plantagin. j.
  • Ω Vini ʒvj.
  • Salis ammoniac.
  • f. Gargariſm.
  • oder auch Decoct. flor. Sambuci viii.
  • Ω Vin. �ſat.
  • Mell. roſat.
  • f. Gargariſma.

mit Albo græco, iſt fuͤr gemeine Leute ſehr gut, wenn nemlich in dem Munde eine manifeſte Entzundung iſt; hingegen wo nur eine aͤuſſerliche Geſchwulſt iſt, da dienet, dieſelbe zu diſcutiren, ein Schwalben-Neſt mit oder Milch zum Cataplaſma gemacht, oder ein Cataplaſma aus Brodt - Krumen mit oleo Chamomill. Bartholetus appliciret cremor. radic. Iridis mit Butter und oleo Olivarum vermiſchet. Jn der Angina notha und Schmertz der Mandeln dienen Diſcutientia und fleißig Thée mit vol. oleoſ. genommen, item purgantia aus trochiſc. Alhandl. (man huͤte ſichG 2moͤglichſt52ANmoͤglichſt, daß man nicht einen Vomitum erwecke) und ſcharffe Clyſtire aus radic. Alth. Bryon. herb. Malv. Branc. urſin. Violar. flor. Chamom. ſem. Lini, Electuar. benedict. laxativ. Mel. Mercurial. Nitr. at. &c. hiebey koͤnnen innerlich Salia volatilia, C. C. Succin. Cran. human. ungul. Alc. Tinct. bezoardic. Liq. C. C. ſuccinat. Mixtur. ſimpl. &c. ſo nemlich der Hals noch nicht gantz verſchwollen, gebraucht werden.

Anglicus Sudor, ſiehe Sudor.

Angulus, heiſt insgemein ein Winckel. Jn der Anatomie heiſt An - gulus oculi, der Augen-Winckel; deren ſind an iedem Auge zwey, entſtehen aus der Zuſammenſtoſſung der Augen-Lieder; von dieſen iſt derjenige, ſo an der Naſen lieget, der inwendige und groͤſſere, Canthus Major, auch in - ternus genannt; der andere, welcher gegen den Schlaf gehet, iſt der aus - wendige und kleinere wird auch Canthus externus oder minor genennet.

Anguria, ſiehe Citrullus.

Anguilla, der Aal, iſt ein bey uns ſehr wohlbekannter Fiſch; hie - von haben unterſchiedliche Theile einen bekannten Nutzen in der Medicin: die Pinguedo dienet wider das harte Gehoͤr, und macht Haare wachſen, die Leber mit der Galle getrocknet, iſt mit ſem. Lavendulæ ein ſonderlich Spe - cificum wider die ſchwere Geburth: die Haut entweder friſch oder einge - ſaltzen, iſt in Prolapſu uteri ſehr gut.

Anguis, ſiehe Serpens.

Anhelatio, Anhelitus, ſiehe Aſthma.

Anil, iſt das Kraut, von welchem die bekannte blaue Farbe Indigo koͤmmt, ſiehe Indigo.

Anima articulorum iſt die Radix hermodactyli.

  • Cereviſiarum, ſiehe Lupulus.
  • Hepatis, iſt Rhabarbar.
  • Medica, ſiehe Calidum innatum.
  • Pulmonum, iſt Crocus und ſem. Aniſi.
  • Rhabarbari, iſt Tinctura Rhabarbari.

Animal magnum, ſiehe Alce.

Anime gummi, iſt ein hartes, auswendig weiſſes, inwendig aber weiß - gelbes, etwas durchſichtiges und muͤrbes gummichtes Hartz, von unter - ſchiedlicher Groͤſſe, hartzigtem Geſchmack, und, wenn es angezuͤndet wird, ſehr gutem Geruch; kommt aus Braſilien in Weſt-Jndien uͤber Spanien und Portugall. Der Baum, wovon dieſes Gummi kommt, hat an iedem Stengel zwey gegen einander ſtehende Blaͤtter, ſo den Myrthen-Blaͤtternetwas53ANetwas gleich kommen, traͤgt auch dick und groſſe Schoten. Das weiſſe, trockene, und doch nicht leicht zerbrechliche, ſo von andern wenig oder nichts untermenget hat, wird gemeiniglich fuͤr das beſte gehalten, abſonderlich, wenn es ſehr wohl riechet; wird meiſtens aͤuſſerlich in Raͤuchwercken wi - der die Fluͤſſe, auch zuheilenden Wund-Pflaſtern wider die Haupt - und Nerven-Wunden gebrauchet, weßwegen es auch in Laͤhmigkeit der Glieder und Contracturen derſelben geruͤhmet wird.

Animellæ, ſind gewiſſe Druͤslein, welche hinter den Ohren liegen.

Animi deliquium, Ohnmacht, ſiehe Lipothymia.

Animus, das Gemuͤth; dahero kommt animi affectus, commo - tiones, pathemata, die Gemuͤths-Bewegungen: doch iſt zu erklaͤren, wie dieſes Wort Animus von den Autoribus auf mancherley Art genom - men wird: bey dem Virgilio Lib. II. Georg. wird es fuͤr die angebohrne Art genommen: bey dem Juvenal. Satyr. 6. fuͤr Kuͤhnheit und Deſpera - tion; bey einigen wird die unſterbliche Seele darunter verſtanden; end - lich wird es fuͤr die Lebens-Geiſter oder den materialiſchen Anfang des Le - bens und der Sinne genommen, oder, wie die Ariſtotelici reden, fuͤr die formam ſubſtantialem, oder fuͤr die wachſende und empfindliche Seele.

Aniſcalptor, das Arſch-kratzende Maͤuslein, iſt das breiteſte, welches faſt den gantzen Hinterſten bedecket.

Aniſum, Abſinthium dulce, gemeiner Anis, iſt ein bekannter Saa - men, wird zu Bamberg im Francken-Lande haͤuffig gezogen, und in Deutſchland aller Orten verfuͤhret; es kommt auch eine Art aus Jtalien uͤber Venedig, welcher aber viel kleiner als der Deutſche iſt. Das Kraut dieſes Saamens bluͤhet wie der Fenchel oder Kuͤmmel, hat rund zerkerbte Blaͤtter, welche, ie hoͤher ſie ſteigen, ie ſchmaͤler ſie werden: der groſſe, dick-koͤrnige, reine, und welcher einen aromatiſchen, doch ſuͤſſen, keinen bit - tern Geſchmack hat, wird fuͤr den beſten gehalten: er ſtaͤrcket und erwaͤr - met alle Glieder des Haupts, der Bruſt und des Bauchs, zertheilet die Winde, verhuͤtet und heilet das Bauchgrimmen der kleinen Kinder, der gepuͤlverte Saame laxiret die kleinen Kinder; præparata ſind die Con - fection, deſtill. Oleum deſtillat. Sal und Species.

Aniſum ſtellatum, Stern-Anis, iſt ein gewiſſer Saamen aus Jn - dien, welcher am Geſchmack und Tugend dem Anis faſt gleich iſt, und alſo genannt, weil er an der aͤuſſerlichen Geſtalt einen Stern abbildet, indem er aus 6. 7. und wol mehr Zacken beſtehet, welche alle aus einem Centro hervor ſchieſſen, und wenn ſie oben auſſpringen, ſo viel KornerG 3zeigen54ANzeigen, als ſie Strahlen haben; hat aͤuſſerlich eine gelb-braune Farbe, glaͤntzet inwendig, und hat einen laͤnglich - und glaͤntzenden Saamen, wie Lein-Saamen in ſich, ob er wol noch viermal groͤſſer iſt, hat einen gleichſam aus Anis und Fenchel vermiſchten Geſchmack und ſehr guten Geruch, und wird auch von andern der Sineſiſche Fenchel, und von D. Urſino Aniſum Canadenſe genennet, kommt aus den Philippiniſchen und Siberiſchen Jnſu - len, iſt ein beſonderes und nicht gar bekanntes Gewaͤchs, und wird nur von dem Geſchmack alſo genennet, iſt in allen weit kraͤfftiger als der vorige Anis: die beſte Krafft beſtehet in den Zancken und aͤuſſern Schalen: die Chineſer bedienen ſich dieſer Fruͤchre bey Gebrauch des Coffée, Thée und Nachtiſch, ſich damit einen guten und wohlriechenden Athem zu machen.

Annularis, der vierdte Finger vom Daumen, Goldfinger, auch Stu - dioſus, nach dem alten Vers, genannt:

Doctor, Mercator, Stultus, Studioſus, Amator.

Ano iſt ein Griechiſches Woͤrtlein, und bedeutet ſo viel als von oben, z. E. ano purgiren, i e. brechen, ſpeyen, vomiren. Dieſem wird ein anders entgegen geſetzt, κάτω, das heiſt von unten, wann man nur von unten pur - giret. Ano und cato purgiren, heiſt vomiren und purgiren zugleich.

Anodyna, Paregorica, Schmertz-ſtillende Mittel, welche wider allen Schmertz innerlich und aͤuſſerlich gebrauchet werden: Sie werden auch Hypnotica und Sedativa, ſchlaffen-machende und beſaͤnfftigende Mit - tel genannt: von dieſen ſind die ſtaͤrckſten und gar nicht ſicheren die ſo ge - nannten Narcotica und Stupefactiva oder tumm-machende, als Cicuta, Hyoſciamus, Mandragora und Solanum: die gebraͤuchlichſten ſind die Opiata und Papaverina, die hoͤchſte Doſis iſt folgende:

  • Opium cydoniatum gr. j.
  • Laudanum opiatum gr. ij.
  • hyſtericum gr. iij. jv. bis vj.
  • tinctura Opii cydoniat. gutt. viij. bis XV.
  • tinctura Croci gutt. XXX.
  • Laudan. hyſteric. gutt. XX. bis XXX.
  • Eſſent. theriacal. anodyn. Mich. gutt. XXX.
  • urinaria anodyn. Mich. gutt. XXX.
  • Theriac. Andromach. ʒj.
  • Cœleſtis gr. jv. v.
  • Mithridatium ʒj.
  • Pulv. anodyn. Mich. gr. v.
Crocus55AN
  • Crocus in Subſtantia j.
  • Extract. Croci gr. XV.
    • ſem. Papav. alb.
    • ſyrup. Papav. alb.
    ʒj. bis ij.
  • Diacodium Montan. ʒij.
  • tinctur. Papav. rhœad. ʒj. bis ij.
  • Extract. Papav. rhœad. gr. jv. bis vj.

Anodynum minerale iſt Nitrum antimoniatum.

Anorchides, ſind ſolche, welche ohne Teſticulis gebohren worden.

Anorexia, iſt ein verlohrner Appetit zum Eſſen, oder keinen Appetit zum Eſſen haben, ſolcher Affect iſt zweyerley; dann einige, ſo bald nur die Speiſen aufgetragen werden, haben ſchon gnung, als wenn ſie gantz geſaͤttiget waͤren; andere ſind, welche gantz und gar nichts be - gehren, oder gar keinen Appetit haben: die Urſach iſt entweder ein Man - gel der Lebens-Geiſter, oder mancherley Cruditaͤten und unverdauete Speiſe im Magen. Den Mangel der Spirituum erſetzet man durch Analeptica, als Menth. Meliſſ. Hyſſopi, Rorismarin. cum vino, Carbuncul. Maſtichin. vitæ Mulierum, Cinnamom. borraginat. Eſſent. Ambr. &c. Die Cruditaͤten ſind mancherley, dahero die rotz - und ſchlei - michten mit aromaticis und ſcharffen Mitteln verbeſſert werden, als Galang. Zedoar. Cinnamom. Zingiber. Piper. rad. Helen. Armorac. Ari &c. item ſal. Abſinth. Centaur. minor. �ri, Ω�ci, �vol. C. C. flor. �ci, Arcan. duplicat. lat. Liq. foliat. �ri. Die uͤberfluͤßige Galle wird durch Elixir �li Mynſ. und Elixir proprietat. acid. verbeſſert; wider die ſaure Cruditaͤt dienen abſorbentia, als Lap. 69. C. C. uſt. und ſ. Matr. Perlar. Corall. pulv. Conchar. Creta, oſſ. Sep. limatur. Martis &c. Endlich, ſo dieſe nicht anſchlagen wollen, muß man Vomitoria, und ſon - derlich Purgantia ergreiffen.

Anſer, eine Gans, ein gemeiner und uͤberall bekannter Vogel: das Fett oder die Pingvedo iſt wider die Ritzen der Lippen gut, item, wider die ſcorbutiſche Laͤhmung: getrockneter Gaͤnſe-Koth ʒj. gegeben, iſt ein treff - lich Mittel wider die gelbe Sucht: junger Gaͤnſe-Koth, im April und May geſammlet, ein davon deſtilliret, wird aqua ophthalmica Maxi - miliani, oder Kayſers Maximiliani Augen-Waſſer genannt, ſo wider alle Gebrechen, Felle und Staar der Augen dienlich.

Anſerina, Argentina, Gaͤnſerich, Silber-Kraut, waͤchſt an gra - ſichten Orten auf den Wieſen, an den Wegen und Zaͤunen: das gantzeKraut56ANKraut oͤffnet, iſt ein Wund-Kraut, vertreibet die Fieber, wird wider die Gelb - und Waſſerſucht ſehr gelobet. Einige halten folgenden Tranck wider den Stein fuͤr ein groß Arcanum:

Argentin. virid. Mjv.

Secal. virid. Mij.

Druͤcke den Safft heraus, und thue eben ſo viel Vini rubri darzu, dieſe Mixtur filtrire, und trincke ſie am erſten May des Morgens, ſolches thue 3. Jahr nach einander.

Antacida, ſiehe Abſorbentia.

Antagoniſta, ein Gegner, oder Widerpart; wird in der Anato - mie einigen Maͤuslein als ein Zunahme beygeleget, z. E. Abductor und Adductor, das ab - und anziehende Arm-Maͤuslein, ſind Antagoniſten: ſiehe auch Muſculus.

Antalgica medicamenta werden durchgehends diejenigen genannt, welche zu Stillung der Schmertzen gebrauchet werden. Siehe Ano - dyna.

Antarthritica, heiſſen Medicamenta wider das Podagra und Glie - der-Weh. Siehe Arthritis.

Antemetica, ſind ſolche Artzney-Mittel, welche dem uͤbermaͤßigen Brechen wehren, daſſelbe ſchwaͤchen, hindern, und den Magen ſtaͤrcken; ſolche ſind alle Stomachica ſpirituoſa und gelind anhaltende, als Spirit. Vini, Maſtichin. Cinnamom. cydoniat. Rob. Cydonior. ſigillat. Nux Moſch. Corall. Lap. Hæmatit. und Opium mit den Opiatis.

Antepileptica, ſind Medicamenta, welche wider die ſchwere Kranckheit gebraucht werden, als radix und ſem. Pæoniæ, Succi - num alb. ungul. Alcis, Viſcus corylinus, ſtercus Pavonum, dens Hippopo - tami, Cinnabar. ii, Ω Sangv. human. C. C. cornu Alcis, eſſent. Caſtor. cum Ω ci, pulvis Marchion. Epileptic. &c.

Anthelix, heiſt der andere Theil auswendig am Ohr, dem Helici gegen uͤber an den Schlaͤfen liegend.

Anthelmintica, Wurm-toͤdtend und abtreibende Artzneyen; ſolche ſind entweder bittere, als Abſinthium, Centaur. min. Santonic. Tanacet. Scordium, Aloë, und alle præparata von Aloë &c. oder ſcharffe, als Raphanus marin. Cepæ, Naſturtium, Hypericum, Stœchas citrin. oder Erdartige, terrea genannt, als C. C. uſt. raſur. C. C. Succin. Li - matur. tis; oder ſauere, als ſpiritus und ol. �li, tinctura �ris, Succ. Granator. oder endlich die Mercurialia, welche auch die beſten ſind, alsMercu -57ANMercurius dulcis, ein Mercurial-Traͤncklein, ꝛc. denn dieſe letzten toͤdten nicht nur die Wuͤrmer, ſondern fuͤhren ſie auch zugleich ab.

Antheræ, ſind die oberſten Spitzgen, welche mitten in den Blu - men ſtehen: ſiehe auch Lilium album.

Anthereon, das Kinn, das unterſte Theil des Geſichtes, wo der Bart waͤchſet.

Anthines, Kraͤuter - und wohlriechend angemachter Wein.

Anthanor, ſiehe Athanor.

Anthophylli, dicke Mutter-Naͤglein, ſind, die zu ihrer rechten Zeitigung gekommen und recht vollkommen worden ſind: ſind den andern Wuͤrtz - oder Kraut-Naͤgelein zwar gleich, aber viel dicker, vollkommner und etwas ſchwaͤrtzer, haben unter einer haͤrtlichten Schale einen laͤnglichten braunen Kern, von einem ſehr annehmlichen Gewuͤrtz-Geſchmack, ſo liebli - cher als in den Wuͤrtz-Naͤglein. Es ſollen die rechten Mutter-Naͤglein ein hartes und ſchwartzes Hartz, von einem ſehr annehmlichen Geruch und Ge - ſchmack in ſich halten, wenn ſie von den rechten ſind, welche bisweilen nicht viel kleiner als ein Daumen ſeyn ſollen, wie Pomet berichtet, ob er wol ſelbſten keine groͤſſer, als das letzte Glied am kleinen Finger geſehen: die Apothecker leſen offt an deren ſtatt die groͤſſeren Stuͤcke aus den gemeinen Wuͤrtz-Naͤgelein, und verkauffen ſolche unter dieſem Namen. Aus dieſen werden die Baͤume fortgepflantzet, und ſchlagen, ſo ſie auf die Erde fallen, von ſich ſelbſten aus, und gewinnen eine Wurtzel. Sie dienen wider Mut - ter-Schmertzen, Aufblehen der Mutter, weiſſen Fluß, Unfruchtbarkeit; es wird deßwegen ein Syrup oder Safft von ihnen gemachet.

Anthora, Aconitum ſalutiferum, Napellus Moyſis, Contrayerva Germanica, Gifft-Heil, waͤchſt auf den Alpen-Gebuͤrgen: die Wurtzel iſt auswendig braun, mit einigen Faͤſerlein verſehen, inwendig weiß, eines bittern und ſcharffen Geſchmacks und widrigen Geruchs; das Kraut iſt dem Napello oder Eiſen-Huͤtlein nicht ungleich, gegen welche dieſe Wur - tzel auch als ein Alexipharmacum gebrauchet wird. Abſonderlich dienet ſie wider ein ander gifftiges Kraut, Thora genannt, mit deſſen Safft man die Pfeile, wormit die Woͤlffe, Fuͤchſe, ꝛc. getoͤdtet werden, vergifftet. Uber das wird ſie wider allerhand gifftige Biſſe und Stiche, Peſt, pete - chialiſche und andere boͤſe Fieber, Bauchgrimmen, Mutter-Weh, Wuͤr - mer ꝛc. recommandiret.

Anthos, ſiehe Roſmarinus.

HAnthra -58AN

Anthraces, die Stein-Kohlen, haben eine harte aus Erd-Hartz und Schieferſtein beſtehende Subſtanz, welche, nach einiger Meynung, ein Saltz oder Mutter des Stein-Oels, Olei Petræ iſt, ſo durch das unter - irdiſche Feuer davon abgeſchmoltzen und getrieben werde; ſie kommen mei - ſtens aus Engeland, allwo man dabey kochet und die Stuben einheitzet, geben aber einen ſehr boͤſen und corroſiviſchen Rauch von ſich, welcher der Bruſt und Lunge ſehr gefaͤhrlich iſt.

Anthrax, ſiehe Carbunculus.

Anthrope, eine Menſchen-Haut.

Anthropos, ſiehe Homo.

Anthropologia, Anthropometria, eine Rede vom Menſchen, iſt das Special-Theil der Phyſic, in welchem der gantze Zuſtand und Beſchaf - fenheit des Menſchen erklaͤret wird.

Anthyllida, Kali geniculatum, iſt das Kraut, woraus das veri - table und eigentlich genannte Sal Alcali gemachet wird, ſiehe Kali geni - culatum.

Anthypnotica, ſind Artzneyen, welche dem Schlaf wehren, ſteuren und denſelben vertreiben, werden auch Excitantia, aufweckende Mittel genannt: ſolche ſind alle Spirituoſa, volatilia, aromatica, als Spiritus C. C. Eboris, Sanguin. human. Lumbric. �ſtr. Ω��ci, Sal volatile oleoſum, C. C. Succin. &c. vornemlich wird ietzo Thée ſehr recom - mandiret.

Anthyſterica, werden bey dem Blancard diejenigen Artzneyen genen - net, welche wider die Mutter-Beſchwerung oder Paſſionem hyſtericam verordnet werden; ſelbe ſind alle ſtarck ſtinckende penetrante Sachen, als Caſtorium, Aſa fœtida, angeſteckter Schwefel, Meliſſ. Matricar. Mer - curial. Caſſia lign. Succin. Myrrh. Liq. C. C. ſuccinat. Eſſent. Caſtor. hiſteric. Elixir uterin. eſſent. Carminativ. Ω Zedoar. Balſam. em - bryon. &c.

Anti, iſt ein Griechiſches Woͤrtlein, welches auf Teutſch ſo viel be - deutet, als, wider, entgegen. Jn der Medicin wird es zum oͤfftern vor andere Worte geſetzet, bevoraus zu Medicamenten, deren Krafft und Wuͤrckung dadurch anzudeuten, immaſſen aus nachfolgenden zu er - ſehen.

Anticardium, die Hertz-Grube.

Anticatarrhalia, heiſſen ſolche Medicamenta, welche wider Catarrhen und Fluͤſſe gebrauchet werden, Siehe Catarrhus.

Anticav -59AN

Anticavſotica nennet Junken dergleichen Artzney-Mittel, die wider das hitzige Fieber dienlich ſind.

Anticheir, Pollex, Promanus, der Daume an den Haͤnden, und groſſe Zehe an den Fuͤſſen.

Anticnemion, iſt vom Knie bis unten zu vorne der Knoche, das Schienbein genannt, iſt ſonderlich bey Magern zu ſehen.

Anticolica, Artzneyen wider die Colic, davon Colica nachzuſehen.

Antidinica, werden bey dem Blancard diejenigen Artzneyen genannt, welche wider den Schwindel dienlich ſind, als radix Doronic. Roſmarinus und deſſen Eſſenz, Zingiber, Calanga, Salvia, Cubeb. ſtercus Pavon Cin - nabar. ii, Eſſent. Ambræ und Caſtorii, &c.

Antidotarium, ſiehe Diſpenſatorium.

Antidotus, ſiehe Alexipharmaca.

Atidotus Matthioli, iſt eine theriacaliſche Compoſition, wird wider die Peſt, ſo wol præſervative als curative, gebrauchet, die Doſis iſt ʒj. zu præſerviren wird es mit aceto flor. Tunic. oder Zedoariæ, zu curiren aber mit theriacali, oder Ω theriacali camphorata gebrauchet.

Antifebrilia, ſiehe Febrifuga.

Antihecticum Poterii, iſt ein gewiſſes auf Chymiſche Art bereitetes weiſſes Pulver, beſtehet aus einem Theil des Reguli Antimonii Jovialis, und zwey Theil des beſten Engliſchen Zinnes: oder es wird auch auf fol - gende Art bereitet: Ettmuͤller, des beſten gereinigten Reguli ii ſimpl. part. jv. des reineſten Engliſchen Zinnes part. v. dieſe gieſſet er zum Re - gulo, dieſen pulveriſirten Regulum miſcht er mit dreymal ſo viel Nitri, de - tonirets und calcinirets eine Stunde lang, daß es weiß werde. Wedel aber Regul. Antimon. part. j. Stanni Anglic. part. ij. dieſe gieſſet er in Regulum, das Pulver verpuffet er mit triplo Nitri, endlich edulcorirt ers mit laulichtem Regen-Waſſer. Andere machen es gantz compendioͤſe alſo: ſubtil gepuͤlvert Antimonii part. j. Stanni Anglic. part. ſemiſ. Nitri part. iij. alles pulveriſiret, unter einander gemiſchet, und nach gewoͤhnlicher Art verpuffet und edulcoriret.

Antihelix, ſiehe Anthelix.

Antimonium, Spießglas, wie es bey den Materialiſten gefunden wird, iſt ein hartes, ſchweres, doch zerbrechliches Metall, ſchwartzlicht wie Bley anzuſehen, und mit langen Streiffen, auch, wenn es am beſten, mit roͤthlichen Tuͤpfflein begabet, wird insgemein Antimonium crudum oder roh Spießglas genennet, ſo doch nicht recht, indem es nicht roh ausH 2den60ANden Bergwercken, ſondern in Klumpen und alſo gegoſſenen Kuchen gebracht wird, welche aus der Minera Antimonii oder rohen Spießglas durch Huͤlf - fe des Feuers gezwungen werden: kommt meiſtens aus Franckreich und Teutſchland, nachdem das Ungariſche, ſo das beſte, nicht mehr wohl zu haben iſt. Dieſe Minera Antimonii findet ſich in vielerley Geſtalt, und be - ſtehet insgemein aus ſchwartzen und etwas glaͤntzenden Ertzt-Steinen, oder waͤchſet an gewiſſen Schiefer-Sand - und andern Steinen, hat auch zuwei - len durchſichtige Fluͤſſe und Metalliſche Cryſtallen uͤber ſich. Die beſte muß ſchwer, reich und lauter von Kiſſen ſeyn, abſonderlich wenn ſie aus Ungarn zu haben, welche Gold-reich, aber heut zu Tage ſehr rar iſt, doch iſt auch in Teutſchland viel gutes Antimonium zu finden. Aus dieſen Mineris wird das gemeine alſo geſchmoltzen: man nimmt zwey irdene Toͤpffe, graͤbt den einen in die Erde, bedeckt denſelben mit einem eiſern Blech wie ein Schaum-Loͤffel durchloͤchert, ſtuͤrtzet alsdann den andern, welcher mit zerſtoſſener Minera ii angefuͤllet iſt, das unterſte zu oberſt druͤber, umgiebet beyde Toͤpffe mit einem ſtarcken Feuer, ſo tropffet das in den unterſten Topff, und wird zu ſolchen Kuchen, wie es gebraucht wird: das Blech aber verhindert, daß der Kieß und Steine von der Minera zuruͤck bleiben. Das crudum wird zu den Holtz-Traͤncken genommen, es brau - chens auch einige, zu etlichen Granen, wider die ſchwere Noth, Jucken der Haut und Morbum gallicum, doch iſt dabey Behutſamkeit vonnoͤthen. Aus dieſem io ſind unterſchiedliche ſchoͤne Præparata, ſowol in der Mate - rial-Kammer, als in der Officin zu finden, als das

Antimonii Butyrum, welches aus dem Antimonio und Mercurio ſublimato durch die Deſtillation gemacht wird.

Antimonii Ceruſſa, iſt das mit dem Regulo bereitete diapho - reticum.

Antimonii Cinnabaris, wird ebenfalls aus dem io und ſub - limato bereitet.

Antimonii Flores bekommt man, wenn man das Spießglas ohne Zuſatz, oder auch mit dem ��co, aus einem Kolben oder Topff in die uͤbergeſetzten Huͤte oder Aludel fublimiret.

Antimonii Hepar wird bereitet, wenn man und āā vermiſchet, und ſo gleich durch Anzuͤndung der Mixtur verpuffet und detoniret, iſt ein Leberfarbicht Pulver.

Antimonii Regulus communis wird, wenn man das mit und calciniret und zum Fluß bringt, in einen fett gemachten Gießbuckelgieſſet,61ANgieſſet, und ſo lange an dieſen mit dem Hammer klopffet, bis ſich das ſchwere Metalliſche Theil zu Boden giebt; er muß aus ſchoͤnen glaͤn - tzenden Stuͤcken wie Wißmuth beſtehen, iſt er aber noch nicht ſchoͤn genung, muß er von neuen mit dem Nitro gegoſſen und gereiniget werden. Nimmt man aber Feilſpaͤn oder Hufnaͤgel zu dem und nio, ſo be - kommt man den

Antimonii regulum martialem.

Nimmt man ferner an ſtatt des Salpeters gemein Kuͤchen-Saltz und ſo wird der

Antimonii Regulus medicinalis.

Antimonii Sulphur auratum wird, wenn man die Schlacken des Reguli in Waſſer aufſiedet und mit Eßig præcipitiret, allwo nach einem hefftigen Geſtanck ſich ein rothes Pulver zu Boden ſetzet, welches wegen der Farbe das Sulphur 2641; ii auratum genennet wird, und ie oͤffters es præ - cipitiret iſt, ie beſſer wird es gehalten: treibet den Schweiß, und wenn es auf das hoͤchſte gebracht wird, ſo curiret es die ſchwere Noth, zu 1. bis 3. gran eingegeben.

Antimonii Vitrum, iſt nichts anders als ein calcinirtes und von ſei - nem gifftigen Schwefel befreyetes Spießglas; man findet ſolches zuwei - len von der Natur ſelbſten unter der Erde præpariret, weil aber ſolches ſehr rar iſt, ſo wird es durch eine kuͤnſtliche und ſtarcke Calcination unter einem groſſen Camin verfertiget, wobey man ſich ſehr vor dem gifftigen Rauch zu huͤten hat: das gemeine iſt dunckelbraun, in dicken und duͤnnen Stuͤ - cken: die Chymici wiſſen auch ein Purpurfarbes, gelbes und von andern Couleuren zu machen; wird zu erbrechenden und purgirenden Artzneyen gebraucht, wenn man es uͤber Nacht in Wein leget: im Kriege ſollen die vergiffteten Kugeln daraus gemachet werden. Uber angefuͤhrte Præparata finden ſich noch mehr, als emeticus, Syrupus vomitorius, Tincturæ, atum, vitæ, Ω� li philoſophicus, die bezoardica &c.

Antimonium diaphoreticum ſimplex, wird bereitet, wenn man drey Theil Salpeter mit einem Theil gegoſſenen Spießglas vermiſchet, detoni - ret und edulcoriret, thut man noch Limatur. tis ſo viel als Antimonii darzu, ſo hat man auch das

Antimonium diaphoreticum martiale.

Antiparalytica, ſind Mittel welche wider die Laͤhmung ge - brauchet werden, wie alle ſcharffe aromatiſche Kraͤuter, als Chamædr. Chamæpyt. Serpill. Primul. veris, Majoran. Origan. Lilium convall. H 3Roſma -62ANRoſmarin. Puleg. Calaminth. rad. Angelic. Valerian. bacc. Lauri, Juniper. Piper, Zingiber, Magnanimitat. ol. deſt. Angelic. Aniii, Succini, Tere - binth. Galban. Sagapen gumm. Ammoniac. Caſtor. Petrol. Balſam. Peru - vian. Ω Lumbric. �ſtr. ��ci, Ameiſen-Baͤder, ol. Laterum, Amygda - lar. Lilior. alborum, Hypericon. &c.

Antipathes, iſt eine ſchwartze Art von Corallen, wiewol ſie doch et - was anders zu ſeyn ſcheinen, indem ſie viel zaͤher, als die andern Corallen, und wie Horn anzuſehen ſind, ſie wachſen auch lang und ſtarck, daß man ſie an ſtatt eines Stocks gebrauchen kan.

Antipathia, ein wider - oder gegen-Affect, iſt eine ſolche Feind - ſchafft, die einer gegen eine oder andere Perſon traͤget, daß man ſie nicht ſehen, um ſich leiden, noch von ihr hoͤren kan. Dieſem iſt die Sympathia entgegen geſetzet, ſo nichts anders iſt, als wenn ſich zwey aufs beſte ver - ſtehen, begegnen und lieben, daß ſie nie von einander laſſen koͤnnen; aus dieſem finden ſich Sympathetiſche Kranckheiten und Curen.

Antipharmacum, ſiehe Alexipharmaca.

Antiphyſica, ſiehe Carminativa.

Antipodagrica, Mittel wider das Podagrn.

Antipyreta, heiſt eben ſo viel als Antifebrilia, iſt aber beſſer als dieſes letztere.

Antiquartium, heiſt bey den Practicis ein Specificum wider das vier - taͤgige Fieber, alſo iſt ietzo das Antiquartium Peruvianum in groſſem Ge - brauch, oder die wider alle Fieber gebraͤuchliche Wurtzel und Rinde China Chinæ: ſiehe China Chinæ.

Antirrhinum, Orantium, Os leonis, Dorant, Kalbs-Naſen, Hunds-Kopff, waͤchſet in grieſichten Oertern, bluͤhet im Majo und Ju - nio, wird nicht ſonderlich in der Medicin genutzet, auſſer daß es die Wei - ber wider die Bezauberung und Geſpenſte den Kindern anhaͤngen, unter - legen, ſie damit beraͤuchern und baden.

Antiſpaſis, ſiehe Revulſio.

Antiſpaſmodica, werden diejenigen Mittel genannt, welche wider den Krampff dienen, ſie moͤgen innerlich oder aͤuſſerlich appliciret wer - den, als Liquor. C. C. ſuccinat. Antihectic. Poterii, Cinnabar. ii, flores �is, Succinum præparat. Unicorn. ver. Dens Hippopotami, cornu Rhino - cerotis, raſur. ungul. Alcis, Roſmarin. Chamæpyt. Majoran. Salvia, Ruta, Lavendul. bacc. Lauri, Juniper. axungia Cati ſylveſtr. Caſtor. ol. deſt. An - gelic. Aniſi, Succini, Terebinth. Juniper. Petroleum &c.

Antiſternon, ſiehe Dorſum.

Anti -63AN

Antiſtrophæ, heiſſen die zwey oberſten Rippen von den ſieben wah - ren Rippen.

Antithenar, iſt bey dem Riolano das dritte anziehende Maͤuslein des Daumens.

Antitragus, das dicke Theil des aͤuſſerſten Ohr-Randes, iſt dem Ohr - bock, Trago, entgegen geſetzet.

Antophylli, ſiehe Anthophylli.

Antrum buccinoſum, die Muſchel des Ohres, iſt die krumme Hoͤhle bis zum innern des Ohres.

Antrum pylori, ſiehe Pylorus.

Anus, der Hintere, Arſch, deſſen dicke fleiſchichte Theile die Backen genannt werden.

Anus cerebri, der Arſch im Gehirne, iſt der Anfang der vierdten Hirn-Kammer, welche das runde Loch iſt, zwiſchen den zweyen Arſchback - foͤrmigen Erhoͤhungen, oder denen groͤſſern Berglein, von welchen auf ei - ner Seite zu der vierdten Kammer, von der andern Seite durch die Spalte zu dem Trichter ein Durchgang iſt.

Anxietas, Angſt, Bangigkeit.

præcordiorum, Hertzens-Angſt, iſt eine groſſe Angſt um die Hertz-Grube, mit einem ſehr ſchmertzhafften Nagen des oberſten Ma - genmundes, oder unter der Hertz-Grube, oder unter dem Schild-foͤrmigen Kroſpel. Die Urſachen ſind in dem Magen liegende ſcharffe Cruditaͤten oder krampfichte Zufaͤlle der Gebaͤhr-Mutter, der Gedaͤrme, eine uͤbele Be - ſchaffenheit der Lungen, des Zwergfells, der Leber, Harnblaſe; it. Wuͤrmer, Fieber ꝛc. Die Cur ſiehet darauf, daß die angefuͤhrten Zufaͤlle, als Urſa - chen, durch beſondere Mittel, welche bey iedem Caſu zu finden, gehoben werden moͤgen. Weil aber die ſcharffen Cruditaͤten mancherley ſind, ſo hat man auch verſchiedene Mittel, dieſelben zu corrigiren. Wider die ſcharffe Galle dienen Purgantia, als Diagryd. reſin. Scammon. Cremor. �ri, und acida, als Spiritus li philoſophic. Citri, ſyrup. Corallior. de Omphacio, ſuccus Acetoſæ und Acetoſell. auch Pulver aus Cryſtall. mont. Corall. rubr. præp. C. C. uſt. Lap. 69. Cremor. �ri. Die ſauren Saͤffte corrigiret man mit abſorbentibus, als Lap. 69. Corall. Matr. Perlar. Li - matur. martis, ſigillat. lapid. Percar. Conch. præparat. &c. Hat man unverſehens ſcharffe Giffte, als Arſenicum, Auripigmentum, Mercur. ſub - limat. Aqu. fort. &c. oder gantz ſcharffe Purgantia, wie Colocynthis, Hel - leborus &[c.]eingeſchlucket, ſo dienen fette und oͤligte Dinge, als fetteHuͤner -64AO APHuͤner-Rind-Kalb-Fleiſch-Suppe, oleum Olivar. Amygdalar. dulc. auch Milch und Molcken, item Theriac. Mithridat. ol. �i p. d. &c.

Aochleſia, Anodynia, Indolentia, wenn man weder Schmertzen noch Verdruß empfindet.

Aorta, ſiehe Arteria.

Aortra, das auf beyden Seiten hangende Theil der Lungen.

Apallage, heiſt bey dem Hippocrate geneſen, geſund werden, item gelind purgiren.

Aparine aſpera, vulgaris, Kleb-Kraut, Bettlers-Laͤuſe, wird hin und wieder auf den Feldern, an den Straſſen, Hecken und Zaͤunen, desgleichen unter dem Flachs angetroffen: das gantze Kraut iſt zutraͤglich, die Kroͤpffe und druͤſichten Geſchwuͤlſte zu vertreiben, friſche Wunden zu heilen, das Ohrweh zu ſtillen.

Aparine lævis, epatica, Wald-Meiſter, Stern-Leber-Kraut, waͤchſt auf den Bergen, in Waͤldern, an ſandicht - und ſchattichten Orten: das Kraut ſamt der Blumen dienen zur hitzigen Leber und gelben Sucht, Kraͤtze; das Infuſum hievon erwecket den Appetit, und hilfft der Dauung.

Aparthroſis, ſiehe Dearticulatio.

Apella, ſiehe Lipodermus, item Paraphimoſis. Es iſt eigentlich die - ſes Wort ein Zuname, der den Juden insgemein gegeben wird, Judæus Apella, wegen der Beſchneidung der Vorhaut.

Apepſia, uͤbele und ſchwache Dauung, iſt eine Magen-Kranck - heit, wenn nemlich in demſelben gantz und gar keine Chilmachung geſchie - het, im Teutſchen pflegt man zu ſagen: Er hat den Magen verderbet; dieſer Zufall hat eine Urſache und Cur mit Anorexia, wovon an ſeinem Ort zu ſehen iſt.

Aper, ein wild Schwein, hievon ſind die Dentes apri oder wil - den Schweins-Zaͤhne in der Officin bekannt; ſelbe werden fuͤr ein ſonderlich Mittel wider die Braͤune, Seitenſtechen, und andere innerliche Entzuͤndungen, ſo von geſtocktem oder etwas geronnenem Gebluͤt herruͤh - ren, geruͤhmet, und entweder allein, oder mit den Hecht-Zaͤhnen mit Nu - tzen verſchrieben; es werde gleich die Raſura dentis Apri oder Dens Apri ſine gebrauchet.

Aperientia, alle oͤffnende Mittel, worunter die Vomitoria, Pur - gantia, Harn - und Schweiß-treibende Mittel, item die Sternutatoria, Miltz - und Leber-oͤffnenden ꝛc. verſtanden werden.

Aphæ -65AP

Aphæreſis, wird das Theil der Chirurgie genannt, welches alles uͤberfluͤßige am menſchlichen Leibe abnimmt, als wenn der ſechſte Finger oder Zehe abgenommen wird.

Aphepſema, ſiehe Decoctum.

Aphonia, Sprachloſigkeit, Verſtummung, iſt eine gaͤntzliche Aufhoͤrung der deutlich - und verſtaͤndlichen Stimme, es mag entweder auf eine Zeitlang ſeyn, oder auch perpetuel anſtehen: wird auch Lingvæ Ligatio, Obmuteſcentia und Vocis interceptio oder privatio genannt. Die Urſachen ſind faſt unzehlich, als Suffocationes und Catarrhen, Epile - pſie, Laͤhmung oder Verrenckung des Kiefers, Schlucken, Mutterbeſchwer, tieffe Wunden der Bruſt, Verletzung der Nerven, Bruͤche des Cranii, Verletzung des Cerebri &c. Die Cur wird gantz beſonders nach allen Umſtaͤnden und Urſachen eingerichtet, und iſt hin und wieder unter den behoͤrigen Tituln nachzuſchlagen.

Aphronitrum, iſt ein natuͤrlicher Salpeter, welcher ſich an den alten Mauren und Gewoͤlben anhaͤnget: dieſer beſtehet aus kleinen ſub - tilen Cryſtallen, ſo wie eine Blume anſchieſſen, weßwegen er auch Flos nitri heiſſet, kommet dem rechten Nitro etwas naͤher, als der gemeine Salpeter, und ſuchen einige etwas verborgenes darinnen, wird auch Spu - ma nitri genannt.

Aphros, ſiehe Spuma.

Aphroſyne, ſiehe Delirium.

Aphthæ, die Schwaͤmmgen, ſind kleine Geſchwuͤre im Munde, oder vielmehr mit einer Lympha angefuͤllete Blaſen, welche im Anfang des Aus - brechens klein als Hirſe ſind, ſo ſich mit der Zeit mit groſſen Schmertz und Eroſion der innern Haut, in dem gantzen innerlichen Munde anſetzen, iſt eine gewoͤhnliche Kranckheit der kleinen Kinder. Hiebey findet ſich Ver - hinderung im ſchlingen, Hitze des Mundes, und endlich eine vollkommene Exulceration, wo man ſie nicht wohl in acht nimmt, weßwegen die Kinder zum ſteten Schreyen gebracht werden. Sie kommen von der Schaͤrffe des eingeſogenen Milch her, welche alſo fort die zarte Haut durchfriſſet. Die Cur beſtehet darinnen, daß die Schaͤrffe der Milch und Saltz corrigiret werde; wider das erſte dienen die Salia Volatilia, C. C. Sangvinis humani &c. item diaphoretic. ſimpl. und martial. bezoardic. mineral. jovial. martial. &c. Die Salia aber, welche Ulcera machen, werden entweder mit Aquoſis dilui - ret, als fungus Sambuci cum fontan. maceriret, flor. Liguſtri, oder Ruͤben-Oel mit Zucker: iſt eine Inflammation dabey, ſo wird ein unfehl -Jbares66APbares Mittel Milch-ſchmand mit ein wenig Salpeter ſeyn: ſind aber ſchon vollkommene Ulcera, ſo dienet ein Decoct von Feigen, Rob diamo - ron. oder dianucum, Roſen-Honig mit Nuce moſchat. oder mit cinerib. radic. Fœniculi vermiſchet: oder Decoct. Salviæ, Saturei, rad. Pentaphyll. oder ſtaͤrckere von Roſen-Honig mit ein wenig Ω �is geſchaͤrffet, oder Spermat. Ranar. Prunell. mit Ol. �li, Oxymelle, Lap. Medicamentoſ. Crollii, oder Allaun in Plantaginis ſolviret.

Apices, Zoten, ſind Spitzen oder Zaͤſergen, ſo insgemein etwas dick - hafft in den Blumen hangen, an den ſo genannten Draͤtgen.

Apis, eine Biene, iſt ein bekanntes und in der Medicin, auch Haushaltung, ſehr zutraͤgliches Thierlein: ſie vermehren ſich, gleich andern dergleichen Inſecten, durch eigene Brut, aus welcher erſtlich ein weiſſes Wuͤrmgen, und nachmals eine dergleichen weiſſe Fliege entſtehet, ſo end - lich eine gelb und braune Biene wird; deßwegen iſt gantz falſch, was ei - nige vorgeben, daß die Bienen aus dem faulen Ochſen - oder Loͤwen - Fleiſch gezeuget wuͤrden, indem die ſo genannte generatio æquivoca bey den Gelehrten laͤngſt ausgemuſtert iſt; nachdem aber die jungen Bie - nen in der alten Stoͤcken nicht Platz genug haben, als ſuchen ſie durch das Schwaͤrmen ihre eigene Wohnung. Jn der Medicin kommen die Bienen ſelbſt, der Honig und das Wachs zum Gebrauch vor: die Bie - nen getrocknet und calciniret, mit Honig vermiſchet, und auf die kahlen Oerter geſchmieret, iſt wider Alopeciam gut.

Apium hortenſe, Petroſelinum, Peterſilge, Garten-Eppich, wird in Gaͤrten gezeuget, will einen feuchten Boden haben. Die Wur - tzel und Kraut bekommen der Leber, Miltz und Magen wohl, ſind bewaͤhrt in Verſtopffung der Weiber-Blum, dienen gegen den Stein, ſchwere Geburt, bringen Luſt zum Eſſen und Beyſchlaff.

Apium Macedonicum, Petroſelinum Macedonicum, Stein-Ep - pich, Macedoni ſche Peterſilge: das Kraut iſt dem Cellery faſt gleich; der Saamen, ſo allein gebraͤuchlich, iſt laͤnglichter als der gemeine, doch ſchmaler, kleinſtreiffig, und lockicht, ſchwartz-gruͤner Farbe, eines ſcharffen und aromatiſchen Geſchmacks und ſtarcken Geruchs, hat ſeinen Namen von dem Koͤnigreich Macedonien, worinnen er haͤuffig hervor kommt, und von dar in Europam gebracht wird; wird zum Theriac, An - tidot. Matthioli und Tinctur. Bezoardic. genommen, weil er eine Gifft-treibende Eigenſchafft hat, ſtaͤrcket auch den Magen, und kommt den Waſſerſuͤchtigen zu gut, treibet den Urin; er ſtaͤrcket auch dieentkraͤff -67APentkraͤfftete Mannheit, daher findet auch der Hollaͤnder ihr Sprich - wort ſtatt:

Peterſely helfſt the Man to Paerdt.

Ende the Vrouen onder dee Aerdt.

Apium und Petroſelinum montanum, Berg-Eppich, Hirſch-Pe - terlein, waͤchſt auf bergicht-ſandicht - und ſteinichten Orten, der Saamen ſamt der Wurtzel bricht und treibt den Stein, Urin und Schweiß, foͤr - dert die Menſes, widerſtehet dem Gifft.

Apium vulgare, paluſtre, gemeiner Eppich, waͤchſt an ſumpfigten Oertern unter den Bachbungen: Die Wurtzel ſamt dem Saamen reini - gen, dienen wider Verſtopffung der Leber, Miltz, Mutter, Monats-Zeit, Nachweh und Geburt, Zahnweh, bloͤd Geſicht ꝛc.

Apocruſticum, ſiehe Adſtringens.

Apocynum, Cynocrambe, ſiehe Houatte.

Apoglaucoſis, ſiehe Glaucedo.

Aponevroſis, alſo werden die Enden und Tendines der Nerven bey den Anatomiſten genennet. Es ſind ihrer aber zweyerley, einige ſind flei - ſchichter, carnoſiores, einige aber nervoſiores, und beſtehen mehr aus Nerven-Faͤslein.

Apophlegmatiſmus, ein Schleim-abfuͤhrend Mittel, kan mit gutem Recht auch Salivans genennet werden, weil alles, was abgefuͤhret wird, aus den Speichel-Druͤſen kommt; man mag ſolches kaͤuen, ſich mit gurgeln, an den Gaumen ſchmieren, oder auch dran lecken; wird ſonſten auch ſprudeln, ſpucken, flieſſen, ſaliviren genannt. z. E.

  • Pulv. rad. Acori.
  • Pyrethr.
  • Zedoar.
  • Cardamom. j.
  • Syrup. capillor. Vener.
  • Violar. ʒij.
  • M. S.
  • Schleim-abfuͤhrender Safft, oͤffters 1. Loͤffelgen voll davon in den Mund zu nehmen.
  • Oder auch Pulv. groſſ. rad. Hellebor. alb.
  • Pyrethr.
  • Zingiber.
J 2Zedoar. 68AP
  • Zedoar.
  • Cardamom.
  • Cubeb.
  • Piper. j.
  • affund. Vini albi
  • fontan. ij.
  • Stent per noctem in infuſo, mane ebulliant cum leni expreſſione.
  • D. S.
  • Schleim-abfuͤhrend Mund-Waſſer oͤffters zu nehmen, und eine Weile in dem Munde zu halten.
  • Oder ii ſaliv. hum. extinct. ʒß.
  • Maſtich. ʒij.
  • Mellis q. ſ.
  • f. bacillus D. S.
  • Sonderlich Mund-Zaͤpflein, daran oͤffters zu ſaugen.

Solche Mittel werden auch Apophlegmatizantia genannt. Bey dieſem Gebrauch iſt zu mercken, daß ſie fruͤh und nuͤchtern bey leeren Magen zu brauchen ſind, denn wenn der Magen mit Speiſen angefuͤllet, wird er ſei - nes zur Digeſtion noͤthigen Menſtrui beraubet: (2) ſind ſolche Mittel auch nicht zu ſtarck zu brauchen, weil zugleich mit dem Muco der tuͤchtige Spei - chel evacuiret wird, wornach die Digeſtion lædiret, der Appetit verdorben, ja der gantze Leib abgemergelt wird.

Apophyſis, Proceſſus Oſſium, ein Fortſatz des Beins, oder eine Hervorragung oder Herausſtehung, ſo ſelbigem gleichſam als ein eigener Theil anhaͤnget. Dieſer empfaͤnget nach Unterſcheid der Geſtalt unter - ſchiedene Namen, denn, wenn er einiger maſſen rund iſt, wird er das Haupt genennet, und wenn ein ſchlancker Theil deſſelben auf dem Haupte lieget, heiſſet es der Nacken, iſt der Fortſatz ſpitzig, nennet man es einen Schna - bel, bisweilen einen Dorn. Ferner wird auch bey dem Hippocrate ein Fleiſch-Gewaͤchs am fleiſchichten Orte ſo genannt.

Apopiesma, das Ausdruͤcken der Materie oder Eyter aus den Wun - den und Geſchwuͤren.

Apoplecta, die innere Droſſel-Ader, ſo bey der Lufft-Roͤhre herauf ſteiget.

Apoplexia, der Schlag, die Hand GOttes, der Tropff, iſt eine gantz ſchleunige Benehmung aller Verrichtungen, das iſt, der Bewegungund69APund der Sinne mit Mangel der Sprache: doch aber laſſen unterdeſſen der Puls und die Reſpiration nicht nach, auch die Farbe des Geſichts veraͤn - dert ſich nicht, wie bey den Ohnmaͤchtigen obſerviret wird. Dieſer Zufall wird auch Gutta, Morbus attonitus, Paralyſis univerſalis, Reſolutio Ner - vorum univerſalis und Sideratio genannt. Es iſt noch eine und ſchwerere Gattung des Schlages, da die Menſchen ohne einige vorhergehende Zufaͤlle, als Schwindel, Hauptweh ꝛc. alſofort angegriffen und zu Boden geworf - fen werden. Man findet bey den Practicis einen Unterſcheid, daß, wenn etwa nur eine Seite vom Haupt bis zu Fuß vom Schlag angegriffen iſt, ſolches Hemiplegia oder Hemiplexia, der halbe Schlag: wenn alle Theile des Leibes, auſſer das Haupt, geruͤhret, Paraplegia genennet werde. Die naͤheſte Urſache iſt der gehemmte Einfluß der Geiſter zu den Theilen; die Neben-Urſachen ſind mancherley; als, unzeitige Bewegung, hefftiger Zorn, unvermuthete Faͤlle von hohen Oertern, Schlaͤge, Contuſiones und mancherley Wunden des Haupts, Donnerſchlaͤge, Rauch und Dampff von Kohlen, Arſenico, Mercurio, und andere metalliſche Ausdaͤmpffungen mehr. Die Cur iſt zwiefach, eine im Paroxyſmo, die andere auſſer dem - ſelben. Jn dem Paroxyſmo hat man einzig zu ſehen, daß der Patient er - muntert werde: dieſes erlanget man auf unterſchiedliche Art, wenn man den Patienten gleich aufrichtet, mit einem ſcharffen Tuch reibet, oder ſcharff bindet, bey den Haaren ziehet, Pfeffer, Euphorbium &c. in die Naſe reibet, ſcharffe Balſame und Anſtreich-Waſſer brauchet, eine gute Venæſection anſtellet, ſcharffe Clyſtire und Stuhl-Zaͤpffgen appliciret aus fol. Nicotian. herb. Serpill. flor. Chamomill. rad. Pyrethr. Colocynth. Mell. anthoſat. &c. in gekochet. Einige ſtecken auch in den Mund Sal Gemmæ oder �l. alb. item ol. deſt. Lentiſci in die Naſe geſchmieret, Veſicatoria hinter die Ohren geſetzet ꝛc. Wenn denn endlich der Patient erwecket, und ſich wie - der erholet, ſo muͤſſen ſtaͤrckende und Excitantia, Salia volatilia, den Gei - ſtern die natuͤrliche Bewegung wieder zu geben, und die Pituitam zu reſol - viren, gebraucht werden: ſolche ſind hier, ſo wol zu præſerviren, als zu cu - riren, Salvia, Origanum, Ruta, Chamædrys, Chamæpit. Calaminth. Puleg. ſem. Eruc. Coriandr. Sinap. alb. Carv. Fœnicul. Aniſ. radix Angelic. Ca - ryophyllat. Valerian. Vincetoxic. flor. Lavendul. Stœchad. arab. Anthos, Primul. ver. Lilior. convall. Cubeb. Cardamom. Spirit. Sangvin. human. Secund. human. Cranii human. ci, �æ, liq. C. C. ſuccinat. Eſſent. Caſtor. Rorismarin. Spicæ, Lavendul. Succini, Tinctur. Corallior. Ω Formi - car. acid. Sal. vol. C. C. Succini, Unicorn. ver. Dens Hippopotam. Cinna -J 3bar. 70APbar. ii, Corall. præp. Die beſorgliche Recidiv zu verhuͤten, muſſen die Neben-Urſachen wohl unterſuchet, die Conditio primarum viarum accurat examiniret werden, denn gar ſelten gebrechen derſelben Fehler, weßwegen Vomitoria, Purgantia, Sudorifera &c. allhier ihren ſtattlichen Nutzen ha - ben. Die Sudorifera koͤnnen Decoct. lignor Eſſent. lignor. Ω C. C. Mixt. ſimpl. Tinctur. bezoardic. diaphor. flor. �is &c. ſeyn.

Apoplecticæ venæ, ſiehe jugulares venæ.

Apoſceparniſmus, iſt eine Art von Bruͤchen an der Hirnſchale oder andern Bein, als wenn es gleichſam von der Seite geſpalten wird, nicht anders, als wenn mit der Art ein Stuͤck vom Holtz abgeſchlagen wird.

Apoſitia, ſiehe Inappetentia.

Apoſtema, ſiehe Abſceſſus.

Apotheca, eine Apothecke, iſt ein Wort, das aus der Griechiſchen und Lateiniſchen Sprache in die Teutſche iſt uͤbernommen worden, auch maͤnniglich bekannt genug. Es bedeutet eine Officin, Gewoͤlbe oder La - den, darinne allerhand Medicamenta, ſowol ſimplicia als compoſita, zu - gerichtet und verkauffet werden. Die Herren und Beſitzer eines ſolchen Wercks werden Apothecker, Apothecarii, Myropolæ, und ihre Bedien - ten Apothecker-Geſellen, und Apothecker-Jungen, Apothecariorum Miniſtri, Famuli genennet.

Apotheſis, eine kuͤnſtliche Zurechtſetzung des zerbrochenen Gliedes.

Apozema, ſiehe Decoctum.

Apparatus, heiſt insgemein eine Zuruͤſtung oder Vorrath von aller - ley Sachen; bey den Chirurgis iſt es ein Vorrath ihrer Jnſtrumenten und Medicamenten, daher kommt

Apparatus Chirurgicus: bey den Anatomicis ein Vorrath mancher - ley anatomiſcher Jnſtrumenten, und denn heiſt er

Apparatus Anatomicus: bey den Apotheckern aber eine Zuruͤſtung, Vorſchub von allerley Gefaͤſſen und Materialien, da iſt denn

Apparatus pharmacevticus vorhanden.

Appendix, heiſt insgemein ieder Anhang, wie es aber in der Ana - tomie zu verſtehen iſt, ſiehe Epiphyſis.

Appetentia canina, ſiehe Appetitus caninus.

Appetitus, Appetit, Luſt, Begierde zum eſſen und trincken, dieſes wird auch von andern Neigungen der Natur verſtanden, als vom Beyſchlaff, ꝛc.

Appe -71AP

Appetitus amiſſio, deperditio, verlohrner Appetit, ſiehe Anorexia.

Appetitus caninus, Appetentia canina, Hunds-Hunger, iſt ein ver - mehrter Hunger, oder ſtete Begierde zum Eſſen, daß die Patienten, was ſie gantz ſchleunig eingefreſſen, faſt unverdauet, entweder per ſedes, oder per vomitum wieder von ſich geben, und davon hat dieſe Kranckheit auch ſol - chen Namen erhalten. Die Urſache dieſes Ubels iſt eine hefftige Contra - ction des Magens, darzu giebet Gelegenheit (1) ein ſcharff acidum im Magen, (2) Wuͤrmer, und (3) ſtrenge Kaͤlte. Das acidum wird mit abſorbentibus corrigiret: vornemlich recommandiren die Miſcell. Natur. Curioſ. Dec. III. Ann. IV. c. 81. pag. 177. Sal tartari. Wider die Wuͤr - mer dienen abſonderlich amaricantia und aloëtica: die Kaͤlte wird durch Calida verbeſſert, einen Trunck Spaniſchen Weins oder Sect.

Appetitus depravatus, verdorbener Appetit, dieſer kan gantz be - quem in zwey Puncte gebracht werden: Jn dem erſten wird ein Jrrthum wegen des objecti obſerviret, indem gantz ungereimte und nicht taugliche Dinge zum Eſſen verlanget werden, als Kreide, Kalck, Stein, Erde, Baumwoll, Leder, lebendige Krebſe ꝛc. ꝛc. und ſolcher Affect heiſt Pica; im andern Punct iſt das Vitium in der Art und Weiſe; an dieſem Af - fect laboriren nun die Schwangern in den drey erſten Monaten, wenn ſie nemlich mit einer ſolchen Begierde begehren, daß ſie, ſo ſie das begehrte nicht erlangen, entweder abortiren, oder die Frucht mit einem Mutter - maal bezeichnen: dieſer Affect wird Malacia genannt.

Applicatio, heiſt die Verrichtung eines Wercks, ſo ein Medicus oder Chirurgus thut; als wenn der Medicus dem Patienten innerliche oder aͤuſſerliche Artzneyen ſelbſt darreicht: oder wenn der Chirurgus Wun - den verbindet, Pflaſter ſtreichet und aufleget, verdorbene Glieder abnimmt, der Bader ſchroͤpffet und Bade-Koͤpffe aufſetzet ꝛc. ſo heiſt denn dieſe Verrichtung oder Arbeit eine Application.

Appropriata, ſind ſolche Medicamenta, welche einem gewiſſen Theil und deſſen Kranckheit allein zugeeignet werden, als Fœniculi iſt ein appropriatum wider die Augen-Maͤngel, die Mercurialia ſind appropriata wider mancherley Unreinigkeiten des Gebluͤths, die Chamomilla mit allen præparatis iſt ein appropriatum wider die Colic ꝛc.

Apracta, zum Beyſchlaf und Gebaͤhren untuͤchtige Scham - Glieder.

Apyromele, ein Spatel ohne Knoͤpffgen.

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Aqua, das Waſſer, was es eigentlich ſey, iſt iedem bekannt; in der Medicin wird es als ein nicht-natuͤrlich Ding betrachtet, welches dem Menſchen entweder zum Tranck, Nahrung, oder Artzney zutraͤglich iſt. Dahero ſind des Waſſers Unterſcheid und Eigenſchafften wohl zu unter - ſuchen, maſſen einige rein, andere unſauber, einige geſaltzen, andere allau - nicht ꝛc. ſind. Von den mineraliſchen Waſſern iſt der Titul Acidulæ und Thermæ zu beſehen.

Aqua alma, und Cœleſtis, iſt der gantz vollkommen rectificirte Spiritus Vini.

Aqua aluminoſa Fallopii wird alſo gemachet: Plantagin. Ro - ſar. j. Alumin. Roch. Mercur. ſublimat. ʒij. laß es auf die Helffte einſieden, das Klare decantire.

Aqua articulorum, ſiehe Synovia.

Aqua alregi, iſt Kalck-Waſſer.

Aqua benedicta Rulandi, darzu Croci Metallor. j. gieß Frantz - Wein xxx. drauf, laß es 24. Stunden in der Digeſtion ſtehen, ſeich es durch, und heb es zum Gebrauch auf.

Aqua cerebri, iſt aqua tartari.

Aqua divina Fernelii, Mercur. ſublimat. ʒj. ſolvire es in plantag. j. wird aͤuſſerlich zur Reinigung der Wunden und Geſchwuͤre gebraucht.

Aqua Elſabon, oder Holſobon, Salmatina, iſt gemeines Saltz-Waſſer.

Aqua fortis, Scheide-Waſſer, Silber aufzuloͤſen, wird aus �li, ſo in der Waͤrme zufallen iſt, und �tri gleichen Theilen gemacht.

Aqua glareoli, ſiehe Synovia.

Aqua Lilii, iſt das Auripigmentum.

Aqua Naphæ, ſiehe Malus aurantia.

Aqua Nitri, iſt Sal alkali.

Aqua ophthalmica Sapphirina, blau Augen-Waffer, wird alſo bereitet: Calcis viv. ʒvj. fontan. ß. mache hiervon eine Lauge, darinnen ſolvire Salis Ammoniaci gr. vj. wenn es vollkommen ſolviret, ſo gieſſe dieſes in ein meßingen Becken, und laß es die Nacht uͤber ſtehen, ſo wird es eine blaue Farbe bekommen; iſt die Couleur nicht blau genug, ſo kan die Doſis des ci vermehret werden.

Aqua permanens, wird dasjenige genannt, welches aus den 2. voll - kommenſten Metallen, Gold und Silber, wird, und iſt der Mercurius Philoſophorum ſelbſt.

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Aqua phagadenica, wird alſo bereitet, j. Mercur. ſublim. corroſ. j. vermiſche es: es dienet boͤſe Geſchwuͤr zu reinigen.

Aqua Philoſophorum aucta, lucens, wird bey den Chymicis der Mercurius genannt.

Aqua-Regis, Gold-Scheide-Waffer, wird aus �lo, Nitro und ��co, oder aus marin. und forti bereitet.

Aqua virginea, viſcoſa, iſt das permanens.

Aqua viridis Hartmanni, darzu Mellis roſat. ij. �viv. Alum. crud. Virid. æris j. Albi græci, die Knoͤpffgen von Sabina und Sambuco P. j. flor. Hyperic. Plantag. Puleg. Roriſmarin. Rutæ, Salviæ . koche alles, ausgenommen den Gruͤnſpan, eine halbe Viertheil-Stunde in weiſſen Wein und Solani j. wenn es vom Feuer genommen, thue darzu, daß er ſich ſolvire, denn ſeiche das gruͤne Waſſer durch, das dienet zur Heilung aller Geſchwuͤre, ſie moͤgen auch ſeyn, wie ſie wollen.

Aqua inter cutem, Waſſer zwiſchen Fell und Fleiſch.

Aqua pericardii, Waſſer des Hertz-Saͤckleins. Noch folgen einige ſpirituoͤſe und nach Chymiſcher Art bereitete Waſſer, als

Aqua antiſcorbutica Brandenb. herb. Acetoſ. Agrimon. Becca - bung. Chelidon. min. Cichor. Cochlear. Cuſcut. Fumar. Trifol. aquatic. veronic. recent. ana Miij. ſchneide ſie klein, vermiſche ſie, und gieß aller dieſer Kraͤuter deſt. ana q. ſ. darauf, deſtillir es hernach im Marien - Bade.

Aqua apoplectica ſpirituoſa Junckenii, Junckens Schlag-Waſſer, flor. Lilior. convall. Anthos, Lavendul. Tiliæ, Baſilicon, Mari veri ij. herb. ſalv. Majoran. Serpill. Roriſmarin. Thymi Mij. Inciſ. infund. in Vini generoſ. und Ω Ceraſor. nigr. per fermentat. parat. ana q. ſ. Nach - dem dieſes 6. Tage in der Digeſtion geſtanden, deſtillir es, und infundir in das abgezogene wieder Cardamom. Cinnamom. Macis. Nuc. Moſch. Cu - beb. Caryophyll. Angelic. Zedoar. Tormentill. ana j. Nachdem es eine Weile maceriret, deſtillir es wieder aus der Blaſen, und hebe das zuerſt herauskommende Waſſer auf, und ſo es beliebig, kan in deſſen einen Theil Moſch. und Ambra, in den andern aber Caſtoreum gehangen werden.

Aqua aſthmatica Auguſtanor. Lufft-Waſſer, radic. Enul. ij. Ireos flor. ent. iß. herb. Hyſſop. Pulmonar. Salv. hortenſ. ana Mj. ſem. Aniſi, Fœnicul. Cinnamom. acut. ana ß. Cardamom. ʒij. Croci ij. Spirit. Vini j. Scabioſ. Tuſſilag. Veronic. ana ß. laß es 3. Tage digeriren, dann deſtillir es aus dem Marien-Bad.

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Aqua Carbunculi Brandenb. koͤſtlich Carfunckel-Waſſer: herb. Betonic. Lavendul. Majoran. Salv. min. Spic. ana j. flor. Borragin. Lilior. convall. Roriſmarin. Violar. ana vj. bacc. Juniper. ſem. Pæon. Cardamom. Caryophyll. Cinnamom. Cubeb. Galang. granor. Paradiſ. Ma - cis, Nuc. Moſch. Zingib. alb. ana j. Raſur. C. C. ʒß. Inciſ. & infuſ. in Fragor. Lavendul. Roſar. Spicæ ana iij. Vini albi Rhenan. generoſ. v. laß es 8. Tage am warmen Ort infundiret ſtehen, dann deſtillire es im Marien-Bad: dem gemeinen Volck zu gefallen, thue klein zerſchnittene Gold-Blaͤtter Num. XX. darzu. Unter dem Deſtilliren kan im Schna - bel des Alembici Moſchi ß. gehangen ſeyn.

Aqua carminativa Ettmülleri, Waſſer wider die Colic: flor. Chamomill. Rom. Sambuc. herb. Menth. Rut. ana Miij. bacc. Juniper. iiß. Lauri ʒvj. ſem. Cumin. j. Aniſ. Fœnicul. ana ß. Calam. aromat. iß. Cortic. Aurant. iij. Cinnamom. ʒvj. Zedoar. ʒiij. beſpreng es mit Ω�i rectiſic. ʒvj. infundir es in Spirit. vin. laß es 24. Stunden digeri - ren, nachgehends deſtillir es.

Aqua coſmetica Cnöffelii, Schminck-Waſſer, aus den Miſc. Natur. Curioſ. flor. Fabar. Lilior. alb. Nymph. ana ij. rad. Si - gill. Salomon. Spermat. ranar. ana . Roſar. pallid. ß. Magiſter. Marcaſit. iv. Sacchar. ni ʒj. Camphor. ij. ol. p. d. gutt. XXIV. f. Aqua.

Aqua epileptica Ettmülleri, Waſſer wider die ſchwehre Noth: fol. und flor. Salviæ vj. flor. Lilior. convall. iij. Lavendul. ij. rad. Pæon. iij. fol. und flor. Majoran. j. Cinnamom. ʒvj. Caryophyll. ʒiij. Macis ʒij. infuſ. Vini Rhenan. xjv. macerir es 14. Tage, hernach de - ſtillire es.

Aqua hyſterica, Mutter-Waſſer: Meliſſ. citrat. Artemiſ. epileptic. ana j. Hirundin. comp. flor. Cheiri, Cinnamom. ana ß. Spirit. ſedativ. comp. ʒiß. Meliſſ. ʒij. Manus Chriſt. perlar. j. magiſter. Perlar. ij. Corall. ʒj. m. f. Aqua.

Aqua magnanimitatis, Staͤrck-Waſſer: Spirit. Vini malvatic. q. v. hierinnen macerir 14. Tage herb. Baſilic. Majoran. Salv. Meliſſ. Pu - leg. ana Mj. flor. Borragin Salv. Primul. ver. Anthos, Lilior. convall. P. j. wenn es wohl digeriret, ſo deſtillire es aus dem Alembic: dann ſetze gegen den Sommer ein groß Glaß in einen Ameis-Hauffen, in welchem das vierdte Theil des abgezogenen Waſſers ſeyn ſoll, ſo werden die Ameiſen Hauffen-weis hinein kriechen, wenn nun derſelben 4, oder 5. Maaß zuſam -men75AQmen geſammlet ſind, denn gieſſe den uͤbrigen Spiritum drauf, mache das Glas wohl zu, laß es 14. Tage an der Sonne ſtehen, dann deſtillire es, und thue darzu Confect. Alkerm. Anacard. ana ß. Croci ʒß. moſché gr. xij. Elæoſacchar. Cinnamom. ß. vermiſche, digerir und heb es auf.

Aqua Maſtichina Brandenburg. Maſtich-Waſſer, Caryophyll. j. Cardamom. min. Cinnamom. acur. ana ß. Macis iß. Maſtich. elect. iv. Nuc. Moſch. ß. alles gepuͤlvert in ij. Spaniſchen Wein infundi -[r]et, laß es 4. Tage digeriren, dann deſtillire es aus glaͤſern Gefaͤß.

Aqua ophthalmica Sapphirina, blau Augen-Waſſer, flor. Cyani, Chelidon. maj. Euphraſ. Roſar. ana ij. gieſſe dieſe Waſſer auf le - bendigen Kalck, dann filtrire ſie, und thue phlegmat. mit �l. alb. deſt. j. ci iß. darzu, alles untermiſchete iaß im meßingenen Gefaͤß am kal - ten Ort ſtehen, ruͤhr es offt um, biß daß es vollkommen gefaͤrbet iſt, dann ſetze es ferner an die Sonnen, filtrir und heb es auf.

Aqua Serpilli Wedelii, Haupt-ſtaͤrckend Feldkuͤmmel - Waſſer, herb. Serpill. M. vj. Fœnicul. M. jv. Melifſ. Verben. flor. Tiliæ, Lilior. convall. Anthos, Lavendul. ana Mß. Sem. Aniſi ß. Cu - beb. Galang. Zedoar. ana ʒj. Cinnamom. ʒß. Macis, Nuc. Moſch. ana ʒij. rad. Pæon. Viſc. quern. ana iß. Vini generoſ. Menſur iij. deſtillire es nach der Kunſt.

Aqua ſtomachica Junckenii, Magen-Waſſer: Summitat. Menth. criſp. M vj. Galang. ß. Cinnamom. ʒiij. Macis. ʒij. Spirit. Vini aniſat. jv. Spirit. Salis ʒij. laß es eine Zeitlang in der Infuſion ſtehen, dann filtrir und heb es auf

Aqua Velthemiana, Velthemiſch Waſſer, Caryophyll. Cinna - mom. Cubeb. Nuc. Moſch. Galang. Zingiber. Cardamom. Maſtich. Ladan. Aloes hepat. Oliban. Zedoar. cortic. Citr. bacc. Laur. herb. Meliſſ. Majo - ran. Matricar. Origan. Puleg. Salv. Chamæpyt. Chamædr. flor. Anthos, Lavendul. Chamomill. Roſar. alb. & rubr. Pæon. Sambuc. Cheiri, Stœchad. arab. Serpill. ſem. Aniſi, Aneth. Piper. long. nigr. radic. Caryophyllat. Croci ana ʒij. Inciſ. contuſ. inſund. in vj. Spirit. vini opt. hernach de - ſtillire es in Marien-Bade, thue Moſch. und Ambr. ana gr. iij. clarifi - cirten Zucker q. ſ. darzu, miſch und heb es auf.

Aqua vitæ ſtomachalis rubra, roth Magen-Aquavit. radic. Calam. aromatic. jv. flor. Anthos, Lavendul. Majoran. ana ʒß. cortic. Au - rant. ʒiß Citri, Cardamom. major. granor. Paradiſ. Nucis moſch. ana ʒij. Cinnamomi j. Cardamom. minor. Caryophyllor. Galang. ana ʒiij. Cu -K 2ebar. 76AQ ARbebar. ligni Saſſafr. Macis ana ʒiß. Santal. rubr. iij. alles zerſtoſſen und in vj. Spirit. Vini rectific. infundiret, laß es im wohlvermachten Gefaͤß acht Tage in der Digeſtion ſtehen, dann ſeiche es durch, und thue ein we - nig Zucker darzu, und heb es auf.

Aqua Zedoariæ compoſita, Zittwer-Waſſer, radic. Zedoar. vj. ſem. Aniſi iij. Fœnicul. Cort. �r. j. Vini Gallici opt. vj. laß es etliche Tage im wohlvermachten Gefaͤß maceriren, hernach deſtillire es in wohl verlutirtem Gefaͤße aus der Sand-Capelle.

Aqualiculus, ſiehe Hypogaſtrium.

Aqueus humor oculi, der waͤßrige Safft, oder die waͤßrige Feuchtigkeit des Auges, von der Farbe und ſeinem Weſen alſo genannt, lieget im voͤrdern Theil des Auges unmittelbar nach der Hornfoͤrmigen Haut, daher hat ſie auch die voͤrdere Seite, die zu naͤchſt an eben der Haut lieget, erhoben empfangen; die hintere, wegen den hineingetauch - ten Cryſtallen-Safft, ein wenig ausgehoͤlet. Seine Helligkeit wird bey der Zerſchneidung leichtlich von der Schwaͤrtze der Garn-foͤrmigen Haut beflecket und verdunckelt.

Aquila, der Adler, iſt ein faſt uͤberall bekannter Vogel: in der Chymie aber werden unter dieſem Namen viel Dinge verſtanden, als

Aquila, iſt Sal ammoniacum, wird auch ferner

Aquila alba und cœleſtis genannt.

Aquila nigra iſt der Spiritus Cadmiæ.

Aquila Veneris iſt, welcher aus dem Gruͤnſpan und Salmiac ſubli - miret wird.

Aquilegia, Aquilina, Ackeley, waͤchſet in den Gaͤrten, bluͤhet im Junio und Julio, die Blumen und Saame ſind officinal: der Saame treibet vortrefflich aus, wird deßwegen in der Emulfion wider Pocken Maſern, hitzig und gifftige Kranckheiten ſehr gebrauchet, in ſpecie wird er wider die gelbe Sucht recommandiret; die Flores werden wider Zau - berey gerùhmet, die aus den Blumen gezogene Tinctur treibet ebenfalls aus, und iſt wider Mundfaͤule ſehr dienlich, vornemlich wenn ſie mit Tinctura laccæ vermiſchet wird.

Aquoſus hydrops, ſiehe Aſcites.

Aqunla, ſiehe Hydatis.

Arabicum gummi, Arabiſch Hartz, ſoll von eben dem Gewaͤchs, da der Egyptiſche Schoten-Dorn-Safft heruͤhret, flieſſen; es iſt ein weiß-gelbes, hell - und durchſcheinendes Gummi, eines waͤßrichten undſchlei -77ARſchleimichten Geſchmacks, und wird zuweilen gantz klein zerſtuͤckelt in groſſen Faͤſſern gebracht, welches ſelten unverfaͤlſcht, auch ſehr unrein iſt: es iſt ſehr rar, und das, was unter dieſem Namen verkaufft wird, iſt entweder ein Miſchmaſch von allerhand Gummi von Pflaumen-Kir - ſchen - und Pferſing-Baͤumen, oder, wenn es hoch kommt, das ſogenann - te Gummi Senica, welches aus Guinea an dem Fluß Senega geſammlet wird: das beſte iſt, welches ſchoͤn weiß, klar und durchſichtig, wie ein Glas, ſauber, im Munde leimicht und ſchleimicht, dicht, glantzend und beynah ohne Geſchmack iſt; das allerbeſte iſt, welches wie gekruͤmmte Wuͤrmlein ausſiehet, es dienet wider die ſcharffen Fluͤſſe, Huſten und rauhen Hals, Beiſſen der Augen, ſcharffen Urin, rothe Ruhr ꝛc. wird aber meiſtens zur Dinten gebrauchet, indem es verhuͤtet, daß ſolche nicht durchſchlage.

Arachnoides tunica, ſiehe Tunica.

Aracus aromaticus, ſiehe Vainigliæ.

Aranea, eine Spinne, iſt ein ſehr bekanntes Ungeziefer, deſſen man verſchiedene Arten findet, alle aber vermehren ſich durch ihre eigenen Eyer - lein, welche die Weiblein in kleine Knoͤpfflein zuſammen gewunden, eine Zeitlang an und bey ſich tragen, nachmalen aber in die Ecken und Win - ckel verſtecken, bis ſie im Sommer von der aͤuſſerlichen Waͤrme vollends ausgebruͤtet und ausgeſchloſſen werden, da alsdenn die jungen Spinnen in groſſer Anzahl hervor kriechen. Die Spinnen (ſonderlich die groſſen Creutz-Spinnen) werden wider die Wechſel-Fieber ſehr geruͤhmet, indem ſie dieſelbigen in einer Haſelnuß entweder an den Hals haͤngen, oder auf die Pulſe binden, ſo auch das viertaͤgige Fieber vertreiben ſoll. Gleicherweiſe legen ſie auch die Spinnewebe mit Eyerweiß und Kihn - Ruß auf den Puls, welches Mittel in dreytaͤgigen Fiebern probat erfun - den: ſonſten aber werden die Spinneweben wider das uͤberfluͤßige Bluten geruͤhmet, welches ſie bald ſtillen.

Aranea und Araneoſa tunica, ſiehe Tunica arachnoides.

Arbor, ein Baum, iſt ein ſolch Gewaͤchs, das von ſeiner Wurtzel an in einen gleichen dicken holtzigten Stamm hoch aufwaͤchſt, und oben in unterſchiedene Aeſte ſich rund ausbreitet, als da iſt der Apffel - Birn-Pflaumen-Kirſch - und andere ſowol erzogene, als wilde Baͤume mehr.

Arbor fœtida, ſiehe Alnus nigra.

Arbor cacavifera, ſiehe Cacao.

K 3Arbor78AR

Arbor Maris, ſiehe Corallium.

Arbor philoſophica, auch Dianæ genannt, iſt eine Chymiſche Calci - nation des Silbers und Mercurii, wird zur Curioſitaͤt alſo gemachet: Lunæ capellat. ß. fort. j. Dieſes ſolvire man, nachgehends fort j. Mercurii vivi ß. Laß es auch ſolviren, und wenn auch dieſes geſchehen, ſo ſchuͤtte beyde Solutiones zuſammen, und thue noch darzu Mercurii vivi iij. fontan. viß. thue alles in ein laͤnglicht Glas, und ſetze es an einen temperirten Ort, ſo wird ein Baͤumlein anſchieſſen, wel - ches gar artlich anzuſehen. Kunckel lehret ihn in ſeinem Laboratorio Chy - mico Part. III. p. 323. alſo machen: Man nimmt fein Silber j. ſolvirt ſolches in fort. ij. gieſſe iij. klar Waſſer, ſo kein Saltz fuͤhret, darzu, dann ſchuͤtte vivi ij. darein, und laſſe es unbeweglich ſtehen, ſo waͤchſt es recht artig.

Arbor regundorum finium, iſt der Orlean-Baum, wird vom Scaliger alſo genannt, weil die Mexicaner die Graͤntzen der Landſchafften auf ihren geographiſchen Mappis damit bezeichnen und unterſcheiden: ſiehe Orleana.

Arbor Vitæ, paradiſiaca, Baum des Lebens, iſt ein ſtarckriechen - des, gerades, und mit einer roth-ſchwartzen Rinde bedecktes Baͤumlein, ſo erſtlich aus Nord-America, aus der Provintz Canada gebracht worden, ietzo findet man es ſchon in etlichen Gaͤrten. Das aus den Blaͤttern deſtillirte und ol. wird aͤuſſerlich wider die Podagriſchen Schmertzen gelobet.

Arbutus, Comarus, Erdbeer-Baum, waͤchſt haͤuffig in Spanien und Jtalien, in Waͤldern auf den Bergen, und iſt in den Gaͤrten zu finden: wenn er verbluͤhet, traͤgt er Fruͤchte als Haſelnuͤſſe, die, wenn ſie reiff, den Erd-Beeren nicht ungleich; die Wurtzel ſoll gut fuͤr die Peſt ſeyn.

Arcanum, ein geheimes Mittel, iſt eine ſolche Artzney, welcher Zubereitung, wegen groſſer Krafft und Wuͤrckung, geheim gehalten wird. Die Arcana ſind ietzo ſo gemein, daß auch ieglicher Pfuſcher ſonderliche Arcana zu haben ſich ruͤhmet: Es kan ein ieder ſeine Artzeneyen fuͤr Ar - cana ausgeben, wenn er die Ingredientia und præparandi modum ver - ſchweigt, anders ſind es keine Arcana.

Arcanum corallinum, wird aus dem Mercurio præcipitato gemachet, wenn er zum wenigſten 6. mal mit gutem abgebrennet wird.

Arca -79AR

Arcanum coſmeticum, iſt eine ſchoͤne Schmincke, darzu ſubtil gepuͤlverten Venediſchen Talckſteins ein Theil, olei Camphor. zwey Theil, laß es im Marien-Bad digeriren, daß es gantz weiß wird.

Arcanum duplicatum, wird aus dem Capite mortuo des Scheide - Waſſers ausgelauget: weil man aber das nicht immer haben kan, ſo macht es Ludovici mit Solut. �li, welche mit Solutione fixi, oder auch nur Ciner. Clavell. ad ſaturationem usque vermiſchet wird. Jſt ein vor - trefflich Digeſtiv in den Wechſel-Fiebern, Scorbut und andern Kranck - heiten, wird auch Panacea Holſatica genennet.

Archeus, wird bey dem Helmont offt geleſen, iſt ſo viel als die in - nerliche Haupt-Urſach aller Dinge der Welt: vielleicht bedeut es die ſub - tile Lufft der Welt. Jn dem menſchlichen Leibe ſoll es das Principium vi - tale, oder die Spiritus animales, welche alle Functiones thun, heiſſen.

Archiater, hat zweyerley Bedeutung: (1) werden der Koͤnige, Fuͤr - ſten und anderer Stands-Perſonen Leib-Medici hierunter verſtanden, (2) wird auch der Decanus in der Facultaͤt, oder Senior im Collegio Me - dico alſo genannt.

Arcualia oſſa, heiſſen bey einigen des Vorder-Haupts Beine, bey andern die Schlaf-Beine.

Arcuatus morbus, ſiehe Icterus.

Ardens febris, ſiehe Febris.

Ardor, Hitz oder Brennen, es ſey inn - oder aͤuſſerlich, und an wel - chem Ort oder Glied es wolle.

Ardor ſtomachi, Brennen im Magen, iſt, wenn man im Schlund und Magen einen brennenden Schmertz empfindet, kommt beynahe dem Sod bey, entſtehet ordinair, wenn man haͤuffiges Fett und viel ſaures da - bey gegeſſen hat: die Cur hievon ſiehe unter Soda.

Ardor urinæ, hitziger Harn, Brennen des Harns, kommen bey - nahe mit der Stranguria oder kalten Biſſe uͤberein, auſſer daß der im hitzi - gen Harn haͤuffig, in der Stranguria aber Tropffen-weiſe abgehet: ferner wird im hitzigen Harn von der Schaͤrffe mehr die Urethra oder Harngang und Sphincter angegriffen, welches daraus erhellet, weil der auf eine Zeit lang gehalten werden kan, bis deſſen eine gute Quantitaͤt zuſammen ge - ſammlet, und denn wird erſtlich der Schmertz empfunden, wenn er excer - niret wird: in der Stranguria aber werden vielmehr die Ureteres und Harn - Blaſe angegriffen, dahero auch, indem durch die Ureteres ein Troͤpfflein Urins in die Blaſe getroͤpffelt, alſobald ſowol in dieſen, als in der BlaſeSchmertz80ARSchmertz und Prickelung zur Excretion gemachet wird: dahero werden in dieſem Affect die Patienten zum ſteten Harnen genoͤthiget: weiter hiervon ſiehe Stranguria.

Area, iſt ein Gebrechen der Haare, und Sorte der Alopeciæ, wenn ſie Stuͤckweiſe ausfallen, entſtehet von den ſcharffen Saltz-Thei - ligen, welche zu den Haut-Druͤſen gebracht werden, und allda corrodiren: dieſes Ubel zu heben, brauche man Abſorbentia, als C. C. uſt. Corall. ſigillat. Lapid. 69. und Diaphoretica, als Antimon. diaphoretic. ſimp. und martial. flor. �is, Myrrh. C. C. ſ. zu welchem allezeit etwas vom Mercur. dulc. zu thun iſt, hernach dienet ein Decoct. Rorismarin. Abrotan. mit Wein oder Regin. Hungar. item Cepar. mit Mellis, auch dieſes Ungvent, welches von vielen fuͤr ein Secretum gehalten:

  • Fol. Abrotan. Mar.
  • Capill. vener. Mj.
  • Mellis flav. j.
  • Gummi Ladan. ß.
  • Myrtillor. ʒj.
  • ſem. Fœn. græc.
  • Lini iij.
  • ol. Amygdal. dulc.
  • Vini albi opt. iij.

infundire es 24. Stunden, dann laß es bis zur Verlichrung der Feuch - tigkeit ſieden, f. expreſſio.

Areca, iſt eine Frucht eines fremden Baums dieſes Namens, ſonſten auch Pynan-Baum genannt, welche aͤuſſerlich einer Mußcat-Nuß nicht viel ungleich iſt, nur daß ſie nicht ſo rund, ſondern unten platt und oben aus zugeſpitzt iſt: ſiehet unten, wo ſie aufſitzet, weiß-grau, und oben braun, inwendig aber iſt ſie mit Purpur-rothen und weiſſen Streiffen durch einander wie die bunte Seiffen gemarmeliret: hat einen etwas an - haltenden Geſchmack, aber keinen Geruch. Sie wird ſonſten auch Faufel genennet, kommt aus Oſt-Jndien. Der Baum iſt dem Palmen - und ab - ſonderlich dem Dattel-Baum ſehr gleich. Der aͤuſſerlichen Geſtalt nach hat man verſchiedene Species der Frucht, deren Bauhinus drey, Pomet aber nur zwey, als die halb-runde und lange pyramidaliſche anfuͤhren. Sie hat eine trocknend und anhaltende Krafft, ſtaͤrcket den Magen, wehret dem uͤbermaͤßigen Brechen, Durchlauff, rothen Ruhr, Blutſpeyen, befeſtiget die Zaͤhne, und ſtillet das Bluten des Zahnfleiſches.

Arefa -81AR

Arefactio, wenn man feuchte oder naſſe Dinge trocken und duͤrre machet.

Arena, Arenula, Sand oder Gries; es wird ſonderlich derjenige Sand oder Gries verſtanden, welcher mit dem Urin von den Stein-be - haffteten abgefuͤhret wird.

Areola, ſiehe Papilla.

Argemon, Argema, ein Augen-Geſchwaͤrlein, welches ſich in das Regenbogen-Haͤutlein geſetzet, iſt auſſerhalb des Regenbogen-Haͤutleins roͤthlich, innerlich aber weiß.

Argentaria petræa, ſiehe Tormentilla alpina.

Argentina, ſiehe Anſerina.

Argentum, das Silber, folget an Geſchmeidigkeit und Schoͤnheit dem Golde ſtracks nach, ob wol es am Gewicht und der Farbe demſelben nicht zu vergleichen iſt, indem es nicht gelb, ſondern weißlicht ſcheinet; wird faſt in allen Landen, beſonders auch in Teutſchland, in Sachſen und anderswo in den Bergwercken gefunden, in groͤſſerer Quantitaͤt aber von den Spaniern mit der Silber-Flotte aus Peru, und von den Hollaͤndern auch aus andern Theilen der Welt, ſowol aus Oſt-als Weſt-Jndien her - aus gebracht. Es wird aber das Silber entweder gantz pur und gedie - gen in den Silber-Gruben angetroffen, oder auch in groſſen Klumpen, oder es wird aus denen Silber-Ertzen geſchmoltzen und abgetrieben. Weil aber das aus denen Ertzen geſchmoltzene Silber gemeiniglich noch andere Metallen, ſonderlich Kupffer in ſich haͤlt, hierdurch aber, ſowol zur Artzney, als andern Arbeiten untuͤchtig wird, ſo muß man ſolche entweder durch das Scheide-Waſſer, oder auf der Capell, vermittelſt des darvon bringen, welches alsdann

Argentum capellatum, capellirt Silber genannt wird, und zum Dratziehen, geſchlagenen Silber ꝛc. gebrauchet wird. Aus dem Silber ſind in der Offici[a]die Cryſtalli Lunares, der Lapis infernalis und die Tin - ctura Lunæ: wird ſonſten auch Luna genannt, von den Laboranten aber Album, Fermentum album, Lumen minus, Mater, ut Sol Pater, Diana: am Himmel Luna, in der Hoͤllen Proſerpina und auch Lucina; wird alſo () bezeichnet.

Argentum foliatum, geſchlagen Silber: es wird das Silber - Blech oͤffters in Feuer gehalten, und zwiſchen zwey Ledern zu dergleichen duͤnnen Blaͤttlein getrieben, welche nachmalen in den Buͤchlein verkauf - fet werden.

LArgen -82AR

Argentum fugitivum und Mercurius vivus bedeutet einerley.

Argentum in muſculis, Muſchel-Silber, beſtehet aus den Schnitz - lein des geſchlagenen Silbers, welches mit Gummi gerieben und angema - chet wird, dienet zum Schreiben und zur Mahlerey.

Argentum muſicum, hat mit dem vorigen nichts zu thun, indem es nur aus Zinn, Wißmuth und Queckſilber gemachet, und zur Mahlerey gebrauchet wird.

Argentum vivum, Queckſilber, iſt ein ſehr ſchwerer, fluͤßig und fluͤchtiger metalliſcher Safft, gleich als ein glaͤntzender ſilberner Fluß an - zuſehen, weßwegen es auch Griechiſch Hydrargyrum, wegen ſeiner Unbe - ſtandigkeit im aber Mercurius genennet wird: kommt heut zu Tage meiſt aus Oeſterreich, Hungarn und Holland, in ledernen Saͤcken von Schaaf-Fellen, welche in hoͤltzerne Staͤucher geſchlagen, und das uͤbrige Spatium mit Saͤg-Spaͤnen oder Hexel ausgefuͤllet wird. Es findet ſich aber das Oueckſilber entweder alſo pur und flieſſend in den Bergwercken, wel - ches Mercurius Virgineus genennet, und fuͤr das reineſte gehalten wird; wiewol auch derjenige , welcher entweder aus dem Cinnabari artiſiciali oder andern chymiſchen Præparatis reſuſcitiret, und Mercurius reſuſcita - tus geheiſſen wird, ihm an Guͤtigkeit ſehr nahe kommt; oder wird aus ſeinen eigenen Ertzen und Mineren gebracht, welche insgemein roͤthlich, oder et - was graulicht mit glaͤntzenden Streiffen, wie das anzuſehen ſind. Eine ſolche Art ſoll ſich faſt nur in zweyen Laͤndern in gantz Europa finden, nem - lich in Spanien und Hungarn; in Spanien zwar wird das beſte Queck - ſilber gefunden, welches das Silber verguͤlden ſoll, und deßwegen von den Alchymiſten ſehr æſtimiret wird, iſt aber ſehr rar und uͤbel zu haben, muß alſo faſt alle das Queckſilber aus Hungarn und Siebenbuͤrgen geholet werden. Die ausgegrabenen Ertze thun ſie in groſſe eiſerne Retorten, und deſtilliren daraus den in andere mit angefuͤllte Excipienten, oder auch in zwey auf einander geſetzte Toͤpffe per deſcenſum; und wenn ſie das Queckſilber empfangen, ſo wird ſolches hernach durch ein Leder gedrucket, und alſo von ſeinen Unreinigkeiten befreyet. Das alſo verfertigte Queck - ſilber muß ſchoͤn weiß, ſauber, recht lebendig und flieſſend, wie ein helles ſeyn, dasjenige aber, ſo in einer kupfernen Schale, gleichſam wie Bley und dunckel anzuſehen iſt, ſich auch, als ob es fett waͤre, ziehet, oder an den Haͤnden hangen bleibet, und ſich daran in runde Kuͤgelein formiret, iſt zu verwerffen, weiln es entweder durch Betrug, oder von ohngefehr mit Bley vermiſchet iſt. Jn der Medicin thut es groſſen Nutzen, indem es ſowolpræpa -83ARpræpariret, als roh, wider einige hartnaͤckigte Kranckheiten, ſowol inn-als aͤuſſerlich gebraucht wird.

Argilla, Thon, Toͤpffer-Erde, wird zur Artzney nicht ſonderlich gebrauchet: es werden die bekannten Tabacks-Pfeiffen davon gemachet, wird auch im Laboratorio zum lutiren gebraucht.

Argyropœia, Verwandelung der geringen Metallen in Gold und Silber.

Ariditas Corporis trockner, hagerer, duͤnner und abgenommener Leib.

Ariditas Oris, duͤrr oder trockner Mund, findet ſich offt bey hitzi - gen Fiebern und andern ſo genannten Haupt-Kranckheiten, der Mund wird gantz duͤrre, die Lippen ſchwartz, und bekommen Borſten.

Aridura, die gaͤntzliche Schwindung des Leibes oder aller Glieder, geſchiehet, wenn der gantze Leib taͤglich abnimmt und krafftlos wird: ſiehe Tabes.

Arilli, ſiehe Acinus.

Ariſta, eine Aehr, als Korn-Weitzen-ꝛc. Aehren.

Ariſtolochia longa, lange Holwurtz, Oſter-Lucey-Wurtzel, iſt eine laͤnglicht-runde, dicke und runtzlichte Wurtzel, auswendig grau - braun - und inwendig gelbicht, eines bittern und ſcharffen Geſchmacks und ziemlichen Geruchs, wird aus Jtalien gebracht. Das Gewaͤchs dieſer Wurtzel iſt der welſchen runden Holwurtz nicht gar ungleich. Ohne die - ſes ſind noch zwey Kraͤuter, deren Wurtzeln auch unter die langen Hol - Wurtzeln gerechnet werden, davon das eine Ariſtolochia Clematitis, das andere Ariſtolochia tenuis oder Piſtolochia genannt werden, haben beyde ſchmale duͤnne Wurtzeln, ſo aber nicht im Gebrauch ſind. Von der lan - gen Holwurtz werden nicht nur die Wurtzeln, ſondern auch die Blaͤtter zur Artzeney gezogen, haben beyde eine heilende Krafft, und werden deßwegen nicht allein zu aͤuſſerlichen, ſondern auch innerlichen Schaͤden und Ver - wundungen gebrauchet: aͤuſſerlich curiret ſie die alten Loͤcher an den Fuͤſ - ſen, innerlich aber die Schwind - und Lungenſucht, dienet auch wider die Kraͤtze, befordert die Geburt und Reinigung nach derſelben.

Ariſtolochia rotunda, die runde Holwurtz, dieſer ſind dreyerley Arten bey den Materialiſten, worunter die erſte und beſte

Ariſtolochia rotunda vera, ſo die welſche runde Holwurtz ge - nennet wird, iſt eine dicke, runde knotichte und runtzelichte Wurtzel, aus - wendig grau, und inwendig gelb, eines uͤberaus bittern Geſchmacks und etwas aromatiſchen Geruchs. Dieſe wird aus Jtalien und den hohenL 2Schwei -84ARSchweitzer-Gebuͤrgen gebracht, allwo das Kraut mit vielen zaͤhen und beigigen Stengeln, einer Ellen hoch waͤchſet; die Blaͤtter ſind wie Epheu, doch runder; die Blumen ſind ſchwartz-braun und lang, wie ſpitzige Huͤte ꝛc. Weil aber dieſe nicht allemal zu haben, ſo wird oͤffters an de - ren Stelle die

Ariſtolochia rotunda, vulgaris, notha gebraucht, welche nichts an - ders iſt, als radix Fumariæ bulboſæ, welches Kraut eine Art Tauben - Kropff iſt: die Wurtzel iſt inn - und auswendig graulicht, gantz hol, auch voller Sand und Erden, welche im Herbſt und Fruͤhling, wenn ſie gegra - ben, heraus geſchwemmet wird, im uͤbrigen bitter. Uber dieſe hat man noch eine andere Art, welche

Ariſtolochia fabacea, kleine runde Holwurtz genennet wird, weil dieſe Wurtzel als eine Bohne groß, auch unten und oben platt anzuſehen iſt; kommet auch von einer Fumaria bulboſa her, und wird von der vori - gen daran unterſchieden, daß ſie keine ſo groſſe Hoͤle hat; ſie wird auch ſel - ten in den Apothecken gebrauchet. Die beſte Holwurtz iſt, welche ſchwer, hart, feſt, knoticht, und inwendig ſchoͤn gelb ausſiehet; ie bitterer, ie beſſer ſie iſt: alle aber muͤſſen wohl ausgetrocknet und duͤrre gemacht ſeyn. An Kraͤfften kommen ſie zwar uͤberein, doch hat die Jtaliaͤniſche den Vorzug; ſie erwaͤrmen und zertheilen das ſtockende Gebluͤt in der Bruſt, und ſon - derlich der Mutter, ſie treiben die Menſes, Reinigung nach der Geburt, todte Frucht und Molas; aͤuſſerlich kan man ſie unter die Mutter-Zaͤpfflein thun, item in die ſcharffen Clyſtire, welche wider den Schlag und ſchwere Noth pflegen verordnet zu werden.

Ariſtophaneion, iſt ein Name eines erweichenden Pflaſters.

Armatura conceptus, ſiehe Amnion.

Arme, eine Nath in den Knochen, ſiehe Sutura.

Armena Bolus, ſiehe Bolus Armeniæ.

Armenius lapis, der Armenier-Stein, wird alſo genennet, weil er anfangs aus Armenien gekommen, wird aber numnehr in Tyrol und anderswo gefunden; iſt ein gruͤn-blauer Stein, (weßwegen er auch Teutſch Berg-blau heiſſet) in der Groͤſſe einer bleyernen Kugel, und iſt hin und wie - der mit kleinen glaͤntzenden Sand-Koͤrnlein, gleich als mit Diamanten verſetzet. Er waͤchſet offt nebſt der Chryſocolla oder dem Berg-gruͤn; er hat eine purgirende Krafft, und wird von den Arabern wider die Melancholey, Wahnſucht und Epilepſie gelobet, daher man auch in vielen Apothecken die Pilulas de Lapide Armeno findet; Dienet aber vielmehr zur Mahlerey, in -dem85ARdem das ſo genannte Berg-blau, oder Cœruleum Montanum, daraus ge - machet wird, nachdem der Stein gerieben, gewaſchen, und alſo von dem Sand und kleinen Steinlein geſaubert wird, davon man vier Sorten, im - mer eine ſeiner als die andere, bey den Materialiſten findet.

Armilla manus membranoſa, iſt die Senne bey der Hand-Wur - tzel in die Quer, umgiebet die Hand-Wurtzel als ein Ring, bewahret die Haarwaͤchſe der Maͤuslein, welche zu den Fingern gehen, in ihrem Sitz.

Armonia, coagmentatio, die Zuſammen-Leimung, iſt eine Zu - ſammenfuͤgung der Beine, auf Art einer einfachen Linie, wie die Zuſam - menfuͤgung der Beine des obern Kinn-Backens unter einander iſt.

Armoracia, Raphanus ſylveſtris, Heidenreich, wilder Merret - tich, waͤchſt auf den Aeckern, in Thaͤlern und an den Baͤchen, die Wurtzel treibet den Urin, bricht den Stein, dienet wider den Scharbock, Waſſer - ſucht, verſtopfften Menſes, mindert die Milch in den Bruͤſten.

Arnica, Lagea lupi, Wolverley, Mutterwurtz, waͤchſt auf den Bergen und Wieſen, das Kraut ſamt den Blumen treibt den Schweiß und Harn, macht Brechen, zertheilet die blauen Maͤhler, und vertreibt die Fieber.

Aroma, allerley Gewuͤrtz, iſt ein allgemeiner Name, worunter die ſowol in der Officin, als Kuͤchen dienlichen Gewuͤrtze verſtanden werden.

Aroma Germanorum, ſind die baccæ Juniperi, oder Wachholder - Beeren.

Aroma Philoſophorum, ſind die flores Hæmatitis, oder Blutſtein - Blumen.

Aromatarius, ein Materialiſt, Specerey-Haͤndler.

Aromatica Medicamenta, Aromatiſche Artzney-Mittel, als radix Ninſing, Cubeb. Cinnamom. Cardamom. Caryophyll. radix Galang. Zedoar. N. Moſch. &c.

Aromatiſatio, die Wuͤrtzung der Artzneyen oder Speiſen, ſelbe angenehmer, wohlriechend und ſchmackhafft zu machen; darzu nimmt man Calmus, Zimmet, Saffran, Pfeffer, Jngwer, und zuvor angefuͤhrte Aromata.

Aroph, werden bey dem Paracelſo die flores oder Blumen vom Blut-Stein und Salmiac genennet; dieſe flores mit Ligno colubrino in rob Sambuci zum Bolo gemacht, haben wider die viertaͤgigen Fieber und Miltz-Beſchwer groſſe Krafft.

L 3Arqua -86AR

Arquatus morbus, ſiehe Icterus.

Arrhæa, heiſt insgemein ieder verſtopffter Fluß; Hippocrates aber braucht es fuͤr die verſtopfften Menſes.

Arrhepis, iſt der eilffte Wirbel unter den Bruſt-Wirbeln.

Arſenicum, Arſenic, wird in nativum, oder natuͤrliches, und factitium oder gemachtes unterſchieden, deren jenes alſo in den Bergwercken geſun - den, dieſes aber durch gewiſſe Handgriffe ſublimiret wird: von beyden hat man in den Material-Kammern dreyerley Species, nemlich das

  • Arſenicum album, flavum, rubrum,
    • weiſſen
    • gelben
    • rothen
    Arſenic.

Arſenicum album, der weiſſe Arſenic, wird insgemein Maͤuſe-Gifft und Ratten-Pulver geheiſſen, und beſtehet in weiſſen Stuͤcken, welche aus - wendig matt-weiß, wie ein Kalck, inwendig aber wie ein weiſſes Glas an - zuſehen, anbey eines ſcharffen und aͤtzenden Geſchmacks ſind, und werden entweder von dem unterirdiſchen Feuer, natuͤrlicher Weiſe, aus dem Co - bolt alſo ſublimiret, wie zuweilen aus den Kupffer-Bergen gebrochen wer - den, oder werden durch die Kunſt alſo zubereitet; jener iſt ſehr rar und ſel - ten zu bekommen, da hergegen alle das Arſenicum album, welches man in den Apothecken und Material-Kammern findet, das Factitium iſt. Die - ſes Arſenicum iſt ein ſo ſtrenges Gifft, daß es auch in ſehr geringer Quan - titaͤt einen Menſchen toͤdten kan, und derowegen immer fuͤr toͤdtlich gehal - ten wird; aͤuſſerlich machen einige zur Peſt-Zeit ein Amulet daraus, ſo aber nicht gar zu ſicher iſt.

Arſenicum flavum, das gelbe Arſenic, iſt nichts anders als das Au - ripigmentum, oder Operment, welches gleichfalls entweder aus den Saͤch - ſiſchen Bergwercken geſammlet, oder durch Kunſt præpariret wird, nach - dem es entweder von der Natur in der Erden aus dem Cobolt und Schwefel, oder aus dem vorigen Arſenico mit dem gelben Schwefel kuͤnſt - lich ſublimiret wird, worvon das erſte auch Realgar genennet worden. Die - ſes iſt gar unterſchiedlich, und findet ſich zuweilen ſehr ſchoͤn, rein, gelb und glaͤntzend als Gold, welches, ſo es in groſſen Stuͤcken, muͤrb und leicht zu zerbrechen iſt, fuͤr das beſte gehalten wird; kommet gemeiniglich aus Oe - ſterreich uͤber Wien und aus Venedig, bisweilen iſt ſolches hart, ſtein - und kießicht, auch mit rothen oder gruͤnen Streiffen untermenget, welche Sorte zu verwerffen iſt; daher die Materialiſten gemeiniglich zwey Sorten, das gemeine und feine, beyde aber entweder gantz oder in pulvere fuͤhren:einige87AReinige Medici machen ein Haar-freſſend Medicament daraus, welches aber auch gefaͤhrlich iſt.

Arſenicum rubrum, das rothe Arſenic, wird von den Griechiſchen Medicis Sandaracha genennet, kommet in dunckel-gelben und roͤthlichen Stuͤcken, welche ſcharff und corroſiviſch ſind; werden entweder ſo in der Erden gefunden, oder werden aus dem Arſenico und ſonſten einer Mi - nera, dem Cobolt nicht unaͤhnlich (welche man Kupffernickel nennet) mit dem gemeinen Schwefel ſublimiret, weßwegen dieſes rothe Arſeni - cum auch rother Schwefel, Feuer-Schwefel und r[o]th Operment genen - net wird.

Arthanita, ſiehe Cyclamen.

Artemiſia alba und rubra, weiß und rother Beyfuß, S. Jo - hannis Guͤrtel, waͤchſt auf den Feldern und Aeckern, iſt ein gut Mut - ter-Harn - und Stein-treibendes Kraut, Schmertz-ſtillend dabey, be - foͤrdert die Menſes, Frucht und Nachgeburt; die unter dieſer Wurtzel gefundenen Kohlen werden vortrefflich wider die Epilepſie recommandi - ret, wie Ettmüller Tom. I. Oper. Medicor. pag. 519. a von einer Sol - daten-Frau erzehlet.

Artemiſia tenuifolia, ſiehe Tanacetum.

Arteria, die Puls - oder Schlag-Ader, iſt eine Roͤhre, welche ſchlaͤget, und das Blut aus der Hertz-Kammer zu den uͤbrigen Theilen des gantzen Leibes fuͤhret. Die Puls-Adern des gantzen Leibes koͤnnen mit einander zu zweyen gebracht werden, nemlich zur Lungen - oder Lufft - Roͤhr - und groſſen Puls-Ader: die Lungen-Puls-Ader entſpringet aus der rechten Hertz-Kammer, und bringet das Blut von dannen durch die Lunge in die lincke Hertz-Kammer; die groſſe Puls-Ader entſtehet aus der lincken Hertz-Kammer, und von dar fuͤhret ſie das Gebluͤt zu allen Theilen des Leibes. Nach den Hertz-Kammern zu erſcheinen ſie etwas voͤlliger, als wie ein Stamm-Ende, dann theilen ſie ſich ferner in unter - ſchiedliche Aeſtlein, deren die meiſten ihren ſonderlichen Namen mit ſich fuͤhren. Die Puls-Adern haben ein viel dicker und ſtaͤrckeres Weſen als die Blut-Adern. Eine iedwede Puls-Ader beſtehet aus einem zwie - fachen Haͤutlein, zu welchen man noch das dritte und vierdte hinzu thun kan, und dieſe ſind auch in den groſſen Puls-Adern augenſcheinlich zu befinden, aber der kleinen Aeſtlein Seiten-Theile ſind ſo duͤnne, daß es ſcheinet, als wenn ſie mehr nur aus einem ein-als vierfachen Haͤutlein beſtuͤnden.

Arteria88AR

Arteria adipoſa, die fette oder Schmeer-Puls-Ader.

Arteria aorta, magna, craſſa, maxima, die groſſe Puls-Ader, iſt diejenge, welche unmittelbar aus der lincken Hertz-Kammer heraus gehet, und das Blut aus dieſer Hoͤle zu allen Theilen des Leibes, iedoch etlicher maſſen die Lunge ausgenommen, fuͤhret.

Arteriæ aortæ truncus aſcendens, der aufſteigende Aſt oder Stamm der groſſen Puls-Ader, ſteiget lang in die Hoͤhe bey der Ar - teria aſpera bis zu den Schluͤſſelbeinen, und theilet ſich daſelbſt in zwey Aeſte, welche Arteriæ ſubclaviæ, oder unter dem Schluͤſſelbein liegende Puls-Adern heiſſen: die eine wendet ſich zur rechten, die andere zur lincken, beyde bringen von ieder Seite Ramos oder Aeſte, welche ihre Namen von denen Theilen, in welche ſie ſich ausbreiten, haben.

Arteriæ aortæ truncus deſcendens, der abſteigende Aſt der groſ - ſen Puls-Ader; ehe dieſer von der Bruſt abgehet, giebet er dem Pericar - dio, Zwerchfell und Rippen ꝛc. Aeſte.

Arteria aſpera, die Lufft-Roͤhre, iſt eine lange aus unterſchiede - nen Knorpeln und Haͤutlein zuſammen geſetzte Roͤhre, die von der Kehlen bis in die Lunge hinab ſteiget, und ſelbige mit ihren vielen Zweigen durch - laͤuffet, auch der Lufft zur Einathmung einen freyen Durchgang zu den Lungen und wieder aus denſelben heraus verſtattet: von vorne bis zu dem vierdten Gewerb-Bein der Bruſt lieget ſie auf der Speiſe-Roͤhre, allwo ſie in zwey Aeſte zertheilet wird, deren ein ieder ſich in den groͤſſern auf ſeiner Seite gelegenen Lappen der Lungen begiebet, und hernach wiederum in kleinere Zweiglein zertheilet wird, bis er ſich endlich in den Lungen - Blaͤslein endiget. Bey der Lufft-Roͤhre hat man das Haupt, den Stamm und beſagte Zweige zu betrachten.

Arteriæ aſperæ anguſtia, die Enge der Lufft-Roͤhre.

Arteriæ aſperæ aſperitas, die Rauheit der Lufft-Roͤhre, ma - chet eine ſchwere Reſpiration und Stimme; hierwider dienen innerlich Ω�� ci aniſat. aſthmatic. Species diaireos, diatragacanth. ſyrup. Tuſſilag. ol. Amygdal. dulc. mit Zuckerkant, und ol. deſt. Aniſi, mucilag. ſem. Cydonior. mit ſpermat. Ranar. extrahirt; aͤuſſerlich dieſes Un - gvent, Ungvent. filior. Zachar. reſumtiv. ß. olei Amygdal. dulc. Ranar. ʒij. Camphor. j. miſce.

Arteriæ aſperæ ſectio, perforatio, ſiehe Laryngotomia.

Arteriæ aſperæ ulcus, ein Geſchwuͤr der Lufft-Roͤhre, hierwider brauche man Sudorifera, als Decoct. lignor. da kan man zu ieder Doſi nochxx. gutt. 89ARxx. gutt. Tinct. bezoardic. thun: Hierbey koͤnnen mancherley Injectio - nes geſchehen; ſtatt aller kan das ſeyn, ſonderlich wenn es mit man - cherlcy heilenden Decocten vermiſchet wird.

Arteriæ aſperæ vulnus, eine Wunde der Lufft-Roͤhre, dieſe tra - ctire man alſo, daß man ein Decoct von China mit herb. Veronic. Heder. terreſtr. Alchimill. Tuſſilag. Pulmonar. Pentaphyll. Piloſel. lign. Santal. mit ſyrupo Jujubin. verſuͤſſet gebe. So dienen auch Pulder aus Lapid. 69. io diaphoretic. ſigillat. Maſtich. Myrrh. item Tinct. Hyperici. balſam. Peruvian. aͤuſſerlich dienet ein Epithema aus Ω Lumbricor. und camphorat. warm appliciret: zur Heilung kan das Emplaſtr. ſtiptic. Crollii dienlich ſeyn: die Hæmorrhagie dieſer Wunden zu ſtillen, iſt der rectific. allein zulaͤnglich und genug.

Arteria atrabiliaria, die ſchwartze Gallen - oder neben-Nieren-Puls - Ader, koͤmmt oͤffters von der Lenden-Puls-Ader hervor.

Arteria axillaris, ſo wird die unter dem Schluͤſſelbein gelegene Puls-Ader, nachdem ſie aus der Bruſt-Hoͤle heraus gegangen, die Ach - ſel-Puls-Ader geheiſſen, und in zwey Aeſte getheilet; allein weil der letzte viel kuͤrtzer und kleineriſt, ſo wird Unterſcheids halber dieſer der Aſt, jener der Stamm von Verheyen in der Anatomie genannt.

Arteriæ brachiales, Arm-Puls-Adern.

Arteria bronchialis, die eigene Lungen-Puls-Ader, entſpringet von dem hintern Theile der herabſteigenden groſſen Puls-Ader, ordentlich uͤber dem Grund des Hertzens, daher ſie nach der rechten Hand zu gebogen die Lufft-Roͤhre ergreiffet, und deren Zweige, nachdem ſie etliche Sproͤß - linge der Speiß-Roͤhre mitgetheilet, bis zu Ende begleitet.

Arteriæ carotides, die Hals-Puls-Adern: deren ſind vier, nem - lich zwey inwendige und groͤſſere an den Schlaͤfen, und zwey kleinere im Nacken oder Wirbel.

Arteriæ cervicales, die Nacken - oder Wuͤrbelbein-Puls - Adern.

Arteria cœliaca, die Magen-Puls-Ader, dieſe kommet mit einem einzeln Stamme vom Vordertheil der groſſen Puls-Ader, ein wenig unter dem Zwerchfell, und wird alſobald in den rechten und lincken Aſt unter - ſchieden: der rechte Aſt fuͤhret die rechte Magen-Puls-Ader zum Magen, der lincke Aſt bringet hervor die lincke Magen-Puls-Ader.

Arteriæ coronariæ, Krantz-Puls-Adern, ſind eigene Gefaͤſſe des Hertzens, werden alſo genannt, weil ſie den Grund des Hertzens wie eineMCrone90ARCrone umgeben, ſtreuen auch daher uͤber das gantze Hertz kleine Zweig - lein von ſich: ihrer ſind zwey:

Arteriæ crurales, die Schenckel-Puls-Adern.

Arteriæ cyſticæ, die Gallen-Blaͤslein-Puls-Adern.

Arteriæ diaphragmaticæ, die Zwerchfells-Puls-Adern, ſonſt auch phrenicæ genannt, werden gemeiniglich in ſuperiorem und inferio - res eingetheilet, von welchen die erſtere von der Aortæ trunco aſcendente, die letztern aber von dem deſcendente, oder auch zuweilen von der Cœliaca entſpringen.

Arteria duodena, des Zwoͤlffinger-Darms Puls-Ader.

Arteriæ emulgentes, die ſo genannten ausſaugenden Puls - Adern, kommen auf Seiten der Nieren: von denen iſt die lincke hoͤ - her als die rechte.

Arteria epigaſtrica, die Ober-Schmeer-Bauchs-Puls-Ader, ſtammet von der auswendigen krummen Darm-Puls-Ader, ehe ſie noch zur Schenckel-Puls-Ader wird, ſteiget zu den Maͤuslein, und andern vor - dern Theilen des Bauchs in die Hoͤhe, und wird durch mancherley Ein - muͤndungen mit den Zitzen-Gefaͤſſen zuſammen gehaͤnget.

Arteriæ epiploicæ, die Netz-Puls-Adern.

gaſtricæ, die Magen-Puls-Adern.

gaſtro-epiploicæ, die Magen - und Netz-Puls-Adern.

Arteriæ hæmorrhoidales, die Guͤldenen Puls-Adern, ſind inner - liche und aͤuſſerliche; die innerlichen ſind ein Geſchlecht der untern Ge - kroͤs-Puls-Ader.

Arteriæ hepaticæ, die Leber-Puls-Adern.

hypogaſtricæ, die Unter-Schmeer-Bauchs-Puls - Adern, entſpringen von der inwendigen krummen Darm-Puls-Ader, gehen zur Blaſe, Maſt-Darm (dieſe heiſſet die auswendige guͤldene Ader) und den Geburths-Gliedern, ſonderlich der Weiber.

Arteria iliaca, die krumme Darm-Puls-Ader, wird in die in - wendige kleinere, und auswendige groͤſſere getheilet.

Arteriæ intercoſtales, die zwiſchen den Rippen liegenden Puls - Adern, werden in die inferiores, untere, und ſuperiores, obere getheilet, entſpringen acht, neun oder zehn auf einer Seite, nachdem nemlich mehr oder weniger von der unter dem Schluͤſſel-Bein gelegenen herab geleitet werden: auf der rechten Seite ſind offt mehr, als auf der lincken.

Arteriæ lumbares, die Lenden-Puls-Adern.

Arteria91AR

Arteria magna, ſiehe Arteria aorta.

Arteriæ mammariæ, die Zitzen-Puls-Adern, kommen vom Vor - dertheil der unter dem Schluͤſſel-Bein befindlichen Puls-Ader, welche unter dem Bruſt-Bein einhergehend, hier und dar Zweige zu den aus - wendigen Theilen ſchicken, und bey den Weibern meiſtens zu den Bruͤſten.

Arteriæ mediaſtinæ, des Mittelfells Puls-Adern.

Arteria meſaraica, die Gekroͤs-Puls-Ader; iſt zweyerley eine in - ferior, die untere, theilet ihre Zweiglein gegen die dicken Daͤrme aus; die andere ſuperior, die obere, wird in unterſchiedliche Zweige zertheilet, und gehet durch das Gekroͤſe zu allen kleinen Gedaͤrmen.

Arteriæ muſculæ cervicis, die Maͤuslein-Puls-Adern des Haupts.

Arteriæ muſculæ crurales, die Schenckel-Maͤuslein-Puls - Adern.

Arteriæ occipitis, die Hinter-Haupts Puls-Adern.

Arteriæ pancreaticæ, des Ruͤckleins, oder der Kroͤs-Druͤſe Puls-Adern.

Arteria phrenica, ſiehe Arteria diaphragmatica.

Arteriæ popliteæ, der Knieſcheiben Puls-Adern.

Arteriæ præparantes, die Zubereitenden, oder den Saamen be - reitende Puls-Adern.

Arteria pudenda, der Scham oder Geburths-Glieder Puls - Ader.

Arteria pulmonaria, die Lungen-Puls-Ader, iſt, welche aus der rechten Hertz-Kammer hervor kommt, alſo genannt, weil ſie, nach dem ſie durch das Hertz-Fell gegangen, ſich durch die gantze Lunge allein ausbrei - tet, und das von dieſer Kammer empfangene Blut gantz reichlich durch die Lungen fuͤhret.

Arteriæ renales, Nieren-Puls-Adern.

Arteria ſacra, die heilige Puls-Ader.

Arteriæ ſcapulares, die Schulter-Puls-Adern.

ſpermaticæ, die Saamen-Puls-Adern.

Arteria ſpinalis medullæ, die Ruͤcken-Marcks-Puls-Adern.

Arteriæ ſplenicæ, die Miltz-Puls-Adern.

ſubclaviæ, die unter dem Schluͤſſel-Bein gelegenen Puls-Adern.

Arteria ſuccenturiata, die Neben-Nieren-Puls-Ader.

M 2Arte -92AR

Arteria ſuralis, die Waden-Puls-Ader.

thoracica, die Bruſt-Puls-Ader.

Arteriæ umbilicales, Nabel-Puls-Adern, deren ſind zwey, ſie kom - men von den Darm-Puls-Adern her, insgemein von dem Orte, wo ſie in die aͤuſſerliche und in nerliche getheilet werden, dahero ſteigen ſie auch auf der Seite der Harn-Blaſe, bis zu dem Nabel hinauf.

Arteriæ vertebrales die Wirbelbein-Puls-Adern.

Arteriotomia, iſt eine Chirurgiſche Operation, da aus einer Arteria, ſtatt der Ader, das Blut geloſſen wird. Es iſt eine Frage, was von die - ſer Operation zu halten ſey? Sie iſt ſehr geſaͤhrlich, wegen des ſteten Zufluſſes des Blutes, wegen der beſorglichen toͤdtlichen Hæmorrhagie und des groſſen Schmertzens. Dahero ſind viel Medici, die ſie gantz und gar verwerffen: doch finden ſich auch einige, welche ſie in gewiſſen Faͤllen ſehr recommandiren, boch aber mit dieſer Behutſamkeit, daß die Wunde wohl verbunden werde. Sie wird wider Maniam und Haupt - weh recommandiret; doch aber iſt nicht zu ſehen, worinnen was ſon - derliches vor der Venæſectione ſey.

Arthetica, ſiehe Chamæpytis.

Arthritis, Arthritica, articularis morbus, die Gicht, Zipperlein das Reiſſen in den Gliedern, die Herren-Kranckheit; dieſer Kranck - heit ſind unterſchiedliche Gattungen, welche nach dem afficirten Ort ihre Namen haben; alſo werden die Schmertzen an den Fuͤſſen, um die Zaͤhen, Ferſen und Gelencke oder Fußſohlen, Podagra, am Knie, Go - nagra, in den Haͤnden, Chiragra, im Huͤfft-Bein, Malum iſchiadicum, das Huͤfft-Weh, in den Schulter-Blaͤttern, Dolor Scapularum ge - nannt: die Urſache dieſer Schmertzen iſt die Schaͤrffe des Bluts; daß ſich aber dabey bald eine roth und hitzige, bald blaß und nicht hitzige Geſchwulſt findet, geſchiehet entweder aus Schuld des Seri, welches die Schaͤrffe diluiret, oder der Pituitæ, ſo die Schaͤrffe incruſtiret oder gleichſam bekleiſtert.

Arthrodia, arthroſis, arthron, articulatio, die Zuſammenfuͤgung oder Eingelenckung der Beine, iſt eine Zuſammenſetzung der Beine mit einer Bewegung, das iſt, eine ſolche, in welcher die zuſammen geſetzten Beine gegen einander koͤnnen beweget werden. Die Zuſammenſuͤgung iſt entweder eine weite, die mit einer augenſcheinlichen Bewegung, oder eine enge, die mit keiner ſonderlichen Bewegung geſchiehet. Die weite Zuſammenfuͤgung iſt dreyerley, die Hinein-Zuſammenfuͤgung, die ge -ringere93ARringere Zuſammenfuͤgung, und die Wechſels-weiſe geſchehene Zuſammen - fuͤgung; die Hinein - oder tieffe Zuſammenfuͤgung, Inarticulatio, Enar - throſis, wird genennet, wenn eine auff aſſende Hoͤle tieff iſt, und das hin - eingelegte Haupt laͤnglicht, wie die Zuſammenfuͤgung des Schenckel - Beins mit dem Huͤfft-Bein; eine geringe Zuſammenfuͤgung, Arthrodia levis, heiſſet, wenn die aufnehmende Hoͤle flach iſt, wie die Zuſammen - fuͤgung der Arm-Schiene mit dem Ellenbogen; eine Wechſels-weiſe ge - ſchehene Zuſammenfuͤgung, Ginglymus, Arthrodia mutua[,]iſt diejenige, in welcher ein Bein aufnimmt und zugleich aufgenommen wird, wie die Zuſammenfuͤgung der Wirbel-Beine unter ſich ſelbſt.

Articulatio ſtricta, ſiehe Synarthroſis.

Articulamentum, Articulus, das Gelencke oder Glied an Haͤnd oder Fuͤſſen ꝛc.

Articulorum anima, ſiehe Hermodactylus.

Articulorum convulſio, eine Zuͤckung der Glieder.

Articulorum dolores, Schmertz der Glieder.

luxatio, Berrenckung der Glieder, ſiehe Luxatio.

Vulnera, Wunden der Glieder. Die Verrenckung und Wunden der Glieder werden, wie andere, gewoͤhnlicher maſſen tra - ctiret, wovon an ſeinem Orte zu ſehen.

Artiſchoca, ſiehe Carduus ſativus.

Artus, Gliedmaſſen, darunter werden ſonderlich Haͤnd und Fuͤſſe verſtanden.

Artuum dolores lancinantes, reiſſende Schmertzen der Glieder hin und wieder.

Arum, Zehr-Wurtz, Fieber-Wurtz, Pfaffenbint, iſt dem Ma - gen ſehr dienlich, treibet Harn und Gifft; Hornius hat ein Pulver hier - von, welches er wider den Huſten ſehr recommandiret, z. E.

  • Fecul. Ari ʒij.
  • Antihect. Poter. ʒj.
  • Sacchar. ſuccinat. ʒiij.
  • f. pulv.

Arundo humilis clavata, radice acri, ſiehe Zingiber.

Arundo paluſtris, Canna vulgaris, gemein Rohr-Schilff, waͤchſt haͤuffig in ſtehenden Waſſern und Teichen; die Wurtzel davon dienet wider den Stein, verrenckte Glieder und Haupt-Grind.

Arundo ſativa, Italica major, Spaniſch Rohr, wird in Welſch -M 3land94AR ASland in den feuchten Weinbergen gepflantzet. Die gebrannte Rinde davon macht Haar wachſen.

A ythænoides, der dritte und vierdte Knorpel in dem Anfang der Lufft-Roͤhre.

Aſa, ſiehe Aſſa.

Aſarum, Nardus ruſtica, Haſelwurtz, wird an ſchatlichten, bergich - ten Orten und bey den Haſel-Stauden gefunden. Die Wurtzel iſt klein, zaſelicht und verwirret, eines widrigen und ſcharffen Geſchmacks, und lieblichen Geruchs, treibet die todte Geburt und Harn, dienet zur Mutter, Bruſt und Haupt, eroͤffnet die Menſes, dienet wider Waſſer - und Gelbe-Sucht, Wechſel-Fieber, Engbruͤſtigkeit, Huſten.

Asbeſtus, ſiehe Amianthus.

Aſcarides, ſind Wuͤrme, welche im Maſt-Darm ſitzen.

Aſphalites, iſt der fuͤnffte Wirbel von den Lenden-Wirbeln.

Aſchia, ſiehe Thymallus.

Aſcia, eine Art der Binden.

Aſcites, die Waſſerſucht des Unter-Leibs, ſiehe Hydrops.

Aſelli, Keller-Wuͤrm, Schaben, iſt ein bekanntes Ungeziefer, wer - den auch Millepedes, Oniſci, Porcelliones und Fabæ genannt, item vom Marcello Empirico Cutiones, ſie oͤffnen, verduͤnnen, zertheilen, befoͤrdern den , ſind wider die Gelbeſucht und Braͤune gut, ꝛc.

Aſitia, ſiehe Inappetentia.

Aſperula, ſiehe Epatica ſtellata.

Aſpalati lignum, Rhodiſer-Dorn, iſt ein holtzigter und aus vielen Adern gleichſam gewundener Span von der innern Wurtzel, deren ver - ſchiedene Farben ſie an etlichen Orten roͤthlich machen, da ſie ſonſten wie Buchsbaum anzuſehen, auch alſo hart und ſchwer und oͤhlicht iſt, mit ei - ner dicken und grauen Rinde umgeben, welche doch ſelten daran bleibet, hat einen etwas bittern und oͤhlichten Geſchmack, ſoll in der Jnſul Rho - dus wachſen, wiewol andere meynen, daß es in Syrien und Aegypten wachſe. Seine Kraͤffte kommen faſt mit dem Agallocho uͤberein, wel - ches damit auch offt verfaͤlſchet wird, wiewol es daran zu erkennen, daß das Lignum Aſpalati kein Hartz in ſich hat, wie das Lignum Aloës, doch aber eben ſo gut brennet.

Aſparagus, Spargel, Spargen, wird in Kohl-Gaͤrten erzogen, die Wurtzel treibet den , bricht den Stein, oͤffnet die Leber, Nieren, Harn-Blaſſe, dienet aͤuſſerlich in Mund-Waͤſſern wider Zahn-Weh, undwack -95ASwacklende Zaͤhne, die Schoͤßlinge reitzen zum Beyſchlaf und mehren den Saamen.

Aſpera arteria, ſiehe Arteria.

Aſperſio, eine Anfeuchtung, Beſprengung, iſt, wenn man Pulver und andere trockene Sachen anfeuchtet.

Aſphaltum, Juden-Leim, Juden-Pech, iſt ein ſchwartz, hart und duͤrres Hartz, wird aus Babylon gebracht, findet und ergieſſet ſich auf ei - nem Lac oder See in Judaͤa, wo ſonſten Sodom und Gomorra geſtan - den, weßwegen es auch Bitumen Judaicum genennet wird; ſoll auch ander - waͤrts, als in Weſt-Jndien, in Neu-Spanien gefunden werden; weil aber dieſes Hartz, wenn es veritabel und aufrichtig, ſehr rar und theuer iſt, ſo muß man wohl zuſehen, daß es nicht mit dem Piſſaſphalto oder ſchmartzen Schwediſchen Pech verfaͤlſchet werde, welchem es ſehr gleich ſiehet, auſſer daß es haͤrter iſt, und nicht ſo uͤbel riechet, wie gemeldtes Pech. Jn der Artzney-Kunſt werden die Schlag-Balſame und einige Ungventa damit ſchwartz gefaͤrbet. Plinius gedencket an einem Orte, daß, wenn man das Hartz anzuͤnde, es die Schlangen vertreibe, ſo wohl zu glauben, weil viel Thiere und Ungeziefer den Geruch des gemeinen �is nicht vertragen koͤnnen.

Aſphodelus, ſiehe Martagum.

Aſphodelus albus, Haſtula Regia, weiſſe Aſphodill-Wurtz, wird allein in Gaͤrten gefunden, die Wurtzel treibet den Harn und die Men - ſes, reitzet zum Venus-Spiel, aͤuſſerlich dienet ſie wider Kraͤtze, Kroͤpffe, Feig-Wartzen.

Aſplenium, ſiehe Scolopendrium verum.

Aſſa, oder Aſa dulcis, Aſand, Benzoin, iſt ein hartes und mit vielen glaͤntzenden Broͤcklein vermiſchtes Hartz, ſo theils gelb, theils weiß ausſe - hen. Es hat einen hartzigten und fetten Geſchmack, und ſehr guten und annehmlichen Geruch, kommt aus Oſt-Jndien, und ſonderlich aus Siam - dieſes Hartz flieſſet aus einem ſehr dicken und groſſen Baum, welcher von den Einwohnern am Stamm mit Fleiß geritzet wird, damit der Safft deſto mehr heraus flieſſe. Man findet hiervon verſchiedene Gattungen in den Material-Kammern, deren Dale drey erzehlet: (1) amygdaloites, wel - che ſchoͤne weiſſe Flecken, wie Mandeln, in ſich haͤlt, (2) nigrius, und (3) ni - grum. Das erſte ſoll in Siam, das andere in Java und Sumatra wachſen, wiewol Grimmius behauptet, daß alle aus einem Stamm herzukommen pflegen. Das beſte iſt, welches ſchoͤne groſſe Koͤrner hat, weiß und gelb vermenget, auch hart iſt. Dieſes Hartz hat eine ſonderliche Krafft, dieſcharffen96ASſcharffen Fluͤſſe zu verſuͤſſen, und alle Verletzungen der Lungen und Lufft - Roͤhre, ſo daher ruͤhren, zu heilen, wird deßwegen innerlich, ſonderlich die Flores davon, wider den Huſten, Keuchen, Schwind - und Lungen - ſucht, aͤuſſerlich wider die Fluͤſſe, Schnupffen ꝛc. gebrauchet. Es wird auch bieraus die ſo bekannte Tinctur, oder Jungfer-Milch, welche die Jtaliaͤner haͤuffig herumtragen, alſo bereitet:

  • Benzoin.
  • Storacis ana q. v.

gieſſe 4. oder 6. Theil des rectificat. daruͤber, ſetze es an einen war - men Ort, ruͤhr es offt um, bis die Tinctur blut-roth werde, welche all - maͤhlich abzugieſſen oder zu filtriren iſt.

Aſſa oder Aſa fœtida, Aſand, Teufels-Dreck, iſt ein hartzigtes Gummi, welches theils aus weiſſen, theils gelben, theils fleiſch-farbigen Theilgen durch einander vermiſchet iſt, worunter einige glaͤntzende Duͤp - lein hervor leuchten, hat einen beiſſenden, zaͤhen und widrigen Geſchmack, und ſehr ſtarcken Geruch, wie der Knoblauch; er wird aus Libyen, Sy - rien, Meden und Perſien gebracht. Das Gewaͤchs, wovon dieſes Gum - mi herruͤhret, iſt noch zur Zeit von niemanden recht beſchrieben worden. Der beſte muß friſch, nicht zu fett, voller Koͤrner, fleiſch-farbicht, durch ſich - tig und ſtinckend ſeyn, hat ein fluͤchtig und oͤhlichtes Saltz in ſich, zerthei - let deswegen ſehr, wird meiſtens wider alle Mutter-Schmertzen, Erſti - ckung der Mutter, Colica ꝛc. innerlich und aͤuſſerlich gebrauchet.

Aſodes febris oder faſtidioſa, iſt eine Art vom hitzigen Fieber, da die Patienten mit Eckel und Brechen am Fieber liegen.

Aſſiſtentes, adſtites glanduloſi, ſiehe Paraſtatæ.

Aſtacus, ſiehe Cancer.

Aſtakillos, wird von dem Paracelſo ein brandig, garſtig und freſſen - des Geſchwuͤr am Schienbein genannt.

Aſthma, Anhelatio, Anhelitus ſuſpirioſus und creber, Morbus cadu - cus Pulmonum, Pulmonum conſtrictio, Reſpirationis impedimentum und Spirandi difficultas, Keuchen, Engbruͤſtigkeit, kurtzer Athem, iſt eine oͤfftere und einen Thon von ſich gebende Reſpiration, beynahe alſo, wie derjenigen, welche vom ſtarcken Lauffen oder hefftiger Bewegung keuchen. Es wird ſonſten in Aſthma humidum, wenn nemlich die membranoͤſen cel - lulæ pulmonum, und die Ramificationes aſperæ arteriæ von der Menge des Rotzes gantz angefuͤllet ſind, und ſiccum getheilet: ſiccum iſt, wenn ſolch ein zaͤher Schleim nicht da iſt, und der Patient dennoch mit groͤſter Schwie -rigkeit97ASrigkeit reſpiriret. Die Urſache iſt bald ein Vitium der Nerven in Con - vulſionibus, bald des Bluts in Plethora, Cacochymia und Scorbuto, bald der Lungen in Vomica &c. bald des Hertzens, wenn es gar zu fett oder wider die Natur zu groß iſt, bald der Bruſt, wenn ſie uͤbel gebildet oder mit uͤbelen Humoribus angefuͤllet iſt, bald des Zwerch-Felles, wenn es entweder inflammiret iſt, oder Convulſiones leidet, bald des Magens und der uͤbrigen Viſcerum des Unter-Leibes, wenn nemlich der Magen mit allerhand Cruditaͤten beladen, oder die Scirrhi der Miltz und Leber und Obſtructiones in conſenſum gezogen, und ein Aſthma machen. Die Cur ſiehet einzig auf die Urſache: ſo wird demnach die Venæſection er - fordert, wenn das Ubel von Plethora herkommt; iſt aber ein zaͤher Schleim Urſach, ſo dienen Incidentia und Expectorantia, als Hyſſop. Veronic. Tuſſilag. Pulmonar. Scord. Roſmarin. rad. Angelic. Ireos, He - lenii, Glycyrrhiz. aſthmatic. Ruland. Ω ci cum gumm. co, Elixir und Decoct. pectoral. Mich. &c. Folgend Traͤncklein habe ich offt und vielmal mit gutem Efſect verſchrieben:

  • flor. Rapar.
  • Hyſſop.
  • Aſthmatic. Ruland. ana j.
  • flor. Perſicor. ʒj.
  • acet. Squillitic. ʒiij.
  • Gumm. c. in acet. ſolut. ʒiß.
  • ſyrup. de Eryſim. Lob.
  • Nicotian. ana ß.
  • M. M. S.
  • Lufft-Traͤncklein, Loͤffel-weiſe zu brauchen.

Jſt aber ein zaͤhes Blut und darunter vermiſchte dicke Galle in Schuld, ſo dienen vielmehr Humectantia, als Infuſum Thée, Coffée, Saſſafras, Veronic. Hyſſopi, Scordii &c. hergegen aber die Reſolventia, als Lapid. 69. dia - phoretic. flor. �is, Rob Juniper. Sambuc. Ω C. C. vol. oleoſ. Ω Bezoar - dic. Buſſii, Tinct. Bezoardic. vol. C. C. &c. wenn das geronnene Ge - bluͤt pecciret; die Vomica pulmonum wird durch reſolvirende und abfuͤh - rende Mittel weggeſchaffet, als herb. Heder. �ſtr. Marrub. alb. rad. Poly - pod. Ariſtoloch. rotund. Ruta, Capill. Vener. ſucc. 69. fluviatil. im Decoct. Jſt dieſer Zufall vom Scirrho der Leber oder Miltz, ſo dienen oͤffnende und præcipitantia materialia mit evacuantibus, welche an ihren gehoͤrigen Oer - tern nachzuſehen: weil im trockenen Huſten ein Spaſmus diaphragmatis iſt,Nſo die -98AS ATſo dienen hierwider antiſpaſmodica, als raſur. Ungul. Alcis, Unicorn. ver. Succin. Caſtor. Cinnabar. nativ. und ii, Specific. cephalic. pulv. epileptic. Liq. C. C. ſuccinat. Ω��ci lavendulat. Jſt endlich die ſchwere Ath - mung von zuruͤck getriebenen Pocken, Maſern, Frieſel, Kraͤtz ꝛc. oder von Verkaͤltung, ſo dienen einzig die ſcharffen Sudorifera, als Tinct. Bezoardic. Ω C. C. Ω Bezoardic. Ω Theriacal. camphorat. diaphor. Lapid. 69. flor. �is, Cinnabar. ii, Reſin. Lign. ſanct. &c.

Aſthma nocturnum, ſiehe Incubus.

uterinum, ſiehe Paſſio hyſterica.

Aſtragalus, Aſtrius, Os baliſtæ, Talus, Quatrio, der Lauff, der Sprung, iſt der erſte Knochen von der Fuß-Wurtzel, deren ſieben ſind: dieſes Bein iſt zu der Bewegung des Fuſſes ſehr dienlich, hat ein erhabe - nes rundes Haͤuptlein, welchem eine flache Hoͤle in der mitten eingegraben, damit es deſto beſſer mit dem Schienbein vereiniget werde.

Aſtragali leporum, Haſen-Sprung.

porcorum, Schweine-Sprung, ſind kleine Knoͤchlein in den Hinter-Fuͤſſen dieſer Thiere, davon dieſer in der Medicin wider die Bein-Bruͤche, jener wider den Schlag und Schwere-Noth geruͤh - met wird.

Aſtroboliſmus, ſiehe Sphacelus.

Aſtrum duplicatum, iſt in den Miſcell. Natur. Curioſ. eine treffliche Hertzſtaͤrckung, dazu Tinctur. Antimon. Corallior. part. æq. laß es 24. Stunden in der Digeſtion ſtehen, dann thue noch dazu Eſſent. Ambr. Moſchat. ʒiß. miſch es zuſammen.

Ater ſuccus, ſiehe Melancholia.

Athanaſia, ſiehe Tanacetum.

Athanor, heiſt insgemein ieglicher Chymiſcher Ofen, inſonder - heit aber wird ein Oſen zu den alchymiſtiſchen Heimlichkeiten verſtan - den, deſſen Structur iſt nach iedes Invention mancherley, doch aber ſoll er allezeit ſo gebauet ſeyn, daß er die Waͤrme alſo temperire, daß ſie gelind und continuirlich ſey.

Atheroma, iſt eine Art der Geſchwulſt mit einem Blaͤslein, in welcher, in einer eigenen Tunica, eine Materia als Brey ſtecket. Findet ſich ſolch ein Tumor, wie es offt zu geſchehen pfleget, am Haupt, ſo kan er nicht wegen der ſtarcken Aufſpannung der Haut des Haupts auf dem Cranio, ſo auswaͤrts und in die Hoͤhe wachſen, ſondern er breitet ſich vielmehr unter der Haut breit aus, und dann pfleget er Teſtudo oder Talpa nigra genen -net99ATnet zu werden; finden ſich ſolche Tumores unmittelbar auf den Sutu - ren, ſo laſſe man ſie unberuͤhret. Die Urſach iſt eine fette gelatinoͤſe Subſtanz des Bluts; die Cur erlanget man, wenn man im Anfang Re - ſolventia oder Diſcutientia gebrauchet, als Calx viv. und deſſen , Ω Vini camphorat. oder ein Emplaſtr. aus Gumm. c. Galban. Styrac. ca - lam. reſin. Pini, ol. Cer. Guajac. Philoſoph. pulv. rad. Bryon. item Empla - ſtr. de Tabaco, divinum Londin. de Ranis cum io, magneticum, ſonderlich wenn etwas Campher darzu gethan wird; hat aber die Geſchwulſt ſchon uͤberhand genommen, ſo iſt die Muͤhe vergeblich, denn man wird durch ſtarck trockende eine ſeirrhöſe Veſtigkeit, und durch gar zu ſcharffe eine Krebs-artige Malignitaͤt verurſachen. Dahero iſt hier nichts uͤbrig, als der Schnitt und die etzenden Mittel, als Butyrum ii, Lapis infer - nalis, welche aͤuſſerlich aufgeleget, die Haut mit der darunter liegenden Tunica durchnagen, und wenn die Eſchara weggenommen, der uͤbeln Materia den Ausgang machen, es muß auch zugleich Fleiß angewandt wer - den, daß mit der uͤbeln Materia die Tunicæ oder Saͤcklein von Grund aus weggeſchaffet werden, ja auch die Oſſa, wann ſie daran haͤngen, muͤſſen wohl geſaubert werden, ſonſten kommet das Ubel in kurtzen wie - der, oder es werden fiſtulöſe Geſchwuͤre daraus, dahero lege man noch eine Zeitlang auf Æs viride, oder �li dulc. Alum. uſt. Ω �li mit Melle roſato vermiſchet, ſublimat. item Unguent. Ægyptiac. oder Fuſcum Felicis Wurzii, oder ſo dieſes verdruͤßlich zu ſeyn ſcheinet, kan eine chirurgiſche Section den Reſt der Tunicæ von Grund aus heben.

Athleticus habitus, ein ſtarcker, geſetzter und wohl proportionirter Leib.

Atlas, das erſte Wirbel-Bein des Halſes, wird alſo geheiſſen, weil es das mit ſeinen zwey Hoͤlen auf ihm liegende Haupt gleichſam traͤget, es hat keine Graͤte, damit nicht deſſen zwey kleine gleiche Maͤus - lein, ſo von dem andern Wirbel-Beine herſtammen, bey Ausſtreckung des Hauptes verletzet werden.

Atmoſphæra, bedeutet die Lufft, welche die Coͤrper aͤuſſerlich nur beruͤhret und umgiebet. Es werden auch dadurch verſtanden alle die - jenigen Effluvia und Theilgen, welche aus allen und ieden Coͤrpern, ſo wol belebten, als unbelebten, unvermercklicher Weiſe auszudunſten und ſich in die Lufft zu erheben pflegen. Der gelehrte Robert. Boyle, in ſei - nen Exercitationibus de Atmoſphæris, hat ſonderlich wohl davon ge - ſchrieben.

N 2Atomi,100AT

Atomi, die allerkleineſten Theilgen, welche gleichſam nicht mehr zu zertheilen ſind, ſie kommen offt in der Phyſic oder Natur-Kunſt vor.

Atonia, iſt eine ermangelnde Tenſion und Staͤrcke der Faſern: es iſt einigen organiſchen Theilen ein gemeines Ubel.

Atonia fibrarum, Schwachheit der Faſern.

ventriculi, des Magens.

Atra bilis, die ſchwartze Galle, wurde von den Alten fuͤr die Me - lancholey gehalten.

Atrachelus, ein Menſch, der einen kurtzen Hals hat.

Atramentum commune, ſcriptorium, gemeine Schreiber-Dinte, wird gemachet, wenn man zu einem Theil guter Gallaͤpffel den halben Theil Gummi Arabici, und den vierdten Theil �li nimmt, und alles groͤb - lich zerſtoſſen in acht Theil Bier ſchuͤttet[;]etliche Tage ſtehen laͤſſet, und offt umruͤhret, welches Dinten-Pulver von einem alten Medico in fol - gendem Diſticho abgefaſſet worden:

Uncia ſit gallæ, ſemisque ſit unica gummi,

Vitrioli pars quarta: his addas octo falerni.

Das iſt:

Wilt du zum Schreiben dir recht gute Dinte machen,

So nimm zu 8. Loth Bier, wie noͤthig, dieſe Sachen:

Gall-Aepffel bey 2. Loth, ein Loth Arabici

Gummi: thu noch darzu 2. Quint Vitrioli.

Wenn man aber Dinte uͤber Feld mit nehmen will, ſo kan man ſich der Chineſiſchen Dinte bedienen, ſonſt genannt

Atramentum Siniticum, welche die Sinenſes aus einer ſchwartz - hartzigten Erde, oder, wie Trigautius meynet, aus dem Ruß und Rauch von Baumoͤl verfertigen, und entweder zu laͤnglichten ſchmalen Taͤflein, ohngefehr zwey Zoll lang, und 1. Zoll breit, oder in runde Kuͤglein for - miren, und mit ihren Characteren bezeichnen; wenn ſie damit ſchreiben wol - len, machen ſie ſolche Kuͤchlein mit Speichel oder naß, und feuchten damit kleine Pinslein an, womit ſie an ſtatt der Federn ſchreiben: die rechte Sineſiſche Dinte muß ſchoͤn glaͤntzend, ſchwartz und in Fingers - dicken Stuͤcken kommen; einige gebrauchen ſie wider die rothe Ruhr und Wunden.

Atretæ, Atreti, Imperforati, werden diejenigen in beyderley Geſchlecht genannt, welcher Hintere oder Schaam mit einem Haͤutgen uͤberzogenoder101AToder mit Fleiſch uͤberwachſen; ſolches mag von Natur oder von einer Kranckheit entſtanden ſeyn. Die Membran muß zerſchnitten, in die Oeffnung ein mit Unguent. de Tutia beſchmierter bleyerner Canal geſte - cket, und ſo lange gelaſſen werden, bis ſich ein Narbe geſetzet.

Atrices, kleine Feigblaͤtter, oder Wartzen um den Hintern, welche bald kommen, und bald wider vergehen.

Atrici, verborgene Wunden im Maſt-Darm, ſo, daß ſie den Maſt - Darm nicht durchloͤchern.

Atriplex domeſtica, ſativa, Melte, Garten-Melte, wird in Gaͤrten unterhalten, bluͤhet im Junio, Julio und Auguſto, macht Stuhl - gaͤnge, ſtillet Schmertzen, wird aͤuſſerlich in Clyſtiren, Schmertz-ſtillen - den Umſchlaͤgen und Schlaf-machenden Fuß-Baͤdern mit Nutzen ge - brauchet.

Atriplex fœtida, Vulvaria, Tragium germanicum, Scham-Kraut, ſtinckende Melte, waͤchſt in etlichen Gaͤrten, an den Zaͤunen, dienet zum Aufſteigen der Mutter, faulen und wurmichten Wunden und Schaͤden.

Atriplex ſylveſtris, ſiehe Chenopodium.

Atrophia, Contabeſcentia, Macies, Tabes, die Darr, Schwind - ſucht, Schwindung, iſt eine ſolche Kranckheit, da ein gewiſſes Glied des Leibes, ſonderlich Arm oder Fuß, an ſeinem fleiſchigtem Weſen abnimmt, welck wird, und gleichſam als duͤrre Aeſte verdorret: ſiehe Tabes.

Attenuantia, werden ſolche Medicamenta genannt, welche die zaͤhen Humores wiederum flieſſend machen, und ſolche ſind nach den mannig - ſaltig unterſchiedenen Urſachen mancherley.

Attenuatio, ſiehe Comminutio.

Attonitus morbus, ſiehe Apoplexia.

Attractio, eine Anziehung, wenn man etwas zu ſich oder an ſich zlehet, als wenn ein Kind die Milch aus der Mutter-Bruſt zu ſich faͤugt.

Attrahentia, anziehende Mittel, ſowol innerliche als aͤuſſerliche, welche die Saͤffte und Spiritus, ſonderlich aber fremde Dinge aus der Tieffe des Leibes oder Wunden heraus ziehen: hieher gehoͤren die Dro - paces, Phœnigmi, Sinapiſmi &c.

Auctio, augmentatio, die Zunehmung, Wachsthum, iſt, wenn et - was heranwaͤchſet und groͤſſer wird, als wenn ein junger Menſch von TagN 3zu Tag102AUzu Tag waͤchſet und zunimmt, bis daß er ſeine voͤllige Statur erlanget: und in dieſem Verſtande wird es auch von andern natuͤr - und wider - natuͤrlichen Dingen geſaget.

Auditorius meatus, der Gehoͤrgang, durch welchen der Schall in das innere des Ohrs dringet, es iſt die Schnecke dieſes Ganges gleichſam ein Vor-Zimmer, denn an dieſer ihrer Verengerung entſtehet der Anfang dieſes Ganges. Sein auswendiger Theil beſtehet aus einem Knorpel, welcher doch nicht den gantzen Umfang des Ganges machet, ſondern oben gaͤntzlich mangelt, und an etlichen andern Orten durchſchnitten, und wie abgeſondert iſt: der inwendige Theil aber, der gegen das Gehirn gehet, iſt gantz beinicht. Dieſen Gang bekleidet in - wendig ein von der Haut herkommendes Fell, durch deſſen erhobene Oberflaͤche ſehr viel Druͤſen geſtreuet werden, aus deren iedweder ſich beſondere Ausfuͤhrungs-Gaͤnge in jenes Hoͤle erſtrecken, welche die gelbe und bittere Materie, ſo man Ohren-Schmaltz oder Cerumen heiſſet, in eben dieſelbe Hoͤle ausgieſſen: der Gang iſt krum und ſchreg, denn er ſteiget anfangs in die Hoͤhe, und gehet hernach wiederum herunter - waͤrts gebogen, iedennoch allezeit vorwerts.

Auditus, das Gehoͤr, iſt einer von den fuͤnff aͤuſſerlichen Sinnen; dabey iſt zu erwegen (1) das Organon, oder das Werckzeug, welches beyde Ohren ſind, (2) das Objectum oder der Schall, welcher in die Oh - ren dringet, und von dem durch den Nervum opticum in das Ohr kom - menden Spiritu angemercket und dijudiciret wird.

Auditus difficultas, gravitas, ſchwer Gehoͤr, auch Auditus diffici - lis genannt, iſt, wenn man zwar einige Woͤrter und Schall, aber ſehr ſchwer vernehmen kan, das iſt, wenn man mit voller Stimme redet, und den Mund an die Ohren eines ſolchen Patientens leget: der alſo kranckende Menſch wird Surdaſter genennet: die Urſach ſind ſcharffe Fluͤſſe, Zerreiſſung oder Relaxation des tympani, Mangel oder verhinder - ter Einfluß der Geiſter. Wider dieſen Affect werden nach einer ieden und beſondern Intention unterſchiedliche aͤuſſerliche Mittel recommandi - ret, als Ω Terebinth. Ova Formicar. contrit. Magnanimitat. oder Apo - plectic. Spirit. acuſtic. Mynſ. Ambr. Moſch. Zibeth. pingued. Viperin. ol. infuſ. Fraxin. und Rutæ, oleum Amygdal. amar. Succin. corn. Cervi, Cha - momill. lign. Guajac. Ω�, ��ci &c.

Auditus imminutus, geſchwaͤcht Gehoͤr.

Avel -103AV

Avellana, die Haſel-Nuß; man hat davon dreyerley Sorten, 1) communes, die gemeinen, 2) Lamperti, Lamperts-Nuͤſſe, welche etwas groͤſſer ſind, und um den Kern eine rothe Schale haben, 3) Cellen - ſes, welche von Zelle bey Wuͤrtzburg hergebracht, und daher Zeller-Nuͤſſe genennet werden.

Avena ſativa, glatter Haber, mit etwas gepregeltem Saltz in ei - nem Saͤcklein warm auf den Leib geleget, ſtillet das Grimmen und Mutter-Weh; geſchaͤlt und gekochter Haber dienet wider entzuͤndeten Hals, Heiſcherkeit, Huſten, Schwaͤmmgen; der Gruͤtze iſt den Febri - citanten geſund; von Haber-Suppe mit Zucker wird der Syrupus Lu - theri gemachet, iſt wider die Colic gut.

Avena ſterilis, Ægilops, tauber Haber, waͤchſt wild bey der Gerſte an den Wegen. Das Gewaͤchs iſt zu den Geſchwuͤren und Fiſteln der Augen und entzuͤndeten harten Geſchwuͤlſten zu ſtoſſen, Pflaſter-weiſe oder den Safft mit Mehl vermiſchet, und uͤbergelegt, gut.

Aves Cypriæ und Aviculæ Cypriæ, auch Candelæ odoratæ pro fumo, und Baculi, werden diejenigen langen Stuͤcklein und Staͤnglein genennet, welche bisweilen in den Apothecken aus einer wohlriechenden Raͤucher-Kertzlein-Maſſa bereitet, und an ſtatt der Raͤucher-Kertzlein gebrauchet werden.

Aves Hermeticæ, werden die aufſteigenden Geiſter bey der Deſtil - lation genannt; ingleichen der allgemeine Welt-Geiſt, weil er in der Lufft herum fleugt.

Aves paradiſiacæ, Paradis-Voͤgel, alſo genannt, weil die gemei - nen Leute dafuͤr halten, als kaͤmen ſie aus dem irdiſchen Paradis der Tuͤrcken, da doch unlaͤugbar, daß ſie nicht aus der Tuͤrckey, ſondern aus Oſt-Jndien, und zwar aus den Moluckiſchen Jnſuln kommen: ſo nennen ſie andere Lateiner Manucodiatas; ſie haben ein artiges Anſehen; es giebt auch der gemeine Mann vor, daß dieſe Voͤgel keine Fuͤſſe haben, iſt aber gewiß, daß ſolche von den Jndianern abgeſchnitten worden, es ſey nun ſolches deßwegen, daß ſie ſich ohne Fuͤſſe beſſer præpariren und halten, oder, wie andere meynen, beſſer an die Caſquetten und Huͤte zu Plumagen heff - ten lieſſen; nachdem aber die Molucciſchen Jnſuln unter die Regierung von Bantam gekommen, werden, auf Veranlaſſung der Hollaͤnder, die Fuͤſſe nun an den Voͤgeln gelaſſen.

Aviculæ Hermetis, bedeutet das Saltz, welches, nach Sendivogii Anweiſung, aus dem Thau zu colligiren iſt.

Aura, ſiehe Calidum innatum.

Aures104AU

Aures oder Auriculæ cordis, Hertz-Oehrlein oder Hertz-Ohr - Laͤpplein, ſind gewiſſe Saͤcklein, welche auf der Seiten der Blut - Adern zu oberſt an beyden Hertz-Kammern liegen, ſind dem zum Her - tzen lauffenden Blut an ſtatt einer Herberge, worinnen es ſich, bey an - noch nicht eroͤffneter Hoͤle des Hertzens, verweilet, das rechte iſt allezeit groͤſſer als das lincke.

Aurichalcum, Meßing, wird aus Kupffer und Gallmey, bey unge - meiner ſtarcker Glut, verfertiget, und zu allerhand Geſchirren gebraucht.

Auricula muris, Piloſella, Maͤus-Oehrlein, Nagel-Kraut, waͤchſt in ſchattichten Waͤldern, bisweilen auch auf alten Mauren. Das Kraut ſamt der Wurtzel iſt ein gut Wund - und Bruſt-Kraut, dienet wi - der die innerlichen Verwundungen, Schwind - und Lungen-Sucht.

Auricula muris minor, ſiehe Piloſella major.

Auricularis, der kleine oder Gold-Finger.

Auricula urſi, Sanicula alpina lutea, Baͤr-Oehrlein, Baͤr-Sani - ckel, waͤchſt haͤuffig auf Gebuͤrgen, heilet, und iſt ein gut Wund-Kraut, dienet inn - und aͤuſſerlich wider die Bruͤche, Wunden, Schwindel, der Safft wider die erfrornen Glieder, das aus den Blumen gebrannte Waſſer vertreibt alle Flecken des Geſichts und der Haut, macht ſie auch ſchoͤn und glatt.

Auricula Judæ, ſiehe Spongia Sambuci.

Aurigo, ſiehe Icterus.

Auripigmentum, ſiehe Arſenicum.

Auris, das Ohr: Aures, die Ohren, oder beyde Ohren, ſind die Werckzeuge des Gehoͤrs, vermittelſt welcher man allerhand Wiſſen - ſchafften dem Gedaͤchtniß beybringet: ſie werden gemeiniglich in die auswendigen und inwendigen getheilet; das auswendige Ohr iſt der - ſelbe gantze Theil des Ohres, welcher auswendig ohne Zerſchneidung oder gewaltſame Oeffnung beſchauet wird; zu[m]innern Theil gehoͤret der Meatus auditorius, die Druͤſen, das Tympanum, die Oſſicula, die Arterien, Adern und Nerven.

Auriſcalpium, ein Ohr-Loͤffel, iſt ein bekannt Iuſtrumentum, die Ohren vom Unflat zu ſaubern und rein zu halten.

Aurium abſceſſus, ſiehe Parotis.

affectiones oder morbi, Ohren-Gebrechen oder Kranck - heiten.

dolor, ſiehe Otalgia.

Auri -105AU

Aurium dolor igneus, ſiehe Pyrofis.

inflammatio, Entzuͤndung der Ohren.

fluctuatio, das Rauſchen oder Brauſen vor den Oh - ren, kommt insgemein von kalten und an die Ohren ſteigenden Catar - then her; dazu geben Gelegenheit kalte Lufft, kalt Waſſer an die Oh - ren gehalten, Schlaͤge und Stoͤſſe am Haupt ꝛc. Die Cur iſt nicht anders, als wie bey den Catarrhen gelehret, doch werden aͤuſſerlich Carduibenedict. Eſſent. lignor. oder Saſſafras, ein warm Brod mit bacc. Laur. und fol. Rorismarin. gebacken, oder die eſſent. Caſtorei mit Ω ci, cum a, Hecht-Galle, &c.

Aurium pulſus, das Klopffen oder Pochen der Ohren.

Sibilus, das Pfeiffen der Ohren.

Sonitus, das Schallen der Ohren.

Tinnitus, das Klingen der Ohren.

Dieſe alle werden wie Fluctuatio aurium curiret.

Aurium Sordes, ſiehe Cerumen.

Specillum, ſiehe Speculum.

Vermis, ein Ohr-Wurm: daß man Wuͤrmer in den Ohren gefunden, zeugen die bey den Practicanten aufgezeichneten An - merckungen an.

Aurum, das Gold, wird von den Laboranten Corpus rubeum, Leo[,]Homo Senex, Lapis benedictus, Filius Solis, Pater ignis, rubeus filius, Lumen majus, Fermentum rubrum genannt: wird unter allen Metallen fuͤr das edelſte gehalten, weil es an ſich ſelbſten das allerreineſte, dauer - hafftigſte, dichteſte und ſchwereſte iſt, hat insgemein eine gelbe Farbe; wiewol zuweilen auch ein weiſſes Gold um Prag in Boͤhmen gefunden wird: wie dann auch auf chymiſche Art und Weiſe dem gemeinen Golde ſeine gelbe Tinctur bald genommen, bald wiedergegeben werden kan. Es findet ſich aber das Gold entweder gantz pur und gediegen, dergleichen nicht allein in Guinea zuweilen aus der Erden, ſondern auch haͤuffig in den Gold-reichen Fluͤſſen, Tago, Pactolo, um den Rhein unter dem Sande gefunden wird, oder ſtecket annoch in ſeinen Mineris und Gold-Ertzen, welche gemeiniglich grau und aſchfarbig ausſehen: das rechte, pure und unverfaͤlſchte Gold ſuchen die Gold-Arbeiter und Gold-Schlaͤger; hier - von fuͤhren nun die Materialiſten und Apothecker das

OAurum106AU AX

Aurum foliatum, geſchlagen Gold, oder Gold-Blaͤtter in Buͤchlein.

Aurum fulminans, Platz-Gold, ſo aus dem mit ſolvirten Gold durch das ��ri, Ω� oder ��ci darnieder geſchlagen oder præcipitiret wird: dienet, auſſer ſeiner donnernden und ſchlagenden Ge - walt, das von Winden herruͤhrende Grimmen der kleinen Kinder und derſelben Epilepſie zu vertreiben, laxiret theils, beſoͤrdert auch theils den Schweiß.

Aurum in muſculis, Muſchel-Gold, wird von den abfallenden kleinen Stuͤcklein des geſchlagenen Goldes zubereitet, wenn es mit Jungfern-Honig klein zerrieben, und in kleine Maſcheln eingetheilet wird, ſo nachmalen mit Gummi-Waſſer angemachet, und zum Mahlen oder Schreiben gebrauchet wird.

Aurum muſicum, hat nichts als den Namen mit dem Golde ge - mein, wird aus Zinn, Wißmuth, gelben Schwefel ꝛc. bereitet, und zu Glas und andern Mahlwercken gebrauchet; Jngleichen kommt auch an nichts als der bloſſen Farbe das

Aurum ſophiſticum mit dem Golde uͤberein, welches aus ß. Tutiæ jv. Borras und Salpeter ij. und Mercur. ſublimat. ʒij. mit Baum-Oel impaſtiret, in einem gluͤhenden Schmeltz-Tiegel vermittelſt ei - nes ſtarcken Feuers geſchmoltzen wird. So ſind endlich auch mancherley Tincturen, welche zwar von Golde den Namen haben, im geringſten aber nicht davon participiren, deren nur einer zu gedencken, aus welcher der groſſe Betrug der aus dem Golde bereiteten Artzneyen bekannt wird:

  • Sacchari uſti .
  • extrahire die Tinctur mit
  • Spirit. Roſar. iij.
  • thue darzu
  • Liquor. Perlar. ij.
  • Eſſent. Ambræ .
  • miſce.

Avtolithotomus, iſt derjenige, welcher ſich ſelbſten den Stein ſchneidet.

Axillaris vena, ſiehe Vena.

Axon oder Axis, das dritte Wirbel-Bein des Halſes, wird ge - meiniglich die Axe genennet. Dieſer Name kommt vielmehr dem an - dern Wirbel-Bein zu, und noch mehr deſſen Fortſatze: Denn die Axe iſtgemei -107AX AZgemeiniglich dasjenige, um welches das Rad gewaͤltzet wird; dergleichen man nichts an beſagtem Wirbel-Beine findet, deswegen glaube ich, es ſey dieſer Name aus Jrrthum von dem andern Wirbel-Beine auf das dritte uͤberbracht worden.

Axungia, Schmeer, Schmaltz, iſt das weiche Fett, in der Officin wird von unterſchiedlichen Thieren das Schmeer genennet; folgende ſind nach der Brandenburgiſchen Taxa bekannt:

    • Axungia agnina, Schaafs -
    • anatis, Enten -
    • anſerina, Gaͤnſe -
    • apri, wilde Schweins -
    • ardeæ, Reyers -
    • canina, Hund -
    • caponis, Capaunen -
    • caſtoris, Bieber -
    • cati ſylveſtris, Wild-Katzen -
    • ciconiæ, Storchs -
    • gallinæ, Hennen -
    • leporina, Haſen -
    • lucii piſcis, Hecht -
    • lupi, Wolffs -
    • muris alpini, Murmelthiers -
    • porci, Ferckels -
    • ſerpentum, Schlangen -
    • taxi, Dachs -
    • viperarum, Natter -
    • urſi, Baͤren -
    • vulpis, Fuchs -
    Fett oder Schmeer.

Axungia Lunæ, iſt die Terra ſigillata Lignicenſis, oder die Gold - bergiſche Siegel-Erde.

Axungia Solis, iſt die Terra ſigillata Strigonienſis, die Strigiſche Siegel-Erde.

Axungia Vitri, ſiehe Fel Vitri.

Azoth, heiſt bey dem Blancard in der Vermehrung des Theatri chy - mici p. 164. ein Hartz von Ertz, auch der ſilberne Leim, es zergehet in der Waͤrme wie Butter, und in der Kaͤlte gerinnet es. Dieſes Hartz, wennO 2es ohne108AZ BAes ohne Zuſatz digeriret, wird ſchwartz, hernach weiß, und denn der Wei - ſen Stein genennet. Bey dem Paracelſo aber bedeutet es vielerley, als 1) den metallicum, welcher aus dem vollkommenen Metall reſuſcitiret worden, 2) den philoſophorum duplicatum, ſo aus , , und allgemei - nen io beſtehet, 3) bedeutet es bey einigen das hoͤchſte Remedium, wel - ches aus io, und beſtehet, 4) den ium ſixum, und endlich 5) die hoͤchſte Medicin des Paracelſi.

Azyges, das Keilfoͤrmige Bein, iſt das eintzele Bein im Ober - Kiefer, wird auch Vomer genannt; ſiehe Welſchii Tab. Anat. Tabul. IX.

Azygos, ſiehe vena.

Azymus, ungeſaͤuert, oder alle dasjenige, ſo nicht geſaͤuert worden.

B.

BAccæ, Beerlein, ſind kleine Fruͤchte, derer viel an einem Stiel han - gen, als die Johannis-Traͤublein item auch die an einem Stiel ein - zeln hangenden kleinen Fruͤchte, als Chriſt-Hind-Erd-Kratzel-Beeren.

Baccæ Alkekengi, ſiehe Alkekengi.

Halicacabi, ſiehe Alkekengi.

Juniperi, Wachholder-Beeren, ſiehe Juniperus.

Lauri, Lorbeeren, ſiehe Laurus.

Myrti Italicæ, Welſche Heidel-Beeren, ſind ſchwartze laͤng - lichte Beeren, wohl noch ſo groß wie die gemeinen Teutſchen, haben oben ein Kroͤnlein wie andere Beeren, und ſind voll weiſſer harter und gleich - ſam zuſammen gedruckter Koͤrner, welche wie ein halber Mond, deſſen Spitzen inwaͤrts gebogen, formiret, und eines ſehr herben und zuſammen ziehenden Geſchmacks ſind: ſie haben eine kuͤhle und anhaltende zuſam - men ziehende Krafft mit welcher ſie alle Bauch - und andere Fluͤſſe, Blut - ſtuͤrtzungen, Ausfallen des Affters und der Mutter, unnatuͤrlichen Schweiß, Verrenckung der Glieder und andere Gebrechen heilen. Doch dienen auch wider dieſe Kranckhelten die

Baccæ Myrtillorum, gemeine Heidel-Beeren, welche auch zum Blau-Faͤrben gebrauchet werden, wenn man einen Topff voll Heidel - Beer-Safft, einen Becher Eßig, zwey Loth geſtoſſen Alaun, und ein halb Loth Kupffer-Schlag mit einander ſieden, und Garn oder Tuch dareintuncken109BAtuncken laͤſſet, und hernach abgewaſchen; wenn es licht-blau werden ſoll, nimmt man keinen Kupffer-Schlag darzu; ſoll es aber dunckler ſeyn, ſo thut man zwey Loth gepulveriſirten Gallus darzu.

Baculus ſympatheticus, ein Sympathetiſcher Stock, wird von der Haſel-Staude gemachet, und wider Bein-Bruͤche und Verrena ungen gebrauchet; hievon iſt Borelli obſervat. 77. Centur. III. zu ſehen.

Badian, iſt Aniſum ſtellatum.

Baharas oder Baaras Joſephi, iſt eine in Judaͤa befindliche Pflantze, wovon Horſtius und Bauhinus zu ſehen.

Balanus, ſiehe Glans.

Balanus myrepſica, Glans unguentaria, das Been-Nuͤßlein, iſt eine dreyeckigte Nuß, ſo groß wie eine kleine Haſel-Nuß, und haͤlt unter einer holtzigten Schale einen gleichfalls dreyeckigten weiſſen Kern welcher ſehr oͤlicht, und eines bittern, auch etwas ſcharffen Geſchmacks iſt; wird aus Jndien und Egypten gebracht, es waͤchſet auf einem Baum, welcher ſich dem Tamarisken-Baum vergleichet: Derſelben ſollen zweyerley Ar - ten ſeyn, nemlich groſſe und kleine, wovon nur die groſſe heraus kommt, denn die kleinen ſollen ſchaͤdlich ſeyn, dahero, ie groͤſſer und ſchwerer ſie ſind, ie beſſer ſie gehalten werden, ſonderlich wenn der Kern ſchoͤn weiß und friſch ausſiehet: an Kraͤfften ſind ſie hitzig, und ſollen von oben und unten purgiren, aͤuſſerlich vertreiben ſie den boͤſen Grind und allerhand Flecken der Haut: hieraus wird das Oel, Oleum balaninum genannt, gepreſſet, welches das Jaſmin-Oel zu machen bequem iſt.

Balæna, ein Wallfiſch, iſt ein ungeheures groſſes Thier, maſſen 1672. den 30. Julii von Amſterdam geſchrieben wurde, daß bey Briſtol in Enge - land einer gefangen worden welcher 24. Engliſche Ellen lang, und deſſen Mund 12. Ellen weit und groß geweſen. Dieſer Fiſch wird alſo gefangen und getoͤdtet: So bald die Compagnie der Groͤnlandsfahrer in den groſ - fen Schiffen eines Wallfiſches gewahr wird, ſo fallen etliche vom Volck in Chaloupen oder Kaͤhne, (deren iedes Schiff drey bey ſich hat,) zu deren iedweder 6. Menſchen gehoͤren, als ein Steuer-Mann, 1. Harpœnier, 1. Leinſchieſſer, und drey die rudern helffen. Dieſe rudern alſo zum Wall - fiſch mit 10. Rudern und unterſchiedlichen Waffen; wenn ſie ihm nun nah gnug kommen, daß ſie ihn getrauen zu treffen, ſo wirfft ihm der Harpœnier einen eiſernen Wurff-Pfeil, (den man Harpoen nennet, und ein Pſeil mit zwey Widerhacken 2. bis 3. Schuh lang iſt,) in den Leib. So bald nun der Fiſch getroffen iſt, ſo giebt ſich derſelbe wol 2. bis 300. Klafftern hinunterO 3in das110BAin das Meer, weswegen das Seil, woran der Pfeil gebunden, und die Lyne genennet wird, von dem Leinſchieſſer faſt auf ſolche Art, wie man Weine in die Keller laͤſſet, aber viel geſchwinder, losgelaſſen wird. Bald hernach kommt der Fiſch wieder hervor, und giebt durch die obere Lufft - Roͤhre eine ſolche Stimme von ſich, daß man es auf eine halbe oder gantze Meilweges hoͤren kan. Alsdann fahren alle 3. Chaloupen wieder auf ihn zu, und die Leine, daran der Fiſch feſt iſt, weiſt ihnen den Weg. Wel - cher nun am erſten hinzu kommet, ſchieſſet ihm wieder einen Harpoen in den Leib, worauf das Thier wieder untergehet; wenn er zum dritten mal hervor kommet, geben ſie ihm keinen Harpoen mehr, ſondern ſtoſſen ihm die Lenſen oder Stoß-Eiſen, wie Schweins-Spieſſe, offt in den Leib, welche doch nicht darinn ſtecken bleiben, weil ſie keine Widerhacken haben. Wenn er nun durch viele Wunden ermuͤdet iſt, ſo fahren ſie mit dem Stoß - Eiſen gar in den Leib, bis ſie ein Haupt - und vornehm Viſcus treffen, wel - ches daran erkennet wird, wenn nemlich das Blut aus den Lufft-Roͤhren wie ein Strom heraus ſchieſſet, und der Fiſch ſich vollends zu Tode wuͤtet, auch mit ſeinem Schwantz und Finnen alſo von ſich ſchmeiſſet, daß es auf eine halbe Meilweges zu hoͤren, und wie ein groß Stuͤck Geſchuͤtz, ſo los - gebrennet wird, donnern ſoll. Hiervon iſt Axungia Ceti, oder der Tran; der Priapus Ceti, das maͤnnliche Glied, ſo eine beſaͤnfftigende Krafft hat, und wider die rothe Ruhr geruͤhmet wird; die Goſta ſartoria, oder Fiſch - bein, ſind ſeine Kiefer, welche ihm ſtatt der Zaͤhne, weil er keine hat, die - nen; vom Spermate Ceti oder Wallrat ſuche an gehoͤrigem Ort.

Balatrones, Brey-Maͤuler, oder welche mit vollem Munde reden, nicht anders als haͤtten ſie Brey im Maul.

Balauſtium, ſiehe Malus Punica.

Balbuties, das Stammern, Stottern, Anſtoſſen in der Rede.

Baliſtæ os, ſiehe Aſtragalus.

Balneator, ein Bader.

Balneum, ein Bad, iſt eine Formel eines aͤuſſerlichen Medicaments, ſo aus unterſchiedlichen Kraͤutern, Blumen, Wurtzeln ꝛc. beſtehet, welche in gekochet werden, da ſich denn der Patient am gantzen Leibe badet. Hierbey iſt zu mercken, daß die Doſis der Kraͤuter und Blumen zum wenig - ſten auf M. xij. die Radices vj. bis viij. die Saamen jv. bis vj. verſchrie - ben werden, ja man hat auch auf das Alter und Groͤſſe des Leibes zu ſehen, denn ein Kind darff nicht ſo viel als ein Erwachſener, z. E. koͤnnen folgende Species zum Bade wider Laͤhmung der Glieder ſeyn:

fol. 111BA
  • fol. Salviæ.
  • Rorismarin. Miij.
  • flor. Hormin.
  • Lavendul.
  • Chamomill. Mij.
  • Spicæ Mj.
  • radic. Alth.
  • Artemiſ. rubr. ij.
  • ſem. Aniſi iij.
  • Nigell. ʒj.
  • bacc. Juniper. j.
  • ex inciſ. & contuſ. f. l. a. Species.
  • S.
  • Species zum Kraͤuter-Bade.

Oder auch Mynſichti Bad wider verſtopffte Menſes, darzu radic. Arte - miſ. rubr. cum tot. iv. Angelic. hortenſ. Rubiæ tinct. Aſparag. Apii ij. ſem. Petroſelin. bacc. Juniper. Laur. excort. Myrrh. rubr. ana ʒiß. herb. Centaur. min. Puleg. Sabin. ana j. Fœnicul. Meliſſ. Serpill. ana vj. Abſinth. Chamædr. Marrub. Mercurial. Nepet. Parietar. Roriſmarin. ana ß. f. Species pro balneo. Jn das Bad ſetzet ſich der Menſch bis uͤber den Nabel, und bleibet beynahe eine Stunde drinnen.

Balneum laconicum, ein Schwitz-Kaſten.

    • maris oder mariæ
    • vaporis oder roris
    ſind Namen gewiſſer Chymiſcher

Inſtrumenten oder Oefen, welche ſich beſſer zeigen als beſchreiben laſſen.

Balſamatio, ſiehe Conditura.

Balſamica, ſind ſolche Artzeney-Mittel, welche voller glutinoͤſer und ſulphuriſcher Theilgen ſind: hieher gehoͤren alle, ſowol natuͤrliche als kuͤnſtliche Balſame, als Balſam. Copaib. de Peru &c. Balſam. vulnerar. Crollii, Vigonis, Hartmanni, Barbetti &c. welche aus oleo Momordic. Hyperic. Ceræ, Terebinth. flor. �is, Coloph. Maſtich. Aloë, Myrrha &c. bereitet werden. Wie nun aber dieſe zum aͤuſſerlichen Gebrauch kommen, alſo hat man auch dergleichen innerliche Mittel, als die angenehmen Gum - mata aus den Vegetabilibus, als ſtrobil. Pini, fol. Salicis, flor. Tiliæ, radi[c ,]Chin. Bardan. Alth. Glycyr[r]hiz. Malv. Petroſelin. &c.

Balſamum, ein Balſam, hat mancherley Bedeutungen, und wird insgemein ſolch ein Mittel darunter verſtanden, welches einen angenehmenpene -112BApenetranten Geruch, ſtaͤrckende und vor der Faͤulniß præſervirende Kraͤffte hat, und ſolcher iſt entweder natuͤrlich, oder durch die Kunſt bereitet; von den natuͤrlichen in folgenden: erſtlich nur von den kuͤnſtlich bereite - ten, ſolche ſind vornemlich der Conſiſtence nach mancherley, denn einige ſind dicklich wie Salben, andere flieſſend wie Waſſer oder Spiritus. Zur erſten Art gehoͤren die vielfaͤltigen Schlag-Roſen-Lavendul-Balſame ꝛc. aller ſolcher Corpus iſt das ausgepreßte Muſcaten-Nuß-Oel, weíches mit dem ohnriechend und weiß gemachet wird: nachgehends ſind die Ingre - dientia folgende: 1) die angenehmen deſtillirten Oele, als oleum deſtill. Aniſi, Fœnicul. Angelic. cortic. Aurant. Citri, Caryophyll. Cinnamom. Macis, ligni Rhod. Lavendul. Spicæ, Majoran. Meliſſ. Menth. Puleg. Salv. Thym. Serpilli, Succini albi. 2) Moſchus, Ambra, Zibeth. 3) An - genehme Extracta, als ligni Aloës: die rechte Proportion dieſer Ingredien - tium, daß ein Balſam daraus werde, iſt dieſe:

  • Auf Corpor. pro balſamo ʒj. gehet
  • olei deſtillati j.
  • angenehmer Pulver ß.
  • Extracti gr. vj.
  • Ambr. Moſch. Zibeth. gr. iij.

Man kan auch zu den Balſamen, denſelben eine gewiſſe Farbe zu geben, etliche gran. Eboris uſti oder Aſphalti, (zur ſchwartzen) oder Santali rubri zur rothen Farbe thun, oder auch grana Chermes &c. Exempel ſolcher Bal - ſame ſind folgende, und zwar erſtlich eines Schlag-Balſams:

  • Corpor. pro balſam. ʒj.
  • ol. deſt. Caryophyll.
  • Cinnamom. gutt. v.
  • lign. Rhod. gutt. jv.
  • Lavendul.
  • Meliſſ. gutt. iij.
  • Balſam. Peruv. nigr. ß.
  • Moſch.
  • Zibeth. gr. iij.
  • Ambr. gr. ij.
  • miſce ſupra ignem, adde pulv. Fungi
  • cervin. q. ſ. f. Balſam. S.
  • Schlag-Balſam.
Ol. 113BA
  • Ol. Nuc. Moſch. expreſſ. ʒj.
  • Balſam. Peruv. nigr. ß.
  • ol. deſt. Majoran.
  • Menth.
  • Rutæ gutt. v.
  • Carvi
  • Chamom.
  • Succin. alb. gutt. iij.
  • f. Balſam. S.
  • Magen-Balſam.
  • Corpor. pro Balſam. ʒj.
  • Extract. Caſtor. ß.
  • ol. deſt. Chamomill.
  • Succini gutt. vj.
  • Lavendul.
  • Meliſſ.
  • Salviæ gutt. jv.
  • f. Balſam. S.
  • Mutter-Balſam.

Balſamus coſmeticus D. Fauſti, ein Schminck-Balſam, Un - gvent. pomad. j. ol. Jaſmin. rec. ʒij. ol. �i p. d. ʒj. Spermat. Ceti ʒß. Magiſter. marcaſit. ʒiij. m. f. Balſamus.

Balſamus gonorrhoicus Waldſchmidii, wider den Tripper, Olei Succini gutt. x. Terebinth. gutt. ix. Balſam. Copaib. Peruvian. ana gutt. iij. f. Balſamus. Jnnerlich in ſuͤſſen Wein einzunehmen.

Balſamus Hypericonis, Johannis-Kraut-Balſam, ſum - mitat. Hyperic. j. ol. commun. ij. gum. Elemi Myrrh. ana j. Tere - binth. jv. Aloës j. Maſtich. Thuris ana ß. infundire es, hernach ſiede es auf.

Balſamus odontalgicus Cnöffelii, Zahn-Balſam, Olei deſt. Caryophyll. Camphor. Buxi ana j. Nuc. Moſch. expreſſ. q. ſ. thue dar - zu Extract. Opii ʒß. noch Fuligin. ſplendent. q. ſ. die Farbe zu geben, f. Balſamus.

Balſamus vulnerarius Boccons, Wund-Balſam, Picis opt. ʒß. Myrrh. Succin. Tacamahac. ana ʒij. flor. Centaur. min. pulveriſ. Lau - dan. Styrac. ana ʒiiß. Croci ʒß. Galban. ʒij. Caryophyllor. Num. xx. Maſtich. ʒiß. Opii ʒiiß. Bdellii, Camphor. aua ß. Colophon. ʒiij. reſin. PLari -114BALaricis ij. Ceræ v. reſin. Abietis . Aloës ʒj. Nachdem die Gum - mata in Eßig zerſchmoltzen und evaporiret, thue die Pulver darzu, und endlich den Campher.

Noch ein anderer des Dolæi, ſem. Hyperic. j. radic. Carduibe - ned. Contrayerv. Valerian. ana ß. infundire dieſe zwey Tage in guten weiſſen Wein, dann thue darzu olei Olivar. vet. ij. Frument. integri j. koche es, bis daß der Wein verzehret, und druͤcke es ſtarck aus, thue noch darzu Terebinth. Venet. jv. pulv. Oliban. j. m. f. Balſamus.

Balſamus contra incantamenta, oder Pfortzheimiſcher Zauber - Balſam: Olei Hyperic. cum gumm. j. Vini generoſ. iij. olei Te - rebinth. Philoſophor. Lumbric. ana ij. Ceræ j. Theriac. Androm. Mi - thridat. ana ʒj. Medull. crur. human. deſtill. pingved. human. deſt. iij. Viſci Coryl. querc. tiliæ Mj. herb. Scabioſ. Pyrolæ Menth. Perſicar. Rut. murar. Polytrich. Antirrh. omn. ſpec. flor. Hyperic. ana Mviij. Verbaſc. Verben. Betonic. Prunell. Auricul. mur. Chelidon. min. ana Miß. ſem. Antirrh. ß. Hyperic. . pom. Momordie. Miij. rad. Symphyt. maj. Ari - ſtoloch. rot. Dracuncul. macul. Mß. bacc. herb. Parid. iß. leſe alles zu rechter Zeit zuſammen, koche es im vermachten Gefaͤß, bis das der Wein verzehret iſt, dann thue darzu Maſtich. Mumiæ, Myrrh. Oliban. Croci ʒij. laß es noch ein wenig ſieden, und heb es auf.

Balſamum de Copaiva, weiſſer Americaniſcher Balſam; iſt ein weiß - oder Gold-gelber, fluͤßiger und hartzigter Balſam, wie Terpenthin, hat einen ſcharffen bittern Geſchmack und guten Geruch: wird aus America uͤber Portugall gebracht; die Baͤume, davon ſolcher herruͤhret, wachſen an verſchiedenen Orten in Braſilien, als zu Rio de Janeiro, Fernambuco, zu S. Vincent; es flieſſet der Balſam aus der Rinde, nach - dem ſie zu Sommers-Zeit geritzet worden: wird vornemlich wider in - nerliche Verwundungen, als Lungenſucht, Stein-Schmertzen, Gonor - rhœam, brennenden Harn ꝛc. gebrauchet. Die Doſis iſt von vj. bis xij. Tropffen, mit zweymal ſo viel Tinctur. �ri.

Balſamum Peruvianum, Peruvianiſcher Balſam, auch Balſa - mum Indicum genannt; iſt ein ſchwerer, hartzigter, und wie Honig an - zuſehender Balſam, entweder weiß oder roͤthlich-ſchwartz, eines ſcharffen Geſchmacks und guten Geruchs, wird ebenfalls aus America gebracht; das Baͤumlein, daher dieſer Balſam entſpringet, ſoll dem Pomerantzen - Baum an der Groͤſſe gleich kommen. Schröderus hat zwey, Pomet aber drey bis vier Sorten dieſes Balſams, nemlich 1. den weiſſen, album,welcher115BAwelcher von ſich ſelbſten aus den zuvor geritzten Baͤumen flieſſet, und Balſamum inciſionis genennet wird; 2. einen andern und haͤrtern, wel - cher aus den abgeſchnittenen Aeſten troͤpffeln ſoll, heiſſet Balſamum ſiccum[:]3. noch einen andern ſchwartzen, ſo die Einwohner aus dem Holtz und Aeſten des Baums kochen ſollen, und Balſamum lotionis heiſſen, welcher nichts anders iſt, als der bekannte ſchwartze Peruvianiſche Balſam, wel - chen einige auch aus vielen andern Hartzen und Gewuͤrtzen nachmachen. Jndeſſen iſt doch insgemein der ſchwartze, oder Balſamum Peruvianum nigrum, mehr im Gebrauch, wird auch fuͤr den kraͤfftigſten und ſtaͤrckſten gehalten, vornemlich wenn er dick, recht ſchwartz und von gutem Geruch iſt, auch zuſammen bleibt. Zum innerlichen Gebrauch kommt er dem Orientaliſchen an Kraͤfften gleich, aͤuſſerlich heilet er alle friſche Wun - den, und wehret dem faulen Fleiſch darinnen, reiniget den Krebs - und andere Schaͤden: ſo werden auch einige Præparata davon gemacht: wenn er mit Sale �ri vermiſchet, und darauf gegoſſen wird, ſo giebet er eine ſchoͤne Tiuctur.

Balſamum de Tolu, Tolutaniſcher Balſam, iſt entweder ein weiſ - ſer oder Gold-gelber und ſehr leimichter zaͤher Balſam, von einer mittel - maͤßigen Conſiſtenz, gutem und ſuͤſſem Geſchmack, auch lieblichen und den Limonien oder Jaſmin gleichenden Geruch, kommt aus Neu-Spanien in Portugall und Engeland; der Baum, woraus er flieſſet, ſoll eine Art Fichten ſeyn. Nachdem nun die Einwohner gewiſſe kleine Gefaͤſſe von ſchwartzen Wachs unten an die Staͤmme gehaͤnget, und dieſe geritzet ha - ben, flieſſet der Balſam heraus, und gerinnet alſobald, daß er wie friſch gemachter Leim ſich ziehen laͤſſet. Muß friſch eligirt und geſuchet werden. Seine Tugenden kommen mit dem rechten Orientaliſchen Balſam uͤber - ein, indem er alle deſſen Proben haͤlt, auch zu allem, worinn dieſer geruͤh - met wird, gebrauchet wird: koͤnte deswegen billig deſſen ſuccedaneum ſeyn, wenn er nur ohnverfaͤlſcht zu haben waͤre. Er reſolviret, erwaͤrmet und heilet alle innerliche und aͤuſſerliche Schaͤden.

Balſamum picis, ſiehe Pix nigra.

Balſamum verum, oder Opobalſamum, der rechte Orientaliſche Balſam, iſt ein heller oͤlichter Safft, ſo Anfangs weich, nachmalen aber hart iſt, entweder gantz weiß, oder gelbicht, eines ſcharffen und aromati - ſchen Geſchmacks, auch ſehr ſtarcken doch angenehmen Geruchs; wird zu - weilen, aber gar ſelten, in kleinen bleyernen Flaͤſchlein aus der Turckey, von Alcair uͤber Marſeille und andere Orte gebracht. Die Pflantze, worausP 2dieſer116BAdieſer Balſam flieſſet, ſoll nur ein kleiner Strauch ſeyn, ſo etwa zwey Ellen hoch von der Erden mit langen, ſchmalen, roͤthlichen und knotich - ten Aeſtlein waͤchſet, welche wie die Wein-Reben abgeſchnitten, und in kleine Buͤſchlein gebunden, auch alſo von den Tuͤrcken heraus geſchicket, und von den Materialiſten Xylobalſamum genennet werden. An dieſen Staͤnglein wachſen einige Blaͤtter, den Rauten nicht viel ungleich, doch weiſſer, und immer gruͤnend. Die Bluͤmlein aber ſind klein, weiß und zart, faſt wie Schlehen-Bluͤt, nach welchen laͤnglicht-runde, roͤthliche und wohlriechende Beerlein, ſo etwas kleiner als Erbſen ſind, erfolgen, die man in den Apothecken Carpobalſamum heiſſet. Heut zu Tage aber ſoll niemand mehr darzu kommen koͤnnen, indem auf Befehl des Tuͤrckiſchen Kayſers, als er ſich des Heiligen Landes bemaͤchtiget, alle Balſam - Straͤuchlein verſetzet, und in einen gemeinen, darzu gewiedmeten Bal - ſam-Garten zu Matara, zwey Meilen von Cairo gelegen, gebracht worden, welcher immer verſchloſſen gehalten, und von den Janitſcharen bewachet wird. Der Balſam ſelbſt wird in den heiſſen Monaten, als Junio, Julio und Auguſto geſammlet, und iſt dreyerley, indem er entweder von ſich ſelbſten aus dem Straͤuchlein rinnet, welcher Anfangs weiß, nachmalen graͤnlicht, und dann gelb werden ſoll. Oder es werden die Baͤumlein zu - vor geritzet, woraus ein etwas ſchwartzer Balſam flieſſen, und in die an - gehenckten Gefaͤſſe troͤpffeln ſoll. Uber welche 2. auch ein dergleichen Balſam aus den abgeſchnittenen und geſottenen Zweiglein kuͤnſtlicher Weiſe bereitet werden ſoll, mit welchem die vorigen vermiſchet werden. Es werden dieſem Orientaliſchen Balſam unbeſchreibliche und unver - gleichliche Tugenden zugeſchrieben, und iſt billig fuͤr diejenige Salbe in Gi - lead, deren in Heil. Schrifft gedacht wird, zu halten. Er ſtaͤrcket die Na - tur und Lebens-Geiſter, ermuntert die Sinnen, und erhaͤlt den Leib und deſſen Gliedmaſſen fuͤr Faͤulniß, weswegen er auch bey der Balſamirung der Koͤniglichen Coͤrper und zu den Mumien hauptſaͤchlich gebrauchet, und innerlich zum Theriac genommen worden: wegen ſeiner balſamiſchen Krafft aber dienet er wider die Schwind - und Lungenſucht, langwieriges Keuchen, heilet auch die Wunden. Die Frucht, oder Carpobalſamum, muß noch friſch, aromatiſch und guten Geruchs ſeyn, auch eine rauhe und mit vier Strichen unterſchie dene Schale haben. Das Balſam-Holtz, oder Xylobalſamum aber ſoll knoticht, auswendig roͤthlich und inwendig weiß, hartzigt und wohlriechend ſeyn, beyde ſind insgemein alt und verlegen.

Balſa -117BA

Balſamum pulmonum iſt Benzoë, ſiehe Aſa duleis.

Balſamina, ſiehe Momordica.

Balſamina eucumerina, ſiehe Momordica.

agreſtis, ſiehe Mentha aquatica.

lutea Bauhini, ſiehe Noli me tangere Geſneri.

Banillia, ſiehe Vanigliæ.

Barba, der Bart, iſt ein iedem bekanntes Theil des maͤnnlichen Geſichts.

Barba caprina, ſiehe Ulmaria.

caprina minor, ſiehe Thalictrum majus.

hirci, ſiehe Tragopogon.

Bardana major, Lappa major, groß-Kletten, Grind-Wurtzel, waͤchſt an ungebaueten Orten, an den Wegen und Zaͤunen; die Wur - tzel thut es in doppelter Doſi an Kraͤfften der Sarſaparillæ gleich, wird des - wegen auch an dieſer ſtatt zu den Holtz-Traͤncken gebrauchet, dienet der Bruſt, treibet Harn, Schweiß und Gifft, nuͤtzet wider die Schwulſt der Miltz, nachlaſſende Fieber, Glieder-Weh, Podagra, Laͤhme, gifftiger Thiere Biſſe.

Bardana minor, Lappa minor, kleine Kletten, wird haͤuffig in ausgetrockneten fetten Gruben und Teichen gefunden, die Wurtzel dienet wider den Auſſatz und andere Unreinigkeiten der Haut, aͤuſſerlich wird ſie in Umſchlaͤgen, die Kroͤpffe und harte Bruͤſte zu vertreiben, gebrauchet.

Barometrum, ein Wetter-Glas, dadurch man die Schwerigkeit der Lufft, und alſo boͤs oder gut Wetter erſehen kan.

Baſaltes, der Meißniſche Probier-Stein, iſt ein Eiſen-farbiger Marmor-Stein, waͤchſt in laͤnglichten Stuͤcken und Stangen.

Baſilare Os, ſiehe Os.

Baſilica vena, ſiehe Vena.

Baſilicum, Ocimum medium, Baſilien, waͤchſt in den Gaͤrten, bluͤ - het im Junio und Julio, das Kraut reiniget die Lungen, befoͤrdert die Menſes, wird innerlich und aͤuſſerlich, aber ſelten gebrauchet.

Baſilicum Ungventum, iſt eine Art der Salbe, Ceræ flav. ij. Croci ij. Maſtich. Myrrhæ, Picis naval. ſevi vacc. Thur. ʒij. reſin. Pini, Terebinth. clar. ß. Ol. commun. iij. M. l. a. F. Ungventum.

Baſiliſcus, ein Baſiliſc, wird von dem Plinio Hiſt. Nat. L. VIII. cap. 21. Æliano Lib. VII. Hiſt. Animal. cap. 1. fuͤr eine fliegende SchlangeP 3gehal -118BAgehalten, welche ſo gifftig iſt, daß ſie auch durch das bloſſe Anſehen alle Thiere toͤdtet, allein ſie wird ietzo unter die Weiber-Maͤhrlein gerech - net, ſiehe Bartholin. exercit. Miſc. II. pag. 46. Die Monſtra aber, welche die Marckſchreyer unter dem Namen Baſiliſc herum fuͤhren, werden von dem Fiſch, Raja genannt, gemacht, wie aus dem Muſæo Calceolariauo pag. 91. zu ſehen.

Baſiogloſſi, Ypſilogloſſi, werden die zwey Zungen-Maͤuslein ge - nannt, welche von dem Zungen-Bein entſpringen, und ſich mitten in der Zungen enden: dieſe Maͤuslein ziehen die Zunge gegen den Grund des zwey-hoͤrnichten Beins, und alſo ruͤckwaͤrts.

Baſis, heiſt insgemein ein Grund: in der Anatomie wird das breite Theil des Hertzens oben, wo die zwey Hertz-Oehrlein ſind, alſo genannt.

Bathmis, iſt die Flaͤche der Hoͤle eines Beins, in welches ein an - der Bein eingelencket wird, z. E. die Kruͤmme des Ellenbogens, wor - ein das unterſte Theil des Arms als eine Thuͤr-Angel eingelencket wird.

Batia, ſiehe Retorta.

Batrachites, Lapis bufonius, der Kroͤten-Stein, von dieſem Stein werden viel aberglaͤubiſche Meynungen geheget, wie er nemlich im Ge - hirn der alten Kroͤten gezeuget, oder auf den Koͤnig der Kroͤten von andern geſpiehen, nachmalen aber von ſolchem, wenn er auf ein roth Tuch geſetzet werde, ausgeworffen wuͤrde; allein ſolches alles iſt falſch und ohne Grund, wie Boëtius de gemm. & lapid. pag. 301. beweiſet, auch mit den heutigen Natur-Kuͤndigern dafuͤr haͤlt, daß dieſe Steinlein, wie andere Edelge - ſteine, aus der Erden kommen, und gleichſam wie Schwaͤmmlein an an - dern Steinen und Felſen wachſen; wiewol Mervet. Act. Societ. Angel. Vol. I. pag. 301. behaupten will, daß ſolche nichts anders als die Backen - Zaͤhne von dem See-Wolff, oder Lupo marino, ſeyn: es ſind derſelben zweyerley Arten, eine rund, die andere oval, beyde ſind gelb-braun, wie Haar-Farb, oben gewoͤlbt und glatt, unten aber entweder etwas hol, oder platt, ſind an ſich ſelbſten nicht koſtbar, werden wider der Bienen Stiche und andere Inflammationes, wenn er nur drauf gehalten wird, item wider die Stein-Schmertzen und Waſſerſucht geruͤhmet: daß er aber ſchwi - tzen und gleichſam weinen ſoll, wenn ihm Gifft zu nahe kommt, iſt gantz aberglaͤubiſch.

Batra -119BA BD BE

Batrachus, ſiehe Ranula.

Bazgendge, iſt ein roͤthliches, aber irregulair Gewaͤchs, den Gall - aͤpffeln ſonft nicht viel ungleich, waͤchſt auf gewiſſen Eich-Baͤumen in der Tuͤrckey: die Tuͤrcken brauchen es ſehr mit Zuſatz der Kutzenellen und Weinſtein, eine ſchoͤne Scharlach-Farbe daraus zu machen.

Bdellium, iſt ein fettes und zaͤhes Hartz, wie Wachs anzugreiffen, hat aͤuſſerlich eine eiſenfarbigte Roͤthe, wie die Myrrhen, und wenn da - von ein Stuͤck abgebrochen wird, ſcheinet es etwas durch ſichtig, es iſt am Geſchmack etwas ſcharff und bitter, giebt einen guten Geruch von ſich, vornemlich, wenn es angeſtecket wird, da es zugleich eine ſtarcke und nicht leicht ausgehende Flamme giebt, und wie Pulver platzet. Wird aus Aſien in Stuͤcken von unterſchiedlicher Figur gebracht, wiewol insgemein das feinſte aus oval-runden Klumpen beſtehet. Der Baum dieſes Hartzes ſoll ein dornichter und ſtachlichter Baum ſeyn, deſſen Blaͤtter den Eich - Blaͤttern nicht viel ungleich ſind; das beſte Hartz iſt, welches aus klaren und durch ſcheinenden Stuͤcken beſtehet, ſo von auſſen gelb - oder grau-roth, inwendig aber wie der Engliſche Leim anzuſehen ſind, und, wenn man dran lecket, gelb werden, gern brennen, bitter von Geſchmack und lieb - lich von Geruch ſind. Seine Qualitaͤten ſind erweichend und etwas anhaltend, wird wider Huſten, Keuchen, Engbruͤſtigkeit ꝛc. gebrauchet. Die Pilulæ de Bdellio werden wider die gar zu ſehr flieſſende Guͤldne Ader geruͤhmet, aͤuſſerlich heilet es friſche Wunden, und erweichet die erhaͤrteten Nerven, Glieder-Schwamm und Uberbein.

Beccabunga, ſiehe Anagallis aquatica.

Bechica, Expectorantia, Thoracica, ſind ſolche Mittel, welche wider die Bruſt - und Lungen-Kranckheiten gebrauchet werden, als Decoct. mit fontan. oder hordeat. herb. Scabioſ. Veronicæ, Tuſſilag. Scord. Malv. Alth. Hyſſop. flor. Chamomill. Papav. errat. Bellid. radic. Polypod. Gly - cyrrhiz. Taraxac. Ariſtoloch. ſem. Aniſi, Fœnicul. Paſſul. minor. ſyrup. Violar. Papav. Capill. Vener. radix Helenii, Ω��ci, Elixir pectoral. Ω aſthmatic. eſſent. Helenii &c. werden wider Seitenſtechen, Huſten, Eng - bruͤſtigkeit, Verſchleimung der Lungen gebrauchet.

Behen album, weiſſe Been-Wurtzel, kommt an Groͤſſe der rechten Bertram-Wurtz ſehr nahe, iſt auswendig graulich und inwendig etwas weiſſer, hat anfaͤnglich faſt gar keinen Geſchmack; zuletzt aber laͤſſet ſie doch eine ziemliche Bitterkeit zuruͤck; ſoll vor dieſem aus Syrien und America gebracht worden ſeyn, aber die heutigen Botanici halten dafuͤr, daßes die120BEes die Wurtzel von dem Marien-Roͤslein ſey, welche Lateiniſch Lychnis ſylveſtris und Papaver ſpumeum genennet wird. Die groſſen Wur - tzeln, welche nicht wurmſtichig, ſondern zaͤh und noch friſch ſind, werden fuͤr die beſten gehalten, ſonderlich, wenn ſie den obbeſchriebenen Ge - ſchmack auch haben.

Behen rubrum, rothe Been-Wurtzel, wird in runden Scheiben, wie die Jalappa, aus eben denenſelben Laͤndern gebracht, iſt auswendig braun, inwendig roͤthlich, hat einen erdichten und etwas anhaltenden Geſchmack; die beſten ſind, ſo hoch an Farbe, wohl getrocknet und doch noch friſch ſind, auch nebſt dem adſtringirenden Geſchmack etwas aromatiſch ſchmecken: werden leicht wurmſtichig. Die weiſſe hat eine Hertz-ſtaͤrckende und Gifft-treibende Krafft; die rothe aber iſt von den Alten wider alle Bauch-Fluͤſſe, Blutſtuͤrtzungen, weiſſen Fluß gebrauchet worden, ietzund wird man ſie ſelten im Recept zu ſehen bekommen.

Belemnites, Lyncurius, Lapis Lyncis, Luchſen-Stein, oder beſſer Schoß-Stein, Alpſchoß, iſt ein laͤnglicht-rund-ſchmaler, wie ein Pfeil ausgeſpitzter Stein, eines kleinen Fingers lang; er findet ſich von un - terſchiedener Farbe, iſt insgemein mit einer Linie gleichſam unterſchie - den, wo er leicht zu ſpalten iſt, theils ſcheinet er gleichſam mit Silber, theils mit Golde uͤberzogen; wird in Teutſchland aller Orten, auch bey uns in dem Grunde am Kneiphoͤfiſchen Schieß-Hauſe; in der Schweitz, um Paris, in Sicilien gefunden: Treibet den Stein, und . Hoff - mann in Clav. Schröd. pag. 182. ruͤhmet ihn ſehr wider die Gelbeſucht, Wechſel-Fieber, und Seitenſtechen.

Bellis minor, kleine Maßlieben, Gaͤnſe-Bluͤmlein, Zeitloſen; waͤchſet hin und wieder auf den Wieſen und Felde, iſt ein gut Leber - Miltz - Bruſt - Wund - und Gicht-Kraͤutlein.

Belulcum, heiſt ein chirurgiſch Inſtrument, Pfeile, Kugeln, Stuͤcke vom Degen, und andere dergleichen Dinge mehr aus den Wunden zu ziehen.

Benzoin, ſiehe Aſſa dulcis.

Berberis, Spina acida, Oxyacantha, Berberis, Saurach, wird in Gaͤrten an den Hecken gehaͤget, die Frucht, oder die rothen Beerlein, ver - duͤnnet, ſtaͤrckt den Magen und Leber, iſt gut wider uͤbermaͤßigen Durſt, Blut auswerffen, Durchbruch, rothe Ruhr; die mittlere Rinde des Hol - tzes braucht man wider die Schwaͤmmgen, Mund-Faͤule und wacklendeZaͤhne:121BEZaͤhne: in der Officin ſind hiervon præpariret die eingemachten Veeren, der Safft und Zucker, die Trochiſei und Rob.

Bergerac, iſt bey den Frantzoſen der weiſſe ambrirte Pfeffer, in - dem derſelbe groͤblich zerſtoſſen, und etwas von der Eſſentia Ambræ dar - auf geſpritzet wird: die vornehmen Leute bedienen ſich deſſen, ſowol in der Speiſe, als Artzney zu den Magen-Pulvern.

Bernaclæ, ſiehe Conchæ anatiferæ.

Berula, ſiehe Anagallis aquatica.

Beta alba, gemeiner weiſſer Kohl, wird in Gaͤrten gebauet; die Blaͤtter werden auſſerlich wider die entzuͤndeten Geſchwuͤre und Ge - ſchwuͤlſte, auch ſo man Haͤnde und Fuͤſſe erfrieret, gebraucht, der Safft wird zur Reinigung des Gehirns in die Naſe gezogen.

Beta rubra, rother Mangolt, wird ebenfalls in Gaͤrten gezeu - get, das Kraut wird innerlich, in die Kuͤche und zum Salat gebrau - chet: der Safft aus der Wurtzel ſtillet das Ohren-Weh, Schnupffen und Kopff-Weh.

Betonica, Betonien, braun oder Wieſen-Betonien, waͤchſt hin und wieder in Gaͤrten und Wieſen; bluͤhet im Junio und Julio; die Blumen dienen zum Haupt[,]Harn und Gifft zu treiben, zu ſchwerem Gehoͤr, Klingen der Ohren, Lungen-Geſchwuͤr, Blut - und Eyterſpeyen. Præparata ſind das , Syrupus ſimpl. und compoſit. Conſerva und Em - plaſtrum. Das Emplaſtr. de Betonica thut wider Contuſiones und Wunden des Haupts vortrefflich wohl, z. E.

  • Tacamahac ij.
  • Emplaſtr. de Betonic. j.
  • malaxet. cum
  • Balſam. Peruvian. q. ſ.
  • f. Emplaſtr.

Betula, Bircke, Bircken-Baum, iſt ein uͤberall bekannter Baum, das , ſo im Fruͤh-Jahr aus den geritzten Baͤumen rinnet, treibet den Schweiß, heilet die Waſſerſucht und Gelbeſucht, Nieren und Bluſen - Stein, Harn-Ruhr und Zauberey, vertreibet die Flecken des Angeſichts.

Bexugillo, ſiehe Ipecacuanha.

Bezetta rubra, roth Bezett en, auch Faͤrber-Laͤppgen genannt, be - ſtehet entweder aus dem beſten Creſpon oder der ſauberſten Hollaͤndiſchen Leinwand, welche mit den Cochinellen wohl tingiret ſeyn muͤſſen: die beſten kommen von Conſtantinopel, ſind hoch an der Farbe, und wenn ſie gut,Qfaͤrben122BEfaͤrben ſie ſchoͤn roth, werden von dem Weibes-Volck ſehr zum Schmin - cken geſuchet, und man faͤrbt ſonſt auch allerhand Confituren und Aqua - vit damit: an ſtatt der Bezetten bedienen ſich andere der rothen Portu - giſiſchen Wolle, ſo aus Portugall kommt, und nichts anders, als eine mit den Cochinellen gefaͤrbte Baumwolle iſt, welche zu runden Kuͤglein, in der Groͤſſe und Dicke eines Reichsthalers, formiret, und alſo verhandelt wird, iſt aber nicht ſo gemein und bekannt wie die Bezetten.

Bezoar Cervinum, Hirſch-Kugeln, wachſen, wie der Occidentali - ſche Bezoar, in den Magen oder Gedaͤrmen der Hirſche, ſind aͤuſſerlich weiß-gelb anzuſehen, und aus vielen uͤber einander gewachſenen Blaͤtt - lein, wie die Bezoar-Steine, zuſammen geſetzet, werden wider anſteckende Kranckheiten gebrauchet.

Bezoar equinum, ſiehe Hippolithus.

Bezoar germanicum, ſiehe Ægagropilæ.

Bezoar microcoſmicum, ſiehe Calculus Humanus.

mulinum, iſt ein Stein, welcher aus vielen uͤber einander liegenden Blaͤttlein, als wie die Bezoar-Steine, beſtehet, wird in dem Magen der Maul-Eſel geſunden, hat vielleicht eben die Kraͤffte als der Bezoar-Stein.

Bezoar Occidentalis, der Occidentali ſche Bezoar, iſt ein rauher und insgemein grauer Stein, von unterſchiedlicher Groͤſſe und Geſtalt aus vielen uͤbereinander liegenden Schalen (welche dicker als am Orientali - ſchen ſind, zuſammen gewachſen, welche inwendig entweder hol, oder einige Saamen, Stecknadel ꝛc. in ſich halten, und von guter Groͤſſe ſind, werden aus Weſt-Jndien, abſonderlich aus Peru, von den Spaniern und Portu - gieſen heraus gebracht. Dieſe Steine finden ſich in verſchiedenen Thie - ren, am meiſten aber finden ſie ſich in einer Art Gemſen, vornemlich aber in den alten, indem derſelbe, wenn er ſich im Magen an etwas gehaͤnget, ſeine uͤber einander liegenden Schalen noch und nach, in vielen Jahren zie - het, welche von guten und kraͤfftigen Kraͤutern, die das Thier friſſet, entſte - hen. Der Unterſcheid dieſer Steine wird theils von der Farbe, theils von der aͤuſſerlichen Geſtalt, theils von ihrer Groͤſſe genommen; in Erwegung der Farbe ſind ſie insgemein weiß-grau, bisweilen auch ſchwaͤrtzlich mit weiß vermenget, oder gruͤnlicht-bunt. Die aͤuſſerliche Geſtalt iſt mancher - ley, indem etliche rund oder oval, etliche viereckigt; nicht weniger iſt die Groͤſſe gar unterſchiedlich, wormit ſie doch faſt alle den Orientaliſchen Be - zoar uͤbertreffen, und ſo groß wie Tauben-Eyer, zuweilen auch wie Huͤner -Eyer123BEEyer ſind. Die Proben dieſes Bezoars kommen mit den andern, durch welche der Orientaliſche paſſiren kain, meiſtens uͤberein, ausgenommen die Farbe, ſo an dieſem anders iſt, wiewol derjenige, ſo etwas gruͤnlicht, wie der Orientaliſche ausſiehet, fuͤr den beſten gehalten werden will, abſonder - lich, wenn er inwendig glaͤntzende Streiffen hat: diejenigen, ſo aus Peru kommen, werden fuͤr viel beſſer gehalten, als andere, ſo aus Neu-Spanien uͤberbracht werden; in Ermangelung aber dieſes recht Occidentaliſchen Bezoars, kan man ſich des Bezoar Cervini gantz ſicherlich bedienen; die Kraͤffte dieſes Steins kommen mit des Orientaliſchen Qualitaͤten ſehr uͤberein, indem er ſowol, als dieſer, allen gifftigen und peſtilentialiſchen Kranckheiten zuwider ſeyn, die Epilepſie an Jungen und Alten curiren, die Kraͤffte ſtaͤrcken, den Stein und Geburt befoͤrdern, auch aͤuſſerlich an den Fingern getragen, den Schlaff bringen ſoll.

Bezoar Orientalis, der rechte Orientali ſche Bezoar-Stein, iſt ein ſehr zarter, muͤrber und gantz glatter Stein, von unterſchiedlicher Groͤſſe und Geſtalt, auswendig gruͤnlicht oder gruͤn-ſchwartz, inwendig aus vie - len duͤnnen und zarten Schalen, ſo wie die Zwiebel-Schalen uͤber einander gewachſen, beſtehend, hat ſonderlich keinen Geruch, und wird aus Perſien und Oſt-Jndien heraus gebracht, wird in dem Magen gewiſſer fremder Thiere gefunden, ſo in Perſien und Oſt-Jndien ſich aufhalten, und theils einer Ziege, theils einem Hirſch gleich ſehen. Hierbey iſt zu mercken, daß dieſe Steine nicht bloß in dem Magen oder den Excrementis gefunden werden, ſondern in einem haarigten Saͤcklein oder Haut, welche von auſſen voller rauchen, kurtzen und braunen Haare, und in der Groͤſſe eines Gans - Eyes iſt, wachſen auch noch mit einer andern duͤnn, hart und weiſſen Scha - len. Es wird dieſer Stein, weil er ſehr theuer iſt, gewaltig nachgekuͤnſtelt, und groſſer Betrug damit getrieben, dieſem aber zu entgehen, hat man vie - lerley Proben erfunden, wodurch der rechte natuͤrliche Bezoar, vor dem fal - ſchen und nach gemachten zu erkennen ſey. Der rechte und unverfaͤlſchte ſiehet glatt, gruͤnlicht, und bleibt insgemein im Reiben und Pulveriſiren ſchwartz-gruͤn; reibt ſich auf dem mit Kreide oder Bleyweiß geriebenen Pappier gruͤnlicht-gelb; macht das Waſſer, worein er geworffen wird, gleichſam ſiedend, und treibet den Schweiß; wenn aber dieſe Steine in der warmen Hand oder in warmen Waſſer weich werden: auch ſo man ein ſpitzig Eiſen hindurch ſtecket, rauchen, im ſchwerer oder leichter wer - den, ſo ſind ſie falſch und nachgemachet. Viel Leute machen gleichſam einen Abgott von Bezoar, welchem zu gefallen die Medici vielleicht alleQ 2Gifft -124BEGifft-treibende Mittel davon benennet haben, ob ſchon oͤffters kein Gran darunter kommet. Beſſer thun diejenigen, welche dieſem Stein eine Schweiß - und Gifft-treibende Krafft zuſchreiben, welche, ſo er aufrichtig iſt, in Anſehung der aromatiſchen Kraͤuter und ſeines fluͤchtigen Saltzes nicht gaͤntzlich zu denegiren iſt, wenn man denſelben nur in rechter Doſi, und nicht nur etliche Gran davon einnimmt, welche keine groſſe Thaten thun koͤnnen.

Bezoar ſimiarum, der Affen-Stein, iſt ein herrlicher und koſtbarer Steln, wird in den Affen gefunden. Dieſe Steine ſind insgemein gantz rund, da der Orientaliſche Bezoar offt auch laͤnglicht, und von andern Fi - guren iſt, ſoll auf der Jnſul Macaſſar meiſtens zu bekommen ſeyn: von dieſem Stein ſollen 6. Gran mehr thun, als von dem rechten Bezoar ein halb Quentlein, weswegen auch ein Stuͤck mehr als hundert Reichstha - ler koſtet, wie Tavernier im 2. Buch ſeiner Reiſe-Beſchreibung berichtet.

Bèzoardica, werden diejenigen Artzney-Mittel genannt, welche dem Gifft widerſtehen, auch ſelbes durch den Schweiß austreiben; ſolche ſind alle angefuͤhrte Bezoar-Steine, Unicornu foſſile und verum, Lemnia, diaphoretic. ſimplex & Martial. Pulvis Bezoardicus Sennerti, Os de Cord. Cervi &c.

Bezoardicum animale, wird das gepuͤlverte Fleiſch der Schlangen genannt, weil es gleiche Wuͤrckungen mit dem Bezoar haben ſoll, und wider die Kraͤtze, Ausſatz, hitzige Kranckheiten, Fleck-Fieber, Peſt ꝛc. gebrauchet wird.

Bezoardicum minerale, iſt ein in den Apothecken bekanntes Artzney - Mittel; man machet es, wenn man das Butyrum Antimonii in Waſſer zergehen laͤſſet, den Mercurium Vitæ daraus præcipitiret, und den Ω� daruͤber ziehet, iſt ſo gut, als das diaphoreticum, auch nur in halber Doſi.

Bezoardicum mirabile Monardis, iſt ein trefflich Mittel wider das boͤſe anſteckende und taͤgliche Fieber, darzu terr. Lemn. ʒiij. ſem. Citri herb. Scord. cum florib. Dictamn. alb. Margarith. præp. ana ʒij. Oſſ. de Cord. Cervi, raſur. Ebor. ana ʒj. Unicorn. mar. lap. Bezoar. ana gr. xx. Mache alles zum ſubtilen Pulver, und miſche 10. Gold-Blaͤttlein darunter.

Bezoardicum viperinum, aus den Miſcell. Natur. Curioſ. genommen: Pulv. Viperin. von den Graten allein, ſ. præp. Unicorn. mineral. ſigillat. Melitenſ. Lap. 69. præp. ana part. æq. f. Pulvis, welches mit der Eſſen - tia oder Decoct. Viperino oͤffters zu befeuchten, und dann zu trocknen iſt. Nun125BINun von dieſem Pulver iij. diaphoretic. ʒij. Moſch. ambriſat. ß. mache mit mucilag. Tragacanth. (durch das Decoct. Viperar. bereitet) eine Maſſa, aus welcher hernach Kuͤgelein in Form der geſiegelten Erde gema - chet werden koͤnnen.

Biba, iſt der Baum, worauf die Frucht, Elephanten-Laus genannt, waͤchſet, wird auch Oepata geheiſſen, ſiehe Anacardium.

Bibitorius, wird ein Augen-Maͤuslein genannt, welches das Auge nach der Naſe wendet.

Biceps, ein zweykoͤpffig Monſtrum oder Mißgeburt, dergleichen hat Bonetus unterſchiedliche aufgezeichnet; in der Anatomie heiſt es das zweykoͤpffigte Maͤuslein der groſſen Ellenbogen-Roͤhre, ſo in dem voͤrdern Theil derſelben gelegen.

Bicorne Os, ſiehe Os.

Bidens Zeylanicum, ſiehe Acmellæ folia.

Bilingua, ſiehe Uvularia.

Bilis, die Galle, iſt eine gelbe und zaͤhe, und mit Saltz-Theilgen ver - miſchte Subſtanz oder Weſen: dieſes beſſer zu verſtehen, ſehe man (1) auf die Officin oder Werckſtatt, in welcher die Galle præpariret wird, die Le - ber; (2) auf die Materia, das iſt das Ader-Blut, durch den Truncum der Pfort-Ader in die Leber geleitet, (3) auf die Natur, und zwar in Er - wegung der Farbe, welche gelb iſt, aber von den Acidis mercklich alteriret und gruͤn wird; des Geſchmacks, denn da iſt ſie nach der Natur bitter; der Conſiſtence, welche unterſchieden iſt, denn duͤnner iſt ſie in dem Ductu hepatico, zaͤher in der Gallen-Blaſe, (4) auf den Nutzen, welcher iſt die waͤßrigen mit den fetten Theilgen zu vereinigen, und wenn ja die ſulphu - riſchen gebrechen, daß ſie deren Mangel erſetzen.

Bilis atra, die ſchwartze Galle, wurde von den Alten fuͤr die Me - lancholie gehalten.

Bilioſus, ſiehe Cholericus und Cruditas amara.

Biolychnium, iſt eben ſo viel als Flammula Vitalis, die Lebens - Flamme, oder Calor nativus, die natuͤrliche angebohrne Waͤrme, ſind unſre Lebens-Geiſter; darvon unter dem Titul Spiritus. Einige wollen ſolch eine Lebens-Flamme oder Lampe nachkuͤnſteln, und ſolche aus dem Blut des lebendigen Menſchen machen, deſſen Flamme ſo lange brennet, als der Menſch lebet, welche auch nach dem Unterſcheid der Waͤrme, des Glantzes, der Bewegung ꝛc. ein gewiſſer Zeiger der Geſund - heit und Kranckheit ſey.

Q 3Biſmu -126BI BL BO

Bismuthum, ſiehe Marcaſita.

Bismalva, ſiehe Althæa.

Bistorta, Colubrina, Dracunculus major. Serpentaria, Natter - Wurtz, Krebs-Wurtz, waͤchſt auf den Wieſen, die Wurtzel treibet Schweiß und Gifft, heilet die Wunden, wird wider die rothe Ruhr, guͤlden Ader-Fluß, Blut-auswerffen, Brechen, Mißgebaͤhren, Wuͤr - mer ꝛc. gelobet.

Bithynos, iſt bey dem Galeno ein Name eines Pflaſters, wider die Waſſerſucht.

Bitumen foſſile, wird von dem Boccone ein Stein genannt, wel - cher wie Juden-Leim riechet.

Bitumen Judaicum, Juden-Pech, wird auch Sevum oder Reſina Macrocoſmi genannt; ſiehe Aſphaltum.

Biventer, ſiehe Muſculus.

Blatta Bizantina, oder beſſer Byzantia, Jndianiſche Muſchelſchale, wird fuͤr ein Decklein einer Muſchel gehalten, iſt lang und ſchmal, dun - ckel-braun, wie eine Klaue oder Nagel anzuſehen, ſie ſtincket, wenn man ſie bey dem Licht anſtecket, wie gebrannte Menſchen-Naͤgel, wird wider die Erſtickung der Mutter geruͤhmet.

Blattaria, Verbaſcum Leptophyllum, Schaben-Kraut, Gold - Knoͤpfflein, waͤchſt an den Raͤnden der Graͤben, Pfuͤtzen und Teiche. Das Kraut ſamt den Blumen iſt wider Entzuͤndung der Augen gut, die Haare gelb zu faͤrben, die Motten aus den Kleidern zu treiben.

Blæſitas, wird von demjenigen geſaget, deſſen Zunge einen Fehler hat, und alſo einen und den andern Buchſtaben nicht recht ausſpre - chen kan.

Blæſus, iſt ein Mangel der aͤuſſerlichen Gliedmaſſen: oͤffters wird es vor denjenigen genommen, der die Schenckel auswaͤrts ſetzet.

Blena, Blenna, der Rotz oder Schleim, ſo man aus dem Munde und Naſe wirfft.

Blepharoxyſtum, heiſt ein Chirurgiſch Inſtrument, die Augenbrah - nen auszureiſſen, daß ſelbige eine zierliche Runde bekommen.

Blitum, Meyer, Hanen-Kamm, Blitum album und rubrum, wer - den ſowol in Feldern als Gaͤrten gefunden, der Saamen vom rothen Meyer wehret der rothen Ruhr und uͤbrigen Monat-Fluß.

Boa ſind bey dem Plinio Hitz-Blaͤtterlein.

Boci -127BO

Bocium, ſiehe Bronchocele.

Bois de Palile, ſind rothe Hoͤltzlein, als Zahnſtocher, welche in das Drachen-Blut eingetuncket werden.

Boletus Cervinus, Hirſch-Brunſt, ſind runde, ſchwartze und harte Schwaͤmme, auswendig wie Leder anzuſehen, inwendig aber mit einem ſchwartzen Staub angefuͤllet, wormit einige den Schlag-Balſam ſchwartz faͤrben. Daß ſie aber aus der Hirſchen Saamen; welcher ihnen zur Zeit der Brunſt entfallen, entſtehen, iſt gantz falſch, maſſen die Gewaͤchſe auch an denjenigen Orten gefunden worden, wo niemalen kein Hirſch hinge - kommen: wird von einigen die Geilheit zu erregen recommandiret, aͤuſſer - lich wird er wider die Mutter-Beſchwer und harte Geburt gelobet.

Bolus, wird auf zweyerley Art genommen, insgemein und beſon - ders; insgemein iſt es iede fette Erde, beſonders aber iſt es eine blaß - rothe fette Erde, welche, nachdem ſie ins gethan, als Butter zergeht: Vor allen aber wird der

Bolus Armeniæ, oder Armeniſche Rothſtein, gelobet; dieſer iſt blaß-roth, fett und ſchwer, wird alſo genennet, weil er vor dieſem aus Armenia ſoll gebracht worden ſeyn; heut zu Tage aber hat man deſſen nicht noͤthig, weil hin und wieder in Europa dergleichen Bolus-Erde ge - funden wird: in den Apothecken iſt insgemein der Bolus Toccavienſis, welcher von Toccay aus Siebenbuͤrgen kommt; gilt alſo gleich viel, wo er gefunden werde, wenn er nur zart, glatt, glaͤntzend, nicht ſandicht iſt, und an der Zunge nicht anziehet, auch nachmalen wie Butter im Munde zergehet. Weßwegen er, nach deſſen Ausgrabung, zuerſt in zerlaſſen, abgeſchwemmet, und nachgehends zu viereckigten Stuͤcklein formiret wird, welche einige Materialiſten Brouillamini heiſſen, wiewol einige Medici den ungewaſchenen vorziehen wollen. Hat mit der Terra ſigillata einerley Kraͤffte; aͤuſſerlich machen die Chirurgi die Duͤ[tz]r-Baͤnde davon. Ferner wird

Bolus auch eine gewiſſe Formul oder Recept, ein Biſſen, genannt, beſtehet aus einer Conſerve und Pulver, dergeſtalt, daß man auf Conſervæ ʒj. Pulver j. bis ij. nimmt: muß man aber eine groͤſſere Quantitaͤt Pul - ver nehmen, ſo kan man eine gnuͤgliche Quantitaͤt eines Syrups untermi - ſchen, und alſo wird man dem Bolo die rechte Conſiſtenz geben. An ſtatt einer Conſerv kan man auch Rob Sambuci, Juniperi, Theriac. Mithridat nehmen, doch aber in geringerer Doſi, die Pulver aber in groͤſſerer Doſi, ſonſten wird die Maſſa gar zu flieſſend bleiben. Exempel ſind

Ra -128BO
  • Radic. Jalapp. gr. xv.
  • Gumm. gutt. gr. jv.
  • Trochiſc. alhandl. gr. ij.
  • Conſerv. roſar. ij.
  • f. Bolus. S.
  • Purgir-Biſſen auf einmal.
  • C. C. ſ. j.
  • Bezoardic. mineral. ß.
  • Cinnabar. ii, gr. iij.
  • Lapid. Bezoardic. gr. ij.
  • Rob. Juniper. q. ſ. oder
  • Conſerv. Menthæ ij.
  • f. Bolus. S.
  • Schweiß-treibender Biſſen auf einmal.
  • Wider Gonorrhœam kan dieſer ſeyn:
  • Terebinth. Venet. ʒß.
  • extract. Rhabarb. gr. xv.
  • Mercur. dulc. gr. viij.
  • Succi Caſſ. fiſtul. rec. q. ſ.
  • f. Bolus.
  • Bolus in Dyſenteria.
  • Conſerv. Roſar. antiq. ʒiß.
  • Theriac.
  • Pulv. pannon. ana j.
  • Laudani Opiat. gr. j.
  • f. Bolus. S.
  • Wider die Rothe-Ruhr.

Bombax, Goſſipium, Baumwolle, Cattun, iſt eine ſehr zarte ſchnee-weiſſe Wolle, ſo in kleinen Fruͤchten, den Nuͤſſen nicht viel ungleich, auf einem gewiſſen Kraute dieſes Namens waͤchſet; und weil nach einigen Jndianiſchen Scribenten dergleichen auch auf Baͤumen zu finden, iſt ſie von den Teutſchen Baumwolle genennet worden: kommt theils aus Oſt-Jn - dien, theils aus America, wo das Kraut ſehr haͤuffig gezogen wird, obwol auch in Maltha, Candien, und den benachbarten Jnſulen ſolche zu finden. Das Kraut, wovon die Baumwolle herruͤhret, wird von den Wilden ſehr ſorgfaͤltig gepflantzet, und hat Blaͤtter, ſo unſerm Brombeer-Strauchenicht129BOnicht unaͤhnlich ſind, traͤgt viel ſchoͤne gelbe Blumen, welche unten et - was Purpur-farbicht und geſtreifft ſind, darinnen mitten ein ovaler Knopff, welcher endlich wie ein Tauben-Ey groß wird, ſcheinet aͤuſſerlich ſchwartz-braun, wenn er zeitig iſt, und nachdem er von ſich ſelbſten in drey Theile aufgeplatzet, blaͤhet er ſich ſo groß als ein Huͤner-Ey auf, da denn die Schnee-weiſſe Wolle gleich zu ſehen iſt, ſo bey gutem Wetter abzunehmen. Jn dieſer Wolle liegen ohngefaͤhr 7. ſchwartz-graue Saa - men-Kerne, ſo groß als kleine Lupinen, welche inwendig weiß, oͤhlicht und von gutem Geſchmack ſind, dienen den Einwohnern, das Kraut dadurch fortzupflantzen, ſie werden auch zuweilen wider den ſchweren Athem und Huſten gebrauchet, das Oel davon iſt gut wider Stein-Schmertzen, die - net auch wider allerhand Flecken der Haut, macht ein ſchoͤn Angeſicht.

Bombyx, ein Seiden-Wurm.

Bonus Henricus, guter oder ſtoltzer Heinrich, auch Lapathum unctuoſum, waͤchſt in den Gaͤrten; das Kraut mit der Wurtzel ſtillet Schmertzen, heilet Wunden, kommt zu den Clyſtiren, reiniget die Lungen und curiret derſelben Geſchwuͤre, es iſt aͤuſſerlich wider die Kraͤtze und Flecken der Haut gut.

Borborygmi, das Kuͤrren und Murren im Magen und Ge - daͤrmen.

Boromez, das Frucht-Thier, ſiehe Agnus Scythicus.

Borrago, Borretſch, Hertzbluͤmlein, waͤchſt mehrentheils in Gaͤr - ten: die gekochten Blaͤtter erweichen den Leib, lindern die rauhe Kehle und Huſten, die Blumen in Wein infundiret, erfreuen das Hertz, nach dem alten bekannten Reim:

Es ſpricht Borretſch, zu ieder Zeit

Bring ich dem Hertzen Freudigkeit.

Die mit Zucker eingemachte Wurtzel befeuchtet, hebet den Aberwitz in Fiebern: der Saame in Wein gebrauchet, mehret die Milch: die Tin - ctur aus denen Blumen dienet wider hitzige Fieber, und melancholiſche Zufaͤlle. Præparata hiervon ſind deſtillat. Conſerva, Syrupus und eine Eſſentia.

Borrax, Venediſcher Borras, wird von einigen fuͤr eine Art Sal - peter gehalten: iſt ein hell-weiſſes Saltz, wie Eiß und Allaun anzuſehen, hat einen ſcharffen laugigten Geſchmack, und wird meiſtens aus Vene - dig uͤberſchicket, wo es zum erſten refiniret worden. Man bringt zwar auch Borras aus Holl - und Engeland, er will aber nicht allerdings ver -Rrichten,130BOrichten, was jener thut, die Hollaͤnder ſollen ihn aus Ceylon bringen, Einige halten dafuͤr, es ſey ein gemachtes Saltz aus ��-co, , comm. und ; andere meynen, er beſtehe aus und ; andere hal - ten dafuͤr, daß der Borrax eine natuͤrliche Minera ſey, welche in Jndien ſoll gefunden werden. Pomet nennet ſolche rohen Borras, und ſchrei - bet, daß deſſen zwey Species aus Jndien kaͤmen, eine, ſo eine roͤthlichte Fettigkeit um ſich haͤtte, die andere aber graulicht, welche die Venetia - ner in ſolvirten, und uͤber baumwollenen Seilern oder andern Staͤng - lein zu Cryſtallen machten. Dem ſey nun wie ihm wolle, ſo iſt doch zu obſerviren, daß der Borrax grob, weiß, ſchoͤn, hell und durchſichtig ſeyn muß, auch gebe man Achtung, daß er nicht mit Allaun vermiſchet ſey, wel - cher im Feuer nicht ſo aufſchwellt, wie der Borrax: er dienet in der Me - dicin vortrefflich, die Geburt zu befoͤrdern, ſonderlich, wenn bey einer gewaltigen Hæmorrhagie der Gebaͤhr-Mutter ein Abortus fortzutrei - ben iſt.

Botargum, iſt das ſo genannte Boutarque, ſo von den Eyern eines Fiſches, der Mugil oder Cephalus heiſſet, gemachet, welches zu Tunis in der Barbarey, und zu Martegne, 8. Meilen von Marſilien, præpariret, und von dar in Jtalien geſendet wird. Es wird alſo præpariret: ſie nehmen die gantzen Roͤgen oder Eyer-Stoͤck, ſtreuen grob Saltz daruͤber, und bedecken es 4. oder 5. Stunden. Nachgehends preſſen und beſchwe - ren ſie es zwiſchen 2. Bretern Tag und Nacht, und wenn ſie esgewaſchen, trocknen ſie es 13. oder 14. Tage lang in der Sonnen, und thun es alle Nacht unter Dach, oder hangen es auch in den Rauch, doch weit von der Flamme, daß es nicht zu warm werde: ſoll guten Appetit zum Eſſen und Trincken machen, und dem Wein einen beſſern Geſchmack geben; das beſte iſt roͤthlich, und wird in der Faſten mit Baumoͤl und Citronen - Safft genoſſen.

Bothrion, ein Gruͤblein, eine iede Grube, worinnen die Zaͤhue ſitzen, die Zahn-Lade; (2) heiſt es auch ein tieffes kleines Geſchwuͤr am Horn-Haͤutlein des Auges.

Botium, ſiehe Bronchocele.

Botrys, Trauben-Kraut, Tuͤrckiſcher Beyſuß, Bufonum herba, wird in den Gaͤrten, auch auf den Aeckern gefunden, das Kraut wehret der Faͤule, iſt gut zur Bruſt, Keuchen, ſchweren Athem, langwierigen Huſten, Schwind - und Lungen-Sucht verſtopffte Menſes, Bauch-Weh und Grimmen.

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Bovina affectio, ein Wurm zwiſchen Fell und Fleiſch, welcher das Fell durchbohret.

Boxus, eine Miſtel, welche auf den Baͤumen waͤchſet, dergleichen auf den Eichen ꝛc. zu finden ſind.

Bracherium, Cingulum, Zona, ein Bruch-Band, die heutigen Chirurgi haben derſelben unterſchiedliche Manieren und Inventiones.

Brachiæus, das Arm-Maͤuslein, ſiehe Muſculus.

Brachiale, ſiehe Carpus.

Brachium, der Arm, wird entweder fuͤr das gantze Gliedmaß von der Schulter bis unten mit der Hand genommen, zuſamt allen Maͤus - lein, Blut-Gefaͤſſen, Haut, Haͤutlein ꝛc. oder aber fuͤr das Theil, wel - ches vom Schulter-Blatt anfaͤnget, und bis an das Gelencke gehet, wor - auf man ſich zu ſtuͤtzen pfleget: oder der Arm wird in die Schulter, den Arm und Ellenbogen getheilet.

Bractea, ein Blech, ausgeſchlagene Platte, wird bey den Chirurgie zu vielen Dingen gebrauchet.

Bradypepſia, eine gantz langſame Verdauung der Speiſen, die mehr Zeit noͤthig hat, als natuͤrlicher Weiſe erfordert wird: die Urſachen ſind entweder ein Mangel der Lebens-Geiſter, oder ſaure, gallichte, rotzich - te Cruditaͤten, item wenn das Magen-Menſtruum uͤbel beſchaffen, und der Magen ſelbſt ſchwach iſt: die Urſachen kommen mit Apepſia uͤberein, wel - che am gehoͤrigen Ort nachzuſehen.

Branca Leonis, ſiehe Alchimilla.

Branca Urſina, Sphondylium, Baͤren-Klan, waͤchſet an feuchten Orten, bluͤhet im Majo, die Blaͤtter erweichen, werden vornemlich zu Cly - ſtiren und Cataplasmatibus gebrauchet.

Branca Urſina Italica, Welſch Baͤren-Klau, wird in Welſchland, bey uns aber in Apothecker-Gaͤrten gehalten; Das Kraut mit der Wurtzel treibt den Harn, heilet die Schwindſucht und Bruͤche.

Branchus, iſt eine Art von Catarrhen oder Fluͤſſen, wenn er ſich in die Lufft-Roͤhre und Kehle geſetzet hat: wird auch Raucedo, Heiſcher - keit, genannt.

Braſilium, Braſilien-Holtz, iſt ein dunckel-rothes und zum Theil gelb-braunes Holtz, ziemlich hart, und eines ſuͤſſen Geſchmacks, kommt aus Braſilien uͤber Liſſabon, Engeland, Holland: und ob ſchon von An - tiglia aus Weſt-Jndien dergleichen rothes Holtz auch gebracht wird, ſo iſt doch das Braſilien-Holtz aus Liſſabon beſſer. Der Baum waͤchſt in unter -R 2ſchied -132BRſchiedlichen Braſilianiſchen Provintzen hier und dar zwiſchen andern Baͤumen, hat einen ſehr dicken Stamm, lange Aeſte, voller gruͤnen und glaͤntzenden Blaͤtter, traͤgt rothe und wohlriechende Blumen, und nach die - ſen eine Huͤlſe mit zwey platten Kernen. Man hat viel Sorten dieſes Holtzes, das beſte iſt das Fernambuc, von der Braſilien-Stadt Fernam - buco alſo genennet; nach dieſem hat man Braſilium de Japon, drittens Braſilium de Lamon, worzu letzlich das Braſilien-Holtz von den Antillen - Jnſuln kommet, welches aber das ſchlechteſte iſt. Dieſe Hoͤltzer werden in der Medicin ſelten oder gar nicht gebrauchet, ob ſie ſchon an den Kraͤfften dem rothen Sandel wenig werden nachgeben, und wider die hitzigen Fieber und andere hitzige Kranckheiten von Dale in Pharmacol. pag. 464. gelobet werden.

Braſſica alba capitata, caulis capitulatus, weiſſer Kopff-Kohl, Cappis-Kraut, wird in Kraut-Gaͤrten gepflantzet, und in der Kuͤchen gebrauchet.

Braſſica alba vulgaris, Kohl, Kohl-Kraut, wird in Gaͤrten erzo - gen; laxiret, ſaubert, iſt ein gut Wund-Kraut, der ausgedruͤckte Safft kommet in ſchwerer Noth, Schlag, verlohrner und ſchwerer Sprache bey Kindern zu Huͤlffe.

Braſſica campeſtris, Feld-Kohl, wilder Kohl, waͤchſt auf den Brach-Feldern, der Safft aus den Blaͤttern in die Naſe gezogen, reiniget das Haupt vom Schleim.

Braſſica cauliflora, cypria, Blumen-Kohl, iſt ein zartes und fuͤr Krancke und Geſunde ein gutes angenehmes Kuͤchen-Kraut, und wird alſo erzogen: der Saamen, (welcher faſt nirgends, als in der Jnſul Cyprus zur rechten Zeitigung kommet, und von den Materialiſten, nicht aber von den Saamen-Kraͤmern gekauffet werden muß) wird im Fruͤhling, wenn die im Steinbock gehet, bey vollem Mond, in ein gut Miſt-Beeth ge - ſaͤet, und wenn die Pflantze groß gnung iſt, ſo verſetzt man ihn eben auch im Steinbock in ein fettes wohlgeduͤngtes Land: nach dem Herbſt wer - den die gantzen Stoͤcke, welche im Land ihre vollkommene Blumen noch nicht bekommen, in den Keller, in Sand oder Erde verſetzet, allwo ſie auch mitten im Winter ihre voͤlligen Blumen bekommen.

Braſſica ſimbriata, iſt auch eine Art vom Kohl, deſſen Saame Se - men oleris atri genennet wird, der iſt rund und ſchwaͤrtzlicht, eines bittern und ſcharffen Geſchmacks, wird fuͤr ein beſonder Mittel in ſcorbutiſchen Stein-Schmertzen gehalten, wenn man den Saamen mit Cichor. zur133BRzur Emulſion machet: iſt er nicht zu haben, ſo kan man Steck-Ruͤben - Saamen, welcher Bunias heiſſet, an deſſen ſtatt nehmen.

Braſſica marina, Soldanella, Meer-Kohl, waͤchſt am Meer in Jta - lien, um Genua, Venedig ꝛc. die Blaͤtter oder das Kraut fuͤhren das Gewaͤſſer von oben und unten ab, dienen dahero abſonderlich in der Waſ - ſerſucht, Scharbock und dreytaͤgigen Fiebern.

Bregma, das Vordertheil des Haupts, welches uͤber die Stirne, von beyden Seiten aber bis an die Schlaf-Beine gehet, werden von et - lichen auch die Seiten-Bogen-Nerven - und Vernunffts - oder Gedan - cken-Beine genannt; bey jungen Kindern beſtehet es gemeiniglich aus 4. abſonderlichen Beinen, welche mit der Zeit zuſammen wachſen, und ein einiges werden.

Brochthus, die Kehle, ſiehe auch Brouchus.

Brochus, wird derjenige genannt, deſſen Ober-Lippe ſehr her - vor raget; dieſem iſt entgegen geſetzet Mento, oder deſſen Kinn hervor ſtehet.

Brodium, eine Suppe, in welcher ein Medicament entweder ver - wahret oder diluiret wird.

Brodium Zibebarum Iaxans: fol. Senn. elect. iv. Zibebar. j. Zingiber. ʒj. font. q. ſ. infundire es 24. Stunden, hernach ſiede es und druͤck es aus, dann koche es mit Sacchar. ij. zur Conſiſtenz eines Syrups, welcher mit Cinnamom. ʒj. angemachet werden kan. Es laxiret Perſonen von zarter Leibes-Conſtitution, und Kinder, gantz gelind, die Doſis iſt ß. bis j.

Bronchi, Bronchia, iſt ein Geſchlecht der Gefaͤſſe, die eigent - lich der Lunge zukommen, ſind die Zweiglein der Hol-Ader, denn es gehet dieſelbe erſtlich in zwey Theile getheilet in die Lunge, und wird hernach immer in kleinere und kleinere Zweiglein getheilet, welche ſich endlich in Blaͤsgen endigen und das eigentliche Weſen der Lunge machen.

Bronchocele, Hernia gutturalis, Struma, Scrophula, Hydrops glan - dularum colli, excreſcentia glandularum colli, ein Kropff, iſt eine groſſe Geſchwulſt am Halſe und den unter der Zunge liegenden Druͤſen: Die Urſach iſt eine zaͤhe tartariſche Materia, welche ſich in die Druͤſen geſetzet hat; hierzu contribuiren zaͤhe und ſchleimichte Speiſen, tartariſche Weine und Waſſer, ſonderlich die Berg-Waſſer: dahero obſerviret man in der Stey - ermarck, und hin und wieder in der Schweitz, an Menſchen und Vieh Kroͤpffe. Die Cur gehet ſehr ſchwer von ſtatten, ſonderlich, wenn dieſeR 3Materia134BRMateria ſchon ſehr verhartet iſt, bevor aber dieſes geſchiehet, kan die Ge - ſchwulſt durch das Emplaſtrum diaphoretic. Mynſichti reſolviret werden; ſo iſt auch nicht bey den vollkommenen Kroͤpffen alle Hoffnung zur Gene - ſung verlohren, denn innerlich die Decocta lignorum und Evacuantia mit Mercurialibus verſetzet, ſehr zutraͤglich ſind: aͤuſſerlich aber dienen ſcharffe Reſolventia, als Emplaftr. de Gumm. Ammoniac. ol. infuſ. Lacertar. Bu - fonum oder Talpæ, und Kroͤten-Fett, ſo des Koͤniges von Engeland Mittel ſeyn ſoll, ein Cataplaſma aus radic. Cucumer. aſinin. und radic. Bryou. Sind dieſe nicht zulaͤnglich, ſo muß man Mercurialia ergreiffen, als Em - plaſtr. de Ranis cum Mercurio Vigonis, Amalgama Mercurii und Sa - turni. Wollen auch dieſe nicht anſchlagen, ſo iſt die eintzige Hoffnung auf die Suppurantia zu ſetzen, als Emplaſtr. diaſulphur. Rulandi, diachyl. cum gummi, de Meliloto, Magnetic. Arſenical. oder Blegnii cauſticum aus Mercur. ſublimat. ʒiij. Minii ʒij. Wenn ſich alſo der Tumor geoͤff - net, ſo kan er als ein Abſceſſus tractiret werden; mit folgenden hat ſich ein Empiricus unzehlich viel curiret zu haben geruͤhmet:

  • Spongiæ.
  • lap. Spongiæ j.
  • Floccor. ex panno laneo rubr. deciſ.
  • Mandibul. Lucii piſc. ʒß.
  • Panis toſt.
  • Lapid. ſpecular. ʒiij.

Verbrenne alles im verdeckten Topff, f. Pulvis, thue darzu Sacchari j. die Doſis iſt ʒj. im abnehmenden Licht. Ein gewiſſer Medicus hat gantz gluͤcklich die Kroͤpffe auf folgende Weiſe curiret: innerlich hat er im ab - nehmenden Licht pulv. Spongiæ und lapid. Spongiæ calcinat. gegeben, und den Kropff mit dieſem Liquore beſtrichen:

  • Vitrioli ad albed. calcin. ij.
  • impaſt. cum Ω vini ij.
  • C. C. uſt. ß.
  • miſce.

und deſtillire es l. a. aus der Retort. da in dem Roſtro oder Schnabel des Huts Camphor. ß. gehangen, hernach hat er folgend Liniment auſ - ſchmieren laſſen:

  • Olei deſt. ex lardo porcin.
  • laurin. j.
  • f. Ungvent.
Bron -135BR BU

Bronchotomia, ſiehe Laryngotomia.

Bronchus, ſiehe Arteria aſpera.

Broulliamini, ſiehe Bolus.

Brunus ſiehe Eryſipelas.

Bruſcus, ſiehe Ruſcus.

Brygmus, das Zaͤhn-Klappen, iſt eine Art von Convulſionen, uͤberfaͤllt offt die kleinen Kinder, ſonderlich, wenn ſie von Wuͤrmen gepla - get werden; es erfahren auch diejenigen das Zaͤhn-Klappen, welche am Fieber laboriren.

Bryonia, Vitis alba, Zaun-Ruͤbe, Gicht-Ruͤbe, waͤchſt an ſan - dicht - und ſchattichten Orten, in Geſtraͤuchen; die Wurtzel, welche groß, dick, inn - und auswendig weiß, mit vielen Circkuln, eines ſcharffen bit - tern Geſchmacks und widrigen Geruchs iſt, purgiret die ſchleim - und waͤßrigen Feuchtigkeiten durch Stuhlgang und Erbrechen, wird wider den Schwindel, fallende Sucht, Wahnwitz, Waſſerſucht, Fieber, Miltz, Geſchwulſt, Verſtopffung des Gekroͤſes und Frauen-Blum ꝛc. geruͤhmet.

Bryonia Indica, ſiehe Mechoacanna.

Bubo, die Scham-Seite, oder die Gegend zwiſchen der Scham und dicken Fleiſch; es werden auch die Kranckheiten, welche ſich an die - ſem Orte finden, alſo genennet, als Bubo inguinalis, eine Geſchwulſt in der Scham-Seite; wider dieſe brauche man Diſcutientia, als flor. Sam - buci, Emplaſtr. de Molilot. ol. Scorpion. wollen dieſe nicht anſchlagen, ſo muß ſie zur Suppuration gebracht, und als ein Abſceſſus tractiret werden.

Bubones peſtilentiales, Peſt-Benlen, ſind ſolche Geſchwuͤlſte, welche ſich als ein Zufall der Peſt an der Scham-Seite, unter den Armen, hinter den Ohren, am Halſe, Knieſcheibe ꝛc. finden, werden nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde bald mit Diſcutientibus, z. E. flor. Chamomill. Sambuc. fem. Aniſi, und ſo Schmertz dabey, mit anodynis, als fol. Hyoſciam. herb. Pa -[r]id. Mandragor. Croc. und Theriac. iſt ein Krampff dabey, mit anti -[ſ]paſmodicis, Ruta, Betonica, Verbena, axung. Cati ſylveſtr. ol. Succin. Scorpion. oder mit ziehenden, als Veſicatorio, Emplaſtr. Magnetic. diachyl. [c]um gummi, oder erweichenden und eyternden, radic. Lilior. albor. Alth. Cynogloſſ. fol. Melilot. Branc. urſin. Violar. oder eroͤffnenden, als Feigen, Knoblauch, Zwiebeln, Tauben-Miſt, Emplaſtr. de Galban. Oxycroc. Pech, ſchwartzer Seiffe; oder reinigenden, und heilenden, als Unguent. bafi -licon,136BUlicon, digeſtiv. apoſtolor. balſam. �is terebinthinat. item Peruvian. &c. curiret. Dolæus Oper. Medic. Chirurg. Tom. II. pag. 508. recomman - diret ſtatt aller, dieſes Emplaſtrum:

  • Gumm. Galbani.
  • Bdellii.
  • Emplaſtr. Arſenical. j.
  • Maſtich.
  • Myrrh. ʒvj.
  • pulv. Euphorbii ʒß.
  • radic. Pyrethr. ij.
  • Croci optim. ʒß.
  • Theriac. Androm. ʒiij.
  • olei Juniper.
  • Terebinth. ʒij.
  • Succini ʒiß.
  • pulv. ſem. Cumin.
  • Sinapi ʒß.
  • Carvi ʒiß.
  • M. F. l. a. Ceratum.

Bubo Venereus eine Venus - Beule, iſt ein Symptoma der Frantzo - ſen und Trippert, die Urſache iſt klar gnug, nemlich ein unreiner Beyſchlaff; ſie werden, wenn ſie nach der Salivation nicht weichen wollen, durch dieſes Emplaſtrum gantz fuͤglich und vollkommen gehoben:

  • Emplaſtr. emollient. Purman[nni].
  • diaphoretic. Mynſicht.
  • de Ranis cum io q. v.

Es iſt aber wohl dabey zu erwegen, daß, wenn die Bubones noch friſch, und keine purulenta Materia dabey iſt, nicht Maturantia, ſondern Reſol - ventia zu appliciren ſind, ſo am beſten durch folgendes geſchehen kan:

  • Emplaſtr. de ranis cum triplo ii iij.
  • diaphoretic. Mynſicht. j.

innerlich brauche man ein Decoct. lignor. und Vomitiv. Jſt aber die Ma - teria ſchon purulent, ſo dienet vielmehr ein erweichend Pflaſter, nachgehends iſt der Bubo mit einem Cauterio zu oͤffnen, und ein gut Pflaſter darauf zu le - gen; innerlich gebe man erweichende Decocta aus radic. Alth. Bardan. Liqui - rit. Sarſaparill. raſur. C. C. Corinthen, Feigen, und ein Vomitiv aus emetic. 137BUemetic. oder vitæ. Dolæus Encyclopæd. Chirurg. pag. 509. hat ſolche Bubones oͤffters mit dieſen ſeinem Liquore diſſolvente beſtrichen:

  • Spirit. Vini alcaliſat. vj.
  • Cinnamom. acutiſſ. ʒvj.
  • Caryophyll. ß.
  • Croci opt. ʒiß.
  • vermiſche, digerir und deſtillir es.

Bubonocele, Hernia oder Ramex inguinalis, eine Geſchwulſt oder Bruch der Scham-Seiten, ſetzen ſich auch wol uͤber das os pubis; dieſe zu curiren, ſchlage man ein Saͤcklein oder Cataplaſma uͤber aus flor. Cha[rn]om. Sambuc. herb. Malv. Branc. Urſin. Parietar. rad. Alth. fol. Lauri, bacc. Lauri, ſem. Alth. Cumin. Fœn. græc. Lini. Oder auch dieſes Em - plaſtrum, welches einige fuͤr ein groß Secretum halten:

  • Gummi ci.
  • Galban.
  • Sagapen. ʒiij.
  • Ceræ Virgin.
  • Terebinth. q. ſ.
  • Magnet. arſenical. j.
  • f. Emplaſtr.

und innerlich des D. Michaëlis Eſſentia ad hernias, taͤglich 60. Tropffen gebrauchet, oder

  • Eſſent. Symphyt.
  • flor. Hyperic. ʒiij.
  • M. D. S.
  • heilende Eſſenz, davon 50. bis 60. Tropffen zu gebrauchen.

Bucca, die Hoͤle des Mundes, wird der Seiten-Theil des Mundes genannt.

Buccella, iſt bey dem Paracelſo ein Polypus der Naſen.

Buccinator, ſiehe Muſculus.

Bufo, eine Kroͤte, iſt ein allgemein bekanntes und ſehr gifftiges Thier, derer Gifft vornemlich in dem ſcharffen etzenden ſtecken ſoll: die Kroͤte getrocknet und gepulvert von ß. bis gr. xij. iſt ein vortrefflich Schweiß - und Harn-treibendes Mittel, wider die Peſt, Waſſerſucht und Fieber. Eine Kroͤte zerſtoſſen, und als ein Cataplaſma auf den Ruͤcken in der Gegend der Nieren aufgeleget, wird wider die Waſſerſucht recomman -Sdiret;138BUdiret; das Oleum Bufonum iſt wider die Kroͤpffe gut. Wider die Ver - letzung und Gifft der Kroͤten werden Fluß-Krebſe, Menſchen-Speichel, Cornu Cervi, ſigill. Smaragdus und flores Vitis gelobet.

Bufonites, ſiehe Batrachites.

Bufonum herba, ſiehe Botrys.

Bugloſſa, ſiehe Anchuſa.

Bugloſſum, wild Ochſen-Zung, waͤchſt an den Straſſen; die aus den Rinden der Wurtzel gemachte rothe Butter iſt gut wider das Fallen, langwierigen Huſten.

Bulbus, Bulboſa, ſind alle diejenigen Blumen und Gewaͤchſe, deren Wurtzeln oder Zwiebeln runde Koͤpffe haben, als Lauch, Tulpen, Lilien ꝛc.

Bulimus, groſſer unerſaͤttlicher Hunger, iſt ſolch ein Affect, da ein Menſch ſo ſehr hungert, daß er auch, wenn er den hungrigen Magen nicht bald ſtillet, in Ohnmacht faͤllet. Weil doch insgemein die Haupt - Urſach dieſes Affects ein ſehr ſcharff peccirendes acidum iſt, ſo wird man ſolches krafftlos zu machen, Abſorbentia gebrauchen muͤſſen, unter welchen die Martialia den Preis behalten werden.

Bullæ, ſiehe Eſſere.

Bunias, ſiehe Braſſica ſimbriata,

Burſa cordis, ſiehe Pericardium.

Burſa paſtoris, Taͤſchel-Kraut, Hirten-Saͤckel, waͤchſt hin und wieder an ungebauten, ſandigten und ſteinigten Orten: bluͤhet im April. Das Kraut ziehet zuſammen, ſtopffet, iſt ein gut Wund-Kraut; wird dahero in rothen Wein gekochet, wider alle Hæmorrhagien der Naſe und Wunden, Blutſpeyen, Durchbruch, rothe Ruhr, uͤberfluͤßige Guͤlden Ader und Monat-Zeit der Weiber, Saamen-Fluß, blutiges Harnen, gelobet.

Burſa teſtium, ſiehe Scrotum.

Burſalis, wird das Schenckelbeins-Maͤuslein genannt, nemlich das inwendige Darm-Maͤuslein.

Butyrum, Butter, iſt das fette und oͤlichte Theil der Milch; in der Officin findet man

Butyrum Antimonii, ſiehe Antimonium.

rubrum, rothe Butter.

rubrum potabile, friſche Maͤyen-Butter iij. radic. Anchuſ. 139BU CAAnchuſ. iv. Rubiæ tinct. Tormentill. ij. ſperm. Ceti j. Vini generoſ. j. koche alles, bis daß der Wein confumiret iſt.

Butyrum viride, gruͤne Butter.

viride potabile; radic. Ariſtoloch. rot. Conſolid. maj. Symphyti j. fol. Salv. Hyſſop. Heder. �ſtr. Pyrol. Millefol. Sanicul. Veronic. Auricul. mur. Fragar. Prunell. Plantag. utriusque cum radic. ana Mij. vel iij. infundire alle dieſe Kraͤuter in friſcher May-Butter viij. denn thue darzu zerſtoſſene Fluß-Krebſe Num. XX. Koche es bey gelindem Feuer, bis die Kraͤuter gleichſam gepregelt ſcheinen, denn ſeiche es durch, und thue ſpermat. Ceti iv. darzu, untermiſche alles, und heb es zum Gebrauch auf.

Buxus, Buchs-Baum, wird in Luſt-Gaͤrten gehalten, gruͤnet ſtets; die Blaͤtter mit Molcken gekocht, vertreiben die Gelbeſucht: das deſtil - lirte Oel hiervon, ſo etliche faͤlſchlich fuͤr das Oleum Heraclinum Rulandi ausgeben, dienet wider die Epilepſie und Zahn-Weh; es werden von die - ſem Holtz gute Zahnſtocher gemachet.

C.

CAcao oder Cacavi, iſt der Kern einer fremden Frucht von ver - ſchiedener Groͤſſe, doch gemeiniglich ſo groß als eine Mandel, wel - cher ſie auch an der Form und aͤuſſerlichen Geſtalt gantz gleich kommt, auffer daß die Cacao etwas dicker und aufgeblaſener, auch an der aͤuſſerli - chen Farbe etwas roͤthlicher iſt, hat einen oͤlichten und etwas bittern Ge - ſchmack, aber keinen Geruch, wird aus Weſt-Jndien, abſonderlich aus Neu-Spanien heraus gebracht; die Frucht waͤchſt auf einem Baum, welcher Arbor cacavifera genennet wird, iſt an Groͤſſe und den Blaͤttern dem Citronen-Baume nicht viel ungleich, und traͤgt eine Frucht wie Me - lonen, in welcher die Kerne, Cacao genannt, zuſammen liegen, und ſollen de - rer zuweilen uͤber 60. in einer Frucht gefunden werden: nach dem Unter - ſcheid dieſer viererley Baͤume, hat man auch vier Sorten von der Cacao, darunter zwey die groſſe und kleine Caraquen, die andern beyden die groſſe und kleine Cacao heiſſen. Es muͤſſen aber dieſe Koͤrner noch friſch, ſchwer und wichtig, auch, wenn es ſeyn kan, von den groͤſten Caraquen ſeyn, wenn ſie fuͤr gut paſſiren ſollen, auswendig ſchwaͤrtzlich, inwendig dunckel-roth,S 2wie140CAwie gebrannte Mandeln. Sie ſind das Haupt - und Grund-Stuͤck der bekannten Chocolate; das Oel, ſo davon gepreſſet wird, dienet an ſtatt der Schmincke.

Caccionde, Pilulæ de Caccionde, iſt der Titul einer ſonderlichen Gattung Pillen, deren Baſis und Haupt-Stuͤck die Catechu iſt, ſo vor andern wider den Durchlauff von dem beruͤhmten Roͤmiſchen Medico und Anatomico, Georgio Baglivio, geruͤhmet werden.

Cachexia, iſt eine ſolche Kranckheit, in welcher garſtig, ſchlei - mig, gruͤn, gelber ꝛc. Schleim und Rotz den gantzen Leib einge - nommen, derohalben iſt derer Geſicht, ſo hieran laboriren, nicht allein blaß und aufgelauffen, ſondern auch braͤunlich und dunckel-gruͤn, als ein verfaulet Aaß. Die Deutſchen nennen ſie wegen verletzter Chyli - fication und Stockung der Pituitæ, eine uͤbele Geſtalt des Leibes, oder geſchwollen, getunſen ſeyn. Die naͤheſte Urſache iſt ein entweder in den Poris des gantzes Leibes, oder nur eines gewiſſen Theiles ſtockender rotzigter Humor oder Safft des Bluts: Neben-Urſachen aber ſind alle diejenigen, welche die Dauung verletzen, alle zaͤh - und ſchleimichte Spei - ſen, wie Kalbs-Koͤpffe und Fuͤſſe, Ochſen-Fuͤſſe ſauer gekochet; her - nach ſinds auch, welche die Spiritus von der Chylification abhalten, als das Nacht-Studiren, das Venus-Spiel hefftig treiben, uͤbermaͤßige Ge - muͤths-Bewegungen, ſonderlich langwierige Traurigkeit. Damit die Cur gluͤcklich von ſtatten gehe, brauche man zuvor Digeſtiva, als Cre - mor. und Cryſtall. �ri, Lap. 69. Abſinth. vitriolat. ��c. depur. C. C. uſt. Conch. præp. ſal. �ri, tinct. �ri, ol. �ri, p. d. und dann Vo - mitoria aus emetic. vitæ, �l. alb. &c. und Purgantia aus Mercur. dulc. reſin. Jalapp. und Scammon. Aloë violat. Extract. trochiſc. Alhandl. Panchymagog. Croll. Scammon. �rat. &c. Nach dieſem aber mancher - ley Alterantia, Reſolventia, und die Diaphoretica, als limatur. Martis, Crocus Martis aperitivus, Spum. Chalybis, Corall. rubr. C. C. uſt. Tinct. ii, �i, radix Ari, Armorac. Vincetoxic. Cichor. Helen. Galang. Zedoar. herb. Centaur. min. Carduibened. Abſinth. Rorismarin. Menth. Rut. Salv. Naſturt. Cochlear. Saturej. Thym. Puleg. Meliſſ. Hyſſop. Rhapontic. Dauc. Origan. auch andere Aromatica und Salia volatilia, und inſonderheit Sal vol. Viperar. Es ruͤhmet Ettner die Eſſent. ��ci martial. gar ſehr; die Acta Lipſienſ. 1694. pag. 363. haben des Gladbachii pilul. antihectic. von folgender Deſcription:

Gumm. 141CA
  • Gumm. ammoniac.
  • Aſæ fœtid.
  • Galbani ana ʒj.
  • Tartar. Vitriolat.
  • Vitriol. Mart. ana j.
  • ol. Succin. gutt. v.
  • f. Pilul.

Cachexia icterica, ſiehe Icterus.

virginum, ſiehe Chloroſis.

Cachunde und Cachundica confectio, wird Sineſter ſtaͤrckendes Electuarium genannt. Roſ. Lentilius in Miſcell. Medico-Practic. Part. III. p. 113. & 289. beſchreibet ſolches ausfuͤhrlich.

Cachymia, iſt ein Terminus, den der Paracelſus gebrauchet, und bedeutet einen unvollkommenen metalliſchen Coͤrper, oder unreiffe me - talliſche Mineram, die weder Saltz noch Metall iſt, iedoch mehr metal - liſch, indem ſie aus den dreyen Principiis metallicis entſproſſen. Die Cachymiæ koͤnnen in dreyerley Arten abgetheilet werden: 1. in ſulphu - rea, Schwefel-artige, dergleichen Marcaſiten und Cobalte ſind, 2. in mer - curialia, z. E. Auripigment und Arſenic. 3. in ſalina, ſaltzhaffte, dahin alle Talck-Arten zu rechnen. Johnſon will zwar 30. Sorten der Cachy - miarum kennen, allein ſolche nicht erzehlen, vielleicht iſts ihm auch nicht wohl moͤglich geweſen.

Cacoalexiterium, ſiehe Alexipharmaca.

Cacochylia, uͤbel beſchaffene Ausarbeitung des Chyli oder Milch - Safftes.

Cacochymia, eine gantz uͤbele Beſchaffenheit des Bluts, oder unrein Gebluͤt mit geſchwollenen Geſicht. Weil ordinair in dieſem Affect die Cruditates primarum viarum pecciren, ſo hat man dieſelbe nach allen Umſtaͤnden zu verbeſſern; wie aber das geſchehen ſoll, wird man un - ter dem Titul Dyſpepſia, belehret werden.

Cacocnemos, heiſt einer, der keine gute Waden hat: wiewol andere lieber einen hagern und magern darunter verſtehen wollen.

Cacophonia, bedeutet durch gehends eine ſchlechte Stimme: ihre Species heiſſen Aphonia, wann einer gar nichts ſprechen kan, und dyſphonia, wann einem das Reden ſauer wird.

Cacoſitia, heiſt ſo viel als Eckel und Abſcheu vor der Speiſe, und Cacoſitos, einer, dem vor dem Eſſen grauſet.

S 3Caco -142CA

Cacoſtomacha, heiſſen ſolche Speiſen, die dem Magen entweder nicht wohl anſtehen, oder ihm wol gar Unluſt machen; Euſtomacha hingegen, die ihm gantz gut bekommen.

Cacotrophia, eine uͤbele oder verborgene Nahrung.

Cacumina, Cacuminula, ſiehe Antheræ.

Cadaver, ein todt Aas oder Coͤrper vom Menſchen oder vom Vieh.

Cadmia factitia und

nativa metalli expers; ſiehe Calaminaris Lapis.

Caduca Vertigo, ſiehe Vertigo.

Caducus morbus, ſiehe Epilepſia.

pulmonum, ſiehe Aſthma.

Cæmentatio, Cæmentum, heiſt insgemein eine Leimung oder Zu - ſammenmaurung, wie bey den Maͤurern gebraͤuchlich; in der Chymie heiſt es auch einen Deſtillir-Ofen oder Gefaͤſſe beleimen; item ſtratificiren, wenn nemlich geſchlagene Metalle mit einer Leim-Maſſa umgeben, und etliche Stunden oder Tage lang in das Reverberir-Feuer geſetzet werden. Die zu dieſer Operation gewiedmeten Gefaͤſſe ſind insgemein zerbrochene irdene Gefaͤſſe; ſtatt dieſer kan auch eine Pfanne dienen, da aber das Loch wohl zugemachet und verleimet werden muß, damit nicht die von dem reſolvirte Salia verrauchen, und der Kuͤnſtler ſeines Zwecks ver - luſtig werde, welcher vornemlich darauf ſiehet, daß die Metalle aufs hoͤchſte calciniret, und das mit dem beſten vermiſchte ſchlechte gaͤntzlich verzeh - ret werde.

Cæſareus partus, Operatio Cæſarea, der Kayſerliche Schnitt, iſt eine ſolche Chirurgiſche Operation, da entweder ein lebendig oder todtes Kind aus Mutterleibe geſchnitten wird, hievon iſt Solingen in den Hand - griffen der Wund-Artzte pag. 334. ſeq. zu ſehen, ſiehe auch Embryoto - mia und partus Cæſareus. Daher wird auch ein ſolches Kind Cæſar genennet.

Cæſius, ſiehe Glaucoſis.

Cævicervus, ſiehe Alce.

Caffée oder Coffi, iſt nichts anders, als der Kern einiger kleiner Nuͤß - lein, wie Lorbeeren anzuſehen, welcher wie die Bohnen, aus zwey Theilen be - ſtehet, ſo oben gewoͤlbet und unten platt ſind, von Couleur gelb - und etwas gruͤnlicht, eines mehlichen Geſchmacks, und wie Bohnen riechend; werden aus Perſien und der Tuͤrckey uͤber Maſſilien und andere Orte in gantzenBallen143CABallen heraus gebracht. Dieſe Fruͤchte kommen von einem fremden Baum, in der Groͤſſe einer Linden, welcher immer gruͤn iſt, und nachdem er ausgebluͤhet hat, dieſe Nuͤßlein traͤget. Die beſten Caffée-Bohnen muͤſſen gruͤnlicht, friſch, und von mittelmaͤßiger Groͤſſe ſeyn, nicht ſchleimicht riechen, auch von den harten und holen Schalen, ſo zuweilen darunter kommen, wohl auserleſen und geſaubert ſeyn. Wer ſie in gantzen Ballen kauffet, ſehe zu, daß keine Ecke davon naß und feucht ſey, wodurch dieſe Fruͤchte bald verderben koͤnnen. Wer den Caffée gebrannt und gemahlen kauffet, der halte ſich an gewiſſenhaffte Leute, maſſen man aus dem Maltz das Caffée ſo nachkuͤnſtelt, daß es ſehr ſchwer von jenem zu unterſcheiden iſt. Es ſtaͤrcket den Magen und deſſen Dauung, treibet den Urin, und vertreibet den Schlaf; zu viel gebraucht, ſoll er entmannen.

Cagoſanna, ſiehe Ipecacuanha.

Cajous, werden von den Jndianern die Occidentaliſchen Anacar - dien genannt, und beſtehen aus laͤnglichten und aſch-farbichten Koͤrnern, ſo groß wie eine welſche Bohne, und wie eine Niere auzuſehen, haben 2. Schalen, und zwiſchen denſelben ein roͤthliches beiſſend und aͤtzendes Oel, inwendig aber einen ſchoͤnen und ſchneeweiſſen Kern, wie ſuͤſſe Mandeln ſchmeckend: kommen aus Braſilien und andern Americaniſchen Orten, wiewol ſie auch in Oſt-Jndien zu befinden ſind: der Baum, woran dieſe Koͤrner wachſen, iſt etwa 6. Schuh hoch, aber ſehr breit und ſchatticht: hat kleine roſen-farbichte Bluͤmlein, nach dieſen traͤget er eine roth-gelbe Frucht, wie eine Pomerantze, worauf oben dieſe Koͤrner oder Cajous ſitzen, dieſe muͤſſen dick, vollkommen, friſch, und auswendig wie Oliven anzuſehen ſeyn; wenn die inwendigen Kerne ſchoͤn weiß ausſehen, ſo ſind ſie recht zeitig und gut. Die Americaner brauchen die Frucht wie wir die Citro - nen, die harten Kerne oder Cajous werden gebraten, und ſchmecken wie Caſtanien, ſollen den Eckel und das Brechen ſtillen.

Calambac, iſt eine Gattung des Paradis-Holtzes, und der mit - telſte Kern, oder das koſtbare Holtz von Tambac. Man hat hiervon drey Sorten: die erſte wird zuweilen unter dem Namen des Aſphalti gefun - den; die zweyte iſt das Agallochum oder Xylaloë, wovon an ſeinem Ort zu ſehen; die dritte aber iſt ſo rar, daß ſie dem Golde gleich geſchaͤtzet, auch nirgends, als bey hohen Standes-Perſonen zu finden, welchen es von den Oſt-Jndianiſchen Koͤnigen zum Preſent geſchicket wird.

Calamandrina, ſiehe Chamædris nobilis.

Cala -144CA

Calaminaris lapis, Galmey, iſt ein ertzigter Stein, eines weiß-gel - ben oder roͤthlichten Anſehens, und erdichten Geſchmacks, und wird beſſer Cadmia nativa metalli expers genennet; bey den Materialiſten finden ſich zwey Sorten, davon die eine weiß-grau, aber haͤrter, die andere roͤthlich oder gelb mit weiſſen Adern durchſtrichen, an welcher ſchwere, runde und harte Koͤrnlein, wie der Pfeffer, zu finden ſind, wird hin und wieder in Deutſchland gefunden. Sonſten wird auch eine dem Galmey gleiche Materia in den Schmeltz-Huͤtten gefunden, welche Cadmia factitia und Lapis calaminaris factitius genennet wird; es wird dadurch das Kupffer zu Meßing gemacht. Der Galmey wird zu den Klopf-Pulvern der klei - nen Kinder, wenn ſie fratt ſind, item wider den Wolff vom Reiten, ge - brauchet. Hieraus wird auch die bekannte Salbe mit Wein-Eßig und Baum-Oel, item das Emplaſtr. de lapid. calaminar. gemacht. Es haben die Chirurgi zu mercken, daß, wenn der Galmey allein gebrauchet wird, die Narbe an der Wunde roth werde; wenn er aber mit Oel oder Fett vermiſchet wird, ſo wird ſie weiß, wie die andere Haut.

Calamintha, Nepeta montana, Calaminth, Acker - oder Berg - Muͤntz, wilder Poley, waͤchſet gern auf den Bergen, ſteinicht - und ſchattichten Orten, bluͤhet im Junio und Julio, iſt wider Bruſt - und Leber - Beſchwer gut; treibet den Harn, die Menſes und die Frucht. Præparata davon ſind , ſal, ſyrupus compoſit. und Species diacalaminth.

Calamintha Montana, ſiehe Mentha cattaria.

Calamita bianca, ſiehe Magnes.

Calamitis, wird eine Gattung der Cadmiæ factitiæ genennet, wegen ihrer Geſtalt, die ſie von der eiſernen Stange, damit das zerſtoſſene Ertz geruͤhret wird, bekommt, indem ſie ſich an dieſelbige haͤnget, und als wie ein Roͤhrlein oder Federkiel, Calamus, ausſiehet.

Calamus aromaticus, wohlriechender Calmus; die vornehmſten Botanici und Materialiſten ſind darinnen eins, daß es keine Wurtzet, ſon - dern duͤnne und mit Schelffen ausgetheilte Staͤnglein ſeyn, welche aus - wendig gelb, inwendig aber weiß ſind, und ein leicht ſchwammichtes Marck in ſich haben, welches einer zuſammen gewundenen Spinnewebe nicht un - aͤhnlich ſcheinet, eines ſcharffen und mit einer angenehmen Bitterkeit ver - mengten Geſchmacks und vortrefflichen aromatiſchen Geruchs; Jſt zwar ſehr rar, wird aber doch zuweilen in Holland und anderswo bey curioͤſen Materialiſten gefunden. Dieſes Gewaͤchs waͤchſet in Egypten und Sy - rien; der beſte iſt, welcher dicke, friſche Stengel hat, und von den kleinenNeber -145CANeben-Sproͤßlein wohl geſaubert iſt, muß auswendig etwas roͤthlich ſehen, und inwendig ein weiſſes Marck haben; wird zum Theriac ge - nommen, in Ermangelung deſſen aber muß man ſich mit dem gemeinen Calmus behelffen.

Calamus ſacchariferus, das Zucker-Rohr, iſt ein dickes, und in viele Gelencke getheiltes Schilff oder Rohr, von 7. biß 8. Schuh lang, und gemeiniglich zwey Daumen dick, auswendig gruͤn-gelb, und inwen - dig weiß, und voll ſuͤſſes Marcks, kommt aus Oſt - und Weſt-Jndien, abſonderlich aus Braſilien und den Antillen-Jnſuln, wo es zwar auch wild aufwaͤchſet, doch mehr von den Einwohnern gepflantzet, und des Saffts oder Zuckers wegen gezogen wird. So bald nun die Zucker - Roͤhren zur Zeitigung gelanget ſind, werden ſie von den Americanern ab - geſchnitten, von den Blaͤttern geloͤſet, in Buͤſchlein zuſammen gebunden, und in diejenigen Haͤuſer und Huͤtten, wo der Zucker heraus gepreſſet wird, getragen. Wie der Zucker ausgepreſſet wird, iſt unter dem Titul Saccharum zu ſehen.

Calamus ſcriptorius, eine Schreib-Feder, wird von den gezogenen Kielen geſchnitten. Das Ziehen wird alſo gemachet: man ſteckt die Kielen in ſiedend Waſſer, heiſſen Sand oder Aſche, bis ſie weich werden, ſtreiffet alsdann mit einem Meſſer das aͤuſſerſte Haͤutgen davon ab, in - dem man dieſelbe damit auf das Knie drucket, und mit dem Meſſer dar - uͤber faͤhret; Und weil die Kielen hierdurch zuſammen fallen, ſo entſtehen an beyden Seiten zwey durchſichtige Striemen darvon, woran die gezo - genen von den rohen Federn unterſchieden werden.

Calamus vulgaris aromaticus, der gemeine Calmus, iſt eine laͤng - lichte, etwas platte Wurtzel, welche an der aͤuſſerſten Schale in Gelen - cke abgetheilet, und grau-roͤthlicht, inwendig aber weiß und ſchwammicht iſt, elnes ſcharffen und bittern Geſchmacks und aromatiſchen Geruchs, wird beſſer Radix acori genannt, weil es der rechte Calmus der Alten nicht iſt; die Wurtzel waͤchſt bey uns in ſumpffichten Orten haͤuffig, die beſte muß friſch, rein ſeyn, einen aromatiſchen Geruch, und ſcharff bittern Geſchmack haben, ſie ſtaͤrcken vortrefflich den Magen, deßwegen wird davon der uͤberzogene Calmus, das Extract, Electuarium diacorum und in der Officin gehalten.

Calcaneus, Calcaneum, Calx, os Calcis, Pterna, das Ferſen-Bein, ſiehe Os.

TCalcar,146CA

Calcar, ſiehe Calx.

Calcarinus Lapis, der Kalck-Stein, iſt einer dunckel-grauen Farbe; davon findet ſich in den Officinen (1) Calx viva, lebendiger Kalck, (2) Calx lota, gewaſchener Kalck, (3) Lixivium, Lauge, und (4) Spiritus.

Calcatrippa, Conſolida regalis, Flos regius, Ritter-Sporn, Ler - chen-Klan, bluͤhet im Majo und Junio, das Kraut mit den Blumen treibt die Menſes, Harn und Geburt, dienen wider Gelb - und Waſſer - ſucht, Nachwehen der Kindbetterinnen; hievon iſt deſt. und Conſerva.

Calcinatio, iſt eine ſehr offt vorkommende Chymiſche Operation, da ein Mixtum Corpus oder vermiſchter Coͤrper in einen Kalck, das iſt, in ein gantz ſubtiles Pulver verwandelt oder veraͤndert wird. Dieſes iſt aber ein gemeiner Name, und begreifft viel Gattungen unter ſich; denn eine andere iſt die vermoͤgende, potentialis, eine andere die wuͤrckliche, actualis; dieſe wird unmittelbar durch das Feuer, jene aber durch Men - ſtrua verrichtet. Bey der erſten Art iſt zu mercken, daß nicht allezeit das Kuͤchen-Feuer zu derſelben erfodert werde, ſondern ſchon das Sonnen - Feuer, oder das aus dem lebendigen Kalck, oder auch aus dem Concurs der Saltze entſtehende ſchon genug ſey, welches aus der Calcination des �li, oder ii, vermoͤge eines Brenn-Spiegels, und nach Vigani method. das C. C. philoſophice zu calciniren, erhellet. Was die Potential oder vermoͤgende Calcination betrifft, ſo muß obſerviret werden, daß wieder un - terſchiedliche Species darunter ſtehen, welche alle unter dem Titul der feuchten und trockenen begriffen werden koͤnnen: Die humida oder feuchte geſchiehet durch Menſtrua, ſonderlich durch Salina, z. E. , , Ω �is, zuweilen auch durch ſimpl. indem das harte C. C. bruͤchlich gemachet wird. Sie wird aber auf zweyfache Art verrichtet, erſtlich, wenn die zu calcinirenden Coͤrper in das Menſtruum getuncket werden, und dann heiſt ſie immerſiva; vors andere, wenn ſie nur aufgehangen werden, und im Dampff des reſolvirten Menſtrui ſtehen, und dann wird ſie vapo - roſa genannt. Hieher gehoͤret auch die Calcination des Martis und Veneris, welche von der Lufft geſchiehet. Was im uͤbrigen die trockne Calcination betrifft, ſo obſerviret man ſolche (1) in der Amalgamation, (2) in der Fumigation, wann von dem Rauch des Schwefels die Ei - ſen - oder Kupffer-Platten bruͤchlich gemacht werden, (3) in der - mentation.

Calcinatum majus Poterii, iſt ein aus dem Mercurio bereitetesMedi -147CAMedicament, wenn der Mercurius præcipitat. in ſolviret, und mit ſalſa præcipitiret wird.

Calcoidea, oder cuneiformia oſſicula, ſiehe Os.

Calculus, ieglicher Stein, der entweder bey Menſchen oder Viehe im Magen, Blaſen, Nieren ꝛc. gefunden wird.

Calculus humanus, der Menſchen-Stein, abſonderlich, welcher in den Blaſen gefunden wird: weil er wie der Bezoar-Stein aus vielen uͤber einander wachſenden Blaͤttlein beſtehet, wird er Bezoar microcoſmi - cum genennet, hat ſehr vieles und ein gantz fluͤchtiges Saltz in ſich, wird wider anſteckende Fieber und Peſt geruͤhmet: zuweilen finden ſich auch einige Steine in der Gallen-Blaſe der menſchlichen Coͤrper, welche ins - gemein gelb, bitter und leicht ſind, haben eine ſonderliche Krafft wider die Gelbeſucht.

Caldarium, heiſt ein Keſſel, darinnen etwas geſotten wird. Beym Blancard in ſeinem Lexico, bedeutet es ſo viel als Balneum Laconicum und vaporoſum.

Calefacientia, erwaͤrmende, ſind alle diejenigen Artzneyen, welche Krafft haben, die natuͤrliche Waͤrme unſers Leibes innerlich oder aͤuſſerlich zu mehren, zu ſtaͤrcken und zu erhalten.

Calefactio, Warmmachung, Erwaͤrmung, wird ſonderlich von den Artzeneyen verſtanden, damit die Kraͤffte der Dinge, ſo eingeweichet werden, ſich deſto eher in die Feuchtigkeit ſetzen, (2) die Saͤffte deſto beſſer auszupreſſen und durchzugieſſen.

Calendula, Caltha vulgaris, Chryſanthemum, Ringel - oder Dot - ter-Blum: die Blume ſtaͤrcket das Hertz und Leber, oͤffnet die verſtopff - ten Menſes, der Safft aus der Blume gepreſſet, und die Wurtzel damit beſtrichen, vertreibet dieſelben: Præparata ſind , ſyrupus und acetum: die Bauer-Weiber faͤrben mit den Blumen die Butter gelb.

Caleſcere, calefieri, warm werden, ſich erwaͤrmen, bey der Sonnen - Hitze, Feuer oder Ofen.

Calidum innatum, die innerliche, natuͤrliche und angebohrne Waͤr - me, wird auch Aura, Anima Medica, Archeus, Calor vitalis und Flamma genannt. Nach der heutigen Natur-Kuͤndiger Lehre werden die Spiritus vitales oder Lebens-Geiſter darunter verſtanden, davon an behoͤrigen Ort und Titul nachzuſehen.

Caliendra, eine Paruque, wird offt bey dem Dolæo gefunden.

T 2Cali -148CA

Caligo, ſiehe Amblyopia.

Calix, heiſt ein Trinck-Geſchirr, ein Kelch. Bey den Botanicis heiſt Calix dasjenige Behaͤltniß, worinnen die Blume ſtickt, oder damit ſie umgeben iſt, in welchem auch hernach die Saamen zu ſtecken pflegen: ein Blumen-Kelch. Es werden auch wol die Augen und Knoſpen an Baͤu - men und Straͤuchen Calices geheiſſen.

Calliblepharon, eine Artzney die Augenbranen zu ſchmincken, wird von dem Galeno hin und wieder gebrauchet.

Callicreas, Callicreon, ſiehe Pancreas.

Callimus, ſiehe Ætites.

Calloſitas, Callus, harte Haut, harthaͤutig, iſt eine harte und ſteiffe Geſchwulſt in der Flaͤche der Hand und auf den Fußſohlen, mit Unempfindlichkeit derſelben Theile: die Urſach ruͤhret von gewaltthaͤtigen Reiben dieſer Theile, ſchwerer und ſteter Arbeit ꝛc. her: hierwider dienen erweichende und reſolvirende Cataplaſmata aus florib. Chamomill. ſem. Fœn. græc. mit Milch gekochet, und oͤffters warm umgeſchlagen, oder man bereibe den Callum mit Ω Vini camphorat. crocat. oder applicire gumm. cum in Spirit. Vini ſolviret und wieder inſpiſſiret, ſo wird auch der Succus Sempervivi oder Tabaci gelobet.

Calloti, ſiehe Sal alcali.

Callus oſſeus, ſiehe Exoſtoſis.

Calor nativus, ſiehe Biolychnium.

Caltha paluſtris, Dotter-Blume, Kuh-Blume, waͤchſt auf den fumpfigten Wieſen und an den Baͤchen: iſt zwar nicht officinal, doch aber koͤnnen die Blumen, ehe ſie ſich oͤffnen, mit Saltz-Waſſer und Eßig eingemachet, und an ſtatt der Cappern gegeſſen werden.

Caltha vulgaris, ſiehe Calendula.

Calva, Calvaria, Cranium, die Hirnſchale, Hirnſchaͤdel, iſt eine Zuſammenfuͤgung der Beine, welche eine Hoͤle, um das Gehirn in ſich zu halten, machet; beſtehet aus acht Beinen, deren ſechſe ſelbiger eigen ſind, die uͤbrigen zwey ſind ihr und dem obern Kinnbacken gemein: die eigenen Beine der Hirnſchale ſind das Stirn-Bein, Os frontis, zwey des Vorder - Haupts, Oſſa ſincipitis, eines des Hinter-Haupts, Os occipitis, und die zwey Schlaf-Beine, Oſſa temporum; dieſe ſind in der mitten mar - ckigt, auf beyden Seiten haͤrter und mehr ſtandhaffter, dahero ſaget man, daß ſie aus zweyen Tafeln beſtehen, und dieſes iſt mehr ſichtbar, wo beſagte Beine dicker ſind; bey den Schlaͤfen aber, wo ſie am duͤnneſten ſind,erſchei -149CAerſcheinen kaum einige Zeichen der Verdoppelung, welche bey der Trepa - nation wohl zu mercken iſt.

Calvities, die Glatze, Mangel der Haare, ſonderlich, wenn ſie am Vordertheil des Haupts ausfallen, findet ſich offters bey den alten Leu - ten: dieſem vorzukommen und abzuhelffen, brauche man ſpirituoſa, als innerlich cephalic. Carol. V. Ω cephalic. und aͤuſſerlich Regin. Hungar.

Calx, Kalck, hat verſchiedene Bedeutungen: (1) heiſt es die weiſſe aus den Kalck-Steinen im Brenn-Ofen calcinirte Materia, Kalck, Mauer-Kalck; ſolcher iſt zweyerley, lebendiger, oder Calx viva, und geloͤſchter: in der Officin und Laboratorio aber iſt gewaſchner und un - gewaſchner: (2) heiſt Calx in der Chymie ein ſubtil und von aller Feuch - tigkeit geſaubertes Pulver, und hieher gehoͤren alle Kalcke, welche aus Metall und Ertz bereitet: (3) wird die gypſichte Materia in den Gelen - cken der Gichtbruͤchtigen alſo genennet; (4) endlich heiſt es auch Cal - caneus die Ferſe, dahero auch das gantze Hintertheil des Fuſſes Calx genennet wird.

Calypter, heiſt ein Deckel: bey dem Hippocrate bedeutet es ein Stuͤcklein Fleiſch, damit die Maſtkoͤrner verdecket werden.

Cambil, rothe Erde bey dem Ruland.

Cambuca, Cambuca membranata, eine Eyter-Beule, neben den Scham-Gliedern.

Cambugium, iſt eben was Gummi Gutt. davon Dale Pharmacolog. pag. 437. zu ſehen.

Camelus, Cameel-Thier, iſt ein bekannt Thier, leiſtet ſeinen Her - ren in der Haushaltung groſſen Nutzen; die Medici und Materialiſten aber haben ſich deſſen nicht zu erfreuen, indem in den Material-Kammern und Apothecken davon ſich gar nichts findet.

Camera, eine Kammer, oder Gemach: in der Anatomie wird die Hoͤle des Ohrs, wo das Ohr-Loch anfaͤnget, alſo genannt.

Camiſia fœtus, ſiehe Chorion.

Campana, heiſt insgemein eine Glocke, in der Chymie werden die Gefaͤſſe alſo genennet, welche man zur Bereitung des Spiritus �is acidi gebrauchet, und deßwegen wird dieſer Spiritus auch genennet Spiritus �is per Campanam.

Campanula ſylveſtris digitalis, lutea, Wald-Gloͤcklein, ſpitzig Wund-Kraut.

T 3Campa -150CA

Campanula vulgatior foliis Urticæ, ſiehe Uvularia.

Camphora, Campher, iſt ein ſchneeweiſſes und wie Salpeter durch - ſcheinendes hartzigtes Gummi, eines ſcharffen, bitterlichen und aromati - ſchen, auch ſehr durchdringenden Geſchmacks, und ſehr ſtarcken auch et - was widrigen Geruchs: wird aus Oſt-Jndien gebracht, und wann es raffiniret iſt, in groſſen breiten doch platten Scheiben, wie groſſe Stuͤr - tzen eingekauffet. Der Baum, Campher-Baum genannt, iſt theils in der Jnſul Borneo, theils in Japonien in den Wildniſſen haͤuffig zu finden, hat allhier einen ſo dicken Stamm, daß ihn zwey Maͤnner kaum umfaſſen koͤnnen, und ob zwar die Campher-Baͤume in Borneo viel klei - ner ſeyn ſollen, ſo bringen ſie doch viel beſſern und koſtbarern Campher. Zu mercken iſt, daß man auch aus den Rinden der Zimmet-Baum-Wur - tzel Campher deſtilliren koͤnne, wie aus den Act. Societ. Lond. Vol. I. p. 724. zu erſehen. Nach Unterſcheid dieſer Baͤume, abſonderlich aber der Laͤn - der, woraus der Campher kommt, hat man deſſen zweyerley Species, nem - lich den Borneiſchen und Japoniſchen, welcher letztere auch der Sineſiſche genennet wird. Dieweil doch aber der Campher, ſo aus Oſt-Jndien ge - bracht wird, guten Theils unſauber iſt, weil er entweder alſo aus den Baͤu - men auf die Erde gelauffen, oder nicht ſorgfaͤltig genug præpariret wor - den, ſo wird er in Europa von neuen ſublimiret und raffiniret. Der beſte muß ſchoͤn weiß, klar und durchſichtig ſeyn, keine Flecken noch gelbe Farbe, ſondern einen ſtarcken Geruch haben, in ſchoͤnen Stuͤcken kommen, doch mit den Fingern leichtlich zerrieben, auch, wenn man ihn anſtecket, nicht koͤnnen geloſchet werden: andere probiren ihn in einem heiſſen Brod, wormnen er gantz ſchmeltzen muß, und ie eher er ſchmeltzet, ie beſſer iſt er. Er muß in Lein-Saat, Pfeffer-Koͤrnern und andern oͤlichten Sachen ge - halten werden, damit er ſich nicht verzehre noch verfliege. Wegen ſeiner Kraͤffte iſt ein gewaltiger Streit, indem einige ſagen, er ſey kalter, andere aber, er ſey warmer Natur, da doch das letzte den Platz behaͤlt, und, wie alle Salia volatilia, �ſa, nothwendig erwaͤrmen muß: hat eine Schweiß - und Gifft-treibende Krafft, dienet wider die hitzigen Fleck-Fieber, Peſt, Deliria, Wechſel-Fieber, Entzuͤndung der Augen, mit depurat. tem - periret, wider Gonorrhœam.

Canalis, heiſſet insgemein eine Roͤhre oder langes holes Inſtru - ment, durch welches iede flieſſende Materia herab fleuſt: in ſolcher Bedeu - tung werden von den Medicis allerley Gefaͤſſe genommen, als Blut-Adern, Plus-Adern, Nerven ꝛc. wird auch Ductus genannt; wegen Gleichheitwird151CAwird auch das Loch in allen Wirbeln, der Ruͤckgrad, Canalis genannt. Bey den Chirurgis heiſt Canalis ein lang ausgehoͤlt Inſtrument, in wel - chem ein gebrochen Bein oder Schenckel verwahret wird.

Cancamum, iſt ein Hartz eines fremden Baums, deſſen Urſprung noch nicht bekannt, dahero es auch nicht ſonderlich æſtimiret, und faſt nie - malen, es waͤre denn nur zum aͤuſſerlichen Gebrauch, verſchrieben wird; ſaget Ettmüllerus Oper. Tom. I. pag. 699.

Cancer, iſt ein vieldeutig Wort: (1) heiſt es ein Krebs, ein uͤberall bekannt Thier, auch Aſtacus genannt. Es ſind Fluß - und See-Krebſe; in den Fluß-Krebſen finden ſich die Steine, Lapides Cancrorum, oder die Krebs-Augen, vornemlich nur zu der Zeit, wenn ſie ſich ſchaͤlen oder haͤuten im Majo, Junio und Julio, da denn derjenige weiſſe Safft, oder Li - quor, wormit ſie erfuͤllet ſind, in ihnen erhaͤrtet, und zu dieſen Steinlein wird, welcher alſo in oder an den Maͤgen der Maͤnnlein gezeuget wird. Es werffen aber die Krebſe ſolche Steinlein entweder ſelbſt von ſich, welche et - was blaulicht ſind, und fuͤr die beſten gehalten werden, oder man ſuchet ſie aus den geſottenen hervor, welche durch das Saltz, welches man hinein wirfft, etwas geaͤndert und weiß werden; daher kommt es auch, daß ins - gemein zweyerley Sorten von den Oculis 69. gefunden werden, nemlich Oculi 69. albi, die weiſſen, und Oculi 69. cœrulei, die blauen Krebs-Steine. Man hat ſich wohl vorzuſehen daß man keine falſchen und nachgemachten Krebs-Augen einkauffe. Dieſe haben eine ſehr verſuͤſſende Krafft, wor - mit ſie alle widernatuͤrliche Saͤure in dem menſchlichen Leibe ſehr brechen und abſorbiren, werden deßwegen wider den Sod, Colie, Seitenſtechen, Nieren - und Lenden-Stein, hitzige und Wechſel-Fieber, inn - und aͤuſſerli - che Verwundung, taͤglich in der Artzney verſchrieben. Die Krebſe ſelbſten werden mit groſſem Nutzen zu den Wund-Traͤncken genommen, welches Poterius Oper. pag. 314. gelehret, und allda ein Decoctum Vulnerarium zum inn - und aͤufferlichen Gebrauch alſo beſchrieben hat:

  • Aſtacor. fluviat. Num. XX.
  • radic. Ariſtoloch. rot. ß.
  • Symphyt. maj. j.
  • ſol. Agrimon.
  • Alchimill.
  • Betonic.
  • Bugul.
  • Sanicul. Mj.
Laß152CA

Laß es in comm. und Vini q. ſ. kochen, und edulcorir es mit Syrup. Capill. is, q. ſ. die Doſis davon ſind vj. zweymal des Tages, 4. Stun - den vor der Mahlzeit. Hieher gehoͤren noch die Cancri oder Aſtaci ma - rini, See-Krebſe, welche zuweilen ſo groß und ſtarck ſind, daß ſie mit ihren Scheeren leichtlich einen Menſchen umbringen koͤnnen, wenn ſie ſolchen zu faſſen bekommen; haben eine ſo harte Schale, daß man ſie mit Beilen von einander hauen muß: in der Medicin ſchreibet man den ſchwartzen Spitzen, welche ſie vorne an den Scheeren haben, und Apices nigri chelarum cancri heiſſen, eine gantz ſonderliche Krafft wider die hi - tzigen und gifftigen, auch Wechſel-Fieber zu. (2) Heiſt es eine Chirurgi - ſche Binde, welche gleichſam einen Krebs vorbildet, und (3) eine Kranck - heit, Cancer, der Krebs genannt; der wird in Cancrum incipientem, oder den anfangenden, und exulceratum, oder den freſſenden Krebs gethei - let: der erſte iſt eine harte, rauhe, ungleiche und unbewegliche Geſchwulſt, einer aſchfarben und blauen Couleur mit ſchwartzlichten Adern, als Krebs - Scheeren umgeben, im Anfang gantz ohne Schmertzen, mit der Zeit aber ſchmertzet und hitzet er ſehr. Er findet ſich zwar an allen Theilen, vornem - lich aber an den ſchwammichten und lockern, als Bruͤſten, Lippen, Gau - men, Naſe, Gebaͤhr-Mutter ꝛc. Jm Anfang iſt er ſchwer zu erkennen, maſſen er einer Bohne oder Nuß gleichet, dahero iſt entweder ein wenig, oder garkein Schmertz dabey; nimmt aber die Geſchwulſt mit den Sym - ptomatibus allmaͤhlich zu, ſo wird er gar leicht erkannt. Die Urſach iſt der in den Druͤſen geſammlete zaͤhe Nahrungs-Safft, der eine Schaͤrffe in ſich hat, dahero iſt kein Wunder, daß aus dem Scirrho ein Carcinoma oder Krebs werde, ſonderlich, wenn die im zaͤhen ſteckende Schaͤrffe von ſcharffen und gar zu ſehr reſolvirenden Mitteln aufgewickelt wird. Die Cur iſt ſchwer, beynahe unmoͤglich: doch aber darff man darum nicht gantz verza - gen, ſondern brauche vielmehr im Anfang reſolventia, Salia volatilia und fixa, und diluentia, als infuſum folior. Thée, Herniariæ &c. und auch antacida mit evacuantibus, als da ſind Pilulæ laxativæ martiales, Tinctur. Martis hel - leborat. Wedelii, dulc. Nicht gar zu undienlich ſind die diaphoretica, inſonderheit aber die Decocta lignorum, maſſen ſolche diluiren und zugleich Schweiß treiben: item Fontanelle. Wider den Schmertz, Hitz und Sti - che ſind die Saturnina bewaͤhrt, dahero loben einige zum aͤuſſerlichen Ge - brauch ol. Roſar. Lilior. albor. oder Ranar. im bleyernen Moͤrſel zur Conſi - ſtenz eines Unguenti gebracht; oder Emplaſtr. diapomphol. Saturnin. Myn - ſichti, diapalma, oder ein Amalgama Saturni und Mercurii, oder eine mit Mercurio beſchmierte Bley-Platte aufgeleget: ſo wird auch aͤuſſerlich Cam -phora,153CAphora, Conſolida media, ſuccus Solani, gewaſchene Tutia mit oleo Cheiri oder Roſar. vermiſcht, gelobet, item ein Cataplaſma aus Schnecken und lebendigen Krebſen, Theriaca und Opio. Es iſt zu rathen, daß man ſich aller ſcharffen reſolvirenden Mittel, derer die Practici hin und wieder ge - dencken entſchlage, damit man nicht aus dem verborgenen einen exulce - rirten Krebs mache; dahero kan man allezeit des Hippocratis Spruchs Lib. VI. aphoriſm. 38. eingedenck ſeyn, da er ſaget: Es iſt beſſer, daß man verborgene Krebſe nicht curire, denn die daran curirten ſterben gar bald, die nicht curirten bringen ihr Leben ohne groſſe Beſchwerde noch lange zu. Was nun den exulcerirten und freſſenden Krebs betrifft, ſo wird ſol - cher ein garſtig Geſchwuͤr mit dicken geſchwollenen und harten Leffzen, wel - ches duͤnn, ſchwartz, zuweilen auch blutiges Eyter hat, ſtincket gantz aaſicht, mit einem unertraͤglichen Schmertz, wenn nemlich der anfangende Krebs uͤbel oder hart tractiret worden. Ob gleich dieſe Kranckheit ſehr hefftig iſt, ſo iſt doch der freſſende weit aͤrger, angeſehen dieſe Malignitaͤt ſo groß iſt, daß ſie nicht nur als ein hungriger Wolff das umſtehende geſunde Fleiſch abnimmt und verzehret, ſondern auch das Huͤner - und andere zur Cur angeſetzte Fleiſch verzehret, und gleichſam auffriſt, wird deßwegen auch Lupus, oder Wolff genennet. Die Urſache dieſer beyden Geſchwuͤre iſt eine im hoͤchſten Grad aͤtzende Schaͤrffe der Saͤffte; im exulcerirten Krebs ſtecken ſie in dicken und zaͤhen, im freſſenden aber in mehr flieſſen - den Schlamm. Zur Cur dienen, auſſer ſchon angefuͤhrten Mitteln, die Saturnina bald allein, bald mit ſucco 69. fluviatil. Solani und Opio, (wenn der Schmertz ſehr hefftig) vermiſchet. Overkamp erhebet folgende Mixtur als ein recht ſonderlich Mittel:

  • Calcis viv. vj.
  • Mercur. ſublimat. ß.
  • Elixir vitæ oder
  • Spirit. vini ſimp.
  • Olei Saſſafras ʒij.
  • Quajac. ʒiß.
  • Plumbi liquefact. gr. v.

thue ein wenig Mercurii vivi und Vitæ darzu, applicire es warm, und zwar oͤffters des Tages. Das Arſenicum fixum wird vom Helmont ſehr re - commandiret; andere loben jung friſch Huͤner-Tauben-Hunde-Katzen - Fleiſch appliciret, denn ſolch Fleiſch ſauget als ein Schwamm die Schaͤrf - fe in ſich, und lindert alſo zugleich den Schmertzen. Will ſich aber dieUKranck -154CAKranckheit durch keine Mittel zwingen laſſen, ſo treibet uns die Noth zur Cauteriſation und Extirpation des leidenden Theils. Die erſte Opera - tion wird wegen des ſehr groſſen und unertraͤglichen Schmertzens gar ſelten angegriffen, oͤffterer aber die andere. Hierbey aber hat ein Chi - rurgus zu attendiren, ob (1) das nothleidende Theil wegen der Nerven, Tendinum und groſſen Blut-Gefaͤſſen hierzu tuͤchtig ſey. (2) Soll er wiſſen, daß weit gluͤcklicher ein klein Ulcus, ſchwer aber ein breites und freſſendes abgeſchnitten werde. (3) Hat er zu obſerviren, daß alle das - jenige, was corrumpiret iſt, von Grund aus weggeſchaffet, und das aus der Wunden flieſſende Blut alſofort geſtillet werde, wo er nicht will, daß das Ubel in kurtzen wiederkomme.

Cancinpericon, iſt Calidus equi fimus, warmer Pferde-Miſt.

Candela, ein Licht, iſt allen bekannt, Candelæ Cereæ, Wachs - Lichter, Schneider-Kertzlein, werden mit unter die Chirurgiſchen Inſtrumenta gerechnet, wenn man hoͤlichte Ulcera und Fiſteln ꝛc. un - terſuchet.

Candela Regis, ſiehe Verbaſcum.

Candelæ pro fumo, Raͤucher-Kertzlein, werden aus mancherley wohlriechenden Pulvern, Gummen, lindenen Kohlen mit mucilag. Tra - gacanth. formiret: Z. E.

  • Benzoin. xvj.
  • lign. Aloës
  • Rhod.
  • Santal.
  • Ladan. iv.
  • Caryophyll.
  • Oliban. iij.
  • Sacchar. alb. ij.
  • Carbon. tiliæ ivß.
  • f. Pulv. ſubtiliſſ.

und mit mucilag. Tragacanth. in Roſar. cortic. Citri, Majoran. ſolut. f. Candelæ, worzu noch ein wenig Styracis liquidæ und Terebinth. ge - than werden kan.

Candelæ ad Verrucas in meatu urinario, Lichtlein wider die Wartzen und Druͤslein in der maͤnnlichen Roͤhre: Ceræ alb. j. Terebinth. Venet. j. laß das Wachs ſchmeltzen, dann thue den Terpen - thin darzu, und ziehe von maͤßiger Dicke Tachte durch, daß Lichtlein dar -aus155CAaus werden, dann von ſolchen Lichtlein q. ſ. beſchmier es an einem Ort mit Unguento aus Mercur. præcipitat. ʒij. Unguent. de Ceruſſa ß. und etlichen Tropffen Olei �li oder Butyr. ii.

Canella, ſiehe Cinnamomum.

Canella alba, oder Cortex Winteranus ſpurius, weiſſer Caneel oder Zimmet, iſt weit dicker als die andere Rinde, und ſowol inwen - dig als auswendig weiß; Dieſe Rinde iſt auch viel dichter und zaͤher, hat einen ſehr ſcharffen Geſchmack, auch einen ſehr guten Geruch, kommet aus Jndien, und wird in den Apothecken insgemein Coſtus verus, Co - ſtus Corticoſus albus, oder weiſſer Coſtus genennet, ob wol er mit dem Coſto vero, welcher eine Arabiſche Wurtzel iſt, auſſer den Kraͤfften nichts gemein hat. Der Baum dieſer Rinde iſt eine Art Caſſien-Baͤume, welcher Blaͤtter, wie der Lorbeer-Baum, purpur-farbene Bluͤm - lein, und eine Frucht als kleine Eicheln traͤget, muß von der aͤuſſern un - geſchaͤlten Schale wohl geſaͤubert ſeyn, einen rechtſchaffenen und gleich - ſam von allen Gewuͤrtzen melirten Geſchmack haben, welcher an der Schaͤrffe den Pfeffer, an Geruch die Mußcaten-Nuß uͤbertreffe, wird unter die antiſcorbutiſchen Artzneyen gerechnet, ſonſten aber ſtaͤrcken ſie den Magen, Haupt und Nerven, abſonderlich in Schlag-Fluͤſſen: die - net wider die Colic und Mutter-Beſchwer, abſonderlich, wenn man et - was von friſchen Theriac und Caſtoreo dabey gebrauchet. Einige Me - dici kaͤuen ihn zum Præſervativ, wenn ſie die Krancken bey den anſtecken - den Seuchen beſuchen.

Canella matta, ſiehe Cinnamomum.

Canis, ein Hund, davon iſt in der Medicin die Axungia und Album græcum zu finden.

Caninus, hundiſch, kommt vom Wort Cane, Hund, her, und wird von allem dem geſaget, was vom Hund genommen wird, oder deſſen Gleichfoͤrmigkeit hat, als Canina pellis, Hunds-Fell, Caninum ſtercus, Hunds-Koth, Canini dentes, Hunds-Zaͤhne, Caninus oder Cynicus ſpaſmus, der Hunds-Krampff, geſchiehet an den Kinbacken - Maͤuslein.

Caniram, wird der Baum genannt, auf welchem die Nuces vomicæ oder Kraͤhen-Augen wachſen, wovon an ſeinem Orte zu ſehen.

Canities, graue Haar, iſt ein Zufall, der ſich bey alten Leuten findet, kommt auch wol wider die Natur von Sorge, Gram, oder einer Kranckheit.

U 2Canna,156CA

Canna, hat unterſchiedliche Bedeutungen: 1) heiſt es ein Rohr, oder Schilff, 2) wird Caſſia fiſtula hierunter verſtanden, wovon an be - hoͤrigem Ort zu ſehen, 3) kommt in der Anatomie Canna major, das Schien-Bein, und Canna minor, das Waden-Bein, vor, wovon un - ter dem Titul Os zu ſehen. 4) Jſt bey den Chirurgis in dieſem Ver - ſtande ein Siphunculus oder Spritze, derer ſie von unterſchiedlicher Form und zu unterſchiedlichen Gebrauch haben.

Canna ſaccharifera, ſiehe Calamus ſacchariferus.

Canna vulgaris, ſiehe Arundo paluſtris.

Cannabis, Hanff, waͤchſt geſaͤet in Gaͤrten und Aeckern, der Saa - me mindert die maͤnnliche Natur, wird deßwegen wider den Saamen - Fluß, Schmertzen, Seiten-Weh, Wuͤrmer, Huſten, auch Gelbeſucht gebrauchet.

Cannula, eine Roͤhre oder Spritze, iſt ein Chirurgiſch Inſtru - ment.

Cantarelli, ſind Fliegen, als Spaniſche Fliegen, oder Kaͤfer, haben ein trefflich Sal diureticum, werden deßwegen wider die Waſſerſucht ge - ruͤhmet: in unſerer teutſchen Sprache heiſſen ſie Meyen-Wuͤrmet, Vermes majales.

Cantharides, Spaniſche Fliegen, ſind kleine und laͤnglichte Gold - Kaͤferlein, welche auswendig ſchoͤn gruͤn ſind und glaͤntzen, als wenn ſie ver - guͤldet waͤren, haben einen ſehr ſtinckenden Geruch, und ſcharffen bren - nenden Geſchmack, werden nicht allein in Spanien, ſondern auch zuwei - len in Teutſchland und bey uns in Preuſſen gefunden. Sie muͤſſen friſch, doch recht trocken und gantz ſeyn, dann ſie in zwey oder drey Jah - ren leichtlich von ſich ſelbſten vergehen, und zu Milben werden. Von dieſen Spaniſchen Fliegen werden faſt alle Veſicatoria oder Blaſen-Pfla - ſter gemachet, wovon an ſeinem Ort zu ſehen; Einige machen wider Go - norrhœam eine Harn-treibende Tinctur mit �ſato davon, ſo aber mit Behutſamkeit zu brauchen iſt, weil ſie Blutharnen machet.

Canthus, ſiehe Angulus.

Cantianus pulvis, wird das ſo beruͤhmte Engliſche Pulver der Graͤ - fin von Kent genennet.

Capella, eine Sand-Capell, iſt ein Chymiſch Inſtrument.

Caper, ein Ziegen-Bock, Capra, eine Ziege, ſind allerwegen be - kannte Thiere, hiervon iſt Sevum hircinum, Bocks-Talck, wider dieDyſen -157CADyſenterie und Stuhl-Zwang in Clyſtiren; Die Milch wird den Schwindſuͤchtigen recommandiret.

Capra alpina, Capreola, Rupicapra, eine Gemſe, die in dem Schwei - tzer - und Alpen-Gebuͤrge in Jtalien herum huͤpffen: ſie ſind ſehr wilder Art, in der Groͤſſe einer Ziege, haben ſchwartze, kleine und ſehr ſpitzige Hoͤrnlein, naͤhren ſich von guten gewuͤrtzhafften Kraͤutern und Wurtzeln, abſonder - lich vom Doronico, wovon die Ægagropilæ oder Gemſen-Kugeln entſte - hen; die ſiehe an gehoͤrigem Ort.

Capricerva orientalis, iſt ein Thier, welches theils einer Ziege, theils einem Hirſch gleichet, iſt ſehr wild und fluͤchtig, ſpringet von einem Fel - ſen zum andern; von dieſem Thier kommt der rechte Orientaliſche Bezoar, wovon an ſeinem Ort zu ſehen.

Capiat cum Cuſtodia, wird offt in den Recepten gefunden, darunter wird verſtanden, daß eine verſchriebene Medicin fein warm und nicht kalt getruncken werde.

Capillaris, dieſes Wort wird von allen ſolchen Dingen gebrauchet, die ſo duͤnne und zarte ſind, als wie ein Haar; inſonderheit kommet es oͤff - ters in der Anatomie vor, wann von den alleraͤuſſerſten Enden der Adern geredet wird, die auch deßhalben Capillares genennet werden. So heiſ - ſen ingleichen Capillares vermiculi diejenigen Wuͤrmlein der Kinder, welche ſonſt Comedones, Miteſſer heiſſen muͤſſen.

Capilli Veneris, ſiehe Adiantum.

Capillorum defluvium, ſiehe Alopecia.

Capillitium intricatum, ſiehe Plica.

Capiſtratio, ſiehe Phimoſis.

Capiſtrum, heiſt eigentlich ein Zuͤgel oder Zaum, bey der Chirurgie aber wird eine gewiſſe Bandage oder Verband alſo betitelt, die aber nicht ſo wohl beſchrieben, als vielmehr durch den Augenſchein in Acht genom - men werden kan.

Capitiluvium, das Haupt-waſchen, ſolches geſchiehet, ſelbiges ent - weder zu ſaubern oder zu ſtaͤrcken.

Capitis contuſio, eine Stoß - oder Quetſchung des Haupts.

Capitis dolor, Hauptweh, ſiehe Cephalalgia.

tumor aquoſus, ſiehe Hydrocephalus.

vena, ſiehe Vena.

infantum ardor, ſiehe Siriaſis.

U 3Capi -158CA

Capitulum, ein Haͤuptgen oder Knoͤpffgen, wird von einigen Pflantzen, die ein Haupt haben, in welchem der Saame ſtecket, geſaget, als Mohn-Haͤupte, Capita Papaveris. Es bedeutet auch einen kleinen Proceſſum und Buckel an einem groͤſſern Beine, der von einem andern Beine aufgenommen wird, oder in deſſen Hoͤle ſtecket. Das Griechiſche Wort Condylus, und dieſes, duͤrfften bald einerley Bedeutung haben.

Capo, ſiehe Capus.

Capock, heiſſet eine Art Baum-Wolle, deren Wormius in Muſ. pag. 205. gedencket, iſt gar weich, glatt und zart, wird nur zum unterfuͤt - tern gebrauchet. Dieſer Capock-Baum waͤchſet durchgehends in Jn - dien, gleichwie die Linden-Baͤume, in der Wildniß, und vermehret ſich durch den ausfallenden Saamen oder Koͤrner.

Capparis, Kapern, ſind keine Fruͤchte, wie einige vermeynen, ſon - dern Augen, oder unzeitige Blumen-Knoͤpffe eines Straͤuchleins, werden aus Franckreich, Jtalien und Spanien eingemacht gebracht. Je kleiner und haͤrter ſie ſind, ie beſſer ſind ſie, abſonderlich, wenn ſie ihre Stiele noch haben; die Art, wie ſie eingemacht werden, iſt folgende: Sie nehmen die ausgewachſenen und vollkommenen Augen, ehe ſich die Blume aufthut, laſſen ſie etwa 3. oder 4. Stunden im Schatten liegen, daß ſie etwas welck werden, und nicht aufplatzen: nachmalen thun ſie Eßig in einen Topff drauf, decken es zu, und laſſen es acht Tage ſtehen, wenn dieſe vor - bey, druͤcken ſie die Capern etwas aus, und weichen ſie wieder acht Tage in neuen und friſchen Eßig ein, welches alſo zum drittenmal wiederholet wird, alsdann werden ſie mit friſchem Eßig in die Faͤßlein getheilet, und in andere Laͤnder verſchicket. Sie werden bey dem Braten, den Appetit zu ſtaͤrcken, gebrauchet.

Capparis fabago leguminoſa, falſche oder Bonen-Capern, wer - den meiſtentheils in Gaͤrten gezeuget.

Capreolaris oder hederarius anfractus, iſt eine Vereinigung der Saamen-Puls - und Blut-Adern, welche nicht gerades Striches, ſondern als Eppich in einander geflochten, auf beyden Seiten zu den Hoden gehen.

Capreolus, wird wegen ſeiner Zartheit der aͤuſſerliche krumme Um - kreiß des Ohrs genennet.

Caprificus, Ficus ſylveſtris, wilder Feigen-Baum, wird in Græcia und andern warmen Laͤndern gefunden. Die Fruͤchte kommen an Kraͤff - ten mit dem gepflantzten uͤberein.

Capri -159CA

Caprifolium, Periclymenam vulgare, Geißblatt, Speck, oder Zaum-Lilie, wird meiſt in den Luſt-Gaͤrten geheget, die Luſt-Haͤuſer und Gaͤnge damit zu bekleiden. Aus den Blumen machen etliche ein Oel, aus den Beeren einen Wund-Balſam.

Capſa, Capſella, Capſula, eine Schachtel, ſie ſey von Pappier oder Holtz, wird bey den Apotheckern, Pulder ꝛc. darinn zu geben, ge - halten. Capſula cordis wird das Haͤutlein genennet, darmit das Hertz umgeben iſt, und welches ſonſt Pericardium heiſt. Capſulæ atrabiliares heiſſen bey dem Bartholino die vor dieſem und noch heut zu Tag bekann - ten Renes ſuccenturiati.

Capſicum, Siliquaſtrum, Spaniſcher Pfeffer, beſtehet aus laͤng - lichten und eines Daumens groſſen Schoten, welche roth oder gelb an - zuſehen, und einen ſehr ſcharffen und brennenden Geſchmack haben, wur - den Anfangs aus Goa und Calicut gebracht, ietzo aber wird er in Luſt - Gaͤrten gezogen: das Kraut waͤchſet ohngefehr einer Ellen hoch, hat ſchwartz-gruͤne, glatte und laͤnglichte Blaͤtter; neben den Aeſtlein kom - men weiſſe Bluͤmlein hervor, welche Fingers-lange Schoͤtlein, die, wenn ſie reiff, entweder hoch-roth, gelb oder braun ſind, tragen. Man hat deſſen vielerley Arten, nachdem die Schoten entweder lang oder rund, gleich oder krumm, glatt oder rauch ſind. Der beſte Saame, ſo in den Schoten verſchloſſen, muß noch friſch ſeyn, und aus gantzen, groſſen und recht rothen Schoten beſtehen. Er ſtaͤrcket den Magen, man condirt ihn auch entweder mit Zucker, oder mit Eßig und Fenchel. Ettmuͤller ruͤhmet ihn wider die Fieber, am meiſten aber verthun ihn die Eßigmacher, ſo wiſſen auch die Branntwein-Brenner den ſchlechten Korn-Brantwein, wenn ſie zu viel lauffen laſſen, damit zu ſtaͤrcken.

Capſula cordis, ſiehe Pericardium.

Capſulæ atrabiliariæ, ſiehe Renes ſuccenturiati.

Capus, Capo, ein Kapaun oder verſchnittener Hahn, davon iſt in der Officin das Fett und ein deſtillirt Waſſer.

Caput, das Haupt oder der Kopff, wird in ſonderliche Theile ge - theilet, und dieſe Theile haben beſondere Namen; maſſen das vordere Theil des Haupts, ſo bey denen, die keinen Bart haben, glatt iſt, das Angeſicht, Antlitz, genennet wird, deſſen oberer Theil die Stirn, auch das vorderſte und hoͤchſte Theil des Haupts geheiſſen wird: das hintere und niedrige Theil heiſſet das Hinter-Haupt; die Theile auf beyden Seiten des Haupts werden die Schlaͤfe genannt. Ferner werden wegen dieſer Gleich -heit160CAheit auch andere Theile des Leibes alſo genennet, als Caput cordis, das oberſte dicke und erhabene Theil des Hertzens, Caput oſſis, iſt das aͤuſſerſte runde Theil des Beins, oder alles dasjenige, was am aͤuſ - ſerſten Theil des Beins dick und rundlicht iſt, als am Schenckel-Achſel - Bein ꝛc. zu ſehen. Endlich kommt bey den Chymicis das Caput mortuum vor, welches nichts anders als der Reſt iſt, welcher von iedem deſtillirten Dinge, es mag auch ſeyn was es wolle, zuruͤck oder uͤbrig bleibet. Alſo iſt in der Officin das Caput mortuum Vitrioli, oder der Uberreſt nach der Deſtillation des Ω�li, welches mit Regen - oder Fluß-Waſſer durch Kochen verſuͤſſet und getrocknet, die ��li dulcem machet.

Caput Mauri, ſiehe Alembicus.

Caput Monachi, ſiehe Taraxacum.

Caput purgia, oder beſſer

Caput purgantia, Haupt-reinigende Mittel; alſo wurden von den Alten einige Mittel genennet, weil ſie meyneten, als wuͤrde, vermoͤge dieſer Artzneyen, die peccirende Materia aus den innerſten Winckeln des Cerebri ausgefuͤhret; allein die neuern Anatomici haben augenſcheinlich bewieſen, daß ſolche Wege aus dem Gehirn zum Mund und Naſen gantz falſch und ertichtet ſind, dahero werden ſolche Mittel von den Neuern recht und beſſer Apophlegmatismi oder Apophlegmatizantia genennet, welche zwiefacher Art ſind, (1) welche die peccirende Materiam aus dem Munde fuhren, und Sputatoria, auch Maſticatoria heiſſen, (2) und welche ſie durch die Naſe abfuͤhren, die auch Ptarmica genennet werden.

Carabe, ſiehe Succinum.

Caranna, iſt ein zaͤh und hartes Gummi, welches, wenn es friſch iſt, ſich wie Pech ziehen laͤſſet, wenn es aber alt wird, hart und zerbrech - lich iſt: ſiehet auswendig grau oder auch gelb-ſchwartz, inwendig aber wie Hartz; hat einen ſchleimichten und bittern Geſchmack, und ſo es angezuͤn - det wird, einen ſehr guten Geruch: wird aus America, und abſonderlich aus Neu-Spanien in breiten Stuͤcken in Bieſen-Blaͤttern heraus gebracht. Es flieſſet aus einem Baum, welcher um Carthagena in Neu-Spanien haͤuffig zu finden iſt. Je weiſſer dieſes Gummi iſt, ie beſſer iſt es, ab - ſonderlich, wenn es weich wie Pflaſter, doch nicht klebricht iſt, auch einen lieblichen und aromatiſchen Geruch hat, kommt mit der Tacamahaca in allem uͤberein, thut im Magen-Weh und Hertzens-Angſt, bey hitzigen Fiebern vortrefflich gut, wenn es mit Balſam. peruvian. malaxiret, und im warmen Moͤrſel zum Pflaſter gemachet wird; es werden auch Pflaſterwider161CAwider das Podagra und Zahn-Weh, item Wund-Balſame davon gemachet.

Caraquen, iſt eine Art der Cacao-Koͤrner, ſiehe Cacao.

Carbaſus, iſt ein fein abgekratzt oder geſchabtes Tuch, die Chirurgi nennen es Korbey oder Kurby; der vielfaͤltige Gebrauch dieſer Kor - bey iſt ihnen auch am beſten bekannt.

Carbo, eine Kohle, der Reſt vom verbrannten Holtze. Kohlen, ſo am Johannis-Tage, und ſonſt nicht, ſi Diis placet, gefunden werden, ſollen wider die ſchwere Noth vortrefflich dienlich ſeyn.

Carbunculus, hat eine zwiefache Bedeutung; (1) ein Carfunckel - Stein, welcher des Nachts leuchten, und roͤthliche Strahlen werffen ſoll: es wird viel Wercks davon gemacht, allein niemand will bis daher ei - nen dergleichen Stein, ſo des Nachts ſtrahlet, geſehen haben, wie Boëtius de Boot wohl angemercket: weßwegen einige den Rubin oder die Gra - naten, andere aber alle roͤthlich ſtrahlende Edelgeſteine alſo nennen. Er wird ſonſt zu den Peſtilentz-Beulen oder Blattern geruͤhmet. (2) Ein Carbunckel oder Peſt-Geſchwulſt; ſolche findet ſich insgemein an den fleiſchichten Theilen des Leibes hin und wieder, als eine Blatter, zeuget eine ſchwartz und glaͤntzende Roͤthe mit groſſer Hitze, Inflammation und Mortification der anbey liegenden Theile; die Urſach und Cur dieſes Ubels ſiehe unter dem Titul Peſtis.

Carcinoma, Carcinos, der Krebs, eine Kranckheit, ſiehe Cancer.

Cardamine, Naſturtium pratenſe, groſſe Feld-Kreſſe, waͤchſt auf den Wieſen, bluͤhet im April, kommt an Kraͤfften mit dem Naſturtio aquatico gantz uͤberein.

Cardamomum, Cardamoͤmlein, iſt zweyerley Art, als Cardamo - mum majus, die groͤſten Cardamoͤmlein, ſind eckigte, kleine und graue Koͤrner, eines aromatiſchen Geruchs und Geſchmacks, aber nicht ſo ſtarck als bey den kleinen; ſie werden gar ſelten in den Apothecken gefunden, allwo man die Grana Paradiſi dafuͤr haͤlt, kommen aus Oſt-Jndien von Cananor, Java und der Jnſul Ceilon. Die Koͤrner wachſen in dreyeckig - ten Schoten, welche wol dreymal laͤnger ſeyn als der kleinen Cardamoͤm - lein, weßwegen ſie auch die groͤſſeren; die Paradies-Koͤrner aber in Anſehung der dickſten Huͤlſen, die dickſten genennet werden.

Cardamomum minus, kleine Cardamoͤmlein, werden gemeini - glich in ihren kleinen dreyeckigt - und etwas lànglichten Huͤlſen aus JndienXuͤber162CAuͤber Holland gebracht; die von den Huͤlſen geſauberten Koͤrner ſind kleine eckigte und graue Koͤrnlein, eines aromatiſchen ſcharffen Geſchmacks und ſehr guten Geruchs. Dieſer Saame wird insgemein verſtanden, wenn der Cardamoͤmlein ſchlechterdings gedacht wird, zumalen die vo - rige Species ſehr rar, und nicht wohl zu haben iſt: ſie haben eine er - waͤrmende Krafft, ſtaͤrcken den Magen, zertheilen die Winde, und dienen alſo wider die Colic und Mutter-Beſchwer, Schwindel und andere Haupt-Schwachheiten, ſo aus dem Magen entſtehen, ſtaͤrcken das Gedaͤchtniß.

Cardia, wird von zweyen Principal-Theilen geſaget: (1) vom Her - tzen, (2) von des lincken Magens Mund-Loch.

Cardiaca, Cordialia, Artzneyen, welche das Hertz ſtaͤrcken, ſiehe Cordialia.

Cardiaca, Cardiaca paſſio, Cardiacus morbus, Cardiogmus, das Hertzgeſpann, iſt eine Aufblaͤhung des Unter-Leibes unter den kurtzen Ribben, machet eine ſehr ſchwere und beaͤngſtigte Reſpiration; uͤberfaͤllt insgemein die kleinen Kinder. Die Urſach iſt der verhinderte motus Dia - phragmatis, welcher von einer Krampff-artigen Affection der Muſculorum des Zwergfells und Unter-Leibes herruͤhret: hierzu geben Gelegenheit kalte Lufft, ſcharffe Winde und Blaͤhungen im Magen und Gedaͤrmen, eine Subluxation der Wirbel ꝛc. Zur Cur dienen abſorbentia, antiſpaſmo - dica und carminativa, als liq. C. C. ſuccinat. decoct. Menth. ſucc. Pen - taphyll. Caſtor. Corall. ſem. Aniſi, Cinnabar. ii, Ω��ci aniſat. The - riac. C. C. uſt. Sulphur. Lycopod. pulv. bezoardic. Mich. Specific. ce - phalic. Lap. 69. præp. Unicorn. ver. dens Hippopotam.

Cardiaca, Hertzgeſpann-Kraut, waͤchſt an den Wegen, Zaͤunen und Mauren; die Blaͤtter davon dienen wider das Hertzgeſpann der Kinder, Krampff, Laͤhme, ſchwere Geburth; auch die Salbe von dieſem Kraut iſt wider ſolche Gebrechen gut.

Cardialgia, das Hertz-Weh, iſt eine Art des Schmertzens, welcher ſich in der Gegend des Magens findet, oder unter der Hertz-Grube, oder un - ter dem Schild-foͤrmigen Kroſpel angemercket wird. Die Urſachen ſind eine entwe der in dem Magen ſitzende Schaͤrffe, welche deſſelben ſehr empfind - liches Oriſicium ſticht, naget und prickelt, oder einige krampfichte Zufaͤlle der Gebaͤhr-Mutter, Gedaͤrme ꝛc. item uͤbele Conſtitution der Pleuræ, des Zwerchſells, der Leber, Harn-Blaſe, Fieber, Wuͤrmer, unverhofft einge - ſchluckte fremde Dinge, als Stuͤcken Glas, Nadeln ꝛc. Jn der Cur hatman163CAman auf dieſe vielfache Urſachen zu ſehen, dahero brauche man wider die ſcharffe Galle purgantia, Diagrydium, reſin. Scammon. Jalap. Cremor. �ri, Gumm. gutt. &c. und acida, als Spirit. �li Philoſoph. ſucc. Citri, Acet. Acetoſell. ſyrup. Corallior. granator. de Omphac. Cryſtall. montan. teſt. Cochlear. Matr. perlar. Sind etwa ſaure Saͤffte in Schuld, ſo dienen aller Art abſorbentia, die terrea; Salia fixa, auch volatilia; mar - tialia; wie auch Lapid. 69. Mater perlar. Corall. C. C. uſt. Ebur. uſt. Lima - tur. Martis, Cryſtall. montan. mandibul. Luc. piſc. lap. Percar. Conch. præp. ſigillat. Bol. Armen. ſpecies diacret. ol. p. d. Spum. chalyb. Eſſent. Martis &c. zum Exempel:

  • C. C. ſ. .
  • Matr. perlar.
  • diaphor. Martial. ß.
  • Laudan. Opiat. gr. j.
  • Ol. deſt. Macis gutt. j.
  • f. Pulv. auf 1. mal.

Die Wuͤrmer werden mit Anthelminticis weggeſchafft, wovon unter ſei - nem Titul zu ſehen. Wider unverſehens ſcharff eingefreſſene Giffte brauche man fette oͤlichte Dinge, auch Milch und Molcken, item ol. Olivar. Amygdal. dulc. Mithridat. Theriac. diaphoretic. Cryſtall. præp. Smaragd. &c. Die Blaͤhungen aber vertreibt man mit carminativis und aromatiſchen Mitteln, als Abſinth. Chamomill. Aneth. Roſmarin. ſem. Carvi, Aniſi, cortic. Aurantior. bacc. Laur. rad. Zedoar. Imperator. Ga - lang. elixir Menth. eſſent. flor. Chamomill. Ω� dulcis, eſſent. carmina - tiva, Caſtor. elix. Citr. carminativ. Dornc. carminativ. de tribus; hierbey dienen auch aͤuſſerlich, Magen-Saͤcklein, Balſame, Oele, Pfla - ſter und Clyſtire aus ol. Maſtichin. Aniſ. Succini, Carvi, Caryophyllor. Juniper. Nuciſt. Ungvent. dialth. anodyn. ol. ſtomachal. Craton. ol. deft. Chamomill. Emplaſtr. de Cruſt. panis, de Tacamahac. carminativ. Mynſ. ſtomachal. Craton. herb. Majoran. Menth. Origan. Roſmarin. Abſinth. fol. Hyoſciam. flor. Chamomill. Verbaſc. bacc. Laur. Juniper. ſem[.]Aniſi, Fœniculi, Carvi, Caryophyll. Macis, Cinnamom. radix Acori veri, Galang. &c.

Cardimelech, iſt ein bey dem Dolæo ſehr gebraͤuchlichs Wort, heiſt bey ihm der Koͤnig und Regent des Hertzens, welcher doch nichts anders als die Lebens-Geiſter iſt.

Cardo, ſiehe Ginglymus.

X 2Cardo -164CA

Cardopatii radix, ſiehe Carlina.

Carduus benedictus, Acanthus germanicus, Cardobenedicten, geſeg - nete Diſtel, wird in Gaͤrten gezogen, bluͤhet im Junio und Julio; die Blaͤtter nuͤtzen dem Hertzen und der Bruſt, treiben Schweiß und Gifft, ſind kraͤfftig wider alle Fieber, Wuͤrmer, Schwindel, Kopff-Weh, verlohr - nen Appetit und Menſes, Aufſteigen der Mutter, Gifft, Peſt; die Wurtzel heilet das Geſchwuͤr am Hintern; die Wolle der Blaͤtter ſtillet das Blu - ten der Wunden. Præparata in der Officin ſind hiervon deſtillat. Spi - ritus, Succus, Sal, Oleum deſtillat. Conſerva, Syrupus und Extractum.

Carduus fullonum, Weber-Diſtel, iſt zweyerley, zahme und wilde; die zahme iſt in Welſchland gemein, und wird ſonderlich um Bononien geſaͤet und gebauet, die wilde kommt von ſich ſelbſt an ſan - dichten und rauhen Orten hervor. Die Wurtzel wird innerlich wider die Schwindſucht, aͤuſſerlich aber wider die Schrunden und Fiſteln des Hintern, Kraͤtze, Flecken, Flechten und Wartzen gebrauchet.

Carduus Mariæ, Spina alba hortenſis, Marien - oder Frauen-Diſtel, waͤchſt in Gaͤrten und auch an ungebaueten Orten; das Kraut treibt Schweiß, Harn und die Menſes, ſtillet den weiſſen Fluß; aͤuſſerlich dienet es wider den anfangenden Krebs der Bruſt und Naſe.

Carduus ſativus, Artiſchoca, Scolymus, Artſchocken, werden haͤuffig in Gaͤrten gezogen, ſind nur in der Kuͤchen gebraͤuchlich; ſie trei - ben den und mehren den Saamen.

Carduus ſphærocephalus moſchatus, ſiehe Chamæleon verus.

Carduus vulgaris, gemeine Diſtel, Weg-Diſtel, iſt allenthalben auf den Feldern anzutreffen: dieſer Saame in Wein gekochet und ge - truncken, heilet die Scorpion-Stiche.

Caricæ pingues, ſiehe Ficus.

Caries, Caries Oſſium, ein Bein-Fraß, iſt, wenn die in den boͤſen Geſchwuͤren ſitzende Materia die Beine anfriſſet und durchgraͤbet, gleich wie ein Wurm das Holtz durchloͤchert: ordinair findet ſich auch eine Schwaͤrtze des Beins dabey. Es werden drey Species oder Gattungen des Bein-Fraſſes geſetzet, als (1) Tendo, nach dem Barbette und Hornio, (2) Spina Ventoſa, und (3) Pædarthrocace. Bey allen iſt eine Corroſion der Beine, doch aber iſt allezeit eine vor der andern mit andern Zufaͤllen verbunden. Denn wenn die Subſtanz des Beins nur fetticht ſcheinet, ſo bedeutets die anfangende Cariem oder Fraß; iſt das Bein aber ſchwartz und gleichſam durchloͤchert, ſo iſt die Caries ſchon vollkommen. Jn SpinaVentoſa165CAVentoſa ſchwellen zugleich die Beine augenſcheinlich, doch ohne Schmertz. Und in Pædarthrocace, vornemlich bey den Kindern, ſchwellen die Beine im Gelenck, und ſchmertzen mit einer Exulceration der Haut. Der Zweck der Cur muß darauf gerichtet ſeyn, daß man die Schaͤrffe corrigire; da - hero finden ohne die Antiſcorbutica, die Holtz-Traͤncke, die Purgantia mit Mercur. dulc. verſetzet, auch die Mercurial-Salivation, aber bey ſtarcken Perſonen, ſtatt; aͤuſſerlich aber kan man erſt appliciren pulv. Ariſtoloch. rotund. Angelic. Ireos Florent. cortic. Pini, Euphorbium, Aloën, Thus, Myrrham mit Terpentin vermiſchet, Ω��ci caryophyllat. Ω�ri und noch ſtaͤrckere; ſo dieſe nichts verfangen wollen, Unguent. ægyptiac. oder fuſcum Felicis Wurtzii mit pulv. Colophon. Balſam. �is Rulandi mit Ca - ryophyll. vermiſchet, ol. ligni Guajac. mit ��ſat. ol. Myrrhæ, Camphoræ, Ω�li, und endlich das Butyrum ii und oleum �li, vermoͤge dieſer aͤtzenden Dinge werden die carioͤſen Theile von den geſunden gar leicht weggebracht. Geſchiehets aber nicht alſo, ſo iſt noch die Raſpatur des beleidigten Theils, die Cauteriſation mit gluͤenden Eiſen, und endlich die Extirpation uͤbrig, welche bisweilen auch wol vergeblich zu Huͤlffe gezogen werden, wenn die innerliche Urſache des Bein-Fraſſes nicht von Grund aus gehoben, und das in dem Blut ſteckende Vitium weggeſchaffet wor - den. Obgleich man zuweilen den Bein-Fras mit den Cauſticis nach Wunſch wegbringet, ſo wird man doch kaum die Wunde vollkommen ſchlieſſen, daß nicht allezeit ein Callus uͤbrig bleibe: denn ſo lange nicht das Bein mit dem Perioſtio bedecket wird, ſo waͤchſt das Fleiſch nicht zu, vielweniger wird ſolch eine Oeffnung geſchloſſen.

Carlina, Radix Cardopatii, Eberwurtz, iſt eine Daumens-dicke, lange Wurtzel, auswendig braun und voller langen Schrunden, inwen - dig aber weiß, eines ſtarcken Geruchs und ziemlich angenehm, doch etwas ſcharffen Geſchmacks. Sie wird Carlina genennet, weilen vorgegeben wird, dieſe Wurtzel ſey vor dieſem Carolo Magno durch einen Engel ge - zeiget worden, daß er damit ſeine Armée von der Peſt habe befreyen koͤn - nen; Wird aus der Schweitz und Schwartzwalde uͤberbracht. Das Kraut dieſer Wurtzel iſt eine Art von Diſteln, Chamæleon albus genen - net. Nebſt dieſer wird noch eine Art Carlina nigra gefunden, davon das Kraut Chamæleon niger heiſſet. Die beſte iſt, welche noch friſch, voll - kommen und wohl ausgedoͤrret iſt, auch einen ſuͤſſen Geſchmack und gu - ten aromatiſchen Geruch hat. Sie ſind beyde vortrefflich wider alle giff - tige und peſtilentialiſche Kranckheiten, erwecken Schweiß, treiben denX 3Urin166CAUrin und die Menſes, toͤdten auch die Wuͤrmer. Ferner ſtaͤrcken ſie den Magen und vertreiben die Vlaͤhungen; ob aber ſie eine magiſche und anziehende Krafft haben, ſo gar, daß, wenn ſie nur gekaͤuet, oder einem Menſchen und Thier angehencket werden, andern, ſo neben dieſen ſich befinden, die Kraͤffte entziehen, und jenem mittheilen, wie Paracelſus und Staricius vorgeben, mag dahin geſtellet ſeyn.

Carminativa, werden diejenigen Artzney-Mittel genannt, welche Blaͤhungen und Winde im Leibe zertheilen und vertreiben, ſolche ſind radix Carlin. Zedoar. Calam. aromat. flor. Chamomill. ſem. Aneth. - niculi, bacc. Lauri, Cortic. Aurantior. und Citri; Eſſentia Carminativa, Elixir Citri, Ω� dulcis, Ω��ci aniſat. Liq. C. C. ſuccinat. ol. laurin. Carvi, Aneth. Emplaſtr. de Cruſta panis, de baccis Lauri &c. Sie werden wider die Anorexiam, Hertz-Weh und andere Magen-Gebrechen, ble - hende Colic, Windſucht ꝛc. gebrauchet.

Carnea moles, ſiehe Placenta uterina.

Carneolus, Sarda oder Sardus, ein Carneol, iſt ein fleiſchfarbigter Edelgeſtein, wird wider alle Blutſtuͤrtzungen geruͤhmet, doch aber meiſten - theils zu Signetten und Pittſchafften employret.

Carnifex ſpagyricus, heiſt bey den Goldmachern der Vulcanus oder das Feuer.

Carnoſa cutis, ſiehe Panniculus carnoſus.

Caro, insgemein iedes Fleiſch oder muſculoͤſes Weſen, es ſey woran es immer wolle: item die innere und ſafft-reiche Subſtanz weicher Fruͤchte, als Limonen, Citronen, Kuͤrbs ꝛc.

Caro luxurians, wild Fleiſch, ſiehe Hyperſarcoſis.

Caroba, ſiehe Siliqua dulcis.

Caroli, werden die kleinen Venus - Beulen am maͤnnlichen Glied genennet, item auch Caries pudendorum.

Caros, Caroſis, ſiehe Somnolentia.

Carotici, werden bey dem Ettmüller Tom. II. Oper. Medic. p. 778. b. diejenigen genannt, welche ſich im Wein ſo bezechet, daß ſie als Schlaf - ſuͤchtige liegen und ſchlafen.

Carotis, ſiehe Arteria.

Carpio, Carpo, ein Karppe, iſt bey uns ein ſehr bekannter Fiſch: die Galle davon dienet wider Augen-Maͤngel, der dreyeckigte Stein am Kinnbacken wird von vielen fuͤr ein Arcanum wider die Epilepſie gehalten, ingleichen die halbmondfoͤrmigen Steine uͤber den Augen.

Carpo -167CA

Carpo-balſamum, ſiehe Balſamum verum.

Carpus, Brachiale, Raſceta, die Vorder-Hand, beſtehet aus acht unbenannten Beinen, die der Geſtalt und Groͤſſe nach ſehr unterſchieden find, doch alſo, daß das groͤſte kaum einer groſſen Bohne gleich koͤm - met: ſie werden durch ſehr ſtarcke Baͤnder, ſo von dem Untertheil der Ellenbogen-Roͤhre und der Schiene herkommen, verbunden, und zugleich zuſammen gezogen. Die Beine der Vorder-Hand werden in doppelter Reihe geſtellet, als, oben ſind ihrer viere der Schiene einverleibet, unten ſo viel mit den Beinen der Hinter-Hand verbunden.

Carthamus, Cnicus, iſt eine Art der Diſtel, und das Kraut, wor - auf der wilde Saffran, oder Safflor, waͤchſet in Elſaß am Rhein, der beſte kommt von Straßburg und Franckfurt. Der Saame, Semen Carthami, wird mehr als die Blume gebrauchet, beſtehet aus weiſſen, laͤnglichten und eckichten Koͤrnern, hat unter einer harten Schale ein weiſſes Marck, ſo von ſuͤſſem Geſchmack iſt, muß ſchoͤne dicke Koͤrner haben, friſch und doch recht trocken ſeyn; hat eine purgirende Krafft, und wird deßwegen zu den purgirenden Emulſionen genommen, man hat auch die Species diacarthami davon. Die Blumen werden von den Faͤrbern geſuchet.

Cartilago, ein Knorpel oder Kroſpel, iſt ein Theil, welches ſich in etwas den Knochen vergleichet, iſt weiß, laͤſſet ſich beugen, hat eine ſchluͤpfrige Art, wird oͤffters an den aͤuſſerſten Theilen der Beine gefun - den; viel derſelben verwandeln ſich mit der Zeit in ein Gebeine, dahero findet man bey den Kindern mehr Knorpel an den Beinen: es macht mit ſeiner Schluͤpffrigkeit, daß ſolche ſich deſto beſſer bewegen koͤnnen. Die andern Arten des Knorpels haben vielfaͤltigen Nutzen, als (1) daß ſie et - liche Theile erheben, und die Lufft nach Gefallen regieren, wie in der Lufft - Roͤhre geſchiehet; (2) daß die Hoͤlen zugedecket werden; ſo bedecket das Fall-Thuͤrlein den Mund der Lufft-Roͤhre; (3) werden hierdurch die Theile des Leibes ſtandhafftiger und waͤhrhafft gemacht. Die vornehm - ſten Kroſpeln, derer offt in der Anatomie gedacht wird, ſind folgende:

Cartilago annularis cricoides, oder innominata, der Ring-foͤrmige Kroſpel, iſt ein Kroſpel der Lufft-Roͤhre, und zwar der andere: er ſteckt inwendig, um die Gegend, wo der Mund oder Anfang des Schlundes iſt.

Cartilago enſiformis oder xiphoides, der Schwerdt-foͤrmige Kro - ſpel, auch mucronata, heiſt eigentlich die Spitze unten am Bruſt-Beine, bey dem Magen-Munde, der daran feſte liegt, Andere aber verſtehendarun -168CAdarunter das gantze Bruſt-Bein, nicht die Spitze alleine, weil es als wie ein Schwerdt oder Degen ſoll ausſehen.

Cartilago ſcutiformis oder thyrioides, nicht thyroides, welches un - recht, der Schild-foͤrmige Kroſpel an der Lufft-Roͤhre, wird wegen ſei - ner viereckigten Geſtalt alſo genannt. Der Buckel drauf, oder ſein er - habener Theil, iſt auswendig an der Kehle zu ſehen, und wird Pomum Adami, der Adams-Apffel, geheiſſen, weil der gemeine Mann, der ihn auch wol den Kroͤbs zu nennen pflegt, dafuͤr haͤlt, daß ein Stuͤcke oder der Kroͤbs vom Apffel dem Adam in der Kehle ſtecken blieben, und ſolches zur Straffe des Ungehorſams auf die Nachkommen fortgepflantzet waͤre. Jn der Mitten iſt ein Strich oder Linie, daher einige in den Gedancken ſtehen, ob waͤre er doppelt, da er doch nur wuͤrcklich einfach iſt. Cartila - gines ſigmoideæ oder ſemicirculares, die halben Ringel-foͤrmigen Kro - ſpel an der Lufft-Roͤhre, werden wegen ihrer Geſtalt alſo genannt.

Carum, Carvi, Cuminum pratenſe oder ſylveſtre, Feld - oder Wie - ſen-Kuͤmmel; waͤchſet uͤberall in Teutſchland auf den Wieſen, der Saamen wird allein gebrauchet, iſt ein kleiner laͤnglicht geſtreiffter und etwas gekruͤmmter brauner Saame, eines ſcharffen und aromatiſchen Ge - ſchmacks und guten Geruchs, kommt im Junio und Julio zur Zeitigung. Helmontius nennet ihn einen Troſt der Armen, weil er ihnen in vielen Kranckheiten zu Huͤlffe kommt; er ſtaͤrcket den Magen, das Haupt und Gedaͤchtniß, zertheilet die Winde in der Colic, Mutter und andern Bauch-Schmertzen, befoͤrdert den und ſtillet die Stein-Schmertzen: Præparata ſind Confectum, Semen, Aqua und Oleum deſtillatum.

Caruncula, ein Fortſatz, Druͤſe, kleine Beulgen, ſolche ſind ent - weder der Natur gemaͤß, und finden ſich in der Anatomie folgende:

Caruncula innominata, das ungenannte Stuͤcklein Fleiſch oder Druͤſe, uͤber dem aͤuſſerlichen Augen-Winckel gelegen, wird ietzo Glan - dula lacrymalis genannt.

Caruncula lacrymalis, das Thraͤnen-Druͤslein in dem innerlichen Augen-Winckel.

Carunculæ myrtiformes, die Myrten-foͤrmigen Druͤslein an der Mutter-Scheide.

Carunculæ papillares, die Wartzen-aͤhnlichen Druͤslein in den Nieren.

Carunculæ veſicularum ſeminalium, die fleiſchichten Theilgen oder Druͤslein an den Saamen-Blaͤslein.

Oder169CA

Oder aber wider die Natur, als Zufaͤlle; alſo werden die kleinen Stuͤcklein, welche in der rothen Ruhr ausgeworffen werden, genennet. Celſus nennet den Polypum narium oder Fleiſch-Gewaͤchs in der Naſe Carunculam; ingleichen werden auch die fleiſchichten Auswachſungen Carunculæ genennet.

Carus, ſiehe Somnolentia.

Caryca, wird von etlichen an ſtatt Carica geſchrieben, und hat ſonder Zweiffel von der Stadt Carya in Peloponnes den Urſprung bekommen.

Caryophyllata, Herba benedicta, Benedict-Wurtz, Benedict Kraut, wird an ungebaueten, fetten und ſchattichten Orten an den Zaͤunen an - getroffen, die Wurtzel ſtaͤrcket die Geburts-Glieder beyderley Geſchlechts, und hilfft zur Empfaͤngniß: in Wein oder Biergethan, giebt dem Tranck einen lieblichen Geruch und Geſchmack, verhuͤtet auch die Saͤure.

Caryophylli aromatici, gemeine Wuͤrtz-Naͤgelein, Krahmer - Naͤgelein, ſind ein laͤnglichter Anfang oder Satz der Frucht des Naͤ - gel-Baums, ſo in Amboina in Oſt-Jndien waͤchſet, wie ein Nagel for - miret, welcher oben vier Spitzlein, und in der Mitten einen runden Knopff hat, unten aus aber zugeſpitzet, zuſammen gedrucket und etwas runtzlicht iſt, von Couleur dunckel-braun, eines ſcharffen aromatiſchen Geſchmacks und ſehr annehmlichen Geruchs. Werden vom Anfang oder Mittel des Septembr. bis auf den Februar. geſammlet; die beſten muͤſſen ſchoͤn ſchwartz, recht trocken, leicht zu zerbrechen, und mit ihren oͤberſten Knoͤpfflein noch verſehen ſeyn, auch, wenn man ſie mit den Naͤ - geln druͤcket, oder eine warme Nadel hinein ſtecket, etwas Oel geben. Sie ſtaͤrcken das Haupt, Hertz, Magen und Sennen, und werden deß - wegen in Ohnmachten, kalten Magen, Schwindel, und abſonderlich wider das Zahn-Weh von kalten Fluͤſſen gebrauchet, worzu auch das deſtillirte Oel im Gebrauch iſt, dienet auch wider den Froſt in dem Fie - ber auf die Hertz-Grube gerieben: es muß ſchoͤn Gold-gelbigt ſeyn, wenn es friſch iſt; wenn es kalt wird, ſiehet es roth aus.

Caryophylli Regii, Koͤnigs-Naͤgelein, ſind ſehr klein, kaum ei - nes Gerſten-Korns dick, und formiren mit ihren 6. bis 8. Zacken eine Crone, welche ehe einer Blume, als einer Frucht aͤhnlich ſind; ſind ſon - ſten an Farbe, Geruch, auch an Kraͤfften den andern gleich, aber zu rar und koſtbar, weßwegen ſie nur in den Kunſt - und Naturalien-Kammern zur Raritaͤt gezeiget, von den Jndianern aber eingefaͤdelt, und an ſtatt der Arm - und Hals-Baͤnder angehencket werden.

YCaryo -170CA

Caryophyllus hortenſis, flos Caryophyllorum, Garten - oder Krantz-Nelcken, werden in Gaͤrten erzogen, ſie ſtaͤrcken das Haupt, die Nerven, Hertz, Magen und Leber, widerſtehen dem Gifft, ſind be - waͤhrt wider Hertzklopffen, Mutterweh und verhaltene Menſes.

Caryophyllus Indicus, Flos Africanus, Jndianiſche Nelcken, wachſen wild in Africa, ſonſt aber werden ſie in Gaͤrten erzogen, trei - ben den Harn und die Menſes.

Caryophyllus ſylveſtris oder montanus, Feld - oder Donner-Nel - cken, werden an duͤrren und ſandichten Orten auf ungebaueten Wie - ſen, Feldern und Bergen gefunden, ſind aber in der Officin nicht ge - braͤuchlich.

Caſchu iſt eben ſo viel als Catechu.

Caſſale Vulnus, eine Wunde der Bruſt.

Caſſia Braſilienſis, ſiehe Caſſia fiſtula.

Caſſia caryophyllata, Naͤglein-Zimmet: dieſe Schale wird von den Engelaͤndern aus America gebracht, und beſtehet aus einer duͤnnen, roͤthlicht-braunen und von der aͤuſſerſten Schale geſauberten Rinde, welche wie der Zimmet in laͤnglicht-runde Roͤhren gerollet iſt, hat einen ſcharffen, beiſſenden und aromatiſchen Geſchmack und einen guten Naͤg - lein-Geruch: kommt aus Braſilien und Madagaſcar; der Baum dieſer Rinde iſt eine Art der Naͤglein-Baͤume; die beſte iſt, welche duͤnne Schalen hat, und von der aͤuſſerſten Rinde wohl geſaubert iſt, roͤthlich - braun, eines ſcharffen und recht gewuͤrtzten Geſchmacks, welcher nebſt dem Geruch den Naͤgelein gleich kommet. Sie ſtaͤrcket das Haupt, Ma - gen, Nerven und alle nervoͤſe Theile des Leibes, abſonderlich auch die Mutter, dienet wider ſchwere Geburt und Waſſerſucht; Einige machen mit dem Spiritu Vini eine Tinctur oder Eſſenz davon.

Caſſia Cinnamomea, ſiehe Cinnamomum.

Caſſia fiſtula, die Rohr-Caſſie, beſtehet aus laͤnglicht-runden und Cylindriſchen Schoten von unterſchiedlicher Groͤſſe, welche auswendig mit einer ſchwartzen harten und holtzigten Schale, inwendig aber mit einem ſchwartzen ſcharffichten und doch ſuͤſſen Marck in unterſchiedenen Faͤchlein, worinnen auch ein platter glaͤntzender Saame, wieein Hertz lieget, verſehen ſind, kommen aus Oſt - und Weſt-Jndien. Die Orientaliſche Caſſia iſt wiederum zweyerley, da eine aus Cambaja, Cananor und andern Orten der Jndien, die andere aus Egypten kommet. Die erſte wird ſchlechterdings Caſſia Orientalis, oder die Levantiſche genennet, und hat viel groͤſſere unddickere171CAdickere Schoten, als die andere; welche zugleich ſchwer und ſtarck ſeyn, auch nicht ſchlottern ſollen, halten in ſich ein Zucker-ſuͤſſes Marck. Die andere Art der Orientaliſchen kommt aus Egypten uͤber Alexandrien, hat viel duͤn - nere, ſchmaͤlere und zaͤrtere Schoten, welche an den uͤbrigen Qualitaͤten der vorigen gleich fallen; beyde wachſen an ſehr groſſen Baͤumen. Der Oc - cidentaliſchen Caſſien ſind ebenfalls zwey verſchiedene Sorten, deren eine aus Braſilien, die andere aus den Antillen-Jnſuln gebracht werden. Die erſte, nemlich die Caſſia Braſilienſis, beſtehet aus ſehr groſſen, langen und di - cken Roͤhren, welche wohl etliche Schuh lang, und einer Fauſt dicke ſind; weil aber dieſe Caſſie eine dergleichen purgirende Krafft nicht haben ſoll, wie die andere, ſo wird ſie auch von den Materialiſten wenig oder gar nicht gefuͤhret, ſondern vielmehr die Caſſia Inſularum in die Handlung gezogen, welche an Form, Geſtalt, Farbe und uͤbrigen Qualitaͤten der Orientaliſchen beynahe gleich kommt, und ie naͤher ſie derſelben kommet, ie beſſer iſt ſie. Von dieſer Caſſia purgiret das innere Marck die uͤberfluͤßige Galle und ſcharffe Feuchtigkeiten weg, wird auch von den Apotheckern zu dieſem Ende heraus gezogen, und Pulpa, oder auch Flos Caſſiæ genennet, welche aber im - mer friſch gemacht werden muß, weilen ſie ſich nicht lange halten laͤſſet, ſondern bald ſauer wird. Die Doſis iſt fuͤr Kinder ʒiß. fuͤr Erwachſene . bis jv. Heutiges Tages aber wird die Caſſia mehrentheils aͤuſſerlich in den Clyſtiren gebrauchet, und Caſſia pro Clyſteribus extracta genennet. Man hat auch noch einige Præparata von der Caſſia, als Electuarium de Caſſia & Manna, Electuarium cum foliis Sennæ, und Syrupus de Caſſia. Letztlich iſt zu mercken, daß die Schalen oder Rinden der Roͤhre, wenn ſie zerſtoſſen und in geleget werden, das Haar, welches zum oͤfftern damit zu kaͤmmen, wachſend machen ſollen.

Caſſia lignea, Caſſien-Rinde, iſt eine zuſammen gerollte Rinde, et - was dicker als der Zimmet, doch am Geſchmack und Geruch bey weitem nicht ſo ſtarck und ſcharff, ſondern etwas ſchleimicht im Munde, iſt auch viel roͤther als der Zimmet, ingleichen von ihrer aͤuſſerlichen Schale gereini - get: wird aus Oſt-Jndien gebracht, und von einigen Mutter-Zimmet genennet, ſo aber dem dickern Zimmet beſſer beygeleget wird. Die beſte iſt, welche friſch und hoch an Farbe, auch am Geſchmack und Geruch aromatiſch iſt, dem Zimmet nahe kommet, auch im Munde, zergehet; Sie kommt mit dem Zimmet uͤberein, und ſolches deſto mehr, ie beſſer ſie iſt: wird mit unter dem Zimmet verkauffet, aber nicht recht, weil ſie weit wohlfeiler iſt als der rechte Zimmet.

Y 2Caſſia172CA

Caſſia mellis, kommet von der Caſſia fiſtula her, und iſt mit Honig bereitet, kommt zu den Clyſtiren im Gebrauch.

Caſſonada, Caſſonad-Zucker, wird aus der Moſcovade bereitet, und gemeiniglich in Kaſten und kleinen Tonnen uͤberbracht; andere heiſſen ihn Farin-Zucker, weil er nicht in Huͤten, ſondern groſſen und kleinen Stuͤcken kommet.

Caſſovarius, ſiehe Caſuarius.

Caſtanea, Caſtanien-Baum, deſſen Fruͤchte Caſtaneæ, Caſtanien heifſen, waͤchſt gern auf den Bergen, nicht aber an den Waſſern, waͤchſt in der Pfaltz und Elſaß, auch hier in Preuſſen hin und wieder: inglei - chen bringen auch die Frantzoſen von Lyon und andern Orten die groſſen Caſtanien, welche ſie Maronen heiſſen, muͤſſen nicht faul oder angelauf - fen, ſondern noch friſch, auch hart ſeyn. Die Fruͤchte ſtillen allerhand Bauch-Fluͤſſe, Eckel, Brechen, Blut-auswerffen, mehren den Saamen, reitzen zum Liebes-Werck.

Caſtor, der Biber, iſt von vorne einem vierfuͤßigen Thiere, von hinten aber einem Fiſch aͤhnlich, er naͤhret ſich theils auf dem Lande, theils in dem Waſſer: am Leibe iſt er ziemlich corpulent, mit kurtzen Fuͤſſen, wie ein Dachs, davon die voͤrderſten Pfoten den Hunds-Fuͤſſen, die hinterſten aber den Gaͤns - oder Schwanen-Fuͤſſen gleich ſind. Von dieſem Thiere kommt das ſo geruͤhmte

Caſtoreum, Biber-Geil, ſo aus laͤnglicht-runden Saͤcklein, bey - nah eines Eyes groß, beſtehet, iſt aͤuſſerlich braun anzuſehen, inwendig mit einer Zimmet-farbenen Materia, theils mit einer Fettigkeit angefuͤllet, welche einen ſcharffen und etwas bittern Geſchmack, nebſt einem ſtarcken und ſehr widrigen Geruch haben; kommt meiſtens aus Litthauen. Dieſes Caſtoreum aber ſind nicht die Geilen, (gleichwie ſie vor dieſen beſtaͤndig geglaubet, die ſich der Biber im Nothfall, wenn er von den Jaͤgern hart gedraͤnget wuͤrde, ſelbſt ausbiſſe und wegwuͤrffe) ſondern groſſe Blaͤslein unten am Leibe beym Scham-Bein, in welchen eine braune mit etlichen Haͤutlein vermiſchte Materie, Fett ꝛc. gefunden werden: es haben ſowol die Weiblein, als Maͤnnlein, ſolche Blaſen. Das veritable Caſtoreum muß inwendig mit Faͤſerlein und kleinen Haͤutlein durchwachſen, auch ſchwer und hart ſeyn. Das Caſtoreum hat ein Sal volatile oleoſum in ſich, wird deßwegen wider Haupt - und Nerven-Kranckheiten, als gantz - und halben Schlag, Epilepſie, verlohrnes Gehoͤr, Schwindel, Bauch - grimmen, Erſtickung der Mutter gebrauchet, befoͤrdert die Menſes undalle173CAalle Reinigung nach der Geburt; innerlich wird meiſtens die Eſſentia Caſtorei gebrauchet.

Caſtratus, ein Verſchnittener, welchem die Geilen weggeſchnitten, und das Vermoͤgen zum Generiren benommen iſt; hierunter werden auch diejenigen verſtanden, welchen ein Bruch geſchnitten worden, und werden alſo gemeine Bruchſchneider

Caſtratores geheiſſen.

Caſtrenſis, militaris, iſt ein Zuſatz-Wort, und wird darunter Ca - ſtrenſis morbus, oder eine Feld - und Soldaten-Kranckheit, ver - ſtanden.

Caſuarius oder Caſearius, Caſear-Vogel, iſt ein ſehr groſſer Vo - gel, wird von den Jndianern Eme genennet, dieſes Eyer, Ova Caſearii, ſo gruͤnlicht ſind, haben in der Medicin mit den Strauſſen-Eyern einer - ley Nutzen.

Caſus iſt eben, was Symptoma, ein Zufall.

Catacavma, ſiehe Ambuſta.

Catacleis, ein gewiſſes kroſplichtes Bein, welches nur bey dem Menſchen allein ſoll gefunden werden; anderswo wird vom Galeno die erſte kurtze Ribbe in der Bruſt ſo genannt.

Cataclyſma, ſiehe Clyſter.

Catagmaticus, wird von den Huͤlffs-Mitteln, welche zur Hei - lung der Bruͤche erfordert werden, geſaget, zum Exempel Catagmatica deligatio, eine Verbindung der Bruͤche, Catagmatica emplaſtra, Bruch - Pflaſter.

Catalepſis, Cotoche, Catalepſia, Prehenſio, Congelatio, Stupor vi - gilans, iſt eine Art von Schlag - oder Schlaf-Kranckheiten: es iſt ein ſehr ſeltſamer und recht wunderlicher Zufall, da nemlich bey dem Pa - tienten alle innerliche und aͤuſſerliche Sinnen mit der Bewegung nach - laſſen, ſo, daß der Krancken ihre Glieder ſteiff und ſtarr, als eine Seule, und in der Poſitur, in welcher ſie von der Kranckheit angegriffen wor - den, ſteiff ſtehen: ſolche Patienten ſchlaffen nicht, ſondern ſie ſcheinen nur zu ſchlaffen, indem ſie nichts fuͤhlen, und dennoch beweget werden, aber nicht vom innerlichen, ſondern vom aͤuſſerlichen Anſtoß. Die Ur - ſachen und Heil-Art kommen mit Apoplexia uͤberein, weßwegen ſolche unter demſelben Titul zu ſuchen.

Y 3Cata -174CA

Catalotica, ſind ſolche Artzney-Mittel, welche die Narben weg - bringen und gleichmachen, ſolche ſind os Sepiæ, Pompholyx, Tabacks - Aſche, Ceruſſa, Æs uſtum, Alumen uſt. �l. alb. uſt. Sadebaum, cal - cinirte Schnecken, Mercur. præcip. Ungvent. ægyptiac. Lap. medica - mentoſ. &c.

Catamenia, ſiehe Menſtruum.

Catapaſma, Catapaſtum, ein trocken pulveriſirtes Mittel, die Haut zu reinigen, wiewol es auch fuͤr alle dasjenige, womit man die Haut beſtreuet, oder beſprenget, genommen wird.

Cataphora, Coma ſomnolentum, eine Schlafſucht, da die Pa - tienten immer ſchlafen, doch aber mit dieſem Unterſcheid, daß, wenn ſie vom Schlaf aufgewecket werden, raſen, und zuweilen auch in ein Fie - ber fallen. Die naͤheſte Urſach iſt eine groſſe Traͤgheit der Geiſter, ſolche wird vom dick - und zaͤhen Blut verurſachet, wodurch die Spiritus gehemmet werden; hierzu kommen Schlaͤge ans Haupt, geronnen und extravaſirt Blut, Abſceſſus Cerebri, hohe Faͤlle, Mißbrauch der Narco - ticorum, ſonderlich des Opii, Rauch von Kohlen, ſchlafen auf einem Saffran-Sack; die Confuſion der Ideen aber macht, daß die Deliria darzu kommen. Zur Cur brauchet man Excitantia mit analepticis, als Sal vol. C. C. Ω Sangv. human. Fuligin. C. C. ��ci, Ærugin. Vi - trioli volat. Acetum mit Caſtor. Ω ��ci ſuccinat. lavendulat. Liq. C. C. ſuccinat. eſſent. Caſtorei, ſpirit. Vini camphorat. Hirundin. cum Ca - ſtor. Regin. Hung. apoplectic. Acet. rutac. roſar. &c. pulv. Caſtor. ſem. Sinapi, Naſturt. hortenſ. Succin. præp. Ambr. Man ermuntert auch den Patienten mit ſtarckem Schreyen und Zuruffen, reiben mit groben Tuch, mit Federn in die Naſe prickeln, mit Cauteriis, Viſicatoriis, zwacken bey den Haaren, ſcharffe Sternutatoria gegeben, aus Euphorbio, Caſtor. Ma - joran. vol. Hellebor. alb. ingleichen ſcharffe Clyſtire aus herb. Abſinth. Majoran. Chamom. Serpill. Centaur. min. Betonic. tota, Roris - marin. radic. Pyrethr. Colocynth. Electuar. hier. c. Agaric. fell. Tauri, radic. Lappæ major. cortic. Tamariſe. raſur. Lign. guajac. Ruͤhret das Ubel von Mißbrauch der Opiatorum, oder unvorſichtig eingefreſſener Cicuta, &c. her, ſo iſt der Patient zum Vomiren zu bequemen, nachdem ſind die Acida zutraͤglich, wie acetum rutaceum, Lilior. convall. Lavendul. flor. Tunic. Ω Virid. æris, �is, �li, cephalic. Die ſchleim - und rotzigten Crudi - taͤten aber, ſo ſie in Schuld ſind werden mit aromatiſch - und reſolvirenden Mitteln verbeſſert, als zum innerlichen Gebrauch eſſent. Serpill. Saſſafraſ. Thymi,175CAThymi, Saturej. Roriſmarin. ol. deſt. Rutæ, Salviæ, &c. und aͤuſſerlich Fomentationes des Haupts, als Lavendul. Majoran. Salvia, Saturej. flor. Sambuc. bacc. Juniper. Lauri mit Wein oder Eßig gekochet, item Thée getruncken. Wenn auch endlich das Blut zwiſchen dem Cranio geron - nen iſt und ſtocket, dienet erſtlich eine Venæſection, und dann reſolvirende Fomentationes aus flor. Hyperic. Sambuc. Serpill. Verbaſc. Majoran. herb. Chærefol. Agrimon. ſem. Carvi, Aniſi, Cumini, Fœnicul. bacc. Ju - niper. Laur. in Wein gekochet; auch wird wohl zuweilen der Trepan er - fordert, item das Chirurgiſche Inſtrument Triplois, wovon Scultetus, Hil - danus, de la Chariere und andere mehr zu ſehen.

Cataphracta, heiſt bey den Chirurgis ein Band oder Verband der Bruſt, nach dem Roͤmiſchen Bruſt-Harniſch, der Cataphracta genennet wurde, alſo betitelt.

Cataplaſma, Malagma, Pus, ein Brey oder Umſchlag, iſt eine Form eines aͤuſſerlichen Medicaments, welches vornemlich zu lindern und zu erweichen, warm umgeſchlagen wird. Die hierzu bequemen Materia - lien ſind, alle Blaͤtter, Kraͤuter, Wurtzeln, Saamen, Fruͤchte ꝛc. die ge - braͤuchlichſten ſind Folia Cicut. Hyoſc. Malv. Parietar. Atriplic. Alth. flor. Sambuc. Melilot. Verbaſc. Linar. radic. Alth. Lilior. albor. Ariſtoloch. rot. Cichor. ſem. Fœn. græc. Lini, Linar. farin. Fabar. rad. Angelic. Im - perator. ſem. Aniſi, Cumini, baccæ Lauri, Juniper. Item olea expreſſa und inſolata, als Hyperic. Lilior. albor. Lini; zuweilen werden auch Ster - cora oder Koth einiger Thiere zum Umſchlag genommen, als Schaafs - Koth wider die Waſſerſucht, Schweins-Koth wider das Bluten des Uteri &c. Solche Materialien werden gantz klein zum Brey gekochet, und nachgehends durchgeſchlagen. Geſchwinder und beſſer iſt, wenn man an ſtatt der Kraͤuter und Wurtzeln Reiß allein, oder pulpam Pomorum, Sauerteig, oder Brod-Krumen, oder Schwalben-Neſter, oder Thon impaſtiret, und einen Brey daraus machet. Exempel ſind:

  • radic. Alth.
  • Lilior. albor.
  • Malv. j.
  • herb. Mercurial.
  • fol. Spinach.
  • Urtic. Mij.
  • Branc. urſin.
  • Parietar. Mj.
Inciſ. 176CA
  • Inciſ. contuſ. coq. in Lacte q. ſ. ad conſiſtent. pultis,
  • trajice per Setaceum,
  • adde
  • farin. Fœn. græc.
  • Lini ʒij.
  • pulp. Caricar. pingv. ß.
  • D. S.

Erweichender Umſchlag in der Inflammation, die Suppuration zu befoͤrdern; oder

  • herb. Branc. urſin.
  • fol. Malv.
  • flor. Chamomill.
  • Melilot.
  • Sambuc. Mj.
  • Conch. fluviat. contuſ. ij.
  • acet. flor. Sambuc. iij.
  • Inciſ. contuſ. in font. q. ſ. ad conſiſtent. pultis,
  • adde
  • cremor. Avenæ Mij.
  • f. Cataplaſm. D. S.

Lindernd - und zertheilender Umſchlag wider Geſchwulſt der Hoden.

Catapotia, ſiehe Pilula.

Cataptoſis, iſt ein Zufall, welcher diejenigen, ſo an der fallenden Sucht laboriren, uͤberfaͤllt.

Cataputia major, ſiehe Ricinus.

Cataputia minor, Lathyris minor, Spring-Wurtzel, wird in Gaͤrten erzogen, der Saame purgiret hefftig die waͤßrige und phlegmati - ſche Feuchtigkeit nebſt der Galle, wird aber ſelten gebrauchet.

Cataracta, Suffuſio, der Staar, iſt ein ſolcher Mangel der Augen, wenn das Sehen entweder gantz, oder in etwas von einem groben zaͤhen Schleim oder Materia, welche ſich zwiſchen die Horn-Haut und Cryſtalli - niſchen Safft geſetzt, benommen wird. Die Haupt-Urſach dieſes Affects iſt ein zaͤher Schleim, oder auch eine Tunica zwiſchen der Horn-Haut und dem Cryſtalliniſchen Safft: denn im Anfang iſt nur eine Viſciditaͤt vor - handen, welche mit der Zeit zu einer mannigfarbigen und rund um die Uvea hangenden Tunica wird. Hierzugeben Gelegenheit eine uͤbele Diæt,Entzuͤn -177CAEntzuͤndung der Augen, haͤuffiges Weinen, Nacht-Studiren, ſcharffe Haupt-Fieber, Haupt-Weh, Contuſiones des Aug-Apffels. Jn der Cur hat man zu unterſuchen, ob das Ubel lang oder kurtz angeſtanden: iſt der Affect friſch, und die Pituita noch nicht in eine vollkommene Tu - nicam veraͤndert worden, ſo hat man noch einigen Troſt zu hoffen, und zwar von ſolchen Mitteln, welche die Pituitam incidiren, und nachge - hends abfuͤhren. Dieſes zu erlangen, kan man Purgantia aus Mercur. dulc. gumm. co, Maſſ. pilular. cochiar. lucis major. ſine quibus eſſe nolo &c. oder ſudorifera aus reſin. und lign. Guajac. maſticatoria aus Cubeben, Fenchel, Maſtich, Pyrethro, oder gargariſmata aus Betonica, Majoran. Salvia, Ruta, Fœnicul. ſem. Erucæ, Cubeb. rad. Pyrethr. oder Setacea, Veſicatoria, Jgel, gebrauchen. Wenn ſolche alle nichts aus - richten, ſo iſt einzig auf die Zeitigung des Staares zu warten, und dann der Nadel-Stich vorzunehmen, wovon Bartiſch im Augen-Dienſt nachzuſehen.

Catarrhus, Catarrhi, Fluß, fluͤßige Kranckheiten. Solche Kranckheiten waren bey den Alten zweyerley, ein warmer und kalter, von der Urſach und Zufaͤllen alſo benamet. Die neuern behalten dieſen Un - terſcheid, aber unter andern Namen, bey; denn was bey den Alten der warme Fluß war, das heiſt ihnen der ſcharffe, der Alten kalte heiſt dieſen der pituitoͤſe oder ſchleimichte Fluß. Die warmen und ſcharffen Catarrhi geben ſich mit Hitze, und hin und wieder wanckenden Schmertz im Leibe zu erken - nen; werden auch von andern Autoribus die fliegende oder lauffende Gicht genennet, oder ehrbarer die ſcharffen und hitzigen Fluͤſſe: die pituitoͤſen oder kalten Fluͤſſe aber bringen im Anfang eine Traͤgheit und beſchwerenden Schmertz des Haupts, einen Schauer in der Gegend der Lenden, zu wel - chen ſich endlich ein Fiebergen, vornemlich gegen Abend, oder Geſchwuͤlſte der Fuͤſſe und Schmertz finden. Die Urſach iſt eine Schaͤrffe des Bluts, und zwar ſolche entweder allein, oder mit einer Pituita. Neben-Urſachen ſind kalte, feuchte und neblichte Lufft, uͤberfluͤßiges Wein und Bier-ſauf - fen, zaͤh und ſchleimichte Speiſen ꝛc. Die Cur des ſcharffen Catarrhi erfo - dert wider den Scharbock gerichtete Mittel, als ein Infuſum oder Decoct. aus herb. Hyſſop. Menth. Alth. Scolopendr. Cochlear. Fumar. Naſturt. Ser - pill. radic. Enul. Liquirit. Sarſaparill. Centaur. min. lign. ſanct. Saſſafras, Ju - niper. quercin. &c. Die kalten Catarrhen aber curiret man mit Evacuanti - bus, und vornemlich Diaphoreticis, wenn das Ubel von obſtructione po - rorum herruͤhret; ingleichen auch mit laxantibus und diureticis, wenn dieZinner -178CAinnerlichen Theile mit vielen Gewaͤſſer beſetzet ſind, hierzu iſt dieſes Extra - ctum cephalicum ſehr gut zu recommandiren:

  • Colocynthid. ʒvj.
  • Agaric. trochiſcat.
  • Diagryd.
  • Hellebor. nigr. præp.
  • Turbith, ana ß.
  • Aloës j.
  • Specier. diarrhod. ß.
  • f. c. q. ſ. Extract.

Ferner dienen auch eſſent. Succin. liq. C. C. ſuccinat. Ω��ci ſuccinat. lavendulat. eſſent. catarrhal. ſaſſafraſ. Serpilli, tinct. Antimon. Ω Coch - lear. cephalic. &c. Tachenius recommandiret Campher in oleo Succini ſolviret.

Catarrhus ſuffocativus, ein Stick-Fluß, erkennet zur Urſach ein ſcharff Serum, welches das Ober-Theil der Lufft-Roͤhre befeuchtet, Hu - ſten machet, und eine Erſtickung draͤuet, hierzu kommt noch ein Orga - ſmus ſanguinis und ſeri in den Lungen, welches die einathmende Lufft kaum zulaͤſt. Jn ſo gefaͤhrlichem Ubel iſt vor allen die Venæſection gut, dann dienen Crocata und Opiata mit Bolo, ſigillat. C. C. uſt. Ebor. uſt. ſperm. Ceti, ſuccin. præp. Die geſammlete Pituitam aus dem Halſe zu eluiren, dienen Gargariſmata aus Eßig oder Roſen-Honig, oder auch Ω Vitrioli oder Sulphur. mit Violar. Tuſſilagin. rob Mori und Nucum. Dieſe Mixtur habe ſehr bewaͤhrt erfunden:

  • Hyſſop.
  • Scordii.
  • Veronic.
  • aſthmatic. Lud. j.
  • Ω��ci c. gumm. c. ʒiij.
  • Liq. C. C. ſuccinat. ʒij.
  • Oxymell. ſcillitic.
  • ſyrup. de Nicotian. ß.
  • miſce.

Jn die Naſe kan man ſchmieren Schlag-Balſam, oleum deſt. Succini, Rutæ, Serpill. Lavendul. auf den Wirbel lege man Emplaſtr. cephalic. de Betonic. de Tacamahac. &c.

Cata -179CA

Cataſarca, ſiehe Anaſarca.

Cataſphage, das runde kroſplichte Koͤpffgen am Schluͤſſel-Bein.

Cataſtalticus, nicht Caſtalticus, welches durchaus unrecht, heiſt ſo viel als zuruͤck - oder anhaltend, das eine anhaltende Krafft hat.

Cataſtaſis, heiſt insgemein die gewiſſe Art und Beſchaffenheit eines Dinges, als der Jahres-Zeiten, des menſchlichen Leibes, Geſichts, der Kranckheit ꝛc. Auch heiſt es bey dem Hippocrate Sect. III. de fract. Zurechtſetzung der verrenckten Glieder.

Cataxis, Fractio, ein Bein-Bruch, ſiehe Fractura.

Catechu, wird insgemein von den Apotheckern, die mit Biſam und Amber præparirte terra Japonica; die Erde ſelbſten aber Terra Ja - ponica genennet; von dieſer Erde, ſiehe unter dem Titul Terra. Die præparirte Catechu wird Muſcerda de terra Catechu geheiſſen, und alſo præpariret:

  • Japonic. pulveriſ. j.
  • Moſchi optim. ß.
  • Zibeth. gr. ij.
  • olei Caryophyllor.
  • Cinnamom. gutt. v.
  • Cortic. Citri.
  • ligni Rhod. gutt. vij.
  • eſſent. Jaſmin. opt. gutt. viij.

mit mucilag. Tragacanth. q. ſ. f. Maſſa, aus welcher kleine laͤnglicht - runde Kuͤglein als Maͤuſe-Dreck formiret werden, ſind den ſtinckenden Athem zu corrigiren, ſehr gut.

Cathæreticos oder Cathæretica, werden diejenigen Artzneyen genen - net, welche das uͤberfluͤßige wilde Fleiſch abetzen, wegbringen, und die Wunde zum natuͤrlichen Stande bringen: ſolche ſind entweder gelinde oder ſtarcke. Gelinde ſind, Aloë, cortex Thuris, herb. Sabin. Alumen uſt. Plumbum uſt. Feigen-Blaͤtter, Schnecken, Tabacks-Eichen-Blaͤtter - Aſche, Os Sepiæ, Ceruſſa, Gallæ werden entweder als Pulver, oder mit Ungventis vermiſchet, gebrauchet. Staͤrckere ſind Calx, flores Æris, Æs uſtum, Vitriolum calcinat. Mercurius præcipitat. und ſublimat. oleum �li und �is, �li, Calcis viv. Unguent. ægyptiac. Lapis medica - mentoſ. Crollii. Die allerſtaͤrckſten ſind die Cauſtica oder Etzenden, welche am gehoͤrigen Orte nachzuſehen.

Z 2Catha -180CA

Catharos, purus, depuratus, mundus, ein ieglich gereinigtes Ding; wird nicht allein von dem gantzen Leibe und deſſen Gliedmaſſen, ſondern auch von den Excrementis, als Urin, Koth ꝛc. geſaget.

Catharſis, Cathartica, ſiehe Purgantia.

Catharticum Cæſareum, iſt eine purgirende Lattwerg: darzu pulv. Zingiber. cond. ij. reſin. Scammon. j. Confect. Alkerm. ß. pulv. Ro - ſar. rubr. Crem. �ri ʒij. ol. deſt. Cinnamom. gutt. xx. ſpirit. Vitrioli gutt. xvj. brodii de Zingiber. cond. q. ſ. f. Electuar.

Cathemerinos, iſt ſo viel als quotidianus oder taͤglich, und wird zum Fieber geſetzet, als Febris quotidiana, das taͤgliche Fieber.

Catheter, Catheterus, heiſſet ein Chirurgiſch Inſtrument, iſt ein ho - les Roͤhrlein, deſſen aͤuſſerſte Spitze mit etwas Schmierwerck oder Oel verſehen, dem verſchloſſenen Urin aus der Waſſer-Blaſe recht auszu - helffen; oder es iſt auch ein holes Chirurgiſch Inſtrument, deſſen ein Theil umgebogen, den verhaltenen Urin zu curiren.

Catheteriſmus, heiſt die Chirurgiſche Operation, wenn vermittelſt des Catheters in die Harn-Blaſe geſpritzet wird, was zu deſſen Cura - tion dienet; oder, wenn auch vermoͤge des Catheters alle Hinderniſſen aus der Blaſen gezogen und weggeſchaffet werden, welche den Urin verhalten, es ſey entweder dick geronnen Gebluͤt, ein Stein, oder ſonſt dergleichen was.

Cathimia, Cathmia, heiſt (1) eine unterirdiſche Mineral - Ader, woraus Gold und Silber gegraben wird, (2) dasjenige, was ſich in dem Gold - und Silber-Ofen anſetzet, (3) Gold, (4) Silber, (5) der Rauch, welcher ſich von gebrannten Ertze hin und wider an die Waͤnde ſetzt. Cathmia affidia, iſt Silber-Gallmey; Cathmia æris, argenti, auri, Ertz - Sitber - Gold-Gallmey.

Catholicus, heiſt allgemein, item eine Panacea, iſt ein Zuwort, wel - ches einigen Medicamenten beygeleget wird. Jn den Diſpenſatoriis iſt Extractum catholicum bekannt; item panchymagogum, das iſt, eine alle peccirende Feuchtigkeit abfuͤhrende Purgation.

Catias, Scalper oder Scalpellus exciſorius, ein Chirurgi fch Meſ - ſer, die todte Frucht in Mutter-Leibe zu zerſchneiden und heraus zu nehmen.

Catinum alumen, ſiehe Alumen.

Catinus, bedeutet zwar hauptfaͤchlich einen Keſſel, darinnen man Speiſen zugerichtet: bey den Chymicis aber kommt auchl vor Catinusarena -181CAarenarius, eine Sand-Capelle, und Catinus cinereus, eine Capelle zur Aſche.

Cato, heiſt insgemein unten, himmterwaͤrts, ſonderlich aber der Unter-Leib, dahero werden auch die Purgationes, ſo von unten abfuͤhren, Cato genannt.

Catoche, Catochus, ſiehe Catalepſis.

Catopter, ſiehe Speculum.

Catoterica, ſind reinigende Mittel, welche die verſtopfften und ver - ſchleimten Nieren, Harn-Blaſe und Leber reinigen; item insgemein werden alle eigentlich genannte Purgantia alſo geheiſſen.

Catus, eine Katze, und vornemlich domeſticus, eine Haus - oder zahme Katze: hiervon recommandiret Schmuck das Fett wider die ſchwere Noth.

Catus Sylveſtris, eine wilde Katze: das Fett hiervon iſt ein vor - trefflich Mittel wider die Colic, warm auf den Nabel geſchmieret; item wider die Epilepſie und Schwinden der Glieder.

Catus Zibethicus, eine Ziebeth-Katze: ſehen mehr den Fuͤchſen oder Mardern, als den Katzen gleich; ſind entweder Occidentaliſche oder Orientaliſche, und obgleich nach Unterſcheid der Laͤnder die Orientaliſche etwas anders als die Occidentaliſche ausſiehet, ſo kommen ſie doch bey - derſeits darinnen uͤberein, daß ſie eine aſchfarbichte Haut mit ſchwar - tzen Flecken und Streiffen verſetzet, einen ſpitzigen Kopff und kurtze Fuͤſſe haben: vom Zibeth aber ſiehe an gehoͤrigen Ort.

Cava vena, ſiehe Vena.

Cauca[li]s, Kletten-Kuͤrbel, iſt aber nicht officinal.

Cauda, insgemein ein Schwantz, es ſey an vierſuͤßigen oder Fe - der-Thieren. Jn der Anatomie wird das erſte Theil des heiligen Beins oder Oſſis ſacri, auch Cauda oder Cuculus genennet, ingleichen das Schwantz-Bein, oder os Coccygis, und beſtehet aus 3. oder 4. Knoͤchel - gen, und zwey Kroſpein. Ferner wird auch die weibliche Ruthe Clito - ris alſo genannt. Endlich wird auch eine gewiſſe Weiber-Kranckheit alſo geheiſſen, wenn nemlich ein widernatuͤrlich Fleiſch in dem Oſculo uteri ſich ſetzet, die Muliebria anfuͤllet, und als ein Schwantz heraus han - get: ſolch ſchwammicht Fleiſch wird entweder mit Corroſivis, oder mit ſtarck trocknenden Mitteln gehoben, als lebendiger Kalck, Pompholyx, Tutia, Maſtich. Succinum, Ω matrical. Alum. uſt. Japonic. Ungvent. ægyptiac. Elixir Vitæ, æ, Ω�li, und dulcis.

Z 3Cauda182CA

Cauda equina, ſiehe Equiſetum.

Caudatio, heiſt bey dem Baſilio die Verlaͤngerung der weiblichen Ruthen.

Caudex, ein Stamm oder Schafft, iſt an den Baͤumen und Stauden dasjenige, ſo auſſer der Erden aufwaͤchſt, dadurch die Nah - rung in den uͤbrigen Stamm und Aeſte in die Hoͤhe ſteiget. An den Kraͤutern aber wird der Stiel oder Stengel hierunter verſtanden, auch caulis, cauliculus benennet.

Caverna, Cavitas, iegliche Hoͤle oder Grube.

Caviarium, Stoͤr-Rogen, wird in Stuͤcken, ſo wie die gruͤne Hamburger Seiffe anzuſehen, aus Moſcau in Jtalien gefuͤhret, allwo es fuͤr eine delicate Speiſe gehalten wird. Wird aus den Eyern und Rogen der Stoͤr-Fiſche alſo gemachet: ſie ſchlagen den Rogen von der anklebenden Haut ab, ſaltzen ihn ein, und wenn er ſechs oder acht Tage geſtanden, vermiſchen ſie ihn mit Pfeffer und klein-geſchnittenen Zwie - beln, etliche gieſſen Eßig und Baum-Oel darzu. Bellonius gebencket auch des rothen Caviaro, oder Caviarii rubri, ſo von den Carpen-Eyern fuͤr die Juden bereitet wird.

Cavicula oder Cavilla, iſt eben was Malleolus Pedis oder Raſcetta heiſſet.

Cauledon, Caulatim, ein Bein-Bruch, welcher einem zerbroche - nen Stiel gleichet, in die quer gebrochen, ſo, daß die gebrochenen beyden Theile von einander liegen.

Caulis, heiſt (1) ein Stiel oder Stengel einer Pflantze oder Frucht, (2) das maͤnnliche Glied, (3) der Hals in der Gebaͤhr - Mutter.

Caulis Capitulatus, ſiehe Braſſica alba capitata.

Cavma, ſiehe Æſtus.

Cauſa, die Urſach, wird fuͤr alle dasjenige gehalten, was entwe - der die Geſundheit erhaͤlt, oder eine Kranckheit verurſachet und zuwege bringet.

Cavſodes, ſiehe Cavſus.

Cavſoma, ſiehe Ardor.

Cavſticos, urens, Cavſtica, werden diejenigen Medicamenta genannt, welche ſehr hitzig und feurig ſind, und durch die Haut bis auf das Fleiſch dringen: werden in Cavſtica actualia, oder wuͤrckliche, und potentialia, oder vermoͤgende Brenn - oder Etz-Mittel getheilet. Actualia ſind, welche vonoder183CA CEoder mit wuͤrcklichen Feuer geſchehen, als gluͤhenden Eiſen; die poten - tialia ſind, welche eine offenbare Schaͤrffe haben, als die Alcalia, wie in - ſpiſſirte Seiffe, Lauge, ſal Fraxin. uſt. ſal fecum Vini und Sabinæ, und acida, wie Lapis infernal. Crollii, oleum Vitrioli, butyr. ii, Mercur. præcipit. und ſublimat. Æs uſtum, Æris flores, Calx viva, Vitriolum &c. Wegen dieſer Mittel iſt zu mercken, daß die Alcalia die Theile ſchwartz und garſtig nachlaſſen, wenn die Rinde abgenommen worden, acida aber laſſen ſie recht ſchoͤn roth. Weiler, hier des Lapidis infernalis, oder corroſivi, des Silber-Corroſiv s gedacht wird, ſo ſcheinet noͤthig zu ſeyn, deſſen Compoſition beyzuhencken; darum des beſten Silbers q. v. laß es mit 3. mal ſo viel Ω� in einer Phiole zergehen, ſtelle die Phiol auf eine Sand-Capelle, laß . von der Feuchtigkeit evaporiren, gieſſe das uͤbrige bruͤhheiß in einen guten Schmeltz-Tiegel, ſtelle ihn uͤber ein klein Feuer, und wenn es aufgeſotten hat, ſo gieb ihm mehr , bis die Materia ſich unten auf den Boden ſetzet, da wird ſie wie ein Oel wer - den, alsdann mag man ſie in ein wenig fett gemachtes und warmes Gieß-Becken ſchuͤtten, ſo wird ſie ſich coaguliren; darauf hebe ſie in ei - ner wohl zugemachten Phiole bis zum Gebrauch auf.

Cavſus, ein ſcharff hitzig und gefaͤhrlich Fieber.

Cautela, die Behutſamkeit, Vorſichtigkeit, wenn man etwa ei - nem uͤbeln Dinge zuvorkommt, oder ſelbes zu vermeiden gebietet: vor - nemlich muß ein Practicus Cautelen haben, und ſelbige recht zu gebrau - chen wiſſen.

Cauterium, Cauter, ſiehe Cauſticos.

Cedrelæ[u]m und

Cedria, iſt ein ſchwartzes Oel, wird von dem Holtz des groſſen Cedern-Baums deſtilliret und rectificiret, und in Franckrelch Oleum de Cade genennet, iſt aber hier ſehr rar, weswegen man andere dergleichen Reſinoſa, abſonderlich den Safft vom groſſen Wachholder - oder Pech - Oel an deffen Stelle gebrauchet.

Cedrus, Cedern-Baum, iſt ein ſehr groſſer Baum, und iſt deſſen Stamm ſo dick, daß vier Mann denſelben nicht umgreiffen koͤnnen, waͤch - ſet wie eine Pyramide in die Hoͤhe. Von dieſem Baum iſt das Lignum Cedri, das Cedern-Holtz, ein ſehr veſtes und wohlriechendes Holtz, wel - ches ſo dauerhafft ſeyn ſoll, daß es gar nicht faulen koͤnne; wird aus Oſt-Jndien gebracht. Dieſes Holtz wird zwar in der Artzeney wenig gebrauchet, auſſer daß man mit ſeinen Spaͤnen die Schlangen vertreibenſoll,184CEſoll, wie Urſinus in Arboreto biblico, pag. 297. ſchreibet. Dieſer groſſe Baum wird auch Cedrus Libani genennet. Es flieſſet auch bey groſſer Hitze ein ſchoͤn welß Hartz oder Gummi aus dem Stamm, welches Ce - dern-Hartz, und von einigen Manna Maſtichina genennet wird; wird auch durch Ritzung des Baums erhalten: iſt ſchoͤn gelb, weiß, durch - ſichtig, von einem ſehr annehmlichen Geruch, und laͤſſet ſich bald zer - reiben; es iſt aber ſehr rar, und derowegen nicht gebraͤuchlich. Von dem kleinen Cedern-Baum ſiehe Oxycedrus.

Cele, ſiehe Hernia.

Celer, geſchwind, hurtig; alſo wird geſaget, celer pulſus, ein ge - ſchwinder Puls; Medicamentum celeres effectus habens, ein Mittel, das bald oder ſchleunig operiret.

Celetomia, das iſt, Herniæ Sectio, das Bruchſchneiden.

Cellulæ inteſtini coli, der Raum oder Behaͤltniß im Grimm - Darm, wo der Unflat oder Koth lieget.

Cementatio, Cementum, ſiehe Cæmentatio.

Cenchrias, vom Griechiſchen Worte κέγχρος, das heiſt Milium, Hirſe, hergeleitet, bedeutet ſo viel als Herpes miliaris, darvon an ſeinem Orte.

Cenebrium, heiſt bey dem Hippocrate getoͤdtetes Fleiſch.

Ceneon, iſt die gantze Hoͤle im Unter-Leibe, von den Rippen an, bis an das Darm-Bein, wo das Gekroͤs und die duͤnnen Daͤrme lie - gen. Es wird auch der Ort, wo der kleinen Kinder Nabel iſt, alſo genennet.

Cenigdam, Cenigotam, Ceniplam, Cenipolam, ein chirurgiſch In - ſtrument, mit welchem das Cranium in der Epilepſie geoͤffnet wird.

Ceniotemium, bedeutet bey dem Paracelſo Lib. II. de Vit. long. c. 12. eine Purgantz, ſonderlich wider die Frantzoſen; Dolæus will, es ſey ein Mercurius, ſpecifice auf dieſe Kranckheit gerichtet, und darzu auch bereitet, wie in ſeinen Oper. Tom. pag. 367. a zu ſehen.

Centaurium majus, iſt das Rhaponticum vulgare, welches an ſei - nem Ort nachzuſehen.

Centaurium minus, Febrifuga, klein Tauſendguͤlden-Kraut, waͤchſt an duͤrren, doch etwas angefeuchteten und graſichten Orten, auf ſandichten Wieſen und in Waͤldern, bluͤhet im Julio und Auguſto. Die Gipffel mit den Blaͤttern und Blumen fuͤhren gantz gelinde die Galle, Schleim und Gewaͤſſer aus, ingleichen thut ſolches die mit dem ΩCochle -185CECochleariæ bereiteten Eſſentia bis 60. gutt. gegeben, wie D. Hoffmann angemercket, und Lic. Aulieb. in ſeiner 1704. gehaltenen Inaugural - Diſputation de Purgantibus ſelectis & minus cognitis angefuͤhret. Es dienen auch die Blumen und Blaͤtter wider die Verſtopffung der Leber, Miltz und Mutter, verlohrnen Appetit; aͤuſſerlich wider Flecken der Haut, Sommer-Sproſſen, bloͤd Geſicht. Præparata ſind , Ω, Ex - tractum und ſal.

Centaurium minerale Cardilucii iſt des Antimonii ſulphur.

Centrium, iſt ein Zuwort eines Pflaſters; ein Stich-Pflaſter.

Centrum, heiſt eigentlich eines Circkels Mittel-Punct, oder Mitte. Sonſt wird dieſes Wort auf mancherley Art genommen, und fuͤr den Grund-Sitz und vornehmſten Theil eines Dinges gehalten: alſo heiſt Homo, der Menſch, Centrum omnium creaturarum, das Fundament oder Punct aller Geſchoͤpffe; Stomachus, der Magen, Centrum morbo - rum, die Quelle der Kranckheiten; Centrum mulieris, die Gebaͤhr-Mut - ter; Centrum ovi, die Dotter im Ey; Cor, das Hertz, Centrum vitæ, der Grund des Lebens ꝛc.

Centimorbia, ſiehe Nummularia.

Centumnodia, ſiehe Polygonum.

Centuncularis, Centunculus, ſiehe Gnaphalium.

Cepa, Zwiebel, werden in Gaͤrten erzogen: ſie reinigen, treiben den Harn und Schweiß, loͤſen den Schleim von der Lungen; in Honig gekochet und gegeſſen, treiben den Stein und Wuͤrmer; in Eßig maceri - ret, die Menſes: aͤuſſerlich zeitigen ſie, und eroͤffnen die Geſchwuͤr und Peſt-Beulen, nuͤtzen wider den tollen Hundes-Biß; man haͤlt dafuͤr, daß die Wunden, ſo mit einem Meſſer, damit Zwiebeln geſchnitten worden, geſchehen, nicht leichtlich heilen, die aber mit einem Degen, ſo mit Zwie - bel-Safft beſtrichen, geſchehen, gar toͤdtlich ſeyn ſollen.

Cephalæa, und Cephalalgia, das Haupt-Weh, wird von dem Dolæo Oper. Tom. I. pag. 2. 6. alſo genommen, daß Cephalæa ein langwie - riger offt wiederkommender Schmertz des gantzen Hauptes heiſſet: Cephalalgia aber ein gantz geringes Haupt-Weh oder Schmertz ge - nennet wird, ſo von einem Fieber, Sonnen-Hitze, ſtarcker Bewegung, Berauſchung oder andern aͤuſſerlichen Urſachen herruͤhret. Ferner wird auch von den Practicis Hemicrania angemercket, wenn nur das halbe Haupt ſchmertzet und weh thut. Es finden ſich aber viel und mancher - ley Urſachen, welche dieſen Schmertzen erwecken, von ſolchen ſind einigeA ainner -186CEinnerlich, und ſtecken im Leibe, als Inflammationes, Acrimonia der Saͤff - te ꝛc. andere aͤuſſerlich, als Wunden, Contuſiones, Roſe, Furunculi, Hitze der Sonnen, hitzige Getraͤncke ꝛc. und alle andere mehr, welche ver - moͤgend ſind, die Geiſter in einen fervorem zu treiben, und derſelben haͤuffigern Zufluß zum Haupt zu befoͤrdern. Die Cur wird gut von ſtatten gehen, wenn man nur die Urſachen accurat erweget. Jn Betrachtung dieſes, hat man vor allen Dingen dem fervorem Spirituum zu hemmen; Darzu dienen (1) alle Nitrata, Nitrum purum, atum, Arcanum duplicatum Mynſichti, item Succinum, Camphor. ſem. 4. frigid. maj. und aͤuſſerlich Spirit. Vini camphorat. flor. �is in Wein gekochet, eine Emulſion aus nucl. Perſicor. ſem. Papav. alb. Amygdal. amar. z. E.

  • Amygdal. amar.
  • nucl. Perſicor. ana ß.
  • ſem. Papav. alb. ʒij.
  • cum
  • flor. Nymph.
  • Betonic. ana q. ſ.
  • f. Emulſio.

und (2) eine Venæſection, Jgel oder Schroͤpffen, item Sudorifera, in ſpecie Ω flor. Sambuci urinoſus, Bezoardicum minerale &c. Jſt das Weh von einer beſchwerlichen pituita des Haupts, ſo brauche man incidentia, der - gleichen ſind alle aromatica und Salia, als Lign. Sanct. Saſſafras, Sarſaparill. rad. Rhodia, Caryophyllat. herb. Betonic. Verben. Serpill. Majoran. Ros - marin. Ω�li cephalic. ſal vol. Succini, Liq. C. C. ſuccinat. Hierbey ſind auch Vomitoria, purgantia, fonticuli, errhina und maſticatoria dienlich. Wenn eine ſcorbutiſche Schaͤrffe ſchuld daran iſt, ſo werden Cochlearia, Naſturtium, Ω��ci, ſal vol. Milleped. &c. recommandiret. Jſts ein dehnender Haupt-Schmertz, ſo entſpringet ſolcher ordinair ex conſenſu aliarum partium, weßwegen man das nothleidende Theil zu unterſuchen hat: beynahe aber pflegt der Magen allezeit zu pecciren, denn da iſt bald ein ſcharffes acidum, welches den Magen anfriſt, und den Schmertz durch die Nervos ſtomachicos zum Haupt fuͤhret; dawider dienen alle abſorbentia, als C. C. uſt. lap. 69. ol. �i p. d. bald iſt der Magen mit pituita und unverdaueten Speiſen angefuͤllet, ſolches hebe man mit Vo - mitoriis, und nachfolgenden ſtomachicis aromaticis, als Spirit. Vini ma - ſtichin. Aquavit &c. Schmertzet das Haupt von einem vitio der Miltz, ſo lindern ſolchen die Martialia und Saturnina, als Croc. tis aperitiv. tinctur. 187CEtinctur. tis aperitiv. liq. Martis ris, ſpum. Chalybis, ingleichen Cappa - res, Cuſcuta, Ruta, rad. Filicis, cortex und lign. Tamariſc: Chelidon. maj. Hergegen wird man eſſent. Caſtor. liq. C. C. ſuccinat. und andere anti - hyſterica brauchen muͤſſen, wenn dieſer Affect von Uteri paſſione herruͤh - ret. In genere mag man antiſpaſinodica geben, wenn ſchon angefuͤhrte Theile, oder die Nieren, oder das Diaphragma Schuld daran haben; dahero werden in ſolchen Faͤllen der Cinnabar. ii und nativ. das pulvis Cephalicus D. Mich. vornemlich, wenn ſie mit Opio correcto verſetzt ſind, groſſen Effect thun. Wider langwierig Haupt-Weh iſt Cnöffelii Ce - phalicum was ſonderliches, darzu

  • magiſter. Cinnabar. ii.
  • Bezoardic. Mineral.
  • ſolar. gr. v.
  • Ambr. gryſ. gr. iij.
  • Moſchi gr. j.
  • f. Pulvis.

Cephale, ſiehe Caput.

Cephalicus, Cephalica, wird von allen dem geſaget, was entweder zum Haupt und deſſen Theilen gebrauchet, oder was vom Haupt ge - nommen und geſaget wird. Alſo iſt Vena Cephalica die Haupt-Ader; Emplaſtra Cephalica Haupt-Pflaſter; Medicamenta Cephalica, Haupt - ſtaͤrckende Artzeneyen, als herb. Verbenæ, Pæoniæ, Roſmarin. Betonic. Majoran. Serpill. flores Lavendul. Roſar. Tiliæ, Spicæ, Lilior. Convall. Caryo - phyll. hortenſ. Stœchad. Salviæ, radix Caryophyllat. Doronic. Peucedan. Rhodia. Valerian. pulv. epileptic. Marchion. Ceraſor. nigr. Anhaltin. Cinnamom. rad. Pæon. &c.

Cephalopharyngæus, ſiehe Muſculus.

Cera, Wachs, iſt ein Recrement der Honig-Haͤuslein, welches nach dem Ausdruͤcken des Honigs uͤberbleibt, hat einen ſuͤſſen und Honig - Geruch, aber faſt keinen Geſchmack. Man findet demnach unterſchied - liche Arten des Wachſes, als

Cera alba, weiß Wachs, ſo entweder von Natur alſo aus den jun - gen Bienen-Stoͤcken kommt, und alsdenn Cera Virginea oder Jungfer - Wachs heiſſet, oder wird auf den Wachs-Bleichen kuͤnſtlicher Weiſe alſo gebleichet.

Cera flava, gelb Wachs, kommt meiſt aus den alten Bienen-Stoͤ - cken her. Bey dem Gebrauch des Wachſes iſt dieſer Unterſcheid, daß,A a 2wo188CEwo man etwas zertheilen will, das gelbe Wachs, wo man aber kuͤh - len will, man das weiſſe Wachs hierzu nehme. Das gelbe wird mehr zu allerhand Pflaſtern und Salben, das weiſſe aber zu Pomaden gebrauchet. Man machet auch das Siegel-Wachs von dem gelben, und wird

Cera ſigillata citrina, das gelbe Siegel-Wachs mit Orlean,

Cera ſigillata nigra, das ſchwartze mit Kihn-Rauch,

Cera ſigillata rubra, das rothe, mit Cinnober oder Orcanetta,

Cera ſigillata viridis, das gruͤne Siegel-Wachs, mit Gruͤnſpan gefaͤrbet, und in allerhand Farben zu Kuchen gemacht; Wenn man aber Terpenthin darunter miſchet, ſo entſtehet das ſo genannte Peltz - oder Pfropff-Wachs davon.

Ceraſiatum, iſt eine Purgantz aus Kirſch-Safft und ſuͤſſen Aepffeln, mit einer Mercurial-Eſſenz bereitet, wie beym Libavio zu ſehen.

Ceraſus, ein Kirſch-Baum, iſt mancherley Art; von allen wer - den nur die ſauren, Ceraſa acida, und ſuͤſſen Kirſchen, Ceraſa dulcia, in der Officin gebrauchet. Die ſauren Kirſchen dienen wider die Hitze und Durſt in Fiebern. Die ſchwartzen oder ſuͤſſen Kirſchen nuͤtzen dem Haupt, gegen den Schlag und Laͤhme: Das ſchwartze Kirſch-Waſſer und Ω iſt koͤſtlich in fallender Sucht, Schlag, Laͤhme: das von den Kernen gebrannte Waſſer treibet , und zermalmet den Stein. Die Tinctur, das Extract. ſimpl. und compoſit. ſind wider genannte Gebre - chen gut.

Ceratio, heiſt die Verrichtung oder Arbeit, wenn man etwas mit Wachs uͤberziehet. Waͤchſen.

Ceratogloſſi, ſiehe Muſculus.

Ceratoides, Cornea oder Tunica corniformis, das Horn-Haͤutlein der Augen, iſt ein dickes Haͤutgen, in der Mitten aber ſehr duͤnn, ſubtil, glaͤntzend, tuͤchtig den Schein anzunehmen, und auch durchzulaſſen, nicht ungleich den ſubtil ausgearbeiteten Hoͤrnern, dahero hat dieſes Haͤutlein auch den Namen bekommen.

Ceratomalagma, Ceratum, Cerotum, iſt eine Form eines aͤuſſerli - chen Medicaments, haͤlt das Mittel zwiſchen einer Salbe und Pflaſter. Jn den Officinen werden ſchon unterſchiedliche fertig gehalten, davon eines und das andere anzufuͤhren, als

Ceratum de Betonica Auguſtanor. Terebinth. reſin. Pin. Ceræ flav. ana ij. pulv. Betonic. ß. Maſtich. Thuris ʒij. Mumiæ ʒiß. wenn dasWachs189CEWachs mit der Reſina geſchmoltzen, durchgeſeichet und beynahe erkaltet iſt, ſo thue Terebinth. und die uͤbrigen Ingredientien gepuͤlvert dazu, & fiat Ceratum.

Ceratum pro bregmate Brandenburgenſ. pulv. radic. Betonic. Maſtich. Olibani ʒij. Mumiæ tranſmarin. ʒiß. Ceræ flav. reſin. Pini, Terebinth. ana ij. wenn dieſe drey letzten geſchmoltzen, ſo trage die uͤbri - gen gepuͤlvert darzu, und f. Ceratum.

Ceratum de Galbano matricale Auguſtan. Galban. præp. . Aſæ fœtid. ʒß. Myrrh. ʒij. Bdellii moll. ʒj. gumm. Anim. ʒiij. Tacama - hac. ʒv. herb. Matricar. Artemiſ. pulverifat. ʒvj. ſem. Dauci j. Tere - binth. ß. Ceræ jv. Wenn das Wachs zerſchmoltzen, thue den Terpen - thin und Galbanum nach und nach darzu, endlich auch die uͤbrigen Pulver, und f. ſ. a. Ceratum.

Ceratum pro Hernioſis: pulv. Maſtich. Mumiæ, Thuris, Suc - cini, gumm. Arabic. Tragacanth. Aloës opt. flor. Balauſtior. Roſar. ana ß. ſangv. Dracon. Bol. armen. Croci Martis reverber. lapid. Hæmatit. ana ʒvj. olei Roſar. iij. Maſtichin. Myrtin. j. Ceræ, Reſinæ ana q. ſ. wenn dieſe beyden letzten zerſchmoltzen und durchgeſeichet, thue die Oele, und dann die Pulver darzu; und f. ſ. a. Ceratum, dienet wider alle Bruͤche.

Ceratum Stomachicum: Roſar. rubr. Maſtich. ʒxx. fol. Ab - ſinth. ʒxv. Spicænard. ʒx. olei roſacei iß. Ceræ flav. q. ſ. laß das Wachs und Oel ſchmeltzen, und wenn es vom genommen, thue das uͤbrige ſubtil gepùlvert dazu, und f. Ceratum.

Ceratonia, ſiehe Siliqua dulcis.

Ceraunia, ſiehe Lapis fulminaris.

Cerauniochryſos, iſt aurum fulminans, ſclopetans, Platz-Gold.

Cerberus, ward von den Heyden ein dreykoͤpffigter Hoͤllen-Hund genannt; bey den Chymicis wird hierdurch der dreyfache Mercurius, welcher aus Saltz, Queckſilber und Calcant bereitet wird, ver - ſtanden.

Cerberus triceps, heiſt bey dem D. Wedel eine Purgation, ſo aus Diagrydio �rat. diaphoret. und Cremor. tartari verfertiget iſt: Der Engliſche Graf Warwich hat ſie erfunden, und Marcus Cornacchinus weitlaͤufftig gnung beſchrieben.

Cercis, Radius, hat zwey Bedeutungen, (1) heiſt es der Ellbogen, (2) eine Piſtill, oder Spatel, oder auch Loͤffel.

A a 3Cerco -190CE

Cercoſis, Mentula muliebris, Tentigo, Virga, ſiehe Clitoris.

Cerebellum, das Hirnlein, oder kleine Gehirn, lieget in der hin - terſten und unterſten Hoͤle der Hiruſchale: in den Thieren, als welche kein ſo groß Cerebrum haben, nimmt es faſt die gantze Gegend des Hinter-Haupts ein. Es beſtehet aus einer aͤuſſerlichen rindigten und innerlichen marckigten Subſtanz: dieſes ſein Nutzen ſcheinet zu ſeyn, die Spiritus etlichen Nerven mitzutheilen, mit welchen die Functiones, die uns wider unſer Wiſſen und Willen ſtetig wiederfahren, als Hertz - Klopffen, Athem-Hohlung, Verdauung der Speiſe ꝛc. vollbracht werden.

Cerebrum, das Gehirn, iſt bey dem Menſchen ſehr groß, daß kaum das Gehirn eines groſſen Ochſens demſelben beykommt: ſeine Ge - ſtalt iſt etlicher maſſen wie eine Kugel, oder rund, wird aber oben bis zur Hirnſchwuͤle in zwey Seiten-Theile, gleichſam wie in zwey halbe Kugeln getheilet. Sein Weſen oder Subſtanz iſt zweyerley, das eine iſt rindigt, corticalis, das andere marckigt, medullaris; jenes findet man in denen Hervorragungen der Hirn-Kammern, abſonderlich in deſſen gantzen Um - fange. Das marckigte Weſen beſtehet meiſtentheils aus roͤhrichten Gaͤn - gen, die hernach in Buͤndlein geſammlet, und mit Pergaments-Haͤutgen bekleidet, Nerven genennet werden. Es iſt die Haupt-Niederlage der Lebens-Geiſter, woraus ſie durch die Nerven zu allen uͤbrigen Theilen des Leibes ſtetig flieſſen.

Cerefolium, ſiehe Chærefolium.

Cerelæum, heiſt bey dem Galeno eine Compoſition aus Oel und Wachs: Sonſten wird es Wachs-Oel genennet.

Cereviſia, heiſt insgemein Bier, in der Medicin aber werden un - terſchiedliche Cereviſiæ medicatæ, oder Kraͤuter-Biere, nach iedes Inten - tion und Nothdurfft, bereitet; alſo kan ein gut Wermuth-Bier folgender maſſen bereitet werden:

  • herb. Abſinth. ijß.
  • Carduibenedict.
  • Roriſmarin. ß.
  • comar. Centaur. min. iij.
  • radic. Caryophyllat. ß.
  • flor. ſambuci.
  • cortic. Aurant.
  • Citri iij.
Inciſ. 191CE

Inciſ. contuſ. d. ſ.

Species zum Kraͤuter-Bier.

Dieſe Species werden vor dem fermentiren ins friſche Bier gethan, daß ſie alſo mit gaͤhren.

Noch eines wider Miltz-Beſchwer iſt dieſes:

  • radic. Cichor. rec. ß.
  • Helenii rec. iij.
  • herb. Scolopendr. ß.
  • Carduibened. Miij.
  • bacc. Juniper. rec. iij.
  • Inciſ. contuſ. d. ſ.
  • Species zum Kraͤuter-Bier.

Item ein Kraͤuter-Bier wider den Scharbock. Cochlear. marin. ein wenig getrocknet j. Sarſaparill. jv. Saſſafras, Naſturt. aquatic. Becca - bung. Miij. Salv. rubr. Mij. Caryophyll. ʒiij. Nuc. Moſch. ʒvj. Lima - tur. Martis vj. f. Species.

Cerinthe, Cynogloſſum montanum, Cerinth-Kraut, Flecken - Kraut, wird von einigen wider die Pocken geruͤhmet.

Cervicalis, iſt ein Beywort der Blut - und Puls-Adern, ſiehe Ar - teria und Vena.

Cerviculæ, iſt ein ausgezogener Spiritus aus den Beinen des Hirſch - Hertzens. Ruland.

Cervix, das Genick, iſt das hinterſte Theil des Halſes; ferner kommt Cervix uteri, der Canal der Gebaͤhr-Mutter, oder der Hals der Gebaͤhr-Mutter vor. Bey dem Galeno aber heiſt Cervix ſo viel, als Proceſſus oſſium, ein Fortſatz der Beine.

Cerumen, aurium ſordes, Marmorata, das Ohr-Schmaltz, oder der Unflath in den Ohren, wird als ein gantz ſchleunig Mittel wider die Colic recommandiret.

Ceruſſa, Bleyweiß: was es ſey, iſt iedem bekannt, wird aus dem gemachten Schiefer-weiß præpariret, indem das Schiefer-weiß entwe - der in dem Morſer oder dazu gehoͤrigen Muͤhlen zerſtoſſen, mit zu einer Maſſa, und in gewiſſen Formen zu kleinen Kuchen getrocknet wird: kommt zwar gemeiniglich in blauen Pappier aus Holland und Engeland, allein das beſte und aufrichtigſte kommt aus Venedig, dienet den Mahlern ſehr: die Apothecker und Barbierer brauchen es zu unterſchiedlichen austrock -nend -192CE CHnend - und heilenden Salben und Pflaſtern, als Unguent. alb. camphorat. Emplaſtr. alb. coct. de Ranis cum & ſine Mercurio &c.

Ceruſſa antimonii, iſt ein Schweiß - und Gifft-treibend Mittel, wird aus Regul. ii j. Theil, und �i iij. Theil, wie das diaphoretic. bereitet.

Ceruſſa nigra, ſiehe Plumbago.

Cervus, ein Hirſch, iſt ein hier wohlbekanntes Thier, von welchem ungemein viel Artzeneyen in der Apothecke zu finden, welches die Dreßd - niſche Kunſt-Kammer im Werck ſelbſten unter Augen leget, allwo in dem letzten Gemach ein aus gebranntem Hirſch-Horn zu gerichteter Hirſch zu ſehen, in welchem ſo viel Præparata, ſo von den Hirſchen herruͤhren, aufbehalten werden, daß es eine eigene Apothecke abgeben kan. Jn den Apothecken und Material-Kammern findet man davon Cornu Cervi, raſur. C. C. Cornu Cervi philoſophic. calcinat. ſal vol. C. C. Ω und C. C. typhis Cervi, lachrymæ Cervi, bezoar Cervinum, oſſa de Corde Cervi, Gelatina C. C. und endlich aus dieſer eine vortreffliche Schweiß - und Gifft-treibende auf nachgeſetzte Weiſe præparirte Eſſentiam, Ge - latin. C. C. q. v. gieß ſpirit. bacc. Sambuc. q. ſ. darauf, extrahire es, thue denn noch vol. C. C. darzu.

Cervus volans, das iſt Scarabæus cornutus, ein gehoͤrneter Roß - Kaͤfer.

Ceterach, ſiehe Scolopendrium verum.

Cete, wird insgemein ieder groſſer Fiſch genannt, inſonderheit aber der Wallfiſch.

Chærefolium, Kerbel, wird in Gaͤrten gefunden: die Blaͤtter, der Saame und die Wurtzel zertheilen die Winde, treiben den , Stein und Menſes, aͤuſſerlich in Umſchlaͤgen dienets zu den harten Geſchwuͤlſten, das ol. deſt. iſt wider die Colic, Nieren-Weh und Stein bewaͤhrt.

Chærefolium aciculatum, Scandix, nach dem Plinio, Pecten Veneris, Nadel-Kerbel, hat zwar eine, aber nicht ſo ſtarcke aromatiſche Krafft, wie die vorige, wird auch nicht in der Officin gehalten.

Chalcitis, wird insgemein fuͤr ein das unterirdiſche Feuer von der Natur roth calcinirtes Vitriol gehalten, und zur Verfertigung des Theriacs geſuchet, weil es aber rar und vielen unbekannt, ſo wird an ſeine ſtatt das Colcothar �li darzu genommen. Wenn dieſes Chalcitis aͤlter wird, und ſich veraͤndert, wird es auch Miſy, Melanteria und Sory ge -nennet;193CHnennet; obwol andere dieſe alle fuͤr abſonderliche Berg-Arten erkennen wollen. Die rechte Chalcitis muß in huͤbſchen braun-rothen Stuͤcken ſeyn, welche wie �l. ſchmecken, und im leicht zergehen.

Chamæacte, ſiehe Ebulus.

Chamædris nobilis, Calamandrina, Bathengel, Gamanderlein, Vergiß mein nicht, wird an rauhen Oertern und auch in Gaͤrten ge - funden, bluͤhet im Junio und Julio; die Blaͤtter und Blumen ſind der Leber und Miltz gut, treiben Schweiß, Harn und Menſes, machen Fleiſch wachſen: Præparata ſind deſt. und Conſerva.

Chamælæa Germanica, Mezereum, Lorbeer-Kraut, Scheiß-Lor - beeren, iſt ein Strauch, waͤchſt auf den waldichten Bergen, wird auch in Gaͤrten gepflantzet; die Rinde von den Aeſten und die Beeren purgi - ren hefftig.

Chamælæa tricoccos, Mezereum Arabum, iſt eine Staude, waͤchſt auf ſteinigtem Boden, und wild in Spanien, Franckreich ꝛc. purgiret auch ſehr ſtarck.

Chamæleon, iſt ein Name eines Thieres, der Eydex nicht ungleich; dieſes Thieres Galle wird unter andern wider die langen unnuͤtzen Haare der Augen-Brahnen recommandiret.

Chamæleon albus und niger, ſiehe Carlina.

Chamæleon verus, Carduus ſphærocephalus, moſchatus, groß Eber-Wurtz, wird allein in den Luſt-Gaͤrten gefunden: Das aus dem gantzen Kraut mit Wein oder Waſſer bereitete Gurgel-Waſſer wird wider Zahn-Schmertzen recommandiret.

Chamæmyrtus, ſiehe Ruſcus.

Chamæpytis, Arthetica, Schlaf-Kraͤutlein, ie laͤnger ie lieber, waͤchſt in ſandigten Aeckern, bluͤhet im Julio und Auguſto, ſtaͤrcket die Nerven, treibet und Menſes; Præparata ſind deſt. und Pilulæ de Iva arthetic.

Chamomilla, Chamomillen, hiervon iſt in der Apotheck die ge - meine und Roͤmiſche: die gemeine heiſſet Hermel, Chamomilla vulga - ris, Chamæmelum, Leucanthemum arvenſe, die Roͤmiſche oder edle Cha - millen, Chamomilla Romana, Chamæmelum Romanum, Leucanthemis odorata. Die gemeine waͤchſet hin und wieder auf den Aeckern: die Roͤ - miſche wird in Gaͤrten gehalten. Das Kraut von beyderley, erweichet, la - xiret, machet harnen, ſtillet allerhand Schmertzen, ſtaͤrcket das Haupt: die - net aͤuſſerlich wider Lenden-Weh, Bauchgrimmen, Mutterbeſchwer, Colic:B bdie194CHdie Blumen werden ſonderlich wider dieſe Faͤlle in Clyſtire und Baͤder gebrauchet. Das deſtillirte Oleum iſt ein recht Specificum wider die Colic, innerlich und aͤuſſerlich gebrauchet. Præparata ſind deſt. und carminativa, ol. deſt. und infuſ. und Syrupus.

Chaquerille, Schacharilla, ſiehe Cortex Winteranus.

Character, Kennzeichen, Merckmahl, ſolche ſind nichts anders, als von den Kuͤnſtlern erdichtete Figuren, die etwas bedeuten. Derglei - chen Characteres werden in der Officin zum Maaß und Gewicht gebrau - chet, item von den Medicis in Recepten verſchrieben, damit nicht der ge - meine Mann die Præſcripta Medica verſtehen moͤge, ſolche ſind, zum Exempel eine Untz , Quintlein ʒ, Serupel , Pfund , ꝛc. , Anti - monium, Ω Spiritus, Sulphur. &c. Allein man thut beſſer, daß man ſich in Verſchreibung der Recepten ſolcher Zeichen entſchlaͤgt, weil da - durch ein Mißverſtand und grober Schnitzer begangen werden kan.

Charta, eine Karte oder Pappier, iſt iedem bekannt. Bartholinus draucht

Charta virginea fuͤr Amnion, ſiehe Amnios.

Charta Hiſpanica, Portugiſiſche Schmincke, wird von der rothen Ochſen-Zung Wurtzel gemachet, wie Simon Pauli in Quadripartit. bota - nic. pag. 198. dafuͤr haͤlt.

Chavnos, fungoſus, laxus, weich, ſchwammicht, locker, und das dem Druͤcken der Finger leichtlich weichet, iſt ein Beywort einiger Ge - ſchwuͤlſte, die weich und ſchwammicht ſind, und dem Druͤcken der Finger leicht nachgeben.

Cheiri, Leucojum, luteum, gelbe Violen, Naͤgel-Violen, wer - den durch Abſetzen in Gaͤrten erzogen: die Blumen ſtaͤrcken das Hertz, die Mutter und Nerven, machen harnen, lindern die Schmertzen, treiben die Menſes und Nachgeburt: der Eßig davon dienet wider die Blaͤhung der Mutter und Peſt.

Cheirixis, wird entweder fuͤr die Chirurgie ſelber, oder fuͤr iede Chirurgiſche Operation, ſo bey der Cur vorfaͤllt, genommen.

Chele oder Chela, heiſt (1) eine geſpaltene Klan, oder Krebs - ſcheere, (2) ein Chirurgiſch Inſtrument, deſſen Vordertheile ſpitzig und eingeſchnitten, als eine Klaue vom Ochſen ſind: ſolches recommandiret Hippocrates in der Cur eines Polypi. So heiſſen auch Chelæ die Schlitze an den Zehen, Fingern, weiblicher Scham.

Cheli -195CH

Chelidonides, ſiehe Saxifragia alba.

Chelidonium majus, Hirundinaria, Schwalben-Wurtz, groß Schoͤll-Kraut, waͤchſet hin und wieder an den Zaͤunen, bluͤhet gleich im Fruͤh-Jahr und den gantzen Sommer aus: die Wurtzel iſt vor - trefflich gut wider die Gelbeſucht, der Safft vom Kraut offt auf die Wartzen geſtrichen, vertreibet ſie; das deſtillat. iſt ein ſchoͤn Augen - Mittel: Præparata ſind deſtillat. Succus inſpiſſat. und Sal.

Chelidonium minus, Ficaria, klein Schoͤll-Kraut, Feigwartzen - Wurtz, waͤchſt an feucht - und ſumpfichten Orten; das Kraut iſt ein ſehr gut Scharbocks - und Miltz-Kraut, dienet wider die Gelbeſucht, Scharbock, ſchmertzhaffte und fluͤſſende Guͤlden-Ader, die Wurtzel die - net wider die Feig-Wartzen.

Chelidonius, iſt ein Stein, welcher in dem Magen der jung aus - gebruͤteten Schwalben gefunden wird. Es werden insgemein zwey gefunden, ein ſchwartzer und ein roͤthlichter; ſoll wider die Epilepſie ſon - derliche Kraͤffte haben.

Chemia, ſiehe Chymia.

Chemoſis, Augen-Fell, oder Gebrechen, wenn das weiſſe vor dem ſchwartzen hervor raget und erhoͤhet wird, daß gleichſam eine Schlitze zwiſchen dem ſchwartzen und weiſſen zu ſeyn ſcheinet; anderswo wird es fuͤr das inflammirte Horn-Haͤutlein des Auges genommen.

Chenopodium, Atriplex ſylveſtris, Gaͤnſe-Fuß, laxiret; das Deco - ctum davon wird wider verhaltenen Urin ſehr gelobet.

Cherines, ſiehe Grana Chermes.

Cherſæ, ſiehe Feculæ.

Chezananche, wird iede Artzney genannt, welche Stuͤhle ver - urſachet.

Chimethlon, ſiehe Perniones.

Chinæ radix, Pocken-Wurtzel, iſt eine dicke, knotichte, glatte und holtzigte Wurtzel, auswendig gelb-braun, inwendig roͤthlich-weiß, ohne Geruch und Geſchmack, friſch aber hat ſie einen klebrichten und ſcharffen Geſchmack: kommt aus Oſt-Jndien, und ſonderlich China. Die Mate - rialiſten haben verſchiedene Sorten: die beſte muß ſchwer und reſinoͤs ſeyn, inwendig roͤthlicht, und nicht ſo leicht zerſchnitten werden koͤnnen. Sie trucknet ſehr und treibet den Schweiß, heilet die Waſſerſucht, boͤſe Ge - ſchwuͤre, Grind, Frantzoſen; dienet wider Glieder-Weh; Schröderus ſpricht, daß 2. bis 4. Loth der Wurtzel zu 9. Pfund Waſſer ſchon genug ſeyn.

B b 2China196CH

China Chinæ oder Kinkina, Cortex Peruvianus, Cortex febrifugus, Antiquartium Peruvianum, Fieber-Rinde, iſt eine bittere und anhaltende Schale eines Baums, aͤuſſerlich grau-gelb und etwas moſicht, inwendig aber wie Zimmet anzuſehen, und wird alſo genennet, nicht als ob ſie in China wachſe, indem ſie aus Weſt-Jndien gebracht wird, ſondern, weil des Spaniſchen Vice[-]Re in Peru, Grafen del Cinchon, Gemahlin damit vom Fieber curiret, und die alſo zuerſt den Europaͤern bekannt worden; und weil dieſe Rinde 1650. von dem Cardinal de Lugo, Jeſuiter-Ordens, zum erſtenmal in Europam gebracht, und das Pulver von den PP. Soc. JEſu ge - gen das Fieber geruͤhmet worden, nennen es einige das Jeſuiter-Pulver. Der Baum, wovon dieſe Rinde geſchaͤlet wird, heiſſet bey dem Bontio Gannanaperide, waͤchſet in America, in dem Koͤnigreich Peru, in der Provinz Quitto, naͤchſt der Stadt Loxa, und zwar auf den Gebuͤrgen. Die rechte Peruvianiſche Rinde muß hart, wichtig und trocken ſeyn, auch nicht durchs Waſſer verdorben und mit andern Unreinigkeiten vermenget; von auſſen muß ſie gleichſam wie Schagrin ſehen, braunlicht, und hier und da weiß - liche Moos-Flecken haben, inwendig aber nicht gantz roth, ſondern roͤth - licht, wie Caneel ausſehen; der rechte Geſchmack iſt bitter und etwas aro - matiſch; der Geruch lieblich, und doch gleichſam etwas ſchimmlicht. Sie wird in mancherley Geſtalt, wider alle Wechſel-Fieber, abſonderlich wider das Quartan gebrauchet; ſie toͤdtet und treibet auch die Wuͤrmer ab.

Chiragra, die Gicht in den Haͤnden, ſiehe Arthritis.

Chirones, ſiehe Sirones.

Chironium, iſt ein Zu-Wort eines alten garſtigen und boͤſen Ge - ſchwuͤrs, dahero werden dergleichen Geſchwuͤre Ulcera chironia genennet. Sie werden alſo von dem Chirone genennet, weil ſelbiger ſolche zum erſten ſoll geheilet haben.

Chirurgia, die Wund-Artzney-Kunſt, iſt ſolch eine Kunſt, welche die Kranckheiten, vornemlich die aͤuſſerlichen, des menſchlichen Leibes, durch geſchickte wohl angebrachte Handgriffe und wohl bereitete Artzneyen, item durch andere Operationen, die man zur Wiederbringung der Ge - ſundheit haben muß, zu heilen lehret. Daher kommen, Chirurgica Inſtru - menta, Chirurgiſches Werckzeug, Chirurgicæ Operationes, Chirurgiſche Handgriffe. Bey den neueſten Chirurgis ſind noch zwey beſondere Arten der Chirurgie, deren eine

Chirurgia infuſoria, Eingieſſungs-Chirurgie, vermoͤge welcher die flieſſenden Artzneyen durch ein Roͤhrlein in die Blut-Adern kuͤnſtlich gefloͤſſetwerden.197CHwerden. Der dieſes zum erſten erfunden, iſt Wren, ein Engliſcher Theo - logus und Mathematicus, welcher 1657. dem Boyleo zum erſten davon ge - dacht; hernach hat D. Major daruͤber meditiret, und 1664. ſeinen Prodro - mum Chirurgiæ infuſoriæ in den Druck gegeben. Es ſind auch bald dar - auf an Hunden mit Waſſer, Wein, Purganzen, Vomitiven, Opiatis, Ω�, �li, ol. �ris, �ri, Decoct. Arſenic. Solut. Mercur. ſublimat. &c. unter - ſchiedliche Experimenta mit gutem Succeß gemachet worden. Endlich hat man auch verſuchet, was dieſe Invention bey Menſchen thaͤte, bey welchen ebenfalls wider alte Geſchwuͤre, Fieber, Scharbock, Frantzoſen, Epilepſie, gluͤckliche Succeſſus erfolget. Die andere iſt die

Chirurgia transfuſoria, Ubergieſſungs-Chirurgie, in welcher das Blut aus einem lebendigen Thiere oder Menſchen in einen andern durch eine Roͤhre gefloͤſſet wird. Dieſe haben D. Clarck, Henshaw 1657. erfun - den, und D. Lowerus 1665. zuerſt an Hunden experimentiret. Der Unter - ſcheid dieſer Transfuſion iſt dreyerley, ſie geſchiehet entweder aus einem Thier in das andere, zu experimentiren, oder aus einem Thier in den Menſchen, oder aus einem Menſchen in den andern, zu curiren.

Chirurgus, ein Wund-Artzt, iſt, der die aͤuſſerlichen Gebrechen des menſchlichen Leibes, als Verrenckungen, Bein-Bruͤche, Geſchwuͤlſte, Ge - ſchwuͤre und Wunden durch tuͤchtige Medicamenta und kuͤnſtliche Hand - griffe und Application guter Inſtrumenten zu heilen weiß. Dieſes ſein Amt iſt (1) das von einander geſonderte zuſammen bringen, (2) das zerbrochene und verrenckte einrichten, zurechte bringen, und wieder heilen, (3) das uͤber - fluͤßige kuͤnſtlich wegnehmen, (4) das mangelhaffte erſetzen, und (5) das uͤbel-beſchaffene, krumme und ſteiffe in eine, ſo viel moͤglich, andere Ord - nung bringen. Jn dieſen allen hat ein Chirurgus drey Dinge wohl in acht zu nehmen, als, daß er (1) geſchwind, (2) gut und ohne Schmertzen, und (3) ſicher curire. Seine vornehmſten Requiſita ſind, daß er (1) geſchickt und in der Theorie gelehrt, (2) erfahren in der Praxi, und (3) in der Application ſeiner Haͤnde und Inſtrumenten behend ſey.

Chloroſis, die bleiche Sucht, Jungfer-Sucht, weiſſe gelbe Sucht, ſcheinet eine Art der Leucophlegmatie zu ſeyn: denn es findet ſich neben der bleichen Farbe, Muͤdigkeit, Hertzklopffen, Magendruͤcken, Ge - ſchwulſt der Schenckel und Beine: die Haupt-Urſach iſt ein Mangel der Menſium, und die Verſtopffung der Vaſorum Uteri; hierzu kommt oͤffters heimliche Liebe und unterſagter Beyſchlaf, item verdorbene Saͤffte der Genitalium. Jn der Cur dieſes Affects hat man auf die Urſachen zu ſehen;B b 3es wird198CHes wird deßwegen der Beyſchlaff gelobet, wenn das Ubel von Verhal - tung der Saamen-Saͤffte herruͤhret, oder da dieſer nicht zulaͤßig, eine Ve - næſection und ſolche Mittel, welche den Orgaſmum ſeminis heben, als alle Acida, Succus Citri, Aurantior. Portulac. Acetoſ. Acetoſell. Galeopſ. flor. Nymph. alb. Ω Nitri, Vitrioli. Als ſonderliche Specifica wider dieſes Ubel werden ſehr recommandiret ſemen Agni caſti, Cannabis, Por - tulac. Coriandr. Rutæ, Mentha, Camphora, Conſerv. und aqua fruct. Bru - ſci, eſſent. Caſtitatis Mynſichti, Tinctura Myrrhæ crocata, Elixir proprie - tatis c. acid. eſſent. Caſtor. Abſinth. Centaur. min. Cochlear. Succinum, Liq. C. C. ſuccinat. Tinct. ii �ſata &c. Nach vorgaͤngigem Gebrauch dieſer Mittel nuͤtzen ſonderlich die Anticachectica und Digeſtiva, angeſe - hen ſie die uͤbele Beſchaffenheit des Bluts und Saamen-Saffts ver - beſſern: unter ſolchen ſind die beſten die Martialia mit Salinis vermiſchet, als Crocus Martis, ſal Artemiſ. ſal �ri, Cryſtall. �ri, �rus �latus, Tinct. �ri, Arcan. duplicat. Antihect. Poter. Nitrum antimoniat. item Abſinth. Cantaur. min. Meliſſ. Puleg. Roſmarin. Carduus bened. rad. Ariſtoloch. Bryon. Cichor. Geniſt. Pimpinell. Rhabarb. bacc. Juniper. Lauri, Myrrh. Macis. Dolæus Oper. Tom. I. pag. 550. b. hat eintzig mit einem Stahl - Wein dieſe Kranckheit voͤllig gehoben, darzu

  • Eſſent. Martis oder
  • extract. Martis j.
  • Caſſ. lign. ʒij.
  • Cinnamom. elect. ʒiß.
  • Caryophyllor. ʒj.
  • Rhein - oder Malvaſier-Wein ij.

laß es am warmen Ort in der Digeſtion ſtehen, hernach ſeiche es durch, die Doſis iſt j. Man kan auch Pilulas Cachecticas aus Gumm. co, Galban. Sagapen. Myrrh. Aloë Succotr. ſal. Abſinth. �ri, Artemiſ. ��lat. Vitriol. Martis und ol Succini bereiten. Nachdem die uͤbeln Humores alſo præpariret, kan man Purgantia und Vomitoria, als Mechoacan. Ja - lapp. Scammonium, Rhabarb. Maſſ. pilular. de Ammoniac. Mercur. dulc. emetic. Mercur. vitæ brauchen.

Chocolata, iſt ein Maſſa aus Cacao, Zucker und verſchiedenen Gewuͤrtzen zubereitet, deren Beſchreibung ein Spaniſcher Barbier, de Ledeſma genannt, in einem Tractaͤtlein von der Chocolate alſo mit - getbeilet hat:

Nu -199CH
  • Nucleor. Cacao Num. C.
  • Sacchar. albiſſ. ß.
  • Piper de Tavaſc. gr. xiv.
  • Caryophyll. ʒß.
  • Vaniliæ Num. iij.
  • ſem. Aniſi ʒj.
  • Achiotl, q. ſ. miſce.

Andere nehmen an ſtatt der Cacao Mandeln und andere Gewuͤrtze, und machen mit gutem Zucker eine dergleichen Mixtur. Andere machens wieder anders. Kam vordem aus America, nachmalen aus Spanien; ietzo aber wird ſie in Europa viel verbeſſert und ambriret gemachet. Weil man nun derſelben vielerley Compoſitiones findet, ſo iſt von ihrer Guͤtigkeit ſchwer zu judiciren; indeſſen muß die beſte nicht allzu ſuͤſſe ſeyn, nicht bitter, nicht zu ſehr nach Pfeffer oder Naͤglein ſchmecken, muß auch einen angenehmen Geruch haben, hart und trucken ſeyn, und wenn ſie in Stuͤcken gebrochen wird, muͤſſen einige weiſſe Flecke und Strie - men dadurch lauffen, das uͤbrige aber von brauner Farbe ſeyn. Die - net wider Schwachheit und erkaͤlteten Magen, bekommt den Schwind - und Lungenſuͤchtigen, wenn das Fieber nicht zu ſtarck: iſt auch der Bruſt gut wider ſchleimichten Huſten, ſtaͤrcket das Haupt, vertreibt den Schwin - del, reitzet auch zum Beyſchlaf.

Cholagoga, wurden von den Alten diejenigen Purgir-Artzneyen ge - nennet, welche die uͤberfluͤßige Galle abfuͤhren, ſolche ſind

  • Caſſiæ pulpa von iß. biß ij.
  • Manna den Kindern ʒj. biß iij.
  • Schwangern ß.
  • andern erwachſenen Perſonen iij. biß jv.
  • Rhabarbar. in ſubſtant. ʒj. biß iß.
  • extractum gr. xv. biß j.
  • Mechoacanna in ſubſtantia ʒj.
  • infuſo ʒiß.
  • Aloë in fubſtant. ʒj.
  • extract. gr. xv.
  • roſata ʒß.
  • violata ʒß.
  • Scammonii reſina gr. xvj.
  • Scammonium cydoniatum oder
Diagry -200CH
  • Diagrydium gr. x.
  • Scammonium roſatum gr. x.
  • ſulphuratum gr. x.

Choledochus, was die Galle zu ſich nimmt; wird gemeiniglich von der Gallen-Blaſe geſaget, und von dem gemeinen Gallen-Gang, ductus choledochus genannt, welcher biß in den Zwoͤlff-Finger-Darm gehet.

Cholera, Stuhl und Brechen zugleich. Wird bey den Practicis zweyerley obſerviret, als Cholera humida, iſt eine hefftige und gefaͤhrliche Kranckheit, welche die Patienten mit ſtetem Brechen und ſcharff - und gallichten Stuͤhlen, Hertzweh, Bauchgrimmen, unertraͤglichem Durſt, kaltem Schweiß, klein und oͤfftern Puls, Ohnmachten, und endlich mit Convulſionibus des gantzen Leibes alſo entkraͤfftet, daß, wenn man ihnen nicht ſchleunig zu Huͤlffe kommt, ſie in kurtzen ſterben, oder ſehr ſchwer wegen der Krafftloſigkeit aufkommen.

Cholera ſicca, wird genannt, wenn ohne angefuͤhrte Symptomata nur flatus oder Winde von unten und oben weggehen, wozu noch, als ein Symptoma, Kurren im Unter-Leibe, und Aufblaͤhung deſſelben, auch des Magens, kommen. Die Urſach des erſten Affects iſt eine Schaͤrffe der uͤbeln Humorum, welche nicht nur beyde Orificia des Magens, und die Fibras der Gedaͤrme prickelt, und zur Contraction und wider-natuͤrlichen Bewegung reitzet, ſondern auch die dabey kommenden Symptomata ver - urſachet. Des andern Affects Urſach iſt eine Reſolution oder Aufloͤſung der Pituitæ, welche entweder von den Spiritibus, oder von der aͤuſſerlichen Waͤrme, oder von der gewuͤrtzten und ſpirituoͤſen Speiß und Tranck herruͤhret. Zur Cur dieſes letzten Affects werden einzig und allein Car - minativa, als ſem. Aniſi, Fœnicul. Leviſtic. radic. Galang. Calam. aromatic. Zedoar. cortic. Aurantior. Citri, Carminativa, ſpirit. Carminativ. Elixir Citri, ſpirit. Nitri dulcis, Ω��ci aniſat. und Clyſtire von Chamomill. Leviſtic. ſpeciebus Carminativ. electuar. de bacc. Laur. ol. deſt. Carvi, Chamomill. &c. gebrauchet.

Choleram humidam zu curiren, werden unterſchiedliche Remedia er - fordert: als (1) Aquea, Thée und Coffée, (2) Præcipitantia, als Cryſtall. montan. Alabaſtr. ſigillat. C. C. uſt. Lapid. 69. ��li balſamica, dia - phoretic. martial. (3) ſtomachica aromatica und adſtringentia, als Tinctur. Cinnamom. ſpirit. Menth. theriacal. Portulac. ſucc. und Rob Cydo - nior. ſyrup. Corallior. und endlich opiata, als eſſent. Opii, tinct. anodyn. Laudan. opiat. Opium cydoniat. &c. Hierbey koͤnnen auch aͤuſſerlichMagen -201CHMagen-Spiritus, Oele, Balſame und Saͤcklein ꝛc. aus Theriac. ſpirit. Vini camphorat. Ω theriacal. ol. Abſinth. Menth. Chamomill. Macis, Caryophyll. &c. gebrauchet werden.

Cholericus, bilioſus, hat zwey Bedeutungen, (1) wird es fuͤr das - jenige genommen, was der Natur der Gallen nachahmet; oder wenn ie - mand an der uͤberfluͤßigen Gallen laboriret, ſo ſaget man von ihm, daß er ein Cholericus oder Gall-reicher ſey; (2) werden auch diejenigen Cho - lerici genannt, welche an Cholera humida kranck liegen.

Chondrilla marina, Cichorium bulboſum, Meer-Chondrille, waͤchſt am Meer, im Sande: Die Wurtzeln vertreiben die Kroͤpffe; wenn man die guͤldene Ader mit der Wurtzel beruͤhret, und ſolche abtrock - net, ſoll die guͤldene Ader auch eintrocknen; ſo die Wurtzel aber abfau - let, ſoll es auch der guͤldenen Ader ſchaͤdlich ſeyn.

Chondrilla verrucaria, ſiehe Cichorium verrucarium.

Chondroſyndesmus, oder Ligamentum cartilagineum, ein kroſplicht Band.

Chorda, wird auf zweyerley Art genommen; (1) fuͤr eine Saite zur Geige oder Violin, und andern muſicaliſchen Inſtrumenten; (2) heiſt es ſo viel als Tendo, ein Senne, Nerve; alſo iſt auch Chorda Achil - lis eine groſſe ſpannaͤdrige Salte an der Ferſe, iſt unter allen am gantzen Leibe die groͤſte und ſtaͤrckſte, und aus dreyen Spann-Adern, ſo den Fuß ausſtrecken, zuſammen geſetzet.

Chordæ, ſiehe Inteſtinum.

Chordapſus, ſiehe Iliaca paſſio.

Chorea Sancti Viti, Sanct Veits Tantz, ſiehe Tarantiſmus; item Tarantula.

Chorion, das Ader-Haͤutlein, iſt das aͤuſſerſte Haͤutgen, welches die Leibes-Frucht umgiebet, iſt dick und etwas weiß, wie auch mit vielen Aeſtlein der Adern gezieret. Dieſes kan, wie man es ſonſten fuͤr ein ei - niges haͤlt, in drey unterſchiedliche Haͤutgen getheilet werden, unter wel - chen das mittelſte ſehr zart und durchſcheinend, die zwey uͤbrigen aber di - cker und deſto mehr dunckler, iedennoch einer ſehr zarten und unbeſtaͤndi - gen Textur ſind.

Choroides, wird von unterſchiedlichen Dingen geſaget, wegen der Menge der Blut-Gefaͤſſe, welche dem Ader-Haͤutlein ſehr gleich kommen: alſo wird das duͤnne Hirn-Haͤutlein Choroides, item das Netz-foͤrmigeC cAugen -202CHAugen-Haͤutlein auch alſo genennet: was aber plexus Choroideus iſt, ſiehe Plexus.

Chronicus, Chronius, polychronius, das iſt, diuturnus, langwierig: wird einigen Kranckheiten beygeleget, welche insgemein Morbi Chronici, oder, langwierige Kranckheiten genannt werden, als Stein-Beſchwer, Scharbock, Reiſſen in den Gliedern, Kraͤtze: dieſe Chronici oder langwierige Kranckheiten ſind den acutis oder ſchleunigen entgegen geſetzt.

Chros, iedes fleiſchichte Theil des menſchlichen Leibes, worunter die Haut-Maͤuslein, Membranen und Eingeweide verſtanden werden.

Chryſanthemum, ſiehe Calendula.

Chryſanthemum bidens, ſiehe Acmellæ folia.

Chryſe, iſt ein Name eines Pflaſters, den blutigen Wunden ac - commodiret: es beſtehet ſolch Pflaſter aus Alumin. ſciſſil. Auripigment. Colophon. Thure und Oleo.

Chryſitis, gold-gelb.

Chryſochalcos, ſiehe Orichalcum.

Chryſocolla, Terra viridis, Viride Montanum, Berg-gruͤn, Stein - gruͤn, Schiefer-gruͤn. Ob dieſes aus Kupffer gemacht werde (wie einige vorgeben) iſt noch ungewiß. Die meiſten Materialiſten halten es fuͤr eine natuͤrliche und ſteinigte Erde: iſt ein gruͤnlichtes, und aus klei - nen, dem Sand aͤhnlichen Koͤrnern beſtehendes Pulver, welches in den Kupffer-Silber - und Gold-Bergwercken, vornemlich in den Ungariſchen gebuͤrgen, gefunden wird. Es iſt eine koſtbare Waare, und findet man unterſchiedliche Sorten, fein, mittel und gemein: das beſte muß trocken, ſchoͤn gruͤn und koͤrnericht ſeyn, woran man das natuͤrliche von dem aus Gruͤnſpan und Bleyweiß nachgekuͤnſtelten unterſcheiden kan, wird zur Mahlerey gebraucht.

Chryſolithus, Chryſolit, iſt ein hell und durchſichtiger Stein, mit einer vortrefflichen Gold-Farbe, gleich einem Sonnenſchein, dabey ſehr hart: wird in Mohrenland am beſten gefunden, und von einigen wider die Melancholie, Kleinmuͤthigkeit und Hererey geruͤhmet.

Chryſopœia, die Goldmacher-Kunſt, lehret, wie man aus un - vollkommenen Metall, durch Huͤlffe des Mercurii Philoſophorum, wahres Gold machen kan. Ob dieſe Kunſt in natuͤrlichen Kraͤfften und Ver - moͤgen ſtehet, wird noch ſehr gezweiffelt.

Chry -203CH

Chryſoſplenium Tabernæmontani, iſt Saxifraga aurea, wovon an ſei - nem Ort zu ſehen.

Chybur, heiſt bey dem Paracelſo Schwefel, davon ſiehe Sul - phur.

Chylificatio, concoctio, digeſtio prima, die Dauung oder Ver - dauung der Speiſen im Magen, iſt eine Verrichtung des Magens, da aus Speiſen, die zuvor, ſonderlich wenn ſie hart ſind, mit den Zaͤhnen zerkaͤuet werden, und Tranck, in demſelben ein Chylus oder Milch-Safft ausgearbeitet wird. Hierbey betrachte man (1) die Materiam, woraus der Chylus gemacht wird, ſind die Alimenta, oder Speiß und Tranck: wie dieſe nun ſehr mannigfaltig ſind, alſo hat man bald einen guten, bald uͤbeln Chylum zu erwarten; (2) die Werckſtatt oder Officinam, welche der Magen iſt, deſſen anatomiſche Beſchreibung unter dem Titul Ventri - culus zu ſehen iſt; (3) die wuͤrckende Urſach, ſind die Spiritus oder Lebens - Geiſter; (4) die Art und Weiſe, nach welcher der Chylus ausgearbeitet wird, iſt eine Kochung, wie hart Fleiſch ꝛc. weich gekochet wird; (5) die Zeit, in welcher der Chylus gemachet wird, kan ſo accurat nicht benennet werden: denn bald wird die Digeſtion bald oder ſchleunig, bald wieder langſam zu Ende gebracht, und ſolches (a) nach Beſchaffenheit der Men - ſchen und derſelben natuͤrlichen Kraͤffte, (b) nach Beſchaffenheit der Spei - ſen ſelbſten, die ſowol in ihrer Qualitaͤt, als Quantitaͤt zu betrachten ſind, und (6) den Endzweck, welcher der Chylus ſelbſten iſt, wovon in folgenden zu ſehen.

Chyloſteum, iſt ein Kraut, Bein-Hoͤltzlein genannt, wird aber nicht in der Officin gehalten.

Chylus, heiſt insgemein ein dicker Safft, ſowol in Thieren als Pflantzen; bey dem Hippocrate heiſt es ein Gerſten-Safft, ſo wird auch der Milch-Safft, welcher im Magen aus den Speiſen ausgearbeitet wird, Chylus genannt; hierbey iſt zu betrachten 1) deſſelben Geſchmack, welcher nach dem Unterſcheid der Speiſen mancherley obſerviret worden; 2) die Farbe, ſo weiß iſt, welche von der Vereinigung der oͤhlicht - oder fetten Theilgen mit waͤßrigen Theilgen entſtehet; 3) die Conſiſtence, iſt auch mancherley, denn anders iſt ſie im Magen, als ein Brey, anders in den Milch-Gefaͤſſen, wo ſie flieſſender iſt.

Chymia, Chemia, Chimia, insgemein die Scheide-Kunſt ge - nannt, iſt eine ſolche Kunſt, welche aus unterſchiedlichen natuͤrlichen Con - cretis die Medicamenta zu præpariren lehret. Sie wird auch AlchymiaC c 2oder204CH CIoder Alchymiſtiſche Kunſt nach den Arabern genannt, welche, wenn ſie etwas vortreffliches anzeigen wollen, das Woͤrtlein Al hinzu thun, und das heiſſet bey ihnen ſo viel als GOtt, oder groß: andere haben ſie auch Alchamiſtiſche Kunſt genennet, um hierdurch anzuzeigen, daß Cham nach der Suͤndfluth alle Kuͤnſte und Wiſſenſchafften aufs neue wieder erfun - den und hervorgebracht habe. Man nennet ſie auch die Spagyriſche Kunſt, dadurch die edelſte Arbeit derſelben, nemlich die Scheidung und Zuſammenſetzung, verſtanden wird. Weil man auch derſelben Opera - tiones ohne aͤuſſerliches nicht verrichten kan, alſo giebt man ihr auch den Namen der Pyrotechniſchen Kunſt: wenn man ſie die hermetiſche Kunſt nennet, ſo bezeuget man dadurch ihre Antiquitaͤt und hohes Alter: und endlich, wenn ſie die Deſtillir-Kunſt genannt wird, erklaͤret man die gemei - neſten Operationes derſelben.

Chymus, wiewol dieſes nichts anders heiſt und iſt, als ein dick ein - gekochter Safft oder Mus, und in dieſer Bedeutung zwiſchen Chymus und Chylus kein Unterſcheid iſt; ſo wollen dennoch einige von den Neuen einen Unterſcheid machen, und heiſſen es das Vermoͤgen zu ſchmecken oder den Geſchmack, welcher in den Pflantzen und Thieren iſt, Chylum aber nennen ſie das dicke Mus, worinnen der Geſchmack iſt. Lindenius will, daß Chymus das beſte Theil des Chyli ſey.

Cicatrix, eine Narbe, iſt eigentlich die Haut auf den geheileten Geſchwuͤren oder Wunden, welche von Natur, durch Huͤlffe der Medica - menten wieder gewachſen. Narben præſentiren ſich offt in der Haut von groſſen tieffen Wunden, wenn ſie gemeiſelt und nicht recht zuſam - men gezogen worden, von Hefften und uͤbermaͤßigen Fleiſch wachſen, item wo kein Fleiſch wachſen und der Schade nicht hauten will. Cicatrix oculi heiſt auch Albugo; wiewol auch dieſes fuͤr die Geſchwaͤr ſelbſten genommen wird; beſſer iſt es, wenn man es fuͤr die Leffzen der Wunden oder Geſchwuͤr nimmt. Paracelſus gebraucht das Wort Cicatrix fuͤr die Fehler der Haut, als Morphea, Sirones &c.

Cicatrizans, Cicatrizantia, ſiehe Epulotica.

Cicer, Kichern, Zieſer-Erbſen, werden in Gaͤrten und auf den Aeckern gebauet; erweichen, lindern, ſaubern, zertheilen, treiben den , brechen den Stein, reitzen zum Venus-Werck: das Mehl daraus iſt gut in Umſchlaͤgen fuͤr Schlangen-Biß, Krebs, freſſende Schaͤden, Grind und Rauden.

Cicho -205CI

Cichorium, Cichorien, ſind zweyerley, zahme und wilde; die zah - me heiſſet Garten-Cichorie, Cichorium domeſticum, Cichorea ſativa: die wilde, Cichorium ſylveſtre, wild Wegwart, Wegweiß. Die wilde waͤchſt an den Wegen, die zahme erziehet man in Gaͤrten, bluͤhen im Junio. Die Blaͤtter und Blumen, ſonderlich die wilden, eroͤffnen, ſau - bern, temperiren und purgiren die Galle, machen harnen, ſind der Leber und dem Magen erſprießlich. Die Wurtzel unter der Zungen gehalten, iſt gut vor das Blutſpeyen. Præparantia ſind Conſerva, Radix condit. Syrupus ſimplex und de Cichorio cum rhabarb. , welches vortrefflich wider Augen-Gebrechen iſt, und Sal.

Cichorium bulboſum, ſiehe Chondrilla marina.

Cichorium verrucarium, Chondrilla verrucaria, Wartzen-Weg - weiß, Chondrille, wird meiſtentheils in Gaͤrten erzogen; von dem Saa - men 1. Loͤffel voll 3. Tage lang im abnehmenden Licht eingenommen, ver - treibt alle Wartzen: ſolches thun auch die Blaͤtter im Salat gegeſſen, oder aͤuſſerlich damit beſtrichen.

Cicuta, Cicutaria aquatica minor, Schierling, Wuͤterich, waͤchſt an ſchattichten Orten, an den Graͤben und Zaͤunen; wird unter die giff - tigen Kraͤuter gerechnet, die Wurtzel gegeſſen, machet Convulſiones, Fleck-Fieber, Raſereyen, wird deßwegen gar nicht innerlich gebrauchet, ſein Gegen-Gifft ſoll der Wein ſeyn: aͤuſſerlich das gantze Kraut mit der Wurtzel zerſtoſſen und auf die Bruͤſte geleget, hemmen derſelben Wachsthum, machet ſie hart und klein, dienen auch wider den Krebs, uͤbrige Milch. Præparata ſind das Unguentum und Emplaſtrum de Cicuta.

Cicutaria odorata, ſiehe Myrrhis.

Cilia, die Haare der Augenlieder: dieſe Haare ſind kurtz und ge - rade, damit kein Staͤublein in die Augen falle, dabey auch um etwas Schatten zu machen, bey Beſchauung hellglaͤntzender Sachen. Dieſe werden offt hineinwaͤrts gegen den Aug-Apffel gebogen, und ſind als - denn dem Geſicht ſchaͤdlich.

Cimentatio, ſiehe Cæmentatio.

Cinefactio, iſt was Cineratio, oder Incineratio, die Einaͤſcherung, zu Aſchen brennen; ſiehe Incineratio.

Cinerarium, der Aſchen-Behalter, iſt das unterſte Theil eines Chymiſchen Ofens, wohin die Aſche faͤllt, damit ſie nicht das Feuer erſticke. C c 3Dieſes206CIDieſes Theil hat ein Loch, wodurch die Aſche heraus genommen wird.

Cingulum, ſiehe Bracherium.

Cingulum mercuriale, ein Mercurialiſcher Guͤrtel, auch Cingu - lum ſapientiæ genannt: wird von weiſſen Muͤller-Tuch oder Linnen ge - machet, worauf mit Schwein-Fett vermiſchter Mercurius vivus geſtri - chen wird. Wird wider die Laͤuſe und garſtigen Geſchwuͤre gebrauchet, ingleichen auch die Salivation zu erwecken. Der Leib muß aber allezeit warm und vor der aͤuſſerlichen Kaͤlte bedecket ſeyn. Sonſten iſt des Ru - landi Cingulum, von dieſer Deſcription, vor andern beruͤhmt:

  • Mercurii vivi ʒiij.
  • olei Vitrioli ß.
  • Caryophyllor. j.
  • Heraclin.
  • Sulphuris ana ʒiij.
  • Gemmæ ʒiiß.
  • Ceræ q. ſ. f. Maſſa.

Cinis, die Aſche, iſt dasjenige, was vom verbrannten Holtz und andern Dingen, als Sand zuruͤck bleibet; ſie iſt mancheriey, nach Be - ſchaffenheit und Unterſcheid der Sachen, welche zu Aſchen verbrennet werden.

Cineres clavellati, Pott-Aſche, beſtehet aus einem weiſſen und et - was blaulichten calcinirten Saltz, welches Anfangs aus den Tauben der - jenigen Faͤſſer und Potten, worinnen die Waid-Aſche kommet, gemachet, und deßwegen Pott-Aſche genennet wird: Und weil dieſes Saltz aus denen zu Aſchen verbrannten Faͤſſern ausgelauget, und nachmalen in groſ - ſon Keſſeln abgeſotten wird, heiſſen es einige auch Keſſel-Aſche. Nach - dem aber ſolche Potten und Clavellæ in ſolcher Menge nicht zu haben ſind, daß man ſo viel Pott-Aſche, als jaͤhrlich conſumiret wird, darvon ma - chen koͤnnen, ſo hat man nachgehends auch das bloſſe Eichen-Holtz, wor - aus ſie beſtehen, darzu genommen, welches nun die Pott-Aſch-Kraͤmer in groſſer Menge zu Aſchen verbrennen, und das Saltz heraus laugen, welches nachmalen in groſſen darzu bereiteten Oefen ferner calciniret wird. Es kommet aus Polen und Moſeau hieher und nach Dantzig, von dannen es wieder in Holland, Engeland und Franckreich verſchiffet wird. Muß in groſſen Stuͤcken, rein von Kohlen, ſchoͤn weiß, zum Theil auch blaulicht ſeyn. Sie hat in der Chymie einen groſſen Nutzen, undwird207CIwird allda insgemein verſtanden, wenn man des Salis alkali ſchlechter - dings gedencket. Und ob man ſchon aus allen Kraͤutern ein dergleichen lixivioͤſes Saltz auslaugen kan, ſo werden ſie doch insgemein von dem Kraut, davon ſie herruͤhren, benamet, als Sal Abſinthii, Centaurii, &c. wiewol gewiß, daß unter allen ſolchen ſixen und urinoͤſiſchen Saltzen die Cineres clavellati und das Sal �ri den Vorzug haben, auch viel beſſer und wohlfeiler zu haben ſind. Sonſten werden ſie von den Waid - und andern Faͤrbern, Seiffenſiedern und Glaßmachern haͤuffig gebrauchet und verthan.

Cinis infectorius, Waid-Aſche, iſt nichts anders als calcinirte Wein-Hefen, hat dieſen Namen, weil ſich die Waid-Faͤrber derſelben ſehr bedienen: wird aus Franckreich ꝛc. in groſſen Faͤſſern und Einſchlaͤ - gen gebracht. Sie muß in ſchoͤnen Stuͤcken und Steinen, auch friſch ge - machet ſeyn, eine gruͤnlicht-weiſſe Farbe und einen faltzicht-bittern Ge - ſchmack haben; ſie muß auch aus guten trocknen Wein-Hefen zubereitet ſeyn. Wird von den Faͤrbern und Seiffenſiedern gebrauchet. Jn der Medicin wird ſie nicht gefuͤhret, auſſer daß man daraus ein Saltz, und aus dieſem ein Ol. per deliquium machen kan, welche dem ��ri und �� p. deliq. an Kraͤfften gleich kommen, doch etwas ſtaͤrcker und cor - roſiver ſind: weßwegen dann mit Zuſatz des lebendigen Kalcks, der La - pis infernalis oder Etz-Stein zu Setzung der Fontanellen, daraus gema - chet werden kan.

Cineres Jovis, Zinn-Aſche, Zinn-Kalck, iſt ein calcinirtes Zinn, beſtehend aus einem graulichten Pulver, woraus, wenn man es ſo lange calciniret, bis es gantz weiß worden iſt, ein Pulver wird, welches eini - ge Ceruſſani Jovis nennen, iſt nichts anders, als der Frantzoſen Blanc d Eſpagne, oder Spaniſche Weiſſe, welches zum Schmincken mißbrau - chet wird.

Cinnabaris, Zinnober, iſt zweyerley, der gemachte und na - tuͤrliche.

Cinnabaris factitia, der gemachte Zinnober, wird durch die Kunſt aus dem Queckſilber und Schwefel gemacht, wenn nemlich zwey Theil wohlgereinigten Qveckſilbers in ein Theil ſchoͤnes compacten gelben Schwefels, welcher in einem Topff geſchmoltzen, incorporirt und grada - tim ſublimiret wird: oder, wenn man den ium zuvor in Scheide- ſol - viret, und mit dem vermiſchet, hernach das Scheide-Waſſer per de -ſtillat. 208CIſtillat. abziehet, und das uͤbrige ſublimiret: insgemein ſublimiren ſie von der Mixtur xxv. . auf einmal, und wenn ſolches geſchehen, wiederum ſo viel, bis das Gefaͤs voll iſt. Er muß von ſchoͤner hoher Farbe und ſchoͤnen Streiffen ſeyn.

Cinnabaris nativa, der natuͤrliche oder Berg-Zinnober, iſt eine Art von Qveckſilber-Ertz, und beſtehet aus einem rothen, ſchweren und glaͤntzenden Stein, welcher gleichſam von der Natur ſelbſten aus den Mercurialiſchen und ſchweflichten Duͤnſten, welche durch des unterirdi - ſche Feuer ſublimiret ſind, mit dem Stein-Saamen zuſammengeſetzet und gezeuget worden: findet ſich haͤuffig in Spanien, wie auch an ver - ſchiedenen Orten in Franckreich, Teutſchland und Ungarn. Man fin - det bey den Materialiſten verſchiedene Sorten, entweder ſteinicht oder pur in Koͤrnern, welcher letztere ſo ſchlechterdinges geſtoſſen und gerieben werden kan, da der erſte viel Reinigung bedarff. Der beſte iſt der veri - table Spaniſche Berg-Zinnober, welcher hoch an der Farbe und ſchoͤn glaͤntzend iſt, auch nicht zu viel ſteinichtes hat: ſtatt dieſes kan man auch einen ſaubern, und abſonderlich den Ungariſchen nehmen, ſo eine Gold - artige Natur hat.

Cinnamomum, Caſſia cinnamomea und Canella, der Zimmet, beſtehet aus einer duͤnnen, von ſeiner aͤuſſern Schale geſauberten, und in lange Roͤhren zuſammen gerolleten Rinde, ſo gelb-roͤthlich iſt, und einen ſcharff-beiſſenden, ſuͤßlichten und aromatiſchen Geruch hat: wird aus Oſt-Jndien, abſonderlich aus der Jnſul Ceylon uͤber Holland ins Reich und andere Laͤnder gebracht. Der Baum dieſer Rinde wird von Her - manno fuͤr ein beſonder Baum-Geſchlecht gehalten: der Stamm hat eines Linden-Baums Dicke und Groͤſſe, breite, groſſe und immer-gruͤ - nende Blaͤtter, wie Citronen-Blaͤtter; es taugen nur junge, als 3. 4 jaͤhrige Baͤume zum Zimmet; die Einſammlung und Abſchaͤlung der Rinde geſchiehet des Jahres zweymal, als im Februario und Auguſto, zu welcher Zeit eine gewiſſe Feuchtigkeit zwiſchen dem Stamm und der Schale zu finden, und alſo beyde deſto leichter zu ſepariren ſind. Die Probe des Zimmets iſt, wenn die Rinde duͤnn und zart, auf der Zunge ſehr ſcharff, doch mit einer anhaltenden Suͤßigkeit vermiſchet iſt, einen guten Geruch und hoch-rothe Farbe hat. Der Zimmet erquicket die Le - bens-Geiſter, ſtaͤrcket den Magen, Mutter und andere Glieder, wird de - rowegen in Ohnmachten, Hertz-Klopffen, Magen-Weh und Bangigkeit, vornemlich aber wider alle Mutter-Beſchwerungen und Schwachheitender209CIder Schwangern nuͤtzlich gebrauchet, er treibet auch die Menſes, Geburth und Nachgeburth, iſt deßwegen den Gebaͤhrenden zu verſchreiben, abſon - derlich wenn ſich Ohnmachten und Schwachheiten zeigen wollen. Er iſt auch in den Haupt-Kranckheiten, als Schlag, Schlag-Fluͤſſen ꝛc. ſehr dienlich, abſonderlich, ſo ſie vom Magen herruͤhren. Zu dieſem Ende brauchet man den Zimmet nicht allein bloß zu Pulver geſtoſſen, ſondern man hat ihn auch mit Zucker uͤberzogen, welchen einige Canellam de Mi - lano nennen; ferner iſt von dem Zimmet das , der Syrupus, roth und weiſſe Eſſenz zum Hippocras, und das deſtillirte Oel; welches, wenn es veritabel und nicht mit dem rectificatiſſimo vermiſchet iſt, alſo probi - ret wird: man tuncke die Spitze vom Meſſer in das Oel, und halte es an das Feuer, brennet das Oel ſo bald, ſo iſt von dem rectiſicatiſſi - mo darunter; iſt aber das Oel pur, ſo wird es nicht leicht brennen, ſon - dern nur einen Rauch von ſich geben. Dieſes Oel iſt die rechte Quint - eſſenz von dem Zimmet, welches man leicht mit etwas Canarien-Zucker zu einem Elæoſaccharo bringen, und in obberuͤhrten Kranckheiten dien - lich gebrauchen kan. Es kommt auch zu dem Turiniſchen Roſſoli, wel - cher alſo gemachet wird:

  • Olei Cinnamom.
  • Caryophyll.
  • ligni Rhodii ß.
  • Ambræ.
  • Moſchi gr. iij.
  • Roſarum.
  • Ω Vini j.
  • m. & filtrentur.

Circinus, ſiehe Zoſter.

Circuitus, ſiehe Periodus.

Circularis motus, ſiehe Circulatio.

Circulatio, Circulatum, ein Kreislauff. Dieſes Wort hat zwey - erley Bedeutung: (1) wird es phyſice fuͤr den Blut-Kreis oder Um - lauff des Bluts im Leibe, Circulatio ſanguinis genannt, genommen. Es verhaͤlt ſich aber dieſe Bewegung des Bluts alſo: das Hertz, von welchem dieſer Lauff den Anfang machet, und in welches er ſich wieder endiget, formiret mit den anhangenden Auriculis gleichſam eine vierbaͤu - chige Machin, welche von allen Theilen des Leibes, indem ſie von den Lebens-Geiſtern unter ſtets einander folgenden Erweiterungen undD dZuſam -210CIZuſammenziehungen agitiret wird, das, durch die ſowol abſteigend-als auf - ſteigende Hol-Ader zuruͤck gehende Blut nimmt, bald auch ſolches durch die Lungen-Arteriam und Aortam wegfuͤhret. Und weil dieſe contrairen Bewegungen des Hertzens, ſo lange der Menſch noch lebet, ſchleunig hin und her gehen, ſo geſchiehets doch aber durch gewiſſe Intervalla, daß das aus der lincken Hertz-Kammer durch die Aortam zu allen Theilen getrie - bene Blut wieder durch die zuruͤckfuͤhrenden Venas in kurtzen in die rechte Hertz-Kammer getrieben, zu den Lungen gehet; aus dieſen gehet es wie - der in die lincke zuruͤck: daher kommt es nun, daß dieſe Bewegung des Bluts, weil es mit ſeinem Hin - und Hergang zu einem Termino kommt, und gleichſam einen Circkel machet, den Titul des Blut-Kreiſes erhalten. (2) Chymice oder ſpagyrice fuͤr Auf - und Abſteigung. Dieſe geſchicht, wenn die Materia in einen Pelican oder Circulir-Gefaͤs, die in einander gehen, durch die Waͤrme erhaben wird, und hernach wie - der herunter auf ſeinen eigenen Leib faͤllet, entweder, um denſelben durch Huͤlffe der Geiſter fluͤchtig zu machen, oder den Spiritum durch den Leib zu figiren ꝛc.

Circulator, ſiehe Agyrta.

Circulatorium, ein Circuli r-Gefaͤß, iſt insgemein ein Pelican oder auch Zwillinge, welche zwey Kolben mit ihren Helmen ſind, derer Schnau - tze in den Kolben gehet. Auch koͤnnen zwey Kolben, die ſich genau in einander ſchlieſſen, darzu dienen.

Circulus, heiſt eigentlich ein Kreis in die Runde. Es wird die - ſes auch vom geſagt, weil er gleichſam im Glaſe einen Kreis ma - chet; ſo werden auch die Chymiſchen Eiſen genennet, mit welchen man die Glaͤſer abkuͤrtzet. Endlich werden auch die Circuli unter die Chirur - giſchen Inſtrumenta gerechnet, derer vollkommene Abbildung bey dem Sculteto zu finden.

Circumciſio, Circumſectio, die Beſchneidung der Vorhaut, iſt im alten Teſtament geboten worden, und wird auch heutiges Tages von den Juͤden ſtricte obſerviret. Sie wird auch unter die Chirurgiſchen Curen gerechnet, wenn man die Vorhaut beſchneidet, die gar zu lang iſt; oder, wenn die gantze Vorhaut verdorben, und ſelbe weggeſchnit - ten wird; auch wird die weibliche Ruthe gleicher maſſen, wenn ſie zu lang iſt, abgeſchnitten: den Modum, ſolches zu verrichten, hat Ægineta Lib. VI. cap. 70. und andere beſchrieben.

Circum -211CI

Circumforaneus, ſiehe Agyrta.

Circumgyratio, das Herumdrehen, iſt eine Art vom Schwindel.

Circumoſſalis Membrana, oder Circumoſſea, ſiehe Perioſtium.

Cirones, ſiehe Sirones.

Cirrus, ſiehe Polypus.

Cirſis Avicennæ, ſiehe Phrenitis.

Cirſocele, ſiehe Teſticulus venereus, und auch Hernia.

Ciſſinum, wird von dem Æginet. fuͤr ein Glieder-Pflaſter gebrau - chet, zu langwierigen Wunden und Stichen.