MAn wuͤrde der vorge - nommenen Beſchrei - bung der Wolle, und der dar aus verfertig - ten Manufacturen kein volles Genuͤgen thun, wann man eine ſo hoͤchſt noth - wendige und nuͤtzliche Manufactur als die Huͤte ſeyn, mit Stillſchwei - gen vorbey gehen wolte. Wir moͤgen es aber wohl eine Manufa - ctur nennen, weil der muͤhſeelige Hutmacher in Knetung oder Wal - ckung des Filtzes rechtſchaffen ſeine Faͤuſte und Armen daran ſtreckenA 2muß,4Vorrede. muß, biß er einen tuͤchtigen Filtz zu - wege bringen kan; wie ſolches in dem Capitel, (da wir eigentlich von der Hutmacher Jhrer Arbeit und Handgriffen gehandelt,) mit mehrern erſcheinen wird. Eine gute Manufactur iſt es hingegen auch in regard der Herren Kauff - leute, als welche mit ihren Engli - ſchen Caſtor - und Frantzoͤſiſchen Codebecker-Huͤten noch immeꝛhin bey uns in Teutſchland guten Pro - fit machen werden, ſo lange wir, un - ſere, an Guͤte der Stoffage, wie auch der Arbeit jenen gleich kom - mende, ja noch offtmahls uͤbertref - fen, die Huͤte nicht wuͤrdig halten, auff unſere Teutſch-Frantzoͤſiſche Koͤpffe zu ſetzen, worzu wir uns iedoch wohl mit der Zeit moͤchten beqvemen muͤſſen, wann eine hohe Landes-Obrigkeit anfangen ſolte, ſolche auslaͤndiſche Huͤte mit hohenZoll,5Vorrede. Zoll, und zwar um ſo viel mehr zu belaſten, als ſelbige, quod bene no - tandum meiſt vor baar Geld muͤſſen eingekauffet, und von unſern Land - Waaꝛen nichts dagegen kan abgeſe - tzet werden. Vor allen iſt es zu be - klagen, weñ man einen arbeitſamen Mann ſehen muß Mangel leiden, welches aber bey vielen Hutma - chern geſchiehet, dahero man billich oberzehltes, wie auch andere ihre Gravamina ſo viel als moͤglich zu ihrem beſſern Fortkommen aus dem Wegraͤumen ſolte; es moͤchte aber ſolches zu hoffen ſeyn, wann wir beſ - ſere Zeiten bekommen, und der ge - meine Mann durch Anwachſung der Commercien ſich wieder in Stand ſetzen wird, daß er ſich eben nicht ſo lang, wie ietzt geſchiehet, mit einem Hut behelffen doͤrffte, ſondern deſſen zum wenigſten jaͤhrlich einen Neuen kauffen kan; denen Hutma -A 3chern6Vorrede. chern aber moͤchte man auff ihrer Seits recommendiren, daß wann ſie gute Kundſchafft haben wolten, ſie auch tuͤchtige und vor allen wohl ſchwartzgefaͤrbte Huͤte machen, und mit liederlichen Wegſchleudern ihrer Huͤte ſich einer dem andern den Marckt nicht verderben ſolten.
Von denen Huͤten insgemein / deroſelben Urſprung / Gebrauch und Nutzen / auch was ihrer Form, wie auch der Materien we - gen / aus welchen ſolche verfertiget we[r]den / zu bemercken ſey / und was vor Handlung damit getrieben werde.
DAß die Huͤte nicht gleich von Anfang der Welt her denen Leuten bekannt geweſen ſeyn, ſondern dieſelbe eben ſo wohl mit bloßen Haͤuptern, als baarfuß einhergegangen, ſolches laͤſſet ſich leichtlich aus der erſten Welt ihreꝛ Simplicitaͤt, und daß die Handweꝛcks - Kuͤnſte erſt nach und nach bekannt, und in U - bung gebracht worden, abnehmen; jedoch ſtehet auch nicht zu zweiffeln, daß wie man etwan zu Anfangs Baum-Rinden, oder Stuͤcklein Holtz nach Art unſer heutigen Capuciner unter die Fuß-Sohlen mit Baſt oder Riemen gebunden, man auch alſo erſtlich gruͤnes Laub, nach - mahls geflochtene Stroh-Kraͤntze, und endlich gar foͤrmliche mit einen Rand gemachte Stroh -A 5Huͤ -10BeſchreibungHuͤte, (zur Abwendung der Sonnen-Hitze, da - mit deren Strahlen, welche ohne dem in denen Morgen-Laͤndern ſehr penetrant ſeynd, dem Haupt nicht beſchwerlich ſeyn moͤchten,) werde gebraucht haben, ſonderlich die Schaͤffer, und Schaͤfferinnen, als welche den gantzen Tag, und auch des Nachts bey ihꝛen Heerden auff dem Feld liegen muſten, und dannenhero die Hitze der Sonnen und das Stechen des Monds ſo viel als moͤglich abzuwenden hatten. Wie denn der from - me Ertz-Vater Jacob im 31. Capitel im 40. v. des Erſten Buchs Moſis klagte, daß er in ſeinen bey Laban ausgeſtandenen Dienſt-Jahren / des Tages vor Hitze, und des Nachts vor Froſt ver - ſchmachtet, und kein Schlaff in ſeine Augen ge - kommen ſey. Wobey ihn denn nicht ſelten der Regen und die Naͤſſe werden incommodiret ha - ben. Dahero dergleichen Schaͤfer und Acker - leute, um ſo viel mehr auff die Beſchirmung ih - res Haupts haben bedacht ſeyn muͤſſen; und wol - len wir eben nicht in Abrede ſeyn / daß nicht et - wan auch ein ausgehoͤlter Kuͤrbiß, oder eine Art von Cocos-Nuͤſſen, groſſen Baum-Schwaͤm - men, item zuſam̃gebundenẽ Baum-Rinden, nicht weniger die Schalen von Schild-Kroͤten und Strauſſen-Eyern, oder ein Stuͤck auffgedoͤrr - tes Leder ihnen darzu gedienet habe; ohne, daß ſie noͤthig gehabt haͤtten, die Veranlaſſung zu denen Huͤten, oder des Haupts Bedeckung, erſt - lich von einem mit eineꝛ Haube odeꝛ Helm gebohr - nen Kinde, (wie einige in denen Gedancken ſte -hen)11des Hutmacher-Handwercks. hen) zu nehmen, ſondern obgleich das Umwin - den des Haupts vornehmlich bey dem Frauenzim - mer ihrer langen Haare wegen, nachmahls auch bey denen Maͤnnern, mit einer Binde, (von wel - cher noch die ſogenannte Turbands oder Tul - bande bey denen Tuͤrcken und Perſianern, auch andern Mahometaniſchen Voͤlckern herkom - men) eine der erſten Hauptbedeckungs-Arten mit geweſen; ſo iſt doch vermuthlich, daß obge - dachter Sonnen-Stralen, wie auch des Regens halber man zugleich auch Huͤte mit breiten Rand werde gemachet haben, und zwar entweder aus Stroh, oder von geflochtenen ſubtilen Weiden, (dergleichen etwan die Korbmacher gebrauchen) oder auch aus breiten Blaͤttern und Kraͤutern. Und wer wolte zweiffeln, daß man nicht auch nach Art der Americaner, von Vogel-Federn eine zierliche Haupt-Decke werde geflochten ha - ben. Denn daß Thubalkain, der erſte Meiſter in Ertz - und Eiſen-Werck ſchon die duͤnnen Ble - che, wie man ſolche heutiges Tags auff denen Eiſen-Haͤmmern zu ſchlagen pfleget, ſolte erfun - den und zubereitet haben, daß man daraus ſolte haben Huͤte machen koͤnnen / ſolches ſtehet nicht wohl zu glaͤuben. Noch weniger werden ſie ſich ſtarcker geſchmiedeter eiſerner Casquet[s]oder Sturm-Hauben, bedienet haben, weil dieſe nur zum Krieg wieder den Hieb und das Abſtuͤrtzen der Steine von denen beſtuͤrmeten Stadt-Mau - ren gewiedmet, und lange nach der Suͤndfluth in Griechenland erſt erfunden worden; uͤberdemauch12Beſchreibungauch dem zarten Frauenzimmer viel zu ſchwer und beſchwerlich wuͤrden geweſen ſeyn. Ferner, ſo iſt auch nicht wohl glaublich, daß man bloß mit Thier-Haͤuten den Kopff und gantzen Leib bede - cket habe, weil ſolches mehr martialiſchen Leu - ten, (welche gern ihren Feinden nach Art der al - ten Teutſchen, in dem Krieg und Schlachten da - durch erſchrecklich vorkommen, und ſelbigen ei - ne Furcht durch das bloße Anſchauen einjagen wollen) zukommet, als daß die vor der Suͤnd - fluth ſchon etwas civiliſirte und galaniſirende Welt (Wie dieſes letztere aus dem 2. v. des 6. Capit. des Erſten Buchs Moſis einiger maßen abzunehmen) ſich deren ſolte bedienet haben.
Deme ſey aber wie ihm wolle, ſo leſen wir doch in heiliger Schrifft, daß im 2. B. Moſis am 28. Cap. v. 4. und 40. der Huͤte und Haupt-Bede - ckung gedacht werde, da GOtt zu dem Hohen Prieſter Aaron ſagte: das ſind aber die Kleider die ſie machen ſollen; das Schildlein, Leibrock, Seiden-Rock, Engen-Rock, Hut und Guͤrtel. Jm 40. Vers wird der Hauben gedacht / welche herrlich und ſchoͤn denen Soͤhnen Aarons ſolten gemachet werden; im 29. Cap. v. 6. muſte dem Aaron ein Hut auff ſein Haupt geſetzt, und die heilige Krone an den Hut angemachet werden. Ob ſolche nun (wie etwan ein koſtbares Kleinod noch heutiges Tages an hoher Potentaten und Fuͤr - ſten ihre Huͤte, ſonderlich an ſolennen Feſt-Ta - gen angehefftet wird, dergleichen wir an des Groß-Hertzogs von Florentz ſeinem koſtbarenDia -13des Hutmacher-Handwercks. Diamant, den er bey gewiſſen Solennitaͤten vorn an dem Hut traͤget, ſehen) nur allein vorn an den Hohen-Prieſterlichen Hut angehefftet und eingefaſſet, oder um den Kopff des Huts herum geleget geweſen; wie wir etwan noch heutigs Tags in alten Gemoͤhlden, Holtz-Schnitten und Kupffer-Stuͤcken, die Koͤnige und Potentaten, mit ſolchen Kronen um ihre hohe Huͤte, derglei - chen noch in einigen vornehmen Reichs-Staͤdten die Rathsherren tragen, abgemahlet finden, ſol - ches laſſen wir dahin geſtellet ſeyn; genung, daß dadurch die Huͤte ſchon unter die mit Ehr beleg - ten Stuͤcke der menſchlichen Kleidung gerechnet worden. Welches auch bey dem Hiob am 19. C. v. 14. beſtaͤrcket wird, da dieſer gedultige Creutz - Traͤger von ſich ruͤhmet: Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog, wie einen Rock, und mein Recht war mein Fuͤrſtlicher Hut, und bey dem Propheten Eſaia am 62. Cap. im 3. v. wird ei - nes Koͤniglichen Huts in der Hand Gottes ge - dacht, deſſen Verluſt hernach um Miſſethat wil - len, bey dem Propheten Ezechiel im 21. Capitel am 26. v. von dem Herrn Herrn verkuͤndiget wird; Danielis am 3. im 21. v. ſtehet, daß die drey Gottes fuͤrchtigen Maͤnner Sadrach, Mc - ſach und Abednego, in ihren Maͤnteln, Schu - hen, Huͤten und andern Kleidern gebunden, in den gluͤenden Ofen geworffen worden; Bey dem Propheten Zacharia am 3. Cap. im 5. v. wird der Hohe Prieſter Joſua in einem reinen Hut, der ihme auff ſein Haupt geſetzet worden, vorgeſtellet,und14Beſchreibungund wie wird nicht die Herrlichkeit des Hohen Prieſters Aarons, welche unter andern auch an dem Hut ſeines Haupts erſchienen, im 18. Cap. des Buchs der Weißheit im 24. v. ſo trefflich ab - gebildet? Der weiſe Haußlehrer Syrach thut im 45. Capit. im 14. v. ſeines Hauß - und Zucht - Buchs, des Guͤldenen Stirn-Blats an dem Hut Aaronis Meldung, in welchen die Heiligkeit ſo herrlich, koͤſtlich, lieblich und ſchoͤn gegraben ge - weſen, daß man deßgleichen vor ihm nie geſehen.
Woraus klaͤrlich abzunehmen, daß die Huͤte, o - der Haupt-Bedeckung von Uralten Zeiten her in Gebrauch geweſen ſey, obgleich nicht bey allen Nationen, ſintemahl wie wir bey dem Æliano leſen, die Egyptier allezeit mit bloßen Haupt von Jugend an biß in ihr hohes Alter gegangen / und dahero, (weil ſie ſonderlich ihre Haͤupter fleißig beſcheren laſſen, ſo dicke Hirn-Schalen bekom - mer, daß man ſie kaum mit Gewalt hat einſchla - gen oder zerſchmettern koͤnnen. Dahingegen nach Herodoti Zeugniß die Perſianer, weil ſie im - mer ihre Koͤpffe ſorgfaͤltig bedeckt gehalten, ſo zarte und dinne Hirnſchaͤdel gehabt, daß man ſie auch mit einen kleinen Steinlein verletzen koͤn - nen. Noch heutigs Tags finden wir alte Eiß - graue, zum Theil auch Kahlkoͤpfige, nach demal - ten Schrot und Korn gemachte Maͤnner, welche viel geſunder und weniger den Fluͤſſen, Podagra und andern Incommoditaͤten, als diejenigen un - terworffen ſeyn, welche ſorgfaͤltig von Jugend auff Peruquen getragen, oder alle rauhe Win -de,15Hutmacher-Handwercks. de, (damit ſie von ſolchen nicht moͤchten angewe - het werden) vermieden haben. Aus denen Roͤ - miſchen und Griechiſchen Statuis, oder Bildern beruͤhmter Leute, Helden und Regenten, laͤſt ſich auch abnehmen, daß ſolche Nationes viel mit bloßen Haͤuptern muͤſſen gegangen ſeyn. Wie deñ ſonſt Julius Cæſar wegen ſeines Glatz-Kopfs nicht noͤthig gehabt haͤtte die hindern Haare des Hauptes hervor zu ſtreichen, oder mit Verguͤn - ſtigung des Roͤmiſchen Volcks einen Lorber - Crantz um ſeine Schlaͤffe zu tragen: wann der Gebrauch der Huͤte damahls im Gebrauch ge - weſen waͤre; weil er ſonſt mit ſolchen leichtlich ſeine Glatze, die Jhme als ein Zeichen eines groſ - ſen Ehebrechers ausgeleget wurde, mit dem Hut haͤtte bedecken und als Dictator, und endlich gar Kaͤyſer, ſich ſolchen vor andern abzuziehen, diſpenſiren koͤnnen; alſo wird auch des Agatho - clis Koͤnigs in Sicilien Bildniß, weil Er eben - falls einen kahlen Kopff gehabt, mit einem Crantz von Myrthen-Blaͤttern vorgeſtellet. Jedoch moͤ - gen darum doch auch die Huͤte, nicht auſſer Ge - brauch, und die mode der entbloͤßten Haͤupter (wie heutigs Tags das Hut unter dem Arm Tra - gen) nur bey vornehmen Leuten in Solennitaͤ - ten, und ſonderlich in Triumphis und oͤffentli - chen Einzuͤgen uͤblich geweſen ſeyn; da man im uͤbrigen bey anderer Gelegenheit ſich derſelben nuͤtzlich bedienet. Denn alſo ſchreibet Lipſius in Tract. de Amphi-Theatris, daß auch bey de - nen Roͤmern, in denen Schau-Spielen, auffder16Beſchreibungder Reiſe und im Kriege, (da bekannter maßen, die Helme und Sturm-Hauben bey ihnen einge - fuͤhret geweſen,) ingleichen in Regen und Wit - terungen, wie auch bey alten und leidtragenden Leuten, das Haupt damit zu bedecken uͤblich ge - weſen. Kaͤyſer Auguſtus hatte, wie Suetonius berichtet, das Haupt ſtets mit einem Hut bede - cket. So muß ja auch Tarquinius einen Hut getragen haben, weil ihme ſolchen in ſeiner Reiſe nach Rom, ein Adler ſanfft vom Kopff herunter genommen, ſelbigen ein wenig in die Hoͤhe er - hoben, und hierauff wieder ohne Schaden auff - geſetzet. Worauff ſeine, in der Wahrſager - Kunſt erfahrne Gemahlin Tanaquil geprophe - zeyet, daß er zu Rom, wo ſie beyde hingedaͤch - ten, ein groſſer Mann werden wuͤrde. Wie denn auch in der That geſchehen, indem nach des Koͤ - nigs Anci Martii Tod, dieſer Tarquinius zur Roͤmiſchen Koͤnigs-Wuͤrde erhoben worden; welche er doch nicht lang genoſſen, weil er bald hernach von des bemelten Ancii Soͤhnen, als ein Uſurpator Jhres Vaters Reichs, mit dem Beil hingerichtet wordẽ. Von dem Kaͤyſer Nero - ne ſchreibet Suetonius, daß Er taͤglich des A - bends ſeinen Hut auffgeſetzet, ſolchen (damit Er unerkenntlich ſeyn moͤchte) tieff in die Augen ge - zogen, und damit die Wirths - und Hur-Haͤuſer durchgelauffen ſey. Bey denen Griechen, wer - den Mercurius, Ulyſſes und Hippocrates mit Huͤten bedecket vorgeſtellet. Daß auch die Huͤte bey denen Parthern, Scythen, Garamanten,Moh -17des Hutmacher-Handwercks. Mohren und Sineſern vor langer Zeit in Ge - brauch geweſen ſeyn; ſolches iſt bey Anshelmo Solerio weitlaͤufftig zu leſen.
Es iſt aber die Form, Qualitaͤt, Benennung und Bedeutung der Huͤte mancherley; der Form nach ſeynd etliche hohe und ſpitzige, etliche platte und niedrige, breit und ſchmal, ſtuͤlpige, run - de oder eckigte, gefaltene oder glatte, nachdem es nehmlich eines Orths der Gebrauch und Her - kommens, oder die mode iſt, zuweilen auch das Spruͤchwort, daß einem jeden Narren ſeine Kappe gefalle, dabey eintrifft. Nachdem, was hernach die Hut-Staffirer darzu thun, ſeynd ſolche Huͤte entweder mit Seiden oder Silber eingefaſte, mit Flor oder Sammet uͤberzogene, auffgekrempte, gefuͤtterte Huͤte, und was der - gleichen mehr.
Der Qualitaͤt nach, ſind etliche grobe oder feine, Sommer oder Winter, Reiſe, Regen - und Strappaza[-]Huͤte / deren etliche Waſſer hal - ten, und wie die Codebecker und Doͤbler Huͤ - te thun, nicht leieht durchgenetzet werden koͤnnen. Sie ſeynd auch ſtarck geleimte, oder weich und ſchlappe, die man, ohne daß ſie brechen, zuſam̃en - wickeln, und einige ihrer Geſchmeidigkeit wegen gar in Schubſack ſtecken kan.
Jhre Benennung nehmen ſie entweder von dem Lande oder Stadt, wo ſie gemachet werden, als daß man ſagt: ein Engliſcher, Frantzoͤſiſcher, Codebecker, Berliner, Dreßdner oder Doͤb - liſcher, (das iſt in der Saͤchſiſchen Stadt Doͤ -Bbeln,18Beſchreibungbeln, welche ſonderlich wie das Tuch, alſo auch des Hutmachens wegen beruͤhmt iſt) gemachter Hut. Sie heiſſen auch von der Perſonen ihren Alter, Kinder oder Jungens und erwachſener Leute oder Maͤnner Huͤte. Nach ihrer Quali - taͤt aber Bauren Huͤte, das iſt grobfiltzigte, und denn ſchon etwas feinere, vor Buͤrger und hoͤ - here Standes-Perſonen. Wiewohl ſich man - cher Landmann darunter auch nichts nehmenlaͤſt ſondern offt einen ſo guten und feinen Hut, als ein Stadt - oder Buͤrgersmann traͤgt, weil er ſol - chen eben ſo wohl, und zuweilen noch beſſer als dieſer bezahlen kan; ſonderlich, da nunmehro die feinſten Huͤte ſo gut in Teutſchland als in Franck - reich und Engelland, und auch weit wohlfeiler ge - machet werden, dadurch zum wenigſten vor Teutſchland Jaͤhrlich eine halbe Million Reichs - thaler erſpart wird. Welche ſonſt vor dergleichen Huͤte nach Engeland und Franckreich geſand werden muͤſſẽ. Ja es wuͤrde der Nutzen noch groͤſ - ſer ſeyn, und ſich in manches Herrn Land etliche 100. Mann Soldaten davon unterhalten laſſen, weñ man auff die noch biß dato eingehende frem - de Huͤte einen Reichs-Thl. pr. Stuͤck Accis leg - te, damit zum wenigſten der Teutſche Frantzoß, welchem nichts gut duͤncket, als was aus der Frembde koͤmmt, und fein theuer iſt, ja welcher ſich mehrmahls darinnen uͤber ſeinen eigenen Landes-Herrn, (der ſelber kein Bedencken traͤgt, von ſeines Landes Manufacturen einen Hut auff dem Kopff zu tragen) erheben und vor ſolchen et -was19des Hutmacher-Handwercks. was voraus haben will, ſeine Luͤſternheit, unge - gruͤndetes Vor-Urtheil, Hochmuth, und weni - ge Liebe zu ſeinen Vaterlande, oder doch zum we - nigſten zu dem Lande, von deſſen Landes-Herrn er ſein Brod haben muß, theuer buͤſſen und bezah - len muͤſte.
Ferner, ſo heiſſen auch die Huͤte nach dem Ge - brauch und Dignitaͤtẽ der Perſonen, Churfuͤrſtl. Cardinals und Biſchoͤffliche, Praelaten. Do - ctors - Rathsherren - Soldaten - und Sturm - Huͤte ꝛc.
Jn Schertzhafften Verſtand aber Hahnrey - Huͤte und Narren-Kappen ꝛc. Von welchen al - len in folgenden Capitel mit mehrern wird gehan - delt werden.
Die Bedeutung der Huͤte betreffend, ſo wolten die Alten ſonderliche Kennzeichen der er - langten Dignitaͤten und Wuͤrden durch ſolche zu bemercken geben; als wenn bey denen alten Roͤ - mern jemand aus der Knecht - und Leib-Eigen - ſchafft in die Freyheit kam, ſo wurde er in den Tempel der Goͤttin Feroniæ, mit einem Hut be - ſchencket. Als auch der Tyrann Nero an eben dem Tag, an welchen er zuvor Octavium getoͤ - det hatte, geſtorben, lieff das Roͤmiſche Volck, zum Zeichen ihrer durch des Tyrannen Tod nun wieder erlangten Freyheit, mit Huͤten auf den Koͤpffen in der Stadt herum. Nicht weniger die - nen auch die Huͤte, wenn wir zum Zeichen der Reverenz, die wir gegen einen andern haben, den Hut ehrerbietig vor ihn abnehmen. Sie dienenB 2aber20Beſchreibungaber auch zu Bezeugung der Hoheit und ober - herrlichen Gerechtigkeit, wie hernach in dem fol - genden Capitel mit Exemplis wiꝛd bewieſen wer - den. An etlichen Orten wird auff oͤffentlichen Marck-Plaͤtzen ein Hut auff eine Stange geſte - cket, zum Zeichen, daß nunmehro jedermann erlaubt ſey frey zu kauffen und zu handeln; ſo bald aber ſolcher Hut wieder abgenommen wird, ſo muͤſſen ſich die Verkaͤuffer und Frembden des Kauffens enthalten, und ſolches allein denen Buͤrgern uͤberlaſſen. Ein Hut iſt auch zuwei - len auff Bauren-Kirmeſſen der Gewinn oder das Præmium deßjenigen, der im Wettrennen, oder Mayen-Baum beſteigen ſich vor andern ſignaliſiret. Von einem Grobiano, der den Hut nicht gern abziehet, ſagt man: Er habe Sperlin - ge oder andere Voͤgel darunter, und ſorge, daß wenn er den Hut abzoͤge, ſolche außfluͤgen moͤch - ten. Wie mancher vermeinter Philoſophus, oder beſſer auff Teutſch zu ſagẽ, Schulfuchs in ſeinem breiten unauffgeſiuͤlpten hohen Spitz-Hut eine Philoſophiſche Gravitaͤt ſuche, ſolches iſt bekant. Von denen Weibern, die uͤber ihre Maͤnner das Regiment affectiren, ſagt man, ſie haben den Hut, id eſt, ſie maßen ſich deſſen, nehmlich des Hauß-Regiments an, welches ihnen nicht ge - buͤhret; zuweilen aber doch vernuͤnfftiger in ih - ren, als des Mannes Haͤnden, (wenn er ſolches gleich behalten haͤtte) gefuͤhret wird.
Die Materiam betreffend, aus welcher die Huͤte und die zu denenſelbigen gerechuete Barete,Muͤ -21des Hutmacher-Handwercks. Muͤtzen, Hauben und Kaͤplein verfertiget wer - den, ſo mag man wohl ehmahls nach Athenæi Bericht, zottigte Huͤte und Hauben aus Schaaf - Fellen zubereitet haben, welche Vegetius Pan - nonicos nennet. Die Roͤmer machten auch wohl aus zerfetzten Reiſe-Maͤnteln ihre Huͤte; wie aus Papinio und Martiali, Pierius erzehlet, wiewohl wir dergleichen Occaſions-Huͤte, mehr denen Soldaten, als Buͤrgers-Leuten ſelbiger Zeit zuſchreiben wollen. Von denen Gara - mantis erzehlet Lucianus, daß ſolche Strauſ - ſen-Eyer entzwey geſchnitten, und ſelbige ſtatt eines Huts getragen. A. 1518. ſoll man nach Zeileri Bericht in Schwaben am erſten ange - fangen haben, Huͤte oder Barete aus ſteiffer ge - leimter Leinwand gemacht, und mit Sammet, Seiden-Zeug oder Tuch uͤberzogen, zu tragen. Heutigs Tags braucht man mehrentheils Wol - le und Haar, wie denn von dieſen Letztern das lateiniſche Wort Pileus, von Pilis (entweder, weil damahls ſchon die Huͤte aus Haaren gema - chet worden, oder dieſelben zu bedecken dienten) herkommet, die Stroh-Huͤte, deren ſich bey uns einiges Frauen-Volck bedienet, laſſen wir an ihren Ort geſtellet ſeyn.
Sturm-Huͤte und Casqueten werden aus Ei - ſen und Leder gemachet. Jn dem dritten Buch Moſis am 16. Cap. im 4. v. wird eines Leinen, oder von Leinwand gemachten Huts gedacht, als eines Stuͤcks der heiligen Kleider, welche Aa - ron anhaben muſte, wenn er in das imvendigeB 3Hei -22BeſchreibungHeiligthum hineingehen ſolte. Dieſe aus Lein - wand gemachte weiſſe Kleider wurden die Ver - ſoͤhn-Kleider genannt, von welchen Maymoni - des im 18. Cap. des Buchs Halacha Cele Ham - mikdasch, aus dem Talmudiſchen Tractat Maſſachta Joma genannt, ſpricht: Der Klei - der Laban waren vier, die der Hohe Prieſter auf den Feſt-Tag, wann er das Amt verrichtete, an hatte; es waren weiſſe Kleider allein aus Lein - wand verfertiget, nehmlich ein Rock und Unter - Hoſen, ein Guͤrtel und eine Muͤtze; denn der Hohe Prieſter durffte niemahls mit unbedeckten Haupt den Gottes-Dienſt abwarten. Jm uͤbri - gen war dieſes weiße Kleid ſo gar und allein zum Heiligſten der Heiligen / oder zum Allerheilig - ſten des Tempels gewidmet, daß der Hohe Prie - ſter, wenn er an demſelben Verſoͤhn-Tage, auſ - ſerhalb des Allerheiligſten das Amt abwarten wolte, zuvor das Weiße ab, und das Guͤldene Kleid anlegen muſte / vid. Cunæus in Repub. Jud. lib. 2. Cap. 1. et 2. p. 163. & ſeqq. Jm dritten Buch Eſræ am 2. Capitel wird eines Seidnen Huts gedacht; heutigs Tags werden die meiſten Huͤte von Wolle und Haaren ge - macht, davon aber ein mehrers in dem dritten Ca - pitel, da wir ex profeſſo von dem Hutmacher - Handwerck ihren Inſtrumentis und Handgrif - fen handeln, wird geredet werden.
Folget nunmehro von der Handlung, die mit Huͤten, Bareten und Muͤtzen in der Welt getrie - ben wird. Die Erſte, nehmlich die Huͤte belan -gend,23des Hutmacher-Handwercks. gend, ſo iſt oben ſchon Anregung gethan, daß Teutſchland biß hieher viel feine Haar - und Woll-Huͤte, ſonderlich gantz und halbe Caſtor aus Engeland und Franckreich gezogen habe, welche aber nunmehro in Teutſchland, ſonder - lich ſeit der Zeit, da ſich die reformirten Fran - tzoſen darinnen niedergelaſſen, ſo gut / als in ob - beſagten Reichen gemachet werden. Daß man alſo der frembden Huͤte gar nicht noͤthig haͤtte, o - der doch zum wenigſten dieſelben zum Profit des Ærarii, und theils zum Einfluß in der Hutma - cher Jnnungs-Lade zum Fundo des Auffhelf - fens der armen Hutmacher, gar wohl mit hoher Accis belegen koͤnte. Allermeiſt, weil dieſe Waar ohne dem kein reales Handels-Stuͤck, ſondern nur in Galanterie-Kraͤmer Haͤnden iſt, die ſie auſſerhalb vor baar Geld einkauffen, und nichts von unſern Teutſchen Land-Waaren dagegen abſetzen, bey welchen man ſich auch, ob man ſolche gleich verbieten ſolte, keiner Repreſſalien zubeſorgen hat. Was die Wollen-Huͤte anbe - langt, deren uns Franckreich ſonderlich von ih - ren Codebecker biß hieher eine groſſe Qvantitaͤt zugeſchickt, iſt nunmehro faſt keine Teutſche Provinz oder Stadt mehr, in welcher nicht ſo ein tuͤchtiger und Waſſerhaltender Hut, als in Codebec ſolte gemachet werden. Wenn man uͤberdas in Teutſchland die loͤbliche Frantzoͤſiſche Manier annehmen, und denen Hutmachern durch ein Reglement aufflegen ſolte, wie ſie ſich im faͤrben der Huͤte zu verhalten, daß ſolche nachB 4der24Beſchreibungder in dem dꝛitten Capitel beſchriebenen methode beſtaͤndig ſchwartz bleiben moͤchten, ſo wuͤrden voͤllig die Beſchwerden gehoben ſeyn; um wel - cher willen bißanhero die Frantzoͤſiſchen Huͤte de - nen Teutſchen vorgezogen worden.
Die ſogenannten Hutſtaffirers oder Baret - Kraͤmers belangend, iſt ihr Stand und Profes - ſion allerdings nuͤtzlich und noͤthig, weil ſie die von denen Hutmachern verfertigten Huͤte voͤllig zu garniren, und auch allerhand Sorten von Huͤten und Bareten, denen die ſolche fordern, vorzulegen wiſſen, wiewohl dabey denen Hut - machern das Garniren oder Einfaſſen ihrer eige - nen gemachten Huͤte, wie auch das Hauben-Ein - ſetzen unbenommen bleibet. Jn Paris machen die Hutſtaffirer oder Haubenmacher den fuͤnff - ten Stand der Kauffleute, und haben allerley Hauben und Kappen, ſowohl viereckigte, als andere, wie auch Seidene, Wollene und Zwir - nene Struͤmpffe, Cameel-Haar, und andere dergleichen Galanterie-Waaren zum Kauff. Bey uns in Teutſchland werden die Prieſter-Ba - ret und Rathsherren-Huͤte von ihnen verferti - get, und nach Begehren mit Tuch, Sammet oder Seide uͤberzogen.
Was man ſo wohl Moraliter als Politice uñ Hiſtorice der Huͤte und ihres Rechts wegen zu beobachten habe / da denn ſonderlich ei -ne25des Hutmacher-Handwercks. ne ausfuͤhrliche Beſchreibung Chur - und Fuͤrſtlicher, wie auch der rothen Cardinals - und anderer ſonderbahren Huͤte, item wie von einem auffgeſteckten Hutder Schwei - tzer Freyheit / ihren Anfang zum Theil mit genommen, gegeben wird.
JN dem vorigen Capitel iſt allbereit ein An - fang unterſchiedlicher, die Huͤte angehen - de Betrachtungen, gemachet worden; in dieſem ſoll es nun ausfuͤhrlicher geſchehen, und zwar haben wir die Huͤte / als ein ſonderbahres Stuͤck unſerer nach den Suͤnden-Fall benoͤthig - ten Bekleidung anzuſehen, mit welchen vornehm - lich das Haupt, als der vornehmſte Theil des Menſchlichen Coͤrpers, der Sitz der Vernunfft und der (alle andere Glieder regend - und bewe - genden) Lebens-Geiſter bedecket, und ſo wohl vor der Hitze der Sonnen, als auch dem von Wind, Schnee und Regen entſtehenden Unge - mach beſchirmet, und nach Erforderung der Landes-Art gezieret wird. Wenn wir den Himmel anſehen, ſo iſt ſelbiger ein Hut, oder ruͤnd um den Erdboden gehende Bedeckung deſ - ſelben; die Haͤuſer ſeynd denen Menſchen zu glei - chen Nutzen gebauet, und der Menſch als die klei - ne Welt traͤgt auff ſeinem Coͤrper eine ſolche Be - deckung, umb vor dem Ungemach der Sonnen - Strahlen und des Regens ſicher zu ſeyn, weil nun dieſes kleine Schirm-Dach von Huͤten be -B 5weg -26Beſchreibungweglich iſt, und nach Belieben auffgeſetzt und abgenommen werden kan, als hat man eben wie in dem Segelſtreichen auch ein Point d’ hon - neur und Stuͤck der Hoͤfflichkeit darinn geſucht, daß ein Oberer gegen ſeinen Untern bedeckt, die - ſer aber gegẽ jenẽ unbedeckt ſtehet. Welches auch ſo weit exaggeriret und ſo genau geſuchet wird, daß man endlich gewiſſe Vor-Rechte daraus ge - macht, ſelbige auch in gewiſſe Graͤntzen einge - ſchloſſen hat; alſo wird ſich ſo leicht niemand entbloͤden in Gegenwart ſeines Landes-Herrn, mit bedeckten Haupte zu ſtehen, es muͤſte denn ein Menoniſt oder Quacker, oder gar ein unge - ſchliffener Bauer ſeyn. Ein Landes-Herr hinge - gen wird dieſesfalls die in Jhm reſidirende Ho - heit und Majeſtaͤt, in Faͤllen das Staats-Cere - moniel betreffend, auch ſchon in der Bedeckung zu obſerviren wiſſen. Hingegen wo dieſes ceſſi - ret, und das Decorum die Oberhand nimmt, da hat man taͤgliche Exempla, daß theure Landes - Vaͤter, die, ſie venerirende Untere, auch mit Ge - gen-Abziehung des Huts, ja wohl manchmahl aus ſonderbaren Trieb der Guͤtigk. und Hoͤff - lichkeit dieſelbe gar unbedeckt anzuhoͤꝛen begnadi - get haben; welcher kleine Faveur zuweilen mehr Renommee und Gegen-Liebe, als groſſe Ge - ſchencke, oder zur Unzeit erzeigte Ernſthafftigkeit, erwecket hat, nach dem bekannten Sprichwort: Sapientis eſt nonnunquam de ſuo Jure rece - dere, es iſt manchmahl gut und viel wuͤrckend, etwas von dem vor ſich habenden Recht nachzu -laſ -27des Hutmacher-Handwercks. laſſen. Aber wieder auff den erſten Fall, nehm - lich des clauſulirten Ceremoniels zukommen, ſo iſt bekannt, daß alle Spaniſche Grandes ſich vor ihrem Koͤnig, wenn ſie mit ihm reden, bede - cken moͤgen, wiewohl mit dieſem Unterſchied, daß die Grandes von dem erſten Rang mit dieſen Worten von dem Koͤnig zum Grandat erhoben werden: Bedecket euch / und vor die Eurigen; auff welche Worte ſie den beſonderen Vortheil haben, daß ſie ihre hohe Wuͤrde auff ihre Erben fortſetzen koͤnnen. Die Graudes vom andern Rang haben zwar auch die Genade, daß ihnen der Koͤnig ſich zu bedecken befiehlet, doch ſaget der Koͤnig nichts mehr dabey; dahero wenn ſie ſterben / auch das Grandat mit ihnen abſtirbt, und weiter nicht in die Familia fort erbet, Die Grandes des dritten Rangs duͤrffen ſich nicht e - her decken, biß der Koͤnig geredet hat.
Welcher geſtalt hoher Potentaten Geſandte, bey ſolennen Audienzien an andern Hoͤfen ſich zu bedecken, und ſolcher geſtalt ihr Anbringen zu thun pflegen, ſolches iſt nicht allein aus der taͤglichen Erfahrung bekannt, ſondern auch weitlaͤufftig mit gar vielen rationibus und Ex - emplis bey unterſchiedlichen Authoribus, vor - nehmlich in des Herrn von Wicqueforts Ambaſ - ſadeur zu ſehen, und iſt hieher nicht zu ziehen des Tyranniſchen Draculæ Waywodens in Sieben - buͤrgen ſeine wieder das Voͤlcker-Recht lauffende That, da er denen an ihn von der Ottomanni - ſchen Pforte geſandten Legatis, weil ſie ihreHaͤu -28BeſchreibungHaͤupter nicht vor ihn entbloͤſen, und ihre Tuͤr - ckiſche Buͤnde nicht abziehen wollen, ſolche auff den Koͤpffen annageln laſſen.
Wann Gleiche mit Gleichen ſich einander be - gegnen, ſo erfodert unter Civiliſirten Leuten die Hoͤfflichkeit ſich einandeꝛ durch Abziehung der Huͤ - te zu ſalutiren / und ſo mancher grober Geſell einen ihm ſolcher Geſtalt Ehr erweiſenden / nicht mit gleicher Hoͤfflichkeit begegnen ſolte, ſo haͤtte der dadurch beleidigte zu gedencken, quod honor ſit honorantis, non honorati, daß die alſo erwie - ſene, aber uͤbel vergoltene Ehr-Bezeugung wie - der auff ihn zuruͤck gehe, als einen der die Regu - la der Hoͤfflichkeit, (welche der andere Grobia - nus aus der Acht gelaſſen) in acht genommen hat Nachdem aber, das ſolcher geſtalt mit Ab - ziehung des Huts erzeigte Begruͤſſen etwas de - licat, in Anſehung des darunter veiſirenden Point d’ honneurs bey einigen, wiewohl offtmahls uͤ - bel gegruͤndet und mal a propos, werden will, ſo iſt nunmehro die mode in groſſen Staͤdten auff - gekommen, die Huͤte unter den Armen zu tragen, umb dadurch zu keinen ſtetigen oder vergeblichen oder auch uͤbelangewandten und zubereuenden Hut abziehen, verbunden zu ſeyn, ſehr eingeriſ - ſen, und zwar einiger maßen nicht ohne Nutzen und Beqvemlichkeit, deren auch einige dieſe ſeyn mag, daß durch das viele Abziehen und wieder Auffſetzen, die Huͤte nicht zu ſehr begriffen, und die Fronten an denen Peruquen zu viel niederge - druͤckt und in Unordnung gebracht werden moͤch -ten.29des Hutmacher-Handwercks. ten. Wenn in deſſen geringere vor denen, welche Honoratiores als ſie ſeyn, ſchon manchmahl den Hut zu Ehren abziehen, ob ſie gleich keine Ge - gen-Hoͤfflichkeit empfangen, ſo muß es darum nicht gleichuͤbel von ihnen ausgeleget werdẽ, an - geſehen, auff ihrer Seite eine groͤſſere Verbin - dung darzu, als auff jener ſeynkan, uͤber dem auch ihrer viele die begruͤſſet worden / offtmahls entweder in die Ferne nicht wohl ſehen koͤnnen, umb ihr Gegen-Complement abzuſtatten; oder auch in Gedancken gehen, daß ſie dißfalls an dem Decoro wieder ihren Willen einen Mangel er - ſcheinen laſſen; etwan auch den Alter, der Con - dition oder andern Umſtaͤnden nach, von dem Gruͤſſenden ſo weit entfernet ſeyn, daß ſich deꝛſelbe deßfalls gar nicht zu formaliſiren Urſach hat, ſon - dern nach als vor ſeine Schuldigkeit fortzuſetzen nicht ermangeln muß.
Hierbey faͤllt nun nicht unbillich die Frage vor, was von denjenigen zu halten, welche in waͤhren - der Predigt in der Kirchen, ſonderlich bey Nen - nung des allerheiligſten Nahmens JESU, o - der der hochheiligen Dreyeinigkeit, ihre Huͤte auff den Koͤpffen ſitzen laſſen, gleich als wenn ſie mit Pech darauff geklebet waͤren, wir antwor - ten, daß ſolches eine uͤble Zucht und Gewohnheit ſey. Dort dorffte Moſes zu dem brennenden Buſch nicht nahen, er hatte denn zuvor ſeine Schuh ausgezogen, denn die Staͤdte darauff er ſtand, war heilig, wie zu leſen im 2. Buch am 3. Capitel. Nun lebet aber eben dieſer GOtt,der30Beſchreibungder damahls aus dem Buſch zu Moſe rieff, und ihme die Schuhe auszuziehen befahl, noch auf den heutigen Tag, iſt auch in ſeiner Kirchen feu - rigen Wort, und heiligen Geheimnuͤß-vollen Sa - cramenten, noch immer gegenwaͤrtig, nach ſei - ner ewigen Verheiſſung beym Evangeliſten Mat - thæo am 27. Cap. v. 20. Warum ſolte denn von denen heutigen Chriſten weniger Reſpect gegen ein ſolches heiliges Weſen, als dort von dem Mo - ſe erfodert werden: Es ſollen ſich ja in dem Nah - men JESU beugen alle die Knie die in Himmel, auff der Erden und unter der Erden ſeyn, nach dem in der Epiſt. S. Pauli an die Philipper C. 2. v. 10. vor uns habenden Befehl? Warum denn nicht auch die Huͤte abgezogen? welches noch lange nicht ſo viel Muͤhe, als das Knie-Beugen machek. Jn der Offenbahrung Johannis am 4. Cap. im 10. v. leſen wir, daß die 24. Aelteſten vor dem der auff dem Stuhl ſaß, niedergefallen, und den angebetet, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, daß ſie auch ihre Kronen vor deſſen Stuhl mit dieſen Worten hingeworffen; HErr du biſt wuͤrdig zu nehmen Preiß und Ehre und Krafft, denn du haſt alle Dinge geſchaffen, ꝛc. So nun die triumphirende Kirche ihre allertieff - ſte Devotion GOtt und dem Lamm, welches unſer HErr und Heyland CHriſtus JEſus iſt, mit Niederwerffung ihrer Cronen zu den Fuͤſſen ſeines Throns alſo bezeuget, wie vielmehr haben ſteꝛbliche und noch Staub und Aſche ſeynde, auch unter der Suͤnde annoch lebende Menſchen Ur -ſach,31des Hutmacher-Handwercks. ſach, ihre Demuth und Reverence dem Hoͤch - ſten und vollkommenſten Weſen, der allerhei - ligſten Dreyeinigkeit, durch Abziehung der Huͤ - te, ja gar nach der Ermahnung Pauli in denen Gottes-Haͤuſern unbedeckt zu bleiben, zu erwei - ſen? kein ſupplicirender Unterthan erkuͤhnet ſich ja, den, der uͤber ihn geſetzet iſt, ohne Ehrerbietung und Entbloͤſung des Haupts anzutreten; wie ſol - te ſich denn ein ſuͤndiger Menſch eines ſolchen ge - gen den HErrn aller Herren unterſtehen doͤrffen. Jſt demnach die in Engeland eingefuͤhrte Manieꝛ, daß niemand in denen Kirchen, unter wehrenden Gottesdienſt den Hut auffſetzet, ſehꝛ loͤblich, und ſchreibet hiervon der Author des Memoires d’ Angletterre p. 119. gar wohl: Die Engli - ſche Kirche ſiehet dieſes vor einen erſchrecklichen und Verdammniß-wuͤrdigen Greul an, daß Chriſten welche GOtt kennen, ſich erkuͤhnen moͤ - gen, an heiligen und zu Gottes Ehre geweyheten Oertern die Huͤte auffzuſetzen, ja es iſt das Auf - ſetzen der Huͤte oder Barete allermeiſt, wenn es ein Prediger auff der Cantzel ſelbſt thut, eine ſo groſſe Aergerniß vor einen eyfrigen Church - man, daß er lieber den Teuffel aus der Hoͤll, als einen ſolchen bedeckten Prediger ſehen ſolte, und wuͤrde noch mancher mehr in die Kirche kommen, wenn er nur nicht das Aufſſetzen der Huͤte, beydes an einigen Predigern, als Zuhoͤrern befuͤrchten doͤrffte.
Wir gehen aber weiter und bemercken, daß gleichwie der Hut, den man auff den Kopff ſetzet,und32Beſchreibungund die Hut oder Huͤtung die man uͤber lebendi - ge und lebloſe Dinge nimmt, (dahero auch Huͤ - ter, ein Waͤchter, Auffſeher und Beſchirmer) gleichlautende Woͤrter ſeyn; alſo geben uns auch ſolche Huͤte ein ſchoͤnes morale der ob uns ſtets waltenden Genade Gottes, Er huͤtet und wacht, ſtets fuͤr uns tracht, auff daß uns ja nichts fehle, ſinget die Chriſtliche Kirche. Jn Erwegung deß, wenn die Hand Gottes einmahl von uns ab - gezogen ſeyn ſolte, wir wie verirrte Schaafe dem Hoͤlliſchen Raub-Wolff zu Theil werden wuͤr - den. So uns auch die Huͤte vor der Sonnen Stralen, und dem Fluͤſſe bringenden Monden - ſchein beſchuͤtzen, ſo behuͤtet uns noch vielmehr die Allmachts-Hand des Allerhoͤchſten, und iſt ein Schatten uͤber uns, daß uns des Tages die Son - ne nicht ſteche, noch der Mond des Nachts. Pſ. am 21. v. 5. 6.
Huͤte werden denen Kindern nicht gleich auff - geſetzet, auſſer was die ſo genannten Wuͤlſte und ausgeſtopfften Fall-Huͤte, welche ſie im Fallen vor Schaden bewahren ſollen, betreffen moͤchte, ſondern ſie bekom̃en erſt ſolche bey zunehmenden Jahren, als ein Stuͤck des Maͤnnlichen Kleides, alſo ſagt Paulus in der 1. Epiſtel an die Corin - thier am 13. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und hatte Kindiſche Anſchlaͤge, da ich aber ein Mann war, da legte ich ab was Kin - diſch war.
Ferner ſo deuten die Huͤte die Freyheit an, da - hero ſo wohl vormahls, als noch heutiges Tagsdie33des Hutmacher-Handwercks. die Sclaven ſich nicht mit Huͤten, ſondern nur mit ſchlechten Muͤtzen bedecken duͤrfften. So wir demnach durch Chriſtum frey gemacht, und denen Banden des Satans entkommen ſeyn, ſo laſſe man abermahl nach der Vermahnung des Apoſtels ſich angelegẽ ſeyn, eine gute Ritteꝛſchafft zu uͤben, Glauben und Gewiſſen zu behalten, den Helm des Heils, als die rechte Sturm-Haube wieder die Anlaͤuffe des Satans zur Hand zu neh - men, und einen guten Kampff zu kaͤmpffen, da - mit wir nicht auffs neue in die Knechtſchafft ge - rathen, und das letztere Ubel mit uns aͤrger wer - de, als das vorige. Dorten wuͤnſchte jener Knecht bey dem Plauto in Amphitr. Utinam ille faxit Jupiter, ut raſo Capite portem pileum! Dieſe Redensart kam daher, weil bey denen Roͤmern, denen Leibeigenen Knechten, wenn ſie ihre Frey - heit erhielten, erſtlich das Haupt beſchoren, und ſodann der Hut auffgeſetzet wurde, welches man ad pileum vocare hieße. Gleicher Geſtalt ſol - len wahre Chriſten ſtets wuͤnſchen frey zu werden von den Luͤſten und der Eitelkeit dieſer Welt, und bey CHriſto zu ſeyn Petaſus hieß ein Reiſe-Hut, oder Pileus Viatorius, dahero die Cantzley-Bo - ten von Cicerone und Plauto, Petaſati genennet werden, weil ſie, wie heutigs Tags noch die Pil - grime breite Huͤte auffhatten, umb unter ſolchen vor Hitz und Regen geſichert zu ſeyn; wer hat deſſen wohl mehr, als die durch die Wuͤſten die - ſer Welt wallende Chriſten noͤthig; dannenhe - ꝛo ſie billich mit David aus ſeinem 18. Pſalm amC3. Vers34Beſchreibung3. Vers ſagen: HErr mein Felß, meine Burg, mein Hort, auff den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz ꝛc. und aus dem 27 Pſ. 5. v. Er decket mich in ſeiner Huͤtten zur boͤſen Zeit. Er verbirget mich heimlich in ſei - nem Gezelt.
Daß auch die Farbe an denen Kleidern und Huͤten zuweilen ihre ſonderbahre moraliſche Be - deutung habe, ſolches ſehen wir an denen Car - dinals-Huͤten, welche darum roth ſeyn, anzu - zeigen, daß diejenigen, die ſolche tragen, allezeit bereit ſeyn ſolten, ihr Blut vor die Chriſtliche Lehre und Bekaͤntniß der Wahrheit zu veꝛgieſſen. Wenn nun dieſer Cardinals-Huͤte wegen unter - ſchiedliche (den geneigten Leſer vielleicht nicht un - angenehme) Betrachtungen vorfallen, als wol - len wir dieſelbe anſehen
(1.) Von und an wen ſie conferiret, (2.) was vor Sollennitaͤten bey der Ubergab vorgehen, und (3.) was ſo dann ferner ein ſolcher mit dem Car - dinals-Hut beehrter Prælat, des Ceremoniels halber zu beobachten habe.
Betreffend den Creatorem oder Collatorem, das iſt, denjenigen der die Cardinaͤle machet, ſo iſt ſolches niemand anders, als der Papſt ſelbſt. Hier wollen wir uns nun nicht lange mit Unter - ſuchung des erſten Stiffters der Cardinaͤle, de - nen zur Erlangung des Cardinalats erfoderten Requiſitis, oder andern dahin gehoͤrigen Um - ſtaͤnden auffhalten, ſondern nur bloß von dem Cardinals-Hut melden, daß Papſt Innocenti -us35des Hutmacher-Handwercks. us IV. denſelben zum erſten mahl auff dem Con - cilio zu Lyon in Franckreich angeordnet, und nach erlicher Meynung auch die Purpurne Sot - tana oder Unter-Rock, als den vornehmſten Schmuck ihrer Dignitaͤt. Es wird aber ſolches mit beſſern Grund Bonifacio dem VIII. zugeſchꝛie - ben. Die Cardinales Seculares hatten vor - mahls allein das Privilegium Purpur zu tra - gen, und giengen die Regulares bloß in ihrem Or - dens-Habit, als aber Gregorius der XIV. ſahe, wie dieſe eben ſo wohl als jene, ihr Blut vor die Kirche zu vergieſſen verbunden waͤren, gab er ihnen auch das rothe Baret, und befahl ihnen in eben den Kleidern, als die andern Cardinaͤle, je - doch von anderer Farbe zu gehen. So bald je - mand zum Cardinal von dem Papſt erneñet wor - den, und ſelbiger hierauff in das Conſiſtorium Secretum kommet, ſo kniet er dreymahl nach ein - ander vor ſeiner Paͤpſtlichen Heiligkeit nieder, und kuͤſſet ihr den Fuß, hierauff wird ihme alſo kni - ende von dem Papſte das rothe Baret mit dieſen Worten auffgeſetzet: Eſto Cardinalis, und als - denn ein Creutz uͤber ihn gemacht; der Promo - tus nimmt alsdenn das Baret wieder ab, und ver - richtet den Fuß-Kuß von neuen.
Ob nun gleich ein ſolcher Cardinal das rothe Baret empfangen, ſo traͤget er doch den rothen Hut nicht eher, als biß ihme ſolchen ſeine Paͤpſt - liche Heiligkeit entweder mit eigener Hand im Conſiſtorio gegeben, oder durch ſpecial-Gena - de, wenn ein ſolcher abweſend iſt, uͤberſendet hat.
C 2Es36BeſchreibungEs ſchicket aber der Papſt denen Abweſenden den Cardinals-Hut durch einen ſeiner Camme - rier oder Edelleute, mit einem an den Nuntium, Biſchoffen oder andern Praͤlaten ſelbiges Orts (wo der neue Cardinal ſich auffhaͤlt) gerichteten Breve; ſo bald als ſolcher Geſandter ankoͤmmt, wird er von dem neuen Cardinal, uñ deſſen Freun - den, praͤchtig eingeholt, und der Hut, wie bey ſolennen Paͤpſtlichen Cavalcaden auff einer Mazza oder Kolben oͤffentlich vorher getragen; des nechſten Sonn - oder Feſt-Tags darauff verſammlen ſich bey dem neuen Cardinal derjeni - ge, der den Hut von Rom gebracht; Der, wel - cher ihme ſolche auffſetzen ſoll, und denn alle die dieſer Solennitaͤt beywohnen wollen. Darauff gehet der neue Cardinal, wenn es der Gebrauch des Orts zulaͤßt, zu Pferd in der Kappe und ſchwartzen Hut, wie auch in Begleitung ſeiner guten Freunde, und vornehmlich des Paͤpſtli - chen Legati, welcher den Hut vor Jhn hintraͤgt zur Kirchen; ſo bald er in ſelbiger angelanget, ver - richtet er ſein Gebet vor dem Altar und hoͤret die Meſſe; nach dieſem legt der Prælat, ſo ihme mehr gedachten rothen Hut geben ſoll, den Prieſter - Rock und die Mitram an, und ſetzt ſich, daß er von jedermann kan geſehen werden, an einen er - habenen Ort. Hiꝛeauff begiebt ſich der Camme - rier zum Altar, und præſentirt dem Prælaten das Paͤpſtliche Breve, welches er mit gebuͤhren - der Reverence annimmt, und nachdem er es oͤf - fentlich verleſen laſſen, eine Lob-Rede daruͤberhaͤlt,37des Hutmacher-Handwercks. haͤlt, nach welcher ſich der Cardinal zum Altar begiebt, und kniend das von Rom uͤberſchickte Jurament, der Prælat aber ſeine Mitram ablegt, und uͤber den neuẽ Cardinal einige im Roͤmiſchen Ceremoniel vorgeſchriebene Gebet lieſet; wenn dieſes geſchehen, bedecket ſich der Cardinal wie - der mit dem Capuccio, der Prælat nimmt hier - auff ſeine Mitram wieder, worauff von dem Roͤ - miſchen Legato dem neuen Cardinal der Hut auffgeſetzet, und der Kuß des Friedens Oſculum pacis ertheilet wird; uͤber eine Weile wird der Cardinals-Hut wieder abgenommen, der Præ - lat aber ſinget das Te Deum laudamus, und ſpricht hernach in der Mitra den Seegen uͤber das Volck. Endlich aber legt er den Pontificial-Ha - bit ab, und begleitet den neuen Cardinal, nebenſt andern wiederum in einer Cavalcade, jedoch traͤgtjener hiebey den rothē Hut auff dem Haupt und tractoret hierauff, wenn er nach Hauß kom - met, ſplendide ſeine Favoriten.
Wenn ein Cardinal nach Rom gehet den ro - then Hut zu nehmen, traͤgt er zwar Violet-Car - dinals, aber doch einen Reiß-Habit, und einen gemeinen Hut mit einer von Gold und rother Seide gewuͤrckten Treſſe. So bald er ſich an Rom naͤhert, laſſen ihn die Herren Cardinaͤle ih - re Kutſchen entgegen fahren, und Jhn in ſein Zimmer bringen, in welchem er gebuͤhrend com - plimentiret, und ihm durch einen Barbier die Chierica geſchoren wird, nach dieſem nimmt er den langen Habit nebenſt dem Rocchetto, undC 3wird38Beſchreibungwird hierauff bey dem Papſt zur Audienz ge - fuͤhrt; vor welchem er dreymahl niederkniet, den Fuß - und Hand-Kuß verrichtet, und mit dem Oſculo pacis beneventiret wird. Wenn er von Jhro Heiligkeit Urlaub genommen, ſo begleitet er den Cardinal, der ihn zur Audienz gefuͤhret biß zu deſſen Zimmer, und leget alsdenn die Viſi - ten bey denen Vornehmſten ab, begiebt ſich hier - auff in ſein erwehltes Logiment, aus welchem er jedoch nicht außgehet, biß er von Jhro Hei - ligkeit ein Conſiſtorium Publicum erhalten. Er kan zwar wohl Viſiten annehmen, ſie muͤſſen a - ber privatim geſchehen, und gehet er dabey nicht aus dem Zimmer, noch begleitet jemand, er ſey auch wer er wolle.
Am Tag des Conſiſtorii haͤlt man die ge - woͤhnliche praͤchtige Cavalcade. So nun der neue Cardinal ein Ertz - oder Biſchoff iſt, ſo traͤgt er dabey einen ſchwartzen mit gruͤn gefuͤtterten Pontificial-Hut, waͤre er aber nur bloßer Prie - ſter oder Prælat, ſo iſt ſolcher Hut mit Schwartz gefuͤttert; er traͤgt auch dabey (wenn es der Tag zulaͤſt) rothe Kleidung, eine Violet - Kappe, von gewaͤſſerten Schamelot, und ſeynd mehrentheils bey ſolcher Cavalcade die ſaͤmptlichen Herren Cardinaͤle zugegen.
So bald die Proceſſion im Conſiſtorio ange - lãget, ſo macht deꝛ neue Caꝛdinal dem Papſt die eꝛ - ſte Reverenz, die andere in der mitte, uñ die dritte unten bey der Stiege des Thrones. Deñ er her - nach hinauff ſteiget, und Jhro Heiligkeit (dieJhn39des Hutmacher-Handwercks. Jhn ſo gleich ad oſculum manus & oris admit - tiret) die Fuͤße kuͤſſet; alsdenn nimmt er von je - den Cardinal das Oſculum pacis, hierauff ge - he[n]noch unterſchiedliche Ceremonien vor, biß er endlich nach abgelegten Jurament zum letzten - mahl vor Jhro Paͤpſtl. Heiligkeit niederkniet, welche ihm hierauff nach einer kurtz gehaltenen Oration den Hut aufſetzet, und ſich hernach in ihr gewoͤhnliches Zimmer retiriret; worauff der neue Cardinal den Hut wieder ableget, ſich auff die Seite begiebet, und erwartet biß die Cardi - naͤle auff dem Koͤniglichen Saal einen Creyß ge - ſchloſſen Alsdenn macht er nach der Ancienni - té einem nach dem andern die Reverence, die ihn hierauff wieder complimentiren; womit denn dieſe Solennitaͤt beſchloſſen wird. Der rothe Hut wird ihme hieꝛnechſt von einem geheimen Cam̃e - rier nach Hauße gebracht, wofuͤr er alsdenn ei - ne gute Recompens zu gewarten, und zwar aufs wenigſte Fuͤnffhundert Ducaten, die abweſend den Hut bekommen, geben wohl 1000. Fuͤrſtliche Perſonen aber allezeit doppelt. Wenn jemand der Cardinals-Hut im Conſiſtorio Publico er - theilet wird, ſo giebt man nur 300. und die Ab - weſenden doppelt ſo viel; in dieſe theilen ſich her - nach die geheime und participirenden Camerie - ri, derjenige aber, ſo das Baret gebracht, bekoͤm̃t gleichen Theil, wenn er auch kein participant waͤre.
Wenn die Cardinaͤle in Violet gehen, ſo tra - gen ſie auch den blauen Hut, mit einer SchnurC 4von40Beſchreibungvon Gold und Violet-Seide gewuͤrckten Treſſe’ haben ſie aber Trauer, ſo iſt zur Hut-Schnur und Treſſe kein Gold. Wer aber eine ſolche Gewohnheit eingefuͤhret, ſolches iſt unbekannt. Man lieſet zwar, daß die Cardinale von Jnno - centio dem IV. den rothen Hut bekommen wo - her ſie aber den violet-blauen haben, weiß man nicht. Wenn ſie den rothen Habit anleg[en], ſo iſt der Hut von gleicher Farb, jedoch traͤgt nie - mand, als Jhro Paͤpſtl. Heiligkeit einen gan - tzen brodirten, die gantze Advent Zeit, den Son - tag Septuageſimæ, die gantze Faſten, alle Frey - tag und Heilige Abend, und deren Qvatember gehen ſelbige in Violet, und enthalten ſich derer Seidenẽ Sottana; jedoch ſind hieꝛvon die Pfingſt - Qvatember und einige Feyertage, auff welche ein doppelt Feſt einfaͤllet, ausgenommen. Bey der Creation und Croͤnung des Papſts, gehen ſie alle roth. Wenn Jhro Heiligkeit eine Solenne Cavalcade halten, reiten die Cardinaͤle in der rothen, oder wie es die Zeit erfodert, in der Vio - let-Kappe, iſt es aber eine privat-Cavalcade, ſo legen ſie das Maͤntelgen und die Mozzetta uͤber den Rocchetto, und folgen Paar-weiß in ſchlech - ten Huͤten, die man Capelli della mantelletta heiſſet.
Wenn das gantze Cardinals-Collegium rei - tet, ſo tragen ſie die rothe Violet-Kappe, in Ca - valcaden aber zur Sollennen Capelle, nehmen ſie auſſer dem Advent, Septuagefimæ und Fa - ſten, roth, ſtehet ein Regen bevor, tragen ſieden41des Hutmacher-Handwercks. den groſſen Ferracuolo oder Regen-Mantel, und die Mozzetta. Auſſer Jtalien kleiden ſich die Le - gatia Latere in roth oder Violet, wie es ihnen be - liebet.
Es wird aber ein rother Cardinals-Hut in der Roͤmiſchen Kirchen faſt Koͤnigl. Cronen gleich gehalten, und wenn man ſolchen einmahl ange - nommen, ſo iſt hernach ſchwer demſelben wieder zu renunciren Der Erſte der ſolches gethan, war Ardicinio della Porta aus der Lombardie, nach dieſem renuncirte auch Cæſar Borgia. Der letzte, ſo den rothen Hut niedergeleget, war Fran - ciſcus Maria de Medices, welches A. 1709. den 19. Junii folgender maßen in dem Conſiſtorio geſchehen, Signor Manieri, welchem von Sei - ten des Cardinals die Sache auffgetragen wor - den, fuhr mit vielen Kutſchen der Roͤmiſchen Prælaten und anderer Standes-Perſonen aus dem Medicæiſchen Pallaſt in gedachtes Conſiſto - rium; Als er nun bey dem Saal angelanget, uͤ - bergab er den Cardinals-Hut zweyen Conſiſto - rial-Advocaten, welche ihn in das nechſte Zim - mer legten, hierauff wurden Jhro Heiligkeit durch den Abt Riviera als Secret. derer lateini - ſchen Breven, das Schreiben des Cardinals von Medices oͤffentlich abgeleſen, darinnen er ſie er - ſuchte / die Renunciation dieſer Wuͤrde, die er je - derzeit gebuͤhrend reſpectiret haͤtte, nunmehro geſchehen zu laſſen. Dieſes beantwortete der Papſt mit gewoͤhnlichen Worten: Acceptamus, wir nehmen es an, und nachdem er auffgeſtan -C 5den,42Beſchreibungden, wurde ihme der Hut in ſein Zimmer nach - getragen. Folgends hat Signor Pasſionei als Secretarius des heiligẽ Collegii, noch ein Schrei - ben von obermelden Cardinal an dieſes Collegi - um abgeleſen.
Als ein Stuͤck des Ceremoniels, iſt auch zu bemercken, daß wenn ein Cardinal die Mitram aufhat, er nicht verbunden ſey ſelbige abzuneh - men, ſondern der andere ſetzet ſeine auch gleich auff, und alſo gruͤſſen ſie einander durch Nei - gung des Haupts.
Bey Abſtattung der Viſiten ſetzet ſich der neue Cardinal in die Kutſche, und ſein Cammermei - ſter und Mundſchenck ſind continuirlich um ihn; dieſer das Baret abzunehmen und den Hut zu uͤ - berreichen, der andere die Prælaten, ſo vorange - hen, und ſich zum Cardinal in die Kutſche ſetzen ſollen, zu invitiren.
So bald deꝛ Caꝛdinal bey dem Hauß angelan - get, wo er hingedencket, ſo ſteigt er ab, und der Coppiere nimmt ihm den Hut, und giebt ihm dafuͤr das Baret; der Cammermeiſter aber hebt ihme / indem er die Treppe hinauff geht, vorn die Kleider auff.
Eines ſonderlichen Privilegii oder Vor-rechts welches denen Cardinals-Huͤten anhaͤngig iſt, gedencken Speidelius und Beſoldus, und die daſelbſt citirten Authores, wenn ſie ſchreiben, daß wenn ſolche einem zum Tode aus gefuͤhrten ar - men Suͤnder von einem Cardinal auffgeſetzet wuͤrden, ſelbiger dadurch ſein Leben erhalten,und43des Hutmacher-Handwercks. und von der Todes-Straffe befreyet werden koͤnte; wiewohl ſolchem Vorgeben Bodinus de Republica lib. I. Cap. Fin. wiederſpricht.
Die Wappen-Kunſt zeiget uns, daß die Car - dinaͤle an ſtatt der Helme roth, niedrige und brei - te Huͤte, an welchen zu beyden Seiten gleichfar - bige Schnuͤre eine mit 15. Knoͤpffen in der Ord - nung 1. 2. 3. 4. 5. herunter haͤngen, welche Zahl Herr D. Spener denen heutigen Erfindun - gen zuzuſchreiben ſcheinet, indem einige Autho - res, als Strada, Silv. de Petra ſancta ſolche nur mit 3. Qvaſten terminiren, ja es will der Author de la Science de la Nobleſſe p. 176. daß ſolche Schnure anfaͤnglich bloß unter dem Schild zuſammengebunden geweſen; ſeine Wor - te ſind hieruͤber als folget: Celuy des Cardi - nauxn’ en avoit anciennement qu’ une liée ſous la pointe del’ Ecu, et puis deux, unede chaque Cote etc. Was Cardinaͤle aus Fuͤrſtli - chen Gebluͤt ſeyn, moͤgen auch wohl auſſerhalb der Stadt Rom eine Crone an ſtatt des Huts fuͤhren.
Die Ertz - und Biſchoͤffe gebrauchen ſich in ih - ren Wappen gleicher Art Huͤte, als die Cardinaͤ - le, doch mit dem Unterſchied, daß ſie gruͤn von Farb, und der Ertz-Biſchoͤffe ihre Schnure ſich mit 4. Der Biſchoffe ihre aber mit 3. Qvaſten endigen. Denen Apoſtoliſchen Protonotariis und Aebten ſchreiben einige eben dergleichen Huͤ - te zu, jedoch mit dem Unterſchied, daß ſelbige ſchwartz an der Farb, und der Qvaſten an de -nen44Beſchreibungnen Schnuͤren nicht mehr als 3. zu jeder Seite ſeyn. Dieſe Huͤte ſind aber in Teutſchland nicht ſo gebraͤuchlich, als die auffwarts zugeſpitzte und oben offene Biſchoffs-Huͤte oder Hauben, wel - che vor Zeiten gar einfaͤltig geweſen, und etwan vor ungefehr 600. Jahren erſt mit Gold oder Steinen gezieret worden.
Worinnen aber der Unterſchied ſolcher Huͤte beſtehe, indem ſie nicht allein denen Biſchoͤffen, ſondern auch denen Ertz-Biſchoͤffen und Aebten gegeben werden, iſt noch ungewiß, obgleich die Præfat. des Wappen-Buchs part. 2. n. 72. denen Ertz-Biſchoͤffen das Creutz auff denen ge - ſchloſſenen Biſchoffs-Huͤten, denen Biſchoͤffen aber eine oben offene Jnful zuſchreibt, nebenſt an - gehaͤngter Erinnerung, daß der Stab bey denen Ertz-Biſchoͤffen, mit dem obern Theil nach der Rechten ſehen oder auffwerts gekruͤmmet ſeyn, bey den Biſchoͤfflichen aber unter ſich gebogen, o - der Lincks gekehret werden muͤſſe. Bey denen Aeb - ten geſchiehet es auch, daß ſie den Stab nicht nur nach der Lincken hinter den Schild ſetzen, ſondern auch neben dem Hut zur Lincken auffwerts fuͤh - ren. Bey dieſen Huͤten pflegen auch wohl einige geiſtliche Perſonen wegen weltlicher Lehen, die ſie beſitzen, Helme auff ihre Schilder zu ſetzen, wie ſolches an Chur Mayntz und Trier zu erſehen.
Wir haͤtten aber bald des vornehmſten geiſt - lichen Huts, nehmlich der dreyfachen Paͤpſtli - chen Crone vergeſſen, die doch am erſten meritir - te betrachtet zu werden, es war aber ſolche, eheſie45des Hutmacher-Handwercks. ſie zu ſo hohen Glantz gekom̃en, von andern geiſt - lichen Huͤten wenig unterſchieden, und ſchreibet hiervon Feſchius diſſ. d. inſign. C. 3. n. 5. folgender Geſtalt:
Continet Pontificium hoc inſigne tripli - cem coronam ſupra ſimplicem Epiſcoporum inferiorum mitram, inque illo multa myſte - ria detegunt. Anton. Mazoronius libell[o]de tribus Pontiſicum coronis & Car. Paſchal. l. 9. de Coronis. C. 14. Sigbertus in A. 550. & Aimol. 1. C. 24. autores ſunt, Clodo - veum diadema aureum unionibus & gem - mis inſigne, quod regnum dicebatur, ab A - naſtaſio Jmperatore acceptum Eccleſiæ of - ferendum Romam misiſſe. Hanc Pontifices primum mitræ ſuæ junxiſſe ferunt. Alte - ram addidiſſe Bonifacium VIII. qui dare re - gna & auferre pro arbitrio animi conabatur, ut Platina loquitur poſt publicatam extra - vagantem, unam Sanctam inter extravag. Comm. de major. et obed. c. 1. quæ propter ſummamin principes poteſtatem Papæ tri - butam, multorum & cruentorum motuum cauſa fuit, communis eſt opinio, quare & Pontifex iſte ejusque Succeſſores aliquot cum duplici corona in Statuis ac Imaginibus Romæ Avenioneque conſpiciuntur. Be - nedictus XII. poſtquam celebrem quæſtio -nem46Beſchreibungnem de viſione beatifica, quæ Eccleſiam Ro - manam ſub Johanne XXII. ſummopere turbaverat ſententia lata decidiſſet, tertiam Coronam adjeciſſe creditur, unde Triregni appellatio orta, tradit Meneſtrier enſaprati - que des armoires. c. 8. quamvis antiquius ge - ſtamen hoc fuiſſe, nec a Bonifacio vel Bene - dicto primum indictum ſed a Paulo II. cum multis ſeculis exuſu abiſſet, fuiſſe renovatur, arbitratur Jac. Pard. Capierſis lib. 2. Comment. de rebus Pauli II. Nec deſunt qui Pontifices triplicem hanc coronam æmulatione Jmpe - ratorum, ne forte illis minores viderentur, aſſumpſiſſe autumant, quos tribus diverſis coronis inauguratos fuiſſe ſuperiorum ſecu - lorum ſcriptores prodidere.
Das iſt, das Paͤpſtliche Wappen, iſt eine dꝛey - fache Crone auff einer ſchlechten Biſchoffs-Muͤ - tze, es wollen aber unterſchiedliche Autores gar viel Geheimniſſe daran entdecken, und ſchreiben, daß Clodoveus das ſo genannte Regnum (wel - ches eine Art einer mit Perlen und Edelgeſteinen reich verſetzten Muͤtze oder Haube iſt) nachdem er ſolches von Kaͤyſer Anaſtaſio als ein Præſent vor die Kirche empfangen, nach Rom geſand ha - be, da es der Papſt ſo gleich zu ſeiner ſonſt ge - woͤhnlichen Muͤtze gehefftet.
Nach dieſen haͤtte Papſt Bonifacius der VIII. (welcher ſo hochmuͤthig war, daß er ſich uͤber allewelt -47des Hutmacher-Handwercks. weltliche Kaͤyſer und Koͤnige erheben, und ſie nach ſeinem Belieben ab - und einſetzen wolte; wie er denn auch zu dieſen Ende die Extravagantem die hernach ſo viel Unheil in der Chriſtenheit ver - urſachet, publiciret) die zweyte Crone hinzuge - than, wie man denn noch viel Paͤpſte zu Rom und Avignon mit einer zweyfachen Crone abge - mahlet ſiehet.
Endlich haͤtte Benedictus XII. nachdem er die beruͤhmte Quæſtion de Viſione beatifica, welche unter Johannis XXII. Regierung ſo viel Haͤndel gemachet, durch ſeinen Ausſpruch ent - ſchieden, die dritte Crone oben darauff geſetzet; woraus endlich die dreyfache Crone, wie ſie noch heutigs Tags zu ſehen, gekommen iſt.
Wiewohl andere dafuͤr halten, es waͤre ſolche ſchon zu der Paͤpſte Bonifacii und Benedicti Zeiten in Gebrauch geweſen, und nachdem ſie in Abgang gekommen, von Papſt Paulo II. nur wieder hervorgeſuchet worden. Andeꝛe ſagen wie - der, die Paͤpſte haͤtten durch Einfuͤhrung ihrer dreyfachen Cron, nicht weniger als die Kaͤyſer ſeyn wollen; als die vormahls auch mit drey un - terſchiedlichen Cronen, als einer Guͤldnen, Sil - bern und Eiſern gekroͤnet worden.
Wir gehen aber weiter, und nunmehro von denen geiſtlichen zu denen weltlichen, als Kaͤyſer - lichen, Koͤniglichen, Chur - und Fuͤrſtlichen Huͤ - ten, welche denn in der Heraldica oder der Wap - pen-Kunſt auch ſonderlich in Betrachtung gezo - gen werden, weil ſie vornehmlich den Urſprungoder48Beſchreibungoder Anfang zu denen Cronen moͤgen gegeben haben. Denn da anfaͤnglich die Bedeckung des Haupts vor denen Sonnen-Stralen, Regen und andern Ungewittern allerdings noͤthig ge - weſen, zur angenehmen Sommers-Zeit hinge - gen, und in Campagne die Leute ſich Kràntze geflochten, und damit ihr Haupt umwunden, iſt endlich ſolche Haupt-Bedeckung und ſolcher Zie - rath je laͤnger, ie koſtbarer worden, alſo, daß wie man etwan noch heutigs Tags die Schlaff-Muͤ - tzen mit ſchoͤnen Spitzen um den Rand herumb einfaſſet, (und vor 50. oder hundert Jahren, die wie Saͤgen oder Hechts-Kie feꝛ geſtalte Spitzen, item die en Sic Sac gehende, ſehr in Gebrauch ge - weſen; wie man denn die alten Koͤnige und Ge - neralen des vorigen Seculi noch viel damit abge - mahlet ſiehet,) alſo auch in denen erſten Zeiten, die Haupt-Binden oder Muͤtzen mit dergleichen Zancken, oder pyramidal formigen Spitzen, ſon - derlich bey vornehmen Regiments-Perſonen werden umfaſſet geweſen ſeyn, allermeiſt da man wenig Secula nach der Suͤndfluth die abgeſtor - benen Tyrannen, maͤchtige und gewaltige Her - ren auff Erden, ſchon nach ihrem Tode zu vergoͤt - tern angefangen; wie ſolches an dem Exempel Beli, davon der Baals Dienſt herkommet, in un - ſerm Hiſtoriſchen Schauplatz der 4. Monarchi - en in des Beli Lebens-Beſchreibung zu erſehen iſt. Dannenhero zum Zeichen einer von ihnen ausſtralenden Gottheit, dergleichen Radii unt die Haͤupter gedichtet worden, welche hernachals49des Hutmacher-Handwercks. als Majeſtaͤts-Zeichen, die Fuͤrſten und Gewal - tigen im Volck, ihren Stand und tragende O - ber-Herꝛſchafft daduꝛch voꝛ andeꝛn zu diſtingui - ren, ſchon bey ihren Leb-Zeiten angenommen haben; von der Natur auch ſelbſt, als welche nicht allein in denen vegetabilibus haͤuffig mit Cronen ſpielet, ſondeꝛn auch in dem animaliſchen Reich ſolche an ſo vielē gekroͤnten Thieren eraͤuſ - ſert, darzu moͤgen veranlaſſet worden ſeyn. Wo - raus erhellet, daß die Huͤte und Cronen erſt ge - miſchet, dieſe hernach nach Art der Sieges-Craͤn - tze auch oben offen, vielfaͤltig aber bey hohen Re - giments-Perſonen, auff, umb und an denen Huͤ - ten und Haupt-Bedeck ungen mit beybehalten worden; Wie man denn in des vortrefflichen Herrn Doctor Speners ſeinem Opere Heraldi - co part. 1. cap. 6, p. 313. lieſet, daß die Con - ſtantinopolitaniſchen Kaͤyſer vielfaͤltig derglei - chen gekroͤnte Huͤte getragen. Jmperatores Conſtantinopolitani ſchreibet er: pileis ple - rumque utebantur, quorum mira fuit varie - tas, ut e nummis apparet, & teſtatur Co - dinus de officio aulæ Conſtantinopol. cap. 6. Andronico cum creatus eſt Imperator, de - tracto pileo rubram mitram impoſitam fuiſ - ſe, Nicetas Author eſt libro ſingulari de A - lexi Comeni imperio num. 18. Primus ni fallor Theodabatus, qui Atalarico in regno Gothorum ſuccesſit fremente Juſtiniano,Dcum50Beſchreibungcum Corona quatuor laminis ſuperne æqua - liter in orbem coeuntibus clauſa in numis - matibus conſpicitur, plerique alii Impera - tores pileum margaritis gemmisque diſtin - ctum cujus apex cruce notatur aut diadema geſtant in occidente Carolus M. cum diade - mate clauſo, quod hodie adhuc ad S. Diò - nyſii fanum in Gallia aſſervatur; quamvisdi - verſo ab hodierno in ſtatuis & imaginibus conſpicitur, qui eum ſequntur aperta ut plu - rimum uſi ſunt usque ad Henricum II. ſive ſanctum; qui fundato Epiſcopatu Bamber - genſi ejusdem inſignibus Coronam Imperi - alem quam hodie adhuc ſcuto ejus impoſi - tam videmus, concesſiſſe dicitur. Poſt illa tempora Imperatores clauſa corona maxi - me uti cœperunt, quamvis non pauci, inter quos etiam ipſe Rudolphus I. apertam ma - luerint, alii item mitram. Poſt Carolum V. Corona clauſa ſupra mitram quæ hodie eſt Imperatorum propria, præ aliis cœpit uſur - pari.
Von denen Fuͤrſten-Huͤten ſchreibt er, daß A. 1156. Kaͤyſer Fridericus I. dem Hertzog Hen - rico von Oeſterreich einen Fuͤrſten-Hut mit Guͤl - denen Kron-Spitzen von denen alten Corona Roſtrata genannt, gegeben habe, welchen her - nach wie in Hiſtoria inſignium illuſtrium lib. 1. cap. 51des Hutmacher-Handwercks. cap. 9. zu erſehen, Kaͤyſer Henricus A. 1228. mit einer Koͤniglichen Krone vermehret; die Wort des Diplomatis lauten hiervon als folget: Ei - dem illuſtrisſimo Principi Leopoldo D. Au - ſtriæ & Styriæ cunctisque ſuis ſequacibus hanc largiter concedimus dignitatem, ut ſui Principatus pileo noſtræ regalis Coronæ Dia - dema ſolenniter ferre posſit. Kaͤyſer Fride - ricus II. aber hat, als er Fridericum Bellico - ſum zum Koͤnig erklaͤret, noch dieſe beſondere Freyheit hinzugethan, daß er und ſeine Nach - kommen oder Nachfolger, auff ihren Fuͤrſten - Hut uͤber gedachte Spitzen und Boͤgen, auch zu oberſt das guͤldne Creutzlein tragen und fuͤhren ſolten, nach denen Worten des Diplomatis: Concedimus etiam noſtro illuſtriPrincipi Du - ci Auſtriæ crucem noſtri Diadematis ſuo prin - cipali pileo ſufferendam, woruͤber denn folgen - de Diſtichia merckwuͤrdig:
Auſtria Regis opeshabet, ac Regalia ſerta Regia & Auſtriacos mens regit Archi. Du - ces, Quodque aberat, nomen Regis, tria Regna dedere Auſtria, cuncta ſimul Regia, dives habet.
Es zeiget uns aber auch ferner die Heraldica, die mit Hermelinen ausgeſchlagene rothe Chur - Huͤte, denen zuweilen auch Cronen beygefuͤget werden, von welchen abermahl ausfuͤhrlich wohl - gedachter Hr. Doctor Spener in ſeinem opere Heraldico, in Erklaͤrung der weltlichen Chur - fuͤrſtlichen Haͤuſer ihrer Wappen redet.
Die andere Art von Huͤten ſind die niedrigen, ausgeſchlagenen und denen Chur-Huͤten nicht unaͤhnlichen Huͤte, dergleichen die von Reuſchen - berg, Keudel, Dermbach, die von Stein zu Barchfeld und andere mehr fuͤhren.
Die dritte Art iſt der hohen Huͤte, wie die Hertzoge von Pom̃ern auff ihrem rechten Helm, die von Zoͤchau, die Schencken von Schmid - berg, die Straßen, Muͤleggen zu Hugenang und andere mehr gebrauchen.
Die vierdte Art ſind niedrige, und denen geiſt - lichen nicht unaͤhnliche Huͤte, dergleichen fuͤhren die von Dobeneck, die Lantzen von Liebenfels, die Schneeberger, die Keyben, die Reindoͤrffer.
Endlich ſind auch dieſen Huͤten nicht unaͤhn - lich die Hauben, welche zuweilen an ſtatt der Helm-Zierde, zuweilen auch an ſtatt der Cro - nen dienen, jenes iſt an den Wappen derer von Weißdorff und den Hoff-Staͤdten, dieſes an de -rer53des Hutmacher-Handwercks. rer von Tzeſchen und der Megentzer ihren Wap - pen zu erſehen.
Es hindert aber der aͤuſſerliche Unterſchied dieſer Huͤte gar nicht, daß ſie nicht ſaͤmptlich, gleich dem Schild, ſo wohl von allen Farben, als auch mit Schach, Hermelin und allem andern, ſo an ſtatt der Farben gebrauchet wird, ſolten ge - funden werden; ja ſie haben auch mit dem Schild noch dieſes gemein, daß ſie an Kopff oder auff den Stulp eigenthuͤmliche und frembde, mit de - nen Schild-Bildern uͤbereinſtimmende, oder ab - ſonderliche Figuren auff ſich tragen, und wird man gar wenige Eigenſchafften der Wappen - Schilder finden, welche nicht gleichmaͤßig auch von denen Huͤten koͤnte verſtanden werden; alſo ſiehet man deren nicht wenige mit aller Art ſtreif - fen eintzeln oder in vermehrter Anzahl geſtreifft u. gegengeſtreifft item mit allen Arten der Schild - Theilung, gleicher und unterbrochener Linien, wie hiervon in denen Wappen-Buͤchern genug - ſame Exempel vor Augen ſind.
Von denen Huͤten haben inſonderheit geſchrie - ben, Chifflet. diſſert. de pileo Lugd. 4. 1655. Theophil. Reynandus S. I. de pileo, cœte - risque capitis tegminibus extat T. XIII. opp. Lugd. f. 1665. de Gladio & Pileo a Pon - tiff. conſecrato extat T. X. ibid. Eberh. Rud. Roth, de Velamine Capitis Virili Jenæ 4. 1673. Anſelmi Solerti, Cemelienſis. Liber de Pileo cæteriſque capitis tegminibusD 3tam54Beſchreibungtam ſacris quam profanis extat cum Hier. Boſſ. de Toga Romana. Lugd. 4. 1655. & Amſteld. 12. 1671. Sonſten hab ich auch noch bey dem Paſchalio in ſeinem Tractat de Coronis gar artige Sachen von denen Huͤten ge - funden, davon wir nur etliche allhier mit einfuͤh - ren wollen. Als da er von dem Helmen der Kinder, welche ſie mit zur Welt bringen, ſaget, daß ſolche von aberglaͤubiſchen Advocaten und andern Leuten bey ſich getragen werden, in der Meynung, in ihren Verrichtungen dadurch de - ſto gluͤcklicher zu ſeyn. Unſerer teutſchen Chur - und Fuͤrſten Huͤte ſiehet er als etwas Majeſtaͤ - tiſches, den Augen angenehmes, und von der Teutſchen Freyheit Zeugendes an, als welchen ebenfalls zukoͤmt, was dorten Cicero Philipp. 6. orat. 49. von den Roͤmiſchen Volck ſagte: Aliæ nationes ſervitutem pati poſſunt, Po - puli Romani eſt propria Libertas, oder wie unſer Autor redet: utCœlum ſalutaribus lumi - nibus diſtinguitur, ita Germanica libertas ſublimibus tot Ducum, principumque præ - ſidiis nititur. Deſſen ihre Fuͤrſten-Huͤte, als jederzeit geweſene Freyheits-Zeichen, Zeugniß geben koͤnnen, wie denn bey denen alten Roͤmern ein jeder, welcher einen Hut auff dem Kopff ge - habt, vor einen freyen Menſchen gehalten wor - den. Alſo folgten 2000. Roͤmiſche Buͤrger des Flaminii ſeinem Tꝛiumph-Wagen mit bedeckten Haupte nach, welche er durch ſeine Siege ausih -55des Hutmacher-Handwercks. ihrer Gefangenſchafft bey denen Feinden befrey - et hatte / ſolche Erloͤſete oder Freygelaſſene tru - gen auch wohl den Hut zu Ehren ihres Freyma - chers, wie alſo 4. Q. Terentius Culleo mit be - deckten Haupt des Scipionis Triumph-Wagen folgte und oͤffentlich bekannt, daß er durch ihn waͤre frey gemachet worden. Dahero es dem Koͤ - nig Pruſia als ein Zeichen der Kleinmuͤthigk. u. daß kein Fuͤrſtlich Gemuͤth in ihm ſeyn muͤſte, aus - geleget worden, daß er denen Roͤmiſchen Lega - tis mit bedeckten Haupt und geſchornen Kopff entgegen gegangen, und ſich einen Freygelaſſe - nen der Roͤmiſchen Republic genennet. Es ſoll a - ber ein ſolcher von denen Freygelaſſenen getrage - ner Hut weiß geweſen ſeyn, wie Diodorus von eben dieſem Pruſia erzehlet. Bey oͤffentlichen Em - poͤrungen, ſonderlich wenn gantze Nationes ſich von Tyranniſcher Regenten ihrem Joch frey - gemachet, hat man vielmahls Huͤte auff Stan - gen geſtecket / zum Zeichen der wieder erlangten Freyheit, herumtragen ſehen. Daß die Egy - ptiſchen und Æthiopiſchen Koͤnige Huͤte getra - gen, bezeuget Diodorus Siculus, und zwar ſol - len ſolche ſehr lang, und Schlangenfoͤrmig zu - ſammengewunden geweſen ſeyn, anzuzeigen, daß diejenigen, welche ſich gegen Koͤnige auff - zulehnen erkuͤhneten, toͤdtlicher Biſſe, das iſt, des Todes Straff wuͤrdig waͤren. Nach vorbe - ſagter Koͤnige Art trugen auch ihre Prieſter Huͤte / welcher etwan Lucianus in Syr. Dea Meldung thut. Daß auch des Jovis Prieſter zuD 4Rom,56BeſchreibungRom, welcher Dialis genennet wurde, einen Hut auff ſeinem Haupt getragen, bezeuget Appianus, er muſte aber ſolchen, wenn er ſterben ſolte / able - gē, damit nicht ein Stuͤck des Prieſter-Schmucks unter Trauer - und Todten-Zeug kaͤme. Von Diceneo Gotho ſchreibet Jornandes, e Gotho - rum gente elegit nobilisſimos prudentiores Viros, quos Theologiam edoctos fecit Sacer - dotes, nomen illis Pileatorum contradens; ut reor quia opertis Capitibus tiaris, quos pi - leos alio nomine nuncupamus, litabant, reli - quam vero gentem capillatos dicere jusſit, daß alſo ein Unterſchied zwiſchen denen mit Huͤten, und paar Haͤuptig einhergehenden. Wie denn auch Lucianus von dem Toxari der Scythen Koͤnige ſchreibet, daß er weder aus Koͤniglichen Gebluͤte, noch aus denen Pileatis, ſondern nur aus dem paar-Haͤuptigen Poͤbel geweſen. Wel - cher Geſtalt aus denen mit Hermelinen bebrem - ten Chur - und Fuͤrſten-Huͤten, und Summari - ter aus allem Peltzwerck, welches groſſe Herren und Regenten an ihrem Leib tragen, unterſchied - liche ſchoͤne moralia flieſſen, ſolches iſt bey ob - gedachten Carolo Paſchali, in ſeinem Tractat de Coronis lib. 9. cap. 26. zu erſehen. Von de - nen Eilotariis ſchreibet Athenæus lib. 14. daß, als ſie von ihren Feinden uͤberwunden worden, ſie an ſtatt der Huͤte, Hunds-Haͤute haͤtten auff die Koͤpffe ſetzen muͤſſen. Dergleichen Schmaͤh - Huͤte ſeynd auch die Papiernen Kappen, welche in Spanien die heilige Inquiſition denen zumFeu -57des Hutmacher-Handwercks. Feuer verdammten ſo genannten Ketzern auffzu - ſetzen pfleget, und welches vornehmlich dem theu - ren Blut-Zeugen JESU CHRJSTJ, dem Johann Huß, als ſolcher wieder gegebene Treu und ſicher Geleit auff dem Concilio zu Conſtnitz A. 1415. im Junio um der Bekaͤntniß der Evangeliſchen Wahrheit willen verbrannt worden, wiederfahren. Denn als er ietzt ſterben ſolte. zo gen ihm ſeine Feinde erſt ſeinen Prieſter - Habit aus, und ſetzten ihme dafuͤr eine lange Papierne Crone oder gemahlten Hut auff ſein Haupt, auff welcher drey Teuffel in abſcheuli - cher Figur mit dieſer Beyſchrifft: Hæreſiarcha, dieſes iſt ein Ertz-Ketzer, gemahlet ſtunden; in ſol - cher ſchmaͤhligen Poſitur fuͤhrte man ihn zum Scheiter-Hauffen, in welchem er unter an - daͤchtigen Gebet, ſeinen Geiſt in die Haͤnde ſei - nes Erloͤſers uͤbergeben. Das folgende Jahr da - rauff muſte auch ſein in Ausbreitung der Evan - geliſchen Wahrheit eyfrig geweſener Mit-Arbei - ter, der Hieronymus von Prag, auff gleiche Weiſe ſein Leben in den Flammen endigen.
Daß die Huͤte jederzeit Zeichen der Freyheit geweſen, ſolches iſt ſchon mehrmahls angefuͤh - ret worden, dahero ſiehet man auff einer gewiſ - ſen in Holland A. 1575. geſchlagenen medail - le, auff der einen Seiten eine Frauens-Perſon mit der Beyſchrifft Libertas, auff der andern einen Hut mit gleicher Unterſchrifft Libertas au - rea, und der Umſchrifft: Cujus moderator habenas ratio.
D 5Die58BeſchreibungDie alten Roͤmer, ob ſie wohl anfaͤnglich mit bloßen Haͤuptern ohne Bedeckung giengen, ſo hatten ſie doch fuͤnfferley Zeiten, daſie Huͤte auf - ſetzen, und ihre Haͤupter bedecken muſten; als da waren Sacra, Ludi, Saturnalia, Peregrinatio, militia.
Bey denen Erſten, als den Opffern, muſten ſie nach alt hergebrachten Gebrauch ihre Haͤutz - ter bedecken, wie ſolches aus denen Muͤntzen und Autoribus zu erſehen. Daß ſie in denen Spielen Huͤte auffgehabt haben, bezeuget Martialis, weñ er ſchreibt:
‘In Pompejano tectus ſpectato Theatro, Nam Populo ventus vela negare ſolet. ’ ()Und ſo war auch in denen Saturnalibus, als der Roͤmer ihrer Kirmeße, zum Zeichen der Frey - heit einem jeden erlaubt einen Hut auffzuſetzen, wie abermahl Martialis ſchreibet:
‘Permittis puto Pileata Roma. id. Dumque decent, noſtrum pilea ſumpta Jovem. ’ ()Wenn einer verreiſete, ſo ſatzte er einen groſ - ſen Petaſum, Reiß - oder Schaub-Hut auff, da - hero Cicero von denen ſchon obgedachten Tabel - lariis iturientibus in ſeinen Epiſtolis ſchreibet:
‘Petaſatos eos venire & comites expectare ad Portam. Und Sveton. c. 82. deAug. Solis hiber - ni ne quidem patiens, domi quoque non niſi petaſatus ſub Pio ſpatiabantur. ’ ()Endlich ſo durfften auch die Soldaten in Feld -Zuͤ -59des Hutmacher-Handwercks. Zuͤgen Huͤte tragen, wie deñ Vegetius ſchreibet:
‘Vſque ad præſentem ætatem conſuetudo permanſit, ut omnes milites Pileis, quos Pannonicos vocant, ne Pellibus uterentur. ’ ()Daß die Freygelaſſenen zum Zeichen ihrer Freyheit Huͤte getragen, iſt oben ſchon gemeldet worden. Gleicher geſtalt war es auch denẽ Kran - cken zugelaſſen / dahero Ovidius ſchreibet:
‘Arguat & macies animum, nec turpe pu - taris Pileolum nitidis impoſuiſſe Comis. ’ ()Von denen gar alten ſchreibet Nicephorus Gregoras, daß ſelbige ebenfalls Huͤte getragen, und daß von ſolcher Roͤmiſchen Tracht auch die mode nach Conſtantinopel gekom̃enſey. Seine Worte hiervon ſeynd Lib. 10. als folget:
‘De Capitis tegmine, moris apud ſuperiores Principes, ut ætate provectiores Aulici Pile - is uterentur, ſerico tectis, Juniores autem prorſus nudis eſſent Capitibus. ’ ()Endlich ſo ſaß man auch bey Gaſt-Mahlen mit Huͤten auff dem Kopff, wie denn Horatius ſchreibt:
‘Vt cum Pileolo ſoleas Conviva tribulis. ’ ()Weil aber andere Authores hiervon nichts ge - dencken, ſo iſt vielmehr zu glauben, ſie werden indenen Bad-Stuben, wie noch heutigs Tags gebraͤuchlich, Stroh - oder Binſen-Huͤte auffge - habt, und wenn ſie aus dem Bad gekommen,ſich60Beſchreibungſich unterweilen damit zu Tiſch geſetzet ha - ben.
Von dem Hut abziehen, oder Hoͤfflichkeit hal - ber das Haupt zu entbloͤſen, ſchreibet Plutar - chus in ſeinen Quæſtionibus:
‘Romani ſi cui obviam facti ſunt, cui honor habendus, & ſi forte caput veſte injecta tectum habeant, id revelant. ’ ()Daraus erhellet, wie das Bedecken des Haupts u. Wieder-Abziehen zu Rom beſchaffen geweſen ſey. Sie ſchlugen, nehmlich den Zipffel, vom Rock oder Mantel uͤber den Kopff, wann es regnete oder die Sonne zu heiß ſchiene, lieſen aber ſolchen gleich wieder fallen, wenn ihnen ein vornehmer Mann begegnete, welches Plutar - chus in Grachis giebet Laciniam toga rejiciens in Caput. Zuweilen giengen ſie auch, ſonder - lich die Krancken, gantz verkapt einher; wenn es die Geſunden thaten, ſo hielt mans vor eine Weichlichkeit, dahero Seneca de Mæcenate ſagt:
Hunc eſſe qui in tribunali in roſtris, in omni publico Cœtu ſic apparuerit, ut Pallio vela - retur Caput. Und Petronius ſchreibet von dem zaͤrtlichen Trimalcione! Pallio Cocci - no abraſum incluſerat caput.
Sueton. in Claudio Cap. II. ſchreibet:
Ob valetudinem, Gladiotorio munere novo more Palliolatus præſedit. Und bey dem Quintiliano leſen wir: Palliolum ſicut faſcias & focalia, ſola excuſa - re poteſt valetudo.
Wie hoch aber bey denen Roͤmern das ehrer -bie -61des Hutmacher-Handwercks. bietige Hut-Abziehẽ vor einem andern, ſey gehal - ten worden, bezeuget Saluſtius wenn er ſchreibt: Sullam in victoria Dictatorem, equo deſcen - dere, Pompejo uniaſſurgere de Sella, caput aperire ſolitum. Seneca ſchreibet:
‘Si Conſu - lem videro, aut Prætorem, omnia, quibus honor ſolet haberi, faciam, equo deſiliam, caput aperiam etc. ’ ()Uber einen ſchoͤnen Hut, welcher zugleich das Haupt zieret, und daſſelbige vor Hitz und Regen beſchirmet, ſchrieb jener zum Lemmate: Teg - menque Decusque, welches Horatius mit die - ſem Vers gegeben:
‘O & præſidium & dulce Decus meum. ’ ()Als einer Nahmens Capella (welches von dem Jtaliaͤniſchen Wort Capello ein Hut herkomt) zu Venedig wegen ſeiner Meriten zu der hoͤch - ſten Wuͤrde eines Doge ſeiner Republic zu ge - langen Hoffnung hatte, mahlte einer ſeiner Clienten einen Hut, als welchen der Herr Ca - pella ohne dem im Wappen fuͤhrte, und ſchrieb daruͤber: Debetur Vertici; Er muß oben zuo - berſt auff der Scheitel ſtehen, oder er iſt wuͤrdig ein Fuͤrſt ſeines Volcks zu ſeyn. Dignum eſt enim ſchreibet Casſiodorus lib. I. ut fructus laborum ſequntur vota fidelium & ſuperiorem gradum accipiat, quem geſtarum rerum inte - gritas affecta commendat.
Welcher geſtalt ein in Schweitzerland von einem uͤbermuͤthigen Land-Vogt, auff einerStan -62BeſchreibungStange geſteckter Hut Urſach mit geweſen, daß die Schweitzer von ihrer damahligen Obrigkeit, dem hochloͤblichen Hauſe Oeſterreich abgefallen, ſolches wird aus folgender Hiſtoria zu erſehen ſeyn: Ein gewiſſer Kaͤyſerlicher Land-Vogt, Nahmens Geißler / hatte einen Hut auff dem Marckt zu Altdorff, einem Haupt-Flecken des Urner Landes in der Schweitz, ſtecken laſſen, mit Befehl, daß jedermann, der vorbey gienge / ſich dafuͤr neigen, und als wenn er der Land-Vogt ſelbſt zugegen, den Hut gruͤſſen ſolte. Dieſes weigerte ſich nun ein braver weidlicher Mann, Nahmens Wilhelm Tell zu thun, als welcher ohne Reverenz zu machen, vorbey gieng, daruͤ - ber aber gleich als ein Ungehorſamer verfolget, und in Arreſt gezogen wurde. Weil er nun uͤber dem auch ſchon im Verdacht war, ob haͤtte er mit andern ihre Freyheit liebenden einen Bund gemachet, die Land-Voͤgte, weil ſelbige das Volck ſo ſehr beſchweꝛten, aus dem Wege zu raͤu - men, als wurde er in der Inquiſition unter an - dern auch auff dieſen Artieul befragt, und als er nichts geſtehen wolte, ihme aufferleget, weil er vor einen guten Armbruſt-Schuͤtzen pasſirte, ſeinem einigen Soͤhnlein, welches an einen Baum geſtellet wurde, einen Apffel vom Kopff zu ſchieſ - ſen. So der betruͤbte Vater auch thun muſte, und auch gluͤcklich vollendete; als ihn aber hierauff der Land-Vogt fragte, warum er 2. Pfeile zu dieſem Schuß in den Koͤcher geſtecket haͤtte, ant - wortete der tapffre Mann unverzagt: Wenn ihmeder63des Hutmacher-Handwercks. der Schuß ſolte mißlungen ſeyn, alſo, daß ſein Kind das Leben daruͤber eingebuͤſſet, wolte er den andern Pfeil dem tyranniſchen Land-Vogt durchs Hertz gejaget haben. Auff dieſe Wort wurde er auffs neue beym Kopff genommen, und zu Schiff gebracht, damit er in ein tiefes Gefaͤng - niß jenſeit der See moͤchte gebracht werden. Wie aber unter Wegs ein ſchwerer Sturm entſtand, muſten ſie den Gefangenen Wilhelm Tell ſei - ner Bande befreyen, daß er als ein erfahrner Schiffmann, das Schiff ſolte ans Land bringen helffen. Tell nim̃t hierauff das Ruder in die Hand, regieret es aber ſo, daß das Schiff an ei - ne Klippe gerieth, wo er vor ſeine Perſon aus - ſprang, das Schiff aber hernach, in welchem der Land-Vogt ſelber war, wieder See werts eintreiben ließ; da ſich zwar der Land-Vogt noch kuͤmmerlich ſalvirte, den Tell aber nach der Zeit mehr, als zuvor verfolgte. Welcher ihm endlich in einem holen Weg auffpaſte, und als einsmahls der Land-Vogt daſelbſt vorbey ritte, jhn mit einem Pfeil vom Pferd herunterſchoß, und hierauff nach Ury zu andern Malcontenten fluͤchtete; unter welchen die Vornehmſten, Wer - ner, Stauffacher und Arnold von Melchtal waren; dieſe machten ſamt ihm A. 1308. einen Bund, und jagten am Neuen Jahrs Tag die Kaͤyſerlichen Land-Voͤgte zum Lande hinauß, o - der ſchlugen ſie todt. Woraus zu erſehen, was Stoltz und Hochmuth, der ſich bey dem Land - Vogt Geißler in Auffſteckung ſeines Huts be -wie -64Beſchreibungwieſen, offt vor Unheil nach ſich ziehen koͤn - ne.
Ein weit honorabler Auffſetzen des Huts iſt dasjenige, welches auff Univerſitaͤten bey Pro - motionibus in den Doctor Stand geſchiehet, da derjenige Profeſſor, deme dieſe anſehnliche Function zu verrichten, und die Candidatos zu creiren zukom̃t, ihnen nach Academiſchen Ge - brauch, unter andern auch den Doctor - Hut, mit gewoͤhnlichen Ceremonien auffſetzet. Wir wollen, weil dieſe materia dem geneigten Leſer nicht unangenehm ſeyn kan, dieſelbe auffs kuͤr - tzeſte, und zwar mit den eigenen Worten eines um die teutſche und gelehrte Welt hochverdien - ten Profeſſoris Juris & Hiſtoriarum, welche in ſeiner bey einer ſolchen Solennitaͤt A. 1713. ge - haltenen Oration de emendanda Germaniæ Jurisprudentia, und darauff verrichteter Inau - guration Sechzehen Juris Doctorum in fine befindlich iſt, allhier vorſtellen, alſo lautend:
Antequam pedem promoveatis ulterius (Nobilisſimi Domini Candidati) id veſtri eſt officii, ut fidem veſtram adſtringatis ad juſtitiam colendam idque faciatis cum reli - gione juris jurandi. Age itaque Vir Nobi - lisſime Dn. N N. Sacri Tribunalis Silentia - rie, recipete in hunc locum & formulam juris jurandi conceptis verbis prælege Domi - nis Candidatis. Ita vos Deus adjuvet ad - moneatque vos officii veſtri Spiritu ſuo addi -65des Hutmacher-Handwercks. diem judicii, qui vobis erit extremus, nunc igitur nomina veſtra eo ordine compello, quo hæc apud ordinem noſtrum profesſi e - ſtis in Examinibus, Ego itaque NN. J. V. D. Te. (bic recenſebantur Nomina Candidato - rum) Vos omnes, Auctoritate Jmperiali atque Regia Doctores utriusque juris creo, renuncio, edico, proclamo, vobisque in - dulgeo omnia privilegia, immunitates, ho - nores, ceteraque, quæ creatis in S. R. J. Do - ctoribus ſolent conferri, atque indulgeri, Huic inaugurationi Symbola addo, in qui - bus ſibi placuit antiquitas.
Primum ab inferiori vos Cathedra voco, ad ſupremam; intelligitis hocipſo, quod in ſublimioriloco conſtituti, in luce vivatis o - culisque mortalium. His igitur fide, do - ctrinis, moribus virtutibusque aliis æquum eſt, ut præluceatis.
Deinde librum vobis trado primo apertum deinde clauſum, quo Schemate vobis com - mendatur induſtria, tam in libris legendis probanda, quam in meditationibus & pro - priis viribus ingenii.
Prœterea impono vobis Pileos ſive Inſulam purpura conſpicuam, qui indices ſunt digni - tatis, Nobilitatisque veſtræ, vobis nomine acEver -66Beſchreibungverbo collatæ Doctoris. Curate o Mei, ne ad - mittatis facinus, nobili hoc ornatu indignum
Porro digitos veſtros cingo annulis, quibus publica vobis in reſpondendo ac judicando tribuitur fides, vulgo itaque pœnam gravi - orem incurretis, ſi hanc vel ſemel fefelleri - tis.
Tandem Ora veſtra excipio oſculis, his e - nim ob honorem, quem accepiſtis, dignos vos judicamus, ut in noſtro agatis conſortio, ut jure auctoritateque utamini nobiscum communi.
Adextremum vobis omnibus novos gratu - lor honores, prolixiorianimo quam verbis, der Deus immortalis, ut floreat per vos Ju - ſtitiæ cultus, ut collati atque promeriti ho - nores excitent in clientibus fiduciam, ut ve - ſtra implorent probentque Conſilia, & pa - trocinia, reddantque illa honoratisſima.
Von dem Corno oder Hertzoglichen Hut des Doge zu Venedig iſt zu wiſſen, daß ſolches Cor - no benennet werde, weil es vorn faſt wie ein Horn zugeſpitzt in die Hoͤhe gehet. Solches Corno iſt rund herum mit einer Reyhe groſſe Perlen und Edelgeſteinen beſetzet, und hat vorn einen groſſen Rubin, der 100. tauſend Cronen werth iſt, uͤber welchen ein Diamant von noch hoͤhern Werth zu ſehen. Der Circul iſt von Gold, der Uber - zug von Carmoiſin-Sammet; Es wird dieſesCor -67des Hutmacher-Handwercks. Corno auſſer denen Ceremonien-Tagen in den Schatz S. Marci auffbehalten; wenn dieſes Corno der Doge auff den Kopff hat, ſo nimmt ers vor niemand ab, auſſer nur, wenn in der Meß das Hochwuͤrdigſte in die Hoͤhe gehoben wird, o - der wenn ſich ein Printz von Koͤniglichen Gebluͤt, oder ein Cardinal neben ihn ſetzet. Carolus Paſ - chalis bemuͤhet ſich zu erweiſen, es ſey dieſes Cor - no eben diejenige Trojaniſche Muͤtze, oder der Phrygiſche Hut, welchen Antenor in Jtalien gebracht, deſſen Form und Geſtalt an unter - ſchiedlichen alten Bildern, als zum Exempel an der Statua des Ganymedis, in dem Vor-Saal der S. Marcus Bibliothec, ferner auff etlichen Medaillen des Goͤtzens Lunus und auch an ei - nigen andern, worauff Æneas gepraͤget, ſeinen alten Vater Anchiſem auff den Schultern tra - gend, und endlich auch in der Migniatur des al - ten M. S. des Virgilii in der Vaticaniſchen Bi - bliothec zu Rom zu erſehen.
Jſt noch uͤbrig von denen Cucullis der Alten, als ſonderlichen Haupt-Bedeckungen, item de - nen Cucullis Monachorum oder Moͤnchs-Kap - pen etwas weniges zu gedencken: Es waren aber der alten Roͤmer ihre Cuculli gemeiniglich an ihren Regen-Maͤnteln, wie heutigs Tags der Capuciner Kappen an ihren Moͤnchs-Kutten feſt gemacht, wie ſolches Martialis lib. 14. Ep. 132. in dieſen Worten bezeuget:
‘Si poſſem, totas cuperem miſiſſe lacernas; Nunc tantum capiti munera mitto tuo. ’ ()E 2Do -68BeſchreibungDomitius und einige Authores mit ihme meinen, man habe ſonderlich in denen Saturnalibus ne - benſt ſolchen Reiß-Maͤnteln, auch beſondere Kappen getragen, allein dieſen wiederſpricht Martialis und will, daß ſie zu ſolcher Zeit bloß ihre Lacernas ohne Kappen getragen haͤtten. Fer - rarius de Re Veſtiaria Part. II. lib. 1. ſchrei - bet, daß es wahrſcheinlich ſey, daß die Kappen und Reiß-Maͤntel zwey Stuͤck, und nicht eines an dem andern feſt geweſen, weil man lieſet, daß manchmahl arme Leute ſich einander ein Præſent von einer Kappe gemacht, welche einen gantz groben Reiß - oder Regen-Mantel einander nicht haͤtten ſchencken koͤnnen. Die Freygebohrnen haͤtten in denen Saturnalibus oder Roͤmiſchen Kirmeſſen, rechte aus Wolle gemachte Huͤte ge - tragen, um wenn es regnete, das Haupt deſto geſicherter zu haben. Von denen Kappen, wel - che abgeſondert von denen groben Maͤnteln, die Arme ſich unter einander verehret, ſchreibet gedachter Martialis Epig. 139. Cuculli Libur - nici:
‘Jungere neſciſti nobis, o ſtulte, Lacernas Indueras albas, exue Callaicas. ’ ()Uber welche Worte ſich, wie beſagter Ferrarius ſelbſt klaget, noch bey keinem Ausleger eine deut - liche Erklaͤrung gefunden. Dieſes iſt indeſſen gewiß, daß Cucullus eine Haupt - und zugleich Schulter-Bedeckung, eben wie unſere heutigen Nebel-Kappen, oder Reiße-Muͤtzen, geweſen ſey. Dieſe wurde nun mit denẽ Sur-Tout. Roͤcken o -der69des Hutmacher-Handwercks. der Reiſe-Maͤnteln, und auch ohne dieſelbe ge - nommen; dahero abermah! Martialis:
Es wurden aber ſolche Kappen Liburnici ge - nannt, weil man ſie aus Liburniſcher (oder aus der Gegend, wo ietzt die Stadt und der Haven Livorno in Jtalien lieget) gefallener Wolle, machte, und zwar wurden ſie ſtarck gewalcket, damit ſie fein dick und wolligt werden, und den Regen, Schnee und Kaͤlte deſto beſſer abhalten moͤchten; dahero Jevenalis Sat. 3. de Curio dentato ſchreibet:
‘Fictilibus cænare pudet, quod turpe ne - gabit, Translatus ſubito ad Marſos menſamque Sabellam, Contentus illic Veneto duroque cucullo. ’ ()Daß aber ſolche Kappen mehr von gemeinen als vornehmen Leuten, ſonderlich aber, wenn man des Nachts herumſchwermen, und ſich verklei - den wollen, gebrauchet worden; ſolches bezeu - get der Poet von der nach dem Hur-Hauß gehen - den Meſſalina, in folgenden Worten:
‘Sumere nocturnos Meretrix Auguſta Cu - cullos, Sed nigrum Flavo crinem abſcondente Galero. ’ ()Woraus erhellet, daß zwiſchen einem Cucullo und Galero ein Unterſcheid, beyde aber eine Be -E 3de -70Beſchreibungdeckung des Haupts geweſen ſeyn. Und zwar war dieſes letzteꝛe eigentlich eine Peruque von fal - ſchen Haaren, welches wie ein Helm oder Cas - quet gewunden, die Weiber zu ihrem Zierath auff dem Haupt trugen, wie etwan ſolches heu - tiges Tages wieder mode iſt / jedoch war es da - mahls mehr eine Huren, als ehrlicher Weiber - Tracht. Wie denn auch keine andere, als Hu - ren gelb trugen, dahingegen ehrliche Weiber ſchwartze Haare liebten, wiewohl ſolches, wie a - bermahl Ferrarius I. c. ſchreibet, faſt ſchwer zu glauben; denn wo ſolten alle die ſchwartzen Haare hergekommen ſeyn, daß alſo die gelbe Farb mehr von dem Casquetgen, oder der Hu - ren ihren Muͤtzen, als von denen Haaren zu ver - ſtehen ſeyn muß.
Dieſes iſt indeſſen gewiß, daß grobe filtzigte Nebel-Kappen, meiſtentheils des Nachts um ſo viel unbekanter zu ſeyn gebrauchet worden, deñ alſo ſchreibet Capitolinus in Vero: Vagabatur nocte per Tabernas & Lupanaria obtecto Ca - pite Cucullione vulgari viatorio, wie etwan heutigs Tags diejenigen / die des Nachts herum - ſchwaͤrmen, und gerne unbekant ſeyn wollen, den Hut in die Augen ziehen, und gemeiniglich groſſe breite Huͤte, etliche auch wohl gar zuge - ſpitzte hohe Bauren-Huͤte auffſetzen, in ſolcher Tracht aber von ihren Amaſiis doch wohl erkant werden, wie dort bey dem Juvenale Sat. 6. ein gleiches zu leſen, wenn er ſchreibet:
Il. 71des Hutmacher-Handwercks. ‘Illa jubet Juvenem ſumpto properare cu - cullo. ’ ()Und w[e]il ſolche, wie gemeld, zu weilen an denen groben Maͤnteln, die man zugleich, wie noch heutigs Tags um die Ohren ſchlagen kunte, feſt waren; als wird dannenhero bey dem Horatio der Reiſe-Mantel oder Lucerna offt pro Cucul - lo genommen /
‘Turpis odoratum caput obſcurante la - cerna. ’ ()Nachdem auch Lacerna und Birrhus einerley wa - ren, als bedeutet bey denen Poeten Birrhus offt ſo viel als ein Hut, und mag daher wohl das teut - ſche Wort Baret oder Biret herkommen. Es ſol - len aber dergleichen Baret ſelbiger Zeit viel in Franckreich, in der Provinz Xaintogne gema - chet worden ſeyn, dahero Martialis ſchreibet:
‘Gallia Santonico veſtit te Bardo cucullo, Cercopithecorum penula nuper erat. ’ ()Woraus faſt zu ſchlieſſen, daß ſolche Barete da - mahls den Leuten poßirlich auff den Koͤpffen muͤſ - ſen geſtanden haben, weil man ſie vor eine Affen - und Meer-Katzen Tracht gehalten, welches auch lib. 1. Epigr. 54. confirmiret wird.
‘Sic interpoſitus vitio contaminat uncto, Vrbica Lingonicus Tyrianthina bardo - cucullus. ’ ()Ob aber dieſe Art von Bareten oder Huͤten, von denen Bardis denen Frantzoͤſiſchen Wahrſagern und Poeten / oder von Bardis, welche bey demE 4Plau -72BeſchreibungPlauto und Cicerone traͤge dumme Menſchen genennet werden, ihre Benennung gezogen ha - ben, iſt bey denen alten Scribenten noch nicht ausgemachet.
So viel iſt von denen Bardocucullis bekant, daß dieſelbe eine Kopff-Bedeckung geringer Leu - te geweſen, dahero abermahl Martialis ſchreibet:
‘Pullo Mævius alget in Cucullo, Cocco mulio fulget incitatus. ’ ()Wiewohl auch freye Leute dergleichen zu tragen ſich nicht entſehen haben, denn alſo ſchreibet auch Martialis von Mannejo L. der gar ein Roͤmiſcher Ritter ſeyn wollen. lib. 5. Epigr. 14.
‘Illic Cucullo proſpicit caput tectus, Oculoque ludos ſpectat indecens uno. ’ ()Von denen Roͤmiſchen Knechten leſen wir bey dem Columella lib. 1. cap. 8.
‘Cultam veſtitamque familiam magis utiliter, quam delicate habeat munitam diligenter a Ven - to, frigore pluviaque, quæ cuncta prohiben - tur pellibus manicatis centonibus confe - ctis vel ſagis cucullis. ’ ()Welche Beſchuͤtzung vor Regen, Kaͤlte und Wind, die alten Moͤnche und Einfiedler vor - nehmlich auch angenommen. Wiewohl der hei - lige Hieron ymus eine andere Urſache der Moͤn - che Kappen beybringet, wenn er ſchreibt:
‘Se - dentes autem Cucullis capita ſua velent, ne alter alterum aſpiciat manducantem,’ ()daß, nemlich die groſſe Kappen uͤber den Kopffge -73des Hutmacher-Handwercks. gezogen, darzu dienen ſolten, damit einer den andern in waͤhrenden Eſſen nicht anſchauen koͤn - te.
Ob die alte Formen der Cucullorum oder Moͤnchs-Kappen, ſonderlich des heiligen Fran - ciſci ſeine rund oder oben zugeſpitzt geweſen ſey, daruͤber haben ſich ihrer viel vergeblicher Weiße die Koͤpffe zerbrochen. Die ſcheinbarſte Mey - nung iſt dieſe, daß alle der Alten ihre Kappen oben zugeſpitzet zugegangen, als wie etwan un - ſere heutige Duͤten oder Kraͤmer-Haͤußlein, in welche man Gewuͤrtz, Pfeffer und Roſin einzu - wickeln pfleget. Dahero Martialis lib. 3. Epigr. II. nach deren Gleichniß ſchreibet:
‘Cujus vis fieri, libelle, munus Feſtina tibi vindicem parare Ne nigrum cito raptus in Culinam Cordyllas madida tegas papyro Velthuris, piperisque ſis cucullus. ’ ()Vom Hutmachen an und vor ſich ſelbſt / was vor Arbeit darzu erfordert werde / biß ein Hut zum Gebrauch fertig ſey / wie er tuͤch - tig ſchwartz zu faͤrben / und woran ſolches zu erkennen ſey / wie ſtarck die Zahl der Hut - macher in einem Land oder Stadt ſeyn, auch wie man den Verfall ihres Handwercks, durch heilſame Mittel zuvor kommen / und dem Handwerck wieder auffhelffen koͤnne.
DAß Haar und Wolle die Materien ſeyn, aus welchen Huͤte gemachet werden, iſt ſchon im 1. Capitel gemeldet worden, und zwar ſeynd jenes entweder Biber, oder Ca - ſtor, oder auch Caninichen, Cammel - und Ha - ſen-Haare; zu Woll-Huͤten aber komt entweder gemeine Land - oder vornehmlich Polniſche Lam̃ - Engliſche, Spaniſche, ſonderlich feine Vigo - gne, Perſianiſche und Boͤhmiſche Sommer - Wolle. Jetzt beſagte Wollen und Haare muͤſ - ſen vorher wohl ſortiret, hierauff gekartetſchet. und alsdenn mit dem Woll-Bogen geſchlagen, gefacht, mit einem naſſen Tuch uͤber dem Kohl - Feuer gefiltzet, und zu einen Hut nach beliebiger Form geformiret werden. Hierauff wird er in heiſſen Waſſer, worunter etwas Wein-Hefen gimenget, zwey biß 3. Stunden lang mit den Haͤnden gewalcket, uͤber den Stock oder Form gerichtet, und nach Belieben gefaͤrbet.
Der Hutmacher hierzu erforderter Werck - zeug, beſtehet aus dem Schlag-Holtz, dem Filtz - Blech, und der Filtz-Tafel, einem Keſſel, der Walck-Tafel, Roll-Stock und Roll-Eiſen ſamt denen Stoͤcken und Formen.
Jn Dantzig machen die Hut - oder vielmehr Filtz-Macher gantze breite Filtze, etwan 1½. Elle lang und 1. Elle breit, die ſie hernach denen Kirſchnern und Schuſtern weit und breit ver - kauffen. Jene brauchen ſolche zur Steiffigkeit in die Peltz-Waaren, als Muͤtzen und Muͤffen,die -75des Hutmacher-Handwercks. dieſe zu Filtz-Stieffeln, und Schuh-Sohlen, man kan ſie auch denn ſehr beqvem zu kleinen Veſtungs-Modelen gebrauchen, weil ſie ſich beſſer als Carten - oder Pap-Papier ſchneiden laſſen.
Alles Walcken bey denen Hutmachern ge - ſchiehet mit denen Haͤnden, welches denn den beſten Filtz und fein Geſchwind giebet. Sie muͤſ - ſen lauter kurtze Wolle darzu haben, ſo gar, daß wenn ſie nicht kurtz genug, ſie ſelbige erſt mit ei - nem Beil auff dem Stock zerhack en muͤſſen. Pol - niſche Lamm-Wolle iſt ihnen am beſten / die iſt weich und kurtz, dahero ſie denn auch die Tuch - macher nicht wohl gebrauchen koͤnnen, weil ſie ſich nicht in Faden giebet, indem ſie im Geſpinſt der Kuͤrtze wegen ausbleibet, iſt auch zun Tuͤ - chern viel zu theur, wie in Beſchreibung des Tuchmachens gemeldet worden.
Die gewoͤhnlichenSprich - uñ Schertz-Woͤr - ter der Hutmacher bey ihrem Handwerck ſeyn: klar gefacht, groß gefiltzt, und klein eingewalckt, giebt einen guten Hut. Gleichwie es hin - gegen bey ihrer Prudler - oder falſchen Arbeit heiſ - ſet, Fache fein Knoperich, Filtze fein boll, im walcken ſchickt ſich alles wohl.
Eine noch genauere Beſchreibung des Hutmachens beſtehet in folgenden: Erſtlich ver - richten das Sortiren oder Ausleſen der Wolle mehrentheils der Hutmacher ihre Weiber, wel - che denn das darinn befindliche Stroh und die Schaafs-Lorbeeren fleißig ausſuchen muͤſſen,weil76Beſchreibungweil ſonſt, wenn ſolche darinn bleiben ſolte, der Hut Loͤcher bekommen moͤchte.
Das Kaͤmmen der ausgeleſenen Wolle wird verrichtet, entweder durch die ſo genannten Kaͤm - mer oder Hollaͤndiſche Knie-Streicher. Davon was ſolche ſeyn in den Tractaten von Tuch - und Zeug-Machen Meldung geſchehen iſt.
Die gekaͤmmte Wolle wird hierauff klein ge - hackt in 2. biß 4. Theil ausgewogen, worauff die Meiſter oder Geſellen, (welche fein fruͤh des Morgens, nemlich um 4. Uhr auffſtehen, und an die Arbeit gehen muͤſſen) ſolche durch einen Fach - Bogen und Schlag-Holtz auff der Fach-Tafel. (die entweder gantz oder durchſchnitten iſt, damit das Unreine durchfallen koͤnne) herab leidern, alsdenn nimmt man ein Theil weiſſe Wolle, und fachet ſolche nach Proportion der Huͤte, in 4. groſſe Fach, item 4. oder 2. Band-Fache, wenn aber dergleichen Fach gemachet wird, ſo muß es mit einem Sieb zuſam̃en geſchoben, gedruckt und zuſam̃en geleget werden. Ferner muß auch zu einem jeden Hut, wenn ſolcher abgefacht, etwas Buſe gefachet, und hierauff mit einem Fleder - wiſch von einer Gans, die abſtaubenden Haar oder Wolle, fein rein zuſamm gekehret werden, als woran viel gelegen, weil hierdurch ein Mei - ſter reich oder arm werden kan. Und zwar die - ſes letztere, wenn die Geſellen faule Prudlers ſeyn, welche die Haar oder Wolle nicht wohl zuſam̃enkehren, ſondern ſolche liederlicher weiſemit77des Hutmacher-Handwercks. mit denen Fuͤſſen zertreten, und ſolche hernach in Miſt kehren.
Die Saite auff dem Fach-Bogen betreffend, muß ſolche nach Proportion des feinen Zeugs o - der Wolle eingerichtet ſeyn, denn zu feinen Zeug nimmt man nur ſchwache Schnuͤren, zur Wolle aber etwas groͤbere, es gehoͤret auch ein Tuch - Lappen darzu, damit wenn das Zeug oder Wol - le etwas ſchweißig oder fett iſt, man die Saite oder Schnur an dem Bogen wieder ſauber ab - wiſchen koͤñe, weil ſich ſonſt, weñ ſolches nicht, ge - ſchiehet, die Wolle oder Haaꝛe an der Schnur an - haͤngẽ, daß man hernach kein gutes Fach zu Weg bringen kan, an welchem doch das meiſte gelegen iſt. Wenn dieſe Arbeit alle alſo geſchehen, und Meiſter und Geſellen hierauff das Fruͤhſtuͤck ein - genommen, ſo ſchreitet man Zu dem Filtzen /
Eh wir aber von ſolchem, und was vor Hand - griffe und Inſtrumenta darzu noͤthig ſeyn, han - deln, ſo bemercken wir erſtlich in genere, daß wenn ein Hutmacher die Wolle mit dem Woll - Bogen zu einem Haar-Hut ſchlagen will, ſo nim̃t er erſtlich unten eine Lage von feinen Caſtor - oder Vigogne-Haaren, und ſchlaͤgt ſelbige zu einem Boden. Wenn er hierauff ein wenig Grund hat, ſo nimmt er gute Polniſche Sommer-Wol - le, und ſchlaͤgt wieder daruͤber her, biß ein Filtz zum Hut wird / alsdenn nimmt er wieder zur Bedeckung feine Haar, und koͤmt dieſes faſt mit denen inwendig Bleyernen, auswendig aber mitGold78BeſchreibungGold uͤberzogenen falſchen Ducaten uͤberein, bey denen Hutmachern aber iſt es ein redliches, und Handwerck gemaͤſſes Stuͤcke. Denn wenn man unter einen Hut von Caſtor-Haaren, nicht et - was feine Wolle miſchen ſolte / ſo wuͤrden die puren Caſtor-Haare ſich anders nicht / als mit groſſer Muͤh und Unkoſten zu einem Filtz walcken laſſen.
Weil auch die Caſtor - oder Biber-Haar theu - er / als muͤſſen die Hutmacher ſparſam damit umgehen, dahero ſie auch von einem Pfund Haar wohl 12. Huͤte bedecken koͤnnen.
Zuweilen muͤſſen auch Haſen - oder Canini - chens-Haar unter die Caſtor - oder Biber-Haar mit unterlauffen.
Jn Specie iſt von den Filtzen zu mercken /
Daß erſtlich zu feinen Huͤten 2. Ellen feine Leinwand, zu Woll-Huͤten aber Mittel-Lein - wand gehoͤre. Ferner eine Filtz-Taffel, ein Filtz-Blech von Eiſen oder Kupffer / eine Buͤtte oder Goͤlte, und ein Feuer-Napff mit Kohlen. Hierauff filtzt man zweyfach, und legt zwiſchen jedes einen duͤnnen Lappen, damit die Wolle oder Haar nicht zuſamm filtzen, wenn ſolches geſchehen, ſo wird der Hut auffgeſchloſſen, die Fache uͤber einander gebracht, jedoch mit ſol - cher Subtilitaͤt, daß man ſie wieder auffſchlieſſen kan, und ſie ſich nicht uͤberlegen, als welches ſonſt Faltzen giebet, dadurch der Hut ein uͤbel Anſehn bekoͤmt.
Wenn nun ſolcher geſtalt ein Hut fertig wor -den,79des Hutmacher-Handwercks. den, ſo wird er wohl ausgebuͤſſet und durchſe - hen, ob er nicht Loͤcherich oder ungleich gefiltzet ſey, als woran die groͤſte Kunſt des Hutes beſte - het; ſo muß er auch nicht zu groß und nicht zu klein ſeyn. Wenn nun dieſes alles wohl beſichti - get, gleichſam damit das Tag-Werck verrich - tet worden, ſo werden die Woll-Huͤte gekocht, darzu gehoͤret nun ein eingemauerter Keſſel, oder Eiſerne oder Kuͤpfferne Pfanne, wie auch ein etwas kleiner Koch-Topff, item eine Walck - Tafel, von ſtarcken Pfoſten Brettern, wohl fe - ſte gelegt, ferner ein Roll-Stock zu feinen Huͤ - ten, und ein Roll-Eiſen, ſo in der mitten 4. oder 8. Eckigt, ingleichen ein Stamper, eine Fauſt, und Streich-Bret, Hoͤltzerne Form-Stoͤcke, nach Art der mode klein oder groß, wie man ſie haben will. Es muͤſſen aber die Huͤte in reinen Waſſer mit etwas Lauge oder Urin ver - miſchet 2. biß 3. Stunden kochen, dabey man denn wohl zuzuſehen hat, daß nicht etwas von Kalch darzu kom̃e, weil ſonſten ſolches die Huͤ - te verderben wuͤrde, daß ſie alle zerfallen muͤſten.
Wenn der Walck-Keſſel geheitzt, und das Waſſer warm iſt, ſo thut man zwey oder 3 Kup - pen, Butten oder Goͤlten, Wein-Spuͤlig o - der Wein-Hefen darein, oder auch etwas Wein - ſtein, ſo man Caſtor-Huͤte hat. Der Weinſtein wird auff die Tafel gebracht, angefeuchtet, mit der Fauſt klar gerieben, das Waſſer laͤſt man in den Keſſel lauffen, und faͤngt alsdenn an zu wal - cken, anfaͤnglich nur behutſam, dabey man denHut80BeſchreibungHut offt reckt, damit er in der Runde bleibe, ſin - temahl ein Hut in dem erſten Anſtoſſen, wie es die Hutmacher nennen, wenn er nicht recht gewal - cket wird, leicht verdorben werden kan, ſo muß er auch in eineꝛ Hitze gewalcket werden. Wenn denn der Hut nach Proportion der Forme kurtz. ſo wird er mit den Fuͤſſen durch das Roll-Eiſen ab - gerollt, daß er recht feſte werde, alsdenn ſtoͤßt man ihn um, und bringt ihn zur Forme. Zu die - ſer Arbeit gehoͤret ein Ausſtoͤſſer, mit welchem der Hut oben aus gebrochen wird, daß er glat an der Form anliege, ferner wird er mit dem Band an - geformt, und mit der Fauſt der Rand ausgeſtoſ - ſen, und dieſes alles in voller Hitze; Hierauff wird wieder die Fauſt auff den Kopff des Huts geſetzet, mit den Fuͤſſen darauff getreten, und mit den Haͤnden ausgeſtreckt, daß er plat auff der Tafel lieget, alßdenn mit dem Streich-Bret ausgeſtrichen, daß das Waſſer rein herauskom - me, alsdenn wieder ausgeſtreckt, und auffge - henckt, damit er trocken werde, und zwar geſchie - het ſolches Auffhaͤngen entweder auff der Form, oder von der Form abgezogen. Nach dieſem wird er mit einen Bims-Stein abgeſcheuert, und hier - auff mit Karten oder Hollaͤndiſchen Cartetſchen auffgekratzet, alsdenn wieder angeformt, aus heiſſen Waſſer ausgeſtrichen, und ſo dann ver - glichen, damit er an Rand recht rund werde; weñ dieſes geſchehen, ſo geht man damit zur Farbe, welches, weil viel daran gelegen, wir etwas aus - fuͤhrlich zu beſchreiben, uns nicht entziehen wollen.
Es81des Hutmacher-Handwercks.Es iſt aber von den Schwartzfaͤrben der Huͤ - te vornehmlich zu bemercken, daß ſehr viel da - ran gelegen, daß daſſelbe dauerhafft und von einem ſchoͤnẽ Glantz ſey, weil nichts ſchaͤndlichers an denen Huͤten kan geſehen werden, als wenn ſelbige ſo gar bald ihre ſchwartze Farbe verlieren und kahl werden. Dahero diejenigen Hutmacher, welche vor andern einen guten ſchwartzen Hut zu faͤrben wiſſen, mehr Zulauff und Nahrung, als andere Stuͤmpler oder Faͤlſcher haben, wel - che nicht denen Satzungen gemaͤß die Materia - lia und Muͤhe daran wenden wollen, die zu einer rechten ſchwartzen Farbe gehoͤren, dahero ihre Huͤte kaum die Helffte ſo lang, als andere gut gefaͤrbte Huͤte gebrauchet werden koͤnnen, da ſie ſchon grau und fahl werden, alſo, daß da ſonſt jemand an einem gut gefaͤrbten Hut eine Zeit lang genug haͤtte, er wohl drey ſolcher ſchlecht gefaͤrb - ten Huͤte gebrauchen muß. Woraus zugleich dem Lande der Schaden zuwaͤchſt, daß hernach ſo viel mehr Geld vor Lamm-Wolle, Caſtor, oder Bi - ber und Camel-Haar, auch andere frembde Ma - terialia hinaus gehen muß, welches das Jahr uͤber ſchon ein ziemliches betraͤgt.
Ehe wir aber die Eigenſchafften einer guten Hut-Schwaͤrtze recht unterſuchen und beſchrei - ben, ſo iſt nach Anleitung des Unterrichts, wel - cher in dem Teinturier Parfait gegeben wird, noͤ - thig, daß jedes Orts Hutmacher die Wolle und Farb-Kraͤute, wie auch die Beqvem - und Unbe - qvemlichkeiten, welche ſich daſelbſt zu Hutma -Fchen82Beſchreibungchen ereignen, wohl erwege, und ſonderlich un - terſuche, wie man darzu gelangen moͤge, daß man die daſelbſt verfertigten Huͤte, in ſolche Reputa - tion bringe, daß ſie nicht allein in dem Land, ſon - dern auch auſſer demſelben beliebt ſeyn, und die Handlung damit vergroͤſſert, nicht aber verin - gert werden moͤge.
Es beſtehet aber ſolches in Abſchaffung der ſchlechten und unrechten Farbe, und daß man hergegen gute und tuͤchtige an die Stelle einfuͤh - re. Solches geſchiehet nun vornehmlich folgender geſtalt:
Erſtlich muͤſſen alle Woll - und Haar-Huͤte mit guten Aleppiſchen oder Alexandriniſchen Gall-Aepffeln, wie auch etwas Jndianiſchen Holtz vorbereitet, und ziemlich lang in dem Gall - aͤpffel-Waſſer gehalten werden, damit die Far - be hernach deſto beſſer in den Filtz hinein dringe. Nach dieſen ꝛichtet man ebendieſes Gallen-Waſ - ſer mit ſchwartz und genugſamen Jndianiſchen - Holtz, wie auch ein wenig Vitriol und Gruͤn - ſpan zu, und laͤſſet abermahl die Huͤte ihre gebuͤh - rende Zeit darinn liegen, damit die Farbe deſto beſſer durchdringen koͤnne. Es muß aber das Jndianiſche Holtz, welches man in die Schwaͤr - tze thut, vorher beſonders gekochet worden ſeyn, und nach dieſem zum wenigſten drey oder vier Tage lang abgekuͤhlet haben, eh mans braucht. Jngleichen muß man die Doſin von den Gallaͤpf - feln und Jndianiſchen Holtz, nach Proportion,als83des Hutmacher-Handwercks. als der Hut von Haaren und ſchwer zu faͤrben iſt, vermehren.
Nachdem nun dieſe Vor-Arbeit verrichtet, ſo ſetzt man einen neuen Keſſel mit reinen Waſſer an, in welches man eine genungſame Qvantitaͤt Jndianiſch und ein wenig gelb Holtz thut, dieſes laͤſt man drey Stunden mit einander kochen; hier - auff, wenn man es hat wohl erfriſchen laſſen / ſo ſchuͤttet man gnugſamen geſtoſſenen Gallus zu, und laͤſt es nochmahl mit den Jndianiſchen und gelb Holtz 3. andere Stunden lang kochen, thut hernach den Vitriol und endlich die Huͤte hinein Wenn nun der Keſſel ein wenig laulicht worden, ſo laͤſt man etwas Gruͤnſpan darinn zergehen, welcher denn viel hilfft, daß das Jndianiſche Holtz beſſer angreifft; laͤſt hierauff die Huͤte a - bermahl eine gute Zeit lang in dieſer zweyten Schwaͤrtze ſtehen, damit die Farb deſto beſſer durchdringe.
Waͤre es, daß es koſtbare oder ſchwer zu faͤr - bende Huͤte waͤren, ſo muß man ihnen die dritte Schwaͤrtze geben, welche man auff obbeſchrie - bene Manier zurichten muß. Wiewohl man auch die Doſin der Ingredientien nach erfodern oder Beſchaffenheit des Schwartzens vermindern o - der vermehren kan. Fiele der Glantz des Huts alsdenn noch etwas ins Blaue, ſo ſetzt man mehr gelb zu, waͤre er aber zu roth, ſo nimmt man von den gelben Holtz ab, und giebt ihm ſo viel mehr Jndianiſch-Holtz. Und ſo verfaͤhretF 2man84Beſchreibungman auch mit andern Droguen, nachdem von dem einen zu viel oder zu wenig genommen iſt.
Wenn nach dieſem die alſo ſchwartz gefaͤrbten Huͤte wohl ausgewaſchen worden, ſo kan man den blaulichen Glantz, wenn ſolcher noch zu viel iſt, mit etwas gelb Holtz temperiren, welches, wenn es ein wenig mit Gum̃y angemachet wird, ſo wohl auff Haar-als Woll Huͤten eine gute Wuͤrckung thut.
Hierbey iſt aber zu mercken, daß obgleich die groben Woll-Huͤte aus dem erſten Schwartzen ſich genugſam faͤrben laſſen, wenn man nur ge - nungſame Gallaͤpffel, wie auch etwas von dem Smack darzu gethan, u. auch etwas mehr Kupf - fer-Waſſer gegeben; So wollen doch die ſchon etwas beſſere Huͤte, die zweyte Schwaͤrtze haben, die gar feine uñ koſtbare aber die dritte Schwar - tze, wie oben ſchon gemeldet worden. Da wir auch geſagt, daß die feine Huͤte im Faͤrben mit etwas gelb Holtz koͤnnen tempetiret werden, ſo iſt ſolches bey denen Groben nicht noͤthig, weil man daſelbſt Sumach oder Schmack beyſetzet, und auch mehr Kupffer-Waſſer darzuthut Man koͤnte ſie auch wohl mit dem Gelb-Kraut (Fran - tzoͤſiſch Gaude genannt) abſuͤſſen, oder ſie durch das Gelbholtz-Waſſer (wenn erſt die feine Huͤte ſeine beſte Krafft ausgezogen, durchziehen.
Nachdem aber bey allen dieſen, doch kein voll - kommenes Schwartz, ſo wohl an Haar - als Woll-Huͤten erlanget wird, es ſey denn, daß man ſie aus Weyd oder Paſtel blaue, welchesdie85des Hutmacher-Handwercks. die Hutmacher biß hieher zu thun unterlaſſen ha - ben, eines Theils, weil ſie in der Meynung ge - ſtanden, wenn man einen Hut ſolcher geſtalt in Faͤrben zu ſtarck angriffe, daß er daruͤber die Haar moͤchte fahren laſſen, welches aber keines wegs zu beſorgen, wenn nur das Haar im wal - cken mit dem Filtz wohl durch gearbeitet iſt, und ihme darauff eine gute Schwaͤrtze gegeben wor - den.
Als waͤre wohl noͤthig die Hutmacher dahin zu halten, daß fie alle ihre Hut-Wolle, oder Haar zuvor tuͤchtig blau faͤrben muͤſten, ehe ſie ſolche zu Huͤten verarbeiteten, weil die blaue Farb wohl decket, und die Wolle oder Haar auch ge - ſchickter machet, die Schwaͤrtze anzunehmen. Gar grobe Huͤte, haͤtten eben keine ſtarcke Blau - ung noͤthig; bey den Feinen aber wuͤrde durch das Blauen, auch die dritte Schwaͤrtze koͤnnen erſparet werden, indeſſen wuͤrde ein grober aus dem Blauen gefaͤrbter Hut, nicht uͤber drey, und ein Feiner nicht uͤber fuͤnff Stuͤber mehr zu ſte - hen kommen, als einer der nicht vorher blau ge - faͤrbet worden.
Damit man aber ſehen moͤchte, ob jenes ge - ſchehen, ſo muͤſte allen Hutmachern verboten werden, den Rand nicht zu beſchneiden, eh und bevor ſie inwendig in den Hut ihr Zeichen geſe - tzet, und ſolche Huͤte alsdenn durch die geſchwor - ne Aelteſten ihres Handwercks beſichtiget wor - den. Welche, wenn ſie ſolche gut und tuͤchtig be - funden, ihre Zeichen gleichfalls nebenſt des Mei -F 3ſters86Beſchreibungſters ſeinen darein drucken, und ſo der Hut nicht von der rechten Qualitaͤt befunden worden, den - ſelben gar confiſeiren koͤnten.
Truͤge es ſich auch zu, daß ein Hut, der von Meiſter und Aelteſten gezeichnet woꝛden, ſich nach der Zeit doch uͤbel gefaͤrbt befinden ſolte, ſo muͤſte der Beſitzer ſeinen Recurs an dem, der ihm den Hut verkaufft, dieſer aber ſo wohl an dem Hut - macher, als an die Aelteſten die ihn falſch gezeich - net, nehmen koͤnnen. Die Aelteſten muͤſten auch noch darzu geſtrafft werden, weil ſie einen Hut gezeichnet, der nicht Kauffmanns-Gut geweſen.
Am allerſicherſten aber wuͤrde man der Huͤte wegen (daß ſolche recht gefaͤrbet) ſeyn koͤnnen, wenn das gantze Handwerck der Hutmacher ei - nes Ortes gehalten waͤre, zwey oder mehr Filtze von unterſchiedlicher Art Haar und Wolle zu faͤrben, welche hernach ſtets in ihrem Gild - oder Jnnungs-Hauß bleiben, und daſelbſt zur Probe dienen muͤſten, nach welcher man hernach alle in derſelbigen Stadt gefaͤrbte Huͤte zu beurtheilen haͤtte. Und ob man gleich nach ſolcher Probe / in Gegenhaltung der gemachten Huͤte, nicht ſo gar accurat urtheilen koͤnte, ſo muͤſten die Hut - macher Aelteſten ein Stuͤcklein von der Prob, und auch ein Stuͤcklein von dem Rand des zu beur - theilenden Huts, (jedoch ſolcher geſtalt, daß der Hut dadurch nicht geſchaͤndet oder verdorben wuͤrde) ab ſchneiden, uñ beydes zuſam̃en mit gleich ſchweren Alaun und Weinſtein abkochen, ſo wuͤrde ſichs bald weiſen /, ob der Hut Probmaͤſ - ſig gefaͤrbet ſey oder nicht.
End -87des Hutmacher-Handwercks.Endlich iſt auch noch zu mercken, daß in der Ael - teſten ihren Zeichen / auch der Stadt Nahme, in welcher der Hut gemacht, wie auch die Jahr - Zahl, wenn ſie ſolchen beſichtiget und gezeichnet; ingleichen der Nahme des Hutmachers muͤſte aus gedruckt, und ſolches auch zum Uberfluß in ihren Jnnungs-Buch auffgezeichnet werden, da - mit wenn uͤber lang oder kurtz ſich Streit ſolches Huts wegen erheben moͤchte, man aus ſolchen Buch Nachricht erlangen koͤnne.
Wenn nun oberzehlter Maſſen ein Hut gefaͤr - bet iſt, ſo wird er wieder ausgewaſchen, und her - nach entweder auff der Form, oder ohne dieſelbe getrucknet. Hierauff wohl ausgekehrt und ge - ſteifft. Wenn auch dieſes geſchehen, ſo wird er wieder getrucknet, und alsdenn mit Waſſer o - der zubereiteten Glantz geglaͤntzet. Wenn er nach dieſem wieder trucken worden, ſo macht man ihn platt auff dem Filtz-Blech. Zu ſolcher Arbeit gehoͤret ein Dunſt-Lappe, wie auch dieFauſt - und Form-Stoͤcke. Hierauff laͤſt man ihn wieder trucknen, und butzt oder biegelt ihn alsdenn mit einem Meßingen oder Staͤhlernen Biegel-Eiſen, jedoch alſo aus, daß er im Bie - geln nicht verbrennt werde. Und damit iſt nach ſo vieler Muͤh und Arbeit endlich ein Hut fertig.
Es iſt aber alles dieſes, was ietzt geſaget wor - den, nur von einen guten Hut (den ein rechter Meiſter gemacht) zu verſtehen. Denn was Stuͤmpler Arbeit iſt, an ſolcher fehlet freylich ſehr viel, daß ſie nicht ſo gut ſey, als rechte Mei -F 4ſters,88Beſchreibungſters, theils weil diejenigen die ſolche verfertigern, das Handwerck nicht tuͤchtig verſtehen, theils auch weil eine rechtſchaffene Arbeit nicht wohl bezahlet wird, und es dannenhero heiſt: Kuͤpffern Geld, Kuͤpffern Seelmeß. Worinnen ich auch die lieben Handwercksleute zum Theil nicht ver - dencken kan. Wie aber dieſen abzuhelffen, iſt an - derwerts von uns gewieſen worden.
Die heutigs Tags unter unſern teutſchen Hut - machern bekanteſte Sorten von Huͤten ſeynd die gantze, halbe und viertels Caſtor, die Loutre, Codebeckiſche und Cameel-Haͤrige, die aus Polniſcher, und auch aus Land-Wolle gemach - te Huͤte.
Ein Stein Sommer-Wolle koͤmt ihnen in Sachßen auff 5½. biß 6. Reichs-Thl.
Ein Stein Lamm-Wolle 5. Rthl. die denn theils noch ungewaſchen, davon hernach wohl 2. biß 3. Pfund im Waſchen abgehet. Polmſche Lamm-Wolle iſt ungleich theurer, und komt der - mahlen in Sachßen wohl 10. biß 12. Rthl. der Stein. Die Boͤhmiſche Sommer-Wolle iſt von 5. biß 6. Rthl. dieſe wird um Michaelis, und die Lamm-Wolle nach Pfingſten abgenom - men.
Caſtor - oder Biber-Haar muß man meiſten - theils aus Engeland, Holland und Hamburg haben, das Pfund koͤmt ietziger Zeit 7. Rthl. das Moßcowitiſche Biber-Haar faͤllt etwas kuͤr - tzer, aber auch viel feiner, dahero man ſolches,wenn89Hutmacher-Handwercks. wenn man einen guten Caſtor-Hut machen will, mit Engliſchen Biber-Haar vermenget.
Die ſogenannte Loutre-Huͤte, die manche vor Caſtor anſehen, werden von Perſianiſcher Vigogne-Wolle gemachet, Haaſen-Haar da - runter gemenget, und hernach mit etwas Biber - Haar uͤberzogen.
Hunde-Haare zu verarbeiten iſt verboten, und wird derſelbe, der ſolches thut, er ſey Mei - ſter odeꝛ Geſell nicht vor ehrlich gehalten. So wer - den ihnen auch die Kuͤh - und Kaͤlber-Haar, in - gleichen die Flocken von den Tuchmachern und Tuch-Scherern nicht geſtattet; wiewohl es mit dieſen letzern an denen Orten, wo die Wolle ge - nau zuſammengehet, nicht eben ſo genau genom - men wird.
Eine andere Bewandniß aber hat es mit den groben Filtzen, zu welchen die Hutmacher un - geſcheuet die Kuͤh - und Kaͤlber-Haare nehmen moͤgen. Solche Filtze werden hernach wie ſchon gemeldet, von den Kuͤrſchnern und Schuſtern, item denen Taͤſchnern zu Stuͤhlen und Matrazen, wie auch von denen Feuer-Werckern und Artil - leri ſten ꝛc. gebraucht.
Zu mercken iſt auch, daß die Engliſchen, Hol - laͤndiſchen, Frantzoͤſiſchen und Jtaliaͤniſchen Hutmacher von unſern teutſchen Meiſtern nur vor Filtzmacher gehalten werden, weil ſie in An - ſehung ihrer feinen Zeug keinen Hut mit denen Fuͤſſen daſelbſt bearbeiten; ſolches auch, weil ihre Geſellen nicht viel in Teutſchland reiſen, nichtF 5ver -90Beſchreibungverſtehen; und wenn ja ein Geſell herauskomt / ſo iſt doch zwiſchen ihnen und denen teutſchen Geſel - len immer Streit, alſo, daß ſie ſich niemahls wohl zuſammen vertragen koͤnnen.
Folget noch mit wenigen die Zahl der Hutmacher / welche in einer Stadt und Land etablirt ſeyn ſolten, damit ſie alle zulaͤnglich an ihr Brod kommen, und doch auch das Land und deſſen Commercium mit genugſamen Huͤten ver - ſehen werden koͤnte.
Dieſes laͤſſet ſich nun am beſten aus der An - zahl der Buͤrgerſchafft eines Orts, und denn aus des Landes ſeinem Commercio und Hand - lung urtheilen. Zu jeden hundert Buͤrger-Haͤu - ſern, halte ich, was deren eigenen Gebrauch an Huͤten betrifft, waͤre ein Hutmacher genug. Zu - mahl wenn er feine und grobe Huͤte zu machen ſich befliſſe. Da es denn ſo leer nicht abgehet, daß ab - und zureiſende - Frembde oder Lands-Leute nicht auch manchmahl mit einem Hut ſich verſe - hen ſolten, daß alſo bey 100. Familien ein Hut - macher ſchon an ſein Brod kommen koͤnte, ſo viel - mahls ſolche Familien nun an hunderten ſtiegen, oder in einer Gemeine befindlich waͤren, ſo viel Hutmacher muͤſten ſich zu etabliren zugelaſſen werden. Welches denn am fuͤglichſten aus einer richtigen Buͤrger - oder Einwohner - Matricul wuͤrde abzunehmen ſeyn. Gleicher geſtalt koͤnte auch die Proportion auff den Land in acht genom - men werden, daß nachdem in einem Amt oder Diſtrict viel Haußſaͤßige Familien waͤren, da -ſelbſt91des Hutmacher-Handwercks. ſelbſt auch auff ein oder zwey hundert ein Hut - macher zuzulaſſen waͤre, jedoch daß es auſſer - halb einer Meile von der Stadt ſey, und er ſich vergnuͤge, ſeine Huͤte in ſeinem ihme angewieſe - nen Diſtrict zu verkauffen, und ſolche nicht zum Præjudiz der Stadt-Meiſters in die Staͤdte einſchleiche. Wobey jedoch denen Land-Leuten, wenn ihr Hutmacher nichts guts von Huͤten haͤt - te oder machen koͤnte, oder auch ſich nicht in der Billichkeit wolte handeln laſſen, ungewehrt ſeyn muͤſte, nach Belieben Huͤte in der Stadt einzu - kauffen, ſonderlich diejenigen, welche fremde ſeyn - Dieſes aber waͤre nur von dem eigenẽ Gebrauch einer Stad oder eines Landes geredet, wo aber die Handlung auff frembde Oerter, Maͤrckte und Provinzien ein anders erforderte, da iſt kein ge - wiſſer Numerus der Hutmacher, weder auf dem Land noch in der Stadt zu determiniren, und koͤnten in einem kleinen Flecken, der an ſich ſelbſt nicht einen einigen Hutmacher zu ernehren ver - moͤchte, wohl 10. biß 20. wohnen. Wenn ſie ih - re darum gemachte Waare hernach auſſerwerts zu verhandeln wuͤſten. Auff welche Art auch die ſogenannte Pfuſchers oder unzuͤnfftige Meiſters, keine Pfuſchers mehr ſeyn oder heiſſen wuͤrden, wenn ſie mit ihrer Arbeit denen Einlaͤndiſchen Meiſtern binnen Lands keinen Eintrag thaͤten, ſondern was ſie machten, auſſerhalb Landes ver - kaufften, dadurch Geld ins Land zoͤgen, und dem Landmann ſeine Wolle beſſer conſummiren machten. So koͤnte man auch uͤber die geſetzteZahl92BeſchreibungZahl der Hutmacher demjenigen das Einkom - men, und haͤußliche etabliren in einer Stadt o - der Land, ja das Handeln in denſelben nicht weh - ren, vielweniger ihn / ob er gleich nicht in ihrer Zunfft waͤre, mit dem Schimpff-Wort eines Pfuſchers belegen, welcher lauter feine, oder doch ſolche Huͤte machte, welche die andern Hut - macher weder machen koͤnten noch wolten. Da - hero billich an unſere teutſche Hutmacher und auch andere Handwercker die Ermahnung gehet, daß ſie ſo viel moͤglich in ihren eigenen Zuͤnfften, ſich auff neue, feine, und der Auslaͤndiſchen gleich - kommende Waare befleiſſen ſolten, damit ſie dem Vaterland dadurch Nutzen ſchaffen, und das Geld, ſo viel an ihnen iſt, im Lande mit con[-]ſerviren helffen, der Obrigkeit aber nicht Anlaß geben moͤgen, auch bey ſonſt geſchloſſenen Zuͤnff - ten, Frey-Meiſters zu ſetzen, welche beſſere und Correntere Waare als ſie machen, von der al - ten Handwercks-Leyer abgehen, und nebenſt der Kraͤmerey, auch dem Land-Commercio auff - zuhelffen ſuchen. Da nun die eingebohrne Zuͤnff - tigen Hutmacher eines Orts ſolches auch zu præ - ſtiren verſprechen, ſo muͤſte es nicht in bloßen Worten beſtehen, ſondern ſolches in der That erfolgen, und in ihren offenen Buden ſich erwei - ſen, daß ſie auch gantze oder halbe Caſtor, oder andere feine nach auslaͤndiſcher Faſon zugerich - tete Huͤte (denen die ſolche verlangten) præſen - tiren koͤnten. Jch bin verſichert, wenn ſolches geſchehe, es wuͤrde ſich die Zufuhr frembder Huͤ -te93des Hutmacher-Handwercks. te, von ſelbſt legen / ohne daß man noͤthig haͤtte Impoſten darauff zu ſchlagen, und ein ieder Ein - wohner wird lieber ſeinen Mit-Buͤrger, alsden Frembden das Geld goͤnnen, wenn er mit glei - cher Waar / wie bey dieſen, alſo auch von jenen koͤnte verſehen werden.
Hier kommet aber ebenfalls in Conſiderati - on, was wir anderwerts von denen Tuchma - cher-Jnnungen geſagt, daß nehmlich eine gantze Jnnung eine Caſſam oder Fundam haben ſolte, aus welcher ſie ihren armen Mit-Meiſtern aus - huͤlffe, damit er Wolle und andere Materialia kauffen, und ſein Handwerck ungehindert, und ohne Juͤden-Wucher fortſetzen koͤnne. Wor - zu denn noch ein allgemeines Hutmacher-Jn - nungs-Magazin, oder Gewoͤlb in Vorſchlag kommt, ſamt andern heilſamen Projectis mehr, welche in beſagten Tuchmacher-Tractat pro - poniret, und um ſelbige in Praxin zu bringen, re - commendiret worden.
Wegen der Jahrmaͤrckte haͤtte man noch zu erinnern, daß ſolche unſern Hutmachern mit ih - ren Huͤten zu beziehen, gar wohl koͤnte zugelaſ - ſen werden, weil dadurch der Staat oder des Landes Handlung vergroͤſſert, und aus der Frem - de Geld hereingezogen wird, hingegen ſeynd die Jahrmaͤrckte, auff welchen frembde Hutma - cher uns ihre Huͤte zufuͤhren, ſo viel als moͤglich einzuſchrencken, auch auff dem Land und Kirmeſ - ſen, oder im Haußiren nicht zu gedulten, in ſo ferne nur unſere Einheimiſche Stadt - oder Land -Hut -94BeſchreibungHutmacher billichen Preiß (jedoch ſo, daß ſie auch dabey leben koͤnnen, und vor ihre ſaure Ar - beit an der Waare etwas haben moͤgen) geben, auch feine und geringe Waar genugſam in Vor - rath anſchaffen, und wenn das Commercium ins Groß darinn zu bluͤhen anfing, daſſelbe mit genugſamer, und von denen Kauffleuten verlang - ter Waar verſehen und verlegen koͤnten. Wo - bey noch zu bemercken, daß weil der Hutmacher ihr Handwerck ohne dem nicht viel abwirfft, daß ihnen auch allerhand kleines Wollen-Zeug, nicht aber gantze Stuͤcken Tuch ſchwartz zu faͤrben, muͤſte zugelaſſen ſeyn, ſonderlich in kleinen Staͤd - ten, welche einen eigenen Schwartz-Faͤrber nicht erhalten koͤnnen.
Da wir auch oben eines Hutmacheꝛ-Jñungs - Magazin oder Gewoͤlbs gedacht, ſo koͤnte ſolches dergeſtalt eingerichtet werden, daß wer etwas weit abgelegen wohnte, und keine eigene Bude oder Gewoͤlb zu ſeinen eigenhaͤndig gemachten Huͤten auff oder um den Marckt herum, oder ſonſt an einem gelegenen Ort haben wolte, der koͤnte ſeine Huͤte in der Hutmacher allgemeines Gewoͤlb zum Verkauff hingeben. Jn dieſem Ge - woͤlb moͤchten ſie auch wohl auslaͤndiſche, feine und grobe Sorten Huͤte zum Kauff haben, auch ſolche, ſo lang ſie ſelbige nicht ſelbſt zu verferti - gen, die Mittel und die Wiſſenſchafft haͤtten, aus der Frembde kommen laſſen, welches aber auch denen Kraͤmern frey ſtehen muͤſte, um die Hut - machers dadurch zu zwingen und anzureitzen, daßſie95des Hutmacher-Handwercks. ſie ſich auff Verfertigung dergleichen feinen Guts ſo viel eher befleiſſen muͤſten. Weñ hernach ſolches geſchiehet, ſo muͤſte darum doch denen Kauffleuten und Kraͤmern, Huͤte aus der Fremb - te zu verſchreiben nicht verboten ſeyn, weil die Handlung gantz keinen Zwang leiden will. Man muͤſte aber hingegen, wenn erſtlich die Auslaͤn - diſchen Huͤte ſo gut hier zu Land, als in der Fremd gemachet werden koͤnten, einen ſolchen Zoll da - rauff legen, daß die frembde Zufuhr in dieſer Waar ſich dadurch ſelbſt abſchnitte; ſolches a - ber muͤſte wie gedacht eher nicht geſchehen, als biß unſere Hutmacher ſolche perfect, oder bey nahe ſo gut als die Auslandiſchen ſeyn, nachma - chen koͤnten.
Hiebey faͤllt mir nun noch ein, wie doch dem grauſamen Verfall des ſo loͤblichen als nuͤtzli - chen Handwercks der Hutmacher, der an vie - len Orten einreiſſen will, ſo viel als moͤglich zu ſteuren ſey. Wie ich denn eine gewiſſe Stadt kenne, welche jederzeit der guten Huͤte halber / die daſelbſt gemachet, (und inſonderheit dauer - hafftig ſchwartz gefaͤrbet worden) ſehr beruͤhmt geweſen, welche auch, ob ſie gleich klein gewe - ſen, doch biß 36. Meiſter und wohl 60. Geſellen gehabt, die aber ietziger Zeit ſo herunter gekom - men, daß nicht allein keine Geſellen mehr dariñ zu finden, ſondern noch wohl ein Meiſter dem andern an ſtart eines Geſellen arbeiten muß.
Dieſem Unheil waͤre meines Erachtens vorzu - kommen, wenn erſtlich die Einfuhr frembder Huͤ -te,96Beſchreibungte, ſo wohl auff Jahrmaͤrckten, als vor die Kauffleut zum Handkauff gaͤntzlich verboten, o - der doch durch Aufflegung eines gewiſſen Zolls ihnen ziemlich verſaltzen wuͤrde. Wenn man auch ferner die vielen kleinen Jahrmaͤrckte etwas ein - zoͤge, auff welchen die zuſammlauffende geringe Handwercksleute nichts als Unkoſten haben, ihr geloͤſtes Geld offt guten Theils in der Schencke ſitzen laſſen, indeſſen zu Hauß ihre Zeit verſaͤu - men, und alſo nimermmehr, weil die Waare wenig gilt, zu einer gedeylichen Nahrung gelan - gen koͤnnen. Eine andere Beſchaffenheit hat es mit beruͤhmten Jahꝛmaͤrckten in groſſen Staͤd - ten, da ein groſſer Confluxus von vielen einhei - miſchen und frembden Leuten iſt, und alſo ein da - hin von einem kleinen Land-Staͤdtgen reiſender Hutmacher ſchon etwas von ſeiner Waare mit Profit abſetzen, und ein Stuͤck Geldes dafuͤr marckten oder einnehmen, ſolches hernach da - ſelbſt fuͤglich in Wolle und Materialien wieder anlegen koͤnte.
Drittens, ſo muͤſten eines Landes Hutmacher ſich auff duͤchtige und currente Waar befleißi - gen, und wenn ſolches geſchiehet, ihnen auch von ihrer Obrigkeit und Mit-Buͤrgern lieber das Geld als Frembden gegoͤnnet werden; welches geſchiehet, wenn der Hof und alle Groſſe ihre ei - gene Land-Huͤte tragen, wenn man denen Ein - heimiſchen Hutmachern, die Montur-Huͤte zu machen giebet, und nicht (welches wieder alle geſunde Vernunfft laͤufft, ob es gleich tota dieHerrn97des Hutmacher-Handwercks. practiciret wird) des Landes oder Landes - Herrn ſeiner Miliz Montur, (mit welcher oh - ne dem kein Officier, er ſey hoch oder niedrig, ſondern das Kriegs-Land-oder Stadt-Commiſ - ſariat zu ſchaffen haben ſolte) auſſer Landes machen laͤſt.
Vierdtens ſolte eine Hutmacher-Jnnung fein ſelbſt auff ihre eigene Conſervation und Beſtes in ihren Ampts - Zunfft - und Zuſammenkunffts - Tagen gedencken, alle unnoͤthige und die jungen Meiſter / oder Hand-Lade beſchwehrende Unko - ſten und Gebraͤuche abſchaffen. Sorgfaͤltig hin - gegen uͤberlegen, wie dem Handwerck durch Verfertigung guter und in Renommee zu brin - gender Waare wieder auffzuhelffen, die Hand - lung mit ihren Huͤten auff frembde Laͤnder zu e - tabliren; Denen jungen und verarmten Mei - ſtern, mit Geld, Wolle oder andern Zeug aus der Lade unter die Arme zu greiffen, damit er nicht bey Juͤden und Chriſten das Seinige zu hohen Zins verſetzen, auff vorgegeſſen Brod dem wuchrenden Kauffmann in die Haͤnde arbeiten, und ſein mit ſaureꝛ Muͤh gemachtes Stuͤck Waar auff denen Jahrmaͤrckten vor liederliches Geld wegſchleudern doͤrffte, bloß um ſeinen zu Hauß nach Brodt ſchreyenden Kindern, bey ſeiner zu Haußkunfft den Hunger zu ſtillen, oder auch, damit er dem Juden das Intereſſe vor das auff - genommene Geld bezahlen moͤge.
Welches alles, wie auch die hohen Onera, o - der Gaben, mit welchen an vielen Orten die ar -Gme98Beſchreibungmen Unterthanen belaſtet ſeyn, leichtlich zu erken - nen giebet, woher der Verfall dieſes und ande - rer Handwercker entſtehe. Dannenhero die Aelteſten um ſo viel mehr vor ihre Mit-Bruͤder und Mit-Meiſter ſorgen, und wenn die ſchwere Zeiten ohne dem viel Kummer und Beſchwerung bringen, ſo viel an ihnen iſt, dahin trachten ſol - ten: Erſtlich eine Art eines Montis Pietatis, und zweytens eines Ein - und Verkauff-Maga - zins anzurichten / durch jenen wuͤrde dem armen Mit-Meiſter auffgeholffen, und ſoulagiret wer - den, daß er nicht mehr zu hohen Zins, Geld oder zu hohen Preiß Waaren auff Borg auffnehmen doͤrffte, ſondern wenn die Jnnung odeꝛ das Hand - werck ihn mit beyden verſehen, und hernach ſei - ne gemachte Arbeit, wieder den Werth nach, (wenn er ſo bald keinen fremden Kaͤuffer darzu bekommen koͤnte,) in Bezahlung annehmen wol - te, ſo wuͤrde ein ſolcher Meiſter trefflich auff, und zum wenigſten das gantze Handwerck, hinter das Geheimniß kommen, ob eines ſolchen Mit - Meiſters ſein Verderben, von der ſchlechten Zeit allein, oder auch von ſeiner eigenen Schuld und Schwaͤche hercuͤhre. Hiebey koͤnte auch ein ſolches Handwerck, wenn es eine feine geſpickte Handwercks-Lade haͤtte, (wenn auch gleich zu leidlichen Zins noch einige Capitalia darzu auff - genommen werden ſolten) ſich einen ſtattlichen Nutzen durch Einkauff ihrer benoͤthigten Mate - rialien aus der erſten Hand ſchaffen. Denn man bedencke nur, wie manche Hutmacher-Wolle,Caſ -99des Hutmacher-Handwercks. Caſtor oder Biber-Haar, Engliſche Ricken, Auslaͤndiſche feine Vigogne, item ihre benoͤ - thigte Farb-Materialia mehrmahls ſchon in die dritte, vierdte, ja ſechſte Hand gekommen, ehe ſie ſolche erſt an ſich gebracht, und ich mag wohl ſa - gen, einige 10. 20. ja hoͤher pro Centum, auch vor baar Geld bezahlet haben, als ſie ſolche wenn ſie es ſelber aus der erſten Hand verſchrie - ben, haͤttten haben koͤnnen.
Fuͤnfftens, ſo iſt das wohlfeil geben einer Waar nicht eben allezeit dem Land, und auch nicht denen Meiſtern, die ſolche verfertigen / nuͤtz - lich, denn jenes behaͤlt dadurch immerfort arme Leut, die nimmer nichts vor ſich bringen, und dieſe bleiben vor und nach Bettler. Nun will ich zwar keinen Monopoliſchen oder Propoli - ſchen Zwang anrathen, auch nicht daß jemand gezwungen ſeyn ſoll, allein von den Hutmachern oder ihrem Jnnungs-Magazin zu kauffen, viel - weniger daß ihnen gar zugelaſſen ſeyn ſolte, die Huͤte nach ihrem Gefallen zu taxiren, und eine feſte Hand daruͤber zu machen.
Sondern wenn ſie eine Speciem eines Aſſi - ſtenz - oder Leib-Haußes unter ſich machen, aus welchem ſie ihrem Mit-Meiſter mit Geld und Waare auffhelffen, wenn ſie viel eher ihm ſei - ne verfertigte Waare, damit er am Creutz ſtehet, vor ein billiges, und daß er ſein Hutmacher-Lohn daran habe, abkauffen, als daß ſie zugeben / daß er ſolches denen Juͤden, oder erſten beſten Kaͤuffer vor ein liederliches hinſchlaͤudere, ſo wirdG 2ei -100Beſchreibungeine ſolche Waare ſchon wieder in Auffnehmen kommen; ſie werden ſolche, wenn ſie die Materi - alien aus der erſten Hand haben, ihren Mit Buͤr - gern doch wohlfeil, und in vorigen Preiß geben koͤnnen, und doch dasjenige drauff gewiñen, was die andere dritte Hand, aus welcher ſie ſonſt ſolche bekommen, ingleichen der Jud und Wu - cherer, des hohen Zinſens wegen (welchen die arme Meiſter haben erlegen muͤſſen) ſich zuge - eignet hat. Und iſt dannenhero meines Beduͤn - ckens in Prag, Franckfurt, Breßlau, Worms, Speyer, Coͤlln und andern Staͤdten, wo groſſe Judenſchafft ſich auffhaͤlt, ein ungereimtes Kla - gen, die Juͤden nehmen denen Buͤrgern allen Handel weg, ſie koͤnten wohlfeiler als andere Kauffleute geben; Die Handwercksleute gien - gen dabey zu Grunde, haͤtten nichts vor ihre Ar - beit; welches freylich wahr iſt, ſo lang die Jn - nungen nicht unter ſich ſelbſt gute Ordnungen machen, die Kauffleute ihrer eigenen Mit-Buͤr - ger Waaren verachten, und nicht in Renommée zu bringen ſuchen, einer auf den andern die Waa - re in die Frembde hinaus wohlfeil verſpricht, de - nen Handwercksleuten, die Materialia und Vi - ctualia theuer auffhaͤngt, und die Obrigkeit, an Einfuͤhrung guter Policey, ſonderlich einer heyl - ſamen Kleider-Ordnung, wie auch an Auffrich - tung gewiſſer Montium Pietatis oder Leyh-Haͤu - ſer es an ſich ermangeln laͤſſet.
Von der Hutmacher ihren Handwercks - Statutis, Gewohnheiten und Rechten, der Saͤchſiſchen Hutmacher Jnnungs-Articul, und was etwan ſonſt noch von dieſen loͤbli - chen Handwerck zu bemercken ſeyn moͤchte.
DAs Hutmacher-Handwerck iſt von un - denckl. Jahren her unter die geſchenck - ten, ſonderlich in Teutſchland gerechnet worden, und zwar iſt es dasjenige, ſo de - nen frembd ankommenden Geſellen, das ſtaͤrck - ſie und koſtbarſte Geſchencke haͤlt, dahero auch die an einem wohlgelegenen und beruͤhmten Ort arbeitende Geſellen ſchwere Unkoſten habẽ. Wel - cher Mißbrauch aber an frembden Orten und Koͤnigreichen, ſonderlich in Spanien / Franck - reich und Engeland verlachet wird; da hingegen diejenigen Geſellen, welche von da her in Teutſch - land ankommen, nicht in Arbeit genommen wer - den, wo ſie ſich nicht zuvor der gewoͤhnlichen Handwercks-Straffe unterworffen. Jndeſſen aber ſind die meiſten Oerter im Koͤnigreich Schweden, Dennemarck, Pohlen, wie auch den Hertzogthuͤmern, Chur - und Lieffland zuͤnff - tig. Wiewohl ſie daſelbſt keine ſonderliche Mei - ſter-Stuͤcke machen, in Teutſchland aber, vor - nehmlich zu Nuͤrnberg ſind ſie ſchuldig (1.) Ei - nen Caſtor-Hut von Biber-Haaren, (2) ei - nen Hut von Engliſchen Caninichen-Haaren,G 3(3.) ei -102Beſchreibung(3.) einen feinen Polniſchen Lamm-Wolls-Hut und (4.) ein paar Filtz-Stiefel ohne Nath, ſo ei - ner Spannen lang uͤber die Knie reichen, zu ma - chen. An einigen Orten in Sachßenland machet ein Frembder 3. Stuͤck, nehmlich ein paar Reit - Socken, Einen geklopfften Hut und einen Haar - Hut. Jn Leipzig wird ein Caſtor-Hut, ein Ca - ninichen-Hut / und ein paar Reit-Socken ge - macht, eines Meiſters Sohn aber machet nur die Reit-Socken.
Mit ſolchen wird es, (wie es der beliebte, und ſonderlich auch um die Handwercker, der ihnen gegebenen Chriſtlichen moral-Reguln halber, wohlverdiente Altenburgiſche Profeſſor Hr. M. Friederich Friſius in ſeinem Ceremoniel der Hutmacher beſchreibet) folgender maßen ge - halten.
Derjenige Jung, ſo bey denen Hutmachern in die Lehre treten will, muß das gantze Hand - werck erſuchen ſich bey dem Handwercks-Mei - ſter einzufinden.
Da denn gemeiniglich des Jungens Vater mit einem glaubwuͤrdigen Mann erſcheinet, wel - cher von des Jungens ehrlichen Geburt, gewiſſe Verſicherung geben koͤnne, im Fall etwan des Lehr-Jungens ſein Geburts-Brieff nicht vor - handen waͤre.
Bey dieſer Handlung ſitzen alle die Meiſter bey offener Lade, nach der Ordnung, wie ſieMei -103des Hutmacher-Handwercks. Meiſter worden ſeyn, und werdẽ von dem Hand - wercks-Meiſter, ſo die Ober Stelle hat, zu drey unterſchiedenen mahlen jeder beſonders gefragt, ob er etwas wieder dieſen auffzunehmenden Lehr - ling einzuwenden habe, das 4. te mahl fragt er ſie allzuſammen, und endlich wird der Hand - wercks-Meiſter auch ſelbſt von dem Jung-Mei - ſter gefragt. So nun einer etwas bey des Jun - gens Perſon zu erinnern hat, ſo muß er auffſte - hen, vor den Tiſch treten, und es beſcheidentlich vortragen.
Wann dieſes geſchehen, muß der Lehr-Jung angeloben, ſich fromm, gehorſam und fleißig zu erweiſen, und ſo vielmahl zur Thuͤr hinein ſpringen, als er Jahr zu lernen hat.
Seine Lehr-Jahr betreffend, ſo muß er, wenn er kein Geld zugeben kan, 4. Jahr, giebt er a - ber ein gewiſſes Geld zu, nur 3. Jahr ſtehen.
Die Meiſters-Soͤhne werden gar nicht auff - gedinget, ſondern koͤnnen ſich nach Gefallen, wenn ſie das Handwerck verſtehen, loßſprechen laſſen.
Wenn ein nunmehro ausgelernter Jung ſoll loßgeſprochen werden, ſo muß er ſelbſt alle Mei - ſter und Geſellen fordern / ingleichen zwey Meiſter und ſo viel Geſellen erſtlich beſonders, und hernach, wenn das gantze Handwerck bey - ſammen ſitzt, anſprechen, ſeine Beyſtaͤnde zu ſeyn.
G 4Mit104BeſchreibungMit dieſen ſeinen Beyſtaͤnden muß er vor den Tiſch treten, und erwarten, ob vielleicht einer o - der der andere von denen Meiſtern, ſo um den Tiſch ſitzen, wieder ihn etwas zu klagen habe. Hat nun niemand etwas vorzubringen, ſo wird er von denen Meiſtern mit einem guten Wunſch aus der Lehre gelaſſen.
Worauff er ſo viel Spruͤnge zur Stuben - Thuͤr hinaus thun muß, als er Jahre gelernet hat. Wenn dieſes geſchehen, ſo uͤbergeben die Meiſters den Loßgeſprochenen denen Geſellen, welche ihn auff etliche uͤber einander geſtellte Hut-Formen ſetzen, bald aber wieder herunter ſtoſſen; darauff bedecken ſie des neuen Geſellens Kopff mit einen Siebe, dergleichen in dem Hand - werck gebrauchet wird, ziehen durch ſolchen ſei - ne Haare, worauff einer, ſo ſich als ein Moͤnch angekleidet, ihme eine ziemliche Menge Waſ - ſers uͤber den Kopff gießet; 2. Geſellen aber, ſo als Beyſtaͤnde angeſprochen, greiffen zu, und halten den alſo gebadeten und ziemlich begoſſe - nen neuen Geſellen.
Verehren ihme hierauff einen Krantz, daran ein Band gebunden, welchen er nebenſt beyder Beyſtaͤnde Nahmen uͤberall bey ſich und in Ge - dancken haben muß, deßgleichen muß der neue Geſelle die Meiſter und Geſellen mit Kraͤntzen beſchencken, in Leipzig aber thut ers nur mit Baͤn - dern allein. Ferner ſo muß er an dem Tiſch mit Wuͤrffeln Spielen, wenn er nun nach ſolchengreifft,105des Hutmacher-Handwercks. greifft, wird er mit Ruthen auf die Haͤnde ge - ſchlagen.
Bey der Mahlzeit, welche er hierauff aus - richten muß, wird die ſogenannte Handwercks - Gewohnheit mit ihm gehalten, und Umfrag angeſtellt, ob er bey einem Meiſter koͤnne Arbeit bekommen oder nicht. Darauff muß er jeden Geſellen aus dem ſogenannten Willkomm Be - ſcheit thun / da er denn endlich nach Hauß beglei - tet wird.
Es beſtehet aber der Geſellen ihre Hand - wercks-Gewohnheit in folgenden Geſpraͤch, und zwar bey dem aufflegen:
So mit Gunſt, ihr guͤnſtige Geſellen, ich ha - be euch durch meinen Juͤngſt-Fuͤhrer beruffen laſſen in des Laden-Vaters Behauſung, ſo thue ich mich bedancken, daß ihr mir erſchienen ſeyd, mich und meinen Juͤngſt-Fuͤhrer, und des La - den-Vaters Behauſung nicht verſchmaͤhet habt, es ſtehet heut oder morgen wieder zu verſchulden.
Wir verſchmaͤhen keinen ehrlichen Geſellen / noch vielweniger des Laden-Vaters Behau - ſung.
So mit Gunſt, es iſt allhier Handwercks - Gewohnheit und Gebrauch, daß wir alle 4. G 5Wo -106BeſchreibungWochen zuſammen kommen, und Rechnung ma - chen, wie viel wir haben Schenck-Geſellen ge - habt, ſo haben wir gehabt ſo viel, als Z. E. 108. ſo wollen wir die hundert laſſen fahren, und die uͤbrigen berechnen.
So mit Gunſt, ihr guͤnſtige Geſellen, es iſt weiter Handwercks-Gewohnheit, daß wir alle 4. Wochen zuſammen kommen, und thun auff - legen ſo viel als ‒ ‒ ‒. Groſchen, die aber noch nicht allhier gearbeitet haben, geben ‒ ‒ ‒ Groſchen, Einſchreibe-Geld, ‒ ‒ ‒ Groſchen Zieh-Geld, --- Pfennige Begleit-Geld, ſo viel Wochen ei - ner gearbeitet hat, ſo viel Pfennige Aufflag-Geld. Jch bitte ihr wollet daſſelbe richtig machen, her - nach will ich weiter Handwercks-Gewohnheit ausrichten.
So mit Gunſt, es moͤchte mancher guter ehr - licher Geſell wiſſen wollen, wo das Geld hin - koͤmmt, es kommt aus der Geſellen Beutel, in die Geſellen Lade, aus der Geſellen Lade, in der Geſellen Hand. Wenn etwan unſer HErr GOTT einen guten ehrlichen Geſellen mit Lei - bes-Kranckheit moͤchte angreiffen, ſo ſoll demſel - bigen davon geliehen werden, wenn er 2. Buͤr - gen hat, biß daß er wieder zu ſeiner Geſundheit koͤmt, alsdenn ſoll ers wieder erſtatten, ſtirbt er aber, ſo ſoll man ſich an ſeinen Kleidern erholen, kan man ſich aber nicht an ſeinen Kleidern erho -len,107des Hutmacher-Handwercks. len, ſo ſollen es ſeine Freunde bezahlen; koͤnnen oder wollen es ſeine Freunde nicht bezahlen, ſo bezahls der liebe GOTT, der iſt ein reicher Belohner, und hat vor manchen ſchon bezahlet.
So mit Gunſt, ihr Geſellen, ſo habe ich zum Theil Handwercks-Gewohnheit ausgerichtet, zum Theil auch nicht, ſo bitte ich, wenn ich et - wan ein Wort oder zweene moͤcht fehlen, ihr wollet mich unterrichten, ich wills vor Liebe auff - nehmen, vom Juͤngſten ſo wohl, als vom Aelte - ſten, vom Aelteſten ſo wohl als vom Juͤngſten.
So mit Gunſt / richte aus, was du gelernet haſt, und wie es Handwercks-Gebrauch iſt.
So mit Gunſt, ihr Geſellen, wenn etwan gute ehrliche Geſellen vorhanden waͤren, die Ur - laub genommen, oder Urlaub bekommen, die ſtehen auff und begehren Handwercks Gewohn - heit, nach dem ſie begehren, ſoll ihnen wiederfah - ren; begehren ſie wieder in Arbeit zu warten, ſo will ich meinen Fuͤhrer zu Huͤlff nehmen, und ihm um Arbeit umſchauen, was Handwercks Gewohnheit einhaͤlt und ausweiſet; begehren ſie aber einen freundlichen Trunck Außſchencke, ſo will ich meinen Fuͤhrer, und alle andere gute ehrliche Geſellen zu Huͤlffe nehmen, und wollen ihm ſchencken nach Handwercks-Gewohnheitund108Beſchreibungund Gebrauch, damit daß kein ehrlicher Geſell ungeſchenckt von mir wegkomme.
So mit Gunſt, iſt weiter Handwercks Ge - brauch, wenn etwan gute Geſellen vorhanden waͤren, die ſich mit einander erzuͤrnet haͤtten, es ſey innerhalb oder auſſerhalb der Werckſtatt, die nehmen ein paar Wochen Lohn in die Hand, das dritte in Beutel, gebens mir und meinem Fuͤh - rer, und andern guten ehrlichen Geſellen, und dem Laden-Vater zu verſtehen, ſo wollen wir ſie wieder zu guten Freunden machen, als ſie je ge - weſen ſeyn.
So mit Gunſt ihr Geſellen, ſo iſt weiter Handwercks Gebrauch, wenn etwan gute Ge - ſellen ſchuldig waͤren, in Bier - oder Wirths - Haͤuſern, oder bey den Waͤſcherinnen, oder ein guter Geſell dem andern, die zahlen ab, daß nicht Klage kommt, kommt Klage, kommt Straffe, es iſt keine Straffe, ſondern Handwercks Ge - wohnheit.
So mit Gunſt, ſo iſt Handwercks Gewohn - heit und Gebrauch, daß man alle 4. Wochen zuſammen kommt, und thut drey unterſchiedli - che Umfragen, die Vierdte in gemeinem Hauffen. Weñ etwan gute ehrliche Geſellen hergewandert kaͤmen, ſo einem oder den andern etwas waͤre befohlen worden von auslaͤndiſchen Meiſtern, aufein -109des Hutmacher-Handwercks. einlaͤndiſche Meiſter, von auslaͤndiſchen Geſel - len, auff die einlaͤndiſche Geſellen, ſo kan ers melden, unter dieſen dreyen unterſchiedlichen Umfragen, meldet ers aber hernach, ſo melde er mirs und meinen Fuͤhrer, und andern guten ehrlichen Geſellen ohne Schaden ſich ſelbſt, in ſeinen eigenen Beutel, ſo mit Gunſt, ſo frage ich zum erſten mahl.
NB. Bey der andern Frag iſt zu mercken, daß der Juͤngſt-Fuͤhrer muß die verborgene Gewehr fordern.
Bey Wechßlung derer Aempter / nehmlich des Aelteſt-und Junggeſellen-Amts.
So mit Gunſt, ſo ſeynd wir dieſe 4. Wochen eure treue Diener geweſen, haben wir wohl ge - dient, ſo iſt es uns lieb, haben wir uͤbel gedienet, ſo iſt es uns leid. So wechſeln ſie um, und werdens ein paar andere.
Darauff verwechſeln ſie das Alt und Neue Geſellen-Ampt / und der Alt-Fuͤh - rer ſpricht:
So mit Gunſt ihr Geſellen, ſo dieſe 4. Wo - chen moͤchten Geſellen herkommen, die neue Handwercks-Gewohnheit wolten auffbringen,oder110Beſchreibungoder zu viel begehren, ſo bitte ich, ihr wollt mir beyſtehen.
Welches ihme dann die andeꝛn verſprechen, ſo lang ſie Haare auff den Kopff haben.
So mit Gunſt ihr Geſellen, ſo iſt Handwercks Gewohnheit und Gebrauch / daß man alle 4. Wochen einen Trunck in Fried und Einigkeit thue. Geuſt einer Bier auff den Tiſch, das mit der rechten Hand nicht kan bedecket werden, ſo iſts Strafe; gieſt einer Bier unter den Tiſch, das mit den rechten Fuß nicht kan bedecket wer - den, ſo iſts Strafe; bringt einer Wuͤrffel - oder Karten-Spiel auff den Tiſch, ohne des Aelſt - Fuͤhrers Wiſſen und Willen, ſo iſt Strafe, je - doch keine Strafe, es iſt Handwercks-Gewohn - heit.
Hierbey wird die 4. Wochen Handwercks - Gewohnheit geſchloſſen.
So mit Gunſt Geſellſchafft, biß mir GOtt willkommen, von wegen des Handwercks.
So mit Gunſt, ich ſage dir Danck von wegen des Handwercks. Die Meiſter und Geſellen laſſen dich gruͤſſen, von N. N. von wegen des Handwercks.
So mit Gunſt, ich ſage demſelbigen Meiſter und Geſellen Danck, die dir dem Gruß befoh - len haben, deſſelben gleichen auch dir, daß du ihn haſt mit hergebracht.
So mit Gunſt, Er iſt mir nicht zu ſchwer ge - weſen, ich habe ihn wohl ertragen koͤnnen.
So mit Gunſt, mein lieber Geſchenck-Geſell, was iſt dein Begehr, daß du nach mir und mei - nen Juͤngſt-Fuͤhrer geſchickt, nicht allein ge - ſchickt, ſondern biſt ſelber kommen.
So mit Gunſt, mein lieber Alt-Fuͤhrer / es iſt mein Begehr, daß du mir ſolt um eine Arbeit warten 8. oder 14. Tage, ſo lang es dem Mei - ſter gefaͤllt, deſſelbigen gleichen auch mir.
So mit Gunſt was du begehreſt, ſoll dir wie - derfahren zum Theil / zum Theil auch nicht, du moͤchteſt zu viel begehren, es moͤchte mir und meinen Juͤngſt-Fuͤhrer zu ſchwer werden.
So mit Gunſt, ich begehre nichts, als was Handwercks-Gewohnheit einhaͤlt und ausweiſt.
So mit Gunſt, ſo habe ich Macht zu fragen, und wollen die Meiſter wiſſen, wo du dein Hand - werck gelernet haſt.
So mit Gunſt, zu N. N.
So mit Gunſt. Wie lange?
So mit Gunſt, 3. Jahr oder 3. mahl 14. Ta - ge, wie es Handwercks-Gewohnheit und Ge - brauch iſt.
NB. Hiebey kan man mercken, welches eines Meiſters Sohn, oder gelernet iſt.
So mit Gunſt, biſt du auch recht und redlich auffgedinget worden von Meiſtern und Geſellen.
So mit Gunſt, ich verhoffe ja.
So mit Gunſt, biſt du auch recht und redlich freygeſagt vor Meiſter und Geſellen?
So mit Gunſt, ich verhoffe ja.
So mit Gunſt, was ſind vor Meiſter und Geſellen bey deinem Freyſagen geweſen.
So mit Gunſt, es iſt ein Meiſter bey meinem Freyſagen geweſen mit Nahmen N. N. Es iſt ein Meiſter bey meinem Freyſagen geweſen, mit Nahmen N. N. So mit Gunſt, es iſt ein Ge - ſell bey meinen Freyſagen geweſen. mit Nah - men N. N. Es iſt ein Geſell bey meinen Freyſa - gen geweſen, mit Nahmen N. N.
So mit Gunſt, haſt du deinen Nahmen auch ehrlich und redlich verſchencket vor Meiſter und Geſellen?
So mit Gunſt, ich verhoffe ja, als ein ehrli - cher Geſelle.
So mit Gunſt, wo?
So mit Gunſt, zu N. N.
So mit Gunſt, wie mit Nahmen?
So mit Gunſt, N. N.
So mit Gunſt, was ſind vor Meiſter und Ge - ſellen deine Pathen geweſen?
So mit Gunſt, es iſt ein Meiſter mein Pathe geweſen, mit Nahmen N. N.
So mit Gunſt, es iſt ein Meiſter mein Pathe geweſen, mit Nahmen N. N.
So mit Gunſt, es iſt ein Geſell mein Pathe geweſen, mit Nahmen N. N.
So mit Gunſt / es iſt ein Geſell mein Pathe geweſen, mit Nahmen N N.
So mit Gunſt, ich ſage Danck, daß du mir es geſaget haſt.
Geſellſchafft wir ſind geweſen nach deinem Begehr, die Meiſter beklagen ſich ſehr, einer hat keine Wolle, der andere hat keinen Fachbogen, der dritte und vierdte weiß nicht was dem fuͤnfften oder ſechſten gebricht. Seynd die Schuh wohl geflicket, der Beutel wohl geſpicket, ſo iſt gut wandern, ich wuͤnſche dir Gluͤck ins Feld.
Jſt aber Arbeit da, ſo ſagen ſie zuletzt vor den Gluͤckwunſch ins Feld:
Wilſt115des Hutmacher-Handwercks.Wilſt du aber mit einem armen Meiſter vor - lieb nehmen, ſo ſey dir Arbeit zugeſagt, von einen ehrlichen Geſellen. Darauff dancket der Frembde
So mit Gunſt, Aelſt-Fuͤhrer, ſo iſt mir Hand - wercks-Gewohnheit wiederfahren, zum Theil, zum Theil auch nicht; So begehre ich weiter Handwercks-Gewohnheit, ſo begehre ich einen freundlichen Trunck und Außſchencke, vom Aelſt - Fuͤhrer, vom Juͤngſt-Fuͤhrer, von wegen aller guten Geſellen, die allhier in Arbeit ſtehen. Koͤm̃t heut oder morgen wieder einer oder der andere zu mir, ſo will ich ihn wieder ſchencken mit Bier o - deꝛ Wein; kan ich ihn nicht ſchenckẽ mit Bier odeꝛ Wein, ſo will ich ihn ſchenckẽ mit Geld oder Gelds werth; ich will ihme thun / was ihm lieb iſt; ich will ihm meiden, was ihm leid iſt, ich will ihme Weg und Steg weiſen, ſo gut als ichs gelernet und erfahren habe, damit daß kein ehrlicher Ge - ſell ungeſchenckt von mir wegkomme.
So mit Gunſt, was du begehreſt, ſoll dir wiederfahren, zum Theil, zum Theil auch nicht, du moͤchteſt ſo viel begehren, es moͤchte mir und meinen Juͤngſt-Fuͤhrer zu ſchwer werden.
So mit Gunſt, ich begehre nichts, als was Handwercks Gewohnheit einhaͤlt, und auchH 2weiſt,116Beſchreibungweiſt, nehmlich deß Meiſters Hauß oder die Schencke auff den Weg.
So mit Gunſt, es iſt allhier Handwercks Gewohnheit und Gebrauch, wenn ein fremder Geſelle hergewandert koͤmt, daß man 3. unter - ſchiedliche Umfragen thut / die vierdte im gemei - nen Hauffen. So dir was waͤre befohlen wor - den von auslaͤndiſchen Meiſtern, auff einlaͤndi - ſche Meiſter, von außlaͤndiſchen Geſellen, an einlaͤndiſche Geſellen, ſo kanſt du es melden un - ter dieſen dreyen Umfragen, meldeſt du es aber hernach / ſo melde es mir ohne Schaden, dir ſelbſt in deinen eigenen Beutel.
So mit Gunſt, ſo frage ich zum Erſtenmahl.
So mit Gunſt, es iſt mir nichts befohlen wor - den, als der freundliche Gruß, den ich mit her - gebracht habe. Habe ich ihn nicht gebracht, ſo will ich ihn noch bringen, es moͤchte mir der A - bend zu ſpat werden, ſo will ich den morgenden Tag zu Huͤlffe nehmen.
So mit Gunſt, ich weiß nichts denn alles Lie - bes und Gutes, was der Ehren wohl zuſtehet. weiß aber ein anderer guter ehrlicher Meiſter o - der Geſell was wieder mich, ſo mag ers melden mit kurtzen Worten und guten Gedancken.
So mit Gunſt mein lieber Schenck-Geſell, es iſt Handwercks-Gewohnheit und Gebrauch, wenn ein frembder Geſell hergewandert koͤmt, und begehrt Geſchencke, koͤmt er Vormittag und hat nicht Arbeit, ſo iſts ſo viel als 2. gute Groſchen ſchenck in Beutel, koͤmt er aber Nachmittag, und begehret eine freundliche Aus - ſchencke, ſo iſts ſo viel als ein Bauch voll Bier. wilt du das von mir, als von einem ehrlichen Ge - ſellen vorlieb nehmen, wie du begehret haſt.
Wenn ich nicht wolte verlieb nehmen, ſo wolt ichs nicht begehret haben.
So mit Gunſt, thue ich mich bedancken vor deine Schencke und guten Willen, koͤmſt du heut oder morgen wieder zu mir, zu Waſſer oder zu Land, zur Wege oder zu Stege, oder ſonſt auff gruͤner Heyde, wo unſer Herr Gott ehrli - che Leute zuſammen fuͤhret, ſo will ich dir wieder ſchencken mit Bier oder Wein, mit Geld oder Gel - des werth, ich will dir thun was dir lieb iſt, uñ mei - den was dir leid iſt, ich will dir Weg und Steg zeigen, ſo gut als ichs erwandert und erfahren habe. Hiemit dancke ich auff dieſes mahl.
Ziehe hin, gruͤſſe Meiſter und Geſellen, woH 3das118Beſchreibungdas Handwerck ehrlich und redlich iſt, wo es nicht ehrlich und redlich iſt, ſo nimm Geld und Geldes werth und hilff es ehrlich machen. Jch wuͤnſche dir Gluͤck ins Feld.
Derjenige, der in Teutſchland auff dem Hut - macher-Handwerck Meiſter werden will, muß, wenn es ein Frembder iſt, 3. Jahr, eines Mei - ſters Sohn aber 1. Jahr gewandert haben.
Wenn er hernach Meiſter werden will, ſo muß er ſich 8. Tage vor dem Qvartal bey dem Hand - wercks-Meiſter melden, und nach Zahlung ge - ſetzten Gelds in das Buch, darinnen alle Meiſter ſtehen, ſich einſchreiben laſſen.
Hierauff muß er ferner drey viertel Jahr nach einander, jedes mahl bey dem Qvartal ein ge - wiſſes Forder-Geld, nebenſt dem ſogenannten Muth-Groſchen darlegen.
Wenn nun der neue Meiſter oder Stuͤckwer - cker das Meiſter-Stuͤck machen will, ſo muß er die Wolle und Materialia darzu, aus welchen er das Meiſter-Stuͤck zu verfertigen gedenckt, zu - vor denen Aelteſten auffweiſen; Hierauff ver - fertigt er ſolches bey dem Handwercks-Meiſter, und ſitzet gemeiniglich (damit kein Unterſchleiff vorgehe) das gantze Handwerck von Anfang biß zum End dabey, und zwar 3. Tage lang, weil ihme zu jeglichen Stuͤck ein Tag Zeit gegebenwird,119des Hutmacher-Handwercks. wird; Da denn alle Tag zwey andere Meiſter zur Auffſicht zugeordnet, wenn die drey Tage vor - bey, ſo muß alles fertig ſeyn.
Worinn aber ſolche Meiſter-Stuͤck beſtehen, ſolches iſt zu Anfang dieſes Capitels ſchon gemel - det worden.
Wenn nun alles fertig, ſo wird das verfertig - te Meiſter-Stuͤck vor dem gantzen Handwerck, und bey offener Lade auffgewieſen, wohl unter - ſuchet, und die Fehler mit Geld verbeſſert, ſol - ten ſolche aber allzu groß ſeyn, ſo muß der Stuͤck - wercker noch ein Jahr wandern. Jſt er aber mit ſeinem Meiſter-Stuͤck beſtanden, ſo wird er zum Meiſter geſprochen, und giebt alsdenn dem Handwerck eine Mahlzeit.
Wir fuͤgen dieſem bey, was Herr D. Beyer in ſeinem Tractat von Handwercks-Meiſtern n. 216. von denen Hutmachern ſchreibet, daß obgleich in alten Hutmacher-Jnnungen ihren Handwercks-Articul ſtuͤnde, daß denen Stuͤck - werckern die Wolle juxta pondus & Libram, nach dem Gewicht und Waag von dem Hand - werck gegeben werden ſolte; Solches doch kei - nes wegs ſo zu verſtehen, als wenn das Hand - werck die Wolle von dem ihrigen nach gewiſſen Gewicht hergeben ſolte. ſondern ſie ſolte viel - mehr den Stuͤckwercker dahin halten, daß er nach einem vorgeſchriebenen Gewicht ſeine Mei - ſter-Stuͤck verarbeiten muͤſte.
N. 32. Schreibt er, es haͤtten zwar die Hut - macher dieſes mit vielen andern HandwerckernH 4ge -120Beſchreibunggemein, daß ſie diejenigen / die ihr Meiſterſtuͤck nicht tuͤchtig zu machen verſtuͤnden, noch ein Jahr lang auff die Wanderſchafft ſchickten; man haͤt - te aber Exempla, daß ſie es nur bey einem viertel Jahr haͤtten bewenden laſſen.
Von des neuen Meiſters habenden Unkoſten ſchreibet er n. 333. daß die Zeitziſche Hutmacher die loͤbliche Gewohnheit haͤtten, daß ein jeder neuer Meiſter dem Hoſpital einen Guͤlden geben muͤſte, ingleichen waͤren ſie ſchuldig, der Hertzog - lichen Cammer einen Guͤlden zu zahlen. N. 335. und vor das Materien-Eſſen waͤre eingefuͤhret, daß ſie anderthalben Guͤlden bezahlten, n. 350.
Von denen Ungariſchen und Oeſterreichiſchen Kaͤppleinmachern iſt zu wiſſen, daß ſolche unter die Hutmacher nicht gerechnet, auch wo ordent - liche Zuͤnffte ſeyn, nicht von ihnen eingenommen werden, weil ſie das Hutmacher-Handwerck nicht verſtehen, ſondern nur bloße Kaͤpplein ma - chen, deren Filtz nur loß, und nicht feſt gearbei - tet iſt, und ſo ſie je an Oerter kommen, wo Hut - macher ſeyn, muͤſſen ſie entweder das Handwerck von neuen lernen, oder ſo ſie es ſchon wiſſen, ſich doch abſtraffen laſſen.
Der loͤblichen Juriſten-Facultaͤt zu Jena / Reſponſum wegen der Hutmacher / ob ſelbi - ge in der Gegend wo Gelehrte wohnen, ein Hauß kauffen oder einmiethen koͤnnen, auch ob ſie, weñ es geſchehen, darinne zu dulten ſeyn: AUff eure an uns gethane Frage, daruͤber ihr unſere Rechts-Berichtung gebethen, ſprechenwir121des Hutmacher-Handwercks. wir vor Recht; Hat kurtz verwichener Zeit N. N. ein Wohnhauß zwiſchen Hn. N. N. Profeſſore Publico und N. N. Hauß erkaufft, und den 19. Septemb. ſolches unvermerckt zu bewohnen an - gefangen, unangeſehen ihn Herr N. N. zuvor erinnert, daß er es mit ſolchen Hauß nicht tref - fen wuͤrde, und gleichwohl bey dem Huͤter-Hand - werck, welches gedachter N. N. ſtarck treibet, groß Feuer zu halten iſt, dabey allerdings Scha - de zu befahren, hiebenebenſt bey ſolchen Hand - werck, und bey dem Wollen-Schlagen ein ver - drießlicher und weitlautender Schall zu vermer - cken, daß weder die Studenten, noch andere, die es hoͤren, ihren Studiis und Verrichtungen ab - warten koͤnnen. Wie denn auch dieſer Urſach wegen beſagter in kurtzer Zeit eine Wohnung nach der andern ſuchen muͤſſen, ſeine geweſene Nachbaren auch berichten, daß von ſeiner Pro - fesſion groſſe Unluſt und Gefahr ihnen zugeſtan - den, und ſie dannenhero froh worden, daß er ſich anderwerts hin gewendet hat.
Zu dem ſolches Hauß nicht weit von dem Col - legio und der Bibliothec geweſen, woſelbſt viel Studenten herum wohnen, welche, wenn die - ſer N. N. das Hauß behalten ſolte, ihre Stuben veraͤndern und ausziehen wuͤrden, weil ſein Woll - Schlagen eben in den beſten Fruͤh-Stunden, die zu denen Studiis gewidmet, ſich zutraͤgt, uͤber dem auch, wenn dem Hutmacher dieſes zugeſtan - den werden ſolte, kuͤnfftig hin, ſich mehr andere viel Getoͤß machende und Feuer haltende Hand -H 5wer -122Beſchreibungwercker ſich daſelbſt einniſteln wuͤrden, da doch vor allen das Collegium und die Bibliothec in acht zu nehmen iſt; beſonders aber die Academi - ci, daß ihnen die Handwercksleute mit ihrem Ge - poller nicht hinderlich ſeyn ſollen, ſtattlich pri - vilegiret ſeyn. Alles nach mehrern Jnhalt Eu - res an uns gethanen Berichts. Als wird mehr er - meldten Hutmacher billich aufferlegt, ſich eine andere Wohnung zu ſchaffen, und die ietzige von ihm erkauffte wieder zu raͤumen; Von Rechts wegen
Jnnungs-Arti - cul / wie ſolche in einigen Staͤdten des Chur-Fuͤrſtenthum Sachßens / Krafft hoher Lands herrlicher Verordnung und Confirmation obſerviret werden muͤſſen.
VOn GOttes Genaden Wir MORJTZ Hertzog zu Sachſen / des heiligen Roͤmiſchen Reichs Ertz-Marſchall und Churfuͤrſt, Landgraff in Thuͤringen, Marg - graff zu Meißen und Burggraff zu Magdeburg, bekennen und thun kund gegen Maͤnniglich. Nachdeme, Unſere lieben getreuen, die Hutma - cher in Unſern, und des Hochgebohrnen Fuͤr - ſten, Herrn AUGUSTEN, Hertzogen zuSach -123des Hutmacher-Handwercks. Sachſen, Landgraffen in Thuͤringen, und Margraffen zu Meißen, Unſers freundlichen lieben Brudern, und Gevattern Landen und Staͤdten, unterthaͤnlichen fuͤrgebracht, wie ſich allerley Unrichtigkeiten, zwiſchen ihnen und de - nen Geſellen, ihres Handwercks, auch ſonſt et - licher Artickel halben / zutruͤgen.
Derowegen ſie ſich aus allen unſern, und ge - dachten unſers Freundlichen Lieben Brudern, Staͤdten zuſammen betagt, und einer Landes - Jnnung ihres Handwercks, wie hernach folgt, verglichen, welches ſie Uns fuͤrgetragen, und unterthaͤniglichen gebeten, dieſelbe zu confirmi - ren und zu beſtaͤttigen, und Wir dann Der un - ſern, ihr Beſtes Nutz und Wohlfarth zu befoͤr - dern, geneigt,
Als haben Wir gemeldten Handwercke der Hutmacher, dieſelbe ihre geſtellte Jnnunge con - firmiret und beſtaͤttiget; Thun das auch hiermit aus Churfuͤrſtl. und Obrigkeitlicher Macht, daß die Meiſter des Hutmacher-Handwercks, in Staͤden, ſo die Jnnung haben, alle Qvartal zu - ſammen kommen, und allda ſich erbarlich bey - ſammen verhalten, und des Handwercks Nutz bedencken und befoͤrdern.
Ein Geſelle welcher das volle Wochen-Lohn haben will, ſoll die folgende Stuͤcke zum Tage - werck machen, nehmlich:
GEbieten und befehlen hierauff allen unſern Ober-Haupt - und Amtleuten, Buͤrgermei - ſtern und Raͤthen in unſern Staͤdten, da das Handwerck der Hutmacher getrieben wiꝛd; Sol - ches Handwerck der Hutmacher, bey dieſer ihrer ſelbſt verglichenen und durch uns beſtaͤttigten Jnnung bleiben zu laſſen, es dabey zu ſchuͤtzen und zu handhaben, doch behalten wir uns und unſern Nachkommen vor, ſolche Jnnung unſers Gefallens zu mehren, zu mindern, oder wieder abzuthun; Dieweil auch hiebevor die Hut - macher in etlichen unſern Staͤdten, Jnnungen von unſern Vorfahren und uns erlangt, ſollen dieſelben in ihren Artickeln, ſo in dieſer ietzigen Landes-Ordnung nicht begriffen, und ſoferne ſie derer nicht zuwieder, in ihren Kraͤfften bleiben. Gegeben und geſchehen zu Dreßden, am Tage Purificationis Mariæ, Nach CHriſti unſers lieben Herren Geburt, Tauſend, Fuͤnffhundert und im zwey und funffzigten Jahre.
Dieſe nachfolgende Staͤdte ſollen in den Dreßd - niſchen Kreyß der Jnnung halben gezogen werden, und ſich derſelben gemaͤß verhal - ten, als nehmlich: Alt-Dreßden / Pirnau / Stolpen / Neu - ſtadt / Glashuͤttten / Lauenſtein / Al - tenberg, Dippoldswalde / Libſtad / Wilsdorff / Koͤnigſtein / Radeberg / Orttrant / Radeburg / Honſtein / Do -nau /139des Hutmacher-Handwercks. nau / Dohnen, Gottlebe, Biſchoffs - werda.
Aus dieſen ſehr wohl abgefaßten Jnnungs - Articuln waͤren viel ſchoͤne Moralia zu ziehen und zu weiſen, wie loͤbliche Handwercks-Jnnungen in Teutſchland ſich jederzeit dahin befliſſen, ihre Zunfft und Handwerck rein und unbefleckt, Chriſtlich und loͤblich, als rechtſchaffenen Chri - ſten und Buͤrgern gebuͤhret, zu erhalten, und ſon - derlich diejenige Articuls und Præcautiones mit einflieſſen zu laſſen, welche zur Conſervation ihres Handwercks dienlich ſeyn koͤnnen; weil wir uns aber der Kuͤrtze befleiſſen, als bemercken wir nur, daß Articulus 7. gar wohl geordnet ſey, daß kein junger Meiſter ſein Handwerck eher treiben ſoll, er habe denn zuvor ein Eheweib, denn hierdurch wird die Gemeine und Buͤrgerſchafft vermehret, und ein ſolcher verehlichter Hand - wercksmann geraͤth in einen ſolchen Stand, in welchen er das Seinige beſſer behuͤten und be - wahren, zu Rath halten, Credit und Seegen erlangen kan, als wenn er unbeweibet bliebe. Wir bemercken ferner der Vorſorge der Kran - cken halber, daß es ſehr loͤblich ſey, vor das kran - cke Geſind dergeſtalt zu ſorgen, daß, da man daſſelbe in geſunden Tagen gebraucht, man es in Kranckheit auch nicht Huͤlffloß laſſe, auch ſelbſt im Todt mit einem ehrlichen Begraͤbniß verſorge. Jn welchen Liebes-Wercken die Hut - macher deñ auch nicht weniger, als andere Hand -wer -140Beſchreibungwercker gute Veranſtaltungen bey ihrem Hand - werck zu machen haben. Von denen Montibus Pietatis, Leih - Asſiſtenz - und Huͤlffs-Caſſen, die ſie unter ſich auffrichten koͤnten, haben wir o - ben ſchon, wie auch von ihrem gemeinen Hand - wercks-Magazin geredet. Auff dieſes moͤchte auch der 20. ſte Articul ihrer Jnnungs-Statuten reflectiren, daß nehmlich einem Meiſter, der wenig Waare hat, ſeine Waare gar wohl koͤn - te abgekaufft, (wir wollen noch hinzufuͤgen, in Commisſion angenommen) und um demſelben Zeit und Unkoſten zu erſparen / im gemeinen Ma - gazin verkauffet werden. Dieſes Ortes wir von ihren Stifftungen noch etwas zu gedencken / ſo iſt ohne dem nun mehrentheils bey allen Hand - wercken / (welche gute Verfaſſungen unter ſich haben) ſchon eingefuͤhret, daß ſie ihr eigene Herbergen / Todten-Lacken / oder Sarg-Tuͤ - cher, auch wohl ihre gemeine Trauer-Maͤntel / Saͤrge und Begraͤbniſſe haben / welches auch alſo bey denen Hutmachern koͤnte gehalten / und wo es noch nicht alles angeſchaffet, forderſamſt darzu Anſtalt gemachet werden. Die Unkoſten darzu / lieſſen ſich bey ihnen auff vielerley Wege ausfuͤndig machen / als daß ein jeder Jung / der auffgedungen und loßgeſprochen wuͤrde / ein ge - wiſſes zur Geſellen-Lade entrichten muͤſte.
Daß bey der Geſellen Monatlichen Krug-o - der Verſammlungs-Tag, ein jeder Ein oder 2. Groſchen in die Lade zu ſolchen Ende geben muͤ - ſte. Ferner koͤnte auch ein in Arbeit tretender /und141des Hutmacher-Handwercks. und wieder auff die Wanderſchafft Ziehender ein gewiſſes erlegen.
Hierzu koͤnte noch ein Theil deꝛ im Handwerck fallenden Straff-Gelder kommen. Die Mei - ſter koͤnten auch Jaͤhrlich aus ihrer Handwercks - Lade ein gewiſſes darzu geben, ſo wuͤrden ſich auch Legata und Schenckungen finden, welche der Meiſter-und auch der Geſellen-Lade zu gut kaͤmen.
Da ſie ſich einmahl eine eigene Herberg ange - ſchaffet, wuͤrden die Mieth - oder Zins-Gelder, wenn etwan andere liegende Stuͤcke, die man verpachten koͤnte, dabey waͤren, auch ſchon jaͤhr - lich ein gewiſſes tragen; ſo muͤſten auch alle Meiſter und Geſellen, ſo viel als moͤglich, verbun - den ſeyn, in ihren Zunfft-Haͤuſern, Kruͤgen o - der Herbergen, zum Wein oder Bier zu gehen, und alſo den Profit ihren eigenen Zunfft-Hauß zu goͤnnen, welchen ſonſt andere Haͤuſer, wo ſie ihre Convivia gepachtet und Zuſammenkunfften hielten, zu genieſen haben.
Waͤre an einen Ort das Handwerck der Hut - macher eine eigene Herberg und obbemeldte Stifftungen auffzurichten nicht maͤchtig genug, ſo koͤnten Ein oder mehr Handwercker ſich zu - ſammen alliiren / und ein gemeines Zunfft-Hauß Krancken - und Todten-Laden auffrichten.
Von der Obrigkeit koͤnte ihnen auch einige Douceurs und Privilegia, als etwan einmahl eine Lotterie anzurichten, ein Frey-Schießen zu halten, und dabey allerhand Gattungen gu -ter142Beſchreibungter Huͤte auffzuſetzen. Jtem wenn das Hand - werck erſt ſolcher geſtalt in Flor gekommen, daß es nach frembden Landen ihre Waare wegſchick - te, oder von Kauffleuten frembde Huͤte einge - fuͤhret wuͤrden, ſo wohl von der aus, als einge - henden Waare, jedoch von jener nur wenig, von dieſer aber ſo viel mehr zu erheben, oder an den Zoll zu participiren, zugeſtanden werden; alſo muͤſte auch ein jeder Hutmacher-Meiſter o - der Geſell, der Hochzeit machen wolte, der Mei - ſter - und Geſellen-Lade ein gewiſſes geben, und die Hochzeit nirgend anders, als in ihren Zunfft - Hauß ausgerichtet werden.
An denen Oertern, wo die Brau-Gerechtig - keit von der Obrigkeit verliehen wird / koͤnte de - nen zu ihren Stifftungs-Fundo ſammlenden Hutmachern ein freyes Gebraͤude Bier verliehen werden, welches an etlichen Orten ſchon 20. biß 30. und mehr Rthl. eintraͤgt.
Nicht weniger wuͤrden auch die Wollhaͤndler in der Stadt und auff dem gantzen Land ſich nicht entziehen, im Fall ſie groſſe Parteyen Jaͤhrlich an das Handwerck abſetzten / demſelben 1. Stein Wolle zur Handwercks-Lade und piis Cauſis zu verehren, und was der Modorum Colle - ctandi & fundum iuſtituendi mehr waͤren; welche leichtlich nach der Vorſchrifft, die wir bey andern Handwerckern gethan, zu imitiren waͤren. Einmahl iſt es gewiß, daß in etlichen vornehmen Staͤdten, ſonderlich in Rom die Hutmacher vortreffliche Stifftungen, auch indie -143des Hutmacher-Handwercks. dieſem letztern Ort gantze Capellen haben, in wel - cher ſie den Gottesdienſt und gewiſſe Bruͤder - ſchafften aus ihren Mitteln mit unterhalten daß alſo vor Zeiten das Handwerck nicht ſo ſehr in Abnehmen muß geſtanden ſeyn, als es heuti - ges Tages in vielen Orten Teutſchlandes ſich leider! befindet.
Wir fuͤgen dieſen als eine nuͤtzliche Remarque aus ihren Haudwercks-Articulis noch bey, daß das aͤrgerliche und wuͤſte Leben des guten Mon - tags unter denen Geſellen abgeſchaffet, und waͤ - re zu wuͤnſchen, daß mit denen Heydniſchen Bacchanalibus oder Hoͤlliſchen Faßnachts - Haͤndeln, auch alſo durchgehends geſchehen moͤchte, ſo wuͤrde manches Handwerck mehr Gluͤck und Seegen haben, als es biß dato nicht hat.
Von denen Meiſter-Stuͤcken iſt bey dieſen und vielen andern Handwerckern zu bemercken, daß ſelbige, und zwar mit guten Recht in ſo weit als ſie koſtbar, Altfraͤnckiſch und auſſer Gebrauch ſeyn, indeſſen aber denjenigen, der ſolche macht, viel Zeit, Muͤh und Unkoſten wegnehmen, von der Hohen Lands-Obrigkeit durchgehends ab - geſchaffet / hingegen aber ſolche Meiſter-Stuͤck wieder dafuͤr angeordnet wuͤrden, welche von der Capacitaͤt deßjenigen, der ſie macht, genug - ſam Zeugniß geben, und hernach auch, damit der junge Meiſter beym Eintritt in das Hand - werck, nicht zu viel Schaden leide, wieder ver - kauffet werden koͤnnen.
Von denen Hauben / Muͤtzen oder Barreten und ſogenannten Kaͤplein-Machern / in - ſonderheit aber von den Hu[t]ſtaffirern und ihrer Profesſion.
OB zwar unter denen Hauben, die aus Wollen gewalckten Schlaff-Muͤtzen zu verſtehen, welche nicht zu denen Hut, ſondern Struͤmpffmachen gehoͤren, ſo machen doch nicht ſelten auch die Hutmacher ge - wiſſe leichte Filtz-Hauben, oder zum wenigſten die Kopff-Formen darzu, welche hernach mit andern Zeug, von Seide, Wolle oder Wachs - Tuch von denen Baretmachern uͤberzogen, und zu einer gewiſſen Form zierlich ausgearbeitet werden, und mag man hierzu rechnen die ſoge - nannten Reiß-Caputzen oder Reiß-Huͤte, Ne - bel-Kappen genannt, ingleichen die Schiffer - Muͤtzen, die hernach wie ſonderlich an denen Frieß - und Omelaͤndern zu erſehen, gemeiniglich mit blauer Wolle rauh gepluͤſſet werden, alſo / daß ein ſolcher Hollaͤndiſcher Schiffer recht See - fahrend, und als wenn er ein Storchs-Neſt auf dem Kopff haͤtte, darinn ausſiehet. Eine ſolche Muͤtze auch manchmahl in vornehmen Masque - raden bey Hof zur Kurtzweil dienen muß. Der Botsleute-Huͤte ſeynd hoch, doch oben nicht allzu ſpitzig, ſondern mehr auff Cylinder-als Pyrami - den-Art, haben auch einen ſchmahlen, und ge -mei -145des Hutmacher-Handwercks. meiniglich mit einem breiten Borten eingefaßten Rand.
Die ſogenannten Kaͤpplein ſeynd in Ober - Teutſchland, vornehmlich aber in Oeſterreich, Beyern, Saltzburger-Land und Tyrol, eine Bauren - und Fuhrleut-Tracht. Es tragen ſolche auch wohl die Schmiede-Knecht, die Bergleut und andere gemeine Handwercker, und ſeynd faſt alle gruͤn, indeſſen geben ſie doch in dem Land / in welchem ſie mode ſeyn / eine nuͤtzliche Manu - factur. Wie denn der Baron von Schroͤdern, in ſeiner Fuͤrſtlichen Schatz-Cammer den Nu - tzen, der auff ſolchen Filtz-Kaͤpplein zu machen iſt, in folgender Rechnung (die wir Kauffmaͤn - niſcher Manier nach zu Deber und Credit ein - richten wollen, als ohne welche Ordnung alle Rechnungs-Arten in der Welt nichts taugen) vorſtellet:
Monatlich ſchreibt er, machen hier zu Land, nehmlich in Oeſterreich 6. Meiſter mit 18. Ge - ſellen, 6. Lehr-Jungen und 6. Wollen-Zurich - tern 9600. Kaͤpplein, verbrauchen darzu:
Hiebey erinnert er nun nicht unfuͤglich, daß durch dieſe gering ſcheinige Manufactur 36. Per - ſonen als Meiſter und Geſellen ernehret wuͤrden, daß von die 9600. Kaͤpplein zum wenigſten 4600. aus dem Land giengen, und dafuͤr baar Geld einkaͤme 920. fl. welches alles ein Augen - ſcheinlicher Beweiß des Nutzens einer ſolchen Manufactur waͤre. Wir wollen aber noch weiter dar uͤber glosſiren und ſagen:
Werden Monatlich 36. Perſonen, und ſo man Faͤrber, Drechßler, Schloͤſſer, Kupfer - Schmid und Tiſchler / die auch zu der Manu - factur an Inſtrumentis das ihrige beytragenmuͤſ -147des Hutmacher-Handwercks. muͤſſen, darzu rechnen will, in allem nur auffs wenigſte 46, Perſonen davon ernehret, und der Lands-Herr haͤtte von jeder Perſon nur Monat - lich einen halben Guͤlden, durch die Accis oder Conſumption, welches 23. fl. des Monats be - truͤge, ſo wuͤrde es Jaͤhrlich ſchon ſeinem Æra - rio 276. fl. austragen.
Die 11040. fl. ſo Jaͤhrlich ins Land dadurch eingehen, koͤnnen zum wenigſten auff 6. pro Cento genuͤtzet werden, waͤre auch ſchon 660. fl. Wiewohl wir eben nicht garentiren wollen, daß Monatlich von die 9600. Kaͤpplein 4600. aus dem Land gehen, und 4000. im Land conſumi - ret werden, weil einen ſolchen groben Filtz-De - ckel ein gemeiner Kerl lange tragen kan; indeſ - ſen iſt doch die Manufactur nicht ohne Nutzen, und von ſolcher auff alle andere Manufacturen, Reflexion und Rechnung zu machen, und wird genug ſeyn / wenn nur eine Manufactur ſo viel Nutzen bringet, daß ſie ihre Einwohner dadurch in Arbeit und Nahrung ſetzen kan, und nicht vor die beduͤrffende-Waar das Geld auſſer Land ſchi - cken darff. Der andere Nutzen iſt hernach, wenn von der verfertigten Waare, noch vor viel tauſend Thaler oder Guͤlden Jaͤhrlich koͤn - nen auſſer Land debitiret werden.
Es fuͤhren aber dergleichen Kaͤpplein in klei - nen Staͤdten die geringen Kraͤmers, die man an einigen Orten auch Naͤdlers zu nennen pfle - get, Jn groſſen Staͤdten haben es auch wohl die Baret-Kraͤmers oder Hutſtaffirer, nebenſtK 2ih -148Beſchreibungihren andeꝛn Waarẽ zum Kauff. Solche Waaren ſeynd allerhand Huͤte ſonderl. feine und auslaͤndi - ſche, welche etwan die Hutmacher ſelbiges Orts noch nicht machen, oder doch ſo gut nicht, als anderwerts geſchiehet, zu machen wiſſen; wo a - ber geſchickte Hutmacher ſind, oder doch nach und nach (und ſonderlich ſeiter der in Franckreich ergangenen Perſecution der Reformirten) ſich hin und wieder in Teutſchland eingefunden, da geht man ſchon mehrentheils zu denen Hutma - chern ſelbſt, wenn man einen Hutkauffen will, zumahl, da ſie ihre oͤffentliche Buden oder Laͤ - den taͤglich auff dem Marckt haben, und auch die Huͤte bordiren, oder mit Seide und Galo - nen, nach eines jeden Begehren einfaſſen, und die Glantz-Leinwand oder Taffent-Hauben hinein ſetzen, daß alſo, was die Huͤte belanget, die Hutſtaffirer wenig mehr zu thun haben, und dieſer Handel denen Hutmachern gantz allein bleiben wuͤrde; wenn ſie ſich ſelbſt mehr auff gu - te Huͤte zu machen befleißigen ſolten, und alle auslaͤndiſche Huͤte, mit einem ziemlichen Impoſt beleget wuͤrden, wo aber beydes nicht iſt, oder in gar groſſen Staͤdten, die zumahl kein groſſes Territorium haben, und deren Handlung nicht den geringſten Zwang leiden will, das letztere, nehmlich einen Impoſt auff frembde Huͤte zu le - gen, ſich nicht wohl will einfuͤhren laſſen; da muͤſſen allerdings die Hut - und Baret-Kraͤmer oder Staffirers beybehalten werden, damit ſie auch in dieſer Waar das Publicum, was dem -ſel -149des Hutmacher-Handwercks. ſelben an guten inlaͤndiſchen Huͤten fehlet, mit feinen auslaͤndiſchen verſehen moͤgen, zumahl, da auch manche Waare denen Kraͤmern oder Kauffleuten mit denen Handwerckern die ſolche machen, in Gemeinſchafft zu laſſen, der Noth - wendigkeit gemaͤß zu ſeyn ſcheinet, weil ein einhei - miſcher und frembder Kaͤuffer offt gern an einem Ort zuſammen findet, was zu ſeiner Kleidung mehrentheils noͤthig, daß er nicht erſt die Struͤmpffe an dieſem, den Hut an jenem, die Fe - der am dritten / und das Band ſo er braucht am vierdten Ort ſuchen doͤrffte, nur daß ſolche Kraͤ - mers, ſo viel als moͤglich, dahin trachten, und nach Beſchaffenheit der einheimiſchen Handwer - cker ihrer Tuͤchtigkeit auch dahin durch Impoſt auf ihre frembde Waaren gehalten werden, daß ſie ihrer Mit-Buͤrger gemachten Waaren in Gang bringen / und nach und nach der Fremden ſich entſchlagen.
Nechſt denen Huͤten haben in einigen groſſen Staͤden auch die Hutſtaffirer allerhand Federn auff die Huͤte, welche ſie theils ſelbſt verſchreiben, theils von denen Feder-Schmuͤckern daſelbſt kauffen, und weil dieſer Kram mehrentheils aus Venedig koͤmt, und offt ein groſſer Ort kaum 1. oder 2. Feder-Schmuͤckers hat, als bleibet ſol - cher billich denen Baret-Kraͤmern oder Hutſtaf - firern, wie auch allen Galanterien-Kraͤmern frey; Und ſo auch die Jndianiſche, oder koſtbar beſchla - genen Cannes oder Roͤhre, die parfumirte Hand - ſchuhe, Seidene und feine Wollene Struͤmpffe, allerhand neumodiſche Weiber-Kopff-ZierathenK 3von150Beſchreibungvon Casqueten, Feder-Muͤtzen und Muͤffen, nicht aber von Rauch - oder Peltzwerck, als wel - ches, wie hernach folgen wird, die Kirſchner ſich allein zu machen und zu verkauffen zueignen. Je - doch moͤgen die Hutſtaffirer wohl davon ſonder - lich bebraͤmte Handſchuh, Kragen oder Palati - nes fuͤhren, wenn ſie ſolche nur nicht ſelbſt bebraͤ - men, oder das Peltz - und Rauchwerck darzu zu - ſchneiden, ſondern ſolche Arbeit denen Kirſchnern uͤberlaſſen. Was die uͤbrige Nadel-Arbeit an - betrifft / mit welcher ohne dem die Hutſtaffirer wohl wiſſen umzugehen, und halbe Schneider - oder Perlen-Stuͤcker abzugeben pflegen, bleibt ih - nen ſolche billich reſerviret, dahero auch von ih - nen die Prieſter - und Rathsherren-Barete, die Wulſt - oder Fall-Huͤte vor die Kinder, die vor Alters gebraͤuchliche Schuhroſen, Halskrau - ſen, Achſel - und Hut-Schleiffen, ſamt denen noch uͤblichen Degen-Baͤndern und etlichen andern Leibes-Zierathen, gemachet werden; ſie haben auch etwan dabey zum Kauff allerhand Coule[u]- ren breit und ſchmal Band, Eventails oder Sonnenfaͤcher, Haar-Poudre, Seiffen-Kugel, Pomade, auslaͤndiſche Handſchuh, welche die inlaͤndiſchen Beutler nicht machen koͤnnen; De - gen-Gefaͤße, koſtbare Tobacks-Doſen, glatte und brodirte Degen-Gehaͤnge, Schuh-Span - gen, Haar-Beutels, und was dergleichen zur Kleidung und Leibes-Zierath dienliche Waaren mehr ſeyn moͤchten.
Daß hingegen die Baretmacher oder Hut - ſtaffirer Rauch - oder Kirſchner-Waaren auſ -ſer151des Hutmacher-Handwercks. ſer denen Meß-Zeiten nicht zu fuͤhren befuͤget ſeyn, ſolches weiſet nachfolgendes von dem Rath zu Coͤthen A. 1655. gegebenes Decretum aus Jn Sachen der Kirſchner-Jnnung allhier zu Coͤthen, wieder den Hut-Schmuͤcker Bernhard Treben daſelbſt, iſt von wegen des Durchl. Fuͤrſten und Herrns Johann Caſimirs, Fuͤrſten zu Anhalt, in Vormundſchafft des auch Durchl. Fuͤrſten und Herrn, Wilhelm Ludwigs, Fuͤrſten zu An - halt, nach eingelangten Bericht von Amt und Rath zu Koͤthen, als Jnnungs-Inſpectorem dieſer Beſcheid, daß die Kirſchner-Jnnung bey ihren Articuls-Brieffen billich zu ſchuͤtzen / und der Hutſtaffirer des Einkauffens und Verarbei - tens zum feilen Kauff auſſer den Jahrmaͤrckten ſolche Waaren, ſo in der Kirſchner Handthie - rung und Arbeit lauffen, ſich zu enthalten, aller - maßẽ ihme ſolches hiermit unterſaget wird. Amt und Rath aber ernſtlich anbefohlen ſeyn ſoll, ge - dachte Jnnung bey ihren Briefen zu ſchuͤtzen, je - doch ſoll dem Hut-Schmuͤcker dasjenige, was frembden Kraͤmern in dem Jahrmarckt verſtat - tet wird, hierdurch (nur daß darunter kein Miß - brauch oder Unterſchleiff verſpuͤhret werde) nicht entzogen ſeyn. Signatum Koͤthen am 21. Febr. A. 1655.
Hieher gehoͤret auch, was zwiſchen denen Kirſchnern und Baretmachern vor dem Rath zu Wittenberg folgender Maßen verhandelt worden:
DEmnach ſich das Kirſchner-Handwerck uͤber die Baret-Kraͤmer eine Zeit hero a -K 4ber -152Beſchreibungbermahls zum hefftigſten beſchweret, daß ſie zu - wieder ihrer Handwercks-Ordnung, auch zuvor ertheilten unterſchiedlichen Abſchieden, ſich mehr - mahls unterſtanden, allerley Rauch-Waaren einzukauffen, und wieder zu verkauffen, zu ver - ſchneiden, zu verfuͤttern, zu verbraͤmen und zu verarbeiten, und daß ſie auch uͤberdiß allerhand gemachte Rauch-Waaren von gantzen Rauch - werck, als Muͤffe, Sonnen-Schleyer und der - gleichen, welches allein in das Kirſchner-Hand - werck gehoͤrte, oͤffentlich aushingen und verkauf - ten. Die Baret-Kraͤmer auch ſolches nicht in Abrede ſeyn, aber eines und das andere darwie - der ſo ſchrifftlich als muͤndlich vorgeſchuͤtzet; Als hat E. E. Hochweiſer Rath beyde Partheyen hieruͤber nochmahls unterſchiedlich, als am 26. Nov. 31. Dec. A. 1635. 25. Maji und 18. Junii dieſes 1638. Jahres zur Genuͤge gehoͤret, und auff vorhergehende reiffe Cognition ihnen end - lich dieſen Beſcheid gegeben:
Weil am 7. Martii A. 1598. zwiſchen den Kirſchnern und Baret-Kraͤmern allbereit verab - ſchiedet worden, daß die Baret-Kraͤmer keine Gebraͤhme noch Rauchwerck, wie ſolches Nah - men haben mag, weder vor ſich ſelbſt, die ihrigen, noch jemand anders zu feilen Kauff einkauffen, verkauffen, verhandeln, verfuͤttern, ſondern in ihren[T]erminis bleiben, und dasjenige, ſo ſie zu verbraͤmen und zu verſuͤttern haben, durch die Kirſchner allhier verfertigen, und zurichten laſſen ſolten, ſolcher Abſchied auch hernachmahls durch andere noch zwey Beſcheide, unter welchen der ei -ne153des Hutmacher-Handwercks. ne am 29. Decembr. A. 1607. der andere am 9. Martii A. 1614. gegeben, confirmiret, danebens aber denen Kirſchnern eingebunden worden, daß ſie die Baret-Kraͤmer mit der Kirſchner-Arbeit vor andern befoͤrdern, damit nicht vorſetzlich auf - halten noch uͤbertheuren, ſondern gegen ſie und die Buͤrgerſchafft mit Forderung des Lohns, der Billigkeit nach ſich erweiſen, auch die Rauch - Waaren ihnen um ein gleiches und billiches zu - kommen laſſen, und ſich ſonſt gegen einander alſo erzeigen ſollen, damit eines neben dem andeꝛn blei - ben und hinkommen, und dißfalls keine Klage mehr erfolgen moͤge, mit dieſer ausdruͤcklichen Commination, da jemand deme zuwieder und entgegen ichwas thun, fuͤrnehmen und han - deln, und deſſen uͤberfuͤhret werden ſolte, daß der - ſelbe nach Befindung ernſtlich und unnachlaͤßlich andern zum Exempel geſtrafft werden, inſonder - heit aber, da einer oder der andere Baret-Kra - mer ſolchen Abſchied zuwieder, etwas ſich unter - ſtehen, thun oder handeln wuͤrde, derſelbe zehen Thaler unnachlaͤßiger Straffe, als nehmlich 5. Rthl. E. E. Rath, und 5. Thaler dem Kirſchner - Handwerck, ſo offt er betreten werden wird, ver - fallen ſeyn ſoll, und denn unterſchiedliche Wei - ſungen, alle Krafft Rechten ergriffen, und der Kirſchner-Jnnung allerdings gemaͤß ſind; Als laͤſſet es auch E. E. Rath nochmahls bey denen - ſelben allenthalben bewenden, und ſollen die Par - theyen ſich darnach beyderſeits zu achten ſchuldig ſeyn. Jm Fall ſie aber darwieder zu handeln ſich unterſtehen wuͤrden, ſollen die Verbrecher mitK 5der154Beſchreibungder im Abſchied angedroheten Straffe unnach - laͤßig beleget werden. Zum Urkund iſt auch dieſe Weiſung denen Actis Publicis einverleibet, bey - den Partheyen gebuͤhrlich publiciret, u. begehren - den Theil hiervon glaubwuͤrdige Abſchrifft unter der Stadt Jnſiegel mitgetheilet worden. So geſchehen am 3. Auguſti A. 1638.
Was nach der Zeit, nehmlich den 16. Febr. A. 1653. vor ein Transact uͤber eben dieſe Strei - tigkeit zwiſchen dem Kirſchner-Hand werck und einem Baret-Kraͤmer, Chriſtoph Hehl genañt, daſelbſt gemachet worden, ſolches iſt in G. A. Struvii Deciſionibus juris opificiarii, Dec. 74. p. 128. zu erſehen.
Jngleichen Dec. 108. p. 170. daß hinwie - der denen Kirſchnern auſſer denen Jahrmaͤrck - ten nicht zugelaſſen ſeyn ſolte Muͤtzen, Schleyer und ſolche Sachen, da nebſt dem Rauch-Futter, auch Zeug und Gewand ſich findet, in ihren Laͤ - den feil zu haben, es koͤnten und wolten denn die - ſelben binnen Saͤchſiſcher Friſt Summariſch beybringen, daß ſie deßfalls von etlichen Jahren her in Poſeſſ. vel quaſi geweſen, auff welchen Fall die Kraͤmer das Jus prohibendi in Petito - rio auszufuͤhren, und zu deſſen Behuͤlff einen Syndicum zu beſtellen haͤtten, quod decretum Leuteratione interpoſita non obſtante per Facult. Jurid. Lipſ. confirmatum.
Anhang einiger Merckwuͤrdigkeiten / die Huͤte / Kappen und Barett be - treffend.
AN unterſchiedlichen Orten Jtaliens, ſon - derlich zu Rom und Venedig ſeynd die Juͤden obligiret rothe Huͤte mit rothen Wachs-Tuch uͤberzogen zu tragen. Ein gewiſſer Prælat, welcher nach Rom gezogen war, in Hoff - nung einen Cardinals-Hut daſelbſt zu erlangen, der ihme aber fehl geſchlagen, muſte, als er gantz heiſcher, und mit einem ſtarcken Huſten behafftet, wieder zuruͤck kam, Spotts-Weiſe hoͤren, daß ſich uͤber ſolch ſein Accident nicht zu verwundern waͤre, weil er ohne Hut eine ſo ferne Zuruͤck - Reiſe haͤtte thun muͤſſen.
Sub palliolo & pileolo ſordido, pflegt man Sprichworts-Weiſe zu ſagen, ſæpe Sapientia latet, offt iſt unter einem ſchmutzigen Hut und Mantel ein weiſer Mann verborgen.
Gleichwie von denen Kleider-Trachten viel Beſchimpffungs-Reden hergenommen, als daß ein Blau-Strumpff, ein Verraͤther, ein Heuchler derjenige genennet wird, der den Man - tel auff beyden Schultern traͤgt, oder ſolchen nach dem Wind zu drehen weiß; Als wollen ei - nige unter einen breiten Hut, einen Hahnrey ver - ſtehen, als der einen ſolchen breiten Hut ſeine Hoͤrner zu bedecken noͤthig haͤlte.
Von des Fortunati Wuͤnſch-Huͤtlein wird fabulirt, daß, als er einsmahls an des Groß - Sultans Hofdurch ſeine Freygebigkeit ſich groſſe Lieb und Ruhm erworben, u. weil er den Gluͤcks - Seckel gehabt, (der nimmer ledig wurde, ſon - dern ſtets ſo viel Gelds als Fortunatus haben wolte heraus gab,) des Sultans Hof-Geſindreich -156Beſchreibungreichlich beſchenckt, da habe ihme dieſer auch eine Ehre anthun wollen, und den Fortunatum mit ſich in ſeine Schatz-Kammer gefuͤhret, da er ihn unter andern groſſen Schaͤtzen, von Gold, Sil - ber und Edelgeſteinen, auch einen alten abgenutz - ten Filtz-Hut gewieſen, der aber die Krafft an ſich gehabt, daß, wenn ihn iemand auff den Kopf geſetzet, er ſo gleich dahin kommen koͤnnen, da er ſich hingewuͤnſchet; Als nun der Sultan aus Unbedachtſamkeit zugelaſſen, daß Fortunatus ſolchen auffgeſetzet, da haͤtte er ſich ſo gleich in ſei - ne im Haven liegende Galere gewuͤnſcht, in wel - cher er alſo bald die Segel auffziehen laſſen, und damit nach ſeinem Vaterland Cypern zugeſchif - fet; der Sultan haͤtte zwar gleich nach geſchickt, aber vergebens, weil die Galée ſchon viel zu weit voraus geweſen, als daß man ſie haͤtte wieder einholen koͤnnen. Worauff der Sultan, als den der Verluſt dieſes Kleinodes ſehr ſchmertzte, einen eigenen Abgeſanden an ihn gefertiget, der haͤtte aber auch nichts erhalten koͤnnen, ungeacht er im Nahmen des Sultans dem Fortunato groſſes Geld und Gut verheiſſen, wenn er den Hut wie - der zuruͤck geben wolte.
Da nun ſolcher geſtalt Furtunatus in den Be - ſitz dieſes koſtbaren Huts geblieben, haͤtte er man - che Kurtzweil mit denſelben angeſtellet / und weil er ſich damit allenthalben wo er hingewolt, haͤtte hinwuͤnſchen koͤnnen, als waͤre er bey nahe die gantze Welt damit durchgereißt. Endlich / als er auff das Sterbe-Bet gekommen, haͤtte er ſolchen ſamt dem Seckel ſeinen beyden Soͤhnen Ampedound157des Hutmacher-Handwercks. und Andoloſia vermacht, doch mit der Condition, daß beyde Kleinode ihnen zum allgemeinen Bruͤderlichen Gebrauch verbleiben, und nicht von einander getrennt werden ſolten, allein Andoloſia hatte nach des Vaters Tode ſeinen aͤltern Bruder Ampedo ſo viel gute Worte gegeben, daß er ihme den Seckel (nach dem ſie zu vor 2. Kiſten mit Geld daraus angefuͤllet) mit auff die Reiſe haͤtte folgen laſſen, da er ihme denn in Engelland von der jungen Koͤnigin Agrippina durch falſche Liebe waͤre abgelocket worden. Dieſer Untreu halber ſich nun zu raͤchen, und den verlohrnen Seckel wieder zu gewinnen, waͤre er wieder nach Hauß gereiſet, haͤtte den hinterlaſ - ſenen Wuͤnſch-Hut geholet, ſich damit auffs neue nach Engeland gewuͤnſchet, und als er an Koͤnigl. Hof ange - kommen, ſich vor einen Juwelirer verkleidet ausgege - ben, welcher der Koͤniglichen Princeßin ſchoͤne Juwe - len zu weiſen haͤtte. Wie ſie ihn nun hierauff in ihr Zim - mer kommen laſſen, und einige Juwelen ausgeſuchet und bedungen, ſolche auch hernach aus des Andoloſiæ Seckel zahlen wollen, da habe er ſein Wuͤnſch-Huͤt - lein auffgeſetzt, ſie die Princeßin in Arm genommen, und ſich mit ihr in ein weit entfernetes Land gewuͤnſchet. Und was der Maͤhrlein, die von dieſem Fortunatiſchen Wuͤnſch-Huͤtlein erzehlet werden, mehr ſeyn moͤchten, die der Laͤnge nach in dem ſogenannten Fortunati Seckel - und Wuͤnſch-Huͤtlein-Buͤchlein zu leſen ſeyn.
Des groſſen Alexandri Haupt-Zierath ſoll anfaͤng - lich Macedoniſch, nachmahls, als er ſich die Perſiſche Weichlichkeit belieben laſſen, Perſianiſch geweſen ſeyn. Von dieſen letztern ſchreibt Juſtinus lib. II. daß, als eins - mahls der Alexander im Abſteigen von dem Pferd, den Lyſimachum mit der Spitze ſeiner Lantze hefftig an die Stirn verwundet, da habe das Blut nicht eher koͤnnen geſtillet werden, biß der Alexander ſeinen Koͤniglichen Hut abgenommen, und ſolchen dem Lyſimacho (um die Wunde deſto beſſer zuſammen zu halten) auff den Kopff geſetzet, welches dem Lyſimacho das erſte Vorzei - chen geweſen, daß er dermahleins wuͤrds Koͤnig wer - den.
Von158BeſchreibungVon denen Griechiſchen Patriarchen der Kirchen in Orient wird geleſen, daß ob ſie gleich in eben ſo hohen Anſehen bey ihren Religions-Genoſſen, als der Papſt unter denen Noͤmiſch-Catholiſchen iſt, ſie doch in Klei - dern ſich ſehr ſchlecht halten, alſo, daß ſie eben wie an - dere Muͤnche bekleidet einher gehen, und von ſolchen an - ders nicht, als durch einen groſſen breiten Hut unter - ſchieden werden, uͤber welchen ein breites Band von Guͤldenen Stuͤcken, in Form eines Creutzes genaͤhet iſt. Als einsmahls ein vornehmer Mann, der aber ein uͤbler Bezahler war, von einem Hutmacher einen Hut auff Credit haben wolte, wurde ihme ſolcher mit dieſen Worten abgeſchlagen: Er der Hutmacher moͤchte her - nach nicht vor ſeinem eigenen Hut, (wenn ſolcher auff ſeines Debitoris Kopff ſtehen, und er der Hutmacher ihn mahnen ſolte) den Hut in der Hand haben.
Der Chinenſer ihre Huͤte ſeyn theils von Pferd, theils von Menſchen-Haar, oder auch von Seide, und zwar etliche oben mit einen Loch gemacht, durch welches ſie vormahls ihre lange Haupt-Haar zierlich in einen Zopff geflochten, herdurch zogen, und hinterwerts uͤber den Hut herunter hangen lieſen; heutigs Tags aber, da die Tartern ſich Meiſter von Tſchina gemachet, haben die eingebohrne Sineſen ihren Haupt-Schmuck ziemlich ablegen, und ſich auff Tartariſche Manier das Haupt ſcheren laſſen muͤſſen. Der Philoſophorum in China ihre Huͤte oder Bomittes ſind viereckigt, und darff ſich kein Ungelehrter unterſtehen dergleichen zu tragen / des Winters werden meiſtentheils die Huͤte in China abge - leget, und Muͤtzen von Seiden oder Baumwollen Zeug dafuͤr auffgeſetzet.
Der Ungarn und Tartarn ihre Reiß-Wetter - und Campagne-Maͤntel ſeynd meiſtentheils aus Filtz, den ſie dergeſtalt zu walcken wiſſen, daß er nicht allein geſchmei - dig, ſondern auch eben wie ein Tuch ſich bey Ellen aus - meſſen laͤſt, und dabey ſo zaͤh iſt, daß wenn es auch 24. Stunden nach einander regnen ſolte, dennoch kein Waſ - ſer durch gehen kan, die Urſache iſt, daß ſie ſolche nicht leimen, als welches ſonſt, wie an vielen Filtz-Huͤten zuer -159des Hutmacher-Handwercks. erſehen, in Regen auffgehet, und der Leim ſich ſolviret, ſie brauchen aber in deſſen Stelle Hauß-Blaſen, als die in der Naͤſſe beſtaͤndig bleiben. Doch will damit vorſich - tig umgegangen ſeyn, weil, wenn die rechte Proportion nicht darinn gehalten wird, der Filtz dadurch allzu ſteiff wird, daß er hernach leichtlich bricht. Die Maͤhriſche Wolle laͤſt ſich auch ſo feſt mit den Fuͤſſen und Roll-Ei - ſen arbeiten, daß leichtlich der Filtz wegen allzu groſſer Feſtigkeit brechen muß. Hingegen iſt manche Land - Wolle ſo geartet, daß ſie ſich gar nicht feſt arbeiten laͤſt, es moͤgen auch Meiſter oder Geſellen ſo viel Arbeit dran thun, als ſie immer wollen, ſie wird doch immer lucker bleiben, und ein davon gemachter Hut uiemahls recht Waſſer halten.
Einen extra guten Codobecker Hut zu machen, neh - men die Hutmacher den Kern oder das beſte aus der Luͤ - neburgiſchen ſogenannten Heyde-Wolle, (das iſt dieje - nige, die von denen Schaafen, welche in der groſſen Luͤneburger Heyd geweidet werden, faͤlt,) und vermi - ſchen dieſelbe mit Cameel und Engliſch Sayden-Haar, dadurch die Huͤte einen vortrefflichen Glantz bekom̃en.
Die Qualitaͤten eines guten Huts muͤſſen ſeyn, daß er im Kopff nicht zu dicke ſey, ſonſt faͤlt er zu ſchwer zu tragen, hingegen muß er ſchon etwas dicker und auch feſter an dem Band ſeyn, zum Rand aus aber gantz duͤnne, voraus aber wird eine gute Farbe daran erfor - dert, die nicht abſchieſſet, denn da ſiehet zwar mancher Hut ſchoͤn ſchwartz aus, wenn er aber ein wenig in Lufft und Wetter getragen wird, ſo wird er gantz roth - lich und fahl. Eine andere Qualitaͤt eines guten Huts iſt auch dieſe, daß er in Regen-Wetter Waſſer halte, daß ſolches nicht einziehe, und der Hut gleichſam ſchwam - migt davon werde, allein daran iſt wie ſchon gedacht, manche Land-Wolle ſchuld, welche, wie ſtarck man ſie auch bearbeite, niemahls dicht oder feſt werden will, ſo muß auch ein Hut nicht zu wenig, und auch nicht zu viel geleimet ſeyn, denn in jenen Fall wird er ſchlap und koͤmmt aus der Form, in dieſem aber bricht er leichtlich.
Ein160BeſchreibungEin gewiſſer Hutmacher in Franckreich hat eine groſſe Partey aus der Mode gekommener Huͤte ſtehen, in wel - cher ſein gantzes Capital ſteckte, dieſer bate einsmahls Koͤnig Henricum IV. daß er ihme die Genade erzeigen, und nur ein paar Tage einen ſolchen Hut auffſetzen moͤchte, als ihme nun der Koͤnig hierunter willfahrte, wolten ſo gleich die uͤbrigen Hoffleute Regis ad exem - plum dieſe mode nachaͤffen, und wurde der Hutma - cher ſeine groſſe Parthey Huͤte in wenig Tagen mit gu - ten Profitloß.
Wie offt die Mode in Huͤten bey Menſchen-Gedencken changiret habe, iſt zu verwundern, viele werden ſich noch der hohen ſpitzigen Huͤte, wie heutigs Tags noch an einigen Orten die Bauren zu tragen pflegen, erin - nern. Hierauff kommen die mit niedrigen Koͤpels und ſchmalen Raͤnden, bald wieder etwas hoͤhere Koͤpels mit breitern Raͤnden, denn einmahl graue, auch paille Couleur Huͤte auf, biß die Schwaͤrtze beſtaͤndig geblie - ben, die gantz weiſen aber denen Muͤllern uͤberlaſſen worden. Die[B]otsleute haben ihꝛe Huͤte mit gantz ſchm[a]- len und eingefaßten Raͤnden, etlicher vornehmen Offici - ers ihre ſind auch wohl mit Sam̃et uͤberzogen. Die En - gliſchen ſogenañten Casquets waren auch einige Zeit lang, ſonderlich in Nieder-Sachſen groſſe mode; ſo hiel - te man auch einsmahls auf die ſogenañten Chapeaux ſans apret, oder ungeleimte und gantz weiche Huͤte ſehr viel, welchen man auch die Manieꝛ des Abziehens veraͤn - derte, u. ſolche oben an den Kopff angriff; zu anderer Zeit muſten ſie wieder ſtarck geleimt ſeyn, und gantz ſteiff ſte - hen, biß endlich die heutige beqveme mode und Fason ge - blieben. Ein Bauer, deme ein Buſchklopffender Neuter Geld auf der Straſſen abgenommen hatte, bate denſel - ben, er moͤcht ihme doch zum Wahrzeichen, daß ihme das Geld war abgenom̃en worden, mit ſeinen Piſto - len 2. Loͤcher durch den Hut ſchieſſen; als nun ſolches der Reuter gethan, u. daduꝛch ſich verſchoſſen hatte, bemaͤch - tigte ſich ſeiner der liſtige Bauer, wurff ihn vom Pferd, und nahm ihme das geraubte Geld wie - der ab.
[161][162][163][164][165][166]CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
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