PRIMS Full-text transcription (HTML)
Cum Privil: Clect: Saxon:
Heiliger Sonntags-Handel und Kirch-Wandel /
Oder: Anweiſung / wie man den Sonn - tag mit Andacht zubringen / und in der Kirche ſich GOTT-gefaͤllig verhalten ſolle:
Nach den Hauptſtuͤcken Chriſtlicher Lehre eingerichtet / auch mit Sinnbild - und Geſchicht-Kupfern neben neuen Liedern gezieret
Samt dem gewoͤhnlichen Kirch-Lieder-Buͤchlein.
Mit Churfl. Saͤchſ. gnaͤdigſten Privilegio.
Nuͤrnberg/ Jn VerlegungJohann Jacob von Sandrart/ und in Frankfurt und Leipzig zu finden bey David Funcken / Kunſt - und Buchhaͤndlern. Gedruckt daſelbſt beyChriſtian Sigmund Froberg. Anno1681.

Dem Durchleuchtigſten Fuͤrſten und Herꝛn / HERRN Anton-Ulrich / Herzogen zu Braun - ſchweig und Luͤneburg / Der Hohen Stiffs-Kirchen zu Straßburg Evangeliſchen Domb Capituls Decanats-Statthaltern / ꝛc. ꝛc. ꝛc. Meinem gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herren.

) (iijDurch -Uberreichungs
Durchleuchtigſter Herzog / gnaͤdigſter Fuͤrſt und Herꝛ

DJE Buͤrger des Alten Roms verſchaffeten ihre liebſte Verlaſſenſchafften / nach dem Tode / gemeiniglich den Goͤttern / die ſie im Leben / vor an - dern / geehret hatten. Dannen - hero / wie der Mars-Tempel mit den Speeren / Schwerdern / Schil - den und Siegs-Zeichen der Helden prangete: ſo war des Foͤbus ver - meintes Heiligthum / von den Schrifften und Erfindungen der Ge -lehr -Schrifft. lehrten und Kuͤnſtlere hochberuͤhmt. Viele widmeten ihnen ſo gar ihre Leib - und Liebes-Fruͤchte / zu ewigen Tempel-Dienſten.

Unſer Neues Teutſchland hat dem Alten Rom wenig Raum vom Kunſt-Ruhm abzutretten. Jenes hatte erdichtete / dieſes hat wahr - haffte Goͤtter / die der Einig-Ewi - ge GOTT ſelbſt mit dieſem Na - men ehret. Wie nun die Teutſche Vaͤtter nicht laugneten / daß ſie die Roͤmer-Kuͤnſte gelernet: ſo ge - ſtehen auch die Soͤhne gern / daß ſie ihnen noch heut die Gewohnheiten abborgen.

Gnaͤdigſter Fuͤrſt / Jhr ſeyd / was Jhr heiſſet / Der Durchleuchtigſte /) (iiijundUberreichungsund alſo ein andrer Foͤbus groß unter den Kunſt-Fuͤrſten / groͤſſer von Fuͤrſten-Kuͤnſten; deſſen Ruhm - Stralen / mit der Sonne / den Erd - Kreis durchleuchten.

Der Seelige Erwachſene hatte die Ehre Eurer Hoch Fuͤrſtl. Duͤrchleucht. Verehrer zu leben / und zu ſterben. Dieſe Andachten / wie ſie das letzte / alſo waren ſie viel - leicht (nach der Eltern Art) das liebſte Sinnen-Kind; welches er ſo lang meiner Pflege uͤberlaſſen / bis es tauglich wuͤrde / das Liecht zu ſehen.

Jetzt / da es ſich aus der Dun - ckelheit ſoͤhnet / weiß ich es nirgend baͤſſer hinzuleiten / als zu dem Durch - leuchtigſten Sonnen-Tempel Eu -rerSchrifft. rer Hoch Fuͤrſtlichẽ Gna - de: um deſſen Ein - und Aufna - me es / mit mir / Fusfaͤllig flehet.

Die Bild-Kuͤnſtleꝛe ſtellen auf die rechte Foͤbus-Hand die drey Hul - dinnen. L. Hoch Fuͤrſtl. Durchl. haben allbereit des ſeeli - gen Verfaſſers Geſchicht - und Ge - dicht-Schrifften in die Hand zu faſ - ſen gewuͤrdiget: Sie belieben dieſe Lehr-Schrifft gnaͤdigſt beyzuſtellen / und ſie alſo wahrhafftig zu der Drit - ten / unter den Gratien, zu machen / und mit den Stralen ihrer Gnad - Hulde zu beglaͤnzen.

Jch werde mich unter die Gluͤck - ſeeligſten zaͤhlen / wann mir vergoͤn - net iſt / hinter ihnen / in dem Schat - ten zu ſtehen / oder vielmehr zu lie -) (vgenUberreichungs Schrifft. gen / und fuͤr meine hoͤchſte Angele - genheit achten / dieſe groſſe Gnad-Be - zeugung mit ſchuldigſten Dancke zu ruͤhmen / und ewig zu verharren

E. Hoch Fuͤrſtl. Durchleuchtigkeit. Meines gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herꝛnunterthaͤnigſt-demuͤtigſter Diener
Johann Jacob von Sandrart.
Vor -

Vor-Anſprach / An den Andacht-liebenden Leſer.

MJr leben leider! heut in einer Zeit / da mehr Schein als Seyn iſt. Welt und Geld reimen ſich wol / indem ſie gemeiniglich mehr Scheines als Feines weiſen. Die Kuͤnſte hegen Duͤnſte / und ergetzen oͤfters mehr / als ſie nutzen. Neue Gebaͤue ſind ſchoͤner: viel alte feſter. Heutige Worte ſind milder / die Wercke wilder. Die Zungen gezuͤ - ckert / die Hertzen gepfeffert. Geſchmink - te Geſichter und geſchmuͤckte Kleider de - cken mehrmals ſieche Leiber / und / welches das aͤrgſte iſt / tode Seelen. Dieſe ſind es / von welchen der Apoſtel ſagt: daß ſie den Schein der Gottſeligkeit haben / und dero Krafft verlaugnen. Doch iſt dieſer Schein / wie manche ſchlechte Muͤnze / bey dieſen Zeiten gangbar.

AnVor-Anſprach

An ſtatt des Saltzes der Chriſtlichen Klugheit wuͤrzet man mit dem Heuchel - Miſt / und wird dieſer hochgeachtet / wie der Tauben-Miſt in der Theurung zu Samaria / da ein Kab fuͤr 20 Silberling verkauffet wurde. Hievon zeuget ſatt - ſam unſere heutige Sabbats-Feyer. GOTT hat uns vergoͤnnet ſechs Tage in der Wochen unſer Brod / nach ſeinem Be - fehl / in Schweiß und Fleiß zu ſuchen; Die - ſe Nahrungs-Geſchaͤffte hat er mit ſei - nem Ruhe-Tag unterbrochen / und den Gedanken von der Eitelkeit die von der Ewigkeit einſchalten wollen: damit wir auf Erden des Himmels / und um des Leibs willen / der Seele nicht vergeſſen moͤgten. Aber wir meinen am Sonnta - ge / wann wir eine Predig / mit kalter An - dacht und ohne heiliges Verlangen der Erbauung / gehoͤret / ſo muͤſſen wir mit Spielen / Luſt wandeln / Fuͤllerey und ei - teln Scherzen die uͤbrige heilige Zeit un - heilig hinbringen. Dannenhero hoͤret man manche fragen und ſagen: ſie wu - ſten nicht / womit ſie den Sonntag ſonſten zubringen ſollen.

Hiezu nun dienen folgende Andachten des heiligen Kirch-Wandels / welche derWol -an den Leſer. Wolſeelige Erwachſene meiſtens ver - fertiget / und der Preſſe untergeben; in - zwiſchen aber aus der ſtreitenden in die triumphirende Kirche / von unſerem Sonntage zu den groſſen Sadbat der freudigen Ewigkeit / ſeinem langen Ver - langen nach / abgewandelt iſt.

Dieſe koͤnnen zwar / als weitlaͤufig nicht alle in der Kirche oder ganz geleſen werden; ſondern zielen vielmehr dahin; daß man ſich derſelben zu Hauſe / zur Leß - und in der Kirche zur Geſang Andacht be - diene. Es wird eine feine Sonntags-U - bung ſeyn / wann man alſo die 6 Haubtſtuͤ - cke Chꝛiſtlicher Lehre widerholet / GOtt lo - bet / mit dem JEſus-Gebet verſtaͤndig an - ruffet / ſeine Glaubens-Bekaͤntnuͤs wider - holet / vor die Gemeine bittet / in Erinner - ung des Tauf-Bundes / ſeinem GOtt von neuen huldiget / einen Freuden-Blick in das ewige Leben ſendet / und alſo den Sonntag mit Dank - und Gebet-Seufzern ſchlieſſet. Gebrauche es / Andacht-lieben - der Leſer / wie es der Verhimmelte Er - wachſene gewuͤnſchet; ſo wird es auch an dem Wachsthum deiner Gottſeeligkeit nicht mangeln. Solten dir mehr und an - dere Geiſt-Schrifftẽ des Seelig gedachtenVer -Vor-Anſprach an den Leſer. Verfaſſers belieben: ſo wird dir die loͤb - liche Blumgenosſchaft an der Pegnitz / die ſie / nach dem lezten Willen des Wolſee - ligen in Verwahrung hat / hiemit gerne bedienet ſeyn.

GOTT ſegne dich indeſſen an Leib und Seele / und bewahre dich / durch ſeine Macht / in Chriſto JEſu / zur Seeligkeit. Dem ſey Ehr und Preiß in Ewig - keit. Amen.

Blat -Blatzeiger.

Blatzeiger Der Andachten / und der da - rinnen enthaltenen ſonderbaren Betrachtungen.

I Morgen-Andacht am Soñ - tage.
  • 1 Dem Erſten das Erſte. 1
  • 2 Morgen Gebet am Sonntag6
  • 3 Sonntags Moͤrgen-Lied. 12
  • 4 Betrachtung der Sabbat-Feyer. 15
II Der Tempel iſt GOttes Haus - und Hof-Palaſt.
  • 1 Gehe zur Kirchen mit Reverenz und Andacht. 35
  • 2 Der Tempel GOttes ein Morijah. 39
  • 3 Das Gebet des HErꝛn. 42
  • Vatter Unſer-Lied. 47
  • 4 Himliſche Vatter-Zuflucht. 50
  • 5 Gehe bußfertig in das Haus GOttes56
  • GOtt Verſoͤhnungs Lied. 57
III Der Tempel Gottes ein Heiligtum.
  • 1 Tritt heilig und heiligend vor dem Al - lerheiligſten. 60
  • 2 Gebet beim Kirch-Eintritt62
  • 3 Erfuͤll am Sonntag und in der Kirche / die erſte Vatter Unſer Bitte / um Heiligung Goͤttliches Namens. 65
  • 4 Die Erſte Bitte des Vatter Unſer - Gebets. 71
  • 5 Gebet um Goͤttliche Ramens Heilig - ung. 74
  • 6 Vom Lob Gottes am Sonntag. 76
  • 7 Lobgeſang Gottes des Vatters. 78
  • 8 Lobgeſang JEſu Chriſti deß Sohns Gottes. 84
  • 9 Lobgeſang Gottes des H. Geiſtes. 90
  • 10 Dank Gedanken fuͤr Goͤttliche Wol - thaten. 95
  • 11 Dank-Geſang fuͤr den Engel-Schutz. 101
VI DerBlatzeiger.
IV Der Tempel und die Can - zel / ſind Gottes Canzley.
  • 1 Lerne in der Kirche Gottes Gebot und Willen. 107
  • 2 Goͤttliche Donner-Lied. 110
  • 3 Andacht vor der Predigt. 115
  • 4 Gebet vor der Predigt. 118
  • 5 Andacht nach der Predigt. 121
  • 6 Gebet nach der Predigt. 122
V Der Tempel Gottes iſt eine Verſam̃lung der Glaubigen.
  • 1 Thue / in der Kirche und am Sonntag / dein Glaubens-Bekaͤntnuͤs. 126
  • 2 Gebrauch der Gottes-Erkaͤntnuͤs. Sie lehret Demut. 131
  • 3 Gottes Erkaͤntnis / lehret GOTT fuͤrchten und ihm dienen. 134
  • 4 GOttes Warheit erfordert Gehor - ſam des Glaubens. 135
  • 5 Gottes Erkentnis fordert Gehorſam des Lebens und Leidens. 140
  • 6 Gottes Vatter-Name / erfordert Kind - liche Pflicht. 141
  • 7 Gottes Vatter-Name / erfordert Gott - aͤhnlichkeit143
  • 8 Gottes Vatter-Name / heiſſet GOtt vertrauen. 144
  • 9 Gottes Erkentnis lehret GOtt an - betteln. 146
  • 10 Gottes Erkentnis lehret GOTT ehren. 149
  • 11 GOtt und genug / und des Satans Betrug. 150
  • 12 GOtt und Ehre genug. 151
  • 13 GOtt und Weißheit genug. 153
  • 14 GOtt und Wolluſt genug. 154
  • 15 GOtt und Reichthum genug. 157
  • 16 Leichter gen Him̃el / als zur Hoͤlle. 159
  • 17 Die Kunſt / reich / groß und gluͤckſee - lig zu werden. 160
  • 18 Jm Himmel iſt alles vollkom̃en. 161
  • 19 Chriſtliche Glaubens Bekentnis. 163
VI. Geiſt - und Weißheit Ver - langen / nach der zweyten Vat - ter unſer-Bitte. 175
  • 2 Gebet um Zukunfft des Reichs Got - tes ins Hertze. 183
  • 3 Gebet zum himliſchen Vatter um den Heiligen Geiſt. 184
  • 4 Himliſches Weißheit-Verlangen. 189
  • 5 Einladung des Himliſchen Herz-Ga - ſtes. 192
  • 6 Zum Geiſt des Gebets / Geſang-Bitte. 197
VIIBlatzeiger.
VII Am Sonntag und in der Kirche / erinnere dich der
  • 1 Geiſtlichen Ritterſchafft: nach der 6 Vatter unſer-Bitte. 201
  • 2 Gebet Lied uͤber die 6 Vatter unſer - Bitte. 217
  • 3 Gebet zu GOtt wider die geiſtliche Verſuchungen. 219
  • zu JEſu Chriſto223
  • zum Heil. Geiſt226
  • 4 Glaubige Fortweiſung des Fuͤrſtens deꝛ Finſternis227
  • 5 Welt-Abſagung. 233
  • 6 Gebet-Lied wider das aufruͤhriſche Fleiſch. 236
VIII Sonntag und in der Kiꝛ - che / Bitte.
  • 1 Um Leibes Nottdurfft nach der vierd - ten Bitte. 241
  • 2 Geitz und Mammons-Dienſt. 249
  • 3 Nothdurft muß von Gott zufallen. 251
  • 4 Laß Gott ſorgen: er verſorget. 253
  • 5 Bete und arbeite. 257
  • 6 Der Weg zum Reichthum260
  • 7 Reichthum ohne GOtt. 262
  • 8 Gibe / wann Gott giebet. 265
  • 9 Die Armen Steur. 270
  • 10 Bete und gibe. 272
  • 11 GOtt iſt guͤtig / zum Geben. 274
  • 12 Die vierdte Bitte des Vatter-unſer Gebets. 276
  • 13 Gebet um zeitliche Nottdurft. 278
  • 14 Gott und genug / Andacht-Lied. 285.
IX Die Fuͤrbitte.
  • 1 Bitte in deꝛ Gemeine fuͤr jedeꝛman289
  • 2 Dankſagung und Gebet fuͤr die heilige Chriſtliche Kirche. 296
  • 3 Gebet um treue / und wider falſche Lehrer. 299.
  • 4 Der Goͤttliche Wort-Brunn. 301
  • 5 Allgemeine Fuͤrbitte. 303
  • 6 Gebet um Abwendung der drey Land - plagen. 307
  • 7 Fuͤrbitt-Lied. 312
X Tauf-Andacht / nach der drit - ten Vatter unſer Bitte. 316
  • 2 Der Taufbund verbindet uns zu Got - tes guten Willen. 320
  • 3 Der Taufbund verbindet uns wider den eigenen Fleiſches Willen. 323
  • 4 Wider den Satans Willen. 324
  • 5 Deꝛ Taufbund verbindet uns wideꝛ den Willen der Welt. 327
  • 6. Der Himmel iſt unſer Fuͤrbild in Er -fuͤl -Blatzeiger. fuͤllung des Goͤttlichen Willens329
  • 7 Gebet um Erfuͤllung des Goͤttlichen Willens. 334
  • 8 Wie GOtt will. 338
XI Tempel-Blick in den Him - mels-Tempel. Sonntags-An - dacht vom ewigen Leben / nach der Siebenden Vatter Unſer Bitte.
  • 1 Der Kirch-Tempel erinnert uns des Him - mel-Tempels. 341
  • 2 Der Sonntag erinnert uns des ewigen Sabbats. 343
  • 3 Am ewigen Sabbat werden wir von allem Ubel erloͤſet. 344
  • 4 Die Himmel-Freude iſt unermaͤßlich / und unausſprechlich. 348
  • 5 Himmel-Geſonnenheit. 352
  • 6 Jm Himmel iſt keine Suͤnde / noch Urſach derſelben. 355
  • 7 Jm Himmel iſt keine Straff der Suͤnden. 357
  • 8 Unſere Leiber werden geiſtlich ſeyn. 358
  • 9 Unſere Leiber werden unſterblich ſeyn. 361
  • 10 Unſere Leiber werden ſeyn unempfindlich. 362
  • 11 Rein und wolriechend. 363
  • 12 Hell-verklaͤrt. 364
  • 13 Die Klarheit der Seele. 366
  • 14 Das Anſchauen GOttes. 367
  • 15 Die Vereinigung mit Gott. 370
  • 16 Die ſchoͤne Himmel-Wohnung. 374
  • 17 Die liebliche Geſellſchaft der Seeligen377
  • 18 Himliſches Lobgeſang. 382
  • 19 Gebet / um Verlangen nach der Seelig - keit. 385
  • Himmel-Seufzer-Lied. 390
XII Abend-Andacht am Soñ - tage.
  • 1 Dem Letzten das Letzte. 393
  • 2 Pruͤfung des Gewiſſens. 395
  • 3 Todes Gedanken. 397
  • 4 Bett - und Bet-Gedanken. 399
  • 5 Abend-Gebet am Sonntage. 401
  • Abend-Lied. 404
Hei -1

* m! * Heiliger Sonntags-Handel und Kirchwandel.

I Yorgen-Andacht am Sonntag.

1 Dem Erſten das Erſte.

JCH bin der Erſte und der Lezte:(a)Offenb. 1. v. 11. alſo ſagt der Ewi - ge Sohn des Ewigen / durch welchen Alles iſt / und deꝛ da iſt Alles in Allem. Jſt nun Gott deꝛ Eꝛſte und Alles / ſo gebuͤhret ihm ja das Erſte von Allem. Die Eꝛſtgebuꝛt von Menſchẽ und Vieh / und die Erſtlinge der Feldfruͤchte / hat Gott von ſei - nem Volk begehret:(b)2. Moſ. 34. v. 19. 20. ſolte er nicht auch die Erſtlinge der Zeit / auch die Erſtgeburt derAGe -2Dem ErſtenGedanken und Lippen / von uns verlangen? Dem Erſten das Erſte! Die Opferung der Erſtgeburt und Feld-Erſtlinge / heilig - te und ſegnete Alle Nachgebohrne und die ganze Ernde. Alſo wird auch die ganze Woche heilig und geſegnet ſeyn / wañ man den Erſten Tag GOtt aufopſert.

2 Es ſcheinet / die Sonne aller unſrer Tage / JEſus Chriſtus / habe dieſes an - deuten wollen / als er / in der Erſten Woche ſeines Lehr-Amts auf Erden / einem Braut - Feſt zu Cana beigewohnet / und alda ſei - ner Goͤttlichen Allmacht Erſtes Wun - derzeichen ſehen laſſen. Ein Waſſer - brunn / muſte Sechs Kruͤge mit Wein an - fuͤllen: die Hochzeit Gaͤſte damit zu bewir - ten. Dieſe Waſſerquelle / dieſer Wunder - Weinbrunn / iſt das Goͤttliche Wort. Bei GOtt iſt die Lebensquelle oder lebendige Quelle:(c)Pſal. 36. v. 10. daraus man Waſſer zu Wein ſchoͤpfet. Unſer Heiland befihlt: Trach - tet am Erſten nach dem Reich Gottes / ſo wird euch alles das andere zufallen. (d)Matth. 6. v. 33.Er ſpricht / an jeden Erſten Wochentag: Fuͤl - let die Herzen-Kruͤge / mit Waſſer Goͤtt - liches Worts und him̃liſcher Andacht! ſo ſollen euch / die Sechs uͤbrige Wochentage / mit dem Freuden Wein Goͤttliches Geiſt -und3das Erſte. und Leiblichen Segens / bis oben an ge - fuͤllet werden. Ach ja!

Einer fuͤllet ſie alle.

Jch ſage / mit ſeiner hochgelobten Mutter: Was er euch ſaget das thut: Gebt dem Erſten das Erſte.

3 Der Sonntag /(e)Dieſer § erklaͤret das Titelkupfer. iſt des Liechtes Geburtstag. Aus der Sonne / als dem Liecht-brunn / darein am vierten Tag das Liecht geſamlet worden / quillet das Liecht alle Morgen. Aber die rechte Liechtquel - le / die ewige Sonne / iſt JEſus Chriſtus. Dieſe Sonne bildet ſich im Goͤttlichen Wort: gleichwie die erſchaffene Sonne ſich im Brunn bildet. Jn dieſem ſeinem Liecht / ſehen wir ihn / das Liecht. (f)Pſal. 36, v, 10.So laſſet uns dañ heut in dieſen Bruñ ſchauen / in das Goͤttliche Wort: daß wir JEſum erblik - ken. Wo dieſe Lebensquelle / das Goͤttli - che Wort / hinflieſſet / da wird alles belebet. Wer Luſt hat zum Geſetz oder Wort des HErꝛn / der iſt wie ein Baum / gepflanzet an den Waſſerbaͤchen. (g)Pſal. 1. v. 2. 3.Wer den Erſten Tag dem Erſten und Hoͤchſten gibet / der pflanzet / die Baͤume der Sechs uͤbrigen Tage / an den Bach / der von dieſem Lebens - Brunn rinnet.

A ijEiner4Dem Erſten

Einer nehret ſie alle Was er Wochen-uͤber machet / das wird wol gerahten.

Demnach

4
AUf /
(h)Jſt in der bekanten Weiſe zu ſingen / wie es ſich anfaͤhet.
(h) auf mein Herz und du mein ganzer Siñ!
Wirf alles heut / was Welt iſt / von dir hin.
Verlaß den Leib / in dem du biſt gefangen:
imfall du wilſt / was Goͤttlich iſt / erlangen.
2 Auf / auf / mein Herz! du muſt ermuntren dich.
Heut muͤßen wir uns ſchwingen uͤber ſich.
Heut hat das Werk der Schoͤpfung angefan - gen:
da dieſem Rund das Liecht iſt aufgegangen.
3 Auf / auf / mein Herz! leg alles Jrdiſch ab:
Heut JEſus iſt erſtanden aus dem Grab /
Heut hat er ſein Erloͤſung-Werk geendet;
Heut hat er auch den Geiſt herabgeſendet.
4 Diß heilig heut heiſt dich auch Heilig ſeyn.
GOTT / dieſen Tag / bei dir wil ziehen ein.
So ruhe du von Arbeit / Sorg und Suͤnden:
Daß GOtt in dir moͤg ſeine Ruhe finden.
5 GOtt gibet dir Sechs Tage fuͤr den Leib.
Der Seel allein / der Siebend / eigen bleib.
Sie muß ja auch / von Sieben / Einen haben:
Daß ſie ſich moͤg mit Himmelſpeiſe laben.
6 Viel Suͤnden dir die Woche laͤdet auf.
An dieſem Tag / mit Bitten / Gnade kauf /
leg ab die Laſt. Geh / Goͤttes Wort zu hoͤren /
und laß dich heut die Wochen-Wege lehren.
7 Sechs5das Erſte.
7 Sechs Tage dich Gott ſegnet / ſchuͤtzt und nehrt:
Heut er dafuͤr wil ſeyn mit Dank verehrt.
Der Erſte ſoll heut fuͤr die andre bitten:
daß GOtt ſie moͤg mit Segen uͤberſchuͤtten.
8 GOtt woͤchentlich gibt Sieben Tage dir:
gib Einen du / den Erſten / ihm dafuͤr.
Der Erſte wird die Sechſe Segen-zieren:
wirſt du heut GOtt im Mund und Herzen fuͤhren.
9 Am Erſten du nach Gottes Reiche tracht:
ob ſchon die Welt nur deiner Andacht lacht.
Der Schad iſt ihr. Dir aber wirds gedeyen:
GOtt alles Gut auf dich wird reichlich ſtreuen.
10 An dieſem Tag hab deine Luſt am Herꝛn:
Was wuͤnſcht dein Herz / wird er dir geben gern: Befihle GOtt heut deine Weg und Sachen / und hoff auf ihn: gewiß / Er wirds wol ma - chen!
(i)Pſal. 37. v. 4. 5.
(i)
11 Wirſt aber du ihm nehmen ſeinen Tag: ſo macht er dir die Sechſe voller Plag.
Wer ehret GOtt / den ehrt auch GOtt / auf Erden.
Wer ihn veracht / ſoll auch verachtet werden.
12 Drum ſchau / mein Herz / hinauf und uͤber dich /
nach dem / das nit den augen zeiget ſich.
Laß dich nicht ſo umſchlieſſen und beſchranken
mit Eitelkeit / die fluͤchtige Gedanken.
13 Volbringſt du diß / mein Herz und du mein Siñ /
und legſt die Laſt der Erden von dir hin / ſagſt ab dem Leib / in dem du biſt gefangen:
So wird GOtt dich / und du wirſt GOtt / erlangen.
A iijMor -6Morgen-Gebet

* 2 * Morgen-Bebet am Sonntag.

D iſt der Tag / den der HErꝛ gemacht hat. Diß iſt ein Tag des HErꝛn. Dein Tag iſt er / O Gott Vatter im Himmel / du großmaͤchtiger Schoͤpfer aller Tage! An dieſem Erſten Wochen-Tag haſt du angefangen / die Welt zu erſchaf - fen. Dank / Lob und Preis ſei Deiner Goͤtt - lichen Majeſtet / daß du diß große Haus der Erden / und alles was darinn iſt / zu Dienſt des Menſchen / und mich neben an - dren Menſchen / erſchaffen / auch bisher er - halten haſt.

2 Diß iſt der Tag / den der HErꝛ ge - macht hat. Diß iſt ein Tag des HErꝛn. Dein Tag iſt er / O Jeſu Chriſte / ewiger Sohn Gottes / Sonne aller Tage! An die - ſem Erſten Wochen-Tag / als am Sonn - tag / haſt du dein Werk der Menſch-Erloͤ - ſung / durch deine ſiegreiche Auferſtehung / geendet. Dank / Lob und Preisſei Deiner Goͤttlichen Majeſtet / daß du / mich und andere verlohrne Menſchen wieder zu bringen / in der angenommenen Menſch -heit7am Sonntag. heit ſoviel Marter und den Tod erlitten haſt.

3 Diß iſt der Tag / den der HErꝛ ge - macht hat. Diß iſt ein Tag des HErꝛn. Dein Tag iſt er / O GOtt Heiliger Geiſt / Erleuchte aller Tage! An dieſem Erſten Wochen-Tag haſt du / uͤber die Apoſtel und Mundboten Jeſu / dich ſichtbarlich ſen - den und ausgießen laſſen. Dank / Lob und Preis ſei Deiner Goͤttlichen Majeſtet / daß du / durch die Lehre des Heil. Evan - gelii / mein und anderer Menſchen Hertzen erleuchteſt / heiligeſt und in GOtt fuͤhreſt.

4 Dank / Lob und Preis ſei dir geſagt / O allerheiligſte / hochgelobte Goͤttliche Drei Einigkeit! daß du mich dieſen deinen Tag abermal erleben laſſen; daß du mich die vorige uͤber leben ließeſt / und nun eine neue Woche friſch und geſund anfahen laͤſſeſt.

5 Was die Sonne meinen Augen iſt / das biſt du / O Gott / meiner Seele. Die - ſe ſehnet und ſihet ſich um / nach dir. Aber eine dicke Wolke / verdecket mir dein An - geſicht. Ach! das ſind meine Suͤnden / das leidige Scheid-gewoͤlke. Was thut die Sonne? ſie bricht durch Nebel und Wolken / und zeiget ſich wieder. Thue du ſolches / O Jeſu / du Sohn Gottes undA iiijmei -8Morgen-Gebetmeine Sonne! Vergib mir und zertreibe dieſes Suͤnden-gewoͤlke. Unterdrucke auch und truckene die aufſteigende Suͤn - den-duͤnſte: daß ſie mir nicht ferner die - ſen Nebel verurſachen und mich von mei - nem Gott ſcheiden.

6 O Gott / du befihleſt und ſprichſt: Heiliget meinen Sabbath! Und ich / ſpreche taͤglich im Gebet des HErꝛn: Geheiligt werde dein Name. Damit verſpreche ich ja / daß ich deinen Namen heiligen wolle. Heut iſt der Tag / dieſes Verſprechen zu halten / dieſes Verlangen zu erlangen. So ſol dañ heut diß meine Freude ſeyn / daß ich mich zu GOTT halte. (k)Pſal. 73. v. 28.

7 Jch wil / den erſten Tag / deiner Eh - re ſchenken: du wirſt mich den letzten froͤlich erleben laſſen. Jch will heut von Arbeit und Suͤnden feiren: aufdaß du dein Werk in mir haben moͤgeſt. Jch will dir heiligen den Anfang der Woche: Du wirſt mir ſegnen die ganze Woche. Jch will / wie Alles / alſo auch die Woche / mit GOTT anfahen. Meine Seele iſt / unter der Buͤrde des Fleiſches / recht muͤhſeelig und beladen. Du ruffeſt ihr: ſie kommet / O Jeſu! ach! laſſe ſie heut Ruhe fin - den. Jch will heute in dir ruhen: duwirſt9am Sonntag. wirſt mir / die uͤbrige Tage / in meinem Beruff wieder arbeiten helfen.

8 Heute / am Erſten Tag / will ich trachten / O GOtt / nach Deinem Reich: das andere wird mir zufallen. Ach! dein Reich iſt das Liecht: dariñ wohneſt du / O Vatter des Liechts! Du ſelber / biſt das Liecht / und mein Liecht. Jch kan dich nicht finden / ohne dich / in dieſer Welt-Finſter - niß. O Sonne der Gerechtigkeit / O du Glanz des Ewigen Liechts!(l)Weißh. 7. v. 26. ſprich heut in meinem Herzen / Es werde Liecht! gleich - wie du heut das Liecht aus der Finſternis haſt hervor geruffen. (m)2. Cor. 4. v. 6.Ei ja! ſo ma - che dich nun auf / meine Seele / und werde Liecht:(n)Eſ. 60. v. 1. dañ dein Liecht / das Reich Got - tes / kommet.

9 Ach ja! in ſeinem Wort kom̃et heut mein Jeſus zu mir: dañ da hoͤre ich ihn mit mir reden. Er iſt ja / wo ſein Wort iſt. Da hoͤre ich ihn auch mir antworten / wann ich zu ihm rede. Heut ſuche ich geiſtliche Speiſe / fuͤr meine Seele. Jch bitte / um Brod des Verſtandes und Waſſer des Le - bens:(o)Sir. 15. v. 3. Laß mich damit / mit dem Goͤtt - lichen Wort / O du Geiſt der Weißheit /(p)Eph. 1. v. 17. reichlich verkoͤſtet werden. Alſo werdeA vich /10Morgen-Gebetich / in allen Chriſtlichen Tugenden / heilig wachſen und zunehmen / und dieſe Woche vor dir im Liecht wandlen koͤnnen.

10 Dieſer Erſte Tag / ſol fuͤr die Sechs andere bitten. Jch thue / wie der blinde Bettler am Weg bei Jericho. Heute / da mir mein JESUS ſtill ſtehet und mir ruffet / bitte ich / nicht allein: HERR / hilf mir / daß ich dich in deinem Wort ſe - hen moͤge! ſondern auch: HERR / gib mir / daß ich dieſe Woche deinen Segen ſehen moͤge. Gib mir / dieſe Tage / mein taͤglichs Brod. Jch will heut dich ehren und preiſen: du wolleſt mich Wochen - uͤber nehren und ſpeiſen.

11 Solte mich dann / heut oder dieſe Woche / wie den Jonas / die Truͤbſal-Son - ne auf den Kopf ſtechen / daß ich matt werde: HErꝛ / dein Wille geſchehe! Es iſt doch kein anderer Weg gen Himmel / als den unſer Vorgaͤnger Jeſus Chriſtus ge - bahnet hat.

Durch Truͤbſall und Leiden /
Zu Labſal und Freuden;
Durch Weinen zur Wonne /
Durch Wolken zur Sonne.

Laß mir aber auch das Liecht der Freude wieder aufgehen /(r)Pſal. 97. v. 11. und nach dem Un -gewit -11am Sonntag. gewitter die Troſt-Sonne mich anſchei - nen. (s)Tob. 3. v. 23.

12 Du wolleſt auch / dem Fuͤrſten der Finſternis und ſeiner Welt / nicht allen ih - ren boͤſen Willen wider mich verſtatten / mich in Verſuchung zu fuͤhren. Befihl den Geiſtern des Liechtes / deinen Engeln / uͤber mir: daß ſie mich und die Meinen tragen / begleiten und ſchirmen. Staͤrke auch / durch deinen guten Geiſt / meinen Geiſt: daß er / im Streit wider das Fleiſch / ſiege und ob - lige. Du wolleſt mich durch ihn / nach dei - nem Ebenbild neu erſchaffen / der du am Erſten Tag angefangen die Welt zu er - ſchaffen / O du getreuer Schoͤpfer in gu - ten Werken!

13 Endlich / erloͤſe mich von allem Ubel / und hilf mir auf zu deinem him̃liſchen Reich. Leuchte du mir vor / O Jeſu mei - ne Feur Seule / durch dieſe Welt-Wuͤſte / und bringe mich zum Erbtheil der Heiligen im Liecht /(t)Col. 1. v. 12. zu deiner heiligen Wohnung / zur Stadt Gottes / die keiner Sonne mehr bedarf. (u)Offenb. 22. v. 5.Da / da wird deine Herꝛlich - keit / du unvergaͤngliches Liecht / deine Glau - bigen erleuchten; da wird keine Hitze noch Sonne mehr ſtechen. (x)Eſ. 49. v. 10.Dahin ſehne ich mich. Dahin hole du mich / wann du wilſt:ach12Mornen-Liedach daß du heut wolteſt! Dort wird mir dein Antlitz ewig leuchten / und ich werde geneſen. (y)Pſal. 80. v. 20.Amen! Jn Jeſu Namen / Amen!

* 3 * Sonntags-Morgen Lied.

Nach der Singweiſe: Wie ſchoͤn leuchtet der Morgenſtern.

BEgruͤßet ſei / der iezt anbricht /
der Tag / der aller Tage Liecht /
der alles Liechtes Quelle.
Du auch / O Schoͤpfer / ſei gegruͤſt:
der du des Liechtes Vatter biſt /
machſt Erd und Himmel helle. Sonne / Wonne kehret wieder / heiſchet Lieder /
dich zu preiſen.
Mein Dank ſol gen Himmel reiſen.
2 Der Tag ſei ein Verſoͤhnungs-Tag:
daß mein Gebet zu dir hin mag /
zu mir dein Gnade / ſteigen.
Die Suͤnden Wolke ſchaff beiſeit:
mir kan / vor ihrer Dunkelheit /
die Sonne ſich nicht zeigen.
Ach ja / Abba! hoͤchſte Liebe / mir vergibe
alle Schulde.
Jch verſeh mich deiner Hulde.
3 Hier iſt mein Herz / das finſtre Haus:
gib dieſem auch den Tag heraus /Du13am Sonntag.
Du / der du wohnſt im Liechte.
Sprich heut / Es werde Liecht! in mir.
Du / mein Aurora / tritt herfuͤr /
und meine Nacht vernichte.
Ja du / JESU / du biſt Wonne / du biſt Sonne /
Liecht der Erden:
Laß auch mich erleuchtet werden.
4 Ja / ewigs Liecht / erleuchte mich.
Laß mich in deinem Worte dich /
mein Schoͤnſter / heut erſehen.
Dein Geiſt beglanze meinen Geiſt:
daß ich / was Gott-gefaͤllig heiſt /
moͤg faſſen und verſtehen.
Laß mir / von dir / ſeeligs wiſſen reich zuflieſſen.
Deinen Willen /
lerne heut mein Will erfuͤllen.
5 Dein Wort / dein heiligs Wort allein /
kan meines Lebens Leuchte ſeyn:
ohn Anſtoß fort zu gehen.
Diß ſei der Feuer Seule Brand:
die zum gelobten Him̃els Land
den Weg mich mache ſehen.
Gib Schein in mein Herz-Laterne / du Lucerne /
mich regire:
daß kein Jrꝛliecht mich verfuͤhre.
6 Lehr mich ein Kind des Liechtes ſeyn.
Mein Glaub in Liebes Werken ſchein
und vor den Leuten leuchte.
Und daß die Lampe meiner Seel
hellbrennend bleib / dein Geiſtes-Oel
den ſchwachen Docht befeuchte. Heute14Morgen-Lied am Sonntag.
Heute ſtreute ſich das theuer Himmels-Feuer
auf die Deinen:
Laß es mir auch iezt erſcheinen.
7 O Sonn! ich ſtelle mich hinein /
in deinen ſchoͤnen Gnaden-Schein;
auf daß ich ſuͤß erwarme.
Mein Glaube ſoll / als Simeon /
im Tempel / dich Marien-Sohn
heut nehmen auf die Arme.
Mach mir / nach dir / heilig brennen / Himmel-rennen
die Gedanken:
Laß ſie zu der Welt nicht wanken.
8 Heut ſtiegeſt du aus deinem Grab:
Der Tod dich lebend wiedergab.
Jch lag im Tod der Suͤnden:
ach! dieſen man begrub mit dir /
Erloͤſer! moͤchteſt du an mir
ein neues Leben finden!
Geh du / JEſu meine Kerze / in diß Herze /
als zu Grabe:
Dañ leb ich / wañ ich dich habe.
9 Zween Juͤngern macht im Herzen heiß /
die heut gethan die Sabbath-Reis /
dein Reden und Geleite.
Kom / Feur / geſelle dich zu mir.
Hoͤr ich dein Wort / ich bin bei dir.
Mach mich auch brennen heute.
Bis ich endlich werd / in Wonne / wie die Sonne /
leuchten droben:
Da will ich dich ewig loben.
4 Be -15Die Sabbath-Feyer.

* 4* Betrachtung der Sabbath - Feyer.

HEut / an dieſem Tag des HErꝛn / iſt noͤtig / daß wir von uns aus - und in Gott ein-gehen / von dem wir urſpruͤnglich ausgegangen. Wer ſind wir? Weſſen und von wan - nen ſind wir? Wir ſind von Himmel / und ſtreben gen Himmel: der iſt unſerer Seelen Geburt Stadt / unſer Vatterland. Wir ſind Gottes / ſein Geſchoͤpfe / ſein E - benbild / ſeine erloͤßte Kinder / ſeine gehei - ligte Knechte. Wir ſind Buͤrger des him - liſchen Jeruſalems / eingeſchrieben in das Stadt Buch Gottes. Wir ſind Pilger auf Erden / und das Ende unſerer Wan - derſchaft iſt der Himmel.

2. Was iſt inzwiſchen unſer Amt und Beruff? Worzu dinget / ein Herꝛ / ihm Knechte? freilich / daß er von ihnen ge - ehrt und bedient werde. Ach! wir elen - de Menſchen! wie weit hat uns / des Sa - tans Verfuͤhrung / der blinde Wahn / und die toͤrichte Gewonheit / von unſerem Ur - ſprung abgefuͤhret! Wir vermeinen / wir ſeyen darum erſchaffen / daß wir Guͤterund16Betrachtungund Reichtum ſamlen; daß wir / nach dieſes Lebens eitler Ehre und ſchnoͤden Wolluͤſten / ſtreben; daß wir unſer Ge - daͤchtnis mit eitlem Wiſſen anfuͤllen. Diß iſt / in der Jugend unſere Hoffnung / und im Alter unſere Arbeit. Und wer iſt ſo redſeelig / daß er uns dieſe Torheit aus dem Siñ rede?

3 Wir ſind / Gott zu ehren und ihm zu dienen / erſchaffen. Koͤnnen wir nicht / wie wir billig ſolten / das ganze Leben / ſo ſollen wir doch / wie wir wol koͤnnen / ein Theil deſſelben / dieſer Schuldigkeit wid - men. Jſt es nicht die ganze Woche: ſo ſei es doch ein Tag in der Woche. Wir ſollen ja von der Zeit / die uns Gott gibet / ihm etwas wiedergeben. Wir muͤßen / von unſern Wochen Tagen / auch der Seele und unſrer Seeligkeit einen zueignen. Wañ wir Sechs Tage arbeiten / und den Siebenden mit irdiſchen und ſuͤndlichen Beluſtigungen verbringen: was bleibt uns dañ zur Be - ehrung Gottes und zur Seel-Sorge uͤbrig? Wañ diß Gute am Sonntag nicht geſchihet / ſo bleibt es / das ganze Jahr durch / ungeſchehen.

4 Unſre Wochen-Arbeit / und die ge - woͤnliche Sonntags-Ergetzungen / dienen nur zu des Leibes Notturft und Beluͤſten. Nun17der Sabbath-Feyer. Nun haben wir / nicht nur den Leib / ſon - dern auch eine Seele. Jener iſt von der Erde. Dieſe aber iſt von Himmel / ein O - dem Gottes / und ſoviel edler / als der Leib / ſoviel baͤßer der Himmel als die Erde iſt. Sie ſollen auch nicht auf Erden bleiben / ſondern in den Himmel / in die ewige See - ligkeit / verſetzet werden.

5 So iſt es ja billig / daß ein Menſch / wo nicht alle Tage / (welches / wegen der Beruffs-Geſchaͤfte und Wochen-Arbeit / nicht recht geſchehen kan) doch wenigſt ei - nen Tag in der Woche / ſich mit den Ge - danken dahin ſchwinge / wo er ausgegan - gen / wohin er wiederkehren und wo er ewig lebenſol. So iſt es ja unbillig / wañ er immer nur / des unedlern Theils / des Lei - bes pfleget / und niemals / oder gar ſelten / fuͤr ſeine Seele ſorget. Jeſus muß ja auch einen Tag haben / da er ſeine Braut-See - le beſuche. Denket doch ein Wanders - man immer an ſein Heimat / dahin er reiſet.

6 Gott wuſte / unſere irdiſche Traͤg - heit und eitele Muͤhſeligkeit. Darum ver - ordnete er wochentlich einen Tag / da wir alles Jrdiſches beiſeit legen / den Leib ru - hen laſſen / mit der Seele aber uns zu Gott und gen Himmel ſchwingen ſollen. DaBſoll18Betrachtungſoll auch die Seele ruhen / die Wochen-uͤber dem Leib zur Arbeit dienen muß. Er ru - hete / am erſten Sabbath / in dem Men - ſchen / als ſeinem lezten und baͤſten Ge - ſchoͤpfe. Diß thut er noch immer / und will am Soñtag in uns ruhen. Er will auch / daß wir hin wieder / an dieſem Tag / in ihm ruhen ſollen.

7 Dieſe Seelen-Ruh und Gottes - Anſprache / iſt ein Engel-Thun. Jm Him - mel haͤlt man einen Sabbath nach dem an - dern / ja einen unaufhoͤrlichen Sabbath / und lobet GOtt ohn unterlaß. Solten wir nun / die ſiebentaͤgige Woche uͤber / nicht einen einigen Tag thun / was die En - gel im Him̃el immer thun? Wem hieꝛeckelt / zuweilen ein Engel im Fleiſch zu ſeyn: der wird nicht / im Him̃el / den Engeln gleich werden.

8 Es iſt auch / der Wochen Sabbath auf Erden / ein Fuͤrbild des ewigen Sab - baths im Himmel. Wer jenen verachtet oder verunachtſamet / der wird zu dieſem nicht gelangen. Und was iſt auch von ſolchen Seelen zu halten / die nur des Lei - bes Salven ſind / und keine luſt haben / mit Gott umzugehen? Sie muͤßen ja ganz ihres Urſprungs vergeſſen haben. Dañ / wer an Gott und den Himmel denket / undweiß /19der Sabbath-Fever. weiß / was Gott und Himmel iſt / der wuͤn - ſchet ſich ja dahin / und gehet gern mit Gott um / bei dem er ewig zu leben gedenket.

9 Solte es wol vieler Beweisgruͤnde bedoͤrfen / uns zu bereden und glauben zu machen / daß wir / Gott einen Tag von der Woche zu geben / ſchuldig ſeyen? Erfor - dert denn ſolches nicht die Dankbarkeit? Juden und Tuͤrken erkennen ſolches / und ehren Gott mit eifriger Feyer eines Wo - chen Tages. Warum ſolten wir nicht Gott einen Tag in der Woche dienen / da uns die ganze Woche ſeine Geſchoͤpfe dienen? Da er uns ſieben Tage nehret / ſchirmet und beiſtehet: ſolten wir nicht einen Tag dazu nehmen / ihm dafuͤr zu danken? Und da wir / die Woche uͤber / dieſes Segens / Schutz - und Beiſtandes ferner vonnoͤten haben: ſolten wir nicht / am erſten Tag / ihn darum anruffen?

10 Uberdas hat er ja uns / da wir nichts waren / zu Etwas gemacht. Er hat uns ſo theur erloͤſt / da wir verlohren wa - ren. Er hat uns / zu Erben des Himmels / erneuret und geheiligt / und uns die ewige Seeligkeit verſprochen. Jn ihm leben / weben und ſind wir. (z)Ap. 17. v. 28,Solten wir nun nicht freiwillig / zu ſeinem Ehrendienſt /B ijwoͤchent -20Betrachtungwoͤchentlich einen Tag heiligen? Nun er uͤberdas ſolches befohlen hat: ſolten wir ſo undankbar ſeyn / und ihme den ſchuldi - gen Gehorſam verſagen.

11 Wañ ein Koͤnig einen armen Bau - ern auf ſeinen Mairhof ſezte / ihn daſelbſt mit aller Notturft verſorgte / und ihn ein - mal nach Hof zu nehmen verſpraͤche; mit erbietung / daß er / aus ſonderbarer Gnad - huld / ihn woͤchentlich einmal beſuchen und einige Gaben mitbringen wolte: weswe - gen er ſelbigen Tag alle Arbeit hinweg le - gen / ihm allein aufwarten / und das Haus rein halten ſolte. Jch bitte euch / was wuͤr - det ihr von dieſem Bauern halten / wañ er / ſolchen Befehl verunachtſamend / an ſelbi - gem Tag allerlei Arbeit vornaͤhme / ſich nicht daheim antreffen ließe / mit dem Nachbar-geſindel uͤppigkeit triebe / und die Schweine im Haus herum laufen ließe? Wañ er hierdurch des Koͤnigs Gnadhuld verſcherzte / daß er nicht allein von dem Mairhof verſtoſſen wuͤrde / ſondern auch nimmermehr vor des Koͤnigs Augen kom - men doͤrfte? Jhr wuͤrdet warlich ſagen / es habe nie kein groͤßerer Narꝛ / als die - ſer Bauer / auf Erden gelebet.

12 Ach! ſolcher großen Narren wer - det ihr eine große Anzahl finden: die / desKoͤ -21der Sabbath-Feyer. Koͤnigs aller Koͤnige Gnade zu verſcher - zen / aus dem Tag des HERRN einen Narren - oder Narretei-Tag / einen Teu - fels-Feſttag / aus dem Sonntag einen Suͤnd Tag und Sau-Tag machen. Jhr werdet finden / die an ſolchem Tag den Madenſack / den Leib / ſchmuͤcken / und die Seele nacket gehen laſſen. Dieſe werden es fuͤr eine Langweil halten / mit GOTT zu reden / und ihn zu preiſen: welches ihm doch / wie er ſaget / ein luſtiger Sabbath heißen wuͤrde. Sie werden hingegen / wi - der Gottes verbot daſelbſt / ihre eigene We - ge gehen / und thun / was ihnen nur gefaͤllet. (a)Eſ. 58. v, 13.Sie werden zwar den Tag feiren / aber nicht heiligen / ſondern mit ungoͤttlichem Neben-thun entheiligen. Ja / ſie wer - den wol gar / an dieſem Tag / ihre irdiſche Wochen-Arbeit verrichten / und alſo / wi - der Gottes Gebot / Sieben Werk Tage aus Sechſen machen.

13 Man ſihet ja leider! wie alle Boß - heit auf den Sonntag geſparet wird; wie man ingemein / die ganze Woche / nie mehr Suͤnden / als am dieſem Tag / bege - het. GOtt wird nie mehrers erzuͤrnet / als an ſeinen Tag / da er von uns wil ge - ehret ſeyn. Ach! die Teufel ſehen zu / ſpot -B iijten22Betrachtungten unſrer Feirtaͤge / und lachen in diefauft / daß wir ihnen ſo gehorſam und GOtt un - gehorſam ſind. Sie erfreuen ſich / daß ſie Gottes heilſam-heiligen fuͤrſatz ſo fern umgekehret / und der Menſch / den Gott am Sonntag zu ſich und gen Himmel zie - hen wil / von ihnen ſich auf den Weg ver - ſuͤhren laͤßt / der zur Hoͤlle ſtuͤrzet.

14 Gott hat befohlen / daß am Sab - bath auch das Vieh nicht arbeiten ſol: weil Leute dabei ſeyn muͤſſen / die es regiren / und dadurch an der Seelen-Ruhe ver - hintert werden. Aber bei den Reichſten / die doch / Gott zu danken und zu preiſen / am meiſten urſach haben / iſt oftmals das Vieh nie arbeitſeliger / als am Sonntag: da dann zuweilen Vieh / vom Vieh / zur Vieh - weide gefuͤhret wird. Alſo muͤßen die ar - me Creaturen / zur Uppigkeit / zur Sonn - tags-entheiligung / zu ihres Schoͤpfers Er - zuͤrnung / froͤnen.

15 Und / iſt es nicht erſchrecklich zu hoͤ - ren? da wir Gott / am Sonntag / die Suͤn - den voriger Woche abbitten und Soͤhn - tag halten ſolten: da haͤufen wir / an die - ſem Tag / Suͤnde mit Suͤnde / verbringen denſelben mit Aufputz des Leibes / mit Gefraͤß und Fuͤllerei / mit uͤppiger Geſell - ſchaft und leichtfertigen Danzen / mit ge -winn -23der Sabbath-Feyer. winnſuͤchtigem Spielen und andeꝛer Kurz - weil / mit Ubelreden vom Naͤchſten und aͤrgerlichen Schandworten / mit laͤſterli - chem Fluchen / mit Unzucht und boͤſen Luͤ - ſten / mit unchriſtlichem Zanken / Raufen und Balgen.

16 GOtt arbeitete einmal ſechs Ta - ge / in der allererſten Woche / am Werk der Erſchaffung / und ruhete am ſiebenden Tag / heiligte und ſegnete denſelben. Er gebote auch ſeinem Volk / alle Wochen Sechs Tage zu arbeiten / und am Sieben - den Tag zu ruhen. Gedenke des Sabbath - Tags /(b)1. Moſ. 20. v. 8. rieffe ſeine Donnerſtimme / daß du ihn heiligeſt! Sechs Tage ſolſt du arbeiten / und alle deine Dinge beſchicken. Aber am Siebenden Tag / iſt der Sabbath des HErꝛn deines GOttes: da ſolſt du kein Werk thun / noch die deinen / noch dein Vieh / dann in Sechs Tagen hat der HErꝛ Himmel und Erde ge - macht / und ruhete am Siebenden Tag. Dar - um ſegnete er den Sabbath-Tag / und heilig - te ihn.

17 GOtt arbeitet noch immer wo - chentlich Sechs Tage / mit den Arbeiten - den / durch ſeine allgegenwaͤrtige Regi - rung: und am Siebenden Tag will Er noch immer ruhen in und mit uns / und fuͤrB iiijſeine24Betrachtungſeine woͤchentliche Arbeit-Huͤlfe geprieſen ſeyn. So ſuͤndiget dann derjenige / der Sieben Tage arbeitet: weil er wider GOttes ausdruͤckliches Gebot handlet. Dieſes Gebot / iſt eines von den zehen ewi - gen Geboten / die vom Berg Sinai aus - geruffen / und auf zwo Stein-Tafeln ge - ſchrieben worden. Der befohlen hat / Du ſolſt nicht toͤden / ehebrechen / ſtehlen! der hat auch befohlen / Heilige meinen Sabbath.

18 Es iſt laͤcherlich / daß Leute ſind / die da maͤinen / ſie wollen ihre Haabe ver - mehren / wann ſie auch am Sonntag ar - beiten. Jſt eben ſo viel / als wann ſie auch gedaͤchten: ich will morden / huren und rauben / auf daß ich froͤmmer werde. Was hilft euch eure Arbeit / wann ſie GOtt nicht ſegnet? Wie ſoll aber GOtt eure Arbeit ſegnen / wann ihr an einem Tag / da er ſolches verboten / arbeitet / und damit ihn erzuͤrnet? wie koͤnt ihr Gnade hoffen in einem Thun / womit ihr mut - willig Straffe verdienet?

19 Die am Siebenden Tag hingien - gen / Manna zu ſamlen / die fanden nichts. (c)2. Moſ. 16. v. 27.Merket dieſes! alſo ſoll es euch auch ergehen: nichtes ſollet ihr finden / wannihr25der Sabbath-Feyer. ihr am Sonntag Nahrung / oder durch Nachſehung der Saufgelage / Einkom̃en ſuchet / und GOtt nichts von der Zeit ge - ben und goͤnnen wollet. Und ob ihr ſchon et was auf ſolche weiſe gewinnet / ſoll es doch wie der Schnee zerrinnen und zu nichtswerden. Daß aber / unter dieſem verbotenen Arbeiten / die Noht - und Lie - bes Werke nicht verſtanden werden / kan die geſunde Chriſt-Vernunft / ohne diſputi - ren / leichtlich ermeſſen.

20 Andere / die ohndas lieber feiren / als arbeiten / halten fuͤr genug / wann ſie eine Predigt (ohne Nutzen) gehoͤret / und das gemeine Gebet (ohne Andacht) mit - geſprochen. Nach dieſem begeben ſie ſich auf eitle Ergetzlichkeiten / und ent - ſchuldigen ſich damit: weil ſie Wochen - uͤber viel Muͤhe und Arbeit gehabt / ſo muͤßen ſie am Sonntag / zu erholung der Kraͤfte / eine Beluſtigung ſuchen. Aber wie gar ſehr irren ſolche Leute! GOtt hat nicht geſagt / Feiret mir etliche Stundẽ des Sabbaths! ſondern ſein Gebot iſt: Ge - denke des Sabbaths / daß du ihn / den ganzen Sabbath / heiligeſt. Er gebrau - chet hierbei das Wort / Gedenke: wel - ches er ſonſt bei keinem ſeiner Gebote ge - than hat.

B v21 GOtt26Betrachtung

21 GOtt hat auch nicht befohlen / daß wir am Sabbath allein feiren und kurz - weilen ſollen. Dann / jenes gehoͤret nur den Pferden / Ochſen / Eſeln und anderen Laſt-Thieren: dieſes aber iſt noch ver - wer flicher / als die Arbeit / weil viel Eitel - keit und Suͤnde daran klebet. Man muß nicht allein feiren / ſondern auch die Feyer heiligen. Der aber heiliget den Sabbath / der ihn mit heiligen Sachen zu bringet: der - gleichen ſind nicht / die eitele Eꝛgetzlichkeitẽ.

22 Man geſtehet und goͤnnet euch gern / daß ihr / nach der Arbeit / ausruhet und euch ergetzet. Aber wann ihr leibli - che Ergetzung ſuchet / ſo nehmet nicht dar - zu den Tag / der zur geiſtlichen Seel-Er - getzung gewidmet iſt. Nehmet einen von euern Sechs Werk-Tagen / und laſſet GOtte ſeinen Tag: in betrachtung / daß auch ihr von eurem Geſinde euch keinen Tag nehmen laſſet / den ſie verfeiren und verſchlendern wolten / da ſie arbeiten oder euch aufwarten ſolten.

23 Jhr moͤget ja / wie vorzeiten die fromme Juden / nach dem Gottes-Dienſte zuſammen kommen und ein maͤßiges Abendmal halten: doch / daß ihr dabei von GOttes Wort und Seel-erbaulichen Sachen redet. Jhr moͤget auch / wie diezween27der Sabbath-Feyer. zween Juͤnger / auf das Feld oder in die Gaͤrten luſtwandelen: aber JEſus muß auch eurer Geſpraͤche innhalt und euer Ge - faͤrte ſeyn / und ihr ſollet GOtt in Betrach - tung ſeiner Geſchoͤpfe ehren. Jhr moͤget auch eine geiſtliche Muſik halten oder an - hoͤren: dabei aber euch der himliſchen En - gel-Capelle erinnern.

24 Man moͤchte wol unſern Maul - Chriſten und Sabbath-Schaͤndern / wie Nehemia ſeinen Juden / zuruffen:(d)Neh. 13. v. 17. Was iſt das boͤſe Ding / das ihr thut und bre - chet den Sabbath? thaͤten nicht unſere Vaͤtter auch alſo / und unſer GOtt fuͤhrte alles diß Un - gluͤck uͤber uns: daß naͤmlich unſer Jeruſa - lem und Tempel zerſtoͤret worden / und wir 70 Jahre gefangen geſeſſen. Jhr ma - chet / des Zorns uͤber Jſrael / noch mehr. Es ergienge ja den Juden / wie ob-er - wehntem Bauern: weil ſie ihren himli - ſchen Seelen-Koͤnig am Sabbath nicht bewirten wolten / hat ſie das Land / daß er ihnen eingegeben / ausſpeyen muͤßen.

25 Jch vermeine ja / es habe auch uns / in erlittenen Kriegsjahren / eingetroffen: daß die Kirchen in der Aſche / Staͤdte und Doͤrfer oͤde und wuͤſt gelegen. Man ſtel - let dieſes boͤſe Ding nit ab / gleichwie dieJu -28BetrachtungJuden nach ihrer Gefaͤngnis. Jſt dem - nach zu beſorgen / GOtt werde einen Ne - bucadnezar / Veſpaſian oder Mahumed / wie uͤber die Juden und Griechen ſenden / der mit uns auch / wie mit ihnen / den Ga - raus mache.

26 GOtt ſtraffet auch taͤglich / daß die / ſo ſeinen Sabbath nicht feiren wollen / endlich mit den Zaͤhnen feiren muͤßen. Manche doͤrfen / in Tuͤrckiſche Dienſtbar - keit hinweggefuͤhret / oder ſonſt des Hun - gers ſich zu erwehren / gar nicht feiren / und werden haͤrtiglich zu arbeiten gezwungen. Man ſchaͤndet dem Sonntag / mit Freſſen und Sauffen: iſts dan Wunder / wan GOtt deswegen mit Duͤrre / Naͤſſe / Ha - gel / Mißwachs / eiſernen Gaͤſten / Theu - rung und Mangel ſtraffet / auch etwan gar die Feyertaͤge zu erſchrecklichen Feuer - taͤgen machet? Nun / wer boͤſe iſt / der ſei immerhin boͤſe: er wird es ewiglich / aber allzu ſpat / bereuen.

27 Suchet man Freude und Ergetz - lichkeit / am Sonntag: ach! was groͤßere Freude kan ſeyn / als mit David ſich zu GOtt halten?(e)Pſ. 73. v. 28. als mit dem himliſchen Seelen - Braͤutigum ſich ergetzen? als an den Him - mel und unſere kuͤnftige Seeligkeit geden -ken? 29der Sabbath-Feyer. ken? Ein Kind greiffet etwan nach ei - nem Apfel / und achtet nicht das Goldſtuͤck / das ihm der Vatter zeiget: mit dem es doch viel tauſend Aepfel erkauffen koͤnte. Laſſet uns doch nicht ſo naͤrriſche Kinder ſeyn! Laßt uns / mit Maria / das baͤſte Theil erweh - len / und heut zu Jeſu Fuͤßen ſitzen. GOtt und Genug! wer den ergreiffet / der hat alles ergriffen. Und muͤßet ihr nicht hin - gegen / nach der eingenom̃enen Ergetzung / bekennen / daß es Narretei und Eitelkeit geweſen?

28 Suchet man / am Sonntag / ſeine Nahrung zu baͤßern: man thue ſolches / durch ein eifriges Gebet um den Goͤttlichen Wochen-Segen. Man gehe / dieſen Tag / zum Brunne aller Guͤter / und drehe mit der glaubigen Andacht Hand / die Roͤhre auf: ach! das Waſſer des Segens / wird alsdan die ganze Woche fließen. GOtt gibt ſeinen Freunden / auch wann ſie ſchlaf - fen:(f)Pſ. 127. v. 3. gleichwie / auch bei Nacht ein Roͤhrbrunn ſpringet / und ein Waſſer - Rad das Waſſer in die Wieſen ſchoͤpfet / dieſelbe Gras - und Kraͤuter-reich zu ma - chen. Dieſer Brunn wird euren Herz - Garten / mit dem Lebenswaſſer ſeines Worts / befeuchten / und Tugend-frucht -bar30Betrachtung.

[figure]

31der Sabbath-Feyer. bar machen / auch die Feuerflut ſeines H. Geiſtes uͤber euch ausgießen.

29 GOtt hat / an dieſem Tag / das Liecht erſchaffen / wodurch alle Augen ſe - hend werden. Wir elende Menſchen ſind / durch die leidige Erbſuͤnde / an der Seele erblindet / wandern auf Erden im ſinſteꝛn Thal / und wiſſen nicht / wo wir in unſerm Chriſtentum und Beruff hingehen ſollen. Was werden dan wir blinde Leute Wo - chen-uͤber gutes verrichten / wan wir nicht nach einem Liecht trachten / das uns leuch - te? Dieſes Liecht iſt der Sohn GOttes / und ſein H. Geiſt: und dieſes finden wir in der Leuchte ſeines Worts. Nach die - ſen Liecht laſſet uns / an dieſem Tag / ſehen und ſeufzen.

30 Gleichwie die Sonne / den andern ſechs Planeten das Liecht gibet: alſo heiligt und verhellet der Sonntag / wann er recht geheiligt wird / die andere ſechs Wochen - Tage.

Einer erleuchtet ſie alle.

GOtt hat den Sabbath geheiligt und ge - ſegnet: auf die Heiligung / folget der Se - gen / auf den Glanz die Waͤrme. Werden wir an dieſem Tag heilig leben / ſo werden wir Wochen-uͤber des Segens genießen /den32Betrachtungden GOtt daruͤber geſprochen. Und ha - ben wir die Sonne / ſo doͤrffen wir nicht um Liecht ſorgen.

31 Ach ja! Eines / dieſes iſt noͤtig /(g)Luc. 10. v. 41. Alle unſre irdiſche Arbeit und Ergetzung / iſt eitel und nichtes / und dienet allein dem Leibe / dem Erdklumpen. Die Verrichtun - gen der Wochen-Tage ſind ſechs Nulla oder nichts bedeutende Zahlen.

000000

Sollen ſie vor GOtt etwas gelten und uns erſprießlich ſeyn / ſo muß man Eins / die andaͤchtige Sonntags-Feyer / voran ſetzen: alsdann wird eine große Zahl

1000000

daraus werden / die uns mit vielen Segen uͤberſchuͤtte.

32 GOtt hat / an dieſem Tag / das Licht erſchaffen. JEſus CHriſtus / das Liecht der Welt / iſt an dieſen Morgen / wie die Sonne / aus und von der Erde wieder auf - und hervorgeſtiegen; und der Heil. Geiſt / der Glanz GOttes / hat an dieſem Tag die Apoſtel erleuchtet. Dieſe drei H. Werke / die Erſchaffung / Erloͤſung und Erleuchtung / ſind ja Beweiſes genug / daß man dieſen Tag heiligen ſoll. Es hat aber unſer Heiland JEſus CHriſtus / de -me33der Sabbath-Feyer. me der himliſche Vatter alle dinge uͤber - geben hat /(h)Matth. 11. v. 27. c. 28. v. 18. alſo daß er auch ein HErꝛ des Sabbaths iſt / den alten Juden-Sabbath mit ſeiner Ruhe im Grab (von ſeiner Erloͤſung Arbeit / gleichwie GOtt im An - fang der Welt von der Schoͤpfung Ar - beit / ausruhend) beſchloſſen und gleich - ſam begraben / und hingegen den neuen Chriſten-Sabbath / durch ſeine Auferſte - hung am Sonntag / angefangen und ein - gefuͤhret.

33 Das Werk der Erſchaffung / hat GOtt nur ein - und anderes Wort: aber das Werk der Erloͤſung hat ihn ſeinen Sohn / das Ewige Wort / gekoſtet. Weil nun dieſes letzere / naͤmlich der Welt Neu - erſchaffung / Widergeburt und Wider - bringung oder Erloͤſung / ein weit-groͤſ - ſers Werk iſt / als das erſtere: als hat man billig in der erſten Chriſt-Kirche / die Heiligung eines Wochen-Tags von dem lezten auf den Erſten verleget. Es iſt auch unſer Erloͤſer / zu deſſen beſtaͤti - gung / ſeinen Juͤngern zweimal und zwei - felsfrei oͤfter / an dieſem Tag erſchienen: wie er dañ / als geſagt / an ſelbigem auch ſeinem Heiligen Geiſt ausgegoſſen. Da - her ſie ihn den Tag des HERRN genen -Cnet /34Betrachtung der Sabb. Feyer. net / an ſelbigem gepredigt / das Heilige Nachtmal gehalten / und Almoſen ge - ſamlet.

34 Zur Zeit des Alten Bundes / hat - te der Sabbath-Tag das Recht der Erſt - geburt: weswegen er auch das Mor - gen - und Abendopfer zweifach empfan - gen. Wer darf ſich dañ erkuͤhnen / den Sabbath ganz aufzuheben / und GOtt nicht einen von den Sieben Tagen wie - der zu geben? Weil man nun woͤchentlich GOtt einen Tag geben ſoll / und die Kir - che / um angefuͤhrter Urſachen willen / die Sonntags-Feyer eingefuͤhret: ſo iſt ja billiger / daß ein jeder Chriſt mit der Kir - che dieſen Tag feire / als daß er ihm ſelbſt einen Tag hierzu er - wehle.

II Der35Gottes Heiligtum.

* II * Der Tempel iſt Gottes Haus und Hof Palaſt.

Darum * I * Behe zur Kirchen mit Reve - renz und Andacht.

DER Ort / wo die Gottes - Gemeine zum Gottesdienſt ſich verſamlet / iſt gleichſam der Himmel auf Erden. Dañ wo GOtt wohnet / da iſt der Himmel. Jn der Hun - gariſchen Sprache / heißet auch der Tem - pel / ein Haus des Himmels oder Himmel - Haus. [i]Egy haz, von ég Cœlum und haz Domus. Daher wird dieſer Ort / in H. Schrift hin und wieder genennet Gottes Haus / das Haus des HErꝛn / (mit wel - chem unſer Teutſches Wort Kirch[k]ex Gr. κυριακὴ ὀικία Domus Dominica. uͤbereinkommt) die Wohnung Gottes / undC ijvon36Der Tempel-Gottesvon dem Propheten der Thron der Herꝛ - lichkeit Gottes[l]Jer. 14. v. 21. genennet.

2 Zwar der Unendliche / laͤßt ſich nicht in ein Haus einſchließen. Er hat aber doch / durch Moſe / dem Volk Jſrael verſprochen: An welchem Ort ich meines Namens Ge - daͤchtnis ſtiften werde / da will ich zu dir kommen und dich ſegnen. [m]1. Moſ. 20. v. 24.Er hat auch nachmals diß Verſprechen gehalten: maſ - ſen er nicht allein die Stiſtshuͤtte /[n]c. 40. v. 34. ſon - dern auch den von Koͤnig Salomo erbau - ten Tempel / mit ſeiner Herꝛlichkeit erfuͤl - let / daſelbſt gewohnet / auch denen / die ihn alda anruffen wuͤrden / Erhoͤrung zuge - ſagt. [o]1 Koͤn. 8. v. 10. c. 9. v. 3.Er iſt auch / an dieſem Orte / dem Propheten Eſaia / in ſeiner Herꝛlichkeit erſchienen. [p]Eſa. 6. v. 1.

3 Ein irdiſcher groſſer Herꝛ / hat in al - len ſeinen Staͤdten einen Palaſt: alda er zu zeiten einkehret und Hof-haͤlt. So ein Palaſt Gottes / iſt der Tempel oder das Haus des HErꝛn / da kommet GOtt zu uns / und wir zu ihme.

4 Da iſt die Gerichtſtube / der Beicht - ſtul: da wir / weil wir GOtt taͤglich be - leidigen / durch ſeinen Sohn die Verſoͤh - nung ſuchen / und ſolche auch erlangen.

5 Da37Haus und Hof Palaſt.

5 Da heiligen wir den Namen Got - tes / durch Widerholung unſrer Glaubens - bekentnis / durch Lob und Dankſagung: gleichwie man / einen ankommenden Fuͤr - ſten / mit Lobſchriften bewillkommet und verehret.

6 Da iſt die Canzley Gottes / die Tan - zel: von der laͤßt Gott ſeine Mandat und Gebote ausruffen und vorleſen; da redet er zu uns / was ſein Wille und unſere Chriſt - pflicht ſey.

7 Da werden wir dañ / von dem in der naͤhe ſtehenden Tauf Stein / als gleichſam dem himliſchen Archiv -[q]Durch den Tauf Bund / werden wir in das himliſche Burger Buch eingeſchrieben. oder Briefe - Schrein / unſres Taufbund-Briefes erin - nert: weswegen wir unſer Taufgeluͤbde zu Gott wiederholen / und verſprechen / daß wir den Goͤttlichen Willen zu erfuͤllen uns befleißigen wollen.

8 Da iſt die Verhoͤr - oder Audienz - Stube Gottes / da werden wir vorgelaſ - ſen / ihm unſere Bitten oder Suppliken zu uͤbergeben und unſer Anligen vorzu - tragen.

9. Da iſt auch / im Tempel Chor / der Tafel Saal / und der hohe Gottes Tiſch: da werden wir / im H. Abendmal / zur TafelC iijgezo -38Der Tempel / Gottes

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39Haus und Hof Palaſt. gezogen / und mit uͤberhimliſcher Hof-Koſt bewirtet.

10 Da gehen wir dañ / durch den Glau - ben / in die Schatz - und Ruͤſt Kammer Gottes: daraus wir dan nehmen und em - pfahen / warum wir bitten / Gaben fuͤr die Seele und zur leiblichen Notdurft / auch Waffen wider die Feinde.

11 Da wird uns endlich / der Tempel / auch zum Geiſtlichen Luſtgarten: da wir / durch die Predig Goͤttliches Worts / in das bevorſtehende uns-verſprochene Paradeis einen Blick zu thun / geleitet werden.

* 2 * Der Tempel Gottes / ein Morijah.

12

DER erſte Ort auf Erden / au - ſer dem Paradeis / da Adam / Noah / Sem und andere Erz - vaͤtter / Gottesdienſt gehalten / ſol geweſen ſeyn der Berg Mo - rijah zu Jeruſalem. Es hat auch endlich Salomo den Tempel Gottes darauf ge - bauet. Es ſcheinet / dieſer Berg habe eben hiervon dieſen Namen bekommen:C iiijdañ40Der Tempel Gottes /dañ diß Wort heißet zu Teutſch / ein Ort / da GOtt ſihet / da man GOtt ſihet und eh - ret / und da man von GOtt lehret.

13 Dieſer Ort und Name / ſamt der Geſchichte Abrahams / lehret uns / wie wir uns verhalten ſollen / wañ wir auf den Heil. Berg des HErꝛn / in das Haus Gottes / gehen wollen. Wir muͤßen mit Abra - ham / zum Eſel der irdiſchen Geſonnenheit / und zu deſſen Knechten / den Welt Sorgen und Fleiſches Gedanken ſprechen / ehe wir von Haus gehen: Bleibet ihr hier! ich will hingehen / mit dem himliſchen Jſaac / Gott dieſen ſeinen Sohn zu opfern / das iſt / ihn in JEſu Namen anzuruffen; und wañ ich angebetet habe / will ich zu euch wieder - kehren. [r]1 Moſ. 22. v. 5.

14 Jſt der Tempel Gottes ein Mori - jah / ein Ort da GOtt ſihet: ſo muͤßen wir alſo dahin gehen / wie er uns gern ſihet: ſonſt wird er uns ungnaͤdig anſehen / wan wir kommen mit Pracht-Lumpen und Klumpen um und um behangen / um von den Leuten deswegen angeſehen zu wer - den? Unſere Erz Eltern giengen nacket: die Suͤnde hat ihnen und uns Kleider an - gezogen. So ſind ſie dann ein Suͤnden - Denkmal / und erinnern GOtt der Suͤnde /wañ41ein Morijah. wañ wir uns damit ſchmuͤcken: wie kan uns dañ GOtt darum guͤtig anſehen? Sie ſind auch gemeinlich aͤuſerliche Zeichen der innerlichen Hohfart: die iſt ein Greul vor den Augen Gottes.

15 Jſt der Tempel Gottes ein Mori - jah / da man ihn ehren ſoll: ſo kan der ihme nicht wilkommen ſeyn / der / ohne einige Vorbereitſchaft / Reverenz und Ehrſurcht / in die Kirche / als wie in ein Trinkhaus / hinein lauffet und gumpet / auch in der Kirche mit den Augen und Gedanken her - umflattert. Wer ſich mit dem irdiſchen ſuͤndlichen Gedanken-kram traͤget / ſtehet in der Gefahr / daß ihn JEſus auch aus ſeinem Haus hinaus peitſche. Dann er machet daſſelbe zur Moͤrdersgrube / indem er alſo die hoͤlliſche Seel Moͤrder mitbrin - get / die ſeine Gedanken von GOTT ab - kehren.

16 Wie werden dan dieſe vor GOtt ſtehen und beſtehen / die bis zur Predig vor der Kirche ſtehen / und einander mit eitelem boßhaftigen Gewaͤſche / von Kirch - Gedanken abhalten? Oder in der Kir - che / durch unzeitiges Plaudern / ſich und andere am Gebet und Predig-hoͤren ver - hintern? Man gehet zur Kirche / daß man GOtt reden hoͤre / und hinwider mitC vGott42Das GebetGOtt rede. Wie ungnaͤdig wuͤrde es ein weltlicher Koͤnig vermerken / wañ einer ihn ſtehen und warten ließe / und inzwiſchen mit ſeinen Hof Gecken Fantaſey triebe? ja / wañ er ihn noch darzu laͤſterte und ver - lachete?

17 Unſer reden mit Gott / iſt das Be - ten. Mein Haus / oder das Haus Gottes / iſt ein Bethaus: ſagt unſer Heiland. Ach! wir haben viel mit Gott zu reden: und da - her bleibt uns keine Zeit uͤbrig in der Kir - che / mit und von der Welt zu ſchwatzen / an ſie zu denken / oder nach ihr uns umzuſe - hen. Beten / iſt das baͤſte Reden: weil es zu dem Hoͤchſt Baͤſten[s]Opt. Max. abgehet / und von ihme Segen / Troſt / Huͤlfe und Bei - ſtand erbittet. Wer lehret uns aber be - ten? Freylich derjenige / der von Gott aus - gegangen iſt / und darum am baͤſten weiß / wie er wolle angeruffen ſeyn. Laßet uns ihn / mit ſeinen Juͤngern anſprechen: Herꝛ lehre uns beten.

* 3 * Das Bebet des HErꝛn.

DAs Gebet / das dieſer Gebet Mei - ſter ſie hierauf gelehret / iſt auch das baͤſte Gebet Muſter: nach wel -chem43des HErꝛn. chem wir dann billig unſre Kirch-Andacht eintheilen / und hier / mit dem Eingang / den Anfang machen.

1 Der Sonntag iſt ein Bet Tag / ein Tag / da Gott mit uns redet / und da wir hinwieder mit GOtt reden. Wir koͤnnen aber nicht angenehmer zu Gott reden und beten / als wann wir ihn mit der Gebet - form anſprechen / die er uns ſelber durch ſeinen Sohn vorgeſprochen.

2 An dem Tag des HErꝛn / betrachten wir billig das Gebet des HErꝛn: welches wir ingemein / von den beiden Anfangs - Worten / Vatter Unſer nennen. Wir be - ten taͤglich dieſes Gebet: am Sonntag ſollen wir betrachten / was wir dariñ be - ten. Dieſes geſchihet fuͤglich / ehe wir in des HErꝛn Haus gehen: damit wir zur Gebet-Andacht uns vorher zu Haus auf - mundern / und dieſes Gebet in der Kirche mit deſtomehrerm Verſtaͤndnis ſprechen moͤgen.

3 Jm Eingang dieſes Gebets / nen - nen wir Gott unſren Vatter: weil er uns erſchaffen und in ſeinem Sohn zu Kindern und Himmels-Miterben angenommen hat. Alle Sieben Bitten dieſes Gebets / fuͤhren uns zu Gott in den Himmel.

4 Den Himmel betrachten wir / in derEr -44Das GebetErſten Bitte / als Gottes Tempel: da ſein Name / von den Engeln und Himmels Buͤr - gern / unaufhoͤrlich mit Lob / Preis und Dank geheiligt wird. Demnach bitten wir / daß der auch alſo von uns auf Erden / durch Gott-ehren / recht-glauben und recht leben / geheiliget werde.

5 Aus dem ſo genannten Tempel fuͤh - ret uns die zwette Bitte gleichſam zur Re - ſidenz und Hof Stadt Gottes / da Er in ſei - nen Reich der Herꝛlichkeit wohnet und thronet. Da bitten wir nun / daß ſein Geiſtliches Reich und ſein Geiſt zu uns / und wir aus der Welt / als dem Reich des Sa - tans / zu ihme in ſein Reich kommen / auch daß dieſes ſein Reich mit vielen Buͤrgern moͤge angefuͤllet werden.

6 Mit der dritten Bitte / wandlen wir in die Canzley Gottes. Daſelbſt ſehen wir wie die Engel immer den Willen Gottes thun / und lernen / was auch Gott von uns fordere. Demnach bitten wir / daß Got - tes Wille / gleichwie er immer im Himmel ge - ſchihet / alſo auch auf Erden geſchehen / und dem Satan / als dem Widerſacher Gottes / geſteuret / auch unſer boͤſer freyer Wille gezaͤumet und gezaͤhmet werden moͤge.

7 Aus der Canzley ſpaziren wir fuͤr - ter / mit der Vierten Bitte / in die Schatz -Kam -45des HErꝛn. Kammer Gottes. Daſelbſt erſehen wir wie reich unſer himliſcher Vatter ſei / und was Schaͤtze wir einmal zu erben haben. Jndeſſen bitten wir um unſer taͤglichs Brod / was wir heute / zum leiblichen Unterhalt / und zur Wegzehrung in dieſem irdiſchen Wanderthal / vonnoͤten haben. Hierbei ſchoͤpfen wir das gewiße Vertrauen / daß / der uns ſo ein großes dort zu ſchenken ver - ſprochen / auch dieſes kleine aus ſeiner irdi - ſchen Schatzkammer uns zu zu werfen / nicht unterlaſſen werde.

8 Die fuͤnfte Bitte erinnert uns / daß wir / als Suͤndere / der zeitlichen und ewi - gen Gaben und Guͤter Gottes unwuͤrdig ſeyen / und fuͤhret uns deswegen in die Ge - richt-Stube Gottes. Da bitten wir aber den himliſchen Vatter / um Gnade und Vergebung unſrer Schulden: und hoffen ſolche / als Kinder / im Namen / auch durch das Verdienſt und die Fuͤrbitte / JEſu Chriſti. Wir verſprechen hierbei / daß wir auch unſeren Naͤchſten / als Mitbruͤdern / aus Liebe ihre Schulden vergeben wollen.

9 Damit wir aber fuͤrter uns vor Suͤnden huͤten moͤgen / ſo ſendet uns die Sechſte Bitte in das Zeughaus Gottes. Da - ſelbſt bitten wir um die Geiſtliche Waffen / zum Sieg wieder die Anfechtung unſresFlei -46Das GebetFleiſches / des Satans / und ſeiner Welt. Wir bitten auch daß der himliſche Vatter dieſen unſren Feinden / uns in Verſuchung zu fuͤhren / nicht zu viel erlauben und nachſehen wolle.

10 Endlich thun wir / in der lezten Bit - te / einen Blick in das himliſche Paradeis / als den Luſtgarten Gottes / und troͤſten da - mit unſer zeitliches Leiden. Wir bitten darneben / daß unſer himliſcher Vatter / durch ſeinen Boten / einen ſeligen Tod / uns arme himmelfluͤchtige Exulanten / aus die - ſer elenden Erdwanderſchaft / zu ſich in un - ſer ewiges Vatterland bald abfordern / und alſo vom Satan und allem Ubel uns gnaͤdiglich erloͤſen wolle.

11 Jm Beſchluß bekennen wir / daß unſer himliſcher Vatter ein HErꝛ uͤber al - les ſei / und daher mit der Allmacht ſeines Reiches unſer Gebet / das ſein H. Geiſt uns ſprechen halfe / erhoͤren koͤnne. Wir be - zeugen damit unſren Glauben / daß dieſer großer Koͤnig / uns / denen er befohlen ihn an zulaufen / von ſeinem Angeſicht nicht werde betruͤbt und unbegabt hinweg ge - hen laſſen. Wir preiſen damit ſeine Herꝛ - lichkeit: welches wir dort / in der Ewig - keit / ohn unterlaß thun werden. Alſo ſprechen wir / in JEſu Namen / ein glaͤubiges Amen.

Vat -47des HErꝛn.
Vatter Unſer-Lied.
1
GOTT Vatter in dem Himmels-Thron!
Wir deine Kinder bitten /
mit Worten / die dein lieber Sohn
uns ſelber lehrt ausſchuͤtten.
Wir wiſſen auch / daß er ſie dir
mit ſeiner Fuͤrbitt traͤget fuͤr.
Uns du befihlſt zu beten.
Dein guter Geiſt uns reg ietzund:
daß auch das Herz moͤg / wie der Mund /
in Demut vor dich treten.
2 I Vor allem ſchwingt ſich unſer Geiſt
in deinen Himmels-Tempel:
da dich das Heer der Engel preiſt /
der Erde zum exempel.
Laß uns mit ihnen ſtimmen ein.
Es muͤß auch ſo geheiligt ſeyn dein großer Nam auf Erden!
Laß bei uns wohnen deine Ehr
im Leben / und in reiner Lehr:
die laß verfaͤlſcht nit werden.
3 II Dein Hof Palaſt / dein Reiches Thron /
im Himmel ſteht erhoben.
Wir Unterthanen deiner Kron / ſind mit dem Sinne droben.
Des Satans Reich tobt hier auf Erd:
das wird durch deine Macht zerſtoͤrt. Dein Reich laß zu uns kommen:
nimm uns darein zum Engel Heer. Dein48Das Gebet
Dein Geiſt / die Welt zu dir bekehr /
vermehr die Zahl der Frommen.
4 III Dort in der himliſchen Canzley /
befihlſt du deinen Willen:
den deine Engel / fromm und treu /
verehren und erfuͤllen.
Der Satan hier und ſeine Rott
aufruͤhren wider dich / ô GOtt! Dein Will geſcheh auf Erden /
von Menſchen deinen Kindern hier.
Dein Geiſt helf / daß wir immer dir /
ach! mehr-gefaͤllig werden.
5 IV Dein Schatzhaus haſt du hier auf Erd /
voll deiner Guͤt und Gaben:
das deine Knecht und Kinder nehrt.
Laß uns die Notturft haben.
Dein Reich zuvoͤrderſt ſuchen wir /
den Seelen-Schatz: dem Leib von dir
wird Taͤglichs Brod zufallen.
Du gibſt ja morgen auch / wie heut.
Ach! laß nicht / uns verſorgte Leut /
in Geitz und Sorgen wallen.
6 V Wir ſind der Gaben wuͤrdig nicht:
es ſtellen uns / als Suͤnder /
viel Schulden / GOtt / vor dein Gericht.
Doch ſind wir deine Kinder.
Wir bitten deine Vatter-Lieb:
ach! unſre Suͤnden uns vergib /
um deines Sohnes willen. Dem Naͤchſten wir auch alle Schuldver -49des HErꝛn. vergeben gern / und mit Gedult
diß dein Gebot erfuͤllen.
7 VI Daß wir nicht ferner Suͤnd begehn / ſo laß unsauch / nach Waffen
dort in dein Himmels-Zeughaus gehn.
Die Feinde ja nicht ſchlaffen.
Der Satan gern verfolgt und faͤllt.
Es aͤrgert uns die arge Welt.
Das Fleiſch den Geiſt bekrieget. Verſuch durch ſie uns nicht zu ſehr.
Gib deines Geiſts und Worts Gewehr.
Gebet und Glaube ſieget.
8 VII Jn deinem Himmels-Paradeis /
dem rechten Wolluſt-Garten /
wo waͤchſet ew ge Lebens-Speis /
viel Freuden auf uns warten.
Dort wuͤnſchen wir zu kommen ein:
daß Kinder bey dem Vatter ſeyn.
Hier plagen uns die Boͤſen.
Auf Erd wir troͤſten unſre Noht:
der Tod wird nah / dein lieber Bot / vom Ubel uns erloͤſen /
9
GOtt Vatter! du haſt Reich und Macht
diß alles uns zu geben.
Nicht deines Geiſtes Bitt veracht!
durch den wir Seufzer heben.
Zum Dank / wir deine Herꝛlichkeit
dort wollen preiſen allezeit.
Es geht / in JEſu Namen /
zu dir von Herzen diß Gebet. DWer50Die himliſche
Wer durch ihn bittet / der empfaͤht.
Ja / unſer Glaub ſpricht Amen.

* 4 * Himliſche Vatter-Zu - flucht.

DJeſes von JEſu uns vorge - ſprochene Gebet / lehret uns Gott anſprechen / nicht als Herꝛn / ſon - dern als unſren Vatter. Er iſt ja der Vatter / uͤber alles das Kinder heißet im Himmel und auf Erden /(t)Eph. 3. v. 15. naͤmlich uͤber Engel und Menſchen / weil er ſie alle erſchaffen hat. Er iſt unſer Vatter und unſer Erloͤſer / von alters her iſt das ſein Name:(u)Eſa. 63. v. 15. weil er uns nicht allein er - ſchaffen ſondern auch / als wir / durch Suͤn - de / des Teufels und Todes Gefangene worden / durch ſeinen Sohn uns wieder er - loͤſet hat.

13 Er laͤßt ſich auch gerne Vatter nennen / und wird dadurch zur Vaͤtterli - chen Liebe bewogen. Dann er erinnert ſich dabei ſeines Sohns / und denket an deſſen Verdienſt: als welchen er Menſch werden laßen / auf daß wir die Gottes Kind -ſchaft51Vatter-Zufluchtſchaft empfiengen. (x)Gal. 4. v. 5.Er erſihet daraus unſren Glauben / und ſihet uns als Kin - der an: dann durch den Glauben an JEſum Chriſtum / ſind wir Gottes Kinder:(y)c. 3. v. 26. Eben dieſer Gebet-Lehrmeiſter hat auch ſonſt / wann eꝛ von ſeinen Vatteꝛ geredet / ihn oft - mals unſren himliſchen Vatter genennet. Euer himliſcher Vatter weiß / was ihr beduͤrfet: ſpricht er in ſeiner Predig von der Nah - rung Sorge. (z)Matth. 6. v. 32.Und nach ſeiner Auf - erſtehung / befihlet er der Maria: Gehe hin / und ſage meinen Bruͤdern / Jch fahre auf zu meinem Vatter und zu eurem Vat - ter. (a)Joh. 20. v. 17.

14 Ach! ein herꝛlicher Name / Got - tes Kind und Jeſu Bruder heißen! Die - ſer Ehre werden wir verſichert / durch den Geiſt GOttes: der gibt Zeugnus unſrem Geiſt / daß wir Gottes Kinder ſind; der ruffet in unſrem Herzen / Abba lieber Vatter! (b)Rom. 8. v. 15. 16. 14.Wollen wir aber Gottes Kinder heißen / ſo muͤßen wir ſeine Nachfolger ſeyn / und dem Trieb ſeines Geiſtes folgen. (c)Eph. 5. v. 1.Thut Gutes! ruffet unſer himliſcher Eh - ren Brder: auf daß ihr Kinder ſeyet eures Vatters im Himmel. (d)Matth. 5. v. 43.

D ij15 Die52Die himliſche

15 Die zwei erſte Worte dieſes unſ - res taͤglichen Gebets / machen uns das lezte Wort / Amen / mit glaͤubiger Zuverſicht ſprechen. Jſt der allmaͤchtige liebreiche Gott / unſer Vatter: welcher Menſch ſolte nicht alles Guten / des zeitlichen Unteꝛhalts / der Suͤnd Vergebung / ſeines Schutzes und Beiſtandes in allen Noͤten und Ge - ſchaͤften / und der ewigen Seeligkeit / ſich von ihm verſehen? Jſt Gott unſer Vatter er wird ein Vatterherz haben / der das Vatterherz erſchaffen hat. Er wird thun was irdiſche Vaͤtter thun: der mehr / ja al - les / thun kan. Unſer GOtt iſt im Himmel / er kan ſchaffen / was er will / der uns erſchaf - fen hat.

16 So ihr / die ihr arg ſeit / (ſagt un - ſer Heiland) koͤnnet euren Kindern gute Gaben geben: wie vielmehr wird der Vat - ter im Himmel Gutes geben / denen die ihn bit - ten. Ja er ſelbſt der himliſche Vatter / ſagt zu einer jeden glaͤubigen Seele: Biſt du nicht mein / durch meines Sohns Blut / erkaufter theurer Sohn und mein trautes Kind? Darum bricht mir mein Herz / daß ich mich deiner erbarmen muß. [e]Jer. 31. v. 20.

17 Dieſer unſer Vatter iſt im Himmel / im Reich der Allmacht / ewigen Herꝛlichkeitund53Vatter-Zuflucht. und hoͤchſten Seeligkeit. Sind wir nun Kinder / ſo ſind wir auch Erben Gottes und Miterben Chriſti. [f]Rom. 8. v. 17.Ein Kind / erbet ja des Vatters Gut; ein Sohn des Vatters Reich. Unſer Vatter / unſer Bruder / iſt und herſchet im Himmel. So gehoͤren wir dann auch hinein / und der Himmel iſt unſer. Wir ſind deßen Erb-Prinzen: darum nennet / unſer Groß Prinz / uns Kin - der des Reichs[g]Matth. 8. v. 12. naͤmlich des Reichs Got - tes. Jſt nun das groͤßere / der Himmel / unſer: ſo iſt auch unſer das kleinere / die Erde mit ihren Guͤtern / die unſer Vatter erſchaffen und uns eingeraumet hat: was kan uns dan manglen.

18 Zwar hier iſt die Welt / das Fuͤr - ſtentum des Satans: da wallen wir im Elend / als Pilger[h]Pſal 39. v. 14 und Fremdlinge / weit vom Himmel. Wir haben aber un - ſer Buͤrgerrecht im Himmel:[i]Phil. 3, v. 20. der iſt unſer Vatterland / da ſind unſre Ramen eingeſchrie - ben. [k]Joh. 14. v. 2.Jn dieſem Haus unſers Vatters / ſind viel Wohnungen. Dahin laſſet uns denken / bei dieſen Gebetworten / und unſe - rer Heimfart mit Freuden erwarten. Weil aber niemand gen Himmel faͤhret / als der von Himmel herab gekommen /[l]Joh. 3. v. 27.D iijnaͤm -54Die himliſchenaͤmlich JEſus Chriſtus: ſo muͤßen wir uns an ihn halten / wañ wir hineinkommen wollen. Allein durch dieſen Sohn / kommen wir zum himliſchen Vatter. [m]c. 14 v. 6.

19 Wer nun dieſen Vatter und ſein himliſches Vatterland liebet / und dahin zu kommen verlanget / wer auch im Tempel erhoͤrlich beten will / der ſoll ihn allemal / gleich im Eintritt / am Sonntag und ſonſt / oder zu Haus / ehe er zur Kirche gehet / durch das Verdienſt und im Namen ſeines Sohns / mit dieſen und dergleichen Wor - ten anſprechen.

VAtter!
(*)Kan geſungen werden nach der Weiſe: Steh doch See - le ſteh doch ſtille.
(*) alſo darf dich nennen
unſre Bitt / in deinem Sohn.
O GOtt / den wir guͤtig kennen
durch ihn / als den Gnaden-Thron.
Laß dich unſre Bitt anſprechen /
dir das Vatter-Herze brechen.
2 Unſer biſt du / deiner Kinder:
weil auch JEſus unſer iſt.
Dein wir ſind / ſind wir ſchon Suͤnder:
weil du JEſu Vatter biſt.
Laß / um unſres Bruders willen /
der uns dir verſoͤhnt / dich ſtillen.
3 Der du biſt wirſt du wol bleiben:
Suͤnde dich nicht anders macht.
Du biſt gut / wann wir nur glaͤuben.
Unſre Anſpraͤch nicht veracht.
Zeig uns dich: daß wir geneſen.
Sei uns / was du ſtets geweſen.
4 Du55Vatter-Zuflucht.
4 Du biſt unſer: ach! ſo muͤßen
deine Schaͤtz auch unſer ſeyn.
Laß dañ / Vatter / uns genießen /
deine Kinder / was iſt dein.
Es macht deines Sohnes Sterben /
uns zu deiner Guͤter Erben.
5 Biſt du Vatter: Vatter-Liebe
wird in deinem Herzen ſeyn.
Ach! dich ſo zu kennen gibe.
Der die Herzen in gemein
kant mit Vatter Treu begaben /
auch ein Vatter-Herz wird haben.
6 Jn dem Himmel wohnſt du droben /
heilig / ſeelig und geehrt.
Wir / bekriegt von Satans Toben /
wallen aͤngſtig hier auf Erd.
Ach! wañ ſollen aufgenommen /
Kinder zu dem Vatter kommen.
7 Dem nicht manglet Gluͤckes-Haabe /
ach! ein Erden-Vatter / gibt ſeinen Kindern manche Gabe.
Sei doch auch in uns verliebt /
Himmels-Vatter! deiner Schaͤtze
uns auch hier zu Erben ſetze.
8 Himmel / der uns iſt verſprochen /
aller Guͤter guldner Schrein!
Sei durch unſre Bitt erbrochen /
laß jezt unſre Seufzer ein.
Laß / uns Pilger dieſer Erden /
bald auch deine Buͤrger werden.
D iiijGehe46[56]Gehe bußfaͤrtig

* 5 * Gehe bußfaͤrtig in das Haus Gottes.

WER nach Hof kommen und vor ſeinem Fuͤrſten erſcheinen ſoll / der ziehet ein ſaubers Kleid an / und ſchaͤmet ſich / in ſchmutzigen alten lumpen aufzutretten. Alſo pfleget man auch / wañ man zur Kirche gehet / etwas reiner / als man zu Hauſe auſziehet / ſich an - zu kleiden. Ach! unſer alter Adams - Rock / die ſuͤndliche Natur / iſt zerlumpt und befleckt: damit beleidigen wir die Augen Gottes / vor denen die Suͤnde ein Greul iſt. Dieſe Lumpen muͤßen wir ab - legen / und hingegen anziehen JEſum / das Kleid der Gerechiigkeit. Jn dieſem al - lein / koͤnnen wir vor GOtt ſtehen und be - hen: und der wird alſo angezogen / wañ wir / durch den Glauben uns in ſein Ver - dienſt huͤllen.

2 Wañ ein Unterthan ſeinen Fuͤrſten beleidigt hat / ſo ſuchet er einen Mittler und Fuͤrſprecher / der ihme perdon und Ver - gebung ausbitte. Ein Chiſt-vernuͤnftiger Kirchgaͤnger / thue ihm auch alſo am Soñ - tag und ſonſten: er ſchicke JEſum Chri -ſtum /57in Gottes Haus. ſtum / den Mittler zwiſchen GOtt und Menſchen / voran / der uns alle bei GOtt verbittet. Alsdañ folge er mit Buße und Ehrfurcht / und trette demuͤtig in die Kir - che: nicht wie der aufgeblaſene Phariſeer / der ſich fuͤr einen Heiligen geachtet / ſondern wie der Zoͤllner.

3 Dieſer ſtund ferne von dem hohen Altar / wolte auch ſeine Augen nicht auſhe - ben gen Himmel ſondern ſchlug an ſeine Bruſt / und ſprach die ſchoͤne Beicht von fuͤnf Worten: GOtt ſei mir Suͤnder gnaͤ - dig! Er kame bußfaͤrtig / und mit dem Vor - ſatz der Baͤſſerung: gerecht und Gott-ver - ſoͤhnt iſt er nach Haus wieder gekehrt. Wer im Haus des HErꝛn wilkommen ſeyn wil / der ſpreche: HErꝛ ich bin nicht wuͤrdig / daß ich unter das Dach deines Hauſes ein - gehe. So wird hingegen die gnaͤdige Ant - wort erſchallen: Wer zu mit kommet / den werde ich nicht hinaus ſtoßen.

GOtt Verſoͤhnungs Lied.
O GOtt!
(*)Kan auch ſonſt geſungen werden nach der Weiſe: HErꝛ JEſu Chriſt wahr Menſch und GOtt.
(*) wie kan vor dir ich ſtehn /
wie kan dein Antlitz ich anſehn?
Du zuͤrneſt uͤber meine Suͤnd:
ich ſuche Huld / hab Straff verdient.
D v2 Mich58Gott Verſoͤhnungs-Lied.
2
Mich Flam̃-verdam̃tes duͤrres Reis /
dein Feuer. Zorn neñt ſeine Speis.
Jch ſteh in Furcht von ferne hier /
darf nicht wol naͤher treten dir.
3
Jch darf nicht ſchauen Himmel-an:
weil ich hab wider GOtt gethan.
Wehrt bin ich / daß er auf mich ſchick
den Donner / keinen Sonne-blick.
4
Jch ſchlage an mein ſuͤndlichs Herz /
daraus mir quolle dieſer Schmerz.
Jch ſprich diß kleine Wort voll Reu: O GOtt / mir Suͤnder gnaͤdig ſey!
5
Ja / dir bekenn ich meine Schuld.
Jedoch ich kenn auch deine Huld.
Dir nicht behagt des Suͤnders Tod:
Dich ſelbſt betruͤbet ſeine Noht.
6
Ach Schoͤpfer / nicht mein Richter ſei.
Hier iſt / zwar Suͤnde / doch auch Reu.
Ob ſich verbirgt dein Angeſicht:
Du / Sonne / biſt doch allzeit liecht.
7
Dein Wort heiſt widerkehren mich.
Jch kom̃ und ſuch: laß finden dich.
Kehr um zu mir / wie ich zu dir.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir.
8
8 Um JEſu willen ſchau aufmich:
Jhn ſtell ich zwiſchen mich und dich. Er59beim Kirch-Eintritt.
Er wird die Scheidwand werfen ab:
daß meinen GOtt ich wieder hab.
9
Sein Nam iſt ja Jmmanuel / ſpricht / GOtt mit dir! zu meiner Seel.
Schau JEſum / der dir gnug gethan /
und mich um JEſu willen an.
10
Ob du die Suͤnder hoͤreſt nicht:
denk / ein Verſuͤhnter dich anſpricht.
Dein Sohn mich ſoͤhnt; ſprich du mich frei:
daß JEſus auch mein JEſus ſei.
11
Die Unſchuld Jeſu decket mich.
Jn dieſem Kleid / tret ich vor dich.
Mein Glaub hat mirs gezogen an:
daß ich vor GOtt beſtehen kan.
12
Er / der fuͤr uns auf Erden litt /
ietzund im Himmel uns verbitt.
Jn JESU Namen bitt ich dich:
Du hoͤreſt ihn: erhoͤr auch mich. Amen!
III Der60Der Tempel Gottes /

III Der Tempel Gottes / ein Heiligtum.

* 1 * Tritt heilig und heiligend vor den Allerheiligſten.

DER Patriarch Jacob hat / auf ſeiner Reiſe nach Me - ſopotamien / im Traum eine Leiter geſehen / die auf Erden ſtunde / und mit der Spitze an den Himmel ruͤhrte: und die Engel Gottes ſtiegen dar - an auf und nieder. Und der HErꝛ ſtun - de oben darauf / und redete mit ihm / und ſegnete ihn / und verſprache ihm Schutz und Huͤlfe. Als er nun vom Schlaff er - wachet / furchte er ſich / und ſagte bei ſich ſelbſt: Gewißlich iſt der HErꝛ an dieſem Ort: wie heilig iſt dieſe Staͤtte! Hier iſt nichts anders / dañ Gottes Haus / hier iſt die Pforte des Himmels. Er verſprache auch / wann er gluͤcklich wieder kehren wuͤr -de /

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61ein Heiligtum. de / an dem Ort ein Gottes Haus anzurich - ten:(n)1. Moſ. 28. welches er dann hernach treulich gehalten / und den Ort Bethel d. i. Gottes Haus genennet. (o)c. 35.

2 Was hier von dieſem Ort geſaget worden / das kan auch geſagt werden von allen Kirchen oder Gottes-Tempeln. Jn denſelben ſtehet der Sohn Gottes JEſus Chriſtus / die rechte Jacobs-Leiter: und iſt jene ſein Fuͤrbild geweſen. Er haͤſtet ja Himmel und Erden wieder zuſammen / und iſt der Weg / der die Menſchen zu Gott fuͤhret: dan niemand komt zum Vatter / als durch ihn. (p)Joh. 14. v. 6.Durch ihn tretten wir in die Geſellſchaft der Engel Gottes / die zwiſchen GOtt und uns gleichſam Boten - laufen / auf - und abſteigen. Da redet Gott mit uns / von dieſem Gnadenſtul: und wir empfangen / wir erbetteln in dieſem Beth - El / von ihme / Troſt / Huͤlfe und Segen. Da iſt die Pforte des Himmels: da wir vorgelaſſen / und nicht leer abgewieſen werden.

3 Jſt nun die Kirche ein Beth El / ein Haus und Palaſt Gottes / da er gegenwaͤr - tig iſt / da er redet / ſihet und hoͤret: ſo muͤſ - ſen wir / ſo bald wir die Kirche betreten / das Herze zu GOtt wenden / und ihme das Op -fer62Gebet beimfer unſerer Gedanken und Lippen bringen. Ein ieder gedenke / beim Tempel-Eintritt / GOtt ruffe ihm zu / wie dortmals dem Mo - ſe und Joſua:(q)2. Moſ. 3. v. 5. Joſ. 5. v. 15. Zeuch deine Schuhe aus von deinen Fuͤßen / d. i. lege ab den irdiſchen Wandel und alle eitle Gedanken! Dann dieſer Ort / darauf du ſteheſt / da ich iezt mit dir reden will / iſt heilig.

4 Da ſol man dann hin wider mit Ja - cob ſagen: Ach ja! wie heilig iſt dieſe Staͤtte. Ein ieder ſol denken / er ſtehe da im Angeſicht und vor dem Thron des Koͤ - nigs aller Koͤnige: der hat viel Hofdiener / die Engel die auf unſere Gebaͤrden / Worte und Werke / merken und horchen. Ja er ſelbſt ſihet uns gar in die Gedanken / ob wir auch / mit Chrſurcht und in heiliger An - dacht / vor ihm erſcheinen.

* 2 * Gebet beim Kirch - Eintritt.

SJhe da / eine Huͤtte GOttes bei den Menſchen / da er bei uns wohnet! (r)Offenb. 21. v. 2.Hier iſt Gottes Haus: da er uns lehret ſeine Wege /(s)Mich. 4. v. 2. daman63Kirch-Eintritt. man hoͤret die Stimme des Dankens / da man predigt alle Wunder. HErꝛ! ich habe lieb die Staͤtte deines Hauſes / da deine Ehre wohnet. (t)Pſal 26. v. 6. ff. 2. §.Wie lieblich ſind deine Wohnungen / O HErꝛ der Heerſcharen! Ein Tag in deinen Vorhoͤfen / iſt baͤßer / dan ſonſt tauſend. Jch wil lieber der Thuͤr huͤten in dem Hauſe meines Gottes / als lang wohnen in den Huͤten der Gottlo - ſen. (u)Pſal. 84. v. 2. 11.

Jch danke dir / HErꝛ mein Gott! daß du mir zu wohnen gibeſt an einem Or - te / da du dein Feuer und Herd haſt: daß du mir Geſundheit und Kraft gibeſt / zu ſchauen die ſchoͤne Gottes-Dienſte des HErꝛn / und ſeinen Tempel zu beſu - chen. (x)Pſal. 27. v. 4.

ES iſt ja diß auf Erden dein Palaſt /
in welchem du hier deine Hofſtatt haſt /
du Herren Herꝛ / du großer Himmels Kaͤiſer!
an dieſem Ort iſt eines deiner Haͤuſer.
Wie heilig iſt die Staͤtte / da ich ſteh.
Mit Jacob ich die Himmels-Leiter ſeh /
die auf und ab / Herꝛ / deine Engel leitet /
die mir zu dir die Pforte zubereitet.
Den Deinen du ertheileſt hier Verhoͤr.
Die Deinen dir hier geben Dank und Ehr.
Du64Gebet beim
Du redſt mit uns: mit dir wir reden wieder.
Hier unſre Noht vor dir wir legen nieder.
So iſt dan diß ein Beth El / Gottes Haus /
da GOtt und wir die Boten ſenden aus.
Dort ſein Gebot / hier mein Gebet / abgehet.
Hier Gottes Hof / der Himmel / offen ſtehet.
Hier JEſus ſteht / der Erd und Himmel ruͤhrt /
die Menſchen auf - und Gott herunter fuͤhrt.
Durch ihn zu GOtt ſich unſer Bittwort ſchwinget:
von GOtt er uns die Gnaden-Antwort bringet.
Jch komm / O HErꝛ. Zuvoͤrderſt bitt ich dich:
Vergib / warum du billig zuͤrnſt auf mich.
Denk / daß du ja fuͤr Suͤnder gnaͤdig ſeyeſt.
Jch weiß / daß du in JEſu gern verzeiheſt.
Es bleib das Fleiſch / der Eſel / unten ſtehn:
der Geiſt wil auf den Berg Morijah gehn /
zum Gottes-Dienſt. Jch werd / mit Moſe / muͤßen
die Suͤnden Schuh abziehen von den Fuͤßen.
Alsdan ſo red / befihl was dir gefaͤllt.
Dein Knecht / dein Wort gern hoͤret und auch haͤlt.
Ach! ſchreib es du mir ſelbſt in die Gedanken /
und laß mich nicht aus dem Gehorſam wanken.
Hoͤr dañ auch an / was ich dir klag und ſag.
Erhoͤr! daß ich von dir auch ſagen mag:
man pfleg vor dir nicht lang betruͤbt zu ſtehen;
man pfleg von dir begabt hinweg zu gehen.
Diß Beth El du mir mach zum Bethlehem
(y)Brodhaus.
(y)
daß ich dein Huͤlf / die Brode / mit mir nehm
aus deinem Haus. Wolſt mir den Hunger ſtillen /
du reicher HErꝛ / und meine Bitt erfuͤllen.
Ach! eine Gab vor andern ich begehr:
gib deinen Geiſt / der dir mich dienen lehr.
Jch65Kirch-Eintritt.
Jch frage nichts nach Erden Sachen allen.
Hab ich nur GOtt: das andre wird zufallen.
Doch bitt ich dich weil alles deine Gab:
die Notturft gib / daß ich zu leben hab.
Laß deine Erd mich ſpeißen hier und nehren.
Mein Vorſatz waͤr / nur preiſen dich und ehren.
So geh ich reich / der ich kam leer / davon.
Mich macht getroſt mein Bruder / der dein Sohn.
Er wird bei dir / was gut iſt / mir ausbitten.
Er ſelbſt / er wird mit Geiſt mich uͤberſchuͤtten.
Wie lieblich iſts auf Erd in deinem Haus.
Wie ſchoͤn dan wirds im Himmel ſehen aus.
Nun du wirſt mich dorthin auch heißen kommen.
O ſeligs wohnen in den Haus der Frommen!
Amen!

* 3 * Erfuͤll / am Sonntag und in der Kirche / die Erſte Vatter - Unſer-Bitte / Um Heiligung Boͤttliches Namens.

WAS wir / in der Erſten Bitte des himliſchen Gebet Muſters / taͤg - lich bitten / das koͤnnen und ſollen wir erfuͤllen / am Sonntag / oder wan wir zur Kirche gehen. Weil der Tag von GOtt geheiligt / und der Ort Gottes Heiligtum iſt / ſo ſagen wir billigEam66Heiligungam Sonntag und beim Kirch-Eintritt / was wir ſo oft ſagen: Geheiligt werde dein Name!

2 Das Wort Heiligkeit / heißet ſoviel / als die hoͤchſte reine Unſchuld und Gerech - tigkeit: und hat dieſen Namen von Heil / weil an ihr die hoͤchſte vollkommene See - ligkeit hanget. Dieſe Heiligkeit iſt allein in GOtt / und in ſeinen Engeln / denen er ſolche aus Gnaden mitgetheilet: darum wohnet er / mit ihnen im Himmel / in der Seeligkeit. Er wohnet im Heiligtum des Himmels /(z)Eſa. 57. v. 5. und Heiligkeit iſt die Zierde ſeines Hauſes ewiglich. (a)Pſal. 93. v. 5.

3 GOtt allein / iſt von ſich ſelbſt hei - lig: darum gebuͤhret ihm auch allein die Ehre. Wir Unheilige / koͤnnen nicht hei - ligen den Namen des Heiligen: wir hei - ligen ihn aber / wann wir ſeine Heiligkeit ehren und preiſen. Diß thun ſeine Mil - lionen Engel im Himmel / die ihme ohn un - terlaß das Dreimal-Heilig ſingen. (b)Eſa. 6. v. 3.

4 Dieſes will er nun gleichfalls / von ſeinen Kindern auf Erden / haben. Wir koͤnnen ihm auch ſonſt nichts geben / als Ehre. Er hat keines Guts vonnoͤten / und gibt ſelber alles allen: dafuͤr ſollen wir ihm nur eines / die Ehre / wieder geben. Erhat /67Goͤttliches Namens. hat / dem Adam / alle Baͤume in Paradeis uͤberlaſſen: nur einen / den verbotnen Er - kentnis-Baum / der ihre Ehrfurcht pruͤfen ſolte / hat er ausbehalten.

5 Weil GOtt alles hat / auch allen al - les gibet / ſo ehren wir ihn auch damit / wann wir alles bei ihm ſuchen / von ihm er - warten / und ihm darum danken. Ach ja! Alles komt allein von GOtt: ohn ihn ha - ben / wiſſen und koͤnnen wir nichtes. So iſt dann GOtt alles / und wir ſind nichtes. Nichts iſt unſer eigen / als unſre Suͤnde. GOtt iſt allein heilig: und wir alle ſind Suͤnder. So heiligen wir dañ Gottes Namen am Sonntag und in der Kirche / wann wir ihm unſer Gebet opfern.

6 Weil GOtt heilig iſt / ſo will er gleichfalls heilige Kinder haben / an de - nen ſein Ebenbild erſcheine. Er hat auch den Menſchen nach Gottes Bild / d. i. hei - lig / erſchaffen. Dieſe Heiligkeit gieng verlohren / durch die leidige Suͤnde. Dar - um befihlet der im Himmel creirte Do - ctor, wir ſollen anziehen den Neuen Men - ſchen der nach GOtt geſchaffen iſt / in rechtſchaffener Gerechtigkeit und Heilig - keit. (c)1. Theſſ. 4. v. 3. 4.Jm Herzen / muß das Bild Got - tes wieder aufgerichtet werden.