PRIMS Full-text transcription (HTML)
Chriſtian Weiſens uͤberfluͤßige Gedancken Der gruͤnenden jugend.
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Leipzig/ beyThomas Fritſch/1701.

Geliebter Leſer!

D nunmehr dieſe uͤberfluͤßige ge - dancken noch einmahl ihr gluͤcke / o - der daß ich beſſer rede / ihr ungluͤcke in die welt verſuchen wollen / ſolches hat der Autor nicht verlanget / und gleich wohl nicht verhindern koͤnnen. Jmmittelſt weil ich als ein unbekandter genoͤthiget werde an deſſen ſtelle zu treten / und dieſe neue Edition mit einer neuen vorrede zu bekleiden / ſo werde ich die freyheit haben / nicht ſo wohl aus ſchul - diger freundſchafft / als aus liebe zu der war - heit / gegenwaͤrtige gedancken zu entſchuldigẽ. Es mag ſeyn / daß iemand den titul nicht recht verſtanden / und dahero von dem gantzen we - ſen ein ungleiches urtheil gefaſſet hat. Denn freylich wer dieſe gedancken in ſolcher mey - nung wolte uͤberfluͤßig nennen / wie etwan dort〈…〉〈…〉 zu verſtehen ſind / der muͤſte ſeinen eifer nicht uͤberfluͤßig haben / wenn er ſolchen allhier verſparen wolte: Allein es wird verhoffentlich noch ein gnaͤdiger und beſſer verſtand zuruͤck ſeyn. Uberfluͤßige gedanckenA 2heiſ -heiſſen ſolche gedancken / die man bey muͤßigen nebenſtunden als einen zulaͤßigen zeitvertreib zu fuͤhren pflegt. Denn weil man krafft ſei - nes obliegenden amts an dergleichen neben - werck nicht gebunden iſt / und ein ander bey ſeinen verrichtungen eben ſo weit kommt / der ſich ſolcher gedancken aͤuſſert; Als geſchicht es nur zum uͤberfluß / und gleichſam zur zugabe / wie bißweilen ein gaſtwirth ſeinen gaͤſten oh - ne noth aus einer uͤberfluͤßigen liberalitaͤt et - liche kannen wein frey paßiren laͤſſet. Parer - gon heiſſet nicht ein boͤſes werck / ſondern ein werck / welches zum uͤberfluß neben der or - dentlichen arbeit getrieben wird. Uñ wo wuͤr - den die Autores Horarum Subſecivarum, Dierum Canicularium, Dierum Genialium, und andere / welche ihre arbeit Otium genennet / zu rechte kommen / wenn man nichts uͤberfluͤßiges vor - nehmen duͤrffte. Gellius waͤre mit ſeinen No - ctibus Atticis laͤngſt unter die wercke der fin - ſterniß gezehlet / und in den Indicem librorum prohibitorum geſetzet worden.

Nun wird zwar iemand einwenden / der gedachten ſcribenten uͤberfluß waͤre gleichwol der welt etwas nuͤtzer geweſen / als wenn etli - che abgeſchmackte lieder / nicht anders als aus einer klingenden ſchelle / ausgelaſſen wuͤrden. Doch der unterſcheid beſtehet hierinnen / daß jene des maͤnnlichen alters / dieſe aber der gruͤ - nen jugend uͤberfluͤßige gedancken ſind: Undwiewie eine iegliche zeit ihre eigene ergoͤtzligkeit hat / wie man auch nicht eher thut als ein mann; als wenn der bart dem geſichte eine ſaure mine abfordert: alſo wuͤrde ſich die ju - gend uͤber dem zeitvertreib ſchlecht zu eꝛfreuen haben / welche ſich von ihrer inclination allzu - weit abſondern wolte.

Und wer kan leugnen / daß dergleichen - bungen ſo gar ohne nutzen verrichtet werden? Jſt es nothwendig / daß ein junger menſch in poetiſchen und oratoriſchen ſachen auffge - muntert / und zur recommendation der an - dern gelehrſamkeit an luſtige und angeneh - me Inventiones gewieſen wird; ſo will ich hof - fen / es ſolte nicht allein das junge volck hieꝛinn zu loben ſeyn / ſondern ein ſorgfaͤltiger infor - mator ſolte auch dahin trachten / wie er ſeinen untergebenen dergleichen uͤberfluͤßige gedan - cken einfloͤſſen moͤchte / daruͤber ſie andere - berfluͤßige wercke / als ſpielen / ſauffen / muͤßig gehen / vergeſſen koͤnten.

Jh halte auch nicht / daß iemahls ein mann durch liebliche worte beruͤhmt worden / der in ſeiner jugend allen uͤberfluß in ſolchem ſtuͤcke verachtet hat. Jnmaſſen die bloſſen ſchul-ma - terien nicht genung ſind / ein ſtattliches Ingeni - um zu excitiren / wenn es nicht aus eigenem antrieb ſeinen fleiß etwas hoͤher fuͤhren ſoll. Legen doch die huͤner viel lieber in das neſt / das ſie ſelbſt erwaͤhlet haben / als welches von einerA 3un -ungedultigen kaͤſemutter iſt angeleget wordẽ.

Nun iſt es wohl an dem / daß lauter liebes - ſachen dariñ enthalten ſind / welche / dem anſe - hen nach / bey jungen leuten viel aͤrgerniß an - richten koͤñen / uñ wiꝛd deꝛgeſtalt iemand denẽ uͤbeꝛfluͤßigen gedancken denſelben titul zule - gen / welchen der Frantzoͤſ. Pontus de Thyard ſeinen ſonneten gegeben hat / daß er ſie Erreurs Amoureuſes, verliebte irrthuͤmer nennt. Doch es ſey ſo / ſie moͤchten Errores Juveniles heiſſen / ſo wuͤrde auch dieſer irrthum nicht allzu verdammlich ſeyn. Denn es waͤre nicht ein error vitii, ſondern ein error imprudentiæ. Wenn ein kind auff dem ſtecken reitet / ſo iſt es ein error infantiæ: Wenn ein knabe mit boh - nen ſpielet / oder die muͤcke fligen laͤſt / ſo iſt es error pueritiæ. Denn wenn ſie ſo klug waͤ - ren als alte leute / wuͤrden ſie an dergleichen lumpen-poſſen keine vergnuͤgung haben. Un - terdeſſen begehen ſie keine ſuͤnde / oder zum we - nigſten wird dieſe that præcisè nicht als ein boßhafftiges und unrechtmaͤßiges weſen zu verdammen / oder wohl gar zu beſtraffen ſeyn. Weil nun die jugend der natur noch etliche thorheiten ſchuldig iſt / ſo wird eine ſolche poc - tiſche ſteckenreuterey als ein error juvenilis um ſo viel deſto mehr zu entſchuldigen ſeyn / jemehr das nachfolgende alter die eitelkeit ſelbſt zu verlachen / und durch anſtaͤndige ge - dancken zu verbeſſern pfleget.

Ge -

Geſetzt auch / es waͤren lauter liebes-ſachen darinn / (wiewol ich bald den falſchen concept benehmen werde /) ſo iſt es ja nicht ein ſchelmi - ſches ding um die liebe / daß man nicht daran gedencken duͤrffte. Denn daß aͤrgerliche ſau - poſſen nicht geduldet werden / da iſt freylich der jugend daran gelegen. Aber wenn niemand an die liebe gedencken ſolte / wo wuͤrden ſo viel tauſend Præceptores mit ihrem Terentio bleiben / welcher in dem eintzigen Eunucho mehr unziemliche haͤndel vorſtellet / als in den gantzen uͤberfluͤßigen gedancken zu leſen ſind. Denn ich will itzo vom Ovidio, Martiali und andern nichts ſagen / welche der jugend ohne alle widerrede in den haͤnden gelaſſen weꝛden. Uber dieſes duͤrffte auch kein hochzeit-carmen in oͤffentlichen druck heraus kommen / aus groſſer beyſoꝛge / es moͤchte ein junges blut hie - durch zu boͤſen gedancken / oder zu einem ſcan - dalo accepto veranlaſſet werdẽ. Uñ es iſt nicht zu leugnen / daß eben in dieſem buche etl. lieder ſolche perſonen betreffen / welche zu ſich einer ehelichen liebe verbunden / auch innachfolgen - der zeit die gluͤckl. vollziehung befoͤrdeꝛt habẽ.

Doch was gehet die liebe ſo groß dieſe verſe an / indem ſelbige mehr zu einer annehmlichen Allegorie, als zu den gedancken ſelbſt coope - rirt hat? Wen Petrarcha unter ſeiner Laura, Opitz unter ſeineꝛ Aſterie, andere unter andeꝛn verliebten nahmen gemeynet haben / das iſtA 4mehrmehr als bekandt. Wer es auch nicht verſte - het / der iſt ohne zweiffel nicht werth / daß er ſolches an dieſem orte erſt lernen ſoll.

Alldieweil nun dem Auctori beliebt hat ſein ſtudieren unter dem bilde eines liebhabers vorzuſtellen / uñ hiedurch ſeine begierde gegen das frauenzimmer duꝛch einen gelehrten be - trug abzuweiſen / ſo wird er entweder auſſer ſchuld ſeyn / oder die compagnie der beſchuldig - ten wird ſo groß werden / daß er ſich vor einen ſchwachen feind nicht ſondeꝛlich wird entſetzen duͤrffen. Die bloſſen abſchieds-lieder / welche in trefflicher menge erſcheinen / muͤſſen zeuge ſeyn / daß es faſt unmoͤglich geweſen / ſo viel - mal zu verreiſen. Und ich habe ſelbſt aus ſei - nem munde gehoͤret / wenn er ein collegium beſchloſſen / und gleichſam von einer diſciplin zu der andern gereiſet waͤre / ſo haͤtte ſich eine verliebte erfindung angegeben / unter der pro - ſopopœia einer jungfer die angenehme diſci - plin nachmahls zu bedienen: Ja / es iſt ein lied vorhanden / darinn er ſich beruͤhmt / er haͤtte zwey maͤgdgen auf einmahl: Da werden alle bekandten zeuge ſeyn / daß der Auctor zugleich theologica und juridica collegia hielt / und als ein liebhaber der fundamentalen philologie, beyderſeits principia faſſen wolte. Jndem nun etliche meynten / er waͤꝛe ein perpetuus transfu - ga, der ſich bald zu der ſchwartzen / bald zu der rothen fahne begeben wolte / ſo proſequirte erſol -ſolchen poſſen in dieſem hoͤniſchen liede / damit die guten freunde deſto eher fertig wurden / und waren alſo die zwey liebſten Theologia und Jurisprudentia.

Solten etliche lieder in ihrem eigenen ver - ſtande directè auf liebes-ſachen gehen / ſo wird ſolches mehrentheils als eine Satyra zu verſte - hen ſeyn / darinn die jungen leute mehr abge - mahnet / und bey vorſtellung unterſchiedlicher thorheiten zu einer andern und hohern liebe heimlich angewieſen werden.

Doch wieder auff die gelehrten allegorias zu kom̃en / wann ſich etwan ein guter freund mit unzeitigem richten uͤbereilen wolte / ſo wird das beſte mittel ſeyn / aus einem vorneh - men mann dergleichen anzufuͤhren / welcher erſtlich auff einer beruͤhmten Univerſitaͤt Poë - ſeos Profeſſor, hernach ein groſſer Theologus geweſen: dieſer hat als Profeſſor anmuthige ſachen heraus gegeben / und iſt oftmahls duꝛch gelegenheit der gedachten allegorie zu verlieb - ten und entzuckten gedancken verleitet woꝛdẽ. Allein daß niemand das aͤuſerliche ſchatten - werck mit der ſache ſelbſt vermengen ſolte / hat er dieſe denckwuͤrdige erklaͤrung mit beygeſe - tzet: Cave inſontes numeros attemeres! Amor noſter caſtus eſt, ut ipſa Diva. Quam ſi ſuô vis vo - carinomine, audi Poeſin, & illas Humanitatis ar - tes, quas colui: Imo Theologiam. Nihil miri, ſi ſub virgineo induxerim vultu. Fecerunt anteA 5meme alii, & præclariores. Ergo exue profanam mentem: & Eclogas aut allegorias puta. Ab his nec ſanctiſſimus abſtinuit Spiritus. Alius eſt ignis noſter, quàm in plebe accendit Veneris ne - quam ille puer. Nec tam putris aut putidus ego, ut illis intepeſcam faculis. Quicquid cre - diderit Viroſus: Sufficiat, placuiſſe mihi Chari - tillam, & me tibi, mi Lector. Nam Frontones & Capitones ne aſſis æſtimo.

Darbey mag es bleiben / und weil das curi - euſe Seculum ſich an den liedern noch nicht ſatt geleſen hat / wird der Auctor, als mein hochge - ſchaͤtzter freund / deſto eher zufrieden ſeyn / daß die drucker-preſſe noch einmahl damit bemuͤ - het wird. Auch dieſe kurtze entſchuldigung mag er ſich gefallen laſſen / ungeacht er ſeinen eigenen ſachen das wort viel beſſer / und viel - leicht aus wichtigern beweiß-gruͤnden haͤtte reden koͤnnen. Was noch uͤbrig iſt / ſo wird der geneigte leſer mit fernerer affection mir unbekandten dermaſſen zugethan verbleiben / daß ich ſolches dermaleins in bekandter geſtalt ruͤhmen koͤnne. Jetzt verbleibe ich zwar ein ſchuldiger diener / doch mit dem nahmen

Der Einfaͤltige Unbekandte.

Ge -

Geehrter Leſer.

FCh bin endlich dahin gebracht worden / daß ich meine uͤberfluͤßige gedancken in die welt ausflie - gen laſſe. Zwar / wenn ich ſolche vor guten freunden haͤtte behalten koͤnnen / waͤre ich nimmermehr auff die unbarmhertzigkeit gerathen / ſo viel bogen un - ſchuldig papier dadurch zu verklecken. Denn ich lebe der zuverſicht / ob ein anderer meine uͤberfluͤßigen einfaͤl - le weiß oder nicht weiß / ſo wird es nicht viel zu bedeuten haben. Jedennoch weil ich zum uͤberfluß ſehen und er - fahren muͤſſen / daß die geringen ſachen von unterſchiede - denen liebhabern nicht allein abgeſchrieben / ſondern auch wie zu geſchehen pfleget / offtermahls veraͤndert und ver - ruͤcket werden; Als habe ich nicht umgang nehmen wol - len / denſelben ihre alte geſtalt wie der zu geben: wie et - wan eine ſorgfaͤltige mutter ihr ungeſtaltes kind nicht gerne weiter beflecken und verſtellen laͤßt / ſondern viel - mehr dahin trachtet / damit es bey der natuͤrlichen und urſpruͤnglichen beſchaffenheit erhalten werde. Ein ied - weder unpartheyiſcher richter wird hierinn meiner muͤt - terlichen affection vergeben / und wo ich meiner frucht gar zu guͤnſtig geweſen bin / ſolches die menſchliche ſchwachheit entſchuldigen laſſen / als welche in der liebe am eheſten ſuͤndigen kan. Sonſt werden es die umſtaͤn - de leicht geben / daß ich in der ſo genannten Lindenſtadt wohne / und die mund-art / ſo mich offtermahls / wider mein wiſſen / in den nacken ſchlaͤgt / kan mein vaterland nicht verbergen. Flieſſen die reime nicht wohl / ſo bin ich vor eins kein poet / vors andere / ſeh ich viel / die esſchlim -ſchlimmer machen / wenig die es beſſer treffen. Die teut - ſchen Virgilii und Horatii ſollen entweder noch gebohren werden / oder ſie verbergen ihre ſchrifften noch / und der muͤſte ein bloͤd geſichte haben / der ſich durch die ſterne un - ſrer zeit wolte verblenden laſſen. Was die vielfaͤltige nahmen und andere raͤtzel betrifft / ſo werden diejenigen / die es angeht / die auslegung ſchon machen. Jch / mei - nes theils / habe etliche allbereit vergeſſen; Und etliche darff ich nicht verrathen. Vor meinen veraͤchtern fuͤrch - te ich mich nicht: Dann vielleicht bin ich ihrer ſpitzfindig - keit zu gering / oder zum wenigſten bleib ich anderweit un - angefochten / wann ſie an dieſem leichten papier ihre luſt buͤſſen. Und alſo mag ich mich nicht rechtfertigen / ich mag auch keine freunde anfuͤhren / als wann ſie mir durch uͤbriges anhalten den ermel zuriſſen haͤtten. Es gehe mir nun ſchon / wie es gehen ſoll / und weil ich meinen heimlichen zweck erhalten habe / iſt diß mein troſt / daß der zehende nicht weiß / wie ich heiſſe. Alters hal - ben will ich es noch erleben / daß manch einfaͤltiges hertze ſoll in verdacht gezogen werden / als wann es darbey ge - weſen waͤre. Jch ſtehe inzwiſchen als ein Apelles hinter der taffel / und laſſe die leute nach belieben urtheilen. Werde ich getroffen / ſo will ich mich ſchaͤmen / wo nicht / ſo will ich lachen: Aber keines von beyden werde ich vor den leuten thun.

Uberfluͤßiger gedancken Erſtes Dutzent.

I. Thraͤnen der jungferſchafft.

Suͤſſer gifft verliebter hertzen /
Schwaches werck-zeug voller krafft /
Werthes ziel der keuſchen ſchmertzen /
Du beruͤhmte jungferſchafft!
Freylich gehet deine zier
Allen ſchoͤnen ſachen fuͤr.
2. Wie die roſen in dem Meyen
Jhre bleiche lieblichkeit
Niemals ſchoͤner von ſich ſtreuen /
Als wenn ihre ſicherheit
Unberuͤhrt und unbefleckt
Jn dem gruͤnen ſtocke ſteckt.
3. Alſo muß man dich erheben /
Weil du keiner frembden hand
Dich zum raube wilſt ergeben /
Sondern das beliebte pfand
Aller ruh und lebens raſt
An der ſuͤſſen freyheit haſt.
4. Du ergetzſt dich an der jugend /
Biſt alſo an dir vergnuͤgt /
Und gebrauchſt dich deiner tugend /
Welche dir im hertzen liegt /
Da ſie auch die beſte frucht /
An der zarten keuſchheit ſucht.
A5. Doch
5. Doch wie lange kan es waͤren?
Endlich muß die jugend ſich
Durch den ſchnellen lauff verzehren /
Oder es beruffet dich
Liebe / luſt und eitelkeit
Jn der tugend wette-ſtreit.
6. Will man bey den aͤpffel-baͤumen
Zu der luſt ſpatziren gehn /
Darff man nicht die zeit verſaͤumen
Wann ſie in der bluͤte ſtehn /
Eh der Gaͤrtner nach der ſaat
Auch die frucht gebrochen hat.
7. Und ſoll dann der ſchoͤnen wangen
Halbvermiſchtes milch und blut
Gantz und gar vergebens prangen /
Wie ein ſaurer apffel thut /
Welcher nicht ſo wohl den zahn
Als das aug ergetzen kan?
8. Wein und bier wird ja zum trincken
Nicht zum anſehn aufgeſetzt /
Und was nutzt ein guter ſchincken
Wann er nicht den mund ergetzt?
Solte denn der jugend ſchein
Auch nicht etwas nutze ſeyn?
9. Freylich pflantzt die zeuge-mutter
Dir was heimlichs in die bruſt /
Daß du dich nach frembden futter
Hoͤchſt-begierich ſehnen muſt /
Und da fehlt dir manche krafft
O du arme jungferſchafft!
10. Wie manch ſchoͤnes neſt voll eyer
Unter froſt und kaͤlte ſteht /
Biß das angenehme feuer
Frembder bruͤt daruͤber geht;
Alſo
Alſo iſt es umb den ſtand /
Den du fuͤhreſt / auch bewandt.
11. Manches ſchaͤfgen traͤgt die ſchwere
Seiner wollen mit verdruß /
Weil es auff des ſchaͤffers ſchere
Gar zu lange warten muß:
Manche roſe kruͤmmt den ſtiel /
Weil ſie niemand brechen will.
12. Gute nacht du leere ſchuͤſſel /
O du leuchter ohne licht!
Feſtes ſchloß / doch ſonder ſchluͤſſel /
Gute wag und kein gewicht /
Ach wie wohl iſt die daran
Die bey zeiten freyen kan!

II. Die verliebte jaͤgerey.

DJe lieb iſt gleichſam eine jagt /
Da ſich ein groſſer hauffen
Jn die gebuͤſche wagt /
Wo angſt und muͤh entgegen lauffen /
Und wo die gantze welt
Sich faſt in das gehaͤge ſtellt.
2. Die netze ſind von heucheley
Und eitelkeit geſtricket /
Darinnen wird die treu
Der jungen einfalt offt beruͤcket /
Und wer nicht langen kan
Der flickt ein bißgen hoffnung dran.
3. Der ſpuͤrhund iſt die ungedult /
Der billt und laͤſt ſich hoͤren /
Die unſchuld mit der ſchuld
Jn ihrem lager zu verſtoͤren:
Wie iſt er doch bemuͤht
Eh er das wild vor augen ſieht?
A 24. Und
4. Und alſo muß der windhund fort
Durch bitten und verſprechen /
Durch klagen da und dort
Die ungewiſſe bahne brechen /
Biß man den ganßen reſt
Der groſſen docken lauffen laͤſt.
5. Offt ſchieſt man ehr und tugend todt /
Dann die verliebten minen
Sind wie der haaſen-ſchrot:
Wohl denen die ſich ſo bedienen!
Denn wer ein narr will ſeyn /
Schieſt gar mit ſilbern kugeln drein.
6. Wiewohl manch armer jaͤger ſagt
Er hab es gut erleſen /
Und hab ein reh gejagt /
So iſt es kaum ein fuchs geweſen:
Und wer den hirſchen hetzt /
Nimmt wol ein eichhorn auf die letzt:
7. Oft ſetzt ein hauer ſeinen zahn
Jn die getroffne liebe
Mit ſolchem eyfer an /
Daß alle gunſt in einem hiebe
Zu grund und boden geht /
Und wenn ſie noch ſo feſte ſteht
8. Doch geht / ihr freunde / geht ins feld /
Habt ihr mit euren netzen
Schon einmahl auffgeſtellt /
So ſeyd ihrs ſchuldig fortzuſetzen:
Denn der iſt uͤbel dran
Der hetzen und nicht fangen kan.

III. Die unterſchiedlichen Liebhaber.

JCh ſchwatzte neulich von galanen /
Als ich bey meinen maͤdgen ſtund;
Da
Da ließ ſie mich hernach vermahnen /
Die ſachen waͤren ihr nicht kund;
Sie moͤchte mich wol gerne fragen /
Was ein galan ausdruͤcklich ſey?
Da ließ ich ihr zur antwort ſagen /
Die leutgen waͤren vielerley.
2. Dann ſagt ich / wer ſich aller orten
Zum lieben frauenzimmer macht /
Und iſt doch kalt in ſeinen worten
Ob er gleich noch ſo freundlich lacht:
Wer alle wochen eine neue
Zum zeitvertreib erwaͤhlen kan /
Und fragt nach keiner liebes-treue /
Der iſt ein bloſſer ſpaß-galan.
3. Und wer ſich laͤſt die grillen treiben /
Daß er die gaſſen nunter ſchwaͤntzt /
Ob etwan durch die fenſter-ſcheiben
Ein weiſſes jungfer-haͤubgen glaͤntzt /
Und meint er habe durch den tempel
Der liebes-pflicht genug gethan /
Der heiſt den andern zum exempel
Ein lauff-und pflaſterſtein galan.
4. Wann auch ein junger gelber ſchnabel
Sich im proceſſe ſelbſt verfuͤhrt /
Und alles mit der ſilbern gabel
Fein fromm und ſittſam embrochirt /
Auch nichts in ſeinen complimenten
Als ehren tugend ſprechen kan /
So heiſſet er bey uns ſtudenten
Nur ein devotion-galan.
5. Und wer mit allerhand ſpendaſchen
Der liebſten ihre koͤthe ſchmuͤckt /
Und alle tage ſeinen pagen
Nach zucker und citronen ſchickt /
A 3Wer
Wer offtermahls ſpatziren faͤhret /
Zur hochzeit gehet / wenn er kan /
Und ſeine pfennge ſo verzehret /
Jſt ein diſcretion-galan.
6. Doch welchen das geneigte gluͤcke
Zu der vollkommenheit beſtimmt /
Daß er durch ſeine liebes-blicke
Den maͤdgen auch das hertze nimmt /
Wer mit vermiſchten wechſelkuͤſſen
Den ſtillen bund erhalten kan /
Obs gleich die leute wenig wiſſen /
Jſt ein affection-galan.
7. Wiewol die ſchlimmſten loͤffelknechte
Genieſſen manchmal treflich viel /
Nur deſſentwegen weil der rechte
Nicht ins gehaͤge kommen will:
Jnzwiſchen weil ſie ſolches wiſſen
Gehn ſie mit allen freuden dran /
Und unter ſolchen luͤcke buͤſſen
Wird mancher noch ein noth-galan.
8. Naͤchſt dieſem bildt ſich mancher immer
Die allerſchoͤnſten ſachen ein /
Und muß doch bey dem frauenzimmer
Jm ſpiele pickelhaͤring ſeyn /
Er kan ſich zwar vor ſelig ſchaͤtzen
Und nimmt den ſchertz mit willen an;
Doch ſag ich / wer ſich laͤſſet haͤtzen /
Jſt ein vexation-galan.
9. Hieran ihr herren junggeſellen
Jch habe mich allhier bemuͤht
Euch in der liebe vorzuſtellen /
Wo jemand ſeines gleichen ſieht /
Der gehe nur in ſein gewiſſen
Und zieh ſich ſelber vor gericht.
Jch
Jch werde dieſen loben muͤſſen
Der hefftig liebt und meynt es nicht.

IV. Der luſtige ſpaß-galan. Auf die melodey: Jungfer Ließgen weiß es wohl / ꝛc.

ES ſteht in der welt doch aus der maſſen fein /
Wann zwey junge leute recht vertraulich ſeyn!
Sie ſind drum nicht flugs verliebt /
Wann ſie gleich von hertzen
Freundlich koͤnnen ſchertzen.
2. Manchem maͤdgen wird was boͤſes zugedacht /
Wann ſie etwan mit den junggeſellen lacht /
Doch darum kein bein entzwey:
Wer fragt nach den ſchwencken
Was die leute dencken?
3. Ein rechtſchaffnes buͤfgen das verſteht doch wol /
Was es bey der maͤdgen freude dencken ſoll.
Wer nicht ſchimpf und ernſt verſteht /
Wird mit ſchlechten frommen
Von dem maͤdgen kommen.
4. Wan man gleich einander noch ſo fꝛeundlich heiſt /
Und wohl gar die armen in einander ſchleuſt:
Darff ein buͤfgen gleich wol nicht
Auff verliebte ſachen
Sich die rechnung machen.
5. Ach wie ſchlaͤgelt mancher armer ſpaß - galan /
Der ſich in die freundlichkeit nicht finden kan
Und der allen zeitvertreib
Vor ein liebes-zeichen
Heimlich will vergleichen:
6. Nein fuͤrwar / beym frauenzim̃er gehts ſo nicht /
Wann das loſe maͤulgen gleich mein liebgen ſpricht /
Jſt es drum nicht ſo gemeynt /
A 4Als
Als muͤſt er vor allen
Jhr ſo wohl gefallen.
7. Jch bin endlich allen feinen maͤdgen gut /
Und bin gerne da man ſchoͤn und freundlich thut;
Doch bild ich mir nichts ein /
Wann ich gleich die ſuͤſſe
Gegengunſt genieſſe.
8. Endlich / wer verſchwiegen iſt der geht noch hin /
Hat er ſonſten gleich nicht einen hohen ſinn:
Stille / fromm und luſtig ſeyn
Kan die junggeſellen
Niemahls ſehr verſtellen.
9. Ach wohl dem der in der jugend luſtig iſt /
Eh er in dem alter allen ſpaß vergiſt!
Doch die liebe brauche man
Nur zum bloſſen poſſen /
Sonſt iſt man geſchoſſen.

V. Die ſubtile liebe.

DJe maͤdgen ſind wie poſt-papier /
Subtil und zart im lieben /
Denn wer in ihre zier
Sich nur zu erſt hat eingeſchrieben /
Der ſtehet oben an
Da man die ſchrifft wohl leſen kan.
2. Er findt ein unbeflecktes blat /
Da ſich die reine tugend
Noch nie geſchwaͤrtzet hat /
Und lockt die einfalt ihrer jugend /
Durch die untraͤglichkeit /
Jn alle gunſt-gewogenheit.
3. Hingegen wer den rathſchluß faſt
Was anders drein zu ſchwatzen /
Und dieſen erſten gaſt
Will
Will aus der liebes-taffel kratzen /
Der uͤberſieht es doch
Und macht in das papier ein loch.
4. Auch wann es gut gerathen ſoll
So muß ein ſchandfleck bleiben /
Darauff man nicht ſo wohl
Die neue liebe kan beſchreiben /
Dann dorte / da und hier
Sticht noch die alte dinte fuͤr.
5. Man hat ja wohl einander lieb /
Doch muß man immer hoͤren
Wie ſie den erſten dieb
Jn ihren hertzen heimlich ehren /
Darneben trau’n ſie nicht /
Und was man auch vor worte ſpricht.
6. Dieweil nun itzt das kleine kind
Die ſauer-ſuͤſſen ſachen
Fein zeitlich lieb gewinnt /
So will ich mich an keine machen /
Damit werd ich allein
Kein ungluͤckſelger ſchreiber ſeyn.

VI. An einen verliebten / aber doch ſehr hoffaͤrtigen lieder-dichter.

MEin freund / was fluchſt du auf die ſterne /
Was klagſt du ihr verhaͤngniß an /
Als haͤtten ſie dir aus der ferne
So groſſen uͤberlaſt gethan?
Ach bilde dir auf ihren ſchein
Doch nicht dergleichen haͤndel ein.
2. Die ſterne / welche droben ſchimmern /
Sind warlich viel zu ſtoltz darzu /
Als daß ſie ſich darum bekuͤmmern /
Was ich allhie auf erden thu:
A 5Drum
Drum dencke daß dir auch ſo iſt /
Dieweil du meines gleichen biſt.
3. Es ſind ja freylich andre ſachen
Der hohen ſatzung unterthan:
Doch darffſt du nicht die rechnung machen
Als gieng es dich ingleichen an:
Denn was dein ſchwacher ſinn begehrt /
Jſt offt kaum deiner ſorgen wehrt.
4. Da heiſt ein irrthum der gedancken
Alsbald der ſterne gauckelſpiel /
Und wenn die ſehnſucht aus den ſchrancken
Der klugheit ſich entreiſſen will /
So muß der unbewießne zwang
Des gluͤckes vor die richterbanck.
5. Wann wir begehrten was wir ſolten /
So ſtuͤnd es allenthalben gut /
Und wir bekaͤmen was wir wolten;
Hingegen wo man das nicht thut /
Da qvaͤlt man ſich mit ungedult:
Doch hat der himmel keine ſchuld.
6. Mein freund / der ſtern iſt im gehirne /
Der dir ſo ungluͤckſelig ſtrahlt /
Und hinter deiner eignen ſtirne
Steht dein verhaͤngnuͤß abgemahlt.
Der himmel laͤſt dich wohl zur ruh /
Sprich du nur ſelbſt dein ja darzu.

VII. Polniſcher Tantz.

AUf der hochzeit iſt mir keine luſt /
Als die bloſſe courteſie bewuſt /
Wann die maͤdgen und ſtudenten
Jn der bunten reihe ſtehn /
Und mit ſuͤſſen complimenten
Endlich auff den tantz-platz gehn.
2. Da
2. Da iſt freude / da iſt luſtigkeit /
Da vergißt man alles hertzeleid:
Leib und ſeele kommt zuſammen:
Mancher giebet nur die hand /
Und wird durch die liebes-flammen
Unverſehens angebrannt.
3. Wie liebaͤugelt mancher courtiſan
Eh er ſich ins tantzen finden kan.
Seht wie koͤmmt er auffgezogen /
Maͤulgen geben darff er nicht /
Weil ſie mit dem ellenbogen.
Jhn in das geſichte ſticht.
4. Endlich koͤmmt die fiedel auf den platz /
Da erwiſcht ein jeder ſeinen ſchatz:
Dieſer geht als wie auf kohlen /
Der macht einen bloſſen paß /
Jener ſchneidet capriolen /
Dieſer knickt ohn unterlaß.
5. Mancher ſetzt die beine gar zu krumm /
Einer ſpringt nur um das Maͤdgen rumm /
Dieſer tantzet im gewichte /
Jener ſchont die neuen ſchuh /
Dieſer kehrt ihr das geſichte /
Jener gar den fertzer zu.
6. Wann ein maͤdgen in der einſamkeit
Stille ſitzt und welcke ruͤben ſchneidt /
Kommen bald die tuͤtſchemuͤtter /
Und erwiſchet mit verbruß
Jrgend einen armen ritter
Der die luͤcke buͤſſen muß.
7. Alſo wird das liebe geld verthan /
Biß man keinen tantz mehr zahlen kan /
Da ſpricht man es ſey zu ſpaͤte /
Giebt zum abſchied einen kuß /
Weil
Weil man doch auff die karrete /
Noch zwey groſcheu wagen muß.

Nachſprung.

LUſtig ihr maͤdgen die hochzeit iſt aus /
Wandert mit euren bedienten hinauß /
Laſſet euch aber beyleibe nicht hertzen /
Gehet fein leiſe / die mutter die wacht /
Laſſet die kerlen einandermahl ſchertzen /
Haͤtten ſie vormahls ſich luſtig gemacht.
2. Gehet geſchwinder ihr kindergen ihr /
Leget euch nieder und ſchlaffet dafuͤr /
Sehet die armen verliebeten ſchafe /
Sind ſie nicht truncken / ſie ſtehen ja kaum /
Springet inzwiſchen und tantzet im ſchlafe
Morgen erzehlet den luſtigen traum.
3. Gehet und leget euch immer zur ruh /
Hoͤrt ihr noch lange den ſtaͤndigen zu?
Sehet die mutter die legt ſich ans fenſter
Nehmet euch beſſer im finſtern in acht:
Wuͤnſchet ihr niedlichen gaſſengeſpenſter
Allerſeits eine geruhige nacht.

VIII. Das umgekehrte kartenſpiel.

WAnn wir die eitlen Sachen
Der ſuͤſſen loͤffeley
Und etwas kuntbar machen /
So iſt die fantaſey /
Wo man die warheit ſagen will /
Ein umgekehrtes kartenſpiel.
2. Ein ſpieler wirfft die blaͤtter
So eyfrig aus der fauſt /
Das manchem das geſchmetter
Lang in den ohren ſaußt /
Ein
Ein buhler giebt in ſtiller ruh
Den hoͤchſten trumpf verſchwiegen zu.
3. Ein ſpieler will gewinnen /
Und wann es doppelt ſteht /
So richtet ſein beginnen
Sich eintzig auffs labeth:
Ein buhler nimmt ſich ſchlecht in acht /
Ja er verſpielet mit bedacht.
4. Ein ſpieler miſcht die karten /
Biß er das hoͤchſte blat
Nach viel verſuchten arten
Jn ſeinen haͤnden hat:
Ein buhler wuͤnſcht in ſeiner pein
Nur das geringſte blat zu ſeyn.
5. Ein ſpieler wird verdroſſen
Und meint es ſey geſchehn /
Wann ſeine ſpielgenoſſen
Jhm in die karte ſehn:
Ein buhler zeiget ſeiner zier
Die blaͤtter ungebeten fuͤr.
6. Wiewol bey ſolchen haͤndeln
Geht der verluſt noch hin /
Man mag gleich all’s vertendeln
So hat man doch gewinn.
Denn der verſpielt bleibt immer reich
Und der gewinnt verſpielt zugleich.

IX. Poeten muͤſſen verliebt ſeyn.

SPrecht mich nicht weiter an
Um ein verliebtes lied /
Denn ich bin ausgethan
Wo luſt und liebe bluͤht /
Das gras iſt abgemeyht /
Die roſen ſind vergangen /
Der
Der winter fuͤhrt das leid
Und hat ſich angefangen.
2. Jch fuͤhle keine luſt
Die mich zum verſen treibt /
Weil meine kalte bruſt
Unangefochten bleibt:
Das harte ſilber fleuſt
Nur bey der groſſen hitze /
Und der poeten geiſt
Wird nur im lieben nuͤtze.
3. Wie kan ich itzt betruͤbt
Und wieder froͤlich ſeyn /
Jn dem mir nichts beliebt
Von anmuth oder pein /
Soll mein erfrornes hertz
Von glut und flammen ſingen.
Und ſoll der kalte ſchertz
Die ſproͤde feder zwingen.
4. Ach nein die aloe /
Der zucker und zibeth /
Macht weder wol noch weh.
Wann der geſchmack vergeht:
Man muß die eitelkeit
Der liebe noch ertragen /
Will man von freud und leid
Gereimte reime ſagen.
5. Der iſt fuͤrwar nicht klug /
Der ohn ein ſeitenſpiel /
Durch einen ſelbſtbetrug /
Verſchwiegen tantzen will /
Und ſo wird mein gedicht
Ein ſchlechtes urtheil fuͤhlen /
Wo die begierden nicht
Die ſarabande ſpielen.
6. Geh
6. Geh zarte Poeſie /
Du bleibſt mir unbewuſt /
Geh meine ſuͤſſe muͤh /
Jetzt meine ſaure luſt /
Jch ſchreibe / was ich kan /
Jhr aber meine bruͤder /
Sprecht mich nicht weiter an
Um ſchertz und liebes-lieder.

X. Das ſchlaffende gluͤcke.

MEin gluͤcke ſchlaͤfft nun lange zeit /
Und will noch nicht erwachen /
Und meine furchtſamkeit
Kan ſich gar wenig hoffnung machen /
Dann wann es helffen ſoll /
So ſchnarcht es mir die ohren voll.
2. Der gantze leib iſt ausgeſtreckt /
Der mund iſt zugeſchloſſen /
Die augen ſind verſteckt /
Die krafft der ſinnen iſt zerfloſſen /
Nur in der bloſſen bruſt
Treibt noch der athem ſeine luſt.
3. Jch ſtoß / und brauche was ich kan
Die kraͤffte meines lebens /
Jch ſchrey die ohren an /
Doch muͤh und arbeit iſt vergebens:
Dann mein verhaͤngniß ſpricht /
Dein gluͤcke ſchlaͤfft und hoͤrt dich nicht.
4. Wolan mein gluͤcke ſchlaff nur fort /
Jch werde zwar indeſſen
Noch manchen lieben ort
Und manche luſtigkeit vergeſſen /
Jch werde noch der pein
Der ungewißheit dienſtbar ſeyn.
5. Doch
5. Doch wer zu lange ſchlaffen muß /
Der kan auch lange wachen /
Und kan den uͤberfluß
Der ſpaͤten nacht zum tage machen /
Wenn er die lager-ſtatt /
Nur lang genug gedruͤcket hat.
6. Darum mein gluͤcke ſchlaff nur aus /
Und bringe mit den ſegen
Hernachmals in das haus /
Jetzt will ich dich nicht mehr bewegen /
Die noth kan nicht beſtehn /
Sie muß doch auch zu bette gehn.
7. Wo ſie mich in der jugend laͤſt
Bey der gewohnheit bleiben /
So werd ich wol den reſt
Des alters mehr begluͤckt vertreiben /
Jnzwiſchen wird die ſchuld
Des gluͤckes leichter durch gedult.

XI. Hanß in allen gaſſen.

ZWey maͤdgen auf einmal / fuͤrwahr das iſt zu viel /
Doch weil die liebe mich alſo bethoͤren will /
Darff ich nicht widerſtehen /
Jch ſeh mein elend an /
Und laß es immer gehen
So gut es gehen kan.
2. Jch weiß nicht welche mir am beſten anlaß gibt /
Sie beyde ſind polit / ſie beyde ſind beliebt /
An ihrer ſchoͤnen jugend /
An ihrer hoͤfligkeit /
An ihrer liebes-tugend /
Jſt gar kein unterſcheid.
3. Was eine lieblich macht / das fehlt der andern nicht /
Da iſt ein augen-glantz / da iſt ein angeſicht /
Die
Die allerſchoͤnſten finger
Das wollen-weiche zwey /
Der halb-verſteckten dinger /
Jſt alles einerley.
4. Wann dieſe gegen mir ein bißgen freundlich thut /
So denck ich jene dort die kan es gleich ſo gut /
Und komm ich zu der andern /
So laß ich meinen ſinn
Zur erſten wieder wandern /
Da ich geweſen bin.
5. Jn deſſen weiß ich nicht / wasich behalten ſoll /
Dann jener bin jch gut / und die gefaͤlt mir wol /
Soll ich das hertze faſſen
Und ein geliebtes kind
Von dieſen beyden laſſen /
So bin ich taub und blind.
6. Es iſt doch nun geſchehn / das geht am beſten an /
Wo ich ſie alle zwey vor mich behalten kan /
Mein hertz! es koͤmmt ja beſſer /
Jn dem du als ein gaſt
Der eitelkeit / zwey meſſer
Als keins im vorrath haſt.
7. Ein ſolcher wechſel ſtutzt / und ſteht vortreflich ſchoͤn /
Wann eine ſauer ſiht kan ich zur andern gehn /
Traͤgt die ein ungefallen /
So komm ich dorten ein /
Und ſo kan ich bey allen
Verliebt und luſtig ſeyn.

XII. Als das jahr 1663 zu ende ging.

DU liebes jahr / ſo eilſt du nun von hinnen /
Und nimmſt mit dir die freude meiner ſinnen /
Ja freylich iſt diß ſchon der letzte tag /
Da ich noch drey zu ſechſen ſetzen mag.
B2. Ver -
2. Vergoͤnne mir du auszug meiner jahre
Daß ich mein hertz der feder offenbare
Laß mich einmahl auff dich zuruͤcke ſehn /
Es wird mir doch nicht mehr ſo wol geſchehn.
3. Du haſt mir erſt die jugend und das leben
Durch eine krafft der ſuͤſſigkeit gegeben /
Jch war noch tod / du haſt mich aufgeweckt /
Jch brannte nicht / du haſt mich angeſteckt.
4. Du haſt mich erſt den ſanfften weg gefuͤhret /
Und meine bruſt durch liebes-gluth beruͤhret /
Du ſchoͤne zeit du haſt mir kund gethan /
Was der verſtand vertrauter freundſchafft kan.
5. Jch konte nicht mein hertz mein liebgen ſprechen
Und muſte mir den kopf umſonſt zerbrechen /
Doch deine gunſt verſetzte mich zur ruh
Und fuͤhrte mir die ſchoͤnheit ſelber zu.
6. Da war ein ſinn / ein willen / ein belieben /
Schertz ſonder ſchertz / vergnuͤgung ohn betruͤben /
Sie war erfreut und luſtig wann ich kam /
Und kraͤnckte ſich / ſo bald ich abſchied nahm.
7. Jedennoch hab ich was von dir bekommen
So haſtu all’s auch wieder weggenommen
Du haſt mir nur den ſchein / der uns betreugt /
Durch einen traum / und durch ein bild gezeigt.
8. Jch werde wohl nicht in dergleichen freuden
Mein angeſicht bey ſolcher ſchoͤnheit weiden /
Du altes jahr du nimbſt den alten ſinn /
Die alte luſt / die alte hoffnung hin.
9. Jch will mich nicht deßhalben mit dir zancken /
Jch werde dir vielmehr vor dieſes dancken /
Daß ich itzund durch dein und meinen fleiß
Den ſchlauen gang der ſtillen liebe weiß.
10. Jch muß nunmehr in dieſem neuen jahre /
Befliſſen ſeyn / wie ich die ſtunde ſpare
Die
Die ich zu viel auf zeit-vertreib gelegt /
Darzu mich ſie und ihre luſt bewegt.
11. Das gluͤcke mag am beſten fuͤr mich ſorgen /
Du altes jahr zeuch fort / ich denck an morgen /
Daſelbſten wird der neue ſonnenſchein
Mein neuer troſt und neue wolluſt ſeyn.

Uberfluͤßiger gedancken Anderes Dutzent.

I. An ſeine Marilis / als er mit ihr zuͤrnen muſte.

JCh bin ſchon ſatt und ſage
Daß mich der hunger treibt /
Jch ſeh mein gluͤck / und klage
Daß ſolches auſſen bleibt /
Jch ſuch und fliehe meine pflicht /
Jch wolte gern und will doch nicht.
2. Jch bin verliebt / und leide
Die pein der einſamkeit /
Jch ſehne mich und meide
Doch die gelegenheit /
Die gegenwart beliebet mir /
Und gleichwol geh ich nicht zu ihr.
3. Die liebes-grillen wancken
Jm hertzen hin und her /
Und machen die gedancken
Mit tauſend ſorgen ſchwer /
Und ſchlieſſe doch vor meiner ruh
Den kopff / das hertz / und alles zu.
4. Jch bin ein patiente /
Und lauffe vor der cur /
Als wann mein ruͤcken brennte /
Jch ſuche zwar die ſpur /
B 2Doch
Doch wann ich ihrer inne bin /
So will der ſchwere leib nicht hin.
5. Jch ſchlaff und muß doch wachen /
Jch red und ſchweige doch /
Jch klag und muß auch lachen /
Jch ſterb und lebe noch /
Und dieſes waͤhrt ſchon lange zeit /
Bey tag und nacht ohn unterſcheid.
6. Du allerliebſte ſeele /
Dir iſt allein bewuſt /
Daß ich dein hertz erwehle
Zu meiner zarten luſt /
Und daß ich liebe / weil das licht
Des lebens mir den ſchein verſpricht.
7. Jtzt muß ich mich verſtellen /
Mein kind / du wirſt von mir
Kein ſchlimmes urtheil faͤllen /
Dann ich verſpreche dir /
Mein hertz ſoll unbefleckt und rein /
Gar bald bey deinem wieder ſeyn.
8. Wie muß ich mich bemuͤhen /
Daß ich es enden kan /
Dann die magneten ziehen
Mein ſchwaches eiſen an.
Und achten meine krafft nicht viel /
Wann ich mich widerſetzen wil.
9. Doch halt ich mich zuruͤcke
So lang ich halten kan /
Und ſchaue deine blicke
Nur in gedancken an /
Und ſuche die zufriedenheit
Jn der entfernten freundlichkeit.
10. So will ich dich probiren /
Es ſteht die wieder frey
Mich
Mich etwas rum zu fuͤhren /
Doch da wird meine treu
Jn allen proben voller Schein
Wie feines gold und ſilber ſeyn.

II. An eben dieſelbe / als er ihrer gunſt verſichert ward.

MEin maͤdgen iſt mir gut!
Und ob ſie gleich zu zeiten /
Abſonderlich bey leuten /
Ein bißgen ſproͤde thut;
So macht ihr wort-gezaͤncke
Mir gleichwohl einen muth /
Daß ich im hertzen dencke /
Mein maͤdgen iſt mir gut.
2. Mein maͤdgen iſt mir gut.
Manch jahr iſt ja vergangen /
Seyt mein geneigt verlangen
Jn ihrer freundſchafft ruht /
Wie ſolt ich dann nicht wiſſen
Jndem ſie anders thut /
Wie weit ich koͤnne ſchlieſſen /
Mein maͤdgen ſey mir gut.
3. Mein maͤdgen iſt mir gut!
Mein laſſen und beginnen /
Das ihren zarten ſinnen
Gar nichts zu wider thut /
Bewegt mir auch das hertze
Wie eine ſanffte fluth /
Daß ich mit freuden ſchertze /
Mein maͤdgen iſt mir gut.
4. Mein maͤdgen iſt mir gut!
Sie macht ihr amts-geſichte
Vißweilen noch zu nichte /
Und ruͤhret mir das blut
B 3Durch
Durch liebgeſinnte blicke:
Drum ſpricht mein freyer muth /
Jch habe noch das gluͤcke /
Mein maͤdgen iſt mir gut.
5. Mein maͤdgen iſt mir gut!
Ein ander mag ſich kraͤncken /
Und voller furcht gedencken /
Was ſeine Nymfe thut;
Jch kan die ſorgen brechen /
Denn mein vergnuͤgter muth
Kan in der warheit ſprechen /
Mein maͤdgen iſt mir gut.

III. An Dorindgeu / als er derſelben bey ſpaͤter herbſt - zeit ein ſchoͤn ſtraͤußgen von vergiß mein nicht / uͤbergab.

MEin Dorindgen nimm die blume
Mit beliebten haͤnden an /
Welche dir zu ſchoͤnen ruhme
Selbſt den fruͤhling trotzen kan /
Goͤnn ihr doch dein angeſicht /
Weil ſie ſo beweglich ſpricht /
Vergiß mein nicht.
2. Hoͤre / mein Dorindgen hoͤre /
Wie der ſtumme redner ſchreyt /
Und ertheile mir die ehre
Deiner unvergeſſenheit /
Du verſtehſt es wol / mein liecht /
Dann ein jedes blaͤtgen ſpricht:
Vergiß mein nicht.
3. Schaue die verliebten farben /
Schaue die vermiſchung an /
Welche durch die zarten narben
Blau und gelbe ſpielen kan /
Und
Und dieweil der unterricht
Deinem hertzen auch geſchicht /
Vergiß mein nicht.
4. Jn dem kuͤhlen roſenthale
War es geſtern aufgebluͤht /
Doch auf dieſem bundten ſaale
Fand ich nichts was ſchoͤner ſieht.
Drum ſo lange luſt und licht
Durch die roſen - auen bricht /
Vergiß mein nicht.
5. Andre ſchoͤne blumen legen
Jhre frembde zierligkeit
Dieſer demuth zwar entgegen /
Doch ſie irren trefflich weit.
Meine blum iſt abgericht /
Daß ſie ohne falſchheit ſpricht /
Vergiß mein nicht.
6. Drum ſo nimm auch diß geſchencke
Mit geneigten haͤnden hin /
Mein Dorindgen und gedencke
Mein im beſten / wo ich bin:
Dann das ſchoͤne bluͤmgen ſpricht /
Wann die hoffnung ſelbſten bricht /
Vergiß mein nicht.

IV. An ſeine Marilis / als ſie ſauer ſehen wolte.

ACh! mein Marilis / was hab ich dann gethan /
Weßwegen ſihſt du mich mit ſolchen augen an /
Jſt dann die gunſt ſchon aus / und ſoll der augen ſchein
Der meine ſonne war / nun mein comete ſeyn.
2. Was haſt du dann darvon / daß ſich das roſenfeld
Der wangen alſo rauh als wie ein dornbuſch ſtellt?
Und daß der ſchoͤne mund / der ſonſt ſo ſuͤſſe lacht /
Mir alle froͤlichkeit zu lauter nichte macht.
B 43. Du
3. Du allerliebſtes kind / wo iſt die werthe hand /
Die ſich vor dieſer zeit umb meine finger wand?
Hat ſie mich gnug gedruͤckt / mein hertz / und ſoll ich nun
Jn deiner gegenwart nicht mehr ſo freundlich thun?
4. Wo iſt das liebe ding / die ſuͤſſe Marilis /
Die ihren diener ſonſt ſo fein willkommen hieß?
Du biſt es warlich nicht dein anſehn das mich plagt /
Hat meine bloͤdigkeit faſt aus der welt gejagt.
5. Ach kan ein maͤdgen auch ein bißgen boͤſe ſeyn /
Und nim̃t der eyfer auch die jungfer-hertzen ein?
Jch haͤtt es nicht vermeynt / dieweil betruͤbt und ſchoͤn /
Belieblich und erzuͤrnt nicht wohl beyſammen ſtehn.
6. Nun fuͤhl ich deinen zorn der mir den tag zur nacht /
Die nacht zu lauter angſt / die angſt zur ſpeiſe macht.
Ach meine Marilis / hab ich dir was gethan?
Wie? oder ſtellſt du dich alſo zum poſſen an.
7. Jch hoͤre doch nicht auf dir an die hand zu gehn /
Und wilſt du meine pflicht aus boßheit nicht verſtehn;
So weiß ich daß der troſt in meinem hertzen gruͤnt /
Jch habe deinen zorn mit willen nicht verdient.

V. Der getreue haus-knecht.

JCh armer haus-knecht habe nun
Mein aͤmptgen angenommen /
Nun muß ich helffen wirthlich thun
Wenn frembde gaͤſte kommen /
Sonſt werd ich wieder weggejagt
Von meiner lieben jungen magd.
2. Jch geh und laſſe mich durchaus
Die muͤhe nicht beſchweren /
Und ſolt ich funffzehenmahl das hauß
Jn einem tage kehren:
Denn wenn mich ja die arbeit plagt /
So denck ich an die junge magd.
3. Die
3. Die koͤchin mag ſo offt ſie will
Mich etwas anders heiſſen /
Die frau die mag den beſen-ſtiel
Mir umb die ohren ſchmeiſſen:
Jch bleibe dennoch unverzagt
Bey meiner lieben jungen magd.
4. Wenn ſie mir an der ſeiten ſteht
So hab ich ſchon gewonnen /
Und alle traurigkeit vergeht
Wie butter an der ſonnen /
Jch bin ihr knecht / der ihr behagt /
Sie meine liebe junge magd.
5. Wir ſtecken faſt den gantzen tag
Beyſammen in der kuͤchen /
Und wann ich poſſen treiben mag /
So iſt ſie auch verglichen /
Doch iſt kein menſch / der mich verklagt
Mit meiner lieben jungen magd.
6. Jch geh in keller / hole bier /
Und wann ich nunter ſchreite /
So kommt die magd und giebet mir
Fein ſauber das geleite /
Doch niemand in dem hauſe fragt /
Was machſt du mit der jungen magd.
7. Der Boden und der ober-ſaal
Die ſtehn uns allzeit offen /
Da haben ſie uns hundertmal
Beyſammen angetroffen /
Doch hat der herr noch nie geſagt /
Geh / pack dich von der jungen magd.
8. Jch wolt auch wol kein hauß-knecht ſeyn /
Wann ich nicht eben wuͤſte /
Daß ich das liebe maͤgdelein
Sonſt gar entrathen muͤſte /
B 5So
So bleib ich gleichwol ungeplagt
Bey meiner lieben jungen magd.
9. Die ſchoͤnen jungfern moͤgen nun
Aus meinem hertzen weichen /
Dann wann ich ja will freundlich thun /
Geh ich zu meines gleichen.
Jch armer hauß-knecht habs gewagt /
Und loͤffle mit der jungen magd.

VI. Der abgeſetzte hauß-knecht.

DU liebe junge magd / dein treuer haußknecht kom̄t /
Jndem er hier und da betruͤbten abſchied nimmt /
Und giebt dir auch die hand / wie ſauer gehts ihm ein /
Daß er nicht weiter darff dein lieber hauß-knecht ſeyn.
2. Ach nim̃ die fromme hand / nim̃ ſie zu guter letzt /
Und dencke daß ſie dich zwar oͤffters hat ergetzt.
Wann ſie aus ſchuldigkeit dir einen dienſt gethan /
Doch daß ſie weiter nicht im dienſte bleiben kan.
3. Jch ſage nur nicht viel / es geht mir freylich nah /
Doch dieſes iſt gewiß / ich bliebe gerne da.
Du liebe junge magd / du kenneſt meinen ſinn /
Du weiſt daß ich bey dir am allerliebſten bin.
4. Dieweil ich aber nun das ding nicht aͤndern kan /
So nim doch meinen gruß mit gutem hertzen an /
Und wiſſe / daß du zwar nicht allzugroſſe luſt /
Jedoch ein frommes kind hinfort entrathen muſt.
5. Hab ich dich ja erzuͤrnt durch irgend einen tritt /
So gib mir doch den troſt auf meine reiſe mit /
Und gib mir zu verſtehn ohn allen heuchel-ſchein /
Daß aller miß-verſtand nun ſoll vergeſſen ſeyn.
6. Wiewol ich habe dir fuͤrwar kein leid gethan /
Schau nur die gantze zeit in meinem leben an:
Haſt du was ausgelegt nicht als ich es gemeint /
So ſey der auslegung und nicht der ſache feind.
7. Ob
7. Ob ich gleich manches mahl ſehr ausgelaſſen bin
So kom̃t die fꝛoͤmmigkeit mir doch nicht aus dem ſinn;
Jch bin ſo von natur / ich kan nicht anders thun /
Jch kan nicht gar zu lang auff einer ſtelle ruhn.
8. Wer aber mein gemuͤth darbey betrachten wil /
Der findet ſicherlich das rechte widerſpiel:
So loſe manches wort in meinen reden ſcheint /
So gut und redlich hats mein hertze wohl gemeynt.
9. Es ſteht in dieſer welt doch aus der maſſen ſchoͤn /
Wann treue ſeelen recht in ſtiller freundſchafft ſtehn:
Man iſt drum nicht verliebt / man iſt einander gut /
Als wie ein guter freund mit ſeinem freunde thut.
10. Jch darff nicht mehr ſo thun / ich habe ſo gethan /
Nimm alles was geſchehn im beſten auf und an /
Und goͤnne mir zuletzt ein freundlich angeſicht /
Doch meine bangigkeit ſiehſt du die helffte nicht.
11. Hiemit zu guter nacht du liebe junge magd /
Was hilfft es wañ man ſich gleich noch ſo ſehr beklagt;
Jch muß doch endlich fort / kan es nicht jetzt geſchehn /
So kan ich dich vielleicht auff deiner hochzeit ſehn.
12. Und waß ich biß dahin verborgen halten wil
Das ſoll die loſung ſeyn bey deinen hochzeit-ſpiel /
Judeſſen lebe wohl und pruͤfe meinen ſinn
Ob ich nicht biß daher dein treuer haußknecht bin.

VII. Als ſich Liſilis nicht wolte kuͤſſen laſſen.

DU freundliche Liſilis ſoll ich dich kuͤſſen /
So zeug doch nicht das muͤndgen weg /
Ein kuͤßgen iſt leichtlich zu tode gebuͤſſen /
Und macht ja keinen ſchwartzen fleck.
Ach halte mein laͤmgen ach halte gewiß /
Jch gebe dir einen empfindlichen biß /
Ach Liſilis.
2. Ach
2. Ach beuge dein leibgen nicht immer zuruͤcke /
Sonſt kan ich warlich nicht darzu /
Mein engel gib achtung indem ich dich druͤcke /
Daß ich dir nichts zu leide thu /
Ein kuͤßgen verbleibet mein liebes-genieß /
Jch bitte zum ſchoͤnſten / vergoͤnne mir diß /
Ach Liſilis.
3. Halt ſtille mein hertzgen / was heiſſen die poſſen /
Nun haͤltſt du gar die haͤnde vor /
Die haben ſich uͤber die lippen geſchloſſen /
Doch gib das koͤpffgen nur empor /
Jn warheit ich habe das kinne gewiß /
Drum halt ich dich feſte / verzeihe mir diß.
Ach Liſilis.
4. Was wilſtu dich wehren / was wilſtu noch ringen /
Wo flog der tieffe ſeuffzer hin /
Mein laͤmgen / ach laſſe dich immer bezwingen /
Weil ich dir ſchon ſo nahe bin /
Jch habe gewonnen / mein liebes-genieß
Bleibt meinen entzuͤcketen lippen gewiß /
Ach Liſilis.
5. Ach Liſilis hab ich dich endlich betrogen /
Jch habe dich dreymal gekuͤſt /
Und keinmal vor freuden zuruͤcke gezogen /
Nun ſuche wo das fleckgen iſt.
Ach halte mein laͤmgen / ach halte gewiß /
Jch gebe noch einen empfindlichen biß /
Ach Liſilis.

VIII. Als er ſich unter fremdes frauenzimmer machen ſollte.

JCh will bey meinem maͤdgen bleiben /
Jch hab die brieffe nicht davon /
Daß ich mich ſoll an ein andre reiben /
Drum geb ich auch kein botenlohn.
Und
Und danck es keinem gar zu viel /
Der mich zu andern fuͤhren will.
2. Jch habe manche liebe ſtunden
Jn leerer hoffnung zugebuͤſt /
Eh ich es in der that befunden
Daß ſie mein maͤdgen worden iſt:
Drum lenck ich auch mein angeſicht
Nunmehr zu keiner andern nicht.
3. Jch weiß von auſſen und von innen
Was ihr gemuͤth im ſchilde fuͤhrt /
Und bin gewiß daß ſie die ſinnen
Mit lauter freundlichkeit regiert /
Sie iſt belieblich / zart und ſchoͤn /
Was ſolt ich dann zur andern gehn.
4. Offt hertzt ein fremder eine ziege /
Und ſieht ſie vor die Venus an /
Weil er dieſelbe nach der gnuͤge
Bald erſtlich nicht erkennen kan /
Und weil ein ſchleyer und die nacht
Die ſchlimmſte magd zur jungfer macht.
5. Und wann ich gleich was ſchoͤnes kuͤſſe /
So iſt mirs dannoch unbekant /
Ach nein / ich nehme das gewiſſe /
Und denck / ein vogel in der hand /
Jſt beſſer dann ein gantzes dutzt
Das noch in freyen felde ſtutzt.
6. Wer ſich nun gerne will verhindern
Der ſuche ſeine liebe weit /
Es iſt doch wahr / an fremden kindern
Verderbt man alle freundlichkeit /
An fremden hunden wendet man
Die ſuppen gar vergebens an.
7. Jch bleibe nun wo meine liebe
Sich erſtlich hat hervorgethan /
Und
Und da ich endlich keine diebe
Zu meinem ſchaden fuͤrchten kan.
Ein ander ſuche was er will /
Von meinem maͤdgen halt ich viel.

IX. Dorindgen muß ſich einer zauberey beſchuldigen laſſen.

DOrindgen darff ichs ſagen /
Und darff ich ohne ſcheu
Dich oͤffentlich verklagen /
Mit deiner zauberey?
Ach du verwandelſt meinen ſinn /
Daß ch mir ſelbſt nicht aͤhnlich bin.
2. Sonſt iſt mein junges hertz /
Bey allen maͤdgen kalt /
Und gibt der liebes-kertz
Gar ſchlechten auffenthalt /
Doch du verwandelſt meinen ſinn /
Daß ich bey dir verliebet bin.
3. Verlier ich ja bey andern
Manchmal ein gutes wort /
So bin ich nun von Flandern /
Und geh bey zeiten fort /
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich bey dir beſtaͤndig bin.
4. Jch habe meine bruͤder
Ohn allen ſchein geliebt /
Sie haben mich auch wieder
Mit willen nicht betruͤbt /
Doch du verwandelſt meinen ſinn /
Daß ich den freunden untreu bin.
5. Jch bin zur luſt gebohren /
Die haͤngt mir allzeit an /
Und gibt mir nicht verlohren
So lang ich liſpeln kan:
Doch
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich bißweiten traurig bin.
6. Jch kan an andern orten
Vortreflich loſe ſeyn /
Und laſſe mich mit worten
Jn manche kurtzweil ein /
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich gar eingezogen bin.
7. Sonſt gieng ich bald zu bette
Wann nun der abend kam /
Und alles um die wette
Mit ſich zur ruhe nahm:
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich des abends munter bin.
8. Wie ſchlimm haſt du gehandelt /
Jch kenne deine liſt /
Jch werde ſo verwandelt /
Du bleibeſt wie du biſt:
Ach kind / verwandle deinen ſinn /
Wie ich bey dir verwandelt bin.

X. An die unvergleichliche Margaris.

M Eines hertzens koͤnigin /
Angenehmſter ſchatz auf erden /
Richte deine luſt-geberden
Guͤnſtig auf den diener hin /
Als bey welchem deine gaben
Ruh und troſt zu ſchaffen haben /
Ich geſteh es zwar betruͤbt /
Schoͤnſtes kind ich bin verliebt.
2. M ich mein verraͤther ſeyn /
Ach was ſoll ich laͤnger ſchweigen /
Regen ſich doch alle zeugen
Gegen mir und meiner pein /
Alle
Alle kraͤffte meiner ſeelen
Reitzen mich mit ſanfftem qvaͤlen /
Ich bekenn es offentlich /
Schoͤnſtes kind ich liebe dich.
3. Mache nur durch deine gunſt
Alle meine noth zu nichte /
Richte dein geneigt geſichte
Gegen mir nnd meiner brunſt /
Alle freude / luſt und ſchertzen
Reiß ich ſonſt aus meinem hertzen /
Ich begehr in dir allein
Selig und vergnuͤgt zu ſeyn.
4. Meine werthe zuͤrne nicht /
Alles was ich dir erzehle /
Reimet ſich mit meiner ſeele /
Glaube / was die zunge ſpricht.
Andre moͤgen falſche ſachen
Ruͤhmen und zur tugend machen /
Ich will ohne falſchen ſchein /
Suͤſſes kind / dein diener ſeyn.
5. Mein geluͤcke ſteht bey dir /
Alles will ich dir ergeben /
Reitze mein beſtaͤndigs leben
Gunſt-geneigt zu deiner zier:
Alſo werden meine ſinnen
Ruh und ſuͤſſen troſt gewinnen.
Itzt verbleib ich halb betruͤbt /
Schoͤnſtes kind in dich verliebt.

XI. An eben dieſelbe / als ſie ihren nahmens-tag begieng.

WJe ſchoͤn hat doch der ſonnen licht
Zu ſcheinen angefangen /
Wie laͤſſt ſie ihr geſicht
Jn lauter neuen ſtralen prangen /
Ach33
Ach dieſes gilt gewiß
Der allerſchoͤnſten Margaris.
2. Denn ihr beliebter namens-ſchein
Bricht nun mit gutem gluͤcke
Bey unſern linden ein /
Und gibt uns ſolche blicke /
Bezeugt uns auch gewiß /
Sie ſey die ſchoͤnſte Margaris.
3. Drum werd ich auch nicht unrecht thun /
Wann ich mich auch ergetze /
Und meine feder nun
Mit ihrem Tugend-lobe netze /
Weil ich in meinem ſinn
Jhr ſonſten hoch verpflichtet bin.
4. Jch habe meine luſt an ihr
Und ruͤhme ſie vor vielen /
Wenn ich der Tugend zier
Seh auß der zarten ſchoͤnheit ſpielen /
Und wenn die freundlichkeit
Die ſuͤſſe reitzungs-macht verneut.
5. Wie hab ich manche liebe zeit
Voruͤber laſſen ſchweben /
Seit die gelegenheit
Jn ihrer gegenwart zu leben /
Mich bey der linden-ſtadt
Mehr als zu wohl ergetzet hat.
6. Derhalben weil ihr namens-Licht
So froͤlich iſt erſchienen
Erkuͤhnt ſich meine pflicht
Sie gegenwaͤrtig zu bedienen /
Und wo ich das nicht kan /
So nehme ſie den willen an.
C7. Der43[34]Uberfluͤſſiger gedancken
7. Der Himmel ſey ihr ferner gut /
Und gebe ſein gedeyen
Zu allem was ſie thut /
So werd ich gleichfals mich erfreuen
Und werd ohn allen ſchein
Jhr auffzuwarten muͤhſam ſeyn.

XII. Als er vor betruͤbten Liebes-Grillen nicht ſchlaffen konnte.

Jtzt ruht und ſchlaͤfft die gantze welt
Was ſee und feld
Jn den verliebten armen haͤlt.
Nur ich empfinde keine ruh /
Und bringe nicht ein auge zu.
Dann weil der tag zu ende geht /
Eh meine ſonne vor mir ſteht /
So bricht der abend auch herein /
Und muß gedoppelt finſter ſeyn.
2. Jch habe lange nacht
Umſonſt gewacht /
Und meinem ſchmertzen nachgedacht /
Wiewol je mehr ich dencken muß /
Je mehr empfind ich uͤberdruß /
Weil niemand die erwuͤnſchte bahn
Zu meiner hoffnung finden kan /
Und dannoch hab ich dieſen trieb
Der traurigen gedancken lieb.
3. Jch bin verliebt in meine pein /
Und nicht allein
Jn ihren hochgeſchaͤtzten ſchein:
Denn wann der ſchlaff ein ſanfftes ziel
Jn meinen ſorgen ſetzen will /
So35anderes dutzent.
So ſtellt ſich meine mattigkeit
Noch immer in den gegenſtreit /
Biß ſich ein traum ins hertze ſpielt /
Daß er mir die gedancken ſtielt.
4. Jn dieſem ſchatten koͤmmet mir
Die liebſte zier
Jn ihrer hoͤchſten ſchoͤnheit fuͤr /
Und ſtralt mein hertz dermaſſen an /
Daß ich es kaum vertragen kan;
Jedoch wann ich ein gleiches ſpiel
Mit meinen armen machen will /
So greiff ich an die kalte wand /
Und ſie entwiſcht mir aus der hand.
5. Jtzt ſehn ich mich nach meiner ruh /
Und ſchlieſſe nu
Die augen vor mir ſelber zu /
Komm wieder / komm du ſuͤſſer traum /
Und mache meiner wolluſt raum!
Denn wird der kummer nicht geſtillt
Durch ein erdichtes ſchatten-bild /
So weicht auff eine kleine zeit
Zum minſten die empfindligkeit.
6. Ach aber ach es geht nicht an!
Daß ich daran
Ein rechtes labſal haben kan.
Mein ſchmertzen geht mir viel zu nah /
Ach waͤre nur der morgen da /
Vielleicht iſt diß der liebe tag
Da ich mich wieder ruͤhmen mag /
Daß eine die mich ſonſt betruͤbt /
Mir ruh und leben wieder giebt
C 2Uber -36

Uberfluͤſſiger Gedancken Drittes Dutzent. Darinnen unterſchiedene Sachen begriffen / ſo vor - mals auf dem Schauplatze unvergnuͤgter Liebhaber vorgeſtellet worden.

I. Der unerkannte Liebhaber.

MEin liebgen will es nicht verſtehn /
Daß ich in ſie verliebet bin /
Sie kan vor mir voruͤber gehn /
Als haͤtte mein getreuer ſinn /
Der ihre lieb und gunſt begehrt /
Sich nach der gnuͤge nicht erklaͤrt.
2. Jch kan die aller ſchoͤnſten blicke
Genieſſen als ein guter Freund;
Doch hab ich nicht das hohe gluͤcke /
Daß ſie es in dem hertzen meint /
Daß ſie auff mich viel kundſchafft legt
Und ein verlangen nach mir traͤgt.
3. Wil ich bey ihr die zeit vertreiben
So laͤſt ſie mich mit willen ein;
Jedennoch will ich auſſenbleiben /
So kan ſie auch zufrieden ſeyn /
Sie henckt deswegen vor das hauß
Gar keinen ſchwartzen flor hinauß.
4. Und was mich treflich kan verdrieſſen /
So iſt das loſe tauſend-kind
Vor allen andern drauff befliſſen /
Wie ſie mir reden abgewinnt /
Und meine bruſt hindangeſetzt
Mich nur mit fremden maͤdgen hetzt.
5. Jch37drittes dutzent.
5. Jch darff dieſelben nicht verachten /
Denn ſonſten hieß es alſobald /
Daß wir es nirgend anders machten /
Und waͤren weder warm noch kalt:
Und gleichwohl wenn ich freundlich thu
So heiſts ich ſpreche ja darzu.
6. Jch darff ihr zwar die Haͤnde druͤcken /
Die meinen aber druͤckt ſie nicht /
Jch ſpiele mit verkehrten blicken /
Und ſie behaͤlt ihr angeſicht /
Mein fuß der ſtoͤſſt ſie ungefehr /
Jedoch ſie ſtoͤſſt nicht wieder her.
7. Den ſuͤſſen purpur-mund zu kuͤſſen
Geht mir zu ſchwer und ſauer ein /
Dieweil ich mich befuͤrchten muͤſſen
Es moͤcht ihr nicht belieblich ſeyn /
Wiewohl was hilfft ein kalter kuß /
Jndem man ſonſten warten muß.
8. Jch ſchwatze viel von liebes-ſachen
Wie es die leutgen in der welt
An dem und jenem orte machen /
Und alles was mir wohl gefaͤllt /
Das macht mein hoͤchſt-verliebter mund
Jhr durch verbluͤmte reden kund.
9. Jch kan ſie aber nicht erwiſchen /
Sie ſchlaͤgt die reden in den wind /
Jch muß in einem teiche fiſchen
Da keine fiſche drinnen ſind /
So eilt die junge zeit dahin /
Daß ich ſtets aus mir ſelber bin.
10. Und alſo ſeh ich meine freude
Nur zwiſchen furcht und hoffnung ſtehn /
C 3Und38Uberfluͤſſiger gedancken
Und kan in meinem hertzen-leide
Der wolluſt nicht entgegen gehn /
Der himmel hat es ſo gefuͤgt /
Jch liebe wol / doch unvergnuͤgt.

II. Der ungedultige liebhaber.

JCh hab ein bißgen lieb gehabt /
Und habe meinen ſinn gelabt /
Doch nun will ich mich ſelbſt verſtoͤhren.
Denn weil es gleich am beſten ſchmaͤckt /
Und wann man noch die finger leckt /
Da iſts am beſten auffzuhoͤren.
2. Es iſt doch lauter kinderey
Mit der verliebten loͤffeley:
Wie muͤſſen wir die zeit verderben /
Jn leerer furcht und hoffnung ſtehn /
Und manchen gang vergebens gehn /
Eh wir ein bißgen gunſt erwerben.
3. Und wann ſie nun erworben iſt /
So waͤhrt es eine kurtze friſt /
Biß wir ſie wiederum verſchuͤtten /
Ein ſchritt / ein wort / ein eintzig blick
Treibt alle freundlichkeit zuruͤck /
Und da hilfft kein genade bitten.
4. Die maͤdgen wollen luſtig ſeyn /
Drum lieben ſie nur auff den ſchein /
Der bloſſen zeit vertreibung wegen:
Doch weil es nur am gluͤcke liegt /
Daß man ſie bey der laune kriegt /
So koͤmmt man offt gar ungelegen.
5. Und wann wir noch ſo ſicher ſeyn /
So ſtellt ſich gar ein ander ein /
Der39drittes dutzent.
Der lernt zu erſt die bahne brechen /
Hernach ſucht er gelegenheit
Durch ſeine ſchlaue freundlichkeit
Uns unvermercket abzuſtechen.
6. Da geht das grillen-fangen an
Wie man den cauſenmacher kan /
Bey guter zeit zuruͤcke treiben /
Doch deſſen allen ungeacht /
Ob man ſich noch ſo mauſig macht /
Muß er im ſattel ſitzen bleiben.
7. Was hat man dann nunmehr darvon
Als allenthalben ſpott und hohn /
Und tauſend ſorgen in dem hertzen?
Ade du lebendiger tod /
Jch will hinfort mit deiner noth
Jn meiner vollen freyheit ſchertzen!
8. Drum lob ich eine compagnie /
Da wir biß an den morgen fruͤh
Auff gute treu und freundſchafft ſauffen /
Fuͤrwahr eh ich das liebes-ſpiel
So eyffrig wieder ſpielen will /
Eh will ich aus der ſtadt entlauffen.

III. Der furchtſame liebhaber.

WAs ſoll ich laͤnger ſchweigen?
Es iſt doch nun geſchehn /
Nachdem die klaren zeugen
Mir aus den augen ſehn:
Jch habe durch den ſuͤſſen trieb
Der ſchoͤnheit auch ein maͤdgen lieb.
2. Und will es jemand wiſſen /
Was denn die liebe ſey /
C 4Darauff40Uberfluͤſſiger gedancken
Darauff ich mich befliſſen /
So ſag ichs ohne ſcheu /
Und ſpreche die beſchaffenheit
Der leib iſt furcht und bloͤdigkeit.
3. Sonſt pfleg ich zwar zu ſchertzen
Jn allem was ich thu;
Doch meine furcht im hertzen
Laͤſſt ihr gar wenig zu:
Denn dieſer ſcrupel faͤllt mir ein /
Das maͤdgen moͤchte boͤſe ſeyn.
4. Und daß ich alles ſage /
Was mir beſchwerlich iſt:
Jch habe ſie mein tage
Nie auff den mund gekuͤſt /
Und gleichwol hab ich tag und nacht
An die corallen-luſt gedacht.
5. Gelegenheit macht diebe /
Nur ich verſteh es nicht /
Und wenn mir gleich die liebe
Manchmal die bahne bricht /
So bin ich doch ſo wunderlich
Jch armes kind / und fuͤrchte mich.
6. Sonſt kan ich fleiſſig tippen
Wann ich bey andern bin /
Da geb ich meine lippen
Jn die rapuſe hin /
Denn werd ich gleich was ausgericht
So ſterb ich doch von drauen nicht.
7. Kan ich was mit bekommen /
So weiß ich was ich thu /
Und wird mirs auch genommen
So ſchnipp ich eins darzu /
Wer41drittes dutzent.
Wer weiß wo noch ein maͤdgen iſt
Die mich wohl ungebeten kuͤſt.
8. Doch meine tauſend freude
Die nehm ich wohl in acht /
Jn dem ſie mir zu leide
Viel ſauer minen macht /
Und mitten in der freundlichkeit
Mir unverſehns die ſpitze beut.
9. Jch wolte gerne kuͤſſen /
Die furcht die macht mich matt /
Die weil ich nicht kan wiſſen /
Ob ſie es gerne hat /
Und ob ſie das verleckte ſpiel
Auf ihren lippen leiden wil.
10. Ach dieſer ſache wegen
Verſuch ich keine kunſt /
Es iſt mir mehr gelegen
An ihrer guten gunſt /
Doch weil ich ſie nicht kuͤſſen kan /
Greiff ich ihr in gedancken dran.

IV. Der hoͤhniſche Liebhaber.

BOtz tauſend Roſilis
Wils trefflich heuer geben /
Das naͤrrgen meint gewiß
Man koͤnn ohn ſie nicht leben /
Ach nein es iſt fuͤrwar
So boͤſe nicht gemeint /
Jch hab um die gefahr
Schon geſtern außgeweint.
2. Wer doch aus ungedult
Sich was zu leide thaͤte /
C 5Und42Uberfluͤſſiger gedancken
Und wegen ſeiner ſchuld
Viel um verzeihung baͤte /
Es iſt mir warlich leid /
Daß niemand alber iſt /
Und ihr auß dienſtbarkeit
Die ſtoltzen fuͤſſe kuͤſſt.
3. Jhr leute ſeht doch her /
Mein wolt ihr nicht erſchrecken;
Will jener oder der
Sie nicht im leibe lecken:
Das maͤulgen macht ſie krumm /
Die augen ſind erhitzt /
Die naſ iſt umm und umm
Ein bißgen zugeſpitzt.
4. Jedoch der groſſe zorn
Jſt wol noch auszuſchwitzen /
Deßwegen ſoll kein horn
Mir auf der blatte ſitzen /
Jhr rauhes angeſicht
Sey endlich wie es ſey /
Um ihren willen bricht
Mir doch kein bein entzwey.
5. Sie laſſe kuͤnfftig ja
Die groſſe boßheit ſtreichen /
Man findet hier und da
Warhafftig ihres gleichen:
Drum ſey ſie nicht ſo kalt
Und lerne mich verſtehn /
Sonſt will ich alſobald
Zu einer andern gehn.
6. Fuͤrwar ich lieſſe gern
Ein luſtig liedgen ſchallen /
Ach43drittes dutzent.
Ach waͤre nur mein ſtern
Nicht auff den Miſt gefallen!
Wie wol ich weiß wohin /
Jch ſchick ihn in das hauß /
Zu meiner waͤſcherin /
Die waͤſcht ihn wieder aus.

V. Der betrogene Liebhaber.

KOmmt ihr leute kommt und ſchauet
Mein betruͤbt exempel an /
Seht wie einer fallen kan
Welcher auff die liebe bauet /
Und ſein leben auf das ſpiel
Eitler wolluſt gruͤnden wil.
2. Waͤr ich vor ſo klug geweſen
Als ich itzo worden bin /
Haͤtte mein betrogner ſinn
Wol was beſſers auſſerleſen /
Aber ach ich armes kind
War an beyden augen blind!
3. Die beliebten purpur-wangen
Nahmen mir das leben ein /
Und erregten durch den ſchein
Alles hoffen und verlangen /
Biß ich alles was ich fand
Jhr und ihre gunſt verband.
4. Was ich dichte / was ich machte /
War auf ſie allein gericht /
Sie / mein engel / war mein liecht /
Und wann ich an ſie gedachte /
Lieff das blut in einem nu
Dem verliebten hertzen zu.
5. Wann44Uberfluͤſſiger gedancken
5. Wann ich gleich in einem tag
Kaum ein halbes blickgen ſah /
Gieng mir doch der ſtrahl ſo nah /
Daß ich auſſer aller klage /
Gleichſam als zu groſſem danck
Manch erfreutes luſt-lied ſang.
6. Aber nun bin ich verdorben /
Seit mir die gelegenheit
Zu dergleichen freundlichkeit
Unverhofft iſt abgeſtorben /
Und mein hertze keine ſtatt
Mehr in ihrem hertzen hat.
7. Alle luſt iſt mir zu wider /
Was ich ſehn und hoͤren muß /
Bringt mir lauter uͤberdruß /
Und die allerſchoͤnſten lieder
Von der liebe kommen mir
Abgeſchmackt und alber fuͤr.
8. Wann ich ja bißweilen ſchertze /
Und mein altes freuden-ſpiel
Wiederum verneuen will /
Ach ſo rufft mein ſchwaches hertze
Mitten in der ſuͤſſen ruh
Meinem ſchmertzen wieder zu.
Zwar ich ſehe ſchon von weiten
Daß die zeit mich troͤſten kan /
Doch wiewohl iſt der daran /
Welcher ſolchen eitelkeiten
Seine ſeele nicht ergiebt /
Oder doch geluͤcklich liebt.
VI. Der45drittes dutzent.

VI. Der ungewiſſen Liebhaber Nacht-Gedancken.

JCh armes kind! wie einſam muß ich leben /
Wie muß ich noch in eitel hoffnung ſchweben /
Jch dencke viel / und weiß doch nicht wohin /
Es wundert mich daß ich ſo luſtig bin.
2. Wo werd ich noch mein ruheplaͤtzgen finden /
Und welcher ort wird ſich mit mir verbinden /
Jch blicke zwar ins liebſte vaterland;
Doch Gottes rath iſt mir noch unbekannt.
3. Wie muß wol itzt das liebe ſeelgen liegen /
Das mich einmahl im lieben ſoll vergnuͤgen /
Sie liegt vielleicht in ihrer ſanfften ruh /
Und druͤckt das liecht der ſchoͤnen augen zu.
4. Sie wird an mich den abend nicht gedencken /
Da ich mich muß im Vorrath gleichſam kraͤncken /
Und wo ſie ja den kopff ietzund zerbricht
So weiß ſie doch von meiner liebe nicht.
5. Das iſt gewiß / die maͤdgen ſo ich kenne /
Und die ich ſchon mit ihren namen nenne /
Die ſind mir wohl ohn zweiffel nicht beſchert /
Jch habe ſie auch nie ſo weit begehrt.
6. Es iſt noch zeit / daß ich ein kind erwaͤhle /
Am leibe ſchoͤn und ſittſam an der ſeele:
Diß iſt genug? ſonſt ſey ſie arm und reich /
Groß oder klein / es gilt mir alles gleich.
7. Wiewol ich kan mein wort nicht von mir geben /
Wer weiß / ob ich das gluͤcke werd erleben
Wie mancher giebt der eitelkeit valet
Eh er die ſpur der ſuͤſſen liebe geht.
8. Es mag drum ſeyn / ich bin bereit zu allen /
Des Himmels-ſchluß ſol mir allzeit gefallen /
Jch46Uberfluͤſſiger gedancken
Jch ſtreite nicht / ich bleibe gern allein
Jch wil auch gern der liebe dienſtbar ſeyn.
9. Dieſelbe mag es nach belieben karten /
Jch wil den troſt in aller ſtill erwarten /
Schlaf wohl mein kind / mein unbekanntes ich /
Schlaf du nur wol / ich wache ſchon vor dich.

VII. Die vergnuͤgten Liebhaber.

SO liegen die neuen verliebten beyſammen
Jn unverruckter hertzens-luſt /
Und locken die hitze der ehrlichen flammen
Auß ihrer tugendhafften bruſt /
So ſchertzet und ſpottet das edele paar
Der nimmer-vergnuͤglichen liebes-gefahr.
2. Jhr liechter des Himmels ach ſehet ſie liegen /
Seht wie ſie durch die ſchoͤne nacht
Jhr lieben im lieben durch lieben vergnuͤgen /
Biß Phoſphorus den morgen macht:
Da lernen ſie langſam und ſchlaͤfferig ſeyn
Und ſchlaffen in werther zufriedenheit ein.
3. Sie koͤnnen ſich kuͤhnlich einander erklaͤren /
Dann deſſenwegen ſind ſie da /
Auff alles verlangen auff alles begehren
Folgt nichts als ein vergnuͤgtes ja /
Sie heiſſet ſein leben / er heiſſet ihr liecht /
Sie kuͤſſen einander und fuͤrchten ſich nicht.
4. Was manchen verliebten im weiteſten felde /
Wie eine roß im winter bluͤht.
Was mancher nur gleichſam in einem gemaͤhlde /
Von ſeiner luſt-vergnuͤgung ſiht /
Das fuͤhlen ſie wuͤrcklich und ruffen die ruh /
Als eine beliebliche zeugin dazu /
5. Drum47drittes dutzent
5. Drum kom̃et ihr Gratien / ſchwinget die lieder /
Durch die erfreute Linden-lufft /
Erfuͤllet die gaſſen biß Echo hinwieder
Mit ihrer holen ſtimme rufft:
Die ſelig verknuͤpfften die haben geſiegt /
Sie leben erfreulich / und lieben vergnuͤgt.

VIII. An eben dieſelbige.

GUte nacht ihr edlen beyde /
Lobt den Himmel der euch liebt /
Und die angenehmſte freude /
Dieſer nacht zu eigen gibt /
Lobt den Himmel und bedenckt /
Was er euch vor gnade ſchenckt.
2. Euer leben und gedeyen
Das bezeugt euch mehr als wol /
Daß ſich manches haupt erfreuen /
Manches hertze troͤſten ſoll /
Dieſe freude kan allein
Nicht vor zwo perſonen ſeyn.
3. Die geliebten Eltern zwingen
Sich zu der verlangten ruh /
Doch die lieben hertzen bringen
Vor der luſt kein auge zu /
Dann ſie dencken allzugleich
Edles beyde nur an euch.
4. Sie erwarten mit verlangen
Die erwuͤnſchte tageszeit /
Euch empfindlich zu empfangen /
Als ein pfand das ſich verneut /
Und die freundſchafft in der that
Endlich recht verknuͤpffet hat.
5. Nun48Uberfluͤſſiger gedancken
5. Nun des guͤnſtgen Himmels-ſegen /
Halte ferner den gebrauch /
Wachſet nicht nur eurentwegen /
Sondern ihrentwegen auch /
Die an allen was geſchehn /
Jhres hertzens wolluſt ſehn.

IX. Der Jungfern Grabe-Lied.

NUn ſo zeuch du fromme ſeele /
Zeuch aus aller angſt und noth!
Stirb fein ſeelig und erwaͤhle
Deinen allerliebſten tod /
Welcher jetzt ſo freundlich koͤmmt /
Und dich in die armen nimmt /
Der auch ſtets bey dir wird bleiben /
Und dir huͤbſch die zeit vertreiben.
2. Zachries pfeift die ſterbe-lieder
Vor den trauer-leuten her /
Hofemann laͤufft hin und wieder
Ja die laͤng und in die qver /
Die großvaͤter ſind betruͤbt /
Weil man trefflich achtung gibt /
Und die waͤchter mit den ſpieſſen
Vor der treppe ſtehen muͤſſen.
3. Nun die namen ſind geſchrieben
Jn das groſſe kirchen-buch /
Drum zerreiſſet nach belieben
Jmmer hin das leichen-tuch /
Steiget nur in ſarg hinein /
Kurtzweil muß getrieben ſeyn /
Habens doch die lieben alten
Vormals eben ſo gehalten.
4. Gute49drittes dutzent.
4. Gute nacht du liebe ſeele /
Schlaff bey leibe nicht zuviel /
Biß fein luſtig weil das oͤle
Jn dem laͤmpgen brennen wil /
Wirſt du nach vollbrachter nacht
Gleich ein bißgen außgelacht:
Hat es doch bey jungen leuten
Trefflich wenig zu bedeuten.
5. Nun die jungfer iſt geſtorben /
Und das weibgen lebet noch /
Jſt ihr namen gleich verdorben /
Weiß daß liebe laͤmmgen doch /
Wo ſie ſich erholen ſoll /
Und der todt bekoͤmmt ihr wol /
Weil ſie bald in jungen jahren
Seine ſuͤſſigkeit erfahren.
6. Aber ihr betruͤbten maͤdgen /
Die ihr noch am leben ſeyd /
Bleibt zu frieden / dann die faͤdgen
Zu dem hembde ſind bereit /
Daß in euer todes-pein
Soll der ſterbe-kittel ſeyn:
Dannoch welche ſtirbt am ehſten
Soll die andern helffen troͤſten.

X. Als er ſeine Liſilis auff einer Hochzeit bedienen wolte.

KOmm du angenehmer tag /
Und vergoͤnne daß ich mag /
Meiner Liſilis allein
Zu beliebten dienſten ſeyn.
2. Ach wie ſehnlich ach wie offt /
Hab ich laͤngſt darauff gehofft /
DBiß50Uberfluͤſſiger gedancken
Biß des guten gluͤckes-rath
Mich damit beſeligt hat!
3. Andre konten gar zu fein
Unterweilen luſtig ſeyn /
Wann das maͤdgen hier und dar /
Als ein gaſt zugegen war.
4. Aber mir war nichts verguͤnt /
Dann ich war ein armes kind /
Und ſah kaum von fernen an /
Was von andern war gethan.
5. Nun es iſt des gluͤckes art /
Daß es manche freude ſpart /
Nur damit die luſt darbey
Endlich deſto groͤſſer ſey.
6. Jetzo bin ich wol vergnuͤgt /
Weil mein wunſch hat obgeſiegt /
Und die hand die mir gefaͤlt /
Meinen ſinn zufrieden ſtellt.
7. Alles lacht und lebt in mir /
Und ergoͤtzt ſich an der zier /
Meiner werthen goͤnnerin /
Der ich gantz ergeben bin.
8. Aber waͤr ich auch gewiß /
Ob die loſe Liſilis
Mir deßhalben auch noch mehr
Guͤnſtig und gewogen waͤr?
9. Zwar ich zweiffle nicht daran /
Weil ſie’s doch nicht laſſen kan /
Und ſie iſt mein creutz / mein blut /
Noch der alten hacke gut.
10. Jch verlaſſe mich darauff /
Auf ihr muſicanten auf /
Strei -51drittes dutzent.
Streichet biß die quinte reiſt /
Und die nacht uns wandern heiſt.

XI. Als das Maͤdgen auf eben dieſer Hochzeit nicht wolte luſtig ſeyn.

HAb ich mich nicht geſpitzt
Auf dieſes Hochzeit-ſpiel /
Und gleichwol da ich itzt
Die luſt betrachten wil /
So iſt ſie warlich ſchlecht /
Das maͤdgen wil nicht laͤchen /
Und mir iſt auch nicht recht /
So ſtehen meine ſachen.
2. Jch haͤtte mir den ſpaß
Viel beſſer eingebildt /
Doch nun wird diß und das
Die helffte kaum erfuͤllt /
Jch war von hertzen froh /
Dann ſchickt ich mich auf minen /
Da wolt ich ſo und ſo /
Das loſe kind bedienen.
3. Es hat ſich wol bedient /
Wann ſie aus lauter liſt
Sich nicht ſo viel erkuͤhnt
Und ſelber luſtig iſt;
Wann ſie den ſchoͤnen reſt
Der zeit nur wil verliehren /
Und den Saturnus laͤſt
Jn ihren ſinn regieren.
4. Jch bin zu wunderlich
Und werde flugs betruͤbt /
Wann nur ein maͤdgen ſich
D 2Ein52Uberfluͤſſiger gedancken
Ein wenig theuer giebt:
Es darff ein eintzig blick
Sich wider mich erregen /
So prall ich ſchon zuruͤck /
Und iſt mir alls entgegen.
5. Was hilffts / ich wil hinfort
Ein bißgen kluͤger ſeyn /
Und mich auff keinen ort
So uͤbermaͤſſig freu’n:
Es iſt doch mein gebrauch /
Je aͤrger ich mich ſpitze /
Je weniger wird mir auch
Der freude ſelber nuͤtze.
6. Hingegen ſo behaͤlt
Dieſelbe luſt den preiß /
Wenn daß man auff der welt
Nichts von den haͤndeln weiß
Denn alſo koͤmmt man offt
Zu angenehmen leuten /
Die einem unverhofft
Den ſchoͤnſten ſpaß bereiten.
7. Dem ſey nun wie ihm ſey /
Jtzt bin ich wol vexirt /
Und kan doch nicht vorbey /
Daß ſo ein ſtern regiert /
Jſt mein geluͤcke gut /
So will ichs bald erleben /
Daß mir das loſe blut /
Soll beſſre blicke geben.
XII. Der53drittes dutzent.

XII. Der ungluͤckſelige Garten-Courtiſan.

Er.
MEin kind ſo treff ich ſie
Jn dieſem garten an?
Sie. Ach daß er doch die muͤh
Um mich nicht laſſen kan.
Er. Jch habe ſie geſucht /
Und habe ſie gefunden.
Sie. Dadurch iſt mir die frucht
Der einſamkeit verſchwunden.
Er. Sie goͤnne mir die luſt
Und laſſe mich hinein.
Sie. Dem Herren iſts bewuſt
Jch muß alleine ſeyn.
Er. Mein kind wie iſt ſie doch
So ſauer und vermeſſen.
Sie. Mein Herr ich habe noch
Kein honig-baͤmmgen geſſen.
Er. Behaͤlt ſie ihren ſinn
Wie ſie allzeit gethan.
Sie. So geh er immer hin /
Wenn ers nicht leiden kan.
Er. Ach was vor ſtiche gibt
Sie meinem frommen hertzen.
Sie. Jn warheit es beliebt
Demſelben ſo zu ſchertzen.
Er. Jch ſtelle mich ja gar
Zu ihren dienſten ein.
Sie. Der diener wird fuͤrwahr
Vor mich zu koͤſtlich ſeyn.
D 3Er54Uberfluͤſſiger gedancken
Er. Jch wuͤnſch in ihrer pflicht
Zu leben und zu ſterben.
Sie. Ach nein / ich laß ihn nicht
So liederlich verderben.
Er. Wenn dieſes moͤglich waͤr
So doͤrfft ich zu ihr hin.
Sie. Er hoͤre wieder her /
Wann ich nicht hauſſen bin.
Er. Ein ſchoͤnes maͤdgen ſoll
So ſtrenge nicht verfahren.
Sie. Den athen moͤcht er wol
Zu einer ſuppe ſparen.
Er. So darff ich nicht zu ihr
Mein kind was mach ich nun.
Sie. Botz tauſend kan er mir
Sonſt keinen poſſen thun.
Er. Ein ſchoͤnes angeſicht
Werd ich fuͤrwahr nicht haſſen.
Sie. Mein blut! er kan doch nicht
Die complementen laſſen.
Er. Sie iſt ja roth und weiß
Mit roſen umgeſtreut.
Sie. Gewiß er hat den preiß
Der hoͤchſten hoͤffligkeit.
Er. Doch fuͤhl ich meine qual
Und wuͤnſche kaum zuleben.
Sie. Er ſag es noch einmahl /
Das war recht wohl gegeben.
Er. Jch ſag es noch einmahl /
Wie iſt ſie nun geſinnt?
Sie. Fuͤrwar das ſteht gar kahl /
Jſt er ein pfaffen-kind?
Er.55drittes dutzent.
Er. Es iſt ihr ſteter brauch /
Sie treibet ihr gehoͤne.
Sie. Hat ſeine mutter auch
Mehr ſolche kluge ſoͤhne?
Er. Was hilffts / ich ehre ſie /
Und wann ſie eiſern waͤr.
Sie. Drum war mir heute fruͤh
Das hertze noch ſo ſchwer.
Er. Jch lauff und bin doch matt /
Jch brenn / und will mich waͤrmen.
Sie. Wer keine bienen hat
Muß freylich ſelber ſchwaͤrmen.
Er. Nun meine ſeele ſoll
Jn ihrer ſeele ruhn.
Sie. Mein herr es wirds ihm wol
Ein ander hoͤltzgen thun.
Er. Fuͤrwar ich bleibe da /
Daß ich ſie nicht verliere.
Sie. Ach er gewene ja
Das maul zu anderm biere.
Er. Jedoch ſie laſſe mich
Nicht vor der thuͤre ſtehn.
Sie. Mein was bemuͤht er ſich /
Jch muß nach hauſe gehn.
Er. Nun ſo behalte ſie
Auch ihre ſtoltze weiſe.
Sie. Er ſchone ſeiner knie /
Viel gluͤcks auff ſeine reiſe.
D 4Uber -56

Uberfluͤſſiger Gedancken Vierdtes Dutzent.

I. Er troͤſtet ſich wegen ſeiner Mit-Buhler.

MEin hertze biſt du noch betruͤbt /
Dieweil das maͤdgen das dich liebt /
Auch andern ſchoͤne blicke gibt?
Ach bilde dir durchauß nicht ein /
Als wolteſt du bey ihr allein
Der hahn allzeit im korbe ſeyn.
2. Bedenck es beſſer was du thuſt /
Und wann du ja die ſuͤſſe luſt
Mit andern leuten theilen muſt /
So habe doch genug daran /
Daß kein affection-galan
Dir deinen ſpaß verwehren kan.
3. Du biſt der beſte bruder nicht /
Du haſt dein geiles angeſicht
Gar offt zu andern hingericht /
Darum mein hertz / was zuͤrnſtu viel /
Wann dich das maͤdgen durch ihr ſpiel
Mit gleicher muͤntze zahlen wil?
4. Sie nimmt ſich warlich noch in acht
Wann ſie mit andern freundlich lacht /
Daß ſie es nicht zu loſe macht /
Hergegen du biſt ſo verpicht.
Auffs liebe brod / und achteſt nicht /
Ob dich einander gleich verſpricht.
5. Kein menſch hat die beliebte krafft
Der mehr als theuren jungferſchafft
Auß ihrer jungen ſchoß gerafft /
Du57vierdtes dutzent.
Du aber frage deinen ſinn
Wo haſt du laͤngſten den gewinn
Der angebrannten keuſchheit hin.
6. Und endlich kriegſt du loſer dieb
Gleich manchen guten lungen-hieb /
Hat ſie dich doch ein bißgen lieb:
Denn ſie vertreibt die lange zeit
Mit voͤlliger zufriedenheit
Bey dir und deiner luſtigkeit.
7. Sie iſt dir nicht alleine ſchoͤn /
Drum laß die andern immer gehn /
Du kanſt den poſſen doch verſtehn.
Es koſt viel zeit eh es gelingt /
Daß dich einander uͤberſpringt /
Und ſich in deine ſtelle dringt.
8. Darumb mein hertze ſey getroſt /
Wann mancher kerle ſich erbooſt /
Und mit um deine liebe loſt /
Wo ſie dir nur gewogen iſt /
So dencke / daß du vor der liſt
Deß henckers ſelber ſicher biſt.

II. Auf einen einfaͤltigen Guͤmpel.

MEin ſchaͤtzgen iſt ein flegel /
Er ſtolpert uͤbern ſchlegel
So offt er zu mir geht /
Und zeigt mit ſeinen ſparren /
Daß er vor einen narren
Bey aller welt beſteht.
2. Er treibt ſo lahme poſſen /
Als waͤr er recht geſchoſſen
Mit groben haſen-ſchrot:
D 5Drum58Uberfluͤſſiger gedancken
Drum wer ſich muß beqvemen /
Und ihn zur ſeite nehmen /
Der hat die haͤrtſte noth.
3. Ach wann die complimenten
Wie pech und ſchwefel brennten /
So wers um uns geſchehn:
Wir haͤtten unſre gaſſen /
Da wir uns niederlaſſen /
Schon in der gluth geſehn.
4. Bald ſeh ich ihm zuſauer /
Bald heiß ich gar ein bauer /
Bald hat er ſonſten was:
Es mangelt nicht ein dreyer /
So heiſt der albre freyer
Mich gar ein raben-aaß.
5. Und doch der gute kerle
Sieht ſelbſt wie eine perle
Die auff dem miſte liegt /
Und iſt ſo truͤb und dunckel
Als wie ein ſchwartz carfunckel
Den man im ofen kriegt.
6. Bey meiner treu ich wette
Er hat im haſen fette
Biß uͤbers knie geſteckt /
Nun iſt kein hund im lande
Der ihm die groſſe ſchande
Von ſeinen ſtruͤmpffen leckt.
7. Die groſſen haſen-ohren
Die ſind ihm angebohren;
Jedoch der ſchiefer nicht /
Der hat ihn erſt geſtochen /
Als man vor wenig wochen
Das59vierdtes dutzent.
Das kirch dach angericht.
8. Das auſſerleſne ſchaͤtzgen
Begehrt wol gar ein ſchmaͤtzgen /
Und bitt mich noch ſo ſehr:
Ja / ja ihr armer teuffel /
Daran iſt gar kein zweiffel /
Hoͤrt morgen wieder her.
9. Ach ihr verliebter haſe
Jhr ſtoſſt euch an die naſe /
Kuͤſſt mir das angeſicht
Da mir die naſe mangelt /
So habt ihr recht geangelt /
Und ihr verbrennt euch nicht.
10. Ach Hans ſpann an / und fuͤhre
Den eſel vor die thuͤre /
Das haus iſt viel zu gut:
Er wird auff dieſer erden
Nun wohl nicht anders werden /
Er bleibt ein
11. Wiewol er mag es bleiben /
Und ſeine zeit vertreiben /
Wie wo und wenn er wil:
Jedoch daß ich die plagen
Faſt ſtuͤndlich muß ertragen /
Das iſt fuͤr mich zu viel.
12. Steckt ihm den kopff voll hoͤrner
Reibt ihm den ſteiß voll doͤrner /
Das maul voll theriack:
Schickt ihn mit ſolchem kleiſter
Der narren obermeiſter
Zum gruͤnen donnerſtag.
III. An60Uberfluͤſſiger gedancken

III. An die junge und wunder-ſchoͤne Salibene.

DU alte Salibene /
Mit gunſt daß ich dich hoͤhne /
Weil du dich in den gruͤnen
So hoͤflich laͤſt bedienen.
2. Dein altes angeſichte
Kan bey dem ſchoͤnſten liechte /
Wie finſtre wolcken pflegen /
Uns in den ſchatten legen.
3. Roht ſteht in purpur feine /
Doch nicht im helffenbeine:
So muͤſſen ſchoͤne minen
Dich zuverſtellen dienen.
4. Den wein wird niemand kauffen
Auch niemand wird ihn ſauffen /
Den man im faulen faͤſſern
Auß pfuͤtzen pflegt zu waͤſſern.
5. Alſo kan auch dein lachen
Uns ſchlechte freude machen /
Weil ſich in allen thaten
Daß alter muß verrathen.
6. Wir hoffen zwar auff erden
Noch ſaͤmtlich alt zu werden /
Und duͤrffen drum die alten
Nicht gar zu ſchimpflich halten.
7. Doch wann ſie jungen leuten
Jn ihren circkel ſchreiten /
Und anders als ſie ſollen
Der luſt gebrauchen wollen.
8. So muß man ihnen ſagen
Wie viel hat es geſchlagen /
Und61vierdtes dutzent.
Und ihre ſchoͤnheits-ſtralen
Mit hellen farben mahlen.
9. Die zeit iſt laͤngſt verfloſſen /
Da ſie das gut genoſſen /
Das gut das ſie verlohren /
Eh als wir ſind gebohren.
10. Wir ſehn den reiffen lentzen
Um unſre jahre glaͤntzen /
Und koͤnnen die violen
Mit unſers gleichen holen.
11. Hingegen will bey ihnen
Kein graͤßgen ferner gruͤnen /
Weil ſich an ihren wangen
Der winter angefangen.
12. Drum geh / o Salibene /
Geh fort du alte ſchoͤne /
Daß Venus mit dem knaben
Nicht mehr darff unluſt haben.
13. Halt dich zu hauſe ſtille /
Und ließ in der poſtille /
Und lerne mit dem ruͤcken
Den warmen ofen druͤcken.

IV. Wie man zuͤrnen ſoll.

MAedgen wiltu boͤſe ſeyn
So biß es immerhin /
Gleich bilde dir nicht ein /
Daß ich auch boͤſe bin.
Denn ſeh ich zwar
Offt gantz und gar
Als wie die theure zeit /
So iſt mein hertz
Doch62Uberfluͤſſiger gedancken
Doch ohne ſchertz
Noch voller Freundlichkeit.
2. Ach wie wolt ich boͤſe ſeyn
Auff dich du loſes kind?
Jch bin fromm und du biſt fein /
Drum bin ich gut geſinnt /
Und nimmſt du