DAß nunmehr dieſe uͤberfluͤßige ge - dancken noch einmahl ihr gluͤcke / o - der daß ich beſſer rede / ihr ungluͤcke in die welt verſuchen wollen / ſolches hat der Autor nicht verlanget / und gleich wohl nicht verhindern koͤnnen. Jmmittelſt weil ich als ein unbekandter genoͤthiget werde an deſſen ſtelle zu treten / und dieſe neue Edition mit einer neuen vorrede zu bekleiden / ſo werde ich die freyheit haben / nicht ſo wohl aus ſchul - diger freundſchafft / als aus liebe zu der war - heit / gegenwaͤrtige gedancken zu entſchuldigẽ. Es mag ſeyn / daß iemand den titul nicht recht verſtanden / und dahero von dem gantzen we - ſen ein ungleiches urtheil gefaſſet hat. Denn freylich wer dieſe gedancken in ſolcher mey - nung wolte uͤberfluͤßig nennen / wie etwan dort〈…〉〈…〉 zu verſtehen ſind / der muͤſte ſeinen eifer nicht uͤberfluͤßig haben / wenn er ſolchen allhier verſparen wolte: Allein es wird verhoffentlich noch ein gnaͤdiger und beſſer verſtand zuruͤck ſeyn. Uberfluͤßige gedanckenA 2heiſ -heiſſen ſolche gedancken / die man bey muͤßigen nebenſtunden als einen zulaͤßigen zeitvertreib zu fuͤhren pflegt. Denn weil man krafft ſei - nes obliegenden amts an dergleichen neben - werck nicht gebunden iſt / und ein ander bey ſeinen verrichtungen eben ſo weit kommt / der ſich ſolcher gedancken aͤuſſert; Als geſchicht es nur zum uͤberfluß / und gleichſam zur zugabe / wie bißweilen ein gaſtwirth ſeinen gaͤſten oh - ne noth aus einer uͤberfluͤßigen liberalitaͤt et - liche kannen wein frey paßiren laͤſſet. Parer - gon heiſſet nicht ein boͤſes werck / ſondern ein werck / welches zum uͤberfluß neben der or - dentlichen arbeit getrieben wird. Uñ wo wuͤr - den die Autores Horarum Subſecivarum, Dierum Canicularium, Dierum Genialium, und andere / welche ihre arbeit Otium genennet / zu rechte kommen / wenn man nichts uͤberfluͤßiges vor - nehmen duͤrffte. Gellius waͤre mit ſeinen No - ctibus Atticis laͤngſt unter die wercke der fin - ſterniß gezehlet / und in den Indicem librorum prohibitorum geſetzet worden.
Nun wird zwar iemand einwenden / der gedachten ſcribenten uͤberfluß waͤre gleichwol der welt etwas nuͤtzer geweſen / als wenn etli - che abgeſchmackte lieder / nicht anders als aus einer klingenden ſchelle / ausgelaſſen wuͤrden. Doch der unterſcheid beſtehet hierinnen / daß jene des maͤnnlichen alters / dieſe aber der gruͤ - nen jugend uͤberfluͤßige gedancken ſind: Undwiewie eine iegliche zeit ihre eigene ergoͤtzligkeit hat / wie man auch nicht eher thut als ein mann; als wenn der bart dem geſichte eine ſaure mine abfordert: alſo wuͤrde ſich die ju - gend uͤber dem zeitvertreib ſchlecht zu eꝛfreuen haben / welche ſich von ihrer inclination allzu - weit abſondern wolte.
Und wer kan leugnen / daß dergleichen uͤ - bungen ſo gar ohne nutzen verrichtet werden? Jſt es nothwendig / daß ein junger menſch in poetiſchen und oratoriſchen ſachen auffge - muntert / und zur recommendation der an - dern gelehrſamkeit an luſtige und angeneh - me Inventiones gewieſen wird; ſo will ich hof - fen / es ſolte nicht allein das junge volck hieꝛinn zu loben ſeyn / ſondern ein ſorgfaͤltiger infor - mator ſolte auch dahin trachten / wie er ſeinen untergebenen dergleichen uͤberfluͤßige gedan - cken einfloͤſſen moͤchte / daruͤber ſie andere uͤ - berfluͤßige wercke / als ſpielen / ſauffen / muͤßig gehen / vergeſſen koͤnten.
Jh halte auch nicht / daß iemahls ein mann durch liebliche worte beruͤhmt worden / der in ſeiner jugend allen uͤberfluß in ſolchem ſtuͤcke verachtet hat. Jnmaſſen die bloſſen ſchul-ma - terien nicht genung ſind / ein ſtattliches Ingeni - um zu excitiren / wenn es nicht aus eigenem antrieb ſeinen fleiß etwas hoͤher fuͤhren ſoll. Legen doch die huͤner viel lieber in das neſt / das ſie ſelbſt erwaͤhlet haben / als welches von einerA 3un -ungedultigen kaͤſemutter iſt angeleget wordẽ.
Nun iſt es wohl an dem / daß lauter liebes - ſachen dariñ enthalten ſind / welche / dem anſe - hen nach / bey jungen leuten viel aͤrgerniß an - richten koͤñen / uñ wiꝛd deꝛgeſtalt iemand denẽ uͤbeꝛfluͤßigen gedancken denſelben titul zule - gen / welchen der Frantzoͤſ. Pontus de Thyard ſeinen ſonneten gegeben hat / daß er ſie Erreurs Amoureuſes, verliebte irrthuͤmer nennt. Doch es ſey ſo / ſie moͤchten Errores Juveniles heiſſen / ſo wuͤrde auch dieſer irrthum nicht allzu verdammlich ſeyn. Denn es waͤre nicht ein error vitii, ſondern ein error imprudentiæ. Wenn ein kind auff dem ſtecken reitet / ſo iſt es ein error infantiæ: Wenn ein knabe mit boh - nen ſpielet / oder die muͤcke fligen laͤſt / ſo iſt es error pueritiæ. Denn wenn ſie ſo klug waͤ - ren als alte leute / wuͤrden ſie an dergleichen lumpen-poſſen keine vergnuͤgung haben. Un - terdeſſen begehen ſie keine ſuͤnde / oder zum we - nigſten wird dieſe that præcisè nicht als ein boßhafftiges und unrechtmaͤßiges weſen zu verdammen / oder wohl gar zu beſtraffen ſeyn. Weil nun die jugend der natur noch etliche thorheiten ſchuldig iſt / ſo wird eine ſolche poc - tiſche ſteckenreuterey als ein error juvenilis um ſo viel deſto mehr zu entſchuldigen ſeyn / jemehr das nachfolgende alter die eitelkeit ſelbſt zu verlachen / und durch anſtaͤndige ge - dancken zu verbeſſern pfleget.
Ge -Geſetzt auch / es waͤren lauter liebes-ſachen darinn / (wiewol ich bald den falſchen concept benehmen werde /) ſo iſt es ja nicht ein ſchelmi - ſches ding um die liebe / daß man nicht daran gedencken duͤrffte. Denn daß aͤrgerliche ſau - poſſen nicht geduldet werden / da iſt freylich der jugend daran gelegen. Aber wenn niemand an die liebe gedencken ſolte / wo wuͤrden ſo viel tauſend Præceptores mit ihrem Terentio bleiben / welcher in dem eintzigen Eunucho mehr unziemliche haͤndel vorſtellet / als in den gantzen uͤberfluͤßigen gedancken zu leſen ſind. Denn ich will itzo vom Ovidio, Martiali und andern nichts ſagen / welche der jugend ohne alle widerrede in den haͤnden gelaſſen weꝛden. Uber dieſes duͤrffte auch kein hochzeit-carmen in oͤffentlichen druck heraus kommen / aus groſſer beyſoꝛge / es moͤchte ein junges blut hie - durch zu boͤſen gedancken / oder zu einem ſcan - dalo accepto veranlaſſet werdẽ. Uñ es iſt nicht zu leugnen / daß eben in dieſem buche etl. lieder ſolche perſonen betreffen / welche zu ſich einer ehelichen liebe verbunden / auch innachfolgen - der zeit die gluͤckl. vollziehung befoͤrdeꝛt habẽ.
Doch was gehet die liebe ſo groß dieſe verſe an / indem ſelbige mehr zu einer annehmlichen Allegorie, als zu den gedancken ſelbſt coope - rirt hat? Wen Petrarcha unter ſeiner Laura, Opitz unter ſeineꝛ Aſterie, andere unter andeꝛn verliebten nahmen gemeynet haben / das iſtA 4mehrmehr als bekandt. Wer es auch nicht verſte - het / der iſt ohne zweiffel nicht werth / daß er ſolches an dieſem orte erſt lernen ſoll.
Alldieweil nun dem Auctori beliebt hat ſein ſtudieren unter dem bilde eines liebhabers vorzuſtellen / uñ hiedurch ſeine begierde gegen das frauenzimmer duꝛch einen gelehrten be - trug abzuweiſen / ſo wird er entweder auſſer ſchuld ſeyn / oder die compagnie der beſchuldig - ten wird ſo groß werden / daß er ſich vor einen ſchwachen feind nicht ſondeꝛlich wird entſetzen duͤrffen. Die bloſſen abſchieds-lieder / welche in trefflicher menge erſcheinen / muͤſſen zeuge ſeyn / daß es faſt unmoͤglich geweſen / ſo viel - mal zu verreiſen. Und ich habe ſelbſt aus ſei - nem munde gehoͤret / wenn er ein collegium beſchloſſen / und gleichſam von einer diſciplin zu der andern gereiſet waͤre / ſo haͤtte ſich eine verliebte erfindung angegeben / unter der pro - ſopopœia einer jungfer die angenehme diſci - plin nachmahls zu bedienen: Ja / es iſt ein lied vorhanden / darinn er ſich beruͤhmt / er haͤtte zwey maͤgdgen auf einmahl: Da werden alle bekandten zeuge ſeyn / daß der Auctor zugleich theologica und juridica collegia hielt / und als ein liebhaber der fundamentalen philologie, beyderſeits principia faſſen wolte. Jndem nun etliche meynten / er waͤꝛe ein perpetuus transfu - ga, der ſich bald zu der ſchwartzen / bald zu der rothen fahne begeben wolte / ſo proſequirte erſol -ſolchen poſſen in dieſem hoͤniſchen liede / damit die guten freunde deſto eher fertig wurden / und waren alſo die zwey liebſten Theologia und Jurisprudentia.
Solten etliche lieder in ihrem eigenen ver - ſtande directè auf liebes-ſachen gehen / ſo wird ſolches mehrentheils als eine Satyra zu verſte - hen ſeyn / darinn die jungen leute mehr abge - mahnet / und bey vorſtellung unterſchiedlicher thorheiten zu einer andern und hohern liebe heimlich angewieſen werden.
Doch wieder auff die gelehrten allegorias zu kom̃en / wann ſich etwan ein guter freund mit unzeitigem richten uͤbereilen wolte / ſo wird das beſte mittel ſeyn / aus einem vorneh - men mann dergleichen anzufuͤhren / welcher erſtlich auff einer beruͤhmten Univerſitaͤt Poë - ſeos Profeſſor, hernach ein groſſer Theologus geweſen: dieſer hat als Profeſſor anmuthige ſachen heraus gegeben / und iſt oftmahls duꝛch gelegenheit der gedachten allegorie zu verlieb - ten und entzuckten gedancken verleitet woꝛdẽ. Allein daß niemand das aͤuſerliche ſchatten - werck mit der ſache ſelbſt vermengen ſolte / hat er dieſe denckwuͤrdige erklaͤrung mit beygeſe - tzet: Cave inſontes numeros attemeres! Amor noſter caſtus eſt, ut ipſa Diva. Quam ſi ſuô vis vo - carinomine, audi Poeſin, & illas Humanitatis ar - tes, quas colui: Imo Theologiam. Nihil miri, ſi ſub virgineo induxerim vultu. Fecerunt anteA 5meme alii, & præclariores. Ergo exue profanam mentem: & Eclogas aut allegorias puta. Ab his nec ſanctiſſimus abſtinuit Spiritus. Alius eſt ignis noſter, quàm in plebe accendit Veneris ne - quam ille puer. Nec tam putris aut putidus ego, ut illis intepeſcam faculis. Quicquid cre - diderit Viroſus: Sufficiat, placuiſſe mihi Chari - tillam, & me tibi, mi Lector. Nam Frontones & Capitones ne aſſis æſtimo.
Darbey mag es bleiben / und weil das curi - euſe Seculum ſich an den liedern noch nicht ſatt geleſen hat / wird der Auctor, als mein hochge - ſchaͤtzter freund / deſto eher zufrieden ſeyn / daß die drucker-preſſe noch einmahl damit bemuͤ - het wird. Auch dieſe kurtze entſchuldigung mag er ſich gefallen laſſen / ungeacht er ſeinen eigenen ſachen das wort viel beſſer / und viel - leicht aus wichtigern beweiß-gruͤnden haͤtte reden koͤnnen. Was noch uͤbrig iſt / ſo wird der geneigte leſer mit fernerer affection mir unbekandten dermaſſen zugethan verbleiben / daß ich ſolches dermaleins in bekandter geſtalt ruͤhmen koͤnne. Jetzt verbleibe ich zwar ein ſchuldiger diener / doch mit dem nahmen
Der Einfaͤltige Unbekandte.
FCh bin endlich dahin gebracht worden / daß ich meine uͤberfluͤßige gedancken in die welt ausflie - gen laſſe. Zwar / wenn ich ſolche vor guten freunden haͤtte behalten koͤnnen / waͤre ich nimmermehr auff die unbarmhertzigkeit gerathen / ſo viel bogen un - ſchuldig papier dadurch zu verklecken. Denn ich lebe der zuverſicht / ob ein anderer meine uͤberfluͤßigen einfaͤl - le weiß oder nicht weiß / ſo wird es nicht viel zu bedeuten haben. Jedennoch weil ich zum uͤberfluß ſehen und er - fahren muͤſſen / daß die geringen ſachen von unterſchiede - denen liebhabern nicht allein abgeſchrieben / ſondern auch wie zu geſchehen pfleget / offtermahls veraͤndert und ver - ruͤcket werden; Als habe ich nicht umgang nehmen wol - len / denſelben ihre alte geſtalt wie der zu geben: wie et - wan eine ſorgfaͤltige mutter ihr ungeſtaltes kind nicht gerne weiter beflecken und verſtellen laͤßt / ſondern viel - mehr dahin trachtet / damit es bey der natuͤrlichen und urſpruͤnglichen beſchaffenheit erhalten werde. Ein ied - weder unpartheyiſcher richter wird hierinn meiner muͤt - terlichen affection vergeben / und wo ich meiner frucht gar zu guͤnſtig geweſen bin / ſolches die menſchliche ſchwachheit entſchuldigen laſſen / als welche in der liebe am eheſten ſuͤndigen kan. Sonſt werden es die umſtaͤn - de leicht geben / daß ich in der ſo genannten Lindenſtadt wohne / und die mund-art / ſo mich offtermahls / wider mein wiſſen / in den nacken ſchlaͤgt / kan mein vaterland nicht verbergen. Flieſſen die reime nicht wohl / ſo bin ich vor eins kein poet / vors andere / ſeh ich viel / die esſchlim -ſchlimmer machen / wenig die es beſſer treffen. Die teut - ſchen Virgilii und Horatii ſollen entweder noch gebohren werden / oder ſie verbergen ihre ſchrifften noch / und der muͤſte ein bloͤd geſichte haben / der ſich durch die ſterne un - ſrer zeit wolte verblenden laſſen. Was die vielfaͤltige nahmen und andere raͤtzel betrifft / ſo werden diejenigen / die es angeht / die auslegung ſchon machen. Jch / mei - nes theils / habe etliche allbereit vergeſſen; Und etliche darff ich nicht verrathen. Vor meinen veraͤchtern fuͤrch - te ich mich nicht: Dann vielleicht bin ich ihrer ſpitzfindig - keit zu gering / oder zum wenigſten bleib ich anderweit un - angefochten / wann ſie an dieſem leichten papier ihre luſt buͤſſen. Und alſo mag ich mich nicht rechtfertigen / ich mag auch keine freunde anfuͤhren / als wann ſie mir durch uͤbriges anhalten den ermel zuriſſen haͤtten. Es gehe mir nun ſchon / wie es gehen ſoll / und weil ich meinen heimlichen zweck erhalten habe / iſt diß mein troſt / daß der zehende nicht weiß / wie ich heiſſe. Alters hal - ben will ich es noch erleben / daß manch einfaͤltiges hertze ſoll in verdacht gezogen werden / als wann es darbey ge - weſen waͤre. Jch ſtehe inzwiſchen als ein Apelles hinter der taffel / und laſſe die leute nach belieben urtheilen. Werde ich getroffen / ſo will ich mich ſchaͤmen / wo nicht / ſo will ich lachen: Aber keines von beyden werde ich vor den leuten thun.
BUten abend liebſtes kind / Jſt es mir einmahl verguͤnnt / Ach ſie gebe mir bericht / Darff ich oder darff ich nicht?
Loſes kind / wer ſagts dann euch? Jtzund ſchlaͤfft die mutter gleich / Wolt ihr fromm und ſtille ſeyn Nun ſo kommet immer rein.
Liebſte ſie verzeihe mir / Jch verfuͤge mich zu ihr / Mach ich ihrer ruh und raſt Etwan einen uͤberlaſt?
Seyd willkommen ſeltner gaſt / Sagt von keiner uͤberlaſt / Sagt vielmehr mit was vor recht / Jhr uns alſo ſelten ſprecht.
Weil es offtermahl geſchieht / Daß die mutter ſauer ſieht / Ach wie gerne kaͤm ich her / Wann die mutter beſſer waͤr.
Ja wenn man nicht weiter kan / Klagt man nun die mutter an / Sagt ob nicht die liebes-liſt Uber meine mutter iſt?
Furcht vermiſcht ſich mit der liſt / Ach wo nichts zu fuͤrchten iſt / Und die liebe ſiehet an Alles was ihr ſchaden kan.
Mein Florindo geht gemach / Denckt den ſachen beſſer nach / Denn zu unſer freundlichkeit Giebts ja noch gelegenheit.
Dieſes muß ich auch geſtehn / Weil ich itzt zu ihr darff gehn / Ach wie lang iſt mir die zeit Worden in der einſamkeit.
Ja ein junggeſelle muß Unerhoͤrten uͤberdruß Leiden in der einſamkeit / Denn die jungfern ſind ſo weit.
Was vor jungfern? nennt ſie mir / Meine jungfer hab ich hier / Auſſer ihr iſt keine luſt Meiner ſeele mehr bewuſt.
Ach du falſche zunge du / Spricht das hertz auch ja darzu? Zwar es iſt gar bald verricht / Seht mich an und lachet nicht.
Liebſtes kind es lacht ſich nicht / Wann ſie mir ſo wider ſpricht / Ach wo treff ich reden an / Daß ich mich erklaͤren kan?
Rechte liebe ſieht den mann / Nicht verbluͤmte reden an / Und die ſuͤſſe freundſchaffts-pflicht Die beſteht in worten nicht.
Bin ich ihr zu unbekand / Fodert ſie dannoch ein pfand / Seit mein hertze / daß ſie liebt / Sich in ihre haͤnde giebt?
So tyranniſch bin ich nicht / Euch zu ſchaden abgericht: Ach behalt das hertze ja / Sonſt ſeyd ihr dem tode nah.
Wann mein hertz daſelbſten ſchwebt Wo die ſchoͤnheit ſelber lebt / Fuͤrchtet ſich mein lebens-licht Vor der nacht des todes nicht.
Nun was ſchwatzt der loſe mund? Setzt ihr euers lebens-grund Bloß in meiner ſchoͤnheit ein / Koͤnnt ihr ſchlecht verſichert ſeyn /
Warlich ihre ſchoͤnheit iſt / Die das leben mir verſuͤſt / Und die mir auch da gefaͤllt Wann ſie ſich zu wider ſtellt.
Eure worte ſind zwar gut / Aber ach ihr falſches blut / Wiſſt ihr auch / was ihr der magd Neulich hat von mir geſagt.
Ach die maͤgde duͤrffen nicht Wiſſen wie die liebes-pflicht Und wie weit der treue ſchluß Sich bey uns erſtrecken muß.
Gleichwohl hab ich jene nacht Ohne ſchlaffen zu gebracht / Und darzu wer ſchertzen wil / Nimmt die wahrheit mit ins ſpiel.
Jhr zu ehren glaub ich was / Doch die magd das raben-aas Hat vielleicht die ſachen nicht Mir nach willen ausgericht.
Mein verzeiht mir was ich thu / Ach ich trau es euch nicht zu / Nehm[e]den ungereimten ſchertz Nur wohl auff mein liebſtes hertz.
Jch bin ihr verbundner knecht Und zu allen ſachen recht / Sie thut mir keinmahl zu viel / Wann ſie mit mir ſchertzen wil.
Nun ſo bin ich eure magd / Weil ihrs gleichwohl habt gewagt / Und verſprochen ohne ſchein / Daß ihr wollt mein knechtgen ſeyn.
Die vergnuͤgung nimmt mich ein / Daß ich als ein todter ſtein Nicht ein woͤrtgen ſprechen kan / Ach ſie nehme dieſes an.
Ey ihr vorwitz kommt ihr nun / Koͤnnt ihr wieder freundlich thun / Kommt mir nur nicht mehr ſo nah / Seht ihr meine nadel da.
Das iſt noch ein guter kauff / Meiner treu ich wag es drauff / Und erſchrecke warlich nicht / Wann mich ihre nadel ſticht.
Wie zum tauſend ſchlapperment Habt ihr euch nicht genug verbrennt / Seht da habt ihr einen ſtich / Weſſentwegen hertzt ihr mich?
Nun die ſtraffe nehm ich an / Gleichwohl hab ichs gern gethan /G 2Dann100Uberfluͤſſiger’ gedanckenDann ihr angenehmer mund Hat mein hertze ſo verwundt.
Nadeln her ein ſaͤckgen voll Wo ich immer ſtechen ſoll! Daß ihr doch ſo loſe ſeyd / Denckt die mutter iſt nicht weit.
Liebgen ach was wehrt ſie ſich / Sie gedencke doch an mich / Es iſt ja nicht ſtets ein tag / Daß ich ſie umbfangen mag.
Nun es ſteh euch alles frey: Nur gedencket diß darbey / Daß ihr ja nicht ſtaͤrcker ſchreit / Dann die mutter iſt nicht weit.
Denn befehl nehm ich in acht / Dann was mich gluͤckſelig macht Kan ich ohn ein eintzig wort Mir erwerben fort und fort.
Schweig mein kind / und kuͤſſe mich / Oder ſonſten kuͤß ich dich. Ach du loſer hertzens-dieb / Haſt du mich rechtſchaffen lieb?
Freylich bin ich recht verliebt / Und was ſie zu koſten gibt / Das verſichert meine brunſt Einer rechten gegen-gunſt.
Hoͤrt / dort koͤmmt die mutter raus / Geht doch unbeſchwert hinaus / Ach nehmt euch ja wohl in acht / Liebſtges hertzgen gute nacht.
Nun mein liebſtes tauſend-kindSie101fuͤnfftes dutzent.Sie verbleibe ſo geſinnt / Wie du mich verliebt gemacht / Liebſtes taͤubgen gute nacht.
Morgen kommt ihr ungefehr Um die ſtunde wieder her / Nehmt die zeit nur wohl in acht / Unterdeſſen gute nacht.
Nimm den heiſſen abſchieds-kuß / Weil ich dich verlaſſen muß / Wegen meiner liebes-macht / Liebſtes ſeelgen gute nacht.
Du nimm diß dargegen hin / Und gedencke daß mein ſinn Dir zu dienen iſt bedacht / Liebſtes Schneutzgen / gute nacht.
Jſt das nun das letzte wort? Freylich / freylich muß ich fort / Da mein gluͤck am beſten lacht / Schoͤnſtes Liebgen / gute nacht.
Jtzund gehſt du zwar von mir / Doch mir traͤumet ſtets von dir / Biß die morgenroͤthe lacht / Ach mein Liebgen / gute nacht.
Wo ich dieſe nacht nicht bin / Schick ich liebes-ſeufftzer hin: Bin auff morgen nur bedacht / Ach mein Laͤmgen / gute nacht.
Weil ich morgen dencken kan / Seh ich auch mein leid nicht an: Doch fuͤrwahr die mutter wacht / Ach mein Engel / gute nacht!
MEin roͤſgen / meine luſt / mein kind / das ich erwaͤhle /
Ach geh du falſche ſeele.
Was ſagt ſie / bin ich falſch / da ich ſo freundlich thu?
Schreibts meiner einfalt zu.
Sie iſt mein hertzens-troſt / mein reichthum / mein geluͤcke /
Daß dich mein leibgen druͤcke.
Wie glaͤntzt ihr angeſicht / kein bluͤmgen iſt ſo nett.
Hat er nun auch geredt?
Die hellen augen ſeh ich als zwey ſterne ſcheinen /
Zwey ſterne wird er meynen.
Und dieſer ſchoͤne glantz hat mich verliebt gemacht /
Jch haͤtt es nicht gedacht.
Jch ſchwere bey der hand / die ich ſo ſehnlich kuͤſſe /
Jch dachte was mich biſſe.
Drum ſtell ich mich bey ihr in tieffſter demuth ein /
Kan er auch hoͤniſch ſeyn?
Sie muß die auslegung auch nicht ſo boͤſe machen /
Fuͤrwar / ich muß nur lachen.
Sie lacht / und gibt mir doch im lachen einen ſtich /
Ach Herr verſorge mich.
Und dannoch werd ich ſtets zu ihren dienſten ſtehen /
Er laſſe ſichs vergehen.
Wie werd ich doch verracht / ich armer ſchmetterling.
Ach vaͤttergen / mein ding.
Mein kind / was flucht ſie ſo / ſie ſuͤrchte ſich der ſtraffe /
Er redt gewiß im ſchlaffe.
Sie wecke mich nur auff / ſonſt ſchlaff ich haͤrter ein /
Vor dißmahl kans nicht ſeyn.
Und alſo bleibt mein hertz allzeit in ihr verſchloſſen /
Das ding gibt keinen poſſen.
Jhr hertze gegen meins / das waͤr ein ſchoͤner tauſch /
Er hat doch einen rauſch.
Es ſcheint / als waͤr ich gantz von ihrer gunſt geſchieden /
Er laſſe mich zu frieden.
Sie rede doch mit mir / wenn meine bitte gilt.
Ach nem / die mutter ſchilt.
Sie hat mich doch nicht lieb / ſie ſagt mirs mit geberden
Er ſol ein rathsherr werden.
Jndeſſen bleib ich doch verpicht auffs liebe brod /
Mit ihm hats keine noth.
Sie lebe wohl mein kind / ich wil ſie nicht verſtoͤren /
Es iſt mir lieb zu hoͤren /
Jch hoffe ja ſie wird auch meinen ſchertz verſtehn /
Jch dacht er wolte gehn.
Jch geh in dem ich ſie zur unzeit angetroffen /
Der thorweg ſteht ihm offen.
Jedoch parol, daß ſie mich morgen wieder ſieht
Er ſey nur unbemuͤht.
VErlaſſt mich / ihr fluͤchtigen liebes-gedancken / Mein hertze fleuſt wie ſpaͤter ſchnee / Soll meine zufriedenheit immer ſo wancken / Als wie ein ſchiffgen auff der ſee? Ach weichet ihr grillen / und machet mich frey / Jch bleibe mir ſelber am liebſten getreu.
Sind die ſchoͤnen roſen-wangen Nicht der ſchoͤnſten liebe werth / Soll der mund vergebens prangen / Welcher deinen kuß begehrt? Ach mein hertz / erwaͤhle diß Durch die ſuͤſſe Marilis.
Sind die wollen-weiche glieder / Jſt das zarte fleiſch nicht ſchoͤn / Als auff welchen hin und wieder Neue wolluſts-roſen ſtehn? Ach mein hertz / bedencke diß / Und die liebe Roſilis.
Hier ſind lilgen und narziſſen / Hier iſt weiſſes helffenbein / Hier iſt unſchuld bey dem kuͤſſen / Stille wolluſt bey der pein / Drum mein hertz / behalte diß Jn der werthen Regilis.
Schau die angenehmen haare / Sih die friſchen augen an / Nimm den glantz der jungen jahre / Welcher nichts als ſiegen kan / Liebſtes hertz / auch ſuche diß Bey der ſchoͤnſten Liſilis.
Wo bleib ich / was ſuch ich / was ſoll ich behalten / Wo ſetz ich meine ruhſtatt ein? Mein ſchwaches gemuͤthe wil lieber erkalten Als bey der hitze muͤhſam ſeyn: Drum weichet ihr ſorgen / und qvaͤlet mich nicht / Jch warte / was endlich mein gluͤcke verſpricht.
Mein / wie ſolte dir belieben Roſilis die bauer-magd? Regilis kan dich betruͤben /Wann121ſiebendes dutzent.Wann ſie nur ein woͤrtgen ſagt; Und die liebe Liſilis Jſt dir trefflich ungewiß.
Marilis wil gar zu niedlich Und zu wohl bedienet ſeyn / Regilis iſt unterſchiedlich Halb ein engel / halb ein ſchwein / Liſilis das loſe blut Stecket voller wanckelmuth.
Marilis wird dich belohnen Durch ein ſauer angeſicht / Roſilis mag dich verſchonen / Der Oremus taug dir nicht / Liſilis der wildfang hat Jhres gleichen in der ſtadt.
Marilis iſt dir gewogen / Doch ein ding verhindert ſie / Roſilis hat dich betrogen / Es verlohnt ſich nicht der muͤh / Regilis verſteht es nicht / Wann ſie gleich der kuͤtzel ſticht.
Jhr eiteln gedancken / ach laſt mich zu frieden / Die einſamkeit bekommt mir wohl / Jch waͤre viel lieber von allen geſchieden / Als das ich laͤnger zweiffeln ſol / Verſchonet nur meiner / und laſſet mich gehn / Ein ander mag euere poſſen verſtehn.
Marilis / die liebe ſeele / Traͤgt ihr feuer in der bruſt / Drum ſo lauff doch und erwehle Die verliebte tauſend luſt / Weil ſie ohne trug und liſt Dir von hertzen guͤnſtig iſt.
Hier iſt keine complimente / Kein verbluͤmter woͤrter-ſchein / Und du kanſt als ein ſtudente Leichtlich hahn im korbe ſeyn / Arme leute wiſſen auch Der verliebten luſt-gebrauch.
Wilſt du dich ſo weit bemuͤhen? Hier iſt ſtets gelegen heit / Wann du wilſt ſo muß| dir bluͤhen Jhre ſuͤſſe freuudlichkeit / Drum vermindre deine laſt / Und behalte was du| haſt.
Hier ſind liebgereitzte minen / Wann ſie auch nicht dran gedenckt / Drum ſo kan ſie leicht verdienen / Daß man ihr das hertze ſchenckt / Schau das liebe ſeelgen an / Wie ſie thun und lachen kan.
Jhr liebes-gedancken ihr habet gewonnen / Jhr habet die ſauer-ſuͤſſe pein Jn meinem ermuͤdeten hertzen entſponnen /Drum123ſiebendes dutzent.Drum muß ich nun gefangen ſeyn. Jch liebe ſie alle / doch Liſilis iſt / Die meine gedancken am beſten verſuͤſt.
WAnn ich mein leben ſoll beſchreiben / So ſag ich nur / ich bin verliebt.
Doch ſoll Jrene mein verbleiben / Die ſich in meine gunſt ergibt.
Es leugt ſich viel / das kan wohl ſeyn.
Allzeit trifft mir es beſſer ein.
Wer kan ſo ſchoͤne minen machen / Wer kan ſo appetitlich thun?
So bald ich morgen werd erwachen Wil ich in ihren armen ruhn.
Monſieur / er ſteche ſich nicht drein.
Er wolle doch nicht hoͤhniſch ſeyn.
Jch werde zu den albern choſen Jn warheit auch nicht ſauer ſehn.
So laß ich mir bey meinen roſen Auch die bravade nicht geſchehn.
Nun ſo behalt er ſeinen preiß.
Er ſage mir was ich nicht weiß.
Mein ſcheel / es kommt ein bißgen duͤrre / Wer in gedancken wuchern ſol
Monſieur / geht er gleich in der irre / So gehts doch einem andern wohl.
Die juͤngſte poſt haͤlt nichts darvon
Ach geht ihr armer coridon.
Er faͤllt warhafftig von der huͤtſche / Wo er das maͤdgen mehr begehrt.
Mein freund / er koſte nur die tuͤtſche / Er iſt des fleiſches doch nicht werth.
Nein groſſen danck / ich thu ihm nichts /
Wann ers begehret / ſo geſchichts.
Jſt mancher nicht in ſeinem ſinne So ein perfecter cortiſan /
Ja wohl und mancher wird nicht inne Daß er nicht courtoiſiren kan.
Du abgott der zufriedenheit!
Du wunderwerck der hoͤfflichkeit.
Es iſt mir endlich unverboten / Wo ich in Franckreich reiſen wil.
Er zieh aufs dorff und huͤte ſchoten / Die ſtadt-luſt iſt vor ihn zu viel.
Ey nicht doch / meynt er dann alſo.
Er geh / und frag auch anderswo.
Monſieur / will er mir nicht verkauffen Vor einen dreyer hoͤfflichkeit?
Nein / iſt er aus der ſchul entlauffen; Nun iſts zu langſam an der zeit.
Jedennoch langſam naͤhrt ſich auch.
Bey uns iſt gar ein ander brauch.
Jch hab es gleichwohl vorgenommen / Mein feuer ſcheut noch keinen froſt.
Er ſol ſie gar gewiß bekommen / Schiers kuͤnfftig auf den neuen moſt
Mit ihm hats warlich keine noth.
Und ſeine krebſe ſind nicht roth.
Mich deucht / ich ſehe ſeinen nahmen Jm buche der verſchonung ſtehn:
Und ich ſeh ihn mit wuͤrmer-ſamenL 4Faſt168Uberfluͤſſiger gedanckenFaſt allezeit zum marckte gehn.
Er traͤgt ein trefflich ſchieferdach.
Das ſagt mir wohl ein ander nach.
Holla / was ſoll der ſturm bedeuten / Halt mit dergleichen haͤndel ein / Und laſſt ihr euch den hencker reiten / So ſoll diß euer loſung ſeyn: Wer bey der liebſten haͤndel ſucht / Der jagt ſich ſelbſten in die flucht.
.Koͤnig von Neapel
.Ober-Hof-Marſchall
.Rodomans liebſte
.Clariſſens muhme
.der Beliſſen bruder
.ein Frantzoͤſiſcher Graff
ein Rath.
.Rodomans knecht / hernach Graf Heinrich
.Clariſſens kammer-magd
.Rodomans knecht
.Pickelherings vater / thorwaͤrter
.ein haͤſcher
MEin Floretto! ſo weiſt du nicht was liebe iſt?
Gnaͤdigſte gebieterin / ein knecht hat in ſei - nem betruͤbten zuſtande wenig urſache an derglei - chen wolluſt zu gedencken.
Wann ich abeꝛ deinen zuſtand gluͤckſelig mache / ſo wirſt du es alsdann ohne zweiffel wiſſen.
Meine pflicht beſtehet in gehorſam / und auſſer dem wird mir keine andere zuneigung anſtehen.
So willſt du gehorſam ſeyn?
Ein knecht darf nicht um ſeinen willen gefragt werden.
Wann ich nun ſagte / du ſolteſt verliebt ſeyn?
So wuͤrde meine unwiſſenheit das verbrechen des ungehorſams entſchuldigen.
Wann ich ſagte / du ſolteſt meine magd mit ver - liebten augen anſehen.
Die augen die meiner gnaͤdigſten herrſchafft zu gefaͤlligen dienſten gewidmet ſind / laſſen ſich nicht auf eine magd kehren.
Wann ich aber ſagte / du ſolteſt mich lieben.
So wolte ich hoͤchlich bitten / einen armen elen - den knecht mit dergleichen hoͤhnerey zu verſchonen.
Wann ich dir aber zum zeichen einer wuͤrckli - chen Affection die haͤnde druͤckte.
So wolte ich mich vor gluͤckſelig ſchaͤtzen / daß euer gnad dero kurtzweilige gedancken an mir aus - laſſen wolte.
Wann ich dir ferner meinen mund zu beliebli - chen kuͤſſen darreichte.
So wolte ich ſagen / es ſtuͤnde mir nicht an / die roͤſgen von meines gnaͤdigſtē herrn ſtocke zu brechen
Wann ich dich ſelbſten kuͤſſen wolte.
So muͤſte ich ungehorſam werden / und davon gehn.
Elendeſte Clariſſe! iſt diß die herrſchafft / derer ſich ein freygebohrner menſch uͤber die leibeigenen ſclaven zu ruͤhmen hat? iſt Floretto mein knecht? ach nein / wer uͤber mich gebieten kan / darff ſich eines ſo veraͤchtlichen titels nicht theilhafftig machen. N 3Jch198Der triumphirenden keuſchheitJch bin ſeine gefangene / und werde mich durch die vielfaͤltigen ſtꝛicke ſeiner unvergleichlichen annehm - lichkeit / entweder in die aͤuſſerſte vergnuͤ gung / oder in die erbaͤrmlichſte verzweiffelung leiten laſſen. Du wundeꝛliches gluͤcke / kanſt du wohl zugeben / daß ſo ein albernes und einfaͤltiges gemuͤthe den aller - ſchoͤnſten und zierlichſten leib beſitzen ſoll / und daß die liebens-wuͤrdigſte perſon / alle angebotene gunſtgewogenheit ſo kaltſinnig ausſchlagen kan? warumb haſt du nicht dergleichen ſuͤſſigkeit meinem Rodoman eingepflantzet / welchem ich die ſchuldige freundlichkeit nicht anders / als unter dem gedaͤcht - niß meines wertheſten Floretto abſtatten kan? ſo muß der ſchoͤne Floretto allezeit unverſtaͤndig / die arme Clariſſe allzeit ungluͤckſelig ſeyn.
Liebſte Clariſſe! wie ſo alleine?
Welche von ihrem geliebten verlaſſen wird / muß wohl alleine ſeyn.
Welche von ihrem geliebten in gedancken beglei - tet wird / kan niemals ohne geſellſchafft ſeyn.
Welche ſich vor ihren eigenen gedaucken fuͤrch - tet / kan aus fremden gedancken ſchlechten troſt ſchoͤpffen.
Und warum fuͤrcht ihr euch / liebſte Clariſſe?
Weil ich verliebt bin / liebſter Flo ‒ ‒ ‒ ‒ Rodomã.
So ſolte ich mich auch fuͤrchten?
Das weiß ich nicht / meine liebe iſt furchtſam.
Hab ich urſache darzu gegeben?
Der mich lieben ſoll / liebet mich nicht.
Die treu / die ſie erkennen ſoll / erkennet ſie nicht.
Ach mein engel! ach ſolteſt du nur den hundeꝛt - ſten theil meiner inbruͤnſtigen begierden in deinem hertzen fuͤhlen!
Ach meine ſeele / ſolte nur der ſchatten von mei - ner vollkom̃enen leidensregung in dein heꝛtze fallen.
Ach liebſter Flo ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ Rodoman / verzeuchſt du noch?
Liebſte Clariſſe! zweiffelſt du noch!
Wo ſind die kuͤſſe / die mich vergnuͤgen ſollen?
Hier ſind die lippen / ſo dich befriedigen wollen.
Wo iſt das hertze / das mein ebenbild in ſich druͤ - cken ſoll?
Schweig mein kind / hier haſtu alles / was du wuͤnſchen und begehren kanſt.
SEyd willkommen ihr ſanfften biſſe / ergoͤtzet euch auff meinen lippen / und vergoͤnnet mir / daß ich bey der fuͤſſen zuſammenfuͤgung meine ſeele mit der euren vertauſchen moͤge.
Meine Clariſſe! wollt ihr mich mit geſchloſſen augen lieben?
Jch bin mit meiner blindheit ſcharffſichtig ge - nug / ach mein edelſter reichthumb / mein ſchatz / an dem mein leben haͤnget / ſo hab ich die volle freyheit / meine verliebten traͤume auszuſchuͤtten. Ja / ja / ſage und bekraͤfftige es / du biſt mein liebſter Flo ‒ ‒ ‒ ‒
Redet weiter / liebſte Clariſſe! Rodoman weiß vor freuden nicht / was er antworten ſol.
JEtzt bin ich in dem paradieſſe.
Und ich bin an der goͤtter tafel.
Der ſuͤſſe nectar macht mich truncken.
Und mich erſaͤufft er gantz.
Diß iſt der fruͤhling meiner bluͤhendẽ ergetzlichkeit.
Diß iſt der herbſt meiner fruchtbringenden lie - bes-vergnuͤ gung.
Aergert euch nicht / aͤrgert euch nicht / es ſind ehleuthe / die flitterwoche juckt ſie noch in der lincken knie-ſcheibe / botz tauſend / wie gehts uͤber die ar - men maͤulgen her / wer ſie nachzehlen ſolte / muͤſte neue ziffeꝛn erdencken die alten waͤꝛen viel zu wenig. Seht doch / ſeht / wie die ſchmaͤtzgen herum fliegen / es waͤr nicht gut / wann ſie ſummten wie die meyen - kefer / es wuͤrde manche complimente unbeantwor - tet bleiben. Mein herr iſt bey ſeiner liebſten ein narr / wie ich. Da ſolt ich einmal im wein-keller ein ding holen / es heiſt / es heiſt / nun wie heiſts dañ? es iſt naß / wie jungfer-waſſer / und iſt roth wie blut / und ſpringt im glaſe wie leimt-hoſen-bier / und ſchmeckt auf der zungen wie bienen-dreck / es heiſt irgend ro ro / Belſazer / oder Roſazer. Ja / das ſolt ich meinem herrn holen / ich holts / ich truͤgs / ich brachts vor unſer haus / da dacht ich: Dein vatter hat dich deßwegen unter die leute geſchickt / daß du was erfahren ſolſt / du muſt doch auch koſten / was der Belſatzer vor ein ding iſt / ich ſatzte an / ich nipp - te / aber ſanct velten / wie hieng das ding aneinan - der / ich mochte beiſſen wie ich wolte / es hatte kein ge - lencke und gieng in einem ſtuͤcke immer fort biß der bettel aus war. Jch halte immer / mein herr iſt auch in der angſt / und die maͤulgen kleben aneinan - der wie hechtſuppe / halt / ich muß ſehen / ob ich ihm das gelencke treffen kan. Herr / herr! geſchwind /geſchwind201Erſte Abhandlung.geſchwind.
Wer iſt / der mich aus meiner freudenreichen entzuckung verſtoͤren darff?
Er ſol es theuer genung bezahlen. Du nichts wuͤrdiger vogel / iſt dieß die manier / ſeinem herrn auffzuwarten.
Herr / iſt diß die manier / wann man zum herr koͤnig kommen ſoll / daß man ſich bey der frauen zu tod loͤffelt?
Schweig / du beſtie! aber / ſoll ich zu ihrer maje - ſtaͤt kommen? antworteſt du nicht / vogel! ſoll ich dir die rede mit dieſem ſtocke aus dem leibe langen?
Schweig du beſtie! ſchweig du beſtie! ich kan nicht zugleich reden und ſchweigen.
Du ſolſt aber zugleich reden / was ich haben will / und verſchweigen / was mir zuwieder iſt / ſieh da / du mißgeburt.
O herr! ich will gerne keine mißgeburt ſeyn / laſt mich nur mit der ungebrannten aſche zufrieden / ihr wuͤſt ja / daß ich kein feuer riechen kan.
Was ſagſt du aber / ſoll ich zu ihrer majeſtaͤt kommen?
Jch weiß nicht / der mann / vor dem alle den hut abnehmen / und er danckt ihnen nicht / der / ſagt er / moͤchte gern mit euch reden / ob ihr aber ſollt zu ihm kommen / das iſt eine andere frage / und da moͤgt ihr darvor ſorgen.
So hat ers geſagt.
Jch bin kein pfaffenkind / wolt ihrs nicht klei - ben / ſo moͤgt ihr mauren / ich habe die briefe darvon / daß ich alles zweymal ſage.
N 5Laͤufft202Der triumphirenden keuſchheitEs muß etwas wichtiges unter der hand ſeyn / deſſen ihre majeſtaͤt mich berichten wollen. Aber ach / du grauſammer befehl / der du mich auß den ar - men meiner hertzallerliebſten herauß zeuchſt / muß ich dann mitten in der ernndte von meinerſuͤſſen ar - beit auffhoͤren.
Geht und verrichtet des koͤnigs befehl / dann der uͤber unſer leben zu gebieten hat / kan uns auch mit gutem recht in der lebens befꝛiedigungverſtoͤrẽ.
So lebe dann wohl / meine ſeele!
Jch folge dir / mein liebſter!
Der himmel behuͤte mein liebgen.
Und die goͤtter erfreuen mein ander ich.
Unverſtaͤndiger Rodoman! ſo muſt du unwiſ - ſend deines leibeigenen knechtes ſtelle vertretten / und die jenigen liebkoſungen / die ich ſeiner ge - wuͤnſchten gegenliebe zu ertheilen gedencke / jetzund an ſeiner ſtadt einnehnen? Deine hoͤflichkeit war es nicht / die mich aus mir ſelber brachte / deine worte entzuckten mich nicht. Derſelbige / den ich mit ge - ſchloſſenen augen durch das ſcharffe perſpectiv mei - ner gedancken ſahe / derſelbige war der zweck und das einige ziel meiner dunckelen und zweyfaͤltigen redens-art. Ach du wunderſchoͤner Floretto! wenn werden die brennenden ſeuftzer deiner gegen - liebe aufblaſen / und wenn wird die vielfaͤltige thraͤ - nen-fluth dein ſteinernes hertz erweichen koͤnnen. Floretto! mein allerliebſter Floretto!
geht203Erſte Abhandlung.DU gerechter himmel? zuwelchem ungluͤck haſt du mich noch auf gehoben / iſt dann noch mehr / ſo ich verliere kan / auſſer meiner freyheit und ſoll ich nun einer neuen gefangenſchaft unterworffen ſeyn? was bedeuten die unordentlichen blicke / die ungewoͤhn - lichen geberden / die verwirten reden derer ſich mei - ne frau gegen mir gebraucht / will ſie mich an das narren-ſeil aller ſchimpflichen verachtung anknuͤpf - fen oder ‒ ‒ ‒
WEr iſt da / wer haͤlt mir die augen zu / ſoll mir ins kuͤnfftige auch das geſicht verbotten werden? ich b[i]tte / man laſſe mich loß / oder ich entreiſſe mich mit gewalt.
Mein lieber Floretto! ich wars.
Sieh da / ſeyd ihr alle tage ſo kurtzweilig.
Ja / aber nur bey eures gleichen.
Meines gleichen achten ſolchen ſchertz nicht hoch.
Es iſt kein wunder / thut ihr doch gegen unſerer frauen / als wann ſie ein hund waͤr.
Melane! habt ihr die gedancken beym juden verſetzt / oder lebt ihr itzt im ſchweren monden?
Wie ſo mein lieber Floretto! iſts nicht war / ſie thut ſo freundlich mit euch / ſie redt mit euch / ſie ſtꝛeu - chelt euch / ich halte / ſie rieſſe das hertz aus dem leibe / und gebe euch die helffte darvon / und ihr ſeht gegen ihr aus / als wie ein leibhafftiger holtzbock. Ach du niedliches honigtoͤpffgen / ſoll dann meine frau ei - nen eſſigkrug an dir haben?
Wenn hat euch meine frau zum geheimen rathe gemacht? ihr meint gewiß / weil ihr den ſcheꝛbel aus - butzen muͤſt / ſo wuͤſt ihr um alle ihre heimlichkeiten: ich verſtehe ſchon / wie ich mich in dergleichen haͤndel ſchicken ſoll.
Wann ich an euer ſtell waͤr / ich wolte mich weit beſſer darein ſchicken.
Das moͤcht ihr thun / ich aber werde doch zu euch langſam in die ſchule kommen.
Da geht das einfaͤltige bauers-buͤfgen / wann es nicht ein bißgen rauch umbs maul waͤre / ſo daͤcht ich / die ſchweine haͤttens ihm in der kindheit wegge - freſſen. Sind das nicht ſchwehre zeiten / meine lie - be groſſemutter hat lang davon gepredigt: ſie ſagte / vor zeiten wolten ſie gerne / da durfften ſie nicht / nun wolten ſie gerne / und koͤnnen nicht. Es gehet mei - ner frau nicht alleine ſo / ich arme hure kan auch ein liedgen darvon ſingen. Ach Pickelhering! mein liebſter Pickelhering! wie haſtu mein jungferlich hertze eingeſaltzen! ach ſtrotze doch nicht ſo / als wie ein verdorrter pickling / oder laß dich zum wenigſten durch das roſenwaſſer meiner treue liebe erweichen.
JA / wer ein narr waͤre / und lieſſe ſich den ſchmutzi - gen bernheuter um den ring fiedeln / ich halte mei - nen fetzer wohl ſo hoch / als ein ander ſeine naſe: Da ſolt ich ein ding bekommen / es heiſt mit dem erſten buchſtaben ein kuͤchen-ſchilling / da iſt mein herr ſo libeꝛal mit / als wenn er ſie geſtohlen haͤtte. Er mag in der jugend viel geſammlet haben / dann da er zurClar.205Erſte Abhandlung.Clariſſe auf die freyth gieng / da konnt er kein wort reden / er muͤſte mit dem ſteiſſe hinten naus wackeln / als wann er noch uͤberbluͤcken wolte. Aber dem ſey / wie ihm ſey / mir ohne ſchaden.
Liebſter Pickelhering / wo ſeyd ihr dann allezeit?
Jn kleidern / wann ich nicht bade.
Was macht ihr aber ſo manches liebes langes mahl?
Jch ſchniebe / daß ich nicht erſticke.
Jhr muͤſt ohne zweiffel viel zu verꝛichten haben?
Den kammer-maͤdgen ſchmier ichs gleich auff die zaͤhne / was ich zu verrichten habe.
Pickelhering / wie ſehet ihr doch ſo ſauer?
Jch hab heute noch kein nonnen-fuͤrtzgen gefreſ - ſen.
O ſeyd ihr irgend boͤſe auf mich?
Ja / mein thele / es verlohnte ſich der muͤh mit euch.
Jch hab euch nichts zu leide gethan.
Jhr ſollt mir auch was zu leide thun.
Drum koͤnnt ihr mich ja lieb haben.
Daß dich mein leibgen druͤcke / lieb haben werdet ihr meynen! Ey ſagt doch recht / brennt euch der kalte gruͤtze auch ſehr auffs hertze / oder iſts nur euer hoͤflicher ſchertz?
Mein Engel / mein hertze!
Jch hoͤre auf dieſer ſeite nicht / geht nur fuͤrs an - der ohres-loch.
Jch ſterbe vor liebe.
Viel gluͤcks auf die reiſe.
Jch erſteche mich.
Ja / wanns nicht weh thaͤte.
Jch erhencke mich.
Geht nur an dorff-galgen / ſo faͤllt euch kein zie - gel auf den hals.
Jch erſaͤuffe mich.
Es man gelt ſonſt im waſſer an ſtockfiſchen.
Soll ich dann verderben / liebſter Pickelhering.
Jch kans wol leiden.
Ach! nur ein blickgen.
da mein ſchatz / liebaͤugle dich fein ſatt.
Ach ein freundliches ſchnipgen.
Geld und gut hab ich nicht / wem mit freundli - chen ſchnipgen gedient iſt / dem bin ich bereit.
AEh der kauffmañ der die barmhertzigkeit aus Oſt - Jndien hat herbꝛingen ſollen iſt gewiß mit ſeinem ſchiffe untergangen / dann ſie iſt trefflich theuer. Jch halte / pickelherings mutter hat ſich an einen pflaſter - ſteine verſehen / daß er ſo hart ums hertz iſt / oder ver - ſtehet etwan der junge lecker noch nicht wo Barthel moſt holt / halt / es iſt umb ein verſuchen zu thun / ich wils ihn durch ſeinem vatter zu verſtehen geben /
hola / hola.
Nu nu / zerbrecht mir nur die thuͤr uicht / was gibts dann hauſſen?
Ach lieber herr thorwaͤrter! verzeihet mir doch großguͤnſtig / daß ich euch ſolche ungelegenheit ma - che / ich habe gar was nothwendiges mit euch zu reden.
Machts nicht lange / ein beampter wie ich / kan nicht lange audienz geben
Da wolt ich nur an enren pickelhaͤring geden - cken / er kommt immer zu mir / heiſt mich ſein ſchaͤtz - gen / ſein laͤmgen / ſein alls mit einander / bald zwickt er mich in die aꝛm / er ſticht mich mit den finger in die ſeite / und wann er mich hertzt ſo thut er / als wann er mich freſſen wolte? neulich hube er mir den rock auff / und klitſchte mich / und rieß mir ein ſtuͤck vom hembde / das wolt er ſo lang mit zu bette nehmen / biß er mich ſelber nein kriegte: weil ich nun mit den thalpoſſen nicht auskom̃en kan / ſo wolt ich nur fra - gen / obs euer wille waͤr?
Wie? wer? was? wen? mein ſohn? pickelhaͤring / in den arm! in die ſeite / auf den ſteiß? zu bette neh - men / geh du garſtiger miſtfincke! packe dich aus mei - nen geſichte / mit meinem willen ſolt ihr nimmer - mehr zuſammen in ein bette kommen.
Jhr duͤrfft auff mich nicht boͤſe ſeyn / warumb habt ihr ihn nicht anders erzogen / wolt ihrs beſſer haben / ſo ſchafft mir friede vor dem vogel.
O ich armer alter mann! hab ich nicht ein haus - creutz bey meinen ſchweren und groſſen ampts-ſor - gen. Jhr leute / gedenckt an mich / wo ich den ſchel - men in der boßheit ertappe / ſo hacke ich ihm den kopff in dreyhundertſtuͤcke / und werffe ihm den hiꝛn - ſchedel zum fenſter hinauß. Wie muß es doch im - mermehr kommen / daß vornehme leute ſolche unge - rathene boͤſe kinder haben / ich ſinge ich ſage / einen qvarck faſſt er.
Kommt und ſchmeiſt ihn hinters ohr.)
Nu wieder was neues.
Du ſau / du ſau.
Seyd ihr doch mein tatter.
Du ertz-ſau / du ſtern-ſau / du gifft-ſau / du ſtral-ſau / du donner-ſau.
Jhr ertz-vatter / ihr ſtern-vatter / ihr gifft-vat - ter / ihr ſtral-vatter / ihr donner-vatter.
Du wilde ſau du ſpeck-ſau / du comiß-ſau / du ertz-ſau.
Wann ich werde ſo lang thorwaͤrter geweſen ſeyn / und werde ſo viel ſchweine von der thuͤre ge - pruͤgelt haben / wie ihr / ſo wil ich auch einen groſſen kuͤchen-zeddel von ſauen hermachen.
Gib her / du ſau.
Wolt ihr eine wurſt haben?
Das zerriſſene hembde gieb her.
Die alte Sibylle die flickt mirs geſtern / es iſt nicht zerriſſen.
Das zerriſſene maͤgde-hembde gieb her.
Haben denn die maͤgde auch hembder an?
Gucke nur den ſchmutzigten kammer-maͤdgen an den puͤrtzel / du ſau.
O ich werde heuer kein ſterngucker.
Aber der Melane kanſt du wohl klitſcher geben / kanſt ihr das hembde zerreiſſen / und die zipffel mit zu bette nehmen / kanſt ſie in die arm zwicken / kanſt ſie mit dem finger in die ſeite ſtechen / kanſt ihr den geiffer vom maule lecken / kanſt ſie mein ſchaͤtzgen / mein laͤmgen heiſſen. O in ſchwein-ſtall mit einer ſolchen ſau / ich weiß alles / ſie hat mirs ſelber geſagt. Geh / geh / da haſt du einen ſchreckenberger / ſieh / wodu209Andere Handlung.du fort kommſt / ich mag dein vater nicht mehr ſeyn.
Das iſt mir ein ſafftges kammer-maͤdgen / ein eingemachtes raben-aͤßgen / da verklagt mich das kluncker-fuͤchſgen beym vatter / und ſchreibt mir fuͤr / wie ichs machen ſoll. Ja / ich muͤſte meinen zwirn geſtohlen haben / daß ich ihn an einen ſolchen kittel vernehen wolte. Ach nein / ich bin ein wein-koſter / den kofent gieß ich auf die gaſſe. Jhr leute / wann das ſchwam̃endruͤckergen heraus kommt / ſo ſprecht / es iſt unvonnoͤthen / daß ſie ſich weiter vergebens anmelden will.
SO offt ich mir die Clariſſe vor augen ſtelle / ſo offt muß ich mich uͤbeꝛ die unbeſtaͤndigkeit der menſch - lichen freude beklagen. Sie war eine zierde die - ſes hofes ein auszug allerluſtigen erfindungen / ein kurtzer begriff aller freymuͤtigen hoͤflichkeit. Es lachte und lebte alles an ihr / und wer das gluͤcke hat - te in ihrer belieblichen geſellſchafft zu ſeyn / durffte ſich keine betruͤbte gedancken in ſinn kommen laſſen. Jetzund aber ſchlaͤgt ſie die muntern augen nieder / und verwickelt ſich in allerhand melancholiſche ver - drießlichkeit / die ſchoͤne ſonne verkreucht ſich hinter die wolcken / und die blumen / welche ſich bey ihrer ankunfft herfuͤr thaten / werden von ihrem liechte nicht mehr erfreuet. Die gebrochenen und wieder erholten ſeufzer verſchlieſſen den worten die ſtraſſe / und wann ſie reden will / muß ſie den thꝛaͤnenden au -Ogen210Der triumphirenden keuſchheitgen die pflicht leiſten. Jch wolte ſagen / ſie waͤre verliebt / wann ſie nicht den kern von allen cavaliren in den armen haͤtte.
Aber ſieh da / wann man des wolffes gedencket / ſo koͤmmt er / ich muß etwas auf die ſeite tretten / biß ſie den knecht abgefertigt hat.
Floretto / du biſts geweſen.
Was belieben ihrer gnaden.
Du haſt mich gekuͤtzelt.
Jch werde heute nicht anfangen / meiner ſchul - digen ehrerbietung zu vergeſſen.
Du muſt es geweſen ſeyn.
Womit hab ichs dann verſchuldet / daß ich nun - mehr in ſolchen unbilligen verdacht gezogen werde?
Du haſt es geſtern verſchuldet.
Geſtern / Jhre Gnaden?
Ja geſtern / wer war es / als ich geſtern meinen Rodoman kuͤſſen muſt / der mir ſo einen ſanfften tritt auf den fuß gab / war es nicht der muthwillige Floretto?
Jch muß endlich ſchertz verſtehn / dann was ihre gnaden mir nach eigenen belieben auf buͤrden wol - len / kan ich nicht von mir weltzen.
Jch ſchertze nicht / Floretto.
Jſt dann nicht uͤbrig / dardurch ich meine unſchuld bekraͤfftigen kan?
Steh auff / einfaͤltiger Floretto! du haſt mir deß - wegen keinen mißfallen erwieſen: Jſt mir doch ein hurtiger und luſtiger knecht lieber / als eine unge - ſchickte hoͤltzerne liechtbutze.
Jch bin aber nicht luſtig.
Gleichwohl hab ich dieſe nacht einen luſtigen traum von dir gehabt.
Jch bin gehorſam / und glaͤube ſachen / die ich mir nicht einbilden kan.
Jn warheit / es traͤumte mir / als haͤtteſt du mei - nes Rodomans kleidung angezogen / und kaͤmeſt in mein cabinet / ich ſtund auf / und wolte meinen lieb - ſten umfangen / und meiner gewohnheit nach / ver - ſuchen / ob ich mit meinen kuͤſſen ſeiner hoͤfligkeit koͤnnte zuvor kommen: Sieh da / ſo wareſt du es / deſſen aber ungeacht / war ich ſo entzuͤckt / daß ich wol tauſend liebkoſungen von diꝛ einnehmen muſte. Jch habe die zeit meines lebens dergleichen bren - nende kuͤſſe nie empfunden / dergleichen gemuͤths - reitzung nie ausgeſtanden / als zu der ſtunde / da ich durch die ſcharff-ſinnige einbildung / in die feſte vee - buͤndniß deiner ſchneeweiſſen arme gelocket ward / bedencke nun ſelbſten bey dir / ob ich nicht urſach ge - nug habe / dich den muthwilligen Floretto zu neñen.
Ein traum iſt ein traum / und ſein nichtiges ſchat - ten-werck beluſtiget ſie offtermaln in unmoͤglichen dingen.
Wie koͤmmt es aber / daß ich dein luſtiges gemuͤthe nicht ſo wohl am tage bey wachenden augen / als in der nacht im dunckeln erkennen kan.
Am tage bin ich mir ſelbſten aͤhnlich / in der nacht ſteht es allen luſtigen gemuͤthern frey / meine geſtalt mit frembden farben zu veraͤndern.
Doch moͤcht ich gerne ſehen / ob es dir am tage ſo wohl anſtehen ſolte / verſuch es / mein Floretto.
Am tage ſieht mich niemand vor den Rodoman an.
So zeuch ſeine kleider an.
Ein knechtiſcher leib ſoll kein ſolches kleid entheili - gen.
Ein freyes gemuͤthe ſoll kein ſolches kleid ausſchla - gen.
Es kommen viel ſachen zuſammen / die mir nicht anſtehen.
Bey mir ſol dir alles anſtehen.
Meine vernunfft ſagt mir was anders.
Mein wille gebeut dir was anders.
Jhr befehl verſucht mich.
Deine einfalt betruͤbet mich.
Jch halte mich hier zu lang auff ihre gnaden leben wohl.
So wilſt du mich verlaſſen?
Das gebott ihres geliebten / meines herrn treibt mich darzu.
Entweder Floretto iſt nicht klug genug / oder ich bin nicht ſchoͤn genug / ſonſt wuͤrde er ja meinen kla - ren und deutlichen anſinnen nicht ſo wiederſpenſtig begegnen / ich liebe / und laſſe mir die aͤngſtlichen be - gierden tag und nacht das hertz abfreſſen / und ein ſchlechter unanſehnlicher knecht will mir die ſchul - dige und nothduͤrfftige huͤlffe verſagen!
Loſes kind! was machſt du hier?
Loſes kind! was redſt du hie?
Jch ſchertze.
Mit ernſthafftigen gedancken?
Es iſt ſonſt nicht mein brauch.
Drum iſt es was neues.
Ach! laß mich zufrieden.
Es iſt wahr ich bin nicht Floretto.
Das ſind vortreffliche reden.
Und das iſt eine vortreffliche liebe.
Sieh da naͤrrgen / wilſt du ein hoͤltzgen haben?
Sieh da muͤhmgen / wilſt du den Floretto haben?
Was heiſſen aber die kinderpoſſen?
Verliebten leuten kans niemand recht machen.
Das koͤmmt gar duͤrre.
Wann man ſich in einem knecht verliebt.
Und wem geht dieß an?
Die jenige die mit dir redet.
Jſt Rodoman ein knecht?
Wann Floretto ſeine kleider anzeucht.
Jch muß lachen.
Das weinen ſtuͤnde dir beſſer an.
Hab ich nicht ein kluges muͤhmgen?
Wann ich die klugheit verlohren haͤtte / ſo ſuchte ich ſie ſchwerlich bey dir wieder.
Was haſtu denn jetzund bey mir zu ſuchen?
Die ehre will ich ſuchen welche du einem gerin - gen knecht aufopfferſt.
So darff ich meinen knecht nicht vexieren?
Aber nicht liebes-haͤndel mit ihm treiben.
Das thu ich nicht.
So lang / als Floretto nicht wil.
Du hoͤreſt allezeit das gras wachſen.
Ach Clariſſe / Clariſſe! es ſtehet ſchlecht genung daß du deinen ehrenſtand in abgrund der knechti - ſchen veꝛachtung erniedrigen wilſt / ſolte ſich eine ſol - che anſehnliche und beruͤhmte dame nicht eher in den finger beiſſen / als daß ſie ihrem nahmen ſo einen unertraͤglichen ſchimpff anziehen wolte?
Muͤhmgen! wann du predigen wilſt / ſo thue meiner weiſſen katze die leich-predigt / die iſt geſtern an ſechswochen geſtorben.
Wer die warheit ſagt / der iſt nicht angenehm.
Jch halte / du haſt den Floretto ſelber lieb.
Es muͤſte mich geluͤſten.
Er waͤr auch deiner ſchoͤnheit noch wol werth.
Wann du ſeine magd biſt / koͤnnt ich ihn wol zum liebſten haben.
Muͤhmgen / das war wohl gegeben.
Jch kans nicht beſſer geben / als du es machſt.
Muͤhmgen / verzeih mir / daß ich dir nicht laͤnger geſellſchafft leiſte / ich habe ſonſt zu thun.
Gruͤſſe den Floretto meinetwegen. Was ſoll ich thun? ſoll ich die unbeſonnenheit der leichtſin - nigen Clariſſe anklagen / oder ſoll ich mich uͤber die ſtandhafftige tugend des tapffern Floretto verwun - dern? Clariſſe hat endlich nicht unrecht / daß ſie bey dem feuer der liebreitzenden ſchoͤnheit warm wird / aber Floretto hat auch nicht unrecht / indem er die unziemlichen begierden eines ſchwachen wei - bes-bildes mit verſtaͤndiger langmuͤtigkeit zu bre - chen weiß.
Du alter beſchmitzter hoͤlle-riegel / wilſt du nicht von der thuͤre weggehen?
Ach mein freundlicher lieber Herr! ich meyn es gut mit euch / ihr koͤnnet es nicht glauben.
Und ich meyn es ſo gut mit dir / ich moͤchte dich immer auf dem ſchiebkarn ins waſſer ſchicken.
Ach liebe liebe! wie brenneſt du mich!
Du duͤrres reißgebund / biſt du nicht lange ver - brannt?
Jhr ſollt auch mein liebes vaͤtergen ſeyn / ich will euch lieb und werth halten / ach nehmt mich nur.
Was ſolte ich mit einer alten zerbrochenen baß - fiedel machen?
Jhr werdet ja das wiſſen?
Du alter rumpel-kaſten / es waͤr gleich als wann ich den kopff zwiſchen die ſtuben-thuͤre ſteckte.
Seyd ihr doch auch nicht jung.
Denckt doch / das verſchimmelte Jnventarium will ſich mit mir vergleichen. Du lahme himmel - weiffe / du biſt im Trojaniſchen kriege ſchon eine marcketenner-hure geweſen / und wilſt mir itzt mei - ne jugend vorwerffen.
Mein lieber Herr! erzuͤrnet euch nicht / ihr ſeht wohl / verliebte leute koͤnnen ihre kurtzweil nicht laſ - ſen.
Kan ein ehrlicher mann nicht in anfechtung ge - rathen / denckt nur nach / da hat ſich das raben-aaß in mich verliebt / nun ich habe auch fleiſch und blut / und es laͤſſet ſich mit ſolchen poſſen nicht lange ſcher - tzen / fuͤrwahr / es iſt mir angſt und bange darbey.
Mein engelgen! nun wirds bald?
Ja / auffs neue jubel-jahr.
Ach warum nicht heute / o mein hertzgen! mein gold-kaͤfergen! mein ſeiden-wuͤrmgen! mein may - kaͤtzgen! mein laͤmmer-ſchwaͤntzgen!
Ach meine kohlmeiſe! meine diſtelfincke! mein ſpul-wuͤrmgen! mein miſt-haͤmmelgen! wann nichts draus wuͤrde / ſo waͤre mirs am liebſten.
Ey redet doch nicht ſo poßirlich ding / ihr werdel nicht ein kind ſeyn / und werdt mich armes weib in ſolchen ſchanden ſtecken laſſen.
Heute gehts nicht fort / hoͤrt morgen wieder her.
Strotzt der thorwaͤrter nicht / wie eine verroſte hellebarte / ich mag freundlich thun / ich mag gute woͤrtgen geben / es hilfft eines ſo viel als das ander / ja / wer ein jahr oder funfftzig zuruͤcke haͤtte / ſo moͤch - te ſich der ſchaͤbichte krippenſtoͤſſer wohl nicht lange bedencken / das liebe alter / das liebe alter iſt in den letzten zeiten gar zu veracht. Was fang ich nun an / einen mann muß ich haben / und ſoll ich ihn mit den fingern aus der erden kratzen.
Halt / da kommt des thorwaͤrters ſohn / vielleicht nimmt mich der zur mutter an.
Mein vater hat gewiß haͤckerling im kopffe / er dacht / ich wuͤrde mit einem ſchreckenberger die gantze welt ausreiſen / und da ich auf ein viertel - ſtuͤndgen ins wirths-hanß geh / iſt er auf einmahl fort / ich halte / ich bin noch ſo viel ſchuldig. Nein / mein vater ſoll mir das nicht weiß machen / ich weiß mich in die geld-mittel beſſer zu ſchicken.
EJn ſchreckenberger macht vierthalben orts-kreu - tzer / ein halber orts-kreutzer / macht ſieben pfen - ning rheiniſch / ein halber pfennig rheiniſchen / gilt ohngefehr ein krebs-pfenning / vor einen halben krebs-pfennig krieg ich gleich ſo viel bier als mir an deꝛ kleinen finger ſpitze kleben bleibt. Haͤtt ich nurAdam217Andere Handlung.Adam Rieſens rechenbuch bey mir / ich wolts meinẽ vatter vor die naſe ſchmieren / daß er mich ſo beſch -- betrogen hat.
Jch alte arme frau / ich kan nicht mehr / ſteht doch ſtille.
Ja / wer die ſchreckenberger noch zu vier pfenni - gen reſolviren koͤnte / ſo meinte ich / mein vatter haͤt - te mir wollen ein huren-geld geben.
Wann hat dann das gelaͤuffe ein ende? ach mein guͤldner Pickelhaͤring! verzieht doch.
Jch muß ſehn / ob ich meinem vatter uͤber die ſchreckenberger mit einander kommen kan / holla / es geht drauff loß.
Mein liebſter Pickelhaͤring! wie wirds dann.
Sa ſa Sibille / ſeyd ihrs?
Mit euren poſſen / ich wolte ſo ſchoͤne ſachen mit euch reden.
Schoͤne ſachen werd ihr meynen / nun ſchwatzt doch fort.
Erſtlich muͤſt ihr wiſſen / daß ihr mein ſohn ſeyd.
Zum andern muͤſt ihr wiſſen / daß ihr geſchoſſen ſeyd.
Jhr duͤrfft nicht dencken / daß ich mich im bran - bewein voll geſoffen habe / ihr ſeyd gewiß mein ſohn.
Jhr heiſt ja nicht Pickelhaͤring / und ich heiſſe ja nicht die alte Sibille / wie kan ich dann euer ſohn ſeyn?
Euer vatter ſahe meine ſchoͤne ducaten / meine al - te thaler / meine doppelduͤtgen / meine achtzehenpfen - niger / meine margengroſchen / und all mein reich -O 5thum /218Der triumphirenden keuſchheitthum / da bat er mich / ich ſolte doch ſeine Frau wer - den. Nun wer ſchlaͤgts gern alten ehrlichen leu - ten ab / ich ſagte ja / und wir ſind bald ein paar / gelt Pickelhaͤring / ich bin deine mutter.
O ich armer buͤrſten - binder-geſell! ich dachte ich waͤre der eintzige erbe zu meines vatern guͤttern / aber nun ſeh ich wohl / ich werde doch ein halb dutzent bruͤder / und ein halbe mandel ſchweſtern bekommen. Was hat doch mein vater / der alte Zebedaͤus / gefreſſen / daß er ſich auff ſeine alten tage / mir zum poſſen / will ankom - men laſſen?
Fromm / fromm / lieber Pickelhering / ich werde ja gut genug zu euer mutter ſeyn. Gelt die war - men ſuppen ſchmaͤcken euch gut / und wann man un - terweilen ein biergeld kriegt / ſo thuts treflich ſanfft.
Es ſind zwey fragen / erſtlich ob die warmen ſup - pen gut ſchmecken / und darnach / ob ich euch zur mutter haben will? eins iſt wahr / das ander geht auff ſteltzen.
Laſſts immer auff ſteltzen gehen / wanns nur fort koͤmmt / ſeht / da habt ihr meine hand / alle tage 6 Pfennige zu biere / 4 Pf. zu einer ſemmel / und 2 Pf. zu nuͤſſen / und die woche 1 gr. extra / den moͤgt ihr hinthun / wo ihr wollt.
Aber / wollt ihr mir das geld alle tage baar aus - zahlen?
Auch wohl auf 8 tage voraus.
Jch nehm aber kein ander geld / als lauter Fran - tzoͤſiſche wildemanns-thaler.
Wie ihr wollt / wie ihr wollt / mein ſchatz / guten tag unter deſſen / ich muß zu meiner Beliſſe gehen.
Hertze ſtieff-mutter / kleckt hin / leckt wieder her: Wann ich nicht wuͤſt / daß ich klug waͤre / ſo wuͤrde ich fuͤrwahr uͤber den thoͤrichten haͤndeln zum nar - ren: mein vater / der verſtorbene Gaſconier / will mir das loͤffeln verbieten / und er thuts ſelber / ach / wann die alte Sibylle gienge / und lieſſe ein Epita - phium in eine ſpittel-ſtube aus ſich machen / und mein vater der ſchweintreiber bliebe bey ſeiner nah - rung / ich wolte doch wohl die pfennige allein ver - zehren.
BOtz tauſend / iſt das nicht der neue liebhaber / der ſchaͤffer Coridon / wo muͤſſen itzt ſeine fuͤnff ſinne ſeyn? er hat ſie gewiß in die neue welt nach einem verliebten lied geſchickt. Ach die ſchoͤne Galathe! kan ſie einem ehrlichen kerlen nicht die purle im bau - che machen / ſachte / ſachte /
ouy ouy ouy / ouy ouy ouy.
Du ungehangener verlauffner dieb / biſt du wie - der da?
Ouy ouy ouy.
Du unreiner geiſt / muſt du mich allzeit beſitzen.
Ouy ouy ouy.
Jch werde mit dir nicht lange ermel machen / geh / oder ich werde boͤſe.
Ouy ouy ouy.
Du tummes affen-geſichte / was iſt dann das vor eine ſprache?
Ouy vater / ouy vater.
Halts maul / oder rede was beſſers.
Heꝛr vater / viel gluͤcks zum neuen ehſtand / aber doch ouy ouy ouy.
Jch laſſe dich doch noch an ketten anſchlieſſen.
So will ich euch wohl bey eurer liebſten verkla - gen / ouy ouy.
Du ſchelm / du haſt was vor.
Die alte Sibylle / euer jungfer braut / laͤſſt euch freundlich gruͤſſen / ouy ouy.
Du elender donner / ſtich dich nicht in den braͤu - tigam / geh deiner wege / und ſtecke die zunge tieffer in qvarck / eh du davon reden wilſt.
Jch werds nicht wiſſen / ſie hat es ſelber erzehlt / ihr alter ſchimmelkopff / ihr moͤcht eure groſſe ABC taffel wol beſſer in ehren halten / als auf die weiſe / es iſt eine trefliche ſache um einen verruntzelten loͤffel - knecht / ouy ouy.
Eines von euch beyden muß das leben laſſen / hats Sibylle geſagt / ſo will ich ihr mit einem ſtroh - halme ein bein ſtellen / daß ſie den hals zehnmahl druͤber brechen ſoll; hats aber mein leichtfertiger vogel Pickelhaͤring aus dem finger geſogen / ſo will ich riemen aus ihm ſchneiden / und will ihn mit zu tode peitſchen.
Soll ich dieſen brieff behalten / oder ſol ich ihn in den winckel der vergeſſenheit werffen? Melane / die verſchmitzte dirne / hat mir den poſſen heimlich genug mit geſpielet / da ſie mir die hand bieten wil / laͤſt ſie dieſes papier zuꝛuͤcke / und wiſcht davon / doch / es ſey darum / ich wil ihn leſen.
Mein221Andere Handlung.DJe feder wuͤrde ſich vor meiner eꝛniedrigungſchaͤ - men / wofern ich nicht in deiner geringen perſon eine hochſchaͤtzbahre trefflichkeit verehren muͤſte / und darzu / was koͤnte mir die uͤbrige ſchamhafftig - keit nuͤtzen / wann ich ſterben ſolte. Jch habe einen fuß ſchon in dem grabe / wo mich deine gewuͤnſchte gegen-liebe nicht zuruͤcke zeucht. Doch wie geht diß zu / ich befehle meinen diener / und er iſt ungehor - ſam; ich begehre von meinem freunde / und er iſt un - dienſthafftig; ich bitte von meinem herrn / und er iſt unbeweglich. Ach! ich weine / iſt dann diß nicht genung / nun ſo wil ich ſterben / um zu erweiſen / das ich nicht anders leben kan / als wann ich heiſſen ſoll deine geliebte
Clariſſe
BEh / du nichtswuͤrdige mißgeburth aller veraͤcht - lichen ſchandſchrifften / zerreiſt euch / ihr verfluch - ten buchſtaben / und beſchweret das unſchuldige pa - pier nicht. Entweichet aus meiner unbefieckten hand / damit das verzehrende rach-feuer des zorni - gen himmels nicht eurentwegen auch uͤber mich komme. Empfanget den gebuͤhrenden lohn von einem großmuͤtigen knechte / der in ſeinem hertzen uͤber alle bottmaͤſſigkeit triumphiren kan. Aber ach! wie werde ich mich endlich vor allem unziemli - chen anlauff beſchuͤtzen / was vor waffen werd ich der heimlichen gewaltthaͤtigkeit entgegen ſetzen? ich ſchwebe ---
Siehe da Floretto! ſeyd ihr ſo allein?
Jhr gnaden belieben vielleicht dero geliebte frau muhme zu beſuchen?
Jch vermeynte ſie hier anzutreffen.
Jhre majeſt. die koͤnigin hat ihrer vor einer hal - ben ſtunde begehrt / ſolt es aber einige nothwendig - keit betreffen / wolt ich leicht gelegenheit finden / die bottſchafft auszurichten.
Seyd ohne muͤh / ich wolte etwas kurtzweilen: aber hoͤrt Floretto / kan ich nicht erfahren / was ihr vor ein landsmann ſeyd?
Ach / warum wollen Jhr Gnaden mich durch die erinnerung meines geliebten vaterlandes betruͤbẽ?
Jch will euch nicht betruͤben / ich will euch viel - mehr troſt zuſprechen / antwortet mir auff meine frage.
Gnaͤdiges Fraͤulein! ich bin ein Deutſcher / itzt aber ein elender Jtaliaͤniſcher ſclave.
Ein Deutſcher / aber aus welcher Provintz?
Mein itziger zuſtand hat mir den mund ver - ſchloſſen / daß ich alles / was mich angehet / verſchwei - gen muß.
Verſichert euch / was ihr mir erzehlet / ſolt ihr zu eurem ſchaden nicht geſagt haben / eroͤffnet mir nur die begebenheiten eures lebens / dann ich weiß nicht / was ich vor eine hohe ankunfft aus euer ſtirne leſen kan.
Allergnaͤdigſtes Fraͤulein! kan diß wohl moͤg - lich ſeyn / daß meine niedrigkeit bey dero hohen per - ſon einige erleichterung des ungluͤcks finden ſoll.
Wie geſagt / ihr habt euch nichts boͤſes / ſondern lauter gutes zu verſehen / halt mich nur in meinem verlangen nicht auff.
So will ich auch mein ſtillſchweigen brechen / und der jenigen meine ungluͤckliche zufaͤlle offenba -ren /223Andere Handlung.ren / zu dero gnaͤdigſten befoͤrderung ich mich gaͤntz - lich ergeben will. Jch bin ein Deutſcher / mein vaterland iſt Sachſen / und meine eltern zehlen ſich unter die vornehmſten Grafen deſſelben landes. Der krieg / welcher ſich vor langer zeit zwiſchen Con - raden / dem rechtmaͤßigen beſitzer dieſes koͤnigꝛeichs / und Carlen dem Frantzoſen / in dieſem lande herum gefreſſen / hat meinen Herꝛn Vater / den tapffern Ludwig / bekandt gnug gemacht / alſo / daß ich glei - cher geſtalt veranlaſſet worden / mich folgender zeit in Arragoniſche dienſte zubegeben / um wider die gewaltthaͤtige beſitzung dieſes Koͤnigreichs zu fechten. Doch mein unſtern war ſo groß / daß ich bey der erſten gelegenheit mein pferd und meine freyheit verlohr. Jch war meiner perſon wegen / ſo ſorgfaͤltig / daß ich mich vor einen ſchlechten ſolda - ten ausgab / in meynung / es moͤchte mir zu uneꝛtraͤg - lichen ſchimpfe ausſchlagen / wann ich durch benen - nung meines herrn vatters / den feinden die victori herrlicher machen wolte / alſo bin ich in der gefan - genſchafft blieben / habe den nahmen Heinrich mit Floretto vertauſcht / und nachdem ich die flucht offteꝛmahls vergebens vor die hand genommen / bin ich dem Rodoman geſchencket worde / da ich nichts zu klagen habe als ‒ ‒ ‒ ‒
Redet weiter / es traͤgt euch keine gefahr.
Nichts / nichts / ich habe die rede beſchloſſen /
Jch will es wiſſe / der beſchluß war noch nicht da.
Jch wolte ſagen / ich waͤr ein knecht.
Seht mich nicht vor ſo einfaͤltig an / ihr wolt ohn zweiffel auff mein muͤhmgen klagen.
Jch weiß nicht / Jhr Gnaden verſchonen michmit224Der triumphirenden keuſchheitmit der frage.
Jch wil euch nicht beſchwerlich ſeyn / habt nur ſchoͤnſten danck vor den ausfuͤhrlichen bericht eu - res lebens / und vergewiſſert euch / das alle die erzeh - lung noch zu eurem vortheil gereichen ſol.
Jhr Gnaden bet ich an / als eine Gottheit / die mir / in der dunckeln nacht meines elendes / einen ſuͤſſen blick der belieblichſten hoffnung ſehen laͤſt.
Jhr doͤrfft mir mit ſo hohen worte nicht ſchmei - cheln / aber ſeyd gewiß / daß ich euch gewogen bin / lebet wohl.
Des himmels ſeegen begleite ihr Gnaden. Ach wolte Gott! daß diß der anfang meines neuen gluͤ - ckes waͤre.
BElt / ich habs meinem vater brav geſagt / der alte ehebrecher mag wohl ſelber eine ſau ſeyn / die Me - lane iſt allzeit auf dem ruͤcken ſchoͤner / als die alte verſchrumpelte Sibylle um die naſe. Jch habe zum element meine kinder-ſchuhe vertretten / und wer mich vor einen jungen anſieht / der hat ſeine ta - ge keinen jungen geſehen. Zum ſchilling bin ich zu groß / und zu den ohrfeigen zu klein / mein vater thut mir an beyden keinen dienſt. Aber halt / wann ich meinen vater ein bißgen beſchaͤmen koͤnte / ich will mich vor die alte Sibylle anziehen / und wo er mich nothzuͤchtiget / ſo ſoll ihm der hoͤniſche dorff - teuffel das liecht halten. Adieu ihr herren / in der geſtalt ſeht ihr mich nicht wieder.
Cla -225Andere Handlung.Pickelhaͤring wo hinaus / ſteh!
Es iſt wohl ſchlimm / wo die weiber das regi - ment haben / nun da bin ich / was gibts junges?
Wo lieffſt du hin?
Nirgend hin / ich gieng nur herum.
Jch ſehe dirs am maule an / daß du haft wollen weggehen / bekenne / oder du ſolſt dich im hundeloche auffloͤſen.
Wann ihr mir alles am maule anſehen koͤnnet / warum fragt ihr dann? ich wolte ein bißgen auff den marckt gehen.
Und was haſt du auf dem marckte zu ſchaffen?
Jch wolte nur nach der uhr ſehen / welche zeit es waͤr.
Es ſind faule fiſche / aber wo iſt Floretto?
Er war erſt da.
Was that er?
Er redet mit euer jungfer muhme.
Was hat er mit ihr zu reden?
Sie mochte auch nicht wiſſen / wie viel die gla - cke war / ſo fragte ſie ihn.
Jch halte / ſie haben die ſtunden an den fuͤnff fin - gern abgezehlt.
Jch weiß nicht / es gieng ſchon auff zwoͤlfe / da ich kam / ich habe den ſeiger nicht ſehen lauffen.
Hoͤre Pickelhaͤring / ich wil dir eine kanne wein ſpendiren / wo du ſagſt / was ſie mit einander geredt haben?
Frau / ich lag im winckel und ſchlief / das ſah ich wohl / daß ſie das maul gegeneinander auffſperten / ob ſie mit einander geſpraͤcht haben / das weiß ich ei -Pgentlich226Der triumphirenden keuſchheitgentlich nicht.
Schelm / wilſt du auff die hinter-fuͤſſe tretten.
Jch wolte gern auf den gaͤnſe-fuß tretten / ich habe keinen.
Geh du ſtocknarr / ich mag dich nicht mehr ſehen.
Groſſen danck / vor die gute abfertigung.
Nun mein Floretto / biſt du da zerriſſen / thut dirs auf dieſer ſeithe weh. Steht die Beliſſe im lichten / daß du an der Clariſſe die liebe nicht erken - nen kanſt. Jch habe mich lange darfuͤr gefuͤrcht / doch das iſt mir angenehm / daß ich in zeiten darhin - ter komme. Entweder mein kopff ſoll keinen an - ſchlag mehr wiſſen / oder Beliſſe ſoll Floretto ver - liehren.
DA koͤmmt die verliebte ſeele! ihr herren laſt euch nicht geluͤſten / ich habe nur die kleider geborgt / den andern zierrath / ihr wuͤſt es wohl / hat ſie ſelber be - halten. Wie wird meinem vater das hertze im lei - be wackeln / wann er mich ſehen wird. Ach liebe / liebe! du warmer peltzfleck meiner gedancken / laß doch den donnerkeil deiner freundligkeit in die hole weide meiner unwuͤrdigkeit hinein ſpatzieren. Aber vor allen dingen muß ich mich in der alten weiber complimenten exerciren / laß ſehn / ein bonus dies in folio, der kommt ſo / nein / nein / das war ein kleiner / ich kan ihn kaum in octavo einbinden laſſen / ſo / der war recht / ein verliebt augen-ſchwermergen / ſo / einſpitzig227Dritte Handlung.ſpitzig maͤulgen / ſo / ein kniefix ſo / botz tauſend das war ein kniefix mit dem fetzer / noch einmahl / ſo / ſo / es wird ſich ſchon geben wie das gꝛiechiſche (Ephial - tes kommt in der Melanen kleidern) doch was will Melane das raben-aas / halt / ich wil ihr auch einen wurm ſchneiden.
Jch muß auf meine alte tage naͤrriſche haͤndel vornehmen / da plagt mich die ſorge wegen meines leichtfertigen ſohns aͤrger / als eine purgation im leibe / die leuthe ſprechen / er loͤffelt mit der abgenuͤtz - ten kammer-magd / und ich glaube gleichwol die ſa - che nicht gerne eh ich ſie ſeh / drum hab ich mich in ih - re kleider geworffen / und halte den muff vors maul / obs angehen will / daß er mich verkennet.
Guten morgen / mein freundliches liebes kam - mer-kaͤtzgen.
Hu / hu.
Hu hu / habt ihr kein maul? guten morgen.
Nu nu.
Nu nu / hu hu / guten morgen /
Groſſen danck.
Du junges rabenfell / groſſen danck / du redeſt treflich klein / du pfeiffſt gewiß durch ein eng loͤchli - chen.
Ja / ja.
Je daß du nicht ein knecht biſt / aber hoͤrt doch / habt ihr nicht meinen liebſten geſehen / das liebe fromme hertze / mich deucht immer / wann ich ihn kriege / ſo druͤckt mich der alp / ach der gute ehrliche thorwaͤrter / habt ihr ihn nicht geſehen?
Leck mich im leibe.
Du grobe keule / wollen wir mit einander dahin /P 2vor228Der triumphirenden keuſchheitvor meinem liegt auch kein ſchloß / ich frage nach meinem liebſten.
Daß mir nicht der liebſte wegkommt / er muß ſich darnach ſehnen.
Du junge alraupe / was darffſt du dein maul druͤber zerreiſſen.
Du altes brummeiſen / was darffſt du dich ſol - cher haͤndel beruͤhmen.
Du junger klunckermutz / was gehts dich an?
Du altes hundefell / es geht mich wol ſo viel an / als dich.
Du junger ſchand-nickel / dir zum poſſen will ichs thun.
Du alter ruͤffel-zahn / ſo ſoll dir der hencker an der ſtaupen-ſaͤule darvor dancken.
Der thorwaͤrter iſt mein liebſter / und wann ſich alle junge gaͤcken die krauſe zerriſſen.
Du alte gacke / es geht ſchon fort / ſchiers kuͤnff - tig auf den 32 Februarius / ach nein / ich lobe mei - nen Pickelhaͤring.
Du elende hure / verbrenne dirs maul nicht uͤ - ber deinen Pickelhaͤring.
Bin ich eine hure / ſo bin ich eine mit ehren / ich bin noch mit keinem ſchinder-knecht davon gelauf - fen.
Ho / ho / das gilt halßbrechens.
Jch halte der hencker hat ſich leibhafftig von der kette loß geriſſen / daß ſo ein grauſamer tumult vor meinem loſament entſteht.
Das lumpengeſchmeiß hat mich biß auf den toder -229Dritte Handlung.erſchreckt.
Wer ſind ſie dann?
Jch will die geſpenſte bald wegbannen / was ſeyd ihr vor lands-leute?
Wer will mich nun in meiner eigenen geſtalt ſe - hen?
O himmel! was ſeh ich / Pickelhaͤring und ſein vater / ihr alter ziegenbock / was faͤhrt euch vor eine freude in die achſel?
Jhr ſchaum von allen leichtfertigen menſchen / gebt rechenſchafft / wer hat den tumult angefangen?
Herr / mein ſohn ‒ ‒ ‒
Herr / mein vater ‒ ‒ ‒
Nein / mein ſohn ‒ ‒ ‒
Nein / mein vater ‒ ‒ ‒
Schweiget ihr hunde / Floretto laß ihnen das bette im hunde-loch auffſchlagen / biß ſie den rauſch ausſchlaffen / du aber bleib in deinem loſament biß auf weitern beſcheid.
Fort / fort / ihr lumpen-geſinde.
Allerliebſte Clariſſe! ſo kan ich nicht ſo gluͤckſe - lig ſeyn / die urſach eurer traurigkeit zu erfahren?
Eine ſchoͤne gluͤckſeligkeit / die aus erkaͤntniß meiner traurigkeit entſpringen ſoll.
Ein artzt iſt gluͤckſelig / wann er des patienten kranckheit verſteht.
Ein patient iſt ungluͤckſelig / wann er ſeyn an - liegen nicht ausſprechen kan.
Aber der patient iſt wundeꝛlich / der keinen man - gel hat.
Mein Rodomann! ich bin eueres mitleidens unwuͤrdig / meine perſon iſt viel zu ſchlecht / als daß die maͤngel / ſo mir zuſetzen / einigen gegen-ſchmer - tzen in euch erwecken ſolten / ja wohl / ich bin wunder - lich / warum nicht gar naͤrriſch?
Ach mein kind! was ſoll die unziemliche aus - legung meiner worte bedeuten?
Es iſt nicht das erſtemahl / daß meine liebe ver - ſtoſſen wird.
Sollen meine reden ſo angenommen werden / ſo will ich ſchweigen.
Jmmerhin es wundert mich / daß ihr mir bißher das maul gegoͤnnet habt.
Liebgen! ſehet mich doch an / und lachet nicht.
Das will ich ohne diß thun.
Haben wir bald ausgeſchertzt?
Mein / laſt mich gehen / ihr ſehet ja / daß ich un - paß bin.
Jch wil euch nicht beſchwerlich ſeyn / aber ſagt nur / ob euch was beliebt?
Der ſchlaff beliebt mir / darum verlaſt mich hier allein / und wofern ihr mir einige gefaͤlligkeit zu er - weiſen bedacht ſeyd / ſo laſt mir den Floretto auff den dienſt warten.
Es ſey alſo / ruhet wohl / mein kind.
So gehet das aͤrgerniß meiner gedancken dahin / und befreyet mich von der plag ſeiner unzeitigen liebs-reitzung. Ach Floretto! biſt du noch nicht hier / verzeuchſt du deine halb todte Clariſſe mit neu - em leben zu beſeligen? Komm / dann ſie will ihr aͤu - ſerſtes verſuchen / und dieweil du nichts begehrenkanſt /231Dritte Handlung.kanſt / als was du ſieheſt / ſolſt du mich eher ſehen / als du mich begehret haſt / und was der unberedte mund nicht hat vollbringen koͤñen / ſoll dieſer ſchnee - weiſſe leib durch ſeine ſtumme wohlredenheit bey dir verrichten. Schickt euch ihr verliebten glied - maſſen zu aller erſinnlichen annehmligkeit / ihr ver - liebten minen / ihr entzuckten verſtellungen / ſpielt euer krafft zuſammen / und begeiſtert mein vorneh - men durch eine liebſelige empfindligkeit. Ach Flo - retto / wo verzeuchſt du?
Jhr Gnaden haben meiner begehrt?
Ja / und zwar aus unterſchiedenen urſachen.
E. Gnaden unpaͤßligkeit hab ich mit betruͤbtem gemuͤthe vernommen.
Jch weiß itzund von keiner unpaͤßligkeit / aber was macht deine liebſte Beliſſe?
Wann jemand mehr zugegen waͤr / meynt ich nicht / daß dieſe reden mich angehen ſolten.
Gar zu viel gehen ſie dich an / ich weiß euren heimlichen verſtand gar wohl.
Beliſſe erkennet ihren ſtand / und ich meine nie - drigkeit / im uͤbrigen kan ich allen unbilligen ver - leumbdern das maul nicht ſtopffen.
Doch / es muß gewaltig ſuͤſſe ſchmaͤcken / wann ihr eure liebes-haͤndel in verſtohlner liebligkeit ein - erndten koͤnnet.
Gnaͤdigſte gebieterin / ich bin der ſachen ein kind.
Muß dieſes nicht luſtig zugehen / wenn die ro - ſenrothen wangen ſich in ein ſubtiles gelaͤchter ein - laſſen / und die corallen-lippen mit tauſend verzu - ckerten hertzens-kuͤſſen gleichſam ſchwanger gehen / wenn alle fuͤnff finger ſich in das zarte lilien-feldP 4ver -232Der triumphirenden keuſchheitverſcharren / ach wer wolte ſo beredt ſeyn / die ver - gnuͤgung vorzuſtellen. Ein ſchertz treibet den an - dern / ein kuß verhindert den andern / ein blick ver - zehrt den andern / ein griffgen ‒ ‒ ‒ ach ich mag nicht weiter reden / ich werde ſelbſt verliebt davon. Da Floretto / nimm den fliegen-wedel / und gib ach - tung / indem ich dem ſuͤſſen ſchlaffe nachhaͤnge / daß mich keine fliege verunruhige.
An meiner auffachtſamkeit will ich nichts er - mangeln laſſen.
Du guͤtiger himmel / ſo haben ſich alle verfol - gungen auf meinen kopff zuſammen geſchworen / ach verleihe mir in meiner unſchuld zum wenigſten ein ſolches hertz / das unter den unvergleichlichen verſu - chungen dennoch unuͤberwindlich bleibe. Die luſt reitzet mich / aber ſie ſoll mich nicht anreitzen / ſie lo - cket mich / aber ſie ſoll mich nicht ins netze dringen. Der ſchein dieſer gegenwaͤrtigen wolluſt iſt viel zu gering / als daß er die groͤſſe des nachfolgenden un - gluͤcks vor meinen augen verbergen ſolte. Nun ertheile mir die gnade und erhalte meine ſchwach - heit in dem vorſatze / lieber zu ſterben / als in derglei - chen unreinigkeit zu willigen.
Floretto.
Jhr Gnaden hier bin ich.
Langet mir zu trincken.
Von hertzen gern
geh nicht weg du kanſt wohl bey mir ſitzen.
Jhr Gnaden halten mich nicht / ich kan nicht ſitzen.
Aber ich bitte.
Was mir zu thun moͤglich iſt / kan ich ungebeten verrichten.
Vor wem fuͤrchſtu dich / bleib hier.
Jch kan nicht / ich mag nicht / ich will nicht.
Ach du eintziger auffenthalt meines lebens / du aller - ſchoͤnſter angelſtern meiner verliebten gedancken / du lieblicher morgenſteꝛn meiner inbruͤnſtigen hoff - nũg / du troͤſtlicher abendſtern meines unausſprech - lichen ſeelen-ſchmertzens! ſiehſt du nicht / wer ſich zu deinen fuͤſſen erniedriget / ach es iſt die ungluͤckſe - lige Clariſſe / die betruͤbte / die verachte / die verlaſ - ſene Clariſſe / welche ſich aller andern luſtigkeit ent - ſchlagen hat / um dem hertzvielgeliebten Floretto auffzuwarten.
Jhr Gnaden bemuͤhen ſich nicht / es iſt vergebens.
Ach laß doch aus dem uͤberfluͤſſigen meer deiner vortrefflichen freundlichkeit nur den geringſten tropffen auff meine durſtige ſeele rinnen / und wo dein hertz ein harter kieſelſtein iſt / ſo laß doch etliche funcken auf meine bruſt fallen / welche ſich zu lauter zunder und aſche verzehret hat.
Jhr Gnaden vergeben mir / ich brauche gewalt.
Ach! beliebt diꝛ reich - thumb / ſuchſt du die freyheit? mein kind! mein en - gel! alles ſoll dir zugeſagt ſeyn / vergnuͤge mich nur durch einen gegenblick.
Jch will mich an mei - nen Rodoman ſo nicht verſuͤndigen.
Du armer unſchuldiger rock / ſo darffſt du nichtmehr235Dritte Handlung.mehr den artigen leib bedecken / und muſt du meinen unwuͤrdigen haͤnden / als ein betruͤbter raub / hinter - laſſen werden? ſoll ich mich an dir ergetzen / ſolſt du meinen brennenden begierden waſſer zutragen. Ach nein! ich bin verlohren / lieben wolt ich gern / aber ich ſoll nicht / haſſen ſol ich / aber ich kan nicht: doch warum ſolte ich nicht koͤnnen? auf Clariſſe / deine hoheit iſt nicht gantz verdunckelt / und du darffſt dei - ner macht nicht ſo gar vergeſſen. Wer ſich unter dei - ne freunde nicht rechnen will / ſoll ſich mit ſchmer - tzen unter deinen feinden befinden / und wer ſich dei - ner liebe unwuͤrdig macht / ſoll deiner verfolgung biß auf den tod unterworffen ſeyn. Der verfluch - te Floretto / der undanckbare vogel / ſoll die frucht ſeiner hartnaͤckigten natur bald empfinden. Die liebe iſt ein feuer / wer es mit kuͤſſen nicht leſchen kan / muß es mit blute daͤmpffen / und was die ſehn - liche begierde bitter macht / ſoll die verzweiffelte ra - che wieder verſuͤſſen. Mich deucht ich ſehe ſchon / wie ſich die harten ketten umb ſeinen ſtoltzen leib ſchlingen / wie die geiſſeln um ſeine lenden rauſchen / wie ſich das fleiſch von ſeinen rippen abſondert / und wie das vermaledeyte hertz vor meinen fuͤſſen von hunden gefreſſen wird. Halt / du ſchandbube! nun will ich grauſam ſeyn / nun will ich mich erbit - ten laſſen / nun will ich mich an deinen thraͤnen erlu - ſtigen. O helfft / helfft / habt ihr eure Frau gantz allein gelaſſen / iſt niemand hier / der ſich meiner an - nimmt! helfft mir von dem verraͤther / von dem ertzboͤſewicht.
O Himmel! wer will uns im hauſe verꝛathen?
Ach erloͤſt mich / gewalt! gewalt!
Liebſte Clariſſe! was vor gewalt?
Floretto / der ſchelm / der ſchandbock.
Wie / Floretto?
Ach Floretto / der ſtinckende wiedehopff.
Und was ‒ ‒ ‒
Floretto / das ſchaͤndliche unthier.
Warum aber ‒ ‒ ‒
Floretto / der unverſchaͤmte ehren-dieb.
Erzehlt doch ‒ ‒ ‒
Floretto der gifftige baſiliske.
Jſt es nicht ‒ ‒ ‒
Floretto / mein knecht / mein ſclave.
Und was hat dann Floretto gethan?
Gethan? o der ehrvergeſſene ſtraſſenraͤuber!
Es ſey alſo / aber wodurch hat er ſolche titul verdienet?
Solte er ſie nicht verdienet haben / ein ſchoͤn ehge - mahl / das einem nichtswuͤrdigem knechte gegen ſei - ner liebſten uͤberhelffen darff.
Clariſſe plagt mich nicht / ich will wiſſen / was vorgehet?
Floretto will euer ehebette beſudeln / iſt das nicht gnug?
Floretto? aber auff was maſſe?
Jſts auch fragens werth? ich hatte mich auff das bette geſtreckt / und verſuchte / ob ich durch die geſchloſſenen augen den verlangten ſchlaff anlocken koͤnte. Jhm aber hatte ich befehl gegeben / die un -nuͤtzen237Dritte Handlung.nuͤtzen fliegen von dem bette abzutreiben / doch der henckermaͤſſige galgenvogel vergaß ſeiner perſon ſo weit / daß er erſtlich durch heimliche griffe / hernach - mals durch allerhand liebkoſende reden / endlich durch oͤffentliche und unziemliche gewalt / meine eh - re / meine treu / und was mir auff dieſer welt am lieb - ſten iſt / beſtuͤrmen durffte. Ach! iſt niemand der rache ſucht / rache! rache!
Jch habe genug gehoͤret / gebt euch zufrieden / liebſte Clariſſe! keine marter ſoll ſo grauſam ſeyn / die ich nicht / euch zu befriedigen / uͤber den verzweif - felten Floretto ausſchuͤtten will. Geht / und ſucht den ſclaven / und wann er da iſt / ſo verſchlieſſt ihn in das grauſamſte gefaͤngniß / alsdann erwartet un - ſern weitern befehl.
Die boßheit muß geſtrafft werden.
Gebt euch zufrieden / ſo lange Rodoman Rodo - man iſt / ſoll Clariſſen ehre unverletzt ſeyn.
Jſt das nicht ein ſchelme / daß er ſeinem eignen Herꝛn in die meelbirnen gehen will.
Jch weiß vor boßheit nicht / ob ich ein maͤdgen oder buͤfgen bin.
Der huren ſohn hat uns neulich genug geplagt / wir wollen ihn wieder zahlen.
Es hat ſich wohl bezahlt / wer ihn vor gefunden haͤtte.
Ums finden hats gute wege. Vater geht ihr da - hin / ich wil dorthin gehen / und wer ihm am erſten findt / der ſoll kommen / und ſolls dem andern ſagen.
Nun es bleibt darbey / ich verlaſſe mich darauff.
Ja ja / auf mich kan ſich einer wohl verlaſſen
(gehen238Der triumphirenden keuſchheitWill jemand ein ſchaaf ſehen / welches ſich den reiſſenden wolffe mitten aus den zaͤhnen entriſſen hat? wil jemand eine taube ſehen / welche ſich vor dem grimmigen habicht verbergen muß? ach der ſe - he den armen und verfolgten Floretto an! hier ſteht die wand / auf welche alle ungluͤcks pfeile zufliegen: hier iſt das zerbrechliche ziel / welches die unzehlichen ſchoͤſſe aller verfolgung auffangen ſoll. Jch bin ein elender ſchilf / welcher ſich vor dem hereinbre - chenden ſturmwinde buͤcken muß; eine ſchwache meyenblume / welche durch die vielfaͤltigen regen - guͤſſe beſchweret und zur erde gebeuget wird. Mei - ne ftirne iſt eine tafel / daran ein kurtzer auszug alles ungluͤcks vorgebildet wird / und mein hertz iſt ein verwirtes neſt / darinn eine widerwaͤrtigkeit die an - dere ausbruͤten muß. Ach zu welcher gefahr bin ich noch uͤbrig blieben?
Luſtig der vogel iſt gefangen / harr du Courtiſan exprofeſſo, ich wil dich galaniſiren lehren / es mangelt nur an meinem vater / der wiꝛd die katzenmeſſe ſingẽ.
Mein haupt iſt als ein leeres faß / daraus aller rath und troſt mir einem hauffen gefloſſen iſt / ach wo ſol ich mich hinwenden?
Jſt er da?
Da ſtehet er.
Fort doch / ich zittere gar vor freuden / daß ich den ungehangenen dieb einſtellen ſoll.
Er laͤſſt euch auch bitten / ihr ſollt geſchwinde darzu thun / es verlangt ihn ſehr nach einem ſolchen ſchoͤnen qvartier-meiſter.
Nu / wo iſt er dann?
Hier / hier.
Jch ſeh ihn nicht.
Jch ſeh ihn auch nicht.
Du dieb / du haſt ihn gewiß lauffen laſſen.
Er iſt von ſich ſelber weggelauffen.
Du unnuͤtzer baͤrnhaͤuter! geh dort hin / ich will auff dieſe ſeite gehen / und wer ihn findet / der ſags dem andern.
Jhr werdet die jungen narren ausnehmen.
Jſt dann der himmel mit lauter wolcken uͤber - zogen / und will der froͤliche ſchein einiges troſtes nicht durchdringen; ich weiß nicht / ob ich an meine ordentliche verrichtung gedencke / oder / ob ich der boßhafftigen Clariſſe aus den augen gehe. Wann ich hier bleibe / ſo bin ich meines lebens nicht ſicher / wann ich entfliehe / ſtuͤrtze ich mich in den aͤrgſten verdacht /
und darzu wo will ich hinlauffen?
Still / ſtill / das maͤußgen tantzt wieder auff den baͤncken herum / wir wollens bald in der falle haben.
Unter mir und neben mir find ich wenig labſal / mein gluͤcke muß von oben kommen.
Du unachtſames pfingſt-kalb! nun will ich dir weiſen / wie man die leute ausſteubern ſoll.
Ja ja / vater! ihr gebt einen guten ſpuͤrhund.
Sieheſt du ihn dort gehen?
Ja / ich ſeh ihn / ihr meinet ja den hund dort?
Du ſchlauraffen-geſichte / den Floretto mein ich.
Ja ja / ich ſeh ihn auch.
Nun greiff zu.
Vater / der dieb hat ſich[unſichtbar] gemacht / wer kein ehrlicher kerle iſt / der kan ihn nicht ſehen.
Sieheſt du ihn dann?
Das verſtehet ſich / da gehet er.
So fang ihn doch.
Nein / der vater gehet vor.
Und wann ich mein tage kein ehrlicher kerl ſeyn ſolte / ſo ſehe ich nichts.
Es iſt beſchloſſen / die flucht iſt beſſer als ein un - gewiſſer verzug.
Vater / da iſt das ſchoͤne ebenbild / laſts ja nicht lauffen.
Wo hinaus landsmann?
Dir ſoll ich gewiß rechenſchafft geben?
Das muſt du thun / und wann du nicht mit gu - ten wilſt / ſo hab ich und mein ſohn ein paar pruͤgel / die ſollen bald mit deinem ſchedel cameradſchafft machen.
Vergreifft euch nicht an mir / es ſoll euch nicht ungeſtrafft hingehen.
Je mehr man mit den leuten complimentirt / je mehr wollen ſie geleckt ſeyn / ſeht vater / ſo machts.
Was bedeut dieſer grauſame anfall / womit hab ich dieſen ſchimpf verſchuldet?
Du großſprecher / biſt du nun in unſer gewalt /da /241Dritte Handlung.da / da haſt du die zinſe mit dem capital wieder.
Verſchonet meiner / oder es ſoll euch ſauer an - kommen.
Vater / der kerl bildt ſich noch was ein.
Jns loch / ins loch / wann ſo ein junger geelſchna - bel gern ins ſuͤſſe loch kriechen will / muß man ihm ein ander loch weiſen / fort / fort.
Jch geh / und laſſe die unſchuld meine gefertin ſeyn.
Wo dir mit geferten gedient iſt / ſo will ich dir ein paar ohrfeigen zuſtellen / die kanſt du mit auf den weg nehmen.
Habt ihr das ottergezuͤchte noch nicht bezwungen? ich halt / es geht euch ab / wie pech am ermel / reiſt ihn fort / die ſonne erblaſſt noch / wo ſie einen ſolchen un - menſchen laͤnger beſcheinen ſoll.
Bedencke doch ‒ ‒ ‒
Laſſt ihr den ertz-vogel noch reden / halt ihm das maul zu / oder beſetzt ihm den heilloſen rachen mit tauſend maulſchellen / ſchafft ihn fort / und wo ihr auff der geringſten unachtſamkeit betroffen werdet / ſo ſoll der galgen nach euch ſchnappen.
Jch wolte nicht unachtſam ſeyn / und wann ich mein tage nicht hencken ſolte.
Es ſteht euch beyden auch zu rathen.
Nun Monſieur Floretto / der Herr ſpatziere.
JCh bin lange gnug verſchwiegen geweſen / ich habe meinem heimlichen anliegen zeit gnug gelaſſen. Meine ſeele! nun muſt du dem munde etliche un - gewoͤhnliche worte zu gute halten: Floretto / der preiß von allen adelichen tugenden / hat den preiß meiner uͤberwundenen liebe. Seine ſtattliche an - kunfft hat die wenigſte achtbarkeit bey mir vermeh - ret. Seine großmuͤtigkeit / ſein unbeflecktes le - ben / und ſeine uͤberaus zierliche geſtalt / haben mich erſtlich in ein bloſſes gefallen / hernachmals in die hefftigſte leidens-regung gebracht / daß ich mein le - ben ohne ihn kein leben heiſſen muß. Aber wo iſt mein wertheſter Floretto / hat ihn nicht die unver - antwortliche falſchheit der geilen ehebrecherin zu dem beſchwerlichen gefaͤngnis verdammet? muß ſich der zarte leib nicht in die eiſen ſchicken / und muß die unſchuld nicht uͤber ſich triumphiren laſſen. Ungerechte muhme! Was hat Floretto verſchul - det / und wofern er einiger miſſethat ſchuldig befun - den wird / was habe dann ich gethan / daß ich mit ihm geſtrafft werde? weiſt du nicht / daß meine ſee - le in ſeinem leibe wohnet / und daß ich alles ſchmer - tzens durch ihn theilhafftig werde? halte deine grauſamkeit zuruͤcke und befoͤrdere zum wenigſten durch ſeine qvaal meinen tod nicht. Hier iſt der ſchauplatz aller verfluchten ungerechtigkeit! Hier iſt der ſchatten der rachgierigen falſchheit! Solldie -243Vierdte Handlung.dieſes edle licht dieſe drachen-hoͤle erleuchten? Soll der unſchaͤtzbare ſchatz in dieſer mordgrube ſeinen werth verbergen? und ſoll die arme Beliſſe ihren troſt in dieſer furchtſamen einoͤde ſuchen? Ach freylich! muß ich ihn hier ſuchen: Floretto!
Ach iſt noch ein menſch uͤbrig / der meinen nah - men gedencken kan?
So lange als Beliſſe lebt / kan Floretto nicht vergeſſen ſeyn.
Ach Beliſſe! nun iſt mein ungluͤck vollkommen.
Wann der mond am dunckelſten wird / muß er wieder zunehmen.
O ich armer erdwurm!
Jch kenne viel wuͤrme / die gegen den fruͤhling fliegen lernen.
O ich elendes kind der finſternis!
Die voͤlcker / ſo die laͤngſte nacht haben / koͤnnen ſich auch des laͤngſten tages getroͤſten.
Jch bin lebendig begraben.
Das gold verleuret in der grube die koſtbarkeit nicht.
Jch bin ſchon todt.
Der Phoͤnix findet ſein leben auch in der aſche wieder.
Mein gefaͤngniß iſt allzu ſchaͤndlich.
Deſto herrlicher wird die erloͤſung ſeyn.
Liebſte Beliſſe! ſolt ihr Graf Heinrichen hier ſu - chen?
Setzt doch dieſes auch hinzu / daß ich meinen liebſten und meine ſeele hier ſuchen muß.
Beliſſe kan ohne den verdammten Floretto doch vergnuͤgt werden. Aber Floretto ſiehet ſeineQ 2freude244Der triumphirenden keuſchheitfreude und ſeine verlangte Beliſſe zum letzten mahl.
Die ſterne gehen unter / und kommen wieder / und die tugend / wann ſie verſteckt iſt / kan nicht ewig ver - borgen bleiben.
Jch wolte mich wol troͤſten / ich bin auch in meinem gewiſſen freudig gnug / aber indem ich ſehe / daß ich die hoffnung eurer beſitzung verlaſſen muß / ach ſo will mir das hertz zu wachs werden.
Verlaſt euch auff den guͤtigen himmel / eure un - ſchuld wird euch noch an das licht bringen.
Freylich muͤſſen wir das beſte hoffen! aber auff allen fall / liebſte Beliſſe / gute nacht.
[Floretto] / gebt euch zufrieden.
Jch wils thun / doch / wo ich ſterbe / ſo denckt / wer ich geweſen bin / wie mich das gluͤcke / als einen leich - ten ball zu lauter ungluͤcks-ſpielen herum geworffen hat / und hiermit zu tauſend gutet nacht.
Wo Floretto ſtirbt / kan Beliſſe nicht leben blei - ben / dann es kan noch viel verſucht werden.
Alsdann ſoll unſre zuſammenkunfft deſto froͤli - cher ſeyn; doch itzo kan ich nichts thun / als daß ich betruͤbten abſchied nehme. Allerliebſte Beliſſe! lebet wohl / und wo ich als ein unſchuldiges opffer vor der Clariſſen ſuͤnde buͤſſen muß / ſo laſſt mich doch den troſt mit in das grab nehmen / daß ich von dero jenigen beklaget werde / die in beſitzung meines hertzens die erſte und die letzte geweſen iſt. Laſſet euch mein keuſches und heiliges feuer auch in der aſche gefallen / damit ich durch das ſelige andencken eures hertzlichen mitleidens meine ſeele in der ab - ſcheulichen todes-noth beſaͤnfftige. Nun wir ſe - hen einander ſchwerlich wieder / drum ſey auchdieſes245Vierdte Handlung.dieſes die letzte gute nacht.
Jch halte / der hencker ſchlaͤgt ſich gar mit meinem vater / da geh ich nur / und will ein zaͤhrgen brandtewein auffs hertze neh - men / ſo fuͤhret ihn das ungluͤck auch weg / ich halte / er meynt / es ſind narrenpoſſen / als wann man den bauren die ſchoten huͤtet / vater! vater! vater! wo ſteckt ihr?
Nun ſchrey doch fein laut / man weiß ſonſt nicht daß du da biſt.
Es iſt auch wahr / wann jemand unterdeſſen den armen ſuͤnder geſtohlen haͤtte.
Er iſt uns gewiß gnug / er dient weder zu ſieden noch zu braten / wer wolt ihn ſtehlen?
Vater! ich weiß wol worzu er dient / ſeht ihr nicht den jungen haͤſcher da?
Ja / lerne du mich haͤſcher kennen / es iſt unſre Jungfer.
Es mag unſre Jungfer oder ihre mutter ſeyn / wer in unſer gehaͤge faͤllt / der hats zu verantworten. Hoͤrt junges muͤenſch / wie lang iſts / daß ihr ein haͤ - ſcher ſeyd?
Sieh da / grobian / redeſt du auch mit vornehmen leuten?
Wann ich an eurer ſtelle waͤr / ich wuͤrffe mit lo - ſen worten um mich.
Geh du bauer / und ſchuͤtte die unhoͤfligkeit bey deines gleichen aus.
Jungfer / ſind diß die tittel alle?
Haben dann alle dreſcher feyerabend gemacht / daß mir der flegel hier im wege liegt?
Jungfer / ihr meynt ja mich?
Laß mich gehen / du unflath?
Jungfer / nun kommt das reden auch an mich / was habt ihr vor igel zu buͤrſten / daß ihr in unſer vier pfaͤle kommt / ſtehts einem ehrlichen maͤdgen zu / daß ſie im haͤſcher-loche alle winckel auskreucht?
Jch ſehe wohl / hier iſt nichts zu erhalten / ich muß gehen.
Ey jungfer / wart doch / biß ihr gehet / die knechte haͤtten gern ein trinckgeld.
Pech und ſchwefel dir auf deinen kopff / du un - geſchliffner holluncke.
Nun Pickelhaͤring / laß ſie einmahl gehen / du ſi - heſt ja / daß es unſer Jungfer iſt?
Jungfer / nur ein ſchmaͤtzgen.
Ach geh und ſtecke den ſauruͤſſel in ein kuͤhfenſter.
Laſt mir doch ein kleines pfand zuruͤcke.
Thorwaͤrter / helfft mir doch von dem ungethuͤm.
Geht jungfer / geht /
du machſts gar recht mit ihr / die jungen ſpritzen muͤſſen auch al - len qvarck beſchnopern.
Hat ſie ein hertz in ihrem leibe / ſo komm ſie noch einmahl. Aber das ding hat / mein ſchelm / traun / ſoll mich / was zu bedeuten / wo wir nicht fleiſſig wa - chen / ſo betreugt uns das junge raben-aas mit ſe - henden augen.
Weiber liſt hat kein ende / es iſt fuͤrwar kein kin - derſpiel; aber wie greiffen wir die ſache recht an?
Seht / vater! wir beyde wollen alle vier ecken einnehmen / tretet dort hin / tretet gegen uͤber auch / auff beyde ecken zugleich.
Trit du erſt / ich will dir nachtreten.
Jch wolts wol machen / ihr koͤnnt mirs doch nicht nachthun / bleibt nur da ſtehen / ich will euch die zeit mit einem luſtigen liedgen vertreiben.
Nun / laß dich hoͤren.
Vater / gelt das ließ ſich hoͤren?
Mein lieber ſohn / wo haſt du den ſchoͤnen lob - geſang herkriegt?
Jch hab ihn gedruckt.
Weiſt du nicht / wer ihn gemacht hat?
Es muß ein guter kerle geweſt ſeyn / ich kauffte mir vergangen ein halb pfund kaͤſe / da war er nein - gewickelt.
Das iſt noch groß gluͤck / daß die lieben verſe wieder an ihren mann kommen ſind.
Bey mir verdirbt nichts / ich bin ein gewaltiger liebhaber davon.
Jch lobe dich drum / aber ſinge doch noch eins.
Jch will ihr hundert zugleich ſingen.
Aufſehens / aufſehens! wer kommt da?
Vater / nehmt geſchwind den bart ins maul / und die picke auf den nacken / ſtill / ſtill / wer das erſte wort redt / ſoll 6 kannen bier und ein karpen ſtraffe geben.
Hilff Gott / was vor ein elendes ſchauſpiel habt ihr an eurem koͤnig erlebt?
Mein freund / wer in unſerm lande bekandt iſt / dem kommen dergleichen zufaͤlle nicht ſeltzam vor.
Was hoͤr ich / iſt es moͤglich / daß dergleichen ab -Q 5ſcheu -250Der trinmphirenden keuſchheitſcheuliche gebrechen in eine gewonheit gerathen.
Es iſt kein ort in der welt / der nicht ſeine eigne plage habe / wir ſind mit dieſer behafftet.
Aber kan ich nicht erfahren / worinn die haupt - urſach beſtehet.
Es iſt eine gewiſſe art von ungeziefer / welches etliche ſpinnen / etliche von ihrer geburts-ſtadt / ſo zu reden / Tarantulen nennen / die haben ſo ein durch - dringendes ſubtiles gifft bey ſich / daß / ſo fern ein menſch von ihnen verletzet wird / keine artzney kraͤff - tig gnug iſt / dergleichen ſchaͤndliche und erbaͤrmliche wirckungen abzuhalten.
So iſt der koͤnig auch von einer ſolchen kleinen beſtie uͤberwunden worden?
Der ausgang bezeugts / wiewol wir auch durch einen knaben eben deſſen berichtet ſind.
Diß ſolte mich aber in ewigkeit wunder nehmen / daß in einer gemeinen kranckheit kein huͤlffs-mittel ſolte vorhanden ſeyn?
Es ſind mittel gnug da; mehrentheils werden die patienten durch die muſic zurecht gebracht.
Eine neue art von cliſtiren ſo man durch die oh - ren anbringt.
Es ſcheinet laͤcherlich / doch haͤlt es ſeine proben.
Jch geſteh es gerne / daß ich hierinnen zu einfaͤl - tig bin.
Kuͤrtzlich von der ſache zu reden / die muſic die wirckt ſo viel / daß die patienten aus ihr er faulen mattigkeit ſich in einen hefftigen tantz einlaſſen / da - durch die glieder erwaͤrmet / die ſchweißloͤcher geoͤff - net / und das ausgebreitete gifft an allen orten ab - gefuͤhret wird.
Jch wolte diß in ſeinen wuͤrden laſſen / wenn ich ſehen ſolte / daß dergleichen cur dem koͤnige was nutzte.
Jhr fragt nicht unrecht / doch muͤſt ihr geden - cken / daß ein groſſer unterſcheid iſt / ſo wohl unter dem gifft der ſpinne / als unter der complexion der menſchen / derhalben wird auch ein unterſchiedlicher handgriff in muſiciren erfordert.
Haben dann alle muſicanten den handgriff ver - lernet?
Es iſt ein ſeltzam wildpret nm einen muſican - ten / der alle und jede affecten in ſeiner gewalt hat.
Soll aber der koͤnig alſo verderben?
Meine ſchweſter hat mich berichtet / als ſolte ſich einer von des Ober-Hof-Marſchalcks knechten im gefaͤngnis befinden / welcher den ruhm in der muſic vor andern gehabt / dieſer kan vielleicht unſer gluͤcke wieder geſund machen.
Warum verziehen wir / wann wir rath wiſſen?
Jch komme gleich von dem Rodoman / aber da ich ihn anſprechen will / iſt er nicht zugegen.
Wo man vor des koͤnigs wohlfart ſorgt / laͤſt ſich alle gewaltthaͤtigkeit entſchuldigen / ſind wir nicht ſtarck gnug / den gefangnen loß zu machen.
Die noth muß zur tugend werden / ſehet / ſehet / dort ſteht die wache.
Wer wolte ſich vor dieſen elenden creaturen ent - ſetzen / folgt mir nach / Juſtinian. Gluͤck zu / gluͤck zu / ihr purſche.
Jch halte / die zunge iſt euch nicht geloͤſt /
ich werde muͤſſen ein wurm - ſchneider werden.
Vater / thut doch das maul auff.
Ha / ha / ſtraffe / ſtraffe.
Vater / antwortet ihr den leuten / es hat ſich wol geſtrafft.
An deiner antwort iſt uns nichts gelegen / wo ſind die ſchluͤſſel zum gefaͤngnis?
Habt ihr etwan eure ſchluͤſſel verlohren / und wollt euch nach unſern andere machen laſſen?
Sieh da / fantaſte / wer laͤſt fragen?
Jch dachte / eine frage ſtuͤnde frey?
mache mir nicht viel federleſens / die ſchluͤſſel will ich haben.
Wollt ihr euch fuͤr mich hencken laſſen?
Gib mir die ſchluͤſſel / du ſolſt hencken.
Da Vater / gebt ihr ſie.
Nein / gib du ſie.
Auf die maſſe ſol - ten wir den tag zubringen / der koͤnig iſts / dem wir hierinnen dienen.
Vater / ſind ſie weg?
Du magſt deinen hals mit baumoͤl einſchmierẽ.
Wo ich hencken muß / ſo werden die todtmacher gewiß auffs rad gelegt.
Laſſt euch nichts anfechten / wir ſind maͤchtig gnug / euch zu beſchuͤtzen.
Jch will gerne folgen / denn es kan mir nicht aͤr -ger253Vierdte Handlung.ger gehen / als ich bißher gelebt habe.
Zweiffelt an der guͤten belohnung nicht / ihr wer - det euch den koͤnig ſelbſt / und nebenſt ihm das gan - tze land verbunden machen.
Dem himmel will ich dancken / wo er meinen ſei - ten einige empfindligkeit einfloͤſſen wird.
Vater / es iſt kein ander mittel da / ihr muͤſt hen - cken.
Die reih koͤmmt erſt an dich / warum wehrſt du dich nicht?
Jch werde gleich dem vater vorgreiffen.
Jch halte / es gehet einem wie dem andern.
O vater! wann ich doch meinen hals verſtecken koͤnte / ich bin gar zu kuͤtzlich drum / ich kans fuͤrwahr nicht leiden.
Muß / iſt ein boͤſes kraut.
O wie weh wirds thun / o wie weh wirds thun! o wann ich mich doch in eine mauß verwandeln koͤn - te / wie wolte ich in das erſte maͤuſeloch kriechen; va - ter / ihr ſeyd wohl wunderlich / daß ihr mir nicht zwey haͤlſe gemacht habt / wann einer vor die hunde gienge / ſo haͤtte ich ja den andern zum beſten.
Wer dir zehen haͤnde gemacht haͤtte / daß du dich wehren koͤnteſt.
O Venus / o Juno / ihr Goͤtter des haͤſcherlochs / o Mars / o Vulcanus / ihr Goͤtter der aͤpffel-kam̃er / o Cupido / du Patron aller finſterer laternen / o ſon - ne / mond und ſterne / o lufft / feuer / waſſer / o blitz / donner und hagel.
Nun Floretto / nun iſts zeit / itzt koͤnnt ihr eine probe ablegen / welche das gantze koͤnigreich mit hoͤchſter danckbarkeit erkennen ſoll. Sucht alle liebligkeit zuſammen / und laſſet des koͤnigs geſund - heit den mittel-punct euer ſuͤſſen erfindung ſeyn.
Jch erwarte mit hoͤchſtem verlangen / wie die ſa - che hinaus lauffen wird.
Der heilſame klang beſtehet nicht in meiner kunſt / GOtt muß meine haͤnde leiten / zu deſſen gnaͤ - digſter regierung ich mich allerſeits befehle.
O himmel / der Koͤnig ſtirbt / iſt diß die ſchoͤne cur?
Mein freund / urtheilet nicht vor der zeit!
Es iſt vonnoͤthen / daß er unverzuͤglich zu bette gebracht werde.
Liebſter Floretto! welche gnade wird maͤchtig gnug ſeyn / eure dienſte zu belohnen?
Die bloſſe erkaͤntnuͤß meiner dienſtbaren will - faͤhrigkeit / ſoll mich vergnuͤgen.
Nein Floretto! ihr habt viel leuts erfreuet / eu - er lohn ſoll auch in vielen ſtuͤcken beſtehen.
Wofern ich ſo wuͤrdig bin / etwas zu begehren / will ich mit meiner freyheit vorlieb nehmen.
Die freyheit ſoll die wenigſte vergeltung ſeyn.
Ein armer ſclave kan nicht mehr begehren.
Ein koͤnig kan aber mehr ſchencken. Amyntas ſoll ich bittſelig ſeyn / ſo goͤnn er mir die ehre / und be - gleite mich biß in mein loſament / vielleicht gibt uns des Floretto gegenwart mehr anlaß von dieſer mu - ſicaliſchen cur zu reden.
Jch thue es nicht gerne / meinem herrn beſchwer - lich zu ſeyn / doch in dergleichen faͤllen bin ich lieber unhoͤflich als ungehorſam.
Keines von den beyden.
O vater! wer ſich nur ſolte zu tode ſauffen / daß man der marter loß kaͤme.
Du lieber ſohn / du haſt ja ſonſt einen anſchlaͤ - giſchen kopff / iſt dann kein rath mehr da?
Mein rath-hauß iſt eingefallen / ich wuͤſte itzt keinen jungen ein ſchnipgen abzugewiñen / geſchwei - ge / daß ich ſolte ſolche reichshaͤndel vornehmen.
Pickelhaͤring / auf die ſeite / die frau iſt da.
Jch bin in meinen rachgierigen gedancken noch nicht eins / und wann ich mir die grauſamſte marter vor augen ſtelle / ſcheint es doch / als wann ſie mei - nem gemuͤthe kaum die helffte koͤnne gnug thun. Floretto muß zwar gewiß ſterben / aber durch wel - che thuͤre ſeine vermaledeyte ſeele den ausgang fin - den wird / das ſteht noch bey meiner erfindung. Jtzt wolt ich gleichſam als zum vorgericht ſehen / wie ſich der eigenſinnige ertz-toͤlpel unter den geiſſeln ver - halten wird: das ſey ihm geſchworen / ſo lang als ein weiß plaͤtzgen an ſeinem leibe ſeyn wird / ſollendie256Der triumphirenden kenſchheitdie ſclaven nicht auffhoͤren / eine ſarabande nach der andern aufzuſpielen! hola / was ſteht ihr da? heiſt diß gewacht?
Wann der vogel aus dem gebauer iſt / ſo hats mit der wache gute wege.
Was ſagſt du?
Floretto iſt weg.
Schlaff ich oder wach ich / wer iſt weg?
Euer ſpaßgalan / der euch liebet / wuͤſt ihr doch wohl.
Bekenne du hund / wer iſt weg?
Je / Floretto iſt weg / da kamen kerlen mit bloſ - ſen degen / und fochtelten / vor unſern augen her um / da dacht ich / ob ich gehenckt oder erſtochen werde / iſt mir eins ſo lieb als das ander / drum gaben wir ih - nen die ſchluͤſſel mit guten / ſie haͤtten ſie doch mit leibs - und lebens-gefahr genommen. Wo ſie aber mit den ſchelmen hingelauffen ſind / kau ich nicht wiſſen / ich hatte gleich die wache / und konte nicht abkommen / ſonſt haͤtte ich ihm nachgeſehen.
Jſt keine furie in der hoͤlle / die zeit hat / iſt kein blitz und donner im himmel / der herabfahren kan / iſt kein drache und baſiliske / der mir zu huͤlffe kom - men will? ich zerberſte vor grimm.
Du unnuͤtzer floh / du ſtinckigte wantze / ſo will ich dir den kopff einknicken / ſo wil ich dir ein haar nach dem andern ausrauffen / in ſchwefel und bech ſolſt du ge - ſotten werden / das fell will ich dir laſſen uͤber die oh - ren ziehen / mit vier pferden will ich dich zureiſſen.
Ach Frau / es waͤr an der helffte gnug / ich bin fuͤr - wahr unſchuldig. Mein vater ‒ ‒ ‒
Dein vater / wo iſt der ſchelm?
du verſchimmelter katzen-kopff / heiſt das gewacht / zu pulver will ich dich verbreñen laſſen / ſie ſollen dich bey den beinen aufhencken / wie einen Juden / ich will dich biß an den hals in die er - de graben / und will nach deinem kopffe die kegel ſchieben.
O barmhertzigkeit! barmhertzigkeit! o mein ſohn Pickelhaͤring!
Dein ſohn /
ich will dich zerzerren / die ſonne ſoll durch dich ſcheinen / ich will dich in eine lampe ſetzen / und will dich zu tocht ver - brennen / o wer leiht mir naͤgel gnug / daß ich dem ſchelm das geſicht zerkratzen kan.
Jch will euch gerne meine naͤgel leihen / kratzt nur meinen vater.
Dein vater /
die au - gen will ich dir ausgraben / und will dir heiß bley in die gruben ſchuͤtten / die ohren will ich dir abſchnei - den / und will ſie vor die hunde werffen /
O du beſtie / o ich kan nicht mehr / Dromo / Dromo wo biſt du?
Jhr Gnad. was haben ſie zu befehlen?
Jch wolte noch lange fragen / ſieheſt du nicht das rabengeſchmeiſſe / fuͤhre mirs in das tieffſte loch / das zu finden iſt / und wo keine ſchlangen und kroͤten drinnen ſind / ſo ſiehe / daß du anderweit compagnie ſchaffſt. Verrichte meinen befehl / ſo lieb / als dir dein leben iſt.
Jch muß die arbeit theilen / Pickelhaͤring bleib du unterdeſſen hier /
wann ichRmit258Der triumphirenden keuſchheitmit deinem vater fertig bin / ſoll deiner auch gedacht werden / fort alter.
Wer will einen haſen ſehen / dem das fell biß an den kopff geſtreiffelt iſt? wer will eine wilde ſau ſe - hen / die das weidemeſſer noch im leibe ſtecken hat / ach der ſehe den armen und gemarterten Pickelhaͤ - ring an. Mein kopff iſt wie ein duͤrrer kuͤhfladen / darinnen kein goldkaͤfer einiges troſtes herberge hat: mein poeten-kaſten iſt wie ein ameißhauffen / dem die eyer geſtohlen ſind; und meine invention - kammer iſt wie ein kirmes-kuchen / da die roſinen ab - geklaubt ſeyn. Ach die brandteweinflaſche mei - ner weißheit hat ein loch bekommen / und das Zerb - ſter-bier meiner erfahrenheit iſt ſauer worden. Die citronen meiner froͤligkeit haben ſich in tanznapfen verwandelt / und die pomerantzen meiner zuverſicht ſind zu pferd-aͤpffeln worden. O es iſt um mich und um alle haͤſcher geſchehen / o haͤtte ich mich er - ſtechen laſſen / ſo doͤrffte ich itzt nicht hengelbeeren freſſen / o wer itzt ein kind im leibe haͤtte / ſo muͤſten ſie mich zum wenigſten die ſechs wochen aushalten laſſen! O wann doch allen ſcharffrichtern und ſchinderknechten die haͤnde verkrummten / daß mich keiner anknuͤpffen koͤnte. O wann doch alle holtz - wuͤrme nichts anders freſſen wolten / als galgen - holtz. O tod! o tod! wie biſt du ſo bitter.
Was hoͤr ich! hoͤr ich nicht meinen liebſten Pi - ckelhaͤring? ach Pickelhaͤring! lebſt du noch?
Bin ich nicht gnug geplagt / wollt ihr mir auch vollends den kopff warm machen?
Mein tauſend-ſchatz! verſtehet mich doch recht /ich259Vierdte Handlung.ich bringe gute zeitung.
Was iſt mir mit euer guten zeitung gedienet / o ‒ ‒
Jhr ſollt loß kommen / ſchweigt nur ſtille.
Soll ich loß kommen?
Freylich / freylich / ich will euch loß bitten.
Was wird aber draus / wañ ihr mich loß bittet?
Jhr muͤſt mich nehmen.
O meiſter Hans! knuͤpff auf / knuͤpff auf / ich mag mich nicht loß bitten laſſen.
Es iſt ja beſſer / daß dir eine frau das bette waͤr - met / als wann du am galgen erfrieren ſolſt.
Meiſter Hans knuͤpff auf / knuͤpff auf / es traͤffe mir ein / dem galgẽ entlief ich / und kaͤme ins fegfeuer.
Jhr macht euch wunderliche einbildung.
Laſt mich zufrieden / und macht mir das leben nicht ſo ſauer / ich hab ohn diß wenig zum beſten.
Nun Monſ. Pickelhaͤring / das loſament iſt beſtellt.
Jch bin todt.
Das ſterben ſoll zeitlich gnug an dich kommen / fort / oder mein ſtecken macht mit deinem buckel bruͤderſchafft
Jch bin todt.
So bin ich lebendig.
Du freundliches zuckerbildgen / nun ſeh ich dich doch nicht mehr / o was thu ich mir vor ein leid an?
SO lebt der Koͤnig?
Er lebt und iſt wohl auff.
Und iſt von allen verwirrten gedancken befreyet?
Er iſt nicht allein bey vollkommenem verſtand / ſondern er nimmt allbereit des reichs angelegenhei - ten wieder in acht.
Jch / als ein Auslaͤnder / kan mich nicht gnugſam verwundern.
Jch / als ein einheimiſcher / kan mich nicht gnug - ſam druͤber erfreuen.
Dieſe wuͤrckung haͤtt ich in dem ſchwachen ſeiten - ſpiel nicht geſucht.
Floretto iſt uns auch / als ein engel vom him̃el unverhoffter weiſe zugeſchickt worden.
Man ſiehet hieraus / wie das verhaͤngnis ſelber vor der Koͤnige wohlſtand ſorge traͤget. Jſt aber Floretto mit einiger danckbaren mildigkeit angeſe - hen worden?
Jch weiß nicht / ob ich meinen augen oder ohren trauen ſoll: Er giebt ſich vor des tapffern Ludwigs aus Sachſen ſohn aus / ſein knechtiſcher habit hat ſich in fuͤrſtlichen ſchmuck verwandelt / und welcher ſich Floretto nennen ließ / wird itzt von allen Groſ - ſen / als Graf Heinrich beehret.
Alſo hat die muſic noch einige wuͤrckung gehabt?
Die vernunfft-loſen macht ſie verſtaͤndig / und die knechte macht ſie zu Grafen.
Die rechte warheit zu bekennen / ich habe an Flo -retto261Fuͤnffte Handlung.retto nichts gemercket / das ſich zu der knechtiſchen niedrigkeit als von natur gereimet haͤtte.
Seine tugenden ſind unvergleichlich / und ſeine verdienſte verdoppeln unſeꝛe allgemeine zuneigung.
Es ſoll mich nicht gereuen / daß ich den jenigen in knechts-geſtalt erkennet habe / welchen ich kuͤnfftig / als meinen vornehmſten freund lieben will.
Wer wolte auch ſo einer perſon nicht zugethan ſeyn?
Jch halte dafuͤr / es muͤſte einer der tugend ſelbſt kampff anbieten / wann er dieſen vollkommenen auszug aller trefflichen qvalitaͤten verachten wolte.
Welchen der Koͤnig ſeiner liebe wuͤrdig ſchaͤtzt / darff kein unterthan haſſen.
Jch erwarte ſein erwuͤnſchtes anſchauen mit hef - tigem verlangen.
SO hat der Koͤnig im himmel|unſer koͤnigreich auf erden beſtaͤttigt / und iſt die unzeitige freude aller widerwaͤrtigen zu ſchimpff und ſpotte worden. Ja freylich muß die herꝛliche zeitung duꝛch alle welt ausgebreitet werden / daß Carl auf ſeinem thron / in feſter und unverruͤckter gluͤckſeligkeit ſitze / und daß er ſeinen zepter / allen feinden zu trotze / durch das Neapolitaniſche Reich ſchimmern laſſe. Al - lerliebſter Floretto! verzeiht uns / daß wir euch bey dieſem nahmen nennen / welcher uns das gedaͤcht - nis eurer dienſte am beſten erhalten kan. Aller - liebſter Floretto! euch haben wir unſer leben und unſere wohlfart zu dancken / ihr ſeyd der lieblicheR 3Weſt /262Der triumphirenden keuſchheitWeſt / der unſer geſcheitertes ſchiff vor den gefaͤhrli - chen klippen abgefuͤhret hat. Jhr ſeyd der unver - gleichliche kuͤnſtler / der allen roſt von unſer koͤnigli - chen krone abgewiſcht hat. Mit einem worte / daß wir Koͤnig ſind / das habt ihr zu wege bꝛacht.
Großmaͤchtigſter Koͤnig und herr! das anſehen E. M. iſt freylich ſo groß / daß niemand deroſelben etwas nahe kommen kan / der nicht zugleich das opf - fer aller gehorſamſten dienſtleiſtung darſtelle muß: Aber / daß ich ſolte ſo gluͤckſelig geweſen ſeyn / die ge - ringſte gefaͤlltgkeit aus eigenen vermoͤgen abzuſtat - ten / darff ich mich nicht beruͤhmen / aus beyſorge / der himmel moͤchte mich eines unbilligen raubes be - ſchuldigen. Meine fauſt hat dergleichen wuͤrckung nicht gehabt: meine ſaͤiten ſind mit ihrer wohlge - ſtimmten vereinigung ſo maͤchtig nicht geweſen: der himmel / der E. M. allezeit mit unzertrennter gewo - genheit angeſehen hat / der hat mich auch nicht an - ders / als einen geringen werckzeug gebrauchen wol - len / und mein gluͤcke beſtehet hirinne / daß ich dem guͤtigen verhengniß gleichſam als vor einen dol - metſcher gedienet habe.
Es iſt an dem / derſelbe / der uͤber uns wohnet / und deꝛ alle ſachen duꝛch ſeine allein weiſe regierung wohl auszufuͤhren weiß / derſelbe muß die erſtlinge unſerer danckbarkeit haben / wo wir uns der kuͤnff - tigen gluͤckſeligkeit nicht unwuͤrdig machen wollen. Doch duͤꝛfft ihr allen ruhm nicht ausſchlagen. Zum wenigſten ehren wir euch / als einen himmliſchen werckzeug / und verſehen uns durch euch zukuͤnffti - ger erſprießlichkeit.
So tieff als ich mich unter dieſe lob-erhebungſetze /263Fuͤnffte Handlung.ſetze / ſo ſehr will ich mich bemuͤhen / E. M. zu erwei - ſen / daß die teutſche treu auch in fremden grund und boden bekleiben kan.
Wir ſind euer treu verſichert genug / nehmet nur / zu bekraͤfftigung unſerer gnaͤdigſten eꝛkaͤntniß / dieſen geringen anfang einiger belohnung und em - pfanget dieſen ſtab / als ſtadthalter von Calabrien.
E. M. iſt wie ein geſegneter ſtern / der mit ſeinem heilſamen einfluſſe auch die geringſten klee-blaͤtt - gen nicht unerqvicket laͤſt.
So lang / als Carl Koͤnig / ſoll Graf Heinrich keinem klee-blatte zuvergleichen ſeyn.
Derohalben / E. M. zu gehorſamſter folge / nehm ich die aufgetragene ehre in tieffſter demuth an / und verpfaͤnde bey derſelben alles / was mein leben und meine ehre betreffen kan.
Habt ihr noch was mehr zu fordern / ſo entdeckt nur euer gemuͤth / und ſeyd gewiß / daß wir euren vortheil auch mit unſerm ſchaden befoͤrdern wollen.
Mein hertz wird ohne diß durch die vielfaͤltige wohlthaten / gleich als durch einen hefftigen platz - regen / zur erden gebaͤuget: doch E. M. unbegreiff - liche gnade ferner zu verſuchen / ſo bitte ich gegen - waͤrtigen Juſtinian zu vermoͤgen / daß er in die hey - rath zwiſchen mir und ſeiner geliebten fraͤulein ſchweſter willigen wolle.
Jhr habt beyderſeits einander wohl verdient; doch Printz / eure meynung wird hier vonnoͤthen ſeyn.
Großmaͤchtigſter Koͤnig und Heꝛr! ich kan mei - ne ſchweſter niemahls beſſer verſorgt wiſſen / als wann ſie E. M. zur belohnung / und Graf Heinri -R 4chen264Der triumphirenden keuſchheitchen zur vergnuͤgung auserſehen wird.
Gaſton geht demnach / und vermoͤget Beliſſen anher zu kommen.
Und ihr Gꝛaf Hein - rich ſollt ſehen / daß eure ergetzlichkeit meine wolluſt iſt.
E. M. befehl anzuhoͤren / erſcheine ich allhier.
Wertheſte Beliſſe / die getreuen dienſte / ſo euer herr vater dieſer krone erwieſen / und die er folgen - der zeit auff einen tapffern ſohn uns zum beſten fortgepflantzet hat / zwinget uns hefftig genug / euer aufnehmen zu befoͤrdern. Weil demnach unſer hof das gluͤcke hat / den kern von allen edlen gemuͤ - thern in dieſem tugendhafften Grafen zu beſitzen / ſeyd ihr / als ein ſchoͤnes band erſehen worden / wel - ches uns die erhaltung eines ſo koͤſtlichen kleinodes gewiß und beſtaͤndig machen ſoll. Liebet Graf Heinrichen / dann wo ihr ſolches thut / folget ihr dem befehl eures Koͤniges / ihr ehret den rath eures herrn bruders / und abſonderlich erfuͤllet ihr das verlangende begehren eures ungefaͤrbten liebha - bers.
Jch bin ein ſchwaches weibesbild / und die richt - ſchnur meines lebens muß von dem jenigen heꝛkom - men / welchen ich an vaters ſtatt zu ehren verbunden bin. Und dannenhero / was von demſelben nach eigner beliebung vor gut befunden wird / kan und ſoll von mir nicht ausgeſchlagen werden. Jch neh - me das gluͤcke an / das vielleicht andere mehr begeh - ret / auch wohl beſſer verdienet haͤtten / und weil ich mein vergnuͤgen mit worten nicht ausſprechen kan / will ich meine danckbarkeit mehr mit ſtillſchweigen /als265Fuͤnffte Handlung.als mit einer unvollkommenen wohlredenheit an den tag geben.
So kommet naͤher zuſammen / ihr per - len unſers hofes / verbindet euch zu einer ewigen lie - be / und wann ihr euer ſuͤſſes gluͤcke einnehmen wer - der / ſo gedenckt an euren Koͤnig / welcher der nach - welt zum beſten euch die erfreulichſte fruchtbarkeit anwuͤnſchet. Dann ihr koͤnnt doch eure verdien - ſte hoͤher nicht bringen / als wann ihr dieſe tugend in vielen zweigen der gantzen welt werdet vorſtellen.
Liebſte ſchweſter / euch hab ich zu dancken / daß ich durch euch mit dem tapfferſten menſchen von der welt / in genauere und beſtaͤndige verbuͤndnuͤß tret - ten kan. Erkennet meine bꝛuͤderlich-geſinnte zunei - gung / und nechſt beſtaͤtigung eueꝛ ſelbſt eigenẽ gluͤck - ſeligkeit / laſſet euch meine freundſchafft befohlen ſeyn / welche nirgend beſſer ruhen wird / als in dem jenigen / der mit dem hoͤchſt-annehmlichen ſchwa - ger nahmen mein hertz und meine liebe zu ſich ge - riſſen hat.
Wofern ich mich in dieſe freude mit einmiſchen darff / werd ich zufoͤrderſt auf beyden ſeiten inſtaͤn - dig anhalten / mir die geringſte ſtelle unter dero freunden und dienern zu ertheile / nechſt dieſen aber der ſchoͤnen vermaͤhlung alles ſelbſt-beliebten wohl - ergehens anwuͤñſchen.
Jch darff nichts mehr darzu ſetzen / dann was Gott anordnet / und der Koͤnig vollzeucht / muß wohl ſeinen fortgang haben.
Was uͤbrig iſt / verſpahren wir biß auf das bey - lager / welches durch unſere vorſorge morgendes ta -R 5ges266Der triumphirenden keuſchheitges dieſen Hof erluſtigen ſoll. Jetzund moͤgen die neuen verliebten die verborgene hertzens freude / in ihrer einſamkeit gegen einander auslaſſen.
WJe ſtehts mein engel! ſoll ich euch nach unſerer verknuͤpffung ſprachloß ſehen?
Allerliebſte Beliſſe! es mangelt mir an uͤber - ſchwenglicher freude nicht / aber es mangelt mir an worten / damit ich des hertzens zufriedenheit vor - ſtellen ſoll.
Jſt es nicht gnug / wann ich ſage / ich bin eure Beliſſe?
Es iſt freylich gnug; doch / alſo kan ich nicht mehr ſprechen / als / ich bin euer liebſter Heinrich.
Warum nicht / mein liebſter Floretto? dann ich weiß nicht / weßwegen ich dieſem nahmen ſo guͤnſtig bin / darunter ich die erſte ſuͤſſigkeit eurer perſon er - kennet habe.
So will ich euer liebſter Floretto ſeyn.
Ach verzeihet meinem vorwitz / darff ich aber euch meinen liebſten Floretto heiſſen?
Gleich / als wann mein belieben nicht in eurem be - lieben ſtuͤnde.
Und ich erweiſe euch keinen ungefallen daran?
Jch bin euer diener / warum wolte ich nicht euer Floretto ſeyn?
Ach nein / mit dieſer auslegung mag ich keinen Floretto haben.
Liebſte Beliſſe! ſo macht die auslegung ſelber.
Jch will einen Floretto haben / der mein liebſter /mein267Fuͤnffte Handlung.mein hertz / mein eigenthum / mein alles in allen iſt / und den ich meinen liebſten Floretto nennen kan.
Jch laß es gern geſchehn / doch ihr habt den Flo - retto noch nicht deutlich gnug beſchrieben.
Wer ins kuͤnfftige mein liebſter ſeyn will / muß mein verſehen zu beſſern wiſſen.
Jhr ſolt ſagen / Floretto empfinde eine liebe / die mit nichts zu vergleichen iſt.
Meynt ihr / daß Beliſſe ihre liebe wolle mit et - was vergleichen laſſen.
Das weiß ich nicht / ich muß das beſte hoffen.
Jhr muͤſt mir in eurer hoffnung mit gutem er - empel vorgehen.
Nicht allein in der hoffnung / ſondern vielmehr in der that / ſehet / liebſte Beliſſe.
|Was heiſt das muthwill?
Beliebet euch die waare nicht / ſo gebt mirs wieder.
Das kan ich wohl thun / immerhin.
Mein kind! es war das rechte nicht / ich begehre es auch nicht.
So will ich keines von beyden haben / da nehmt alles zugleich.
Liebſte Beliſſe / wer haͤtte vermeynt / daß ſich unſere unbegreifliche beſtuͤrtzung ſo bald in dergleichen kurtzweil verwandeln ſolle.
Hab ichs nicht vermeynt / ſo hab ichs doch gehofft.
Ach gebe GOtt! daß dieſer tag vollkommen gluͤck - ſelig heiſſe / damit der anfang meiner gemuͤths-be - friedigung zugleich das ende aller truͤbſeligkeit ſey. Jhr liebreichen armen ſchlieſſt euch zuſammen. Jn euch will ich leben / in euch will ich mich vergnuͤ - gen / in euch will ich dermaleins den lebens-ſattengeiſt268Der triumphirenden keuſchheitgeiſt vom leibe abſondern.
Mein engel! nehmt mit mir vorlieb / und weil meine unwuͤrdigkeit euren tugenden nimmermehr die wage halten kan / ſo laſſet meine verliebte begier - de euch zugefallen denſelben mangel allerſeits erſe - tzen.
Wir wollen uns auf beyden theilen keiner un - wuͤrdigkeit ſchuldig machen.
Aber was bringen die unverhofften Gaͤſte?
SEyd zufrieden / liebſte ſeele! ich vergebe euch den fehler eurer gedancken / und weiß / daß Floretto / als der iñhalt aller tapfferkeit / euch vor das unrecht ſelbſt dancken wird. Jn anſehung daß ſelbe gleich - ſam den grund zu ſeiner gegenwaͤrtigen herrligkeit geleget hat.
Laſſet mich demnach bittſelig ſeyn / und wofern ich mich der vorigen zuneigung bedienen darff / ſo vermoͤget den vortrefflichen cavalier / durch einen zuſpruch / zu einer langgewuͤnſchten verſoͤhnung.
So folget mir dann. Tapffrer cavallier! mit was vor entſchuldigungen ſollen wir unſre began - gene unhoͤfligkeit ausbuͤſſen / indem derſelbe von uns zwar unwiſſend / als ein geringer knecht gehal - ten worden / den man doch nechſt dem koͤnige / mit hoͤchſter ehre belegen ſollen. Und mit was vor thraͤ - nen werden wir das unrecht abwiſchen / welches meine unbeſonnene liebſte aus uͤbereilter ſchwach - heit ihrer jugend auf ſich geladen hat. Unſer eini - ges vertrauen gruͤndet ſich auff die großmuͤhtige tugend ſeines hertzens / welches ein demuͤhtiges er -kaͤnt -269Fuͤnffte Handlung.kaͤntnuͤß verwirckter uͤbelthat / an ſtatt gebuͤhrender rache / annehmen / und uns kuͤnfftiger gnade und wohlgewogenheit verſichern wird. Der himmel be - ſelige den ſchoͤnen wechſel / und laſſe ſeine dienſt-be - gierigen freunde niemals in vergebener hoffnung verbleiben.
Zu viel / zu viel / groſſer Rodoman! die ehrerbie - tung iſt mir nechſt der liebwerthen ſtimme / ſo tieff eingepraͤgt / daß / ob ich zwar meine freyheit wieder gefunden / ich doch in freywilliger dienſtbarkeit deſ - ſelben verbleiben will / der aus itziger auffwartung meine vormahlige liebe preiſen und ermeſſen ſoll. Drum / was iſt unhoͤffligkeit / was iſt unrecht / worzu nutzen die entſchuldigungen / und was ſollen die thraͤnen abwaſchen? Jch weiß von nichts / und al - ſo wird es unvonnoͤthen ſeyn / um einige vergebung anzuhalten. Jch bitte vielmehr / mir zu verſtat - ten / daß ich meine offt verſaͤumte ſchuldigkeit ins kuͤnfftige mit dero guten belieben einbringen moͤge.
Werther Floretto! und alſo darff ich meine ſuͤnd - hafftigen augen wieder auffheben.
Werthe Clariſſe! ſie hat niemals urſache gehabt / dieſelben nieder zu ſchlagen.
Aber liebſte Beliſſe! wie werde ich die beleidigung euer perſon ausſoͤhnen?
Liebſte Clariſſe! was die vergeſſenheit ſchon in ihrer gewalt hat / ſoll man durch kein unzeitiges an - dencken hervor ſuchen. Wir leben vergnuͤgt / und wuͤnſchen euch dergleichen gluͤcke. Jm uͤbrigen wird uns keine zeit noch gelegenheit in unſerer pflicht nachlaͤſſig finden.
Nun der himmel ſegne eure liebe /
Und befoͤrdere die voͤllige vereinigung.
Und laſſe das deutſche gebluͤte in unſern graͤn - tzen fruchtbar ſeyn.
Und beſtaͤtige deſſen aufnehmen in ewigkeit.
Und verbinde uns aufs neue durch dieſen hand - ſchlag.
NUn iſts zeit / wann wir was erhalten wollen.
Ach! mein hertz propheceyt mir nichts gu - tes.
Die herren werden ſich ja ſchaͤmen / daß ſie ihre boßheit uͤber das liebe armuth ausſchuͤtten werden.
Jhr ſeht wohl / wo der zaun niedrig iſt / da moͤgen alle uͤberſpringen.
Es iſt freylich wahr / aber mit klagen wird nichts ausgericht / kommt mit / ich will das wort fuͤhren.
Jch wuͤſte vor groſſen jammer nicht ein woͤrt - gen auffzubringen.
O allergnaͤdigſte Herren / o / o!
Was ſoll dieſer auffzug?
O allergnaͤdigſte Herren / ich bin eine ehrliche frau / und das iſt auch ein ehrliches mutter-kind / es kan uns kein menſch was leichtfertiges nachreden / wir ſind unſer lebetag ſo fromm und ſo getreu ge - weſen? daß uns kein menſch mit wiederwillen von ſich gelaſſen hat.
Sibille / ihr machet viel worte / ihr muͤſſet eine boͤſe ſache haben.
Freylich iſt ſie boͤſe / und kein menſch kan ſie wie - der gut machen / ausgenommen E. Gn. gnaͤdigſte Herren.
Geht / ihr altes windſpiel / und laſſet euch vor den leuten nicht ſo auslachen.
Mein kind / wir muͤſſen doch ihr anbringen ver - nehmen.
Jch habe keine toͤpffe in der kuͤche zerbrochen / ich habe auch keinen ſilbern teller verlohren / ich ha - be auch keine perlen-ſchnur geſtohlen / ich habe auch kein blat aus dem gebet-buche geriſſen / ich habe auch keine ſuppe auff die teppichte vergoſſen.
Jch hoͤre viel boͤſes / das ihr unterlaſſen habt / aber wo bleibt das gute / ſo ihr gethan habt.
O ich arme frau! nun ſoll nichts gutes an mir ſeyn / da ſtehet ja auch die gute Melane / kan ihr je - mand nachſagen / daß ſie einen froſch hat ins gruͤn - kraut gethan / oder daß ſie eine ſpinnewebe hat laſ - ſen im fenſter hencken / oder daß ſie ein feuermaur hat angeſteckt / oder daß ſie ein bret auf dem boden zutretten hat / oder / oder / oder ‒ ‒ ‒ ‒
Mit euren poſſen / ſagt / was ihr haben wollet / oder / oder / oder wir wollen euch beine machen.
Gebt mir doch ein bißgen bedenckzeit / haben doch die hunde zeit / eh ſie der koch aus der kuͤche ſchlaͤgt / o wie bring ich die ſache nun an.
Alte leute werden wieder zu kindern.
Verzeih es Gott den jungen leuten / die ihre freu - de daran haben.
Wollt ihr ſonſt nichts mehr?
Nun / es muß doch einmahl ausbrechen / ach ſteckt dann der thorwaͤrter mit ſeinem lieben frommen ſohn noch im hunde-loche / die guten ehrlichen her - tzen / ſollen ſie dann noch ihr leben laſſen?
Wer geſuͤndiget hat / muß geſtrafft werden.
O allergnaͤdigſter Herr / ſie habens vielleicht nicht gerne gethan / und ich will keine ehrliche frau ſeyn / wo ſie es ins kuͤnfftige mehr thun werden / ich weiß / ſie werden ſo fromm ſeyn / als wie ein ſchoͤps in der ſchaaf-ſchere.
Sie ſitzen ſchon in der armen ſuͤnder ſtube / und daraus iſt keine erloͤſung.
Ey herr / was vexiret ihr euch viel / ich werde es irgend nicht wiſſen / daß ihr die ſchluͤſſel darzu habt.
Was geht aber euch daran ab / ob die buben le - ben oder nicht.
Jch wolte nicht gern / daß ihr an meiner ſtelle waͤret / und haͤttet euch in den alte herren ſo verliebt / als wie ich / mich deucht immer / es wuͤrde euch in dem leibe reiſſen / von der armen Melane mag ich nicht ſagen / man ſihts ihr ohn diß an den augen an / daß ſie Pickelhaͤringen lieb hat.
Du elendes geſindgen / wie kan ſich ſtinckende butter und garſtiger ſpeck ſo leicht zuſammen fin - den. Aber hoͤre? iſts euer rechter ernſt / und ſoll ich die zwey uͤbelthaͤter dem kuͤnfftigen eheſtande zu ehren loß laſſen?
Wann es nicht ſuͤnde waͤre / ſo wolte ich bey mei - ner armen ſeelen ſchweren / es iſt warhafftig wahr / und wann alles wahr waͤre.
Melane / was ſprichſt du?
Jch kan es auch nicht laͤugnen.
Euch zu gefallen will ich ſie einen tag eher haͤn - cken laſſen / damit ihr den folgenden tag drauf gewiß hochzeit macht.
O gnaͤdiger Herr! wie reimt ſich dann das zu - ſammen / es ſolte eine ſchoͤne hochzeit werden.
Sie werden an den hals gehaͤnckt / und der ge - hoͤrt ſo eigentlich nicht zu dem ehſtande / ſie freſſen kaum nicht ſo viel.
Was waͤre uns dann mit ſolchen hungerleidern gedient / wer nicht iſſet / der kan auch nicht ‒ ‒ leben.
So laſt euch an ihre ſtatt aufknuͤpffen.
Das war wieder eins.
Einer muß gleichwol zum wenigſten drau.
Keiner / waͤr viel beſſer.
Liebſter Rodomann! Wir haben noch ein vier - tel-ſtuͤndgen uͤbrig / das ſich auff einige kurtzweil an - wenden laͤſt. Wenn wir die gefangenen lieſſen hieher bringen / und verlobten ſie mit einander / es waͤren gleichwohl zwey ſchoͤne paͤrgen / die bey mor - gendem beylager koͤnten mit durchwiſchen.
Wir duͤrffen hier nicht nach unſerm gefallen le - ben.
Sie haben zu befehlen / und was mich anlangt / wolt ich die luſt ehe ſuchen / als verhindern.
Jch bitte ſelbſt / er mißgoͤnne uns die ergoͤtzlig - keit nicht?
Nach dero belieben. Dromo / lauff / und bringe den thorwaͤrter hieher / den ſohn laß noch ſtecken.
Nun wird mir das hertz umb 7 ſtein leichter / ja wer nun die verliebten ſachen nicht alle vergeſſen haͤtte. Ach wo bleibt der kerle / daß er nicht fortge - het / koͤmmt mir doch ein jeglicher augenblick laͤnger vor / als ſonſt tauſend.
O das gold-engelgen / da kommt es her / daß ich dich zur gluͤckſeligen ſtunde wieder ſehe.
Ephialtes / du alter unnuͤtzer karngaul / dein ge -Swiſſen274Der triumphirenden keuſchheitwiſſen wird dich ſelbſt uͤbeꝛzeigen / daß du den galgen verdient haſt. Jndem aber ſo wohl dein leben / als dein tod in unſern haͤnden ſteht / ſo wollen wir von beyden dir die wahl laſſen.
Gnaͤdiger Herr / ich bitte um nichts mehr / als umb ein reputirlich leben / oder umb einen reputir - lichen tod.
Die reputation hat euch treflich eingenommen.
Es muß auch ſeyn / wer wolte ſich ins kuͤnfftige ſonſt zu einem thorwaͤrter gebrauchen laſſen.
Du ſolſt reputirlich gnug tractiret werden / ſage nur / wilſtu leben oder ſterben?
Jch armer alter mann / ich komme bald gnug zum ſterben / wann es ſeyn koͤnte / daß ich leben duͤrf - te / ſo waͤre mir es ein groſſer dienſt.
So wollen auch wir / daß du leben ſolſt.
Ach allergnaͤdigſter Herr / mit was vor demuͤthigen worten ſoll ich meine groſſe danckbar - keit gegen ſo eine unverhoffte gnade erweiſen. Jſt die ſuͤnde vergeben / und darff ich wieder mit gutem gewiſſen an mein ampt gehen?
Du haſt volle vergebung / und damit du ſieheſt / welcher maſſen alles nach deinem wunſche ergehe / ſo nimm deine liebſte Sibylle zum ehlichen gemahl an / und wo du morgen bey dem angeſtellten beyla - ger mit auffwarten wilſt / ſoll dir zu ehren eine ſon - derliche tafel hinter dem kachel-ofen aufgeſchlagen werden.
Herr / das leben iſt mir lieb / aber ‒ ‒
Haſt du noch nicht gnug.
Jch habe gar zu viel / mit der liebſten moͤchte esnoch275Fuͤnffte Handlung.noch wohl anſtand haben.
Sa wilſt du vielleicht lieber hencken?
Was mach ich / was ſprech ich / was thu ich?
Ey mein vaͤtergen! ſagt doch immer ja.
Jch / doͤrffte ich ſagen / was ich dencke.
Fort / die reſolution muß ſchleunig ſeyn / wilſt du ſie haben?
leben ſterben / leben ſterben / leben ſter - ben /
ja.
Gebt einander die haͤnde /
kuͤſt ein - ander /
ſtreichelt einander / ꝛc.
Jſts doch / als wann ich jung waͤr / als ein maͤd - gen von 15 jahren.
Mein groͤſter troſt iſt / daß ich mich noch alle ta - ge kan aufknuͤpffen laſſen / wann mir der ſchlaffgeſell nicht gefaͤllt.
Werder ihr mich nur recht erkennen lernen / wie ichs mache / wann ich das haupt-kuͤſſen hinter dem nacken habe / ſo wird euch euer leben nicht leid ſeyn.
Jch fuͤrchte mich allezeit davor.
Was euren mahlſchatz beyderſeits betrifft / moͤ - get ihr morgen drauff bedacht ſeyn. Jtzt muͤſſen wir auch Pickelhaͤringen holen laſſen / Dromo fort / und bringe ihn hieher.
Er wirds kurtzweilig gnug machen.
Jch bin ihm noch was ſchuldig / wann er ein biß - gen vexiret wird / kan es ihm nicht ſchaden.
Daran ſoll kein mangel ſeyn.
JHr ehrlichen leute / ſeyd ihr noch da / ich erfreue mich euer guten geſundheit. Gehts euch nochS 2wohl276Der triumphirenden keuſchheitwohl dadrunen. O ich bin gantz entzuͤcket / als wann ich aus einer andern welt kaͤme. Fuͤrwahr / wann ich nicht ſo eben wuͤſte daß ich im hunde-loche geſtecket haͤtte / ich meynte / ich waͤr gar in nobiß-kruge gewe - ſen. Es iſt keine kroͤte und ſchlange auf dem erdbo - den / die nicht bruͤderſchafft mit mir gemacht hat. Die eydexen haben unter meiner hals-krauſe jun - ge ausgebruͤt / und die widhoffe bauten mir das neſt gar ins maul / ich habe die ſtruͤmpffe ſtets mit einer blind-ſchleiche zugebunden / und wann mir ein ho - ſen-neſtel fehlte / rieß ich nur einer groſſen ratte den ſchwantz ab. Die fleder-maͤuſe waren meine ſchu - roſen / und umb die hoſen hingen mir lauter otter - gezuͤchte herumb / als wann es frantzoͤſiſch mode - band waͤr. Das futter-hembde war mit groſſen wand-laͤuſen gefuͤttert / und die koſt-gaͤnger auf dem kopffe waren wie mey-kaͤfer groß. Mit einem wor - te / es gieng mir / als wann mir die ſchaben allenthal - ben waͤren dran kommen / ich wolte lieber 7 mahl ſterben / als 6 mahl in die moͤrder-grube kriechen. Nun ſtudire ich allmaͤhlich auf ein ſchoͤn abſchieds - liedgen / weil ich doch auf der welt am laͤngſten ge - lebt habe / und mein tod vor der thuͤre iſt.
Pickelhaͤring / des redens wird zu viel / wo du nicht ein ende machſt / ſo ſchneide ich dir die worte mit dem pruͤgel vor dem maul weg.
Du groſſer lindwurm / wilſt du auch bruͤder - ſchafft mit mir machen?
Nein / mein pruͤgel ſoll es thun.
Laß mich gehen / du dreybeinigter eſel.
Halt / ich will ſehen / wie viel du beine haſt / eins / zwey / drey / vier ꝛc.
Hoͤr auff / du trampel thier! du zehlſt zu viel / zu viel / zu viel.
Wie heiß ich nun?
Du dieb / du kanſt uͤber drey zehlen / ſonſt wolt ich dirs wohl ſagen.
Dromo / wie lange ſollen wir warten?
Da bin ich / Herr!
Weiſt du auch / was du verdient haſt?
Da ich ein haͤſcher war / verdiente ich des tages 18 pfenning / nun hab ich im hundeloch der ſchlan - gen und kroͤten gehuͤtet / darvor weiß ich nicht / was die gebuͤhr iſt.
Die gebuͤhr iſt leicht auszurechnen / du haſt mul - tiplicirt / wann der hencker dividirt / ſo kommt das facit an galgen.
Von dieſer rechnung weiß Adam Rieſe nichts.
Deſto mehr ſollſt du davon wiſſen.
Jch weiß nicht / was das ding heiſſen ſoll.
Mit einem worte / du ſollſt hencken.
Jch kan aber meinen hals nicht entrathen.
Doch wir koͤnnen einen ſolchen vogel wohl ent - rathen.
Ach waͤr ich ein vogel / ſo wolte ich mir ein ſtorch - neſt auf die hoͤchſte linden bauen / daß mich kein menſch erreichen ſolte.
Dein neſt ſol hoch genug werden.
Aber zum element / wo ſteck ich dann mein freſ - ſen und ſauffen hinein / der bauch will gleichwohl das ſeinige haben?
Da magſt du darvor ſorgen.
Am beſten waͤr es / die poſſen blieben gar nach.
Das urtheil iſt fertig / in zwey ſtunden biſt duS 3ſo278Der triumphirenden keuſchheitſo gut / als ein kloͤppel in einer feld-glocke.
Herr / erſchreckt mich nicht ſo ſehr / wann ich das podogra davon kriegte / ſo hienge mirs die zeit mei - nes lebens darnach an.
Halt das maul / und ſchicke dich zum tode.
Jch werde ja meinen zukuͤnfftigen kindern noch duͤrffen ein teſtament machen?
Du muſt viel zu vermachen haben / und darzu / wo haſtu deine kinder?
Wann ich in drey jahren eine frau nehme / ſo hab ich in ſechs jahren vier kleine Pickelheringe im hau - ſe herum lauffen.
Dieſer ſorgen wollen wir dich uͤberheben.
Fragt doch zuvor / ob ich will?
Dromo / geh und hole den ſcharff-richter / ſage / er ſolle einen ſtrick mit bringen / der fein lange weh thut.
Ey bruder / bleib da / was haben wir mit dem un - ehrlichen kerln zu thun / du ſieheſt wohl / daß dich der Herr vexiret.
Dromo / laß dich nicht aufhalten.
Herr! Jhr werdet ja nicht aus ſchimpff ernſt machen / ey das traͤffe mir ſchlimm ein.
Du haſt unſer gnade gnug gemißbrauchet.
Und iſt kein ander mittel da?
Du biſt nicht werth / daß wir dir antworten.
Das ſoll gewiß mein letzter troſt ſeyn?
Hoͤre Pickelhaͤring / was gibſt du mir / ich will ei - ne vorbitte vor dich einlegen?
Ach ſchoͤne Jungfer! wann das geſchehen ſol - te / ich wolte euer ewiger ſchwammdruͤcker werden.
O du garſtiger pengel / dazu brauch ich dich nicht.
Jch will ſonſt alles thun / was ihr haben wollt.
Auff dieſes wort lege ich eine vorbitte ein.
Euch die bitte nicht zu verſagen / ſoll er beym le - ben bleiben / doch mit der bedingung / daß er alles verrichte / was ihr haben wollet.
Pickelhaͤring / weil du nunmehr durch meine un - terhandlung bey leben erhalten wirſt / ſo begehr ich nichts von dir / alsdas du dich unveꝛzuͤglich mit met - ner Melane in ein ehe-verloͤbniß einlaͤſſeſt.
Jetzund beſinne ich mich erſt / ich will hencken.
Heiſt dieſes alles gethan / was ich haben will?
Jch dachte nicht an das beſchiſſene raben-aas.
Unterdeſſen hilfft nichts davor / du haſt es einmal zugeſagt / und wann du nicht wilſt / laß ich dir einen zehnfachen ſtaub-beſen geben / und darnach ſolſt du doch hencken.
Wie ich wohl ſehe / ſo fall ich immer tieffer in qvarck.
Zuſage macht ſchuld.
Endlich / wann es ja ſeinen fortgang haben ſol - te / ſo laſt mich doch die moͤhre beſehen / daß ich kei - nen blinden kauff thu.
Melane komm her / und praͤſentire dich.
Gar gerne / wie wills / mein gold-ſchatz?
Nicht zum beſten / nun du ſchoͤnes m[u]ſter! laß dich nun auch betrachten. Die haare ſind ſo gold - gelb / wie ein carfunckel vor dem ofenloch / was ſind denn das vor weiſſe dinger im haren / ach es wird eine ſonderliche manier von dem Arabiſchen buder ſeyn. Botz tanſend / es iſt doch / als wann die liebe ein wenig anfienge. An der ſtirne iſt diß das beſte / daß ſie nicht geſchminckt iſt / oder wo ſie ſich batS 4ſchmin -280Der triumphirenden keuſchheitſchmincken wollen / iſt ſie gewiß uͤber die ſpuͤlich-gel - te kommen. Die brocken kleben ihr noch in den runtzeln herum. Jhr niedlichen katzen-augen / koͤnnt ihr nicht nach der ſeite ſehen / wie die gaͤnſe / wann es wetterleucht. Und was ſage ich zu der na - ſe / fuͤrwahr / wo die naſe bey einem menſchen des gantzen leibes ſcheiß-haus heiſt / ſo trifft es da ein / es iſt mir leid / daß ich nichts im vorrathe habe / ich weichte das liebe naͤſgen ſelber ein. Wann ich die backen anſeh / ſo iſt mir immer / als wan ſie das inn - wendige vom pinckel-topffe heraus gekehrt haͤtte / da ſieht man / was die rechte leib-farbe thun kan. Maͤdgen thu das maul auf / haſt du die zaͤhne noch alle / wiewohl am freſſen mag dir nichts mangeln.
Pickelhering / du haſt genug beſichtiget / erklaͤre dich nunmehr.
Jch kaͤme gern ein bißgen tieffer in die ſchrifft.
Vor dißmahl nicht / ſage ja / oder nein.
Will ſie mich dann haben?
Ja / ich wil euch haben / und ich laß euch keinen friede / biß ihr mich nehmt.
Nun ſo gebt ſie mir doch her / daß ich einmahl von ihr komme.
Alſo ſind wir eheleute?
Ja / nun ſind wir ein leib mit einander.
Und du haſt mich recht lieh?
Jch wolte / du waͤreſt ein kuͤh-fladen / und ich ein gold-kaͤfer / ſo ſolt uns in ewigkeit nichts von einander trennen.
Sacht an / ſacht an / ihr neuen liebhaber / ſpart euch etwas auf morgen / da ſolt ihr erſt recht hoch - zeit machen.
Jch habe mich ſatt gelacht / es wird nunmehr zeit ſeyn / gegenwertige liebgen der beſchwehrung unſer anweſenheit zu befreyen.
Die annehmligkeit dero gegenwart wird uns entzogen werden.
Die zeit vermahnet uns zum aufbruch.
KOmmt ihr voͤlcker / ruͤhmt mein gluͤcke / Welches mir in dieſem ſtuͤcke Gar zu ſchoͤn und freundlich lacht / Und von Ludewigs geſchlechte Mir aus einem bloͤden knechte / Dieſen freund und Schwager macht.
Aller zierrath meiner jugend / Schoͤnheit / ehre / luſt und tugend Wolten gleich zu grunde gehn; Dannoch / weil Floretto lebet / Und der ſchande widerſtrebet / Kan ich wieder feſte ſtehn.
Jhr Sicilianer-graͤntzen Seht den teutſchen Lorbeer glaͤntzen / Daß ein knecht nunmehr regiert / Und in dieſem ſchoͤnen Lande / Uber hochmuth / ſchmach und ſchande / Durch die |Keuſchheit triumphirt.
Tapffre Deutſchen ſeyd zu frieden / Daß ein zweig von euch geſchiedenS 5Und282Der triumphir. keuſchheit Fuͤnffte Handlung〈…〉〈…〉Und hieher verſetzet iſt / Alldieweil er bey dem triebe Seiner pracht und meiner liebe / Alles auſſer mir vergiſt.
Unſer Koͤnig Carl regiere / Und die keuſchheit triumphire Durch die ſuͤſſe liebes-macht / Jtzo bringt die luſt auff morgen / Zwiſchen hoffnung / lieb und ſorgen / Eine ſchoͤn und gute nacht.
ALs ich vor ſechs jahren ein ſtuͤck von meinen Uber - fluͤßigen Gedancken in die freye welt ausfliegen ließ / meinte ich / es ſolten nun die andern ſachen / welche ich zuruͤcke behalten / eher in dem winckel vermodern und zu nichte werden / als daß ich noch einmahl etlichen catonianiſchen eßig-kruͤgen wolte gelegenheit an die hand geben / mich vor ein welt-kind auszuſchreyen. Al - lein mein gluͤcke fuͤgte ſich vor wenig jahren alſo / daß ich den winter und fruͤhling auff dem lande zubringen muſte. Da ich denn in meiner einſamkeit zwar gute muſſe hatte mein ſtudiren fortzuſetzen: Nur an der compagny ſpuͤrte ich offtermahls nicht einen geringen mangel. Derohalben wenn ſich etliche uͤberfluͤßige grillen bey mir angeben wol - ten / ſo wuſte ich kein beſſer mittel dieſelben zu verjagen als durch die Uberfluͤßige Gedancken / welche mir vormahls e - ben zu ſolcher zeit eingefallen / da ich ein uͤberfluͤßiges mit dem andern vertreiben muſte. Alſo nahm ich meine alten Univerſitaͤts-acta herfuͤr / und womit ich vermeinte einen guͤnſtigen leſer zu vergnuͤgen / ſolches zeichnete ich bey vor - fallender muſſe zuſammen. Jch hatte aber bey dem erſten theil albereit angemerckt / wie dunckel und unverſtaͤndlich manch liedgen heraus kam / indem es alſo bloß / und ohne alle erklaͤrung hingeſetzt war / drumb fiel mir dieſes mittel ein / durch etliche geſpraͤche eines und das ander deutlicher und verhoffentlich etwas annehmlicher vorzuſtellen / habe alſo eine neue mode auff die bahn gebracht / die lieder gleich - ſam in einer luſtigen geſellſchafft zu uͤberliefern / daß aberaller -284Vorredeallerhand kurtzweile mit eingemiſchet werden / ſolches wird in den geſpꝛaͤchen erfordert / und iſt allzeit von den vornehm - ſten leuten / welche in dergleichen art etwas zu ſchreiben vor - genommen / ſehr wohl beobachtet worden. Ja wenn ich mich einer hohen redens-art dabey gebrauchen wollen / wie es vielleicht mancher Cenſor erfordern moͤchte / ſo haͤtte ich die hoͤchſte ungeſchickligkeit von der welt in einem lebendi - gen exempel auffgefuͤhret. Man muß die ſachen alſo vor - bringen / wie ſie naturell und ungezwungen ſind ſonſt ver - liehren ſie alle grace, ſo kuͤnſtlich als ſie abgefaſſet werden. Ein mahler waͤre nicht klug wenn er die roſen mit guͤldenen knoͤpfgen abmahlete; ob er gleich dencken moͤchte / es kaͤhme friſcher und anſehnlicher heraus: Denn die natuͤrlichen roſen waͤren dem bilde nicht aͤhnlich. Und wer weiß nicht wie jaͤmmerlich die brieff - und karten-mahler ihre ſachen illuminiren / da ſie balde die leute mit gruͤnen baͤrten / bald mit cinnoberrohten backen / bald mit Auripigment gelben haaren vorſtellen / und alſo der natur nicht eine geringe ge - walt anlegen. Jch frage auch / wie wuͤrde ein ſchuſter la - chen, wenn ſo ein ſaalbadriſcher Philologus / der ſich etwan ſchaͤmete zu ſprechen: Meiſter Hans macht mir ein paar ſchuh / mit einer ſolchen rede auffgezogen kaͤme: Herr mei - ſter unter den ſchuhmachern / an denſelben iſt mein heffti - ges und angelegenes bitten / er wolle doch meiner einge - denck ſeyn / und bey hindanſetzung ſeiner andern verrich - tungen / vornehmlich zwar ein maß zu meinem fuß / ſ. v. neh - men / hernachmahls aber das leder alſo darnach einrichten daß ich auff kuͤnfftigen ſoñtag meine neue ſeidenen ſtruͤmpf - fe durch keine zerꝛiſſene ſohlen und beſtoſſene abſatze beſchaͤ - men moͤge; auch ſo dann das frauenzimmer deſto mehr an - laß habe meinen zierlichen gang zu betrachten: Jch wer - de an meinem orte eine ſonderbahre Affection hier - aus erkennen / auch ins kuͤnfftige befliſſen ſeyn / nicht allein durch ſchleunige bezahlung / ſondern auch durch an - dere dienſtleiſtungen mein danckbaꝛes gemuͤthe darzuthun: Alldieweil ich wohl weiß / daß gleich wie ein carfunckel un - ter den edelſteinen / und das hellblitzende gold unter den metallen den vorzug hat; alſo auch die danckbarkeit unterden285an den Leſer. den andern tugenden vor eine koͤnigin muß gehalten werdē.
Jch bitte man lache nicht uͤber diß exempel. Es finden ſich im gemeinen leben tauſend und aber tauſend compli - menten / die nicht viel beſſer klappen / als dieſe ſchuſter-Ora - tion, wiewohl es mag ein iedweder ſeinem belieben nach - gehn / ich bleibe bey meiner freyheit / und habe meine luſt an der einfalt die der natur am nechſten koͤmmt. Wie ich denn in der ſchaͤfferey gleichfals keine hohe gedancken ein - geflickt habe / aus beyſorge ich moͤchte das freye und ſorgen - loſe feld-leben dadurch mehr verſtellen als ſcheinbar ma - chen. Und gewiß der Comoͤdiant waͤre ein narr / der die ſchaͤffer in die ſammet peltzen praͤſentirte: Und alſo waͤre man nicht viel kluͤger / wenn man den ſchaͤffern ſolche re - den vorſch[r]eiben wolte / die ſich nirgend beſſer als in ſam - met peltzen reden lieſſen. Jn dem letzten luſt-ſpiel habe ich nach anlaß der perſohnen die worte bald hoch bald nie - drig gefuͤhret / ob die hiſtoria wahr oder nicht / davor darff ich ſo genau nicht rechenſchafft geben: Es iſt gnug / daß ein iedweder geſtehen muß / es gehe in gemeinen leben nicht an - ders her / als daß eine Comoͤdi nach der andern von fal - ſchen freunden geſpielet wird.
Jmmittelſt bedinge ich dieſes / es flicke mir niemand et - was hinein / der es nicht gelernet hat. Jch ſah einmahl meine triumphirende keuſchheit agiren / und hoͤrte offt wie ein ander ſeine kaͤlber-lunge darzu gethan hatte / daß mir faſt uͤbel darbey ward. Wer ſo kuͤnſtlich iſt / daß er alles verbeſſern kan / der mache lieber etwas neues / es bleibt doch huͤmpeley / wenn zweyerley gedancken zuſammen geflickt werden.
Sonſten was die geſpraͤche anbelangt / ſo hab ich meine perſon unter dem nahmen Gilanes verborgen. Die zwey en guten freunde aber ſtellen eine widerwaͤrtige natur vor. Melintes iſt ernſthafftig: Fillidor hingegen kurtzweilig. Auff die weiſe habe ich gelegenheit die Uberfluͤßigen Gedan - cken bald zu erklaͤhren / bald zu entſchuldigen.
Jngleichen iſt das frauenzimmer welches in einigen zu - ſammenkuͤnfften mit eingefuͤhret wird / von wider-ſinni - ſchem gemuͤthe: Ob ich die redens-arten nach der weiber -zunge286Vorredezunge allzeit eingerichtet / moͤgen die jenigen urtheilen / wel - che mehr in ſolchen geſellſchafften begriffen ſeyn / als ich. Zum wenigſten habe ich mich keiner ſtraffe zu befuͤrchten / wofern der ſache zu wenig geſchehen iſt.
Die melodeyen habe ich etlichemahl darzu geſetzt: Meh - rentheils aber auſſen gelaſſen. Dann etliche lieder ſind mehrentheils auff gewiſſe Arien gerichtet / und dieſelben verliehren ihr halbes leben / wann ſie den rechten thon ver - liehren / doch darff man alle nicht nennen / ſonſt lernen es die gemeinen kerlen in allen bauerſchencken zu leicht / wie es den kriegeriſchen arien ergangen iſt / welche man viel hoͤ - her hielte / wann nicht alle ſack-pfeiffer und dorff-fiedler / die herrlichen melodeyen zerlaͤſterten / und gemein machten.
Jm uͤbrigen habe ich mich ſehr fleiſſig vorgeſehen / daß ich keine æqvivoca mit eingebracht / welche ſich halb erbar und halb garſtig auslegen laſſen. Und wird ein iedweder / welcher vor dieſem die lieder geſchrieben geſehen / diß be - kennen muͤſſen / daß an vielen orten etwas mit willen geen - dert habe / unangeſehen / daß unterſchiedene luſtige gedan - cken dadurch verruͤcket worden.
Zwar wann ich wuͤſte / daß ſich jemand anders des buchs annehmen wolte / wie ich hoͤren muß / daß mir unlaͤngſt bey einer andern ſchrifft dergleichen wiederfahren iſt / ſo haͤtte ich deſto weniger furcht gehabt bey etlichen leuten in unbil - ligen verdacht zu gerathen. Und gewiß ich kan auff den guten menſchen / welcher meine arbeit vorſeine ausgegeben / noch dieſe ſtunde nicht boͤſe ſeyn / dann wer etwas drucken laͤſt / ohne vorhergeſetzten nahmen / der ſtellet ſich als waͤre es res derelictui debita quæ fiat occupantis. Werde ich ein - mahl luſt haben meinen ausdruͤcklichen nahmen in dem Franckfurter und Leipziger Catalogo zu leſen / ſo wil ich ſchon etwas finden / daß mir ein ander ſoll unabdiſputiret laſſen.
Dieſes machet mehr verdruß / daß etliche buchdrucker ſo geſchwind uͤber den nachdruck her ſeyn / und ungeacht / daß hierdurch ein rechter diebſtahl begangen wird / daſſel - be zu ihren nutzen wenden / welches andern mit beſſern rech - te zukommt. Doch die kappe iſt ihnen anderweit zugeſchnit - ten; darum ſollen ſie auch hier verſchonet bleiben.
287an den Leſer.Mehr ſage ich nicht. Es moͤchte es auch niemand leſen / wann ich es zu lang machte: doch dieſes eintzige lied / wel - ches ich ungefehr vergeſſen habe in den geſpraͤchen mit ein - zubringen / wird ſich an dieſem orte nicht unfuͤglich zur zu - gabe herbey ſetzen laſſen.
Hiermit befehle ich mich dem geneigten Leſer in ſeine gunſt / und gebe einem jedweden frey zu urtheilen wie er will.
D. C.
DEr kuͤhle herbſt begunte allgemach die blaͤtter auf den baͤumen zu verfaͤrben / und kuͤndigte durch ſolche zeugen den in - ſtehenden winter an / als Gilanes von ei - nem lieben orte ſich wegmachen / und mit ſack und pack verreiſen muſte. Die|re - ſolution gieng ſo eilfertig von ſtatten / daß er ſich nicht einmahl beſinnen kunte / ob er auch die bißhero genoſ - ſene annehmligkeiten anderswo mit dergleichen maſſe wuͤrde erhalten koͤnnen. Doch meinte er / ſo fern er nur ſeyn Clavichordium koͤnnte mitnehmen / ſo ſolte es ihm an belieblicher zeit-verkuͤrtzung nicht ermangeln / wenn auch alle compagnie von ihm abſetzen moͤchte. Dan - nenhero wickelte er das Clavichordiun in ſeine betten gar ſubtil ein / befahl dem kutſcher ſolchen pack wohl zu verwahren / und nahm damit kurtzen abſchied. Er gelangete gluͤckſelig an den vorgeſetzten orth / fund auch alles begehrter maſſen in gutem zuſtande. Allein da er ſeyn loſament beziehen wolte / und der kutſcher nebenſt der reiſe-lade den gedachten pack hernach brachte / warff der ungeſchickte toͤlpel die betten auff die erde / daß ſich allen umbſtaͤnden nach das Clavi - chordium ziemlich mochte erſchuͤttert haben. Gila - nes rieß die betten von einander / und wolte nach dem ſchaden ſehen. Doch da war keine ſeite gantz / der re - ſonantz-boden hatte ſich wohl an fuͤnff orten zerriſſen / der ſtern war in drey ſtuͤcke zerſprungen / mit einemTworte /290worte / die freude war hin. Nach langen grilliſiren / dachte er endlich / beſſer das Clavichordium entzwey / als ein auge auß / kan man doch den ſchaden wieder helffen laſſen. Schickte derhalben zum inſtrument - macher / verdingte ihm den patienten / und wuſte ſich ſehr viel / daß er den kaſten / die clavir / die wirbel und das rothe tuch zum beſten hatte. Unterdeſſen verzog ſich die ſache auff etliche wochen / biß er nach vielfaͤlti - gen und ungedultigen anhalten / an einem ſonntage nach der mahlzeit ſeines wunſches gewehret wurde. Da muſte nun vor groſſen freuden eine Gique nach der andern herhalten / biß ihm folgendes lied einfiel.
Gilanes ſang diß lied in ſeiner vollen andacht her / und meynte nicht / daß jemand auſſer ihm ſeine freude dran haͤtte. Allein Fillidor und Melintes ſtun - den vor der thuͤr und wolten ihn nicht verſtoͤren. Letz - lich kamen ſie ihm unverſehens uͤber den hals / und ſa - gte Fillidor: bruder / greiff dich fein ſatt und verderbe auch nichts. Gilanes verwunderte ſich / wo die un - verhofften gaͤſte herkaͤmen / bat / ſie ſolten ihm zu gute halten / daß er uͤber ſeinem renovirtem Clavichordio ſo entzuͤckt worden / und ſie nicht eher in acht genommen. Sie baten ihn hingegen / er ſolte ſich nicht abhalten laſ - ſen / ſie waͤren die jenigen nicht / die ihn in dergleichen guten vorſatz verſtoͤren wolten. Abſonderlich be - gehrte Melintes / Gilanes moͤchte doch eines von ſei - nen liedern hoͤren laſſen / weil ihm wohl bekandt waͤre /T 2daß292daß er an ſolchen keinen mangel haͤtte. Dieſer ent - ſchuldigte ſich / die lieder waͤren der muͤhe nicht werth / daß man ſie anhoͤren ſolte / und darzu waͤre itzt ſonn - tag / da man der weltlichen gedancken nicht zu viel ma - chen duͤrffte. Jedoch deſſen ungeacht / hielten alle beyde nochmals an / er ſolte ihnen doch nur ein ſtuͤck - gen nicht mißgoͤnnen. Halt / dachte Gilanes / ich will euch fangen / und ſang folgendes geiſtliche junggeſellen - lied / nach der melodey: Helfft mir GOttes guͤte prei - ſen.
Sieh da bruder / ſagte Melintes / wilſtu nur ein maͤd - gen haben / wie wenn ſich das gluͤcke umkehrte / daß du mit einen witweibigen muͤſteſt vorlieb nehmen. Gi - lanes verſetzte / er haͤtte zwar noch keine ohren darzu / doch auff allen fall muͤſte ſtylo Ovidiano puella ſo viel heiſſen als ein weibesbild / oder ein frauenzimmer. Fil - lidor lachte / endlich brach er in die worte herauß; Jch dachte wohl du wuͤrdeſt deinen Ovidium anfuͤhꝛen muͤſ - ſen / denn du biſt allezeit im geſchrey geweſen / als wenn du in ſeinen buͤchern bekandter waͤreſt / als in der bibel. Gilanes fragte / wer ſo unbillige gedancken von ihm ge - ſchoͤpfft? doch er muſte ſich berichten laſſen / ſeine Uber - fluͤßige Gedancken haͤtten es ſattſam ausgewieſen / daß er ein purlauter welt-kind ſeyn muͤſte. Nun kunte er nicht laͤugnen / daß er etliche dutzent weltliche lieder auf gutachtung unterſchiedener freunde in die welt außfliegen laſſen. Gleichwohl verwunderte er ſich / daß die leute von ſeinen Uberfluͤßigen Gedancken ur - theilen wolten / ehe iemand ſeine nothwendige gedan - cken geſehen haͤtte. Darum ſagte er: Ach das ſind Excrementa juventutis, und ſo wenig man an den ſchla - cken ſehen kan / ob das ſilber gut iſt / ſo wenig kan man hierauß von meiner Inclination urtheilen. Die guten gedancken behalt ich bey mir / und wer weiß / wenn ich die perlen vor die ſchweine werffe / oder daß ich recht ſage / wann ich geiſtliche lieder haͤtte herauß gegeben / õb ſich ſo viel liebhaber wuͤrden angemeldet haben. Melintes fiel ihm in die rede / bruder / ſagte er / dem ſey wie ihm wolle / es heiſt doch: Weß das hertze voll iſt / deß geht der mund uͤber. Und hiermit ſahe er denGila -295Gilanes an als waͤr er gefangen / doch dieſer ſchuͤttelte den kopff / und ſagte / bruder / weiſtu denn womit mein mund allzeit uͤbergeht? daß unterweilen dergleichen ſachen zum zeit vertreib mit unterlauffen / dannenhero iſt nicht von den gantzen leben zu urtheilen. Es iſt kein kirſchbaum ſo koͤſtlich / er hat viel taube bluͤten: Und wer iſt ſo heilig / daß er nicht unter ſeinen guten gedan - cken etliche unnoͤthige und uͤberfluͤßige entſtehen laſſe / daꝛzu wil ich nichthoffen / daß man in gedachten liedern etwas antreffen ſolte / welches GOtt und der erbarkeit zuwider lieffe. Ein ſchertz zu rechter zeit angebracht / iſt wie eine pomerantze in einer ſilbern ſchaale. Me - lintes verſetzte / gleichwohl iſt von etlichen vornehmen leuten nicht zum beſten davon judiciret worden. Gila - nes machte eine hoͤhniſche mine / und fragte / ob die len - te auch ſo vornehm waͤren / daß man ihr Judicium mit gutem gewiſſen koͤnte bey ſeite ſetzen? denn / ſagte er / ie vornehmer die leute ſind / deſto mehr ſoll man ihnen zu gefallen glauben. Und vielleicht ſchaͤmet ſich man - cher Catonianiſcher ſauertopf / daß er das exempel ſei - ner jugend allhier abgemahlet ſieht oder erzuͤrnet ſich / daß ſo viel von ſeinen ſtuͤckgen noch außgelaſſen ſind. Wer dergleichen Converſation in dieſem alter nicht ge - liebt hat / der werffe den erſten ſtein auff mich. Melin - tes ſagte dargegen / es fragte niemand / ob dergleichen gethan wuͤrde / ſondern ob es verantwortlich ſey / die unſchuldige jugend dadurch zu aͤrgern. Gilanes ſag - te nochmahls / er wuͤſte nichts aͤrgerliches darinnen / ſolte auch irgend eine æqvivocation zu finden ſeyn / wel - che ſich rechts und lincks appliciren lieſſe / ſo wolte er ſich wol verwetten / es ſolte ſie keiner verſtehen / als wel - cher auch hinter dem ſtrauche geſteckt haͤtte. Es ſey vielT 4ein296ein ander thun / ob ein alter krippenſtoͤſſer / der etliche jahr / vor einen Suſannen-bruder gedient / das raͤtzel errathen koͤnne / und ob ſolches ein junger geelſchnabel verſtehet / der noch nicht wiſſe wo Matz pfefferkuchen hohlet. Es gemahnet ihn wie mit den notis politicis damit der Tacitus geplagt und gemartert wird. Da bilde ſich mancher ſtaatsmann ein / was er auß eigner erfahrung darzu anmercke / das muͤſte alſobald ein ied - weder ſtuͤmper penetriren: Ja wohl verſtehen ſie es / daß / ie mehr dergleichen Schmirement heraus koͤmmt / ie weniger Politici gefunden werden. Melintes laͤchel - te und ſagte / ey bruder haben wir dich ein bißgen boͤſe gemacht / es iſt mein ernſt nicht / ich hatte meine belie - bung alſo zu ſchertzen. Gilanes verſetzte / ſo wil ich meine beliebung haben keinem menſchen mehr ein lied zu communiciren / doch Fillidor wandte ein / ſie waͤren deshalben zu ihm kommen / daß ſie etwas von ſeinen Reſervaten ſehen wolten / er wuͤrde ſo neidiſch nicht ſeyn / ſonſt muͤſten ſie auff die gedancken gerathen / er ſehe ſie entweder nicht vor rechtſchaffene gute freunde an / oder er wuͤſte ſich mit ſeinen ſachen gar zu viel / und wolte himmel hoch gebeten ſeyn. Gilanes blieb erſt - lich auff ſeinen gedancken: Endlich ſagte er / der tag waͤre zu ſolchen verrichtungen zu heilig / es waͤre auch die nachmittages-predigt vor der thuͤr / wolten ſie ihm ſonſt die ehre goͤnnen / und mit einem ſolchen Tracta - ment vorlieb nehmen / ſo ſolten ſie erfahren / daß ihre vergnuͤgung ſeine ergoͤtzligkeit ſeyn wuͤrde. Hier auf beſchloſſen ſie / weil ſie doch wegen des abnehmenden tages nach tiſche wenig ſpatzier-gaͤnge anſtellen koͤn - ten / alle abend in durchſuchung der alten Acten zuzu - bringen / darzu ſich Gilanes gern verſtund / und wardfolgen -297folgenden tag der anfang gemacht. Und es wird dem geneigten leſer vielleicht nicht unangenehm ſeyn / wenn alle zuſammenkunfften in einem abſonderlichen geſpraͤche vorgeſtellet werden.
Nun bruder / wir ſtellen uns ein / und zwar oh - ne complimenten / du wirſt deiner zuſage ingedenck ſeyn.
Sie ſind mir willkommen / ich hatte mich ihrer geſtern verſehen / doch mit ſchlechten ſachen hat man nicht zu eylen.
Wer ietz luſt zu complimentiren haͤtte / dem mangelte es an deꝛ gelegenheit nicht / doch præmisfis præ - mittendis. wo haſtu deine lieder?
Jhr herren ſo gut ich ſie habe / ſo gut ſolt ihr ſie bekommen / da iſt ein convolut alte briefe / wolt ihr mit mir ſo viel zeit darauff wenden / ſo ſtehen ſie zu eu - ren dienſten.
Bruder / du muſt dich mit unter die gelehrten rechnen / denn es heiſt: Omnis doctus male ſcribit.
Endlich wo es nicht mehr koſt / als ſo viel / will ich ein gelehrter mit ſeyn / doch es ſteckt ein arcanum po - liticum dahinter; ſchreibt man gut / ſo koͤmmt ein jed - weder und will es abſtehlen. Bey dieſer ſchrifft darff ich mich ſo leicht vor keinen Copiſten fuͤrchten.
Die ſache iſt gut ausgeſonnen. Jch wolte ich koͤnte alle meine fehler ſo gut entſchuldigen.
Ey wir wollen die fehler ſonſt entſchuldigen / ich moͤchte gern wiſſen was dieſes vor ein lied waͤr.
Du biſt gleich uͤber das rechte kommen / es iſt ein verliebtes / ich habe es in nahmen eines guten freundes gemacht.
Der gute freund ſteckt gewiß in deiner kappe.
Nein gewiß / das moͤgen ſie mir wol zutrauen / daß ich gleich zuſage. Jch muͤſte fuͤrwahr noch ein - mahl ſo alt ſeyn / wenn alle begebenheiten / ſo in meinen liedern vorkommen / mit mir ſolten vorgefallen ſeyn.
Nun wie heiſt denn das lied.
Wir wollen es ſingen auf die melodey: Halber theil von meinem hertzen.
Es iſt unmoͤglich / du muſt verliebt geweſen ſeyn / ſonſt waͤre das lied ſo hertzbrechend nicht heraus kommen.
Jch bekenne meine unſchuld. Doch diß kan ich nicht laͤugnen / wann ich ein lied mache / ſo ſtelle ich mir zuvor allerhand ſachen fuͤr / dadurch der affect / den ich exprimiren ſoll / angelocket wird. Alſo bin ich bald luſtig / bald traurig / bald zornig / bald barmher - tzig / nachdem ich meine invention einrichte.
Koͤmmſtu mir doch vor / wie die betruͤbten wittwer / die auswendig weinen und inwendig lachen.
Dieſes gleichnis ſchickt ſich gut auff ſolche lieder / dann unter tauſenden iſt kaum eines / da es der verfaſſer ſo meynt / als er ſchreibt.
Waͤre das frauenzimmer nur klug / und glaub - te der falſchheit nicht.
Ach wozu man luſt hat / das glaubt man gar zu leichtlich.
Nun weiter in den text / was iſt diß vor eins?
Jch kan es vor lachen kaum ſagen.
Jſt es ſo wunderlich?
Das wunder iſt ſo groß nicht darbey. Jch ha - be es im nahmen eines ſchlechten kerlen gemacht / der ſich in eine vornehme jungfer verliebt hatte / die lieber waͤre von Adel geweſen.
Es verlohnt ſich der muͤh mit dem ſchlechten kerlen.
Sieh bruder er war bey einem vornehmen manne famulus, da ich mich ſo wol der Bibliothec als anderer recommendation bedienen kunte. Nun haͤt - te ich ohne diß bey dem guten menſchen muͤſſen danck - bar ſeyn / ſo kam ich ohne unkoſten loß. Und darff man eine jungfer-magd reſpectiren / ſo wird ja eines groſſen mannes famulus eben ſo gut ſeyn.
Wie kam denn der gute ſtuͤmper zur liebe?
Armuth hilfft vor liebe nicht. Er kam und klagte mir ſeine groſſe hertzens-angſt / er wiſſe nicht wo er ſich laſſen ſolle; nun habe er zwar etliche zeichen einer guten Affection geſpuͤhret / alſo daß ſie auch vor - nehme compagnie verſchlagen / wenn ſie nur mit ihm reden koͤnnen; ja er duͤrffte ſo kuͤhne ſeyn und ſie du heiſſen: Doch moͤchte er in einem liede ſeine liebe voͤlligerklaͤ -301Erſtes Geſpraͤch.erklaͤhren / denn mit worten ſolche auszuſprechen waͤ - re unmoͤglich.
Du haͤtteſt den kerl ſollen klug machen / ſo haſt du ihn naͤrriſcher gemacht.
Haͤtte ich ihm widerſprochen / ſo waͤre er nicht ſo fleißig zu meinen dienſten geweſen.
Nun wie heiſt denn endlich das halb-vorneh - me und halb ſchlechte lied?
So heiſts / und zwar auf ſeine eigene melodey.
Der menſch hat ſich gewiß viel gewuſt mit dem liede.
Das verſteht ſich / er wuſte vor freuden nicht wo er ſich laſſen ſolte.
Aber wie hat er ſeinen luͤmmel anbracht.
Jch muß die ſonderliche invention erzehlen. Er wird von ſeiner frau eben zu dieſer jungfer ge - ſchickt / welche etliche pfund maronen begehrt hatte. Solche ſteckt dieſer in den ſchiebſack / und als er die waaren bey ſeinem Marilißgen wieder auslegt / ſtellt er ſich / als waͤre das briffgen aus groſſem verſehn mit darunter kommen. Doch ſie reiſt es ihm aus der hand / und liſet die hertzlichen gedancken.
Wie iſt er aber beſtanden?
Darum laß ich mich unbekuͤmmert. Jch bin wie jener General / der ritte in der ſchlacht hinter den berg und ſagte: Jch habe ihnen zuſammen geholffen / ſie moͤgen ſehen wie ſie wieder von einander kommen.
Man wird ja an dem ausgange etwas geſpuͤ - ret haben.
Er verderbte es hernach bey ſeinem Herrn / daß er fort muſte. Damit war es bey mir auch ver - derbt / daß ich mich ſeiner nicht mehr annahm.
Du haſt es gemacht wie die mahler / die hal - ten die pinſel in ehren / ſo lange ſie zu gebrauchen ſind; wann ſie ſtumpff werden / werffen ſie ſolche zum fenſter hinaus.
Man ſiehet wie es geht.
Aber wer iſt dann das Marilißgen?
Sie iſt Gleichviels tochter / Monſ. Toutuns ſtieff-ſchweſter.
Jch kenne die ehrlichen leute nicht.
Verſtehſt du den poſſen nicht? ſo fraget man die bauren aus. Laß dir es gleichviel ſeyn wer ſie iſt.
Jch muß geſtehen ich war gefangen. Doch den ſchimpff laß ich mit einen feinen liedgen wieder gut machen.
Biſtu ſo leicht zu der guͤte zu behandeln / ſo will ich ein feines ſuchen. Hier hab ich eines da ein braͤu - tigam von ſeiner liebſten ſcheiden muſte. Es iſt nach einer Frantzoͤſchen melodey geſetzt / und wer ſolche nicht weiß / dem koͤmmt es nicht halb ſo annehmlichen vor.
Laß nur hoͤren / vielleicht iſt ſie mir bekant.
Das Frantzoͤſche faͤngt ſich alſo an:
Vous m’ avez pris Divine par vos charmes.
Wo es der braͤutgam recht gemeint hat / ſo iſt es gut gnug gegeben.
Da laß ich ihn darvor ſorgen.
Aber er gehoͤrt auch in Gleichviels freund - ſchafft?
Wie anders? und wem waͤre mitgedient / wenn ich die leuthe verrathen wolte / die ihre liebes-gedan - cken auff mein gewiſſen gebunden haben.
Wir ſind mit der bloſſen auslegung zu frie - den. Nur diß befinde ich / der braͤutigam hat ſeine lieb - ſte an einen fremden orte geſucht / da er nach gehalte - nem verloͤbniß wieder fort gemuſt.
Ja freylich geht es wunderlich zu / wenn eine jungfrau viel freyer hat / und ein fremder ſoll ſich un - ter den einheimiſchen herumb beiſſen.
Es gehoͤrt ein bißgen courage / und denn ein bißgen patientia darzu.
Du redeſt davon nicht anders als ein alter Practicus.
Mich duͤnckt es judicirt ein Practicus von dem andern.
Ey wir wollen nicht hoͤhniſch ſeyn. Hier hab ich ein ſchoͤn ſtuͤckgen auff einen braͤutigam / der an - derswo was liebers hatte / und doch gunſt und befoͤr - derung halben ſich mit einer unannehmlichen perſonUver -306Uberfl. gedancken andere gattungverſprechen muſte / das wird ſchoͤn auff das vorherge - hende kommen.
Wer die reſolution faſſen kan / der muß auch in gedancken wuchern koͤnnen / vor mich waͤr es nicht.
Ach waͤreſtu an der ſtelle / du wuͤrdeſt dich troͤ - ſten muͤſſen / ſo gut als du koͤnteſt.
Ja wohl muß es eine trfliche noth ſeyn / wenn man ſich wider willen / und wider alle inclination ver - lieben muß.
Gleichwol iſt die gantze welt ſolcher exempel voll.
Drum iſt es ſchade / daß ein ſolch troſt-lied nicht unter die leute koͤmmt.
Wohl dem / der das vorgeſtrige junggeſellen - lied mit andacht ſinget / ſo wird er vielleicht dieſes tro - ſtes nicht beduͤrffen.
Jch geſtehe es / ich haͤtte dem Gilanes die geiſtlichen gedancken nicht zugetraut.
Bey den geiſtlichen bin ich geiſtlich / bey den weltlichen muß ich mich wider willen weltlich ſtellen.
Jch habe davon gehoͤrt / es ſoll dir ſehr zuwi - der ſeyn.
Die zeit iſt koͤſtlich / wollen wir nicht weiter an die lieder.
Du muſt nicht zu geitzig ſeyn / ſonſt werden wir in einem abend fertig.
Was frag ich nach deiner entſchuldigung / ich will ein lied haben.
Wilſtu ein lied haben ſo ſolſtu auch eines habẽ.
Die antwort iſt beſſer als des Wallenſtei - ners / da einer mit aller gewalt hencken wolte / ſagte er / man ſolte der beſtie nicht ſeinen willen thun / er ſolte leben.
Wer weiß was ich thaͤte / wenn ich ein Gene - ral waͤre / doch da ich hab das lied. Es klagte mir ein guter freund / er habe ſich aus mangel der befoͤrderung mit einer alten wittfrau verlobet / darbey er nun zwar ein leidlich auskommen / doch groſſe beſchwerung und verdruͤßligkeit darneben haben werde. Da gedacht ich bey mir ſelbſt / was wirſtu wohl einmahl vor eine liebſte bekommen / und in ſolchen grillen ſchrieb ich fol - gendes auff:
Der letzte vers iſt gut. Wol dem der ſeines gluͤckes erwarten kan. Da wil mancher auß der hand oder aus der naſe wahrſagen laſſen / wie es ihm kuͤnftig gehen werde. Und doch ſteht ihm was gutes vor / ſo ſchmeckt es unverhofft am beſten: Hat er aber was uͤbels zubeſorgen / ſo iſt es zeit genung / daß man es fuͤhlt / wenn es wuͤrcklich da iſt / man darf ſich nicht vor - her betruͤben.
Es iſt gar recht / man verderbt mit ſolchen grillen nur ſein leben / und das ſchlimſte iſt / daß die meiſten gaͤnſe-prophezeyungen / Plattdeutſch zu reden / erlogen ſind.
Es iſt alles wahr. Doch bruder du zielſt ge - wiß auff eine bekandte perſon.
Jch wolte nicht viel geld nehmen / und wolte das thun.
Du biſt ſonſt einer von den furchtſamen.
Hier muß ich furchtſam ſeyn.
Jch ſehe keine urſache.
Dencke bruder / wie viel dergleichen leute in der welt leben. Wenn ich nun einen allein meinte / wie wuͤrde ich gegen den andern beſtehen / daß ich ſie uͤ - bergangen haͤtte. Sie nehmen es vor eine hauptſaͤch - liche verachtung an.
Deſſentwegen wolte ich mich keines injurien - proceſſes beſorgen.
Jch kan es auch in meinem gewiſſen nicht ver - antworten / es iſt einer ſo gut als der andre.
Was wollen wir thun / ich ſehe wol es ſind alle lieder auff Gleichvieln gemacht.
Bruder / es ſind generalia, ſieht einer ein exem - pel / ſo nehme er die kleine muͤh auff ſich und mache die application.
Jch bedancke mich vor die gute erinnerung.
Wir halten den bruder zu lange auf / es wird zeit ſeyn / daß wir gehen.
Es wird zeit ſeyn / daß ſie noch ein bißgen hier bleiben. Monſ. Melintes / er beliebe eins zu trincken.
Wenn er ſich dergleichen ungelegenheit un - ſertwegen zuziehen will / werden wir uns ſchaͤmen / un - ſere lieder-geſpraͤche fortzuſetzen.
Sie fuͤrchten ſich nicht / der wein ſteht nur zum bloſſen anſehen hier / unterdeſſen habe ich ſie mit wor - ten gefuͤllt.
Die ſind uns gleich ſo angenehm. Monſ. Fillidor / einen angenehmen trunck auff Gleichviels ge - ſundheit.
Jch bedancke mich / ich will dem ehrlichen man - ne ſeine geſundheit nicht lang ſchuldig bleiben / doch noch ein liedgen oder ſonſt was feines zu guter nacht.
Da habt ihr etliche verſe / welche zu einer a - bend-muſick gebraucht worden / eben in dem jahre / da Suſanna auf faſtnacht fiel. Da ward an einem Sußgen-verloͤbnis von einem andern guten freunde dieſes uͤbergeben.
Und hieran wil ich eine freundliche gute nacht hencken.
Beliebet ihnen nicht zu verziehen?
Morgen / wills GOtt / iſt auch ein tag da man gerne was luſtigs hoͤrt. Unterdeſſen ſchoͤnen danck vor die communicirten Uberfluͤſſige Gedancken.
Jch bedancke mich gleichfalls zum ſchoͤnſten.
Es bedarff keines danckens. Sie ſprechen nach ihrem gefallen wieder ein.
Es waͤre unhoͤfflich / dich allzeit auf der ſtube zu moleſtiren / wir wollen morgen bey mir zuſammen kommen.
Jch bin zufrieden: nur daß die compagnie nicht weitlaͤufftiger wird. Was ich ihnen vertraue / das darff nicht ein jedweder wiſſen.
Gar gut / und hiermit eine geruhige nacht.
Sieh da / Monſ. Gilanes / woher ſo langſam?
Und ich befuͤrchte mich / ſie wuͤrden fragen wo - her ſo zeitlich? Jch ſtelle mich gleichfalls ein ohne complimenten.
Da thuſtu gar recht / ich dachte ſchon / du wuͤr - deſt dich an einen beſſern ort gemacht haben.
Wo ſolte ich einen beſſern ort antreffen / da ich mit ſo einen paar guten freunden converſiren koͤnte.
Wir nehmen es zu danck an / daß du ſo guͤtig von uns urtheileſt.
Doch wie ſtehts / haſtu auch feine liedeꝛgen mit?
Jch weiß nicht was in den alten briefen ſte - cken wird / wir muͤſſen darnach ſehen.
Was iſt diß?
Es iſt ein lied / das zwar eine ernſthafftige me - lodey / aber doch einen ſehr hoͤniſchen text hat / es iſt auf einen gericht / der in 8 wochen faſt durch die gantze welt gereiſt war / und zwar mit ſolchem nutze / daß er beyna - he ſeine frau mutter-ſprache darbey vergeſſen.
Es wird ſo gemacht ſeyn / daß man es auf viel zugleich appliciren kan.
Die materie iſt nicht darwider.
Jhr315Anderes Geſpraͤch.Du haſt ſie gut bedacht. Aber wenn einmahl ſo ein mutter-ſohn kaͤme / und gaͤbe dir den lohn dafuͤr.
Habe ich ſonſt keine noth / vor dieſer will ich wol ſicher ſeyn. Denn die leute ſuchen ſelten ihre be - liebung in einem buche / und alſo iſt es nicht wol moͤg - lich / daß ſie es erfahren.
Wem zu gefallen haſtu es aber geſchrieben?
Denen andern die ſich noch nicht auff die baͤ - renhaut geleget haben. Und uͤber diß haben die ſtu - ben-bruͤtlinge ſonſt keine noth / wenn ſie nun nicht einwenig317Anderes Geſpraͤch.wenig durch gezogen wuͤrden / ſo haͤtte es das anſehen / als lebten ſie gar in den paradieße.
Wol dem / der ſich allzeit entſchuldigen kan.
Haͤtteſtu aber davor ein carmen geſchrieben / wie ſich einer auf der reyſe recht und gebuͤhrlich ver - halten ſolte.
Jch werde dergleichen hier haben / wo ich es nur finden kan. Doch wird es etwas kurtz gegeben ſeyn:
Wer fragt nach der kuͤrtze / weñ es nur gut iſt.
Hier hab ichs.
Es koͤnte nicht ſchaden wenn es etwas weiter waͤre außgefuͤhrt worden.
Jch bin deiner meinung. Aber dazu ichs ge - braucht habe / da duͤnckt mich iſt es lang genung geweſẽ.
Es iſt aber die klare warheit / daß mancher aus Jtalien nichts mit bringt / als etliche Gotteslaͤſter - liche fluͤche / und aus Franckreich etliche liederliche ge - berden.
Wenn ſie nur an ihꝛem geſundem leibe nichts einbuͤſſen.
Ein jedweder iſt der ſchmidt ſeines politiſchen gluͤckes. Doch das verdreuſt mich / daß / wenn die Spanier mit ihrem ſtehlen / die Jtaliaͤner mit ihrer rachgier / die Frantzoſen mit ihrer unzucht / andere mit etwas anders auffgezogen werden / wir Deutſchen al - lezeit mit unſerm ſauffen herhalten muͤſſen / gleich als ob die andern voͤlcker den wein verſchoneten.
Es iſt gnung / daß wir nichts ermangeln laſ - ſen / was zu erhaltung unſers ruhms dient.
Die andern ſind in gleicher verdamnis.
Verzieht ein wenig / ich beſinne mich auff ein Sonnet / welches ich vor etlicher zeit auf eben dieſe ma - terie geſetzt / ich will es bald finden.