PRIMS Full-text transcription (HTML)
Chriſtian Weiſens uͤberfluͤßige Gedancken Der gruͤnenden jugend.
[figure]
Leipzig/ beyThomas Fritſch/1701.

Geliebter Leſer!

D nunmehr dieſe uͤberfluͤßige ge - dancken noch einmahl ihr gluͤcke / o - der daß ich beſſer rede / ihr ungluͤcke in die welt verſuchen wollen / ſolches hat der Autor nicht verlanget / und gleich wohl nicht verhindern koͤnnen. Jmmittelſt weil ich als ein unbekandter genoͤthiget werde an deſſen ſtelle zu treten / und dieſe neue Edition mit einer neuen vorrede zu bekleiden / ſo werde ich die freyheit haben / nicht ſo wohl aus ſchul - diger freundſchafft / als aus liebe zu der war - heit / gegenwaͤrtige gedancken zu entſchuldigẽ. Es mag ſeyn / daß iemand den titul nicht recht verſtanden / und dahero von dem gantzen we - ſen ein ungleiches urtheil gefaſſet hat. Denn freylich wer dieſe gedancken in ſolcher mey - nung wolte uͤberfluͤßig nennen / wie etwan dort〈…〉〈…〉 zu verſtehen ſind / der muͤſte ſeinen eifer nicht uͤberfluͤßig haben / wenn er ſolchen allhier verſparen wolte: Allein es wird verhoffentlich noch ein gnaͤdiger und beſſer verſtand zuruͤck ſeyn. Uberfluͤßige gedanckenA 2heiſ -heiſſen ſolche gedancken / die man bey muͤßigen nebenſtunden als einen zulaͤßigen zeitvertreib zu fuͤhren pflegt. Denn weil man krafft ſei - nes obliegenden amts an dergleichen neben - werck nicht gebunden iſt / und ein ander bey ſeinen verrichtungen eben ſo weit kommt / der ſich ſolcher gedancken aͤuſſert; Als geſchicht es nur zum uͤberfluß / und gleichſam zur zugabe / wie bißweilen ein gaſtwirth ſeinen gaͤſten oh - ne noth aus einer uͤberfluͤßigen liberalitaͤt et - liche kannen wein frey paßiren laͤſſet. Parer - gon heiſſet nicht ein boͤſes werck / ſondern ein werck / welches zum uͤberfluß neben der or - dentlichen arbeit getrieben wird. Uñ wo wuͤr - den die Autores Horarum Subſecivarum, Dierum Canicularium, Dierum Genialium, und andere / welche ihre arbeit Otium genennet / zu rechte kommen / wenn man nichts uͤberfluͤßiges vor - nehmen duͤrffte. Gellius waͤre mit ſeinen No - ctibus Atticis laͤngſt unter die wercke der fin - ſterniß gezehlet / und in den Indicem librorum prohibitorum geſetzet worden.

Nun wird zwar iemand einwenden / der gedachten ſcribenten uͤberfluß waͤre gleichwol der welt etwas nuͤtzer geweſen / als wenn etli - che abgeſchmackte lieder / nicht anders als aus einer klingenden ſchelle / ausgelaſſen wuͤrden. Doch der unterſcheid beſtehet hierinnen / daß jene des maͤnnlichen alters / dieſe aber der gruͤ - nen jugend uͤberfluͤßige gedancken ſind: Undwiewie eine iegliche zeit ihre eigene ergoͤtzligkeit hat / wie man auch nicht eher thut als ein mann; als wenn der bart dem geſichte eine ſaure mine abfordert: alſo wuͤrde ſich die ju - gend uͤber dem zeitvertreib ſchlecht zu eꝛfreuen haben / welche ſich von ihrer inclination allzu - weit abſondern wolte.

Und wer kan leugnen / daß dergleichen - bungen ſo gar ohne nutzen verrichtet werden? Jſt es nothwendig / daß ein junger menſch in poetiſchen und oratoriſchen ſachen auffge - muntert / und zur recommendation der an - dern gelehrſamkeit an luſtige und angeneh - me Inventiones gewieſen wird; ſo will ich hof - fen / es ſolte nicht allein das junge volck hieꝛinn zu loben ſeyn / ſondern ein ſorgfaͤltiger infor - mator ſolte auch dahin trachten / wie er ſeinen untergebenen dergleichen uͤberfluͤßige gedan - cken einfloͤſſen moͤchte / daruͤber ſie andere - berfluͤßige wercke / als ſpielen / ſauffen / muͤßig gehen / vergeſſen koͤnten.

Jh halte auch nicht / daß iemahls ein mann durch liebliche worte beruͤhmt worden / der in ſeiner jugend allen uͤberfluß in ſolchem ſtuͤcke verachtet hat. Jnmaſſen die bloſſen ſchul-ma - terien nicht genung ſind / ein ſtattliches Ingeni - um zu excitiren / wenn es nicht aus eigenem antrieb ſeinen fleiß etwas hoͤher fuͤhren ſoll. Legen doch die huͤner viel lieber in das neſt / das ſie ſelbſt erwaͤhlet haben / als welches von einerA 3un -ungedultigen kaͤſemutter iſt angeleget wordẽ.

Nun iſt es wohl an dem / daß lauter liebes - ſachen dariñ enthalten ſind / welche / dem anſe - hen nach / bey jungen leuten viel aͤrgerniß an - richten koͤñen / uñ wiꝛd deꝛgeſtalt iemand denẽ uͤbeꝛfluͤßigen gedancken denſelben titul zule - gen / welchen der Frantzoͤſ. Pontus de Thyard ſeinen ſonneten gegeben hat / daß er ſie Erreurs Amoureuſes, verliebte irrthuͤmer nennt. Doch es ſey ſo / ſie moͤchten Errores Juveniles heiſſen / ſo wuͤrde auch dieſer irrthum nicht allzu verdammlich ſeyn. Denn es waͤre nicht ein error vitii, ſondern ein error imprudentiæ. Wenn ein kind auff dem ſtecken reitet / ſo iſt es ein error infantiæ: Wenn ein knabe mit boh - nen ſpielet / oder die muͤcke fligen laͤſt / ſo iſt es error pueritiæ. Denn wenn ſie ſo klug waͤ - ren als alte leute / wuͤrden ſie an dergleichen lumpen-poſſen keine vergnuͤgung haben. Un - terdeſſen begehen ſie keine ſuͤnde / oder zum we - nigſten wird dieſe that præcisè nicht als ein boßhafftiges und unrechtmaͤßiges weſen zu verdammen / oder wohl gar zu beſtraffen ſeyn. Weil nun die jugend der natur noch etliche thorheiten ſchuldig iſt / ſo wird eine ſolche poc - tiſche ſteckenreuterey als ein error juvenilis um ſo viel deſto mehr zu entſchuldigen ſeyn / jemehr das nachfolgende alter die eitelkeit ſelbſt zu verlachen / und durch anſtaͤndige ge - dancken zu verbeſſern pfleget.

Ge -

Geſetzt auch / es waͤren lauter liebes-ſachen darinn / (wiewol ich bald den falſchen concept benehmen werde /) ſo iſt es ja nicht ein ſchelmi - ſches ding um die liebe / daß man nicht daran gedencken duͤrffte. Denn daß aͤrgerliche ſau - poſſen nicht geduldet werden / da iſt freylich der jugend daran gelegen. Aber wenn niemand an die liebe gedencken ſolte / wo wuͤrden ſo viel tauſend Præceptores mit ihrem Terentio bleiben / welcher in dem eintzigen Eunucho mehr unziemliche haͤndel vorſtellet / als in den gantzen uͤberfluͤßigen gedancken zu leſen ſind. Denn ich will itzo vom Ovidio, Martiali und andern nichts ſagen / welche der jugend ohne alle widerrede in den haͤnden gelaſſen weꝛden. Uber dieſes duͤrffte auch kein hochzeit-carmen in oͤffentlichen druck heraus kommen / aus groſſer beyſoꝛge / es moͤchte ein junges blut hie - durch zu boͤſen gedancken / oder zu einem ſcan - dalo accepto veranlaſſet werdẽ. Uñ es iſt nicht zu leugnen / daß eben in dieſem buche etl. lieder ſolche perſonen betreffen / welche zu ſich einer ehelichen liebe verbunden / auch innachfolgen - der zeit die gluͤckl. vollziehung befoͤrdeꝛt habẽ.

Doch was gehet die liebe ſo groß dieſe verſe an / indem ſelbige mehr zu einer annehmlichen Allegorie, als zu den gedancken ſelbſt coope - rirt hat? Wen Petrarcha unter ſeiner Laura, Opitz unter ſeineꝛ Aſterie, andere unter andeꝛn verliebten nahmen gemeynet haben / das iſtA 4mehrmehr als bekandt. Wer es auch nicht verſte - het / der iſt ohne zweiffel nicht werth / daß er ſolches an dieſem orte erſt lernen ſoll.

Alldieweil nun dem Auctori beliebt hat ſein ſtudieren unter dem bilde eines liebhabers vorzuſtellen / uñ hiedurch ſeine begierde gegen das frauenzimmer duꝛch einen gelehrten be - trug abzuweiſen / ſo wird er entweder auſſer ſchuld ſeyn / oder die compagnie der beſchuldig - ten wird ſo groß werden / daß er ſich vor einen ſchwachen feind nicht ſondeꝛlich wird entſetzen duͤrffen. Die bloſſen abſchieds-lieder / welche in trefflicher menge erſcheinen / muͤſſen zeuge ſeyn / daß es faſt unmoͤglich geweſen / ſo viel - mal zu verreiſen. Und ich habe ſelbſt aus ſei - nem munde gehoͤret / wenn er ein collegium beſchloſſen / und gleichſam von einer diſciplin zu der andern gereiſet waͤre / ſo haͤtte ſich eine verliebte erfindung angegeben / unter der pro - ſopopœia einer jungfer die angenehme diſci - plin nachmahls zu bedienen: Ja / es iſt ein lied vorhanden / darinn er ſich beruͤhmt / er haͤtte zwey maͤgdgen auf einmahl: Da werden alle bekandten zeuge ſeyn / daß der Auctor zugleich theologica und juridica collegia hielt / und als ein liebhaber der fundamentalen philologie, beyderſeits principia faſſen wolte. Jndem nun etliche meynten / er waͤꝛe ein perpetuus transfu - ga, der ſich bald zu der ſchwartzen / bald zu der rothen fahne begeben wolte / ſo proſequirte erſol -ſolchen poſſen in dieſem hoͤniſchen liede / damit die guten freunde deſto eher fertig wurden / und waren alſo die zwey liebſten Theologia und Jurisprudentia.

Solten etliche lieder in ihrem eigenen ver - ſtande directè auf liebes-ſachen gehen / ſo wird ſolches mehrentheils als eine Satyra zu verſte - hen ſeyn / darinn die jungen leute mehr abge - mahnet / und bey vorſtellung unterſchiedlicher thorheiten zu einer andern und hohern liebe heimlich angewieſen werden.

Doch wieder auff die gelehrten allegorias zu kom̃en / wann ſich etwan ein guter freund mit unzeitigem richten uͤbereilen wolte / ſo wird das beſte mittel ſeyn / aus einem vorneh - men mann dergleichen anzufuͤhren / welcher erſtlich auff einer beruͤhmten Univerſitaͤt Poë - ſeos Profeſſor, hernach ein groſſer Theologus geweſen: dieſer hat als Profeſſor anmuthige ſachen heraus gegeben / und iſt oftmahls duꝛch gelegenheit der gedachten allegorie zu verlieb - ten und entzuckten gedancken verleitet woꝛdẽ. Allein daß niemand das aͤuſerliche ſchatten - werck mit der ſache ſelbſt vermengen ſolte / hat er dieſe denckwuͤrdige erklaͤrung mit beygeſe - tzet: Cave inſontes numeros attemeres! Amor noſter caſtus eſt, ut ipſa Diva. Quam ſi ſuô vis vo - carinomine, audi Poeſin, & illas Humanitatis ar - tes, quas colui: Imo Theologiam. Nihil miri, ſi ſub virgineo induxerim vultu. Fecerunt anteA 5meme alii, & præclariores. Ergo exue profanam mentem: & Eclogas aut allegorias puta. Ab his nec ſanctiſſimus abſtinuit Spiritus. Alius eſt ignis noſter, quàm in plebe accendit Veneris ne - quam ille puer. Nec tam putris aut putidus ego, ut illis intepeſcam faculis. Quicquid cre - diderit Viroſus: Sufficiat, placuiſſe mihi Chari - tillam, & me tibi, mi Lector. Nam Frontones & Capitones ne aſſis æſtimo.

Darbey mag es bleiben / und weil das curi - euſe Seculum ſich an den liedern noch nicht ſatt geleſen hat / wird der Auctor, als mein hochge - ſchaͤtzter freund / deſto eher zufrieden ſeyn / daß die drucker-preſſe noch einmahl damit bemuͤ - het wird. Auch dieſe kurtze entſchuldigung mag er ſich gefallen laſſen / ungeacht er ſeinen eigenen ſachen das wort viel beſſer / und viel - leicht aus wichtigern beweiß-gruͤnden haͤtte reden koͤnnen. Was noch uͤbrig iſt / ſo wird der geneigte leſer mit fernerer affection mir unbekandten dermaſſen zugethan verbleiben / daß ich ſolches dermaleins in bekandter geſtalt ruͤhmen koͤnne. Jetzt verbleibe ich zwar ein ſchuldiger diener / doch mit dem nahmen

Der Einfaͤltige Unbekandte.

Ge -

Geehrter Leſer.

FCh bin endlich dahin gebracht worden / daß ich meine uͤberfluͤßige gedancken in die welt ausflie - gen laſſe. Zwar / wenn ich ſolche vor guten freunden haͤtte behalten koͤnnen / waͤre ich nimmermehr auff die unbarmhertzigkeit gerathen / ſo viel bogen un - ſchuldig papier dadurch zu verklecken. Denn ich lebe der zuverſicht / ob ein anderer meine uͤberfluͤßigen einfaͤl - le weiß oder nicht weiß / ſo wird es nicht viel zu bedeuten haben. Jedennoch weil ich zum uͤberfluß ſehen und er - fahren muͤſſen / daß die geringen ſachen von unterſchiede - denen liebhabern nicht allein abgeſchrieben / ſondern auch wie zu geſchehen pfleget / offtermahls veraͤndert und ver - ruͤcket werden; Als habe ich nicht umgang nehmen wol - len / denſelben ihre alte geſtalt wie der zu geben: wie et - wan eine ſorgfaͤltige mutter ihr ungeſtaltes kind nicht gerne weiter beflecken und verſtellen laͤßt / ſondern viel - mehr dahin trachtet / damit es bey der natuͤrlichen und urſpruͤnglichen beſchaffenheit erhalten werde. Ein ied - weder unpartheyiſcher richter wird hierinn meiner muͤt - terlichen affection vergeben / und wo ich meiner frucht gar zu guͤnſtig geweſen bin / ſolches die menſchliche ſchwachheit entſchuldigen laſſen / als welche in der liebe am eheſten ſuͤndigen kan. Sonſt werden es die umſtaͤn - de leicht geben / daß ich in der ſo genannten Lindenſtadt wohne / und die mund-art / ſo mich offtermahls / wider mein wiſſen / in den nacken ſchlaͤgt / kan mein vaterland nicht verbergen. Flieſſen die reime nicht wohl / ſo bin ich vor eins kein poet / vors andere / ſeh ich viel / die esſchlim -ſchlimmer machen / wenig die es beſſer treffen. Die teut - ſchen Virgilii und Horatii ſollen entweder noch gebohren werden / oder ſie verbergen ihre ſchrifften noch / und der muͤſte ein bloͤd geſichte haben / der ſich durch die ſterne un - ſrer zeit wolte verblenden laſſen. Was die vielfaͤltige nahmen und andere raͤtzel betrifft / ſo werden diejenigen / die es angeht / die auslegung ſchon machen. Jch / mei - nes theils / habe etliche allbereit vergeſſen; Und etliche darff ich nicht verrathen. Vor meinen veraͤchtern fuͤrch - te ich mich nicht: Dann vielleicht bin ich ihrer ſpitzfindig - keit zu gering / oder zum wenigſten bleib ich anderweit un - angefochten / wann ſie an dieſem leichten papier ihre luſt buͤſſen. Und alſo mag ich mich nicht rechtfertigen / ich mag auch keine freunde anfuͤhren / als wann ſie mir durch uͤbriges anhalten den ermel zuriſſen haͤtten. Es gehe mir nun ſchon / wie es gehen ſoll / und weil ich meinen heimlichen zweck erhalten habe / iſt diß mein troſt / daß der zehende nicht weiß / wie ich heiſſe. Alters hal - ben will ich es noch erleben / daß manch einfaͤltiges hertze ſoll in verdacht gezogen werden / als wann es darbey ge - weſen waͤre. Jch ſtehe inzwiſchen als ein Apelles hinter der taffel / und laſſe die leute nach belieben urtheilen. Werde ich getroffen / ſo will ich mich ſchaͤmen / wo nicht / ſo will ich lachen: Aber keines von beyden werde ich vor den leuten thun.

Uberfluͤßiger gedancken Erſtes Dutzent.

I. Thraͤnen der jungferſchafft.

Suͤſſer gifft verliebter hertzen /
Schwaches werck-zeug voller krafft /
Werthes ziel der keuſchen ſchmertzen /
Du beruͤhmte jungferſchafft!
Freylich gehet deine zier
Allen ſchoͤnen ſachen fuͤr.
2. Wie die roſen in dem Meyen
Jhre bleiche lieblichkeit
Niemals ſchoͤner von ſich ſtreuen /
Als wenn ihre ſicherheit
Unberuͤhrt und unbefleckt
Jn dem gruͤnen ſtocke ſteckt.
3. Alſo muß man dich erheben /
Weil du keiner frembden hand
Dich zum raube wilſt ergeben /
Sondern das beliebte pfand
Aller ruh und lebens raſt
An der ſuͤſſen freyheit haſt.
4. Du ergetzſt dich an der jugend /
Biſt alſo an dir vergnuͤgt /
Und gebrauchſt dich deiner tugend /
Welche dir im hertzen liegt /
Da ſie auch die beſte frucht /
An der zarten keuſchheit ſucht.
A5. Doch
5. Doch wie lange kan es waͤren?
Endlich muß die jugend ſich
Durch den ſchnellen lauff verzehren /
Oder es beruffet dich
Liebe / luſt und eitelkeit
Jn der tugend wette-ſtreit.
6. Will man bey den aͤpffel-baͤumen
Zu der luſt ſpatziren gehn /
Darff man nicht die zeit verſaͤumen
Wann ſie in der bluͤte ſtehn /
Eh der Gaͤrtner nach der ſaat
Auch die frucht gebrochen hat.
7. Und ſoll dann der ſchoͤnen wangen
Halbvermiſchtes milch und blut
Gantz und gar vergebens prangen /
Wie ein ſaurer apffel thut /
Welcher nicht ſo wohl den zahn
Als das aug ergetzen kan?
8. Wein und bier wird ja zum trincken
Nicht zum anſehn aufgeſetzt /
Und was nutzt ein guter ſchincken
Wann er nicht den mund ergetzt?
Solte denn der jugend ſchein
Auch nicht etwas nutze ſeyn?
9. Freylich pflantzt die zeuge-mutter
Dir was heimlichs in die bruſt /
Daß du dich nach frembden futter
Hoͤchſt-begierich ſehnen muſt /
Und da fehlt dir manche krafft
O du arme jungferſchafft!
10. Wie manch ſchoͤnes neſt voll eyer
Unter froſt und kaͤlte ſteht /
Biß das angenehme feuer
Frembder bruͤt daruͤber geht;
Alſo
Alſo iſt es umb den ſtand /
Den du fuͤhreſt / auch bewandt.
11. Manches ſchaͤfgen traͤgt die ſchwere
Seiner wollen mit verdruß /
Weil es auff des ſchaͤffers ſchere
Gar zu lange warten muß:
Manche roſe kruͤmmt den ſtiel /
Weil ſie niemand brechen will.
12. Gute nacht du leere ſchuͤſſel /
O du leuchter ohne licht!
Feſtes ſchloß / doch ſonder ſchluͤſſel /
Gute wag und kein gewicht /
Ach wie wohl iſt die daran
Die bey zeiten freyen kan!

II. Die verliebte jaͤgerey.

DJe lieb iſt gleichſam eine jagt /
Da ſich ein groſſer hauffen
Jn die gebuͤſche wagt /
Wo angſt und muͤh entgegen lauffen /
Und wo die gantze welt
Sich faſt in das gehaͤge ſtellt.
2. Die netze ſind von heucheley
Und eitelkeit geſtricket /
Darinnen wird die treu
Der jungen einfalt offt beruͤcket /
Und wer nicht langen kan
Der flickt ein bißgen hoffnung dran.
3. Der ſpuͤrhund iſt die ungedult /
Der billt und laͤſt ſich hoͤren /
Die unſchuld mit der ſchuld
Jn ihrem lager zu verſtoͤren:
Wie iſt er doch bemuͤht
Eh er das wild vor augen ſieht?
A 24. Und
4. Und alſo muß der windhund fort
Durch bitten und verſprechen /
Durch klagen da und dort
Die ungewiſſe bahne brechen /
Biß man den ganßen reſt
Der groſſen docken lauffen laͤſt.
5. Offt ſchieſt man ehr und tugend todt /
Dann die verliebten minen
Sind wie der haaſen-ſchrot:
Wohl denen die ſich ſo bedienen!
Denn wer ein narr will ſeyn /
Schieſt gar mit ſilbern kugeln drein.
6. Wiewohl manch armer jaͤger ſagt
Er hab es gut erleſen /
Und hab ein reh gejagt /
So iſt es kaum ein fuchs geweſen:
Und wer den hirſchen hetzt /
Nimmt wol ein eichhorn auf die letzt:
7. Oft ſetzt ein hauer ſeinen zahn
Jn die getroffne liebe
Mit ſolchem eyfer an /
Daß alle gunſt in einem hiebe
Zu grund und boden geht /
Und wenn ſie noch ſo feſte ſteht
8. Doch geht / ihr freunde / geht ins feld /
Habt ihr mit euren netzen
Schon einmahl auffgeſtellt /
So ſeyd ihrs ſchuldig fortzuſetzen:
Denn der iſt uͤbel dran
Der hetzen und nicht fangen kan.

III. Die unterſchiedlichen Liebhaber.

JCh ſchwatzte neulich von galanen /
Als ich bey meinen maͤdgen ſtund;
Da
Da ließ ſie mich hernach vermahnen /
Die ſachen waͤren ihr nicht kund;
Sie moͤchte mich wol gerne fragen /
Was ein galan ausdruͤcklich ſey?
Da ließ ich ihr zur antwort ſagen /
Die leutgen waͤren vielerley.
2. Dann ſagt ich / wer ſich aller orten
Zum lieben frauenzimmer macht /
Und iſt doch kalt in ſeinen worten
Ob er gleich noch ſo freundlich lacht:
Wer alle wochen eine neue
Zum zeitvertreib erwaͤhlen kan /
Und fragt nach keiner liebes-treue /
Der iſt ein bloſſer ſpaß-galan.
3. Und wer ſich laͤſt die grillen treiben /
Daß er die gaſſen nunter ſchwaͤntzt /
Ob etwan durch die fenſter-ſcheiben
Ein weiſſes jungfer-haͤubgen glaͤntzt /
Und meint er habe durch den tempel
Der liebes-pflicht genug gethan /
Der heiſt den andern zum exempel
Ein lauff-und pflaſterſtein galan.
4. Wann auch ein junger gelber ſchnabel
Sich im proceſſe ſelbſt verfuͤhrt /
Und alles mit der ſilbern gabel
Fein fromm und ſittſam embrochirt /
Auch nichts in ſeinen complimenten
Als ehren tugend ſprechen kan /
So heiſſet er bey uns ſtudenten
Nur ein devotion-galan.
5. Und wer mit allerhand ſpendaſchen
Der liebſten ihre koͤthe ſchmuͤckt /
Und alle tage ſeinen pagen
Nach zucker und citronen ſchickt /
A 3Wer
Wer offtermahls ſpatziren faͤhret /
Zur hochzeit gehet / wenn er kan /
Und ſeine pfennge ſo verzehret /
Jſt ein diſcretion-galan.
6. Doch welchen das geneigte gluͤcke
Zu der vollkommenheit beſtimmt /
Daß er durch ſeine liebes-blicke
Den maͤdgen auch das hertze nimmt /
Wer mit vermiſchten wechſelkuͤſſen
Den ſtillen bund erhalten kan /
Obs gleich die leute wenig wiſſen /
Jſt ein affection-galan.
7. Wiewol die ſchlimmſten loͤffelknechte
Genieſſen manchmal treflich viel /
Nur deſſentwegen weil der rechte
Nicht ins gehaͤge kommen will:
Jnzwiſchen weil ſie ſolches wiſſen
Gehn ſie mit allen freuden dran /
Und unter ſolchen luͤcke buͤſſen
Wird mancher noch ein noth-galan.
8. Naͤchſt dieſem bildt ſich mancher immer
Die allerſchoͤnſten ſachen ein /
Und muß doch bey dem frauenzimmer
Jm ſpiele pickelhaͤring ſeyn /
Er kan ſich zwar vor ſelig ſchaͤtzen
Und nimmt den ſchertz mit willen an;
Doch ſag ich / wer ſich laͤſſet haͤtzen /
Jſt ein vexation-galan.
9. Hieran ihr herren junggeſellen
Jch habe mich allhier bemuͤht
Euch in der liebe vorzuſtellen /
Wo jemand ſeines gleichen ſieht /
Der gehe nur in ſein gewiſſen
Und zieh ſich ſelber vor gericht.
Jch
Jch werde dieſen loben muͤſſen
Der hefftig liebt und meynt es nicht.

IV. Der luſtige ſpaß-galan. Auf die melodey: Jungfer Ließgen weiß es wohl / ꝛc.

ES ſteht in der welt doch aus der maſſen fein /
Wann zwey junge leute recht vertraulich ſeyn!
Sie ſind drum nicht flugs verliebt /
Wann ſie gleich von hertzen
Freundlich koͤnnen ſchertzen.
2. Manchem maͤdgen wird was boͤſes zugedacht /
Wann ſie etwan mit den junggeſellen lacht /
Doch darum kein bein entzwey:
Wer fragt nach den ſchwencken
Was die leute dencken?
3. Ein rechtſchaffnes buͤfgen das verſteht doch wol /
Was es bey der maͤdgen freude dencken ſoll.
Wer nicht ſchimpf und ernſt verſteht /
Wird mit ſchlechten frommen
Von dem maͤdgen kommen.
4. Wan man gleich einander noch ſo fꝛeundlich heiſt /
Und wohl gar die armen in einander ſchleuſt:
Darff ein buͤfgen gleich wol nicht
Auff verliebte ſachen
Sich die rechnung machen.
5. Ach wie ſchlaͤgelt mancher armer ſpaß - galan /
Der ſich in die freundlichkeit nicht finden kan
Und der allen zeitvertreib
Vor ein liebes-zeichen
Heimlich will vergleichen:
6. Nein fuͤrwar / beym frauenzim̃er gehts ſo nicht /
Wann das loſe maͤulgen gleich mein liebgen ſpricht /
Jſt es drum nicht ſo gemeynt /
A 4Als
Als muͤſt er vor allen
Jhr ſo wohl gefallen.
7. Jch bin endlich allen feinen maͤdgen gut /
Und bin gerne da man ſchoͤn und freundlich thut;
Doch bild ich mir nichts ein /
Wann ich gleich die ſuͤſſe
Gegengunſt genieſſe.
8. Endlich / wer verſchwiegen iſt der geht noch hin /
Hat er ſonſten gleich nicht einen hohen ſinn:
Stille / fromm und luſtig ſeyn
Kan die junggeſellen
Niemahls ſehr verſtellen.
9. Ach wohl dem der in der jugend luſtig iſt /
Eh er in dem alter allen ſpaß vergiſt!
Doch die liebe brauche man
Nur zum bloſſen poſſen /
Sonſt iſt man geſchoſſen.

V. Die ſubtile liebe.

DJe maͤdgen ſind wie poſt-papier /
Subtil und zart im lieben /
Denn wer in ihre zier
Sich nur zu erſt hat eingeſchrieben /
Der ſtehet oben an
Da man die ſchrifft wohl leſen kan.
2. Er findt ein unbeflecktes blat /
Da ſich die reine tugend
Noch nie geſchwaͤrtzet hat /
Und lockt die einfalt ihrer jugend /
Durch die untraͤglichkeit /
Jn alle gunſt-gewogenheit.
3. Hingegen wer den rathſchluß faſt
Was anders drein zu ſchwatzen /
Und dieſen erſten gaſt
Will
Will aus der liebes-taffel kratzen /
Der uͤberſieht es doch
Und macht in das papier ein loch.
4. Auch wann es gut gerathen ſoll
So muß ein ſchandfleck bleiben /
Darauff man nicht ſo wohl
Die neue liebe kan beſchreiben /
Dann dorte / da und hier
Sticht noch die alte dinte fuͤr.
5. Man hat ja wohl einander lieb /
Doch muß man immer hoͤren
Wie ſie den erſten dieb
Jn ihren hertzen heimlich ehren /
Darneben trau’n ſie nicht /
Und was man auch vor worte ſpricht.
6. Dieweil nun itzt das kleine kind
Die ſauer-ſuͤſſen ſachen
Fein zeitlich lieb gewinnt /
So will ich mich an keine machen /
Damit werd ich allein
Kein ungluͤckſelger ſchreiber ſeyn.

VI. An einen verliebten / aber doch ſehr hoffaͤrtigen lieder-dichter.

MEin freund / was fluchſt du auf die ſterne /
Was klagſt du ihr verhaͤngniß an /
Als haͤtten ſie dir aus der ferne
So groſſen uͤberlaſt gethan?
Ach bilde dir auf ihren ſchein
Doch nicht dergleichen haͤndel ein.
2. Die ſterne / welche droben ſchimmern /
Sind warlich viel zu ſtoltz darzu /
Als daß ſie ſich darum bekuͤmmern /
Was ich allhie auf erden thu:
A 5Drum
Drum dencke daß dir auch ſo iſt /
Dieweil du meines gleichen biſt.
3. Es ſind ja freylich andre ſachen
Der hohen ſatzung unterthan:
Doch darffſt du nicht die rechnung machen
Als gieng es dich ingleichen an:
Denn was dein ſchwacher ſinn begehrt /
Jſt offt kaum deiner ſorgen wehrt.
4. Da heiſt ein irrthum der gedancken
Alsbald der ſterne gauckelſpiel /
Und wenn die ſehnſucht aus den ſchrancken
Der klugheit ſich entreiſſen will /
So muß der unbewießne zwang
Des gluͤckes vor die richterbanck.
5. Wann wir begehrten was wir ſolten /
So ſtuͤnd es allenthalben gut /
Und wir bekaͤmen was wir wolten;
Hingegen wo man das nicht thut /
Da qvaͤlt man ſich mit ungedult:
Doch hat der himmel keine ſchuld.
6. Mein freund / der ſtern iſt im gehirne /
Der dir ſo ungluͤckſelig ſtrahlt /
Und hinter deiner eignen ſtirne
Steht dein verhaͤngnuͤß abgemahlt.
Der himmel laͤſt dich wohl zur ruh /
Sprich du nur ſelbſt dein ja darzu.

VII. Polniſcher Tantz.

AUf der hochzeit iſt mir keine luſt /
Als die bloſſe courteſie bewuſt /
Wann die maͤdgen und ſtudenten
Jn der bunten reihe ſtehn /
Und mit ſuͤſſen complimenten
Endlich auff den tantz-platz gehn.
2. Da
2. Da iſt freude / da iſt luſtigkeit /
Da vergißt man alles hertzeleid:
Leib und ſeele kommt zuſammen:
Mancher giebet nur die hand /
Und wird durch die liebes-flammen
Unverſehens angebrannt.
3. Wie liebaͤugelt mancher courtiſan
Eh er ſich ins tantzen finden kan.
Seht wie koͤmmt er auffgezogen /
Maͤulgen geben darff er nicht /
Weil ſie mit dem ellenbogen.
Jhn in das geſichte ſticht.
4. Endlich koͤmmt die fiedel auf den platz /
Da erwiſcht ein jeder ſeinen ſchatz:
Dieſer geht als wie auf kohlen /
Der macht einen bloſſen paß /
Jener ſchneidet capriolen /
Dieſer knickt ohn unterlaß.
5. Mancher ſetzt die beine gar zu krumm /
Einer ſpringt nur um das Maͤdgen rumm /
Dieſer tantzet im gewichte /
Jener ſchont die neuen ſchuh /
Dieſer kehrt ihr das geſichte /
Jener gar den fertzer zu.
6. Wann ein maͤdgen in der einſamkeit
Stille ſitzt und welcke ruͤben ſchneidt /
Kommen bald die tuͤtſchemuͤtter /
Und erwiſchet mit verbruß
Jrgend einen armen ritter
Der die luͤcke buͤſſen muß.
7. Alſo wird das liebe geld verthan /
Biß man keinen tantz mehr zahlen kan /
Da ſpricht man es ſey zu ſpaͤte /
Giebt zum abſchied einen kuß /
Weil
Weil man doch auff die karrete /
Noch zwey groſcheu wagen muß.

Nachſprung.

LUſtig ihr maͤdgen die hochzeit iſt aus /
Wandert mit euren bedienten hinauß /
Laſſet euch aber beyleibe nicht hertzen /
Gehet fein leiſe / die mutter die wacht /
Laſſet die kerlen einandermahl ſchertzen /
Haͤtten ſie vormahls ſich luſtig gemacht.
2. Gehet geſchwinder ihr kindergen ihr /
Leget euch nieder und ſchlaffet dafuͤr /
Sehet die armen verliebeten ſchafe /
Sind ſie nicht truncken / ſie ſtehen ja kaum /
Springet inzwiſchen und tantzet im ſchlafe
Morgen erzehlet den luſtigen traum.
3. Gehet und leget euch immer zur ruh /
Hoͤrt ihr noch lange den ſtaͤndigen zu?
Sehet die mutter die legt ſich ans fenſter
Nehmet euch beſſer im finſtern in acht:
Wuͤnſchet ihr niedlichen gaſſengeſpenſter
Allerſeits eine geruhige nacht.

VIII. Das umgekehrte kartenſpiel.

WAnn wir die eitlen Sachen
Der ſuͤſſen loͤffeley
Und etwas kuntbar machen /
So iſt die fantaſey /
Wo man die warheit ſagen will /
Ein umgekehrtes kartenſpiel.
2. Ein ſpieler wirfft die blaͤtter
So eyfrig aus der fauſt /
Das manchem das geſchmetter
Lang in den ohren ſaußt /
Ein
Ein buhler giebt in ſtiller ruh
Den hoͤchſten trumpf verſchwiegen zu.
3. Ein ſpieler will gewinnen /
Und wann es doppelt ſteht /
So richtet ſein beginnen
Sich eintzig auffs labeth:
Ein buhler nimmt ſich ſchlecht in acht /
Ja er verſpielet mit bedacht.
4. Ein ſpieler miſcht die karten /
Biß er das hoͤchſte blat
Nach viel verſuchten arten
Jn ſeinen haͤnden hat:
Ein buhler wuͤnſcht in ſeiner pein
Nur das geringſte blat zu ſeyn.
5. Ein ſpieler wird verdroſſen
Und meint es ſey geſchehn /
Wann ſeine ſpielgenoſſen
Jhm in die karte ſehn:
Ein buhler zeiget ſeiner zier
Die blaͤtter ungebeten fuͤr.
6. Wiewol bey ſolchen haͤndeln
Geht der verluſt noch hin /
Man mag gleich all’s vertendeln
So hat man doch gewinn.
Denn der verſpielt bleibt immer reich
Und der gewinnt verſpielt zugleich.

IX. Poeten muͤſſen verliebt ſeyn.

SPrecht mich nicht weiter an
Um ein verliebtes lied /
Denn ich bin ausgethan
Wo luſt und liebe bluͤht /
Das gras iſt abgemeyht /
Die roſen ſind vergangen /
Der
Der winter fuͤhrt das leid
Und hat ſich angefangen.
2. Jch fuͤhle keine luſt
Die mich zum verſen treibt /
Weil meine kalte bruſt
Unangefochten bleibt:
Das harte ſilber fleuſt
Nur bey der groſſen hitze /
Und der poeten geiſt
Wird nur im lieben nuͤtze.
3. Wie kan ich itzt betruͤbt
Und wieder froͤlich ſeyn /
Jn dem mir nichts beliebt
Von anmuth oder pein /
Soll mein erfrornes hertz
Von glut und flammen ſingen.
Und ſoll der kalte ſchertz
Die ſproͤde feder zwingen.
4. Ach nein die aloe /
Der zucker und zibeth /
Macht weder wol noch weh.
Wann der geſchmack vergeht:
Man muß die eitelkeit
Der liebe noch ertragen /
Will man von freud und leid
Gereimte reime ſagen.
5. Der iſt fuͤrwar nicht klug /
Der ohn ein ſeitenſpiel /
Durch einen ſelbſtbetrug /
Verſchwiegen tantzen will /
Und ſo wird mein gedicht
Ein ſchlechtes urtheil fuͤhlen /
Wo die begierden nicht
Die ſarabande ſpielen.
6. Geh
6. Geh zarte Poeſie /
Du bleibſt mir unbewuſt /
Geh meine ſuͤſſe muͤh /
Jetzt meine ſaure luſt /
Jch ſchreibe / was ich kan /
Jhr aber meine bruͤder /
Sprecht mich nicht weiter an
Um ſchertz und liebes-lieder.

X. Das ſchlaffende gluͤcke.

MEin gluͤcke ſchlaͤfft nun lange zeit /
Und will noch nicht erwachen /
Und meine furchtſamkeit
Kan ſich gar wenig hoffnung machen /
Dann wann es helffen ſoll /
So ſchnarcht es mir die ohren voll.
2. Der gantze leib iſt ausgeſtreckt /
Der mund iſt zugeſchloſſen /
Die augen ſind verſteckt /
Die krafft der ſinnen iſt zerfloſſen /
Nur in der bloſſen bruſt
Treibt noch der athem ſeine luſt.
3. Jch ſtoß / und brauche was ich kan
Die kraͤffte meines lebens /
Jch ſchrey die ohren an /
Doch muͤh und arbeit iſt vergebens:
Dann mein verhaͤngniß ſpricht /
Dein gluͤcke ſchlaͤfft und hoͤrt dich nicht.
4. Wolan mein gluͤcke ſchlaff nur fort /
Jch werde zwar indeſſen
Noch manchen lieben ort
Und manche luſtigkeit vergeſſen /
Jch werde noch der pein
Der ungewißheit dienſtbar ſeyn.
5. Doch
5. Doch wer zu lange ſchlaffen muß /
Der kan auch lange wachen /
Und kan den uͤberfluß
Der ſpaͤten nacht zum tage machen /
Wenn er die lager-ſtatt /
Nur lang genug gedruͤcket hat.
6. Darum mein gluͤcke ſchlaff nur aus /
Und bringe mit den ſegen
Hernachmals in das haus /
Jetzt will ich dich nicht mehr bewegen /
Die noth kan nicht beſtehn /
Sie muß doch auch zu bette gehn.
7. Wo ſie mich in der jugend laͤſt
Bey der gewohnheit bleiben /
So werd ich wol den reſt
Des alters mehr begluͤckt vertreiben /
Jnzwiſchen wird die ſchuld
Des gluͤckes leichter durch gedult.

XI. Hanß in allen gaſſen.

ZWey maͤdgen auf einmal / fuͤrwahr das iſt zu viel /
Doch weil die liebe mich alſo bethoͤren will /
Darff ich nicht widerſtehen /
Jch ſeh mein elend an /
Und laß es immer gehen
So gut es gehen kan.
2. Jch weiß nicht welche mir am beſten anlaß gibt /
Sie beyde ſind polit / ſie beyde ſind beliebt /
An ihrer ſchoͤnen jugend /
An ihrer hoͤfligkeit /
An ihrer liebes-tugend /
Jſt gar kein unterſcheid.
3. Was eine lieblich macht / das fehlt der andern nicht /
Da iſt ein augen-glantz / da iſt ein angeſicht /
Die
Die allerſchoͤnſten finger
Das wollen-weiche zwey /
Der halb-verſteckten dinger /
Jſt alles einerley.
4. Wann dieſe gegen mir ein bißgen freundlich thut /
So denck ich jene dort die kan es gleich ſo gut /
Und komm ich zu der andern /
So laß ich meinen ſinn
Zur erſten wieder wandern /
Da ich geweſen bin.
5. Jn deſſen weiß ich nicht / wasich behalten ſoll /
Dann jener bin jch gut / und die gefaͤlt mir wol /
Soll ich das hertze faſſen
Und ein geliebtes kind
Von dieſen beyden laſſen /
So bin ich taub und blind.
6. Es iſt doch nun geſchehn / das geht am beſten an /
Wo ich ſie alle zwey vor mich behalten kan /
Mein hertz! es koͤmmt ja beſſer /
Jn dem du als ein gaſt
Der eitelkeit / zwey meſſer
Als keins im vorrath haſt.
7. Ein ſolcher wechſel ſtutzt / und ſteht vortreflich ſchoͤn /
Wann eine ſauer ſiht kan ich zur andern gehn /
Traͤgt die ein ungefallen /
So komm ich dorten ein /
Und ſo kan ich bey allen
Verliebt und luſtig ſeyn.

XII. Als das jahr 1663 zu ende ging.

DU liebes jahr / ſo eilſt du nun von hinnen /
Und nimmſt mit dir die freude meiner ſinnen /
Ja freylich iſt diß ſchon der letzte tag /
Da ich noch drey zu ſechſen ſetzen mag.
B2. Ver -
2. Vergoͤnne mir du auszug meiner jahre
Daß ich mein hertz der feder offenbare
Laß mich einmahl auff dich zuruͤcke ſehn /
Es wird mir doch nicht mehr ſo wol geſchehn.
3. Du haſt mir erſt die jugend und das leben
Durch eine krafft der ſuͤſſigkeit gegeben /
Jch war noch tod / du haſt mich aufgeweckt /
Jch brannte nicht / du haſt mich angeſteckt.
4. Du haſt mich erſt den ſanfften weg gefuͤhret /
Und meine bruſt durch liebes-gluth beruͤhret /
Du ſchoͤne zeit du haſt mir kund gethan /
Was der verſtand vertrauter freundſchafft kan.
5. Jch konte nicht mein hertz mein liebgen ſprechen
Und muſte mir den kopf umſonſt zerbrechen /
Doch deine gunſt verſetzte mich zur ruh
Und fuͤhrte mir die ſchoͤnheit ſelber zu.
6. Da war ein ſinn / ein willen / ein belieben /
Schertz ſonder ſchertz / vergnuͤgung ohn betruͤben /
Sie war erfreut und luſtig wann ich kam /
Und kraͤnckte ſich / ſo bald ich abſchied nahm.
7. Jedennoch hab ich was von dir bekommen
So haſtu all’s auch wieder weggenommen
Du haſt mir nur den ſchein / der uns betreugt /
Durch einen traum / und durch ein bild gezeigt.
8. Jch werde wohl nicht in dergleichen freuden
Mein angeſicht bey ſolcher ſchoͤnheit weiden /
Du altes jahr du nimbſt den alten ſinn /
Die alte luſt / die alte hoffnung hin.
9. Jch will mich nicht deßhalben mit dir zancken /
Jch werde dir vielmehr vor dieſes dancken /
Daß ich itzund durch dein und meinen fleiß
Den ſchlauen gang der ſtillen liebe weiß.
10. Jch muß nunmehr in dieſem neuen jahre /
Befliſſen ſeyn / wie ich die ſtunde ſpare
Die
Die ich zu viel auf zeit-vertreib gelegt /
Darzu mich ſie und ihre luſt bewegt.
11. Das gluͤcke mag am beſten fuͤr mich ſorgen /
Du altes jahr zeuch fort / ich denck an morgen /
Daſelbſten wird der neue ſonnenſchein
Mein neuer troſt und neue wolluſt ſeyn.

Uberfluͤßiger gedancken Anderes Dutzent.

I. An ſeine Marilis / als er mit ihr zuͤrnen muſte.

JCh bin ſchon ſatt und ſage
Daß mich der hunger treibt /
Jch ſeh mein gluͤck / und klage
Daß ſolches auſſen bleibt /
Jch ſuch und fliehe meine pflicht /
Jch wolte gern und will doch nicht.
2. Jch bin verliebt / und leide
Die pein der einſamkeit /
Jch ſehne mich und meide
Doch die gelegenheit /
Die gegenwart beliebet mir /
Und gleichwol geh ich nicht zu ihr.
3. Die liebes-grillen wancken
Jm hertzen hin und her /
Und machen die gedancken
Mit tauſend ſorgen ſchwer /
Und ſchlieſſe doch vor meiner ruh
Den kopff / das hertz / und alles zu.
4. Jch bin ein patiente /
Und lauffe vor der cur /
Als wann mein ruͤcken brennte /
Jch ſuche zwar die ſpur /
B 2Doch
Doch wann ich ihrer inne bin /
So will der ſchwere leib nicht hin.
5. Jch ſchlaff und muß doch wachen /
Jch red und ſchweige doch /
Jch klag und muß auch lachen /
Jch ſterb und lebe noch /
Und dieſes waͤhrt ſchon lange zeit /
Bey tag und nacht ohn unterſcheid.
6. Du allerliebſte ſeele /
Dir iſt allein bewuſt /
Daß ich dein hertz erwehle
Zu meiner zarten luſt /
Und daß ich liebe / weil das licht
Des lebens mir den ſchein verſpricht.
7. Jtzt muß ich mich verſtellen /
Mein kind / du wirſt von mir
Kein ſchlimmes urtheil faͤllen /
Dann ich verſpreche dir /
Mein hertz ſoll unbefleckt und rein /
Gar bald bey deinem wieder ſeyn.
8. Wie muß ich mich bemuͤhen /
Daß ich es enden kan /
Dann die magneten ziehen
Mein ſchwaches eiſen an.
Und achten meine krafft nicht viel /
Wann ich mich widerſetzen wil.
9. Doch halt ich mich zuruͤcke
So lang ich halten kan /
Und ſchaue deine blicke
Nur in gedancken an /
Und ſuche die zufriedenheit
Jn der entfernten freundlichkeit.
10. So will ich dich probiren /
Es ſteht die wieder frey
Mich
Mich etwas rum zu fuͤhren /
Doch da wird meine treu
Jn allen proben voller Schein
Wie feines gold und ſilber ſeyn.

II. An eben dieſelbe / als er ihrer gunſt verſichert ward.

MEin maͤdgen iſt mir gut!
Und ob ſie gleich zu zeiten /
Abſonderlich bey leuten /
Ein bißgen ſproͤde thut;
So macht ihr wort-gezaͤncke
Mir gleichwohl einen muth /
Daß ich im hertzen dencke /
Mein maͤdgen iſt mir gut.
2. Mein maͤdgen iſt mir gut.
Manch jahr iſt ja vergangen /
Seyt mein geneigt verlangen
Jn ihrer freundſchafft ruht /
Wie ſolt ich dann nicht wiſſen
Jndem ſie anders thut /
Wie weit ich koͤnne ſchlieſſen /
Mein maͤdgen ſey mir gut.
3. Mein maͤdgen iſt mir gut!
Mein laſſen und beginnen /
Das ihren zarten ſinnen
Gar nichts zu wider thut /
Bewegt mir auch das hertze
Wie eine ſanffte fluth /
Daß ich mit freuden ſchertze /
Mein maͤdgen iſt mir gut.
4. Mein maͤdgen iſt mir gut!
Sie macht ihr amts-geſichte
Vißweilen noch zu nichte /
Und ruͤhret mir das blut
B 3Durch
Durch liebgeſinnte blicke:
Drum ſpricht mein freyer muth /
Jch habe noch das gluͤcke /
Mein maͤdgen iſt mir gut.
5. Mein maͤdgen iſt mir gut!
Ein ander mag ſich kraͤncken /
Und voller furcht gedencken /
Was ſeine Nymfe thut;
Jch kan die ſorgen brechen /
Denn mein vergnuͤgter muth
Kan in der warheit ſprechen /
Mein maͤdgen iſt mir gut.

III. An Dorindgeu / als er derſelben bey ſpaͤter herbſt - zeit ein ſchoͤn ſtraͤußgen von vergiß mein nicht / uͤbergab.

MEin Dorindgen nimm die blume
Mit beliebten haͤnden an /
Welche dir zu ſchoͤnen ruhme
Selbſt den fruͤhling trotzen kan /
Goͤnn ihr doch dein angeſicht /
Weil ſie ſo beweglich ſpricht /
Vergiß mein nicht.
2. Hoͤre / mein Dorindgen hoͤre /
Wie der ſtumme redner ſchreyt /
Und ertheile mir die ehre
Deiner unvergeſſenheit /
Du verſtehſt es wol / mein liecht /
Dann ein jedes blaͤtgen ſpricht:
Vergiß mein nicht.
3. Schaue die verliebten farben /
Schaue die vermiſchung an /
Welche durch die zarten narben
Blau und gelbe ſpielen kan /
Und
Und dieweil der unterricht
Deinem hertzen auch geſchicht /
Vergiß mein nicht.
4. Jn dem kuͤhlen roſenthale
War es geſtern aufgebluͤht /
Doch auf dieſem bundten ſaale
Fand ich nichts was ſchoͤner ſieht.
Drum ſo lange luſt und licht
Durch die roſen - auen bricht /
Vergiß mein nicht.
5. Andre ſchoͤne blumen legen
Jhre frembde zierligkeit
Dieſer demuth zwar entgegen /
Doch ſie irren trefflich weit.
Meine blum iſt abgericht /
Daß ſie ohne falſchheit ſpricht /
Vergiß mein nicht.
6. Drum ſo nimm auch diß geſchencke
Mit geneigten haͤnden hin /
Mein Dorindgen und gedencke
Mein im beſten / wo ich bin:
Dann das ſchoͤne bluͤmgen ſpricht /
Wann die hoffnung ſelbſten bricht /
Vergiß mein nicht.

IV. An ſeine Marilis / als ſie ſauer ſehen wolte.

ACh! mein Marilis / was hab ich dann gethan /
Weßwegen ſihſt du mich mit ſolchen augen an /
Jſt dann die gunſt ſchon aus / und ſoll der augen ſchein
Der meine ſonne war / nun mein comete ſeyn.
2. Was haſt du dann darvon / daß ſich das roſenfeld
Der wangen alſo rauh als wie ein dornbuſch ſtellt?
Und daß der ſchoͤne mund / der ſonſt ſo ſuͤſſe lacht /
Mir alle froͤlichkeit zu lauter nichte macht.
B 43. Du
3. Du allerliebſtes kind / wo iſt die werthe hand /
Die ſich vor dieſer zeit umb meine finger wand?
Hat ſie mich gnug gedruͤckt / mein hertz / und ſoll ich nun
Jn deiner gegenwart nicht mehr ſo freundlich thun?
4. Wo iſt das liebe ding / die ſuͤſſe Marilis /
Die ihren diener ſonſt ſo fein willkommen hieß?
Du biſt es warlich nicht dein anſehn das mich plagt /
Hat meine bloͤdigkeit faſt aus der welt gejagt.
5. Ach kan ein maͤdgen auch ein bißgen boͤſe ſeyn /
Und nim̃t der eyfer auch die jungfer-hertzen ein?
Jch haͤtt es nicht vermeynt / dieweil betruͤbt und ſchoͤn /
Belieblich und erzuͤrnt nicht wohl beyſammen ſtehn.
6. Nun fuͤhl ich deinen zorn der mir den tag zur nacht /
Die nacht zu lauter angſt / die angſt zur ſpeiſe macht.
Ach meine Marilis / hab ich dir was gethan?
Wie? oder ſtellſt du dich alſo zum poſſen an.
7. Jch hoͤre doch nicht auf dir an die hand zu gehn /
Und wilſt du meine pflicht aus boßheit nicht verſtehn;
So weiß ich daß der troſt in meinem hertzen gruͤnt /
Jch habe deinen zorn mit willen nicht verdient.

V. Der getreue haus-knecht.

JCh armer haus-knecht habe nun
Mein aͤmptgen angenommen /
Nun muß ich helffen wirthlich thun
Wenn frembde gaͤſte kommen /
Sonſt werd ich wieder weggejagt
Von meiner lieben jungen magd.
2. Jch geh und laſſe mich durchaus
Die muͤhe nicht beſchweren /
Und ſolt ich funffzehenmahl das hauß
Jn einem tage kehren:
Denn wenn mich ja die arbeit plagt /
So denck ich an die junge magd.
3. Die
3. Die koͤchin mag ſo offt ſie will
Mich etwas anders heiſſen /
Die frau die mag den beſen-ſtiel
Mir umb die ohren ſchmeiſſen:
Jch bleibe dennoch unverzagt
Bey meiner lieben jungen magd.
4. Wenn ſie mir an der ſeiten ſteht
So hab ich ſchon gewonnen /
Und alle traurigkeit vergeht
Wie butter an der ſonnen /
Jch bin ihr knecht / der ihr behagt /
Sie meine liebe junge magd.
5. Wir ſtecken faſt den gantzen tag
Beyſammen in der kuͤchen /
Und wann ich poſſen treiben mag /
So iſt ſie auch verglichen /
Doch iſt kein menſch / der mich verklagt
Mit meiner lieben jungen magd.
6. Jch geh in keller / hole bier /
Und wann ich nunter ſchreite /
So kommt die magd und giebet mir
Fein ſauber das geleite /
Doch niemand in dem hauſe fragt /
Was machſt du mit der jungen magd.
7. Der Boden und der ober-ſaal
Die ſtehn uns allzeit offen /
Da haben ſie uns hundertmal
Beyſammen angetroffen /
Doch hat der herr noch nie geſagt /
Geh / pack dich von der jungen magd.
8. Jch wolt auch wol kein hauß-knecht ſeyn /
Wann ich nicht eben wuͤſte /
Daß ich das liebe maͤgdelein
Sonſt gar entrathen muͤſte /
B 5So
So bleib ich gleichwol ungeplagt
Bey meiner lieben jungen magd.
9. Die ſchoͤnen jungfern moͤgen nun
Aus meinem hertzen weichen /
Dann wann ich ja will freundlich thun /
Geh ich zu meines gleichen.
Jch armer hauß-knecht habs gewagt /
Und loͤffle mit der jungen magd.

VI. Der abgeſetzte hauß-knecht.

DU liebe junge magd / dein treuer haußknecht kom̄t /
Jndem er hier und da betruͤbten abſchied nimmt /
Und giebt dir auch die hand / wie ſauer gehts ihm ein /
Daß er nicht weiter darff dein lieber hauß-knecht ſeyn.
2. Ach nim̃ die fromme hand / nim̃ ſie zu guter letzt /
Und dencke daß ſie dich zwar oͤffters hat ergetzt.
Wann ſie aus ſchuldigkeit dir einen dienſt gethan /
Doch daß ſie weiter nicht im dienſte bleiben kan.
3. Jch ſage nur nicht viel / es geht mir freylich nah /
Doch dieſes iſt gewiß / ich bliebe gerne da.
Du liebe junge magd / du kenneſt meinen ſinn /
Du weiſt daß ich bey dir am allerliebſten bin.
4. Dieweil ich aber nun das ding nicht aͤndern kan /
So nim doch meinen gruß mit gutem hertzen an /
Und wiſſe / daß du zwar nicht allzugroſſe luſt /
Jedoch ein frommes kind hinfort entrathen muſt.
5. Hab ich dich ja erzuͤrnt durch irgend einen tritt /
So gib mir doch den troſt auf meine reiſe mit /
Und gib mir zu verſtehn ohn allen heuchel-ſchein /
Daß aller miß-verſtand nun ſoll vergeſſen ſeyn.
6. Wiewol ich habe dir fuͤrwar kein leid gethan /
Schau nur die gantze zeit in meinem leben an:
Haſt du was ausgelegt nicht als ich es gemeint /
So ſey der auslegung und nicht der ſache feind.
7. Ob
7. Ob ich gleich manches mahl ſehr ausgelaſſen bin
So kom̃t die fꝛoͤmmigkeit mir doch nicht aus dem ſinn;
Jch bin ſo von natur / ich kan nicht anders thun /
Jch kan nicht gar zu lang auff einer ſtelle ruhn.
8. Wer aber mein gemuͤth darbey betrachten wil /
Der findet ſicherlich das rechte widerſpiel:
So loſe manches wort in meinen reden ſcheint /
So gut und redlich hats mein hertze wohl gemeynt.
9. Es ſteht in dieſer welt doch aus der maſſen ſchoͤn /
Wann treue ſeelen recht in ſtiller freundſchafft ſtehn:
Man iſt drum nicht verliebt / man iſt einander gut /
Als wie ein guter freund mit ſeinem freunde thut.
10. Jch darff nicht mehr ſo thun / ich habe ſo gethan /
Nimm alles was geſchehn im beſten auf und an /
Und goͤnne mir zuletzt ein freundlich angeſicht /
Doch meine bangigkeit ſiehſt du die helffte nicht.
11. Hiemit zu guter nacht du liebe junge magd /
Was hilfft es wañ man ſich gleich noch ſo ſehr beklagt;
Jch muß doch endlich fort / kan es nicht jetzt geſchehn /
So kan ich dich vielleicht auff deiner hochzeit ſehn.
12. Und waß ich biß dahin verborgen halten wil
Das ſoll die loſung ſeyn bey deinen hochzeit-ſpiel /
Judeſſen lebe wohl und pruͤfe meinen ſinn
Ob ich nicht biß daher dein treuer haußknecht bin.

VII. Als ſich Liſilis nicht wolte kuͤſſen laſſen.

DU freundliche Liſilis ſoll ich dich kuͤſſen /
So zeug doch nicht das muͤndgen weg /
Ein kuͤßgen iſt leichtlich zu tode gebuͤſſen /
Und macht ja keinen ſchwartzen fleck.
Ach halte mein laͤmgen ach halte gewiß /
Jch gebe dir einen empfindlichen biß /
Ach Liſilis.
2. Ach
2. Ach beuge dein leibgen nicht immer zuruͤcke /
Sonſt kan ich warlich nicht darzu /
Mein engel gib achtung indem ich dich druͤcke /
Daß ich dir nichts zu leide thu /
Ein kuͤßgen verbleibet mein liebes-genieß /
Jch bitte zum ſchoͤnſten / vergoͤnne mir diß /
Ach Liſilis.
3. Halt ſtille mein hertzgen / was heiſſen die poſſen /
Nun haͤltſt du gar die haͤnde vor /
Die haben ſich uͤber die lippen geſchloſſen /
Doch gib das koͤpffgen nur empor /
Jn warheit ich habe das kinne gewiß /
Drum halt ich dich feſte / verzeihe mir diß.
Ach Liſilis.
4. Was wilſtu dich wehren / was wilſtu noch ringen /
Wo flog der tieffe ſeuffzer hin /
Mein laͤmgen / ach laſſe dich immer bezwingen /
Weil ich dir ſchon ſo nahe bin /
Jch habe gewonnen / mein liebes-genieß
Bleibt meinen entzuͤcketen lippen gewiß /
Ach Liſilis.
5. Ach Liſilis hab ich dich endlich betrogen /
Jch habe dich dreymal gekuͤſt /
Und keinmal vor freuden zuruͤcke gezogen /
Nun ſuche wo das fleckgen iſt.
Ach halte mein laͤmgen / ach halte gewiß /
Jch gebe noch einen empfindlichen biß /
Ach Liſilis.

VIII. Als er ſich unter fremdes frauenzimmer machen ſollte.

JCh will bey meinem maͤdgen bleiben /
Jch hab die brieffe nicht davon /
Daß ich mich ſoll an ein andre reiben /
Drum geb ich auch kein botenlohn.
Und
Und danck es keinem gar zu viel /
Der mich zu andern fuͤhren will.
2. Jch habe manche liebe ſtunden
Jn leerer hoffnung zugebuͤſt /
Eh ich es in der that befunden
Daß ſie mein maͤdgen worden iſt:
Drum lenck ich auch mein angeſicht
Nunmehr zu keiner andern nicht.
3. Jch weiß von auſſen und von innen
Was ihr gemuͤth im ſchilde fuͤhrt /
Und bin gewiß daß ſie die ſinnen
Mit lauter freundlichkeit regiert /
Sie iſt belieblich / zart und ſchoͤn /
Was ſolt ich dann zur andern gehn.
4. Offt hertzt ein fremder eine ziege /
Und ſieht ſie vor die Venus an /
Weil er dieſelbe nach der gnuͤge
Bald erſtlich nicht erkennen kan /
Und weil ein ſchleyer und die nacht
Die ſchlimmſte magd zur jungfer macht.
5. Und wann ich gleich was ſchoͤnes kuͤſſe /
So iſt mirs dannoch unbekant /
Ach nein / ich nehme das gewiſſe /
Und denck / ein vogel in der hand /
Jſt beſſer dann ein gantzes dutzt
Das noch in freyen felde ſtutzt.
6. Wer ſich nun gerne will verhindern
Der ſuche ſeine liebe weit /
Es iſt doch wahr / an fremden kindern
Verderbt man alle freundlichkeit /
An fremden hunden wendet man
Die ſuppen gar vergebens an.
7. Jch bleibe nun wo meine liebe
Sich erſtlich hat hervorgethan /
Und
Und da ich endlich keine diebe
Zu meinem ſchaden fuͤrchten kan.
Ein ander ſuche was er will /
Von meinem maͤdgen halt ich viel.

IX. Dorindgen muß ſich einer zauberey beſchuldigen laſſen.

DOrindgen darff ichs ſagen /
Und darff ich ohne ſcheu
Dich oͤffentlich verklagen /
Mit deiner zauberey?
Ach du verwandelſt meinen ſinn /
Daß ch mir ſelbſt nicht aͤhnlich bin.
2. Sonſt iſt mein junges hertz /
Bey allen maͤdgen kalt /
Und gibt der liebes-kertz
Gar ſchlechten auffenthalt /
Doch du verwandelſt meinen ſinn /
Daß ich bey dir verliebet bin.
3. Verlier ich ja bey andern
Manchmal ein gutes wort /
So bin ich nun von Flandern /
Und geh bey zeiten fort /
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich bey dir beſtaͤndig bin.
4. Jch habe meine bruͤder
Ohn allen ſchein geliebt /
Sie haben mich auch wieder
Mit willen nicht betruͤbt /
Doch du verwandelſt meinen ſinn /
Daß ich den freunden untreu bin.
5. Jch bin zur luſt gebohren /
Die haͤngt mir allzeit an /
Und gibt mir nicht verlohren
So lang ich liſpeln kan:
Doch
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich bißweiten traurig bin.
6. Jch kan an andern orten
Vortreflich loſe ſeyn /
Und laſſe mich mit worten
Jn manche kurtzweil ein /
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich gar eingezogen bin.
7. Sonſt gieng ich bald zu bette
Wann nun der abend kam /
Und alles um die wette
Mit ſich zur ruhe nahm:
Doch du verwandelſt meinen ſinn
Daß ich des abends munter bin.
8. Wie ſchlimm haſt du gehandelt /
Jch kenne deine liſt /
Jch werde ſo verwandelt /
Du bleibeſt wie du biſt:
Ach kind / verwandle deinen ſinn /
Wie ich bey dir verwandelt bin.

X. An die unvergleichliche Margaris.

M Eines hertzens koͤnigin /
Angenehmſter ſchatz auf erden /
Richte deine luſt-geberden
Guͤnſtig auf den diener hin /
Als bey welchem deine gaben
Ruh und troſt zu ſchaffen haben /
Ich geſteh es zwar betruͤbt /
Schoͤnſtes kind ich bin verliebt.
2. M ich mein verraͤther ſeyn /
Ach was ſoll ich laͤnger ſchweigen /
Regen ſich doch alle zeugen
Gegen mir und meiner pein /
Alle
Alle kraͤffte meiner ſeelen
Reitzen mich mit ſanfftem qvaͤlen /
Ich bekenn es offentlich /
Schoͤnſtes kind ich liebe dich.
3. Mache nur durch deine gunſt
Alle meine noth zu nichte /
Richte dein geneigt geſichte
Gegen mir nnd meiner brunſt /
Alle freude / luſt und ſchertzen
Reiß ich ſonſt aus meinem hertzen /
Ich begehr in dir allein
Selig und vergnuͤgt zu ſeyn.
4. Meine werthe zuͤrne nicht /
Alles was ich dir erzehle /
Reimet ſich mit meiner ſeele /
Glaube / was die zunge ſpricht.
Andre moͤgen falſche ſachen
Ruͤhmen und zur tugend machen /
Ich will ohne falſchen ſchein /
Suͤſſes kind / dein diener ſeyn.
5. Mein geluͤcke ſteht bey dir /
Alles will ich dir ergeben /
Reitze mein beſtaͤndigs leben
Gunſt-geneigt zu deiner zier:
Alſo werden meine ſinnen
Ruh und ſuͤſſen troſt gewinnen.
Itzt verbleib ich halb betruͤbt /
Schoͤnſtes kind in dich verliebt.

XI. An eben dieſelbe / als ſie ihren nahmens-tag begieng.

WJe ſchoͤn hat doch der ſonnen licht
Zu ſcheinen angefangen /
Wie laͤſſt ſie ihr geſicht
Jn lauter neuen ſtralen prangen /
Ach33
Ach dieſes gilt gewiß
Der allerſchoͤnſten Margaris.
2. Denn ihr beliebter namens-ſchein
Bricht nun mit gutem gluͤcke
Bey unſern linden ein /
Und gibt uns ſolche blicke /
Bezeugt uns auch gewiß /
Sie ſey die ſchoͤnſte Margaris.
3. Drum werd ich auch nicht unrecht thun /
Wann ich mich auch ergetze /
Und meine feder nun
Mit ihrem Tugend-lobe netze /
Weil ich in meinem ſinn
Jhr ſonſten hoch verpflichtet bin.
4. Jch habe meine luſt an ihr
Und ruͤhme ſie vor vielen /
Wenn ich der Tugend zier
Seh auß der zarten ſchoͤnheit ſpielen /
Und wenn die freundlichkeit
Die ſuͤſſe reitzungs-macht verneut.
5. Wie hab ich manche liebe zeit
Voruͤber laſſen ſchweben /
Seit die gelegenheit
Jn ihrer gegenwart zu leben /
Mich bey der linden-ſtadt
Mehr als zu wohl ergetzet hat.
6. Derhalben weil ihr namens-Licht
So froͤlich iſt erſchienen
Erkuͤhnt ſich meine pflicht
Sie gegenwaͤrtig zu bedienen /
Und wo ich das nicht kan /
So nehme ſie den willen an.
C7. Der43[34]Uberfluͤſſiger gedancken
7. Der Himmel ſey ihr ferner gut /
Und gebe ſein gedeyen
Zu allem was ſie thut /
So werd ich gleichfals mich erfreuen
Und werd ohn allen ſchein
Jhr auffzuwarten muͤhſam ſeyn.

XII. Als er vor betruͤbten Liebes-Grillen nicht ſchlaffen konnte.

Jtzt ruht und ſchlaͤfft die gantze welt
Was ſee und feld
Jn den verliebten armen haͤlt.
Nur ich empfinde keine ruh /
Und bringe nicht ein auge zu.
Dann weil der tag zu ende geht /
Eh meine ſonne vor mir ſteht /
So bricht der abend auch herein /
Und muß gedoppelt finſter ſeyn.
2. Jch habe lange nacht
Umſonſt gewacht /
Und meinem ſchmertzen nachgedacht /
Wiewol je mehr ich dencken muß /
Je mehr empfind ich uͤberdruß /
Weil niemand die erwuͤnſchte bahn
Zu meiner hoffnung finden kan /
Und dannoch hab ich dieſen trieb
Der traurigen gedancken lieb.
3. Jch bin verliebt in meine pein /
Und nicht allein
Jn ihren hochgeſchaͤtzten ſchein:
Denn wann der ſchlaff ein ſanfftes ziel
Jn meinen ſorgen ſetzen will /
So35anderes dutzent.
So ſtellt ſich meine mattigkeit
Noch immer in den gegenſtreit /
Biß ſich ein traum ins hertze ſpielt /
Daß er mir die gedancken ſtielt.
4. Jn dieſem ſchatten koͤmmet mir
Die liebſte zier
Jn ihrer hoͤchſten ſchoͤnheit fuͤr /
Und ſtralt mein hertz dermaſſen an /
Daß ich es kaum vertragen kan;
Jedoch wann ich ein gleiches ſpiel
Mit meinen armen machen will /
So greiff ich an die kalte wand /
Und ſie entwiſcht mir aus der hand.
5. Jtzt ſehn ich mich nach meiner ruh /
Und ſchlieſſe nu
Die augen vor mir ſelber zu /
Komm wieder / komm du ſuͤſſer traum /
Und mache meiner wolluſt raum!
Denn wird der kummer nicht geſtillt
Durch ein erdichtes ſchatten-bild /
So weicht auff eine kleine zeit
Zum minſten die empfindligkeit.
6. Ach aber ach es geht nicht an!
Daß ich daran
Ein rechtes labſal haben kan.
Mein ſchmertzen geht mir viel zu nah /
Ach waͤre nur der morgen da /
Vielleicht iſt diß der liebe tag
Da ich mich wieder ruͤhmen mag /
Daß eine die mich ſonſt betruͤbt /
Mir ruh und leben wieder giebt
C 2Uber -36

Uberfluͤſſiger Gedancken Drittes Dutzent. Darinnen unterſchiedene Sachen begriffen / ſo vor - mals auf dem Schauplatze unvergnuͤgter Liebhaber vorgeſtellet worden.

I. Der unerkannte Liebhaber.

MEin liebgen will es nicht verſtehn /
Daß ich in ſie verliebet bin /
Sie kan vor mir voruͤber gehn /
Als haͤtte mein getreuer ſinn /
Der ihre lieb und gunſt begehrt /
Sich nach der gnuͤge nicht erklaͤrt.
2. Jch kan die aller ſchoͤnſten blicke
Genieſſen als ein guter Freund;
Doch hab ich nicht das hohe gluͤcke /
Daß ſie es in dem hertzen meint /
Daß ſie auff mich viel kundſchafft legt
Und ein verlangen nach mir traͤgt.
3. Wil ich bey ihr die zeit vertreiben
So laͤſt ſie mich mit willen ein;
Jedennoch will ich auſſenbleiben /
So kan ſie auch zufrieden ſeyn /
Sie henckt deswegen vor das hauß
Gar keinen ſchwartzen flor hinauß.
4. Und was mich treflich kan verdrieſſen /
So iſt das loſe tauſend-kind
Vor allen andern drauff befliſſen /
Wie ſie mir reden abgewinnt /
Und meine bruſt hindangeſetzt
Mich nur mit fremden maͤdgen hetzt.
5. Jch37drittes dutzent.
5. Jch darff dieſelben nicht verachten /
Denn ſonſten hieß es alſobald /
Daß wir es nirgend anders machten /
Und waͤren weder warm noch kalt:
Und gleichwohl wenn ich freundlich thu
So heiſts ich ſpreche ja darzu.
6. Jch darff ihr zwar die Haͤnde druͤcken /
Die meinen aber druͤckt ſie nicht /
Jch ſpiele mit verkehrten blicken /
Und ſie behaͤlt ihr angeſicht /
Mein fuß der ſtoͤſſt ſie ungefehr /
Jedoch ſie ſtoͤſſt nicht wieder her.
7. Den ſuͤſſen purpur-mund zu kuͤſſen
Geht mir zu ſchwer und ſauer ein /
Dieweil ich mich befuͤrchten muͤſſen
Es moͤcht ihr nicht belieblich ſeyn /
Wiewohl was hilfft ein kalter kuß /
Jndem man ſonſten warten muß.
8. Jch ſchwatze viel von liebes-ſachen
Wie es die leutgen in der welt
An dem und jenem orte machen /
Und alles was mir wohl gefaͤllt /
Das macht mein hoͤchſt-verliebter mund
Jhr durch verbluͤmte reden kund.
9. Jch kan ſie aber nicht erwiſchen /
Sie ſchlaͤgt die reden in den wind /
Jch muß in einem teiche fiſchen
Da keine fiſche drinnen ſind /
So eilt die junge zeit dahin /
Daß ich ſtets aus mir ſelber bin.
10. Und alſo ſeh ich meine freude
Nur zwiſchen furcht und hoffnung ſtehn /
C 3Und38Uberfluͤſſiger gedancken
Und kan in meinem hertzen-leide
Der wolluſt nicht entgegen gehn /
Der himmel hat es ſo gefuͤgt /
Jch liebe wol / doch unvergnuͤgt.

II. Der ungedultige liebhaber.

JCh hab ein bißgen lieb gehabt /
Und habe meinen ſinn gelabt /
Doch nun will ich mich ſelbſt verſtoͤhren.
Denn weil es gleich am beſten ſchmaͤckt /
Und wann man noch die finger leckt /
Da iſts am beſten auffzuhoͤren.
2. Es iſt doch lauter kinderey
Mit der verliebten loͤffeley:
Wie muͤſſen wir die zeit verderben /
Jn leerer furcht und hoffnung ſtehn /
Und manchen gang vergebens gehn /
Eh wir ein bißgen gunſt erwerben.
3. Und wann ſie nun erworben iſt /
So waͤhrt es eine kurtze friſt /
Biß wir ſie wiederum verſchuͤtten /
Ein ſchritt / ein wort / ein eintzig blick
Treibt alle freundlichkeit zuruͤck /
Und da hilfft kein genade bitten.
4. Die maͤdgen wollen luſtig ſeyn /
Drum lieben ſie nur auff den ſchein /
Der bloſſen zeit vertreibung wegen:
Doch weil es nur am gluͤcke liegt /
Daß man ſie bey der laune kriegt /
So koͤmmt man offt gar ungelegen.
5. Und wann wir noch ſo ſicher ſeyn /
So ſtellt ſich gar ein ander ein /
Der39drittes dutzent.
Der lernt zu erſt die bahne brechen /
Hernach ſucht er gelegenheit
Durch ſeine ſchlaue freundlichkeit
Uns unvermercket abzuſtechen.
6. Da geht das grillen-fangen an
Wie man den cauſenmacher kan /
Bey guter zeit zuruͤcke treiben /
Doch deſſen allen ungeacht /
Ob man ſich noch ſo mauſig macht /
Muß er im ſattel ſitzen bleiben.
7. Was hat man dann nunmehr darvon
Als allenthalben ſpott und hohn /
Und tauſend ſorgen in dem hertzen?
Ade du lebendiger tod /
Jch will hinfort mit deiner noth
Jn meiner vollen freyheit ſchertzen!
8. Drum lob ich eine compagnie /
Da wir biß an den morgen fruͤh
Auff gute treu und freundſchafft ſauffen /
Fuͤrwahr eh ich das liebes-ſpiel
So eyffrig wieder ſpielen will /
Eh will ich aus der ſtadt entlauffen.

III. Der furchtſame liebhaber.

WAs ſoll ich laͤnger ſchweigen?
Es iſt doch nun geſchehn /
Nachdem die klaren zeugen
Mir aus den augen ſehn:
Jch habe durch den ſuͤſſen trieb
Der ſchoͤnheit auch ein maͤdgen lieb.
2. Und will es jemand wiſſen /
Was denn die liebe ſey /
C 4Darauff40Uberfluͤſſiger gedancken
Darauff ich mich befliſſen /
So ſag ichs ohne ſcheu /
Und ſpreche die beſchaffenheit
Der leib iſt furcht und bloͤdigkeit.
3. Sonſt pfleg ich zwar zu ſchertzen
Jn allem was ich thu;
Doch meine furcht im hertzen
Laͤſſt ihr gar wenig zu:
Denn dieſer ſcrupel faͤllt mir ein /
Das maͤdgen moͤchte boͤſe ſeyn.
4. Und daß ich alles ſage /
Was mir beſchwerlich iſt:
Jch habe ſie mein tage
Nie auff den mund gekuͤſt /
Und gleichwol hab ich tag und nacht
An die corallen-luſt gedacht.
5. Gelegenheit macht diebe /
Nur ich verſteh es nicht /
Und wenn mir gleich die liebe
Manchmal die bahne bricht /
So bin ich doch ſo wunderlich
Jch armes kind / und fuͤrchte mich.
6. Sonſt kan ich fleiſſig tippen
Wann ich bey andern bin /
Da geb ich meine lippen
Jn die rapuſe hin /
Denn werd ich gleich was ausgericht
So ſterb ich doch von drauen nicht.
7. Kan ich was mit bekommen /
So weiß ich was ich thu /
Und wird mirs auch genommen
So ſchnipp ich eins darzu /
Wer41drittes dutzent.
Wer weiß wo noch ein maͤdgen iſt
Die mich wohl ungebeten kuͤſt.
8. Doch meine tauſend freude
Die nehm ich wohl in acht /
Jn dem ſie mir zu leide
Viel ſauer minen macht /
Und mitten in der freundlichkeit
Mir unverſehns die ſpitze beut.
9. Jch wolte gerne kuͤſſen /
Die furcht die macht mich matt /
Die weil ich nicht kan wiſſen /
Ob ſie es gerne hat /
Und ob ſie das verleckte ſpiel
Auf ihren lippen leiden wil.
10. Ach dieſer ſache wegen
Verſuch ich keine kunſt /
Es iſt mir mehr gelegen
An ihrer guten gunſt /
Doch weil ich ſie nicht kuͤſſen kan /
Greiff ich ihr in gedancken dran.

IV. Der hoͤhniſche Liebhaber.

BOtz tauſend Roſilis
Wils trefflich heuer geben /
Das naͤrrgen meint gewiß
Man koͤnn ohn ſie nicht leben /
Ach nein es iſt fuͤrwar
So boͤſe nicht gemeint /
Jch hab um die gefahr
Schon geſtern außgeweint.
2. Wer doch aus ungedult
Sich was zu leide thaͤte /
C 5Und42Uberfluͤſſiger gedancken
Und wegen ſeiner ſchuld
Viel um verzeihung baͤte /
Es iſt mir warlich leid /
Daß niemand alber iſt /
Und ihr auß dienſtbarkeit
Die ſtoltzen fuͤſſe kuͤſſt.
3. Jhr leute ſeht doch her /
Mein wolt ihr nicht erſchrecken;
Will jener oder der
Sie nicht im leibe lecken:
Das maͤulgen macht ſie krumm /
Die augen ſind erhitzt /
Die naſ iſt umm und umm
Ein bißgen zugeſpitzt.
4. Jedoch der groſſe zorn
Jſt wol noch auszuſchwitzen /
Deßwegen ſoll kein horn
Mir auf der blatte ſitzen /
Jhr rauhes angeſicht
Sey endlich wie es ſey /
Um ihren willen bricht
Mir doch kein bein entzwey.
5. Sie laſſe kuͤnfftig ja
Die groſſe boßheit ſtreichen /
Man findet hier und da
Warhafftig ihres gleichen:
Drum ſey ſie nicht ſo kalt
Und lerne mich verſtehn /
Sonſt will ich alſobald
Zu einer andern gehn.
6. Fuͤrwar ich lieſſe gern
Ein luſtig liedgen ſchallen /
Ach43drittes dutzent.
Ach waͤre nur mein ſtern
Nicht auff den Miſt gefallen!
Wie wol ich weiß wohin /
Jch ſchick ihn in das hauß /
Zu meiner waͤſcherin /
Die waͤſcht ihn wieder aus.

V. Der betrogene Liebhaber.

KOmmt ihr leute kommt und ſchauet
Mein betruͤbt exempel an /
Seht wie einer fallen kan
Welcher auff die liebe bauet /
Und ſein leben auf das ſpiel
Eitler wolluſt gruͤnden wil.
2. Waͤr ich vor ſo klug geweſen
Als ich itzo worden bin /
Haͤtte mein betrogner ſinn
Wol was beſſers auſſerleſen /
Aber ach ich armes kind
War an beyden augen blind!
3. Die beliebten purpur-wangen
Nahmen mir das leben ein /
Und erregten durch den ſchein
Alles hoffen und verlangen /
Biß ich alles was ich fand
Jhr und ihre gunſt verband.
4. Was ich dichte / was ich machte /
War auf ſie allein gericht /
Sie / mein engel / war mein liecht /
Und wann ich an ſie gedachte /
Lieff das blut in einem nu
Dem verliebten hertzen zu.
5. Wann44Uberfluͤſſiger gedancken
5. Wann ich gleich in einem tag
Kaum ein halbes blickgen ſah /
Gieng mir doch der ſtrahl ſo nah /
Daß ich auſſer aller klage /
Gleichſam als zu groſſem danck
Manch erfreutes luſt-lied ſang.
6. Aber nun bin ich verdorben /
Seit mir die gelegenheit
Zu dergleichen freundlichkeit
Unverhofft iſt abgeſtorben /
Und mein hertze keine ſtatt
Mehr in ihrem hertzen hat.
7. Alle luſt iſt mir zu wider /
Was ich ſehn und hoͤren muß /
Bringt mir lauter uͤberdruß /
Und die allerſchoͤnſten lieder
Von der liebe kommen mir
Abgeſchmackt und alber fuͤr.
8. Wann ich ja bißweilen ſchertze /
Und mein altes freuden-ſpiel
Wiederum verneuen will /
Ach ſo rufft mein ſchwaches hertze
Mitten in der ſuͤſſen ruh
Meinem ſchmertzen wieder zu.
Zwar ich ſehe ſchon von weiten
Daß die zeit mich troͤſten kan /
Doch wiewohl iſt der daran /
Welcher ſolchen eitelkeiten
Seine ſeele nicht ergiebt /
Oder doch geluͤcklich liebt.
VI. Der45drittes dutzent.

VI. Der ungewiſſen Liebhaber Nacht-Gedancken.

JCh armes kind! wie einſam muß ich leben /
Wie muß ich noch in eitel hoffnung ſchweben /
Jch dencke viel / und weiß doch nicht wohin /
Es wundert mich daß ich ſo luſtig bin.
2. Wo werd ich noch mein ruheplaͤtzgen finden /
Und welcher ort wird ſich mit mir verbinden /
Jch blicke zwar ins liebſte vaterland;
Doch Gottes rath iſt mir noch unbekannt.
3. Wie muß wol itzt das liebe ſeelgen liegen /
Das mich einmahl im lieben ſoll vergnuͤgen /
Sie liegt vielleicht in ihrer ſanfften ruh /
Und druͤckt das liecht der ſchoͤnen augen zu.
4. Sie wird an mich den abend nicht gedencken /
Da ich mich muß im Vorrath gleichſam kraͤncken /
Und wo ſie ja den kopff ietzund zerbricht
So weiß ſie doch von meiner liebe nicht.
5. Das iſt gewiß / die maͤdgen ſo ich kenne /
Und die ich ſchon mit ihren namen nenne /
Die ſind mir wohl ohn zweiffel nicht beſchert /
Jch habe ſie auch nie ſo weit begehrt.
6. Es iſt noch zeit / daß ich ein kind erwaͤhle /
Am leibe ſchoͤn und ſittſam an der ſeele:
Diß iſt genug? ſonſt ſey ſie arm und reich /
Groß oder klein / es gilt mir alles gleich.
7. Wiewol ich kan mein wort nicht von mir geben /
Wer weiß / ob ich das gluͤcke werd erleben
Wie mancher giebt der eitelkeit valet
Eh er die ſpur der ſuͤſſen liebe geht.
8. Es mag drum ſeyn / ich bin bereit zu allen /
Des Himmels-ſchluß ſol mir allzeit gefallen /
Jch46Uberfluͤſſiger gedancken
Jch ſtreite nicht / ich bleibe gern allein
Jch wil auch gern der liebe dienſtbar ſeyn.
9. Dieſelbe mag es nach belieben karten /
Jch wil den troſt in aller ſtill erwarten /
Schlaf wohl mein kind / mein unbekanntes ich /
Schlaf du nur wol / ich wache ſchon vor dich.

VII. Die vergnuͤgten Liebhaber.

SO liegen die neuen verliebten beyſammen
Jn unverruckter hertzens-luſt /
Und locken die hitze der ehrlichen flammen
Auß ihrer tugendhafften bruſt /
So ſchertzet und ſpottet das edele paar
Der nimmer-vergnuͤglichen liebes-gefahr.
2. Jhr liechter des Himmels ach ſehet ſie liegen /
Seht wie ſie durch die ſchoͤne nacht
Jhr lieben im lieben durch lieben vergnuͤgen /
Biß Phoſphorus den morgen macht:
Da lernen ſie langſam und ſchlaͤfferig ſeyn
Und ſchlaffen in werther zufriedenheit ein.
3. Sie koͤnnen ſich kuͤhnlich einander erklaͤren /
Dann deſſenwegen ſind ſie da /
Auff alles verlangen auff alles begehren
Folgt nichts als ein vergnuͤgtes ja /
Sie heiſſet ſein leben / er heiſſet ihr liecht /
Sie kuͤſſen einander und fuͤrchten ſich nicht.
4. Was manchen verliebten im weiteſten felde /
Wie eine roß im winter bluͤht.
Was mancher nur gleichſam in einem gemaͤhlde /
Von ſeiner luſt-vergnuͤgung ſiht /
Das fuͤhlen ſie wuͤrcklich und ruffen die ruh /
Als eine beliebliche zeugin dazu /
5. Drum47drittes dutzent
5. Drum kom̃et ihr Gratien / ſchwinget die lieder /
Durch die erfreute Linden-lufft /
Erfuͤllet die gaſſen biß Echo hinwieder
Mit ihrer holen ſtimme rufft:
Die ſelig verknuͤpfften die haben geſiegt /
Sie leben erfreulich / und lieben vergnuͤgt.

VIII. An eben dieſelbige.

GUte nacht ihr edlen beyde /
Lobt den Himmel der euch liebt /
Und die angenehmſte freude /
Dieſer nacht zu eigen gibt /
Lobt den Himmel und bedenckt /
Was er euch vor gnade ſchenckt.
2. Euer leben und gedeyen
Das bezeugt euch mehr als wol /
Daß ſich manches haupt erfreuen /
Manches hertze troͤſten ſoll /
Dieſe freude kan allein
Nicht vor zwo perſonen ſeyn.
3. Die geliebten Eltern zwingen
Sich zu der verlangten ruh /
Doch die lieben hertzen bringen
Vor der luſt kein auge zu /
Dann ſie dencken allzugleich
Edles beyde nur an euch.
4. Sie erwarten mit verlangen
Die erwuͤnſchte tageszeit /
Euch empfindlich zu empfangen /
Als ein pfand das ſich verneut /
Und die freundſchafft in der that
Endlich recht verknuͤpffet hat.
5. Nun48Uberfluͤſſiger gedancken
5. Nun des guͤnſtgen Himmels-ſegen /
Halte ferner den gebrauch /
Wachſet nicht nur eurentwegen /
Sondern ihrentwegen auch /
Die an allen was geſchehn /
Jhres hertzens wolluſt ſehn.

IX. Der Jungfern Grabe-Lied.

NUn ſo zeuch du fromme ſeele /
Zeuch aus aller angſt und noth!
Stirb fein ſeelig und erwaͤhle
Deinen allerliebſten tod /
Welcher jetzt ſo freundlich koͤmmt /
Und dich in die armen nimmt /
Der auch ſtets bey dir wird bleiben /
Und dir huͤbſch die zeit vertreiben.
2. Zachries pfeift die ſterbe-lieder
Vor den trauer-leuten her /
Hofemann laͤufft hin und wieder
Ja die laͤng und in die qver /
Die großvaͤter ſind betruͤbt /
Weil man trefflich achtung gibt /
Und die waͤchter mit den ſpieſſen
Vor der treppe ſtehen muͤſſen.
3. Nun die namen ſind geſchrieben
Jn das groſſe kirchen-buch /
Drum zerreiſſet nach belieben
Jmmer hin das leichen-tuch /
Steiget nur in ſarg hinein /
Kurtzweil muß getrieben ſeyn /
Habens doch die lieben alten
Vormals eben ſo gehalten.
4. Gute49drittes dutzent.
4. Gute nacht du liebe ſeele /
Schlaff bey leibe nicht zuviel /
Biß fein luſtig weil das oͤle
Jn dem laͤmpgen brennen wil /
Wirſt du nach vollbrachter nacht
Gleich ein bißgen außgelacht:
Hat es doch bey jungen leuten
Trefflich wenig zu bedeuten.
5. Nun die jungfer iſt geſtorben /
Und das weibgen lebet noch /
Jſt ihr namen gleich verdorben /
Weiß daß liebe laͤmmgen doch /
Wo ſie ſich erholen ſoll /
Und der todt bekoͤmmt ihr wol /
Weil ſie bald in jungen jahren
Seine ſuͤſſigkeit erfahren.
6. Aber ihr betruͤbten maͤdgen /
Die ihr noch am leben ſeyd /
Bleibt zu frieden / dann die faͤdgen
Zu dem hembde ſind bereit /
Daß in euer todes-pein
Soll der ſterbe-kittel ſeyn:
Dannoch welche ſtirbt am ehſten
Soll die andern helffen troͤſten.

X. Als er ſeine Liſilis auff einer Hochzeit bedienen wolte.

KOmm du angenehmer tag /
Und vergoͤnne daß ich mag /
Meiner Liſilis allein
Zu beliebten dienſten ſeyn.
2. Ach wie ſehnlich ach wie offt /
Hab ich laͤngſt darauff gehofft /
DBiß50Uberfluͤſſiger gedancken
Biß des guten gluͤckes-rath
Mich damit beſeligt hat!
3. Andre konten gar zu fein
Unterweilen luſtig ſeyn /
Wann das maͤdgen hier und dar /
Als ein gaſt zugegen war.
4. Aber mir war nichts verguͤnt /
Dann ich war ein armes kind /
Und ſah kaum von fernen an /
Was von andern war gethan.
5. Nun es iſt des gluͤckes art /
Daß es manche freude ſpart /
Nur damit die luſt darbey
Endlich deſto groͤſſer ſey.
6. Jetzo bin ich wol vergnuͤgt /
Weil mein wunſch hat obgeſiegt /
Und die hand die mir gefaͤlt /
Meinen ſinn zufrieden ſtellt.
7. Alles lacht und lebt in mir /
Und ergoͤtzt ſich an der zier /
Meiner werthen goͤnnerin /
Der ich gantz ergeben bin.
8. Aber waͤr ich auch gewiß /
Ob die loſe Liſilis
Mir deßhalben auch noch mehr
Guͤnſtig und gewogen waͤr?
9. Zwar ich zweiffle nicht daran /
Weil ſie’s doch nicht laſſen kan /
Und ſie iſt mein creutz / mein blut /
Noch der alten hacke gut.
10. Jch verlaſſe mich darauff /
Auf ihr muſicanten auf /
Strei -51drittes dutzent.
Streichet biß die quinte reiſt /
Und die nacht uns wandern heiſt.

XI. Als das Maͤdgen auf eben dieſer Hochzeit nicht wolte luſtig ſeyn.

HAb ich mich nicht geſpitzt
Auf dieſes Hochzeit-ſpiel /
Und gleichwol da ich itzt
Die luſt betrachten wil /
So iſt ſie warlich ſchlecht /
Das maͤdgen wil nicht laͤchen /
Und mir iſt auch nicht recht /
So ſtehen meine ſachen.
2. Jch haͤtte mir den ſpaß
Viel beſſer eingebildt /
Doch nun wird diß und das
Die helffte kaum erfuͤllt /
Jch war von hertzen froh /
Dann ſchickt ich mich auf minen /
Da wolt ich ſo und ſo /
Das loſe kind bedienen.
3. Es hat ſich wol bedient /
Wann ſie aus lauter liſt
Sich nicht ſo viel erkuͤhnt
Und ſelber luſtig iſt;
Wann ſie den ſchoͤnen reſt
Der zeit nur wil verliehren /
Und den Saturnus laͤſt
Jn ihren ſinn regieren.
4. Jch bin zu wunderlich
Und werde flugs betruͤbt /
Wann nur ein maͤdgen ſich
D 2Ein52Uberfluͤſſiger gedancken
Ein wenig theuer giebt:
Es darff ein eintzig blick
Sich wider mich erregen /
So prall ich ſchon zuruͤck /
Und iſt mir alls entgegen.
5. Was hilffts / ich wil hinfort
Ein bißgen kluͤger ſeyn /
Und mich auff keinen ort
So uͤbermaͤſſig freu’n:
Es iſt doch mein gebrauch /
Je aͤrger ich mich ſpitze /
Je weniger wird mir auch
Der freude ſelber nuͤtze.
6. Hingegen ſo behaͤlt
Dieſelbe luſt den preiß /
Wenn daß man auff der welt
Nichts von den haͤndeln weiß
Denn alſo koͤmmt man offt
Zu angenehmen leuten /
Die einem unverhofft
Den ſchoͤnſten ſpaß bereiten.
7. Dem ſey nun wie ihm ſey /
Jtzt bin ich wol vexirt /
Und kan doch nicht vorbey /
Daß ſo ein ſtern regiert /
Jſt mein geluͤcke gut /
So will ichs bald erleben /
Daß mir das loſe blut /
Soll beſſre blicke geben.
XII. Der53drittes dutzent.

XII. Der ungluͤckſelige Garten-Courtiſan.

Er.
MEin kind ſo treff ich ſie
Jn dieſem garten an?
Sie. Ach daß er doch die muͤh
Um mich nicht laſſen kan.
Er. Jch habe ſie geſucht /
Und habe ſie gefunden.
Sie. Dadurch iſt mir die frucht
Der einſamkeit verſchwunden.
Er. Sie goͤnne mir die luſt
Und laſſe mich hinein.
Sie. Dem Herren iſts bewuſt
Jch muß alleine ſeyn.
Er. Mein kind wie iſt ſie doch
So ſauer und vermeſſen.
Sie. Mein Herr ich habe noch
Kein honig-baͤmmgen geſſen.
Er. Behaͤlt ſie ihren ſinn
Wie ſie allzeit gethan.
Sie. So geh er immer hin /
Wenn ers nicht leiden kan.
Er. Ach was vor ſtiche gibt
Sie meinem frommen hertzen.
Sie. Jn warheit es beliebt
Demſelben ſo zu ſchertzen.
Er. Jch ſtelle mich ja gar
Zu ihren dienſten ein.
Sie. Der diener wird fuͤrwahr
Vor mich zu koͤſtlich ſeyn.
D 3Er54Uberfluͤſſiger gedancken
Er. Jch wuͤnſch in ihrer pflicht
Zu leben und zu ſterben.
Sie. Ach nein / ich laß ihn nicht
So liederlich verderben.
Er. Wenn dieſes moͤglich waͤr
So doͤrfft ich zu ihr hin.
Sie. Er hoͤre wieder her /
Wann ich nicht hauſſen bin.
Er. Ein ſchoͤnes maͤdgen ſoll
So ſtrenge nicht verfahren.
Sie. Den athen moͤcht er wol
Zu einer ſuppe ſparen.
Er. So darff ich nicht zu ihr
Mein kind was mach ich nun.
Sie. Botz tauſend kan er mir
Sonſt keinen poſſen thun.
Er. Ein ſchoͤnes angeſicht
Werd ich fuͤrwahr nicht haſſen.
Sie. Mein blut! er kan doch nicht
Die complementen laſſen.
Er. Sie iſt ja roth und weiß
Mit roſen umgeſtreut.
Sie. Gewiß er hat den preiß
Der hoͤchſten hoͤffligkeit.
Er. Doch fuͤhl ich meine qual
Und wuͤnſche kaum zuleben.
Sie. Er ſag es noch einmahl /
Das war recht wohl gegeben.
Er. Jch ſag es noch einmahl /
Wie iſt ſie nun geſinnt?
Sie. Fuͤrwar das ſteht gar kahl /
Jſt er ein pfaffen-kind?
Er.55drittes dutzent.
Er. Es iſt ihr ſteter brauch /
Sie treibet ihr gehoͤne.
Sie. Hat ſeine mutter auch
Mehr ſolche kluge ſoͤhne?
Er. Was hilffts / ich ehre ſie /
Und wann ſie eiſern waͤr.
Sie. Drum war mir heute fruͤh
Das hertze noch ſo ſchwer.
Er. Jch lauff und bin doch matt /
Jch brenn / und will mich waͤrmen.
Sie. Wer keine bienen hat
Muß freylich ſelber ſchwaͤrmen.
Er. Nun meine ſeele ſoll
Jn ihrer ſeele ruhn.
Sie. Mein herr es wirds ihm wol
Ein ander hoͤltzgen thun.
Er. Fuͤrwar ich bleibe da /
Daß ich ſie nicht verliere.
Sie. Ach er gewene ja
Das maul zu anderm biere.
Er. Jedoch ſie laſſe mich
Nicht vor der thuͤre ſtehn.
Sie. Mein was bemuͤht er ſich /
Jch muß nach hauſe gehn.
Er. Nun ſo behalte ſie
Auch ihre ſtoltze weiſe.
Sie. Er ſchone ſeiner knie /
Viel gluͤcks auff ſeine reiſe.
D 4Uber -56

Uberfluͤſſiger Gedancken Vierdtes Dutzent.

I. Er troͤſtet ſich wegen ſeiner Mit-Buhler.

MEin hertze biſt du noch betruͤbt /
Dieweil das maͤdgen das dich liebt /
Auch andern ſchoͤne blicke gibt?
Ach bilde dir durchauß nicht ein /
Als wolteſt du bey ihr allein
Der hahn allzeit im korbe ſeyn.
2. Bedenck es beſſer was du thuſt /
Und wann du ja die ſuͤſſe luſt
Mit andern leuten theilen muſt /
So habe doch genug daran /
Daß kein affection-galan
Dir deinen ſpaß verwehren kan.
3. Du biſt der beſte bruder nicht /
Du haſt dein geiles angeſicht
Gar offt zu andern hingericht /
Darum mein hertz / was zuͤrnſtu viel /
Wann dich das maͤdgen durch ihr ſpiel
Mit gleicher muͤntze zahlen wil?
4. Sie nimmt ſich warlich noch in acht
Wann ſie mit andern freundlich lacht /
Daß ſie es nicht zu loſe macht /
Hergegen du biſt ſo verpicht.
Auffs liebe brod / und achteſt nicht /
Ob dich einander gleich verſpricht.
5. Kein menſch hat die beliebte krafft
Der mehr als theuren jungferſchafft
Auß ihrer jungen ſchoß gerafft /
Du57vierdtes dutzent.
Du aber frage deinen ſinn
Wo haſt du laͤngſten den gewinn
Der angebrannten keuſchheit hin.
6. Und endlich kriegſt du loſer dieb
Gleich manchen guten lungen-hieb /
Hat ſie dich doch ein bißgen lieb:
Denn ſie vertreibt die lange zeit
Mit voͤlliger zufriedenheit
Bey dir und deiner luſtigkeit.
7. Sie iſt dir nicht alleine ſchoͤn /
Drum laß die andern immer gehn /
Du kanſt den poſſen doch verſtehn.
Es koſt viel zeit eh es gelingt /
Daß dich einander uͤberſpringt /
Und ſich in deine ſtelle dringt.
8. Darumb mein hertze ſey getroſt /
Wann mancher kerle ſich erbooſt /
Und mit um deine liebe loſt /
Wo ſie dir nur gewogen iſt /
So dencke / daß du vor der liſt
Deß henckers ſelber ſicher biſt.

II. Auf einen einfaͤltigen Guͤmpel.

MEin ſchaͤtzgen iſt ein flegel /
Er ſtolpert uͤbern ſchlegel
So offt er zu mir geht /
Und zeigt mit ſeinen ſparren /
Daß er vor einen narren
Bey aller welt beſteht.
2. Er treibt ſo lahme poſſen /
Als waͤr er recht geſchoſſen
Mit groben haſen-ſchrot:
D 5Drum58Uberfluͤſſiger gedancken
Drum wer ſich muß beqvemen /
Und ihn zur ſeite nehmen /
Der hat die haͤrtſte noth.
3. Ach wann die complimenten
Wie pech und ſchwefel brennten /
So wers um uns geſchehn:
Wir haͤtten unſre gaſſen /
Da wir uns niederlaſſen /
Schon in der gluth geſehn.
4. Bald ſeh ich ihm zuſauer /
Bald heiß ich gar ein bauer /
Bald hat er ſonſten was:
Es mangelt nicht ein dreyer /
So heiſt der albre freyer
Mich gar ein raben-aaß.
5. Und doch der gute kerle
Sieht ſelbſt wie eine perle
Die auff dem miſte liegt /
Und iſt ſo truͤb und dunckel
Als wie ein ſchwartz carfunckel
Den man im ofen kriegt.
6. Bey meiner treu ich wette
Er hat im haſen fette
Biß uͤbers knie geſteckt /
Nun iſt kein hund im lande
Der ihm die groſſe ſchande
Von ſeinen ſtruͤmpffen leckt.
7. Die groſſen haſen-ohren
Die ſind ihm angebohren;
Jedoch der ſchiefer nicht /
Der hat ihn erſt geſtochen /
Als man vor wenig wochen
Das59vierdtes dutzent.
Das kirch dach angericht.
8. Das auſſerleſne ſchaͤtzgen
Begehrt wol gar ein ſchmaͤtzgen /
Und bitt mich noch ſo ſehr:
Ja / ja ihr armer teuffel /
Daran iſt gar kein zweiffel /
Hoͤrt morgen wieder her.
9. Ach ihr verliebter haſe
Jhr ſtoſſt euch an die naſe /
Kuͤſſt mir das angeſicht
Da mir die naſe mangelt /
So habt ihr recht geangelt /
Und ihr verbrennt euch nicht.
10. Ach Hans ſpann an / und fuͤhre
Den eſel vor die thuͤre /
Das haus iſt viel zu gut:
Er wird auff dieſer erden
Nun wohl nicht anders werden /
Er bleibt ein
11. Wiewol er mag es bleiben /
Und ſeine zeit vertreiben /
Wie wo und wenn er wil:
Jedoch daß ich die plagen
Faſt ſtuͤndlich muß ertragen /
Das iſt fuͤr mich zu viel.
12. Steckt ihm den kopff voll hoͤrner
Reibt ihm den ſteiß voll doͤrner /
Das maul voll theriack:
Schickt ihn mit ſolchem kleiſter
Der narren obermeiſter
Zum gruͤnen donnerſtag.
III. An60Uberfluͤſſiger gedancken

III. An die junge und wunder-ſchoͤne Salibene.

DU alte Salibene /
Mit gunſt daß ich dich hoͤhne /
Weil du dich in den gruͤnen
So hoͤflich laͤſt bedienen.
2. Dein altes angeſichte
Kan bey dem ſchoͤnſten liechte /
Wie finſtre wolcken pflegen /
Uns in den ſchatten legen.
3. Roht ſteht in purpur feine /
Doch nicht im helffenbeine:
So muͤſſen ſchoͤne minen
Dich zuverſtellen dienen.
4. Den wein wird niemand kauffen
Auch niemand wird ihn ſauffen /
Den man im faulen faͤſſern
Auß pfuͤtzen pflegt zu waͤſſern.
5. Alſo kan auch dein lachen
Uns ſchlechte freude machen /
Weil ſich in allen thaten
Daß alter muß verrathen.
6. Wir hoffen zwar auff erden
Noch ſaͤmtlich alt zu werden /
Und duͤrffen drum die alten
Nicht gar zu ſchimpflich halten.
7. Doch wann ſie jungen leuten
Jn ihren circkel ſchreiten /
Und anders als ſie ſollen
Der luſt gebrauchen wollen.
8. So muß man ihnen ſagen
Wie viel hat es geſchlagen /
Und61vierdtes dutzent.
Und ihre ſchoͤnheits-ſtralen
Mit hellen farben mahlen.
9. Die zeit iſt laͤngſt verfloſſen /
Da ſie das gut genoſſen /
Das gut das ſie verlohren /
Eh als wir ſind gebohren.
10. Wir ſehn den reiffen lentzen
Um unſre jahre glaͤntzen /
Und koͤnnen die violen
Mit unſers gleichen holen.
11. Hingegen will bey ihnen
Kein graͤßgen ferner gruͤnen /
Weil ſich an ihren wangen
Der winter angefangen.
12. Drum geh / o Salibene /
Geh fort du alte ſchoͤne /
Daß Venus mit dem knaben
Nicht mehr darff unluſt haben.
13. Halt dich zu hauſe ſtille /
Und ließ in der poſtille /
Und lerne mit dem ruͤcken
Den warmen ofen druͤcken.

IV. Wie man zuͤrnen ſoll.

MAedgen wiltu boͤſe ſeyn
So biß es immerhin /
Gleich bilde dir nicht ein /
Daß ich auch boͤſe bin.
Denn ſeh ich zwar
Offt gantz und gar
Als wie die theure zeit /
So iſt mein hertz
Doch62Uberfluͤſſiger gedancken
Doch ohne ſchertz
Noch voller Freundlichkeit.
2. Ach wie wolt ich boͤſe ſeyn
Auff dich du loſes kind?
Jch bin fromm und du biſt fein /
Drum bin ich gut geſinnt /
Und nimmſt du dir
Gleich manchmal fuͤr
Fein ſauer ausſehn /
So denck ich das
Es iſt zum ſpaß /
Und nicht aus ernſt geſchehn.
3. Maͤdgen ich bin dir verpflicht
Und bin von hertzen gut /
Einer andern ſchenck ichs nicht /
Wann ſie was eckel thut /
Ach immer hin /
Ein falſcher ſinn
Der kommt bey mir gar nicht an
Jch thaͤte dreyn
Auffs boͤſe ſeyn /
Trotz wers nicht laſſen kan!

V. Kleine Leute ſind ſo gut als die Groſſen.

JHr leute wolt ihr meiner lachen
Daß ich ein bißgen kleine bin /
So wil ich euch zuſchanden machen /
Jch dencke lachet immer hin /
Wie offte ſieht ein kleines hauß
Viel ſchoͤner als ein groſſes aus.
2. Die kleinen zobeln kommen hoͤher
Als eine groſſe beeren-haut /
Ein63vierdtes dutzent.
Ein mandel-nuͤßgen iſſt man eher
Als eine ſchuͤſſel ſauer kraut /
Und weil die kleinen lerchen gehn
So laͤſt man wohl das rindfleiſch ſtehn.
3. Ein kleines mode-huͤtgen ſtutzet
Mehr als ein babilonſcher thurm /
Ein kleines ſeidenwuͤrmgen nutzet
Mehr als ein groſſer regen wurm /
Der beſte ſammt hat kleiner maß
Als wohl der grobe cannefaß.
4. Manch buͤbgen hat zwar kurtze bein /
Und macht doch einen guten tantz /
Manch fuͤchſgen iſt von anſehn kleine
Und hat doch einen groſſen ſchwantz /
Den kleinſten hunden haͤnget man
Die allergroͤſten kloͤppel an.
5. Und dieſes laͤugnet warlich keiner /
Ein reſolvierter kerl iſt jo
Jn kleinen duodez viel feiner
Als ſo ein narr in folio.
Ein kleiner hat ein loſes maul /
Hingegen ſind die groſſen faul.
6. Wie war es in dem paradieſſe /
Da Adam zu der Eva kam /
Und ſie als ſeine zuckerſuͤſſe
Vergnuͤgung in die armen nahm /
Und als das hoͤchſt-verliebte paar
Ein Maͤnnlein und ein Fraͤulein war.
7. Nach dieſem iſt es ja geſchehen /
D ſich ein weibgen ohngefehr
An einen ochſen hat verſehen /
Da kommen nun die groſſen her:
Drum64Uberfluͤſſiger gedancken
Drum bleibt die art auch unverruͤckt /
Und ſie ſind etwas ungeſchickt.
8. Jch wil gar gerne kleine bleiben /
Ein ander kerle mag ſich nun
Jn Goliats regieſter ſchreiben /
So wil ich doch nicht furchtſam thun /
Der kleinſte zwerg iſt gleich ſo gut
Als auch der groͤſte

VI. Phillis muß einen haben / der wie milch und blut ausſieht.

MAedgen muſt du mich betruͤben /
Kanſt du meinen treuen ſinn
Nicht ein bißgen wieder lieben /
Weil ich doch dein diener bin?
Ach es kommt mir nicht ſo gut /
Jch bin nicht wie milch und blut.
2. Bring ich gleich die jungen tage
Mit verliebten ſorgen zu /
Hab ich doch vor meine plage
Keine vielgewuͤnſchte ruh /
Denn es koͤmmt mir nicht ſo gut /
Jch bin nicht wie milch und blut.
3. Das iſt noch mein ungeluͤcke
Und die allerſchwerſte pein /
Daß ich meinen feind erblicke
Wo ich gerne wolte ſeyn /
Dieſem koͤmmt es nun ſo gut /
Denn er iſt wie milch und blut.
4. Niemand darff dir zu gefallen
Einen liebes trempel gehn /
Denn der eſel iſt fuͤr allen
Doch65vierdtes dutzent.
Doch in deinen augen ſchoͤn /
Ach es koͤmmt ihm trefflich gut
Weil er iſt wie milch und blut.
5. Nun ich bin ohn allen zweiffel
Auch nicht eine fleder-mauß /
Jch ſeh auch nicht wie der teuffel
Oder ſonſt ein wetter aus
Alles / alles waͤre gut /
Waͤr ich nur wie milch und blut.
6. Ach wer will mich ſchoͤner mahlen /
Kommt ihr meiſter / kommt hieher /
Gerne will ich euch bezahlen /
Wann es tauſend thaler waͤr /
Trauet mir / mein geld iſt gut /
Mahlt mich nur wie milch und blut.
7. Nun da will ich brave ſtutzen
Als ein kerl von raiſon /
Da will ich mich beſſer butzen
Als ein kleiner Fuͤrſten-Sohn /
Dann da werd ich gleich ſo gut
Wann ich bin wie milch und blut.
8. Doch dieweil ich mehr begehren /
Mehr von hertzen wuͤndſchen kan /
Als mein gluͤcke will gewaͤhren /
Seh ich meinen unſtern an /
Ach es koͤmmt mir nicht ſo gut /
Jch bin nicht wie milch und blut.

VII. Er giebet ſich uͤber den verluſt ſeiner geliebten Marilis zufrieden.

WAs gedenckſt du liebes hertze?
Darffſt du nicht zum maͤdgen gehn?
EMuß66Uberfluͤſſiger gedancken
Muß ſie deinem freyen ſchertze
Halb gezwungen widerſtehn?
Gib dich nur gedultig drein /
Du kanſt doch wohl luſtig ſeyn.
2. Laß den blinden eyfer ſchelten /
Und verbleibe wohlgefaſſt /
Alles doppelt zu entgelten /
Was du nicht verdienet haſt:
Uberwinde den verdacht /
Welcher dich gehaͤſſig macht.
3. Schuͤtze mir dein gut gewiſſen
Und der ſeelen unſchuld fuͤr /
Wirſtu was verlieren muͤſſen /
So gedencke daß du hier
Noch auf eine kurtze friſt
Fuß zu halten willens biſt.
4. Wirff die augen auch zuruͤcke
Auff das allererſte jahr /
Als dein eingebildtes gluͤcke
Noch in weitem felde war /
Haſt du da von keiner luſt
Eben als wie itzt gewuſt.
5. Drum ſo gib dich bald zufrieden /
Denn der ungebundne geiſt
Wird von dir nicht abgeſchieden /
Biß der lebens-faden reiſt /
Deſſen freyheit ſtellet dir
Zeugs genug zum lachen fuͤr.
6. Doch es ſchmaͤckt gewaltig ſuͤſſe /
Wann die edle freundlichkeit
Durch die gruͤß und gegengruͤſſe
Sich von tag zu tag erneut /
Wann67vierdtes dutzent.
Wann der arm den leib umſchlingt /
Und der mund die ſeele zwingt.
7. Jſt auch irgend eine freude /
Die uns alſo ſanffte thut:
Ach wie wallt das eingeweide
Wie erzittert marck und blut /
Wann die liebſte ſich geneigt /
Nur in bloſſen minen zeigt.
8. Schweig mein hertz / was wilſt du machen /
Dencke nur nicht mehr daran:
Haben dir die ſuͤſſen ſachen
Ja vor dieſem wohl gethan
Ey ſo ſtelle ſchertz und pein
Nach des gluͤckes willen ein.
9. Wilſt du dich an eine binden?
Nein du wirſt die gantze welt /
Voll verliebter ſeelen finden /
Wo dir ja ſolch thun gefaͤllt:
Eine ſchad fuͤrwahr nicht viel /
Jmmerhin was lauffen wil.
10. Suche deine guten bruͤder /
Nimm die karten und ein glas /
Singe neue poſſen-lieder /
Seele wie gefaͤllt dir das?
Gelt es geht ſo lieblich ein
Als wann wir beym maͤdgen ſeyn?

VIII. An ſein Maͤdgen / als er anderswo mit der magd geloͤffelt hatte.

ACh meiner ſeelen ſeele!
Siehſt du nicht ſauer aus /
Daß ich ein fremdes haus
E 2Zu68Uberfluͤſſiger gedancken
Zu meiner luſt erwehle /
Und daß ich einen feuchten kuß
Von ſchlechten lippen borgen muß?
2. Ach koͤmmt dein ſchoͤner ſpiegel
Mir nicht im traume fuͤr /
Jndem ich deine zier
So einen hoͤllen-riegel
Nicht ohne guten vorbedacht
Mit meinem loͤffeln gleich gemacht?
3. Ach zeucht mich nicht dein eyfer
Jn den gewiſſens-ſtreit /
Weil noch die feuchtigkeit
Von dieſem fremden geifer
Auff meinen ſchnoͤden lippen liegt
Und mich ſo wunderlich vergnuͤgt?
4. Verzeih mir meine ſchoͤne /
D ich ohn unterſcheid
Mich nach der freundlichkeit
Gemeiner maͤdgen ſehne /
Und gieb mir keinen ſchlimmen danck
D iſt mein bloſſer uͤbergang.
5. Jch muß mich ja ergetzen /
Sonſt bin ich viel zu klug /
Daß ich den waſſer-krug
Will vor das wein-glas ſetzen /
Du wirſt indeſſen doch allein
Mein hertz und meine fuͤrſtin ſeyn.
6. Jch liebe dich im hertzen /
Die lippen ſind mir frey /
Die moͤgen wol dabey
Mit andern maͤulgen ſchertzen /
Wer weiß wer dich bißweilen kuͤſt /
Wann69vierdtes dutzent.
Wann du von mir entfernet biſt.
7. Darum es ſey vergeſſen /
Es iſt einmahl geſchehn /
Du haſt es nicht geſehn /
Wie ich bey ihr geſeſſen:
Und uͤber dieſes weiſt du wohl /
Wie weit ich mich verbinden ſol.
8. Du wirſt mein liebgen bleiben /
Und keine ſchoͤne luſt
Soll mir auß meiner bruſt
Dein liebs-gedaͤchtnuͤß treiben.
Jch liebe dich ohn / unterlaß /
Die andern brauch ich vor den ſpaß.

IX. Als die junge Amoͤne nicht wolte Stand halten.

AMoͤne darff ich mich erkuͤhnen
Mit meiner ſchlechten hoͤfflichkeit
Die ſuͤſſe ſchoͤnheit zu bedienen
So ſich auß ihren augen ſtreut?
Ach ſoll ich allerſchoͤnſtes bild?
A. Ach laſt mich gehn die mutter ſchilt.
2. Mein hertz ich habe ſchon die ehre
Sie anzuſprechen laͤngſt geſucht /
Sie gebe mir geneigt gehoͤre /
Sonſt bleibt mein lieben ohne frucht /
Sonſt wird mein wunſch nur halb erfuͤllt.
A. Ach laſt mich gehn / die mutter ſchilt.
3. Mein liebſtes kind ſie laſſe ſchelten /
Es geht deßwegen uns nicht an /
Der mutter lehre kan nicht gelten /
Sie hats vor dieſem ſelbſt gethan /
Sie hat ſich nicht alſo verhuͤllt.
E 3Ach70Uberfluͤſſiger gedancken
A. Ach laſt mich gehn / die mutter ſchilt.
4. Sie iſt in ihren beſten jahren /
Da muß die luſt gebuͤſſet ſeyn:
Die mutter wird nicht alls erfahren /
Sie gebe ſich doch willig drein.
Was laͤufft ſie als ein ſchoͤnes wild?
A. Ach laſt mich gehn / die mutter ſchilt.
5. Mein ſchatz / ſie ſeh doch ihres gleichen
Jn dieſer ſtadt ein wenig an /
Wie ſie mit ihren liebſten ſchleichen /
Und kehren ſich durchaus nicht dran /
Obs bey der lieben mutter gilt.
A. Ach laſt mich gehn / die mutter ſchilt.
6. So opffert ſie die ſchoͤne jugend
Der hoͤchſtbetruͤbten einſamkeit?
Was hilfft es / daß ſich ihre tugend
Bey dieſer angenehmen zeit
Mit lauter luſt und zier erfuͤllt?
A. Ach laſt mich gehn / die mutter ſchilt.
7. Jch will ſie endlich gehen laſſen /
Jedoch aus meinem hertzen nicht /
Da will ich ſie beſtaͤndig faſſen /
Biß ihr beliebtes angeſicht /
Jn gleichem liebes-feuer glimmt.
A. Ach laſt mich gehn / die mutter koͤmmt.

X. Als er von der reiſe wieder kam und ſein voriges maͤdgen nicht mehr lieben konte.

JCh haͤtt es nicht vermeint / daß bey den junggeſellẽ /
Wann ſie ſich freundlich ſtellen /
Die angemaſte treu
So wanckelmuͤthig ſey:
Weil71vierdtes dutzent.
Weil aber mein gewiſſen
Mir ſelbſt entgegen ſcheint /
Hab ich offt ſagen muͤſſen:
Jch haͤtt es nicht vermeynt.
2. Jch haͤtt es nicht vermeynt. Es ſind gar wenig
Jndeſſen angebrochen / (wochen
Alß ich ein ſchoͤnes bild
Noch vor mein labſal hielt;
Nun ſeh ich / daß mein hertze
Den handel gantz verneint /
Und ſpricht noch wohl im ſchertze:
Das haͤtt ich nicht vermeynt.
3. Doch haͤtt ichs nicht vermeynt: Denn meine ſee -
Daß ich mich ſelbſt nicht kannte / (le brante /
Jch redt / ich ſang von ihr /
Stets war ich auſſer mir:
Nun bin ich zwar geblieben
Ein bloſſer guter freund /
Doch kan ich ſie nicht lieben:
Das haͤtt ich nicht vermeynt.
4. Jch haͤtt es nicht vermeynt: als wir zuſammen
Und endlich abſchied nahmen / (kamen /
Da bildt ich mir wohl ein
Jch muͤſte traurig ſeyn.
Doch weil mir nun bey andern
Das gluͤcke guͤnſtig ſcheint /
So bin ich auch von Flandern.
Das haͤtt ich nicht vermeynt.
5. Das haͤtt ich nicht vermeynt / als ich die bangig -
Jn meiner ſeele ſtreiten (keiten
Und ſchmertzen und verdrieß
Mich ſtets beſtuͤrmen ließ.
E 4Nun72Uberfluͤſſiger gedancken
Nun leg ich alles nieder /
Und bin ihr zwar nicht feind /
Doch komm ich ihr nicht wieder /
Und haͤtt ichs nie vermeynt.

XI. Er iſt fromm / aber wenn er ſchlaͤfft.

ALs ich meiner Roſilis
Neulich an die ſchuͤrtze grieffe /
Sagte ſie mir gar gewiß /
Jch waͤr fromm / doch wann ich ſchlieffe;
Sonſten waͤr ich in der haut
Ein rechtſchaffen boͤſes kraut.
2. Ja mein liebgen / fieng ich an /
Jch geſteh es / wenn ich wache /
Daß ich es nicht laſſen kan:
Doch es iſt ſo eine ſache /
Stelle deine ſchoͤnheit ein /
So will ich nicht loſe ſeyn.
3. Uber dieſes bin ich doch
Jn dem ſchlaffe fromm und ſtille /
Drum mein engel / iſt es noch
Dein und mein beliebter wille /
Suchſt du die gewogenheit
Bloß in meiner froͤmmigkeit.
4. Ey ſo ſchlaff einmahl bey mir:
Sonſten muß ich es geſtehen /
Daß ich keinmal kan zu dir
Fromm und eingezogen gehen:
Soll ich fromm ſeyn / meine zier /
Ey ſo ſchlaf einmal bey mir.
XII. Der73vierdtes dutzent.

XII. Der Kuͤſter zu Plumpe beſchreibet ſeinen zukuͤnff - tigen eheſtand.

ES iſt nunmehr beſchloſſen
Und ich will unverdroſſen /
Hinaus auff Plumpe ziehn /
Da will ich probe ſingen /
Und mich vor allen dingen
Umb ein huͤbſch lied bemuͤhn.
2. Nach dieſem will ich ſorgen /
Ob ich heut oder morgen /
Ein ſchaͤtzgen haben kan /
Jch will ein weib erkieſen /
Denn hat es doch vor dieſen
Mein vater auch gethan.
3. Doch ſoll ſie mir gefallen /
So muß ſie auch in allen
Mich laſſen Herre ſeyn /
Sie muß zu allen ſchweigen
Und mir reſpect erzeigen /
Sonſt thaͤt ich zehnmahl drein.
4. Sie muß ſich laſſen ſchelten /
Und muß auch diß entgelten
Was ſie nicht ſchuldig iſt:
Wann ich ſie werde ſchlagen /
Muß ſie gedultig ſagen:
Schatz / daß du boͤſe biſt.
5. Jch muß im hauſe ſchmehlen /
Und gantz allein befehlen
Umb kleider / ſpeiß und tranck:
Den hals wolt ich ihr brechen /
Wenn ſie nicht wolte ſprechen:
E 5Nun74Uberfluͤſſiger gedancken
Nun GOtt ſey lob und danck.
6. Trotz / wann ichs haben wolte /
Daß ſie nicht ſprechen ſolte
Die weiſſe milch ſey ſchwartz.
Sie muß gehorſam bleiben
Und mir zu ehren glaͤuben /
Dreck waͤre fiedel-hartz.
7. Sollt ich gleich alls verſauffen
Und in die ſchencke lauffen /
So geht es ſie nichts an /
Gnug / daß ſie ihre ſachen
Jn ruh und friede machen
Und eſſen kochen kan.
8. Jch folge meinem kopffe /
Und werffe mit dem topffe
Nach frauen / kind und magd /
Wo jemand in dem hauſe /
Wenn ich zu offte ſchmauſe /
Mir was zu wider ſagt.
9. Wann ich will lerchen freſſen /
So mag ſie unterdeſſen
Jm kaͤſe luſtig ſeyn /
Geh ich zu wein und biere /
Alsdann ſo jubilire
Sie uͤbern gaͤnſe-wein.
10. Spiel ich wo in der karten
So mag ſie immer warten
Auff wucher und gewinn /
Denn werd ich viel verſpielen
So ſol ſie redlich fuͤhlen
Wie ich ſo boͤſe bin.
11. Und wann ich zwoͤlffmahl haͤtte
Zuſam -75vierdtes dutzent.
Zuſammen in das bette
Ja an ihr bein gethan /
So muß ſie dennoch kommen
Hab ich nicht einen frommen
Und wohlgerathnen mann.
12. Sie muß mein baͤrtgen buͤrſten
Wie einen jungen fuͤrſten /
Sie muß die ſchwartzen floͤh
Aus meinen hembden haſchen /
Und mir die hoſen waſchen
Wann ich auffs haͤußgen geh.
13. Sie muß mir maͤulgen geben
Und iſt es mir nicht eben
So muß ſie gar den ſteiß
Mir zu gefallen hertzen
Sonſt kan ſie leicht verſchertzen
Was ſie am beſten weiß.
14. Wolt ich ſie gar verſchencken
So darff ſie nichts gedencken
Das mir zu wieder iſt /
Sie muß ſich laſſen fuͤhren /
Kurrentzen und regieren
Nur wie es mir geluͤſt.
15. Wil ich mich von ihr ſcheiden /
So muß ſie diß auch leiden /
Wil ich zum maͤdgen gehn /
So muß ſie mit dem liechte
So lang ich es verrichte
Mir vor dem bette ſtehn.
16. Wird ſie viel kinder kriegen
Darff ſie in wochen liegen
Nur vierzehn tage lang /
Die76Uberfluͤſſiger gedancken
Die uͤbrigen vier wochen
Da muß ſie wieder kochen
Und waͤr ſie ſterbens-kranck.
17. Wird ſie in letzten zuͤgen
Und auf dem todte liegen /
So wil ich ihr voran
Die neue liebſte ſagen
Daß ich in vierzehn tagen
Zur hochzeit ſchreiten kan.
18. Und wird ſie endlich himmeln
So mag ſie vor verſchimmeln
Und auf der bahre ſtehn /
Die hunde ſollen trauren
Und mit dem plumpen bauren
Jn langen maͤnteln gehn.
19. Heran ihr lieben kinder
Jhr nehmt mich doch geſchwinder
Wann ihr ſo deutlich hoͤrt /
Wie ſchoͤn ihr ſollet werden
Mit reden und geberden /
Durch einen mann geehrt.
20. Kommt nur mit hellem hauffen /
Auff plumpe naußgelauffen
Und lacht mich freundlich an /
Jch bin ein teutſcher ſaͤnger
Der als ein ratteufaͤnger /
Die weiber haſchen kan.
Uber -77

Uberfluͤſſiger Gedancken Fuͤnftes Dutzent.

I. An ſeine wertheſte Dulcimene / als er dieſelbe vor ſeinem Abſchiede kuͤſſen duͤrffte.

DUlcimene ſoll ich kuͤſſen /
Oder bin ich viel zu ſchlecht
Reiner lippen art zu wiſſen?
Gib mir doch vor dißmahl recht:
Ein ſubtiler kuß / mein liecht /
Nimmt dir deine farbe nicht.
2. Roſen bleiben dennoch roſen /
Ob der biene gleich beliebt
Jhren blaͤttern liebzukoſen:
Drum ſey du auch unbetruͤbt /
Denn du ſolſt mein roſen ſchein /
Jch die fromme biene ſeyn.
3. Dulcimene biſt du boͤſe /
D ich endlich meinen ſinn
Von der bloͤden furcht erloͤſe /
Und ein bißgen kuͤhner bin?
Ach nimm doch den freyen lauff
Meiner luſt nicht uͤbel auff.
4. Laß mich nur / wer weiß wie lange
Du und ich einander ſehn.
Meinem hertzen iſt ſchon bange
Denn es kan gar bald geſchehn /
Daß mein ungewiſſer fuß
Frembder leitung folgen muß.
5. Jtzt bin ich noch bey den linden /
Doch es iſt des gluͤckes-ſpiel /
Welches78Uberfluͤſſiger gedancken
Welches mich von dir entbinden
Nicht mit macht entreiſſen wil /
Und ſo ſchick ich mit bedacht
Mich zur letzten guten nacht.
6. Was ich unterdeſſen lebe
Leb ich dir und meiner luſt /
Biß ich mich darein ergebe
Daß du mich geſegnen muſt /
Und wer weiß ob morgen nicht
Mir mein abſchieds urtheil ſpricht.
7. Nun dieweil wir ſtets beyſammen
Jn ergebner treu gelebt /
Und ingleichen freundſchaffts-flammen
Nach ergetzlichkeit geſtrebt /
So gedencke daß ein kuß
Unſern ſpaß verſiegeln muß.
8. Halt mein liebgen halte ſtille /
Dieſes iſt mein erſtes mal
D ich meinen wunſch erfuͤlle /
Und vielleicht die letzte zahl /
Von der angenehmen laſt
Die du mir bereitet haſt.
9. Bleib mir nur dabey gewogen /
Und gleich wie der freundſchaffts-bund
Dich noch niemals hat betrogen /
Alſo glaͤube / daß mein mund /
Welcher dich ſo furchtſam kuͤſt /
Bloͤde / doch beſtaͤndig iſt.
10. Wilſt du meiner bald vergeſſen /
So vergiß mich immerhin /
Denn weil ich am leib entſeſſen /
An der ſeele bey dir bin /
Denck79fuͤnfftes dutzent.
Denck ich doppelt / halb vor mich /
Und / mein leben / halb vor dich.

II. Als er von der Liſilis muſte wegziehen.

JHr maͤdgen von der Pleiſſe /
Die ihr mit hoͤchſtem fleiſſe
Die hoͤflichkeit ſtudirt /
Und aller maͤnner hertzen
Durch euer ſuͤſſes ſchertzen
Als wie gefangen fuͤhrt.
2. Jch muß es zwar geſtehen /
Jhr koͤnnet ſachte gehen
Und etwas hoͤhniſch ſeyn /
Doch wenn wir eure wangen
Mit voller luſt empfangen.
Geht alles lieblich ein.
3. Jhr angenehmſten kinder /
Die zeit koͤmmt mir geſchwinder
Als wind und waſſer fuͤr /
Seit ich bey geſeſſen
Und meiner ſelbſt vergeſſen /
An der beliebten zier.
4. Jch kan nicht laͤnger bleiben
Und meine zeit vertreiben /
Wie ich bißher gethan /
Nur nehmet mein verlangen
Und was ich ſonſt begangen /
Jm beſten auff und an.
5. Und wolt ihr mir gefallen /
So laſt mich unter allen
Zu erſt vergeſſen ſeyn /
Jch will mich auch bemuͤhen /
Mein80Uberfluͤſſiger gedancken
Mein hertze zu entziehen
Von aller liebes-pein.
6. Mein liebgen ausgeſchloſſen /
Die wird mir dieſen poſſen
Jn ewigkeit nicht thun /
Jch weiß / das ihr gemuͤthe
Wird voller huld und guͤte
Bey meiner ſeelen ruhn.
7. Es hat nichts zu bedeuten
Ob ſie ſich vor den leuten
Gleich anders ſtellen muß /
So wird ſie in gedancken
Mir dennoch ohne wancken
Vergoͤnnen kuß um kuß.
8. Es iſt wohl eh geſchehen
Daß ich ſie nicht geſehen
Und doch hab ich geliebt:
Die liebe ſucht ein hertze /
Das ſich im leid und ſchertze
Nicht aus dem vortheil gibt.
9. War nicht das fenſter offen
So ſenckte ſich mein hoffen
Jn ihre freuudlichkeit;
Sah ich ihr angeſichte /
So ward ich von dem liechte
Der gegenwart erfreut.
10. Ach wenns das maͤdgen wuͤſte
D ich verreiſen muͤſte /
Und ſie zugleich mit mir!
Wiewol ſie muß es wiſſen
Weil unſre ſeelen muͤſſen
Verknuͤpfft ſeyn fuͤr und fuͤr.
11. Jch81fuͤnfftes dutzent.
11. Jch kuͤſſe mit verlangen
Die allerſchoͤnſten wangen
Noch einmahl durch die lufft /
Und warte biß das gluͤcke
Mich wiederum zuruͤcke
Zu ihrer ſchoͤnheit rufft.
12. Da werd ich mich erfreuen /
Und dieſe gunſt verneuen
Die mich vergnuͤgen ſoll /
Jtzt muß ich mich entſchlagen /
Und kan nichts anders ſagen /
Als liebgen lebe wohl.

III. An ſeine Roſilis / als ihm bey ihr das Hauß verdotten ward.

LJebſte ſeele ſiehſt du nicht /
Wie ich mich allhier betruͤbe /
Weil in unſrer ſtillen liebe /
Hoffnung / raͤth und troſt gebricht /
Hoͤrſt du nicht die trauer-worte /
Manchesmal von weiten an /
Die ich an dem lieben orte /
Nicht ſo frey vergieſſen kan.
2. Liebſtes kind was machſt du doch?
Haſt du irgend unterdeſſen /
Meiner allbereit vergeſſen /
Oder denckſt du meiner noch?
Glaͤubſt du wohl in deinem hertzen /
Ob es immer moͤglich iſt /
D du noch in meinem ſchmertzen
Ein betruͤbtes labſal biſt?
3. Freylich denck ich immerdar /
FAn82Uberfluͤſſiger gedancken
An die liebe zeit zuruͤcke /
Da das wanckelbare gluͤcke /
Mir ein bißgen guͤnſtig war /
Da ich heimlich und verſchwiegen
Mehr als ein bekannter hieß /
Und mein hertzliches vergnuͤgen /
Alle tage wachſen ließ.
4. Nun iſt alles umgewandt /
An den reden und geberden
Und wir arme kinder-werden /
Endlich wieder unbekandt:
Und ſo fern wir noch zu zeiten /
Hier und da einander ſehn /
Muß es doch nur vor den leuten /
Und mit ſchlechter luft geſchehn.
5. Jch erblicke zwar dein hauß /
Doch die thuͤr iſt mir verſchloſſen /
Und es giebet keinen poſſen /
Denn die liebe luſt iſt aus /
Und weil in der menſchen ſachen
Alles nur ein weilgen wehrt /
Muß mein ſinn die rechnung machen /
Daß ers nur umbſonſt begehrt.
6. Liebſtes hertze lebe wohl /
Leb in angenehmen freuden
Weil ich doch mit angſt und leiden /
Meine ſeele ſpeiſen ſoll /
Brauche deiner ſchoͤnen jugend /
Und verſaͤume keinen tag /
Jch bin froh daß ich die tugend
Nur abweſend ehren mag.
7. Andre maͤdgen koͤnnen mich /
Schwer -83fuͤnfftes dutzent.
Schwerlich zu der liebe zwingen /
Dann ich ſeh vor allen dingen /
Liebſtes hertze nur auff dich:
Werden deine ſchoͤne gaben
Mir verriegelt und verpfaͤlt /
Will ich doch die ehre haben /
Daß mir nicht der wille fehlt.

IV. Er mag nicht mehr verliebt ſeyn.

NUn bin ich wieder frey /
Nun darff ich an die pein /
Und an die liebes-treu /
Nicht mehr gebunden ſeyn:
Ein ander mag ſich ſehnen /
Wie ich bißher gethan /
Jch blicke meine ſchoͤnen /
Mit kalten augen an.
2. Nun bin ich wieder frey /
Und ſpotte der gefahr /
Der ſtrick iſt ſchon entzwey /
Der mein gefaͤngniß war /
Die ſchoͤnſten luſt-gedancken /
Vergnuͤgen meinen ſinn /
Dieweil ich aus den ſchrancken /
Der knechtſchafft kommen bin.
3. Nun bin ich wieder frey!
Vor ließ das eitele thun /
Der blinden fantaſey
Mich wenig ſtunden |ruh’n /
Da ſtell ich mir der wangen /
Und da der augen-zier /
Mit ſehnlichem verlangen /
F 2Jn -84Uberfluͤſſiger gedancken
Jn einem traume fuͤr.
4. Nun bin ich wieder frey /
Und achte dieſes ſpiel /
Der bloſſen loͤffeley /
Als einen biernen-ſtiel.
Ade ihr ſchoͤnen kinder /
Gedenckt an euren freund /
Jch ſcheide nun geſchwinder /
Als ich es ſelbſt gemeint.
5. Nun bin ich wieder frey.
Das liebes-feuer ſtreicht
Bey mir umſonſt vorbey:
Drum weicht / ihr maͤdgen weicht /
Sucht andre maͤnner-ſinnen /
Jch ſag es ohne ſcheu /
Mich koͤnnt ihr nicht gewinnen /
Denn ich bin wieder frey.

V. Daphnis nimmt von der Roſilis Abſchied.

ACh Roſilis du ſuͤſſes kind
Wie biſtu gegen mir geſinnt /
Darff ich dich laͤnger lieben?
Wie oder ſoll ich deinen ſinn
Nicht mehr damit betruͤben /
Auff deinen willen zieh ich hin /
Nur mach es nicht ſo ungewiß /
Ach Roſilis.
2. Ach Roſilis zu deiner pein
Will ich dir nicht behuͤlfflich ſeyn /
Sollſtu deßwegen leiden /
Daß ich bißweilen umb dich bin /
So will ich dich zwar meiden:
Jedoch85fuͤnfftes dutzent.
Jedoch erklaͤre deinen ſinn /
Gefaͤllt dir jenes oder diß
Ach Roſilis.
3. Ach Roſilis wie war ich doch
So wunder-ſeelig als ich noch
Dich friedlich konnte kuͤſſen /
Nunmehr vor einer langen zeit
Haſt du dich aͤndern muͤſſen /
Als ich in meiner ſicherheit
Mir in die karte ſehen ließ /
Ach Roſilis.
4. Ach Roſilis daſſelbe mahl
Hab ich nicht eine ſchlechte qval
Jn deiner bruſt vermehret /
Und mir war auch nicht wohl dabey
So bald als ich gehoͤret
Daß ich mit dir verrathen ſey /
Du weiſt den jammer der mich ſtieß
Ach Roſilis.
5. Ach Roſilis wie hab ich mich
Seit dieſer zeit ſo wunderlich
Mit liſt an dich geſtohlen /
Man doͤrffte zwar zu mir und dir
Die haͤſcher langſam holen /
Jedoch der neid tritt uns dafuͤr
Und gibt uns manchen ſcharffen biß /
Ach Roſilis.
6. Ach Roſilis nun laſt uns auch
Ein uͤbel-angenommener brauch
Gar kaum beyſammen ſtehen /
Doch ſoll diß ſchoͤne liebes-band
So bald nicht untergehen:
F 3Jch86Uberfluͤſſiger gedancken
Jch bleibe noch in deiner hand
Mein kind und liebe dich gewiß /
Ach Roſilis.
7. Ach Roſilis nun gute nacht /
Mein groſſes ungeluͤcke macht
Daß ich dich muß verlaſſen /
Doch eh ich dein vergeſſen will
Werd ich mich ſelbſten haſſen /
Du bleibſt mein angenehmes ziel /
Mein troſt / mein leben / mein geniß /
Ach Roſilis.
8. Ach Roſilis ich werde nun
Mit dir nicht mehr ſo freundlich thun /
Wer weiß wann ich dich wieder
Jn gutem gluͤcke ſehen kan /
Jn deſſen nimm die lieder
Vor ein bewaͤhrtes zeugnuͤß an /
Dein Daphnis liebet dich gewiß /
Ach Roſilis.

VI. Er entſagt der Marilis und ihrer anmuthigen geſellſchafft.

JHr maͤdgen habt ihr meinetwegen
Bißweilen einen boͤſen ſinn /
Dieweil ich offtmahls ungelegen
Und zu der unzeit kommen bin?
Verzeiht mir nur / es iſt verſehn /
Und kuͤnfftig ſolls nicht mehr geſchehn.
2. Jch bin mit euch ſo umgegangen
Als ein bekannter guter freund /
Und alles was ich angefangen
Hab ich in einfalt gut gemeynt.
Nun87fuͤnfftes dutzent.
Nun aber werd ich durch verdacht
Beſchuldigt und verhaſſt gemacht.
3. Jhr kinder gebet euch zu frieden /
Jch wil euch nicht beſchwerlich ſeyn /
Jch habe mich von euch geſchieden
Und ſtelle mich nicht weiter ein /
Dieß ſey nunmehr das letzte lied
Damit euch meine fauſt bemuͤht.
4. Nun doͤrfft ihr weiter nichts entgeltẽ
Hat gleich mein vorwitz was gethan /
Kein menſch wird euch um etwas ſchelten
Das euch und mich betreffen kan /
Und werd ich unverſehns genannt.
So ſprecht ich ſey euch unbekant.
5. Lebt wohl ihr loſen tauſend kinder /
Jch lege luſt und kurtzweil hin:
Denn dieſes iſt mir noch geſuͤnder
Als wann ich euch verdrießlich bin:
Gruͤſſt nochmahls euer liebes hauß
Und legt mir alls zum beſten auß.
6. Jch will die gaſſen nicht betreten /
Jch will nach aller moͤglichkeit
Nicht mehr in jener kirche beten
Da ihr ſonſt anzutreffen ſeyd /
Und wo ihr etwan werdet ſtehn
Da will ich aus dem wege gehn.
7. Eins hab ich endlich ausgenommen /
Wofern ich noch verreiſen muß /
So werd ich nur noch einmahl kommen /
Damit mein frommer abſchieds gruß
Euch ſchuldigſt werde beygebracht /
Sonſt ſag ich itzo gute nacht.
F 48. Ver -88Uberfluͤſſiger gedancken
8. Verbrennt die lieder meine zeugen
Der ungefaͤrbten redlichkeit /
Lernt meinen nahmen bald verſchweigen /
Vergeſſet meiner wo ihr ſeyd.
Es iſt genung / ich denck an ſie /
Mit mir verlohnt ſichs nicht der muͤh.

VII. Verwirte Reiſe-Gedancken.

NUn weiß ich weder aus noch ein /
Vor der bedraͤngten ſeelen-pein /
Dann mein verhaͤngnuͤß macht den ſchluß /
Daß ich aus ---- wandern muß.
Ach ſeele was betruͤbſt du dich /
Warumb iſt dir ſo wunderlich /
Was iſt denn nun dieſelbe luſt /
Die du zuruͤcke laſſen muſt?
2. Jſt es die wunder-ſchoͤne ſtadt:
So dich bißher ergetzet hat?
Ach nein / vielleicht iſt anderswo /
Der ſtaͤdte zierrath eben ſo:
Beliebt dir die gelegenheit /
Zu aller zarten hoͤflichkeit /
Ach nein / ich habe dieſen pracht /
Der heucheley vor laͤngſt veracht.
3. Willſtu dem Pindus hier allein
Ergeben und verbunden ſeyn?
Ach nein / ich habe gnug ſtudirt /
Wer viel kalmeuſert / wird verfuͤhrt.
Du ſihſt vielleicht die ſtellen an /
Dahin man dich befoͤrdern kan?
Ach nein / die kunſt iſt doch bekannt /
Und findet wohl ihr vaterland.
4. Macht89fuͤnfftes dutzent.
4. Macht dir die ſchoͤne compagnie
Des frauenzimmers ſolche muͤh?
Ach nein / es iſt die gantze welt /
Mit ſolcher zucht durchaus beſtellt.
Jſt etwan hier ein bruder-ſpiel /
Das dir nicht aus dem ſinne will?
Ach nein / auf einer fremden bahn /
Trifft man auch gute bruͤder an.
5. Jſt irgend ein vertrauter freund /
Der dich von gantzen hertzen meint?
Ja wohl / doch ihn verlier ich nicht.
Verlier ich gleich ſein angeſicht.
Ach meine ſeele ſage doch /
Was druͤckt dich ſonſten vor ein joch?
Du biſt betruͤbt / was iſt denn diß?
Nichts / freylich nichts / als

VIII. An Gritgen.

G Unſt-geneigtes tugend-bild /
Ruh und friede meines hertzens.
Ietzund da ſich alles ſchmertzens /
Troſt und ruh in dich verhuͤllt /
Gib mir doch den abſchieds-kuß /
Eh dich mein betruͤbter gruß /
Noch einmahl erinnern muß.
2. Gib der ſchoͤnen augen-ſpiel
Rein und lieblich anzuſchauen /
Itzt da ich von dieſen auen
Traurig abſchied nehmen will:
Glaͤntze nur zu mir herein /
Eben als wann dieſer ſchein /
Nun mein leit-ſtern ſolte ſeyn.
F 53. Gib90Uberfluͤſſiger gedancken
3. Gib die wangen / liebſtes kind /
Recht und niedlich lieb zu koſen /
In der zier / da nechſt den roſen /
Tulpen und narciſſen |ſind /
Gib den mund da mir der ſafft
Einer honig-ſuͤſſen krafft /
Nicht geringen troſt verſchafft.
4. Gute nacht ich werde dir /
Ruhm und ſchoͤnen danck zu wiſſen /
In dem hertzen ſeyn befliſſen.
Tugend deine pracht und zier
Glaͤntzt an ihren ſtralen voll
Eben da ich reiſen ſoll /
Nun ich ſcheide / lebe wohl.
5. Geh und wachſe ſpat und fruͤh /
Reich an ſeegen / reich an gluͤcke.
Itzt da ich zur reiſe ſchicke /
Thu mir noch die courteſie /
Guͤldnes kind / und laſſe du /
Endlich mir die letzte ruh /
Nur auff deinen lippen zu.

IX. Jn eines andern nahmen.

DRey Sommer ſind vergangen /
Dreymahl hat ſich das leyd
Des Winters angefangen /
Seyt meine junge zeit /
Der werthen Linden-Stadt /
Sich gantz ergeben hat.
2. Soll ich die zeit beſinnen /
Die nun verfloſſen iſt /
So iſt ſie zwar von hinnen
Als91fuͤnfftes dutzent.
Als eine kurtze friſt:
Doch iſt mir manche luſt /
Annoch davon bewuſt.
3. Jch kenne die perſonen /
Die mir zu jeder zeit /
Beliebten beyzuwohnen /
Mit rechter freundlichkeit /
Jch kenne manchen freund /
Der es recht gut gemeynt.
4. Nun werd ich muͤſſen ſcheiden /
Auff meiner freunde rath /
Und werde muͤſſen meiden /
Was mich ergoͤtzet hat /
Der ſchluß iſt ſchon gemacht /
Jch ſage gute nacht.
5. Wiewohl was ich verlaſſe /
Betruͤbt mich alles nicht /
Weil ich die hoffnung faſſe /
D mich des himmels liecht
Auff einer frembden bahn /
Mit freuden ſegnen kan.
6. Nur eins macht mir gedancken /
Gar gerne ſag ichs nicht /
Doch weil die noth den ſchrancken
Der bloͤden liebe bricht /
Mein kind / ſo beicht ich raus /
Es iſt ein liebes-haus.
7. Dein haus haͤlt mich zuruͤcke /
Da mich die ſuͤſſe laſt /
Der allerſchoͤnſten blicke /
So hefftig angefaſt /
Daß ich den letzten gruß /
Nur92Uberfluͤſſiger gedancken
Nur ſchrifftlich bringen muß.
8. Was hab ich nicht vor freude /
Mein kind bey dir gehabt /
Seyt deiner augen-weide /
Mich und mein hertz gelabt /
Seyt ich in meinem ſinn /
Dein ſteter diener bin.
9. Doch nun iſt es geſchehen /
Wer weiß wann ich dich kan
Mit freuden wieder ſehen /
Drum nimm den abſchied an /
Den ich dir itzt gebracht /
Zu tauſend guter nacht.
10. Gedencke mein im beſten /
Jch ſey auch wo ich ſey /
Und dencke meiner feſten /
Und unverwandten treu /
Jtzt iſt der ſchluß gemacht /
Jch ſage gute nacht.

X. Daphnis beklagt ſich / die Fillis habe in einer gegenwart den Strefon gekuͤſt.

ACh mein leben toͤdtet mich!
Fillis will nichts von mir wiſſen /
Und hingegen laͤſſt ſie ſich /
Weil ich da bin / andre kuͤſſen:
Wann der ſtoltze Strefon will
Sich zu ihren lippen legen /
Kommt ſie ſelbſt ihm halb entgegen /
Und befoͤrdert ihm das ſpiel.
2. Doch ich armer Daphnis muß
Boͤſes ſehn / und gutes dencken /
Denn93fuͤnfftes dutzent.
Denn es will kein feuchter kuß /
Meine duͤrre lippen traͤncken;
Mein verhaͤngnis troͤſtet wohl /
Daphnis ſey du nur gedultig /
Fillis bleibt dir etwas ſchuldig /
Das dir endlich werden ſoll.
3. Unterdeſſen ſteckt mein ſinn /
Zwiſchen eyfer / ſcham und liebe /
Daß / indem ich luſtig bin /
Jch mich ebenfalls betruͤbe.
Stell ich meine freundſchafft ein /
Oder bleib ich ihr ergeben?
Soll ich auff ihr falſches leben
Guͤnſtig oder boͤſe ſeyn?
4. Weicht ihr augen / kehrt euch weg /
Wolt ihr meine treu verfluchen /
Oder einen frembden fleck
Auff dem falſchen muͤndgen ſuchen?
Schliſſt die ſchwachen lieder zu /
Denn ich brauch euch nur zur ſtraffe /
Gebt mir lieber als im ſchlaffe /
Finſtre doch gewiſſe ruh.
5. Aber bleibt nur immer da /
Soll ich mich nur aͤrger ſtraffen /
Jhre zier beliebt mir ja /
Drum ſo doͤrfft ihr auch nicht ſchlaffen /
Sonſt verdoppelt ihr die noth /
Cilt und oͤffnet eure lieder
Und erblickt die ſchoͤne wieder /
Denn wo nicht / ſo bin ich tod /
6. Jſt es ja ſo weit geſchehn /
Ach ſo wil ich ihr geſichte /
Lieber94Uberfluͤſſiger gedancken
Lieber falſch als gar nicht ſehn /
Alldieweil ich mich verpflichte /
Daß die Fillis ihre ſtadt /
Ohne liederliches wancken
Zwar zufoͤrderſt die gedancken /
Doch im augen gleichfalls hat.
7. Fillis aber dencke nach
Willſt du meine noth verlachen
Und durch ſolches ungemach
Mir das leben ſauer machen?
Nun ſo thu es immerhin
Doch daß ich nicht alles wiſſe /
So verſpahre deine kuſſe /
Biß ich nicht zugegen bin.

XI. Des Strefons Loͤbgen hat den armen Florindo bey ſeiner Roſilis außgebiſſen.

JCh armer ſchweiß! nun muß ich wandern /
Das gluͤcke ſieht mich ſauer an /
Und koͤmmt nunmehr zu einem andern /
Der beſſer courtiſiren kan /
Mein freuden-kleid iſt gar zerriſſen /
Das Loͤbgen hat mich außgebiſſen.
2. Was hilffts! ſol ich mich lange kraͤncken?
Jch darff an die vergangne zeit
Doch nicht ſo kuͤhnlich wieder dencken /
Dieweil ich doch in ewigkeit
Den poſſen werd erdulden muͤſſen /
Daß mich ein hund hat außgebiſſen.
3. Ja beiß / daß dir die zaͤhne krachen /
Du elementſches raben-aas /
Wilſt du dich an die herren machen /
So95fuͤnfftes dutzent.
So wuͤnſch ich dir / ich weiß nicht was:
Jch moͤcht es hertzlich gerne wiſſen /
Warum du mich haſt ausgebiſſen.
4. Ach beiß die kerlen vor zu todte /
Die mir nach meiner liebſte ſtehn /
Und die wir auff die neue mode
So ſchoͤn in meinem haber gehn:
So haſt du dich darauff befliſſen /
Und mich am erſten außgebiſſen.
5. Die hunde fahren ſonſt die diebe /
Nicht aber meines gleichen an /
Diß haſt du deinem Herrn zu liebe
Und mir zum ſchabernack gethan /
Drum werd ichs auch zu ruͤhmen wiſſen /
Du haſt mich unrecht ausgebiſſen.
6. Nun muß ich manchen praler hoͤren
Der ſich hingegen eingeliebt /
Und wie er ſpricht / in allen ehren
Ein maͤulgen nach dem andern giebt /
Und meine frundſchafft iſt zerriſſen /
Weil mich der hund hat außgebiſſen.
7. Wolan ich gebe mich gefangen /
Jch bin ein armer untermann.
Und weil ich nicht ſo trefflich prangen
Noch mein geluͤcke ruͤhmen kan /
So muß ich auch den ſpaß vermiſſen.
D loͤbgen hat mich außgebiſſen.
XII. Eine96Uberfluͤſſiger gedancken

XII. Eine warhafftige Hiſtorie / vorgeſtellet in einem geſpraͤche zwiſchen Florindo und ſeiner Roſilis.

Florindo.

BUten abend liebſtes kind / Jſt es mir einmahl verguͤnnt / Ach ſie gebe mir bericht / Darff ich oder darff ich nicht?

Roſ.

Loſes kind / wer ſagts dann euch? Jtzund ſchlaͤfft die mutter gleich / Wolt ihr fromm und ſtille ſeyn Nun ſo kommet immer rein.

Flor.

Liebſte ſie verzeihe mir / Jch verfuͤge mich zu ihr / Mach ich ihrer ruh und raſt Etwan einen uͤberlaſt?

Roſ.

Seyd willkommen ſeltner gaſt / Sagt von keiner uͤberlaſt / Sagt vielmehr mit was vor recht / Jhr uns alſo ſelten ſprecht.

Flor.

Weil es offtermahl geſchieht / D die mutter ſauer ſieht / Ach wie gerne kaͤm ich her / Wann die mutter beſſer waͤr.

Roſ.

Ja wenn man nicht weiter kan / Klagt man nun die mutter an / Sagt ob nicht die liebes-liſt Uber meine mutter iſt?

Flor.

Furcht vermiſcht ſich mit der liſt / Ach wo nichts zu fuͤrchten iſt / Und die liebe ſiehet an Alles was ihr ſchaden kan.

Roſ.97fuͤnfftes dutzent.
Roſ.

Mein Florindo geht gemach / Denckt den ſachen beſſer nach / Denn zu unſer freundlichkeit Giebts ja noch gelegenheit.

Flor.

Dieſes muß ich auch geſtehn / Weil ich itzt zu ihr darff gehn / Ach wie lang iſt mir die zeit Worden in der einſamkeit.

Roſ.

Ja ein junggeſelle muß Unerhoͤrten uͤberdruß Leiden in der einſamkeit / Denn die jungfern ſind ſo weit.

Flor.

Was vor jungfern? nennt ſie mir / Meine jungfer hab ich hier / Auſſer ihr iſt keine luſt Meiner ſeele mehr bewuſt.

Roſ.

Ach du falſche zunge du / Spricht das hertz auch ja darzu? Zwar es iſt gar bald verricht / Seht mich an und lachet nicht.

Flor.

Liebſtes kind es lacht ſich nicht / Wann ſie mir ſo wider ſpricht / Ach wo treff ich reden an / Daß ich mich erklaͤren kan?

Roſ.

Rechte liebe ſieht den mann / Nicht verbluͤmte reden an / Und die ſuͤſſe freundſchaffts-pflicht Die beſteht in worten nicht.

Flor.

Bin ich ihr zu unbekand / Fodert ſie dannoch ein pfand / Seit mein hertze / daß ſie liebt / Sich in ihre haͤnde giebt?

GRoſ.98Uberfluͤſſiger gedancken
Roſ.

So tyranniſch bin ich nicht / Euch zu ſchaden abgericht: Ach behalt das hertze ja / Sonſt ſeyd ihr dem tode nah.

Flor.

Wann mein hertz daſelbſten ſchwebt Wo die ſchoͤnheit ſelber lebt / Fuͤrchtet ſich mein lebens-licht Vor der nacht des todes nicht.

Roſ.

Nun was ſchwatzt der loſe mund? Setzt ihr euers lebens-grund Bloß in meiner ſchoͤnheit ein / Koͤnnt ihr ſchlecht verſichert ſeyn /

Flor.

Warlich ihre ſchoͤnheit iſt / Die das leben mir verſuͤſt / Und die mir auch da gefaͤllt Wann ſie ſich zu wider ſtellt.

Roſ.

Eure worte ſind zwar gut / Aber ach ihr falſches blut / Wiſſt ihr auch / was ihr der magd Neulich hat von mir geſagt.

Flor.

Ach die maͤgde duͤrffen nicht Wiſſen wie die liebes-pflicht Und wie weit der treue ſchluß Sich bey uns erſtrecken muß.

Roſ.

Gleichwohl hab ich jene nacht Ohne ſchlaffen zu gebracht / Und darzu wer ſchertzen wil / Nimmt die wahrheit mit ins ſpiel.

Flor.

Jhr zu ehren glaub ich was / Doch die magd das raben-aas Hat vielleicht die ſachen nicht Mir nach willen ausgericht.

Roſ.99fuͤnfftes dutzent.
Roſ.

Mein verzeiht mir was ich thu / Ach ich trau es euch nicht zu / Nehm[e]den ungereimten ſchertz Nur wohl auff mein liebſtes hertz.

Flor.

Jch bin ihr verbundner knecht Und zu allen ſachen recht / Sie thut mir keinmahl zu viel / Wann ſie mit mir ſchertzen wil.

Roſ.

Nun ſo bin ich eure magd / Weil ihrs gleichwohl habt gewagt / Und verſprochen ohne ſchein / Daß ihr wollt mein knechtgen ſeyn.

Flor.

Die vergnuͤgung nimmt mich ein / Daß ich als ein todter ſtein Nicht ein woͤrtgen ſprechen kan / Ach ſie nehme dieſes an.

(oſculatur.)
Roſ.

Ey ihr vorwitz kommt ihr nun / Koͤnnt ihr wieder freundlich thun / Kommt mir nur nicht mehr ſo nah / Seht ihr meine nadel da.

Flor.

Das iſt noch ein guter kauff / Meiner treu ich wag es drauff / Und erſchrecke warlich nicht / Wann mich ihre nadel ſticht.

(oſc.)
Roſ.

Wie zum tauſend ſchlapperment Habt ihr euch nicht genug verbrennt / Seht da habt ihr einen ſtich / Weſſentwegen hertzt ihr mich?

Flor.

Nun die ſtraffe nehm ich an / Gleichwohl hab ichs gern gethan /G 2Dann100Uberfluͤſſiger gedanckenDann ihr angenehmer mund Hat mein hertze ſo verwundt.

(oſc.)
Roſ.

Nadeln her ein ſaͤckgen voll Wo ich immer ſtechen ſoll! Daß ihr doch ſo loſe ſeyd / Denckt die mutter iſt nicht weit.

Flor.

Liebgen ach was wehrt ſie ſich / Sie gedencke doch an mich / Es iſt ja nicht ſtets ein tag / Daß ich ſie umbfangen mag.

Roſ.

Nun es ſteh euch alles frey: Nur gedencket diß darbey / D ihr ja nicht ſtaͤrcker ſchreit / Dann die mutter iſt nicht weit.

Flor.

Denn befehl nehm ich in acht / Dann was mich gluͤckſelig macht Kan ich ohn ein eintzig wort Mir erwerben fort und fort.

Roſ.

Schweig mein kind / und kuͤſſe mich / Oder ſonſten kuͤß ich dich. Ach du loſer hertzens-dieb / Haſt du mich rechtſchaffen lieb?

Flor.

Freylich bin ich recht verliebt / Und was ſie zu koſten gibt / Das verſichert meine brunſt Einer rechten gegen-gunſt.

Roſ.

Hoͤrt / dort koͤmmt die mutter raus / Geht doch unbeſchwert hinaus / Ach nehmt euch ja wohl in acht / Liebſtges hertzgen gute nacht.

Flor.

Nun mein liebſtes tauſend-kindSie101fuͤnfftes dutzent.Sie verbleibe ſo geſinnt / Wie du mich verliebt gemacht / Liebſtes taͤubgen gute nacht.

Roſ.

Morgen kommt ihr ungefehr Um die ſtunde wieder her / Nehmt die zeit nur wohl in acht / Unterdeſſen gute nacht.

Flor.

Nimm den heiſſen abſchieds-kuß / Weil ich dich verlaſſen muß / Wegen meiner liebes-macht / Liebſtes ſeelgen gute nacht.

Roſ.

Du nimm diß dargegen hin / Und gedencke daß mein ſinn Dir zu dienen iſt bedacht / Liebſtes Schneutzgen / gute nacht.

Flor.

Jſt das nun das letzte wort? Freylich / freylich muß ich fort / Da mein gluͤck am beſten lacht / Schoͤnſtes Liebgen / gute nacht.

Roſ.

Jtzund gehſt du zwar von mir / Doch mir traͤumet ſtets von dir / Biß die morgenroͤthe lacht / Ach mein Liebgen / gute nacht.

Flor.

Wo ich dieſe nacht nicht bin / Schick ich liebes-ſeufftzer hin: Bin auff morgen nur bedacht / Ach mein Laͤmgen / gute nacht.

Roſ.

Weil ich morgen dencken kan / Seh ich auch mein leid nicht an: Doch fuͤrwahr die mutter wacht / Ach mein Engel / gute nacht!

G 3Uber -102

Uberfluͤſſiger Gedancken Sechſtes Dutzent.

I. Des Florindo Schreiben an ſeinen vertrau - teſten Fillidor.

MEin bruder lebſt du noch / wie daß du mir nicht ſchreibſt
Uñ noch zum wenigſten mein freund in bꝛiefen bleibſt?
Jch ſitze faſt ein jahr nun wieder bey den Linden /
Und laſſe mich die luſt zu ſchoͤnen kuͤnſten binden /
Doch hab ich keinen brief von deiner hand geſehn /
Und gleichwol koͤnte mir kein groͤſſer dienſt geſchehn.
Denn ſolt ich dieſen nicht von reinem hertzen lieben /
Dem ich aus wahrer treu das hertz einmahl verſchrieben /
Und zwar in junger zeit da ſich die zarte glut
Durch einfalt / lieb und luſt biß in das tieffſte blut /
Ja in die ſeele ſetzt? ich muß es ja geſtehen /
Jch habe gute macht mit andern umzugehen /
Die ſchoͤn und freundlich thun: man gibt mir offt die hand /
Verſchweret und verflucht den leichten unbeſtand
Und trinckt auf bruͤderſchafft: doch wan̄ die complimenten /
Die in dem munde ſich / auch in dem hertzen brennten /
So waͤr es gut genug / der falſche heuchelſchein
Der faſt ein handwerck wird / der heiſt mich furchtſam ſeyn.
Jch ſelbſten bin alſo / ich geb an manchen orte
Wohl meinem feinde ſelbſt die allerſchoͤnſten worte
Jch kuͤß ihm gar die hand / und ſtelle meine pflicht
Zu ſeinen dienſten hin / und dennoch mein ichs nicht.
Die mode bringts ſo mit / wiewohl bey ſolchen ſachen
Kan ich auf keinen freund gewiſſe rechnung machen:
Deum bleib ich in mir ſelbſt / und bin darbey vergnuͤgt /
Daß mir die heimlichkeit im hertzen ſtille liegt /
Ach bruder waͤrſt du hier / dir woͤlt ich mich vertrauen /
Jch wolt auf deine treu die ſtaͤrckſten thuͤrme bauen:
Und wie du ſonſt mein hertz in deinen haͤnden haſt /
So ſolte keine luſt und keine ſorgen-laſt
Mir angelegen ſein / ich wolte dich erbitten /
Und103ſechſtes dutzent.
Und dir in deinen ſchos den halben antheil ſchuͤtten.
Jtzt kuͤß ich dich / mein freund / viel meilen durch die lufft
Und ſchicke dir den gruß / der deine liebe rufft /
Der dein gedaͤchtnuͤß reitzt / wofern du ſo vermeſſen /
Und unbeſtaͤndig biſt / daß du mich haſt vergeſſen:
Doch mein / verzeihe mir / du liebes hertze du /
Ach nein / ich traue dir kein ſolches laſter zu.
Dem ſey nun wie ihm ſey / ich kan dich doch verſichern /
Wann ich zu bette geh / wan ich bey meinen buͤchern /
Wann ich beym maͤdgen bin / ſo faͤllt mir dieſes ein /
Wo muß mein Fillidor doch dieſe ſtunde ſeyn?
Du angenehmer dieb / du haſt mir diß geſtohlen /
Was niemand anders wird aus meinem leibe holen /
Und haͤtt ichs noch bey mir / ſo ſag ich rund und frey /
Jch wuͤnſchte nichts ſo ſehr / als deine dieberey.
Wiewohl ich bitte dich / ſind wir vertraute bruͤder /
So ſchicke mir mein hertz nur um die helfte wieder.
Worzu? ach frage nicht / es zeucht mich ein magnet
Der mit verſuͤſter krafft nach meinen hertzen ſteht.
Er ſetzt mir hefftig zu / und ſucht ein tuͤchtig eiſen /
Daran er ſeine krafft vollkommen wil erweiſen;
Jnzwiſchen hab ich ihm den leeren platz beſtimmt /
Biß daß ein pack von dir die pleiſſe runter ſchwimmt.
Ach koͤnnte nur ein brief vor andern leuten ſchweigen /
Jch wolte dir von mir ſo einen abriß zeigen
Als kein Apelles nicht / ich weiß nun was die ſtadt
Die werthe linden-ſtadt vor luſt-vergnuͤgung hat.
Komm du nur ſelbſt zu mir / ſo wollen wir uns letzen /
Und unſre liebes-glut in friſcher koſt ergetzen.
Jndeſſen liebſtes haupt verſichre deinen ſinn /
Jch bleib in dich verliebt weil ich Florindo bin.

II. Die unverroſtete Liebe.

DJe erſte liebe roſtet nicht /
Wann zwey verliebte ſeelen
Ein ander in getreuer pflicht
Zu dieſer zeit erwaͤhlen /
G 4Da104Uberfluͤſſiger gedancken
Da noch die zarte gluth vielleicht
Nach keinen fremden feuer raͤucht.
2. Dann wo ſie ihren fuͤſſen ſtand
Bald erſtlich hat erkohren /
Da iſt ihr liebſtes vatterland
Da wird ſie neu gebohren /
Da trifft ſie luſt und nahrung an /
Dadurch ſie ſich vermehren kan.
3. So bald ſie aber anderwerts
Die heiſſen ſtrahlen lencket /
Und an ein unbekanntes hertz
Die luſt-begierden hencket /
So koͤmmt ſie in ein fremdes land
Und ſetzt den grundſtein auff den ſand.
4. Es darff ein ſchlechter wirbelwind
Ein kleines luͤfftgen raſen /
So wird das weſen gar geſchwind
Jn einen klump geblaſen /
Alsdenn ſo muß der ſtaͤrckſte wein
Des ſchaͤrffſten eßigs vater ſeyn.
5. Dem erſten liebſten bleib man gut /
Und wann man unterweilen
Gleich anders redt und anders thut /
Will doch der ſchmertz nicht heilen /
Es bleibt ein kleiner auffenthalt /
Der immer in dem hertzen wallt.
6. Es muͤſt ein ſchlechtes maͤdgen ſeyn
Das wir nicht ſolten lieben /
Wann ſie uns zu der ſuͤſſen pein
Hat erſtlich angetrieben /
Wann es bißweilen anders ſcheint /
Sind die gedancken doch ihr freund.
7. Jch105ſechſtes dutzent.
7. Jch fuͤhle meinen erſten pfeil
Noch immer in den hertzen /
Der nimmt noch ſein beſcheiden theil
Von meinen zarten ſchmettzen /
Und ob mirs gleich nicht werden kan /
So denck ich doch mit luſt daran.
8. Jch kan mich endlich ſcharff verliebt
Bey allen maͤdgen ſtellen /
Und die ein bißgen anlaß gibt /
Kan leicht mein hertze faͤllen /
Doch keine blickt mich ſuͤſſer an /
Als die ich erſtlich lieb gewan.

III. Jn eines andern namen / der ſeinen abſchied verſchweigen muſte.

LJebgen ſol ich ietzt verſchwiegen
Oder offenhertzig ſeyn /
Sol ich mich und dich betriegen
Oder ſag ich meine pein /
Welche mich mit uͤberdruß
Nach und nach verzehren muß.
2. Nein ich wil den mund bezwingen /
Denn ich kan es nimmermehr
Uber dieſes hertze bringen /
Wann es noch ſo hefftig waͤr /
Daß ich dir mit meiner pein
Wolte ſo beſchwerlich ſeyn.
3. Dann ſo fern ich muß verreiſen /
Wirſt du meiner traurigkeit
Keinen groſſen dienſt erweiſen
Durch erregtes hertzenleid.
Ach es iſt genung daran /
G 5Daß106Uberfluͤſſiger gedancken
Daß ich mich nicht troͤſten kan.
4. Jch ſol alle luſt vergeſſen
Welche meine ſeele liebt /
Da die jahrs-zeit dir indeſſen
Neuen fug zur freude gibt /
Und dein ſuͤſſes muͤndgen lacht /
Weil mein kopff calender macht.
5. Niemand wird es wol vermeinen /
Daß ich auff dem ſprunge ſteh:
Doch der tag wird bald erſcheinen /
Welcher mein betruͤbt ade /
Das noch itzt im hertzen giert /
Offentlich bekennen wird.
6. Drum ſo ſprech ich in gedancken:
Liebſtes ſeelgen lebe wohl!
Und wofern ich von dir wancken
Und dich gantz verlaſſen ſoll /
So bedanck ich allezeit
Mich vor deine freundlichkeit.
7. Und wo mein gehaͤuffter ſchmertzen
Keine reden uͤbrig hat /
Ach ſo nimm in deinem hertzen
An des letzten gruſſes ſtatt /
Den ich dir nicht geben kan /
Meinen letzten ſeuftzer an.

IV. Daß naͤrriſche Ding die Liebe. Worinn meiſtentheils auf gewiſſe ſpruͤchwoͤrter gezielet wird / welche bey einer bekannten Compagnie im brauche waren.

JHr leute laſſet euch in liebesſachen ein!
Dann wo die liebe nicht auf erden ſolte ſeyn /
So107fechſtes dutzent.
So waͤr das liebe ding die Eva nicht geſchaffen /
Und wann es ſuͤnde waͤr / ſolthaͤtens nicht die pfaffen.
Es kan nicht unrecht ſeyn / wells die Juriſten thun:
Es iſt nicht ungeſund / weil nicht die Aertzte ruhn:
Wanns unnatuͤrlich waͤr / ſo wuͤrd es die nicht jucken /
Die der Philoſophie biß an den nabel gucken.
(Manum inſerere in ſinum Philoſophiæ. Terentius
1
Heaut. act. 3. ſc. 3. v. 2. & 3.)
2
Wann es altvaͤtriſch waͤr / ſo waͤr es nicht beliebt
Von einem der ſich auf die neue mode giebt:
Und waͤr es kinder-ſpiel / ſo wuͤrden nicht die alten
Auf dieſe leckerey ſo groſſe ſtuͤcke halten.
Es iſt auch nicht Franzoͤſch / die Teutſchen kom̃en auch
Von augen in das hertz / vom hertzen in den bauch.
Es iſt auch nicht Catolſch / wañ wir die haͤndel treiben /
Denn ſonſten liſſen es die Lutheraner bleiben. (mann /
Es iſt kein ſchelmenſtuͤck / ſonſt gieng ein handwercks -
Der ehrlich bleiben wil / nicht ſo mit freuden dran.
Es iſt auch keine kunſt es kans ein ieder bauer /
Der liebet ſeine frau und hertzt ſie auf die thauer.
Die liebe klinget nicht / ſonſt waͤrs fuͤrwahr nicht gut /
Man hoͤrte drauſſen all’s was man im hauſe thut.
Die liebe ſtincket nicht ſonſt koͤnte man es riechen /
Alsbald wann ha und ſie in einen winckel kriechen.
Die liebe ſieht man nicht / was wuͤrde ſonſt daraus /
Die leute leſchen ja darzu die liechter auß.
Sie kan nicht bitter ſeyn / dann ſolt es herbe ſchmecken /
So wuͤrde mancher nicht darnach die finger lecken.
Die lieb iſt nicht beruſt / ſonſt waͤre niemand weiß:
Weiß kan ſie auch nicht ſeyn / dann ſchwartz behaͤlt den
(preiß:
Viel wenger iſt ſie ſchwer / man kan ſie leichtlich faſſen /
Und108Uberfluͤſſ ger gedancken
Und der iſt wol ein narr / der ſich wil helffen laſſen.
Die liebe kan ja nicht von pfefferkuchen ſeyn /
Die bauren wuͤrden ſie ſonſt auf den hirſe ſtreun:
Kein welckes ruͤbgen nicht / ſie wuͤrde nicht gelitten /
Die jungfern haͤtten ſie ſchon laͤngſten klein geſchnittẽ.
Sie iſt kein kaͤſe nicht / denn ſolte dieſes ſeyn /
So ſteckte mancher eh ſein ſcharffes meſſer ein:
Sie iſt kein haͤſcher nicht / wer haͤtte ſonſt verlangen /
Daß ihn die liebe ſolt in ihrem loche fangen?
Die liebe brennet nicht / ſonſt wuͤrd ein gantzes land
Den erſten hochzeit-tag bißweilen abgebrannt:
Die liebe kuͤhlet nicht / ſonſt wuͤrde man nicht ſchwitzẽ;
Die liebe ſticht auch nicht / ſonſt wuͤrde man ſich ritzen;
Die lieb iſt auch kein floh / ſonſt waͤr gefahr dabey /
Die jungfern knickten ihr den kopf geſchwind entzwey;
Sie iſt kein klapperſtorch / ſonſt waͤr es groſſe ſchande /
So bald es winter waͤr / ſo zoͤg ſie aus dem lande.
Die liebe thut nicht weh und bringet ſchlechte pein /
Sonſt wuͤrd ein jungfer-maul nicht alſo wolfeil ſeyn;
Die waͤre wol ein kind / wann jemand greiffen wolte /
D ſie vor freuden nicht ein bißgen lachen ſolte.
Es bleibet wol dabey / nur hurtig lieb gehabt /
Ach wohl dem / welcher ſich in ſeiner jugend labt /
Ein alter taugt nicht mehr / er ſpielt nur mit geberden /
Und weil er ſonſt nichts kan / muß er zum han ---

V. Als er in den Citronen-Keller fiel.

HAlt bruder / halt ich falle /
Der abſatz gleit mir ab /
Jch portzle ſchon hinab /
Sind bald die ſtuffen alle?
Ach komm und hilff mir doch /
Jch109ſechſtes dutzent.
Jch halte mich ja noch
Vor zittern und erſchrecken
An den gemeinen weiber-ſtecken,
2. Es iſt noch gut / ich lache /
Mein herr verzeihe mir /
Dieweil ich ihm allhier
So ein gerumpel mache:
Es kan gar bald geſchehn /
Und er wird leichtlich ſehn /
Daß mein jntent geweſen /
Ein paar citronen auszuleſen.
3. Jch tummes menſch ich wolte
Jch lieffe nicht ſo blind;
Doch wann mein tauſend-kind
Den fall erblicken ſolte /
Sie kaͤme doch gerannt /
Und reichte mir die hand /
Wann niemand ſonſten kaͤme /
Der die bemuͤhung auf ſich nehme.
4. Da lieg ich uͤbern hauffen /
Und bin von hertzen froh /
D dieſer fall noch ſo
Ohn ſchaden abgelauffen:
Doch ſeh ich ferner an /
Was draus erfolgen kan /
So fuͤrcht ich mich fuͤr allen /
Jch werde wol noch einmahl fallen.
5. Jch ſitze zwar dem gluͤcke
Noch gleichſam in dem ſchoß /
Und fall auff einen ſtoß
So leichtlich nicht zuruͤcke /
Jedoch / wer weiß / wo itzt
Sich110Uberfluͤſſiger gedancken
Sich irgend einer ſpitzt /
Der mich in wenig tagen
Kan unverhofft zu boden ſchlagen.
6. Du freude meines lebens /
Schau / wie ich furchtſam thu /
Hingegen mache du
Die furchtſamkeit vergebens /
Bleib du mir zugethan /
So lang ich ſprechen kan /
Mein kind du wirſt vor allen
Mir nicht aus meiner ſeele fallen.

VI. Jn Namen eines guten Freundes / welcher ſich in ein ſchlechtes Maͤdgen verliebt hatte.

LJebſtes kind / mein ander leben /
Wehrtes ſeelgen wilſt du nicht /
Deinen diener glauben geben /
Wann er dir ſo viel verſpricht /
Ach wer ſolche worte gibt /
Jſt nichts anders als verliebt.
2. Welche mit der liebe ſchertzen /
Geben ſich bißweilen bloß /
Aber doch in meinem hertzen
Jſt die ſehnſucht viel zu groß /
Daß ich dir du hertzgen du /
Keinen tritt zu leide thu.
3. Ach ſprichſt du es ſind perſonen /
Den ich mehr verpflichtet bin /
Die in andern gaſſen wohnen /
Da gedenck ich lieber hin /
Andern armen leuten ſey
Jch zum bloſſen poſſen treu.
4. Schweig111ſechſtes dutzent.
4. Schweig und lern es beſſer treffen
Dieſes war noch weit gefehlt /
Wer kan euch mit worten aͤffen /
Wann ihr uns das hertze ſtehlt /
Jhr / ihr maͤdgen ſeyd uns hold /
Wann ihr uns vexiren wolt.
5. Und darzu was ſols bedeuten /
D du nicht ſo vornehm biſt?
Wann nur bey den armen leuten
Tugend lieb und ſchoͤnheit iſt /
Ach ſo trifft man alles an /
Was die liebe wuͤnſchen kan.
6. Alles was ich bey den reichen
Forn und hinten ſuchen wil /
Das kan ich mit dir vergleichen:
Dann du haſt doch gleich ſo viel /
Bein und adern / fleiſch und blut /
Haſt du eben auch ſo gut.
7. Wann ſich andre maͤdgen ſchmincken /
Biſt du von natur ſo ſchoͤn /
Wann ſie nach ziebethe ſtincken /
Kanſt du ohne diß beſtehn /
Manche tauſchte gern mit dir /
Und geb alles geld dafuͤr.
8. Drum ſo laß dich noch gewinnen /
Wo ich anders bitten kan /
Schaue mit geneigten ſinnen
Meines hertzens unſchuld an /
Liebſtes ſeelgen ich will dein
Und du ſolſt mein liebgen ſeyn.
9. Haſt du nicht viel edelſteine /
Traͤgſt du keine perle nicht;
Ach112Uberfluͤſſiger gedancken
Ach ſo glaͤntzt mit ſuͤſſerm ſcheine /
Deiner zarten-augen-liecht.
Haſt du gleich kein hauß voll gold /
Bin ich deinen lippen hold.
10. Deine haͤnde deine wangen /
Deine bruͤſtgen und was mehr /
Reitzen mich und mein verlangen /
Gleich als wann es ſilber waͤr /
Alſo kan dein fleiſch allein
Mein vergnuͤgter reichthum ſeyn.

VII. Eine Olle Putterie.

BOtz tauſend heiſt es nun / botz tauſend wieder was /
Botz tauſend noch einmal / botz tauſend wz iſt das /
Botz tauſend heut und morgen / botz tauſend im̃erdar /
Botz tauſend ohne ſoͤrgen / botz tauſend guter jahr.
2. Botz tauſend guten tag / botz tauſend groſſen danck /
Botz tauſend nicht zu kurtz / botz tauſend nicht zu lang /
Botz tauſend in der menge /
Botz tauſend nicht zu breit /
Botz tauſend nicht zu enge /
Botz tauſend nicht zu weit.
3. Botz tauſend iſt geflucht / botz tauſend iſt gebet /
Botz tauſend geht noch hin / botz tauſend klingt noch
Botz tauſend hin und wieder / (nett /
Botz tauſend da und dort /
Botz tauſend auff und nieder /
Botz tauſend immerfort.
4. Botz tauſend dz iſt recht / botz tauſend muß es ſeyn /
Botz tauſend hat den platz / botz tauſend das iſt fein /
Botz tauſend allen ſachen /
Dahinden und daforn /
Botz113ſechſtes dutzent.
Botz tauſend macht mich lachen /
Botz tauſend thut mir zorn.
5. Botz tauſend ſeht mich an / botz tauſend lachet nicht /
Botz tauſend ſtutzt es nicht / wenn man botz tauſend
Botz tauſend ſack voll enden / (ſpricht /
Botz tauſend mahl gelacht.
Botz tauſend complimenten /
Botz tauſend gute nacht.

VIII. Er thut bey der Margaris buſſe.

WAs macht ihr noch / ihr allerliebſten kinder /
Ach ſeht doch her / da koͤmmt ein armer ſuͤnder /
Der hat unlaͤngſt ſich gar zu viel erkuͤhnt /
Und hat wohl gar den bittern tod verdient.
2. Ach ſoll ich dran? es iſt ja ewig ſchade /
Es iſt geſchehn / ich bitte um genade:
Dann meine ſuͤnd iſt mir von hertzen leid /
Und hat mich mehr als tauſend mahl gereut.
3. Ach ſchauet doch auf mein bußfertig hertze /
Und ob ich ſonſt gleich trefflich gerne ſchertze /
So muß ich doch vor dieſes mahl geſtehn /
Daß mir die wort aus meinem hertzen gehn.
4. Jch bin betruͤbt / und muß mich hoͤchlich ſchaͤmen /
Und darff mir nicht die kuͤhnheit ſelber nehmen /
D ich bey euch die ſuͤnd abbitten kan /
Drum nehmt die beicht allhier geſchrieben an.
5. Jch will fuͤrwahr ins kuͤnfftig froͤmmer werden /
Jch will nicht mehr in reden und geberden /
Wann ihr es ſeht / ein ſolches unkraut ſeyn /
Mein bart der ſetzt ſich ſelbſt zum buͤrgen ein.
6. Vergeſſet nur die gar zu groſſen ſuͤnden /
Und laſſt mich troſt in der vergebung finden /
HSteckt114Uberfluͤſſiger gedancken
Steckt ſie in ſack / ſchickt ſie ins waſſer naus /
Und laſt den zorn an mir nicht weiter auß.
7. Alſo werd ich ein frommes buͤfgen bleiben /
Und werde nicht mehr loſe haͤndel treiben;
Je dennoch iſt die ſuͤnde gar zu groß /
So ſtrafft mich bald / und laſt mich kuͤnfftig loß.

IX. Marindgen das Hertzen-Diebgen.

MArindgen / wer hat mir mein hertze geſtohlen /
Haſt du es etwan ſelbſt gethan?
Jch weiß mir daſſelbe nicht wieder zu holen
Du diebgen gieb dich immer an /
Und mache deinen diebſtal kund /
So hab ich mein hertze / ſo bin ich geſund.
2. Marindgen / ich ſuche mein hertze vergebens /
Wann ich bey andern leuten bin /
Du zierde der hertzen / du krone des lebens
Wo ſteckſt du mir das leben hin?
Du haſt es doch gewiß bey dir /
Ach lange den heimlichen diebſtahl herfuͤr.
3. Marindgen / du haſt mir die helffte genommen /
Was nutzt mir nun die todte laſt?
Beliebe nur immer noch einmahl zu kommen /
Biß du mich gantz geſtohlen haſt /
Schleuß mich zu deinem hertzen ein /
So werd ich vollkommen befriediget ſeyn.
4. Mein hertze / mein hertze Marindgen / ich ſterbe /
Wo du mich ferner ſo betruͤbſt /
Und / eh ich in meiner bedraͤngniß verderbe /
Mir nicht das hertze wieder gibſt /
Drum komm / eh ſich der ſchwache geiſt
Auß meinem verſtuͤmmelten coͤrper entreiſt.
5. Zum115ſechſtes dutzent.
5. Zum wenigſten werd ich mich duͤrffen erkuͤhnen /
Und werde / wie mich laͤngſt geluͤſt /
Mich deines vollkommenen hertzen bedienen /
Darein mein hertz geſchloſſen iſt.
Mein liebgen gib mir nur verlaub /
Ein billicher wechſel iſt endlich kein Raub.

X. Auff einen falſchen Freund.

DU ſchaͤndliche kroͤte / nun haſt du den gifft
An meiner unſchuld ausgelaſſen /
Du drache / dein gifftiges hauchen betrifft
Mein leben unverdienter maſſen /
Doch bleib daheim / es hat nicht noth /
Ein ſolch baſilisk der ſieh’t mich nicht todt.
2. Du fleiſcherner teuffel / du wanderſt herumb /
Als wie ein loͤw in finſtern puͤſchen /
Und ſieheſt dich hinten und fornen wohl um /
Ob du was ſchwaͤchers kanſt erwiſchen!
Doch lauff nur fort du wildes thier /
Ein muthiger Hercules ſtreitet bey mir.
3. Du hungriger wolfs-zahn / ach wolſt du nicht geꝛn
Mich armes ſchaf zu todte beiſſen?
So lauſchet ein liſtiger habicht von fern
Wann er die taube will zerreiſſen /
So ſchnappet ein raͤubiſcher hecht
Und jaget wol ſelber ſein eignes geſchlecht.
4. Du garſtige fliege / was ſchmirſt du vor koth /
An das verhalten meiner jugend?
Du eyfriges luͤgen-maul wirſt du nicht roth /
Jndem du meine reine tugend
Zu lauter groſſen laſtern machſt /
Und meine gedancken ſo hoͤhniſch verlachſt?
H 25. Du116Uberfluͤſſiger gedancken
5. Du diebiſche katze / was leckſt du mich doch /
Wann du mich willſt von hinden kratzen?
Du ſpitzige zunge / was willſtu mir noch
Von guter gunſt und freundſchafft ſchwatzen:
Du meinſt / ich ſol ins netze gehn
Drum ſingſt du ſo lieblich und pfeiffeſt ſo ſchoͤn.
6. Du Tuͤrcke / du Heyde / bedenckſt du dich nicht /
Du unmenſch / haſt du kein gewiſſen /
Des himmels gerechtigkeit eiffert und ſpricht:
Verflucht ſey! der ſich ſo befliſſen /
Daß er den nechſten der ihn liebt /
Mit tauſend betruͤglichen haͤnden betruͤbt.
7. Doch ſchwerme nur beſſer du raſender hund /
Biß mir und aller welt zuwieder;
Jch bleibe doch immer am leibe geſund /
Du aber ſchlaͤgſt dich ſelber nieder /
Ein hund der ſich ſo ſehr bewegt /
Hat ſelten neun tage zuruͤcke gelegt.
8. Jch habe noch keinen bekannten geſehn /
Dem du von hertzen guͤnſtig waͤreſt:
Drum laß ich es endlich gedultig geſchehen /
Daß du mich hier und da verſehreſt.
Vielleicht kompt noch die liebe zeit /
D mancher ſein eiffriges wuͤten bereut.

XI. Er nimmt Abſchied.

DU liebes kind / indem ich von dir reiſe /
Und deiner gunſt zu guter letzt erweiſe /
Was ich bißher mit groſſer luſt gethan;
So nimm diß lied mit lieben haͤnden an.
2. Mein kind / es iſt vielleicht mein beſſer gluͤcke /
Wofern ich bald zu dieſer reiſe ſchicke /
Abſon -117ſechſtes dutzent.
Abſonderlich / weil hier in deiner ſtadt
Mein armer ſinn kein ewig bleiben hat.
3. Jndeſſen werd ich offt zuruͤcke dencken /
Und mich damit in meinem hertzen kraͤncken /
Daß ich nunmehr den ſuͤſſen uͤberfluß
Der ſchoͤnſten luſt mit dir entrathen muß.
4. Du biſt allein mein augen-troſt /
Nachdem ich dich bedachtſam auserleſen /
Und haͤtt ich nicht ſo offt auff dich geſehn /
So waͤr auch wol mein abſchied eh geſchehn.
5. Jch habe zwar die liebe ſtadt geprieſen /
Doch hab ich dir das lob allein erwieſen /
Du warſt die luſt / die kurtzweil und das ſpiel /
Das mir ſo wohl bey dieſer ſtadt gefiel.
6. Drumb weil ich itzt am leibe von dir wancke /
So kan ich nichts / als daß ich mich bedancke /
Vor deine gunſt und alle freundligkeit /
Damit dein haus mich itzo noch erfreut.
7. Nun gute nacht / mein kind / zu tauſend mahlen /
Jch kan nicht viel mit groſſen worten pralen /
Gefall ich dir / nun ſo gedencke mein /
Wo nicht / ſo laß mich bald vergeſſen ſeyn.
8. Der abſchied iſt vor dieſes mahl genommen /
Beliebt es dir / ſo will ich wiederkommen /
So bald die zeit mir einen kleinen reſt
An meine luſt zu wenden uͤbrig laͤſt.

XII. Die hoͤniſche Jungfer / Vorgeſtellet in einem geſpraͤche zwiſchen den Coridon und der Roſilis.

Coridon.

MEin roͤſgen / meine luſt / mein kind / das ich erwaͤhle /

R.

Ach geh du falſche ſeele.

H 3C. Was118Uberfluͤſſiger gedancken
C.

Was ſagt ſie / bin ich falſch / da ich ſo freundlich thu?

R.

Schreibts meiner einfalt zu.

C.

Sie iſt mein hertzens-troſt / mein reichthum / mein geluͤcke /

R.

Daß dich mein leibgen druͤcke.

C.

Wie glaͤntzt ihr angeſicht / kein bluͤmgen iſt ſo nett.

R.

Hat er nun auch geredt?

C.

Die hellen augen ſeh ich als zwey ſterne ſcheinen /

R.

Zwey ſterne wird er meynen.

C.

Und dieſer ſchoͤne glantz hat mich verliebt gemacht /

R.

Jch haͤtt es nicht gedacht.

C.

Jch ſchwere bey der hand / die ich ſo ſehnlich kuͤſſe /

R.

Jch dachte was mich biſſe.

C.

Drum ſtell ich mich bey ihr in tieffſter demuth ein /

R.

Kan er auch hoͤniſch ſeyn?

C.

Sie muß die auslegung auch nicht ſo boͤſe machen /

R.

Fuͤrwar / ich muß nur lachen.

C.

Sie lacht / und gibt mir doch im lachen einen ſtich /

R.

Ach Herr verſorge mich.

C.

Und dannoch werd ich ſtets zu ihren dienſten ſtehen /

R.

Er laſſe ſichs vergehen.

C.

Wie werd ich doch verracht / ich armer ſchmetterling.

R.

Ach vaͤttergen / mein ding.

C.

Mein kind / was flucht ſie ſo / ſie ſuͤrchte ſich der ſtraffe /

R.

Er redt gewiß im ſchlaffe.

C.

Sie wecke mich nur auff / ſonſt ſchlaff ich haͤrter ein /

R.

Vor dißmahl kans nicht ſeyn.

C.

Und alſo bleibt mein hertz allzeit in ihr verſchloſſen /

R.

Das ding gibt keinen poſſen.

C.

Jhr hertze gegen meins / das waͤr ein ſchoͤner tauſch /

R.

Er hat doch einen rauſch.

C.

Es ſcheint / als waͤr ich gantz von ihrer gunſt geſchieden /

R.

Er laſſe mich zu frieden.

C.

Sie rede doch mit mir / wenn meine bitte gilt.

R.

Ach nem / die mutter ſchilt.

C.

Sie hat mich doch nicht lieb / ſie ſagt mirs mit geberden

R.

Er ſol ein rathsherr werden.

C.

Jndeſſen bleib ich doch verpicht auffs liebe brod /

R.

Mit ihm hats keine noth.

C. Sie119ſechſtes dutzent.
C.

Sie lebe wohl mein kind / ich wil ſie nicht verſtoͤren /

R.

Es iſt mir lieb zu hoͤren /

C.

Jch hoffe ja ſie wird auch meinen ſchertz verſtehn /

R.

Jch dacht er wolte gehn.

C.

Jch geh in dem ich ſie zur unzeit angetroffen /

R.

Der thorweg ſteht ihm offen.

C.

Jedoch parol, daß ſie mich morgen wieder ſieht

R.

Er ſey nur unbemuͤht.

Uberfluͤſſiger Gedancken Siebendes Dutzent.

I. Der verliebte Gedancken-Streit / beſtehet in fuͤnff perſonen:

  • I. Dem zweiffelhafftigen liebhaber.
  • II. Denen gedancken wegen Marilis.
  • III. Wegen Roſilis.
  • IV. Wegen Regilis.
  • V. Wegen Liſilis.
Der Liebhaber.

VErlaſſt mich / ihr fluͤchtigen liebes-gedancken / Mein hertze fleuſt wie ſpaͤter ſchnee / Soll meine zufriedenheit immer ſo wancken / Als wie ein ſchiffgen auff der ſee? Ach weichet ihr grillen / und machet mich frey / Jch bleibe mir ſelber am liebſten getreu.

Marilis.

Sind die ſchoͤnen roſen-wangen Nicht der ſchoͤnſten liebe werth / Soll der mund vergebens prangen / Welcher deinen kuß begehrt? Ach mein hertz / erwaͤhle diß Durch die ſuͤſſe Marilis.

H 4Roſi -120Uberfluͤſſiger gedancken
Roſilis.

Sind die wollen-weiche glieder / Jſt das zarte fleiſch nicht ſchoͤn / Als auff welchen hin und wieder Neue wolluſts-roſen ſtehn? Ach mein hertz / bedencke diß / Und die liebe Roſilis.

Regilis.

Hier ſind lilgen und narziſſen / Hier iſt weiſſes helffenbein / Hier iſt unſchuld bey dem kuͤſſen / Stille wolluſt bey der pein / Drum mein hertz / behalte diß Jn der werthen Regilis.

Liſilis.

Schau die angenehmen haare / Sih die friſchen augen an / Nimm den glantz der jungen jahre / Welcher nichts als ſiegen kan / Liebſtes hertz / auch ſuche diß Bey der ſchoͤnſten Liſilis.

Der Liebhaber.

Wo bleib ich / was ſuch ich / was ſoll ich behalten / Wo ſetz ich meine ruhſtatt ein? Mein ſchwaches gemuͤthe wil lieber erkalten Als bey der hitze muͤhſam ſeyn: Drum weichet ihr ſorgen / und qvaͤlet mich nicht / Jch warte / was endlich mein gluͤcke verſpricht.

Marilis.

Mein / wie ſolte dir belieben Roſilis die bauer-magd? Regilis kan dich betruͤben /Wann121ſiebendes dutzent.Wann ſie nur ein woͤrtgen ſagt; Und die liebe Liſilis Jſt dir trefflich ungewiß.

Roſilis.

Marilis wil gar zu niedlich Und zu wohl bedienet ſeyn / Regilis iſt unterſchiedlich Halb ein engel / halb ein ſchwein / Liſilis das loſe blut Stecket voller wanckelmuth.

Regilis.

Marilis wird dich belohnen Durch ein ſauer angeſicht / Roſilis mag dich verſchonen / Der Oremus taug dir nicht / Liſilis der wildfang hat Jhres gleichen in der ſtadt.

Liſilis.

Marilis iſt dir gewogen / Doch ein ding verhindert ſie / Roſilis hat dich betrogen / Es verlohnt ſich nicht der muͤh / Regilis verſteht es nicht / Wann ſie gleich der kuͤtzel ſticht.

Der Liebhaber.

Jhr eiteln gedancken / ach laſt mich zu frieden / Die einſamkeit bekommt mir wohl / Jch waͤre viel lieber von allen geſchieden / Als das ich laͤnger zweiffeln ſol / Verſchonet nur meiner / und laſſet mich gehn / Ein ander mag euere poſſen verſtehn.

H 5Mari -122Uberfluͤſſiger gedancken
Marilis.

Marilis / die liebe ſeele / Traͤgt ihr feuer in der bruſt / Drum ſo lauff doch und erwehle Die verliebte tauſend luſt / Weil ſie ohne trug und liſt Dir von hertzen guͤnſtig iſt.

Roſilis.

Hier iſt keine complimente / Kein verbluͤmter woͤrter-ſchein / Und du kanſt als ein ſtudente Leichtlich hahn im korbe ſeyn / Arme leute wiſſen auch Der verliebten luſt-gebrauch.

Regilis.

Wilſt du dich ſo weit bemuͤhen? Hier iſt ſtets gelegen heit / Wann du wilſt ſo muß| dir bluͤhen Jhre ſuͤſſe freuudlichkeit / Drum vermindre deine laſt / Und behalte was du| haſt.

Liſilis.

Hier ſind liebgereitzte minen / Wann ſie auch nicht dran gedenckt / Drum ſo kan ſie leicht verdienen / Daß man ihr das hertze ſchenckt / Schau das liebe ſeelgen an / Wie ſie thun und lachen kan.

Liebhaber.

Jhr liebes-gedancken ihr habet gewonnen / Jhr habet die ſauer-ſuͤſſe pein Jn meinem ermuͤdeten hertzen entſponnen /Drum123ſiebendes dutzent.Drum muß ich nun gefangen ſeyn. Jch liebe ſie alle / doch Liſilis iſt / Die meine gedancken am beſten verſuͤſt.

II. Der ordentliche Liebes-Proceß.

1. die Freyheit.
WOl dem / der ſeinen jungen jahren
Die ſuͤſſe freyheit goͤnnen kan!
Er mag die zarten kraͤffte ſpahren /
Und legt die ſtunden beſſer an /
Als einer / der ſich tag und nacht
Mit liebes-grillen muͤde macht.
2. Das erſte Blickgen.
Doch halt mein geiſt / beſinne dich /
Sieh auff / das maͤdgen zeiget ſich /
Du muſt es doch betrachten.
Jch hab es vormahls nicht gewuſt /
Man darff dergleichen augen-luſt
Jn warheit nicht verachten.
3. Die erſte Liebe.
Haͤtt ich das zuvor bedacht /
Daß ein blickgen ſolche macht
Gegen unſre ſeelen haͤtte /
Ach / ſo gieng ich auffgericht /
Und mein hertze laͤge nicht /
An der ſtrengen liebes-kette.
Nun iſt meine freyheit hin /
Und ich muß den armen ſinn
An die eitle ſchoͤnheit binden:
Meine freude liegt daran /
Ob ich bey der liebſten kan
Liebe / gunſt und gnade finden.
4. Die124Uberfluͤſſiger gedancken
4. Die erſte Bekandtſchafft.
Luſtig / mein liebgen das lernet mich kennen /
Sie lacht mich ſchon ein buͤßgen an:
Luſtig / mein hertze mag braten und brennen.
Wann ich mich hier erqvicken kan:
Luſtig mein kindgen / mein engel / mein liecht
Laͤſſet ſich kuͤſſen und wehret ſich nicht.
5. Die Eyferſucht.
Der eyfer / der moͤchte mich freſſen /
So hat er mein hertze beſeſſen /
Jch bilde mir wunderlich ein /
Sie waͤre mein liebgen allein /
Und freuet mich / ---- aber /
Ein heimlicher dieb /
Der hat ſie auch lieb /
Und geht mir in haber.
6. Der Liebſten Zorn.
Mein ſchwacher geiſt / ſo ſchick dich in die trauer /
Dein ſuͤſſes kind ſieht aus der maſſen ſauer
Ein jeder blick / dardurch ſie ſich bewegt /
Jſt wie ein blitz / der mich zu boden ſchlaͤgt.
Jſt diß der lohn vor meine treue liebe /
Daß ich mich nun biß auf den tod betruͤbe?
Zu guter nacht du allerliebſtes hauß /
Jch ſeh es wohl / es iſt vor dißmahl aus.
7. Die Verſoͤhnung.
Mein liebgen / ſo haſt du dich beſſer beſonnen /
Und darff ich wieder zu dir gehn?
Hat endlich die unſchuld dein hertze gewonnen /
Und lernſt du meinen ſinn verſtehn?
Mein freundliches hertzgen / verſichere dich frey /
Jch bleibe dein diener und ewig getreu.
8. Die125ſiebendes dutzent.
8. Die vollkommene Beſitzung.
Mein gemuͤthe ſey verſchwiegen /
Kanſt du dich gleichwohl vergnuͤgen
An der milden freundlichkeit:
Zwey perſonen muͤſſen ſpielen /
Und hingegen unter vielen /
Wird die freude leicht zerſtreut.
Laß dich ſtreichlen / laß dich kuͤſſen /
Darff es doch kein ander wiſſen /
Wann du nur verſichert biſt /
Daß dein liebgen unter allen /
Dir zu lieb und wohl gefallen /
Stiller gunſt verbunden iſt.
Laß dir ſanfft die haͤnde truͤcken /
Spiele mit entzuͤckten blicken /
Jtzund haſt du noch die wahl /
Drum ſo laſt die jugend ſchertzen /
Und verſencke deine ſchmertzen /
Jn den ſuͤſſen roſenthal.
Die verloſchne Liebe.
Wir jungen leute ſind wohl narren /
Wann uns die liebe freſſen will /
Da hat ein jeder einen ſparren
Zu wenig oder doch zu viel /
Jch habs verſucht ein halbes jahr /
Jch weiß / wie mir zu muthe war.
Nun muß ich meiner ſelbſten lachen /
Daß wir uns ſolchen kummer machen /
Jch lege luſt und eitelkeit
Zu meines maͤdgens fuͤſſen nieder /
Und ſuche die gelegenheit /
So gar geſchwinde wohl nicht wieder /
Jch126Uberfluͤſſiger gedancken
Jch halte mein triumph-geſchrey /
Jch war verliebt / nun bin ich frey.

III. Als Coridon dem Florindo an das Knie kuͤtzelte / in Meynung als haͤtte er die Marilis darbey.

MEin knie thut mir abſcheulich weh /
Es juckt mich wo ich geh und ſteh /
Jch weiß nicht / was ich dencke:
Es krappelt ſtets und wo ich bin /
Da faͤhret mirs bald oben hin /
Bald ſitzt mirs im gelencke.
2. Denn eine junggeſellen hand /
Die hat mich geſtern ſo verbrandt
Mit ihrem complimenten /
Sie griff mir dran / und macht es doch
So wunderſchoͤn / als wann wir noch
So wohl einander kennten.
3. Es iſt fuͤrwar ein artger ſchwanck /
Mein knie das muſt ohns henckers-danck
Ein jungfer-knie bedeuten /
Da kriegte mich der narr dabey /
Und machte ſeine loͤffeley
Gantz heimlich vor den leuten.
4. Die worte waren ſchrecklich krum /
Sie flogen in der ſtuben rum
Wie lauter ungeziefer /
Monſieur der hat ein hauß gebaut
Von butter-milch und ſauer kraut /
Und deckt es nun mit ſchiefer.
5. Er fand bey mir zwar guten platz /
Doch dacht ich ja / mein lieber ſchatz /
Je ſeyd ihr nicht ein flegel?
Fuͤr -127ſiebendes dutzent.
Fuͤrwahr / wo ihr euch nicht beqvemt /
Und hoͤfflich euren abſchied nehmt /
So huſt ihr auf den ſchlegel:
6. Er ſah mir die gedancken an /
Drum gieng er als ein naſſer hahn /
Und kratzte mit den fuͤſſen /
Jch hab hingegen groſſe muͤh /
Und werde noch zu meinem knie
Den zahn - artzt brauchen muͤſſen.

IV. Auf die alten Junggeſellen.

WEm das gluͤcke wiederfaͤhret /
Daß er in der jungen zeit
Auch ein junges maͤdgen freyt /
Dem iſt doch ein ſchatz beſcheret /
Welchen alles gold und geld
Lange nicht die wage haͤlt.
2. Er gebraucht ſich ſeiner jugend /
Und vexiert mit hoͤchſter luſt
Aus der allerliebſten bruſt
Die verborgne liebes - tugend
Und vertauſcht zum uberfluß
Lieb um liebe / kuß um kuß.
3. Er verjungt ſich alle morgen /
Und wie unſre lebens-friſt
Niemahls ohne ſorgen iſt /
Alſo ſchenckt er ſeine ſorgen /
Zwiſchen liebe / luſt und pein /
Jn der liebſten mund hinein.
4. Ach die atlen junggeſellen
Wiſſen von der freude nicht /
Wann ſie gleich ihr angeſicht
Unter -128Uberfluͤſſiger gedancken
Unterweilen froͤlich ſtellen /
Ach ſo koͤmmt es ungefaͤhr
Von der bloſſen hoffnung her.
5. Sie belecken nur die ſchalen
Mit vergebner angſt und muͤh /
Denn der kern iſt nicht vor ſie /
Und wenn ſie mit liebſten praalen /
Jſt der angemaſte glantz
Warlich weder halb noch gantz.
6. Auf den abend in dem bette
Liegen ſie als wie ein bild /
Halb erfroren eingehuͤllt /
Auf den morgen iſt es wette /
Denn da brennt das bette-ſtroh
Vor der liebe liechter loh.
7. Wann ſie ſich am kluͤgſten duͤncken /
Wiſſen ſie wohl ſelber nicht.
Was ſie in der ſeite ſticht /
Biß ſie einſt das leid vertrincken /
Da vergeſſen ſie der zeit
Und der truͤben einſamkeit.
8. Ach wohl dem der ſich verſorget /
Welcher hier ein bißgen iſſt /
Dort ein weilgen wieder kuͤſt /
Und an allen ecken borget /
Jſt fuͤrwahr ein armer mann /
Der offt will / und ſelten kan.

V. Er ſchaͤmet ſich / daß er ſeines Maͤdgens Ge - ſundheit trincken muß.

JCh will den handel nur geſtehn /
Jch habe dir zu ehren /
Auff129ſiebendes dutzent.
Auf dein geſundes wolergehn /
Ein glaͤßgen muͤſſen leeren /
Doch da mirs in die haͤnde kam /
Da kriegt ich eine groſſe ſcham.
2. Es war ein guter freund darbey /
Der moͤchte gerne wiſſen /
Wer doch das liebe maͤdgen ſey /
Das mir mein hertz entriſſen /
Und weil ich dieß zu hertzen nahm /
So kriegt ich eine groſſe ſcham.
3. Jch bin nicht gerne / wo man gar
Zu offenhertzig handelt /
Und ſehe lieber / daß ein paar
Jn ſtiller liebe wandelt /
Darum / als die geſundheit kam /
So kriegt ich eine groſſe ſcham.
4. Jch liebe dich / mein ſuͤſſes kind /
Und kuͤſſe dir die haͤnde /
So offt ich durch den ſchnellen wind
Die liebes-ſeufftzer ſende /
Jedoch / als ich daß glaß bekam /
So kriegt ich eine groſſe ſcham /
5. Mein kind ich ſchaͤme mich zwar nicht /
Ein glaͤßgen aus zuſtechen /
Mein hertz / mein mund / mein angeſicht
Wird ander zeugnuͤß ſprechen /
Doch / weil mirs zu geſchwinde kam /
So kriegt ich eine groſſe ſcham.
6. Dann wer ſich aus der fuͤnſternuͤß
Bald wil der Sonne naͤhen /
Der iſt am erſten ungewiß /
Wie und was er geſehen /
JDie130Uberfluͤſſiger gedancken
Die augen ſind ihm ſtumpff und lahm /
Und er kriegt eine groſſe ſcham.
7. So ließ ich in verliebter pflicht
Geheime klagen flieſſen /
Dieweil ich meiner ſonnen-liecht
Nicht konte noch genieſſen /
Und als das liebe glaͤßgen kam /
Erſchrack ich vor der groſſen ſcham.
8. Nun Liebgen wirſt du mir die hand
Mit gleicher liebe druͤcken /
Wirſt du ohn allen unbeſtand
Auff deinen diener blicken /
So wird mein hertze wieder zahm /
Und mir vergeht die groſſe ſcham.

VI. Auf eine Fruͤhlings-Hochzeit.

HAben ſich die ſuͤſſen ſtunden
Nach dem winter eingefunden /
Jetzt da alles lebt und lacht /
Solt ihr nun vergnuͤget werden /
Da die zier der gantzen erden /
Allenthalben hochzeit macht?
2. Sucht einander liebzukoſen /
Weil die ſuͤſſen fruͤhlings-roſen
An dem jungen ſtocke ſtehn /
Weil ihr mit verliebten fuͤſſen
Koͤnnt auff lilgen und narciſſen
Zu der luſt ſpatziren gehn.
3. Laſt die klee-beſaͤeten decken
Euch zur freundlichkeit erwecken:
Denn ihr ſeyd die kleine welt /
Welche gleiche luſt und freude /
Mit131ſiebendes dutzent.
Mit dem groſſen welt-gebaͤude /
Gleichſam um die wette haͤlt.
4. Laſt die freuden-ſonne ſcheinen /
Und verſtecket ſchmertz und weinen
Jn die liebe die euch bindt
Und gedenckt / wie dieſes wetter
Alle graͤßgen / alle blaͤtter /
Guͤnſtig in einander windt.
5. Alſo naͤhret eure flammen /
Alſo ſaget auch zuſammen /
Jch bin dein / und du biſt mein:
Dieſes kan in eurem ſtande /
Zu dem neuen liebes-bande /
Doch die beſte loſung ſeyn.
6. Nun wir wollen uns gedulden /
Biß ihr eure ſpaͤte ſchulden
Nach weynachten richtig macht:
Unterdeſſen wuͤnſch ich beyden /
Zu den angefangnen freuden /
Eine wunder-ſuͤſſe nacht.

VII. Die ungluͤckſeligen Kuͤſſe.

WAnn ich ein liebes kindgen /
Das mir gewogen iſt /
Auf ihr corallen-muͤndgen
Zur kurtzweil nur gekuͤſt /
So hab ich ſtets in acht genommen /
Daß mir ein ungluͤck drauff gekommen.
2. Jch armes menſche kuͤßte
Die ſchoͤnſte Roſilis /
Als wann es niemand wuͤſte;
Doch dieſes iſt gewiß /
J 2Jch132Uberfluͤſſiger gedancken
Jch habe ſie nach dieſem kuͤſſen
Nunmehr drey jahr vermeiden muͤſſen.
3. Wann ich mich noch beſinne /
Du ſchwartze Marilis /
Als ich bey deinem kinne
Ein kleines wuͤndgen biß /
So hat ich zwar den kuß erworben /
Doch unſre freundſchafft war verdorben.
4. Du freundliche Cythere /
Dein honig-ſuͤſſer mund
Ward mir zu groſſer ehre /
Vor mich einmahl vergunt /
Jedoch der kuß hat mich gerochen /
Jch habe dich nicht mehr geſprochen /
5. Es iſt mir unvergeſſen /
Jch wolte nicht mit dir /
Mein kind die naſe meſſen /
Doch wie ergieng es mir /
Wie fieng der teuffel an zu ziſchen /
Was ſchlug er nicht fuͤr noth darzwiſchen.
6. Drum halte mirs zu gute /
Daß ich nicht kuͤſſen kan /
Dann mir iſt flugs zu muthe
Als wuͤrd ich ausgethan /
Jch bin zu andrer luſt erkohren /
Zum kuͤſſen bin ich nicht gebohren.

VIII. Ein Abriß der Schoͤnheit ſelber.

JCh weiß ein liebes ſchaͤtzgen /
Ein artig kammer kaͤtzgen /
Daruͤber muß ich mich bemuͤhn /
Und ſie auf meinen ſchauplatz ziehn.
2. Das133ſiebendes dutzent.
2. Das maͤdgen muß in allen
Den leuthen wohlgefallen /
Und hat auch nicht ein eintzig glied /
Daß nicht der ſchoͤnheit aͤhnlich ſieht.
3. Die haare ſtehn ihr nette /
Gleich wie mein ſtroh im bette /
Und ſind ſo naturell und krauß /
Wie einer krancken waſſer-mauß.
4. Sie ſtutzet mit dem zopffe
Auf ihrem kleinen kopffe:
Du lieber kopff / biſt du nicht rund /
Wie meiner groſſemutter hund.
5. Die auserleſne ſtirne
Sieht faſt wie eine birne /
Die drauſſen auf den miſte liegt /
Und hier und da ein fleckgen kriegt.
6. Die ſchoͤnen ohres-loͤcher
Die ſind / wie zwey gemaͤcher /
Da floͤh und laͤuſe bleiben ſtehn /
Wann ſie aufs haͤußgen wollen gehn.
7. Die ohren haben laͤppgen /
Als wie die kaͤſe-naͤppgen /
Die ſind voll ruß biß oben an /
Daß man ſie bald wegſchauffeln kan.
8. Die augen macht ſie helle
Wie eine pferde-ſchelle
Wann ſie ein blickgen ſcharff-verliebt /
Als eine todte ratte giebt.
9. Die naſe ſteckt im quarge /
Gleich wie in einem ſarge /
Sonſt iſt das leder zart und keuſch /
Wie angebrantes ſchoͤpſen-fleiſch.
J 310. Das134Uberfluͤſſiger gedancken
10. Das maul lacht ihr von forne /
Gleich wie der hund / im borne /
Und wie ein bauer in der ſtadt /
Wann er ein eiſen funden hat.
11. Die wohlgeſtalten backen /
Wie auch der ſchoͤne nacken /
Die ſind / wo ichs vergleichen mag /
Mie eines muͤllers kohlen-ſack.
12. Jn ihrem zarten kinne
Hat neulich eine ſpinne /
Vier wochen lang ein neſt gebaut /
Und gleichwohl hat ihr nicht gegraut.
13. Die groſſen leder-flaſchen
Sind wie die bettel-taſchen /
Und hencken albern vor ſich weg
Als ein gebeitzter kirſchner-fleck.
14. Die wohl geſchickten haͤnde
Sind weich / wie alte waͤnde /
Die finger ſind ſo zart und friſch
Wie ein verdorbner flederwiſch.
15. Die armen ſind wie priegel /
Und wie die hoͤllen-riegel /
Die gucken zu den ermeln raus /
Und ſehn wie eine blut-wurſt aus.
16. Mehr hab ich nicht geſehen /
Es ſoll auch nicht geſchehen /
Dann wo ſie ſich nackt ſehen laͤſt /
So ſterb ich warlich an der peſt.
17. Drum wil ich nur beſchlieſſen /
Weil ich nicht mehr kan wiſſen /
Doch dieſes ſey zu guter letzt
Jhr als ein wunſch hinzu geſetzt.
18. Beſte -135ſiebendes dutzent.
18. Beſtecket ſie mit raute /
Spickt ſie mit ſauer kraute /
Und ſchicket ſie mit haut und haar
Dem hencker zu dem neuen-jahr.

IX. Pindariſche Trauer-Ode eines verzweiffelten / aber beſtaͤndig-Verliebten.

1. Satz
DJe kuh wird auf dem ſeile tantzen /
Der ochſe wird Latein verſtehn /
Der bock wird junge baͤumgen pflantzen /
Die ſau zur juden-hochzeit gehn /
Der kater wird die meſſe ſingen /
Die henne wird den fuchs verſchlingen.
Der eſel wird die laute ſchlagen /
Die ſchafe werden feuer ſpruͤhn /
Der baͤr wird ſammt und ſeide tragen /
Der wolff wird an dem karne ziehn /
Das pferd wird muß und ſuppe lecken /
Dem hunde wird der haber ſchmecken.
Der haſe wird calender machen /
Der wiedehopff wird geld verſtreun /
Die ratze wird am thore wachen /
Der affe wird ein doctor ſeyn /
Das eichhorn wird die froͤſche fangen /
Der ſtorch wird haſelnuͤſſe langen.
Der guggug wird Sonaten ſpielen /
Das murmelthuͤr wird freundlich thun /
Die taube wird im miſte wuͤhlen /
Die wachtel wird im waſſer ruhn /
So fern ich mich ſo hoch vermeſſe /
Daß ich der Roſilis vergeſſe.
J 42. Gegen -136Uberfluͤſſiger gedancken
2. Gegenſatz.
DAs waſſer wird berg an ſpatziren /
Die erde wird im monden gehn /
Die ſonne wird am himmel frieren /
Die berge werden niedrig ſtehn /
Die tiſche werden untern baͤncken /
Die pfuͤtzen uͤbern weiden hencken.
Man wird das weinfaß auf dem dache /
Das ſtorchs-neſt in dem keller baun /
Man wird Roſacer in der lache /
Citronen auf der fichte ſchaun /
Man wird mit alten ſcheiden handeln /
Und ſie vor in kaneel verwandeln.
Man wird das maul mit peche ſchmincken /
Man wird ſpeck auf die merthe ſtreun /
Man wird aus leehren kannen trincken /
Bey faulen eyern luſtig ſeyn /
Man wird das bier mit ellen meſſen /
Und heckerling vor ſpargen freſſen.
Der wird ſich auf ein pflugrad ſehnen
Der gerne weiche pretzeln friſt /
Ein ander gar nach hobelſpaͤnen
Der dem ſalate guͤnſtig iſt /
Wann ich mein liebgen werde kennen /
Daß ſie mich wird ihr liebgen nennen.
3. Nachſatz.
DJe aſcher-mittwoch ſol auff einen freytag fallen /
Man ſol die Martins-gans zum oſter-haͤßgen
ſtallen /
Die maͤdgen ſollen lux / die buͤfgen lutze heiſſen /
Der beſen-binder ſol die kupfferſtuͤcke reiſſen /
Der ſtunden-ruffer ſol Concerten muſiciren /
Und137ſiebendes dutzent.
Und der gemeine lauff ſol ſich durchaus verlieren /
Wo ich der ſtoltzen ſeel in dem beliebten leibe
Nicht auch biß an den tod getreu und guͤnſtig bleibe.

X. Als Monſieur Laͤppiſch ein Maͤdgen zu tode complimentiren wolte.

ES iſt ja ſonſten gifft genung /
Wir duͤrffen keine feuer-ſchlangen
Und irgeud duͤrre kroͤten fangen /
So haben wir den rechten trunck /
Auf allen nothfall thut es auch
Ein kleines bißgen hutterauch.
2. Was treibt dich dann vor noth darzu /
Daß du den armen maͤdgen eben
Mit deinen worten wilſt vergeben?
Ach halt das maul und ſchaff ihr ruh /
Dann hat ſie ja den todt erſehn /
So koͤnt es ohne dich geſchehn.
3. Da ſteht der narr und knaſtert ihr
Sechs hundert tauſend eitelkeiten /
Die weder gicks noch gacks bedeuten /
Aus ſeiner lahme zunge fuͤr /
Da fippert er und radebrecht
Die reden als ein ſchinder-knecht.
4. Jhr leute nun gedenckt an mich /
Wir haben morgen eine leiche /
Der guͤmpel fuͤhrt die ſtumpffen ſtreiche
Bald oben hin / bald nnter ſich /
Darumb / ſol ungeluͤcke ſeyn /
So ſticht er leicht zum hertzen nein.
5. Es jammert mich das arme kind /
Daß eben die beliebten ſachen /
Die andere maͤdgen luſtig machen /
J 5Jhr138Uberfluͤſſiger gedancken
Jhr an dem leben ſchaͤdlichſind /
Und daß ein wort / das ſonſt verſtaͤubt /
Jhr an dem hertzen kleben bleibt.
6. Sie koͤmmt in warheit nicht davon
Dann wolte ſie den leib purgieren /
Und allen unflat von ſich fuͤhren /
Wo waͤre die purgation?
Ach nein / ſie ſtirbt in dieſer qval /
Wir ſehn ſie nun das letzte mahl.

XI Das unempfindliche Hertze.

JCh wolte mich gerne verlieben /
Fuͤrwahr ich kan nur nicht /
Der kuͤtzel iſt lange vertrieben
Der junge leute ſticht /
Jch ſeh die maͤdgen an /
Als wie ein alter mann.
2. Die pfeile der lieblichen blicke
Sind viel zu ſtumpff vor mich /
Die reden die niedlichen ſtricke /
Ziehn ab und ſchaͤmen ſich /
Weil ihre leiſe krafft
So wenig nutzen ſchafft
3. Die roſen der zierlichen wangen /
Die lippen von rubin /
Die geben ſich ſelber gefangen /
Je mehr ſie ſich bemuͤhn /
Je mehr iſt ihre laſt
Mir eitel und verhaſſt.
4. Die reihen der artigen haͤnde /
Die alabaſter haut /
Da mancher verliebter kein ende
Zu139ſiebendes dutzent.
Zu ſeiner wolluſt ſchaut /
Die ſelben kommen mir
Todt und verdorben fuͤr.
5. Die freude der reitzenden ballen /
Die wunder-ſchoͤne bruſt /
Mag andern perſonen gefallen /
Jch haſſe dieſe luſt /
Und die gelegenheit
Zu ſolcher eitelkeit.
6. Sie moͤgen ihr angeſicht weiden /
Noch hundertmahl ſo ſchoͤn /
Sie moͤgen ſich butzen und kleiden
Und vor den ſpiegel ſtehn /
Nun mehr ſo bleib ich ſchon
Am liebſten weit darvon.
7. Drum weichet ihr zarten geſichter /
Blickt mich nicht weiter an /
Mein hertze ſey zwiſchen uns richter /
Daß ich nicht liebeu kan /
Bemuͤht euch anderswo /
Jch bleibe lieber ſo.

XII Die verliebten Nahmen.

NUnmehr bedarff ſie einen nahmen
Den ſie dem neuen liebſten gibt /
Dann allesheiſt doch ja und amen /
Uud was ſie denckt / das iſt verliebt /
Der halben muß ein wort allein
Der neuen freundſchafft zeuge ſeyn.
2. Mein ſchatz iſt vor die handwercks-leute /
Vor dieſem wars ein huͤbſches wort:
Mein liebgen ſchickt ſich auf die freythe /
Doch140Uberfluͤſſiger gedancken
Doch nach der hochzeit muß es fort:
Mein ſchaͤtzgen taugt fuͤrwar nicht viel /
Als wann ich ſie vexieren wil.
3. Mein laͤmmgen ſteht nicht ſo den buͤfgen /
Als wohl den lieben maͤdgen an:
Mein ſchneutzgen / das bedarff ein brieffgen /
Daß man es recht verſtehen kan:
Mein engel trifft gar ſelten ein /
Dann niemand wil der fluͤgel ſeyn.
4. Mein hertzgen iſt das allerbeſte /
Wann knecht und maͤgd beyſammen ſind:
Mein Vatter koͤmmt zu ehrenveſte /
Und reimt ſich auff kein junges kind:
Mein zuckerbild / mein nelcken-ſtrauß /
Das ſieht mir ſo poetiſch auß.
5. Mein kind das laͤſt ſich endlich hoͤren /
Wann man es nicht zu offte ſagt:
Mein ſeelgen laͤſt ſich fein mit ſchweren /
Wann man es ſonſt nicht gerne wagt:
Mein ſpaßgalan / mein Courtiſan /
Steht nur den loͤffel kaͤtzgen an.
6. Mein haußwirth war vor alten zeiten
Der ſchoͤnſte titul von der welt:
Mein freund kan alle mit bedeuten /
Wer ſich ein bißgen freundlich ſtellt:
Mein troͤſter iſt ein ſuͤſſer hohn /
Es ſchwatzt ſich nur nicht wohl davon.
7. Mein hampel-mann iſt vor das bette /
Doch vor den leuten taug es nicht:
Mein haͤhngen iſt bißweilen wette /
Wan er zuvor mein huͤhngen ſpricht:
Mein guͤmpel das iſt immerfort
Nicht141ſiebendes dutzent.
Nicht mehr als nur ein huren-wort.
8. Mein mahlgen iſt zwar gut zu ſchertzen /
Doch der verſtand iſt vielerley;
Mein herr / das geht mir nicht von hertzen /
Man denckt doch immer narr dabey;
Mein mann ſteht ſchlecht wie michs beduͤnckt /
Dieweil mein weib ſo garſtig klingt.
9. Jch kan ihr nichts vor angen mahlen /
Was ſie vor reden fuͤhren ſol /
Sie lerne nur fein niedlich thalen /
Ein freundlich wort das find ſich wohl /
Und wo ſie nichts erſinnen kan /
Nimmt er ein ſchlechtes maͤulgen an.

Uberfluͤſſiger Gedancken Achtes Dutzent.

I. Die Junggeſellen-Noth.

DEr ehſtand plagt mich offt /
Daß ich mich unverhofft
Jns weſen nein verliebe /
Denn hab ich lange zeit /
So denck ich allbereit /
Ach haͤtt ich eine frau / die mir die zeit vertriebe.
2. Fruͤh morgens ſteh ich auff /
Und wann ich meinen lauff
Bald hie bald da betrachte /
So rumpelt mir der bauch /
Derhalben denck ich auch /
Ach haͤt ich eine frau / die mir ein ſuͤpgen machte.
3. Und wann ich meinen bart.
Recht142Uberfluͤſſiger gedancken
Recht nach der neuen art /
Gern in die falten ſchraubte /
So kommen federn drein /
Da muß ich traurig ſeyn /
Ach haͤtt ich eine frau / die mir im barte klaubte.
4. Bißweilen bin ich kranck /
Da lieg ich auf der banck /
Und bete meine ſpruͤche /
Doch in dergleichen qual /
Da denck ich hundertmahl /
Ach haͤtt ich eine frau / die mir im ruͤcken ſtrieche.
5. Jm bette kommt ein floch /
Der huͤpfft mir gar zu hoch /
Und macht ſo krumme ſpruͤnge /
Daß ich mit uberdruß
Von hertzen wuͤnſchen muß /
Ach haͤtt ich eine frau / die mir die thiergen fienge.
6. Jm winter waͤr es zwar
Kein wunder / wann ich gar
Mich da zu todte haͤrmte /
Doch ſeh ich diß noch an /
Dieweil ich wuͤnſchen kan /
Ach haͤtt ich eine frau / die mir das bette waͤrmte.
7. Wann ich in meinem ſinn
Rechtſchaffen boͤſe bin /
Und meine luſt nicht buͤſſe /
So denck ich vielerley
Doch dieſes auch dabey /
Ach haͤtt ich eine frau / die ſich erſchlagen lieſſe.
8. Jn ſumma / was ich thu /
Da kan ich nicht darzu.
Als wie der hund im ſchilffe /
Es143Achtes dutzent.
Es iſt mir alles leid /
Drum wuͤnſch ich allezeit /
Ach haͤtt ich eine frau / die mir aus noͤthen huͤlffe.

[II. ]Die Jungfer-Noth.

WO ſind ich einen troſt
Jn meinen hertzenleide?
Mein gluͤck iſt doch erboſt.
Und goͤnnt mir keine freude
Ach gebt mir einen mann /
Der mich verlaßnes kind ein bißgen troͤſten kan.
2. Jch bin vor warten kranck /
Die ſchoͤnen ſommer-tage
Sind mir nur gar zu lang /
Und mehren meine plage:
Drum gebt mir einen mann /
Der mir die liebe zeit mit luſt vertreiben kan.
3. Jch weiß kein eintzig ſpiel /
Das mir belieblich waͤre /
Zwar / wann ich ſpielen wil /
So find ich kein gehoͤre /
Drum gebt mir einen mann /
Der mit mir aus-und ein im bette ſpielen kan.
4. Zur hochzeit moͤcht ichs wohl
Von junggeſellen leiden /
Doch weil ich immer ſoll
Nur welcke ruͤben ſchneiden /
So gebt mir einen mann /
Der auf der hochzeit mich zum tantze fuͤhren kan.
5. Es iſt mir nicht bewuſt /
Daß ich in vielen jahren
Auff eine ſommer-luſt
Spa -144Uberfluͤſſiger gedancken
Spatzieren waͤr gefahren /
Ach gebt mir einen mann /
Der mich zur vogel ſtang auf pfingſten fuͤhren kan.
6. Hab ich in dieſer welt
Nicht lauter ungeluͤcke /
Das liederliche geld /
Das waͤchſt mir auch nicht dicke:
Drum gebt mir einen mann /
Dem ich die pfenge fein im hoſen ſteubern kan.
7. Ach / iſt er noch nicht da /
Es liegt mir im gekroͤſe
Fuͤrwahr ein bißgen nah /
Jch werde gerne boͤſe /
Drum gebt mir einen mann
Der meinen boͤſen ſinn mit ſanfftmuth leiden kan.
8. Jch bin der jungferſchafft
Von gantzem hertzen muͤde /
Und meine ſchlechte krafft
Hilfft mir zu keinem friede /
Drum gebt mir einen mann /
Der mich zu einer frau mit ehren machen kan.

III. Eine neue Jungfer-Noth.

WJe iſt das zarte jungfer-fleiſch
Den maͤdgen ſo beſchwerlich /
Dann / ſind ſie fromm und keuſch /
So iſt es gleichwohl ſehr gefaͤhrlich /
Dieweil ein falſcher wahn
Die ſchoͤnſte tugend ſchimpffen kan.
2. Die leuthe ſehen auf den ſchein /
Und laſſen ſolche ſachen
Der tugend richter ſeyn /
Die145Achtes dutzent.
Die weder fromm noch boͤſe machen /
Und dencken unverwandt /
Ein muͤckgen ſey ein elefant.
3. Man laſſe doch ein maͤdgen gehn /
Und bey den junggeſellen /
Ein viertelſtuͤndgen ſtehn /
Wie werden ſich die leute ſtellen /
Als muͤſte ſie allein
Die aller aͤrgfte hure ſeyn.
4. Ein maͤdgen kan nicht / wie ſie will
Auch in der kirche beten:
Denn laͤſt ſie gar zu viel
Die augen aus den falten treten /
Und ſieht den himmel an;
So heiſts / ſie meynt den courtiſan.
5. Wie manche zeitung wird erdacht;
Da hat ſich die verſprochen /
Und die wird ausgelacht /
Dieweil ihr ſchatz die treu gebrochen /
Und wird die ſache klar /
So iſt das zehnde wort nicht war.
6. Doch diß iſt rechte lumperey /
Die tummen junggeſellen
Die ſolten ſich darbey
Zur ernſten gegenwehre ſtellen /
So bleiben ſie zur ruh /
Und helffen noch wohl ſelbſt darzu.
7. Die wolte gerne juͤnger ſeyn /
Die ſchwitzet in das bette /
Die hat ein boͤſes bein /
Die traͤgt nur eine falſche kette /
Die ſchminckt ihr angeſicht /
KDie146Uberfluͤſſiger gedancken
Die folgt der lieben mutter nicht.
8. Die nimt ſechs thaler zum gewinn /
Der ſchleppen doch die maͤuſe
Holtz-aͤpffel ſonſt wohin /
Die bleibt bey ihrer alten weiſe /
Die iſt ein halbes ſchwein /
Die ſaͤufft ſo gerne brantewein.
9. Und die hat einen holen zahn /
Drum ſtinckts ihr aus dem loche /
Die ſchielt den liebſten an
Und gucket in die andre woche /
Die iſt ohns henckers danck
Wohl gar am lieben dinge kranck.
10. Derhalben iſt manch armes kind
Jm hertzen wohl geplaget /
D / wann ſie ſich beſinnt /
Aus ſchmertzen und verzweifflung ſaget /
Mein leben wird mir ſchwer /
Ach wer ein junggeſelle waͤr.

IV. Als das Maͤdgen ſich zu keinen Liebes Haͤn - deln verſtehen wolte.

LJebſtes kind / ich bin nicht bloͤde /
Stelle dich nur gegen mir
Jmmer noch einmahl ſo ſproͤde /
Jch verbleibe doch bey dir /
Und empfinde meine luſt
Bey der unverliebten bruſt.
2. Spotte meiner treuen liebe /
Lache meine reden aus /
Schertze wann ich mich betruͤbe /
Und verſchließ mir gar das haus /
Jch147Achtes dutzent.
Jch wil doch bey dir allein
Jn verliebten dienſten ſeyn.
3. Zeuch die haͤnde ſtracks zuruͤcke
Wann ich ſie ergreiffen wil /
Spare deine ſuͤſſe blicke /
Und verderbe mir das ſpiel /
Jch bins ſonſten wohl gewohnt /
Daß man mich ſo ſchlecht belohnt.
4. Darff ich keine roͤſgen brechen
Die auf deinen lippen ſtehn /
Darff ich nicht mein liebgen ſprechen /
Und mit dir ſpatzieren gehn;
So verlaß ich doch das liecht
Deiner ſtillen ſchoͤnheit nicht.
5. Jch erkenne dein gemuͤthe /
Wie es alle liebes-arth
Und die unbefleckte bluͤte
Vor demſelben liebſten ſparth /
Welcher kuͤnfftig mehr als wohl
Dich allein vergnuͤgen ſol.
6. Nun ich muß dich ſelber loben /
Weil die zarte ſittſamkeit
Durch die allerſchoͤnſten proben
Solche tugend von ſich ſtreut /
Ach waͤr mir ein ſolches kind
Von dem himmel auch verguͤnt!
7. Unterdeſſen laß mich lieben /
Weil ich dich nicht haſſen kan:
Jſt mir ſonſt nichts uͤberblieben /
Nun ſo bin ich wohl daran /
Daß wenn mich nach dir geluͤſt /
Mir dein anſehn offen iſt.
K 2V. Die148Uberfluͤſſiger gedancken

V. Die zukuͤnfftige Liebſte / nach eines andern Erfindung.

MEin liebgen ſol ſo ſeyn /
Ein kind von jungen jahren /
Von ſchoͤn und liechten haaren /
Von etwas bleiben wangen /
Darnach ſteht mein verlangen /
So ſol mein liebgen ſeyn.
2. Mein liebgen ſol ſo ſeyn /
An augen wie die tauben /
Am muͤndgen wie die trauben /
An lippen wie die roſen /
Da wuͤnſch ich liebzukoſen /
So ſol mein liebgen ſeyn.
3. Mein liebgen ſol ſo ſeyn:
Von wollenweichen haͤnden /
Von wohlgefaſten lenden /
Von unbefleckten armen /
Da moͤcht ich gern erwarmen /
So ſol mein liebgen ſeyn.
4. Mein liebgen ſol ſo ſeyn:
Nur ehrlich vom gebluͤte /
Und luſtig vom gemuͤthe /
An reden ſey ſie ſtille /
Mein wille ſey ihr wille /
So ſol mein liebgen ſeyn.
5. Mein liebgen ſol ſo ſeyn:
Ein ander frey nach gelde /
Nach einem weiten felde /
Nach einer welcken ruͤbe /
Jch liebe / die ich liebe /
So ſol mein liebgen ſeyn.
6. Mein149Achtes dutzent.
6. Mein liebgen ſol ſo ſeyn:
Sie darff nicht hoͤhniſch lachen /
Und complimenten machen /
Und gar zu praͤchtig gehen /
Jch wiel ſie doch verſtehen /
So ſol mein liebgen ſeyn.
7. Mein liebgen ſol ſo ſeyn:
Als wie das maͤdgen ſiehet /
Das mich jetzund bemuͤhet /
Das mich ſo weit getrieben /
Daß ich mich muß verlieben /
So ſol mein liebgen ſeyn.

VI. An die ſtoltze Roſilis.

JCh kan nicht laͤnger bitten /
Es iſt vor mich zu viel /
Wo ſie an ihren ſitten
Nicht anders werden wil /
So hab ichs ſchon bedacht /
Und gebe gute nacht.
2. Man trifft dergleichen leute
Noch allenthalben an /
Wer weiß / ob ich nicht heute
Was friſches haben kan?
Die welt iſt groß genung /
Und ich bin ſtarck und jung.
3. So wolte ſie es haben /
Jch ſolte mich allein
Mit leerer hoffnung laben /
Und doch ihr diener ſeyn /
Drum ſchuͤtzte ſie bey mir
So lahme poſſen fuͤr.
K 34. Ach150Uberfluͤſſiger gedancken
4. Ach nein / es ſind der ſauren /
Jch weiß wohl / was ich thu /
So hetzet man die bauren /
Jch bin zu ſchlim darzu /
Es treffe mir ſo ein:
Quarck muͤſte butter ſeyn.
5. Ey / ſol ich mich verlieben?
Soll ich mich auf den todt
Um ihre gunſt betruͤben?
Ach nein / es hat nicht noth /
Sie iſt gar falſch bericht /
Vor liebe ſterb ich nicht.
6. Du armes tauſend-kindgen /
Verbleibe wer du biſt /
Und wo ein viertel ſtuͤndgen
Dir nicht beſchwerlich iſt /
So ſieh zum fenſter nauß /
Jch ſuch einander hauß.
7. Jch wil dich uͤbertrotzen /
Sey noch einmahl ſo ſtoltz /
Laß dein geſichte ſtrotzen /
Als wie ein eichen-holtz /
Jch geh nunmehr gemach
Und frage nichts darnach.

VII. Alte Grillen.

AUf ihr ſtoppeln meiner liebe!
Denckt einmahl an jene zeit /
Als ich meine dienſtbarkeit
Einer ſtillen gunſt verſchriebe /
Und mein hertz ein ſuͤſſes band
An der liebſten hertzen fand.
2. War151Achtes dutzent.
2. War ich nicht dem loſen kinde
Gleichſam auf den hals gepicht?
Welche ſtunde fragt ich nicht /
Wo und wie es um ſie ſtuͤnde?
Auch ein blickgen ſchien ein jahr /
Wann ſie nicht zugegen war.
3. Jch entſchlug mich aller freude /
Die geſellſchafft war mein tod /
Was mir neue luſt gebot /
Zehlt ich unter meine feinde:
Denn es ſolt in ihr allein
Meine freundſchafft fruchtbar ſeyn.
4. Sie vergnuͤgte mein verlangen /
Jhre ſchoͤnheit war mein ruhm /
Jhre gunſt mein eigenthum /
Und die roſen ihrer wangen /
Die ſie mir zu eigen gab /
Brach ich unverhindert ab.
5. Ach / wie hoch wahr ich geſtiegen /
Meine Venus ſchien mir voll:
Doch / nach dem ich fallen ſoll /
Werd ich deſto lieber liegen:
Denn des gluͤckes wechſel-ſtand
Hat ſich ſchleunig umgewand.
6. Nun / ich muß mich drein ergeben:
Denn ich kan doch nicht dafuͤr /
Und ich armer / ſol ich hier
Keine freude mehr erleben /
So verliehr ich doch das liecht
Einer andern hoffnung nicht.
7. Unterdeſſen will ich dencken /
Was ich nicht beſitzen kan /
K 4Und152Uberfluͤſſiger gedancken
Und die luſt der alten bahn
Mir in mein gedaͤchnuͤß ſchencken /
Ob ich gleich in meinem ſinn
Nur ein armer jude bin.

VIII. Als die boͤſe Catharis ihren Namens-Tag begieng.

Boͤſe jnngfer ſol ich nun
Mich der ſachen unterwinden /
Und der zeit ihr recht zu thun /
Sie mit einem bande binden?
Nein / ach nein / ach warlich nein /
Nein / ſie moͤchte boͤſe ſeyn.
2. Dann ſie hat mir gar zu viel
Jhren ſcharffen text geleſen:
Wo ichs weiter treiben wil /
So bekomm ich gar den beſen;
Nein ich wag es nicht mit ihr /
Dann wer iſt mir gut dafuͤr?
3. Laͤſt ſie ſich nicht ſauer an
Jn den reden und geberden /
Daß ich armer hampel-mann
Moͤchte zum ſalate werden /
Wann ich nur den uͤberfluß
Jhrer boßheit koſten muß.
4. Jch bin from als wie ein lamm /
Gleichwohl ſind die jungfern alle
Mir zum bloſſen poſſen gram /
Daß ich offt in ſchwermuth falle /
Wann ich dencke / wie ich wohl
Dieſen ſachen helffen ſoll.
5. Wann doch itzt mein ſchlechtes band
Hoͤflich153Achtes dutzent.
Hoͤflich auffgezogen kaͤme /
Und entweder ihre hand
Solches nicht vor willen naͤhme /
Oder mir zum uͤberdruß
Traͤte ſie es untern fuß.
6. Ey / wie wuͤrd ich da beſtehn /
D ich armer diebel ſolte
So bezahlt nach hauſe gehn /
Wann ich courtiſiren wolte?
Nein / ich gebe mich nicht bloß /
Meine ſcham iſt viel zu groß.
7. Alle leute wieſen ja
Mit den fingern / wo ich ſtuͤnde;
Seht doch / ſeht den kerlen da
Mit dem ſchoͤnen angebinde /
Seht doch / ſeht wie er ſich ziert
Und den rotz ans ſchienbein ſchmirt.
8. Dieſes geh ich endlich ein /
Wo das boͤſe donner-hertze
Will ſchier kuͤnfftig froͤmmer ſeyn /
Nun ſo ſchwer ich nicht im ſchertze
Bey dem ſchacht und damen-ſpiel /
Daß ich ſie noch binden will.

IX. Gut gemeynt / uͤbel gerathen.

ACh weh ich armes kind!
Was vor ein labyrinth
Verwirt mir die gedancken?
Da muß ich ungefaͤhr
Bald hin bald wieder her /
Als wie ein ſchilffrohr wancken.
2. Jſt diß der ſchoͤne grund /
K 5Darauff154Uberfluͤſſiger gedancken
Darauf die hoffnung ſtund /
Die mir ſo guͤnſtig lachte?
Sol dieß die freundſchafft ſeyn
Die mir den falſchen ſchein
Sonſt vor die augen machte?
3. Mich deucht / ich haͤtt einmahl /
Durch ſorgen / muͤh und quaal /
Den fiſch heraus geangelt;
So werd ich die gefahr
Nun allererſt gewahr /
Da mir das beſte mangelt.
4. Die freunde ſind nicht faul /
Und wollen mir das maul
Mit ſuͤſſen worten ſchmieren /
Da kommen ſie zu mir /
Und wollen da und hier
Mich bey der naſe fuͤhren.
5. Die feinde ſehn mich an /
Und blecken ihren zahn /
Als wolten ſie gedencken /
Jch wuͤrde dergeſtalt
Den karrennicht ſo bald
Aus dieſen kothe lencken.
6. Und alſo weiß ich nicht /
Wohin ich mein geſicht
Vor gram und ſorgen wende:
Mein liebgen hab ich noch /
Sonſt hat die luſt ein loch /
Und alle gunſt ein ende.
7. Jhr leute kommt und ſchaut /
Wie ſchlimm hab ich gebaut /
Der grund ligt auf dem ſande.
Der155Achtes dutzent.
Der wirfft mir nun das hauß
Zu allen fenſtern naus /
Und laͤſt mich in der ſchande.
8. Wolan ich bin genug
Mit meinen ſchaden klug /
Jch mags nicht mehr erfahren /
Jch leyde was ich ſoll /
Und itzo ſeh ich wohl /
Verſtand kommt nicht vor jahren.
9. Doch will ich meinen ſinn /
Daß ich ſo alber bin /
Aus aller macht verfluchen:
Und goͤnnt mir GOtt die zeit /
So will ich anderweit
Mein beſſer gluͤcke ſuchen.

X. Auf ein verwelcktes Roͤßgen.

ACh mein roͤßgen iſt verwelckt!
Welches meiner augen weide /
Meine wolluſt / meine freude /
Welches durch das gantzejahr
Meine liebſte farbe war /
Dieſes eilet ſo behende
Zu dem unverhofften ende /
Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
2. Ach / mein roͤßgen iſt verwelckt!
Wann ich etwas am geruche /
An der krafft und ſchoͤnheit ſuche /
Find ich nur ein duͤrrrs blat /
Welches ſchlechte reitzung hat /
Gleichwohl konte mein verlangen
Geſtern in derſelben prangen /
Ach156Uberfluͤſſiger gedancken
Ach mein roͤßgen iſt verwelckt.
3. Ach mein voͤßgen iſt verwelckt!
Und die zeit / die alten dingen /
Muß ihr letztes urtheil bringen /
Raubt mir auch das ſchoͤne pfand
Gar zu zeitlich aus der hand /
D ich von dem edlen ſtuͤcke
Kaum den ſchatten noch erblicke.
Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
4. Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
Die verliebte fruͤhlings-blume /
Welche vor dem ſchoͤnen ruhme
Das gedaͤchtniß in der welt
Sonſten auch nichts mehr behaͤlt /
Alldieweil die ſchoͤnen gaben
Sich zu weit verhuͤllet haben /
Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
5. Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
Und in dem ich ſie betrachte /
So empfind ich ſtill und ſachte
Mein gewiſſes ebenbild
Jn dem leichnam eingehuͤlt
D ich bald auch werde muͤſſen
Meine junge zeit beſchlieſſen /
Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
6. Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!
Und je laͤnger ich die raͤncke
Dieſer eitelkeit bedencke /
Kommt mir auch die ſuͤſſe zier
Mehr und mehr betruͤbter fuͤr;
Drum / in dem ich ſie beklage /
Kan157Achtes dutzent.
Kan ich nicht / als daß ich ſage /
Ach mein roͤßgen iſt verwelckt!

XI. Ein Diſcurs uͤber die Jungferſchafft zwiſchen dem Florindo und der Marilis.

Flor.
MEin allerliebſtes kind / will ſie ins kloſter ziehn?
M. Jch hab es ſo bedacht / was ſol ich mich bemuͤhn.
F. Viel gluͤcks auf ihren weg / ſie laͤſt ſich noch wohl halten /
M. Viel lieber wolt ich mir den kopff in ſtuͤcken ſpalten.
F. So muß ihr fleiſch und blut umſonſt gewachſen ſeyn?
M. Was heiſt dann fleiſch u. blut? ich finde mich nicht drein.
F. Sie wird verſichert auch den alten Adam mercken.
M. Ach nein / ich halte viel von lauter guten wercken.
F. Der ehſtand laͤſt vielmehr die guten wercke ſehn.
M. Er ſage was er wil / es iſt doch nun geſchehn.
F. Sie laͤſt ihr alle noch ihr jungfer-roͤſgen brechen.
M. Jch rath es keinem nicht / die doͤrner moͤchten ſtechen.
F. Es muß geſtochen ſeyn / wann nur die blume bricht /
M. Es iſt ein eben thun: ach nein / ich moͤchte nicht
F. Jſt ſie nicht uͤbel dran / wer waͤrmt ihr nun das bette?
M. Warum? als wann ich nicht die ſchweſter bey mir haͤtte.
F. Diß iſt ein ſchlechter troſt / die ſchweſter iſt zu kalt.
M. Viel lieber kalt und ſchoͤn / als warm und ungeſtalt.
F. Es iſt doch brod zu brod / das fleiſch muß ſie vermiſſen.
M. Viel beſſer brod zu brod / als kaͤſe zugebiſſen.
F. Mein kind / ſie lege ſich nur etwas rechtes zu
M. Es iſt gefahr dabey / man laſſe mich zur ruh.
F. Sie darff nicht furchtſam ſeyn: wer wagt d kan gewinnen.
M. Wer wagt / dem kan das ſpiel auch in der hand zerrinnen.
F. Jſt dann die jungferſchafft von allem creutze frey?
M. Die jungfern haben eins / die armen weiber zwey.
F. Der weiber creutze ſind mit zucker uͤberzogen
M. Ja wohl / der zucker hat manch liebes kind betrogen.
F. Weßwegen laufft dann nun die gantze welt darnach?
M. Wer nur verſtaͤndig iſt / der thut fuͤrwar gemach.
F. Hat ſie ſo viel verſtand / ſo mag ſie was verkauffen.
M. Jch158Uberfluͤſſiger gedancken
M. Jch ſorge nur fuͤr mich / die andern moͤgen lauffen.
F. Wer weiß / wer noch zu erſt die tantz ſchuh machen laͤſt.
M. Wenn ich geſtorben bin / da iſt mein hochzeit-feſt.
F. Wie bitter iſt der tod / wie lieblich iſt das leben!
M. Jch liebe meinen tod / dem hab ich mich ergeben.
F. Wie heiſt der liebe tod / hat er nicht hoſen an?
M. Jch dachte was mir waͤr / faͤngt er nicht haͤndel an.
F. Doch ſol der liebe tod / bey ihr im ſarge liegen.
M. Jch werde die geſtalt des todes ſelber kriegen.
F. So nimmt ſie ihn in arm / und wird mit ihm ein leib.
M. Jch bin ſein ehgemal / ſein ſchatz / ſein liebes weib.
F. Mich deucht / es gucken ſchon die augen aus der bahre.
M. Jtzund verſteh ichs erſt / iſt er nicht loſer haare?
F. Nun ſol ich loſe ſeyn / und ſie iſt ſchuld daran.
M. Er warte biß ich auch zut antwort kommen kan.
F. Ach / ſie verliebe ſich / die antwort iſt die beſte.
M. Jch hab ein eignes haus / das herbergt keine gaͤſte.
F. Vor einen guten freund kan leicht ein plaͤtzgen ſeyn.
M. Das plaͤtzgen nimt darnach die gantze wohnung ein.
F. Die jungfer will alſo mit ihrem diener ſchertzen.
M. So war ich ehrlich bin / das geht mir recht von hertzen.

XII. Die endliche Erklaͤrung.

JCh bin betruͤbt /
Weil mich mein kind nicht wieder liebt /
Denn dieſes feuer meiner pein
Muß noch zur zeit verborgen ſeyn.
Und die mir gefaͤllet / die weiß es noch nicht /
Und wenn ſie es wuͤſte / ſo glaubte ſie es nicht /
Und wenn ſie es glaubte / ſo ſagte ſie es nicht /
Und wenn ſie es ſagte / ſo traut ich ihr nicht /
Und wenn ich ihr traute / ſo huͤlffe michs nicht;
Drum lieget mein hertze gefangen / und ſpricht:
Es iſt um mich geſchehn /
Jch bin zu lauter qual verſehn.
2. Jch159Achtes dutzent.
2. Jch mache zwar
Mein hertz bißweilen offenbahr /
Und ſinge manch betruͤbtes lied /
Das blos auf ihre ſchoͤnheit ſieht:
Doch / wann ich es ſinge / ſo hoͤrt ſie es nicht /
Und wenn ſie es hoͤrte / ſo merckte ſies nicht /
Und wenn ſie es merckte / ſo wolte ſie nicht /
Und wenn ſie auch wolte / ſo duͤrffte ſie nicht /
Und wann ſie auch duͤrffte / ſo ſchickte ſichs nicht /
Jndeſſen ſo bin ich dem maͤdgen verpicht /
Und denck in meiner noth /
Jſt doch die hoffnung noch nicht todt.
3. Jch ſeh es wohl /
Wer im gedancken wuchern ſol /
Biß ihm das gute gluͤcke rufft /
Der baut nur ſchloͤſſer in die lufft;
Doch / hilfft es mich wenig / ſo ſchad mir es nicht /
Und wann es mir ſchade / ſo ſchmertzte michs nicht /
Und wann es mich ſchmertzte / ſo kraͤnckte michs nicht /
Und wann es mich kraͤnckte / ſo ſtuͤrb ich doch nicht /
Und wann ich auch ſtuͤrbe / ſo ließ ich es nicht
Sie bliebe mein leben / ſie bliebe mein liecht
Derhalben bleibts darbey /
Jch bin ihr gut und ewig treu.
4. Doch itzo bin
Jch ungewiß in meinen ſinn /
Und was ich nicht erlangen kan /
Seh ich mit ſchwacher hoffnung an /
Sie kennet mich endlich / und kennet mich nicht.
Jch brenne vor liebe / ſie liebet mich nicht /
Doch / weil ſie nicht liebet / ſo haſſt ſie auch nicht.
Und weil ſie nicht haſſet / ſo fuͤrcht ich mich nicht /
Und160Uberfluͤſſiger gedancken
Und wo ich mich fuͤrchte / verzweiffel ich nicht
Drum troͤſtet mein hertze ſich ſelber und ſpricht:
Es iſt noch nicht geſchehn /
Jch bin noch wohl darzu verſehn.

Uberfluͤſſiger Gedancken Neuntes Dutzent.

I. Er iſt ein Narr.

JHr leute gebt mir doch geſchrieben /
Daß ich ein ertz-fantaſte bin /
Und ſolte mir es nicht belieben /
So bringt mich mit gewalt dahin /
D ich die thorheit zum beſchluß
Vor aller welt bekennen muß.
2. Jch hoͤre nichts mit meinem ohren -
Jch bin mit ſehnden augen blind /
Der mund hat allen ſchmack verlohren /
Die faͤuſte ſind nicht / wo ſie ſind /
Die naſe reucht / und hat gleich wohl
Den ſchnuppen / wann ſie riechen ſoll -
3. Dem ſcheddel fehlt ein groſſer ſparren /
Das haubt iſt wie ein tauben-haus
Da fliegen mir die jungen narren
Bald fornen ein / bald hinten naus;
Doch auf den abend ziehn ſie hier
Zuſammen wieder ins quartier.
4. Wolt ihr kein claͤußgen bauen laſſen /
Darein ich mich verſperren kan /
So hetzt die kinder auf der ſtraſſen
Mit hund und katzen auf mich an /
Und161Neundtes dutzent.
Und legt mir alle nahmen zu /
Biß ich nicht mehr ſo naͤrriſch thu.
5. Verbremt mir nur den kopf mit ſchellen /
Und ſetzt mir einen fuchsſchwantz auf /
Wollt ihr mir einen hut beſtellen /
So flickt mir auch ein kuͤhhorn drauf /
Und gebt mir an des ſebels ſtatt
Ein holtz das keine ſcheide hat.
6. Beſetzt mein kleid mit bunten flecken
Und macht mirs band von bohnenſtroh /
Und ſchreibt mir an auf allen ecken /
Diß iſt ein narr in folio;
Wofern ich bey dem narren-ſpiel
Nicht zum erkaͤntniß kommen will.
7. Doch nein / ich wil nun anders werden /
Jch mag kein pickelhaͤring ſeyn
Jch ſtelle mich nur an geberden /
Bißweilen naͤrriſch auf den ſchein;
Drum lieber / was verlacht ihr mich?
Ein jeder iſt ein narr vor ſich.

II. Ein Muſter von alten Ertz-Complimenten.

MAedgen / hat ſie ſich geſchminckt /
Weil die roſen-rothen ſtraalen
Den beliebten ſchein bemahlen /
Der aus ihren wangen blinckt?
Jſt ſie von natur ſo ſchoͤne?
Nein / ach nein / wie mich beduͤnckt /
Dieſes iſt ihr bloß gehoͤne /
Maͤdgen / hat ſie ſich geſchminckt.
2. Maͤdgen hat ſie ſich geſchminckt?
Mein herr nachbar der muß eben
LDieſe162Uberfluͤſſiger gedancken
Dieſe meynung von ſich geben /
Sieht ſie nicht / wie er mir winckt?
Sol ich die gedancken ſagen /
Die er heimlich an mich bringt?
Gelt / ich ſol noch einmahl fragen /
Maͤdgen / hat ſie ſich geſchminckt?
3. Maͤdgen hat ſie ſich geſchminckt?
Halt / ich wil denſelben hoͤren /
Welcher ihr zu lieb und ehren
Eines auf geſundheit trinckt /
Der wird ſich ſo viel entbrechen /
Und ſo fern es ihn beduͤnckt /
Eben dieſes urtheil ſprechen:
Maͤdgen ſie hat ſich geſchminckt.
4. Maͤdgen hat ſie ſich geſchminckt?
Ach / ſie ſey doch nicht ſo ſchoͤne /
Weil uns arme buͤrger ſoͤhne
Sonſt die liebe gar umringt:
Und wo ihr die ſchoͤne frage
Jrgend in die naſe ſtinckt /
So verzeih ſie / daß ich ſage /
Maͤdgen / ſie hat ſich geſchminckt.

III. Jungfer / es iſt mir nicht um den wetzſtein / es iſt mir nur um euch.

UM den wetzſtein iſt mirs nicht /
Es iſt mir nur um euch /
Goͤnnt mir euer angeſicht /
Sonſt gilt mir alles gleich:
Mein creutz / mein blut /
Seyd ihr mir gut /
So hab ich warlich viel /
Der163Neuntes dutzent.
Der arme ſtein
Mag immer ſeyn
Und bleiben / wo er wil.
2. Nun hab ich die hoͤfflichkeit
Zu ehren angebracht /
Denn ich habe lange zeit
Den ſachen nachgedacht /
Nun ſchickt ſichs ſo /
Und ich bin froh /
Daß itzt der gute ſtein
Zum erſten mahl
Jn meiner quaal
Muß mein vertretter ſeyn.
3. Drum / mein hertz / vergoͤnnt mir auch /
Daß ich euch lieben darff /
Euer alle-tags gebrauch
Der iſt ein bißgen ſcharff /
Was heiſt es denn /
Ach ſagt mir wenn /
Jſt meine noth geſchlicht /
Ach / gebt mir platz /
Jhr ſeyd mein ſchatz /
Den wetzſtein mag ich nicht.

IV. Ein ander mahl ſchwaͤrtze mehr die Banck.

DAs heiſt die banck geſchwaͤrtzt / wann man die pruͤ -
Zum macher-lohne kriegt / (gel-ſuppe
Daß man zu boden liegt /
Und ſich nicht wohl beſinnt / was einen in der juppe
So ſchrecklich und abſcheulich ſchmertzt.
Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt.
L 22. Das164Uberfluͤſſiger gedancken
2. Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt zur ungluͤckſeel -
Das kleid iſt gantz verderbt / (gen ſtunde /
Und hat ſich ſchwartz gefaͤrbt /
Zweyhundert thaler gehn auf einmal vor die hunde;
Drum iſt die gnade gantz verſchertzt /
Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt.
3. Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt / der herr hats ſo
Nun muß der junge dran / (geheiſſen /
Der hat nun all’s gethan /
Und laͤſt ſich unverdient biß auf den tod zerſchmeiſſen /
Es iſt ein bißgen grob geſchertzt /
Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt.
4. Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt / ſo kom̃t ein Mah -
Zum ſchlaͤgen gar zu fruͤh / (ler-junge
Und weiß fuͤrwahr nicht wie /
Der herr begehrt ihn nicht / er ſtehet auff dem ſprunge
Und wird bey allen ausgemertzt /
Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt.
5. Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt / das heiſt ein ſchoͤn
Wo iemand dieſes ſpiel (geſchencke /
Noch einmahl ſehen wil
So geh und ſchwaͤrtz er nur den leuten ihre baͤncke /
So wird er auch ſo huͤbſch gehertzt /
Das heiſt die banck geſchwaͤrtzt.

V. Ein Geſpraͤch / welches der trunckene Coridon mit der hoͤniſchen Roſilis getrieben.

Roſ.
SJeh da / mein Coridon / wil er ein hoͤltzgen haben.
C. Aus welchen ich vielleicht ein weibgen ſchnitzen kan.
R. Er geh und laſſe ſich dafuͤr die zunge ſchaben.
C. Sie putze ſich nur ab / ich hab es ſchon gethan.
R. Jch weiß nicht / was es heiſt / er macht ſich trefflich gruͤne.
C. Die165Neuntes dutzent.
C. Die ziege koͤmmt noch nicht / die mich verſchlingen wil.
R. Vor deſſen waren ja die kerlen nicht ſo kuͤhne.
C. Vordeſſen ſchwatzten auch die maͤdgen nicht ſo viel.
R. Monſieur / es iſt mir leid / er ſtolpert im proceſſe /
C. Wolan / ſo muß ſie mir ihr Corpus Juris leihn.
R. Ja / hoͤrt nur wieder her / die letzte Leipzger meſſe.
C. Jndeſſen muß ſie auch mit mir zu frieden ſeyn.
R. Ey / ey / wie muͤſſen doch die bauerflegel zuͤrnen.
C. Vielleicht / die weil ſie nicht ein buͤfgen wordeniſt.
R. Ach nein / ihr haſen-kopff / ich eſſe keine birnen.
C. Jedoch ſie ſey mein gaſt / wo ihr darnach geluͤſt.
R. Nein / ich bedancke mich / er ſol den quarck behalten.
C. Und gleichwohl nimmt ſie ihn ſo hurtig in den mund.
R. Er ſtreiche ſich damit die zwickeln in die falten.
C. Sie brauch es nur vor ſich / ihr maͤulgen iſt fein rund.
R. Ach / ſteckt die zung ins loch / und ſchwatzt ein bißgen beſſer.
C. Mein kind / ſpatziert voran / die thuͤr iſt aufgemacht.
R. Vor meiner liegen auch in warheit keine ſchloͤſſer.
C. Jſt ſie ſo ſchlecht verwahrt / das haͤtt ich nicht gedacht.
R. Das haͤtt ich nicht gedacht / mit ſeinen narren-poſſen.
C. Jch rede / daß ſie mich fein bald verſtehen kan.
R. Jſt diß nicht eine noth / er iſt ja wohl geſchoſſen?
C. Wie anders? denn der pfeil haͤngt mir noch jetzund an.
R. Was will er dann bey mir / er geh mir nur vom leibe.
C. Warum? ich bin ein hirt / ich ſuche meine ſau.
R. Geht / eh ich euch den kopff mit kammerlauge reibe.
C. Auf einen wiedergelt / ich nehm es nicht genau.
R. Der hencker hat mich doch mit bauern gar beſeſſen.
C. Drum ſieht der baueꝛ wohl ihr zu den augen rauß.
R. Gewiß ich wil den ſchimpff mein tage nicht vergeſſen.
C. Sie komm zu mir zur kirms auff einen lerchen-ſchmauß.

VI. Ein ander troͤſtlich Geſpraͤch / zwiſchen Monſieur Flori - an und Monſieur Baldrian / wegen der Jrene.

Flor.

WAnn ich mein leben ſoll beſchreiben / So ſag ich nur / ich bin verliebt.

L 3B. Doch166Uberfluͤſſiger gedancken
B.

Doch ſoll Jrene mein verbleiben / Die ſich in meine gunſt ergibt.

F.

Es leugt ſich viel / das kan wohl ſeyn.

B.

Allzeit trifft mir es beſſer ein.

2.

F.

Wer kan ſo ſchoͤne minen machen / Wer kan ſo appetitlich thun?

B.

So bald ich morgen werd erwachen Wil ich in ihren armen ruhn.

F.

Monſieur / er ſteche ſich nicht drein.

B.

Er wolle doch nicht hoͤhniſch ſeyn.

3.

F.

Jch werde zu den albern choſen Jn warheit auch nicht ſauer ſehn.

B.

So laß ich mir bey meinen roſen Auch die bravade nicht geſchehn.

F.

Nun ſo behalt er ſeinen preiß.

B.

Er ſage mir was ich nicht weiß.

4.

F.

Mein ſcheel / es kommt ein bißgen duͤrre / Wer in gedancken wuchern ſol

B.

Monſieur / geht er gleich in der irre / So gehts doch einem andern wohl.

F.

Die juͤngſte poſt haͤlt nichts darvon

B.

Ach geht ihr armer coridon.

5.

F.

Er faͤllt warhafftig von der huͤtſche / Wo er das maͤdgen mehr begehrt.

B.

Mein freund / er koſte nur die tuͤtſche / Er iſt des fleiſches doch nicht werth.

F.

Nein groſſen danck / ich thu ihm nichts /

B.

Wann ers begehret / ſo geſchichts.

6. F. Jſt167Neuntes dutzent.

6.

F.

Jſt mancher nicht in ſeinem ſinne So ein perfecter cortiſan /

B.

Ja wohl und mancher wird nicht inne D er nicht courtoiſiren kan.

F.

Du abgott der zufriedenheit!

B.

Du wunderwerck der hoͤfflichkeit.

7.

F.

Es iſt mir endlich unverboten / Wo ich in Franckreich reiſen wil.

B.

Er zieh aufs dorff und huͤte ſchoten / Die ſtadt-luſt iſt vor ihn zu viel.

F.

Ey nicht doch / meynt er dann alſo.

B.

Er geh / und frag auch anderswo.

8.

F.

Monſieur / will er mir nicht verkauffen Vor einen dreyer hoͤfflichkeit?

B.

Nein / iſt er aus der ſchul entlauffen; Nun iſts zu langſam an der zeit.

F.

Jedennoch langſam naͤhrt ſich auch.

B.

Bey uns iſt gar ein ander brauch.

9.

F.

Jch hab es gleichwohl vorgenommen / Mein feuer ſcheut noch keinen froſt.

B.

Er ſol ſie gar gewiß bekommen / Schiers kuͤnfftig auf den neuen moſt

F.

Mit ihm hats warlich keine noth.

B.

Und ſeine krebſe ſind nicht roth.

10.

F.

Mich deucht / ich ſehe ſeinen nahmen Jm buche der verſchonung ſtehn:

B.

Und ich ſeh ihn mit wuͤrmer-ſamenL 4Faſt168Uberfluͤſſiger gedanckenFaſt allezeit zum marckte gehn.

F.

Er traͤgt ein trefflich ſchieferdach.

B.

Das ſagt mir wohl ein ander nach.

11.

Irene.

Holla / was ſoll der ſturm bedeuten / Halt mit dergleichen haͤndel ein / Und laſſt ihr euch den hencker reiten / So ſoll diß euer loſung ſeyn: Wer bey der liebſten haͤndel ſucht / Der jagt ſich ſelbſten in die flucht.

VII. Auf einen Wittwer / der ſich mit der andern Frau in der Badeſchuͤrtze trauen ließ.

KOmmt / liebſte kommt heran /
Und knuͤpffet mir die ſchuͤrtze /
Daß ich euch hertzen kan /
Es iſt ein fetner alter brauch /
Und meine frau die hat mirs auch
Vor dieſer zeit gethan.
2. Es iſt nun hohe zeit /
Wir haben nun genug geſchlaffen /
Der morgen iſt nicht weit /
Jch als ein wittwer / muß verſtehn /
Und weiß mit euch ſo umzugehn /
Daß ihr zu frieden ſeyd.
3. Die hexen ſollen mir /
Nun keinen knoten knuͤpffen /
Denn dieſer knoten hier /
Hilfft wieder allen huͤtterauch /
Und meine ſchuͤrtze vor dem bauch
Jſt trefflich gut dafuͤr.
4. Die leute moͤgen nun
Durch169Neuntes dutzent.
Durch unſern trau-ring pinckeln /
So wollen wir doch ruhn /
Und alle die quackſalberey
Soll uns bey unſer loͤffeley /
Doch keinen ſchaden thun.
5. Und wann mir einer will
Ein dutzent ſchloͤſſer ſchlieſſen /
So irrt er mich nicht viel /
Kein kuͤnſtler und kein kluger manu /
Der ſonſt caninchen machen kan /
Verderbet unſer ſpiel.
6. Drumb gebt euch immer drein /
Greifft an das werck mit freuden /
Es muß doch endlich ſeyn /
Macht fort und knuͤpfft den knoten auf /
Denn ſonſten trifft der rechte kauf
Uns gar zu langſam ein.
7. Jhr ſeyd mir doch nicht huld /
Jch will auf euch nicht warten /
Jch habe die gedult /
Jn meinem wittwer-hertzen nicht:
Doch wo mir was zu leid geſchicht /
So geb ich euch die ſchuld.
8. Und alſo geht es loß /
Hie liegt die bade-ſchuͤrtze /
Der braͤutgam ſteht nun bloß /
Und fodert ſeine liebe braut /
Mit fleiſch und bein / mit haar und haut
Auffn hieb und auf dem ſtoß.
L 5VIII. Der170Uberfluͤſſiger gedancken

VIII. Der betruͤbte Abſchied.

SO werd ich nun von dir getrieben /
Du allerliebſte Marilis!
Und ſoll ich dich vergebens lieben?
Denn dieſes iſt nun mehr gewiß /
Nach dem ich meinen ſchluß geleſen /
Jch bin am laͤngſten hier geweſen.
2. Nun werd ich dich geſegnen muͤſſen /
Mein kind! ich haͤtte zwar vermeint /
Jch wolte deiner noch genieſſen:
Doch mein verhaͤngniß iſt mir feind /
Und ruͤcket mir in einer ſtunde /
Das liebſte bißgen auß dem munde
3. Fuͤrwar ich wolte gerne leiden /
Was immer zu erleiden ſteht /
Und ſolt ich alle luſt vermeiden /
Die mir doch ſonſt zu hertzen geht /
Wenn mir das gluͤcke nur verguͤnnte /
Daß ich bey dir verbleiben koͤnnte.
4. Doch haſt du irgend meine ſchmertzen
Mit kalten augen angeſchaut /
Und haſt du meinem frommen hertzen
Die redlichkeit nicht zugetraut /
So gieb mir doch auff ſolche weiſe /
Ein freundlich anſehn auff die reiſe.
5. Dein leben hat mir wohl gefallen /
Dein ſchoͤner wandel war mein liecht:
Wie wol du weiſt von dieſen allen /
Gleich wie es ſcheint / die helffte nicht /
Denn ich behielt die ſtillen ſorgen
Jn meiner engen bruſt verborgen.
6. Nun171Neuntes dutzent.
6. Nun muß ich mir den zuͤgel laſſen /
Weil doch nicht mehr zu hoffen iſt:
Jch trete ſchon auff meine ſtraſſen /
Wer weiß wem du beſcheret biſt /
Jedoch ruͤhm ich des gluͤckes gabe /
D ich dich nur geſehen habe.
7. Und wirſt du dich mit dem verbinden
Der dein und meine freundſchafft kennt /
So wirſt du doch kein hertze ſinden
Das in dergleichen flamme brennt /
Jetzt muß ich mich von hinnen lencken /
Doch wirſt du wohl an mich gedencken.

IX. Der H. Chriſt wil nichts beſcheren

JEtzt freuen ſich die kinder
Auff ihren heilgen chriſt /
Und ſuchen ihn geſchwinder /
Als er vorhanden iſt /
Jch aber darff nicht froͤlich ſeyn /
Mein heilger chriſt der ſaget nein.
2. Jch hab in allen dingen
Vergebne zuverſicht /
Mein beten und mein ſingen
Hilfft im geringſten nicht /
Je mehr ich nur wil froͤmmer ſeyn.
Je mehr und oͤffters ſagt er nein.
3. Sanct Niclaus will nicht bitten /
Als wie er ſonſt gethan /
Sanct Peter hilfts verſchuͤtten /
Wo er nur weiß und kan /
Und alſo kans nicht anders ſeyn /
Mein H. chriſt der ſaget nein.
4. Kein172Uberfluͤſſiger gedancken
4. Kein menſch wil buͤrge werden
Vor mich verlaſſnes kind /
Weil niemand die beſchwerden
So ſehr als ich empfind /
Sanet Ruppert zwickt mich an das bein /
Der H. chriſt der ſaget nein.
5. Die leute / ſo ihn kennen /
Die wiſſen / wer er iſt /
Jch weiß ihn nicht zu nennen /
Als nur den H. chriſt /
Jch hoff / und denck auff ihn allein /
Und gleichwohl ſagt er immer nein.
6. Ach laß dich doch behandeln /
Du lieber H. chriſt /
Du kanſt dich leicht verwandeln /
Weil du barmhertzig biſt /
Ach ſtelle dich geneigter ein /
Und ſage nur nicht allzeit nein
7. Jch wil nicht viel begehren /
Dein wille ſoll geſchehn /
Laß du mir nur beſcheren /
Jch wil es gerne ſehn /
Und ſolt es nur ein roͤßgen ſeyn /
Nur ſage nicht beſtaͤndig nein.
8. Jnzwiſchen ſol ich leiden /
Was du mir unrecht thuſt /
Soll ich die gaben meyden
Und alle kinder-luſt /
So geb ich mich gedultig drein /
Sag jetzo doch nicht ewig nein.
X. Der173Neuntes dutzent.

X. Der Jungfern Andrees-Gebet.

ACh Sanet Andrees! erbarme dich /
Und gib mir einen mann /
Und weil ich ihn ſo eigentlich
Jetzund nicht nennen kan /
So komm / und bring ihn dieſe nacht /
D er vor meinen bette lacht
So bin ich wohl daran.
2. Jſt er nicht groß und lang genung /
So mag er kleine ſeyn /
Jſt er nicht mehr an jahren jung /
So mag er aͤltlich ſeyn.
Jſt er nicht ſitſam auf der freyth /
Und hat zu wenig froͤmmigkeit /
So mag er boͤſe ſeyn.
3. Weiß und verſteht er nicht gar viel /
So mag er albern ſeyn /
Wo er nicht hunger leiden wil /
So mag er freſſig ſeyn.
Und wo er ja von morgen an
Den durſt nicht wohl vertragen kan /
Mag er verſoffen ſeyn.
4. Jſt er des ſchweigens nicht gewohnt /
So mag er keiffig ſeyn /
Wo er das liebe geld nicht ſchont /
Mag er vertuhnlich ſeyn.
Und wenn es ſich ſo wohl nicht fuͤgt /
Daß er im bette trocken liegt /
So mag er garſtig ſeyn.
5. Jſt er am leibe nicht geſund /
So mag er unpaß ſeyn.
Hat er nicht einen glatten mund /
So174Uberfluͤſſiger gedancken
So mag er runtzlich ſeyn.
Und zeiget ſich ſein angeſicht
Jn unbefleckten farben nicht /
So mag er kuͤpffern ſeyn.
6. Jſt es kein feiner edelmann /
So mags ein bauer ſeyn /
Giebt ſich kein groſſer doctor an /
So mags ein ſchuſter ſeyn /
Haͤlt mich kein kauffmann nicht ſo werth /
D er mich zu der frau begehrt /
So mags ein maͤckler ſeyn.
7. Jſt es kein Superintendent /
So mags ein kuͤſter ſeyn /
Und iſt kein ſchoͤſſer der mich kennt /
So mags ein ſchreiber ſeyn.
Und wo der buͤrgermeiſter nicht
Mir in der zeit die eh verſpricht /
So mags der thuͤrknecht ſeyn.
8. Wo er nicht tauſend thaler ſchafft /
So moͤgens zwantzig ſeyn /
Hat er kein kleid von doppeldafft /
So mags wohl leinwand ſeyn /
Und wenn er in und aus der ſtadt
Auch nicht ein eignes haͤußgen hat /
So mags ein mietmann ſeyn.
9. Wo ſich kein junggeſelle findt /
So mags ein wittwer ſeyn.
Jſt es kein ehrlich mutterkind /
So mags ein banck art ſeyn.
Und iſt es kein bewehrter mann
Der neunmahl neune zehlen kan /
So mags ein ſeyn.
10. Ach175Neuntes dutzent.
10. Ach Sanct Andreas / ich trage doch
Die keuſchheit mit verdruß /
Drum komm / mein troſt / und gib mir noch
Was gutes zum beſchluß /
Damit ich nicht in kurtzer zeit
Vor uͤbermachter bangigkeit
Zur hu werden muß.

X. Es hungert ihn nach Fleiſche.

ACh weh! wie hungert mich / wo krieg ich neue krafft
Wo find ich einen koch / der mir zu eſſen ſchafft?
Der fleiſch kram iſt zwar offen /
Jch aber weiß nicht wohl /
Wo ich was gutes hoffen
Und mich vergnuͤgen ſoll.
2. Putt-huͤngen fleiſch iſt weich / und gehet niedlich ein /
Es mag auch gut genung vor ſchwache maͤdgen ſeyn /
Doch wann die liebe ſpeiſe
So zart und ſchlappricht ſieht /
Verliert man auf die weiſe
Gar leicht den appetit.
3. Das kalb-fleiſch iſt noch jung / u. beiſt ſich lieblich an
Wenn man die eutergen mit unterſchneiden kan /
Doch wen es an der mutter
Nicht lang geweſen iſt /
So iſt es auch ein futter /
Darnach mich nicht geluͤſt.
4. Das ꝛind-fleiſch iſt gemein / und wiꝛd ſehꝛ hoch beliebt /
Dieweil es guten Safft / und volle nahrung giebt:
Es haͤlt vortreflich wieder /
Doch dieſes gute lob
Jſt nicht vor ſchwache glieder /
Was176Uberfluͤſſiger gedancken
Was ſtarck iſt / das iſt grob.
5. Das ſchoͤpſenfleiſch iſt nett / doch wañ mans eſſen wil /
So machts im leibe nicht die geiſter gar ſubtil /
Der ſchmack iſt auserleſen /
Jndeſſen iſt es doch /
Ein tummes ſchaaf geweſen /
Und hat den ſchaafs-kopff noch.
6. Das ſchweinen-fleiſch iſt ſuͤß / jedoch mir graut dafuͤr /
Es iſt um eine ſau gar zu ein garſtig thier /
Drum will mirs nicht zu ſinne /
Da klebt ein bißgen koth /
Da ſitzet eine finne.
Da iſt es ſonſten roth.
7. Das wilpert iſt nicht ſchlim / ich haͤtt es laͤnſt beſtellt
Doch es bedarff viel ſpeck und koſt ein haufen geld /
Das iſt mein groͤſter tadel /
Drum denck ich nicht dahin /
Dieweil ich nicht von adel
Noch groß von mitteln bin.
8. Wiewohl ich tadle nicht das eſſen gar zu ſcharff /
Wer nur nicht eſel fleiſch aus noth gebrauchen darff /
Der wird noch nicht verderben:
Es weiſt ſich manchmahl aus /
Eh man wil hunger ſterben /
So faͤngt man eine mauß /
9. Jetzt geh ich in den kram / und ſuche guten rath /
Wer weiß / wer ſchon dasfleiſch zuvor beſchnuppeꝛt hat /
Man muß ſich doch begnuͤgen /
Es wird doch alls bezahlt /
Und haͤtten es die fliegen
Gantz ſprenglich ausgemahlt.
10. Jch halte / mancher kriegt ein olle putterie /
Sie177Neuntes dutzent.
Sie ſchmeckt nach allerley / und gleichwohl lobt er ſie /
Drum will ich mich beqvemen /
Und will in kurtzer friſt
Das erſte bißgen nehmen /
Das mir beſcheret iſt.

XII. Ein verliebter Abſchied.

MEines hertzens koͤnigin!
Soll ich jetzo von dir ſcheiden /
Und die lieben oͤrter meiden /
Da ich vor geweſen bin?
O / du meines lebens leben!
Jſt denn dieß der ſtrenge Schluß /
Daß ich gute nacht ſol geben?
Ja mein liebſtes kind! ich muß.
2. Du wirſt es ſchon ſelbſt verſtehn /
Hier iſt doch kein ewig bleiben /
Und wir muͤßen uns verſchreiben
Ferner in die welt zu gehn /
Unſer leben und ſtudieren
Giebet uns den guten rath /
Beſter maſſen auszufuͤhren /
Was man angefangen hat.
3. Drum ſo nimm die treue hand /
Gib ihr noch zum letzten mahle /
Hier bey dieſem roſenthale /
Ein gewiſſes freundſchaffts-pfand /
Druͤcke die betruͤbten glieder /
Denn es iſt doch nun geſchehn /
Und wer weiß / wann ich dich wieder /
Liebſte ſeele! werde ſehn.
4. Dencke mein geliebtes kind!
〈…〉〈…〉Und178Uberfluͤſſiger gedancken
Und erwege meine ſorgen /
Wann der abend und der morgen /
Meine ſeufftzer / durch den wind /
Wird zu deiner ſeele fuͤhren /
So wird mein vergnuͤgter geiſt
Dein gedaͤchtniß nicht verliehren /
Biß der lebens-faden reiſt.
5. Schoͤnſte! lebe dir und mir /
Ach! ich habe deinem leben
Alles wohlergehn ergeben /
Drum gedencke fuͤr und fuͤr /
Wilſt du mir die freude goͤnnen!
So erhalte deinen ſchein /
Biß wir endlich wieder koͤnnen
Hoͤchſt-vergnuͤgt beyſammen ſeyn.

Uberfluͤſſiger Gedancken Zehendes Dutzent.

I. Auf einen alten Tantz-Knecht.

ACh weh! wir armen junggeſellen /
Wir werden gar zu langſam klug /
Weil wir uns tumm und alber ſtellen /
So faͤhrt die zeit den ſchnellen flug /
Eh wir uns eigentlich beſinnen /
Mit aller luſtigkeit von hinnen.
2. Der anfang von den jungen jahren
Sol auch der liebe wachsthum ſeyn /
Da ſol das zarte volck zu paaren /
Die ſtillen kuͤſſe von ſich ſtreun /
Da ſol die junge ſehnſucht ſpielen /
Und179Zehendes dutzent.
Und flammen in der ſeele fuͤhlen /
3. Gleich wie ein ſchaͤfgen ſeiner weyde /
Begierig nachzugehen pflegt /
So ſucht die jugend ihre freude /
Da wird nichts uͤbels ausgelegt /
Da ſchnaͤbeln ſich die glatten maͤulgen /
Und pflicken ihre mertzen-veilgen.
4. Doch / wann man ſchon an ſeinen wangen
Den bart mit tauſend ſtacheln fuͤhlt /
Und hat es noch nicht angefangen /
So hat man mehr als halb verſpielt /
Und will man mehr auf kurtzweil harren /
So wird man mehrentheils zum narren.
5. Es heiſt die blumen ſind vergangen /
Die knoſpe ſol zuſammen ſtehn /
Und wenn man alles kan erlangen /
So muß man ins gefaͤngnis gehn /
Da ſich das elend in den decken
Der eitlen liebe ſol verſtecken.
6. Wohl dem / der ſeinen liebs-beruffe
Still und gehorſam folgen lernt /
Eh ihm der jugend letzte ſtuffe
Von der gelegenheit entfernt /
Da kriegt man ſorgen mit den jahren /
Und muß die luſt dann ewig ſpahren.
7. Wann ich mich hin und her beſinne /
So hab ich auch die zeit verſeumt /
Und finde was an meinem kinne /
Das ſich zu keiner liebe reimt /
Drum wuͤnſch ich offt in dieſem ſtuͤcke
Ach haͤtt ich noch zehn jahr zuruͤcke.
M 2II. Man180Uberfluͤſſiger gedancken

II. Man ſol maͤſſig ſeyn.

ZUviel / zuviel / zuviel / was hat euch ſo beſeſſen /
Daß ihr nichts anders ſchertzt /
Als daß ihr immer hertzt /
Wo ihr einander wolt in einer woche freſſen /
So wird ein bloſſes kinderſpiel
Zuviel / zuviel / zuviel.
2. Zuviel / zuviel / zuviel / wolt ihr euch ſo vergnuͤgen
Jhr habts zwar gute macht /
Jn deſſen ſeyd bedacht /
Wie mancher hat den wein ſelbſt in den keller liegen
Und trinck doch nicht ſo offt er wil /
Zuviel / zuviel / zuviel.
3. Zuviel / zuviel / zuviel / was wird ein gaͤrtner ſprechen /
Wann man zu keiner zeit /
Ohn allen unterſcheid
Die angenehme luſt der blumen wolte brechen.
Drum geht und trefft das rechte ziel /
Zuviel / zuviel / zuviel /
4. Zuviel / zuviel / zuviel / ein koch / der alle ſachen
Jn lauter zucker ſetzt /
Kan mehrentheils zu letzt /
So gut es erſtlich ſchmaͤckt / den groͤſten eckel machen /
Drum braucht einmahl ein ander ſpiel /
Zuviel / zuviel / zuviel.
5. Zuviel / zuviel / zuviel / ihr muͤſt euch ſelbſt verſtoͤren /
Weil ihr die finger leckt /
Und weils am beſten ſchmeckt /
So iſt es allezeit am beſten aufzuhoͤren /
Wo man die luſt erhalten wil /
Zuviel / zuviel / zuviel.
6. Zuviel181Zehendes dutzent.
6. Zuviel / zuviel / zuviel / ihr muͤſt euch etwas zecken /
Jhr muͤſſet / auff den ſchein /
Ein bißgen boͤſe ſeyn /
Da muͤſt ihr ſauer ſehn / da muͤſt ihr euch verſtecken /
So ſpiel man ſonſt das liebe-ſpiel /
Zuviel / zuviel / zuviel.
7. Zuviel / zuviel / zuviel / folgt mir und lernet ſpahren /
Denn hab ich keine frau /
So weiß ich doch genau /
Wo Barthel moſt bekoͤmmt / und habe viel erfahren.
Drum folge / wer da folgen will /
Zuviel / zuviel / zuviel.

III. Er iſt verliebt.

DU liebſtes kind! ſo wilſt du dich ergeben /
Und darf ich nicht in ungewißheit leben /
Ach! ſieh den wunſch des reinen hertzens an /
Der bloß in dir vergnuͤgung finden kan.
2. Jch bin zu ſchwach mein leiden zu verbluͤmen /
Jch muß den glantz an deiner tugend ruͤhmen /
Und wann ich dieß in meiner einfalt thu /
So nehm ich nur an angſt und ſchmertzen zu.
3. Dein ſchoͤnes haar / die augen und die wangen /
Sind ſtarck genug vor mich und mein verlangen /
Doch was dein ſinn durch zeichen von ſich giebt /
Das macht mich erſt biß auf den todt verliebt.
4. Ach laß / mein kind / mich nicht vergebens hoffen /
Und hat mich ja die ſuͤſſe laſt betroffen /
So laß dein liecht das labſal meiner pein /
Und einen blick mein liebſtes merckmahl ſeyn.
5. Schau nur auf mich / die neider moͤgen ſtechen
Und dieß und das von meiner liebe ſprechen.
M 3Jch182Uberfluͤſſiger gedancken
Jch habe mich bißher genug erklaͤrt /
Daß dich mein hertz aus reiner pflicht begehrt.
6. Du kanſt dich ſchon an meine ſeele binden /
Du wirſt an treu nicht meines gleichen finden;
Und bin ich nicht der pralerey gewohnt /
So hat mein mund der warheit nie verſchont.
7. Jch ſtelle mich in dein geneigt belieben /
Du kanſt mich jetzt eꝛfreuen und betruͤben /
Jch ehre dich und wuͤnſche deiner zier /
Jndeſſen ſteht der ausſchlag noch bey dir.
8. Nun wilſt du dich zu gleicher brunſt bekennen /
So wird uns auch kein ungewitter trennen /
Jm leben wil ich ſtets dein wiederſchein /
Jm tode ſelbſt dein treuer ſchatten ſeyn.

IV. Auf eine trauer-Hochzeit.

LJebſte braut! was ſoll ich ſagen /
Soll ich das verlohrne gut
Jhrer jungferſchafft beklagen /
Oder ſoll ich meinen muth
Mitten in den freuden ſpielen /
An dem jungen weibgen kuͤhlen.
2. Nein / ich mag ſie nicht vexieren /
Denn es iſt mir nicht zuviel /
Auch wofern ich klage fuͤhren
Und die luſt verderben will /
Werd ich doch bey ihren lachen
Schwerlich meinen anfang machen.
3. Hier bey dieſen ehren-feſte
Giebt es ſonſt gelegenheit /
Denn die angenehmen gaͤſte
Werden alſobald zerſtreut /
Weil183Zehendes dutzent.
Weil die zincken und die geigen
Auf den ſtillen platze ſchweigen.
4. Zwar man darff auffs muſiciren
Nicht ſo ſehr gebunden ſeyn /
Und den muth darumb verlieren;
Dann man ſchertze gleich ſo fein /
Als vor vielen tauſend jahren
Keine geigenmacher waren.
5. Doch ſie wollens hier nicht glaͤuben /
Und dieweil ein jederman
Will auf ſeinem ſinne bleiben /
Geht das zehnde ſpiel nicht an:
Drumb muß eines nach dem andern
Vor der zeit nach hauſe wandern.
6. Sauer ſehn und hoͤniſch lachen
Koͤnnen alle leute wohl /
Aber wer ſich luſtig machen
Und den ſpaß erhalten ſoll /
Muß ſich unverdienter maſſen
Richten und verdammen laſſen.
7. Manche kan ſich eckel ſtellen
Und veracht’t die compagnie /
Denn mit ſolchen junggeſellen
Da verlohnt ſichs nicht die muͤh;
Manche weiß an allen enden
Schon was anders einzuwenden.
8. Doch wir ſind an unſerm orte
Nicht ein wenig ſchuld daran /
Da ſind lauter leere worte
Niemand giebt ein ſpiegel an /
Und wer luſt hat anzufangen /
Kan nicht audienz erlangen.
M 49. Nun184Uberfluͤſſiger gedancken
9. Nun diß iſt / was ich beklage /
D ſo eine ſchoͤne braut /
Jetzt an ihrem ehren-tage
Keine beſſre freude ſchaut /
Und daß wir mit unſern ſachen
Eine trauer-hochzeit machen
10. Doch / ſie kan auf andre faͤlle /
Nach belieben luſtig ſeyn /
Denn der neue ſchlaff-geſelle
Koͤmmt herfuͤr und ſtellt ſich ein /
Dieſer wird ſie ſchon ergetzen
Und den mangel wohl erſetzen.

V. Er will gerne eine Frau haben.

SJnd das nicht unerhoͤrte ſtraffen?
Jch bin ſo hurtig als ein mann /
Und ſoll ſo lang alleine ſchlaffen /
Biß ich ein weib ernehren kan:
Jndeſſen hab ich keine ruh /
Und fleiſch und blut ſpricht nein darzu.
2. Wem ſol ich alſo folge leiſten?
Jch bin fuͤrwar von holtze nicht /
Und fuͤhle meine noth am meiſten
Wann mich der loſe kitzel ſticht /
Und aus den handel merck ich wohl /
Daß ich die welt vermehren ſoll.
3. Was hilfft michs? daß nun mit den jahren
Die kinder-ſchuh vertretten ſind.
Wann mir der ſchimpf ſoll wiederfahren
Daß ich muß leben als ein kind /
Und daß der zwang der einſamkeit
Mir alle freye luſt verbeut.
4. Was185Zehendes dutzent.
4. Was ſeh ich doch vor ſchoͤne leute
Bißweilen auf der gaſſen ſtehn /
Die alle wolten lieber heute
Als morgen dieſe ſtraſſe gehn /
Doch die gewonheit iſt ſo ſcharff /
Daß niemand ſich erklaͤren darff.
5. Man ſoll der ehre noch erwarten /
Doch dieſer troſt der taug nicht viel /
Die pretzeln ſchimmeln und verharten /
Wann man ſie friſch verſaͤumen will /
Und der beliebten roſen-liecht
Scheint in den ſpaͤten winter nicht.
6. Ach freylich ſind es lahme poſſen /
Weil man ſich noch ergetzen kan /
So wird man allzeit ausgeſchloſſen /
Hernachmahls geht der handel an /
Wenn unſre laͤmpgen auf das ziel
Gerathen und verleſchen will.
7. Jndem ich dieſes liedgen mache /
So blick ich auf mein dinte-faß /
Das ſchickt ſich wohl zu dieſer ſache /
Die dinte bleibt nicht immer naß /
Man ſchreib / und ſchreibe nicht daraus /
So trocknet doch der boden aus.
8. Ach! duͤrfft ich mich nur recht beklagen /
So darff ich meine liebe noth
Auch nicht dem beſten freunde ſagen /
Und das iſt aͤrger als der todt /
Jch warte / weil mein leder haͤlt /
Wo krieg ich dann mein warte-geld.
M 5VI. Die186Uberfluͤſſiger gedancken

VI. Die heimliche Falſchheit.

DU werther courtiſan /
Wie bluͤth dein gut geluͤcke /
Schau dein betruͤbnuͤß an /
Diß weicht ja nun zuruͤcke.
2. Nunmehr ſind voller freuden /
Die deine freunde ſind /
Die deine wolfahrt neiden /
Verſtieben wie der wind.
3. Es kommt vortrefflich ſchoͤn /
Was dein gemuͤthe dencket /
Worauf die feinde gehn /
Daſſelbe wird gekraͤncket.
4. Der fortgang muß ſich enden
Jn ſeiner neider luſt /
Jn deinen ſichern haͤnden
Jſt lauter troſt bewuſt.
5. Jetzt kommt zur reiffen frucht /
Was du zuvor erworben /
Was du vorlaͤngſt verflucht /
Das iſt bey dir verdorben.
6. Die liebe kehrt den ruͤcken
Auf deiner feinde ruh /
Auf dein entzuͤcktes blicken
Geht alls nach wunſche zu.
7. Du ſchmeckſt ohn unterlaß
Das honig von den kuͤſſen /
Das herbe thraͤnen-maß
Mag auf die andern flieſſen.
8. Die trauer-wolcken ſchlagen
Die wiederpart allein /
Dein187Zehendes dutzent.
Dein hertz in wenig tagen
Soll hahn in korbe ſeyn.
9. D iſt dein rechter lohn /
Du haſt was dich ergetzet /
Du haſt nur ſchimpff und hohn
Auf deinen feind geſetzet.
10. Drum will ich den umfaſſen /
Der deine gunſt begehrt /
Der deine treu wird haſſen /
Jſt kaum des lebens werth.
11. Wers mit der warheit meynt /
Der ſagt ich bin gewogen /
Der ſagt ich bin dein feind /
Der hat gewiß gelogen.
12. Jch werde nichts verrichten /
Wo ichs verderben kan /
Wo ich mich ſoll verpflichten.
Da geh ich willig dran.
NB. Man ſetze die herausgeruͤckten zeilen zuſammen / und leſe die eingeruͤckten drauff / ſo iſt die falſchheit klar.
3

VII. Eine hoͤfliche Entſchuldigung.

AChnein / ich moͤchte nicht / ich bin zur kirmß gebetẽ /
Und ich beduͤrffte faſt /
Noch ſelber einen gaſt /
Drum werd ich mir ſo weit wohl kein paar ſchuh ver -
Die leute ſind gar ſchlim bericht / (treten /
Ach nein ich moͤchte nicht!
2. Ach nein ich moͤchte nicht / ich eſſe keinen braten
Der nach der kuͤche ſchmeckt /
Wer gerne teller leckt /
Der188Uberfluͤſſiger gedancken
Der komm / und laſſe ſich auf meinem herde rathen /
Jch bin auf nichts ſo ſehr verpicht.
Ach nein ich moͤchte nicht.
3. Ach nein / ich moͤchte nicht / die kuchen ſind zu duͤnne /
Die butter iſt zu arg /
Die hefen gehn zu ſtarck /
Und die roſinen ſind gar ſparſamlich darinne /
Der rand iſt mager und zubricht /
Ach nein ich moͤchte nicht.
4. Ach nein ich moͤchte nicht / ich muß es nur bekennen /
Die ſuppe kocht zu ſcharff /
Und wer es nicht bedarff /
Der wird ſich waꝛlich nicht das maul dabey verbreñen /
Der hencker haͤlt euch doch das liecht /
Ach nein / ich moͤchte nicht.
5. Ach nein ich moͤchte nicht / ietzt leb ich in der faſte /
Da ich ſelten viel /
Doch wer nicht warten will /
Der komme nur zu mir fruͤh morgens her zu gaſte /
Die tafel iſt ſchon angericht /
Ach nein ich moͤchte nicht.

VIII. Man ſoll einander Du heiſſen.

ACh! wie geht es immer zu?
Die verliebten hertzen
Heiſſen nicht einander du /
Wann ſie freundlich ſchertzen.
Alles heiſt nur er und ſie /
Und wann ſie ſich ehren /
Kan ich kaum mit groſſer muͤh
Schatz und liebgen hoͤren.
2. Nein fuͤrwar / die reden ſind
Mehren -189Zehendes dutzent.
Mehrentheils verlohren:
Dann die liebe iſt ein kind /
Und wird erſt gebohren /
Drum / ſo muͤſt ihr dieſe zeit
Als wie kinder leben /
Und der ſuͤſſen freundlichkeit
Kinder-nahmen geben.
3. Er und ſie klingt viel zu alt /
Vor die jungen ſeelen /
Welche neuen auffenthalt
Jn der lieb erwehlen.
Du und du das ſchoͤne wort /
Muß die kuͤſſe wuͤrtzen /
Und die ſehnſucht fort und fort
Mit der hoffnung kuͤrtzen.
4. Was kan angenehmer ſeyn /
Als die zarten kinder /
Drum ſo faͤngt die liebes-pein
Tauſendmahl geſchwinder.
Wann die gunſt-geneigte bruſt
Sich darum bemuͤhet /
Was ſie bey der kinder-luſt /
Als im bilde ſiehet.
5. Und darzu ſo iſt noch nicht
Was von kindern fertig /
Wann es mit der zeit geſchicht /
Seyd ihrs kaum gewaͤrtig /
Drum / eh euch die zeit was goͤnnt /
Muͤſt ihr euch verfuͤhren /
Und die kinder / wie ihr koͤnnt /
Selbſten praͤſentiren.
6. Selig / wer ſo leben mag /
Thu190Uberfluͤſſiger gedancken
Thut mirs zu gefallen /
Und verſuchts nur einen tag /
Nun ſo wird in allen
Neue wolluſt / neue ruh /
Neues wolgedeyen /
Unter dem verliebten du
Euer lieb erfreuen.

IX. Er hat ein jung Maͤdgen.

BEht ihr groſſen jungfern fort /
Und gedencket nicht ein wort /
Daß ich mich um euch betruͤbe /
Dann mein ſinn wird offenbahr /
Und das maͤdgen das ich liebe /
Geht nunmehr ins zwoͤlffte jahr.
2. Jhre zarte freundlichkeit
Spielt in keuſcher ſicherheit /
Und beſtrahlt die ſchoͤnen wangen
Durch dergleichen uͤberfluß /
Daß ich uͤber dem verlangen
Auch zum kinde werden muß.
3. Jhre jugend iſt noch rein /
Und bewahrt den glatten ſchein
Jn der einfalt ihres hertzens /
Andre lieben in den wind /
Welche ſchon des ſtillen ſchmertzens
Aus der uͤbung kundig ſind.
4. Hofft man auf die roſen nicht /
Eh die gruͤne knoſpe bricht /
Jſt ſie aber aufgebrochen /
Wird man leicht des handels ſatt /
Dann wer weiß / wer ſie berochen /
Und191Zehendes dutzent.
Und zuvor begriffen hat.
5. Drum / ihr jungfern laſt mich gehn /
Jſt mein liebgen nicht ſo ſchoͤn
Als ein bild von ſechzehn jahren /
Nun ſo darff ich auch die liſt
Mir zum ſchimpffe nicht erfahren.
Daß ſie falſch und eckel iſt.
6. Mangelt ihr am gliedern was /
Ach wie bald erſetzt ſie das /
Jſt doch dieß die beſte freude /
Wann die jugend ſachte bluͤht /
Und man ſeiner augen-weide
Untern haͤnden wachſen ſieht.
7. Nun das iſt mein feſter ſchluß /
Und wofern ich warten muß /
Will ich lieber jetzt in zeiten
Nach der ſuͤſſen liebe gehn /
Als daß ich ſo gar von weiten
Soll mit meiner hoffnung ſtehn.

X. Hochzeit-Fragen.

WAs iſt die jungferſchafft? ein quintgen hudeley /
Das zehnmahl ſchwerer iſt / als ſonſt ein centner
Doch was iſt eine braut? ein ding / das geꝛne kuͤſt / (bley.
Und weder eine frau noch eine jungfer iſt.
Was iſt ein braͤutigam? ein mann und nicht ein mann /
Dieweil er ſich noch nicht der mannheit ruͤhmen kan.
Was mag das jawort ſeyn? es iſt das erſte ſpiel /
Wann man das leder nun mit ernſt verkauffen will.
Sagt / was verloͤbniß iſt? ein angeſtelltes feſt /
Davor man in der kirch am letzten bitten laͤſt.
Was iſt das auffgebot? es iſt ein ſpaͤter fleiß /
Darinn192Uberfluͤſſiger gedancken
Darinn erzehlet wird / was ſonſt ein jeder weiß /
Was iſt das hochzeit-feſt? es iſt ein warmes bad /
Darinnen wirth und gaſt was auszuſchwitzen hat.
Was mag die trauung ſeyn? die zeit / da man verehrt /
Was einen ſonſt mit recht und ehren zugehoͤrt.
Was iſt ein junggeſell? ein affe / der das ſpiel /
Dem herren braͤutigam flugs abſtudiren will.
Was iſt ein jungfergen? es iſt ein glaͤßgen wein /
Das niemand trincken darff / wann alle durſtig ſeyn.
Was iſt die erſte nacht? die hochzeit in der that /
Da manche mehr gehofft / als ſie zu koſten hat.
Was iſt die ander nacht? ein ſuͤſſer uͤberdruß /
Da man die alte ſchuld von geſtern zahlen muß.
Was iſt die dritte nacht? es iſt die rennebahn /
Da man aufhoͤren muß / wann mans am beſten kan.
Was iſt die jungefrau? es iſt ein loſer ſack /
Der in der compagnie auch garſtig reden mag.
Was iſt der ehſtand ſelbſt? es iſt ein vogelhauß /
Die drauſſen wollen nein / die drinnen wollen rauß.
Was iſt das erſte kind? ein ſchmertz weñs bald bekleibt.
Ein ſchimpf / wenns zeitlich kommt / ein hohn / wenns
(auſſen bleibt.
Was iſt das andre kind? es iſt ein guter rath
Vor leute / welche man gern zu gevattern hat
Was iſt das dritte kind? ein ungebetner gaſt /
Des vaters geld-verderb / der mutter uͤberlaſt.
Was iſt das vierdte kind? es iſt ein gutes ziel
Nach dieſen ſage man / zuviel / zuviel / zuviel
Was iſt das fuͤnffte kind? mit dieſen heiſt es wol /
Jch eſſe was mir ſchmeckt / und leide was ich fol.
Was ſind die ſoͤhnigen? ein volck das nichts erwirbt /
Uñ da des beutels kꝛaft / als an der ſchwindſucht ſtirbt.
Was193Zehendes dutzent.
Was ſind die toͤchtergen? die koſten wenig geld /
Biß alle peſtilentz auf ihre hochzeit faͤllt.
Was iſt die beſte luſt? wann man nicht viel begehrt /
Und wenn das wenige fein gut und lange waͤhrt.

XI. Auf eine naͤchtliche garten-muſic.

DU ſchoͤne luſt! was ſoll man dir vergleichen?
Die ſonne wuͤnſcht der erden gute nacht
Und laͤſt die glut der ſtrengen ſtralen weichen /
Jndem der Weſt diß ufer lieblich macht /
Wie ſpielen die luͤffte / wie ſauſſen die baͤume /
Wie rauſchen die wellen / und kuͤtzeln die traͤume.
2. Der heiſſe tag iſt allbereit betrogen /
Die kuͤhle nacht erfuͤllt den edlen reſt /
Weil ſie der glut ihr antheil hat entzogen /
Und uns die zeit alſo genieſſen laͤſt.
So muͤſſen die luͤſte der irrdiſchen ſchatten
Den mangel des himmliſchen liechtes erſtatten.
3. Die erde ruht und wartet ſchon auff morgen /
Wir ſehn die zier der ſtillen nacht-zeit an /
Da wollen wir ein halbes ſtuͤndgen borgen /
Wo nur der tag die nacht bezahlen kan /
So ſchlaffet ihr wieſen und laſſet uns wachen /
Der himmel befoͤrdert die luſtigen ſachen.
4. Doch duͤrffen wir uns dieſes gluͤcke nehmen /
Daß wir den klang der ſuͤſſen ſeiten ziehn /
Die jugend will ſich in den ſchlaff beqvemen /
Und unſer thon will ihren ſinn bemuͤhn:
Die niedlichen winde befehlen im kuͤhlen
Den hurtigen ſeiten was ſachter zu ſpielen.
5. Wir wollens thun / verſtummt ihr eitlen lieder /
Verſtoͤrt die ruh der edlen tugend nicht /
Legt eure luſt bey andern wieſen nieder /
Weil Venus hier ſchon durch die wolcken bricht.
Und fordert bey allen vermeidlichen ſtraffen /
Man laſſe die nachbarn in ſicherheit ſchlaffen.
NXII. An194Uberfluͤſſiger gedancken

XII. An das hochwerthe Deutſchland wegen dieſer lieder.

DU liebſtes vaterland! vergoͤnne deinem ſohne /
Daß er ſein eitles thun der welt zu ſchauen giebt /
Jch ſehne mich darbey nach keinem andern lohne /
Als wann die hohe gunſt den guten willen liebt.
Jch muß es zwar geſtehn / es ſind geringe ſachen /
Daraus ein bloſſer ſchertz / und ſonſten nichts entſpringt /
Jedoch / ein kurtzes lied kan ſich belieblich machen /
Wann nur die rechte zeit es auf die bahne bringt:
Jch bin kein Opitz nicht / der bleibt noch unſer Meiſter /
Und ſein beruͤhmter thon reiſt durch das ſternen-dach /
Hingegen fliegen ſonſt die lobens-werthen geiſter
Kaum auf den halben weg mit ſchwachen federn nach.
Wiewohl ich darff mich nicht in die geſellſchafft mengen /
Die durch den lorber-zweig das haar um ſich verbindt /
Mein gluͤcke fuͤhrt mich ſonſt auf kunſt-beliebten gaͤngen /
Da dieſes neben-werck gar wenig ſtunden findt.
Doch liebſtes Vaterland / ich werde dir gefallen /
Daß ich im ſchreiben nicht ein ſprach-tyranne bin /
Jch folge deiner zier / und richte mich in allen
Auff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin /
Jch bin ſo eckel nicht / ich laſſe mir belieben /
Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht /
Haͤtt unſer alterthum nicht ſo und ſo geſchrieben /
So haͤtt es dieſer kiel auch anders nachgemacht.
Und weil die Teutſchen viel aus andern ſprachen borgen /
So muß ich ebenfalls mich auch darzu verſtehn:
Ein ander / dens verdreuſt / mag ſich zu tode ſorgen /
Gnug / daß die Verſe gut / die Lieder lieblich gehn /
Jſt diß nicht puppenwerck / wer etwas groſſes heiſſen /
Und ſeinen lorbeer-krantz mit golde zieren will /
Der muß das ABC aus ſeiner ordnung ſchmeiſſen /
Bald hat er nicht genug / bald hat er gar zu viel /
Da iſt ein wort nicht recht / das haben die Lateiner /
Gelehnt u. nicht geſchenckt; das kom̃t aus Griechenland /
Da195Zehendes dutzent.
Da wird der thon zu lang / da wird die ſylbe kleiner /
Die ſprache die wird nur nicht gaͤntzlich umbgewandt.
Der arme Zizero iſt auch ins Z gerathen /
Der ſonſt faſt oben an / in ſeiner reihe ſteht /
Vielleicht weil ein gemuͤth / in dieſen helden-thaten /
Gar langſam auf den glantz der redens-kuͤnſtler geht[/]
Sanct Felten iſt hinauff biß an das F geſtiegen /
Und er verdient fuͤrwahr die ehr-bezeugung nicht:
Der Kwarck muß in das K aus ſeinem neſte fliegen /
Ob gleich die gantze welt den haͤndeln widerſpricht /
Der Kaͤyſer ſoll bey uns nicht weiter Kaͤyſer heiſſen /
Er ſoll dafuͤr ein Ertz - und groſſer Koͤnig ſeyn /
Wer uns diß tapffre wort will aus der zunge reiſſen /
Raubt uns der voͤlcker ruhm / mit unſers landes ſchein /
Ein ſolcher kluͤgling hat gewiß nicht viel geleſen /
Und hat ers ja gethan / ſo moͤcht er in ſich gehn /
Daß unſre Deutſchen auch nicht narren ſind geweſen /
Und daß man alles kan ohn dieſen tand verſtehn.
Ein ander mag ſich mehr mit dieſen leuten zancken /
Mein ungebundner fuß geht in der einfalt fort /
Und mein erregter ſinn verwickelt die gedancken /
Mehr in der ſachen ſelbſt / als in ein kahles wort.
Hier hab ich nur geſchertzt / doch wird man leicht gedencken /
Daß / wie ich meiner luſt allhier genug gethan /
Jch / wann ich kuͤnfftig will die augen hoͤher lencken /
Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan.
Jch bin auch nicht ſo kuͤhn / den Momus zu verfluchen /
Weil er den hoͤhnſchen mund nur an die Goͤtter ſetzt.
Solt er diß ſchlechte werck zu ſeiner rache ſuchen?
Nein / er iſt viel zu ſtoltz / wann er die zaͤhne wetzt.
Drum bin ich auch vergnuͤgt / und lege dieſe lieder /
Halb furchtſam und darbey halb trotzig vor die welt /
Es falle wie es will / ſo komm ich doch nicht wieder /
Der himmel hat den fleiß mir ſonſt wohin beſtellt.
N 2Die196

Die triumphirende Keuſchheit /

Perſonen des Luſt-Spiels.

  • I. Carl/

    Koͤnig von Neapel

    .
  • II. Rodoman/

    Ober-Hof-Marſchall

    .
  • III. Clariſſe/

    Rodomans liebſte

    .
  • IV. Beliſſe/

    Clariſſens muhme

    .
  • V. Juſtinian/

    der Beliſſen bruder

    .
  • VI. Amyntas/

    ein Frantzoͤſiſcher Graff

    .
  • VII. Gaſton/

    ein Rath.

  • IIX. Floretto/

    Rodomans knecht / hernach Graf Heinrich

    .
  • IX. Melane/

    Clariſſens kammer-magd

    .
  • X. Sibylle/ Beliſſens alte amme.
  • XI. Pickelhering/

    Rodomans knecht

    .
  • XII. Ephialtes/

    Pickelherings vater / thorwaͤrter

    .
  • XIII. Dromo/

    ein haͤſcher

    .

Erſte Handlung.

Clariſſe / Floretto.
Clar.

MEin Floretto! ſo weiſt du nicht was liebe iſt?

Flor.

Gnaͤdigſte gebieterin / ein knecht hat in ſei - nem betruͤbten zuſtande wenig urſache an derglei - chen wolluſt zu gedencken.

Clar.

Wann ich abeꝛ deinen zuſtand gluͤckſelig mache / ſo wirſt du es alsdann ohne zweiffel wiſſen.

Flor.

Meine pflicht beſtehet in gehorſam / und auſſer dem wird mir keine andere zuneigung anſtehen.

Clar.197Erſte Abhandlung.
Clar.

So willſt du gehorſam ſeyn?

Flor.

Ein knecht darf nicht um ſeinen willen gefragt werden.

Clar.

Wann ich nun ſagte / du ſolteſt verliebt ſeyn?

Flor.

So wuͤrde meine unwiſſenheit das verbrechen des ungehorſams entſchuldigen.

Clar.

Wann ich ſagte / du ſolteſt meine magd mit ver - liebten augen anſehen.

Flor.

Die augen die meiner gnaͤdigſten herrſchafft zu gefaͤlligen dienſten gewidmet ſind / laſſen ſich nicht auf eine magd kehren.

Clar.

Wann ich aber ſagte / du ſolteſt mich lieben.

Flor.

So wolte ich hoͤchlich bitten / einen armen elen - den knecht mit dergleichen hoͤhnerey zu verſchonen.

Clar.

Wann ich dir aber zum zeichen einer wuͤrckli - chen Affection die haͤnde druͤckte.

Flor.

So wolte ich mich vor gluͤckſelig ſchaͤtzen / daß euer gnad dero kurtzweilige gedancken an mir aus - laſſen wolte.

Clar.

Wann ich dir ferner meinen mund zu beliebli - chen kuͤſſen darreichte.

Flor.

So wolte ich ſagen / es ſtuͤnde mir nicht an / die roͤſgen von meines gnaͤdigſtē herrn ſtocke zu brechen

Clar.

Wann ich dich ſelbſten kuͤſſen wolte.

Flor.

So muͤſte ich ungehorſam werden / und davon gehn.

(geht ab.)
Clar.

Elendeſte Clariſſe! iſt diß die herrſchafft / derer ſich ein freygebohrner menſch uͤber die leibeigenen ſclaven zu ruͤhmen hat? iſt Floretto mein knecht? ach nein / wer uͤber mich gebieten kan / darff ſich eines ſo veraͤchtlichen titels nicht theilhafftig machen. N 3Jch198Der triumphirenden keuſchheitJch bin ſeine gefangene / und werde mich durch die vielfaͤltigen ſtꝛicke ſeiner unvergleichlichen annehm - lichkeit / entweder in die aͤuſſerſte vergnuͤ gung / oder in die erbaͤrmlichſte verzweiffelung leiten laſſen. Du wundeꝛliches gluͤcke / kanſt du wohl zugeben / daß ſo ein albernes und einfaͤltiges gemuͤthe den aller - ſchoͤnſten und zierlichſten leib beſitzen ſoll / und daß die liebens-wuͤrdigſte perſon / alle angebotene gunſtgewogenheit ſo kaltſinnig ausſchlagen kan? warumb haſt du nicht dergleichen ſuͤſſigkeit meinem Rodoman eingepflantzet / welchem ich die ſchuldige freundlichkeit nicht anders / als unter dem gedaͤcht - niß meines wertheſten Floretto abſtatten kan? ſo muß der ſchoͤne Floretto allezeit unverſtaͤndig / die arme Clariſſe allzeit ungluͤckſelig ſeyn.

(Rodoman tritt auf.)
Rod.

Liebſte Clariſſe! wie ſo alleine?

Clar.

Welche von ihrem geliebten verlaſſen wird / muß wohl alleine ſeyn.

Rod.

Welche von ihrem geliebten in gedancken beglei - tet wird / kan niemals ohne geſellſchafft ſeyn.

Clar.

Welche ſich vor ihren eigenen gedaucken fuͤrch - tet / kan aus fremden gedancken ſchlechten troſt ſchoͤpffen.

Rod.

Und warum fuͤrcht ihr euch / liebſte Clariſſe?

Clar.

Weil ich verliebt bin / liebſter Flo Rodomã.

Rod.

So ſolte ich mich auch fuͤrchten?

Clar.

Das weiß ich nicht / meine liebe iſt furchtſam.

Rod.

Hab ich urſache darzu gegeben?

Clar.

Der mich lieben ſoll / liebet mich nicht.

Rod.

Die treu / die ſie erkennen ſoll / erkennet ſie nicht.

Clar.199Erſte Abhandlung.
Clar.

Ach mein engel! ach ſolteſt du nur den hundeꝛt - ſten theil meiner inbruͤnſtigen begierden in deinem hertzen fuͤhlen!

Rod.

Ach meine ſeele / ſolte nur der ſchatten von mei - ner vollkom̃enen leidensregung in dein heꝛtze fallen.

Clar.

Ach liebſter Flo Rodoman / verzeuchſt du noch?

Rod.

Liebſte Clariſſe! zweiffelſt du noch!

Clar.

Wo ſind die kuͤſſe / die mich vergnuͤgen ſollen?

Rod.

Hier ſind die lippen / ſo dich befriedigen wollen.

Clar.

Wo iſt das hertze / das mein ebenbild in ſich druͤ - cken ſoll?

Rod.

Schweig mein kind / hier haſtu alles / was du wuͤnſchen und begehren kanſt.

Clar.
(Schlieſt die Angen zu.)

SEyd willkommen ihr ſanfften biſſe / ergoͤtzet euch auff meinen lippen / und vergoͤnnet mir / daß ich bey der fuͤſſen zuſammenfuͤgung meine ſeele mit der euren vertauſchen moͤge.

Rod.

Meine Clariſſe! wollt ihr mich mit geſchloſſen augen lieben?

Clar.

Jch bin mit meiner blindheit ſcharffſichtig ge - nug / ach mein edelſter reichthumb / mein ſchatz / an dem mein leben haͤnget / ſo hab ich die volle freyheit / meine verliebten traͤume auszuſchuͤtten. Ja / ja / ſage und bekraͤfftige es / du biſt mein liebſter Flo

Rod.

Redet weiter / liebſte Clariſſe! Rodoman weiß vor freuden nicht / was er antworten ſol.

(Pickelhaͤring kommt.)
Clar.

JEtzt bin ich in dem paradieſſe.

Rod.

Und ich bin an der goͤtter tafel.

N 4Clar.200Der triumphirenden keuſchheit
Clar.

Der ſuͤſſe nectar macht mich truncken.

Rod.

Und mich erſaͤufft er gantz.

Cl.

Diß iſt der fruͤhling meiner bluͤhendẽ ergetzlichkeit.

Rod.

Diß iſt der herbſt meiner fruchtbringenden lie - bes-vergnuͤ gung.

Pickelh.

Aergert euch nicht / aͤrgert euch nicht / es ſind ehleuthe / die flitterwoche juckt ſie noch in der lincken knie-ſcheibe / botz tauſend / wie gehts uͤber die ar - men maͤulgen her / wer ſie nachzehlen ſolte / muͤſte neue ziffeꝛn erdencken die alten waͤꝛen viel zu wenig. Seht doch / ſeht / wie die ſchmaͤtzgen herum fliegen / es waͤr nicht gut / wann ſie ſummten wie die meyen - kefer / es wuͤrde manche complimente unbeantwor - tet bleiben. Mein herr iſt bey ſeiner liebſten ein narr / wie ich. Da ſolt ich einmal im wein-keller ein ding holen / es heiſt / es heiſt / nun wie heiſts dañ? es iſt naß / wie jungfer-waſſer / und iſt roth wie blut / und ſpringt im glaſe wie leimt-hoſen-bier / und ſchmeckt auf der zungen wie bienen-dreck / es heiſt irgend ro ro / Belſazer / oder Roſazer. Ja / das ſolt ich meinem herrn holen / ich holts / ich truͤgs / ich brachts vor unſer haus / da dacht ich: Dein vatter hat dich deßwegen unter die leute geſchickt / daß du was erfahren ſolſt / du muſt doch auch koſten / was der Belſatzer vor ein ding iſt / ich ſatzte an / ich nipp - te / aber ſanct velten / wie hieng das ding aneinan - der / ich mochte beiſſen wie ich wolte / es hatte kein ge - lencke und gieng in einem ſtuͤcke immer fort biß der bettel aus war. Jch halte immer / mein herr iſt auch in der angſt / und die maͤulgen kleben aneinan - der wie hechtſuppe / halt / ich muß ſehen / ob ich ihm das gelencke treffen kan. Herr / herr! geſchwind /geſchwind201Erſte Abhandlung.geſchwind.

Clar.

Wer iſt / der mich aus meiner freudenreichen entzuckung verſtoͤren darff?

Rod.

Er ſol es theuer genung bezahlen. Du nichts wuͤrdiger vogel / iſt dieß die manier / ſeinem herrn auffzuwarten.

Pick.

Herr / iſt diß die manier / wann man zum herr koͤnig kommen ſoll / daß man ſich bey der frauen zu tod loͤffelt?

Rod.

Schweig / du beſtie! aber / ſoll ich zu ihrer maje - ſtaͤt kommen? antworteſt du nicht / vogel! ſoll ich dir die rede mit dieſem ſtocke aus dem leibe langen?

Pick.

Schweig du beſtie! ſchweig du beſtie! ich kan nicht zugleich reden und ſchweigen.

Rod.

Du ſolſt aber zugleich reden / was ich haben will / und verſchweigen / was mir zuwieder iſt / ſieh da / du mißgeburt.

(Schlaͤgt ihn.)
Pick.

O herr! ich will gerne keine mißgeburt ſeyn / laſt mich nur mit der ungebrannten aſche zufrieden / ihr wuͤſt ja / daß ich kein feuer riechen kan.

Rod.

Was ſagſt du aber / ſoll ich zu ihrer majeſtaͤt kommen?

Pick.

Jch weiß nicht / der mann / vor dem alle den hut abnehmen / und er danckt ihnen nicht / der / ſagt er / moͤchte gern mit euch reden / ob ihr aber ſollt zu ihm kommen / das iſt eine andere frage / und da moͤgt ihr darvor ſorgen.

Rod.

So hat ers geſagt.

Pick.

Jch bin kein pfaffenkind / wolt ihrs nicht klei - ben / ſo moͤgt ihr mauren / ich habe die briefe darvon / daß ich alles zweymal ſage.

N 5Laͤufft202Der triumphirenden keuſchheit
(Laͤufft davon.)
Rod.

Es muß etwas wichtiges unter der hand ſeyn / deſſen ihre majeſtaͤt mich berichten wollen. Aber ach / du grauſammer befehl / der du mich auß den ar - men meiner hertzallerliebſten herauß zeuchſt / muß ich dann mitten in der ernndte von meinerſuͤſſen ar - beit auffhoͤren.

Clar.

Geht und verrichtet des koͤnigs befehl / dann der uͤber unſer leben zu gebieten hat / kan uns auch mit gutem recht in der lebens befꝛiedigungverſtoͤrẽ.

Rod.

So lebe dann wohl / meine ſeele!

Clar.

Jch folge dir / mein liebſter!

Rod.

Der himmel behuͤte mein liebgen.

Clar.

Und die goͤtter erfreuen mein ander ich.

(Rodoman geht ab.)
Clar.

Unverſtaͤndiger Rodoman! ſo muſt du unwiſ - ſend deines leibeigenen knechtes ſtelle vertretten / und die jenigen liebkoſungen / die ich ſeiner ge - wuͤnſchten gegenliebe zu ertheilen gedencke / jetzund an ſeiner ſtadt einnehnen? Deine hoͤflichkeit war es nicht / die mich aus mir ſelber brachte / deine worte entzuckten mich nicht. Derſelbige / den ich mit ge - ſchloſſenen augen durch das ſcharffe perſpectiv mei - ner gedancken ſahe / derſelbige war der zweck und das einige ziel meiner dunckelen und zweyfaͤltigen redens-art. Ach du wunderſchoͤner Floretto! wenn werden die brennenden ſeuftzer deiner gegen - liebe aufblaſen / und wenn wird die vielfaͤltige thraͤ - nen-fluth dein ſteinernes hertz erweichen koͤnnen. Floretto! mein allerliebſter Floretto!

geht203Erſte Abhandlung.
(geht ab.)
Floretto.

DU gerechter himmel? zuwelchem ungluͤck haſt du mich noch auf gehoben / iſt dann noch mehr / ſo ich verliere kan / auſſer meiner freyheit und ſoll ich nun einer neuen gefangenſchaft unterworffen ſeyn? was bedeuten die unordentlichen blicke / die ungewoͤhn - lichen geberden / die verwirten reden derer ſich mei - ne frau gegen mir gebraucht / will ſie mich an das narren-ſeil aller ſchimpflichen verachtung anknuͤpf - fen oder

(Melane kommt von hinten / und haͤlt ihm die augen zu)

WEr iſt da / wer haͤlt mir die augen zu / ſoll mir ins kuͤnfftige auch das geſicht verbotten werden? ich b[i]tte / man laſſe mich loß / oder ich entreiſſe mich mit gewalt.

Mel.

Mein lieber Floretto! ich wars.

Flor.

Sieh da / ſeyd ihr alle tage ſo kurtzweilig.

Mel.

Ja / aber nur bey eures gleichen.

Flor.

Meines gleichen achten ſolchen ſchertz nicht hoch.

Mel.

Es iſt kein wunder / thut ihr doch gegen unſerer frauen / als wann ſie ein hund waͤr.

Flor.

Melane! habt ihr die gedancken beym juden verſetzt / oder lebt ihr itzt im ſchweren monden?

Mel.

Wie ſo mein lieber Floretto! iſts nicht war / ſie thut ſo freundlich mit euch / ſie redt mit euch / ſie ſtꝛeu - chelt euch / ich halte / ſie rieſſe das hertz aus dem leibe / und gebe euch die helffte darvon / und ihr ſeht gegen ihr aus / als wie ein leibhafftiger holtzbock. Ach du niedliches honigtoͤpffgen / ſoll dann meine frau ei - nen eſſigkrug an dir haben?

Flor.204Der triumphirenden keuſchheit
Flor.

Wenn hat euch meine frau zum geheimen rathe gemacht? ihr meint gewiß / weil ihr den ſcheꝛbel aus - butzen muͤſt / ſo wuͤſt ihr um alle ihre heimlichkeiten: ich verſtehe ſchon / wie ich mich in dergleichen haͤndel ſchicken ſoll.

Mel.

Wann ich an euer ſtell waͤr / ich wolte mich weit beſſer darein ſchicken.

Flor.

Das moͤcht ihr thun / ich aber werde doch zu euch langſam in die ſchule kommen.

(Geht ab.)
Mel.

Da geht das einfaͤltige bauers-buͤfgen / wann es nicht ein bißgen rauch umbs maul waͤre / ſo daͤcht ich / die ſchweine haͤttens ihm in der kindheit wegge - freſſen. Sind das nicht ſchwehre zeiten / meine lie - be groſſemutter hat lang davon gepredigt: ſie ſagte / vor zeiten wolten ſie gerne / da durfften ſie nicht / nun wolten ſie gerne / und koͤnnen nicht. Es gehet mei - ner frau nicht alleine ſo / ich arme hure kan auch ein liedgen darvon ſingen. Ach Pickelhering! mein liebſter Pickelhering! wie haſtu mein jungferlich hertze eingeſaltzen! ach ſtrotze doch nicht ſo / als wie ein verdorrter pickling / oder laß dich zum wenigſten durch das roſenwaſſer meiner treue liebe erweichen.

(Pickelhaͤring kommt gelauffen.)
Pick.

JA / wer ein narr waͤre / und lieſſe ſich den ſchmutzi - gen bernheuter um den ring fiedeln / ich halte mei - nen fetzer wohl ſo hoch / als ein ander ſeine naſe: Da ſolt ich ein ding bekommen / es heiſt mit dem erſten buchſtaben ein kuͤchen-ſchilling / da iſt mein herr ſo libeꝛal mit / als wenn er ſie geſtohlen haͤtte. Er mag in der jugend viel geſammlet haben / dann da er zurClar.205Erſte Abhandlung.Clariſſe auf die freyth gieng / da konnt er kein wort reden / er muͤſte mit dem ſteiſſe hinten naus wackeln / als wann er noch uͤberbluͤcken wolte. Aber dem ſey / wie ihm ſey / mir ohne ſchaden.

Mel.

Liebſter Pickelhering / wo ſeyd ihr dann allezeit?

Pick.

Jn kleidern / wann ich nicht bade.

Mel.

Was macht ihr aber ſo manches liebes langes mahl?

Pick.

Jch ſchniebe / daß ich nicht erſticke.

Mel.

Jhr muͤſt ohne zweiffel viel zu verꝛichten haben?

Pick.

Den kammer-maͤdgen ſchmier ichs gleich auff die zaͤhne / was ich zu verrichten habe.

Mel.

Pickelhering / wie ſehet ihr doch ſo ſauer?

Pick.

Jch hab heute noch kein nonnen-fuͤrtzgen gefreſ - ſen.

Mel.

O ſeyd ihr irgend boͤſe auf mich?

Pick.

Ja / mein thele / es verlohnte ſich der muͤh mit euch.

Mel.

Jch hab euch nichts zu leide gethan.

Pick.

Jhr ſollt mir auch was zu leide thun.

Mel.

Drum koͤnnt ihr mich ja lieb haben.

Pick.

D dich mein leibgen druͤcke / lieb haben werdet ihr meynen! Ey ſagt doch recht / brennt euch der kalte gruͤtze auch ſehr auffs hertze / oder iſts nur euer hoͤflicher ſchertz?

Mel.

Mein Engel / mein hertze!

Pick.

Jch hoͤre auf dieſer ſeite nicht / geht nur fuͤrs an - der ohres-loch.

Mel.

Jch ſterbe vor liebe.

Pick.

Viel gluͤcks auf die reiſe.

Mel.

Jch erſteche mich.

Pick.

Ja / wanns nicht weh thaͤte.

Mel.206Der triumphirenden keuſchheit
Mel.

Jch erhencke mich.

Pick.

Geht nur an dorff-galgen / ſo faͤllt euch kein zie - gel auf den hals.

Mel.

Jch erſaͤuffe mich.

Pick.

Es man gelt ſonſt im waſſer an ſtockfiſchen.

Mel.

Soll ich dann verderben / liebſter Pickelhering.

Pick.

Jch kans wol leiden.

Mel.

Ach! nur ein blickgen.

Pick.
(kehrt ſich um)

da mein ſchatz / liebaͤugle dich fein ſatt.

Mel.

Ach ein freundliches ſchnipgen.

Pick.

Geld und gut hab ich nicht / wem mit freundli - chen ſchnipgen gedient iſt / dem bin ich bereit.

(Schlaͤgt ſie an hals / und laͤufft davon.)
Mel.

AEh der kauffmañ der die barmhertzigkeit aus Oſt - Jndien hat herbꝛingen ſollen iſt gewiß mit ſeinem ſchiffe untergangen / dann ſie iſt trefflich theuer. Jch halte / pickelherings mutter hat ſich an einen pflaſter - ſteine verſehen / daß er ſo hart ums hertz iſt / oder ver - ſtehet etwan der junge lecker noch nicht wo Barthel moſt holt / halt / es iſt umb ein verſuchen zu thun / ich wils ihn durch ſeinem vatter zu verſtehen geben /

(klopfft an)

hola / hola.

Eph.

Nu nu / zerbrecht mir nur die thuͤr uicht / was gibts dann hauſſen?

Mel.

Ach lieber herr thorwaͤrter! verzeihet mir doch großguͤnſtig / daß ich euch ſolche ungelegenheit ma - che / ich habe gar was nothwendiges mit euch zu reden.

Eph.

Machts nicht lange / ein beampter wie ich / kan nicht lange audienz geben

Mel.207Erſte Abhandlung.
Mel.

Da wolt ich nur an enren pickelhaͤring geden - cken / er kommt immer zu mir / heiſt mich ſein ſchaͤtz - gen / ſein laͤmgen / ſein alls mit einander / bald zwickt er mich in die aꝛm / er ſticht mich mit den finger in die ſeite / und wann er mich hertzt ſo thut er / als wann er mich freſſen wolte? neulich hube er mir den rock auff / und klitſchte mich / und rieß mir ein ſtuͤck vom hembde / das wolt er ſo lang mit zu bette nehmen / biß er mich ſelber nein kriegte: weil ich nun mit den thalpoſſen nicht auskom̃en kan / ſo wolt ich nur fra - gen / obs euer wille waͤr?

Eph.

Wie? wer? was? wen? mein ſohn? pickelhaͤring / in den arm! in die ſeite / auf den ſteiß? zu bette neh - men / geh du garſtiger miſtfincke! packe dich aus mei - nen geſichte / mit meinem willen ſolt ihr nimmer - mehr zuſammen in ein bette kommen.

Mel.

Jhr duͤrfft auff mich nicht boͤſe ſeyn / warumb habt ihr ihn nicht anders erzogen / wolt ihrs beſſer haben / ſo ſchafft mir friede vor dem vogel.

(geht ab.)
Eph.

O ich armer alter mann! hab ich nicht ein haus - creutz bey meinen ſchweren und groſſen ampts-ſor - gen. Jhr leute / gedenckt an mich / wo ich den ſchel - men in der boßheit ertappe / ſo hacke ich ihm den kopff in dreyhundertſtuͤcke / und werffe ihm den hiꝛn - ſchedel zum fenſter hinauß. Wie muß es doch im - mermehr kommen / daß vornehme leute ſolche unge - rathene boͤſe kinder haben / ich ſinge ich ſage / einen qvarck faſſt er.

(Pickelhaͤring kommt und ſingt: Da mein herr vat - ter in Franckreich zog / da hertzt er meine frau-mut - ter.
Eph.208Der triumphirenden keuſchheit
Eph.

Kommt und ſchmeiſt ihn hinters ohr.)

Pick.

Nu wieder was neues.

Eph.

Du ſau / du ſau.

Pick.

Seyd ihr doch mein tatter.

Eph.

Du ertz-ſau / du ſtern-ſau / du gifft-ſau / du ſtral-ſau / du donner-ſau.

Pick.

Jhr ertz-vatter / ihr ſtern-vatter / ihr gifft-vat - ter / ihr ſtral-vatter / ihr donner-vatter.

Eph.

Du wilde ſau du ſpeck-ſau / du comiß-ſau / du ertz-ſau.

Pick.

Wann ich werde ſo lang thorwaͤrter geweſen ſeyn / und werde ſo viel ſchweine von der thuͤre ge - pruͤgelt haben / wie ihr / ſo wil ich auch einen groſſen kuͤchen-zeddel von ſauen hermachen.

Eph.

Gib her / du ſau.

Pick.

Wolt ihr eine wurſt haben?

Eph.

Das zerriſſene hembde gieb her.

Pick.

Die alte Sibylle die flickt mirs geſtern / es iſt nicht zerriſſen.

Eph.

Das zerriſſene maͤgde-hembde gieb her.

Pick.

Haben denn die maͤgde auch hembder an?

Eph.

Gucke nur den ſchmutzigten kammer-maͤdgen an den puͤrtzel / du ſau.

Pick.

O ich werde heuer kein ſterngucker.

Eph.

Aber der Melane kanſt du wohl klitſcher geben / kanſt ihr das hembde zerreiſſen / und die zipffel mit zu bette nehmen / kanſt ſie in die arm zwicken / kanſt ſie mit dem finger in die ſeite ſtechen / kanſt ihr den geiffer vom maule lecken / kanſt ſie mein ſchaͤtzgen / mein laͤmgen heiſſen. O in ſchwein-ſtall mit einer ſolchen ſau / ich weiß alles / ſie hat mirs ſelber geſagt. Geh / geh / da haſt du einen ſchreckenberger / ſieh / wodu209Andere Handlung.du fort kommſt / ich mag dein vater nicht mehr ſeyn.

(geht ab.)
Pick.

Das iſt mir ein ſafftges kammer-maͤdgen / ein eingemachtes raben-aͤßgen / da verklagt mich das kluncker-fuͤchſgen beym vatter / und ſchreibt mir fuͤr / wie ichs machen ſoll. Ja / ich muͤſte meinen zwirn geſtohlen haben / daß ich ihn an einen ſolchen kittel vernehen wolte. Ach nein / ich bin ein wein-koſter / den kofent gieß ich auf die gaſſe. Jhr leute / wann das ſchwam̃endruͤckergen heraus kommt / ſo ſprecht / es iſt unvonnoͤthen / daß ſie ſich weiter vergebens anmelden will.

(geht ab.)

Andere Handlung.

Beliſſe.

SO offt ich mir die Clariſſe vor augen ſtelle / ſo offt muß ich mich uͤbeꝛ die unbeſtaͤndigkeit der menſch - lichen freude beklagen. Sie war eine zierde die - ſes hofes ein auszug allerluſtigen erfindungen / ein kurtzer begriff aller freymuͤtigen hoͤflichkeit. Es lachte und lebte alles an ihr / und wer das gluͤcke hat - te in ihrer belieblichen geſellſchafft zu ſeyn / durffte ſich keine betruͤbte gedancken in ſinn kommen laſſen. Jetzund aber ſchlaͤgt ſie die muntern augen nieder / und verwickelt ſich in allerhand melancholiſche ver - drießlichkeit / die ſchoͤne ſonne verkreucht ſich hinter die wolcken / und die blumen / welche ſich bey ihrer ankunfft herfuͤr thaten / werden von ihrem liechte nicht mehr erfreuet. Die gebrochenen und wieder erholten ſeufzer verſchlieſſen den worten die ſtraſſe / und wann ſie reden will / muß ſie den thꝛaͤnenden au -Ogen210Der triumphirenden keuſchheitgen die pflicht leiſten. Jch wolte ſagen / ſie waͤre verliebt / wann ſie nicht den kern von allen cavaliren in den armen haͤtte.

(Clariſſe und Floretto kommen.)
Bel.

Aber ſieh da / wann man des wolffes gedencket / ſo koͤmmt er / ich muß etwas auf die ſeite tretten / biß ſie den knecht abgefertigt hat.

Clar.

Floretto / du biſts geweſen.

Flor.

Was belieben ihrer gnaden.

Clar.

Du haſt mich gekuͤtzelt.

Flor.

Jch werde heute nicht anfangen / meiner ſchul - digen ehrerbietung zu vergeſſen.

Clar.

Du muſt es geweſen ſeyn.

Flor.

Womit hab ichs dann verſchuldet / daß ich nun - mehr in ſolchen unbilligen verdacht gezogen werde?

Clar.

Du haſt es geſtern verſchuldet.

Flor.

Geſtern / Jhre Gnaden?

Clar.

Ja geſtern / wer war es / als ich geſtern meinen Rodoman kuͤſſen muſt / der mir ſo einen ſanfften tritt auf den fuß gab / war es nicht der muthwillige Floretto?

Flor.

Jch muß endlich ſchertz verſtehn / dann was ihre gnaden mir nach eigenen belieben auf buͤrden wol - len / kan ich nicht von mir weltzen.

Clar.

Jch ſchertze nicht / Floretto.

Flor.
(kniet)

Jſt dann nicht uͤbrig / dardurch ich meine unſchuld bekraͤfftigen kan?

Clar.

Steh auff / einfaͤltiger Floretto! du haſt mir deß - wegen keinen mißfallen erwieſen: Jſt mir doch ein hurtiger und luſtiger knecht lieber / als eine unge - ſchickte hoͤltzerne liechtbutze.

Flor.

Jch bin aber nicht luſtig.

Clar.211Andere Handlung.
Clar.

Gleichwohl hab ich dieſe nacht einen luſtigen traum von dir gehabt.

Flor.

Jch bin gehorſam / und glaͤube ſachen / die ich mir nicht einbilden kan.

Clar.

Jn warheit / es traͤumte mir / als haͤtteſt du mei - nes Rodomans kleidung angezogen / und kaͤmeſt in mein cabinet / ich ſtund auf / und wolte meinen lieb - ſten umfangen / und meiner gewohnheit nach / ver - ſuchen / ob ich mit meinen kuͤſſen ſeiner hoͤfligkeit koͤnnte zuvor kommen: Sieh da / ſo wareſt du es / deſſen aber ungeacht / war ich ſo entzuͤckt / daß ich wol tauſend liebkoſungen von diꝛ einnehmen muſte. Jch habe die zeit meines lebens dergleichen bren - nende kuͤſſe nie empfunden / dergleichen gemuͤths - reitzung nie ausgeſtanden / als zu der ſtunde / da ich durch die ſcharff-ſinnige einbildung / in die feſte vee - buͤndniß deiner ſchneeweiſſen arme gelocket ward / bedencke nun ſelbſten bey dir / ob ich nicht urſach ge - nug habe / dich den muthwilligen Floretto zu neñen.

Fl.

Ein traum iſt ein traum / und ſein nichtiges ſchat - ten-werck beluſtiget ſie offtermaln in unmoͤglichen dingen.

Cl.

Wie koͤmmt es aber / daß ich dein luſtiges gemuͤthe nicht ſo wohl am tage bey wachenden augen / als in der nacht im dunckeln erkennen kan.

Fl.

Am tage bin ich mir ſelbſten aͤhnlich / in der nacht ſteht es allen luſtigen gemuͤthern frey / meine geſtalt mit frembden farben zu veraͤndern.

Cl.

Doch moͤcht ich gerne ſehen / ob es dir am tage ſo wohl anſtehen ſolte / verſuch es / mein Floretto.

Fl.

Am tage ſieht mich niemand vor den Rodoman an.

Cl.

So zeuch ſeine kleider an.

O 2Fl. Ein212Der triumphireuden keuſchheit
Fl.

Ein knechtiſcher leib ſoll kein ſolches kleid entheili - gen.

Cl.

Ein freyes gemuͤthe ſoll kein ſolches kleid ausſchla - gen.

Fl.

Es kommen viel ſachen zuſammen / die mir nicht anſtehen.

Cl.

Bey mir ſol dir alles anſtehen.

Fl.

Meine vernunfft ſagt mir was anders.

Cl.

Mein wille gebeut dir was anders.

Fl.

Jhr befehl verſucht mich.

Cl.

Deine einfalt betruͤbet mich.

Fl.

Jch halte mich hier zu lang auff ihre gnaden leben wohl.

Cl.

So wilſt du mich verlaſſen?

Fl.

Das gebott ihres geliebten / meines herrn treibt mich darzu.

(Geht ab.)
Cl.

Entweder Floretto iſt nicht klug genug / oder ich bin nicht ſchoͤn genug / ſonſt wuͤrde er ja meinen kla - ren und deutlichen anſinnen nicht ſo wiederſpenſtig begegnen / ich liebe / und laſſe mir die aͤngſtlichen be - gierden tag und nacht das hertz abfreſſen / und ein ſchlechter unanſehnlicher knecht will mir die ſchul - dige und nothduͤrfftige huͤlffe verſagen!

(Beliſſe praͤſentirt ſich.)
Cl.

Loſes kind! was machſt du hier?

Bel.

Loſes kind! was redſt du hie?

Cl.

Jch ſchertze.

Bel.

Mit ernſthafftigen gedancken?

Cl.

Es iſt ſonſt nicht mein brauch.

Bel.

Drum iſt es was neues.

Cl.

Ach! laß mich zufrieden.

Bel. Es213Andere Handlung.
Bel.

Es iſt wahr ich bin nicht Floretto.

Cl.

Das ſind vortreffliche reden.

Bel.

Und das iſt eine vortreffliche liebe.

Cl.

Sieh da naͤrrgen / wilſt du ein hoͤltzgen haben?

Bel.

Sieh da muͤhmgen / wilſt du den Floretto haben?

Cl.

Was heiſſen aber die kinderpoſſen?

Bel.

Verliebten leuten kans niemand recht machen.

Cl.

Das koͤmmt gar duͤrre.

Bel.

Wann man ſich in einem knecht verliebt.

Cl.

Und wem geht dieß an?

Bel.

Die jenige die mit dir redet.

Cl.

Jſt Rodoman ein knecht?

Bel.

Wann Floretto ſeine kleider anzeucht.

Clar.

Jch muß lachen.

Bel.

Das weinen ſtuͤnde dir beſſer an.

Clar.

Hab ich nicht ein kluges muͤhmgen?

Bel.

Wann ich die klugheit verlohren haͤtte / ſo ſuchte ich ſie ſchwerlich bey dir wieder.

Clar.

Was haſtu denn jetzund bey mir zu ſuchen?

Bel.

Die ehre will ich ſuchen welche du einem gerin - gen knecht aufopfferſt.

Clar.

So darff ich meinen knecht nicht vexieren?

Bel.

Aber nicht liebes-haͤndel mit ihm treiben.

Clar.

Das thu ich nicht.

Bel.

So lang / als Floretto nicht wil.

[ Cl. ]

Du hoͤreſt allezeit das gras wachſen.

Bel.

Ach Clariſſe / Clariſſe! es ſtehet ſchlecht genung daß du deinen ehrenſtand in abgrund der knechti - ſchen veꝛachtung erniedrigen wilſt / ſolte ſich eine ſol - che anſehnliche und beruͤhmte dame nicht eher in den finger beiſſen / als daß ſie ihrem nahmen ſo einen unertraͤglichen ſchimpff anziehen wolte?

O 3Clar.214Der triumphirenden keuſchheit
Clar.

Muͤhmgen! wann du predigen wilſt / ſo thue meiner weiſſen katze die leich-predigt / die iſt geſtern an ſechswochen geſtorben.

Bel.

Wer die warheit ſagt / der iſt nicht angenehm.

Clar.

Jch halte / du haſt den Floretto ſelber lieb.

Bel.

Es muͤſte mich geluͤſten.

Clar.

Er waͤr auch deiner ſchoͤnheit noch wol werth.

Bel.

Wann du ſeine magd biſt / koͤnnt ich ihn wol zum liebſten haben.

Clar.

Muͤhmgen / das war wohl gegeben.

Bel.

Jch kans nicht beſſer geben / als du es machſt.

Clar.

Muͤhmgen / verzeih mir / daß ich dir nicht laͤnger geſellſchafft leiſte / ich habe ſonſt zu thun.

(Geht ab.)
Bel.

Gruͤſſe den Floretto meinetwegen. Was ſoll ich thun? ſoll ich die unbeſonnenheit der leichtſin - nigen Clariſſe anklagen / oder ſoll ich mich uͤber die ſtandhafftige tugend des tapffern Floretto verwun - dern? Clariſſe hat endlich nicht unrecht / daß ſie bey dem feuer der liebreitzenden ſchoͤnheit warm wird / aber Floretto hat auch nicht unrecht / indem er die unziemlichen begierden eines ſchwachen wei - bes-bildes mit verſtaͤndiger langmuͤtigkeit zu bre - chen weiß.

(geht ab.)
Ephialtes / Sibylle.
Eph.

Du alter beſchmitzter hoͤlle-riegel / wilſt du nicht von der thuͤre weggehen?

Sib.

Ach mein freundlicher lieber Herr! ich meyn es gut mit euch / ihr koͤnnet es nicht glauben.

Eph.

Und ich meyn es ſo gut mit dir / ich moͤchte dich immer auf dem ſchiebkarn ins waſſer ſchicken.

Sib.215Andere Handlung.
Sib.

Ach liebe liebe! wie brenneſt du mich!

Eph.

Du duͤrres reißgebund / biſt du nicht lange ver - brannt?

Sib.

Jhr ſollt auch mein liebes vaͤtergen ſeyn / ich will euch lieb und werth halten / ach nehmt mich nur.

Eph.

Was ſolte ich mit einer alten zerbrochenen baß - fiedel machen?

Sib.

Jhr werdet ja das wiſſen?

Eph.

Du alter rumpel-kaſten / es waͤr gleich als wann ich den kopff zwiſchen die ſtuben-thuͤre ſteckte.

Sib.

Seyd ihr doch auch nicht jung.

Eph.

Denckt doch / das verſchimmelte Jnventarium will ſich mit mir vergleichen. Du lahme himmel - weiffe / du biſt im Trojaniſchen kriege ſchon eine marcketenner-hure geweſen / und wilſt mir itzt mei - ne jugend vorwerffen.

Sib.

Mein lieber Herr! erzuͤrnet euch nicht / ihr ſeht wohl / verliebte leute koͤnnen ihre kurtzweil nicht laſ - ſen.

Eph.

Kan ein ehrlicher mann nicht in anfechtung ge - rathen / denckt nur nach / da hat ſich das raben-aaß in mich verliebt / nun ich habe auch fleiſch und blut / und es laͤſſet ſich mit ſolchen poſſen nicht lange ſcher - tzen / fuͤrwahr / es iſt mir angſt und bange darbey.

Sib.

Mein engelgen! nun wirds bald?

Eph.

Ja / auffs neue jubel-jahr.

Sib.

Ach warum nicht heute / o mein hertzgen! mein gold-kaͤfergen! mein ſeiden-wuͤrmgen! mein may - kaͤtzgen! mein laͤmmer-ſchwaͤntzgen!

Eph.

Ach meine kohlmeiſe! meine diſtelfincke! mein ſpul-wuͤrmgen! mein miſt-haͤmmelgen! wann nichts draus wuͤrde / ſo waͤre mirs am liebſten.

O 4Sib.216Der triumphirenden keuſchheit
Sib.

Ey redet doch nicht ſo poßirlich ding / ihr werdel nicht ein kind ſeyn / und werdt mich armes weib in ſolchen ſchanden ſtecken laſſen.

Eph.

Heute gehts nicht fort / hoͤrt morgen wieder her.

(geht ab.)
Sib.

Strotzt der thorwaͤrter nicht / wie eine verroſte hellebarte / ich mag freundlich thun / ich mag gute woͤrtgen geben / es hilfft eines ſo viel als das ander / ja / wer ein jahr oder funfftzig zuruͤcke haͤtte / ſo moͤch - te ſich der ſchaͤbichte krippenſtoͤſſer wohl nicht lange bedencken / das liebe alter / das liebe alter iſt in den letzten zeiten gar zu veracht. Was fang ich nun an / einen mann muß ich haben / und ſoll ich ihn mit den fingern aus der erden kratzen.

(Pickelhaͤring kommt.)

Halt / da kommt des thorwaͤrters ſohn / vielleicht nimmt mich der zur mutter an.

Pickelh.

Mein vater hat gewiß haͤckerling im kopffe / er dacht / ich wuͤrde mit einem ſchreckenberger die gantze welt ausreiſen / und da ich auf ein viertel - ſtuͤndgen ins wirths-hanß geh / iſt er auf einmahl fort / ich halte / ich bin noch ſo viel ſchuldig. Nein / mein vater ſoll mir das nicht weiß machen / ich weiß mich in die geld-mittel beſſer zu ſchicken.

(Pickelhaͤring laͤufft / Sibylle laͤufft neben ihm / und will ihm einholen.)
Pick.

EJn ſchreckenberger macht vierthalben orts-kreu - tzer / ein halber orts-kreutzer / macht ſieben pfen - ning rheiniſch / ein halber pfennig rheiniſchen / gilt ohngefehr ein krebs-pfenning / vor einen halben krebs-pfennig krieg ich gleich ſo viel bier als mir an deꝛ kleinen finger ſpitze kleben bleibt. Haͤtt ich nurAdam217Andere Handlung.Adam Rieſens rechenbuch bey mir / ich wolts meinẽ vatter vor die naſe ſchmieren / daß er mich ſo beſch -- betrogen hat.

Sib.

Jch alte arme frau / ich kan nicht mehr / ſteht doch ſtille.

Pick.

Ja / wer die ſchreckenberger noch zu vier pfenni - gen reſolviren koͤnte / ſo meinte ich / mein vatter haͤt - te mir wollen ein huren-geld geben.

Sib.

Wann hat dann das gelaͤuffe ein ende? ach mein guͤldner Pickelhaͤring! verzieht doch.

Pick.

Jch muß ſehn / ob ich meinem vatter uͤber die ſchreckenberger mit einander kommen kan / holla / es geht drauff loß.

Sib.
(Haͤlt ihn.)

Mein liebſter Pickelhaͤring! wie wirds dann.

Pick.

Sa ſa Sibille / ſeyd ihrs?

(traͤgt ſie auf den ar - men / und wirfft ſie hernach nieder.)
Sib.

Mit euren poſſen / ich wolte ſo ſchoͤne ſachen mit euch reden.

Pick.

Schoͤne ſachen werd ihr meynen / nun ſchwatzt doch fort.

Sib.

Erſtlich muͤſt ihr wiſſen / daß ihr mein ſohn ſeyd.

Pick.

Zum andern muͤſt ihr wiſſen / daß ihr geſchoſſen ſeyd.

Sib.

Jhr duͤrfft nicht dencken / daß ich mich im bran - bewein voll geſoffen habe / ihr ſeyd gewiß mein ſohn.

Pick.

Jhr heiſt ja nicht Pickelhaͤring / und ich heiſſe ja nicht die alte Sibille / wie kan ich dann euer ſohn ſeyn?

Sib.

Euer vatter ſahe meine ſchoͤne ducaten / meine al - te thaler / meine doppelduͤtgen / meine achtzehenpfen - niger / meine margengroſchen / und all mein reich -O 5thum /218Der triumphirenden keuſchheitthum / da bat er mich / ich ſolte doch ſeine Frau wer - den. Nun wer ſchlaͤgts gern alten ehrlichen leu - ten ab / ich ſagte ja / und wir ſind bald ein paar / gelt Pickelhaͤring / ich bin deine mutter.

Pick.
(kraut ſich im kopffe)

O ich armer buͤrſten - binder-geſell! ich dachte ich waͤre der eintzige erbe zu meines vatern guͤttern / aber nun ſeh ich wohl / ich werde doch ein halb dutzent bruͤder / und ein halbe mandel ſchweſtern bekommen. Was hat doch mein vater / der alte Zebedaͤus / gefreſſen / daß er ſich auff ſeine alten tage / mir zum poſſen / will ankom - men laſſen?

Sib.

Fromm / fromm / lieber Pickelhering / ich werde ja gut genug zu euer mutter ſeyn. Gelt die war - men ſuppen ſchmaͤcken euch gut / und wann man un - terweilen ein biergeld kriegt / ſo thuts treflich ſanfft.

Pick.

Es ſind zwey fragen / erſtlich ob die warmen ſup - pen gut ſchmecken / und darnach / ob ich euch zur mutter haben will? eins iſt wahr / das ander geht auff ſteltzen.

Sib.

Laſſts immer auff ſteltzen gehen / wanns nur fort koͤmmt / ſeht / da habt ihr meine hand / alle tage 6 Pfennige zu biere / 4 Pf. zu einer ſemmel / und 2 Pf. zu nuͤſſen / und die woche 1 gr. extra / den moͤgt ihr hinthun / wo ihr wollt.

Pick.

Aber / wollt ihr mir das geld alle tage baar aus - zahlen?

Sib.

Auch wohl auf 8 tage voraus.

Pick.

Jch nehm aber kein ander geld / als lauter Fran - tzoͤſiſche wildemanns-thaler.

Sib.

Wie ihr wollt / wie ihr wollt / mein ſchatz / guten tag unter deſſen / ich muß zu meiner Beliſſe gehen.

(geht219Andere Handlung.
(geht ab.)
Pick.

Hertze ſtieff-mutter / kleckt hin / leckt wieder her: Wann ich nicht wuͤſt / daß ich klug waͤre / ſo wuͤrde ich fuͤrwahr uͤber den thoͤrichten haͤndeln zum nar - ren: mein vater / der verſtorbene Gaſconier / will mir das loͤffeln verbieten / und er thuts ſelber / ach / wann die alte Sibylle gienge / und lieſſe ein Epita - phium in eine ſpittel-ſtube aus ſich machen / und mein vater der ſchweintreiber bliebe bey ſeiner nah - rung / ich wolte doch wohl die pfennige allein ver - zehren.

(Ephialtes koͤmmt / und geht in tieffen gedancken.)
Pick.

BOtz tauſend / iſt das nicht der neue liebhaber / der ſchaͤffer Coridon / wo muͤſſen itzt ſeine fuͤnff ſinne ſeyn? er hat ſie gewiß in die neue welt nach einem verliebten lied geſchickt. Ach die ſchoͤne Galathe! kan ſie einem ehrlichen kerlen nicht die purle im bau - che machen / ſachte / ſachte /

(ſprang umb ihn herumb)

ouy ouy ouy / ouy ouy ouy.

Eph.

Du ungehangener verlauffner dieb / biſt du wie - der da?

Pick.

Ouy ouy ouy.

Eph.

Du unreiner geiſt / muſt du mich allzeit beſitzen.

Pick.

Ouy ouy ouy.

Eph.

Jch werde mit dir nicht lange ermel machen / geh / oder ich werde boͤſe.

Pick.

Ouy ouy ouy.

Eph.

Du tummes affen-geſichte / was iſt dann das vor eine ſprache?

Pick.

Ouy vater / ouy vater.

Eph.220Der triumphirenden keuſchheit
Eph.

Halts maul / oder rede was beſſers.

Pick.

Heꝛr vater / viel gluͤcks zum neuen ehſtand / aber doch ouy ouy ouy.

Eph.

Jch laſſe dich doch noch an ketten anſchlieſſen.

Pick.

So will ich euch wohl bey eurer liebſten verkla - gen / ouy ouy.

Eph.

Du ſchelm / du haſt was vor.

Pick.

Die alte Sibylle / euer jungfer braut / laͤſſt euch freundlich gruͤſſen / ouy ouy.

Eph.

Du elender donner / ſtich dich nicht in den braͤu - tigam / geh deiner wege / und ſtecke die zunge tieffer in qvarck / eh du davon reden wilſt.

Pick.

Jch werds nicht wiſſen / ſie hat es ſelber erzehlt / ihr alter ſchimmelkopff / ihr moͤcht eure groſſe ABC taffel wol beſſer in ehren halten / als auf die weiſe / es iſt eine trefliche ſache um einen verruntzelten loͤffel - knecht / ouy ouy.

(laͤufft davon.)
Eph.

Eines von euch beyden muß das leben laſſen / hats Sibylle geſagt / ſo will ich ihr mit einem ſtroh - halme ein bein ſtellen / daß ſie den hals zehnmahl druͤber brechen ſoll; hats aber mein leichtfertiger vogel Pickelhaͤring aus dem finger geſogen / ſo will ich riemen aus ihm ſchneiden / und will ihn mit zu tode peitſchen.

(geht ab.)
Flor.

Soll ich dieſen brieff behalten / oder ſol ich ihn in den winckel der vergeſſenheit werffen? Melane / die verſchmitzte dirne / hat mir den poſſen heimlich genug mit geſpielet / da ſie mir die hand bieten wil / laͤſt ſie dieſes papier zuꝛuͤcke / und wiſcht davon / doch / es ſey darum / ich wil ihn leſen.

Mein221Andere Handlung.
Mein Floretto.

DJe feder wuͤrde ſich vor meiner eꝛniedrigungſchaͤ - men / wofern ich nicht in deiner geringen perſon eine hochſchaͤtzbahre trefflichkeit verehren muͤſte / und darzu / was koͤnte mir die uͤbrige ſchamhafftig - keit nuͤtzen / wann ich ſterben ſolte. Jch habe einen fuß ſchon in dem grabe / wo mich deine gewuͤnſchte gegen-liebe nicht zuruͤcke zeucht. Doch wie geht diß zu / ich befehle meinen diener / und er iſt ungehor - ſam; ich begehre von meinem freunde / und er iſt un - dienſthafftig; ich bitte von meinem herrn / und er iſt unbeweglich. Ach! ich weine / iſt dann diß nicht genung / nun ſo wil ich ſterben / um zu erweiſen / das ich nicht anders leben kan / als wann ich heiſſen ſoll deine geliebte

Clariſſe

(Floretto zureiſt ihn.)

BEh / du nichtswuͤrdige mißgeburth aller veraͤcht - lichen ſchandſchrifften / zerreiſt euch / ihr verfluch - ten buchſtaben / und beſchweret das unſchuldige pa - pier nicht. Entweichet aus meiner unbefieckten hand / damit das verzehrende rach-feuer des zorni - gen himmels nicht eurentwegen auch uͤber mich komme. Empfanget den gebuͤhrenden lohn von einem großmuͤtigen knechte / der in ſeinem hertzen uͤber alle bottmaͤſſigkeit triumphiren kan. Aber ach! wie werde ich mich endlich vor allem unziemli - chen anlauff beſchuͤtzen / was vor waffen werd ich der heimlichen gewaltthaͤtigkeit entgegen ſetzen? ich ſchwebe ---

Bel.

Siehe da Floretto! ſeyd ihr ſo allein?

Flor.

Jhr gnaden belieben vielleicht dero geliebte frau muhme zu beſuchen?

Bel.222Der triumphirenden keuſchheit
Bel.

Jch vermeynte ſie hier anzutreffen.

Flor.

Jhre majeſt. die koͤnigin hat ihrer vor einer hal - ben ſtunde begehrt / ſolt es aber einige nothwendig - keit betreffen / wolt ich leicht gelegenheit finden / die bottſchafft auszurichten.

Bel.

Seyd ohne muͤh / ich wolte etwas kurtzweilen: aber hoͤrt Floretto / kan ich nicht erfahren / was ihr vor ein landsmann ſeyd?

Flor.

Ach / warum wollen Jhr Gnaden mich durch die erinnerung meines geliebten vaterlandes betruͤbẽ?

Bel.

Jch will euch nicht betruͤben / ich will euch viel - mehr troſt zuſprechen / antwortet mir auff meine frage.

Flor.

Gnaͤdiges Fraͤulein! ich bin ein Deutſcher / itzt aber ein elender Jtaliaͤniſcher ſclave.

Bel.

Ein Deutſcher / aber aus welcher Provintz?

Flor.

Mein itziger zuſtand hat mir den mund ver - ſchloſſen / daß ich alles / was mich angehet / verſchwei - gen muß.

Bel.

Verſichert euch / was ihr mir erzehlet / ſolt ihr zu eurem ſchaden nicht geſagt haben / eroͤffnet mir nur die begebenheiten eures lebens / dann ich weiß nicht / was ich vor eine hohe ankunfft aus euer ſtirne leſen kan.

Flor.

Allergnaͤdigſtes Fraͤulein! kan diß wohl moͤg - lich ſeyn / daß meine niedrigkeit bey dero hohen per - ſon einige erleichterung des ungluͤcks finden ſoll.

Bel.

Wie geſagt / ihr habt euch nichts boͤſes / ſondern lauter gutes zu verſehen / halt mich nur in meinem verlangen nicht auff.

Flor.

So will ich auch mein ſtillſchweigen brechen / und der jenigen meine ungluͤckliche zufaͤlle offenba -ren /223Andere Handlung.ren / zu dero gnaͤdigſten befoͤrderung ich mich gaͤntz - lich ergeben will. Jch bin ein Deutſcher / mein vaterland iſt Sachſen / und meine eltern zehlen ſich unter die vornehmſten Grafen deſſelben landes. Der krieg / welcher ſich vor langer zeit zwiſchen Con - raden / dem rechtmaͤßigen beſitzer dieſes koͤnigꝛeichs / und Carlen dem Frantzoſen / in dieſem lande herum gefreſſen / hat meinen Herꝛn Vater / den tapffern Ludwig / bekandt gnug gemacht / alſo / daß ich glei - cher geſtalt veranlaſſet worden / mich folgender zeit in Arragoniſche dienſte zubegeben / um wider die gewaltthaͤtige beſitzung dieſes Koͤnigreichs zu fechten. Doch mein unſtern war ſo groß / daß ich bey der erſten gelegenheit mein pferd und meine freyheit verlohr. Jch war meiner perſon wegen / ſo ſorgfaͤltig / daß ich mich vor einen ſchlechten ſolda - ten ausgab / in meynung / es moͤchte mir zu uneꝛtraͤg - lichen ſchimpfe ausſchlagen / wann ich durch benen - nung meines herrn vatters / den feinden die victori herrlicher machen wolte / alſo bin ich in der gefan - genſchafft blieben / habe den nahmen Heinrich mit Floretto vertauſcht / und nachdem ich die flucht offteꝛmahls vergebens vor die hand genommen / bin ich dem Rodoman geſchencket worde / da ich nichts zu klagen habe als

Bel.

Redet weiter / es traͤgt euch keine gefahr.

Flor.

Nichts / nichts / ich habe die rede beſchloſſen /

Bel.

Jch will es wiſſe / der beſchluß war noch nicht da.

Flor.

Jch wolte ſagen / ich waͤr ein knecht.

Bel.

Seht mich nicht vor ſo einfaͤltig an / ihr wolt ohn zweiffel auff mein muͤhmgen klagen.

Flor.

Jch weiß nicht / Jhr Gnaden verſchonen michmit224Der triumphirenden keuſchheitmit der frage.

Bel.

Jch wil euch nicht beſchwerlich ſeyn / habt nur ſchoͤnſten danck vor den ausfuͤhrlichen bericht eu - res lebens / und vergewiſſert euch / das alle die erzeh - lung noch zu eurem vortheil gereichen ſol.

Flor.

Jhr Gnaden bet ich an / als eine Gottheit / die mir / in der dunckeln nacht meines elendes / einen ſuͤſſen blick der belieblichſten hoffnung ſehen laͤſt.

Bel.

Jhr doͤrfft mir mit ſo hohen worte nicht ſchmei - cheln / aber ſeyd gewiß / daß ich euch gewogen bin / lebet wohl.

(Geht ab.)
Flor.

Des himmels ſeegen begleite ihr Gnaden. Ach wolte Gott! daß diß der anfang meines neuen gluͤ - ckes waͤre.

(Geht ab.)
Pickelhaͤring.

BElt / ich habs meinem vater brav geſagt / der alte ehebrecher mag wohl ſelber eine ſau ſeyn / die Me - lane iſt allzeit auf dem ruͤcken ſchoͤner / als die alte verſchrumpelte Sibylle um die naſe. Jch habe zum element meine kinder-ſchuhe vertretten / und wer mich vor einen jungen anſieht / der hat ſeine ta - ge keinen jungen geſehen. Zum ſchilling bin ich zu groß / und zu den ohrfeigen zu klein / mein vater thut mir an beyden keinen dienſt. Aber halt / wann ich meinen vater ein bißgen beſchaͤmen koͤnte / ich will mich vor die alte Sibylle anziehen / und wo er mich nothzuͤchtiget / ſo ſoll ihm der hoͤniſche dorff - teuffel das liecht halten. Adieu ihr herren / in der geſtalt ſeht ihr mich nicht wieder.

Cla -225Andere Handlung.
(Clariſſe koͤmmt und rufft:)

Pickelhaͤring wo hinaus / ſteh!

Pick.

Es iſt wohl ſchlimm / wo die weiber das regi - ment haben / nun da bin ich / was gibts junges?

Clar.

Wo lieffſt du hin?

Pick.

Nirgend hin / ich gieng nur herum.

Clar.

Jch ſehe dirs am maule an / daß du haft wollen weggehen / bekenne / oder du ſolſt dich im hundeloche auffloͤſen.

Pick.

Wann ihr mir alles am maule anſehen koͤnnet / warum fragt ihr dann? ich wolte ein bißgen auff den marckt gehen.

Clar.

Und was haſt du auf dem marckte zu ſchaffen?

Pick.

Jch wolte nur nach der uhr ſehen / welche zeit es waͤr.

Clar.

Es ſind faule fiſche / aber wo iſt Floretto?

Pick.

Er war erſt da.

Clar.

Was that er?

Pick.

Er redet mit euer jungfer muhme.

Clar.

Was hat er mit ihr zu reden?

Pick.

Sie mochte auch nicht wiſſen / wie viel die gla - cke war / ſo fragte ſie ihn.

Clar.

Jch halte / ſie haben die ſtunden an den fuͤnff fin - gern abgezehlt.

Pick.

Jch weiß nicht / es gieng ſchon auff zwoͤlfe / da ich kam / ich habe den ſeiger nicht ſehen lauffen.

Clar.

Hoͤre Pickelhaͤring / ich wil dir eine kanne wein ſpendiren / wo du ſagſt / was ſie mit einander geredt haben?

Pick.

Frau / ich lag im winckel und ſchlief / das ſah ich wohl / daß ſie das maul gegeneinander auffſperten / ob ſie mit einander geſpraͤcht haben / das weiß ich ei -Pgentlich226Der triumphirenden keuſchheitgentlich nicht.

Clar.

Schelm / wilſt du auff die hinter-fuͤſſe tretten.

Pick.

Jch wolte gern auf den gaͤnſe-fuß tretten / ich habe keinen.

Clar.

Geh du ſtocknarr / ich mag dich nicht mehr ſehen.

Pick.

Groſſen danck / vor die gute abfertigung.

(Laͤufft davon.)
Clar.

Nun mein Floretto / biſt du da zerriſſen / thut dirs auf dieſer ſeithe weh. Steht die Beliſſe im lichten / daß du an der Clariſſe die liebe nicht erken - nen kanſt. Jch habe mich lange darfuͤr gefuͤrcht / doch das iſt mir angenehm / daß ich in zeiten darhin - ter komme. Entweder mein kopff ſoll keinen an - ſchlag mehr wiſſen / oder Beliſſe ſoll Floretto ver - liehren.

(Geht ab.)

Dritte Handlung.

Pickelhering
in der Sibylle kleidern.

DA koͤmmt die verliebte ſeele! ihr herren laſt euch nicht geluͤſten / ich habe nur die kleider geborgt / den andern zierrath / ihr wuͤſt es wohl / hat ſie ſelber be - halten. Wie wird meinem vater das hertze im lei - be wackeln / wann er mich ſehen wird. Ach liebe / liebe! du warmer peltzfleck meiner gedancken / laß doch den donnerkeil deiner freundligkeit in die hole weide meiner unwuͤrdigkeit hinein ſpatzieren. Aber vor allen dingen muß ich mich in der alten weiber complimenten exerciren / laß ſehn / ein bonus dies in folio, der kommt ſo / nein / nein / das war ein kleiner / ich kan ihn kaum in octavo einbinden laſſen / ſo / der war recht / ein verliebt augen-ſchwermergen / ſo / einſpitzig227Dritte Handlung.ſpitzig maͤulgen / ſo / ein kniefix ſo / botz tauſend das war ein kniefix mit dem fetzer / noch einmahl / ſo / ſo / es wird ſich ſchon geben wie das gꝛiechiſche (Ephial - tes kommt in der Melanen kleidern) doch was will Melane das raben-aas / halt / ich wil ihr auch einen wurm ſchneiden.

Eph.

Jch muß auf meine alte tage naͤrriſche haͤndel vornehmen / da plagt mich die ſorge wegen meines leichtfertigen ſohns aͤrger / als eine purgation im leibe / die leuthe ſprechen / er loͤffelt mit der abgenuͤtz - ten kammer-magd / und ich glaube gleichwol die ſa - che nicht gerne eh ich ſie ſeh / drum hab ich mich in ih - re kleider geworffen / und halte den muff vors maul / obs angehen will / daß er mich verkennet.

Pick.

Guten morgen / mein freundliches liebes kam - mer-kaͤtzgen.

Eph.
(Neiget ſich.)

Hu / hu.

Pick.

Hu hu / habt ihr kein maul? guten morgen.

Eph.
(Neiget ſich.)

Nu nu.

Pick.

Nu nu / hu hu / guten morgen /

Eph.
(Redet kleine.)

Groſſen danck.

Pick.

Du junges rabenfell / groſſen danck / du redeſt treflich klein / du pfeiffſt gewiß durch ein eng loͤchli - chen.

Eph.
(Klein.)

Ja / ja.

Pick.

Je daß du nicht ein knecht biſt / aber hoͤrt doch / habt ihr nicht meinen liebſten geſehen / das liebe fromme hertze / mich deucht immer / wann ich ihn kriege / ſo druͤckt mich der alp / ach der gute ehrliche thorwaͤrter / habt ihr ihn nicht geſehen?

Eph.
(Grob)

Leck mich im leibe.

Pick.

Du grobe keule / wollen wir mit einander dahin /P 2vor228Der triumphirenden keuſchheitvor meinem liegt auch kein ſchloß / ich frage nach meinem liebſten.

Eph.

Daß mir nicht der liebſte wegkommt / er muß ſich darnach ſehnen.

Pick.

Du junge alraupe / was darffſt du dein maul druͤber zerreiſſen.

Eph.

Du altes brummeiſen / was darffſt du dich ſol - cher haͤndel beruͤhmen.

Pick.

Du junger klunckermutz / was gehts dich an?

Eph.

Du altes hundefell / es geht mich wol ſo viel an / als dich.

Pick.

Du junger ſchand-nickel / dir zum poſſen will ichs thun.

Eph.

Du alter ruͤffel-zahn / ſo ſoll dir der hencker an der ſtaupen-ſaͤule darvor dancken.

Pick.

Der thorwaͤrter iſt mein liebſter / und wann ſich alle junge gaͤcken die krauſe zerriſſen.

Eph.

Du alte gacke / es geht ſchon fort / ſchiers kuͤnff - tig auf den 32 Februarius / ach nein / ich lobe mei - nen Pickelhaͤring.

Pick.

Du elende hure / verbrenne dirs maul nicht - ber deinen Pickelhaͤring.

Eph.

Bin ich eine hure / ſo bin ich eine mit ehren / ich bin noch mit keinem ſchinder-knecht davon gelauf - fen.

Pick.

Ho / ho / das gilt halßbrechens.

(Sie fallen uͤber ein ander / und ſchlagen ſich / Rodoman / Clariſſe und Floretto kom̃en.)
Rod.

Jch halte der hencker hat ſich leibhafftig von der kette loß geriſſen / daß ſo ein grauſamer tumult vor meinem loſament entſteht.

Clar.

Das lumpengeſchmeiß hat mich biß auf den toder -229Dritte Handlung.erſchreckt.

Rod.

Wer ſind ſie dann?

Flor.

Jch will die geſpenſte bald wegbannen / was ſeyd ihr vor lands-leute?

(reiſt ihnen die kleider vom leibe.)
Pick.

Wer will mich nun in meiner eigenen geſtalt ſe - hen?

Flor.

O himmel! was ſeh ich / Pickelhaͤring und ſein vater / ihr alter ziegenbock / was faͤhrt euch vor eine freude in die achſel?

Rod.

Jhr ſchaum von allen leichtfertigen menſchen / gebt rechenſchafft / wer hat den tumult angefangen?

Eph.

Herr / mein ſohn

Pick.

Herr / mein vater

Eph.

Nein / mein ſohn

Pick.

Nein / mein vater

Rod.

Schweiget ihr hunde / Floretto laß ihnen das bette im hunde-loch auffſchlagen / biß ſie den rauſch ausſchlaffen / du aber bleib in deinem loſament biß auf weitern beſcheid.

Flor.
(Schlaͤgt zu.)

Fort / fort / ihr lumpen-geſinde.

(geht mit ihnen ab.)
Rod.

Allerliebſte Clariſſe! ſo kan ich nicht ſo gluͤckſe - lig ſeyn / die urſach eurer traurigkeit zu erfahren?

Clar.

Eine ſchoͤne gluͤckſeligkeit / die aus erkaͤntniß meiner traurigkeit entſpringen ſoll.

Rod.

Ein artzt iſt gluͤckſelig / wann er des patienten kranckheit verſteht.

Clar.

Ein patient iſt ungluͤckſelig / wann er ſeyn an - liegen nicht ausſprechen kan.

Rod.

Aber der patient iſt wundeꝛlich / der keinen man - gel hat.

P 3Cl. Mein230Der triumphireuden keuſchheit
Clar.

Mein Rodomann! ich bin eueres mitleidens unwuͤrdig / meine perſon iſt viel zu ſchlecht / als daß die maͤngel / ſo mir zuſetzen / einigen gegen-ſchmer - tzen in euch erwecken ſolten / ja wohl / ich bin wunder - lich / warum nicht gar naͤrriſch?

Rod.

Ach mein kind! was ſoll die unziemliche aus - legung meiner worte bedeuten?

Clar.

Es iſt nicht das erſtemahl / daß meine liebe ver - ſtoſſen wird.

Rod.

Sollen meine reden ſo angenommen werden / ſo will ich ſchweigen.

Clar.

Jmmerhin es wundert mich / daß ihr mir bißher das maul gegoͤnnet habt.

Rod.

Liebgen! ſehet mich doch an / und lachet nicht.

Clar.

Das will ich ohne diß thun.

Rod.

Haben wir bald ausgeſchertzt?

Clar.

Mein / laſt mich gehen / ihr ſehet ja / daß ich un - paß bin.

Rod.

Jch wil euch nicht beſchwerlich ſeyn / aber ſagt nur / ob euch was beliebt?

Clar.

Der ſchlaff beliebt mir / darum verlaſt mich hier allein / und wofern ihr mir einige gefaͤlligkeit zu er - weiſen bedacht ſeyd / ſo laſt mir den Floretto auff den dienſt warten.

Rod.

Es ſey alſo / ruhet wohl / mein kind.

(geht ab.)
Cl.

So gehet das aͤrgerniß meiner gedancken dahin / und befreyet mich von der plag ſeiner unzeitigen liebs-reitzung. Ach Floretto! biſt du noch nicht hier / verzeuchſt du deine halb todte Clariſſe mit neu - em leben zu beſeligen? Komm / dann ſie will ihr aͤu - ſerſtes verſuchen / und dieweil du nichts begehrenkanſt /231Dritte Handlung.kanſt / als was du ſieheſt / ſolſt du mich eher ſehen / als du mich begehret haſt / und was der unberedte mund nicht hat vollbringen koͤñen / ſoll dieſer ſchnee - weiſſe leib durch ſeine ſtumme wohlredenheit bey dir verrichten. Schickt euch ihr verliebten glied - maſſen zu aller erſinnlichen annehmligkeit / ihr ver - liebten minen / ihr entzuckten verſtellungen / ſpielt euer krafft zuſammen / und begeiſtert mein vorneh - men durch eine liebſelige empfindligkeit. Ach Flo - retto / wo verzeuchſt du?

Flor.

Jhr Gnaden haben meiner begehrt?

Cl.

Ja / und zwar aus unterſchiedenen urſachen.

Flor.

E. Gnaden unpaͤßligkeit hab ich mit betruͤbtem gemuͤthe vernommen.

Cl.

Jch weiß itzund von keiner unpaͤßligkeit / aber was macht deine liebſte Beliſſe?

Flor.

Wann jemand mehr zugegen waͤr / meynt ich nicht / daß dieſe reden mich angehen ſolten.

Clar.

Gar zu viel gehen ſie dich an / ich weiß euren heimlichen verſtand gar wohl.

Flor.

Beliſſe erkennet ihren ſtand / und ich meine nie - drigkeit / im uͤbrigen kan ich allen unbilligen ver - leumbdern das maul nicht ſtopffen.

Clar.

Doch / es muß gewaltig ſuͤſſe ſchmaͤcken / wann ihr eure liebes-haͤndel in verſtohlner liebligkeit ein - erndten koͤnnet.

Flor.

Gnaͤdigſte gebieterin / ich bin der ſachen ein kind.

Clar.

Muß dieſes nicht luſtig zugehen / wenn die ro - ſenrothen wangen ſich in ein ſubtiles gelaͤchter ein - laſſen / und die corallen-lippen mit tauſend verzu - ckerten hertzens-kuͤſſen gleichſam ſchwanger gehen / wenn alle fuͤnff finger ſich in das zarte lilien-feldP 4ver -232Der triumphirenden keuſchheitverſcharren / ach wer wolte ſo beredt ſeyn / die ver - gnuͤgung vorzuſtellen. Ein ſchertz treibet den an - dern / ein kuß verhindert den andern / ein blick ver - zehrt den andern / ein griffgen ach ich mag nicht weiter reden / ich werde ſelbſt verliebt davon. Da Floretto / nimm den fliegen-wedel / und gib ach - tung / indem ich dem ſuͤſſen ſchlaffe nachhaͤnge / daß mich keine fliege verunruhige.

Flor.

An meiner auffachtſamkeit will ich nichts er - mangeln laſſen.

(Sie legt ſich / unterdeſſen wird geſungen.)
ACh Floretto! laß dein gluͤcke
Dir nicht aus den haͤnden gehn /
Lerne doch in dieſem ſtuͤcke
Deine wolfahrt recht verſtehn /
Weil die ſchoͤnſte von der welt:
Gleichſam dir zu fuſſe faͤlt.
Schau doch her / ſie legt ſich nieder /
Brauche der gelegenheit /
Dieſe ſtunde kommt nicht wieder /
Wo man ihre gunſt verſtreut /
Jtzund haſt du noch die wahl /
Fuͤrchte dich ein ander mahl.
Brich die roſen von den wangen /
Welche dir zu ehren bluͤhn /
Welche dich und dein verlangen /
Als magneten an ſich ziehn /
Nimm das wollen-weiche pfand
Jhrer finger in die hand.
Schau die alabaſter-ballen
An der unbefleckten bruſt /
Wie233Dritte Handlung.
Wie ſie auf und nieder fallen /
Aus begierde zu der luſt /
Welche das verliebte ziel
Bloß in dir erlangen will.
Wilſt du ſie noch mehr betruͤben?
Dieſer leib und was ſie hat.
Stellt ſie gantz in dein belieben /
Drum erfahr es in der that /
Daß Clariſſe wird allein /
Dem Floretto guͤnſtig ſeyn.
Flor.

Du guͤtiger himmel / ſo haben ſich alle verfol - gungen auf meinen kopff zuſammen geſchworen / ach verleihe mir in meiner unſchuld zum wenigſten ein ſolches hertz / das unter den unvergleichlichen verſu - chungen dennoch unuͤberwindlich bleibe. Die luſt reitzet mich / aber ſie ſoll mich nicht anreitzen / ſie lo - cket mich / aber ſie ſoll mich nicht ins netze dringen. Der ſchein dieſer gegenwaͤrtigen wolluſt iſt viel zu gering / als daß er die groͤſſe des nachfolgenden un - gluͤcks vor meinen augen verbergen ſolte. Nun ertheile mir die gnade und erhalte meine ſchwach - heit in dem vorſatze / lieber zu ſterben / als in derglei - chen unreinigkeit zu willigen.

Clariſſe
(rufft ihm)

Floretto.

Fl.

Jhr Gnaden hier bin ich.

Cl.

Langet mir zu trincken.

Fl.

Von hertzen gern

(er giebt)
Cl.
(Ergreifft ihn)

geh nicht weg du kanſt wohl bey mir ſitzen.

Fl.

Jhr Gnaden halten mich nicht / ich kan nicht ſitzen.

Cl.

Aber ich bitte.

P 5Fl. Was234Der triumphirenden keuſchheit
Fl.

Was mir zu thun moͤglich iſt / kan ich ungebeten verrichten.

Cl.

Vor wem fuͤrchſtu dich / bleib hier.

Fl.

Jch kan nicht / ich mag nicht / ich will nicht.

Cl.
(Faͤllt auf die erde / und faſſet ihn bey den beinen.)

Ach du eintziger auffenthalt meines lebens / du aller - ſchoͤnſter angelſtern meiner verliebten gedancken / du lieblicher morgenſteꝛn meiner inbruͤnſtigen hoff - nũg / du troͤſtlicher abendſtern meines unausſprech - lichen ſeelen-ſchmertzens! ſiehſt du nicht / wer ſich zu deinen fuͤſſen erniedriget / ach es iſt die ungluͤckſe - lige Clariſſe / die betruͤbte / die verachte / die verlaſ - ſene Clariſſe / welche ſich aller andern luſtigkeit ent - ſchlagen hat / um dem hertzvielgeliebten Floretto auffzuwarten.

Fl.

Jhr Gnaden bemuͤhen ſich nicht / es iſt vergebens.

Cl.

Ach laß doch aus dem uͤberfluͤſſigen meer deiner vortrefflichen freundlichkeit nur den geringſten tropffen auff meine durſtige ſeele rinnen / und wo dein hertz ein harter kieſelſtein iſt / ſo laß doch etliche funcken auf meine bruſt fallen / welche ſich zu lauter zunder und aſche verzehret hat.

Fl.

Jhr Gnaden vergeben mir / ich brauche gewalt.

Cl.
(Haͤlt ihn bey dem rocke.)

Ach! beliebt diꝛ reich - thumb / ſuchſt du die freyheit? mein kind! mein en - gel! alles ſoll dir zugeſagt ſeyn / vergnuͤge mich nur durch einen gegenblick.

Fl.
(Laͤſt den rock fahren.)

Jch will mich an mei - nen Rodoman ſo nicht verſuͤndigen.

(Geht fort.)
Cl.

Du armer unſchuldiger rock / ſo darffſt du nichtmehr235Dritte Handlung.mehr den artigen leib bedecken / und muſt du meinen unwuͤrdigen haͤnden / als ein betruͤbter raub / hinter - laſſen werden? ſoll ich mich an dir ergetzen / ſolſt du meinen brennenden begierden waſſer zutragen. Ach nein! ich bin verlohren / lieben wolt ich gern / aber ich ſoll nicht / haſſen ſol ich / aber ich kan nicht: doch warum ſolte ich nicht koͤnnen? auf Clariſſe / deine hoheit iſt nicht gantz verdunckelt / und du darffſt dei - ner macht nicht ſo gar vergeſſen. Wer ſich unter dei - ne freunde nicht rechnen will / ſoll ſich mit ſchmer - tzen unter deinen feinden befinden / und wer ſich dei - ner liebe unwuͤrdig macht / ſoll deiner verfolgung biß auf den tod unterworffen ſeyn. Der verfluch - te Floretto / der undanckbare vogel / ſoll die frucht ſeiner hartnaͤckigten natur bald empfinden. Die liebe iſt ein feuer / wer es mit kuͤſſen nicht leſchen kan / muß es mit blute daͤmpffen / und was die ſehn - liche begierde bitter macht / ſoll die verzweiffelte ra - che wieder verſuͤſſen. Mich deucht ich ſehe ſchon / wie ſich die harten ketten umb ſeinen ſtoltzen leib ſchlingen / wie die geiſſeln um ſeine lenden rauſchen / wie ſich das fleiſch von ſeinen rippen abſondert / und wie das vermaledeyte hertz vor meinen fuͤſſen von hunden gefreſſen wird. Halt / du ſchandbube! nun will ich grauſam ſeyn / nun will ich mich erbit - ten laſſen / nun will ich mich an deinen thraͤnen erlu - ſtigen. O helfft / helfft / habt ihr eure Frau gantz allein gelaſſen / iſt niemand hier / der ſich meiner an - nimmt! helfft mir von dem verraͤther / von dem ertzboͤſewicht.

Rodo -236Der triumphirenden keuſchheit
Rodoman / Ephialtes / Pickelhaͤring.
Rod.

O Himmel! wer will uns im hauſe verꝛathen?

Cl.

Ach erloͤſt mich / gewalt! gewalt!

Rod.

Liebſte Clariſſe! was vor gewalt?

Cl.

Floretto / der ſchelm / der ſchandbock.

Rod.

Wie / Floretto?

Cl.

Ach Floretto / der ſtinckende wiedehopff.

Rod.

Und was

Cl.

Floretto / das ſchaͤndliche unthier.

Rod.

Warum aber

Cl.

Floretto / der unverſchaͤmte ehren-dieb.

Rod.

Erzehlt doch

Cl.

Floretto der gifftige baſiliske.

Rod.

Jſt es nicht

Clar.

Floretto / mein knecht / mein ſclave.

Rod.

Und was hat dann Floretto gethan?

Cl.

Gethan? o der ehrvergeſſene ſtraſſenraͤuber!

Rod.

Es ſey alſo / aber wodurch hat er ſolche titul verdienet?

Cl.

Solte er ſie nicht verdienet haben / ein ſchoͤn ehge - mahl / das einem nichtswuͤrdigem knechte gegen ſei - ner liebſten uͤberhelffen darff.

Rod.

Clariſſe plagt mich nicht / ich will wiſſen / was vorgehet?

Clar.

Floretto will euer ehebette beſudeln / iſt das nicht gnug?

Rod.

Floretto? aber auff was maſſe?

Clar.

Jſts auch fragens werth? ich hatte mich auff das bette geſtreckt / und verſuchte / ob ich durch die geſchloſſenen augen den verlangten ſchlaff anlocken koͤnte. Jhm aber hatte ich befehl gegeben / die un -nuͤtzen237Dritte Handlung.nuͤtzen fliegen von dem bette abzutreiben / doch der henckermaͤſſige galgenvogel vergaß ſeiner perſon ſo weit / daß er erſtlich durch heimliche griffe / hernach - mals durch allerhand liebkoſende reden / endlich durch oͤffentliche und unziemliche gewalt / meine eh - re / meine treu / und was mir auff dieſer welt am lieb - ſten iſt / beſtuͤrmen durffte. Ach! iſt niemand der rache ſucht / rache! rache!

Rod.

Jch habe genug gehoͤret / gebt euch zufrieden / liebſte Clariſſe! keine marter ſoll ſo grauſam ſeyn / die ich nicht / euch zu befriedigen / uͤber den verzweif - felten Floretto ausſchuͤtten will. Geht / und ſucht den ſclaven / und wann er da iſt / ſo verſchlieſſt ihn in das grauſamſte gefaͤngniß / alsdann erwartet un - ſern weitern befehl.

Clar.

Die boßheit muß geſtrafft werden.

Rod.

Gebt euch zufrieden / ſo lange Rodoman Rodo - man iſt / ſoll Clariſſen ehre unverletzt ſeyn.

(Gehen ab.)
Pick.

Jſt das nicht ein ſchelme / daß er ſeinem eignen Herꝛn in die meelbirnen gehen will.

Eph.

Jch weiß vor boßheit nicht / ob ich ein maͤdgen oder buͤfgen bin.

Pick.

Der huren ſohn hat uns neulich genug geplagt / wir wollen ihn wieder zahlen.

Eph.

Es hat ſich wohl bezahlt / wer ihn vor gefunden haͤtte.

Pick.

Ums finden hats gute wege. Vater geht ihr da - hin / ich wil dorthin gehen / und wer ihm am erſten findt / der ſoll kommen / und ſolls dem andern ſagen.

Eph.

Nun es bleibt darbey / ich verlaſſe mich darauff.

Pick.

Ja ja / auf mich kan ſich einer wohl verlaſſen

(gehen238Der triumphirenden keuſchheit
(gehen ab.)
Flor.

Will jemand ein ſchaaf ſehen / welches ſich den reiſſenden wolffe mitten aus den zaͤhnen entriſſen hat? wil jemand eine taube ſehen / welche ſich vor dem grimmigen habicht verbergen muß? ach der ſe - he den armen und verfolgten Floretto an! hier ſteht die wand / auf welche alle ungluͤcks pfeile zufliegen: hier iſt das zerbrechliche ziel / welches die unzehlichen ſchoͤſſe aller verfolgung auffangen ſoll. Jch bin ein elender ſchilf / welcher ſich vor dem hereinbre - chenden ſturmwinde buͤcken muß; eine ſchwache meyenblume / welche durch die vielfaͤltigen regen - guͤſſe beſchweret und zur erde gebeuget wird. Mei - ne ftirne iſt eine tafel / daran ein kurtzer auszug alles ungluͤcks vorgebildet wird / und mein hertz iſt ein verwirtes neſt / darinn eine widerwaͤrtigkeit die an - dere ausbruͤten muß. Ach zu welcher gefahr bin ich noch uͤbrig blieben?

(Pickelhaͤring kommt.)
Pick.

Luſtig der vogel iſt gefangen / harr du Courtiſan exprofeſſo, ich wil dich galaniſiren lehren / es mangelt nur an meinem vater / der wiꝛd die katzenmeſſe ſingẽ.

(Geht ab.)
Fl.

Mein haupt iſt als ein leeres faß / daraus aller rath und troſt mir einem hauffen gefloſſen iſt / ach wo ſol ich mich hinwenden?

(geht ab.)
Ephialtes / Pickelhaͤring.
Eph.

Jſt er da?

Pick.

Da ſtehet er.

Eph.

Fort doch / ich zittere gar vor freuden / daß ich den ungehangenen dieb einſtellen ſoll.

Pick.239Dritte Handlung.
Pick.

Er laͤſſt euch auch bitten / ihr ſollt geſchwinde darzu thun / es verlangt ihn ſehr nach einem ſolchen ſchoͤnen qvartier-meiſter.

Eph.

Nu / wo iſt er dann?

Pick.

Hier / hier.

Eph.

Jch ſeh ihn nicht.

Pick.

Jch ſeh ihn auch nicht.

Eph.

Du dieb / du haſt ihn gewiß lauffen laſſen.

Pick.

Er iſt von ſich ſelber weggelauffen.

Eph.

Du unnuͤtzer baͤrnhaͤuter! geh dort hin / ich will auff dieſe ſeite gehen / und wer ihn findet / der ſags dem andern.

Pick.

Jhr werdet die jungen narren ausnehmen.

(Gehen ab.)
Flor.

Jſt dann der himmel mit lauter wolcken uͤber - zogen / und will der froͤliche ſchein einiges troſtes nicht durchdringen; ich weiß nicht / ob ich an meine ordentliche verrichtung gedencke / oder / ob ich der boßhafftigen Clariſſe aus den augen gehe. Wann ich hier bleibe / ſo bin ich meines lebens nicht ſicher / wann ich entfliehe / ſtuͤrtze ich mich in den aͤrgſten verdacht /

(Ephialtes kommt.)

und darzu wo will ich hinlauffen?

Eph.

Still / ſtill / das maͤußgen tantzt wieder auff den baͤncken herum / wir wollens bald in der falle haben.

(geht ab.)
Flor.

Unter mir und neben mir find ich wenig labſal / mein gluͤcke muß von oben kommen.

(Geht ab.)
Ephialtes / Pickelhaͤring.
Eph.

Du unachtſames pfingſt-kalb! nun will ich dir weiſen / wie man die leute ausſteubern ſoll.

Pick.240Der kriumphirenden keuſchheit
Pick.

Ja ja / vater! ihr gebt einen guten ſpuͤrhund.

Eph.

Sieheſt du ihn dort gehen?

Pick.

Ja / ich ſeh ihn / ihr meinet ja den hund dort?

Eph.

Du ſchlauraffen-geſichte / den Floretto mein ich.

Pick.

Ja ja / ich ſeh ihn auch.

Eph.

Nun greiff zu.

Pick.

Vater / der dieb hat ſich[unſichtbar] gemacht / wer kein ehrlicher kerle iſt / der kan ihn nicht ſehen.

Eph.

Sieheſt du ihn dann?

Pick.

Das verſtehet ſich / da gehet er.

Eph.

So fang ihn doch.

Pick.

Nein / der vater gehet vor.

Eph.

Und wann ich mein tage kein ehrlicher kerl ſeyn ſolte / ſo ſehe ich nichts.

Flor.

Es iſt beſchloſſen / die flucht iſt beſſer als ein un - gewiſſer verzug.

Pick.

Vater / da iſt das ſchoͤne ebenbild / laſts ja nicht lauffen.

Eph.

Wo hinaus landsmann?

Flor.

Dir ſoll ich gewiß rechenſchafft geben?

Eph.

Das muſt du thun / und wann du nicht mit gu - ten wilſt / ſo hab ich und mein ſohn ein paar pruͤgel / die ſollen bald mit deinem ſchedel cameradſchafft machen.

Flor.

Vergreifft euch nicht an mir / es ſoll euch nicht ungeſtrafft hingehen.

Pick.

Je mehr man mit den leuten complimentirt / je mehr wollen ſie geleckt ſeyn / ſeht vater / ſo machts.

(Sie gehen auf ihn loß.)
Flor.

Was bedeut dieſer grauſame anfall / womit hab ich dieſen ſchimpf verſchuldet?

Pick.

Du großſprecher / biſt du nun in unſer gewalt /da /241Dritte Handlung.da / da haſt du die zinſe mit dem capital wieder.

Flor.

Verſchonet meiner / oder es ſoll euch ſauer an - kommen.

Pick.

Vater / der kerl bildt ſich noch was ein.

Eph.

Jns loch / ins loch / wann ſo ein junger geelſchna - bel gern ins ſuͤſſe loch kriechen will / muß man ihm ein ander loch weiſen / fort / fort.

Flor.

Jch geh / und laſſe die unſchuld meine gefertin ſeyn.

Pick.

Wo dir mit geferten gedient iſt / ſo will ich dir ein paar ohrfeigen zuſtellen / die kanſt du mit auf den weg nehmen.

Clariſſe
kommt und ſagt.

Habt ihr das ottergezuͤchte noch nicht bezwungen? ich halt / es geht euch ab / wie pech am ermel / reiſt ihn fort / die ſonne erblaſſt noch / wo ſie einen ſolchen un - menſchen laͤnger beſcheinen ſoll.

Flor.

Bedencke doch

Clar.

Laſſt ihr den ertz-vogel noch reden / halt ihm das maul zu / oder beſetzt ihm den heilloſen rachen mit tauſend maulſchellen / ſchafft ihn fort / und wo ihr auff der geringſten unachtſamkeit betroffen werdet / ſo ſoll der galgen nach euch ſchnappen.

Pick.

Jch wolte nicht unachtſam ſeyn / und wann ich mein tage nicht hencken ſolte.

Clar.

Es ſteht euch beyden auch zu rathen.

(geht ab.)
Pick.

Nun Monſieur Floretto / der Herr ſpatziere.

(Sie gehen ab.)
QDie242Der triumphirenden keuſchheit

Die vierdte Handlung.

Der ſchau-platz verwandelt ſich in Floretto gefaͤngnis.
Bel.

JCh bin lange gnug verſchwiegen geweſen / ich habe meinem heimlichen anliegen zeit gnug gelaſſen. Meine ſeele! nun muſt du dem munde etliche un - gewoͤhnliche worte zu gute halten: Floretto / der preiß von allen adelichen tugenden / hat den preiß meiner uͤberwundenen liebe. Seine ſtattliche an - kunfft hat die wenigſte achtbarkeit bey mir vermeh - ret. Seine großmuͤtigkeit / ſein unbeflecktes le - ben / und ſeine uͤberaus zierliche geſtalt / haben mich erſtlich in ein bloſſes gefallen / hernachmals in die hefftigſte leidens-regung gebracht / daß ich mein le - ben ohne ihn kein leben heiſſen muß. Aber wo iſt mein wertheſter Floretto / hat ihn nicht die unver - antwortliche falſchheit der geilen ehebrecherin zu dem beſchwerlichen gefaͤngnis verdammet? muß ſich der zarte leib nicht in die eiſen ſchicken / und muß die unſchuld nicht uͤber ſich triumphiren laſſen. Ungerechte muhme! Was hat Floretto verſchul - det / und wofern er einiger miſſethat ſchuldig befun - den wird / was habe dann ich gethan / daß ich mit ihm geſtrafft werde? weiſt du nicht / daß meine ſee - le in ſeinem leibe wohnet / und daß ich alles ſchmer - tzens durch ihn theilhafftig werde? halte deine grauſamkeit zuruͤcke und befoͤrdere zum wenigſten durch ſeine qvaal meinen tod nicht. Hier iſt der ſchauplatz aller verfluchten ungerechtigkeit! Hier iſt der ſchatten der rachgierigen falſchheit! Solldie -243Vierdte Handlung.dieſes edle licht dieſe drachen-hoͤle erleuchten? Soll der unſchaͤtzbare ſchatz in dieſer mordgrube ſeinen werth verbergen? und ſoll die arme Beliſſe ihren troſt in dieſer furchtſamen einoͤde ſuchen? Ach freylich! muß ich ihn hier ſuchen: Floretto!

Flor.

Ach iſt noch ein menſch uͤbrig / der meinen nah - men gedencken kan?

Bel.

So lange als Beliſſe lebt / kan Floretto nicht vergeſſen ſeyn.

Flor.

Ach Beliſſe! nun iſt mein ungluͤck vollkommen.

Bel.

Wann der mond am dunckelſten wird / muß er wieder zunehmen.

Flor.

O ich armer erdwurm!

Bel.

Jch kenne viel wuͤrme / die gegen den fruͤhling fliegen lernen.

Flor.

O ich elendes kind der finſternis!

Bel.

Die voͤlcker / ſo die laͤngſte nacht haben / koͤnnen ſich auch des laͤngſten tages getroͤſten.

Flor.

Jch bin lebendig begraben.

Bel.

Das gold verleuret in der grube die koſtbarkeit nicht.

Flor.

Jch bin ſchon todt.

Bel.

Der Phoͤnix findet ſein leben auch in der aſche wieder.

Fl.

Mein gefaͤngniß iſt allzu ſchaͤndlich.

Bel.

Deſto herrlicher wird die erloͤſung ſeyn.

Fl.

Liebſte Beliſſe! ſolt ihr Graf Heinrichen hier ſu - chen?

Bel.

Setzt doch dieſes auch hinzu / daß ich meinen liebſten und meine ſeele hier ſuchen muß.

Fl.

Beliſſe kan ohne den verdammten Floretto doch vergnuͤgt werden. Aber Floretto ſiehet ſeineQ 2freude244Der triumphirenden keuſchheitfreude und ſeine verlangte Beliſſe zum letzten mahl.

Bel.

Die ſterne gehen unter / und kommen wieder / und die tugend / wann ſie verſteckt iſt / kan nicht ewig ver - borgen bleiben.

Fl.

Jch wolte mich wol troͤſten / ich bin auch in meinem gewiſſen freudig gnug / aber indem ich ſehe / daß ich die hoffnung eurer beſitzung verlaſſen muß / ach ſo will mir das hertz zu wachs werden.

Bel.

Verlaſt euch auff den guͤtigen himmel / eure un - ſchuld wird euch noch an das licht bringen.

Flor.

Freylich muͤſſen wir das beſte hoffen! aber auff allen fall / liebſte Beliſſe / gute nacht.

Bel.

[Floretto] / gebt euch zufrieden.

Flor.

Jch wils thun / doch / wo ich ſterbe / ſo denckt / wer ich geweſen bin / wie mich das gluͤcke / als einen leich - ten ball zu lauter ungluͤcks-ſpielen herum geworffen hat / und hiermit zu tauſend gutet nacht.

Bel.

Wo Floretto ſtirbt / kan Beliſſe nicht leben blei - ben / dann es kan noch viel verſucht werden.

Flor.

Alsdann ſoll unſre zuſammenkunfft deſto froͤli - cher ſeyn; doch itzo kan ich nichts thun / als daß ich betruͤbten abſchied nehme. Allerliebſte Beliſſe! lebet wohl / und wo ich als ein unſchuldiges opffer vor der Clariſſen ſuͤnde buͤſſen muß / ſo laſſt mich doch den troſt mit in das grab nehmen / daß ich von dero jenigen beklaget werde / die in beſitzung meines hertzens die erſte und die letzte geweſen iſt. Laſſet euch mein keuſches und heiliges feuer auch in der aſche gefallen / damit ich durch das ſelige andencken eures hertzlichen mitleidens meine ſeele in der ab - ſcheulichen todes-noth beſaͤnfftige. Nun wir ſe - hen einander ſchwerlich wieder / drum ſey auchdieſes245Vierdte Handlung.dieſes die letzte gute nacht.

(Beliſſe weinet.)
(Pickelhaͤring kommt.)

Jch halte / der hencker ſchlaͤgt ſich gar mit meinem vater / da geh ich nur / und will ein zaͤhrgen brandtewein auffs hertze neh - men / ſo fuͤhret ihn das ungluͤck auch weg / ich halte / er meynt / es ſind narrenpoſſen / als wann man den bauren die ſchoten huͤtet / vater! vater! vater! wo ſteckt ihr?

Eph.

Nun ſchrey doch fein laut / man weiß ſonſt nicht daß du da biſt.

Pick.

Es iſt auch wahr / wann jemand unterdeſſen den armen ſuͤnder geſtohlen haͤtte.

Eph.

Er iſt uns gewiß gnug / er dient weder zu ſieden noch zu braten / wer wolt ihn ſtehlen?

Pick.

Vater! ich weiß wol worzu er dient / ſeht ihr nicht den jungen haͤſcher da?

Eph.

Ja / lerne du mich haͤſcher kennen / es iſt unſre Jungfer.

Pick.

Es mag unſre Jungfer oder ihre mutter ſeyn / wer in unſer gehaͤge faͤllt / der hats zu verantworten. Hoͤrt junges muͤenſch / wie lang iſts / daß ihr ein haͤ - ſcher ſeyd?

Bel.

Sieh da / grobian / redeſt du auch mit vornehmen leuten?

Pick.

Wann ich an eurer ſtelle waͤr / ich wuͤrffe mit lo - ſen worten um mich.

Bel.

Geh du bauer / und ſchuͤtte die unhoͤfligkeit bey deines gleichen aus.

Pick.

Jungfer / ſind diß die tittel alle?

Bel.

Haben dann alle dreſcher feyerabend gemacht / daß mir der flegel hier im wege liegt?

Q 3Pick.246Der triumphirenden keuſchheit
Pick.

Jungfer / ihr meynt ja mich?

Bel.

Laß mich gehen / du unflath?

Pick.

Jungfer / nun kommt das reden auch an mich / was habt ihr vor igel zu buͤrſten / daß ihr in unſer vier pfaͤle kommt / ſtehts einem ehrlichen maͤdgen zu / daß ſie im haͤſcher-loche alle winckel auskreucht?

Bel.

Jch ſehe wohl / hier iſt nichts zu erhalten / ich muß gehen.

Pick.

Ey jungfer / wart doch / biß ihr gehet / die knechte haͤtten gern ein trinckgeld.

Bel.

Pech und ſchwefel dir auf deinen kopff / du un - geſchliffner holluncke.

Eph.

Nun Pickelhaͤring / laß ſie einmahl gehen / du ſi - heſt ja / daß es unſer Jungfer iſt?

Pick.

Jungfer / nur ein ſchmaͤtzgen.

Bel.

Ach geh und ſtecke den ſauruͤſſel in ein kuͤhfenſter.

Pick.

Laſt mir doch ein kleines pfand zuruͤcke.

Bel.

Thorwaͤrter / helfft mir doch von dem ungethuͤm.

Eph.

Geht jungfer / geht /

(ſie geht ab.)

du machſts gar recht mit ihr / die jungen ſpritzen muͤſſen auch al - len qvarck beſchnopern.

Pick.

Hat ſie ein hertz in ihrem leibe / ſo komm ſie noch einmahl. Aber das ding hat / mein ſchelm / traun / ſoll mich / was zu bedeuten / wo wir nicht fleiſſig wa - chen / ſo betreugt uns das junge raben-aas mit ſe - henden augen.

Eph.

Weiber liſt hat kein ende / es iſt fuͤrwar kein kin - derſpiel; aber wie greiffen wir die ſache recht an?

Pick.

Seht / vater! wir beyde wollen alle vier ecken einnehmen / tretet dort hin / tretet gegen uͤber auch / auff beyde ecken zugleich.

Eph.

Trit du erſt / ich will dir nachtreten.

Pick.247Vierdte Handlung.
Pick.

Jch wolts wol machen / ihr koͤnnt mirs doch nicht nachthun / bleibt nur da ſtehen / ich will euch die zeit mit einem luſtigen liedgen vertreiben.

Eph.

Nun / laß dich hoͤren.

Pick. lhaͤring
ſingt:
WEr ſich wil entfernen
Weit von aller noth und pein /
Muß mein handwerck lernen
Und mit mir ein haͤſcher ſeyn.
Dieſes iſt ein koͤſtlich leben
Voller herrlichkeit /
Und die ſich darein begeben /
Hats noch nie gereut.
2. Giebt es viel zu lauffen /
Nun ſo giebt es auch dafuͤr
Wiederumb zu ſauffen
Manches liebes kaͤnngen bier.
Und ſo lang es in der woche
Was zu naſchen ſetzt /
Warten wir im haͤſcher loche
Selten auff die letzt.
3. Andre leute muͤſſen
Sehn / wo ihr geburts-brieff ſey /
Doch wir haͤſcher wiſſen
Nichts von dieſer quackeley.
Vierzehn vaͤter / keinen rechten /
Geht bey uns ſchon an /
Wer nur ſonſten wacker fechten
Und ſeyn handwerck kan.
4. Wann die albern bauren
Jn die ſtadt zu marckte gehn /
Q 4War -248Der triumphirenden keuſchheit
Warten wir und lauren /
Ob ſie auch den zoll verſtehn:
Alles iſt in unſern haͤnden /
Ochſen / kuh und kalb /
Und da geht es an ein pfaͤnden /
Alles zweimahl halb.
5. Manche leute ſchencken
Auff dem dorffe fremdes bier /
Und eh ſie es dencken /
Stellen wir uns an die thuͤr /
Und da ſchlaͤppen wir die faͤſſer
Jn die ſtadt hienein /
Weil ſie unſerm magen beſſer /
Als den bauren ſeyn.
6. Wo wir was erfahren
Huren oder maͤgde-pack /
Ziehn wir ſie zu paaren
Saͤuberlich in unſern ſack /
Und indem wir ſie verhindern /
Das kein ander kan /
Dreſſeln wir den kleinen kindern
Noch die ohren an.
7. Will ein ander preiſen
Seine groſſe ritter-that /
Sind wir ſtahl und eiſen /
Und geſegnen ihm daß bad /
Und wo er ſich noch erzuͤrnen
Und bravieren will /
Wuͤrtzen wir ihm unſre birnen
Mit den flegel-ſtiel.
8. Nun die andern moͤgen
Sich / nach ihrer guten luſt /
Auff249Vierdte Handlung.
Auff was beſſers legen /
Mir iſt gleichwohl diß bewuſt /
Daß ein haͤſcher vor neun zeugen
Bey dem Richter gilt /
Drum ſo weiß ich dem die feigen /
Der uns ſchelmen ſchilt.
Pick.

Vater / gelt das ließ ſich hoͤren?

Eph.

Mein lieber ſohn / wo haſt du den ſchoͤnen lob - geſang herkriegt?

Pick.

Jch hab ihn gedruckt.

Eph.

Weiſt du nicht / wer ihn gemacht hat?

Pick.

Es muß ein guter kerle geweſt ſeyn / ich kauffte mir vergangen ein halb pfund kaͤſe / da war er nein - gewickelt.

Eph.

Das iſt noch groß gluͤck / daß die lieben verſe wieder an ihren mann kommen ſind.

Pick.

Bey mir verdirbt nichts / ich bin ein gewaltiger liebhaber davon.

Eph.

Jch lobe dich drum / aber ſinge doch noch eins.

Pick.

Jch will ihr hundert zugleich ſingen.

(Er huſtet und intonirt lange.)
(Juſtinian und Amyntas kommen.)
Eph.

Aufſehens / aufſehens! wer kommt da?

Pick.

Vater / nehmt geſchwind den bart ins maul / und die picke auf den nacken / ſtill / ſtill / wer das erſte wort redt / ſoll 6 kannen bier und ein karpen ſtraffe geben.

Amyntas.

Hilff Gott / was vor ein elendes ſchauſpiel habt ihr an eurem koͤnig erlebt?

Juſt.

Mein freund / wer in unſerm lande bekandt iſt / dem kommen dergleichen zufaͤlle nicht ſeltzam vor.

Am.

Was hoͤr ich / iſt es moͤglich / daß dergleichen ab -Q 5ſcheu -250Der trinmphirenden keuſchheitſcheuliche gebrechen in eine gewonheit gerathen.

Juſt.

Es iſt kein ort in der welt / der nicht ſeine eigne plage habe / wir ſind mit dieſer behafftet.

Am.

Aber kan ich nicht erfahren / worinn die haupt - urſach beſtehet.

Juſt.

Es iſt eine gewiſſe art von ungeziefer / welches etliche ſpinnen / etliche von ihrer geburts-ſtadt / ſo zu reden / Tarantulen nennen / die haben ſo ein durch - dringendes ſubtiles gifft bey ſich / daß / ſo fern ein menſch von ihnen verletzet wird / keine artzney kraͤff - tig gnug iſt / dergleichen ſchaͤndliche und erbaͤrmliche wirckungen abzuhalten.

Am.

So iſt der koͤnig auch von einer ſolchen kleinen beſtie uͤberwunden worden?

Juſt.

Der ausgang bezeugts / wiewol wir auch durch einen knaben eben deſſen berichtet ſind.

Am.

Diß ſolte mich aber in ewigkeit wunder nehmen / daß in einer gemeinen kranckheit kein huͤlffs-mittel ſolte vorhanden ſeyn?

Juſt.

Es ſind mittel gnug da; mehrentheils werden die patienten durch die muſic zurecht gebracht.

Am.

Eine neue art von cliſtiren ſo man durch die oh - ren anbringt.

Juſt.

Es ſcheinet laͤcherlich / doch haͤlt es ſeine proben.

Am.

Jch geſteh es gerne / daß ich hierinnen zu einfaͤl - tig bin.

Juſt.

Kuͤrtzlich von der ſache zu reden / die muſic die wirckt ſo viel / daß die patienten aus ihr er faulen mattigkeit ſich in einen hefftigen tantz einlaſſen / da - durch die glieder erwaͤrmet / die ſchweißloͤcher geoͤff - net / und das ausgebreitete gifft an allen orten ab - gefuͤhret wird.

Am.251Vierdte Handlung.
Am.

Jch wolte diß in ſeinen wuͤrden laſſen / wenn ich ſehen ſolte / daß dergleichen cur dem koͤnige was nutzte.

Juſt.

Jhr fragt nicht unrecht / doch muͤſt ihr geden - cken / daß ein groſſer unterſcheid iſt / ſo wohl unter dem gifft der ſpinne / als unter der complexion der menſchen / derhalben wird auch ein unterſchiedlicher handgriff in muſiciren erfordert.

Am.

Haben dann alle muſicanten den handgriff ver - lernet?

Juſt.

Es iſt ein ſeltzam wildpret nm einen muſican - ten / der alle und jede affecten in ſeiner gewalt hat.

Am

Soll aber der koͤnig alſo verderben?

Juſt.

Meine ſchweſter hat mich berichtet / als ſolte ſich einer von des Ober-Hof-Marſchalcks knechten im gefaͤngnis befinden / welcher den ruhm in der muſic vor andern gehabt / dieſer kan vielleicht unſer gluͤcke wieder geſund machen.

Am.

Warum verziehen wir / wann wir rath wiſſen?

Juſt.

Jch komme gleich von dem Rodoman / aber da ich ihn anſprechen will / iſt er nicht zugegen.

Am.

Wo man vor des koͤnigs wohlfart ſorgt / laͤſt ſich alle gewaltthaͤtigkeit entſchuldigen / ſind wir nicht ſtarck gnug / den gefangnen loß zu machen.

Juſt.

Die noth muß zur tugend werden / ſehet / ſehet / dort ſteht die wache.

Am.

Wer wolte ſich vor dieſen elenden creaturen ent - ſetzen / folgt mir nach / Juſtinian. Gluͤck zu / gluͤck zu / ihr purſche.

(Pickelhaͤring weiſt auf den vater / der vater auf Pickelhaͤring / keiner wil antworten.)
Juſt.

Jch halte / die zunge iſt euch nicht geloͤſt /

(ent -
bloͤſt252Der triumphirenden keuſchheit
bloͤſt den degen.)

ich werde muͤſſen ein wurm - ſchneider werden.

Pick.

Vater / thut doch das maul auff.

Eph.

Ha / ha / ſtraffe / ſtraffe.

Pick.

Vater / antwortet ihr den leuten / es hat ſich wol geſtrafft.

Am.

An deiner antwort iſt uns nichts gelegen / wo ſind die ſchluͤſſel zum gefaͤngnis?

Pick.

Habt ihr etwan eure ſchluͤſſel verlohren / und wollt euch nach unſern andere machen laſſen?

Am.

Sieh da / fantaſte / wer laͤſt fragen?

Pick.

Jch dachte / eine frage ſtuͤnde frey?

Am.
(entbloͤſt den degen.)

mache mir nicht viel federleſens / die ſchluͤſſel will ich haben.

Pick.

Wollt ihr euch fuͤr mich hencken laſſen?

Am.

Gib mir die ſchluͤſſel / du ſolſt hencken.

Pick.

Da Vater / gebt ihr ſie.

Eph.

Nein / gib du ſie.

(Sie werffen die ſchluͤſſel einander zu.)
Juſt.
(Nimmt die ſchluͤſſel.)

Auf die maſſe ſol - ten wir den tag zubringen / der koͤnig iſts / dem wir hierinnen dienen.

(Am. und Juſt. gehen ab.)
Pick.

Vater / ſind ſie weg?

Eph.

Du magſt deinen hals mit baumoͤl einſchmierẽ.

Pick.

Wo ich hencken muß / ſo werden die todtmacher gewiß auffs rad gelegt.

(Juſtinian und Amyntas bringen den Floretto.)
Juſt.

Laſſt euch nichts anfechten / wir ſind maͤchtig gnug / euch zu beſchuͤtzen.

Flor.

Jch will gerne folgen / denn es kan mir nicht aͤr -ger253Vierdte Handlung.ger gehen / als ich bißher gelebt habe.

Am.

Zweiffelt an der guͤten belohnung nicht / ihr wer - det euch den koͤnig ſelbſt / und nebenſt ihm das gan - tze land verbunden machen.

Flor.

Dem himmel will ich dancken / wo er meinen ſei - ten einige empfindligkeit einfloͤſſen wird.

(gehen ab.)
Pick.

Vater / es iſt kein ander mittel da / ihr muͤſt hen - cken.

Eph.

Die reih koͤmmt erſt an dich / warum wehrſt du dich nicht?

Pick.

Jch werde gleich dem vater vorgreiffen.

Eph.

Jch halte / es gehet einem wie dem andern.

Pick.

O vater! wann ich doch meinen hals verſtecken koͤnte / ich bin gar zu kuͤtzlich drum / ich kans fuͤrwahr nicht leiden.

Eph.

Muß / iſt ein boͤſes kraut.

Pick.

O wie weh wirds thun / o wie weh wirds thun! o wann ich mich doch in eine mauß verwandeln koͤn - te / wie wolte ich in das erſte maͤuſeloch kriechen; va - ter / ihr ſeyd wohl wunderlich / daß ihr mir nicht zwey haͤlſe gemacht habt / wann einer vor die hunde gienge / ſo haͤtte ich ja den andern zum beſten.

Eph.

Wer dir zehen haͤnde gemacht haͤtte / daß du dich wehren koͤnteſt.

Pick.

O Venus / o Juno / ihr Goͤtter des haͤſcherlochs / o Mars / o Vulcanus / ihr Goͤtter der aͤpffel-kam̃er / o Cupido / du Patron aller finſterer laternen / o ſon - ne / mond und ſterne / o lufft / feuer / waſſer / o blitz / donner und hagel.

(Der koͤnig koͤmmt / ſtellt ſich ungeberdig / hat einen bloſſen degen in der hand / und geht bald
auff254Der triumphirenden keuſchheit
auff Pickelhaͤring / bald auff den Ephialtes loß / ſie agiren poßierlich mit einander / endlich lauffen die beyde darvon / und laſſen den koͤnig allein.)
Juſtinian / Amyntas / Floretto.
Juſt.

Nun Floretto / nun iſts zeit / itzt koͤnnt ihr eine probe ablegen / welche das gantze koͤnigreich mit hoͤchſter danckbarkeit erkennen ſoll. Sucht alle liebligkeit zuſammen / und laſſet des koͤnigs geſund - heit den mittel-punct euer ſuͤſſen erfindung ſeyn.

Am.

Jch erwarte mit hoͤchſtem verlangen / wie die ſa - che hinaus lauffen wird.

Flor.

Der heilſame klang beſtehet nicht in meiner kunſt / GOtt muß meine haͤnde leiten / zu deſſen gnaͤ - digſter regierung ich mich allerſeits befehle.

(Floretto ſpielet auff / der Koͤnig faͤngt bald darauff an zu ſpringen / und nachdem er gnug getantzt / faͤllt er vor todt auf die erde.)
Am.

O himmel / der Koͤnig ſtirbt / iſt diß die ſchoͤne cur?

Juſt.

Mein freund / urtheilet nicht vor der zeit!

Flor.

Es iſt vonnoͤthen / daß er unverzuͤglich zu bette gebracht werde.

(Der Koͤnig wird von den dienern in das bette gebracht.)
Juſt.

Liebſter Floretto! welche gnade wird maͤchtig gnug ſeyn / eure dienſte zu belohnen?

Flor.

Die bloſſe erkaͤntnuͤß meiner dienſtbaren will - faͤhrigkeit / ſoll mich vergnuͤgen.

Juſt.

Nein Floretto! ihr habt viel leuts erfreuet / eu - er lohn ſoll auch in vielen ſtuͤcken beſtehen.

Flor.

Wofern ich ſo wuͤrdig bin / etwas zu begehren / will ich mit meiner freyheit vorlieb nehmen.

Juſt.255Vierdte Handlung.
Juſt.

Die freyheit ſoll die wenigſte vergeltung ſeyn.

Flor.

Ein armer ſclave kan nicht mehr begehren.

Juſt.

Ein koͤnig kan aber mehr ſchencken. Amyntas ſoll ich bittſelig ſeyn / ſo goͤnn er mir die ehre / und be - gleite mich biß in mein loſament / vielleicht gibt uns des Floretto gegenwart mehr anlaß von dieſer mu - ſicaliſchen cur zu reden.

Am.

Jch thue es nicht gerne / meinem herrn beſchwer - lich zu ſeyn / doch in dergleichen faͤllen bin ich lieber unhoͤflich als ungehorſam.

Juſt.

Keines von den beyden.

(Sie complemen - tiren und gehen ab.)
Ephialtes / Pickelhaͤring.
Pick.

O vater! wer ſich nur ſolte zu tode ſauffen / daß man der marter loß kaͤme.

Eph.

Du lieber ſohn / du haſt ja ſonſt einen anſchlaͤ - giſchen kopff / iſt dann kein rath mehr da?

Pick.

Mein rath-hauß iſt eingefallen / ich wuͤſte itzt keinen jungen ein ſchnipgen abzugewiñen / geſchwei - ge / daß ich ſolte ſolche reichshaͤndel vornehmen.

Eph.

Pickelhaͤring / auf die ſeite / die frau iſt da.

Clar.

Jch bin in meinen rachgierigen gedancken noch nicht eins / und wann ich mir die grauſamſte marter vor augen ſtelle / ſcheint es doch / als wann ſie mei - nem gemuͤthe kaum die helffte koͤnne gnug thun. Floretto muß zwar gewiß ſterben / aber durch wel - che thuͤre ſeine vermaledeyte ſeele den ausgang fin - den wird / das ſteht noch bey meiner erfindung. Jtzt wolt ich gleichſam als zum vorgericht ſehen / wie ſich der eigenſinnige ertz-toͤlpel unter den geiſſeln ver - halten wird: das ſey ihm geſchworen / ſo lang als ein weiß plaͤtzgen an ſeinem leibe ſeyn wird / ſollendie256Der triumphirenden kenſchheitdie ſclaven nicht auffhoͤren / eine ſarabande nach der andern aufzuſpielen! hola / was ſteht ihr da? heiſt diß gewacht?

Pick.

Wann der vogel aus dem gebauer iſt / ſo hats mit der wache gute wege.

Clar.

Was ſagſt du?

Pick.

Floretto iſt weg.

Clar.

Schlaff ich oder wach ich / wer iſt weg?

Pick.

Euer ſpaßgalan / der euch liebet / wuͤſt ihr doch wohl.

Clar.

Bekenne du hund / wer iſt weg?

Pick.

Je / Floretto iſt weg / da kamen kerlen mit bloſ - ſen degen / und fochtelten / vor unſern augen her um / da dacht ich / ob ich gehenckt oder erſtochen werde / iſt mir eins ſo lieb als das ander / drum gaben wir ih - nen die ſchluͤſſel mit guten / ſie haͤtten ſie doch mit leibs - und lebens-gefahr genommen. Wo ſie aber mit den ſchelmen hingelauffen ſind / kau ich nicht wiſſen / ich hatte gleich die wache / und konte nicht abkommen / ſonſt haͤtte ich ihm nachgeſehen.

Clar.

Jſt keine furie in der hoͤlle / die zeit hat / iſt kein blitz und donner im himmel / der herabfahren kan / iſt kein drache und baſiliske / der mir zu huͤlffe kom - men will? ich zerberſte vor grimm.

(Sie faͤllt Plckelhaͤring an / und ſchlaͤgt ihn.)

Du unnuͤtzer floh / du ſtinckigte wantze / ſo will ich dir den kopff einknicken / ſo wil ich dir ein haar nach dem andern ausrauffen / in ſchwefel und bech ſolſt du ge - ſotten werden / das fell will ich dir laſſen uͤber die oh - ren ziehen / mit vier pferden will ich dich zureiſſen.

Pick.

Ach Frau / es waͤr an der helffte gnug / ich bin fuͤr - wahr unſchuldig. Mein vater

Clar.257Vierdte Handlung.
Clar.

Dein vater / wo iſt der ſchelm?

(ſie faͤllt uͤber den Ephialtes)

du verſchimmelter katzen-kopff / heiſt das gewacht / zu pulver will ich dich verbreñen laſſen / ſie ſollen dich bey den beinen aufhencken / wie einen Juden / ich will dich biß an den hals in die er - de graben / und will nach deinem kopffe die kegel ſchieben.

Eph.

O barmhertzigkeit! barmhertzigkeit! o mein ſohn Pickelhaͤring!

Clar.

Dein ſohn /

(ſie faͤllt uͤber Pick.)

ich will dich zerzerren / die ſonne ſoll durch dich ſcheinen / ich will dich in eine lampe ſetzen / und will dich zu tocht ver - brennen / o wer leiht mir naͤgel gnug / daß ich dem ſchelm das geſicht zerkratzen kan.

Pick.

Jch will euch gerne meine naͤgel leihen / kratzt nur meinen vater.

Cl.

Dein vater /

(ſie faͤllt uͤber den Eph.)

die au - gen will ich dir ausgraben / und will dir heiß bley in die gruben ſchuͤtten / die ohren will ich dir abſchnei - den / und will ſie vor die hunde werffen /

(ſie laͤſt ihn gehn.)

O du beſtie / o ich kan nicht mehr / Dromo / Dromo wo biſt du?

Drom.

Jhr Gnad. was haben ſie zu befehlen?

Clar.

Jch wolte noch lange fragen / ſieheſt du nicht das rabengeſchmeiſſe / fuͤhre mirs in das tieffſte loch / das zu finden iſt / und wo keine ſchlangen und kroͤten drinnen ſind / ſo ſiehe / daß du anderweit compagnie ſchaffſt. Verrichte meinen befehl / ſo lieb / als dir dein leben iſt.

(Geht ab.)
Drom.

Jch muß die arbeit theilen / Pickelhaͤring bleib du unterdeſſen hier /

(er bindt ihn an)

wann ichRmit258Der triumphirenden keuſchheitmit deinem vater fertig bin / ſoll deiner auch gedacht werden / fort alter.

(Fuͤhrt den Ephialtes weg.)
Pick.

Wer will einen haſen ſehen / dem das fell biß an den kopff geſtreiffelt iſt? wer will eine wilde ſau ſe - hen / die das weidemeſſer noch im leibe ſtecken hat / ach der ſehe den armen und gemarterten Pickelhaͤ - ring an. Mein kopff iſt wie ein duͤrrer kuͤhfladen / darinnen kein goldkaͤfer einiges troſtes herberge hat: mein poeten-kaſten iſt wie ein ameißhauffen / dem die eyer geſtohlen ſind; und meine invention - kammer iſt wie ein kirmes-kuchen / da die roſinen ab - geklaubt ſeyn. Ach die brandteweinflaſche mei - ner weißheit hat ein loch bekommen / und das Zerb - ſter-bier meiner erfahrenheit iſt ſauer worden. Die citronen meiner froͤligkeit haben ſich in tanznapfen verwandelt / und die pomerantzen meiner zuverſicht ſind zu pferd-aͤpffeln worden. O es iſt um mich und um alle haͤſcher geſchehen / o haͤtte ich mich er - ſtechen laſſen / ſo doͤrffte ich itzt nicht hengelbeeren freſſen / o wer itzt ein kind im leibe haͤtte / ſo muͤſten ſie mich zum wenigſten die ſechs wochen aushalten laſſen! O wann doch allen ſcharffrichtern und ſchinderknechten die haͤnde verkrummten / daß mich keiner anknuͤpffen koͤnte. O wann doch alle holtz - wuͤrme nichts anders freſſen wolten / als galgen - holtz. O tod! o tod! wie biſt du ſo bitter.

Mel.

Was hoͤr ich! hoͤr ich nicht meinen liebſten Pi - ckelhaͤring? ach Pickelhaͤring! lebſt du noch?

Pick.

Bin ich nicht gnug geplagt / wollt ihr mir auch vollends den kopff warm machen?

Mel.

Mein tauſend-ſchatz! verſtehet mich doch recht /ich259Vierdte Handlung.ich bringe gute zeitung.

Pick.

Was iſt mir mit euer guten zeitung gedienet / o

Mel.

Jhr ſollt loß kommen / ſchweigt nur ſtille.

Pick.

Soll ich loß kommen?

Mel.

Freylich / freylich / ich will euch loß bitten.

Pick.

Was wird aber draus / wañ ihr mich loß bittet?

Mel.

Jhr muͤſt mich nehmen.

Pick.

O meiſter Hans! knuͤpff auf / knuͤpff auf / ich mag mich nicht loß bitten laſſen.

Mel.

Es iſt ja beſſer / daß dir eine frau das bette waͤr - met / als wann du am galgen erfrieren ſolſt.

Pick.

Meiſter Hans knuͤpff auf / knuͤpff auf / es traͤffe mir ein / dem galgẽ entlief ich / und kaͤme ins fegfeuer.

Mel.

Jhr macht euch wunderliche einbildung.

Pick.

Laſt mich zufrieden / und macht mir das leben nicht ſo ſauer / ich hab ohn diß wenig zum beſten.

Droͤmo

Nun Monſ. Pickelhaͤring / das loſament iſt beſtellt.

Pick.
(Leget ſich nieder.)

Jch bin todt.

Dr.

Das ſterben ſoll zeitlich gnug an dich kommen / fort / oder mein ſtecken macht mit deinem buckel bruͤderſchafft

Pick.

Jch bin todt.

Dr.

So bin ich lebendig.

(Er ſchleppt ihn fort.)
Mel.

Du freundliches zuckerbildgen / nun ſeh ich dich doch nicht mehr / o was thu ich mir vor ein leid an?

(geht ab.)
R 2Die260Der triumphirenden keuſchheit

Fuͤnffte Handlung.

Amyntas / Gaſton.
Am.

SO lebt der Koͤnig?

Gaſt.

Er lebt und iſt wohl auff.

Am.

Und iſt von allen verwirrten gedancken befreyet?

Gaſt.

Er iſt nicht allein bey vollkommenem verſtand / ſondern er nimmt allbereit des reichs angelegenhei - ten wieder in acht.

Am.

Jch / als ein Auslaͤnder / kan mich nicht gnugſam verwundern.

Gaſt.

Jch / als ein einheimiſcher / kan mich nicht gnug - ſam druͤber erfreuen.

Am.

Dieſe wuͤrckung haͤtt ich in dem ſchwachen ſeiten - ſpiel nicht geſucht.

Gaſt.

Floretto iſt uns auch / als ein engel vom him̃el unverhoffter weiſe zugeſchickt worden.

Am.

Man ſiehet hieraus / wie das verhaͤngnis ſelber vor der Koͤnige wohlſtand ſorge traͤget. Jſt aber Floretto mit einiger danckbaren mildigkeit angeſe - hen worden?

Gaſt.

Jch weiß nicht / ob ich meinen augen oder ohren trauen ſoll: Er giebt ſich vor des tapffern Ludwigs aus Sachſen ſohn aus / ſein knechtiſcher habit hat ſich in fuͤrſtlichen ſchmuck verwandelt / und welcher ſich Floretto nennen ließ / wird itzt von allen Groſ - ſen / als Graf Heinrich beehret.

Am.

Alſo hat die muſic noch einige wuͤrckung gehabt?

Gaſt.

Die vernunfft-loſen macht ſie verſtaͤndig / und die knechte macht ſie zu Grafen.

Am.

Die rechte warheit zu bekennen / ich habe an Flo -retto261Fuͤnffte Handlung.retto nichts gemercket / das ſich zu der knechtiſchen niedrigkeit als von natur gereimet haͤtte.

Gaſt.

Seine tugenden ſind unvergleichlich / und ſeine verdienſte verdoppeln unſeꝛe allgemeine zuneigung.

Am.

Es ſoll mich nicht gereuen / daß ich den jenigen in knechts-geſtalt erkennet habe / welchen ich kuͤnfftig / als meinen vornehmſten freund lieben will.

Gaſt.

Wer wolte auch ſo einer perſon nicht zugethan ſeyn?

Am.

Jch halte dafuͤr / es muͤſte einer der tugend ſelbſt kampff anbieten / wann er dieſen vollkommenen auszug aller trefflichen qvalitaͤten verachten wolte.

Gaſt.

Welchen der Koͤnig ſeiner liebe wuͤrdig ſchaͤtzt / darff kein unterthan haſſen.

Am.

Jch erwarte ſein erwuͤnſchtes anſchauen mit hef - tigem verlangen.

Carl der Koͤnig / Floretto / Juſtinian / Amintas / Gaſton.
Carl.

SO hat der Koͤnig im himmel|unſer koͤnigreich auf erden beſtaͤttigt / und iſt die unzeitige freude aller widerwaͤrtigen zu ſchimpff und ſpotte worden. Ja freylich muß die herꝛliche zeitung duꝛch alle welt ausgebreitet werden / daß Carl auf ſeinem thron / in feſter und unverruͤckter gluͤckſeligkeit ſitze / und daß er ſeinen zepter / allen feinden zu trotze / durch das Neapolitaniſche Reich ſchimmern laſſe. Al - lerliebſter Floretto! verzeiht uns / daß wir euch bey dieſem nahmen nennen / welcher uns das gedaͤcht - nis eurer dienſte am beſten erhalten kan. Aller - liebſter Floretto! euch haben wir unſer leben und unſere wohlfart zu dancken / ihr ſeyd der lieblicheR 3Weſt /262Der triumphirenden keuſchheitWeſt / der unſer geſcheitertes ſchiff vor den gefaͤhrli - chen klippen abgefuͤhret hat. Jhr ſeyd der unver - gleichliche kuͤnſtler / der allen roſt von unſer koͤnigli - chen krone abgewiſcht hat. Mit einem worte / daß wir Koͤnig ſind / das habt ihr zu wege bꝛacht.

Flor.

Großmaͤchtigſter Koͤnig und herr! das anſehen E. M. iſt freylich ſo groß / daß niemand deroſelben etwas nahe kommen kan / der nicht zugleich das opf - fer aller gehorſamſten dienſtleiſtung darſtelle muß: Aber / daß ich ſolte ſo gluͤckſelig geweſen ſeyn / die ge - ringſte gefaͤlltgkeit aus eigenen vermoͤgen abzuſtat - ten / darff ich mich nicht beruͤhmen / aus beyſorge / der himmel moͤchte mich eines unbilligen raubes be - ſchuldigen. Meine fauſt hat dergleichen wuͤrckung nicht gehabt: meine ſaͤiten ſind mit ihrer wohlge - ſtimmten vereinigung ſo maͤchtig nicht geweſen: der himmel / der E. M. allezeit mit unzertrennter gewo - genheit angeſehen hat / der hat mich auch nicht an - ders / als einen geringen werckzeug gebrauchen wol - len / und mein gluͤcke beſtehet hirinne / daß ich dem guͤtigen verhengniß gleichſam als vor einen dol - metſcher gedienet habe.

Carl.

Es iſt an dem / derſelbe / der uͤber uns wohnet / und deꝛ alle ſachen duꝛch ſeine allein weiſe regierung wohl auszufuͤhren weiß / derſelbe muß die erſtlinge unſerer danckbarkeit haben / wo wir uns der kuͤnff - tigen gluͤckſeligkeit nicht unwuͤrdig machen wollen. Doch duͤꝛfft ihr allen ruhm nicht ausſchlagen. Zum wenigſten ehren wir euch / als einen himmliſchen werckzeug / und verſehen uns durch euch zukuͤnffti - ger erſprießlichkeit.

Flor.

So tieff als ich mich unter dieſe lob-erhebungſetze /263Fuͤnffte Handlung.ſetze / ſo ſehr will ich mich bemuͤhen / E. M. zu erwei - ſen / daß die teutſche treu auch in fremden grund und boden bekleiben kan.

Carl.

Wir ſind euer treu verſichert genug / nehmet nur / zu bekraͤfftigung unſerer gnaͤdigſten eꝛkaͤntniß / dieſen geringen anfang einiger belohnung und em - pfanget dieſen ſtab / als ſtadthalter von Calabrien.

Flor.

E. M. iſt wie ein geſegneter ſtern / der mit ſeinem heilſamen einfluſſe auch die geringſten klee-blaͤtt - gen nicht unerqvicket laͤſt.

Carl.

So lang / als Carl Koͤnig / ſoll Graf Heinrich keinem klee-blatte zuvergleichen ſeyn.

Flor.

Derohalben / E. M. zu gehorſamſter folge / nehm ich die aufgetragene ehre in tieffſter demuth an / und verpfaͤnde bey derſelben alles / was mein leben und meine ehre betreffen kan.

Carl.

Habt ihr noch was mehr zu fordern / ſo entdeckt nur euer gemuͤth / und ſeyd gewiß / daß wir euren vortheil auch mit unſerm ſchaden befoͤrdern wollen.

Flor.

Mein hertz wird ohne diß durch die vielfaͤltige wohlthaten / gleich als durch einen hefftigen platz - regen / zur erden gebaͤuget: doch E. M. unbegreiff - liche gnade ferner zu verſuchen / ſo bitte ich gegen - waͤrtigen Juſtinian zu vermoͤgen / daß er in die hey - rath zwiſchen mir und ſeiner geliebten fraͤulein ſchweſter willigen wolle.

Carl.

Jhr habt beyderſeits einander wohl verdient; doch Printz / eure meynung wird hier vonnoͤthen ſeyn.

Juſt.

Großmaͤchtigſter Koͤnig und Heꝛr! ich kan mei - ne ſchweſter niemahls beſſer verſorgt wiſſen / als wann ſie E. M. zur belohnung / und Graf Heinri -R 4chen264Der triumphirenden keuſchheitchen zur vergnuͤgung auserſehen wird.

Carl.

Gaſton geht demnach / und vermoͤget Beliſſen anher zu kommen.

(Er geht.)

Und ihr Gꝛaf Hein - rich ſollt ſehen / daß eure ergetzlichkeit meine wolluſt iſt.

(Gaſton bringt Beliſſen.)
Bel.

E. M. befehl anzuhoͤren / erſcheine ich allhier.

Carl.

Wertheſte Beliſſe / die getreuen dienſte / ſo euer herr vater dieſer krone erwieſen / und die er folgen - der zeit auff einen tapffern ſohn uns zum beſten fortgepflantzet hat / zwinget uns hefftig genug / euer aufnehmen zu befoͤrdern. Weil demnach unſer hof das gluͤcke hat / den kern von allen edlen gemuͤ - thern in dieſem tugendhafften Grafen zu beſitzen / ſeyd ihr / als ein ſchoͤnes band erſehen worden / wel - ches uns die erhaltung eines ſo koͤſtlichen kleinodes gewiß und beſtaͤndig machen ſoll. Liebet Graf Heinrichen / dann wo ihr ſolches thut / folget ihr dem befehl eures Koͤniges / ihr ehret den rath eures herrn bruders / und abſonderlich erfuͤllet ihr das verlangende begehren eures ungefaͤrbten liebha - bers.

Bel.

Jch bin ein ſchwaches weibesbild / und die richt - ſchnur meines lebens muß von dem jenigen heꝛkom - men / welchen ich an vaters ſtatt zu ehren verbunden bin. Und dannenhero / was von demſelben nach eigner beliebung vor gut befunden wird / kan und ſoll von mir nicht ausgeſchlagen werden. Jch neh - me das gluͤcke an / das vielleicht andere mehr begeh - ret / auch wohl beſſer verdienet haͤtten / und weil ich mein vergnuͤgen mit worten nicht ausſprechen kan / will ich meine danckbarkeit mehr mit ſtillſchweigen /als265Fuͤnffte Handlung.als mit einer unvollkommenen wohlredenheit an den tag geben.

Carl
(ſtehet auf und ſchlaͤget ihre haͤnde zu - ſammen.)

So kommet naͤher zuſammen / ihr per - len unſers hofes / verbindet euch zu einer ewigen lie - be / und wann ihr euer ſuͤſſes gluͤcke einnehmen wer - der / ſo gedenckt an euren Koͤnig / welcher der nach - welt zum beſten euch die erfreulichſte fruchtbarkeit anwuͤnſchet. Dann ihr koͤnnt doch eure verdien - ſte hoͤher nicht bringen / als wann ihr dieſe tugend in vielen zweigen der gantzen welt werdet vorſtellen.

Juſt.

Liebſte ſchweſter / euch hab ich zu dancken / daß ich durch euch mit dem tapfferſten menſchen von der welt / in genauere und beſtaͤndige verbuͤndnuͤß tret - ten kan. Erkennet meine bꝛuͤderlich-geſinnte zunei - gung / und nechſt beſtaͤtigung eueꝛ ſelbſt eigenẽ gluͤck - ſeligkeit / laſſet euch meine freundſchafft befohlen ſeyn / welche nirgend beſſer ruhen wird / als in dem jenigen / der mit dem hoͤchſt-annehmlichen ſchwa - ger nahmen mein hertz und meine liebe zu ſich ge - riſſen hat.

Am.

Wofern ich mich in dieſe freude mit einmiſchen darff / werd ich zufoͤrderſt auf beyden ſeiten inſtaͤn - dig anhalten / mir die geringſte ſtelle unter dero freunden und dienern zu ertheile / nechſt dieſen aber der ſchoͤnen vermaͤhlung alles ſelbſt-beliebten wohl - ergehens anwuͤñſchen.

Gaſt.

Jch darff nichts mehr darzu ſetzen / dann was Gott anordnet / und der Koͤnig vollzeucht / muß wohl ſeinen fortgang haben.

Carl.

Was uͤbrig iſt / verſpahren wir biß auf das bey - lager / welches durch unſere vorſorge morgendes ta -R 5ges266Der triumphirenden keuſchheitges dieſen Hof erluſtigen ſoll. Jetzund moͤgen die neuen verliebten die verborgene hertzens freude / in ihrer einſamkeit gegen einander auslaſſen.

(Sie gehen ab.)
Floretto / Beliſſe.
Bel.

WJe ſtehts mein engel! ſoll ich euch nach unſerer verknuͤpffung ſprachloß ſehen?

Fl.

Allerliebſte Beliſſe! es mangelt mir an uͤber - ſchwenglicher freude nicht / aber es mangelt mir an worten / damit ich des hertzens zufriedenheit vor - ſtellen ſoll.

Bel.

Jſt es nicht gnug / wann ich ſage / ich bin eure Beliſſe?

Fl.

Es iſt freylich gnug; doch / alſo kan ich nicht mehr ſprechen / als / ich bin euer liebſter Heinrich.

Bel.

Warum nicht / mein liebſter Floretto? dann ich weiß nicht / weßwegen ich dieſem nahmen ſo guͤnſtig bin / darunter ich die erſte ſuͤſſigkeit eurer perſon er - kennet habe.

Flor.

So will ich euer liebſter Floretto ſeyn.

Bel.

Ach verzeihet meinem vorwitz / darff ich aber euch meinen liebſten Floretto heiſſen?

Fl.

Gleich / als wann mein belieben nicht in eurem be - lieben ſtuͤnde.

Bel.

Und ich erweiſe euch keinen ungefallen daran?

Fl.

Jch bin euer diener / warum wolte ich nicht euer Floretto ſeyn?

Bel.

Ach nein / mit dieſer auslegung mag ich keinen Floretto haben.

Flor.

Liebſte Beliſſe! ſo macht die auslegung ſelber.

Bel.

Jch will einen Floretto haben / der mein liebſter /mein267Fuͤnffte Handlung.mein hertz / mein eigenthum / mein alles in allen iſt / und den ich meinen liebſten Floretto nennen kan.

Flor.

Jch laß es gern geſchehn / doch ihr habt den Flo - retto noch nicht deutlich gnug beſchrieben.

Bel.

Wer ins kuͤnfftige mein liebſter ſeyn will / muß mein verſehen zu beſſern wiſſen.

Flor.

Jhr ſolt ſagen / Floretto empfinde eine liebe / die mit nichts zu vergleichen iſt.

Bel.

Meynt ihr / daß Beliſſe ihre liebe wolle mit et - was vergleichen laſſen.

Fl.

Das weiß ich nicht / ich muß das beſte hoffen.

Bel.

Jhr muͤſt mir in eurer hoffnung mit gutem er - empel vorgehen.

Fl.

Nicht allein in der hoffnung / ſondern vielmehr in der that / ſehet / liebſte Beliſſe.

(Er kuͤſt ſie.)
Bel.

|Was heiſt das muthwill?

Fl.

Beliebet euch die waare nicht / ſo gebt mirs wieder.

Bel.

Das kan ich wohl thun / immerhin.

(ſie kuͤſſet.)
Fl.

Mein kind! es war das rechte nicht / ich begehre es auch nicht.

(er kuͤſt.)
Bel.

So will ich keines von beyden haben / da nehmt alles zugleich.

(ſie kuͤſt.)
Fl.

Liebſte Beliſſe / wer haͤtte vermeynt / daß ſich unſere unbegreifliche beſtuͤrtzung ſo bald in dergleichen kurtzweil verwandeln ſolle.

Bel.

Hab ichs nicht vermeynt / ſo hab ichs doch gehofft.

Fl.

Ach gebe GOtt! daß dieſer tag vollkommen gluͤck - ſelig heiſſe / damit der anfang meiner gemuͤths-be - friedigung zugleich das ende aller truͤbſeligkeit ſey. Jhr liebreichen armen ſchlieſſt euch zuſammen. Jn euch will ich leben / in euch will ich mich vergnuͤ - gen / in euch will ich dermaleins den lebens-ſattengeiſt268Der triumphirenden keuſchheitgeiſt vom leibe abſondern.

Bel.

Mein engel! nehmt mit mir vorlieb / und weil meine unwuͤrdigkeit euren tugenden nimmermehr die wage halten kan / ſo laſſet meine verliebte begier - de euch zugefallen denſelben mangel allerſeits erſe - tzen.

Flor.

Wir wollen uns auf beyden theilen keiner un - wuͤrdigkeit ſchuldig machen.

(Rodoman und Clariſſe kommen.)

Aber was bringen die unverhofften Gaͤſte?

Rod.

SEyd zufrieden / liebſte ſeele! ich vergebe euch den fehler eurer gedancken / und weiß / daß Floretto / als der iñhalt aller tapfferkeit / euch vor das unrecht ſelbſt dancken wird. Jn anſehung daß ſelbe gleich - ſam den grund zu ſeiner gegenwaͤrtigen herrligkeit geleget hat.

Clar.

Laſſet mich demnach bittſelig ſeyn / und wofern ich mich der vorigen zuneigung bedienen darff / ſo vermoͤget den vortrefflichen cavalier / durch einen zuſpruch / zu einer langgewuͤnſchten verſoͤhnung.

Rod.

So folget mir dann. Tapffrer cavallier! mit was vor entſchuldigungen ſollen wir unſre began - gene unhoͤfligkeit ausbuͤſſen / indem derſelbe von uns zwar unwiſſend / als ein geringer knecht gehal - ten worden / den man doch nechſt dem koͤnige / mit hoͤchſter ehre belegen ſollen. Und mit was vor thraͤ - nen werden wir das unrecht abwiſchen / welches meine unbeſonnene liebſte aus uͤbereilter ſchwach - heit ihrer jugend auf ſich geladen hat. Unſer eini - ges vertrauen gruͤndet ſich auff die großmuͤhtige tugend ſeines hertzens / welches ein demuͤhtiges er -kaͤnt -269Fuͤnffte Handlung.kaͤntnuͤß verwirckter uͤbelthat / an ſtatt gebuͤhrender rache / annehmen / und uns kuͤnfftiger gnade und wohlgewogenheit verſichern wird. Der himmel be - ſelige den ſchoͤnen wechſel / und laſſe ſeine dienſt-be - gierigen freunde niemals in vergebener hoffnung verbleiben.

Fl.

Zu viel / zu viel / groſſer Rodoman! die ehrerbie - tung iſt mir nechſt der liebwerthen ſtimme / ſo tieff eingepraͤgt / daß / ob ich zwar meine freyheit wieder gefunden / ich doch in freywilliger dienſtbarkeit deſ - ſelben verbleiben will / der aus itziger auffwartung meine vormahlige liebe preiſen und ermeſſen ſoll. Drum / was iſt unhoͤffligkeit / was iſt unrecht / worzu nutzen die entſchuldigungen / und was ſollen die thraͤnen abwaſchen? Jch weiß von nichts / und al - ſo wird es unvonnoͤthen ſeyn / um einige vergebung anzuhalten. Jch bitte vielmehr / mir zu verſtat - ten / daß ich meine offt verſaͤumte ſchuldigkeit ins kuͤnfftige mit dero guten belieben einbringen moͤge.

Cl.

Werther Floretto! und alſo darff ich meine ſuͤnd - hafftigen augen wieder auffheben.

Fl.

Werthe Clariſſe! ſie hat niemals urſache gehabt / dieſelben nieder zu ſchlagen.

Cl.

Aber liebſte Beliſſe! wie werde ich die beleidigung euer perſon ausſoͤhnen?

Bel.

Liebſte Clariſſe! was die vergeſſenheit ſchon in ihrer gewalt hat / ſoll man durch kein unzeitiges an - dencken hervor ſuchen. Wir leben vergnuͤgt / und wuͤnſchen euch dergleichen gluͤcke. Jm uͤbrigen wird uns keine zeit noch gelegenheit in unſerer pflicht nachlaͤſſig finden.

Rod.

Nun der himmel ſegne eure liebe /

Clar.270Der triumphirenden keuſchheit
Clar.

Und befoͤrdere die voͤllige vereinigung.

Rod.

Und laſſe das deutſche gebluͤte in unſern graͤn - tzen fruchtbar ſeyn.

Clar.

Und beſtaͤtige deſſen aufnehmen in ewigkeit.

Fl.

Und verbinde uns aufs neue durch dieſen hand - ſchlag.

(ſie geben einander die haͤnde.)
Sibylle / Melane.
Sib.

NUn iſts zeit / wann wir was erhalten wollen.

Mel.

Ach! mein hertz propheceyt mir nichts gu - tes.

Sib.

Die herren werden ſich ja ſchaͤmen / daß ſie ihre boßheit uͤber das liebe armuth ausſchuͤtten werden.

Mel.

Jhr ſeht wohl / wo der zaun niedrig iſt / da moͤgen alle uͤberſpringen.

Sib.

Es iſt freylich wahr / aber mit klagen wird nichts ausgericht / kommt mit / ich will das wort fuͤhren.

Mel.

Jch wuͤſte vor groſſen jammer nicht ein woͤrt - gen auffzubringen.

Sib.

O allergnaͤdigſte Herren / o / o!

(Sie weint.)
Flor.

Was ſoll dieſer auffzug?

Sib.

O allergnaͤdigſte Herren / ich bin eine ehrliche frau / und das iſt auch ein ehrliches mutter-kind / es kan uns kein menſch was leichtfertiges nachreden / wir ſind unſer lebetag ſo fromm und ſo getreu ge - weſen? daß uns kein menſch mit wiederwillen von ſich gelaſſen hat.

Rod.

Sibille / ihr machet viel worte / ihr muͤſſet eine boͤſe ſache haben.

Sib.

Freylich iſt ſie boͤſe / und kein menſch kan ſie wie - der gut machen / ausgenommen E. Gn. gnaͤdigſte Herren.

Bel.271Fuͤnffte Handlung.
Bel.

Geht / ihr altes windſpiel / und laſſet euch vor den leuten nicht ſo auslachen.

Flor.

Mein kind / wir muͤſſen doch ihr anbringen ver - nehmen.

Sib.

Jch habe keine toͤpffe in der kuͤche zerbrochen / ich habe auch keinen ſilbern teller verlohren / ich ha - be auch keine perlen-ſchnur geſtohlen / ich habe auch kein blat aus dem gebet-buche geriſſen / ich habe auch keine ſuppe auff die teppichte vergoſſen.

Clar.

Jch hoͤre viel boͤſes / das ihr unterlaſſen habt / aber wo bleibt das gute / ſo ihr gethan habt.

Sib.

O ich arme frau! nun ſoll nichts gutes an mir ſeyn / da ſtehet ja auch die gute Melane / kan ihr je - mand nachſagen / daß ſie einen froſch hat ins gruͤn - kraut gethan / oder daß ſie eine ſpinnewebe hat laſ - ſen im fenſter hencken / oder daß ſie ein feuermaur hat angeſteckt / oder daß ſie ein bret auf dem boden zutretten hat / oder / oder / oder

Bel.

Mit euren poſſen / ſagt / was ihr haben wollet / oder / oder / oder wir wollen euch beine machen.

Sib.

Gebt mir doch ein bißgen bedenckzeit / haben doch die hunde zeit / eh ſie der koch aus der kuͤche ſchlaͤgt / o wie bring ich die ſache nun an.

Flor.

Alte leute werden wieder zu kindern.

Sib.

Verzeih es Gott den jungen leuten / die ihre freu - de daran haben.

Rod.

Wollt ihr ſonſt nichts mehr?

Sib.

Nun / es muß doch einmahl ausbrechen / ach ſteckt dann der thorwaͤrter mit ſeinem lieben frommen ſohn noch im hunde-loche / die guten ehrlichen her - tzen / ſollen ſie dann noch ihr leben laſſen?

Rod.

Wer geſuͤndiget hat / muß geſtrafft werden.

Sib.272Der triumphirenden keuſchheit
Sib.

O allergnaͤdigſter Herr / ſie habens vielleicht nicht gerne gethan / und ich will keine ehrliche frau ſeyn / wo ſie es ins kuͤnfftige mehr thun werden / ich weiß / ſie werden ſo fromm ſeyn / als wie ein ſchoͤps in der ſchaaf-ſchere.

Rod.

Sie ſitzen ſchon in der armen ſuͤnder ſtube / und daraus iſt keine erloͤſung.

Sib.

Ey herr / was vexiret ihr euch viel / ich werde es irgend nicht wiſſen / daß ihr die ſchluͤſſel darzu habt.

Rod.

Was geht aber euch daran ab / ob die buben le - ben oder nicht.

Sib.

Jch wolte nicht gern / daß ihr an meiner ſtelle waͤret / und haͤttet euch in den alte herren ſo verliebt / als wie ich / mich deucht immer / es wuͤrde euch in dem leibe reiſſen / von der armen Melane mag ich nicht ſagen / man ſihts ihr ohn diß an den augen an / daß ſie Pickelhaͤringen lieb hat.

Rod.

Du elendes geſindgen / wie kan ſich ſtinckende butter und garſtiger ſpeck ſo leicht zuſammen fin - den. Aber hoͤre? iſts euer rechter ernſt / und ſoll ich die zwey uͤbelthaͤter dem kuͤnfftigen eheſtande zu ehren loß laſſen?

Sib.

Wann es nicht ſuͤnde waͤre / ſo wolte ich bey mei - ner armen ſeelen ſchweren / es iſt warhafftig wahr / und wann alles wahr waͤre.

Clar.

Melane / was ſprichſt du?

Mel.

Jch kan es auch nicht laͤugnen.

Rod.

Euch zu gefallen will ich ſie einen tag eher haͤn - cken laſſen / damit ihr den folgenden tag drauf gewiß hochzeit macht.

Sib.

O gnaͤdiger Herr! wie reimt ſich dann das zu - ſammen / es ſolte eine ſchoͤne hochzeit werden.

Rod.273Fuͤnffte Handlung.
Rod.

Sie werden an den hals gehaͤnckt / und der ge - hoͤrt ſo eigentlich nicht zu dem ehſtande / ſie freſſen kaum nicht ſo viel.

Sib.

Was waͤre uns dann mit ſolchen hungerleidern gedient / wer nicht iſſet / der kan auch nicht leben.

Rod.

So laſt euch an ihre ſtatt aufknuͤpffen.

Sib.

Das war wieder eins.

Rod.

Einer muß gleichwol zum wenigſten drau.

Sib.

Keiner / waͤr viel beſſer.

Clar.

Liebſter Rodomann! Wir haben noch ein vier - tel-ſtuͤndgen uͤbrig / das ſich auff einige kurtzweil an - wenden laͤſt. Wenn wir die gefangenen lieſſen hieher bringen / und verlobten ſie mit einander / es waͤren gleichwohl zwey ſchoͤne paͤrgen / die bey mor - gendem beylager koͤnten mit durchwiſchen.

Rod.

Wir duͤrffen hier nicht nach unſerm gefallen le - ben.

Flor.

Sie haben zu befehlen / und was mich anlangt / wolt ich die luſt ehe ſuchen / als verhindern.

Bel.

Jch bitte ſelbſt / er mißgoͤnne uns die ergoͤtzlig - keit nicht?

Rod.

Nach dero belieben. Dromo / lauff / und bringe den thorwaͤrter hieher / den ſohn laß noch ſtecken.

(Sie ſetzen ſich.)
Sib.

Nun wird mir das hertz umb 7 ſtein leichter / ja wer nun die verliebten ſachen nicht alle vergeſſen haͤtte. Ach wo bleibt der kerle / daß er nicht fortge - het / koͤmmt mir doch ein jeglicher augenblick laͤnger vor / als ſonſt tauſend.

(Dromo bringt den Ephialtes.)

O das gold-engelgen / da kommt es her / daß ich dich zur gluͤckſeligen ſtunde wieder ſehe.

Rod.

Ephialtes / du alter unnuͤtzer karngaul / dein ge -Swiſſen274Der triumphirenden keuſchheitwiſſen wird dich ſelbſt uͤbeꝛzeigen / daß du den galgen verdient haſt. Jndem aber ſo wohl dein leben / als dein tod in unſern haͤnden ſteht / ſo wollen wir von beyden dir die wahl laſſen.

Eph.

Gnaͤdiger Herr / ich bitte um nichts mehr / als umb ein reputirlich leben / oder umb einen reputir - lichen tod.

Flor.

Die reputation hat euch treflich eingenommen.

Eph.

Es muß auch ſeyn / wer wolte ſich ins kuͤnfftige ſonſt zu einem thorwaͤrter gebrauchen laſſen.

Rod.

Du ſolſt reputirlich gnug tractiret werden / ſage nur / wilſtu leben oder ſterben?

Eph.

Jch armer alter mann / ich komme bald gnug zum ſterben / wann es ſeyn koͤnte / daß ich leben duͤrf - te / ſo waͤre mir es ein groſſer dienſt.

Rod.

So wollen auch wir / daß du leben ſolſt.

Eph.
(kniet)

Ach allergnaͤdigſter Herr / mit was vor demuͤthigen worten ſoll ich meine groſſe danckbar - keit gegen ſo eine unverhoffte gnade erweiſen. Jſt die ſuͤnde vergeben / und darff ich wieder mit gutem gewiſſen an mein ampt gehen?

Rod.

Du haſt volle vergebung / und damit du ſieheſt / welcher maſſen alles nach deinem wunſche ergehe / ſo nimm deine liebſte Sibylle zum ehlichen gemahl an / und wo du morgen bey dem angeſtellten beyla - ger mit auffwarten wilſt / ſoll dir zu ehren eine ſon - derliche tafel hinter dem kachel-ofen aufgeſchlagen werden.

Eph.

Herr / das leben iſt mir lieb / aber

(er kraut ſich im kopffe.)
Rod.

Haſt du noch nicht gnug.

Eph.

Jch habe gar zu viel / mit der liebſten moͤchte esnoch275Fuͤnffte Handlung.noch wohl anſtand haben.

Rod.

Sa wilſt du vielleicht lieber hencken?

Eph.

Was mach ich / was ſprech ich / was thu ich?

Sib.

Ey mein vaͤtergen! ſagt doch immer ja.

Eph.

Jch / doͤrffte ich ſagen / was ich dencke.

Rod.

Fort / die reſolution muß ſchleunig ſeyn / wilſt du ſie haben?

Eph.
(ſachte)

leben ſterben / leben ſterben / leben ſter - ben /

(laut)

ja.

Rod.

Gebt einander die haͤnde /

(ſie geben)

kuͤſt ein - ander /

(ſie kuͤſſen)

ſtreichelt einander / ꝛc.

Sib.

Jſts doch / als wann ich jung waͤr / als ein maͤd - gen von 15 jahren.

Eph.

Mein groͤſter troſt iſt / daß ich mich noch alle ta - ge kan aufknuͤpffen laſſen / wann mir der ſchlaffgeſell nicht gefaͤllt.

Sib.

Werder ihr mich nur recht erkennen lernen / wie ichs mache / wann ich das haupt-kuͤſſen hinter dem nacken habe / ſo wird euch euer leben nicht leid ſeyn.

Eph.

Jch fuͤrchte mich allezeit davor.

Rod.

Was euren mahlſchatz beyderſeits betrifft / moͤ - get ihr morgen drauff bedacht ſeyn. Jtzt muͤſſen wir auch Pickelhaͤringen holen laſſen / Dromo fort / und bringe ihn hieher.

Cl.

Er wirds kurtzweilig gnug machen.

Bel.

Jch bin ihm noch was ſchuldig / wann er ein biß - gen vexiret wird / kan es ihm nicht ſchaden.

Flor.

Daran ſoll kein mangel ſeyn.

(Dromo bringt Pickelhaͤring.)
Pick.

JHr ehrlichen leute / ſeyd ihr noch da / ich erfreue mich euer guten geſundheit. Gehts euch nochS 2wohl276Der triumphirenden keuſchheitwohl dadrunen. O ich bin gantz entzuͤcket / als wann ich aus einer andern welt kaͤme. Fuͤrwahr / wann ich nicht ſo eben wuͤſte daß ich im hunde-loche geſtecket haͤtte / ich meynte / ich waͤr gar in nobiß-kruge gewe - ſen. Es iſt keine kroͤte und ſchlange auf dem erdbo - den / die nicht bruͤderſchafft mit mir gemacht hat. Die eydexen haben unter meiner hals-krauſe jun - ge ausgebruͤt / und die widhoffe bauten mir das neſt gar ins maul / ich habe die ſtruͤmpffe ſtets mit einer blind-ſchleiche zugebunden / und wann mir ein ho - ſen-neſtel fehlte / rieß ich nur einer groſſen ratte den ſchwantz ab. Die fleder-maͤuſe waren meine ſchu - roſen / und umb die hoſen hingen mir lauter otter - gezuͤchte herumb / als wann es frantzoͤſiſch mode - band waͤr. Das futter-hembde war mit groſſen wand-laͤuſen gefuͤttert / und die koſt-gaͤnger auf dem kopffe waren wie mey-kaͤfer groß. Mit einem wor - te / es gieng mir / als wann mir die ſchaben allenthal - ben waͤren dran kommen / ich wolte lieber 7 mahl ſterben / als 6 mahl in die moͤrder-grube kriechen. Nun ſtudire ich allmaͤhlich auf ein ſchoͤn abſchieds - liedgen / weil ich doch auf der welt am laͤngſten ge - lebt habe / und mein tod vor der thuͤre iſt.

Dromo.

Pickelhaͤring / des redens wird zu viel / wo du nicht ein ende machſt / ſo ſchneide ich dir die worte mit dem pruͤgel vor dem maul weg.

Pick.

Du groſſer lindwurm / wilſt du auch bruͤder - ſchafft mit mir machen?

Drom.

Nein / mein pruͤgel ſoll es thun.

Pick.

Laß mich gehen / du dreybeinigter eſel.

Drom.

Halt / ich will ſehen / wie viel du beine haſt / eins / zwey / drey / vier ꝛc.

(er ſchlaͤgt ihn um die beine.)
Pick.277Fuͤnffte Handlung.
Pick.

Hoͤr auff / du trampel thier! du zehlſt zu viel / zu viel / zu viel.

Drom.

Wie heiß ich nun?

Pick.

Du dieb / du kanſt uͤber drey zehlen / ſonſt wolt ich dirs wohl ſagen.

Rod.

Dromo / wie lange ſollen wir warten?

Pick.

Da bin ich / Herr!

Rod.

Weiſt du auch / was du verdient haſt?

Pick.

Da ich ein haͤſcher war / verdiente ich des tages 18 pfenning / nun hab ich im hundeloch der ſchlan - gen und kroͤten gehuͤtet / darvor weiß ich nicht / was die gebuͤhr iſt.

Rod.

Die gebuͤhr iſt leicht auszurechnen / du haſt mul - tiplicirt / wann der hencker dividirt / ſo kommt das facit an galgen.

Pick.

Von dieſer rechnung weiß Adam Rieſe nichts.

Rod.

Deſto mehr ſollſt du davon wiſſen.

Pick.

Jch weiß nicht / was das ding heiſſen ſoll.

Rod.

Mit einem worte / du ſollſt hencken.

Pick.

Jch kan aber meinen hals nicht entrathen.

Rod.

Doch wir koͤnnen einen ſolchen vogel wohl ent - rathen.

Pick.

Ach waͤr ich ein vogel / ſo wolte ich mir ein ſtorch - neſt auf die hoͤchſte linden bauen / daß mich kein menſch erreichen ſolte.

Rod.

Dein neſt ſol hoch genug werden.

Pick.

Aber zum element / wo ſteck ich dann mein freſ - ſen und ſauffen hinein / der bauch will gleichwohl das ſeinige haben?

Rod.

Da magſt du darvor ſorgen.

Pick.

Am beſten waͤr es / die poſſen blieben gar nach.

Rod.

Das urtheil iſt fertig / in zwey ſtunden biſt duS 3ſo278Der triumphirenden keuſchheitſo gut / als ein kloͤppel in einer feld-glocke.

Pick.

Herr / erſchreckt mich nicht ſo ſehr / wann ich das podogra davon kriegte / ſo hienge mirs die zeit mei - nes lebens darnach an.

Rod.

Halt das maul / und ſchicke dich zum tode.

Pick.

Jch werde ja meinen zukuͤnfftigen kindern noch duͤrffen ein teſtament machen?

Rod.

Du muſt viel zu vermachen haben / und darzu / wo haſtu deine kinder?

Pick.

Wann ich in drey jahren eine frau nehme / ſo hab ich in ſechs jahren vier kleine Pickelheringe im hau - ſe herum lauffen.

Rod.

Dieſer ſorgen wollen wir dich uͤberheben.

Pick.

Fragt doch zuvor / ob ich will?

Rod.

Dromo / geh und hole den ſcharff-richter / ſage / er ſolle einen ſtrick mit bringen / der fein lange weh thut.

Pick.

Ey bruder / bleib da / was haben wir mit dem un - ehrlichen kerln zu thun / du ſieheſt wohl / daß dich der Herr vexiret.

Rod.

Dromo / laß dich nicht aufhalten.

(er gehet.)
Pick.

Herr! Jhr werdet ja nicht aus ſchimpff ernſt machen / ey das traͤffe mir ſchlimm ein.

Rod.

Du haſt unſer gnade gnug gemißbrauchet.

Pick.

Und iſt kein ander mittel da?

Rod.

Du biſt nicht werth / daß wir dir antworten.

Pick.

Das ſoll gewiß mein letzter troſt ſeyn?

Bel.

Hoͤre Pickelhaͤring / was gibſt du mir / ich will ei - ne vorbitte vor dich einlegen?

Pick.

Ach ſchoͤne Jungfer! wann das geſchehen ſol - te / ich wolte euer ewiger ſchwammdruͤcker werden.

Bel.

O du garſtiger pengel / dazu brauch ich dich nicht.

Pick.279Fuͤnffte Handlung.
Pick.

Jch will ſonſt alles thun / was ihr haben wollt.

Bel.

Auff dieſes wort lege ich eine vorbitte ein.

Rod.

Euch die bitte nicht zu verſagen / ſoll er beym le - ben bleiben / doch mit der bedingung / daß er alles verrichte / was ihr haben wollet.

Bel.

Pickelhaͤring / weil du nunmehr durch meine un - terhandlung bey leben erhalten wirſt / ſo begehr ich nichts von dir / alsdas du dich unveꝛzuͤglich mit met - ner Melane in ein ehe-verloͤbniß einlaͤſſeſt.

Pick.

Jetzund beſinne ich mich erſt / ich will hencken.

Bel.

Heiſt dieſes alles gethan / was ich haben will?

Pick.

Jch dachte nicht an das beſchiſſene raben-aas.

Bel.

Unterdeſſen hilfft nichts davor / du haſt es einmal zugeſagt / und wann du nicht wilſt / laß ich dir einen zehnfachen ſtaub-beſen geben / und darnach ſolſt du doch hencken.

Pick.

Wie ich wohl ſehe / ſo fall ich immer tieffer in qvarck.

Bel.

Zuſage macht ſchuld.

Pick.

Endlich / wann es ja ſeinen fortgang haben ſol - te / ſo laſt mich doch die moͤhre beſehen / daß ich kei - nen blinden kauff thu.

Bel.

Melane komm her / und praͤſentire dich.

Mel.

Gar gerne / wie wills / mein gold-ſchatz?

Pick.

Nicht zum beſten / nun du ſchoͤnes m[u]ſter! laß dich nun auch betrachten. Die haare ſind ſo gold - gelb / wie ein carfunckel vor dem ofenloch / was ſind denn das vor weiſſe dinger im haren / ach es wird eine ſonderliche manier von dem Arabiſchen buder ſeyn. Botz tanſend / es iſt doch / als wann die liebe ein wenig anfienge. An der ſtirne iſt diß das beſte / daß ſie nicht geſchminckt iſt / oder wo ſie ſich batS 4ſchmin -280Der triumphirenden keuſchheitſchmincken wollen / iſt ſie gewiß uͤber die ſpuͤlich-gel - te kommen. Die brocken kleben ihr noch in den runtzeln herum. Jhr niedlichen katzen-augen / koͤnnt ihr nicht nach der ſeite ſehen / wie die gaͤnſe / wann es wetterleucht. Und was ſage ich zu der na - ſe / fuͤrwahr / wo die naſe bey einem menſchen des gantzen leibes ſcheiß-haus heiſt / ſo trifft es da ein / es iſt mir leid / daß ich nichts im vorrathe habe / ich weichte das liebe naͤſgen ſelber ein. Wann ich die backen anſeh / ſo iſt mir immer / als wan ſie das inn - wendige vom pinckel-topffe heraus gekehrt haͤtte / da ſieht man / was die rechte leib-farbe thun kan. Maͤdgen thu das maul auf / haſt du die zaͤhne noch alle / wiewohl am freſſen mag dir nichts mangeln.

Bel.

Pickelhering / du haſt genug beſichtiget / erklaͤre dich nunmehr.

Pick.

Jch kaͤme gern ein bißgen tieffer in die ſchrifft.

Bel.

Vor dißmahl nicht / ſage ja / oder nein.

Pick.

Will ſie mich dann haben?

Mel.

Ja / ich wil euch haben / und ich laß euch keinen friede / biß ihr mich nehmt.

Pick.

Nun ſo gebt ſie mir doch her / daß ich einmahl von ihr komme.

Mel.
(Giebt die Haͤnde.)

Alſo ſind wir eheleute?

Pick.

Ja / nun ſind wir ein leib mit einander.

Mel.

Und du haſt mich recht lieh?

Pick.

Jch wolte / du waͤreſt ein kuͤh-fladen / und ich ein gold-kaͤfer / ſo ſolt uns in ewigkeit nichts von einander trennen.

(Sie kuͤſſen und uͤberwerffen ſich.)
Rod.

Sacht an / ſacht an / ihr neuen liebhaber / ſpart euch etwas auf morgen / da ſolt ihr erſt recht hoch - zeit machen.

Clar. 281Fuͤnffte Handlung.
Clar.

Jch habe mich ſatt gelacht / es wird nunmehr zeit ſeyn / gegenwertige liebgen der beſchwehrung unſer anweſenheit zu befreyen.

Flor.

Die annehmligkeit dero gegenwart wird uns entzogen werden.

Clar.

Die zeit vermahnet uns zum aufbruch.

(ſie ſte - hen auff.)
Rodoman.

KOmmt ihr voͤlcker / ruͤhmt mein gluͤcke / Welches mir in dieſem ſtuͤcke Gar zu ſchoͤn und freundlich lacht / Und von Ludewigs geſchlechte Mir aus einem bloͤden knechte / Dieſen freund und Schwager macht.

Clariſſe.

Aller zierrath meiner jugend / Schoͤnheit / ehre / luſt und tugend Wolten gleich zu grunde gehn; Dannoch / weil Floretto lebet / Und der ſchande widerſtrebet / Kan ich wieder feſte ſtehn.

Floretto.

Jhr Sicilianer-graͤntzen Seht den teutſchen Lorbeer glaͤntzen / Daß ein knecht nunmehr regiert / Und in dieſem ſchoͤnen Lande / Uber hochmuth / ſchmach und ſchande / Durch die |Keuſchheit triumphirt.

Beliſſe.

Tapffre Deutſchen ſeyd zu frieden / Daß ein zweig von euch geſchiedenS 5Und282Der triumphir. keuſchheit Fuͤnffte Handlung〈…〉〈…〉Und hieher verſetzet iſt / Alldieweil er bey dem triebe Seiner pracht und meiner liebe / Alles auſſer mir vergiſt.

Rodoman.

Unſer Koͤnig Carl regiere / Und die keuſchheit triumphire Durch die ſuͤſſe liebes-macht / Jtzo bringt die luſt auff morgen / Zwiſchen hoffnung / lieb und ſorgen / Eine ſchoͤn und gute nacht.

(Sie gehen ab.)
Uber -283

Uberfluͤſſiger Gedancken Andere Gattung.

Geehrter Leſer.

ALs ich vor ſechs jahren ein ſtuͤck von meinen Uber - fluͤßigen Gedancken in die freye welt ausfliegen ließ / meinte ich / es ſolten nun die andern ſachen / welche ich zuruͤcke behalten / eher in dem winckel vermodern und zu nichte werden / als daß ich noch einmahl etlichen catonianiſchen eßig-kruͤgen wolte gelegenheit an die hand geben / mich vor ein welt-kind auszuſchreyen. Al - lein mein gluͤcke fuͤgte ſich vor wenig jahren alſo / daß ich den winter und fruͤhling auff dem lande zubringen muſte. Da ich denn in meiner einſamkeit zwar gute muſſe hatte mein ſtudiren fortzuſetzen: Nur an der compagny ſpuͤrte ich offtermahls nicht einen geringen mangel. Derohalben wenn ſich etliche uͤberfluͤßige grillen bey mir angeben wol - ten / ſo wuſte ich kein beſſer mittel dieſelben zu verjagen als durch die Uberfluͤßige Gedancken / welche mir vormahls e - ben zu ſolcher zeit eingefallen / da ich ein uͤberfluͤßiges mit dem andern vertreiben muſte. Alſo nahm ich meine alten Univerſitaͤts-acta herfuͤr / und womit ich vermeinte einen guͤnſtigen leſer zu vergnuͤgen / ſolches zeichnete ich bey vor - fallender muſſe zuſammen. Jch hatte aber bey dem erſten theil albereit angemerckt / wie dunckel und unverſtaͤndlich manch liedgen heraus kam / indem es alſo bloß / und ohne alle erklaͤrung hingeſetzt war / drumb fiel mir dieſes mittel ein / durch etliche geſpraͤche eines und das ander deutlicher und verhoffentlich etwas annehmlicher vorzuſtellen / habe alſo eine neue mode auff die bahn gebracht / die lieder gleich - ſam in einer luſtigen geſellſchafft zu uͤberliefern / daß aberaller -284Vorredeallerhand kurtzweile mit eingemiſchet werden / ſolches wird in den geſpꝛaͤchen erfordert / und iſt allzeit von den vornehm - ſten leuten / welche in dergleichen art etwas zu ſchreiben vor - genommen / ſehr wohl beobachtet worden. Ja wenn ich mich einer hohen redens-art dabey gebrauchen wollen / wie es vielleicht mancher Cenſor erfordern moͤchte / ſo haͤtte ich die hoͤchſte ungeſchickligkeit von der welt in einem lebendi - gen exempel auffgefuͤhret. Man muß die ſachen alſo vor - bringen / wie ſie naturell und ungezwungen ſind ſonſt ver - liehren ſie alle grace, ſo kuͤnſtlich als ſie abgefaſſet werden. Ein mahler waͤre nicht klug wenn er die roſen mit guͤldenen knoͤpfgen abmahlete; ob er gleich dencken moͤchte / es kaͤhme friſcher und anſehnlicher heraus: Denn die natuͤrlichen roſen waͤren dem bilde nicht aͤhnlich. Und wer weiß nicht wie jaͤmmerlich die brieff - und karten-mahler ihre ſachen illuminiren / da ſie balde die leute mit gruͤnen baͤrten / bald mit cinnoberrohten backen / bald mit Auripigment gelben haaren vorſtellen / und alſo der natur nicht eine geringe ge - walt anlegen. Jch frage auch / wie wuͤrde ein ſchuſter la - chen, wenn ſo ein ſaalbadriſcher Philologus / der ſich etwan ſchaͤmete zu ſprechen: Meiſter Hans macht mir ein paar ſchuh / mit einer ſolchen rede auffgezogen kaͤme: Herr mei - ſter unter den ſchuhmachern / an denſelben iſt mein heffti - ges und angelegenes bitten / er wolle doch meiner einge - denck ſeyn / und bey hindanſetzung ſeiner andern verrich - tungen / vornehmlich zwar ein maß zu meinem fuß / ſ. v. neh - men / hernachmahls aber das leder alſo darnach einrichten daß ich auff kuͤnfftigen ſoñtag meine neue ſeidenen ſtruͤmpf - fe durch keine zerꝛiſſene ſohlen und beſtoſſene abſatze beſchaͤ - men moͤge; auch ſo dann das frauenzimmer deſto mehr an - laß habe meinen zierlichen gang zu betrachten: Jch wer - de an meinem orte eine ſonderbahre Affection hier - aus erkennen / auch ins kuͤnfftige befliſſen ſeyn / nicht allein durch ſchleunige bezahlung / ſondern auch durch an - dere dienſtleiſtungen mein danckbaꝛes gemuͤthe darzuthun: Alldieweil ich wohl weiß / daß gleich wie ein carfunckel un - ter den edelſteinen / und das hellblitzende gold unter den metallen den vorzug hat; alſo auch die danckbarkeit unterden285an den Leſer. den andern tugenden vor eine koͤnigin muß gehalten werdē.

Jch bitte man lache nicht uͤber diß exempel. Es finden ſich im gemeinen leben tauſend und aber tauſend compli - menten / die nicht viel beſſer klappen / als dieſe ſchuſter-Ora - tion, wiewohl es mag ein iedweder ſeinem belieben nach - gehn / ich bleibe bey meiner freyheit / und habe meine luſt an der einfalt die der natur am nechſten koͤmmt. Wie ich denn in der ſchaͤfferey gleichfals keine hohe gedancken ein - geflickt habe / aus beyſorge ich moͤchte das freye und ſorgen - loſe feld-leben dadurch mehr verſtellen als ſcheinbar ma - chen. Und gewiß der Comoͤdiant waͤre ein narr / der die ſchaͤffer in die ſammet peltzen praͤſentirte: Und alſo waͤre man nicht viel kluͤger / wenn man den ſchaͤffern ſolche re - den vorſch[r]eiben wolte / die ſich nirgend beſſer als in ſam - met peltzen reden lieſſen. Jn dem letzten luſt-ſpiel habe ich nach anlaß der perſohnen die worte bald hoch bald nie - drig gefuͤhret / ob die hiſtoria wahr oder nicht / davor darff ich ſo genau nicht rechenſchafft geben: Es iſt gnug / daß ein iedweder geſtehen muß / es gehe in gemeinen leben nicht an - ders her / als daß eine Comoͤdi nach der andern von fal - ſchen freunden geſpielet wird.

Jmmittelſt bedinge ich dieſes / es flicke mir niemand et - was hinein / der es nicht gelernet hat. Jch ſah einmahl meine triumphirende keuſchheit agiren / und hoͤrte offt wie ein ander ſeine kaͤlber-lunge darzu gethan hatte / daß mir faſt uͤbel darbey ward. Wer ſo kuͤnſtlich iſt / daß er alles verbeſſern kan / der mache lieber etwas neues / es bleibt doch huͤmpeley / wenn zweyerley gedancken zuſammen geflickt werden.

Sonſten was die geſpraͤche anbelangt / ſo hab ich meine perſon unter dem nahmen Gilanes verborgen. Die zwey en guten freunde aber ſtellen eine widerwaͤrtige natur vor. Melintes iſt ernſthafftig: Fillidor hingegen kurtzweilig. Auff die weiſe habe ich gelegenheit die Uberfluͤßigen Gedan - cken bald zu erklaͤhren / bald zu entſchuldigen.

Jngleichen iſt das frauenzimmer welches in einigen zu - ſammenkuͤnfften mit eingefuͤhret wird / von wider-ſinni - ſchem gemuͤthe: Ob ich die redens-arten nach der weiber -zunge286Vorredezunge allzeit eingerichtet / moͤgen die jenigen urtheilen / wel - che mehr in ſolchen geſellſchafften begriffen ſeyn / als ich. Zum wenigſten habe ich mich keiner ſtraffe zu befuͤrchten / wofern der ſache zu wenig geſchehen iſt.

Die melodeyen habe ich etlichemahl darzu geſetzt: Meh - rentheils aber auſſen gelaſſen. Dann etliche lieder ſind mehrentheils auff gewiſſe Arien gerichtet / und dieſelben verliehren ihr halbes leben / wann ſie den rechten thon ver - liehren / doch darff man alle nicht nennen / ſonſt lernen es die gemeinen kerlen in allen bauerſchencken zu leicht / wie es den kriegeriſchen arien ergangen iſt / welche man viel hoͤ - her hielte / wann nicht alle ſack-pfeiffer und dorff-fiedler / die herrlichen melodeyen zerlaͤſterten / und gemein machten.

Jm uͤbrigen habe ich mich ſehr fleiſſig vorgeſehen / daß ich keine æqvivoca mit eingebracht / welche ſich halb erbar und halb garſtig auslegen laſſen. Und wird ein iedweder / welcher vor dieſem die lieder geſchrieben geſehen / diß be - kennen muͤſſen / daß an vielen orten etwas mit willen geen - dert habe / unangeſehen / daß unterſchiedene luſtige gedan - cken dadurch verruͤcket worden.

Zwar wann ich wuͤſte / daß ſich jemand anders des buchs annehmen wolte / wie ich hoͤren muß / daß mir unlaͤngſt bey einer andern ſchrifft dergleichen wiederfahren iſt / ſo haͤtte ich deſto weniger furcht gehabt bey etlichen leuten in unbil - ligen verdacht zu gerathen. Und gewiß ich kan auff den guten menſchen / welcher meine arbeit vorſeine ausgegeben / noch dieſe ſtunde nicht boͤſe ſeyn / dann wer etwas drucken laͤſt / ohne vorhergeſetzten nahmen / der ſtellet ſich als waͤre es res derelictui debita quæ fiat occupantis. Werde ich ein - mahl luſt haben meinen ausdruͤcklichen nahmen in dem Franckfurter und Leipziger Catalogo zu leſen / ſo wil ich ſchon etwas finden / daß mir ein ander ſoll unabdiſputiret laſſen.

Dieſes machet mehr verdruß / daß etliche buchdrucker ſo geſchwind uͤber den nachdruck her ſeyn / und ungeacht / daß hierdurch ein rechter diebſtahl begangen wird / daſſel - be zu ihren nutzen wenden / welches andern mit beſſern rech - te zukommt. Doch die kappe iſt ihnen anderweit zugeſchnit - ten; darum ſollen ſie auch hier verſchonet bleiben.

287an den Leſer.

Mehr ſage ich nicht. Es moͤchte es auch niemand leſen / wann ich es zu lang machte: doch dieſes eintzige lied / wel - ches ich ungefehr vergeſſen habe in den geſpraͤchen mit ein - zubringen / wird ſich an dieſem orte nicht unfuͤglich zur zu - gabe herbey ſetzen laſſen.

WOhl dem der noch in ſeinem leben
Ein luſtig ſtuͤndgen haben kan /
Wann andre ſich dem ſchmertz ergeben /
Und ſtecken zwiſchen furcht und wahn /
So bleibt der troſt der ihn ergetzt
Auff einen feſten grund geſetzt.
2. Jch finde keine luſt im ſauffen:
Geſetzt ich lieſſe tag und nacht
Den kalten ſafft in magen lauffen /
Der nur den ſcheidel hitzig macht.
So ſagt ich endlich morgens fruͤh /
Die luſt verlohnt ſich nicht der muͤh.
3. So frag ich auch nach keinen ſpielen /
Es macht mich reich und wieder arm /
Und ſol ich meinen ſchaden fuͤhlen /
So wird die ſtube gar zu warm /
Gleichwie man ſpricht: das ſpielen hitzt.
Und wann man in dem keller ſitzt.
4. Dem frauenzimmer nachzugehen
Giebt endlich ſchlechten uͤberdruß /
Doch weil man offt zuruͤcke ſtehen
Und in gedancken wuchern muß /
So iſt auch dieſes nicht die bahn
Darauff man ſich vergnuͤgen kan.
5. Drum lob ich allzeit meine freude
Der angenehmen Poeſi /
Die288
Die gilt mir in den hoͤchſten leide
Das beſte labſal vor die muͤh:
Da ſchick ich meine ſorgen hin
Wann ich im tiefſten kummer bin.
6. Da mag ich ungehindert ſchreiben /
Was andre mit beſchweren thun:
Jch darff in meiner ſtuben bleiben /
Ja auch wohl gar im bette ruhn /
So faͤllt mir doch in ſolcher ruh /
Das allerſchoͤnſte liedgen zu.
7. Begehrt ein Buhler meine lieder /
Jch fuͤhle keinen ſchmertz davon:
Er geht die gaſſen auff und nieder /
Und hat nur qvaal und noth zu lohn:
Hingegen ich leb unbetruͤbt /
Und bin nur ins papier verliebt.
8. Wohlan ihr zucker-ſuͤſſen ſtunden
Jhr habt mich offtermahls erqvickt:
Derhalben bin ich euch verbunden /
Und werde gleichſam gantz entzuͤckt /
So bald mein geiſt auff dieſes gut
Noch einen blick zuruͤcke thut.

Hiermit befehle ich mich dem geneigten Leſer in ſeine gunſt / und gebe einem jedweden frey zu urtheilen wie er will.

D. C.

Der289

DEr kuͤhle herbſt begunte allgemach die blaͤtter auf den baͤumen zu verfaͤrben / und kuͤndigte durch ſolche zeugen den in - ſtehenden winter an / als Gilanes von ei - nem lieben orte ſich wegmachen / und mit ſack und pack verreiſen muſte. Die|re - ſolution gieng ſo eilfertig von ſtatten / daß er ſich nicht einmahl beſinnen kunte / ob er auch die bißhero genoſ - ſene annehmligkeiten anderswo mit dergleichen maſſe wuͤrde erhalten koͤnnen. Doch meinte er / ſo fern er nur ſeyn Clavichordium koͤnnte mitnehmen / ſo ſolte es ihm an belieblicher zeit-verkuͤrtzung nicht ermangeln / wenn auch alle compagnie von ihm abſetzen moͤchte. Dan - nenhero wickelte er das Clavichordiun in ſeine betten gar ſubtil ein / befahl dem kutſcher ſolchen pack wohl zu verwahren / und nahm damit kurtzen abſchied. Er gelangete gluͤckſelig an den vorgeſetzten orth / fund auch alles begehrter maſſen in gutem zuſtande. Allein da er ſeyn loſament beziehen wolte / und der kutſcher nebenſt der reiſe-lade den gedachten pack hernach brachte / warff der ungeſchickte toͤlpel die betten auff die erde / daß ſich allen umbſtaͤnden nach das Clavi - chordium ziemlich mochte erſchuͤttert haben. Gila - nes rieß die betten von einander / und wolte nach dem ſchaden ſehen. Doch da war keine ſeite gantz / der re - ſonantz-boden hatte ſich wohl an fuͤnff orten zerriſſen / der ſtern war in drey ſtuͤcke zerſprungen / mit einemTworte /290worte / die freude war hin. Nach langen grilliſiren / dachte er endlich / beſſer das Clavichordium entzwey / als ein auge auß / kan man doch den ſchaden wieder helffen laſſen. Schickte derhalben zum inſtrument - macher / verdingte ihm den patienten / und wuſte ſich ſehr viel / daß er den kaſten / die clavir / die wirbel und das rothe tuch zum beſten hatte. Unterdeſſen verzog ſich die ſache auff etliche wochen / biß er nach vielfaͤlti - gen und ungedultigen anhalten / an einem ſonntage nach der mahlzeit ſeines wunſches gewehret wurde. Da muſte nun vor groſſen freuden eine Gique nach der andern herhalten / biß ihm folgendes lied einfiel.

NUn bin ich meiner noth entnommen /
Die trauer-zeit iſt wieder um:
Willkommen / tauſendmahl willkommen /
Du liebſtes Clavichordium /
So wilſt du nun beſtaͤndig bleiben
Und mir die muͤde zeit vertreiben.
Ach laß die ſeiten nicht zerſpringen /
Und laß den an genehmen klang
Durch einen leiſen griff erzwingen /
So wil ich dir zu groſſen danck /
Die beſten freunde zu ergetzen
Auff dir manch ſchoͤnes ſtuͤcke ſetzen.
Du darffſt dich itzo nicht befahren
Als wolt ich bald von hinnen ziehn /
Und nebenſt andern fuhrmans-wahren
Dich in den rauhen pack bemuͤhn /
Und wenn ich auch die weichſten bette
Um dich herum geſchlagen haͤtte.
Ach nein / ich weiß nicht was ich wolte /
Eh291
Eh ich dich nur ein eintzig mahl
So vor die hunde werffen ſolte:
Die kutſcher moͤgen ſtein und ſtahl
Jn ihrer groben hand verwalten /
Die koͤnnen beſſer wiederhalten.
Du aber / biſt an allen enden
Als eine jungfrau zart und fein /
Und wilſt von lauter weichen haͤnde[n]
Gantz niedlich angegriffen ſeyn /
Es kan ein kleiner griff geſchehen /
So gibt es bald ein groß verſehen.
Darum was wilſtu ferner ſchweigen /
Komm / ſtimme deine lieder an /
Jch will dir in der that bezeugen /
Daß ich die griffe richtig kan /
Und in dergleichen luſt-gewerbe
Mit greiffen leichtlich nichts verderbe.

Gilanes ſang diß lied in ſeiner vollen andacht her / und meynte nicht / daß jemand auſſer ihm ſeine freude dran haͤtte. Allein Fillidor und Melintes ſtun - den vor der thuͤr und wolten ihn nicht verſtoͤren. Letz - lich kamen ſie ihm unverſehens uͤber den hals / und ſa - gte Fillidor: bruder / greiff dich fein ſatt und verderbe auch nichts. Gilanes verwunderte ſich / wo die un - verhofften gaͤſte herkaͤmen / bat / ſie ſolten ihm zu gute halten / daß er uͤber ſeinem renovirtem Clavichordio ſo entzuͤckt worden / und ſie nicht eher in acht genommen. Sie baten ihn hingegen / er ſolte ſich nicht abhalten laſ - ſen / ſie waͤren die jenigen nicht / die ihn in dergleichen guten vorſatz verſtoͤren wolten. Abſonderlich be - gehrte Melintes / Gilanes moͤchte doch eines von ſei - nen liedern hoͤren laſſen / weil ihm wohl bekandt waͤre /T 2daß292daß er an ſolchen keinen mangel haͤtte. Dieſer ent - ſchuldigte ſich / die lieder waͤren der muͤhe nicht werth / daß man ſie anhoͤren ſolte / und darzu waͤre itzt ſonn - tag / da man der weltlichen gedancken nicht zu viel ma - chen duͤrffte. Jedoch deſſen ungeacht / hielten alle beyde nochmals an / er ſolte ihnen doch nur ein ſtuͤck - gen nicht mißgoͤnnen. Halt / dachte Gilanes / ich will euch fangen / und ſang folgendes geiſtliche junggeſellen - lied / nach der melodey: Helfft mir GOttes guͤte prei - ſen.

OGOtt du reines weſen /
Du glantz der herrligkeit /
Weil du mich haſt erleſen
Zu deiner Chriſtenheit /
So gib mir auch den ſinn
Zu aller reinen tugend /
Und lencke meine jugend
Wo ich zu ſicher bin.
2. Erhalt mich in dem ſchrancken
Vor aller boͤſen luſt /
Regiere die gedancken
Und mache mir bewuſt /
Du dreymahl heilger Fuͤrſt /
Daß wir vor unſer leben
Bald muͤſſen antwort geben /
Wenn du erſcheinen wirſt.
3. Wenn ich was boͤſes dichte /
So laß es nicht geſchehn /
Und laß ja mein geſichte
Nach keiner geilheit ſehn /
Verſucht mich fleiſch und blut
Zu unterſchiednen ſuͤnden /
Ach293
Ach HERR! ſo laß dich finden
Und brich mir meinen muth.
4. Erhalt mein faß in ehren /
Jn zucht und heiligkeit /
Und laß mich nichts verſehren
Biß auff die rechte zeit /
Und ſegne mich alsdann /
Daß ich ein liebes hertze
Jn unverbotnem ſchertze
Nach hauſe fuͤhren kan.
5. Doch lencke meine ſinnen
Zuvor auff dieſes ziel /
Wie ich mein brod gewinnen
Und ſie ernehren wil.
Nach dieſem zeuch mich hin
Zu einem frommen kinde /
Da ich mein labſal finde /
Wenn ich geſchaͤfftig bin.
6. Laß mich ein maͤdgen lieben
Das mich von hertzen meynt /
Jn Freud und in betruͤben /
Das mit mir lacht und weint /
Das ſich in alles ſchickt /
Und das an meinem ende /
Wenn ich den lauff vollende /
Mir noch die augen druͤckt.
7. Wiewohl du wirſt es machen /
Weil du mein Vater biſt /
Du weiſt was meinen ſachen
Gut und erſprießlich iſt.
Dein wille ſoll geſchehn /
Und was du meinem leben
T 3Wilſt294
Wilſt zum geſchencke geben /
Das will ich gerne ſehn.

Sieh da bruder / ſagte Melintes / wilſtu nur ein maͤd - gen haben / wie wenn ſich das gluͤcke umkehrte / daß du mit einen witweibigen muͤſteſt vorlieb nehmen. Gi - lanes verſetzte / er haͤtte zwar noch keine ohren darzu / doch auff allen fall muͤſte ſtylo Ovidiano puella ſo viel heiſſen als ein weibesbild / oder ein frauenzimmer. Fil - lidor lachte / endlich brach er in die worte herauß; Jch dachte wohl du wuͤrdeſt deinen Ovidium anfuͤhꝛen muͤſ - ſen / denn du biſt allezeit im geſchrey geweſen / als wenn du in ſeinen buͤchern bekandter waͤreſt / als in der bibel. Gilanes fragte / wer ſo unbillige gedancken von ihm ge - ſchoͤpfft? doch er muſte ſich berichten laſſen / ſeine Uber - fluͤßige Gedancken haͤtten es ſattſam ausgewieſen / daß er ein purlauter welt-kind ſeyn muͤſte. Nun kunte er nicht laͤugnen / daß er etliche dutzent weltliche lieder auf gutachtung unterſchiedener freunde in die welt außfliegen laſſen. Gleichwohl verwunderte er ſich / daß die leute von ſeinen Uberfluͤßigen Gedancken ur - theilen wolten / ehe iemand ſeine nothwendige gedan - cken geſehen haͤtte. Darum ſagte er: Ach das ſind Excrementa juventutis, und ſo wenig man an den ſchla - cken ſehen kan / ob das ſilber gut iſt / ſo wenig kan man hierauß von meiner Inclination urtheilen. Die guten gedancken behalt ich bey mir / und wer weiß / wenn ich die perlen vor die ſchweine werffe / oder daß ich recht ſage / wann ich geiſtliche lieder haͤtte herauß gegeben / õb ſich ſo viel liebhaber wuͤrden angemeldet haben. Melintes fiel ihm in die rede / bruder / ſagte er / dem ſey wie ihm wolle / es heiſt doch: Weß das hertze voll iſt / deß geht der mund uͤber. Und hiermit ſahe er denGila -295Gilanes an als waͤr er gefangen / doch dieſer ſchuͤttelte den kopff / und ſagte / bruder / weiſtu denn womit mein mund allzeit uͤbergeht? daß unterweilen dergleichen ſachen zum zeit vertreib mit unterlauffen / dannenhero iſt nicht von den gantzen leben zu urtheilen. Es iſt kein kirſchbaum ſo koͤſtlich / er hat viel taube bluͤten: Und wer iſt ſo heilig / daß er nicht unter ſeinen guten gedan - cken etliche unnoͤthige und uͤberfluͤßige entſtehen laſſe / daꝛzu wil ich nichthoffen / daß man in gedachten liedern etwas antreffen ſolte / welches GOtt und der erbarkeit zuwider lieffe. Ein ſchertz zu rechter zeit angebracht / iſt wie eine pomerantze in einer ſilbern ſchaale. Me - lintes verſetzte / gleichwohl iſt von etlichen vornehmen leuten nicht zum beſten davon judiciret worden. Gila - nes machte eine hoͤhniſche mine / und fragte / ob die len - te auch ſo vornehm waͤren / daß man ihr Judicium mit gutem gewiſſen koͤnte bey ſeite ſetzen? denn / ſagte er / ie vornehmer die leute ſind / deſto mehr ſoll man ihnen zu gefallen glauben. Und vielleicht ſchaͤmet ſich man - cher Catonianiſcher ſauertopf / daß er das exempel ſei - ner jugend allhier abgemahlet ſieht oder erzuͤrnet ſich / daß ſo viel von ſeinen ſtuͤckgen noch außgelaſſen ſind. Wer dergleichen Converſation in dieſem alter nicht ge - liebt hat / der werffe den erſten ſtein auff mich. Melin - tes ſagte dargegen / es fragte niemand / ob dergleichen gethan wuͤrde / ſondern ob es verantwortlich ſey / die unſchuldige jugend dadurch zu aͤrgern. Gilanes ſag - te nochmahls / er wuͤſte nichts aͤrgerliches darinnen / ſolte auch irgend eine æqvivocation zu finden ſeyn / wel - che ſich rechts und lincks appliciren lieſſe / ſo wolte er ſich wol verwetten / es ſolte ſie keiner verſtehen / als wel - cher auch hinter dem ſtrauche geſteckt haͤtte. Es ſey vielT 4ein296ein ander thun / ob ein alter krippenſtoͤſſer / der etliche jahr / vor einen Suſannen-bruder gedient / das raͤtzel errathen koͤnne / und ob ſolches ein junger geelſchnabel verſtehet / der noch nicht wiſſe wo Matz pfefferkuchen hohlet. Es gemahnet ihn wie mit den notis politicis damit der Tacitus geplagt und gemartert wird. Da bilde ſich mancher ſtaatsmann ein / was er auß eigner erfahrung darzu anmercke / das muͤſte alſobald ein ied - weder ſtuͤmper penetriren: Ja wohl verſtehen ſie es / daß / ie mehr dergleichen Schmirement heraus koͤmmt / ie weniger Politici gefunden werden. Melintes laͤchel - te und ſagte / ey bruder haben wir dich ein bißgen boͤſe gemacht / es iſt mein ernſt nicht / ich hatte meine belie - bung alſo zu ſchertzen. Gilanes verſetzte / ſo wil ich meine beliebung haben keinem menſchen mehr ein lied zu communiciren / doch Fillidor wandte ein / ſie waͤren deshalben zu ihm kommen / daß ſie etwas von ſeinen Reſervaten ſehen wolten / er wuͤrde ſo neidiſch nicht ſeyn / ſonſt muͤſten ſie auff die gedancken gerathen / er ſehe ſie entweder nicht vor rechtſchaffene gute freunde an / oder er wuͤſte ſich mit ſeinen ſachen gar zu viel / und wolte himmel hoch gebeten ſeyn. Gilanes blieb erſt - lich auff ſeinen gedancken: Endlich ſagte er / der tag waͤre zu ſolchen verrichtungen zu heilig / es waͤre auch die nachmittages-predigt vor der thuͤr / wolten ſie ihm ſonſt die ehre goͤnnen / und mit einem ſolchen Tracta - ment vorlieb nehmen / ſo ſolten ſie erfahren / daß ihre vergnuͤgung ſeine ergoͤtzligkeit ſeyn wuͤrde. Hier auf beſchloſſen ſie / weil ſie doch wegen des abnehmenden tages nach tiſche wenig ſpatzier-gaͤnge anſtellen koͤn - ten / alle abend in durchſuchung der alten Acten zuzu - bringen / darzu ſich Gilanes gern verſtund / und wardfolgen -297folgenden tag der anfang gemacht. Und es wird dem geneigten leſer vielleicht nicht unangenehm ſeyn / wenn alle zuſammenkunfften in einem abſonderlichen geſpraͤche vorgeſtellet werden.

Das Erſte Geſpraͤch.

Gilanes / Fillidor / Melintes.
Fill.

Nun bruder / wir ſtellen uns ein / und zwar oh - ne complimenten / du wirſt deiner zuſage ingedenck ſeyn.

Gil.

Sie ſind mir willkommen / ich hatte mich ihrer geſtern verſehen / doch mit ſchlechten ſachen hat man nicht zu eylen.

Fill.

Wer ietz luſt zu complimentiren haͤtte / dem mangelte es an deꝛ gelegenheit nicht / doch præmisfis præ - mittendis. wo haſtu deine lieder?

Gil.

Jhr herren ſo gut ich ſie habe / ſo gut ſolt ihr ſie bekommen / da iſt ein convolut alte briefe / wolt ihr mit mir ſo viel zeit darauff wenden / ſo ſtehen ſie zu eu - ren dienſten.

Mel.

Bruder / du muſt dich mit unter die gelehrten rechnen / denn es heiſt: Omnis doctus male ſcribit.

Gil.

Endlich wo es nicht mehr koſt / als ſo viel / will ich ein gelehrter mit ſeyn / doch es ſteckt ein arcanum po - liticum dahinter; ſchreibt man gut / ſo koͤmmt ein jed - weder und will es abſtehlen. Bey dieſer ſchrifft darff ich mich ſo leicht vor keinen Copiſten fuͤrchten.

Mel.

Die ſache iſt gut ausgeſonnen. Jch wolte ich koͤnte alle meine fehler ſo gut entſchuldigen.

Fill.

Ey wir wollen die fehler ſonſt entſchuldigen / ich moͤchte gern wiſſen was dieſes vor ein lied waͤr.

T 5Gil. 298Uberfluͤſſiger gedancken andere gattung
Gil.

Du biſt gleich uͤber das rechte kommen / es iſt ein verliebtes / ich habe es in nahmen eines guten freundes gemacht.

Mel.

Der gute freund ſteckt gewiß in deiner kappe.

Gil.

Nein gewiß / das moͤgen ſie mir wol zutrauen / daß ich gleich zuſage. Jch muͤſte fuͤrwahr noch ein - mahl ſo alt ſeyn / wenn alle begebenheiten / ſo in meinen liedern vorkommen / mit mir ſolten vorgefallen ſeyn.

Fill.

Nun wie heiſt denn das lied.

Gil.

Wir wollen es ſingen auf die melodey: Halber theil von meinem hertzen.

LJebſtes ſeelgen ſey zufrieden /
Bin ich gleich itzt manchen tag
Alſo weit von dir geſchieden /
Daß ich dich nicht ſehen mag /
Nun ſo glanbe ſicherlich /
Meine ſeele denckt an dich.
2. Alle ſeufftzer die ich laſſe /
Schick ich mit der botſchafft aus /
Fliegt doch in die werthe ſtraſſe /
Vor mein angenehmes haus /
Und beſchreibet meinen ſinn /
Daß ich kranck vor liebe bin.
3. Alſo / wann ein ſanfftes windgen
Unter meine wangen geht /
Denck ich daß von deinem muͤndgen
Dieſe liebes-poſt entſteht /
Weil ich mich vor jederman /
Deiner treu verſichern kan.
4. Doch / mein kind / was iſt dir bange /
Haben wir doch keine ſchuld /
Wird dir gleich die zeit was lange /
Nun299Erſtes Geſpraͤch.
Nun ſo warte mit gedult /
Denn das ende dieſer pein
Wird uns deſto lieber ſeyn.
5. Ach wie froͤlich will ich lachen /
Wenn das gute gluͤcke nun /
Wird den ſchoͤnen anfang machen /
Daß wir duͤrffen freundlich thun /
Ach wie lieblich / ach wie ſchoͤn
Wollen wir zuſammen gehn.
6. Da will ich vor liebe brennen
Gegen dich / du liebſtes kind /
Und kein unfall ſoll uns trennen /
Biß wir gantz vergnuͤget ſind /
Jch bin dein / und du biſt mein /
Das ſoll unſer Jawort ſeyn.
7. Unterdeſſen / liebſtes leben /
Sey deßwegen nicht betruͤbt /
Lerne dich darein ergeben /
Weil dich meine ſeele liebt /
Denn was ich nicht ſehen kan /
Schau ich in gedancken an.
Mel.

Es iſt unmoͤglich / du muſt verliebt geweſen ſeyn / ſonſt waͤre das lied ſo hertzbrechend nicht heraus kommen.

Gil.

Jch bekenne meine unſchuld. Doch diß kan ich nicht laͤugnen / wann ich ein lied mache / ſo ſtelle ich mir zuvor allerhand ſachen fuͤr / dadurch der affect / den ich exprimiren ſoll / angelocket wird. Alſo bin ich bald luſtig / bald traurig / bald zornig / bald barmher - tzig / nachdem ich meine invention einrichte.

Fill.

Koͤmmſtu mir doch vor / wie die betruͤbten wittwer / die auswendig weinen und inwendig lachen.

Mel.300Uberfl. gedancken andere gattung
Mel.

Dieſes gleichnis ſchickt ſich gut auff ſolche lieder / dann unter tauſenden iſt kaum eines / da es der verfaſſer ſo meynt / als er ſchreibt.

Fill.

Waͤre das frauenzimmer nur klug / und glaub - te der falſchheit nicht.

Gil.

Ach wozu man luſt hat / das glaubt man gar zu leichtlich.

Fill.

Nun weiter in den text / was iſt diß vor eins?

Gil.

Jch kan es vor lachen kaum ſagen.

Mel.

Jſt es ſo wunderlich?

Gil.

Das wunder iſt ſo groß nicht darbey. Jch ha - be es im nahmen eines ſchlechten kerlen gemacht / der ſich in eine vornehme jungfer verliebt hatte / die lieber waͤre von Adel geweſen.

Mel.

Es verlohnt ſich der muͤh mit dem ſchlechten kerlen.

Gil.

Sieh bruder er war bey einem vornehmen manne famulus, da ich mich ſo wol der Bibliothec als anderer recommendation bedienen kunte. Nun haͤt - te ich ohne diß bey dem guten menſchen muͤſſen danck - bar ſeyn / ſo kam ich ohne unkoſten loß. Und darff man eine jungfer-magd reſpectiren / ſo wird ja eines groſſen mannes famulus eben ſo gut ſeyn.

Fill.

Wie kam denn der gute ſtuͤmper zur liebe?

Gil.

Armuth hilfft vor liebe nicht. Er kam und klagte mir ſeine groſſe hertzens-angſt / er wiſſe nicht wo er ſich laſſen ſolle; nun habe er zwar etliche zeichen einer guten Affection geſpuͤhret / alſo daß ſie auch vor - nehme compagnie verſchlagen / wenn ſie nur mit ihm reden koͤnnen; ja er duͤrffte ſo kuͤhne ſeyn und ſie du heiſſen: Doch moͤchte er in einem liede ſeine liebe voͤlligerklaͤ -301Erſtes Geſpraͤch.erklaͤhren / denn mit worten ſolche auszuſprechen waͤ - re unmoͤglich.

Mel.

Du haͤtteſt den kerl ſollen klug machen / ſo haſt du ihn naͤrriſcher gemacht.

Gil.

Haͤtte ich ihm widerſprochen / ſo waͤre er nicht ſo fleißig zu meinen dienſten geweſen.

Fill.

Nun wie heiſt denn endlich das halb-vorneh - me und halb ſchlechte lied?

Gil.

So heiſts / und zwar auf ſeine eigene melodey.

ALlerliebſtes Marilißgen
Gieb mir was ich wuͤnſchen kan /
Und nim ein gehorſam gruͤßgen
Von demſelben diener an /
Welcher nichts auf dieſer welt
Uber deine freundſchafft haͤlt.
2. Zwar ich ſolte wohl bedencken
Wer ich bin und wer du biſt /
Und mein hertz nach einer lencken /
Welche meines gleichen iſt:
Doch dein ſchoͤner tugend-ſchein
Heiſt mich ohne ſorgen ſeyn.
3. Denn wer ſich verliebt will machen /
Muß auf ſeines gleichen ſehn;
Doch in bloſſen freundſchaffts ſachen
Kan es auch alſo geſchehn /
Daß ein ſchlecht und vornehm kind
Sich zu gleicher gunſt verbindt.
4. Mach es wie die ſonnenſtrahlen /
Wenn ſie auf der blumen bahn
Lilgen und narciſſen mahlen /
Schaun ſie auch ein kleeblat an:
Drum laß mich / mein ſonnenſchein /
Dein302Uberfl. gedancken andere gattung
Dein geringes kleeblat ſeyn.
5. Wilſtu mich alſo erfreuen /
Goͤnſtu mir die fuͤſſe raſt /
Ach ſo wird dichs nicht gereuen
D du mich zum diener haſt;
Mir beliebt der tugend licht /
Und die falſchheit acht ich nicht.
6. Nun wolan ſoll ich erkennen /
Daß ich mich ohn unterlaß
Duͤrffte deinen diener nennen /
Seelgen ſo befiehl mir was /
Denn ich ſchwere dir allein
Daß ich fromm und treu will ſeyn.
Mel.

Der menſch hat ſich gewiß viel gewuſt mit dem liede.

Gil.

Das verſteht ſich / er wuſte vor freuden nicht wo er ſich laſſen ſolte.

Fill.

Aber wie hat er ſeinen luͤmmel anbracht.

Gil.

Jch muß die ſonderliche invention erzehlen. Er wird von ſeiner frau eben zu dieſer jungfer ge - ſchickt / welche etliche pfund maronen begehrt hatte. Solche ſteckt dieſer in den ſchiebſack / und als er die waaren bey ſeinem Marilißgen wieder auslegt / ſtellt er ſich / als waͤre das briffgen aus groſſem verſehn mit darunter kommen. Doch ſie reiſt es ihm aus der hand / und liſet die hertzlichen gedancken.

Fill.

Wie iſt er aber beſtanden?

Gil.

Darum laß ich mich unbekuͤmmert. Jch bin wie jener General / der ritte in der ſchlacht hinter den berg und ſagte: Jch habe ihnen zuſammen geholffen / ſie moͤgen ſehen wie ſie wieder von einander kommen.

Fill. 303Erſtes Geſpraͤch.
Fill.

Man wird ja an dem ausgange etwas geſpuͤ - ret haben.

Gil.

Er verderbte es hernach bey ſeinem Herrn / daß er fort muſte. Damit war es bey mir auch ver - derbt / daß ich mich ſeiner nicht mehr annahm.

Mel.

Du haſt es gemacht wie die mahler / die hal - ten die pinſel in ehren / ſo lange ſie zu gebrauchen ſind; wann ſie ſtumpff werden / werffen ſie ſolche zum fenſter hinaus.

Gil.

Man ſiehet wie es geht.

Fill.

Aber wer iſt dann das Marilißgen?

Gil.

Sie iſt Gleichviels tochter / Monſ. Toutuns ſtieff-ſchweſter.

Fill.

Jch kenne die ehrlichen leute nicht.

Mel.

Verſtehſt du den poſſen nicht? ſo fraget man die bauren aus. Laß dir es gleichviel ſeyn wer ſie iſt.

Fill.

Jch muß geſtehen ich war gefangen. Doch den ſchimpff laß ich mit einen feinen liedgen wieder gut machen.

Gil.

Biſtu ſo leicht zu der guͤte zu behandeln / ſo will ich ein feines ſuchen. Hier hab ich eines da ein braͤu - tigam von ſeiner liebſten ſcheiden muſte. Es iſt nach einer Frantzoͤſchen melodey geſetzt / und wer ſolche nicht weiß / dem koͤmmt es nicht halb ſo annehmlichen vor.

Fill.

Laß nur hoͤren / vielleicht iſt ſie mir bekant.

Gil.

Das Frantzoͤſche faͤngt ſich alſo an:

Vous m avez pris Divine par vos charmes.

AStraͤa biſtu wol mit mir zu frieden
Daß ich zuruͤcke reiſen kan /
Nachdem ich dir mein hertz allhier beſchieden
Und die verſicherung gethan /
Daß304Uberfl. gedancken andere gattung
Daß ich aus allen
Dir zu gefallen /
Keine will lieben als eben dich.
2. Aſtraͤa ſchaue nur auf mein geluͤcke
Dem ich noch immer folgen muß /
Daſſelbe locket mich ſo weit zuruͤcke
Und hemt den zuckerſuͤſſen ſchluß
Jch bleib indeſſen
Dein unvergeſſen
Edelſtes ſeelgen und denck an dich.
3. Die winde koͤnnen zwar den leib verjagen /
Doch die gedancken bleiben hier /
Die werden dir allzeit ins ohre ſagen:
Ach dein Adonis lebt in dir /
Der ungebrochen
Sich ſelbſt verſprochen /
Liebſte derhalben beſinne dich.
4. Wird ja der neid und haß mit wort und wercken
Uns mitler zeit entgegen gehn /
So wollen wir uns doch in hoffnung ſtaͤrcken
Und der verfolgung widerſtehn /
Biß unſre Sonne
Mit luſt und wonne
Scheinet vollkommen auff mich und dich.
5. Der himmel wird es ſchon mit ehſten fuͤgen /
Wofern du nur zufrieden biſt /
D wir uns beyderſeits alſo vergnuͤgen /
Gleichwie der wunſch geweſen iſt:
Jtzt hilfft kein klagen /
Nur laß mich ſagen:
Liebe mich Schoͤnſte / ſo lieb ich dich.
6. Das305Erſtes Geſpraͤch,
6. Das ſoll die loſung ſeyn / indem ich ſcheide
Ein uͤbrigs trauren hilfft nicht viel /
Weil ich in kurtzen dich mit groſſer freude
Geſund und froh umbfangen wil.
Du biſt mein leben
Bleib mir ergeben
Liebſte ſo leb ich vor mich und dich.
Fill.

Wo es der braͤutgam recht gemeint hat / ſo iſt es gut gnug gegeben.

Gil.

Da laß ich ihn darvor ſorgen.

Fill.

Aber er gehoͤrt auch in Gleichviels freund - ſchafft?

Gil.

Wie anders? und wem waͤre mitgedient / wenn ich die leuthe verrathen wolte / die ihre liebes-gedan - cken auff mein gewiſſen gebunden haben.

Mel.

Wir ſind mit der bloſſen auslegung zu frie - den. Nur diß befinde ich / der braͤutigam hat ſeine lieb - ſte an einen fremden orte geſucht / da er nach gehalte - nem verloͤbniß wieder fort gemuſt.

Gil.

Ja freylich geht es wunderlich zu / wenn eine jungfrau viel freyer hat / und ein fremder ſoll ſich un - ter den einheimiſchen herumb beiſſen.

Mel.

Es gehoͤrt ein bißgen courage / und denn ein bißgen patientia darzu.

Gil.

Du redeſt davon nicht anders als ein alter Practicus.

Fill.

Mich duͤnckt es judicirt ein Practicus von dem andern.

Gil.

Ey wir wollen nicht hoͤhniſch ſeyn. Hier hab ich ein ſchoͤn ſtuͤckgen auff einen braͤutigam / der an - derswo was liebers hatte / und doch gunſt und befoͤr - derung halben ſich mit einer unannehmlichen perſonUver -306Uberfl. gedancken andere gattungverſprechen muſte / das wird ſchoͤn auff das vorherge - hende kommen.

ACh du unverhoffte ſtunde!
Bringſtu nun den herben ſchluß /
Daß ich auſſen mit dem munde
Mich zu was verſprechen muß /
Da mein hertz in furcht und liſt
Weit davon entfernet iſt.
2. Steht es oben angeſchrieben?
Und befihlt der himmel wol /
Daß man ein gemuͤthe lieben
Und ein anders haſſen ſoll?
Oder iſt der ſuͤſſe ſtand
Nur ein bloſſer menſchen-tand?
3. Ach ich zweiffle daß von oben
Solcher zwang entſpringen kan.
Wenn die ſterne was verloben
Locken ſie die ſehnſucht an /
D die lieb in rath und that
Einen gleichen willen hat.
4. Aber hier wil man verbinden
Was ſich nicht zuſammen ſchickt /
Jch ſol eine luſt empfinden /
Welche mich im hertzen druͤckt:
Und das abſehn meiner treu
Jſt umſonſt und geht vorbey.
5. Was ich liebe ſol ich haſſen.
Was ich haſſe faͤllt mir zu /
Was ich halte ſol ich laſſen /
Mein verdruß ſoll meine ruh
Meine gunſt ſoll meine pein
Und mein todt mein leben ſeyn.
6. Doch307Erſtes Geſpraͤch
6. Doch was wil ich weiter ſagen
Nun es nicht zu aͤndern ſteht /
Und was ſol ich ferner klagen
Denn es geht ſchon wie es geht:
Hab ich ſelbſten keine ſchuld
Nun ſo leid ichs mit gedult.
7. Zwar wenn ich die luſt zu buͤſſen
Werde zu derſelben gehn /
Will ich mir die augen ſchlieſſen
Und in den gedancken ſtehn /
Daß dieſelbe / die mich kuͤſt /
Mein erwuͤnſchtes liebgen iſt.
Mel.

Wer die reſolution faſſen kan / der muß auch in gedancken wuchern koͤnnen / vor mich waͤr es nicht.

Gil.

Ach waͤreſtu an der ſtelle / du wuͤrdeſt dich troͤ - ſten muͤſſen / ſo gut als du koͤnteſt.

Fill.

Ja wohl muß es eine trfliche noth ſeyn / wenn man ſich wider willen / und wider alle inclination ver - lieben muß.

Gil.

Gleichwol iſt die gantze welt ſolcher exempel voll.

Mel.

Drum iſt es ſchade / daß ein ſolch troſt-lied nicht unter die leute koͤmmt.

Fill.

Wohl dem / der das vorgeſtrige junggeſellen - lied mit andacht ſinget / ſo wird er vielleicht dieſes tro - ſtes nicht beduͤrffen.

Mel.

Jch geſtehe es / ich haͤtte dem Gilanes die geiſtlichen gedancken nicht zugetraut.

Gil.

Bey den geiſtlichen bin ich geiſtlich / bey den weltlichen muß ich mich wider willen weltlich ſtellen.

Mel.

Jch habe davon gehoͤrt / es ſoll dir ſehr zuwi - der ſeyn.

U 2Fill.308Uberfl. gedancken andere gattung
Fill.

Die zeit iſt koͤſtlich / wollen wir nicht weiter an die lieder.

Gil.

Du muſt nicht zu geitzig ſeyn / ſonſt werden wir in einem abend fertig.

Fill.

Was frag ich nach deiner entſchuldigung / ich will ein lied haben.

Gil.

Wilſtu ein lied haben ſo ſolſtu auch eines habẽ.

Mel.

Die antwort iſt beſſer als des Wallenſtei - ners / da einer mit aller gewalt hencken wolte / ſagte er / man ſolte der beſtie nicht ſeinen willen thun / er ſolte leben.

Gil.

Wer weiß was ich thaͤte / wenn ich ein Gene - ral waͤre / doch da ich hab das lied. Es klagte mir ein guter freund / er habe ſich aus mangel der befoͤrderung mit einer alten wittfrau verlobet / darbey er nun zwar ein leidlich auskommen / doch groſſe beſchwerung und verdruͤßligkeit darneben haben werde. Da gedacht ich bey mir ſelbſt / was wirſtu wohl einmahl vor eine liebſte bekommen / und in ſolchen grillen ſchrieb ich fol - gendes auff:

ACh wenn ich doch mein kuͤnfftig weib
Jm ſpiegel ſehen ſolte /
Ob mir das gluͤcke vor dem leib
Was gutes goͤnnen wolte /
Und ob ich eine leichte buͤrde
Jn meiner heyrath finden wuͤrde.
2. Es kan wohl ſeyn in kurtzer friſt /
Daß ich ein kind erwiſche /
Das in dem bett ein taͤubgen iſt /
Ein engel an dem tiſche /
Und das mit ihren zarten lachen
Sich allzeit kan belieblich machen.
3. Drumb309Erſtes Geſpraͤch.
3. Drumb ſchau ich ſtets die jugend an /
Da ſuch ich mein ergetzen:
Jedoch die ſchlaue boßheit kan
Das alter offt erſetzen /
Daß wir ein kind an leibes-gaben /
An ſitten alte weiber haben.
4. Zwar dieſes iſt wohl eh geſchehn /
Daß wir zu unſerm frommen /
Die maͤnner gerne ſterben ſehn /
Daß wir die frau bekommen /
Und ob ſie gleich im kalten bette /
Nichts mehr als haut und knochen haͤtte.
5. Wo wir nur halbicht unterhalt
Und gute mittel finden /
Da laſſen wir uns alſobald
Mit ſehnden augen binden /
Und machen guter tage wegen /
Uns einen ſauren abendſegen.
6. Da gehn wir um die mutter rumm
Und klopffen ſie in nacken /
Und wolten gern ihr eigenthum
Bald hier / bald dort bezwacken /
Da ſoll ſie uns die beſten ſachen
Jm teſtament allein vermachen.
7. Und alſo faͤllt ein junger mann
Allmaͤhlich ins verderben /
Er blickt zwar manches maͤdgen an /
Doch dieſe will nicht ſterben /
Und ſtirbt ſie gleich in zwantzig jahren /
So iſt die zeit auch weggefahren.
8. Wer weiß wie mir mein gluͤcke bluͤht /
Jtzt hilfft mich doch kein ſorgen /
U 3Jch310Uberfl. gedancken andere gattung
Jch will dem himmel / der es ſieht /
Mein theil ſo lange borgen.
Jch mag mich gut und boͤſe paaren /
So werd ichs zeit genung erfahren.
Mel.

Der letzte vers iſt gut. Wol dem der ſeines gluͤckes erwarten kan. Da wil mancher auß der hand oder aus der naſe wahrſagen laſſen / wie es ihm kuͤnftig gehen werde. Und doch ſteht ihm was gutes vor / ſo ſchmeckt es unverhofft am beſten: Hat er aber was uͤbels zubeſorgen / ſo iſt es zeit genung / daß man es fuͤhlt / wenn es wuͤrcklich da iſt / man darf ſich nicht vor - her betruͤben.

Gil.

Es iſt gar recht / man verderbt mit ſolchen grillen nur ſein leben / und das ſchlimſte iſt / daß die meiſten gaͤnſe-prophezeyungen / Plattdeutſch zu reden / erlogen ſind.

Fill.

Es iſt alles wahr. Doch bruder du zielſt ge - wiß auff eine bekandte perſon.

Gil.

Jch wolte nicht viel geld nehmen / und wolte das thun.

Fill.

Du biſt ſonſt einer von den furchtſamen.

Gil.

Hier muß ich furchtſam ſeyn.

Fill.

Jch ſehe keine urſache.

Gil.

Dencke bruder / wie viel dergleichen leute in der welt leben. Wenn ich nun einen allein meinte / wie wuͤrde ich gegen den andern beſtehen / daß ich ſie - bergangen haͤtte. Sie nehmen es vor eine hauptſaͤch - liche verachtung an.

Mel.

Deſſentwegen wolte ich mich keines injurien - proceſſes beſorgen.

Gil.

Jch kan es auch in meinem gewiſſen nicht ver - antworten / es iſt einer ſo gut als der andre.

Fill.311Erſtes Gefpraͤch.
Fill.

Was wollen wir thun / ich ſehe wol es ſind alle lieder auff Gleichvieln gemacht.

Gil.

Bruder / es ſind generalia, ſieht einer ein exem - pel / ſo nehme er die kleine muͤh auff ſich und mache die application.

Fill.

Jch bedancke mich vor die gute erinnerung.

Mel.

Wir halten den bruder zu lange auf / es wird zeit ſeyn / daß wir gehen.

Gil.

Es wird zeit ſeyn / daß ſie noch ein bißgen hier bleiben. Monſ. Melintes / er beliebe eins zu trincken.

Mel.

Wenn er ſich dergleichen ungelegenheit un - ſertwegen zuziehen will / werden wir uns ſchaͤmen / un - ſere lieder-geſpraͤche fortzuſetzen.

Gil.

Sie fuͤrchten ſich nicht / der wein ſteht nur zum bloſſen anſehen hier / unterdeſſen habe ich ſie mit wor - ten gefuͤllt.

Mel.

Die ſind uns gleich ſo angenehm. Monſ. Fillidor / einen angenehmen trunck auff Gleichviels ge - ſundheit.

Fill.

Jch bedancke mich / ich will dem ehrlichen man - ne ſeine geſundheit nicht lang ſchuldig bleiben / doch noch ein liedgen oder ſonſt was feines zu guter nacht.

Gil.

Da habt ihr etliche verſe / welche zu einer a - bend-muſick gebraucht worden / eben in dem jahre / da Suſanna auf faſtnacht fiel. Da ward an einem Sußgen-verloͤbnis von einem andern guten freunde dieſes uͤbergeben.

MEin bruder / iſt dieſes die ruͤhmliche tugend /
Jſt diß die angenehme braut /
Jſt dieſes die liebe der ehrlichen jugend /
Die ſich und dich verliebet ſchaut?
So faſſen die ſtricke
U 4Der312Uberfluͤſſiger gedancken andere gattung
Der lieblichen blicke /
Durch freundliches ſchertzen /
Die munteren hertzen /
Mit ſolcher krafft und wirckung an /
Die ſchmertzen und wieder befriedigen kan.
2. Jch fuͤhre noch ferner mein einſames leben
Und weiß von keiner liebes-glut /
Dir aber wird itzo zu koſten gegeben /
Wie ſanfft das keuſche feuer thut.
Dein ſuͤſſes verlangen
Das kanſtu umbfangen
Und freundlich umbſchrencken:
Jch aber muß dencken /
Wer weiß wo die verborgen liegt /
Die kuͤnfftig auch meine gedancken vergnuͤgt.
3. Jch dachte ja neulich ein Roͤßgen zu brechen /
Ein guter freund der kam mir vor:
Jedennoch begehrt ich kein woͤrtgen zu ſprechen /
Als ich die hoffnung gantz verlohr.
Mein hertze gedachte /
Der himmel der machte
Den rathſchluß dort oben /
Den muͤſſe man loben:
Darzu es iſt ein guter freund /
Den dieſe gewuͤnſchete Sonne beſcheint.
4. Jch goͤnne den freunden das gluͤcke viel lieber
Zum minſten doch ſo lieb als mir:
Drum freuet ſich eben mein hertze daruͤber
Und wuͤnſchet gluͤcke zu der zier /
Die deine gedancken
Ohn eintziges wancken
Zur liebe bewogen
Und313Erſtes Geſpraͤch.
Und an ſich gezogen /
Dein gluͤcke ſey ſo gut es ſey /
Jch bleibe dir ferner wie ſonſten getreu.
5. Mein bruder / was haſtu nun weiter zu ſorgen /
Der anfang iſt nunmehr gemacht /
Jndeſſen erwarte gedultig den morgen /
Da deine luſt vollkommen lacht.
Jtzt bleibet beyſammen
Und nehret die flammen
Der guͤnſtigen hertzen /
Durch kuͤſſen und ſchertzen.
Hernachmahls thut was euch beliebt /
Wenn euere ſtunde gelegenheit giebt.
6. Die Sußgen die muͤſſen ſich heuer verlieben /
Jhr nahmen faͤllt an faſtnacht ein:
Drum haſtu dich billich derſelben verſchrieben /
Die gleiches nahmens ſolte ſeyn.
Der Hoͤchſte der ſchicke
Das beſte geluͤcke /
Und laſſe den ſegen
Sich uͤber euch legen:
GOtt der ſey euer auffenthalt /
So werdet in ſuͤſſer zufriedenheit alt.
Mel.

Und hieran wil ich eine freundliche gute nacht hencken.

Gil.

Beliebet ihnen nicht zu verziehen?

Mel.

Morgen / wills GOtt / iſt auch ein tag da man gerne was luſtigs hoͤrt. Unterdeſſen ſchoͤnen danck vor die communicirten Uberfluͤſſige Gedancken.

Fill.

Jch bedancke mich gleichfalls zum ſchoͤnſten.

Gil.

Es bedarff keines danckens. Sie ſprechen nach ihrem gefallen wieder ein.

u 5Fill.314Uberfl. gedancken andere gattung
Fill.

Es waͤre unhoͤfflich / dich allzeit auf der ſtube zu moleſtiren / wir wollen morgen bey mir zuſammen kommen.

Gil.

Jch bin zufrieden: nur daß die compagnie nicht weitlaͤufftiger wird. Was ich ihnen vertraue / das darff nicht ein jedweder wiſſen.

Fill.

Gar gut / und hiermit eine geruhige nacht.

Das andere Geſpraͤch.

Fill.

Sieh da / Monſ. Gilanes / woher ſo langſam?

Gil.

Und ich befuͤrchte mich / ſie wuͤrden fragen wo - her ſo zeitlich? Jch ſtelle mich gleichfalls ein ohne complimenten.

Fill.

Da thuſtu gar recht / ich dachte ſchon / du wuͤr - deſt dich an einen beſſern ort gemacht haben.

Gil.

Wo ſolte ich einen beſſern ort antreffen / da ich mit ſo einen paar guten freunden converſiren koͤnte.

Mel.

Wir nehmen es zu danck an / daß du ſo guͤtig von uns urtheileſt.

Fill.

Doch wie ſtehts / haſtu auch feine liedeꝛgen mit?

Gil.

Jch weiß nicht was in den alten briefen ſte - cken wird / wir muͤſſen darnach ſehen.

Fill.

Was iſt diß?

Gil.

Es iſt ein lied / das zwar eine ernſthafftige me - lodey / aber doch einen ſehr hoͤniſchen text hat / es iſt auf einen gericht / der in 8 wochen faſt durch die gantze welt gereiſt war / und zwar mit ſolchem nutze / daß er beyna - he ſeine frau mutter-ſprache darbey vergeſſen.

Fill.

Es wird ſo gemacht ſeyn / daß man es auf viel zugleich appliciren kan.

Gil.

Die materie iſt nicht darwider.

Jhr315Anderes Geſpraͤch.
JHr leute / die ihr auff den reiſen
Euch muͤſſet tag und nacht bemuͤhn /
Durch hitz und froſt / durch eiß und eiſen
Dem tode faſt entgegen ziehn;
Ach kommt und macht es auch ſo ſchoͤne
Gleichwie die zarten mutter-ſoͤhne.
2. Sie liegen bey der lieben mutter
Auff einer weichen baͤren-haut /
Und wachſen fort in vollem futter /
Wie haus-laub oder knaben-kraut /
Biß nur das alter will vergoͤnnen /
Daß ſie ein weib bedienen koͤnnen.
3. Jm Sommer ſind ſie wohl berathen /
So lang ein ſchatten kuͤhlen kan /
Jm Winter geht das apffel-braten
Am warmen ofen wieder an /
Da ſchwatzt die mutter bey dem lichte
Die alten fabeln und geſchichte.
4. Gedenckt ja einer an das wandern /
So reiſt er als ein ochſen-ſchwantz /
Von einem backen auff den andern /
Nach dieſem iſt die reiſe gantz /
Und muß die mutter ſich beqvemen /
Den fremden herren anzunehmen.
5. Es reiſen offtmahls ſolche bruͤder /
Wenn ihre mutter pflantzen ſaͤet /
Und kommen mit verwundern wieder /
Weil noch das kraut im felde ſteht:
Da wollen ſie die magd nicht kennen /
Und koͤnnen kaum die katze nennen.
6. Da ſagen dieſe fincken-reuter /
Sie haͤtten warlich ſtets vermeynt /
Die316Uberfl. gedancken andere gattung
Die welt die waͤre nicht viel weiter
Als wie ſie in der mappe ſcheint /
Nun blieben ſie ſo weit dahinden /
Und koͤnten nicht das ende finden.
7. Die mutter hoͤrt mit angſt und ſchmertzen
Der groſſen welt-beſchreibung zu /
Und ſaget / ach ihr lieben hertzen /
Verſtoͤret ja nicht eure ruh /
Denn / wollt ihr nicht zu hauſe ſpeiſen /
Koͤnnt ihr zu pate Micheln reiſen.
8. Der wohnet drauſſen auff dem lande /
Darzu beduͤrfft ihr einen tag /
Und hab ich allzeit was zu pfande /
Auff daß ich mit dem ſeigerſchlag
Euch voller freude / troſt und ehre /
Vor meinem fenſter kommen hoͤre.
9. Derhalben die ihr auff den reiſen
Euch muͤſſet tag und nacht bemuͤhn /
Durch hitz und froſt / durch eyß und eiſen
Dem tode faſt entgegen ziehn;
Ach kommt und macht es auch ſo ſchoͤne /
Gleichwie die zarten mutter-ſoͤhne.
Fill.

Du haſt ſie gut bedacht. Aber wenn einmahl ſo ein mutter-ſohn kaͤme / und gaͤbe dir den lohn dafuͤr.

Gil.

Habe ich ſonſt keine noth / vor dieſer will ich wol ſicher ſeyn. Denn die leute ſuchen ſelten ihre be - liebung in einem buche / und alſo iſt es nicht wol moͤg - lich / daß ſie es erfahren.

Mel.

Wem zu gefallen haſtu es aber geſchrieben?

Gil.

Denen andern die ſich noch nicht auff die baͤ - renhaut geleget haben. Und uͤber diß haben die ſtu - ben-bruͤtlinge ſonſt keine noth / wenn ſie nun nicht einwenig317Anderes Geſpraͤch.wenig durch gezogen wuͤrden / ſo haͤtte es das anſehen / als lebten ſie gar in den paradieße.

Mel.

Wol dem / der ſich allzeit entſchuldigen kan.

Fill.

Haͤtteſtu aber davor ein carmen geſchrieben / wie ſich einer auf der reyſe recht und gebuͤhrlich ver - halten ſolte.

Gil.

Jch werde dergleichen hier haben / wo ich es nur finden kan. Doch wird es etwas kurtz gegeben ſeyn:

Mel.

Wer fragt nach der kuͤrtze / weñ es nur gut iſt.

Gil.

Hier hab ichs.

DJe lufft veraͤndert nichts / die klugheit muß in reiſen
Compaß und ruder ſeyn / ſie muß den anfurt weiſen /
Sie muß die rechnung thun / und welcher das vergiſt /
Der koͤmmet wieder heim wie er geweſen iſt.
Es iſt ein ſchlechtes werck ſich etwas tieffer buͤcken /
Der alten ſprache brauch mit neuen woͤrtern ſticken /
Jn fremb der kleidung gehn: und wer ſich in der welt
Um ſonſten nichs bemuͤht / verſpielet zeit und geld.
Wem iſt damit gedient / und wenn man haar-klein wuͤſte /
Wie ſcharff ein ander trinckt / wie mancher ſeine luͤſte /
Mit boͤſem waſſer loͤſcht / wie einer ſchertzt und ſpielt /
Wie jener ſpringt und tantzt / wie dieſer raubt und ſtielt.
Es iſt nur eitelkeit / man hoͤrt von ſolchen dingen /
Und lernt ſie endlich ſelbſt in die gewohnheit bringen
So daß ein ſolcher menſch viel groͤſſer unheil ſtifft
Als welcher einen brunn verderbet und vergifft.
Ein kluges kauffmans-ſchiff koͤmmt nimmermehr gefahren /
Und ſucht Arabien um liederliche waaren:
Das gold wird außgeſucht / der weirauch zugericht /
Die myrrhen eingepackt: den ſand begehrt man nicht.
Wolan du junges volck! weil ihr von eurem leben
Dem hohen alter ſollt einmahl die zinſe geben.
So reiſet mit vernunfft / und nehmet diß in acht /
Was von der klugheit kom̃t / uñ euch zu menſchen macht.
Mel. 318Uberfl. gedancken andere gattung
Mel.

Es koͤnte nicht ſchaden wenn es etwas weiter waͤre außgefuͤhrt worden.

Gil.

Jch bin deiner meinung. Aber dazu ichs ge - braucht habe / da duͤnckt mich iſt es lang genung geweſẽ.

Fill.

Es iſt aber die klare warheit / daß mancher aus Jtalien nichts mit bringt / als etliche Gotteslaͤſter - liche fluͤche / und aus Franckreich etliche liederliche ge - berden.

Mel.

Wenn ſie nur an ihꝛem geſundem leibe nichts einbuͤſſen.

Fill.

Ein jedweder iſt der ſchmidt ſeines politiſchen gluͤckes. Doch das verdreuſt mich / daß / wenn die Spanier mit ihrem ſtehlen / die Jtaliaͤner mit ihrer rachgier / die Frantzoſen mit ihrer unzucht / andere mit etwas anders auffgezogen werden / wir Deutſchen al - lezeit mit unſerm ſauffen herhalten muͤſſen / gleich als ob die andern voͤlcker den wein verſchoneten.

Mel.

Es iſt gnung / daß wir nichts ermangeln laſ - ſen / was zu erhaltung unſers ruhms dient.

Fill.

Die andern ſind in gleicher verdamnis.

Gil.

Verzieht ein wenig / ich beſinne mich auff ein Sonnet / welches ich vor etlicher zeit auf eben dieſe ma - terie geſetzt / ich will es bald finden.

Sonnet.
WO iſt daſſelbe land / das gar kein laſter kennt /
Der Deutſche ſaͤuft zuviel / und laͤſt ſich leicht betꝛuͤgen /
Der ſtoltze Spanier muß ſtehlen oder luͤgen /
Der Welſche kennt ſich nicht wenn er vor eifer brennt /
Der leichte Frantzman iſt durch eitelkeit verblendt /
Der Pohle liebt die pracht und muß wohl ſelber pfluͤgen /
Der rauhe Tuͤrck iſt falſch und grauſam in den kriegen /
Jn Engelland iſt leicht der gottes-dienſt getrennt.
Derhalben ziehe ſich ein ieder bey der