PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Zwey Brieffe welche der Frantzoͤſiſche Miniſter MARQVIS de MONTI vor ſeiner Arretirung an den Rußl. Kayſerl. Hn. Gen. Feld-Marſchall Graffen von MÜNNICH abgelaſſen. Nebſt einem Schreiben an einen guten Freund, Jn welchem die Frage eroͤrtert wird: Ob es wider das Voͤlcker-Recht, daß der Rußl. General-Feld-Marſchall Herr Graf von MÜNNICH den Hrn / Marquiſ Monti arretiren laſſen?
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Der Erſte Brieff.

Mein Herr!

Die Herren des Magiſtrats zu Dantzig haben mir ſogleich ein Schreiben Communici ret, welches Ew. Excellence an dieſelben ab gelaſſen, und darinnen Sie meine Ausliefferung verlan - gen. Es betruͤbt mich ihrenthalben, mein Herr, da ich ſehe, wie es mehr als zu wahr, was mir bisher verſchiedene Perſohnen hinterbracht haben, daß nemlich Ew. Exell. meine Ausliefferung verlangen, umb mich gefangen zu nehmen. Jch geſtehe daß ich dafuͤr gehalten, wie dergleichen Reden nicht ſo wol von denenjenigen, welchen es um die Reputation Ew. Excell. zu thun, als vielmehr von Deroſelben Feinden ausgeſprenget worden, da wir zumahl uns beyde einander alle Hoͤflichkeit bisher erzeiget, welche ſonſt zwi - ſchen Miniſtern und Generals Perſohnen derer vornehmſten Prin - tzen gewoͤhnlich ſind. Jch konte nicht glauben, daß eine Perſon wie Ew. Excell. ein Miniſtre und General eines ſo weitlaͤuftigen Reichs und einer ſo groſſen Printzeßin nicht wiſſen ſolte, was der hobe Character auf ſich habe, welchen zu tragen ich die Ehre habe, und der ſowol in den alten als neuern Zeiten auch bey den allerbar - barſten Voͤlckern heilig gehalten worden. Jch will Ew. Excell. die Rechte eines Ambaſſadeurs nicht weitlaͤnfftig beſchreiben, weil ich glaube, daß Denenſelben ſolche bekannt ſind, und keiner auf der Welt, von dem Vornehmſten bis zu dem Gringſten, zu finden, der ſolche nicht wiſſen ſolte. Es wuͤrde mich nicht wenig kraͤncken, wenn die Herrn des Dantziger Magiſtrats nebſt denen Ordnun - gen der Stadt, welche die hohen Vorzuͤge meines Characters wohl erkennen, zugaͤben, daß meinetwegen auch nur noch ein Schuß ge - ſchehe. Sie haben uns faſt 5 Monat die Beſchwerde einer Bloquade u. Belagerung ausſtehen laſſen, u. ich wil nicht, daß der Regard, den ſie fuͤr meine Perſon auſſer Zweifel haben wuͤrden, ſelbige vermehre Ob ich gleich verſichert bin, daß ihre Aufrichtigkeit nim̃ermehr in meine Ausliefferung willigen wuͤrde, wenn gleich die Stadt ſich der Ca -a 2pitulation4pitulation wegen vergleichen doͤrfte; ſo bedarf es doch nicht, daß man derſelben etwas von meiner Perſon einverleibe. Jch wil mich nebſt allen meinen Bedienten und Equipage in Ew. Excell. Lager einfin - den, und bin bereit, alles Ungluͤck, ſo man mir zugedacht, auszuſte - hen. Nichts wird mir ruͤhmlicher ſeyn, als wofern man mich daſelbſt uͤbel tractir en wird, ſo lange bis die Beſchwerden, welche alle Sou - verainen, denen an der Erhaltung derer Rechte ihrer Miniſtres ge - legen iſt, und die Klagen der gantzen Welt fuͤr Dero Allerdurchl - Principalin kommen werden, und ich bin verſichert, daß Dieſelben nach der Jhnen beywohnenden vollkommenen Erkaͤntniß derer Vorzuͤge derer Miniſters von meinem Character meine Umſtaͤnde nicht aber die Ew. Excell. ertheilte Ordre aͤndern werde / weil es un - moͤglich, daß Ew. Excell. dergleichen Ordre ſolte empfangen haben. Jch gebe es gerne zu, daß dasjenige, was ſich ſeit 3 Tagen begeben hat, Ew. Excell. nicht wenig Verdruß verurſachen muß, allein, ich kan nicht dafuͤr; keiner als ich und meine Bedienten haben Theil daran, und alle Haͤrte, ſo mein Herr deßhalb gegen die Pohlen und Stadt Dantzig gebrauchen werden, ſind ungerecht. Jch erſuche Ew. Excell. mir eine baldige Antwort zu ertheilen, damit ich Anſtalt machen koͤnne, mich zu ihnen hinaus zuverfuͤgen, wenn es mit der Capitulation zum Stande gekom̃en. Jch halte fuͤr gut, dieſem einige Anmerckungen uͤber die gegenwaͤrtige Angelegenheit beyzufuͤgen, welche vielleicht Ew. Excell. bishero nicht ſind vorgeſtellet worden: 1) Es iſt bishero noch nicht der Krieg zwiſchen Franckreich und Rußland angekuͤndiget worden. 2) Wenn auch gleich die Kriegs - Declaration wuͤrcklich erfolgt, ſo iſt es doch Herkommens, daß man denen Miniſtern, welche ſich an deuen im Krieg mitverwickelten Hoͤfen aufhalten, Paſſeports ertheile, um ſelbige Lande zu verlaſſen. Noch vielmehr iſt man mir ſolches ſchuldig, da ich mich in einer zu der Republic Pohlen gehoͤrigen Stadt befinde, gedachte Republic auch waͤhrenden Ruheſtandes ſowol, als der verſtorbene Koͤnig und alle Miniſtres derer Prntzen, welche wider Franckreich im Kriege begriffen ſind, nach dem Tode des Koͤniges Auguſti mich in derQualit aͤt5Qualit aͤt erkandt haben, mit welchem letztern ich tracti ret, und nie - mahls meinen Character in die Haͤnde meines Koͤniges zuruͤck ge - geben, noch auch ein neues Creditiv erhalten habe. 3) Meine Arre - ſtir ung wuͤrde dem Voͤlcker-Rechte zuwider lauffen, welches doch uͤberall Reſpecti ret wird, und niemand verletzen wil, weil derer Sou - verain en Intereſſe darunter verſi ret, und nicht allein Dero Ambas - ſadeurs, ſondern auch alles, was ihnen zugehoͤret, als heilig ange - ſehen wird. 4) Jch habe das Amt eines Ambaſſadeurs nie uͤber - ſchritten, noch wider die Rußiſchen Trouppen und ihre Alliirt en die Waffen ergriffen, ſondern mich allein in den Schrancken enthalten, daß ich meiner Inſtruction gefolget. 5) Als ich den 22. Sept. War - ſchan verlaſſen, habe ich das Wapen meines Koͤniges uͤber meinen Pallaſt daſelbſt ſtehen, und alle meine Meubles und Equipage dar - innen gelaſſen. Der Kayſerl. Herr Geſandte, der Ober-Stall Meiſter, Graff von Loewenwalde, und der Graff ſein Herr Bru - der, als bevollmaͤchtigter Miniſtre von Rußland, da ſie meine vor - habende Reiſe erfahren, erſuchten den Engliſchen Envoyé, Herrn Woodward, und den Kayſerl. Reſident en Herrn Kinner, ſich zu mir zuverfuͤgen, und mir von ihnen zu melden, daß ich nicht die geringſte Sorge weder wegen meiner Bedienten, noch des Pallaſts und darinnen befindlicher Meublen und Equipage haben duͤrfte / indem alles ſorgfaͤltig verwahret werden ſolte, da wir auch bisher ſo ver - traut mit einander umgegaugen, welches alles ſie auch mit einer unausſprechlichen Hoͤfflichket beobachtet haben. Und wiewol ich ſeit einigen Monathen keine Nachricht daher erhalten, ſo zweifle doch nicht, daß dem allen nachgelebet ſeyn werde. Der Engliſche Envoyé, Herr Woodward, nebſt dem Hollaͤndiſchen Miniſtre Herrn Rumpff, ſagten mir, daß, wofern waͤhrender meiner Abweſenheit wider meinen Pallaſt und Bediente etwas ſolte| vorgenommen werden, ſie ſich demſelben frey widerſetzen, und das Voͤlcker-Recht behaupten wuͤrden Der Kayſerl. Reſident Hr. Kinner fuͤgte hinzu / daß meine Bedienten ſich nur bey ihm melden ſolten, weil in dergleichen Umſtaͤn - den alle Miniſter einer dem andern beyſtehen muͤſten. Hat man nun / wiea 3billig6billig ſo viel Regard fuͤr meine Bedienten und Equipage gehabt / was ſoll ich mir denn nicht fuͤr meine Perſohn verſprechen / obgleich der Herr General-Feld-Marr - ſchall Graff von Muͤnnich mich in ſeinem Schreiben bloß als Marquis de Monti tra - cti ret / ohne dabey auff meinen Character eines Ambaſſadeurs zu ſehen. Ewr Excell. &c.

MARQUIS de MONTI.

Der Andre Brieff.

Mein Herr!

Es hat mich aͤuſſerſt wunder genommen / daß Ew. Excell. auf mein Schreiben nicht geantwortet; doch davon iſt weiter nichts zu gedencken. Die Herrn des Magiſtrats haben mir heute eine Paſſage aus dem Schreiben communici ret / ſo Ew. Excell. an dieſelben abgehen laſſen und mich betrifft. Jch bleibe noch dabey / was ich in meinem vorigen gemeldt / daß ich nicht zugeben werde / daß man um meinet - willen auch nur noch einmahl auf die Stadt Feuer gebe. Jch habe mir vorgedachte Paſſage aus dem Deutſchen ins Frantzoͤſiſche uͤberſetzen laſſen. Jch weiß aber nicht / ob es recht uͤberſetzet worden / der Jnhalt lautet alſo: Der Marquis de Monti. ehe - mahliger Ambaſſadeur von Franckreich / der ſich noch in die Stadt befindet / ſoll mor - gen gegen Abend anhero der Rußiſchen Armêe ausgelieffert werden / nebſt allen Perſohnen / ſo ſich bey ihm befinden / allen Bedienten und Brieffſchafften / wofern man anders die Ungnade Jhro Rußl. Kaͤyſerl. Majeſt. vermeiden wil. Solte aber der Dantziger Magiſtrat nicht darein willigen / gedachten Marquis de Monti freywil - lig auszulieffern / ſo wird man denſelben durch ein Detachement von der Rußl. Armee abholen laſſen &c. Jch Proteſti re vor allen Printzen von Europa wider die Gewalt / ſo man meinem Character anthut. Zugleich mache ich mich fertig / morgen Abends von hier abzureiſen / nebſt allen meinen Bedienten und Equipage. damit die Stadt nicht noch mehr leiden duͤrffe / weil ſie derſelben bedrohen / die bisherige Feindſeelig - keiten fortzuſetzen / ſie zu bombardi ren / und weiter von keinen Friedens-Vorſchlaͤgen zu hoͤren / dafern ſie mich nicht auslieffert. Ew. Excell. werden mir das Thor anzeigen laſſen / durch welches ich meine Reiſe antretten / und was ich fuͤr einen Weg nehmen ſoll, mir auch dabey einen Paſſeport ſchicken. Jch gebe Jhnen nur noch zu uͤberlegen anheim / daß es mir nicht moͤglich iſt / meine Equipage auf einmahl herauszubringen. Wenn mein Herr dazu noch 1 oder 2 Tage daruͤber willigen wolle / ſo wird es mir angenehm ſeyn / wonicht / ſo koͤnnen ſie es machen / wie ſie wollen. Jch habe die Ehre zu ſeyn

Ewr. Excellence &c. MARQUIS de MONTI.

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Eroͤrterung der Frage: Ob Des Hrn. Marquis de Monti Arretirung wider das Voͤlcker-Recht ſey.

Monſieur!

Jch bin nicht einerley Meynung mit Jhnen, was die Arretir ung des Marquis Monti an - betrift. Die Perſon, ſo er nach des Koͤnigs Auguſti II. Glorwuͤrdigſten Andenckens, Tod in Pohlen geſpielet, iſt ſo zweydeutig geweſen, als der Ausgang ihn ſelbſt be - ſtuͤrtzt gemacht. Da er ſich bald als einen Gevollmaͤchtigten von Stanislao, bald als deſſen vertrauteſten Miniſtre, bald als ei - nen Krieges-Held und Frantzoͤſiſchen General aufgefuͤhret, ſo ſoll zuletzt der Caracter eines Geſandten von Franckreich alles zude - cken. Wenn ſie aber unpartheyiſch das Verfahren des Rußt - ſchen Herrn General - Feld-Marſchalls anſehen, werden Sie fin - den, daß dem Voͤlcker-Recht nichts zu nahe getreten worden, wobey ich nur nachfolgende drey Urſachen zu uͤberlegen geben will:

1.) Daß der Hr. Marquis Monti den Caracter eines Ambaſſc - deur wn Franckreich bisher nicht mehr gehabt, oder 2.) doch den - ſelbengaͤntzlich uͤberſchritten, und allenfals 3.) derſelbe gegen die Kayerin von Rußland Jhm nicht zuſtatten kommt.

Die8

Die Rechte und Vorzuͤge der Geſandten gruͤnden ſich nicht allein auf die Commisſion deſſen, der ſie ſchicket, ſondern auch auf die Agnition des Printzen, oder des Staats, an welchen Sie ge - ſchickt werden: wie unter andern aus der Sorgfalt abzunehmen welche bey einen oͤffentlichen Congreſs in Ausfertigung der Paſſe - ports beobachtet wird. Daher auch ſo viel Exempel verhanden, von Miniſtres, die an denen Hoͤfen, an welche ſie geſchicket, nicht admittir et worden, und folglich die wuͤrckliche und voͤllige Qua - lité eines Geſandten nicht erlanget. Alſo verſagte Kayſer Carl der V. denen Frantzoͤſiſchen Geſandten, die auf den Reichs - Tag nach Speir kommen wolten, die noͤthigen Paſſeports. Als im vorigen Seculo Portugal ſich der Spaniſchen Herrſchafft ent - riſſen, und der Roͤmiſche Hof die Geſandten des neuen Koͤniges nicht dafuͤr erkennete, wolte der Koͤnig auch keinen Paͤpſtlichen Miniſtre an ſeinem Hofe leiden. Daraus folget ferner, daß, wie der caracter eines Geſandten mit dem Tod des Principals, der Jhn abgeſchicket, erloͤſchet, ſeine Function auch aufhoͤren muß, wenn der Printz, an welchen Er geſendet worden, verſtirbet(a)Wicqueeort Lib. 1. Sect. 30. Il eſt certain que les memes cauſes qui font ceſſer l - pouvoir dans les particuliers, font auſſi expirer la commiſſion d un Miniſtre danſs les affaires publiques. Le pouvoir l Ambaſſadeur ceſſe lors que le Prince, qui l’employe, n’eſt plus en etat d agir, ou que celui aupres du quel il eſt employe, n’eſt plusetat d, faire negocier avec lui: C oſt a dire, par la mort de l un, on de l autre. , gleichwie die Buͤndniſſe, wenn ſie nicht mit der Nation ſelbſt er - richtet worden, mit dem Tod derer Printzen, die ſie geſchloſſen, aufhoͤren. Auf ſolche Art hat die Vollmacht des Herrn Mar - quis Monti, die Er als Ambaſſadeur von Franckreich an den Koͤ - nig von Pohlen gehabt, und darauf ſich ſein caracter gegruͤn - det, bey dem Abſterben Jhro Maj. des Koͤnigs Auguſti II. auf - gehoͤret. In publico iſt nicht bekant, wie weit er bey der Repl. Pohlen accredir et geweſen; immaſſen waͤhrender Zeit, daß Erſich9ſich am Polniſchen Hofe befunden, kein Reichs-Tag zu Stande gekommen, auf welchen Er, nach Gewohnheit des Pohlniſchen Reichs, ſeine Anrede an die Staͤnde thun, ſein Creditiv uͤberge - ben, und alſo die Qualité eines an die Republique bevollmaͤch - tigten Bothſchaffters wuͤrcklich erlangen moͤgen. Eben ſo wenig iſt bekandt worden, daß Er nach hoͤchſtgedachten Koͤ - nigs Auguſti Tod bey der Republique abſonderlich, auf gehoͤrige Art, bevollmaͤchtiget; als es vielmehr Weltkuͤndig iſt, daß Er ſich nicht zur geſammten Reſpublique gehalten, ſondern nur eine Faction errichtet, von welcher Er ſelbſt gleichſam das Leben ge - weſen: daß Er eine Perſon ins Reich gefuͤhret, und der Nation zum Koͤnige aufdringen wollen, welche fuͤrlaͤngſt, und zu meh - rern mahlen, durch die verbindlichſten Reichs-Geſetze fuͤr einen Feind des Vaterlandes erklaͤret worden. Der Herr Marquis Monti wird ſich noch wohl erinnern, was Er ſelbſt in Warſchau fuͤr eine Erklaͤhrung gethan, als der Primas durch ein praetendir - tes Decret vom 9. Julii, ſich gegen die Saͤchßiſchen Plenipotentia - rios auf eine unerhoͤrte Art vergangen, und der Paͤbſtliche Nun - tius, ſammt denen andern fremden Miniſtres, mit denen Saͤch - ſiſchen Cauſam communem machten. Der Herr Marquis entſchul - digte ſich damals beyzutreten, weil Er zugleich Plenipotentiarius von Stanislao ſey.

Die Freyheit und Sicherheit, derer ſich die Geſandten insge - mein zu erfreuen haben, hat ihren erſten Urſprung aus der Præſumtion, daß ſie Bothen des Friedens, und Unterhaͤndler eines guten Vernehmens ſind. Darzu kommt der Caracter repræſentatitius, vermoͤge deſſen ſie, in gewiſſer Maſſe, die Per - ſon ihrer Principalen fuͤrſtellen, und dem die Hoͤflichkeit der Voͤlcker ſo viele beſondere Vorzuͤge, und ausnehmende Ehren-Bezeugungen, gewidmet hat. Wenn aber ein Mi - niſtre die Graͤntzen ſeiner Geſandſchafft uͤberſchreitet, und ſich als einen Feind des Staats auffuͤhret, handelt er ſelbſt widerbdas10das Voͤlcker-Recht. Die Roͤmiſche Hiſtorie giebt uns darvon ein groſſes Exempel. Als die Gallier in Toſcana eingefallen, und die Einwohner van Chiuſi in Rom um Huͤlffe angeſuchet, ſchick - ten die Roͤmer drey Geſandten, welche den Galliern guͤtliche Vor - ſchlaͤge thun ſolten. Dieſe waren aber ſo hitzig, daß ſie mit de - nen von Chiuſi gegen die Gallier ſelbſt zu Felde zogen. Der Roͤ - miſche Hiſtoricus erkennet, daß ſie darinnen gegen das Voͤlcker - Recht gehandelt,(b)Liv. v. 36. Ibi jam urgentibus Romanam urbem fatis, legati contra Jus Gentium arma capiunt. und der Rath in Rom erkandte es ſelbſt, als die Gallier verlangten, daß man ihnen dieſe drey Perſonen ausliefern moͤchte. (c)Liv. ib. Vicere Seniores, ut Legati prius mitterentur, queſtum injurias, poſtulatumque ut pro Fure Gentium violato Fabii dederentur, Legati Gal - lorum quum ea, ſicut erant mandata expoſuiſſent. Sennatui nec factum placebat Fa - biorum, & jus poſtulere barbari videbantur. Sed ne id, quod placebat, decerneret in tantae nobilitatis Viris, ambitio obſtabat. Der Caracter kan in ſolchem Fall einen Geſandten nicht bedecken. Jnmaſſen man ſelbſt ſeinem Princi - pal widerſteben, und die Mittel fuͤrkehren wuͤrde, welche das na - tuͤrliche Recht einem jeden gegen ſeinen Feind erlaubet. Wie viel groſſe Koͤnige und Fuͤrſten hat es nicht getroffen, daß das Gluͤck ſie ihren Feinden als Gefangene in die Haͤnde geliefert? Wie wolten denn ihre Geſandten bey dem Caractere repreſenta - tio ſicher ſeyn, wenn ſie von ihrer friedſamen Function auf Meu - terey, und feinſeelige Unternehmungen, abweichen?

Wie nun das Voͤlcker-Recht nichts anders iſt, als ein Theil des natuͤrlichen Rechts, in ſoweit ſelbiges die Handlungen ſouve - rainer Herren und Voͤlcker betrifft; So finden wir auch bey allen Nationen Exempel, daß ſie, wenn fremde Miniſtri ſich in offenbare feindſeelige Practiqu en eingelaſſen, ihnen nicht etwan nur der Hof verbothen, oder zugleich das Land zu raͤumen anbefohlen, ſondern auch nach Befinden der Umſtaͤn - de, kein Bedencken gehabt, ſich ihrer Perſon zu verſichern, und deſto kraͤfftiger zu verhindern, daß ſie ihr feindſeliges Vor -haben11haben nicht ausfuͤhren moͤchten. Maximilianus I. ließ auf dem Reichs-Tage zu Lindau den Frantzoͤſiſchen Miniſtre arretir en, weil er unter dem Schein der Geſandſchafft, die Staͤnde gegen den Kayſer aufzuwiegeln ſuchte. Als auch in folgenden Zeiten der Spaniſche Botſchaffter am Kayſerlichen Hofe Balthaſar de la Cueva, ſich in eine Querelle, die ſeine Domeſtiquen erreget, zu weit eingelaſſen, ließ der Kayſer ſein Haus mit 40. Mann be - ſetzen. (d)Wicquefort Lib. 1. Sect. 29.Die Koͤnigin Eliſabeth ließ 1563. den Ambaſſadeur von Spanien Alvaro de Quadra, nicht allein in Verwahrſam ſetzen, ſondern auch durch einige Geheimde Raͤthe vernehmen(e)ibid. p. 431. Nicht weniger ließ A. 1717 Koͤnig Georgius I. den Schwediſchen Geſandten, Graffen von Gillenberg, da Verdacht entſtund, daß er mit den Feinden des Koͤnigs wegen einer Invaſion corre - ſpondi re, arretir en. Als in Franckreich zu des Koͤnigs Henrici IV. Zeiten der Ambaſſadeur von Spanien, Balthaſar de Zuniga, eine Verraͤtherey angeſpoñen, durch welche die Stadt Marſeille den Spaniern in die Haͤnde geſpielet werden ſolte, ließ der Koͤ - nig den Secretarium des Geſandten, Bruneau, gefangen neh - men und ihm durch das Parlament den Proceſs machen, ob er gleich das Urtheil nicht vollſtrecken ließ. Fuͤr wenig Jahren gieng der Frantzoͤſiche Hof noch weiter, als er den Ambaſſadeur von Spanien Prencipe di Cellamare, ſelbſt arretir en, und ſeine Papire durchſuchen ließ, ſobald er auf die Spur kam, daß der - ſelbe eine gefaͤhrliche Verſtrickung im Reich anzurichten bemuͤ - het ſey.

Wie koͤnten nun nach dieſen Principiis, und nach dieſer Praxi der Europaͤiſchen Hoͤfe, Selbſt Jhro Koͤnigl. Majeſt. von Poh - len, und die Republique, den Herrn Marquis Monti, wenn gleich ſein Character nicht ſchon vorhin erloſchen waͤre, anſehen; da er nach des Durchlauchtigſten Koͤniges Auguſti II. Tod den Zu - ſtand des Koͤnigreichs umzukehren auf alle nur erſinnliche Art ſich beſtrebet?

b 2Es12

Es iſt aber hiervon gegenwaͤrtig nicht die Frage; ſondern der Herr Marquis Monti iſt in des Rußiſchen Herrn General - Feld. Marſchalls Bothmaͤßigkeit. Er iſt an dem Rußiſchen Hof niemahls accrediti ret geweſen, und es iſt eine ausgemachte Sa - che, daß ein Geſandter die Rechte von ſeinem Caracter nicht præ - tendi ren kan, als bey der Nation, an die er geſchicket, und von welcher er angenommen worden. (f)Grotius de Jure Belli & Patis II. 18. 5. Lex de vi Legatis non inferenda intel - ligenda eſt eum obligare, ad quem miſſa eſt legatio, atque ita demum ſi admiſit, quaſi ſcilicet ab eo tempore tacita pactio interceſſerit: Und ferner: Non pertinet ergo hæc lex ad eos per quorum fines, non accepta venia, tranſeunt legati. Nam ſiquidem ad hoſtes eorum eunt, aut ab hoſtibus veniunt, aut alioqui hoſtilia mo - liuntur, interfici etiam poterunt. Dergleichen lehret Herr von Bynckershoek in ſeinem Tr. de foro competente Legatorum ex. 7. [nach des Hn. Barbeyrac Uberſetzung] Les droits & privileges des Ambaſſadeurs n’ont lieu qu’entre le Prince, qui envoie des Ambaſſadeurs, & celui, a qui il les envoie. Wenn er an einem dritten Orth ſich befindet, wird er nicht anders als ein Particulier ange - ſehen, auſſer was ihm, wenn derſelbe Staat mit ſeinem Prin - cipal in Freundſchafft, oder doch wenigſtens nicht in Unfriede ſtehet, fuͤr Diſtinction aus Hoͤflichkeit, in Anſehung ſeines Herrn, oder auch ſeiner eigenen Perſon, gemacht wird. Der Koͤnig von Portugall ſchickte A. 1641 einen Geſandten nach Holland, der durch Engelland reiſete. Als er daſelbſt Audienz beym Koͤ - nige verlangte, wurde ihm zur Antwort gegeben, daß er ſelbi - ge als ein Particulair, nicht aber nach dem Ceremoniel der Geſand - ten, haben koͤnte. (g)Wicquefort. p. 439.Wie unter der Regierung des Koͤniges Ludwig des XIII. Monſignore Falconieri, als Paͤpſtlicher Nunti - us nach Flandern gieng, und unterwegens den Frantzoͤſiſchen Hof beſuchte, præſentir te ihn der Nuntius Bolognetti zwar an den Konig, er wurde aber nicht als ein Miniſtre aufgenommen, weil er nicht an den Koͤnig geſchickt war.

Was ſolchen Miniſtris in dem Gebieth einer dritten Puiſſance begegnet, wird nicht anders angeſehen, als wenn es andere Privatos betroffen haͤtte. Zur Zeit von Caroli V. Regierung wur -den13den im Gebieth von Meyland zwey Frantzoͤſiſche Miniſtri, Rincon und, Fregoſo, wovon der eine nach Venedig, der andere nach Conſtantinopel deſtinir et war, auf dem Po uͤberfallen und um - gebracht. Der Gouverneur von Meyland betheurte, daß er nichts davon gewuſt. Ob nun gleich verſchiedene Autores an der Aufrichtigkeit dieſer Verſicherung ſehr zweiffeln, ſo geſtehen ſie doch, daß, wenn auch der Kayſerl. Hof von der Sache ge - wuſt haͤtte, es eigentlich keine Verlaͤtzung des Voͤlcker-Rechts wuͤrde geweſen ſeyn, weil dieſe beyde Perſohnen nicht als Ge - ſandten, in Anſehen des Kayſers, zu Conſideriren geweſen. (h)Wicquefort Lib. 1. 1. Sect. 29. p. 44. Le Roy Francois ne pouvoit pas dire, que l Em - pereur en viole le droit des gens, parce que Rincon & Fregoſe n etoientpas Miniſtres publica a ſon egard.

Wenn es ſich zutraͤgt, daß diejenige dritte Puiſſancc, in deren Bothmaͤßigkeit ein Miniſtre geraͤth, mit ſeinem Principal in Krieg begriffen, oder er ſelbſt an den Feind derſelben geſchickt iſt, ſo ſtehet nichts im Wege, ihn anzuhalten, und nach Befinden, feindlich zu tracti ren. Jch will ein Exempel aus den Geſchichten der Roͤmern anfuͤhren, welche ſich immer eine groſſe Ehre daraus gemacht, daß ſie das Voͤlcker-Recht ſorg - faͤltig beobachtet. Zur Zeit des Puniſchen Krieges ſchick - te Philippus, Koͤnig von Macedoni en, Geſandten an den Anni - bal, der in Jtalien ſtund, und errichtete mit ihm Buͤndniß wieder die Roͤmer. Annibal ſchickte bey ihrer Abreiſe zugleich drey Geſandten an den Koͤnig Philippum mit ab. Aber das Schiff gerieth den Roͤmern in die Haͤnde, und die Geſandten des Koͤniges von Macedoni en ſo wohl als der Carthaginenſer wur - den zu Gefangenen gemacht. (i)Liv. XXIII. 34.Aus denen vielen Exempeln, ſo uns die nenern Zeiten an die Hand geben, will ich nur ei - nes von dem Engliſchen Hofe entlehnen. Die Koͤnigin Eliſa - beth ließ den Frantzoͤſiſchen Miniſtre Mſr. du Croc arreti ren, den der Frantzoͤſiſche Hof an die Koͤnigin Maria von Schottland ge -b 3ſchicket14ſchicket hatte: und wuſte ſolches Verfahren dergeſtalt zu rechtferti - gen, daß man ſich in Franckreich dabey beruhiget. (k)Wicquefort p. 434.Lanſac de St. Gelais war Ambaſſadeur von Franckreich in Rom, kriegte aber Befehl nach Siena zu gehen, welches die Spanier, und Cos - mus, Hertzog von Florentz, damahls belagerten. Daruͤber ward er gefangen, und kam nicht eher loß, bis man ihn aus - tauſchen konnte. (l)ibid. 318.

Die Kayſerin von Rußland und Dero General - Feld-Marſchall koͤnnen den Hn. Marquis nicht anders anſehen / als einen Frantzoͤſiſchen Officier, der ſich ſelbſt vor einen Gevollmaͤchtigten von Stanislao Lesz insk y, ihrem declarit en Feind / ausge - geben / und das fuͤrnehmſte Inſtrument geweſen / daß zur Zerruͤttung von Pohlen Anlaß gegeben / der bey Annaͤherung der Rußiſchen Truppen mit ihm nach Dan - tzig gefluͤchtet / die Stadt am meiſten zum Widerſtand gegen die Ruſſen veran - laſſet / ſelbſt ein Regiment zum Dienſt gegen dieſelben errichtet / und von dem die Frantzoͤſiſchen Truppen / welche die Rußiſchen Retranchements angegriffen / ihre Or - dres nehmen muͤſſen.

Daß aber zwiſchen dem Rußiſchen Reich und der Crone Franckreich wuͤrck - lich Status belli ſey / braucht keines Beweiſes / nach dem der Koͤnig von Franckreich Stanislaum. den der Rußiſche Hof fuͤrlaͤngſt als ſeinen Feind declarir et / und deſſen Excluſion durch ſo viele Reichs-Geſetze und Buͤndnuͤſſe feſtgeſtellet worden / auf den Polniſchen Thron zu erheben unternommen / und ſich deshalber in ſeiner Kriegs - Declaration ſo deutlich explici ret; auch darauf die Frantzoͤſiſchen Truppen die Rußi - ſchen vor Dantzig angegriffen / und die Frantzoͤſiſche Schiffe die Rußiſche Flaggen / ſelbſt auf der Oſt-See feindlich tracti ret.

Der Herr Marquis Monti kan auch gegen den Rußiſchen Hof ſich damit nicht ſchuͤtzen / daß er der Inſtruction von ſeinem Koͤnige gefolget. Nach ſeinen Handlungen zu urtheilen / ſo muß die Inſtruction geweſen ſeyn / Stanislaum auf den Pohl. Thron zu bringen, es moͤchte koſten was es wolle. Dieſes aber konnte / vermoͤge der Reichs-Fundamental - Geſetze / und der zwiſchen Pohlen und Ru land ſubſiſti renden Buͤndniſſe, auch bey ſo ſtarcken Widerſpruch eines anſehnlichen Theils von der Nation, nicht geſchehen / ohne gantz Pohlen umzukehren. Dergleichen Ordres, ſo auf die Umſtuͤrtzung eines Staats gerichtet / und an ſich ſelbſt dem Voͤl - cker-Recht zuwider ſind / koͤnnen einem Miniſtre der gerechten Ahndung des Hofes /wi -15wider welchen er nach deren Jnhalt machini ret / nicht entziehen,(m)Barbeyrac in not. ad Bynckershoeck de fore Compet. Leg. Cap. XXIV. §. 4. am wenigſten aber gegen eine Puiſſance, an die er niemahls accrediti ret geweſen / gelten. Alle Officier und Soldaten haben Ordres von ihren Herren / koͤnnen aber deshalber / wenn ſie uͤberwunden werden / der Gefangenſchaft / und was ſonſt Kriegs-Manier mitbringet / ſich nicht entſchuͤtten. So wenig / als es vor eine Verletzung des Voͤlcker-Rechts kan angegeben werden, daß der Frantzoͤſiſche Geſandte am Daͤ - niſchen Hofe / Comte de Plelo, indem er das Retranchement der Ruſſen angegriffen / erſchoſſen worden; ſo geduidig muß auch der Herr Marquis Monti, nachdem er in der Hoffnung / welche er ſich von dem gluͤcklichen Ausgang ſeiner Deſſeins gemacht / ein viel mehrers gethan / ſich jetzund in ſein Schickſaal finden / da er als ein uͤber - wundener Soldat angeſehen wird.

Jch hoffe, es werde dieſes genung ſeyn / Sie zu uͤberzeugen / daß ihr Argument vom Caracter des Hn. Marquis Monti, darauf ſie in ihrem Schreiben ſo viel bauen / bey gegenwaͤrtiger Beſchaffenheit der Umſtaͤnde nicht Stich halte. Jch will nur noch einige Anmerckungen gegen die zwey Umſtaͤnde / auf welche ſie ſich zuletzt beziehen / beyfuͤgen.

Sie beruffen ſich darauf / da daß der Herr Graf Wilszek, die Rußiſchen und andere fremde Miniſtri, dem Herrn Marquis Monti, fuͤr ſeiner Abreiſe aus Warſchau die hoͤfflichſten Complimente machen laſſen / und ihn alſo fuͤr einen oͤffentlichen Miniſtre erkannt. Dieſe Herren haben dadurch eine beſondere Hoͤf - lichkeit und Attention bezeuget / dergleichen vielleicht der Herr Marquis bey anderer Gelegenheit gegen gewiſſe fremde Miniſtres in Pohlen nicht verſpuͤren laſſen. Jm uͤbrigen hat ſich in denen 8 Monathen / die indeſſen verfloſſen / das Theatrum gantz veraͤndert. Pohlen hat einen rechtmaͤßigen Koͤnig bekommen / und die Republique ſich unter ihm wieder in Verfaſſnug geſetzet. Der Herr Marquis iſt weder bey dem Koͤnige / noch bey der Republique accrediti ret, ſondern hat vielmehr wider beyde ſich mit offenbahrer Gewalt beſtrebet. Sein Koͤnig hat nicht allein Jhro Roͤ - miſch Kayſerl-Majeſt. mit welcher die Monarchin von Rußland im genaueſten Baͤndnuͤß ſtehet / unter dem Fuͤrwand der Pohlniſchen Wahl / mit Krieg ange - griffen; ſondern auch ſelbſt Schiffe und Voͤlcker bis fuͤr Dantzig geſchicket / welche gegen die Rußl. feindlich agir et.

So iſt auch / was ſie zuletzt anfuͤhren, wie es gleichwol unter groſſen Herren gebraͤuchlich ſey / daß man / wenn der Krieg declari ret wird / denen Miniſtris, die ſich an denen Hoͤfen / welche im Krieg gegen einander treten / ſich befinden / Paſſeportsgiebet16giebet / damit ſie ſich ſicher retiri ren koͤnnen / nicht ſo ſchlechterdings als eine Regul anzunehmen. Vielmehr iſt es dem Voͤlcker-Recht gemaͤß, daß wenn |ein Krieg zwi - ſchen zweyen Staaten angehet, auch die Miniſtri als Feinde angeſehen werden. [n]Wicquefort Lib. 1. Sect. 30. Le Droit des Gens ne ſe viole point en la perſonne du Miniſtre d’un Prince, qui romt avec celui, auprés du quel ce Miniſtre reſide: parce qu’aprés la decla - ration, & aprés la guerre ouverte, le Miniſtre du Prince Ennem devient Ennemi auſſi, & ne peut plus jouit de la laſeureté publique. Als es A. 1665. zwiſchen Engelland und Holland zur Ruptur kam / wuͤrde der Secre - tarius vom Hollaͤndiſchen Ambaſſadeur in London arreti ret: nnd die General-Staaten lieſſen dergleichen Tractament an dem Secretario des Engliſchen Geſandten ausuͤben. Daher koͤmmt die Fuͤrſorge / daß die Printzen insgemein ihre Miniſtre zuruͤcke ruffen / ehe der Krieg ausbricht. Alſo rieff die Republique Venedig / ſobald ſie ſich gegen Carolum VIII. Koͤnig von Franckreich in Buͤndniß mit|eingelaſſen / die beyden Geſandten. die ſie an deſſen Hofe hatte / zuruͤcke. Der Papſt Julius III averti rte ſeinen Legatum, den Cardinal Rebiba, als es mit dem Kaͤyſer zur Ruptur kommen ſollte / damit er ſich beyzeiten vom Hofe entfernen moͤchte.

Es bleibet alſo bloß dem Wohlſtande und dem guten Willen der Hoͤfe / wenn ſie mit dem Miniſtre wohl zu frieden ſind / ausgeſetzet / daß ſie ihm einen Pasſeport geben, dergleichen er nicht brauchte / wenn ſein Caracter genug waͤre in Kriegs-Zeiten ihn zu ſchuͤtzen. Bey dem gegenwaͤrtigen Fall aber iſt wieder nicht zu vergeſſen / daß der Herr Marquis mit einem dritten Hofe zu thun hat. Zwar pfleget bey angehenden Kriegs-Zeiten ein Printz nicht ſowol aus Schuldigkeit / als Großmuth / auch wohl des dritten Hofes Geſandten, wenn ſelbige ſonſt ſich friedlich / oder wenigſtens indifferent bezeigen / auf ihr Anſuchen Paſſeports zu ertheilen. Der Herr Marquis haͤtte ſich / wenn er zu rechter Zeit gewolt / auch ohne Paſſeport reteri - ren koͤnnen. Da er aber nicht allein 5 Monath die Belagerung mit aushaͤlt / ſondern auch ſein aͤuſſerſtes thut / die Belagerten zu animi ren / ihnen Succurs verſchafft / und demſelben von der Stadt aus Ordre giebt / auch noch zuletzt Stanislao davon hilft; ſo kan er auch kein anderes Tractament, als die uͤbrigen Frantzoͤſiſchen Officiers, prætendir en.

(o)Wicquefort Lib. II. p. 194.
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TextZwey Brieffe welche der Frantzösische Minister Marqvis de Monti vor seiner Arretirung an den Rußl. Kayserl. Hn. Gen. Feld-Marschall Graffen von Münnich abgelassen
Author Anton de Monti
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

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Bibliographic informationZwey Brieffe welche der Frantzösische Minister Marqvis de Monti vor seiner Arretirung an den Rußl. Kayserl. Hn. Gen. Feld-Marschall Graffen von Münnich abgelassen Nebst einem Schreiben an einen guten Freund, Jn welchem die Frage erörtert wird, Ob es wider das Völcker-Recht, daß der Rußl. General-Feld-Marschall Herr Graf von Münnich den Hrn/ Marquis Monti arretiren lassen Anton de Monti. . 16 S. s. e.s. l.1734.

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