Das vorliegende Lexikon, welches Fortſetzung und Schluß des von mir im vorigen Jahre bearbeiteten „ Lexikons der deutſchen Dichter und Proſaiſten bis zu Ende des 18. Jahrhun - derts “bildet, unterſcheidet ſich hinſichtlich Plan und Ausführung in nichts von ſeinem Vorläufer, und habe ich daher nicht nötig, hier zu wiederholen, was ich bereits dort im Vorwort geſagt habe. Speziell für das vorliegende Werk wären etwa folgende Bemer - kungen am Platze.
Das Lexikon enthält alle nach ihrem Leben und Schaffen mir be - kannt gewordenen Dichter in Reim und Proſa, die im 19. Jahrhun - dert geboren ſind. Daß ihre Zahl auch nur annähernd erſchöpft iſt, wage ich nicht zu behaupten; doch iſt von meiner Seite nichts unter - laſſen, bei dieſer Arbeit die größte Vollſtändigkeit anzuſtreben. Weſent - lich unterſtützt wurde ich durch unſere Dichter und Schriftſteller ſelber, welche mir — mit nur wenigen Ausnahmen — bereitwilligſt biogra - phiſche Daten zur Verfügung ſtellten, ſo daß das vorliegende Lexikon das einzige ſein dürfte, welches ſeinen Gegenſtand doch noch erſchöpfen - der behandelt, als je ein anderes derartiges Werk. Allen Förderern desſelben ſage ich an dieſer Stelle meinen herzlichen Dank.
Jch will gern zugeben, daß unter den Tauſenden von Namen in dieſem Lexikon ſich mancher finden mag, dem nach dem wirklich un - anfechtbaren Urteil Kundiger kein Platz in dem Reigen hervorragen - der und auserwählter Geiſter gebührt; allein man kann wohl billig nicht von mir verlangen, daß ich die Schriften ſämtlicher Autoren hätte leſen und nach ihrem poetiſchen Werte beurteilen ſollen, um davon die Aufnahme in dieſes Lexikon abhängig zu machen. Meine Aufgabe beſtand lediglich darin, zu ſammeln und zu regiſtrieren, was das 19. Jahrhundert auf dem Gebiete der ſchönen Literatur auf - weiſt, und ich muß es den Literarhiſtorikern überlaſſen, ſich mit den einzelnen Dichtern über den Wert ihrer poetiſchen Schöpfungen aus - einanderzuſetzen.
* 1*4Vorwort.Da ſich dieſes Lexikon vorwiegend mit den Schriftſtellern der Gegenwart beſchäftigt, ſo habe ich es für zweckmäßig gehalten, die Schriften derſelben, ſoweit ſie der ſchönen Literatur angehören, ſämtlich aufzuführen, einige Einzeldrucke oder Kleinigkeiten etwa ausgenommen. Jſt eine Geſamtausgabe der Werke erſchienen, ſo tritt dieſe in den Vordergrund; durch Angabe ihres Jnhalts, unter Beifügung des Jahres, wann die einzelnen Stücke derſelben erſchie - nen, konnte ein beſonderes, nochmaliges Aufzählen der letzteren um - gangen und eine läſtige Wiederholung vermieden werden.
Schließlich richte ich noch an alle Leſer die ganz ergebenſte Bitte, mich auf etwaige Ungenauigkeiten und Fehler in dieſem Lexikon gütigſt aufmerkſam machen, unſichere Angaben, namentlich in bezug auf Ge - burts - und Todeszeit, ſicherſtellen und mich durch neue Mitteilungen über dieſen oder jenen, im Lexikon nicht vertretenen Dichter erfreuen zu wollen. Bin ich mir auch bewußt, meine Angaben aus den beſten Quellen geſchöpft und beſonders manche Ungenauigkeiten in meinen früheren lexikaliſchen Arbeiten hier glücklich vermieden zu haben, ſo bleibt meine Arbeit ja doch immer nur Menſchenwerk und als ſolches ſtets der Vervollkommnung bedürftig.
Zum ſechſten Male ſende ich mein Lexikon in die Kreiſe unſerer Literaturfreunde und zwar zum dritten Male in einer völlig neuen Bearbeitung, die ſich dem Leſer als eine weſentlich verbeſſerte und bedeutend vermehrte Ausgabe präſentiert. Das Werk hat in ſeiner bisherigen Darbietung ſeit Jahren in weiten Kreiſen Beachtung und Freunde gefunden, und deshalb iſt auch diesmal von einer weſent - lichen Veränderung in der Anlage und Durchführung des Ganzen abgeſehen worden. So erſcheinen denn die Biographien der Schrift - ſteller und Dichter wieder unter dem wahren Namen der letzteren*5Vorwort. und nicht unter ihrem Pſeudonym; doch vermittelt die Aufführung des letzteren leicht die Kenntnis des erſteren. Ebenſo ſind bei Auf - zählung der Schriften dieſer Autoren wieder bloß die zur „ ſchön - wiſſenſchaftlichen Literatur “gehörenden Werke notiert wor - den, und konnte die ſchriftſtelleriſche Tätigkeit auf anderen Gebieten nur angedeutet werden.
Dagegen bin ich beſtrebt geweſen, verſchiedene Wünſche, die mir beſonders aus den Kreiſen Literaturkundiger geäußert wurden, zu berückſichtigen. So habe ich bei den Schriften der Autoren die neue - ſten Auflagen erwähnt und bei Novellenſammlungen deren Jnhalt angegeben, ſoweit mich eben die Verlagskataloge der Buchhändler über beides unterrichteten. Einem anderen Wunſche, auch diejenigen Schriftſteller aufzunehmen, über welche mir nur dürftige biographi - ſche Angaben zur Verfügung ſtänden, bin ich um ſo lieber und bereit - williger entgegengekommen, als ich erfuhr, daß die Fortführung von Karl Gödekes „ Grundriß zur Geſchichte der deutſchen Dichtung “, der mit dem Jahre 1830 abſchließt, in ſichere Ausſicht genommen ſei. Jch glaube, mit meinen kurzen Artikeln den Bearbeitern des „ Grundriſſes “wenigſtens dasſelbe bieten zu können, was Gödeke ſeinerzeit dem „ alten Meuſel “entnahm: nicht viel, aber immerhin doch etwas.
Entſchieden ablehnend aber habe ich mich einem Anſinnen gegen - über verhalten müſſen, das dahinging, auf neuere Schriftſteller, die erſt jüngſt an die Öffentlichkeit getreten und daher noch gar nicht allgemein bekannt wären, in meinem Lexikon keine Rückſicht zu neh - men. Ja, wer will denn die Behauptung wagen, daß dieſe Schrift - ſteller niemals eine erfolgreiche Zukunft haben werden? Als ich in den Jahren 1872 — 75 mein „ Deutſches Dichter-Lexikon “bearbei - tete — wieviele kannten da wohl (ich will nur wenige Namen nen - nen) Julius Wolff, Ernſt von Wildenbruch, Otto von Leixner, Rudolf Lindau, Oskar Blumenthal, Eufemia von Adlersfeld-Balleſtrem, Eliſabeth Bürſtenbinder, Max Eyth, Oskar Meding und viele andere? Dennoch habe ich ſchon damals dieſe Autoren in mein Lexikon aufgenommen, und nach gar nicht langer Zeit hatten ſie ſich einen ehrenvollen Platz in unſerer Literatur errungen und ſeitdem auch behauptet. Ähnliche Erfahrungen mußte ich von 1885 ab bei den verſchiedenen Ausgaben dieſes Lexikons machen; ja ſelbſt noch im Jahre 1900, als ich die 5. Ausgabe bearbeitete, war Guſtav Frenſſen*6Vorwort. eine ziemlich unbekannte Dichterperſönlichkeit, während er bereits im folgenden Jahre zu den geleſenſten Schriftſtellern in Deutſch - land gehörte.
So habe ich denn alle Dichter und Schriftſteller, deren Adreſſe mir bekannt geworden — und dem liebenswürdigen Entgegenkom - men der Verlagsbuchhandlungen verdanke ich eine ſtattliche Anzahl derſelben — um Einſendung biographiſcher und bibliographiſcher Angaben gebeten, und in den meiſten Fällen iſt dieſer Bitte auch entſprochen worden. Daß bei der erſtaunlichen Produktivität unſerer Schriftſteller in den letzten zwanzig Jahren deren Zahl auch nur an - nähernd erſchöpft iſt, wage ich nicht zu behaupten; indeſſen läßt das Anwachſen des Lexikons von zwei Bänden (1885) auf acht Bände und der Biographien von 3000 auf 9900 immerhin auf eine an - ſehnliche Vermehrung ſchließen. Während ich ſo dem literariſchen Nachwuchs ſein volles Recht gewährte, ſind die Biographien der verſtorbenen Dichter nach den neueſten Quellen überarbeitet und die bereits früher aufgenommenen lebenden Dichter — ſoweit ſie mir erreichbar waren — um Ergänzung, bzw. Berichtigung ihrer Bio - graphie gebeten worden.
Es iſt für den einzelnen eine ſchwere Aufgabe, 9900 Schriftſteller nach ihrem Leben, Wirken und Schaffen zu verfolgen, und mancher Artikel im Lexikon mag gewiß der Ergänzung und Berichtigung be - dürfen. Darum möchte ich allen, die an meiner Arbeit ein Jntereſſe haben, meine ſchon früher geäußerte Bitte nochmals dringend ans Herz legen, mich auf Ungenauigkeiten und Fehler aufmerkſam machen, unſichere Angaben, namentlich über Geburts - und Todeszeit, ſicher - ſtellen und durch neue Mitteilungen über dieſen oder jenen, im Lexikon nicht vertretenen Dichter erfreuen zu wollen.
Ein Nachtrag befindet ſich im achten Bande und ſchließt mit dem 31. Dezember 1912 ab.
Ein * vor dem Namen des Schriftſtellers weiſt daraufhin, daß ent - weder ausſchließlich oder doch zum Teil autobiographiſche Angaben benutzt wurden, oder daß die Angaben von den nächſten Angehörigen der Autoren herrühren.
*[23]Pſeud. für Anſelm Rumpelt; ſ. d.!
Pſeud. für Fer - dinand Freiherr von Auguſtin; ſ. d.!
pſeud. „ Ver - faſſer von Schild und Pfeil “, wurde am 28. Septbr. 1839 in Ber - lin von amerikaniſchen Eltern ge - boren. Jhr Vater, Th. S. Fay, war damals amerikaniſcher Legations - ſekretär in Berlin und wurde ſpäter als Geſandter nach Bern berufen. Hier blieb die Tochter von ihrem 14. Lebensjahre an bis zu ihrer Ver - heiratung mit Dr. Abbot, ebenfalls einem Amerikaner, mit dem ſie dann nach Berlin zurückkehrte. Erſt nach dem Tode ihres Gatten (1866) be - gann ſie ihre ſchriftſtelleriſche Tätig - keit.
Schild u. Pfeil (bevorwortet von Dr. E. Frommel), 1888. 4. A. 1905. – Blicke in Herz u. Welt, 1891. 2. A. 1894. – Hin u. zurück (Aus den Papieren eines Arztes), 1899. 5. A. 1905. – Allerhand (Kleine En.), 1902.
pſeud. Ernſt Andolt, wurde am 27. März 1826 in Braunſchweig geboren, ſtudierte in den Jahren 1845 – 49 in Heidel - berg, Bonn und Berlin die Rechte, wurde 1850 Auditor, 1856 Advokat in ſeiner Vaterſtadt, gab aber die Advokatur nach einigen Jahren wie - der auf, um ſich belletriſtiſchen und journaliſtiſchen Arbeiten zuzuwen - den. Vom Juli 1870 bis Ende 1872 redigierte er den politiſchen Teil des „ Braunſchweiger Tageblattes “. Jm Januar 1874 wurde er als Abgeord - neter für den zweiten Wahlkreis des Herzogtums Braunſchweig in den Reichstag gewählt, welchem er als Mitglied der nationalliberalen Par -tei bis 1877 angehörte. Auch war er langjähriges Mitglied des Braun - ſchweiger Landtags. Er ſtarb am 1. April 1901.
Greifenſee (R.); II, 1862. – Eine Nacht (N.), 1857.
geb. Hofmeiſter, pſeud. Clelie Betemann, geb. am 15. Januar 1826 in Leipzig, lebte daſelbſt und ſtarb am 30. November 1905.
Meine Sonntage (Rückblicke und Erinnerungen), 1882. – An der Mutter Hand, 1883. – Sprüche, Stro - phen und Stimmungsbilder (Lyri - ſches und Didaktiſches), 1889.
wurde am 8. Auguſt 1876 in Bärenthal, einem Dorfe in den Nordvogeſen, geboren, wo ſein aus Heſſen ſtammender Vater Förſter war, der dann zwei Jahre ſpäter nach Metzeral verſetzt wurde. Auf den Bildungsgang des Knaben, der bis zu ſeinem 10. Jahre faſt nur franzöſiſch ſprach, konnte der Vater wegen ſeines ſchweren Dienſtes we - niger einwirken; das beſorgte aber nach beſten Kräften ſeine Mutter, eine frühere Lehrerin beim Grafen von Württemberg zu Reichenweier, die trotz ihrer franzöſiſchen Abſtam - mung doch alemanniſches Empfinden beim Unterricht zu pflegen und zu wecken verſtand. Von Metzeral war der Vater nach Urbeis, dann nach Rixheim und zuletzt als kaiſerl. Re - vierförſter wieder nach Metzeral ver - ſetzt worden. Bis dahin von der Mutter unterrichtet, kam A. mit 11 Jahren auf das Gymnaſium in Kol - mar, ſpäter auf das zu Schlettſtadt, wo er das Zeugnis der Reife erhielt, und ging dann, um die Rechte zu ſtudieren, nach München, wo er auch ſeiner Militärpflicht genügte. Seine Rechtsſtudien ſetzte er in Straßburg*24Abeund Berlin fort, verband damit auch durch zwei Jahre das Studium der Germaniſtik. Nach einem kurzen Ver - ſuch als Lehrer in Barr (Elſaß) kehrte er ins Elternhaus nach Metzeral zu - rück, wo er ſeitdem als Schriftſteller tätig iſt. Nachdem ihn das Elſäſſiſche Theater in Straßburg in ſeinen Bann gezogen hatte, ſchrieb er für dasſelbe mehrere Dialektſtücke. Dann verband er ſich mit dem Maler Georges Rit - leng aus Straßburg zur Herausgabe von Monographien aus dem Elſaß, von denen bisher drei Bände („ Tänn - chel “– „ Reichenweier “– „ Jm Reich der Spitzköpfe “) erſchienen ſind.
D’Waldmühl (E-n-elſaſſiſch Volksſt., mit René Prévôt), 1901. – Jm Herbſchtnawel (E Stuck in 3 Akte), 1902. – Unſeri ſchöne Rawe (E Stuck in 3 A.), 1902. – Jn Halm und Feder (Jd.), 1904. – Conceptio divina (Feſt - ſpiel z. Einweihung des Goethe-Denk - mals in Straßburg), 1904. – Michel - angelo (Dr.), 1908.
geb. am 16. März 1867 in Wien als der Sohn eines Uhrmachers, rührte ſchon als Schü - ler des Gymnaſiums ſeine poetiſchen Schwingen und fand an Adolf Wil - brandt, Joſeph Weilen u. Hermann Rollett warme Förderer ſeiner Be - ſtrebungen. Der letztere erwirkte ihm auch die Möglichkeit, an der Wiener Univerſität Philoſophie u. Germani - ſtik zu ſtudieren. Seit 1892 ſetzte er ſeine Studien in Berlin fort, nach deren Beendigung er ſich daſelbſt ſchriftſtelleriſcher Tätigkeit widmete. Kurze Zeit redigierte er hier die ſati - riſche Wochenſchrift „ Das Narren - ſchiff “. Nach ſeiner Verheiratung (1898) ließ er ſich in Steinwand - klamm bei Pernitz in Niederöſterreich nieder.
Am Zahltag (Volksſtück), 1893. — Aus der Schule der Liebe (Nn.), 1897.
geb. am 17. Mai 1844 zu Eiderſtedt ni Schleswig als die Tochter des Hof -Abrbeſitzers Peter Hinrich Rieve, ver - lor ihre Mutter bald nach der Ge - burt und ihren Vater, als ſie erſt 12 Jahre zählte, doch verſchaffte ihr die Liebe ihrer alten Großmutter eine ſonnige Kindheit. Sie beſuchte bis zu ihrer Konſirmation nur eine ländliche Diſtriktſchule, hatte aber in ihrem Lehrer Hanſen einen Mann gefunden, deſſen Streben beſonders auf Bil - dung des Gemüts und auf Schulung zu ſelbſtändigem Denken gerichtet war. Jn Huſum erhielt ihre Aus - bildung den letzten Schliff. Dann erlernte ſie die Führung der Haus - wirtſchaft und verheiratete ſich da - nach mit dem Kaufmann Abraham, mit dem ſie erſt in Garding, ſeit 1888 aber in Lübeck wohnt. Jhre erſten Gedichte ſchrieb ſie 1881 und ſandte ſie unter dem Pſeud. M. Reinhold in die verſchiedenſten Blätter. Eine Vielſchreiberin iſt ſie nicht, da ſie nur wenige Stunden, welche ihr die Haus - frauen - u. Mutterpflichten gewähren, zu ſchriftſtelleriſcher Tätigkeit be - nutzen kann.
Frauenliebe und Blumenleben (Nn.), 1898.
geb. am 27. Januar 1880 zu Treuen im Vogt - lande, verlebte dort eine ſorgloſe und heitere Kindheit u. beſuchte ſeit 1893 das Gymnaſium, um ſich für die Uni - verſität Leipzig vorzubereiten, die er 1898 bezog u. an der er neuere Spra - chen, beſonders Germaniſtik u. Lite - ratur ſtudierte. Jn Berlin brachte er ſeine Studien zum Abſchluß u. wurde 1903 mit einer Arbeit über „ Die Quellen zu W. Scotts Roman Jvan - hoe “zum Dr. phil. promoviert. Jn Berlin ſchloß er ſich jenem Kreiſe von Männern an, die unter dem Namen „ Neue Gemeinſchaft “einer moni - ſtiſch-pantheiſtiſchen Kulturreligion folgen wollten, und wurde er beſon - ders durch Julius Hart, Bruno Wille, Guſtav Landauer (ſ. d.) an - gezogen und beeinflußt. Nach ſeiner Promotion ging A. nach Warſchau,*25Abrwo er ein Jahr lang als Hauslehrer wirkte, lebte darauf ein halbes Jahr in Berlin, ſeit dem Sommer 1904 als Lehrer am Pädagogium in Ber - nau in der Mark und ſeit 1906 wieder in Berlin. Seit 1907 iſt er wiſſen - ſchaftlicher Lehrer an der Realſchule in Oranienburg.
Mein heiliger Frühling (Ge. ), 1903.
eigentlich Fried - rich Kohn geheißen, wurde am 4. Januar 1850 zu Prag geboren, kam als Knabe nach Paris u. erhielt hier ſeine Erziehung u. Ausbildung. Jm Jahre 1877 erwarb er die franzöſi - ſche Staatsangehörigkeit. Er war Mitarbeiter der verſchiedenſten deut - ſchen und franzöſiſchen Blätter, zu - letzt vorwiegend Korreſpondent des Pariſer „ Temps “in Wien. Er ſtarb in Vöslau am 25. Juli 1893. Seine Werke ſind meiſt in franzöſiſcher Sprache geſchrieben; am bekannte - ſten iſt „ Vienne sous François Jo - seph I. “ (1888). Jn deutſcher Spra - che veröffentlichte er
Geſchichten aus der Pariſer Belagerung, 1878.
pſeud. Walther von Münich, wurde am 26. Dezbr. 1841 zu Seelenberg, einem kleinen Dorfe am Taunus, von einfachen, gottesfürchtigen Eltern geboren und beſuchte, als dieſelben nach Seitzen - hahn verzogen waren, die Realſchule zu Langenſchwalbach, 1855 — 61 als Konviktoriſt das Gymnaſium zu Ha - damar, widmete ſich dann bis zum Frühjahr 1864 im biſchöflichen Se - minar zu Mainz dem Studium der Philoſophie und Theologie und trat dann ins Prieſterſeminar zu Limburg ein, wo er Ende Dezember 1864 die Weihe empfing. Bis zum 1. Aug. 1865 Kaplan in Hadamar, wurde er vom Biſchofe in gleicher Eigenſchaft nach Limburg zurückgerufen, im April 1866 zum Subregens (Leiter) des neu - begründeten Konvikts in Montabaur u. zum Kaplan daſelbſt ernannt und 1867 auch zum Religionslehrer amAbtdortigen Progymnaſium beſtellt. Jn dieſen Stellungen blieb er bis zum Jahre 1870. Dann gründete A. in Oberlahnſtein eine höhere Privat - ſchule u. wurde, als dieſelbe nach drei Jahren in eine ſtädtiſche höhere Bür - gerſchule umgeſtaltet ward, zum Rek - tor derſelben berufen, von der Be - hörde aber nicht beſtätigt. Eine ihm 1875 angetragene Pfarrſtelle lehnte er als Gegner der Kulturkampfgeſetze ab, nahm dagegen aber eine Stelle als Hausgeiſtlicher u. Religionslehrer in Bukareſt am Filialkloſter der Eng - liſchen Fräulein von Nymphenburg an, die er vom Herbſt 1875 bis zu Ende d. J. 1882 verwaltete. Dann kehrte er in die Heimat zurück, wurde zunächſt Hilfskaplan in Frankfurt a. M. u. Gründer des dortigen „ Leo - Verein “zur Unterſtützung von Gym - naſiaſten, die ſich dem geiſtlichen Stande widmen wollten, im Januar 1884 Pfarrer in Königſtein u. 1885 Domkapitular in Limburg u. Stadt - pfarrer daſelbſt. Das letzte Amt trat er aber ſchon im Juni 1887 wieder ab, um ſich ausſchließlich der Verwal - tung der Diözeſe zu widmen. Meh - rere heftige Anfälle von Jnfluenza erſchütterten ſeine ſonſt kräftige Ge - ſundheit, u. am 16. Febr. 1895 ſchied er aus dem Leben. Seit dem Herbſt gab er den „ Anzeig. für die kathol. Geiſtlichkeit Deutſchlands “heraus; auch war er Leiter verſchiedener katho - liſcher Vereine u. auf dem Gebiete der Erbauungsliteratur als Schriftſteller tätig.
Der Bürgermeiſter von Kattenhahn (N.), 1876. – Luſtige Ge - ſchichten vom Rhein, 1879. – Die Mil - lionenerbſchaft (E.), 1883. – Durch die Zeitung (E.), 1886. – Nur drei Beine (Schw., dramatiſiert von A. Billigmann), 2. Aufl. 1897. – Luſtige Geſchichten vom Rhein. Geſammelt u. hrsg. von L. Abt, 1899.
geb. am 20. Septbr. 1856 in Leheſten (Herzogt. Sachſen - Meiningen), lebte unvermählt als*26AchiSchriftſtellerin in Berlin (noch 1895). Jhr jetziger Wohnſitz iſt mir unbe - kannt.
Evas Roman (R.), 1890. – Eine gute Partie (R.), 1892. – Ab - ſeits vom Glück (R.); II, 1894. – Der fünfſtöckige Don Juan (N.), 1895. – Ein Weib aus dem Volke (E.), 1897. – Janusmasken (Ein Eheroman), 1902. – Sich ſelbſt gefunden (R.); II, 1903. – Geſpannte Flügel (R.), 1910.
geb. am 5. Nov. 1862 zu Leipzig, beſuchte daſelbſt mehrere höhere Schulen u. ſtudierte darauf an der Univerſität ſeiner Va - terſtadt Jurisprudenz, Staatswiſ - ſenſchaften und Nationalökonomie. Dem Willen ſeines Vaters entſpre - chend, wollte er ſich nach abſolvier - tem Studium der Laufbahn eines Rechtsanwaltes widmen, indeſſen führte ihn die günſtige Aufnahme einiger literariſchen Arbeiten bald in das Fahrwaſſer der Schriftſtellerei, der er denn auch um ſo freier folgen konnte, als er ſich in pekuniärer Hin - ſicht in völlig unabhängiger Lage be - findet. Er lebt noch jetzt in Leipzig.
Gedichte, 1891. – Neue Gedichte und poetiſche Erzählungen, 1895.
entſtammt einer bayeriſchen Lehrerfamilie und wurde am 16. Aug. 1858 als der Sohn des damaligen Stadtpfarrchoraliſten Jnnocenz A. zu Straubing geboren. Noch ſehr jung kam er in die Berg - welt Salzburgs u. beſuchte das Gym - naſium dieſer freundlichen Bergſtadt, um ſich nach dem Wunſche ſeiner El - tern für das Lehramt vorzubereiten. Nach dem Tode des Vaters änderte jedoch der Sohn ſeinen Lebensplan; er gab ſeinem Freiheitsdrange nach und wanderte, mit einer gründlichen muſikaliſchen Ausbildung verſehen, in die Welt hinaus. Auf abenteuer - lichen Fahrten vom Rhein bis hinab zu den Balkanſtaaten griff A. zur Fe - der und ſchrieb Feuilletons, die von ſelten ſcharfer Beobachtungsgabe Zeugnis ablegten und ſo flott ge -Achlſchrieben waren, daß ſie ſofort von angeſehenen Zeitſchriften angenom - men wurden. Er widmete ſich nun gänzlich der Schriftſtellerei u. wählte beſonders die Erforſchung des alpi - nen Volkstums zum Gegenſtande ſei - ner literariſchen Tätigkeit. Ende der achtziger Jahre wurde A. als Redak - teur in die „ Süddeutſche Preſſe “nach München berufen, der er auch bis zu ihrem Erlöſchen angehörte. Jetzt lebt er daſelbſt als freier Schriftſteller, durchwandert in den Sommermona - ten mit ſeinem Stutzen die Berge Bayerns, Tirols u. der Steiermark, wo ihm die höchſten Perſonen ihre Jagdgebiete geöffnet halten, u. ver - traut dann im Winter ſeine Jagd - u. Reiſeerlebniſſe u. ſeine Beobachtungen des Volkslebens der Feder an. Jm Jahre 1897 ernannte ihn der Herzog von Anhalt zum Profeſſor u. 1900 ver - lieh ihm dieſer Landesherr den Titel eines Hofrates, 1903 den eines Geh. Hofrates.
Geſchichten aus den Bergen, 5 Bdchn., 1889 – 95. – Jm Paſſionsdorfe, 1890. – Aus dem Hoch - wald (Berggeſchn., Sk. u. Kulturbil - der), 1892. 3. A. 1904. – Bilder a. den deutſchen Alpen (Neue Hochlanderz. ), 1892. – Jm Gamsgebirg (Neue En. a. d. Bergen), 1893. – Grüne Brüche (Schildergn. u. En. a. d. Wild - und Weidmannsleben), 1894. 2. A. 1905. – Tirol u. Vorarlberg (Neue Schil - dergn. v. Land u. Leuten), 1894. 2. A. 1902. – Reſche Luft! (3 Bergnovel - len), 1894. – Fels u. Firn (En. a. d. Bergen), 1895. 2. Aufl. 1900. – Fröh - lich Gejaid! (Jagdgeſchn. a. d. Alpen), 1895. – Die Dobratſchroſe (E.), 1895. – Grenzerblut (E.), 1895. – Erzäh - lungen, 1896. – Auf einſamer Höh’ (Tiroler Nn.), 1896. 3. A. 1905 (Jn - halt: Der Lawinenpfarrer. – Der wilde Galthirt). – Halali! (Geſchn. a. Bergrevieren), 1896. – Familie Lug - müller (R.), 1896. 2. A. 1901. – Das Jochkreuz (E. a. Tirol), 1896. – Gren - zerleut’ (Bilder a. d. Alpen), 1896. *27AchlNeue Ausg. u. d. T.: Achterdruſch und Puchlmuſik, 1899. – Jagdbrevier (Luſtige Weidwerksgeſchn. ), 1896. – Jm grünen Tann (Schwarzwald - novellen), 1896. – Der Stier von Salzburg (Kulturbild aus dem 16. Jahrh. ), 1897. – Der Radmeiſter von Vorderberg (Gewerkſchaftsbild), 1897. – Die Herzogskerze (Volks - ſchſp. ), 1897. – Der Hirſch von Eßlin - gen (R.), 1897. – Der Forſtmeſſias (Waldgeſchichte a. Steiermark), 1897. 2. A. 1901. – Ein treues Blut (R.), 1897. – Vroneli. Tannenreis (2 Ge - ſchichten), 1898. – Der Jagdbiſchof (R.), 1898. – Bayern, wie es war und iſt (Vaterl. En., Sk. u. Sg.), 1898. – Bergquellen (Altes u. Neues a. d. Al - penwelt), 1898. – Öſterreich, wie es war und iſt (Vaterl. En., Sk. u. Sg.), 1899. – Amor im Hochland (Lebens - bilder a. d. Alpen), 1899. – Die Erbin des Schrofenhofes (E. a. Tirol), 1899. – Am ſchwäbiſchen Meer (Nn.), 1900. – Jm Gebiet des Großglockners (E.), 1900. – Bergrichters Erdenwallen (R.), 1900. – Das Poſtfräulein (Hoch - landsrom. ), 1900. – Das treue Leut’ (Bilder a. d. Alpen), 1900. – Tiroliſche Namen (Handbuch zur Namendeu - tung), 1901. – Der Bezirkshauptmann (Hochlandsrom. ), 1901. – Angela (Ti - roler N.), 1901. – Leute vom Flügel - rad (R.), 1901. – Tirol und Vorarl - berg (Neue Schilderung von Land u. Leuten; mit C. Ubl), 1901. – Celſiſſi - mus (Salzburger R.), 1902. – Baye - riſche u. ſalzburgiſche Namen (Hand - buch zur Namenkunde), 1902. – Auf Luxenſtein (Hum. R.), 1902. – Themis im Gebirge (2 En. a. d. Allgäu), 1902. – Hüben und drüben (Grenzroman), 1903. – Der Finanzer (E. vom Bo - denſee), 1903. – Das Schloß im Moor (R.), 1903. – Der Militärkurat (R.), 1903. – Jn Treue feſt (Hiſt. R.), 1903. – Die Luftſchiffer (R.), 1903. – Eiſen - bahnſtreik (R.), 1904. – Portiunkula (E. a. d. Hochland), 1904. – Stöffele (Lebensbild eines tirol. Heldenprie -Achlſters), 1904. – Hotel „ Alpenroſe “(R.), 1904. – Der Eiskaplan (E. a. d. Hoch - gebirge), 1904. – Das Bähnle (Hu - mor. Hochland-R. ), 1904. – Gregorius Sturmfried (Zeitbild a. d. Katholi - zismus der Gegenwart); III, 1905 bis 1906. [Jnhalt: I. Der Dorfpfar - rer (Hochland-R.). – II. Der Stadt - pfarrer (E.). – III. Kanonikus Sturm - fried (E.). ] – Berggeſchichten 1905. – Die nach Glück und Liebe ſuchen (Moderner Geſellſchafts-R. ), 1905. – Exzellenz Pokrok (R.), 1905. – Jeru - ſalem (Zeitbild a. d. heil. Stadt), 1905. – Von Tegernſee bis Gaëta (E.), 1906. – Tugendloſes Geſtein (Gewerksnovelle a. Steiermark), 1906. – Ein gekaufter Mann (R.), 1906. – Raubſchützen (E. a. d. Wildererleben), 1906. – Bekehrung (R. a. Berchtes - gaden), 1906. – Sport bei Hof (R.), 1907. – Der Hofmarſchall (R.), 1907. – „ Mein Herz iſt im Hochland “(Al - penerzählgn. ), 1907. – Das Hennen - dirndl (R. vom Kiemſee), 1907. – Der Hofjagdleiter (R. a. d. ſteieriſchen Bergen), 1907. – Der Landprofos (R. a. d. Ende d. 16. Jahrh. ), 1907. – Aus der grünen Steiermark (Steie - riſche Nn.), 1908. – Geſchichten aus deutſchen Alpen, 1908. – Karl der Weiſe (Ein Königsrom. ), 1908. – Jm Lande der Kraft (E.), 1908.
geb. am 30. Novbr. 1872 auf dem Badlhofe zu Zell am Moos (Oberöſterreich) als Sohn eines wohlhabenden Land - wirts, ſollte nach dem Wunſche ſeiner Eltern Geiſtlicher werden, wurde daran aber durch eine ſchwere Krank - heit u. folgende andauernde Kränk - lichkeit gehindert, ſo daß er nach Schluß der Schulzeit gleichfalls Land - wirt auf dem väterlichen Beſitztum ward. Um ein Fiſchermädchen vom Jrrſee ſpäter als Gattin heimführen zu können, änderte er 1890 ſeinen Lebensplan und bildete ſich in dem Jnſtitute S. R. Hocheggers in Salz - burg privatim auf den Lehrerberuf*28Achlvor. Nach vier Jahren erhielt er das Zeugnis der Reife und wurde nun Volksſchullehrer in Stranzendorf im Weinland Niederöſterreichs, bald dar - auf Schulleiter in Haslach bei Ober - hollabrunn und kam von hier nach Muhr im Lugau (Salzburger Gebiet), wo er gleichzeitig auch als Organiſt und Gemeindeſekretär tätig iſt.
Amors Launen (Das Liebesleben in Lr.), 1907.
Pſeud. Karl Kellnarn, wurde am 30. Oktober 1859 zu Braunau am Jnn als der Sohn eines Lehrers geboren, wid - mete ſich dem Berufe ſeines Vaters, wirkte mehrere Jahre in Überaggern im Jnnviertel u. iſt jetzt (1887) Schul - leiter zu Senftenbach im Jnnkreiſe Oberöſterreichs.
Aus dem Walde (Lr.), 1884. – Weil ma’ in d’Welt taug’n (Dialektgedichte), 1889. – Wier’s wollt’s (Dialektgedichte), 1891.
* am 12. Jan. 1875 in Arensburg auf der zu Liv - land gehörigen Jnſel Öſel, wo ihr Vater Oberlehrer a. ſtädtiſchen Gym - naſium war, wuchs in engem, aber literariſch intereſſiertem und urteils - fähigem Kreiſe auf, der trotz der Ab - geſchiedenheit der Lage der Jnſel an allen großen Ereigniſſen und Fragen der Zeit Anteil nahm. Eine gute Schule und vor allem ein ausgezeich - neter Literaturunterricht weckten und unterſtützten die vorhandenen litera - riſchen Neigungen. Als die in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrh. bis aufs äußerſte zu - geſpitzte Ruſſifizierungsnot der bal - tiſchen Provinzen viele Deutſche zur Auswanderung trieb, mußte auch der Oberlehrer Ae. den ruſſiſchen Einflüſ - ſen weichen und in Deutſchland ſein Fortkommen ſuchen. Hier wurde die Tochter auch zu ihren erſten ſchrift - ſtelleriſchen Verſuchen angeregt, und da dieſe Anklang fanden, ſo ſchreitet ſie rüſtig auf dem betretenen Pfade fort. Sie lebt in Berlin.
StilleAdaWaſſer (Nn.), 1904. – Prismen (Weih - nachtliche (Geſchn. ), 1906.
geb. am 14. Oktbr. 1821 in Königsberg in Pr. als Sohn eines Lehrers, der 1827 als Gymnaſiallehrer nach Lübeck kam, machte auf dem Gymnaſium ſo über - raſchend ſchnelle Fortſchritte, daß der Vater Bedenken trug, ihn in zu jun - gen Jahren auf die Univerſität zu ſenden. Er ordnete deshalb eine Un - terbrechung des Gymnaſialkurſus an, u. Ernſt fand im Hauſe eines Oheims in Sachſen die beſte Gelegenheit, ſei - nen Körper zu kräftigen. Er ſtudierte ſeit 1840 in Leipzig, Berlin u. Bonn Theologie, Philoſophie u. Geſchichte, bereiſte ſeit 1844 die Schweiz, Jtalien und Griechenland u. nahm im Septbr. 1845 die Stelle eines Erziehers in einer ruſſiſchen Familie an. Als ſol - cher weilte er in Venedig, Florenz, Rom, Neapel, und hier erlag er am 14. Juni 1846 dem Nervenſieber.
Aus dem poetiſchen Nachlaſſe; hrsg. von ſeinem Vater, 1848.
pſeud. Ernſt A. Dam, wurde am 24. April 1879 in Gelſenkirchen geboren, wo ſein Vater als Hauptlehrer wirkt, beſuchte das Realgymnaſium daſelbſt, bis er das Zeugnis zum einjährigen Dienſt er - langt hatte, und widmete ſich darauf der Technik, indem er zwei Jahre lang in den verſchiedenſten Werkſtät - ten großer Fabriken des Jnduſtrie - reviers praktiſch arbeitete. Zu Oſtern 1899 ließ er ſich als Student der Techniſchen Hochſchule in Darmſtadt immatrikulieren, wo er faſt drei Jahre lang neben ſeinen Fachſtudien auch Vorleſungen über Philoſophie, An - thropologie u. Sozialökonomie hörte. Dann aber faßte er den Entſchluß, ſich der Schriftſtellerei zu widmen u. war er ſeitdem nach dieſer Richtung hin in ſeiner Vaterſtadt tätig, bis er 1907 nach Eſſen a. d. Ruhr überſie - delte.
Die Ruſſalka (Moderne N.), 1903. – Jrrende Treue (Eine*29AdaGeſch. ), 1904. – Wilde Liebe (N.), 1904. – Heidezauber u. Mädchenliebe (N.), 1905.
geb. am 19. Novbr. 1864 zu Magdeburg, beſuchte die dor - tige Guericke-Schule, die er aber in den oberen Klaſſen auf Wunſch ſeines Vaters verließ, um ſich dem Kauf - mannsſtande zu widmen. Fünf Jahre hielt er in dieſem Berufe aus, dann folgte er ſeiner Neigung und widmete ſich ſeitdem, durch glückliche Verhält - niſſe unterſtützt, ausſchließlich den ſchönen Wiſſenſchaften. Er lebt noch jetzt in Magdeburg.
Die Huſſiten (Schſp. ), 1890.
pſeud. Paul Frohberg, wurde am 18. Oktbr. 1816 zu Suhl geboren, ſtudierte von 1835 – 36 Medizin, dann Philoſophie u. Geſchichte in Berlin und lebt ſeit - dem als Schriftſteller in der preußi - ſchen Hauptſtadt. Jm Jahre 1839 begründete er den Novellenalmanach „ Sonnenblumen “, den er durch zehn Jahrgänge leitete. Auch dichtete er für das damalige Königsſtädter Thea - ter in Berlin mehrere Originaldra - men und lieferte freie Bearbeitungen fremder Stoffe. Seit 1849 beteiligte ſich A. als literariſcher Mitarbeiter u. Referent über die königl. Bühnen an der „ Neuen Preuß. Zeitung “; gleichzeitig wandte er ſich mehr der hiſtoriſchen Novelliſtik zu, ſchrieb auch ſeit 1853 faſt alljährlich Feſtſpiele u. Prologe für die königliche Bühne in Berlin. Jn Anerkennung ſeiner pa - triotiſch-literariſchen Tätigkeit wurde er 1868 zum königlichen Hofrat er - nannt. Er † in Berlin am 5. Auguſt 1893. Seine bedeutendſte Schrift iſt ſeine Lebensbeſchreibung der „ Luiſe, Königin von Preußen “(9. A., 1876. 18. A. 1906).
Richard u. Blondel (O.), 1835. – König und Zwerg (N.), 1835. – Die Freiſchützenbraut (N.), 1836. – Frauen-Novellen a. d. hiſtor. u. modernen Leben; III, 1840. – No - vellengeiſter der Vorzeit und Gegen -Adewart, 1. Bd., 1841. – Sonnenblumen aus Süd u. Weſt. Novellenalmanach für 1839 – 49. – Vor und hinter den Kuliſſen (Almanach erprobter Büh - nenſpiele), 1. Bd. 1843 (Darin von A.: Lord und Räuber. Melodrama. – Mathilde. Familiengemälde). – Neue Frauen-Novellen, 1849. – Ein ehrlicher Mann (Lſp. ), 1850. – Fürſt u. Bergmann (E.), 1851. – Die eiſerne Maske (E.), 1851. – Die Weihnachts - glocken (N.), 1851. – Der Aufſtand in Barcelona (Schſp. ), 1852. – Zwei Junitage (Genrebild), 1854. – Prinz u. Apotheker, oder: Der letzte Stuart (Lſp. ), 1862. – Tauſend Ängſte um nichts (Lſp. ), 1863. – Fürſten - und Volksbilder a. d. vaterländ. Geſchichte (En.), 1863. – Aus den Tagen zweier Könige (En.); II, 1866. (Jnhalt: I. Ein Abend und ein Morgen Fried - rich Wilhelms I. – II. Eine Konfi - denz-Tafel Friedrichs des Großen. ) – Große u. kleine Welt (Re.); IV, 1870. – Der Doppelgänger (Lſp. ), 1870. – Ein deutſcher Leinweber (Lſp. ), 1870. – Provinzial-Unruhen (P.), 1871. – Dramatiſche Genrebilder); II, 1870. – Fenſter zu vermieten (Lſp. ), 1872. – Die Falkenſteiner (O.), 1876. – Aus Friedrichs des Großen Zeit (En.); II, 1878. – Das Buch vom Kaiſer Wilhelm; II, 1888 – 89.
Pſeud. für Fer - dinand Bronner; ſ. d.!
Pſeud. für Adelaide Marie Jwerſen; ſ. d.!
Pſeud. für Ade - line von Rumohr; ſ. d.!
, wurde am 4. Juli 1848 in Stuttgart geboren, wo ſein Vater damals Juſtizaſſeſſor war und vorübergehend dem katholiſchen Kirchenrat angehörte, der den konfeſ - ſionellen Frieden im Lande befeſtigen ſollte, aber durch die Herrſchſucht der Römlinge gerade das Gegenteil her - vorrief. Schon 1852 ſtarb der Vater, und die Mutter, eine Verwandte Uh -*30Adelands und Proteſtantin, widmete ſich nun mit ganzer Kraft und Liebe der Erziehung ihrer beiden Knaben, von denen Alfred der älteſte war. Nach Beſuch des Gymnaſiums in Stuttgart trat dieſer im Herbſt 1864 in die da - malige Kriegsſchule in Ludwigsburg ein, wurde nach deren Auflöſung 1866 mit dem Offizierspatent zur Reſerve geſtellt, nach dem Friedensſchluß aber wieder in die Leutnantsſchule in Lud - wigsburg aufgenommen u. 1867 zum Leutnant im jetzigen Ulanenregiment Nr. 20 ernannt. Jm Juli 1870 zum Premierleutnant befördert, ſollte er bei Ausbruch des Krieges gegen Frankreich in der Heimat zurückblei - ben; doch wußte er ſich vom Könige ſelber die Erlaubnis zur Teilnahme an dem Feldzuge zu erbitten. Bei Sedan, Mezières, Nogent a. S., wo er ſich das eiſerne Kreuz erwarb, bei Villiers und Champigny hatte er Ge - legenheit, ſich als pflichttreuer Soldat zu bewähren. Aber trotz der Anſpan - nung aller Kräfte, welche die Kriegs - zeit erforderte, fand A. in Biwaks, in Quartieren und während der Okku - pation der Champagne immer noch Zeit, in friſch gezeichneten Bildern kurze Erinnerungen, Skizzen und No - velletten in die Heimat zu ſenden. Nach dem Kriege wurde A. nach Lud - wigsburg verſetzt, wo er neben ſei - nem täglichen Dienſt im Ulanenregi - ment König Karl Nr. 19 auch den Unterricht in Geſchichte u. Geographie in der Regimentsſchule u. den Fecht - unterricht der Offiziere des Regiments zu erteilen hatte. Jm Jahre 1872 unternahm er eine Reiſe nach Nor - wegen und Schweden, Dänemark und Helgoland, und 1873 eine ſolche in das Salzkammergut und nach Wien. Jm Herbſt 1874 war er während der württembergiſchen, heſſiſchen u. pfäl - ziſchen Manöver als Ordonnanzoffi - zier zum Kronprinzen des Deutſchen Reiches kommandiert u. erhielt dar - auf den längſt erſtrebten Urlaub, aufAdeein Jahr zu weiterer Ausbildung auf die Univerſität Wien u. nach Jtalien gehen zu dürfen. Dieſes Land durch - wanderte er während ſieben Monate von Trieſt bis Syrakus. Nach ſeiner Heimkehr wurde er 1876 zum Adju - tanten der 27. Kavalleriebrigade, 1877 zum perſönlichen Adjutanten des Prinzen Wilhelm Thronfolgers u. bald darauf zum Rittmeiſter beför - dert. Beſondere Neigung für ſchrift - ſtelleriſche Tätigkeit veranlaßte ihn 1880 ſeinen Abſchied zu nehmen, und benutzte er die folgende Zeit teils zum Beſuch der Univerſität Berlin, teils zu Reiſen. Nach ſeiner Verheiratung (1882) ließ er ſich zunächſt in Horſt (Reg. -Bez. Düſſeldorf), im Sommer 1883 auf Schloß Allner im Siegtal nieder, zog 1886 nach Wiesbaden und ſtarb hier am 18. April 1887.
Aus dem Felde (Sk. u. Nn.), 1871. – Selbſt errungen (R.); II, 1872. – Ein Aus - flug in die Normandie (N.), 1873. — Aus Jtalien. Sieben Monate in Kunſt u. Natur, 1877. – Schwert u. Feder (R.), 1881. – Am liguriſchen Meere. Die Naturpracht der Riviera di Ponente, 1884. – Was iſt Glück? (Nn.), 1885. – Beno Donzini (R.), 1885. — Fenella (R.), 1886. – Frei von Rom! (Manifeſt), 1886. – Geſam - melte Werke, Bd. I – VI; 1889 – 1900 (Jnhalt: I. Biographie und geſam - melte Aufſätze. – II. Jm Königsforſt. Roman. – III. Novellen u. Skizzen. – IV. Jtalieniſche Novellen u. anderes. – V. Am blauen Meere. Die Natur - pracht der Riviera di Ponente. – VI. Aus Jtalien. Sieben Monate in Kunſt und Natur).
geb. am 3. Novbr. 1811 zu Würzburg, verlor ſchon im 8. Jahre ihren Vater, er - hielt aber durch eine liebenswürdige Mutter im engſten Familienkreiſe eine vortreffliche Erziehung. Sie lebte unverheiratet in Würzburg bis zu ihrem Tode am 12. Dezbr. 1887.
Gedichte, 1844. – Erinnerungen*31Adean Kiſſingen, 1864. – Gedichte (hrsg. v. Karl Schrattenthal), 1889.
Pſeud. für Mela - nie Steinrück; ſ. d.!
* am 17. Juni 1881 in Boitzenburg a. d. Elbe als der Sohn eines Generalagenten, be - ſuchte das Gymnaſium in Dortmund und ſchrieb unmittelbar nach ſeinem Abgang von demſelben mit 17 Jahren als Buchhändlerlehrling in Kleve die Schülernovelle „ Werden “, die ſo un - liebſames Aufſehen erregte, daß A. ſeine Stellung in Kleve aufgeben mußte u. ſeine Mutter u. Geſchwiſter zum Fortgang von Dortmund ge - zwungen waren. Nachdem A. noch in einer Kölner Buchhandlung tätig ge - weſen war, ſiedelte er erſt zur Unter - ſtützung einer finanziell ſchwer be - drängten Familie nach Huckarde bei Dortmund über und trat 1899 in die journaliſtiſche Laufbahn ein. Er redi - gierte erſt den „ Generalanzeiger “in Eberswalde, 1900 – 03 die „ Neue Stet - tiner Zeitung “, 1904 das Feuilleton der Wiener „ Zeit “, und iſt ſeit dem Herbſt 1906 Feuilletonredakteur der „ Neuen Hamburger Zeitung “.
Werden (N.), 1899. – Der Dritte (Dr.), 1899. – Sein Erlöſer (Tr.), 1901. – Die Wand (Tragikom. ), 1901.
pſeud. Aimée Duc, geb. am 1. Mai 1869 in Straß - burg i. E., erhielt ihre Erziehung in Frankreich, verheiratete ſich mit dem Schweizer Schriftſteller Dr. Wett - ſtein, lebte 1891 in Berlin-Charlot - tenburg, gibt ſeit 1893 die „ Berliner Modenkorreſpondenz “heraus, die ſie auch 1894 von Pegli bei Genua aus, 1895 von München aus, 1897 von Dresden aus, 1899 von Paris aus und 1900 von Berlin aus redigierte. Seit 1903 lebt ſie in Kairo.
Sind es Frauen? (R. über das dritte Ge - ſchlecht), 1901. – Des Paſtors Liebe. Ein modernes Sittenbild (R.), 1904.
geb. am 2. Dezbr. 1828 zu Nordhauſen inAdlder Provinz Sachſen, ſtudierte 1848 bis 1852 in Bonn Mathematik u. Na - turwiſſenſchaften, promovierte zum Dr. phil., war dann nach Erſtehung der Oberlehrerprüfung Aſſiſtent im chemiſchen Laboratorium zu Göttin - gen, 1853 – 58 Lehrer in Frankfurt a. M., privatiſierte darauf in Jena u. Weimar, wirkte wieder als Lehrer in Dresden u. lebte in der Folge als Schriftſteller in Moskau, Karlsruhe, Berlin, Kaſſel, worauf er 1870 nach Paris ging. 1883 nach Deutſchland zurückgekehrt, ging er ſchon 1885 wie - der nach Frankreich u. redigierte ſeit 1886 von Paris aus die „ Thalyſia. Vereinsblatt für Freunde der natur - gemäßen Lebensweiſe. “ Er † dort am 18. Oktbr. 1890.
Feldblumen (Ge. ), 1856. – Giordano Bruno (Hiſt. Trauerſp. ), 1859. – Lore (E.), 1859. – Neues Leben. Lieder eines Vege - tarianers, 1882. – Harz-Balladen, 1889. – Kornblumen (Ge. ), 1889.
am 13. Febr. 1857 zu Amſchelberg in Böhmen als der Sohn eines Seifenſieders und Gaſtwirts, verwaiſte frühzeitig und hatte vom 10. Jahre an eine trübe Jugendzeit zu durchleben, wodurch ihm ſein Bildungsgang ſehr erſchwert wurde. Trotzdem erreichte er es, das Gymnaſium zu Prag zu abſolvieren und die dortige Univerſität zu be - ziehen, an der er zunächſt orientaliſche Sprachen, danach aber die Rechte und politiſche Wiſſenſchaften ſtudierte; doch gingen ſeine Sprachſtudien als Liebhaberei immer nebenher. Nach - dem er im Novbr. 1883 zum Doktor der Rechte promoviert worden, ab - ſolvierte er in Prag die Gerichts - u. Advokaturpraxis und eröffnete am 1. Jan. 1891 daſelbſt eine eigene Ad - vokaturkanzlei, die er aber wieder ſchloß, als er 1896 die Stelle eines Sekretärs des Prager Handelsgre - miums antrat. Seit 1885 war er als Berichterſtatter für das Theater tätig, ſpäter führte er das Referat beim*32Adl„ Prager Tagblatt “, ſeit 1900 bei der „ Bohemia “. Auch bekleidete er ſeit 1900 die Stelle eines Lehrers der ſpa - niſchen Sprache an der deutſchen Handelsakademie und iſt ordentliches Mitglied der Geſellſchaft zur Förde - rung der deutſchen Wiſſenſchaft, Kunſt und Literatur in Böhmen.
Lite - rariſche Fabeln von Don Tomas de Jriarte (Aus d. Spaniſchen überſ. ), 1888. – Der Student von Padua. Die Promotion. Eine gute Haut (Aus d. Jtalien. des Arnaldo Fuſi - nato überſ. ), 1891. – Gedichte, 1893. – Gedichte von Jaroslav Vrchlicky (Aus dem Tſchechiſch. überſ. ), 1895. – Neue Gedichte 1898. – Sport (Schſp. ), 1899. – Moderne Lyrik (Vortrag), 1900. – Zwei Eiſen im Feuer (Lſp., frei n. Calderon), 1900. 2. A. 1905. – Don Gil (Kom. n. d. Motiven des Tirſo de Molina), 1902. – Freiheit (3 Einakter: Freiheit. – Der Prophet Elias. – Karneval), 1904. – Vom gol - denen Kragen (Sonette), 1907.
geb. am 5. Dez. 1849 zu Frankfurt a. M., beſuchte bis zum Jahre 1866 das dortige Philan - tropin und legte 1868 in Wiesbaden die Lehrerinnenprüfung ab. Sie wirkte dann als Lehrerin u. Erziehe - rin in der Waiſenanſtalt des Frank - furter israel. Frauenvereins, bis ſie wegen angegriffener Geſundheit ge - nötigt wurde, von ihrer Berufstätig - keit zurückzutreten. Sie lebt noch jetzt in Frankfurt a. M.
Beim Kuckuck (Launige Waldgeſänge), 1882. – Vor - reden u. Bruchſtücke (Poetiſche Mu - ſterkarte), 1897. – Fridde uff Erde! (Ääne Gardinepreddigt), 1897.
geb. am 5. März 1850 zu Eibenſchütz in Öſterreich als der Sohn eines Arztes, wurde durch Roderich Anſchütz u. Alexander Stra - koſch für die Bühne vorbereitet und begann ſeine theatraliſche Laufbahn in Karlsbad als Friedrich Schiller in Laubes „ Karlsſchüler “. Er ſpielte danach an ganz kleinen ſächſiſchenAdlBühnen, hatte aber während dieſer Zeit ſeines Nomadenlebens vielfach Gelegenheit, ſich als Regiſſeur zu be - tätigen, ſo daß er ſich ſchließlich ganz und gar der Regie widmete. Seit 1889 wirkte er als Regiſſeur in Riga, führte ſeit 1892 die Oberregie des Schauſpiels am Stadttheater in Breslau und wurde von dort 1894 als Oberregiſſeur an das neubegrün - dete Schiller-Theater in Berlin be - rufen. Nach zwei Jahren ging er in gleicher Eigenſchaft an das Stadt - theater in Leipzig u. trat am 1. Oktbr. 1902 als Regiſſeur und Dramaturg in den Verband der königl. Schau - ſpiele in Berlin.
Das Buch Hiob (Schſp.). Nur drei Worte (Lſp. ), 1891. – Das Friedensdenkmal (Schſp. ), 1898.
pſeud. Max Relda, wurde am 16. Juni 1867 zu Döbeln in Sachſen geboren, beſuchte die Fürſtenſchule St. Afra in Meißen, wo er das „ Afraniſche Dichterkränz - chen “, das ſchon zu Leſſings Zeit be - ſtand, neubegründete, u. bezog Oſtern 1887 die Univerſität Leipzig, an wel - cher er erſt Medizin, dann die Rechte ſtudierte, nebenbei ſich auch mit Volkswirtſchaft, Geſchichte und Muſik beſchäftigte und als Rezenſent für Kunſt und Muſik an verſchiedenen Leipziger Zeitungen tätig war. Jm Frühjahr 1892 unterbrach er ſeine Studien, lebte als Schriftſteller in der Folge in Leipzig, Franzensbad u. Berlin, kehrte aber im April 1893 nach Leipzig zurück, wo er ſein Stu - dium der Jurisprudenz beendete und dann als Referendar am dortigen Landgericht tätig war. Nach Er - ſtehung des großen Staatsexamens (1899) ließ er ſich in Döbeln als Rechtsanwalt nieder.
Veilchen (Ge. ), 1887. – Mitis. Ein Lieder - zyklus, kompon. von Georg Haeſer, 1893. – Aus dem Reiche des Storches (Sk., Sat. u. Lyr.), 1895. Neue Ausg. 1906.
*33Adlgeb. am 3. Septbr. 1831 in Habern (Böhmen), beſuchte die Gymnaſien in Jglau u. Prag und ſtudierte darauf an den Univerſitäten in Prag u. Wien Rechts - u. Staats - wiſſenſchaften, wie auch antike und moderne Sprachen u. Literatur. Er behielt ſeinen Wohnſitz in Wien und war hier als Schriftſteller beſonders nach der Richtung hin tätig, daß er ſtets die Philoſophie der Geſchichte, des Rechts und der Jnſtitutionen auf das Problem des weltrechtlich zu ſchützenden internationalen Friedens anwandte. Er war dann auch, be - ſonders in den Jahren 1890 – 1900, ein fleißiger Mitarbeiter der Zeit - ſchrift „ Die Waffen nieder! “u. ver - öffentlichte ſchon 1868 ſein bekanntes Werk „ Der Krieg, die Kongreßidee und die allgemeine Wehrpflicht “.
Die Opale (Jdealiſt. M.), 1901.
wurde am 18. Auguſt 1854 zu Ratibor in Schleſien ge - boren, wo der Vater, Graf Alexan - der von Balleſtrem di Caſtellengo, die Stelle eines Landſchaftsdirektors bekleidete. Als dieſer 1860 ſein Amt niederlegte, zog er ſich nach Brieg und ſpäter nach Hirſchberg zurück, u. hier verlebte Eufemia, die jüngſte Tochter des gräflichen Paares, eine ſehr glück - liche Jugend. Jhren Unterricht er - hielt ſie im elterlichen Hauſe. Neben ihrer literariſchen Begabung, welche der Vater mit Vorliebe pflegte, zeigte ſie auch ein ungewöhnliches muſika - liſches Talent und entfaltete nament - lich eine ſchöne Sopranſtimme von ſeltenem Umfange, die von den beſten Lehrern und zuletzt von der Kammer - ſängerin Jenny Bürde-Ney in Dres - den ausgebildet wurde. Nach dem 1881 erfolgten Tode ihres Vaters bereiſte Eufemia mit ihrer Mutter Jtalien, weilte lange in Rom, Flo - renz, Mailand, Venedig, wurde hier zur Malerei angeregt und begann be - ſonders für Porträtmalerei ein ganzAdlvortreffliches Talent zu entwickeln. Nach der Rückkehr in die Heimat wurde Breslau zum Wohnſitz gewählt, und hier lernte die Dichterin den dama - ligen Rittmeiſter Joſeph von Adlers - feld kennen, mit dem ſie ſich im Mai 1884 vermählte u. zuerſt in Militſch, ſeit 1889 in Karlsruhe in Baden und ſeit 1894 in Durlach lebte. Jm Som - mer 1897 trat ihr Gatte, der inzwi - ſchen zum Oberſtleutnant befördert worden war, in den Ruheſtand, und nachdem das Ehepaar darauf die Al - penwelt beſucht hatte, ließ es ſich in Baden-Baden nieder, weilte 1899 bis 1903 viel auf Reiſen, beſonders in der Schweiz (Bern, Zürich, Genf) u. nahm dann feſten Wohnſitz in Vevey (Schweiz), wo es bis 1907 verblieb, in welchem Jahre Oberſtleutnant von A. ſtarb. Seitdem wohnt Eufemia v. A. -B. wieder in Karlsruhe. Sie iſt Mitglied der „ Arkadia “in Rom u. war bis zu ihrer Vermählung Ehrenſtifts - dame des k. k. Stifts „ Maria Schul “in Brünn.
Blätter im Winde (Nn.), 1876. (Jnhalt: Die Brillanten der Prinzeſſin. – Eine namenloſe Ge - ſchichte. – Der Page des Kardinals. – Eine Überraſchung. – Orchidea. ) – Geſammelte Novellen, 1876. (Jn - halt: Jadviga. – Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht. – Die wilde Margaret. – Ein Opfer – Sal Viola. ) – Verſchlungene Pfade (Nn.), 1877. – Lady Meluſine (R.), 1878. 4. A. 1899. – Tropfen im Ozean (Ge. ), 1878. 2. A. 1898. – Das Erbe der zweiten Frau (R.); II, 1878. – Heide - röslein (R.), 1880. 5. A. 1903. – Charitas (Almanach), 1880. – Ein Meteor (Dr.), 1880. – Raoul der Page (Ep. G.), 1881. 2. A. 1899. – Jm Glanze der Krone (Biogr. Sk. regie - render Fürſtinnen), 1882. – Jm Zei - chen des Roten Kreuzes (Selbſtſchrif - ten-Album), 1882. – Altbibliſche Bil - der, 1882. – Aus tiefem Borne (Nn.), 1883. – Violet (R.), 1883. 2. A. 1904. – Skaldenklänge (Anthol., mit Her -* 334Adlmann Lingg), 1883. – Die Augen der Aſſunta und andere Novellen, 1886. 3. A. 1907. – Die blonden Frauen von Ulmenried (E.), 1889. 3. A. 1896. – Sol und andere Novellen, 1889. – Datura sanguinea und andere No - vellen, 1889. – Um eine Königskrone und andere Novellen, 1890. – Erinne - rungen aus den Tuilerien von Mad. A. Carette, frei übertr. II, 1890. – Der Falkner von Falkenhof (R.), II, 1890. 4. A. 1905. – Lanzen gefällt, zur Attacke. (Heit. Geſchichten), 1891. 4. A. 1903. – Komteſſe Käthe (Humo - resken), 1894. 30. A. 1903. – Aus der Rumpelkammer der Weltgeſchichte (Sk. u. Studien), 1896. – Die weißen Roſen von Ravensberg (R.), II, 1896. 4. A. 1904. – Katechismus des guten Tones und der feinen Sitte, 1892. 2. A. 1897. – Das goldene Buch (Ge - nealog. Tabellenwerk), 2. A. 1897. – Pommery & Greno u. and. Kuckucks - neſter-Geſchichten, 1897. – Komteſſe Käthe in der Ehe (Humoresk. ), 1899. 40. A. 1907. – Was die Blumen ſa - gen (Anthol. ), 1882. – Maria Stuart (Blätter zu ihrem Andenken und zu ihrer Ehre), 1889. – Windbeutel und andere heitere Geſchichten, 1900. – Penſion Malepartus (Eine ganz ver - rückte Geſch. ), 1901. 22. A. 1903. – Halali. Der Fall Stackelberg (2 Krim. -Nn. ), 1902. – Der Kampf ums Glück (E.), 1902. – Kaiſerin Auguſta (Lebensbild), 1902. – Die blonde Jda und andere Humoresken, 1903. – Trix (R.), 1903. 12. A. 1904. – Tiere und Menſchen (Heit. Geſchn. ), 1904. 2. A. in zwei beſonderen Werken u. d. T.: Zigeunerblut und andere Novellen, 1905 und: Tannhäuſer und andere Novellen, 1905. – Ca’ Spada (Eine Trag. a. d. alten und ein Myſterium a. d. modernen Venedig), 1904. 3. A. 1905. – Major Fuchs auf Reiſen (2. Tl. von „ Penſion Malepartus “. Tragikom. Erlebniſſe), 1905. – Die Fürſtäbtiſſin. Der Spiegel der Lu - krezia Borgia (2 En.), 1906. – Dja -Adovahir. Luzifers Träne (2 Nn.), 1. – 3. A. 1906. – Y. Z. 100 u. andere Hu - moresken, 1907. – Maria Schnee (Der R. eines Rätſels), 1907. 2. A. – Diplomaten (Ein R. in 45 Stunden), 1907. – Die Dame in Gelb (Eine ſonderbare Geſchichte), 1908. – Eliſa - beth Chriſtine, Kön. von Preußen, Biogr., 1908.
Pſeud. für Oskar Wilda; ſ. d.!
Pſeud. für Johann Al - brecht Vogtherr; ſ. d.!
Pſeud. für Karl Adolf Selke; ſ. d.!
Pſeud. für Adolf Laſſon; ſ. d.!
wurde am 13 / 25. Aug. 1815 zu Tieg - nitz bei Pernau in Livland geboren und ſtammt aus einer um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus Brieg in Schleſien nach Kurland eingewan - derten u. von dort teilweiſe nach Liv - land übergeſiedelten Familie. Er be - ſuchte ſeit 1829 das Gymnaſium zu Dorpat, wo er im Hauſe des bekann - ten, literariſch begabten Univerſitäts - rentmeiſters Martin Asmus lebte, trat 1834 zur dortigen Univerſität über, an der er Medizin ſtudierte, und wurde im Dezember 1840 zum Arzte erſter Klaſſe kreiert. Darauf ging er ins Ausland, wo er das Jahr 1841 u. einen Teil des folgenden zubrachte, teils auf Reiſen am Rhein, in Süd - deutſchland, der Schweiz und Ober - italien, teils mit Fortſetzung ſeiner Studien auf den Univerſitäten Wien, Würzburg u. Berlin beſchäftigt. An letzterem Orte verlebte er den Winter mit dem baltiſchen Dichter Roman Baron Budberg (ſ. d.), der ihn dem Dichterkreis „ Tunnel über der Spree “zuführte. Jm Frühling 1842 in die Heimat zurückgekehrt, gab er ſich bald ganz der ärztlichen Praxis hin, wurde im Oktober Arzt des Kirchſpiels Roop und 1846 als Stadtarzt in Wenden angeſtellt, welche Funktion er bis zu*35Adoſeinem Tode innehatte. Geſundheits - rückſichten nötigten ihn wiederholt, das Bad Reichenhall zu beſuchen. Auf einer 1860 nach Deutſchland unter - nommenen Reiſe lernte er in Mün - chen Em. Geibel kennen, der ſich über A. s Gedichte anerkennend äußerte u. ſomit die Herausgabe derſelben ver - anlaßte. A. ſtarb in Wenden am 17. (29. n. St.) April 1874.
Gedichte, 1863. 2. A. 1873. – Poetiſcher Nach - laß, 1877.
Pſeud. für Adolf Plönnis; ſ. d.!
Pſeud. für Karl Heumann; ſ. d.!
Pſeud. für Gräfin Marie Thereſe von Ledochowska; ſ. d.!
Pſeud. für Karl Stricker; ſ. d.!
geb. am 10. April 1825 in Tilſit als der Sohn des als Vertreters der Ho - möopathie bekannten Arztes Julius Ae., kam mit ſeinen Eltern früh nach Düſſeldorf, wo der Vater die Stelle eines Leibarztes des Prinzen Fried - rich von Preußen erhalten hatte, und verlebte hier in den ausgewählteſten Kreiſen die erſten Jahre ſeiner Kind - heit. Schon 1835 kehrte die Familie nach Oſtpreußen zurück und nahm ihren Wohnſitz in Königsberg, wo Ludwig Ae. 1842 das Gymnaſium abſolvierte u. an der Univerſität das Rechtsſtudium begann. Er ſetzte das - ſelbe ſeit 1843 in Heidelberg u. ſpäter in Berlin fort, wurde aber an einem Abſchluß durch die Ereigniſſe des Jahres 1848 gehindert, die ihn in das politiſche Fahrwaſſer hineintrie - ben. Er nahm die Stelle eines Sekre - tärs bei den Miniſtern Auerswald u. Dönhoff an, beteiligte ſich an den Parlamenten in Frankfurt u. Erfurt u. war einer der tätigſten Mitarbeiter an der gegen Manteuffels Politik gerichteten „ Konſtitutionellen Zei - tung “. Auch zahlreiche politiſche Bro -Agnſchüren warf er in die Öffentlichkeit. Jm Auguſt 1851 beſtand er in Göt - tingen ſein Staatsexamen, habili - tierte ſich im Januar 1853 daſelbſt für Rechtsenzyklopädie, Kirchenrecht, Staats - und Völkerrecht, ſchied aber ſchon 1854 aus dieſer Stellung und ging als außerordentl. Profeſſor nach Erlangen, wo er bis 1859 blieb, um dann einem Rufe an das akademiſche Gymnaſium in Hamburg zu folgen. Hier begründete er 1861 „ Das Staatsarchiv, Sammlung der offi - ziellen Aktenſtücke zur Geſchichte der Gegenwart “, das er bis 1871 leitete u. das noch heute erſcheint. Jm Jahre 1868 ging Ae. als ordentlicher Pro - feſſor des Staatsrechts nach Bonn, begründete hier 1870 einen Nothel - ferverein und führte am 6. Auguſt ſelbſt eine Abteilung dieſes Korps ins Feld, zog ſich aber bei dieſen Sama - riterdienſten ein unheilbares Fußlei - den zu, das ihn körperlich zum Jnva - liden machte. Jm April 1871 wurde er durch Bismarck als vortragender Rat in die politiſche Abteilung des Auswärtigen Amtes berufen, um darin das Preßdezernat zu überneh - men. Dieſen ſchwierigen Poſten be - kleidete Ae. bis zum Jahre 1877, worauf er zu ſeiner akademiſchen Wirkſamkeit zurückkehrte. Als Hono - rarprofeſſor in der juriſtiſchen Fakul - tät der Univerſität Berlin iſt er dann noch bis zu ſeinem Tode, 20. Novbr. 1901, tätig geweſen. Unter dem Na - men Ludwig Helfenſtein ſchrieb er
Der Rotbart (Trſp. ), 1871. – Allerſeelen (Ein Vorſpiel), 1885.
Fürſtin Reuß j. L., Pſeud. Ange - lika Hohenſtein, war die Tochter des berühmten Feldherrn der Be - freiungskriege, Herzogs Eugen von Württemberg, und ſeiner Gemahlin Helene, geb. Prinzeſſin von Hohen - lohe-Langenberg und wurde am 13. Oktbr. 1835 zu Karlsruhe in Schleſien geb. Am 6. Februar 1858 vermählte* 3*36Ahſie ſich mit dem regierenden Fürſten Heinrich XIV. Reuß j. Linie, mit dem ſie in 28 jähriger glücklicher Ehe ver - bunden blieb. Mit ſeltener Herzens - güte und regem Sinn für alles Gute und Schöne ausgeſtattet, hat ſie alle - zeit ihre beſondere Freude an Werken ſtiller Wohltätigkeit gefunden; allem Prunke fremd, war es ſtets ihr Be - ſtreben, den Armen u. Notleidenden mit offener Hand beizuſtehen. Eine Reihe von ihr begründeter milder Stiftungen und Jnſtitute, wie die Agnes-Schule, die Lehranſtalt für weibliche Dienſtboten in Gera u. a. ähnliche Anſtalten erfreuten ſich ihrer opferbereiten Hilfe u. Unterſtützung. Sie ſtarb auf Schloß Oſterſtein bei Gera am 10. Juli 1886.
Helene (E.), 1867. – Aus ſchönen Stunden (8 Bilder), 1878. (Jnhalt: Fra Gio - vanni Angelico da Fieſole. – Ros - witha. – Aus Venedig. – Eine Wald - phantaſie. – Drei Volkslieder in einem Bilde. – Jm Hinterſtübchen. – Die Lilie auf dem Meraner Friedhof. – Johann Arnolds Tagebuch. ) – Der Segen der Großmutter (Familien - bild); II, 1880.
pſeudon. Hartmann v. Baldegg, wurde am 15. Dezember 1834 zu Sach - ſeln in Obwalden als der Sohn eines Bauern geboren, erhielt ſeine Gymnaſialbildung bei den Benedik - tinern in Sarnen und 1851 – 53 auf dem Lyzeum in Einſiedeln und abſol - vierte ſeine theologiſchen Studien vollſtändig am Prieſterſeminar in Chur. Am 9. Aug. 1857 erhielt er die Prieſterweihe, wurde kurz darauf Vi - kar in Bern u. 1859 in Freiberg im Uechtland, wo er Gelegenheit fand, ſich die franzöſiſche Sprache in voll - kommenem Maße anzueignen. Jn die Heimat zurückgekehrt, wirkte er 1863 bis 1867 in Stans zuerſt als Kinder - pfarrer u. Oberlehrer und ſeit 1866 als Frühmeſſer. Ende dieſes Jahres gründete er mit Johann von MattAhldas „ Nidwaldener Volksblatt “, deſſen Leitartikel er bis zu ſeinem Tode redi - gierte. Jm Herbſt 1867 war A. zum Pfarrer von Kerns in Obwalden be - rufen worden, und hier wirkte er bis zu ſeinem Tode am 1. Septbr. 1896. Jm Jahre 1872 war er auch zum Schulinſpektor gewählt worden, wel - ches Amt er mit einer kurzen Unter - brechung bis zu ſeinem Ende ver - waltete, 1874 zum Mitgliede des kantonalen Erziehungsrats, u. 1888 hatte ihn der Biſchof von Chur zum Kommiſſar für Obwalden ernannt. Außer den Lebensbeſchreibungen des „ Nikolaus von Flüe “(1887) und des „ heiligen Karl Borromäus “(1885) und einem nach ſeinem Tode erſchie - nenen Bande „ Predigten u. Predigt - entwürfe “(1904) veröffentlichte er
Subſylvania (Hiſtor. -romant. Feſtſpiel), 1858. – Marienkrone (An - thol. von Dn.), 1858. – Der Löwe von Luzern (Hiſt. Volksſchſp. 1881), 1896. – Hans Waldmann (Hiſtor. Schſp. 1888), 1894.
pſeud. Luiſe Haidheim, wurde am 14. Mai 1834 in dem Städtchen Melle bei Osna - brück als die älteſte Tochter des han - növerſchen Juſtizbeamten E. Jae - ger geboren, erhielt ihren Unterricht meiſt durch Hauslehrer und den Ab - ſchluß ihrer Schulbildung in Göttin - gen, wo ſie als junges Mädchen zwei Jahre im Hauſe der Großeltern weilte. Jm Jahre 1855 verheiratete ſie ſich mit dem Gutsbeſitzer u. nachmaligen Domänenpächter Oberamtmann Ahl - born u. lebte mit ihm bis zu ſeinem Tode (1873) auf der Domäne Ehren - burg im Kreiſe Diepholz. Als Witwe wählte ſie zunächſt Osnabrück zu ihrem Wohnſitz, ſiedelte aber 1881 nach Hannover über, wohin ſie auch, nachdem ſie ſeit 1895 in Bad Harz - burg gelebt hatte, 1902 zurückkehrte.
Jm Geiſt und in der Wahrheit (R.); III, 1874. – Eliſabeth v. Bran - denburg (Hiſt. R.); III, 1878. – Das*37Ahlſchlimme Jahr (Hiſt. R.); III, 1880. – Die Familie Braunau (R.); III, 1883. – Philipp von Artevelde (Hiſt. R.); III, 1883. – Jm tiefen Forſt (R.); III, 1885. – Schloß Favorite (R.); III, 1887. 3. A. 1906. – Sich ſelbſt der Nächſte (R.), 1888. – Jm Beguinenturm (R.), 1890. – Prinz Dino Adorno (R.), 1890. – Anonym (R.), 1890. – Der Fechtbruder (E.), 1890. – Gundel von Buchsweiler (Hiſt. R.); II, 1890. – Jppolito de’ Medici (R.); II, 1892. – Unordnun - gen (R.), 1894. – Pflicht und Wunſch (R.), 1894. – Johann Duve (R. a. d. hannoverſchen Stadtgeſch.); II, 1897. – Hilf dir ſelbſt! (R.). 1895. – Unver - ſöhnlich (R.), 1899. – Zwei Herzogin - nen (Hiſt. R.), 1903. – Jn böſem Schein (R.), 1905.
wurde am 1. Novbr. 1810 zu Meh - ringen im Anhaltiſchen als der Sohn eines armen Zimmermanns u. Tage - löhners geboren. Der ihm verwandte Kantor des Dorfes und der Paſtor Bobbe erlangten mit vieler Mühe vom Vater die Einwilligung, den auf - geweckten Knaben den Studien zuzu - führen. Seit 1823 beſuchte dieſer die Gymnaſien zu Aſchersleben u. Deſſau und ſtudierte 1830 – 33 in Halle unter Geſenius, Wegſcheider, Ullmann und Tholuck Theologie. Nachdem er kurze Zeit Hauslehrer in Reupzig geweſen, wurde er 1834 Gymnaſiallehrer in Zerbſt, mußte aber wegen ſeiner bur - ſchenſchaftlichen Vergangenheit in Halle dieſe Stelle verlaſſen. Jm Jahre 1837 wurde er Rektor in Wörlitz, im Herbſt 1838 Prediger in Dorf-Als - leben, 1847 Paſtor an St. Laurentii in der Vorſtadt Neumarkt bei Halle und 1850 Paſtor an der Nikolaikirche in Leipzig. Nach 31 jähriger Wirk - ſamkeit hierſelbſt trat er, gezwungen durch ein mit völliger Erblindung drohendes Augenleiden, 1881 als Geh. Kirchenrat in den Ruheſtand u. ſtarb am 4. März 1884 in Leipzig. AhrWir beſitzen von ihm zahlreiche Pre - digtſammlungen.
Erzählungen für das Volk, 6 Hefte, 1847 ff. (Jn - halt: 1. Der Verwalter u. ſein Kind. – 2. Das Knechtsjubiläum. – 3. Des Spielers Gang und Ende. – 4. Der Auszugsvater. – 5. Berend Stein, der Knechtepaſtor. – 6. Das verachtete Kind.) 7. A. 1898. – Friedrich Ahlfeld (Ein Lebensbild mit einem Anhange von Gedichten), 1885. – Das rote Buch (Aus Kreuz und Freude einer Kaufmannsfamilie), 1867.
wurde am 10. Mai 1861 zu Genthin in der Provinz Sachſen als Sohn des (1874 †) Pa - ſtors G. Ed. Ahner geboren, der ſich als Verfaſſer zahlreicher geiſtlichen Dichtungen bekannt gemacht hat. Er beſuchte die Bürgerſchule ſeiner Va - terſtadt, ſeit Oſtern 1873 das Alum - nat der Franckeſchen Stiftungen (La - teiniſche Hauptſchule) in Halle a. S. und ſtudierte ſeit 1881 an der Aka - demie in Münſter und den Univerſi - täten zu Berlin und Leipzig klaſſiſche und deutſche Philologie. Nachdem er kurze Zeit Hauslehrer geweſen war u. ſein Staatsexamen abſolviert hatte, ging er 1887 nach Rudolſtadt, wo er bis Ende 1888 als Redakteur an der „ Deutſchen Enzyklopädie “tätig war, u. im Januar 1889 nach Berlin, wo er für kurze Zeit als Redakteur an der Berliner Zeitung „ Das Volk “angeſtellt wurde, danach aber als freier Schriftſteller lebt.
König Kreon (Tr. n. griech. Vorbild. ), 1890.
geb. Seemann, pſeud. Anna Pilot, entſtammt väterlicherſeits einem ſchwediſchen Ge - ſchlechte, das nach Mecklenburg ver - pflanzt ward und deſſen Glieder ſich beſonders der Landwirtſchaft wid - meten, während ihre mütterlichen Vorfahren im Lehr - u. Erziehungs - fache tätig waren. Sie wurde in Schwerin in Mecklenburg geboren, verlebte ihre Kindheit u. erſte Jugend aber in Roſtock, wo ihre Begabung*38Ahrfür das Unterrichten früh geweckt ward, da ihre Mutter, durch Kränk - lichkeit und den vorzeitigen Tod des Gatten veranlaßt, die Leitung einer Privatſchule übernommen hatte. Die Vorbereitung auf den Lehrerinnen - beruf erſchien alſo als etwas Selbſt - verſtändliches, und ſo iſt ſie denn auch viele Jahre als Erzieherin und Leh - rerin tätig geweſen, bis ſie ſich mit dem Augenarzte Dr. med. Ahrens in Lübeck verheiratete. Der glückliche Ehebund wurde indeſſen ſchon nach drei Jahren durch den Tod des Gat - ten gelöſt. Die Witwe zog nun mit ihrer einzigen Tochter und mit ihrer Mutter nach Warnemünde, wo ſie ein Töchterpenſionat gründete, das ſie nach einigen Jahren in eine Frem - denpenſion umwandelte.
Warne - münder Geſchichten (Nn.), 1899.
* am 2. Oktbr. 1834 in Sarlhuſen, Kirch - ſpiel Kellinghuſen, in Holſtein, be - ſuchte die Schule in Büngen, war dann an mehreren Schulen Präpa - rand u. trat 1854 in das Schullehrer - ſeminar zu Segeberg ein, um ſich dem Lehrerſtande zu widmen. Von Mi - chaelis 1857 an war er ein Jahr Hilfs - lehrer am Knabeninſtitut in Sege - berg, weilte dann 2½ Jahr als Hauslehrer auf der Rastorfer Papier - mühle, wurde 1861 Lehrer an der Knabenbürgerſchule in Jtzehoe, 1869 Lehrer in Kiel, 1871 Hauptlehrer da - ſelbſt u. verwaltete ſeit 1873 zugleich das Direktorat der dortigen Gewerbe - ſchule, das er ſeit 1879 allein u. defi - nitiv innehatte. Jm Herbſt 1903 trat er in den Ruheſtand.
Graf Adolf IV., oder: Vergangenheit u. Gegen - wart (Ep.), 1865. – Feldbloom (Platt - dtſche. Ge. ), 1873. – Plattdeutſche Gedichte zum Deklamieren (mit D. Bartels u. A. Bielfeld), 1876. – Feſt - grüße, den Mitgliedern u. Freunden des plattdeutſchen Vereins zu Leipzig dargebracht (mit Klaus Groth und Willem Schröder), 1875.
Aich* in Hanno - ver, kam 1838 nach den Vereinigten Staaten, ſchloß ſich 1839 der Metho - diſtenkirche an, wurde 1842 Mitglied der Kentucky-Konferenz und Prediger der deutſchen Methodiſtengemeinde in Louisville.
Die zwei Königstöch - ter (R.), 1864.
wurde am 24. Auguſt 1862 auf Schloß Fei - ſtritz im Mürztale Steiermarks als der Sohn des Rittmeiſters a. D. Gra - fen Camillo A. geboren, verlebte ſeine erſte Jugendzeit teils bei ſeinen El - tern in Steiermark und Krain, teils mit dieſen bei dem Großvater mütter - licherſeits, Freiherrn Zois von Edel - ſtein im Schloſſe Egg bei Krainburg u. beſuchte 1874 – 82 das Gymnaſium in Laibach, wo auch ſeine Großeltern die Winterzeit verbrachten und ſich in ihrem gaſtfreundlichen Hauſe ein Kreis bedeutender Männer verſam - melte, dem ſeinerzeit auch Anaſtaſius Grün angehörte. Schon während dieſer Zeit entſtanden die erſten Ge - dichte A. ’s, und mit dem Sinn für Poeſie erwachte in ihm auch jener für Muſik, in welcher Kunſt er es zu gro - ßer Fertigkeit brachte. Dann bezog er die Univerſität Graz, um die Rechte zu ſtudieren; doch konnte ihn dies Studium nicht feſſeln, und er beſchloß, nach Vollendung desſelben ſich nicht den Zwang der Amtstätigkeit aufzu - erlegen, ſondern ganz ſeiner Neigung für Poeſie und Muſik zu leben. Häu - figer Sommeraufenthalt in Ober - ſteiermark vermittelte ihm einen Ein - blick in das Leben u. die Sprache der Landbevölkerung, u. bald vermochte er dieſe Eindrücke mit vollſter Natür - lichkeit in Dialektdichtungen wieder - zugeben. Jn den Jahren 1891 – 94 verlebte er die Wintermonate auf ſei - nem Gute Mohrhof bei Marburg, die Sommermonate in Veldes, dem Land - ſitze ſeiner Eltern. Mit ihnen machte er dann im April 1895 die furcht - bare Erdbebenkataſtrophe in Laibach*39Akedurch, deren Schreckniſſe einen nach - haltigen ungünſtigen Einfluß auf ſeine Geſundheit ausübten. Nach einem vorübergehenden Aufenthalte in Graz entſchloß er ſich 1897, nach Wien zu überſiedeln. Hier fand er reiche Anregung u. Anerkennung ſei - nes Schaffens, doch hatte ſeine Ge - ſundheit unter dem haſtenden Treiben der Großſtadt ſehr zu leiden. Es ging mit derſelben immer mehr bergab, das milde Klima von Meran u. Görz brachte keine Beſſerung, und am 25. Novbr. 1902 verſchied er in Laibach in den Armen ſeiner Mutter, die ihn unermüdlich gepflegt hatte.
Nacht - falter (Lyr. Ge. ), 1890. – A greimt’s Graff’l (Mundartliche Ge. ), 1890. – Auf hamlichen Wegen (Mundartliche Proſa), 1891. – Mit Gott und ſich allein (Ernſte Gedanken in Ge. ), 1891. – Schmeidograd (Sg. in V.), 1894. – Skizzen aus dem Süden, 1897. – Lie - der eines Junggeſellen, 1897. – Mein Strauß (Ge. ), 1897. – Ausgewählte Dichtungen (enthält auch die dram. D.: Die Toteninſel), 1905.
Tochter des Oberlehrers Joſeph Haß - lacher, wurde am 5. Dezbr. 1840 zu Wolfegg in Württemberg geboren, beſuchte die Schule ihrer Heimat, von 1853 – 56 die höhere Töchterſchule des ſchweizeriſchen Frauenkloſters Wurmsbach am Züricher See u. ver - heiratete ſich 1868 mit dem Bade - inſpektor u. Chirurgen Akermann in Bad Berg bei Stuttgart, der ihr im März 1895 durch den Tod wieder ent - riſſen wurde. Jm Herbſt 1873 hatte ſie die Bekanntſchaft mit dem Schrift - ſteller Grafen Stanislaus Gra - bowsky (ſ. d.) gemacht, und ſeiner Anregung folgend, verſuchte ſie ſich auf ſchriftſtelleriſchem Gebiete.
Der Traum des Landwehrmannes (Feſtſp. ), 1875 (Manuſkr.). – Die Waldkönigin (Lrſp. ), 1876. – Die Braut des Rebellen (R. a. d. Jtal. ), 1879. – Rächet euch nicht (Schſp. ),Aku1881. – Jm Jrrenhauſe begraben (R.), 2. A. 1890.
pſeud. Jlſe Frapan und Jlſe Frapan-Akunian, entſtammt einer aus Frankreich geflüchteten hu - genottiſchen Familie und wurde am 3. Febr. 1852 im Hamburg geboren. Sie widmete ſich dem Berufe einer Lehrerin und wirkte als ſolche eine Zeitlang am Paulſen-Stift in Ham - burg, einer Art gehobener Volks - ſchule. Hier hat ſich ſicher ihr liebe - volles Verſtändnis für das Volks - leben und die Fähigkeit, ſein feinſtes und tiefſtes Weſen aufzuſpüren, aus - gebildet. Jm Jahre 1883 begab ſich Jlſe nach Stuttgart zu Friedrich Vi - ſcher, dem großen Äſthetiker, deſſen Vorleſungen über Literatur am dor - tigen Polytechnikum auch den Frauen geöffnet waren. Vier Jahre, bis zum Tode Viſchers, blieb ſie hier u. trat zu ihrem Lehrer in ein intimes Freund - ſchaftsverhältnis; ihre ſpäter veröf - fentlichten „ Viſcher-Erinnerungen “(1889) zeugen von der Liebe u. dem feinen Verſtändnis, womit ſie das Porträt des großen Meiſters zeichnet. Nach Viſchers Tode (1887) begab ſich Jlſe nach München, dann zurück nach Hamburg und 1892 nach Zürich, wo ſie ſich an der Univerſität dem Stu - dium ihres Lieblingsfaches, den Na - turwiſſenſchaften, widmete. Hier ver - heiratete ſie ſich 1898 mit dem aus ſeinem Vaterlande geflüchteten Ar - menier Akunian, mit dem ſie einige Zeit auch in Hamburg (1903) und im Kaukaſus (1905) lebte u. dann ihren dauernden Aufenthalt in Genf nahm. Jm Jahre 1908 von einer unheil - baren Krankheit (Magenkrebs) befal - len, beſtimmte ſie ihre Freund in Emma Mandelbaum, eine Malerin, mit der ſie ſeit längerer Zeit zuſammen lebte, ſie zu erſchießen. Das tat die Freun - din am Morgen des 2. Dezbr. 1908 und ſchied dann hinterher gleichfalls freiwillig aus dem Leben.
Ham -*40Albburger Novellen, 1886. 2. A. 1889. – Beſcheidene Liebesgeſchichten (Ham - burger Nn. Neue Folge), 1888. – Vi - ſcher-Erinnerungen, 1889. – Zwiſchen Elbe und Alſter (Hamburger Nn.), 1890. – Enge Welt (Nn.), 1891. – Ge - dichte, 1891. – Bitterſüß (Nn.), 1891. – Bekannte Geſichter (Nn.), 1893. – Zu Waſſer u. zu Lande (Nn.), 1894. – Flügel auf! (Nn.), 1895. – Quer - köpfe (Hamburger Nn.), 1895. 2. A. 1905. – Vom ewig Neuen (Nn.), 1896. – Jn der Stille (Nn. u. Sk.), 1897. – Die Betrogenen (R.), 1898. – Wir Frauen haben kein Vaterland (Mono - loge einer Fledermaus), 1899. – Ham - burger Bilder für Hamburger Kinder, 1899. 2. A. 1905. – Was der Alttag dichtet (Nn.), 1899. – Wehrloſe (Nn.), 1900. – Schreie (Nn. u. Sk.), 1901. – Altmodiſche Leute (E.), 1902. – Pitje Ohrtens Glück (Eine deutſche Kom. ), 1902. – Arbeit (R.), 1. u. 2. A. 1903. – Wandlung. Fräulein Doktor (En.), 1903. – Jugendzeit (Ausgewählte En.), 1904. – Die Retter der Moral (Dr.), 1905. – Auf der Sonnenſeite (Nn., En. u. Sk.), 1906. – Erich Hete - brink (Hamburger R.); II. 1907.
pſeudon. Paul Alberti, geboren am 23. Mai 1852 zu Chutow in Oberſchleſien als Sohn des Oberförſters Bernhard A., beſuchte die Gymnaſien in Beuthen u. Gleiwitz und ſtudierte dann in Bres - lau Philologie u. Jurisprudenz, be - teiligte ſich auch als Breslauer Bur - ſchenſchafter der Raczeks lebhaft an dem ſtudentiſchen Treiben, ohne jedoch ſein Ziel außer acht zu laſſen. Nach - dem er 1882 die große Staatsprüfung abgelegt hatte, ließ er ſich in Ratibor als Rechtsanwalt nieder und blieb dort bis 1903, bekleidete auch mehrere Jahre das Amt eines Stadtverord - netenvorſtehers. Weite Reiſen führ - ten ihn in dieſem Zeitraum ins Aus - land, nach Jtalien, Dalmatien, in die Balkanländer u. nach Aſien. Jnfolge raſtloſer Tätigkeit brachte er es zuAlbeinigem Vermögen, das ihn in die Lage ſetzte, das romantiſch gelegene Rittergut Ober-Marklowitz in Ober - ſchleſien zu erwerben. Aber harte Schickſalsſchläge u. bittere Unglücks - fälle in der Familie verleideten ihm das Verbleiben in der engeren Hei - mat, die er ſonſt mit vollen Tönen in ſeinen Novellen und Gedichten preiſt, u. nachdem er ſein Gut an den preu - ßiſchen Domänenſiskus verkauft hatte, ſiedelte er 1904 nach Breslau über, wo er als Rechtsanwalt beim Land - gericht und ſeit 1907 beim Oberlan - desgericht tätig iſt, 1906 den Titel Juſtizrat und 1909 auch das Nota - riat erhielt.
Klänge und Reime aus unpoetiſcher Zeit, 1887. 2. A. 1889. – Herr Gervin (Ein Minne - lied), 1891. – Singvogel — ſing (Ge. ), 1895. – Eginhard und Jmma (Ep.), 1898. – Am Wartburghof (Va - terl. E. a. d. J. 1207 u. 1208), 1902. – Junge Lieder eines Fünfzigers (Ausgew. Dn.), 1902. – Herr Para - graf (Sſp. ), 1907. – Moral von heut (Dr.), o. J. – Oberſchleſiſche Novellen, 1902. – Frau Fama in Oberſchleſien (Fſtſp. ), 1896. – Der Veſuv verrät’s (Burleske), 1904. – Nero (4 dramat. Bilder), 1905. – Unter Kiefern und Schloten (Oberſchleſ. Geſchn. ), 1906. – Bath-Sebas Sünde (Tr.), 1904 – Zwiſchen zwei Feuern (Tr.), o. J. – Kamarilla (Hofſtück), 1907. – Neue Gedichte, 1908.
geb. am 13. Aug. 1862 zu Burggrumbach in Bayern, wo ſein Vater eine Einödmühle be - ſaß, wuchs dort unter der ſtrengen Erziehung einer gemütvollen Mutter auf und wurde für die Gelehrtenlauf - bahn beſtimmt. Mit 12 Jahren be - zog er deshalb die Studienanſtalt in Würzburg, aber ſchon nach 2 Jahren verſiegten infolge Verarmung der El - tern alle Mittel zu weiterem Stu - dium. Gleichwohl darbte der Knabe, aus Rückſicht auf ſeine Lehrer, die ihn zum Ausharren ermutigten, noch*41Albweitere vier Jahre u. trat dann, um ſich wenigſtens ein regelmäßiges Mit - tageſſen und eine kleine Löhnung zu verſchaffen, 1880 auf drei Jahre als Kanonier bei einer reitenden Batterie des 2. Feldartillerieregiments ein. Als Unteroffizier trat er zur Reſerve über und in den Dienſt der Grenzaufſeher. Sieben Jahre ſtand er als ſolcher im bayeriſchen Allgäu, teils in Schwarz - brücke bei Füſſen, teils in Pfronten, u. in dieſer Zeit hatte er hinreichend Gelegenheit, Land u. Leute, Gebräuche und Sitten jener dem großen Verkehr noch nicht völlig erſchloſſenen Gegend kennen zu lernen, die er dann ſpäter in ſeinen Erzählungen verwertete. 1890 kam A. als Grenzoberaufſeher nach Freilaſſing bei Bad Reichenhall u. hatte hier das Glück, im anregen - den Verkehr mit zwei hochgebildeten Damen, Mutter und Tochter, ſich in ſeinen Mußeſtunden privaten Studien widmen zu können. Dieſe führten ſchließlich zu ſchriftſtelleriſcher Tätig - keit, und ſo erſchien 1899 ſein Erſt - lingswerk, in dem er uns die Ge - ſtalten der Grenzländer in anſchau - licher Weiſe ſchildert. Jm Jahre 1902 trat A. in den Ruheſtand und ſiedelte dann, um beſſere Verbindung mit der bayeriſchen Hauptſtadt zu haben, nach Planegg bei München über u. 1904 nach der Hauptſtadt ſelbſt, wo er jetzt noch ſchriftſtelleriſch tätig iſt.
Wetter-Tannen (Grenz - und Berg - lands-Geſtalten), 1899. – Almdiſteln (Hochland-En. ), 1901. – Der Zoll - kommiſſär (R. v. d. Grenze), 1902. – Die Dorfrebellen (R.), 1904. – Fichtel und Söhne (Hochlandsroman), 1908.
Pſeud. für Anna Kiſtner; ſ. d.!
pſeud. Hans Berthal, wurde am 2. September 1866 in San Franzisko als die Toch - ter deutſcher Eltern geboren, erhielt ihre Erziehung in Hamburg und hat ſich hier 1886 vermählt. Erſt verhält - nismäßig ſpät trat ſie mit ihren lite -Albrariſchen Arbeiten an die Öffentlich - keit. Außer dem reizenden Kinder - buch „ Aus Bubis Leben “(1905) hat ſie bisher veröffentlicht
Schweſter - ſeelen (E. f. junge Mädchen), 1906. – Das Paradies (desgl. ), 1908.
* am 21. Mai 1860 als der Sohn eines Amtsrats in Köthen, beſuchte die Schulen in Kö - then, Eisleben und Aſchersleben und eine Zeitlang die Univerſität Leipzig, widmete ſich dann der Bühne und er - hielt ſeine Ausbildung durch Louis Kühn. Jm Jahre 1879 fand er ſein erſtes Engagement in Zwickau, ging 1880 nach St. Gallen, 1882 nach Zürich, 1884 nach Augsburg, 1885 nach Stettin, 1887 nach Königsberg und 1890 nach Bremen, wo er am Stadttheater als Regiſſeur u. Dra - maturg tätig war, übernahm 1897 die Direktion des Kieler Stadtthea - ters, geriet aber bald in finanzielle Schwierigkeiten, ſo daß er Kiel ver - ließ u. nach der Schweiz ging (1898). Er war 1899 in St. Gallen als Schau - ſpieler u. Regiſſeur tätig, wirkte als ſolcher kurze Zeit in Ulm und kam 1900 als Oberregiſſeur an das her - zogliche Hoftheater in Altenburg, wo er 1903 zum Hofſchauſpieler ernannt wurde. Seit 1907 iſt er Direktor des Kurtheaters in Bad Köſen.
Der Pfarrer von Leuthen (Dr.), 1886. – Verbrüdert (Feſtſp. ), 1890. – Der Krüppel von Bremen (Volks-Epos), 1890. 7. A. 1903. – Des Paſtors zweite Frau (Lſp. ), 1900. – Bibel und Schwert (Feſtſp. z. 300. Geburtstag Herzogs Ernſt des Frommen), 1901.
geb. zu Köthen am 2. Febr. 1808, beſuchte die Hauptſchule in Bernburg u. bezog im Oktober 1826 die Univerſität Leipzig, um Theologie zu ſtudieren. Nachdem er ſeine Studien 1829 in Erlangen beendet u. 1830 in Jena promoviert worden, wurde er Hilfslehrer an der Hauptſchule in Bernburg, † aber ſchon am 11. Dezbr. 1831.
Er -*42Albzählungen, Epiſteln und kleine Ge - dichte, 1828. – Die Weſpen (Epigr.), 1831.
Pſeud. für Fried - rich Groch; ſ. d.!
Pſeud. für Marie Deutſchmann; ſ. d.!
wurde am 21. Oktbr. 1836 in Trappold, einem an - ſehnlichen ſächſiſchen Dorfe bei Schäß - burg in Siebenbürgen geboren. Seine Eltern waren wohlhabende Landleute und hatten für den zarten, lebhaften Knaben ſchon frühe einen geiſtigen Beruf in Ausſicht genommen. Jm Herbſt kam dieſer auf das Gymnaſium in Schäßburg, doch wurde der Unter - richt durch die Revolutionsſtürme der Jahre 1848 und 1849 vielfach unter - brochen. Schon in den letzten Jahren ſeiner Gymnaſialzeit brach Alberts poetiſche Begabung, von den Lehrern früh erkannt u. gefördert, ſich Bahn, und ſtammen aus dieſer Zeit drei Sammlungen Gedichte, von denen eine größere Anzahl ſpäter, zum Teil umgearbeitet, in ſeine Gedichtſamm - lung aufgenommen wurde. Jm Jahre 1857 begann A. in Jena das Stu - dium der Theologie und Philoſophie, beſonders unter K. Haſe und Kuno Fiſcher, ging im Herbſt 1858 nach Berlin, wo er hauptſächlich Germa - niſtik u. Literaturgeſchichte ſtudierte, und 1859 auf ein Jahr nach Wien, wo er mehr Zeit für ſein poetiſches Schaffen gewann. Jn die Heimat zu - rückgekehrt, fand er zunächſt Anſtel - lung am Biſtritzer Gymnaſium, wurde aber ſchon 1861 an dasjenige in ſeiner Vaterſtadt berufen, an welchem er bis zu ſeinem am 21. April 1893 er - folgten Tode wirkte. Daneben leitete er auch vom September 1878 – 92 das evang. Schullehrerſeminar.
Die Dorfſchule (N.), 1866. – Die Kandi - daten (N.), 1874. – Traugott (N.), 1874. – Die Flandrer am Alt (Hiſtor. Schſp. ), 1882. 2. Aufl. 1883. – Har - teneck (Tr.), 1886. – Altes und NeuesAlb(Geſ. ſiebenbürg. -ſächſ. En.), 1890. – Ulrich von Hutten (Hiſt. Dr.), 1893. – Gedichte, 1893. – Klotz und Trotz (Komiſche Lokaloperette), 1881. – Angelina, oder: Die Türken vor Schäßburg (Singſp. ), 1887. 2. A. 1891. – Sezia (Romant. O.), 1894.
Pſeud. für Stanislaus Stephan Albert Graf Grabowski; ſ. d.!
Chriſtian Scharlau, * am 11. März 1827 zu Friedrichſtadt (Schleswig), wo ſein Vater Stadt - u. Gerichtsſchout war, beſuchte die dortigen Stadtſchulen bis 1844 u. erlernte dann 4 Jahre lang die Buchdruckerei. Streben nach wiſ - ſenſchaftlicher Bildung und Beſchäf - tigung veranlaßten ihn jedoch, ſeinen Beruf aufzugeben, u. ſo trat er Oſtern 1848 in die Prima der Huſumer Ge - lehrtenſchule ein, bezog Oſtern 1850 die Univerſität Kiel, um (beſonders unter Nitzſch u. Forchhammer) Philo - logie zu ſtudieren, abſolvierte 1854 daſelbſt das Schulamtsexamen und übernahm dann eine Hauslehrerſtelle beim Grafen Magnus von Moltke erſt auf Grünholz, darauf in Horn bei Hamburg. Jm Juli 1856 promo - vierte er in Kiel zur philoſophiſchen Doktorwürde, verlebte den Sommer 1857 in Kopenhagen und habilitierte ſich im Herbſt d. J. als Privatdozent an der Univerſität Kiel, übernahm auch gleichzeitig die Funktionen eines zweiten Gehilfen an der Univerſitäts - bibliothek. Jm Jahre 1868 wurde er zum zweiten Kuſtoden an derſelben, im Febr. 1893 zum Profeſſor ernannt und erhielt im Febr. 1894 den Titel Bibliothekar. Am 1. April 1894 trat er in den Ruheſtand u. ſiedelte bald danach nach Voorde bei Kiel in das Haus ſeines Schwiegerſohnes über, wo er am 28. Febr. 1898 ſtarb.
Karl Treu (E.), 1869. – Hüben und drüben, oder: Von Düppel nach Al - ſen (E.), 1871. – Glaukos u. Thraſy - machos (E.), 1873. – Gretchen (E.),*43Alb1874. – Die Geramundsſage, 1879. – Maler Peters und ſein Sohn Jakob (E.), 1883. – Lexikon der ſchlesw. - holſt. -lauenb. u. eutiniſchen Schrift - ſteller von 1829 – 66; II, 1867. Fort - ſetzung (1866 – 82); II, 1884 ff. – Gedichte zweier Brüder (Ed. u. Leo - pold Alberti), 1898. – Die Jugend - ſchriften: Wege u. Umwege zum Be - rufe (E.), 1871. – Louis u. Jeannette oder: Deutſche Marineleute in Frank - reich (E.), 1871. – Am Rhein während der Belagerung u. Übergabe Straß - burgs 1870 (E.), 1871. – Die Probe - zeit. Freunde fürs Leben (2 En.), 1872. – Emil u. Ehlka auf der Jnſel und Hallig der Nordſee (E.), 1872.
Pſeudon. für Konrad Sittenfeld; ſ. d.!
geb. am 20. Juni 1845 in Klein Hauswalde (Sachſen), lebt (1907) als Oberſtleutnant a. D. in Berlin.
Lang iſt’s her (En. u. Sk.), 1902. – Erlebtes u. Erlauſchtes (Kurze und wahre Geſchn. ), 1904.
Bruder des vorhin genannten Eduard A., wurde am 30. November 1816 zu Rendsburg geboren, beſuchte die Stadtſchulen zu Friedrichſtadt, wohin ſein Vater als Stadt - und Gerichtsſchout verſetzt worden war, hielt ſich 1831 eine Zeitlang in Finn - marken u. 1833 in Hamburg auf und lebte dann längere Zeit teils als Be - vollmächtigter auf dem Stadtſekre - tariat, teils im elterlichen Hauſe zu Friedrichſtadt. Jm Febr. 1846 ging er nach Amerika, wo er ſich zunächſt als deutſcher Schriftſteller und Zei - tungsredakteur in Neuyork nieder - ließ, dann aber ſeit 1854 zu Kolumbus im Staate Ohio Theologie ſtudierte und darauf Prediger zu Portsmouth in demſelben Staate wurde. Später wirkte er als Geiſtlicher an verſchie - denen anderen Orten, zuletzt in Long - grove, war 1864 – 66 Präſes der in - korporierten evangel. Synode des Nordweſtens der Verein. Staaten u. Albwährend dieſer Zeit auch Mitbegrün - der u. Dirigent des Predigerſeminars dieſer Synode in Waukegan, trat dann in ſein Pfarramt zu Longgrove zurück und wurde 1868 Alteſter des nördlichen Synodaldiſtrikts. Jm Jahre 1871 kehrte er ſeiner geſchwäch - ten Geſundheit wegen in die Heimat zurück u. lebte ſeitdem erſt in Oldes - loe (Holſtein) und danach in Sülfeld bei Oldesloe, wo er am 4. April 1892 ſtarb.
Palingeneſie der Hölle (Ep. G.), 1865. – Gedichte zweier Brüder (Leop. u. Eduard Alberti), 1898.
Pſeud. für Paul Albers; ſ. d.!
pſeud. Sophie Verena, wurde am 5. Auguſt 1826 zu Potsdam als die Tochter des durch ſein Wirken u. Leben hochgeachteten Geh. Rats Mödinger geboren. Jhre Eltern waren ausgezeichnete Menſchen, talentvoll, geiſtig anregend und veredelnd wirkend, und unter ihrer Leitung wurde denn in Sophie ſchon frühzeitig die Liebe zur Kunſt und Poeſie u. Begeiſterung für alles Gute, Wahre u. Schöne geweckt und gefördert. Neben einer ausgeſproche - nen Vorliebe für Geſang lag dem talentvollen Kinde Leſen und Dichten am Herzen. Mit ſieben Jahren ſchrieb Sophie ihr erſtes Gedicht, das voll - kommen richtig im Reim war, mit neun Jahren verfaßte ſie ein kleines Luſtſpiel u. mit 13 Jahren eine No - velle in franzöſiſcher Sprache. Wenn nun auch dieſe Übungen durch viele Jahre fortgeſetzt wurden, ſo trat doch Sophie verhältnismäßig erſt ſpät in die Öffentlichkeit, aber der glänzende Erfolg, den die erſte Novelle „ Elſe “erreichte — ſie wurde, gleich den übrigen Romanen, in mehrere fremde Sprachen überſetzt — gab der Dich - terin Vertrauen und Mut, die einmal betretene Laufbahn als Schriftſtel - lerin weiter zu verfolgen. Eine nur kurze, aber vollkommen glückliche Ehe verband Sophie mit dem Schulrat*44AlbAlberti. Nach ſeinem Tode (1870) lebte ſie als Witwe in Potsdam, das ſie nur verließ, um während der Som - mermonate kleinere oder größere Er - holungsreiſen zu machen. Sie ſtarb in Potsdam am 15. Auguſt 1892.
Elſe (N.), 1856. – Ein Sohn des Südens (R.); II, 1859. 2. A. 1879. – Jn der Weihnachtszeit (E.), 1861. 2. A. 1887. – Photographien des Her - zens (Nn. u. En.); III, 1863 (Jnhalt: Aus dem Leben eines Fürſten. – Der Beſuch bei der Kartenlegerin. – Salon u. Zirkus. – Nemeſis. – Aus den Pa - pieren eines Muſikers. – Jn der hei - ligen Chriſtnacht. – Die Grauenburg. – Streit u. Friede). – Über alles die Pflicht (R.); III, 1870. – Aus allen Kreiſen (Nn. u. En.); III, 1872 (Jn - halt: Kunſt und Liebe. – Ein ſtolzes Herz. – Es iſt nicht richtig. – Onkel Albrecht. – Maria-Anna. – Am Meer. – Frau Eliſabeth. – Eine dunkle Tat. – Herzenswechſel. – Nach Jtalien. – Die erſten Veilchen. – Jch weiß, daß mein Erlöſer lebt). – Aus der Pen - ſion (Br., frei n. d. Engl.), 1878. – Leben um Leben (R. a. d. Engl.); III, 2. A., 1877. – Lebende Blumen (E.), 1878. 3. A. 1891. – Altes und Neues (Nn. und En.), 1879 (Jnhalt: Jm Hafen. – Namenlos. – Nur bürgerlich. – Königin der Nacht). – Von allen Zweigen (Neuere lyr. Dn., ausge - wählt), 1883. 3. A. 1891. – Gedanken - voll (Ausſprüche von Dichtern und Denkern), 1887. 2. A. 1893. – Da - heim und draußen (E.), 1891.
Pſeud. für Paul de Mathies; ſ. d.!
* am 23. Nov. 1861 zu Joachimsthal in Böhmen, beſuchte die dortige Volksſchule und kam 1877 nach Prag, um ſich dort auf den Wunſch ſeiner Eltern zum Lehrer ausbilden zu laſſen. Jndeſſen war ihm dieſer Beruf wenig zuſagend; er wandte ihm daher nur ein gerin - ges Jntereſſe zu, trieb vielmehr auf eigene Hand literariſche Studien undAlbging 1879 nach Wien, um hier ganz der Literatur zu leben. Aber bald von allen Mitteln entblößt, verließ er Wien, um ſich bei Verwandten in Graz für die Univerſität vorzuberei - ten. Der Mangel an Subſiſtenzmit - teln vertrieb ihn auch hier wieder, u. im Juni 1881 nahm er eine Lehrer - ſtelle im Dorfe Tiſſau, Bez. Karls - bad, an, von wo er ſpäter als Schul - leiter nach dem Dorfe Altrohlau, Bez. Karlsbad, verſetzt wurde.
Singen und Ringen (Ausgewählte Ge. ), 1896. – Aus der Stille (Ge. ), 1902.
wurde am 10. Novbr. 1836 zu Landshut in Niederbayern geboren und von Haus aus zum Theologen beſtimmt; er wid - mete ſich indes in Landshut u. Mün - chen dem Studium der Philoſophie u. der Naturwiſſenſchaften u. ſchließ - lich dem der Medizin. Eben zum Doktor promoviert (1866), veran - laßte ihn der zwiſchen Preußen und Bayern ausgebrochene Krieg auf die Dauer desſelben zum Militär über - zutreten. Die hierbei gemachten Er - fahrungen bewirkten, wie bei ſo manchem Süddeutſchen, eine völlige Umwandlung ſeiner politiſchen Ge - ſinnung, u. dieſe war auch 1870 die begeiſternde Triebfeder, wieder frei - willig als Militärarzt nach Frank - reich zu eilen. Von dort glücklich zu - rückgekehrt, ließ er ſich als praktiſcher Arzt erſt in Pferrſee bei Augsburg, 1875 in Pilſting, 1876 in Kloſterrohr u. 1881 in Langquaid (Niederbayern) nieder. Hier ſtarb er am 30. April 1898.
Jn ſieben Farben (Ge. ), 1875. – Kaiſerlieder, 1877. – Eugenie von Siegfried (Schſp. ), 1878. – Wit - telsbach (D.), 1880. – Gera u. Howa (Biermythus), 1888. – Ecce homo! Des ſeligen Godbert Leben u. Werke, 1891. – Drachenhort, 1893. – Unſer Heiland (Evangeliendichtg. ), 1897.
pſeudon. Friedrich Siegmund, wurde am 10. März 1818 zu Glatz in Schle -*45Albſien geboren. Kurze Zeit darauf ward ſein Vater, früher Kapellmeiſter im 2. weſtfäl. Jnfanterieregiment, Ver - walter im Garniſonlazarett, einem ehemaligen Minoritenkloſter. Hier verlebte der Knabe die Tage ſeiner Kindheit. Er beſuchte das Gymna - ſium ſeiner Vaterſtadt, mußte aber, da der Vater ſchon im Jahre 1831 ſtarb, ſehr jung durch Stundengeben ſein Fortkommen ermöglichen. 18 Jahre alt, ging er nach Breslau, um evangeliſche Theologie zu ſtudieren, welches Studium er von 1837 – 39 in Berlin fortſetzte, ward dann Haus - lehrer auf der Jnſel Uſedom, ſpäter in Schleſien an der polniſchen Grenze, trat im Spätherbſt des Jahres 1845 der freien religiöſen Bewegung bei u. folgte ſofort einem Rufe der frei - religiöſen Gemeinde in Ulm, deren Prediger er bis 1885 war. Seit 1. Januar 1851 redigierte er auch die „ Ulmer Schnellpoſt “und ſeit Oktbr. 1851 das von ihm gegründete Wo - chenblatt, die „ Kirchenfackel “. Jm Jahre 1885 wurde er als Prediger der freireligiöſen Gemeinden Wies - baden u. Mainz nach Wiesbaden be - rufen, wo er am 6. Juni 1890 ſtarb. Aus ſeiner Breslauer Studienzeit ſtammen ſeine volkstümlichen Lieder „ Mein Liebſter iſt im Dorf der Schmied “und „ Das ſidelſte Leben iſt’s Studentenleben “.
Zwölf Gedichte, 1845. – Religiöſe Dichtun - gen (für Chriſtkatholiken), 1845. – Gedichte, 1853. – Glaube, Hoffnung, Liebe (Son.), 1856. – Amſel, der Ber - liner Tiſchlergeſelle (Sſp. ), 1862. – Feldkaplan u. Leutnant (Dr.), 1862. – Meine Stunden der Andacht, 1869.
geb. am 26. Juli 1865 in Berlin als der Sohn eines Kaufmanns, beſuchte ſeit Oſtern 1877 die kgl. Realſchule daſelbſt, die er im Oktober 1885 mit dem Zeugnis der Reife verließ, und ſtudierte dann bis zum Herbſt 1888 an der Berliner Univerſität Philo -Alblogie, Geſchichte u. Literatur. Er ge - nügte 1888 – 89 ſeiner Militärpflicht im 3. Garderegiment z. F. und be - tätigte ſich ſeitdem als Schriftſteller, beſonders auf dem Gebiete der bran - denburgiſchen Geſchichte und Landes - kunde, der Literatur - und Kultur - geſchichte. Jm Jahre 1892 erwarb er ſich die Würde eines Dr. phil. in Halle und lebt ſeitdem in Berlin-Charlot - tenburg, wo er ſeit Mai 1900 an der ſtädtiſchen Volksbibliothek als Bib - liothekar tätig iſt. Seit 1906 gibt er die ſogenannte „ Sammlung Straube “heraus, wozu er mehrere topographi - ſche Schriften über Ortſchaften aus der Umgebung von Berlin lieferte.
Der Soldatenbrief (Schw. ), 1895. – Das Geſpenſt als Heiratsvermitt - ler (Schw. ), 1895. – Der Keilfuchs (Schw. ), 1896. – Wilhelm der Große (Patriot. Feſtſp. ), 1897. – Märkiſches Wanderbuch, 1904. 25. A. 1908.
pſeud. Anton Hermann, * am 5. Mai 1835 zu Freiburg i. Br., erhielt daſelbſt ſeine Schulbildung und ſtu - dierte darauf an der dortigen Uni - verſität katholiſche Theologie. Da jedoch gerade zu der Zeit, wo er der Vollendung ſeines Berufsſtudiums entgegenſah, Rom in aller Sieges - zuverſicht die Freiburger katholiſche Fakultät in Beſchlag zu nehmen ſuchte u. die damals eingeführte jeſuitiſche Klerikalerziehung jede freiere indivi - duelle Entwicklung unmöglich machte, ſo wendete ſich A. der proteſtantiſchen Theologie zu und trat, nachdem er in Baſel und Heidelberg ſich vorbereitet hatte, in den evangeliſchen Kirchen - dienſt ſeines Heimatlandes Baden. Das Pfarrhaus ſtand ihm von frühe - ſter Jugend an als das ſeinen Nei - gungen entſprechende Ziel vor Augen, dem Pfarrhaus iſt er, obwohl mehr philoſophiſch klaſſiſch als theologiſch gerichtet, treu geblieben, u. im Pfarr - haus mit ſeinem heiteren glücklichen Familienleben hat auch A. s Poeſie*46Albihre kräftigſten Wurzeln; hier erſt iſt ihm die ſchlummernde Gabe der Poe - ſie erwacht und zur Entfaltung ge - kommen. Jn der äußeren Versform ſeiner Dichtungen lehnt ſich A. an Viktor Scheffels Trompeter von Säk - kingen an, wie denn manche indivi - duelle Ähnlichkeit ihn mit ſeinem be - freundeten Landsmann verbindet. Nachdem er von 1868 – 73 als Pfarrer in Huchenfeld gewirkt, wurde er Pfar - rer zu Eutingen bei Pforzheim, und 1879 Pfarrer in Kleinkems bei Lör - rach. Jm Jahre 1885 nahm er ſeiner geſchwächten Geſundheit wegen Ur - laub und ließ ſich in Freiburg i. Br. nieder, trat auch Oſtern 1886 defini - tiv in den Ruheſtand. Nach einem Jahre übernahm er aber gekräftigt wieder eine Pfarrſtelle zu Laufen bei Buggingen in Baden, die er bis zu ſeiner Penſionierung im Jahre 1893 verwaltete. Während eines Jahres weilte er danach zu ſeiner Kur in Freiburg i. Br., worauf er ſich 1894 in Lahr niederließ. Jm Jahre 1901 verlegte er ſeinen Wohnſitz nach Ding - lingen, und hier iſt er 10. Febr. 1906 geſtorben.
Bruder Ludwig der Wasgauer (Ep. D.), 1872. – Der Schwedenjunker (D.), 1873. – E Maje us em Oberland (alemanniſche Ge. ), 1878. – Die Häfnetjungfer (Dorfge - ſchichte), 1884. – König Eoban (Hiſt. Lſtſp. ), 1875. – Der Präzeptorats - Vikari (E.), 1882. – Des Markgrafen Leibmedikus (E.), 1882.
geb. Rau, geb. am 16. Oktbr. 1874 in Nürnberg, lebt daſelbſt.
Frühlingsſturm (Nn.), 1899.
pſeud. Fra - ter Hilarius, wurde geboren am 17. Febr. 1827 zu Sargans, Kt. St. Gallen, kam 1842 auf die katholiſche Kantonsſchule in St. Gallen, die er 1849 abſolvierte und ſtudierte dann zwei Jahre in München Philologie. Jn den Jahren 1851 – 52 hielt er ſich in der franzöſ. Schweiz auf, wurdeAlbdann Lehrer an der Bezirksſchule in Lachen, 1856 Profeſſor an der Kan - tonsſchule in St. Gallen, 1860 Redak - teur des Witzblattes „ Jnſpektor “und im Mai 1863 Lehrer der deutſchen u. italieniſchen Sprache am Progymna - ſium in Biel, wo er bis 1894 tätig war. Seitdem im Ruheſtande daſelbſt lebend, ſtarb er am 26. März 1897.
Der Schweizer Deklamator; II, 1868. – Zum Möllingerhandel (Kom. G.), 1869. – Der neue Diſtelikalender von (pſeud.) Frater Hilarius (Text u. Jlluſtr. ausſchließlich v. Al - brecht), 1874 ff. – Humoriſtiſch-ſati - riſches Quodlibet a. d. Mappe des Frater Hilarius, 1892.
geb. am 31. Dezbr. 1845 in Frain (Mäh - ren) als Sohn eines Dorflehrers, abſolvierte die Unterrealſchule, be - ſuchte dann in Wien die Oberreal - ſchule, bildete ſich zum Volksſchulleh - rer aus u. wirkt ſeit 1867 als ſolcher in Wien.
Mein Dichten und Den - ken (Eine Spätleſe aus drei Jahr - zehnten; Ge. ), 1908.
wurde am 14. Febr. 1850 zu Eggebrechtsmühle im Kreiſe Schlochau (Weſtpreußen) als die Tochter eines Gutsbeſitzers ge - boren u. verlor ihren Vater, als ſie erſt fünf Jahre zählte. Die Mutter zog nun mit ihren ſechs Kindern in eine mittelgroße Stadt Weſtpreußens, wo ihr deren Erziehung bequemer er - ſchien. Von großem Lerneifer beſeelt, hegte Maria den Wunſch, Lehrerin zu werden; aber es kam nicht dazu, da ſie ſich noch ſehr jung mit einem Kauf - mann verheiratete, dem ſie nach Ber - lin folgte. Jhre Träume vom Glück der Zukunft verwirklichten ſich leider nicht; das Leben hat ihr mehr Schat - ten - wie Lichtſeiten gezeigt. Der größte Schmerz traf ſie, als der Tod ihr das einzige, reichbegabte, drei - zehnjährige Töchterchen nahm, u. es bedurfte vieler Jahre, bis ſie reſi - gniert und beſcheiden in Arbeit und*47AlbPflichterfüllung Erſatz für das Ver - lorene fand. Auch iſt ihr durch ihre ſchriftſtelleriſche Tätigkeit, die ſie ſeit 1892 pflegt, manche hohe Freude er - blüht. Seit 1899 hat ſie ihren Wohn - ſitz in Görlitz.
Arme Mädchen (R.), 1905. – Jhre beſte Jdee. Fah - nenflüchtig (Nn.), 1907.
geb. am 6. März 1851 zu Hamburg, beſuchte das Gymnaſium daſelbſt und ſtudierte an mehreren Univerſitäten erſt Philo - ſophie u. dann Medizin, erwarb ſich auch in beiden Fächern die Doktor - würde. Er lebte dann als Schrift - ſteller in ſeiner Vaterſtadt und wurde vom Könige von Preußen zum Pro - feſſor ernannt. Jnfolge eines am 14. September 1894 unternommenen doppelten Selbſtmordverſuchs ſtarb er am folgenden Tage in Hamburg. Außer mehreren wiſſenſchaftl. Werken gab er heraus
Gedichte, 1887.
Pſeud. für Adal - bert Harniſch; ſ. d.!
* am 22. Dezbr. 1802, ſtudierte die Rechte in Kiel ſeit 1822, wurde 1826 Unterge - richtsadvokat in Ahrensböck, zog 1829 nach Neumünſter, 1832 als Advokat nach Kiel und ward ſpäter Unterge - richtsadvokat in Ueterſen, wo er am 19. März 1869 ſtarb.
Vaterlands - liebe und Schickſal (D.), 1823.
mit vollem Namen Chri - ſtian Friedrich Alexander, wurde am 5. Novbr. 1801 zu Kopenhagen ge - boren, wo ſein Vater, Herzog Wil - helm von W., als Gouverneur in däniſchen Dienſten ſtand. Jn der ſchwäbiſchen Heimat, wohin ſein Va - ter bald zurückkehrte, u. in der Schweiz erhielt er ſeine erſte Bildung, trat dann früh in württembergiſche Mili - tärdienſte und brachte es bis zum Oberſten. Da ihm indes das Sol - datenleben in Friedenszeiten wenig zuſagte, nahm er ſeinen Abſchied, ver - mählte ſich 1832 mit Joſephine An -Alftonie Helene, Gräſin von Feſtetics u. lebte nun an verſchiedenen Orten, gewöhnlich in Serach bei Eßlingen, ganz ſeiner Familie und den Muſen. Jm Winter 1843 ſuchte der Graf das milde Klima Jtaliens auf, da ſeine durch ein tiefes Gemütsleiden ſchon früher geſtörte Geſundheit immer mehr dahinſchwand. Der Erfolg war gering; auf den Rat der Ärzte ge - brauchte er dann die Thermen zu Wildbad in Württemberg. Hier nahm ſeine Krankheit aber ſo ſchnell über - hand, daß er ſeine herbeieilenden Ver - wandten nicht mehr erkannte. Bald darauf endete ein Hirnſchlag am 7. Juli 1844 ſein Leben.
Gedichte, 1837. – Lieder des Sturms, 1839. – Geſammelte Gedichte, 1841. – Gegen den Strom (Son.), 1843. – Sämtliche Gedichte, hrsg. v. Fr. v. Schmidt, 1880.
Pſeud. für Richard Trömner; ſ. d.!
Pſeud. für Gottfr. Alex. Viktor Kottwitz, Edler von Kortſchak; ſ. d.!
Pſeu - don. für Walter Müller; ſ. d.!
Pſeud. für Paul Kleimann; ſ. d.!
Pſeud. für Alexander von Roberts; ſ. d.!
Pſeud. für Sanda Gräfin Sermage; ſ. d.!
Prinzeſſin v. Bayern, Tochter des Königs Lud - wig I., geb. zu Aſchaffenburg am 26. Auguſt 1826, eine als Überſetzerin u. Originalſchriftſtellerin bekannte, als Wohltäterin der Armen geſchätzte u. geliebte Fürſtin, † in München am 8. Mai 1875.
Feldblumen (Sk. u. En.), 1856. – Weihnachtsroſen (Sk. u. En.), 1858. – Phantaſie - u. Lebens - bilder (Freie Überſetzungen aus dem Engl. u. Franz. ), 1858. – Kleine hiſto - riſche Erzählungen (nach dem Franz. ), 1862.
Pſeudon. für Julius Karl Lebret; ſ. d.!
*48Algpſeudon. Guſtav Wacht, geb. am 16. März 1841 in Godesberg a. Rh., lebt als dramatiſcher Schriftſteller und Mit - arbeiter zahlreicher belletriſtiſcher u. literar. Zeitſchriften in Mannheim.
Hermann der Cherusker (Vaterl. Tr.), 1874. – Der Ehrenmann (Dr.), 1875. – Dolkuroff (Schſp. ), 1879. – Reiſemasken (Lſp. ), 1879. – Der Em - pfindliche (Schw. ), 1881. – Feſtſpiel zur Feier Bismarcks, 1895. – Feſt - ſpiel zur Feier d. Großherzogs Fried - rich von Baden, 1895.
geb. am 8. Mai 1861 in Wattmannshagen (Meck - lenburg-Schwerin) als Tochter des dortigen Paſtors, empfing ihre Schul - bildung durch ihren Vater und ihre älteſte Schweſter und danach ihre muſikaliſche Ausbildung auf dem Kul - lakſchen Konſervatorium in Berlin, das ſie 3½ Jahr lang beſuchte. Unter der Leitung ihrer älteſten Schweſter, die inzwiſchen in Berlin als Lehrerin einen Wirkungskreis gefunden hatte, empfing ſie vielſeitige u. tiefe geiſtige Anregung nach verſchiedenen Rich - tungen hin. Von Berlin aus ging ſie als Schülerin der Hauswirtſchaft auf ein größeres Gut und führte dann durch neun Jahre ihrem unverheira - teten älteſten Bruder den mit Land - wirtſchaft verbundenen Pfarrhaus - halt. Jn dieſe Zeit fällt auch der Beginn ihrer ſchriftſtelleriſchen Tätig - keit. Darauf gehörte ſie länger als zwei Jahre einem Diakoniſſenhauſe als Schweſter an und war in ſeinem Dienſt in verſchiedenen Städten tätig, hätte denſelben auch wohl nicht ver - laſſen, wenn ihr nicht nach dem Tode der Eltern, die ihren Lebensabend in Roſtock verlebt hatten, eine neue Auf - gabe im Geſchwiſterkreiſe erwachſen wäre. Sie lebte ſeitdem mit einer Schweſter in Roſtock, ſeit 1908 in Gehlsdorf bei Roſtock u. widmete ſich nun ernſtlich ſchriftſtelleriſcher Tätig - keit.
Quellſucher (R.), 1902. –AllFrei zum Dienſt (Eine Diakoniſſen - geſch. ), 1903. 8. A. 1905. – Kraut u. Unkraut vom Heimatboden (Nn. und Sk.), 1. u. 2. A. 1904. – Was die Erde gab (R.), 1904. – Allzeit Fremde (R.), 1905. (Jns Holländ. überſetzt, 1908). Der Reiſepaß. Eine Hofgeſchichte. Um die Ehre (3 Nn.), 1905. – Skizzen a. dem Schweſternleben, 1905. 2. A. 1906. – Unſere Art (Bilder vom Meck - lenburger Land und Strand), 1907. – Von Amts wegen (R.), 1909.
Pſeudon. für Ma - thilde von Boettcher; ſ. d.!
Pſeud. für Mite Kremnitz; ſ. d.!
geb. am 24. Mai 1864 zu Küsnacht am Zürichſee als der Sohn armer Eltern, mußte auf eine höhere wiſſenſchaft - liche Bildung, wie er ſie erſehnte, verzichten und ſchon von Kindheit an für den Broterwerb mit tätig ſein. Jn buntem Wechſel ſtrich ihm ſeine Jugend hin: er verſuchte ſich als Zuckerbäcker, Tiſchler u. Bankbeam - ter, aber ohne Luſt und ohne Erfolg. Mit 17 Jahren ging er nach Amerika, wo ihn die Schule des Lebens hart anpackte, durch die er geläutert und welterfahren gemacht wurde, ſo daß er, wieder in die Heimat zurückgekehrt, mit Stetigkeit u. Ausdauer ſich einen neuen Weg als Schriftſteller zu bah - nen verſtand. Er lebt ſeit Jahren als Journaliſt in Zürich. Seine meiſten Arbeiten ſind bisher nur in Zeit - ſchriften erſchienen.
Ein Weih - nachtsmorgen (Soloſpiel), 1894. – „ E ſtrubi Stund! “ (Dialektluſtſp. ), 1900.
geb. Reuß, pſeud. E. Relly, wurde am 1. Juli 1853 als die Tochter des anhalt-bernbur - giſchen Forſt - und Regierungsrats Louis Reuß in Bernburg geboren, kam ſchon nach wenigen Jahren mit den Eltern nach Schloß Wittgenſtein bei Laasphe in Weſtfalen und erhielt in einer Privatſchule dieſer Stadt*49Allihre Schulbildung, während häufiger Verkehr mit den talentvollen Mit - gliedern der fürſtlichen Familie auf Schloß Wittgenſtein und ein ſpäterer Aufenthalt im Hauſe von Verwand - ten ihrer weiteren Ausbildung för - dernde Anregung gaben. Jm Jahre 1872 überſiedelte ſie mit den Eltern nach dem Städtchen Dobriſch in Böh - men, und hier begann ſie ihre ſchrift - ſtelleriſche Tätigkeit, die indeſſen nach ihrer Vermählung mit dem Baumei - ſter Alleſch in Dobriſch nur noch we - nige Früchte zeitigte. Nach 15 jäh - riger glücklicher Ehe traf ſie das harte Geſchick, ihren Gatten wegen eines unheilbaren Kopfleidens einer Heil - anſtalt übergeben zu müſſen (1896). Sie ſelbſt zog nun mit ihren Kindern nach Goslar.
Der gefüllte Pfann - kuchen (Scherz), 1883. – Erreichte Ziele (R.); II, 1886. – Lang’ iſt’s her (Geſchn. a. d. alten Anhalt), 1902.
pſeudon. Fritz Anders, wurde am 31. Aug. 1841 zu Halle a. d. Saale geboren, ſtudierte daſelbſt u. in Leipzig Theologie, war erſt Pfarrer in Dingelſtedt, darauf Archidiakonus in Weißenfels u. dann Pfarrer und Kreisſchulinſpektor in Athenſtedt bei Halberſtadt, wo er noch jetzt wirkt. Seine ſchriftſtelle - riſche Tätigkeit erſtreckte ſich auf das Gebiet der Kunſtgeſchichte, Muſik und Jugendliteratur. Außerdem veröf - fentlichte er
Skizzen aus unſerm heutigen Volksleben, 1892. 2. Samm - lung 1899. 3. Sammlg. 1903. – Dok - tor Duttmüller u. ſein Freund (Eine Geſch. a. d. Gegenwart), 1902. – Her - renmenſchen (R.), 1905. – Das Duett in As-Dur und anderes (Nn. u. Sk.), 1. – 3. A. 1908.
pſeudon. Felix Nabor, wurde am 13. Ok - tober 1863 zu Mühlhauſen a. d. Fils, Oberamts Geislingen in Württem - berg, als der Sohn eines Müllers geboren. Urſprünglich zum Geiſtlichen beſtimmt, zeigten ſich die VerhältniſſeAlldoch mächtiger als der Wunſch der Eltern, und ſo wendete ſich der Sohn nach mehrjährigem Beſuche der La - teinſchule dem Beruf eines Lehrers zu. Über zehn Jahre wirkte er als ſolcher in Abtsgmünd bei Aalen in Württemberg u. widmete ſich in dieſer Zeit beſonders literariſchen u. muſi - kaliſchen Studien. Zwiſchen größeren Reiſen hielt ſich A. öfters in München und Stuttgart auf, abſolvierte das Konſervatorium für Muſik und trat mit mehr als 40 Kompoſitionen an die Öffentlichkeit. Danach berief ihn die Regierung als Lehrer nach Stutt - gart, wo er jetzt noch tätig iſt.
Myſterium crucis (R. a. d. Zeit des Kaiſers Nero), 1902. – Der Kreuzzug der Kinder (E. für Jugend u. Volk), 1903. – Der Vogt von Lorch (R. a. d. großen Bauernkriege), 1904. – Die Meeresbraut (Eine Nordlandsmär), 1906. – Der Helfenſteiner (Hiſt. E. a. d. Zeit des Bauernkrieges), 1907. – Auferſtehung (R.), 1908.
ſtammt aus einem alten Stedingſchen Häupt - lingsgeſchlechte u. wurde am 11. Febr. 1821 zu Rechtenfleth bei Bremen auf einem freien Frieſenhofe geboren, der ſchon länger als 500 Jahre ſich im Beſitz ſeiner Familie forterbte. Als einziges Kind ſeiner Eltern widmete er ſich, beſonders auf den Wunſch ſei - ner inniggeliebten Mutter, der Land - wirtſchaft und folgte erſt nach dem Tode ſeiner Eltern der Wanderſehn - ſucht, die ihn höhere wiſſenſchaftliche und künſtleriſche Bildung auf Reiſen durch Deutſchland, die Schweiz und Jtalien ſuchen und in ſtetem Verkehr mit ausgezeichneten Männern finden ließ. Längere Zeit weilte er in Bre - men, Berlin, München und 1858 zum erſtenmal in Rom. Seine „ Römiſchen Schlendertage “enthalten die Reſul - tate ſeines Denkens und Forſchens in Jtalien. Nach ſeiner Rückkehr ließ ſich Allmers in ſeinem Heimatdorfe nie - der, deſſen Gemeinde er dann längere* 450AllZeit als Vogt vorſtand. Hier lebte er ganz ſeiner Liebe für die Kunſt u. für Kunſtbeſtrebungen jeglicher Art. Sein Haus ließ er durch die ihm be - freundeten Maler Otto Knille, H. v. Dörnberg und Arthur Fitger mit Wandgemälden, meiſt aus der Ge - ſchichte der Marſchen, ausſchmücken, die es zum Ziel vieler Wanderer machten. An ſeinem 80. Geburtstage erfreute ihn die Univerſität Heidel - berg durch Überſendung des Ehren - diploms eines Dr. phil. Unvermählt iſt er als der letzte ſeines alten Ge - ſchlechts am 9. März 1902 geſtorben. Am 6. Auguſt 1903 wurde ihm in Rechtenfleth ein Denkmal errichtet.
Marſchenbuch (Land - und Volks - bilder a. d. Marſchen der Weſer und Elbe), 1861. 4. A. 1902. – Dichtungen, 1860. 4. A. 1900. – Elektra (Dr.), 1872. – Römiſche Schlendertage, 1869. 2. A. 1870. – Die altchriſtliche Baſi - lika (Abdruck a. d. vor. ), 1870. – Die Pflege des Kunſtgeſanges im deut - ſchen Nordweſten, 1876. – Kulturge - ſchichtliche Bilder aus den Nordſee - Marſchen von Heinr. von Dörnberg. Erläutert durch Dichtgn. v. A., 1882. – Fromm und frei. Eine Oſtergabe (Relig. Dn.), 1889. – Aus längſt und jüngſt vergangener Zeit, 1896. – Sämtliche Werke; VI, 1892 – 96. (Jn - halt: I – II. Marſchenbuch. – III – IV. Römiſche Schlendertage. – V. Dich - tungen. – VI. Aus längſt und jüngſt vergangener Zeit: 1. Elektra. Drama. – 2. Herz und Politik. Drama. – 3. Harro Harreſen. Erz. – 4. Haupt - mann Böſe. Biographie.)
* am 22. Febr. 1860 zu Schrems in Niederöſterreich, im ſog. Waldviertel, verwaiſte früh - zeitig, beſuchte das Realgymnaſium zu Weidhofen a. d. Thaya, die land - wirtſchaftlich. Lehranſtalten in Felds - berg und Mödling und trat nach mancherlei Verſuchen, Landwirt zu werden, in die Lehrerbildungsanſtalt zu Krems, nach deren AbſolvierungAlper 1880 ſtädtiſcher Lehrer in Wien wurde.
Aus der Heimat Hamer - lings (Bilder aus dem Waldviertel), 1890. – Philanthropin (Ernſt u. Hu - mor a. d. Schul - und Lehrerleben), 1891. – Profeſſor Gokulorum (Schw., mit Ph. Waldbach), 1897. – Wald - viertler Geſchichten u. anderes, 1900. – Der tauſendſte Patient (Lſp. ), 1903.
Pſeud. für Jakob Heipp; ſ. d.!
wurde am 17. Juni 1839 zu Graudenz geboren u. in ſtreng katho - liſcher Richtung erzogen. Den Kampf mit den feindlichen Mächten des Le - bens lernte ſie ſchon frühzeitig ken - nen, und um Ruhe zu finden, trat ſie mit 24 Jahren in das Kloſter der Urſulinerinnen. Enttäuſcht verließ ſie dasſelbe nach kurzer Zeit und be - gann nun eifrig zu lernen u. zu ſtu - dieren und ſich ſchriftſtelleriſch zu be - tätigen. Den Ehebund, den ſie dann mit einem älteren Manne ſchloß, löſte der Tod des letzteren nach ſieben Jah - ren wieder. Später verheiratete ſie ſich mit dem Verleger der Fachzeitung „ Allgemeine Verſicherungspreſſe “, L. Dombrowsky, und lebte ſeitdem in Charlottenburg oder anderen Vor - orten Berlins. Sie † in Charlotten - burg am 3. Septbr. 1891.
Weich - ſel-Novellen,) 1875. – Verlornes Glück (R.), 1878.
ſ. Wickenburg-Almaſy!
Brauer; ſ. d.!
Pſeudon. für Ernſt Rauſcher; ſ. d.!
Pſeud. für Aloys Henninger; ſ. d.!
Johann Nepomuk Ritter von, hieß eigentlich Johann Schedl u. wurde am 23. (27.) Okt. 1806 zu Grünburg in Oberöſterreich als der Sohn eines Gaſtwirts gebo - ren. Mit 14 Jahren, nachdem er die Schule bei St. Anna in Wien beſucht*51Alphatte, kam er als Markör nach Jnns - bruck zu ſeinem Oheim, Johann Mahl, der den Neffen ſpäter adoptierte. Dieſer nannte ſich fortan Mahl - Schedl. Er ſuchte auf privatem Wege alles an ſeiner Bildung Ver - ſäumte nachzuholen, hörte naturwiſ - ſenſchaftliche Vorträge an der Uni - verſität Jnnsbruck, rief 1829 „ das tiroliſche Mineralien-Comptoir “ins Leben u. kam dadurch in regen Ver - kehr mit mehreren naturforſchenden Geſellſchaften. Jm Jahre 1832 hei - ratete Mahl-Schedl die Erbtochter des Ritters von Lama von und zu Büchſenhauſen und bezog die reizend am Jnn gelegene Burg, wurde aber ſchon 1833 Witwer. Jm Jahre 1841 vermählte er ſich zum zweitenmal mit Emilie Freiin von Eliatſcheck v. Sie - benburg und beſchäftigte ſich fortan auf ſeiner Beſitzung mit der Land - wirtſchaft. Beim Einfall der Jta - liener in Tirol 1848 rückte er als Hauptmann einer Schützenkompagnie gegen die Welſchen aus, erhielt 1849 den Orden der eiſernen Krone und 1850 das Ritterſtandsdiplom mit dem Prädikate von Alpenburg. Jn der Folge erwarb er ſich durch Grün - dung des Radetzky-Vereins zur Unter - ſtützung invalider tiroler Kaiſerjäger und Landſchützen, wie noch mancher anderen Stiftungen um ſeine tiroler Heimat weſentliche Verdienſte. Nach Verkauf ſeiner Beſitzung führte er eine Kolonie nach Amerika und ließ ſich nach ſeiner Rückkehr in Jnnsbruck nieder, wo er am 1. April 1873 ſtarb.
Die Alpenzither (Ge. ), 1853. – Mythen u. Sagen Tirols, geſammelt, 1857. – Märzenveilchen (Ge. ), 1859. – Deutſche Alpenſagen, geſammelt, 1860. – Treue Liebe (N. v. J. Mahl), 1874.
Pſeud. für Albert Zipper; ſ. d.!
geb. am 7. Juli 1851 zu Harburg an der Elbe, ver - waiſte frühe, wurde von VerwandtenAlterzogen, abſolvierte 1868 das Gym - naſium und bezog dann die polytech - niſche Schule. Später ſtudierte er in Göttingen erſt Mathematik, dann Geſchichte u. Literatur, beteiligte ſich 1870 an dem Feldzuge gegen Frank - reich u. wanderte 1871 nach Amerika aus. Nach manchen wechſelvollen Er - lebniſſen wurde er Lehrer und iſt jetzt Vize-Prinzipal einer bedeutenden Schule in Neuyork.
Die Helden - braut (Ep. G.), 1876.
Pſeud. für Auguſt Schneegans; ſ. d.!
iſt Pſeudonym eines Dichters, das ſeine Verwandten noch nicht gelichtet zu ſehen wünſchen. Er wurde am 2. Oktbr. 1832 in Her - mannſtadt (Siebenbürgen) geboren, und noch nicht 17 Jahre alt, drückte ihm ſein feuriger Geiſt die Waffen in die Hand zur Beteiligung an den Kämpfen der Jahre 1848 – 49. Nach der Schlacht bei Hermannſtadt mußte er ſich in die Wallachei flüchten. Eine Reihe von Freiheitsliedern, Gedich - ten politiſchen, aber auch philoſophiſch reflektierenden Jnhalts über Krieg und Tyrannei verdanken dieſer ſtür - miſchen Zeit ihre Entſtehung. Nach der Unterwerfung Ungarns kehrte er zurück, ſtudierte Rechts - und Staats - wiſſenſchaften u. trat in den Staats - dienſt ein, der ihn 1875 ins Banat führte. Mit der Einführung der neuen Grundbücher in die frühere Militär - grenze betraut, lernte er den zer - ſetzenden Einfluß der mancheſterlichen Geſetzgebung auf die bäuerlichen Ver - hältniſſe kennen u. trat mit Wort u. Schrift für Reformen ein. Wieder - holt weilte er in Wien und ſuchte hier ſtets für den Zuſammenſchluß der deutſch-öſterreich. Dichter zu wirken, bis ihm dann auch 1896 die Gründung der „ Deutſchöſterreichiſchen Schrift - ſtellergenoſſenſchaft “gelang. Er ſtarb als Gerichtsrat in Temesvár am 25. Dezember 1902.
Dumpfe Lieder, 1893.
* 4*52Altgeb. am 7. Dez. 1873 in Lich (Heſſen), wirkt als Hauptleh - rer in Alsfeld.
Ludwig X. (Schſp. ), 1907.
geb. am 31. März 1858 in Mannheim, ließ ſich nach be - endeten Studien als Dr. jur. und Rechtsanwalt in ſeiner Vaterſtadt nieder. Außer einigen Schriften über bildende Kunſt veröffentlichte er
Die Menſchenrechte (Trag. ), 1894. – Freiheit (Schſp. ), 1895. – Völkerdäm - merung (2 Dr.), 1896.
Pſeud. für Jgnaz Altſchul; ſ. d.!
Pſeud. für Hermann Schlich - ting; ſ. d.!
geb. am 24. März 1847 zu Harzburg, lebt ſeit einer Reihe von Jahren in München und vertritt als Schriftſtellerin be - ſonders die Beſtrebungen der Frauen in der Frage ihrer Exiſtenzberechti - gung.
Zwei Geſchichten aus dem vollen Leben (Das Akt-Modell. – Morgenrot), 1886. – Neue Geſchichten aus dem vollen Leben, 1888. – Der Mörder (N.), 1889. – Weibliche Ehre (Vortrag), 1892. – Roma (Ge. ), 1902.
Pſeud. für Ernſt Rzeſacz; ſ. d.!
heißt eigentlich Richard Engländer und wurde am 9. März 1859 (nicht 1862) in Wien als der Sohn eines Kauſmannes ge - boren. Er erhielt daſelbſt ſeine Gym - naſialbildung und ſtudierte darauf an der dortigen Univerſität erſt die Rechte, danach Medizin, ohne indeſſen Befriedigung in dieſen Berufen zu finden. Er wurde dann Buchhändler und ſchließlich Schriftſteller, als wel - cher er noch jetzt in Wien in ſehr be - drängten Verhältniſſen lebt.
Wie ich es ſehe (Sk.), 1896. 4. A. 1904. – Aſhantee (Sk.), 1897. – Was der Tag mir zuträgt (Neue Studien), 1900. 3. A. 1906. – Prodrōmŏs, 1905. 2. A. 1906. – Märchen des Lebens, 1908. –AltDie Auswahl aus meinen Büchern, 1908.
am 24. Novbr. 1819 zu Auguſtdorf, einem in der lippeſchen Senne gelegenen Dorfe, als der Sohn eines Lehrers geboren, war durch die Beſchränktheit der elter - lichen Mittel, wie durch eine Läh - mung an den Füßen verhindert, ſich an höheren Schulen ſeine Bildung zu verſchaffen, u. mußte ſich ſeine Kennt - niſſe auf autodidaktiſchem Wege ſam - meln. Neuere Sprachen u. Arithmetik waren diejenigen Wiſſenſchaften, die er als Erwerbsquellen beſonders pflegte. Später zog er nach Detmold, wo er als Privatlehrer u. Rechnungs - beamter lebte und als Kammerkalku - lator am 11. April 1890 †.
Früh - lingsblüten und Herbſtblätter (Ge. ), 1872. – Reben und Ranken (Ge. aus ſeinem Nachlaß), 1896.
Pſeud. für L. A. Wollenweber; ſ. d.!
geb. am 12. Juni 1841 in Greifswald in Pom - mern, erhielt ihre Bildung auf der dortigen höheren Töchterſchule und bereitete ſich ſpäter auf den Beruf einer Lehrerin vor. Nachdem ſie 1866 die ſtaatliche Prüfung abgelegt, wirkte ſie 25 Jahre als Lehrerin an Volks - ſchulen, ſeit 1874 in Remſcheid. Ein - gehendes Studium der Glaubenslehre der katholiſchen Kirche veranlaßte ſie, zu dieſer überzutreten; doch hatte dieſe Konverſion auch ihre Penſionie - rung zur Folge. Sie lebt ſeitdem in Bonn a. Rhein.
Vom Jrrwege zur Wahrheit. Mein Glaubensleben in Vergangenheit und Gegenwart, 1893. 2. A. 1895. – Folgen ärztlicher Sprechſtunden (Lſp. ), 1899. – Der Klub der Harmloſen (P.), 1900. – Original-Feſtgedichte für Klöſter und Penſionate, 1901.
geb. am 9. Febr. 1844 in Berlin als der Sohn des Profeſſors Karl A., be - ſuchte das Werderſche Gymnaſium*53Altdaſelbſt u. ſtudierte ſeit 1862 in Ber - lin und Bonn. Nachdem er ſich die Doktorwürde erworben u. im Novbr. 1866 ſein Oberlehrerexamen abgelegt hatte, machte er Michaelis 1867 – 68 ſein Probejahr in Berlin durch, wirkte dann ein halbes Jahr als Hilfslehrer dort u. wurde Oſtern 1869 Lehrer am Gymnaſium in Spandau. Seit 1893 Profeſſor, trat er 1896 in den Ruhe - ſtand und ſtarb am 25. März 1898 in Berka a. d. Jlm.
Kaiſertage (Ge. a. d. Jahren 1887 – 88), 1889.
geb. am 22. Oktbr. 1822 zu Detmold als der älteſte Sohn des dortigen General - ſuperintendenten A., widmete ſich in Bonn, Jena u. Berlin dem Studium der Theologie und Philoſophie; auch ſeine ſchriftſtelleriſche Tätigkeit in den Jahren 1846 u. 1847, in zahlreichen Artikeln der Weſerzeitung und ihres Sonntagsblattes niedergelegt, galt vorzugsweiſe der kirchlichen Bewe - gung. Mit dem März 1848 widmete er ſich ganz der Tagespreſſe und der Politik: erſt in Bremen, wo er die „ Brem. Ztg. “gründete, dann in Han - nover, wo ſie als „ Zeitung für Nord - deutſchland “herausgegeben wurde. Die Reichsverfaſſungskämpfe des Jahres 1849 riſſen A. in ihren Stru - del. Einer ſeiner Leitartikel zog ihm eine Anklage wegen Aufforderung zum Staatsverrat zu. Jm Novem - ber 1849 nach Hildesheim abgeführt, wurde er im Mai 1850 begnadigt. Eine Stelle als Lehrer der freien Ge - meinde in Hamburg konnte er infolge ſeiner Ausweiſung nicht antreten. Gegen körperl. Leiden, die durch die Haft verſchlimmert worden waren, Heilung ſuchend, ſtarb er in Gotha am 2. April 1852.
Märchen aus der Gegenwart, 1848. – Aus dem Ge - fängnis (Erinnerungen und Jdeale), 1850. – Gedichte, 1852.
geb. am 14. März 1843 zu Speicher im Appenzeller - lande, wurde im Waiſenhauſe ſeinerAltHeimatgemeinde erzogen, doch geſtat - tete ihm die Gemeindebehörde — bis dahin der einzige Fall dieſer Art — den Beſuch höherer Schulen. Jm Frühjahr 1862 bezog er das Poly - technikum in Zürich, um Mathematik und neuere Sprachen zu ſtudieren. Dort ergriffen ihn die Predigten des freiſinnigen Pfarrers H. Hirzel derart, daß er ſich im Herbſt 1862 zum Stu - dium der Theologie entſchloß u. durch Privatunterricht die Kenntnis der ihm bis dahin unbekannten alten Sprachen nachholte. Jm Frühjahr 1867 abſolvierte er das theologiſche Studium in Zürich und wurde Pfar - rer in Toggenburg. Als 1870 vom religiös-liberalen Verein des Kan - tons St. Gallen eine Wochenſchrift gegründet ward, übernahm A. die Redaktion derſelben, und machte das Blatt ſeinen Namen im Schweizer - lande ſo bekannt, daß die Stadt Baſel ihn — als erſten Pfarrer liberaler Richtung — 1874 dorthin berief. Hier wirkt er noch jetzt als Pfarrer und Kirchenrat, iſt ſeit 1904 auch Zentral - präſident des „ Schweizeriſchen Ver - eins für freies Chriſtentum “. 1878 gründete er in Baſel das „ Schweize - riſche Proteſtantenblatt “, das ſich raſch einen großen Leſerkreis erwarb, und ſchrieb „ Leben u. Wirken Theo - dore Parkers “, des radikalen ameri - kaniſchen Theologen, der den Krieg zur Befreiung der Sklaven weſentlich vorbereiten half (1894). Jm Mai 1903 folgte A. einer Einladung der American Unitarian Association zu einem Vortrag in Boſton, infolge - deſſen er dann „ Eine Amerikafahrt in zwanzig Briefen “(1905) erſcheinen ließ.
Beckenfridli (E.); II, 1899 (Jnhalt: I. Geſchichte eines armen Knaben. – II. Geſchichte eines armen Studenten). – Die Kinder der Frau Schuhr (E.), 1907.
Pſeud. für Alice Gurſchner; ſ. d.!
iſt Pſeudonym*54Alteines Dichters, der am 9. März 1873 in Altkirch im Elſaß geboren wurde. Er trat ſehr früh als Schriftſteller auf und ſchreibt hauptſächlich Novel - len und Skizzen und Proſadichtungen in archaiſtiſcher Sprache. 1894 betei - ligte er ſich in Hamburg an der Her - ausgabe der Halbmonatsſchrift „ Der Zuſchauer “, und ſeit 1895 hat er ſei - nen Wohnſitz in Dresden. Reiſen nach Tirol und Jtalien bieten ihm den Stoff zu Reiſeſchilderungen und zu kritiſchen Arbeiten über den Berg - ſport, während er 1906 in Holland weilte, um Studien über die Lebens - geſchichte Spinozas zu machen.
Das altertümliche Gaſthaus, 1892. – Jch, der Träumer, 1896.
Ju - lius, wurde am 1. März 1814 zu Potsdam geboren, wo ſein Vater Regierungsbeamter war. Als dieſer 1825 ſtarb, ſiedelte die Mutter nach Berlin über. Hier beſuchte der Sohn das Gymnaſium zum grauen Kloſter, ſtudierte von 1834 – 38 Philoſophie u. ging, nachdem er ſich 1838 den Dok - torgrad erworben, als Erzieher des Sohnes des Generals von Staal nach Moskau, wo er bis zum Jahre 1843 weilte. Nachdem er große Reiſen im Jnnern Rußlands, namentlich durch Eſtland und Finnland gemacht, und Bekanntſchaft mit den erſten Gelehr - ten und Künſtlern des Landes ange - knüpft hatte, kehrte er nach Deutſch - land zurück und ließ ſich zunächſt in Berlin nieder, wo Humboldt u. Varn - hagen von Enſe bis an ihr Ende ihm mit ihrem Rat treu zur Seite ſtan - den. Zeitweiſe lebte er dann auf Schloß Fürſtenſtein, wo er das Ar - chiv des Fürſten von Pleß ordnete, in Frankfurt a. M., wo er das „ Frank - furter Muſeum “herausgab, in Duis - burg, wo er die „ Rhein - und Ruhr - zeitung “redigierte, in der Schweiz und an anderen Orten, kehrte aber immer wieder nach Berlin zurück, um früher Begonnenes zu vollenden. MitAltBeginn des Jahres 1872 ſiedelte er nach ſeiner Vaterſtadt Potsdam über, wo er am 10. Juni 1873 †.
Lie - der aus der Ferne, 3 Bdchn., 1845. – Gnomen, 4 Hefte (Jnhalt: Diſtichen. – Hexameter. – Jamben. – Gnomen in malaiiſcher Form), 1848. – Runen finniſcher Volkspoeſie, 1856. – Die Wüſtenharfe (Arabiſche Volkslieder), 1856. 2. A. als: Spiegelbilder der Sahara, 1861. – Alkoran der Liebe. (Aus d. Perſiſchen.) 1861. – Die Ba - lalaika. Ruſſiſche Volkslieder, 1863. – Des Horaz Dichtkunſt, 1867. – Aus einem Dichterleben (Ge.); II, 1870.
geb. am 23. März 1864 in Lemberg, kam ſchon im folgenden Jahre mit ſeinen Eltern nach Wien, beſuchte hier mehrere Gymnaſien, maturierte in Hernals und ſtudierte darauf an der Wiener Univerſität Medizin. Früh auf eigene Füße geſtellt, erwarb er ſich als Stu - dent faſt ausſchließlich durch literari - ſche Arbeiten ſeinen Unterhalt. Neben ſeiner ärztlichen Praxis, die er erſt in Wien, dann in Weidlingen bei Wien u. ſeit 1904 in Baden bei Wien aus - übt, redigiert er ſeit 1894 Witzblätter und belletriſtiſche Zeitſchriften, vor - nehmlich die „ Pſchütt-Karikaturen “. Jm Jahre 1900 erwarb er ſich die Würde eines Dr. med.
Allerlei und noch etwas (Humor. Ge. ), 1894. – Bunter Kram (Gereimtes und Un - gereimtes), 1896. – Venus emanci - pata (Satir. Ge. ), 1896. – Fin de siècle (9 ſat. Ge. ), 1897. – Verliebte Geſchichten (Sk. u. En.), 1900. – Das Märchen vom Weibe (Sat.), 1900.
wurde am 1. Jan. 1833 zu Hersfeld in Heſſen ge - boren, erhielt ſeine Vorbildung auf dem Gymnaſium zu Kaſſel u. ſtudierte dann in Marburg, Berlin und Mün - chen die Rechte. Daneben trieb er mit Vorliebe literariſche u. philoſophiſche Studien. Jn den Jahren 1859 und 1860 gab er in Kaſſel die Wochen - ſchrift „ Der Telegraph “heraus, die*55d’Aldurch ihre friſche und witzige Kritik raſch Aufſehen erregte. Nachdem er kurze Zeit in Leipzig in einem kauf - männiſchen Geſchäft fungiert, trat er beim Obergericht in Kaſſel in den Vorbereitungsdienſt, erhielt jedoch erſt bei der preußiſchen Okkupation 1866 eine Anſtellung. Jm Jahre 1871 ſchied er aus dem Staatsdienſte und wurde Vorſtand und erſter Biblio - thekar der von den Gebrüdern Mur - hard der Stadt Kaſſel geſtifteten Bibliothek. Er † plötzlich in der Nacht vom 22. auf den 23. Septbr. 1880 am Herzſchlage.
Deutſche Lieder, 1858. 4. A. 1867. – Die Jroniſchen (E.), 1859. 2. A. 1862. – Gedichte, 1864. – De Foes Robinſon Cruſoe, überſ., 1868. – Drei Weihnachtsge - ſchichten von E. Koch, W. Lynker und Karl Altmüller, 1859.
Pſeud. für Heinrich Grabow; ſ. d.!
geb. am 9. Juni 1844 zu Lübben in der Niederlauſitz, beſuchte von ſeinem ſie - benten Jahre an die dortige Real - ſchule, widmete ſich dann dem Juſtiz - ſubalterndienſte, war längere Zeit Aktuar in Sandow bei Kottbus, ſeit 1879 Gerichtsſekretär in Wuſterhau - ſen a. D., kam 1889 in gleicher Eigen - ſchaft nach Berlin u. iſt hier ſeit 1891 Landgerichtsſekretär und gerichtlicher Sachverſtändiger für Handſchriften - vergleichung. 1905 wurde er zum Kanzleirat ernannt. Außer einer „ Ge - ſchichte der Stadt Wuſterhauſen a. D. “(1888) veröffentlichte er
Erinne - rungsblätter (Ge. ), 1875.
wurde am 14. Februar 1843 in dem der deutſchen Zunge angehörigen Böhmiſch-Leipa geboren, beſuchte daſelbſt die Volks - ſchule und darauf das achtklaſſige Gymnaſium im dortigen Auguſtiner - kloſter. Jm Jahre 1863 ging er nach Wien, wo er nach vollendeten juriſti - ſchen Studien zum Dr. juris promo - viert wurde. Seitdem hat er ſich demAltAdvokatenſtande zugewendet; er lebt in Wien als Hof - u. Gerichtsadvokat und iſt ſeit 1881 mit der früheren Schauſpielerin Bertha Steinher ver - mählt.
Nicht um eine Krone (Lyr. - ep. D.), 1876. – Der Geiſt des hohen Liedes. Geſchichte, Kritik und Über - ſetzung, 1874.
pſeud. J. Alt - burg, J. Burg, Georg und Georgine, wurde am 26. Januar 1841 in Prag geboren. Nach Abſchluß ſeiner Schulbildung wurde er nach dem Wunſche ſeiner Eltern dem kauf - männiſchen Berufe zugeführt, dem er aber ſo wenig Jntereſſe abgewann, daß er ſich ihm entzog u. ſeine wiſſen - ſchaftlichen Studien wieder aufnahm. Daneben war er ſchon früh litera - riſch tätig geweſen. Ein 1863 vollen - deter Roman, der Alfred Meißner im Manuſkript vorlag u. deſſen Beifall erntete, brachte A. mit dieſem Dichter in näheren Verkehr, und als er dann von Prag nach Wien ging, um ſeine juriſtiſchen Studien fortzuſetzen, emp - fahl ihn Meißner an Adalbert Stif - ter, Leopold Kompert u. J. Kuranda, der damals die „ Oſtdeutſche Poſt “in Wien herausgab. A. wurde nun ein fleißiger Mitarbeiter an der „ Preſſe “, dem „ Neuen Fremdenblatt “, dem „ Figaro “, dem „ Tagesboten aus Mähren “, für den er allwöchentlich „ Wiener Briefe “lieferte, u. an Zell - ners „ Blättern für Theater, Muſik und Kunſt “. Nach Beendigung ſeiner Studien in Wien erwarb A. die Würde eines Dr. jur. und trat in die Advokaturkanzlei ein, legte 1881 die Advokatenprüfung ab u. wurde nun in die Liſte der Hof - und Gerichts - advokaten eingetragen. Er iſt noch jetzt in ſeinem Berufe in Wien tätig.
Bewegte Herzen (Nn.), 1898. 2. A. 1901. – Einer für alle (Briefe e. ver - witweten Bräutigams, von Georg), 1. – 6. A. 1902. – Eine an alle (a. d. Tagebuche eines Übermädchens, von Georgine), 1. – 4. A. 1902. – Pie -*56Alttätloſe Briefe, die ſie nicht erreichen, 1904.
geb. am 8. Juni 1836 in Stettin, lebte als Journaliſt bis Ende 1881 in Wiesbaden, wurde 1. Jan. 1883 Redakteur der „ Würz - burger Preſſe “in Würzburg, bald darauf Redakteur des „ Offenbacher Jnduſtrieblatts “in Offenbach.
Der Blutſchöffe (R.), 1878. – Agatha (Schſp. ), 1881.
* am 6. März 1824 zu Herrnſtadt in Schle - ſien als der Sohn eines Subaltern - beamten, beſuchte das Gymnaſium in Meſeritz und widmete ſich dann im geiſtlichen Seminar zu Poſen der ka - thol. Theologie. Da ihm aber die klöſterliche Zucht des Seminars nicht behagte und die Mittel zu einem an - dern Studium fehlten, ſo trat er als Supernumerar bei dem Stadt - und Landgericht Meſeritz ein, ward 1847 Diätar beim Oberappellationsgericht in Poſen, 1850 Kontrolleur in Ra - witſch, 1858 Gerichtsſekretär in Birn - baum, ſpäter in Pleſchen und 1868 Rendant in Rawitſch. Hier ſtarb er infolge eines Nervenleidens am 14. Juni 1879.
Maria von Brabant (Tr.), 1861. – Gedichte 1870. – Graf Leiceſter (Tr.), 1872.
pſeud. oft Guſtav Sellen, * am 3. Mai 1800 in Berlin, trat 1813 als Kadett in ein hannöverſch. Jnfanteriebataillon und machte den Krieg gegen Frank - reich mit. Nach dem erſten Pariſer Frieden nahm er als Offizier den Ab - ſchied, um ſeinen Eintritt in den preußiſchen Staatsdienſt vorzuberei - ten, trat jedoch 1815 als freiwilliger Jäger ins Heer und wohnte dem zweiten Einzuge in Paris bei. Seit 1817 Leutnant bei der Artillerie, ver - ließ er 1823 den Militärdienſt, ſtu - dierte von 1825 – 28 in Leipzig die Rechte, wurde dann Schriftſteller und lebte als ſolcher in unabhängigenAlyVerhältniſſen teils in Leipzig, teils in Meiningen, wo er 1836 eine Zeit - lang das Hoftheater leitete, und zu - letzt in Wien, wo er wegen ſeiner Be - teiligung an der Verteidigung der Stadt 1848 zu einjähriger Feſtungs - haft verurteilt ward. Von 1828 – 33 redigierte er die Zeitſchrift „ Hebe “, begründete 1830 mit Gretſchel die „ Sachſenzeitung “, 1832 die „ Allge - meine Theaterchronik “, die bis 1873 beſtand und für die Geſchichte des Theaters ſehr wertvoll iſt, 1837 den „ Theaterfreund “und hatte 1840 An - teil an der Gründung und Redaktion der „ Zeitung für den Adel “. Er † in Wien am 4. Aug. 1868.
Erzäh - lungen, 1830. – Die Geiſtererbſchaft u. a. En., 1830. – Romantik der Liebe (En.), 1830. – Der Lügenkaiſer (E.), 1833. – Charivari (Nn. u. En.), 1835. – Betbruder und Betſchweſter, 1835. – Die Eroberung Siziliens d. d. Ara - ber (E.), 1836. – Biographiſches Ta - ſchenbuch deutſcher Bühnenkünſtler, 1836 – 37. – Lebens - und Reiſebilder u. Novellen, 1841. – Die Sünde des Vorurteils (R.), 1841. – Kaſernen - abende (En.), 1848. – Die Somnam - bule (R.), 1852. – Die Grafen von Saint-Romain (R.), 1859. – Don Juans erſte u. letzte Liebe (R.), 1861. – Der Zigeunerzögling (R.), 1861. – Fürſt Lobkowitz (R.), 1862. – Die Ge - fährlichen (R.), 1863. – Der Gezeich - nete (R.), 1863.
geb. am 24. Dezbr. 1854 in Magdeburg als der Sohn eines Großkaufmanns, beſuchte das dortige Domgymnaſium u. ſtudierte darauf in Heidelberg, Leipzig und Berlin die Rechte. Nach Ableiſtung der Staatsprüfungen ließ er ſich als Rechtsanwalt in Zeitz nieder, wo er ſpäter auch das Notariat erlangte, gab aber 1895 dieſen Beruf auf, um nach einer Reiſe nach Jtalien ſich gänzlich der Schriftſtellerei zu wid - men. Er ſiedelte in der Folge nach Dresden über u. iſt dort am 9. Dezbr. *57Ama1901 geſtorben.
Liebe will keine Meiſterin! (Lſp. ), 1897 (u. d. T. „ Römiſche Sonne “1901 im Berliner Schauſpielhaus aufgeführt). – Es werde Recht! (Trag. ), 1898. – Wol - kenkuckucksheimer Dekamerone, 1899. – Geſchichten aus Sachſen-Sieben - Jndien (Fortſetzung und 2. Teil des vorigen), 1901. – Der neue Schwa - benſpiegel (Ein R. von geſtern), 1900.
geborene Roſzy von Barkócs, wurde am 5. März 1828 in Budapeſt geboren und vermählte ſich 1850 mit Rudolf Grafen Amadei, nunmehrigen Lan - despräſidenten a. D. in Wien. Jhrem (1894 †) Sohne Albert, der ſich als trefflicher Komponiſt bekannt gemacht hat, widmete ſie ihre
Gedichte, 1896.
Tochter des am 14. Juni 1841 verſtorbenen Prinzen Friedrich Karl Emil, wurde am 9. Jan. 1813 geboren und erhielt eine einfache, aber ſorgfältige Er - ziehung. Die Familie ſiedelte von Dänemark nach Leipzig über, u. nach dem Tode der Eltern zog die Prin - zeſſin mit ihren drei Schweſtern nach Dresden.
Eglantine (R.), 1852. – Frühling -, Sommer -, Herbſt - und Winter-Liebe, 1853. – Bilder a. der Märchenwelt, 1863. – Moderne Wohl - tätigkeit (E.), 1883. 2. A. 1898.
Pſeudon. für Heinrich Hermann Meyer; ſ. d.!
Pſeud. für Berthold Sturm; ſ. d.!
ſiehe Jo - hanna Voigt!
geb. am 4. Ok - tober 1845 in Deſſau, war Feldmeſſer bei der herzoglichen Hofkammer da - ſelbſt und ſtarb am 14. Dezbr. 1894. Er ſchrieb ein Werk über die Schmet - terlinge Anhalts, das ſeinerzeit ganz beſondere Beachtung fand.
Hen - nings v. Treffenfeld (Vaterl. Schſp. ),Ame1891. – Waldemar, Markgraf von Brandenburg (Schſp. ), 1891. – Nach - klänge zur Wittenbergfeier am 31. Oktbr. 1892; 1892. – Ob weitere Dich - tungen, wie Der ewige Jude (Ep. 1892) – Hako von Stulpe (G., 1892) – Schickſal (Ep. G. 1893) – Ein Bru - derzwiſt in Askanien (Hiſt. Ep. 1894) im Buchhandel erſchienen ſind, iſt mir nicht bekannt geworden.
* am 18. Novbr. 1812 zu Berlin, beſuchte das Werderſche Gymnaſium daſelbſt und ſtudierte ſeit 1830 in Berlin u. Hei - delberg die Rechte. Nach einer Fuß - reiſe durch die Schweiz und Ober - italien wurde er 1833 Auskultator beim Stadtgericht in Berlin u. 1835 Referendar beim Kammergericht da - ſelbſt. Jnfolge eines Sturzes mit dem Pferde fing er an zu kränkeln und † am 22. Auguſt 1844.
Ge - dichte, hrsgeg. von Ehrenreich Eich - holz, 1844.
* am 24. Dezbr. 1804 zu Neuſtadt a. d. Orla, ſtudierte die Rechte und ließ ſich dann als Ad - vokat in ſeiner Vaterſtadt nieder, wo er am 6. April 1876 ſtarb.
Nacht - falter und Weltlieder (Ge. ), 1835.
* am 24. Janr. 1819 zu Wittenberg, widmete ſich dem Buchhandel u. war von 1853 – 70 Buchhändler in Dres - den. Seit 1874 Bibliothekar beim ſtatiſtiſchen Bureau im ſächſiſchen Miniſterium des Jnnern u. Sekretär der ökonomiſchen Geſellſchaft im Kö - nigreich Sachſen zu Dresden, † er am 18. Juli 1890.
Kornblumen (Ge. ), 1842. – Des Maurers Weihe (D. nach Schillers „ Lied von der Glocke “), 1859. – Julius Hammer (Biogr.), 1872.
Bruder der folgenden, geb. am 4. Janr. 1840 in Angermünde, lebte (1884) als Kauf - mann in Tukuman in Argentinien, (1894) als Privatſekretär in Wien.
An der Frontera (Selbſterlebtes),*58Ame1884. – Nächte am Rio-Paraguay, 1887 – 90.
geb. am 19. März 1841 zu Angermünde in der Mark Brandenburg, erhielt ihre Bil - dung in der dortigen Stadtſchule und durch Privatlehrer, verdankt aber das Beſte doch der mit vorzüglichen Werken ausgeſtatteten Bibliothek ihres Vaters. Der Verkehr mit den Kindern ihrer Schweſter, denen ſie allerlei kleine Geſchichten erzählen mußte, regte ſie zum Niederſchreiben ſolcher Kindererzählungen an, u. die meiſten ihrer Werke weiſen denn auch auf das Gebiet der Jugendſchriften hin. Sie hat, nachdem ſie vorüber - gehend an anderen Orten (Grabow, Stettin u. a.) als Privatlehrerin ge - wirkt, bis zum Jahre 1895 ihren Wohnſitz in Angermünde beibehalten und hier ihr Leben mit praktiſcher Tätigkeit in der häuslichen Fürſorge für die Jhrigen ausgefüllt. Seit 1895 lebt ſie als Stiftsdame in Dahme. Außer mehreren Kinderſchriften ver - öffentlichte ſie
Erſungen! (E. für junge Mädchen), 1886. – Fürs junge fröhliche Mädchenherz (En., M., Ge. ), 1890. – Aus Urväter Tagen (Altnor - diſches Götterleben und Heldentum u. d. Edda), 1891. 2. A. 1902. – Am Herd des Hauſes (En.), 1897.
* am 8. Mai 1825 zu Obergeſteln am Fuße der Grimſel in der Schweiz, beſuchte ſeit ſeinem 11. Lebensjahre das Kantons - kollegium von Brieg, widmete ſich dem Studium der Theologie, trat in den Orden der Kapuziner u. vollen - dete ſeine Bildung in Jtalien, Frank - reich und Holland. Seit 1849 wirkte er in der Nähe von Metz als Profeſſor der deutſchen Sprache, ging aber 1851 nach Deutſchland, wo er 12 Jahre als Prediger wirkte u. während die - ſer Zeit zugleich halb Europa durch - reiſte. 1863 kehrte er in die Schweiz zurück und weilte dort im Kapuziner - hoſpiz a. d. Rigi, wo er ſich ſchrift -Ammſtelleriſch betätigte. Er ſoll geſtorben ſein.
Thomas i. d. Bünden, oder: Der Freiheitskampf v. Wallis (Dr.), 1880. – Sankt Franziskus (Romant. Ep. in 12 Liederkränzen), 1884.
Pſeud. für Theodor Straſſer; ſ. d.!
geb. am 27. Dezbr. 1847 zu Broos in Siebenbür - gen, erhielt dort und in Mühlbach ſeinen erſten Schulunterricht, beſuchte dann das Untergymnaſium in Her - mannſtadt und das Obergymnaſium in Schäßburg, das er im Juli 1868 abſolvierte, u. bezog dann im Herbſt d. J. die Univerſität Jena, um Theo - logie u. Philologie zu ſtudieren. Ein Jahr ſpäter ging er nach Berlin. Hier erlebte er die große Zeit des deutſch - franzöſiſchen Krieges, und in heiliger Begeiſterung für den deutſch-natio - nalen Gedanken ſtellte er ſich mit in die Reihen ſeiner Freunde und Stu - diengenoſſen und machte den Feldzug als Felddiakon vom Septbr. 1870 bis März 1871 mit. Ein Stipendium der evang. Landeskirche ſetzte ihn in die Lage, noch ein viertes Studienjahr auf der Univerſität Heidelberg zuzu - bringen, die er im Herbſte 1871 be - zog, und wo er im Sommer 1872 ſich die Würde eines Dr. phil. erwarb. Jm Herbſt d. J. kehrte er in ſeine Vaterſtadt zurück, die ihn ſofort als Abgeordneten in die Nations-Uni - verſität ſandte. 1873 wurde er aka - demiſcher Lehrer und 1874 Konrektor an der evangel. Hauptvolksſchule in Broos. Jm Novbr. 1881 wurde er zum Stadtpfarrer in Mühlbach ge - wählt u. im Januar 1891 zum Pfar - rer der Gemeinde Rumes berufen, wo er noch im Amte ſteht.
Die Tür - kenſchlacht auf dem Brotfelde (E.), 1879. – Aus der guten alten Zeit einer Sachſenſtadt, 1879. – Jn der Heide - ſchenke (4 En.), 1902. – Der Schlick - läufer (4 En.), 1902.
geb. am 25. Januar 1839 zu Driedorf im Naſ -*59Ammſauiſchen als der Sohn des Pfarrers Franz A., beſuchte die Volksſchule zu Braubach am Rhein und das Gym - naſium zu Weilburg a. d. Lahn und ſtudierte darauf in Heidelberg Juris - prudenz, und in Bonn u. Göttingen alte und neue Philologie. Jm Jahre 1864 wurde er als Lehrer, beſonders für neuere Sprachen, am Gymnaſium in Wiesbaden angeſtellt, an dem er bis 1890 tätig war. Er † daſelbſt im Ruheſtande Ende April 1910. Jm J. 1899 wurde ihm der Titel Profeſſor verliehen.
Jn ernſten u. heiteren Stunden (Dn.), 1888. – Der Rochus - berg bei Bingen am Rhein, 1893. – Klänge vom Rhein (Ge. ), 1904.
geb. am 25. Mai 1864 zu Kirchheim a. d. Mindel in Schwaben als der Sohn eines Leh - rers, der 1866 nach Durach im All - gäu u. 1868 nach Füſſen in den baye - riſchen Alpen verſetzt ward. Der Sohn beſuchte die Gymnaſien in Neu - burg a. D. und in Kempten, matu - rierte hier 1883 und ſtudierte darauf bis 1887 in München die Rechte. Nachdem er 1890 den juriſtiſchen Staatskonkurs gemacht hatte, war er zuerſt Hilfsarbeiter bei der Anwalt - ſchaft in Neuburg a. D., wurde 1892 dritter Staatsanwalt in Landshut (Niederbayern), 1893 Amtsrichter in Augsburg, kam als ſolcher ſpäter nach Jllertiſſen und Markt Oberdorf (Schwaben) und wirkt ſeit 1901 als Oberamtsrichter in Augsburg.
Unter der Bergtanne (Ge. ), 1902.
Pſeud. für Karl Freiherr von Perfall; ſ. d.!
Pſeudon. für Friedo Grelle; ſ. d.!
pſeud. A. Berg, wurde am 7. Juni 1852 zu Pettau in Steiermark geboren, verlebte einen großen Teil ſeiner Jugend in den hei - matlichen Weinbergen, in den Schlöſ - ſern Brunnſee und Wildhaus, genoß eine ſehr ſorgfältige Erziehung undAmſterhielt ſeine wiſſenſchaftliche Vorbil - dung auf dem Gymnaſium zu Mar - burg, woſelbſt er zweimal für poetiſche Verſuche mit dem Schiller-Preiſe aus - gezeichnet ward. Jn Graz ſtudierte er die Rechte und hiſtoriſch-politiſche Wiſſenſchaften, trat am 12. Juni 1876 als Rechtspraktikant beim Landge - richte Graz in den Staatsdienſt, wurde 1880 Bezirksgerichtsadjunkt in Frohnleiten, 1883 Gerichtsadjunkt beim Landgericht in Graz, wo er mehrere Jahre als Unterſuchungs - richter wirkte, 1891 Bezirksrichter zu Liepen im oberen Ennstale und 1893 Staatsanwalt-Stellvertreter in Leo - ben. Seit 1896 in gleicher Eigen - ſchaft in Graz tätig, wurde er daſelbſt 1897 zum Landgerichtsrat und 1899 zum Oberſtaatsanwalt ernannt. 1907 verlieh ihm der Kaiſer den Charakter eines k. k. Hofrats.
Lieder, 1892.
* am 13. Febr. 1831 zu Czernowitz in der Bukowina, wuchs unter günſtigen Verhältniſſen auf und verließ ſchon 1846 die Hei - mat, um ſich auf Wunſch ſeiner El - tern dem Handelsſtande zu widmen. Hierbei vergaß er aber nicht, auch humaniſtiſche Studien zu pflegen, u. betätigte ſich an der damals in Wien von Bäuerle redigierten „ Theater - zeitung “. Später war er Mitarbeiter am „ Wiener Modeſpiegel “. Jm Jahre 1853 kehrte A. nach Czernowitz zurück, wo er 1858 ſeinen Hausſtand grün - dete und ſpäter als Gemeinde -, Han - delskammer - und Turnrat fungierte, als Schriftſteller aber ſein land - und finanzwirtſchaftliches Wiſſen der „ Bukowina “, ſpäter der „ Czerno - witzer Zeitung “zuwandte. Jm Jahre 1872 ſiedelte er wieder nach Wien über, wo er die Redaktion des 1871 gegründeten Blattes „ Der Zirkel “übernahm, die er noch heute führt. Daneben leitete er auch durch acht Jahre die Redaktion der Wiener illu - ſtrierten Zeitſchrift „ Die Heimat “.
Die verkaufte Leibrente (Lſp. ),*60Amy1865. – Poetiſches Gedenkbuch (An - thologie zur Feier der Jnauguration der Univerſität Czernowitz ꝛc., mit L. A. Stauffe), 1875.
Pſeud. für Dagobert von Gerhardt; ſ. d.!
entſtammt einem aus Schweden nach der Schweiz ein - gewanderten Bauerngeſchlechte und wurde am 21. Juni 1834 in Röthen - bach bei Herzogenbuchſee als der Sohn eines Lehrers geboren. Er er - wählte den Beruf ſeines Vaters, be - ſuchte ſeit 1850 das Lehrerſeminar in Münchenbuchſee und nahm 1852 die Stelle ſeines Vaters an. Neben dem Schulunterricht pflegte er in ſeiner Mußezeit theoretiſch u. praktiſch land - wirtſchaftliche Studien, beſuchte auch während der Ferien die Ackerbau - ſchule Rütti bei Bern u. machte einen Kurſus über Flachsbau in Wettingen durch. Jm Jahre 1866 wurde er Lehrer und Ökonom bei Born, Moſer u. Co. in Wanzwyl und 1874 Lehrer der landwirtſchaftlichen Abteilung an der Kantonsſchule Graubündens in Chur. Hier wurde er bald in die kantonale volkswirtſchaftliche Kom - miſſion zur Anbahnung fortſchritt - licher Beſtrebungen gewählt u. machte von hier aus verſchiedene Studien - reiſen ins Ausland, zuletzt 1890 nach Holſtein, Dänemark und Schweden, um das dortige Molkereiweſen ken - nen zu lernen. Jm Jahre 1883 wurde er zum Generalſekretär des ſchweizer. landwirtſchaftl. Vereins gewählt, als welcher er erſt in Zürich, dann in Bern lebte. Nach Aufhebung des Generalſekretariats (1888) widmet er ſich als freier Mann den heimatkan - tonlichen Jntereſſen, gründet Fort - bildungsſchulen für die Landwirt - ſchaft, richtet Molkerei -, Obſtbau - u. Weinbauſchulen ein u. hält Wander - vorträge über alle Zweige der Land - wirtſchaft. Daneben iſt er als land - wirtſchaftlich. Schriftſteller ſehr tätig und die Zahl ſeiner Schriften eineAndanſehnliche; in den Jahren 1883 – 87 gab er auch den „ Schweizer Bauern - kalender “heraus. Hier intereſſiert uns nur ſeine
Bilder aus dem ſchweizeriſchen Bauern - und Älpler - leben, 1891. — A. † am 8. Mai 1911.
Pſeud. für Bern - hard Becker; ſ. d.!
Pſeud. für Max Allihn; ſ. d.!
pſeud. L. A. Weſtern, wurde am 8. Juli 1845 in dem kleinen Dörf - chen Wardin im Kreiſe Arnswalde als der Sohn eines Lehrers geboren, genoß den Schul - und Privatunter - richt ſeines auch ſchriftſtelleriſch täti - gen Vaters, beſuchte ſeit 1865 die Präparandenanſtalt in Arnswalde u. bildete ſich 1866 – 69 auf dem Seminar in Droſſen zum Lehrer aus. Nachdem er einige Jahre auf troſtloſen Dorf - ſtellen amtiert, ſiedelte er 1874 nach Landsberg a. d. Warthe über, wo er als Lehrer an der Bürgerſchule bis zu ſeinem Tode, am 6. Juli 1904, wirkte. Außer einigen in Zeitſchriften gedruckten Romanen veröffentlichte er folgende Volks - u. Jugendſchriften:
Wild-Weſt, 1893. – Von Jndia - nern verfolgt, 1894. – Die Prärie - jäger, 1894. – Der Hofmaler des Jn - dianerhäuptlings, 1894. – Der Prä - riefuchs, 1894. – Die Anſiedler in Transvaal (Natur - u. Sittenſchilde - rungen), 1900. – Unter rauhen Kriegs - ſtürmen (E. a. d. Jahren 1806 – 15), 1903.
Pſeud. für Na - than Jacob; ſ. d.!
Pſeud. für Paul Schüler; ſ. d.!
geb. am 27. Novbr. 1863 in Hameln, lebt daſelbſt.
Auf falſchem Boden (N.), 1884.
Pſeud. für Bern - hard Abeken; ſ. d.!
Pſeud. für Maria Trommershauſen; ſ. d.!
*61AndPſeud. für André Hugo Elm; ſ. d.!
geb. am 14. Aug. 1862 in Neuzelle, lebte (1886) in Dres - den, ſeit 1887 in Wiesbaden, (1889) als Redakteur am „ Neuen Dresdener Tageblatt “in Dresden, (1891) als Rittergutsbeſitzer in Ober-Lichtenau, Kreis Lauban in Schleſien.
Das ſtärkere Geſchlecht (Nn.), 1890. – Gas - pards Nachfolger (E.), 1891. – Der Weg zur Erkenntnis (Schſp. ), 1886. 2. A. 1888.
Pſeudon. für Antonia Carel; ſ. d.!
Pſeud. für Jo - hanna Garbald-Gredig; ſ. d.!
(eigentl. So - phie Friederike), wurde am 15. März 1840 als die älteſte von neun Ge - ſchwiſtern auf einer heſſiſchen Staats - domäne bei Frankfurt a. M. geboren, erhielt bis zum 13. Jahre häuslichen Unterricht durch Erzieherinnen und beſuchte dann noch etliche Jahre, im Hauſe der Großmutter wohnend, die Muſterſchule in Frankfurt. Jns El - ternhaus zurückgekehrt, widmete ſie ſich mit Eifer den häuslichen Pflichten. Später zog ſie mit ihrer Familie nach einer kleinen Univerſitätsſtadt, und hier wurde die Bekanntſchaft mit einem geiſtvollen älteren Manne die Veranlaſſung, daß ſie ſich als Schrift - ſtellerin verſuchte. Seit 1884 lebt ſie in Augsburg und ſeit 1886 in Mün - chen.
Camilla (E.), 1879. – Jm Hinterhaus (E.), 1881. – Der Muhme Erbſtück (E.), 1884. – Dunkle Gottes - wege (E.), 1884. – Ein Geſchwiſter - paar (E.), 1885. – Eva (E.), 1885. ‒ Schweſter Barbara (E.), 1886. – Sünde iſt der Leute Verderben (E.), 1891. – Wie die Saat, ſo die Ernte (4 En.), 1893. – Der Sieg der Liebe (E.), 1892. – Land oder Stadt (2 En.), 1893. – Jm Schatten des Heiligtums. Der Findling (2 En.), 1903. – Gold - körner (En.); III, 1903 – 05. – Blumen und Sterne (En.); II, 1904 – 06.
Andſiehe K. Jacoby!
geb. am 31. Oktbr. 1858 in London, kam im Jahre 1869 in die Schule der Herrnhuter - Gemeinde zu Neuwied, wo er die deutſche Sprache erlernte, beſuchte ſeit 1872 das Realgymnaſium in Darm - ſtadt und ſtudierte von 1874 – 77 an der techniſchen Hochſchule Chemie. Um ſich gänzlich der ſchriftſtelleriſchen Laufbahn zu widmen, hörte er zu - nächſt ein Jahr lang in Straßburg philoſophiſche und geſchichtliche Vor - leſungen, lebte dann vier Jahre teils in Genf, teils in London, ging 1882 nach Bremen und 1883 nach Berlin, um hier ſeine Studien zu vollenden, wurde im Jan. 1888 in Berlin zum Dr. phil. promoviert und ging dann nach England zurück, um ſich dort der Univerſitätslaufbahn zu widmen.
Geiſt und Purpur (Tr.), 1880. – Das Märchen vom Pendle-Wald (Schſp. ), 1881. – Der Held (Schſp. ), 1883.
zu Lamſpringe bei Hildesheim am 28. Novbr. 1882, war der Sohn eines Lehrers, beſuchte das Gymnaſium Andreanum in Hildes - heim u. ſtudierte darauf in Göttingen Philologie, erwarb ſich daſelbſt auch die Würde eines Dr. phil. Nachdem er mehrere Hauslehrerſtellen beklei - det, gründete er 1856 in Hannover eine Privattöchterſchule, die er bis 1863 leitete, ging dann nach Leipzig, wo er für die Firma F. A. Brockhaus literariſch tätig war, und übernahm 1866 eine Stelle als Lehrer an der höheren Handelsſchule in Hildesheim. Nach einigen Jahren gab er dieſelbe auf und beſchäftigte ſich dann aus - ſchließlich mit ſchriftſtelleriſchen Ar - beiten. Er ſtarb am 6. Febr. 1872.
Heinrich der Vogelſteller (O.), 1864. – Leibniz (R.); II, 1863. – Die Sturmvögel (R.); II, 1865. – Die Louiſiade, oder: Napoleon III. (Kom. Heldenged. ), 1870.
*62AndPſeud. für Alexander Andreas Babendieck; ſ. d.!
pſeud. Henri Lou, wurde am 31. Januar 1861 in St. Petersburg als die Toch - ter eines ruſſiſchen Generals von franzöſiſcher Abſtammung geboren, ſtudierte an der Univerſität Zürich u. wandte ſich dann nach Berlin, wo ſie ſich 1887 mit dem Prof. Dr. Fried - rich C. Andreas verheiratete. Sie lebte bis 1903 in Schmargendorf bei Berlin und von da ab in Göttingen, wohin ihr Gatte als Profeſſor der Philoſophie berufen worden war.
Jm Kampf um Gott, 1885; ins Holländiſche überſ., 1886. – Henrik Jbſens Frauengeſtalten (Pſychologi - ſche Bilder nach ſeinen ſechs Fami - liendramen), 1892; ins Norwegiſche überſ., 1893. – Friedrich Nietzſche in ſeinen Werken, 1894. – Ruth (E.), 1895. 4. A. 1904. – Aus fremder Seele (Eine Spätherbſtgeſch. ), 1896. 2. A. 1900. – Fenitſchka. Eine Aus - ſchweifung (2 En.), 1898. – Menſchen - kinder (10 Nn.), 1899. 2. A. 1902. – Ma (Ein Porträt), 1901. 3. A. 1904. – Jm Zwiſchenland (5 Gſchn. a. dem Seelenleben halbwüchſiger Mädchen), 1902.
pſeud. Livonius, der Sproß eines alten ruſſiſchen Adelsgeſchlechts, wurde am 22. Juli 1857 zu Koslow im Gouver - nement Tambow als der Sohn des Generals Andreas A. geboren, kam 1861, als letzterer zum Chef der liv - ländiſchen Gendarmerie ernannt wor - den war, in die Oſtſeeprovinzen und abſolvierte das Gymnaſium in Riga. Jn Dorpat ſtudierte er 1876 – 78 Nationalökonomie, in Jena kurze Zeit (1878 – 79) Philoſophie: ein Duell machte ſeinem Studium dort ein Ende. Zwiſchendurch unternahm er mit ſei - nen Eltern 1873 – 74 und 1878 – 79 größere Reiſen durch Deutſchland, Öſterreich, Frankreich u. die Schweiz. AndJn der Heimat kam er, da er ſich zu einem Brotſtudium nicht entſchließen konnte, ſondern nur literariſchen Be - ſtrebungen leben mochte, mit ſeiner Familie in argen Konflikt und auf - reibende Kämpfe, die ſogar ſoweit führten, daß die Familie ſich von ihm losſagte und er, um dem drückendſten Mangel zu entgehen, zur Fabrikation von Zeitungsartikeln ſeine Zuflucht nehmen mußte. Durch den Jnhalt derſelben, beſonders auch durch ſeine ſcharfen ſatiriſchen Gedichte verdarb er es nicht nur mit der altbaltiſchen Partei, ſondern auch mit den natio - nalruſſiſchen Kreiſen, bis er endlich einſehen mußte, daß ein Schriftſteller in den Oſtſeeprovinzen nicht von einem Extrem ins andere fallen darf, ſondern irgendeiner großen Macht oder einer zahlreichen Bevölkerungs - gruppe dienen muß. Nach ſeiner Ver - heiratung mit einer adeligen Kur - länderin (1882) beſſerten ſich ſeine äußeren Verhältniſſe wie auch ſeine Beziehungen zu ſeiner Familie und er entfaltete nun in Riga, wo er ſeinen Wohnſitz nahm, eine rege literariſche Tätigkeit. Jm Jahre 1894 ſiedelte er mit ſeiner Familie nach Berlin über, ſtarb hier aber ſchon am 1. Dezember 1895.
Dichtungen, 1879. – Am Kaiſerſitz (Sat. in V.), 1880. – Julian der Abtrünnige (Geſänge), 1881. – Dem Zar-Befreier! Ein Requiem, 1881. – Zum Licht! (Ge. ), 1882. – Fréderic Chopin (Son.), 1884. – El - fenbrautfahrt (M.), 1884. – Die Re - ligion des Erbarmens u. d. Evange - lium des Weltfriedens (mit e. Anh. v. Ge. ), 1888. – Ein Büchlein Lyrik (Ge. ), 1886. – Neue Weiſen (Lr. und Naturgedichte), 1890. – Beethoven (Dn., a. d. Ruſſiſchen des W. Tſche - ſchichin überſ. ), 1892. – Unſere Thea - ter, unſer Publikum, unſere Kritik (Freie Betrachtgn. ), 1894. – Aus der Stadt und vom Strande (Neue Ge. ), 1894. – Weltgericht (D.), 1895. – Let - tiſche Märchen, nacherzählt, 1896. –*63AndLettiſche Volkslieder u. Mythen; be - arb. u. ins Deutſche überſ., 1896. – Graf Nicolai Rehbinder (Baltiſches Dichterbild), 1897. – Pater Johannes und andere Novellen, 1898.
ſiehe Karl Mönckeberg!
wurde am 30. Janr. 1878 als älteſtes Kind des Hofbeſitzers Hans-Heinrich A. auf Moorhof in Witzwort (Schleswig) geboren. Jhr Vater war ein Frieſe, ihre Mutter entſtammte einer Dith - marſcher Familie. Nachdem Jnge - borg bis zu ihrem 15. Lebensjahre die ſehr gut verwaltete dreiklaſſige Orts - ſchule beſucht, inzwiſchen aber auch leider beide Eltern verloren hatte, trat ſie in das Lehrerinnenſeminar in Schleswig ein, abſolvierte 1896 ihr Examen u. wurde dann an verſchie - denen Orten der Provinz u. auf den Jnſeln als Volksſchullehrerin beſchäf - tigt. Darauf war ſie als ſolche einige Jahre in Cuxhaven und Hamburg tätig und wirkt ſeit 1900 in Kiel.
Hinter Deich und Dünen (Geſchn. a. Nordfriesland), 1907. 2. A. 1908.
wurde am 23. Dezember 1849 zu Boldixum auf der Jnſel Föhr (Schleswig) geboren. Jhr Vater, Jürgen Erich Jürgens, war ein einfacher, aber kluger und ſehr beleſener Landmann; die Mutter kränkelte viel und ſtarb frühe. Stine beſuchte nur die Dorfſchule ihres Hei - matortes, die von einem tüchtigen Lehrer geleitet wurde, benutzte aber ſpäter jede Mußeſtunde zur Lektüre guter Bücher, ſing auch frühe an, ſich in Gelegenheitsdichtungen zu Feſt - lichkeiten zu verſuchen, woraus ſich dann in der Folge ganz von ſelbſt das Bedürfnis herausſtellte, ihre Ge - danken im Liede auszuſprechen. Sie verheiratete ſich an einen Müller auf Föhr, den ſie nach zwanzigjähriger Ehe durch den Tod verlor (1894), u. ein Vierteljahr ſpäter trieben die Gläubiger ſie aus ihrem Heim, ſo daßAndſie nun ein Unterkommen bei weit - läufigen Verwandten ſuchen mußte. Jhre äußere Lage zu verbeſſern, ver - anſtaltete der bekannte Profeſſor Karl Weiß-Schrattenthal eine neue Aus - gabe ihrer Gedichte.
Gedichte, herausg. von Dr. Gerber, 1893. 2. A. u. d. T.: Geſammelte Gedichte, hrsg. v. Karl Schrattenthal, 1896. 6. A. 1904. – Neue Gedichte, 1903.
wurde am 7. März 1830 in Krefeld (Rheinland) geboren und in der proteſtantiſchen Religion ſeines Vaters — die Mutter und Schweſtern waren Mennonitin - nen — erzogen. Die Eltern hatten in der Franzoſenzeit zu Anfang des vo - rigen Jahrh. ihr Vermögen verloren, und ſo hatte der Vater die Stelle eines Comptoiriſten in einem Han - delshauſe angenommen und auch bis zu ſeinem Tode (1867) verwaltet. Der Sohn beſuchte erſt die Volksſchule, danach die Rektoratſchule u. trat mit 15 Jahren als Lehrling in ein kauf - männiſches Geſchäft ein, in dem er auch als Kommis noch bis zum Jahre 1854 verblieb. Jnzwiſchen hatte er auch 1851 – 52 in Weſel beim 7. Artill. - Regim. ſeiner Militärpflicht genügt. Jm Jahre 1854 übernahm er in einem größeren Seidengeſchäft den Poſten eines Reiſenden für Deutſch - land, u. 1860 begründete er mit einem Schwager und einem Freunde ein eigenes Fabrikgeſchäft, für das er ganz Europa, mit Ausnahme der Pyrenäen-Halbinſel, und die Verein. Staaten von Nordamerika bereiſte. Seit mehreren Jahren hat er infolge von Alter u. Krankheit ſeine geſchäft - liche Tätigkeit mehr und mehr einge - ſtellt. An den ſozialen, kommunalen und kulturellen Fragen hat er ſich ſtets rege beteiligt; ſo hat er z. B. 1873 – 93 den Vorſitz im Krefelder Handwerker -, ſpäter Bildungsverein geführt, deſſen Ehrenvorſitzender er noch jetzt iſt.
Silberſträußchen, (Ge. zu ſeiner ſilbernen Hochzeit), 1885*64And(Sv.). – Emil Rittershaus als Dich - ter und Menſch, 2. A. 1898 (Sv.). – Erlebniſſe, Erinnerungen u. Gedichte, 1905. – Nachtrag dazu, 1907 – 08.
Pſeud. für Guſtav Schäfer; ſ. d.!
Pſeud. für Wilhelm Nagel; ſ. d.!
Pſeud. für Ange - lika von Marquardt; ſ. d.!
(richtig: Rudolf Ritter v. Geyer-Geyers - berg), wurde am 11. Januar 1879 zu Groß-Kanißa in Ungarn als Sohn eines Bahnbeamten geboren, wuchs in beſcheidenen Verhältniſſen auf, be - ſuchte daher nur die Volksſchule und eine Klaſſe der Bürgerſchule und trat bei einem Schloſſermeiſter in Wien in die Lehre, welche vier Jahre währte. Schon in dieſer an Entbehrungen ſo reichen Zeit regte ſich in ihm das Jn - tereſſe für die Kunſt und Literatur, und ſo ſuchte er es denn als Gehilfe möglich zu machen, die Wiener Thea - terſchule „ Otto “zu beſuchen. Nach ſechsmonatigem Studium begann er dann ſeine Laufbahn als Schauſpie - ler in Öſterreich u. Deutſchland und gründete, als tüchtiger Regiſſeur und Dramaturg anerkannt, 1904 in Wien eine Übungsbühne für dramatiſche Kunſt, das „ Friedrich Schiller-Thea - ter “, das unter ſeiner eigenen Leitung ſteht. Jm Jahre 1905 rief er auch eine Theaterzeitung „ Thalia “ins Leben.
Der Automat (P.), 1904. – Mondaine (Komödie), 1904. – Ge - fundener Hafen (Schſp., mit Fritz Michael), 1905.
geb. am 27. Aug. 1876 in Wien, faßte ſchon in ſeiner Jugend den Plan, ſich dereinſt der Journaliſtik zu widmen, und trat deshalb nach Beendigung ſeiner Stu - dien in den Redaktionsverband des Wiener Blattes „ Kikeriki “ein, aus dem er jedoch nach einigen Monaten wieder ausſchied. Nachdem er dann externer Mitarbeiter an Wiener undAngauswärtigen Zeitungen geweſen war, wurde er 1899 Redakteur der „ Wiener täglichen Theater - und Fremdenzei - tung “, Ende d. J. Redakteur der „ Grazer Morgenpoſt “, am 1. April 1900 der „ Deutſchen Volkswehr “in Budweis und trat 1. März 1901 in die Redaktion des in Wien erſcheinen - den „ Neuigkeits-Weltblatts “ein, dem er jetzt noch als Redakteur für innere Politik und als Theater - und Litera - turreferent angehört.
An der ſchönen blauen Donau (Wiener Sk.), 1900. – Kleine Erzählungen, 1901. – Götterdämmerung (R.), 1908.
geb. am 17. Oktbr. 1837 zu Dirſchau (Weſtpreu - ßen) als der Sohn des dort verſtor - benen Superintendenten Anger, be - ſuchte das ſtädtiſche Gymnaſium in Danzig, ſtudierte 1859 – 61 in Halle und 1861 – 62 in Königsberg in Pr. Theologie u. trat 1863 beim königl. Gymnaſium in Elbing als Lehrer ein. Nachdem er 20 Jahre an dieſer An - ſtalt, zuletzt als Oberlehrer, gewirkt hatte, wurde er im Herbſt 1883 zum Direktor des königl. Gymnaſiums in Graudenz berufen, das er bis zu ſei - ner Penſionierung 1904 leitete, bei welcher Gelegenheit er den Charakter als Geh. Regierungsrat erhielt.
Jphigenie in Delphi (Schſp. ), 1898. – Jphigenie in Mycene (Nachſpiel zu d. vorig. ), 1901. – Nauſikaa (Tr.), 1900.
der Sohn eines früheren Apothekers, ſpäteren (1836 †) Rentners, * am 20. Aug. 1835 in Berlin und daſelbſt ge - bildet, wandte ſein Jntereſſe bald dem Turnweſen zu und widmete ſich demſelben erſt in ſeiner Vaterſtadt u. ſeit 1859 in Köln, wo er nicht bloß als Lehrer an den höheren Unter - richtsanſtalten, ſondern auch im Turn - vereinsleben eine bedeutende turne - riſche Tätigkeit entfaltete. Jnfolge politiſcher Verhältniſſe 1864 aus dem Amte entlaſſen, kehrte A. nach Berlin zurück u. lebte hier als Schriftſteller. *65AnhSpäter ging er nach Wien, wo er als Zeitungsredakteur tätig war, ſich auch 1872 die Würde eines Dr. phil. erwarb. Schließlich kehrte er nach Berlin zurück und trat hier, wenn auch nicht mehr praktiſch, dem Tur - nen wieder nahe: er hielt Vorträge über die verſchiedenſten Zweige des Turnens und war auch als Schrift - ſteller auf dieſem Gebiete tätig. Er ſtarb in Berlin nach kurzer Krankheit am 30. April 1893.
Der blinde Tänzer (R.), 1870. – Sonnenberg (R.), 1874. – Des Königs Hifthorn (Schſp. ), 1882. – Aus dem Weſten unſeres Vaterlandes (3 En.), 1891.
geb. am 11. Novbr. 1841 zu Trier, beſuchte ſeit 1851 das dortige Gymnaſium u. ſtudierte ſeit 1859 in Bonn, Heidel - berg u. Berlin die Rechte. Nachdem er bis zum Jahre 1868 die drei juri - ſtiſchen Prüfungen abſolviert, wurde er als Landgerichtsaſſeſſor in Trier beſchäftigt, 1871 zum Richter, 1878 zum Landgerichtsrat ernannt, als ſolcher im Herbſt 1879 an das Land - gericht Kleve verſetzt und im Herbſt 1882 an dasjenige zu Trier zurück - berufen. Jm Jahre 1886 wurde er zum Oberlandesgerichtsrat in Köln und 1899 zum Senatspräſidenten da - ſelbſt ernannt. Am 1. Juli 1905 trat er in den Ruheſtand.
Tarquin der Stolze (Dr.), 1877. – Nora (Dr.), 1879. – Gedichte, 1882. – Fredegunde (Trſp. ), 1890. – Corfiz Ulfeld (Trſp. ), 1884. — A. ſtarb Mitte Oktbr. 1911.
geb. am 3. Jan. 1856 zu Danzig als die Tochter des verſtorbenen Buchhändlers Th. An - hut, lebt noch jetzt daſelbſt und leitet ſeit 1876 mit Erfolg eine Leihbiblio - thek. Jhre Arbeiten, welche ein guter Humor durchzieht, fanden in vielen Blättern willkommene Aufnahme.
Luſtige Geſchichten, 1898. – Wie ich Radfahrerin wurde und anderes, 1901. – Aus Rübezahls Reich, 1905.
pſeud. AnnE. Hockland-Rheinländer, wurde am 19. April 1859 in Ratingen (Rheinland) geboren, beſuchte ſpäter die Schule in Speldorf bei Mülheim a. d. Ruhr, danach die Bürgerſchule in letztgenannter Stadt, die Präpa - randenanſtalt in Götterswickerhamm bei Weſel und das Lehrerſeminar in Mörs. Seit dem Herbſt 1880 war er als Lehrer in Neviges im Bergiſchen tätig, ſeit 1888 in Tönisheide bei Neviges, ſeit 1892 in Vennickel bei Krefeld und ſeit 1897 in Bliersheim bei Friemersheim a. Rhein.
Van de Waterkant bit an de Alpenwand. Die Dialektdichter der Gegenwart (Anthol., herausg. ), 1885. – Familie Klappſpohn op der Vergnügungsrijs, 1888. – Vor Roßbach (Patr. Feſtſp. ), 1902.
Franziska, geb. Giesler, wurde am 3. April 1817 in Blankenſtein a. d. Ruhr als das Kind einer angeſehenen katholi - ſchen Familie geboren. Mit 19 Jah - ren an einen Herrn von Tabouil - lot verheiratet, wurde dieſe Ehe ſchon nach Jahresfriſt gerichtlich ge - ſchieden. Jetzt verwertete die junge Frau ihre vielſeitige Bildung zur Schriftſtellerei; ſie redigierte unter andern das „ Weſtfäliſche Jahrbuch “, an dem Freiligrath u. Levin Schücking mitwirkten. Von der revolutionären Strömung ergriffen, heiratete ſie im Juni 1847 den vormaligen preuß. Artillerieoffizier Fritz Anneke und gründete während deſſen politiſcher Gefangenſchaft (1848) die „ Neue Kölniſche Zeitung “, die bald gericht - lich unterdrückt ward und auch ein gleiches Schickſal erfuhr, als ſie in eine „ Frauenzeitung “umgewandelt ward. Dann folgte ſie ihrem Gatten in den Kampf nach Baden und der Pfalz, ging nach Unterdrückung des Aufſtandes erſt nach Frankreich und der Schweiz und noch in demſelben Jahre (1849) nach Amerika. Hier gründete ſie in Milwaukee 1852 die* 566Ann„ Deutſche Frauenzeitung “, ſiedelte mit derſelben noch im Herbſt desſel - ben Jahres nach Neuyork, von dort nach Jerſey City und ſpäter nach Newark über, wo ihr Gatte auch eine politiſche Zeitung gründete. Als ihre Zeitung infolge ihrer Erkrankung einging, kehrte ſie nach Europa zu - rück, lebte hier 1860 – 65 als Korre - ſpondentin für große amerikaniſche Blätter in der Schweiz u. kehrte 1865 nach Amerika zurück, wo ſie zumeiſt in Milwaukee lebte u. dort eine Pri - vatſchule für Mädchen leitete. Sie ſtarb daſelbſt nach ſchweren Leiden am 25. November 1884.
Damen - Almanach f. d. Jahr 1842. – Oithono, oder: Die Tempelweihe (Dr.), 1844. – Produkte der roten Erde, 1846. – Das Geiſterhaus in Neuyork (R.), 1863.
geb. am 19. März 1838 in Aachen als der Sohn eines Theaterdieners, wurde nach beendig - ter Schulzeit Blecharbeiter, doch zog ihn das Theater ſo mächtig an, daß er in Ermangelung einer paſſenden Stelle 1856 das Amt ſeines verſtor - benen Vaters übernahm. Zwei Jahre ſpäter wurde er Jnſpizient am Stadt - theater in Köln, und hier war es, wo er unter L’Arronge debutierte und man ihm kleinere Rollen übertrug, die er zur allgemeinen Zufriedenheit durchführte. Schon 1859 fand er als jugendlicher Komiker Engagement am Stadttheater in Elberfeld, ſpielte darauf in Heidelberg, Pforzheim, Offenbach, Kreuznach, 1862 am Stadt - theater in Baſel, 1863 in komiſchen Geſangrollen an den vereinigten Theatern in Plauen, Zwickau und Glauchau, 1864 in Mainz u. Aachen, 1866 in Detmold, war von 1867 – 72 am Variété-Theater in Berlin be - ſchäftigt, ging dann nach Köln, 1874 nach Breslau, 1875 nach Hamburg, 1876 an das Hoftheater in Peters - burg, kam von hier 1880 als könig - licher Hofſchauſpieler nach Dresden,Anſwar von 1881 – 84 als Gaſt Schau - ſpieler an verſchiedenen deutſchen Bühnen, vom Herbſt 1884 ab Direk - tor des Reſidenztheaters in Berlin u. wurde im Sommer 1887 zum Direk - tor des königlichen Schauſpielhauſes ernannt. Am 1. Oktbr. 1889 trat er von dieſem Poſten zurück, um ſich als artiſtiſcher und techniſcher Leiter des Leſſing-Theaters zunächſt auf fünf Jahre verpflichten zu laſſen. Er ſtarb am 1. Dezbr. 1893.
Meiſt einak - tige Poſſen, Schwänke, dram. Kleinig - keiten; z. B. Die Rückkehr am Weih - nachtsabend, 1872. – Berliner in Wien, 1872. – Eine Sommerwohnung in Charlottenburg, 1877. – Schnapp - hahn, Finke und Schraube, 1881. – Familie Hörner, 1875. – Königsgre - nadiere, 1870, 1903. – Jm Theater - Bureau, 1877. – Des Lebens Wellen, oder: Die Macht des Goldes, 1872. – Ballettſchule, 1870. – Das Herr - gött’l hat’s gebracht, 1875. – Die beiden Reichenmüller, 1881.
geb. am 31. Ok - tober 1860 zu Kulm a. d. Weichſel als die Tochter eines Gerichtsrats, erhielt nach dem frühen Tode des letzteren ihre Bildung auf der höheren Töch - terſchule u. dem Lehrerinnenſeminar in Elbing und abſolvierte 1880 ihre Prüfung als Lehrerin. Sie war dann vier Jahre lang Gouvernante in Oſt - preußen, ging darauf zu ihrer wei - teren Ausbildung nach Berlin und übernahm 1886 eine Stelle als Leh - rerin an der höheren Privatmädchen - ſchule des Frl. Rütenick in Deſſau. Seit 1889 wirkt ſie in gleicher Eigen - ſchaft an der ſtädtiſchen höheren Töch - terſchule in Bad Oeynhauſen. Von ihren vielen, in Zeitſchriften unter dem Pſeudonym O. Gäander ver - öffentlichten Novellen erſchienen bis - her geſammelt
Weihnachts - und Sommergeſchichten, 1896. 2. A. u. d. T.: Wenn das Herz jung iſt! (Heitere Geſchn. ), 1899.
Sohn des*67Anſdramatiſchen Künſtlers u. k. k. Hof - ſchauſpielers Heinrich A., wurde am 24. Juli 1818 zu Wien geboren, be - endete daſelbſt die philoſophiſchen u. juriſtiſchen Studien und beabſichtigte nun, ſich der Bühne zu widmen, doch zwang ihn ein Augenleiden, dieſen Plan aufzugeben. Er trat 1852 in den Staatsdienſt u. zwar in das da - malige, nachmals aufgelöſte u. ſpäter wieder errichtete Miniſterium für Handel u. öffentliche Bauten. Zuletzt war er k. k. Sektionsrat und Regie - rungskommiſſar für die Aktiengeſell - ſchaft der k. k. priv. Kaiſerin-Eliſa - beth-Bahn in Wien. Er ſtarb als Penſionär am 26. Mai 1888 in Möd - ling bei Wien.
Brutus und ſein Haus (Tr.), 1857. – Johanna Gray (Tr.), 1861. – Kunz von Kauffungen (Tr.), 1863. – Die Eheſtifterin (Lſp. ), 1878. – Die Familie Wetter (Lſp. ), 1891.
Kunigunde, geb. am 25. Mai 1863 in Wien, wurde nach dem frühen Tode ihrer Eltern im Hauſe eines engliſchen Profeſſors erzogen und vermählte ſich 1879 mit dem Hauptmann Anſion, an deſſen Seite ſie noch in Wien lebt. Jm Jahre 1887 ſchrieb ſie eine hiſtoriſche No - velle, die ihr Gatte ohne ihr Wiſſen dem Wiener Fremdenblatt zum Ab - druck einſandte, und da dieſes dann um weitere Beiträge erſuchte, ſo war für ſie der Weg zur Schriftſtellerei eröffnet. Außer einem Werke über „ Die Kochkunſt “(1895) gab ſie heraus
Verſchiedene Geſchichten (Nn.), 1891. 2. A. 1895.
geb. am 19. März 1843 in Ruhrort am Rhein, abſolvierte das Gymnaſium in Duis - burg und ſtudierte darauf an der Akademie in Münſter Philologie und Theologie, worauf er am 19. Dezbr. 1868 die Prieſterweihe empfing. Von 1869 – 71 wirkte er als Konrektor an der Rektoratsſchule in Kleve u. dann durch 23 Jahre als Kapellmeiſter anAntder Wallfahrtskirche zu Kevelaer. Als ſolcher komponierte er viele Mo - tetten und Meſſen; für eine der letz - teren zu Ehren des heil. Thomas er - hielt er vom Biſchof von Aquin den Titel und Rang eines infulierten Ehrendomherrn. Seit 1894 wirkte A. als Pfarrer in Brüggen (Rhein - land) u. zeichnete ſeit 1898 als Her - ausgeber der in Kevelaer erſcheinen - den Roman - und Novellenſammlung „ Aus Vergangenheit u. Gegenwart “. Er ſtarb am 4. Dezbr. 1903. Außer einer „ Geſchichte der Wallfahrt von Kevelaer “(1893) und verſchiedenen in Zeitſchriften erſchienenen Novellen veröffentlichte er
Tobias (Orator., Dichtg. u. Muſik), 1886. – Der Sohn des Zigeuners (E.), 1898. – Tante Antoinette (E.), 1898. – Das verbor - gene Teſtament (R.), 1899.
pſeud. O. Eugen Thoſſan, wurde am 7. Oktbr. 1867 zu Michelbach in der Provinz Heſſen - Naſſau als der Sohn des dortigen Pfarrers E. Anthes geboren, ver - lebte den größten Teil ſeiner Jugend in Caub am Rhein u. beſuchte danach das fürſtliche Landesgymnaſium in Korbach (Waldeck). Seit 1886 ſtu - dierte er in Leipzig, ſpäter in Halle Theologie, alte Sprachen und Ger - maniſtik und trat 1891 in das Lehr - fach ein. Nachdem er zunächſt in Wei - denau a. d. Sieg, dann in Altenburg S. -A. und in Sondershauſen als Lehrer tätig geweſen war, wirkte er ſeit 1898 als Oberlehrer in Gera und ſeit 1903 in Lübeck.
Sternſchnup - pen (Nn.), 1896. – Möblierte Herren. Wanda (2 Nn.), 1896. 2. A. 1899. – Beim Kommiß zwei Jahre Volkser - ziehung, 1897. – Kloſterjungen (Hum., mit F. Gräfin zu Reventlow), 1897. – Ledige Bräute (R.), 1899. – Wanda (N.), 3. A. 1899.
eigentlich Wilhelm Asmus, wurde am 17. Februar 1837 zu Lübeck geboren, be - ſuchte das dortige Gymnaſium und* 5*68Anthierauf die Univerſität Leipzig, wo er, obſchon als Theologe immatriku - liert, hauptſächlich Philoſophie ſtu - dierte. Seine Vorliebe für das Thea - ter führte ihn der Bühne zu. Er begann ſeine Schauſpieler-Laufbahn 1857 zu Tönning bei der Keßlerſchen Truppe, ſpielte zunächſt in Rollen jugendlicher Liebhaber, ging aber ſpäter zu den Charakterrollen (Jago, Mephiſto, Franz Moor, Narziß u. a.) über. Jn den Jahren 1862 – 69 war er unter andern in Görlitz, Roſtock, Bremen, Regensburg, Mainz, Aachen, Düſſeldorf, Magdeburg und Bres - lau als Schauſpieler tätig, bis er 1869 in Breslau den aktiven Schau - ſpielerſtand aufgab und hinfort nur noch als Dramaturg u. Regiſſeur am dortigen Stadttheater wirkte. Da - neben war A. ſeit einer Reihe von Jahren ſchon belletriſtiſch vielfach tätig geweſen, hatte auch den leb - hafteſten Anteil an der Gründung der Bühnengenoſſenſchaft dramati - ſcher Autoren genommen. Jn den ſiebziger Jahren zog er ſich gänzlich vom Theater zurück u. ging zur Jour - naliſtik über. Seit 1886 war er ſelb - ſtändiger Redakteur zuerſt in Schweid - nitz, danach in Striegau u. Hirſchberg, ſeit 1889 Chefredakteur der „ Halle - ſchen Zeitung “in Halle und wurde von hier am 1. Aug. 1893 vom groß - herzogl. ſächſiſchen Staatsminiſte - rium als Chefredakteur der amtlichen „ Weimariſchen Zeitung “nach Wei - mar berufen. Hier † er am 20. Febr. 1902.
Blüten u. Blätter (Ge. u. Nn.), 1861. – Die feindlichen Brüder (R.), 1868. – Romane und Novellen; IV, 1869. – Silhouetten u. Aquarel - len a. d. Kuliſſenwelt, 1874. – Jm Traum (Lſp. ), 1875. – Schuld und Sühne (Schſp. ), 1876. – Frau Buch - holz im Rieſengebirge, 1890. – Für die Coupé-Ecke (Nn. u. Hum. ), 1891.
Pſeudon. für Guſtav Blumröder; ſ. d.!
bekannt auchAnzunter ihrem Mädchennamen Helene Lang u. unter dem Namen Lang - Anton, wurde am 17. Aug. 1859 zu Lemberg in Galizien als die Tochter eines Militäroberbeamten in öſter - reichiſchen Dienſten geboren und ging 1878 nach großen Kämpfen mit ihrer Familie zur Bühne, der ſie aber trotz vieler Erfolge nur vier Jahre an - gehörte; denn 1882 verheiratete ſie ſich mit Paul Anton, dem ſpäte - ren Chefredakteur der „ Oſtpreußiſchen Zeitung “, an deſſen Seite ſie ſeit mehreren Jahren zu Königsberg in den glücklichſten Verhältniſſen lebt. Jhr Gatte, geb. am 8. Mai 1857 zu Borna bei Leipzig, hat ſich ebenfalls als dramatiſcher Schriftſteller be - kannt gemacht; er verfaßte die Luſt - ſpiele „ Ein muſikaliſches Verhältnis “(1887); „ Streber “(1888); „ Die afri - kaniſche Jnſel “(1889); „ Schaum “(1892). Von Helene Anton erſchienen
Vom Herzen zum Herzen (Ge. ), 1881. – Frauenliſt (Schw. ), 1892. – Gedankenſünde (R.), 1896. – Das Ende vom Liede (R.), 1906. – Mör - dergewohnheit u. anderes, 1. – 10. T. 1906.
Nepo - muk, geb. am 21. März 1810 als der Sohn eines Bauern zu Weng, Pfarre Hofkirchen an der Trattnach in Ober - öſterreich, beſuchte als Sängerknabe das Lyzeum in Salzburg, abſolvierte dort die Gymnaſialſtudien und kam Mitte der dreißiger Jahre nach Wien, wo er als Jngroſſiſt bei der Gefällen - u. Domänenhofbuchhaltung eine be - ſcheidene Stellung fand. Er verhei - ratete ſich am 13. Febr. 1838 und ein Jahr ſpäter wurde ihm ſein Sohn Ludwig geboren (ſ. den Folgenden!); doch ſtarb der Vater ſchon am 8. No - vember 1844. Er hinterließ eine Menge lyriſcher u. dramatiſcher Ar - beiten, von denen bisher nur veröf - fentlicht wurde
Berthold Schwarz (Tr.), 1891.
pſeu -*69Anzdon. Ludwig Gruber, wurde am 29. November 1839 zu Wien als der Sohn des vorigen geboren. Jnfolge des frühen Todes des Vaters († 1844) u. infolge bedeutender Verluſte, welche die Familie der Mutter erlitt, ſah ſich der Sohn genötigt, ſeine Studien zu unterbrechen und als Praktikant in eine Wiener Buchhandlung einzu - treten. Dabei arbeitete er aber uner - müdlich an ſeiner geiſtigen Ausbil - dung. Jm Jahre 1858 verließ er infolge einer Differenz mit ſeinem Prinzipal den Buchladen; er dachte zuerſt daran, ſich als Radierer auto - didaktiſch auszubilden; doch trat mit der Zeit der Wunſch, Schauſpieler zu werden, immer entſchiedener auf, und ſo trat er denn 1860 ſein erſtes En - gagement in Wiener Neuſtadt an. Er war bis 1867 ein pflichttreuer, nicht unbegabter Schauſpieler, der indeſſen ſein Talent nur auf kleineren Provinzialbühnen (Krems, Steyer, Apathin, Mittrowitz, Eſſegg, Mar - burg, Vöslau, Warasdin, Kanisza, Czakathurn, Sauerbrunn, Bruck a. d. Mur, Leoben, Pettau, Radkersburg) zeigen konnte. Dabei ſchrieb er — ſeit ſeinem 19. Jahre — regelmäßig jedes Jahr ein Theaterſtück, das ſo lange im Pulie liegen blieb, bis es in den Ofen wandern mußte, um dem folgenden Platz zu machen. Jm Jahre 1869 erhielt er eine Anſtellung bei der Polizeidirektion in Wien. Der Konflikt zwiſchen dem Altkatholizis - mus u. Romanismus veranlaßte ihn zur Dichtung eines antiklerikalen Volksſtückes „ Der Pfarrer von Kirch - feld “, das von 1870 ab faſt auf allen deutſchen Bühnen mit Erfolg gegeben worden iſt. Dadurch ermutigt, ent - ſagte A. 1871 ſeiner Beamtenſtelle u. widmete ſich ſeitdem als Theaterdich - ter des Theaters an der Wien ganz der dramatiſchen Schriftſtellerei. 1878 erhielt er mit Niſſel und Wilbrandt vom deutſchen Kaiſer den großen Schiller-Preis. Später hat ſich A. Anzauch auf dem Gebiete der Erzählung erfolgreich verſucht, vom 1. April 1882 bis in den Sommer 1885 die Leitung des belletr. Wochenblattes „ Die Heimat “u. dann bis zu ſeinem Tode die Redaktion des „ Figaro “ge - führt. Jm Jan. 1887 erhielt er für ſein Drama „ Heimg’funden “den Grillparzer-Preis. Er ſtarb am 10. Dezbr. 1889 in Wien an den Folgen einer Blutvergiftung. Vier Jahre ſpäter wurde ihm von der Stadt Wien ein ſchönes Grabdenkmal errichtet. Ein zweites Denkmal erhielt er 1905 auf dem Schmerling-Platz in Wien.
Geſammelte Werke (herausg. von Bettelheim, Chiavacci und Schem - bera); X, 1890 ff. 3. A. 1897 – 98 [Jn - halt: I. Biographiſches und Auto - biographiſches. – Der Sternſteinhof (Dorfgeſch. 1885). – II. Der Schand - fleck (R.), 1877. – III. Dorfgänge (Bauerngeſchn. 1. Tl., 1879). – IV. Dorfgänge (2. Tl., 1879). – Groß - ſtädtiſches und Gefabeltes. – V. Ka - lendergeſchichten. – Gedichte u. Apho - rismen. – VI. Der Pfarrer von Kirch - feld (Volksſt. 1872. 10. A. 1899). – Der Meineidbauer (Volksſtück 1872. 5. A. 1899). – Die Kreuzelſchreiber (Bauernkomödie 1872. 2. A. 1890). – VII. Der G’wiſſenswurm (Bauern - kom., 1874. 2. A. 1890). – Doppel - ſelbſtmord (Bauernpoſſe, 1876). – Der ledige Hof (Schſp., 1877). – VIII. ’s Jungferngift (Bauernkom., 1878). – Stahl und Stein (Volksſt., 1877). – Die Trutzige (Bauernkom., 1879). – IX. Der Fleck auf der Ehr’ (Volksſt., 1890). – Die umgekehrte Freit’ (des - gleich.). – Elfriede (Schſp., 1873). – Berta v. Frankreich (Schſp.). – Hand und Herz (Tr., 1875). – X. Das vierte Gebot (Volksſt., 1878. 4. A. 1900. – Alte Wiener (Volksſt., 1879). – Heim - g’funden (Weihnachtsſtück, 1889)]. – Die Tochter des Wucherers (Schſp. ), 1874. – Ein Fauſtſchlag (Schſp. ), 1878. – Aus’m gewohnten Gleis (P.), 1879. – Bekannte von der Straße*70Anz(Genrebilder), 1881. – Feldrain und Waldweg (desgl. ), 1882. – Launiger Zuſpruch und ernſte Red’ (Geſchn. ), 1882. – Allerhand Humore, 1883. – Kleiner Markt (Studien, En., M. u. Ge. ), 1883. – Die Kameradin (E.), 1883. – Wolken u. Sunn’ſchein (Geſ. Dorfgeſchn. ), 1888. – Brave Leut’ vom Grund (Volksſt. ), 1892. – Letzte Dorfgänge (Kalendergeſchn. und Sk. a. d. Nachlaß), 1894. – Das Vermächt - nis der Tante Berta (Schw. ), 1897. – Geſammelte Werke. Ergänzungs - bände; II (Jnhalt: Briefe von L. A. Mit neuen Beiträgen zu ſeiner Bio - graphie, hrsg. von A. Bettelheim), 1905. – Hartingers alte Sixtin und andere Erzählungen; hrsg. v. Wolf - gang von Wurzbach, 1904.
(eigentlich: Auguſtin), geb. am 17. Mai 1838 zu Bozen in Tirol, beſuchte die Gym - naſien in Bozen und Trient und trat 1859 zu Salzburg in den Franzis - kaner-Mönchsorden. Er wurde 1863 zum Prieſter geweiht und wirkte ſeit - dem faſt 30 Jahre als Katechet und Profeſſor am Gymnaſium in Bozen und durch viele Jahre auch als Pre - diger daſelbſt. Später war er Pfar - rer in Graz und zuletzt in Jnnichen (Tirol), wo er am 8. Aug. 1901 nach längerer Krankheit ſtarb.
Die Jahreszeiten (Lyr. Ge. ), 1862. – Ge - dichte, 2. Tl., 1864. – Zur Heimat - frage Walthers von der Vogelweide, 1876.
Sohn des Dichters Joh. Aug. Apel, wurde am 11. (n. a. am 10.) Mai 1811 zu Leipzig geboren u. erhielt ſeine Bil - dung auf der dortigen Nikolaiſchule. Jm Jahre 1830 bezog er die Univer - ſität ſeiner Vaterſtadt und ſpäter die zu Heidelberg, um die Rechte zu ſtu - dieren. Trotz des abgelegten Exa - mens verfolgte er indes die juriſtiſche Laufbahn nicht, ſondern widmete ſich ganz der Dichtkunſt und Muſik, wozu ihm ſchon auf der Schule durch denApebekannten Schriftſteller im Fache der Muſik, G. W. Fink, Anregung gebo - ten war. Jnfolge eines unglücklichen Sturzes auf den Hinterkopf im Jahre 1836 befiel ihn eine gefährliche Krank - heit, die zwar der wiederkehrenden Geneſung wich, aber eine an Blind - heit grenzende Schwäche des Augen - lichtes zurückließ. Fremde Hilfe er - ſetzte ihm den Mangel der Sehkraft, und ſo konnte er auf dem Gebiete der Poeſie dennoch eine bedeutende pro - duktive Tätigkeit entwickeln. Er ſtarb am 26. Novbr. 1867. Jn den letzten Jahren ſeines Lebens hatte er ſich vorwiegend mit dem Studium der Leipziger Völkerſchlacht beſchäftigt u. mit einer poetiſchen Darſtellung der - ſelben; auch veröffentlichte er einen „ Führer auf die Schlachtfelder Leip - zigs “(1863) u. ließ auf eigene Koſten zur ſorgfältigen Markierung des Schlachtfeldes 41 Denkſteine errich - ten.
Gedichte, 1840. – Meluſine (Ep. G.), 1844. – Profeſſor Mispel, oder: Der Seele Wiederkehr, 1854. – Geſammelte dramatiſche Werke; II, 1856 – 57 (Jnhalt: Nähkäthchen. – Die unverdiente Naſe. – Der Hausarzt. – Jſt ſie treu? – Die Weiber v. Weins - berg. – Günther von Schwarzburg). – Vom Herzen zum Munde, vom Munde zum Herzen (Lr. u. Ge. ), 1857.
geb. am 2. Aug. 1872 in Berlin, abſolvierte das dortige Falk-Realgymnaſium und ſtudierte dann daſelbſt Philoſophie, Mathe - matik u. Phyſik. Er lebte als Berufs - ſchriftſteller in Charlottenburg, bis er 1908 ſeinen Wohnſitz in Wolfgang (Graubünden) nahm.
Die Mö - rickes (Dr.), 1903. – Liebe (Dr.), 1908.
geb. am 23. Dezbr. 1882 zu Zittau in Sachſen, beſuchte 1893 – 1902 das dortige Gym - naſium und ſtudierte danach an den Univerſitäten Tübingen, München u. Leipzig Jurisprudenz und Kunſtge - ſchichte. 1906 wurde er Referendar und lebt als ſolcher in ſeiner Vater -*71Apeſtadt.
Der Jungfernbund und andere Gedichte, 1903. – Avalun (Ge. ), 1907.
geb. am 18. Oktbr. 1877 in Löbau (Sach - ſen), beſuchte ſeit Oſtern 1884 die Bürgerſchule in Zittau, dann eine Privatſchule in Dresden und hier ſeit Oſtern 1885 das Vitztumſche Gym - naſium, das er Oſtern 1896 abſol - vierte. Er ſtudierte hierauf in Lau - ſanne (Schweiz) Philologie, genügte danach ſeiner Militärpflicht in Dres - den und ſtudierte nunmehr in Mün - chen, Freiburg i. B. u. Leipzig Rechts - und Staatswiſſenſchaften. Jm Jan. 1901 wurde er Referendar; 1903 er - warb er ſich die Würde eines Dr. jur. und trat in den Staatsverwaltungs - dienſt über. Nach Beſtehen der Aſſeſ - ſorprüfung wurde er am 1. Novbr. 1905 als Bezirksaſſeſſor angeſtellt u. iſt zur Zeit (1908) Hilfsarbeiter im ſächſiſchen Miniſterium des Kultus und öffentlichen Unterrichts.
Die Steuerloſen (Schſp. ), 1900. – Leben, träumen (Ge. ), 1903.
geb. am 31. März 1878 in Groitzſch in Sachſen als Sohn eines Schuhmachers, trat nach beendeter Schulzeit bei einem Rechtsanwalt in Leipzig als Schrei - ber in Dienſt u. benutzte hier redlich die ihm gebotenen Quellen zu ſeiner Weiterbildung. Er lebt als Beamter der Großen Leipziger Straßenbahn noch jetzt daſelbſt.
Sonnen - und Wetterleuchten (Ge. ), 1905.
geb. am 12. März 1847 zu Runkel im Naſſauiſchen, wid - mete ſich dem Buchhandel, machte 1870 – 71 den Feldzug in Frankreich mit u. gründete am 1. Jan. 1878 in Weilburg eine Buchhandlung, die er mehr als zwei Jahrzehnte hindurch leitete.
Weilburg in Geſchichte, Sage und Lied, 1883. – Glück auf (Ep. G.), 1884. – Alldeutſchland hie! (Liederbuch), 1886.
geb. am 21. ArbMai 1841 zu Reichenberg in Böhmen, beſuchte die dortigen höheren Schulen und ging dann nach Wien, um ſeine Studien zu vollenden. Hier wurde er beſonders von dem Kunſtleben, ſo - wohl der bildenden Kunſt, als auch der Muſik, gefeſſelt u. durch die Lei - ſtungen des damals in höchſter Blüte ſtehenden Burgtheaters auf das Ge - biet der ſchönen Wiſſenſchaften ge - drängt, ſo daß er nach ſeiner Heimkehr ſich ganz der Schriftſtellerei widmete. Er hat ſeinen Wohnſitz in Reichenberg beibehalten und iſt daſelbſt am 10. Novbr. 1904 im Stephanshoſpital geſtorben.
Das Grab an der Kirchhofsmauer (R.), 1890.
* am 31. Okt. 1840 zu Rendsburg, wo ſein Vater als Kaufmann lebte, beſuchte das Realgymnaſium daſelbſt u. ſtudierte von 1857 – 62 in Kiel und Heidelberg die Rechtswiſſenſchaften. Er fun - gierte darauf nach beſtandener Prü - fung als Amtsſekretär in Rendsburg, Jtzehoe und Neumünſter, wurde ſeit dem Juli 1864 als Beamter bei den Landesregierungen zu Kiel, Gottorp und wieder in Kiel verwendet, u. † hier als Bureauchef am 11. Novbr. 1866.
Charlotte Corday (Tr.), 1861.
* am 19. Juli 1856 in Hottingen-Zürich, lebte (1878) als Angeſtellter eines Handelshauſes in Riesbach-Zürich, (1886) als Haupt - mann der Jnfanterie in Zürich.
Eisblumen (Ge. ), 1885. – Ranken am Weg (Ge. ), 1907.
Pſeudon. für Hans Fiſcher; ſ. d.!
Pſeudon. für Leopold von Sacher-Maſoch; ſ. d.!
wurde am 26. Oktober 1819 zu Lemberg ge - boren u. betätigte ſich ſchon frühzeitig als Dichterin. Nach ihres Vaters Tode (1836) ſiedelte ſie mit der Mut - ter nach Wien über, wo ſie als Mit -*72Arearbeiterin an vielen Journalen tätig war, nebenbei Muſik und Malerei pflegte und ſchließlich auch, veranlaßt durch eine ſchwere Krankheit, Medizin ſtudierte. Sie ſtarb in Wien Ende Dezbr. 1858.
Lenzblätter (Ge. ), 1835.
Pſeud. für Karo - line von Gizycka-Gosdawa; ſ. d.!
geb. am 24. Dezbr. 1843 in Stettin, lebt (1904) in Berlin.
Das Leben iſt doch ſchön (R.), 1903. – Liebe und Leid (Nn.), 1908.
Marie Prinzeſſin von, geb. am 8. Ja - nuar 1811 in Prag als die Tochter des (1847 †) Fürſten Karl v. Auers - perg, vermählte ſich am 26. Septbr. 1842 mit dem Prinzen Ernſt v. Aren - berg, deſſen zweite Gemahlin ſie ward, u. den ſie am 20. Novbr. 1857 durch den Tod verlor. Sie war k. k. Palaſt - dame und lebte teils in Wien, teils in Salzburg. An letzterem Orte ſtarb ſie am 15. Febr. 1901.
Gedichte (geſammelt u. hrsg. von ihrer Toch - ter Eleonore, verw. Herzogin von Arenberg), 2. A. 1900.
geb. 1804 zu Mar - burg, ſtudierte daſelbſt von 1820 – 23 Mathematik, widmete ſich dann ſpe - ziell der Baukunſt, wurde 1828 Bau - kommiſſar in kurheſſiſchen Dienſten und 1846 Jngenieur bei der Main - Weſerbahn.
Harfentöne (Ge. ), 1826.
pſeud. Arend, wurde am 22. Novbr. (4. Dezbr. n. St.) 1817 zu Rakiſchi im Gouvernement Wilna ge - boren, wo ſein Vater Verwalter der gräflich Platenſchen Gärten war. Dieſer ſtarb 1822. Die Mutter heira - tete dann den Kunſtgärtner Gradcke, der in der Folge in Ruhenthal (Kur - land) und Riga lebte. Hier beſuchte der Sohn die Domſchule, mußte aber nach dem Tode ſeines Stiefvaters 1834 dieſelbe verlaſſen und trat 1835Areals Lehrling in eine Apotheke in Riga ein. Nachdem er 1838 die Gehilfen - prüfung an der Dorpater Univerſität beſtanden, ſtudierte er daſelbſt Phar - mazie, betrieb aber daneben natur - wiſſenſchaftliche, ſprachliche, geſchicht - liche u. philoſophiſche Studien. Aus Mangel an Mitteln verließ er 1840 die Hochſchule und nahm dann eine Hauslehrerſtelle in Roſenhof (Kur - land) an. Jm Jahre 1843 ging er nach Berlin, ſich dort eine feſte Le - bensſtellung zu gründen. Er ſetzte hier neben ſchriftſtelleriſcher Beſchäf - tigung ſeine philoſophiſchen Studien fort, ſchloß ſich 1848 dem Berliner Freikorps an, um in Schleswig gegen die Dänen zu kämpfen, und widmete ſich nach ſeiner Rückkehr den ſchon auf der Rigaer Domſchule begonnenen paläographiſchen Studien, die ihn ſchließlich zur Begründung ein. neuen ſtenographiſchen Syſtems führten, das bereits 1899 in Deutſchland von mehr als 100 Vereinen angenommen war. A. hat auf dieſem Gebiete zahl - reiche Schriften veröffentlicht. Er ſtarb in Berlin am 22. Dezbr. 1882.
Libuſſas Wahl, oder: Der wür - digſte Mann (Dr.), 1844. – Demoſthe - nes, oder: Hellas’ Untergang (Tr.), 1848. – Eine Feſtgabe für Gemüt und Verſtand (Ge. ), 1878.
bekannt auch unter ihrem Mädchen - namen Olga Morgenſtern, wurde am 19. Novbr. 1859 in Berlin als die Tochter eines Kaufmanns geboren; ihre Mutter iſt die bekannte Schrift - ſtellerin Lina Morgenſtern (ſ. d.). Nachdem Olga vom 7. bis 16. Jahre die Buſſeſche höhere Töchterſchule be - ſucht hatte, trat ſie mit dem ſchon lange gehegten Wunſche hervor, ſich der Bühne widmen zu dürfen, doch ſcheiterte die Erfüllung desſelben an dem entſchiedenen Widerſpruch des Vaters. Sie beſuchte daher, um ſich in anderer Weiſe nützlich zu machen, zwei Jahre hindurch das Seminar*73Arezur Ausbildung von Kindergärtne - rinnen und leitete nach beſtandener Prüfung einen ihr von der Mutter eingerichteten Kindergarten mit gro - ßer Freude und reichem Erfolge. Jn - deſſen war der Wunſch, Schauſpiele - rin zu werden, dadurch niemals erſtickt worden, u. ſchließlich erreichte ſie es, daß ſie bei der berühmten Schauſpie - lerin Frau Minona Frieb-Blumauer dramatiſch. Unterricht nehmen durfte. Nach drei Jahren unterzog ſie ſich einer Prüfung durch den Berliner Generalintendanten von Hülſen, und dieſer empfahl ſie dem Hoftheater in Koburg-Gotha als erſte Liebhaberin. Um dieſe Zeit hatte der Vater durch übernommene Garantien ſein Ver - mögen verloren, und da die Kinder nun genötigt waren, ſich auf eigene Füße zu ſtellen, ſo gab er auch ſeine Einwilligung, daß Olga das Engage - ment annahm. Aber ſchon nach zwei Jahren gab dieſe das Bühnenleben auf u. kehrte nach Berlin zurück, um hinfort als dramatiſche Lehrerin, als Vortragskünſtlerin u. Dichterin tätig zu ſein, zu welchem Zwecke ſie auch noch ein halbes Jahr lang Schülerin von Joſeph Lewinski in Wien wurde. Für ihre Zöglinge ſchrieb ſie „ Für geſellige Kreiſe. Sammlg. ernſter u. heiterer Deklamationsſtücke, nebſt einem Anhang von Gelegenheitsge - dichten “(1888. 2. A. 1897), ferner „ Ein Freundſchaftstag “(Lſp., 1894) und „ Dramatiſiertes Märchenbilder - buch “(1891). Dieſe Märchen führte ſie auch in Breslau und im Hambur - ger Stadttheater auf u. ſprach ſelbſt den verbindenden Text zu den leben - den Bildern; als Vortragskünſtlerin machte ſie Tourneen in die Städte der Provinzen Poſen und Schleſien, nach Mecklenburg u. a. m. Jm Jahre 1893 verheiratete ſie ſich mit dem Reichstags - und Landtagsabgeord - neten Dr. Otto Arendt. Nach der Ge - burt ihres dritten Kindes erkrankte ſie an der Nierenwaſſerſucht, die ſieAre3½ Jahre an das Krankenlager feſ - ſelte und ſchließlich am 29. Mai 1902 ihren Tod herbeiführte. Auf dem Krankenlager noch ſchrieb ſie die Kin - derſchrift „ Ullas Kindheit “(hrsg. von ihrer Mutter 1903).
Sylveſter - nacht (Romant. E.), 1893. – Gedichte; hrsg. von ihrer Mutter, 1902.
(früher Wil - helm Arent), pſeud. Koſakaute, Hans Derlon, Karl Ludwig, Arent-Ceſari, wurde am 7. März 1864 zu Berlin als der Sohn des fürſtlich Wittgenſteinſchen Forſtmei - ſters Karl Arendt geboren, erhielt ſeine Bildung auf der Landesſchule Pforta und mehreren Berliner Gym - naſien, mußte aber ſeit 1881 wegen hochgradiger Nervoſität den Weg eines Autodidakten einſchlagen. Nach - dem er dann in Darmſtadt durch den kaiſerlich ruſſiſchen Hofſchauſpieler Julius Fiala für die Bühne vorge - bildet war, trat er als Schauſpieler auf, bildete ſich ſpäter (1885) am Sternſchen Konſervatorium in Berlin für die Oper aus und war daſelbſt auch als Schriftſteller (Herausgeber der „ Kyffhäuſerzeitung “) tätig. Von 1890 – 94 wirkte er wieder als Schau - ſpieler (unter dem Namen Wilhelm Ceſari) in Berlin und der Provinz Brandenburg und lebt ſeitdem als Schriftſteller in Berlin. Jm Juni 1895 gründete er eine neue Zeitſchrift, „ Die Muſen “, die indes nur wenige Jahre Beſtand hatte. Eine dann eintretende ſchwere Erkrankung hat A. an weiterem Schaffen bis jetzt gehindert.
Lieder des Leides, 1882. Neue Folge, 1883. – Poetiſche Erſtlinge (Ge. ), 1883. – Gedichte, 1884. – Aus tiefſter Seele (Ge. ), 1885. – Verſchollene Dichter (Anthol., mit H. Hart), 1885. – Reinhold Lenz. Ly - riſches aus ſeinem Nachlaſſe, hrsg. v. Karl Ludwig (pſeud. ), 1884. (Jſt nur Myſtiſikation; die Ge. rühren von Arendt ſelbſt her). – Moderne Dichtercharaktere, 1885. – Kopenha -*74Aregen-Elſa-Fauſt-Stimmungen (Dn.), 1889. – Modernes Trio (mit A. von Sommerfeld u. Hermann Koniecki), 1890. – Aus der Mappe zweier Schau - ſpieler (mit P. Hankel), 1890. – Le - bensphaſen. Phantaſus, 1890. – Durchs Kaleidoſkop, 1891. – Aus dem Großſtadtbrodem, 1891. – Drei Wei - ber, 1891. – Violen der Nacht (Lr.), 1891. Neue Folge, 1892. – Jrrflam - men (Ge. u. Tagebuchbl. ), 1893. – Auf neuen Bahnen, 1897.
geb. am 24. Juli 1873 in Hoſingen, einem Dorfe im Großherzogtum Luxemburg, als der Sohn einfacher Bauersleute, beſuchte ſeit 1887 das Gymnaſium in Diekirch und trat am 30. September 1892 in Blyenbeek (Holland) in die deutſche Ordensprovinz der Geſellſchaft Jeſu ein. Nach zweijährigem Noviziate kam er in das Kolleg von Exaeten (Holland), wo er zwei Jahre lang humaniſtiſchen Studien oblag; dann folgten drei Jahre für Philoſophie im Kolleg von Valkenberg (Holland), worauf er 1899 nach Feldkirch in Tirol geſandt ward, wo er bis zum Herbſt 1903 als Lehrer, beſonders der franzöſiſchen Sprache, an der großen Erziehungsanſtalt Stella Matutina tätig war. Seitdem widmete er ſich wieder in Valkenberg theolog. Studien u. wurde dann 1908 nach Luxemburg berufen.
Das Leben der jung - fräulichen Gottesmutter in Bildern (Allegor. Feſtſp. ), 1898. Jns Unga - riſche u. d. T.: Glorioſa, überſ. von Kálmán Roſty, 1899. – Schul - und Vereinsbühne (nach den Stücken der Jeſuiten G. Longhaye, V. Delaporte u. H. Tricard bearbeitet); VI Bdchn., 1900 – 03 (Jnhalt: 1. Johann von La Valette. – 2. Vitus. – 3. Hektor von Loc’h Maria. – 4. Kämpfe u. Kronen. – 5. Garcia Moreno. – 6. Kanoſſa). – Licht und Schatten (En.), 1902. – Kränze ums Mutterhaupt (Schlichte Lr. z. Preiſe der lieblichen Mutter Himmels und der Erde), 1902. –AreKonrads von Würzburg Goldene Schmiede. Jn die neuhochdeutſche Sprache übertrg., 1904. – Der große Tag (Ge. über die erſte heilige Kom - munion), 1905.
wurde als die Tochter eines öſterreichiſchen Juriſten in Mainz geboren, verlebte hier ihre Kindheit und ſiedelte dann mit ihren Eltern nach Wien über. Nach dem Tode der letzteren kehrte ſie nach Mainz zurück und lebte hier in dem geiſtig bewegten Hauſe ihres Schwagers, des Muſikalienhändlers Franz Schott, wo ſie zu den inter - eſſanteſten Perſönlichkeiten auf dem Gebiete der Kunſt in Beziehung trat. Jm Jahre 1859 vermählte ſie ſich mit dem heſſiſchen Gerichtsrat Dr. Arens, den ſie nach einigen Jahren durch den Tod verlor, und ſiedelte als Witwe 1874 nach Wiesbaden über, wo ſie ſeitdem ihren Wohnſitz hatte. Ein län - gerer Aufenthalt in Ungarn, ſowie ſonſtige größere Reiſen regten ſie an, die gewonnenen Eindrücke ſchriftſtel - leriſch zu verwerten. Sie ſtarb 1902.
Aus dem Lande der Magyaren (R.), 2. A. 1886. – Aus Eiferſucht (Lſp. ), 1882. – Das Freihaus am Dome (R. a. d. Mainzer Kurfürſten - zeit), 1886. – Die Geiſtermühle (Rhei - niſche N.), 1897. – Schloß Lichtenegg (R.), 1898.
wurde am 29. Juli 1807 zu Osnabrück ge - boren, beſuchte militäriſche Bildungs - anſtalten und trat 1825 als Kadett in die hannöverſche Armee ein. Er wurde bald Offizier, verließ jedoch 1835 vorübergehend den Militär - dienſt, um in Göttingen zwei Jahre lang ſich den Studien zu widmen, trat ſpäter in die Armee zurück und avancierte bis zum Oberſtleutnant u. Kommandeur eines Jägerbatail - lons. Jm Jahre 1865 nahm er als Oberſt a. D. den Abſchied u. ſiedelte 1866 nach Neuenheim bei Heidelberg*75Ariüber, wo er in ſtiller Zurückgezogen - heit lebte und im Frühjahr 1883 †.
Zerſtreute Gedanken (Son.), 1841. – Gedichte, 1841. – Dichtungen. Neue Samml., 1850. – Gedichte von Erik G. Geijer. (Aus dem Schwediſchen überſ. ), 1872.
Pſeud. für Joſeph Viktor Wid - mann; ſ. d.!
Pſeudon. für Friedrich Auguſt Strubberg; ſ. d.!
Pſeud. für An - tonie Brüning; ſ. d.!
Pſeud. für Anton Herr - mann; ſ. d.!
Pſeud. für Hermann Otto - mar Gödſche; ſ. d.!
pſeudon. William Fitz-Berth, * am 25. Okt. 1805 zu Wels in Ober - öſterreich, ſtudierte in Wien Chirur - gie, kam als k. k. Kreiswundarzt nach Bregenz und 1832 in gleicher Eigen - ſchaft nach Steyer. Während ſeiner Studien in Wien war er mit den No - bilitäten der ſchöngeiſtigen Literatur Wiens in Berührung gekommen, wo - durch er angeregt ward, Novellen u. andere belletriſtiſche Aufſätze, auch Überſetzungen aus dem Franzöſiſchen und Engliſchen für Journale u. Ta - ſchenbücher zu ſchreiben. Jm Jahre 1850 begann A. plötzlich noch das Studium der Medizin, promovierte und ſiedelte 1851 mit ſeiner Familie nach Amerika über, wo er in Brook - lyn bei Neuyork eine ſichere Exiſtenz als praktiſcher Arzt fand. Dort † er am 4. März 1864.
Novellen und Erzählungen; II, 1843. – Kreuz und Halbmond (R.); II, 1843. – Die Wiel - linger (Hiſt. R.); III, 1847 – 48. – Ste - fan Fadinger (Hiſt. R.); IV, 1851. – Rhätiens Pompeji (Hiſt. E.), 1851. – Selvaggia (Hiſt. N.), 1853. – Van Hoboken (E.); IV, 1858. – Weiß und Schwarz (Hiſt. E.); II, 1865.
Pſeudon. für Hermann Schultze; ſ. d.!
Arnſiehe B. L. Heaton-Armſtrong!
namhafter Geſchichtſchreiber, wurde am 21. Fe - bruar 1801 (n. a. am 23. Febr. 1802) in Wongrowitz (Provinz Poſen) als Sohn eines Juſtizamtmanns geboren, der einige Jahre ſpäter nach Schle - ſien verſetzt wurde, beſuchte das Gym - naſium in Hirſchberg, danach die Ritterakademie in Liegnitz und wid - mete ſich ſeit 1821 juriſtiſchen, mehr aber noch hiſtoriſchen u. philoſophi - ſchen Studien auf der Univerſität Breslau, wo beſonders Steffens und der Hiſtoriker Wachler von Einfluß auf ihn waren. Jn Berlin, wo A. ſeine Studien fortſetzte, hörte er Sa - vigny und Hegel, den letzteren beſon - ders in ſeinen Vorleſungen über die Philoſophie der Geſchichte und Kunſt, und pflog freundſchaftlichen Umgang mit dem damals gefeierten Fouqué und anderen literariſchen Berühmt - heiten. Jm Jahre 1828 begleitete er ſeinen Jugendfreund, den Grafen Dyhrn (ſ. d.), auf einer Reiſe durch Frankreich u. die Schweiz nach Jta - lien und weilte dann mehrere Jahre in dieſem Lande, meiſt in Rom lebend und ſich mit dem Studium des Alter - tums, der Kunſt u. italieniſchen Lite - ratur beſchäftigend. Dann ging er nach Paris, wo er ſich der Geſchichts - forſchung u. Geſchichtsſchreibung zu - wandte, der er bis an ſeinen Tod treu geblieben iſt. Jm Jahre 1848 kehrte A. nach Berlin zurück, wo er unaus - geſetzt tätig war. Am bekannteſten ſind ſeine Werke über die Geſchichte der Neuzeit, welche auch als Fort - ſetzung zu „ Karl Friedrich Beckers Weltgeſchichte “erſchienen. Er † in Charlottenburg am 3. Septbr. 1874.
Die beiden Edelleute v. Venedig (Tr.), 1827. – Die Göttin Jtalia und der Prinz von Venedig (Tr.), 1828. – Die Geſchwiſter von Rimini (Tr.), 1829. – Jsraelitiſche Gedichte (Abra - hams Opfer. – Moſes. – Die Tochter*76ArnJephthas), 1829. – Cäſar und Pom - pejus (Tr.), 1833.
geb. 1869 in Leipzig als Tochter eines Kaufmanns, wurde frühzeitig durch eine große Naturliebe zur Betrach - tung der Natur hingezogen, woraus ſich in ihr der Drang zur Philoſophie entwickelte, ſo daß ſie ſich in Zurück - gezogenheit einem ſelbſtändigen Stu - dium dieſer Wiſſenſchaft und dem der Natur widmete. Jm Jahre 1900 er - ſchien ihre erſte dichteriſch-philoſophi - ſche, myſtiſche Schrift „ Unſer Leben “, die von der Kritik als ein „ himmel - ſtürmendes Gedicht in Proſa “be - zeichnet wurde, und der dann ſpäter die philoſophiſchen Schriften „ Über das Böſe “— „ Betrachtungen zu einer Erneuerung unſeres Lebens “— „ Über die Einheit der Geſetze “folgten. Jm Jahre 1894 verließ ihre Familie Leipzig, u. ſie ſiedelte nun mit ihren Angehörigen nach Mainz über. Seit dem Tode des Vaters (1901) lebt die Dichterin in Chemnitz.
Unſer Leben, 1900. – Gedichte. Erlebtes und Erträumtes, 1909.
geb. am 5. Mai 1874 in Beuthen (Oberſchleſien), be - ſuchte das Gymnaſium ſeiner Vater - ſtadt u. ſtudierte darauf in Breslau Germaniſtik u. neuere Sprachen, er - warb ſich dort auch den Grad eines Dr. phil. Nachdem er im Mai 1898 ſein Staatsexamen abgelegt und die üblichen Seminar - und Hilfslehrer - jahre durchgemacht hatte, wurde er 1901 Oberlehrer an der Oberreal - ſchule in Kattowitz (Oberſchleſien).
Sonette, 1905.
ſiehe Blaſch - nigk-Arndt!
wurde am 3. April 1808 zu Berlin geboren und ſtudierte daſelbſt Theo - logie u. Philoſophie. Als Geiſtlicher gehörte er der ſtreng lutheriſchen Richtung an. Nachdem er mehrere Jahre Prediger in Woltersdorf beiArnZoſſen geweſen war, kam er 1840 auf die ſehr einträgliche Pfarre Sievers - dorf bei Wuſterhauſen an der Doſſe, wo er im Auguſt 1867 ſtarb.
Blü - ten a. d. Pfarrgarten (Ge. ), 1861.
geb. am 7. Febr. 1877 zu Domhof-Ratzeburg in Meck - lenburg-Strelitz, abſolvierte das Gymnaſium in Ratzeburg, ſtudierte in München erſt die Rechte, ſpäter Philo - ſophie und Kunſtgeſchichte und ſetzte dann dieſes Studium in Berlin fort. Er lebt ſeitdem als freier Schriftſtel - ler in Berlin oder den Vororten die - ſer Stadt.
Mauerblümchen (Ge. ), 1901. – Über den Strich (Bühnen - werk), 1902.
* am 9. Dezbr. 1809 zu Arnsberg in Weſtfalen, ver - mählte ſich 1830 mit ihrem Vetter Dr. Ludwig Arndts, damals Privat - dozenten, ſpäter Profeſſor der Rechte in Bonn, mit dem ſie 1839 nach Mün - chen u. 1855 nach Wien überſiedelte. Jn Bonn war ſie zur Dichterin An - nette von Droſte-Hülshoff, in Mün - chen zur Familie Görres in freund - ſchaftl. Beziehungen getreten. Wäh - rend der Revolutionsjahre weilte ſie in Frankfurt a. M., wo ihr Gatte als Abgeordneter in der deutſchen Reichs - verſammlung ſaß. Von Jugend auf einem heftigen Nervenleiden unter - worfen, ſuchte ſie 1831 – 35 durch einen Aufenthalt in Jtalien, ſpäter durch den Beſuch des Seebades Oſtende (1850) Heilung. Dieſen ihren Reiſen entſtammen intereſſante Reiſeberichte, die zum Teil noch der Veröffentlichung harren. Sie ſtarb am 10. Mai 1859 in Hütteldorf bei Wien.
Sonette der Vittoria Colonna mit deutſcher Überſetzung; II, 1858. – Gedichte, in Muſik geſetzt von Maria Arndts. O. J. – Aus dem Nachlaß einer Verſtor - benen, hrsg. v. Fr. Hurter, 1860.
Tochter des be - rühmten Hofſchauſpielers Vesper - mann u. der noch berühmteren Sän - gerin Klara Metzger-Vespermann,*77Arnwurde am 5. April 1823 zu München geboren u. entwickelte ſchon im Kin - desalter ein ausgezeichnetes Talent für Muſik, ſo daß ſie ſchon mit zwölf Jahren in öffentlichen Konzerten auf - treten konnte. Jhre poetiſche Anlage betätigte ſie zuerſt durch eine große Anzahl von Gelegenheitsgedichten, die nur in vertraute Kreiſe gelang - ten, in ſpäterer Zeit auch durch meh - rere dramatiſche Verſuche. Jm Jahre 1844 vermählte ſie ſich mit Guido Görres († 1852) und 1860 in zweiter Ehe mit dem Prof. Ludwig Arndts v. Arnesburg in Wien, dem Witwer von ihrer verſtorbenen Freundin Bertha Arndts (ſ. o.). Seit 1878 Witwe, lebte ſie zuletzt in München, wo ſie am 23. Mai 1882 †. Maria A. hatte auch als Komponiſtin und Malerin einen geachteten Namen.
Dramen für das chriſtliche Haus; IV, 1864 – 69. (Jnhalt: Die Schule Murillos. – Ein Paſſionsſpiel. – Oſtern. – Mozart als Eheſtifter. ) – Der Juhſchrei auf der Halſeralm (N.), 1875. – II Palio (Malernovelle), 1881.
Pſeudon. für Jenny Hirſch; ſ. d.!
geb. am 15. Dezbr. 1835 auf der Domäne Elbin - gen bei Herzberg am Harz, beſuchte die Schulen zu Hildesheim u. Göt - tingen, erlernte die Landwirtſchaft u. wanderte 1854 nach Amerika aus, wo er ſich dem Lehrerſtande widmete, ſeit 1869 in Omaha, Nebraska, tätig iſt und ſeit 1873 daſelbſt eine deutſch - evangel. Privatſchule leitet.
Fier - abend (Plattd. Ge. u. En.), 1875.
geb. am 28. Okt. 1850, war (1892) Kononikus u. Kan - tonsſchulinſpektor in Bernmünſter (Luzern).
Die neuen Wirte (Lſp. ), 1889. – Strutan von Winkelried (Hiſt. Schſp., mit Geſ. ), 1893. – Die Blüm - lisalp (Hiſt. Schſp. mit Geſ. ), 1899. – Die Gugler, oder: Die Verlobung auf dem Schlachtfelde (Volksſchſp. ),Arn1902. – Die Schlacht am Morgarten (Volksſchſp. ), 1905.
ſiehe Giſela Grimm!
pſeud. C. von der Linde, wurde am 31. März 1851 in Berlin als äl - teſte Tochter des damaligen Rittmei - ſters, ſpäteren Generalmajors Fried - rich Graf Bismarck-Bohlen geb. Sie verlebte im elterlichen Hauſe eine ſonnige Kindheit und erhielt ihre Ausbildung durch Privatunterricht. Mannigfache Verſetzungen ihres Va - ters führten ſie u. a. nach Potsdam, Frankfurt a. O., Hannover, wieder nach Berlin und nach Straßburg i. E. Jm Dezember 1871 vermählte ſie ſich in Karlsburg, dem Fideikommiß - beſitz der gräflich Bismarck-Bohlen - ſchen Familie mit dem Leutnant des Gardedukorps, Grafen Werner von Arnim, zu einem glücklichen Ehe - bunde, dem fünf Kinder entſproſſen. Leider ſtarb ihr Gatte nach längerer Krankheit ſchon 1881. Sie widmete ſich nun in Potsdam der Erziehung ihrer noch im zarten Alter ſtehenden Kinder, bis ſie im Juli 1889 ihre Hand dem Bruder ihres erſten Gat - ten, Grafen Hermann von A., zu neuem Ehebunde reichte, u. lebt ſeit - dem auf deſſen ſchönem Beſitztum, der freien Standesherrſchaft Muskau in der Oberlauſitz, in glücklichen Ver - hältniſſen. Wohl hielt die Trauer noch vielfach ihren Einzug in das Herz der Gräfin, wie beim Hinſcheiden ihrer Eltern und zweier Brüder, der größte Schmerz aber traf ſie beim Heimgange des geliebten Sohnes, des Grafen Wolf-Werner, der in der Schlacht am Waterberg in Südweſt - afrika am 11. Auguſt 1904 den Hel - dentod ſtarb. Mehrere Gedichte der Gräfin ſind dem Andenken dieſes früh Vollendeten geweiht.
Sonnen - ſchein und Schatten (Alte u. neue Lr.), 1902. – Es ſang eine Stimme (Alte und neue Lr.), 1908.
*78Arngeb. am 17. Septbr. 1869 in Groß - Fredenwalde (Brandenburg), lebt (1891) in Berlin.
Halali! (E.), 1891. – Das Märchen vom goldenen Schlüſſel, 1894. – Dem Tag entgegen (N.), 1898.
Pſeud. für Alexan - der Swab; ſ. d.!
Pſeud. für Her - mann Koeppen; ſ. d.!
Pſeud. für Armand Tachidella Pietà; ſ. d.!
Pſeud. für Franz Lieber; ſ. d.!
Pſeud. für Ba - bette von Bülow; ſ. d.!
geb. am 4. Novbr. 1869 zu Böhme im Hanno - verſchen, erhielt bis zur Konfirmation ſeine Erziehung im väterlichen und einem dieſem befreundeten Hauſe, ab - ſolvierte dann das Gymnaſium zu Celle und ſtudierte darauf in Heidel - berg, Leipzig und Göttingen Juris - prudenz. Da ihm indeſſen dieſer Be - ruf nicht zuſagte, ſo gab er ihn auf und widmete ſich praktiſch und theo - retiſch der Landwirtſchaft, um ſpäter das väterliche Gut ſelbſt bewirtſchaf - ten zu können. Leider ſtarb er ſchon am 26. Oktbr. 1897 in Berlin, wo er ſich landwirtſchaftlichen Studien wid - mete, am Herzſchlag.
Göttinger Muſenalmanach für 1896 (mit E. v. Kerkerinck, K. Mönckeberg, K. Graf Hardenberg, B. Wiemann u. H. v. Engel), 1895. – Schmetterlinge (Ge., mit Albrecht Mendelsſohn-Bar - tholdy), 1895. – Gedichte, 1896.
für Roſalie Braun; ſ. d.!
Pſeud. für M. A. Reitler; ſ. d.!
Pſeudon. für Laura Steinlein; ſ. d.!
Pſeudon. für Hans Vollmer; ſ. d.!
wurde am 13. Novbr. 1853 zu Königs -Arthütte in Schleſien geboren, ſtudierte in Breslau Naturwiſſenſchaften und widmete ſich dann auf den techniſchen Hochſchulen zu Dresden und Berlin dem Jngenieurfach. Nachdem er eine Zeitlang in Breslau und ſpäter in Rußland als Jngenieur praktiſch ge - arbeitet hatte, wandte er ſich der Schriftſtellerei u. beſonders der Jour - naliſtik zu. Seit 1882 iſt er Heraus - geber und Chefredakteur des „ Anhal - tiſchen Tageblatts “in Deſſau u. ſeit Herbſt 1886 auch Beſitzer einer Buch - druckerei u. Verlagshandlung daſelbſt. Jm Jahre 1896 wurde er von Deſſau in den anhaltiſchen Landtag gewählt.
Seeluft (Dr.), 1890. – Kritiſche Studien (Dr.), 1890.
wurde in einer reizvollen, indiſchen Villa, die „ Ce - dernhütte “genannt, zu Almorah in Britiſch Jndien, 6000 Fuß hoch im Himalaya gelegen, am 20. Dezember 1852 geboren. Sein Vater, der dort lange Zeit als Miſſionar gewirkt hatte, zog im folgenden Jahre mit ſeiner Familie nach Kalkutta, kehrte 1855 nach Europa zurück und ließ ſich dann zu Jannowitz im ſchleſiſchen Rieſengebirge nieder. Er ſtarb be - reits 1861 und hinterließ ſeiner Gat - tin die ſchwere Sorge um die Er - ziehung von ſieben Kindern; aber die Mutter löſte ihre Aufgabe und wußte die Jugend ihrer Kinder mit einem heiteren, ſonnigen Glanze zu erfüllen. Theodor widmete ſich dem Berufe eines Lehrers; er beſuchte 1869 – 72 das Seminar in Neuzelle, wurde dann Lehrer in Sorau, 1874 Erzieher der Söhne des Fürſten zu Solms-Hohen - ſolms-Lich in Lich (Heſſen), 1877 erſter Lehrer der Stadtſchule in Lich, 1879 Lehrer an der Präparandenanſtalt in Rothenburg in der Lauſitz und 1880 Lehrer in Ohlau (Schleſien), wo er jetzt noch im Amte ſteht.
Der Strandgeiſt (R.), 1901. – Die holde Kathinka (Nach Mitteilgn. e. Krimi - nalbeamten), 1902. – Blinde Liebe*79Arw(3 Nn.), 1902. – Der Hypnotiſeur (Schw. ), 2. A. 1903. – Die Schulrei - terin (R.), 1906.
Pſeud. für Ernſt Arwed von Schönberg; ſ. d.!
wurde am 28. Febr. 1817 in Olten (Schweiz) geboren. Als Zögling des Kollegiums in Solo - thurn trat er dem Zofinger-Verein bei und dichtete damals ſchon Lieder und Balladen. Er war nacheinander Sekretär in Olten, Aktuar der Amts - ſchreiberei in Balsthal, Regierungs - ſekretär in Solothurn, Sekretär der eidgenöſſiſchen Militär-Geſellſchaft, endlich eidgenöſſiſcher Kriegsſekretär. Mit Vorliebe Militär, ſtieg er vom Artillerieleutnant zum Major auf. Mit vollem Herzen dem Prinzip der Freiheit und des Fortſchrittes zuge - tan, ward er durch die politiſche Be - wegung des Jahres 1845 zur Teil - nahme am Luzerner Freiſcharenzuge mit fortgeriſſen. Jm Jahre 1854 ſei - nes Dienſtes entlaſſen, nahm er als Offizier am orientaliſchen Kriege teil in der Hoffnung, ſicher für ſeine Fa - milie ſorgen zu können; getäuſcht kehrte er bereits nach neun Monaten zurück, um alsbald als Hauptmann (ſpäter Major) in die engliſche Frem - denlegion zu treten. Jn dieſer Stel - lung ſah er Gibraltar, Malta, Smyr - na; da ward Friede und die Legion entlaſſen. A. erhielt nun in Olten am Hauenſteintunnel eine kleine Stelle, die ihn aber nicht befriedigen konnte. Zum drittenmal verläßt er Weib und Kinder, um ihnen in Amerika eine neue Heimat zu ſuchen. Nachdem er hier ſeine Schule gemacht, wird er bei der „ Neuyorker Abendzeitung “engagiert, dann als Mitredakteur bei der „ Staatszeitung “, dem erſten deut - ſchen Blatte daſelbſt. Trotz der ge - ſicherten Stellung, die er gefunden, treibt ihn ſein unruhiger Geiſt nach Venezuela, wo er ſchon am 11. März 1859 in Valencia dem tropiſchen Klima erlag.
Phantaſien im Ber -Arzner Kornhauskeller, 1849. – Der Tag bei Laupen (Hiſt. Schſp. ), 1851. 2. A. 1863. – Der Korporal, od. : Die Hei - matloſen (Schſp. ), 1852. – Das Land - recht von Solothurn (Hiſt. Schſp. ), 1866.
wurde am 15. Nov. 1864 in dem ſächſiſchen Städtchen Mühlbach (Siebenbürgen) geboren, wo ſein Vater (ſeit 1874 Pfarrer in Urwegen) damals Gymnaſiallehrer war, beſuchte das dortige Untergym - naſium, ſpäter das Obergymnaſium in Hermannſtadt und legte hier im Juli 1882 die Muturitätsprüfung ab. Zufolge der eigenartigen Verbindung von Kirche u. Schule, die von jedem Pfarrer vorausſetzt, daß er zuerſt eine Zeitlang im Schuldienſte als Lehrer geſtanden habe, mußte auch A., um einſt Pfarrer werden zu können, neben dem Studium der Theologie ſich durch Fachſtudien für das Amt eines Oberlehrers vorbereiten. Er wählte, ſeiner Neigung folgend, Na - turwiſſenſchaften u. Chemie, ſtudierte ein Jahr in Zürich unter Heim Geo - logie und Volkmar Bibelforſchung u. benutzte gleichzeitig dieſen Aufenthalt zu größeren Reiſen in der Schweiz, in Tirol und Jtalien. 1883 – 85 ſtu - dierte er in Leipzig, bereiſte auch von hier aus den größten Teil Deutſch - lands u. weilte längere Zeit in Ber - lin und München, wo ihn beſonders die Kunſtſchätze und Muſeen anzogen. Das letzte Studienjahr (1885 – 86) brachte er in Klauſenburg zu, erwarb ſich hier das ſtaatliche Profeſſoren - diplom und legte zwei Jahre ſpäter in Hermannſtadt die theologiſche Prü - fung ab. Sein Probejahr leiſtete er 1886 – 87 am Mühlbacher Untergym - naſium ab und ſtellte während des - ſelben eine „ Sammlung der Bauma - terialien “für das Hofmuſeum in Wien zuſammen. Zu Anfang d. J. 1888 wurde er Lehrer für Naturwiſ - ſenſchaften am Obergymnaſium in Biſtritz und 1893 Pfarrer in dem be -*80Aſchnachbarten Deutſch-Budack, wo er ſechs glückliche Jahre verlebte und manche wirtſchaftliche Neuerungen zur Hebung des Wohlſtandes der Ge - meinde einführte. Jm Jahre 1899 berief ihn die Gemeinde Dobring zu ihrem Pfarrer, wo er in raſcher Folge zum Konſiſtorialrat, Vorſtand des Lehrervereins u. des landwirtſchaft - lichen Bezirksvereins, zum Mitgliede der Komitatsverwaltung u. anderen Ehrenämtern gewählt ward. Seit 1904 wirkt er als Pfarrer in Reuß - markt.
Das neunte Gebot (Dorf - geſch. ), 1908.
geb. am 12. (24. n. St.) Juni 1843 zu Pernau in Livland, wurde in Dorpat erzogen u. beſuchte das dortige Gymnaſium. Von Jugend auf viel kränkelnd, ſo daß er oft Monate, ja Jahre ans Bett gefeſſelt war, konnte er erſt 1865 zur Univerſität Dorpat übertreten, an der er bis 1874 Mathematik und Jurisprudenz ſtudierte. Als gra - duierter Student (d. h. nach Erſtehung der Staatsprüfung) wandte er ſich nach Petersburg, wo er Mitarbeiter der beiden deutſchen u. einiger aus - ländiſchen Zeitungen war, und folgte 1879 einem Rufe als Lehrer der deut - ſchen Sprache und Literatur an das ruſſiſche Alexander-Gymnaſium in Riga, an dem er, nachdem er 1883 das Oberlehrerexamen für die ge - nannten Fächer abgelegt hatte, bis 1895 wirkte. Dann trat er in den Ruheſtand, ſtarb aber bereits am 12. (24. n. St.) Dezember 1896 in Riga. Obwohl ruſſiſcher Nationalität und griechiſch-orthodoxen Glaubens, war er in Sprache u. Geſinnung ein Deut - ſcher.
Dichtungen von Puſchkin u. Lermontoff (Überſetzgn. ), 1877. – Gedichte, 1878. – Ruſſiſcher Novellen - ſchatz; II, 1882. – Nordiſche Klänge (Ruſſiſche Dn. i. deutſcher Übertrgg. ), 1894. – Schach-Humoresken, 1894.
Pſeud. für Gretchen Barthelmes; ſ. d.!
AsmPſeud. für Thereſe von Horix; ſ. d.)
Pſeud. für Marie Baronin von Schultz - Aſcheraden; ſ. d.!
entſtammt einer angeſehenen öſterreichiſchen Familie, die dem Kaiſerſtaate zahlreiche hohe Militärs und Beamten geſtellt hat, und wurde in Wien geboren. Jhre Mutter, die ſich als hochgebildete Ma - lerin und Bildhauerin bekannt ge - macht hat, lenkte durch ihre Tätigkeit unbewußt den Sinn der Tochter auf Kunſt und Wiſſenſchaft und beſtärkte ſie damit in ihrem Hange zum Philo - ſophieren und in ihren dichteriſchen Verſuchen. Nachdem Elſa die Lehre - rinnenbildungsanſtalt in Wien ab - ſolviert und dann noch einen Kur - ſus am Blindeninſtitut durchgemacht hatte, verheiratete ſie ſich mit einem hohen bulgariſchen Miniſterialbeam - ten namens Neſtonoff. Doch war die Ehe keine glückliche und wurde dann auch auf Wunſch der jungen Frau wieder getrennt. Der Drang nach vertiefter philoſophiſcher Bil - dung führte ſie dann 1899 nach Leip - zig, wo ſie Vorleſungen an der Uni - verſität beſuchte und nebenher als Schriftſtellerin tätig war.
Jſt das die Liebe (Kleine pſycholog. En. und Betrachtgn. ), 1896. – Sehnſucht, 1898. – Unſchuld (Ein modernes Mäd - chenbuch), 1901. – Tagebuchblätter einer Emanzipierten, 1902. – Der Kuß der Maja (Traumfugen über das Leben), 1903. – Die Schweſtern (N.), 1905.
Pſeud. für Burghard Aßmus; ſ. d.!
* am 28. März 1830 zu Gießen in Heſſen, ſtudierte auf verſchiedenen Hochſchulen das Berg - u. Hüttenweſen und wanderte 1862 nach Amerika aus. Dort brachte er vier Jahre als Direktor einer Kup - fergrube am Lake Superior zu und lebte ſeit 1867 in Neuyork als konſul -*81Asmtierender Berg - u. Hütteningenieur. Er † dort 1896.
Amerikaniſches Skizzebüchelche in heſſiſcher Mundart; II, 1874 – 75. 7. A. 1906. – Camp Paradiſe (Amerik. N.), 1877. – Ge - dichtbüchelche (Ge. u. 2 Lſp. ), 1892.
pſeud. Mar - tha Klodwig, wurde am 20. Juni 1844 in Pillkallen in Oſtpreußen ge - boren, wo ihr Vater Kreisphyſikus des Pillkallener Kreiſes war. Der letztere ſtarb ſchon 1846, u. die Mut - ter, die einer alten Ariſtokratenfamilie Pommerns entſtammte, zog nun mit ihren fünf Kindern nach Stolp in Pommern, wo Martha ihre Schul - bildung erhielt, welche ſie ſpäter durch eingehende Privatſtudien zu vertiefen beſtrebt war. Jm Jahre 1865 ſiedelte die Familie nach Meck - lenburg über, ſpäter lebte Martha A. im Hauſe ihres Bruders in Halle a. S., wo derſelbe als Privatdozent der Philoſophie wirkte. Nach dem Tode desſelben ging ſie auf zwei Jahre nach England und Paris u. ließ ſich dann 1885 dauernd in Berlin bzw. deren Vororten nieder.
Jch gra - tuliere! Gelegenheitsgedichte (Origi - naldichtgn. ), 1893. – Annette (R.) u.: Tantalus (E.), 1900. – Jndiskrete Mitteilungen über Erfahrenes, 1901. – Jm Frühling (N.), 1902. – Der Liebe Launen (E.), 1902.
Pſeudon. für Wilhelm Anthony; ſ. d.!
wurde am 14. Mai 1856 zu Pommerbye in Angeln (Schleswig-Holſtein) als der Sohn eines Lehrers geboren, beſuchte zu - nächſt die Volksſchule ſeines Heimat - ortes, ſpäter das Gymnaſium in Schleswig, um ſich nach dem Wunſche ſeiner Mutter zum Studium der Theo - logie vorzubereiten, verließ aber mit dem Berechtigungsſchein die Schule, um Jngenieur zu werden. Nach Be - endigung einer dreijährigen Lehrzeit in einer Maſchinenfabrik beſuchte er das Polytechnikum u. war dann alsAßmJngenieur in Weſtpreußen, in Berlin u. Hannover tätig. Seit einer Reihe von Jahren ſteht er als Oberinge - nieur auf der bedeutenden Schiffs - werft von Blohm und Voß in Ham - burg im Dienſt. Auf Reiſen, die er zum Teil in ſeinem Berufe unter - nahm, hat er ein gutes Stück von der Welt (die Schweiz, Frankreich, Eng - land und Schottland, Nordamerika) kennen gelernt.
Eine Jdee (E.), 1903. 4. A. 1908. – Gegen den Strom (10 En.), 1904. 3. A. 1906. – Stürme (R.), 1906. 3. A. 1907. – Ein Vor - urteil (N.), 1. – 16. T. 1907. – Zur Wehr und Lehr, zum Schutz und Trutz im Feldzuge gegen König Alkohol (Ge., geſamm. ), 3. A. 1907. – Ein Beſuch bei „ Uncle Sam “(Reiſebil - der), 1905. 2. A. 1906. – Wegſucher (R.), 1908. 2. A. 1909.
pſeud. Asmodi, geb. am 22. Juli 1855 in Soldin, Dr. jur. u. Dr. phil., lebte (1885) als Profeſſor in As - nières bei Paris, (1888) in London, (1894) als Redakteur der „ Pommer - ſchen Hausfrauenzeitung “in Stettin, ſeit 1895 in Berlin, wo er mehrere Jahre auch die Zeitſchrift „ Für Hütte und Palaſt “redigierte u. am 1. Sept. 1905 eine Verlagshandlung „ Moder - ner Literaturverlag “gründete. Jetzt lebt er als freier Schriftſteller da - ſelbſt.
Aus Wiener Gaſſen (Sit - tenbilder), 1887. 2. A. 1888. – Lie - besabenteuer einer Kaiſerin (Jnter - eſſante Enthüllungen a. d. Liebesleben einer gekrönten Sünderin), 1902. – Ein kaiſerlicher Don Juan (desgl. Napoleons III. ), 2. A. 1902. – Eine gekrönte Meſſalina (desgl. Katha - rinas II. ), 1902. – König „ Luſticks “galante Abenteuer (desgl. ), 1902. – Enthüllungen aus dem Nonnenleben (bayeriſcher Klöſter). Neue Ausgabe. 1902. – Leben und Lieben der Kapu - ziner, 1902. – „ Purpur und Sünde “(Geheime Hof - und Skandalgeſchich - ten); IV, 1903 – 4 (Jnhalt: I. Kaiſer -* 682Aſſliche Lebensfreuden. – II. Das Da - menregiment im Vatikan und Jnter - eſſantes aus dem Privatleben der Päpſte. – III. Geheimniſſe des Konak. – IV. Sündenregiſter einer Königin [Jſabella II.]). – Jeſuitenſpiegel, 1904. – „ Jugendſünden “(Sitten - roman a. d. Berliner Geſellſchaft), 1905. – Memoiren einer Hofdame (Jntereſſante Mitteilungen über das Hofleben der Kaiſerin Marie Luiſe), 1905. – Polizeigeheimniſſe (Enthül - lungen nach den Memoiren des Mr. Claude); V, 1905 (Jnhalt: I. Dirnen - tum und Sittenpolizei. – II. Falſch - münzer und Kupplerinnen. – III. Geheimniſſe der Tuilerien. – IV. Hoch - ſtaplerinnen u. Giftmiſcher. – V. Ka - ſchemmen und Spielklubs).
pſeudon. David Ruſſa, wurde am 20. Jan. 1810 zu Schwerin in Mecklenburg ge - boren, wo ſein Vater Kaufmann und ſpäter Leihhausbeamter war, zeigte von Jugend auf einen regſamen Geiſt und große Lernbegierde und wußte ſich durch den Unterricht vielſeitige und nützliche Kenntniſſe, beſonders in den neueren Sprachen zu erwerben. Seine Hoffnung, durch Hilfe reicher mütterlicher Verwandten ſeine Aus - bildung durch akademiſches Studium vollenden zu können, erwies ſich als trügeriſch; er kehrte deshalb nach Schwerin zurück und erwarb ſeinen Unterricht als Privatlehrer f. neuere Sprachen. Bald darauf gründete er eine israel. Privatſchule und führte dieſelbe bis gegen d. Jahr 1830 fort. Dann trat er zu der Bärenſprung - ſchen Hofbuchdruckerei in Beziehun - gen, zuerſt als Korrektor, beſonders für das „ Freimütige Abendblatt “u. die damalige „ Schweriner Zeitung “. Daneben begann er ſeine ſchriftſtel - leriſche Tätigkeit als Novelliſt. Nach dem Tode Bärenſprungs 1844 wurde ihm eine erweiterte Tätigkeit bei der Redaktion der „ Schweriner Zeitung “zuteil, und als dieſe 1848 unter demAſtTitel „ Mecklenburgiſche Zeitung “in ein täglich erſcheinendes Blatt umge - wandelt wurde, blieb er an derſelben tätig, bis er 1852 die alleinige Re - daktion übernahm, die er bis zum 1. Juli 1867 führte. Er trat dann mit einer ihm von der Verlagsbuchhand - lung bewilligten Penſion in d. Ruhe - ſtand und ſtarb am 7. Februar 1869.
Luiſe (N.), 1830. – Der Privat - lehrer (N.), 1830. – Jom Kipur, der Verſöhnungstag (N.), 1831. – Der Obotrit (Hiſtor. R.), 1832. – Dril - linge (Hiſt. -romant. En.), 1835. (Jn - halt: D. Kaiſer. – Wolo. – Aben Said. ) – Norddeutſches Taſchenbuch auf das Jahr 1836; hrsg., 1835. – Sonſt und jetzt (Nn.); II, 1839 – 40. – Der rätſel - hafte Fremde, oder: Der Scheintod (N.), 1843. – Novellen und Erzäh - lungen; II, 1847. – Die Liebe einer Sängerin (E.), 1896.
geb. am 14. Juli 1835 in Sommerfeld in der Nieder - lauſitz, widmete ſich dem Berufe eines Kaufmanns und war in demſelben in Hamburg, England und Holland tätig. Jm Jahre 1861 wurde er als Leiter des kommerziellen Dienſtes der öſterreich. Südbahn-Geſellſchaft nach Öſterreich berufen, lebte als ſolcher in Trieſt u. Wien, wurde danach Chef des kommerziellen Bureaus derſelben Geſellſchaft, dann Jnſpektor der Brennerbahn u. ging 1873 nach Köln, wo er die Leitung des auswärtigen Dienſtes ſeiner Geſellſchaft über - nahm. Ende 1882 ſchied er als Eiſen - bahndirektionsmitglied aus dem Dienſte, war in der Folge als poli - tiſcher Schriftſteller tätig und betei - ligte ſich 1892 an der Gründung der „ Deutſchen Mittelſtandspartei “, für welche er 1893 in Leipzig als Organ den „ Teut “gründete, den er bis Ende 1894 herausgab. Zurückgezogen vom politiſchen Treiben lebte er nunmehr als Schriftſteller bald in Leipzig, bald im Bade Harzburg, ſeit 1899 in Char - lottenburg. Außer verſchiedenen ſo -*83Aſtlzialpolitiſchen Schriften veröffent - lichte er
Die Reichstagsrede des Fürſten Bismarck vom 6. Febr. 1888 in freien Jamben bearb., 1889. – Sem (Schſp. ), 1895. – Der Miniſter (Schſp. ), 1895.
geb. Vogel, pſeud. Anna Vogel vom Spielberg, wurde am 12. Juli 1860 zu Brünn in Mähren als erſtes Kind des dortigen Realſchulprofeſſors Hilarius Vogel (ſ. d.!) geboren und kam mit dem letzteren 1870 nach Wien, wo ſie ihre weitere Ausbildung ge - noß. Sie abſolvierte hier die oberen Klaſſen der Bürgerſchule und trat dann auf Wunſch ihres Vaters in die k. k. Lehrerinnenbildungsanſtalt zu St. Anna ein. Hier hielt ſie aber nur zwei Jahre aus, da ſie es endlich durchgeſetzt hatte, ſich der Bühnen - laufbahn widmen zu dürfen. Nach einjährigem Studium wurde ſie von Heinrich Laube einer Probe ihres Talents unterzogen und als Elevin für das Wiener Stadttheater enga - giert. Kurz darauf verlobte ſie ſich mit einem Profeſſurskandidaten, und deſſen Bemühungen gelang es, ſie von der Verfolgung der Theaterlauf - bahn abzubringen und auf diejenige einer Schriftſtellerin hinzulenken. Enttäuſchungen u. Kränkungen blie - ben ihr in dem neuen Berufe nicht erſpart, und ſie wurden um ſo mehr empfunden, als ihr Brautſtand auch nicht frei von Konflikten blieb, die ſchließlich eine freiwillige Löſung des - ſelben herbeiführten. Jm Oktober 1894 vermählte ſich Anna V. mit dem Chefredakteur Hugo Aſtl-Leonhard (ſ. d. folgenden) in Wien, der am 31. März 1900 ſein Leben durch Selbſt - mord endete.
Das Kuckucksei (Dr.), 1892. – Jrrende Seelen (Nn.), 1894. – Das Recht der Lebenden (R.), 1895. – Frau Lear. Sein Kind. Han - gen und Bangen (3 Nn.), 1896. – Der letzte Akt (R.), 1901. – Unrecht Gut (R.), 1903. – Männerjagd (R.), 1903.
Aſtogeb. am 9. Juni 1870 in Prag als Sohn einer hochgebildeten, feinſinnigen nord - deutſchen Mutter und eines gemüt - lichen öſterreich. Vaters, ſtudierte in Wien Philoſophie und Naturwiſſen - ſchaften, genügte dann ſeiner Mili - tärpflicht daſelbſt u. ging darauf ins Lager der Schriftſteller. Auf dem Gebiet der Naturphiloſophie ſchrieb er „ Die Natur als Organismus “(1897), das allgemeine Anerkennung fand. Als Novelliſt ſchloß er ſich an Maupaſſant an. Am 31. März 1900 beging er infolge hochgradiger Ner - voſität Selbſtmord. Er war ſeit 1894 mit der Schriftſtellerin Anna, geb. Vogel (ſ. d.) verheiratet.
Neros Fackel (Hiſtor. E.). Schach (N.), 1900.
wurde am 26. Nov. 1814 als die jüngſte Tochter des Konſiſtorialrats u. Superintendenten Joh. Gottfr. Hoche zu Gröningen bei Halberſtadt geboren und erhielt als reichbegabtes Kind im Elternhauſe eine vorzügliche, auch auf Muſik und Poeſie gerichtete Erziehung. Sie ver - heiratete ſich frühzeitig mit einem Engländer, Samuel Aſton, der in Magdeburg als Fabrikant lebte; doch war die Ehe nicht glücklich; ſie wurde gelöſt, um zum zweitenmal verknüpft und wieder gelöſt zu werden. Luiſe ging nun nach Berlin, wurde aber 1846 ausgewieſen, weil man ſie mit ſtaatsgefährlichen Männern in Ver - bindung ſtehend glaubte, worauf ſie erſt nach Köpenick, 1847 nach der Schweiz u. 1848 nach Schleswig ging, wo ſie den kranken und verwundeten Soldaten eine aufopfernde Pflege zu - teil werden ließ. Nach dem Feldzuge kehrte ſie nach Berlin zurück u. redi - gierte hier während der Epiſode der Steuerverweigerung das revolutio - näre Blatt „ Der Freiſchärler “, das indeſſen ſchon nach einigen Nummern mit Beſchlag belegt wurde und ihre abermalige Ausweiſung aus Berlin u. dem Weichbilde Berlins zur Folge* 6*84Aſtuhatte. Nach verſchiedenen Verſuchen, einen feſten Wohnſitz zu gewinnen — in Hamburg, Leipzig, Breslau war ſie als ſtaatsgefährlich ausgewieſen — ging ſie nach Frankreich u. ſtärkte ihre durch viele Stürme erſchütterte Geſundheit im Seebade Trouville. Aus Frankreich heimgekehrt, verhei - ratete ſie ſich 1850 mit Dr. Eduard Meier, erſtem Arzt an dem neuen großen Krankenhauſe in Bremen, dem ſie auf allen ſeinen Zügen durch Europa getreulich folgte. Auf Emp - fehlung Langenbecks in Berlin ging Meier zunächſt nach Rußland, um mit Hauptmannsrang als Arzt in der ruſſiſchen Armee während des Krim - feldzuges zu dienen (1855). Jn Odeſſa erreichte ihn die Nachricht von dem bereits geſchloſſenen Frieden; er wurde als dirigierender Oberarzt nach dem Lazarett Sigarowa bei Charkow geſchickt, wo das Ehepaar bis zum Sommer 1857 blieb. Mit erſchütterter Geſundheit verließen beide Charkow und begaben ſich nach Gebrauch verſchiedener Bäder nach Sephi Sent Gyorgy, wo Meier zum Bezirksphyſikus ernannt worden war, u. im Frühjahr 1858 nach Kronſtadt in Siebenbürgen, wo er unmittelbar darauf ſeine Ernennung zum Brun - nenarzt in Borszek mit Winterauf - enthalt in St. Miklos erhielt. Seit 1862 Eiſenbahnarzt in Unter-Wal - tersdorf bei Wien, ſiedelte Meier mit der Gattin 1864 nach Klagenfurt, ſpäter nach Biſchoflack, ganz in der Nähe von Laibach, 1871 nach Lieben - zell im Schwarzwalde und im Herbſt desſelben Jahres nach Wangen im Algäu (in der Nähe des Bodenſees) über. Hier † ſie am 21. Dezbr. 1871.
Wilde Roſen (12 Ge. ), 1846. – Aus dem Leben einer Frau (R.), 1847. – Lydia (R.), 1848. – Freiſchärler - Reminiszenzen (12 Ge. ), 1849. – Re - volution u. Konterrevolution, 1849.
Pſeudon. für Hugo von Reininghaus; ſ. d.!
AuchPſeud. für Hans Hermann Behr; ſ. d.!
Pſeudon. für Lotta Girgenſohn; ſ. d.!
Pſeudon. für Emma Marſchall; ſ. d.!
geb. am 4. Auguſt 1862 zu München als der Sohn eines Juſtizrats und Advokaten, verlebte ſeine erſte Jugendzeit in Uffenheim, wohin der Vater verſetzt worden war, beſuchte dann die Gymnaſien in Mün - chen u. Kempten u. widmete ſich dann dem Buchhandel. Er war längere Zeit bei F. A. Brockhaus in Leipzig und in der Wallishauſerſchen Buch - handlung in Wien tätig und erwarb dann das Hillerſche Antiquariat in München. Leider zwang ihn ein ſchweres Augenleiden, nach einigen Jahren ſein Geſchäft aufzugeben, und lebte er ſeitdem als Schriftſteller in München, von wo er 1892 nach Nürnberg überſiedelte. Hier leitete er ſeit 1895 für einige Jahre die Nürnberger Arbeiter-Fortbildungs - ſchule u. fungiert ſeit 1905 als Lehrer der freireligiöſen Gemeinde Schwa - bach. Jn München gab er 1890 – 91 den Almanach der dortigen Dichterge - ſellſchaft „ Orion “, „ Münchner Kindl “und in Nürnberg 1893 den „ Heine - Almanach “heraus.
A Führer durch d’ Münchnerſtadt (mit Benno Rauchenegger, Dialektgedichte), 1887. – Gnomen u. Kobolde (Aphorismen, mit H. Thom), 1889. – Münchener Dichtergrüße (mit G. Morin), 1889.
Pſeudon. für Franz Xaver Wannenmacher; ſ. d.!
wurde am 5. Septbr. 1817 zu Elberfeld geboren, wo ſich ſein aus Württemberg ſtam - mender Vater niedergelaſſen hatte. Er lebte daſelbſt als Vorſteher des Zeichen-Ateliers einer Möbelſtoff - fabrik, bis er 1880 dieſe Stellung aufgab und ſich ins Privatleben zu - rückzog. Er † in Elberfeld am 26. *85AudJuli 1895.
Gedichte; II, 1863 – 75. – Gillard (Hiſt. D.), 1885.
der Dichter des „ Liedes der deutſchen Arbeiter “oder — wie es heute heißt — der „ Arbei - termarſeillaiſe “, wurde am 1. Auguſt 1835 zu Hamburg als der Sohn eines Haartuchwebers geb. u. erlernte nach ſeiner Konfirmation das Handwerk eines Schloſſers u. Maſchinenbauers. Nach fünfjähriger Lehrzeit wanderte er 1857 in die Schweiz, wo er in den deutſchen Arbeitervereinen, den Pflanzſtätten der damals entſtehen - den Sozialdemokratie, bald zu füh - render Stellung kam u. 1858 Präſident des Arbeitervereins in Winterthur wurde. Als ſolcher nahm er 1859 an der Schiller-Feier in Zürich teil, wo er den Sänger der Freiheit in zün - dender Rede erhob und Georg Her - wegh und Hans Blum, den Sohn Robert Blums, kennen lernte. Jm Jahre 1861 wanderte er nach Paris und dann nach London, überall in den deutſchen Arbeitervereinen tätig, und kehrte 1863 in die Heimat zurück. Der durch Laſſalle geleiteten ſozialen Bewegung ſchloß er ſich mit glühen - dem Eifer an, und zur erſten Ge - denkfeier für dieſen Agitator (1864) dichtete er ſein „ Lied der deutſchen Arbeiter “. Die inneren Parteiſtrei - tigkeiten der „ Genoſſen “ließen in - deſſen ſein Jntereſſe an der Bewegung erkalten, und ſo zog er es vor, ſich ihnen vorläufig zu entziehen u. 1868 nach Rußland zu gehen. Erſt nach der 1875 auf dem Gothaer Kongreß erfolgten Union der Parteigenoſſen kehrte A. nach Hamburg zurück und trat hier in die Redaktion des eben begründeten „ Hamburg-Altonaer Volksblatts “ein. Jm Jahre 1878 ging er zum zweitenmal nach Ruß - land; kaum heimgekehrt, traf ihn 1881 die Ausweiſung aus Hamburg und der Umgegend auf Grund des Sozialiſtengeſetzes vom Jahre 1878, und ſo wandte er ſich zum drittenmalAuenach Rußland, wo er ſechs Jahre eine Fabrik leitete und auch ſeine Lebens - gefährtin fand, mit der er in glück - licher, aber kinderloſer Ehe lebte. Jm Jahre 1887 kehrte er nach Hamburg zurück und trat in die Redaktion des „ Hamburger Echo “ein, in welchem er als „ Sonntagsplauderer “die Freu - den und Leiden der hanſeatiſchen Ar - beiterſchaft humorvoll in Reim und Proſa ſchilderte. Er blieb in dieſer Stellung bis zu ſeinem Tode am 20. Juni 1898.
Reime eines deut - ſchen Arbeiters (als Manuſkr. ge - druckt), 1889. – Deutſche Arbeiter - dichtung. 2. Bd.: Gedichte v. Jakob Audorf, 1892.
* am 19. Februar 1845 in Köthen, beſuchte die Gym - naſien zu Köthen u. Deſſau und trat dann in das Militär ein. Als Offizier nahm er an den Feldzügen gegen Öſterreich (1866) u. gegen Frankreich (1870 – 71) teil u. trat dann als Poli - zeileutnant in den Dienſt der Ber - liner Polizei über. Auf ſein Anſuchen ſpäter penſioniert, bewirtſchaftete er ſein Rittergut Herzfelde im Kreiſe Templin.
Ein alter Huſar (Schſp. ), 1879. Er ſtarb am 13. Mai 1899.
Pſeud. für Charlotte von Coſel; ſ. d.!
geb. am 19. Janr. 1883 in Offenbach a. Main, trat nach Beſuch der Volksſchule mit 15 Jahren als Lehrling in ein kaufmänniſches Geſchäft daſelbſt ein und kehrte auch als Gehilfe, nachdem er zwei Jahre in München konditioniert und zwei Jahre als Soldat gedient hatte, in dasſelbe zurück. Er iſt darin vorwie - gend als Reiſender für Süddeutſch - land tätig.
Träume eines jungen Poeten (Ge. u. En.), 1908.
ſiehe Grete Gü - terbock!
pſeudon. Onkel Ludwig, wurde am 14. Novbr. 1839 zu Laaber in der Oberpfalz als der Sohn eines Lehrers geboren, abſol -*86Auevierte das Lehrerſeminar in Eichſtätt u. wirkte dann ſechs Jahre als Leh - rer in dieſer Stadt. Seit 1865 in einer abgelegenen Gegend Bayerns wirkend, ſtudierte er fünf Jahre lang das Volksleben u. begann nun ſeine Arbeit an der zeitgemäßen Hebung der katholiſchen Volksbildung durch Gründung eines Erziehungsvereins und durch Herausgabe einer Reihe von pädagog. Zeitſchriften, Volks - ſchriften und Kalendern. Die Be - liebtheit ſeiner Publikationen ermög - lichte es ihm, in Donauwörth 1875 eine große Anſtalt, das Caſſianeum, zu gründen, das ein Pädagogium, ein Knabeninſtitut, eine techniſch - literariſche Fachſchule, eine umfang - reiche pädagogiſche Bibliothek ent - hält und mit einer Buchdruckerei, Buchhandlung und Chromolithogra - phie verbunden iſt. Auer leitet dieſe Anſtalt noch heute. Unter ſeinen Ka - lendern iſt beſonders der „ Monika - Kalender “für Eltern hervorzuheben, den A. mit eigenen Beiträgen füllt.
Klaus der Knecht (Volkserzäh - lung), 2. A. 1886. – Franzi die Hau - ſerin (desgl. ), 2. A. 1886. – Der Beſentoni (desgl. ), 1890. – Schwä - biſche Volksmärchen, 2. A. 1886. – Maria von Brabant (Tr. Dramat. Verſuch), 1897. 3. A. 1906. – Haus - brot (M., Sg., Lr., Spr., Geſchn., mit Rich. von Kralik hrsg. ), 1907; 1. – 7. Heft 1907 – 08.
von mütter - licher Seite dem berühmten Berthold Auerbach verwandt, wurde am 9. Juni 1873 in Stuttgart geboren, wo er auch das Realgymnaſium beſuchte, kam mit ſeinen Eltern in den acht - ziger Jahren nach Frankfurt a. M. und wurde hier gegen ſeine innere Neigung dem Kaufmannsſtande zu - geführt. Sieben Jahre hielt er darin aus; dann beſuchte er ſeit 1895 das Dr. Hochſche Konſervatorium in Frankfurt, angeblich, um Geſang u. Deklamation zu ſtudieren, in Wirk -Auelichkeit aber, um aus den ihn anwi - dernden Verhältniſſen herauszukom - men. Nach erfolgreicher dramatiſcher Prüfung wurde er 1898 direkt durch Emil Claar für das Frankfurter Schauſpielhaus gewonnen, an wel - chem er dann nach Grüns Tode das charakteriſtiſche Fach übernahm und bald eine große Popularität errang. Dieſe beſtimmte ihn dann auch, ſeine früheren literariſchen Verſuche zu ver - öffentlichen, zunächſt auf dem ihm ſo vertrauten Gebiete ſchwäbiſcher Dia - lektdichtung. Seit 1906 iſt er auch dramat. Lehrer am Dr. Hochſchen Kon - ſervatorium.
Schwobeköpf (Länd - liches Bild), 1904. 2. A. 1908. – Aus Schillers Jugendzeit (2 dram. Sze - nen: D’r Herr Regimentsfeldſcher. – Schiller auf der Solitude), 1905. – Schwobaſtreich (2 ländliche Kom. : D’Erbſchaft. – D’r Weltontergang), 1905. – Die letſcht’ Sau (Burleske), 1906.
geb. am 28. Februar 1812 zu Nordſtetten im Schwarzwalde, ſtammte v. jüdiſchen Eltern ab und verlebte, umgeben von 10 Geſchwiſtern, ſeine Jugend bis z. 12. Jahre in ſeinem Heimatdorfe. Zum jüdiſchen Gelehrten beſtimmt, kam er dann auf die Talmudſchule in Hechingen und nach zwei Jahren zur Fortſetzung ſeiner theologiſchen Stu - dien nach Karlsruhe, wo er weitere drei Jahre blieb. Aber in dieſen drei Jahren vollzog ſich in ihm der erſte wichtige Prozeß — er erkannte, daß der theologiſche Beruf ſeinen inner - ſten Neigungen nicht entſpreche, und daß er demſelben eine Befriedigung abzugewinnen nie imſtande ſein würde. So entſchied er ſich denn für eine weltliche Tätigkeit und ging im Frühjahr 1830 von Karlsruhe nach Stuttgart, wo er die oberen Klaſſen des Gymnaſiums abſolvierte und ſich mit großer Vorliebe dem Studium des Lateiniſchen u. Griechiſchen wid - mete. Entſchloſſen, ſich „ zur Rechts -*87Auegelehrſamkeit zu bequemen “, beſuchte er die Univerſität Tübingen. Doch die Juriſterei vermochte ihn auf die Dauer ebenſowenig zu feſſeln, als die Theologie; er kehrte ihr den Rücken und wandte ſich der Philoſophie zu, zu der David Strauß den ſtrebenden Jünger der Wiſſenſchaft mächtig hin - zog, und in deren Studium er auch Befriedigung fand. Jn dieſe Zeit fiel die mehrmonatige Feſtungshaft, die als Folge des tollen Frankfurter Aufſtandes, der ſelbſt an allen denen geahndet werden ſollte, die jemals Mütze und Band mit den deutſchen Farben getragen hatten, auch über A. verhängt wurde und ihn auf den Hohenasperg, die bekannte ſchwäbi - ſche „ Demagogenherberge “brachte. Nach dieſer Feſtungshaft vollendete er ſeine Studien in Heidelberg, wo er namentlich ein bevorzugter Schü - ler des Geſchichtſchreibers Schloſſer war. Jm Jahre 1836, als der Streit über die Tendenzen des „ jungen Deutſchlands “die literariſchen und politiſchen Kreiſe beſchäftigte, erſchien ſeine erſte Broſchüre „ Das Juden - tum u. die neueſte Literatur. Ein kritiſcher Verſuch “(Stuttg. 1836) und ein Jahr darauf ſein erſter Ro - man „ Spinoza “, dem die beſondere Ehre zuteil wurde, daß David Strauß ihn durch eine eingehende Kritik in den „ Hegelſchen Jahrbüchern “wür - digte. Jm Frühjahr 1838 begab ſich A. nach Frankfurt a. M., wo er ſich mit kritiſchen Arbeiten für Lewalds „ Europa “beſchäftigte, 1840 nach Bonn u. von dort bald nach Mainz. Jn den Städten am Rhein vollendete A. ſeine Überſetzung von Spinozas ſämtl. Werken (V, 1841). Unmittel - bar darauf ſtieg er von dieſer Höhe wiſſenſchaftlicher Durchbildung und Selbſtverſtändigung zu den Dörfern ſeiner Heimat herab und ſchuf die „ Schwarzwälder Dorfgeſchichten “. Glänzend waren die Triumphe u. Er - folge, die der Dichter mit dieſemAueneuen Genre der Proſadichtung er - rang; denn, kaum erſchienen, nahmen die Dorfgeſchichten in den Überſetzun - gen in alle lebenden Sprachen ihren Flug über die ganze gebildete Welt, ja, ſie riefen ein ganzes Heer von Nachahmungen hervor. Jm Jahre 1845 ſiedelte A. nach Norddeutſchland über u. hielt ſich abwechſelnd in Wei - mar, Leipzig, Dresden, Berlin und Breslau, 1849 auch eine Zeitlang in Wien auf; ſeit 1859 lebte er vorwie - gend in Berlin. Ende 1881 begab er ſich zur Wiederherſtellung ſeiner Ge - ſundheit nach Cannes in Frankreich; dort † er am 8. Febr. 1882. Jn ſei - nem Heimatdorfe Nordſtetten liegt er begraben.
Schwarzwälder Dorf - geſchichten; IV, 1843 – 54. – Dieſelben; VIII, 1871. – Nach dreißig Jahren. Neue Dorfgeſchichten; III, 1876. – Sämtliche Schwarzwälder Dorfge - ſchichten; X, 1900 [Jnhalt: I. Der Tolpatſch. Die Kriegspfeife. Des Schloßbauers Vefele. Tonele mit der gebiſſenen Wange. Befehlerles. Die feindlichen Brüder. Jvo der Hajrle. – II. Florian u. Kreszenz. Der Lau - terbacher. Sträflinge. Erdmuthe. – III. Die Frau Profeſſorin. Luzifer. – IV. Die Geſchichte des Diethelm von Buchenberg. Hopfen und Gerſte. – V. Der Lehnhold. Der Viereckig oder die amerikaniſche Kiſte. Der Geiger - lex. – VI. Ein eigen Haus. – Bar - füßele (E. 1856. 33. A. 1899). – VII. Joſeph im Schnee (E. 1860. 9. A. 1888). – Broſi und Moni. – VIII. Edelweiß (E. 1861. 11. A. 1889). – IX. Des Lorles Reinhard. Der Tol - patſch aus Amerika (1876). – X. Das Neſt an der Bahn (1876). – Brigitta (E. 1880. 2. A. 1881)]. – Romane; XII, 1871. [Jnhalt: I. Spinoza. Ein Denkerleben (1837). – II. Dichter u. Kaufmann. Ein Lebensgemälde a. d. Zeit Moſes Mendelsſohns (1840. 4. A. 1860). – III. – IV. Neues Leben (1852). – V. – VIII. Auf der Höhe (1865). – IX. – XII. Das Landhaus am Rhein*88Aue(1869. 4. A. 1874). ] – Der Gevatters - mann. Kalender; IV, 1845 – 48. Die darin enthaltenen Aufſätze erſchienen ſpäter u. d. T.: Schatzkäſtlein des Ge - vattersmanns, 1856. 6. A. 1875. – Andre Hofer (Tr.), 1850. – Deutſche Abende, 1851. 4. A. 1855. Neue Folge, 1867. – Geſammelte Schriften; XX, 1857 – 58. – Dieſelben; XXII, 1863 – 64. – Deutſcher Familienkalen - der a. d. J. 1858. – Deutſcher Volks - kalender a. d. J. 1859. – Der Wahr - ſpruch (Schſp. ), 1859. – Wieder unſer! (Gedenkblätter), 1871. – Zur guten Stunde (Geſammelte Volkserzhlgn. ), 1872; II, 1875. – Schriften. Taſchen - ausgabe; XX, 1871. – Schriften; XVIII, 1890 – 95. – Waldfried (R.); III, 1874. 2. A. 1875. – Erlebniſſe einer Mannesſeele (von Eduard Las - ker), hrsgeg. v. B. A., 1873. – Drei einzige Töchter (Nn.), 1875 (Jnhalt: Der Fels der Ehrenlegion. – Auf Wache. – Nannchen von Mainz). – Tauſend Gedanken des Kollabora - tors, 1875. – Landolin von Reuters - hofen (E.), 1878. – Unterwegs (Kleine En. u. Lſpe. ), 1879. (Jnhalt: En.: Adam und Eva auf dem landwirt - ſchaftl. Feſt. – Der Sohn des Käth - chen von Heilbronn. – Die feindlichen Schweſtern. – Wie der Großvater die Großmutter nahm. – Die Vergolde - rin. – Lſpe. : Riegel vor! – Das er - löſende Wort. – Eine ſeltene Frau. ) – Deutſche illuſtrierte Volksbücher, 10 Bdchn., 1881. – Nikolaus Lenau (Er - innerung), 1876. – Dramatiſche Ein - drücke (Aus dem Nachlaß), 1893.
Wilhelm, wurde am 5. Septbr. 1840 zu Pforz - heim in Baden geboren und empfing ſeine Vorbildung auf dem Pädago - gium daſelbſt. Als Sohn eines Bi - jouteriefabrikanten mußte er gegen ſeinen Willen die kaufmänniſche Lauf - bahn einſchlagen und aus Familien - rückſichten derſelben auch ferner an - gehörig bleiben, trotzdem der Groß - herzog Friedrich v. Baden, der durchAueein Gedicht des Jünglings auf dieſen aufmerkſam geworden war, 1860 in hochherziger Weiſe dem jungen Dich - ter die Mittel zu der von ihm ſo heiß erſehnten wiſſenſchaftlichen Fortbil - dung zur Verfügung ſtellen ließ. Nur mit tiefſtem Schmerze entſagte der Jüngling der Hoffnung auf einen Beruf, der ihm die Quellen des Wiſ - ſens unmittelbarer erſchloſſen hätte, als das eifrigſte Streben des Auto - didakten, der nach des Tages Arbeit in nächtlichen Stunden die Lücken ſei - nes Wiſſens auszufüllen trachtete. Jm Jahre 1861 wurde A. Mitarbeiter und 1867 Teilhaber der geachteten Bijouteriefabrik Auerbach u. Katz in Pforzheim, aus welchem Verhältnis er 1875 ſchied, um hinfort mehr ſei - nen Neigungen leben zu können. Seit 1877 in Lahr lebend, ſtarb er am 22. Juli 1882 in Seelbach bei Lahr, wo er eine Fabrik beſaß. Er liegt in Pforzheim begraben, wo ihm 1884 ein Denkmal auf dem Friedhofe er - richtet wurde.
Bellrem von Wei - ßenſtein (Romant. Sg.), 1860. – Ge - dichte in vielen Zeitſchriften.
wurde am 15. April 1876 in Wien als der Sohn eines reichsdeutſchen, aus Nürnberg ſtammenden Vaters und einer unga - riſchen Mutter geboren und verlebte ſeine erſten Kinderjahre an verſchie - denen Orten, mehr oder minder ent - fernt von Wien, bis ſich ſein Vater 1883 dauernd in der öſterreichiſchen Hauptſtadt niederließ. Hier beſuchte der Sohn das Gymnaſium und ſtu - dierte ſeit 1894 die Rechte, welches Studium er 1900 durch Promotion zum Dr. jur. zum Abſchluß brachte. Seitdem lebt er als freier Schrift - ſteller in Wien, gehört ſeit 1906 auch der Redaktion der „ Neuen freien Preſſe “an.
Talent (Lſp. ), 1900. – Roſen, die wir nicht erreichen (Nn. n. Sk.), 1900. 5. A. 1908. – Re - née (7 Kapitel eines Frauenlebens), 1902. – Lebemänner (N.), 1903. –*89AueDie Verliebten (Nn. und Sk.), 1904. 4. A. 1908. – Die große Leidenſchaft (Lſp. ), 1904. – Die Dame mit der Maske (Dialoge), 1905. – Die ängſt - liche Dodo (Nn.), 1907. – Der gute König (Lſp. ), 1907. – Die man nicht heiratet (Nn.), 1908. – Die glücklichſte Zeit (Lſp. ), 1909.
pſeudon. Anaſtaſius Grün, wurde am 11. April 1806 zu Laibach in Krain geboren. Durch einen Hofmeiſter im elterlichen Hauſe, zumeiſt im väterlichen Stammſchloſſe Thurn am Hart in Unterkrain, vor - gebildet, wurde der Knabe, da er für den Militärdienſt beſtimmt war, 1813 dem Thereſianum in Wien anver - traut und trat von dort 1851 in die Jngenieurakademie über, in der er drei Jahre verblieb. Da ſtarb ſein Vater, u. damit war ein Wendepunkt auf ſeinem Lebenswege gegeben; denn die militäriſche Erziehung hörte auf u. A. kam nunmehr nach Wien in ein Privatinſtitut und widmete ſich dann von 1824 – 28 philoſophiſchen und ju - riſtiſchen Studien, denen er je zwei Jahre in Graz und in Wien oblag. Jn dieſe Periode fallen ſeine erſten poetiſchen Verſuche, welche unter dem vollen Namen des Verfaſſers in Gräf - fers „ Philomele “und in der „ Thea - terzeitung “mitgeteilt wurden; 1830 ließ er unter dem Namen „ Anaſtaſius Grün “die „ Blätter der Liebe “und ſeinen Romanzenkranz „ Der letzte Ritter “u. im folgenden Jahre ano - nym ſeine „ Spaziergänge eines Wie - ner Poeten “erſcheinen, die den Dich - ter ſchnell berühmt machten. Jm Jahre 1830 verließ Auersperg Wien, um die Verwaltung ſeines Majorats, der Herrſchaft Gurkfeld u. der Graf - ſchaft Thurn am Hart zu überneh - men. Zwei Jahre ſpäter (1832) er - ſchien er als Mitglied der krainiſchen Stände auf der Herrenbank in der Laibacher Landſtube, wo er ſich als ein unerſchrockener Kämpfer für dieAuearg getroffenen materiellen Jnter - eſſen der Heimat erwies u. beſonders 1843 mannhaft gegen weitere Steuer - erhöhungen auftrat. Mehrmals un - ternahm er größere Reiſen, beſonders nach Jtalien; die letzte führte ihn 1837 durch Frankreich, Belgien und England; dann vermählte er ſich 1839 mit einer Gräfin Attems und ließ ſich fortan in Thurn häuslich nieder. Jm Jahre 1848 nahm Auersperg am Fünfziger-Ausſchuß in Frankfurt am Main teil; dann wurde er von dem Laibacher Kreiſe in die Nationalver - ſammlung gewählt und ſtimmte dort in manchen Hauptfragen mit dem linken Zentrum. Als er aber ſeine entſchieden deutſche Geſinnung nicht mehr für den wahren Ausdruck ſeiner großenteils ſlawiſchen Mandanten halten durfte, zog er ſich von den wir - ren u. ausſichtsloſen Verhandlungen des Parlaments in die Stille ſeines Herdes zurück. Erſt im Jahre 1860, als eine freiere Strömung in das Verfaſſungsleben Öſterreichs einzog, trat Auersperg wieder in die poli - tiſche Öffentlichkeit. Er wurde als außerordentliches Mitglied für Krain in den Reichsrat berufen, am 15. April 1861 zum lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauſes ernannt und gleichzeitig als Abgeordneter des Grundbeſitzes in den Krainer Land - tag gewählt, in welchem er das Jn - tereſſe der Deutſchen mannhaft ver - trat. Ein kaiſerliches Handſchreiben vom 12. März 1863 ernannte ihn zum Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz; die Stadt Wien verlieh ihm als „ Vorkämpfer für die Freiheit in Öſterreich “1864 das Ehrenbürger - recht; am 3. Aug. 1865 bei der 500 - jährigen Jubelfeier der Wiener Hoch - ſchule wurde er „ wegen ſeiner aus - gezeichneten Leiſtungen im Dienſte Apolls “zum Ehrendoktor promoviert und 1868 zum Präſidenten der Dele - gierten des Reichsrats erwählt, in welcher Stellung er ſeiner bisherigen*90Auffreiheitlichen Geſinnung treu blieb. Auersperg † in Graz am 12. Septbr. 1876.
Blätter der Liebe (Ge. ), 1830. – Der letzte Ritter (Rz.), 1830. 9. A. 1881. – Spaziergänge eines Wiener Poeten, 1831. 9. A. 1877. – Schutt (Dn.), 1836. 13. A. 1877 (Jn - halt: Der Turm am Strande. – Eine Fenſterſcheibe. – Cincinnatus. – Fünf Oſtern). – Gedichte, 1837. 15. A. 1877. – Nibelungen im Frack (Ein Capriccio), 1843. 2. A. 1853. – Der Pfaff vom Kahlenberg (Ländliches G.), 1850. 3. A. 1877. – Volkslieder aus Krain (Geſammelt u. a. d. Slo - weniſchen überſ. ), 1850. – Nikolaus Lenaus dichteriſcher Nachlaß, hrsg. 1851. – Nikolaus Lenaus Werke, hrsg. IV, 1855; II, 1874. – Robin Hood (Bn. n. altengl. Volksliedern), 1864. – Jn der Veranda (Eine Nach - leſe von Gn.), 1876. 2. A. 1877. – Serben-Lieder; mitgeteilt v. P. von Radics, 1879. – Geſammelte Werke; hrsg. von L. A. Frankl; V, 1877. – Anaſtaſius Grün u. Ludwig Auguſt Frankl (Briefwechſel 1845 – 76; hrsg. v. Dr. Bruno von Frankl-Hochwart), 1897. Neue Ausg. 1905. – Politiſche Reden und Schriften (in auswahl hrsgeg. von Stefan Hock), 1906. – Sämtliche Werke; hrsg. von Anton Schloſſar; X, 1907. – Gedichte, aus - gew. u. eingeleit. v. Dr. Albert Zip - per, 1907. – Gedichte, mit Einleitg. von Dr. Arthur Ploch, 1907. – Aus - gewählte Werke; hrsg. von Dr. Otto Rommel, 1909 ff.
geb. am 16. April 1839 zu Paderborn, wurde nach beendigten theologiſchen Stu - dien 1863 Kaplan in Lippſtadt und wirkte dann mehrere Jahre als Pfar - rer zu Brenken in Weſtfalen. Dort iſt er auch geſtorben.
Auf dem Wege nach oben (Ge. ), 1879. – Ave Maria! (Ep. D.), 1898.
geb. am 7. Januar 1822 zu Leſchnitz in Ober - ſchleſien, beſuchte das Gymnaſium zuAugOppeln u. ſtudierte 1842 – 46 in Ber - lin unter Bopp, Böckh u. Lachmann Philologie. Nachdem er in Halle 1848 promoviert, habilitierte er ſich 1850 in Berlin, wo er über Sanskrit und altgermaniſche Sprachen las, ging 1852 nach Oxford, wurde dort an der berühmten Bodleianſchen Bibliothek angeſtellt und unterzog deren Sans - krithandſchriften einer eingehenden Unterſuchung. Seit 1862 wirkte A. als Profeſſor des Sanskrit und der vergleichenden Sprachforſchung an der Univerſität Edinburg und, nach - dem er 1873 einen Ruf nach Straß - burg abgelehnt hatte, ſeit 1875 in gleicher Eigenſchaft in Bonn, bis er 1889 ſeine Lehrtätigkeit aufgab. Zahlreiche Reiſen haben ihn ſeit dem Jahre 1860 durch faſt ganz Europa geführt, die er zur Ausbeutung der Handſchriftenſammlungen benutzte, ſo 1860 nach Belgien, 1867 nach Nord - frankreich, 1870 nach Schweden, 1871 durch Deutſchland nach Holland, 1872 nach Norwegen uſw. A. war auch Mitglied der preußiſchen Akademie der Wiſſenſchaften u. zahlreicher ge - lehrter Geſellſchaften in Deutſchland und England. Am 3. April 1907 iſt er in Bonn geſtorben. Außer zahl - reichen Fachſchriften veröffentlichte er
Die Hymnen des Rigveda (ins Deutſche übertragen), 1861 – 63. – Blüten aus Hindoſtan (Ge. ), 1873.
Pſeudon. für Karl Auguſt Rauchalles; ſ. d.!
geb. Schö - ler, wurde am 2. Juni 1827 zu Köln als die Tochter des Advokat-Anwalts am rheiniſchen Appellhof, Juſtizrats Dr. Schöler, geboren. Von gebilde - ten, geiſtig vorwärtsſtrebenden El - tern erzogen, von einem anregenden Freundeskreiſe umgeben, verlebte ſie eine glückliche Jugendzeit. Eine ge - niale, freie Auffaſſung des Lebens, die ihr angeboren, ein tiefes Empfin - den für Poeſie u. Muſik, die im elter - lichen Hauſe eine heimiſche Pflegeſtätte*91Augfanden, legten den Grund zu ihrem ſpäteren ſchriftſtelleriſchen Schaffen. Jm Jahre 1849 verheiratete ſie ſich mit dem Aſſeſſor K. W. Ernſt Auguſti. Das junge Paar nahm ſeinen Wohn - ſitz in Koblenz, woſelbſt der Gatte eine Richterſtelle am königl. Land - gericht bekleidete. Leider ſollte das eheliche Glück nur kurz ſein, denn be - reits 1858 ſtarb der geliebte Mann nach langer traurig. Krankheit, ſeine Gattin mit zwei Knaben zurücklaſ - ſend. Jn dieſer traurigen Zeit des Verlaſſenſeins griff Bertha A. zur Feder und veröffentlichte zunächſt im Feuilleton der „ Kölniſchen Zeitung “ihre „ Erinnerungsblätter “, denen dann ſpäter größere novelliſtiſche Ar - beiten nachfolgten. Sie † in Koblenz am 12. Dezbr. 1886.
Feldblumen. Ein Novellenſtrauß; III, 1872. – Licht und Schatten (Nn.), 1876. – Lebens - moſaik (N.), 1878. – Erinnerungs - blätter aus dem Leben einer deutſchen Frau, 1887. – Eliſabeth (E.), 1887.
Pſeudon. für Auguſte Plehn; ſ. d.!
pſeudon. Friedrich Aarau, wurde am 22. Novbr. 1807 zu Wien als der Sohn des nachmaligen Feld - zeugmeiſters und General-Artillerie - Direktors Vincenz Freiherr von A. geboren, erhielt ſeine Bildung in der Wiener-Neuſtädter Militärakademie und verließ dieſelbe 1823, um im Bombardierkorps den mathemati - ſchen und Artilleriekurſus zu hören. Jm Jahre 1825 wurde er Leutnant im 17. Grenzinfanterie-Regiment, kam ſpäter zum Czaikiſten bataillon und wurde 1830 als Oberleutnant einer Geſandtſchaft an den Sultan Abderrhaman in Marokko attachiert, bei welcher Gelegenheit er den See - dienſt auf der Fregatte „ Medea “ken - nen lernte u. viele wertvolle Skizzen von Gegenden aus Afrika mitbrachte. Die Ergebniſſe ſeiner Reiſe legte er in intereſſanten Reiſewerken nieder. AugJm Jahre 1842 wurde er Major im 49. Jnfant. -Regimt., 1848 Oberſt - leutnant im 22. Regiment u. zugleich Kommandeur desſelben, 1849 Oberſt, 1852 Generalmajor, dann Brigadier beim ſerbiſch-banatiſchen Armeekorps und zuletzt Feldmarſchalleutnant und Feſtungskommandant in Zara. Er † zu Baden bei Wien am 20. Juni 1861.
Emmerberg (Hiſt. R.); III, 1848. – Verſchiedene topographiſche und Reiſewerke.
pſeud. Marie von Thurnberg, Tochter des verſtorbenen k. k. öſter - reich. Oberſtleutnants Regelsberg v. Thurnberg, wurde am 23. Dez. 1810 zu Werſchetz im Banate geboren u. in Wien erzogen, wo die geſelligen Abende in ihrem Elternhauſe viel zu ihrer geiſtigen Entwicklung und Aus - bildung beitrugen. Von ihrer Mut - ter, einer geiſtvollen, feinfühlenden Siebenbürger Sächſin, hatte ſie den Sinn für Poeſie und Literatur ge - erbt, u. ſchon mit 14 Jahren ſchrieb ſie Gedichte, mit 15 Jahren eine Phantaſie „ Theodora “, die das früh entwickelte Denkvermögen der jungen Dame offenbarte. Nach dem Tode ihrer Mutter (1828) widmete ſie ſich mit ſeltener Ausdauer der Ölmalerei. Jn Begleitung ihres Vaters u. ihrer Tante beſuchte ſie die Ateliers der erſten Künſtler und erhielt von ihnen Winke für die Kunſt; damals malte ſie beſonders Porträts en miniature, wendete ſich aber ſpäter dem hiſtori - ſchen Fache zu u. kopierte durch meh - rere Jahre die Gemälde vorzüglicher Meiſter in der Eſterhaziſchen Galerie. Für verſchiedene Kirchen und Klöſter malte ſie Altarbilder und Madonnen und für die Kirche zu Pyhra bei St. Pölten 14 Kreuzwegſtationen eigener Kompoſition, worin alle Köpfe Por - träts waren (1834). Jm Jahre 1835 verheiratete ſie ſich mit dem dama - ligen Hauptmann Ferdinand Baron von Auguſtin (ſ. d.), verließ nun Wien*92Augund begleitete ihren Gatten in 25 - jähriger glücklicher Ehe auf allen Wanderungen durch die ganze Monar - chie. Jnfolge des häufigen Woh - nungswechſels mußte Marie die Ma - lerei gänzlich aufgeben, dafür widmete ſie ſich nun in jedem freien Momente, den ſie erhaſchen konnte, mit ebenſo lebhaftem Jntereſſe der Schriftſtelle - rei und iſt derſelben Jahrzehnte lang treu geblieben. Seit dem Tode ihres Gatten (1861) lebte ſie meiſt in Wien u. ſtarb daſelbſt am 13. Febr. 1886.
Novellen; II, 1842. – Des Fiſchers Tochter (R.); II, 1844. – Die graue Schweſter (R.); II, 1846. – Die Sauſenburger Klamm (Schſp. ), 1846. – Der Jungfrau ſchönſtes Ziel (Rat - ſchläge f. d. Jungfrau, Braut u. junge Frau), 5. A. 1882. – Sproſſen der Erinnerung (Nn.), 1851 (Jnhalt: Er - habene Liebe. – Die Sennerin. – Die Sühne). – Die Roſe am See (R.); III, 1851. – Seelenklänge (Ge. ), 1864. – Die Roſe von Granada (Romant. G.), 1873.
* am 6. April 1803 zu Miſſunde, ſtudierte ſeit Oſtern 1821 in Kiel Theologie, wurde 1838 Prediger, Kü - ſter u. Lehrer auf der Hallig Oland, 1844 Prediger in Hollingſtedt und 1862 in Ulsnis, wo er am 12. Oktbr. 1880 †.
Die heiligen Zeiten der evangel. Kirche (Ge. ), 1838. – Chriſto - mele (Ge. ), 1837. – Achter’n Aben, oder Plattdütſches Volksbok för Kin - ner un ole Lüd, 1857.
geb. am 25. Juni 1838 zu Fah - renſtedthof in der Grafſchaft Angeln (Schleswig), erhielt ſeine Schulbil - dung auf der Domſchule in Schles - wig u. auf dem Gymnaſium in Flens - burg, worauf er in Kiel Theologie ſtudierte. Jm J. 1861 wurde er Leh - rer an einer höheren Lehranſtalt in Bergedorf bei Hamburg u. widmete ſich hier ausſchließlich dem Studium der neueren Sprachen. Als LehrerAulderſelben war er dann ſpäter in Ham - burg, von wo aus er ſich 1864 in Roſtock die Würde eines Dr. phil. er - warb, in Kappeln, in Weißenfels tätig, bis er Michaelis 1871 nach Gera (Reuß) berufen ward, wo er erſt an der Realſchule I. O. und ſeit Oſtern 1874 am fürſtlichen Gymnaſium un - terrichtete. Seit Oktober 1892 Ober - lehrer, trat er Michaelis 1907 in den Ruheſtand.
Feſtſchrift zur 100 - jähr. Jubelfeier der Erholungsgeſell - ſchaft zum deutſchen Hauſe in Gera, 1896. – Emma von Schack (Schſp., als Manuſkr. gedruckt), 1896. – Neue Worte zu alten Klängen (Ge. ), 1903.
Pſeudon. für Wilhelm von Kotzebue; ſ. d.!
wurde am 20. Juni 1810 zu Annweiler ge - boren, wo ſein Vater Pfarrer war, der aber bald nach Homburg verſetzt ward. Hier beſuchte der Sohn die Schule, kam dann auf das Gymna - ſium zu Zweibrücken u. bezog danach die Univerſitäten Erlangen, Heidel - berg und München, auf denen er ſich dem Studium der Rechtswiſſenſchaf - ten widmete. Jn ſeine Univerſitäts - jahre fallen auch verſchiedene Reiſen nach Jtalien, der Schweiz, Tirol, Böhmen und Sachſen, die auf ſein Singen u. Sagen nicht ohne Einfluß geblieben ſind. Er war dann längere Zeit Gaſt des Rechtslehrers Zacha - riae auf dem Karlsberg u. arbeitete, nachdem er ſeine Examina abſolviert, auf dem Friedensgericht zu Speier. Das Jahr 1848 begeiſterte ihn zu manchem kernigen Liede, das ſeine Anſchauungen über die politiſchen Verhältniſſe zum Ausdruck brachte. Die Folge blieb freilich nicht aus; denn A. ſah hinfort jeden Weg zu wei - terem Fortkommen verſperrt. End - lich erhielt er eine beſcheidene Stelle als Gerichtsſchreiber in dem ſtillen Talwinkel Waldfiſchbach, wo er ſich mit einer Beamtentochter verheiratete und 12 Jahre aushielt. Nachdem er*93Auldann weitere ſieben Jahre an einem anderen Orte gewirkt, kam er als königl. Gerichtsſchreiber nach Dürk - heim in der Pfalz. Als er in den Ruheſtand getreten, ſiedelte er nach Zweibrücken über, wo er am 30. Jan. 1882 ſtarb.
Jugendklänge, 1835. Zweite Folge, 1837. – Jtalien (Eine Hymne der Natur), 1849. – Rhap - ſodien (zur 300 jährigen Jubelſeier des Gymnaſiums zu Zweibrücken), 1851. – Natur u. Gemüt (Ein Feld - und Waldblumenſtrauß), 1868. – Jm Golfe von Neapel, 1853. – Schwär - merei der Liebe, 1872. – Aus vergan - genen Tagen (Ein Kranz d. Erinne - rung), 1874. – Aus ſonnigen Tagen (Poeſie u. Bekenntniſſe), 1875.
Bruder des Vorigen, * 1813 zu Homburg, beſuchte die Gymnaſien zu Zweibrücken und Speier und ſtudierte dann in Erlan - gen Theologie. Nachdem er darauf ſein Examen mit Erfolg beſtanden hatte, wurde er Pfarrer zu Schnee - heim im Badenſchen, beteiligte ſich 1836 an der Befreiung Wirths und wanderte in der Folge nach Amerika aus, wo er über 30 Jahre lang evan - geliſcher Prediger und Präſident des Konſiſtoriums zu Zanesville im Staate Ohio war. Später war er noch zwei Jahre lang Pfarrer zu Woodsfield (Ohio). Er ſtarb am 25. Sept. 1881 zu Aſcherville, Jndiana.
Eine Sammlung von Gedichten des Ehrw. K. Aulenbach, 1879.
ſiehe Anna No - biling!
pſeudon. E. Carlsberg, wurde am 19. Septbr. 1845 zu Gotha als der Sohn des Hofmechanikus Hermann A. geboren, kam im 10. Lebensjahre auf die von ſeinem Urgroßvater Salzmann ge - gründete Erziehungsanſt. Schnepfen - tal, der ein Bruder ſeines Vaters, der Schulrat A., vorſtand, und blieb hier bis Oſtern 1861, worauf er geſtärkt und gekräftigt in das Elternhaus zu -Auzrückkehrte und als Lehrling in das Geſchäft ſeines Vaters eintrat. Jm Jahre 1866 ging er als Gehilfe nach der Schweiz, wo er zwei Jahre blieb und in Neuenburg u. in Bern arbei - tete, war darauf bis zum Jahre 1874 in verſchiedenen großen Werkſtätten Deutſchlands (Kaſſel, Berlin, Gotha) tätig und übernahm dann in Mühl - hauſen in Th. die Leitung eines von ſeinem Vater gegründeten Zweigge - ſchäftes, welches nach vier Jahren als Eigentum in ſeine Hände über - ging. Hier ſtarb er am 9. Auguſt 1907.
Frühlicht und Dämmerung (Thüringiſche Weihnachts-Bilder), 1878. Neue Folge, 1891. 3. A. 1904. – Winfried von Angelland (Lebens - bild a. d. Vergangenheit), 1891.
Pſeud. für Sebaſtian Wieſer; ſ. d.!
Pſeud. für Auguſt Gerhardi; ſ. d.!
geb. am 9. Okt. 1879 (n. a. 1876) in Magdeburg als Tochter des Schriftſtellers Ferdin. Simon, wurde in Wien, Berlin und Genf erzogen und verheiratete ſich mit dem Redakteur Robert A. in Prag, der ihr die Redaktion des Frauenblattes „ Maja “anvertraute, welche ſie ſeitdem in Berlin leitet.
Kabarett Sphinx (R. a. d. Ber - liner Bohème), 1905. – Suggeſtion (R. a. d. Berliner Geſellſchaft), 1905. – Ano Kato (R.), 1905. – Café Grö - ßenwahn (R. a. d. Berliner Künſtler - welt), 1906. – Drei moderne Damen (Ein Liebesroman), 1908.
wurde am 6. (18. n. St.) Oktober 1836 zu Athen geb., wohin ſein Vater 1833 als Haut - boiſt des kgl. griech. 7. Jnfanterie - bataillons übergeſiedelt war. Fort - währende Kränklichkeit veranlaßte den letzteren, ſchon 1838 in die Hei - mat zurückzukehren, u. Peter beſuchte nun, da ſeine Eltern ſich in ſehr ärmlichen Verhältniſſen befanden, in München eine ſogenannte Armen -*94Auzſchule u. v. 1846 – 48 eine Dorfſchule auf dem Lande, die von ſeinem Vet - ter geleitet wurde. Da Peter auch einigen muſikaliſchen Unterricht ge - noſſen hatte u. auf dem Jnſtrument ſeines Vaters geübt war, ſo beſchloß der letztere, den Sohn zu einem Mu - ſiker heranbilden zu laſſen, obwohl dieſer eine ausgeſprochene Neigung für den Beruf eines Schauſpielers hegte. Jm Mai 1852 wurde A. als Trompeter im 1. Artillerieregimente Prinz Luitpold eingeſtellt; i. Herbſte d. J. kam er nach Germersheim, er - krankte hier bald an dem Wechſelfie - ber, das ſeine Geſundheit derart zer - rüttete, daß er der Muſik für immer entſagen mußte, u. wurde nun Kor - poral im ſtehenden Heere. Jm Jahre 1855 erfolgte ſeine Verſetzung nach München. Hier winkte ihm noch ein - mal die Gelegenheit, d. Bühne näher - zutreten, aber nur kurze Zeit: die Kriegsbereitſchaft des Jahres 1859 forderte ihn für den Dienſt des Hee - res, dem er als Feuerwerker bis 1861 angehörte. Einen Antrag, ſich unter die Zahl der zur höheren Beförde - rung Eingereichten aufnehmen zu laſſen, lehnte er entſchieden ab, viel - mehr ſetzte er es diesmal durch, als Schauſpieler die Bühne betreten zu können. Nach zwei Jahren bitterer Erfahrungen nahm er im Oktober 1863 eine Stellung als Sekretär bei dem erblichen Reichsrate und ſpäteren Präſidenten der Reichsratskammer, Freiherrn von Franckenſtein, an, ein Jahr ſpäter wurde er Sekretär der Geſellſchaft „ Muſeum “in München, und nachmals trat er in die Dienſte des Allgemeinen Gewerbevereins da - ſelbſt, dem er mit einer durch Krank - heit veranlaßten Unterbrechung bis 1878 angehörte. Jm April 1880 be - rief ihn der Staatsminiſter von Lutz, der A. s Gedichte kennen gelernt hatte, als Funktionär in die Geh. Kanzlei des Kultusminiſteriums, und jetzt iſt A. als Sekretär des königl. Maximi -Avélianeums in München angeſtellt.
Herzensklänge (Ge. ), 1867. – Da Büchſ’nfranzl (Charakterbild aus den bayeriſchen Bergen), 1878. – Eichen - zweig u. Daxboſch’n (Dialektdichtun - gen), 1883. – Es feit ſi’ nix! (Dialekt - dichtgn. ), 1884. Neue Ausg. 1898. – Mir ſan g’ſtellt! (Ge. in oberbayer. Mundart), 1893. 2. Ausg. 1899. – Einig und frei (Hochdeutſche Ge. ), 1895. – A ſo ſan mir! (Neue ober - bayr. Ge. ), 1898.
wurde am 23. (n. a. am 24.) Mai 1809 zu Lübeck als der Sohn eines Muſiklehrers geboren u. erhielt ſeinen erſten Unterricht auf dem Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt. Jm Jahre 1830 bezog er die Univer - ſität Jena, wo er ſich dem Studium der Rechte widmete u. ſich durch Ein - wirkung des Profeſſors Martin be - ſonders dem Kriminalrecht zuwandte. Daneben pflegte er aus Neigung Mu - ſik und Malerei, wodurch er vielfach in Verkehr mit den ausgezeichnetſten Männern und Frauen aus der klaſſi - ſchen Zeit in Weimar und Jena kam. Namentlich übte Schillers Schwäge - rin, Karoline von Wolzogen, großen Einfluß auf ſeine individuelle Aus - bildung aus. Nachdem er im Som - mer 1834 zum Doktor der Rechte pro - moviert worden, kehrte er in ſeine Vaterſtadt zurück u. ließ ſich dort als Advokat nieder, wurde auch 1843 zum Obergerichtsprokurator daſelbſt er - nannt. Die Herausgabe einer Poli - zeiordnung für den Freiſtaat Lübeck hatte 1851 ſeine Berufung an das neu eingeſetzte Polizeiamt zur Folge, an welchem er bis zu ſeiner Amtsent - hebung im Jahre 1868 mit Erfolg gewirkt hat. Jm Jahre 1880 er - nannte ihn der Großherzog von Sachſen zum Hofrat. A. lebte nach ſeiner Penſionierung erſt in der Um - gegend von Lübeck, ſeit 1882 in Ber - lin u. † am 20. Juli 1892 in Marien - felde bei Berlin.
Das deutſche*95AvéGaunertum; IV, 1858 – 62. – Die Me - chulle-Leut’ (R.), 1867. – Der Erb - und Gerichtsherr (R.); III, 1870. – Herz und Geld (R.); III, 1871. – Ge - ſammelte Novellen; III, 1875 (Jn - halt: Unter Polizeiaufſicht. – Villa Sorgenfrei. – Meyer. – Seelenwan - derung). – Jda (R.); III, 1879. – Die Merſener Bockreiter des 18. und 19. Jahrh., 1880. – Das Diebeszeichen (Krim. -R. ), 1905.
Bruder des vorigen, wurde am 25. Juli 1812 zu Lübeck geboren u. widmete ſich nach vollen - detem Gymnaſialkurſus von 1833 – 37 in Berlin, Heidelberg u. Paris medi - ziniſchen Studien. Nachdem er 1837 in Kiel die mediziniſche Doktorwürde erlangt hatte, ging er kurz darauf nach Rio de Janeiro, wo er ſich als Arzt niederließ. Als Arzt an der Fremdenſtation der Miſericordia und dem Jrrenhaus Pedros II, ſowie als Direktor des Gelbfieberhoſpitals er - warb er ſich bleibende Verdienſte. Ob - gleich ſpäter zum Mitgliede des ober - ſten Geſundheitsrates für Braſilien ernannt, kehrte er doch 1855 nach Deutſchland zurück. Auf A. von Hum - boldts warme Empfehlung wurde A. 1867 Mitglied der öſterreichiſchen Novara-Expedition, von der er ſich jedoch in Rio de Janeiro wieder trennte. Hier wirkte er zunächſt als Arzt am Fremdenhoſpital, beſchloß aber bald, da er hinlänglich akklima - tiſiert u. der portugieſiſchen Sprache völlig mächtig war, eine wiſſenſchaft - liche Forſchungsreiſe nach dem Jn - nern von Braſilien anzutreten, und führte dieſelbe auch mit Unterſtützung des Königs Don Pedro und der Be - hörden in den Jahren 1858 – 59 durch. Dann kehrte er nach Deutſchland zu - rück und ließ ſich in Lübeck als Arzt nieder. Von hier aus beteiligte er ſich 1869 an der Einweihung des Suez - kanals. Er † in Lübeck am 13. Oktbr. 1884.
Reiſe durch Südbraſilien;AveII, 1859. – Reiſe durch Nordbraſilien; II, 1860. – Anſon (Ep. G.), 1869. – Fata Morgana (Reiſeeindrücke aus Jtalien u. Ägypten); II, 1872. 2. A. 1875. – Carranza, Erzbiſchof v. To - ledo (Dr.), 1872. – Wanderungen durch Paris in alter und neuer Zeit, 1877. – Wanderungen durch die Pflanzenwelt der Tropen, 1880. – Hans Staden von Homburg bei den braſilianiſchen Wilden (Lebensbild), 1881.
* am 20. Dezbr. 1856 zu Berlin, beſuchte dort und in Dresden, wohin ſeine Familie 1871 übergeſiedelt war, die Schulen, bis ihn Kränklichkeit zwang, den Gymnaſialunterricht mit auto - didaktiſcher Weiterbildung zu ver - tauſchen. Beſonders durch längeren Aufenthalt an der Nordſee gekräftigt, ſtudierte er ſeit 1877 in Leipzig, ſeit 1878 in Zürich anfangs Naturwiſ - ſenſchaften, ſpäter Philoſophie, Lite - ratur u. Kunſtwiſſenſchaft, während er die Ferien zu ausgedehnten Wan - derungen durch die Alpenländer und Norditalien benutzte. Die Jahre 1881 bis 1882 lebte A. beſonders in Rom, Neapel u. Sizilien, worauf er ſeinen Wohnſitz wieder in Dresden nahm. Hier gibt er ſeit dem Herbſt 1887 heraus „ Der Kunſtwart. Rundſchau über alle Gebiete des Schönen “, und daneben ſeit 1902 die „ Kunſtwart - Unternehmungen “und ſeit 1903 den „ Literariſchen Ratgeber “.
Wan - dern und Werden (Ge. ), 1881. 2. A. 1897. – Deutſche Lyrik der Gegen - wart ſeit 1850 (Anthologie), 1882. 2. A. 1884. – Vom Lande der Sonne (Plaudereien in Vers und Proſa), 1885. – Neue Gedichte, 1885. – Die Kinder von Wohldorf (G.), 1887. 2. A. 1897. – Lebe! (Eine D.), 1893. 5. A. 1904. – Stimmen und Bilder (Neue Ge. ), 1897. 3. A. 1904. – Haus - buch deutſcher Lyrik (Anthol., hrsg. v. Kunſtwart), 1902. 8. A. 1907. – Balladenbuch (geſammelt), 1907.
*96AvePſeudon. für Chriſtine von Düring; ſ. d.!
Pſeudon. für Julia Jlling; ſ. d.!
geb. am 27. Juni 1857 in Temesvâr (Un - garn) als die Tochter eines k. k. Mi - litär-Oberintendanten, verlebte ihre Kinder -, Studien - und Jugendzeit in Wien u. machte dort auch 1874 ihren erſten ſchriftſtelleriſchen Verſuch. Sie widmete ſich zuerſt der Muſik und ſtudierte emſig bei der berühmten Geſanglehrerin Mathilde Caſtrone - Marcheſi, einer Schülerin Garcias, dann nahm ſie zwei Jahre lang Un - terricht bei dem Profeſſor und Vor - tragsmeiſter Alexander Strakoſch u. bildete ſich zur Schauſpielerin aus. Als ſie aber nach vierjährigem Stu - dium die Bühne betreten wollte, machte ihr der Gott der Liebe einen Strich durch die Rechnung. Sie ver - mählte ſich 1878 mit dem Sekretär im ungar. Miniſterium für Kultus und Unterricht Dr. Ludwig Axaméthy, jetzigen Miniſterialrat, und lebt ſeit - dem in Budapeſt. Außer mehreren Erzählungen in Zeitſchriften veröf - fentlichte ſie
Dornröschen (R.), 1903. – Jm Walde (Nn.: Kuckuck. – Cyklame. – Abendrot), 1904. – Pſyche (R.), 1905. – Aus tiefſter Bruſt (Ge. ), 1907. – Die Ahnfrau (R.), 1908.
wurde am 14. Mai 1810 zu Lüchow im Han - növerſchen als der Sohn eines Arz - tes geboren, der noch in demſelben Jahre ſeinen Wohnſitz nach Harburg verlegte. Hier erhielt der Sohn durch Privatunterricht ſeine Vorbildung für das Unterrichtsinſtitut eines be - nachbarten Geiſtlichen, das er von 1824 – 27 beſuchte, um dann ſofort zur Univerſität Göttingen überzutreten, an der er in erſter Linie die Rechte ſtudierte. Jm Jahre 1831 wurde A. als Amtsauditor beim damaligen Amte in Harburg angeſtellt u. 1834 Amtsaſſeſſor daſelbſt. Bei der 1852Baaerfolgenden Trennung der Rechts - pflege von der Verwaltung ging er als Obergerichtsrat an das neuge - bildete Obergericht zu Verden, von wo er 1859 als Oberappellationsge - richtsrat nach Celle kam. Bei der deutſchen Gerichtsorganiſation im Jahre 1879 ließ er ſich zur Dispoſi - tion ſtellen und trat 1882 in den ge - ſetzlichen Penſionsſtand. Er ſtarb in Celle im Dezbr. 1892. – Außer eini - gen politiſchen Broſchüren, von denen „ Die Braunſchweiger Frage “(1885) ihm eine Anklage u. Verurteilung in eine Geldbuße zuzog, veröffentlichte er
Der letzte Hohenſtaufe (Tr.), 1850. 2. A. 1888. – Hannovers Fall (Dr.), 1887. – Gedichte, 1889. – Karl der Kühne (Tr.), 1890.
pſeud. H. Sa - les, wurde am 15. März 1806 zu Wertheim geboren, wo ihr Vater als Juſtizrat in fürſtlich Löwenſtein - Wertheimſchen Dienſten ſtand. Sie verlebte im elterlichen Hauſe eine glückliche Jugendzeit u. verheiratete ſich bereits 1823 mit einem in ihrer Vaterſtadt beſchäftigten Beamten, Bernhard Baader, der nun als Kreis - rat zur Kreisregierung des Seekrei - ſes nach Konſtanz kam. Jm Jahre 1832 folgte ſie ihrem Gatten nach Karlsruhe, wohin derſelbe als Fi - nanzrat bei der Steuerdirektion ver - ſetzt worden war. Hier begann ſie ihre ſchriftſtelleriſche Tätigkeit, zu - nächſt auf dem Gebiet der Sprachen - kunde u. deutſchen Volksſagen; auch war ſie ſeit 1845 eine treue und flei - ßige Mitarbeiterin an der in Frei - burg erſcheinenden „ Süddeutſchen Zeitung “. Mit großem Jntereſſe widmete ſie ſich auch humanitären Beſtrebungen zur Unterſtützung ar - mer und alter Kranker; ſie gründete zu dieſem Zwecke 1851 den St. Vin - centius-Frauenverein, dem ſie bis zu ihrem Tode vorſtand, u. erwirkte es, daß der Verein im Jahre 1864 ein*97Baaeigenes Vereinshaus, das St. Vin - centius-Haus, errichten konnte. Am 6. Januar 1859 hatte ſie ihren Gat - ten durch den Tod verloren; ſie über - lebte ihn 18 Jahre und ſtarb am 15. Oktbr. 1877.
Wintergarten (En. a. Familie u. Leben), 1865.
geb. am 26. Novbr. 1864, lebt als Paſtor in Vegeſack bei Bremen. Außer einigen theologiſchen Schriften veröffentlichte er:
Ein Oſterſpiel, 1901. – Der Sieg des Glaubens (Ein Pfingſt - und Refor - mationsfeſtſp. ), 1903. – Dichtungen, 1905. – Aus tiefſtem Elend (Eine Szene a. d. Leben), 4. A. 1906. – Jeſus (Dr.), 1906.
geb. am 23. März 1877 in Straßburg i. Elſaß als der Sohn eines aus Baden ſtammenden Schloſſers und ſpäteren Waffenmei - ſters, verlor ſeine Mutter bald nach der Geburt u. wurde nun von ſeiner Großmutter in dem kleinen Dörfchen Willſtädt in Baden bis zum 5. Jahre erzogen. Dann kam er wieder in das Vaterhaus nach Straßburg zurück, beſuchte hier bis zum 14. Jahre die Volksſchule und wurde dann Kauf - mann. Gegenwärtig hat er eine lei - tende Stellung beim „ Verein Kredit - reform “in Straßburg inne.
Ge - dichte, 1901.
geb. am 11. Dezbr. 1880 in Berlin, lebt daſelbſt.
Richard Dehmel (Literar. Studie), 1902. – Freiſprüche (Angeliſche Verſe), 1903. – Ludwig Anzengruber (Literar. Studie), 1904. – Der andere (Trag. Komödie), 1906. – Das Blut (Dr.), 1908. – Lyriſche Porträte, 1912.
Pſeud. für Fritz Frenzel; ſ. d.!
bekannt unter ihrem Mädchennamen L. von Han - ſtein, wurde am 25. Juli 1835 in Berlin als die Tochter eines dichte - riſch und muſikaliſch reich beanlagten Pfarrers, Ludwig von Hanſtein, ge - boren. Das von ihm ererbte poe -Baetiſche Talent der Tochter ſuchte ſich ſchon frühe Geltung zu verſchaffen u. als Schülerin einer höheren Töch - terſchule mußte ſie zu allen feſtlichen Anläſſen die erforderlichen Gedichte liefern. Jm Jahre 1854 legte ſie ihre Prüfung als Lehrerin ab, unterrich - tete dann einige Jahre an einer Ber - liner höheren Töchterſchule und ver - mählte ſich 1861 mit dem damaligen Schulvorſteher, ſpäteren Rektor und Bibliothekar des ſtädtiſchen Schul - muſeums, Alexander Baeblich da - ſelbſt. Obwohl fortgeſetzt literariſch und poetiſch tätig, trat ſie doch erſt ſpät mit einigen ihrer Erzeugniſſe an die Öffentlichkeit. Seit der Penſio - nierung ihres Gatten lebt ſie in Groß - Lichterfelde.
Heitere Geſchichten für heitere Leute, 1886. – Unter hei - terer Flagge (Hum. ), 1887.
pſeud. Ja - mes Wood und Dr. H. Liebach, wurde am 20. Mai 1832 in Vorpom - mern geboren, beſuchte die Gymna - ſien in Stettin u. Anklam u. ſtudierte darauf an der Univerſität Berlin Mathematik u. Naturwiſſenſchaften. Über letztere hielt er ſpäter an der neubegründeten Humboldt-Akademie Vorleſungen; beſonders bekannt wur - de er durch ſeine populären Vorträge über Experimentalphyſik und durch ſeine populär-wiſſenſchaftl. Schrif - ten, von denen namentlich zu erwäh - nen iſt „ Die Archive der Vorwelt “(1880). Auch iſt er, was nicht uner - wähnt bleiben darf, der Mitbe - gründer des „ Berliner Adreßbuches “. Daneben verſuchte er ſich als Ro - manſchriftſteller unter verſchiedenen Verhüllungen. Zu Anfang der acht - ziger Jahre wanderte er nach Ame - rika aus, und ſeitdem fehlen wei - tere Nachrichten über ihn.
Der Dämon der Familie (R.); II, 1862. – John Wilkie Booth, oder: Das Opfer der Rebellion (Hiſt. R.), 1866. – Der Spion im preußiſchen Hauptquartier (Hiſt. R.), 1867. – Drei Jahre auf* 798Bacdem Kaiſerthron, oder: Maximilian u. Juarez (Hiſt. R.), 1868.
wurde am 10. Oktbr. 1834 zu Aachen geboren, wo ſein Vater Landgerichts - ſekretär war, wandte ſich nach vollen - deten Studien der Journaliſtik zu, ging 1856 nach Stuttgart, wo er Mit - arbeiter an den „ Hausblättern “und „ Über Land u. Meer “war und 1862 nach Wien, wo er Mitredakteur der „ Deutſchen Zeitung “wurde. Jm Jahre 1866 weilte er als Kriegskorre - ſpondent im öſterreichiſchen Lager im Venezianiſchen; 1867 erlebte er in Rom die letzte Zeit der päpſtlichen Herrſchaft, u. 1870 war er im deut - ſchen Lager Berichterſtatter über den Fortgang des Krieges für öſterreich. u. deutſche Blätter, harrte auch wäh - rend der ganzen Herrſchaft der Kom - mune in Paris aus. Als Politiker vertritt er ein entſchiedenes Zuſam - mengehen Öſterreichs und Deutſch - lands. Seine zahlreichen Novellen ſind bisher nur in Zeitungen erſchie - nen. B. lebt noch jetzt in Wien als Mitarbeiter der größten deutſchen Blätter u. führt ſeit 1889 die Redak - tion der „ Eleganten Welt “.
Die neuen Schreckenstage in Paris, 1872.
wurde 1817 zu Königgrätz in Böhmen als der Sohn eines geachteten k. k. Baubeamten ge - boren, ſiedelte 1824 mit ſeinen Eltern nach Prag über und erhielt hier ſeine erſte Schulbildung. Frühzeitig ent - wickelte ſich in ihm der Trieb zu dich - ten, den der ausgezeichnete Gelehrte J. Jungmann nährte u. die Lektüre deutſcher Klaſſiker förderte. Die Vor - liebe für die Naturwiſſenſchaften be - ſtimmte die Wahl der Medizin zum Brotſtudium; doch blieb B. während dieſer Zeit der Muſe treu, und die freundſchaftliche Verbindung mit Al - fred Meißner, Moritz Hartmann, Sigfried Kapper und anderen wirkte anregend auf Bachs poetiſche Geſtal - tungsgabe. Jm Jahre 1842 wurdeBachB. Doktor der Chirurgie u. Magiſter der Geburtshilfe und wirkte nun als praktiſcher Arzt in Prag u. der Um - gegend. Als im Frühjahr 1847 im Banater Bergdiſtrikte eine heftige Typhusepidemie ausbrach, ging er nach Oravicza im Banate, wo er mehrere Jahre mit Glück praktizierte, wurde 1851 Montanarzt in Steyer - dorf, kam 1855 in gleicher Eigenſchaft nach Reſchitza, wo er nach dem Ver - kaufe der Banater Bergwerke an die k. k. priv. öſterr. Staatseiſenbahn - geſellſchaft als Montanarzt in die Dienſte derſelben übertrat. Er † zu Werſchetz im Banate am 5. Septbr. 1865 infolge eines Schlaganfalles.
Senſitiven (Ge. ), 1839. 2. A. als: Gedichte, 1847. – Gedichte; hrsg. von Julius Reinwarth, 1900.
geb. am 30. Juni 1873 in Büdingen, lebt (1894) als Lehrer in Albertshofen (Oberheſſen).
Euterpe (Ein Gedichtbuch), 1892.
Pſeudon. für Jenny Fiſcher; ſ. d.!
wurde am 6. Juli 1836 zu Hirſchberg in Schleſien als die Tochter eines Fabrikbeſitzers geboren, ſiedelte aber in den früheſten Kinderjahren mit ihren Eltern nach Berlin über und erhielt hier ihre Er - ziehung u. Ausbildung. Jhre Mäd - chenjahre verfloſſen ihr in glücklichſter Unbefangenheit, unter mancherlei Studien, doch aber auch Vergnügun - gen, im Kreiſe der zärtlich geliebten Verwandten, inmitten des lebhaf - teſten u. anregendſten Verkehrs. Der Tod des Vaters machte den glücklichen Verhältniſſen teilweiſe ein Ende, und O. B. widmete ſich nun, gleichzeitig beſeelt von dem Wunſche, ihre Men - ſchenkenntnis zu erweitern, fremde Länder und Sitten kennen zu lernen, dem Berufe einer Lehrerin und Er - zieherin, wirkte als ſolche in Ungarn, in der Nähe von Berlin, in Prag u. kehrte dann nach Berlin zurück, wo ſie ſeitdem eine große Rührigkeit als*99BachSchriftſtellerin und als zweite Vor - ſitzende des „ Bundes deutſcher Schrift - ſtellerinnen “entwickelte. Sie ſtarb nach längerem, ſchweren Leiden am 27. Mai 1905 im katholiſchen Kran - kenhauſe in Berlin.
Nationale Gegenſätze (R.), 1875. – Zerriſſene Fäden (R.), 1881. – Des Vaters Schuld (R.), 1881. – Elfriede (R.), 1881. – Jm Hauſe des Senators (R.); II, 1898. – Schwere Tage (N.), 1900.
Pſeud. für Rudolf Baumbach; ſ. d.!
Pſeud. für Au - guſt Lauterbach; ſ. d.!
wurde am 26. Juni 1836 zu Bern als die Tochter d. dortigen Univerſitäts - profeſſors Ernſt Frdr. Gelpke (ſ. d.) geb. Schon ſehr frühe zeigte ſie An - lage u. Liebe zur Dichtkunſt, doch die Proſa des Lebens unterdrückte gar bald dieſe Vorliebe. Jm Jn - u. Aus - lande als Erzieherin und Lehrerin, beſonders für Sprachen und Muſik, tätig, verheiratete ſie ſich 1860, ohne indes dem Lehrfache ganz untreu zu werden. Nach dem Tode ihres Man - nes (1871) kehrte ſie aus dem preußi - ſchen Heſſen, wo ſie ihren Wohnſitz hatte, nach der Schweiz zurück und gründete hier eine ſelbſtändige Schule. Nach Verſorgung ihrer Kinder über - nahm ſie eine Stelle als Überſetzerin für eine amerikaniſche religiöſe Zeit - ſchrift u. benutzt ſeit 1883 ihre Muße - ſtunden zu ſchriftſtelleriſchen Arbeiten,[d]ie indes faſt ſämtlich in Zeitſchriften[z]um Abdruck kamen. Sie lebte bis[1]886 in Baſel, ſeitdem in Bern.
Julie Bondeli und Wieland (Dr.), 1884. 2. A. u. d. T.: Wieland und Julie (Dr.), 1894. – Arſent (Dr.), 1894. – Novellen aus Künſtlerkreiſen[u]nd harmloſe Erzählungen a. d. Bun -[d]esſtadt, 1894. – Lady Kyme (Dr.),[1]895. – Vorurteil, oder: Fortunas[H]ilfe (Lſp. n. einer N. v. E. Köppel),[1]900.
urſprünglichBachBachitſch geheißen, wurde am 7. Juli 1879 in Pola geboren u. wuchs hier unter der liebevollen Pflege ſei - ner Mutter heran, da der Vater früh verſtarb. Zwei Jahre nach deſſen Tode verheiratete ſich die Mutter mit dem Sparkaſſenbeamten Franz Ba - cher, der dann ſpäter ihren Sohn adoptierte, ſo daß dieſer fortan den Namen B. führte. Nachdem er in Tulln a. d. Donau, wo der zweite Vater anſäſſig war, die Volks - und Bürgerſchule beſucht hatte, beſtimmte man ihn für das Lehrfach, worauf er in das Landeslehrerſeminar zu St. Pölten eintrat. Aber ſchon nach einem Jahre ſattelte er um u. widmete ſich der kommerziellen Laufbahn. Nach Abſolvierung einer Wiener Handels - ſchule trat er als Praktikant in ein Bankhaus in Wien ein und verblieb in demſelben zehn Jahre. Dann ging die Firma infolge ſchlechter Geſchäfte ein, u. B. verlor dadurch ſeine Stel - lung. Nun wandte er ſich der bis da - hin nur in ſeinen Mußeſtunden be - triebenen Schriftſtellerei zu, die er noch heute in Wien mit regem Eifer pflegt.
Frühlingsſtürme (Ge. ), 1904. – Sammlungen (Ge. ), 1905. – Die Geſchichte ſeines Lebens (E.), 1905. – Aus dem Tagebuche zweier Frauen (Sk.), 1905. – Feldblumen (Ge. ), 1906. – Die letzte Schrift (Rück - blick in das Leben eines Vergeſſenen), 1906. – Abgebüßt. Der Spekulant (2 Einakter), 1906. – Verbotene Liebe (Dr. a. d. bürgerl. Leben), 1907. – Ferdinand von Saar (Literar. Eſſay), 1907. – Beſtimmung (En. und Nn.), 1908. – Zehn kleine Geſchichten f. die Jugend, 1908.
wurde am 8. Auguſt 1810 zu Ragnit in Oſtpreußen geboren und ſtudierte in Königsberg Medizin, worauf er ſich 1837 in Pobe - then als praktiſcher Arzt niederließ. Jm Jahre 1845 ſiedelte er nach Kö - nigsberg über und gab ſeine Praxis auf, um ſich lediglich mit literariſchen* 7*100BachArbeiten zu beſchäftigen. Er trat zuerſt als dramatiſcher Dichter auf, wandte ſich aber ſpäter vorzugsweiſe dem hiſtoriſchen Romane zu. Seit 1857 hatte er ſeinen Wohnſitz in Ber - lin, von wo aus er mehrere größere Reiſen nach der Schweiz und Frank - reich unternahm, u. ſeit 1886 lebte er in Charlottenburg.
Lucie (Tr.), 1848. – Karls XII. erſte Liebe (Tr.), 1850. – Die Eroberung von Schweid - nitz (N.), 1853. – Die Brautſchau Friedrichs des Großen (Hiſtor. E.), 1857. Dasſelbe als Lſp., 1857. – Sophie Charlotte (Hiſtor. R.); III, 1857. – Friedrichs I. letzte Lebens - tage (Hiſt. R.); III, 1858. – Aus dem Leben, 1858. – Der Brand v. Köln (Hiſt. E.), 1858. – Geſammelte No - vellen; III, 1860. – Ein Urteilsſpruch Waſhingtons (R.); II, 1864. – Lady Seymour (Tr.), 1864. – Sybille von Kleve (R.); III, 1865. – Napoleons letzte Liebe (R.); VI, 1868. – Auf dem Wiener Kongreß (R.); IV, 1869. – Prinzeſſin Sidonie (R.); III, 1870.
geb. von Struve, pſeudon. Thereſe, wurde am 4. Juli 1804 in Stuttgart geboren, wo ihr Vater, Heinrich von Struve, damals ruſſiſcher Legations - ſekretär war. Dieſer kam 1814 als Geſandter nach Hamburg. Ein wiſ - ſenſchaftlich hochgebildeter Mann, ließ er ſeiner Tochter, einer Schönheit erſten Ranges, eine ſorgfältige Er - ziehung und Ausbildung zuteil wer - den. Jm Jahre 1825 vermählte ſie ſich mit dem ruſſiſchen Geſandtſchafts - ſekretär u. Generalkonſul v. B. und, als ſie von demſelben 1849 geſchieden worden, mit dem niederländiſchen Oberſten von Lützow, den ſie nach Java begleitete, wo ſie in Sorabaya ihren Wohnſitz hatte. Sie † auf einer Reiſe in Tjilatjap am 16. September 1852.
Briefe aus dem Süden, 1841. – Ein Tagebuch, 1842. – Fal - kenberg (R.), 1843. – Am Teetiſch (R.), 1844. – Lydia (R.), 1844. –BachWeltglück (R.), 1845. – Heinrich Bur - kart (R.), 1846. – Paris und die Al - penwelt, 1846. – Eine Reiſe nach Wien, 1848. – Alma (R.), 1848. – Novellen; II, 1849.
geb. am 27. Febr. 1813 zu Müllheim in Baden, beſuchte das Lyzeum zu Freiburg i. Br., ſtudierte in Freiburg und Mün - chen, machte dann wiſſenſchaftliche Reiſen durch Steiermark, die Schweiz u. das Elſaß, privatiſierte danach als Schriftſteller in Mannheim, Karls - ruhe, Stuttgart, ſeit 1838 in Frank - furt, 1839 in Dresden, 1840 in Braunſchweig, wo er die „ Morgen - zeitung “redigierte, und zuletzt in ſei - nem Geburtsorte, wo er am 4. April 1850 †.
Eliſabeth Cromwell (Tr.), 1836. – Die letzten Salier (R.), 1. Bd., 1837. – Salon deutſcher Zeitgenoſſen, 1. Tl., 1838. – Parzen u. Eumeniden (Nn.); II, 1838. – Bruchſtücke aus dem Erdenwallen eines Dämons, 1840. – Buch vermiſchter Bezüge, 1840.
* am 10. Juni 1808 zu Waldmünchen in Bayern, war Schulmeiſter im Dorfe Pfaffen - hofen am Starnberger See und be - ſchäftigte ſich in ſeinen Mußeſtunden mit der Dichtkunſt. So verfaßte er ein Trauerſpiel, „ Die Cherusker in Rom “, das die Veranlaſſung zu einer heftigen literariſchen Fehde wurde, indem B. behauptete, Friedrich Halm habe bei Abfaſſung ſeines „ Fechters von Ravenna “die Grundidee der „ Cherusker “benutzt. Jm Jahre 1857 legte B. ſeine Schulmeiſterſtelle nie - der, um ſich ganz der Dichtkunſt zu widmen, und trug zuerſt in München, dann in Nürnberg und Wien ſeine Geiſtesprodukte öffentlich vor, wozu außer den „ Cheruskern “noch die Dramen „ Caligulas Tod “und „ Die Wagenburg der Teutonen “gehörten, die aber nicht allenthalben die er - wartete Teilnahme von ſeiten des ge - bildeten Publikums fanden. Später etablierte B. in München einen Milch -*101Bachhandel, ging dann 1867 nach Nord - amerika, wo er zu Columbus im Staate Nebraska einer Schule vor - ſtand u. am 21. Aug. 1869 †.
Die Cherusker in Rom (Tr.), 1856. – Die letzten Stoßſeufzer nach der erſten Wanderung durch Deutſchland, nebſt früheren u. neueſten Gedichten, 1857.
geb. am 1. Februar 1865 in Thurland (Anhalt), ſtudierte Theologie und Philoſophie, ſpäter auch bei Hugo Riemann in Hamburg, Ludwig Thuille in Mün - chen und Dräſeke in Dresden Muſik und Kompoſition, erwarb ſich die Würde eines Dr. phil. und trat dann ins Pfarramt. Er iſt zurzeit (1908) Geiſtlicher der deutſch-evangeliſchen Gemeinde in San Remo.
Lucifer (Dr.), 1903. – Savonarola (Dr.), 1907.
geb. am 5. (17. n. St.) Febr. 1852 zu St. Peters - burg als der Sohn eines aus dem Kanton Thurgau eingewanderten Schweizers, kam in ſeinem fünften Jahre nach Moskau und erhielt hier 1862 – 68 ſeine erſte Erziehung in der St. Michaelis-Kirchenſchule. Einen großen Teil ſeiner Jugend verlebte er in dem nahen Sſobolew, wo ſein Vater Beamter in einer Fabrik war. Nachdem er 1870 – 76 als Hauslehrer in Moskau und auf Landgütern pri - vatiſiert hatte, erhielt er 1876 eine Kronsſtelle als Lehrer der neueren Sprachen (deutſch und franzöſiſch) in der Kreisſtadt Kolomna, abſolvierte 1877 ſein Examen als Gymnaſial - lehrer u. wurde 1879 als Lehrer an das III. Knabengymnaſium zu Mos - kau verſetzt, an dem er bis zu ſeinem Tode wirkte. Daneben war er ſeit 1885 als Examinator für deutſche Sprache und Literatur in der Prü - fungskommiſſion des Moskauer Lehr - bezirks und ſeit 1895 als Lektor der deutſchen Sprache an der Landwirt - ſchaftl. Forſtakademie zu Petromsko - Razumowskoje (nahe bei Moskau) Bachtätig. Jm Jahre 1890 erhielt er den Titel „ Staatsrat “. Er ſtarb am 29. Juni 1907.
Geſtalten und Töne (Ge. ), 1897.
geb. am 21. Dez. 1856 in Elbogen (Böhmen) als der Sohn des nachmaligen Schul - rats und Direktors der Lehrerinnen - bildungsanſtalt in Prag, Ferdinand B., beſuchte das deutſche Gymnaſium auf der Prager Kleinſeite u. ſtudierte an der Univerſität in Prag. Von 1876 – 81 wirkte er als Gymnaſialleh - rer, ging dann zur Journaliſtik über, redigierte 1881 – 88 die „ Pilſener Zei - tung “, 1888 – 90 die „ Deutſche Zei - tung “in Wien, 1890 – 92 die „ Mün - chener Allgemeine Zeitung “und trat dann in die Redaktion der „ Voſſiſchen Zeitung “in Berlin ein, deren Chef - redakteur er ſeit 1900 iſt.
Jm Heidenhof (Eine Geſchichte a. Süd - tirol), 1905.
geb. am 1. Febr. 1852 in dem böhmiſchen Dorfe Kulſam als Sohn des Oberlehrers der dortigen Volksſchule, beſuchte die Unterrealſchule in Eger, die Lehrer - bildungsanſtalten in Eger und Prag und erwarb ſich 1872 die Lehrbefähi - gung für Deutſch, Geſchichte u. Geo - graphie. Nach vierjähriger Wirkſam - keit an Volks - und Bürgerſchulen Böhmens wurde er Profeſſor am deutſchen Mädchenlyzeum in Prag, an dem er bis zu ſeinem Übertritt in den Ruheſtand (1902) wirkte. Dann nahm er ſeinen Wohnſitz in Leitmeritz a. d. Elbe. Außer verſchiedenen Auf - ſätzen in Zeitſchriften ſchrieb er
Egerländer Dorfbilder (Volkstüml. En. u. Schilderungen); II, 1909.
* am 28. Febr. 1819 zu Neu - ſiedl in Niederöſterreich, widmete ſich der Rechtswiſſenſchaft und erhielt in Wien die juridiſche Doktorwürde. Er arbeitete dann viele Jahre als Kon - zipient bei einem Advokaten in Wien u. bemühte ſich vergeblich, eine Ad -*102Bachvokaturs - oder Notarsſtelle zu er - langen, wozu er wohl befähigt war. Zwar wurden ihm „ Träume u. Hoff - nungen von Menſchen, die er für ſeine Freunde hielt, jahrelang gemacht u. genährt; allein ſtatt daß ſich auch nur die beſcheidenſten derſelben erfüllt hätten, wurde er in der Folge um ſein Vermögen, ſeine Ehre und ſeine Geſundheit gebracht. “ Seine Verbit - terung darüber wurde noch erhöht durch die Mißerfolge, die er als dra - matiſcher Dichter hatte, u. durch die reſultatloſe Polemik gegen den Thea - terdirektor Laube, u. in dieſem See - lenzuſtande faßte er den Entſchluß, ſein „ Leiden mit ſeinem Körper in den Wellen der Donau zu begraben “. Am 23. Auguſt 1864 verließ er ſeine Wohnung u. iſt ſeitdem verſchwunden geblieben.
Der Trank der Ver - geſſenheit (Dr.), 1851. – König Al - fonſo (Tr.), 1860.
* am 26. April 1811 zu Kleve, abſolvierte das Gymnaſium daſelbſt, ſtudierte von 1829 – 34 in Bonn u. Münſter Theologie u. Philo - ſophie, dann in Bonn bis 1836 Phi - lologie, wurde 1838 Lehrer am Gym - naſium in Emmerich, erhielt 1839 die Prieſterweihe, kam 1841 als Lehrer an das Progymnaſium zu Vreden, 1843 als Religionslehrer u. Gymna - ſiallehrer nach Coesfeld, wurde hier 1868 zum Oberlehrer befördert und trat 1879 in den Ruheſtand. Er ſtarb in Coesfeld am 26. März 1885.
Der Pietismus (Pſycholog. R.), 1836.
wurde am 3. Juli 1851 in Leipzig als Tochter des Juſtizrats Dr. Karl Magnus Pöſchmann geboren. Nach dem frühen Tode ihrer Mutter folgte der Vater einem Rufe als Rat an das Oberappellationsgericht in Dresden (1857), und hier erhielt die Tochter teils in einer guten höheren Töchter - ſchule, teils durch Privatunterricht ihre Ausbildung und im Kreiſe hoch -Bäckgebildeter Verwandten viel geiſtige Anregung für Kunſt und Literatur. Jhre poetiſchen Verſuche mußten frei - lich unter einer Ehrfurcht gebietenden, guten, aber ſtrengen Stiefmutter ge - heimgehalten werden. Auf einer Er - holungsreiſe, die Eliſabeth mit ihrem Vater in die Schweiz unternahm, lernte ſie ihren jetzigen Gatten, den Oberförſter Bächtold in Ragaz, ken - nen, mit dem ſie ſich 1878 vermählte. Sie fand an ihrem Gatten einen eif - rigen Förderer ihrer ſchriftſtelleri - ſchen Tätigkeit, ſchrieb namentlich Novellen für verſchiedene Blätter u. hatte die Freude, mehrere ihrer Ar - beiten mit Preiſen gekrönt zu ſehen. Die Führung eines mühſamen und weitläufigen Haushaltes u. die Sorge für die Erziehung der Kinder dräng - ten dann wohl jene Tätigkeit mehr zurück, doch findet ſie neuerdings wie - der Muße, derſelben mehr nachgehen zu können.
Jm Dienſte des Va - terlandes (Lſp. ), 1893. – Der Land - vogt u. die Fledermaus (Lſp. ), 1893. – Die Höllenmaſchine (Schw. ), 1894. – Feſtſpiel zur Einführung der Waſ - ſerverſorgung in Ragaz (in V.), 1899.
geb. am 10. Juli 1853 in Danzig, beſuchte die Volks - ſchule und erlernte dann vier Jahre lang das Handwerk eines Stein - metzen, dem er auch treu blieb, bis ihm die Rückſicht auf ſeine Geſundheit das Meißeln verbot. Er wurde nun Schriftſteller. Seit etwa zwanzig Jahren wohnte er, mit Ausnahme zweier Jahre, die er in Köthen ver - lebte, in Berlin u. redigierte hier ſeit 1895 die Zeitſchrift „ Für alle Welt “. Jn demſelben Jahre verheiratete er ſich mit der bekannten Schauſpielerin Antonie Lutz. Seit 1905 war er Re - dakteur der „ Zeit am Montag “. Er ſtarb nach langem, ſchweren Leiden am 23. Oktbr. 1907.
Auf Freiers - füßen (Humor. ), 1889. – Amor Steuer - mann (N.), 1891. – Dithyramben (Luſtige Trinklieder a. Hellas), 1899.
*103Backgeb. am 26. März 1826 in Peters - hagen in Weſtfalen als der Sohn eines Apothekers, beſuchte erſt die dortige Bürgerſchule u. erhielt dann den Unterricht durch einen akademiſch gebildeten Privatlehrer. Seinen Wunſch, ſich dem Univerſitätsſtudium widmen zu dürfen, mußte er zurück - drängen, da ihn der Wille ſeines Va - ters für den Handelsſtand beſtimmt hatte. Nachdem er ſich in einem Groß - handelshauſe für dieſen Beruf vor - bereitet, dann ſeiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger genügt u. das Offizierspatent erhalten hatte, ging er 1846 nach Bremen, gründete hier 1854 ein eigenes Handlungshaus u. gehörte auch zwölf Jahre lang der geſetzgebenden Körperſchaft a. Mit - glied an. Er war Mitbegründer und eine Zeitlang auch Redakteur der Zei - tung „ Norddeutſche Hanſa “und ver - öffentlichte verſchiedene politiſche, kunſtwiſſenſchaftliche und volkswirt - ſchaftliche Schriften, von denen zwei „ Der Liberalismus, Fürſt Bismarck und die Parteien “(1884) u. „ Schutt und Aufbau “(1886) bei dem „ Wett - ſtreit zur Verbeſſerung der Lage der Arbeiter “in Köln 1890 mit dem Di - plom der ſilbernen Medaille gekrönt wurden. Auch nahm er teil an der Gründung und Pflege verſchiedener gemeinnütziger Vereine, namentlich des Bremiſchen Künſtlervereins und des Bremiſchen Gewerbe - und Jn - duſtrievereins. Jn den letzten zehn Jahren ſeines Lebens folgte er nur ſeinen wiſſenſchaftlichen u. poetiſchen Neigungen. Er ſtarb am 27. Febr. 1896.
Zum Gedächtnis Schillers (Lyr. und allegor. Spiel), 1859. – Hausaltäre (Familienalbum), 1882. – Chriſtliche Weisheit aus der vor - chriſtlichen Zeit (Sprüche in Reimen), 1887. – Das Buch d. Sprüche, 1887. – Am Heilsbrunnen (N.), 1887. – Vom Baume der Erkenntnis (Gedanken u. Jdeen), 1887. – Samenkörner fürBacGeiſt und Herz, 1888. – Odinskinder (2 ep. Dn.), 1890. – Literariſche Eſ - ſays, 1895.
pſeudon. Theobald Bernoff, * am 9. Juli 1827 zu Eßlingen in Württemberg, beſuchte das dortige Progymnaſium, ſeit 1841 das Seminar zu Blaubeuren und ſeit 1845 das theolog. Stift in Tübingen, beteiligte ſich 1848 an der revolutionären Bewegung und ſchloß ſich in Straßburg dem Freiſcharen - zuge Herweghs an, wurde aber am 27. April 1848 bei Doſſenbach gefan - gen und büßte ſeine Begeiſterung mit mehrmonatiger Haft in Bruchſal und auf dem Hohenasperg. Ende Auguſt entlaſſen, wirkte er als Erzieher in Deidesheim und Krefeld, wurde erſt 1853 zum philologiſchen Examen zu - gelaſſen und bekleidete dann niedere Poſten im Schulfache zu Weinsberg, Ulm, Eßlingen. Von 1857 – 64 wirkte er als Präzeptor in Reutlingen, trat dann in die Redaktion der „ Allgemei - nen Zeitung “ein, war ſeit 1870 auch Mitarbeiter und 1871 – 72 Redakteur des „ Ausland “und ſiedelte 1872 nach Stuttgart über, wo er am 25. Febr. 1873 ſtarb.
Konradin (Tr., als Manuſkr. gedruckt), 1849. – Lieder - buch für die deutſche Jugend, 1856. – Deutſche Sonette, 1860. – Freidanks Beſcheidenheit, neudeutſch bearb., 1861. – Abhandlungen und Gedichte (hrsg. von J. Hartmann, J. Klaiber und Rud. Schmid), 1886.
Bru - der des vorigen, * am 10. Sept. 1828 zu Eßlingen in Württemberg, beſuchte von 1834 – 42 das dortige Progym - naſium und trat dann auf Wunſch ſeines Vaters, der ihn zum Studium d. Finanzwiſſenſchaft beſtimmt hatte, als Jnzipient bei dem Kameral - und Steueramt Eßlingen ein, bei welchem er vier Jahre, zuletzt als Gehilfe, tätig war. Während dieſer Zeit arbeitete er mit raſtloſem Fleiße an ſeiner Fortbildung, ſo daß er 1846 in Stutt -*104Bacgart ſeine Maturitätsprüfung be - ſtehen konnte. Er trat nun im Oktbr. 1846 als Poſtpraktikant in den Dienſt der Thurn u. Taxisſchen Poſtverwal - tung, arbeitete als ſolcher in Tutt - lingen u. Tübingen bis 1852 u. kam dann als Kanzleiaſſiſtent zur königl. württembergiſchen Poſtdirektion nach Stuttgart. Hier rückte er in der Folge zum Reviſor, Oberreviſor und Kanz - leirat bei der Generaldirektion der württemb. Poſten u. Telegraphen auf und trat 1894 mit dem Titel eines Rechnungsrates in den Ruheſtand.
Erlebtes und Erdachtes (4 En.), 1886.
geb. am 27. Januar 1841 zu Altona in Holſtein, widmete ſich dem Buchhandel und gründete, äußerer Anregung folgend, zuerſt eine Buchhandlung in Riga, welche im Dienſte des Deutſchtums und der evangeliſchen Kirche gegen die Vergewaltigungen der griechiſchen Kirche ſtand. Später war er Buch - händler in Eiſenach, wo er einen pä - dagogiſchen Verlag gründete u. groß - herzoglich ſächſiſcher Hofbuchhändler wurde, erwarb danach den „ Anhalter Kurier “, ein Blatt, das ſich unter ſei - ner Redaktion eines ſtetig wachſenden Leſerkreiſes erfreute, ſiedelte in der Folge nach Erfurt über und lebte ſeit 1896 in Wiesbaden, wo er den Ver - lag ſeines älteſten Sohnes Hans B. leitete, der außer ſeiner Verlagsbuch - handlung ein Kunſtatelier beſaß. Später ſiedelte er nach Zürich über, wo er 1903 die Firma „ Bacmeiſters Familienverlag “gründete, die er ſei - ner Tochter Helene zur Leitung über - ließ, während er ſelbſt ſich hinfort als volkswirtſchaftlicher Schriftſteller u. als Herausgeber der Schriften ſeiner verſtorbenen Gattin betätigte.
Sang und Sage vom Kochbrunnen, hrsg., 1896. – Warum? Menſch und Buchhändler (Lebensaufzeichnungen), 1898.
die ihre erſtenBacSchriften unter dem Pſeud. Lothar von Rüdesheim veröffentlichte und ſpäter, als ſie mit ihrem Manne gemeinſchaftlich arbeitete, unter dem Namen J. L. Bacmeiſter ſchrieb, wurde am 21. Oktbr. 1843 zu Biele - feld als die Tochter des Superinten - denten Müller geboren, bildete ſich zur Lehrerin aus, legte 1867 ihr Staatsexamen als Schulvorſteherin ab und verheiratete ſich 1868 mit dem Buchhändler Joh. B. (ſ. o.) in Riga. Seit 1870 lebte ſie an deſſen Seite in glücklichſter Ehe und ſchönſtem Fami - lienleben, in Eiſenach, Erfurt, Wies - baden und Zürich, wo ſie im Novbr. 1904 ſtarb.
Das Büchlein von der Lorelei. Der Liebe Leid in alter Zeit, 1897. – Wie der Nibelungen - ſchatz gehoben wird. Den Rheintöch - tern abgelauſcht, 1896. Neue Ausg. u. d. T.: Den Rheintöchtern abge - lauſcht, 12. T. 1904. – Der Frauen Leid und Freud (En.); II, 1901 – 02 (Jnhalt: I. Dem Tode geweiht. – II. Zwei Eide). – Der Deckenläufer (Eine luſtige Geſch. ), 1899. 5. u. 6. T. u. d. T.: Der Deckenläufer und noch vier fröhliche Geſchichten, 1903. – Am Al - penkai in Zürich (N.), 1899. – Wider Natur und Geſetz (Eine Frauentra - gödie), 1906. – Und doch! Ein ſelig Glück auf Erden (Ein Lebensdrama), 1906. – Bürgermeiſter Hans Wald - mann (E.), 1908.
Sohn der beiden vorigen, wurde am 12. Novbr. 1874 zu Bielefeld in Weſtfalen gebo - ren, beſuchte die Gymnaſien zu Bern - burg, Eiſenach und Erfurt und ſtu - dierte ſeit Oſtern 1893 in Leipzig neuere Sprachen, Philoſophie und Pſychologie. Nachdem er ſich Oſtern 1896 die Würde eines Dr. phil. er - worben, unternahm er im Sommer d. J. zur Erforſchung rumäniſcher Dialekte und zur Sammlung rumä - niſcher Volkslieder eine Studienreiſe nach Siebenbürgen und wandte ſich dann der Schriftſtellerei zu. Er lebt*105Badjetzt in Wangen am Bodenſee.
Die Rheintochter (Dramat. Halbmär - chen), 1897. – Der Graf von Gleichen (Tr.), 1897.
pſeudon. Alexander An - dreas, wurde in Riga als Sohn des deutſch-ruſſiſchen Kaufmanns Ernſt B. geboren und erhielt dort ſeine durchaus deutſche Erziehung. Nach Abſolvierung des deutſchen Gymna - ſiums daſelbſt ſtudierte er mehrere Jahre an der Univerſität St. Peters - burg und erhielt dann einen Ruf als Oberlehrer an das deutſche Gymna - ſium in Dorpat, wo er neben ſeinen ſchöngeiſtigen Neigungen auch höhe - ren Berufszielen nachging und eine Reihe pädagogiſcher Schriften und Schulbücher herausgab, die ſich ſehr bald in den Dienſt des praktiſchen Unterrichts ſtellten. Später kam er als Oberlehrer an das Gymnaſium in Witebsk, und hier iſt er 1902 ge - ſtorben.
Munkenbek (Rigaiſche E. a. d. 16. Jahrh. ), 1900. – St. Jürgen (Rig. E.), 1902. – Bauernhandel (desgl. ), 1902. – Feuer! (Erinnerg. a. d. ruſſ. Polizeileben), 1903.
pſeud. Eduard Sileſius, * 1800 zu Troppau in Schleſien, machte ſeine Studien in Wien und trat 1826 in den öſterreichiſchen Staatsdienſt; im Jahre 1840 wurde er Hofkonzipiſt, verließ dann aber den Dienſt und lebte längere Zeit privatiſierend in Dresden.
Hanswurſts Verban - nung (Dramat. Bagatelle), 1836. – Tag - und Nachtfalter (Nn.), 1837. – Der Kampf um Tirol (Dramat. G.); II., 1842 (Friedrich der Treue. – Os - wald von Wolkenſtein). – Alraunen (M.), 1839. – Gedichte; II, 1846. – Bühnenſpiele, 1847 (Jnhalt: Der Schatz. – Rafaels Jugendliebe. – Täu - ſchungen. – Schein beherrſcht das Volk). – Alpenbilder aus Tirol. – Reiſenebelbilder.
geb. am 19. Dezbr. Bad1843 in Anklam (Pommern), beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, ſtudierte in Greifswald und Bonn klaſſiſche Philologie, wurde im März 1869 zum Dr. phil. promoviert und legte im Juli 1870 ſeine Lehramts - prüfung ab. Jm Herbſt 1870 wurde er wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer am Gymnaſium in Kolberg, im Herbſt 1871 ordentl. Lehrer in Jever, 1877 in Eutin und 1887 wieder Oberlehrer und Profeſſor am Mariengymnaſium in Jever. Hier ſtarb er im Juli 1904.
Sechs Tragödien von Sophokles in deutſcher Nachbildung, 1896. – Liederbuch der „ Getreuen in Jever “, 1897. – Weiheſtunden der Kunſt (Dn.), 1903.
geb. am 16. Juli 1851 in Jakobsdorf bei Ja - kobshagen (Pommern) als der Sohn eines Lehrers, der bald darauf nach Roſtin bei Soldin in der Neumark kam, beſuchte von Oſtern 1864 bis zum Herbſt 1871 das Gymnaſium in Pyritz (Pommern) u. ſtudierte dann in Greifswald, wo er 1871 – 72 auch ſeiner Militärpflicht genügte, und in Leipzig klaſſiſche Philologie und Ger - maniſtik. Jm Jahre 1874 ging er als Hauslehrer zu einer franzöſiſchen Fa - milie u. verlebte mit dieſer die näch - ſten Jahre in Unteritalien, nament - lich in Neapel, wo er auch enge Freundſchaft mit M. G. Conrad ſchloß, der auf ſeine Lebensauffaſſung einen großen Einfluß ausübte. Auf zahlreichen Reiſen und Ausflügen lernte B. in dieſer Zeit Land u. Leute in Unteritalien und Sizilien gründ - lich kennen und machte ſich mit der italieniſchen u. franzöſiſchen Sprache völlig vertraut; auch beſchäftigte er ſich unter Leitung tüchtiger italieni - ſcher und holländiſcher Meiſter mit der Landſchaftsmalerei, die er auch jetzt noch in ſeiner Mußezeit mit Vor - liebe betreibt. Als die franzöſiſche Familie 1877 wieder nach Paris zu - rückging, brachte B. noch mehrere*106BaeMonate in Rom, Oberitalien, der Schweiz und Süddeutſchland zu, er - warb ſich dann in Tübingen die Würde eines Dr. phil. und ging darauf nach einem kurzen Aufenthalte bei Grau - denz nach Berlin, wo er noch neuere Sprachen ſtudierte. Jm April 1880 legte er dort die Staatsprüfung ab und kam am 1. Auguſt als Lehrer der neueren Sprachen an das Realgym - naſium in Stralſund, an welchem er noch jetzt — ſeit 1900 als Profeſſor — tätig iſt. Vielfache Reiſen haben ihn inzwiſchen durch einen großen Teil von Europa geführt.
Das ita - lieniſche Volk im Spiegel ſeiner Volks - lieder, 1879. 2. A. 1881. – „ Es war einmal “(Lyr. Ge. ), 1901.
geb. am 25. Novbr. 1876 in Jeßnitz in Anhalt, lebt (1904) als Lehrer in Quellendorf in Anhalt.
Der Schloßſoldat (Schſp. ), 1904. – Der Übermenſch (P.), 1905. – Aus der Jugendzeit (Ge. ), 1905. – Kollegen (Lſp. ), 1905. – Die Annonce (Lſp. ), 1906. – Jephthah (Tr.), 1906.
pſeud. Joſias Nordheim, wurde am 4. Februar 1814 in Koburg geboren, wo ſein Vater Ehregott Johann Elieſer B., von ſchwediſcher Abkunft, Rektor der lateiniſchen Ratsſchule war. Der letz - tere ſtarb bereits 1828. Künſtleriſch reich veranlagt, entwickelte ſich in dem Jüngling nach und nach ein hervor - ſtechendes Talent für Muſik und Ma - lerei, und er würde wahrſcheinlich in den Dienſt der letzteren getreten ſein, wenn er in den entſcheidenden Jahren geeignete Lehrer gefunden hätte. So entſchloß er ſich denn zum Studium der Theologie, doch ſchmückte auch die Kunſt ſein ganzes, in beſcheidenen Grenzen verlaufendes Leben ſtets in reichem Maße aus. Jn Jena machte er 1833 – 36 ſeine Studien, war dar - auf fünf Jahre als Privatlehrer tätig und erhielt dann die Stelle eines Quartus an der Ratsſchule ſeiner Vaterſtadt, die es ihm ermöglichte,Bahſich 1843 einen eigenen Hausſtand zu gründen. Sein erſtes Pfarramt trat er 1846 in Altershauſen bei Königs - berg in Franken an, das er trotz ſei - ner geringen Dotation doch erſt ver - ließ, nachdem er der armen Gemeinde ein neues Gotteshaus aus milden Gaben der Opferwilligkeit erbaut hatte. Jn Naſſach, wohin er 1851 verſetzt wurde, begann er ſeine ſchrift - ſtelleriſche Tätigkeit, die zunächſt po - lemiſcher Art u. durch das Auftreten des freiſinnigen Oberhofpredigers Schwarz in Gotha veranlaßt worden war. Wichtiger u. erfolgreicher war B. s Tätigkeit als Volksſchriftſteller, die in dem Beſtreben wurzelte, durch religiös geſunde Nahrung die zur Domäne des Pietismus und Metho - dismus gediehenen Traktate verdrän - gen zu helfen, mittels launiger Dar - ſtellung ernſten Gedanken im Volke Raum zu ſchaffen, von phantaſtiſchen Gebilden abzulenken und in die Poeſie des Alltagslebens einzuführen. Jm Jahre 1860 kam B. als Pfarrer nach Watzendorf und 1869 nach Weißen - brunn bei Schalkau, wo er noch we - nige, aber recht glückliche Jahre ver - lebte. Ein Gehirnſchlag rief ihn am 31. März 1873 plötzlich aus dem Leben ab.
Volksbücher; II, 1862. – Fallen und Auferſtehen (E.), 1865. – Knechtsgeſchichten nebſt einer Knechte - predigt, 1866. – Stadt - und Dorf - geſchichten, 1867. – Glück auf Um - wegen (E.), 1870. – Alte Liebe roſtet nicht (E.), 1871. – Die zwölf Beicht - kameraden (Volkserz. ), 1872. – Die Revolution in Filzheim (Volkserz. ), 1874. – Drei Eheſtandsgeſchichten, 1874. – Die Schneckenpoſt als Reiſe - gelegenheit zur Hochzeit (Volkserz. ), 1890.
Pſeud. für Wanda Schäffer; ſ. d.!
ein Sohn des durch ſeinen Kommentar zum Preußi - ſchen Grundbuchrecht bekannten Geh. Ober-Regierungsrats Wilhelm B.,*107Bahwurde am 19. April 1857 zu Neu - ſtadt in Oberſchleſien geboren, erhielt ſeine Schul - und Gymnaſialbildung in Kreuzburg, Neuſtadt, Telgie und Berlin u. ſtudierte darauf in Berlin und Göttingen Landwirtſchaft und Naturwiſſenſchaften. Jm Jahre 1881 unterzog er ſich in Göttingen der Staatsprüfung für Lehrer der Land - wirtſchaft an Landwirtſchaftſchulen u. erwarb ſich 1885 in Erlangen den philoſophiſchen Doktorgrad. Nach - dem er ſeit dem Herbſt 1882 als Probekandidat und wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer an der Landwirtſchaft - ſchule in Bitburg (Rheinprovinz) ge - wirkt, kam er im April 1884 als Aſſi - ſtent an die Königl. Bibliothek nach Berlin u. ſetzte hier in ſeinen Muße - ſtunden ſeine 1881 begonnenen Un - terſuchungen im tierphyſiologiſchen Laboratorium der Königl. Landwirt - ſchaftl. Hochſchule fort, deſſen weit - gehendſte Benutzung ihm Prof. Zuntz in dankenswerter Weiſe geſtattete. Er würde ſich gern auf dem einge - ſchlagenen Gebiet weiter betätigt ha - ben, wenn ihn nicht ſeine zu Anfang des Jahres 1886 erfolgte Überwei - ſung an die Königl. Pauliniſche Bi - bliothek zu Münſter i. W. zur Einſtel - lung aller experimentellen Arbeiten gezwungen hätte. Damit war aber auch die Wahl eines völlig neuen Ar - beitsfeldes geboten; Neigung u. Beruf legten B. die Beſchäftigung mit Litera - tur -, Kultur - u. Provinzialgeſchichte nahe, u. nach mehrjährigen, eingehen - den Studien erſchienen außer zahlrei - chen Abhandlungen in raſcher Folge: Die lateiniſchen Dramen von 1480 bis 1550 (1893) – Die Wiedertäufer zu Münſter (1894) – Deutſchlands katholiſche Katechismen (1894) – Die Jeſuitendramen der niederrheiniſchen Ordensprovinz (1896) – Die Erneue - rer des antiken Dramas (1896) – Bibliotheca Westfalica (1898) u. a. Jm Jahre 1894 wurde B. zum königl. Bibliothekar, Ende 1898 zum Pro -Bahfeſſor u. 1902 zum Oberbibliothekar ernannt.
Münſteriſche Lieder und Sprichwörter in plattd. Sprache, 1896. – Alt-Münſteriſche Bauern - praktik, 1896. – Weſtfäliſcher Sagen - kranz, 1897. – Weſtfäliſche „ Spöken - kieker “u. ihre Vorgeſchichten, 1897. – Münſterländiſche Märchen, Sagen, Lieder und Gebräuche, 1898. – Die Faſtnachtſpiele im Zoologiſchen Gar - ten zu Münſter, 1898. – Mönſterske Chronika ut oollen un nieen Tieden, 1898.
geboren am 23. Juli 1860 zu Erfurt, beſuchte das Realgymnaſium ſeiner Vaterſtadt, ſtudierte dann in Straßburg, Berlin und Marburg neuere Sprachen und Germaniſtik und erwarb ſich mit der Diſſertation „ Adam de la Hales Dra - men “im September 1884 die Würde eines Dr. phil. Nachdem er im Febr. 1885 ſeine wiſſenſchaftliche Staats - prüfung abgelegt hatte, abſolvierte er ſein Probejahr am Friedrichs - Realgymnaſium in Berlin und wurde Oſtern 1887 als ordentlicher bzw. Oberlehrer an der 6. Realſchule in Berlin angeſtellt. Seit 1904 Profeſ - ſor, erhielt er im Septbr. 1905 ſeine Berufung zum Direktor des Real - gymnaſiums in Stralſund.
Kotze - bue und Sheridan, 1888. – Die Zi - geuner (D.), 1892. – Schulfeſtſpiele aus der Geſchichte des Vaterlandes, 1893. – Verſchiedene Schulſchriften über engliſche u. franzöſiſche Sprache.
* am 7. Juni 1813 in Berlin, begann 1833 bei Direktor Julius Miller zu Deſſau ſeine Büh - nenlaufbahn, war dann für Lieb - haberrollen in Altenburg u. Koburg - Gotha engagiert, verließ indes ſchon 1838 die Bühne u. wandte ſich ſchrift - ſtelleriſcher Tätigkeit zu. 1848 war er Beſitzer der Bahnſchen Buchdrucke - rei in Berlin, lebte längere Zeit in Paris u. zuletzt durch viele Jahre in Wiesbaden, wo er am 7. März 1882 †.
Bühnenſpiele für das deutſche*108BahTheater, bearb. u. hrsg. ; IV, 1854 – 58 (Jnhalt: Buch III, Kapitel I. – Ein Mann wie viele. – Wenn einen der Schuh drückt. – Eine komiſche Ge - ſchichte. – Ein ſeltenes Weib. – Man ſucht einen Erzieher. – Ein Nachmit - tag im Lager. – Eine Partie Pikett. – Des Uhrmachers Hut. – Ein Rezept für Neuvermählte. – Ein Lehrſtünd - chen. – Die Kunſt geliebt zu werden. – Enttäuſchung. – Appel kontra Schwiegerſohn). – Wollenweber und Trieſel (P.), 1857. – Komiker u. Sou - brette (P.), 1858. – Mamſell Übermut (P.), 1860. – Ein kleiner Dämon (Lſp. nach dem Franz. ), 1866. – Sein Freund Babolin (Lſp. ), 1866.
geb. am 19. Juli 1863 in Linz an der Do - nau von rein deutſchen Eltern, be - ſuchte das Gymnaſium erſt in Linz, dann in Salzburg, wo beſonders der Schulrat Joſeph Steger die in dem Knaben ſchlummernden Kräfte zu wecken verſtand, und ſtudierte darauf an den Univerſitäten Wien, Graz u. Czernowitz die Rechte, nebenher auch Philologie u. Nationalökonomie. Er übte indeſſen die juriſtiſche Praxis nicht aus, ſondern wendete ſich der Literatur zu. Nachdem er 1887 – 88 ſeiner Militärpflicht genügt hatte, unternahm er größere Reiſen nach Paris, das er auch ſpäter noch des öfteren beſuchte, 1890 nach Spanien und Marokko, 1891 nach Rußland u. richtete überall ſein Augenmerk auf den Naturalismus, als deſſen ausge - ſprochenſter Vertreter er gegenwärtig gilt. Jm Jahre 1892 ließ er ſich dauernd in Wien nieder, wo er zuerſt als Redakteur der „ Deutſchen Zei - tung “tätig war und für dieſelbe be - ſonders das Referat über das Burg - theater lieferte. Am 1. Oktbr. 1894 gründete er mit Prof. Singer und Dr. Kanner in Wien die Wochenſchrift „ Die Zeit, “an der er bis zum Herbſt 1899 tätig war, und fungierte ſeit - dem als Kritiker am „ Neuen WienerBahTagblatt “und an der „ Öſterreich. Volkszeitung “. Jm Jahre 1906 ſie - delte er als Regiſſeur des „ Deutſchen Theaters “nach Berlin über.
Die neuen Menſchen (Schſp. ), 1887. – La marquesa d’Amaëgui (Dr. Plaude - rei), 1888. – Die große Sünde (Bür - gerl. Tr.), 1889. – Zur Kritik der Moderne (Geſ. Aufſätze), 1890. Neue Folge u. d. T.: Die Überwindung des Naturalismus, 1891. – Fin de ſiècle (N.), 1890. – Die gute Schule (R.), 1890. 2. A. 1897. – Die Mutter (Dr.), 1891. 3. A. 1891. – Ruſſiſche Reiſe (N.), 1891. – Die häusliche Frau (Lſp. ), 1893. – Dora (Nn.), 1893. – Neben der Liebe (Wiener Sitten), 1893. 2. A. 1900. – Studien zur Kritik der Moderne, 1894. – Aus der Vor - ſtadt (Volksſt., mit C. Karlweis), 1893. – Caph (N.), 1894. – Die Nixe (Volksſt. nach d. Ruſſiſchen des Spa - ſchinski), 1896. – Juana (Dr.), 1896. – Renaiſſance (Neue Studien zur Kritik der Moderne), 1897. – Theater (Wiener R.), 1897. 3. A. 1904. – Das Tſchaperl (Kom. ), 1897. – Joſephine (Dr.), 1898. – Der Star (Wiener Stück), 1898. – Wiener Theater (Ge - ſamm. Kritiken), 1899. – Die ſchöne Frau (N.), 1899. – Wenn es euch ge - fällt (Wiener Revue, mit C. Karl - weis), 1899. – Der Athlet (Schſp. ), 1900. – Wienerinnen (Lſp. ), 1900. – Der Franzl (Fünf Bilder eines guten Mannes), 1900. – Bildung (Geſamm. Aufſätze), 1900. – Der Apoſtel (Schſp.) 1901. – Der Krampus (Lſp. ), 1901. – Wirkung in die Ferne und anderes (Nn.), 1901. – Premieren (Geſamm. Eſſays), 1901. – Rezenſionen (Ge - ſamm. Aufſätze), 1903. – Dialog vom Tragiſchen, 1903. – Der Meiſter (Trag. ), 1904. – Unter ſich (Ein Arme - Leut’-Stück), 1904. – Die andere (Dr.), 1906. – Der arme Narr (Schſp. ), 1906. – Gloſſen. Zum Wiener Thea - ter 1903 – 1906 (Geſamm. Aufſätze), 1907. – Ringelſpiel (Dr.), 1907. – Grotesken, 1907 (Jnhalt: Der Klub*109Baeder Erlöſer. – Der Faun. – Die tiefe Natur). – Die gelbe Nachtigall, 1907. – Buch der Jugend, 1908. – Stimmen des Bluts (Nn.), 1909. – Die Rahl (R.), 1909.
geb. am 26. Sept. 1855 zu Thorn als der Sohn des Fabrikanten Reinhold B., beſuchte das Luiſenſtädtiſche Gymnaſium in Berlin u. das Gymnaſium zu Span - dau, trat 1876 in die preußiſche Ar - mee ein, wurde 1878 Offizier, mußte aber 1881 krankheitshalber den Ab - ſchied nehmen und lebt nun im Bade Oeynhauſen (Weſtfal. ) als unabhän - giger Schriftſteller ganz ſeinen dich - teriſchen und wiſſenſchaftlichen Arbei - ten. Das Vertrauen ſeiner Mitbürger übertrug ihm auch das Amt eines Stadtverordneten-Vorſtehers. Für ſein „ Neues Buch der Lieder “erhielt er 1887 den Preis der Augsburger Schiller-Stiftung.
Gedichte von P. B., 1881. – Erinnerungsblätter an Bad Oeynhauſen (Ge. ), 1883. 4. A. 1888. – Neues Buch der Lie - der, 1885. 7. A. 1902. – Rheiniſch - weſtfäliſch. Dichterbuch (Anthologie), 1888. – Max von Schenkendorf als patriotiſcher Dichter in ſeinen Lie - dern, 1888. – Vergleichung der Lyrik der Befreiungskriege mit der Lyrik des deutſch-franzöſiſchen Krieges von 1870 – 71; 1888.
wurde 1800 zu Einbeck als der Sohn des dortigen Konrektors geb., der 1801 als Pfarrer nach Groß-Lafferde verſetzt wurde, und hier verlebte der Sohn, der ver - wachſen u. kränklich war; d. größten Teil ſeines Lebens. Meiſt vom Vater vorgebildet, bezog er 1816 das Mar - tini-Gymnaſium in Braunſchweig u. 1819 die Univerſität Göttingen, um hier nach d. Wunſche des Vaters die Rechte zu ſtudieren. Ein Beinbruch trieb ihn 1820 wieder ins elterliche Haus zurück u. quälte ihn jahrelang; erſt 1823 konnte er wieder die Uni - verſität (Heidelberg) beziehen, wo er,Baiwie auch ſeit 1824 in Jena, neben der Jurisprudenz das Studium der Phi - loſophie betrieb. Jm Herbſt 1825 in die Heimat zurückgekehrt, gab er die Rechtswiſſenſchaft gänzlich auf und wandte ſich nun der Literatur zu. Um literariſche Verbindungen anzuknüp - fen, weilte er ein Jahr lang (1826 – 27) in Leipzig. Später kam er mit Karl Köchy in Verbindung, ſchrieb mit ihm das Trauerſpiel „ Rocheſter “und be - teiligte ſich ſeit 1834 an der von Köchy redigierten Mitternachts-Zei - tung. Nach dem Eingehen derſelben mit Not und Sorgen ringend, hoffte B. vergeblich, ſeine zahlreichen dra - matiſchen Arbeiten veröffentlichen zu können. Der Tod ſeiner Eltern brachte ihn in den Beſitz eines Vermögens u. ſicherte ihm eine ſorgenfreie Lage; doch ſtarb er bereits am 23. Februar 1840.
Roland u. Maria (Trſp. ), 1830. – Novellen; III, 1839.
pſeud. Fritz von Paiersbach, * am 13. April 1830 zu Reichenberg in Böhmen, er - lernte die Tuchmacherei, machte grö - ßere Reiſen durch ganz Europa und ließ ſich dann in ſeiner Vaterſtadt nieder, wo er Ende Februar 1881 †.
Jeſchkenblumen (Ge. in Reichen - berger Mundart), 1880.
geb. am 21. Januar 1839 zu Waldſaſſen in der bayeriſchen Oberpfalz, beendete die Gymnaſial - und juriſtiſchen Univer - ſitätsſtudien und übernahm dann ein Amt im ſubalternen Juſtizdienſt, das ihm indes ſo wenig zuſagte, daß er es 1860 aufgab, um nach Jtalien zu gehen und als Freiwilliger in die Armee des Königs Franz II. von Neapel einzutreten. Nach Auflöſung dieſer Armee ging B. nach Malta u. Nordafrika, bereiſte ſpäter Frank - reich, Dänemark, Öſterreich, Nord - und Südamerika und ſammelte auf allen dieſen Reiſen die Stoffe, die er ſpäter in ſeinen Jugendſchriften und belletriſtiſchen Werken verarbeitete. *110BaiAuch als Journaliſt war er vielfach tätig. Wandermüde ließ er ſich als Schriftſteller in Vilseck (Oberpfalz) nieder, ſiedelte 1874 nach der Schweiz über und weilte 16 Jahre in dieſem Lande, worauf er nach Aſchaffenburg a. M. verzog. Hier lebt er noch jetzt.
Von Feldkirch bis Gaëta (R.), 1891. – Oberpfälziſche Geſchichten, 1896. – Der Chevalier de Chamilly (R.), 1896. – Käthe u. Kathinka. Auf dem Kriegsfuße (En.), 1897. – Am Seil (E.). Sylvio Spreti (N.), 1898. – Der Bilwitzſchneider (E.), 1899. – Der Schmied von Pirk (E. a. d. Ober - pfalz), 1900. – Walter Carpenters Nachlaß [Die auſtraliſche Erbſchaft] (R.), 1901. – Hui und Pfui (Dorf - roman a. d. Oberpfalz), 1902. – Der Tſcheglöckel u. die Rentſchenratſchen (Volksrom. a. d. Oberpfalz), 1902. – Herrenwaldau (E.), 1904. – Monika (Dorf - und Sittenrom. a. d. Ober - pfalz), 1904. – Jul-Altar (E.), 1904. – Ohne Plan und Ziel (R.), 1906. – Jugendbücherei (En. f. d. Jugend), 4 Bdchn., 1906. – Der Spruchbauer (E. a. d. Oberpfalz), 1907. – Der Tropfen (desgl. ), 1908.
Tochter des vorigen, wurde am 22. Januar 1869 in dem kleinen oberpfälziſchen Städt - ſchen Vilseck geboren und kam ſchon im Alter von 5 Jahren mit ihren El - tern in die Schweiz. Erziehung und Unterricht waren darauf berechnet, ihr die Selbſtändigkeit im ſpäteren Leben zu ermöglichen und ſie für den Kampf ums Daſein zu wappnen. Kaum 19 Jahre alt, entriß ihr der Tod die heißgeliebte Mutter, und dieſer Verluſt brachte ihr eine neue Lebensaufgabe: die Pflichten u. Sor - gen einer Hausfrau, da ſie als die älteſte unter den Geſchwiſtern die Zü - gel des Hausregiments übernehmen mußte. Später regte ſich das von ihrem Vater ererbte Dichterblut auch bei ihr, und ſie begann ihre ſchrift - ſtelleriſche Tätigkeit mit verſchiedenenBaiJugenderzählungen, die im „ Neuen deutſchen Jugendfreund “zum Ab - druck gelangten. Sie lebt in Aſchaffen - burg.
Ein gutes Werk. Ein Schickſal (2 Nn.), 1903. – Die Ko - piſtin. Gänſeblümchen (2 En.), 1907.
wurde am 4. Mai 1840 zu Dresden als der Sohn eines Lithographen geb. u. von dem Vater, der ſpäter nach Stuttgart zog, be - ſtimmt, ſeinen Beruf zu erwählen. Nur ungern kam der Sohn, der in dieſem Handwerk kein Genüge für ſein Streben finden konnte, dem Wunſche nach; nach dem Tode ſeiner Eltern aber verließ er ſeinen Beruf u. ging zum Beſuch der Malerakade - mie nach München. Hier verbrachte er malend, muſizierend und dichtend mehrere Jahre; dann ging er nach Berlin u. vertauſchte den Pinſel mit der Feder. Als Kunſtkritiker u. Kunſt - ſchriftſteller wurde er bald bekannt, beſonders durch ſeine Arbeiten für die „ Tägliche Rundſchau “u. durch ſeine Monographie „ Chr. Reinhardt und ſeine Kreiſe “(1882), und 1885 wurde er zum Redakteur der Zeitſchrift „ Über Land und Meer “nach Stutt - gart berufen. Hier ſtarb er am 18. Oktober 1892.
Feſtſpiel zum Ju - biläum König Karls, 1889. – Lieder und Sinnſprüche (Aus dem Nachlaß), 1893.
pſeud. Fried - rich Traugott, geb. am 19. Jan. 1823 in Grünberg (Heſſen), war evangeliſcher Pfarrer in Ulfa (Heſ - ſen) und ſeit 1882 in Weſtheim in Mittelfranken (Bayern).
Des Handwerks goldener Boden (En.), 1869. 2. A. 1890. – Ringsburger Chronik (En.), 1891. – Menſchenwege und Gottes Führung (En.), 1892. – Minchen, eine deutſche Frau (E.), 1894. – Gold und Glimmer (En.), 1895. – Waldröschens Hochzeit (E.), 1898. – Mancherlei Leute aus Häuſern und Hütten (En.), 1900. – Was macht glücklich? Geld oder Liebe (En.), 1902.
*111BajPſeudon. für Johanna Baltz; ſ. d.!
geb. 1825 in Raab, ſtudierte Jura, beteiligte ſich dann an der ungariſchen Erhebung und war Adjutant Görgeis. Später ſtudierte er Medizin u. ließ ſich dann in Lemberg als Arzt nieder. Nach - mals in Peſt tätig, wurde er 1873 zum Profeſſor der Pathologie und ho - möopathiſchen Therapie an der dor - tigen Univerſität ernannt.
Lilien und Roſen (Ge. ), 2. A. 1854.
ſiehe Enckevort!
ſiehe Grete Würkert!
Pſeud. für Jgnaz von Ah; ſ. d.!
Pſeudon. für Hermann Heinrich; ſ. d.!
Pſeud. für Adolf Deſſauer; ſ. d.!
Gräfin von, ſiehe Eufemia von Adlers - feld!
pſeud. Hans Friedrich, geb. am 14. No - vember 1854 in Merlach, Dr. phil., lebt in Bern, Mattenheim.
Hans Waldmann, ſeine Freunde, ſeine Feinde und ſein Fall (D.), 1884.
pſeud. Joſ. Ba - jovar, geb. am 23. Dezbr. 1849 zu Arnsberg in Weſtfalen, erhielt in der Volks - und höheren Töchterſchule daſelbſt ihre Bildung und offenbarte ſchon frühzeitig bedeutende Anlagen zur Schriftſtellerei; gleichwohl legte ſie bei ihrer Beſcheidenheit auf ihre Erfolge wenig Wert. Erſt Ferdi - nand Hiller, der bekannte Komponiſt, machte ſie auf ihr hervorragendes Talent aufmerkſam. Durch ihn ver - anlaßt, ſchrieb ſie ein Opernlibretto, das mit dem erſten Preiſe ausgezeich - net ward. Die größten Triumphe feierte ſie auf dem Gebiete der patrio - tiſchen Dichtung, beſonders durch ihre vaterländiſchen Feſtſpiele, von denenBaleinige mehr als 100 Aufführungen erlebten. Gelegentlich der Darſtel - lung ihres Feſtſpiels „ Zollernfrauen “(1895) erhielt ſie von der Kaiſerin eine Ordensauszeichnung. Die Dich - terin lebt noch jetzt in ihrer Vater - ſtadt.
Jmmortellen a. d. Grab Rob. Schumanns, 1873. – Kaiſerblu - men, 1878. – Die ſchöne Elſe (Feſtſp. ), 1883. – Lichte Bilder aus dem Leben der Hohenzollern (Feſtſp. ), 1884. – Aus des Lebens Mai (Feſtſp. ), 1885. – Das echte Gold (Feſtſp. ), 1886. – Düſſeldorfer Muſikantengeſchichten, 1887. – Vom Kaiſerſohne (Kleine va - terl. Dichtgn. ), 1888. – Heil Zollern! (Patriot. Feſtſpiele), 1888. – Der Engel der Barmherzigkeit (Lebende Bilder), 1889. – Weihnachtsträume (M.), 1889. – Jm Jugendſonnen - ſchein, 1889. – Roſen am Zollern - ſtamm (Sk.); II, 1890 – 91. – Jm Pu - der und Reifrock (Rokoko-Geſchn. ), 1890. – Auf roter Erde (Feſtſp. ), 1890. – Unter der Turner-Eiche (Feſtſp. ), 1891. – Die heilige Eliſabeth (D. u. lebende Bilder), 1891. – Die Puppen - fee (M.), 1891. – Jm Schatten des Lorbeers (Muſik. Nn.), 1892. – Zum Weihnachtsfeſte (Muſik. En.), 1893. – Das Wappen der Pecci (Hiſt. E.), 1894. – Alt-Arnsberg (D.), 1893. – Am Rhein (D.), 1893. – Aus dem Munde der Kinder (Vaterländ. Dn. zum Schulgebrauch), 1887. – Jung Deutſchlands Huldigung! (desgl. ), 1889. – Vom Kaiſerſohne (desgl. ), 1888. – Aus Germaniens Helden - tagen, 1895. – Bellona und Viktoria (Feſtſp. ), 1895. – Alpenroſen und Gentianen (Epiſode a. d. Leben Lud - wigs II. von Bayern), 12. A. 1892. – Des Kaiſers Kronenſchmied (Bis - marckfeſtſp. ), 1895. – Die Heimat im Sagenkranz, 1895. – Das Chriſtkind (Weihnachtsſpiel), 1897. – Liſſas Chriſtfeſt (Komödie), 1897. – Jm deutſchen Märchenwalde, 1897. – Die Königin Luiſe (Vaterl. D. m. leb. Bil - dern), 1898. – Hohenzollern zur See*112Bal(desgl. ), 1898. – Die Königskrone (desgl. zur 200 jähr. Feier der Errich - tung der preuß. Monarchie), 1901. – Die Leoniden (Feſtdichtung z. Jubi - läum des Papſtes), 1903. – Die Brücke zum Ruhm (Hiſt. D.), 1903. – Sara - brucca (Preisgekr. D.), 1903. – Beet - hoven u. Schiller (G. zur Beethoven - feier im Schiller-Jubiläumsjahre), 1905. – Dreißig Jahr’ und mehr Hohenzollern zur Ehr’! 1877 – 1907 (Vaterl. Ge. ), 1907.
pſeud. Etlar Ling, * am 24. Oktbr. 1814 zu Hohenleine in der preußiſchen Provinz Sachſen, wo ſein Vater Pfar - rer war, erhielt ſeine Vorbildung ſeit 1828 in Schulpforta und bezog 1834 die Univerſität Leipzig, wo er bis 1836 Philologie und Philoſophie ſtu - dierte, u. dann die Univerſität Halle, wo er ſich bis 1838 dem Studium d. Theologie widmete. Nachdem er hier - auf ſeinen alten Vater im Amte un - terſtützt hatte, auch einige Zeit Haus - lehrer geweſen war, wurde er 1841 Diakonus und Hoſpitalprediger in Delitzſch, wo er ſechs Jahre tätig war. Später wurde er faſt gleichzeitig in Halle und Nordhauſen zum Prediger gewählt; da er ſich jedoch bei den reformatoriſchen Beſtrebungen der „ proteſtantiſchen Freunde “ſehr ſtark beteiligt hatte und wegen der Agende mit dem Konſiſtorium in Streit ge - raten war, wurde ihm beide Male die Beſtätigung verſagt. Er legte deshalb ſein Amt in Delitzſch nieder und gründete am 5. Januar 1847 zu Nordhauſen eine freie Gemeinde, deren Sprecher er 35 Jahre war. Faſt ebenſo lange gehörte er der Stadtverordneten-Verſammlung in Nordhauſen an und war viele Jahre Vorſitzender derſelben; auch war er an der Gründung der „ Nordhäuſer Zeitung “beteiligt. Jm Jahre 1848 wurde er Mitglied d. Vorparlaments in Frankfurt und Mitglied der Ber - liner Nationalverſammlung, und alsBamſich 1859 die freireligiöſen u. deutſch - katholiſchen Gemeinden zu einem „ Bunde freireligiöſer Gemeinden “vereinigten, ward er zum Vorſitzenden des Bundesvorſtandes erwählt. Ende 1881 legte er aus Geſundheitsrück - ſichten ſein Amt als Prediger nieder und zog zu ſeinem Schwiegerſohne nach Durlach in Baden, wo er am 24. Juni 1887 ſtarb. Er war auch 1867 der Stifter des Vegetariervereins u. leitete von 1868 – 85 die „ Deutſche Vegetarier-Zeitung “.
Aus dem Evangelium (Wahrheit u. Dichtung), 1855. – Aus der Edda (Ge. ), 1858. – Aus meinem Leben (Ge. ), 1886. – Lie - der und Geſänge der freiproteſtanti - ſchen Gemeinde zu Nordhauſen; hrsg. 4 Hefte 1847 – 50. – Liederbuch für freireligiöſe Gemeinden; hrsg. 1863. – Palmenblätter (Ge. a. ſeinen Schrif - ten zuſammengeſtellt v. M. E. Schrö - der), 1904. – Erinnerungen (Bilder a. meinem Leben), 1907.
älterer Bru - der des vorigen, * 1801, war lange Jahre proteſtantiſcher Prediger in Zwochau (Provinz Sachſen), ſchloß ſich der Bewegung der „ proteſtanti - ſchen Freunde “an, wurde 1849 in eine politiſche Unterſuchung verwickelt und verließ deshalb Deutſchland. Er hielt ſich abwechſelnd in der Schweiz, in Jtalien und Belgien auf, kehrte nach Erlaß der Amneſtie nach Deutſch - land zurück und lebte in Dresden. Dort † er am 22. Jan. 1885.
Aus den Bergen (Lr.), Zürich o. J. – Trutz - nachtigall (Lr. a. b. Heimat), 1881. – Geharniſchte Sonette gegen Papſt u. Papſttum, 1881.
geb. Wer - ner, wurde am 5. Febr. 1858 in Bad Ems geboren und lebt, ſeit 1878 mit dem Bauunternehmer und ſpäteren Dampfziegeleibeſitzer Karl B. verhei - ratet, in Weilburg a. d. Lahn.
Harte Köpfe (Eine Geſch. a. d. Naſ - ſauiſchen), 1904. – Heimatbilder, 1907.
geb. am*113Bam20. Dezbr. 1860 in Berlin, abſolvierte das Dorotheenſtädtiſche Realgymna - ſium daſelbſt und beſuchte dann die dortige landwirtſchaftliche Hochſchule. Nachdem er darauf einige Jahre in der Landwirtſchaft praktiſch tätig ge - weſen, konnte er die in ihm wohnende Wanderluſt nicht länger zurückdäm - men, und ſo zog er denn als echter „ Globetrotter “in die weite Welt, bald als Schiffsarbeiter, bald als Händler und Zeitungsreporter ſich ſeinen Unterhalt verdienend. Heim - gekehrt, verheiratete er ſich mit der einzigen Tochter eines Bankiers, doch war die Ehe ſo unglücklich, daß ſie nach fünf Jahren wieder getrennt wurde. Seitdem iſt B. als Schrift - ſteller tätig, beſonders auf dem Ge - biet der Satire.
Sellerie, über die moderne Moral, 1902. 15. A. 1903. – Moderne Feigenblätter, 1. – 4. A. 1903. – Fidele Muſenſprünge, 1904. – Seine Tollität, 1904. – Berlin, wie es weint und lacht, 1907. – Jch — der Bohème! 1907.
pſeud. Bameſius, geb. am 16. Aug. 1806 zu Balingen (Württemberg) als der Sohn eines Bürgers und Schuhmachers, widmete ſich dem Berufe eines Lehrers, wirkte als ſolcher ſeit 1829 in Pfullingen u. ſeit 1846 in Reutlingen, wo er 1875 ſtarb.
Chronika von Reutlingen in Freud und Leid, im Feſttags - und im Werktagskleid von 1803 bis 1874; 1875. – Gedichte in ſchwäbiſcher Mundart v. Bames, Weitzmann u. a., 1898. – Volksgedichte aus Schwaben von Bameſius (pſeud. ), 1857.
wurde am 10. Juli 1828 zu Könnern in der Provinz Sachſen geboren, erhielt ſeine Vor - bildung a. dem Pädagogium in Halle und lebte dann als Schriftſteller in Leipzig, Berlin, Gotha, wo er ſich der Protektion des Herzogs Ernſt er - freute, u. zuletzt in ſeiner Vaterſtadt, wo er nach langem Leiden am 19. Aug. 1871 ſtarb.
Charlotte Cor -Banday (Dr. G.), 1852. – Maria Stuart (Dr.), 1860. – Gedichte, 1861. – Die Adoptivtochter (Schſp. ), 1862.
ent - ſtammt einer franzöſiſchen Familie und wurde am 8. September 1878 in Magdeburg als die Tochter eines Offiziers geboren. Sie lebt in Ber - lin.
Prismen (Ge. ), 1905. – Junge Mädchen über Liebe und andere No - vellen, 1908. – Kein Weib und andere Novellen, 1908. – Kokette Füßchen und andere Novellen, 1908.
wurde am 17. März 1824 zu Magdeburg ge - boren. Seine Eltern waren wohl - habende Leute und ließen ihm eine ſorgfältige Erziehung geben. Nach - dem er die Schulen ſeiner Vaterſtadt durchgemacht, bezog er 1842 die Uni - verſität, um ſich dem Studium der Philoſophie, Geſchichte, Kunſt - und Literaturgeſchichte zu widmen, und unternahm nach Beendigung desſel - ben eine anderthalbjährige Studien - reiſe nach Jtalien, der ſich ſpäter wiederholt andere anſchloſſen. Nach ſeiner Rückkehr nahm B. ſeinen Wohn - ſitz in Dresden, wo er als Kritiker über Literatur, Kunſt und Theater journaliſtiſch tätig war. Von 1859 an lebte er fünf Jahre in Süddeutſch - land, beſonders in München, von wo aus er größere Studienreiſen nach Oberitalien und ſiebenmal in die ge - ſamten Alpengebiete unternahm; ſeit 1865 hat er ſeinen Wohnſitz wieder in Dresden, wo er 1871 die Redak - tion des Feuilletons vom „ Dresdener Journal “übernahm. Jm Jahre 1885 wurde er zum Profeſſor der Kunſt - und Literaturgeſchichte er - nannt, u. 1886 übernahm er die Chef - redaktion d. „ Dresdener Journals “, die er bis zum 1. Oktbr. 1894 führte, um dann lediglich ſeinen literariſchen Neigungen zu leben. Seit 1889 ziert ihn der Titel eines Hofrats.
Ge - dichte, 1858. – Worte für Welt und Haus (Epigrammat. -philoſoph. Dn.),* 8114Ban1863. – Alpenbilder (Schildergn. aus Natur und Leben der Alpenwelt); II, 1863. 2. A. 1868. – Kritiſche Wan - derungen in drei Kunſtgebieten; II, 1865 – 66. (Jnhalt: Aus der deutſchen Bühnenwelt. – Dramatiſche Studien. – Vom Literaturgeiſt unſerer Tage. ) – Literariſches Bilderbuch (Populäre Darſtellung für alle Kreiſe); III, 1866.
geb. am 6. Oktbr. 1864 in Wien, abſolvierte das Gym - naſium daſelbſt und trat 1882 als Sekretär in A. Hartlebens Verlag in Wien ein, worin er bis 1888 verblieb und ſich literariſch zu betätigen be - gann. Jn dieſer Zeit ſchrieb er die „ Enzyklopädie des buchhändleriſchen Wiſſens “(1887) und den „ Semme - ring-Führer “(1888). Jm Jahre 1889 gab er, von nun ab freier Schrift - ſteller, „ Unſere Kunſt in Wort und Bild “, 1890 das „ Wiener Künſtler - Dekamerone “heraus und redigierte eine Zeitlang das illuſtrierte Fami - lienblatt „ Die Reſidenz “. Seit Grün - dung von V. Chiavaccis illuſtrierten „ Wiener Bildern “war er leitender Redakteur derſelben, 1900 und 1901 Mitarbeiter am „ Wiener Tagblatt “, ſeit 1902 an der „ Wiener Sonn - und Montagszeitung “und dem Witzblatt „ Wiener Karikaturen “und ſeit 1908 iſt er Herausgeber und Redakteur der Wochenſchrift „ Der Fremdenverkehr “.
Angiolina (R.), Wien o. J. – Roſl (O.), 1888. – Der letzte Bombardier (Lſp. ), 1889. – Aus dem Penſionat (Lſp. ), 1889. – Die Hochzeitreiſe (O.), 1890. – Die Sphinx (O.), 1903. – Die Eisjungfrau (O.), 1903. – Draga (R.), 1905.
geb. am 1. März 1861 in Rödgen bei Eilenburg (Pro - vinz Sachſen), Sohn eines Lehrers, der ſpäter nach Leipzig zog, beſuchte hier das Gymnaſium u. die Univer - ſität und wurde dann Schriftſteller. Seit 1884 lebt er als Schriftſteller und Redakteur in Berlin.
Ein ſüßes Geheimnis (Lſp. ), 1896. – UndBanſie erfährt es doch und andere Humo - resken, 1899. – Der kritiſche Tag (Eine luſtige Geſch. ), 1903. – Jhr erſter Er - folg und andere Geſchichten, 1904. – Jhr Paradies (Eine luſtige Flitter - wochen-Geſch. ), 1907.
* am 6. Mai 1801 zu Untervatz im Kanton Graubünden, machte ſeine erſten Studien unter Troxler in Luzern und widmete ſich hernach in Heidelberg der Rechtswiſſenſchaft. Danach war er eine Zeitlang Advokat in Chur, trat hierauf, nach Neigung u. Talent offenbar fürs Schulfach beſtimmt, als Hilfslehrer in das nach Peſtalozzis Syſtem eingerichtete Jnſtitut des Dr. Niederer in Yverdon ein, deſſen Nichte er heiratete. Nach Niederers Tode errichtete er ein eigenes Jnſtitut in Schoren bei Langenthal, das er ſpä - ter nach dem Kloſter Wettingen im Aargau verlegte. Älter geworden, kaufte er das Gütchen Sonnenberg bei Zürich, wo er kurz aufeinander ſeine Frau, zwei geiſtreiche Töchter und zwei Söhne verlor. Vereinſamt lebte er noch einige Zeit in Glarus, dann in Grindelwald, wo er im Jahre 1871 ſtarb.
Fabeln (Zürich o. J.). – Das Walten Gottes, in Parabeln nachgewieſen, 1840. – Trennung und Wiederſehen (Schſp. Ebd.). – Mimo - ſen (En. Schaffhauſen o. J.). – Schön - heiten und Schreckniſſe der ſchweize - riſchen Alpenwelt (mit Jakob Vogel), 1868.
* am 14. April 1855 zu Tribſees in Pomm., be - ſuchte die dortige Bürgerſchule, dann das Seminar zu Franzburg, wurde 1875 Lehrer in Richtenberg, und 1877 in ſeiner Vaterſtadt Tribſees u. 1908 Zeichenlehrer in Greifswald. Sein Talent zum Schriftſteller wurde be - ſonders durch das Studium deutſcher u. engliſcher Meiſterwerke, ſowie durch viele Reiſen gefördert, die er für Be - rufsgenoſſen arrangierte.
Stra - tenfegels (Humor. Geſchn. ), V, 1896*115Banbis 1902. – Ferdinand Schult (Plattd. E.), 1897. – Naturdokter Stremel (’ne Fürſten - un Börgergeſchicht ut Pommern), 1899. – Köſter Hemp (Loſe Geſch. von en lütten Mann), 1900. – Friſch Salat (Plattd. Geſch. ), 1900. – Ernſt Spillbom (Eine heitere Ge - ſchichte), 1903. – Ut de Hiringslak (’ne plattd. Schöttel ut Vörpommern), 1904. – Jn’n Poſthuſ’ (Plattd. R. in mecklenb. -vorpommer. Mdt.), 1906. – Luſtig Tügs (Humoresk.); III, 1904 bis 1908.
geb. am 23. April 1858 in Paderborn, lebt (1895) als Redakteur der „ Märkiſchen Volkszeitung “in Berlin.
Theo - dora v. Alexandrien (Chriſtl. Schſp. ), 1900.
wurde am 24. Juli 1821 in Oberembrach geboren und in ärmlichen, aber relativ glück - lichen Verhältniſſen erzogen. Von ſeinem 15. Jahre an genoß er zwei Jahre lang den erſten bildenden Un - terricht in der 1836 neueröffneten Sekundarſchule Embrach u. trat, be - geiſtert von der Jdee, Lehrer zu wer - den, 1838 in das von Dr. Thomas Scherr geleitete Lehrerſeminar zu Küßnacht, mußte aber ſchon nach 15 Monaten eine Schulſtelle verſehen. Seit dem Mai 1842 wirkte er mit gutem Erfolge als Lehrer in Horgen, beteiligte ſich in den Jahren 1853 – 73 als Mitarbeiter u. Redakteur an der Herausgabe der „ Feſtbüchlein für untere u. obere Primarſchulen “. Am 16. Juli 1880 verunglückte er beim Verlaſſen des Bahnzuges in Bonſtet - ten.
Blumenleben (Kinderlieder im Dialekt u. in der Schriftſprache), 1868. – Lyriſche Stimmen a. d. Volke (Ge. ), 1868.
geb. am 30. April 1824 in Mosbach (Baden) als Sohn eines Drehermeiſters, beſuchte dort die Volksſchule u. nach genügen - der Vorbereitung das Lehrerſeminar in Karlsruhe, das damals unter derBaeLeitung des ausgezeichneten Päda - gogen, Direktors Stern, ſtand. Jm Mai 1843 trat er ſein Lehramt als Schulverwalter in Guttenbach im Odenwald an, kam im Oktober 1844 als Unterlehrer nach Jttlingen, im November 1848 in gleicher Eigenſchaft nach Eppingen, wo er zugleich an der Lateinſchule zu unterrichten hatte, wurde 1850 Hauptlehrer in Kieſel - bronn bei Pforzheim und im April 1867 Hauptlehrer in Mannheim, wo er 1894 ſein 50 jähr. Dienſtjubiläum feiern konnte. Jm Jahre 1897 zwang ihn ein Lungenleiden, ſich beurlauben zu laſſen, und am 16. April 1898 iſt er geſtorben. Als Mitglied der natio - nalliberalen Partei war er in deren Sinne eine längere Reihe von Jah - ren in der Redaktionskommiſſion der „ Badiſchen Schulzeitung “tätig.
Die Präſentation (Dramat. Scherz), 1865. – Gedichte (Mannheim o. J.). – Ein einjährig Freiwilliger (Lſp. ), 1878. – Ein Volksſchullehrer (Schſp. ), 1879.
geb. am 3. März 1867 in Bruchſal (Baden), ab - ſolvierte daſelbſt das Gymnaſium, ſtudierte in München Literatur und Kunſt u. trat 1887 auf Wunſch ſeines Vaters in ein Agenturgeſchäft in Mannheim ein. Nebenher war er fortgeſetzt als Schriftſteller u. Jour - naliſt für Zeitungen tätig, bis er gänzlich in die Redaktion des „ Gene - ral-Anzeiger “eintrat. 1896 ging er nach Amerika, wo er nach gleicher Richtung hin wirkte, zuletzt als Chef - redakteur d. „ San Francisco-Abend - poſt “. Seit 1898 lebt er mit Aus - nahme einiger Jahre, die er in Scranton, Pa., verbrachte, in Phila - delphia.
Die Grafen von Man - derſcheid (Ein Sang von der Eifel), 1895. – Leidenſchaften (Schſp. ), 1896. – Meine Lieder (Ge. ), 2. A. 1898. – Wilde Roſen (Ge. ), 2. A. 1899. – Zeitkinder (Geſamm. Humor. ), 1902. – Herzens-Angelegenheiten (Amerik. * 8*116BaeHumor. ), 1903. – Nette Geſchichten (desgl. ), 1903. 2. A. 1904. – Das Feſt der roten Roſe (Nn. u. Humor. ), 1903. – Das Filigran-Herz (R., überſ. ), 1906. – „ Wär’ nicht die Liebe ... “ (Ge. ), 1. – 4. A. 1906. – Die Millionen - Erbin (R., überſ. ), 1906.
geb. 1875 in Homburg vor der Höhe, lebt (1897) daſelbſt.
Gute Kameraden (E.), 1896.
Marie Hermes Eliſabeth von, wurde 1866 auf dem Landgute Wallküll in Eſtland als Tochter des Gutsbeſitzers Hermann von B. geboren, den ſie in - des ſchon im dritten Lebensjahre durch den Tod verlor. Die Mutter ſiedelte darauf mit ihren Kindern nach Dresden über und verheiratete ſich wieder, und zwar mit ihrem Schwager, dem Kapitän zur See Au - guſt von B., älteſten Sohne des Na - turforſchers Karl Ernſt von B. Auf dem Landgute Jeſſen bei Pirna ge - noß Marie mit ihren beiden Geſchwi - ſtern gemeinſam den Unterricht durch Privatlehrer und beſuchte vom elften Jahre an das Jnſtitut des Frl. Anna Edlinger in Dresden. Sie beſchäf - tigte ſich ſpäter viel mit kunſtgewerb - lichen Arbeiten, mit Malerei u. Holz - brennerei, um ſich dann durch Sport und wirtſchaftliche Tätigkeit wieder zu erfriſchen. Frohſinn und Humor herrſchten in ihrem ferneren Leben vor u. kamen nicht nur in vielen Ge - legenheitsgedichten zu Familienfeſten, ſondern ſeit 1901 auch in ihren der Öffentlichkeit übergebenen Arbeiten zum Ausdruck. Die Dichterin hat ihren Wohnſitz in Blaſewitz bei Dres - den.
Jrdiſche Engelchen u. Ben - gelchen (Kinderbilder für Erwach - ſene), 1905. – Geſchichten aus dem Speſſart, 1905. – Regentropfen und Sonnenſtrahlen (Lr. u. Dn.), 1907.
Pſeud. für Eduard Daelen; ſ. d.!
geb. am 2. April 1847 zu Lüben inBarSchleſien, beſuchte das Gymnaſium in Liegnitz u. ſtudierte darauf an der Univerſität Breslau Medizin. Er war dann mehrere Jahre Aſſiſtent an der Klinik des Augenarztes Profeſſor Hermann Cohn daſelbſt, wurde 1874 Sekundärarzt an der Univerſitäts - klinik unter Prof. Förſter und 1878 Aſſiſtenzarzt an der chirurgiſchen Pri - vatklinik des Profeſſors Fiſcher. Seit 1888 lebt er als Spezialarzt für Au - genheilkunde u. Chirurgie in Hirſch - berg in Schleſien u. erhielt hier nach einigen Jahren den Titel eines Sa - nitätsrates. Als eifriges Mitglied des Rieſengebirgsvereins erwarb er ſich um die Touriſten beſondere Ver - dienſte durch ſeine Bemühungen um die Hebung der Verpflegungsſtatio - nen im Rieſengebirge.
Durch den R. G. V. (d. i. Rieſengebirgsverein) (Lſp. ), 1886. – Der Engel von Ruh - berg, 1889. – Jn Rübezahls Revier, 1889. – Bergblumen (Bilder u. Lr. a. d. Rieſengebirge), 1892.
pſeud. Claus Baer, geb. 31. Mai 1870 in Ober - dorf (Württemberg), lebt (1891) als cand. med. in München.
Roſen und Zypreſſen (Ge. ), 1890.
pſeudon. Dr. Märzroth, wurde am 21. März 1818 in Wien geboren, ſtudierte da - ſelbſt u. widmete ſich dann ausſchließ - lich der ſchriftſtelleriſchen Laufbahn. Seit 1837 arbeitete er an verſchiede - nen Zeitſchriften, die er vorzugsweiſe mit gelungenen Humoresken bediente, ſo an Bäuerles „ Theaterzeitung “, an Saphirs „ Humoriſt “, an Schuma - chers „ Gegenwart “, gab das humo - riſtiſche Album „ Brauſepulver “(II, 1846 – 47) heraus, rief die humoriſti - ſchen Zeitſchriften „ Der Komet “und „ Die komiſche Welt “ins Leben und gründete die Zeitſchrift „ Wiener Feuilleton “, die er unter Mitwirkung der bedeutendſten Schriftſteller meh - rere Jahre edierte. Jn den ſechziger Jahren ſchrieb er für „ Über Land*117Barund Meer “die ſogenannten „ Wiener Croquis “, welche ſich zu einer fort - laufenden Chronik des geiſtigen und literariſchen Lebens in Wien geſtal - teten. Früher in Baden bei Wien u. dann in Wien lebend, ſiedelte er nach dem Tode ſeiner über alles geliebten Tochter Pauline (1869) nach Salz - burg über, wo er am 14. Febr. 1888 ſtarb.
Bilder, Lieder u. Geſchich - ten (Ge. in öſterr. Mundart), 1854. – Liederbuch ohne Goldſchnitt, 1856. 2. A. 1882. – Satans Leier (Ge. ), 1860. – Spottvögel (Humor. ), 1864. – Geiſter u. Geſtalten aus dem alten Wien, 1868. – Der Marquis (Schſp. ), 1869. – Myſterien eines Jagdgewehrs (Lſp. ), 1869. – Zur Statiſtik der Frauen (Lſp. ), 1869. – Schattenriſſe (Sk. a. dem alten und neuen Wien), 1872. – Umriſſe (Aus dem Skizzen - buch eines Pädagogen), 1876. – Ein Märchen aus unſeren Tagen, 1878. – Bitt gar ſchö’ – Singa laß’n! (Ge. in Salzburger Mundart), 1878. 2. A. 1883. – Federzeichnungen a. d. Salz - burger Alpen, 1880. – Kleine Wahr - heiten, 1880. – Lachende Geſchichten; 4 Hefte, 1880 – 82. – Weltluſt (Hiſto - rietten, Schw. und Lr. eines heiteren Vaganten), 1883. – Alt-Wien (Bilder u. Geſchn. ), 1885. – Ernſt und Scherz (Kleine Geſchn. ), 1885. – Neu-Deca - meron (Allerlei Geſchn. ), 1887.
geborene Gott - lob, wurde am 15. Mai 1841 zu Neu - raußnitz in Mähren geboren. Als Kind unbemittelter, aber ſtrebſamer Eltern wurde ſie ſchon in früheſter Jugend zur Arbeit und zur Unter - ſtützung ihrer kränkelnden Mutter an - gehalten. Da ſie Fleiß u. Begabung zeigte, ſandten die Eltern ſie mit den Brüdern nach Brünn, um ihr eine beſſere Schulbildung zuteil werden zu laſſen. Sie beſuchte dort zunächſt die Schule im Urſulinerkloſter, dann eine höhere Töchterſchule, wo ſie ſelbſt die jüngeren Schülerinnen in der Handarbeit unterwies, um dafür anBardem übrigen Unterricht teilnehmen zu können. Unter harten Entbehrun - gen hielt ſie hier aus, bis ſie zur Hilfe im Haushalt in die Heimat zurückge - rufen ward. Jm Alter von 16 Jah - ren übernahm ſie eine Stelle als Er - zieherin auf einem mähriſchen Land - gute, wo ſie Gelegenheit hatte, ihre Bildung zu vertiefen, trat nach fünf Jahren zu Wien in eine ähnliche Stel - lung u. errichtete nach abermals fünf Jahren, nachdem ſie bei St. Anna in Wien die Lehrbefähigungsprüfung abgelegt hatte, in Rudolfsheim bei Wien eine Töchterſchule. Um dieſelbe Zeit verheiratete ſie ſich mit dem Dr. med. Sigmund Barach in Rudolfs - heim.
Gefeſſelt (Ge. ), 1881. – Aus Öſterreichs Herzen (Liederbuch, mit Karoline Murau), 1882. – Jugend - ſchriften.
geb. am 26. Febr. 1832 in Durlach (Baden) als der Sohn des Regierungsrates Michael B., beſuchte die Lyzeen in Raſtatt u. Karlsruhe und ſeit dem Spätherbſt 1849 die Kriegsſchule in Karlsruhe. Zum Offizier befördert, kam er in Garniſon nach Mannheim, wo er, ſelbſt mit lebendig ſprudelndem Hu - mor begabt u. mit einer feinen Beob - achtungsgabe ausgeſtattet, reichlich Gelegenheit fand, nicht nur den Pfäl - zer Dialekt, ſondern vor allem das originelle Pfälzer Volk kennen zu ler - nen. Damit war die Brücke zu den pfälziſchen Dialektdichtungen eines Nadler und Kobell geſchlagen, u. bald fühlte ſich B. ſelbſt zu eigener Pro - duktion in mundartlichen Gedichten angeregt. An dem Kriege gegen Preu - ßen (1866) nahm er als Offizier im badiſchen Jägerbataillon teil, nach deſſen Auflöſung er 1867 in das 3. badiſche Jnfanterieregiment verſetzt wurde. Den Feldzug in Frankreich 1870 – 71 machte B. als Hauptmann mit, wurde aber in demſelben inva - lide und infolgedeſſen mit dem Cha - rakter als Major penſioniert. Von*118Barnun an widmete er ſeine Muße noch eingehender der Dialektdichtung und veröffentlichte ſeit 1875 eine Reihe der humorvollſten Poeſien. Er lebte ſeit etwa 20 Jahren zu Stuttgart im glücklichſten Familienkreiſe und ſtarb daſelbſt am 1. Septbr. 1901. Seine Gattin Luiſe, geb. Hoff, iſt die beſte Vortragsmeiſterin ſeiner Dialektge - dichte.
Der Drumbeder vun Wall - ſtadt (Heitere Ge. in Pfälzer Mdt.), 1875. 2. A. 1880. – Baden-Baden (Ein Sagenkranz), 1884. – Rhein - ſchnoke (Schnurrige En. in Pfälzer Mdt.), 1883. 5. A. 1908. – Pälzer Duwak (desgl. ), 1885. 3. A. 1909. – Schnoke und Schbuhze (Heitere Ge. in Pfälzer Mdt.), 1892. – Der Brand im Hutzelwald (Schw. n. K. G. Nad - lers gleichnam. G.), 1894. – Spaß - vögel (Hochdeutſche Ge. ), 1896. – Novellen aus dem Hofleben, 1898. – Reineke Fuchs (f. d. Jugend bearb. ), 3. A. 1898. – Pälzer Schnorre (Mund - artl. Humoresken), 1907.
geb. am 3. Juli 1853 in Straßburg (Weſt - preußen), erhielt ſeine Bildung im Gymnaſium zu Marienwerder u. trat dann in die preußiſche Armee ein. Mit 21 Jahren Offizier, garniſonierte er in der Feſtung Graudenz mit der Ver - pflichtung, eine der Feſtungskaſemat - ten bewohnen zu müſſen. Die Erin - nerung an Fritz Reuter, der hier einen Teil ſeiner Feſtungshaft verbracht, regte den jungen Offizier zu den erſten ſchöngeiſtigen Arbeiten an, die er für Provinzialblätter ſchrieb. Kleine Ur - laubsreiſen führten ihn dann in den nächſten Jahren nach Brüſſel und Paris, nach Dänemark, Schweden, Holland und Norwegen. Vom Herbſt 1878 – 81 beſuchte B. die Kriegsakade - mie in Berlin, ging dann wieder nach Paris, wo er der Spionage verdäch - tigt u. von zwei Detektivs beobachtet ward. Zum Hauptmann befördert, wurde er nach Litauen verſetzt, wo er Gelegenheit fand, den Kampf der Li -Bartauer gegen das andrängende Deutſch - tum auf wirtſchaftlichem u. geiſtigem Gebiet zu beobachten. Mit ſeiner Er - nennung zum Major fand er endlich mehr Zeit und Muße, ſeine Beobach - tungen u. Erfahrungen als Schrift - ſteller zu verwerten. Er war 1905 Bataillonskommandeur in Thorn.
Moderne Ehen (R.), 1901. – Halb - naturen (R.), 1903. – El Kahira. Ein Orientbummel (E. a. Ägypten), 1904.
geb. von Le Monnier, wurde am 1. Juli 1858 in Mortzg bei Salzburg als jüngſte Tochter des damaligen Poli - zeidirektors von Salzburg, ſpäteren Polizeipräſidenten von Wien, Anton Ritter von Le Monnier, geboren, kam noch in demſelben Jahre mit den El - tern nach Brünn u. 1869 nach Wien, wo ſie unter der emſigen Sorge des Vaters, der 1873 ein Opfer ſeines aufreibenden Berufes ward, ihre Ausbildung erhielt. Jm Jahre 1880 vermählte ſie ſich mit dem Rechtsan - walt in Mannheim, Dr. jur. Caeſar Barazetti, der ſich 1884 in Heidel - berg als Privatdozent für römiſches Recht habilitierte, 1897 als außer - ordentl. Profeſſor an die Univerſi - tät in Genf und im Herbſt 1900 als ordentl. Profeſſor nach Freiburg in der Schweiz berufen ward, hier aber bereits im Juli 1907 ſtarb.
Jm Banne des Untersberges (Hiſt. E.), 1887. – Aſpara. Zwiſchen Lipp’ und Kelchesrand (Nn.), 1890. – Mammon (R.), 1886. – Gaudeamus igitur (Hei - delberger R.), 1900.
pſeud. E. v. Zil - ligſtein, geb. am 14. Jan. 1857 in Thiemendorf (Schleſien), lebt (1886) als Volksſchullehrer in Görlitz.
Aus der Heemte (Heiteres u. Ernſtes in Oberlauſitzer Mdt.), 1885. Neue Folge u. d. T.: Hausbacken Brut (Dn. in Lauſitzer Mdt.), 1901. 4. A. 1908.
gebor. Punitzer, wurde am 19. Juli 1842 in Berlin*119Bargeboren, verheiratete ſich 1873 nach Leipzig und gründete hier 1876 den Leipziger Hausfrauenverein, dem ſie als Präſidentin vorſtand, bis ſie nach Wien überſiedelte (1880). Hier war ſie für Gründung der Ferienkolonien tätig, gründete 1885 den Studenten - Unterſtützungsverein und 1886 den Verein der Wiener Schriftſtellerinnen und Künſtlerinnen und war mehrere Jahre Redaktrice des „ Wiener Ba - zar “. Sie lebt ſeit 1898 in Purkers - dorf bei Wien.
Gebrochene Her - zen (E.), 1887. – Genrebilder a. d. jüdiſchen Familienleben, 1895. – Jhr Schwiegerſohn (R.), 1896. – Glau - benskämpfe (3 En.), 1900.
pſeud. Rachel Bardi, geb. am 7. Oktober 1878 in Budapeſt, lebt daſelbſt.
Moſt (Ge. ), 1900.
pſeud. Erich Walther, wurde am 11. Septbr. 1879 (n. a. 1877) in Wien geboren, erhielt daſelbſt ſeine Bildung und be - endete an der dortigen Univerſität auch ſeine juriſtiſchen Studien. Nach - dem er dann 1899 ſeiner Militär - pflicht genügt hatte, trat er 1900 in den Staatsdienſt ein u. wurde 1903 Konzipient bei der k. k. Seebehörde in Trieſt, von wo er 1906 in gleicher Eigenſchaft in das k. k. Handelsmini - ſterium nach Wien berufen ward.
Der Liebe Leid (Ein Sang a. d. Mit - telalter), 1898. – Firnenzauber (Ein Sang a. d. Märchenlande), 1899.
pſeudon. U. Park, wurde 1859 in München - Gladbach (Rheinland) geboren, trat nach teilweiſer Abſolvierung d. Gym - naſiums, und nachdem er ſich eine Zeitlang praktiſcher Berufstätigkeit gewidmet, im Jahre 1879 in den Je - ſuitenorden ein, als deſſen Glied er humaniſtiſchen und philoſophiſchen Studien oblag. Jm Jahre 1887 trat er aus dem Orden wieder aus und ging nach Amerika, wo er im Seminar zu St. Francis (Wiskonſin) Theolo -Bargie ſtudierte. Von hier aus unter - nahm er 1888 eine Reiſe um die Erde, kehrte nach längerem Aufenthalt in Kalifornien, Samoa und Auſtralien nach St. Francis zurück und erhielt hier 1892 die Prieſterweihe. Jm Jahre 1895 verließ er Amerika und iſt ſeitdem als Seelſorger in der Erz - diözeſe Köln tätig, ſeit 1906 als Pfar - rer in Dreiborn in der Eifel.
Das Opferlamm (Sonette), 1890.
wurde am. 7 Septbr. 1865 zu Liepe bei Eldena (Mecklen - burg-Schwerin) als der Sohn eines (1905 †) Lehrers geboren, kam mit 14 Jahren auf die Ritterakademie in Brandenburg a. Havel, wo ein Bru - der ſeines Vaters lebte, der die Für - ſorge für ihn übernommen hatte. Er ſtudierte in Berlin u. Roſtock Theo - logie, war nach Erſtehung des erſten theolog. Examens 2½ Jahre Haus - lehrer auf einem mecklenburg. Ritter - gute, dann ein halbes Jahr Prädikant am Dom in Schwerin und kam von hier als Hilfsprediger nach Wismar, wo er im Mai 1895 Paſtor an der St. Nikolaikirche wurde. Er hat eine Reihe von Schriften für Vereine, für Pflege der konfirmierten Jugend ꝛc. verfaßt.
Gedichte, 1905.
Pſeud. für Rachel Bardach; ſ. d.!
geb. am 7. Novbr. 1825 zu Tetzleben in Pommern, beſuchte das Gymnaſium in Danzig bis zur Prima u. trat 1842 in die preußiſche Armee ein, der er, ſeit 1845 Offizier, bis z. Jahre 1851 angehörte. Dann ſchied er aus dem Verbande des preußiſchen Heeres und trat auf Veranlaſſung des Herzogs Bernhard von Sachſen-Weimar, des kommandierenden Generals der hol - ländiſchen Kolonialarmee, in die nie - derländiſche Armee in Oſtindien ein, in der er bis 1858 dem Generalſtabe angehörte und mehrere Feldzüge auf Sumatra u. Borneo mitmachte. Jm*120BarJahre 1860 mußte er infolge ſchwerer klimatiſcher Krankheiten nach Europa zurückkehren. Jn Stuttgart lernte er Hackländer (ſ. d.) und Edmund Höfer (ſ. d.) kennen, die ihm nach Einſicht einiger ſchriftſtelleriſchen Verſuche eif - rig zuredeten, ſeine vielfachen Erleb - niſſe in den Tropen literariſch zu ver - werten. So war denn B. ſeit 1875 als Schriftſteller, vorzugsweiſe als No - velliſt u. Feuilletoniſt, tätig u. hatte in d. letzten Jahrzehnten ſeinen Wohnſitz in München. Hier † er am 20. Febr. 1909. Außer einigen Reiſeſkizzen, wie „ Vom Kap nach Deutſch-Afrika “(1888), „ Durch alle Meere “(1889), „ Kriegsfahrten eines alten Solda - ten “(1892) ſchrieb er
Der Dia - mantenſchatz (E.), 1889. – Der Schatz des Kaziken (E.), 1890. – Treue Ka - meraden (E.), 1893. – Bis in die Wildnis (E.), 1895. – Der fliegende Holländer (E.), 1895. – Watawa, die Tochter des Crow-Häuptlings (E.), 1896. – Am Elefantenſee (E.), 1896. – Treue Freunde (E. a. Borneo), 1897. – Jm Lande der Buren (E.), 1897. – Die Meuterer in der Südſee (E.), 1898. – Die Goldſucher am Klondyke (E.), 1899. – Die Anſiedler am Cheyenne (E.), 1899. – Bei den Fli - buſtiern auf Cuba (E. a. d. ſpaniſch - amerik. Kriege), 1901. – Der Buren Freiheitskampf (E.), 1900. – Auf Samoa (E. f. d. reifere Jugd. ), 1901. – Ein rätſelhafter Mord und andere Novellen, 1904. – Der ſchwarze Dia - mant u. andere Novellen, 1906.
Pſeud. für Hans Richter; ſ. d.!
pſeudon. Hedera Helix, wurde am 15. März 1856 in Eppen - dorf bei Hamburg geboren. Der Vater, ein Großkaufmann, deſſen Hauptgeſchäft ſich in Jquique (Peru) befand, war durch ſeinen Beruf ge - zwungen, oft jahrelang von der Hei - mat abweſend zu ſein; 1861 im Herbſt folgte ihm die Mutter mit den dreiBarjüngſten Kindern dorthin u. Bernhard kam mit ſeinem älteren Bruder Peter in die Penſion des Dr. Friedrich Bü - low in Bergedorf bei Hamburg. 1865 kehrte die Mutter zurück und ſiedelte nach Dresden über. Hier beſuchte B. zunächſt das Krauſeſche Jnſtitut, ſpä - ter das Dreikönigs-Realgymnaſium, an dem er Oſtern 1874 das Abitu - rientenexamen ablegte, und widmete ſich nun dem höheren Forſtdienſte. Nach einer halbjährigen Elevenzeit in Hubertusburg bezog er die Forſtaka - demie in Tharandt (Sachſen), an der er drei Jahre ſtudierte, machte dann ein Praktikum von je einem Jahr in Beuendöbra bei Klingenthal im Vogt - lande, in Reichenbach bei Noſſen und bei der kgl. Forſteinrichtungsanſtalt in Dresden durch und beſtand im Mai 1880 das Staatsexamen. Nach einigen Jahren, die er im Reichslande verbrachte, wurde er königl. ſächſiſcher Forſtaſſeſſor in Schweizermühle bei Königſtein in Sachſen (1884), wo er 1885 nach zweijähriger Ehe ſein jun - ges Weib durch den Tod verlor. Sehnſucht nach dem ſchönen Wasgen - wald trieb ihn wieder ins Reichsland zurück. Am 1. Febr. 1890 wurde er kaiſerl. Oberförſter in Erſtein, 1894 in St. Amarin (mit dem Wohnſitz in Hüſſeren-Weſſerling) und 1898 in Buchsweiler, wo er Ende 1902 auch zum kaiſerlichen Forſtmeiſter ernannt ward. Als ſolcher lebt er ſeit 1908 in Colmar i. Elſ.
Epheuranken um Liebe, Wald u. Vaterland (Bis - marck) (Ge. ), 1902.
wurde am 21. Dezbr. 1835 zu Obershagen im Kreiſe Burgdorf (Hannover) als die älteſte Tochter des dortigen Pfarrers gebo - ren. Von der Vorſehung gleichſam zum Dienen beſtimmt, nicht nur im Kreiſe ihrer Familie, ſondern auch ihren hilfsbedürftigen Mitmenſchen gegenüber, entfaltete ſie ſchon als junges Mädchen eine mit Umſicht und Energie gepaarte Tätigkeit. Zunächſt*121Barwar ſie ihrem Vater eine getreue Dia - koniſſin, inſofern ſie ihm einerſeits den Betrieb der mit der Pfarre ver - bundenen Landwirtſchaft abnahm u. anderſeits in der Seelſorge ſeiner Wirkſamkeit die Bahn bereitete. Noch mehr erweitert wurde ihr Arbeits - feld, als der Typhus ihre Mutter da - hinraffte, und ſie würde ihren Vater auch nicht verlaſſen haben, wenn nicht nach dem Tode ihrer Schweſter Ma - thilde der Gatte derſelben, Paſtor Wiegand in Woltershauſen, ihrer Hilfe ſo dringend bedurft hätte. So ſiedelte ſie dorthin über u. ſtand ſei - nem Haushalt bis zu ſeinem Tode vor. Da kurz vorher auch ihr Vater geſtorben war, ſo beſchloß ſie, ſich der Krankenpflege zu widmen, u. zog nach dem Kurorte Lauterberg am Harz. Hier blieb ſie zwei Jahre, bis die Liebe zu ihren Geſchwiſtern ſie wieder bald hierhin, bald dorthin führte, wo eben ihrer Hilfe bedurft wurde. Jn Bielefeld glaubte ſie bei ihrer ver - witweten Schweſter Agnes Gelegen - heit gefunden zu haben, ihre Kraft den kirchlichen Jntereſſen dieſes Platzes u. dem Dienſt ſeiner Wohltätigkeits - anſtalten widmen zu können, aber ſchon nach Jahresfriſt verlangte ihr Neffe in Leipzig, dem ſeine junge Gattin durch den Tod entriſſen wor - den war, nach Tante Nataliens Hilfe, und ſeitdem lebt ſie in Sachſens Uni - verſitätsſtadt. Jhre ſchriftſtelleriſche Tätigkeit begann in Woltershauſen und hörte dort auch auf, da ſie über derſelben ihren Hauptberuf niemals vernachläſſigen mochte.
Hannö - verſche Dorfgeſchichten; III, 1876 – 78.
Pſeud. für Anne Kraus; ſ. d.!
* am 12. Sept. 1816 zu Siebenhufen bei Strehlen in Schleſien, beſuchte das Gymnaſium in Neiße, ſtudierte in Breslau Theo - logie, wurde 1848 zum Prieſter ge - weiht, war ſeit 1866 Pfarrer in Kam - nig bei Münſterberg in Schleſien,Barſpäter auch Erzprieſter daſelbſt und ſtarb am 24. Febr. 1891.
Wilde Roſen (Ge. ), 1844. – Aus dem Tage - buche eines Schulmeiſters, 1859. – Sankt Urſula u. ihre Gefährtinnen (Lr. und Vorträge), 1862. – Fromm und froh (Feſtſp. ), 1863. – Die Jung - frauen des Evangeliums (Melodr. ), 1864. – Herbſtblumen (Ge. ), 1864. – Blätter und Blumen (Ge. ), 1867. – Von Hindoſtan nach Preußen (Reiſe - bilder in V.), 1868. – Kirchenlieder, 1869. – Pius-Hymnen (Son.), 1870.
pſeud. Heinrich von Selbitz, geb. am 1. Juni 1845 in Selbitz in Oberfranken, lebte (1891) als Ober - leutnant a. D. in Würzburg, (1897) als Hauptmann z. D. daſelbſt, ſeit 1900 in Oberhaus, Paſſau, jetzt in Ansbach.
Unter dem Raupen - helm (Bayeriſche Soldatengeſchn. a. alter Zeit); II, 1892 – 98. – Anno da - zumal (Bayer. heit. Soldatengeſchn. ), 1894. 2. A. 1896. – Weiß-blau iſt bayeriſch! (Heit. Soldatengeſchn. ), 1906. – Jn Reih’ und Glied (Bayer., heit. Soldatengeſchn. a. vergangener Zeit), 1906.
pſeudon. E. von Münchershof, wurde am 15. Sept. 1844 in Münchershof bei Neuſtettin in Pommern als die Tochter des Gutsbeſitzers von Damitz geboren. Als der Vater die Verwaltung ſeines Gutes aufgab und die Stelle eines königl. Baumeiſters übernahm, war er gezwungen, häufig ſeinen Wohnort zu wechſeln, und ſo kam die Tochter nach Görlitz, Strehlen und Glatz und erhielt an dieſen Orten ihre Unter - weiſung u. Bildung. Seit ihrer Kon - firmation war ſie poetiſch vielfach tätig, und ihre lyriſchen Erzeugniſſe fanden in vielen Zeitſchriften Auf - nahme. Auch nach ihrer Verheira - tung mit dem damaligen Leutnant, ſpäteren Generalmajor Baron, fand ſie trotz der geſteigerten Anſprüche an den geſellſchaftlichen Verkehr doch*122Barnoch Muße, auf dem Gebiet der Dicht - kunſt rüſtig weiter zu ſchaffen.
Zweierlei Tuch (Heiteres u. Ernſtes a. d. Offiziersleben im Frieden), 1888.
geb. am 25. April 1847 in Suczawa in der Buko - wina, kam mit 12 Jahren in das Mechithariſtenkloſter zu Wien, wo er nach Abſolvierung des Gymnaſiums Philoſophie und Theologie ſtudierte. Er iſt Mitglied des Mechithariſten - ordens u. redigierte längere Zeit die „ Hantes amsorya “, eine Monats - revue für Wiſſenſchaft, Jnduſtrie und Belletriſtik in armeniſcher Sprache. Er lebt noch jetzt als Ordensprieſter in Wien.
Sinnſprüche u. Fabeln, 1892.
wurde am 18. Januar 1843 zu Paderborn geboren, wo ſein Vater Juſtizrat war, beſuchte die Elementarſchule und das Gym - naſium daſelbſt und ging 1861 auf die Univerſität Heidelberg, um die Rechte zu ſtudieren. Nachdem er in Berlin ſeine Studien beendigt, trat er 1864 als Auskultator in Pader - born ein und ſiedelte 1867 nach dem Tode ſeiner Eltern nach Naumburg über. Kurz vor Ausbruch des fran - zöſiſch-deutſchen Krieges abſolvierte er ſein Staatsexamen, trat dann als Gefreiter in das 2. Reſerve-Huſaren - regiment und machte unter General Werder den Feldzug mit. Als Offi - zier heimgekehrt, wurde er 1871 Frie - densrichter in Rappoltsweiler, 1872 in Colmar im Elſaß und kam 1876 als Landgerichtsaſſeſſor nach Düſſel - dorf, wo er 1880 zum Landrichter be - fördert ward. Jm Jahre 1886 wurde er zum Direktor des Landgerichts in Trier, 1898 zum Präſidenten des Landgerichts in Torgau ernannt und Ende 1903 in gleicher Eigenſchaft nach Bielefeld verſetzt, wo ihm 1906 der Titel eines Geh. Oberjuſtizrates verliehen wurde. Jm April 1908 trat er in den Ruheſtand.
Gedichte, 1869. – Novellen, 1886.
Barwurde am 16. März 1860 zu Nieder-Hermsdorf im Kreiſe Neiße (Schleſien) als der Sohn eines armen Tiſchlers geboren. Als ſchwächlicher, an Skrofeln leidender Knabe war ſein Beſuch der Dorfſchule nur lückenhaft, während er daheim ſchon fleißig an der Hobelbank arbei - ten mußte. Kein Wunder, daß hier - durch Rücken u. Beine verkrümmten. Die Not u. das Elend in der Familie wurden noch erhöht durch den Tod des Vaters, der 1875 ſtarb. Paul B. kam nun zu einem Tiſchler in die Lehre, u. als ſein Meiſter nach drei Jahren bankerott wurde und nach Amerika entfloh, ſchnürte auch B. ſein Bündel u. ging auf die Wanderſchaft. Ohne Mittel ſchlug er ſich fechtend durch Lothringen, Belgien, die Schweiz u. Öſterreich, bald hier, bald dort leichte Arbeit nehmend. Da kam ihm eines Tages ein Band von Schillers Ge - dichten in die Hände, und beim Leſen derſelben erfaßte ihn eine große Be - geiſterung: er fing an zu dichten und ſandte dann auch einige ſeiner Ge - dichte an die Redaktion der „ Bres - lauer Dichterſchule “in Breslau. Dieſe berief ihn dorthin, um für ihn in ir - gendeiner Weiſe ſorgen zu können. Aber noch durfte er nicht in den ſichern Hafen einlaufen. Von 1881 bis 1884 arbeitete er in Breslau in einer Fabrik und ſuchte nebenher ſeine mangelhafte Schulbildung durch eiſernen Fleiß zu ergänzen. Nach abermaliger kurzer Wanderſchaft be - riefen ihn ſeine Freunde aus der „ Breslauer Dichterſchule “als Hilfs - redakteur an eine Zeitung, und ſeit 1885 gehörte er der Redaktion der „ Breslauer Gerichtszeitung “an. Die Arbeit an derſelben hatte ihn aber ſo mitgenommen, daß er 1900 aus der Redaktion ausſchied u. ſich nach dem Dorfe Grüneiche bei Breslau zurück - zog, wo er, nach Überwindung ſchwe - rer Exiſtenzſorgen, in Ruhe ſeiner Dichtkunſt lebte, bis er 1905 wieder*123Barnach Breslau zurückkehrte.
Auf Straßen und Stegen (Lr.), 1885. – Fliegende Blätter (Neue Lr.), 1889. – Über der Scholle (Ge. ), 1904. – Von einem, der auszog. Ein Seelen - und Wanderjahr auf der Landſtraße (R.); II, 1905. 3. A. 1907.
als Schrift - ſtellerin bekannt unter ihrem Mäd - chennamen Hedwig Wigger, wurde am 27. Jan. 1853 zu Greves - mühlen in Mecklenburg geboren und widmete ſich dem Berufe einer Er - zieherin. Als ſolche war ſie in Liſſa - bon u. mehrere Jahre in Wien tätig. Vielfache Reiſen, beſonders auch durch Ungarn und Böhmen, vermittelten ihr die Kenntnis der Sitten und Ge - wohnheiten verſchiedener Nationali - täten. Seit dem Jahre 1886 lebt ſie als Gattin des Schriftſtellers Paul B. (ſ. o.!) in Breslau, ſeit 1900 in Grüneiche und ſeit 1905 wieder in Breslau.
Die Monarchen kom - men (Sk.), 1891. 4. A. 1893.
* am 15. Nov. 1862 zu Weſſelburen in Holſtein als der Sohn eines Schloſſermeiſters, be - ſuchte ſeit 1877 das Gymnaſium in Meldorf, das er als Zögling der Ober - prima 1882 verließ, da ihm die Mit - tel völlig ausgegangen waren, und begab ſich nach Hamburg, wo er ſei - nen Unterhalt durch Erteilen von Privatſtunden zu erwerben hoffte. Doch kehrte er ſchon im Herbſt 1883 nach Weſſelburen zurück, war hier als Schreiber tätig und hielt im Winter 1884 – 85 öffentliche Vorträge, mit deren Ertrag er Oſtern 1885 die Uni - verſität Leipzig bezog, wo er Ge - ſchichte, Philoſophie, Literatur - und Kunſtgeſchichte ſtudierte. Seit dem Septbr. 1887 ſetzte er ſeine Studien in Berlin fort, unternahm im Som - mer 1888 mit Unterſtützung heimat - licher Gönner eine Reiſe durch Süd - deutſchland u. Jtalien u. ging am 1. April 1889 zur Übernahme der Re - daktion der „ Didaskalia “nach Frank -Barfurt am Main. Schon im folgenden Jahre ſiedelte er nach Lahr in Baden über, wo er die Redaktion der M. Schauenburgſchen Volks - und Fami - lien-Kalender übernahm, kehrte aber 1892 in die Redaktion der „ Didas - kalia “nach Frankfurt zurück, der er bis zum April 1895 angehörte. Als unabhängiger Schriftſteller weilte er in der Folge erſt in ſeiner Heimat Holſtein und ließ ſich dann zu Pfing - ſten 1896 in Weimar nieder. Jnfolge von Überarbeitung ſuchte er zu Neu - jahr 1902 den Kurort Aroſa in Grau - bünden auf, verlebte den Sommer und Winter d. J. in dem heimiſchen Büſum, den Sommer von 1903 in Dresden, weilte dann zwei Jahre in Sulza (Thüringen) u. kehrte danach im Herbſt 1905 nach Weimar zurück. Jn dieſem Jahre ernannte ihn der Großherzog zum Profeſſor.
Aus - gewählte Dichtungen, 1886. – Dith - marſcher Erzählungen, 1886. – Ge - dichte, 1889. – Johann Chriſtian Günther (Tr.), 1889. – Dichterleben, 1890 (Jnhalt: Die Dramen: Lope de Vega. – Jean Lafontaine. – André Chenier. – Johann Chriſtian Gün - ther). – Die Päpſtin Johanna (Tr.), 1891. – Aus tiefſter Seele (Lyr. An - thol. ), 1895. 3. A. 1902. – Der dumme Teufel, oder: Die Genieſuche (Kom. Ep.), 1896. 2. A. 1899. – Die deutſche Dichtung der Gegenwart. Die Alten und die Jungen (Studie), 1897. 7. A. 1907. – Gerhart Hauptmann (Lebens - bild), 1897. 2. A. 1906. – Die Dith - marſcher (Hiſtor. R.), 1897. 2. A. 1908. – Dietrich Sebrandt (R. aus der ſchleswigſchen Erhebung), 1898. – Klaus Groth (Lebensbild), 1899. – Chriſtian Friedr. Hebbel (Biogr.), 1899. – Der junge Luther (Luther in Erfurt; Dr.), 1900. – Die fröh - liche Wiederkunft (Feſtſp. zum 400 - jähr. Jubiläum der Stadtkirche in Weimar), 1900. – Der Bauer in der deutſchen Vergangenheit, 1900. – Ge - ſchichte der deutſchen Literatur; II,*124Bar1901. 4. A. 1905. – Wilhelm Raabe (Vortrag), 1901. – Jeremias Gott - helf (Biogr.), 1902. – Kritiker und Kritikaſter. Pro domo et pro arte, 1903. – Martin Luther (Dram. Tri - logie), 1903. – Lyriſche Dichtungen, 1904. – Adolf Stern (Liter. Studie), 1905. – Römiſche Tragödien (Die Päpſtin Johanna. – Catilina. – Der Sacco), 1905. – Handbuch zur Ge - ſchichte der deutſchen Literatur, 1906. 2. A. 1909. – Wilde Zeiten (Rolves Karſten) (E. aus der Dithmarſcher Geſchichte), 1906. – Heinrich Heine (Auch ein Denkmal), 1906. – Das Weimariſche Hoftheater als Natio - nalbühne für die deutſche Jugend, 2. Aufl. 1906. – Geſchlechtsleben und Dichtung (Vortrag), 1906. – Fritz Stavenhagen (Liter. Studie), 1907. – Heine-Genoſſen (Zur Charakteriſtik der deutſchen Poeſie u. der deutſchen Parteien), 1907. – Jeremias Gott - helfs Leben und Schaffen, 1908. – Chronik des Weimariſchen Hofthea - ters 1817 – 1907 (Feſtſchrift), 1908.
wurde am 18. Novbr. 1818 zu Lübeck geboren u. erhielt eine ſorgfältige Erziehung. Nach Überſiedelung ſeiner Eltern nach Hamburg erlernte er hier das Malerhandwerk, bereiſte dann als Gehilfe Deutſchland u. etablierte ſich 1844 in Hamburg als Meiſter. Später wandte er ſich dem Lehrfach zu, nahm aber ſeit 1853 eine ehrenvolle Stel - lung im Bureau eines Advokaten da - ſelbſt ein. Er † am 13. Juni 1889.
Der Grillenſcheucher (Ge. in hoch - und plattdeutſcher Sprache); X, (Bd. 9 und 10 auch u. d. T.: Pluckfinken 1882 – 87), 1866 – 87. – Plattdeutſche Gedichte zum Deklamieren (ſ. Ahrens!) – Aus meiner Plaudermappe (Plattd. u. hochd. Ge., ſowie proſaiſche Schrif - ten), 1890.
geb. am 11. Januar 1877 als jüngſter Sohn eines Hofbeſitzers in Vorhop in der Lüne - burger Heide (Hannover) kam nachBargenoſſenem Schul - und Privatunter - richt 1891 auf das Gymnaſium in Celle, das er nach zwei Jahren eigen - willig verließ, um Schauſpieler zu werden. Nachdem er zwei Jahre lang als ſolcher in verſchiedenen Städten Deutſchlands privatiſiert hatte, kehrte er auf das Gymnaſium in Salzwedel (Altmark) zurück, wo er an dem Di - rektor Legerlotz (ſ. d.!) einen väter - lichen Freund gewann. Zu Oſtern 1900 erhielt er das Reifezeugnis und ging auf die Univerſität Leipzig, wo er nach gründlichem Genuß des ſtu - dentiſchen Verbindungslebens Philo - ſophie u. Literaturgeſchichte ſtudierte u. mit Leidenſchaft dichteriſchen Plä - nen nachging. Er lebt noch jetzt da - ſelbſt.
Die ſchiefmäulige Almuth (Hiſt. Lſp. ), 1903. 2. A. 1906. – Her - zog Widukind (Tr.), 1905.
geb. am 22. März. 1861 auf dem Rittergute Düſterwalde in Oſtpreußen als die Tochter des Rittergutsbeſitzers Her - mann Grohs, lebte dort bis zu ihrer Verheiratung mit dem Aquarellmaler Hans von Bartels in Hamburg (1882), mit dem ſie 1885 nach Mün - chen überſiedelte. Sie iſt ſeit ihrer Verheiratung für die verſchiedenſten Zeitſchriften ꝛc. als Schriftſtellerin tätig.
Aus dem Sonnenflimmern (Novelletten), 1897. 2. A. 1900. – Die Hölle (Schſp. ), 1900.
wurde am 4. Mai 1827 zu Wien als das jüngſte von elf Kindern des dortigen Stadthauptmanns geboren und begann nach der Geneſung von einem langen Nervenleiden ſich der ſchriftſtelleriſchen Tätigkeit zuzuwen - den. Sie lebt als Ehrenſtiftsdame des adeligen Damenſtifts Maria Schul in Brünn zu Troppau.
Seelenblicke (Ge. ), 1876.
wurde am 14. Juli 1813 zu Ebersdorf bei Chem - nitz in Sachſen als der Sohn des dor - tigen Pfarrers geboren u. von dieſem*125Barfür das Gymnaſium in Annaberg vorgebildet, das er von 1826 – 32 be - ſuchte, worauf er bis 1836 in Leipzig Theologie ſtudierte. Nachdem er dar - auf drei Jahre Hauslehrer zu Saara bei Altenburg geweſen, kehrte er als Hilfsprediger ſeines Vaters nach Ebersdorf zurück u. leitete hier gleich - zeitig eine Privatſchule. Jm Jahre 1843 ging er als Rektor der höheren Töchterſchule nach Freiberg in Sach - ſen, wo er 1871 zum Pfarrer an St. Johannis erwählt ward, welchem Amte er bis 1883 vorſtand. Seitdem lebte er daſelbſt im Ruheſtande und ſtarb Ende März 1894.
Lichten - tenwalde (Poet. Zeichnungen), 1841. – Gedichte, 1862.
wurde am 30. April 1866 in Luxemburg, der damaligen deutſchen Bundesfeſtung, geboren. Sein Vater (1897 als Garniſon-Oberverwal - tungsinſpektor in Minden verſtorben) ſtand bei der preußiſchen Beſatzung daſelbſt und war beſtrebt, den lern - begierigen und mit einem guten Ge - dächtnis begabten Knaben frühe in die verſchiedenſten Gebiete des Wiſ - ſens einzuführen und in ihm durch Vorbild und Belehrung die Luſt und Liebe zu geiſtiger Tätigkeit zu pflegen; auch ließ ihm der Vater vom 6. Jahre an einen gründlichen Unterricht im Violinſpiel erteilen. Seine Gymna - ſialbildung erhielt B. auf dem Ly - zeum in Metz, nach deſſen Abſolvie - rung er die Univerſität Leipzig bezog, um Theologie zu ſtudieren. Gleich - zeitig hörte er Kollegien über Muſik, arbeitete unter Prof. Niedners Di - rektion auf der dortigen Kunſtakade - mie u. trieb privatim bei Prof. Frei - herrn von der Gabelentz oſtaſiatiſche Sprachenkunde; im Klavier - und Or - gelſpiel wurde er Autodidakt. Nach anderthalb Jahren ging er nach Göt - tingen, wo er ſeine philoſophiſchen u. theologiſchen Studien fortſetzte und daneben Literatur - u. Kunſtgeſchichte,Barromaniſche Sprachen, Semitika und alte Philologie ſtudierte. Nach Er - ledigung der erſten theologiſchen Prü - fung nahm er eine Erzieherſtelle in Salzhemmendorf bei Elze in Hanno - ver an, wurde dann am 1. Mai 1890 in das königl. Domſtift nach Berlin berufen und empfing hier nach Be - ſtehen der zweiten Prüfung am 3. Okt. 1890 die Ordination. Bis zum Febr. 1891 vertrat er nun den Pfarrer D. Grundmann (ſ. d.) in Mörz bei Bel - zig und wurde dann zum Pfarrer in Ruhlsdorf mit Marienwerder bei Berlin berufen, wo er noch jetzt mit den Muſen den trauteſten Verkehr pflegt und ſich gern von den geiſtigen Anregungen der nahen Hauptſtadt beeinfluſſen läßt. Mit Vorliebe pflegt er das Studium faſt ſämtlicher euro - päiſchen und aſiatiſchen Sprachen, deren Kenntnis ihm dann auf ſeinen Reiſen trefflich zu ſtatten kam. Als Schriftſteller hat er auf theologi - ſchem, hiſtoriſchem, kirchenmuſikali - ſchem Gebiet eine große Fruchtbar - keit entfaltet. Seine Gattin Marie Charlotte B. (geb. am 4. Juli 1868 in Göttingen als die Tochter des Rek - tors Adolf Lindenkohl und ſeit dem 11. März 1891 mit Hermann B. ver - heiratet) hat ſich auch als Novelliſtin („ Vollkommenes Glück “[E., 1903]) bekannt gemacht.
Die Chriſtianer (Ein philoſoph. G.), 1899. – Käfer u. Schmetterlinge. Weisheit a. d. Lande des Khalifen (Türkiſche Sprichwör - ter, überſ. ), 1900. – Johann Sebaſtian Bach (Lebensbild), 1902. – Luiſe Henſel und Julie von Hausmann, zwei Dichterinnen geiſtlicher Lieder, 1902. – Geſchichte der geiſtlichen Muſik, 1903.
wurde am 2. Juni 1811 zu Eichſtedt in Mittelfranken ge - boren, wo ſein Vater die Stelle eines Regierungsſekretärs innehatte. Als die Regierung 1817 infolge der neuen Kreiseinteilung ihren Sitz in Augs - burg erhielt, ſiedelte B. s Vater dort -*126Barhin über, und hier erhielt der Sohn ſeinen Gymnaſialunterricht. Darauf bezog er die Univerſität München, wo er die Rechte ſtudierte, daneben aber fleißig bei Schelling Philoſophie hörte; auch blieben die Abendzirkel im Okenſchen Hauſe, zu denen B. durch Vermittelung ſeines inzwiſchen zum erſten Bürgermeiſter von Augs - burg erwählten Vaters Zutritt er - langte, nicht ohne günſtigen Einfluß auf ihn. Nach Abſolvierung der Uni - verſität (1830) wandte er ſich der praktiſchen Ausbildung als Juriſt, insbeſondere als Rechtsanwalt zu. Er wirkte als ſolcher zuerſt (ſeit 1839) in Schwabmünchen, ſeit 1843 in Lands - berg u. ſeit 1848 in Augsburg. 1863 gehörte er als Mitglied dem baye - riſchen Abgeordnetenhauſe und 1868 dem norddeutſchen Zollparlamente an. Er † in Augsburg am 2. Janr. 1886.
Myſtiſche Gedichte, 1847, 1868. – Geſammelte Schriften; III, 1850 – 51 [Jnhalt: Erzählungen f. d. Jugend. – Der zweite Harfenſtein (Zeitgedicht)]. – Der Hochaltar der Liebe (Dn.), 1867.
geb. am 1. Auguſt 1858 zu Baruthe (Kreis Öls in Schle - ſien) als der Sohn eines Lehrers, be - ſuchte das Magdalenen-Gymnaſium in Breslau und ſtudierte hier und in Leipzig Philoſophie und Philologie. Nachdem er ſich 1881 die Würde eines Dr. phil. erworben und dann ſeiner Militärpflicht im 2. ſchleſiſchen Gre - nadier-Reg. Nr. 11 genügt hatte, ab - ſolvierte er ſein Probejahr am Fried - richs-Gymnaſium in Breslau, war dann 1883 – 86 Lehrer am Gymnaſium in Liegnitz, 1887 – 88 in Jena u. ging dann nach Leipzig, wo er ſich 1890 als Privatdozent für Philoſophie ha - bilitierte und 1897 zum außerord. Profeſſor ernannt wurde. Außer mehreren philoſophiſchen Werken ver - öffentlichte er
Tiberius Gracchus (Tr.), 1892. 2. A. 1893.
BarKarl, geb. am 21. Februar 1817 zu Braunſchweig als der Sohn des Ma - lers und Kupferſtechers Friedrich B., beſuchte das Gymnaſium u. das Kol - legium Karolinum daſelbſt und ſtu - dierte von 1836 – 39 in Göttingen Theologie, deutſche Sprache u. Lite - ratur, worin er beſonders durch Wil - helm Grimm, deſſen Kinder er unter - richtete, gefördert wurde. Nachdem er im Herbſt 1839 eine Lehrerſtelle am Benderſchen Jnſtitut zu Wein - heim an der Bergſtraße erhalten hatte und vom Jahre 1842 an Hauslehrer in Weferlingen bei Magdeburg ge - weſen war, kehrte er 1845 für immer nach Braunſchweig zurück. Er gab erwachſenen Töchtern aus angeſehe - nen Familien Privatunterricht über deutſche und engliſche Literaturge - ſchichte und hielt in den Jahren 1850 und 1851 vor einem ausgewählten Publikum öffentliche Vorleſungen über die deutſche Literatur der Neu - zeit und des Mittelalters, die, ſpäter gedruckt, noch heute in chriſtlichen Kreiſen gern geleſen werden. Seit dem Frühjahr 1851 an der Lungen - ſchwindſucht kränkelnd, † er am 22. März 1853, nachdem er bereits im Sommer 1852 zum Pfarrer in Harz - burg deſigniert war.
Die deut - ſche Nationalliteratur der Neuzeit, 1850, 10. A. (v. Max Vorberg hrsg.) 1897. – Erbauliches u. Beſchauliches a. d. Nachlaſſe, 1853. – Harfe u. Leyer (Jahrbuch lyr. Origin., mit L. Grote); II, 1854 – 55. – Das Leben u. Dichten Hartmanns v. Aue, 1854. – Die klaſ - ſiſche Periode der deutſchen Natio - nalliteratur im Mittelalter (Vor - leſungen, hrsg. v. J. G. Findel), 1857.
jünge - rer Bruder des vorigen, wurde am 21. Juli 1835 zu Braunſchweig ge - boren, beſuchte das dortige Gymna - ſium und widmete ſich dann zu Halle, Braunſchweig, Hannover u. Breslau dem Buchhandel. Am 1. Juli 1865 gründete er in Halle ein eigenes Ver -*127Barlagsgeſchäft, gab aber ſeit 1873 mehr und mehr ſeinen Beruf auf und be - tätigte ſich als Schriftſteller. Als ſolcher lebte er, vielfach kränkelnd, ſeit dem 1. April 1882 in Giebichenſtein, ſeit 1904 in Halle, und hier iſt er am 14. Mai 1906 geſtorben.
Scherz - hafte Verſe, 1871. – Scherz u. Humor (Ge. ), 1875. – Heiliger Ernſt (Ge. ), 1876. – Bibliothek humoriſtiſcher Dichtungen; hrsg. v. Guſtav Hal - ler (pſeudon.); XI, 1868 – 73. – Nico - laus Lenaus ſämtliche Werke, hersg., 1882. – Des Mädchens Wunderhorn; neubearb., 1883. – Sächſiſch-thürin - giſches Dichterbuch; hersg. (mit A. Brieger und Kurt von Rohrſcheidt), 1885. Neue Folge, 1887. – Neuer poetiſcher Hausſchatz (Hochdeutſche Ge. vom Beginn der Romantik bis auf unſere Tage), 1896. – Gedichte und poetiſche Überſetzungen (Nach ſ. Tode hrsg. von ſ. Töchtern Emma u. Hedwig B.), 1906.
gebor. Fleiſchhacker, pſeudon. Hanna Aſchenbach, wurde am 5. März 1874 in Leipzig geboren und wuchs in einem geiſtig belebten Elternhauſe auf, das durch ſeinen häufigen Domi - zilwechſel (Leipzig, Frankfurt a. M., Offenburg in Baden, Genf, Zürich, Stuttgart, Dresden), ſowie durch große Reiſen den fünf Kindern außer - ordentl. Bildungsmöglichkeiten bot. Den beſtimmendſten Einfluß auf die geiſtige Entwickelung unſerer Schrift - ſtellerin hatte aber ſchließlich der geiſtvolle Pädagoge, Dr. Hans Win - ter, Direktor der höheren Töchter - ſchule in München. Jm Jahre 1902 verheiratete ſie ſich nach Gerſtungen in Thüringen, wo ſie ſeitdem lebt u. ſich auch als rege Schriftſtellerin be - tätigt.
Elfe (R.), 1899. – Fräu - lein Chef (R.), 1904. – Hilde Rheineck (R.), 1908. – Mädchenloſe (R.), 1907.
geb. am 5. Juni 1864 auf dem Landſitze ſeiner Eltern, Plittersdorf am Rhein, be -Barſuchte die höheren Schulen in Godes - berg, Bonn und Köln, ſtudierte ſeit 1884 in Bonn, ſeit 1885 in Gießen Naturwiſſenſchaften u. Mathematik, beſuchte ſeit dem Herbſt 1886 auf Wunſch ſeiner Eltern die landwirt - ſchaftliche Akademie Hohenheim und nebenher naturwiſſenſchaftliche Vor - leſungen am Polytechnikum in Stutt - gart und war dann mehrere Monate auf der Domäne Nieprußewo bei Poſen als Landwirt praktiſch tätig. Doch ſagte ihm dieſer Beruf wenig zu und ſo nahm er denn im Sommer 1887 ſeine Studien an der Univerſi - tät Jena wieder auf. Nach Ableiſtung ſeiner Militärpflicht widmete er ſich ſchriftſtelleriſcher Tätigkeit und ließ ſich, nachdem er je ein Jahr in Bop - pard, Eiſenach, Wiesbaden u. Hom - burg v. d. H. gelebt hatte, 1892 dauernd in Bonn nieder. Von der Ende 1894 abgehaltenen Ausſtellung für Kunſt, Wiſſenſchaft, Handel und Gewerbe in Neapel erhielt er für ein mathematiſches Werk die goldene Me - daille. Nachdem er ſich 1901 die Würde eines Dr. phil. erworben, ging er 1902 als Profeſſor nach Luxemburg, organiſierte im japa - niſch-ruſſiſchen Kriege (1905) ein frei - williges Sanitätskorps und wurde zum lebenslängl. Mitgliede der ja - pan. „ Geſellſchaft vom Roten Kreuz “ernannt. Nach Deutſchland zurück - gekehrt, nahm er 1907 ſeinen Wohnſitz in Aſchaffenburg. Er iſt Ehrenmit - glied der königlich italien. Akademie und anderer gelehrten Geſellſchaften.
Gedichte, 1892. – Aphorismen, 1893. – Geſchichtliche Epiſode aus dem Leben einer Univerſitätsſtadt, 1894. – Nie ſtirbt Studentenweiſe (Heitere Kneipzeitungsged. ), 1896.
geb. am 24. Juni 1856 in Jakobshagen (Kreis Saatzig, Pommern), ſtudierte in Tü - bingen, Heidelberg und Berlin die Rechte und hat den größten Teil ſei - ner Amtszeit in der Provinz Poſen*128Barverbracht. Er iſt jetzt Amtsgerichts - rat in Krotoſchin. Durch ſeine Um - gebung frühzeitig auf den Wert und das Weſen der Kunſt, beſonders der Poeſie, auf die Jdeen des Vaterlan - des, der Freiheit, der Kultur hinge - wieſen, empfand er den Trieb zur Darſtellung ſchon in früher Zeit; durch Lebensſchickſale zur Vertiefung der Perſönlichkeit gedrängt, beſchäf - tigte er ſich in ſteter Arbeit damit, die großen Muſter der Kunſt u. die herr - ſchenden Perſönlichkeiten der Menſch - heit gründlich kennen zu lernen und ſich zu bilden. Wiederholte Reiſen ermöglichten es ihm, das deutſche Va - terland in den verſchiedenſten Gebie - ten kennen zu lernen. Außer mehreren in Zeitſchriften zerſtreuten Romanen ſchrieb er:
Erinnerungen eines alten Offiziers, 1886. – Der große König (Heldengedicht), 1891. 2. A. 1894. – Schatten der Vergangenheit (Tr.), 1901.
* am 25. Febr. 1832 zu Sprottau, kam 1837 mit ſeinem Vater, einem früheren Offizier und nunmehrigen Steuer - beamten, nach Gleiwitz, erhielt ſeine wiſſenſchaftliche Vorbildung ſeit 1842 erſt auf dem Gymnaſium zu Gleiwitz, ſeit 1846 auf dem Eliſabethaneum in Breslau und beſuchte ſeit 1849 die dortige Univerſität, anfänglich der klaſſiſchen Philologie ſich widmend, bald aber, unter Weinholds Leitung, zum ausſchließlichen Studium der germaniſchen und romaniſchen Spra - chen übergehend. Letzteres ſetzte er von 1851 – 52 in Berlin unter Maß - mann, Aufrecht, v. d. Hagen und W. Grimm eifrig fort u. begab ſich, nach - dem er im März 1853 in Halle pro - moviert hatte, im Sommer desſelben Jahres nach Paris, London, Oxford, um die provençaliſchen Handſchriften der dortigen Bibliotheken zu ſtudie - ren. Vom Herbſt 1855 bis Ende 1857 verweilte er in Nürnberg als Kuſtos der Bibliothek des germaniſchen Mu -Barſeums, u. Oſtern 1858 erhielt er einen Ruf als Profeſſor der deutſchen und romaniſchen Philologie an die Uni - verſität zu Roſtock, wo er 1858 das erſte germaniſche Seminar in Deutſch - land begründete und bis 1871 wirk - ſam war. Seitdem lebte er in gleicher Eigenſchaft zu Heidelberg, ſeit 1873 auch als Direktor des neugegründe - ten germaniſtiſch-romaniſchen Semi - nars. Der Großherzog von Baden ernannte ihn nach ſeiner Überſiede - lung zum Hofrat, ſpäter zum Geh. Hofrat und 1886 zum Geheimen Rat. B., einer der tüchtigſten u. rührigſten Germaniſten der Gegenwart, gab ſeit 1869 die von Franz Pfeifer gegrün - dete Zeitſchrift für deutſche Alter - tumskunde „ Germania “heraus. Er † am 19. Febr. 1888.
Wanderung und Heimkehr (Ge. ), 1874. – Robert Burns Lieder und Balladen, überſ., 1865. – Sagen, Märchen und Ge - bräuche aus Mecklenburg; II, 1879 bis 1880. – Textausgaben altdeut - ſcher u. mittelhochdeutſcher Gedichte; z. B. Strickers Karl der Große (Qued - linburg 1857). – Dichtungen des Berthold von Holle (Nürnberg 1858). – Die Erlöſung nebſt anderen geiſt - lichen Poeſien (Quedlinburg 1858). – Mittelhochdeutſche Gedichte (Stutt - gart 1860). – Meleranz von dem Pleier (Ebd. 1861). – Meiſterlieder der Kolmarer Handſchrift (Ebd. 1862). – Die deutſchen Liederdichter des 12. u. 13. Jahrhunderts (Leipzig 1864). – Kudrun, aus dem Mittelhochdeut - ſchen (Ebd. 1865, 2. A. 1868). – Das Nibelungenlied (Ebend. 1866, 3. A. 1874). – Der Nibelungen Not (Ebd. 1870). – Sancta Agnes, geiſtliches Schauſpiel (Berlin 1869). – Altfran - zöſiſche Romanzen und Paſtourellen (Leipzig 1870). – Wolframs Parzival und Titurel (III, Ebd. 1870). – Kon - rads von Würzburg Partonopier und Meliur, 1871. – Reinfried von Braun - ſchweig, 1871. – Das Rolandslied, 1874. – Demantin von Berthold von*129BarHolle, 1875. – Alte franzöſiſche Lie - der, überſ., 1882. – Literaturgeſchicht - liche Schriften; z. B. Über Karlmeinet (Nürnberg 1861). – Albrecht von Halberſtadt und Ovid im Mittelalter (Quedlinburg 1861). – Unterſuchun - gen über das Nibelungenlied (Wien 1865). – Beiträge zur Geſchichte und Kritik der Kudrun (Ebd. 1865). – Der ſaturniſche Vers und die altdeutſche Langzeile (Leipzig 1867). – Die deut - ſche Treue in Sage und Poeſie (Ebd. 1867). – Die lateiniſchen Sequenzen des Mittelalters (Roſtock 1868). – Herzog Ernſt II. von Schwaben in Sage und Dichtung (Wien 1870). – Außerdem veröffentlichte B.: Denk - mäler der provençaliſchen Literatur (Stuttgart 1856). – Provençaliſches Leſebuch (Elberf. 1855, 2. A. 1868). – Grundriß zur Geſchichte der pro - vençaliſchen Literatur (Ebd. 1872). – Peire Vidals Lieder; herausg., 1857. – Das Nibelungenlied; überſ., 1867. – Romantiker u. germaniſtiſche Stu - dien in Heidelberg 1804 – 08, 1882.
geb. am 26. Okt. 1848 zu Glatz in Schleſien als der Sohn eines Gerichtsaktuars, ver - lebte ſeine Kindheit und Jugend in Reinerz, Wünſchelburg und Ohlau, an welche Plätze ſein Vater nach und nach verſetzt worden war, empfing ſeine Bildung auf der höheren Bür - gerſchule in Ohlau und widmete ſich dann auf Wunſch ſeines Vaters dem Juſtizſubalterndienſte. Seit einer Reihe von Jahren iſt er Amtsgerichts - ſekretär in Greiffenberg (Schleſien).
Aus Bergen und Wäldern (Ge. ), 1892.
geb. am 11. Febr. 1873 in Graz (Steiermark), iſt Soldat von Beruf und lebt (1908) als Oberleutnant im Kriegsarchiv in Wien. Als Romanſchriftſteller hat er ſich ſehr bald einen geachteten Namen erworben und wurde bereits 1909 durch eine Ehrengabe vom Kurato - rium der Bauernfeld-Stiftung aus -Baegezeichnet. Außer der anonym erſchie - nenen Schrift „ Als Öſterreich zer - fiel — 1848 “(1905) veröffentlichte er
Zwölf aus der Steiermark (R.), 1. – 12. T. 1908. – Die Haindlkinder (R.), 1908. – Vom ſterbenden Rokoko, 1909.
wurde am 28. Septbr. 1880 in Rützenhagen (Kreis Schivelbein, Hinterpommern) als der Sohn eines Landmanns geboren. Der Vater ſtarb bereits 1888 und ließ die Mutter mit ſechs unerwachſenen Kin - dern zurück, von denen Richard für den Lehrerberuf beſtimmt ward. Er beſuchte die Schule und Präparan - denanſtalt in Plathe und 1897 – 1900 das Lehrerſeminar in Pyritz. Seine erſte Anſtellung erhielt er in Saagen bei Labes, wo er drei Jahre blieb; dann genügte er in Stettin ſeiner Militärpflicht und wur[d]e im Oktober 1904 zum Lehrer in Kolzow auf der Jnſel Wollin ernannt.
Gedichte, 1901.
geb. am 4. Juni 1827 in Leip - zig, ſtudierte Medizin, Dr. med., lebt als Arzt in ſeiner Vaterſtadt.
Jn der Klinik (Lſp. ), 1878. – Der Schutzgeiſt (Lſp. ), 1882. – Nach der Schrift (Lſp. ), 1884. – Plänkeleien (Streifzüge durch eine werdende Großſtadt), 1888. – Lieder ohne Re - touche für Sopran und Alt, 1890. Neue Folge, 1895. – Elſa (Lſp. ), 1890. – Das Feſtſpiel (Lſp. ), 1903.
geb. am 13. Januar 1876 in Braunſchweig, er - hielt dort ſeine Vorbildung und ſtu - dierte dann 1894 – 99 in Göttingen, Berlin und Heidelberg germaniſche und klaſſiſche Philologie. Jm Jahre 1899 promovierte er zum Dr. phil. und legte in Göttingen ſein Staats - examen ab. Seitdem lebte er als Privatgelehrter in Göttingen, Mar - burg und jetzt in Charlottenburg, wo er ſeit 1902 als Hilfsarbeiter der kgl. Kommiſſion zur Herausgabe der* 9130BaſWerke Luthers tätig iſt. 1905 habi - litierte er ſich als Dozent an der Ber - liner Univerſität.
Hannchen und Maria (G.), 1900. – Zweins. Fan - tasia quasi una Sonata, 1906.
Urenkel des großen Philanthropen, wurde am 15. März 1825 in Deſſau geboren, beſuchte die Gymnaſien zu Deſſau und Zerbſt und widmete ſich dann dem Soldatenſtande. Als Offizier ſtand er in verſchiedenen Garniſonen, und nachdem er den Feldzug gegen Frank - reich als Bataillonskommandeur in einem pommerſchen Regimente mit - gemacht, zog er ſich 1871 nach ſeiner Vaterſtadt ins Privatleben zurück u. ſtarb daſelbſt 1894.
Der Rauten - kranz (Feſtſp. ), 1854. – Weidmanns - fahrten (ein Geſchichtlein in V.), 1865. – Das Friedensfeſt (Lſp. ), 1875. – Liebe iſt blind (Schw. ), 1875. – Wenn man Freunde hat (Lſp. ), 1875.
ein Nach - komme d. berühmten Philanthropen, geboren am 30. Juli 1864 zu Deſſau, ſchlug die wiſſenſchaftliche Laufbahn ein und widmete ſich neben dem Stu - dium der Philoſophie und Naturwiſ - ſenſchaften beſonders der Literatur - u. Kunſtgeſchichte, pflegte auch dabei die Muſik, wofür er großes Talent beſitzt. Nach größeren Reiſen leitete er mehrere Jahre die Direktion eines Theaters, weilte dann einige Zeit in Weimar, wo er zu Franz Liſzt in nähere Beziehungen trat, u. beſuchte darauf die größeren Städte Deutſch - lands, um deren Theater und Kunſt - anſtalten kennen zu lernen. Jn Mün - chen redigierte er kurze Zeit die 1887 begründete „ Freiſinnige Zeitung “u. die von ihm begründete Literatur - und Kunſtzeitung „ Der Fortſchritt “. Dann unternahm er eine faſt zwei Jahre währende größere Reiſe, gab darauf 1889 in Leipzig „ Die Bühne “heraus u. wechſelte in der Folge häu - fig ſeinen Wohnſitz zwiſchen Berlin, Leipzig und Weimar.
DoloresBaſ(Dr.), 1887. – Vors Gericht (Dr.), 1888. – Johannes (Dr.), 1889. – Ge - rechte Menſchen (Dr.), 1890. – Ein Teſtament (E.), 1892. – Charaktere u. Temperamente (Dramat. Studien), 1893. – Ein Modell (Künſtler-N. ), 1893. – Shakeſpeare-Studien, 1893.
pſeud. Baſilius Reichart, geb. am 18. Auguſt 1851 in Thereſienſtadt, lebt als Gymna - ſialprofeſſor in Eger.
Das Ma - ria-Kulmer Muttergottesbild oder: Die Räuber auf Maria-Kulm (Schſp. ), 1892. – St. Joſef (Dramat. Zeit - gemälde), 1892.
geb. am 6. Novbr. 1809 in Neuhof (Mecklenburg), iſt der Sohn des Rittmeiſters a. D. u. Ritterguts - beſitzers Berthold Johann von Baſſe - witz, Erbherrn auf Neuhof und Be - ſitzers von ſieben anderen Gütern, der bereits am 8. Juli 1819 plötzlich ver - ſtarb, ohne die von ihm beantragte Legitimität ſeines Sohnes erreicht zu haben. So kam es, daß Jntrigen mancherlei Art den letzteren um Na - men, Vermögen und Ehre brachten, denn die Güter des Vaters gingen an deſſen Seitenverwandte über. Jm Jahre 1821 kam der Sohn nach Büt - zow in Penſion, wo er Privatunter - richt erhielt, beſuchte dann von Oſtern 1827 bis Michaelis 1831 das Gym - naſium in Güſtrow u. ſtudierte dar - auf in Roſtock und Berlin Theologie. Nach Beſtehung des Tentamens in Wismar (1835) leitete er in Bützow eine Privatſchule, ward 1837 Haus - lehrer und Privatlehrer in Lübz, im Herbſt 1842 Hauslehrer in Kritzow, 1849 Konrektor in Waren, 1851 Rektor daſelbſt und 1853 Paſtor in Brütz. Jn allen dieſen Stellungen widmete B. ſeine freie Zeit mit Vor - liebe der Hebung der Landwirtſchaft. Er war ſchon in Lübz Direktor des landwirtſchaftlich. Vereins u. machte hier den Tierſchutz zu einer Haupt - aufgabe des Vereins. Nach deſſen*131BäßVorbilde mehrte ſich die Gründung ſolcher Vereine von Jahr zu Jahr u. viele ernannten B. zum Ehrenmit - gliede. Jm Oktober 1888 trat er in den Ruheſtand u. ſiedelte nach Gold - berg i. M. über, wo er ſeine Muße teils dem Vereinsweſen, teils wiſſen - ſchaftlichen Studien widmete. Er ſtarb als der älteſte deutſche Couleur - ſtudent am Tage des Eintritts in ſein 99. Lebensjahr, am 6. Novbr. 1907.
Gedichte. Goldberg 1858. – Ge - dichte (2. Bd.), Höxter 1868. Neue Ausg. Goldberg o. J. (1898).
pſeudon. Ferdinand Bereslas, wurde am 26. Januar 1816 zu Zeitz als der Sohn eines Webereibeſitzers geboren, beſuchte das dortige Gym - naſium, wo er ſich die Zuneigung des bekannten Lehrers Rob. Hiecke er - warb, u. bereits als Sekundaner ſein komiſches Heldengedicht „ Der Aem - ſen-Jmmenkrieg “dichtete. Seit 1836 ſtudierte er in Berlin, anfangs ſor - genfrei, dann unter harten Entbeh - rungen, Theologie und Philoſophie. Nachdem er 1840 die erſte Prüfung beſtanden, wirkte er als Lehrer an einem Töchterinſtitute in Merſeburg, wurde 1845 Diakonus zu Freiburg a. d. Unſtrut, 1852 Oberprediger zu Neuſtadt-Magdeburg, 1857 Pfarrer zu Meſeberg bei Wolmirſtedt, 1865 Profeſſor, geiſtlicher Jnſpektor und Konviktsvorſteher am Gymnaſium U. L. F. zu Magdeburg, u. 1866 geiſt - licher Jnſpektor, Superintendent und Profeſſor an d. Landesſchule Pforta, wo er bis 1878 tätig war. Er ſtarb daſelbſt am 3. Febr. 1879 an Gehirn - lähmung.
Der Ameiſen - und Jmmenkrieg (Kom. Heldenged. ), 1841. – Erzählende Gedichte, 1849. – Drei Legenden, 1849. – Legenden u. Bal - laden, 1851. – Willfried (G.), 1859. – Gedichte, 1881. – Die ſchönſten Hel - dengeſchichten d. Mittelalters; ihren Sängern nacherzählt; 5 Hefte, 1843 bis 1845. 7. A. 1905. – Heldenge -Batſchichten des Mittelalters; 5 Hefte, 1849 – 56. 3. A. 1897. – Helleniſcher Heldenſaal; II, 1849 – 51. 3. A. 1880. – Evangeliſche Liederfreude (Auswahl geiſtl. Lieder), 1853. – Auswahl alt - chriſtlicher Lieder, v. 2. – 15. Jahrh., Urtext mit Überſetzung 1858. – Alt - chriſtliche Legenden und Sagen, 1864.
geb. am 27. Mai 1868 zu Straßburg i. Elſaß, be - ſuchte, um ſich zum Lehrer auszubil - den, das dortige Lehrerſeminar, trat dann aber in den ſtädtiſchen Verwal - tungsdienſt über, arbeitete zuerſt auf dem Bürgermeiſteramt, ſpäter bei der Straßburger Ortskrankenkaſſe und nimmt ſeit Jahren an derſelben die Stelle eines Bureauvorſtandes ein. Seit 1889 iſt er auf dem Gebiete der dramatiſchen Dialektliteratur tätig und auch ſeit Gründung des Elſäſſi - ſchen Theaters in Straßburg Mit - glied der Theaterkommiſſion.
D’r Vetter Bläſel (Schw. in Straßburger Mdt.), 1897. 2. A. 1903. – D’r ney Jean (desgl. ), 1898. – D’r Millione - gartner (Volksſchſp. in Elſäſſ. Mdt.). 1900. – D’r Dorfſchmidt (Volksſt. ), 1901. – D’r Hans im Schnokeloch (Volksſt. m. Geſ. u. Tanz), 1903. – Jungg’ſelle (Schw. in Straßburger - ditſch), 1903. – ’s chineſiſch Los (desgl. ), 2. A. 1903. – Bresle un Brocke (Ge. in Straßburger Mdt.), 1905. – E Serenädl (Lſp. in Straß - burg. Babbelart), 1905. – D’r ſchwarz Kaffee (Farce), 1907. – Jm Wald (Volksſt. [Aufführung d. Zenſur ver - boten]), und: ’s Dunneraxl (Dr.), 1907. – D’r Kindbetter (Schw. in Straßbgr. Mdt., mit Ernſt Clauſen), 1908. – Vorm Friddesrichter (Ge - richtsſitzung us alter Ziet), 1908. – E komiſchi Erbſchaft (Lſp. ), 1908. – ’s Deifele (Kom. ), 1909.
geb. Zimmer - mann, wurde am 8. Febr. 1879 zu Forſt in der Niederlauſitz geboren. Jhre Eltern lebten in ſehr guten Ver - hältniſſen, verloren aber ihr Vermö -* 9*132Batzgen und ſiedelten 1883 nach Berlin über. Hier beſuchte Ada die Marga - retenſchule, eine höhere Töchterſchule. Als ſie 15 Jahre alt war, verlor ſie ihren Vater durch den Tod und lebte ſie ſeitdem der Pflege ihrer Mutter und ihren Studien. Jm Oktbr. 1897 verheiratete ſie ſich mit dem Muſik - ſchriftſteller u. Leiter des Seminars für Muſik, Max Battke, und lebt ſie ſeitdem mit kurzen Unterbrechungen in Berlin, wo ſie jetzt (1907) die „ Jugend-Warte “leitet, eine Sonn - tagsbeilage zur „ Deutſchen Warte “.
Kleine Mädchen (Loſe Geſchn. ), 1901. – Heimliche Bräute (Loſe Geſchn. ), 1902. – Heißer Atem (Nn.), 1905.
geboren am 8. Juli 1838 zu Leipzig als der Sohn eines Kaufmanns, beſuchte die dor - tige Handelsſchule, hörte ſpäter an der Univerſität daſelbſt Vorleſungen über Philoſophie und Geſchichte und trat alsdann in das Geſchäft ſeines Vaters ein. Als Vertreter desſelben brachte er mehrere Jahre in Paris zu. Nach Leipzig zurückgekehrt, wurde er durch den Verkehr mit den dor - tigen Schriftſtellern und Künſtlern ſowohl zu eigenen literariſchen Ar - beiten als auch zur Übernahme und Vertretung der Rechte der Autoren angeregt, einem Berufe, dem er mit voller Energie nun ſein ganzes ferne - res Leben widmete, und in welchem er ſich unbeſtrittene Verdienſte erwarb. Später verlegte er ſeinen Wohnſitz nach Wiesbaden und ſchließlich nach Mainz. Er † am 14. Sept. 1894 auf dem Landgute ſeiner Frau, Nacken - heim.
Gedichte, 1862. – Occhin[g](Dr. G.), 1865. – Moritz von Oranien (Hiſt. Dr.), 1870. – Die Biographie einer Künſtlerin (Dr. Szene), 1870. – Katharina II. von Rußland (Hiſt. Dr.). – Die Briefe (Lſp.). – Die Un - vermeidlichen (Lſp.).
geb. am 12. April 1874 in Badewitz bei Leobſchütz (Schle -Bauſien), beſuchte das Lehrerſeminar in Ober-Glogau u. trat 1894 ins Lehr - amt. Nachdem er die Mittelſchulleh - rer - und Rektorprüfung beſtanden hatte, wurde er 1902 Rektor und wirkt als ſolcher (1908) in Oſtrog bei Ratibor.
Schleſiſche Märchen, 1907. – Das lateiniſche Zelt, oder: 1870 vor Metz (Schſp. ), 1908. – Die Rache. Weihnachten (2 En.), 1908.
geb. am 17. März 1856 zu Heidersdorf in Schle - ſien als der Sohn eines Stellenbe - ſitzers und Schuhmachers, beſuchte die Dorfſchule daſelbſt und bereitete ſich dann auf den Eintritt in das Lehrer - ſeminar zu Breslau vor, um ſich dem Lehrerberufe zu widmen. Er fand nach Abſolvierung desſelben Anſtel - lung in Baumgarten bei Franken - ſtein, ſpäter an der Taubſtummen - anſtalt in Breslau und wurde 1878 zum Lehrer an eine der Stadtſchulen daſelbſt berufen. Seit 1894 iſt er Rektor einer der Breslauer Volks - ſchulen.
Humoriſtiſche Erzählun - gen u. Gedichte in ſchleſiſcher Mund - art, 1. – 7. Bdchn., 1886 – 1906. [Jn - halt: I. Quietſchvergnügt (Schnoken), 1886. 4. A. 1904. – II. Huch de Schlä - ſing! (Schnoken), 1893. 2. A. 1900. – III. Tälſches Vulk (Schnoken), 1896. 2. A. 1904. – IV. „ Juchhe “und „ o weh “(Heiteres und Ernſtes), 1900. – V. Uff’m Durfe is ſchien! (desgl. ), 1902. – VI. Plomp uff de Stoadt (desgl. ), 1902. – VII. Schläſch ihs Trumpf (Schnoken), 1906.] – ’s Mo - nopol, oder: Kopp muß ma hoan (Lſp. ), 1886. – Rübezoahl un de bieſe Sieben, oder: Wie der Rübezoahl ’m Schneider Lichtebloo aus Pitterſch - wale zum Schützenfeſt uff Braſſel ver - hulfa hoat (Schw. ), 1900.
pſeud. Ludwig Julius, geb. am 29. März 1811 zu Breslau als der Sohn eines Kaufmanns, widmete ſich urſprüng - lich dem Studium der Medizin, ging dann aber, durch Ludwig Devrients*133BauSpiel begeiſtert, zur Bühne und er - hielt 1834 ſein erſtes Engagement am Stadttheater in Mainz, wo er mit Döring u. Deſſoir zuſammen ſpielte. Von Mainz führte ihn ſeine Künſtler - laufbahn nach Wiesbaden, Bamberg, Preßburg, Olmütz, Regensburg, Nürnberg zur Birch-Pfeiffer nach Zürich, zu Maurice nach Hamburg, an das Hoftheater in Hannover und endlich 1848 nach Wien, wo er neun Jahre lang am Theater an der Wien u. am Carl-Theater wirkte. Später war er in Brünn, Leipzig, Peters - burg, Hamburg, Berlin tätig u. be - ſchloß ſeine Künſtlerlaufbahn in Kla - genfurt, wo er 1874 – 76 das Theater leitete. Er zog ſich nun ins Privat - leben zurück und † am 11. Sept. 1879 in Marienbad.
Eine Jugend - ſünde (Lſp. ) u.: Georgi (P.), 1853. – Nummer Sicher (P.), 1858. – Eine Nacht in Salzbrunn (P.), 1859. – Der Stellvertreter (Lſp. ), 1869. – Eliſa - beth von England (Hiſt. Tr.), 1869.
wurde am 18. Septbr. 1878 in Jnowrazlaw (jetzt: Hohenſalza) in der Provinz Poſen geboren. Jhr Vater war der preu - ßiſche Offizier Karl Bauck, ihre Mut - ter die ſpätere Schriftſtellerin Anna Breniano-Bauck (ſ. d.!). Nach drei Jahren kam ſie mit den Eltern nach der pommerſchen Heimat derſelben und ein Jahr ſpäter nach Berlin, wo ſie in kurzer Zeit ihren Vater, der bei einem Manöver verunglückte, und ihren einzigen Bruder verlor. Jhre Erziehung bewegte ſich nicht in den gewöhnlichen Bahnen; öffentliche Schulen beſuchte ſie nur kurze Zeit und in großen Zwiſchenräumen. Da - gegen machte ſie mit der Mutter einige weite Reiſen u. lernte ſchon als Kind Frankreich, Belgien, die deutſche und franzöſiſche Schweiz kennen. Die Er - innerungen, welche ſie bei dieſem lebendigen Anſchauungs-Unterricht ſammelte, hat ſie ſpäter in ihren Ju - gend - und Volksſchriften vielfach ver -Bauwertet. Literariſch tätig iſt ſie ſeit dem 14. Jahre, war auch mehrere Jahre ungenannte Mitarbeiterin ihrer Mutter, die ſich nach Löſung ihrer zweiten Ehe (1892) aus Er - werbsrückſichten ganz der literariſchen Tätigkeit zuwandte. Nach deren ſchwerer Erkrankung (1898) arbeitete ſie für ſich allein. Außer einer Reihe chriſtlicher Erzählungen für die Ju - gend veröffentlichte ſie:
Der Engel der Geduld und anderes (4 En.: Der Engel der Geduld. – Das Lichtchen. – Das Kind im Schnee. – Der Hirten - knabe), 1903. – Die Vergangenheit (N., vereint mit der N. ihrer Mutter: Eine glänzende Partie), 1904. – Men - ſchenrecht (R.), 1906.
Bruder des folgenden, wurde am 25. Jan. 1820 auf Hoved - gaard in Jütland geboren, beſuchte die Domſchule in Schleswig, widmete ſich dann auf der Bergakademie zu Freiberg in Sachſen dem Bergbau u. trat 1841 in öſterreichiſche Staats - dienſte. Seit 1843 Oberamtsaſſeſſor in Gmunden, gab er 1848 ſeine amt - liche Stellung auf, ging nach Schles - wig und trat als Freiwilliger in das 1. ſchleswig-holſteiniſche Jägerkorps ein. Er wurde bald Offizier, 1850 Premierleutnant beim 3. Jägerkorps u. 1851 beim 3. Jnfanteriebataillon des holſteiniſchen Kontingents. Als er nach beendigtem Kriege Schleswig verlaſſen mußte, nach Öſterreich aber nicht zurückkehren mochte, entſchloß er ſich 1852 zur Auswanderung nach Nordamerika. Hier war er erſt Far - mer, dann Buchhändler u. Redakteur einer Zeitung; eine Zeitlang verwal - tete er auch ein Bergwerk. Beim Ausbruch des Krieges zwiſchen den Nord - und Südſtaaten Amerikas (1862) kehrte er nach Deutſchland zu - rück, nahm ſeinen Wohnſitz in Altona und widmete ſich der Schriftſtellerei. Nach dem zweiten deutſch-däniſchen Kriege von 1864 bekleidete er das*134BauAmt eines Landdroſten der Herrſchaft Pinneberg u. 1865 das eines Deich - inſpektors auf den Jnſeln an der ſchleswigſchen Weſtküſte, unternahm auch 1866 im Jntereſſe des Dünen - und Deichweſens eine Reiſe nach Hol - land, worauf er ſich in Schleswig niederließ. Bei Ausbruch des deutſch - franzöſiſchen Krieges (1870) folgte er dem deutſchen Heere als Berichterſtat - ter für mehrere Journale. Jm Früh - jahr 1871 erkrankte er in Metz. Er wollte in ſeine Heimat zurückkehren, gelangte aber nur bis Wiesbaden, wo er nach kurzem Krankenlager am 28. März 1871 ſtarb.
Chriſtian VIII. und ſein Hof (R.); VI, 1863. – Hüben und drüben (Loſe Blätter), 1862. – Peter Tütt. Zuſtände in Amerika, 1862. – Erzählungen und Skizzen; II, 1863. – Schleswig-hol - ſteiniſche Soldatengeſchichten, 1863. – Die Familie Burk (R.); III, 1863. – Philippine Welſer (Hiſtor. R.); III, 1864. – Schleswig-Holſtein,